Decision ID: ffdae728-8ed9-431e-9b97-ffad3725b3c4
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde von ihren Eltern am 20. Juli 2011 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen angemeldet (IV-act. 1).
Dr. med. B._, Ärztin in der Augenklinik am Universitätsspital Zürich, gab in ihrem
Bericht vom 11. August 2011 an, dass bei der Versicherten eine kongenitale Katarakt
sowie eine Refraktionsanomalie links vorlägen. Die Erkrankung sei erstmals am 10. Juni
2011 festgestellt worden. Es handle sich um Geburtsgebrechen gemäss den Ziffern
419 und 425 der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV; SR 831.232.21). Die
Behandlung erfolge mittels einer Brille sowie Okklusionspflaster. Eventuell sei später
eine operative Therapie angezeigt (IV-act. 9). Mit einer Mitteilung vom 30. September
2011 sprach die IV-Stelle der Versicherten die Kosten für die Behandlung der
Geburtsgebrechen Ziff. 419 und 425 und die ärztlich verordneten Behandlungsgeräte in
einfacher und zweckmässiger Ausführung vom 10. Juni 2011 bis 31. Dezember 2021
zu (IV-act. 11).
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A.b Am 8. August 2013 ersuchte der Vater der Versicherten die IV-Stelle um die
Übernahme der Flugkosten von C._ nach D._, wo er seine Tochter behandeln
lassen wolle. Zur Begründung führte er aus, dass bei seiner Tochter seit einiger Zeit
vermehrt ein Strabismus aufgetreten sei, was gemäss der behandelnden Ärztin Dr.
B._ als Scheitern der konservativen Therapie gesehen werden könne. Falls ein letzter
konservativer Behandlungsversuch bis Anfang September keine Verbesserung zeige,
müsse seine Tochter wahrscheinlich operiert werden. Bei der unilateralen kongenitalen
Katarakt seiner Tochter handle es sich um eine Erkrankung mit sehr kleiner Inzidenz. In
der Schweiz würden nur ca. 30 Kinder pro Jahr mit dieser Erkrankung geboren. Die
meisten von diesen Kindern seien bisher am Universitätsspital Zürich operiert worden
(ca. 20). Die dort zuständige Ärztin Dr. B._ habe jedoch ihre Tätigkeit diesen Sommer
aufgegeben und führe nun eine eigene Praxis. Ihr Nachfolger sei zwar ein Katarakt-
Chirurg, habe jedoch bisher noch keine Erfahrung mit der Behandlung von Kindern.
Unter diesen Umständen wolle er seine Tochter nicht am Universitätsspital Zürich
operieren lassen. Am Hospital E._ in F._ existiere eine spezialisierte Children’s
Cataract Service Unit, die sich nur um diese Erkrankung kümmere. Da eine solche
Kompetenz in der Schweiz mangels Fallzahlen nicht zur Verfügung stehe, wolle er seine
Tochter zuerst dort vorstellen und gegebenenfalls auch dort operieren lassen. Die
Kosten für die Behandlung/Operation habe die Krankenkasse bereits zugesprochen, da
seine Tochter weltweit freie Arzt- und Spitalwahl habe (IV-act. 15). Der Regionale
Ärztliche Dienst der IV-Stelle (RAD) hielt nach vorgenommener Rücksprache mit einer
auf Augenkrankheiten bei Kindern spezialisierten Augenärztin am 13. September 2013
fest, dass die Notwendigkeit einer Operation einer Katarakt bei einem Kind von der
Entwicklung der Sehschärfe und nicht von einem Strabismus abhänge. Weiter gebe es
in der Schweiz genügend qualifizierte Ärzte, die eine Katarakt bei Kindern operieren
könnten, wie z.B. Dr. G._ in C._ oder Dr. I._ in St. Gallen (IV-act. 17).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 17. September 2013 stellte die IV-Stelle die
Ablehnung einer Kostenübernahme für eine Behandlung/Operation der Versicherten in
D._ sowie die Ablehnung einer Kostenübernahme für die Flüge von C._ nach D._
in Aussicht. Sie hielt fest, dass die Krankenkasse zwar eine Kostenübernahme der
Behandlung bestätigt habe, jedoch sei die Krankenkasse nur vorleistungspflichtig und
werde die Behandlungskosten zu einem späterem Zeitpunkt der Invalidenversicherung
in Rechnung stellen. Aus diesem Grund werde auch zur Behandlung/Operation
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Stellung genommen und nicht nur zu den beantragten Transportkosten. Die
Abklärungen des RAD hätten ergeben, dass die Behandlung (inklusive allfälliger
Operation) durchaus in der Schweiz möglich sei. Es gebe am Universitätsspital Zürich
sowie auch am Kantonsspital St. Gallen (KSSG) qualifizierte Ärzte, die eine Katarakt bei
Kindern operieren könnten (IV-act. 20). Gegen diesen Vorbescheid wendete der Vater
der Versicherten am 18. September 2013 ein, dass er in Abweichung von der
Beurteilung des RAD die Frage nach der Durchführbarkeit einer Operation in der
Schweiz nicht nur an dem vorhandenen medizinischen Fachwissen festmache, sondern
auch an der Höhe der Fallzahlen. Während die kongenitale Katarakt mit einer Fallzahl
von weniger als 30 bereits zu den seltenen Geburtsgebrechen zähle, betreffe die bei
seiner Tochter vorliegende inkomplette unilaterale kongenitale Katarakt eine nochmals
kleinere Patientengruppe. Der vom RAD erwähnte Dr. G._ sei bereits seit 2007 nicht
mehr am Universitätsspital Zürich tätig und führe eine eigene Praxis. Weiter seien am
Kantonsspital St. Gallen, auf welches der RAD ebenfalls verwiesen habe, lediglich 10
entsprechende Operationen innert 5 Jahren durchgeführt worden. Abgesehen von der
niedrigen Fallzahl sei auch nicht garantiert, dass diese Operationen alle vom gleichen
Arzt vorgenommen worden seien. Unter diesen Umständen sei eine Operation in der
Schweiz zwar allenfalls technisch durchführbar, jedoch nicht zumutbar (IV-act. 24).
A.d Gemäss seiner Stellungnahme vom 27. September 2013 veranlasste der RAD
ein Aktengutachten bei Dr. med. C. I._, Chefarzt der Augenklinik am KSSG, zur Frage
der Möglichkeit einer Kataraktoperation der Versicherten im KSSG bzw. einer anderen
Klinik in der Schweiz (IV-act. 25). In seinem Aktengutachten vom 11. Oktober 2013 hielt
Dr. I._ fest, dass der Katarakt der Versicherten im KSSG operiert werden könne. Die
Versicherte sei mittlerweile deutlich älter als zwei Jahre. Eine Kataraktoperation bei
einem Kind in diesem Alter sei für einen erfahrenen Operateur nicht schwierig. Aus
diesem Grund werde am KSSG kein besonderes Register über die Zahl solcher
Eingriffe geführt. Die Operationen würden entweder von Dr. med. J._, Dr. med. K._
oder von ihm selbst durchgeführt. Viel entscheidender als die Operation selbst sei die
korrekte Indikationsstellung zur Operation und die korrekte postoperative Betreuung in
einer Abteilung für Strabologie. Diese Betreuung sei am KSSG durch Dr. med. K._
ebenfalls gewährleistet (IV-act. 28).
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A.e Mit einer Verfügung vom 4. November 2013 wies die IV-Stelle die Übernahme
der Behandlungskosten (inklusive Operation) in D._ inklusive der damit verbundenen
Transportkosten ab. Die Invalidenversicherung könne sich in dem Umfang an den
Kosten beteiligen, in welchem sie auch in der Schweiz angefallen wären (Operation,
postoperative Behandlung). Dafür seien aber sämtliche Kopien der Rechnungen des
Spitals und vorliegende Berichte von D._ einzureichen. Betreffend den Einwand des
Vaters der Versicherten vom 18. September 2013 verwies die IV-Stelle auf das
Aktengutachten von Dr. I._. Dieser habe klar festgehalten, dass die notwendige
Operation der Versicherten in der Augenklinik am KSSG möglich sei (IV-act. 30).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der durch ihre Eltern
vertretenen Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführerin) vom 30. November 2013.
Die Eltern beantragen die Aufhebung der angefochtenen Verfügung sowie die
Übernahme der Behandlungskosten ihrer Tochter in D._ und der damit verbundenen
Reisekosten. Eventualiter sei der medizinische Sachverhalt von einem unabhängigen
Experten zu überprüfen. Zur Begründung führen die Eltern aus, dass es sich bei der
inkompletten unilateralen kongenitalen Katarakt ihrer Tochter um eine seltene
Erkrankung handle. In der Schweiz gebe es nur wenige Patienten, welche sich auch
noch auf die verschiedenen Spitäler verteilten, so dass nur beschränkte Erfahrungen
bezüglich Diagnostik, Therapie und vor allem Verlauf bestünden. Anders sehe die
Situation im Hospital E._ aus, welches eine spezialisierte Katarakt-Abteilung
unterhalte und durch die hohe Patientenzahl über ausreichende Erfahrung verfüge.
Nachdem von den behandelnden Ärzten in der Schweiz eine Operationsindikation
gestellt worden sei, hätten sie sich entschieden, ihre Tochter im Hospital E._
operieren zu lassen. Bei der dortigen Konsultation durch die weltweit anerkannte
Spezialistin auf diesem Gebiet, L._, sei diese zum Schluss gekommen, dass ihre
Tochter zur Zeit nicht operiert werden müsse. Den aufgetretenen Strabismus habe die
Ärztin auf die Hyperopie ihrer Tochter zurückgeführt, da hyperope Kinder ca. ab dem 2.
Lebensjahr dazu tendierten, einen Strabismus zu entwickeln. In der Folge seien nur
spezielle Brillengläser sowie das Weiterführen der Therapie verordnet worden. Es sei
vereinbart worden, dass ihre Tochter Ende April/Anfang Mai 2014 wieder vorgestellt
werde und bis dahin regelmässige Kontrollen bei Dr. B._ in der Schweiz gemacht
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würden. Hätte man die Behandlung – wie von der IV-Stelle gefordert – in der Schweiz
durchgeführt, wäre ihre Tochter heute operiert und mit einer künstlichen Linse ihrer
Akkommodationsfähigkeit beraubt (act. G 1).
B.b Am 28. Januar 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde und verweist zur Begründung auf die Stellungnahme des internen
Fachbereichs vom 14. Januar 2014. Darin wurde ausgeführt, dass die Eltern in der
Beschwerde an ihrem bisherigen Standpunkt festhielten, wonach es den Ärzten in der
Schweiz an Erfahrung fehle. Zu diesem Punkt sei bereits wiederholt Stellung
genommen worden (Vorbescheid, Verfügung). Betreffend das Ergebnis der
Untersuchung in D._, dass bei der Beschwerdeführerin (vorerst) keine Operation
notwendig sei, hätten die Eltern vorgebracht, dass bei einer Behandlung in der Schweiz
(fälschlicherweise) eine Operation bei ihrer Tochter durchgeführt worden wäre. Dazu sei
festzuhalten, dass Ärzte bezüglich der effektivsten Behandlungsmethode eines
Gebrechens üblicherweise unterschiedliche Meinungen verträten. Da bis zum heutigen
Zeitpunkt kein Gesuch um eine Kostenübernahme für eine Operation der
Beschwerdeführerin (von einem Augenarzt oder einer Augenklinik) eingegangen sei, sei
nicht ausgeschlossen, dass z.B. die Augenklinik am KSSG nach einer entsprechenden
Untersuchung ebenfalls von einer Operation abgeraten hätte. Eine versicherte Person
habe Anspruch auf eine einfache und zweckmässige Versorgung. Dass die Eltern der
Beschwerdeführerin die bestmögliche Versorgung wünschten, sei nachvollziehbar,
könne aber nicht von der Invalidenversicherung finanziert werden (act. G 4).
B.c Mit einer Replik halten die Eltern der Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest.
Sie machen geltend, es werde grundsätzlich nicht bestritten, dass eine
Kataraktdiagnostik bzw. -operation mit dazugehöriger Nachversorgung bei einem
Kleinkind nicht auch in der Schweiz durchgeführt werden könnte. Jedoch könne nicht
wegdiskutiert werden, dass es durch die niedrige Inzidenz dieser Erkrankung nur eine
vergleichsweise kleine Anzahl von betroffenen Kleinkindern gebe. Da sich die Patienten
auf das ganze Land verteilten, bedeute dies notwendigerweise, dass der einzelne
Ophthalmologe nur über begrenzte Erfahrung verfügen könne. Daher sei es angezeigt,
Patienten in eine spezialisierte Klinik, wie im Fall ihrer Tochter in die Katarakt-Abteilung
des Hospital E._ zu bringen, wo durch die hohen Fallzahlen, die aktive Forschung
und die Erfahrungen mit dem Verlauf der Erkrankung eine den Bedürfnissen eines
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Kleinkindes angepasste Behandlung möglich sei. Die im Nachhinein gemachte
Aussage der Beschwerdegegnerin, dass auch die Augenklinik am KSSG eventuell von
einer Operation abgesehen hätte, sei eine reine Vermutung und sollte nicht bei einem
Vergleich der Behandlungskompetenzen zwischen dem Hospital E._ und dem KSSG
herangezogen werden (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 8).

Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) haben versicherte Personen bis zum vollendeten 20. Altersjahr
Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen notwendigen medizinischen
Massnahmen. Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter
Geburt bestanden haben (Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]). Der Bundesrat ist der Aufgabe, eine
Liste der anerkannten Geburtsgebrechen zu erstellen (vgl. Art. 13 Abs. 2 IVG), mit dem
Erlass der GgV nachgekommen (vgl. Art. 3 IVV). Bei der Beschwerdeführerin liegen
unumstritten die Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 419 und 425 GgV vor. Folglich hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin mit der Mitteilung vom 30. September
2011 die Kosten für die Behandlung der genannten Geburtsgebrechen sowie die
ärztlich verordneten Behandlungsgeräte in einfacher und zweckmässiger Ausführung
zugesprochen (vgl. IV-act. 11).
1.2 Den Anfechtungsgegenstand bildet die Verfügung vom 4. November 2013,
womit die Beschwerdegegnerin die Übernahme sowohl der Behandlungs- bzw.
Operationskosten in D._ als auch der damit verbundenen Reisekosten abgelehnt hat.
Fraglich ist, was den vorliegend zu beurteilenden Streitgegenstand darstellt. Die Eltern
der Beschwerdeführerin haben in der Beschwerde angegeben, dass sie nur die
Übernahme der Reisekosten als umstritten erachten. Die Behandlungskosten seien zu
einem Teil durch die in der Verfügung erfolgte Zusprache der Beschwerdegegnerin,
wonach sie die Kosten in dem Umfang übernehme, in welchem sie auch in der Schweiz
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angefallen wären, gedeckt. Die darüber hinausgehenden Kosten würden von der
Krankenkasse der Beschwerdeführerin übernommen, da sie eine Zusatzversicherung
mit weltweit freier Arzt- und Spitalwahl habe. Dazu ist festzuhalten, dass es vorliegend
um medizinische Massnahmen zur Behandlung eines Geburtsgebrechens im Sinne von
Art. 13 IVG geht, wofür die Invalidenversicherung und nicht die Krankenkasse
zuständig ist. Die Krankenkasse ist bei Zweifeln über die Leistungspflicht der
Invalidenversicherung lediglich vorleistungspflichtig (vgl. Art. 70 Abs. 2 lit. a ATSG).
Gemäss dem Gesuch des Vaters vom 8. August 2013 hat die Krankenkasse die Kosten
für die Behandlung in D._ zugesprochen, jedoch die Kostenübernahme für die Reise
dahin abgelehnt (vgl. IV-act. 15-2). Aus diesem Grund haben die Eltern bei der
Beschwerdegegnerin nur die Übernahme der Reisekosten beantragt. Auf Nachfrage
der Beschwerdegegnerin hat die zuständige Krankenkasse am 17. September 2013
angegeben, dass sie im Zeitpunkt der Kostengutsprache nicht gewusst habe, dass bei
der Beschwerdeführerin ein Geburtsgebrechen vorliege (vgl. IV-act. 22). In welchem
Umfang sie die allenfalls bereits vorgeleisteten Kosten von der Beschwerdegegnerin
zurückfordern wird und ob sie im Falle einer ganzen oder teilweisen Ablehnung der
Übernahme der Behandlungskosten durch die Invalidenversicherung die nicht
gedeckten Kosten übernehmen wird, kann offen bleiben. Entscheidend ist, dass die
Leistungspflicht für die medizinische Behandlung von Geburtsgebrechen bei der
Invalidenversicherung liegt. Die von der Krankenkasse vorgenommene Aufteilung in
Behandlungs- und Reisekosten, kann im Bereich der Invalidenversicherung nicht
gemacht werden. Die Zusprache für die Übernahme der Reisekosten hat
notwendigerweise auch die Zusprache der Behandlungskosten zur Folge und
umgekehrt. Würde die Beschwerdegegnerin die Kosten für die Reise nach D._
übernehmen, müsste sie also auch für die dort anfallenden Behandlungskosten in
vollem Umfang aufkommen. Die allenfalls in Vorleistung gegangene Krankenkasse
könnte in diesem Fall die gesamten Kosten von der Invalidenversicherung
zurückfordern. Aus diesem Grund hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch zu Recht
als Ganzes geprüft und nicht nur auf die Übernahme der Reisekosten beschränkt.
Unabhängig davon, ob die Eltern vorliegend ein Interesse an der Übernahme der
Behandlungskosten in D._ haben oder nicht, umfasst der Streitgegenstand
notwendigerweise die Übernahme sowohl der Reisekosten als auch der
Behandlungskosten im Ausland.
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2.
2.1 Nach Art. 9 Abs. 1 IVG werden Eingliederungsmassnahmen nur ausnahmsweise
auch im Ausland gewährt. Art. 23 der Verordnung über die Invalidenversicherung
(IVV; SR 831.201) regelt die Kostenübernahme durch die Invalidenversicherung für
Eingliederungsmassnahmen, inklusive medizinische Massnahmen, im Ausland.
Gemäss Art. 23 Abs. 1 IVV übernimmt die Invalidenversicherung die Kosten einer
einfachen und zweckmässigen Durchführung einer Eingliederungsmassnahme im
Ausland, wenn sich die Durchführung in der Schweiz als unmöglich erweist,
insbesondere weil die erforderlichen Institutionen oder Fachpersonen fehlen. Im
Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (KSME, gültig ab 01.01.2015) wird in Rz. 1237 konkretisierend
ausgeführt, dass die Gewährung von Versicherungsleistungen in Betracht falle, wenn
wegen der Besonderheit oder Seltenheit der Massnahme in der Schweiz keine
entsprechende Behandlungsstelle oder Fachpersonen vorhanden sind. Nach Art. 23
Abs. 2 IVV übernimmt die Invalidenversicherung auch die Kosten für die einfache und
zweckmässige Durchführung medizinischer Massnahmen, die notfallmässig im Ausland
durchgeführt werden. Im Sinne eines Auffangtatbestands bestimmt Art. 23 Abs. 3
IVV, dass die Invalidenversicherung die Kosten einer Eingliederungsmassnahme bis zu
dem Umfang vergütet, in welchem sie in der Schweiz zu erbringen gewesen wären,
wenn die Massnahme aus anderen (als die in Abs. 1 und 2 genannten) beachtlichen
Gründen im Ausland durchgeführt wird. Laut Rz. 1239 KSME liegen beachtliche
Gründe vor, wenn die Fortsetzung oder der Abschluss einer begonnenen Behandlung
durch den gleichen Arzt nur im Ausland möglich ist, spezialisierte Kliniken im Ausland
über mehr Erfahrung auf dem Gebiet für seltene und komplizierte Operationen und in
der Nachbehandlung verfügen und dadurch das Operationsrisiko nachweislich deutlich
vermindert werden kann, oder bei einem längeren Geschäfts- oder Sprachaufenthalt im
Ausland.
2.2 Umstritten und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Vorliegen der
Voraussetzung gemäss Art. 23 Abs. 1 IVV, namentlich die Unmöglichkeit der
medizinischen Behandlung in der Schweiz, zu Recht verneint hat. Sie hat sich bei ihrem
Entscheid auf das Aktengutachten von Dr. I._ vom 11. Oktober 2013 gestützt,
welcher angegeben hat, dass die Kataraktoperation bei der Beschwerdeführerin in der
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Augenklinik am KSSG möglich sei. Die Eltern der Beschwerdeführerin bestreiten die
grundsätzliche Möglichkeit einer Kataraktoperation bei einem Kind in der Schweiz
nicht, halten diese aber aufgrund der nach ihren Angaben niedrigen Patientenzahlen
und der daraus resultierenden geringen Erfahrung der in der Schweiz tätigen Ärzte für
unzumutbar.
2.3 Dem ist zu entgegnen, dass im Rahmen von Art. 23 Abs. 1 IVV lediglich
geprüft wird, ob in der Schweiz Fachpersonen oder Behandlungsstellen vorhanden
sind, welche aufgrund ihres medizinischen Fachwissens die notwendige Operation
bzw. Behandlung durchführen können. Sofern solche Fachpersonen in der Schweiz
vorhanden sind, kommt eine Kostenübernahme gemäss Art. 23 Abs. 1 IVV nicht in
Betracht. Die weitergehende Frage, wieviel Erfahrung die Fachpersonen oder
Behandlungsstellen in Bezug auf die zu behandelnde Erkrankung haben, ist im Rahmen
von Art. 23 Abs. 1 IVV nicht massgebend, solange die Durchführbarkeit der
Behandlung bzw. Operation in der Schweiz feststeht. Gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung reicht selbst der Umstand, dass eine besonders seltene Krankheit
vorliegt, mit welcher die in der Schweiz tätigen Spezialisten noch kaum konfrontiert
worden sind und über sehr wenig Erfahrung verfügen, nicht aus, um eine
Kostengutsprache gestützt auf Art. 23 Abs. 1 IVV zu bejahen (vgl. Urteile des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 27. November 2001, I 129/01, E. 2c; vom
21. Juli 2000, I 740/99; vom 15. Februar 2000, I 364/99; vom 20. September 1999, I
106/99 und vom 15. Januar 1999, I 303/98). Das von den Eltern vorgebrachte Kriterium
der geringen Erfahrung der Ärzte, was eine Kataraktoperation bei einem Kleinkind in
der Schweiz ihrer Ansicht nach unzumutbar mache, kann somit entsprechend der
strengen bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu einer Kostengutsprache nach
Art. 23 Abs. 1 IVV führen. Eine Berücksichtigung dieses Kriteriums kommt nur im
Rahmen des Auffangtatbestandes nach Art. 23 Abs. 3 IVV in Betracht und kann dort
allenfalls zu einer (begrenzten) Kostengutsprache führen, wenn die weiteren
Voraussetzungen gegeben sind (vgl. oben, E. 2.1).
2.4 Im vorliegenden Fall lässt sich nicht behaupten, dass in der Schweiz die
notwendigen Fachpersonen zur Behandlung bzw. Operation einer Katarakt bei einem
Kind fehlten und die medizinische Behandlung in der Schweiz daher im Sinn von
Art. 23 Abs. 1 IVV unmöglich sei. Dr. I._ hat in seinem Aktengutachten
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festgehalten, dass die Behandlung und allenfalls Operation der Beschwerdeführerin in
der Augenklinik am KSSG möglich seien. Die Beschwerdeführerin sei mittlerweile
deutlich älter als zwei Jahre. Eine Kataraktoperation bei einem Kind dieses Alters sei für
einen erfahrenen Operateur nicht schwierig, weshalb am KSSG auch kein spezielles
Register über die Zahl solcher Eingriffe geführt werde. Die Operationen würde nebst
zwei anderen Ärzten auch er durchführen. Viel entscheidender als die Operation selbst
sei die korrekte Indikationsstellung zur Operation und die korrekte postoperative
Betreuung, welche am KSSG durch Dr. K._ ebenfalls gewährleistet seien (vgl. IV-act.
28). Aus den Angaben von Dr. I._ geht hervor, dass in der Augenklinik am KSSG das
nötige medizinische Fachwissen vorhanden ist, um sowohl die Behandlung als auch –
falls nötig – die Operation der Katarakt der Beschwerdeführerin durchführen zu können.
Folglich hat die Beschwerdegegnerin das Vorliegen der Voraussetzungen nach Art.
23 Abs. 1 IVV zu Recht verneint und die Übernahme der Behandlungs- bzw.
Operationskosten in D._ sowie die damit verbundenen Reisekosten zu Recht
abgelehnt.
2.5 In der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin festgehalten, dass
sie sich in dem Umfang an den Kosten beteiligen könne, wie sie auch in der Schweiz
angefallen wären (Operation, postoperative Behandlung). Dazu seien ihr aber sämtliche
Kopien der Rechnungen des Spitals und vorliegende Berichte (Ein-/Austritt, Operation)
in Boston einzureichen (vgl. IV-act. 30-2). Mit diesem Hinweis hat die
Beschwerdegegnerin zum Ausdruck gebracht, dass sie eine Kostengutsprache für die
gemäss dem Gesuch des Vaters vom 8. August 2013 (vgl. IV-act. 15) in D._ geplante
Kataraktoperation im begrenzten Rahmen nach Art. 23 Abs. 3 IVV für zulässig
erachtet hat. Nach dem Erlass der Verfügung haben die Eltern mitgeteilt, die
Untersuchung im Hospital E._ habe ergeben, dass ihre Tochter zurzeit nicht operiert
werden müsse (vgl. act. G 1). Das Gesuch um Kostengutsprache in Bezug auf die
Operation ist damit hinfällig geworden. Sollte sich später eine Kataraktoperation als
notwendig erweisen, deren Kosten von der Invalidenversicherung übernommen werden
sollen, hätte sich die Beschwerdeführerin mit einem neuen Gesuch um
Kostengutsprache an die Beschwerdegegnerin zu wenden. In einem solchen Fall wäre
die Beschwerdegegnerin nicht an die in der angefochtenen Verfügung erteilte
Kostengutsprache gemäss Art. 23 Abs. 3 IVV gebunden, da sich diese Gutsprache
ausschliesslich auf die gemäss dem Gesuch vom 8. August 2013 geplante Operation
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bezogen hat. Vielmehr hätte sie von neuem zu prüfen, ob bezüglich der ersuchten
Behandlung/Operation die Voraussetzungen für eine Kostengutsprache nach Art. 23
Abs. 3 IVV gegeben sind.
3.
3.1 Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint bei dem vorliegenden durchschnittlichen Beurteilungsaufwand angemessen.
Der unterliegenden Beschwerdeführerin sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 600.--
aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP/
sGS 951.1]). Mit dem geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- sind die
Gerichtskosten beglichen.