Decision ID: c60cf500-e3e3-5b73-893c-2a2be5ca64a6
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung des SEM vom 13. Dezember 2017 wurde der Beschwerde-
führer als Flüchtling anerkannt und ihm in der Schweiz Asyl gewährt.
B.
Am 6. September 2019 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um Ein-
reisebewilligung zwecks Familienzusammenführung zugunsten seiner (an-
geblichen) Ehefrau R.A.
C.
Mit Verfügung vom 30. Oktober 2019 – eröffnet am 31. Oktober 2019 –
verweigerte das SEM R.A. die Einreise in die Schweiz und lehnte deren
Asylgesuch ab.
D.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe an das Bundesverwal-
tungsgericht vom 1. Dezember 2019 (Poststempel; Beschwerde datiert
vom 29. November 2019) Beschwerde und beantragte, der Entscheid des
SEM vom 30. Oktober 2019 sei aufzuheben, R.A. die Einreise in die
Schweiz zu bewilligen und ihr gestützt auf Art. 51 AsylG (SR 142.31) Fami-
lienasyl zu gewähren. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie um Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Schreiben vom 4. Dezember 2019 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Eingabe vom 18. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer seinen Lehr-
vertrag ein.
G.
Mit Eingabe vom 16. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Schul-
bestätigung (Kantonaler Integrationskurs) des Bildungszentrums
C._ ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [(SR 142.31]). Der
Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung le-
gitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutre-
ten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten Richterin entschieden
(Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um
eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
ihre minderjährigen Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
wenn keine besonderen Umstände dagegensprechen (Familienasyl). Wur-
den die anspruchsberechtigten Personen durch die Flucht getrennt und be-
finden sie sich im Ausland, so ist ihre Einreise auf Gesuch zu bewilligen
(Art. 51 Abs. 4 AsylG).
4.2 Die Erteilung einer Einreisebewilligung nach Art. 51 Abs. 4 AsylG setzt
gemäss konstanter Rechtsprechung eine vorbestandene Familiengemein-
schaft, die Trennung der Familie durch die Flucht sowie die fest beabsich-
tigte Familienvereinigung in der Schweiz voraus (BVGE 2012/32 E. 5).
4.3 Wer um die Erteilung einer Einreisebewilligung zwecks Familienasyl
ersucht, hat die Zugehörigkeit des nachzuziehenden Angehörigen zur Fa-
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miliengemeinschaft, die im Zeitpunkt der Flucht vorbestanden hatt, die Fa-
milientrennung durch die Flucht sowie die fest beabsichtigte Familienver-
einigung beider Anspruchsberechtigter nachzuweisen oder zumindest
glaubhaft zu machen (Art. 7 AsylG; vgl. BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründete ihre Verfügung damit, dass vorliegend nicht
von einer gelebten eheähnlichen Beziehung zwischen dem Beschwerde-
führer und R A. vor der Flucht ausgegangen werden könne. Bei R.A. handle
es sich um die Cousine des Beschwerdeführers, mit welcher er im Zeitraum
2012/2013 in Syrien eine Jugendbeziehung geführt habe. Angesichts ihrer
damaligen Minderjährigkeit könne auch nicht davon ausgegangen werden,
dass die Beziehung auf gegenseitigen sozialen und wirtschaftlichen Bei-
stand ausgelegt gewesen sei. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer
und R.A. nie in einem gemeinsamen Haushalt gelebt hätten, bestärke
diese Schlussfolgerung. Da somit nicht von einer vorbestandenen Famili-
engemeinschaft zwischen dem Beschwerdeführer und R.A. in Syrien aus-
gegangen werden könne, vermöchten auch die eingereichten Dokumente
(Eheschliessungsurkunde, Heiratsvertrag), die eine angeblich 2019 in Sy-
rien erfolgte Eheschliessung des Beschwerdeführers mit R.A. belegen sol-
len, nichts zu ändern.
5.2 In seiner Beschwerde macht der Beschwerdeführer unter Wiederho-
lung seiner Vorbringen geltend, er habe R.A. am 19. Mai 2019 in absentia
geheiratet. Eine Eheschliessung sei zuvor nicht möglich gewesen, weil
R.A. noch minderjährig gewesen sei. Falls ihnen eine Wiedervereinigung
in der Schweiz verweigert werde, befinde sich R.A. in Syrien in Gefahr,
getötet zu werden, weil sie nicht mehr jungfräulich sei. Insgesamt liege
«ohne Zweifel» eine vorbestandene eheähnliche Gemeinschaft vor.
5.3 Die vorinstanzliche Schlussfolgerung, dass die Voraussetzungen für
die asylrechtliche Familienzusammenführung gemäss Art. 51 Abs. 1 und 4
AsylG vorliegend nicht erfüllt sind, sind zu bestätigen. Auf Beschwerde-
ebene wird dem nichts Stichhaltiges entgegengestellt. Der Beschwerde-
führer war zum Zeitpunkt seiner Ausreise aus Syrien mit R.A. nicht verhei-
ratet und hat mir ihr nicht zusammengelebt. Die Vorinstanz kam somit zu-
treffend zum Ergebnis, dass zwischen dem Beschwerdeführer und R.A. zu
keinem Zeitpunkt eine vorbestandene Familiengemeinschaft erkennbar
war. Damit fehlt es an dem für eine Familienzusammenführung aus dem
Ausland im Sinne von Art. 51 Abs. 4 AsylG zwingenden Erfordernis einer
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bereits vor der Flucht aus dem Verfolgerstaat bestandenen Familienge-
meinschaft. Das SEM hat das Gesuch um Familienzusammenführung im
Sinne von Art. 51 Abs. 1 und 4 AsylG somit zu Recht abgelehnt und der im
Ausland wohnhaften R.A. die Einreise in die Schweiz verweigert. Es bleibt
darauf hinzuweisen, dass die in der Beschwerde geltend gemachte Ge-
fährdungssituation von R.A. in Syrien (Todesgefahr wegen verlorener
Jungfräulichkeit) nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sein
kann.
6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
sowie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist ab-
zuweisen.
7.
Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG. Aufgrund der vorstehenden
Erwägungen ergibt sich, dass seine Begehren als von vornherein aus-
sichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Vo-
raussetzungen nicht gegeben, weshalb dem Gesuch nicht stattzugeben ist.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2) somit
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit dem vor-
liegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses gegenstandslos geworden.
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