Decision ID: a290e4c1-c9e6-4a6a-9d12-a48c58af529a
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1990, ist gelernter Montage-Elektriker (Urk. 7/2)
und war seit dem 1. August 2009 bei der
Y._
tätig (Urk. 7/3 Ziff. 5.4), als er sich am 28. April 2011 unter Hinweis au
f
die bei einem Verkehrsunfall am 14. März 2011 erlittenen Verletzungen bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug anmeldete (Urk. 7/3 Ziff. 6.2-3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
erteilte in der Folge Kostengutsprache für eine beruf
liche Abklärung in der
Z._
(Urk. 7/21, vgl. Bericht vom 15. November 2011, Urk. 7/25) sowie die Umschulung zum
diplomierten
Tech
niker HF Fachrichtung Elektrotechnik (Urk.
7/31, Urk. 7/37). Am 25. November 2012 zog sich der Versicherte bei einem Sturz einen Bruch des rechten Oberarm
knochens zu und unternahm in der Folge einen Suizidversuch (vgl. Bericht des
A._
vom 4. Dezember 2012,
Urk. 7/48/35-36)
, worauf die Um
schu
lung per 13. Dezember 2012 abgebrochen wurde (Urk. 7/45).
Mit Schreiben vom 3. Oktober 2013 gewährte die IV-Stelle erneut Kostengutsprache für die Umschu
lung (Urk. 7/53), welche der Versicherte am 19. November 2015 mit dem Diplom
«Techniker HF Elektrotechnik» erfolgreich abschloss (Urk.
7/69, vgl. auch Urk. 7/72).
Am 6. Januar 2016 bestätigte die IV-Stelle den erfolgreichen Abschluss
der beruflichen Massnahme und teilte dem Versicherten mit, er sei rentenaus
schliessend eingegliedert (Urk. 7/72).
1.2
Am 1
4.
September 2016 erfolgte die Meldung zur Früherfassung (Urk. 7/85) sowie am
1.
Dezember 2016 unter Hinweis auf die Folgen des Verkehrsunfalls vom 14. März 2011 die Neuanmeldung zum Leistungsbezug (Urk. 7/88 Ziff. 6.1-2).
Die
IV-Stelle tätigte in der Folge medizinische (Urk. 7/97, Urk. 7/106-107) und erwer
bliche Abklärungen (Urk. 7/95, Urk. 7/99)
und auferlegte dem Versicherten mit Schrei
ben vom 29. Mai 2017 im Rahmen der Schadenminderungspflicht die Durch
führung einer multimodalen Schmerztherapie sowie einer ergänzenden fach
psychiatrischen Behandlung für sechs Monate (Urk. 7/108).
Nach durchge
führ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/118,
Urk. 7/123, Urk. 7/126, Urk. 7/138-139
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. Oktober 2018 einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 7/141 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
31. Oktober 2018 Beschwer
de gegen die Verfügung vom
1. Oktober 2018 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Rente, zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-
Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 10. Dezember 2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 3. Januar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Über die im Verfahren UV.2017.00289 hängige Beschwerde wurde mit
Urteil vom
heutigen Datum entschieden.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
tei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungs
interner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
in
ternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das
Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1. Oktober 2018 (Urk. 2) wies die Be
schwer
degegnerin das Leistungsbegehren ab mit der Begründung, eine abschlies
sende medizinische Beurteilung
sei
nicht möglich, weshalb dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 29. Mai 2017 eine Massnahme auferlegt worden sei. Die Abklä
rungen hätten ergeben, dass er die Behandlung nicht wahrgenommen habe, obwohl ihm dies aus medizinischer Sicht zumutbar gewesen wäre. Aufgrund der vorliegenden Akten könne der Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versi
che
rung nicht abschliessend beurteilt werden (S. 1). Der Beschwerdeführer habe sich für einen kurzen Zeitraum in fachpsychiatrischer Behandlung befunden, in deren Rahmen eine stationäre Therapiemassnahme zur intensiveren fachspezifischen Betreuung empfohlen worden sei. Eine solche Therapie sei bisher nicht umgesetzt worden
und der Beschwerdeführer
habe die ihm auferlegte Massnahme nicht erfüllt (S. 2)
.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, eine wesentliche Ver
schlech
terung des Gesundheitszustandes werde nicht bestritten (Urk. 1 S. 3
Rz
5). Gemäss den Akten würden genügend Hinweise vorliegen, welche eine volle Arbeitsunfähigkeit im bisherigen
und
im zumutbaren Bereich belegten (S. 4
Rz
6).
Die invalidenversicherungsrechtlich relevante Erwerbsunfähigkeit sei ausgewie
sen und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (S. 5 oben). Im Weiteren sei festzuhalten, dass es die Beschwerdegegnerin unterlassen habe, den Sachverhalt hinreichend abzuklären. Dr.
B._
habe aufgrund der komplexen Thematik ein polydisziplinäres Gutachten verlangt und auch der RAD-Arzt habe sinngemäss ausgeführt, ein Gutachten sei notwendig. Die Argumentation der Beschwerdegegnerin,
wonach
das Leistungsbegehren abzuweisen sei, weil eine abschliessende Beurteilung nicht möglich sei,
erscheine
nicht nachvollziehbar (S. 5
f.
Rz
7).
Dass er zudem seiner Mitwirkungs- beziehungsweise Schadenmin
derungspflicht nicht nachgekommen sei
n
solle, werde mit aller Vehemenz be
stritten und entspreche nicht den Tatsachen. Er sei in einem derart schlimmen Gesundheitszustand, dass ihm keine Pflichtverletzung vorgeworfen werden dürfe und könne. Tatsächlich stehe nicht nur eine ambulante Therapie zur Diskussion, sondern sogar ein stationäre
r Aufenthalt
. Er sei eben gerade aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen, sämtliche Termine wahrzunehmen (S. 6 f.
Rz
8). Hinzu komme, dass das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
nicht durchge
führt worden sei (S. 7
Rz
10).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob der medizinische Sachverhalt genügend abgeklärt wurde.
3.
3.1
Der Hausarzt
Dr.
med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nannte in seinem Bericht vom 5. Januar 2017 folgende Diagnosen (Urk. 7/97
/1-2
S. 1):
-
residuale obere
Plexusparese
rechts nach
Oberlin
-Transfer bei Status nach Motorradunfall im Jahr 2011
-
Status nach Suizidversuch im Jahr 2012
-
posttraumatisches Belastungssyndrom
-
depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit wahrscheinlich soma
tischem Syndrom
Nach dem Unfall und anschliessenden mehrmaligen Operationen habe der Be
schwerdeführer ein Schmerzsyndrom im Bereich der rechten
Thoraxhälfte
mit Betonung im Bereich des rechten Armes mit diffusen brennenden Schmerz
en und beinahe Funktionsausfall
des Armes entwickelt. Aktuell klage er über brennende und pochende Schmerzen im Bereich des rechten Armes. Im Nackenbereich und der rechten
Thoraxhälfte
spüre er weniger Schmerzen. Trotz intensiver psychia
trisch-psychologischer Betreuung sowie der Einnahme von Psychopharmaka klage er über massivste Schlafstörungen, negative und pessimistische Zukunfts
perspektiven, Wertlosigkeit, diffuse Konzentration und Vergesslichkeit, Albträume
, sozialen Rückzug sowie Pessimismus (S. 1). Er könne kaum aus der Wohnung gehen und habe kaum noch Kontakte zur äusseren Welt. Es sei immer wieder zu starken Suizidgedanken gekommen, wobei er sich aktuell klar von Suizid dis
tan
zieren wolle. Im aktuellen Zustand schätze er den Beschwerdeführer in der freien Wirtschaft weder arbeits- noch eingliederungsfähig. Er könne höchstens an einem geschützten Arbeitsplatz beschäftigt werden (S. 2).
3.2
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt am 23. Januar 2017 fest, der Beschwerdeführer sei ihm vom Hausarzt aufgrund einer langjährigen depressiven Entwicklung zur psychi
a
trischen Betreuung zugewiesen worden. Aufgrund der richtungsweisenden Schmerz
problematik und erheblichen negativen Selbstwahrnehmung mit Selbst
wertregulationsstörung, welche zu einem erheblichen sozialen Rückzug im Sinne einer Vita
minima
geführt hätten, seien die stützend-
supportiven
Gespräche nach mehreren
Sitzungen im November 2016 vorderhand sistiert worden. Es seien thera
peutische Optionen beziehungsweise Alternativen hinsichtlich der subjektiv vor
herrschenden Schmerzproblematik auszuschöpfen. Die komplexe Fragestel
lung hinsichtlich der medizinisch-theoretischen und sozial-praktischen Arbeits
fähigkeit im Kontext dieser mehrdimensionalen Schmerzproblematik mit konse
kutiven psychosozialen Funktionsdefiziten und psychisch-emotionaler Belastung sei per se durch qualifizierte Fachkräfte polydisziplinär-gutachterlich zu klären (Urk. 7/97/3).
3.3
Am 11. Mai 2017 führte Dr.
C._
bei ansonsten unveränderten Angaben ergänzend aus, die Prognose sei ungünstig. Die Belastbarkeit sei sowohl aus somatischer wie auch aus psychi
atri
scher Sicht massiv eingeschränkt (Urk. 7/106 Ziff. 1.4). Bezüglich der Arbeitsfähigkeit seien keine sicheren Angaben möglich. Seit dem Unfall habe
d
er
Beschwerdeführer
keiner Tätigkeit mehr nachgehen können. Seit Anfang beziehungsweise Mitte August 2016 hätten die Beschwerden stark zugenommen (Ziff. 1.6). Es könne nicht mit einer Wiederaufnahme der beruf
lichen Tätigkeit gerechnet werden (Ziff. 1.9).
3.4
Pract
. med.
D._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, RAD, hielt am 22. Mai 2017 fest, es sei aktuell von einem instabilen Gesundheitszustand auszugehen, gegebenenfalls liege eine Veränderung des psychischen Gesundheitszustandes vor. Der Beschwerdeführer sei erneut zur fachpsychiatrischen Behandlung bei Dr.
B._
angemeldet. Es seien zunächst die empfohlenen medizinischen Mass
nahmen (Therapie zur Behandlung der vorherrschenden Schmerzproble
matik, ergänzende fachpsychiatrische Behandlung) umzusetzen und der Fall in sechs Monaten zur medizinischen Neubeurteilung wiedervorzulegen (Urk. 7/117 S. 3 f.).
3.5
Mit Schreiben vom 23. September 2017 wies Dr.
C._
auf eine Verschlech
terung des Gesundheitszustandes hin. Fremdanamnestisch verlasse der Beschwer
deführer die Wohnung kaum, er lebe sehr isoliert. Mehrere für ihn organisierte Termine bei diversen Psychiatern und Institutionen habe der Beschwerdeführer nicht wahrgenommen. Um sich ein genaueres Bild zu machen, bitte er darum, beim Beschwerdeführer einen Hausbesuch zu veranlassen und die Situation per
sönlich zu beobachten (Urk. 7/116).
3.6
Am 30. Oktober 2017 führte
pract
. med.
D._
aus, aus medizinischer Sicht
sei aktuell keine Stellungnahme möglich. Der Beschwerdeführer befinde sich nicht
in adäquater fachärztlicher Behandlung. Aus arbeitsmedizinischer Sicht wäre ihm abgestützt auf die vorliegenden Arztberichte eine fachärztlich psychiatrische Behandlung
beziehungsweise eine Behandlung der Schmerzproblematik im Sinne der auferlegten Schadenminderungspflicht zumutbar. Falls von Seiten der Be
schwer
degegnerin eine medizinische Stellungnahme zum aktuellen Gesundheits
zustand
und zur aktuellen Leistungsfähigkeit (trotz nicht adäquater fachärztlicher Behandlung) gewünscht we
rde, wären weitere medizinische
Abklärungen in Form eines Gutachtens notwendig (Urk. 7/117 S. 4).
3.
7
Gemäss Behandlungsplan vom 1. Februar 2018 sahen die Ärzte des
E._
,
F._
, folgende Massnahmen vor (Urk. 7/130):
-
ambulante Psychotherapie mit regelmässigen ein- bis zweiwöchentlichen Behandlungsterminen; gegebenenfalls teilstationäre beziehungsweise stationäre Psychotherapie bei bestehender Therapiemotivation. Die vor
aussichtliche Dauer der Therapie bei fraglicher
Chronifizierung
und Über
lagerung durch Persönlichkeitsakzentuierung beziehungsweise -störung sei aktuell schwer einschätzbar.
-
gegebenenfalls
supportive
Phytotherapie oder Pharmakotherapie in Ein
verständnis mit dem Beschwerdeführer in Form einer antidepressiven Therapie.
-
körperorientierte Massnahmen zur Stärkung der Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Selbstakzeptanz und zum Stressabbau (Atemtherapie, valide Entspannungstherapie)
3.
8
In ihrem Bericht vom 2. Februar 2018 nannten die Ärzte des
E._
folgende Diag
nosen (Urk. 7/133 S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
cho
tische Symptome (ICD-10 F33.2) mit somatischem Syndrom
-
Status nach Suizidversuch November 2012 im Rahmen von Diagnose 1
-
Probleme mit
Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10 Z73)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1; Diffe
ren
zialdiagnose ICD-10 F62.0) infolge Diagnose 5
-
sensomotorische Lähmung des rechten Armes mit Hypästhesie und Miss
empfindungen bei Plexus
brachialis
-Läsion, eingeschränkte Schulterbe
weg
lichkeit rechts, orthopädische
Limite
bei oberer
Plexusparese
rechts nach
Oberlin
-Transfer bei Status nach Motorradunfall
Die Symptomatik äussere sich in gedrückt wirkender Stimmung,
Anhedonie
, Antriebsminderung mit gesteigerter Ermüdbarkeit, Aktivitätseinschränkung mit
massivem sozialem Rückzug
, reduzierter Konzentration, stark vermindertem Selbst
wertgefühl und Selbstvertrauen, Gefühlen von Schuld und Wertlosigkeit,
pessimistischer Zukunftsperspektive sowie Schlafstörungen mit Tag-Nacht-Um
kehr und erfülle damit die Kriterien einer
schwergradigen
depressiven Episode mit somatischem Syndrom ohne Hinweise auf eine bipolare Erkrankung. Ein even
tuell bestehendes posttraumatisches Belastungssyndrom könne erst im Ver
lauf beurteilt werden. Bei anamnestisch vorhandenen Suizidideen sei eine glaub
hafte Distanzierung von akuter Suizidalität gegeben. Es bestünden keine Anhalts
punkte für eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung (S. 1). Therapeutisch werde die Durchführung einer stationären Psychotherapie empfohlen, welche eine inten
sivere fachspezifische Betreuung ermöglichen würde. Im Fokus sollten un
ver
ändert die Themen Aufbau von Ressourcen für die Entwicklung von Lebens
per
spektiven, Akzeptanz und Achtsamkeit, Methoden zum Stressabbau und Ent
spannung sowie Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit und Interaktionsana
lysen stehen.
Auf
telefonische Nachfrage
hin
habe sich der Beschwerdeführer einer stationären Zuweisung gegenüber erneut distanziert gezeigt. Er wünsche vordergründig die Fortführung der ambulanten Therapie (S. 2). Nach der Zuwei
sung bei seit Jahren zunehmendem depressivem Syndrom und mittlerweile völligem sozialen Rückzug sei der Beschwerdeführer nach mehreren versäumten Ter
min
vereinbarungen seit November 2017 regelmässig zu den vereinbarten Ter
mi
nen erschienen (S. 4). Im Rahmen der Gesprächspsychotherapie habe sich nur ganz allmählich eine minimale Verhaltensänderung des initial sehr scheuen Beschwerdeführers abgezeichnet. Bei
m
Therapeutenwechsel habe er sich im Abschluss
gespräch weniger distanziert gegenüber einem stationären Aufenthalt gezeigt und sei mit einer Terminanfrage in der
G._
einverstanden gewesen. Ein Aufgreifen dieses Themas werde für den weiteren Therapieverlauf dringend empfohlen (S.
5).
Mit Schreiben vom 13. Juli 2018 teilten die Ärzte des
E._
mit, der letzte Behand
lungstermin habe im April 2018 stattgefunden, es bestehe daher keine Mög
lich
keit für eine aktuelle Statuserhebung (Urk. 7/136).
3.
9
Am 24. Juli 2018 führte
pract
. med.
D._
aus, aus versicherungs
medizi
ni
scher Sicht müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer die
ihm
auferlegte Schadenminderungspflicht nicht erfüllt habe. Der Beschwerde
führer habe sich nur für einen kurzen Zeitraum von November 2017 bis April 2018 in ambulanter fachpsychiatrischer Behandlung befunden. Im Rahmen dieser Behandlung sei ausserdem eine stationäre Therapiemassnahme zur intensiveren fachspezifischen Betreuung empfohlen worden. Eine solche Therapie sei abge
stützt auf die vorhandenen Unterlagen bislang nicht umgesetzt worden. Weitere Stellungnahmen
zum medizinischen Sachverhalt seien aufgrund der Aktenlage nicht möglich, der Beschwerdeführer befinde sich nicht in Behandlung. Falls der Rechtsanwender zum jetzigen Zeitpunkt weitere medizinische Stellungnahmen benötige, könne letztlich nur eine
Medas
-Begutachtung empfohlen werden. Andern
falls erscheine es angezeigt, dass sich der Beschwerdeführer zunächst wieder in eine adäquate Behandlung begebe und der Verlauf abgewartet werde (Urk. 7/140 S. 3).
4.
4.1
Mit Schreiben vom 29. Mai 2017 (Urk. 7/108) wurde der Beschwerdeführer aufge
fordert, sich für sechs Monate einer multimodalen Schmerztherapie sowie einer
ergänzenden fachpsychiatrischen Behandlung zu unterziehen und bis zum 29. Juni
2017 mitzuteilen, bei welchem Arzt die Massnahmen durchgeführt würden. An
ge
droht wurde - unter Hinweis auf das nicht aktenkundige Informationsblatt -, dass aufgrund der Akten entschieden werde
, wenn die Mitteilung des behan
delnden Arztes nicht bis zum 29. Juni 2017 erfolge.
In der Folge teilte der Beschwerdeführer am 20. Juni 2017 mit, er werde sich in der
H._
beziehungsweise im
I._
des
E._
den ihm auferlegten Behandlungen unterziehen (Urk. 7/109). Damit hat der Beschwerdeführer die ihm mit Schreiben vom 29. Mai 2017 (Urk. 7/108) aufer
legte und mit einer Frist sowie der Androhung von Folgen versehene Auflage grundsätzlich erfüllt.
4.2
Unbestritten und aufgrund der Akten auch ausgewiesen ist
jedoch
, dass der Beschwerdeführer die ihm auferlegten und im
E._
geplanten
Massnahmen nicht in der von der Beschwerdegegnerin wie auch den behandelnden Ärzten vorge
sehenen Art und Weise wahrgenommen hat. So hielt
die
J._
,
E._
,
mit Schreiben vom 18. August 2017 fest
, der Beschwer
deführer sei zum angebotenen Termin nicht erschienen (Urk.
7/115), und auch der Hausarzt Dr.
C._
wies am 23. September 2017 darauf hin, dass der Beschwerdeführer mehrere für ihn organisierte Termine bei diversen Psychiatern
und Institutionen nicht wahrgenommen habe (E. 3.
5). Der Beschwerdeführer selbst
machte sodann geltend, er sei gerade aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, sämtliche Termine wahrzunehmen (vgl. E. 2.2).
Für die Zeit nach Auferlegung der Schadenminderungspflicht liegen lediglich zwei Berichte von behandelnden Ärzten vor. Dr.
C._
beschrieb am 23. Septem
ber 2017 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes sowie eine zunehmende Isolierung des Beschwerdeführers (E. 3.5). Die Ärzte des
E._
diag
nostizierten in ihrem Bericht
vom 2. Februar 2018 unter anderem eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symp
t
ome, mit somatischem Syndrom und empfahlen die Durchführung einer statio
nären Psychotherapie zur intensiveren fachspezifischen Betreuung. Aus dem Bericht ergibt sich sodann weiter, dass sich der Beschwerdeführer mittlerweile sozial völlig zurückgezogen und sich eine minimale Änderung des initial sehr scheuen Verhaltens nur ganz allmählich abgezeichnet hatte. Die Ärzte hielten einen stationären Aufenthalt für den weiteren Therapieverlauf denn auch als dringend angezeigt
. Ein solcher wurde in der Folge jedoch nicht durchgeführt, vielmehr teilten die Ärzte des
E._
im Juli 2018 mit, der letzte Behandlungstermin habe im April 2018 stattgefunden (E. 3.8).
Damit bestehen Hinweise darauf,
dass der Beschwerdeführer die Behandlung
möglicherweise
krankheitsbedingt nicht aufgenommen
beziehungsweise frühzei
tig wieder abgebrochen hatte.
Gestützt auf die vorliegenden Akten kann diese Frage jedoch
nicht abschliessend beantwortet werden.
4.3
Aufgrund der vorliegenden Unterlagen bleibt zudem u
nklar,
wie die Arbeits
fähig
keit des Beschwerdeführers
nach dem erfolgreichen Abschluss der Umschulung
zum Techniker HF Elektrotechnik am 19. November 2015 (Urk. 7/69)
zu beurtei
le
n ist
beziehungsweise ob er seither Arbeits
bemühungen getätigt
hat.
Diesbe
züglich äusserte sich lediglich der Hausarzt Dr.
C._
, welcher den Beschwer
de
führer im Januar 2017 in der freien Wirtschaft weder arbeits- noch eingliede
rungsfähig
einschätzte und höchstens eine Beschäftigung an einem geschützten Arbeitsplatz für realistisch hielt
(E. 3.1).
Am 11. Mai 2017 führte Dr.
C._
sodann aus, bezüglich der Arbeitsfähigkeit seien keine sicheren Angaben möglich, der Be
schwer
deführer habe seit dem Unfall keiner Tätigkeit mehr nachgehen können (E. 3.3). Weitere
Angaben
finden sich nicht
bei den Akten.
Bereits im Januar 2017 hatte der behandelnde Psychiater Dr.
B._
auf die Notwendigkeit eines
polydisziplinären Gutachtens hingewiesen (E. 3.2) und auch med.
pract
.
D._
, RAD, hielt im Oktober 2017 eine Begutachtung zur Feststellung des aktuellen Gesundheitszustandes sowie der aktuellen Leistungsfähigkeit für erforderlich (E. 3.6). Auf eine solche verzichtete die Beschwerdegegnerin jedoch, obschon sie auf die Neuanmeldung vom 1. Dezember 2016 eingetreten
war und somit
ver
pflichtet gewesen
wäre
, den Sa
chverhalt materiell abzuklären.
Damit liegen keine aussagekräftigen medizinischen Berichte vor, gestützt auf welche die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers schlüssig beurteilt werden kann. Darüber hinaus ist auch zu berücksichtigen, dass g
emäss BGE 143 V 418
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 nament
lich
auch leichte bis
mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141
V 281 zu unterziehen
sind
(Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine inva
lidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Be
rück
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und vo
n Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsäch
lich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzuneh
mende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen)
und ist damit auch vorliegend zu beachten.
4.4
Insgesamt erweist
sich der medizinische Sachverhalt als zu wenig abgeklärt, als
dass der Leistungsanspruch
des Beschwerdeführers
abschliessend beurteilt we
rden könnte. Es sind daher weitere Abklärungen notwendig, um
einerseits die Frage zu klären, ob der Beschwerdeführer die angezeigten Behandlungen krankheits
bedingt nicht aufgenommen beziehungsweise frühzeitig abgebrochen hat, und andererseits die verbleibende Restarbeitsfähigkeit
- auch unter Berücksichtigung der sensomotorischen Lähmung des rechten Armes -
zu beurteilen.
Zu diesem Zweck ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, welche gestützt auf eine neue
bidisziplinäre
orthopädisch-psychiatrische Begutachtung über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen haben wird. Dabei ist je nach Ergebnis nicht auszuschliessen, dass der noch junge Beschwerdeführer gemäss dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» erneut Anspruch auf berufliche Massnahmen hat.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Ver
waltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
sind.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 2’
2
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.