Decision ID: 31ec70c6-6a0e-4f6a-85d4-6732e72a3eb2
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Jürg Kugler, Im Lindenhof, Postfach 41,
9320 Arbon,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a Die damalige Arbeitgeberin von A._ reichte am 15. Mai 2009 das "Meldeformular
für Erwachsene: Früherfassung" ein, da der als Bauarbeiter tätige Versicherte an einer
Störung des Gleichgewichtsorgans leide (act. G 13.1). Auf Aufforderung der IV-Stelle
vom 10. Juni 2009 (act. G 13.3) meldete sich der Versicherte am 17. Juni 2009 (Datum
Posteingang bei der IV-Stelle) zum Bezug von IV-Leistungen an (act. G 13.4). Anlässlich
des Telefongesprächs zwischen der RAD-Ärztin Dr. med. B._, Fachärztin für
Arbeitsmedizin FMH, und dem behandelnden Dr. med. C._, Facharzt für Allg. Medizin
FMH, vom 19. Juni 2009, gab dieser an, der Versicherte leide an einer Vestibulopathie
links. Wegen Absturzgefahr bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Bau-Hilfsarbeiter im Hochbau (Gesprächsprotokoll vom
19. Juni 2009/30. Mai 2010, act. G 13.9 und G 13.49). Die IV-Stelle erachtete
Abklärungen bezüglich der Möglichkeiten einer beruflichen Eingliederung als notwendig
(Schreiben vom 24. August 2009, act. G 13.23).
A.b Im Bericht vom 19. August 2009 diagnostizierten die behandelnden Ärzte der Klinik
für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des Universitätsspitals Zürich mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Neuropathia vestibularis links,
einen chronischen Spannungskopfschmerz und rezidivierende Nackenverspannungen.
Für leidensangepasste Tätigkeiten (aufgrund Sturzgefahr keine Tätigkeit in Höhe oder
an rotierenden Maschinen) bescheinigten sie dem Versicherten eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (act. G 13.26-1 ff.; vgl. auch Neuro-Otologie-Kurzbericht des
Universitätsspitals Zürich vom 24. August 2009, act. G 13.26-7 f.). Im Assessment-
Protokoll vom 18. September 2009 gelangte die IV-Stelle zur Auffassung, dass
aufgrund der 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
Arbeitsvermittlung zugesprochen werden könne. Zunächst sei ein Eingliederungsplan
zu erstellen (act. G 13.27).
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A.c Im Austrittsbericht der Klinik Valens vom 13. November 2009, wo der Versicherte
im Rahmen einer stationären Neurorehabilitation vom 17. September bis 16. Oktober
2009 behandelt wurde, stellten die Experten folgende Diagnosen: Neuropathia
vestibularis links und ein zervikozephales Syndrom. Zum aktuellen Zeitpunkt sei die
angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter dem Versicherten nicht zumutbar. Mittel- bis
langfristig (innert 3 bis 6 Monaten) könne jedoch zumindest eine Teilarbeitsfähigkeit
auch im bisherigen Beruf wiedererlangt werden (act. G 13.35). Im Neuro-Otologie-
Kurzbericht vom 15. Dezember 2009 gaben die behandelnden Ärzte des
Universitätsspitals Zürich an, dass keine wesentliche Verbesserung der
Schwindelbeschwerden sowie der Nacken- und Kopfschmerzen während und nach
dem Aufenthalt in der Klinik Valens eingetreten sei (act. G 13.39). Dr. C._ berichtete
am 31. Mai 2010, der Versicherte habe die Hoffnung auf eine Besserung der
gesundheitlichen Beschwerden verloren. Für die angestammte Tätigkeit bestehe bis
auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 13.48). Die Beschwerdegegnerin
erteilte am 20. September 2010 zum Zweck des Wiederaufbaus der adaptierten
Arbeitsfähigkeit des dekonditionierten Versicherten (act. G 13.61) eine
Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung bei der D._ GmbH für die Dauer vom
4. Oktober bis 31. Dezember 2010 (act. G 13.64). In einer zweiten Mitteilung gleichen
Datums bejahte sie einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung und sie gewährte dem
Versicherten Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die
Eingliederungsberatung (act. G 13.66). Mit Verfügung vom 21. Oktober 2010 sprach die
IV-Stelle dem Versicherten Taggeldleistungen für die Dauer vom 4. Oktober bis
2. Januar 2011 zu (act. G 13.68).
A.d Am 18. und 20. Oktober 2010 wurde der Versicherte polydisziplinär (internistisch,
rheumatologisch, neurologisch und psychiatrisch) in der MEDAS Ostschweiz
untersucht. Im Gutachten vom 15. Dezember 2010 diagnostizierten die MEDAS-
Experten mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit einen chronischen
sekundären funktionellen/phobischen Schwindel mit psychoreaktiv-vegetativer
Symptomatik/Nausea, chronische funktionelle Koordinationsstörungen, ein
chronisches Zervikozephalsyndrom mit Spannungskopfschmerzen und Tinnitus aurium
nach akuter Vestibulopathie links mit persistierender linksvestibulärer Untererregbarkeit
(2. Januar 2009); eine episodische Gefühlsstörung der rechten Stirnhälfte und Wange
unklarer Ursache; eine psychogene Überlagerung des Status nach Neuropathia
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vestibularis links. Aus neurologischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit eine
volle Arbeitsunfähigkeit. Für wechselbelastende leichtere Tätigkeiten ohne Unfallrisiko
attestierten die Gutachter eine 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (vermehrte
Pausen und längere Erholungsphasen; act. G 13.73).
A.e Im Bericht vom 5. Januar 2011 (Datum Posteingang IV-Stelle) führte Dr. C._ aus,
dem Versicherten könne bestenfalls eine leichte Tätigkeit mit der Möglichkeit von
Unterbrüchen zugemutet werden (act. G 13.75). Die RAD-Ärztin Dr. B._ kam in der
Stellungnahme vom 31. Januar 2011 zum Schluss, dass das MEDAS-Gutachten und
die darin enthaltene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung schlüssig seien (act. G 13.84). Im
Schlussbericht vom 7. März 2011 gab die Eingliederungsverantwortliche an, der Ver
sicherte habe im Sommer 2009 seine Stelle verloren (zum gescheiterten Arbeitsversuch
am bisherigen Arbeitsplatz vgl. act. G 13.60-2). Er habe die im Rahmen der beruflichen
Abklärung im Programm D._ bescheinigte Arbeitsfähigkeit weder in Präsenz (knapp)
noch in der Leistung erreicht (vgl. hierzu den Zwischenbericht vom 2. Dezember 2010,
act. G 13.72). Er sehe sich nicht im gutachterlich attestierten Rahmen arbeitsfähig.
Beim RAV sei er für 50% zur Stellensuche angemeldet und werde dabei unterstützt.
Weitere Eingliederungsmassnahmen seien nicht angezeigt. Der Fall sei abzuschliessen
(act. G 13.90).
A.f Mit Vorbescheid vom 11. März 2011 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Gesuch um berufliche Massnahmen abzuweisen (act. G 13.93). Dagegen
erhob der Versicherte am 26. April 2011 Einwand (act. G 13.95). Am 19. Mai 2011
verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen (act.
G 13.98).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 19. Mai 2011 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 9. Juni 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Gewährung einer angepassten
beruflichen Massnahme. Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, dass er
aufgrund seiner erwerblichen Biographie lediglich als Bauarbeiter arbeiten könne. Er
finde auf dem Arbeitsmarkt keine "sitzende und leidensangepasste Tätigkeit". Er sei
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erst 27 Jahre alt. Bei so jungen Personen werde regelmässig eine Umschulung
vorgenommen (act. G 1).
B.b Mit Verfügung vom 12. September 2011 weist die IV-Stelle das Gesuch des
Beschwerdeführers um Rentenleistungen ab (act. G 13.122).
B.c Der Beschwerdeführer hat die mehrmals erstreckte Frist für eine
Beschwerdeergänzung unbenützt verstreichen lassen (act. G 12).
B.d Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 4. Oktober
2011 die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer übersehe bei seiner
Beschwerde, dass die in Frage kommenden beruflichen Massnahmen bereits
durchgeführt worden seien. Der Fall sei letztlich abgeschlossen worden, "weil sich der
Beschwerdeführer subjektiv in einem kleineren Umfang arbeitsfähig fühlte als
medizinisch bestätigt und er aktuell zu 50% beim RAV als Stellen suchend gemeldet
ist" (act. G 13).
B.e Mit Präsidialentscheid vom 16. November 2011 wird dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege entsprochen (act.
G 19).
B.f Der Beschwerdeführer hat auf eine Replik verzichtet (vgl. act. G 20).

Erwägungen:
1.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung und Streitpunkt zwischen den Parteien ist
der Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
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Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität gilt als eingetreten, sobald sie die für
die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und
Schwere erreicht hat (Art. 4 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20]).
1.2 Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit (a) diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern, und (b) die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (Art. 8 Abs. 1 IVG). Die versicherte
Person hat in der Regel nur Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck
angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen
Umständen bestmöglichen Vorkehren. Das Gesetz will die Eingliederung lediglich so
weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 132
V 225 E. 4.3.1 und 131 V 19 E. 3.6.1 mit Hinweisen).
2.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die Arbeitsvermittlung zu Recht per
19. Mai 2011 (act. G 13.98) abgeschlossen hat.
2.1 Gemäss Art. 18 Abs. 1 lit. a IVG haben arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte,
die eingliederungsfähig sind, Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines
geeigneten Arbeitsplatzes. Die leistungsspezifische Invalidität nach Art. 18 IVG ist
schon aufgrund einer relativ geringfügig erschwerten Suche nach einer Arbeitsstelle
erfüllt, solange diese Erschwernis auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen ist. Wo
dies nicht der Fall ist, fällt die Arbeitsvermittlung nicht in die Zuständigkeit der
Invalidenversicherung, sondern allenfalls der Organe der Arbeitslosenversicherung
(Urteil des Bundesgerichts vom 20. Oktober 2010, 9C_839/2010, E. 2.2.3 mit
Hinweisen).
2.2 Der Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten
Arbeitsplatzes besteht grundsätzlich, sobald und solange die dafür notwendigen
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Voraussetzungen erfüllt sind; solange diese gegeben sind, ist der Anspruch auf
Arbeitsvermittlung grundsätzlich in zeitlicher Hinsicht nicht begrenzt, sondern besteht -
dem Sinn dieser Massnahme entsprechend - bis zur erfolgreichen Eingliederung. Die
Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes steht indessen dann nicht
mehr in einem angemessenen Verhältnis zum Eingliederungsziel und eine
Leistungspflicht der Invalidenversicherung entfällt, wenn das Eingliederungsziel trotz
intensiver Bemühungen der Verwaltung nicht erreicht werden konnte und von weiteren
Anstrengungen keinerlei Erfolg erwartet werden kann (Silvia Bucher,
Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 431 f. mit Hinweis u.a.
auf Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2008, 9C_16/2008, E. 3.1 und 3.3.3).
Wann dies der Fall ist, kann nicht generell und für alle denkbaren Fälle gleich festgelegt
werden (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 22. Dezember 2004, I 412/04,
E. 2.4, wo eine "festgesetzte Regeldauer von sechs Monaten als zu kurz bemessen"
beurteilt wurde).
2.3 Anlässlich des Assessmentgesprächs vom 18. September 2009 beschloss die
Beschwerdegegnerin, einen Eingliederungsplan mit Arbeitsvermittlung sowie allfälligen
weiteren FI-Massnahmen zu erstellen (act. G 13.27-1). In der Folge nahm die
Beschwerdegegnerin medizinische Abklärungen vor bzw. erachtete den Sachverhalt
aus medizinischer Sicht als nicht hinreichend abgeklärt (Protokoll des
Assessmentgesprächs vom 19. März 2010, act. G 13.42). Am 8. Juli 2010 vereinbarten
die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführer im Rahmen des
Eingliederungsplans als Ziel die Wiedereingliederung in der freien Wirtschaft. Zur
Zielerreichung wurden folgende Massnahmen definiert: berufliche Abklärung, Aufbau
der Arbeitsfähigkeit, Prüfung der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit; Koordination mit
dem Case Management des BVG-Versicherers; Prüfung des Anspruchs beim
Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zu gegebener Zeit, Koordination von
Invalidenversicherung und RAV; Bewerbungsunterlagen erstellen/vervollständigen;
aktive eigene Stellensuche - regelmässige Bewerbungen; Unterstützung bei der
Stellensuche durch die Eingliederungsberaterin; prüfen von FI-Massnahmen oder
Einarbeitungszuschüssen im Fall von Stellenangeboten (act. G 13.53). Seit dem
6. September 2010 nahm der Beschwerdeführer an der beruflichen Abklärung in der
D._ GmbH teil. Im Zwischenbericht vom 2. Dezember 2010 führten die dortigen
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Abklärungspersonen aus, die noch offenen Fragen bezüglich des Gesundheitszustands
seien für den Beschwerdeführer sehr belastend. Die Frustration darüber, dass immer
noch keine Diagnose und somit keine klare Prognose vorlägen, würden eine berufliche
Neuorientierung erschweren. Da der MEDAS-Bericht bald vorliegen werde, empfahlen
die Abklärungspersonen, mit der beruflichen Orientierung zuzuwarten (act. G 13.72). Im
Gutachten vom 15. Dezember 2010 bescheinigten die
MEDAS-Experten dem Beschwerdeführer für leidensangepasste Tätigkeiten eine
80%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 13.73). Im Schlussbericht der beruflichen Eingliederung
vom 7. März 2011 gab die Eingliederungsverantwortliche an, der Beschwerdeführer
habe bei der beruflichen Abklärung in der D._ GmbH die bescheinigte
Arbeitsfähigkeit weder in Präsenz noch in der Leistung erreicht. Er habe sich per
Januar 2011 beim zuständigen RAV für 50% zur Stellensuche angemeldet und sehe
sich nicht im gutachterlich bescheinigten Rahmen arbeitsfähig. Bei der Stellensuche
werde er vom RAV unterstützt. Es seien keine weiteren Eingliederungsmassnahmen
angezeigt, weshalb der Fall abgeschlossen werde (act. G 13.90).
2.4 Weder aus dem Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 7. März 2011
(act. G 13.90) noch aus der angefochtenen Verfügung (act. G 13.98) geht schlüssig
hervor, weshalb die Arbeitsvermittlung abgebrochen wurde. Offenbar war Beweggrund
für die Leistungseinstellung, dass sich der Beschwerdeführer subjektiv in einem
kleineren Umfang arbeitsfähig gefühlt habe als medizinisch bestätigt worden sei (vgl.
auch act. G 13). Dieser Umstand kann indessen für sich allein nicht dazu führen, dass
ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung dahinfiele, geht doch daraus nicht hervor, dem
Beschwerdeführer fehle die Eingliederungsbereitschaft. Hiergegen sprechen auch die
Feststellungen der beruflichen Abklärungspersonen, die dem Beschwerdeführer eine
sehr hohe Einsatzfähigkeit und eine aktive Teilnahme bescheinigten (act. G 13.72).
Selbst wenn im Übrigen von einer fehlenden Eingliederungsbereitschaft auszugehen
wäre, ist zu beachten, dass die Arbeitsvermittlung erst nach Durchführung des Mahn-
und Bedenkzeitverfahrens (Art. 21 Abs. 4 ATSG) mit der Begründung der fehlenden
Eingliederungsbereitschaft eingestellt werden darf (Bucher, a.a.O., S. 432 mit
Hinweisen u.a. auf Urteil des Bundesgerichts vom 11. August 2008, 8C_156/2008,
E. 2.2.2 sowie 2.3). Vorliegend wurde indessen kein entsprechendes Verfahren
durchgeführt, weshalb eine Einstellung der Arbeitsvermittlung wegen fehlender
Eingliederungsbereitschaft nicht zulässig ist.
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2.5 Es stellt sich indessen die Frage, ob der Abschluss der Arbeitsvermittlung aus
Gründen der Verhältnismässigkeit rechtmässig gewesen ist. Dabei fällt vorliegend ins
Gewicht, dass sich die Beschwerdegegnerin bei ihren Bemühungen primär auf
Abklärungsmassnahmen konzentrierte und offenbar die aktive Unterstützung bei der
Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes dem zuständigen RAV überliess. Zumindest
sind eigene aktive Hilfestellungen bei der Stellensuche nicht ausgewiesen (vgl.
vorstehende E. 2.3). Es fehlt damit über die Abklärungsmassnahmen hinaus an eigenen
effektiven Vermittlungsbemühungen durch die Beschwerdegegnerin. Entscheidend ist
ferner, dass eine weitere Gewährung von Arbeitsvermittlung im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung vom 19. Mai 2011 nicht als klar aussichtslos erscheint. Dies
umso weniger, als der Beschwerdeführer zur fraglichen Zeit weiterhin vom RAV bei der
Stellensuche unterstützt wurde (act. G 13.90; betreffend die seit Juni 2011 bezogene
Arbeitslosenentschädigung und die damit einhergehende vorgängige Bejahung der
Vermittelbarkeit vgl. die entsprechenden Abrechnungen in act. G 18). Die
Beschwerdegegnerin benennt denn auch keine Gründe, die eine Weitergewährung als
aussichtslos erscheinen liessen. Die Schlussfolgerung, weitere Aktivitäten im Rahmen
der Arbeitsvermittlung seien im Zeitpunkt der Leistungseinstellung praktisch
aussichtslos (gewesen), ist unter diesen Umständen unzulässig, zumal ein genügend
weites Spektrum für leidensangepasste Hilfsarbeitertätigkeiten besteht. Ergänzend ist
zu bemerken, dass sich die Verhältnismässigkeit einer Fortführung der
Arbeitsvermittlung nicht anhand der Erledigung von vorgängig festgelegten abstrakten
Vorgaben beurteilt. Vielmehr besteht ein Anspruch auf das situativ Notwendige (vgl.
zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 2. September 2008, 9C_16/2008,
E. 3.3.2 f.). Es besteht auch keine Veranlassung, die Unterstützung bei der
Stellensuche einzig dem RAV zu überlassen, zumal die Invalidenversicherung auf die
Vermittlung von gesundheitlich eingeschränkten Personen spezialisiert ist (vgl. Urteil
des Versicherungsgerichts vom 2. Juli 2010, IV 2008/453, E. 5.3). Schliesslich ist weder
naheliegend noch dargetan, dass die erschwerte Suche nach einer Arbeitsstelle nicht
mehr auf gesundheitliche Gründe zurückgeführt werden kann. Die
Beschwerdegegnerin hat somit - sofern die Anspruchsvoraussetzungen inzwischen
nicht dahingefallen sind - weiterhin Arbeitsvermittlung zu gewähren.
3.
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Zu prüfen ist weiter, ob der Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter (vgl. zur fehlenden
Berufsausbildung act. G 13.21) einen Anspruch auf die von ihm - zumindest
sinngemäss - beantragten Umschulungsmassnahmen (act. G 1) hat.
3.1 Nach Art. 17 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf
eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und
dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann.
Invalid im Sinn dieser Bestimmung sind Versicherte, wenn sie wegen der Art und
Schwere des eingetretenen Gesundheitsschadens in den bisher ausgeübten und in den
für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offenstehenden noch zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
etwa 20% erleiden; dabei bemisst sich die Erwerbseinbusse an dem vor Eintritt des
Gesundheitsschadens erzielten Erwerbseinkommen (BGE 124 V 110 f. E. 2b).
3.2 Das Erfordernis der annähernden Gleichwertigkeit als Ausdruck des
Verhältnismässigkeitsprinzips begrenzt den Umschulungsanspruch nach oben. Eine
Umschulung, die zu einem wesentlich höheren Einkommen als dem mit der bisherigen
Tätigkeit erzielten führen würde, fällt grundsätzlich ausser Betracht, weil eine durch die
Eingliederungsmassnahme bewirkte wirtschaftliche Besserstellung der versicherten
Person im Vergleich zu ihrer ökonomischen Lage vor dem Invaliditätseintritt nicht
Aufgabe der IV ist. Die Übernahme einer gegenüber der früheren Berufstätigkeit
höherwertigen Ausbildung ist jedoch nicht ausgeschlossen, sondern für den Sonderfall
vorbehalten, dass Art und Schwere der Invalidität und ihre beruflichen Auswirkungen
derart ins Gewicht fallen, dass nur eine verglichen mit der vor Eintritt der Invalidität
ausgeübten Erwerbstätigkeit anspruchsvollere Ausbildung zu einer optimalen
Verwertung der Arbeitsleistung bzw. Arbeitsfähigkeit auf einer höheren Berufsstufe
führt; dabei setzt ein Anspruch auf eine höherwertige Ausbildung voraus, dass sich die
erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens nur auf diese Weise hinreichend
beheben lassen (Bucher, a.a.O., S. 364 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Die
Übernahme einer höherwertigen Ausbildung wird somit insbesondere dann infrage
kommen, wenn jemand mit einer Teilzeittätigkeit auf höherem Ausbildungsniveau so
viel verdienen kann wie vor Eintritt der Invalidität mit einer Vollzeittätigkeit (Bucher,
a.a.O., S. 365). Vorliegend steht deshalb die fehlende Berufsausbildung des
Beschwerdeführers, dessen Leistungsfähigkeit selbst für leidensangepasste
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Tätigkeiten um 20% beeinträchtigt ist (act. G 13.73-18), einer
Umschulungsmassnahme grundsätzlich nicht entgegen.
3.3 Hingegen ist die Verhältnismässigkeit einer Umschulungsmassnahme und damit
ein Umschulungsanspruch auch dann zu verneinen, wenn eine solche Massnahme in
Anbetracht der beschränkten Lernfähigkeit der versicherten Person mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zum Scheitern verurteilt ist oder wenn ein Misserfolg wegen der
Meinung der betroffenen Person, sie sei vollständig invalid, absehbar ist (Bucher,
a.a.O., S. 369 mit Hinweis auf Urteil des EVG vom 25. Januar 2006, I 380/05, E. 2.4,
und des Bundesgerichts vom 30. Juni 2009, 9C_648/2008, E. 3). Ein schulisches Defizit
steht der Annahme der subjektiven Eingliederungsfähigkeit jedenfalls dann nicht ent
gegen, wenn die versicherte Person die für eine bestimmte Ausbildung grundsätzlich
erforderliche Lernfähigkeit mitbringt, können doch Lücken im Bildungsstand im
Rahmen der Umschulung oder durch Vorbereitungskurse angegangen werden (Urteil
des Bundesgerichts vom 15. März 2010, 9C_942/2009, E. 5.4.1). Kein Anspruch auf
Umschulung besteht jedoch, wenn in Anbetracht der knappen schulischen und
beruflichen Ressourcen mit verhältnismässigen Mitteln durch eine Umschulung keine
wesentliche Verbesserung der Erwerbsmöglichkeiten erreicht werden kann (Urteil des
Bundesgerichts vom 28. November 2008, 8C_96/2008, E. 5.3; Bucher, a.a.O., S. 369).
3.4 Bei der Situation des Beschwerdeführers gilt es zu berücksichtigen, dass er
sowohl über eine schlechte Schulbildung (act. G 13.21-2) als auch schlechte
Sprachkenntnisse (act. G 13.60-3; vgl. auch act. G 13.4-5, G 13.72-1 und G 13.73-2)
verfügt. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer dekonditioniert ist (act. G 13.61) und
seine Frustration darüber, dass sein gesundheitlicher Zustand nicht mehr die gleiche
Leistung zulässt wie früher, eine berufliche Neuorientierung erschwert (act. G 13.72-2).
Damit geht einher, dass er sich nicht im gutachterlich bescheinigten Rahmen
arbeitsfähig fühlt (act. G 13.88). Im Licht dieser Umstände ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass eine Umschulungsmassnahme nicht
erfolgreich abgeschlossen werden könnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. April
2010, 9C_609/2009, E. 9.2, sowie des Versicherungsgerichts vom 2. Juli 2010,
IV 2008/453, E. 5.2), weshalb offen gelassen werden kann, ob die weiteren für einen
Umschulungsanspruch zu beachtenden Voraussetzungen erfüllt sind. Falls sich
betreffend Umschulungsfähigkeit und Umschulungsbereitschaft die persönlichen
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Verhältnisse beim Beschwerdeführer bezogen auf den Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung ändern, kann auf Gesuch hin der Umschulungsanspruch von der
Beschwerdegegnerin erneut geprüft werden.
4.
Der Beschwerdeführer beantragt keine anderen Massnahmen beruflicher Art. Es ist
auch nicht ersichtlich, dass er die Voraussetzungen für entsprechende Ansprüche
(etwa erstmalige berufliche Ausbildung [Art. 16 IVG] oder Einarbeitungszuschuss
[Art. 18b IVG]) im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung erfüllt.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde insoweit teilweise gutzuheissen, als die
Beschwerdegegnerin Leistungen aus Arbeitsvermittlung über den 19. Mai 2011 hinaus
zu erbringen hat. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtspflege am 16. November
2011 bewilligt (act. G 19). Wenn seine wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann
er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der vom Staat entschädigten
Parteikosten verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1] i.V.m. Art. 123 Abs. 1 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]).
5.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Da die Sache bezüglich des Anspruchs auf
Arbeitsvermittlung gutzuheissen ist, ist von einem hälftigen Obsiegen des
Beschwerdeführers auszugehen. Die Gerichtsgebühr ist den Parteien daher in der
Höhe von je Fr. 300.-- aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist der
Beschwerdeführer von der Bezahlung seines Anteils zu befreien.
5.4 Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat er einen reduzierten Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
bis
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insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist. Bei vollständigem Obsiegen wäre mit Blick auf die lediglich summarisch begründete
Beschwerdeeingabe vom 9. Juni 2011 (act. G 1) und dem einfachen Schriftenwechsel
eine Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- gesprochen worden. Wegen des nur
hälftigen Obsiegens erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als gerechtfertigt.
5.5 Das aufgrund des hälftigen Obsiegens nicht von der Beschwerdegegnerin zu
bezahlende Honorar von Fr. 500.-- ist im Rahmen der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung zu vergüten und deshalb um 20% zu reduzieren (Art. 31 Abs. 3
des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist
somit vom Staat mit Fr. 400.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu
entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39