Decision ID: 67c3c913-7572-5cd2-893a-1f5e3ea4db5b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 13. September 2016 in der Schweiz
um Asyl nach. Am 26. September 2016 fand die Befragung zur Person
(BzP) und am 4. April 2019 die Anhörung statt, an welchen er im Wesent-
lichen ausführte, er sei syrischer Staatsbürger kurdischer Ethnie, sei ur-
sprünglich «Ajnabi» und stamme aus B._ (kurdisch, nachfolgend:
C._). Er habe das Gymnasium bis zur 11. Schulklasse besucht. Als
sich im Jahr 2014 die allgemeine Sicherheitslage in Syrien verschlechtert
habe, sei er mit seinem Bruder in den Irak ausgereist. Da er nach einiger
Zeit die Schule habe weiter besuchen wollen, sei er nach Syrien zurückge-
kehrt, wo er sich ein Dienstbüchlein habe ausstellen lassen, da dies für den
Besuch der Schule benötigt worden sei. Nachdem er erfolglos versucht
habe, den Militärdienst zu verschieben, habe eines Tages der Dorfvorste-
her von C._ seinen Vater aufgesucht und ihm die Vorladung für den
Militärdienst übergeben, gemäss welcher er, der Beschwerdeführer, sich
am 19. Mai 2016 auf der Rekrutierungsstelle in C._ hätte einfinden
müssen. Er habe dieser Vorladung aber keine Folge geleistet, sei zu sei-
nem Onkel nach D._ geflüchtet und habe abgewartet, bis die Aus-
reise habe organisiert werden können. In dieser Zeit habe der Dorfvorste-
her zweimal bei seinem Vater vorgesprochen und ihm mitgeteilt, dass die
Behörden auf ihn warten würden. Er wies im Weiteren darauf hin, dass,
sollte er, der Beschwerdeführer, nicht einrücken, sich sein Militärdienst ver-
längern und er bestraft werden würde. Aus diesen Gründen habe er Syrien
am (...) September 2016 (gemäss BzP) beziehungsweise im Juni 2016
(gemäss Anhörungsprotokoll) verlassen und sei in die Türkei gereist. Am
13. September 2016 sei er in die Schweiz eingereist.
A.b Vorinstanzlich reichte er seine Identitätskarte, sein Militärbüchlein so-
wie die Vorladung für den Militärdienst im Original und eine Kopie des Fa-
milienbüchleins zu den Akten.
B.
Mit Verfügung vom 18. November 2019 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylge-
such ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Den Vollzug
der Wegweisung schob es wegen Unzumutbarkeit zu Gunsten einer vor-
läufigen Aufnahme auf. Im Weiteren beauftragte es den Kanton E._
mit der Umsetzung der vorläufigen Aufnahme.
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C.
C.a Mit Eingabe vom 18. Dezember 2019 erhob der Beschwerdeführer
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die ange-
fochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm Asyl zu gewähren,
eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und er sei als
Flüchtling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht beantragte er,
auf die Erhebung des Kostenvorschusses sei zu verzichten und es sei ihm
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
Der Beschwerdeführer legte der Beschwerde die angefochtene Verfügung
und eine Fürsorgebestätigung vom 9. Dezember 2019 der Gemeinde
F._ bei.
C.b Mit Instruktionsverfügung vom 23. Dezember 2019 hiess die Instrukti-
onsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Fer-
ner lud sie die Vorinstanz ein, sich vernehmen zu lassen. Die Vorinstanz
reichte die Vernehmlassung am 13. Januar 2020 ein, welche gleichentags
dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt wurde.
C.c Mit Schreiben vom 10. September 2021 erkundigte sich der Beschwer-
deführer nach dem Stand des Verfahrens, welches das Gericht am
14. September 2021 beantwortete.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
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1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
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Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Das SEM führt zur Begründung seiner Verfügung aus, es zweifle an
der Authentizität der militärischen Vorladung, da das Dokument keinerlei
fälschungssichere Merkmale aufweise und es allgemein bekannt sei, dass
in Syrien praktisch jegliche Art von Dokumenten käuflich erworben werden
könne. So könne auf der Webseite des Verteidigungsministeriums die Vor-
lage für ein militärisches Aufgebot abgerufen und ausgedruckt werden (vgl.
Urteil des BVGer E-1695/2017 vom 14. Juni 2017 E. 7.3.1). Die Beweis-
kraft solcher Dokumente sei somit als gering einzustufen (vgl. Urteil des
BVGer D-149/2014 vom 18. Dezember 2015 E. 6.3.1).
Des Weiteren sei die Glaubhaftigkeit der behaupteten Rekrutierung in
Frage zu stellen, da sich die syrische Regierung im Juli 2012 aus den kur-
dischen Gebieten Nordsyriens – mit Ausnahme der Städte al-Hasaka und
Qamishli – zurückgezogen habe (vgl. Urteil des BVGer vom 9. Juni 2016
E-2109/2014; D-7469/2016 vom 20. Dezember 2016 E. 5.8.6). Es sei folg-
lich nicht davon auszugehen, dass in C._ nach wie vor ein Rekru-
tierungsbüro des syrischen Regimes existiere. Demnach erscheine es un-
wahrscheinlich, dass das syrische Regime noch Rekrutierungsmassnah-
men für die staatliche Armee im Wirkungsgebiet der kurdischen Truppen
durchführe.
Der Beschwerdeführer habe weiter angegeben, er habe das Militärbüchlein
im Jahr 2015 erhalten (Akten der Vorinstanz A14, S. 8), wobei es gemäss
Übersetzung im Jahr 2014 ausgestellt worden sei (Akten der Vorinstanz
A15, Beweismittel 2), was die Zweifel an der Echtheit verstärke. Zudem sei
nicht nachvollziehbar, wieso der Beschwerdeführer vom Irak zurück nach
Syrien gegangen sei, da er hätte wissen müssen, dass er das militärdienst-
pflichtige Alter erreicht habe.
Ferner habe der Beschwerdeführer erklärt, sein Leben sei in Syrien be-
droht gewesen (Akten der Vorinstanz A6, S. 8). Die Lage habe sich wegen
des Bürgerkriegs immer mehr verschlechtert, wobei ganz Syrien betroffen
sei (Akten der Vorinstanz A14, S. 5). Diese Vorbringen seien aber auf die
in Syrien aufgrund des Bürgerkrieges vorherrschenden allgemeinen politi-
schen, wirtschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen zurückzuführen
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und würden keine asylbeachtliche Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG
darstellen.
4.2 Dem hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegen, er habe
sich nur durch Flucht der bevorstehenden regulären Rekrutierung bezie-
hungsweise Zwangsrekrutierung, der behördlichen Suche, der behördli-
chen Verfolgung, der Verhaftung und der Gewalt seitens der syrischen Re-
gierung entziehen können. Eine innerstaatliche Fluchtalternative sei nicht
vorhanden. Da er sich aus politischen Gründen dem Militärdienst entzogen
habe, würde ihm durch die syrischen Behörden eine regierungsfeindliche
Haltung unterstellt und er würde bei seiner Rückkehr hart bestraft werden.
Zu den Zweifeln der Vorinstanz betreffend Echtheit des Militärbüchleins
bringt der Beschwerdeführer vor, dass man das Militärbüchlein im 18. Le-
bensjahr erhalte. Vorliegend handle es sich beim Ausstellungsdatum ent-
weder um eine falsche Übersetzung oder um einen Schreibfehler.
Im Zusammenhang mit der Rekrutierung macht er geltend, die syrische
Militärbehörde verwalte weiterhin die Militärgeschäfte in den von Kurden
kontrollierten Gebieten und führe die Rekrutierungsämter und Militärregis-
ter in diesen Gebieten, sodann würden auch heute noch Männer im dienst-
pflichtigen Alter aus diesen Gebieten aufgeboten und rekrutiert werden.
Zudem habe das SEM Syrer im dienst- und reservepflichtigen Alter vorläu-
fig als Flüchtlinge aufgenommen. Im Sinne der Rechtsgleichheit sei er
ebenfalls als Flüchtling aufzunehmen, da seine Umstände identisch seien.
4.3 Die Vorinstanz erwidert in der Vernehmlassung, dass gemäss eigenen
Abklärungen das syrische Militär seit 2014 seine Rekrutierungsanstren-
gungen zwar verstärkt habe, diese Anstrengungen aber nur in den Gebie-
ten möglich seien, in welchen die syrische Armee überhaupt noch eine Prä-
senz habe. Syrien-Experten seien jedoch der Meinung, dass die syrische
Regierung speziell in al-Qamishli keine Kurden mehr rekrutiere – auch
nicht innerhalb ihres Kontrollgebiets, da dies regelmässig zu Spannungen
mit der YPG geführt habe. Zudem sei, wie bereits im Asylentscheid darge-
legt, nicht davon auszugehen, dass in C._ zu jener Zeit ein Rekru-
tierungsbüro des syrischen Regimes existiert habe.
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5.
5.1 In seinem Grundsatzurteil BVGE 2015/3 vom 18. Februar 2015 hat das
Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass eine Wehrdienstverweigerung
(Refraktion) oder Desertion auch im Syrienkontext die Flüchtlingseigen-
schaft nicht per se zu begründen vermag, sondern nur dann, wenn damit
eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG verbunden ist (vgl. a.a.O.
E. 6.7.3).
In Bezug auf die spezifische Situation in Syrien kam das Bundesverwal-
tungsgericht vor dem Hintergrund der analysierten Lageberichte in BVGE
2015/3 zum Schluss, dass eine drohende asylbeachtliche Verfolgung dann
anzunehmen sei, wenn die Dienstverweigerung als Ausdruck der Regime-
feindlichkeit aufgefasst werde, wenn also die drohende Strafe nicht allein
der Sicherstellung der Wehrpflicht dienen würde, sondern damit zu rech-
nen sei, dass der Beschwerdeführer als politischer Gegner qualifiziert und
als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde (BVGE 2015/3 E.
6.7.3). Das Gericht erachtete die genannten Voraussetzungen im Falle ei-
nes syrischen Refraktärs als erfüllt, der der kurdischen Ethnie angehörte,
einer oppositionell aktiven Familie entstammte und bereits in der Vergan-
genheit die Aufmerksamkeit der staatlichen syrischen Sicherheitskräfte auf
sich gezogen hatte, indem er sich politisch exponiert hatte (BVGE
2015/3 E. 6.7.3).
Das Gericht geht demnach davon aus, dass bei Wehrdienstverweigerung
im syrischen Kontext jedenfalls dann eine asylrelevante Strafe in begrün-
deter Weise zu befürchten ist, wenn zusätzliche exponierende Faktoren
gegeben sind, welche darauf schliessen lassen, dass eine Person als Re-
gimegegner angesehen wird und somit aus politischen Gründen eine un-
verhältnismässige Strafe zu befürchten hätte. Hingegen geht das Gericht
in ständiger Praxis nicht davon aus, dass " herkömmlichen Wehrdienstver-
weigerern", das heisst solchen, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind,
mit genügender Wahrscheinlichkeit eine die Schwelle der Asylrelevanz er-
reichende Strafe droht. Dies wurde auch im BVGE 2020 VI/4 bestätigt
(E. 6.2.4), in welchem die Frage zu beantworten war, ob das SEM für die
Desertion oder Refraktion zurecht die Unzulässigkeit des Wegweisungs-
vollzugs feststellte. Dies wurde verneint (vgl. auch E. 5.3 hinten).
5.2 Vorliegend liegt keine mit BVGE 2015/3 vergleichbare Konstellation
vor. So ergeben sich aus den Akten keine Hinweise auf zusätzliche expo-
nierende Faktoren, welche den Beschwerdeführer ins Visier der Behörden
gerückt hätten. Dazu führte er an der BzP abschliessend aus, dass er in
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Syrien ins Militär habe gehen müssen, er dies aber nicht gewollt habe. Er
sei in Syrien weder politisch aktiv gewesen, noch habe er jemals Probleme
mit der Polizei oder anderen Behörden, auch nicht mit anderen Personen
oder Gruppierungen, gehabt (Akten der Vorinstanz A6, Ziffer 7.01 und
7.02). An der ersten Anhörung bekräftigte er dies nochmals, in dem er be-
kundete, sein Hauptgrund zur Flucht in die Schweiz sei der Militärdienst
gewesen. Aufgrund des Kriegszustandes und der damit verbundenen Risi-
ken, aus dem Krieg nicht mehr zurückzukehren, sei sein Leben gefährdet
gewesen. Mitmenschen, welche in den Militärdienst eingezogen worden
seien, seien nicht mehr zurückgekehrt, da sie entweder gefallen oder ver-
schollen seien. Zudem führte er aus, dass er sein ganzes Leben «Ajnabi»
gewesen sei und er plötzlich hätte für eine Regierung kämpfen sollen, wel-
che ihn vorher nicht anerkannt habe (Akten der Vorinstanz A14, F28 bis
F31). Diese Vorbringen führen jedoch nicht zur Annahme eines Interesses
der syrischen Behörden an seiner Person, welches eine Verfolgung im
Sinne von Art. 3 AsylG begründen könnte.
5.3 Soweit auf Beschwerdeebene vorgebracht wird, das SEM habe in an-
deren Verfahren von syrischen Asylsuchenden bereits aufgrund einer ille-
galen Ausreise aus dem Heimatstaat oder weil die betreffende Person sich
damals im (reserve-)dienstpflichten Alter befunden habe, die Flüchtlingsei-
genschaft anerkannt, ist festzuhalten, dass Verwaltungsbehörden stets
Einzelfälle zu beurteilen haben. Der Umstand, dass in Fällen mit aus der
Sicht des Beschwerdeführers angeblich ähnlich erscheinenden Eckdaten
unterschiedliche Entscheide getroffen wurden, lässt schon deshalb noch
nicht auf eine relevante Ungleichbehandlung schliessen. Die angeblich
vergleichbaren tatsächlichen Verhältnisse in den aufgeführten Vergleichs-
fällen werden in der Beschwerde zudem auch nicht hinreichend spezifiziert.
5.4 Abgesehen davon existiert keine allgemeine Praxis, wonach bei einer
geltend gemachten illegalen Ausreise die Flüchtlingseigenschaft zu beja-
hen ist. Die illegale Ausreise aus Syrien kann im Gegenteil praxisgemäss
per se keine flüchtlingsrechtliche Relevanz entfalten, sofern keine Verfol-
gungssituation im Sinne von Art. 3 AsylG und keine besondere individuelle
Vorbelastung vorliegen (vgl. zur Praxis des BVGer betreffend die illegale
Ausreise aus Syrien u.a. Urteile BVGer D-4666/2019 vom 26. November
2019 E. 7.5, E-5587/2017 vom 5. Dezember 2017 E. 6.4 oder E-3692/2016
vom 13. Oktober 2017 E. 4.7, je m.w.H.).
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5.5 Sodann ist die Zugehörigkeit des Beschwerdeführers zur kurdischen
Ethnie vorliegend weder für sich gesehen noch in Kombination mit der gel-
tend gemachten Wehrdienstverweigerung geeignet, eine asylrelevante
Verfolgung zu begründen. Gemäss geltender Rechtsprechung ist nicht da-
von auszugehen, dass syrische Staatsangehörige kurdischer Ethnie im
heutigen Zeitpunkt in besonderer und gezielter Weise aufgrund ihrer Ethnie
in einem derart breiten und umfassenden Ausmass unter Anfeindungen zu
leiden hätten, dass von einer Kollektivverfolgung ausgegangen werden
müsste. Auch unter dem Gesichtspunkt der veränderten Lage, insbeson-
dere seit dem Einmarsch der türkischen Truppen in Nordsyrien, ist nicht
davon auszugehen, dass sämtliche in Syrien und insbesondere in Nordsy-
rien verbliebenen Kurden derzeit eine objektiv begründete Furcht vor einer
Verfolgung hätten (vgl. etwa Urteile des BVGer D-2365/2021 vom 12. Juli
2021 E. 6.5, D-6431/2019 vom 16. März 2020 E. 5.2.3 und E-937/2017
vom 16. Januar 2020 E. 6.3). Der bürgerkriegsbedingten Gefährdungslage
und der fortbestehenden Volatilität und Dynamik der Entwicklung in Syrien
wurde vom SEM im Rahmen des Wegweisungsvollzugs respektive der in
diesem Zusammenhang angeordneten vorläufigen Aufnahme des Be-
schwerdeführers Rechnung getragen.
5.6 Zusammenfassend ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde-
führer bei einer derzeit hypothetischen Rückkehr nach Syrien mit beachtli-
cher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft erhebliche Nachteile im
Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG zu gewärtigen hätte. Da in casu kein asylre-
levantes Motiv vorliegt, erübrigen sich Ausführungen zur Glaubhaftma-
chung betreffend Einberufung in den Militärdienst. Die Vorinstanz hat seine
Flüchtlingseigenschaft daher im Ergebnis zu Recht verneint und das Asyl-
gesuch folgerichtig abgewiesen.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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7.
Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung vom 18. November
2019 die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz an-
geordnet. Demnach erübrigen sich praxisgemäss Ausführungen zur Zuläs-
sigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Da ihm jedoch mit Instruktions-
verfügung vom 23. Dezember 2019 die unentgeltliche Prozessführung ge-
mäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und keine massgeblichen Ver-
änderungen der finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind keine Ver-
fahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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