Decision ID: 66381570-1f0a-496d-bc9f-b229ca9a1538
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
M._ meldete sich am 1. März 2007 zum Bezug von IV-Leistungen (Hilfsmittel,
besondere medizinische Eingliederungsmassnahmen) an. Dr. med. A._ gab in seinem
Bericht vom 17. März 2007 folgende Diagnose an: St. n. Lumbotomie und
Nierenentfernung wegen Nierenzellkarzinom rechts, Pneumothorax rechts,
Nachblutung und Revision, Nahtdehiszenz und grosse Bauchwandhernie. Er attestierte
der Versicherten mit Wirkung ab 19. Juni 2006 eine vollständige und ab 23. Oktober
2006 eine hälftige Arbeitsunfähigkeit. Zur Begründung dieser Arbeitsunfähigkeit gab er
an, die Versicherte habe eine riesige lumbale Bauchwandhernie rechts. Dadurch sei sie
in ihrer allgemeinen Beweglichkeit stark gestört. Sie habe Schmerzen beim Sitzen und
bei längerem Gehen. Eine Reoperation sei zu gefährlich. Die Versicherte stellte am 20.
Februar 2008 das Gesuch um eine Invalidenrente. Im Anmeldeformular gab sie u.a. an,
sie habe eine Haushaltslehre absolviert. Aktuell sei sie in der Kabelkonfektion tätig. Dr.
med. B._ vom RAD hielt am 11. März 2008 nach einem Telephongespräch mit Dr.
A._ fest, es bestehe eine grotesk grosse, vor allem laterale Bauchwandhernie
(Bruchsack oberhalb des rechtslateralen Beckenkamms), eine morbide Adipositas (BMI
35,15) und eine COPD bei Nikotinabusus. Behandelt werde die Versicherte mit
unterstützenden Gesprächen und mit einer Psychopharmakatherapie mit Citalopram
seit 09/2007. Ausserdem werde die Versicherte anhaltend, aber nicht sehr erfolgreich
ermuntert, abzunehmen. Die groteske, durch die Adipositas akzentuierte Hernie sowie
die Adipositas selbst behinderten die Versicherte als Mitarbeiterin einer Kabelfabrik. Sie
sei in der Fortbewegung erheblich verlangsamt und stark ermüdbar. Die aktuelle
Tätigkeit sei leidensadaptiert. Die Arbeitsunfähigkeit belaufe sich auf 50%. Da nicht mit
einer wesentlichen Gewichtsabnahme zu rechnen sei, würden diese Defizite wohl
andauern. Dr. med. A._ bestätigte am 18. März 2008 die Richtigkeit dieser
Zusammenfassung des Telephongesprächs. Dr. med. B._ vom RAD hielt dazu fest,
aus versicherungsmedizinischer Sicht sei davon auszugehen, dass die Versicherte
unter Ausblendung der IV-fremden Faktoren (Adipositas, Nikotinabusus) in ihrer
konkreten Erwerbstätigkeit voll arbeitsfähig sei. Die C._ AG berichtete am 10. März
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2008, die Versicherte arbeite immer noch in der Kabelkonfektionierung, aber nur noch
zu 50%. Die Arbeit könne sitzend ausgeübt werden.
B.
Mit einem Vorbescheid vom 11. April 2008 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Leistungsgesuches an. Die Versicherte wandte am 9. Juni 2008 ein, sie
sei zu mindestens 50% arbeitsunfähig, wie Dr. med. A._ am 29. Mai 2008 bestätigt
habe. Die Feststellung, diese Einschränkung sei auf invaliditätsfremde Gründe
zurückzuführen, stimme nicht. Dr. med. A._ hatte am 29. Mai 2008 angegeben, die
riesige Hernie allein schränke die Arbeitsfähigkeit um mindestens 50% ein. Dr. med.
B._ hielt dazu am 26. Juni 2008 fest, die Verlangsamung in der Fortbewegung rühre
in erster Linie von der Adipositas her. Die Postlumbotomiehernie sollte zu eher
geringeren Beschwerden führen als eine Hernie mit kleinerer Bruchpforte. Die konkrete
Tätigkeit (vorwiegend sitzend, Heben und Tragen ausschliesslich leichter Lasten) sei
ideal adaptiert. Es sei davon auszugehen, dass die Versicherte diese Tätigkeit
vollschichtig ausüben könne. Mit einer Verfügung vom 26. Juni 2008 wies die IV-Stelle
das Rentenbegehren ab.
C.
Die Versicherte liess am 18. August 2008 Beschwerde erheben und beantragen, es sei
ihr mit Wirkung ab Juni 2007 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Sie ersuchte
ausserdem um die unentgeltliche Prozessführung (die ihr am 23. Oktober 2008 bewilligt
wurde). Zur Begründung ihres Hauptantrages führte sie aus, Dr. med. B._ habe sie
nie gesehen. Bei seinen Angaben handle es sich um eine reine Aktenbeurteilung. Eine
ärztliche Untersuchung hätte die Einschränkungen bei der Arbeitstätigkeit augenfällig
gemacht. Zudem habe Dr. med. B._ die Psychopharmakatherapie mit keinem Wort
erwähnt. Ursache der Arbeitsunfähigkeit seien nicht IV-fremde Faktoren, sondern die
Hernie. Beim Sitzen und bei längerem Gehen bestünden Schmerzen. Allenfalls sei die
Frage der Leistungsfähigkeit medizinisch zu klären.
D.
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Die IV-Stelle beantragte am 21. Oktober 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte sinngemäss geltend, Dr. med. A._ habe nicht konkret angegeben, inwiefern
die Hernie zu Beeinträchtigungen führe. Die Verlangsamung bei der Fortbewegung und
die stärkere Ermüdbarkeit könnten wohl nicht ernsthaft als Folge der Hernie bezeichnet
werden. Schuld daran seien vielmehr die Adipositas und die COPD (chronisch-
obstruktive Lungenerkrankung). Süchte begründeten für sich allein keine
Arbeitsunfähigkeit. Die Psychopharmakatherapie lasse keine Rückschlüsse auf eine
Arbeitsunfähigkeit wegen eines psychischen Leidens zu. Die Adipositas und der
Nikotinabusus seien weder Folge noch Symptom eines Gesundheitsschadens und sie
hätten auch keine Folgeschäden verursacht. Deshalb seien sie IV-fremd.
E.
Die Versicherte liess am 7. November 2008 einwenden, bis zur Operation im Juni 2006
sei sie voll arbeitsfähig gewesen. Die aus der Operation resultierende
Bauchwandhernie führe zu einer deutlichen Instabilität im Rumpfbereich. Dies
wiederum führe zu einer vermehrten Müdigkeit in muskulöser Hinsicht. Die
Rumpfstabilisation sei nach einer körperlichen Anstrengung nicht mehr vollständig und
könne damit zu Funktionsausfällen führen. Die Psychopharmakatherapie erhalte nur die
Teilarbeitsfähigkeit, sie steigere sie nicht. Entgegen der Auffassung der IV-Stelle seien
die Verlangsamung bei der Fortbewegung und die Ermüdbarkeit also sehr wohl auf
medizinische Gründe zurückzuführen.
F.
Die IV-Stelle hielt am 17. November 2008 an ihrem Abweisungsantrag fest.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 16 ATSG ist das Einkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt
der Invalidität und nach der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum
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Erwerbseinkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens und damit indirekt des Invaliditätsgrades bildet die verbliebene
Arbeitsfähigkeit. Diese weist eine qualitative und eine quantitative Komponente auf. Es
muss nämlich abgeklärt werden, in welcher Art von Erwerbstätigkeit die versicherte
Person unter Berücksichtigung der Art und des Ausmasses der
Gesundheitsbeeinträchtigung die verbliebene Leistungsfähigkeit bestmöglich verwerten
kann (qualitative Arbeitsfähigkeit) und welche Leistung die versicherte Person in einer
solchen adaptierten Erwerbstätigkeit zumutbarerweise erbringen kann (quantitative
Arbeitsfähigkeit). Beide Komponenten der Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person
müssen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt sein. Dr.
med. A._ hat die von der Beschwerdeführerin aktuelle ausgeübte Erwerbstätigkeit
(Kabelkonfektionierung) als ideal behinderungsadaptiert bezeichnet. Diese Auffassung
ist von Dr. med. B._ geteilt worden. Es besteht deshalb zumindest eine gewisse
Wahrscheinlichkeit dafür, dass es keine besser adaptierte Erwerbstätigkeit gibt, so
dass die quantitative Arbeitsfähigkeit anhand des konkreten Arbeitsplatzes ermittelt
werden kann. Dr. med. A._ hat für diese Erwerbstätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von
50% angegeben. Diese Einschätzung beruht zwar auf wiederholten klinischen
Untersuchungen und der genauen Kenntnis der Krankengeschichte der
Beschwerdeführerin, aber sie stammt vom behandelnden Arzt. Aufgrund der mit dem
Therapieverhältnis unweigerlich verbundenen persönlichen Beziehung kann Dr. med.
A._ nicht als unabhängiger medizinischer Sachverständiger im Sinne von Art. 55 Abs.
1 ATSG i.V.m. Art. 12 lit. e und 19 VwVG und mit Art. 57 ff. BZP qualifiziert werden. Er
ist nur eine Auskunftsperson mit besonderen medizinischen Fachkenntnissen. Schon
aus diesem formalen Grund ist seine Einschätzung nicht geeignet, einen
Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin von 50% mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Hinzu kommt, dass zumindest der Verdacht einer
Befangenheit von Dr. med. A._ bestehen muss. Behandelnde Ärzte neigen nämlich
erfahrungsgemäss dazu, in ihren zuhanden der IV-Stellen abgegebenen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen die pessimistische Selbsteinschätzung ihrer Patienten zu
übernehmen, zumal die Patienten diese Selbsteinschätzung in aller Regel im Alltag
konsequent umsetzen und demonstrieren, was oft auch die Therapiebemühungen
scheitern lässt. Letzteres kann einen behandelnden Arzt auch dazu verleiten, den
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Patienten als "unheilbar" zu betrachten und ihm deshalb zu der Rente zu verhelfen, die
ihm zuzustehen scheint. Den Angaben eines behandelnden Arztes kann somit nur in
jenen – sehr seltenen - Fällen ausreichender Beweiswert beigemessen werden, in
denen in einer klar erkennbaren Objektivität berichtet wird, wie sie von einem
unabhängigen Sachverständigen zu erwarten ist. Den Berichten von Dr. med. A._
fehlt diese besondere Objektivität. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung (50%) steht
deshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als zutreffend fest. Dasselbe gilt
für die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ (100%), wobei offen bleiben
kann, ob es sich bei ihm beweisrechtlich betrachtet um einen unabhängigen
Sachverständigen handeln kann, obwohl er in die Organisation der
Beschwerdegegnerin eingebunden ist. Seine Arbeitsfähigkeitsschätzung beruht
nämlich auf einer Interpretation der von Dr. med. A._ gestellten Diagnosen. Dr. med.
B._ hat die Beschwerdeführerin weder selbst untersucht noch hat er sich mit der
Krankengeschichte der Beschwerdeführerin vertraut gemacht. Bei dem komplexen
Krankheitsgeschehen, mit dem die Beschwerdeführerin zu kämpfen hat, vermag eine
derartige Vorgehensweise bei der medizinischen Abklärung nicht zu genügen. Ohne ein
detailliertes Gesamtbild der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin ist die
Einschätzung der Auswirkungen der einzelnen Krankheiten je für sich und im
Zusammenwirken nicht überzeugend. Die Annahme, eine allfällige Arbeitsunfähigkeit
sei nur auf die Adipositas und auf die COPD zurückzuführen, ist durch nichts belegt.
Auch die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ erreicht deshalb nicht das
erforderliche Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Da weder die
Angaben von Dr. med. A._ noch diejenigen von Dr. med. B._ zu überzeugen
vermögen, fehlt eine überwiegend wahrscheinlich erstellte quantitative Arbeitsfähigkeit,
die es erlauben würde, das zumutbare Invalideneinkommen zu ermitteln. Die
angefochtene Verfügung ist deshalb rechtswidrig, weil sie in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes ergangen ist. Die Sache ist zur weiteren Abklärung des
Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Damit rechtfertigt es sich,
auch die qualitative Arbeitsfähigkeit nochmals zu überprüfen, d.h. sorgfältig
abzuklären, ob es sich bei der Arbeit der Beschwerdeführerin in der Kabelkonfektion
tatsächlich um eine ideal adaptierte Tätigkeit handelt.
2.
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Dr. med. B._ betrachtet eine allfällige aus der Adipositas und aus der COPD
resultierende Arbeitsunfähigkeit als "IV-fremd". Daraus zieht er den Schluss, dass eine
solche Arbeitsunfähigkeit bei der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens
nicht zu beachten sei. Er lässt aber offen, was er unter "IV-fremd" versteht. Die
Beschwerdegegnerin argumentiert in der Beschwerdeantwort damit, dass Süchte allein
keine rechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermöchten.
Zusammenfassend scheint man also auf Seiten der Beschwerdegegnerin davon
auszugehen, dass es sich bei der Adipositas und bei der COPD um das Resultat von
Suchtverhalten handle und dass diese beiden Erkrankungen verschwinden würden
oder dass sie sich stark zurückbildeten, wenn das Suchtverhalten aufhören würde. Das
Suchtverhalten wäre somit das Nichteinhalten einer Diät zur Gewichtsreduktion und
das Zigarettenrauchen. Dabei wird allerdings übersehen, dass die
Gesundheitsbeeinträchtigungen, die sich als indirekte Folgen eines Suchtverhaltens
eingestellt haben, durchaus nicht per se "IV-fremd", d.h. bei der Ermittlung der
Arbeitsunfähigkeit ausser Acht zu lassen sind. Mit dem Verweis auf die
höchstrichterliche Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Suchtkranken kann
die aus der Adipositas und/oder aus der COPD allenfalls resultierende
Arbeitsunfähigkeit also nicht als "IV-fremd" ausgeblendet werden. Eine andere Frage
ist, ob es sich beim Einhalten einer geeigneten Diät und beim Aufgeben des
Zigarettenrauchens um eine zumutbare Schadenminderungspflicht handelt, und ob
damit überhaupt eine in bezug auf die Arbeitsfähigkeit relevante Verbesserung zu
erreichen wäre. Auch diese Fragen setzen weitere medizinische Abklärungen voraus.
Sollten sie zu bejahen sein, stellt sich die Anschlussfrage, ob es sich um eine gemäss
Art. 21 Abs. 4 ATSG abzumahnende Schadenminderungspflicht handelt. Sollte auch
diese Anschlussfrage zu bejahen sein, könnten die Folgen der Adipositas und der
COPD solange noch bei der Ermittlung der relevanten Arbeitsunfähigkeit
Berücksichtigung finden, als die mit der Abmahnung angesetzte Frist zur Erfüllung der
Schadenminderungspflicht noch laufen würde. Allerdings ist nicht jede
Schadenminderungspflicht abmahnungsbedürftig. Es gibt
Schadenminderungspflichten, die so selbstverständlich sind, dass ihre Erfüllung von
der versicherten Person auch ohne Abmahnung erwartet werden kann. Dazu gehört es,
ein gesundheitsschädigendes Verhalten aufzugeben, wenn bereits eine erhebliche
Gesundheitsbeeinträchtigung eingetreten ist und bei einer Weiterführung des
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gesundheitsschädigenden Verhaltens eine Verschlimmerung zu erwarten ist oder eine
mögliche Verbesserung verhindert wird. Dies gilt insbesondere dann, wenn der
behandelnde Arzt diese sinnvolle Verhaltensweise bereits aus therapeutischen
Gründen empfohlen hat. Im vorliegenden Fall wird also allenfalls auch zu klären sein,
ob die Beschwerdeführerin überhaupt objektiv fähig gewesen ist, eine Diät zu halten
und das Rauchen aufzugeben, ob die Adipositas und die COPD damit spürbar
zurückgegangen wären bzw. sich gebessert hätten und ob damit eine Reduktion der
Arbeitsunfähigkeit hätte erreicht werden können. Dabei spielt allenfalls auch die
psychische Verfassung der Beschwerdeführerin eine Rolle. Sollten diese Fragen alle zu
bejahen sein, muss von einer Verletzung der selbstverständlichen, d.h. nicht
abmahnungsnotwendigen Schadenminderungspflicht ausgegangen werden. In diesem
Fall wären die Folgen der Adipositas und der COPD für die Arbeitsunfähigkeit wohl
tatsächlich "IV-fremd".
3.
Entsprechend den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise
gutzuheissen und die Sache ist zur weiteren Abklärung und zur anschliessenden neuen
Verfügung über das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dieser Verfahrensausgang ist in bezug auf die
Kosten praxisgemäss als vollumfängliches Obsiegen der Beschwerdeführerin zu
betrachten. Die Beschwerdeführerin hat deshalb einen Anspruch auf eine volle
Parteientschädigung. Diese Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses. Da sich das vorliegende
Verfahren in beiderlei Hinsicht als unterdurchschnittlich erweist, erscheint eine
Parteientschädigung von Fr. 2500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als
angemessen. Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdegegnerin trägt die
Gerichtskosten. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 400.- erweist sich als angemessen. Unter diesen
Umständen kommt die eventualiter bewilligte unentgeltliche Prozessführung nicht zum
Tragen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
bis
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