Decision ID: cc6e0f45-1b7f-486e-b55b-7dfaa7778671
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 18. Oktober 2016. Am 5. Oktober
2018 lenkte er ein Motorrad, ohne im Besitz des entsprechenden Führerausweises der
Unterkategorie A1 gewesen zu sein. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des
Kantons St. Gallen entzog ihm daraufhin den Führerausweis mit Verfügung vom
21. Dezember 2018 wegen einer mittelschweren Widerhandlung für die Dauer eines
Monats. Entgegen den gesetzlichen Vorschriften wurde die Probezeit nicht verlängert.
Am 6. Januar 2020 wurde X der definitive Führerausweis ausgestellt.
B.- Am 8. Mai 2020 war X mit einem Personenwagen von A nach B unterwegs. In C
überschritt er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 21 km/h. Mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft D vom 25. Juni 2020 wurde X wegen einer
einfachen Verkehrsregelverletzung mit Fr. 400.– gebüsst.
C.- Mit Verfügung vom 30. Juni 2020 ordnete das Strassenverkehrsamt gegenüber X
einen vorsorglichen Führerausweisentzug an. Zur Begründung wurde ausgeführt, dass
ihm der unbefristete Führerausweis erteilt worden sei, obschon die verlängerte
Probezeit noch nicht abgelaufen gewesen sei. Es sei daher vorgesehen, den
Führerausweis auf Probe wegen einer leichten Widerhandlung zu annullieren.
Am 3. Juli 2020 erhob X gegen den vorsorglichen Führerausweisentzug Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Da das
Strassenverkehrsamt beim Führerausweisentzug während der Probezeit am 21.
Dezember 2018 keine Verlängerung der Probezeit verfügt hatte und der Rekurrent
somit seit 6. Januar 2020 im Besitz des definitiven Führerausweises war, stand eine
Annullierung des Führerausweises auf Probe aufgrund des aktuellen Vorfalls vom
8. Mai 2020 nicht zur Diskussion. Das Strassenverkehrsamt widerrief daher den
vorsorglichen Führerausweisentzug am 16. Juli 2020 und händigte X den Führer
ausweis wieder aus. Das Rekursverfahren zum vorsorglichen Führerausweisentzug
wurde am 17. Juli 2020 als erledigt abgeschrieben (Verfahren IV-2020/91).
D.- Mit Verfügung vom 10. September 2020 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis im Zusammenhang mit der Geschwindigkeitsüberschreitung vom 8. Mai
2020 wegen einer leichten Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für
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einen Monat, wobei der bisher bereits erfolgte vorsorgliche Entzug von 13 Tagen
angerechnet wurde. Zudem wurden X die Verfahrenskosten von Fr. 290.– auferlegt.
E.- Mit Eingabe vom 16. September 2020 (Datum der Postaufgabe) erhob X dagegen
Rekurs bei der VRK. Er führte darin aus, er sei nicht bereit, die Kosten von Fr. 290.– für
die Bereinigung der Fehler der Vorinstanz zu bezahlen. Die Vorinstanz trug mit
Vernehmlassung vom 2. Oktober 2020 auf Abweisung des Rekurses an.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Rekurs
richtet sich gegen eine Gebührenrechnung nach Ziffer 206.02.1 des
Verkehrsgebührentarifs (sGS 718.1, abgekürzt: VGT). Möchte der Adressat eine
Verfügung über Strassenverkehrsgebühren nach VGT anfechten, hat er zunächst
Einsprache beim Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt zu erheben, wenn er die
Hauptsache nicht anficht (Art. 27 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über die
Strassenverkehrsabgaben, sGS 711.70, abgekürzt: SVAG). Diese Norm wurde mit dem
IV. Nachtrag zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 1. April 1999 erlassen.
Der Gesetzgeber führte in der Botschaft aus, gegen die vom Strassenverkehrsamt in
grosser Zahl versendeten Verfügungen über Strassenverkehrssteuern und -gebühren
würde oft Rekurs erhoben. Solche Fälle liessen sich in der Regel einfach im direkten
Kontakt zwischen Strassenverkehrsamt und Abgabepflichtigem erledigen; häufig
komme es gar zu Rückzügen. Art. 27 SVAG ermögliche es, solche Streitfälle im
Rahmen des Einspracheverfahrens direkt zwischen dem Strassenverkehrsamt und den
Abgabepflichtigen zu bereinigen (vgl. Botschaft zum IV. Nachtrag zum Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege vom 9. Juni 1998, in: ABl Nr. 29/1998, S. 1315). Dem
Gesetzgeber ging es demnach einzig darum, die Verfahren, bei denen nur die Gebühr
oder eine Steuer angefochten wird, zu vereinfachen. Nicht betroffen von dieser
Neuerung sind Verfügungen, die in der Hauptsache angefochten werden; zuständig für
deren Prüfung ist in erster Instanz nach wie vor die VRK, und zwar auch hinsichtlich der
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Kostenfolge (Art. 41 lit. g des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP, und Art. 27 Abs. 1 lit. b SVAG).
b) Vorliegend wurde in der angefochtenen Verfügung vom 10. September 2020 nicht
auf die Möglichkeit der Einsprache gegen die Gebührenerhebung hingewiesen,
weshalb der Rekurrent Rekurs bei der VRK erhob. Aus verfahrensökonomischen
Gründen ist die Streitsache nicht zwecks Erlass eines Einspracheentscheids an die
Vorinstanz zurückzuweisen, sondern als Rekurs zu behandeln. Da unabhängig vom
Ausgang des Verfahrens auf die Erhebung amtlicher Kosten zu verzichten ist
(entsprechend dem kostenlosen Einspracheverfahren nach Art. 27 Abs. 2 SVAG; vgl.
nachfolgend E. 3), entstehen dem Rekurrenten dadurch keine Nachteile. Die VRK ist
demnach zum Sachentscheid im Rekursverfahren zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 16. September 2020 (Datum
Postaufgabe) ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Der Rekurrent rügt, ihm werde der Aufwand, welcher der Vorinstanz durch die
interne Bereinigung der Dokumente und Daten entstanden sei, in Rechnung gestellt. Er
sei nicht bereit, die Kosten zu tragen, die sich aus dem Aufwand der Vorinstanz zur
verständlichen Aufbereitung der Sachlage ergeben hätten.
b) Gemäss Ziffer 206.02.1 VGT beträgt der Gebührenrahmen für den Entzug von
Lernfahr-, Führer-, Fahrlehrer-, Fahrzeug-, Kollektiv- und Schiffsführerausweisen
Fr. 150.– bis Fr. 1'000.–. Der Rekurrent beging am 8. Mai 2020 eine Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften, die einen Führerausweisentzug nach sich zog.
Folglich ist für die Entzugsverfügung vom 10. September 2020 eine Gebühr
geschuldet.
Der Führerausweis wurde wegen einer leichten Widerhandlung (Art. 16a Abs. 1 lit. a
des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01) entzogen. Diese bestand in einer
Geschwindigkeitsüberschreitung. Aufgrund der in diesem Bereich schematisierten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung waren keine ausführlichen Erwägungen nötig.
Ebenso zog die Verfügung der Mindestentzugsdauer keinen erhöhten
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Begründungsaufwand nach sich. Dass die Vorinstanz zuerst eine Annullierung des
Führerausweises auf Probe beabsichtigte, diese sich jedoch aufgrund der beim letzten
Vorfall nicht verfügten Verlängerung der Probezeit als nicht rechtmässig erwies, hat
nicht der Rekurrent zu vertreten. Es kann daher nicht angehen, die Gebühr für die
Entzugsverfügung wegen des Mehraufwands für die Schilderung dieses Sachverhalts
anzuheben. Vielmehr ist für die Festlegung der Gebührenhöhe von einer Standard-
Entzugsverfügung ohne besonders aufwendige Umstände auszugehen. Wie der VRK
aus zahlreichen Rekursverfahren bekannt ist, beträgt die Gebühr bei einer leichten
Widerhandlungen regelmässig Fr. 150.–. Dieser Ansatz erweist sich auch für den
vorliegenden Fall als angemessen.
c) Der Rekurs ist somit teilweise gutzuheissen und die Ziffer 2 der Verfügung der
Vorinstanz vom 10. September 2020 dahingehend abzuändern, dass die
vorinstanzlichen Verfahrenskosten auf Fr. 150.– festzusetzen sind.
3.- Da der vorliegende Rekurs an die Stelle des kostenlosen Einspracheverfahrens tritt,
ist auf die Erhebung amtlicher Kosten zu verzichten (Art. 97 VRP).