Decision ID: c5050a30-ed91-4564-ade4-2c20ce01c672
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
Z._
AG war der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen und rechnete mit ihr die paritätischen und FAK-Beiträge ab (vgl.
Urk.
11/265-266
).
Mit Urteil vom 3. Dezember
2012 löste das Handelsgericht des Kantons Züri
ch die Gesellschaft auf und ord
nete ihre Liquidation nach den Vorschriften über den Konkurs gemäss Art. 731b
Abs.
1
Ziff.
3 des Obligatio
nenrechts (OR) an (Mängel in der Organisatio
n der Gesellschaft). Am 1
7.
Mai
2013 wurde das Konkursverfahren mang
els Aktiven eingestellt (
Urk.
39
).
Mit Verfügung vom
4.
Dezember 2013 verpflichtete die Ausgleichskasse
X._
, den ehemaligen Verwaltungsrat
spräsident
en
der
Konkursitin
, - in solidarischer Haftung mit
Y._
-
zur Bezahlung von Schadenersatz für entgangene Beiträge
betreffend das Jahr 2011
in der Höhe von
Fr.
24‘372.75
(
Urk.
11/216). Die dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
11/227) hiess die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 1
0.
Juni 2014 teilweise gut und reduzierte die geforderte Schadenersatzsumme auf
Fr.
19‘980.50 (
Urk.
2).
Mit
Verfügung vom 1
5.
September 2014
verpflichtete die Ausgleichskasse
X._
sodann
zur Bezahlung von Schadenersatz für entgangene Bei
träge
betreffend das Jahr 2010
in der
Höhe von
Fr.
27‘279.50, wiederum
in so
lidarischer Haftung mit
Y._
(
Urk.
38/7/300
). Die dagegen erhobene
Einsprache (
Urk.
38/7/313
) hiess die Ausgleichskasse
mit Entscheid vom 1
7.
November 2014
teilweise gut und reduzierte die geforderte
Scha
den
ersatzsumme
auf
Fr.
25‘338.75
(
Urk.
38/
2).
2.
Mit Eingaben vom
9.
Juli und 1
8.
Juli 2014 erhob
X._
gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
0.
Juni 2014 Beschwerde und beantragte dessen Aufhebung (
Prozess Nr. AK.2014.00023
;
Urk.
1, 6).
Die Ausgleichskasse schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
5.
August 2014 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10). Die Parteien liessen sich mit diversen weiteren Eingaben vernehmen, worin sie an ihren Anträgen festhielten (
Urk.
13, 17, 19, 23, 25). Mit Verfügung vom
7.
März 2016 wurde
Y._
zum Verfahren beigeladen (
Urk.
28). Dieser liess sich mit Stellungnahme vom 2
5.
Mai 2016 vernehmen (
Urk.
34), was den Parteien zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
36).
Mit Eing
abe vom 1
6.
Dezember 2014 erhob
X._
gegen den
Einspracheentscheid
vom
1
7.
November 2014
Beschwerde und beantr
agte des
sen Aufhebung (
Prozess Nr. AK.2014.00038
;
Urk.
38/
1
). Die Ausgleichskasse schloss in der Beschw
erdeantwort vom 2
6.
Januar 2015
auf Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
38/
6
).
Mit Verfügung vom
7.
März 2016 wurde
Y._
z
um Verfahren beigeladen (
Urk.
38/
9
). Dieser liess sich mit Stellung
nahme vom
2
5.
Mai 2016 vernehmen (
Urk.
38/
15
), was den Parteien zur
Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
38/
17
)
.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erfor-derlich
, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
D
a d
ie Parteie
n in den Verfahren AK.2014.00023
und
AK.2014.00038
identisch
sind
und zwisch
en den beiden Prozessen
ein enger sachlicher und rechtlicher Zusammenhang
besteht, rechtfertigt
es
sich, das Verfahren AK.2014.00038 mit dem Prozess AK.2014.00023
zu vereinigen und unter dieser Prozessnummer weiterzufüh
ren. Das Verfahren AK.2014.00038
ist als dadurch erledigt abzu
schreiben; dessen Akten werden im
vorliegenden Prozess als
Urk.
38/0-1
9
ge
führt.
2.
2.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenen
-
versi
cherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von Vorschriften einen Schaden verschuldet, diesen der Ausgleichskasse zu ersetzen. Ist der Arbeitgeber eine juristische Per
son, so können subsidiär gegebenenfalls die verantwortlichen Organe in An
spruch genommen werden (BGE 123 V 12 E. 5b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5). Haben mehrere Arbeitgeber oder mehrere Organe einer juristischen Person einen Schaden verursacht, haften sie solidarisch (BGE 114 V 213 E. 3 mit Hinweisen).
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach Art. 52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (Art. 66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (Art. 21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(Art. 6 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädi
gung
)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bun
desgesetz über die Familienzulagen (Art. 25
lit
. c).
2.2
2.2.1
Der Schadenersatzanspruch verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige
Aus
gleichskasse
vom Schaden Kenntnis erhalten hat, jedenfalls fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen können unterbrochen werden. Der Arbeitge
ber kann auf die Einrede der Verjährung verzichten (Art. 52 Abs. 3 AHVG; vgl. auch BGE 131 V 4 oben).
Bei Einstellung des Konkursverfahrens mangels Aktiven gilt der Schaden als mit dem entsprechenden Beschluss eingetreten, der den Konkurs amtlich für fruchtlos erklärt, woraus der Verlust der Beitragsforderung der Ausgleichskasse resultiert. Die Frist von zwei Jahren für die Geltendmachung der Schadener
satzforderung seit Kenntnis des Schadens beginnt demnach vom Zeitpunkt der Fruchtloserklärung beziehungsweise von deren Veröffentlichung im Schweize
rischen Handelsamtsblatt (SHAB) an zu laufen (BGE 129 V 193 E. 2.3, 128 V 10 E. 5a, 126 V 443 E. 3c).
2.2.
2
Das Konkursverfahren über die
Z._
AG
wurde - wie er
wähnt
- a
m 1
7.
Mai 2013
mangels Aktiven eingestellt (
Urk.
39). Damit wurde die zweijährige Verjährungsfrist
v
on Art. 52
Abs.
3 AHVG ausgelöst. Mit dem Erlass der Schadenersatzverfügungen vom
4.
Dezember 2013 (
Urk.
11/216) und 1
5.
September 2014 (
Urk.
38/7/300) wahrte die Beschwerdegegnerin diese Frist.
Da die in der Verfügung festgesetzte Höhe der Schadenersatzforderung be
tragsmässig die obere Grenze für den nachfolgenden Prozess bildet (BGE 108
V 198 E. 6), war es im Übrigen nicht nur statthaft, sondern notwendig, dass die Beschwerdegegnerin für den nachgeforderten Restbetrag eine weitere Verfügung erlassen hat.
Die
streitgegenständliche
n
Forderungen sind
somit nicht verjährt.
3.
3.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschul
deter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahnge
bühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109
V 95 oben, 108 V 189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG
normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die
Arbeitge
berbeiträge
zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
Die Ausgleichskasse hat
den Schaden so weit zu substan
t
iieren, dass er über-prüft werden kann. Einerseits hat sie den geltend gemachten Forderungsbetrag zeitlich und
masslich
zu spezifizieren, also gestützt auf eine Beitragsübersicht darzulegen, wie sich der eingeklagte Betrag zusammensetzt. Andererseits hat sie den Betrag zu belegen. Dies geschieht etwa durch Einreichen von
Lohnsum-menmeldungen
, Rechnungen, Revisorenberich
ten, Nachzahlungs- oder
Veranla
gungsverfügungen
und ist nur erforderlich, wenn die Forderung
masslich
mit konkreten, nicht ohne weiteres widerlegbaren Einwendungen bestritten wird oder sich auf Grund der Akten greifbare Anhal
tspunkte für Unrichtigkeiten er
geben. And
erseits obliegt es dem Schadenersatzpflichtigen
, substant
iiert darzu
le
gen, weshalb und gegebenenfalls in welchen Punkten die geltend gemachte Zahlungspflicht unbegründet ist (Bundesgerichtsentscheid 9C_314/2008 vom 2
5.
August 2008 E. 3.2, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
H 34/04 vom 1
5.
September 2004 E. 5.2.1).
3.2
Sowohl aus dem Kontoauszug als auch aus der Beitragsübersicht
(
Urk.
11/265
-266
)
ergibt sich zwischen den Soll-Positionen (insgesamt geschuldete AHV-, ALV- und FAK-Lohnbeiträge inklusive Verwaltungskosten, Mahn- und
Betrei
bungsgebühren
sowie Verzugszinsen) und Haben-Positionen (einzelne Zahlun
gen der Gesellschaft
)
eine Differenz in der
Höhe von
Fr.
24‘372.75
, was dem am
4.
Dezember 2013 verfügten Schadens
betrag entspricht. Der Schaden
ist darauf zurückzuführen, dass im Jahr 2011
die
definitiven Beiträge erheblich höher ausfielen, als die geleisteten
Akontobeiträge
(vgl. dazu die
Pauschallohnsum
menanzeigen
2011,
Urk.
11/139)
. Grund
hiefür
war
primär, dass wesentliche Änderungen in der Lohnsumme der Ausgl
eichskasse nicht gemeldet wurde
n
. Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 1
0.
Juni 2014
reduzierte die
Be
schwerdegegnerin
die Schadenersatzforderung hinsichtlich das Jahr 2011 auf
Fr.
19‘980.5
0.
Dabei berücksichtigte sie, dass der
Beschwerdeführer nicht bis 3
1.
Dezember
2011
, sondern lediglich
bis
4.
November 2011
Verwaltungsrat der
Z._
AG war
(
Urk.
11/262
Urk.
39
).
Damit entfiel seine Haftung für
die
nach diesem Zeitpunkt fällig gewordenen Schadenspositionen
(vgl. dazu
auch
Urk.
2)
.
Der
mit Verfügung vom 1
5.
September 2014 respektive mit
Einspracheentscheid
vom 1
7.
November 2014
ergänzend
geltend gemachte Schadenersatz für ent
gangene Beiträge für das Jahr 2010 basiert auf dem Umstand, dass die
Aus
gleichskasse
aufgrund der Meldungen der
Z._
AG
von ei
nem Lohn des Beschwerdeführers von
Fr.
50‘000.--
statt des effektiven
Lohnes von
Fr.
250‘
000.--
(
Urk.
11/262, vgl. auch
Urk.
38/
7/319/28
)
ausging
.
Der ef
fektive
Lohn war auch nachträglich nicht gemeldet worden. Stattdessen hatte die
Z._
AG der Ausgleichskasse am 2
4.
Januar 2011 für das Jahr 2010 einen Lohn von
Fr.
50‘000.-- mitgeteilt. Unterschrieben war diese Mitteilung vom Beschwerdeführer (
Urk.
11/140).
Aus der Korrektur
resultierte (unter Berücksichtigung des Freibetrags für AHV-Rentner) ein Betrag von
Fr.
25‘338.75
(vgl.
Urk.
38/2)
.
3.3
3.3.1
Der
mit
Einspracheentscheid
vom
1
7.
November 2014 geltend
gemachte Schaden
ersatz
von
Fr.
25‘338.75
bestreitet der Beschwerdeführer in
masslicher
Hinsicht nicht (
Urk.
38/1).
Hinsichtlich des
mit
Einspracheentscheid
vom 1
0.
Juni 2014
geltend gemachten Schadenersatzes von
Fr.
19‘980.50
moniert der Beschwerdeführer
, dass die Jahresabrechnung 2011 vom 1
7.
Januar 2012 (
Urk.
11/180) sowie die Nachtragsmeldung vom
2
9.
Februar 2012 (
Urk.
11/179)
nicht der Wahrheit
entsprächen
(
Urk.
6).
Der Beschwerdeführer war neben seiner Funktion als Verwaltungsrat
spräsident
bei der
Z._
AG
als Kadermitarbeiter tätig.
In de
r
Jahresab
rechnung
2011
wurde
sein Lohn
mit
Fr.
155‘195.75
beziffert (
Urk.
11/179). Der Beschwerdeführer bestreitet, diesen erzielt zu haben (
Urk.
6, 13, 19). In der Nachtragsmeldung vom 2
9.
Februar 2012 wird der Lohn von
A._
mit
Fr.
14‘680.-- angegeben (
Urk.
11/180). Der Beschwerdeführer macht
sinngemäss
geltend, mit
A._
habe gar kein Arbeitsverhältnis bestanden (
Urk.
6, 7/2).
3.3.2
Die Behauptung, er habe
das für das Jahr
2011
gemeldete Einkommen von
Fr.
155‘195.
75 gar nicht erzielt, brachte der Beschwerdeführer
erstmals anläss
lich einer Besprechung mit der Ausgleichskasse am
8.
Juli 2014, mithin nach Erlass des
Einspracheentscheids
vom 1
0.
Juni 2014, vor (
Urk.
11/237). Die
Jah
resabrechnung
2011
, mit welcher der Lohn gemeldet worden war,
erging
erst am 1
7.
Januar 201
2.
Zu diesem Zeitpunkt war der Beschwerdeführer
aus der
Z._
AG
bereits ausgeschieden
. In der Steuererklärung
2011, von ihm unterschrieben
am
6.
März 2013, deklarierte der Beschwerdeführer
in
dessen
selber ein Einkommen von
Fr.
155‘195.-- (
Urk.
11/256/7-19). Davon ist
folglich
auszugehen. Daran ändert nichts,
dass
sein
Steuerberater
das Einkom
men
bei der Ausgleichskasse
kundig machen musste, nachdem dem Beschwer
deführer
von der
Z._
AG
respektive vom einzig verbliebe
nen Verwaltungsrat
,
Y._
,
infolge
Zwistigkeiten
ke
in
Lohn
ausweis
für das Jahr 2011
ausgestellt worden war
(
Urk.
11/256/19,
11/257,
14/1). Beim Beschwerdeführer handelt es sich um eine be
stens ausgebildete und
geschäftserfahrene Person. Die Annahme, er hätte
ein
Einkommen in dieser Höhe deklariert (was eine Staats- und Gemeindesteuer
von über
Fr.
19‘000.-- nach sich zog,
Urk.
11/256), ohne es effektiv
oder zumindest in etwa
erzielt zu haben,
erscheint
abwegig. Der Beschwerdeführer bestreitet zwar im vorliegen
den Verfahren, ein Einkommen in der Höhe von
Fr.
155‘195.-- erzielt zu haben.
Er belä
sst es aber bei der
blossen
Bestreitung.
Nähere
Angaben
dazu,
welches
Einkommen er
denn
verdient haben will, unterlässt er gänzlich. Damit verletzt er seine Substantiierungspflicht. Aus
der von ihm
eingereichten Buchhaltung für
das Jahr 2010 und 2011 (mit Datum
vom 1
9.
Juli 2011) wird sein Lohn für das Jahr 2010 mit
Fr.
0.-- angegeben (
Urk.
38/7/318/11+28
)
. Diese Angabe wi
derspricht
zum einen
der Lohnzusammenstellung der
Z._
AG
(
Urk.
11/258). Zum anderen
ist sie vor dem Hintergrund, dass es im Jahre 2011 primär der Beschwerdeführer war,
der Mandate
für die
Z._
AG
zu generieren vermochte (vgl. dazu Protokoll der
Verwaltungsrats
sitzung
vom 2
0.
Sep
tember 2011,
Urk.
11/262
, und die Aufstellung des Be
schwerdeführers,
Urk.
38/7/322/73
), nicht
plausibel.
3.3.3
Der Beschwerdeführer verweist bezüglich
A._
darauf, diese sei nie mit Genehmigung des Verwaltungsrates angestellt worden (
Urk.
7/2). Ein Arbeits
vertrag
ist ein gegenseitiger Vertrag, durch den
sich der
Arbeitnehmer zur Leistung der versprochenen Arbeit und der Arbeitgeber zur Gewährung des ver
einbarten Arbeitsentgelts (Arbeitslohn) verpflichtet
. Diese Elemente waren vor
liegend offensichtlich gegeben (vgl. den Lohnausweis von
A._
,
Urk.
11/259), zumindest werden sie vom Beschwerdeführer nicht substantiiert bestritten. Folglich ist vom Bestehen eines Arbeitsverhältnisses auszugehen, weshalb auch die entsprechenden AHV-Beiträge geschuldet sind.
3.3.4
Die eigentliche Berechnung der auf dieser Basis geschuldeten Beiträge
bezie-hungsweise
die entsprechende Schadensberechnung wurden vom Beschwerde-führer zu Recht nicht in Zweifel gezogen. Sie erweist sich
denn auch
als korrekt und ist aufgrund der Akten ausgewiesen. Mangels offenkundiger
Berechnungs
fehler
ist somit die Schadensberechnung der Ausgleichskasse von
Fr.
45‘319.25 (
Fr.
19‘980.50 +
Fr.
25‘338.75) zu bestätigen.
4.
4.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV) schreiben vor, dass der Arbeitgeber bei je
der Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeit
geber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetzlich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffent
lichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.2
Aus den Akten ist ersichtlich, dass die
Z._
AG
den ihr als Arbeitgeberin oblie
genden Zahlungsve
rpflichtungen in den Jahren 2010 und 2011 nur un
vollst
ändig nachkam. Schliesslich blieben ge
schuldete Sozialversi
cherungsbeiträge (inklusive Nebenkoste
n) in der Höhe von
Fr.
51
‘
652
.
25
(
Fr.
24‘372.75
+
Fr.
2
7
‘
279
.
50
)
unbezahlt, wo
von vorliegend
Fr.
45‘319.25
rele
vant sind (vgl. E. 3.3
). Es bedarf deshalb keiner weiteren Au
sführungen, dass die
Z._
AG
Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG verletzt hat, weshalb der von ihr verursachte Schaden grundsätzlich voll zu de
cken ist.
Zu prüfen bleibt, inwieweit diese Missachtung
öffentlichrechtlicher
Arbeitgeber
pflichten
auf grobfahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten de
s
Beschwerdefüh
rer
s
zurückzuführen ist.
5.
5.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder
grob
fahrlässig
Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vorsatz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vorsätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Schaden zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn beson
dere Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
5.2
5.2.1
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorgfaltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss. Dabei sind an die Sorgfaltspflicht einer Aktiengesellschaft hinsichtlich der Einhaltung gesetz
licher Vorschriften grundsätzlich strenge Anforderungen zu stellen. Ähnlich ist zu differenzieren, wenn es darum geht, die subsidiäre Haftung der Organe eines Arbeitgebers zu ermitteln (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 51 E. 2a, 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6 S. 529).
5.2.2
Nicht jedes einem Unternehmen als solchem anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches seiner sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hin
blick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb des Unternehmens zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach ent
scheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a S. 202; ZAK 1985 S. 620 E. 3b; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.5 S. 528). Gehören dem Verwaltungsrat mehrere Personen an, so ist für jede von ihnen einzeln zu prüfen, ob sie am Schaden der Ausgleichskasse ein Verschulden trifft. Obliegt die Ge
schäftsfüh
rung einem Mitglied des Verwaltungsrats, so han
deln weitere Mitglieder schuldhaft, wenn sie die nach den Umständen gebotene Aufsicht nicht ausüben. Setzt sich der Verwaltungsrat aus nur zwei Mitgliedern zusammen, so beurteilen
sich
insbesondere, wenn sie lediglich kollektiv unterschriftsberechtigt sind,
die Anforderungen an die gegenseitige Kontrolle nach einem strengen Massstab (in BGE 119 V 86 nicht publizierte E. 2c des Urteils des Bundesgerichts H 94/91 vom
4.
März 1993, nicht veröffentliche Urteile H 171/87 vom
7.
Dezember 1987 und H 25/87 vom
4.
August 1987).
6.
6.1
Der Beschwerdeführer brachte zu seiner Entlastung im Wesentlichen vor, ge
mäss der von
Y._
anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom
4.
November 2011 vorgelegten Liste
der pendenten Zahlungsaufträge
habe die an die Ausgleichskas
se
aus
stehende Zahlung bloss
Fr.
873.75 betragen
. Folglich sei damals nicht die wahre Situation dargestellt worden
. Die effektiven Ausstände
gegenüber der Ausgleichskasse
seien
nicht
kommuniziert worden. Zudem habe
die
Z._
AG
am
1.
Dezember 2011
noch über genügend liquide Mittel verfügt, um die ausstehenden AHV-Beiträge zu bezah
len. Zu beachten sei zudem, dass die
Z._
AG
im September 2010
-
im Zuge der Übernahme einer Konkurrenzfirma
-
nach
B._
umgezo
gen sei, während er selber in
den Büroräumlichkeiten in
C._
verblieben sei. Er habe deshalb keine Übersich
t mehr über die Firma gehabt
. Es würden in den Akten
sodann
hinreichend Anhaltspunkte, unter anderem aufgrund des Berichts des Revisors vom
5.
April 2013
, bestehen, die
es der Ausgleichskasse erlaubt hätte
n
, einzig auf
Y._
zurückzugreifen
(
Urk.
19, 25).
6.2
Vorweg ist festzuhalten, dass im vorliegenden Prozess nicht zu untersuchen ist, ob die Liquidation beziehungs
weise der Konkurs der
Z._
AG
allenfalls hätte vermieden werden können oder ob am vorliegenden Ver
fahren nicht beteiligten Drittpersonen diesbezüglich irgendein Schuldvor
wurf gemacht werden könnte. Insbesondere ist die Auseinandersetzung zwischen dem Beschwerdeführer
und
Y._
, dem Gesch
äftsführer und wei
terem
Ve
rwaltungsrat der
Konkursitin
,
nicht Gegenstand dieses
Be
schwerde
verfahrens
(
vgl.
Bundesgerichtsurteil 9C_89/2009 vom
8.
Februar 2010)
. Viel
mehr ist einzig z
u entscheiden, ob die
Z._
AG
die ihr als Arbeitgeberin obliegenden Pflichten verletzt hat und ob gegebenenfalls ei
n qualifiziertes Verschulden des
Beschwerdef
ührers
zu bejahen ist.
Gegebenenfalls haftet der Beschwerdeführer für den eingetretenen Schaden im Umfang von
Fr.
45‘319.25
solidarisch mit dem ins Recht gefassten
Beigeladenen. Da das Gesetz die
Solidarhaftung
vorsieht, zielt der Einwand
des Beschwerdeführers, die Ausgleichskasse hätte bloss
von
Y._
Schadenersatz fordern
sollen
, ins Leere.
6.3
Der Beschwerdeführer war
kollektivzeichnungsberechtigter Verwaltungsrats
-
präsi
dent
der
Z._
AG, einem kleinen Un
ternehmen mit einfacher Verwaltungsstruktur und wenigen Angestellten (
Urk.
11/140,
11/179-180,
39). Bei derart leicht überschaubaren Verhältnissen muss von jedem Mit
-
glied
des Verwaltungsrates einer Aktiengesellschaft ver
langt werden, dass es den Überblick über alle wesentlichen Belange des Unter
nehmens hat.
Bei einfachen und überschaubaren Verhältnissen werden praxisgemäss erhöhte Anforderungen an Kenntnis und Erledigung von Abrechnungs- und Zahlungs-
verkehr
mit der Ausgleichskasse gestellt. Gemäss
Art.
716
Abs.
2 des
Obligatio-nenrechts
(OR) führt der Verwaltungsrat die Geschäfte der Gesellschaft, soweit er die Geschäftsführung nicht übertragen hat.
Art.
716a
Abs.
1 OR enthält so
dann einen Katalog unübertragbarer und
unentziehbarer
Aufgaben. So obliegt dem Verwaltungsrat insbesondere die Oberleitung der Gesellschaft und die Er
teilung der nötigen Weisungen (Ziffer 1), die Ausgestaltung des Rechnungs
we
sens, der Finanzkontrolle sowie der Finanzplanung (Ziffer 3) und die Oberauf
sicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen (Ziffer 5). Der Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft hat die mit der Ge
schäfts
führung beauftragten Personen zu überwachen und sich regel
mässig über den Geschäftsgang unterrichten zu lassen. Das Gesetz verbietet zwar nicht die Vornahme einer bestimmten Arbeits- und Kompetenzaufteilung, doch die Überwachungs- und Kontrollpflichten verbleiben auch dann beim (Gesamt)-Verwaltungsrat. Deshalb hat sich jedes Mitglied des Verwaltungsrats bezie
hungsweise der einzige Verwaltungsrat periodisch über den Geschäftsgang und die wichtigsten Geschäfte, die nicht zu seinem primären Aufgabenbereich ge
hören, zu orientieren, Rapporte zu verlangen, diese sorgfältig zu studieren und nötigenfalls ergänzende Auskünfte einzuholen, Irrtümer abzuklären und bei Unregelmässigkeiten einzugreifen (BGE 114 V 219 E. 4a).
Angesichts dessen kann
sich der Beschwerdeführer
nicht
mit dem Hinweis entlas
ten, aus der an
lässlich
der
Verwaltungsratssitzung vom
4.
November 2011 vorgelegten Liste
sei gegenüber der Ausgleic
hskasse lediglich eine
Zahlung in der
Höhe von
Fr.
873.75 ausstehend
gewesen.
D
iese Information sagt nichts
über die effektiv geschuldeten Beiträge
aus
, sondern gibt bloss Auskunft dar
über, welche Zah
lungen in Auftrag gegeben worden waren
. Sie ändert insbe
sondere
nichts an den oben genannten gesetzlichen Überwac
hungs- und Kon
trollpflichten eines
Verwaltungs
ratspräsidenten
.
Es wäre deshalb die
Pf
licht
des Beschwerdeführers
gewesen, effektiv zu kontrollieren, ob die
Z._
AG
die geschuldeten Sozialversicherungsbeiträge bezahlt
hatte
.
Dies gilt umso mehr, als
es
sich
dabei vorwiegend um Beiträge handelt
e
, die aus den Lohnzahlungen an ihn selbe
r resultierten. Auch kann er sich der Verantwortung nicht mit dem Argument entziehen, er habe die Übersicht über die Firma verlo
ren. Wer
Einsitz
in einem Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft hat, muss dafür sorgen, dass er seine gesetzlichen Pflichten wahrnehmen kann oder an
dernfalls demissionieren. Die Vorbringen des Beschwerdeführers gereichen ihm
demzufolge nicht zur Entlastung
, sondern begründen vielmehr sein
Verschul
den.
Vor diesem Hintergrund ist er
auch nicht zu hören, wenn er vorbringt, bei seiner Demission beziehungsweise bei der
Liquidation seien noch genügend flüssige Mittel vorhanden gewesen, um die Ausstände bei der
Beschwerdegeg
nerin
zu begleichen. Tatsache ist, dass die geschuldeten Beiträge nicht bezie
hungsweise nur teilweise begli
chen wur
den und der Beschwerdeführer den
ihm
in diesem Zusammenhang obliegenden
Pflichten nicht
nachkam
.
Anzufügen bleibt, dass
Y._
, welcher der Beschwerdeführer für den Schaden verantwortlich macht, erst am 2
5.
August 2011 im Verwaltungsrat Einsicht nahm (
Urk.
39), jedoch das Zahlungsverhalten der
Z._
AG mit dem Beschwerdeführer als geschäftsführender Verwaltungsrat bereits in den Jahren zuvor wiederholt zu wünschen übrig liess (vgl. dazu die Kassenakten, insbesondere die zahlreichen Mahnschreiben der Ausgleichskasse).
7
.
7
.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Miss
ach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4). Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
7
.2
Unter den gegebenen Umstanden ist das Verhalten be
ziehungsweise die Passivi
tät des
Beschwerdeführer
s
ohne
Weiteres
adäquat kausal für den einge
tretenen Schaden. Es ist davon auszugehen, dass ein pflichtgemässes Verhalten den Schaden verhindert hätte.
7.3.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerden.