Decision ID: acf20049-fea0-55c9-807d-4e56715f9e27
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 5. März 2015 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) zur Arbeitsvermittlung an und beantragte eine Arbeitslosenentschädigung ab 1.
Juli 2015 (act. G3.1/20 und 22).
A.b Die Versicherte war seit 1. November 2000 als Datentypistin bei der B._ AG
angestellt (act. G3.1/19). Der Jahreslohn betrug zunächst Fr. 57‘200.-- (brutto)
zuzüglich Gratifikation in der Höhe eines Monatslohnes. Ab 1. Mai 2008 regelte ein
neuer Arbeitsvertrag das Arbeitsverhältnis, wobei sich die Arbeitgeberin neu C._
nannte und die Funktion der Versicherten auf Gruppenleiterin Datenerfassung und
Stellvertreterin Druckerei geändert wurde; der Jahreslohn belief sich neu auf Fr.
67‘600.-- (brutto), zahlbar in 13 Monatsraten zu Fr. 5‘200.-- (act. G3.1/17). Mit
Schreiben vom 23. Februar 2015 kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis auf
den 30. Juni 2015. Die Kündigung wurde damit begründet, dass die C._ den
Standort D._ verlegen und die Belegschaft verkleinern werde (act. G3.1/16). Im April
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2015 erhielt die Versicherte zusätzlich zum Monatslohn von aktuell Fr. 5‘440.-- eine
sogenannte Durchhalteprämie von Fr. 8‘160.--. Im Mai und Juni erhielt die Versicherte
jeweils zusätzlich zum Monatslohn eine Prämie unter der Bezeichnung „Verzögerung
Projekt“ im Umfang von je Fr. 1‘795.-- (act. G3.1/12). Am 18. Mai 2015 schloss die
Arbeitgeberin mit der Versicherten einen befristeten Arbeitsvertrag für den Monat Juli
2015 ab. Die Bezeichnung der Funktion lautete neu auf Mitarbeiterin Druckerei/
Datenerfassung. Das Arbeitspensum wurde auf 50 Prozent festgesetzt und der
Monatslohn sollte Fr. 4‘080.-- (brutto) betragen (act. G3.1/15). Indes erhielt die
Versicherte gemäss Lohnabrechnung für Juli 2015 einen Monatslohn von Fr. 8‘160.--
(brutto) ausbezahlt (act. G3.1/12), was dem Verdienst für ein volles Pensum plus 50%
Zuschlag entsprach (act. G 3.1/3 Beilage 3, E-Mail vom 8. Juli 2015). Am 9. Juli 2015
schloss die Arbeitgeberin mit der Versicherten wiederum einen befristeten
Arbeitsvertrag für die Zeit vom 1. August 2015 bis 30. September 2015 ab. Die
Bezeichnung der Funktion wurde auf Mitarbeiterin Präanalytik/Verify geändert, das
Pensum auf 100 Prozent festgesetzt und ein Monatslohn von Fr. 7‘236.-- (brutto)
vereinbart. Dabei wurde festgehalten, dass der Monatslohn für einen
Beschäftigungsgrad von 100 Prozent Fr. 5‘440.-- betrage und ein Zuschlag von 33%
bzw. von Fr. 1‘796.-- gewährt werde (act. G3.1/14).
A.c Die Unia Arbeitslosenkasse informierte die Versicherte mit Schreiben vom 8.
Oktober 2015, dass sie ab 1. Oktober 2015 Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
habe, wobei ihr versicherter Verdienst sich auf Fr. 7‘971.- belaufe und das Taggeld Fr.
257.15 (brutto) betrage (act. G3.1/9).
A.d Mit Verfügung vom 14. Dezember 2016 ordnete die Arbeitslosenkasse eine
Rückforderung von Fr. 12‘377.45 für zu viel bezogene Arbeitslosenentschädigung in
den Monaten November 2015 bis September 2016 an, wobei eine Nachzahlung für
Oktober 2016 im Betrag von Fr. 443.65 bereits mit der Rückforderung verrechnet
worden sei. Anlässlich der Revision durch das Staatssekretariat für Wirtschaft SECO
habe sich herausgestellt, dass die Arbeitslosenkasse der Versicherten zu viel
Arbeitslosenentschädigung ausbezahlt habe. Bei der Berechnung des versicherten
Verdienstes seien die ausservertraglichen Prämien sowie die erhöhten Salärzahlungen,
welche ausserordentlich im Rahmen der Umstrukturierung ausbezahlt worden seien,
vollständig mitberücksichtigt worden. Gemäss Rückfrage bei der Arbeitgeberin seien
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die Prämien für den Einsatz während der Kündigungsfrist ausgerichtet worden. Die
Umstrukturierung/Verkleinerung habe sich verzögert, weshalb die Lohnzuschläge
bezahlt worden seien. Somit seien diese ausserordentlichen Zahlungen nicht in die
Berechnung des versicherten Verdienstes einzubeziehen. Der versicherte Verdienst sei
aus dem vor der Kündigung normalerweise erzielten Monatslohn von Fr. 5‘440.-- zu
ermitteln und betrage folglich Fr. 5‘893.-- [Fr. 5440 x 13:12] (act. G3.1/7).
B.
B.a Mit Einsprache vom 30. Januar 2017 beantragte die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Roland Zahner, die Verfügung vom 14. Dezember 2016 sei aufzuheben,
und es sei ihr weiterhin Arbeitslosenentschädigung auf der Basis eines versicherten
Verdienstes von Fr. 7‘971.-- auszurichten. Sie machte geltend, sie habe das
ursprünglich berücksichtigte Einkommen, das teilweise sogar vertraglich in der
entsprechenden Höhe angesetzt worden sei, durch ihre Leistung erzielt. Auf diesem
Einkommen habe sie auch die entsprechenden AHV- und ALV-Beiträge entrichtet. Es
sei nicht einsichtig, nur auf den vertraglich vereinbarten Lohn abzustellen, vielmehr sei
der tatsächlich realisierte Lohn von entscheidender Bedeutung. Gemäss Eintrag vom
17. März 2015 im prozessorientierten Beratungsprotokoll habe sie bereits damals
angegeben, kaum Zeit für Bewerbungen zu haben, da sie sehr lange Arbeitstage
bewältigen müsse. Die zeitliche und leistungsmässige Beanspruchung habe sich nach
den Anforderungen und Bedürfnissen am Arbeitsplatz gerichtet und habe hohe Spitzen
erreichen können. Dies sei insbesondere im Zusammenhang mit der Verlagerung des
Standorts D._ der Fall gewesen. Zudem habe die Arbeitslosenkasse Kenntnis davon
gehabt, dass es im Zusammenhang mit der Standortverlagerung zu erhöhten
Anforderungen an die Flexibilität, die Leistungsbereitschaft und die zeitliche
Verfügbarkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommen könne. Folglich sei es
nicht zulässig, für die Berechnung des versicherten Verdienstes die konkreten
Verhältnisse bis 30. September 2015 und die entsprechenden Lohnzahlungen der
Arbeitgeberin nachträglich zu Ungunsten der Versicherten umzuinterpretieren (act.
G3.1/3).
B.b Mit Entscheid vom 14. Februar 2017 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache
ab. Der übliche Lohn für ein Vollzeitpensum habe weiterhin Fr. 5‘440.-- pro Monat
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betragen. Die darauf ausgerichteten Zuschläge seien als Sonderprämien zur Bindung
der Versicherten an die Arbeitgeberin zu qualifizieren. Diese könnten weder als
„normalerweise“ erzielten Lohn noch als vertraglich vereinbarte regelmässige
Lohnzahlungen qualifiziert werden. Eine Berücksichtigung dieser zusätzlichen
Zahlungen würde vielmehr dem Sinn und Zweck der Arbeitslosenversicherung, nur für
normale übliche Arbeitnehmertätigkeit Versicherungsschutz zu bieten, zuwiderlaufen.
Wie aus dem Mailverkehr vom 8. Mai 2015 ersichtlich sei, habe es Verzögerungen in
den Projekten gegeben. Deshalb sei unter anderem der Versicherten der „Deal“, im Juli
2015 einen um 50 Prozent erhöhten Lohn zu erhalten, angeboten worden. Somit habe
es sich um einen Sonderzuschlag für ausser¬ordentliche Umstände gehandelt (act.
G3.1/1).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die von Rechtsanwalt Dieter Studer für die
Versicherte erhobene Beschwerde vom 17. März 2017 mit dem Antrag, der Entscheid
sei aufzuheben, und es sei eine Arbeitslosenentschädigung auf der Basis eines
versicherten Verdienstes von Fr. 7‘971. — ab 1. Oktober 2015 bis auf weiteres
zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin. Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige in
der Einsprache vom 30. Januar 2017. Ergänzend macht die Beschwerdeführerin
geltend, den gestiegenen Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz und ihren Leistungen
entsprechend habe sie schon ab 1. Januar 2015 mehr Lohn erhalten. Ferner habe Dr.
E._ von der Arbeitgeberin Anfang Juli 2015 bestätigt, dass ihr Beschäftigungsgrad im
Juli 2015 nicht 50 Prozent, wie im Vertrag aufgeführt, sondern 100 Prozent betrage,
und dass angesichts der anfallenden Arbeitslast dafür 150 Prozent Lohn entrichtet
werde (abgesehen von der Überstundenvergütung). Die als „Durchhalteprämie“
bezeichnete Zulage in der April-Lohnabrechnung 2015 entspreche vier monatlichen
Zulagen von Fr. 2‘040.--. Von Mai 2015 bis September 2015 seien ihr monatliche
Zulagen in etwa derselben Grössenordnung ausbezahlt worden. Sie habe ab Januar
2015 Arbeiten, die vorher von Mitarbeiterinnen ausgeführt worden seien, die nach und
nach entlassen worden seien, übernommen, weshalb die ausbezahlten Löhne in den
neun Monaten von Januar bis September 2015 betragsmässig als neue Normalität zu
qualifizieren seien. Die Beschwerdegegnerin habe den versicherten Verdienst in
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Kenntnis des Sachverhalts auf Fr. 7‘971.-- bemessen und ihr während rund eines
Jahres Arbeitslosenentschädigung auf dieser Basis ausgerichtet. Darauf habe sie sich
nach Treu und Glauben gestützt. Mit dem angefochtenen Entscheid habe die
Beschwerdegegnerin in Widerspruch zu ihrem vorherigen Verhalten gehandelt, indem
derselbe Sachverhalt anders beurteilt worden sei. Ein sachlicher Grund habe hierfür
nicht bestanden. Ihr entstehe durch die Herabsetzung der Arbeitslosenentschädigung
und die Rückforderung, wodurch die Beschwerdegegnerin die Aufklärung und
Beratung des vorangehenden Jahres als unrichtig darstelle, ein Schaden, welchen die
Beschwerdegegnerin zu tragen habe (act. G1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 28. März 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung wiederholt sie im Wesentlichen die
im Verwaltungsverfahren vorgebrachten Argumente. Ergänzend macht sie geltend,
aufgrund der befristeten Arbeitsverträge für die Monate Juli 2015 und August 2015 bis
September 2015 sei nicht ersichtlich, dass die Zuschläge von 50 Prozent bzw. 33
Prozent zum üblichen Monatslohn wegen gestiegener Anforderungen ausbezahlt
worden seien. Die Beschwerdeführerin sei während mehrerer Jahre als Gruppenleiterin
Datenerfassung und Stellvertreterin Druckerei angestellt gewesen, ab Juli 2015 habe
sie keine Führungsposition mehr gehabt, sondern sei als Mitarbeiterin weiter
beschäftigt worden. Die Anforderungen an ihre Stelle seien damit nicht gestiegen
sondern wenn überhaupt geändert, dann gesunken. Die Rückerstattung von in gutem
Glauben empfangenen Leistungen sei auf Gesuch hin ganz oder teilweise zu erlassen,
wenn eine grosse Härte vorliege. Es bestehe entsprechend die Möglichkeit, ein
Erlassgesuch zu stellen (act. G3).
C.c Mit Replik vom 18. Mai 2017 macht die Beschwerdeführerin zusätzlich geltend,
zuvor seien 400 Stellenprozente eingesetzt worden, um die Arbeitslast zu bewältigen,
die anschliessend durch sie und ihre Kollegin mit nur noch 200 Stellenprozenten
bewältigt worden sei. Damit läge eine klare Steigerung der Belastung und der
Verantwortung vor (act. G6).
C.d Mit Duplik vom 30. Mai 2017 macht die Beschwerdegegnerin zusätzlich geltend,
dass bei einer hohen Arbeitsauslastung zwar mehr Einsatz gefordert werde, aber nicht
automatisch höhere Anforderungen erfüllt werden müssten. Die Führungsaufgaben der
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Beschwerdeführerin seien ab Juli 2015 weggefallen, womit die Anforderungen
gesunken seien (act. G8).

Erwägungen
1.
1.1 Streitgegenstand im vorliegenden Verfahren bilden die Höhe des versicherten
Verdienstes und damit die Höhe des Taggeldes und die Rückforderung von
Arbeitslosentaggeldern. Zunächst ist zu prüfen, ob die von der Arbeitgeberin
ausgerichteten Prämien und Zulagen in den versicherten Verdienst einzubeziehen sind.
1.2 Als versicherter Verdienst gilt nach Art. 23 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0) der im Sinne der AHV-Gesetzgebung massgebende Lohn, der während eines
Bemessungszeitraumes aus einem oder mehreren Arbeitsverhältnissen normalerweise
erzielt wurde; eingeschlossen sind die vertraglich vereinbarten regelmässigen Zulagen,
soweit sie nicht Entschädigung für arbeitsbedingte Inkonvenienzen darstellen. Gemäss
Rechtsprechung ist bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes nach Art. 23 Abs. 1
AVIG der tatsächlich bezogene Lohn massgebend; eine davon abweichende
Lohnabrede zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden hat grundsätzlich
unbeachtlich zu bleiben (BGE 131 V 450 f. E. 3.2.1 mit Hinweisen). Aus der genannten
gesetzlichen Umschreibung ergibt sich, dass der versicherte Verdienst an den
massgebenden Lohn im Sinne von Art. 5 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) anknüpft, sodass er diesem
grundsätzlich entspricht. Er stimmt jedoch nicht deckungsgleich mit diesem überein,
wie schon der Rechtsbegriff „normalerweise“ deutlich macht (THOMAS
NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. Basel 2016, Rz 364 und
366). Somit gehören ausnahmsweise entrichtete Zahlungen des Arbeitgebers nicht zum
versicherten Verdienst, selbst wenn sie AHV-rechtlich zum massgebenden Lohn zu
zählen sind. Diese gesetzliche Restriktion findet ihren Rechtfertigungsgrund im Prinzip
des angemessenen Erwerbsersatzes (THOMAS FAESI, Arbeitslosenentschädigung und
Zwischenverdienst, Diss. Zürich 1999, S. 397). Nebst dieser allgemein formulierten
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Einschränkung behält Art. 23 AVIG konkret bestimmte Ausnahmen wie vertraglich
vereinbarte Entschädigungen für arbeitsbedingte Inkonvenienzen (Abs. 1 Satz 1) und
Neben¬verdienste (Abs. 3) vor, die bei der Festsetzung des versicherten Verdienstes
ausser Betracht fallen (NUSSBAUMER, a.a.O., Rz 366). Bei
Inkonvenienzentschädigungen handelt es sich um Zulagen, die – obgleich sie
massgebenden Lohn darstellen – bei der Bemessung des versicherten Verdienstes
nicht zu berücksichtigen sind, weil der eigentliche Grund ihrer Ausrichtung mit der
Arbeitslosigkeit entfallen ist (FAESI, a.a.O., S. 397 f.).
1.3 Entsprechend der Zweckbestimmung, nur für normale übliche
Arbeitnehmertätigkeit Versicherungsschutz zu bieten, oder weil der eigentliche Grund
ihrer Ausrichtung mit der Arbeitslosigkeit entfallen ist, sind Überzeit- und
Überstundenentschädigung, vertraglich vereinbarte Schichtzulagen, Familienzulagen
und Spesenentschädigungen etc. bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes nicht
zu berücksichtigen. Ferner ist auch die Entschädigung für nicht bezogene Ferien bei
der Festsetzung des versicherten Verdienstes ausser Acht zu lassen. Provisionen, die
für die im massgeblichen Bemessungszeitraum ausgeübte Erwerbstätigkeit geschuldet
sind, sind jedoch bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes zu berücksichtigen.
Zum Lohn gehören auch die vertraglich vereinbarten – und tatsächlich ausbezahlten –
regelmässigen Zulagen, wie 13. Monatslohn, Treueprämien, Orts- und
Teuerungszulagen, Gratifikation sowie gesetzlich geschuldete
Inkonvenienzentschädigungen (NUSSBAUMER, a.a.O., Rz 365 ff. mit Hinweisen).
1.4 Der versicherte Verdienst bemisst sich gemäss Art. 37 Abs. 1 der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIV;
837.02) nach dem Durchschnittslohn der letzten sechs Beitragsmonate vor Beginn der
Rahmenfrist für den Leistungsbezug. Er bemisst sich nach dem Durchschnittslohn der
letzten zwölf Beitragsmonate vor Beginn der Rahmenfrist für den Leistungsbezug,
wenn dieser Durchschnittslohn höher ist als derjenige nach Absatz 1 (Art. 37 Abs. 2
AVIV). Gemäss Art. 9 Abs. 2 AVIG beginnt die Rahmenfrist für den Leistungsbezug mit
dem ersten Tag, für den sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind.
1.5 Vorliegend waren ab 1. Oktober 2015 sämtliche Anspruchsvoraussetzungen für
den Bezug von Arbeitslosenentschädigung erfüllt, sodass die Rahmenfrist für den
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Leistungsbezug an diesem Tag begann (act. G3.1/9). Für die Bemessung des
versicherten Verdienstes sind die vorangegangenen sechs Beitragsmonate, d.h. der
Zeitraum zwischen April 2015 und September 2015, massgebend, zumal in den
früheren Monaten die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen kein höheres
Einkommen erzielte, weshalb der zwölfmonatige Bemessungszeitraum nicht in Betracht
fällt.
1.6 Entscheidend für die Ermittlung des versicherten Verdienstes ist gemäss
Rechtsprechung und Verwaltungspraxis der tatsächlich bezogene Lohn. Diese
Einschränkung soll Missbräuche im Sinne der Vereinbarung fiktiver Löhne, welche in
Wirklichkeit nicht zur Auszahlung gelangen, verhindern (vgl. BGE 128 V 190 E 3a/aa mit
weiteren Hinweisen; AVIG Praxis ALE Rz C2). Vorliegend ist unbestritten und
aktenkundig, dass die Beschwerdeführerin die in den Lohnabrechnungen aufgeführten
Prämien und Zulagen im April 2015, Mai 2015 und Juni 2015 sowie vom Juli 2015 bis
September 2015 tatsächlich bezogen hat (act. G3.1/12). Auch sind gemäss
Lohnabrechnungen auf diesen Prämien und Zulagen die AHV- und ALV-Beiträge
abgezogen worden. Wie in Erw. 1.1 ausgeführt, ist der versicherte Verdienst im Sinne
von Art. 23 Abs. 1 AVIG nicht deckungsgleich zum massgebenden Lohn im Sinne von
Art. 5 Abs. 2 AHVG. Von entscheidender Bedeutung ist, ob die zwischen April 2015
und September 2015 ausbezahlten Prämien und Zulagen als normalerweise erzielte
Lohnbestandteile im Sinne von Art. 23 Abs. 1 AVIG zu qualifizieren sind.
1.7 Die zusätzlich zum Monatslohn bezahlte „Durchhalteprämie“ im April 2015 von Fr.
8‘160.-- wurde – wie auch die Beschwerdegegnerin anerkennt (act. G3) – für die
Monate Januar 2015 bis April 2015 ausbezahlt. Weiter erhielt die Beschwerdeführerin
mit den monatlichen Lohnabrechnungen Mai und Juni 2015 zusätzlich zum Monatslohn
je einen Betrag von Fr. 1‘795.-- als Prämie wegen „Verzögerung Projekt St. Gallen“, im
Juni 2015 zudem einen Anteil 13. Monatslohn von Fr. 2'720.--. Für den Monat Juli 2015
bezahlte die Arbeitgeberin einen Lohn von Fr. 8‘160.-- (Fr. 5'440.-- + Zuschlag von
50%) und vergütete Überstunden im Gesamtbetrag von Fr. 5‘372.--. In den Monaten
August und September 2015 erhielt die Beschwerdeführerin zum Monatslohn einen
Zuschlag von 33%, d.h. einen Lohn von je Fr. 7‘236.--, wobei im September 2015
ausserdem der 13. Monatslohn-Anteil von Fr. 1‘886.-- ausbezahlt wurde. Folglich
wurden von Januar 2015 bis September 2015, d.h. während neun Monaten, Prämien
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und Zulagen ausgerichtet, sodass bei Zahlungen von gesamthaft Fr. 77'000.-- (vgl.
auch Arbeitgeberbescheinigung, act. G 3.1/11) das durchschnittliche Monatsgehalt
sich auf Fr. 8‘555.55 belief (Januar: Fr. 5‘440.-- + Februar: Fr. 5‘440.-- + März: Fr.
5‘440.-- + April: Fr. 13‘600.-- + Mai: Fr. 7‘235.-- + Juni: Fr. 9‘955.-- + Juli: Fr. 13‘532.--
+ August: Fr. 7‘236.-- + September: Fr. 9‘122.-- / 9; vgl. act. G3.1/12). Gemäss
Arbeitsvertrag vom 21. Dezember 2007 wurde der Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2008
ein Monatslohn von Fr. 5‘633.-- (unter anteilsmässiger Anrechnung des 13.
Monatslohns) ausbezahlt. Gemäss den Lohnabrechnungen von Oktober bis Dezember
2014 wurde der Beschwerdeführerin ein Monatslohn von Fr. 5‘893.35 (unter
anteilsmässiger Anrechnung des 13. Monatslohns) entrichtet. Somit erzielte die
Beschwerdeführerin in der Zeit von Mai 2008 bis Dezember 2014 einen
Bruttomonatslohn von Fr. 5‘633.-- bzw. Fr. 5‘893.--. Demgegenüber wurden der
Beschwerdeführerin in den Monaten Januar bis September 2015 durchschnittlich Fr.
8'555.55 ausbezahlt, wobei in dieser Zeit ausserordentliche Umstände bestanden, da
die Arbeitgeberin mit Verzögerungen im Ablauf den Standort D._ verlegte und die
Belegschaft verkleinerte. Bei den ausgerichteten Prämien und Lohnzuschlägen
handelte es sich um Sonderleistungen der Arbeitgeberin in der Endphase des
Arbeitsverhältnisses zur Bindung der Beschwerdeführerin an die sich in
Umstrukturierung befindende Unternehmung und somit nicht um normalerweise
ausgerichtete Lohnbestandteile (vgl. auch Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit dem 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] C 139/05 vom 26. Juni 2006; vgl. auch Entscheid des
Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 16. Juni 2016 [AVI 2015/33]).
1.8 Zusammenfassend ergibt sich, dass die ausbezahlten Prämien und Zulagen von
Januar 2015 bis September 2015 (act. G 3.1/12) zu Unrecht in die Berechnung des
versicherten Verdienstes eingeflossen sind. Der versicherte Verdienst beläuft sich auf
den im Bemessungszeitraum vom April bis September 2015 ausgerichteten Grundlohn
von Fr. 5'440.-- zuzüglich Anteil 13. Monatslohn von Fr. 453.30, somit gerundet Fr.
5'893.--, wie dies von der Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid festgelegt wurde.
2.
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2.1 Nach Art. 95 Abs. 1 AVIG in Verbindung mit Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Eine Leistung in
der Sozialversicherung ist nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur
zurückzuerstatten, wenn bei eingetretener Rechtskraft der Leistungsentrichtung in
verfahrensrechtlicher Hinsicht entweder die für die (prozessuale) Revision oder die für
die Wiedererwägung erforderlichen Voraussetzungen erfüllt sind (BGE 129 V 110 E.
1.2.3). Diese Voraussetzungen sind in Art. 53 Abs. 1 und 2 ATSG umschrieben.
Gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder
der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder
Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war. Nach Art. 53 Abs. 2
ATSG kann der Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn
ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Den formell rechtskräftigen
Verfügungen gleichgestellt sind auch die im formlosen Verfahren ergangenen
Entscheide, soweit sie eine mit dem Ablauf der Beschwerdefrist bei formellen
Verfügungen vergleichbare Rechtsbeständigkeit erreicht haben (UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. Zürich 2015, Art. 53 N 19). Leistungsabrechnungen der
Arbeitslosenversicherung, die - wie im vorliegenden Fall - nicht in die Form einer
formellen Verfügung gekleidet werden, weisen materiell Verfügungscharakter auf (Urteil
des EVG vom 14. Juli 2003, C 7/02, E. 3.1; BGE 125 V 476 E. 1 und 122 V 368 E. 2 mit
Hinweisen). Sind formell oder formlos zugesprochene Leistungen noch nicht
rechtskräftig geworden, kann die Verwaltung innert 30 Tagen darauf zurückkommen,
ohne dass - wie dies im Fall des Zurückkommens auf rechtskräftige Verfügungen der
Fall ist - die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung oder Revision erfüllt sein
müssen. Die Frist von 30 Tagen läuft ab Erlass der zu berichtigenden Verfügung oder
ab Leistungsausrichtung (vgl. Kreisschreiben über Rückforderung, Verrechnung, Erlass
und Inkasso [KS-RVEI], April 2008, Rz A2 ff.).
2.2 Nachdem die Rückforderung erst am 14. Dezember 2016 (act. G 3.1/7) verfügt
wurde, ist die Beschwerdegegnerin nicht innerhalb von 30 Tagen nach der letzten
Abrechnung, auf diese zurückgekommen. Diese erfolgte am 3. Oktober 2016 (act.
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G3.1/8). Entsprechendes wird von der Beschwerdegegnerin auch nicht geltend
gemacht. Zu prüfen ist damit, ob der Rückkommenstitel der Wiedererwägung vorliegt.
2.3 Nachdem die Beschwerdegegnerin bei der ursprünglichen Berechnung des
versicherten Verdienstes die ausserordentlichen Prämien und Zulagen als
normalerweise ausbezahlte Lohnbestandteile vollständig mitberücksichtigt hat, obwohl
eine solche Qualifizierung offensichtlich falsch war, war die Höhe des versicherten
Verdienstes zweifellos unrichtig. Hierbei handelt es sich um einen Fehler in der
Rechtsanwendung, indem der Begriff des versicherten Verdienstes nicht richtig
angewendet wurde, und nicht – wie die Beschwerdeführerin geltend macht – um eine
Uminterpretation der bekannten Sachlage. Die Erheblichkeit der Berichtigung ist
sodann beim fraglichen Rückforderungsbetrag von über Fr. 12‘377.45 ohne weiteres
gegeben. Demnach sind die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der
ursprünglichen Taggeldabrechnungen erfüllt.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht sinngemäss geltend, sie habe in guten Treuen auf
den ihr mit Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 8. Oktober 2015
bekanntgegebenen versicherten Verdienst, der Grundlage für die Berechnung der
ursprünglichen Taggelder Oktober 2015 bis September 2016 gebildet habe, vertraut.
Den Schaden, welcher ihr mit der Herabsetzung und der Rückforderung der
Arbeitslosenentschädigung entstanden sei, habe daher die Beschwerdegegnerin zu
tragen.
3.2 In dem auf dem Wege der Wiedererwägung neu eröffneten Verfahren kann sich
durchaus die Frage stellen, ob aus Gründen des Vertrauensschutzes allenfalls eine
Leistung zuzusprechen ist, auf die an sich nach dem materiellen Recht kein Anspruch
bestünde. Die Zulässigkeit der Wiedererwägung bedeutet also nicht bereits, dass kein
Vertrauensschutz bestehen kann. Unrichtige Auskünfte von Behörden entfalten jedoch
nur vertrauensschützende Wirkung, wenn sie inhaltlich bestimmt sind, die
auskunftserteilende Behörde zuständig war, die Auskunft vorbehaltslos erteilt wurde,
die Fehlerhaftigkeit nicht erkennbar war, gestützt auf die Auskunft nachteilige
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Dispositionen getroffen wurden und sich die Sach- oder Rechtslage seither nicht
geändert hat (BGE 131 V 472 E. 5 S. 480 mit weiteren Hinweisen).
3.3 Im vorliegenden Fall ist nicht ersichtlich, welche nicht ohne Nachteile rückgängig
zu machenden Dispositionen die Beschwerdeführerin gestützt auf die Auskunft vom 8.
Oktober 2015 (act. G3.1/9) bzw. der Taggeldabrechnungen der Monate Oktober 2015
bis September 2016 (act. G3.1/23) getätigt haben soll. Der blosse Verbrauch von
unrechtmässig bezogenen Geldmitteln kann rechtsprechungsgemäss nicht als
Disposition im Sinn der Voraussetzung des Vertrauensschutzes gelten (Urteil des EVG
vom 12. Mai 2004, U_88/2003, mit Hinweisen). Da bereits aus diesem Grund eine
Anrufung des Vertrauensschutzes im Sinne von Art. 9 BV scheitert, erübrigt sich
vorliegend die Prüfung der übrigen Voraussetzungen. Unter dem Titel des
Vertrauensschutzes kann vorliegend nicht auf eine Rückforderung verzichtet werden
(KIESER, a.a.O., N 19 zu Art. 25 ATSG).
3.4 Quantitative Einwendungen sind gegen die Berechnung der Rückforderung nicht
vorgebracht worden; eine summarische Überprüfung ergibt, dass der
Rückforderungsbetrag von Fr. 12'377.45 korrekt ermittelt wurde (act. G 3.1/8).
4.
4.1 Gemäss Art. 4 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSV; SR 830.11) wird der in Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG
vorgesehene Erlass auf schriftliches Gesuch gewährt. Das Gesuch ist zu begründen,
mit den nötigen Belegen zu versehen und spätestens 30 Tage nach Eintritt der
Rechtskraft der Rückforderungsverfügung einzureichen. Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens bildet allein die Frage, ob ein Rückforderungsanspruch besteht. Der Erlass
ist somit in einem getrennten Verfahren geltend zu machen.
4.2 Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid vom 14.
Februar 2017 als korrekt. Die Beschwerde ist demzufolge abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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