Decision ID: 27bc6e3c-3aa7-5206-89b4-36999db4e51f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Am 17. Oktober 2019 stellten die Schweizerischen Bundesbahnen SBB
beim Bundesamt für Verkehr (BAV) ein Plangenehmigungsgesuch betref-
fend die Übertragungsleitung UL 226 Sihlbrugg – Zürich, Abschnitt Unter-
werk (UW) Zürich – Zimmerbergbasistunnel. Gegenstand der Planvorlage
bildet im Wesentlichen die Verlegung von zwei 132 kV-Kabelschleifen (zwei
Schleifen à je 2 Kabel) in die bereits erstellte Rohrblockanlage im Zimmer-
bergbasistunnel.
B.
Am 29. Oktober 2019 eröffnete das BAV ein ordentliches eisenbahnrecht-
liches Plangenehmigungsverfahren. Während der öffentlichen Auflage vom
10. Januar 2020 bis zum 10. Februar 2020 ging die gemeinsame Einspra-
che der Gemeinde Rüschlikon und des Vereins Diakonie Nidelbad ein.
C.
Mit Verfügung vom 28. April 2020 erteilte das BAV der SBB die nachge-
suchte Plangenehmigung mit Auflagen. Auf die von der Gemeinde Rüschli-
kon und dem Verein Diakonie Nidelbad erhobene Einsprache trat das BAV
nicht ein (Ziffer 4.2 des Dispositivs). Zur Begründung führte es aus, es fehle
ihnen an der Legitimation zur Einsprache. Gegenstand des Verfahrens
bilde allein der Einzug bzw. die Verlegung von zwei 132 kV-Kabelschleifen
im bereits rechtskräftig genehmigten und erstellten Kabelkanal (Leitungs-
verlauf) im Zimmerbergbasistunnel. Die Einsprechenden seien davon nicht
mehr als andere Personen betroffen.
Des Weiteren entzog das BAV auf Gesuch der SBB einer allfälligen Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung.
D.
Gegen diese Plangenehmigungsverfügung des BAV erheben die Ge-
meinde Rüschlikon und der Verein Diakonie Nidelbad (nachfolgend: Be-
schwerdeführende) mit Eingabe vom 2. Juni 2020 Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht mit dem Begehren, es sei die nachgesuchte Plan-
genehmigung zu verweigern. Zur Begründung ihrer Legitimation machen
sie im Wesentlichen geltend, das streitgegenständliche Kabel stehe im Zu-
sammenhang mit anderen Plangenehmigungen betreffend weitere Ab-
schnitte von Hochspannungsleitungen (Plangenehmigung betreffend die
380/220 kV-Leitung Samstagern – Zürich und die 220 kV-Leitung Obfel-
den – Thalwil sowie Plangenehmigung betreffend die provisorische
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132 kV-Notverbindung Schweikrüti – Notausstiegsschacht Kilchberg).
Diese Verfahren, in welchen sie als Grundeigentümer betroffen seien, wür-
den hinsichtlich der Linienführung der Hochspannungsleitungen durch die
vorliegende Plangenehmigung präjudiziert. In der Sache monieren die Be-
schwerdeführenden einen materiellen und formellen Koordinationsbedarf
des vorliegenden mit den anderen Plangenehmigungsverfahren.
In prozessualer Hinsicht stellen sie zudem den Antrag, die aufschiebende
Wirkung der Beschwerde sei wiederherzustellen.
E.
Die SBB (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragt mit Beschwerde-
antwort vom 26. Juni 2020, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Von der Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
sei zudem abzusehen.
F.
Die Vorinstanz verzichtet mit Eingabe vom 1. Juli 2020 auf eine Vernehm-
lassung und verweist vollumfänglich auf die angefochtene Verfügung.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 3. Juli 2020 weist das Bundesverwaltungsge-
richt das Gesuch der Beschwerdeführenden um Wiederherstellung der auf-
schiebenden Wirkung ab.
H.
Mit Schreiben vom 6. August 2020 verzichten die Beschwerdeführenden
auf weitere Bemerkungen.
I.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die bei den Akten liegenden
Schriftstücke wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Beim angefochtenen Entscheid vom 28. April 2020 handelt es sich um
eine Verfügung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Bst. c des Verwaltungsverfah-
rensgesetzes (VwVG, SR 172.021), die von einer Vorinstanz im Sinne von
Art. 33 Bst. d des Verwaltungsgerichtsgesetzes (VGG, SR 173.32) erlas-
sen wurde. Da keine Ausnahme gemäss Art. 32 VGG vorliegt, ist das Bun-
desverwaltungsgericht zur Beurteilung der Beschwerde zuständig
(Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerdeführenden haben sich durch Einsprache am
vorinstanzlichen Plangenehmigungsverfahren beteiligt (vgl. Art. 18f Abs. 1
und 3 des Eisenbahngesetzes [EBG, SR 742.101]). Mit der angefochtenen
Verfügung ist die Vorinstanz auf ihre Einsprache nicht eingetreten. Unab-
hängig davon, ob die Beschwerdeführenden zur Anfechtung des Ent-
scheids in der Sache selbst berechtigt wären, sind sie daher befugt, im
Beschwerdeverfahren überprüfen zu lassen, ob der Nichteintretensent-
scheid zu Recht ergangen ist (vgl. Urteile des BVGer A-1053/2020 vom
3. August 2020 E. 1.2, A-1773/2018 vom 15. Januar 2019 E. 1.2 f.,
A-4929/2017 vom 31. Januar 2018 E. 1.2.3; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2013, Rz. 2.77). Inso-
weit sind die Beschwerdeführenden zur Beschwerde legitimiert (Art. 48
Abs. 1 VwVG).
1.4 Streitgegenstand im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht bil-
det das Rechtsverhältnis, das Gegenstand der angefochtenen Verfügung
bildet oder nach richtiger Gesetzesauslegung hätte sein sollen, soweit es
im Streit liegt. Wird ein Nichteintretensentscheid angefochten, so prüft das
Bundesverwaltungsgericht einzig, ob die Vorinstanz die Eintretensvoraus-
setzungen zu Recht verneint hat. Hingegen können keine Begehren in der
Sache selbst gestellt und beurteilt werden (Urteile des BVGer A-5000/2018
vom 5. Mai 2020 E. 1.5.1; A-4929/2017 vom 31. Januar 2018 E. 1.2.3;
A-1251/2012 vom 15. Januar 2014 E. 1.6; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
a.a.O., Rz. 2.164, 2.213 und 2.8).
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Der Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens beschränkt sich somit
auf die Frage, ob die Vorinstanz auf die Einsprache der Beschwerdefüh-
renden zu Recht nicht eingetreten ist. Das Begehren, die verfügte Plange-
nehmigung zu verweigern, geht darüber hinaus, weshalb darauf nicht ein-
getreten werden kann. Entsprechend nicht zu behandeln sind die Rügen
der Beschwerdeführenden gegen die Rechtmässigkeit der Plangenehmi-
gung, insbesondere die beanstandete Verletzung des Koordinationsgebots
in materieller und formeller Hinsicht.
1.5 Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 50 und
Art. 52 VwVG) ist somit lediglich im dargelegten Umfang einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen, einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechterheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens (Art. 49 Bst. a und b VwVG). Zudem prüft es die
Verfügung auf Angemessenheit hin (Art. 49 Bst. c VwVG). Es wendet das
Recht von Amtes wegen an und ist an die Begründung der Parteien nicht
gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Vorinstanz den Beschwerdeführenden die
Legitimation zur Einsprache zu Recht abgesprochen hat.
3.1 Wer nach den Vorschriften des VwVG oder des Bundesgesetzes vom
20. Juni 1930 über die Enteignung (EntG, SR 711) Partei ist, kann während
der Auflagefrist gegen das Ausführungsprojekt bei der Genehmigungsbe-
hörde Einsprache erheben (Art. 18f Abs. 1 EBG). Auch betroffene Gemein-
den wahren ihre Interessen durch Einsprache (Art. 18f Abs. 3 EBG). Nach
Art. 6 VwVG gelten als Parteien Personen, deren Rechte oder Pflichten die
Verfügung berühren soll, und andere Personen, Organisationen oder Be-
hörden, denen ein Rechtsmittel gegen die Verfügung zusteht. Zu den Par-
teien zählen damit neben materiellen Verfügungsadressaten, deren Rechte
oder Pflichten die Verfügung betrifft, auch Dritte, die nach Art. 48 VwVG
beschwerdeberechtigt sind (vgl. Urteil des BVGer A-4929/2017 vom
31. Januar 2018 E. 3.1; BVGE 2010/12 E. 2.2). Erfüllen die Beschwerde-
führenden die erforderlichen Voraussetzungen der Beschwerdelegitima-
tion, steht ihnen demnach das Einspracherecht im Plangenehmigungsver-
fahren zu und die Vorinstanz hätte ihre Einsprache materiell zu prüfen.
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3.2 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene Verfügung
besonders berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung oder Änderung besitzt (Art. 48 Abs. 1 VwVG).
Verlangt ist somit, dass eine Beschwerde führende Person über eine be-
sondere Beziehungsnähe zur Streitsache verfügt und einen praktischen
Nutzen aus der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Verfügung
zu ziehen vermag. Ob eine besondere Beziehungsnähe vorliegt, ist unter
Würdigung der konkreten Verhältnisse zu beurteilen. Als wichtiges Krite-
rium dient hierbei die räumliche Distanz zu einem Vorhaben bzw. einer An-
lage (BGE 140 II 214 E. 2.3; BGE 139 II 499 E. 2.2).
In Bezug auf Hochspannungsleitungen können die in räumlicher Hinsicht
betroffenen Personen nicht nur Mängel des Projekts in ihrer unmittelbaren
Umgebung geltend machen, sondern innerhalb des Planungsperimeters
die Notwendigkeit des Neubaus und die Linienführung (einschliesslich de-
ren ober- oder unterirdische Führung) in Frage stellen, soweit ihnen dies
im Falle des Obsiegens einen praktischen Vorteil verschaffen würde. Der
gerügte Mangel muss somit nicht den Leitungsabschnitt der Linienführung
im Bereich ihrer Grundstücke betreffen; es reicht, wenn er zu einer Aufhe-
bung der Plangenehmigung oder Änderung der Linienführung im Nahbe-
reich der Beschwerdeführenden führen kann. Dies ist anhand der Um-
stände des jeweiligen Falles zu beurteilen (zum Ganzen BGE 141 II 50
E. 2.1; BGE 139 II 499 E. 2.3; Urteile des BVGer A-5705/2018,
A-5965/2018, A-5980/2018, A-6070/2018 vom 6. Februar 2020 E. 1.3.2,
A-4864/2019 vom 15. September 2020 E. 1.2.2 [noch nicht rechtskräftig]).
Reichen mehrere Personen gemeinsam eine Beschwerde ein, braucht die
besondere Nähe zur Streitsache praxisgemäss nicht bei allen Personen
gegeben zu sein (Urteil des BVGer A-702/2017 vom 26. März 2019 E. 1.2).
3.3 Während der Beschwerdeführer 2 als privater Verein konstituiert ist,
handelt es sich bei der Beschwerdeführerin 1 um eine Gemeinde. Das Be-
schwerderecht nach Art. 48 Abs. 1 VwVG ist auf Private zugeschnitten. Die
Rechtsprechung bejaht gestützt auf diese Bestimmung jedoch auch die
Beschwerdebefugnis von Gemeinden, insbesondere wenn sie durch die
angefochtene Verfügung gleich oder ähnlich wie eine Privatperson betrof-
fen sind oder eigens in schutzwürdigen, hoheitlichen Interessen berührt
werden (Urteile des BVGer A-4864/2019 vom 15. September 2020
E. 1.2.3, A-5705/2018, A-5965/2018, A-5980/2018, A-6070/2018 vom
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6. Februar 2020 E. 1.3.3; A-303/2012 vom 11. Juni 2012 E. 3.1.2; vgl. BGE
141 II 161 E. 2.1; BGE 136 V 349 E. 3.3.2).
4.
4.1 Die Vorinstanz verneint die Legitimation der Beschwerdeführenden mit
der Begründung, Gegenstand des Plangenehmigungsverfahrens bilde al-
lein der Einzug bzw. die Verlegung von zwei 132 kV-Kabelschleifen im be-
reits erstellten Kabelkanal (Leitungsverlauf) im Zimmerbergbasistunnel.
Bereits mit Verfügung vom 14. Juli 1997 (Bauvorhaben der SBB betreffend
2. Doppelspur Zürich HB – Thalwil) sei dieser für einen späteren Ausbau
der Bahnstromversorgung vorgesehene Kabelkanal rechtskräftig geneh-
migt worden. Vor diesem Hintergrund seien die Beschwerdeführenden von
der Verlegung der Kabelschleifen zwischen dem Notausstiegsschacht in
Kilchberg und dem UW Zürich nicht mehr als die Allgemeinheit berührt. Es
fehle ihnen an einer besonders nahen Beziehung bzw. an der erforderli-
chen räumlichen Nähe zum Bauvorhaben, zumal ihre Grundstücke deutlich
weiter als 100m vom betroffenen Projektperimeter entfernt lägen.
4.2 Die Beschwerdeführenden leiten ihre Legitimation dagegen daraus ab,
dass die betroffenen Kabel funktional und rechtlich mit anderen Verfahren
zusammenhingen, in denen sie als betroffene Grundeigentümer Parteistel-
lung hätten und welche durch die vorliegende Plangenehmigung präjudi-
ziert würden. Sie seien Beschwerdeführende im hängigen Verfahren
1C_145/2020 des Bundesgerichts betreffend die Plangenehmigung des
Bundesamtes für Energie (BFE) vom 17. September 2018 (380/220 kV-
Leitung Samstagern – Zürich und 220 kV-Leitung Obfelden – Thalwil) so-
wie Einsprechende im Plangenehmigungsverfahren betreffend die «Provi-
sorische 132 kV-Notverbindung Schweikrüti – Notausstiegsschacht Zim-
merbergbasistunnel Kilchberg». In beiden Verfahren gehe es um Leitun-
gen, welche ihre Grundstücke queren würden. Durch die vorliegend zu be-
urteilende Leitung würden Fakten geschaffen, welche die Auseinanderset-
zung über die Streckenführung der Hochspannungsleitungen in jenen Ver-
fahren bzw. die Prüfung alternativer Leitungskorridore zu ihren Ungunsten
vorwegnähmen. Verhindert würde eine landschaftsschonende Alternative
zur Anbindung der Freileitung beim Notausstieg in Kilchberg, insbesondere
ein Anschluss beim Notausstieg auf Höhe des Unterwerks Thalwil, welcher
den gesamten problematischen Freileitungsabschnitt vom UW Thalwil bis
zum Abspanngerüst Kilchberg obsolet werden liesse.
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4.3 Die Beschwerdegegnerin hält dem entgegen, durch den bereits vor-
handenen Kabelkanal sei die Leitungsführung der Südanbindung des
UW Zürich durch den Zimmerbergbasistunnel bis zum Notausstiegs-
schacht Kilchberg vorgegeben. Die noch fehlende Genehmigung für das
betroffene Kabel habe keinen Einfluss auf die Leitungsführung auf dieser
Strecke. Der Anschlusspunkt in Kilchberg sei bereits durch den Kabelrohr-
block fixiert worden, dessen einziger Zweck darin bestehe, dereinst das
Kabel aufzunehmen. Er bilde Anknüpfungspunkt für die weiterführende Lei-
tung in Richtung UW Sihlbrugg und sei in den von den Beschwerdeführen-
den genannten Verfahren als rechtskräftig festgelegter Fixpunkt zu be-
trachten. Die vorliegende Plangenehmigung schaffe damit keine unzuläs-
sigen Präjudizien für die in jenen Verfahren zu prüfenden Projekte und
könne unabhängig von ihnen beurteilt werden.
4.4 Gemäss den Planunterlagen beinhaltet das vorliegende Projekt die
Verlegung von zwei 132 kV-Kabelschleifen zwischen dem UW Zürich und
dem Notausstieg aus dem Zimmerbergbasistunnel in Kilchberg. Die vorge-
sehenen Leitungen kommen damit auf dem Gebiet der Stadt Zürich und
der Gemeinde Kilchberg zu liegen und werden im Zimmerbergbasistunnel
in die bereits vorhandene Rohrblockanlage eingezogen. Es ist unbestritten,
dass die Grundstücke der Beschwerdeführenden auf dem Gebiet der Ge-
meinde Rüschlikon rund 500m vom Projektperimeter bzw. vom Notaus-
stiegsschacht in Kilchberg entfernt liegen und nicht durch die Leitungsfüh-
rung oder allfällige Immissionen des Vorhabens berührt werden. Aus der
Lage ihrer Grundstücke ergibt sich somit keine Betroffenheit in schutzwür-
digen Interessen durch das konkrete Projekt. Es rechtfertigt sich jedoch zu
prüfen, ob der Ausgang des Plangenehmigungsverfahrens in legitimations-
begründender Weise präjudizielle Auswirkungen auf die Linienführung der
Leitung in anderen Verfahren und dort betroffene schutzwürdige Interessen
der Beschwerdeführenden haben kann.
4.5 Das vorliegende Projekt soll – zusammen mit weiteren Projekten bzw.
Leitungsabschnitten – dazu beitragen, das UW Zürich durch eine 132 kV-
Übertragungsleitung mit dem UW Sihlbrugg zu verbinden (sog. Südanbin-
dung), um die Versorgungssicherheit im Grossraum Zürich mittels einer re-
dundanten Bahnstromversorgung zu erhöhen.
Diesem Ziel dienen auch die Leitungen Samstagern – Zürich bzw. Obfel-
den – Thalwil, deren Planung Gegenstand eines langjährigen, noch andau-
ernden Instanzenzugs bildet (eingehend zum Verfahrensverlauf: Urteil des
BVGer A-5705/2018 / A-5965/2018 / A-5980/2018 / A-6070/2018 vom
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6. Februar 2020, Bst. A ff.). Diese Angelegenheit ist derzeit vor Bundesge-
richt hängig, wobei die Beschwerdeführenden als anfechtende Parteien
auftreten. Im ersten Rechtsgang wies das Bundesgericht die Sache mit Ur-
teil 1C_550/2012 vom 9. Dezember 2014 an die Planungsbehörde zurück,
um allfällige Kabelvarianten für die verbleibende Strecke zwischen dem
Mast Nr. 46 und dem vorgesehenen Abspanngerüst Kilchberg zu prüfen.
Letzteres befindet sich nahe beim vorliegend relevanten Notausstiegs-
schacht Kilchberg (im Verfahren mitunter auch «Kabelschacht Nidelbad»
genannt). In diesem Rückweisungsentscheid hat das Bundesgericht zwar
die Aufteilung des Projekts in verschiedene Teilstrecken ausdrücklich kriti-
siert. Damit seien eine übergeordnete Planung (im Rahmen eines Sach-
planverfahrens) verhindert und an den Anschlusspunkten der Teilstrecken
zudem Fixpunkte gesetzt worden, die nicht zwingend erscheinen würden.
Es sei jedoch davon auszugehen, dass die rechtskräftig bewilligten und
teilweise schon erstellten Abschnitte im Sachplanverfahren nicht mehr in
Frage gestellt werden könnten, weshalb es unverhältnismässig sei, das
Verfahren durch Rückweisung ins Sachplanverfahren nochmals erheblich
zu verzögern (Urteil des BGer 1C_550/2012, 1C_551/2012 vom 9. Dezem-
ber 2014 E. 7, insb. E. 7.2, 7.4).
Hinsichtlich des vorliegend betroffenen Abschnitts hat das Bundesgericht
im genannten Urteil was folgt ausgeführt (Urteil 1C_550/2012 E. 7.4, vgl.
auch E. 2.5):
«Rechtskräftig bewilligt und teilweise realisiert ist sodann die Kabelleitung
für die 132 kV-Bahnstromleitung vom Kabelschacht Nidelbad bis Unter-
werk Zürich; es fehlt nur noch die Plangenehmigung für die kurze Strecke
zwischen dem Abspanngerüst Kilchberg und dem Schacht Nidelbad.»
Die Verlegung der streitbetroffenen Kabelschleifen sind zwar noch nicht
rechtskräftig genehmigt, sondern gerade Gegenstand der vorliegend an-
gefochtenen Plangenehmigung. Wie das Bundesverwaltungsgericht je-
doch im Urteil A-5705/2018 / A-5965/2018 / A-5980/2018 / A-6070/2018
vom 6. Februar ausgeführt hat (E. 1.5.2 f.), befindet sich in Kilchberg einer
der vom Bundesgericht genannten Fixpunkte des Leitungsverlaufs. Unter
Hinweis auf Unterlagen zur Plangenehmigung vom 14. Juli 1997 (insb. den
Technischen Bericht vom 1. Juni 1994) hat das Bundesverwaltungsgericht
zudem festgehalten, dass im Zimmerbergbasistunnel effektiv ein begehba-
rer Kabelkanal für einen späteren Ausbau der Bahnstromversorgung er-
stellt worden ist und es keinen Anlass gibt, die Bindungswirkung des Rück-
weisungsentscheids hinsichtlich des Anschlusspunkts für die Übertra-
gungsleitung in Kilchberg in Frage zu stellen. Mithin ist mit der Vorinstanz
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davon auszugehen, dass zumindest die Rohrblöcke, in welche die Kabel-
schleifen im vorliegenden Abschnitt eingezogen werden sollen, mit der
Plangenehmigung für den Zimmerbergbasistunnel bereits rechtskräftig be-
willigt worden sind.
4.6 Das zweite von den Beschwerdeführenden angeführte Verfahren be-
trifft – als provisorische Übergangslösung bis zur rechtskräftigen Erledi-
gung des vorgenannten Projekts – die 132 kV-Übertragungsleitung ab dem
Mast Nr. 46 der bestehenden 150 kV-Leitung Samstagern – Frohalp des
Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) bis zum Notausstiegsschacht in
Kilchberg. Gegen die ergangene Plangenehmigungsverfügung des BAV
vom 16. Juni 2020 sind mehrere Beschwerden am Bundesverwaltungsge-
richt eingegangen, darunter diejenige der Beschwerdeführenden (Verfah-
ren A-4215/2020). Diese Plangenehmigung beinhaltet im Wesentlichen ei-
nen Freileitungsabschnitt durch Umnutzung eines Stranges der Leitung
des EWZ zwischen den Masten Nrn. 46 – 172 (Abschnitt 1) und eine erd-
verlegte Kabelstrecke, bestehend aus der einschleifigen Kabelverbindung
ab dem Mast Nr. 172 (Abschnitt 2) und der einschleifigen Kabelverbindung
ausgehend vom Muffenschacht, angebaut an den Notausstiegschacht
beim Zimmerbergbasistunnel in Kilchberg (Abschnitt 3). Der Notausstiegs-
schacht Kilchberg bildet somit Anschlusspunkt zwischen diesem und dem
vorliegenden betroffenen Projekt, ohne dass sich die Leitungsabschnitte
der beiden Vorhaben überschneiden.
4.7 Anlehnend an die ergangenen Urteile des Bundesgerichts und des
Bundesverwaltungsgerichts betreffend die Leitung Samstagern – Zürich
(E. 4.5) ergibt sich zum einen, dass die betroffenen 132 kV-Kabelschleifen
in die rechtskräftig genehmigte und erstellte Rohrblockanlage im Zimmer-
bergbasistunnel eingezogen und insofern im Rahmen eines bereits festge-
legten Leitungsverlaufs bzw. Streckenabschnitts verlegt werden. Zum an-
dern beschränkt sich das vorliegende Projekt auf die Kabelverlegung zwi-
schen dem UW Zürich und dem Notausstiegsschacht Kilchberg («Kabel-
schacht Nidelbad»). Darüber hinaus kann es die weitere Linienführung im
bzw. ab dem Zimmerbergbasistunnel in Richtung UW Sihlbrugg nicht vor-
wegnehmen. Insbesondere ist nicht ersichtlich oder von den Beschwerde-
führenden dargetan, weshalb die kurze Strecke der Abführung der Leitung
vom Tunnel zum Notausstiegsschacht in Kilchberg eine allfällige spätere
Weiterführung der Leitungsstrecke innerhalb des Tunnels bis Thalwil, sollte
sich diese aus den anderen Verfahren ergeben, technisch oder rechtlich
verunmöglichen sollte. Das betroffene Vorhaben entfaltet mithin keinen
präjudiziellen Einfluss auf die Linienführung der angrenzenden Projekte.
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Diese ist im Rahmen der hängigen Verfahren unter Beteiligung der Be-
schwerdeführenden noch zu prüfen, soweit sie streitig und nicht ihrerseits
durch genehmigte Abschnitte bzw. Fixpunkte rechtskräftig festgelegt ist.
Abweichend von der Sichtweise der Beschwerdeführenden trifft somit nicht
zu, dass die betroffene Kabelverlegung die Prüfung alternativer Leitungs-
korridore und Anbindungen in zusammenhängenden Plangenehmigungen
verhindert und sie dadurch in schutzwürdigen Interessen beeinträchtigt wä-
ren.
4.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführenden über
keine besondere Beziehungsnähe zur Streitsache verfügen und sie aus
der Aufhebung oder Änderung der Plangenehmigung keinen praktischen
Nutzen hinsichtlich der in anderen Verfahren zu beurteilenden Linienfüh-
rung ziehen können. Die Vorinstanz hat ihre Legitimation zur Einsprache
daher zutreffend verneint.
5.
Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet, weshalb sie abzuwei-
sen ist.
6.
Abschliessend ist über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des vorlie-
genden Beschwerdeverfahrens zu befinden.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht auferlegt die Kosten für das Beschwer-
deverfahren in der Regel der unterliegenden Partei (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Die Beschwerdeführenden unterliegen mit ihrer Beschwerde. Bei der Be-
schwerdeführerin 1 handelt es sich jedoch um eine Gemeinde, welche
durch das vorliegenden Verfahren nicht in ihren vermögensrechtlichen In-
teressen betroffen ist. Somit sind ihr und dem Beschwerdeführer 2, mit dem
sie gemeinsam Beschwerde führt, keine Verfahrenskosten aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 2 VwVG; so bereits Urteil des BVGer A-5705/2018,
A-5965/2018, A-5980/2018, A-6070/2018 vom 6. Februar 2020 vom
6. Februar 2020 E. 11.2).
6.2
6.2.1 Die obsiegende Vorinstanz hat als Bundesbehörde keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 des Reglements über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der ebenfalls obsiegenden Beschwerdegegnerin steht da-
gegen zu Lasten der Beschwerdeführenden eine Entschädigung für die ihr
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Seite 12
erwachsenen notwendigen Kosten zu (Art. 64 Abs. 1 und 2 VwVG; Art. 7
Abs. 1 VGKE; vgl. Urteil des BVGer A-160/2020 vom 11. Februar 2011
E. 12.2). Die Parteientschädigung umfasst die Kosten der Vertretung sowie
allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8 ff. VGKE).
6.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht legt die Entschädigung aufgrund der
eingereichten Kostennote oder, wenn keine Kostennote eingereicht wird,
aufgrund der Akten fest (Art. 14 VGKE). Auch bei der Festsetzung der Par-
teientschädigung auf der Basis einer Kostennote ist es jedoch Aufgabe des
Gerichts, zu überprüfen, in welchem Umfang die geltend gemachten Kos-
ten als notwendig für die Vertretung anerkannt werden können (vgl. Urteil
des BGer 2C_445/2009 vom 23. Februar 2010 E. 5.3).
Die eingereichte Kostennote muss einen ausreichenden Detaillierungsgrad
aufweisen (Art. 14 Abs. 1 VGKE), damit überprüft werden kann, ob der gel-
tend gemachte Aufwand entschädigungsberechtigt ist. Deshalb muss aus
ihr ersichtlich sein, welche Arbeiten durchgeführt worden sind, wer wie viel
Zeit zu welchem Tarif aufgewendet und wie sich der geltend gemachte Auf-
wand auf die einzelnen Arbeiten verteilt hat. Bei Fehlen einer (detaillierten)
Kostennote ist die Entschädigung aufgrund der Akten und nach freiem ge-
richtlichem Ermessen zu bestimmen (vgl. Urteile des BVGer A-2121/2017
vom 21. April 2017, A-3112/2015 vom 22. Oktober 2015 E. 6.2).
6.2.3 Die Beschwerdegegnerin hat eine Kostennote eingereicht und weist
darin ein Honorar von insgesamt Fr. 6'590.15 (inkl. Auslagen und Mehr-
wertsteuer) aus. Der veranschlagte Stundenansatz von Fr. 350.-- liegt im
zulässigen Rahmen des für Anwälte vorgesehenen Ansatzes von mindes-
tens Fr. 200.-- bis höchstens Fr. 400.-- (Art. 10 Abs. 2 VGKE). Hinsichtlich
des angeführten Aufwands geht aus der Kostennote jedoch nicht im Detail
hervor, welche Zeit für welche Arbeiten aufgewendet wurde. Die Parteient-
schädigung ist somit ermessensweise festzusetzen, wobei sich im vorlie-
genden Fall der pauschale Betrag von Fr. 4'000.-- als angemessen erweist.
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