Decision ID: 30083c1a-82ea-5aac-93de-6b7ec01cc318
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Am 19. Mai 2003 meldete sich A._ zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Letztinstanzlich wies das Bundesgericht das Rentengesuch mit Entscheid vom 19.
Februar 2010, 9C_959/2009 und 9C_995/2009, ab mit der Begründung, es fehle an
einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten (IV-act. 196; siehe zum massgebenden Sachverhalt
den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 30. Oktober 2009, IV 2008/95, IV-act.
189).
A.b Der Versicherte meldete sich am 2. Februar 2012 erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 237; vgl. auch den zuvor vom behandelnden Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Chirurgie, eingereichten Bericht vom 19. Januar 2012 [Datum
Posteingang IV-Stelle], IV-act. 235). Mit der Anmeldung reichte er verschiedene
medizinische Berichte ein (IV-act. 238 ff.), u.a. eine Stellungnahme vom behandelnden
Dr. med. C._, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 23. Januar 2012.
Darin führte dieser aus, der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit "somatischem Symptom" (ICD-10:
F33.11), einer generalisierten Angststörung (ICD-10: F41.1), einem chronifizierten
Schmerzsyndrom bei bekannten Wirbelsäulenänderungen und einem Karpaltunnel-
Syndrom (IV-act. 248; zur ambulanten Rehabilitation in der Klinik D._ vom 22. August
bis 30. September 2011 siehe den Bericht vom 25. Oktober 2011, IV-act. 249, und die
Angaben von Dr. med. E._, Chefarzt der Klinik D._, vom 17. Dezember 2012, IV-
act. 293). Am 30. Januar 2013 teilte Dr. C._ der IV-Stelle mit, der Zustand des
Versicherten habe sich chronifiziert und einen weiteren invalidisierenden Verlauf
genommen. Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigte er dem Versicherten
eine 40%ige Arbeitsfähigkeit. Deren Realisierung setze eine Unterstützung durch die
IV-Stelle in Form eines Arbeitstrainings voraus (IV-act. 301).
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A.c Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte im Zeitraum vom 29. April bis 2. Mai
2013 in der MEDAS Bellinzona polydisziplinär (allgemein-internistisch, neurologisch,
oto-rhino-laryngologisch, psychiatrisch und rheumatologisch) begutachtet. Die
Experten diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: ein chronisches
panvertebrales Syndrom vorwiegend zervikolumbospondylogen beidseits bei
degenerativen Veränderungen der HWS (minime foraminale Einengungen C5/C6,
breitbasige mediolaterale rechtsakzentuierte Diskushernie C6/C7 ohne
Nervenwurzelkompressionen), der BWS (kleinvolumige linkslaterale Diskushernie
TH4/5, TH5/6, TH7/8 ohne Nervenwurzelkompressionen), der LWS (kleinvolumige
breitbasige Diskusprotrusionen L3/L4, L4/L5 und mediolaterale linksgelegene
Diskushernie L5/S1 mit der linken Nervenwurzel S1 Kontakt aufnehmend),
Wirbelsäulenfehlhaltung/-fehlform (linkskonvexe BWS-Skoliose, Kopfprotraktion) und
muskulärer Dysbalance/Haltungsinsuffizienz; eine Periarthropathia humeroscapularis
beidseits bei AC-Gelenksarthropathie beidseits und Supraspinatussehnen-Ruptur
linksseitig; eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11) und eine chronisch obstruierte
Nasenatmung mit hyperreaktiven Mukosen bei Status nach zahlreichen endonasalen
Eingriffen. Die angestammte Tätigkeit als Betonfräser sei dem Versicherten aus
rheumatologischer Sicht nicht mehr zumutbar. Der psychische Gesundheitszustand
des Versicherten habe sich im Oktober 2011 verschlechtert. Seither bestehe eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten. Die Beeinträchtigung sei
vorwiegend "psychiatrischer Natur" (Gutachten vom 18. Juni 2013, IV-act. 314). RAD-
Ärztinnen Dres. med. F._, Fachärztin FMH für Arbeitsmedizin, und G._, Fachärztin
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hielten die gutachterliche Beurteilung der
MEDAS-Bellinzona versicherungsmedizinisch für überzeugend (Stellungnahmen vom
24. Juni und 15. Juli 2013, IV-act. 315).
A.d Da der Versicherte geäussert habe, er fühle sich nicht in der Lage, an
Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen, wies die IV-Stelle das Begehren um
berufliche Massnahmen ab (Mitteilung vom 6. September 2013, IV-act. 326).
A.e Der Rechtsdienst der IV-Stelle vertrat in der Stellungnahme vom 15. November
2013 die Auffassung, das Vorliegen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens
müsse verneint werden (IV-act. 328). Gestützt auf diese Einschätzung stellte die IV-
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Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 22. November 2013 die Abweisung des
Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 332). Dagegen erhob der Versicherte am 14. Januar
2014 Einwand (IV-act. 336; siehe auch dessen Schreiben vom 15. Januar 2014, mit
dem er einen Bericht von Dr. C._ vom 14. Januar 2014 einreichte, IV-act. 335). Am
14. Februar 2014 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act.
340).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 14. Februar 2014 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 19. März 2014. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten-
und Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei ihm eine halbe Rente zuzusprechen.
Eventuell sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Des Weiteren sei die Beschwerdegegnerin zur
Bezahlung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung im Einwandverfahren
an die Rechtsvertreterin zu verpflichten. Er bringt im Wesentlichen vor, er leide an einer
eigenständigen depressiven Störung. Es bestehe aus rechtlicher Sicht keine
Rechtfertigung, von der beweiskräftigen medizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
der psychiatrischen MEDAS-Gutachterin abzuweichen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 6. Mai 2014
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie aus, die Verschlechterung
der Depression sei eindeutig im Zusammenhang mit sozialen Belastungsfaktoren sowie
der somatisch nicht erklärbaren Schmerzsymptomatik zu sehen. Ferner sei das
therapeutische Potential noch nicht ausgeschöpft. Die Depression als allfällige
psychische Komorbidität bewirke keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Sodann seien die Kriterien nicht erfüllt, um hinsichtlich des psychogenen
Schmerzsyndroms von einer ausnahmsweisen Unüberwindbarkeit auszugehen (act. G
3).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 9. Mai 2014 wird dem Gesuch des Beschwerdeführers
um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten
und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 4).
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B.d In der Replik vom 10. Juni 2014 hält der Beschwerdeführer unverändert an den
von ihm gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 6).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat am 17. Juni 2014 den Verzicht auf eine Duplik
mitgeteilt (act. G 8).
B.f Mit Eingabe vom 6. Juli 2016 hat der Beschwerdeführer das Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 3. September 2014 eingereicht, worin das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Vorbescheidverfahren bewilligt und eine
Entschädigung von Fr. 1'000.-- gewährt wurde (act. G 11.1). Antrag Ziff. 4 der
Beschwerde hat er wie folgt präzisiert: Die Beschwerdegegnerin sei zur Bezahlung
sämtlicher Aufwendungen der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung
im Einwandverfahren an die unterzeichnende Rechtsanwältin zu verpflichten (act. G
11).

Erwägungen
1.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 14. Februar 2014 bildet allein der
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente (IV-act. 340). Demgegenüber
wird der Anspruch auf unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren
bzw. die Höhe der hierfür gewährten Entschädigung (siehe hierzu das Schreiben des
Beschwerdeführers vom 3. September 2014, act. G 11.1) von der angefochtenen
Verfügung nicht erfasst. Unter diesen Umständen ist der Anspruch auf Entschädigung
für die für das Verwaltungsverfahren gewährte unentgeltliche Rechtsverbeiständung
nicht Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens, weshalb auf den
entsprechenden Beschwerdeantrag (Ziff. 3) nicht einzutreten ist. Das Honorar der
unentgeltlichen Rechtspflege im Verwaltungsverfahren kann auch nicht im Rahmen der
bewilligten unentgeltlichen Rechtspflege im Beschwerdeverfahren entschädigt werden
(vgl. zum präzisierten Antrag Ziff. 4 act. G 11).
2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist das Rentengesuch
des Beschwerdeführers vom 2. Februar 2012 (IV-act. 237).
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2.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und
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das Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
3.
Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte, die Zweifel am Gutachten der
MEDAS Bellinzona vom 18. Juni 2013 wecken. Auch die Parteien bringen nichts gegen
die Beweiskraft der gutachterlichen Einschätzung vor, die vom RAD vollumfänglich
geteilt wurde (IV-act. 315). Aus medizinisch-theoretischer Sicht ist daher davon
auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand im Oktober 2011 verschlechtert hat
und seither aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten besteht (IV-act. 314).
4.
Zu prüfen ist die von der Beschwerdegegnerin bestrittene
invalidenversicherungsrechtliche Erheblichkeit des psychischen Leidens (act. G 3).
4.1 Grundsätzlich bedarf es nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung für die
Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis
auf die Vorgaben eines Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der
freien Beweiswürdigung dürfe sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht
- weder über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen, noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsanwendenden Behörden hätten mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
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(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren)
mitberücksichtige, die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus
unbeachtlich seien. Wo psychosoziale Einflüsse das Bild prägen würden, sei bei der
Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (Urteil des
Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen).
4.2 Soweit die Beschwerdegegnerin zur Begründung ihrer Auffassung die
Überwindbarkeitsrechtsprechung zu den psychosomatischen Leiden gemäss BGE 130
V 352 heranzieht (act. G 3, Rz 4 und Rz 10; wie sie auch im den Beschwerdeführer
betreffenden Entscheid des Bundesgerichts vom 19. Februar 2010, 9C_959/2009 und
9C_995/2009, E. 4.2 f., IV-act. 196-4 f., noch zur Anwendung gelangte), erübrigen sich
Weiterungen hierzu. Denn beim Bundesgericht ist inzwischen die Erkenntnis gereift,
dass diese Rechtsprechung nicht mehr länger haltbar ist (siehe zur
Rechtsprechungsänderung BGE 141 V 281). Die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten begründeten die Experten der MEDAS Bellinzona
ausschliesslich mit dem depressiven Leiden. Sie wiesen wiederholt darauf hin, die
undifferenzierte Somatisierungsstörung sei nicht arbeitslimitierend (IV-act. 314-35;
RAD-Ärztin Dr. G._ vertrat ebenfalls den Standpunkt, das Schmerzleiden stehe bei
der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten nicht im
Vordergrund, IV-act. 315-2 unten). Da sich die psychosomatischen Leiden demnach
(wenn überhaupt) höchstens auf die Rahmenbedingungen einer zumutbaren Tätigkeit
auswirken, kommt auch die neue Rechtsprechung zu diesen Beschwerdebildern
gemäss BGE 141 V 281 nicht zum Tragen. Denn die zentrale Frage, wie weit das
anrechenbare Leistungsvermögen quantitativ eingeschränkt ist, stellt sich nur mit Blick
auf die Depression (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Januar 2015, 9C_140/2014,
E. 2; zum eigenständigen Charakter des depressiven Leidens siehe nachstehende E.
4.4.1 ff.).
4.3 Ins Gewicht fällt zunächst, dass der Beschwerdeführer inzwischen unbestritten an
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11; IV-act. 314-26), mithin nicht bloss
an einer vorübergehenden psychischen Erkrankung leidet. RAD-Ärztin Dr. G._ sprach
nachvollziehbar von einem mehrjährigen, chronifizierten psychischen Krankheitsverlauf
mit progredienter Symptomatik (IV-act. 315-3).
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4.4 Die Beschwerdegegnerin bringt gegen eine invalidisierende Wirkung des
psychischen Leidens vor, bei der diagnostizierten depressiven Störung handle es sich
nicht um eine eigenständige Krankheit. Die Verschlechterung der Depression sei
eindeutig im Zusammenhang mit sozialen Belastungsfaktoren sowie der somatisch
nicht erklärbaren Schmerzsymptomatik zu sehen (act. G 3, Rz 8).
4.4.1 Vorab gilt es in diesem Kontext den finalen Charakter der Invalidenversicherung
zu beachten. Dieser bedeutet, dass bei der Leistungsprüfung nicht nach der Art und
Genese eines die Erwerbsunfähigkeit verursachenden Gesundheitsschadens gefragt
wird. Der Gesundheitszustand ist folglich immer gesamtheitlich zu betrachten. Selbst
eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch eine
soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der
Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein verselbstständigtes
psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit nicht allein mit
dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer
Belastungsfaktoren verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014,
8C_830/2013, E. 5.2.3 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Literatur).
4.4.2 Weder aus den Ausführungen der Beschwerdegegnerin noch aus der Aktenlage
geht hervor, das depressive Leiden gehe vollständig in psychosozialen Umständen auf.
Entscheidend ist des Weiteren, dass im Gutachten der MEDAS Bellinzona ausdrücklich
festgehalten wird, die "IV-fremden" Faktoren seien nicht arbeitslimitierend und die
Einschränkung in einer adaptierten Tätigkeit sei auf die Depression zurückzuführen (IV-
act. 314-35). In tatsächlicher Hinsicht ist somit vom Bestehen eines von
psychosozialen Faktoren losgelösten depressiven Leidens auszugehen, dessen
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit die psychiatrische MEDAS-Gutachterin unter
Ausklammerung psychosozialer Aspekte eingeschätzt hat. Schliesslich legt die
Beschwerdegegnerin weder dar noch ist aus den Akten ersichtlich, dass ein Wegfall
von psychosozialen und/oder soziokulturellen Faktoren die langjährige depressive
Störung (unmittelbar) verschwinden lassen würde (vgl. zum Ganzen Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Januar 2015, 9C_140/2014, E. 3.4.2). Diese Sichtweise wurde
von RAD-Ärztin Dr. G._, die sich ebenfalls mit den sozialen Umständen
auseinandergesetzt hat, versicherungsmedizinisch mit nachvollziehbarer Begründung
bestätigt (IV-act. 315-2 f.). Da somit hinsichtlich psychosozialer und soziokultureller
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Faktoren seit der gesundheitlichen Verschlechterung von Oktober 2011 ein
selbstständiger, zumindest verselbstständigter Gesundheitsschaden im Sinn der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung besteht, ist für dessen Anspruchserheblichkeit
nicht bedeutsam, ob invaliditätsfremde Umstände bei seiner Entstehung eine
massgebende Rolle spielten (Urteil des Bundesgerichts vom 25. September 2013,
9C_415/2013, E. 4).
4.4.3 Wie bereits dargelegt (siehe vorstehende E. 4.2), steht das Schmerzleiden
inzwischen im Hintergrund des gesamten Leidensbilds. Sowohl die psychiatrische
MEDAS-Gutachterin als auch RAD-Ärztin Dr. G._ legten schlüssig dar, dass allein die
ausgewiesenen psychopathologischen Befunde für die Beeinträchtigung der
Erwerbsfähigkeit massgeblich sind (IV-act. 314-58 f. und IV-act. 315-2 f.). Das
depressive Leiden als "führende Pathologie" (IV-act. 314-33) ist somit auf Grund
klinisch festgestellter Befunde klar eigenständig diagnostiziert worden und ist damit
überprüf- bzw. objektivierbar im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 29. September 2014, 8C_371/2014, E. 5.2.1). Die psychiatrische
MEDAS-Gutachterin trennte das psychosomatische Leidensbild vom (allein für die
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
verantwortlichen) depressiven Leiden (IV-act. 314-35). Aus der Darstellung der
Krankheitsentwicklung ergibt sich auch nicht, dass die seit Oktober 2011 bestehende
depressive Störung von einer psychosomatischen Krankheit relevant beeinflusst
worden wäre (IV-act. 314-33; vgl. auch IV-act. 235-29). Diese Betrachtungsweise wird
durch die Ausführungen von Dr. E._ bestätigt, der dem psychosomatischen Leiden
ebenfalls keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen hat (IV-act. 293-2). Mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit ist deshalb davon auszugehen, dass es sich beim
depressiven Leiden um eine selbstständige, zumindest aber um eine inzwischen
verselbstständigte Krankheit handelt. Zu ergänzen bleibt der Vollständigkeit halber,
dass eine depressive Problematik nicht bereits wegen einer medizinischen Konnexität
zum Schmerzleiden ihre Bedeutung als potentiell ressourcenhemmender Faktor verliert
(BGE 141 V 301 E. 4.3.1.3).
4.5 Gegen die invalidisierende Wirkung des depressiven Leidens führt die
Beschwerdegegnerin sodann deren Therapierbarkeit an (act. G 3, Rz 9).
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4.5.1 Der Beschwerdeführer weist zutreffend darauf hin (act. G 1, Rz 31), dass wie bei
der Prüfung somatischer Leiden (zur zu beachtenden Gleichbehandlung somatischer
mit auf Grund klinischer psychiatrischer Untersuchungen klar diagnostizierbaren
psychischen Leiden siehe BGE 139 V 562 E. 7.1.4) auch bei depressiven Leiden die
Behandelbarkeit für sich allein bezüglich der Prüfung der Überwindbarkeit aus
objektiver Sicht im Sinn von Art. 7 Abs. 2 ATSG keine Rolle spielt. Entscheidend ist,
dass das depressive Störungsbild - wie vorliegend - aufgrund klinischer psychiatrischer
Untersuchungen klar diagnostiziert werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 29.
September 2014, 8C_371/2014, E. 5.2.1).
4.5.2 Ohnehin geht aus der vom Beschwerdeführer in Anspruch genommenen
Behandlung nichts hervor, was Zweifel am invalidisierenden Gesundheitsschaden
entstehen liesse (siehe zum Umfang der zahlreichen absolvierten Therapien etwa IV-
act. 293-3, IV-act. 301-1, IV-act. 314-56 f. und IV-act. 314-77). Dr. C._ berichtete am
30. Januar 2013, der Beschwerdeführer sei weiter in seiner Behandlung. Er komme zu
psychotherapeutischen Gesprächen und nehme auch die vorgeschriebenen
Medikamente ein. Dr. C._ empfahl die Fortsetzung der bisherigen Behandlung (IV-
act. 301-1 f.). Die psychiatrische MEDAS-Gutachterin, welche die umfangreiche
therapeutische Vorgeschichte bei ihrer Beurteilung miteinbezog (IV-act. 314-56 f.),
versprach sich von weiteren Therapien keinen relevanten Erfolg (IV-act. 314-60).
Insbesondere mass sie der einzig genannten Therapiemöglichkeit in Form einer
stationären Depressionsbehandlung keinen unmittelbaren Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit zu (IV-act. 314-61). Es ist somit davon auszugehen, dass die
psychiatrische MEDAS-Gutachterin die sich aus der Behandlungsgeschichte für die
Arbeitsfähigkeit ergebenden Schlussfolgerungen etwa hinsichtlich Leidensdruck
berücksichtigt hat. RAD-Ärztin Dr. G._ teilte sodann die gutachterliche Beurteilung
und benannte ebenfalls keine über die bisherige Behandlungen hinausgehende
Therapiemöglichkeit. Sie wies darauf hin, dass es sich "trotz Therapie" um einen
mehrjährigen, chronifizierten psychischen Krankheitsverlauf mit progredienter
Symptomatik handle. Seit 2002 stehe der Beschwerdeführer in regelmässiger und
adäquater psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung (IV-act. 315-3).
Angesichts dieser medizinisch einhelligen Beurteilung der Behandlungsmöglichkeiten
kann keine Rede davon sein, es bestehe ein Behandlungspotential, welches der
Beschwerdeführer unzureichend ausschöpfte.
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4.6 Insgesamt bestehen keine konkreten Gesichtspunkte, die gegen die
invalidenversicherungsrechtliche Erheblichkeit der von den Experten der MEDAS
Bellinzona ab Oktober 2011 bescheinigten Arbeitsunfähigkeit sprechen, zumal die
Ressourcen des Beschwerdeführers zusätzlich durch eine chronische körperliche
Begleiterkrankung beansprucht werden (IV-act. 315-2). Es ergeben sich aus den Akten
sodann keine Aspekte, welche die Konsistenz und Plausibilität der gutachterlichen
Beurteilung in Zweifel zu ziehen vermögen. Von Bedeutung ist sodann, dass das
MEDAS-Gutachten vom RAD versicherungsmedizinisch vollumfänglich bestätigt wurde
(IV-act. 315). Schliesslich ist anzufügen, dass keine relevanten Hinweise für eine
Verdeutlichung oder sogar Aggravation bestehen. RAD-Ärztin Dr. G._ verneinte das
Vorliegen von Hinweisen auf ein suboptimales Leistungsverhalten bzw. auf relevante
Inkonsistenzen (IV-act. 315-3). Im Licht dieser Umstände besteht für die
rechtsanwendenden Organe keine Rechtfertigung, sich über die beweiskräftige, vom
RAD bestätigte gutachterliche Beurteilung der MEDAS Bellinzona hinwegzusetzen. Es
ist damit bei der Bestimmung der Erwerbsunfähigkeit von einer seit Oktober 2011
bestehenden 50%igen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten auszugehen.
5.
Hinsichtlich der Bestimmung des Invaliditätsgrads besteht kein Anlass, von der von der
Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 17. Januar 2008 (IV-act. 173, insbesondere
IV-act. 173-17) herangezogenen betraglichen Grundlage (Valideneinkommen Fr.
79'118.--; statistischer Lohn für das Invalideneinkommen Fr. 59'028.--; Basis 2007, vgl.
IV-act. 158-3) abzuweichen, die sowohl vom Versicherungsgericht (Entscheid vom 30.
Oktober 2009, IV 2008/95, E. 5.1; IV-act. 188-16 f.) als auch vom Bundesgericht (Urteil
vom 19. Februar 2010, 9C_259/2009 und 9C_995/2009, E. 4.6.2; IV-act. 196-9) mit
einem Tabellenlohnabzug von 5% bestätigt wurde. Bei einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit und einem Tabellenlohnabzug von 5% ergibt sich ein
Invalideneinkommen von Fr. 28'038.-- (Fr. 59'028.-- x 0,5 x 0,95). Aufgrund eines
Valideneinkommens von Fr. 79'118.-- resultieren eine Erwerbseinbusse von Fr.
51'080.-- (Fr. 79'118.-- - Fr. 28'038.--), ein Invaliditätsgrad von aufgerundet 65% ([Fr.
51'080.-- / Fr. 79'118.--) und damit unter Berücksichtigung von Art. 29 Abs. 1 IVG ab 1.
August 2012 ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
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6.
6.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 14. Februar 2014
aufzuheben und dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. August 2012 eine
Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung
ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Auf den Antrag Ziff. 3 der Beschwerde ist nicht einzutreten.
6.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
6.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers ist auf Grund der unsystematischen Aktenführung (zur
entsprechenden Rüge siehe act. G 6, Rz 2) der Beschwerdegegnerin ein
Zusatzaufwand entstanden. Bei einer Rechtsvertretung im gesamten
Beschwerdeverfahren wird in invalidenversicherungsrechtlichen Fällen praxisgemäss
eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-(einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) gesprochen. Ein vorliegend höherer Aufwand erscheint aufgrund der
unsystematischen Aktenführung angemessen. Mit der Zusprache einer
Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) erübrigt sich die Frage einer Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung.