Decision ID: 68064983-5c4d-4f02-9093-aaf6a839b814
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._, gelernter Elektromechaniker EFZ (nachfolgend: Versicherter), arbeitete
zuletzt (bis Anfang 2010) für eine Temporärfirma als Maschinenmonteur. Danach war er
arbeitslos bzw. nichterwerbstätig, absolvierte jedoch verschiedene vom Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) und vom Sozialamt organisierte Arbeitsprogramme
(IV-act. 1, 3, 9, 22-1).
A.a.
Ab dem 17. August 2016 wurde dem Versicherten von den Ärzten des
Psychiatrischen Zentrums B._ eine krankheitsbedingte 50%ige und ab dem 10.
Oktober 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (IV-act. 6). Am 2. Dezember
2016 (Eingang IV-Stelle: 5. Dezember 2016) meldete sich der Versicherte zum Bezug
von IV-Leistungen an (Berufliche Integration/Rente; IV-act. 1). Im Arztbericht des
Psychiatrischen Zentrums B._ vom 21. Dezember 2016 diagnostizierten Dr. med.
C._ und lic. phil. D._ eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), sowie einen schädlichen Gebrauch von Alkohol
(ICD-10: F10.26), gegenwärtig episodischer Substanzgebrauch (IV-act. 10). In der
Stellungnahme vom 4. Januar 2017 ging RAD-Ärztin med. pract. E._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, gestützt auf die Akten von einem gewissen
Eingliederungspotential respektive von einer zirka 50%igen Arbeitsfähigkeit des
Versicherten ab Mitte Januar 2017 aus (IV-act. 14). Im Austrittsbericht vom 13. Februar
2017 über die Behandlung des Versicherten in der Tagesklinik des Psychiatrischen
Zentrums B._ vom 12. September 2016 bis 20. Januar 2017 diagnostizierten Dr.
C._ und lic. phil. D._ noch eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F33.11). Bescheinigt wurde
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis 31. Januar 2017. Die Nachbehandlung des
Versicherten fand im Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums B._ statt (IV-act.
21). Im Februar/März 2017 absolvierte der Versicherte eine vom Sozialamt organisierte
A.b.
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vierzehntägige Schnupperphase in der Schreinerei der Institution F._. Die berufliche
Abklärung ergab eine Nichteignung des Versicherten für den ersten Arbeitsmarkt. Der
F._ bot dem Versicherten eine Anstellung mit einem 50%-Pensum ab dem 3. April
2017 an. Die IV-Stelle erachtete eine Integrationsmassnahme mit dem Ziel der
Wiederintegration in den ersten Arbeitsmarkt als zweckmässiger als eine Anstellung im
zweiten Arbeitsmarkt im F._. Nach Rücksprache mit der behandelnden Psychiaterin
entschied sich der Versicherte für die Anstellung im F._ mit dem Ziel, zumindest
vorerst eine Stabilität im zweiten Arbeitsmarkt aufzubauen (IV-act. 23). Im Arztbericht
des Psychiatrischen Zentrums B._ vom 11. Juli 2017 wurde dem Versicherten – bei
gleicher Diagnose – eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Maschinenmonteur ab dem 27. Februar 2017 attestiert. Im Weiteren wurde erwähnt,
dass der Versicherte unter körperlichen Einschränkungen leide. So führten
wiederkehrende Abszesse, bei denen jeweils operativ interveniert werden müsse, zu
längerfristigen Krankheitsabsenzen. Zudem leide der Versicherte an Schmerzen an den
Händen und Deformationen an den Handgelenken (IV-act. 27).
In der Stellungnahme vom 30. August 2017 erklärte RAD-Ärztin med. pract. E._,
dass sie die diagnostische Einschätzung der behandelnden Ärzte nicht nachvollziehen
könne, denn die im psychopathologischen Befund angegebenen Symptome
entsprächen einer leicht- bis maximal mittelgradigen depressiven Störung (ohne
somatisches Syndrom). Sie schätzte aus psychiatrischer Sicht die Arbeitsfähigkeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt auf mindestens 50 % und schloss eine Steigerung nicht aus
(IV-act. 29).
A.c.
Mit Schreiben vom 1. September 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen mit, denn gemäss der
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle sehe er sich nicht in der Lage, an
beruflichen Massnahmen teilzunehmen (IV-act. 32).
A.d.
In einem undatierten Arztbericht (Eingang IV-Stelle: 16. November 2017)
diagnostizierte med. pract. G._, Facharzt für Allgemeinmedizin, rezidivierende
Abszess-Bildungen wechselhafter Lokalisation sowie eine rezidivierende depressive
Störung, mittelgradig, mit somatischen Symptomen. Wegen Rückenschmerzen sei der
A.e.
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Versicherte in physiotherapeutischer Behandlung. Aus medizinischer Sicht sei ihm die
bisherige Tätigkeit in einem 50%-Pensum zumutbar (IV-act. 37).
Von 12. Februar bis 12. April 2018 war der Versicherte erneut in der Tagesklinik
des Psychiatrischen Zentrums B._ in Behandlung. Im Arztbericht vom 3. April 2018
wurden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), und ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit anamnestisch psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch
den schädlichen Gebrauch von Alkohol (seit ca. 8 Jahren episodischer
Substanzgebrauch; ICD-10: F10.1) diagnostiziert. Zur Arbeitsfähigkeit wurde erklärt,
dass derzeit eine Teilzeitbeschäftigung im geschützten Rahmen – jedoch nicht im
ersten Arbeitsmarkt – möglich sei (IV-act. 47). Am 11. Juni 2018 wurde der Versicherte
in der Psychiatrie H._, testpsychologisch untersucht. Die Untersuchung zeigte, dass
die Kriterien für eine selbstunsichere und depressive Persönlichkeitsstörung erfüllt
waren, wobei jedoch die depressive Persönlichkeit aufgrund der Achse-I-Störung
überlagert sein dürfte. Zudem gebe es Hinweise auf eine rezidivierende depressive
Symptomatik, aktuell teilremittiert (IV-act. 54-3ff.). Im Arztbericht vom 2. Juli 2018
erklärte Dr. med. I._, Hautarztpraxis I._ AG, dass der Versicherte keine IV-relevante
dermatologische Diagnose habe (IV-act. 55; vgl. dazu den Arztbericht des
Departements Innere Medizin, Infektiologie/Spitalhygiene, des Kantonsspitals St.
Gallen [nachfolgend: KSSG] vom 4. Juli 2018, IV-act. 58). Aufgrund der Stellungnahme
des RAD vom 24. August 2018 (IV-act. 62) veranlasste die IV-Stelle eine
polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine Innere Medizin, Neuropsychologie,
Orthopädie und Psychiatrie) des Versicherten (IV-act. 63ff.).
A.f.
Das polydisziplinäre Gutachten der estimed AG vom 15. Februar 2019 (IV-act. 74)
beruht auf den IV-Akten sowie der allgemeinen internistischen Untersuchung vom 13.
November 2018 durch Dr. med. J._, Fachärztin für Innere Medizin FMH, der
psychiatrischen Untersuchung vom 21. November 2018 durch med. pract. K._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der neuropsychologischen Untersuchung
vom 11. Dezember 2018 durch lic. phil. L._, Neuropsychologin, und Dipl.-Psych.
M._, Fachpsychologin für Neuropsychologie und Psychotherapie, sowie der
orthopädischen Untersuchung vom 16. Januar 2019 durch Dr. med. N._, Facharzt für
Orthopädie und Rheumatologie, (vgl. IV-act. 74-8, 74-106). Die Fachpersonen stellten
A.g.
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ausschliesslich Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: eine
Hypothyreose, rezidivierende Abszess-Bildungen und Follikulitiden wechselhafter
Lokalisation (akten-anamnestisch seit Ende 2017), Acne inversa ED 03/2018,
Nikotinkonsum kumulativ ca. 12 pack years, ein Zustand nach rezidivierenden
depressiven Störungen, nicht näher bezeichnet (ICD-10: F33.9), eine Dysthymia
(ICD-10: F34.1), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom, aktuell Substanzgebrauch (ICD-10: F10.2), psychische und
Verhaltensstörungen durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
Substanzgebrauch (ICD-10: F12.2), Zustand nach psychischer und Verhaltensstörung
durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen,
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent, sowie eine akzentuierte Persönlichkeit
(dependente, asthenische, selbstunsichere, dysthyme strukturierte
Primärpersönlichkeit mit soziophoben "Einsprengseln", ICD-10: Z73.1; IV-act. 74-13).
Ausgegangen wurde sowohl bezüglich der angestammten Tätigkeit als auch einer
Verweistätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit seit mindestens 1. Januar 2018 (IV-
act. 74-15ff.).
In der Stellungnahme vom 25. März 2019 erachtete RAD-Ärztin med. pract. E._
die Arbeitsfähigkeit ausser während der beiden teilstationären Behandlungen in den
Jahren 2016/2017 und 2018 als nicht eingeschränkt (IV-act. 75).
A.h.
Mit Vorbescheid vom 8. Mai 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
vorgesehen sei, das Gesuch um eine Invalidenrente abzuweisen, denn die Abklärungen
hätten ergeben, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht keine objektivierbare
Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Demzufolge könne von einer
vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie auch in jeder adaptierten Tätigkeit
ausgegangen werden (IV-act. 77). Am 12. Juni 2019 erhob der Versicherte Einwand
gegen den Vorbescheid vom 8. Mai 2019 und beantragte Eingliederungsmassnahmen
(IV-act. 86).
A.i.
Mit Verfügung vom 24. Juni 2019 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab. Zur
Begründung wurde angeführt, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht keine
objektivierbare Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliege, weshalb von
einer vollen Arbeitsfähigkeit in der angestammten wie auch in jeder adaptierten
A.j.
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B.
Tätigkeit ausgegangen werden könne. Der Invaliditätsgrad betrage 0 %. Zum Einwand
des Beschwerdeführers vom 12. Juni 2019 wurde erklärt, der vorliegende primäre
Suchttyp schliesse eine Rentenleistung von vorherein aus. Zu den geforderten
beruflichen Massnahmen wurde ausgeführt, dass solche eine Invalidität voraussetzen
würden. Da die Arbeitsunfähigkeit vor allem durch das Abhängigkeitsverhalten
begründet sei, liege keine Invalidität im Sinne des IV-Gesetzes vor (IV-act. 87).
Gegen die Verfügung vom 24. Juni 2019 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 14. Juli 2019. Der Beschwerdeführer beantragt darin die Überprüfung der
Invalidität, denn er leide an einer schweren Depression, weshalb er erneut in der
Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums B._ angemeldet sei, und habe extreme
Rückenschmerzen. Im Weiteren rügt er, dass weder ihm noch seinem Arzt med. pract.
G._ Akteneinsicht gewährt worden sei (act. G 1). Der Beschwerde beigelegt war der
Arztbericht vom 14. Mai 2019 von Dr. med. O._, FMH Radiologe, Klinik P._, über
die am gleichen Tag durchgeführte Magnetresonanztomographie der
Lendenwirbelsäule. Die Untersuchung hatte eine nach kaudal hin zunehmende
multisegmentale Facettengelenksarthrose und mässige Osteochondrose ergeben,
akzentuiert bei L5/S1, mit zarten zirkulären Diskusprotrusionen und relativer Einengung
des Spinalkanals bei L2/3, L3/4 und L4/5 (act. G 1.2).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. August
2019 die Abweisung der Beschwerde. Begründet wird dies insbesondere damit, dass
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht vorliege, denn die Akten seien zweimal
dem vom Beschwerdeführer bezeichneten Arzt med. pract. G._ sowie der vom
Beschwerdeführer zur Akteneinsicht autorisierten Pro Infirmis zugestellt worden. Die
Gutachter der estimed AG hätten ihre Diagnosen und Einschätzungen der
Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar dargelegt, weshalb vollumfänglich auf das Gutachten
abgestellt werden könne. Da eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden sei,
bestehe kein Rentenanspruch, und berufliche Massnahmen würden ebenfalls entfallen.
Zum geltend gemachten Bandscheibenvorfall wurde erklärt, dass dieser bei
Verfügungserlass noch nicht bestanden habe. Zudem gehe aus dem Arztbericht von
B.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Rente
der Invalidenversicherung hat. Der Beschwerdeführer ist sinngemäss der Ansicht, dass
seine gesundheitliche Situation unzutreffend gewürdigt worden sei, und weist hin auf
das Vorliegen von schweren Depressionen, weswegen er erneut in der Tagesklinik des
Psychiatrischen Zentrums B._ angemeldet sei, sowie ein Rückenleiden
(Bandscheibenvorfälle, Facettengelenksarthrose; act. G 1). Die Beschwerdegegnerin
verneint insbesondere gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten der estimed AG vom
15. Februar 2019 einen Rentenanspruch und hält den Sachverhalt für ausreichend
abgeklärt (act. G 8).
2.
Dr. O._ vom 14. Mai 2019 nicht hervor, dass die Thorakolumbalgie eine Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit habe (act. G 8).
Am 5. September 2019 bewilligte das Versicherungsgericht das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten; act. G 9).
B.c.
Der Beschwerdeführer verzichtete innert der angesetzten Frist auf die Einreichung
einer Replik, woraufhin der Schriftenwechsel für abgeschlossen erklärt wurde (act. G
10f.).
B.d.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
2.1.
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Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie
aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen).
2.3.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). Die
Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen. Für das gesamte Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Für das Beschwerdeverfahren bedeutet
dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist demnach
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a mit Hinweis).
2.4.
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3.
Vorweg zu prüfen ist die Rüge des Beschwerdeführers, dass weder ihm noch seinem
Arzt med. pract. G._ Einsicht in die IV-Akten gewährt worden sei (act. G 1).
In der Beschwerdeantwort vom 29. August 2019 (act. G 8) führte die
Beschwerdegegnerin dazu insbesondere aus, dass sie am 7. Juni 2019 die Akten an
den vom Beschwerdeführer am 31. Mai 2019 bezeichneten Arzt med. pract. G._
zugesandt habe. Am 16. Juli 2019 habe der Beschwerdeführer den Nichterhalt der
Akten gemeldet, woraufhin die Akten dem Arzt am 18. Juli 2019 nochmals zugestellt
worden seien. Zudem seien die Akten auch der vom Beschwerdeführer für die
Akteneinsicht bevollmächtigten Pro Infirmis zugestellt worden. Dem Einwand vom 12.
Juni 2019 könne entnommen werden, dass der Beschwerdeführer von den IV-Akten
Kenntnis gehabt habe (act. G 8).
3.1.
Gemäss Art. 47 Abs. 1 lit. a ATSG steht der versicherten Person, sofern
überwiegende Privatinteressen gewahrt bleiben, für die sie betreffenden Daten die
Akteneinsicht zu. Falls es sich um Gesundheitsdaten handelt, deren Bekanntgabe sich
für die zur Einsicht berechtigte Person gesundheitlich nachteilig auswirken könnte, so
kann von ihr verlangt werden, dass sie einen Arzt oder eine Ärztin bezeichnet, der oder
die ihr diese Daten bekannt gibt (Abs. 2).
3.2.
Dass die Beschwerdegegnerin die IV-Akten nicht direkt dem Beschwerdeführer,
sondern einem bzw. einer von ihm bezeichneten Arzt oder Ärztin zustellen wollte,
begründete sie dem Beschwerdeführer gegenüber damit, dass in medizinischen
Unterlagen sehr oft mit Fachbegriffen gearbeitet werde, die falsch interpretiert werden
könnten (IV-act. 80). Ob dies ein hinreichender Grund ist für die Zustellung der Akten
an den behandelnden Arzt anstelle einer Direktzustellung an den Beschwerdeführer
und ob die Aktenzusendung an med. pract. G._ letztlich verspätet erfolgte (vgl. dazu
die beiden Begleitbriefe zu den Akten-CDs in IV-act. 85 und 89), braucht vorliegend
nicht geprüft zu werden. Denn eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch
verspätete Akteneinsicht liegt jedenfalls nicht vor. Die IV-Akten wurden nämlich
zusätzlich am 4. Juni 2019 der vom Beschwerdeführer zur Akteneinsicht ebenfalls
bevollmächtigten Pro Infirmis elektronisch zugestellt bzw. ihr zum Abruf zur Verfügung
gestellt (vgl. IV-act. 82, 84). Im Einwand vom 12. Juni 2019 (IV-act. 86) machte der
Beschwerdeführer nicht geltend, dass ihm die Akteneinsicht noch nicht gewährt
worden sei. Wie aus dem Einwand ersichtlich ist, hat die Pro Infirmis, welche Kenntnis
der IV-Akten hatte, den Beschwerdeführer bei der Ausfertigung des Einwands
3.3.
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4.
Nachstehend zu prüfen ist, ob der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers ausreichend geklärt sind.
unterstützt. Festzuhalten ist somit, dass die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer im Ergebnis rechtsgenüglich Akteneinsicht gewährt hat.
Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann zunächst nur relevant sein, wenn
sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung
ist (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017; BGE 130 V 396).
4.1.
Da die diagnostische Einordnung einer psychischen Störung allein das objektiv
bestehende tatsächliche Leistungsvermögen nicht festlegt, legte das Bundesgericht
hinsichtlich der versicherungsrechtlichen Beurteilung von psychischen Leiden fest,
dass die funktionellen Folgen der Gesundheitsschädigung qualitativ zu erfassen und
quantitativ einzuschätzen sind (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.1, 143 V 418 E. 4.1.2 und E.
7.1f.). Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind – unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – gemäss BGE 141 V 281 also in
der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich. Diese hat das Bundesgericht wie
folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie "funktioneller Schweregrad" (E.
4.3) mit den Komplexen "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg
oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung
und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und "sozialer
Kontext" (E. 4.3.3) sowie Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens [E.
4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
4.1.1.
Im Urteil vom 11. Juli 2019 zur invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz von
Abhängigkeitssyndromen (psychische Störungen durch psychotrope Substanzen; BGE
145 V 215) legte das Bundesgericht fest, dass neu auch primäre
Abhängigkeitssyndrome grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE
141 V 281 zu unterziehen seien, denn in der final konzipierten Invalidenversicherung
bestehe keine Grundlage dafür, das Herbeiführen einer Suchterkrankung durch den
willentlichen Konsum von Suchtmitteln zum Anlass zu nehmen, einen versicherten
Gesundheitsschaden zum vornherein zu verneinen und mit der Begründung eines
4.1.2.
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Selbstverschuldens der versicherten Person auf jegliche weitere Prüfung der
funktionellen Einschränkungen zu verzichten (vgl. BGE 145 V 215 insb. Ingress und E.
5.3.1). Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sei dem Schweregrad der
Abhängigkeit im konkreten Einzelfall Rechnung zu tragen, denn bei
Abhängigkeitserkrankungen liege oft eine Gemengelage aus krankheitswertiger
Störung sowie psychosozialen und soziokulturellen Faktoren vor. Letztere seien
selbstverständlich auch bei Abhängigkeitserkrankungen auszuklammern, wenn sie
direkt negative funktionelle Folgen zeitigten. Eine krankheitswertige Störung müsse
umso ausgeprägter vorhanden sein, je stärker psychosoziale oder soziokulturelle
Faktoren das Beschwerdebild mitprägten (vgl. BGE 145 V 215 E. 6.3).
Über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
gibt insbesondere das polydisziplinäre Gutachten der estimed AG vom 15. Februar
2019 Auskunft (IV-act. 74).
4.2.
Die orthopädische Untersuchung des Beschwerdeführers fand am 16. Januar 2019
statt. Gutachter Dr. N._ hatte dabei Kenntnis von den Röntgenbildern vom 3. Mai
2017, welche eine mässige Osteochondrose L4-S1 mit leichter
Bandscheibenhöhenminderung und eine leichte diffuse Spondylose, teilweise mit
kleinen Spondylophyten, zeigten (IV-act. 74-70). Die Untersuchung ergab ansonsten
jedoch keine Auffälligkeiten im Bereich des gesamten Bewegungsapparates,
insbesondere lagen weder Einschränkungen bei der Wirbelsäulenbeweglichkeit noch
nennenswerte Verspannungen der Rückenmuskulatur vor. Eine
Behandlungsbedürftigkeit bestand nicht. Dr. N._ erhob aus orthopädischer Sicht
keine Diagnosen mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit (IV-act. 74-69ff.; vgl. auch die
Ausführungen zum Bewegungsapparat im internistischen Teilgutachten, IV-act. 74-41).
In der Beschwerde vom 14. Juli 2019 (act. G 1) machte der Beschwerdeführer eine
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit infolge eines Rückenleidens geltend und reichte
dazu als Beweis den Arztbericht von Dr. O._ vom 14. Mai 2019 ein. Die dazumal von
Dr. O._ durchgeführte MRI-Untersuchung ergab eine nach kaudal hin zunehmende
multisegmentale Facettengelenksarthrose und mässige Osteochondrose, akzentuiert
bei L5/S (zutreffend wohl: S1), mit zarten zirkulären Diskusprotrusionen und relativer
Einengung des Spinalkanals bei L2/3, L3/4 und L4/5. Die mässige Osteochondrose war
im Wesentlichen bereits für Dr. N._ auf der Bildgebung vom 3. Mai 2017 ersichtlich
gewesen. Der Spinalkanal zeigte sich im MRI vom 14. Mai 2019 nur an einigen
Segmenten "relativ" eng, an anderen nicht (act. G 1.2). Hinweise darauf, dass aufgrund
vermehrter Rückenschmerzen die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im
Verfügungszeitpunkt relevant eingeschränkt gewesen sein könnte, ergeben sich aus
4.3.
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dem Bericht zum neuen MRI jedenfalls nicht. Auch med. pract. G._, an den der MRI-
Bericht adressiert war, äusserte sich nicht in diese Richtung. Zudem erklärte der
Beschwerdeführer noch anlässlich der gutachterlichen Untersuchung vom 16. Januar
2019 (und damit nur vier Monate vor dem neuen MRI), dass auf orthopädischem Gebiet
in den vergangenen Jahren keine wesentlichen Erkrankungen festgestellt oder
Behandlungen durchgeführt worden seien. Zwar sei im Vorjahr eine Vorstellung bei
einem Orthopäden erfolgt wegen allgemeiner Rückenschmerzen, eine wesentliche
Erkrankung sei jedoch nicht festgestellt worden. Es liege eher an der schlechten
Haltung und Muskulatur (vgl. IV-act. 74-65). Dass sich die Situation bezüglich der
Rückenschmerzen zwischen der Begutachtung vom 16. Januar 2019 und dem
Verfügungserlass relevant verändert haben könnte, belegt der Bericht zum MRI vom
14. Mai 2019 jedenfalls nicht. Auch weitere Akten, die belegen könnten, dass zum
Verfügungszeitpunkt (24. Juni 2019) eine orthopädisch bedingte Arbeitsunfähigkeit
bestanden haben könnte, liegen nicht im Recht. Es ist daher auf das schlüssige und
nachvollziehbare orthopädische Teilgutachten von Dr. N._ abzustellen und aus
orthopädischer Sicht von einer unbeeinträchtigten Arbeitsfähigkeit ausgehen. Sollte
sich der Gesundheitszustand seit dem Zeitpunkt der Verfügung verschlechtert haben,
steht es dem Beschwerdeführer frei, ein erneutes Gesuch um IV-Leistungen zu stellen
(vgl. dazu die Beschwerdeantwort vom 29. August 2019, act. G 8-4, Ziff. 4).
Die internistische Gutachterin Dr. J._ konnte ebenfalls nur Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erheben (Hypothyreose, rezidivierende Abszess-
Bildungen und Follikulitiden wechselhafter Lokalisation, Acne inversa, Nikotinkonsum;
IV-act. 74-49/52). Diese Einschätzung vermag zu überzeugen, zumal bei operativen
Eingriffen insbesondere wegen der rezidivierenden Abszess-Bildungen nur mit einer
zeitlich begrenzten Arbeitsunfähigkeit zu rechnen ist. Anderes macht auch der
Beschwerdeführer nicht geltend. Für weitere internistische Abklärungen besteht daher
auch keine Notwendigkeit.
4.4.
Psychiater med. pract. K._ hatte den Beschwerdeführer am 21. November 2018
untersucht. Das psychiatrische Teilgutachten stammt vom 28. November 2018
(Fertigstellungszeitpunkt, vgl. IV-act 74-109).
4.5.
Das psychiatrische Teilgutachten wurde noch vor der bundesgerichtlichen
Rechtsprechungsänderung zur invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz von
Abhängigkeitssyndromen (psychische Störungen durch psychotrope Substanzen) vom
11. Juli 2019 (BGE 145 V 215) erstellt. Da das Bundesgericht bereits zuvor entschieden
hatte, dass vor BGE 141 V 281 (bzw. vor BGE 143 V 418) erstattete medizinische
4.5.1.
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(psychiatrische) Gutachten ihren Beweiswert nicht per se verlieren würden und
vielmehr in jedem einzelnen Fall zu prüfen sei, ob die Sachverständigengutachten,
gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten, eine schlüssige
Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren erlauben würden oder nicht (vgl.
BGE 141 V 281 E. 8; vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016),
ist bei Abhängigkeitssyndromen gleichermassen vorzugehen.
Med. pract. K._ stufte, da er anlässlich der Untersuchung keine Anzeichen für
eine Depression erheben konnte, die Symptomatik als geringfügig bzw. remittiert ein.
Er schloss jedoch nicht aus, dass es früher ausgeprägtere depressive Phasen gegeben
und sich aufgrund der "psychosozialen Aufwuchsbedingungen" eine Dysthymie
entwickelt haben könnte, jedoch seien weder eine Dysthymie noch eine leichte bis
mittelgradig ausgeprägte depressive Störung geeignet, eine Arbeitsunfähigkeit auf
Dauer, insbesondere im rentenbegründenden Ausmass, zu bedingen. Im Weiteren ging
er von einer Persönlichkeitsakzentuierung aus. Die Symptomatik gehe jedoch nicht
soweit, dass von einer Persönlichkeitsstörung gesprochen werden könne. Die
Abhängigkeitserkrankungen stufte er, da sich im Rahmen des Substanzgebrauchs
keine weitere psychische Erkrankung von wesentlicher Schwere habe explorieren
lassen und das Abhängigkeitssyndrom nicht zu einer irreversiblen Gesundheitsstörung
geführt habe, als primär und damit versicherungspsychiatrisch als nicht relevant ein (IV-
act. 74-131ff.).
4.5.2.
Festzustellen ist, dass der psychiatrische Gutachter eine systematische und
ausführliche Anamnese (IV-act. 74-115ff.) und Befunderhebung (u.a. in Anlehnung an
das AMDP System; IV-act. 74-128f.) wiedergab und die Ergebnisse der
testpsychiatrischen Untersuchungen sowie der Laboruntersuchungen berücksichtigte
(IV-act. 74-129).
4.5.3.
Med. pract. K._ konnte weder im Rahmen der persönlichen Untersuchung
noch testpsychologisch eine depressive Symptomatik (im relevanten Ausmass)
erheben. Lediglich in den Bereichen Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie
Widerstands- und Durchhaltefähigkeit fanden sich leichte und in den Bereichen
Selbstbehauptungsfähigkeit, Konversations- und Konfliktfähigkeit zu Dritten,
Gruppenfähigkeit, Fähigkeit zu engen dyadischen Beziehungen sowie Mobilitäts- und
Verkehrsfähigkeit leichte bis mässig ausgeprägte Beeinträchtigungen (vgl. IV-act.
74-130ff.). Selbst der Beschwerdeführer ging nur noch vom Vorliegen einer leichten
Depression aus (vgl. IV-act. 74-93). Zudem erklärte er, dass er derzeit weder in einer
psychiatrischen oder psychotherapeutischen Behandlung sei noch aktiv nach einer
4.5.4.
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Behandlungsmöglichkeit suche. Auch nehme er mit Ausnahme des "Notfall"-
Medikaments Temesta (Wirkstoff Lorazepam; maximal einmal pro Monat) keine
Medikamente ein (vgl. IV-act. 74-94/116/125). Der gutachterlichen Einschätzung, dass
zum Begutachtungszeitpunkt die Depression remittiert gewesen sei und diese daher
keine Auswirkung mehr auf die Arbeitsfähigkeit gezeitigt habe, ist zu folgen, zumal
keine Arztberichte vorliegen, welche sich mit den Beurteilungen und Einschätzungen im
psychiatrischen Gutachten auseinandersetzen und ernsthafte Zweifel daran zu
begründen vermögen. Dass sich der Beschwerdeführer später erneut für die
Behandlung in der Tagesklinik angemeldet hat, vermag daran nichts zu ändern, ist
doch der Eintritt nach seiner Angabe erst für den 2. September 2019 und damit nach
dem Verfügungserlass vorgesehen gewesen (vgl. act. G 1). Wie bereits in Erwägung 4.3
erwähnt, kann sich der Beschwerdeführer bei anhaltender Verschlechterung des
Gesundheitszustandes seit Verfügungserlass erneut zum Bezug von IV-Leistungen
anmelden.
Bezüglich der Suchterkrankungen (psychische und Verhaltensstörungen durch
Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, aktuell Substanzgebrauch [ICD-10: F10.2], Psychische
und Verhaltensstörungen durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
Substanzgebrauch [ICD-10: F12.2], Zustand nach psychischer und Verhaltensstörung
durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen,
Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtig abstinent) ist festzustellen, dass beim
Beschwerdeführer eine familiäre Belastung für Abhängigkeitserkrankungen sowie die
"psychosozialen Aufwuchsbedingungen" und die damalige Psychodynamik zur
Ausprägung der Dependenz mit beigetragen haben dürften. Zum derzeitigen
Suchtmittelkonsum befragt, erklärte der Beschwerdeführer, dass er keine "harten"
Drogen mehr konsumiere und den Alkoholkonsum reduziert habe. So konsumiere er
nur noch geringe Mengen an Bier (ein- bis zweimal pro Woche) und der
Cannabiskonsum beschränke sich vorwiegend auf den Konsum von Cannabidiol-
Produkten (CBD; IV-act. 74-119f./133ff.; vgl. auch IV-act. 74-42/90/94). Die Akten
enthalten keine Hinweise darauf, dass wegen des Suchtmittelkonsums – selbst wenn
der Alkoholkonsum grösser gewesen wäre als vom Beschwerdeführer angegeben (vgl.
IV-act. 74-129) – im Verfügungszeitpunkt eine Behandlungsbedürftigkeit bestand. Auch
ist nicht davon auszugehen, dass suchtbedingt die Arbeitsfähigkeit wesentlich
eingeschränkt ist. Allenfalls wären bestimmte Tätigkeiten wie das Autofahren oder das
Bedienen bestimmter Maschinen ausgeschlossen, doch auch diesbezüglich liefern die
gesamten Akten keinerlei Anhaltspunkte.
4.5.5.
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Im Weiteren führte der psychiatrische Gutachter nachvollziehbar und schlüssig
aus, weshalb er lediglich vom Vorliegen einer akzentuierten Persönlichkeit (ICD-10:
Z73.1) und nicht von einer Persönlichkeitsstörung ausgeht. So habe er beim
Beschwerdeführer im Vergleich zur Mehrzahl der Bevölkerung keine deutliche
Abweichung im Wahrnehmen, Denken, Fühlen, in den Beziehungen zu anderen
Menschen sowie im Verhalten feststellen können. Er ging beim Beschwerdeführer von
einer dependenten, asthenischen, selbstunsicheren, dysthymen strukturierten
Primärpersönlichkeit mit soziophoben "Einsprenkeln" aus (vgl. IV-act. 74-132); dass er
diesen Feststellungen jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zubilligte, ist
angesichts der geschilderten persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen
Entwicklung durchaus plausibel.
4.5.6.
Auch die neuropsychologische Untersuchung vom 11. Dezember 2018 ergab
keine relevanten Beeinträchtigungen. So erhoben die Neuropsychologinnen in Bezug
auf alters-, geschlechts- und bildungskorrelierte Normen gesamthaft einen kognitiven
Normalbefund und stellten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit fest. Als
Ressourcen nannten sie das gute kognitive Leistungsniveau des Beschwerdeführers:
Trotz des langjährigen Überkonsums verschiedenster Substanzen seien die
Hirnleistungsfunktionen nicht eingeschränkt (IV-act. 74-102/104f.).
4.5.7.
Festzuhalten ist insoweit, dass die Einschätzungen der Neuropsychologinnen
und des Psychiaters bezüglich der Zeit ab der Begutachtung nachvollziehbar und
schlüssig sind. Dagegen fehlen im Gutachten zum zeitlichen Verlauf der Entwicklung
der Arbeitsfähigkeit vor der Begutachtung begründete und überzeugende
Einschätzungen. So erklärte der psychiatrische Gutachter, dass früher ausgeprägtere
depressive Symptome bestanden haben könnten. Eine nachvollziehbare und
überzeugende Begründung der retroperspektiven Arbeitsfähigkeitsschätzung (mögliche
100%ige Arbeitsfähigkeit nach der zweiten teilstationären Behandlung) fehlt. Dies gilt
ebenso für die im Konsens getroffene gutachterliche Einschätzung, dass der
Beschwerdeführer nun bereits seit dem 1. Januar 2018 100 % arbeitsfähig gewesen
sein soll, obwohl er in den Monaten Februar bis April 2018 noch in teilstationärer
psychiatrischer Behandlung war (IV-act. 74-15f.). Ferner erfolgte weder eine
Auseinandersetzung mit den Diagnosen und Arbeitsfähigkeitseinschätzungen des
Psychiatrischen Zentrums B._ noch wurden fremdanamnestische Auskünfte (bspw.
beim Arbeitgeber des Beschwerdeführers oder bei der Institution F._) eingeholt (vgl.
IV-act. 74-138). In Anbetracht dessen ist für die Zeit vor der psychiatrischen
Begutachtung am 21. November 2018 (d.h. vom 1. August 2017 [frühester
Rentenbeginn, vgl. nachfolgende Erwägung 5.1] bis 20. November 2018 [Tag vor der
4.5.8.
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psychiatrischen Begutachtung, vgl. IV-act. 74-109]) prioritär auf die echtzeitlichen
Berichte der behandelnden Ärzte sowie des RAD abzustellen. Gestützt auf die
ausführlichen und nachvollziehbaren Arztberichte des Psychiatrischen Zentrums B._
vom 11. Juli 2017 (IV-act. 27) und 3. April 2018 (IV-act. 47) ist bis Ende des
teilstationären Klinikaufenthalts am 12. April 2018 vom Vorliegen einer rezidivierenden
depressiven Störung, mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10:
F33.11), und anschliessend gestützt auf den Arztbericht der Psychiatrie H._ vom 12.
Juni 2018 (IV-act. 54-3ff.) von einer teilremittierten rezidivierenden depressiven Störung
auszugehen. In der Zeit vom 1. August 2017 bis 11. Februar 2018 attestierten die Ärzte
des Psychiatrischen Zentrums, der RAD sowie der Hausarzt dem Beschwerdeführer
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 27, 29, 37). Dass diese Arbeitsfähigkeit nicht
realisiert wurde – der Beschwerdeführer arbeitete weiterhin in einem rund 50%igen
Teilzeitpensum im zweiten Arbeitsmarkt in der Schreinerei des F._ (IV-act. 47; vgl. IV-
act. 74-122f.) –, dürfte nicht dem Gesundheitszustand, sondern mehrheitlich anderen
Faktoren (wie möglicherweise unzureichender Motivation des Beschwerdeführers)
zuzuschreiben sein. So wies er während der Begutachtung mehrmals darauf hin, dass
ein höherer Verdienst nicht ihm zugute käme, sondern zur Deckung der (Alimenten-)
Schulden verwendet würde (vgl. IV-act. 74-46/93/118). Während der teilstationären
Behandlung im Psychiatrischen Zentrum vom 12. Februar 2018 bis 12. April 2018 ist
jedenfalls von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, zumal die Indikation zu
dieser Therapie nicht in Frage gestellt wurde (vgl. IV-act. 47). Zur nachfolgenden Zeit
fehlt eine prozentuale Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die behandelnden Ärzte.
Sie erklärten zwar, dass für den Beschwerdeführer nur eine Tätigkeit im geschützten
Rahmen, nicht jedoch im ersten Arbeitsmarkt in Frage komme. Eine nachvollziehbare
Begründung dazu fehlt jedoch. Die von den Ärzten nach dem zweiten teilstationären
Aufenthalt empfohlene ambulante psychiatrische Behandlung wurde nicht etabliert.
Eine therapeutische psychiatrische Medikation erfolgte überdies nach Beendigung der
zweiten tagesklinischen Behandlung offenbar nicht (vgl. dazu IV-act. 47-2 Ziff. 1.5). In
Anbetracht dessen und des verbesserten Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers (das depressive Leiden war gemäss Bericht der Psychiatrie H._
vom 12. Juni 2018 teilremittiert; IV-act. 54-7) sowie in Berücksichtigung der
gutachterlichen Erklärung, wonach insbesondere nach der Beendigung der zweiten
teilstationären Behandlung im Jahr 2008 [korrekt 2018] die aktuell feststellbare
Arbeitsfähigkeit bestanden habe und die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des
Versicherten mit Sicherheit zum Zeitpunkt der Erstellung des psychiatrischen
Gutachtens bestehe (IV-act. 74-138), ist das Fortdauern einer Arbeitsunfähigkeit aus
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psychischen Gründen nach Beendigung der zweiten tagesklinischen Behandlung am
12. April 2018 nicht mehr überwiegend wahrscheinlich bewiesen.
Wie nachfolgend ersichtlich, ergibt die Prüfung anhand der Indikatoren (vgl. dazu
Erwägung 4.1.1) ein stimmiges Gesamtbild hinsichtlich des Leistungsvermögens des
Beschwerdeführers.
4.6.
Zur Kategorie "funktioneller Schweregrad" ist festzustellen, dass zumindest ab
dem Zeitpunkt der psychiatrischen Untersuchung nur noch geringfügige
diagnoserelevante Befunde vorlagen. So war die Depression remittiert (anlässlich der
neuropsychologischen Untersuchung erklärte der Beschwerdeführer zu seiner
psychischen Verfassung, dass er noch leicht depressiv sei, vgl. IV-act. 74-93). Die
Suchterkrankung bewegte sich in einem sozialverträglichen Rahmen und trotz der
Persönlichkeitsakzentuierung nahm der Beschwerdeführer (in Rahmen der finanziellen
Möglichkeiten) am sozialen Leben teil. Dabei half ihm sicherlich sein gutes kognitives
Leistungsniveau (vgl. IV-act. 74-104). Zum Behandlungs- und Eingliederungserfolg
bzw. zur Therapieresistenz ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr
2016 zweimal in teilstationärer psychiatrischer Behandlung war, wobei er die zweite
Behandlung bereits nach zwei Monaten im April 2018 vorzeitig abbrach. Danach
erfolgte noch eine ambulante Behandlung. Spätestens zum Zeitpunkt der
psychiatrischen Begutachtung bestand jedoch keine psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlungsbedürftigkeit mehr (vgl. IV-act. 74-93f./125). Auch
hinsichtlich des Suchtmittelkonsums wurden weder von den Ärzten noch vom
Beschwerdeführer Behandlungsmassnahmen gefordert bzw. empfohlen. Eine
diesbezügliche Behandlungsbedürftigkeit ist damit nicht überwiegend wahrscheinlich
erstellt, sodass sich die Frage der Therapieresistenz gar (noch) nicht stellt.
4.6.1.
Der Beschwerdeführer erlebte eine schwierige Jugend. Trotzdem kann noch von
einer normalen Sozialisation ausgegangen werden. Der Beschwerdeführer war fähig
sich in der Berufswelt zu integrieren. So absolvierte er eine Lehre als Elektromechaniker
und war danach als Maschinenmonteur tätig. Nach einem mehrjährigen
Erwerbsunterbruch ging er ab April 2017 wieder einer Arbeit nach, wenn auch nur in
einem reduzierten Pensum (ca. 50 %) und dies im zweiten Arbeitsmarkt. Der
Beschwerdeführer lebt zwar alleine, jedoch pflegt er regelmässig Kontakte zu weiteren
Personen (vgl. IV-act. 74-44: erwähnt wird der Kontakt zu einer guten Kollegin und zwei
guten Kollegen sowie zu seinem Vater; vgl. IV-act. 74-67/117f.). Angesichts dessen ist
nicht von einer erheblichen krankheitsbedingten sozialen Beeinträchtigung
auszugehen.
4.6.2.
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Bezüglich der Kategorie "Konsistenz" ist festzustellen, dass der
Beschwerdeführer durchaus in der Lage ist, seinen Alltag selbstständig zu organisieren
(bspw. Einkaufen, Haushaltsführung, vgl. IV-act. 74-45/97) und seine Freizeit im
Rahmen der bescheidenen finanziellen Möglichkeiten zu gestalten (erwähnt werden
schwimmen im See, Frisbee spielen, lesen, Musik hören, kochen, vgl. IV-act.
74-45/117). Eine krankheitsbedingte Reduktion der persönlichen Aktivitäten ist daher
nicht hinreichend ausgewiesen. Eine wesentliche Diskrepanz zur beruflichen
Leistungsfähigkeit ist nicht ersichtlich.
4.6.3.
Was den behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen
Leidensdruck angeht, ist festzustellen, dass dieser sowohl zum
Begutachtungszeitpunkt als auch zum Verfügungszeitpunkt eher gering gewesen sein
dürfte, denn den Akten insgesamt kann nichts Gegenteiliges entnommen werden. Wie
bereits erwähnt, brach der Beschwerdeführer den teilstationären Aufenthalt in der
Tagesklinik vorzeitig ab. Dass er sich später intensiv um psychiatrische oder (mit Blick
auf die im Beschwerdeverfahren geklagten Rückenschmerzen) somatische Therapien
bemüht hätte, ist nicht ausgewiesen. Überdies war er in den Jahren 2017/2018 nicht
bereit, eine Arbeitsstelle im ersten Arbeitsmarkt mit einem höheren Pensum zu suchen.
Dies begründete er damit, dass ihm selbst bei einem höheren Einkommen aufgrund der
hohen Alimentenschulden nie mehr Geld zur Verfügung stände (vgl. IV-act. 74-46/93;
zu den Schulden und der fehlenden Motivation eine Tätigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt zu suchen vgl. auch IV-act. 74-118). Die behandelnden Ärzte sowie die
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle wiesen denn auch auf die fehlende Motivation, die
Selbstlimitation bzw. den Rentenwusch des Beschwerdeführers hin (IV-act. 23-3, 27-3,
37-2). Erst anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung am 11. Dezember 2018
schloss der Beschwerdeführer nicht mehr aus, künftig – bei verbesserter
Gesundheitslage – wieder auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten (vgl. IV-act.
74-93/96/98). Festzuhalten ist somit, dass ein Leidensdruck spätestens im Zeitpunkt
der psychiatrischen Begutachtung (21. November 2018) nicht mehr ausgewiesen ist.
4.6.4.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ab Ende der zweiten teilstationären
psychiatrischen Behandlung im Wesentlichen noch ein Zustand nach rezidivierenden
depressiven Störungen, eine Persönlichkeitsakzentuierung und Hinweise auf ein
Abhängigkeitssyndrom (Alkohol) in geringfügigem Ausmass gegeben waren. Da diese
Leiden nach plausibler gutachterlicher Einschätzung keine relevante Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit haben, ist von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der
angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit ab dem 13. April 2018
auszugehen. Für die Zeit zuvor (d.h. vom 1. August 2017 bis 12. April 2018) rechtfertigt
4.7.
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5.
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen.
es sich, insbesondere gestützt auf die Diagnosestellungen des Psychiatrischen
Zentrums B._ und der Psychiatrie H._ vom Vorliegen eines erheblichen
psychischen Leidens sowie von einer 50%igen bzw. während der teilstationären
Behandlung von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Der Beschwerdeführer meldete sich am 2. Dezember 2016 zum Leistungsbezug an
(IV-act. 1). Die behandelnden Ärzte attestieren ihm ab dem 17. August 2016 im Schnitt
eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40 % (vgl. IV-act. 6), womit das Wartejahr am 17.
August 2017 erfüllt war. In Nachachtung von Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 und
3 IVG kann ein Rentenanspruch frühestens am 1. August 2017 entstehen.
5.1.
Der Beschwerdeführer ging bereits einige Jahre vor Eintritt des
Gesundheitsschadens im Jahr 2016 keiner ordentlichen Erwerbstätigkeit mehr nach.
Der Validenlohn ist daher gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik zu bestimmen. Da der
Beschwerdeführer über eine qualifizierte Berufsausbildung als Elektromechaniker sowie
mehrjährige Berufserfahrung als Maschinenmonteur verfügt, erscheint es angemessen,
auf den Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 2, Männer, abzustellen. Für die Zeit ab
der psychiatrischen Begutachtung am 21. November 2018 ist dem Beschwerdeführer
sowohl die angestammte Tätigkeit als Elektromechaniker als auch eine angepasste
Tätigkeit in einem 100 %-Pensum zumutbar. Daher ist beim Invalidenlohn ebenfalls auf
den Tabellenlohn des Kompetenzniveaus 2, Männer, abzustellen. Bei gleicher
Bemessungsgrundlage kann der Invaliditätsgrad folglich im Rahmen eines
Prozentvergleichs ermittelt werden (siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des
Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E. 5.3.1 mit Hinweisen).
5.2.
In der Zeit vom 1. August 2017 bis 12. April 2018 beträgt bei 50%iger Arbeitsun
fähigkeit der Invaliditätsgrad 50 %, welcher Anspruch auf eine halbe Rente begründet.
Die höhere Arbeitsunfähigkeit während des teilstationären Aufenthalts vom 12. Februar
bis 12. April 2018 ist unbeachtlich, da es sich nicht um eine dauerhafte Änderung
(zumindest drei Monate gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) handelte. Aufgrund der Art der
Beeinträchtigungen ist mit gewissen Nachteilen bei der Entlöhnung auf dem
Arbeitsmarkt zu rechnen. Da aber selbst bei Gewährung des aufgrund der gesamten
Umstände maximal in Betracht zu ziehenden Tabellenlohnabzugs von 15 % lediglich
5.3.
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6.