Decision ID: a8c01a1a-456b-4f3f-b54f-dacfb63aa1c2
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfachen Betrug etc. (Rückweisung des Schweizerischen Bun-
desgerichtes)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 22. Januar 2010
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(DG090044); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, II. Strafkammer,
vom 24. Mai 2011 (SB100542); Urteil des Schweizerischen Bundesgerichtes
vom 20. Februar 2012 (6B_519/2011)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 8. Dezember
2009 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 30/2).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte A._ ist schuldig
− des mehrfachen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB
− der Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung gemäss
Art. 164 Ziff. 1 StGB
− der Bevorzugung eines Gläubigers gemäss Art. 167 StGB
2. Der Angeklagte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 283 Ta-
ge durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute erstanden
sind).
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3
Jahre festgesetzt.
4. Auf die Schadenersatzforderungen der Geschädigten 1 bis 3 und 5 wird
nicht eingetreten.
5. Es wird vorgemerkt, dass die Geschädigte 4 keinen Schadenersatzanspruch
gestellt hat.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 4'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 7’780.– Untersuchungskosten
Fr. 480.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 6'462.50 Kosten der amtlichen Verteidigung - allfällige weitere Kosten sind noch ausstehend -
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7. Die Kosten, inklusive diejenigen der Untersuchung und der amtlichen
Verteidigung, werden dem Angeklagten auferlegt, aus der mit nachstehen-
dem Beschluss beschlagnahmten Forderung bezogen und im Restbetrag
abgeschrieben.
Beschluss der Vorinstanz:
1. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
27. März 2009 sichergestellte und mit Verfügung vom 1. Dezember 2009
beschlagnahmte Forderung gegenüber der B._, ... [Adresse] (aus der
Police Nr. ..., Versicherungssumme von CHF 6'479.70) wird definitiv einge-
zogen und zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
2. Die zwei mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
1. Dezember 2009 sichergestellten Agenden werden nach Eintritt der
Rechtskraft dem Angeklagten durch die Bezirksgerichtskasse Uster ausge-
händigt.
Wird die Aushändigung nicht innert eines Jahres nach Eintritt der Rechts-
kraft verlangt, werden die sichergestellten Agenden der Bezirksgerichtskas-
se Uster zur Vernichtung überlassen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten
(Urk. 172 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei des mehrfachen Betruges freizusprechen.
2. Die Verfahrenskosten (inkl. aV) des zweiten Rechtsganges seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
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Eventualanträge:
1. Der Beschuldigte sei (zusätzlich) des mehrfaches Betruges i.S. von Art.
146 StGB schuldig zu sprechen.
2. Er sei mit einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu bestrafen.
3. Die Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit sei auf zwei
Jahre festzulegen.
4. Die Kosten des zweiten Rechtsganges (inkl. Kosten aV) seien auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 174 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei in Abänderung des Urteils vom 24.05.2011 schul-
dig zu sprechen
− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB zum Nachteil der
SVA Zürich betreffend IV- und Kinderrenten (ergänzend zum
Schuldspruch betreffend Hilflosenentschädigung)
− des mehrfachen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 betreffend
Zusatzleistungen gemäss Ziffer II der Anklageschrift.
2. Im Übrigen seien die Schuld- und Freisprüche gemäss Ziffer 1 und 2
des Urteilsdispositivs vom 24.05.2011 zu bestätigen.
3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten zu bele-
gen (unter Anrechnung der erstandenen Haft), wobei der Vollzug der
Strafe im Umfang von 16 Monaten unter Ansetzung einer angemesse-
nen Probezeit aufzuschieben sei.
Eventualiter sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 24 Mo-
naten zu belegen, unter Anrechnung der erstandenen Haft. Der Vollzug
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der Freiheitsstrafe sei unter Ansetzung einer angemessenen Probezeit
aufzuschieben.
4. Die Kostenfolgen seien ausgangsgemäss zu regeln.
c) Des Vertreters der Privatklägerin:
(Urk. 176 S. 2 und Prot. II S. 13)
Das Urteil vom 24. Mai 2011 sei gemäss den Anträgen der Staatsanwalt-
schaft abzuändern.
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Das Gericht erwägt:
I. Prozessverlauf
1. Zum Verfahrensgang bis und mit dem obergerichtlichen Urteil vom 24. Mai
2011 kann auf die entsprechenden Ausführungen in diesem Urteil verwiesen wer-
den (Urk. 85 S. 6 ff.).
2. Gegen das obergerichtliche Urteil vom 24. Mai 2011 erhob die Oberstaatsan-
waltschaft des Kantons Zürich mit Eingabe vom 8. August 2011 Beschwerde in
Strafsachen an das Bundesgericht (Urk. 90/2). Mit Urteil vom 20. Februar 2012
hiess das Bundesgericht die Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft teilweise
gut und wies die Sache zur neuen Entscheidung an die hiesige Instanz zurück
(Urk. 95). Nach Eingang der Akten wurde das Verfahren gestützt auf die Erwä-
gungen im Rückweisungsentscheid des Bundesgerichts neu bearbeitet und ein
Fragenkatalog für die Erstellung eines polydisziplinären Aktengutachtens ausge-
arbeitet (Urk. 98, Anhang). Nach mehrmonatigen Bemühungen (Urk. 96-105) er-
klärte sich die ASIM Basel am 25. Januar 2013 zur Erstellung des Gutachtens be-
reit (Urk. 107). Nachdem am 8. Februar 2013 die Angaben zu den drei für die Er-
stellung des Gutachtens vorgesehenen Ärzten und am 21. März 2013 auch die In-
formationen zu den ungefähren Kosten des Gutachtens sowie zum voraussichtli-
chen Zeitbedarf vorlagen, wurde mit Beschluss vom 19. April 2013 die Einholung
des polydisziplinären Gutachtens angeordnet. Gleichzeitig wurden den Parteien
die Namen der drei vorgesehenen Gutachter bekanntgegeben (Urk. 113). Mit
Eingabe vom 26. April 2013 teilte die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
mit, dass keine Einwendungen gegen die Ernennung der Sachverständigen be-
stünden (Urk. 115). Mit Eingabe vom 2. Mai 2013 wurde auch von Seiten der Pri-
vatklägerin erklärt, dass gegen die Ernennung der Sachverständigen keine Ein-
wendungen erhoben würden (Urk. 116). Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom
3. Mai 2013 mitteilen, dass er keine Begutachtung wolle und somit mit dem Be-
schluss nicht einverstanden sei (Urk. 117). Mit Beschluss vom 17. Mai 2013 wur-
den die Gutachter bestellt und wurde den Parteien Frist angesetzt, um sich zum
Fragenkatalog des Gerichts zu äussern und dazu eigene Anträge zu stellen (Urk.
118). Gleichentags wurden die Gutachter mit separatem Schreiben mit der Erstel-
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lung des polydisziplinären Gutachtens beauftragt (Urk. 119). Die Privatklägerin
verzichtete mit Eingabe vom 3. Juni 2013 auf eine detaillierte Stellungnahme zum
Fragenkatalog, wies jedoch auf den Bundesgerichtsentscheid in vorliegender An-
gelegenheit sowie zwei weitere Bundesgerichtsentscheide hin (Urk. 122), wäh-
rend der amtliche Verteidiger sich mit Eingabe vom 13. Juni 2013 zwar zu drei
Punkten äusserte, auf das Stellen eigener Anträge jedoch jedenfalls vorerst ver-
zichtete (Urk. 124). Am 4. November 2013 erkundigte sich das Gericht bei der
ASIM Basel, wann mit dem Eingang des Gutachtens gerechnet werden könne
(Urk. 125). Mit Schreiben vom 7. November 2013 ersuchte der Beschuldigte um
möglichst rasche Ansetzung des Verhandlungstermins (Urk. 126). Mit Schreiben
vom 11. November 2013 teilte das Gericht dem amtlichen Verteidiger mit, dass
das Verfahren bis zum Eingang des Gutachtens nicht fortgesetzt werden könne
(Urk. 128). Das vom 19. November 2013 datierende Gutachten ging am 21. No-
vember 2013 ein (Urk. 129-132). Mit Schreiben vom 6. Dezember 2013 teilte der
Beschuldigte mit, dass er seinem amtlichen Verteidiger "gekündigt" habe, da das
Vertrauen in diesen erschüttert sei, und ersuchte um Bestellung eines neuen amt-
lichen Verteidigers (Urk. 133). Mit Präsidialverfügung vom 19. Dezember 2013
wurde dem amtlichen Verteidiger Frist zur Stellungnahme zum Gesuch angesetzt
(Urk. 135). Am 27. Dezember 2013 ging die vom 24. Dezember 2013 datierende
Stellungnahme des amtlichen Verteidigers ein (Urk. 137). Mit Präsidialverfügung
vom 14. Januar 2014 wurde das Gesuch des Beschuldigten um Entlassung des
amtlichen Verteidigers und Bestellung eines neuen amtlichen Verteidigers abge-
wiesen (Urk. 140). Gleichentags ging ein am 15. Januar 2014 versandtes weiteres
Schreiben des Beschuldigten zu seinem Antrag auf Austausch des amtlichen Ver-
teidigers ein (Urk. 142). Mit Schreiben vom 21. Januar 2014 wurden den Gutach-
tern von Seiten des Gerichts einige Zusatzfragen zum Gutachten vom 19. No-
vember 2013 unterbreitet (Urk. 143). Nachdem sich das Gericht am 4., 21. und
31. März sowie am 3. April 2014 nach dem Verbleib der Antworten erkundigt hatte
(Urk. 145-149), wurden diese am 7. April 2014 elektronisch übermittelt (Urk. 150).
Nach nochmaliger Nachfrage am 11. April 2014 (Urk. 151) gingen die Antworten
von Prof. Dr. med. C._ vom 11. März 2014 (Urk. 153) und von Prof. Dr. med.
D._ vom 4. April 2014 (Urk. 154) am 14. April 2014 auch in Papierform ein
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(Urk. 152). Mit Präsidialverfügung vom 15. April 2014 wurde den Parteien Frist
zum Stellen von Anschlussfragen angesetzt (Urk. 155). Mit Eingabe vom 25. April
2014 teilte die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich mit, keine Anschlussfra-
gen stellen zu wollen (Urk. 157). Mit Eingabe vom 26. Mai 2014 stellte der amtli-
che Verteidiger des Beschuldigten drei Anschlussfragen (Urk. 159), während die
Privatklägerin sich diesbezüglich nicht vernehmen liess. Mit Präsidialverfügung
vom 5. Juni 2014 wurden die Anschlussfragen der amtlichen Verteidigung einst-
weilen nicht zugelassen (Urk. 160). Am 18. Juni 2014 wurde der amtliche Vertei-
diger angefragt, ob er damit einverstanden wäre, wenn das (weitere) Verfahren
schriftlich durchgeführt werde (Urk. 162). Am 20. Juni 2014 regte der amtliche
Verteidiger unter Beilage eines Schreibens des Beschuldigten vom 18. Juni 2014
an, dass das Gericht den Beschuldigten direkt anfrage, ob dieser mit der Durch-
führung im schriftlichen Verfahren einverstanden sei; ohne dessen Einwilligung
könne er nicht zustimmen (Urk. 164/1). Am 23. Juni 2014 wurde dem Beschuldig-
ten Frist angesetzt, um dem Gericht mitteilen zu lassen, ob er damit einverstan-
den sei, dass das weitere Verfahren schriftlich durchgeführt werde, unter gleich-
zeitigem Hinweis darauf, dass sein amtlicher Verteidiger weiterhin sein Vertreter
sei und die Kommunikation des Gerichts aufgrund des amtlichen Mandats weiter-
hin über den amtlichen Verteidiger laufen werde (Urk. 165). Der Beschuldigte hol-
te dieses Schreiben nicht bei der Post ab (Urk. 166/2). Da das Schreiben auf-
grund eines Missverständnisses nicht gleichzeitig auch per A-Post versandt wor-
den war, wurde dies mit Schreiben vom 4. Juli 2014 nachgeholt (Urk. 167). Die
Frist verstrich unbenützt, weshalb die Parteien am 17. Juli 2014 zur Verhandlung
vom 7. Oktober 2014 vorgeladen wurden (Urk. 169/1). Die Vorladung holte der
Beschuldigte nicht ab (Urk. 169/2) und eine zweite, mit A-Post versandte Vorla-
dung kam mit durchgestrichener Adresse und dem Vermerk "retour" ungeöffnet
zurück (Urk. 169/2). An der Verhandlung vom 7. Oktober 2014 erschien der Be-
schuldigte unentschuldigt nicht (Prot. III S. 11). Der Vertreter der Staatsanwalt-
schaft, der Vertreter der Privatklägerin und der Verteidiger hielten ihre Plädoyers
(Prot. III S. 11-15), wonach die Verhandlung abgebrochen wurde. Am 8. Oktober
2014 wurden die Parteien zur neuen Berufungsverhandlung auf den 16. Dezem-
ber 2014 vorgeladen. Auch diese Vorladung holte der Beschuldigte nicht ab (Urk.
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169/10). Eine zweite, ihm mit A-Post versandte Vorladung kam nicht zurück. Da
die SVA Zürich am 9. Dezember 2014 mitteilte, der Beschuldigte sei am 4. De-
zember 2014 bei ihr vorbeigekommen und habe eine neue Adresse angegeben
(Urk. 179), wurde gleichentags noch eine neue Vorladung an die von der SVA Zü-
rich genannte Adresse gesandt, die nicht zugestellt werden konnte, da die Post
den Beschuldigten unter der angegebenen Adresse nicht ermitteln konnte (Urk.
169/11). Der heutigen Berufungsverhandlung blieb der Beschuldigte wiederum
unentschuldigt fern (Prot. II S. 17). Der Prozess ist spruchreif.
II. Prozessuales
1. Da der angefochtene erstinstanzliche Entscheid vor dem Inkrafttreten der
Schweizerischen Strafprozessordnung am 1. Januar 2011 gefällt worden war,
wurde der obergerichtliche Berufungsentscheid vom 24. Mai 2011 gestützt auf
Art. 453 Abs. 1 StPO nach dem bisherigen kantonalen Prozessrecht beurteilt
(Urk. 85 S. 6). Wird indes ein Verfahren von der Rechtsmittelinstanz oder vom
Bundesgericht zur neuen Beurteilung zurückgewiesen, so ist gemäss Art. 453
Abs. 1 StPO neues Recht anwendbar, weshalb für die Neubeurteilung neues Pro-
zessrecht zur Anwendung gelangt.
2.1. Die Zustellung von Vorladungen erfolgt in der Regel durch Gerichtsurkunde
(BSK StPO-Stephenson/Zalunardo-Walser, Art. 331 N 13). Sofern der Adressat
mit der Zustellung einer derartigen Postsendung rechnen musste, aber sie nicht
abholte, gilt diese am siebten Tag nach dem erfolglosen Zustellungsversuch als
erfolgt (Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO; BSK StPO-Stephenson/Zalunardo-Walser,
a.a.O.).
2.2. Vorliegend wurde die als Gerichtsurkunde versandte Vorladung zur Beru-
fungsverhandlung vom 7. Oktober 2014 innerhalb der Frist gemäss Art. 85 Abs. 4
lit. a StPO nicht abgeholt (Urk. 169/2). Dass der Beschuldigte mit der Zustellung
einer Vorladung rechnen musste, ergibt sich nur schon aus seinem Schreiben
vom 7. November 2013, in dem er das Gericht darum ersuchte, den Verhand-
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lungstermin so bald wie möglich anzusetzen (Urk. 126), ist aber generell zu beja-
hen, wenn der Adressat, wie vorliegend, davon Kenntnis hat, dass gegen ihn ein
Strafverfahren läuft (BSK StPO-Arquint, Art. 85 N 9). Dasselbe gilt für die mit ein-
geschriebener Post versandte Vorladung zur heutigen Verhandlung, die ebenfalls
innerhalb der Frist gemäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO nicht abgeholt wurde (Urk.
169/11). Beide Vorladungen gelten daher gestützt auf die Zustellungsfiktion ge-
mäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO als zugestellt. Dass die Vorladungen dennoch
auch noch mit A-Post an den Beschuldigten versandt wurden, hat rechtlich gese-
hen keine Bedeutung. Ebenso wenig fällt ins Gewicht, dass dem Beschuldigten
aufgrund einer Mitteilung der Privatklägerin, der Beschuldigte habe ihr gegenüber
eine neue Adresse angegeben (Urk. 179), die Vorladung am 9. Dezember 2014
auch noch per A-Post an diese Adresse zugeschickt wurde, denn die erwähnte
Zustellungsfiktion gemäss Art. 85 Abs. 4 lit. a StPO blieb auch davon unberührt.
Zudem konnte die Post den Beschuldigten auch unter der von der Privatklägerin
angegebenen Adresse nicht ausfindig machen (Urk. 169/11).
3.1. Da der Beschuldigte zur Berufungsverhandlung vom 7. Oktober 2014 unent-
schuldigt nicht erschienen war (dazu vorne unter Erwägung I.2.), wurde in An-
wendung von Art. 379 StPO in Verbindung mit Art. 336 Abs. 4 StPO und Art. 366
Abs. 1 StPO auf den heutigen Tag eine neue Verhandlung angesetzt. Der heuti-
gen Verhandlung blieb der Beschuldigte ebenfalls unentschuldigt fern (Prot. III S.
17).
3.2. Gemäss Art. 379 in Verbindung mit Art. 366 Abs. 2 und 4 StPO kann die Be-
rufungsverhandlung in Abwesenheit der beschuldigten Person durchgeführt wer-
den, wenn diese zur neu angesetzten Berufungsverhandlung wiederum nicht er-
scheint, sie im bisherigen Verfahren ausreichend Gelegenheit hatte, sich zu den
ihr vorgeworfenen Taten zu äussern und die Beweislage ein Urteil ohne ihre An-
wesenheit zulässt. Vorliegend sind alle drei Voraussetzungen erfüllt. Insbesonde-
re wurde der Beschuldigte insgesamt 11 Mal zu den Tatvorwürfen befragt (vgl.
Urk. 4/1-3, 4/5, 4/7, 4/9, 4/10, 4/12-14 und Prot. I S. 6 ff.). Dass er sich im Verlau-
fe des Untersuchungsverfahrens weigerte, sich noch zu den gegen ihn erhobenen
Vorwürfen zu äussern (Urk. 4/9 S. 1 ff., Urk. 4/10 S. 1 ff., Urk. 4/12 S. 1 f. und
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Urk. 4/13 S. 4 ff.), ist unerheblich, da lediglich vorausgesetzt ist, dass der Be-
schuldigte die Gelegenheit hatte, nicht auch, dass er sie wahrnahm. Angesichts
der Beweislage ist ferner die Anwesenheit des Beschuldigten an der Berufungs-
verhandlung nicht erforderlich. Da die Sache auch sonst spruchreif ist, kann das
Gericht demnach nunmehr in Anwendung von Art. 367 Abs. 3 StPO das Urteil fäl-
len.
4.1. Vorab stellt sich die Frage, inwieweit der durch das Bundesgericht teilweise
aufgehobene obergerichtliche Entscheid vom 24. Mai 2011 überprüft werden kann
und muss.
4.2. Die Bindungswirkung bundesgerichtlicher Rückweisungsentscheide ergibt
sich nicht aus dem kantonalen Recht, sondern ausschliesslich aus dem Bundes-
recht. Früher wurde sie für Zivil- und Strafsachen in Art. 66 Abs. 1 OG resp. Art.
277ter BStP ausdrücklich statuiert, heute ergibt sie sich aus dem ungeschriebenen
Bundesrecht; diese Bestimmung wurde wegen ihrer Selbstverständlichkeit nicht in
das per 1. Januar 2007 in Kraft getretene Bundesgerichtsgesetz überführt (BGE
135 III 334 E. 2.1; Urteil 1B_183/2010 vom 14. Juli 2010 E. 2; Botschaft vom 28.
Februar 2001 zur Totalrevision der Bundesrechtspflege, BBl 2001 IV 4346 Ziff.
4.1.4.5). Im Falle eines bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheids hat die mit
der Neubeurteilung befasste kantonale Instanz die rechtliche Beurteilung, mit der
die Rückweisung begründet wird, ihrer Entscheidung zugrunde zu legen. Auf-
grund der Bindungswirkung ist es den nochmals mit der Sache befassten Gerich-
ten wie den Parteien verwehrt, der Überprüfung einen anderen als den bisherigen
Sachverhalt zu unterstellen oder die Sache unter rechtlichen Gesichtspunkten zu
prüfen, die im Rückweisungsentscheid ausdrücklich abgelehnt oder überhaupt
nicht in Erwägung gezogen worden sind (BGE 135 III 334 E. 2 und E 2.1 S. 335 f.
mit Hinweisen, vgl. hierzu auch Urteile des Bundesgerichts 6B_372/2011 vom 12.
Juli 2011 E. 1, 6B_1013/2010 vom 17. Mai 2011 E. 2.1 und 6B_754/2010 vom 4.
April 2011 E. 2.2.1). Die kantonale Instanz hat sich bei der neuen Entscheidung
damit auf das zu beschränken, was sich aus den Erwägungen des Bundesge-
richtsentscheids als Gegenstand der neuen Beurteilung ergibt. Im Falle einer
Kassation des Urteils infolge Gutheissung einer Beschwerde in Strafsachen soll
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folglich nicht das ganze Verfahren neu in Gang gesetzt werden, sondern nur in-
soweit, als dies notwendig ist, um den verbindlichen Erwägungen des Bundesge-
richts Rechnung zu tragen. In den Grenzen des Verbots der reformatio in peius
kann sich dabei die neue Entscheidung auch auf Punkte beziehen, die vor Bun-
desgericht nicht angefochten waren, sofern dies der Sachzusammenhang erfor-
dert (BGE 123 IV 1 E. 1; BGE 117 IV 97 E. 4; Urteil 6S.270/2003 vom 28. No-
vember 2003 E. 3.2.1 und 3.3.1).
4.3. Wie dargelegt hiess das Bundesgericht in seinem Urteil vom 20. Februar
2012 in Dispositivziffer 1 die Beschwerde der Oberstaatsanwaltschaft teilweise
gut, hob Dispositivziffer 2 Alinea 1 und 2 des Urteils des Obergerichts des Kan-
tons Zürich vom 24. Mai 2011 auf und wies die Sache zu neuer Entscheidung an
die Vorinstanz zurück. Im Übrigen wurde die Beschwerde abgewiesen, soweit da-
rauf eingetreten wurde (Urk. 95 S. 10). Unter Zugrundelegung der diesbezügli-
chen Erwägungen des Bundesgerichts ist von der erkennenden Instanz erneut zu
prüfen, ob der Beschuldigte mit Bezug auf die von ihm bezogenen IV-Rente und
Kinderrenten des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB zum Nachteil der
SVA Zürich sowie bezüglich der ihm geleisteten Ergänzungsleistungen des mehr-
fachen Betruges im Sinne von Art. 146 As. 1 StGB resp. eventualiter der mehrfa-
chen Widerhandlung gegen Art. 31 Abs. 1 lit. a ELG bzw. Art. 16 Abs. 1 aELG
zum Nachteil der Geschädigten Gemeinde E._ und Stadt F._ schuldig
ist. Als Folge davon ist auch über die Strafe und deren Vollzug sowie über das
zweitinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv neu zu befinden, wie dies
die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich in ihrer Beschwerde an das Bun-
desgericht beantragt hatte, worauf das Bundesgericht aber, da es den Sachver-
halt als ungenügend erstellt erachtete, nicht eintrat. Hingegen sind Dispositivziffer
1 (Schuldspruch betreffend Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB zum Nach-
teil der SVA Zürich [Hilflosenentschädigung], Urkundenfälschung im Sinne von
Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und Gläubigerschädigung durch Vermögensverminde-
rung im Sinne von Art. 164 StGB), Dispositivziffer 2 teilweise (Freispruch vom
Vorwurf der Bevorzugung eines Gläubigers im Sinne von Art. 167 StGB gemäss
alinea 3) und Dispositivziffer 5 (Bestätigung der erstinstanzlichen Kostenregelung)
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des Urteils des Obergerichts des Kantons Zürich vom 24. Mai 2011 in Rechtskraft
erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist.
5.1. Mit Eingabe vom 26. Mai 2014 (Urk. 159) stellte der amtliche Verteidiger un-
ter Bezugnahme auf die Präsidialverfügung vom 15. April 2014 folgende drei An-
schlussfragen an die Gutachter:
"1. Kann das Vorhandensein einer psychischen Erkrankung mit Diagnosestellung
nach einem gängigen Klassifikationssystem ausgeschlossen werden, dies insbe-
sondere unter Berücksichtigung der ausgesprochen spärlichen psychiatrisch-
fachärztlichen Dokumentationslage (vgl. Seite 5 des Gutachtens)?
2. Wäre zur Beantwortung vorstehender Frage eine persönliche Begutachtung des
Beschuldigten erforderlich?
3. Wieso kann eine krankheitswerte Störung als Ursache (der Diskrepanzen) nicht
angenommen werden (vgl. Seite 10 [recte: Seite 11] des psychiatrischen Akten-
gutachtens von Prof. Dr. D._)?"
5.2. Mit Präsidialverfügung vom 5. Juni 2014 wurden diese Anschlussfragen
einstweilen nicht zugelassen (Urk. 160).
5.3. Es besteht kein Anlass, darauf zurückzukommen. Die Antwort auf die An-
schlussfrage 1 ergibt sich bereits aus dem polydisziplinären Aktengutachten vom
19. November 2013, nachdem der für den psychiatrischen Teil des Gutachtens
zuständige Sachverständige Prof. Dr. med. D._ seine Antworten unter Zu-
grundelegung der von ihm als führende Verdachtsdiagnose bezeichneten, nach
ICD-10 klassifizierten somatoformen Störung (F45 als Oberbegriff) formulierte
(Urk. 130 S. 13). Prof. Dr. D._ tat dies ohne persönliche Begutachtung des
Beschuldigten, weshalb sich die Antwort auf die Anschlussfrage 2 ebenfalls be-
reits aus dem polydisziplinären Aktengutachten vom 19. November 2013 ergibt.
Ferner erklärte Prof. Dr. D._ im Gutachten, dass die im vorliegenden Fall
aufgetretenen Diskrepanzen zwischen der als schwerst angegebenen Hilflosigkeit
und den im fraglichen Zeitraum dokumentierten Handlungen sich über eine psy-
chiatrische Störung sicher nicht erklären liessen. Er ergänzte, dass eine gewisse
bewusstseinsnahe Aggravation von vorhandenen Beschwerden bei vielen psychi-
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schen, insbesondere neurotisch geprägten Störungen durchaus begründbar und
fast typisch sei, eine solche krankheitswerte Störung als Ursache im vorliegenden
Fall aber nicht als Erklärung angenommen werden könne (Urk. 130 S. 11 f.). Prof.
Dr. D._ stützt seine Einschätzung, wonach mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsfähigkeit von zumindest 50 % bestanden habe, auf
die seines Erachtens im Dossier immer wieder sichtbar werdenden Ressourcen
des Beschuldigten (aktives, gezieltes Handeln des Exploranden, Planung, Ent-
scheidungsfähigkeit etc.; Urk. 130 S. 13). Dies ist dahingehend zu verstehen,
dass nach seiner Auffassung aufgrund der Art und des Ausmasses der Diskre-
panzen eine krankheitswerte Störung als Ursache der Diskrepanzen nicht ange-
nommen werden kann. Damit fehlt es an der Relevanz der von der Verteidigung
gestellten drei Anschlussfragen.
6.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 7. Oktober 2014 stellte der Vertei-
diger den Beweisantrag, der Beschuldigte sei persönlich psychiatrisch zu begut-
achten. Das Bundesgericht habe in seinem Urteil 9C_286/2014 vom 8. August
2014, E. 3.2, zur Frage, ob einem Aktengutachten voller Beweiswert zukomme
oder nicht, festgehalten, auch reine Aktengutachten könnten beweiskräftig sein,
sofern ein lückenloser Befund vorliege und es im Wesentlichen nur um die fach-
ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhaltes
gehe, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den
Hintergrund rücke. Dies gelte auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen
Regionaler Ärztlicher Dienste. Schon dass es sich dabei um einen sozialversiche-
rungsrechtlichen Entscheid handle, bei dem lediglich der Beweisgrad der "über-
wiegenden Wahrscheinlichkeit" erforderlich sei, während im Strafrecht ein Nach-
weis mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" gefordert werde, wecke
Bedenken an der Einholung eines blossen Aktengutachtens. Die vorliegende
Ausgangslage wecke erst recht Bedenken: Es gebreche an einem feststehenden
medizinischen Sachverhalt, es liege offenkundig kein lückenloser Befund vor, und
dass die direkte ärztliche Befassung mit der Person in den Hintergrund rücke,
könne wohl ernsthaft nicht behauptet werden. Alle Voraussetzungen für ein be-
weiskräftiges Aktengutachten würden fehlen, und zwar sowohl für ein sozialversi-
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cherungsrechtliches Verfahren wie erst recht für ein strafrechtliches Verfahren
(Urk. 172 S. 3 f.).
6.2. Es ist nicht ersichtlich, was eine persönliche psychiatrische Begutachtung des
Beschuldigten zur Sachverhaltserstellung beitragen könnte. Prof. Dr. D._ gab
seine Einschätzung unter Zugrundelegung der von ihm als führende Verdachtsdi-
agnose bezeichneten, nach ICD-10 klassifizierten somatoformen Störung (F45 als
Oberbegriff) ab, obwohl keine entsprechende psychiatrische Diagnose gestellt
worden und auch keine nachvollziehbare psychiatrische Behandlung erfolgt war.
Er legte seiner Beurteilung damit den aus seiner Sicht für den Beschuldigten
günstigsten Sachverhalt zugrunde. Dass er anschliessend dennoch von einer mit
an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorliegenden Arbeitsfähigkeit von
zumindest 50 % ausging, begründete er, wie bereits dargelegt, mit den seines Er-
achtens im Dossier immer wieder sichtbar werdenden Ressourcen des Beschul-
digten (dazu vorne unter Erwägung 5.3.). An den sich aus den Akten ergebenden
Ressourcen des Beschuldigten würde dessen persönliche psychiatrische Begut-
achtung nichts ändern. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass
eine solche Begutachtung sich in irgendeiner Form zu Gunsten des Beschuldigten
auswirken könnte. Aufgrund der Einschätzung von Prof. Dr. D._, an der zu
zweifeln kein Anlass besteht, kann umgekehrt auch ausgeschlossen werden,
dass eine persönliche psychiatrische Begutachtung zu für den Beschuldigten un-
günstigeren Erkenntnissen führen würde (Urk. 130 S. 13). Von der Einholung ei-
nes persönlichen psychiatrischen Gutachtens über den Beschuldigten ist daher
abzusehen.
6.3. Ob der Beschuldigte überhaupt bereit wäre, an einer persönlichen psychiatri-
schen Begutachtung mitzuwirken, nachdem der Verteidiger in seiner Eingabe vom
3. Mai 2013 (Urk. 117) mitgeteilt hatte, dass dieser keine Begutachtung wolle, und
nachdem er zwei Mal unentschuldigt der Berufungsverhandlung fernblieb, kann
unter diesen Umständen offen bleiben.
- 17 -
III. Sachverhalt
1. Zur Diskussion steht nach dem Rückweisungsentscheid des Bundesgerichtes
noch der Teil des eingeklagten Sachverhalts, in welchem dem Beschuldigten zu-
sammengefasst vorgeworfen wird, er habe mit unwahren Angaben über seinen
Gesundheitszustand die ihn behandelnden Ärzte getäuscht und gestützt auf die
von diesen ausgestellten Berichte und Arztzeugnisse, welche ihm eine Arbeitsun-
fähigkeit zwischen 70 und 100 % attestierten, sowie gestützt auf seine eigenen
Angaben gegenüber der SVA Zürich im Zeitraum vom 1. Mai 2001 bis 30. No-
vember 2008 zu Unrecht eine IV-Rente von der SVA Zürich, im Zeitraum vom 1.
Mai 2001 bis 31. Mai 2008 zu Unrecht eine Kinderrente für den Sohn G._
von der SVA Zürich, im Zeitraum vom 1. Mai 2001 bis 30. November 2008 zu Un-
recht ein Kinderrente für den Sohn H._ von der SVA Zürich sowie im Zeit-
raum vom 1. Mai 2001 bis 30. April 2008 zu Unrecht Ergänzungsleistungen von
der Gemeinde E._ und der Stadt F._ bezogen. Auf diese Weise habe er
von der SVA Zürich insgesamt Fr. 119'306.– (ordentliche IV-Rente in Höhe von
Fr. 69'266.–, Kinderrente G._ in Höhe von Fr. 24'032.– und Kinderrente
H._ in Höhe von Fr. 26'008.–), von der Gemeinde E._ Fr. 152'158.– und
von der Stadt F._ Fr. 119'120.– erhalten, ohne dass er Anspruch auf diese
Gelder gehabt habe (Urk. 30/2 S. 3 ff.).
2.1. Das erkennende Gericht sprach den Beschuldigten in seinem Urteil vom 24.
Mai 2011 von den Vorwürfen des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB
zum Nachteil der Privatklägerin (IV-Rente und Kinderrenten) sowie des mehrfa-
chen Betruges im Sinne von Art. 146 As. 1 StGB resp. eventualiter der mehrfa-
chen Widerhandlung gegen Art. 31 Abs. 1 lit. a ELG bzw. Art. 16 Abs. 1 aELG
zum Nachteil der Geschädigten Gemeinde E._ und Stadt F._ nach dem
Grundsatz in dubio pro reo frei, weil sich nach seiner Einschätzung mit den vor-
handenen Beweismitteln nicht mit rechtsgenügender Sicherheit erstellen liess,
dass die Arbeitsfähigkeit des Beschuldigten in der Zeitspanne bis 31. Dezember
2003 mehr als 33 1/3 % betrug und in der Zeitspanne danach 30 % überschritt
(Urk. 85 S. 14). Es setzte sich dabei mit der Möglichkeit auseinander, vor dem Er-
lass des Urteils ein polydisziplinäres Gutachten über die Arbeitsfähigkeit des Be-
- 18 -
schuldigten im deliktsrelevanten Zeitraum erstellen zu lassen, verwarf diese aber
mit der Begründung, dass nicht ersichtlich sei, wie im heutigen Zeitpunkt die ge-
naue körperliche und psychische Verfassung des Beschuldigten in der deliktsre-
levanten Zeitspanne festgestellt werden könne (Urk. 85 S. 8 und S. 14). Das Bun-
desgericht ging, wie sich aus seinem Urteil vom 20. Februar 2012 implizit ergibt,
ebenfalls davon aus, dass sich mit den vorhandenen Beweismitteln nicht erstellen
lasse, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschuldigten in der Zeitspanne bis 31. De-
zember 2003 mehr als 33 1/3 % betrug und in der Zeitspanne danach 30 % über-
schritt. Es schätzte jedoch die Erfolgschancen, durch ein Gutachten weitere Er-
kenntnisse zu diesem Thema zu erhalten, – wie sich nunmehr gezeigt hat zu
Recht – anders ein (Urk. 95 S. 9).
2.2. In allen übrigen Punkten wurde der Sachverhalt, den die erkennende Instanz
ihrem Urteil vom 24. Mai 2011 zugrunde gelegt hatte, vom Bundesgericht nicht in
Frage gestellt, weshalb dieser auch dem vorliegenden Entscheid zugrunde zu le-
gen ist. Im Rahmen der Untersuchung sowie anlässlich der erstinstanzlichen Ver-
handlung hatte der Beschuldigte die Sachverhaltsdarstellung gemäss der Ankla-
geschrift bezüglich deren Ziffern I.1., I.3. und I.4. sowie bezüglich der Ziffer II. den
Bezug der aufgeführten Leistungen von der Gemeinde E._ sowie der Stadt
F._ anerkannt (Urk. 4/2 S. 15; Prot. I S. 10 und 15). Diese Anerkennung
deckt sich ausser bezüglich des letzten Absatzes von Anklageziffer I.1.1. mit dem
Beweisergebnis, weshalb der Sachverhalt insoweit erstellt ist. Trotz entsprechen-
der Anerkennung nicht erstellt ist hingegen, dass der Beschuldigte anlässlich der
Erhebungen der SVA Zürich vom 22. Oktober 2002 die in der Anklageschrift im
letzten Absatz von Anklageziffer I.1.1. genannten Behauptungen aufstellte. Dem
Abklärungsbericht für Hilflosenentschädigung vom 31. Oktober 2002 (Urk. 11/19)
ist zu entnehmen, dass die zuständige Abklärungsperson am 22. Oktober 2002
die Familie A._ besucht habe, aber lediglich die Frau des Beschuldigten zu-
hause anwesend gewesen sei. Der Beschuldigte habe am Sonntag zuvor notfall-
mässig ins Spital F._ gehen müssen. Die Ehefrau des Beschuldigten habe
angeboten, gemeinsam mit ihr ins Spital zu fahren, um dort mit dem Beschuldig-
ten zu sprechen. Sie habe dies nicht zwingend nötig gefunden und die Abklärun-
gen mit der Ehefrau des Beschuldigten durchgeführt. Demnach stammten die Be-
- 19 -
hauptungen im letzten Absatz von Anklageziffer I.1.1. nicht vom Beschuldigten,
sondern von dessen Ehefrau.
2.3. Im Urteil vom 24. Mai 2011 wurde der Anklagesachverhalt Ziffer I. mit Bezug
auf die Aktivitäten, zu denen der Beschuldigte fähig gewesen sein soll (Urk. 30/2
S. 5, Anklageziffer I.2.), nicht in allen Punkten geprüft. Dies erweist sich aber
nunmehr als notwendig. Ferner sind bei der Sachverhaltserstellung betreffend
Anklageziffer II. erhebliche Ergänzungen notwendig. Für die dazu zur Verfügung
stehenden Beweismittel und deren Verwertbarkeit kann grundsätzlich auf die Aus-
führungen im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 70 S. 7 ff.) sowie im Urteil vom 24. Mai
2011 (Urk. 85 S. 11 f.) verwiesen werden. Zu ergänzen ist, dass die Aussagen der
Ehefrau des Beschuldigten sowie dessen Sohnes G._ bei der Polizei
(Urk. 5/1/1, 5/1/2 und 5/2/1) auch nach der Schweizerischen Strafprozessordnung
nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertbar sind. Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK
garantierte und für das schweizerische Recht aus Art. 147 StPO hervorgehende
Anspruch des Beschuldigten, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist ein
besonderer Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren nach Art. 6 Ziff. 1 EMRK.
Mit der Garantie soll ausgeschlossen werden, dass ein Strafurteil auf Aussagen
von Zeugen und Auskunftspersonen abgestützt wird, ohne dass dem Beschuldig-
ten wenigstens einmal angemessene und hinreichende Gelegenheit gegeben
wurde, deren Aussagen in Zweifel zu ziehen und Fragen an diese zu stellen (Ur-
teil 6B_183/2013 vom 10. Juni 2013 E. 1.3. f. mit Hinweisen). Sowohl die Ehefrau
des Beschuldigten als auch der Sohn G._ beriefen sich anlässlich ihrer Zeu-
geneinvernahmen bei der Staatsanwaltschaft auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht
(Urk. 5/1/3 und 5/2/2), weshalb sie ihre anlässlich der polizeilichen Einvernahmen
deponierten Aussagen nicht in einem Rahmen bestätigten, in dem der Beschul-
digte seine prozessualen Rechte ausüben konnte. Der Verwertung dieser Aussa-
gen zu Lasten des Beschuldigten stünde daher Art. 147 Abs. 4 StPO entgegen.
Die Aussagen des Zeugen I._ über Äusserungen, welche die Ehefrau des
Beschuldigten ihm gegenüber gemacht haben soll, sind mit einem namhaften Teil
der Lehre (vgl. die Zusammenstellung der Literatur im Urteil des Bundesgerichts
vom 20. Februar 2012, Urk. 95 S. 5 f.) auch unter dem Regime der Schweizeri-
- 20 -
schen Strafprozessordnung als nicht zu Ungunsten des Beschuldigten verwertbar
zu betrachten.
3.1. Was Anklageziffer I.2. angeht, ist aufgrund der Einträge in den Agenden des
Beschuldigten, der Ein- und Ausreisestempel in seinen Reisepässen, durch zwei
Reisecoupons der J._ Reisen AG sowie aufgrund seiner eigenen Angaben
erstellt, dass der Beschuldigte in der Lage war, allein und ohne fremde Hilfe ca.
acht Mal pro Jahr – teilweise für mehrere Wochen – in seine Heimat Serbien zu
reisen und dass er im Zeitraum von Januar 2001 bis Juli 2002 mindestens zwölf
solcher Reisen unternahm, wobei er für diese Fahrten vielfach einen Bus benutzte
(Urk. 85 S. 14 f. in Verbindung mit Urk. 70 S. 18 f.; Urk. 2/2 und 2/3; Urk. 4/4/1;
Urk. 4/7 S. 7 f.; Urk. 4/8/7-8; Urk. 10/1-3). Dass die Einträge in den Agenden vom
Beschuldigten persönlich stammen und er dabei klar zwischen Aktivitäten, die von
Dritten auf seine Anweisung unternommen wurden, und solchen, die er persönlich
vornahm, unterschied, wurde bereits von der Vorinstanz nachgewiesen, weshalb
auf ihre diesbezüglichen Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 70 S. 19 ff.
und S. 23; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Aus den Agenda-Einträgen des Beschuldigten ergibt sich ferner, dass er sei-
ne Frau, die er u.a. K._ nennt (Urk. 4/9 S. 1), am 5. April, 12. Juli, 25. No-
vember und 27. Dezember 2001 sowie am 20. Januar, 20. März, 14. April, 19. Juli
und 25. Juli 2002 und seine beiden Söhne am 25. November 2001 sowie am 9.
März 2002 schlug (Urk. 2/2 und 2/3), somit seine Frau insgesamt neun Mal und
seine Söhne zwei Mal (Urk. 85 S. 13 f.). Auch wenn die genauen Umstände die-
ser Vorfälle nicht bekannt sind, ergibt sich daraus, dass der Beschuldigte die Kraft
und die Beweglichkeit dazu hatte und ist seine Behauptung anlässlich der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung, er sei dazu körperlich nicht in der Lage gewe-
sen (Prot. I S. 11), mit Bezug auf diese Übergriffe widerlegt. Soweit die Anklage-
behörde mit ihrer zeitlich nicht umgrenzten Sachverhaltsdarstellung geltend ma-
chen will, der Beschuldigte habe über den genannten Zeitraum hinaus seine Frau
und Söhne geschlagen und demnach die Kraft und Beweglichkeit dazu gehabt,
lässt sich dies nicht erstellen, da für weitere körperliche Übergriffe des Beschul-
digten auf seine Familie keine Beweise vorliegen. Unter diesen Umständen ist
- 21 -
ferner die von der Anklagebehörde verwendete Wendung "mehrmals monatlich",
wie bereits von der Vorinstanz moniert (Urk. 70 S. 21), nicht korrekt.
3.3. Im Zusammenhang mit seiner früheren beruflichen Tätigkeit ist anhand der
Agenda-Einträge erstellt, dass der Beschuldigte an insgesamt 48 Tagen im Zeit-
raum vom 23. Januar 2001 bis 26. Juli 2002 sowohl in der Schweiz als auch in
Serbien in der Lage war, sich mit dem Kauf oder Verkauf von Autos und Ersatztei-
len zu beschäftigen sowie Autoreparatur- und Servicearbeiten selbst vorzuneh-
men (vgl. Urk. 85 S. 13 sowie die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in Urk.
70 S. 22). In diesem Zusammenhang ist zu präzisieren, dass sich aus den vor-
handenen Beweismitteln nicht ergibt, wie viel Zeit und welchen körperlichen Ein-
satz die jeweiligen Aktivitäten tatsächlich in Anspruch nahmen. Aufgrund der An-
gaben in der Agenda ist aber in zeitlicher Hinsicht davon auszugehen, dass diese
Aktivitäten jedenfalls teilweise während mehreren Stunden am Tag vorgenommen
wurden (Urk. 85 S. 13). Soweit die entsprechende Sachverhaltsdarstellung in der
Anklageschrift dahingehend zu verstehen ist, dass der Beschuldigte in einem wei-
teren Umfang seiner früheren beruflichen Tätigkeit nachging, kann ihm dies man-
gels entsprechender Anhaltspunkte nicht nachgewiesen werden.
3.4. Dass der Beschuldigte an neun Tagen im Haushalt aushalf resp. Heimwer-
kertätigkeiten und dergleichen verrichtete, ist ebenfalls erstellt (vgl. Urk. 85 S. 13).
Hier ist zu präzisieren, dass sich aus seinen Agenda-Einträgen ergibt, dass er im
Zeitraum von 10. Januar 2001 bis 26. Juli 2002 mehrmals fähig war, Sachen ein-
und auszuladen und ein Mal, nämlich am 26. März 2002, Pneus aus dem Keller
hinaufzutragen, dass er am 27. Mai 2002 in der Lage war, ein Bett zu demontie-
ren und es auf den Parkplatz hinauszuwerfen, und dass er am 5. und 6. März
2002 ein defektes Küchenfenster ersetzen konnte (Urk. 2/3). Dafür, dass der Be-
schuldigte diese Tätigkeiten häufiger ausgeführt hätte, liegen keine Anhaltspunkte
vor, weshalb ihm dies nicht nachgewiesen werden kann und die Anklage in dieser
Hinsicht teilweise zu weit gefasst ist.
3.5. Aufgrund der Agenda-Einträge des Beschuldigten ist sodann erstellt, dass er
während neun nicht aufeinanderfolgenden Tagen auf einer Baustelle in Serbien
tätig war, wobei der zeitliche Aufwand für diese Aktivitäten nicht bekannt ist und
- 22 -
auch nicht klar ist, welche Tätigkeiten der Beschuldigte konkret ausübte, ausser,
dass er am 12. Juli 2002 während einer unbekannten Zeitspanne Platten polierte,
am 17. Juli 2002 während einer unbekannten Zeitspanne einen (Haus-)Eingang
für das Betonieren vorbereitete, am 19. Juli 2002 während einer unbekannten
Zeitspanne beim Betonieren der Hälfte des Hauseingangs mitwirkte und vorhatte,
entweder am nächsten Tag oder drei Tage später während einer unbekannten
Zeitspanne beim Verlegen der Platten im Hauseingang mitzuwirken (Urk. 2/3).
3.6. Dass der Beschuldigte sich, wie im Anklagesachverhalt behauptet wird, aktiv
an der Einrichtung eines Restaurants in Serbien habe beteiligen und im Restau-
rant habe arbeiten können, lässt sich nicht beweisen. Zwar weist der Inhalt ver-
schiedener Telefongespräche in diese Richtung. So erklärte G._, der ältere
Sohn des Beschuldigten, seinem Bruder H._, dem jüngeren Sohn des Be-
schuldigten, in einem Telefongespräch vom 20. September 2007 auf dessen Fra-
ge, wo der Vater sei, dieser sei jetzt in ... und arbeite in der Beiz. Die Frage von
H._, ob diese schon offen sei, verneinte G._, und fügte an, dass "er" nur
noch den Boden machen und den Tisch rein tun müsse und dann alles fertig sei
(Urk. 19/3). In einem Telefongespräch vom 6. Oktober 2007 erklärte der Beschul-
digte gegenüber seiner Ehefrau, dass er ein Zimmer für die Kinder bauen werde,
ob es seinem Bruder passe oder nicht. Im Haus brauche es keine Küche, weil
sich ja unten ein Gasthaus befinde (Urk. 19/4). Am 21. November 2007 erklärte er
gegenüber seiner Ehefrau auf deren Frage, ob es dort, wo er arbeite, fast fertig
sei, dass man nur noch einen Tag benötige. Man müsse nur noch etwas an-
schrauben, aber die Tische und Stühle seien schon da. L._ müsse nur noch
das für die Vorhänge anschrauben und es putzen (Urk. 19/4). In zwei Telefonge-
sprächen des Beschuldigten mit seiner Ehefrau am 22. November 2007 ist von
Tischtüchern die Rede, die die Ehefrau gekauft habe resp. noch kaufen und mit
dem Bus schicken solle (Urk. 19/4), und in einem Telefongespräch vom 24. No-
vember 2007 teilte der Beschuldigte seiner Ehefrau mit, dass er vielleicht noch ein
Tischtuch brauche (Urk. 19/4). Der Beschuldigte sagte dazu in seiner Einvernah-
me vom 16. April 2009 aus, er habe nur seinem Bruder, der ein Restaurant eröff-
net und deshalb Handwerker gehabt habe, mit Rat zur Seite gestanden (Urk. 4/2
S. 13). In seiner Einvernahme vom 7. Mai 2009 blieb er bei dieser Darstellung
- 23 -
(Urk. 4/3 S. 12 und S. 18 f.), und anlässlich seiner Einvernahme vom 20. Mai
2009 machte er ebenfalls geltend, dass er seinem Bruder (lediglich) mit seinem
Wissen geholfen habe (Urk. 4/7 S. 3 f.). Da nicht ausgeschlossen werden kann,
dass G._ im Telefongespräch vom 20. September 2007 mit "er" eine andere
Person als den Beschuldigten, insbesondere dessen Bruder meinte, und auch
sonst aus den Protokollen der Telefongespräche nicht klar wird, wem das Restau-
rant gehört und was der Beschuldigte damit genau zu tun hat, lässt sich die Dar-
stellung des Beschuldigten nicht rechtsgenügend widerlegen, zumal dieser,
wenngleich er häufig in Serbien war, einen guten Teil des Jahres in der Schweiz
verbrachte und es nach der Eröffnung eines neuen Restaurants eher seltsam
anmuten würde, wenn der Inhaber oder Mitverantwortliche derart häufig abwe-
send wäre.
3.7. Erstellt ist ferner aufgrund seiner Zugabe anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung (Prot. I S. 13) sowie einer bei den Akten liegenden Videoauf-
nahme (Urk. 2/5), dass der Beschuldigte an einem Tag mehrmals einen Schlitten
einen leichte Steigung hinaufziehen und anschliessend diese Steigung damit hin-
unterschlitteln konnte. Soweit ihm in der Anklageschrift vorgeworfen wird, er sei
generell in der Lage gewesen zu schlitteln, lässt sich dies, wenngleich auf der Vi-
deoaufnahme vom Schlittelausflug keine körperlichen Einschränkungen des Be-
schuldigten erkennbar sind, mit den vorhandenen Beweismitteln nicht nachwei-
sen, weshalb die Anklage diesbezüglich zu weit gefasst wäre.
3.8. Dass der Beschuldigte nicht auf Stöcke resp. Gehhilfen angewiesen war,
ergibt sich einerseits aus den Aussagen von M._, einem Nachbarn des Be-
schuldigten. Dieser führte als Zeuge unter der strengen Strafandrohung von Art.
307 StGB aus, dass er den Beschuldigten ab ca. 2005 während Jahren regel-
mässig ein bis zwei Mal pro Woche getroffen, dabei aber nie gesehen habe, wie
dieser Stöcke resp. Gehhilfen benützt habe (Urk. 6/4/3 S. 2 ff.). Diese Aussagen
erscheinen glaubhaft; Gründe, aus denen M._ wahrheitswidrig ausgesagt
haben könnte, sind nicht ersichtlich. Anderseits lässt sich aus den sichergestellten
Videoaufnahmen, die den Beschuldigten während einer Zeitspanne von ca. 10
Minuten ohne Stöcke resp. Gehhilfen an einem Familienfest und ferner beim
- 24 -
Schlitteln zeigen (Urk. 2/5), ableiten, dass dieser nicht darauf angewiesen war.
Schliesslich erscheint es aber auch äusserst unwahrscheinlich, dass der Be-
schuldigte Pneus aus dem Keller hinauftragen, ein Bett aus dem Fenster werfen,
Autos reparieren und ähnliche Arbeiten verrichten konnte, wenn er auf Stöcke
resp. Gehhilfen angewiesen war. Somit ist auch die Behauptung des Beschuldig-
ten anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, er sei nie ohne Gehstöcke
gegangen (Prot. I S. 14), widerlegt. Dass im Amtsbericht des Bezirksgefängnisses
Dielsdorf vom 12. Dezember 2007 festgehalten wird, der Beschuldigte sei zur
Verrichtung alltäglicher Arbeiten nicht auf die Hilfe Dritter angewiesen, benötige
aber zum Teil einen Stock (Urk. 8/2 S. 1), steht dem nicht entgegen. Es hätte er-
staunt, wenn der Beschuldigte in einem Rahmen, in dem er unter behördlicher
Beobachtung stand, keinen Stock resp. keine Gehhilfe benützt hätte, hätte er
doch sonst befürchten müssen, dass der Verdacht aufkommen könnte, er beziehe
die Renten der IV, die Hilflosenentschädigung und die Ergänzungsleistungen zu
Unrecht.
3.9. Dass der Beschuldigte seit 1. April 2005 über die serbische Fahrberechtigung
für die Kategorie C (Lastwagen) und seit 3. Februar 2006 über die serbische
Fahrberechtigung für die Kategorie E (Anhänger) verfügt, ist durch die Fotokopie
eines Duplikats seines entsprechenden Führerausweises (Urk. 1/2/1) belegt und
wurde von ihm anlässlich der Einvernahme vom 7. Mai 2009 sowie anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung auch bestätigt (Urk. 4/3 S. 12; Prot. I S. 13 f.).
Anlässlich der Einvernahme vom 7. Mai 2009 bejahte der Beschuldigte die Frage,
ob er die Prüfungen ordentlich absolviert habe. Er erklärte, zunächst gebe es eine
Theorieprüfung, für die er zuhause stundenlang am Computer gelernt habe, da er
ja genügend Zeit gehabt habe, um für die Kategorie C zu lernen. Dann gebe es
zusätzlich noch fünf praktische Fahrstunden. Er habe aber nur eine halbe Stunde
benötigt, da sein Instruktor gleich gesehen habe, dass er vom Fach sei. Er habe
ihn dann gleich zur Prüfung zugelassen. Nach zehn Minuten Prüfungszeit habe
ihn der Prüfungsexperte verabschiedet, weil er von seinen Fähigkeiten so über-
zeugt gewesen sei. Für die Kategorie E werde nur gefordert, dass man den An-
hänger ankupple und eine Runde mit dem Instruktor fahre, was zehn Minuten
dauere. Auf die Frage, ob er den Instruktor "geschmiert" habe, antwortete der Be-
- 25 -
schuldigte, dies sei nicht möglich, es seien ein Verkehrsinstruktor und ein Ver-
kehrspolizist dabei, er habe diese Prüfungen nicht gekauft (Urk. 4/3 S. 13 f.). So-
mit ist die in der Anklageschrift enthaltene Schilderung, der Beschuldigte habe die
Lastwagenprüfung absolvieren können, insbesondere auch durch dessen Aussa-
gen erstellt. Ob er in der Folge Lastwagen fuhr, was der Beschuldigte verneinte
(Urk. 4/3 S. 14 f.), ist für die Sachverhaltserstellung unerheblich, da dies in der
Anklageschrift nicht behauptet wird.
3.10. Dass der Beschuldigte problemlos Fahrrad fahren konnte, lässt sich mit den
vorhandenen Beweismitteln nicht nachweisen. Er gab jedoch an, dass er in der
Lage war, mit einer Pause während einer Stunde Fahrrad zu fahren (Urk. 4/2 S.
12; vgl. auch Urk. 4/3 S. 24), worauf er zu behaften ist.
3.11. Hingegen lässt sich, wie schon die Vorinstanz festhielt, nicht erstellen, dass
der Beschuldigte, wie in der Anklageschrift umschrieben, in der Lage war, Rasen
zu mähen und zu tanzen. Auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz
kann verwiesen werden (Urk. 70 S. 25).
3.12. Damit ist mit Bezug auf die in Anklageziffer I.2. genannten Aktivitäten, zu
denen der Beschuldigte in der Lage gewesen sein soll, folgender Sachverhalt er-
stellt:
a) Er war im fraglichen Zeitraum in der Lage, allein und ohne fremde Hilfe ca.
acht Mal pro Jahr – teilweise für mehrere Wochen – in seine Heimat Serbien
zu reisen, wobei er für diese Fahrten vielfach einen Bus benützte. Im Zeit-
raum von Januar 2001 bis Juli 2002 unternahm er mindestens zwölf solcher
Reisen.
b) Er hatte die Kraft und die Beweglichkeit, um im Zeitraum vom 10. Januar
2001 bis 26. Juli 2002 neun Mal seine Ehefrau und zwei Mal seine beiden
Söhne zu schlagen, wobei die genauen Umstände dieser Vorfälle nicht be-
kannt sind.
c) Er war sowohl in der Schweiz wie in Serbien an insgesamt 48 Tagen im Zeit-
raum vom 23. Januar 2001 bis 26. Juli 2002 in der Lage, sich mit dem Kauf
- 26 -
oder Verkauf von Autos und Ersatzteilen zu beschäftigen sowie Autorepara-
tur- und Servicearbeiten selbst vorzunehmen, wobei nicht bekannt ist, wie
viel Zeit und welchen körperlichen Einsatz die jeweiligen Aktivitäten in An-
spruch nahmen, jedoch davon auszugehen ist, dass dies jedenfalls teilweise
mehrere Stunden am Tag waren.
d) Er war im Zeitraum vom 10. Januar 2001 bis 26. Juli 2002 mehrmals in der
Lage, Sachen ein- und auszuladen und ein Mal, Pneus aus dem Keller hin-
aufzutragen.
e) Er war am 27. Mai 2002 in der Lage, ein Bett zu demontieren und es auf den
Parkplatz hinauszuwerfen.
f) Er konnte am 5./6. März 2002 ein defektes Küchenfenster ersetzen.
g) Er war während neun nicht aufeinanderfolgenden Tagen auf einer Baustelle
in Serbien tätig, wobei der zeitliche Aufwand für diese Aktivitäten nicht be-
kannt ist und auch nicht klar ist, welche Tätigkeiten der Beschuldigte konkret
ausübte, ausser, dass er am 12. Juli 2002 während einer unbekannten Zeit-
spanne Platten polierte, am 17. Juli 2002 während einer unbekannten Zeit-
spanne einen (Haus-)Eingang für das Betonieren vorbereitete, am 19. Juli
2002 während einer unbekannten Zeitspanne beim Betonieren der Hälfte
des Hauseingangs mitwirkte und vorhatte, entweder am nächsten Tag oder
drei Tage später während einer unbekannten Zeitspanne beim Verlegen der
Platten im Hauseingang mitzuwirken.
h) Er konnte an einem Tag mehrmals einen Schlitten eine leichte Steigung hin-
aufziehen und anschliessend damit hinunterschlitteln.
i) Er war nicht auf Stöcke resp. Gehhilfen angewiesen.
j) Er konnte in Serbien die Lastwagenprüfung absolvieren.
k) Er konnte mit einer Pause während einer Stunde Fahrrad fahren.
- 27 -
3.13. Dass der Beschuldigte, wie ihm in der Anklage vorgeworfen wird (Urk. 30/2
S. 5), die behandelnden Ärzte sowie die Sozialversicherungsanstalt nicht über die
Fähigkeit aufklärte, diese Aktivitäten auszuüben, ist unbestritten und auch durch
den Inhalt der bei den Akten liegenden Arztzeugnisse und -berichte (Urk. 11/5,
Urk. 11/9, Urk. 11/13, Urk. 11/16, Urk. 11/29 und Urk. 11/36) sowie die von ihm
zuhanden der SVA Zürich ausgefüllten Dokumente (Urk. 11/6, Urk. 11/34 und
Urk. 11/39) erstellt.
4.1. Die Anklagebehörde schliesst aus der Fähigkeit des Beschuldigten zu den
obgenannten Aktivitäten, dass dieser weder an den geltend gemachten immobili-
sierenden Rückenschmerzen noch an den anderen geschilderten physischen und
psychischen Gebrechen gelitten habe (Urk. 30/2 S. 5, Anklageziffer I.2., erster
Absatz). Sie geht davon aus, dass der Beschuldigte während der Dauer des Be-
zuges der IV-Rente sowie der Kinderrenten keinen Rentenanspruch hatte. Dies
wurde vom Beschuldigten sowohl während der Untersuchung als auch anlässlich
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bestritten (Urk. 4/1, Urk. 4/2 S. 10 ff. und
S. 16; Prot. I S. 14).
4.2. Das Bundesgericht wies die erkennende Instanz an, zur Frage des Invalidi-
tätsgrads des Beschuldigten im fraglichen Zeitraum ein Gutachten einzuholen
(Urk. 95 S. 9). Mit Gutachtensauftrag vom 17. Mai 2013 (Urk. 119) wurde dieser
Anweisung nachgekommen, wobei angesichts dessen, dass der diesem Urteil
zugrunde zu legende Sachverhalt vor der Urteilsberatung nicht feststand, mit Hy-
pothesen gearbeitet und den Gutachtern zu den Tätigkeiten, zu denen der Be-
schuldigte in der Lage gewesen sein soll, drei verschiedene Sachverhaltsvarian-
ten unterbreitet wurden. Dabei entsprach Variante 1 der Sachverhaltsdarstellung
gemäss Ziff. I.2. in der Anklageschrift und Variante 3 dem diesbezüglich nunmehr
erstellten Sachverhalt gemäss den Erwägungen unter Ziffer III.3.12., während Va-
riante 2 aufgrund des Beweisergebnisses zu Anklageziffer I.2. zu verwerfen ist.
Die vom amtlichen Verteidiger in seiner Eingabe vom 13. Juni 2013 geübte Kritik
an die Fragestellung im Gutachtensauftrag (Urk. 124) geht, da auf Variante 3 im
Gutachtensauftrag abzustellen ist und alle zu dieser Variante genannten Tätigkei-
ten dem erstellten Sachverhalt entsprechen, an der Sache vorbei. Der amtliche
- 28 -
Verteidiger warf in diesem Zusammenhang ferner die Frage auf, inwiefern das
"Vorhaben, bei etwas mitzuwirken" in die Fragestellung hineingehöre (Urk. 124).
Wenn der Beschuldigte etwas vorhatte, lässt sich daraus ableiten, dass er im
Zeitpunkt seines Vorhabens davon ausging, zu einer derartigen Handlung in der
Lage zu sein, was für die Frage seiner körperlichen und psychischen Verfassung
durchaus von Relevanz ist. Die vom amtlichen Verteidiger geübte Kritik an die
Fragestellung im Gutachtensauftrag im Zusammenhang mit dem Absolvieren der
Lastwagenprüfung (Urk. 124) ist angesichts des erstellten Sachverhalts zu die-
sem Thema nicht gerechtfertigt. Das von ihm bevorzugte Verb "Erwerben" kann in
dem Sinne verstanden werden, dass der Beschuldigte keine Prüfung zu absolvie-
ren hatte, sondern den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie Lastwagen ein-
zig gegen Bezahlung erhielt, was vom Beschuldigten glaubhaft in Abrede gestellt
wurde und nicht dem erstellten Sachverhalt entspricht.
4.3. Das Bundesgericht hielt in seinem Urteil vom 20. Februar 2012 fest, von ei-
nem Vermögensschaden sei auszugehen, wenn aus medizinischer Sicht mit an
Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststehe, dass in Kenntnis der wahren
Fähigkeiten nicht von einem Invaliditätsgrad von 66 2/3 % bzw. 70 % auszugehen
gewesen wäre und der Beschuldigte daher keinen Anspruch auf eine volle IV-
Rente gehabt hätte. Verfüge das Gericht für die Beantwortung dieser Frage nicht
über die erforderlichen Fachkenntnisse, müsse es Sachverständige beiziehen
(Urk. 95 S. 9). Aus diesem Grund wurde im Gutachtensauftrag in erster Linie die
Frage gestellt, ob der Beschuldigte im Zeitraum vom 26. Mai 2001 bis 31. Dezem-
ber 2003 zu 66 2/3 % oder mehr und im Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis 30. No-
vember 2008 zu 70 % oder mehr invalid war (Urk. 119 S. 8). Die SVA Zürich wies
in ihrer Stellungnahme vom 2. Mai 2013 darauf hin, dass die Invaliditätsfrage nicht
durch die medizinische Fachperson zu beantworten sei, sondern diese lediglich
die Grundlage hierfür zu liefern habe (Urk. 116). Angesichts der Vorgabe des
Bundesgerichts hielt das erkennende Gericht in seinem Beschluss vom 17. Mai
2013 dennoch an der erwähnten Frage fest (Urk. 118 S. 3). Im Gutachten wurde
festgehalten, da es nicht im ärztlichen Ermessen liege, die Invalidität zu beurtei-
len, werde bei der Beantwortung der Fragen die Arbeitsfähigkeit aus medizini-
scher Sicht adressiert (Urk. 130 S. 1 f.; Urk. 131 S. 1). Wie nachfolgend auszufüh-
- 29 -
ren sein wird, liefert das Gutachten dennoch auch massgebliche Anhaltspunkte
für die Beantwortung der Frage einer allfälligen Invalidität.
4.4. Prof. Dr. med. D._ kam in seinem psychiatrischen Aktengutachten vom
19. November 2013 samt Antwort auf die Anschlussfragen des Gerichts vom
4. April 2014 (Urk. 130 und Urk. 154) zum Schluss, dass bei Würdigung des kon-
kreten Falls und unter Einbezug der im Dossier immer wieder sichtbar werdenden
Ressourcen des Beschuldigten und nicht nur rein theoretischer abstrakter Argu-
mentation im fraglichen Zeitraum mit der seiner Einschätzung nach zur Diskussi-
on stehenden Diagnose einer somatoformen Störung als führender Verdachtsdi-
agnose bei allen drei Varianten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
eine Arbeitsfähigkeit von zumindest 50 % bestand. Nach seiner Einschätzung be-
stand zudem für die Variante 1 im fraglichen Zeitraum mit an Sicherheit grenzen-
der Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsfähigkeit von mehr als 60 %, während er dies
für die Varianten 2 und 3 lediglich als überwiegend wahrscheinlich erachtete (Urk.
130 S. 13 und Urk. 154 S. 2). Es besteht kein Anlass zu Zweifeln an der schlüssig
begründeten und plausiblen Einschätzung dieses Sachverständigen, weshalb im
Folgenden davon auszugehen ist.
4.5. Wie vorstehend ausgeführt, ist aufgrund der Sachverhaltserstellung zu den
Tätigkeiten, zu denen der Beschuldigte in der fraglichen Zeitspanne in der Lage
war, von der den Gutachtern unterbreiteten Variante 3 auszugehen. Analysiert
man die Angaben von Prof. Dr. med. D._ unter Zugrundelegung des an-
wendbaren Beweisgrades der mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit,
war der Beschuldigte seiner Ansicht nach aus psychiatrischer Sicht in der fragli-
chen Zeitspanne in seiner angestammten und/oder in einer leidensadaptierten Tä-
tigkeit zu mindestens 50 %, nicht aber zu mehr als 60 % arbeitsfähig. Zwar wurde
vom Vertreter der Privatklägerin zu Recht argumentiert, der zu beurteilende Zeit-
raum beginne bereits am 26. Mai 2000, da der Rentenanspruch erst nach Ablauf
des Wartejahres einsetze (Urk. 176 S. 2). Für die Zeit vom 26. Mai 2000 bis 25.
Mai 2001 lässt sich indes den Akten nichts entnehmen, was auf eine höhere als
die von Prof. Dr. D._ angenommene Arbeitsfähigkeit schliessen lassen wür-
de, zumal dieser auch die in der Anklageschrift genannten und erstellten Aktivitä-
- 30 -
ten im Zeitraum bis zum 25. Mai 2001 (Reisen nach Serbien, Schlagen der Ehe-
frau, Beschäftigung mit dem Kauf oder Verkauf von Autos und Ersatzteilen, Vor-
nahme von Autoreparatur- und Servicearbeiten, Ein- und Ausladen von Gegen-
ständen) mitberücksichtigte. Da sich der Invaliditätsgrad aus dem Verhältnis zwi-
schen Validen- und Invalideneinkommen ergibt und der Gutachter auf Anschluss-
frage des Gerichts hin ausdrücklich erklärte, seine Einschätzung gelte auch, wenn
einzig auf die angestammte Tätigkeit abgestellt werde (Urk. 154 S. 2), bedeutet
dies, dass der Beschuldigte gestützt auf die Einschätzung von Prof. Dr. D._
aus psychiatrischer Sicht höchstens Anspruch auf eine einem Invaliditätsgrad von
50 % entsprechende IV-Rente, mithin auf eine halbe IV-Rente, hatte.
4.6. Im orthopädischen Aktengutachten vom 19. November 2013 kam der für den
Fachbereich Orthopädie zuständige Sachverständige Prof. Dr. med. C._ zum
Schluss, dass aus orthopädischer Sicht aus dem Ergebnis der in den Akten ent-
haltenen umfassenden orthopädisch-rheumatologisch-neurologischen Untersu-
chungen in Kombination mit den vom Gericht geschilderten Aktivitäten für alle drei
Sachverhaltsvarianten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit geschlos-
sen werden könne, dass der Beschuldigte im Zeitraum vom 26. Mai 2001 bis 31.
Dezember 2003 zu weniger als 66 2/3 % und im Zeitraum vom 1. Januar 2004 bis
30. November 2008 zu weniger als 70 % arbeitsunfähig in angestammter
und/oder leidensangepasster Tätigkeit und dieser im gleichen Zeitraum zu weni-
ger als 40 % arbeitsunfähig in leidensangepasster Tätigkeit war (Urk. 131 S. 5).
Er begründete dies u.a. damit, dass die Untersuchungen in zwei unabhängigen
Spezialkliniken für Wirbelsäulenleiden in Zürich (Universitätsklinik Balgrist,
Schulthess Klinik) mit umfassender Bildgebung erwiesen hätten, dass auf somati-
schem Gebiet eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit in rentenbegründendem Aus-
mass nicht vorgelegen habe und die vorgebrachten subjektiven körperlichen Be-
einträchtigungen grösstenteils nicht auf organischer Basis beruhten. Durch die
Aktivitäten gemäss der Fragestellung im Gutachten würden die ärztlichen Aussa-
gen bei allen drei Varianten bestätigt und werde ihre Wahrscheinlichkeit auf ein
an Sicherheit grenzendes Niveau gehoben (Urk. 131 S. 4). Auf entsprechende
Anschlussfrage des Gerichts erklärte Prof. Dr. C._ in seiner Antwort vom 11.
März 2014, die Antwort auf Frage 1 gelte in gleicher Weise auch, wenn aus-
- 31 -
schliesslich auf die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Autome-
chaniker abgestellt werde. Auf die Anschlussfrage, an welche leidensangepassten
Tätigkeiten beim Beschuldigten zu denken sei, antwortete der Gutachter, als sol-
che seien aus medizinischer Sicht alle Tätigkeiten anzusehen, bei denen keine
grösseren körperlichen Belastungen als bei einem Automechaniker auftreten und
die einen Wechsel der Körperpositionen ohne Zwangshaltungen ermöglichen, wie
beispielsweise Tätigkeiten als Tankwart, Reinigungspersonal, Zustellbote, Maga-
ziner, Bewachungspersonal u.ä. (Urk. 153). Gründe, aus welchen der Einschät-
zung dieses Sachverständigen nicht zu folgen wäre, sind nicht ersichtlich.
4.7. Analysiert man die Ausführungen von Prof. Dr. C._ unter Zugrundele-
gung des anwendbaren Beweisgrades der mit an Sicherheit grenzenden Wahr-
scheinlichkeit, hatte der Beschuldigte gestützt auf dessen Einschätzung im fragli-
chen Zeitraum keinen Anspruch auf die von ihm bezogene volle IV-Rente, denn
damit, dass Prof. Dr. C._ davon ausgeht, dass der Beschuldigte im Zeitraum
vom 26. Mai 2001 bis 31. Dezember 2003 zu mindestens 33 1/3 % und im Zeit-
raum vom 1. Januar 2004 bis 30. November 2008 zu mindestens 30 % arbeitsfä-
hig in angestammter und/oder leidensangepasster Tätigkeit war, waren die ent-
sprechenden Voraussetzungen nicht erfüllt. Da Prof. Dr. C._ davon ausgeht,
dass der Beschuldigte im fraglichen Zeitraum in einer leidensadaptierten Tätigkeit
zu mindestens 60 % arbeitsfähig war, hatte der Beschuldigte aber mit an Sicher-
heit grenzender Wahrscheinlichkeit auch keinen Anspruch auf eine Dreiviertels-
rente, wie sie mit der 4. IV-Revision per 1. Januar 2004 eingeführt wurde. Nur
wenn er im Zeitraum ab 1. Januar 2004 im ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit ei-
nem 60 % übersteigenden Arbeitspensum in einer leidensadaptierten Tätigkeit
nicht in der Lage gewesen wäre, mindestens 40 % desjenigen Einkommens zu
erzielen, das er als Automechaniker bei einem 100 %-Pensum hätte erzielen kön-
nen, hätte von einer Invalidität von mindestens 60 % (aber unter 66 2/3 resp. 70
%) und damit ab 1. Januar 2004 von einem Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
ausgegangen werden können. Angesichts der von Prof. Dr. C._ exempla-
risch aufgeführten leidensangepassten Tätigkeiten – Tankwart, Reinigungsperso-
nal, Zustellbote, Magaziner, Bewachungspersonal u.ä. (Urk. 153) – und ange-
sichts dessen, dass der Beschuldigte bei seiner letzter beruflichen Tätigkeit vor
- 32 -
der Einreichung des Rentengesuchs gemäss eigenen Angaben auf ein Einkom-
men von Fr. 3'500.– brutto pro Monat kam, kann dies mit an Sicherheit grenzen-
der Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Da die nächstuntere Rentenstu-
fe, die halbe IV-Rente, einen Invaliditätsgrad von mindestens 50 % voraussetzt
und gestützt auf die psychiatrische Komponente ohnehin nicht von einem tieferen
oder von keinem Rentenanspruch ausgegangen werden kann, kann die Frage, ob
die Invalidität aus orthopädischer Sicht weniger als 50 % betrug oder aus ortho-
pädischer Sicht gar kein Rentenanspruch bestand, offen bleiben. Dass der Be-
schuldigte, wie vom Vertreter der Privatklägerin behauptet, mit einer einfachen
und repetitiven Tätigkeit im Jahr 2000 ein Einkommen von etwa Fr. 55'000.– und
im Jahr 2004 ein solches von etwa Fr. 57'000.– hätte erzielen können (Urk. 176
S. 5), wurde nicht weiter begründet und liegt auch nicht ohne Weiteres auf der
Hand, weshalb auf diese Argumentation nicht näher einzugehen ist. Nicht stich-
haltig ist ferner das Argument des Vertreters der Privatklägerin, der Beschuldigte
sei gemäss Handelsregister noch bis 7. Januar 2004 als Mitinhaber und Gesell-
schafter der N._ GmbH tätig gewesen (Urk. 176 S. 5). Ein Eintrag als Mitin-
haber und Gesellschafter lässt nicht auf ein bestimmtes Arbeitspensum oder Ein-
kommen, an sich nicht einmal auf irgendeine Aktivität der eingetragenen Gesell-
schaft schliessen.
4.8. Somit ist davon auszugehen, dass der Invaliditätsgrad des Beschuldigten
höchstens 50 % betrug und er daher höchstens Anspruch auf eine halbe IV-Rente
hatte, weshalb bei den nachfolgenden Erwägungen von einem Invaliditätsgrad
von 50 % und einem Anspruch auf eine halbe IV-Rente auszugehen ist.
4.9. Dass der Beschuldigte während der Dauer des Bezuges der IV-Rente und
der Kinderrenten jederzeit vollumfänglich arbeitsfähig war und überhaupt keinen
Rentenanspruch gehabt hätte, wie die Anklagebehörde in der Anklageschrift gel-
tend macht (Urk. 30/2 S. 5 ff.), lässt sich dagegen aufgrund der Erwägungen unter
Ziffer III.4.4. ff. nicht mit rechtsgenügender Sicherheit nachweisen, weshalb der
eingeklagte Sachverhalt insofern nicht erstellt ist. Die vom Vertreter der Privatklä-
gerin angeführte bundesgerichtliche Rechtsprechung (Urk. 176 S. 5) ändert daran
nichts. Die Privatklägerin stützte sich bei der Zusprechung der IV-Rente insbe-
- 33 -
sondere auf den Bericht von Dr. med. O._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, vom 17. April 2001 (Urk. 11/5; Urk. 11/14-15). Dieser stellte
in seinem Bericht die Diagnose "Schmerzsyndrom, vegetative Dysbalance auf-
grund psychosozialer Not und psychosomatischem Konfliktverarbeitungsmodus",
und leitete die von ihm veranschlagte Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in Höhe
von 70 % direkt daraus ab (Urk. 11/5 S. 2). Die Privatklägerin musste somit bei ih-
rem Rentenentscheid mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausgehen,
dass der Beschuldigte einzig oder jedenfalls im Wesentlichen an einer somato-
formen Schmerzstörung litt und hielt im internen Bericht vom 14. August 2002
denn auch fest: "Bericht Dr. med. O._ vom 17.04.01: Die bestehenden
Schmerzen lassen sich nicht objektivieren" (Urk. 11/15 S. 1). Da sie dem Be-
schuldigten unter diesen Umständen dennoch eine IV-Rente zusprach, verhält sie
sich widersprüchlich, wenn sie sich nunmehr darauf beruft, dass im Gutachten
einzig (als Verdachtsdiagnose) eine somatoforme Schmerzstörung festgehalten
werde, womit sich im konkreten Fall eine Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätig-
keit nicht begründen lasse (Urk. 176 S. 5). Ähnlich verhält es sich mit ihrer Argu-
mentation, der Beschuldigte habe sich vor Mai 2000 aus freien Stücken mit einem
sehr tiefen Einkommen begnügt, und bei einem Valideneinkommen, das nicht
einmal die Hälfte des – ihrer Ansicht nach hypothetisch erzielbaren – Invaliden-
einkommens betrage, bestehe keine Erwerbseinbusse und somit auch kein Ren-
tenanspruch (Urk. 176 S. 5). Zum einen war der Privatklägerin das geringe Ein-
kommen des Beschuldigten vor Mai 2000, auf das sie ihre heutige Argumentation
stützt, im Zeitpunkt ihres Rentenentscheids bekannt, weshalb sie sich auch dies-
bezüglich widersprüchlich verhält, wenn sie nunmehr geltend macht, es habe un-
ter den gegebenen Umständen kein Rentenanspruch bestanden. Zum andern
hinkt ihre Argumentation ohnehin, da beim Valideneinkommen ebenfalls auf das
hypothetisch erzielbare Einkommen abzustellen ist (Art. 16 ATSG). Dass darüber
hinaus nicht ohne Weiteres ersichtlich ist, wie der Beschuldigte mit einer einfa-
chen und repetitiven Tätigkeit im Jahr 2000 ein Einkommen von etwa Fr. 55'000.–
und im Jahr 2004 ein solches von etwa Fr. 57'000.– hätte erzielen können (Urk.
176 S. 5), wurde bereits unter Erwägung III.4.7. dargelegt.
- 34 -
4.10. Ebenfalls nicht erstellt ist, dass der vom Beschuldigten den ihn behandeln-
den Ärzten gegenüber geschilderte Vorfall vom 26. Mai 2000, wonach er in sit-
zender, nach vorne geneigter Stellung mit der rechten Hand einen Schraubenzie-
her habe aufheben wollen, worauf sich starke Schmerzen im lumbosakralen
Übergang mit Ausstrahlung über das Gesäss, den dorsolateralen Oberschenkel
sowie den lateralen Schenkel bis zu allen Zehen bemerkbar gemacht hätten, nicht
der Realität entsprochen habe, wie dies in der Anklageschrift geltend gemacht
(Urk. 30/2 S. 3 und S. 5), vom Beschuldigten aber bestritten wird. Prof. Dr.
C._ hielt im orthopädischen Gutachten fest, aus der ausführlichen Beschrei-
bung der klinischen Befunde und den vollständigen bildgebenden Untersuchun-
gen sowie des Verlaufs werde (u.a.) deutlich, dass beim Beschuldigten am 26.
Mai 2000 eine akute Ischialgie (Kreuz-/Beinschmerz mit Kraftlosigkeit) rechts auf-
getreten sei, am ehesten ausgelöst durch eine geringfügige Diskushernie L5/S1
mit möglicher Kompression der Nervenwurzel S1, wie die Computertomographie
am 30. Mai 2000 zeige, wobei die Diskushernie sich nach der Akutphase inner-
halb weniger Wochen zurückgebildet habe und im Dezember 2001 nicht mehr
nachweisbar gewesen sei (Urk. 131 S. 2 f.). Das vom Beschuldigten geschilderten
Geschehen vom 26. Mai 2000 steht somit mit den objektivierten Befunden in Ein-
klang. Dagegen kann aufgrund der Ergebnisse des polydisziplinären Gutachtens
kein Zweifel daran bestehen, dass die während der Jahre 2001 bis 2003 sowie im
Revisionsverfahren in den Jahren 2004 und 2005 direkt oder indirekt gegenüber
der SVA Zürich behaupteten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht der Reali-
tät entsprachen. Insbesondere wurde durch das Gutachten der Nachweis dafür
erbracht, dass der Beschuldigte im Zeitraum des Rentenbezugs weder, wie von
ihm geltend gemacht, an Rückenschmerzen, die ihn immobilisiert hätten, noch im
von ihm geltend gemachten Ausmass an den anderen physischen und psychi-
schen Gebrechen litt, welche seine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit und seine
schwere Hilflosigkeit belegen sollten. Vielmehr muss aufgrund des Gutachtens
davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte zwar unter gewissen ge-
sundheitlichen Beschwerden und Einschränkungen insbesondere im psychischen
Bereich litt, diese aber nicht eine 100 %-ige, sondern eine 50 %-ige Arbeitsunfä-
- 35 -
higkeit resp. Invalidität verursachten. Der erste Absatz von Anklageziffer I.2. lässt
sich demzufolge nur in diesem Sinne erstellen.
4.11. Da der Beschuldigte zu den Tätigkeiten gemäss erstelltem Sachverhalt zu
Anklageziffer I.2. in der Lage war und sich daraus ableiten lässt, dass sein Invali-
ditätsgrad höchstens 50 % betrug, muss davon ausgegangen werden, dass er
diese Tätigkeiten, wie ihm von der Anklagebehörde vorgeworfen wird (Urk. 30/2
S. 5), allen behandelnden Ärzten sowie der SVA Zürich gegenüber mit Bedacht
verschwieg und stets im Bewusstsein handelte, dass seine unwahren Angaben
nicht überprüfbar waren. Dass er der SVA Zürich eine ganze Fülle von Arztzeug-
nissen mit falschen Diagnosen zustellte – resp. von seinen Ärzten zustellen liess
–, um damit bei der Getäuschten keinerlei Zweifel an der Richtigkeit der von ihm
behaupteten vollumfänglichen Arbeits- und Erwerbstätigkeit aufkommen zu las-
sen, steht angesichts des Inhalts des polydisziplinären Gutachtens ausser Zwei-
fel. Ferner ergibt sich aus den Zeugnissen und Berichten, die von den behandeln-
den, in der Anklageschrift genannten Ärzten ausgestellt wurden, dass es diesen
nicht gelang, die Unwahrheit der Schilderungen des Beschuldigten zu erkennen.
Unter diesen Umständen und unter der Prämisse, dass keine relevante Opfermit-
verantwortung vorliegt, was im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu prüfen sein
wird (dazu nachfolgend unter Erwägung IV.3.3.3.), ist der Schluss der Anklagebe-
hörde, auch die SVA Zürich sei nicht in der Lage gewesen, die Wahrheit zu er-
kennen, nicht zu beanstanden. Die Abklärungen am 22. Oktober 2002 wurden
zwar nicht, wie in der Anklageschrift behauptet, beim Beschuldigten, sondern bei
dessen Ehefrau vorgenommen (dazu vorne unter Erwägung III.2.2.), aber dass
diese keinen Verdacht weckten, ist durch den Bericht der Abklärungsperson vom
31. Oktober 2002 (Urk. 11/19) ebenfalls erstellt.
4.12. Aus den vorstehenden Erwägungen erhellt, dass die SVA Zürich – und zwar
selbst dann, wenn von einer relevanten Opfermitverantwortung auszugehen wäre
- irrtümlich der Auffassung war, der Beschuldigte sei zu 70 % arbeitsunfähig (Urk.
11/14-15, Urk. 11/22) resp. ab der in den Jahren 2004/2005 vorgenommenen
Rentenrevision zu 100 % (Urk. 11/38), sie daher die Verfügung vom 10. Januar
2003 (Urk. 11/22) erliess und ihm deshalb die in der Anklageschrift aufgeführten
- 36 -
Rentenleistungen (ordentliche IV-Rente in Höhe von Fr. 69'266.–, Kinderrente
G._ in Höhe von Fr. 24'032.– und Kinderrente H._ in Höhe von Fr.
26'008.–; Urk. 30/2), deren Auszahlung vom Beschuldigten nicht bestritten wird
(Prot. I S. 10), entrichtete. Indem die SVA Zürich in den fraglichen Zeiträumen ei-
ne ganze IV-Rente für den Beschuldigten und zwei ganze Kinderrenten für die
Söhne G._ und H._ ausbezahlte, obwohl aufgrund des Invaliditätsgra-
des von 50 %, von dem vorliegend auszugehen ist, nur ein Anspruch auf eine
halbe IV-Rente und zwei halbe Kinderrenten bestand, leistete sie Fr. 59'653.–
mehr als tatsächlich geschuldet war, was einen entsprechenden Vermögens-
schaden zum ihrem Nachteil nach sich zog. Die Sachverhaltsschilderung in An-
klageziffer I.4. ist daher lediglich insoweit erstellt.
5.1. Was die in der Anklageschrift unter Anklageziffer II. behaupteten deliktischen
Handlungen zum Nachteil der Gemeinde E._ sowie der Stadt F._ an-
geht, bestritt der Beschuldigte die Sachverhaltsschilderung der Anklagebehörde in
den Anklageziffern II.1. und II.2. nicht und gestand ausdrücklich ein, im Zeitraum
vom 1. Mai 2001 bis 30. April 2005 Ergänzungsleistungen in Höhe von insgesamt
Fr. 152'158.– von der Gemeinde E._ sowie im Zeitraum vom 1. Mai 2005 bis
30. April 2008 Ergänzungsleistungen in Höhe von insgesamt Fr. 119'120.– von
der Stadt F._ bezogen zu haben (Urk. 4/3 S. 1; Prot. I S. 15). Dies stimmt mit
der Aktenlage überein, weshalb der Sachverhalt insoweit erstellt ist.
5.2. Dass die Behörden in E._ und F._, wie in der Anklageschrift unter
Anklageziffer II.3. (Urk. 30/2 S. 8) ausgeführt wird, nicht befugt waren, die Frage
zu überprüfen, ob der Beschuldigte zu Recht eine (volle) Invalidenrente bezog,
sondern dass die vom Beschuldigten durch die Täuschung der SVA Zürich resp.
den dadurch bei ihr bewirkten Irrtum erwirkte volle IV-Rente automatisch dazu
führte, dass dem Beschuldigten Ergänzungsleistungen in der in der Anklageschrift
genannten Höhe zugesprochen werden mussten, ergibt sich aus Art. 2 und 2c
lit. a aELG resp. Art. 4 Abs. 1 lit. c ELG.
5.3. Wie die Vorinstanz zu Recht festhielt und von der Anklagebehörde im Beru-
fungsverfahren auch nicht mehr in Frage gestellt wird (Urk. 174 S. 2), lässt sich
aber nicht erstellen, dass der Beschuldigte im fraglichen Zeitraum seinen Le-
- 37 -
bensmittelpunkt nicht in der Schweiz, sondern in Serbien hatte, wie dies in der
Anklageschrift in Anklageziffer II.4. (Urk. 30/2 S. 8 f.) behauptet wird, vom Be-
schuldigten aber anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung bestritten
wurde (Prot. I S. 15). Auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz kann
verwiesen werden (Urk. 70 S. 29).
5.4.1. Nicht erstellen lässt sich ferner, dass die Gemeinde E._ und die Stadt
F._ im vollen Umfang der von ihnen geleisteten Ergänzungsleistungen ge-
schädigt wurden, wie dies in der Anklageschrift unter Ziff. II.3. (Urk. 30/2 S. 8 f.)
behauptet wird.
5.4.2. Wie bereits angesprochen haben Personen mit Wohnsitz und gewöhnli-
chem Aufenthalt in der Schweiz nach Art. 4 Abs. 1 lit. c ELG (u.a.) Anspruch auf
Ergänzungsleistungen, wenn sie Anspruch auf eine IV-Rente haben. Dabei be-
trägt die Karenzfrist für Ausländerinnen und Ausländer nach Art. 5 Abs. 1 ELG
zehn Jahre. Ein analoger Anspruch bestand vor dem 1. Januar 2008 nach Art. 2
Abs. 2 lit. a und Art. 2c aELG.
5.4.3. Bei IV-Teilrenten wird davon ausgegangen, dass es möglich und zumutbar
ist, im Rahmen der Resterwerbsfähigkeit ein Einkommen zu erzielen. Nach dem
erstellen Sachverhalt zu Anklageziffer I. hatte der Beschuldigte während des hier
relevanten Zeitraums vom 1. Mai 2001 bis 30. April 2008 nicht Anspruch auf die
von ihm bezogene ganze, sondern lediglich auf eine halbe IV-Rente. Gemäss Art.
14a Abs. 1 ELV i.V.m. Art. 3a Abs. 7 lit. c aELG in der Fassung bis 31. Dezember
2007 resp. Art. 9 Abs. 5 lit. c ELG wird Invaliden als Erwerbseinkommen grund-
sätzlich der Betrag angerechnet, den sie im massgebenden Zeitabschnitt tatsäch-
lich verdient haben. In Art. 14a Abs. 2 ELV wird festgehalten, welches Erwerbs-
einkommen Invalidenrentnern unter 60 Jahren als Erwerbseinkommen mindes-
tens anzurechnen ist, womit bei Nichterreichen dieses Grenzbetrages die Vermu-
tung eines freiwilligen Verzichts auf Erwerbseinkünfte (Art. 3c Abs. 1 lit. g aELG
resp. Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG) statuiert wird. Diese Vermutung kann widerlegt
werden, wenn invaliditätsfremde Gründe wie Alter, mangelnde Ausbildung und
Sprachkenntnisse, persönliche Umstände oder die Arbeitsmarktsituation die Ver-
wertung der Resterwerbsfähigkeit erschweren oder verunmöglichen. Unter dem
- 38 -
Titel des Verzichtseinkommens gemäss Art. 3c Abs. 1 lit. g aELG resp. Art. 11
Abs. 1 lit. g ELG ist ferner gemäss Art. 3a Abs. 4 aELG resp. Art. 9 Abs. 2 ELG
ein hypothetisches Einkommen des Ehepartners eines Ergänzungsleistungs-
Ansprechers anzurechnen, sofern dieser auf eine zumutbare Erwerbstätigkeit o-
der deren zumutbare Ausdehnung verzichtet (BGE 117 V 287 E. 3b S. 291 f.; AHI
2001 S. 133 P 18/99 E. 1b). Ob und allenfalls in welchem Umfang dem Ehepart-
ner eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, ist stets im konkreten Einzelfall
zu prüfen, unter Berücksichtigung familienrechtlicher, namentlich im Bereich des
nachehelichen Unterhalts geltender Grundsätze (BGE 117 V 287 E. 3c S. 292).
Abzustellen ist somit auf das Alter, den Gesundheitszustand, die Sprachkenntnis-
se, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die konkrete Arbeitsmarktlage sowie
gegebenenfalls auf die Dauer der Abwesenheit vom Berufsleben (BGE 134 V 53
E. 4.1 S. 61 mit Hinweisen; Urteil 9C_916/2011 vom 3. Februar 2012 E.1.3).
5.4.4. Es wurde nicht behauptet und ist auch nicht ersichtlich, dass der Beschul-
digte im fraglichen Zeitraum aus invaliditätsfremden Gründen kein Teil-
Einkommen hätte erzielen können, zumal er gemäss seinen Angaben im IV-
Verfahren bis zum 30. April 2000 als Geschäftsführer der N._ GmbH gear-
beitet hatte und dabei ein Brutto-Einkommen von Fr. 3'500.– pro Monat erzielt
hatte (Urk. 11/6 S. 5) und er gemäss erstelltem Sachverhalt während des Ren-
tenbezugs teilweise als Automechaniker resp. im Autohandel tätig war. Dem Be-
schuldigten wäre daher, hätte er den Ärzten und Behörden gegenüber wahrheits-
gemässe Angaben gemacht, im Rahmen der Resterwerbsfähigkeit von 50 % ein
hypothetisches Einkommen angerechnet worden. Dieses hätte für die Zeit vom 1.
Mai 2001 bis 31. Dezember 2002 Fr. 16'880.– (Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV i.V.m.
Art. 3b Abs. 1 lit a Ziff. 1 aELG in der Fassung gemäss Art. 1 der V 01 vom 18.
September 2000 [SR 831.307], im Jahr 2001 pro rata für 8 Monate), für die Zeit
vom 1. Januar 2003 bis 31. Dezember 2004 Fr. 17'300.– pro Jahr (Art. 14a Abs. 2
lit. b ELV i.V.m. Art. 3b Abs. 1 lit a Ziff. 1 aELG in der Fassung gemäss Art. 1 der
V 03 vom 20. September 2002 [SR 831.308]), für die Zeit vom 1. Januar 2005 bis
31. Dezember 2006 Fr. 17'640.– pro Jahr (Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV i.V.m. Art. 3b
Abs. 1 lit. a Ziff. 1 aELG in der Fassung gemäss Art. 1 der V 05 vom 24. Septem-
ber 2004 [SR 831.309]) und für die Zeit vom 1. Januar 2007 bis 30. April 2008 Fr.
- 39 -
18'140.– pro Jahr (Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV i.V.m. Art. 3b Abs. 1 lit. a Ziff. 1 aELG
in der Fassung gemäss Art. 1 der V 07 vom 22. September 2006 [SR 831.310]
resp. Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG, im Jahr 2008 pro rata für 4 Monate) betra-
gen.
5.4.5. Ob zusätzlich auch für die Ehefrau des Beschuldigten ein höheres als das
tatsächlich berücksichtigte hypothetische Einkommen (vgl. Urk. 13/5-9 betreffend
die Gemeinde E._: Fr. 10'933.– pro Jahr, versehentlich beim Beschuldigten
anstatt bei der Ehegattin eingesetzt; Urk. 14/5 und Urk. 14/6 S. 6 betreffend die
Stadt F._: Fr. 17'640.–) anzurechnen gewesen wäre, nachdem der Beschul-
digte nicht hilfsbedürftig war und die Arbeitskraft seiner Ehefrau somit, anders als
dies Dr. med. O._ mit Schreiben vom 8. April 2002 gegenüber dem Fürsor-
geamt der Gemeinde E._ erklärt hatte, nicht für die praktische Betreuung und
Unterstützung des Beschuldigten gebraucht wurde (Urk. 11/12), lässt sich auf-
grund der Akten nicht sagen, ist aber nur schon wahrscheinlich, weil bei 50 %-iger
Invalidität des Anspruchsberechtigten die Abzüge gemäss Art. Art. 3c Abs. 1 lit. a
aELG resp. Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG beim (allenfalls hypothetischen) Einkommen
des Ehegatten nicht getätigt werden können (vgl. Urk. 13/5-9). Umgekehrt ist zu
berücksichtigen, dass der Beschuldigte nur Anspruch auf zwei halbe Kinderrenten
gehabt hätte (dazu vorne unter Erwägung III.4.12.), weshalb das Familienein-
kommen entsprechend tiefer gelegen wäre und sich der Anspruch auf Ergän-
zungsleistungen dadurch mutmasslich erhöht hätte. Es ist aber davon auszuge-
hen, dass der im fraglichen Zeitraum von 7 Jahren zu Unrecht ausbezahlte Betrag
für beide Gemeinden zusammen jedenfalls in einem hohen fünfstelligen Bereich
liegt und der Gemeinde E._ sowie der Stadt F._ ein entsprechender
Vermögensschaden entstand.
- 40 -
IV. Rechtliche Würdigung
A) Betrug zum Nachteil der SVA Zürich (Anklageziffer I.)
1. Die Anklagebehörde würdigt das dem Beschuldigten unter Anklageziffer I. zur
Last gelegte Verhalten betreffend den unberechtigten Bezug einer vollen IV-Rente
von der SVA Zürich im Zeitraum vom 1. Mai 2001 bis 30. November 2008, einer
vollen Kinderrente für den Sohn G._ von der SVA Zürich im Zeitraum vom 1.
Mai 2001 bis 31. Mai 2008 und einer vollen Kinderrente für den Sohn H._
von der SVA Zürich im Zeitraum vom 1. Mai 2001 bis 30. November 2008 als
mehrfachen Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB.
2.1. Wer in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern,
jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irre-
führt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden zu einem Ver-
halten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen anderen am Vermögen
schädigt, wird gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren
oder Geldstrafe bestraft.
2.2. Für ein tatbestandsmässiges Handeln im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB ist
somit (u.a.) die Absicht des Täters, sich oder einen anderen unrechtmässig zu be-
reichern und ferner ein schädigendes Verhalten des Irrenden hinsichtlich seines
Vermögens oder demjenigen eines Dritten vorausgesetzt.
3.1. Wie unter Erwägung III.4.8. dargelegt wurde, ist davon auszugehen, dass
beim Beschuldigten im Zeitraum vom 1. Mai 2001 bis 30. November 2008 ein In-
validitätsgrad von 50 % vorlag. Damit hatte der Beschuldigte lediglich Anspruch
auf eine halbe IV-Rente für sich sowie auf halbe Kinderrenten für die Söhne
G._ (bis 31. Mai 2008) und H._ (bis 30. November 2008). Indem die
SVA Zürich in den fraglichen Zeiträumen eine ganze IV-Rente für den Beschuldig-
ten und zwei ganze Kinderrenten für die Söhne G._ und H._ ausbezahl-
te, leistete sie Fr. 59'653.– mehr als tatsächlich geschuldet war, was einen ent-
sprechenden Vermögensschaden zum ihrem Nachteil nach sich zog.
- 41 -
3.2. Die SVA Zürich zahlte diese Leistungen aus und schädigte sich damit am
Vermögen, weil sie sich aufgrund der ihr vom Beschuldigten direkt oder indirekt
zu ihrer Täuschung eingereichten, unwahren Arztzeugnisse sowie der ihr zu ihrer
Täuschung gegebenen, unwahren Informationen in einem Irrtum über die Höhe
des beim Beschuldigten vorliegenden Invaliditätsgrads befand. Hätte sie gewusst,
dass beim Beschuldigten im fraglichen Zeitraum in Wirklichkeit nicht ein Invalidi-
tätsgrad von 70 oder 100 %, sondern lediglich ein solcher von 50 % vorlag, hätte
sie ohne Frage nur die Hälfte der Leistungen erbracht.
3.3.1. Damit der Tatbestand des Betrugs erfüllt ist, muss die Täuschung arglistig
erfolgt sein. Gemäss der langjährigen Praxis des Bundesgerichts zur Opfermit-
verantwortung ist dies dahingehend zu verstehen, dass falsche Angaben, die der
Getäuschte ohne besondere Mühe überprüfen kann, für die Erfüllung des objekti-
ven Tatbestands nicht genügen (BGE 72 IV 12). Wer allzu leichtgläubig auf eine
Lüge hereinfällt, die er mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit durch die
Überprüfung der falschen Angaben hätte erkennen können, soll nicht den Straf-
richter anrufen können. Dies darf aber nicht dazu führen, die Arglist einer Täu-
schung leichthin zu verneinen (BGE 128 IV 18 E. 3a). Es ist nicht vorausgesetzt,
dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle er-
denklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn das Opfer die
grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet hat (BGE 126 IV 165 E.
2a und 2e; BGE 128 IV 18 E. 3a).
3.3.2. Das Vorgehen des Beschuldigten ist entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 172 S. 7 ff.) als arglistig im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
zu qualifizieren. Zur Vermeidung von Wiederholungen kann mit der Einschrän-
kung, dass es sich entgegen den Erwägungen der Vorinstanz nicht um Fürsorge-
resp. Sozialleistungen handelte, vorab auf ihre entsprechenden Erwägungen ver-
wiesen werden (Urk. 70 S. 33 ff.).
3.3.3. Die von Prof. Dr. D._ in diesem Zusammenhang getätigte Feststellung
(Urk. 130 S. 11) betrifft die Grundlagen für die hier nicht mehr zu beurteilende Hilf-
losenentschädigung, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist. Wenn Prof. Dr.
C._, wie die Verteidigung geltend macht (Urk. 172 S. 8), in seinem Gutach-
- 42 -
ten anführt, das Ungleichgewicht bei den Abklärungen der SVA Zürich erstaune
etwas, da die übereinstimmenden Beurteilungen von zwei Referenzzentren für
Wirbelsäulenleiden, die auf appellatives Verhalten und nichtorganische Zeichen
aufmerksam gemacht und keine somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit attestiert
hätten, keinen Anlass zu einer über das psychiatrische Arztzeugnis hinausgehen-
den vertieften Exploration der psychischen Faktoren vor der Rentenverfügung ge-
geben und die Rentenrevision lediglich auf die Auskunft des internistischen Haus-
arztes abgestellt habe (Urk. 131 S. 5), kann daraus nicht geschlossen werden,
dass die SVA Zürich elementarste Vorsichtsmassnahmen nicht beachtete. Aus
dem internen Bericht ihres Medizinischen Dienstes vom 9. August 2002 (Urk.
11/14) und ihrem internen Bericht vom 14. August 2002 (Urk. 11/15) ergibt sich,
dass die 70 %-ige Arbeitsunfähigkeit, von der die SVA Zürich bei ihrem Entscheid
zur Gewährung einer vollen IV-Rente ausging, auf psychiatrischen Faktoren be-
ruhte und die SVA Zürich sich dabei auf den Bericht von Dr. med. O._, Spe-
zialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. April 2001 (Urk. 11/5)
sowie auf den Bericht des Hausarztes Dr. med. P._ vom 31. Mai 2002 (Urk.
11/13) stützte. Dr. O._, der den Beschuldigten im November 2000 erstmals
gesehen hatte, schätzte die Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auf ca.
70 %; Dr. P._ ging in seinem Bericht von einer 100 %-igen Arbeitsunfähigkeit
aus. Somit lag neben der Einschätzung des Hausarztes, eines Facharztes FMH
für Innere Medizin, zusätzlich eine Einschätzung eines Facharztes FMH für Psy-
chiatrie und Psychotherapie vor. Zudem musste die SVA Zürich, der ja, wie ihr
Vertreter zutreffend geltend machte (Urk. 176 S. 4), im damaligen Zeitpunkt nicht
bekannt war, dass der Beschuldigten zu den Aktivitäten gemäss Erwägung
III.3.12. in der Lage war, mit einer Dreistigkeit, wie sie der Beschuldigte durch die
Vortäuschung einer hochgradigen Hilfsbedürftigkeit an den Tag legte, nicht rech-
nen. Daran ändert nichts, dass, wie die Verteidigung zutreffend geltend machte
(Urk. 172 S. 8), in den Akten mehrmals von deutlicher Selbstlimitierung, von ap-
pellativem Verhalten und ungenügender Motivation die Rede ist, zumal diese Ein-
schätzungen resp. Beurteilungen, die anlässlich eines Aufenthalts des Beschul-
digten in der Klinik Balgrist im Spätsommer 2000 (Urk. 11/1 S. 3) sowie anlässlich
einer funktionsorientierten medizinischen Abklärung des Zentrums für Q._
- 43 -
GmbH am 1./2. Februar 2001 (Urk. 11/9) erfolgten, auf das Verhalten des Be-
schuldigten im Zusammenhang mit den von ihm geltend gemachten körperlichen
Beschwerden Bezug nahm und zu den psychiatrischen Faktoren nicht zwangsläu-
fig im Widerspruch stand. Auch wenn es im Nachhinein betrachtet unter den ge-
gebenen Umständen sicherlich sinnvoll gewesen wäre, den Beschuldigten vor
dem Entscheid über die Gewährung einer IV-Rente vertiefter untersuchen zu las-
sen, ist das Vorliegen einer relevanten Opfermitverantwortung zu verneinen.
3.4. Dass der Beschuldigte in der in der Anklageschrift umschriebenen Weise
vorging, um sich selber ungerechtfertigt zu bereichern, und dass er wusste, dass
er nicht Anspruch auf eine ganze IV-Rente sowie auf die damit verbundenen gan-
zen Kinderrenten hatte, steht angesichts seines im Rahmen der Sachverhaltser-
stellung aufgezeigten Gebarens ausser Frage. Mithin sind sämtliche objektiven
und subjektiven Tatbestandsmerkmale des Betrugs erfüllt.
3.5. Zu ergänzen ist, dass mangels anderer Anhaltspunkte davon auszugehen ist,
dass die betrügerischen Handlungen des Beschuldigten zum Nachteil der SVA
Zürich inkl. diejenigen betreffend Hilflosenentschädigung, die zur rechtskräftigen
Verurteilung wegen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB gemäss Urteil
vom 24. Mai 2011 führten, zwar in mehreren Teilakten vorgenommen wurden,
aber auf einem Gesamtvorsatz beruhten. Es ist deshalb von einem Einheitsdelikt
und damit von einfacher Tatbegehung auszugehen, auch wenn der Deliktserfolg
sich über einen mehr als 7 1⁄2 Jahre umfassenden Zeitraum hinweg manifestierte.
Vom Einheitsdelikt erfasst ist auch die Angabe auf dem Fragebogen für Revision
der Invalidenrente/Hilflosenentschädigung vom 20. September 2004, der Ge-
sundheitszustand sei gleich geblieben (vgl. Anklageziffer I.1.2.; Urk. 11/34).
4. Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vorliegen, ist der
Beschuldigte betreffend IV-Rente und Kinderrenten des Betruges im Sinne von
Art. 146 Abs. 1 StGB zum Nachteil der Geschädigten SVA Zürich schuldig zu
sprechen. Aufgrund des Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2
StPO entfällt die Prüfung des qualifizierten Tatbestandes gemäss Art. 146 Abs. 2
StGB, nachdem die Anklagebehörde die Verurteilung gestützt auf Art. 146 Abs. 1
- 44 -
StGB verlangt hatte und den entsprechenden Schuldspruch der Vorinstanz nicht
angefochten hat.
B) Mehrfacher Betrug, eventualiter mehrfache Widerhandlung gegen Art. 31 Abs.
1 lit. a ELG zum Nachteil der Gemeinde E._ und der Stadt F._ betref-
fend Zusatzleistungen (Anklageziffer II.)
1. Den unter Anklageziffer II. eingeklagten Sachverhalt qualifizierte die Vorinstanz
als mehrfachen Betrug im Sinne von Art. 146 StGB (zum Tatbestand siehe oben
unter A/1.2.).
2. Durch den Betrug zum Nachteil der SVA Zürich erlangte der Beschuldigte im
Wissen um die fehlende Berechtigung dazu eine volle IV-Rente. Als Bezüger ei-
ner IV-Rente war er zum Bezug von Ergänzungsleistungen berechtigt, ohne dass
die Geschädigten Gemeinde E._ und Stadt F._ die Möglichkeit hatten,
die Berechtigung zu überprüfen (vgl. dazu die Erwägungen unter III 5.2). Da die
SVA Zürich eine volle IV-Rente gesprochen hatte, bestand für die Gemeinde
E._ und die Stadt F._ keine Möglichkeit, dem Beschuldigten ein hypo-
thetisches Einkommen anzurechnen, was aber der Fall gewesen wäre, wenn er
lediglich eine halbe IV-Rente erhalten hätte. Dass die Täuschungshandlungen,
abgesehen von der jeweiligen Antragsstellung am 5. März 2003 (Urk. 13/4) resp.
am 3. Mai 2005 (Urk. 14/5) im Wissen darum, dass keine Ergänzungsleistungen
in voller Höhe geschuldigt waren, nicht gegenüber den Behörden der Gemeinde
E._ und der Stadt F._, sondern gegenüber der SVA Zürich erfolgten,
steht einer Verurteilung wegen Betrugs nicht entgegen. Gemäss dem Wortlaut
von Art. 146 Abs. 1 StGB ist der Tatbestand auch erfüllt, wenn der Getäuschte
sich nicht selbst, sondern einen anderen am Vermögen schädigt. Da die SVA Zü-
rich eine volle IV-Rente zugesprochen hatte, mussten die Gemeinde E._ und
die Stadt F._ dem Beschuldigten, nachdem er die entsprechenden Anträge
gestellt hatte, gestützt auf die genannten Bestimmungen zwingend die vollen Er-
gänzungsleistungen ohne Berücksichtigung eines ihm anzurechnenden hypothe-
tischen Einkommens ausrichten. Somit bewirkte die SVA Zürich mit der auf der
Täuschung durch den Beschuldigten beruhenden Zusprechung einer vollen IV-
Rente auch die Vermögensschädigung bei der Gemeinde E._ und der Stadt
- 45 -
F._. Dass der Beschuldigte auch hier in der Absicht handelte, sich selber zu
bereichern, und auch hier wusste, dass er auf einen Teil der Leistungen keinen
Anspruch hatte, steht ausser Frage. Da der Beschuldigte hier zwei Anträge stellte,
einerseits jenen an die Gemeinde E._ und anderseits jenen an die Stadt
F._, ist hier von mehrfacher Tatbegehung auszugehen.
3. Da weder Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vorliegen und eine
Verurteilung gestützt auf die Bestimmungen des ELG subsidiär zur Verurteilung
wegen Betrugs ist, ist der Beschuldigte ferner betreffend Zusatzleistungen des
mehrfachen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB zum Nachteil der Ge-
schädigten Gemeinde E._ und Stadt F._ schuldig zu sprechen. Auf-
grund des Verschlechterungsverbots im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO entfällt
auch hier die Prüfung des qualifizierten Tatbestandes gemäss Art. 146 Abs. 2
StGB, nachdem die Anklagebehörde die Verurteilung gestützt auf Art. 146 Abs. 1
StGB verlangt hatte und den entsprechenden Schuldspruch der Vorinstanz nicht
angefochten hat.
V. Strafzumessung
1. Vorbemerkung
Bei der Strafzumessung sind der Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB zum
Nachteil der SVA Zürich betreffend die Hilflosenentschädigung, die Urkundenfäl-
schung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sowie die Gläubigerschädigung
durch Vermögensverminderung im Sinne von Art. 164 StGB, derer der Beschul-
digte bereits mit Urteil vom 24. Mai 2011 – inzwischen rechtskräftig – schuldig ge-
sprochen wurde, mit einzubeziehen. Dabei ist, wie unter Erwägung IV.3.5. be-
gründet wurde, davon auszugehen, dass der Betrug zum Nachteil der SVA Zürich
in seiner Gesamtheit, d.h. bezüglich der IV-Rente, der Kinderrenten und der Hilf-
losenentschädigung, ein einheitliches Delikt darstellt, demnach diesbezüglich kei-
ne mehrfache Tatbegehung vorliegt.
- 46 -
2. Anwendbares Recht
2.1. Gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB ist auf vor dem 1. Januar 2007 begangene Straf-
taten das Strafgesetzbuch in seiner per 1. Januar 2007 revidierten Fassung an-
zuwenden, falls es für den Beschuldigten das mildere Recht darstellt.
2.2. Von den vom Beschuldigten begangenen Straftaten wurden der Betrug zum
Nachteil der SVA Zürich und der mehrfache Betrug zum Nachteil der Gemeinde
E._ sowie der Stadt F._ sowie die Urkundenfälschung im Zeitraum vor
der Revision des Strafgesetzbuches begangen, womit bezüglich dieser Delikte
grundsätzlich das alte Recht anwendbar wäre.
2.3. Weil vorliegend eine Freiheitsstrafe von mehr als 18 und weniger als 36 Mo-
naten im Raum steht, ist das neue Recht das mildere, da nur nach diesem deren
bedingter resp. teilbedingter Vollzug möglich ist.
3. Strafrahmen
3.1. Bei der Bemessung der Strafe ist vom gesetzlichen Strafrahmen auszuge-
hen. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zur Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist es an das
gesetzliche Höchstmass der Strafe gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB).
3.2. Die schwerste vom Beschuldigten begangene Straftat ist der Betrug zum
Nachteil der SVA Zürich, der den mehrfachen Betrug zum Nachteil der Gemeinde
E._ sowie der Stadt F._ überhaupt erst ermöglichte. Die Widerhandlung
gegen 146 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
bestraft. Strafschärfend sind gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB die Deliktsmehrheit so-
wie die teilweise mehrfache Tatbegehung zu berücksichtigen, weshalb der erwei-
terte Strafrahmen sich auf Freiheitsstrafe bis 7 1⁄2 Jahren erstreckt. Dieser ist aber
nur in Ausnahmefällen anwendbar; in der Regel sind Strafschärfungs- und Straf-
milderungsgründe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens, dies dann aber zwin-
- 47 -
gend, straferhöhend resp. strafmindernd zu berücksichtigen (Schwarzeneg-
ger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 8. Auflage, Zürich 2007,
S. 74; BGE 136 IV 55 E. 5.8). Strafmilderungsgründe liegen in casu nicht vor.
- 48 -
4. Strafzumessung
4.1. Strafzumessungsregeln
Die Strafe ist nach dem Verschulden des Täters zu bemessen, wobei das Vorle-
ben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Le-
ben des Täters zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden
wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-
guts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des
Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art.
47 Abs. 2 StGB).
Der Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und
Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der
Tat- und der Täterkomponente. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des
verschuldeten Erfolgs, die Art und Weise der Herbeiführung des Erfolgs, die Wil-
lensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe zu be-
achten. Sodann sind für das Verschulden auch das "Mass an Entscheidungsfrei-
heit" beim Täter sowie die sogenannte Intensität des deliktischen Willens bedeut-
sam. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse
sowie das Verhalten nach der Tat oder im Strafverfahren, allenfalls Reue und
Einsicht sowie die Strafempfindlichkeit (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder,
Schweizerisches Strafgesetzbuch, 19. Auflage, Zürich 2013, S. 119 mit weiteren
Hinweisen; vgl. auch Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 90; BSK StGB I-
Wiprächtiger, Art. 47 N 85). Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die Norm
zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (Urteile des
Bundesgerichts 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2 und 6S.333/2004 vom 23.
Dezember 2004 E. 1.1; BGE 122 IV 241 und Pra 2001 S. 832 lit. a; Stratenwerth,
Schweizerisches Strafrecht AT II, 2. Auflage, Bern 2006, § 6 N 13). Das Gericht
hat in seinem Urteil die Überlegungen, die es bei der Bemessung der Strafe an-
gestellt hat, in den Grundzügen darzustellen. Dabei muss es in der Regel die we-
sentlichen schuldrelevanten Tat- und Täterkomponenten so erörtern, dass festge-
stellt werden kann, ob alle rechtlich massgeblichen Gesichtspunkte Berücksichti-
- 49 -
gung fanden und wie sie gewichtet wurden. Insgesamt müssen seine Erwägun-
gen die ausgefällte Strafe rechtfertigen, d.h. das Strafmass muss als plausibel er-
scheinen (BGE 127 IV 101 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6S.83/2006 vom 5.
Februar 2007 E. 3.1; Art. 50 StGB).
4.2. Tatkomponente
4.2.1. Objektive Tatschwere Betrug zum Nachteil der SVA Zürich
Was den Betrug zum Nachteil der SVA Zürich angeht, ist das Verschulden des
Beschuldigten im mittleren Bereich anzusiedeln. Der Beschuldigte betrieb über
Jahre hinweg einen grossen Aufwand, um die verschiedenen ihn behandelnden
Ärzte und in der Folge die SVA Zürich über seinen tatsächlichen Gesundheitszu-
stand zu täuschen, und erwirkte so, dass ihm in einer Zeitspanne von über 7 1⁄2
Jahren zu Unrecht Leistungen in Höhe von insgesamt Fr. 131'414.– (Fr. 59'653.–
zu Unrecht bezogene IV-Renten und Kinderrenten sowie Fr. 71'761.– zu Unrecht
bezogene Hilflosenentschädigung) ausbezahlt wurden. Dass er dabei nicht als
völlig gesunde Person vorgab, äusserst stark behindert zu sein, sondern seine
tatsächlich vorhandenen und ihn zu einer halben IV-Rente berechtigenden ge-
sundheitlichen Einschränkungen massivst übertrieb, vermag sein Verschulden nur
bedingt zu relativieren. Besonders irritiert, dass der Beschuldigte mit der Hilflo-
senentschädigung auch ungerechtfertigt Leistungen bezog, die für besonders
schwer behinderte Mitmenschen, welche tatsächlich bei alltäglichen Verrichtun-
gen dauernd auf Hilfe und daher in besonderem Masse auf die Solidarität der All-
gemeinheit angewiesen sind, gedacht sind.
4.2.2. Subjektive Tatschwere Betrug zum Nachteil der SVA Zürich
Der Beschuldigte handelte aus rein finanziellen Motiven: Er bestritt mit den zu Un-
recht erwirkten Beträgen einen ansehnlichen Anteil seines Lebensunterhalts.
Dass er mitnichten aus einer Notsituation heraus handelte, sondern den Lebens-
unterhalt für sich und seine Familie auf ehrliche Weise hätte bestreiten können,
ergibt sich daraus, dass er zu 50 % arbeitsfähig war, aus der Verwertung dieser
- 50 -
Arbeitsfähigkeit ein Teileinkommen hätte erwirtschaften können und für eine Diffe-
renz zwischen den rechtmässigen Einnahmen aus der halben IV-Rente, den hal-
ben Kinderrenten sowie dem Einkommen aus Teil-Arbeitstätigkeit einerseits und
den vom ELG anerkannten Ausgaben andererseits gestützt auf Art. 2 Abs. 2 lit. a
aELG resp. Art. 4 Abs. 1 lit. c i.V.m. Art. 5 Abs. 1 ELG ein Anspruch auf Ergän-
zungsleistungen bestand. Dass der Beschuldigte über viele Jahre hinweg gezielt,
systematisch und raffiniert einen weit schlechteren Gesundheitszustand simulier-
te, als tatsächlich vorlag, und das von den Ärzten ihren Patienten gegenüber
grundsätzlich entgegengebrachte Vertrauen bedenkenlos ausnützte, womit er
auch bewirkte, dass die IV-Rente, die Kinderrenten und die Hilflosenentschädi-
gung während Jahren nicht in Frage gestellt wurden, zeugt von einer erheblichen
kriminellen Energie. Die subjektive Tatschwere relativiert das objektive Verschul-
den nicht.
4.2.3. Hypothetische Einsatzstrafe aufgrund der Tatkomponente
In Anbetracht der objektiven und subjektiven Tatschwere wäre für den Betrug zum
Nachteil der SVA Zürich die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten
angemessen.
4.3. Täterkomponente
4.3.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschul-
digten – soweit aufgrund der mangelnden Kooperation des Beschuldigten in der
Untersuchung bekannt – zutreffend wiedergegeben. Um unnötige Wiederholun-
gen zu vermeiden, kann auf diese Erwägungen verwiesen werden (Urk. 70 S. 46).
Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 7. Oktober 2014 erklärte der Verteidi-
ger, gemäss den letzten ihm vorliegenden Angaben lebe der Beschuldigte mit
seiner Ehefrau in einem Personalzimmer eines Restaurants in ..., bestreite die
Ehefrau, die im Service arbeite, allein den Lebensunterhalt, während der Be-
schuldigte keiner Erwerbstätigkeit nachgehe, und sei dieser weiterhin rollstuhlab-
- 51 -
hängig (Urk. 172 S. 9). Der Beschuldigte konnte dazu aufgrund seiner unent-
schuldigten Abwesenheit anlässlich der Berufungsverhandlungen nicht befragt
werden, weshalb offen bleiben muss, wie es sich mit seinen heutigen persönli-
chen Verhältnissen verhält.
Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben lassen sich, wie die Vo-
rinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 70 S. 46), weder Straferhöhungs- noch
Strafminderungsgründe ableiten.
4.3.2. Vorstrafen
Die von der Vorinstanz erwähnte, nicht einschlägige Vorstrafe aus dem Jahr 2000
(vgl. Urk. 70 S. 46) wurde inzwischen gelöscht (Urk. 78; Urk. 170), weshalb sie
bei der Strafzumessung nicht zu berücksichtigen ist. Weitere Vorstrafen liegen
nicht vor (Urk. 170).
4.3.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte verhielt sich während des Untersuchungsverfahrens ausgespro-
chen unkooperativ, wies zudem konsequent jede Schuld von sich und zeigte we-
der Einsicht noch Reue, soweit er sich überhaupt äusserte. Er erschien schliess-
lich auch unentschuldigt nicht zu den Berufungsverhandlungen vom 24. Mai 2011
und vom 7. Oktober 2014 sowie zur heutigen Berufungsverhandlung. Strafminde-
rungsgründe sind demnach im Nachtatverhalten keine auszumachen.
4.3.4. Hypothetische Einsatzstrafe unter Berücksichtigung der Täterkomponente
Da sich aus der Täterkomponente weder Straferhöhungs- noch Strafminderungs-
gründe ergeben, wäre auch unter Einbezug der Täterkomponente die Bestrafung
mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten angemessen.
- 52 -
4.4. Gesamtstrafe
4.4.1. Die für die schwerste Tat eingesetzte Strafe ist gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB
in Anwendung des Asperationsprinzips unter Einbezug der weiteren Delikte an-
gemessen zu erhöhen.
4.4.2. Das objektive Tatverschulden betreffend den Betrug zum Nachteil der Ge-
meinde E._ und der Stadt F._ ist zwar weniger gravierend einzustufen
als dasjenige betreffend den Betrug zum Nachteil der SVA Zürich, wiegt aber
nicht mehr leicht. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Deliktssumme
im hohen fünfstelligen Betrag liegt. Zudem liegt hier mehrfache Tatbegehung vor
und bezog der Beschuldigte die Leistungen, auf die er kein Anrecht hatte, über
den langen Zeitraum von 7 Jahren. Hinsichtlich des subjektiven Verschuldens gilt
das unter Erwägung V.4.2.2. Ausgeführte auch hier.
4.4.3. Das objektive Verschulden betreffend der mit dem Betrug zum Nachteil der
SVA Zürich betreffend Hilflosenentschädigung in unmittelbarem Zusammenhang
stehenden Urkundenfälschung ist als nicht mehr leicht einzustufen. Das Motiv zur
Begehung dieser Tat lag darin, anstatt einer Hilflosenentschädigung mittleren
Grades sogar eine solche schweren Grades zu erwirken, obwohl in Tat und
Wahrheit nicht einmal Anspruch auf eine volle IV-Rente, geschweige denn auf ei-
ne Hilflosenentschädigung bestand. Hätte der Beschuldigte im sozialversiche-
rungsrechtlichen Verfahren obsiegt, wäre er erheblich bereichert worden. Bezüg-
lich der subjektiven Tatschwere ist auf die entsprechenden Erwägungen zum Be-
trug zum Nachteil der SVA Zürich zu verweisen. Auch hier legte der Beschuldigte
eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag, schreckte er doch nicht davor zu-
rück, das Vertrauen seines Arztes zu missbrauchen und sich so ein falsches Arzt-
zeugnis ausstellen zu lassen, mit dem zusätzliche Leistungen, auf die kein An-
spruch bestand, erwirkt werden sollten. Ergänzend kann wiederum auf die Erwä-
gungen unter Ziffer V.4.2.2. verwiesen werden.
4.4.4. Als noch leicht ist angesichts der im Raum stehenden Deliktssumme das
objektive Verschulden betreffend des Pfändungsdeliktes zu gewichten. Das sub-
jektive Verschulden bezüglich des Pfändungsdeliktes ist ebenfalls als leicht ein-
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zustufen, da zu Gunsten des Beschuldigten davon auszugehen ist, dass er dieses
Delikt eventualvorsätzlich beging.
4.4.5. Für die Täterkomponente kann bezüglich dieser Delikte auf die entspre-
chenden Ausführungen zum schwersten Delikt, Erwägung V.4.3., verwiesen wer-
den.
4.5. Zusammenfassung
Unter Einbezug der weiteren Delikte erweist sich eine Bestrafung mit einer Frei-
heitsstrafe von 34 Monaten als adäquat.
4.6. Gesamtwürdigung Strafzumessung
Mit einer Reduktion der Strafe ist der Umstand zu berücksichtigen, dass im Zu-
sammenhang mit dem Weiterzug des obergerichtlichen Urteils vom 24. Mai 2011
an das Bundesgericht und der anschliessenden Rückweisung des Verfahrens
sowie im Zusammenhang mit der Einholung des Gutachtens Verzögerungen ein-
traten, die nicht vom Beschuldigten zu vertreten sind (so auch die Verteidigung:
Urk. 172 S. 9). Allerdings trug auch der Beschuldigte mit seiner nicht nachvoll-
ziehbaren Weigerung zur Kooperation mit seinem amtlichen Verteidiger samt An-
trag, diesen auszuwechseln, sowie damit, dass er der Berufungsverhandlung vom
7. Oktober 2014 unentschuldigt fernblieb (Prot. III S. 9), dazu bei, dass das Ver-
fahren sich in die Länge zog. Vor diesem Hintergrund ist eine Reduktion der Stra-
fe im Umfang von vier Monaten vorzunehmen. Entgegen der Ansicht der Verteidi-
gung (Urk. 172 S. 9) kann eine weitere Reduktion gestützt auf Art. 48 lit. e StGB
nicht gewährt werden. Diese Norm setzt nebst dem verminderten Strafbedürfnis
infolge Zeitablaufs das Wohlverhalten seit der Tat voraus (Urteil 6B_866/2009
vom 22. Februar 2010, E. 1.1.4). Es ist zwar richtig, dass die strafbaren Handlun-
gen zum Nachteil der SVA Zürich bis in die Jahre 2001 und 2002 zurückreichen.
Ferner wurde der Antrag auf Ausrichtung von Zusatzleistungen gegenüber der
Gemeinde E._ am 5. März 2003 gestellt und die Urkundenfälschung im Juli
2003 begangen. Mit Bezug auf diese Handlungen ist die Verjährungsfrist um mehr
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als 2/3 verstrichen, was gemäss der bundesgerichtlichen Praxis grundsätzlich zur
Anwendbarkeit von Art. 48 lit. e StGB führt (BGE 132 IV 1 E. 6.2). Die vom Be-
schuldigten ungerechtfertigt beanspruchten Leistungen erfolgten aber bis Ende
November 2008, ohne dass dieser je etwas dagegen unternommen hätte. Viel-
mehr nahm er die Zahlungen bis zu diesem Zeitpunkt Monat für Monat entgegen
und verbrauchte sie für den Lebensunterhalt für sich und seine Familie, für Reisen
in sein Heimatland und dergleichen. Die in der Lehre angeführte Argumentation,
bei Wohlverhalten habe sich der Täter, ähnlich wie durch tätige Reue, wieder zur
Rechtsordnung bekannt (vgl. Stratenwerth, a.a.O., § 6 N 103; BSK StGB I-
Wiprächtiger/Keller, Art. 48 N 41), trifft somit vorliegend schon aus diesem Grund
nicht zu. Hinzu kommt, dass der Antrag auf Ausrichtung von Zusatzleistungen ge-
genüber der Stadt F._ am 3. Mai 2005 erfolgte und die Widerhandlung gegen
Art. 164 StGB Mitte Juli 2008 begangen wurde, weshalb von einem Wohlverhal-
ten im Sinne von Art. 48 lit. e StGB ohnehin keine Rede sein kann.
In Würdigung der obgenannten Kriterien erweist sich demnach eine Freiheitsstra-
fe von 2 1⁄2 Jahren als angemessen. Daran sind 283 Tage Untersuchungs- und
Sicherheitshaft anzurechnen (Art. 51 StGB).
5. Fazit
Im Ergebnis ist der Beschuldigte somit mit einer Freiheitsstrafe von 2 1⁄2 Jahren zu
bestrafen, unter Anrechnung von 283 Tagen Untersuchungs- und Sicherheitshaft.
VI. Vollzug
1. Gemäss Art. 43 Abs. 1 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe
von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben,
wenn dies notwendig erscheint, um dem Verschulden des Täters genügend
Rechnung zu tragen. Der unbedingt vollziehbare Teil darf die Hälfte der Strafe
nicht überschreiten (Art. 43 Abs. 2 StGB) und sowohl der aufgeschobene wie
auch der zu vollziehende Teil der Freiheitsstrafe müssen mindestens sechs Mo-
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nate betragen (Art. 43 Abs. 3 StGB). Für Strafen bis zu zwei Jahren ergibt sich ein
überschneidender Anwendungsbereich mit Art. 42 StGB. Für Freiheitsstrafen,
welche über der Grenze für bedingte Strafen liegen – also über 24 Monaten –
sieht Art. 43 StGB einen eigenständigen Anwendungsbereich vor (BGE 134 IV 1
E. 5.5.1).
2. Da eine Freiheitsstrafe von 2 1⁄2 Jahren auszusprechen ist, scheidet ein beding-
ter Vollzug der Strafe bereits aus objektiven Gründen aus, ist ein teilbedingter
Vollzug jedoch grundsätzlich möglich. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens liegt
die Festsetzung der Strafteile im pflichtgemässen Ermessen des Gerichts. Als
Bemessungsregel ist das Verschulden zu beachten, dem in genügender Weise
Rechnung zu tragen ist (Art. 43 Abs. 1 StGB). Das Verhältnis der Strafteile ist so
festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters
einerseits und dessen Einzeltatschuld anderseits hinreichend zum Ausdruck
kommen. Je günstiger die Prognose und je kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat,
desto grösser muss der auf Bewährung ausgesetzte Strafteil sein. Der unbedingte
Strafteil darf dabei das unter Verschuldensgesichtspunkten (Art. 47 StGB) gebo-
tene Mass nicht unterschreiten (BGE 134 IV 1 E. 5.6). Bei der Prognosestellung
sind die Tatumstände, das Vorleben, der Leumund sowie alle weiteren Tatsa-
chen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten sei-
ner Bewährung zulassen, zu berücksichtigen. Für die Einschätzung des Rückfall-
risikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit unerlässlich. Relevante Faktoren
sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsver-
halten, das Bestehen sozialer Bindungen, Hinweise auf Suchtgefährdungen usw.
Dabei sind die persönlichen Verhältnisse bis zum Zeitpunkt des Entscheides mit
einzubeziehen (BGE 117 IV 3 ff.; BGE 118 IV 97 ff.; BGE 128 IV 193 ff.).
3. Das Verschulden des Beschuldigten ist mit Bezug auf das Hauptdelikt im mittle-
ren Bereich anzusiedeln. Der Beschuldigte ist jedoch strafrechtlich nicht vorbelas-
tet (Urk. 170). Andererseits hat er bislang keinerlei Einsicht in das Unrecht seiner
Taten gezeigt. Dennoch darf davon ausgegangen werden, dass die erstandene
Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 283 Tagen bei ihm eine gewisse Warn-
wirkung hatte. In Anbetracht dessen, dass ein Teil der Strafe unbedingt ausge-
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sprochen werden muss, ist ihm eine günstige Prognose zu stellen und der Vollzug
der Freiheitsstrafe teilweise aufzuschieben. Aufgrund der doch erheblichen an
den Tag gelegten kriminellen Energie ist der vollziehbare Teil der Freiheitsstrafe
aber deutlich über dem gesetzlichen Minimum anzusetzen und auf 12 Monate
festzusetzen.
4. Somit ist dem Beschuldigten der teilbedingte Vollzug der Freiheitsstrafe ge-
mäss Art. 43 StGB zu gewähren und die auszufällende Freiheitsstrafe von 30
Monaten im Umfang von 18 Monaten aufzuschieben und im Umfang von 12 Mo-
naten zu vollziehen.
5. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so be-
stimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44 Abs. 1
StGB). Wie von der Verteidigung beantragt (Urk. 172 S. 1 und S. 10) ist die Pro-
bezeit auf zwei Jahre anzusetzen.
VII. Einziehung
Die Vorinstanz hat die von der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich mit Ver-
fügung vom 1. Dezember 2009 beschlagnahmte, dem Beschuldigten zustehende
Versicherungssumme in der Höhe von Fr. 6'479.70 mit zutreffender Begründung,
auf die zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden kann (Urk. 70
S. 49), zu Recht eingezogen, damit sie zur teilweisen Deckung der erstinstanzli-
chen Verfahrenskosten verwendet werden kann, weshalb der entsprechende Ent-
scheid zu bestätigen ist. Dass dies im Urteil vom 24. Mai 2011 zwar erwogen
wurde, jedoch versehentlich nicht im Dispositiv Eingang fand (Urk. 85 S. 34 f.),
schadet der nunmehrigen Berücksichtigung auch im Dispositiv entgegen den Be-
denken der Verteidigung (Prot. III S. 15) nicht, nachdem diesbezüglich gestützt
auf Art. 83 Abs. 1 StPO ein Berichtigungsentscheid zum Urteil vom 24. Mai 2011
hätte ergehen können.
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VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2. Der Beschuldigte beantragte einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 82 S. 1;
Urk. 172 S. 1) und obsiegt zweitinstanzlich einzig hinsichtlich des Freispruchs
vom Vorwurf der Bevorzugung eines Gläubigers gemäss Art. 167 StGB. Die An-
klagebehörde verlangte zweitinstanzlich gemäss ihren Anträgen vom 24. Mai
2011 die Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und
9 Monaten, die Verweigerung des bedingten Strafvollzugs, eventualiter bei einer
Freiheitsstrafe zwischen 2 und 3 Jahren die Gewährung des bedingten Vollzugs
im Umfang der Hälfte der Strafe und im Übrigen die Bestätigung des erstinstanzli-
chen Urteils (Urk. 80 S. 2) und gemäss ihren Antragen vom 7. Oktober 2014 im
Hauptstandpunkt die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten, wobei
der Vollzug der Strafe im Umfang von 16 Monaten unter Ansetzung einer ange-
messenen Probezeit aufzuschieben sein (Urk. 174 S. 1). Auch die Anklagebehör-
de obsiegt somit nicht vollumfänglich, zumal auch der Freispruch vom Vorwurf der
Bevorzugung eines Gläubigers im Sinne von Art. 167 StGB zu berücksichtigen ist.
Da die Privatklägerschaft sich zweitinstanzlich den Anträgen der Anklagebehörde
anschloss (Urk. 81 S. 1; Prot. III S. 13), obsiegt sie ebenfalls nicht in vollem Um-
fang. Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Rückweisung dem Beschuldigten mit
Bezug auf die Kosten nicht zum Nachteil gereichen darf. Da das Kostendispositiv
des ersten Entscheids dahingefallen ist (dazu vorne unter Erwägung II.4.3.), wirkt
sich dies aber lediglich auf die Kosten der amtlichen Verteidigung aus. Diesbe-
züglich ist davon auszugehen, dass zwar ein gewisser Mehraufwand angefallen
ist, sich dieser aber im Rahmen hält, weil nur über einen Teil der Anklagepunkte
nochmals verhandelt werden musste und die Aufwendungen der amtlichen Ver-
teidigung im Zusammenhang mit dem Gutachten richtigerweise bereits im ersten
Berufungsverfahren angefallen wären. Das teilweise Unterliegen der Privatkläge-
rin fällt nur marginal ins Gewicht, weshalb es sich unter den gegebenen Umstän-
den rechtfertigt, die Kosten des Berufungsverfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, zu drei Viertel dem Beschuldigten aufzuerlegen und
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zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen und die Kosten der amtlichen
Verteidigung für beide Berufungsverfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen, un-
ter Vorbehalt einer Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von
drei Fünftel. Die Höhe der Entschädigung für den amtlichen Verteidiger ist für bei-
de Verfahren zusammen auf Fr. 9'800.59 festzulegen (Fr. 3'953.43 inkl. MWSt. für
das Verfahren SB100542 und Fr. 5'847.16 inkl. MWst. für das vorliegende Verfah-
ren), wobei darauf hinzuweisen ist, dass die Entschädigung für das erste Verfah-
ren bereits ausbezahlt wurde. Die Zusprechung einer (reduzierten) Umtriebsent-
schädigung an den Beschuldigten ist nicht angezeigt, nachdem er sich den Beru-
fungsverfahren grundsätzlich entzogen hat.