Decision ID: 5c36bb0f-a65f-5c26-ba37-71d31a753aaf
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.- X erwarb den Führerausweis für Personenwagen auf Probe am 5. März 2008. Am
Sonntag, 6. Februar 2011, um 05.50 Uhr, lenkte er einen Personenwagen auf der A1
von Olten in Richtung St. Gallen. Auf der Höhe von Mülligen/AG wurde er von der
Kantonspolizei Aargau kontrolliert. Der Blastest ergab einen Atemalkoholgehalt von
0,66 Gew.-‰. Da der Drogenschnelltest positiv auf Kokain und Cannabis ausgefallen
war, wurde eine Blutprobe angeordnet. Deren Auswertung ergab Cannabis- und
Kokainkonzentrationen, die unterhalb der Nachweisgrenzen gemäss den Richtlinien
des Bundesamtes für Strassen (nachfolgend: ASTRA) lagen. Mit Einstellungsverfügung
der Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach vom 29. April 2011 wurde das Strafverfahren
gegen X wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand bezüglich Drogen eingestellt.
Dieselbe Behörde verurteilte X mit Strafbefehl vom 13. Mai 2011 wegen Führens eines
Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustand (privilegierter Tatbestand) und Konsums
von Betäubungsmitteln zu einer Busse von Fr. 800.--.
B.- Aufgrund dieses Vorfalls eröffnete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen, Abteilung Administrativmassnahmen (nachfolgend:
Strassenverkehrsamt), gegenüber X am 10. Mai 2011 ein Verfahren zur Abklärung der
Fahreignung und ordnete mit Zwischenverfügung vom 9. Juni 2011 eine
verkehrsmedizinische Untersuchung an. Am Sonntag, 7. August 2011, um 11.35 Uhr,
lenkte X in St. Gallen ein Motorfahrzeug mit einer Atemalkoholkonzentration von 0,79
Gew.-‰.
C.- Die vom Strassenverkehrsamt angeordnete spezialärztliche Untersuchung wurde
am 19. August 2011 an der verkehrsmedizinischen Abteilung des Instituts für
Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: IRM) durchgeführt. Das
Gutachten vom 21. September 2011 kam zum Schluss, bei X könne eine
Drogenabhängigkeit gemäss ICD-10 nicht ausgeschlossen und die Fahreignung wegen
eines verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs mit Suchtgefährdung nicht befürwortet
werden. Am 27. September 2011 entzog das Strassenverkehrsamt X in der Folge
vorsorglich den Führerausweis. Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen
vom 24. Oktober 2011 wurde X im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 7. August
2011 wegen Führens eines Motorfahrzeuges in angetrunkenem Zustand (privilegierter
Tatbestand) zu einer Busse von Fr. 840.-- verurteilt.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
D.- Mit Verfügung vom 12. Oktober 2011 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis wegen einer Drogenproblematik gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG
auf unbestimmte Zeit. Als Bedingungen für die Aufhebung des Entzugs wurden eine
kontrollierte und fachlich betreute Drogenabstinenz (Arzt und Beratungsstelle) von
mindestens sechs Monaten (gemäss Info-Blatt) und eine verkehrsmedizinische und -
psychologische Kontrolluntersuchung genannt. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen.
E.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 24.
Oktober 2011 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge seien die entzogene aufschiebende Wirkung des
Rekurses wiederherzustellen, die angefochtene Verfügung aufzuheben und gegenüber
dem Rekurrenten eine Verwarnung, eventualiter ein Führerausweisentzug von
höchstens einem Monat auszusprechen; subeventualiter sei die Streitsache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Auf die Ausführungen zur
Begründung der Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Am 24. November 2011 verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung.
Mit Verfügung vom 23. Dezember 2011 wies der zuständige Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
ab. Die Kosten der Verfügung wurden bei der Hauptsache belassen.
Im Rekursverfahren wurden zusätzliche Akten aus dem Strafverfahren beigezogen und
den Parteien zur Kenntnis gebracht. Ferner wurde den Parteien mitgeteilt, dass anstelle
der Anordnung eines Sicherungsentzugs auch eine Verwarnung des Rekurrenten
geprüft werde.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 24. Oktober 2011 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs wird vorgebracht, aus dem verkehrsmedizinischen Gutachten vom
21. September 2011 könne nicht auf eine mangelnde Fahreignung geschlossen
werden.
a) Der Rekurrent macht zur Hauptsache geltend, bei der körperlichen Untersuchung
seien explizit keine verkehrsmedizinisch relevanten Besonderheiten festgestellt worden.
Die immunologische Screeninguntersuchung der Urinprobe habe einzig für Cannabis
ein positives Resultat geliefert. Folglich könne davon ausgegangen werden, dass er nur
selten und in unregelmässigen Abständen Kokain konsumiere und mit Sicherheit kein
Fahrzeug unter Kokaineinfluss lenke. Gemäss Gutachten hätten nicht genügend
konkrete Anhaltspunkte für eine Drogenabhängigkeit vorgelegen. Der Entscheid der
Vorinstanz stütze sich zudem nicht auf ein Alkoholproblem. Die Vorinstanz unterstelle
ihm, dass er unpräzise Angaben zu seinem Konsum gemacht habe, was eine reine
Mutmassung darstelle. Im Rahmen der Begutachtung habe er sehr wohl von sich aus
detaillierte Angaben zu seinem gelegentlichen Drogenkonsum gemacht. Er habe
erklärt, dass er nach einer sechsjährigen Abstinenz wieder in unregelmässigen
Abständen Cannabis konsumiere, was im laufenden Jahr vier Mal geschehen sei; dies
aber lediglich zuhause, wenn er nicht fahren müsse. Auch hinsichtlich seines seltenen
Kokainkonsums habe er ausgiebig und wahrheitsgetreu Auskunft erteilt, nämlich, dass
er im Jahr 2011 lediglich einmal Kokain konsumiert habe. Ferner könne ihm die
Nichtablieferung einer Haarprobe nicht angelastet werden. Indem die Vorinstanz dies
trotzdem tue, verkenne sie sein uneingeschränktes Recht auf freie Wahl seiner Frisur.
Eine Vereitelung allfälliger Drogentests könne ihm deswegen nicht unterstellt werden.
Weiter treffe nicht zu, dass er die Zustimmung zur Entbindung von der hausärztlichen
Schweigepflicht verweigert habe. Er habe lediglich darauf hingewiesen, dass er in den
letzten zehn Jahren nur gerade einmal bei seinem Hausarzt wegen eines Bruchs in
Behandlung gewesen sei, weshalb der Hausarzt aus seiner Sicht nichts zur
vorliegenden Angelegenheit beitragen könne. Er sei weiterhin bereit, dass sein
Hausarzt über seine Krankenvorgeschichte Auskünfte erteile. Dies müsse im
Rekursverfahren nachgeholt werden. Indem die Vorinstanz sein Verhalten
fälschlicherweise als Ablehnung der Zustimmung zur Entbindung vom Arztgeheimnis
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gewertet habe, sei sie von falschen Annahmen ausgegangen. Der Sachverhalt sei somit
falsch festgestellt worden, weshalb das Gutachten nicht als schlüssig und
widerspruchsfrei bezeichnet werden könne. Nachdem nie ein verkehrsrelevanter
Drogenkonsum stattgefunden habe, könne von einem verkehrsrelevanten
Drogenmissbrauch nicht die Rede sein. Selbst die Vorinstanz gehe lediglich vom
Vorliegen eines Alkoholmissbrauchs aus, der als einfache Widerhandlung zu
qualifizieren sei. Mangels Abhängigkeit könne kein Sicherungsentzug ausgesprochen
werden. Eine potenzielle Suchtgefährdung ohne konkrete Gefährdung anderer
Personen reiche dafür nicht aus. Hinzu komme, dass aus medizinischer Sicht lediglich
eine befristete Drogenabstinenz sowie die Anordnung verkehrspsychologischer
Abklärungen befürwortet würden. Es werde gerade kein Sicherungsentzug angeregt.
Indem die Vorinstanz trotzdem einen solchen anordne, handle sie in Verkennung der
gutachterlichen Schlussfolgerungen rechtswidrig. Als Aussendienstmitarbeiter einer
Weinhandlung sei er ferner dringend auf den Führerausweis angewiesen. Er riskiere,
seinen Job zu verlieren. Die angefochtene Verfügung sei auch deshalb unangemessen.
Bei beiden verkehrsrelevanten Ereignissen habe er nachweislich kein Fahrzeug unter
Drogeneinfluss gelenkt, die Alkoholwerte hätten nur leicht über dem tolerierten
Grenzwert gelegen. Daraus könne jedoch selbstredend keine Drogensucht abgeleitet
werden. Anstelle des Sicherungsentzugs sei ihm gegenüber daher – wenn überhaupt –
lediglich eine Verwarnung, allerhöchstens ein einmonatiger Ausweisentzug
auszusprechen.
b) Führerausweise dürfen nicht erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht leidet (Art. 14 Abs. 2 lit. c des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). Sie sind zu entziehen, wenn
festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht
mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Ein solcher Sicherungsentzug dient gemäss Art.
30 Abs. 1 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum
Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) der Sicherung des Verkehrs vor
Fahrzeuglenkern, die aus medizinischen oder charakterlichen Gründen, wegen
Trunksucht oder anderen Süchten oder wegen einer anderen Unfähigkeit zum Führen
von Motorfahrzeugen nicht geeignet sind. Wegen fehlender Fahreignung wird einer
Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer Sucht
leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG), wie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit (Botschaft zur
Änderung des Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491).
Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene Person regelmässig
so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird und sie diese
Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu
überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt.
Drogensucht wird nach der Rechtsprechung bejaht, wenn die Abhängigkeit von der
Droge derart ist, dass der Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr
ausgesetzt ist, sich ans Steuer eines Fahrzeugs in einem – dauernden oder zeitweiligen
– Zustand zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Im Interesse der
Verkehrssicherheit setzt die Rechtsprechung den regelmässigen Konsum von Drogen
der Drogenabhängigkeit gleich, sofern dieser seiner Häufigkeit und Menge nach
geeignet ist, die Fahreignung zu beeinträchtigen. Auf fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist,
Haschischkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe
liegende Gefahr besteht, dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt (BGE 127 II E. 3.c mit Hinweisen).
Der auf unbestimmte Zeit entzogene Führerausweis kann bedingt und unter Auflagen
wiedererteilt werden, wenn eine allfällige gesetzliche oder verfügte Sperrfrist
abgelaufen ist und die betroffene Person die Behebung des Mangels nachweist, der
die Fahreignung ausgeschlossen hat (Art. 17 Abs. 3 SVG). Für den Nachweis der
Heilung wird in der Regel eine mindestens einjährige kontrollierte Abstinenz verlangt.
Der Sicherungsentzug greift damit tief in den Persönlichkeitsbereich des Betroffenen
ein. Nach der Rechtsprechung ist daher in jedem Fall und von Amtes wegen eine
genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse und insbesondere der
Trinkgewohnheiten bzw. der Konsumgewohnheiten anderer Drogen des Betroffenen
vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen,
namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet
sich nach den Umständen des Einzelfalles und liegt im pflichtgemässen Ermessen der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entzugsbehörde. Bei Drogensucht ist die Entzugsbehörde in aller Regel verpflichtet, ein
gerichtsmedizinisches Gutachten einzuholen (BGE 127 II 122 E. 3.b mit Hinweisen).
c) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 21. September 2011 stützt sich einerseits
auf die Vorgeschichte und den Untersuchungsgrund sowie die Angaben des
Rekurrenten insbesondere zu seinem Alkohol- und Drogenkonsum und zu den
Ereignissen vom 6. Februar und 7. August 2011, anderseits auf die Befunde der
körperlichen Untersuchung, den Selbstbeurteilungsfragebogen AUDIT und die
Ergebnisse der Analysen von Blut- und Urinproben. Die körperliche Untersuchung
verlief in verkehrsmedizinischer Hinsicht unauffällig, ebenso die Selbstbeurteilung nach
dem Fragebogen AUDIT. Die Laboruntersuchungen ergaben ausserhalb der Norm
liegende erhöhte Leberwerte des GOT von 41 U/l (<40 U/l) und des GPT von 73 U/l
(<55 U/l). Die immunologische Screeninguntersuchung der Urinprobe auf gängige
Drogen ergab ein positives Ergebnis auf Cannabis. Aufgrund der sehr kurzen Kopf- und
Körperbehaarung war eine Haarprobenentnahme nicht möglich.
In der Beurteilung wird ausgeführt, der Rekurrent habe von einem früheren (vor 2000)
häufigen Cannabiskonsum sowie einem nun eher seltenen geringen Konsum von
Cannabis sowie einem zwei- bis dreimaligen Kokainkonsum in den letzten drei Jahren
berichtet. Hinsichtlich des Alkohols habe er angegeben, dreimal wöchentlich Bier oder
Wein zu trinken, je nach Anlass und Situation, wobei der Konsum zwischen einem und
zehn kleinen Bier schwanken könne. Er trinke selten zu viel. Eine Problematik bezüglich
Drogen und Alkohol sei verneint worden. Mangels Entbindung von der Schweigepflicht
hätten keine Fremdauskünfte des Hausarztes eingeholt werden können. Der Anstieg
der Leberwerte GOT und GPT sei im Kontext mit Alkohol zu sehen, nachdem keine
anderweitige Erklärung vorliege. Das positive Ergebnis auf Cannabis spreche für einen
zeitnahen Konsum vor der Untersuchung und passe nicht zur Angabe des Rekurrenten,
wonach er letztmals vor zehn Tagen Cannabis genommen habe. Trotz des Ereignisses
im Februar 2011 habe der Rekurrent sein Alkoholkonsumverhalten weder überdacht
noch verändert, sodass es zu einem zweiten Vorfall im August 2011 gekommen sei.
Dabei habe er am späten Vormittag ein Fahrzeug mit minimal 0,79 Gew.-‰ Alkohol
gelenkt. Unter zusätzlicher Berücksichtigung des Zeitpunktes des Trinkendes am
frühen Morgen sei auf einen nicht unerheblichen Alkoholkonsum in der Nacht zu
schliessen. Daraus sei zu folgern, dass wenigstens ein episodenhafter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Alkoholüberkonsum vorliege, der inzwischen zweimal Verkehrsrelevanz erlangt habe.
Insgesamt sei somit zumindest von einer Alkoholgefährdung auszugehen. Bezüglich
Drogen liege ein Mischkonsum vor, wobei die Angaben des Probanden ausweichend
und unpräzise gewesen seien, so dass wiederholt habe nachgefragt werden müssen.
Fremdauskünfte hätten nicht berücksichtigt werden können und eine
Haarprobenentnahme sei anlässlich der Begutachtung nicht möglich gewesen.
Entgegen der Angabe des Rekurrenten sei Cannabis in Urin und Blut nachweisbar
gewesen. Der Termin für die verkehrsmedizinische Untersuchung sei frühzeitig bekannt
gegeben worden. Im Zusammenhang mit der zur Diskussion stehenden Problematik
habe der Rekurrent mit einer entsprechenden Laboruntersuchung rechnen können.
Trotz der möglichen negativen Folgen sei er nicht in der Lage gewesen, auf einen
Konsum zu verzichten. In diesem Zusammenhang deuteten die auf Cannabis positiven
Ergebnisse auf einen Kontrollverlust im Umgang mit Cannabis resp. auf ein
psychisches Verlangen zum Konsum hin. Es müsse somit gefolgert werden, dass der
Rekurrent nicht in der Lage sei, seinen Konsum zu steuern. Hierzu passten auch die
ausweichenden Konsumangaben. Insgesamt sei auf einen verkehrsrelevanten
Drogenmissbrauch zu schliessen. Im Weiteren seien die auffälligen
Persönlichkeitsmerkmale zu diskutieren. Innerhalb kurzer Zeit sei der Rekurrent
zweimal unter Alkoholeinfluss gefahren, weshalb sich die Frage der Verkehrsprognose
stelle. Hinzu komme, dass der Rekurrent ein unterschwellig gereiztes Verhalten gezeigt
sowie unpräzise und ausweichende Angaben getätigt habe, sodass die
Konsumgewohnheiten nur bedingt hätten erhoben werden können. Trotz der
anstehenden Fahreignungsbegutachtung habe er den Cannabiskonsum offenbar
fortgesetzt und am Vorabend der Untersuchung dem Alkohol nicht unerheblich
zugesprochen. Von daher stelle sich die Frage der Einsichtsfähigkeit, der emotionalen
Stabilität und der weiteren Verkehrsprognose, weswegen im Rahmen der
Neubeurteilung zusätzlich auch eine verkehrspsychologische Abklärung zu empfehlen
sei.
Zusammenfassend könne die Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht wegen
eines verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs mit Suchtgefährdung nicht befürwortet
werden. Genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Abhängigkeit gemäss ICD-10
lägen nicht vor, eine derartige Problematik könne aber auch nicht ausgeschlossen
werden. Vor einer verkehrsmedizinischen Besprechung werde daher die Durchführung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einer mindestens sechsmonatigen, fachtherapeutisch betreuten und kontrollierten
Drogenabstinenz gemäss Merkblatt empfohlen. Die dabei durchzuführende
Haaranalyse solle neben Drogen auch auf Alkohol (ETG) erfolgen.
d) Die Vorinstanz erwog in der angefochtenen Verfügung, dass die aufgrund der
besonderen Umstände bestehenden Zweifel anlässlich der verkehrsmedizinischen
Untersuchung bestätigt worden seien. Das Gutachten sei schlüssig und
widerspruchsfrei. Zwei verkehrsrelevante Ereignisse, unpräzise Angaben zum Konsum,
erhöhte Laborwerte ohne spezifische Erklärung, keine Haaranalyse sowie die fehlende
Zustimmung zur Entbindung von der hausärztlichen Schweigepflicht rechtfertigten ein
Absprechen der Fahreignung wegen verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs mit
Suchtgefährdung.
Für die Aussprechung eines Sicherungsentzugs ist eine gründliche Prüfung der
persönlichen Verhältnisse erforderlich, namentlich die Einholung von Fremdberichten
von Hausarzt, Arbeitgeber und Familienangehörigen, eine einlässliche Aufarbeitung der
konkreten Vorfälle, eine Erforschung des Konsumverhaltens des Betroffenen und seiner
subjektiven Einstellung dazu sowie eine umfassende, eigens vorzunehmende
körperliche Untersuchung (BGE 129 II 82 E. 6.2.2). Der Verkehrsmediziner hält in
seinem Gutachten fest, dass keine Fremdauskünfte hätten eingeholt werden können,
da der Rekurrent seinen Hausarzt nicht von der Schweigepflicht entbunden habe. Im
Gegensatz dazu macht der Rekurrent geltend, er habe lediglich darauf hingewiesen,
dass er in den letzten zehn Jahren nur gerade einmal wegen eines Bruchs den
Hausarzt aufgesucht habe und er deshalb nicht wisse, weshalb dieser in der
vorliegenden Angelegenheit Auskunft erteilen sollte. Diese Darstellung deckt sich mit
den Schilderungen im Gutachten, wonach der Rekurrent angegeben habe, bisher nur
einmal wegen eines Bruchs bei seinem Hausarzt gewesen zu sein. Er wisse daher
nicht, warum dieser Auskunft geben sollte. Dass der Rekurrent seine Zustimmung zur
Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht explizit verweigert habe, ist dem
Gutachten nicht zu entnehmen und damit nicht nachgewiesen. Das Äussern von
Zweifeln am Nutzen einer solchen Nachfrage kann nicht mit einer definitiven Weigerung
zur Einholung der entsprechenden Auskunft gleich gestellt werden. Der Rekurrent hat
zudem im Rekursverfahren seine Zustimmung bekräftigt und eine Befragung von
Dr.med. Schäfli ausdrücklich beantragt. Die fehlende Zustimmung zur Entbindung von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der ärztlichen Schweigepflicht kann daher nicht als Begründung für das Vorliegen eines
verkehrsrelevanten Drogenmissbrauchs bzw. für die Verfügung des Sicherungsentzugs
herangezogen werden, wie die Vorinstanz dies getan hat. Da der Sicherungsentzug
ohnehin aufzuheben ist (vgl. nachfolgende Erwägungen), erübrigt sich die nachträgliche
Einholung eines Berichts des Hausarztes.
Obschon der Rekurrent innerhalb von kurzer Zeit zweimal in angetrunkenem Zustand
ein Fahrzeug geführt hat, seinen eigenen Angaben zufolge sowohl geschäftlich als
auch privat häufig in Kontakt mit Alkohol kommt und zwei einschlägige
alkoholrelevante Parameter (GOT und GPT) im Blut erhöht waren, konnte das IRM
keine Alkoholabhängigkeit im verkehrsrechtlichen Sinn, sondern lediglich eine
Alkoholgefährdung feststellen. Ein Sicherungsentzug wegen Alkoholabhängigkeit
kommt daher nicht in Frage. Im Zusammenhang mit Alkohol wurde auch keine
Abstinenzauflage empfohlen bzw. angeordnet.
Bei den Drogen hat der Rekurrent von einem seit 2010 seltenen Cannabiskonsum
berichtet. Im Jahr 2011 habe er viermal konsumiert, letztmals einige Züge zehn Tage
vor der Untersuchung. Gemäss Rechtsprechung erlaubt ein regelmässiger, aber
kontrollierter und mässiger Haschischkonsum für sich allein noch nicht den Schluss auf
eine fehlende Fahreignung. Bei Cannabis gibt es grundsätzlich keine physische
Abhängigkeit; der regelmässige Konsum kann allerdings zu einer gewissen
psychischen Abhängigkeit führen. Es ist zwar erwiesen, dass die Einnahme von
Cannabis zu Beeinträchtigungen im Bereich der Wahrnehmung und der
Psychomotorik, der kognitiven und der affektiven Funktionen führt, welche die
Fahrsicherheit aufheben können. Die Wirkung von Cannabis ist jedoch sehr
unterschiedlich, abhängig von Quantität und Qualität des Stoffes, von der körperlichen
und seelischen Verfassung des Konsumenten, seiner Rauschmittelerfahrenheit, seinem
Alter und seiner Umgebung. Es kann daher nicht ohne Weiteres von der konsumierten
Menge bzw. der THC-Konzentration im Blut auf fehlende Fahreignung geschlossen
werden. Zu signifikanten Leistungsverschlechterungen kommt es vor allem im akuten
Rausch, d.h. in den ersten Stunden nach dem Haschischkonsum. Der Nachweis von
THC im Urin ist aber noch lange nach dem Konsum möglich (BGE 124 II 559 E. 3.b.aa,
4.a und b). Im vorliegenden Fall gibt es keine Anhaltspunkte, die den Angaben des
Rekurrenten, er habe von Januar bis August 2011 insgesamt viermal Haschisch in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geringen Mengen konsumiert, entgegenstehen und auf einen regelmässigen massiven
Cannabiskonsum hindeuten würden. Die anlässlich der verkehrsmedizinischen
Untersuchung vom 19. August 2011 asservierten Urin- und Blutproben waren positiv
auf Cannabis. Gemäss Angaben des Gutachters ist daraus auf einen zeitnahen
Cannabiskonsum vor der Untersuchung zu schliessen, der weniger als zehn Tage
zurückliegt. Es ist zwar auffällig, dass der Rekurrent trotz Bevorstehens der
verkehrsmedizinischen Untersuchung einige Tage zuvor Cannabis konsumierte. Allein
daraus auf einen Kontrollverlust im Umgang mit Cannabis und auf einen
verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch zu schliessen, erscheint indessen nicht
unproblematisch. Denkbar ist auch, dass der Rekurrent die Möglichkeit eines
Führerausweisentzugs nicht ernst genug nahm oder die Nachweisdauer von THC im
Urin unterschätzte (vgl. BGE 124 II 559 E. 3.d). Der äusserst seltene Kokainkonsum
wird im Gutachten für den Nachweis des Drogenmissbrauchs nicht herangezogen. Ein
regelmässiger Drogenkonsum, der aufgrund seiner Häufigkeit und Menge geeignet ist,
die Fahreignung zu beeinträchtigen, ist damit nicht nachgewiesen. Im Übrigen spricht
für einen chronischen Cannabiskonsum, wenn im Blut eine Konzentration von 75 μg/l
oder mehr Tetrahydrocannabinol-Carbonsäure (THC-COOH) nachgewiesen wird (vgl.
M. Haag-Dawoud, Fahreignungsbegutachtung, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S. 33). Nach dem Ereignis vom 6.
Februar 2011 ermittelte das IRM der Universität Bern für den Tatzeitpunkt eine THC-
COOH-Konzentration im Blut von 16 μg/l. Dieser Wert spricht gegen einen chronischen
Cannabiskonsum. Entscheidend kommt hinzu, dass der Rekurrent im Strassenverkehr
zufolge Drogenkonsums noch nie ein Fahrzeug in fahrunfähigem Zustand gelenkt hat.
Zwar waren beim Vorfall vom 6. Februar 2011 im Blut Rückstände von Cannabis und
Kokain zu finden. Diese lagen jedoch unter den Grenzwerten von Art. 34 der
Verordnung des ASTRA zur Strassenverkehrskontrollverordnung (SR 741.013.1) für den
Nachweis des Konsums (vgl. Art. 2 Abs. 2 lit. a der Verkehrsregelnverordnung, SR
741.11). Selbst wenn der Konsum von Cannabis oder Kokain häufiger erfolgt als vom
Rekurrenten zugegeben, muss davon ausgegangen werden, dass er Konsum und
Fahren trennen kann. Dies deckt sich mit den Angaben zu seinen
Konsumgewohnheiten, wonach er jeweils zuhause rauche. Der gutachterliche Schluss
auf eine Beeinträchtigung der Fahreignung durch Drogenkonsum erscheint unter
diesem Umständen nicht nachvollziehbar. Auch mittels einer Haaranalyse könnte eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abhängigkeit von Cannabis nicht nachgewiesen werden. Die Unmöglichkeit der
Durchführung einer Haaranalyse mangels genügend langer Haare kann zudem nicht
zum Nachteil des Rekurrenten ausgelegt werden. Dies wäre nur zulässig, wenn er im
Voraus entsprechend instruiert und auf die möglichen nachteiligen Folgen hingewiesen
worden wäre.
Was die im Gutachten erwähnten auffälligen Persönlichkeitsmerkmale angeht, wurden
die aufgeworfenen Fragen nach der Einsichtsfähigkeit, der emotionalen Stabilität und
der weiteren Verkehrsprognose im jetzigen Zeitpunkt verkehrspsychologisch nicht
abgeklärt. Dies ist auch nicht notwendig. Da die zwei Trunkenheitsfahrten ohne
qualifizierten Alkoholisierungsgrad erfolgten, im Zusammenhang mit dem
Drogenkonsum keine Verkehrsrelevanz vorliegt und keine weiteren
Verkehrsregelverletzungen begangen wurden, vermögen die genannten Auffälligkeiten
– zwei Fahrten unter Alkoholeinfluss in kurzer Zeit, unterschwellig gereiztes Verhalten,
unpräzise und ausweichende Angaben, was vom Rekurrenten allerdings bestritten
wird, Fortsetzung des Cannabis- und Alkoholkonsums – eine solche Untersuchung
nicht zu rechtfertigen.
e) Das verkehrsmedizinische Gutachten vermag somit den Nachweis einer nahe
liegenden Gefahr, dass der Rekurrent im akuten (Drogen-)Rauschzustand am
motorisierten Strassenverkehr teilnimmt, nicht zu erbringen. Mangels Vorliegens einer
Suchterkrankung ist der von der Vorinstanz mit Verfügung vom 12. Oktober 2011
gegenüber dem Rekurrenten ausgesprochene Sicherungsentzug folglich aufzuheben.
Mit seinen Fahrten in angetrunkenem Zustand vom 6. Februar 2011
(Atemalkoholkonzentration 0,66 Gew.-‰) und 7. August 2011
(Atemalkoholkonzentration 0,79 Gew.-‰) hat der Rekurrent gegen Art. 31 Abs. 2 SVG,
wonach als fahrunfähig gilt, wer wegen Alkohol-, Betäubungsmittel- oder
Arzneimitteleinflusses oder aus anderen Gründen nicht über die erforderliche
körperliche und geistige Leistungsfähigkeit verfügt, verstossen. Beide
Trunkenheitsfahrten gelten gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. b SVG als leichte
Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften. Da dem Rekurrenten in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen und auch keine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde, ist er gestützt auf Art. 16a Abs. 3 SVG zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verwarnen. Die Aussprechung eines Warnungsentzugs ist nicht zulässig, da die
Massnahmeart (Verwarnung) auch bei der Gesamtbeurteilung von zwei leichten
Widerhandlungen nicht geändert werden kann (vgl. GVP 2010 Nr. 34).
f) Der Rekurs ist somit gutzuheissen und die Verfügung der Vorinstanz vom 12. Oktober
2011 aufzuheben. Der Rekurrent ist stattdessen zu verwarnen. Er wird darauf
hingewiesen, dass ihm der Führerausweis zu entziehen sein wird, wenn er in den
folgenden zwei Jahren erneut eine leichte Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften begehen sollte (vgl. Art. 16a Abs. 2 SVG).
3.- Die amtlichen Kosten sind den Beteiligten nach Massgabe ihres Obsiegens und
Unterliegens aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). In der Hauptsache ist die Vorinstanz
unterlegen, auf der anderen Seite wurde das Begehren des Rekurrenten um
Gewährung der aufschiebenden Wirkung abgewiesen. Diesem Verfahrensausgang
entsprechend wären die amtlichen Kosten zu sieben Achteln vom Staat und zu einem
Achtel vom Rekurrenten zu tragen. Zu berücksichtigen ist jedoch zusätzlich, dass
gegenüber dem Rekurrenten eine Administrativmassnahme (Verwarnung)
auszusprechen ist, was ebenfalls mit Kostenfolgen verbunden ist. Die amtlichen Kosten
sind ihm daher zu einem Viertel aufzuerlegen, drei Viertel der Kosten trägt der Staat.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'600.-- erscheint angemessen (inkl. die Kosten der
Verfügung betreffend aufschiebende Wirkung vom 23. Dezember 2011, vgl. Art. 7
Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 1'500.-- ist im Betrag von Fr. 400.-- mit den vom Rekurrenten zu tragenden
amtlichen Kosten zu verrechnen und im Umfang von Fr. 1'100.-- von der
Finanzverwaltung zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf anteilmässige
Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP;
GVP 1983 Nr. 56; vgl. Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht,
Bern 2010, Rz. 10.36 ff.), soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als
notwendig und angemessen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Der Rekurrent hat die
Aufhebung des Sicherungsentzugs und eine Verwarnung beantragt. Da er in der
Hauptsache durchdringt, ist für die Ermittlung des entschädigungsberechtigen Anteils
auf eine Kostenverteilung von einem Achtel zulasten des Rekurrenten und sieben
bis ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Achteln zulasten der Vorinstanz auszugehen. Entsprechend sind dem Rekurrenten drei
Viertel einer vollen Entschädigung zuzusprechen. Im Rekursverfahren war der Beizug
eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als
Pauschale ausgerichtet; der Rahmen liegt zwischen Fr. 1'000.-- und Fr. 12'000.--
(Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
963.75; abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Angesichts der komplexen Fragen im Zusammenhang mit
der Würdigung des Gutachtens und des sich daraus ergebenden anwaltlichen
Aufwands erscheint ein pauschales Honorar von Fr. 1'500.-- (Barauslagen und
Mehrwertsteuer inbegriffen, Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als angemessen;
entschädigungspflichtig ist der Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt).