Decision ID: 250ff54d-c822-58df-a694-ba3a9c57e798
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 3./10. Juli 2019 wegen eines Morbus Scheuermann zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Er gab an, dass er
seit dem 22. Februar 2019 vollständig arbeitsunfähig sei. Er habe eine Ausbildung als
Modeberater gemacht. Seit dem Jahr 2011 sei er als Sicherheitsangestellter tätig. Der
Stundenlohn betrage Fr. 26.20.
A.a.
Dr. med. B._, Allgemeine und Innere Medizin FMH, berichtete am 19. Juli 2019
(IV-act. 9), beim Versicherten sei ein Verdacht auf ein spondylogenes Schmerzsyndrom
untere LWS mit/bei einem thorakalen Morbus Scheuermann Th4-L1 von 80°
diagnostiziert worden. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund einer starken Dorsalgie,
lumbalbetont und vor allem bei längerem Stehen, eingeschränkt. Eine Tätigkeit mit
wechselnden Positionen (Sitzen, Gehen, Stehen) könne der Versicherte noch ausüben.
Eine Umschulung sei erforderlich. Sie legte mehrere Arztberichte bei. Ein Facharzt der
Klinik Z._ hatte am 29. März 2019 mitgeteilt (IV-act. 9-3), der Versicherte leide am
ehesten an den Folgen eines Morbus Scheuermann mit einer kompensatorischen
Hyperlordose der LWS und einer Spondylarthrose. Er habe mit dem Versicherten ein
intensives, gezieltes Kräftigungsprogramm der Rückenmuskulatur thorakal und der
A.b.
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Rumpfmuskulatur lumbal besprochen. Ebenfalls sei eine Umschulung diskutiert
worden, die im Sinne einer wechselbelastenden Tätigkeit zu empfehlen sei. Am 31. Mai
2019 hatte derselbe Facharzt angegeben (IV-act. 9-5), der Versicherte habe sich einen
gutartigen Tumor entfernen lassen müssen, weshalb er das Training erst dreimal
durchgeführt habe. Er habe aber bereits eine leichte Besserung der Beschwerden
verspürt. Am 26. April 2019 hatten Fachärzte der Klinik Y._ über eine operative
Entfernung eines Nierentumors berichtet (IV-act. 9-9).
In einem Arbeitgeberbericht teilte ein Mitarbeiter der C._ GmbH am 5. August
2019 mit (IV-act. 13), der Versicherte sei seit dem 15. Oktober 2011 im
Sicherheitsdienst tätig. Der letzte Arbeitstag sei der 21. Februar 2019 gewesen. Das
Pensum betrage ca. 50-60%. Die Tätigkeit umfasse häufiges Gehen und Stehen. Er
legte Lohnkontoauszüge für die Jahre 2015, 2017 und 2018 bei.
A.c.
Am 29. August 2019 wurde der Versicherte durch Dr. med. D._, Orthopädie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, im Auftrag der Krankentaggeldversicherung
untersucht. Im Bericht vom 30. August 2019 (Fremdakten-act. 2-4 ff.) nannte Dr. D._
folgende Diagnosen: Langjährige Beschwerden der Wirbelsäule bei einem bekannten
Morbus Scheuermann thoracal, fixierte Brustkyphose, erhebliche muskuläre
Dysbalancen trotz intensiver Fitness-Gymnastik, da vorwiegend die
Bewegungsmuskulatur und nicht die kleine stabilisierende Muskulatur trainiert sei, kein
nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit, erheblich verkürzte
Ischiokruralmuskulatur. Sie führte aus, der Versicherte sei im Bereich der Security zu
einem Pensum von 70% beschäftigt. Die vorgetragenen Beschwerden thorakolumbal,
lumbal und zeitweise auch nuchal fänden ihr Korrelat in einer Fehlstatik und einer
Haltungsinsuffizienz. Der Versicherte habe eine gut trainierte Bewegungsmuskulatur am
Rumpf und an den oberen Extremitäten. Bereits beim Stehen im Einbeinstand und
beim Hüpfen hätten aber Probleme bestanden, da die Kraft der unteren Extremitäten
nicht ausreichend sei und die Koordination fehle. Anhand der erhobenen
Untersuchungsbefunde habe sich die Indikation zur Kräftigung der kleinen
stabilisierenden Muskulatur und zur Dehnung von verkürzten Muskel-/
Sehnenstrukturen ergeben. Sie habe dem Versicherten auch zu Rolfing und
Faszientherapie geraten. Für körperlich leichte und gelegentlich mittelschwere
Tätigkeiten, die bevorzugt aus wechselnder Ausgangslage verrichtet werden könnten,
A.d.
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sei der Versicherte ab sofort einsatzfähig. Die Prognose sei als gut zu erachten, da
zurzeit funktionelle Beschwerden im Vordergrund stünden, die einer Therapie gut
zugänglich seien. Eine Arbeitsplatzbeschreibung liege nicht bei. Eine Rückkehr an den
alten Arbeitsplatz erscheine eher unwahrscheinlich, da der Versicherte bereits eine
berufliche Umorientierung in die Wege geleitet habe. Einschränkungen ergäben sich für
häufiges Gehen und Stehen sowie für mittelschwere und schwere Tätigkeiten. Auch
Bücken und Zwangshaltungen sollten vorübergehend noch vermieden werden. Ab
sofort sei für berufliche Massnahmen eine vollständige Arbeitsfähigkeit gegeben, wenn
es sich um überwiegend körperlich leichte Arbeiten handle, die bevorzugt aus
wechselnder Ausgangslage verrichtet werden könnten. Dem Versicherten wurde
ausserdem von verschiedenen Ärzten Zeugnisse betreffend eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit ab dem 22. Februar 2019 bis zum 31. Juli 2019 ausgestellt
(Fremdakten-act. 1-12, 1-19, 1-20, 1-39, 1-40, 1-42, 1-47).
Dr. med. E._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 16. September
2019 (IV-act. 16), in der bisherigen Tätigkeit, sofern sie häufiges Gehen und Stehen
sowie mittelschwere Arbeitsbelastungen und Zwangshaltungen umfasse, verfüge der
Versicherte über keine Arbeitsfähigkeit mehr. Ein versicherungsmedizinisch
verwertbares Profil hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit liege allerdings nicht vor. In
einer adaptierten Tätigkeit verfüge der Versicherte, in Übereinstimmung mit Dr. D._,
über eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Als Adaptionskriterien nannte Dr. E._ eine
körperlich überwiegend leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne die Einnahme von
Zwangshaltungen. Er bezeichnete die Prognose bei einer optimal angepassten
Tätigkeit als gut.
A.e.
Mit einem Vorbescheid vom 19. September 2019 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 20), sie sehe vor, das Begehren um berufliche Massnahmen
und Rentenleistungen abzuweisen. Zur Begründung gab sie an, die Abklärungen hätten
ergeben, dass in einer adaptierten, also in einer überwiegend körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeit ohne die Einnahme von Zwangshaltungen, eine
vollständige Arbeitsfähigkeit bestehe.
A.f.
Am 21. Oktober 2019 gingen bei der IV-Stelle medizinische Berichte ein (IV-
act. 21-25). Diese lagen bis auf einen Bericht über eine Röntgenuntersuchung vom
A.g.
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B.
22. März 2017 bereits in den Akten. Diese Röntgenuntersuchung der Brust- und der
Lendenwirbelsäule hatte folgende Befunde ergeben: Hyperkophisierung der
Brustwirbelsäule mit Konturalterationen bei Status nach bekanntem Morbus
Scheuermann; S-förmige Skoliosefehlhaltung der thorakalen Wirbelsäule mit einer
Rotationskomponente, vor allem im thorakolumbalen Übergangsbereich;
Hyperlordosierung der unteren Lumbalwirbelsäule.
Mit einer Verfügung vom 13. November 2019 wies die IV-Stelle das Begehren um
berufliche Massnahmen und Rentenleistungen ab (IV-act. 28).
A.h.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 11. Dezember 2019
eine Beschwerde (act. G 1). Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung
vom 13. November 2019 und Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zur Begründung
machte er geltend, wegen des Morbus Scheuermann sei sein Alltag mit sehr vielen
Schmerzen beim Sitzen, langen Laufen und langen Stehen beeinträchtigt. Da seine
berufliche Zukunft in der Sicherheitsbranche sowie im Detailhandel nicht mehr in Frage
komme, habe er bereits eine Umschulung begonnen. Er reichte einen Bericht der Klinik
Z._ vom 22. November 2019 ein (act. G 1.2). Deren Fachärzte hatten mitgeteilt, der
Beschwerdeführer habe sich in der Sprechstunde vorgestellt, um seine
Umschulungssituation zu besprechen. Beim Beschwerdeführer bestehe der bekannte
Morbus Scheuermann mit einer Hyperlordosierung des zerviko-thorakalen Übergangs.
Aufgrund der durch den Morbus Scheuermann veränderten Wirbelsäulenkonfiguration
sei eine Weiterführung der Tätigkeit als Sicherheitsangestellter nicht anzuraten, da der
Beschwerdeführer bei dieser Tätigkeit mehrere Stunden durchgehend stehen oder
gehen müsse. Sie hätten bereits früher zu einem Wechsel in eine Tätigkeit mit
abwechselndem Stehen und Sitzen geraten. Der Beschwerdeführer habe sich
eigenständig eine Umschulung im kaufmännischen Bereich organisiert, was zu
befürworten sei.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 27. Januar 2020
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung brachte sie vor, sie habe
ihren Entscheid in der Verfügung vom 13. November 2019 auf die Stellungnahme des
RAD-Arztes Dr. E._ vom 16. September 2019 gestützt. Dieser habe festgehalten, in
B.b.
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einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine vollständige Arbeitsfähigkeit. Dr. E._ habe
sich dabei auf die Beurteilung von Dr. D._ vom 30. August 2019 und den Bericht von
Dr. B._ vom 19. Juli 2019 gestützt. Im Bericht der Klinik Z._ vom 22. November
2019 sei zu einem Wechsel in eine wechselnde stehende und sitzende Tätigkeit
geraten worden. Das Ergebnis in der angefochtenen Verfügung entspreche damit der
Empfehlung in diesem Bericht. Der medizinische Sachverhalt und damit auch die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seien rechtsgenüglich abgeklärt worden. Der
Beschwerdeführer habe im Jahr 2018 als Sicherheitsangestellter bei einem Pensum
von ca. 70% ein Einkommen von Fr. 41'202.-- erzielt. Bei den vorliegenden
Verhältnissen sei davon auszugehen, dass er bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit keine Erwerbseinbusse erleide. Dem Beschwerdeführer
seien körperlich überwiegend leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne die
Einnahme von Zwangshaltungen zumutbar. Auf dem ersten Arbeitsmarkt gebe es ein
genügend breites Spektrum entsprechender Tätigkeiten, wobei ohne Weiteres davon
auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer mit einer solchen Tätigkeit ebenso viel
verdienen könne wie mit der zuletzt ausgeübten. Ein Anspruch auf berufliche
Massnahmen bestehe folglich nicht. Ein Rentenanspruch bestehe ebenfalls nicht, da
bei einer Arbeitsunfähigkeit seit dem 22. Februar 2019 das Wartejahr nicht erfüllt
gewesen sei und da bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit keine Invalidität von mindestens 40% resultiere.
Der nun anwaltlich vertretene Beschwerdeführer änderte in der Replik vom 20. Mai
2020 (act. G 15) seine Anträge dahingehend, dass die Verfügung vom 13. November
2019 aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen sei, die
Umschulungskosten zu übernehmen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen an,
das Valideneinkommen von Fr. 41'202.--, das auf einer 70%igen Erwerbstätigkeit
basiere, sei auf ein Vollzeitpensum aufzurechnen und betrage somit Fr. 58'860.--. Für
die Ermittlung des Invalideneinkommens müsse auf Tätigkeiten abgestellt werden, die
dem medizinischen Anforderungs- und Belastungsprofil der versicherten Person
entsprächen, von der Ausbildung und beruflichen Erfahrung her zumutbar seien und im
Durchschnitt nicht schlechter entlöhnt würden als die zuletzt ausgeübte. Die
Beschwerdegegnerin stelle sich ohne jegliche Begründung auf den Standpunkt, dass
er bei einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit keine
B.c.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 13. November
2019 einen Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen und auf eine Rente verneint. Zu klären ist zunächst, was
der Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist. Der
Beschwerdeführer hat in der Beschwerde sinngemäss die Aufhebung der Verfügung
vom 13. November 2019 und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen beantragt.
Aus der Begründung geht hervor, dass er primär einen Anspruch auf eine Umschulung
geltend macht. In der Replik hat der nun anwaltlich vertretene Beschwerdeführer seine
Anträge klar formuliert und die Aufhebung der Verfügung vom 13. November 2019 und
Erwerbseinbusse erleide. Fraglich sei, was für Tätigkeiten ihm zukünftig – ohne eine
Umschulung und unter der Berücksichtigung der körperlichen Einschränkungen – offen
stünden. Die Beschwerdegegnerin müsse aufzeigen, durch welche Tätigkeiten er
ebenso viel verdienen könnte, wie er als Sicherheitsangestellter zuletzt verdient habe.
Eine zukünftige Tätigkeit müsse ihm zumutbar sein. Er habe eine Modeberaterlehre
abgeschlossen und auf diesem Beruf mehrere Jahre gearbeitet. Später sei er als
Sicherheitsangestellter tätig gewesen. Diese beiden Berufe könne er nicht mehr
ausüben. Zumutbar seien ihm lediglich Berufe, welche der angestammten Tätigkeit
gleichwertig seien. Einfache Handlangerjobs seien nicht als gleichwertig anzusehen.
Die Beschwerdegegnerin habe aufzuzeigen, welche Tätigkeiten ihm zumutbar seien.
Höchst unwahrscheinlich sei, dass er ohne eine Umschulung einen Job finden könne,
bei welchem er mit Fr. 58'860.-- entlöhnt werde.
Die Beschwerdegegnerin machte in der Duplik vom 9. Juni 2020 im Wesentlichen
ergänzend geltend (act. G 17), der Beschwerdeführer könne die ihm verbliebene
Arbeitskraft auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verwerten. Bei der Berechnung des
Invalideneinkommens sei folglich auf ein durchschnittliches Einkommen eines
Hilfsarbeiters abzustellen. Entsprechende Tätigkeiten erschienen als im Rahmen
dessen liegend, was als annähernd gleichwertig mit den bisherigen Tätigkeiten des
Beschwerdeführers zu betrachten sei. Nicht ersichtlich sei, weshalb ihm eine
ungelernte Hilfsarbeitertätigkeit, bei welcher er ebenso viel verdienen könnte wie in der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Sicherheitsangestellter, nicht zumutbar sein solle.
B.d.
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die Anweisung der Beschwerdegegnerin, die Umschulungskosten zu übernehmen,
beantragt. Die Abweisung des Rentenbegehrens hat der Beschwerdeführer damit nicht
angefochten. Die Verfügung vom 13. November 2019 ist also soweit formell
rechtskräftig geworden, als sie einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint
hat. In Bezug auf den Anspruch auf berufliche Eingliederungsmassnahmen ist
festzustellen, dass aus der angefochtenen Verfügung nicht hervorgeht, welche
beruflichen Eingliederungsmassnahmen abgelehnt worden sind. Der Beschwerdeführer
hat nur eine Umschulung beantragt. Falls in der angefochtenen Verfügung auch andere
berufliche Eingliederungsmassnahmen wie beispielsweise eine Arbeitsvermittlung
gemeint gewesen sein sollten, ist deren Ablehnung ebenfalls formell rechtskräftig
geworden. Streitgegenstand bildet somit ausschliesslich der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Umschulung.
2.
Eine invalide oder von einer Invalidität bedrohte versicherte Person hat gemäss Art. 8
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) einen
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind,
die Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten und zu verbessern, und die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind. Zu den
Eingliederungsmassnahmen gehören gemäss Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG die Massnahmen
beruflicher Art, also auch die Umschulung. Ein Anspruch auf eine Umschulung setzt
eine Invalidität voraus; zudem muss durch die Umschulung die Erwerbsfähigkeit
voraussichtlich erhalten oder verbessert werden können (Art. 17 Abs. 1 IVG). Unter
einer Invalidität ist nicht eine rentenspezifische Invalidität im Sinne von Art. 28 Abs. 1
IVG, sondern eine umschulungsspezifische Invalidität zu verstehen (vgl. Art. 4 Abs.
2 IVG). Nach der Auffassung des Bundesgerichts liegt eine solche vor, wenn die
versicherte Person wegen der Art und Schwere des eingetretenen
Gesundheitsschadens in den bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche
berufliche Ausbildung offenstehenden noch zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine
bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20% erleidet (Urteil
des Bundesgerichts vom 28. Februar 2020, 8C_792/2019, E. 3.1; BGE 130 V 488,
E. 4.2; 124 V 110, E. 2b). Dies ist in Anbetracht des Sinns und Zwecks einer
Umschulung so zu interpretieren, dass für den Umschulungsanspruch eine
Erwerbseinbusse von etwa 20% im erlernten Beruf vorausgesetzt ist. Eine Umschulung
hat nämlich zum Ziel, der versicherten Person eine im Vergleich zur bisher ausgeübten
Erwerbstätigkeit gleichwertige Erwerbstätigkeit zu ermöglichen (so bereits BGE 100 V
18 und die oben angeführten Bundesgerichtsurteile). Eine gleichwertige
Erwerbstätigkeit beinhaltet nicht nur ein quantitatives Element, das heisst die
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Ausübung einer Erwerbstätigkeit mit einer annähernd gleichen Verdienstmöglichkeit
wie in der vor Eintritt der Invalidität ausgeübten Tätigkeit, sondern auch ein qualitatives
Element, indem der versicherten Person durch eine Umschulung ermöglicht werden
soll, einen Beruf auszuüben, der ihren Fähigkeiten entspricht (vgl. Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014, N 14 zu Art.
17). Deshalb kann eine unqualifizierte Hilfsarbeitertätigkeit bei einer versicherten
Person, die eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, nie eine annähernd
gleichwertige Erwerbstätigkeit darstellen (vgl. Meyer/Reichmuth, a.a.O., N 18 zu
Art. 17; BGE 124 V 111, E. 3). Ist es also das Ziel, der versicherten Person mittels einer
Umschulung zu einer im Vergleich zur bisher ausgeübten Erwerbstätigkeit
gleichwertigen Erwerbstätigkeit zu verhelfen, kann sich der rechtsprechungsgemäss
geforderte Minderverdienst von etwa 20% als Voraussetzung für einen
Umschulungsanspruch nur auf eine Erwerbseinbusse im erlernten Beruf beziehen. Das
versicherte Gut ist also die (umschulungsspezifische) Erwerbsfähigkeit im erlernten
Beruf. Um diese ermitteln zu können, bedarf es einer medizinisch-theoretischen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf. Dabei gilt es zu berücksichtigen,
dass eine Arbeitsunfähigkeit am letzten Arbeitsplatz nicht mit einer Arbeitsunfähigkeit
im erlernten Beruf gleichzusetzen ist. Es ist nämlich nicht auszuschliessen, dass eine
versicherte Person aufgrund einer Gesundheitsbeeinträchtigung die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit nicht mehr oder nur noch teilweise ausüben kann, an einer anderen
Arbeitsstelle, aber im gleichen Beruf, uneingeschränkt arbeitsfähig ist. Eine
umschulungsspezifische Invalidität liegt dann nicht vor. Zusammenfassend ist somit
festzuhalten, dass ein Umschulungsanspruch eine gesundheitsbedingte
Erwerbseinbusse von etwa 20% im erlernten Beruf voraussetzt.
3.
Der Beschwerdeführer hat gemäss seinen Angaben von August 1999 bis Juli 2001 eine
Ausbildung zum Modeberater gemacht. Ein Nachweis eines entsprechenden
Fähigkeitszeugnisses liegt nicht in den Akten (vgl. aber die Einträge im IK-Auszug, IV-
act. 7). Ab dem Jahr 2011 ist er als Sicherheitsangestellter tätig gewesen. Angaben zu
einer allfälligen Ausbildung in diesem Bereich fehlen. Damit steht nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer
eine Berufsausbildung gemacht hat. Ebenso wenig steht jedoch fest, dass der
Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter zu qualifizieren ist. Die Beschwerdegegnerin ist
davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer als ungelernter Hilfsarbeiter zu
qualifizieren sei (IV-act. 19). Sie hat es unterlassen abzuklären, ob der
Beschwerdeführer eine Ausbildung absolviert hat, sei es als Modeberater, als
Sicherheitsangestellter oder in einem anderen Bereich. Sie hat damit ihre
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Untersuchungspflicht verletzt (Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG, SR 830.1). Die Sache ist
deshalb zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird
berufsberaterisch abzuklären haben, ob der Beschwerdeführer eine Berufsausbildung
abgeschlossen und damit einen Beruf erlernt hat oder ob er als Hilfsarbeiter zu
qualifizieren ist.
4.
In medizinischer Hinsicht hat der RAD-Arzt Dr. E._ festgehalten (IV-act. 16), in
der bisherigen Tätigkeit, sofern sie häufiges Gehen und Stehen sowie mittelschwere
Arbeitsbelastungen und Zwangshaltungen umfasse, verfüge der Beschwerdeführer
über keine Arbeitsfähigkeit mehr. Ein versicherungsmedizinisch verwertbares Profil
hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit liege allerdings nicht vor. Auch Dr. D._ hat
festgehalten, eine Arbeitsplatzbeschreibung fehle. Diese Äusserungen zeigen eine
Schwierigkeit bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung auf: Für eine medizinisch-theoretisch
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung können sowohl medizinische als auch
berufliche beziehungsweise berufsberaterische Aspekte von Bedeutung sein. Ein
medizinischer Sachverständiger kann sich nur dazu äussern, welche Belastungen einer
versicherten Person in welchem Umfang trotz einer Gesundheitsbeeinträchtigung noch
zumutbar sind respektive welche Belastungen einer versicherten Person wegen der
Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht mehr zugemutet werden können. In aller Regel
verfügt ein medizinischer Sachverständiger aber über keine hinreichend genaue
Kenntnis bezüglich der Belastungen in konkreten Berufen oder an konkreten
Arbeitsplätzen. Einer berufsberaterischen Fachperson ist es dagegen problemlos
möglich, sich sachkundig zur Frage zu äussern, welche Tätigkeiten einem bestimmten
medizinischen Anforderungsprofil möglichst optimal gerecht werden. Schon vor
längerer Zeit ist deshalb im Schrifttum das folgende Vorgehen zur Bestimmung der
Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person vorgeschlagen worden: Eine erste Anfrage
an einen Arzt ergibt in einer provisorischen Annäherung erste ungefähre Angaben zur
Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf und liefert in groben Umrissen die Information
über eine mögliche beschwerdegerechte Tätigkeit; ein Berufsberater formuliert auf
diesem Boden zusätzliche erwerblich-praktische Vorgaben respektive ein präziseres
Belastungsprofil im bisherigen Beruf oder verschiedene konkret umrissene
Belastungsprofile für neue Verweisungsberufe; mittels einer zweiten, vertiefenden
Anfrage an den Arzt wird die Arbeitsfähigkeit für die konkret umschriebenen Tätigkeiten
genau eingeschätzt (Franz Schlauri, Medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung, in: René
Schaffhauser/Franz Schlauri, Rechtsfragen der Eingliederung Behinderter, St. Gallen
4.1.
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2000, S. 180 f.; vgl. auch der rechtskräftige Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 24. April 2018, IV 2017/283, E. 2.1).
Ein solches Vorgehen wäre vorliegend angezeigt gewesen. Der RAD-Arzt Dr. E._
hat nämlich keine überzeugende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers für die Tätigkeit als Modeberater oder als Sicherheitsangestellter
abgeben können, da ihm die berufsspezifischen Belastungsprofile nicht bekannt
gewesen sind. Zur Beurteilung des Anspruchs auf eine Umschulung wäre dies aber
zwingend erforderlich gewesen. Die berufsberaterische Fachperson wird deshalb nicht
nur abzuklären haben, ob der Beschwerdeführer eine Berufsausbildung abgeschlossen
hat (vgl. E. 3). Für den Fall, dass der Beschwerdeführer eine entsprechende
Berufsausbildung absolviert hat, sei es als Modeberater, als Sicherheitsangestellter
oder in einem anderen Beruf, wird sie nämlich auch eine Beschreibung eines
Belastungsprofils für die Tätigkeit im erlernten Beruf auszuarbeiten haben. Diese
ermöglicht es dem medizinischen Sachverständigen anschliessend, eine möglichst
präzise Arbeitsfähigkeitsschätzung abzugeben.
4.2.
Der RAD-Arzt Dr. E._ hat seine Beurteilung insbesondere gestützt auf den
Bericht von Dr. D._ vom 30. August 2019 abgegeben. Dr. D._ hat dem
Beschwerdeführer Einschränkungen für häufiges Gehen und Stehen sowie für
mittelschwere und schwere Tätigkeiten attestiert (Fremdakten-act. 2-13). Sie hat
festgehalten, auch Bücken und Zwangshaltungen sollten vorübergehend noch
vermieden werden. Sie hat mit der Begründung, dass zurzeit funktionelle Beschwerden
im Vordergrund stünden, die einer Therapie gut zugänglich seien, die Prognose als gut
bezeichnet. Für überwiegend körperlich leichte Arbeiten, die bevorzugt aus einer
wechselnden Ausgangslage verrichtet werden könnten, sei ab sofort eine vollständige
Arbeitsfähigkeit gegeben. Ein Facharzt der Klinik Z._ hat dem Beschwerdeführer zu
einem intensiven, gezielten Kräftigungsprogramm der Rückenmuskulatur thorakal und
der Rumpfmuskulatur lumbal geraten (Bericht vom 29. März 2019, IV-act. 9-3). Damit
besteht die Möglichkeit, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers für die
allenfalls durch eine Berufsausbildung erlernte Tätigkeit als Modeberater oder als
Sicherheitsangestellter durch medizinische Massnahmen verbessert werden könnte.
Für eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung ist es deshalb erforderlich, dass
sich ein medizinischer Sachverständiger auch zu einer möglichen Verbesserung des
Gesundheitszustands durch therapeutische Massnahmen äussert. Die Sache ist
deshalb nicht nur zur berufsberaterischen, sondern auch zur ergänzenden
medizinischen Abklärung, das heisst zur Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers unter Berücksichtigung allfälliger medizinischer Massnahmen für
4.3.
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5.
Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 13. November 2019 in teilweiser
Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur Vornahme von
weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.