Decision ID: bf401406-1a64-56e4-9be2-e97780816598
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im August 2001 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Eine interdisziplinäre Begutachtung ergab, dass
die Versicherte wegen einer primären Fibromyalgie, einer konsolidierten Sakrumfraktur
bei Status nach Sturz am 28. Mai 2000, einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung, einer Dysthymie mit Neurasthenie und einem „Burn-Out“-Syndrom
bei einer zwangshaften Persönlichkeitsstörung und einem Verdacht auf einen Status
nach Opiatabhängigkeit in einer angepassten Tätigkeit zu 60 % arbeitsunfähig war
(Gutachten vom 2. Juli 2002, IV-act. 21). Mit zwei Verfügungen vom 13. Februar 2003
sprach die IV-Stelle der Versicherten rückwirkend ab dem 1. Mai 2001 eine ganze
Rente (IV-Grad von 100 %) und rückwirkend ab dem 1. Juli 2001 eine halbe Rente zu
(IV-Grad von 63 %, IV-act. 34). Aufgrund der 4. IVG-Revision wurde die halbe Rente
der Versicherten ab dem 1. Januar 2004 auf eine Dreiviertelsrente erhöht (IV-act. 44).
Infolge des Todes des Ehemannes bezog die Versicherte ab dem 1. Juni 2009 eine
ganze Rente (IV-act. 45).
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A.b Am 30. März 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass der medizinische
Sachverhalt im Rahmen der Gesetzesrevision 6a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung überprüft werden müsse (IV-act. 54).
A.c Mit Vorbescheid vom 6. November 2012 kündigte die IV-Stelle der Versichertendie
Aufhebung der Rente an (IV-act. 63). Zur Begründung führte sie an, dass lediglich
syndromale Leiden zur Berentung geführt hätten. Da diese gemäss den neuen
gesetzlichen Bestimmungen nicht invalidisierend seien, sei die Versicherte voll
arbeitsfähig. Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte einen Einwand erheben
(IV-act. 72). Am 1. Mai 2013 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass die Kosten für die
berufliche Abklärung beim B._ vom 15. April bis 28. Juni 2013 übernommen würden
(IV-act. 98).
A.d Mit Verfügung vom 6. Mai 2013 hob die IV-Stelle die Rente aus den im
Vorbescheid angegebenen Gründen auf den ersten Tag des zweiten Monats nach der
Zustellung der Verfügung auf (IV-act. 101). Mit Verfügung desselben Datums eröffnete
die IV-Stelle der Versicherten, dass sie ab dem 1. Juli 2013 Anspruch auf die
Weiterausrichtung einer Dreiviertelsrente habe (IV-act. 102). Diese Rente werde
ausgerichtet, wenn Massnahmen zur Wiedereingliederung durchgeführt würden,
längstens bis 30. Juni 2015 (max. 2 Jahre). Bei Abbruch der Massnahme werde die
Weiterausrichtung der Invalidenrente eingestellt. Mit Verfügung vom 10. Mai 2013
eröffnete die IV-Stelle der Versicherten, dass sie ab dem 1. Juli 2013 Anspruch auf die
Weiterausrichtung einer ganzen Rente (da verwitwet) habe (IV-act. 104). Die Rente
werde ausgerichtet, wenn Massnahmen zur Wiedereingliederung durchgeführt würden,
längstens bis 30. Juni 2015 (max. 2 Jahre). Bei Abbruch der Massnahme werde die
Weiterausrichtung der Invalidenrente eingestellt. Der Titel der Verfügung lautete:
„Verfügung: Weiterausrichtung der Invalidenrente; ersetzt Verfügung vom 06.05.2013“.
A.e Am 7. Juni 2013 erhob die Versicherte eine Beschwerde (IV-act. 110). Sie erklärte
sinngemäss, dass sie mit der Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend die Einstellung der
Invalidenrente (IV-act. 101) nicht einverstanden sei. Sie beziehe die IV-Rente seit vielen
Jahren. Die IV-Stelle habe geschrieben, dass ihr Leiden nicht mehr gelte, ohne dass sie
untersucht oder begutachtet worden wäre. Die IV-Stelle sei zumindest zu verpflichten,
sie von einem Arzt untersuchen zu lassen.
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A.f Am 25. Juni 2013 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass die Kosten für die
Verlängerung der beruflichen Abklärung vom 1. Juli bis 31. August 2013 übernommen
würden (IV-act. 122).
A.g Mit Entscheid vom 2. Juli 2013 schrieb das Gericht das Beschwerdeverfahren ab
(IV 2013/253, IV-act. 123). Es erwog, dass die IV-Stelle die angefochtene Verfügung
vom 6. Mai 2013 mit der Verfügung vom 10. Mai 2013 ersetzt und die
Weiterausrichtung einer ganzen Rente verfügt habe. Die Beschwerde sei damit
gegenstandslos geworden.
A.h Der Eingliederungsverantwortliche notierte am 6. September 2013, dass eine
nachhaltige Eingliederung aus subjektiven Gründen nicht realisierbar sei (IV-act. 136-8).
Die Eingliederungsbemühungen würden deshalb abgeschlossen. Am 12. September
2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie keinen Anspruch auf weitere
berufliche Eingliederungsmassnahmen habe (IV-act. 138). Zur Begründung führte sie
an, der Eingliederungsberater habe am 6. September 2013 mitgeteilt, dass es trotz
seiner Bemühungen und Unterstützung nicht gelungen sei, die Versicherte innert
angemessener Zeit in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Am 17. Oktober 2013 informierte
die Vertreterin der Versicherten der IV-Stelle telefonisch, dass die Versicherte gewillt
sei, eine Arbeitsstelle zu suchen. Da sie weiterhin eine IV-Rente beziehe, erhalte sie
vom RAV keine Unterstützung (IV-act. 139). Die Versicherte werde also von keiner Seite
her unterstützt. Am 14. November 2013 berichtete die Vertreterin der IV-Stelle, dass die
Versicherte ab dem 25. November 2013 ca. 4-10 Stunden pro Woche als
Haushaltshilfe für die C._ tätig sei (IV-act. 140 f.). Zudem könne sie bei der D._ AG
über Mittag (11 bis 14 Uhr) aushelfen, erhalte hierfür im Moment aber keine
Entschädigung. Am 31. Januar 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie
Anspruch auf einen Arbeitsversuch habe (IV-act. 147). Der Arbeitsversuch finde vom
27. Januar bis 30. Juni 2014 im Betrieb E._ GmbH statt. Für die Weiterausrichtung
der Rente während der Dauer der Massnahme erhalte sie eine separate Verfügung. Die
angekündigte Verfügung wurde jedoch nicht erlassen. Der
Eingliederungsverantwortliche notierte am 4. April 2014, auch der zweite
Arbeitsversuch habe klar gezeigt, dass die Versicherte die doch sehr angepasste und
leichte Tätigkeit nicht habe erfüllen können (IV-act. 165-4 f.). Zudem habe die
Versicherte das Angebot für zusätzliche, leichte und sehr leidensadaptierte Tätigkeiten
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abgelehnt. Eine Steigerung des Arbeitspensums habe aus subjektiven Gründen nicht
erfolgen können. Da keine erfolgreiche Strategie umsetzbar gewesen sei, sei der
Arbeitsversuch per 20. März 2014 abgebrochen worden.
A.i Mit Vorbescheid vom 14. April 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass sie die Mitteilung vom 31. Januar 2014 per 20. März 2014 aufheben und
die Massnahmen zur Wiedereingliederung mit sofortiger Wirkung einstellen werde (IV-
act. 168). Mit der Einstellung der beruflichen Massnahmen ende der Anspruch auf die
Weiterausrichtung der IV-Rente. Dagegen liess die Versicherte am 26. Mai/30. Juni
2014 einwenden, dass es sich vorliegend nicht um einen Anwendungsfall der
Schlussbestimmungen handle (IV-act. 172 und 174). Zudem seien die
Verfahrensvorschriften für die Rentenaufhebung gestützt auf die Schlussbestimmungen
nicht eingehalten worden. Es liege keine rechtskräftige Verfügung über die
Rentenaufhebung vor. Die am 6. Mai 2013 erlassene Verfügung über die Einstellung
der Rente sei durch die Verfügung vom 10. Mai 2013 ersetzt worden. Der Inhalt der
Verfügung vom 6. Mai 2013 habe somit keinen Bestand. Dies habe auch das
Versicherungsgericht im Entscheid vom 2. Juli 2013 festgehalten.
A.j Mit Verfügung vom 5. August 2014 hob die IV-Stelle wie angekündigt die
Mitteilung vom 31. Januar 2014 per 20. März 2014 auf, stellte die Massnahmen zur
Wiedereingliederung mit sofortiger Wirkung ein und hob die IV-Rente auf den 1. des
Monats nach Erhalt dieser Verfügung auf (IV-act. 177). Zum Einwand der Vertreterin
erwiderte sie, dass die IV-Rente mit der Verfügung vom 6. Mai 2013 aufgehoben
worden sei. Gleichentags sei die Verfügung über die Weiterausrichtung der
Dreiviertelsrente eröffnet worden. Die Verfügung bezüglich die Weiterausrichtung sei
am 10. Mai 2013 ersetzt worden, weil die Versicherte wegen der Witwenrente einen
Anspruch auf Weiterausrichtung einer ganzen Rente gehabt habe. Die Verfügung vom
6. Mai 2013, mit der die Einstellung der Rente verfügt worden sei, sei in Rechtskraft
erwachsen. Dasselbe gelte für die Verfügung vom 10. Mai 2013.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 15. September 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin
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beantragte die Aufhebung der Verfügung. Der Beschwerdeführerin sei weiterhin eine
IV-Rente zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Die
Rechtsvertreterin stellte zudem ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte sie geltend, das Versicherungsgericht
habe am 2. Juli 2013 festgestellt, dass die damals angefochtene Verfügung vom 6. Mai
2013 über die Renteneinstellung durch die Verfügung vom 10. Mai 2013 ersetzt worden
sei. Die Beschwerde sei zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben worden. Die
Renteneinstellungsverfügung vom 6. Mai 2013 habe folglich keinen Bestand. Hinzu
komme, dass unklar sei, ob die Verfügung, welche die Beschwerdegegnerin effektiv
habe ersetzen wollen, überhaupt eröffnet worden sei. Die Unklarheit, die von der
Beschwerdegegnerin hier geschaffen worden sei, dürfe sich nicht zu Ungunsten der
Beschwerdeführerin auswirken.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. Oktober 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung brachte sie vor, dass die Verfügung vom 10.
Mai 2013 in Rechtskraft erwachsen sei. Darin sei festgehalten worden, dass die
Beschwerdeführerin weiterhin, längstens jedoch während zwei Jahren, einen Anspruch
auf eine ganze Rente habe, und dass bei Abbruch der Massnahmen zur
Wiedereingliederung die Weiterausrichtung der Rente eingestellt würde. Die
Beschwerdeführerin habe sich nicht hinreichend um die Eingliederung bemüht. Der
Arbeitsversuch habe per 20. März 2014 abgebrochen werden müssen. Nach Erlass
eines Vorbescheids seien die Rentenzahlungen, wie in der Verfügung vom 10. Mai 2013
angekündigt, eingestellt worden. Daran sei nichts zu beanstanden.
B.c Das Gericht bewilligte am 28. Oktober 2014 das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung durch lic. iur. I. Zuber Hofer) für das Beschwerdeverfahren (act.
G 8).
B.d In ihrer Replik vom 27. November 2014 machte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin ergänzend geltend (act. G 10), der Grund für die Einstellung der
Eingliederungsbemühungen sei die ungeeignete Tätigkeit (Tragen schwerer Lasten) im
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Betrieb gewesen. Des Weiteren sei die Beschwerdeführerin in einem kleinen Pensum
als Haushaltshilfe für die F._ tätig. Ein Eingliederungswille liege also ganz klar vor.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11 f.).

Erwägungen
1.
Vorab ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss Art. 60
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung der
Verfügung einzureichen. Die angefochtene Verfügung datiert vom 5. August 2014 und
ist gemäss der Aussage der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin am 11. August
2014 zugestellt worden. Die Beschwerde ist erst am 15. September 2014 erhoben
worden. Gesetzliche oder behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt
sind, stehen vom 15. Juli bis und mit dem 15. August still (Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG).
Die Frist hat somit erst am 16. August 2014 zu laufen begonnen. Der 30. Tag der Frist
ist auf den Sonntag, 14. September 2014 gefallen. Ist der letzte Tag der Frist ein
Sonntag, so endet die Frist am nächstfolgenden Werktag (Art. 38 Abs. 3 Satz 1 ATSG).
Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat am 15. September 2014 und somit
am letzten Tag der Frist Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2.
2.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 5. August 2014 hat die
Beschwerdegegnerin die Massnahmen zur Wiedereingliederung mit sofortiger Wirkung
eingestellt und gleichzeitig die Weiterausrichtung der IV-Rente aufgehoben. Die
Verfügung vom 5. August 2014 hat also zwei völlig verschiedene Entscheidinhalte:
Einerseits den Abbruch der beruflichen Wiedereingliederungsmassnahmen und
andererseits die Einstellung der Rentenleistungen. Die Beschwerdegegnerin hätte
somit sinnvollerweise zwei Verfügungen erlassen. Folglich ist zu prüfen, ob die
Beschwerdeführerin nur die Renteneinstellung oder aber auch die Einstellung der
beruflichen Wiedereingliederung hat anfechten wollen. Das Betreffnis der Beschwerde
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ist eindeutig: Die Beschwerde richtet sich nur gegen die „Einstellung der Rente“ (act. G
1 S. 1). Dies gilt auch für den Beschwerdeantrag: Die Rechtsvertreterin hat beantragt,
dass der Beschwerdeführerin weiterhin eine Invalidenrente zuzusprechen sei;
eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die Beschwerdeführerin hat mit der Beschwerde vom 15. September
2014 also nur die Einstellung der Rentenleistungen angefochten. Dies bedeutet, dass
die Einstellung der Massnahmen zur beruflichen Wiedereingliederung unangefochten in
Rechtskraft erwachsen ist. Zwar könnten die Ausführungen in der Replik vom 27.
November 2014 so interpretiert werden, dass nun doch auch die Aufhebung der
beruflichen Wiedereingliederungsmassnahmen angefochten werden wollte. Zu diesem
Zeitpunkt ist die Beschwerdefrist aber bereits abgelaufen gewesen. Strittig kann
vorliegend somit nur sein, ob es sich bei den Leistungen, die die Beschwerdeführerin
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung bezogen hat, tatsächlich um eine
„Weiterausrichtungsrente“ nach lit. a der Schlussbestimmungen zur 6. IV-Revision
gehandelt hat, oder aber, ob es sich, wie die Beschwerdeführerin behauptet, um die im
Jahr 2003 rückwirkend zugesprochene reguläre Invalidenrente gehandelt hat. In
letzterem Fall könnten die Geldleistungen natürlich nicht wegen des Abbruchs der
beruflichen Wiedereingliederungsmassnahmen eingestellt werden.
2.2 Gemäss lit. a Abs. 1 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011
(6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket) werden Renten, die bei pathogenetisch-
ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische
Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser
Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 ATSG nicht erfüllt, so wird
die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Art. 17
Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Laut lit. a Abs. 2 hat die rentenbeziehende Person
Anspruch auf Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20). Werden Massnahmen zur
Wiedereingliederung durchgeführt, so wird die Rente bis zum Abschluss der
Massnahmen, längstens aber während zwei Jahren ab dem Zeitpunkt der Aufhebung
oder Herabsetzung, weiter ausgerichtet. Sind die Voraussetzungen sowohl des Abs. 1
als auch der Abs. 2 und 3 der lit. a der Schlussbestimmungen erfüllt, stellt sich die
Frage, auf welchen Zeitpunkt hin die bisherige, laufende Rente herabzusetzen oder
aufzuheben ist. Die Beschwerdegegnerin hat die Verfügung über die Aufhebung der
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Rente und die Verfügung über das befristete Weiterlaufen der Rente am gleichen Tag,
nämlich am 6. Mai 2013, erlassen. Dieses Vorgehen entspricht den Vorgaben der Rz.
1010 des Kreisschreibens über die Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März
2011 des IVG (KSSB, Version 4, gültig ab 1. April 2014). Aus lit. a Abs. 3 der
Schlussbestimmungen geht hervor, dass die maximale Dauer der Weiterausrichtung
der Rente ab dem Zeitpunkt zu laufen beginnt, in dem die Rente herabgesetzt oder
aufgehoben worden ist. Der Wortlaut von lit. a Abs. 3 der Schlussbestimmungen
spricht also dafür, dass die Rente sofort und nicht erst nach Abschluss der beruflichen
Eingliederung (oder mit dem Ablauf von zwei Jahren) herabzusetzen oder aufzuheben
ist. Auch der Sinn und Zweck der lit. a der Schlussbestimmungen spricht für diese
Interpretation: Der Gesetzgeber hat mit den Schlussbestimmungen die
Weiterausrichtung von Renten verhindern wollen, auf die nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kein Anspruch mehr besteht. Ihm ist bewusst gewesen, dass er den
bisherigen, berechtigterweise erfolgten Rentenbezug sowie die dadurch entstandene
Situation berücksichtigen muss (Botschaft vom 24. Februar 2010 zur Änderung des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, BBl 2010 1817, S. 1841 f.). Um die
Folgen des Eingriffs in die Rechtsstellung der betroffenen rentenbeziehenden Personen
abzumildern, hat er die IV-Stellen verpflichtet, die Betroffenen bei der beruflichen
Eingliederung zu unterstützen. Die entsprechenden Eingliederungsmassnahmen hat
der Gesetzgeber mit einer vorübergehenden finanziellen Absicherung der
rentenbeziehenden Person flankieren wollen. Bei der in lit. a Abs. 3 der
Schlussbestimmungen vorgesehenen Leistung handelt es sich also um eine zur
beruflichen Wiedereingliederung akzessorische Leistung, die an die Stelle der Rente
tritt, die die rentenbeziehende Person bereits definitiv verloren hat. Diese Geldleistung
hat ihrem Wesen nach nicht den Zweck einer Rente, sondern eines (zur beruflichen
Eingliederung akzessorischen) Taggeldes (zum Ganzen siehe Entscheid des
Versicherungsgericht vom 29. November 2016, IV 2014/151 E. 1). Die
Beschwerdegegnerin ist vorliegend also verfahrensrechtlich korrekt vorgegangen, als
sie die Rente mit der Verfügung vom 6. Mai 2013 (IV-act. 101) aufgehoben und mit
einer Verfügung vom selben Tag (IV-act. 102) eine an die Stelle der aufgehobenen
regulären Invalidenrente tretende, befristete Geldleistung zugesprochen hat (die
ebenfalls als Rente bezeichnet wird, mit der aufgehobenen regulären Invalidenrente
aber nur den Betrag der monatlichen Leistung gemein hat).
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2.3 Nachfolgend ist zu prüfen, welche der beiden Verfügungen vom 6. Mai 2013 mit
der Verfügung vom 10. Mai 2013 ersetzt worden ist. Die Begründung wie auch der
Betreff der Verfügung vom 10. Mai 2013 entsprechen derjenigen der Verfügung vom 6.
Mai 2013 betreffend die Weiterausrichtung einer befristeten Geldleistung (IV-act. 102).
Die beiden Verfügungen unterscheiden sich in zweierlei Hinsicht: Erstens wird in der
Verfügung vom 10. Mai 2013 im Betreff ergänzend festgehalten, dass diese Verfügung
die Verfügung vom 6. Mai 2013 ersetze. Zweitens unterscheiden sich die
Dispositivziffern 1: Während der Beschwerdeführerin mit der Verfügung vom 6. Mai
2013 lediglich ein Anspruch auf die Weiterausrichtung einer Dreiviertelsrente
eingeräumt worden ist (gemeint worden ist eine befristete Geldleistung im Betrag der
aufgehobenen Rente), ist ihr mit der Verfügung vom 10. Mai 2013 ein Anspruch auf die
Ausrichtung einer befristeten Geldleistung im Umfang einer ganzen Rente (da
verwitwet) zugesprochen worden. Damit steht fest, dass die Beschwerdegegnerin mit
der Verfügung vom 10. Mai 2013 die Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend die
Ausrichtung einer befristeten Geldleistung (IV-act. 102) und nicht die Einstellung der
regulären ganzen Invalidenrente (IV-act. 101) ersetzt hat, weil sie der
Beschwerdeführerin irrtümlicherweise für die Zeit der
Wiedereingliederungsmassnahmen lediglich einen Anspruch auf die Weiterausrichtung
einer befristeten Geldleistung im Betrag einer Dreiviertelsrente statt einer befristeten
Geldleistung im Umfang einer ganzen Rente zugesprochen hatte. Der Fehler war
passiert, weil die Beschwerdeführerin nicht berücksichtigt hatte, dass die
Beschwerdeführerin verwitwet war und deshalb trotz eines IV-Grades von 63 %
gemäss Art. 43 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente gehabt hatte.
Die Verfügung vom 10. Mai 2013 bezieht sich in keiner Weise auf die Verfügung vom 6.
Mai 2013 betreffend die Einstellung der regulären ganzen Invalidenrente (IV-act. 101).
In der Begründung der Verfügung vom 10. Mai 2013 ist sogar explizit aufgeführt
worden, dass die (reguläre) Rente mit der Verfügung vom 6. Mai 2013 aufgehoben
worden sei. Demnach ist mit der Verfügung vom 10. Mai 2013 die Verfügung vom 6.
Mai 2013 betreffend die Ausrichtung einer befristeten Geldleistung in der Höhe der
bisherigen Invalidenrente (IV-act. 102), nicht jedoch die Verfügung vom 6. Mai 2013
betreffend die Einstellung der regulären ganzen Rente (IV-act. 101) ersetzt worden.
Zwar hatte die Beschwerdeführerin gegen die Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend
die Einstellung der regulären Invalidenrente Beschwerde erhoben. Das
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Beschwerdeverfahren ist jedoch − offensichtlich zu Unrecht, da die
Beschwerdeführerin nicht die Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend die Ausrichtung
einer befristeten Geldleistung, sondern die Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend die
Einstellung der regulären Invalidenrente angefochten hatte − mit Entscheid vom 2. Juli
2013 abgeschrieben worden (IV 2013/253). Da dieser Entscheid unangefochten
geblieben ist, ist die Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend die Einstellung der
regulären ganzen Invalidenrente (IV-act. 101) rechtskräftig geworden. Hieraus folgt,
dass das Gericht im vorliegenden Verfahren nicht überprüfen kann, ob die reguläre
Rente mit der Verfügung vom 6. Mai 2013 (IV-act. 101) zu Recht aufgehoben worden
ist. Bei den befristeten Geldleistungen, die von der Beschwerdeführerin vom 1. Juli
2013 bis Ende September 2014 bezogen worden sind, hat es sich lediglich um die zur
beruflichen Wiedereingliederung im Sinne des lit. a Abs. 2 der Schlussbestimmungen
zur 6. IV-Revision akzessorische Leistung gehandelt, die an die Stelle der
aufgehobenen regulären Rente getreten ist. Da die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen mit der − in dieser Hinsicht − formell rechtskräftigen
Verfügung vom 5. August 2014 abgebrochen worden sind, hat die
Beschwerdegegnerin diese befristeten Geldleistungen zu Recht eingestellt.
2.4 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, es sei nicht
klar, ob die Beschwerdeführerin die Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend die
Ausrichtung einer befristeten Geldleistung überhaupt erhalten habe. Diese Frage ist
insofern relevant, als eine nicht wirksam verfügte Zusprache einer befristeten
Geldleistung wohl gar nicht eingestellt werden kann. Wäre die besagte Verfügung vom
6. Mai 2013 (IV-act. 102) nie verbindlich geworden, müsste die Einstellung der
befristeten Geldleistung vom 5. August 2014 entweder aufgehoben oder die
ausgerichtete Geldleistung in eine reguläre Rente uminterpretiert werden. Die
Verfügungen vom 6. Mai 2013 sind der damaligen Vertreterin der Beschwerdeführerin,
der Procap Sargans-Werdenberg, zugestellt worden. Damit sind diese Verfügungen
wirksam eröffnet worden. Ob und wann die Beschwerdeführerin selbst oder ihre jetzige
Rechtsvertreterin die Verfügung erhalten haben, ist irrelevant.
2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin die der
Beschwerdeführerin mit der Verfügung vom 10. Mai 2013 zugesprochene befristete
Geldleistung in der Höhe einer ganzen Invalidenrente mit der angefochtenen Verfügung
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vom 5. August 2013 zu Recht eingestellt hat, da die beruflichen
Wiedereingliederungsmassnahmen abgebrochen worden sind. Die reguläre ganze
Invalidenrente ist bereits mit der rechtskräftig gewordenen Verfügung vom 6. Mai 2013
(IV-act. 101) aufgehoben worden, weshalb im vorliegenden Verfahren nicht überprüft
werden kann, ob diese zu Recht aufgehoben worden ist.
2.6 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin die
Möglichkeit hat, bei der Beschwerdegegnerin ein Gesuch um Wiedererwägung der
Verfügung vom 6. Mai 2013 betreffend die Einstellung der regulären ganzen
Invalidenrente (IV-act. 101) zu stellen (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Beschwerdeführerin
hat allerdings keinen Anspruch darauf, dass ihr Gesuch behandelt wird.
2.7 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
3.
3.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist die Beschwerdeführerin von der Bezahlung zu
befreien.
3.2 Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
12'000.--. In einem durchschnittlichen IV-Rentenfall spricht das Versicherungsgericht
praxisgemäss eine pauschale Entschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote eingereicht. Der Aufwand der
Rechtsvertreterin ist unterdurchschnittlich gewesen, da es lediglich um die Frage
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gegangen ist, ob die Aufhebung der regulären Rente bereits rechtskräftig verfügt
worden ist oder nicht. Eine pauschale Entschädigung von Fr. 2'500.-- erscheint daher
angemessen. Die Parteientschädigung ist um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3
AnwG). Somit entschädigt der Staat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin mit
Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
3.3 Eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, ist zur
Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der Parteientschädigung
verpflichtet, sobald sie dazu in der Lage ist (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO, SR 272] i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP, sGS 951.1]).