Decision ID: fcbc65ed-acaf-46a2-b750-fb3dcdeaf151
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
1.
A. und B. werden zusammen mit ihrem Sohn F. von der Gemeinde Q.
materiell unterstützt.
2.
Die Sozialkommission Q. beschloss am 25. Januar 2021:
1. Die Sozialkommission hält fest, dass Herr und Frau A. und B. über Jahre hinweg Gefälligkeitszeugnisse erwirkt und eingereicht hatten, um keine  suchen zu müssen, um damit in den Genuss von materieller Hilfe zu kommen.
2. Die materielle Hilfe wird per sofort eingestellt.
3. Ein Strafantrag wird geprüft.
B.
Gegen den Beschluss der Sozialkommission führten A. und B.
Verwaltungsbeschwerde beim Departement Gesundheit und Soziales
(DGS), Kantonaler Sozialdienst, Beschwerdestelle SPG. Diese entschied
am 5. August 2021:
1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Entscheid der Sozialkommission Q. vom 25. Januar 2021 aufgehoben.
2. Die Verfahrenskosten gehen zu Lasten der Staatskasse.
3. Die Beschwerdegegnerin wird verpflichtet, dem Vertreter der  die entstandenen Parteikosten in Höhe von Fr. 1'000.00 (inkl.  und MwSt.) zu ersetzen.
C.
1.
Gegen Ziffer 3 des Entscheids der Beschwerdestelle SPG erhoben A. und
B. zusammen mit C., der diese im Verwaltungsbeschwerdeverfahren
vertreten hatte, am 1. September 2021 Verwaltungsgerichtsbeschwerde
mit folgenden Anträgen:
1. Die vorliegende Beschwerde sei gutzuheissen.
- 3 -
2. Rechtsspruch Ziff. 3 des Entscheides des Departementes Gesundheit und Soziales, Kantonaler Sozialdienst, Beschwerdestelle SPG, Obere  3, Postfach, 5001 Aarau, sei aufzuheben und wie folgt zu ersetzen:
2.1. Die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, den Beschwerdeführern
für das vorinstanzliche Verfahren eine Parteientschädigung in der Höhe von mindestens CHF 3'542.50 zuzüglich CHF 56.20 Auslagen und zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer CHF 277.05 (total CHF 3'875.75) zu bezahlen.
2.2 Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, den Be-
schwerdeführern für das vorinstanzliche Verfahren eine  in der Höhe von mindestens CHF 2'834.00 zuzüglich CHF 56.20 Auslagen und zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer CHF 222.55 (total CHF 3'112.75) zu bezahlen.
2.3. Subeventualiter sei die Sache für die Neubeurteilung an die Vorin-
stanz zurückzuweisen.
3. Den Beschwerdeführern sei für das Beschwerdeverfahren die  unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Rechtsanwältin Larissa Morard sei als unentgeltliche Rechtsbeiständin zu ernennen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der , eventualiter zu Lasten des Staates.
2.
Die Beschwerdestelle SPG verzichtete am 20. September 2021 auf eine
Beschwerdeantwort und beantragte die Abweisung der Beschwerde unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdeführer.
3.
Die Sozialkommission Q. äusserte sich in der Eingabe vom 20. September
2021 nicht zur Höhe der anwaltlichen Entschädigung im Verwaltungs-
beschwerdeverfahren.
4.
Das Verwaltungsgericht hat den Fall am 16. Februar 2022 beraten und in
der Folge auf dem Zirkularweg entschieden (vgl. § 7 des Gerichtsorganisa-
tionsgesetzes vom 6. Dezember 2011 [GOG; SAR 155.200]).
- 4 -

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Nach § 58 Abs. 1 des Gesetzes über die öffentliche Sozialhilfe und die so-
ziale Prävention vom 6. März 2001 (Sozialhilfe- und Präventionsgesetz,
SPG; SAR 851.200) können Verfügungen und Entscheide der Sozialbehör-
den mit Beschwerde beim Departement Gesundheit und Soziales (DGS)
angefochten werden (§ 39a der Sozialhilfe- und Präventionsverordnung
vom 28. August 2002 [SPV; SAR 851.211]). Die Entscheide des DGS kön-
nen an das Verwaltungsgericht weitergezogen werden (§ 58 Abs. 2 SPG).
Dieses ist somit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
2.
Gemäss § 42 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom
4. Dezember 2007 (Verwaltungsrechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200)
ist zur Beschwerde befugt, wer ein schutzwürdiges eigenes Interesse an
der Aufhebung oder der Änderung des Entscheids hat.
Die Beschwerdeführer verlangen eine höhere Parteientschädigung als von
der Vorinstanz zugesprochen (angefochtener Entscheid, Ziffer 3). Die Be-
schwerdestelle SPG hat die Sozialkommission Q. verpflichtet, dem Ver-
treter der Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 bzw. dem Beschwerdeführer 2
Parteikosten in Höhe von Fr. 1'000.00 zu ersetzen. Zur Anfechtung der Par-
teientschädigung sind nur die Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 befugt, nicht
hingegen der Beschwerdeführer 2. Der Anspruch auf Parteikostenersatz
steht den Verfahrensparteien selbst zu (vgl. § 32 Abs. 2 VRPG). Dass die
Parteientschädigung den Rechtsvertretern von Sozialhilfeempfängern oft
direkt zugesprochen wird, hat praktische Gründe: Bei unterstützten Perso-
nen ist die Weiterleitung der Entschädigung an die Rechtsvertreter in der
Regel nicht gewährleistet. Letztere werden durch die direkte Auszahlung
vor möglichen Inkassorisiken geschützt. Eine Beschwerdebefugnis betref-
fend die Anfechtung der Höhe der Parteientschädigung lässt sich daraus
jedoch nicht ableiten.
3.
Die übrigen Beschwerdevoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen
Anlass. Auf die rechtzeitig erhobene Beschwerde ist in Bezug auf die Be-
schwerdeführer 1.1 und 1.2 einzutreten.
4.
Mit der Verwaltungsgerichtsbeschwerde können die unrichtige oder unvoll-
ständige Feststellung des Sachverhalts sowie Rechtsverletzungen gerügt
- 5 -
werden (§ 58 Abs. 4 SPG i.V.m. § 55 Abs. 1 VRPG). Die Rüge der Unan-
gemessenheit ist demgegenüber unzulässig (Umkehrschluss aus § 55
Abs. 3 VRPG).
II.
1.
1.1.
Die Höhe der Parteientschädigung richtet sich nach dem Dekret über die
Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (Anwaltstarif, AnwT;
SAR 291.150). Sozialhilfesachen sind grundsätzlich vermögensrechtliche
Angelegenheiten mit einem zu bestimmenden Streitwert (vgl. Aargauische
Gerichts- und Verwaltungsentscheide [AGVE] 2007, S. 191 ff.).
Die Vorinstanz bestimmte – ausgehend von der eingestellten materiellen
Hilfe für die Unterstützungseinheit während der Dauer eines Jahres (12 x
Fr. 3'221.00) – einen Streitwert von Fr. 38'652.00 (vgl. angefochtener Ent-
scheid, Erw. III/2.2). Diese Streitwertberechnung entspricht der verwal-
tungsgerichtlichen Rechtsprechung, wonach bei wiederkehrenden und in
der Dauer unbestimmten Leistungen in der Regel auf 12 Monate abzustel-
len ist (vgl. AGVE 2007, S. 193). Der Entschädigungsrahmen geht in Be-
schwerdeverfahren mit einem Streitwert zwischen Fr. 20'000.00 und
Fr. 50'000.00 von Fr. 1'500.00 bis Fr. 6'000.00 (§ 8a Abs. 1 lit. a Ziffer 2
AnwT). Innerhalb des vorgesehenen Rahmenbetrags richtet sich die Ent-
schädigung nach dem mutmasslichen Aufwand des Anwalts, nach der Be-
deutung und der Schwierigkeit des Falls (§ 8a Abs. 2 AnwT). Für ein durch-
schnittliches, vollständig durchgeführtes Verfahren ergibt sich eine Grund-
entschädigung von Fr. 3'750.00.
1.2.
Die Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 haben vor der Vorinstanz zunächst eine
Laieneingabe als Beschwerde eingereicht, die 3 Seiten umfasste (Vorakten
des DSG 1 ff.). Angeblich wurden sie dabei durch eine "Beratungsstelle"
unterstützt; für den weiteren Verlauf des Verfahrens ersuchten sie um un-
entgeltliche Vertretung (Vorakten des DGS 3). Nach dem Beizug des
Rechtsvertreters (dem Beschwerdeführer 2) und der Bewilligung der unent-
geltlichen Vertretung durch die Vorinstanz (Vorakten des DGS 54) ver-
fasste dieser die Replik/Stellungnahme vom 29. April 2021 mit einem Um-
fang von 16 Seiten (Vorakten des DGS 55 ff.).
Der Vorinstanz kann nicht gefolgt werden, wenn sie ausführt, die in der
Replik gemachten Ausführungen seien grösstenteils nicht notwendig ge-
wesen (vgl. angefochtener Entscheid, Erw. III/2.2). Der Rechtsvertreter
konnte erst im Hinblick auf die Replik tätig werden. In der Beschwerde-
schrift hatten die Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 in erster Linie dargelegt,
dass sie über keine Mittel verfügten, und Berichte ihres Hausarztes zitiert,
die sich zu ihrer Arbeitsfähigkeit äusserten. Weiter verwiesen sie auf eine
- 6 -
Stellungnahme des Hausarztes, worin dieser den Vorwurf zurückwies, Ge-
fälligkeitszeugnisse ausgestellt zu haben (Vorakten des DGS 1 ff.). Ange-
sichts der drohenden Einstellung der materiellen Hilfe war es gerechtfertigt,
dass sich der Rechtsvertreter in der Replik nicht nur mit der Beschwerde-
antwort der Sozialkommission vom 22. März 2021 (Vorakten des
DGS 41 ff.) auseinandersetzte, sondern den Standpunkt der Beschwerde-
führer nochmals eingehend darlegte. In Anbetracht der laienhaften und ru-
dimentären Beschwerdeschrift gehörte die Abfassung einer ausführlichen
Replik zu den notwendigen und üblichen Leistungen des Anwalts (vgl. § 2
AnwT). Die von der Vorinstanz zugesprochene Parteientschädigung von
Fr. 1'000.00 erweist sich daher als zu tief. Es rechtfertigt sich, dem Rechts-
vertreter etwa zwei Drittel des Honorars für ein vollständig durchgeführtes
Verfahren zuzusprechen. Es ist davon auszugehen, dass zwar im Zusam-
menhang mit dem Aktenstudium und der Erstellung einer Rechtsschrift die
üblichen Aufwendungen entstanden, aufgrund des späten Beizugs aber für
Instruktion, Korrespondenz und Telefongespräche tendenziell weniger Auf-
wand anfiel. Zudem erfolgte keine weitere Rechtsschrift und fand keine
Verhandlung statt. Im Ergebnis ergibt sich für das Verwaltungsbeschwer-
deverfahren eine Parteientschädigung von gerundet Fr. 2'500.00. Sie wird
als Gesamtbetrag festgesetzt. Auslagen und Mehrwertsteuer sind darin
enthalten (§ 8c AnwT).
1.3.
Das in der Kostennote des Beschwerdeführers 2 ausgewiesene Honorar
von Fr. 3'875.75 wäre für ein vollständig durchgeführtes Verfahren in etwa
angebracht gewesen, erweist sich aber vorliegend als überhöht (vgl. Be-
schwerdebeilage 10; vorne Erw. 1.2). Soweit auf den AnwT verwiesen wird,
lässt die Kostennote ausser Acht, dass Rechtsanwalt C. erst im Hinblick
auf den zweiten Schriftenwechsel tätig wurde. Im Übrigen ist es nicht
tarifkonform, ausschliesslich auf den Zeitaufwand abzustellen. Im Hinblick
auf die Festlegung der Parteientschädigung war die Vorinstanz nicht
gehalten, vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 eine Kos-
tennote einzuholen (vgl. Verwaltungsgerichtsbeschwerde, S. 7); es wurde
kein Honorar aus unentgeltlicher Rechtsvertretung zugesprochen (vgl. § 12
AnwT).
2.
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als teilweise begründet.
Im vorinstanzlichen Verfahren rechtfertigt sich eine Parteientschädigung
von Fr. 2'500.00. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
eingetreten werden darf.
- 7 -
III.
1.
1.1.
Der Beschwerdeführer 2 unterliegt vollumfänglich. Die Beschwerdeführer
1.1 und 1.2 erreichen eine Erhöhung ihrer Parteientschädigung vor der Vor-
instanz um Fr. 1'500.00 (anstatt um Fr. 2'875.75). Damit obsiegen sie in
etwa zur Hälfte und haben in Anwendung von § 31 Abs. 2 VRPG – entspre-
chend dem Verfahrensausgang – ebenfalls einen Teil der verwaltungsge-
richtlichen Kosten zu tragen. Insgesamt rechtfertigt es sich, den Beschwer-
deführern 1.1 und 1.2 sowie dem Beschwerdeführer 2 je einen Viertel der
Verfahrenskosten aufzuerlegen.
Den Vorinstanzen sind grundsätzlich keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(vgl. § 31 Abs. 2 VRPG).
1.2.
Die Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 ersuchen um unentgeltliche Rechts-
pflege. Diese ist ihnen zu gewähren, da sie mittellos sind und ihr Begehren
– wie die teilweise Gutheissung zeigt – nicht aussichtslos ist.
1.3.
Die Staatsgebühr wird unter Berücksichtigung des Zeitaufwands und der
Bedeutung der Sache auf Fr. 1'000.00 festgelegt (vgl. § 3 i.V.m. § 22 Abs. 1
lit. c des Dekrets über die Verfahrenskosten vom 24. November 1987 [Ver-
fahrenskostendekret, VKD; SAR 221.150]). Für die Kanzleigebühr und die
Auslagen wird auf §§ 25 ff. VKD verwiesen.
2.
2.1.
Entsprechend dem Verfahrensausgang und nach der Verrechnung der Par-
teikostenanteile besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl.
§ 32 Abs. 2 VRPG; AGVE 2012, S. 223 ff.; 2011, S. 247 ff.; 2009,
S. 278 ff.).
2.2.
Die Beschwerdeführer 1.1 und 1.2 ersuchen um unentgeltliche Vertretung.
Diese ist ihnen zu gewähren, da sie mittellos sind, ihr Begehren sich nicht
als aussichtslos erweist und die sich stellenden Fragen den Beizug einer
Anwältin rechtfertigten (vgl. § 34 Abs. 1 VRPG).
2.3.
Das Honorar der unentgeltlichen Vertretung bestimmt sich nach den glei-
chen Grundsätzen wie die Parteientschädigung (vgl. § 10 Abs. 1 AnwT;
Entscheid des Verwaltungsgerichts WBE.2021.315/317 vom 16. Februar
2022, Erw. III/2; vorne Erw. II/1.1). Angesichts des Streitwerts von
- 8 -
Fr. 2'875.75 sowie des geringeren Aufwands und des beschränkten Pro-
zessstoffs ist das Honorar kostendeckend auf Fr. 1'100.00 festzulegen (vgl.
§ 8a Abs. 1 lit. a Ziffer 1 i.V.m. § 8a Abs. 2 und § 8c AnwT). Von der Ent-
schädigung entfällt lediglich die Hälfte auf die Beschwerdeführer 1.1 und
1.2. Die Parteikosten des Beschwerdeführers 2 können nicht über die un-
entgeltliche Rechtsvertretung ersetzt werden. Somit ist der unentgeltlichen
Rechtsvertreterin ein Honorar von Fr. 550.00 aus der Gerichtskasse zuzu-
sprechen.
Die Honorarnote vom 16. Februar 2022 stellt auf den Zeitaufwand ab und
ist nicht streitwertabhängig. Der Stundenansatz von Fr. 250.00 ist zu hoch.
Die Rechnung erweist sich angesichts des beschränkten Prozessstoffs und
der finanziellen Bedeutung der Streitigkeit als überhöht.