Decision ID: 7965c3da-0ec9-5b89-ad7c-e73898b8cb80
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
C._ meldete sich am 13. November 2005 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. med.
A._ gab im Gesuchsformular an, er behandle die Versicherte seit dem 5. März 2004.
Es bestünden zahlreiche Krankheiten und Unfallfolgen. Die Versicherte sei mit diversen
Analgetika, Antiphlogistika, Psychopharmaka und Physiotherapie behandelt worden.
Die Klinik Valens hatte der SWICA als Krankentaggeldversicherer am 10. Mai 2005
berichtet, die Versicherte sei aktuell durch einen chronischen muskuloskelettalen
Schmerzzustand beeinträchtigt. Formal könne die Diagnose eines sekundären
Fibromyalgiesyndroms bei Schilddrüsenfunktionsstörung gestellt werden. Daneben
leide die Versicherte an einer klassischen Migräne und an einer medikamentös sehr
schwierig einzustellenden Hypertonie. Psychosomatisch fänden sich wesentliche
Elemente einer depressiven Symptomatik, aber auch Hinweise auf eine
posttraumatische Belastungsstörung sowie bei psychotischen Symptomen Hinweise
auf eine Krankheit aus dem Formenkreis der Schizophrenie. Trotz der psychischen und
somatischen Beschwerden habe sich die Versicherte im Rahmen der Belastungstests
bis zur ergonomischen Limite belasten lassen. Sie sei leistungsbereit und konsistent
gewesen. Die Dekonditionierung habe während den Belastungstests zu einer starken
Erhöhung der Herzfrequenz geführt. Eine stationäre multimodale Behandlung sei
indiziert. Momentan bestehe aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit. Vom 20. Juni bis 21. Juli 2005 hatte sich die
Versicherte zur stationären Therapie in der Klinik Valens aufgehalten. Die Klinik hatte in
ihrem Bericht vom 20. Juli 2005 an Dr. med. A._ ausgeführt, die Versicherte habe ein
multimodal gestaltetes Behandlungsprogramm für Schmerzkranke absolviert. Sie leide
an einer posttraumatischen Belastungsstörung, an einer sonstigen nichtorganischen
psychotischen Störung (V.a. paranoide halluzinatorische Schizophrenie), an einem
generalisierten Schmerzsyndrom und an arterieller Hypertonie. Ziel des stationären
Aufenthalts sei vor allem eine korrekte Diagnosefindung und eine Optimierung der
Therapie gewesen. Wegen der wahnhaften Symptomatik sei eine antipsychotische
Medikation begonnen und im Verlauf langsam aufdosiert worden. Da die Versicherte
grosse Ängste verbalisiert habe, sei vorübergehend ein Medikament zur Anxiolyse
verordnet worden. In bezug auf das generalisierte Schmerzsyndrom sei die Versicherte
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intensiv rehabilitiert worden. Durch die Tagesstrukturierung und die medikamentöse
Therapie habe sich das Zustandsbild zunehmend stabilisiert. Die wahnhafte
Symptomatik sei sowohl qualitativ als auch quantitativ als deutlich regredient erlebt
worden. Die Versicherte sei bis auf weiteres zu 100% arbeitsunfähig.
B.
Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am 2. Dezember 2005, die Versicherte leide an
einem Schilddrüsenleiden, an einer Migränekrankheit, an arterieller Hypertonie, an
einem spondylogenen Schmerzsyndrom, an einem Rheumaleiden, an psychisch-
psychotischen Verhaltensstörungen, an einer unfallbedingten Fussverletzung links und
- ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit - an vegetativen Störungen und an einer
Adipositas. Seit dem 15. Dezember 2004 bestehe eine andauernde vollständige
Arbeitsunfähigkeit. Dr. med. B._ von der Klinik Valens berichtete der IV-Stelle am 19.
Dezember 2005, aktuell bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund des
generalisierten Schmerzsyndroms mit psychischer Komorbidität, namentlich mit
posttraumatischer Belastungsstörung und psychotischer Störung, sei nicht mit einer
wesentlichen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Bei gutem Verlauf könnte
allenfalls noch eine geringe Restarbeitsfähigkeit erreicht werden. Die Versicherte
benötige eine intensive psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung,
gegebenenfalls in einem teilstationären Rahmen. Man empfehle eine ergänzende
psychiatrische Abklärung. Dr. med. D._ vom RAD Ostschweiz empfahl am 7. Februar
2006 eine polydisziplinäre Begutachtung, weil die diagnostische Einschätzung
insbesondere beim psychischen Gesundheitsschaden nicht plausibel nachvollziehbar
sei. Die IV-Stelle beauftragte am 17. April 2006 das ABI Ärztliche Begutachtungsinstitut
GmbH in Basel mit einer interdisziplinären Abklärung. Der behandelnde Psychiater Dr.
med. E._ berichtete der IV-Stelle am 18. April 2006, die Versicherte leide an einer
nicht näher bezeichneten paranoiden Psychose, an einer posttraumatischen
Belastungsstörung, an einem chronischen Schmerzsyndrom und an arterieller
Hypertonie. Seit dem 14. Juni 2004 bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die
Versicherte sei als Kriegsflüchtling in die Schweiz gekommen. Auf sehr frustrierende
Kriegserlebnisse (Tötung von verschiedenen Verwandten, selbst erlebte
Todesdrohungen von Seiten serbischer Soldaten) habe sie mit Angst und
Niedergeschlagenheit reagiert. Sie sei die ganze Zeit psychomotorisch unruhig und
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sehr angespannt gewesen, habe ständig an Ängsten gelitten und sei nicht in der Lage
gewesen, diese Probleme zu bewältigen. Besonders belastend seien die Stimmen
gewesen, die sie zeitweise gehört habe, und das Erlebnis, dass sich die Menschen in
ihrer Umgebung und sie selbst sich körperlich verändert hätten. Es seien
Halluzinationen, nämlich eine Depersonalisation (z.B. im Spiegel sich verändert erleben)
und eine Derealisation (Veränderungen anderer Personen und der Welt), aufgetreten.
Die medikamentöse Behandlung (Antidepressiva, Antipsychotika, Anxiolytika) sei
erfolglos geblieben. Mit einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu rechnen. In
einem geschützten Umfeld wäre eine Arbeit an zwei bis drei Halbtagen pro Woche
sinnvoll. Dabei dürfte es sich aber nicht um eine leistungsorientierte Arbeit handeln. Es
liege eine Komorbidität (psychische Vulnerabilität mit psychotischen Symptomen, sehr
ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung) vor. Die IV-Stelle übermittelte
diesen Bericht auch dem ABI.
C.
C.a Der rheumatologische Sachverständige des ABI berichtete im Gutachten vom
15. Juni 2006, die Versicherte leide an einem therapieresistenten und insgesamt
progredienten Schmerzsyndrom in multiplen Bereichen des Bewegungsapparates.
Betroffen sei die gesamte Wirbelsäule einschliesslich der angrenzenden Muskulatur
und einschliesslich sämtlicher Extremitäten mit Betonung aller Gelenke beider Hände.
Bei der klinischen Untersuchung seien aber sämtliche Spontanbewegungen durchwegs
normal und unbehindert ausgeführt worden. Die Versicherte habe aus der Rückenlage
problemlos und ohne Beachtung der Rückendisziplin sowie ohne Unterstützung durch
die Arme aufsitzen können. Die neurologische Untersuchung habe keine Hinweise für
eine zerviko- oder lumboradikuläre Symptomatik ergeben. In allen Abschnitten der
Wirbelsäule hätten sich nur leichtgradige Bewegungseinschränkungen gefunden. Die
Bewegungsprüfungen seien von allseitigen Endphasenschmerzen begleitet gewesen.
Es hätten ganz umfangreiche Druckdolenzen multipler muskuloskelettaler Strukturen
mit Betonung der Muskulatur im Nacken-/Schultergürtel sowie im Lenden-/
Beckengürtelbereich bestanden. Alle Gelenke in allen Fingern beidseits, alle
Tenderpoints der Fibromyalgie und auch multiple sogenannte Kontrollpunkte seien
druckdolent gewesen. Es hätten sich aber keine Zeichen einer entzündlichen Affektion
des Bewegungsapparates ergeben. Aus rheumatologischer Sicht liege ein
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multilokuläres Schmerzsyndrom vor, das zu einer sekundären physischen
Dekonditionierung geführt habe. Die Klassifikationskriterien einer Fibromyalgie seien
zwar grundsätzlich erfüllt, aber angesichts der ganz diffusen muskuloskelettalen
Druckdolenzen ohne Bevorzugung der typischen Tenderpoints stehe diagnostisch
nicht die Fibromyalgie im Vordergrund. Die subjektiv hochgradige
Beschwerdeintensität finde kein adäquates klinisches Korrelat. Die physische
Dekonditionierung habe eine mässiggradige Einschränkung der Belastbarkeit zur
Folge. Aus rein somatischer Sicht könnte dieser Zustand aber durch ein adäquates
Rehabilitationsprogramm gut beeinflusst werden. Für eine körperlich leichte Tätigkeit
bei nur leichter Rückenbelastung sowie der Möglichkeit zu Wechselpositionen sei die
Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht nicht eingeschränkt. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung (Arbeitsunfähigkeit 100%) der Klinik Valens in deren Bericht
vom 10. Mai 2005 lasse sich weder mit dem dort angegebenen rheumatologischen
Status noch mit dem aktuellen Abklärungsergebnis in Übereinstimmung bringen.
C.b Der psychiatrische Sachverständige des ABI berichtete, die Versicherte habe im
Jahr 1992 erlebt, wie Flugzeuge im Tiefflug über ihr Gebiet geflogen seien. Sie habe
auch Granateinschläge gehört. Drei ihrer Cousins seien im Krieg getötet worden. Bei
der Ausreise sei sie mit dem Tod bedroht worden. Ein hinzukommender Offizier habe
sie dann aber in ein Taxi gesteckt und sie habe ohne Schwierigkeiten ausreisen
können. Die Kontrolle habe weniger als eine Stunde gedauert. 1997 nach der Geburt
des dritten Kindes habe die Versicherte vorübergehend unter einer akuten
psychotischen Störung gelitten. Sie habe erlebt, wie sich Gesichter zu Fratzen verzerrt
hätten. Diese Störung habe sich nach der Einnahme von Medikamenten
zurückgebildet. Im Jahr 2004 habe die Versicherte aufgrund der Situation am
Arbeitsplatz (jähzorniger Chef) wieder vorübergehend psychotische Erlebnisse gehabt.
Es liege eine Schmerzverarbeitungsstörung vor, denn es fehle eine schwere
psychosoziale oder emotionale Belastungssituation. Als Folge der Krankheit werde die
Versicherte bei der Haushaltsbesorgung unterstützt und sie habe subjektiv eine
Rechtfertigung dafür, dass sie nicht mehr erwerbstätig sei. Dies sei als sekundärer
Krankheitsgewinn zu werten. Bei der verzerrten Wahrnehmung der Realität (Gesichter
als Fratzen) handle es sich um eine vorübergehende psychotische Störung. Derartige
Störungen hätten eine gute Prognose, da sie sich mit Neuroleptika erfolgreich
behandeln liessen. Die Störungen seien zweimal aufgetreten. Die Grundsymptome
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einer schizophrenen Krankheit fehlten. Es seien auch keine Denkstörungen vorhanden.
Im affektiven Bereich sei die Versicherte unauffällig, es bestünden keine
Affektverflachung, kein Interessensverlust, keine allgemeinen
Persönlichkeitsveränderung und keine Konzentrations- oder Antriebsstörungen. Eine
posttraumatische Belastungsstörung liege nicht vor, denn die Versicherte sei nicht
direkt in das Kriegsgeschehen verwickelt gewesen. Sie habe einzig während einer
Stunde Angst gehabt, als sie sich einer Ausreisekontrolle habe unterziehen müssen. Sie
habe also keine schwerwiegende Bedrohung und auch kein Ereignis katastrophalen
Ausmasses erlebt. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 80% arbeitsfähig.
Dies sei durch die vorübergehende psychotische Störung und die leichte Angststörung
bedingt. Weil die Versicherte unter Belastung dazu neige, psychotisch zu reagieren, sei
die Belastungsfähigkeit vermindert. Die Schmerzverarbeitungsstörung schränke die
Arbeitsfähigkeit nicht ein. Es sei der Versicherten zumutbar, zu 80% zu arbeiten. Die
Versicherte nehme das Neuroleptikum und das Antidepressivum unterdosiert bzw.
unregelmässig ein. Das sei ein weiterer Hinweis darauf, dass sie nicht an einer
schweren Depression oder an einer Psychose leide. Entgegen der Auffassung von Dr.
med. E._ leide die Versicherte nicht an einer paranoiden Psychose, sondern in
Belastungssituationen unter vorübergehenden kurzfristigen psychotischen Erlebnissen.
Es bestehe also keine Veränderung der Persönlichkeit. Die vorübergehende
psychotische Störung habe eine gute Prognose. Da ein Erlebnis katastrophalen
Ausmasses fehle, könne entgegen der Auffassung von Dr. med. E._ keine
posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werden.
C.c Die Gesamtdiagnose lautete: multilokuläres Schmerzsyndrom des
Bewegungsapparates (zervikal- und lumbalbetontes Panvertebralsyndrom,
myofasziales Schmerzsyndrom im Nacken-Schultergürtel- sowie im Lenden-
Beckengürtelbereich, sekundäre physische Dekonditionierung), akute vorübergehende
psychotische Störung, Angststörung sowie - ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit -
Schmerzverarbeitungsstörung, knotige Struma mit anamnestisch subklinischer
Hypothyreose, arterielle Hypertonie mit anamnestisch beginnender hypertensiver
Herzkrankheit und St. n. Distorsion des linken OSG. Die Konsensfindung unter den
beteiligten Sachverständigen ergab, dass die Versicherte in einer leichten,
rückenschonenden und in wechselnder Haltung auszuübenden Erwerbstätigkeit zu
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80% arbeitsfähig war. Die Reduktion um 20% war durch die psychische Erkrankung
bedingt.
D.
Mit einem Vorbescheid vom 14. November 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit, dass sie das Leistungsbegehren abweisen werde, weil der Invaliditätsgrad lediglich
28% betrage. Die Versicherte wandte am 4. Januar 2007 ein, sie sei zu 100%
arbeitsunfähig. Die entsprechende Einschätzung durch die Klinik Valens im Bericht
über den stationären Aufenthalt im Sommer 2005 sei überzeugend. Die Ärzte der Klinik
Valens hätten nämlich einen Monat Zeit gehabt, um sich vom Gesundheitszustand ein
Bild zu machen. Demgegenüber hätten sich die Sachverständigen des ABI weniger als
einen Tag mit ihr befasst. Aus diesem Grund vermöge die Arbeitsfähigkeitsschätzung
des ABI nicht zu überzeugen. Im übrigen fehlten das rheumatologische und das
psychiatrische Teilgutachten in den Akten. Mit einer Verfügung vom 24. Januar 2007
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten ab. Sie begründete dies mit
einem von ihr ermittelten Invaliditätsgrad von 28%. Zu den Einwänden zum
Vorbescheid führte sie aus, es seien keine neuen medizinischen Erkenntnisse vorgelegt
worden, weshalb auf das ABI-Gutachten abgestellt werden müsse. Das ABI bestätigte
der IV-Stelle am 13. Februar 2007, dass es das rheumatologische und das
psychiatrische Teilgutachten vollständig in das Gutachten integriert habe. Es legte eine
von den beiden Sachverständigen nachvisierte Kopie des Gutachtens bei.
E.
Die Versicherte erhob am 21. Februar 2007 Beschwerde gegen die
Abweisungsverfügung. Sie beantragte die Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab
wann rechtens, allerspätestens ab Dezember 2005, eventualiter die Rückweisung
zwecks Vornahme weiterer Abklärungen und anschliessender Neuverfügung. In ihrer
Beschwerdebegründung vom 28. Februar 2007 führte sie insbesondere aus, die Klinik
Valens habe in ihrem Bericht über den stationären Aufenthalt angegeben, dass eine
Prognose bezüglich Besserung der Arbeitsfähigkeit und Wiedereingliederung in den
Arbeitsprozess noch nicht möglich sei. Um später eine Prognose abgeben zu können,
sei kein Gutachten des ABI erforderlich gewesen. Es hätte genügt, wenn sich die IV-
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Stelle nach einer gewissen Zeit betreffend den Gesundheitszustand der Versicherten
bei der Klinik Valens informiert hätte. Der RAD-Arzt habe nicht begründet, weshalb die
Diagnose der Klinik Valens nicht plausibel sein solle. Dass die IV-Stelle eine zweite
Begutachtung angeordnet habe, lasse vermuten, dass sie ein für sie günstigeres
Abklärungsergebnis habe erlangen wollen. Dass sie keine Kritik am ABI-Gutachten
zulasse, sei deshalb nicht überraschend. Es sei aber nicht zulässig, ohne vernünftigen
Grund zusätzliche Begutachtungen anzuordnen und diese dann kritiklos zu
übernehmen. Die Untersuchung durch die Sachverständigen des ABI habe sich auf
einen Tag beschränkt, die Klinik Valens hingegen habe sie einen Monat lang
beobachten können. Das Bild, das sich die Sachverständigen des ABI hätten machen
können, sei deshalb im Vergleich zu demjenigen, das die Klinik Valens erhalten habe,
nur sehr rudimentär. Deshalb sei dem Gutachten der Klinik Valens der Vorzug zu
geben. Mit der Klinik Valens und mit Dr. med. E._ sei davon auszugehen, dass sie zu
100% arbeitsunfähig sei.
F.
Die IV-Stelle beantragte am 11. April 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte
geltend, der Begutachtungsauftrag an das ABI sei durch die unklaren psychiatrischen
Diagnosen gerechtfertigt gewesen. Das Gutachten des ABI sei umfassend, beruhe auf
allseitigen Untersuchungen, sei in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden, leuchte in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein und die Schlussfolgerung sei nachvollziehbar. Es setze sich
mit den vorhandenen Arztberichten auseinander und begründe, weshalb die dort
angegebenen Diagnosen nicht zuträfen. Die Berichte behandelnder Ärzte seien im
übrigen mit Vorbehalt zu würdigen. Schliesslich sei das ABI-Gutachten aktueller.
G.
Die Versicherte reichte mit ihrer Replik vom 31. Mai 2007 einen Bericht der
psychiatrischen Klinik Wil vom 29. Mai 2007 über eine seit dem 3. April 2007
andauernde stationäre Behandlung ein. In diesem Bericht war ausgeführt worden, die
Versicherte leide an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung mit
psychotischem Erleben, Albträumen und Flashbacks, an einem V.a. paranoide
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Schizophrenie, an einer somatoformen Schmerzstörung und an arterieller Hypertonie.
Beim Eintritt in die Klinik sei die Versicherte stark ausgeprägt ängstlich, hoffnungslos,
deprimiert, ratlos und deutlich innerlich unruhig gewesen. Im Verlauf der stationären
Behandlung sei die Sprache der Versicherten vor allem aufgrund des Vertrauens, das
die Versicherte in das Behandlungsteam entwickelt habe, verständlicher geworden. Die
Versicherte habe zunehmend das Bedürfnis entwickelt, über schwere traumatisierende
Situationen in ihrem Herkunftsland zu sprechen. Sie habe angegeben, sie sei im Alter
von sechzehn Jahren vergewaltigt worden. Während des Krieges sei sie von zwei
Männern des serbischen Militärs vergewaltigt worden. Die beiden hätten ihr gedroht,
einen der Söhne, der damals noch ein Baby gewesen sei, umzubringen, wenn sie
schreie. Ein anderes einschneidendes Erlebnis sei gewesen, dass sie mit den Kindern
einen Cousin im Spital besucht habe. Plötzlich sei serbisches Militär eingedrungen und
habe herumgeschossen. Sie habe zwar mit den Kindern flüchten können, aber von
ihrem Cousin habe sie nie mehr etwas gehört. Sie habe in die Schweiz flüchten wollen.
Bei der Ausweiskontrolle sei sie mit dem Tod bedroht worden. Die Männer hätten
geschrien, dass die Moslems alle sterben müssten. Sie hätten einem der Kinder ein
Messer an den Hals gesetzt. Ein hinzukommender Offizier habe sie dann in ein Taxi
gesteckt, worauf sie ohne weitere Schwierigkeiten habe ausreisen können. Nach der
Geburt des dritten Kindes im Jahr 1996 habe sie vorübergehend an einer
psychotischen Episode gelitten. Gesichter hätten sich zu Fratzen verzerrt und sie habe
kaum mehr gewagt, ihren kleinen Sohn anzusehen. Sie habe keinen sexuellen Kontakt
mehr zu ihrem Ehemann, vor Berührungen schrecke sie zurück. Als Küchenangestellte
in einem Restaurant habe sie einen jähzornigen Chef gehabt. Dieser habe bei ihr
Angstattacken ausgelöst. Deshalb sei es zu einem neuerlichen psychotischen Erleben
gekommen. Bezogen auf die aktuelle Situation hatten die Ärzte der psychiatrischen
Klinik Wil angegeben, es sei weiterhin eine stationäre psychiatrische integrierte
Behandlung notwendig. Nach einer weiteren Stabilisierung werde eine ambulante
Traumatherapie beginnen. Es liege eine schwerste posttraumatische
Belastungsstörung mit psychotischem Erleben vor. Dieses Krankheitsbild führe
eindeutig zu einer 100%igen Invalidisierung. Die Versicherte führte dazu in ihrer Replik
aus, die Annahme der Sachverständigen des ABI, es liege keine posttraumatische
Belastungsstörung vor, sei widerlegt. Dasselbe gelte auch für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten.
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H. Die IV-Stelle verzichtete am 5. Juni 2007 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Valideneinkommen). Ausschlaggebendes Element des Einkommensvergleiches
ist in aller Regel der Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit. Die vorliegenden ärztlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen weichen stark voneinander ab. Im Gutachten des ABI
wird eine Arbeitsfähigkeit von 80% für eine adaptierte Tätigkeit angegeben, während
die behandelnden Psychiater von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin ausgehen. Die Beschwerdegegnerin macht unter Berufung auf die
höchstrichterliche Rechtsprechung geltend, das ABI-Gutachten belege mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit einen
Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin von 80%, denn es erfülle alle
Anforderungen, die an einen Arztbericht zu stellen seien. Es sei nämlich für die
streitigen Belange umfassend, beruhe auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtige
die geklagten Beschwerden, sei in Kenntnis der medizinischen Zusammenhänge
abgegeben worden, leuchte in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und sei
in seinen Schlussfolgerungen begründet (vgl. etwa BGE 122 V 160). Da abweichende
Arbeitsfähigkeitsschätzungen vorliegen, kann das Erfüllen dieser Anforderungen durch
das ABI-Gutachten allein nicht ausreichen, um die Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI
als überwiegend wahrscheinlich erscheinen zu lassen. In einem solchen Fall müssen
nicht nur die angeführten Anforderungen erfüllt sein, sondern das ABI-Gutachten
müsste es zusätzlich erlauben, die anderen, abweichenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als falsch zu qualifizieren. Nur dann wäre es zulässig, die
Arbeitsfähigkeitsschätzung im ABI-Gutachten als überwiegend wahrscheinlich zu
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betrachten. Vermag das ABI-Gutachten die abweichenden
Arbeitsfähigkeitsschätzungen anderer Ärzte nicht zu widerlegen, kann es den
behaupteten Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% nicht nachweisen, auch wenn es all die
oben angeführten Anforderungen an ein medizinisches Gutachten erfüllt. Sollte auch
keiner der anderen Arztberichte diese Anforderungen erfüllen und gleichzeitig die
Unrichtigkeit der Arbeitsfähigkeitsschätzung des ABI mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachweisen, erwiese sich der Sachverhalt als unzureichend
abgeklärt.
2.
2.1 Dr. med. B._ hat in einer dem Bericht der Klinik Valens vom 19. Dezember 2005
an die Beschwerdegegnerin beigelegten Zusammenfassung der Krankengeschichte
vom 10. August 2005 das Ergebnis der rheumatologischen und neurologischen
Untersuchung geschildert. Die erhobenen Befunde entsprechen weitgehend
denjenigen des rheumatologischen Sachverständigen des ABI. Insbesondere hat auch
Dr. med. B._ darauf hingewiesen, dass zwar sämtliche Fibromyalgie-Tenderpoints,
aber auch sämtliche Kontrollpunkte druckdolent gewesen seien. Daraus hat sie, wie
auch der rheumatologische Sachverständige des ABI, den Schluss gezogen, dass
keine Fibromyalgie vorliege. Auch die gestützt auf die rheumatologischen und
neurologischen Untersuchungen von Dr. med. B._ und vom Sachverständigen des
ABI gestellten Diagnosen stimmen inhaltlich überein. Dr. med. B._ hat sich zwar nicht
ausdrücklich zur Frage geäussert, ob die somatische Gesundheitsbeeinträchtigung für
sich allein in einer adaptierten Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hätte.
Aber ihre Aussage, dass eine intensive psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung geeignet wäre, die Beeinträchtigung in der Arbeitsfähigkeit zu reduzieren,
muss so interpretiert werden, dass Dr. med. B._ die Ursache der Arbeitsunfähigkeit
(in einer adaptierten Erwerbstätigkeit) nur in der Beeinträchtigung der psychischen
Gesundheit gesehen hat. Es ist also davon auszugehen, dass in bezug auf die Folgen
der Beeinträchtigung der körperlichen Gesundheit für die Arbeitsfähigkeit
Übereinstimmung unter den Ärzten besteht: Die Beeinträchtigung der körperlichen
Gesundheit allein bewirkt keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, sie reduziert nur
die Zahl der für die Beschwerdeführerin noch in Frage kommenden Erwerbstätigkeiten,
weil nur noch eine adaptierte Arbeit in Frage kommt.
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2.2 Der Widerspruch zwischen den verschiedenen ärztlichen
Arbeitsfähigkeitsschätzungen besteht also nur in bezug auf die Konsequenzen der
Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit für die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin. Nicht nur die Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit differieren,
sondern auch die Diagnosen. Dr. med. B._ hat im Bericht der Klinik Valens vom 19.
Dezember 2005 eine posttraumatische Belastungsstörung und eine sonstige
nichtorganische psychotische Störung mit Verdacht auf eine paranoide
halluzinatorische Schizophrenie angegeben. Der behandelnde Psychiater Dr. med.
E._ hat in seinem Bericht vom 18. April 2006 eine nicht weiter bezeichnete paranoide
Psychose und eine posttraumatische Belastungsstörung genannt. Allerdings hat er
ebenso wie Dr. med. B._ jene Ereignisse im Leben der Beschwerdeführerin nicht
genannt, die ihn veranlasst hatten, die Diagnose einer posttraumatischen
Belastungsstörung zu stellen. Er hat aber festgehalten, dass oft Halluzinationen und
Phänomene der Depersonalisation und der Derealisation aufgetreten seien, welche die
Beschwerdeführerin in Panik versetzt hätten. Er hat auch ausgesagt, dass diese
Beeinträchtigungen auf die medikamentöse Behandlung nicht angesprochen hätten.
Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat eine in weiten Teilen abweichende
Diagnose gestellt. Er ist zwar auch von einer psychotischen Störung ausgegangen,
aber er hat diese Störung als vorübergehend betrachtet. Daneben hat er eine
Angststörung und eine für die Arbeitsfähigkeit irrelevante Schmerzverarbeitungsstörung
angegeben. Er hat das Vorliegen einer posttraumatischen Belastungsstörung verneint,
da die Beschwerdeführerin weder eine schwerwiegende Bedrohung noch ein Ereignis
katastrophalen Ausmasses erlebt habe. Der psychiatrische Sachverständige hat aber
auch keine Zeichen einer schizophrenen Erkrankung festgestellt. Die Differenzen in den
Diagnosen korrespondieren mit der Differenz in den Arbeitsfähigkeitsschätzungen.
2.3 Nun hat eine langdauernde stationäre Behandlung der Beschwerdeführerin in der
psychiatrischen Klinik Wil aber die von Dr. med. B._ und von Dr. med. E._
angegebenen Diagnosen bestätigt. Die psychiatrische Klinik Wil hat gemäss ihrem
Bericht vom 29. Mai 2007 neben der bereits von allen anderen Ärzten festgestellten
somatoformen Schmerzstörung eine schwere posttraumatische Belastungsstörung (mit
psychotischem Erleben, Albträumen und Flashbacks) und einen Verdacht auf eine
paranoide Schizophrenie diagnostiziert. Die von der Beschwerdeführerin nach
längerem Klinikaufenthalt schliesslich geschilderten Erlebnisse weisen jenen Charakter
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auf, der die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung zulässt. Ausserdem
sind während des Klinikaufenthalts Symptome entdeckt worden, die auf eine
schizophrene Erkrankung hindeuten, und es steht fest, dass das Auftreten
psychotischer Symptome entgegen der Annahme des psychiatrischen
Sachverständigen des ABI nicht durch eine medikamentöse Therapie ohne weiteres hat
verhindert werden können. Es ist anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin anlässlich
der Exploration durch den psychiatrischen Sachverständigen des ABI mangels eines
ausreichenden Vertrauensverhältnisses gar nicht in der Lage gewesen ist, über ihre
einschneidenden Erlebnisse vollständig und im Detail Auskunft zu geben. Erst nach
einer längeren stationären Behandlung in der psychiatrischen Klinik Wil ist ihr dies
möglich geworden. Selbst wenn der psychiatrische Sachverständige des ABI vermutet
hätte, dass die Beschwerdeführerin nur sehr unvollständig Auskunft gab, wäre er also
nicht in der Lage gewesen, mehr zu erfahren. Da weder der behandelnde Psychiater
noch die Klinik entsprechende Angaben gemacht hatten, bestand allerdings für den
psychiatrischen Sachverständigen des ABI gar keine Veranlassung, besonderes
Augenmerk auf eine vollständige Erhebung der persönlichen Anamnese zu richten, d.h.
die Beschwerdeführerin zu drängen, mehr von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Seine
Diagnosestellung und damit auch seine Arbeitsfähigkeitsschätzung beruhen also auf
einer unvollständig erhobenen persönlichen Anamnese. Das bedeutet, dass die
psychiatrische Klinik Wil in ihrem Bericht vom 29. Mai 2007 "objektiv feststellbare
Gesichtspunkte" vorgebracht hat, "welche im Rahmen der psychiatrischen
Begutachtung unerkannt geblieben und die geeignet sind, zu einer abweichenden
Beurteilung zu führen" (Bundesgerichtsurteil vom 13. März 2006, I 676/05, Erw. 2.4).
Das Gutachten des ABI vom 15. Juni 2006 vermag deshalb den angegebenen
Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% in einer adaptierten Tätigkeit nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Sein psychiatrischer Teil weist einen Mangel auf, der
zwar nicht hat vermieden werden können, der aber trotzdem bewirkt, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht überzeugt.
2.4 Damit stellt sich die Frage, ob die - in bezug auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin übereinstimmenden - Berichte der Klinik Valens, des
behandelnden Psychiaters Dr. med. E._ und der psychiatrischen Klinik Wil geeignet
sind, mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine
dauernde vollständige Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen
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Gründen zu belegen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass es sich bei diesen Berichten
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin nicht um Gutachten im Rechtssinn
handelt (was erklärt, weshalb die Beschwerdegegnerin befugt war, eine Begutachtung
anzuordnen, ohne "Gutachter-Shopping" zu betreiben, d.h. so lange immer neue
Gutachten in Auftrag zu geben, bis endlich ein ihr genehmes Ergebnis vorliegt). Es
fehlte den entsprechenden Ärzten nämlich die unbedingt notwendige Unabhängigkeit
und Unvoreingenommenheit. Sie alle standen zur Beschwerdeführerin in einem
Auftragsverhältnis, das sie zur Behandlung verpflichtete. Das bedeutet, dass sie in der
Berichterstattung an die Beschwerdegegnerin zum vornherein nicht so unabhängig
sein konnten, wie es die Sachverständigen des ABI waren. Es fehlte ihnen aber auch
die nötige Unvoreingenommenheit, denn sie waren einzig damit betraut, die
Beschwerdeführerin zu behandeln. Das lässt vermuten, dass auch die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen ausschliesslich aus dem Blickwinkel der Schaffung
bester Heilungsvoraussetzungen (Befreiung vom Zwang, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen zu müssen) abgegeben worden sind und dass zudem - sicherlich
unbewusst - der Versuch gemacht worden ist, der Beschwerdeführerin auch im
Hinblick auf ihre wirtschaftlichen Umstände soweit als möglich zu helfen, um so zu
verhindern, dass ein finanzieller Engpass den Heilungsprozess nachteilig beeinflussen
würde. Dies schliesst es trotz der weitgehenden Übereinstimmung der Angaben der
behandelnden Ärzte aus, eine Arbeitsunfähigkeit von 100% als überwiegend
wahrscheinlich nachgewiesen zu betrachten. Die Überprüfung dieser Angaben durch
einen unabhängigen Sachverständigen ist unerlässlich. Die angefochtene Abweisung
des Rentenbegehrens beruht deshalb auf einem in (objektiver, d.h. unbewusster)
Verletzung der Untersuchungspflicht unvollständig erhobenen Sachverhalt. Sie ist als
rechtswidrig aufzuheben. Die Beschwerdegegnerin wird die Sachverhaltskenntnis
durch eine erneute Begutachtung insbesondere in psychiatrischer Hinsicht ergänzen
müssen. Sollten die zusätzlichen medizinischen Abklärungen einen
Arbeitsunfähigkeitsgrad für eine adaptierte Tätigkeit aufzeigen, der einen
rentenbegründenden Invaliditätsgrad liefern könnte, wie die Beschwerdegegnerin vor
der verfügungsweisen Zusprache einer Invalidenrente prüfen, ob eine berufliche
Eingliederung der Beschwerdeführerin in Frage kommt und gegebenenfalls ob eine
solche Massnahme geeignet ist, die drohende Invalidität zu vermeiden oder wenigstens
zu vermindern.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen,
die Verfügung vom 25. Januar 2007 ist aufzuheben und die Sache zur weiteren
Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. In bezug auf das Begehren der Beschwerdeführerin um eine
Parteientschädigung ist praxisgemäss (vgl. etwa ZAK 1987 S. 266 Erw. 5a) von einem
vollumfänglichen Obsiegen auszugehen. Die Parteientschädigung bemisst sich nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g
ATSG). Unter Berücksichtigung dieser Kriterien erweist sich eine Entschädigung von Fr.
3500.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Das
Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr beträgt Fr.
200.- bis Fr. 1000.-. Sie bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint als angemessen. Diese ist von der
unterliegenden Beschwerdegegnerin zu entrichten. Dementsprechend ist der
Beschwerdeführerin der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG