Decision ID: 3f86f642-46fa-5be4-b2fe-9ec8aef93fa9
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch rechtsanwälte.og42, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter), meldete sich am 17. Januar 2008 wegen
Hüftschmerzen, Schmerzen beim Gehen, Knie- und Rückenschmerzen zum Bezug von
Invalidenleistungen an (act. G 8.1.98). Am 13. September 2002 war er als
Asylsuchender in die Schweiz eingereist (act. G 8.1.97-5). Wegen Schmerzen im
Kreuzbereich mit Ausstrahlung in die Aussenseite des rechten Oberschenkels bis in die
Knie hatte er am 14. Oktober 2002 das Ambulatorium der Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) aufgesucht. Dort hatten die behandelnden Ärzte
einen Zustand nach zweimaliger Stabilisation bei Impressionsfraktur LWK3 (auswärts)
festgestellt, sich die Ursache der Schmerzsymptomatik bei Vorliegen einer komplexen
Situation jedoch nicht erklären können (act. G 8.1.82-44). In der Folge waren weitere
bildgebende Abklärungen getroffen und eine Schmerztherapie durchgeführt worden
(vgl. act. G 8.1.82-41ff.). Am 9. März 2005 war dem Versicherten beidseits eine Hüft-
Totalprothese implantiert worden (act. G 8.1.82-27f.). Mit Operationen vom 9. März
2006 hatte er sich einer Exostosen-Abtragung und dem Lösen des Impingements am
rechten Hüftgelenk bei ventralem Hüft-Zugang (act. G 8.1.82-12, G 8.1.82-9) und am 1.
März 2007 erneut einer Revision des rechten Hüftgelenks mit Abtragung der Exostose
am vorderen Pfannenrand (act. G 8.1.82-3) unterzogen. In der Nachkontrolle vom 27.
April 2007 hatte sich klinisch eine deutliche Verbesserung der
Hüftgelenksbeweglichkeit gezeigt; Beschwerdefreiheit war noch nicht erreicht (act.
G 8.1.82-1f.).
A.b Gemäss telefonischer Auskunft von Dr. med. B._, Psychiatrisches Zentrum St.
Gallen, gegenüber dem RAD am 4. Februar 2008 war der Versicherte „zuletzt“ in der
Psychiatrischen Klinik Wil stationiert gewesen. Seither sei er psychisch stabil. Eine
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anhaltende Arbeitsunfähigkeit könne aus psychiatrischer Sicht nicht attestiert werden
(act. G 8.1.85).
A.c Mit Entscheid vom 27. Mai 2008 verfügte das Bundesamt für Migration BFM u.a.,
dass der Versicherte die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 Abs. 1 und 2 des
Asylgesetzes (AsylG; SR 142.31) erfülle, das Asylgesuch abgelehnt, er aus der Schweiz
weggewiesen werde, der Vollzug der Wegweisung jedoch zu Gunsten einer vorläufigen
Aufnahme aufgeschoben werde (act. G 17.1).
A.d Im Arztbericht vom 17. Juli 2008 über die stationäre Hospitalisation des
Versicherten in der Psychiatrischen Klinik Wil vom 30. Juni bis 18. Juli 2006
diagnostizierte Dr. med. C._ eine wahnhafte Störung (ICD-10 F22.0) bei Verdacht auf
paranoide Schizophrenie mit einem Beobachtungszeitraum unter einem Jahr (ICD-10
F20.9), differentialdiagnostisch eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10
F43.1) und Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (ICD-10 Z63.0). Zum Zeitpunkt
der stationären Hospitalisation sei der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig gewesen; es
sei gut vorstellbar, dass sich die Arbeitsfähigkeit verbessere, vorausgesetzt der
Versicherte bleibe kontinuierlich in ambulanter psychiatrischer Behandlung (act.
G 8.1.71).
A.e Am 29. August 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass gemäss ihren
Abklärungen zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (vgl. bezüglich
der Abklärungen der Eingliederungsverantwortlichen: act. G 8.1.63; act. G 8.1.58).
A.f Am 17., 18. und 19. November 2008 fand in der MEDAS Ostschweiz eine
orthopädische, psychiatrische und internistische Begutachtung statt. Anlässlich der
psychiatrischen Untersuchung gab der Versicherte an, seit drei Tagen wieder in
psychiatrischer-psychotherapeutischer Behandlung zu sein. Gestützt darauf erachteten
die Fachärzte im Gutachten vom 4. Februar 2009 aus psychiatrischer Sicht eine
erneute Beurteilung in ca. drei Monaten als sinnvoll. Aus orthopädischer Sicht
definierte Dr. med. D._, Orthopädische Chirurgie FMH, St. Gallen, bezüglich der
Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit seien Arbeiten ohne wiederholtes Lastenheben
über 15kg, ohne längeres Verharren im Stehen über eine Stunde und ohne Inklination
des Oberkörpers zumutbar. Zudem müssten längere Arbeitsphasen im Sitzen erfolgen.
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Mit diesen Einschränkungen sei ein Einsatz möglich, der zusätzlich wegen vermehrter
Pausen um 30% reduziert sei (act. G 8.1.53-14, 8.1.53-18). RAD-Arzt Dr. med. E._
hielt mit Stellungnahme vom 19. Februar 2009 fest, die Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht sei weiterhin unklar. Der begutachtende Psychiater habe es
unverständlicherweise unterlassen, sich über die Richtigkeit einer stationären
Behandlung des Versicherten zu vergewissern bzw. mit dem behandelnden Kollegen
Kontakt aufzunehmen. Somit hätten lediglich Verdachtsdiagnosen formuliert werden
können, die auf den wenigen Angaben des Versicherten beruhten. Daher erscheine das
Einholen eines Berichts beim derzeitigen psychiatrischen Behandler sinnvoll und
zweckmässig (act. G 8.1.51-2).
A.g Med. pract. F._, Psychiatrisches Zentrum St. Gallen, befand im Arztbericht vom
27. April 2009, dass beim Versicherten eine eindeutige Diagnose nur schwer gestellt
werden könne. Eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis werde jedoch
eher ausgeschlossen. Die Frage von Dr. E._, ob er eine stationäre Behandlung des
Versicherten für sinnvoll erachte, bejahte er. Jedoch sei die Motivation des
Versicherten zu einer solchen Behandlung als eher gering einzustufen. Der Versicherte
sei vom 17. bis 27. November 2008 im Zentrum stationär behandelt worden. Seit
12. Dezember 2008 finde erneut in drei- bis vierwöchigen Abständen eine ambulante
psychiatrische Behandlung statt (act. G 8.1.49). RAD-Arzt Dr. med. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie (D), Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie (D),
kam am 7. Juli 2009 zum Schluss, dass von einem stationären Beobachtungs- und
Diagnostikaufenthalt nach bereits zwei vorangegangenen stationären Aufenthalten kein
zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit relevanter Aufschluss zu erwarten sei (act.
G 8.1.48).
A.h Mit Arztbericht vom 2. Dezember 2009 über die Behandlung des Versicherten ab
22. September 2009 diagnostizierte Dr. med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, eine chronische paranoide Schizophrenie. Prognostisch hielt Dr. H._ es für
möglich, dass die Schizophrenie in eine Remission eintreten könnte, wenn der
Versicherte endlich Vertrauen in die Medikamentierung fassen würde (act. G 8.1.42).
A.i Am 11. November 2009 und 7. Januar 2010 wurde der Versicherte im Beisein
eines Dolmetschers bzw. einer Dolmetscherin durch RAD-Arzt Dr. G._ untersucht.
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Dieser ging im Bericht vom 20. April 2010 nunmehr von einem stabilen
Gesundheitszustand aus. In adaptierter Tätigkeit ergebe sich eine zumutbare
Arbeitsfähigkeit von 50%, wobei die orthopädischen Einschränkungen
mitberücksichtigt seien und eine Überschneidung der psychiatrischen Symptome mit
den objektiven Befunden am Stütz- und Bewegungsapparat vorliege (act. G 8.1.41). In
der Stellungnahme vom 4. Mai 2010 ging RAD-Arzt Dr. E._ davon aus, dass diese
50%ige Arbeitsfähigkeit, mit Ausnahme der stationären orthopädischen und
psychiatrischen Behandlungen, im Wesentlichen schon längere Zeit vorgelegen hatte.
Er empfahl, die 50%ige Arbeitsfähigkeit ab Beginn des Anspruchszeitraums bei der
Bemessung von IV-Leistungen zu Grunde zu legen (act. G 8.1.39).
A.j Mit Vorbescheid vom 19. November 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen, da bereits auf Grund der 1999 im
Heimatland erlittenen Verletzungen wesentliche gesundheitliche Einschränkungen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorgelegen hätten. Damit sei überwiegend
wahrscheinlich, dass der Versicherungsfall im Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz
bereits eingetreten gewesen sei (act. G 8.1.35). Dagegen erhob der Versicherte am 20.
Dezember 2010 Einwand mit dem Antrag auf Zusprache einer Invalidenrente (act.
G 8.1.30). Im Schreiben vom 31. Januar 2011 machte er zur Begründung geltend, vor
seiner Einreise in die Schweiz in der Türkei vollzeitig gearbeitet zu haben, was aus den
beigebrachten Akten bezüglich seiner Steuern hervorgehe (act. G 8.1.28).
A.k Am 16. Februar 2011 ersuchte die IV-Stelle das Bundesamt für Migration um
Auskunft hinsichtlich des Gesundheitszustands des Versicherten bei seiner Einreise in
die Schweiz und um Zustellung diesbezüglicher Akten (act. G 8.1.27). Laut dem
Schreiben des Bundesamts vom 4. März 2011 konnte dieses über die Arbeitsfähigkeit
des Versicherten keine Auskunft erteilen (act. G 8.1.24). Im Übrigen stellte das
Bundesamt der IV-Stelle Befragungsprotokolle betreffend den Versicherten vom 20.
September und 7. November 2002 zu (act. G 8.1.22).
A.l In der Stellungnahme vom 22. August 2011 verwies Dr. E._ auf Berichte der
Neurochirurgie des KSSG vom 14. Oktober, 12. November und 19. November 2002,
worin auf eine hoch dosierte Schmerzmitteleinnahme hingewiesen worden sei. Daraus
leitete der RAD-Arzt ab, es habe bereits im Einreisejahr (am 13. September 2002) ein
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erhebliches Schmerzsyndrom bestanden, welches sogar mit Opiaten habe behandelt
werden müssen und seinen Ausgang unzweifelhaft im Rahmen einer
Wirbelkörperfraktur 1999 mit zwei aufwendigen Stabilisationsoperationen in der Türkei
genommen habe. Daher würden die medizinischen Akten dafür sprechen, dass der
Versicherte bereits mit einem erheblichen Gesundheitsschaden und einer mindestens
40%igen Arbeitsunfähigkeit eingereist sei (act. G 8.1.18).
B.
Mit Verfügung vom 3. November 2011 wies die IV-Stelle das Gesuch des Versicherten
um Invalidenrente ab. Sie begründete dies damit, dass bereits bei der Einreise in die
Schweiz im Jahr 2002 wesentliche gesundheitliche Einschränkungen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit vorgelegen hätten, wodurch der Versicherungsfall bereits
eingetreten sei. Damit seien die versicherungsmässigen Voraussetzungen für „IV-
Leistungen“ nicht erfüllt (act. G 8.1.15).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richten sich die für den Versicherten durch Rechtsanwalt
lic. iur. Fredy Fässler, St. Gallen, eingereichte Beschwerde vom 5. Dezember 2011 und
die Beschwerdeergänzung vom 17. Februar 2012. Der Rechtsvertreter beantragte darin
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung machte er
geltend, der Beschwerdeführer habe bis zu seiner Ausreise aus der Türkei zu 100% als
gelernter Elektriker gearbeitet. Dies gehe einerseits aus dem Steuerschild des
Beschwerdeführers aus den Jahren 1999, 2000 und 2001 hervor. Andererseits habe er
gemäss Bescheinigungen der türkischen Sozialversicherung
Sozialversicherungsbeiträge bezahlt. Auch stehe fest, dass der Beschwerdeführer
während seiner Arbeitstätigkeit in der Türkei über genügend Ressourcen verfügt habe,
um mit seinen Schmerzen umzugehen. Dies selbst dann, falls überhaupt in jenem
Zeitpunkt ein Schmerzsyndrom vorgelegen hätte. Schliesslich machte der
Rechtsvertreter eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend, da mit keinem Wort
auf die von ihm eingereichten Belege eingegangen, sondern einzig Bezug auf die
ärztliche Stellungnahme des RAD genommen worden sei (act. G 1, G 6).
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C.b Mit Beschwerdeantwort vom 9. März 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie begründete dies gestützt auf die Stellungnahme
von Dr. E._, welcher bereits bei der Einreise des Beschwerdeführers von einer
beträchtlichen gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgehe. Selbst wenn jedoch davon
ausgegangen würde, dass die Probleme des Beschwerdeführers erst seit Ankunft in
der Schweiz bestünden, wie dieser geltend mache, seien keine Leistungen geschuldet,
weil der Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt weder selber noch durch die
Beitragszahlungen seiner Ehefrau eine dreijährige Beitragszahlung in der Schweiz
vorweisen könne (act. G 8).
C.c In der Replik vom 14. Mai 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest. Er machte geltend, dass das Kriterium der mindestens dreijährigen Beitragszeit
bereits deshalb erfüllt sei, weil er gemäss Bestätigung der türkischen
Sozialversicherung nach den türkischen Rechtsvorschriften Beitragszeiten vorweisen
könne. Da der Versicherungsfall aber nicht schon bei der Einreise in die Schweiz,
sondern Jahre später eingetreten sei, sei die Beitragszeit sowieso durch die frühere
Ehefrau des Beschwerdeführers erfüllt, welche in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit
nachgegangen sei (act. G 13).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist in erster Linie, ob die versicherungsmässigen
Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Invalidenrente erfüllt sind oder ob der
Versicherungsfall bereits bei der Einreise des Beschwerdeführers eingetreten war.
2.
2.1 Vorab macht der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
geltend. Die durch ihn eingereichten Belege würden im direkten Widerspruch zur
ärztlichen Stellungnahme des RAD vom 22. August 2011 stehen. Weshalb die
Beschwerdegegnerin der ärztlichen Stellungnahme trotzdem den Vorzug gegeben
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habe, werde mit keinem Wort begründet. Dadurch sei eine Gehörsverletzung
offensichtlich.
2.2 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die grundsätzliche Pflicht einer Behörde,
ihren Entscheid zu begründen, folgt aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör. Dabei
darf sich die Verwaltung nicht damit begnügen, die von der betroffenen Person
vorgebrachten Einwendungen zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen. Die Verwaltung
hat vielmehr ihre Überlegungen auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich
mit den konkreten Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest die Gründe
anzugeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124
V 183 E. 2b).
2.3 Vorliegend unternahm die Beschwerdegegnerin auf Grund des Einwands des
Beschwerdeführers vom 20. Dezember 2010 und 31. Januar 2011 weitere
Abklärungen. Sie ersuchte einerseits das Bundesamt für Migration mit Schreiben vom
16. März 2011 um Auskunft betreffend die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bei
dessen Einreise (act. G 8.1.27) und liess andererseits den RAD-Arzt Dr. E._ zur Frage
der Arbeitsfähigkeit vor Einreise des Beschwerdeführers in die Schweiz Stellung
beziehen (act. G 8.1.18). Die Ergebnisse dieser Abklärungen stellte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit Schreiben vom 30. August 2011 zur
Kenntnis- und allfälligen Stellungnahme zu (act. G 8.1.19). Der Beschwerdeführer hielt
in der Folge an seinen Einwänden fest und ersuchte um eine zusätzliche Nachfrist zur
Nachreichung weiterer Dokumente aus der Türkei (act. G 8.1.14). Indem die
Beschwerdegegnerin dem begründeten Fristerstreckungsgesuch nicht entsprach und
auch die eingereichten Aktenstücke in keiner Weise würdigte, hat sie das rechtliche
Gehör verletzt. Diese Gehörsverletzung hat keine weiteren Folgen, da die Streitsache
auch in materieller Hinsicht zurück zu weisen ist, wie die nachfolgenden Erwägungen
zeigen.
3.
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3.1 Der Beschwerdeführer reiste am 13. September 2002 in die Schweiz ein, wo er
Asyl beantragte und gestützt darauf den Ausweis N für Asylsuchende erhielt (act.
G 8.1.97-5). Mit Entscheid des Bundesamts für Migration vom 27. Mai 2008 wurde er
per Verfügungsdatum als Flüchtling vorläufig in der Schweiz aufgenommen (act.
G 17.1). Damit war für die Beurteilung der Versicherungsunterstellung ab dem
Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz bis 26. Mai 2008, und somit auch im Zeitpunkt
des Rentengesuchs vom Januar 2008, auf Grund des internationalen Bezugs das
Abkommen zwischen der Schweiz und der Republik Türkei über Soziale Sicherheit
(nachfolgend: Abkommen; SR 0.831.109.763.1) anwendbar. Mit der Anerkennung des
Flüchtlingsstatus ab 27. Mai 2008 ist auf den Beschwerdeführer sodann der
Bundesbeschluss über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen in der
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung anzuwenden (FlüB; SR 831.131.11;
vgl. zur Nichtrückwirkung BGE 136 V 33 mit Hinweis auf BGE 135 V 94 E. 4).
3.2 Am 1. Januar 2008 ist die 5. Revision des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Die Beschwerdegegnerin hat die
angefochtene Verfügung am 3. November 2011, also unter der Geltung des Rechts
dieser Revision, erlassen. Für den vorliegenden Fall nicht relevant sind die späteren
Rechtsänderungen (erster Teil der 6. IV-Revision, in Kraft seit 1. Januar 2012). Zu
beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
erwähnten Verfügung entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht zurück in eine Zeit vor
Inkrafttreten der 5. IV-Revision. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente betreffende
übergangsrechtliche Bestimmung. Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt
aber (in Bezug auf den Rentenbeginn) zu Recht eine ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl.
das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007, BGE 138 V 475). Bezüglich des
Rentenbeginns sind deshalb angesichts der IV-Anmeldung im Januar 2008 und der seit
2005 geltend gemachten Beschwerden allenfalls die bis zum 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen Bestimmungen anzuwenden. Auch hinsichtlich der notwendigen
Beitragsdauer von einem Jahr (Art. 36 Abs. 1 IVG in der Fassung bis 31. Dezember
2007) oder drei Jahren (Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden
Fassung) ist die Anspruchsvoraussetzung gestützt auf die im Zeitpunkt des Eintritts
des Versicherungsfalls geltende Gesetzgebung zu prüfen. Bezüglich der
Invaliditätsbemessung sind indessen keine materiellen Änderungen gegenüber der bis
31. Dezember 2007 bzw. 31. Dezember 2011 gültig gewesenen Rechtslage
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eingetreten, und die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung ist
weiterhin massgebend. Daher werden nachfolgend - wo nicht anders gekennzeichnet -
die aktuell geltenden Gesetzesbestimmungen wiedergegeben.
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin hat das Vorliegen der versicherungsmässigen
Voraussetzungen für den Anspruch auf „IV-Leistungen“ bzw. auf eine Rente beim
Beschwerdeführer mit der Begründung verneint, dass der Versicherungsfall im
Zeitpunkt der Einreise in die Schweiz bereits eingetreten sei. Demgegenüber macht der
Beschwerdeführer geltend, er sei bei seiner Einreise in die Schweiz gesund bzw.
arbeitsfähig gewesen. Mithin ist vorweg der konkrete Zeitpunkt zu bestimmen, wann
der möglicherweise zu Rentenleistungen führende Versicherungsfall eingetreten ist.
Erst gestützt darauf kann schliesslich geprüft werden, ob unter Anwendung der zu
diesem Zeitpunkt auf den Beschwerdeführer anwendbaren nationalen und
internationalen gesetzlichen Grundlagen ein Rentenanspruch gegenüber der
schweizerischen Invalidenversicherung besteht.
4.2 Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die
Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere
erreicht hat. Im Falle einer Rente gilt nach der bis 31. Dezember 2007 geltenden
Regelung die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach
Art. 28 Abs. 1 aIVG entsteht, d.h. gemäss Art. 29 aIVG frühestens dann, wenn die
versicherte Person mindestens zu 40% bleibend erwerbsunfähig geworden ist (lit. a)
oder während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
zu 40% arbeitsunfähig gewesen war (lit. b). Seit 1. Januar 2008 ist der
Versicherungsfall nur noch nach der Variante von Art. 29 lit. b aIVG zu prüfen (vgl. Art.
28 Abs. 1 lit. b IVG). Der Eintritt des Versicherungsfalls nach Art. 29 lit. a aIVG steht
vorliegend nicht zur Diskussion. Damit ist zu prüfen, ob und wann der
Beschwerdeführer die Voraussetzung von Art. 29 lit. b aIVG bzw. Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG erfüllte.
5.
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5.1 Im Arztbericht vom 14. Oktober 2002 gaben die Neurochirurgen des KSSG als
Untersuchungsbefund an, dass die Lendenwirbelsäule bei Inklination und Reklination
beinahe steif bleibe. Ansonsten bestünden keine wesentlichen sensomotorischen
Defizite und Lasèguezeichen. Die Reflexe seien seitengleich auslösbar. Auf den
mitgebrachten Röntgenbildern erkenne man eine Fraktur einer Pedikelschraube im
Segment LWK3 links. Ansonsten sei das Osteosynthesematerial regelrecht. Da die
Ursache der Schmerzsymptomatik unklar sei, empfahlen sie eine myelographische
Abklärung (act. G 8.1.82-44). Zu diesem Zweck wurde der Beschwerdeführer vom 30.
Oktober bis 4. November 2002 in der Klinik für Neurochirurgie des KSSG stationär
aufgenommen. Im Bericht vom 12. November 2002 hielten die Ärzte der Neurochirurgie
zur Anamnese fest, laut Angaben des Beschwerdeführers sei er im Rahmen einer Folter
am Rücken verletzt und daraufhin stabilisierend operiert worden. Nach erneuter
Misshandlung habe eine zweite stabilisierende Operation durchgeführt werden
müssen. Nun beklage der Beschwerdeführer Schmerzen im Operationsgebiet mit
Ausstrahlung entlang des gesamten Rückens. Ebenso bestehe eine Ausstrahlung vor
allem in den rechten Oberschenkel. Der postmyelographische Verlauf sei soweit
komplikationslos. Es sei keine Neurokompression nachweisbar und aus
neurochirurgischer Sicht sei keine Operation indiziert. Das Osteosynthesematerial
stehe korrekt, die ganze Situation sei stabil. Es sei eine adäquate Schmerztherapie
durchzuführen. Auf Grund der Verletzung und der Spondylodese befanden die Ärzte es
als äusserst zweifelhaft, dass der Beschwerdeführer tatsächlich Opfer einer Folter
geworden sei (act. G 8.1.82-42f.). Im Arztbericht vom 19. November 2002 des KSSG
über eine ambulante Untersuchung vom Vortag wurden persistierende ausstrahlende
Schmerzen, dem Dermatom L3 rechts entsprechend, festgehalten. Der
Beschwerdeführer habe berichtet, es sei zwar unter Tramal-Einnahme, welche er selbst
mit 600mg/d zu hoch dosiert habe, zur Schmerzlinderung, aber auch zu massiven
Nebenwirkungen gekommen. Vioxx vertrage er gut. Da er Tramal habe absetzen
müssen, bestünden weiterhin starke Schmerzen, ausstrahlend vom Rücken über den
ventro-lateralen rechten Oberschenkel bis ins Knie ziehend. Die Ärzte empfahlen
zusätzlich zum Vioxx die Einnahme von Morphin-Tropfen (act. G 8.1.82-41). Zur Höhe
der Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit fehlen Angaben der Klinikärzte.
5.2 Am 5. Oktober 2004 berichtete Dr. med. I._, Facharzt FMH für Neurochirurgie,
St Gallen, über seine seit 24. August 2004 engmaschig bestehende Behandlung des
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Beschwerdeführers. Aktuell bestehe ein chronisches therapieresistentes lumboverte
brogenes und lumboradikuläres Schmerzsyndrom beidseits, linksbetont sowie eine
Depression mit Somatisierung. Laut dem Beschwerdeführer sei er bis zum Sommer
2002 schmerzfrei gewesen, dann seien Lumbalgien ohne Ischialgie aufgetreten.
Konservative Therapien „seit Mai 02“ (richtig wohl: 2004) hätten eine vorübergehende
Besserung gebracht. Der Beschwerdeführer klage seit Anfang 2004 über zunehmende
invalidisierende Lumbalgien und Ischialgie beidseits (act. G 8.1.82-38f.). Im Bericht
vom 28. Januar 2005 diagnostizierte Dr. med. J._, Innere Medizin, speziell
Rheumatologie FMH, St. Gallen, schliesslich neu eine Femurkopfnekrose links,
beginnend rechts (act. G 8.1.82-32), woraufhin dem Beschwerdeführer am 9. März
2005 in der Orthopädischen Klinik des KSSG beidseits eine Hüft-Totalprothese
implantiert wurde (act. G 8.1.82-27f.). Anschliessend war er vom 24. März bis 21. April
2005 zur Rehabilitation in Valens (act. G 8.1.82-22ff.). Schliesslich war er erneut vom 8.
bis 14. März 2006 in der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG hospitalisiert, wo
wegen unverändert bestehenden Impingementbeschwerden am rechten Hüftgelenk
operativ eine Exostosen-Abtragung und Lösen des Impingements am rechten
Hüftgelenk erfolgte (act. G 8.1.82-12). Da der Beschwerdeführer weiterhin Schmerzen
im Bereich der rechten Hüfte, tief in der Leiste, beschrieb (act. G 8.1.82-4), wurde er
am 1. März 2007 ein weiteres Mal operiert (act. G 8.1.82-3). Gemäss dem Bericht des
KSSG vom 2. Mai 2007 war er danach beim Gehen nahezu beschwerdefrei. Aus Sicht
des behandelnden Arztes sollte er aktuell für leichte körperliche Arbeiten wieder
einsatzfähig gewesen sein (act. G 8.1.82-2).
5.3 Gestützt auf die oben festgehaltenen Arztberichte des KSSG aus dem Jahr 2002
kam Dr. E._ mit Stellungnahme vom 22. August 2011 zum Schluss, alle verfügbaren
medizinischen Akten würden dafür sprechen, dass der Beschwerdeführer im Jahr 2002
mit einem erheblichen Gesundheitsschaden und einer mindestens 40%igen
Arbeitsunfähigkeit eingereist sei. So habe sich der Beschwerdeführer einen Monat nach
seiner Einreise mehrfach wegen erheblichen und anhaltenden Schmerzen im Bereich
des Operationsgebietes (LWK3) zur Abklärung und Behandlung in der
neurochirurgischen Klinik des KSSG vorgestellt. Hierbei habe offenbar die
Schmerztherapie „optimiert“ werden müssen. Der Beschwerdeführer habe wegen der
starken Schmerzen neben seinen regelmässig einzunehmenden Opiattropfen das
starke Schmerzmittel „Tramal“ selbst so hoch dosiert (600mg) eingenommen, dass es
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zu erheblichen Nebenwirkungen gekommen sei. Als Anmerkung sei darauf
hinzuweisen, dass die zulässige Tageshöchstdosis 400mg betrage und die zulässige
Einzeldosis 100mg. Es seien von den behandelnden Ärzten damals erhebliche
Anstrengungen unternommen worden, um die Schmerzsituation zu klären bzw. zu
behandeln. Daraus gehe hervor, dass im Einreisejahr (13. September 2002) ein
erhebliches Schmerzsyndrom bestanden habe, welches sogar mit Opiaten habe
behandelt werden müssen und unzweifelhaft seinen Ausgang im Rahmen einer
Wirbelkörperfraktur 1999 mit zwei aufwendigen Stabilisierungsoperationen in der Türkei
genommen habe. Aus medizinischer Sicht sei angesichts dieser eindeutigen Aktenlage
nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer zwischenzeitlich während der
Einreise gesund gewesen sein solle. Vielmehr sei mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass seit der Wirbelkörperfraktur und somit bei
der Einreise sehr wohl eine anhaltende höhergradige Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40% vorgelegen habe (act. G 8.1.18).
5.4 Die Beurteilung von Dr. E._ vermag nicht zu überzeugen. Selbst wenn
unbestritten davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer im Herbst 2002 starke
Schmerzmittel eingenommen hatte, ist allein deshalb noch keine durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% von Herbst 2001 bis Herbst 2002 erstellt. Wie
Dr. I._ beschrieb, habe der Beschwerdeführer (erst) Anfang 2004 über zunehmende
invalidisierende Lumbalgien und Lumboischialgien geklagt (act. G 8.1.82-39).
Schliesslich wurde die Femurkopfnekrose links sowie beginnend rechts erst im Januar
2005 festgestellt; im MEDAS-Gutachten wird auf eine Beckenübersicht vom 2.
Dezember 2002 hingewiesen, wonach die Hüftgelenke erhalten waren (act. G
8.1.53-24). Gemäss Bericht von Dr. J._ vom 28. Januar 2005 hatte der
Beschwerdeführer ihm gegenüber angegeben, hinsichtlich seiner Rückenoperationen
bis vor 25 Monaten beschwerdefrei gewesen zu sein (act. G 8.1.82-32). Es fällt denn
auch auf, dass Dr. E._ die vorhandenen medizinischen Akten einzig daraufhin prüfte,
ob daraus auf eine anhaltende durchschnittlich 40% betragende Arbeitsunfähigkeit
geschlossen werden könne, während er Umstände, die gegen diese Einschätzung
sprechen, beiseite liess. So nahm er keinen Bezug auf den erwähnten Bericht von Dr.
I._, wonach der Beschwerdeführer bis zum Sommer 2002 schmerzfrei gewesen sei
(act. G 8.1.82-38). Auch im Bericht des KSSG vom 15. November 2004 an Dr. I._ ist
erwähnt, dass der Beschwerdeführer nach den beiden Operationen in der Türkei in den
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Jahren 1999 bis 2000 weitgehend schmerzfrei gewesen sei (act. G 8.1.82-36). Aus den
Befragungsprotokollen des Bundesamts für Flüchtlinge vom 20. September und 7.
November 2002 lässt sich nichts entnehmen, das auf eine Arbeitsunfähigkeit in der
Türkei schliessen liesse. Den medizinischen Akten aus dem Jahr 2002 lässt sich
einerseits entnehmen, dass aus neurochirurgischer Sicht keine Behandlung erforderlich
war, und andererseits ist zur „optimierten“ Schmerztherapie einzig ein Bericht über eine
ambulante Untersuchung vorhanden (act. G 8.1.82-41). Die nächste medizinische Akte
datiert aus dem Jahr 2004 (Arztbericht Dr. I._, act. G 8.1.82-34). Im Laufe der
folgenden Abklärungen stellte sich im Januar 2005 heraus, dass Femurkopfnekrosen
beidseits für die zunehmenden Beschwerden verantwortlich waren; Dr. J._ vermutete
sogar, dass das Lumbovertebralsyndrom primär auf das Hüftleiden zurück zu führen
war (act. G 8.1.82-32; vgl. auch act. G 8.1.82-25 und 21). Auf Grund dieser Aktenlage
kann somit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon
ausgegangen werden, dass der nach schweizerischem Recht definierte
Versicherungsfall „Invalidität“ eingetreten war, d.h. eine durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% ohne wesentlichen Unterbruch während eines
Jahres bereits bei Einreise des Beschwerdeführers im September 2002 gegeben war.
Darüber hinaus fehlen echtzeitliche medizinische Akten, die auf eine
Erwerbsunfähigkeit von mindestens 40% ab Einreise schliessen liessen.
5.5 Schliesslich kann auch aus dem Hinweis des RAD-Arztes auf die in Frage
gestellte, vom Beschwerdeführer als Begründung für die Wirbelkörperfraktur geltend
gemachte Folter nicht auf eine bereits bei Einreise bestehende Arbeitsunfähigkeit in
erheblichem Ausmass geschlossen werden. Selbst wenn der Wirbelkörperschaden als
Folge einer polizeilichen Misshandlung gemäss den fachärztlichen Ausführungen des
KSSG „aufs Äusserste“ angezweifelt wurde und damit die Ehrlichkeit des
Beschwerdeführers hinsichtlich seines Asylantrags fraglich erscheinen mag, kann dies
nicht als Indiz für einen bereits eingetretenen Versicherungsfall gewertet werden.
Dagegen spricht auch der erst im Jahr 2008 eingereichte Antrag auf
Invalidenleistungen. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer Bescheinigungen aus
der Türkei einreichte, die auf eine Erwerbstätigkeit in der Türkei hinweisen. So
bescheinigte die Steuerverwaltung in Adana (Türkei), dass der Beschwerdeführer in der
Zeit vom 19. Januar 1995 bis 26. August 2002 im Bereich „X“ als Steuerpflichtiger
registriert war (act. G 1.2f.). Für die Jahre 1999 und 2000 wurde ein „Steuerschild“ über
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deklarierte und versteuerte Einkommen bei der Beschwerdegegnerin eingereicht (act.
G 8.1.28-6, 9). Schliesslich reichte der Beschwerdeführer eine Zusammenstellung über
die in den Jahren 1999 bis 2002 in der Türkei geleisteten Sozialversicherungsprämien
(deren Berechnungs- sowie Rechtsgrundlagen zwar unklar bleiben) ein (vgl. act.
G 8.1.28-5). Diese Indizien sprechen ebenfalls dafür, dass der Beschwerdeführer in
seinem Heimatland erwerbstätig bzw. arbeitsfähig war. Gesamthaft betrachtet fehlt der
Nachweis, dass der Versicherungsfall für eine rentenbegründende Invalidität bereits bei
der Einreise im Herbst 2002 eingetreten war. Es ist auch nicht ersichtlich, dass und
was für weitere Abklärungen diesen Nachweis mit ausreichender Wahrscheinlichkeit
erbringen könnten. In der Folge ist daher zu prüfen, ob bzw. wann eine
rentenbegründende Invalidität in der Schweiz eintrat.
6.
6.1 RAD-Arzt Dr. E._ hielt in seiner Stellungnahme vom 4. Mai 2010 fest, auf Grund
des häufigen Arztwechsels sei die Sachverhaltsabklärung zeitlich und inhaltlich
erheblich erschwert. Zudem seien von den behandelnden Ärzten deutlich divergierende
Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit abgegeben worden. Auf Grund der MEDAS-
Abklärung und der psychiatrischen RAD-Untersuchung sei gesamthaft von einer
50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen. Diese dürfte mit
relativ hoher Wahrscheinlichkeit (mit Ausnahme der stationären orthopädischen und
psychiatrischen Behandlungen) im Wesentlichen schon seit längerer Zeit vorgelegen
haben. Aus diesem Grund schlug er vor, die 50%ige Arbeitsfähigkeit ab Beginn des
Anspruchszeitraums bei der Bemessung von IV-Leistungen zugrunde zu legen (act.
G 8.1.39).
6.2 Weder anlässlich der MEDAS-Begutachtung vom 17. bis 19. November 2008 (vgl.
act. G 8.1.53), noch der RAD-Untersuchung vom 11. November 2009 und 7. Januar
2010 (act. G 8.1.41) beurteilten die Fachärzte den Beginn einer dauerhaften Arbeits
unfähigkeit. Gerade auf Grund der langwierigen Behandlungen und mehrfachen
Operationen an den Hüften ab 2005 sowie der psychiatrischen Behandlungsphasen in
den Jahren 2006 und 2008 hätten hierzu weitere Abklärungen erfolgen müssen. Zur
Klärung des Verlaufs der Arbeitsunfähigkeit und zur Feststellung der Eröffnung des
Wartejahres sind Nachfragen bei den behandelnden Ärzten bzw. bei den abklärenden
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Fachärzten nachzuholen. Erst wenn feststeht, wann der Versicherungsfall eingetreten
ist, kann auch geprüft werden, gestützt auf welche rechtlichen internationalen und
intertemporalen Grundlagen die weitere Prüfung eines Anspruchs auf Invalidenrente zu
erfolgen hat (vgl. Erwägung 3).
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Versicherungsfall Invalidität beim
Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt seiner Einreise
in die Schweiz (noch) nicht eingetreten war. Auf Grund der vorliegenden medizinischen
Aktenlage kann jedoch nicht abschliessend darüber befunden werden, in welchem
Ausmass und seit wann der Beschwerdeführer später in der Schweiz in seiner
Arbeitsfähigkeit dauerhaft erheblich eingeschränkt war und blieb. Für die Beurteilung
des Anspruchs auf Rentenleistungen fehlt es damit an einer tauglichen medizinischen
Grundlage. Die angefochtene Verfügung vom 3. November 2011 ist daher aufzuheben
und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie in
medizinischer Hinsicht den Sachverhalt ergänzend abkläre, den Eintritt der Invalidität
bzw. des Versicherungsfalls bestimmen und die Versichertenunterstellung erneut
prüfen kann. Hernach hat die Beschwerdegegnerin über den Leistungsanspruch des
Beschwerdeführers erneut zu befinden.
8.
8.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
3. November 2011 aufzuheben. Die Sache ist zur ergänzenden Abklärung und zu neuer
Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1‘000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als
volles Obsiegen (BGE 132 V 215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen.
bis
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8.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angesichts der
eingeschränkten Fragestellung ist diese auf Fr. 3‘000.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen. Mit der Zusprache einer Parteientschädigung von
pauschal Fr. 3‘000.—erübrigt sich die Frage einer Entschädigung aus unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP