Decision ID: 3959a5e7-f738-4a5c-83f6-8cbde4cc181f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Vergewaltigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes C._, II. Abteilung, vom 30. April 2019 (DG180016)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV [neu: I] des Kantons Zürich vom
25. September 2018 (Urk. 21) ist diesem Urteil beigeheftet.
Entscheid der Vorinstanz: (Urk. 50 S. 35 ff.)
"Es wird beschlossen:
1. Die mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts Zürich vom 21. März 2018 gegenüber
dem Beschuldigten angeordneten und am 21. März 2018, 21. Juni 2018, 26. September
2018 und schliesslich vom Zwangsmassnahmengericht Bezirk C._ am 5. Oktober 2018
verlängerten Ersatzmassnahmen – namentlich das Kontaktverbot bezüglich der Privatkläge-
rin A._ sowie die Ausgrenzung aus den Gemeindegebieten D._ und E._ –
werden mit heutigem Datum ersatzlos aufgehoben.
2. Gegen diesen Beschluss kann innert 10 Tagen von der Eröffnung an beim Obergericht des
Kantons Zürich, III. Strafkammer, Postfach, 8021 Zürich, schriftlich und begründet
Beschwerde eingereicht werden.
3. Schriftliche Mitteilung an die Parteien mit nachfolgendem Erkenntnis.
Sodann wird erkannt:
1. Der Beschuldigte B._ ist der Vergewaltigung nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Die Zivilklage der Privatklägerin wird auf den Zivilweg verwiesen.
3. Die Entscheidgebühr und die Gebühr für die Strafuntersuchung fallen ausser Ansatz; die
übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
4. Dem Beschuldigten wird für die erbetene Verteidigung eine Entschädigung von Fr. 7‘135.20
(inkl. 7.7% MWST) für seine Aufwendungen sowie Fr. 95.– für die Barauslagen aus der
Gerichtskasse zugesprochen.
5. Dem Beschuldigten wird für den erlittenen Verdienstausfall eine Entschädigung von
Fr. 2'240.– aus der Gerichtskasse zugesprochen.
6. Dem Beschuldigten wird für den erlittenen Freiheitsentzug eine Genugtuung von Fr. 2'200.–
aus der Gerichtskasse zugesprochen.
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7. Der Vertreterin der Privatklägerin wird für die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin
eine Entschädigung von Fr. 18‘662.65 (inkl. 8% MWST auf Fr. 2‘622.10 und 7.7% MWST
auf Fr. 14‘698.95) für ihre Aufwendungen sowie Fr. 524.05 für die Barauslagen aus der Ge-
richtskasse zugesprochen.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 17. August 2018 beschlagnahmten und
beim Forensisches Institut Zürich (IRM) sowie der Asservate-Triage der Kantonspolizei Zü-
rich aufbewahrten Gegenstände, nämlich:
− 1 Unterhose (Asservat-Nr. A009‘738‘607; IRM)
− 1 Mantel grau/grün (Asservat-Nr. A009‘738‘629; IRM)
− 1 Bluejeans (Asservat-Nr. A009‘738‘630; IRM)
− 1 Stickjacke (recte: Strickjacke) schwarz (Asservat-Nr. A009‘738‘641; IRM)
− 1 Mobiltelefon Samsung Galaxy A3 (Asservat-Nr. A009‘741‘688; Asservate-Triage
Kantonspolizei Zürich)
sind der Privatklägerin nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen her-
auszugeben. Werden die Gegenständen binnen drei Monaten seit Eintritt der Rechtskraft
nicht herausverlangt, sind sie zu vernichten.
9. [Mitteilung]
10. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
a) Der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin
(Urk. 87 S. 1 und 7 f.)
1. Es sei der Beschuldigte in Abänderung von Dispositiv Ziffer 1 des vo-
rinstanzlichen Urteils der Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB
schuldig zu sprechen.
2. Es sei der Beschuldigte in Abänderung von Dispositiv Ziffer 2 des vo-
rinstanzlichen Urteils zu verpflichten,
- der Privatklägerin eine Genugtuung von CHF 25'000 zuzüglich 5% Zins
ab 16. Oktober 2016 zu bezahlen
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- der Privatklägerin Schadenersatz von CHF 6'653, zuzüglich 5% Zins
ab 1. Februar 2018 zu bezahlen;
unter ausgangsgemässer Anpassungen der Sanktions-, Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen, inkl. Schadenersatz- und Genugtuungsfolgen betreffend den
Beschuldigten, des vorinstanzlichen Urteils.
Beweisantrag:
Es sei mit Bezug auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin ein
Gutachten bei einer medizinisch-psychologisch gebildeten Fachperson ein-
zuholen.
b) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 88 S. 2)
1. Die Berufung sei abzuweisen und der Freispruch zu bestätigen.
2. Allfällige Zivilansprüche der Privatklägerin seien abzuweisen.
3. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien ausgangsgemäss zu verlegen.
c) Der Staatsanwaltschaft
(Urk. 67; schriftlich)
Verzicht auf Anträge

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 55 S. 4 f. E. I.1.-2.).
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1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts C._ wurde der Beschuldigte gemäss
dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv freigesprochen. Gegen dieses
Urteil meldeten die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin je fristgemäss Beru-
fung an (Urk. 47 und 49). Ihr begründetes Urteil versandte die Vorinstanz am
17. März 2020 (Urk. 51/1-3). Nach Erhalt des begründeten Urteils zog die Staats-
anwaltschaft ihre Berufung mit Eingabe vom 6. Mai 2020 zurück (Urk. 55), wovon
Vormerk zu nehmen ist.
1.3. Fristgerecht (Urk. 58) reichte die Rechtsvertretung der Privatklägerin mit
Eingabe vom 7. April 2020 ihre Berufungserklärung ein und stellte den Beweisan-
trag auf Einholung eines medizinisch-psychologischen Glaubhaftigkeitsgutachtens
betreffend die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 57). Mit Verfügung vom 18. Mai
2020 ging die Berufungserklärung an die Staatsanwaltschaft und den Beschuldig-
ten und wurde diesen Frist angesetzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung er-
hoben wird oder um ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Zudem
wurde diesen Frist angesetzt, um zum Beweisantrag der Privatklägerin Stellung
zu nehmen. Weiter wurde der Privatklägerin Frist angesetzt, um zu erklären, ob
sie beantrage, dass dem urteilenden Gericht eine Person gleichen Geschlechts
angehöre, und ob sie für den Fall einer Befragung verlange, von einer Person
gleichen Geschlechts einvernommen zu werden (Urk. 61). Nachdem der Be-
schuldigte mit Eingabe vom 20. Mai 2020 Anschlussberufung erhoben, um Er-
nennung von Rechtsanwalt lic. iur. Y._ als amtlicher Verteidiger ersucht und
zum genannten Beweisantrag Stellung genommen hatte (Urk. 63), teilte er dem
Gericht mit Schreiben vom 27. Mai 2020 im Sinne eines Korrigendums mit, er er-
hebe keine Anschlussberufung (Urk. 65). Mit Eingabe vom 2. Mai 2020 verzichte-
te die Staatsanwaltschaft auf eine Anschlussberufung sowie das Stellen von Be-
rufungsanträgen und nahm gleichzeitig zum Beweisantrag der Privatklägerin Stel-
lung (Urk. 67). Die Privatklägerin liess mit Eingabe vom 9. Juni 2020 mitteilen, sie
stelle die Auswahl der Mitglieder des Gerichts und der Befragungsperson in das
Ermessen der Verfahrensleitung und beantrage für den Fall einer nochmaligen
Befragung keine direkte Gegenüberstellung mit dem Beschuldigten (Urk. 69). Mit
Verfügung vom 11. Juni 2020 wurde der Beweisantrag auf Einholung eine medi-
zinisch-psychologischen Glaubhaftigkeitsgutachtens abgewiesen (Urk. 71).
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1.4. Am 27. Januar 2021 stellte die Privatklägerin den Antrag, die Publikums-
öffentlichkeit von der Berufungsverhandlung auszuschliessen, die akkreditierten
Gerichtsberichterstatter jedoch unter Auflagen zuzulassen (Urk. 75). Dieser An-
trag wurde mit Verfügung vom 28. Januar 2021 gutgeheissen (Urk. 76).
1.5. Mit Eingabe vom 23. Februar 2021 beantragte die Privatklägerin, ihr die
Vorladung zur Berufungsverhandlung vom 26. April 2021 als Auskunftsperson er-
satzlos abzunehmen (Urk. 80). Diesem Antrag wurde mit Schreiben vom 1. März
2021 nicht stattgegeben (Urk. 83).
1.6. Am 26. April 2021 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des
Beschuldigten und seines Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Y._, sowie
der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, Rechtsanwältin lic. iur.
X._, statt (Prot. II S. 7). Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde Rechts-
anwalt lic. iur. Y._ antragsgemäss rückwirkend per 20. Mai 2020 als amtli-
cher Verteidiger ernannt (Prot. II S. 9). Weiter wurde die Privatklägerin ohne direk-
te Gegenüberstellung mit dem Beschuldigten (Art. 153 Abs. 2 StPO) als
Auskunftsperson im Sinne von Art. 178 lit. a StPO einvernommen (Urk. 86). Die
Privatklägerin liess zudem erneut den Beweisantrag auf Einholung eines medizi-
nisch-psychologischen Glaubhaftigkeitsgutachtens betreffend ihre Aussagen
stellen (vgl. dazu nachfolgend unter E. I.3.).
2. Umfang der Berufung
Es wurde keine Anschlussberufung erhoben (Urk. 65 und 67). Von der Privatklä-
gerin nicht angefochten werden Dispositiv-Ziffer 7 (Entschädigung der Vertretung
der Privatklägerin) und 8 (Anordnung betreffend die beschlagnahmten Gegen-
stände) des vorinstanzlichen Urteils (Prot. II. S. 9), die damit rechtskräftig wurden,
was in Form eines Beschlusses festzuhalten ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
3. Beweisantrag
An der Berufungsverhandlung verlangte die Rechtsvertreterin der Privatklägerin
erneut eine medizinisch-psychologische Glaubhaftigkeitsbegutachtung der Aus-
sagen der Privatklägerin. Zur Begründung brachte sie stark zusammengefasst
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vor, eine entsprechende Begutachtung sei unumgänglich, wenn aufgrund von in-
dividuellen Defiziten der Auskunftsperson, ungünstigen Befragungsumständen
sowie einem langen Zeitablauf bis zur Zweitbefragung schwierig zu beurteilen sei,
welche Erlebnisse die Auskunftsperson widerzugeben im Stande sei (Prot. II
S. 10; Urk. 87 S. 1 ff.). Der Beweisantrag wurde erneut abgewiesen (Prot. II
S. 17). Zur Begründung folgendes: Die Prüfung der Glaubhaftigkeit von Aussagen
ist primär Aufgabe des Gerichts. Eine Begutachtung durch eine sachverständige
Person drängt sich nach der ständigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur
bei besonderen Umständen auf. Dies ist etwa der Fall, wenn bruchstückhafte oder
schwer interpretierbare Äusserungen eines Kleinkindes zu beurteilen sind oder
bei ernsthaften Anzeichen geistiger Störungen, welche die Aussageehrlichkeit
beeinträchtigen könnten (Urteil des Bundesgerichts 6B_1090/2018 E. 1.2. mit wei-
teren Hinweisen). Beides ist hier nicht der Fall. Gestützt auf die ICD-10-Diagnose
F70.1 weist die Privatklägerin eine leichte Intelligenzminderung auf und befindet
sich auf dem Entwicklungsstand eines 9- bis 12-jährigen Kindes (vgl. dazu hinten
unter E. II.6.2.1.1.). Die Aussagen eines 9- bis 12-jährigen Kindes sind in aller
Regel der gerichtlichen Würdigung zugänglich und bedürfen keiner Begutachtung.
Die Privatklägerin ist aufgrund der leichten Intelligenzminderung in ihrer Aus-
drucksweise zweifellos limitiert. Indes war sie in der Befragung vor der Berufungs-
instanz wie schon in den früheren Befragungen fähig, die ihrem geistigen Niveau
angepassten Fragen aufzunehmen, zu reflektieren und in adäquater Weise zu
beantworten. Zudem ist vorgreifend festzuhalten, dass sich die eklatanten Wider-
sprüche in den Aussagen der Privatklägerin, welche in einem gewissen Umfang
an der Berufungsverhandlung auch von der Rechtsvertreterin der Privatklägerin
eingestanden wurden, auch mit einem medizinisch-psychologischen Gutachten
nicht hinlänglich aus der Welt schaffen liessen, zumal sie sich nicht restlos mit ih-
rer leichten Intelligenzminderung, ihrer damaligen psychischen Verfassung, den
Befragungsumständen bei der polizeilichen Einvernahme sowie dem Zeitraum
zwischen der Erst- und der Zweitbefragung erklären lassen (vgl. dazu nachfol-
gend unter E. II.6.2.1.). Auch wenn sich die genannten Umstände möglicherweise
in einem gewissen Masse auf das Aussageverhalten der Privatklägerin auswirk-
ten, liegen keine konkreten Anhaltspunkte dafür vor, dass aufgrund dieser Um-
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stände ihre Aussagen inhaltlich keiner Würdigung durch das Gericht unterzogen
werden könnten. Die Defizite der Privatklägerin, die konkreten Befragungsum-
stände und die Zeiträume zwischen den Befragungen sind indes mit der Rechts-
vertreterin der Privatklägerin (vgl. dazu hinten unter E. II.2.) bei der Aussagen-
würdigung zu berücksichtigen, sofern sie sich erkennbar auf die Aussagen aus-
wirkten.
4. Instrument der Verweisung und Begründungspflicht
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachver-
haltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in An-
wendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-
nung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu begründen.
Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf
sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht
ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässiger Motivations-
aufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1
EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument
gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bundesgerichtes 6B_689/2019
vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, die Privatklägerin vergewaltigt zu haben,
indem er Folgendes getan habe: Er habe die Privatklägerin zu einem nicht genau
bestimmbaren Zeitpunkt auf Badoo, eine Mischung aus Chat-, Flirt- und Dating-
plattform, angeschrieben und mit ihr über Badoo und dann auch über WhatsApp
gechattet, wobei er ihr zu verstehen gegeben habe, dass er "Sex haben wollte",
was diese jedoch abgelehnt habe. Am 16. Oktober 2016, um 14.45 Uhr und um
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14.49 Uhr, habe der Beschuldigte die Privatklägerin angerufen, woraufhin sie ein
Treffen am Bahnhof C._ vereinbart hätten. Als der Beschuldigte um 16.44
Uhr dort eingetroffen sei, habe die Privatklägerin auf ihn gewartet. Er habe sie ge-
fragt, ob sie einen Kaffee trinken wolle, was diese abgelehnt und gesagt habe, sie
wolle lieber etwas spazieren und danach nach Hause gehen. Bei diesem Ge-
spräch habe der Beschuldigte erkannt, dass die Privatklägerin (leichtgradig) geis-
tig behindert, daher in ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt und von vorn-
herein zu ernsthaftem Widerstand nur eingeschränkt in der Lage sei. In der Folge
sei der Beschuldigte mit der Privatklägerin bis zur nordwestlichen Ecke des Na-
turschutzgebietes "F._" in C._ (bei Koordinate ... / ...) gegangen, wobei
er auf den Weg dorthin, als sie hinter ihm gehend wieder habe umkehren wollen,
sie zwei bis drei Mal an der Hand gepackt und zurückgezogen und sie so dazu
gebracht habe, ihm weiterhin zu folgen. Beim Naturschutzgebiet "F._"
angekommen, habe der Beschuldigte von der Privatklägerin Sex verlangt, was
diese abgelehnt habe. Dabei habe sich die Privatklägerin nach anderen Personen
umgesehen, habe jedoch festgestellt, dass niemand in der Nähe war, was auch
der Beschuldigte gewusst habe, welcher mit einer Körpergrösse von ca. 180 cm
der molligen, 151 cm grossen Privatklägerin auch körperlich erheblich überlegen
gewesen sei. In der Folge habe der Beschuldigte der Privatklägerin ihre Jacke
ausgezogen und diese auf den Boden gelegt. Anschliessend habe er sie von hin-
ten an beiden Oberarmen gepackt und sie rücklings zu Boden auf die Jacke ge-
rissen, so dass die Privatklägerin mit dem Rücken auf der Jacke zu liegen ge-
kommen sei. Dann habe er sich mit beiden Beinen links und rechts über die sich
zur Abwehr windende Privatklägerin gestellt, ihre Hose und Unterhose bis zu den
Knien/Unterschenkeln und dann sich selbst die Hose und Unterhose bis zu den
Knien hinuntergezogen. Als die Privatklägerin ihre Beine zusammengepresst ha-
be, um eine Penetration ihrer Vagina zu verhindern, habe der Beschuldigte mit
beiden Händen ihre Beine wieder auseinandergezogen, wobei die Privatklägerin
auch versucht habe, ihn von sich wegzustossen, was ihr nicht gelungen sei. Der
Beschuldigte habe sich anschliessend auf die Privatklägerin gelegt und sei mit
seinem erigierten Penis in ihre Vagina eingedrungen, wobei er diesen mehrmals -
über mehrere Minuten und bis unmittelbar vor dem Samenerguss - wuchtig in die
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Vagina hineingestossen und wieder etwas zurückgezogen habe. Als die Privat-
klägerin dabei um Hilfe geschrien habe, habe er ihr eine Hand auf den Mund ge-
drückt, um sie so am Schreien zu hindern. Als der Beschuldigte dann zum Sa-
menerguss gekommen sei, habe er seinen Penis aus der Vagina gezogen, ejaku-
liert und dann von der Privatklägerin abgelassen. Der Beschuldigte, der gewusst
habe, dass die ihm körperlich erheblich unterlegene Privatklägerin den Ge-
schlechtsverkehr mit ihm ablehnte, habe dies getan, um die für ihn erkennbar
(und von ihm auch erkannt) kognitiv eingeschränkte Privatklägerin, die dement-
sprechend zu keinem ernsthaften Widerstand fähig gewesen sei, zur Duldung des
an ihr gegen ihren Willen vollzogenen Geschlechtsverkehrs zu zwingen (Urk. 21
S. 2 f.).
2. Standpunkt der Privatklägerin
Mit ihrer Berufungserklärung vom 7. April 2020 liess die Privatklägerin zusam-
mengefasst geltend machen, die Vorinstanz habe ihre Aussagen nicht korrekt
gewürdigt. Die Vorinstanz habe sich im Wesentlichen darauf beschränkt, Wider-
sprüche in ihren Aussagen aufzuführen, ohne diese im Lichte ihrer aktenkundigen
Defizite angemessen zu würdigen. Es fehle auch an einer Auseinandersetzung
mit der Frage, ob ihre Aussagen überhaupt auf nicht realem Erlebnishintergrund
basieren könnten. Zudem seien die ungünstigen Umstände der Erstbefragung wie
die unmittelbar davor erfolgte medizinische Behandlung, der Blutverlust und die
Medikation sowie der lange Zeitraum zwischen der Erst- und Zweitbefragung nicht
ausreichend berücksichtigt worden. Weiter liessen sich aus ihren sonstigen Aktivi-
täten auf Badoo keine Schlüsse zu ihren Lasten ziehen. Schliesslich handle es
sich beim von der Vorinstanz als möglicher Motivator für ihre belastende Aussa-
gen ins Feld geführte Erklärungsnotstand gegenüber ihrer Wohneinrichtung um
eine unhaltbare Mutmassung (Urk. 57 S. 3 ff.) Im Wesentlichen dieselben Vor-
bringen liess die Privatklägerin an der Berufungsverhandlung deponieren. Ergän-
zend liess sie sinngemäss vorbringen, die Aussagen der Zeuginnen G._ und
H._ seien massgeblich zu ihren Gunsten zu würdigen (Urk. 87; Prot. II S. 11
ff., 16).
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3. Beweismittel und Grundsätze der Beweiswürdigung
Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, handelt es sich beim Tatvorwurf um ein
Vieraugendelikt (Urk. 50 S. 7 E. IV.A.1.), weshalb als Beweismittel in erster Linie
die Aussagen der Privatklägerin (Urk. 3/4-5; Urk. 85) und jene des Beschuldigten
(Urk. 2/1, Urk. 2/4-6, Urk. 37 und Urk. 86) für die Erstellung des Sachverhalts
massgebend sind. Die Vorinstanz hat sodann die weiteren potentiell relevanten
Beweismittel aufgeführt und umfassende und zutreffende Ausführungen zu den
Grundsätzen der Sachverhaltserstellung und den Beweiswürdigungsregeln, ins-
besondere auch zur Aussagewürdigung, gemacht, worauf zur Vermeidung unnö-
tiger Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 50 S. 8-10 E. IV.A.2.-B.1.).
Ergänzend ist lediglich festzuhalten, dass insbesondere auch kein Chatprotokoll
betreffend die Konversation zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten
vor dem Vorfall aktenkundig ist, woraus sich allenfalls Indizien in Bezug auf die
inkriminierte Tat ergeben hätten.
4. Erstellter bzw. unbestrittener Sachverhalt
4.1. Was den unbestrittenen Sachverhalt anbelangt, ist mit der Vorinstanz von
folgender Ausgangslage auszugehen (Urk. 50 S. 10 f. E. IV.B.2.1.; vgl. dazu
insbesondere auch Urk. 2/1, Urk. 3/4, Urk. 37, Urk. 85 f.): Unbestritten ist, dass
sich die Privatklägerin und der Beschuldigte auf Badoo kennenlernten, sich nach
dem Austausch von Chatnachrichten verabredeten und am Nachmittag des
16. Oktober 2016 am Bahnhof C._ trafen. Von dort spazierten sie in das na-
hegelegene Naturschutzgebiet. Ebenfalls unbestritten und damit als erstellt anzu-
sehen ist, dass es anschliessend etwas abseits vom Weg zum Beischlaf kam.
Nachfolgend bemerkten beide, dass die Privatklägerin aus der Vagina blutete,
worauf sie sich mit Wasser, das die Privatklägerin in einer Trinkflasche mit sich
führte, wuschen und sich anschliessend auf den Nachhauseweg begaben.
Ebenfalls als erstellt anzusehen ist gestützt auf das Gutachten des Instituts für
Rechtsmedizin vom 26. Oktober 2016 und die Berichte des Spitals Bülach vom
16. Oktober 2016, 19. Oktober 2016, 1. Februar 2017 und 9. Juli 2018, dass die
Privatklägerin eine Vaginalverletzung in Form eines ca. 5 cm tief in der Vagina
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liegenden und 3 cm langen Risses aufwies, welcher eine starke Blutung auslöste
und notfallmässig operativ versorgt werden musste. Gemäss übereinstimmender
ärztlicher Einschätzung kommt aufgrund des Verletzungsbilds als Ursache der
Vaginalverletzung, die wie eine Pfählungsverletzung aussah, am ehesten ein
scharfkantiger Gegenstand in Betracht. Ein stumpfes Trauma bzw. eine reine
Penetration mit einem Penis erscheint demgegenüber eher unwahrscheinlich.
Sollte die Verletzung tatsächlich von einer Penetration mit dem Penis stammen,
hätte diese heftig sein müssen. Zudem wären bei einer Verursachung der
Risswunde durch die Penetration mit dem Penis eher fransige Wundränder zu
erwarten gewesen (vgl. zum Ganzen Urk. 8/2, Urk. 8/4, Urk. 8/6-8, vgl. auch
Urk. 8/9-10). Weder die Privatklägerin noch der Beschuldigte machten jemals eine
ungewöhnlich heftige Penetration durch letzteren geltend. Beide Beteiligten konn-
ten für die lebensgefährliche Verletzung keine über Spekulationen hinausgehende
plausible Erklärung geben. Soweit die Privatklägerin in der Befragung vor der
Berufungsinstanz erstmals geltend machte, die Verletzung stamme vom Gürtel
des Beschuldigten (vgl. dazu hinten unter E. II.5.2.), ist festzuhalten, dass es sich
hierbei um die Wiedergabe einer im Vorverfahren von der Rechtsvertretung der
Privatklägerin ins Feld geführten, von der Strafuntersuchungsbehörde anschlies-
send übernommenen und später wieder verworfenen These handelt. Die These
liess sich nicht erhärten, weil ein derart ungewöhnlicher Vorgang, der doch sehr
unangenehm hätte sein müssen, von den Beteiligten hätte bemerkt werden müs-
sen. Ein solcher Vorgang wurde im Vorverfahren von keinem der beiden geltend
gemacht. Vor der Berufungsinstanz vermochte die Privatklägerin auch nicht dar-
zutun, wie der Gürtel konkret in ihre Vagina hineingelangt sein soll. So führte sie
auf die Frage, ob sie sagen könne, wie das genau passiert sei, aus, das könne sie
nicht mehr so genau sagen (Urk. 85 S. 18). Im Vorverfahren hatten die Privatklä-
gerin und der Beschuldigten zumindest sinngemäss noch übereinstimmend gel-
tend gemacht, es sei lediglich der Penis des Beschuldigten in die Vagina einge-
führt worden. Und die Privatklägerin spekulierte denn auch unmittelbar nach dem
Geschlechtsverkehr zunächst, dass es sich bei der Blutung um ihre Menstruation
handelte (Urk. 3/5 F/A 143; Urk. 4/2 F/A 8; Urk. 8/2 S. 2). Insgesamt lässt sich ret-
rospektiv nicht eruieren, woher die Verletzung der Privatklägerin stammt. Der Ur-
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sprung der Verletzung bleibt rätselhaft. Allenfalls denkbar ist mit der Vorinstanz
eine vorbestehende Verletzung (vgl. auch Urk. 8/9), was aber schlussendlich of-
fen gelassen werden muss. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die
ausdrücklich verneinenden Antworten der Privatklägerin auf entsprechende Fra-
gen anlässlich ihrer Befragung vor Berufungsinstanz (Urk. 85 S. 16). Auch aus
dem Betreuungsumfeld der Privatklägerin wurden keine entsprechenden Feststel-
lungen gemacht. Wären Verletzungen bekannt gewesen, so wäre mit Bestimmt-
heit darauf hingewiesen worden. Jedenfalls lässt sich die Vaginalverletzung nach-
vollziehbar weder auf ein Handeln des Beschuldigten noch auf den Geschlechts-
akt zurückführen, weshalb diese zu recht nicht Eingang in den zur Anklage erho-
benen Sachverhalt gefunden hat.
4.2. Damit ist im Wesentlichen strittig, ob es zwischen der Privatklägerin und
dem Beschuldigten zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr kam oder der Be-
schuldigte die Privatklägerin zum Beischlaf nötigte. Wie die Vorinstanz richtig er-
kannt hat (Urk. 50 S. 12 E. IV.B.2.3), muss anhand des Anklagesachverhalts im
Folgenden geprüft werden, ob sich mit den vorhandenen Beweismittel erstellen
lässt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin auf den Boden riss, sich über die
zur Abwehr windende Privatklägerin stellte, ihre Hose und Unterhose bis zu den
Knien/Unterschenkeln hinunterzog, gewaltsam ihre Beine öffnete, sich auf sie leg-
te, ihren Mund zuhielt, um sie am Schreien zu hindern, und sie mehrmals gegen
ihren Willen vaginal penetrierte.
5. Aussagenzusammenfassung
5.1. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen der Privatklägerin (Urk. 3/4-5),
des Beschuldigten (Urk. 2/1, Urk. 2/4-6 und Urk. 37) und der Zeuginnen H._
(Urk. 4/1) und G._ (Urk. 4/2) zum eingeklagten Vorfall richtig wiedergegeben
(Urk. 50 S. 12-21 E. IV.B.3.), worauf verwiesen werden kann.
5.2. Im Berufungsverfahren blieb der Beschuldigte im Wesentlichen bei seinen
früheren Aussagen (Urk. 86). Auch die Privatklägerin blieb bei ihrem Standpunkt,
wonach der Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen stattgefunden habe. Zum
eingeklagten Sachverhalt führte sie zusammengefasst aus, es sei ihre Idee ge-
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wesen, vom Treffpunkt am Bahnhof C._ mit dem Beschuldigten ins nahe ge-
legene Naturschutzgebiet zu spazieren. Sie habe sich dort ausgekannt, er hinge-
gen wohl nicht. Die Frage, was sie dort tun wollten, vermochte sie nicht zu beant-
worten. Jedenfalls habe der Beschuldigte dort ein Versteck gesucht. Sie hätten
dann ihre Jacke auf den Boden gelegt, woraufhin der Beschuldigte begonnen ha-
be, sie zu bedrängen. Sie habe versucht, sich zu wehren, als er sie auf den Bo-
den gedrückt habe und schliesslich mit seinem Penis in sie eingedrungen sei.
Weiter gab sie an, nicht mehr zu wissen, ob der Beschuldigte ihr Kleidungsstücke,
insbesondere die Hose, ausgezogen habe. Sie wisse auch nicht mehr, ob er sei-
ne Hose heruntergezogen habe. So wie sie es sich vorstelle, habe er glaublich
schon noch Kleider getragen. Sie habe versucht, um Hilfe zu rufen. Wahrschein-
lich habe der Beschuldigte ihr die Hand vor den Mund gehalten. Sie wisse aber
nicht, ob er das wirklich getan habe. Zum Beschuldigten habe sie in dieser Situa-
tion nichts gesagt. Ob er zum Samenerguss gekommen sei, wisse sie nicht. Zu
oralem Sex sei es nicht gekommen. Sie sei mit dem Gürtel des Beschuldigten in-
nerlich verletzte worden. Wie, könne sie nicht mehr so genau sagen. Es sei
schwierig zu sagen, ob dies ein Unfall gewesen sei, oder ob er das absichtlich
gemacht habe. Ob sie danach gemeinsam oder getrennt zurück in Richtung
Bahnhof gelaufen seien, wisse sie nicht mehr. Auf dem Nachhauseweg habe sie
bemerkt, dass sie geblutet habe. Sie habe die Polizei angerufen, welche an-
schliessend ausgerückt und mit ihrer Unterstützung den Tatort gesucht habe. Auf
Badoo habe sie auch noch ein paar andere wenige, ca. vier oder fünf, Kontakte
geknüpft. (Urk. 85 S. 7 ff.).
6. Beweiswürdigung
6.1. Glaubwürdigkeit
Mit Blick auf die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin und des Beschuldigten kam
die Vorinstanz zutreffend zum Schluss, dass diese je intakt sei (Urk. 50 S. 21
E. IV.C.1.), wobei nochmals hervorzuheben ist, dass für die Sachverhaltserstel-
lung in erster Linie die Glaubhaftigkeit der Aussagen relevant ist (in diesem Sinne
bereits a.a.O. S. 9 E. IV.B.1.4). Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass
auch den beiden Zeuginnen H._ und G._ keine verminderte Glaubwür-
- 15 -
digkeit zuzumessen ist. Sie waren im Zeitpunkt der im Raum stehenden Tat Be-
treuungs- und Bezugsperson in der Wohngruppe der Privatklägerin. Es bestehen
keinerlei Anhaltpunkte für Meineid, insbesondere ist auch kein Interesse am Pro-
zessausgang ersichtlich.
6.2. Aussagenanalyse / Glaubhaftigkeit der Aussagen der Beteiligten
Zunächst kann bereits an dieser Stelle festgehalten werden, dass die Vorinstanz
die vorliegend relevanten Beweise sehr sorgfältig und überzeugend gewürdigt
hat, weshalb auf die entsprechenden Ausführungen vorab vollumfänglich verwie-
sen werden kann (Urk. 50 S. 22-29 E. IV.C.2.). Die nachfolgenden Erwägungen
gehen teilweise rekapitulierend und ergänzend noch einmal auf die wichtigsten
Punkte ein, namentlich dort, wo es zur Auseinandersetzung mit den Argumenten
der Beteiligten angezeigt erscheint.
6.2.1. Aussagen der Privatklägerin
6.2.1.1. Aktenkundig ist, wie bereits erwähnt, dass die Privatklägerin eine leichte
geistige Behinderung im Sinne einer leichten Intelligenzminderung (ICD-10-Code
F70.1; vgl. Urk. 40/2b S. 1) hat. Gemäss ICD-10 weisen betroffene Personen ei-
nen Intelligenzquotient im Bereich von 50 bis 69 auf, was bei Erwachsenen einem
Intelligenzalter von 9 bis 12 Jahren entspricht. Dies äussert sich üblicherweise in
Lernschwierigkeiten in der Schule. Viele Erwachsene können jedoch arbeiten, gu-
te soziale Beziehungen unterhalten und ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten. Im
Tatzeitpunkt bestand zudem offenbar eine bipolare affektive Psychose und die
Privatklägerin nahm diesbezüglich verschiedene Medikamente (Venlafaxin,
Lamotrigin und Olanzapin) ein (Urk. 8/2 S. 3). Die Privatklägerin war damals
dreissigjährig, lebte seit zehn Jahren in der Stiftung I._ und hatte dort eine
Lehre zur Fachfrau Hauswirtschaft absolviert (Urk. 3/4 bei 00:06:17). Sie nutzte
die Kontaktplattform Badoo, um neue soziale Kontakte zu knüpfen und sich an-
schliessend auch real zu treffen. So lernte sie den Beschuldigten kennen (Urk. 3/4
bei 00:09:45; Urk. 1/3 S. 7 f.). In der polizeilichen Befragung gab sie an, vor dem
Vorfall schon Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, dies mit ihrem ehemaligen
Freund (Urk. 3/4 bei 00:28:05). An der Berufungsverhandlung stellte sie dagegen
- 16 -
in Abrede, über sexuelle Erfahrungen mit Männern verfügt zu haben (Urk. 85
S. 12). Gemäss dem Polizeirapport vom 10. Januar 2017 chattete die Privatkläge-
rin auf Badoo mit 81 Personen (Urk. 1/3 S. 7). Dies korrespondiert nicht mit ihren
Aussagen vor der Berufungsinstanz, gemäss welchen sie nur vier bis fünf weitere
Kontakte über Badoo geknüpft habe (vgl. dazu vorne unter E. II.5.2.). Zumindest
ein Chat mit einer Drittperson ist aktenkundig, wo sie sich ein paar Tage vor dem
Vorfall unter anderem über sexuelle Vorlieben austauschte, es sodann zu einem
realen Treffen kam und sie anschliessend dieser Person unmissverständlich
schrieb: "Ich will mit dir sex haben heute." (Urk. 5/3 insbesondere Messages 199
f., 273). Damit ist festzuhalten, dass die Privatklägerin in Bezug auf die Anzahl
Kontakte, die sie über Badoo geknüpft hatte, widersprüchliche Angaben machte,
und dass angesichts des aktenkundigen Chats einiges wahrscheinlicher er-
scheint, dass sie schon sexuelle Erfahrungen hatte, wie sie es auch in der ersten
polizeilichen Befragung ausgeführt hatte.
6.2.1.2. Ob das Wesentliche zutreffend wahrgenommen wird, hängt weitgehend
von der geistigen Verfassung ab. Dabei gilt die Regel, dass zur richtigen
Wahrnehmung einfacher Abläufe keine grossen geistigen Fähigkeiten erforderlich
sind - wohl aber bei sehr komplizierten Vorgängen (BENDER/NACK/TREUER, Tat-
sachenfeststellung vor Gericht, 4. Aufl., S. 21 f. Rz. 86). Beim vorliegend zur
Diskussion stehenden handelt es sich um einen verhältnismässig einfachen Vor-
gang. Die Privatklägerin hatte gemäss eigenen Angaben vor dem Vorfall schon
eine Liebesbeziehung gehabt, in welcher sie wahrscheinlich auch sexuell aktiv
war, weshalb sie im Zeitpunkt des Vorfalls vermutlich auch über Erfahrung in die-
sem Bereich verfügte. Jedenfalls war der Sexualbereich ein ihr bekanntes Thema,
über welches sie sich auch über Badoo austauschte. Dass die kognitiven Defizite
und/oder die psychische Erkrankung der Privatklägerin sie in ihrer Wahrneh-
mungsfähigkeit bezüglich des konkreten Vorfalls beeinträchtigt hätten, ist nicht er-
sichtlich und wurde zu Recht von keinem der Beteiligten geltend gemacht.
6.2.1.3. Auch die Erinnerungsfähigkeit ist unter zwei Gesichtspunkten zu beleuch-
ten, zum einen im Hinblick auf die persönlichen Verhältnisse der befragten Person
und zum anderen in Bezug auf das konkrete Aussagenthema. Unmittelbar nach
- 17 -
dem Erlebnis ist der Vorgang noch in allen Einzelheiten im Gedächtnis. Je länger
es zurückliegt, desto mehr verblasst die Erinnerung. Diese Entwicklung hängt
vom Zeitablauf und vom einzelnen Individuum ab. Folglich gilt in der Regel, wenn
die erste Aussage dem Erlebnis unmittelbar folgt, dass diese meist die glaubhaf-
teste ist (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., S. 30 Rz. 122 und S. 86 Rz. 347 f.). Vor-
liegend wurde die Privatklägerin zwei Tage nach dem Vorfall von der Polizei
einvernommen. Die staatsanwaltschaftliche Einvernahme erfolgte rund eineinhalb
(!) Jahre später. Es fällt auf, dass die Privatklägerin in der zweiten Einvernahme
auffallend mehr Details zum Geschehensablauf angab als noch in der ersten
Einvernahme unmittelbar nach dem Vorfall, was bereits die Vorinstanz richtig
erkannt hat (Urk. 50 S. 26 E. IV.C.2.1.6). In der polizeilichen Einvernahme
schilderte sie die Tat von sich aus knapp und wenig konkret. Auf Nachfrage
ergänzte sie ihre Vorbringen zwar, doch vermochte sie auch da wenige bis gar
keine individuelle Elemente zu benennen. Rund eineinhalb Jahre später fielen die
Schilderungen der Privatklägerin auffallend detaillierter aus, wobei die zahlreichen
Details vor allem auch erst durch die vielen Fragen zu Tage traten. Sie schien da-
bei auf Gedeih und Verderb jede Frage mit etwas Sachdienlichem beantworten zu
wollen, allenfalls auch um den (vermeintlichen) Erwartungen gerecht zu werden.
Dieses Aussageverhalten fiel in einem gewissen Masse bzw. im Zusammenhang
mit der Frage, ob es auch zu oralem Sex kam, auch der Rechtsvertreterin der
Privatklägerin auf (Urk. 87 S. 4). Zudem sind markante inhaltliche Widersprüche
zu ihren Vorbringen in der Ersteinvernahme ersichtlich. Auch ihre vor der Beru-
fungsinstanz gemachten Aussagen unterschieden sich inhaltlich teilweise wiede-
rum von ihren früheren Aussagen, sofern sie sich überhaupt noch zu erinnern
vermochte (vgl. dazu hinten unter E. II.6.2.1.6). Es stellt sich mit der Vorinstanz
(Urk. 50 S. 26 E. IV.C.2.1.6) die Frage, ob es sich bei den detaillierten Schilde-
rungen der Privatklägerin rund eineinhalb Jahre nach der Tat – worauf der Ankla-
gesachverhalt im Wesentlichen beruht – um ein Fantasieprodukt handelt. Als
mögliche Ursache des dargelegten Aussageverhaltens ist zunächst ein Verblas-
sen der Erinnerungen zu prüfen. Die leichte Intelligenzminderung scheint in Be-
zug auf das Erinnerungsvermögen nicht geeignet, sich auf die in der Einvernahme
zwei Tage nach der Tat gemachten Aussagen der Privatklägerin ausgewirkt zu
- 18 -
haben. Ebenso verhält es sich in Bezug auf ihre psychische Erkrankung. Die zu-
vor beschriebene Anreicherungstendenz rund eineinhalb Jahre nach der Tat und
die markanten inhaltlichen Widersprüche in ihren Aussagen könnten demgegen-
über grundsätzlich in der Abnahme ihrer Erinnerungen begründet sein, was allen-
falls durch die Defizite der Privatklägerin noch begünstigt wurde. Indes vermögen
bereits ihre in der polizeilichen Einvernahme gemachten Aussagen trotz intakter
Wiedergabefähigkeit nicht zu überzeugen, worauf noch einzugehen sein wird (vgl.
dazu nachfolgend unter E. II.6.2.1.4. f.). Zudem wirft ihr derart markant wider-
sprüchliches Aussageverhalten, welches eben auch innerhalb derselben Einver-
nahme zu Tage trat (vgl. dazu hinten unter E. II.6.2.1.6.), schon Fragen auf. Je-
denfalls lässt sich dieses nicht einzig auf ihre Defizite und den Zeitraum zwischen
den Befragungen zurückführen. Es scheint vielmehr, als seien ihre Aussagen zu-
mindest teilweise das (un-)bewusste Produkt ihrer Gedanken bzw. ihrer Vorstel-
lungen, wie es hätte sein können. Exemplarisch hierfür sei folgende, das Kernge-
schehen betreffende, Aussage der Privatklägerin vor der Berufungsinstanz ange-
führt: "So wie ich es mir vorstelle, hatte er [der Beschuldigte] glaublich schon noch
Kleider an" (Urk. 85 S. 14).
6.2.1.4. Zur Wiedergabefähigkeit ist zu sagen, dass die Privatklägerin etwas ver-
langsamt und sprachlich limitiert ist, was wohl mit ihrer leichten Intelligenzminde-
rung zusammenhängt und sich deshalb im Rahmen der nachfolgenden Aus-
sagenanalyse nicht zu ihrem Nachteil auswirken darf. Mit der Vorinstanz (Urk. 50
S. 25 f. E. IV.C.2.1.4) fällt zudem auf, dass sie in ihren im Vorverfahren gemach-
ten Aussagen vermehrt die Wortstruktur der Befragungsperson als Stütze ver-
wendete, was bei der nachfolgenden Aussagenanalyse ebenfalls neutral zu wer-
ten ist. Weiter sind die vereinzelten Wortverwechslungen (z.B. "verführt" anstatt
"entführt", was die Privatklägerin sofort von sich aus zu korrigieren vermochte;
vgl. Urk. 3/5 F/A 39 f.) und Zahlenverdreher bzw. -verwechslungen (z.B. ihr Ge-
wicht und die Uhrzeit des Treffens mit dem Beschuldigten) ebenfalls neutral zu
werten, scheinen diese doch ebenfalls mit ihren eingeschränkten kognitiven Fä-
higkeiten zusammenzuhängen. Indes sind keine Hinweise ersichtlich, welche ihre
Aussage- bzw. Wiedergabefähigkeit grundsätzlich in Frage stellen würden. Die
Privatklägerin wirkte bei den Einvernahmen wach und präsent. Sie konnte den ih-
- 19 -
rem geistigen Niveau angepassten Fragestellungen folgen, fragte nach, wenn sie
etwas nicht verstand, und vermochte sich, wenn auch aufgrund ihrer kognitiven
Beeinträchtigung verhältnismässig einfach, reflektiert, klar und verständlich aus-
zudrücken. Insbesondere das spätere Geschehen während ihres Spitalaufenthalts
schilderte sie in der polizeilichen Einvernahme – anders als die Tat – sehr an-
schaulich, frei und zusammenhängend (Urk. 3/4 ab 00:21:35). Vor diesem Hinter-
grund sind denn auch keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass sich allfällige
Medikamente oder die zwei Tage vor der Ersteinvernahme durchgeführte Opera-
tion entscheidend auf die Aussage- bzw. Wiedergabefähigkeit der Privatklägerin
ausgewirkt hätten.
6.2.1.5. Finden sich in einer Aussage Realitätskriterien ausreichender Zahl und
Qualität und ergibt zugleich die Kompetenzanalyse, dass die Aussageperson eine
Aussage dieser Qualität nicht erfinden könnte, dann folgt daraus notwendig, dass
die Aussage nicht gelogen ist. Aus dem Fehlen von Realitätskriterien folgt indes
nicht notwendig, dass die Aussage gelogen ist. In diesem Fall ist in der Regel nur
der Nachweis nicht gelungen, dass die Aussage wahr ist. Die gefundene Aussa-
gequalität muss immer ins Verhältnis zu den Kompetenzen der Aussageperson im
konkreten Zusammenhang gesetzt werden. Es ist zu fragen, ob diese Aussage-
person diese Aussage in ihrer konkreten Gestalt hätte machen können, wenn ihr
Inhalt nicht erlebnisbasiert wäre. Oder, anders gefasst: Könnte diese Aussage-
person nach ihren persönlichen Fähigkeiten und Kenntnissen diese Aussage ge-
logen haben (BENDER/NACK/TREUER, a.a.O., S. 68 Rz. 288 und S. 71 Rz. 299).
Zunächst erweisen sich die Aussagen der Privatklägerin in der Ersteinvernahme
zwei Tag nach dem Vorfall als grundsätzlich glaubhafter als die späteren, insbe-
sondere da sie teilweise nachgeschoben und als (un-)bewusstes Produkt ihrer
Vorstellungen erscheinen (vgl. dazu vorne unter E. II.6.2.1.3.). Die Schilderungen
der Privatklägerin zum Kerngeschehen in der Ersteinvernahme sind äusserst
knapp gehalten und wenig konkret, namentlich was die einzelnen Interaktionen
und Handlungen des Beschuldigten an und mit ihr anbelangt. Soweit die Rechts-
vertreterin der Privatklägerin vor der Berufungsinstanz sinngemäss geltend mach-
te, da nicht viel geschehen sei, könne auch nicht viel dazu gesagt werden (Prot. II
S. 11), ist ihr entgegenzuhalten, dass der Anklagevorwurf schon mehr Details in
- 20 -
ihren Schilderungen erwarten liesse, gerade auch deshalb, weil die Privatklägerin
zu Protokoll gab, der sexuelle Übergriff habe fünf bis zehn Minuten gedauert
(Urk. 85 S. 15). Zwar vermochte die Privatklägerin ihre Vorbringen auf Nachfrage
zu ergänzen, doch auch darauf folgten nur wenige bis gar keine individuellen
Elemente, obwohl das Aussagenthema nicht sonderlich komplex ist. Demgegen-
über wirken ihre Angaben zum späteren Spitalaufenthalt wie gesagt sehr lebens-
nah und anschaulich und schilderte sie die einzelnen Interaktionen zusammen-
hängend (vgl. dazu vorne unter E. II.6.2.1.4.). Folglich können ihre knappen und
wenig konkreten Schilderungen zur Tat nicht (nur) auf die leichte Intelligenzmin-
derung, die bipolare affektive Psychose oder die medizinischen Umstände zu-
rückgeführt werden. Ihre Aussagen zum Kerngeschehen wirkten zudem zum Teil
stereotyp bzw. erlernt oder aufgeschnappt und nicht so, als ob sie versuchte hät-
te, den Vorfall in eigenen Worten zu schildern. Exemplarisch seien folgende Aus-
sagen aufgeführt: "Er hat mich vergewaltigt." oder "Ich bin festgehalten worden
und dann wollte er mich sexuell vergewaltigen."; vgl. Urk. 3/4 ab 00:17:57 und
Urk. 3/5 F/A 87). Ebenso verhält es sich mit der Schilderung der Privatklägerin,
wonach der Beschuldigte nach dem Sex "abgehauen" sei und sie gesagt habe
"halt stopp, bleiben Sie stehen" und anschliessend die Polizei angerufen habe
(Urk. 3/5 F/A 28), was sie auch vor der Berufungsinstanz geltend machte (Urk. 85
S. 7 und 16 f.), wobei kein Anruf der Privatklägerin bei der Polizei aktenkundig ist
bzw. sich aus den Aussagen der Zeugin G._ und dem Polizeirapport vom
17. Oktober 2016 im Gegenteil ergibt, dass die Polizei erst später durch die be-
handelnde Ärztin beigezogen wurde (vgl. Urk. 1/1 S. 2 und hinten unter
E. II.6.2.3.2.). In Bezug auf sämtliche Einvernahmen fällt schliesslich auf, dass
auffallend oft nachgehakt werden musste, um Näheres zum Kerngeschehen, ins-
besondere was die konkreten Handlungen des Beschuldigten anbelangt, in Erfah-
rung zu bringen. Ferner ist zu bemerken, dass das Aussageverhalten der Privat-
klägerin auch nicht darauf zurückgeführt werden kann, dass sie das Geschehene
nicht richtig hätte einordnen können, war doch der Sexualbereich – wie schon ge-
sagt – ein ihr bekanntes Thema, über welches sie sich auch über Badoo aus-
tauschte. Insgesamt folgt aus dem Gesagten, dass die Aussagen der Privatkläge-
- 21 -
rin insbesondere mit Blick auf den Kern des Tatvorwurfes nicht erlebnisbasiert
scheinen.
6.2.1.6. Zweifel an der Zuverlässigkeit der Aussagen der Privatklägerin aufkom-
men lassen aber vor allem auch die offensichtlichen inhaltlichen Widersprüche in
ihren Darstellungen, teilweise sogar innerhalb derselben Einvernahme, welche
bereits die Vorinstanz ausführlich und zutreffend aufgezeigt hat (Urk. 50 S. 23-25
E. IV.C.2.1.2), worauf erneut verwiesen sei. Entgegen den diesbezüglichen
Vorbringen der Rechtsvertretung der Privatklägerin vermögen, wie bereits gesagt,
allein der Zeitablauf und ein damit möglicherweise einhergehendes Verblassen
der Erinnerungen und die Defizite die eklatanten inhaltlichen Widersprüche in den
Aussagen der Privatklägerin zum Kerngeschehen, insbesondere was die konkre-
ten Handlungen des Beschuldigten an und mit ihr anbelangt, nicht ausreichend zu
erklären. So gab sie in der polizeilichen Einvernahme zu Protokoll, den Penis vom
Beschuldigten im Mund gehabt zu haben und er habe damit "hin und her" ge-
macht. Demgegenüber verneinte sie vor der Staatsanwaltschaft kopfschüttelnd,
den Penis des Beschuldigten im Mund gehabt zu haben und antwortete mit "Nie-
mals". Diese Ansicht vertrat sich auch vor der Berufungsinstanz. Auch ihre Depo-
sitionen in Bezug auf ihre Gegenwehr erscheinen äusserst widersprüchlich und
keine ihrer unterschiedlichen Versionen vermag zu überzeugen. So gab sie bei
der Polizei noch an, sie habe dem Beschuldigten gesagt, dass es weh tue, und
dass sie das nicht wolle, berichtete aber nicht von Hilfeschreien. Vor der Staats-
anwaltschaft gab sie demgegenüber zunächst an, "einmal voll laut" um Hilfe ge-
schrien zu haben, und dass der Beschuldigte seine Hand auf ihren Mund gedrückt
habe. Auf Nachfrage gab sie indes abweichend an, mehrmals um Hilfe geschrien
zu haben und nicht mehr zu wissen, wieso sie damit aufgehört habe. Vor der Be-
rufungsinstanz gab die Privatklägerin zu Protokoll, sie habe versucht, sich zu
wehren, als sie der Beschuldigte zu Boden gedrückt habe. Sie habe zudem ver-
sucht, um Hilfe zu rufen und "wahrscheinlich" habe der Beschuldigte ihr die Hand
vor den Mund gehalten "oder so irgendwie". Auf Nachfrage gab sie jedoch an, sie
wisse nicht, ob er das wirklich getan habe. Es sei schwierig zu sagen, ob er das
wirklich getan habe. Zudem verneinte sie die Frage, ob sie etwas zum Beschul-
digten gesagt habe, als er sie auf den Boden gedrückt habe bzw. sie auf dem Bo-
- 22 -
den gelegen sei. Nebst den erheblichen inhaltlichen Widersprüchen in den Aus-
sagen der Privatklägerin fällt auch auf, dass keine Hämatome, Kratzspuren oder
sonstige physischen Folgen aktenkundig sind, welche gewichtige Indizien für Ab-
wehrhandlungen seitens der Privatklägerin wären. Und dies, obwohl sie nach dem
Vorfall medizinisch untersucht wurde. Dass sie um Hilfe gerufen haben will, er-
scheint zudem unter Berücksichtigung der örtlichen und zeitlichen Umstände we-
nig nachvollziehbar. So handelte es sich um einen öffentlichen, in der Regel gut
frequentierten Spazierweg und gaben die Beteiligten (die Privatklägerin zumindest
vor der Polizei und vor der Berufungsinstanz) denn auch übereinstimmend an, sie
seien Menschen begegnet, was nicht zuletzt angesichts ihres Treffens an einem
Sonntagnachmittag überzeugt. Während die Privatklägerin bei der Polizei noch
angegeben hatte, der Beschuldigte habe nur ihr Hose und Unterhose ausgezo-
gen, gab sie bei der Staatsanwaltschaft an, sie und der Beschuldigte seien kom-
plett nackt gewesen. Zudem führte sie in der polizeilichen Einvernahme aus, nicht
gesehen zu haben, ob der Beschuldigte zum Samenerguss gekommen sei. Die-
ser Angabe stehen ihre Schilderungen bei der Staatsanwaltschaft diametral ent-
gegen, wo sie angab, gesehen zu haben, dass er zum Samenerguss gekommen
sei. Der Beschuldigte habe anschliessend den Samenerguss und das Blut mit
Wasser abgewaschen. Vor der Berufungsinstanz machte sie demgegenüber wie-
der geltend, nicht gesehen zu haben, ob der Beschuldigte einen Samenerguss
gehabt habe und sie habe ausser der Jacke nichts ausgezogen. Ob der Beschul-
digte ihr und sich etwas aus- oder heruntergezogen habe, wisse sie nicht mehr.
Aber auch in Bezug auf das Sachverhaltselement der Blutung sind Widersprüche
sogar innerhalb der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme ersichtlich. So hatte
sie zunächst noch angegeben, das Blut erst bemerkt zu haben, als sie nach Hau-
se gegangen sei, was sich mit dem später von ihr geschilderten Abwaschen des
Bluts durch den Beschuldigten nicht in Einklang bringen lässt (vgl. dazu auch
Urk. 50 S. 23-25 E. IV.C.2.1.2 mit Hinweisen auf die Aktenstellen). Diese gravie-
renden Widersprüche betreffen zentrale Handlungselemente und begründen des-
halb ebenfalls erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Schilderungen der
Privatklägerin.
- 23 -
6.2.1.7. Nicht schlüssig und teilweise ebenfalls widersprüchlich sind die Angaben
der Privatklägerin in Bezug auf den Spaziergang vom Bahnhof C._ bis zum
Naturschutzgebiet resp. zum Tatort. So gab sie bei der Polizei an, sich an den
Gesprächsinhalt während des Spaziergangs – welcher angesichts der Distanz
und des diesbezüglichen Angaben der Privatklägerin ca. 15 Minuten dauerte
(Urk. 85 S. 11 unten) – nicht erinnern zu können. Andererseits war sie in der La-
ge, verschiedene Details zum Randgeschehen anzugeben (z.B. dass sie den Be-
schuldigten um 16.15 Uhr am Bahnhof C._ getroffen habe, er mit der S15
gekommen sei, und dass er Medikamente eingenommen und mit Wasser nach-
gespült habe). Gleichzeitig schilderte sie, mit ihren Händen demonstrierend, wie
sie mit dem Beschuldigten Hand-in-Hand gelaufen sei, was sie offenbar auch der
Zeugin G._ erzählte (Urk. 4/2 F/A 9). Wenn man schon beim ersten Treffen
mit der Person Hand-in-Hand geht, wäre immerhin zu erwarten, dass es infolge
einer besonderen Sympathie, aufgrund eines netten Gesprächs (oder Ähnlichem)
dazu kommt, woran man sich zwei Tage später noch erinnern dürfte. Dass sich
die Privatklägerin nicht mehr an das Gespräch mit dem Beschuldigten zu erinnern
vermochte, mutet doch eher seltsam an. Ganz anders schilderte die Privatklägerin
den Spaziergang dann bei der Staatsanwaltschaft: Der Beschuldigte sei vor ihr
gelaufen und sie sei ihm gefolgt. Später gab sie in derselben Einvernahme an, der
Beschuldigte habe sie auf dem Weg zwei- bis dreimal am Handgelenk gepackt,
als sie sich habe wegdrehen und weglaufen wollen, weshalb sie sich nicht habe
entfernen können. Dies ist ein weiterer ein zentrales Handlungselement betref-
fender Widerspruch. Zudem erscheinen ihre Angaben vor der Staatsanwaltschaft
auch angesichts der bereits thematisierten örtlichen und zeitlichen Gegebenheiten
nicht schlüssig. Warum es der Privatklägerin nicht hätte möglich sein sollen, sich
vom Beschuldigten loszureissen und um Hilfe zu schreien, erscheint nicht nach-
vollziehbar (vgl. in diesem Sinne auch Urk. 50 S. 25 E. IV.C.2.1.3 mit Hinweisen
auf die Aktenstellen). Schliesslich war vor der Berufungsinstanz wiederum von ei-
nem eigentlichen Spaziergang die Rede, wozu die Privatklägerin die Idee hatte.
6.2.1.8. Die Privatklägerin und der Beschuldigte gaben im Vorverfahren überein-
stimmend an, nach dem Sex (zumindest einen Teil des Weges) gemeinsam zu-
rück Richtung Bahnhof C._ gegangen zu sein (vor der Berufungsinstanz
- 24 -
konnte die Privatklägerin diesbezüglich keine Angaben mehr machen), was nach
erzwungenem Geschlechtsverkehr eher befremdlich anmutet. Im Rahmen der
polizeilichen Einvernahme legte die Privatklägerin den Fokus eher auf die medizi-
nische Wundbehandlung im Spital als auf die Tat (vgl. dazu vorne unter
E. II.6.2.1.4 f.). Zudem tat sie ihren Unmut darüber kund, dass der Beschuldigte
sich, als sie nach dem Sex zusammen zurückgegangen seien, überhaupt nicht
um sie gekümmert habe, obwohl sie geblutet habe (Urk. 3/4 bei 00:19:24). Es
scheint, als sei ihre Enttäuschung über das Verhalten des Beschuldigten bzw.
dessen unterlassene Hilfe im Zusammenhang mit ihrer Blutung im Vordergrund
gestanden. Diese Vermutung wird auch durch die Aussagen der Zeugin G._
zum psychischen Zustand der Privatklägerin nach dem Vorfall gestützt. So gab
diese zu Protokoll, die Privatklägerin sei ob dem Blutverlust verängstigt gewesen,
über das, was passiert sei, eventuell, das könne sie nicht sagen. Sie denke, für
die Privatklägerin sei, als sie mit ihr gesprochen habe, im Vordergrund gestanden,
dass die Blutung aufhöre (vgl. in diesem Sinne auch Urk. 50 S. 26 E. IV.C.2.1.4
mit Hinweisen auf die Aktenstellen).
6.2.1.9. Eine denkbare Erklärung für die belastenden Aussagen der Privatklägerin
ist mit der Vorinstanz, dass sie gegenüber dem Betreuungspersonal in einen
Erklärungsnotstand geriet, als sie blutend in die Wohngruppe zurückkehrte, und
dass später möglicherweise das Gefühl hinzukam, nicht mehr zurückzukönnen.
Immerhin war in der Wohngruppe bekannt, dass es vor dem Vorfall schon Kon-
taktversuche über Badoo gegeben hatte. Die Zeugin G._ hatte denn offenbar
auch Bedenken geäussert, als die Privatklägerin ankündigte, ein paar Stunden
alleine spazieren zu gehen, als sie sich in Tat und Wahrheit mit dem Beschuldig-
ten verabredet hatte. Jedenfalls verschwieg sie das bevorstehende Treffen auch,
als sie später am Bahnhof C._ wieder auf eben diese Betreuerin traf (vgl. in
diesem Sinne auch Urk. 50. S. 23 E. IV.C.2.1.1 mit Hinweisen auf die Aktenstel-
len). Ein solches Verhalten könnte dadurch begründet sein, dass die Privatkläge-
rin gewisse Handlungen vor dem Wohnheim nicht offenlegen wollte, vielleicht weil
sie sie als ihre Privatsache ansah, vielleicht auch, weil es ihr unangenehm war,
darüber zu sprechen. Weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten belastet,
kann und muss aber nicht abschliessend beurteilt werden. Entscheidend ist, dass
- 25 -
ihre Aussagen kein ausreichendes Fundament für eine anklagegemässe Verurtei-
lung des Beschuldigten zu begründen vermögen. Es bestehen erhebliche, un-
überwindbare Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt wie eingeklagt abgespielt
hat.
6.2.2. Aussagen des Beschuldigten
Der Beschuldigte legte von Anfang an offen, mit der Privatklägerin sexuell ver-
kehrt zu haben und schilderte von sich aus das aus seiner Sicht Vorgefallene.
Seine Schilderungen sind trotz des Zeitablaufs zwischen der inkriminierten Tat
und der ersten Einvernahme anschaulich, schlüssig, im Wesentlichen wider-
spruchsfrei und weisen eine individuelle Färbung auf. Beispielsweise wirkt die
Wiedergabe der Konversation mit der Privatklägerin während des Spaziergangs,
wonach diese unter anderem gesagt habe, dass sie es nicht bei ihr zu Hause ma-
chen könnten, da sie nicht alleine lebe, realitätsnah. Ebenso verhält es sich in Be-
zug auf seine Schilderungen, wie die Privatklägerin ihre Hosen herunter- bzw.
ausgezogen habe und er ihr aufgrund ihrer Molligkeit dabei geholfen habe (vgl. in
diesem Sinne auch Urk. 50 S. 27 f. E. IV.C.2.2 mit Hinweisen auf die Aktenstel-
len). Seine Darstellung erscheint aber insbesondere auch deshalb nicht unglaub-
haft, weil er anders als die Privatklägerin offenbar nicht ortskundig war, wovon
auch die Privatklägerin ausging (Urk. 85 S. 11). Entsprechend nachvollziehbar
wirkt denn auch die von ihm aufgeworfene Frage, wie es ihm aufgrund seiner
Ortsunkundigkeit hätte möglich sein sollen, einen geeigneten Platz für die Tat zu
suchen (Urk. 2/1 F/A 32). Seine Angabe, wonach er sehr überrascht gewesen sei,
als die Privatklägerin ihn beim ersten Treffen nach zehn Minuten gefragt habe, ob
er ihr Freund sein wolle, wirkt insbesondere in Anbetracht des aktenkundigen
Chats zwischen der Privatklägerin und einer Drittperson, aus welchem hervor-
geht, dass diese darin ebenfalls bereits nach kurzer Zeit mehrmals "ich liebe dich"
schrieb, stimmig (Urk. 5/3 Message 262 ff.). Mit der Vorinstanz sprechen sodann
Mitteilungen über spontane gefühlmässige Reaktionen ebenfalls für die Wahrheit
der Aussagen. Bei der wiederholten Unmutsbekundung des Beschuldigten über
die Tatsache, dass die Privatklägerin ihm nichts über ihre Blutung gesagt habe,
handelt es sich um eine solche Mitteilung. Zudem wirkt eine solche Gefühlsre-
- 26 -
gung im Zusammenhang mit erzwungenem Sex eher ungewöhnlich (vgl. in die-
sem Sinne auch Urk. 50. S. 28 E. IV.C.2.2.3 mit Hinweisen auf die Aktenstellen).
Auch wenn er vor der Berufungsinstanz sinngemäss angab, nichts Konkretes zur
Befriedigung der Privatklägerin getan zu haben, was eher zu seinen Ungunsten
zu werten ist, so gab er immerhin an, aufgrund des Bluts, vor dem er sich geekelt
habe, gar nicht mehr dazu imstande gewesen zu sein (Urk. 86 S. 10). Insgesamt
sind in den Aussagen des Beschuldigten verschiedene Realitätskriterien auszu-
machen, was bereits die Vorinstanz richtig erkannt hat. Die Aussagen des Be-
schuldigten erweisen sich nicht als unglaubhaft.
6.2.3. Aussagen der Zeuginnen H._ und G._
6.2.3.1. Vor dem Hintergrund, dass die Zeuginnen H._ und G._ den
Vorfall nicht unmittelbar wahrgenommen haben und ihre diesbezüglichen Schilde-
rungen einzig auf den Erzählungen der Privatklägerin beruhen, ist die Vorinstanz
zu recht zum Schluss gelangt, dass sie lediglich als Hilfstatsachen zur Erhellung
des Sachverhalts herangezogen werden können (vgl. in diesem Sinne auch
Urk. 50 S. 28 E. IV.C.2.3.). Aber auch soweit es sich dabei um eigene Wahrneh-
mungen betreffend das Vor- und Nachtatgeschehen handelt, kommt ihnen ledig-
lich der Beweiswert von Indizien zu, welche allenfalls geeignet sind, die Depositi-
onen der Privatklägerin oder des Beschuldigten zu stützen oder zu schwächen.
6.2.3.2. Die Aussagen der Zeuginnen sind in sich widerspruchsfrei, anschaulich,
lebensnah und zeichnen sich durch Sachlichkeit sowie eine gewisse emotionale
Distanz aus. Sie sind daher als glaubhaft einzustufen. Indes vermögen sie mit der
Vorinstanz und entgegen der Ansicht der Rechtsvertretung der Privatklägerin
(Urk. 87 S. 8 ff.) nur sehr wenig bis gar nichts zur Erhellung des Sachverhalts
beizutragen, zumal es sich bei ihren Aussagen betreffend den eigentlichen Vorfall
wie gesagt einzig um Schilderungen vom Hören-Sagen bzw. um Wiedergaben
dessen, was die Privatklägerin ihnen erzählte, handelt (vgl. in diesem Sinne auch
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Urk. 50 S. 29 E. IV.C.2.3). Als relevant anzusehen sind vor allem die Schilderun-
gen der Zeugin G._ zur psychischen Verfassung der Privatklägerin nach ih-
rer Rückkehr in die Wohngruppe und zum Randgeschehen (Gespräch mit der Pri-
vatklägerin vor dem Verlassen der Wohngruppe und anschliessendes Antreffen
der Privatklägerin am Bahnhof C._, frühere Kontaktversuche über Badoo,
Zeitpunkt des Beizugs der Polizei und Art der Rückkehr der Privatklägerin in die
Wohngruppe), welche weitere Widersprüche in den Aussagen der Privatklägerin
aufzuzeigen und/oder diese weiter zu schwächen vermögen (vgl. dazu vorne un-
ter E. II.6.2.1.9 und in diesem Sinne auch Urk. 50 S. 29 E. IV.C.2.3).
6.3. Ergebnis
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass einerseits die Vorbringen des Beschul-
digten als nicht unglaubhaft zu qualifizieren sind und andererseits erhebliche
Zweifel an der Darstellung der Privatklägerin bestehen. Damit ist der Anklagesa-
chverhalt nicht ohne Verbleib von unüberwindbaren vernünftigen Restzweifeln er-
stellbar, so dass der Beschuldigte in Nachachtung des Grundsatzes in dubio pro
reo vom Anklagevorwurf freizusprechen ist.
III. Zivilansprüche
Ausgangsgemäss ist die Zivilklage der Privatklägerin in Anwendung von Art. 126
Abs. 2 lit. d StPO auf den Zivilweg zu verweisen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv (Dispositiv-Ziff. 3
und 4) zu bestätigen.
2.1. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausgangsgemäss ausser Ansatz.
Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem die Privatklägerin
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mit dem Antrag auf Schuldigsprechung des Beschuldigten sowie den Begehren
um Zusprechung von Schadenersatz und Genugtuung nicht durchdringt, unter-
liegt sie gegenüber dem Antrag des Beschuldigten auf Bestätigung des Frei-
spruchs vollständig. Es ist jedoch zufolge Uneinbringlichkeit von einer Auflage der
Verfahrenskosten an die Privatklägerin abzusehen (Art. 425 StPO). Die Kosten
des Berufungsverfahrens sind somit einschliesslich derjenigen der amtlichen Ver-
teidigung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung der Privatklägerin defini-
tiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.2. Der amtliche Verteidiger reichte an der Berufungsverhandlung seine Hono-
rarnote mit der Auflistung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsver-
fahren ein (Urk. 89). Sie sind ausgewiesen und erweisen sich als angemessen.
Unter zusätzlicher Berücksichtigung der Berufungsverhandlung samt Vor- und
Nachbesprechung mit dem Beschuldigten und Abschlussarbeiten ist Rechtsan-
walt lic. iur. Y._ mit pauschal Fr. 4'300.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) aus
der Gerichtskasse zu entschädigen.
2.3. Auch die Rechtsvertretung der Privatklägerin reichte ihre Honorarnote mit
der Auflistung ihrer Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein
(Urk. 84). Sie sind ebenfalls ausgewiesen und erweisen sich als angemessen.
Unter zusätzlicher Berücksichtigung der Berufungsverhandlung samt Vor- und
Nachbesprechung mit der Privatklägerin ist Rechtsanwältin lic. iur. X._ mit
pauschal Fr. 7'500.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) aus der Gerichtskasse zu
entschädigen.
3.1. Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so hat sie Anspruch auf Ent-
schädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfah-
rensrechte, Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die aus ihrer notwen-
digen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind und Genugtuung für beson-
ders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei
Freiheitsentzug (Art. 436 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a-c StPO).
3.2. Dem Beschuldigten ist mit der Vorinstanz eine Genugtuung für die erstan-
denen 22 Tage Untersuchungshaft (Urk. 16/2 und 16/18) von Fr. 2'200.– sowie
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eine Entschädigung für den Verdienstausfall während der Untersuchungshaft von
Fr. 2'240.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen (vgl. in diesem Sinne auch
Urk. 50 S. 33 E. VI.3.2 mit Hinweisen auf die Aktenstellen).