Decision ID: 06bb010c-87f6-532c-b26c-e318cd8562b7
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 12. Dezember 2016 bei der Gemeinde Saanen
ein Baugesuch ein für das Erstellen und Betreiben einer Bowls Anlage mit zwei
Spielbahnen (Spielfläche total 31 m x 8 m) mit grünem Kunstrasen-/Teppichbelag auf
sickerfähiger Asphalt-, Beton-Tragschicht. Das Baugesuch umfasst weiter das Aufstellen
eines Gartenhauses und Werbeelemente. Die Nutzung der Anlage und die Werbung
werden nur für die Monate April bis November beantragt. Die hier betroffene Parzelle
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Saanen Grundbuchblatt Nr. D._ liegt in der Zone für Sport und Freizeit ZSF.
Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 6. Juli 2017 erteilte die Gemeinde Saanen die Baubewilligung.
Sie legte in ihrem Entscheid fest, dass die temporären Reklamefahnen und temporären
Werbebanden nur während dem Spiel- und Trainingsbetrieb aufgestellt werden dürfen.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 4. August 2017 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er stellt folgende
Rechtsbegehren:
"1. Der Gesamtentscheid Nr. 2016-178 der Einwohnergemeinde Saanen vom 6. Juli
2017 sei aufzuheben und dem Vorhaben sei der Bauabschlag zu erteilen;
2. Eventuell: Der Gesamtentscheid Nr. 2016-178 der Einwohnergemeinde Saanen vom
6. Juli 2016 sei aufzuheben, soweit damit auch die Bewilligung für das Aufstellen
eines Gartenhauses erteilt wurde und von der Rechtsverwahrung sei Kenntnis zu
nehmen und zu geben;
3. Subeventuell: Der Gesamtentscheid Nr. 2016-178 sei um die Auflage, dass allfällige
privatrechtliche Angelegenheiten (Bauverbot etc.) vor Beginn der Bauarbeiten mit
den jeweiligen Eigentümern zu regeln sind, zu ergänzen und von der
Rechtsverwahrung sei Kenntnis zu nehmen und zu geben;
unter Kosten und Entschädigungsfolge."
Der Beschwerdeführer macht insbesondere eine Gehörsverletzung, die fehlende
Zonenkonformität, eine Unterschreitung des Grenzabstandes, eine Verletzung der
Lärmvorschriften sowie eine Verletzung der Baubeschränkung geltend.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Das Rechtsamt forderte den
Beschwerdegegner auf, die von ihm eingereichte Beschwerdeantwort zu unterzeichnen
und die Zeichnungsberechtigung des für ihn handelnden Präsidenten mittels eines
unterzeichneten Protokollauszuges zu belegen. Der Beschwerdegegner kam dieser
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Aufforderung nach. Das Rechtsamt der BVE teilte den Parteien zudem mit, dass nach
einer summarischen Einschätzung des Rechtsamtes der BVE die geplante Bowls Anlage
bewilligungspflichtig sei und den in dieser Zone vorgeschriebenen Grenzabstand von 3 m
nicht einhalte (Anhang 7 zum Gemeindebaureglement). Da der Beschwerdeführer die
diesbezügliche Rüge erst im Beschwerdeverfahren vorgebracht habe, werde Gelegenheit
gegeben, das Baugesuch zurückzuziehen oder zu diesen Überlegungen Stellung zu
nehmen. Die darauf folgenden Stellungnahmen der Gemeinde und des
Beschwerdegegners vom 5. Oktober 2017 wurden den übrigen Verfahrensbeteiligten
zugestellt. Auf die Rechtsschriften und Stellungnahmen wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache
abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher
zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde
ist einzutreten.
b) In ihrer Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 führt die Gemeinde aus, es sei durch
das Rechtsamt der BVE festzustellen, ob auf die erst im Beschwerdeverfahren
vorgebrachte Rüge des nicht eingehaltenen Grenzabstandes einzutreten sei.
Am 1. April 2017 ist der revidierte Art. 40 Abs. 2 BauG in Kraft getreten. Demnach entfällt
die Einschränkung auf Rügen, die bereits in der Einsprache erhoben worden sind. Da es
sich dabei um eine verfahrensrechtliche Regelung handelt, ist diese sofort, also auch auf
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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hängige Verfahren, anzuwenden.3 Der Beschwerdeführer darf daher im
Beschwerdeverfahren neue Rügen erheben.
2. Grenzabstand
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, der in der vorliegenden Zone vorgesehene
Grenzabstand von 3 m werde nicht eingehalten. Der Beschwerdegegner hält das Vorhaben
nicht für baubewilligungspflichtig, weshalb der Grenzabstand nicht einzuhalten sei. In
seiner Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 bringt der Beschwerdegegner zudem vor, die
geplante Bowls Anlage sei lediglich ein weiteres, ebenerdiges Spielfeld innerhalb der Zone
für öffentliche Nutzung, vergleichbar mit den Flächen des Tennisplatzes und der Eisbahn,
welche beide bis an die Grundstückgrenzen reichten. Das Bowls Spielfeld sei eine
Teilfläche des Nutzungsbereichs für die Eisbahn und sei eine bereits entsprechend
ausgestaltete ebene Fläche mit sickerfähigem Untergrund. Die Gemeinde führte in ihrer
Stellungnahme vom 5. Oktober 2017 aus, sie teile die Einschätzung des Rechtsamtes,
dass das Bauvorhaben bewilligungspflichtig sei. Der im Anhang 7 des Baureglements
aufgeführte Grenzabstand von 3 m beziehe sich auf Gebäude, deren Maximalhöhe im
gleichen Satz festgelegt werde. Für Aussenanlagen mit einer Höhe von 1.20 m seien keine
Minimalabstände definiert.
b) Nach Art. 1a Abs. 1 BauG sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauvorhaben, die in fester Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die
Nutzungsordnung zu beeinflussen, baubewilligungspflichtig. Massstab dafür, ob eine
bauliche Massnahme erheblich genug ist, um sie dem Bewilligungsverfahren zu
unterwerfen, ist die Frage, ob mit deren Realisierung nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge so wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit
oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht.4 Keiner Baubewilligung
bedürfen nach Art. 1b Abs. 1 BauG der Unterhalt von Bauten und Anlagen, für eine kurze
Dauer erstellte Bauten und Anlagen sowie andere geringfügige Bauvorhaben. Im Übrigen
bestimmt das Baubewilligungsdekret die baubewilligungsfreien Bauvorhaben.
Baubewilligungsfrei sind etwa kleine Nebenanlagen wie kurze Sichtschutzwände, auf zwei
3 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 25 N. 11 4 BGE 120 Ib 379 E. 3c sowie Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.1a N. 10 m.w.H.
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Seiten offene, ungedeckte Gartensitzplätze oder unbeheizte Schwimmbecken bis zu 15 m2
Fläche (Art. 6 Abs. 1 Bst. b BewD5). Nicht nur Neuerstellungen bedürfen einer
Baubewilligung, auch Erweiterungen von Bauten und Anlagen sind grundsätzlich
baubewilligungspflichtig.6
Die geplanten zwei Spielbahnen weisen eine Spielfläche von 248 m2 auf (31 m x 8 m). Die
heute bestehende offenbar drainierte Grasfläche7 soll gemäss Umschreibung des
Bauvorhabens im Baugesuch durch eine 7 cm dicke sickerfähigen Asphalt-, Beton-
Tragschicht ersetzt und in den Monaten April bis November mit grünem Kunstrasen-
/Teppichbelag bedeckt werden. Vorgesehen sind insbesondere am Rand des Spielfelds 15
cm tiefe und 20 cm breite Rinnen ("Ditch"), daran anschliessend an den schmalen Seiten
des Feldes zwei mobile Rückwände mit Sitzbank, diverse (Stütz-)mauern und
verschiedene Werbeelemente für Sponsoren.8
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung stellt das Einrichten eines Autoabstellplatzes
mit Rasengittersteinen einen baubewilligungspflichtigen Vorgang dar.9 Das
Verwaltungsgericht hat zudem entschieden, dass das Herrichten eines Reitplatzes mit
Grasboden zu einem Allwetterplatz mit Kies- und Sandbelag bewilligungspflichtig ist.10
Gleiches muss für die vorliegend umstrittene Spielfläche gelten. Sie steht mit der neu
geplanten 7 cm dicken sickerfähigen Asphalt-, Beton-Tragschicht in fester Beziehung zum
Erdboden und enthält zusätzlich oberirdische Bauteile (Mauern und mobile Rückwände).
Aufgrund der vorgesehenen Grösse und dem Spielzweck ist sie geeignet, die
Nutzungsordnung zu beeinflussen. In Übereinstimmung mit der Gemeinde ist daher davon
auszugehen, dass die Bowls Anlage baubewilligungspflichtig ist. Ebenfalls
bewilligungspflichtig sind die vorgesehenen Werbeelemente für Sponsoren, da es sich
dabei nicht um Eigenreklamen im Sinne von Art. 6a Abs. 1 BewD handelt. Diese umfassen
nur Werbung auf dem eigenen Betriebs(-Areal) oder dessen unmittelbare Nähe für eigene
5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.1a N 16. 7 Vgl. Fotos im Anhang zur Beschwerdeantwort 8 Vgl. genehmigter Plan "Bodenaufbau, Rückwand/Ditch and Bank" sowie insbesondere Situationsplan Reklame 9 BGer 1P.410/1990 vom 21.2.1992 E. 1b. 10 VGE 17846 vom 4.12.1989, E. 2
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Produkte, Dienstleistungen, Veranstaltungen oder Ideen. Fremdreklamen wie die
vorliegende sind baubewilligungspflichtig.11
c) Die geplante Bowls Anlage reicht an der nordwestlichen Ecke praktisch bis an die
Grundstückgrenze zur Liegenschaft auf der Parzelle Saanen Gbbl.-Nr. E._, von
welcher der Beschwerdeführer Stockwerkeigentümer ist.
Gemeinden sind gestützt auf Art. 12 Abs. 2 BauG ermächtigt, die Gebäude- und
Grenzabstände festzulegen. Gemäss Anhang 7 des Baureglements der Gemeinde Saanen
(GBR) gilt auf der Parzelle D._ was folgt: "Es sind nur zweck- und
standortgebundene zweigeschossige Gebäude bzw. Anlagen gestattet. Die Gebäudehöhe
darf höchstens 7 m und der Grenzabstand muss 3 m betragen." Als Zweckbestimmung
sieht das GBR "Tennisplatz, Natureisbahn, Ski- und Touristikzentrum" vor. Die Gemeinde
macht geltend, der im Anhang 7 des Baureglements aufgeführte Grenzabstand von 3 m
beziehe sich auf Gebäude, deren Maximalhöhe im gleichen Satz festgelegt werde. Für
Aussenanlagen mit einer Höhe von 1.20 m seien keine Minimalabstände definiert.
Für Bauten, die den Boden überragen, wird gewöhnlich für die besonnte Längsseite ein
grosser Grenzabstand und für die übrigen Seiten ein kleiner Grenzabstand festgelegt.
Diese Mindestabstände sind je nach Art der Zone unterschiedlich gross (wo höher gebaut
werden darf, sind sie meist grösser). Besondere Abstände bestehen in der Regel für
unbewohnte Kleinbauten und für unterirdische Bauten. Für Sonderbauformen wie
Schwimmbecken, Gewächshäuser, Bienenhäuser, Tiergehege, Mauern, Masten usw.
fehlen oft angepasste Vorschriften. In solchen Fällen wird gewöhnlich auf die
Empfehlungen der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK)
zurückgegriffen, die als Ausdruck der kantonalen Verwaltungspraxis gelten können.12
Das GBR sieht für die Parzelle D._ nur zweck- und standortgebundene
zweigeschossige Gebäude bzw. Anlagen mit einem Grenzabstand von 3 m vor. Das GBR
unterscheidet für die betroffene Zone nicht in klarer Weise zwischen dem Grenzabstand für
Hauptbauten mit einer maximalen Höhe von 7 m und anderen Bauten wie Nebenbauten
oder unterirdischen Bauten. Die Auslegung der Gemeinde, wonach der Grenzabstand von
11 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1b N. 13 sowie Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/721.51/1.1, Reklamen, Ziff. 2 bis 4 (abrufbar unter: <www.bsig.jgk.be.ch>) 12 Ludwig/Stalder, Öffentliches Baurecht, in: Müller/Feller (Hrsg.), Bernisches Verwaltungsrecht, 2. Auflage 2013, S. 489 N. 46
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3 m nur für Gebäude gilt, ist insoweit nachvollziehbar, als es sich bei der Bowls Anlage um
eine besondere Bauform handelt. Besondere Bauformen werden zumeist von den
kantonalen und kommunalen Bauvorschriften nicht befriedigend erfasst, da sie auf
"Durchschnittbauten" zugeschnitten sind. Da vorliegend die Baubewilligungspflicht zu
bejahen ist und das GBR keine anderslautende klare Regelung enthält, könnte aufgrund
der geringen Höhe der Bowls Anlage durchaus ein privilegierter Grenzabstand in Betracht
gezogen werden.13 Die Weisungen der JGK enthalten jedoch keine Vorschriften für
Sportanlagen wie die vorliegende. Einzig für Schwimmbecken und Schwimmhallen sehen
die Weisungen einen speziellen Grenzabstand vor, und zwar den kleinsten (ordentlichen)
Grenzabstand nach GBR, unter Ausschluss der Gebiete mit annähernd geschlossener
Bauweise.14 Allerdings sieht die Gemeinde in Art. 8 GBR keinen solchen Grenzabstand
vor, der weniger als 3 m beträgt. Daher führt eine Privilegierung hier nicht zu einem
anderen Ergebnis. Die Auffassung der Gemeinde, dass überhaupt kein Grenzabstand
einzuhalten sei, ist hingegen nicht haltbar. Dass der bestehende Tennisplatz praktisch bis
an die Grenze gebaut ist, ist vermutlich Folge der nachträglichen Abparzellierung.15
d) Das Baugesuch umfasst zusätzlich verschiedene Werbeelemente für Sponsoren.
Neu sind Werbeschilder an den Spielbahnrückwänden (2 x 800/35 cm), sowie am
Tennisgitterzaun Reklamefahnen (4 x 260/150 cm) und Werbebanden vom Boden bis zu
einer Höhe von 50 cm vorgesehen (14 x 260 cm).16 Diese Werbeelemente reichen im
Nordwesten (Werbeschilder an Spielbahnrückwand) und Südwesten (Tennisgitterzaun mit
Reklamefahnen und Werbebanden) bis an die Parzellengrenze zur Liegenschaft, von
welcher der Beschwerdeführer Stockwerkeigentümer ist.
Das GBR enthält für Reklamen keine besonderen Grenzabstände (vgl. Art. 34 GBR). Die
diesbezüglichen Weisungen der JGK sehen für freistehende, also nicht an Fassaden
montierte Reklamen, den Grenzabstand für unbewohnte Nebenbauten vor.17 Gemäss Art.
45 Abs. 1 GBR müssen unbewohnte Nebenbauten einen Grenzabstand von 3 m einhalten.
13 Vgl. Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/721.0/10.1, Baubewilligungsverfahren, Empfehlungen zur Behandlung einiger Sonderfälle von baubewilligungspflichtigen Vorhaben, Ziff. 1 (abrufbar unter: <www.bsig.jgk.be.ch>) 14 Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/721.0/10.1, Baubewilligungsverfahren, Empfehlungen zur Behandlung einiger Sonderfälle von baubewilligungspflichtigen Vorhaben, Ziff. 2.3 in Verbindung mit Anhang I Ziff. 3 (abrufbar unter: <www.bsig.jgk.be.ch>) 15 Vgl. Vorakten Gemeinde, Dokument 18 mit Plan vom 7. Februar 1984 16 Vgl. insbesondere Situationsplan Reklame und Plan "Werbung an Gitterzaun zu Tennisplatz" 17 Vgl. Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/721.51/1.1, Reklamen, Ziff. 7.2 (abrufbar unter: <www.bsig.jgk.be.ch>)
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Der Beschwerdegegner beantragt die Werbung nur für die Monate April bis November. Im
Gesamtentscheid vom 6. Juli 2017 legte die Gemeinde fest, dass die temporären
Reklamefahnen und temporären Werbebanden nur während dem Spiel- und
Trainingsbetrieb aufgestellt werden dürfen. Damit verlangt die Gemeinde, dass sämtliche
Werbeelemente nach jedem Spiel oder Training entfernt werden müssen. Die korrekte
Umsetzung dieser Auflage ist für die Reklamefahnen (260 x 150 cm) und Werbebanden
(260 x 50 cm) am Tennisgitterzaun kaum realistisch.18 Aufgrund ihrer Grösse müssen diese
Werbeelemente jedenfalls einen Grenzabstand von 3 m einhalten. Da die geplanten
Reklamen im Südwesten bis an die Grundstückgrenze reichen, verletzen sie die
Abstandsvorschriften klar.
Welchen Abstand die im Weiteren vorgesehenen mobilen Werbeschilder mit einer Höhe
von 35 cm an den Spielbahnrückwänden einhalten müssen, kann offen bleiben.
3. Ergebnis und Hinweise
a) Zusammenfassend handelt es sich bei der Bowls Anlage und den Reklamen um
bewilligungspflichtige Vorhaben, welche einen Grenzabstand einzuhalten haben. Da sie bis
an die Parzellengrenze reichen, können sie nicht bewilligt werden. Da das Gartenhaus als
Materiallager für die Bowls Anlage dient, besteht kein Interesse daran, dieses separat zu
prüfen und allenfalls zu bewilligen. Offen bleiben kann daher auch, welche allfälligen
Rechtsfolgen das Schreiben des Beschwerdegegners vom 10. Februar 2017 hatte, mit
welchem er auf den Bau des Gartenhauses allenfalls verzichten würde und ein
angepasstes Baugesuch einreichte.19 Die Beschwerde wird gutgeheissen. Der
Gesamtentscheid der Gemeinde Saanen vom 6. Juli 2017 wird aufgehoben und dem
Baugesuch vom 12. Dezember 2016 wird der Bauabschlag erteilt. Nicht geprüft werden
müssen daher die weiteren vorgebrachten Rügen (rechtliches Gehör, Zonenkonformität,
Baubeschränkung, Lärmvorschriften).
b) Sollte der Beschwerdegegner für ein neues Projekt wieder ein Baugesuch einreichen,
müsste die Gemeinde auch überprüfen, inwieweit der Strassenabstand gegenüber der
18 Vgl. dazu auch die Fotos der bereits bestehenden Reklamen bei den bewilligten Plänen 19 Vgl. Vorakten Gemeinde, Dokument 14
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Grubenstrasse eingehalten wird bzw. dafür gestützt auf ein Ausnahmegesuch eine
Ausnahmebewilligung erteilt werden könnte. Einwände zivilrechtlicher Art wären zudem als
Rechtsverwahrung vorzumerken (Art. 32 und 36 Abs. 3 BewD).
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdegegner. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV20).
Der Beschwerdegegner hat nach wie vor die Kosten des Bewilligungsverfahrens zu tragen
(Art. 52 Abs. 1 BewD), wenn auch reduziert um die Kosten für die Baukontrolle (Fr. 150.–)
und "Benützungsgebühr für öffentliche Verkehrswege" (Fr. 80.–). Für das Inkasso der
reduzierten Gebühr von Fr. 1'219.– ist die Gemeinde zuständig.
b) Der Beschwerdegegner hat zudem dem Beschwerdeführer die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG).
Der Anwalt des Beschwerdeführers macht Parteikosten von insgesamt Fr. 5'840.– geltend
(Honorar Fr. 5'250.–, Auslagen Fr. 157.–, MWST Fr. 433.–). Die Parteikosten umfassen
den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1
VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV21 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41
Abs. 3 KAG22). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als unterdurchschnittlich
zu werten, da nur ein Schriftenwechsel stattfand und kein Beweisverfahren durchgeführt
wurde. Angesichts der Baukosten gemäss Baugesuch von rund Fr. 120'000.– und den
umstrittenen Rechtsfragen sind auch die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit
des Prozesses insgesamt als eher unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint ein
Honorar von Fr. 3'725.– als angemessen. Der Beschwerdegegner hat dem
20 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 21 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 22 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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Beschwerdeführer somit Parteikosten in der Höhe von Fr. 4'192.60 (Honorar Fr. 3'725.–,
Auslagen 157.–, Mehrwertsteuer Fr. 310.60) zu ersetzen.