Decision ID: baae48f7-5ddf-4ac1-b9ac-313f7c35ad19
Year: 2017
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhaltschilderungen des Gemeinderates-Entscheids fest und
behauptet, die Aussagen der Polizeibeamten seien schlüssig, hingegen
seien die Schilderungen des Beschwerdeführers als lebensfremd
anzusehen und deswegen die geschilderten Ausführungen in seiner
Beschwerde vom 10. Juni 2017 vollumfänglich bestritten bzw. als nicht
urteilsrelevant erachtet würden. Weiter sei es erwiesen, dass der Einsatz
der Polizei gerechtfertigt war und vom Beschwerdeführer ursächlich
veranlasst worden sei und die Kostenüberwälzung an den
Beschwerdeführer gemäss dem Verursacherprinzip rechtens sei.
8. Mit Replik vom 13. Juli 2017 streitet der Beschwerdeführer die
aufgeführten Vorwürfe in der Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin
entschieden ab. Der Beschwerdeführer bestreitet den geschilderten
Sachverhalt und bekräftigt seine gemachten Aussagen in der Beschwerde
vom 10. Juni 2017. Sinngemäss seien die Kosten der Verfügung vom 6.
Februar 2017 weiterhin aufzuheben und dem Beschwerdeführer zu
erlassen.
9. Mit Schreiben vom 19. Juli 2017 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
eine Duplik und hielt an ihren bisherigen Ausführungen fest.
Auf weitere Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie auf
die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
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Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1. Laut Art. 43 Abs. 3 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) entscheidet das
Verwaltungsgericht in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert
Fr. 5'000.-- nicht überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben
ist. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Entscheid des
Gemeinderates vom 16. Mai 2017, mitgeteilt am 18. Mai 2017, welcher
die in Rechnung gestellten Kosten des polizeilichen Einsatzes in der
Höhe von Fr. 566.35.-- zuzüglich 5 % Zins und Verwaltungsgebühren
(insgesamt Fr. 130.--) bestätigte. Da der Streitwert klar unter Fr. 5'000.--
liegt und die vorliegende Angelegenheit nicht in Fünferbesetzung zu
entscheiden ist, ist die Zuständigkeit des Einzelrichters offensichtlich
gegeben. Ferner stellt der angefochtene Entscheid des Gemeinderates
ein zulässiges Anfechtungsobjekt laut Art. 49 Abs. 1 lit. d VRG dar,
weshalb auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde
vom 10. Juni 2017 (Poststempel: 12. Juni 2017) einzutreten ist.
Beschwerdethema bezüglich der Kostenauferlegung ist dabei einzig die
Frage, ob der Beschwerdegegner gestützt auf das Störer- bzw.
Verursacherprinzip im allgemeinen Verwaltungs- und damit konkret auch
im hier massgebenden Polizeirecht berechtigt war, die Einsatzkosten dem
Beschwerdeführer zu überbinden.
2. Nach Art. 2 Abs. 1 des Polizeigesetzes der Gemeinde X._ steht die
Polizei im Dienste der Bevölkerung und der Behörden. Die Polizei erfüllt
gemäss Art. 2 Abs. 2 PG u.a. die Aufgaben, die ihr durch die
Gesetzgebung und im Rahmen der Zusammenarbeit mit der
Kantonspolizei übertragen sind (lit. a), Massnahmen, um drohende
Gefahren für Mensch, Tier, Umwelt und Sachen oder Störungen der
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öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu erkennen, zu verhindern und zu
beseitigen (lit. b) sowie Hilfeleistungen an Menschen und Tieren, die
unmittelbar an Leib und Leben bedroht oder anderweitig in Not sind (lit.
c). Nach Art. 6 PG (polizeiliche Generalklausel) trifft die Polizei im
Einzelfall auch ohne gesetzliche Grundlage unaufschiebbare
Massnahmen, um schwere, unmittelbar drohende Gefahren oder
eingetretene Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu
verhüten oder abzuwehren. Laut Art. 7 Abs. 1 PG richtet sich polizeiliches
Handeln gegen diejenige Person, die durch ihr eigenes Verhalten, für die
sie verantwortlich ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung unmittelbar
stört oder gefährdet. Gemäss diesem Störerprinzip, hat sich polizeiliches
Handeln gegen diejenige Person zu richten, die den polizeiwidrigen
Zustand unmittelbar zu verantworten hat. Die polizeiliche
Verantwortlichkeit als Störer entsteht unabhängig von einem allfälligen
Verschulden. Die Beschränkung polizeilicher Massnahmen auf Personen,
die eine besondere Nähe zu einer Gefahr aufweisen, entspricht einem
Teilgehalt des Verhältnismässigkeitsprinzip, wonach staatliche Eingriffe in
personeller Hinsicht nicht über das Mass des Erforderlichen hinausgehen
dürfen (TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4.
Aufl., Bern 2014, § 56 Rz. 28f.).
3. Gemäss dem Verursacherprinzip sind die Kosten einer polizeilichen
Massnahme von demjenigen zu tragen, der sie verursacht hat. Es handelt
sich dabei um ein eigenständiges Prinzip, welches sich nicht aus dem
Grundsatz der Verhältnismässigkeit ableiten lässt. Während das
Störerprinzip die Frage beantwortet, wer die polizeilichen Massnahmen zu
dulden oder selbst zu treffen hat, widmet sich das Verursacherprinzip der
Frage, wer die Kosten dieser Massnahmen tragen muss. Häufig ist
allerdings die Person des Störers mit jener des Verursachers identisch,
zumal beide für das konkrete polizeiliche Handeln kausal sind
(TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § N 36 und N 40). Gemäss
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Art. 45 Abs. 1 PG richtet sich der Kostenersatz aufgrund von polizeilichen
Massnahmen nach dem Verursacherprinzip, indem für all diese
Massnahmen bei demjenigen, der die Aufwendung veranlasst hat,
Gebühren bis zu maximal Fr. 5'000.-- erhoben werden. Nach Art. 45 Abs.
1 PG erlässt der Gemeinderat die notwendigen Gebührentarife.
Massgebend ist vorliegend mithin das Gemeinderätliche Reglement über
die Berechnungsansätze für die Kosten der Dienstleistungen der Polizei.
Gemäss Art. 1 dieses Reglements beträgt die Einsatzkostenpauschale Fr.
80.-- und die Kosten für die Zellenbelegung pro Nacht beträgt gemäss Art.
5, Fr. 150.--. Die Auslagen für Dienstleistungen Dritter, wie hier der
Amtsarzt, richten sich nach den effektiven Kosten, die gemäss
Arztrechnung vom 29. August 2016 Fr. 336.35.-- betragen. Gemäss
Beschluss des Gemeinderates vom 9. August 2016 (SRB.2016.580)
betreffend Verrechnung von Mahngebühren, Betreibungsgebühren und
Gebühren für Doppelzahlungen kommen noch die Verwaltungsgebühren
von insgesamt Fr. 130.-- dazu.
4. Für den konkreten Fall bedeutet das, dass der Beschwerdeführer die
Kosten des polizeilichen Einsatzes dann tragen muss, wenn der
Einzelrichter zum Schluss gelangen sollte, dass derselbe durch sein
eigenwilliges Verhalten eine Situation geschaffen hat, in der
nachvollziehbar auf eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
geschlossen werden konnte und für die Polizei von Gesetzes wegen die
Verpflichtung bestand, sofort die notwendigen Massnahmen zur Abwehr
dieser Gefahr zu ergreifen. Zu fragen ist demnach in casu, ob durch das
Verhalten des Beschwerdeführers im Lokal B._, nachvollziehbar auf
eine ernstliche Gefahr für Gäste und Passanten geschlossen werden
konnte. Zu fragen ist weiter, ob durch die Anzeigeerstattung durch die
Wirtin im Lokal B._ für die Polizei die Pflicht bestand, die
notwendigen Massnahmen zur Abwehr dieser Gefahr zu ergreifen. In
diesem Fall das Ausrücken der Polizei mit anschliessendem in
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Gewahrsam nehmen des alkoholisierten Beschwerdeführers, Abtransport
desselben zur medizinischen Begutachtung durch den Amtsarzt und die
Unterbringung des Beschwerdeführers für eine Nacht in der
Ausnüchterungszelle. Gemäss Art. 11 PG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 lit. a des
Polizeigesetzes des Kantons Graubünden (PolG; BR 613.000) kann die
Polizei renitente oder sonst aus plausiblen Gründen (z.B. wegen Drogen-
oder Alkoholkonsums) unberechenbare Personen vorübergehend in
Polizeigewahrsam nehmen, sofern dies zum Schutze dieser oder einer
anderen Person gegen die (akute oder nur latente) Gefahr von Leib,
Leben oder die psychische Unversehrtheit sowie zur Verhinderung oder
Beseitigung einer erheblichen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung erforderlich ist. Es geht daher vorliegend weder um "schuldig"
oder "nicht schuldig" im Sinne des Strafrechts noch um die klaglose
Einhaltung sämtlicher verfassungsmässiger sowie strafprozessualer
Gehörs- und Verteidigungsrechte des Beschwerdeführers, sondern einzig
darum, ob ihm die Polizeiaktion vom 27. August 2016 ursächlich
(finanziell) angelastet werden kann oder nicht. Aus den Akten ergibt sich
dazu in tatsächlicher Hinsicht mit hinreichender Gewissheit, dass die
Polizei durch die Wirtin des Restaurants B._ deshalb angerufen
wurde, weil der Beschwerdeführer in der Aussenwirtschaft sitzend
dauernd das Restaurantpersonal, andere Gäste und Passanten
beschimpfte. Offenbar war die Wirtin um die Bewegungsfreiheit und
psychische Integrität ihrer Gäste und Mitarbeiter besorgt, da sie sich
durch das Verhalten des Beschwerdeführers bedroht fühlte. Der
Beschwerdeführer war zudem gemäss Feststellung der Polizei
alkoholisiert und seine Berechenbarkeit dadurch stark eingeschränkt.
Gemäss Stellungnahme der Polizei vom 20. Juni 2017 verhielt sich der
Beschwerdeführer bei der Überführung auf den Polizeiposten abfällig
gegenüber der Polizei und auf dem Polizeiposten entzog er sich einem
Alkoholtest und verhielt sich sehr unkooperativ. Aufgrund seines
Alkoholkonsums und seinem Verhalten bestand die Gefahr einer Fremd-
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und/oder Eigengefährdung. Es wurde deshalb durch den Pikett Offizier
der Gewahrsam des Beschwerdeführers angeordnet, da insbesondere
auch erfolglos versucht wurde, den Sohn oder die Tochter des
Beschwerdeführers zu überzeugen, ihren Vater abzuholen. Zur
Beurteilung der Hafterstehungsfähigkeit wurde der Amtsarzt beigezogen,
dieser bestätigte die Hafterstehung. Es gibt keine Anhaltspunkte die
Ausführungen der Polizei anzuzweifeln. Hingegen erscheint die
Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers als wenig glaubhaft. Der
vom Beschwerdeführer geschilderte Ablauf des 27. August 2016 im Lokal
B._ in X._, dass eine Polizistin den Beschwerdeführer
sozusagen grundlos beschuldigt haben soll eine gewisse Frau beleidigt
zu haben und anschliessend der Beschwerdeführer angeblich mit
"Betäubungsgas", welche die Polizistin einsetzte, ausser Gefecht gesetzt
worden ist, erscheint lebensfremd, da es überhaupt nicht plausibel ist,
dass jemand unbegründet die Polizei benachrichtigt, die Polizei danach in
der Gastwirtschaft erscheint und dort einen sich friedlich verhaltenden
Gast grundlos auf den Polizeiposten überführt und in Gewahrsam nimmt.
Der Beschwerdeführer führte weiter aus, dass die geschilderte
Sachverhaltsdarstellung der Polizei aufgrund der Zeitangaben gar nicht
stimmen könne. Um 21:30 Uhr sei der Beschwerdeführer bereits in der
Zelle gewesen und nicht mehr im Lokal B._. Der Beschwerdeführer
behauptet, dass er im Lokal B._ betäubt worden sei und erst in der
Ausnüchterungszelle der Polizei wieder zu sich gekommen sei. Anhand
der Lichtverhältnisse könne es noch nicht 21:30 Uhr gewesen sein als er
noch im Lokal B._ war, zu diesem Zeitpunkt sei er bereits in der
Ausnüchterungszelle gewesen. Die Schilderungen des
Beschwerdeführers erscheinen wenig glaubwürdig, da einerseits die
Zeitangabe mittels Lichtverhältnisse nicht als zuverlässig erachtet werden
könne und andererseits der Beschwerdeführer selbst vorbringt, er sei
betäubt worden und deswegen mehrere Stunden nicht mehr bei
Bewusstsein gewesen zu sein. Ab dem angeblichen Einsatz des
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Betäubungsgases durch die Polizei sei er bewusstlos gewesen und erst in
der Ausnüchterungszelle wieder zu sich gekommen. Trotzdem konnte
jedoch in diesem angeblichen Zustand der Bewusstlosigkeit der Amtsarzt
die Hafterstehungsfähigkeit attestieren. Aus der Rechnung des
Amtsarztes ist zudem ersichtlich, dass die Untersuchung zwischen 22.00
Uhr und 07.00 Uhr erfolgte (Zuschlag von 50%). Auch aus diesem
Aktenstück kann daher geschlossen werden, dass der Beschwerdeführer
um 21.30 Uhr nicht bereits in der Ausnüchterungszelle gewesen sein
kann. Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Schilderungen der
Polizei glaubwürdig erscheinen, durch die Akten teilweise belegt sind und
durch den Einzelrichter nicht angezweifelt werden. Die Polizei ist durch
ihre Ausbildung geschult, heikle Situationen zu erfassen und
deeskalierend auf diese einzuwirken. Es gibt daher keine plausiblen
Gründe die Darstellung der Polizei in Frage zu stellen. Insbesondere gibt
es in casu keine Motivlage, wieso die Polizei grundlos jemanden im Lokal
B._ beschuldigen sollte, jemanden belästigt zu haben. Die Einwände
des Beschwerdeführers sind einerseits nicht glaubhaft und andererseits
können sie auch nicht belegt werden. Hingegen ist die
Sachverhaltsschilderung der Polizei gut dokumentiert. Die Behauptung
des Beschwerdeführers er sei um 21:30 Uhr bereits in der Zelle gewesen,
kann durch den Meldungseingang des Telefons durch die Wirtin um 21:25
Uhr widerlegt werden.
Nach dem Gesagten ist somit erwiesen, dass der Einsatz der Polizei
gerechtfertigt war und vom Beschwerdeführer ursächlich initiiert wurde.
Angesichts der Tatsachen, dass der alkoholisierte und daher schwer
berechenbare Beschwerdeführer von der Polizei auf Anzeige hin in
Gewahrsam genommen werden musste und der Amtsarzt die
Hafterstehung bestätigte, ist für den Einzelrichter genügend zuverlässig
belegt, dass der kritisierte Einsatz der Polizei vom 27. August 2016 zu
Recht erfolgte und konsequenterweise daher auch die daraus
resultierenden Unkosten nach dem Verursacherprinzip im Einklang mit
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Art. 45 Abs. 1 PG auf den Beschwerdeführer überwälzt werden durften.
Zusammengefasst ergibt sich demnach, dass der Beschwerdeführer vom
Beschwerdegegner zu Recht als Verursacher der Kosten des
Polizeieinsatzes und der ärztlichen Untersuchung betrachtet worden ist
und deshalb weder an der Rechnung der Polizei vom 18. Januar 2017
noch an der darauf basierenden Verfügung vom 6. Februar 2017 und des
Entscheides des Gemeinderates vom 18. Mai 2017 etwas auszusetzen
gibt.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 72 Abs. 1 VRG dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Eine
aussergerichtliche Entschädigung steht der Beschwerdegegnerin laut Art.
78 Abs. 2 VRG nicht zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen Wirkungskreis
obsiegte.