Decision ID: 45fadbf0-8183-41c5-ad39-5a15be8a480c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1973
,
Mutter von zwei Kindern (Jahrgang 1992 und 1994
), war
zuletzt
vom
2.
Mai 2012 bis 3
1.
Dezember 2013
als
Reini
gungs
mitarbeiterin
in einem Teilzeitpensum in der Firma des Ehemannes, der
Y._
GmbH
, angestellt
(
Urk.
6/18
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.
7 und
Ziff.
2.9
). Unter Hinweis auf seit etwa vier Jahren bestehende psychische B
eschwerden meldete sich
die Versicherte am
9.
Januar 2014
bei der Inva
lidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/11
Ziff.
6.2-3
). Die
Sozial
ver
sicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinis
che und erwerbliche Situation ab und holte bei
der
B._
, Medizinische Gutachten,
ein polydiszip
linäres Gutachten ein, das am
8.
Juni 2015 erstattet wurde (
Urk.
6/36
).
Nach durchgeführtem
Vorbes
cheidverfahren
(
Urk.
6/38;
Urk.
6/39,
Urk.
6/46
) ver
neinte di
e IV-Stelle mit Verfügung vom 1
2.
April 2016
einen Rentenan
spruch (
Urk.
6/49
=
Urk.
2)
.
2.
2.1
Die Versicherte erhob am 1
2.
Mai 2016
Besch
werde gegen die Verfügung vom
1
2.
April 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei
en
der Ablauf des Wartejahres zu bejahen und der Rentenanspruch zu prüfen (
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
7.
Juni 2016
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde.
2.2
Mit Beschluss vom 7. September 2016 (Urk. 7
) und Gerichtsverfügung vom 24
.
Oktober 2016 (Urk. 10
) veranlasst
e das Gericht ein psychiatrisches
Gut
achten bei
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
, welches am 12.
Dezember 2016
erstattet wur
de (Urk. 13). Am 17. Januar 2017
nahm die
Beschwerdeführer
in hierzu Stellung (Urk. 17
), und die Beschwerdege
gnerin
äusserte
sich am 13
.
Februar 2017 (
Urk.
20)
. Am 1
5. Februar 2017
wurden die Eingaben der Parteien der jeweils anderen Partei zur K
enntnisnahme zugestellt (Urk. 21
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbin
dung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundes
gerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November
2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbe
sehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwie
fern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restar
beitsfähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgegli
chenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zuge
mutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit,
die Abklä
rungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2010 (Beginn der einjährigen Wartefrist) in ihrer Arbeitstätigkeit als
Reinigungs
angestellte
zu 20
%
eingeschränkt sei, womit die durchschnittliche Arbeits
unfähigkeit von 40
%
während eines Jahres nicht erfüllt sei (S. 1).
Im Rahmen
des Einwandes seien keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht worden
,
und eine Veränderung seit der Begutachtung lasse sich daraus nicht ableiten.
Auf das Gutachten könne abgestellt werden (S. 2).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend
,
die Beschwerdegegnerin habe sich mit ihren Vorbringen zum Gutachten
der
B._
nicht auseinandergesetzt, weshalb sie den Anspruch auf rechtli
ches Gehör
verletzt habe (S.
7 f.
Rz
19-23).
Sie sei schon seit
mindestens Oktober 2010
in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsangestellte aus
somatischer und psychiatrischer Sicht
zu 100
%
arbeitsunfähig
, weshalb da
s Wartejahr erfüllt sei. Es habe sich bei ihrer ausgeübten Tätigkeit als Reini
gungskraft in der Baureinigung um eine schwere Tätigkeit gehandelt, was die Gutachter nicht berü
cksichtigt hätten (S. 9 f.
Rz
26-33
). Auf das Gutachten
der
B._
könne aufgrund der näher dargelegten Gründe nicht abgestellt werden (S.
12 ff.
Rz
42-83
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Inva
lidenrente.
3.
Vorab ist zur geltend gemachten Verletzung der Begründungspflicht respek
tive des rechtlichen Gehörs durch die Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass in der angefochtenen Verfügung vom
1
2.
April 2016
(Urk. 2) tatsächlich nicht
auf die
Argumente der Beschwerdefü
hrerin in ihrem Einwand vom 19
. November
2015 (vgl.
Urk.
6/46)
eingegangen worden ist. Ob damit eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gegeben ist, kann offen gelassen werden. Einerseits ging aus der angefochtenen Verfügung zumindest klar hervor, da
ss die Beschwerdegegnerin im nachgereichten Arztbericht
keine V
eränderung
des Gesundheitszustands
seit der Begutachtung
sah
,
und andererseits konnte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom
1
2.
Mai 2016
(Urk. 1) bei voller Kognition des hiesigen Gerichts alle ihre Argumente vorbringen, wo
mit eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die
Beschwer
de
gegnerin
ohnehin als geheilt anzusehen ist.
4
.
4
.1
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte
in seinem Bericht vom 3
1.
Januar
2014 (
Urk.
6/19) als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Entwicklung, aktuell mi
ttel
schwe
re bis schwere Episode
(
ICD-10 F32.1/F32.3
)
mit somatischen Symp
tomen, hypochondrischen Ängsten, psychotischen Symptomen und in
ter
mit
tie
rend auftretenden dissoziativen und panikähnlichen Zuständen bei
Dif
fe
renzialdiagnosen Erkrankung aus dem schizophrenen
Formenkreis; ICD-1
0
F20, dis
soziative Störungen; ICD-10 F44
und
Panikstörung; ICD-10 F41
.0 bei 41-jähriger, einfach strukturierter Patientin aus dem Kosovo, Differenzial
diag
nose: leichte Intelligenzminderung; ICD-10 F70 (
Ziff.
1.1).
Dr.
C._
führte aus, die Beschwerdeführerin
sei seit dem 1
2.
Oktober 2010 bei ihm in Behandlung
,
und die letzte Kontrolle sei am 1
6.
Januar 2014 erfolgt.
Die Patientin sei aus psychiatrisch-therapeutischer Sicht für eine Arbeitsstelle auf dem freien Arbeitsmarkt voll arbeitsunfähig. Ei
ne Änderung sei nicht in Sicht
. Eine angepasste Tätigkeit unter geeigneten Bedingungen, zum Beispiel in einer geschützten Werkstätte, wäre theoretisch halbtags zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht bestünden keine realistischen Möglichkeiten zur Ver
besse
rung der Arbeits- beziehungsweise der Eingliederungsfähigkeit (
Ziff.
1.6)
.
Die Patientin befinde sich seit dem 1
2.
Oktober
2010 in ambulanter inte
grierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung inklusive
Psycho
phar
ma
ko
therapie
. Sie sei von ihrem Hausarzt
Dr.
D._
zur ambulanten psychiatrischen Abklärung und Behandlung zugewiesen worden.
Bis jetzt hätten 20 Konsultationen stattgefunden. Die Gespräche seien überwiegend
psy
choedukativ
, stützend sowie ressourcenorientiert ausgerichtet.
Eine Psy
chotherapie im engeren Sinne sei wegen der einfach strukturierten Persön
lich
keitsstruktur der Patientin (Differenzialdiagnose: leichte
Intelligenzmin
de
rung
), ihren mangelnden Ressourcen, der mangelnden bis fehlenden
Ref
lek
tions
- und Introspektionsfähigkeit sowie Hilflosigkeit kaum durchführ
bar.
Das Krankheitsbild habe einen Verlauf mit instabiler Psychopathologie gezeigt. Es sei immer wieder zu Stimmungsschwankungen mit suizidalen Krisen, zur Zunahme von Ängsten, innerer Unruhe, Zittern am ganzen Körper, Antriebsverminderung, fehlender Initiative, Zunahme von negativen Gedanken
bezüglich ihrer gesundheitlichen
Situation und zu einer fehlenden Tagesstruktur oder Beschäftigung gekommen.
Dr.
C._
führte aus, seine Bemühunge
n
für die Patientin eine
Tages
struk
tur
zu organisieren seien fehlgeschlagen. Am 2
8.
März 2013 habe sie wäh
rend einer Konsultation einen dissoziativen Zustand erlitten (
Ziff.
1.5).
4
.2
4
.2
.1
Am
8.
Juni 2015 erstatteten
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin und
für
Pneumologie,
Dr.
med.
E._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
F._
, Fach
arzt f
ür Neurologie,
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Allge
meine Innere Medizin und für Rheumatologie, sowie der Fallkoordinator
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie,
B._
,
das von der Beschwerdegegnerin veranlasste polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
6/36). Die Gutachter stellten zusammen
fas
send folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5
lit
. A)
:
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
dissoziative Störungen (Konversionsstörungen), gemischt (ICD-10 F44.
7)
-
Differenzialdiagnose: Leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70.0)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gut
achter einen chronischen Spannungskopfschmerz, ein intermittierend leichtes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom, unspezifische Knieschmerzen rechts und eine Adipositas (S. 5
lit
. B).
A
us somatischer Sicht sei die Patientin in ihrer bisherigen Tätigkeit als Reinigungskraft zu 100
%
arbeitsfähig. Sie sei wegen der vorliegenden psychischen Störungen in der Arbeitsfähigkeit leicht eingeschränkt, wodurch es bei der Arbeit vor allem zu einer erhöhten Ermüdbarkeit und zu
Konzen
trationsstörungen
kommen könne. Diese Einschränkungen führten bei einem ganztägigen Pensum zu einem vermehrten individuellen Pausenbedarf von 20
%
(S. 13
lit
. C). Gleiches gelte für die Arbeitsfähigkeit in
leichten und mittelschweren
Tätigkeiten (S. 13
lit
. D).
Von dieser Arbeitsfähigkeit könne seit dem Beginn der psychiatrisch-ps
ychotherapeutischen Behandlung im Jahr 2010 ausgegangen werden, auch wenn die Explorandin zwischenzeitlich zu 100
%
gearbeitet habe. Immerhin sei es doch immer wieder zu gesundheitlichen Absenzen gekommen, was auf die bereits damals eingeschränkte Arbeitsfähigkeit hinweise (S. 11
lit
. A).
Auf
grund der strukturellen Veränderungen am unteren Rücken könne es unter länger andauernden schweren Tätigkeit, wie schwerem Heben von über 11 kg oder ständigem Bücken, verstärkt zu Problemen kommen, und eine Schmerzausweitung auf die übrige Wirbelsäule
sei nicht auszuschliessen (S.
11 f.
lit
. B
Ziff.
2
).
Inkonsistenzen und Diskrepanzen hätten sich vor allem daraus ergeben, dass die Explorandin widersprüchliche Angaben gemacht beziehungsweis
e Frage
n
falsch beantwortet habe.
Diskrepant sei im Weiteren auch, dass sie sich trotz subjektiv starker Schmerzen als zu 100
%
arbeitsfähig erachte oder mit der Familie im Auto in den Kosovo reisen könne
(S. 10 unten).
4.2.2
Dr.
E._
führte in seinem psychiatrischen Teilgutachten zum
psychia
trischen Befund aus, die Explorandin habe vor allem zu Beginn sehr abwei
send, desinteressiert, auch etwas
dysphorisch
und
missgestimmt gewirkt
. Sie
sei vor
allen daran interessiert
gewesen
, wieder eine ausserhäusliche Arbeit
zu erhalten
. Sie habe nach dem Gespräch gefragt, ob ihr nun eine Arbeit vermittelt werden könne und sei dann, ohne sich gross zu verabschieden
,
zur Tür hinausgegangen, um nach dem Neffen ausschauzuhalten. Überhaupt sei aufgefallen, dass sie widersprüchliche Angaben gemacht und selbst auf ein
fachste Fragen, zum Beispiel nach der Anzahl ihrer Kinder, falsche Ant
worten gegeben habe. Das
Gespräch habe eine Stunde und zehn Minuten gedauert. Der affektive Kontakt sei erst allmählich herstellbar
und die Stimmung
depressiv gewesen. Sie habe mit fester Stimme gesprochen
,
und ihre Mimik und Gestik seien
gekennzeichnet gewesen durch eine durchwegs vorhandene Schiefhaltung des Kopfes nach rechts und n
estelnde Bewegung
en mit den Fing
ern
. Die affektive Modulation sei eingeschränkt gewesen. So sei die Beschwerdeführerin während des
ganzen Gesprächs in einer indif
fe
renten Haltung geblieben, indem sie vermittelt habe, inkompetent, hilfsbe
dürftig und geistig nicht richtig präsent zu sein, obschon sie dies nicht beklagt habe
.
Sie habe ausgeprägte Schmerzen im Bewegungsapparat, vor allem auch mit Kopfschmerzen und Schwindelbeschwerden
,
auch mit
Sturz
ereignissen
, anamnestisch aber auch
mit Sehproblemen
,
angegeben.
Sie sei wach und bewusstseinsklar gewesen.
Die Orientierung sei in allen Qualitäten nicht richtig beurteilbar gewesen, da sie Angaben gemacht habe, die so gewesen seien, als ob sie absichtlich falsche Antworten gegeben habe, indem sie zum Beispiel gesagt habe, sie sei erst 20 Jahre alt
.
Sie habe auch gesagt, dass es
Tag und Sommer sei
, da es draussen hell sei
(S. 45 f.
lit
. A)
.
Dr.
E._
führte aus, die Beschwerdeführerin habe kognitiv einfach struk
turiert gewirkt
,
mit einer einfachen Auffassungsgabe und intelligenzmässig im unteren Normbereich. Das Denken sei formal geordnet gewesen. Inhaltlich habe sie als Pseudohalluzinationen anmutendes Stimmenhören in der Nacht beschrieben, das sie aber nicht näher habe be
zeichnen können
. Es hätten leichte Konzentrationsstörungen bestanden. So habe manchmal nachgefragt werden müssen, bis sie eine richtige Antwort
auf die gestellten Fragen habe geben können (S. 46 oben).
E
ine testpsychologische Untersuchung habe auf
grund der sprachlichen Schwierigkeiten, aber auch aufgrund der inkonsis
tenten und widersprüchlichen Angaben der Explorandin
,
nicht dur
chgeführt werden können (S. 46
l
it
. B).
B
ei der Explorandin bestehe diagnostisch eine leichte depressive Episode nach ICD-10, welche gekennzeichnet sei durch die Kriterien verminderter Freudeempfindungsfähigkeit, Konzentrationsstörungen, Schlafstö
rungen und Insuffizienzgedanken.
Die Explorandin sei in der Schweiz schlecht integriert und spreche die deutsche Sprache praktisch nicht. Ausserdem sei sie Anal
pha
betin und finanziell vom Ehemann beziehungsweise der Familie abhän
gig.
Diese Belastungen seien deutlich ausgeprägt und könnten sich durch den dadurch hervorgerufenen unangenehmen Affekt auch in Beschwerden wie Schwindel, Sehstörungen und Sturzereignissen im Sinne einer dissoziativen Störung (Konversionsstörung) ausdrücken
.
Als Differenzialdiagnose wäre allenfalls die Symptomausweitung zu prüfen, weil die Versicherte trotz subjektiv starken Beschwerden mit Schmerzen im Bewegungsapparat etwa Haushaltsarbeiten verrichte oder mit der Familie weite Reisen in die Heimat unternehme. Hierfür, wie auch für eine Simu
lation
,
sprächen auch die weiteren Inkonsistenzen bezüglich
ihrer Angaben
(S. 47
Ziff.
2).
In Anbetracht der fehlenden Schulbildung und einer differenzialdiagnostisch ebenfalls in Betracht zu ziehenden leichten Intelligenzminderung bestünden nur geringe Coping-Möglichkeiten, um mit den
Belastungen umgehen zu können.
Im Weiteren bestünden auffällige, unreife und
histrionische
(drama
tisierende)
Persönlichkeitszüge, die Kriterien für
eine
Persönli
chkeitsstörung nach ICD-10
seien aber nicht erfüllt
(S.
48 oben).
Der
behandelnde Psychiater
habe
eine
psychotische Symptomatik aufgeführt, die
se
aber auch nicht genau beschrei
ben können
.
Bei der heutigen Untersuchung habe die Explorandin
Stimmen
hören
in der Nacht angegeben. Diese Symptomatik imponiere deutlich als Pseudohalluzinationen
.
Es fe
hlten hier zum Beispiel
Angaben, um was für Stimmen es sich gehandelt habe
,
und es fehle ein zu den Halluzi
nationen gehörendes Wahnsystem
(S. 48 Mitte). Auch die depressive Symptomatik sei nicht schwer ausgeprägt, da es bei einer schweren depressiven Episode nach ICD-10 vor allem auch zu einer deutlichen Appetitverminderung
mit rele
vanter Gewichtsabnahme
und zu einem deutlich verminderten Selbstwert mit Schuldgefühlen und
negativen Zukunftsperspektiven
komme, aber immer wieder
auch
zu akuter Suizidalität. Bei einer schweren depressiven Episode seien Tätigkeiten und Aktivitäten nicht mehr möglich. Vor allem Reisen seien dann nicht möglich. Die Explorandin verrichte aber durchaus auch
Haus
halts
arbeiten
. Zudem seien ihr auch Reisen in ihre Heimat mit der Familie möglich.
I
nsgesamt ergebe sich das Bild einer Frau aus einem anderen Kulturkreis, die zusammen mit ihrem Ehemann eine Familie gegründet und Kinder grossge
zogen habe und nun in der Familie mitgetragen werde. Sie scheine
nicht
aus dem sozialen Rahmen hinauszufallen, was bei Menschen mit schweren psy
chischen Störungen oft der Fall sei
(S. 48 f. unten)
.
Dies sei bei den früheren ärztlichen Beurteilungen zu wenig beachtet worden. In diesem Sinne erfolge aktuell eine andere Beurteilung eines ähnlichen Gesundheitszustandes. Deshalb weiche die Beurteilung auch von den fachärztl
ichen Beurteilungen in den Akten
ab (S. 49 oben).
Dr.
E._
führte aus, mit der Diagnose der dissoziativen S
törungen (Konversionsstörungen)
gemischt bestehe eine
syndromale
Diagnose, womit auch
zu den Foerster-Kriterien Stellung genommen werden müsse. Von den Foerster-
Kriterien sei einzig der Aspekt des chronischen Verlaufes hinrei
chend erfüllt (S. 49
Ziff.
3)
.
4
.3
Dr.
C._
stellte in seinem Bericht vom
9.
Nove
mber
2015 (
Urk.
6/45) folgende Diagnosen (S. 1):
-
depressive Störung, aktuell mittelgradige depressive Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F32.1)
-
Status nach schwerer depressiver Episode mit psychotischen Symp
tomen (ICD-10 F32.3)
-
leichte Intelligenzminderung mit Verhaltensstörung und emotionalen sowie sozialen Schwierigkeiten (ICD-10 F70)
-
intermittierend auftretende dissoziative und panikähnliche Zustände bei Differenzialdiagnosen: Dissoziative
Störungen;
Konversions
stö
rungen
(
ICD-10 F44), Differenzialdiagnose: Episodisch
paroxismale
Angst/Panikstörung (ICD-10 F41.0), aktuell teilremittiert
Dr.
C._
führte aus,
die letzte Konsultation sei am 2
9.
Oktober 2015 erfolgt. Die Sitzungsfrequenz
sei
alle sechs Wochen. Es finde eine ambulant
e
integrierte psychiatrische Behandlung mit einer medikamentösen Therapie mit Antidepressiva und einem
Antipsychotikum
statt.
Im Verlauf der Therapie sei es zur leichten Verbesserung des Zustandes der Beschwerdeführerin gekommen, und es bestünden
zurzeit
keine Anhalts
punkte für Wahnideen, Sinnestäuschungen
,
Ich-Störungen oder für akute Selbst- oder Fremdgefährdung
. Abgeflachte Affekte, Selbstunsicherheit, Ver
schlossenheit, Antriebsverminderung, Passivität und Init
i
ativemangel,
Sprach
v
er
armung
, psychomotorische Verlangsamung, Lustlosigkeit und Energie
losig
keit seien nach wie vor vorhanden
(S. 1).
Weiter hielt
Dr.
C._
fest,
das Gespräch werde in der Muttersprache der Patientin geführt, und sie beantworte knapp die vom Referenten gestellten
Fragen, meistens mit ja oder nein und gebe manchmal unlogische und falsche Antworten. So habe sie berichtet, ab und zu mit ihrer Mutter zu telefonieren, obwohl diese schon seit Mai letzten Jahres verstorben sei (S. 2 oben).
Die
Patientin
klage über verschieden
e
Schmerzen und darüber, dass sie
sich bedrückt und deprimiert fühle. Sie ziehe sich meistens zurück
,
und es störten sie alles und alle. Sie sei sehr gelangweilt zu Hause und würde gerne wieder eine auswärtige Arbeitsstelle a
n
nehmen. Laut Aussagen ihres Ehemannes und ihres Sohnes, welche die
Patientin abwechslungsweise zum Referenten be
gleiten würden, brauche sie
konstant, auch im Haushalt
,
Hilfe
, und sie müsse überall hin begleitet werden. Manchmal gehe sie alleine spazieren, verliere aber dabei den Weg und müsse von ihrer Familie aufgesucht werden. Sie sei nicht im Stande, irgendetwas selbständig zu machen. Sie sei nicht in der Lage, alleine einkaufen zu gehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen (S. 2 Mitte).
Dr.
C._
führte aus, die Patientin sei aus psychiatrisch-therapeutischer Sicht für eine Arbeitsstelle auf dem freien Arbeitsmarkt voll arbeitsunfähig (S. 2 unten). Eine angepasste Tätigkeit unter geeigneten Bedingungen, in ruhiger, stressarmer und emotional wenig belastender Umgebung und unter Begleitung
,
wäre theoretisch bis halbtags zumutbar (S. 3 oben).
4
.4
Am 1
2.
Dezember 2016 erstattete
Dr.
Z._
das gerichtlich veranlasste psychiatrische Gutachten (
Urk.
13).
Dr.
Z._
stellte folgende psychia
trischen Diagnosen (S. 17
Ziff.
5):
-
undifferenzierte Schizophrenie (ICD-10 F20.3), Differenzialdiagnose: Schizophrenes Residuum (ICD-10 F20.5)
-
dissoziative Störung
en
(Konversionsstörung
en
) gemischt (ICD-10 F44.
7)
-
rezidivierende depressive Störung, aktuell leichtes depressives
Zu
stands
bild
(ICD-10 F33.0)
-
anamnestisch Verdacht auf In
telligenzminderung (ICD-10 F70)
Dr.
Z._
führte zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus, auf
grund ihrer ausgeprägten psychiatrischen Symptomatik mit Denkstörungen, fraglichen Halluzinationen und teilweise bestehenden Wahngedanken, Desor
ga
nisation, affektiver Labilität, immer wieder auftretenden Dissoziationen und kognitiven Defiziten,
sei sie weder in der Lage, selbständig einen Haus
halt zu führen, geschweige denn eine Arbeitsfähigk
eit
auf dem allgemeinen Arbe
itsmarkt zu erbringen. Im Grunde genommen bestehe bei der Beschwer
de
führerin eine Hilflosigkeit, die sogar den Gedanken an eine mögliche Bei
standschaft impliziere.
Wahrscheinlich nicht zuletzt aufgrund i
hrer ausgeprägten Denkstörungen
verbunden mit den fraglichen Halluzinationen scheine die Beschwerde
füh
rerin
weder in der Lage zu geregelten Denkabläufen zu
sein, was dazu führe,
dass sie weder zur Person noch zur Zeit und Situation hinreichend orientiert sei, noch scheine sie dadurch in der Lage zu geregelten Handlungsabläufen.
Insbesondere im Längsschnitt betrachtet hätten auch die immer wieder auf
tretenden depressiven Krisen zu zusätzlichen Einschränkungen geführt. Eben
so seien die dissoziativen Zustände, die
,
wie
im Längsschnitt
beobacht
bar, bei einer hohen emotionalen Belastung aufträten, leistungsmindernd.
Unter der
adäquaten psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlung habe inzwischen lediglich eine gewisse Stabilisierung der Gesamts
ituation erreicht werden können. Die Einschränkungen seien
langfristig und anhaltend. In absehbarer Zeit sei nicht damit zu rechnen, dass die Beschwerdeführerin wieder eine Arbeitsfähigkeit auf dem frei
en Arbeitsmarkt erlangen werde
(S.
21
Ziff.
7).
Dr.
Z._
hielt fest, a
ufgrund
der Symptomatik der Versicherten sei eine geregelte Anamneseerhebung praktisch überhaupt nicht
möglich gewe
sen. Trotz
Übersetzerin
sei es nicht gelungen, mit
ihr
ein adäquates Gespräch zu führen, geschweige denn
,
Informationen zu den lebensgeschichtlichen Hinter
gründen zu bekommen. Diese hätten daher aus der Aktenlage, den Angaben des Ehemannes sowie des behandelnden Psychiaters entnommen werden müssen
(S. 10
Ziff.
2).
Zum psychopathologischen Befund
führte
Dr.
Z._
aus
, die Versi
cherte sei in Begleitung ihres Ehemannes zum Untersuchungste
rmin erschie
nen. Dieser s
ei allerdings
bei der Untersuchung
nicht anwesend gewesen, sondern
erst später im Rahmen der Erhebung der Fremdanamnese hinzu
ge
holt
worden
(S. 14 Ziff. 3 oben)
.
Trotz Übersetzung in die Muttersprache sei eine Exploration der
Beschwerde
führerin
aufgrund der Symptomatik nicht annähernd möglich gewesen.
Wäh
rend der Untersuchung sei ihr
Blick meist s
chräg nach links oben gerichtet
, und ein Blickkontakt sei praktisch nicht möglich
gewesen
. Immer wieder
habe
auch ein staunender Gesichtsausdruck
imponiert
, als
hätte
sie über
haupt nicht
verstanden
, was um sie herum passiere. Ein emotionaler Rapport sei praktisch nicht herstellbar und die Beschwerdeführerin sei zur Situation nicht hinreichend orientiert
gewesen
(S.
14
Ziff.
3 Mitte)
.
Auch habe sie
weder zeitlich noch zur Person hinreichend orientiert
geschienen
.
Es
habe der
hochgradige Verdacht
bestanden, dass sie halluziniert habe
, was sie aber ver
neint habe
(S.
14
Ziff.
3 unten). Einmalig sei es
zu einem dissoziativen Zustand gekommen. Sie sei erst nach wenigen Minuten wieder ansprechbar gewesen. Zweimal habe sie im
Rahmen der Exploration versucht, sich eine Zigarette anzuzünden. Dieses Verhalten sei völlig inadäquat
gewesen
. Über lange Distanz habe sie neugierig beobachtend aus dem Fenster geschaut, obwohl dort gar nichts gewesen sei (S. 15 oben).
Zum Verlauf führte
Dr.
Z._
aus,
seit Oktober 2010 lägen
ausführ
liche Befunde seitens
des
damals behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
vor, welche die Psychopathologie der Versicherten und
die
daraus resultierende
n
Einschränkungen deutlich belegten. Es sei davon auszugehen, dass bei der Versicherten seit 2010 keine relevante Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt bestehe (S. 26 f.
Ziff.
6).
Dr.
Z._
hielt fest, aus ihrer Sicht handle es sich bei der
Symptomatik der
Versicherten um eine schizophrene Störung, die in charakteristischer Weise gekennzeichnet sei durch Störungen im Bereich des Denkens und der Wahrnehmung sowie inadäquater oder verflachter Affektivität. Aufgrund der Symptome von kommentierenden oder dialogischen Stimmen inklusive undeutlich ausgebildeten Wahngedanken, Denkstörungen mit Danebenrede, teilweise
katatonen
Symptomen
wie Erregung, abwechselnd mit fast
mutis
tisch-stuporösem
Zustandsbild und negativen Symptomen wie Apathie,
Sprach
verarmung
, verflachte
n
oder inadäquate
n
Affekte
n
, sozialem Rückzug und verminderter sozialer Leistungsfähigkeit und den grundlegenden Verän
derungen wie Ziellosigkeit und Trägheit, und einer sich selbst verlorenen Haltung mit sozialem Rückzug, ergebe sich die Diagnose einer undifferen
zierten Schizophrenie im Sinne von ICD-10 F20.3 (S. 17 f.
Ziff.
5).
Bei der Beschwerdeführerin bestehe praktisch
keine Krankheitseinsicht
, was bei der
Diagnose der schizophrenen Erkrankungen aber in den überwiegen
den Fällen krankheitsimmanent sei und häufig eine
Behandlungsschwie
rig
keit
darstelle
. Entsprechend seien auch die Aussagen der Beschwerdeführerin zu interpretieren, dass sie sich gesund fühle und eigentlich arbeiten wolle (S.
20 Mitte).
Die Beschreibungen vom behandelnden Psychiater und
vom
Ehemann
deckten
sich mit dem erhobenen Befund im Rahmen der Exploration. Aus Sicht der Referentin zeigten sich hier keinerlei Inkonsistenzen
,
und damit bestehe kein Verdacht auf Aggravation oder gar Simulation. Nebenbei sei anzumerken, dass die Simulation einer schizophrenen Erkrankung doch ein hohes
Intelli
genzniveau
erfordere, um hier nicht quasi „Fehler“ zu machen. Dieses wäre
beim Entwicklungsstand der Beschwerdeführerin ganz abgesehen davon nicht
zu erwarten. Damit seien ihre Beschwerden und Einschränkungen als glaub
haft zu
beurteilen und führten zu einer erheblichen Einschränkung der Funk
tionalität (S. 20 unten).
Was das psychiatrische Gutachten
von
Dr.
E._
,
B._
, vom 2
3.
Okto
ber 2014 anbelange, sei auszuführen, dass die Anamnese sehr kursorisch wiedergegeben worden sei und er nie genauer
nachgefragt habe
. Im psy
chopathologischen Befund fänden sich immer wieder widersprüchliche und auch unkorrekte Angaben.
So
sei
beispielsweise angegeben
worden
, dass die Stimmung depressiv
und
die Versicherte nicht orientiert gewesen sei. Weiter seien
eine Schiefhaltung des Kopfes, das Nesteln der Versicherten und die eingeschränkte Modulationsfähigkeit beschrieben
worden
,
ohne dass dieses
im Weiteren von
Dr.
E._
kommentiert
worden sei
.
Dr.
Z._
führte
aus, ihrer A
nsicht nach seien die Angaben der
Versicherten und die Notizen von
Dr.
E._
, wie zum Beispiel dass
sie
erwarte, vom Gutachter eine Stelle vermittelt zu bekommen, ganz klar darauf hinweisend, dass sie zur Situation nicht or
ientiert gewesen sei (S. 23 f.
Ziff.
9.3).
Insgesamt sei der psycho
pathologische Befund wenig strukturiert, unvollständig und wenig nachvoll
ziehbar
(S. 24 oben)
.
Es sei
absolut nicht nachvollziehbar, wie die Versicherte in der Lage sein solle, ein 80%iges Arbeitspensum zu erledigen (S. 25 unten).
5
.
5
.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrer leistungsanspruchsverneinenden
Verfügung auf das von ihr eingeholte Gutachten der
B._
vom
Juni 2015
(vorstehend E.
4
.2
.1
)
und dabei insbesondere auf die psychiatrische
Einschätzung von
Dr.
E._
(vgl. vorstehend E. 4
.2.2)
, welcher bei diag
nos
ti
zierter leichte
r
depressive
r
Episode (ICD-10 F32.0) und dissoziative
n
Stö
rung
en (Konversionsstörungen) gemischt (ICD-10 F44.7) sowie der Diffe
ren
zial
diagnose einer leichten Intelligenzminderung (ICD-10 F70.0) von einer
gene
rellen
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 20
%
ausging
(vgl. vorstehend E. 2.1)
.
5.2
Das Gutachten der
B._
vom Juni 2015, insbesondere das psychia
trische Teilgutachten von
Dr.
E._
,
erfüllt
jedoch
aus den nachfolgend dar
gelegten Gründen die Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vgl. vorstehend E. 1.5) nicht.
So
beschrieb jeder der Gutachter der
B._
nach der jeweiligen Unter
suchung
ein
sehr auffälliges V
erhalten der Beschwerdeführerin
,
die
den Sinn der Begutachtung
durchwegs
nicht verstand
en
zu haben schien
und im Glau
ben war, man würde ihr eine Arbeit vermitteln
und wiederholt ausführte, sie sei
gesund
. Auch ging aus den Teilgutachten hervor, dass die Beschwer
de
führerin teilweise widersprüchliche Angaben gemacht und Schwierigkeiten hatte, Fragen konkret zu beantworten
(vgl.
Urk.
6/36 S. 17
lit
. B unten,
S. 20
Ziff.
VII,
S. 24 Mitte,
S. 27
lit
. A und C, S. 28
lit
. A
, S. 35
Ziff.
VII
).
Der neurologische Gutachter
der
B._
berichtet
e
von einer deutlichen psychomotorischen Einschränkung
und davon, dass die Versicherte inaktiv
mit herunterhängenden Armen u
nd hängendem Kopf dagesessen habe
. Weiter
führte er aus, dass sie nach der Untersuchung vergessen habe, die Schuhe anzuziehen und
barfuss
nach Hause habe gehen wollen
(S. 36 oben).
Auch die von
Dr.
E._
beschriebenen Befunde weichen nicht wesentlich
davon ab.
Er beschrieb eine durchwegs vorhandene Schiefhaltung des Kopfes und nestelnde Bewegunge
n mit den Fingern.
Weiter führte er aus, d
ie Beschwer
deführerin habe vermittelt, inkompetent, hilfsbedürftig und geistig nicht richtig präsent zu sein, obwohl sie dies nicht beklagt habe.
Die Orientierung konnte
Dr.
E._
nicht beurteilen, obwohl die Beschwe
rdeführerin
unter anderem
angegeben hatte, dass sie
erst 20 Jahre alt
sei
. Eine
testpsy
cho
logische
Untersuchung konnte nicht durchgeführt werden.
Es erstaunt daher auch nicht,
dass die Beschwerdeführerin auf Anfrage von
Dr.
E._
eine all
fällige psychotische Symptomatik nicht präzise
hat
beschreiben k
önnen
. Auf ihre
Äusserungen
im Rahmen der von
Dr.
D._
vorgenommenen
Exploration, als sie ausführte, es sei ihr im Schlaf gesagt worden, dass man sie umbringen würde, wenn sie weiter erzählte, unter was sie leide (S. 21
lit
. A),
ging
Dr.
E._
nicht ein.
In Anbetracht dieser in sämtlichen Teilgutachten dokumentierten Befundlage,
erscheint die
Diagnosestellung
und damit auch die
Beurteilung der
Arbeits
fähigkeit der
Beschwerdeführerin durch
Dr.
E._
nicht nachvollziehbar
und
sein Gutachten wird der
gesamten
Situation nicht gerecht
.
Insbesondere ent
sprechen seine beschrieben
en
Befunde
nicht den gestellten Diagnosen und eine plausible Begründung hierfür fehlt.
Da
die
vorliegenden Bericht
e
des behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
vom Januar 2014 und November 2015
(vgl.
vorstehend E. 4.1 und E. 4.3
) zwar auf eine massive psychische Problematik hingewiesen, er
sich jedoch vor allem hinsichtlich der Diagnostik nicht vollends schlüssig zeigte,
und seine Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin derart von jener der Gutachter der
B._
,
aber
auch von
jener
der Beschwerdeführerin
selbst
, welche sich als zu 100
%
arbeitsfähig erachtete
,
abwich,
musste zur Klärung ein Gerichtsgutachten bei Dr.
Z._
eingehol
t werden (vgl. vorstehend E. 4.4
).
5.3
Das gerichtlich eingeholte psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
vom
Dezember 2016 (vorstehend E.
4.4
)
erfüllt indes die Anforderungen an eine
beweiskräftige Expertise (vorstehend E.
1.5), indem es für die Beant
wor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen Unter
such
ungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinandersetzt.
Schliess
lich
wurde das Gutachten in Kenntnis der
Vorakten
und unter
Einholung von fremdanamnestischen Angaben
abgegeben, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerungen der Expertin sind begründet. Für die
Entscheidfindung
kann daher darauf abgestellt werden.
Daran vermögen auch die
Vorbringen der Beschwerdegegnerin im Rahmen ihrer Stellungnahme zum Gutachten vom 1
3.
Februar 2017 (vgl.
Urk.
20)
nichts zu ändern.
Soweit sie kritisiert, dass
sich
die
Befunderhebung
durch
Dr.
Z._
im Wesentlichen auf die subjektiven Angaben des Ehemannes
der Beschwerde
führerin sowie auf die Überlegungen des behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
stütze
(
vgl.
Urk.
20
Ziff.
1
)
,
ist auszuführen, dass bereits aus
den Berichten des behandelnden Psychiaters
Dr.
C._
und auch aus
dem Gutachten der
B._
deutlich hervorgeht, dass die
Kommunikation
mit der Beschwer
deführerin und die Anamneseerhebung massiv erschwert
und teilweise unmöglich
waren. Dass
Dr.
Z._
in Anbetracht der Gegebenheiten
zusätz
lich zu der eigenen Befunderhebung
Angaben des Ehemannes und des behandelnden Psychiaters
einholte
, erweist sich
als
erforderlich
und ange
messen.
Die Untersuchung der Beschwerdeführerin hat
te
sodann ohne den Ehe
mann stattgefunden
.
Der Kritikpunkt, dass
Dr.
J._
die Diagnose Schizophrenie hauptsäch
lich aus der familiären Häufung abgeleitet habe
(
Urk.
20
Ziff.
1
), ist
bei der
vorgenommenen ausführlichen und nachvollziehbaren Herleitung der Diag
nose unbegründet.
Ebenso ins Leere geht das Vorbringen der Beschwerdegegnerin
,
nicht rele
vante invaliditätsfremde Gründe verhinderten bei der Beschwerdeführerin
eine
adäquate Therapie
und es
könne daher nicht von einem therapeutisch nicht mehr angehbaren Leiden gesprochen werden (
Urk.
20
S. 2
Ziff.
3
; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_682/2016 vom 16. Februar 2017
).
Verschiedentlich geht aus
den Berichten des behandelnden Psychiaters
und auch aus den Gutachten
der
B._
hervor, dass eine Kommunikation mit der Beschwerdeführerin aufgrund der Symptomatik praktisch nicht möglich ist.
E
ine adäquate medikamentöse Therapie
findet statt
, unter welcher
Dr.
K._
in
seinem Bericht vom November 2015 (vgl. vorstehend E. 4.3) zumindest eine leichte Verbesserung des Zustandes verzeichnete
.
Bereits in seinem Ber
icht vom Januar 2014 begründete
er jedoch ausführlich, weshalb eine Psychotherapie im engeren Sinne bei der Beschwerdeführerin kaum durchführbar sei (vgl. vorstehend E. 4.1).
5.4
Zusammenfassend ist damit gestützt auf das psychiatri
s
che Gutachten von Dr.
Z._
vom
Dezember 2016 (vorstehend E.
4.4
)
der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass
die Beschwer
de
füh
rerin spätestens seit dem Jahr 2010 auf dem ersten Arbei
tsmarkt nicht mehr arbeitsfähig
und auch nicht mehr in der Lage ist, selbständig einen Haushalt zu besorgen.
6
.
6
.1
Aufgrund des Gesagten besteht bei der Beschwerdeführerin auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit mehr
und auch der Haushalt kann nicht mehr selbständig geführt werden
. Demnach genügt für die Ermittlung des
Invaliditätsgrades die Gegenüberstellung
blosser
Prozentzahlen. Daraus resu
l
tier
ten ein Invaliditätsgrad von 100 % und damit ein Anspruch auf eine ganze
Rente.
6
.2
Zu prüfen bleibt der Zeitpunkt des Rentenbeginns.
Gemäss
Art. 28 Abs. 1
lit
. b und c IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 %
arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid im Sinne von Art. 8 ATSG sind. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
Leis
tungsanspruchs
nach Art. 29 Abs. 1 ATSG (Art. 29 Abs. 1 IVG).
6
.3
Bei seit dem Jahr 2010 festgestellter vollständiger Arbeitsunfähigkeit auf dem
ersten Arbeitsmarkt
(vgl. vorstehend E.
5.4)
ist vorliegend das Wartejahr ohne weiteres als erfüllt zu betrachten.
Die Beschwerdeführerin meldete sich
am
9.
Januar
2014
bei der Invalidenversicheru
ng zum Leistungsbezug an (Urk. 6/11
), weshalb
sie
per 1.
Juli 2014
Anspruch auf eine Invalidenrente h
at
(vgl. vorstehend E. 6.2
).
Die angefochtene Verfügung ist daher in
Gutheissung
der Beschwerde mit der Feststellung aufzuheben, das
s die Beschwerdeführerin ab 1. Juli 2014
Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
7
.
7
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 900.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7
.2
Die Kosten für das Gerichtsgutachten von Dr.
Z._
vom 1
2
.
Dezem
ber 2016 (Urk. 13) in Höhe von Fr. 4‘800.-- (Urk. 14
) sowie für die benötigte
Übersetzerin
in der Höhe von Fr. 208.10 (Urk. 12
) sind ebenfalls der
Be
schwer
degegnerin
aufzuerlegen, war doch der medizinische Sachverhalt bei Verfügungserlass nur ungenügend erstellt.
7
.3
Nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
hat die obsiegen
de
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Be
deutung der Streitsache und nach der Schwierig
keit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen festzusetzenden Er
satz der Parteikosten.
Gemäss Honorarnote vom 1
5.
Mai 2017 (
Urk.
23) und Schreiben vom 1
5.
Mai 2017 (
Urk.
22)
belief sich der Zeitaufwand von Rechtsanwalt Beat
Wieduwilt
für das gerichtliche Verfahren auf 12.5 Stunden, was als angemessen gilt. Dementsprechend ist die P
rozessentschädigung
ausgehend von einem praxisgemässen Stundenansatz
von Fr. 22
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 3‘060
.-- (inklusive
Spesenpauschale von 3
%
und
Mehrwertsteuer) festzu
setzen
.