Decision ID: fe4f7f89-4bb9-4847-9ec2-2ba7fa5edad8
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherte oder Beschwerdeführerin) hatte sich am
19. September 2011 bei der Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen
zum Bezug von Leistungen angemeldet (IV-act. 1). Sie machte geltend,
krankheitsbedingt (insbesondere wegen Rückenproblemen und Depressionen) seit ca.
zehn Jahren in ihrer Tätigkeit als Hausfrau eingeschränkt zu sein. Hausarzt Dr. med.
B._, deutscher Facharzt für Allgemeinmedizin, der die Praxis des früheren
Hausarztes Dr. med. C._ übernommen hatte (IV-act. 12) und sie seit 15. August 2011
behandelte, zählte nach der Konsultation der Versicherten vom 9. Dezember 2011 im
Bericht an die Invalidenversicherung (IV) als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit auf: Halswirbelsäulen(HWS)-Syndrom, Lendenwirbelsäulen(LWS)-
Syndrom, Anzeichen für Fibromyalgien, unspezifische Kopfschmerzen und Insomnien
(IV-act. 14).
A.b Am 6. Februar 2012 beantwortete die Versicherte den Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt (IV-act. 18-2 ff.; berufliche
Eingliederungsmassnahmen waren laut Mitteilung der IV-Stelle vom 27. Oktober 2011
als nicht angezeigt beurteilt worden [IV-act. 10]). Die Haushaltsabklärung vor Ort wurde
am 22. Mai 2012 durch eine Abklärungsperson der SVA vorgenommen (AOS; IV-act.
22). Mangels Deutschkenntnissen der Versicherten gaben dabei vorwiegend ihre
Tochter und teilweise ihr Ehemann Auskunft. Gestützt auf die Abklärung AOS wurde
die Versicherte zu 100% als Hausfrau eingestuft (IV-act. 22-11). Mit seinem
Verlaufsbericht vom 2. Juli 2012 (IV-act. 23-1 ff.) reichte Dr. B._ der IV-Stelle den
Bericht von Dr. med. D._, Facharzt FMH für medizinische Radiologie über das
Magnetresonanztomogramm (MRI) vom 15. Dezember 2011 (IV-act. 23-6 f.) sowie
denjenigen von Dr. med. E._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, vom 9. Februar 2012
(IV-act. 23-4 f.) ein. Dr. med. F._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin und
zertifizierter medizinischer Gutachter (SIM), vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
IV Ostschweiz, führte in seiner Stellungnahme vom 9. Juli 2012 (IV-act. 24) aus, es
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bestehe wohl ein Gesundheitsschaden, anhaltende Arbeitsfähigkeits-relevante oder
leistungserwirkende Diagnosen bestünden jedoch nicht. Die Problematik der
Versicherten sei vorwiegend psychosozialer Natur.
A.c Mit Vorbescheid vom 2. August 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
aufgrund der Unterlagen und Abklärungen liege keine relevante oder leistungswirkende
(gemeint offenbar: leistungserwirkende) Diagnose vor. Da somit keine Invalidität
ausgewiesen sei bzw. der Invaliditätsgrad unter 40% liege, bestehe kein
Rentenanspruch (IV-act. 29). Am 4. Oktober 2012 wandte die Versicherte, neu vertreten
durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, St. Gallen, dagegen ein (IV-act. 33), ohne
Gesundheitsbeeinträchtigungen wäre sie zu 50% erwerbstätig. Der medizinische
Sachverhalt sei nicht genügend abgeklärt. Daher beantragte sie neben einer
Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% und der
unentgeltlichen Prozessführung, es seien weitere medizinische Abklärungen in die
Wege zu leiten.
A.d RAD-Arzt Dr. F._ führte am 11. Oktober 2012 (IV-act. 34) zu den Einwänden der
Rechtsvertreterin aus, sie bringe keine neuen medizinischen Fakten bei. Seine
Ausführungen vom 7. September 2012 (IV-act. 24) seien daher nach wie vor korrekt.
Am 15. Oktober 2012 notierte die Abklärungsperson AOS der SVA zudem (IV-act. 35),
an der Qualifikation der Versicherten 100% Haushalt sei festzuhalten, da sie über Jahre
nie Anstalten gemacht habe, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Der
Gesundheitszustand des Ehemannes habe auch nie eine Betreuung oder Pflege auf
Dauer nötig gemacht. Mit dieser (sinngemäss übernommenen) Begründung wurden die
Einwände gegen den Vorbescheid erwidert und mit Verfügung vom 15. Oktober 2012
der Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente abgelehnt.
B.
B.a Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 15. Oktober 2012 erhob die Versicherte,
weiterhin vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Linda Keller, St. Gallen, am 19. No
vember 2012 Beschwerde und stellte folgende Anträge (act. G 1):
1. Die Verfügung der IV-Stelle vom 15. Oktober 2012 sei aufzuheben.
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2. Der Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50% zuzusprechen.
3. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, weitere medizinische Abklärungen in
Auftrag zu geben.
4. Der Beschwerdeführerin sei für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche
Prozessführung unter Einsetzung der unterzeichneten Rechtsanwältin als
unentgeltlicher Rechtsbeistand zu gewähren.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung führte die Rechtsvertreterin an, bei der Qualifikation der
Beschwerdeführerin als Hausfrau zu 100% sei insbesondere übersehen worden, dass
sie, wäre sie nicht erkrankt, aus sozialhilfe- bzw. ausländerrechtlichen Gründen eine
Arbeitstätigkeit zumindest in einem Teilpensum hätte aufnehmen müssen. Bei der
gegebenen Sozialhilfeabhängigkeit, auch durch die Invalidität ihres Ehemannes
bedingt, müssten sie beide die Schweiz mittelfristig verlassen. Sie wäre daher
verpflichtet gewesen, eine Arbeitstätigkeit aufzunehmen, spätestens ab dem Zeitpunkt,
in dem die Kinder keiner intensiven Betreuung mehr bedurft hätten. Der zuständige
RAD-Arzt habe die Beschwerdeführerin weder gesehen, noch untersucht, noch
begutachtet, sondern seine Beurteilung lediglich aufgrund der ihm zugestellten Akten
abgegeben. Nachdem aufgrund der ärztlichen Berichte feststehe, dass sie an
verschiedenen Beschwerden leide, die organisch nachweisbar seien, der RAD-Arzt in
seinen Beurteilungen jedoch festgehalten habe, dass er über ihre Einschränkungen
oder Funktionseinbussen keine zuverlässigen Angaben machen und höchstens
spekulieren könne (IV-act. 17), seien weitere Abklärungen ihrer Arbeitsfähigkeit
unabdingbar. Dr. E._ habe festgehalten, dass nur mehr eine mikrochirurgische
Operation (der Wirbelsäule) in Frage komme. Auch das dokumentierte Verhalten der
Beschwerdeführerin während der Haushaltsabklärung (IV-act. 22-9) habe weiteren
medizinischen Abklärungsbedarf aufgezeigt, habe sie sich doch während des
Gesprächs "völlig abgelöscht" präsentiert, während rund einer Stunde auf einem
Polsterstuhl gesessen und permanent ins Leere gestarrt. Sie habe sich in keiner Weise
geregt, keine Mimik, keine Gestik, nie Augenkontakt, ohne jegliche Spannkraft. Die
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Beschwerdegegnerin habe den Sachverhalt nur unvollständig abgeklärt und sei damit
dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Untersuchungsgrundsatz offensichtlich
nicht nachgekommen.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. Dezember 2012 (act. G 4) beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus,
weder aus dem Bericht von Dr. B._ noch aus demjenigen von Dr. E._ würden sich
Anhaltspunkte ergeben, dass die Beschwerdeführerin (teilweise) arbeitsunfähig sei. Der
RAD habe in seiner Stellungnahme vom 9. Juli 2012 (IV-act. 24) richtig festgehalten,
dass keine invalidisierenden Befunde ersichtlich seien. Die geltend gemachten
Probleme seien einzig auf soziokulturelle Faktoren zurückzuführen, die aber nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts für sich allein keine Invalidität im Sinn von Art. 8
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) begründeten. Es sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer rückenadaptierten Tätigkeit auszugehen. Da ausser den
von Dr. E._ dokumentierten keine Anhaltspunkte für Gesundheitsschäden bestünden,
seien keine weiteren medizinischen Abklärungen notwendig. Die _-jährige
Beschwerdeführerin sei bisher nie erwerbstätig gewesen und habe sich nie um eine
Arbeitsstelle bemüht. Ihr jüngstes Kind sei 1988 geboren. Spätestens 1998 hätte sie
ohne Weiteres eine 50%ige und ab 2004 eine volle Erwerbstätigkeit aufnehmen
können. Ihr Ehegatte sei und wäre zudem nie pflegebedürftig gewesen. Ihr
Invaliditätsgrad sei daher zu Recht ausschliesslich gestützt auf die Haushaltstätigkeit
festgesetzt worden.
B.c Am 18. Dezember 2012 wurde das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege be
willigt, die Beschwerdeführerin davon befreit, die Gerichtskosten zu tragen, und die
Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwältin Keller bewilligt (act. G 8).
B.d Mit der Replik vom 30. Januar 2013 hielt die Rechtsvertreterin der Beschwerde
führerin vollumfänglich an den Ausführungen in der Beschwerde fest und betonte, dass
nicht nur Dr. E._, sondern auch Dr. D._ im Bericht vom 15. Dezember 2011 (IV-act.
23-6 f.) mehrere degenerative Befunde diagnostiziert habe.
B.e Die Beschwerdegegnerin nutzte die Möglichkeit für eine Duplik nicht, worauf der
Schriftenwechsel am 19. März 2013 abgeschlossen wurde (act. G 11 f.).
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C.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht eine Invalidität der
Beschwerdeführerin verneint hat.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburtsge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss Abs. 2 von Art. 7 ATSG sind für die
Beurteilung, ob eine Erwerbsunfähigkeit vorliegt, ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen, und liegt eine
Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.
Volljährige Versicherte, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit
nicht zugemutet werden kann, gelten gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG als invalid, wenn eine
Unmöglichkeit vorliegt, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Der Grad der
für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt. Bei nicht erwerbstätigen
Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität
in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG).
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1.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.4 Grundlage der Bemessung des Invalideneinkommens bilden die
Arbeitsfähigkeitsschätzung und die Umschreibung der trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und zumutbaren Tätigkeiten. Um das
Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen (vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 2. Aufl. Zürich 2009, N 33 ff. zu Art. 43).
2.
2.1 Zunächst ist die Qualifikation der Beschwerdeführerin als Hausfrau streitig. Die
Beschwerdegegnerin stufte sie zu 100% als Hausfrau ein und führte zur Begründung
hauptsächlich an, sie habe sich all die Jahre nie um eine Erwerbstätigkeit bemüht (IV-
act. 22-11, 35). Dagegen macht die Beschwerdeführerin geltend, im Gesundheitsfall
hätte sie zumindest in einem Teilpensum erwerbstätig sein müssen, weshalb sie zu
50% als Hausfrau und zu 50% als Erwerbstätige zu qualifizieren sei.
2.2 Der Status einer versicherten Person, das heisst die Antwort auf die Frage, ob sie
im hypothetischen Gesundheitsfall als ganztägig oder teilweise erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen
tatsächlich täte. Nicht von Belang ist, was ihr zumutbar gewesen wäre oder was sie
gegebenenfalls tun könnte (BGE 133 V 508 E. 3.3). Zu berücksichtigen sind die
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persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen
Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen.
Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 137 V 338
E. 3.2, übersetzt in Pra 2012 Nr. 23 S. 152; BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117 V 194 f.
E. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b, AHI 1996 S. 197 E. 1c, je mit
Hinweisen).
2.3 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin wandte gegen deren Qualifikation
als Hausfrau zu 100% ein, diese wäre im Gesundheitsfall verpflichtet gewesen,
mindestens in einem Teilpensum zu arbeiten. Nach der Einreise in die Schweiz 1999,
im Alter von _ Jahren, sei sie zunächst mit der Betreuung der Kinder ausgelastet
gewesen. Nach dem Unfall des Ehemannes anfangs 2002 haben sie dessen Betreuung
übernommen. Gleichzeitig habe sich ihr eigener gesundheitlicher Zustand immer weiter
verschlechtert. Wäre sie nicht erkrankt, hätte sie eine Arbeitstätigkeit aufnehmen
müssen. Sie müsste mit ihrem Ehemann die Schweiz mittelfristig verlassen, wenn sie
bei guter Gesundheit sozialhilfeabhängig wären und keine Arbeit suchen würden. Ohne
Erkrankung hätte sie daher nicht nur eine Arbeitstätigkeit aufnehmen wollen, sondern
wäre dazu verpflichtet gewesen, spätestens ab dem Zeitpunkt, in dem die Kinder
keiner intensiven Betreuung mehr bedurft hätten.
2.4
2.4.1 Aus den Akten ergibt sich unmissverständlich, dass die Beschwerdeführerin
nach der achtjährigen Schulzeit keine Ausbildung machte und nie erwerbstätig war (IV-
act. 1, 22-2). Sie hatte im Alter von 19 Jahren geheiratet (IV-act. 6-1) und war auch bis
zur Geburt des ersten Kindes 1982 nicht erwerbstätig gewesen.
2.4.2 Unbestritten ist, dass die vier Kinder der Beschwerdeführerin bei der
Einreise in die Schweiz im Jahr 1999 17, 15, 13 und 11 Jahre alt waren (Jahrgänge
1982 bis 1988; IV-act. 22-2). Alle waren dem Kleinkindalter entwachsen und benötigten
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bereits damals keine intensive Betreuung mehr. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in
einem Teilpensum wäre der Beschwerdeführerin daher grundsätzlich bereits ab der
Einreise in die Schweiz möglich und zumutbar gewesen (vgl. die mit BGE 115 II 9 f.
E. 3c begründete Praxis, wonach nicht erwerbstätigen und mit der Betreuung von
Kindern betrauten Elternteilen nach einer Scheidung die Aufnahme der Erwerbstätigkeit
in Teilzeit ab dem zehnten und vollzeitlich ab dem 16. Lebensjahr des jüngsten Kindes
zumutbar ist, zu welcher im Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2008,
5A_210/2008, [in BGE 135 III 158 nicht publizierte] E. 3.2, entschieden wurde, sie sei
den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen weiterhin angepasst).
2.4.3 Ebenfalls unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin kein Deutsch spricht.
Diese Tatsache gab sie denn auch als Begründung an, als sie im Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt am 6. Februar 2012 die Frage
nach einer Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall verneinte (IV-act. 18-2). Sie macht nicht
geltend, sich irgendwann seit der Einreise in die Schweiz um minimalste
Deutschkenntnisse bemüht und damit eine wesentliche Voraussetzung für eine
Erwerbstätigkeit geschaffen zu haben.
2.4.4 Zur Frage nach der Erwerbstätigkeit ohne Behinderung gab die Tochter der
Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung AOS an (IV-act. 22-3), ihre Mutter habe
"für später" eine Erwerbstätigkeit vorgesehen. Vor rund zehn Jahren, nach dem Unfall
des Vaters, habe sie für diesen da sein müssen. Aber auch die Krankheit habe vor zirka
zehn Jahren begonnen und diese habe sich laufend verstärkt. Irgendwann sei eine
Erwerbstätigkeit, das heisse zum Beispiel Reinigungsarbeiten, nicht mehr denkbar
gewesen. Ihre Mutter habe sich deshalb in der Schweiz in all den Jahren nie um eine
Erwerbstätigkeit beworben. Eine Betreuungs- oder gar Pflegebedürftigkeit des
Ehemannes nach dessen Unfall vom 12. September 2002 wird von der
Beschwerdeführerin nicht dargetan, schon gar nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Die Beschwerdegegnerin verweist zur fehlenden
Betreuungsbedürftigkeit des Ehemannes auf das Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 25. Juni 2012, IV 2010/199 (IV-act. 41). In dessen Erwägung 3
wird dargelegt, dass ihm die Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva) mit
Verfügung vom 15. Juni 2004 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 14%
zugesprochen hatte. Die Ärztinnen und Ärzte des ABI, Ärztliches Begutachtungsinstitut
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GmbH, attestierten ihm am 28. Februar 2005 eine Arbeitsfähigkeit zu 100% in einer
leidensangepassten Tätigkeit. Gestützt darauf verneinte die IV-Stelle am 30. Juni 2005
einen Anspruch des Ehemanns der Beschwerdeführerin auf eine Rente der IV (bestätigt
mit Einspracheentscheid vom 27. Dezember 2005; vgl. Sachverhalt A.a des genannten
Urteils).
2.4.5 Es trifft zu, dass arbeitsfähige Personen, die Sozialhilfe empfangen,
verpflichtet sind, eine ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit anzunehmen (vgl. Art. 12
des Sozialhilfegesetzes des Kantons St. Gallen; sGS 381.1). Im Gesundheitsfall wäre
auch bei der Beschwerdeführerin vom Sozialamt der Wohngemeinde geprüft worden,
ob sie zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verpflichtet werden könnte. Solche
Erhebungen betreffen jedoch die Frage, was ihr zumutbar gewesen wäre bzw. was sie
gegebenenfalls tun könnte. Dies ist nach der vorstehend dargelegten Rechtsprechung
(Erwägung 2.2) für den Entscheid der Statusfrage jedoch nicht relevant.
2.4.6 Aus dem Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
25. Juni 2012, IV 2010/199 (IV-act. 41), betreffend den Ehemann der
Beschwerdeführerin ergibt sich auch, dass dieser als Gesunder in seiner
angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter nicht überdurchschnittlich verdient hatte
(Sachverhalt A.e, Erwägung 3). Hätte die Beschwerdeführerin ernsthaft ins Auge
gefasst, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, hätte sie bei der gegebenen
Wirtschaftslage der Familie bald nach der Einreise in die Schweiz entsprechende
Schritte unternommen. Sie tat dies weder bis zum Unfall des Ehemannes am
12. September 2002 noch irgendwann danach, obwohl ihr dies die
Betreuungsbedürftigkeit der Kinder zumindest für ein Teilpensum schon 1999 erlaubt
hätte und obwohl sie erst etwa 2002 erste Gesundheitsbeeinträchtigungen verspürte,
die über zehn Jahre hinweg zunahmen und sie daher nicht von Anfang an an der
Ausübung einer Erwerbstätigkeit im Teilpensum hinderten.
2.5 Zusammenfassend genügen die Vorbringen der Beschwerdeführerin nicht, um mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit darzulegen, sie hätte im
Gesundheitsfall eine Erwerbstätigkeit aufgenommen. Die IV-Stelle stufte sie daher zu
Recht als Hausfrau zu 100% ein.
3.
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Weiter ist zu prüfen, ob aus medizinischer Sicht eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit vorliegt, die eine Erwerbsunfähigkeit bzw. die Unfähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, zur Folge hat.
3.1 Hausarzt Dr. B._ nannte im Bericht vom 15. Dezember 2011 (Eingang des
undatierten Berichts bei der SVA; IV-act. 14) als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit HWS-Syndrom, LWS-Syndrom, Anzeichen für Fibromyalgien,
unspezifische Kopfschmerzen und Insomnien. Am 2. Juli 2012 (IV-act. 23-1) gab er als
solche Diagnosen (soweit entzifferbar) an: Fibromyalgie, Neuro-Myalgien, Thoralgie,
psycho-emotionale Labilität, generalisiertes chronisches LWS-Syndrom und
soziokulturelle Deviation. Dr. D._ hielt im MRI-Befund der LWS vom 15. Dezember
2011 (IV-act. 23-6 f.) eine Osteopenie bzw. Osteoporose sowie weitere degenerative
Veränderungen, eine Diskushernie L2/L3 mit deutlicher Eindellung der ventralen
Duralschlauch-Zirkumferenz, mehrsegmentäre leichte bis mässiggradige
Diskusprotrusionen L3-5 ohne weiteren direkten neuralen Kontakt fest. Kernspintomo
graphisch zeigten sich dem Radiologen lumbal keine Anhaltspunkte für eine
Radikulopathie. Gestützt auf die konsiliarische Untersuchung vom 9. Februar 2012 und
den genannten MRI-Befund der LWS vom 15. Dezember 2011 von Dr. D._
diagnostizierte Dr. E._ im Bericht vom Untersuchungstag (IV-act. 23-4 f.) eine
mediorechtslaterale Diskushernie L2/L3 mit deutlicher Spinalkanalstenose L2/L3 sowie
eine mässiggradige Spondylarthrose L3-S1 mit kleinen Protrusionen ohne
Neurokompression. Er schlug der Patientin eine mikrochirurgische Operation vor, zu
der die Akten keine Anhaltspunkte enthalten, ob dieser Eingriff und allenfalls mit
welchem Ergebnis durchgeführt worden ist. Dr. E._ äusserte sich nicht zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin bzw. einer allfälligen Einschränkung derselben.
Dr. B._ hatte im Bericht vom 15. Dezember 2011 (IV-act. 14) festgehalten, die
körperlichen, geistigen und psychischen Einschränkungen ständen in Korrelation mit
der Diagnose, ohne diese Einschränkungen zu benennen. Er hielt die bisherige
Tätigkeit aus medizinischer Sicht für nicht mehr zumutbar. Die Frage nach einer
behinderungsangepassten Tätigkeit, deren zeitlichem Umfang und dem
entsprechenden Belastungsprofil bezeichnete der Hausarzt mit "schwierig zu
beurteilen". Im Verlaufsbericht vom 2. Juli 2012 (IV-act. 23-2) ergänzte er das
"schwierig zu beurteilen" mit dem Hinweis: "Muss spezifisch und explizit besprochen
werden mit der Patientin". Obwohl er zur Entwicklung des Gesundheitszustands seit
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dem letzten Bericht "verschlechtert" ankreuzte (IV-act. 23-1), bejahte Dr. B._ im
Beiblatt (IV-act. 23-3) die Frage nach der Zumutbarkeit der bisherigen Tätigkeit und
verneinte eine Verminderung der Leistungsfähigkeit dabei.
3.2 RAD-Arzt Dr. F._ konnte aufgrund des Hausarzt-Berichts vom 15. Dezember
2011 (IV-act. 14) lediglich feststellen, dass ein Gesundheitsschaden bestehe und dass
eine Depression nicht diagnostiziert werde (IV-act. 15 und besonders 17). Über
konkrete Funktionseinbussen oder Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit könne er
jedoch lediglich spekulieren. Er verwies daher auf eine Abklärung AOS. Aufgrund des
Abklärungsberichts AOS vom 22. Mai 2012 (IV-act. 22) und der Berichte von Dr. D._
vom 15. Dezember 2011 (IV-act. 23-6 f.), von Dr. E._ vom 9. Februar 2012 (IV-act.
23-4 f.) sowie von Dr. B._ vom 2. Juli 2012 (IV-act. 23-1 ff.), hielt der RAD-Arzt am
9. Juli 2012 (IV-act. 24) fest, aus den anamnestischen Angaben in der AOS und aus
dem Verlaufsbericht des Hausarztes gehe klar hervor, dass vorwiegend eine
psychosoziale Problematik vorliege im Sinn des Fehlens sowohl einer sprachlichen als
auch einer persönlichen Integration, obwohl die Versicherte 1999 - also (damals) vor 13
Jahren - in die Schweiz eingereist sei. Der Hausarzt nenne auch im aktuellen Bericht
keine pathologischen Befunde. Aus den Röntgenbildern liessen sich ebenfalls keine
Funktionsausfälle ableiten, die eine anhaltende und relevante Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit begründen könnten. Laut Hausarzt lebe die versicherte Person in einer
anderen sozialen und kulturellen Welt. Die Diagnosen Rückenschmerzen und
Fibromyalgie, letztere eine aus dem Kreis der syndromalen Leiden gemäss
Schlussbestimmungen der IVG-Revision 6a, bewirkten nach gängiger Rechtsprechung
keine Rentenleistungen der IV. Dr. F._ hielt zusätzliche medizinische Abklärungen
zusammenfassend für nicht zweckmässig, weil damit keine Migrationsprobleme
beurteilt werden könnten, und verwies zur Auswertung der Abklärung AOS an die
Verwaltung. Aufgrund der Einwände gegen den Vorbescheid wurden die Akten dem
RAD-Arzt erneut vorgelegt (IV-act. 34). Er hielt am 11. Oktober 2012 fest (IV-act. 34-2),
der Einwand bringe keine neuen medizinischen Fakten bei. Seine Ausführungen vom
7. September 2012 (IV-act. 24) seien daher nach wie vor korrekt. Für die Abklärung des
Sachverhalts sei die AOS respektive die Sachbearbeitung zuständig. Dies gelte auch
für die Beantwortung des Einwands, wenn, wie in casu, keine neuen medizinischen
Tatsachen vorlägen.
3.3
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3.3.1 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin macht geltend, medizinisch
sei die Angelegenheit ungenügend abgeklärt worden. Dem ist entgegenzuhalten, dass
die vorliegenden Berichte von Dr. B._, Dr. D._ und Dr. E._ (IV-act. 14, 23) und
damit insbesondere die degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule der
Beschwerdeführerin vollumfänglich berücksichtigt wurden. Die von Dr. E._ gestellten
Diagnosen (IV-act. 23-4) einer mediorechtslateralen Diskushernie L2/L3 mit deutlicher
Spinalkanalstenose L2/L3 sowie einer mässiggradigen Spondylarthrose L3-S1 mit
kleinen Protrusionen ohne Neurokompression sowie die Fibromyalgie erklären die
geschilderten schmerzbedingten Bewegungseinschränkungen, die Schmerzen vor
allem beim Gehen und Stehen sowie die Sensibilitätsstörungen (Hypästhesie bzw.
Dysästhesie) im rechten Bein. Hingegen kann daraus nicht auf eine anhaltende und
(invalidenversicherungs-rechtlich) relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
geschlossen werden, wie RAD-Arzt Dr. F._ am 9. Juli 2012 zu Recht festhielt (IV-act.
24). Neben der Diskushernie L2/L3 und der Spondylarthrose L3-S1, die die Nerven der
Beschwerdeführerin laut den übereinstimmenden Berichten von Dr. E._ und Dr. D._
(IV-act. 23-4 f., 23-6 f.) nicht komprimieren, wurden von Dr. B._ mit dem HWS- und
LWS-Syndrom und der Fibromyalgie syndromale Gesundheitsbeeinträchtigungen
diagnostiziert. Aus diesen Diagnosen allein lässt sich nicht auf eine Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit schliessen. Bei der Fibromyalgie handelt es sich um ein
pathogenetisch-ätiologisch unklares syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare
organische Grundlage (vgl. BGE 132 V 70 E. 4.1). Für die Arbeitsunfähigkeit, die solche
Beschwerdebilder verursachen, gilt nach der Rechtsprechung die Vermutung, dass sie
mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar ist (BGE 132 V 70 f. E. 4.2, 131
V 50 E. 1.2, 130 V 353 f. E. 2.2.3).
3.3.2 Weitere medizinische Diagnosen - als die in Erwägung 3.1 genannten - sind
nicht gestellt worden. Insbesondere fehlt die (haus-)ärztliche Diagnose einer
Depression oder einer anderen psychischen Erkrankung, wie der RAD-Arzt zutreffend
feststellte (IV-act. 15, 17). Dr. D._ und Dr. E._ erwähnen zwar in ihren Berichten
(teils) depressive Tendenzen (IV-act. 23-4 ff.). Diese zeigte die Beschwerdeführerin
auch anlässlich der Abklärung AOS (IV-act. 22-9). Im Sommer 2012 bzw. zum
Zeitpunkt der Verfügung, der für das vorliegende Verfahren massgebend ist, lagen
jedoch nicht genügend Anhaltspunkte vor, die weitere medizinische Abklärungen durch
die Beschwerdegegnerin, darunter eine psychiatrische Untersuchung oder gar
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Begutachtung, unabdingbar gemacht hätten. Die von Dr. B._ am 23. Januar 2012
veranlasste konsiliarische neurochirurgische Abklärung (IV-act. 23-8) fand entgegen
den Äusserungen der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 9. Februar 2012
durch Dr. E._ statt und ist in seinem Bericht vom Untersuchungstag dokumentiert
(IV-act. 23-4 f.). Aufträge des Hausarztes für weitere Konsilien sind nicht aktenkundig
und ergeben sich auch aus seinen Berichten vom 15. Dezember 2011 und 2. Juli 2012
(IV-act. 14, 23-1 ff.) weder explizit noch sinngemäss.
3.3.3 Es trifft zu, dass RAD-Arzt Dr. F._ die Beschwerdeführerin nicht persönlich
kennen lernte und untersuchte, sondern seine Beurteilungen aufgrund der Akten
abgab. Diese boten jedoch ein vollständiges Bild für seine Stellungnahmen. Letztere
sind denn auch in erster Linie Interpretationshilfen für die rechtsanwendenden
Personen und sowohl die Berichte des Hausarztes als auch der abklärenden bzw.
konsiliarisch tätigen Ärzte als auch die Schlussfolgerungen des RAD-Arztes können mit
seinen Ausführungen prüfend nachvollzogen werden. Dr. F._ hielt auch nur so lange
fest, er könne über die Auswirkungen des Gesundheitsschadens der
Beschwerdeführerin auf ihre Arbeitsfähigkeit nur spekulieren, als ihm lediglich der
Bericht von Dr. B._ vom 15. Dezember 2011 (IV-act. 14) vorlag, der ebenfalls keine
Angaben zu diesem Aspekt machte (vgl. IV-act. 15, 17). Am 9. Juli 2012 konnte er
demgegenüber auf einen weiteren Hausarzt-Bericht vom 2. Juli 2012, die Berichte von
Dr. D._ vom 15. Dezember 2011 und von Dr. E._ vom 9. Februar 2012 (IV-act. 23)
sowie die Abklärung AOS vom 22. Mai 2012 (IV-act. 22) Bezug nehmen, was er in
seiner Stellungnahme (IV-act. 24) umfassend tat. Diese Unterlagen erlaubten ihm die
vorstehend dargestellten Schlüsse (vgl. insbesondere Erwägungen 3.2 und 3.3.1 f.) und
deren Begründung.
3.4 Zusammenfassend sind in den medizinischen Unterlagen keine genügenden
Anhaltspunkte für eine andauernde relevante Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin dokumentiert. Weitere medizinische Untersuchungen wurden
aufgrund des Aktenstands durch die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht durchgeführt
oder in Auftrag gegeben.
4.
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4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 19. November
2012 abzuweisen.
4.2 Der Beschwerdeführerin wurde am 13. Dezember 2012 die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) bewilligt (act. G 6).
4.2.1 Die Kosten für dieses Verfahren, die auf Fr. 600.-- festzusetzen sind, hätte
an sich die Beschwerdeführerin zu bezahlen. Da ihr die unentgeltliche Rechtspflege
bewilligt worden ist, ist sie von der Bezahlung der Gerichtskosten zu befreien.
4.2.2 Der unentgeltlichen Rechtsbeiständin steht lediglich ein um 20% reduziertes
Honorar zu, da der Staat zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten
ist, für die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen (vgl.
Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, [AnwG; sGS 963.70]). Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen spricht in invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren gestützt
auf Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten
(HonO; sGS 963.75) regelmässig eine (ungekürzte) pauschale Entschädigung zwischen
Fr. 3'000.-- und Fr. 4'000.-- zu. Der vorliegende Streitfall erscheint nicht besonders
aufwändig. In Würdigung der Umstände ist die Parteientschädigung auf Fr. 2'800.--
(80% von Fr. 3'500.-- einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
4.2.3 Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann die Beschwerde
führerin zur Nachzahlung der vom Staat entschädigten Prozesskosten (Gerichts- und
Parteikosten) verpflichtet werden (Art. 123 der Schweizerischen Zivilprozessordnung
[ZPO; SR 272] in Verbindung mit Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP