Decision ID: 12c05e3b-2bff-535b-a1d5-f3bf4174f3e3
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügung der Vorinstanz vom 20. August 2019 wurde die Be-
schwerdeführerin als Flüchtling anerkannt und es wurde ihr Asyl in der
Schweiz gewährt. Die Kinder wurden in ihre Flüchtlingseigenschaft einbe-
zogen und es wurde ihnen Familienasyl gewährt.
A.b Mit separater Verfügung der Vorinstanz vom 20. August 2019 wurde
die originäre Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers nicht aner-
kannt, jedoch wurde er in die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdefüh-
rerin einbezogen und es wurde ihm Familienasyl gewährt.
B.
Anlässlich einer polizeilichen Kontrolle vom 27. November 2019 des Be-
schwerdeführers und des (...) wurden fünf (...) Reisepässe sichergestellt,
welche auf die fünf Beschwerdeführenden ausgestellt waren.
C.
Mit Schreiben vom 22. Januar 2020 räumte die Vorinstanz den Beschwer-
deführenden Gelegenheit ein, zu einem möglichen Asylwiderruf sowie ei-
ner möglichen Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft wegen Verschwei-
gens der (...) Staatsangehörigkeit Stellung zu nehmen.
D.
In der Stellungnahme vom 30. Januar 2020 führten die Beschwerdeführen-
den aus, sie seien im (...) 20(...) in F._ eingereist. Bei ihrem (...) –
(...)-jährigen – (...) handle es sich um einen (...) und während ihres Auf-
enthaltes sei der (...) an ein auf besondere (...) geflossen. Darüber sei (...)
und in der Folge seien der Familie auf Veranlassung des Staatspräsidenten
im (...) 20(...) (...) (...)pässe erteilt worden. Dabei seien ihnen unter ande-
rem Arbeitsstellen und eine Wohnung versprochen worden, was sich je-
doch in der Folge nicht bewahrheitet habe. Sie hätten sich gezwungen ge-
sehen, sich in ein Asylcamp zu begeben, wo sie vom Sicherheitspersonal
und den anderen Campbewohnern schikaniert worden seien. Zudem habe
die Absicht bestanden, sie auf die Strasse zu stellen, da sie kein Anrecht
mehr gehabt hätten, sich im Asylcamp aufzuhalten. Vom (...) Staat sei
keine Hilfe zu erwarten gewesen, wobei erschwerend hinzugekommen sei,
dass sie der Landessprache nicht mächtig (gewesen) seien. Aufgrund die-
ser perspektivlosen Zukunft hätten sie im (...) 20(...) beschlossen,
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F._ zu verlassen. Sie hätten sich dort nicht sicher gefühlt und wür-
den befürchten, bei einer Überstellung dorthin in Armut und Obdachlosig-
keit leben zu müssen.
E.
Mit Verfügung vom 20. Februar 2020 aberkannte die Vorinstanz den Be-
schwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft und widerrief das gewährte
Asyl.
F.
Die Beschwerdeführenden erhoben gegen den Entscheid der Vorinstanz
mit Eingabe vom 23. März 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsge-
richt. Sie beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Even-
tualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und sie seien vorläufig
aufzunehmen. Subeventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuhe-
ben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Ferner sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, ihnen
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sowie ein amtlicher Rechts-
beistand beizuordnen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 30. März 2020 trat die Instruktionsrichterin auf
das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
nicht ein, hiess das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung, inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses, so-
wie das Gesuch um amtliche Rechtsverbeiständung gut und lud die Vor-
instanz zur Einreichung einer Vernehmlassung ein.
H.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 29. April 2020 sinn-
gemäss die Abweisung der Beschwerde.
I.
Am 1. Mai 2020 wurde den Beschwerdeführenden Gelegenheit zur Replik
eingeräumt.
J.
Die Replik der Beschwerdeführenden ging nach gewährter Fristverlänge-
rung am 26. Mai 2020, zusammen mit der Honorarnote des Rechtsvertre-
ters, beim Bundesverwaltungsgericht ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 105 Asylgesetz [AsylG, SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1
BGG). Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressaten zur Be-
schwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde ist – unter nachfolgendem Vorbehalt –
einzutreten (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Vorinstanz hat die Wegweisung sowie den Vollzug in der angefochte-
nen Verfügung nicht angeordnet, weshalb diese Punkte nicht Prozessge-
genstand des vorliegenden Verfahrens bilden. Auf die in der Rechtsmitte-
leingabe in diesem Zusammenhang enthaltenen Vorbringen und Rügen ist
deshalb nicht einzutreten.
3.
Gemäss Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG wird das Asyl widerrufen und/oder die
Flüchtlingseigenschaft aberkannt, wenn die ausländische Person das Asyl
oder die Flüchtlingseigenschaft durch falsche Angaben oder Verschweigen
wesentlicher Tatsachen erschlichen hat. Die Falschangabe oder das Ver-
schweigen wesentlicher Tatsachen muss kausal für die Gewährung von
Asyl oder die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gewesen sein
(CONSTANTIN HRUSCHKA in: Spescha et al. (Hrsg.), Kommentar zum Migra-
tionsrecht, 5. Aufl. 2019, Art. 63 AsylG N. 2).
4.
Soweit in der Rechtsmitteleingabe vorgebracht wird, die Vorinstanz habe
den Beschwerdeführenden bis zum Ablauf der Rechtsmittelfrist keine Ak-
teneinsicht gewährt, ist festzustellen, dass ihrem diesbezüglichen Gesuch
vom 25. Februar 2020 mit Schreiben des SEM vom 6. März 2020 entspro-
chen wurde. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass sie im Be-
sitze sämtlicher relevanten Verfahrensakten waren, um ihre Beschwerde
zu begründen. Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass – entgegen
ihrer Ankündigung – auch keine Ergänzung der Rechtsmitteleingabe er-
folgt ist.
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5.
Die Vorinstanz führt in der angefochtenen Verfügung aus, aufgrund des
Umstandes, dass die Beschwerdeführenden ihre (...) Staatsangehörigkeit
verschwiegen hätten, erachte sie die Voraussetzungen für einen Widerruf
des Asyls und eine Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft als gegeben.
Die Beschwerdeführenden hätten wesentliche Tatsachen verschwiegen,
was zur Gewährung des Asyls sowie zur Anerkennung der Flüchtlingsei-
genschaft geführt habe. Bei Kenntnis der Doppelstaatsangehörigkeit, wäre
den geltend gemachten Problemen in Afghanistan keine Asylrelevanz bei-
zumessen gewesen.
6.
In der Rechtsmitteleingabe machen die Beschwerdeführenden geltend, sie
hätten sich auch nach Ausstellung der (...) (...)pässe in einer prekären Si-
tuation befunden. Sie hätten keine Arbeitsstellen erhalten und die Kinder
hätten dem schulischen Unterricht aufgrund der Sprachbarriere nicht fol-
gen können. Der (...) sei im Asylzentrum geschlagen worden. Nach Erhalt
der Pässe seien sie angehalten worden, sich aus der Asylunterkunft zu
entfernen. Aufgrund der desolaten Situation in F._ und der drohen-
den Obdachlosigkeit hätten sie das Land deshalb verlassen.
Weiter habe die Vorinstanz weder ausgeführt, aus welchen Gründen die
(...) Staatsangehörigkeit bei Kenntnis derselben im Asylverfahren zur feh-
lenden Asylrelevanz der Ausführungen zu Afghanistan geführt hätte, noch
auf welche Art und Weise sie das Asyl erschlichen, insbesondere wissent-
lich und willentlich Falschaussagen gemacht haben sollen. Sodann lasse
sich der Verfügung nicht entnehmen, zu welchem Zeitpunkt die Beschwer-
deführenden Falschaussagen gemacht beziehungsweise eine weitere
Staatsangehörigkeit verneint haben sollen und auf welche Beweise sich
die Vorinstanz dabei stütze. Insgesamt könnten der angefochtenen Verfü-
gung die wesentlichen Überlegungen, welche zum Entscheid geführt hät-
ten, nicht entnommen werden. Des Weiteren sei das Schreiben, in wel-
chem ihnen vorab das rechtliche Gehör zu einer möglichen Aufhebung des
Asyls und der Flüchtlingseigenschaft gewährt worden sei, ungenügend be-
gründet.
Sodann habe die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung das Asyl wi-
derrufen und die Flüchtlingseigenschaft aberkannt, jedoch habe sie es un-
terlassen, eine Wegweisung zu verfügen und dabei die notwendigen Ab-
klärungen betreffend das Vorliegen von Wegweisungsvollzugshindernis-
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sen vorzunehmen. Könne oder wolle F._ ihnen keinen Schutz ge-
währen beziehungsweise werde ihnen dort ein menschenwürdiges Leben
verwehrt, müsste die Vorinstanz auch bei Kenntnis der (...) Staatsangehö-
rigkeit die Flüchtlingseigenschaft anerkennen und den Asylstatus verfügen.
Gemäss Praxis könne ein Leben in extremer Armut und ohne die Möglich-
keit zur Befriedigung der notwendigen Bedürfnisse und ohne Perspektive
auf Besserung eine Verletzung von Art. 3 EMKR (SR 0.101) darstellen. Die
ganze Familie sei weder der (...) Sprache noch des Alphabets mächtig und
würde in F._ über kein soziales Beziehungsnetz verfügen. Es er-
scheine daher unwahrscheinlich, dass ihnen bei dieser Ausgangslage die
soziale und wirtschaftliche Integration gelingen würde. Ferner könnten sie
nicht auf genügende Unterstützung des Staates zählen und ein Leben in
Obdachlosigkeit wäre sehr wahrscheinlich. Erwägungen zum Kindeswohl
würden in der angefochtenen Verfügung vollständig fehlen. Ferner sei zu
beachten, dass den Kindern ein allfälliges Erschleichen des Asyls nicht vor-
gehalten werden könne.
7.
Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung aus, den Beschwerdeführen-
den sei das rechtliche Gehör zu einem möglichen Widerruf gewährt worden
und die Verfügung sei genügend klar formuliert. Ferner habe sie im Rah-
men des Asylverfahrens die Wegweisungsvollzugshindernisse nach
F._ nicht prüfen müssen, da ihr die betreffende Staatsangehörigkeit
nicht bekannt gewesen sei. Darüber hinaus handle es sich bei F._
um einen vom Bundesrat als sicher bezeichneten Heimat- beziehungs-
weise Herkunftsstaat. Des Weiteren liege die Zuständigkeit für den Wider-
ruf ausländischer Bewilligungen beim Kanton, womit weder der Widerruf
des Asyls noch die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft einen Einfluss
auf den Bestand der Aufenthaltsbewilligung hätten.
8.
In der Replik bringen die Beschwerdeführenden vor, die Vorinstanz ver-
kenne, dass nicht eine unterlassene Prüfung des Wegweisungsvollzugs
nach F._ im Rahmen des Asylverfahrens, sondern im Rahmen des
Widerrufsverfahrens moniert werde. Ferner sei das Vorliegen von Wegwei-
sungsvollzugshindernissen unabhängig davon zu prüfen, ob es sich bei
F._ um einen sicheren Herkunfts- beziehungsweise Heimatstaat
handle. Auch erhelle nicht, was mit dem Hinweis auf die Zuständigkeit des
Kantons für den Widerruf ausländerrechtlicher Bewilligungen über die Prü-
fungszuständigkeit des Wegweisungsvollzuges ausgesagt werden soll. Für
Letzteres sei die Vorinstanz zuständig.
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9.
9.1 Vorab ist festzuhalten, dass die Beendigung des Asyls beziehungs-
weise die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft von der Frage des Weg-
weisungsvollzuges zu unterscheiden ist. Vorliegend wurde die Wegwei-
sung nicht verfügt und entsprechend auch der Vollzug der Wegweisung
nicht geprüft, mithin bilden die Fragen des Vollzugs der Wegweisung nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. bereits E. 2).
Die Vorinstanz verfügt den Widerruf des Asyls sowie die Aberkennung der
Flüchtlingseigenschaft regelmässig ohne gleichzeitige Prüfung bezie-
hungsweise Behandlung des Wegweisungsvollzuges (vgl. statt vieler: Ur-
teile des BVGer D-5080/2019 vom 17. Februar 2020 Bst. H sowie E. 6 und
E-3800/2017 vom 29. Mai 2019 E. 2.2). Den Beschwerdeführenden ist da-
rin beizupflichten, dass die Vorinstanz ihr Vorgehen im konkreten Fall nicht
nachvollziehbar zu begründen vermag. Sie scheint in der Vernehmlassung
alternativ drei Gründe ins Feld zu führen (Nichtkennen der Staatsangehö-
rigkeit, sicherer Drittstaat, Zuständigkeit der kantonalen Behörden für aus-
länderrechtliche Bewilligungen), ohne genau darzutun, welcher davon vor-
liegend für sie auschlaggebend wäre. Sodann bringen die Beschwerdefüh-
renden zu Recht vor, das Argument des Nichtkennens der Staatsangehö-
rigkeit sei nicht stichhaltig, da diese der Vorinstanz im vorliegenden Verfah-
ren bekannt sei.
Es ist ausdrücklich festzuhalten, dass der Justizgewährungsanspruch ge-
bietet, ein Verfahren vollständig – allenfalls auch durch mehrere Ent-
scheide – durchzuführen und zum Abschluss zu bringen. Dazu gehört vor-
liegend, nach Aufhebung des Asyls und der Aberkennung der Flüchtlings-
eigenschaft auch über die Wegweisung und den Vollzug zu entscheiden.
Da jedoch die Frage letztendlich nicht Gegenstand des vorliegenden Ver-
fahrens bildet beziehungsweise der diesbezügliche Entscheid der zustän-
digen Behörde noch aussteht, hat sich das Gericht an dieser Stelle nicht
weiter mit diesem Aspekt der Beschwerde und der Replik auseinanderzu-
setzen (zur Prüfung der Wegweisungsvollzugshindernisse durch das SEM
und die Kantone vgl. SPESCHA/KERLAND/BÖLZLI, Handbuch zum Migrati-
onsrecht, 4. Aufl. 2020, S. 402 f. N.1.4).
Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht die Aufhebung
des Asyls beziehungsweise der Flüchtlingseigenschaft gestützt auf Art. 63
Abs. 1 Bst. a AsylG angeordnet hat (zum Inhalt der Bestimmung vgl. das
unter E. 3 Ausgeführte). In diesem Zusammenhang ist ergänzend anzu-
merken, dass entgegen der in der Rechtsmitteleingabe vertretenen Ansicht
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das allfälligen Vorhandensein von Wegweisungsvollzugshindernissen nicht
zu einem Flüchtlings- beziehungsweise Asylstatus führen könnte und die
damit zusammenhängenden – sich im Kern auf den Wegweisungsvollzug
beziehenden – Vorbringen somit ebenfalls nicht Gegenstand des vorlie-
genden Widerrufs- beziehungsweise Aberkennungsverfahrens bilden.
9.2 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführenden zum Zeitpunkt der Ein-
leitung ihrer Asylverfahren im Jahre 2019 im Besitze der (...) Staatsbürger-
schaft waren, welche ihnen im Jahre 20(...) erteilt wurde.
Die im Asylgesetz statuierte Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden beinhal-
tet unter anderem, dass sie ihre Identität – worunter auch ihre Staatsange-
hörigkeit zählt – offenlegen sowie Reisepapiere und Identitätsausweise ab-
geben (vgl. Art. 8 Abs. 1 Bst. a und b AsylG sowie Art. 1a der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Beschwerdefüh-
renden wurden auf diese Pflichten anlässlich der Personalienaufnahme
vom 20. Mai 2019 hingewiesen. Als ihre Staatsangehörigkeit gaben sie le-
diglich Afghanistan an. Nach einer zweiten Staatsangehörigkeit gefragt,
gaben sie nichts weiter an, und im Zusammenhang mit ihrem Reiseweg
erwähnten sie den Aufenthalt in F._ nicht (vgl. SEM-Akten
1041348/-23/6 sowie 1041348-24/6). Auch anlässlich der Dublin-Gesprä-
che machten sie weder zum diesbezüglichen Aufenthalt noch zu ihrer (...)
Staatsangehörigkeit irgendwelche Angaben (vgl. a.a.O. 1041348-28/4 so-
wie 1041348-29/4). Im Rahmen der Anhörungen wurden sie sodann erneut
auf ihre Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht hingewiesen, insbesondere ihre
Identität offenzulegen und ihre Reise- und Identitätspapiere abzugeben.
Der Aufenthalt in F._ sowie die (...) Staatsbürgerschaft wurden auch
hier von den Beschwerdeführenden unerwähnt gelassen (vgl. a.a.O.
1041348-43/19 sowie 1041348-45/23).
Für das Gericht geht aus dem Dargelegten klar hervor, dass beide Be-
schwerdeführenden in gegenseitiger Absprache sowohl ihren Aufenthalt in
F._ als auch die dort erhaltene Staatsbürgerschaft anlässlich ihrer
mehreren Befragungen bewusst verschwiegen haben.
9.3 Art. 1 Abschn. A Abs. 2 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) hält im Wesentlichen
fest, dass alle Personen mit mehreren Staatsangehörigkeiten von der An-
erkennung der Rechtsstellung als Flüchtlinge ausgeschlossen sind, so-
lange sie den Schutz wenigstens eines dieser Länder in Anspruch nehmen
können. Der flüchtlingsrechtliche Schutz durch Drittstaaten ist in diesem
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Sinne subsidiär zum Schutz, welcher das Land, dessen Staatsangehörig-
keit der Asylgesuchsteller besitzt, gewähren kann (vgl. dazu auch The UN
Refugee Agency [UNHCR; Hrsg.], Handbuch und Richtlinien über Verfah-
ren und Kriterien zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft, Neuauflage
2011 [Deutsche Version 2013], S. 25 N. 106; vgl. sodann auch die in Art. 1
Abschn. C Ziff. 3 FK sowie in Art. 64 Abs. 1 Bst. b AsylG statuierten Been-
digungsgründe).
Die Beschwerdeführenden erlangten nach ihrer Ausreise aus Afghanistan
im Jahre 20(...) die (...) Staatsbürgerschaft. Sie machen nicht geltend, sie
würden in F._ in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt und
den Akten können diesbezüglich auch keinerlei Anhaltspunkte entnommen
werden. Ergänzend ist festzuhalten, dass F._ vom Bundesrat als
sogenannter sicherer Heimat- beziehungsweise Herkunftsstaat bezeichnet
wurde, in welchem nach seinen Feststellungen Sicherheit vor Verfolgung
besteht (Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG i.V.m. Art. 2 AsylV 1 sowie deren An-
hang 2).
Angesichts des Umstandes, dass für die Beschwerdeführenden in ihrem
Heimatstaat F._ Sicherheit vor flüchtlingsrechtlich relevanter Verfol-
gung besteht, stellte die Vorinstanz zu Recht fest, dass das Verschweigen
der (...) Staatsbürgerschaft letztlich kausal für die damalige Erteilung des
Asyls sowie die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft war, welche unter
der Annahme erfolgten, die Beschwerdeführenden würden lediglich die af-
ghanische Staatsangehörigkeit besitzen.
9.4 Es ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem – zugegebenermas-
sen knapp begründeten – Entscheid der Vorinstanz mit genügender Klar-
heit hervorgeht, dass das Asyl und die Flüchtlingseigenschaft aufgrund der
nachträglichen Entdeckung der (...) Staatsangehörigkeit aufgrund der Si-
cherstellung der entsprechenden (...) Reisepässe am (...) 2019 widerrufen
beziehungsweise aberkannt wurden. Auch ist der Inhalt des Schreibens
vom 22. Januar 2020, mit welchem die Vorinstanz den Beschwerdeführen-
den das rechtliche Gehör zu einem möglichen Widerruf des Asyls bezie-
hungsweise einer Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft einräumte,
nicht zu beanstanden. Es wird darin klar festgehalten, dass dies wegen
Verdachts auf Verschweigen der (...) Staatsangehörigkeit, einer wesentli-
chen Tatsache, in Betracht gezogen werde, im Übrigen ein Vorkommnis,
bei welchem die Beschwerdeführenden mit dabei waren (vgl. vorstehend).
Auch war die Vorinstanz nicht gehalten, den Zeitpunkt des Verschweigens
präzise festzuhalten, liegt es doch in der Natur der Sache, dass sich ein
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solches Verhalten über die ganze Verfahrensdauer erstreckt. Dass der Um-
stand, dass eine asylsuchende Person mehrere Staatsangehörigkeiten be-
sitzt, einen Einfluss auf den Asylentscheid des ersuchten Staates haben
kann, dürfte sodann auch für mit dem Asylgesetz nicht vertraute Personen
in genügendem Masse erkennbar sein. Die Vorinstanz war jedenfalls nicht
gehalten, die entsprechenden Mechanismen vertieft und im Detail darzule-
gen. Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs erweist sich daher
insgesamt als unbegründet.
Ergänzend ist noch festzuhalten, dass die Beschwerdeführenden zu Recht
nicht geltend machen, der Asylwiderruf beziehungsweise die Aberkennung
der Flüchtlingseigenschaft könne sich aufgrund von Art. 63 Abs. 4 AsylG
nur auf die Mutter beziehungsweise (dem Vater ist ein eigenes Verschwei-
gen vorzuhalten) die Eltern beziehen. Stellt sich im Nachhinein heraus,
dass die Person, von welcher das Asyl derivativ erworben wurde, dieses
dadurch erschlichen hat, indem sie die für sämtliche Familienangehörigen
bestehende und in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht Sicherheit bietende
zweite Staatsangehörigkeit verschwieg, rechtfertigt es sich, die derivative
Flüchtlingseigenschaft und das dadurch erlangte Asyl der Angehörigen
ebenfalls erlöschen zu lassen.
9.5 Aufgrund des Ausgeführten ist festzuhalten, dass die Beschwerdefüh-
renden mit dem Nichtoffenlegen der (...) Staatsbürgerschaft eine wesentli-
che Tatsache verschwiegen und sich dadurch das Asyl und die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 63 Abs. 1 Bst. a AsylG erschlichen haben.
Der Widerruf des Asyls sowie die Aberkennung der Flüchtlingseigenschaft
durch die Vorinstanz sind somit zu Recht erfolgt.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihnen mit Zwischen-
verfügung vom 30. März 2020 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt
wurde und den Akten keine Hinweise für Veränderungen ihrer finanziellen
Verhältnisse zu entnehmen sind, sind keine Verfahrenskosten zu erheben
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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11.2 Der amtliche Rechtsbeistand reichte mit der Replik vom 26. Mai 2020
eine Kostennote ein, welche unter anderem einen zeitlichen Aufwand von
13.76 Stunden ausweist. Die geltend gemachten Aufwände (gemäss Kos-
tennote insgesamt Fr. 3'175.21) erscheinen grundsätzlich angemessen,
die pro futuro angesetzte Stunde (Kenntnisnahme Urteil, Besprechung, Ab-
schluss des Dossiers) plus die entsprechenden Auslagen sind allerdings
praxisgemäss nicht zu vergüten, womit der zu entschädigende Aufwand
auf insgesamt Fr. 2'925.– (gerundet; inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen ist. Dieser Betrag ist dem amtlichen Rechtsbeistand vom Bun-
desverwaltungsgericht auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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