Decision ID: 2e7b1fa5-07f6-4dd4-9c7b-c7dfcdc9302a
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Die Gemeinde B._ plant eine Neugestaltung der Bushaltestelle
Dorfplatz. Das entsprechende Baugesuch vom 22. Februar 2021 sieht
gemäss der Gemeinde eine Haltebucht bzw. eine Fahrbahnhaltestelle mit
erhöhtem Niveau für ein hindernisfreies Einsteigen in den Bus sowie das
Ersetzen des Wartehäuschens vor. Hierfür soll ein an einem anderen
Standort stehendes Blockhäuschen auf die gemeindeeigene, in der Zone
übriges Gemeindegebiet (B._) liegende Parzelle C._ versetzt
werden.
2. Dagegen erhob A._ als Grundeigentümer der Parzelle D._
während der öffentlichen Auflage am 10. März 2021 Einsprache und
machte insbesondere geltend, dass das Bushäuschen ohne
Näherbaurecht einen Grenzabstand von vier Metern zu seinem
Grundstück einzuhalten habe und die Zufahrt zu diesem weiterhin ohne
Einschränkungen gewährt werden müsse. In diesem Sinne sei die Rampe
im Westen so zu gestalten, dass sie problemlos von einem Fahrzeug
überquert werden könne.
3. Mit Bau- und Einspracheentscheid vom 19./20. April 2021 wies der
Gemeindevorstand B._ die Einsprache ab und erteilte der Gemeinde
B._ die nachgesuchte Baubewilligung. Er erwog, dass gemäss
Art. 75 KRG gegenüber dem Nachbargrundstück ein Grenzabstand von
2.5 m eingehalten werden müsse. Zudem werde das Trottoir im Bereich
der Zufahrt auf die Parzelle E._ (recte D._) abgesenkt und
entsprechend dem Normblatt Randstein RN 15S ausgeführt.
4. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 25. Mai
2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und
beantragte sinngemäss die Nichtbewilligung des Projektes in der besagten
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Form durch die Gemeinde B._ bzw. den Kanton Graubünden im BAB-
Verfahren. Begründend führte er im Wesentlichen aus, es sei im
Einspracheentscheid unklar geblieben, warum die (Grundnutzungs-)Zone
im Baugesuch als Dorfzone und nicht als übriges Gemeindegebiet
ausgewiesen worden sei. In Letzterer müsse ein gesetzlicher Abstand von
2.5 m eingehalten werden, was laut aufgelegtem Plan nicht der Fall sei.
Zwar halte die parallel zur Parzelle D._ verlaufende Westseite des
Bushäuschens einen Abstand von 2.5 m ein. Dieser werde aber in der
südwestlichen Ecke des Gebäudes durch die Wand der Südseite
unterschritten. Zudem werde durch die geplante Rampe die Zufahrt zur
Parzelle D._ erschwert. Das Problem liege in der Erhöhung des
Trottoirs durch die geplante Rampe, welche auf der westlichen Seite zur
Bushaltestelle führe. Aufgrund der Planunterlagen müsse davon
ausgegangen werden, dass die vor dem Mauerdurchgang zu erstellende
Rampe den Zugang insbesondere für landwirtschaftliche Fahrzeuge
wesentlich beeinträchtigt und zudem die Strassensicherheit gefährde. Da
das Projekt unvollständig und mangelhaft sei, könne es so nicht bewilligt
werden.
5. Die Gemeinde B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schliesst in
ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2021 auf Abweisung der Beschwerde.
Dabei ergänzte sie ihren bereits im angefochtenen Bauentscheid
vertretenen Standpunkt und führte namentlich aus, der Grenzabstand sei
stets von der Gebäudefassade zu messen und nicht von einem einzelnen
Punkt, der – bautechnisch bedingt – über diese hinausrage. Das neue
Wartehäuschen sei im Stile eines Blockbaus mit Eckverkämmungen,
sogenannten Gwätt, konzipiert, welche 20 cm über die Fassade
hinausragten. Auch wenn diese in Art. 75 Abs. 3 KRG, wonach
vorspringende Gebäudeteile bis zu einem Meter in den Grenzabstand
hineinragen dürften, nicht explizit erwähnt würden, seien
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Eckverkämmungen davon gedeckt. Ferner stimme es nicht, dass die
bestehende Zufahrt zur Parzelle D._ von der Dorfstrasse her durch
den Bau erschwert würde. Das Trottoir werde in diesem Bereich gesenkt
und nach dem Normblatt Randstein RN 15S ausgeführt, womit eine
genügende Zufahrt gewährleistet würde. Ferner sei entgegen der
Auffassung des Beschwerdeführers kein Verfahren für Bauten ausserhalb
der Bauzone (BAB) nötig.
6. Der nun anwaltlich vertretene Beschwerdeführer replizierte am
20. September 2021 und liess in Aufhebung des Bau- und
Einspracheentscheids vom 19./20. April 2021 nun explizit beantragen, das
Baugesuch sei nicht zu bewilligen. Neben einer Vertiefung der bereits
geltend gemachten Vorbringen zur Unterschreitung des Grenzabstands
und der Erschwerung der Zufahrt führte er namentlich aus, mit der
Bushaltestelle werde die Verkehrssicherheit substanziell beeinträchtigt.
Stehe ein Bus in der Haltestelle, bestehe keinerlei Sicht mehr nach Osten.
Ein rechtzeitiges Anhalten sei ausgeschlossen. Die Übersichtlichkeit
werde massiv behindert, wozu auch das deutlich grössere Wartehäuschen
beitrage. Die Gemeinde sei ihrer Pflicht zur Prüfung der
Verkehrssicherheit nicht nachgekommen. Es sei darauf zu achten, dass
die erforderlichen Knotensichtweiten unter Berücksichtigung der
zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf der Dorfstrasse eingehalten
werden könnten. Zudem habe B._ ein Ortsbild von nationaler
Bedeutung und sei im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder
aufgeführt. Neben der Bushaltestelle stehe auf der Parzelle F._ das
G._. Die repräsentative Wohnbaute sei 1642 erbaut worden und
verfüge über einen markanten Walmdachbau mit Turm. Aufgrund seiner
Bedeutung sei es im ISOS-Inventar verzeichnet. Das geplante Projekt
nehme in keiner Weise auf diese Situation und die sich daraus ergebenden
Anforderungen Rücksicht. Es werde ein gestalterisch belangloses
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ehemaliges Verkaufshäuschen als Wartehäuschen "rezykliert". Schon
deshalb sei das Projekt nicht bewilligungsfähig. Zudem erfordere dieses
eine Interessenabwägung zwischen den Schutzinteressen und dem
Eingriff durch das Projekt.
7. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 10. Januar 2022 und nahm in
ablehnender Weise zu den beschwerdeführerischen Vorbringen Stellung.
Zudem reichte sie am 14. Februar 2022 eine ergänzende Stellungnahme
ein, in welcher sie ausführte, dass seit Ende 2021 die zulässige
Höchstgeschwindigkeit am fraglichen Ort auf 30 km/h reduziert worden
sei.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, den
angefochtenen Bau- und Einspracheentscheid vom 19./20. April 2021 und
die weiteren Akten, wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Vorliegend ist der Bau- und Einspracheentscheid der kommunalen
Baubehörde (vgl. dazu Art. 7 des kommunalen Baugesetzes [BG] und
auch Art. 85 Abs. 2 und Art. 86 Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes für den
Kanton Graubünden [KRG; BR 801.100]) der Beschwerdegegnerin vom
19., mitgeteilt am 20. April 2021, angefochten, worin die
Beschwerdegegnerin für das Baugesuch Nr. 05/2021 die Baubewilligung
erteilt (Dispositivziffer 1) und zugleich die Einsprache des
Beschwerdeführers vom 10. März 2021 abgewiesen hat
(Dispositivziffer 2). Dabei handelt es sich um einen Entscheid einer
Gemeinde welcher nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden
kann oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig ist
(vgl. Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
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[VRG; BR 370.100] und Art. 91 Abs. 1 BG). Somit ist das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden örtlich und sachlich
zuständig. Gemäss Art. 50 VRG ist zur verwaltungsgerichtlichen
Beschwerde legitimiert, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt
ist und ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung
hat oder durch besondere Vorschrift dazu ermächtigt ist. Der
Beschwerdeführer ist Grundeigentümer der Parzelle D._, welche sich
in unmittelbarer Nähe südlich bzw. westlich des vorliegend strittigen
Bauvorhabens befindet. Somit kann aufgrund der räumlichen Nähe von
einer besonderen Beziehungsnähe und grundsätzlich von einem
schutzwürdigen Interesse an der Aufhebung oder Abänderung des
angefochtenen Entscheides durch den Beschwerdeführer ausgegangen
werden, der im vorinstanzlichen Verfahren mit seinen Anträgen nicht
durchgedrungen ist. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene
Beschwerde (vgl. Art. 52 Abs. 1 und Art. 38 VRG) ist somit einzutreten.
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin das
Bauvorhaben betreffend die Bushaltestelle Dorfplatz in B._ zu Recht
in Abweisung der dagegen erhobenen Einsprache bewilligt hat. Daran
vorbeizielende Vorbringen des Beschwerdeführers, namentlich zu einem
möglichen Baugesuch für Parkplätze oder für eine Baute auf der
Parzelle D._, sind demnach von vornherein nicht zu hören.
3.1. Soweit der Beschwerdeführer sinngemäss eine Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör rügt, indem er vorbringt, der Bauentscheid sei nicht
auf den in der Einsprache aufgeworfenen Punkt eingegangen, ob die
Parzelle D._ nach wie vor ausreichend zugänglich sei, kann ihm nicht
gefolgt werden. Damit übersieht er, dass die Beschwerdegegnerin nicht
gehalten war, sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinanderzusetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich zu
widerlegen. Sie durfte sich vielmehr auf die wesentlichen Einwände
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beschränkten (siehe BGE 146 II 335 E.5.1, 141 III 28 E.3.2.4, 141 V 557
E.3.2.1 und 134 I 83 E.4.1; PVG 2011 Nr. 31 E.2c/aa; Urteile des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] A 22 11 vom
30. August 2022 E.3.3 sowie R 20 99 und R 20 100 vom 30. Juni 2022
E.3.1). Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers hat sie sich denn
auch mit dem geltend gemachten Vorbringen zur Zufahrt auf die
Parzelle D._ befasst und dazu ausgeführt, dass das Trottoir in
diesem Bereich abgesenkt und entsprechend dem Normblatt Randstein
RN 15S ausgeführt werde. Daraus lässt sich hinreichend klar ableiten,
dass sie die Zufahrt zur Parzelle D._ weiterhin als gewährleistet
betrachtet. Insofern hat sie die Abweisung der Einsprache in einer, wenn
auch kurzen Begründung erläutert. Die Überlegungen, von denen sich die
Beschwerdegegnerin leiten liess, können daher im Kern nachvollzogen
werden. Die Pflicht zur Entscheidbegründung bezweckt denn auch, dass
sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft
geben und diesen in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz
weiterziehen kann, falls er damit nicht einverstanden ist (siehe BGE 145
III 324 E.6.1, 143 III 65 E.5.2 und 142 III 433 E.4.3.2). Da vorliegend die
Motive der Beschwerdegegnerin mit genügender Klarheit aus dem
angefochtenen Bau- und Einspracheentscheid vom 20. April 2021
hervorgehen, war der Beschwerdeführer denn auch in der Lage, diesen
sachgerecht anzufechten.
3.2. Ausserdem stellte die Beschwerdegegnerin im besagten Bauentscheid
zugleich klar, dass sich die Bauparzelle C._ in der Zone übriges
Gemeindegebiet (B._) befindet (vgl. Akten des Beschwerdeführers
[Bf-act.] 2 S. 2), was sich denn auch aus dem von der Regierung am
23. Dezember 1997 genehmigten Zonenplan ergibt (vgl. Auszug aus dem
Kataster der öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen [ÖREB] für
die Parzelle C._, abrufbar unter: https://oereb.geo.gr.ch/... sowie
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Genehmigungsbeschluss der Regierung des Kantons Graubünden vom
23. Dezember 1997, abrufbar unter: https://oereblex.gr.ch/api/..., jeweils
zuletzt besucht am: 13. September 2022). Insofern handelte es sich bei
der im Baugesuch 22. Februar 2021 gemachten Angabe, wonach die
Baugrundstücke in der Dorfzone lägen (vgl. Baudossier in den Akten der
Beschwerdegegnerin [Bg-act.]), offensichtlich um ein Versehen. Daraus
sind dem Beschwerdeführer indes keine Nachteile erwachsen (vgl. Urteile
des Bundesgerichts 1C_86/2012 vom 7. September 2012 E.2.1,
1C_440/2010 vom 8. März 2011 E.3.4, 1C_217/2010 vom 3. Februar 2011
E.2.4 m.H.a. BGE 121 I 177 E.2b/cc sowie Urteil des Bundesgerichts
1A.1/2007 vom 18. April 2007 E.2 ff.; FRITSCHE/BÖSCH/WIPF/KUNZ, Zürcher
Planungs- und Baurecht, Band 1, 6. Aufl., Wädenswil 2019, Rz. 6.7.5.2
S. 397 f.).
4. Gemäss Art. 107 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) gehen unmittelbar anwendbare
Bestimmungen des KRG abweichenden kommunalen Vorschriften vor. Als
unmittelbar anwendbar gelten unter anderem die kantonalen
Bauvorschriften gemäss Art. 72 bis 84 KRG (Ziff. 5) sowie das formelle
Baurecht nach Art. 85 bis 96 KRG (Ziff. 6). Lediglich dort, wo kommunale
Vorschriften nach dem KRG zulässig sind, findet das bestehende
kommunale Recht weiterhin Anwendung. Vorbehalten bleiben ferner
allgemein strengere Vorschriften der Gemeinden (siehe dazu auch Art. 22
Abs. 3 KRG). Gemäss Art. 89 Abs. 1 KRG werden Bauvorhaben bewilligt,
wenn alle Vorschriften des kommunalen, kantonalen und eidgenössischen
Rechts eingehalten sind. Bei der Erstellung von Gebäuden, die das
massgebende Terrain überragen, ist gegenüber jedem
Nachbargrundstück ein Grenzabstand von 2.5 m einzuhalten, sofern das
Baugesetz der Gemeinde nicht grössere Grenzabstände vorschreibt
(siehe Art. 75 Abs. 1 KRG). Nach Art. 22 Abs. 1 BG sind die
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Grenzabstände gemäss Zonenschema einzuhalten. Wo das Baugesetz
keine Grenzabstände vorschreibt, gelten die minimalen kantonalen
Abstandsvorschriften (siehe Art. 22 Abs. 6 BG). Letzteres trifft auf die
Zone übriges Gemeindegebiet B._ zu (vgl. Art. 15 BG).
4.1. Soweit der Beschwerdeführer ferner in der Beschwerde anzudeuten
scheint, dass für das Bauvorhaben ein Verfahren für Bauten und Anlagen
ausserhalb der Bauzone (BAB) durchzuführen sei, verkennt er, dass die
hier fraglichen Baugrundstücke C._, H._ und I._
ausweislich des genehmigten Projektplans Nr. 20304-01 vom 19. Februar
2021 sowie des gültigen Zonenplans in der Zone übriges Gemeindegebiet
(B._) liegende Strassen- mit zugehöriger Trottoirparzellen darstellen
(vgl. ÖREB-Auszug der Parzellen C._, H._ und I._, alle
abrufbar unter: https://oereb.geo.gr.ch/#/). Gemäss dem von der
Regierung ebenfalls am 23. Dezember 1997 genehmigten Generellen
Erschliessungsplan Strassen handelt es sich dabei um öffentliche
Erschliessungsstrassen, welche von Bauzonen umgeben sind bzw.
inmitten des Siedlungsgebietes liegen (vgl. ÖREB-Auszug der
Parzellen C._, H._ und I._). Auch wenn die Zone übriges
Gemeindegebiet gemäss der Zonenbestimmung des KRG bzw. das übrige
Gemeindegebiet B._ gemäss Art. 34 BG als Nichtbaugebiet gilt (vgl.
Art. 41 Abs. 2 KRG; Botschaft der Regierung an den Grossen Rat zur
Revision des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden, Heft
Nr. 3/2004 - 2005, [nachfolgend Botschaft KRG] S. 318 f.; vgl. ferner
Art. 34 BG und Art. 40 KRG), ist daher Art. 27 Abs. 2 KRG zu beachten,
wonach Erschliessungsflächen innerhalb oder am Rand der Bauzonen als
Bauzonen gelten (vgl. auch Art. 12 Abs. 4 BG). Wenn demnach solche
Erschliessungsflächen innerhalb der Bauzonen liegen und im Rahmen der
Grundordnung festgelegt sind, ist praxisgemäss unabhängig von der Art
der Nichtbauzone für das Bewilligungsverfahren das Verfahren für Bauten
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innerhalb der Bauzone anzuwenden, weshalb keine kantonale BAB-
Bewilligung nötig ist (vgl. VGU R 18 98 vom 3. Dezember 2019 E.2.2, U 15
97 vom 22. Januar 2019 E.4.2.3 m.H.a. PVG 2007 Nr. 26 E.4b, R 16 72
und R 16 73 vom 11. Mai 2017 E.9b). Daher war die Beschwerdegegnerin
zur Erteilung der Baubewilligung auch ohne kantonale BAB-Bewilligung
befugt (vgl. Art. 85 f. KRG).
4.2. In materieller Hinsicht ist zunächst zu prüfen, ob das geplante
Wartehäuschen den gesetzlichen Grenzabstand zur Parzelle D._ des
Beschwerdeführers einhält.
Der Kanton Graubünden trat mit Regierungsbeschluss RB Nr. 593 vom
23. Mai 2006 der Interkantonalen Vereinbarung über die Harmonisierung
der Baubegriffe (IVHB) vom 22. September 2005 bei. Nachdem der
Kanton Thurgau als sechster Kanton der IVHB beigetreten war, trat diese
am 26. November 2010 in Kraft. Mit Regierungsbeschluss RB Nr. 856 vom
13. September 2011 beschloss die Regierung eine Teilrevision der
Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden (KRVO;
BR 801.110), welche am 1. Oktober 2011 in Kraft trat. Diese umfasste
insbesondere eine (gestützt auf Art. 25 Abs. 5 KRG erfolgte) Änderung
von Art. 36 KRVO, der die Gemeinden verpflichtet, ihre Baugesetze an die
IVHB anzupassen (Abs. 1). Weiter wird in Art. 36 Abs. 2 KRVO
festgehalten, dass wenn das kantonale Raumplanungsrecht Begriffe und
Instrumente verwendet, die Gegenstand der IVHB bilden, unmittelbar die
in den Anhängen zur IVHB und den dazugehörigen Erläuterungen
enthaltenen Definitionen gelten. Die Gemeindeversammlung der
Gemeinde B._ beschloss am 19. Juni 2015 das heute gültige BG,
welches mit Regierungsbeschluss RB Nr. 66 vom 2. Februar 2016
genehmigt wurde und insbesondere die Abstimmung des BG auf die IVHB
und die Anpassung an das geänderte übergeordnete Recht, namentlich
das KRG und die KRVO, bezweckt.
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Nach Art. 13 Abs. 2 BG gelten für Begriffe und Messweisen, die
Gegenstand der IVHB bilden, die in deren Anhängen und den zugehörigen
Erläuterungen enthaltenen Umschreibungen. Art. 13 Abs. 1 BG bestimmt,
dass namentlich die Grenz- und Gebäudeabstände in den Bauzonen sich
noch dem Zonenschema und den baugesetzlichen Umschreibungen
richtet. Gemäss Art. 22 Abs. 2 Satz 1 BG ist der grosse Grenzabstand von
der Hauptfassade, der kleine Grenzabstand von den übrigen Fassaden
einzuhalten. Mithin ist nach diesen Bestimmungen die projizierte
Fassadenlinie für die Bemessung des Grenzabstands massgeblich,
welcher hier – mangels Festlegung für die Zone übriges Gemeindegebiet
B._ im Zonenschema – gemäss den minimalen kantonalen
Abstandsvorschriften nach Art. 75 Abs. 1 KRG 2.5 m beträgt. Dass sich
der Grenzabstand ab der projizierten Fassadelinie bemisst, ergibt sich im
Übrigen auch aus der Rechtsprechung bei vergleichbarer Rechtslage (vgl.
VGU R 17 60 vom 13. Februar 2018 E.6b; vgl. auch PVG 2012 28 E.1b
f.). Denn gemäss Ziff. 7.1 des Anhang 1 der IVHB, worauf Art. 13 Abs. 2
BG verweist, ist der Grenzabstand die Entfernung zwischen der
projizierten Fassadenlinie und der Parzellengrenze. Ferner sehen
Ziffer 3.2 und 3.3 des Anhang 1 der IVHB vor, dass die Fassadenlinie die
Schnittlinie von Fassadenflucht und massgebendem Terrain bildet und die
projizierte Fassadenlinie die Projektion der Fassadelinie auf die Ebene der
amtlichen Vermessung ist (siehe auch STALDER/TSCHIRKY, in:
Griffel/Liniger/Rausch/Thurnherr [Hrsg.], Fachhandbuch Öffentliches
Baurecht, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 3399).
Die Massgeblichkeit der projizierten Fassadenlinie bzw. der Fassade für
die Bemessung des Abstands zur Parzellengrenze lässt sich aber auch im
Umkehrschluss aus der Privilegierung von vorspringenden Gebäudeteilen
ableiten, ragen diese doch definitionsgemäss insbesondere – nicht mehr
als um ein bestimmtes Mass – über die Fassadenflucht hinaus.
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Diesbezüglich sieht Art. 75 Abs. 3 KRG als direkt anwendbare kantonale
Bauvorschrift (vgl. dazu Art. 107 Abs. 2 Ziffer 5 KRG) vor, dass
vorspringende Gebäudeteile wie Dachvorsprünge, Vordächer,
Vortreppen, Erker, offene Balkone bis zu 1.0 m in den Grenz- und
Gebäudeabstand hineinragen dürfen; bildet der vorspringende
Gebäudeteil nach aussen eine Wand, gilt diese als Teil der
Umfassungswand (vgl. auch die für die Beurteilung des Grenzabstandes
relevanten Definitionen der Fassadenflucht und der vorspringenden
Gebäudeteile in den Ziffer 3.1 und 3.4 des Anhang 1 der IVHB und S. 5
und 6 der entsprechenden Erläuterungen zur IVHB vom 3. September
2013, abrufbar unter:
https://www.bpuk.ch/fileadmin/Dokumente/bpuk/public/de/konkordate/ivh
b/Erlaeuterungen_IVHB_vom_03.09.2013.pdf, zuletzt besucht am:
13. September 2022).
Vorliegend geht aus dem genehmigten Projektplan Nr. 20304-01 vom
19. Februar 2021 mit der darin enthaltenen Fotodokumentation hervor,
dass das projektierte Wartehäuschen im Stile eines Block- bzw. Strickbaus
parallel zur Parzellengrenze D._ zu liegen kommen soll, wobei
dessen Umfassungswand (vgl. zu diesem Begriff: Art. 75 Abs. 3 KRG und
Botschaft KRG, S. 347 betreffend den [ursprünglich] für die Beurteilung
des Grenzabstandes bei Gebäuden massgebenden Messpunkt der
Umfassungswand im Gegensatz zu demjenigen der Dachtraufe für offene
überdachte Flächen wie Unterstände gemäss Art. 76 Abs. 1 KRG sowie
auch Art. 37 Abs. 1 KRVO in der bis am 30. September 2011 gültigen
Fassung und dazu VGU R 09 40 vom 28. Januar 2010 E.1a und c) bzw.
die westlich gelegene Fassadenflucht unbestrittenermassen einen
Abstand von 2.5 m einhält. Der Beschwerdeführer erblickt indes in der
verkämmten Kreuzung der Wandbalken in den Ecken des
Wartehäuschens (sogenannte "Gwätt), welche – gemäss den nicht in
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Abrede gestellten Angaben der Beschwerdegegnerin – 20 cm über die
quer dazu verlaufende Umfassungswand aus übereinandergestapelten
Kanthölzern und somit über die eigentliche Mantelfläche der Fassade
hinausragen, eine unzulässige Unterschreitung des massgeblichen
Grenzabstands. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Denn die
umstrittenen Eckverkämmungen sind entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers mit ihren schmalen, gekreuzten Balken von
untergeordneter Bedeutung und treten auch in der Aussenwahrnehmung
nicht massgeblich in Erscheinung. Vielmehr sind sie in ihrer Dimension mit
dem ebenfalls in der Fotodokumentation des Projektplans Nr. 20304-01
abgebildeten, senkrecht verbauten Fall- bzw. Traufrohr zur
Dachentwässerung vergleichbar und treten damit hinsichtlich ihrer
Ausgestaltung und optischen Wahrnehmbarkeit wesentlich hinter die im
Gesetz beispielhaft erwähnten Bauteile, wie Balkone oder Erker zurück
(vgl. VGU R 06 87 vom 5. Dezember 2006 E.2c, wonach Dachkännel bzw.
Dachrinnen sogar nicht einmal als Bauteil im Sinne von Art. 75 Abs. 3 KRG
eingestuft worden sind). Angesichts ihrer geringfügigen äusseren
Erscheinungsform und ihrem schmalen Profil können sie gegen aussen
auch nicht als Wand und damit Teil der Umfassungswand im Sinne von
Art. 75 Abs. 3 in fine KRG bzw. als Bestandteil der Fassadenflucht gelten.
Daran vermag nichts zu ändern, dass die Eckverkämmungen – wie der
Beschwerdeführer vorbringt – bautechnisch zwingend seien und über die
gesamte Gebäudehöhe bis zum Dach reichen, werden denn auch vertikal
verlaufende, in ihrem Ausmass weitaus voluminösere Treppenaufgänge
vom Abstandsprivileg erfasst, sofern sie weniger als 1 m in den
Grenzabstand hineinragen (vgl. VGU R 08 70 vom 13. Januar 2009 E.5a;
siehe ferner betreffend Balkone: VGU R 10 88 vom 30. November 2010
E.5c). Ebenso wenig sind die vorliegenden Eckverkämmungen mit
zweigeschossigen Erker vergleichbar, die vom streitberufenen Gericht
bereits als nach aussen bildende Teile der Hausfassaden eingestuft
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worden sind (vgl. VGU R 15 7 vom 1. September 2015 E.3b und R 17 13
vom 31. August 2017 E.3b), was vom Bundesgericht geschützt worden ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_648/2017 vom 31. Mai 2018 E.2.5).
Überdies verhält sich der Beschwerdeführer widersprüchlich, wenn er ein
Vordach im Gegensatz zu den Eckverkämmungen als abstandsmässig
privilegiertes vorspringendes Gebäudeteil einstuft, tritt dieses beim
vorliegenden Wartehäuschen hinsichtlich seiner Dimension und optischen
Wahrnehmbarkeit nachweislich doch wesentlich stärker in Erscheinung
als die schmalen, gekreuzten Holzbalken in den Ecken des Blockbaus
(vgl. hierfür Projektplan Nr. 20304-01 vom 19. Februar 2021 mit der darin
enthaltenen Fotodokumentation, in: Bg-act.). Ebenso wenig vermag zu
überzeugen, wenn er vorbringt, die negativen Auswirkungen hinsichtlich
Schattenwurf, Aussicht, Belüftung etc. seien identisch mit einem Gebäude,
dessen Fassade 20 cm näher an der Grundstücksgrenze liege. Zwar soll
der Grenzabstand die Einflüsse von Bauten und ihrer Benutzung auf
Nachbargrundstücke (wie namentlich die Beeinträchtigung von
Belichtung, Besonnung, Belüftung und Aussicht) mindern, vor
Schattenwurf und Einsicht schützen und öffentliche Interessen der
Ästhetik sowie gesundheits- und feuerpolizeiliche Anliegen fördern (vgl.
BGE 119 Ia 113 E.3b; Urteile des Bundesgerichts 1C_8/2019 vom 20. Mai
2019 E.5.3, 1C_396/2007 vom 5. Mai 2008 E.4.5.3 und 1P.134/2005 vom
19. Mai 2005 E.1.4; HÄNNI, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltrecht,
7. Aufl., Bern 2022 S. 339; RITTER, in Bereuter/Frei/Ritter [Hrsg.]
Kommentar zum Planungs- und Baugesetz des Kantons St. Gallen,
Basel 2020, Art. 92 Rz. 3; STALDER/TSCHIRKY, in:
Griffel/Liniger/Rausch/Thurnherr [Hrsg.], Fachhandbuch Öffentliches
Baurecht, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 3398). Diese
Zweckbestimmungen werden allerdings durch die 20 cm langen
Eckverkämmungen kaum berührt, treten sie – insbesondere auch im
Vergleich zum stärker vorspringenden Vordach des Wartehäuschens –
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doch von aussen betreffend den Grenzabstand nicht massgeblich in
Erscheinung. Auch erhob die Gebäudeversicherung Graubünden (GVG)
in ihrer feuerpolizeilichen Bewilligung vom 16. März 2021 keine Einwände
gegen die Projektausführung (siehe dazu die entsprechende Bewilligung
in: Bg-act.). Es werden somit keine wesentlichen Nachbarsinteressen der
ohnehin unbebauten, landwirtschaftlich genutzten Parzelle D._
tangiert. Nicht zu überzeugen vermag daher auch das
beschwerdeführerische Vorbringen, wonach die Eckverkämmungen
deutlich negativere Auswirkungen auf seine Liegenschaft hätten als etwa
ein Balkon oder ein Erker. Da die Eckverkämmungen somit im Sinne von
Art. 75 Abs. 3 KRG als abstandsprivilegiert einzustufen sind, ist keine
Verletzung des Grenzabstands zur Parzelle D._ auszumachen (siehe
dazu Art. 22 Abs. 1 und 6 BG). Selbst wenn der Grenzabstand (gestützt
auf Art. 13 Abs. 2 BG gemäss der Definition der IVHB) nach Massgabe
der in Art. 23 Abs. 1 Ziffer 3 BG in Nachachtung der IVHB-Definition für
vorspringende Gebäudeteile festgelegten Maximalmasse für das Mass der
Tiefe "a" von 2 m und das Mass der Breite "b" von 5 m bzw. dem maximal
zulässigen Anteil des zugehörigen Fassadenabschnittes (vgl. dazu
Figur 3.4 in Anhang 2 der IVHB) beurteilt würde, wäre infolge der in weit
geringerem Masse überstehenden, dünnen Eckverkämmungen keine
Verletzung der Vorschriften über den Grenzabstand durch das fragliche
Wartehäuschen ersichtlich.
5. Ein weiterer Beschwerdepunkt betrifft die Zufahrt zur Parzelle D._,
welche nach Auffassung des Beschwerdeführers aufgrund der
projektierten, einen hindernisfreien Ein- und Ausstieg aus dem Bus
erlaubende Rampe nicht mehr gewährleistet sein soll.
5.1. Land ist erschlossen, wenn unter anderem eine für die betreffende
Nutzung hinreichende Zufahrt besteht (siehe Art. 19 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Raumplanung [RPG; SR 700] und [für den
- 16 -
Wohnungsbau] auch Art. 4 f. des eidgenössischen Wohnbau- und
Eigentumsförderungsgesetzes [WEG; SR 843] sowie Art. 58 KRG; vgl.
zum Ganzen REY, in Griffel/Liniger/Rausch/Thurnherr [Hrsg.],
Fachhandbuch Öffentliches Baurecht, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 3283
ff. und JEANNERAT, in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen [Hrsg.],
Praxiskommentar RPG: Nutzungsplanung [nachfolgend:
Praxiskommentar NUP], Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 19 Rz. 16 und 22 ff).
Hinter dem Erschliessungserfordernis der Zufahrt gemäss Art. 19 Abs. 1
RPG stehen vorab verkehrs-, gesundheits- und feuerpolizeiliche
Überlegungen. Eine hinreichende Zufahrt besteht, wenn die
Zugänglichkeit sowohl für die Benützer als auch für Fahrzeuge der
öffentlichen Dienste (Feuerwehr, Krankenwagen, Kehrichtabfuhr,
Elektrizitäts- und Wasserwerke etc.) gewährleistet ist (vgl. BGE 136 III 130
E.3.3.2; Urteile des Bundesgerichts 1C_319/2021, 1C_320/2021 vom
8. April 2022 E.2.1, 1C_57/2021 vom 3. Februar 2022 E.3.1, 1C_627/2019
vom 6. Oktober 2020 E.6.3, 1C_321/2017 vom 7. August 2018 E.4.2 und
1C_603/2015 vom 5. April 2016 E.2.1). Sie muss die örtlichen
Verhältnisse berücksichtigen und die Verkehrssicherheit aller Benützer
gewährleisten (siehe Urteile des Bundesgerichts 1C_319/2021,
1C_320/2021 vom 8. April 2022 E.2.1, 1C_291/2015 vom 16. Oktober
2015 E.2.1 und 1C_36/2010 vom 18. Februar 2011 E.4.1; HÄNNI, a.a.O.,
S. 302). Bei der Beurteilung dieser Fragen kommt den kantonalen und
kommunalen Behörden ein erheblicher Spielraum zu (siehe BGE 136 III
130 E.3.3.2 und 121 I 65 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 1C_319/2021,
1C_320/2021 vom 8. April 2022 E.2.1, 1C_608/2020 vom 14. Januar 2022
E.4.3, 1C_310/2021 vom 26. Juli 2021 E.6.2, 1C_341/2018 vom
16. Januar 2019 E.2.1 und 1C_291/2015 vom 16. Oktober 2015 E.2.1).
Ferner sieht Art. 79 Abs. 2 KRG vor, dass Bauten und Anlagen den
anerkannten Regeln der Baukunde zu genügen haben und weder bei der
Erstellung noch durch ihren Bestand und ihre Nutzung Personen, Tiere
- 17 -
und Sachen gefährden dürfen. Gleichermassen dürfen gemäss Art. 67
Abs. 1 BG bauliche Anlagen wie Einmündungen, Ausfahrten und
Ausgänge auf Strassen, Wege und Plätze die Benützerinnen und
Benützer der Verkehrsanlagen nicht gefährden.
5.2. Soweit der Beschwerdeführer die Zufahrt zu seiner Parzelle D._
dadurch erschwert sieht, als davor infolge der hindernisfreien
Umgestaltung der Bushaltestelle eine Rampe zum erhöhten Trottoir hin
erstellt werden soll, kann ihm nicht gefolgt werden. Denn wie bereits im
Bauentscheid vom 20. April 2021 bekräftigt die Beschwerdegegnerin auch
im vorliegenden Beschwerdeverfahren, dass das Trottoir im Bereich der
Zufahrt zur Parzelle D._ gesenkt und entsprechend dem Normblatt
Randstein RN 15S ausgeführt wird (vgl. Vernehmlassung vom 5. Juli
2021, S. 4 und Duplik vom 10. Januar 2022, S. 5 f.). Dies geht denn auch
aus dem von ihr ins Recht gelegten Situationsplan hervor (siehe Bg-
act. 1): Danach ist gemäss Bauprojekt vorgesehen, dass die geplante
Rampe im Bereich vor dem als Zufahrt dienenden Mauerdurchbruch zur
Fahrbahn hin abschliessende Randstein abgeschrägt ist und so einen
kontinuierlichen Übergang vom Fahrstreifen auf das ca. 4 cm
höherliegende Trottoir ermöglicht (vgl. die blaugrün eingefärbte Linie mit
Randstein RN 15S auf dem Situationsplan über eine Distanz von 3.93 m;
vgl. ferner Auszug aus Kapitel 3 "Abschlüsse" der
Projektierungsgrundlagen für die Projektierung und Ausführung von
Haupt- und Verbindungsstrassen des Tiefbauamtes Graubünden [TBA]
zum Randstein RN 15S, Blatt Nr. 3.320., Stand: 1. September 2020, in:
Bg-act.). Der sogenannte Kasseler Sonderbord, welcher 22 cm hoch ist
und ein hindernisfreies Ein- und Aussteigen aus dem Bus ermöglichen
soll, ist erst weiter östlich im Bereich des projektierten Wartebereichs
vorgesehen (vgl. Bg-act. 1 und Blatt-Nr. 3.840 zum Kassler Sonderbord®
Plus Anschlag 22 cm in Kapitel 3 "Abschlüsse" der
- 18 -
Projektierungsgrundlagen für die Projektierung und Ausführung von
Haupt- und Verbindungsstrassen des TBA, abrufbar unter:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/diem/tba/dokumentation/D
okumentationPlan/80-20-30_abschluesse.pdf, zuletzt besucht am
13. September 2022 sowie die nachfolgende Abbildung).
Auch wenn das Bauprojekt somit – nicht wie bisher – einen schwellenlosen
bzw. niveaugleichen Zugang zur Parzelle gewährleistet, ist nicht
ersichtlich, dass der rund 4 cm hohe Niveauunterschied (bei einer
Horizontaldistanz von ca. 14.5 cm und somit einer Längsneigung von ca.
15.5° [= arctan{4 cm / 14.5 cm}; siehe Auszug aus Kapitel 3 "Abschlüsse"
der Projektierungsgrundlagen für die Projektierung und Ausführung von
Haupt- und Verbindungsstrassen des Tiefbauamtes Graubünden {TBA}
zum Randstein RN 15S, Blatt Nr. 3.320., Stand: 1. September 2020, in:
Bg-act]) zwischen der Fahrbahn und der geplanten Rampe im direkten
Einfahrtsbereich zur Parzelle D._, welcher durch einen schräg
abgesenkten Randstein mit einer Längsneigung von ca. 15.5° überwurden
werden kann, eine bestimmungsgemässe Nutzung der Parzelle D._
zu – unbestrittenermassen – landwirtschaftlichen Zwecken
verunmöglichen bzw. namhaft erschweren soll. Insbesondere ist
anzunehmen, dass die Zufahrt aufgrund der konkreten Ausgestaltung des
Randsteins und des bescheidenen Höhenunterschieds weiterhin mit
- 19 -
landwirtschaftlichen Fahrzeugen, wie einem Heuwagen, einem
Viehtransporter oder einer Mähmaschine, befahrbar ist. Inwiefern die
Rampe – wie der Beschwerdeführer vorbringt – aufgrund des
Niveauunterschieds rechtwinklig passiert werden müsste bzw. die
Verkehrssicherheit gefährdende Einbiege- oder Ausholmanöver bedingte,
ist nicht ersichtlich. Dies auch vor dem Hintergrund, dass östlich an die
Randsteinabsenkung mit Randsteinen vom Typ RN 15S im direkten
Bereich der Einfahrt zur Parzelle D._ auf den nächsten zwei Metern
noch eine Sonderbordabsenkung mit drei entsprechenden Randsteinen à
66 cm erfolgen wird (siehe orange Linie westlich des Wartebereichs in Bg-
act. 1). Ebenso wird weder hinreichend substantiiert aufgezeigt noch
ergibt sich aufgrund der konkret geplanten Gegebenheiten, dass eine
gefährliche Zufahrtssituation geschaffen würde, selbst wenn davon
auszugehen wäre, dass der Bus inskünftig etwas weiter westlich anhalten
würde.
5.3. Nicht gefolgt kann dem Beschwerdeführer des Weiteren, wenn er die
Verkehrssicherheit insoweit als substanziell beeinträchtigt sieht, als die
Sichtweiten aufgrund der geplanten Bushaltestelle beeinträchtigt würden.
Dabei beruft er sich auf die Normen des Schweizerischen Verbands der
Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS). Diesbezüglich erweist sich die
VSS-Norm 40 273a (vormals SN 640 273a) als einschlägig. Daraus geht
hervor, dass die erforderliche (Knoten-)Sichtweite bei einer
Zufahrtsgeschwindigkeit von – wie hier unbestrittenermassen von der
Beschwerdegegnerin mit ergänzender Stellungnahme vom 14. Februar
2022 vorgebracht – 30 km/h bei zwischen 20 m und 35 m (bzw.
mindestens 25 m unter Berücksichtigung einer Längsneigung des
Gehweges von [maximal] 6 % von der entsprechend zurückversetzten
Position) liegt, wobei die Beobachtungsdistanz, d.h. der Abstand zwischen
dem Beobachtungspunkt und dem nächstgelegenen Rand des
- 20 -
vortrittsberechtigten Fahrstreifens, innerorts in der Regel 3 m, zumindest
aber 2.5 m, beträgt (vgl. Abschnitt B Ziff. 5 und Abschnitt D Ziff. 11 f. der
VSS-Norm 40 273a, wobei sich die Beobachtungsdistanz aus dem
Umstand ergibt, dass sich die Fahrzeuglenkerin bzw. der Fahrzeuglenker
im Durchschnitt 2.35 m hinter dem vorderen Teil des Fahrzeugs befindet,
es aber Fahrzeugtypen gibt, bei welchen diese Distanz zwischen 2.5 m
und 3 m liegt; vgl. ferner Empfehlung Verkehrstechnik "Sicht an
Verzweigungen und Grundstückszufahrten" [BM.021.2016] der
Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu, S. 4). Das nach der genannten
Norm bestimmte Sichtfeld ist von allen Hindernissen frei zu halten, die ein
Motorfahrzeug oder ein leichtes Zweirad verdecken könnten. In der Regel
genügt es, wenn das Sichtfeld in einem Höhenbereich zwischen 0.6 m und
3.0 m über der Fahrbahn hindernisfrei ist (vgl. Abschnitt C Ziff. 10 der
besagten VSS-Norm; vgl. ferner die bereits erwähnte bfu-Empfehlung
"Sicht an Verzweigungen und Grundstückszufahrten", S. 3). Zwar sind die
VSS-Normen nicht per se verbindlich, sondern nur kraft Verweisung des
kantonalen Rechts (siehe Urteile des Bundesgerichts 1C_608/2020 vom
14. Januar 2022 E.4.3, 1C_330/2017 vom 7. März 2018 E.5.2 und
1C_280/2009 vom 24. November 2009 E.2). Sie können aber für die
Beurteilung des Ausbaustandards von Strassen herangezogen werden
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_319/2021, 1C_320/2021 vom 8. April
2022 E.2.1 und 3.1, 1C_226/2019 vom 24. April 2020 E.5.3.3 und
1C_275/2017 vom 18. Januar 2018 E.2.2.1). Dabei sind die VSS-Normen
– sofern das kantonale Recht nichts Anderes vorsieht – nicht schematisch
und starr, sondern verhältnismässig, unter Berücksichtigung der örtlichen
Verhältnisse anzuwenden, wobei den zuständigen Behörden ein
Spielraum zusteht (siehe Urteile des Bundesgerichts 1C_319/2021,
1C_320/2021 vom 8. April 2022 E.2.1, 1C_608/2020 vom 14. Januar 2022
E.4.3, 1C_310/2021 vom 26. Juli 2021 E.6.2, 1C_330/2017 vom 7. März
2018 E.5.2, 1C_275/2017 vom 18. Januar 2018 E.2.2.1, 1C_147/2015
- 21 -
vom 17. September 2015 E.6.1.1 und 1C_597/2014 vom 1. Juli 2015
E.4.1; VGU R 21 30 vom 15. Juni 2022 E.4.1 und U 20 96 vom 24. März
2022 E.6.4.3). Soweit das Gesetz somit – wie hier – nicht ausdrücklich auf
VSS-Normen verweist, sind diese nicht direkt anwendbar, sondern im
Sinne einer Orientierungshilfe zu berücksichtigen (siehe Urteile des
Bundesgerichts 1C_476/2018 vom 3. Juli 2019 E.4.2.4 und 1C_590/2016
vom 7. August 2017 E.2.6).
5.4. Wenn der Beschwerdeführer vorbringt, es bestünde keinerlei Sicht mehr
nach Osten, wenn ein Bus an der Haltestelle stehe, ist ihm mit der
Beschwerdegegnerin entgegenzuhalten, dass es ihm – wie auch den
übrigen Verkehrsteilnehmern – zumutbar ist, mit der Weiterfahrt
zuzuwarten, bis auch der Bus die Haltestelle verlassen hat und sich
dadurch die Sichtweiten wieder eröffnen. Dies gilt umso mehr, wenn
anzunehmen ist, dass der Beschwerdeführer seine Aussage auf die
Zufahrt zu seiner Parzelle bezieht. Weshalb ein rechtzeitiges Anhalten
beim Abbiegen auf die Parzelle D._ bzw. beim Einmünden von dieser
Parzelle in die vortrittsberechtigte Dorfstrasse nicht mehr möglich sein soll,
wenn ein Bus in der geplanten Haltebucht bzw. an der Fahrbahnhaltestelle
steht, leuchtet nicht ein. Ebenso wenig ist ersichtlich, inwiefern die
Übersichtlichkeit durch die geplante behinderungsgerechte Umgestaltung
der Bushaltestelle massiv behindert werden soll, geht damit neben neuen
Markierungen doch vornehmlich eine Erhöhung des Trottoirs im
Wartebereich einher (vgl. Projektplan Nr. 20304-01 vom 19. Februar 2021,
in: Bg-act.), welche ohne Einfluss auf die Sichtverhältnisse bei der Zufahrt
auf die Parzelle D._ ist. Soweit der Beschwerdeführer diese zudem
durch das im Vergleich zum jetzigen deutlich grössere Wartehäuschen
beeinträchtigt sieht, vermag sein Einwand nicht zu verfangen. Zum einen
soll der projektierte Warteraum östlich der Bushaltestelle ausweislich der
Akten in Richtung Süden zurückversetzt zu liegen kommen, weshalb sich
- 22 -
bereits aus dem genehmigten Projektplan Nr. 20304-01 vom 19. Februar
2021 klar ergibt, dass die bei einer Zufahrtsgeschwindigkeit von 30 km/h
der vortrittsberechtigten Motorfahrzeuge einzuhaltende Knotensichtweite
von 20 bis 35 m ab der Zufahrt zur Parzelle D._ (bzw. mindestens
25 m unter Berücksichtigung einer Längsneigung des Gehweges von
[maximal] 6 % von der entsprechend zurückversetzten Position) in
Richtung Osten dadurch nicht tangiert wird. Zum anderen bringt die
Beschwerdegegnerin zu Recht vor, dass die freizuhaltenden Sichtbermen
auf der besagten Grundstückzufahrt aufgrund der dort bestehenden
Bruchsteinmauer, welche die Parzelle des Beschwerdeführers – im hier
massgeblichen Bereich bis auf den als Zufahrt dienenden Unterbruch –
umfriedet und von welcher aufgrund der Planunterlagen davon
auszugehen ist, dass sie höher als die gemäss VSS-Norm 40 273a
vorgesehenen 60 cm zu liegen kommt (vgl. Projektplan Nr. 20304-01 vom
19. Februar 2021, Abbildung Profil 1 im Massstab 1:100, in: Bg-act. und
Abschnitt C Ziff. 10 der besagten VSS-Norm), bereits in beide Richtungen
eingeschränkt ist. Insofern werden die Sichtverhältnisse auf der
Grundstückszufahrt der Parzelle D._ (abhängig von der Augenhöhe
des Verkehrsteilnehmers gemäss Abschnitt C Ziffer 9, 6. Spiegelstrich der
besagten VSS-Norm) bereits durch diese Anlage behindert und die
gemäss VSS-Norm 40 273a erforderlichen Sichtfelder dadurch
beeinträchtigt. Dem geplanten Wartehäuschen kommt damit mit Blick auf
die Verkehrssicherheit keine eigenständige Bedeutung zu, da diese (bei
einer tiefen Augenhöhe) bereits durch die eingeschränkten
Sichtverhältnisse aufgrund der bestehenden Bruchsteinmauer
beeinträchtigt wird. Vor diesem Hintergrund kann auf die anbegehrte
Einholung eines Gutachtens zu den Sichtweiten genauso wie auf den in
allgemeiner Weise beantragten Augenschein verzichtet werden, zumal
das streitberufene Gericht aufgrund der bereits abgenommenen Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und annehmen darf, dass diese
- 23 -
Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl.
BGE 144 II 427 E.3.1.3, 141 I 60 E.3.3, 136 I 229 E.5.3 und 134 I 140
E.5.3; Urteile des Bundesgerichts 1C_113/2021 vom 1. September 2022
E.3.1, 1C_718/2020 vom 21. Juni 2022 E.3.2, 1C_689/2020 vom
14. Januar 2022 E.4.3, 1C_402/2020 vom 25. Januar 2021 E.2.1 und
1C_318/2019 vom 31. August 2020 E.3.1). Im Übrigen entgegnete die
Beschwerdegegnerin dem Vorwurf des Beschwerdeführers, wonach sie
ihrer Pflicht zur Prüfung der Verkehrssicherheit nicht nachgekommen sei,
dass sie sehr wohl einen Augenschein mit der Polizei durchgeführt habe,
woraufhin keine Beanstandungen gegen das Bauprojekt erhoben worden
seien. Gründe, um daran zu zweifeln, werden weder geltend gemacht
noch sind solche aufgrund des vorstehend Ausgeführten ersichtlich.
6. Schliesslich befürchtet der Beschwerdeführer, das Bauprojekt
beeinträchtige das schützenswerte Ortsbild und dabei insbesondere das
inventarisierte und denkmalgeschützte G._ auf der
Nachbarparzelle F._.
6.1. B._ ist mit der Nr. L._ als Spezialfall im Anhang 1 der
Verordnung über das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der
Schweiz (VISOS; SR 451.12) aufgeführt. Gemäss Ortsbildaufnahme aus
dem Jahr 1990 (abrufbar unter https://gisos.bak.admin.ch/..., zuletzt
besucht am: 13. September 2022) zeichnet es sich durch eine einst rein
bäuerliche Talsiedlung aus, welche aufgrund ihrer Verkehrslage Ansätze
einer Verstädterung aufweist und seit 1922 durch eine markante
Kraftwerkzentrale dominiert wird. Gewisse räumliche Qualitäten bestehen
insbesondere im Ortskern durch die intakte, dicht begrenzte und zum Teil
fast geschlossene Gassenbildung mit bäuerlichen Strickbauten,
akzentuiert von einzelnen Herrschaftsbauten und flankiert durch die den
Umraum beanspruchenden Einzelbauten von Kirche und
Kraftwerksanlage. In der Ortsbildaufnahme ist zudem neben der
- 24 -
reformierten Kirche M._ das 1642 erbaute G._ mit seinem
markanten Walmdachbau und Turm am Dorfzugang als Einzelelement
von besonderer Bedeutung und mit Erhaltungsziel A (Substanzerhalt)
verzeichnet (siehe Ortsbildaufnahme S. 4). Demnach sind alle Bauten,
Anlageteile und Freiräume integral zu erhalten und störende Eingriffe zu
beseitigen (vgl. Erläuterungen des Bundesamtes für Kultur [BAK] zum
ISOS, Bern 2021, S. 7 f., abrufbar unter:
https://www.bak.admin.ch/dam/bak/de/dokumente/baukultur/isos-
ortsbildschutz/erlaeuterungen-isos-
2016.pdf.download.pdf/erlaeuterungen_zumisos%20(1).pdf, zuletzt
besucht am: 13. September 2022). Der Standort der im vorliegenden Fall
projektierten Haltebucht bzw. Fahrbahnhaltestelle liegt in der Umgebungs-
Zone V, während das Wartehäuschen auf der Parzelle C._
ausserhalb davon bzw. allenfalls auf deren Grenze zu liegen kommen soll
(vgl. Karte auf S. 6 der Ortsbildaufnahme). Die als die Siedlung
gliedernder Freiraum mit Kirche und G._ umschriebene Umgebungs-
Zone V wird auf dem Inventarblatt ebenfalls mit dem Erhaltungsziel a
(Erhalten der Beschaffenheit als Kulturland oder Freifläche) vermerkt.
Mithin sind die für das Ortsbild wesentliche Vegetation und Altbauten zu
bewahren und störende Veränderungen zu beseitigen (siehe
Erläuterungen des BAK zum ISOS, S. 8). Der Ortsbildaufnahme ist dazu
zu entnehmen, dass nebst der Kirche mit ihren Chorfenstern von N._
namentlich das G._ als wertvoller baulicher Akzent von B._ gilt.
Diese Bauten benötigen ein Umfeld, das nicht durch aufdringlich gestaltete
Neubauten belastet werden sollte. Insbesondere sollten die heute noch
intakten, zur tradierten Bausubstanz gehörenden Zwischenbereiche mit
ihren eingefassten Gärten und Baumgärten soweit als möglich erhalten
bleiben (vgl. Ortsbildaufnahme S. 3).
- 25 -
6.2. Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Natur- und
Heimatschutz (NHG; SR 451) wird durch die Aufnahme eines Objektes
von nationaler Bedeutung in ein Inventar des Bundes dargetan, dass es in
besonderem Masse die ungeschmälerte Erhaltung, jedenfalls aber unter
Einbezug von Wiederherstellungs- oder angemessenen
Ersatzmassnahmen die grösstmögliche Schonung verdient. Abs. 2
derselben Bestimmung sieht weiter vor, dass ein Abweichen von der
ungeschmälerten Erhaltung im Sinne der Inventare bei Erfüllung einer
Bundesaufgabe nur in Erwägung gezogen werden darf, wenn ihr
bestimmte gleich- oder höherwertige Interessen von ebenfalls nationaler
Bedeutung entgegenstehen. Diese Schutzbestimmung greift indes nur bei
der Erfüllung von Bundesaufgaben in unmittelbarer Weise. Soweit keine
Bundesaufgabe in Frage steht, wird der Schutz von Ortsbildern vorab
durch kantonales und kommunales Recht gewährleistet. Dies ergibt sich
verfassungsrechtlich aus Art. 78 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101), wonach die Kantone
für den Natur- und Heimatschutz zuständig sind. Allerdings sind
Bundesinventare wie das ISOS auch bei der Erfüllung von kantonalen und
kommunalen Aufgaben von Bedeutung. Die Pflicht zur Beachtung besteht
zum einen in der Anwendung der die Schutzanliegen umsetzenden
(Nutzungs-)Planung (siehe dazu auch Art. 11 VISOS), zum anderen dort,
wo im Einzelfall Interessenabwägungen im Lichte der
Heimatschutzanliegen vorzunehmen sind (vgl. BGE 145 II 176 E.3.1 und
3.3, 143 II 77 E.3.1 f. und 135 II 209 E.2.1; Urteile des Bundesgerichts
1C_153/2021 vom 12. April 2022 E.5.2, 1C_124/2020 vom 25. November
2020 E.3.1, 1C_128/2019, 1C_134/2019 vom 25. August 2020 E.7.2, nicht
publ. in: BGE 147 II 125, 1C_53/2019 vom 3. Juni 2020 E.5.2 f.,
1C_578/2016 vom 28. Juni 2017 E.3.1, 1C_474/2016 vom 1. Juni 2017
E.3.2 und 1C_118/2016 vom 21. März 2017 E.4.1 f.). Art. 7 f. NHG regeln
neben der fakultativen Begutachtung die Zuständigkeit für die Beurteilung
- 26 -
der Notwendigkeit der Einholung eines Gutachtens bei den
eidgenössischen Kommissionen, wenn ein Inventar des Bundes nach
Art. 5 NHG erheblich beeinträchtigt oder sich in diesem Zusammenhang
grundsätzliche Fragen stellen (siehe Art. 7 Abs. 2 NHG und Art. 25 Abs. 1
lit. d der eidgenössischen Verordnung über den Natur- und Heimtatschutz
[NHV; SR 451.1]. Diese Regelungen gelten also für die Erfüllung einer
Bundesaufgabe (vgl. dazu etwa BGE 143 II 77 E.3.2 f. und 136 II 214 E.3
ff. und E.4.1 ff.; Urteile des Bundesgerichts 1C_556/2013 vom
21. September 2016 E.7.4.1 und 1C_398/2015 vom 9. August 2016
E.3.2).
6.3.1. Der Beschwerdeführer macht diesbezüglich replicando geltend, bei der
Neugestaltung der Bushaltestelle gehe es um die Erfüllung der
bundesrechtlichen Vorgaben des Bundesgesetzes über die Beseitigung
von Benachteiligungen vom Menschen mit Behinderungen
(Behindertengleichstellungsgesetz, BehiG; SR 151.3) und der
eidgenössischen Verordnung über die behindertengerechte Gestaltung
des öffentlichen Verkehrs (VböV; SR 151.34), womit die
Beschwerdegegnerin eine Bundesaufgabe erfülle und die
Baubewilligungsbehörde zu einer qualifizierten Interessenabwägung nach
Art. 6 Abs. 2 NHG verpflichtet sei. Das vorliegende Projekt der
Bushaltestelle, welches die Schutzziele des ISOS beeinträchtigen könnte,
erfordere eine Interessenabwägung zwischen den Schutzinteressen und
dem Eingriff durch das Projekt. Eine solche sei aber vorliegend
unterlassen worden und nachzuholen. In diesem Zusammenhang werde
die Einholung eines Gutachtens zur Ermittlung der Eingriffe des
Bauvorhabens in das geschützte Dorfbild und die unmittelbare Umgebung
des G._ sowie zu Interessenabwägung im Baubewilligungsverfahren
gemäss ISOS beantragt. Dabei kritisierte der Beschwerdeführer einzig die
Gestaltung des überwiegend auf der Parzelle C._ geplanten
- 27 -
Wartehäuschens. Inwiefern die Anpassung der eigentlichen Bushaltestelle
auf den Parzellen I._ und H._ an die Bedürfnisse von Menschen
mit Behinderungen nicht mit Orts-, Denkmalschutz- und
Heimatschutzinteressen bzw. der einschlägigen eidgenössischen,
kantonalen und kommunalen Gesetzgebung dazu vereinbar sein soll,
macht er hingegen nicht substantiiert geltend. Dies ist auch nicht ohne
Weiteres erkennbar, handelt es sich dabei doch bloss um eine Erhöhung
des Trottoirs mit einer entsprechenden Anpassung des Trottoirs auf das
erforderliche Niveau, wobei auch nicht ersichtlich ist, dass dadurch etwa
eine für das Ortsbild oder den Denkmal- und Heimatschutz bedeutsame
Bodenbedeckung beeinträchtigt würde.
6.3.2. Die Beschwerdegegnerin ist demgegenüber der Ansicht, dass der
geplante Standort des Bushäuschens nicht zu der mit Sorgfalt zu
behandelnden Umgebung des G._ gehöre. Selbst wenn sich aber
das Bushäuschen in der massgebenden Umgebung des Denkmals
befinden würde, wäre die Baubewilligung trotzdem zu erteilen. Denn
gemäss Art. 10 VISOS seien nämlich Eingriffe, die keine Auswirkungen
auf die Erreichung der Erhaltungsziele hätten, zulässig. Gleiches gelte für
geringfügige Beeinträchtigungen eines Objektes, wenn sie sich durch ein
überwiegendes Interesse rechtfertigen liessen. Es werde weder dargelegt
noch sei erkennbar, inwieweit das geplante Bushäuschen das G._
beeinträchtigen solle. Ohnehin fiele aber eine allfällige
Interessenabwägung zugunsten eines barrierefreien Zuganges zum
öffentlichen Bus aus.
6.4. Vorliegend steht mit der Erteilung einer Baubewilligung innerhalb der
Bauzone grundsätzlich keine Bundesaufgabe zur Diskussion (vgl.
BGE 139 II 271 E.10.1 und 131 II 545 E.2.2; Urteile des Bundesgerichts
1C_643/2020 vom 7. Januar 2022 E.3.1 und 3.5, 1C_578/2016 vom
28. Juni 2017 E.3.1, 1C_488/2015 vom 24. August 2016 E.1.6,
- 28 -
1C_482/2012 vom 14. Mai 2014 E.3.5, 1C_700/2013 vom 11. März 2014
E.2.2 ff. und 1A.142/2004 vom 10. Dezember 2004 E.4.3). Die
Anwendung von Bundesrecht – neben kompetenzgemäss erlassenem
kantonalem und kommunalen Recht – ist zwar Voraussetzung, aber für
sich alleine nicht ausreichend, um eine Bewilligungserteilung durch eine
kantonale oder kommunale Behörde als Bundesaufgabe im Sinne im
Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV und Art. 2 NHG zu betrachten (vgl. BGE 139
II 271 E.9.3 f.; Urteile des Bundesgerichts 1C_482/2012 vom 14. Mai 2014
E.3.4, 1C_196/2010 vom 16. Februar 2011 E.1.2 und 1A.185/2006 vom 5.
März 2007 E.5.1; VGU R 18 15 vom 7. Januar 2020 E.2.6.2, wobei das
Bundesgericht mit Urteil 1C_90/2020 vom 15. September 2021 E.3.3 die
Verneinung einer Pflicht gemäss NHG und NHV zur Einholung eines
Gutachtens der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission
[ENHK] bzw. der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege [EKD]
durch das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden – namentlich
infolge fehlender Bundesaufgabe – für ein Bauvorhaben innerhalb der
Bauzone mit dem Erfordernis einer kantonalen Zustimmung aus dem
Bereich des bundesrechtlichen Lärmschutzrechts als nicht offensichtlich
bundesrechtswidrig erachtet hat). Aus der Analyse der höchstrichterlichen
Rechtsprechung ergeben sich für die Anerkennung einer Bundesaufgabe
folgende Voraussetzungen: Der angefochtene Entscheid muss eine
Rechtsmaterie betreffen, die in die Zuständigkeit des Bundes fällt,
(unmittelbar anwendbar und hinreichend detailliert) bundesrechtlich
geregelt ist und einen Bezug zum Natur-, Landschafts- und Heimatschutz
aufweist. Dies ist einerseits der Fall, wenn die bundesrechtliche Regelung
(zumindest auch) den Schutz von Natur, Landschaft oder Heimat
bezweckt; andererseits ist eine Bundesaufgabe zu bejahen, wenn der
bundesrechtliche Auftrag die Gefahr der Beeinträchtigung
schützenswerter Natur, Orts- und Landschaftsbilder in sich birgt (siehe
Urteile des Bundesgerichts 1C_482/2012 vom 14. Mai 2014 E.3.4 m.H.a.
- 29 -
BGE 139 II 271 E.9.3 f.; vgl. auch BGE 144 II 218 E.3.2 f m.H.a. BGE 142
II 509 E.2 und BGE 139 II 271 E.9.4).
6.5.1. Im hier zu beurteilenden Fall steht eine behindertengerechte Anpassung
des Trottoirs im Wartebereich einer Bushaltestelle und ein hindernisfrei
ausgestaltetes Wartehäuschen zur Diskussion. Das Bauvorhaben steht
mit grosser Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den Vorgaben von
Art. 15 und 22 BehiG, Art. 4 ff. VböV sowie der Verordnung des
Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und
Kommunikation (UVEK) über die technischen Anforderungen an die
behindertengerechte Gestaltung des öffentlichen Verkehrs (VAböV;
SR 151.342). Dabei handelt es sich zwar um direkt anwendbare und
hinreichend detaillierte bundesrechtliche Regelungen. Indes ist in keiner
Weise ersichtlich, inwiefern diese (auch) den Schutz von Natur,
Landschaft oder Heimat bezwecken sollen. Vielmehr sollen sie
Benachteiligungen verhindern, verringern oder beseitigen, denen
Menschen mit Behinderungen ausgesetzt sind (vgl. Art. 1 Abs. 1 BehiG).
Zudem unterscheiden sie sich etwa auch von einer neben einer
ordentlichen, primär auf kantonales und kommunales Recht gestützten
Baubewilligung erforderlichen Erteilung einer gewässerschutzrechtlichen
Ausnahme bzw. Spezialbewilligung (auch innerhalb der Bauzone), deren
natur-, landschafts- oder heimatschützerischen Funktion die Annahme
einer Bundesaufgabe gebieten würde (vgl. BGE 145 II 176 E.3.4 f., 142 II
509 E.2.3 ff. und 139 II 271 E.9.2 ff.; Urteil des Bundesgerichts
1C_482/2012 vom 14. Mai 2014 E.3.4).
6.5.2. Eine zweite vom Bundesgericht in Einzelfällen als Bundesaufgabe
anerkannte Konstellation betrifft Fälle, in denen ein bundesrechtlicher
Auftrag die Gefahr der Beeinträchtigung schützenswerter Natur, Ortsbilder
oder Landschaften in sich birgt und deshalb namentlich die
Rücksichtnahme auf die Anliegen des Natur- und Heimatschutzes
- 30 -
sichergestellt werden muss (siehe BGE 144 II 218 E.3.3, 139 II 271 E.9.4
und 131 II 545 E.2.2; Urteil des Bundesgerichts 1A.142/2004 vom
10. Dezember 2004 E.4.3). Im Zusammenhang mit der Erteilung einer
Baubewilligung innerhalb der Bauzone, welche – wie gesehen – aufgrund
der verfassungsmässigen Kompetenzenordnung gemäss Art. 75 und 78
BV grundsätzlich eine kantonale bzw. kommunale Aufgabe betrifft,
erkannte das Bundesgericht in BGE 131 II 545 betreffend die Erstellung
von Mobilfunkanlagen, dass die Bewilligung einer solchen Anlage in jedem
Fall eine Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV und Art. 2 NHG
darstelle. Dabei bezog es sich auch auf die Rechtslage betreffend die
Bewilligung von Zivilschutzbauten bzw. Schutzräumen im Sinne von
Art. 46 in der bis am 31. Dezember 2020 gültig gewesenen Fassung des
Bundesgesetzes über den Bevölkerungsschutz und den Zivilschutz
(Bevölkerungs- und Zivilschutzgesetz [BZG; SR 520.1]) und wies
ausserdem auf die Erwägungen des Urteils 1A.142/2004 vom
10. Dezember 2004 hin (siehe BGE 131 II 545 E.2.2). Im zuletzt
genannten Urteil führte das Bundesgericht als Gründe für die
Anerkennung einer Bundesaufgabe bei der Bewilligung einer
Mobilfunkanlage innerhalb der Bauzone als Besonderheit an, dass solche
Anlagen zur Erbringung einer vom Bund – gestützt auf das
Bundesfernmelderecht – konzessionierten Dienstleistung errichtet
würden. Die Mobilfunkkonzessionen verpflichteten die Konzessionärinnen
zum Aufbau eines je eigenen Mobilfunknetzes, das einen bestimmten
Prozentsatz der Bevölkerung und der Fläche abdecken müsse. Im Anhang
zu den Konzessionen würden die Konzessionärinnen verpflichtet,
insbesondere den Schutz von Objekten des Bundesinventars der
Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) und
des ISOS zu beachten. Im Merkblatt des Bundesamtes für Umwelt, Wald
und Landschaft (BUWAL) vom 30. Oktober 1998 (Mobilfunkantennen:
Berücksichtigung der Erfordernisse des Natur- und Landschaftsschutzes
- 31 -
sowie der Walderhaltung) werde ausgeführt, dass in BLN- und ISOS-
Objekten keine Antennen erstellt werden dürften, wenn damit die
Schutzziele verletzt würden. Ausnahmen seien gemäss Art. 6 NHG dann
möglich, wenn der Kanton in seiner Interessenabwägung ein gleich- oder
höherwertiges nationales Interesse anerkenne, der Standort die
grösstmögliche Schonung der Inventarobjekte gewährleiste und ein
Ausgleich geleistet werden könne. Diese Ausführungen liessen darauf
schliessen, dass das BUWAL und die Eidgenössische
Kommunikationskommission vom Vorliegen einer Bundesaufgabe
ausgingen. Sodann erwog das Bundesgericht, dass die Konzessionen
zwar einen minimalen Versorgungsgrad vorschrieben, sie aber den (im
Wettbewerb zueinanderstehenden) Mobilfunkanbietern die Standortwahl
überliessen. Weiter konstatierte es, dass die Bewilligung dieser Standorte
– innerhalb der Bauzone – Aufgabe der Kantone und der Gemeinden sei,
in deren Zuständigkeit insbesondere auch der Ortsbildschutz falle. Dies
gelte auch für die als Bundesaufgabe anerkannte Erstellung von
Zivilschutzbauten. Das Bundesgericht gelangte zum Schluss, dass das
Bundesfernmelderecht – im Unterschied zum BZG – zwar keine
Verpflichtung der Kantone und Gemeinden enthalte, Mobilfunkanlagen zu
erstellen, die Konzessionärinnen jedoch verpflichtet seien, je ein eigenes
Mobilfunknetz aufzubauen, was sie de facto zum landesweiten Bau
eigener Mobilfunkanlagen verpflichte. Die mit diesem System – der
Koexistenz mehrerer unabhängiger, landesweiter Mobilfunknetze –
verbundene Gefahr der Beeinträchtigung schützenswerter Landschaften
und Ortsbilder mache mitunter eine Regelung zum Schutz von
Inventarobjekten erforderlich, welche in der Anwendung von Art. 6 NHG
erblickt wurde und worauf auch die Mobilfunkkonzessionen verwiesen
hatten (siehe zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 1A.142/2004 vom
10. Dezember 2004 E.4.3). Aus diesen bundesgerichtlichen Erwägungen
ergibt sich, dass bei Mobilfunkanlagen aufgrund von Verpflichtungen in
- 32 -
den Konzessionen der Mobilfunkanbieter zum (parallelen) Aufbau von
mehreren, unabhängigen, landesweiten Mobilfunknetzen, einschliesslich
entsprechender Antennenanlagen, eine besondere Gefahr für den Natur-
und Heimatschutz erblickt wurde. Ein damit vergleichbares
Gefährdungspotenzial im Rahmen der Umsetzung der Vorgaben von
Art. 15 und Art. 22 BehiG sowie der Vorschriften der VböV und der VAböV
ist demgegenüber nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch
nicht geltend gemacht. Zwar besteht gestützt auf Art. 92 BV und Art. 4 des
Bundesgesetzes über die Personenbeförderung
(Personenbeförderungsgesetz, PBG; SR 745.1) im Bereich der
(Bus-)Personenbeförderung ein Regalrecht des Bundes, welcher gemäss
Art. 6 PBG Konzessionen an Unternehmen für die gewerbsmässige
Beförderung von Personen mit regelmässigen Fahrten erteilen kann
(siehe Urteile des Bundesgerichts 2C_230/2020 vom 25. März 2021 E.4.2
und 2C_43/2012 vom 24. April 2012 E.2.1; vgl. zu den Auswirkungen
betreffend das BehiG und den Kompetenzen von Kantone und Bund:
SCHEFER/HESS-KLEIN, in: Griffel/Liniger/Rausch/Thurnherr [Hrsg.],
Fachhandbuch Öffentliches Baurecht, Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 3.549
m.H.a. SCHEFER/HESS-KLEIN, Behindertengleichstellungsrecht, Bern 2014,
S. 151 f.). Für die Erteilung einer Konzession oder Bewilligung gemäss
PBG, haben die darum ersuchenden Unternehmen aber insbesondere
nachzuweisen, dass für das bestehende Angebot anderer
Transportunternehmen keine volkswirtschaftlich nachteiligen
Wettbewerbsverhältnisse entstehen. Namentlich darf betreffend
Fernverkehr kein bestehendes und vom Bund konzessioniertes
Verkehrsangebot in seinem Bestand existenziell gefährdet werden und
betreffend den Regionalverkehr ist etwa der Nachweis zu erbringen, dass
ein bestehendes und von der öffentlichen Hand durch Betriebs- oder
Investitionsbeiträge mitfinanziertes Verkehrsangebot (bloss) ergänzt wird
(siehe Art. 9 Abs. 2 lit. b PBG). Aufgrund dieses
- 33 -
Konkurrenzierungsverbots unterscheidet sich das System der (vom Bund
konzessionierten) regelmässigen und gewerbsmässigen
Personenbeförderung mittels öffentlichem Verkehr hinsichtlich der
Wettbewerbssituation zwischen den Anbietern von demjenigen im
Mobilfunkbereich, wo mehreren, im Wettbewerbsverhältnis
zueinanderstehenden Anbietern (vgl. dazu insbesondere Art. 1 Abs. 2 lit. c
und Art. 23 Abs. 4 des eidgenössischen Fernmeldegesetzes [FMG;
SR 784.10] sowie Urteil des Bundesgerichts 1A.280/2004 vom
27. Oktober 2005 E.3.4) eine (Funk-)Konzession für den Betrieb der
Mobilfunknetzes erteilt wird und diese jeweils ein unabhängiges,
landesweites Netz unterhalten. Zudem ist namentlich bei Bushaltestellen
aus technischer Sicht auch kein paralleler Betrieb von mehreren,
unabhängigen Haltestellenetzen nötig, wie es bei den Mobilfunknetzen
realisiert wurde. Damit besteht im Unterschied zu den Mobilfunknetzen bei
den Haltestellen des öffentlichen Verkehrs keine vergleichbare Gefahr für
den Natur-, Landschafts- und Heimatschutz infolge paralleler und
flächendeckend aufzubauender Infrastrukturnetze von verschiedenen
Anbietern. Hinzu kommt, dass Anpassungen an der Infrastruktur für den
öffentlichen Verkehr im Hinblick auf die Gewährleistung eines
barrierefreien Zuganges, wie etwa die Erhöhungen von Trottoirs in
Bushaltestellenbereichen, in der Tendenz sicher weniger geeignet sind,
einen massgebenden Einfluss auf schützenswerte Natur-, Landschafts-
oder Heimatschutzobjekte zu gewärtigen. Zudem werden barrierefreie
Witterungsschutzbauten, wie Wartehäuschen, nicht flächendeckend,
sondern nur an stärker frequentierten Bushaltestellen erstellt. Bei der
hindernisfreien Umgestaltung von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs
handelt es sich denn auch vielfach um eher kleinräumige Anpassungen
von bestehenden Situationen, welche nicht vergleichbar sind mit den
potenziellen Auswirkungen von Mobilfunkanlagen, die unter Umständen
für eine gute Netzabdeckung auf relativ hohen Masten angebracht werden
- 34 -
müssen. Ebenso wenig lassen sie sich mit allfälligen Eingriffen in
schützenswerte (Bau-)Substanz bzw. Schutzzielen von Natur- und
Heimatschutzobjekte im Rahmen der Erstellung/Änderung von
Zivilschutzbauten vergleichen, welche regelmässig viel grössere
Dimensionen als die zur Diskussion stehenden Anpassungen an
Infrastrukturanlagen des öffentlichen Verkehrs in Nachachtung des BehiG,
der VböV und der VAböV aufweisen.
Zur Anerkennung einer Bundesaufgabe im Rahmen einer
projektbezogenen Sondernutzungsplanung für eine unterirdische
Zivilschutzanlage (siehe Urteil des Bundesgerichts vom 1A.231/1998 vom
12. Juli 1999, publ. in: RADF 2000 I S. 141; siehe auch URP 2000 S. 659)
ist zudem noch zu bemerken, dass nach der neueren bundesgerichtlichen
Rechtsprechung projektbezogenen Sondernutzungsplanungen bei
entsprechendem Detaillierungsgrad die Wirkung einer Baubewilligung
zukommen und dies (im Rahmen einer rechtsprechungsgemäss
anerkannten Bundesaufgabe) zur Anwendbarkeit der (bundesrechtlichen)
Schutzvorschriften über den Natur- und Heimatschutz führen kann (siehe
Urteil des Bundesgerichts 1C_583/2017 vom 11. Februar 2019 E.3.4 ff.,
auszugweise publiziert in: BGE 145 II 176). Zur ursprünglichen
Qualifikation der Erstellung einer Zivilschutzbaute als Bundesaufgabe
durch das Bundesgericht ist darauf hinzuweisen, dass im Zeitpunkt des
Urteils 1A.231/1998 vom 12. Juli 1999 der Bund finanzielle Beiträge etwa
für die Erstellung und Erneuerung von (Zivilschutz-)Anlagen und
(öffentlichen) Schutzräumen geleistet hatte (siehe Art. 55 Abs. 1 lit. c des
vormaligen Bundesgesetzes vom 17. Juni 1994 über den Zivilschutz
[Zivilschutzgesetz, ZSG; SR 520.1; aufgehoben per 1. Januar 2004],
Art. 52 ff. der Verordnung vom 19. Oktober 1994 über den Zivilschutz
[Zivilschutzverordnung, ZSV; SR 520.11, aufgehoben per 1. Januar 2004]
und Art. 5 des vormaligen Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1963 über die
- 35 -
baulichen Massnahmen im Zivilschutz [Schutzbautengesetz, BMG;
SR 520.2; aufgehoben per 1. Januar 2004], siehe dazu AS 1994 2626
2638 2659 ff. und 2668). An dieser Ausgangslage einer zumindest
teilweisen Bundesfinanzierung von gewissen Zivilschutzbauten änderte
sich im Zeitpunkt der Urteile des Bundesgerichts 1A.142/2004 vom
10. Dezember 2004 und 1A.6/2005 vom 15. August 2005 (auszugsweise
publiziert in BGE 131 II 545) zumindest betreffend (Zivil-)Schutzanlagen
trotz Wechsel von der Beitrags- zur Zuständigkeitsfinanzierung nichts
Grundlegendes (vgl. Art. 50 f. und Art. 71 Abs. 2 aBZG in der per 1. Januar
2021 aufgehobenen Fassung bzw. Art. 67 f und Art. 91 Abs. 2 BZG in der
ab dem 1. Januar 2021 gültigen Fassung). Mit der Totalrevision der
Zivilschutzgesetzgebung von 2004 wurde jedoch beschlossen, die
Schutzraumbaupflicht gemäss Art. 46 f. aBZG bzw. ab dem 1. Januar
2021 Art. 61 f. BZG zu reduzieren bzw. auf das Notwendigste zu
beschränken und die erhobenen Ersatzabgaben vornehmlich für die
Erstellung von noch notwendigen öffentlichen Schutzräumen einzusetzen
(vgl. Botschaft zur Totalrevision der Zivilschutzgesetzgebung vom
17. Oktober 2001 [BBl 2002 1685 1693 ff., 1716 und 1719]). Diesem
Umstand wurde im vorgenannten BGE 131 II 545 indes nicht spezifisch
Rechnung getragen, da darin mit Blick auf die Qualifikation als
Bundesaufgabe nur in allgemeiner Weise auf die Rechtslage bei der
Errichtung von Zivilschutzbauten verwiesen wurde (vgl. BGE 131 II 545
E.2.2 mit Verweis auf das Urteil des Bundesgerichts 1A.231/1998 vom
12. Juli 1999), ohne zwischen der Erstellung bzw. Bewilligung von
Schutzanlagen und Schutzräumen zu unterscheiden. Aufgrund der
ursprünglichen Finanzierungsregelungen für (Zivil-)Schutzanlagen und
(Zivil-)Schutzräumen gemäss dem vor dem 1. Januar 2004 geltenden
ZSG, der damals geltenden ZSV sowie dem BMG erscheint in Anbetracht
von Art. 2 Abs. 1 lit. c, Art. 3 Abs. 2 lit. c NHG und den kurz nach Fällung
des bundesgerichtlichen Urteils 1A.231/1998 in Kraft getretenen Art. 2
- 36 -
Abs. 2 NHG (vgl. für die Beweggründe der Einfügung dieses Absatzes im
Hinblick auf eine frühzeitige Koordination mit Art. 3 Abs. 2 lit. c NHG:
Botschaft zu einem Bundesgesetz über die Koordination und
Vereinfachung der Plangenehmigungsverfahren vom 25. Februar 1998
[BBl 1998 III 2591 2615] und ZUFFEREY, in: Keller/Zufferey/Fahrländer
[Hrsg.], Kommentar NHG, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2019, Art. 2 Rz. 19)
die Anerkennung einer Bundesaufgabe zum damaligen Zeitpunkt im
genannten Urteil 1A.231/1998 durchaus nachvollziehbar (vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts 1C_386/2012 vom 3. September 2013 E.5.4.1 m.H.a.
BGE 117 Ib 42 E.4; Urteil des Bundesgerichts 1A.11/2007 vom 16. Mai
2007 E.2.5 f. betreffend den Anwendungsbereich von Art. 2 Abs. 1 lit. c
und Abs. 2 NHG). Diese Rechtsprechung wurde sodann aber in den
bundesgerichtlichen Urteilen aus den Jahren 2004 und 2005 ohne
Weiteres übernommen, ohne sich – wie bereits erwähnt – vertieft mit der
sich in gewisser Hinsicht veränderten Rechtslage im Bereich der
Finanzierung von Zivilschutzbauten auseinanderzusetzen.
6.5.3. Soweit die (Mit-)Finanzierung von gewissen Zivilschutzbauten durch den
Bund grundsätzlich den Anwendungsbereich von Art. 2 NHG zu eröffnen
vermag, stellt sich die Sachlage zur Finanzierung der in Nachachtung des
BehiG, der VböV und der VAböV barrierefrei zu gestaltenden
Bushaltestelle sowie des Wartehäuschens als Witterungsschutz für die
Passagiere anders dar. Denn dafür kann – soweit ersichtlich – keine
Finanzierung des Bundes beansprucht werden. Vielmehr müssen diese
durch den Kanton und die Gemeinden finanziert werden (vgl. dazu
Arbeitshilfe "Hindernisfreie Bushaltestellen im Kanton Graubünden" für
Gemeinden zur Anpassung der Bushaltestellen nach dem BehiG vom 26.
März 2019, S. 11 f., abrufbar unter:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/diem/aev/dokumentation/V
Dokumente/Arbeitshilfe%20Ausbau%20Bushaltestellen%20nach%20Beh
- 37 -
iG_26.03.19.pdf; Erläuterungen des Bundesamtes für Verkehrs zum
Umsetzungskonzept BehiG-Finanzhilfen vom März 2018, abrufbar unter:
https://www.bav.admin.ch/dam/bav/de/dokumente/themen/barrierefreiheit
/erlaeuterungen_zumumsetzungskonzept.pdf.download.pdf/erlaeuterung
en_zumumsetzungskonzept.pdf, jeweils zuletzt besucht am:
13. September 2022; Botschaft der Regierung an den Grossen Rat
betreffend Beiträge an Sanierungen von Bushaltestellen gemäss
Behindertengleichstellunggesetz vom 20. August 2019, Heft Nr. 6/2019-
2020, S. 338 ff. und der entsprechende Beschluss des Grossen Rates
vom 3. Dezember 2019; Botschaft der Regierung an den Grossen Rat zur
Totalrevision des Gesetzes über den öffentlichen Verkehr im Kanton
Graubünden vom 3. Mai 2022, Heft Nr. 2/2022-2023, S. 173 f.; Art. 19
Abs. 1 lit. f des Gesetzes über den öffentlichen Verkehr im Kanton
Graubünden [GöV; BR 872.100]; Art. 27 des mit Beschluss des Grossen
Rates vom 2. September 2022 totalrevidierten GöV [noch nicht in Kraft
gesetzt]). Insofern ist die Sachlage im vorliegenden Fall auch unter diesem
Gesichtspunkt nicht mit derjenigen von Zivilschutzbauten vergleichbar.
Damit ist entgegen der Auffassung der Verfahrensbeteiligten nicht von
einer Bundesaufgabe im Sinne von Art. 78 Abs. 2 BV und Art. 2 NHG
auszugehen, womit auch keine Verpflichtung zur Begutachtung gemäss
Art. 7 f. NHG durch die eidgenössischen Kommissionen (EKD/ENHK) zur
Diskussion steht (siehe LEIMBACHER, in: Keller/Zufferey/Fahrländer [Hrsg.],
Kommentar NHG, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2019, Art. 7 Rz. 2 und Art. 8
Rz. 2). Ebenso ist weder eine qualifizierte Interessenabwägung nach
Art. 6 Abs. 2 NHG bzw. Art. 10 Abs. 2 VISOS vorzunehmen noch im Sinne
von Art. 7 Abs. 1 Satz 2 NHG und Art. 2 Abs. 3 f. NHV die kantonale
Fachbehörde gemäss Art. 25 Abs. 2 NHG beizuziehen (vgl. zur
Zuständigkeit für die Einholung eines Gutachtens bei den
- 38 -
eidgenössischen Kommissionen: LEIMBACHER, in:
Keller/Zufferey/Fahrländer [Hrsg.], a.a.O., Art. 7 Rz. 8).
6.6.1. Für den Kanton Graubünden wird das ISOS vorliegend insbesondere
gestützt auf Art. 17 RPG i.V.m. Art. 43 KRG dergestalt umgesetzt, als die
kommunale Grundordnung Siedlungsbereiche und Einzelbauten von
besonderer künstlerischer, historischer, architektonischer oder
landschaftsprägender Bedeutung gestützt auf Siedlungsanalysen oder
andere Grundlagen als generell geschützte Siedlungsbereiche und
Einzelbauten in den Generellen Gestaltungsplan aufzunehmen hat (vgl.
dazu auch Art. 11 VISOS, in Kraft ab: 1. Januar 2020 bzw. Art. 4a der
altrechtlichen Verordnung vom 9. September 1981 über das
Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz [aVISOS], in
Kraft ab: 1. Juli 2010). Den Beurteilungen gemäss der ISOS-
Ortsbildaufnahme ist die Beschwerdegegnerin insoweit nachgekommen,
als sie den Dorfkern samt näherer Umgebung – einschliesslich die hier
massgeblichen Teile der Parzellen C._, H._ und I._ – im
Generellen Gestaltungsplan (GGP) im Sinne von Art. 22 Abs. 2 und
Art. 43 Abs. 1 KRG als Ortsbildschutzbereich gemäss Art. 36 BG
ausgewiesen hat. Nach dessen Abs. 1 sind in den im Generellen
Gestaltungsplan bezeichneten Ortsbildschutzbereichen Neubauten und
Umbauten sowie Renovationen mit besonderer Sorgfalt zu gestalten und
auszuführen; Bauten und Anlagen, Gassen, Plätze, Mauern, Gärten und
Pflanzen von besonderer Bedeutung sind zu respektieren und zu erhalten.
Ausserdem hat die Beschwerdegegnerin im GGP einzelne Objekte – wie
namentlich das G._ auf der Parzelle F._ sowie die Kirche auf der
Parzelle O._ – als geschützte Bauten im Sinne von Art. 39 BG
ausgeschieden (vgl. zum Ganzen BGE 147 II 351 E.4.3 und 135 II 209
E.2.1 ff.; Urteile des Bundesgerichts 1C_643/2020 vom 7. Januar 2022
E.3.2 f., 1C_498/2020 vom 3. November 2021 E.1.7, 1C_578/2016 vom
- 39 -
28. Juni 2017 E.3.1 ff. sowie 1C_488/2015 vom 24. August 2016 E.4.3,
4.5.3 und 4.5.5; siehe betreffend die Anforderungen an die
Interessenabwägung bei einer das ISOS umsetzenden Nutzungsplanung:
Urteile des Bundesgerichts 1C_328/2020 vom 22. März 2022 E.3.5.1 und
1C_100/2020 vom 28. Juni 2021 E.3). Danach dürfen diese weder
vollständig abgebrochen noch vollständig ausgekernt werden, wobei der
Gemeindevorstand Teilabbrüche gestatten kann, soweit die
abzubrechenden Gebäudeteile nicht für den festgelegten Schutz
mitbestimmend sind (Art. 39 Abs. 1 BG). Zudem haben sich Änderungen
der Nutzung und der Gestaltung der geschützten Bauten unter
grösstmöglicher Wahrung der historischen Bausubstanz auf das
Unerlässliche zu beschränken (Art. 39 Abs. 2 BG).
6.6.2. Die Beschwerdegegnerin hat also die Schutzziele des ISOS –
einschliesslich die mit dem Erhaltungsziel A (Substanzschutz) vermerkten
Einzelelemente G._ und Kirche sowie die ebenfalls mit Erhaltungsziel
a (Erhalten der Beschaffenheit) bezeichnete Umgebungs-Zone V – auf
Stufe Grundordnung über den GGP und den Ortsbildschutzbereich
gemäss Art. 36 BG bzw. die geschützten Bauten im Sinne von Art. 39 BG
grundeigentümerverbindlich umgesetzt. Es liegt somit keine Situation vor,
in der die kommunale Nutzungsplanung die Schutzziele des ISOS
geradezu missachtet, was zur direkten Anwendung des ISOS führen
würde (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_498/2020 vom 3. November
2021 E.1.5.3 und 1C_488/2015 vom 24. August 2016 E.4.5.5). Der
Beschwerdeführer macht denn auch keine – ohnehin nur unter strengen
Voraussetzungen zulässige – akzessorische Überprüfung der
Grundordnung auf ihre Konformität mit dem ISOS geltend (vgl. dazu
BGE 147 II 300 E.2.3 und 145 II 83 E.5.1; Urteile des Bundesgerichts
1C_287/2021 vom 25. Juli 2022 E.3.2 f. und 9.4, 1C_493/2021 vom
15. Februar 2022 E.3.3.3 sowie 1C_608/2020 vom 14. Januar 2022 E.2.2
- 40 -
und 7.2). Bei der Umsetzung der durch die ISOS-Ortsbildaufnahme
festgestellten Schutzwürdigkeit einer Einzelbaute, einer Baugruppe, eines
Gebiets oder von Umgebungsbereichen besteht hinsichtlich deren
konkreten Umsetzung im Rahmen der eigentümerverbindlichen
Festlegung in der Grundordnung als grundsätzlich kantonale bzw.
kommunale Aufgabe zudem ein gewisser Ermessensspielraum (vgl. VGU
R 18 69 vom 7. Januar 2020 E.5.3.1 und R 18 15 vom 7. Januar 2020 E.3,
je m.H.a. LEIMBACHER, in: Keller/Zufferey/Fahrländer, Art. 6 Rz. 25; vgl.
betreffend die fehlenden formellen Anforderungen des NHG in diesem
Rahmen bzw. die vom Bundesrecht gestellten Anforderungen an die
Berücksichtigung und Konkretisierung des ISOS in der [kantonalen und
kommunalen] Nutzungsplanung: BGE 135 II 209 E.3 und 5.2; Urteile des
Bundesgerichts 1C_328/2020 vom 22. März 2022 E.3.5.1, 1C_100/2020
vom 28. Juni 2021 E.3, 1C_398/2015 vom 9. August 2016 E.5.3 ff.,
1C_276/2015 vom 29. April 2016 E.3.1 und 3.3 sowie 1C_130/2014 vom
6. Januar 2015 E.2.1 ff.). Auch wenn das ISOS demnach nur mittelbar
über die kommunale Nutzungsplanung anwendbar ist, ist es aber im
Rahmen von Entscheidungsspielräumen zu beachten, indem die vom
konkreten Fall betroffenen öffentlichen und privaten Interessen
gegeneinander abzuwägen sind, wozu auch die Interessen an ISOS-
Objekten gehören (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_53/2019 vom
3. Juni 2020 E.5.2 f. und 7.1, 1C_578/2016 vom 28. Juni 2017 E.3.1 ff.
sowie 1C_474/2016 vom 1. Juni 2016 E.3.1 ff.; VGU R 18 21 vom
10. September 2019 E.6.1 m.H.a. HEER, in: BR/DC 4/2019, Aktuelle
Rechtsfragen zum ISOS, S. 191).
6.6.3. Dass im vorliegenden Fall eine Beurteilung des Bauprojekts bzw. – in
erster Linie – des strittigen Wartehäuschens nach dem vorstehend
dargelegten, in der kommunalen Grundordnung und dem kantonalen
Recht verankerten Schutzkonzept erfolgt wäre, bei welcher den Anliegen
- 41 -
des Ortsbild-, Denkmal- und Heimatschutzes Rechnung zu tragen und bei
welcher im Rahmen von Entscheidungsspielräumen bei der
Güterabwägung auch die Interessen an ISOS-Objekten zu beachten sind,
ist – wie der Beschwerdeführer zu Recht vorbringt – nicht ersichtlich. Denn
Dergleichen ergibt sich weder aus dem angefochtenen Bau- und
Einspracheentscheid vom 20. April 2021 noch aus den im Recht liegenden
Unterlagen. Auch im vorliegenden Verfahren tut die Beschwerdegegnerin
einzig kund, ihren Entscheid in Würdigung aller Umstände erlassen zu
haben (vgl. Duplik vom 10. Januar 2022 S. 8), ohne ihre Erwägungen und
Beurteilungen aber näher zu substanziieren und zu belegen. Wenn sie
sich ferner auf Art. 10 VISOS beruft, nach dessen Abs. 1 keine
Auswirkungen auf die Erreichung der Erhaltungsziele zeitigende Eingriffe
genauso zulässig sind wie geringfügige Beeinträchtigungen eines Objekts,
wenn sie sich durch ein überwiegendes Interesse rechtfertigen lassen,
was ihrer Auffassung nach bei einer behindertengerechten Haltestelle mit
schlichtem Wartehäuschen erfüllt sei, verkennt sie, dass vorliegend keine
Erfüllung einer Bundesaufgabe in Frage steht (vgl. hierzu die vorstehende
Erwägungen 6.5.1 ff.) und es überhaupt an einer ausgewiesenen
fachkundigen Beurteilung zu diesem Gesichtspunkt mangelt. Zudem greift
auch der Einwand, wonach das neue Wartehäuschen nicht zu der mit
Sorgfalt zu behandelnder Umgebung des G._ gehört, insoweit zu
kurz, als es in dem im GGP ausgeschiedenen Ortsbildschutzbereich zu
liegen kommen soll, in welchem namentlich Neu- und Umbauten mit
besonderer Sorgfalt zu gestalten sowie Bauten und Anlagen, Plätze,
Gärten und Pflanzen von besonderer Bedeutung zu respektieren bzw. zu
erhalten sind (siehe Art. 36 Abs. 1 BG). Daneben stehen auch das
G._ und die Kirche in der näheren Umgebung. Bei der Beurteilung,
ob diesen besonderen Gestaltungsvorgaben beim geplanten
Bauvorhaben nachgelebt wird, sind nach dem Vorerwähnten auch die
Schutzanliegen gemäss ISOS bei Entscheidungsspielräumen, bei
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allfälligen Interessenabwägungen sowie bei der Auslegung von
unbestimmten Rechtsbegriffen zu berücksichtigen. In verfahrensmässiger
Hinsicht sieht hierfür Art. 36 Abs. 2 BG vor, dass eine Stellungnahme des
Bauberaters (siehe dazu auch Art. 9 BG) einzuholen ist. Dies ist
ausweislich der Akten vorliegend nicht geschehen, was deshalb
nachzuholen ist. Dabei wird das strittige Bauvorhaben – den
Beanstandungen des Beschwerdeführers entsprechend – (primär) im
Hinblick auf das Wartehäuschen umfassend und fachkundig unter
Berücksichtigung der Anliegen des Heimat-, Ortsbild- und
Denkmalschutzes im Zusammenspiel zwischen dem G._, der Kirche
und dem mit einem Brunnen ausgestatteten Platz zu beurteilen sein,
wobei auch den das G._ betreffende Schutzmassnahmen im Sinne
der Heimatschutzgesetzgebung Rechnung zu tragen sein wird. Zu diesem
Zweck ist die Angelegenheit in entsprechender Aufhebung des
angefochtenen Bau- und Einspracheentscheides an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Insofern ist auf die beantragte
Einholung eines Gutachtens zu verzichten, da die Auswirkungen der
Neugestaltung der Bushaltestelle Dorfplatz auf das Ortsbild in der
Umgebung des G._ und der Kirche sowie die bei
Entscheidungsspielräumen, insbesondere bei Güterabwägungen, zu
beachtenden Interessen an ISOS-Objekten durch den Bauberater oder die
Bauberaterin in dessen bzw. deren Stellungnahme – allenfalls unter
Beizug der kantonalen Denkmalpflege (siehe dazu Art. 9 Abs. 4 BG) – zu
beurteilen ist.
7. Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen und der
angefochtene Bau- und Einspracheentscheid vom 20. April 2021 insoweit
aufzuheben, als die Angelegenheit im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Im Übrigen wird die
Beschwerde abgewiesen.
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8.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens, in welchem der Beschwerdeführer
weder mit seinem (erst replicando explizit gestellten) Antrag auf eine
Verweigerung der Baubewilligung noch mit der implizierten Nichtigkeit
infolge fehlender BAB-Bewilligung (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
1C_566/2019 vom 5. August 2020 E.5.2) noch mit seinen Rügen zur
Gestaltung der eigentlichen Bushaltestelle östlich der Zufahrt zu seiner
Parzelle D._ durchdringt, rechtfertigt es sich, die Gerichtskosten in
Anwendung von Art. 73 Abs. 1 VRG je zur Hälfte ihm und der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dabei erweist sich eine Staatsgebühr
von CHF 2'500.-- (zzgl. Kanzleiauslagen) als angemessen (vgl. Art. 75
Abs. 2 VRG).
8.2. Ausserdem hat der Beschwerdeführer im Umfang seines Obsiegens
Anspruch auf eine aussergerichtliche Parteientschädigung (Art. 78 Abs. 1
VRG). Gemäss Art. 2 Abs. 1 und 2 der Verordnung über die Bemessung
des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarverordnung, HV; BR 310.250) setzt die urteilende Instanz die
Parteientschädigung der obsiegenden Partei nach Ermessen fest, wobei
sie grundsätzlich von dem der entschädigungsberechtigen Partei für die
anwaltliche Vertretung in Rechnung gestellten Betrag ausgeht. Der
vereinbarte Stundenansatz zuzüglich allfälligem Interessenwertzuschlag
muss aber üblich sein, darf keine Erfolgszuschläge enthalten und die
geforderte Entschädigung darf nicht zu einer von der Sache bzw. von
legitimen Rechtschutzbedürfnissen her nicht gerechtfertigten Belastung
der unterliegenden Partei führen (Art. 2 Abs. 2 Ziffer 1 und 3 HV). Üblich
ist ein Stundenansatz zwischen CHF 210.-- und 270.-- (siehe Art. 3 Abs. 1
HV). Gemäss Art. 2 Abs. 2 Ziffer 2 HV und Art. 16a Abs. 2 des
Anwaltsgesetzes (BR 310.100) muss der geltend gemachte Aufwand
zudem angemessen und für die Prozessführung erforderlich sein. Nach
Art. 4 Abs. 1 HV haben die Parteien grundsätzlich zu Beginn des
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Verfahrens eine vollständige, unterschriebene Honorarvereinbarung
einzureichen. Wenn dies unterlassen wird, kann die urteilende Instanz
davon absehen, für die Festsetzung der Parteientschädigung die
Anwaltsrechnung bzw. Honorarnote beizuziehen. Vorliegend reichte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers dem Gericht am 26. Januar 2022
eine Honorarnote über CHF 2'768.85 für 10.4 Arbeitsstunden à
CHF 240.-- (CHF 2'496.--) zzgl. 3 % Spesen (CHF 74.90) und 7.7 %
MWST (CHF 197.95) ein. Die geltend gemachten Aufwendungen
erscheinen dem streitberufenen Gericht bei vorliegender
Honorarvereinbarung über den veranschlagten Stundensatz an sich noch
als vertretbar. Folglich hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer – analog zur Kostenverteilung – aussergerichtlich mit
CHF 1'384.40 (= 1⁄2 von CHF 2'768.85) zu entschädigen. Der
Beschwerdegegnerin steht gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG keine
Parteientschädigung zu, da sie teilweise lediglich in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegte und nicht ersichtlich ist, weshalb vorliegend von
der Grundregel des grundsätzlich fehlenden Entschädigungsanspruches
einer Gemeinde abzuweichen wäre.