Decision ID: 620eebab-9263-51a1-9cdb-bff2ccde98c6
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ (geb. 1995) ist Staatsangehörige von Somalia. Sie reiste am 24. April 2012 in die
Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch. Das Bundesamt für Migration
(heute: Staatssekretariat für Migration [nachfolgend: SEM]) wies das Gesuch am
20. September 2013 ab, schob jedoch den Vollzug der angeordneten Wegweisung zu
Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf. Der A._ ausgestellte F-Ausweis wurde in der
Folge jährlich – zuletzt bis 27. März 2022 – verlängert.
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B.
Am 20. November 2013 schlossen das Migrationsamt und A._ eine
Integrationsvereinbarung ab, in der sie sich verpflichtete, an Integrations- und
Verzahnungsprogrammen gemäss erfolgter Abklärung der zuständigen Regionalen
Potenzial- und Arbeitsintegrationsstelle teilzunehmen (Vorakten Migrationsamt
[nachfolgend: Dossier] S. 38 ff.). Nach Abschluss eines Integrationskurses sowie einer
Vorlehre in den Jahren 2013 bis 2015 war A._ zunächst nicht erwerbstätig. Seit Mitte
November 2018 arbeitet sie als Reinigungskraft für drei bis dreieinhalb Stunden
wöchentlich in einem Privathaushalt in X._. Von Ende Juli 2019 bis Ende Juli 2021 war
sie zudem zu einem Pensum von zehn Prozent bei der S._ AG (nachfolgend: S-AG) als
Mitarbeiterin Reinigung tätig. Ab August 2019 arbeitete bzw. arbeitet sie alsdann als
Küchenhilfe bei der Tagesbetreuung B._ der Stadt X._ zu einem Pensum von
zunächst 20, später 30 Prozent. Bei dieser Arbeitgeberin begann sie im August 2021
eine zweijährige Ausbildung. Seit Oktober 2018 engagiert sie sich ausserdem
ehrenamtlich beim Y._.
Von April 2012 bis April 2019 bezog A._ Sozialhilfe im Asylbereich in der Höhe von
CHF 82'697.40. Von Mai bis Dezember 2019 wurde sie mit finanzieller Sozialhilfe im
Umfang von CHF 1'485.50 unterstützt. Seither bezog sie keine Fürsorgeleistungen
mehr.
C.
Am 28. August 2019 reichte A._ beim Migrationsamt ein Gesuch auf Ausstellung einer
humanitären Aufenthaltsbewilligung ein. Mit Schreiben vom 11. September 2019
forderte das Migrationsamt sie zur Einreichung von Unterlagen, insbesondere eines
Zertifikats zur Bestätigung ausreichender Deutschkenntnisse (Niveau A2), auf. Am
10. März 2020 ging beim Migrationsamt ein "telc"-Zertifikat ein, wonach A._ die
Prüfung A2 – nach einem knapp gescheiterten ersten Versuch im November 2019 –
bestanden hatte. Am 10. Juni 2020 teilte das Migrationsamt mit, es benötige weitere
Unterlagen. Es forderte A._ zudem auf, ein Budget zusammenzustellen, woraus ihre
monatlichen Einnahmen und Ausgaben ersichtlich seien. Dem kam A._ mit Eingabe
vom 24. Juni 2020 nach. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2020 wies das
Migrationsamt das Gesuch ab und verweigerte die Unterbreitung des Falles an das
SEM. Den dagegen erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement
mit Entscheid vom 7. Mai 2021 ab (Dispositiv Ziffer 1).
D.
A._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 7. Mai 2021 versandten Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch ihre Rechtsvertreterin mit
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Eingabe vom 25. Mai 2021 und Ergänzung vom 2. Juli 2021 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und das Migrationsamt anzuweisen, ihr Gesuch
um Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung B dem SEM zur Zustimmung zu
unterbreiten. Zudem ersuchte sie um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Mit Zwischenverfügung vom 6. Juli 2021 entsprach der
Abteilungspräsident dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung und bestimmte Rechtsanwältin lic. iur. Bettina Surber als
unentgeltliche Rechtsvertreterin. Mit Vernehmlassung vom 9. Juli 2021 beantragte die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und verwies auf die Erwägungen im
angefochtenen Entscheid. Am 3. August 2021 übermittelte das Migrationsamt dem
Verwaltungsgericht weitere Unterlagen, welche der Beschwerdeführerin am 5. August
2021 zugestellt wurden.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist Adressatin des angefochtenen Entscheids, mit dem ihr Begehren um Anweisung
des Migrationsamts, die Angelegenheit dem SEM als Gesuch um Erteilung einer
Härtefallbewilligung zu unterbreiten, abgewiesen wurde, und damit zur Erhebung der
Beschwerde befugt (Art. 84 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration, Ausländer- und Integrationsgesetz; SR 142.20,
AIG; Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am
7. Mai 2021 versandten Entscheid (Zustellung am 10. Mai 2021) erfolgte mit Eingabe
vom 25. Mai 2021 unter Berücksichtigung des Umstands, dass der letzte Tag der Frist
(24. Mai 2021) auf einen vom kantonalen Recht anerkannten Feiertag (Pfingstmontag)
fiel, fristgerecht (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP und Art. 30 Abs. 1 VRP in
Verbindung mit Art. 142 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung; SR 272). Sie
erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 2. Juli 2021 inhaltlich und formal die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtsgrundlagen und Streitgegenstand
bis
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Ausländerinnen und Ausländer können grundsätzlich nur bei Vorliegen von bestimmten
Zulassungsvoraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung beantragen (vgl. Art. 18 ff.
AIG). Gemäss Art. 84 Abs. 5 AIG werden Gesuche um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern,
die sich seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, unter Berücksichtigung der
Integration, der familiären Verhältnisse und der Zumutbarkeit einer Rückkehr in den
Herkunftsstaat vertieft geprüft. Die Bestimmung stellt keine eigenständige
Rechtsgrundlage dar, sondern verweist diesbezüglich implizit auf die in Art. 30 Abs. 1
Ingress und lit. b AIG geregelte Bewilligung wegen eines schwerwiegenden
persönlichen Härtefalls, den Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt
und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) mit ausdrücklichem Hinweis im Randtitel,
unter anderem auf Art. 84 Abs. 5 AIG, konkretisiert. Danach sind bei der Beurteilung
insbesondere die Integration anhand der Integrationskriterien nach Art. 58a Abs. 1 AIG
(lit. a; Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung; Respektierung der Werte
der Bundesverfassung; Sprachkompetenzen; Teilnahme am Wirtschaftsleben oder am
Erwerb von Bildung), die Familienverhältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der
Einschulung und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c), die finanziellen
Verhältnisse (lit. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der
Gesundheitszustand (lit. f) und die Möglichkeit der Wiedereingliederung im
Herkunftsstaat (lit. g) zu berücksichtigen. Die Aufzählung ist nicht abschliessend, und
für die Erteilung einer Härtefallbewilligung kann es genügen, dass eines oder einige der
genannten Kriterien erfüllt sind (vgl. VerwGE B 2018/218 vom 6. April 2019 E. 2; BVGer
C-1136/2013 vom 24. September 2013 E. 5.2). Bei der Prüfung eines Gesuchs um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Art. 84 Abs. 5 AIG ist ausserdem die
erfolgreiche Teilnahme an Integrations- oder Beschäftigungsprogrammen zu
berücksichtigen (Art. 31 Abs. 6 VZAE). Da Art. 31 VZAE auf verschiedene
Härtefallregelungen im Ausländer- und Integrationsgesetz verweist, ist es denkbar,
dass die Beurteilung von wichtigen persönlichen Gründen unterschiedlich ausfallen
kann, je nachdem, auf welche gesetzliche Ausgangslage sie sich bezieht (vgl. BGer
2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 6.3; zit. VerwGE B 2018/218 E. 2; B 2018/88 vom
20. Januar 2019 E. 2).
Die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalls sind restriktiv zu handhaben.
Die betroffene Person muss sich in einer persönlichen Notlage befinden, was bedeutet,
dass ihre Lebens- und Existenzsicherung, gemessen am durchschnittlichen Schicksal
von Ausländern, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein muss bzw. die
Verweigerung einer Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen für sie mit
2.1.
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schweren Nachteilen verbunden wäre (zit. VerwGE B 2018/88 E. 2; BGE124 II 110 E. 2
betreffend Art. 13 lit. f der per 1. Januar 2008 aufgehobenen Verordnung über die
Begrenzung der Zahl der Ausländer; SR 823.21; zur Weiterführung der Rechtsprechung
unter Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b VZAE vgl. BGer 2C_129/2014 vom 4. November
2014 E. 3). Bei der Beurteilung eines Härtefalles sind sämtliche Umstände des
jeweiligen Einzelfalls zu berücksichtigen. Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht
zwingend voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur
Verhinderung einer persönlichen Notlage darstellt. Auf der anderen Seite reichen eine
lang dauernde Anwesenheit und eine fortgeschrittene soziale und berufliche Integration
sowie klagloses Verhalten für sich alleine nicht aus, um einen schwerwiegenden
persönlichen Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass der Ausländer
so enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihm nicht verlangt werden kann,
in einem anderen Land, insbesondere in seinem Heimatstaat zu leben. Berufliche,
freundschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen, welche der Betroffene während
seines Aufenthalts in der Schweiz knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für
eine Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen (zit. VerwGE B 2018/88 E. 2 mit
Hinweis auf BVGer C 351/2010 vom 2. November 2012 E. 6.3 sowie C-2240/2010 vom
14. Dezember 2012 E. 5.3).
Art. 84 Abs. 5 AIG räumt als Härtefallbewilligung keinen Rechtsanspruch ein (vgl. BGer
2C_195/2010 vom 23. Juni 2010 E. 6.3). Das Verwaltungsgericht kann lediglich prüfen,
ob die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen ohne Rechtsverletzung, das heisst
ohne Unter- oder Überschreitung ihres Ermessens und ohne Ermessensmissbrauch,
ausgeübt hat (Art. 61 Abs. 1 VRP; zit. VerwGE B 2018/88 E. 2).
Es ist unbestritten und offenkundig, dass die Beschwerdeführerinnen die formelle
Voraussetzung der fünfjährigen Aufenthaltsdauer erfüllt und deshalb eine vertiefte
Prüfung ihres Gesuchs zu erfolgen hat. Dabei rügt die Beschwerdeführerin nicht, die
Vorinstanz habe keine solche vorgenommen. Sie ist indes mit dem Ergebnis der
Prüfung nicht einverstanden und hält dafür, die Vorinstanz habe zu Unrecht das
Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls verneint, worauf nachfolgend
einzugehen ist. Auszugehen ist dabei davon, dass die Beschwerdeführerin – ebenfalls
unstrittig – die Kriterien der Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie
der Respektierung der Werte der Bundesverfassung (Art. 58a Abs. 1 Ingress und lit. a
und b AIG) erfüllt. Keiner vertieften Betrachtung bedarf auch ihr Gesundheitszustand
(Art. 31 Abs. 1 Ingress und lit. f VZAE), stehen doch keine diesbezüglichen
Einschränkungen zur Diskussion. Näher zu untersuchen sind die übrigen hiervor
2.2.
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3. Analyse der einzelnen Härtefallkriterien
(Erwägungen 2.1) aufgeführten Kriterien (vgl. dazu Erwägung 3 nachfolgend). Gestützt
darauf ist zu klären, ob der vorinstanzliche Schluss, es liege kein schwerwiegender
persönlicher Härtefall vor, Recht verletzt (vgl. dazu Erwägung 4 nachfolgend).
Dauer der Anwesenheit in der Schweiz
Die Beschwerdeführerin reiste im April 2012 im Alter von sechzehn Jahren in die
Schweiz ein und wurde im darauffolgenden Jahr vorläufig aufgenommen. Sie
verbrachte mithin einen Teil ihrer prägenden Jugendjahre in der Schweiz (vgl. BVGer
F-3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 6.1) und hält sich insgesamt seit fast
neuneinhalb Jahren – zunächst als Asylbewerberin, danach als vorläufig
Aufgenommene – hier auf.
Nach der Rechtsprechung kann zwar nicht von einer bestimmten Aufenthaltsdauer an
schematisierend eine besondere, einen Anspruch auf die Erteilung eines
Anwesenheitsrechts begründende Verwurzelung in den hiesigen Verhältnissen
angenommen werden (BGE 130 II 281 E. 3.2.1). Gemäss einer in BGE 124 II 110
begründeten und unter dem AIG weiterhin zu berücksichtigenden Praxis ist jedoch bei
der Beurteilung, ob sich ein Abweichen von den ordentlichen
Zulassungsvoraussetzungen rechtfertigt, sehr langen Aufenthaltsdauern insofern
Rechnung zu tragen, als in solchen Fällen weniger hohe Anforderungen an das
Vorliegen besonderer Umstände, wie etwa eine überdurchschnittliche Integration oder
andere Faktoren, welche die Rückkehr ins Heimatland als ausgesprochen schwierig
erscheinen lassen, zu stellen sind (E. 3 des zitierten BGE; siehe dazu etwa C. Peter,
Härtefallregelungen im Ausländer- und Asylrecht, in: Schiess Rütimann [Hrsg.],
Schweizerisches Ausländerrecht in Bewegung?, Zürich 2003, S. 87 ff., 100). Alsdann
geht die auf BGE 124 II 110 gestützte kantonale Praxis dahin, dass ein zumindest
zehnjähriger Aufenthalt in der Regel zur Bejahung eines persönlichen Härtefalls führt –
vorausgesetzt, dass sich die ausländische Person tadellos verhalten hat, finanziell
unabhängig sowie sozial und beruflich gut integriert ist (vgl. VerwGE B 2007/127 vom
5. November 2007 E. 2.10). Im Fall einer seit rund neun Jahren in der Schweiz
lebenden Beschwerdeführerin und deren Kindern hielt das hiesige Verwaltungsgericht
fest, die relativ lange Anwesenheit erscheine als ein gewichtiger Umstand, welcher für
die Erteilung der anbegehrten Aufenthaltsbewilligung spreche. Diese sei bei der
Beurteilung des konkreten Falles hinsichtlich der Anforderungen an das Vorliegen
besonderer Umstände zu berücksichtigen (VerwGE B 2016/47 vom 26. Oktober 2017
E. 2.2).
3.1.
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Entsprechend ist auch hier zu verfahren. Der fast neuneinhalbjährige (rechtmässige)
Aufenthalt der Beschwerdeführerin spricht in der Tendenz für die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung. Wenn auch diese Dauer des Aufenthalts nicht per se
ausschlaggebend ist (VerwGE 2014/240 vom 27. April 2016 E. 3.2.1 am Ende), führt sie
dennoch dazu, dass sich unter den gegebenen Umständen eine weniger strenge
Handhabung aufdrängt, als bei Gesuchstellern, die beispielsweise nur wenig länger als
fünf Jahre hierzulande weilen (siehe auch BGE 144 I 266 E. 3.9, wonach das Element
der Aufenthaltsdauer umso wichtiger in der Interessenabwägung wird, je länger jemand
in einem Land lebt).
Teilnahme am Wirtschaftsleben und Erwerb von Bildung, finanzielle Verhältnisse
Die Beschwerdeführerin besuchte in den Jahren 2013 bzw. 2014 zunächst einen
Integrationskurs des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St. Gallen
(nachfolgend: GBS), wo sie eine gute bis sehr gute Bewertung erhielt (Deutsch für
Fremdsprachige 5.5; Pünktlichkeit sehr gut; Umgang mit Differenzen sehr gut;
Zuverlässigkeit gut). In den Jahren 2014 bzw. 2015 absolvierte sie – ebenfalls über das
GBS – eine Vorlehre bei der Z._. Dabei erzielte sie genügende (jeweils 4.0 in Deutsch,
Mathematik und Themenunterricht) bzw. gute bis sehr gute (aktive Beteiligung am
Unterricht gut; Ordnung und Sorgfalt gut; Pünktlichkeit sehr gut; Verhalten gegenüber
Vorgesetzten sehr gut; Zuverlässigkeit sehr gut) Bewertungen. Insofern – etwas
anderes wurde im Verfahren von keiner Seite geltend gemacht – ist die am
20. November 2013 abgeschlossene Integrationsvereinbarung als erfüllt zu betrachten
(vgl. auch Art. 31 Abs. 6 VZAE) und es ist der Beschwerdeführerin die in diese Zeit
fallende Abhängigkeit von Sozialhilfe im Asylbereich, wenn überhaupt, nur beschränkt
vorwerfbar. Für die Zeit danach ist zunächst keine Erwerbstätigkeit aktenkundig und es
werden auch keine entsprechenden Stellensuchbemühungen behauptet. Erst am
13. November 2018 trat die Beschwerdeführerin eine Stelle als Reinigungskraft für
wenige Stunden pro Woche in einem Privathaushalt an (Dossier S. 63). Vom 25. Juli
2019 bis 31. Juli 2021 (act. 13 letzte Seite) arbeitete sie sodann mit einem Pensum von
rund zehn Prozent bei der S-AG, ebenfalls im Bereich Reinigung. Seit dem 1. August
2019 war bzw. ist die Beschwerdeführerin ausserdem als Küchenhilfe bei der
Tagesbetreuung B._ der Stadt X._ mit einem Pensum von zunächst 20, später 30
Prozent tätig (vgl. Dossier S. 97, 111). Bei diesem Arbeitgeber begann sie kürzlich, per
August 2021, eine Ausbildung (act. 11/9.2 S. 2). Es handelt sich mit Blick auf den
angegebenen Tätigkeitsbereich und die Ausbildungsdauer (zwei Jahre) mutmasslich
um eine Ausbildung zur Küchenangestellten mit eidgenössischem Berufsattest (EBA).
Die Bewertungen durch die erwähnten Arbeitgeber fallen allesamt positiv aus (vgl. etwa
3.2.
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Dossier S. 112: "rasche Auffassungsgabe", "freundliche und humorvolle Art",
"positiven Kontaktaufbau zu den Kindern", "engagierte Mitarbeit"; siehe auch Dossier
S. 111, 113-115).
Dass sich die Beschwerdeführerin mit Blick auf ihre Ausbildung am Erwerb von Bildung
beteiligt, steht ausser Frage (vgl. auch Art. 77e Abs. 2 VZAE). Auch lässt sich nicht
sagen, ihre Teilnahme am Wirtschaftsleben sei bereits angesichts des verhältnismässig
tiefen Pensums ungenügend, denn der Wille der Beschwerdeführerin zur
wirtschaftlichen Selbsterhaltung erscheint angesichts der Akten als vorhanden, und es
darf, wie die Vorinstanz zu Recht festhielt (E. 2.a/bb S. 7 des angefochtenen
Entscheids), Berücksichtigung finden, dass vorläufig Aufgenommene auf dem
Arbeitsmarkt mit Schwierigkeiten konfrontiert werden, die nicht geleugnet werden
können (vgl. zit. VerwGE 2014/240 E. 3.2.1 am Ende, unter anderem mit Hinweis auf
BVGer C 351/2010 vom 2. November 2012 E. 9.3.1). Ausserdem ist davon auszugehen,
dass die Ausbildung jedenfalls zurzeit einer wesentlichen Erhöhung des
Beschäftigungsgrads entgegensteht. Zu untersuchen ist daher, inwiefern der
Beschwerdeführerin ihre finanziellen Verhältnisse entgegengehalten werden können.
Dabei kann auf die Praxis zu Art. 62 Abs. 1 Ingress und lit. e AIG abgestellt werden (vgl.
zit. VerwGE B 2014/240 E. 3.2.4 betreffend Art. 62 Ingress und lit. e des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer; SR 142.20, AuG). Diese
Bestimmung besagt, dass die zuständige Behörde (Aufenthalts )Bewilligungen
widerrufen kann, wenn die Ausländerin oder der Ausländer auf Sozialhilfe angewiesen
ist. Beim Widerruf bzw. der Nichtverlängerung einer Aufenthaltsbewilligung wegen
Bedürftigkeit geht es in erster Linie darum, eine zusätzliche und damit künftige
Belastung der öffentlichen Wohlfahrt zu vermeiden. Ob dies der Fall sein wird, ist
allerdings kaum je mit Sicherheit feststellbar. Es muss daher auf die wahrscheinliche
finanzielle Entwicklung bei der betroffenen Person abgestellt werden. Nach der
Rechtsprechung ist für die Bejahung des Widerrufsgrundes eine konkrete Gefahr der
Sozialhilfeabhängigkeit erforderlich, und es kann dafür nicht auf Hypothesen und
pauschalisierte Gründe abgestellt werden. Neben den bisherigen und den aktuellen
Verhältnissen ist auch die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht
abzuwägen. Ein Widerruf soll in Betracht kommen, wenn eine Person hohe finanzielle
Unterstützungsleistungen erhalten hat und nicht damit gerechnet werden kann, dass
sie in Zukunft für ihren Lebensunterhalt sorgen wird (zit. VerwGE B 2014/240 a.a.O.;
BGer 2C_1228/2012 vom 20. Juni 2013 E. 2.3).
Unbestritten und aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin von April 2012 bis
Dezember 2019 Sozialhilfe erhielt (Dossier S. 108) und erst hernach keine Leistungen
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mehr bezog. Was ihre aktuelle finanzielle Lage betrifft, so beträgt ihr Bruttolohn
während der Ausbildung CHF 1'300 und ist damit etwa gleich hoch wie zuvor (vgl.
act. 7 Ziff. III.4; 11/9.2 S. 2). Weggefallen sind inzwischen die Einnahmen von
durchschnittlich rund CHF 203.70 aus dem Arbeitsverhältnis mit der S-AG (Auflösung
des Arbeitsverhältnisses per 31. Juli 2021). Es ist daher aufgrund der vorhandenen
Unterlagen davon auszugehen, dass das monatliche Einkommen der
Beschwerdeführerin aktuell rund CHF 1'326.70 beträgt (vgl. Dossier S. 155). Dies
zumindest, solange sie keine neue Stelle antritt und soweit sie den erwähnten Ausfall
nicht mittels eines allfälligen Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung sollte decken
können (vgl. zu den geleisteten ALV-Beiträgen Dossier S. 134, 140 ff., 144 ff.; zu den
hier nicht näher zu prüfenden Anspruchsvoraussetzungen insbesondere Art. 8 des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung; SR 837.0; zur Berücksichtigung der
Arbeitslosenentschädigung unter Art. 58a Abs. 1 Ingress und lit. d AIG bzw. Art. 77e
Abs. 1 VZAE Entscheid des Verwaltungsgerichts Zürich VB.2020.00883 vom
24. Februar 2021 E. 5.2; zur Vermittlungsfähigkeit Art. 85a Abs. 1 und 2 AIG, der
vorsieht, dass vorläufig aufgenommene Personen in der ganzen Schweiz eine
Erwerbstätigkeit ausüben dürfen, wobei es einer Meldung bei der für den Arbeitsort
zuständigen Behörde bedarf). Damit resultiert bei Heranziehen des von der
Beschwerdeführerin in Anschlag gebrachten Bedarfs von CHF 1'532.35 ein Fehlbetrag
von rund CHF 205. Stellt man auf die von der Vorinstanz zugrunde gelegten
Bedarfszahlen – unter Ausklammerung des Ergänzungsbedarfs von CHF 241 (VerwGE
B 2012/112 vom 12. März 2013 E. 3.4.1 mit Hinweis) – ab, beträgt der Fehlbetrag rund
CHF 416.65 (Bedarf von CHF 1'743.35 [CHF 1'984.35 abzüglich CHF 241]). Da die
Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben bestimmte Leistungen mittels
entsprechender Vergünstigungen bezieht (vgl. Dossier S. 156), auf die sie zumindest
teilweise einen Rechtsanspruch im Sinne von Art. 77e Abs. 1 VZAE hat (vgl. betreffend
Einkaufsberechtigung im Y._ Dossier S. 84 unter "Rechte und Pflichten"), dürfte das
effektive (allfällige) Manko unter dem rechnerisch ermittelten Betrag von CHF 416.65
liegen.
Angesichts dieser knappen Verhältnisse lässt sich eine gewisse Gefahr einer
neuerlichen Sozialhilfeabhängigkeit der Beschwerdeführerin zwar nicht von der Hand
weisen. Dieser Umstand ist indes in zweierlei Hinsicht zu relativieren. Zum einen wäre
eine allfällige neuerliche Abhängigkeit nur eine teilweise (vgl. zu diesem Kriterium
BVGer F-3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 6.3 und 6.4). Zum anderen fällt ins
Gewicht, dass mit einem Vollzug der Wegweisung innert absehbarer Zukunft nicht zu
rechnen ist (vgl. dazu Erwägung 3.4 letzter Absatz nachfolgend), wovon auch die
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Vorinstanz ausging (vgl. E. 2.a/aa S. 5 des angefochtenen Entscheids). Kurzfristig
betrachtet ist die Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung deshalb von vornherein kein
geeignetes Mittel, um eine (neuerliche) teilweise Fürsorgeabhängigkeit zu verhindern.
Damit aber tritt die mittel- und längerfristige Perspektive in den Vordergrund. Für diese
ist der Beschwerdeführerin angesichts der angetretenen Ausbildung und ihrer
bisherigen Anstrengungen sowie Leistungsausweise eine positive Prognose hinsichtlich
ihrer wirtschaftlichen Selbsterhaltungsfähigkeit auszustellen. Vor diesem Hintergrund
erscheint es als zweifelhaft, ob an der Nichterteilung der Aufenthaltsbewilligung in der
vorliegenden Konstellation aus finanzieller Sicht ein öffentliches Interesse besteht.
Jedenfalls wöge ein solches Interesse angesichts des Ausgeführten nicht besonders
schwer.
Sprachliche und soziale Integration
Was die sprachlichen Kompetenzen angeht, so reichte die Beschwerdeführerin dem
Migrationsamt, wie erwähnt, ein "telc"-Sprachzertifikat ein, das ihr Deutschkenntnisse
auf Niveau A2 attestiert (Dossier S. 94). Damit genügt sie den gemäss kantonaler Praxis
gestellten Anforderungen ohne weiteres (vgl. dazu das entsprechende Merkblatt des
Migrationsamts zur "Härtefallbewilligung [Statuswechsel F in B]", abrufbar unter
www.sg.ch/sicherheit > Einreise, Aufenthalt und Ausreise > Bewilligungen für Nicht-EU/
EFTA-Staatsangehörige). Dass sie bloss das Prädikat "ausreichend" erlangte, ändert
daran nichts. Im Übrigen hielt der SO-Kriminaldienst der Kantonspolizei fest, man habe
sich mit der Beschwerdeführerin gut auf Hochdeutsch unterhalten können (Dossier S.
131).
Hinsichtlich der Beziehungen der Beschwerdeführerin zur Schweiz bzw. der hiesigen
Gesellschaft liegen nur wenige Angaben im Recht. Der SO-Kriminaldienst der
Kantonspolizei St. Gallen gibt an, die Integration in der Wohngemeinde bzw. dem
Wohnquartier sei vorhanden – die Beschwerdeführerin gebe an, sich nebst
Unternehmungen mit ihrem Bruder und seinen Kindern öfters mit Kolleginnen zu
treffen. Ihre Hobbys seien Schwimmen (Hallenbad R._) und Lesen (Dossier S. 131).
Damit ist für sich betrachtet zwar noch keine besondere Integrationsleistung bzw.
Verwurzelung in der Schweiz dargetan. Positiv fällt jedoch auf, dass die
Beschwerdeführerin seit Oktober 2018 ehrenamtlich beim Y._ tätig ist, wobei ihr im
"Nachweis für freiwillige und ehrenamtliche Arbeit" ein "einfühlsame[r] Umgang mit den
Kunden" attestiert und sie als eine "Bereicherung für das Team" bezeichnet wird
(Dossier S. 114). Dieses freiwillige Engagement spricht für Kontaktfreude und
Uneigennützigkeit, sodass die sprachlich-soziale Integration der Beschwerdeführerin
insgesamt als genügend bis gut zu bezeichnen ist.
3.3.
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Familienverhältnisse und Möglichkeit der Wiedereingliederung im Herkunftsstaat
Es bleiben die Familienverhältnisse sowie die Möglichkeit einer Wiedereingliederung im
Herkunftsland zu würdigen. In dieser Hinsicht geht die Rechtsprechung dahin, dass die
Rückkehr einer alleinstehenden Frau in ihr Herkunftsland, in dem sie keine Familie hat,
im Allgemeinen (für sich gesehen) keinen Härtefall darstellt, es sei denn, es lägen
andere Umstände vor, die die Rückkehr stark erschwerten. Ein Härtefall kann dann
vorliegen, wenn zu den Schwierigkeiten bei der Wiedereingliederung hinzutritt, dass die
betreffende Person einen wichtigen Teil ihrer engen Verwandten zurücklassen würde,
die dauerhaft in der Schweiz leben und mit denen sie seit langem die gleichen
Lebensumstände geteilt hatte (vgl. BVGer C-5316/2011 vom 29. Oktober 2013 E. 5.6.1;
C-1502/2012 vom 24. Mai 2013 E. 5.3.1; C-5048/2010 vom 7. Mai 2012 E. 5.4.2). Im
Somalia-Kontext trägt das Bundesverwaltungsgericht im Zusammenhang mit
entsprechenden Asylverfahren jedenfalls einer Vielzahl an (frauenspezifischen) Faktoren
Rechnung, die sich auch im vorliegenden Kontext nicht ausblenden lassen. So stellte
es etwa fest, dass für alleinstehende Frauen und Mädchen in Somalia, welche nicht
unter dem Schutz eines männlichen Familienmitglieds stehen, ein hohes Risiko
bestehe, Opfer gezielter geschlechtsspezifischer Verfolgung zu werden. Speziell
gefährdet seien Frauen und Mädchen, wenn sie intern vertrieben worden seien oder
einem Minderheitenclan angehörten. Die somalischen Behörden könnten diese Frauen
oft nicht schützen. Ein Schutz könne von den Clan-Strukturen oder von der eigenen
Kernfamilie ausgehen; dies mache Frauen aus Minderheitenclans und Alleinstehende
ohne männliche Familienangehörige besonders verletzlich (BVGer E 1155/2018 vom
18. November 2020 E. 7.2 mit Hinweisen; siehe dazu auch den Bericht der Norwegian
Organisation for Asylum Seekers, Persecution and Protection in Somalia, 2014, V.13,
letzter Abschnitt auf S. 44).
Nach eigenen Angaben stammt die Beschwerdeführerin aus Mogadischu, der
Hauptstadt Somalias im Süden des Landes, wo sie auch aufwuchs. Sie gehört –
ebenfalls gemäss eigenen Ausführungen – der Gruppe der Reer Hamar an (vgl. Dossier
S. 11, 29), welche der ethnischen Minderheit der Benadiri zuzuordnen ist (vgl.
Herkunftsländerinformationen des SEM, Focus Somalia, Clans und Minderheiten, 31.
Mai 2017, S. 13; siehe auch www.wikipedia.org > Benadiri). Sie hat in ihrem
Heimatland – soweit ersichtlich abgesehen von ihrem Vater, von dessen Ehefrau
(Stiefmutter) sie misshandelt wurde (vgl. Dossier S. 18; E. 2.a/aa des angefochtenen
Entscheids) – keine Verwandtschaft mehr (Dossier S. 14). Ihre Mutter und ihr Bruder
(welcher die schweizerische Staatsangehörigkeit besitzt [Dossier S. 14]) samt Familie
wohnen in X._ (Dossier S. 130). Insofern kann für den Fall einer Rückkehr nicht von
einem tragfähigen Beziehungsnetz ausgegangen werden, auf das die
3.4.
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Beschwerdeführerin zurückgreifen könnte. Weiter genoss sie in ihrem Herkunftsland
weder eine Ausbildung noch erlernte sie einen Beruf (Dossier S. 12). Angesichts dieser
Verhältnisse sind die Möglichkeiten einer Wiedereingliederung der alleinstehenden
Beschwerdeführerin in ihrem Herkunftsland als spärlich bis kaum vorhanden zu
bezeichnen.
Hinzu kommt, dass rechtsprechungsgemäss eher von einem schwerwiegenden
persönlichen Härtefall auszugehen ist, je unwahrscheinlicher die Aufhebung der
vorläufigen Aufnahme ist, weil es sich desto weniger rechtfertigt, die Betroffenen auf
unbestimmte Zeit den (wenn auch mittlerweile geringeren) rechtlichen Einschränkungen
zu unterwerfen, die mit dem Status der vorläufigen Aufnahme nach wie vor
einhergehen (vgl. dazu BVGer F 3332/2015 vom 13. Februar 2018 E. 6.5 mit Hinweis;
zu den rechtlichen Einschränkungen unter dem aktuellen Regime vgl. BGer
2C_175/2020 vom 24. November 2020 E. 4.2). In diesem Sinne präzisierte das
Verwaltungsgericht, dass bei der Prüfung, ob die Voraussetzungen der Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung wegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls erfüllt
seien, bei einer vorläufig aufgenommenen Person nicht in Frage stehe, ob die mit der
Verweigerung verbundene Wegweisung aus der Schweiz zu einer persönlichen Notlage
führe. Trotzdem habe Art. 84 Abs. 5 AuG (heute: AIG) insofern eine grosse Bedeutung,
als viele vorläufig aufgenommene Personen dauerhaft in der Schweiz blieben und sie
somit bei einem sich abzeichnenden dauerhaften Verbleib in der Schweiz ein Interesse
an einer ordentlichen ausländerrechtlichen Regelung ihres Aufenthaltsstatus hätten (zit.
VerwGE B 2014/240 E. 3.3.1). Auch diese Überlegungen sprechen für eine Erteilung
der Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerdeführerin, die sich nächsten April seit zehn
Jahren in der Schweiz aufhalten wird und hinsichtlich deren vorläufigen Aufnahme
weder aktuell ein Widerruf zur Diskussion steht noch mittelfristig stehen dürfte (vgl. zur
aktuellen [Rechts ]Lage BVGer E-5141/2019 vom 9. März 2021 E. 6.2-6.3, wonach im
grössten Teil Somalias [Landesteile Süd- und Zentralsomalia] seit längerer Zeit
Verhältnisse herrschen, die dazu führen, den Wegweisungsvollzug generell – das heisst
ungeachtet aller individueller Umstände – als unzumutbar zu qualifizieren, und sich der
Vollzug von Wegweisungen nach Somaliland oder Puntland [nur] bei Vorliegen
begünstigender Umstände [enge Verbindungen zur Region, Möglichkeit der
Existenzsicherung oder wirkungsvolle Unterstützung durch den Familienclan] als
zumutbar erweisen kann, wobei bspw. das Bundesverwaltungsgericht in den
einschlägigen Urteilen die prekäre Gesundheitsversorgung sowie namentlich die
generelle Verletzlichkeit von Frauen in diesen Regionen betont; siehe dazu BVGer
E 591/2018 vom 9. Juli 2020 E. 9.3.4 f. [Somaliland] und E 6310/2017 vom 15. Januar
2020 E. 11.2.3 f. [Puntland]).
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4. Ergebnis
Zusammenfassend hält sich die Beschwerdeführerin bei straf- und
betreibungsrechtlich ungetrübtem Leumund fast neuneinhalb Jahre – bei Ablauf des
aktuell gültigen F Ausweises werden es rund zehn Jahre sein – rechtmässig in der
Schweiz auf, wo sie einen Teil ihrer prägenden Jugendjahre verbrachte. Ihre Kenntnisse
der Landessprache entsprechen den gestellten Anforderungen, sodass unter
Berücksichtigung ihres ehrenamtlichen Engagements insgesamt auf eine genügende
bis gute sprachlich-soziale Integration zu schliessen ist. Ihre Beteiligung am
Wirtschaftsleben und am Erwerb von Bildung blieb nach erfolgreichem Abschluss des
Integrationskurses sowie der Vorlehre zwar hinter den an sie gestellten Erwartungen
zurück, und sie bezog in der Vergangenheit – bis Dezember 2019 – Sozialhilfe.
Allerdings wäre eine allfällige neuerliche teilweise Fürsorgeabhängigkeit voraussichtlich
zeitlich beschränkt und angesichts des nicht zur Disposition stehenden Widerrufs der
vorläufigen Aufnahme realistisch betrachtet ohnehin wohl nur schwierig vermeidbar.
Zugleich vermag die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer per August dieses Jahres
angetretenen Ausbildung mit ausreichender Wahrscheinlichkeit darzutun, dass sie
zukünftig wirtschaftlich selbsterhaltungsfähig sein will und wird. Demgegenüber wäre
ihre Wiedereingliederung im Herkunftsland, wo sie als alleinstehende Frau, deren
Mutter und Bruder samt Familie in X._ leben und die in ihrem Herkunftsland über kein
(im vorliegenden Kontext zu berücksichtigendes) familiäres Netz verfügt,
ausgesprochen schwierig.
In Anbetracht des skizzierten Gesamtbilds entspricht die Handhabung der Bestimmung
zur Härtefallbewilligung durch die Vorinstanz keiner pflichtgemässen
Ermessensausübung mehr. Die Vorinstanz berücksichtigte wesentliche Umstände nicht
(Erwerb von Bildung; Verbesserung der finanziellen Prognose; ehrenamtliche Tätigkeit)
oder nur ungenügend (fast neuneinhalbjähriger Aufenthalt; kaum Möglichkeiten zur
Wiedereingliederung; vorläufige Aufnahme gilt in absehbarer Zukunft weiter) und verlieh
damit im Ergebnis den momentanen finanziellen Verhältnissen unverhältnismässig viel
Gewicht. Dieses Vorgehen qualifiziert sich insgesamt als rechtsfehlerhafte
Ermessensausübung. Sodann verlangt auch das Verhältnismässigkeitsprinzip, die
Beschwerdeführerin im konkreten Fall nicht länger den rechtlichen und faktischen
Einschränkungen zu unterwerfen, die der Status der vorläufigen Aufnahme für sie nach
sich zieht (vgl. Erwägung 3.4 vorstehend). Folglich erweist sich die Beschwerde als
begründet. Sie ist gutzuheissen und der angefochtene Entscheid der Vorinstanz vom
7. Mai 2021 aufzuheben. Die Angelegenheit ist an das Migrationsamt zurückzuweisen
und dieses anzuweisen, sie dem SEM als Gesuch um Erteilung einer
Härtefallbewilligung zu unterbreiten.
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5. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens
von CHF 1'000 sowie des Beschwerdeverfahrens dem Staat (Sicherheits- und
Justizdepartement) aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Für das Beschwerdeverfahren ist
unter Berücksichtigung der Kosten der Zwischenverfügung vom 6. Juli 2021 eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung wird verzichtet (Art. 95
Abs. 3 VRP).
Der Verlegung der amtlichen Kosten entsprechend hat der Staat (Sicherheits- und
Justizdepartement) der Beschwerdeführerin für das Rekurs- und das
Beschwerdeverfahren ihre ausseramtlichen Kosten zu ersetzen (Art. 98 Abs. 1 und 2 in
Verbindung mit Art. 98 VRP). Er hat die Beschwerdeführerin für das Rekursverfahren
mit CHF 1'250 zuzüglich Barauslagen von CHF 50 (vier Prozent von CHF 1'250; Art. 6,
19, 22 Abs. 1 Ingress und lit. a sowie 28 der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO, in
Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes; sGS 963.70) und – die Vorinstanz sprach diese trotz fehlendem
Antrag zu (vgl. zum Verbot der reformatio in peius vor Verwaltungsgericht Art. 63 VRP)
– Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO) zu entschädigen. Die von der Vorinstanz aus
unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zugesprochene Entschädigung von CHF 1'000
zuzüglich Mehrwertsteuer ist anzurechnen, soweit sie bereits ausbezahlt worden sein
sollte.
Für das Beschwerdeverfahren ist die Beschwerdeführerin, deren Rechtsvertreterin
keine Kostennote einreichte, mit CHF 2'500 zuzüglich Barauslagen von CHF 100 (4
Prozent von CHF 2'500), mangels Antrags jedoch ohne Mehrwertsteuerzuschlag, zu
entschädigen (Art. 6, 19, 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, 28 sowie 29 HonO).