Decision ID: 5b72dc51-65c6-4e2a-aa47-5936c69d81f1
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis der Fahrzeugkategorie B seit dem 25. November 2009.
Dieser wurde ihm mit Verfügung des Strassenverkehrsamts des Kantons St. Gallen
(Strassenverkehrsamt) vom 29. Februar 2012 wegen einer schweren Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Überholen an einer unübersichtlichen Stelle)
für drei Monate entzogen. Mit Verfügung vom 19. Januar 2018 verwarnte ihn das
Strassenverkehrsamts wegen einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften (Überschreiten der erlaubten Höchstgeschwindigkeit
innerorts von 50 km/h um 16 km/h).
B.- Am 26. Januar 2020 lenkte X um 11.30 Uhr ein Fahrzeug seines Arbeitgebers auf
der Autobahn A1 im Kanton Bern von A Richtung B. Dabei fuhr er mit einer
Geschwindigkeit von 119 km/h und einem Abstand von 15,7 m (entspricht einem
zeitlichen Abstand von 0,5 Sekunden) hinter einem anderen Motorfahrzeug her. Mit
Strafbefehl vom 3. April 2020 verurteilte ihn die Staatsanwaltschaft C im
Zusammenhang mit dem Vorfall vom 26. Januar 2020 wegen grober
Verkehrsregelverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu je Fr.
120.– und einer Busse von Fr. 500.–. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
C.- Am 14. Mai 2020 eröffnete das Strassenverkehrsamt ein
Administrativmassnahmeverfahren gegen X, kündigte einen Führerausweisentzug für
mindestens drei Monate an und gewährte gleichzeitig das rechtliche Gehör. Zuvor
hatte es ihm am 11. März 2020 mitgeteilt, dass nach dem Erhalt des rechtskräftigen
Strafentscheids die Anordnung einer Administrativmassnahme geprüft werde. Die
strafrechtliche Beurteilung habe auf das Verfahren vor dem Strassenverkehrsamt einen
wesentlichen Einfluss. In der Stellungnahme vom 22. Juni 2020 beantragte X, dass
lediglich eine Verwarnung auszusprechen sei. Mit Verfügung vom 25. Juni 2020 entzog
das Strassenverkehrsamt den Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 10. Juli 2020 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er beantragte, die
Verfügung vom 25. Juni 2020 sei aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen
oder eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und ein Führerausweisentzug für die
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Dauer eines Monats zu verfügen. Die Vorinstanz verzichtete am 11. September 2020
auf eine Vernehmlassung.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge wird, soweit

erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 10. Juli 2020 wurde rechtzeitig eingereicht. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent am 26. Januar 2020,
11.30 Uhr, auf der Autobahn A1 in Fahrtrichtung B mit einem zu geringen Abstand
hinter einem Motorfahrzeug herfuhr. Die Geschwindigkeit des Rekurrenten und der
Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug wurde von der Kantonspolizei Bern mit einem
Verkehrsüberwachungsgerät festgestellt. Im Strafverfahren wurde er deswegen der
groben Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4
des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) schuldig gesprochen.
3.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
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durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4487).
b) Die Vorinstanz stufte die Verkehrsregelverletzung als schwere Widerhandlung gegen
die Strassenverkehrsvorschriften im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur
Begründung führte sie aus, wer den Abstand nach der Regel / -Tacho bzw. Abstand
von 0,6 Sekunden unterschreite, begehe eine grobe Verkehrsverletzung, welche
administrativrechtlich einer schweren Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
entspreche. Mit einer Geschwindigkeit von 119 km/h habe der Rekurrent lediglich einen
Abstand von 0,5 Sekunden zum vorderen Motorfahrzeug eingehalten. Die Vorinstanz
kommt zum Schluss, dass der ungenügende Abstand des Rekurrenten zum
vorausfahrenden Fahrzeug eine grob schuldhafte Verkehrsregelverletzung darstelle und
er dabei eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf
genommen habe.
c) Der Rekurrent gibt demgegenüber an, dass das zu dichte Auffahren in der Kolonne
im konkreten Fall und unter den gegebenen Umständen für die Sicherheit der anderen
Verkehrsteilnehmer allerhöchstens eine geringe Gefahr gewesen sei. Diese sei zudem
nur abstrakt gewesen. Eine Gefahr im Sinn von Art. 16b SVG oder eine ernstliche
Gefahr nach Art. 16c SVG habe er weder hervorgerufen noch in Kauf genommen. In
der angefochtenen Verfügung werde nur darauf hingewiesen, dass die Vorinstanz auch
in einem summarischen Strafbefehlsverfahren an die rechtskräftig festgestellten
Tatsachen gebunden sei. Es werde aber gerade nicht ausgeführt, auf welche
Tatsachen Bezug genommen werde, und einzig mit der Rechtsfolge des Staatsanwalts
argumentiert. Darin liege eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. eine willkürliche
Nichtausübung des pflichtgemässen Ermessens. Die Frage, ob eine konkrete,
erhebliche, mittelgrosse oder nur leichte Gefährdung vorgelegen habe, werde nicht
weiter geprüft. Die vorliegende Subsumption sei unzulässig, denn das Gesetz kenne
keine / -Tacho-Regel oder auch keine Abstandsregel von 0,6 Sekunden. Die
Staatsanwaltschaft äussere sich im Strafbefehl gerade nicht, ob der Rekurrent grob
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schuldhaft gehandelt habe. Vielmehr stehe nur da, dass die abstrakte Gefährdung
zumindest in Kauf genommen worden sei oder grobfahrlässig gehandelt wurde.
Welche Form des Verschuldens vorliege, werde im Strafbefehl offengelassen. Die
Administrativbehörde müsse für die korrekte Einstufung der geschaffenen Gefahr
Bezug auf die konkreten objektiven Tatumstände nehmen und für das Verschulden aus
den Tatumständen einen eigenen Schluss ziehen. Die Schlussfolgerung, dass allein aus
der Verurteilung nach Art. 90 Abs. 2 SVG automatisch eine schwere Widerhandlung
gemäss Art. 16c SVG folge, widerspreche der Gesetzessystematik und sei
verwaltungsrechtlich deshalb willkürlich und unhaltbar, weil die Verwaltungsbehörde
gehalten sei, ihr Ermessen auszuschöpfen.
d) Vorab ist zu klären, von welchem Sachverhalt auszugehen ist. Der Rekurrent bringt
sinngemäss vor, dass die Vorinstanz nicht an die im Strafbefehlsverfahren rechtskräftig
festgestellten Tatsachen gebunden sei. In der angefochtenen Verfügung werde nicht
auf konkrete Tatsachen Bezug genommen, weshalb eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vorliege. Die Vorinstanz sei gehalten, ihr eigenes Ermessen und damit ihre
eigene Abklärungs- und Beurteilungspflicht auszuschöpfen.
Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das Strafgericht über die strafrechtlichen
Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die Verwaltungsbehörde in einem
separaten Verfahren über die Administrativmassnahmen (insbesondere
Führerausweisentzug, Verwarnung). Die Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig,
kann aber – bei fehlender Koordination – dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu
voneinander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich
beurteilt werden. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde
gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrer
Verfügung zuzuwarten, bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das
Strafverfahren bietet durch die verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die
umfassenderen persönlichen und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die
weiterreichenden prozessualen Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis
der Sachverhaltsermittlung näher bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht
durchwegs derselben Formstrenge unterliegenden Verwaltungsverfahren. Massgeblich
ist also grundsätzlich der Sachverhalt, der im Strafverfahren festgestellt wurde. Die
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Verwaltungsbehörde darf bei der Verfügung über die Massnahme von den
tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters nur abweichen, wenn sie Tatsachen
feststellt und ihrer Verfügung zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren,
wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der Strafrichter bei der
Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt, namentlich
die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. In der rechtlichen Würdigung
des Sachverhalts – insbesondere auch des Verschuldens – ist die Verwaltungsbehörde
demgegenüber frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark von der Würdigung
von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, weil er etwa den Beschuldigten
persönlich einvernommen hat (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_564/2019 vom 28.
Mai 2020 E. 3.2).
Vorliegend fand zwar keine Beweiswürdigung durch ein Strafgericht statt, vielmehr
erwuchs der von der Staatsanwaltschaft erlassene Strafbefehl in Rechtskraft. Es wäre
dem Rekurrenten jedoch offen gestanden, den Strafbefehl anzufechten. Aus dem
summarisch begründeten Strafbefehl geht hervor, dass der Rekurrent mit einer
Geschwindigkeit von 119 km/h und einem Abstand von 15,7 Metern hinter einem
Motorfahrzeug herfuhr. Der Strafrichter legte dem Schuldspruch die Auswertung eines
Verkehrsüberwachungsgeräts der Kantonspolizei Bern zugrunde (act. 9/13). Es besteht
kein Anlass, im Administrativmassnahmeverfahren von der Sachverhaltsdarstellung des
Strafbefehls abzuweichen.
Der Rekurrent bringt im Rekurs vor, dass das Strassenverkehrsamt in der Verfügung
vom 25. Juni 2020 nicht aufführe, auf welche Tatsachen Bezug genommen werde.
Vielmehr werde nur mit der Rechtsfolge argumentiert. Dies stimmt so nicht. In der
Verfügung wurden die Werte über die Geschwindigkeit und den Abstand, welche dem
Strafbefehl zugrunde lagen, übernommen. Aufgrund dieser Angaben erkannte das
Strassenverkehrsamt, dass eine schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften vorliege. Der Rekurrent wusste somit, auf welche
Tatsachen sich das Strassenverkehrsamt abstützt; eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs ist nicht ersichtlich. Es besteht kein Anlass, im Administrativverfahren von den
erhobenen Messdaten im Strafverfahren abzuweichen. Im Übrigen hat der
Beschuldigte die Verteidigungsrechte sowie allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten bereits
im Strafverfahren wahrzunehmen, wenn er weiss oder annehmen muss, dass gegen ihn
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ein Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt werden wird (BGer 6A.86/2006 vom
28. März 2007, E. 2). Der Führerausweis wurde dem Rekurrenten bereits mit Verfügung
des Strassenverkehrsamts vom 29. Februar 2012 wegen einer schweren
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für drei Monate entzogen. Er
wusste um die Möglichkeit eines nachfolgenden Administrativverfahrens und konnte
demnach nicht davon ausgehen, dass der Vorfall vom 26. Januar 2020 kein
Administrativverfahren nach sich ziehen würde. Zudem wurde er von der Vorinstanz
ausdrücklich auf die grosse Bedeutung des Ausgangs des Strafverfahrens auf ein
allfälliges Führerausweisentzugsverfahren hingewiesen (act. 9/16). Der Rekurrent
anerkennt, dass er sich nicht verkehrsregelkonform verhalten habe. Wäre er mit dem im
Strafverfahren festgestellten Sachverhalt nicht einverstanden gewesen, hätte er gegen
den Strafbefehl Einsprache erheben müssen. Entsprechend kann in diesem Verfahren
nicht mehr in Frage gestellt werden, dass er mit 119 km/h gefahren ist und der Abstand
zum vorderen Fahrzeug 15,7 Meter betrug.
e) Gegenüber allen Strassenbenützern ist ausreichender Abstand zu wahren,
namentlich beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinanderfahren
(Art. 34 Abs. 4 SVG). Die Regel zur Wahrung eines ausreichenden Abstands beim
Hintereinanderfahren bezweckt, dass der Fahrzeugführer auch bei überraschendem
Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann (vgl. Art. 12 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV), und ist von grundlegender
Bedeutung. Was unter einem "ausreichenden Abstand" im Sinn von Art. 34 Abs. 4 SVG
zu verstehen ist, hängt von den gesamten Umständen ab. Dazu gehören unter
anderem die Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse sowie die Beschaffenheit der
beteiligten Fahrzeuge. Die Verkehrsregel bezweckt in erster Linie, dass der
Fahrzeuglenker auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs
rechtzeitig hinter diesem halten kann. Ein überraschendes Bremsen schliesst ein
brüskes Bremsen mit ein. Letzteres ist, auch wenn ein Fahrzeug folgt, im Notfall
gestattet (vgl. Art. 12 Abs. 2 VRV). Die Rechtsprechung hat – im Unterschied zu den
Geschwindigkeitsüberschreitungen – noch keine allgemein gültigen Grundsätze zur
Frage entwickelt, bei welchen Abständen aus objektiver Sicht in jedem Fall, d.h. auch
bei günstigen Verhältnissen, eine leichte (Art. 16a SVG), mittelschwere (Art. 16b SVG)
oder schwere Widerhandlung (Art. 16c SVG) gegen die Strassenverkehrsvorschriften
anzunehmen ist. Zur Beurteilung, ob eine einfache Verkehrsregelverletzung gemäss
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Art. 90 Abs. 1 SVG, welche administrativrechtlich die leichte und mittelschwere
Widerhandlung gemäss Art. 16a und 16b SVG umfasst, vorliegt, wird im Sinn von
Faustregeln für Personenwagen auf die Regel "halber Tacho" (entsprechend
1,8 Sekunden) und die "Zwei-Sekunden"-Regel abgestellt. Diese Distanz entspricht
ungefähr der Anhaltestrecke bei plötzlichem, ordnungsgemässem Bremsen und
Anhalten des vorausfahrenden Fahrzeugs (BGE 131 IV 133 E. 3.1). Zur Beantwortung
der Frage, ob eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Abs. 2 SVG,
welche administrativrechtlich einer schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG entspricht, begangen wurde, wird in Lehre und Rechtsprechung als
Richtschnur die Regel " / -Tacho" bzw. ein Abstand von 0,6 Sekunden herangezogen
(J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 57 f.; BGer 6B_127/2012 vom
3. September 2012 E. 3.1; BGE 131 IV 133 E. 3.2.2). Die vom Bundesgericht
entwickelte Abstandsregelung gilt ausdrücklich auch für den Autobahnverkehr (BGer
6B_1004/2016 vom 14. März 2017 E. 2.3). Somit kristallisieren sich auch für das
Abstandhalten beim Hintereinanderfahren durchaus Regeln heraus.
Zusammenfassend sind praxisgemäss auf Autobahnen und ausserorts bei günstigen
Verhältnissen eine leichte Widerhandlung bei Abständen zwischen 1,2 und
1,8 Sekunden, eine mittelschwere Widerhandlung bei Abständen von mehr als 0,6 und
weniger als 1,2 Sekunden und eine schwere Widerhandlung bei Abständen von
0,6 Sekunden oder weniger anzunehmen (vgl. Ph. Weissenberger, Kommentar SVG
und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16c N 17).
f) Vorliegend ist strittig, ob sich der Rekurrent einer schweren Widerhandlung gemäss
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG schuldig gemacht hat. Diese setzt eine konkrete oder
jedenfalls erhöhte abstrakte Gefährdung anderer Personen voraus und kumulativ dazu
muss das Verschulden des Rekurrenten schwer wiegen.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist bei Abständen von 0,6 Sekunden
oder weniger von einer schweren Widerhandlung auszugehen. Vorliegend fuhr der
Rekurrent mit einem Abstand von 0,5 Sekunden (genauer: 0,475 Sekunden) auf der
Autobahn hinter einem anderen Motorfahrzeug her. Er gibt an, dass allerhöchstens eine
geringe Gefahr vorliege, da bis auf das Fahrzeug vor ihm die ganze Autobahn frei
gewesen sei. Die Witterungsverhältnisse seien einwandfrei gewesen. Grundsätzlich
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sind bei der Frage, ob ein ausreichender Abstand eingehalten wurde, alle konkreten
Umstände zu würdigen. Hier resultiert aber bereits aus der Tatsache, dass bei einer
Geschwindigkeit von 119 km/h lediglich ein Abstand von 0,5 Sekunden eingehalten
wurde, eine erhebliche Gefahr. Die Bremsreaktionszeit allein beträgt mindestens eine
Sekunde, weshalb bei einem geringen Abstand von 0,5 Sekunden ein rechtzeitiges
Abbremsen nicht mehr möglich ist (vgl. BGer 6B_1030/2010 vom 22. März 2011 E.
3.3.3 und 6B_441/2015 vom 3. Februar 2016 E. 2.2.2). Bei einem abrupten Abbremsen
des vorausfahrenden Fahrzeugs wäre ein Auffahrunfall mit möglicherweise schweren
Folgen kaum zu vermeiden gewesen. Demzufolge bestand eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer.
Neben der ernstlichen Gefahr für die Sicherheit Dritter erfordert Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG zusätzlich ein grobes bzw. schweres Verschulden des Fahrzeugführers. Ein
schweres Verschulden liegt allgemein dann vor, wenn der Fahrzeugführer ein
rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten gezeigt hat
(BGer 6B_593/2013 vom 22. Oktober 2013 E.2.2). Ein vorsätzliches Verhalten ist dabei
nicht erforderlich, was sich aus dem Gesetzeswortlaut nicht ohne Weiteres ergibt. Bei
fahrlässigem Handeln bedarf es jedoch mindestens grober Fahrlässigkeit. Davon ist
auszugehen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner
verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist oder die Gefährlichkeit pflichtwidrig nicht in
Betracht zieht (BGE 126 II 206 E. 1a). Im Strafbefehl vom 3. April 2020 wurde
festgestellt, dass der Rekurrent die Gefährdung zumindest in Kauf genommen oder
grobfahrlässig gehandelt habe. Die Vorinstanz führte dazu aus, dass sie zum selben
Schluss gekommen sei. Aufgrund der festgestellten erheblichen Gefährdungslage sind
keine Gründe ersichtlich, die ein Abweichen bei der Frage des Verschuldens
rechtfertigen würde. Dem Einwand des Rekurrenten, dass die Vorinstanz beim
Verschulden einen präziseren Schluss ziehen müsse, da der Staatsanwalt unterlassen
habe, das genaue Mass des Verschuldens festzustellen, kann nicht gefolgt werden.
Weder der Straftatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG noch die administrativrechtliche
Regelung der schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG verlangen
allein ein vorsätzliches Handeln. Dass die Vorinstanz von einem zumindest
grobfahrlässigen Verhalten des Rekurrenten ausgeht, ist unter den gegebenen
Umständen nicht zu beanstanden, denn für die Erfüllung des subjektiven Tatbestandes
genügt Grobfahrlässigkeit. Dem Rekurrenten musste bewusst sein, dass ein so
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geringer Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug sehr gefährlich ist, auch wenn davon
auszugehen ist, dass er die Verwirklichung der Gefahr letztlich nicht wollte.
g) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz die Verkehrsregelverletzung zu
Recht als schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften qualifizierte
und den Führerausweis gestützt auf Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG entzog.
3.- Zu prüfen bleibt die Dauer des Entzugs des Führerausweises. Bei der Festsetzung
der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG
die Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der
Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen. Die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden. Diese beträgt gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG
nach einer schweren Widerhandlung drei Monate.
Die vorinstanzlich verfügte Entzugsdauer von drei Monaten entspricht der gesetzlichen
Mindestdauer, die nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 SVG
selbst bei einer beruflichen oder persönlichen Angewiesenheit des Betroffenen auf den
Führerausweis und bei einem ungetrübten automobilistischen Leumund, was beim
Rekurrenten jedoch nicht der Fall ist, nicht unterschritten werden darf (vgl. BGE 132 II
234 E. 2.3). Dementsprechend ist auch die Entzugsdauer von drei Monaten nicht zu
beanstanden. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.