Decision ID: 93bff8b5-4297-4649-820f-a88787089066
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 13.06.2017 Art. 1a IVG. Art. 28 IVG. Art. 16 ATSG. Art. 43 Abs. 1 ATSG. Versicherteneigenschaft bei ausländischer Staatsangehörigkeit, Erwerbstätigkeit im Ausland und Wohnsitz in der Schweiz. Invaliditätsbemessung. Verletzung der Untersuchungspflicht (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. Juni 2017, IV 2014/292). Entscheid vom 13. Juni 2017 Besetzung Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus (Vorsitz), Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug, Versicherungsrichter Ralph Jöhl; Gerichtsschreiber Tobias Bolt Geschäftsnr. IV 2014/292 Parteien A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Advokatur Glavas AG, Haus zur alten Dorfbank, 9313 Muolen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
IV 2014/292
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Dezember 2011 zum Bezug einer Rente bei der IV-Stelle
des Fürstentums Liechtenstein an (IV-act. 17). Der Hausarzt Dr. med. B._ berichtete
am 12. Januar 2012 (IV-act. 21), der Versicherte leide an einer chronischen
Hüftgelenkproblematik links, an chronischen lumbo-vertebrogenen Schmerzen, an
einem chronischen panvertebrogenen Syndrom sowie an einem Diabetes mellitus Typ
II. Im November 2010 seien eine Offsetkorrektur und ein Labrumtrimming an der
rechten Hüfte durchgeführt worden. Der Spinalkanal L4/5 sei verengt. Neurologische
Defizite seien nicht vorhanden. Ab dem 4. Oktober 2010 sei der Versicherte vollständig
arbeitsunfähig, ab dem 1. Februar 2011 zu 50 Prozent arbeitsfähig, ab dem 20. Juni
2011 uneingeschränkt arbeitsfähig und ab dem 29. August 2011 wieder nur zu 50
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Prozent arbeitsfähig gewesen. Wegen der Schmerzexacerbationen sei ihm aktuell nur
ein Pensum von 50 Prozent zumutbar. Dieses könnte durch eine Verbesserung der
allgemeinen Kondition, durch eine Rekonditionierung oder durch eine Rehabilitation
gesteigert werden. Eine wenig belastende Tätigkeit sollte uneingeschränkt zumutbar
sein. Der Psychiater Dr. med. C._ hatte im Juni 2011 berichtet (IV-act. 22–9 f.), der
Versicherte habe ihn wegen einer akuten Krise auf Drängen seiner Lebenspartnerin hin
einmal konsultiert. Er leide an einer Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven
Reaktion bei einer psychosozialen Belastung durch ständige Konflikte mit dem offenbar
noch unselbständigen 2_ Jahre alten Sohn, bei einer Belastung durch einen
chronischen Schmerz und bei einer akzentuierten Persönlichkeit mit narzisstisch-
perfektionistischen Zügen. Er habe dem Versicherten eine gemeinsame Konsultation
zusammen mit dem Sohn empfohlen und ein Medikament als Schlafreserve
abgegeben. Die Ärzte der Klinik D._ hatten am 15. September 2011 berichtet, die
rechte Hüfte sei schmerzfrei uneingeschränkt beweglich gewesen; nun stünden aber
Hüftbeschwerden links im Vordergrund (IV-act. 22–5 f.). Die Arbeitgeberin des
Versicherten berichtete am 26. Januar 2012 (IV-act. 23), sie beschäftige diesen seit
dem 31. August 1998 als Operateur in der Reinigung. Der Monatslohn belaufe sich seit
dem 1. Januar 2012 auf 5'895 Franken. Die Klinik D._ berichtete am 18. April 2012
(IV-act. 25), der Versicherte leide an belastungsabhängigen Schmerzen in der rechten
Hüfte, an Hüftgelenk- und Leistenschmerzen links, an einem chronischen lumbo-
spondylogenen Schmerzsyndrom sowie an einem insulinpflichtigen Diabetes mellitus
Typ II. Sie habe keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Der Gesundheitszustand sei
stationär. Bereits am 2. April 2012 hatte der Psychiater Dr. C._ berichtet (IV-act. 27),
der Versicherte habe ihn nur einmal konsultiert, weshalb er keine Angaben zum
aktuellen Gesundheitszustand machen könne. Damals habe er kein Leiden festgestellt,
das mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit verbunden wäre. Am 10. Mai 2012
notierte Dr. med. E._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), dass
bezüglich der hartnäckigen Hüftschmerzen eine orthopädische Begutachtung
notwendig sei (IV-act. 28).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle erstattete der orthopädische Chirurg Dr. med. F._ am 5.
August 2012 ein fachärztliches Gutachten (IV-act. 38). Er führte aus, abgesehen von
einem leichten Hüfthinken rechts (Entlastungshinken), einer leichten kypho-
skoliotischen Haltungsdeformität mit einer etwas abgeflachten LWS-Lordose sowie
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einer geringen Vornüberneigungshaltung ohne strukturelle Deformitätsdefizite habe er
keine auffälligen Befunde erhoben. Der Versicherte habe sich weitgehend problemlos
entkleiden und anziehen können. Im Untersuchungszimmer und auf der Treppe habe er
ein recht flüssiges, hinkfreies und weitgehend behinderungsfreies Gangbild gezeigt.
Wesentliche Schonhaltungsbefunde seien nicht aufgefallen. Wesentliche und
fortgeschrittene strukturelle Deformitätsbefunde lägen nicht vor, doch sei auf den
(geringen) acetabulären Impingementbefund der rechten Hüfte und auf den lumbo-
spondylogenen Wirbelsäulenbefund (ohne Hinweise für radiculäre Befunde)
hinzuweisen. Das somatische Schmerzsyndrom sei chronifiziert. Auf der psychischen
Ebene zeichne sich zunehmend eine Beeinträchtigung ab. Es bestehe eine
zunehmende Selbstlimitierung. Die bisherige, nach wie vor ausgeübte Tätigkeit sowie
leidensadaptierte Tätigkeiten seien dem Versicherten während vier bis fünf Stunden pro
Tag zumutbar. Die RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 29. August 2012 (IV-act. 39), die
objektivierbaren Schäden am Bewegungsapparat seien mässig ausgeprägt und
erklärten die Beschwerden nicht ausreichend. Nun sei eine psychiatrische Abklärung
notwendig. Sie empfehle die Einholung eines Berichtes beim Psychiater Dr. C._.
Dieser berichtete am 10. September 2012 (IV-act. 41), der Versicherte befinde sich seit
dem 20. August 2012 in seiner Behandlung. Im ersten Halbjahr 2012 habe sich unter
der Belastung durch die anhaltenden Schmerzen und die anhaltenden, tiefgreifenden
familiären Konflikte ein depressives Zustandsbild entwickelt. Der Versicherte leide an
einer mittelgradigen depressiven Episode, die seine Arbeitsfähigkeit um 20 Prozent
vermindere. Mittels einer fortgesetzten psychiatrisch-psychotherapeutischen
Behandlung könne die Arbeitsfähigkeit gesteigert werden. Die RAD-Ärztin Dr. E._
erachtete diese Angaben als überzeugend (IV-act. 42).
A.c Am 8. November 2012 berichtete die Klinik D._ (IV-act. 45), ein MRI der rechten
Hüfte vom 8. November 2012 habe eine grosse Defektzone in der femoro-acetabulären
Hauptbelastungszone gezeigt. An der rechten Hüfte könne wohl nur durch eine
Hüfttotalendoprothese eine zufriedenstellende Situation erreicht werden. Der
Versicherte werde sich bis zum Jahreswechsel überlegen, ob er mit einer
entsprechenden Operation einverstanden sei. Am 26. April 2013 wurde dem
Versicherten eine Hüfttotalendoprothese rechts eingesetzt (IV-act. 51 f.). Anlässlich der
Verlaufsuntersuchung vom 6. Juni 2013 war die rechte Hüfte im Liegen frei beweglich
und nicht schmerzhaft (IV-act. 53). Am 25. Juli 2013 berichteten die Ärzte der Klinik
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D._ über einen planmässigen Verlauf mit nur noch gewissen muskulären
Restbeschwerden (IV-act. 55). Die RAD-Ärztin Dr. E._ notierte am 14. August 2013
(IV-act. 56), für die Zeit vom 26. April 2013 bis zum 16. August 2013 müsse von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Aktuell sei der Versicherte
wieder zu 50 Prozent arbeitsfähig. Seine Arbeitsfähigkeit sollte sich allerdings noch
weiter steigern lassen, denn er sei ja schon vor der erfolgreichen Operation zu 50
Prozent arbeitsfähig gewesen. Am 25. September 2013 berichtete Dr. B._, eine
Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei seines Erachtens nicht möglich (IV-act. 60).
Daraufhin notierte Dr. E._ am 9. Oktober 2013 (IV-act. 61), die Vermutungen von Dr.
F._ seien eingetroffen. Der Rentenanspruch sei ausgehend von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent ab dem Jahr 2011 (mit einer vorübergehenden
vollständigen Arbeitsunfähigkeit von April bis August 2013) zu prüfen. Mit einer
Verfügung vom 20. November 2013 sprach die liechtensteinische
Invalidenversicherung dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. September 2012 eine
halbe, mit Wirkung ab dem 1. Mai 2013 eine ganze und mit Wirkung ab dem 1.
September 2013 wieder eine halbe Rente zu (IV-act. 68).
A.d Zuhanden der IV-Stelle des Kantons St. Gallen, die einen Anspruch auf eine Rente
der Schweizer Invalidenversicherung zu prüfen hatte, führte der RAD-Arzt Dr. med.
G._ am 10. Januar 2014 aus (IV-act. 69), der Sachverständige Dr. F._ habe keine
objektivierbaren Befunde genannt, die eine erhebliche gesundheitliche
Beeinträchtigung erklären könnten. Zudem sei das Gutachten nicht mehr aktuell. Der
Versicherte müsse auch psychiatrisch begutachtet werden. Am 5. Februar 2014
berichtete Dr. B._ (IV-act. 77), der objektive Befund habe sich seit der Begutachtung
durch Dr. F._ nicht verändert. Soweit er wisse, befinde sich der Versicherte nicht in
einer psychiatrischen Behandlung. Der Urologe Dr. med. H._, der den Versicherten
wegen einer rezidivierenden Prostatitis behandelte (vgl. IV-act. 79–13), hatte diesen am
2. Dezember 2008 für eine pulmologische Kontrolle angemeldet. Der Pneumologe Dr.
med. I._ hatte am 24. August 2009 berichtet (IV-act. 79–9 f.), der Versicherte leide an
einem Asthma bronchiale und an einer Rhino-Coniunctivitis allergica. Im Alltag sei er
von pulmonaler Seite her vollständig beschwerdefrei und körperlich voll leistungsfähig.
Am 17. Februar 2014 berichtete Dr. H._, der Versicherte sei zu 50 Prozent
arbeitsfähig (IV-act. 79–1 ff.). Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 26. Februar 2014,
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seines Erachtens sei der Versicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit
uneingeschränkt arbeitsfähig (IV-act. 80).
A.e Mit einem Vorbescheid vom 14. März 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 84), dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe. Zur Begründung
führte sie aus, bei einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten könne der Versicherte gemäss den Ergebnissen der Schweizer
Lohnstrukturerhebung ein Erwerbseinkommen von 61'776 Franken erzielen. Im
Verhältnis zum Valideneinkommen von 76'326 Franken resultiere ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 19 Prozent. Am 18. März 2014 liess der nun
anwaltlich vertretene Versicherte einwenden (IV-act. 86), er könne nur noch zu 50
Prozent arbeiten und werde keine andere Arbeitsstelle finden, an der er ein höheres
Pensum verrichten könnte. Er verstehe nicht, weshalb sich die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen nicht dem Entscheid der liechtensteinischen Invalidenversicherung
anschliesse. Am 31. März 2014 liess er die Zusprache einer halben Rente oder eine
polydisziplinäre Begutachtung beantragen (IV-act. 90). Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte
am 30. April 2014, dass seines Erachtens weitere medizinische Abklärungen nicht
notwendig seien (IV-act. 92). Mit einer Verfügung vom 1. Mai 2014 wies die IV-Stelle
das Rentenbegehren des Versicherten ab.
B.
B.a Am 2. Juni 2014 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 1. Mai 2014 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer halben Rente. Zur Begründung führte
er aus, es sei unverständlich, dass die IV-Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend:
die Beschwerdegegnerin) anders als die liechtensteinische Invalidenversicherung nicht
auf das Gutachten von Dr. F._ abstellen wolle. Der Beschwerdeführer nutze seine
verbliebene Restarbeitsfähigkeit voll aus, indem er weiterhin seine bisherige Tätigkeit in
einem Pensum von nun 50 Prozent verrichte.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. Juli 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, sie sei nicht an den Entscheid
der liechtensteinischen Invalidenversicherung gebunden. Deshalb habe sie die
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medizinischen Akten, die ihr von der IV-Stelle des Fürstentums Liechtenstein zur
Verfügung gestellt worden seien, ergänzt und aktualisiert. Ihr RAD-Arzt habe gestützt
auf die umfassenden Unterlagen eine nachvollziehbare und ausführlich begründete
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Darauf habe sie zu Recht abgestellt.
B.c Mit einer Replik vom 15. September 2014 liess der Beschwerdeführer an seinem
Antrag festhalten (act. G 13). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act.
G 15).
B.d Am 5. Mai 2015 liess der Beschwerdeführer aktuelle medizinische Berichte
einreichen (act. G 17). Die Klinik D._ hatte am 19. Februar 2015 über eine Claudicatio
spinalis-Symptomatik, eine Lipomatose L3–5 und eine zentrale Spinalkanalstenose
L3/4 und L4/5 berichtet (act. G 17.1.1). Am 9. März 2015 war ein Sakralblock
durchgeführt worden (act. G 17.1.2). Am 8. April 2015 hatte der Beschwerdeführer der
Klinik D._ berichtet, der Sakralblock habe nur zu einer Schmerzlinderung von etwa
zehn Prozent geführt (act. G 17.1.3). In einem Bericht vom 21. April 2015 hatte die
Klinik D._ das Vorliegen einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung
ausgeschlossen (act. G 17.1.4).
B.e Am 18. November 2015 leitete die Beschwerdegegnerin einen Bericht der Klinik
J._ vom 10. November 2015 an das Versicherungsgericht weiter (act. G 19). Deren
Ärzte hatten berichtet (act. G 19.1), radiologisch sei eine mässige Coxarthrose links
nachgewiesen worden. Der Leidensdruck sei aber relativ hoch. Das aktuelle Pensum
von 50 Prozent sei nicht mehr zu steigern. Der Beschwerdeführer liess am 9. Dezember
2015 darauf hinweisen, dass ein weiterer Mediziner offenbar der Meinung sei, dem
Versicherten könne nicht mehr als ein Arbeitspensum von 50 Prozent zugemutet
werden (act. G 21).
B.f Am 21. November 2016 leitete die Beschwerdegegnerin einen Bericht der Klinik
J._ vom 16. November 2016 an das Versicherungsgericht weiter (act. G 23). Diese
hatte berichtet (act. G 23.1), der Gelenksspalt der linken Hüfte sei noch gut erhalten.
Die arthrotischen Veränderungen seien diskret. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf
über 50 Prozent sei nicht möglich. Der Beschwerdeführer liess am 1. Dezember 2016
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darauf hinweisen, dass auch dieser Bericht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent
belege (act. G 25).

Erwägungen
1.
Zur Frage einer allfälligen gegenseitigen Bindungswirkung von Entscheiden der IV-
Stellen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein sind gemäss dem Art. 21 i.V.m.
dem Art. 1 Abs. 1 in der Anlage 2 zum Anhang K i.V.m. der Ziff. 1 des Abschnitts A in
der Anlage 2 zum Anhang K des Übereinkommens zur Errichtung der Europäischen
Freihandels¬assoziation (EFTA; SR 0.632.31) die Vorschriften der beiden Verordnungen
Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11) der
Europäischen Gemeinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
einschlägig. Laut diesen gäbe es eine solche Bindungswirkung nur, wenn die
Definitionen des Invaliditätsgrades als übereinstimmend anerkannt worden wären (Art.
46 Abs. 3 VO Nr. 883/2004 und Art. 49 Abs. 2 VO Nr. 987/2009), was für das Verhältnis
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein
nicht der Fall ist (vgl. Anh. VII der VO Nr. 883/2004). Der Entscheid der
liechtensteinischen Invalidenversicherung ist vorliegend also nicht bindend.
2.
2.1 Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der Invalidität wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, zu jenem
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Erwerbseinkommen in Beziehung gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund
geblieben wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.2 Bei der Bemessung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens und
damit auch bei der Berechnung des Invaliditätsgrades kommt der
Arbeitsfähigkeitsschätzung eine massgebende Bedeutung zu. Zur Beantwortung der
Frage nach der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers hat der Sachverständige Dr.
F._ im Auftrag der liechtensteinischen Invalidenversicherung ein orthopädisches
Gutachten erstattet. Er hat die massgebenden bildgebend und klinisch objektivierbaren
Befunde ausführlich beschrieben und gestützt darauf eine überzeugende Diagnose
gestellt. Er hat sich aber weder mit den konkreten Anforderungen der angestammten
Tätigkeit auseinandergesetzt noch beschrieben, was er unter einer leidensadaptierten
Tätigkeit versteht. Obwohl die von ihm erhobenen massgebenden klinischen Befunde
nur diskret gewesen sind, hat er selbst für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Der RAD-Arzt Dr. G._ hat später
überzeugend aufgezeigt, dass dem Sachverständigen Dr. F._ bei der Würdigung der
objektiven klinischen Befunde mit Blick auf die Frage nach der Arbeitsfähigkeit ein
Fehler unterlaufen sein musste. In seiner Aktennotiz vom 26. Februar 2014 (IV-act. 80)
hat Dr. G._ die massgebenden klinischen Befunde zusammengefasst und mit den
von ihm detailliert spezifizierten Anforderungen einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit
verglichen. Er hat mit einer überzeugenden Begründung aufgezeigt, dass die von Dr.
F._ angeführten klinischen Befunde die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit nicht beeinträchtigen könnten. Nun ist aber das
Gutachten von Dr. F._ damals schon veraltet gewesen, worauf auch der RAD-Arzt
Dr. G._ in seiner ersten Stellungnahme hingewiesen hatte. Der Beschwerdeführer war
nämlich nach der Begutachtung operiert worden; ihm war eine Hüfttotalendoprothese
eingesetzt worden. Zudem hatte Dr. F._ schon in seinem Gutachten auf eine
beginnende psychische Fehlverarbeitung respektive Problematik hingewiesen. Der
Psychiater Dr. C._ hatte später die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode gestellt. Trotz diesen deutlichen Hinweisen auf eine mögliche psychische
Erkrankung sind diesbezüglich aber keine weiteren Abklärungen getätigt worden. Die
Aktenwürdigung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung des RAD-Arztes Dr. G._ haben
folglich nicht auf einer umfassenden und aktuellen Sachverhaltskenntnis beruht,
weshalb sie nicht überwiegend wahrscheinlich richtig sein können. Der medizinische
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Sachverhalt erweist sich gesamthaft betrachtet als ungenügend abgeklärt. Die
Beschwerdegegnerin hat folglich ihre Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
verletzt, weshalb die angefochtene Verfügung als rechtswidrig aufzuheben ist. Weil es
nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein kann, die ureigenste Aufgabe der
Beschwerdegegnerin – die Sachverhaltsabklärung – zu übernehmen, ist die Sache zur
Einholung eines polydisziplinären Gutachtens und zur anschliessenden neuen
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
2.3 Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in
seiner angestammten Tätigkeit ein Erwerbseinkommen erzielt hat (13 × 5'895 = 76'635
Franken), das erheblich höher als der Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Schweiz
(61'776 Franken) gewesen ist. Der Grund für die überdurchschnittliche Höhe des
Lohnes lässt sich den Akten nicht eindeutig entnehmen. Möglicherweise hat der
Beschwerdeführer über besondere Fertigkeiten verfügt, die einen höheren als den
durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn gerechtfertigt haben. Denkbar ist auch, dass der
Beschwerdeführer keine typische Hilfsarbeit, sondern eine anforderungsreichere
Tätigkeit verrichtet hat, für die ein entsprechend höherer Lohn gerechtfertigt gewesen
ist. Der Grund für die überdurchschnittliche Höhe des Einkommens könnte aber auch
darin zu erblicken sein, dass das Lohnniveau im Fürstentum Liechtenstein deutlich
höher als jenes in der Schweiz ist. Sollte es sich tatsächlich so verhalten und würde bei
der Berechnung des Invaliditätsgrades auf der Validenseite das liechtensteinische
Einkommen und auf der Invalidenseite ein schweizerisches Einkommen berücksichtigt,
könnte nur ein verfälschter Invaliditätsgrad resultieren, weil dadurch Äpfel mit Birnen
verglichen würden. Die Beschwerdegegnerin wird nicht umhin kommen, nach der
Durchführung der notwendigen medizinischen Abklärungen eine berufsberaterische
Abklärung bezüglich der Qualifikationen des Beschwerdeführers und des
Anforderungsprofils der letzten Tätigkeit zu veranlassen. Zudem wird sie ein
besonderes Augenmerk auf eine richtige und (mit Blick auf in der Schweiz beschäftigte
Hilfsarbeiter) rechtsgleiche Bemessung der Vergleichseinkommen zu richten haben.
3.
Die Rückweisung zur weiteren Abklärung gilt rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der
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beschwerdeführenden Partei. Deshalb hat die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten
von 600 Franken zu bezahlen und dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung
auszurichten, die angesichts des als durchschnittlich zu qualifizierenden
Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf 3'500 Franken (einschliesslich Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.