Decision ID: 8ecc6e5d-8a24-4c90-b65f-5c131cfab17f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Januar 1949 geborene
X._
hätte ab
1.
Februar 2013 Anspruch auf Ausrichtung einer ordentlichen Altersrente gehabt. Am 14. April 2020 (wohl: 2021)
meldete
sie
sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, zum Bezug
der
Altersrente an (
Urk.
6/7).
In ihrem Schreiben vom
9.
Juni 2021 (
Urk.
6/18/2-3) an die Ausgleichskasse wies sie darauf hin, dass sie ab 2014 unregelmässig gearbeitet
,
aber noch keinen Antrag auf Rentenauszahlung gestellt habe, da sich durch das Aufschieben die Rente erhöhe.
Mit Verfügung vom 1
5.
Juli 2021 (Urk. 6/24) sprach die Ausgleichskasse ihr rückwirkend ab April 2016 eine Altersrente basierend auf einem massgeben
den durchschnittlichen Jahreseinkommen von
Fr.
71'700.-- und einer Beitrags
dauer von 39 Jahren und 6 Monaten nach der Rentenskala 40 (Teilrente) zu. Die gegen diesen Entsch
eid erhobene Einsprache vom 12.
September 2021 (
Urk.
6/36) wies die Ausgle
ichskasse mit Entscheid vom 22.
Dezember 2021 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
8.
Januar 2022 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte sinngemäss, ihr sei ab Februar 2018 unter Berücksichtigung eines prozentualen Zuschlags für den fünfjährigen Rentenaufschub eine Rente auszu
richten. Am 4. März 2022 beantragte die Ausgleichskasse, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 14. März 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine ordentliche Altersrente haben Männer, welche das 65. Alters
jahr, und Frauen, welche das 64. Altersjahr vollendet haben, sofern ihnen für mindestens ein volles Jahr Einkommen, Erziehungs- oder Betreuungsgutschrif
ten angerechnet werden können (Art. 21 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
, AHVG).
Im Rahmen des flexiblen Rentenalters haben Personen, die das ordentliche Ren
tenalter erreicht haben, die Möglichkeit, den Bezug der Altersrente um mindes
tens ein Jahr und höchstens fünf Jahre aufzuschieben und innerhalb dieser Frist die Renten von einem bestimmten Monat an abzurufen (Art. 39 Abs. 1 AHVG). Die aufgeschobene Altersrente und die sie allenfalls ablösende
Hinterlassenen
rente
wird um den versicherungstechnischen Gegenwert der nicht bezogenen Leistung erhöht (Art. 39 Abs. 2 AHVG). Der Aufschub ist innert
eines
Jahres
vom Beginn der
Aufschubs
dauer
an schriftlich zu erklären. Ist innert Frist keine
Aufschubserklärung
erfolgt, so wird die Altersrente nach den allgemein geltenden Vorschrif
ten fest
gesetzt und ausbezahlt (Art. 55
quater
Abs. 1 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
, AHVV).
Nach
Art.
46
Abs.
1
AHVG in Verbindung mit
Art.
24
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) erlischt der Anspruch auf ausstehende Leistungen fünf Jahre nach dem Ende des Monats, für welchen die Leistung geschuldet war.
Wenn der Wille zum Rentenaufschub verspätet erklärt wird, so wird die Rente nach erfolgter Anmeldung im Rahmen der Verwirkungsfristen von
Art.
24
Abs.
1 ATSG ohne
Aufschubs
zuschlag
und Verzugszins nachbezahlt (Urteil des Bundesgerichts 9C_903/2013 vom 3
0.
Januar 2014 E. 5-7).
1.2
Gemäss Art. 27
ATSG sind Versicherungsträger und Durchführungsorgane der ein
zel
nen Sozialversicherungen verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeits
be
reichs die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzu
klären
(Abs. 1).
Jede Person hat Anspruch auf grundsätzlich unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und Pflichten. Dafür zuständig sind die Versicherungsträger, denen gegenüber die Rechte geltend zu machen oder die Pflichten zu erfüllen sind (
Abs.
2).
1.3
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann nach dem in Art. 9 der Bundesverfassung verankerten Grundsatz von Treu und Glauben eine unrichtige Auskunft, welche eine Behörde einer rechtssuchenden Person erteilt, unter gewis
sen Umständen Rechtswirkungen entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass: a) es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt; b) die Auskunft sich auf eine konkrete, die betroffene Person berührende Angelegenheit bezieht; c) die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war oder die betroffene Person sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; d) die betroffene Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können; e) die betroffene Person im Vertrauen hierauf nicht ohne Nach
teile rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat; f) die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeitpunkt der Auskunftser
teilung; g) das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Vertrauensschutz nicht überwiegt. Diese Bedingungen müssen kumulativ erfüllt sein. Vertrauensschutz setzt nicht zwingend eine unrichtige Auskunft oder Verfügung voraus; er lässt sich auch aus einer
blossen
behördli
chen Zusicherung und sonstigem, bestimmte Erwartungen begründendem Verhalten der Behörden herleiten (BGE 143 V 95 E. 3.6.2; Urteil des Bundes
gerichts 9C_296/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2). Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift (vgl. Art. 27 ATSG) oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die Rechtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleichgestellt (BGE 143 V 341 E. 5.2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_220/2021 vom 12. Mai 2021 E. 3.1.3).
Sodann gilt das Vertrauensprinzip nicht nur dann, wenn die rechtssuchende Person Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, sondern auch, wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit einer behördlichen Auskunft oder Anordnung es unterlassen hat, Dispositionen zu tref
fen, die nicht mit dem früher möglichen Erfolg nachgeholt werden können (BGE 121 V 65 E. 2b mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_132/2019 vom 3. Juli 2019 E. 6.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin im Februar 2013 begonnen hätte. Werde eine Anmeldung für eine Altersrente zu spät eingereicht, erlösche der Anspruch
darauf
fünf Jahre nach dem Ende des Monats
,
für welche die Leistung geschuldet gewesen wäre. Die Anmeldung für den Rentenbezug sei am 1
5.
April 2021 eingegangen, weshalb die Rente rückwirkend ab April 2016 aus
bezahlt werde. Eine weiter zurückliegende Auszahlung sei ausgeschlossen. Der Aufschub einer Altersrente müsse nach Ablauf der einjährigen Frist seit Ent
stehung des Rentenalters angemeldet werden. Damit ein Aufschub hätte geltend gemacht werden können, hätte die An
meldung mit Aufschub bis am 31.
Januar 2014 eingereicht werden müssen.
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
5) hielt sie ergänzend fest, dass ihre Bestätigung vom
7.
Mai 2014 (Versicherungsnachweis der AHV, Bestätigung der Anmeldung zu Händen des Arbeitgebers) nicht einem frist- und formgerechten Antrag auf Rentenaufschub gleichkomme.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), sie habe in den Jahren 2014 bis 2017 sporadisch gearbeitet und AHV-Beiträge geleistet. Aus diesem Grund habe sie noch keine Rente beziehen wollen, denn ein Aufschub bringe eine höhere Rente. Die Beschwerdegegnerin habe ihrem Arbeit
geber eine Bestätigung geschickt, dass
sie
bei ihr ab dem
5.
Mai 2014 angemeldet sei. Dies bedeute doch, dass sie einen Rentenaufschub erwirkt und somit Anspruch auf den prozentualen Zuschlag habe. Der Rentenbezug könne nur bis 5 Jahre ab Rentenalter aufgeschoben werden, bei ihr also bis Januar 201
8.
Sie habe deshalb ab Februar 2018 Anspruch auf eine Rente mit prozentualem Zuschlag, wobei die Nachzahlungen von April 2016 bis Januar 2018 in Abzug zu bringen seien.
3.
3.1
Die im Januar 1949 geborene
Beschwerdeführerin
hätte ab
1.
Februar 2013 Anspruch auf Ausrichtung einer ordentlichen Altersrente gehabt. Am 14. April 2021 meldete sie sich bei der
Beschwerdegegnerin
zum Bezug einer Altersrente an (
Urk.
6/7). Zu diesem Zeitpunkt war der Anspruch auf Ausrichtung der Renten für die Monate Februar 2013 bis und mit März 2016 bereits erloschen (vgl. E. 1
.1
hiervor)
.
3.2
Der Bezug der Altersrente kann um höchstens fünf Jahre aufgeschoben werden, doch ist der Aufschub innert
eines Jahres
vom Beginn der
Aufschubsdauer
an schriftlich zu erklären (E. 1
.1
hiervor). Für einen Aufschub der Altersrente hätte die
Beschwerdeführerin
demnach spätestens am 3
1.
Januar 2014 eine ent
sprechende Erklärung abgeben müssen. Sie stellte jedoch
weder in ihrer
- ohnehin lange nach diesem Datum eingereichten -
Anmeldung zum Bezug einer Alters
rente
(
Urk.
6/7)
noch
zu
einem vorangehenden Zeitpunkt einen Antrag auf Rentenaufschub. Vielmehr
wies sie
erstmals
mit Schreiben vom
9.
Juni 2021
(Urk.
6/18/3)
auf einen Rentenaufschub hin. Selbst wenn dies als formgültige
r
Antrag auf Rentenaufschub anerkannt würde, wäre der Antrag
offensichtlich verspätet
eingereicht worden
.
Soweit die
Beschwerdeführerin
dazu vorbringt, die
Beschwerdegegnerin
habe ihrem Arbeitgeber eine Bestätigung geschickt, dass sie bei ihr ab
5.
Mai 2014 angemeldet sei, was bedeute, dass sie einen Rentenauf
schub erwirkt habe, kann ihr nicht gefolgt werden. Das entsprechende Schreiben (
Urk.
6/4) bestätigt einzig, dass die
Beschwerdeführerin
ordnungsgemäss bei der
Beschwerdegegnerin
angemeldet ist
, nicht aber einen frist- und formgerecht eingegangenen Antrag auf Rentenaufschub seitens der
Beschwerdeführerin
. Nachdem eine Arbeitstätigkeit auch bei Bezug einer
ordentlichen Altersrente weiterhin möglich ist, kann aus einer Anmeldungsbestätigung alleine weder auf einen Rentenbezug noch auf einen Rentenaufschub geschlossen werden, vielmehr sagt
die Bestätigung
dazu überhaupt nichts aus
.
Auch kann aus dem Umstand, dass die
Beschwerdeführerin
auch nach Erreichen des AHV-Rentenalters weiter
hin AHV-Beiträge bezahlt und keine Rente verlangt
hat
,
k
eine konkludente, verbindliche Erklärung des Rentenaufschubs
erblickt werden,
setzt
doch
der klare Wortlaut von
Art.
55
quater
Abs.
1 AHVV
eine Erklärung in Schriftform voraus
.
Nach der Rechtsprechung ist die Verwaltung auch nicht verpflichtet,
von sich aus, ohne entsprechende Nachfrage, jeden Versicherten individuell aufzuklären und zu beraten
(BGE 147 V 70 E.
3.3-
3.4).
Eine Verletzung der Auskunfts- oder Beratungspflicht nach Art. 27 Abs. 1
beziehungsweise
Abs. 2 ATSG
ist
ent
sprechend
vorliegend nicht auszumachen
und wurde auch nicht geltend gemacht
.
Nachdem innert Frist keine
Aufschubserklärung
erfolgt ist
und keine Hinweise auf eine Verletzung des Vertrauensprinzips ersichtlich sind
und eine solche im Übrigen auch nicht gerügt wurde
, hat die
Beschwerdegegnerin
die Altersrente der
Beschwerdeführerin
zu Recht nach den allgemein geltenden Vorschriften fest
gesetzt und
der
Beschwerdeführerin
rückwirkend
ab
1.
April 2016 eine ordent
liche Altersrente zugesprochen.
Die Beschwerde ist damit abzuweisen.