Decision ID: 331dbfb2-37c8-4932-81c9-5cb530d3d418
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre
1977 geborene
X._
war seit dem 3. Januar 2006 bei der
Y._
AG angestellt und als solcher
bei der
Suva
obligatorisch gegen die
Folgen von Unfällen versichert. Am 28. Dezember 2006 fiel dem Versicherten in der Lagerhalle ein 17 kg schweres Fass auf die rechte Hand, was zur Durchtren
nung beider Beugesehnen des Mittelfingers führte (Urk. 12/1, Urk. 12/4 S. 3). Die Erstbehandlung erfolgte am
4. Januar 2007 im Spital Z._
(Urk. 12/4 S. 3), eine erste Operation (Revision des Mittelfingers) am 12. Februar 2007 (U
rk.
12/4
S. 1-2). Eine weitere Operation wurde am 12. Juli 2007 durchgeführt (
Profund
user
satzplastik mit
Palmaris
longus
Transplantat
:
Urk. 12/18). In der Zeit vom
5. März bis 16. April 2008 weilte der Versicherte zur stationären Rehabilitation an der Rehaklinik
A._
(Urk. 12/48). Mit Verfügung vom 22. August 2008 sprach die Suva dem Versicherten für die Zeit ab 1. Oktober 2008 eine Rente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 22 % sowie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von 30 % zu (Urk. 12/72).
1.2
Nachdem der Versicherte am 4. April 2016 eine Stelle
als Hauswart
hatte
antreten
können
, hob die Suva
die Rente
unter Berücksichtigung des tatsächlich erzielten Einkommens
per 1. Januar 2017 auf (
Verfügung vom 6. September 2018:
U
rk. 12/143). Die dagegen erhobene Einsprache vom 4. Oktober 2018
(Urk. 12/149)
zog die Vertreterin des Versicherten mit Schreiben vom 17. Dezember 2018 zurück (Urk. 12/159).
1.3
Am 19. Mai 2019 verletzte sich der Versicherte erneut am Mittelfinger der rechten Hand (
Hyperextension
: Urk. 12/170
).
Am 20. Mai 2019 nahm die Suva die Tag
geldzahlungen
rückfallweise
wieder auf (Urk. 12/265 S. 2).
Am 4. September 2019 erfolgte eine Revision der Beugeseh
n
enrekonstruktion am Mittelfinger der rechten Hand; eine weitere operative Sanierung fand am 8. Januar 2020 statt (Urk.
12/177,
12/221 S. 4-6). In der Zeit vom 8. bis 31. Juli 2020 weilte der Ver
sicherte zur Rehabilitation an der Rehaklinik
A._
(Urk. 12/276).
Mit Schreiben vom 17. August 2020
verneinte
die Suva einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
(Urk. 12/280). Mit Schreiben vom 25. Januar 2021 infor
mierte die Suva zum Fallabschluss und
teilte
die Einstellung der Versicherungs
leistungen inklusive Taggeld
für die Zeit nach dem 28. Februar 2021
mit
(Urk. 12/336).
Mit Verfügung vom 18. März 2021 lehnte die Suva einen Rentenan
spruch ausgehend von einer unfallbedingten E
rwerbse
inbusse von rund 4 % ab
;
weiter verneinte sei eine Erhöhung der Integritätseinbusse sowie
einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
und auf
pflegerische Massnahmen
(Urk. 12/349). Mit Vorbescheid vom 2. Juni 2021 stellte die Sozialversicherungs
anstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (Urk. 12/361); mit Vorbescheid vom 16. Juli 2021 stellte sie
weiter
die Abweisung des Begehrens betreffend
Hilflosenentschädigung
in Aussicht (Urk. 12/372)
und ver
fügte am 7. September 2021 die Ablehnung von Eingliederungs
massnahmen (Urk. 12/373)
. Mit
Einspracheentscheid
vom 10. November 2021 bestätigte die Suva die ergangene Verfügung vom 18. März 2021
unter Abweisung der Einsprache des Versicherten vom 5. Mai 2021
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin des Versicherten am
13. Dezember 2021 Beschwerde und beantragte, es seien die Taggeldzahlungen und Heilungskosten ab 1. März 2021 bis zum Fallabschluss auf der Grundlage einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszurichten. Bei Annahme des Fallabschlusses sei dem Beschwerdeführer eine Invalidenrente von 35 % auszurichten; weiter sei die Integritätsentschädigung angemessen zu erhöhen und eine mindestens leicht
e
Hilflosenentschädigung
auszurichten. Zuletzt sei dem Beschwerdeführer für das vorliegende Verfahren die unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche
Ver
beiständung
in der Person der Unterzeichneten zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2022 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 11), was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 4. Februar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017
ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende
Grundunfall, welcher beim aktuellen Beschwerdebild im Vordergrund steht, hat sich am 28. Dezember 2006
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach der Rechtsprechung ist bei leichten Unfällen der adäquate Kausalzusam
menhang zwischen Unfall und nachfolgenden Gesundheitsstörungen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen. Unter Umständen ist eine Adäquanzbeurteilung jedoch auch bei leichten Unfällen vorzunehmen, wie die Rechtsprechung schon wiederholt entschieden hat: Ergeben sich aus einem als leicht zu qualifizierenden Unfall unmittelbare Folgen, die eine psychische Fehlentwicklung nicht mehr als offensichtlich unfallunabhängig erscheinen lassen (z.B. Komplikationen durch die besondere Art der erlittenen Verletzung, verzögerter Heilungsverlauf, langdau
ernde Arbeitsunfähigkeit), ist die Adäquanzfrage als Ausnahme der Regel auch bei solchen Unfällen zu prüfen; dabei sind die Kriterien, die für Unfälle im mitt
leren Bereich gelten, heranzuziehen. Dies hat sinngemäss auch bei als leicht ein
zustufenden Unfällen mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule zu gelten (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 244 E. 3b).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Un
falles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwür
digung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychisch
e Fehlentwicklungen auszu
lösen;
-
ungewöhnlich lange D
auer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche
Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim
mert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwieri
gen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenz
bereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berück
sichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicher
weise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.3
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüberge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
1.4
Für die Bestimmung des Inva
liditätsgrades wird gemäss Art.
16
des
Bundesgeset
z
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
das Erwerbs
einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungs
massnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
1.5
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebli
che Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integri
tätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht über
steigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhanges
3.
Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
Im Anhang 3 zur UVV hat der Bundesrat Richtlinien für die Bemessung der Integritätsschäden aufgestellt und in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 124 V 29 E. 1b mit Hinweisen) wichtige und typische Schäden prozentual gewichtet (RKUV 2004 Nr. U 514 S. 416). Für die darin genannten Integritätsschäden entspricht die Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (
Ziff.
1
Abs.
1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (
Ziff.
1
Abs.
2). Integritätsschäden, die gemäss der Skala 5 % nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (
Ziff.
1
Abs.
3). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilwei
ser Gebrauchsunfähigkeit wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5 % des Höchstbetrages des versicherten Verdienstes ergäbe (
Ziff.
2).
Die Medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der
bundesrätli
chen
Skala weitere Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinras
ter) erarbeitet. Diese von der Verwaltung herausgegebenen Tabellen stellen zwar keine Rechtssätze dar und sind für die Parteien nicht verbindlich, umso mehr als
Ziff.
1 von Anhang 3 zur UVV bestimmt, dass der in der Skala angegebene Pro
zentsatz des Integritätsschadens für den «Regelfall» gilt, welcher im Einzelfall Abweichungen nach unten wie nach oben ermöglicht. Soweit sie jedoch lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewähr
leistet werden soll, sind sie mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a).
1.
6
1.6.1
Gemäss
Art. 26 Abs. 1 UVG hat der Versicherte bei Hilflosigkeit Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Als hilflos gilt eine Person, die wegen der Beein
trächtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die
Hilflo
senentschädigung
bemisst sich nach dem Grad der Hilflosigkeit (Art. 27 UVG).
Praxisgemäss
(BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs all
täglichen Lebensverrichtungen
massgebend
(BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
1.Ankleiden, Auskleiden;
2. Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
3. Essen;
4. Körperpflege;
5. Verrichtung der Notdurft;
6. Fortbewegung (im oder
ausser
Haus), Kontaktaufnahme.
Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der Rechtsprechung (BGE 121 V 91 E. 3c mit Hinweisen) nicht verlangt, dass der Versicherte bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist
bloss
erforderlich, dass er bei einer dieser Teilfunktionen
regelmässig
in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist.
1.6.2
Gemäss
Art. 38 Abs. 4 UVV gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrich
tungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist
(
lit
. a) oder einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf (
lit
. b) oder einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf (
lit
. c) oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körper
lichen Gebrechens nur dank
regelmässiger
und erheblicher Dienst
leistungen Drit
ter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann (
lit
. d).
1.6.3
Gemäss
Abs. 3 gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (
lit
. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persön
lichen Überwachung bedarf (
lit
. b). Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades im Sinne von Art. 38 Abs. 3
lit
. a UVV eine Hilfsbedürf
tigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E. 2).
1.6.4
Nach Art. 38 Abs. 2 UVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn der Versicherte vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn er in allen alltäglichen Lebensver
richtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (Abs. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
damit, dass
unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung davon ausgegangen werden könne, dass von weiteren medizinischen Massnah
men keine ins Gewicht fallende Steigerung der Arbeitsfähigkeit mehr zu erwarten
sei (Urk. 2 S. 5). Bezüglich der
psychischen Beschwerden sei anzumerken, dass diese ausgehend von einem leichten Unfall nicht adäquat kausal seien (S. 6). Selbst wenn man von einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leich
ten Unfällen ausgehen würde, wäre eine Kausalität aufgrund der massgebenden Kriterien zu verneinen, zumal die psychischen Beschwerden bei der Beurteilung unberücksichtigt bleiben müssten (S. 7). Gestützt auf die statistischen Durch
schnittswerte der LSE 2018 sei es dem Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit unter B
er
ücksichtigung eines leidensbedingten Abzugs in der Höhe von 15 % möglich, ein Invalideneinkommen von Fr. 58'409.30 zu erzielen
, was bei
einem
Valideneinkommen
von Fr. 61'350.-- zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von rund 5 % führe (S. 11). Der Integritätsschaden sei entspre
chend der Einschätzung von med.
pract
.
B._
vom 9. September 2020 mit 30 % zu bemessen (S. 13). Bezüglich der
Hilflosenentschädigung
seien die Anspruchsvoraussetzungen nicht gegeben, zumal sich diese nach den Kriterien der Invalidenversicherung richten würden und die IV-Stelle einen entsprechen
den Anspruch ebenfalls verneint habe (S. 14
; vgl. zum Ganzen auch Urk. 11
).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass die medizinische Phase insbesondere auch aufgrund der dep
r
essiven Erkrankung nicht habe abgeschloss
en werden könne
n
(Urk. 1 S. 5); d
er Fallab
schluss sei daher zu Unrecht erfolgt (S. 6 f.). Weiter sei von einem schweren, mindestens aber von einem mittelschweren Unfall auszugehen (S. 8). In beiden Fällen seien die Adäquanzkriterien erfüllt, sodass die psychischen Probleme unfallkausal seien (S. 10). Hinsichtlich der Invaliditätsbemessung sei auf die Berechnungsweise gemäss Verfügung vom 22. August 2008 abzustellen, wo eine 22%ige I
nvalidität unter Annahme eines leidensbedingten Abzuges in der Höhe von 25 % festgestellt worden sei (S. 11). Selbst bei einem
Valideneinkommen
in der Höhe von Fr. 61'350.-- ergebe sich bei einem Abzug von 25 % ein Invalidi
tätsgrad von 15.32 %, unter Berücksichtigung einer lediglich 80%igen Arbeitsfä
higkeit ein solcher von 32.25 %. Die Integritätsentschädigung sei angemessen zu erhöhen, da das
Arthroserisiko
sowie die Bewegungseinschränkung nochmals verschärft worden sei
en
(S. 12).
Aufgrund der faktischen
Einhändigkeit
sei der Beschwerdeführer im Alltag in allen Lebensbereichen massiv eingeschränkt und benötige Hilfestellungen, aus
serdem könne er nicht alleine wohnen und benötige lebenspraktische Begleitung. Die Suva habe diesbezüglich keine tatsächlichen Abklärungen getroffen und insofern die Abklärungspflicht verletzt
. In den Bereichen Essen und Körperpflege sei der Beschwerdeführer andauernd auf Dritthilfe angewiesen, was unter Berück
sichtigung der leben
spraktischen Begleitung zu einem
Anspruch auf leichte Hilflosigkeit führe (S. 13).
3.
3.1
Anlässlich der Besprechung vom 19. Februar 2020 führte der Beschwerdeführer aus, dass die Operationen vom 4. September 2019 und 8. Januar 2020 für ihn nicht erfolgreich gewesen seien. Wohl habe sich die Beweglichkeit des Mittel
fingers etwas gebessert, aber von der Schmerzsituation habe er keine Verbesse
rung gespürt. Aufgrund der heutigen Situation würden sie
, der Beschwerdeführer
und seine Vertreterin,
eine Rückkehr in die aktuelle Tätigkeit nicht sehen, in den letzten Jahren habe sich der Beschwerdeführer bei der A
rbeit durchgebissen. Zu prüfen sei ein Reha-Aufenthalt in
A._
(Urk. 12/226).
3.2
Die für den Austrittsberic
ht der Rehaklinik
A._
verantwortl
ichen Fachperso
nen stellten die folgenden Diagnosen:
-
Unfall vom 28. Dezember 2006: Schwere Quetschung Hand rechts
-
Ruptur der oberflächlichen und tiefen Beugesehe
Dig
. III Hand rechts mit postoperativer Ringbandinsuffizienz und
scar
tethering
des N.
medianus
-
Depressive Episode relevanten Schweregrades (mindestens mittelgradig, ICD-10 F32.11)
Die festgestellte psychische Störung begründe aktuell mindestens eine mittel
schwere arbeitsrelevante Leistungsminderung. Es sei eine erhebliche Symptom
ausweitung beobachtet worden, welche weitgehend auf die psychische Störung zurückzuführen sei. Die Resultate der physischen Leistungstests sei
en
deshalb für die Beurteilung der Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das Ausmass der phy
sischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und der bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen nur ungenügend erklären. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stützte sich wesentlich auf medizinisch-theoretische Überlegungen (Urk. 12/
276 S. 1-2).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hauswart seien die Anforderungen zu hoch, da es sich um eine mittelschwere
bimanuelle
Tätigkeit handle. Für eine andere Tätigkeit werde die Zumutbarkeit aktuell noch nicht festgelegt, da die medizinische Phase noch andauere. Perspektivisch sei prinzipiell zumindest wieder vom Erreichen des Belastbarkeitsprofils auszugehen, welches 2008 erstellt worden sei: Sehr leichte Arbeit ganztags. Die rechte Hand sei mit Daumen und Zeigefinger als Hilfshand
einsetzbar, ohne Schläge oder V
ibrationen und ohne Kälteexposition für die rechte Hand, ohne Tätigkeiten an gefährlichen Maschinen sowie ohne Ersteigen von Leitern und Gerüsten (S. 3).
3.3
Dr. med.
C._
, Oberarzt an der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie, ging in seinem Bericht vom 20. August 2020 von den folgenden Diagnosen aus:
-
Neuropathisches
Schmerzsyndrom Hand rechts bei Status nach multifak
toriellen Folgebeschwerden
Dig
. III Hand recht
s
(dominant) bei/mit:
-
Status nach Beugeseh
n
enrekonstruktion mit
Palmaris
longus
-Trans
plantat 07/2007 mit
-
Langstreckigem
Scar
Tehtering
des Sehnentransplantats in der Hohl
hand mit N.
medianus
-
Flexionskontraktur PIP-Gelenk
-
Insuffizientes PL-
Transplantant
mit massivem
Bowstringing
gesamte Zone II
-
Retrauma
Dig
. III 2019 durch Hyperextension
-
Status nach Revision Beugesehnenrekonstruktion
Dig
. III Hand rechts mit
Neurolyse
N.
medianus
,
Tenolyse
,
Arthrolyse
PIP-Gelenk mit Check-rein-Release und Z-Plastiken sowie
Ringsbandrekonstruktion
A2 und A4 mit exzidiertem PL-Transplantat am 4. September 2020 (richtig: 2019)
Die stationäre Reha habe dem B
eschwerdeführer nach eigenen Angaben funktio
nell wenig gebracht, da die Hand einfach zu schmerzhaft gewesen sei. Der erwar
tet sc
hwierige Verlauf mit neuropathis
cher Komponente lasse keine gute Prognose erwarten. Er habe den Beschwerdeführer über eine mögliche Strahlre
sektion informiert. Damit könnten sie eine Besserung der neuropathischen Beschwerden zwar nicht garantieren, aber zumindest wäre der störende Mittel
finger damit behoben (Urk. 12/284).
3.4
In ihrer kreisärztlichen Stellungnahme vom 9. September 2020 führte med.
pract
.
B._
, Fachärztin für Anästhesiologie,
aus, dass aus versicherungsmedi
zinischer Sicht von einer Fortführung der bisherigen Massnahmen keine erhebli
che Verbesserung mehr zu erwarten
sei
. An der Zumutbarkeitsbeurteilung der Rehaklinik
A._
im Austrittsbericht sei weiterhin festzuhalten.
Die zur Diskussion stehende Strahlresektion könne aufgrund der schwer prognostizier
baren Ergebnisse nicht empfohlen werden.
An der Integritätsbeurteilung vom
29. Juli 2018
(gemeint: 29. Juli 2008, vgl. Urk. 12/65)
könne ebenfalls fest
gehalten werden bei einem Integritätsschaden von 30
% (Urk. 12/292).
3.5
Dr. med. D._
, l
eitender Arzt am Kantonsspital E._
,
Leiter
Handteam
,
äusserte sich zur vorliegenden Handproblematik
in seinem Bericht vom 9. November 2020
im Sinne einer Zweitmeinung. Hinsichtlich einer Beschwerdelinderung durch eine Amputation sei er persönlich sehr zurückhaltend. Der Beschwerdeführer scheine ihm heute an einem chronischen neuropathischen Schmerzsyndrom zu leiden, das heisst die Schmerzsymptomatik habe sich ausgeweitet und sei nicht mehr einzig auf den Mittelfinger lokalisiert. Eine Amputation könne die Schmerzen letztendlich auch noch verschlimmern (Urk. 12/315).
3.6
In seinem Bericht vom 18. November 2020 führte Dr.
C._
aus, dass sich
10 Monate postoperativ ein stagnierender Befund zeige. Der Beschwerdeführer leide an neuropathischen Schmerzen und einer massiven Bewegungseinschrän
kung des Mittelfingers, welcher lediglich noch Wackelbewegungen zulasse und weit
gehend in Extension stehe. Im Vergleich zu präoperativ sei die Situation dennoch leicht verbessert, da der Finger nicht mehr kontrakt in der
Hohlhand
liege (Urk. 12/318).
3.7
In seinem Bericht vom 23. Februar 2021 führte Dr.
C._
aus, dass der Beschwer
deführer den Finger leide
r
nicht einkrallen könne, geschweige denn Kraft ausü
ben. Zudem würden schwere neuropathische Schmerzen beim Beklopfen des N.
medianus
vor allem in der
Hohlhand
und auch im Bereich des Fingers bestehen. Trotz der ausgeschöpften chirurgischen Massnahmen sei der Befund unbefriedi
gend. Eine Strahlresektion würde höchstwahrscheinlich die neuropathischen Beschwerden nicht verbessern, entsprechend würden sie heute davon Abstand nehmen (Urk. 12/344).
4.
4.1
Hinsichtlich der Unfallschwere ging die Beschwerdegegnerin grundsätzlich von einem leichten Unfall aus, verneinte die Adäquanz
der psychischen Beschwerden
aber auch bei Annahme eines mittelschweren Unfalls im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen.
Die ergangene bundesgerichtliche Rechtsprechung zeigt, dass bei Finger- und Handverletzungen die Schwelle zur Annahme eines mittelschweren Unfallgesche
hens im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen bislang nicht sehr hoch ange
setzt wurde. So wurde etwa die Beeinträchtigung der Fingerkuppen durch ein rotierendes Messer eines Rasenmähers bereits der genannten Kategorie zugeord
net
(Urteil des
Bundesgerichts
U 38/00 vom 25. Januar 2002 E. 2.c).
Auch
die
subtotale Amputation des linken Daumenendgliedes knapp über der Basis mit
ossärer
Trümmerzone
wurde von der Beschwerdegegnerin der entsprechenden Kategorie zugeordnet (vgl. Verfahr
en des hiesigen Gerichts
UV.2019.00245). Auch wenn es vorliegend lediglich zu einer Quetschung mit einem Sehnenriss gekommen ist, erscheint der Unfall
vom 3. Januar 2006
aufgrund der Schwere des Fa
sses doch nicht mehr als leicht
. Auf der anderen Seite genügt das Unfall
geschehen nicht, um einen mittelschweren oder gar schweren Unfall anzuneh
men, wie dies die Vertreterin des Beschwerdeführers fordert. So nahm das Bun
desgericht etwa selbst bei einer Abtrennung der Finger II-IV auf der Höhe der Mittelgelenke des Fingers V auf Höhe der Endphalanx durch ein Stahlseil beim Holzführen einen mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Ereig
nissen an (
Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2009 vom 4. Juni 2009 E. 4.1.2;
vgl. zum Ganzen
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozi
alversicherungsrecht
,
Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Auflage,
S. 64).
Zusammenfassend ist damit zugunsten des Beschwerdeführers von einem mittel
schweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen auszugehen.
4.2
Bei der
gegebenen
Unfallschwere
(mittelschwerer Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen)
müssten
die massgebenden
Kriterien in gehäufter
oder auffa
l
l
ender Weise
oder ein
einzelnes Kriterium besonders ausgeprägt
erfüllt sein
.
Ob besonders dramatische Begleitumstände o
der eine besondere Eindrücklich
keit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objek
tiv und nicht auf Grund des sub
jektiven Empfindens beziehungsweise Angstgefühls des Versicherten (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 10.1). Der nachfolgende Heilungsprozess ist
hierfür
nicht relevant (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_806/2007
vom 7.
August 2008 E. 11.1).
Beim vorliegenden Unfallhergang kann aus objektiver Warte nicht von besonders dramatischen Begleitumständen oder einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls gesprochen werden. J
edem mindestens mittelschweren Unfall
ist
eine ge
wisse Eindrücklichkeit eigen
, welche
aber
noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann
(
Urteil des Bundesgerichts
8C_949/2008 vom 4. Mai 2009 E. 4.2.1). Selbst bei der Säuberung eines verstopften
Absaugrohr
s
für die Holzspäne bei laufender Hobelmaschine
mit nachfolgender Verletzung durch das Hobelmesser nahm das
hiesige Gericht keine besonders
dramatischen Begleitumstände an (vgl.
Urteil
UV.2019.00245
vom 21. Juli 2021 E. 5.2.3
)
. In jüngerer Zeit bejahte das Bun
desgericht dieses Kriterium etwa bei einer M
assenkarambolage auf einer Auto
ba
hn, bei einem Zusammenstoss zwi
schen einem Personenwagen und einem Lastwagen in einem Autobahntunnel mit mehr
eren sich anschliessenden Kolli
sionen mit der Tunnel
wand oder bei einem Zusa
mmenprall zwischen einem Sattelschlepper und einem Personen
wagen, wo
bei der Fahrer des Sattelschlep
pers die Kollision zunächst nicht bemerkte
und den Personenwagen der versi
cher
ten Person noch auf einer länge
ren Distanz vor sich herschob, wobei die Insa
ssen des Personenwagens ver
zwei
felt versuchten, den Unfallverurs
acher auf sie auf
merksam zu machen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_949/2008 vom 4. Mai 2009 E. 4.2.1 mit zahlreichen Hin
weisen).
Weiter ist vorliegend
das Kriterium der
Schwere oder besondere
n
Art der erlitte
nen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychisch
e Fehlentwicklungen auszulösen, zu verneinen. So erlitt der Beschwerdeführer keine besonderen Verletzungen, vielmehr die für eine Quetschung typischen. Dies gilt auch bei einem Vergleich der einschlägigen Rechtsprechung zu den Hand- und Fingerverletzungen im Bereich der mittelschweren Unfälle im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen.
Zudem war nur ein Finger betroffen und die Hand
ist
zumindest als Hilfshand weiterhin einsetzbar.
Den
medizinischen Akten sind
weiter
keine H
inweise auf eine ärztliche Fehl
be
handlung zu entnehmen;
eine solche
wird
auch nich
t behauptet.
Hinsichtlich der Arbeits
unfähigkeit
ist festzuhalten, dass sowohl nach dem ersten Operationszyklus wie auch nach dem zweiten innert rund 1.5 Jahren
zumindest in einer optimal
angepassten Tätigkeit
wieder
eine hochprozentige
Arbeitsfähig
keit
erreicht werden konnte. So wurde ab 1. Oktober 2008 eine Rente bei einer Erwerbsunfähigkeit von 22 % zugesprochen, welche zudem aufgrund einer Ver
besserung der erwerblichen Situation per 1. Januar 2017 wieder aufgehoben
wurde
. Damit ist
noch nicht von einer übermässig langen Dauer der Arbeits
un
fähigkeit
(in einem eindrücklichen Umfang)
auszugehen (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_116/2009 vom 26. Juni 2009 E.
4.6; Kriterium bejaht bei voll
ständiger Arbeitsun
fähigkeit während drei Jahren).
Auch wenn vorliegend das Ergebnis der Behandlungen nicht befriedigend war, ergeben sich
aus
den medizinischen Akten keine Hinweise auf einen
schwierigen
Heilungsverlauf
mit
erhebliche
n
Komplikationen
.
Unbestritten ist, dass vorliegend eine eher längere ärztliche Behandlung nötig geworden ist und dass der Beschwerdeführer an
körp
erlichen Dauerschmerzen leidet. Dabei ist aber
entsprechend den Ausführungen im Austrittsbericht der Rehaklinik
A._
von einer erheblichen Symptomausweitung
auszugehen, welche weitgehend auf die psychische Störung zurückzuführen
ist
. So sei das Erleben von Schmerzen, die grundsätzlich somatisch erklärbar seien, intensitäts
mässig durch die Depression deutlich verstärkt. Auch habe das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkungen mit den objektivierbaren pathologi
schen Befunden und den klinischen Untersuchungen wie auch den bildgebenden Abklärungen nur ungenügend erklärt werden können (Urk. 12/276 S. 2-4). Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Dauerschmerzen unter Weg
lassens der Auswirkungen der depressiven Komponente nicht derart ausgeprägt
sind
, dass sie – allenfalls zusammen mit der längeren ärztlichen Behandlung – zur Anerkennung der Adäquanz führen könnte
n
.
Zusamme
nfassend
sind
somit höchstens zwei Kriterien und diese
– zumindest unter Berücksichtigung der allein massgebenden somatischen Faktoren -
in nicht beson
ders
ausgeprägter Weise erfüllt, so dass die Adäquanz a
llfälliger psychische
r
Beschwer
den zu verneinen ist.
Für die Beurteilung des Fallabschlusses sind dem
nach allein die unfallkausalen somatischen Beschwerden zu berücksichtigen.
5.
5.1
Die Beschwerdegegner schloss den Fall per 28. Februar 2021 ab, wie sie dies bereits mit Schreiben vom 25. Januar 2021 mitgeteilt hatte (Urk. 12/336).
5.2
Bereits aus dem Bericht von Dr.
C._
vom 20. August 2020 ist ersichtlich, dass
– abgesehen von einer Strahlresektion – keine naheliegenden medizinischen Mas
snahmen mehr im Raum
standen
, trotz mässige
n
operative
n
Ergebnis
ses
. Diese Einschätzung wird in der Folge durch die weiteren Beurteilungen von Dr.
C._
wie auch
durch
die eingeholte
Zweitmeinung von Dr. D._
bestätigt. S
pätestens am 23. Februar 2021 ist dabei von einer Ausschöpfung der medizinischen Massnah
men auszugehen, wobei sowohl Dr.
C._
als auch Dr. D._
von einer Resektion des Mittelfingers
abgeraten haben
. Der Fallabschluss per Ende Februar 2021 ist damit nicht zu beanstanden
, zumal gemäss Aktenlage keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung im Raume standen
(Urk. 12/356, 12/373)
.
6.
6.1
Bezüglich der Ermittlung des
Valideneinkommens
ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hauswart von einem Jahresein
kommen von Fr. 61'350.-- aus (Urk. 12/342 S. 3).
Dies erscheint problematisch. So litt der Beschwerdeführer bereits bei Stellenantritt an den Unfallfolgen
,
musste sich zuweilen bei der Arbeit durchbeissen und war auf das Wohlwollen des Arbeitgebers angewiesen (vgl. E. 3.1).
Das Stellenprofil der Abwartstätigkeit ent
sprach denn auch einer mittelschweren,
bimanuellen
Tätigkeit (vgl. Urk. 12/276 S. 3) und damit nicht dem Zumutbarkeitsprofil gemäss Verfügung vom
22. August 2008, in welcher dem Beschwerdeführer
bereits
nur
noch sehr leichte Tä
tigkeiten mit seltenem Einsatz der rechten Hand als Hilfshand zugerechnet wurden (Urk. 12/72 S. 2).
Vor diesem Hintergrund erscheint es naheliegend, dass der Beschwerdeführer bei vollständiger Gesundheit ein höheres Einkommen hätte erzielen können. Weiter ermittelte die Beschwerdegegnerin anhand der
s
tatisti
schen Durchschnittswert
e
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) per 2020 ein durchschnittlich erzielbares
Invalidene
inkommen von Fr. 69'265.--, was das vom Beschwerdeführer tatsächlich erzielte Einkommen doch als deutlich unterdurchschnittlich erscheinen lässt.
Sodann lassen die Akten aber auch nicht darauf schliessen, d
ass er diese Tätigkeit auch bei voller Gesundheit mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit aufgenommen hätte
, weshalb ein
Beizug
des
Haus
wartslohns
zur Ermittlung des
Valideneinkommens
nicht angezeigt ist.
Vor dem Hintergrund seiner Invalidenkarriere mit immerhin Ausüben einer
Haus
warts
tätigkeit und des im Zeitpunkt des ursprünglichen Unfalls vom
28. Dezember 2006 erst knapp jährigen Arbeitsverhältnisses mit der
Y._
AG (Urk. 12/1) rechtfertigt sich aber auch ein Anknüpfen an die vor dem
ursprünglichen Unfall ausgeübte Tätigkeit nicht. Angesichts des vom Beschwer
deführer trotz Gesundheitsschadens erzielten Verdienstes als Abwart ist nicht davon auszugehen, dass er die ursprüngliche, weit unter dem branchenüblichen Einkommen
entlöhnte
Tätigkeit bei der
Y._
AG (vgl. dazu: Urk. 12/72 S. 2) im Zeitpunkt des
nunmehrigen
Fallabschlusses (Ende Februar 2021) im Gesundheitsfall immer noch ausgeübt hätte
.
Entsprechend rechtfertigt es sich ausnahmsweise, das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu berechnen (
BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1
).
6.2
Vor diesem Hintergrund sind sowohl das Validen- als auch das Invalidenein
kommen anhand
der statistischen
Durchschnittswerte
der LSE
zu ermitteln.
Dabei kann rechnerisch ein Prozentvergleich erfolgen;
diesfalls
entspricht der Invalidi
tätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines (allfälli
gen) Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. etwa Bundes
gerichtsurteil 9C_532/2016 vom 25. November 2016 E. 3.1 mit Hin
weis; Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014 N 35 f. zu Art. 28a).
Das Bundesgericht nimmt bei faktischer
Einhändig
keit
oder Beschränkung der domi
nanten Hand als
Zudienhand
eine erheblich erschw
erte Verwertbarkeit der Arbeits
fähigkeit auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt an, welche einen leidensbedingten Abzug in der Höhe von 20 - 25
% vom Tabellenlohn zu recht
fer
tigen vermag (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_58/2018 vom 7. August 2018 E. 5.3 mit zahlreichen Hinweisen).
Aus den vorliegenden medizinischen Akten ergibt sich, dass beim Beschwerdeführer die dominante rechte Hand doch erheb
lich funktionell eingeschränkt ist, insbesondere auch was die Kraftentfaltung betrifft (vgl. Urk. 12/344). Entsprechend den Ausführungen im Austrittsbericht der Rehaklinik ist dabei funktionell von einer
Zudienhand
auszugehen, was zu einem leidensbedingten Abzug in der Höhe von 20 % führt. Demgegenüber erscheint ein weitergehender Abzug nicht gerechtfertigt, insbesondere aufgrund der – wenn auch nicht uneingeschränkt - erhaltenen Funktion von Daumen und Zeigefinger.
Die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer sehr leichten Tätigkeit dürfte dabei
gegenüber einer
Person
mit funktioneller
Ein
händigkeit
doch noch etwas höher eingeschätzt werden.
A
nzufügen bleibt, dass aufgrund der medizinischen Akten kein Anhalt für die Annahme einer prozentualen Ein
schränkung der Restarbeitsfähigkeit bei ausschliesslicher Berücksichtigung der Unfallfolgen besteht (vgl. diesbezügliche Vorbringen des Beschwerdeführers:
Urk. 1 S. 12).
6.3
Für die Zeit ab
1. März 2021
hat der Beschwerdeführer demnach Anspruch auf eine Invalidenrente ausgehend v
on einem Invaliditätsgrad von 20
%.
7.
7.1
Hinsichtlich des Anspruchs auf eine Integritätsentschädigung anerkannte
Beschwerdegegnerin
mit Verfügung vom 22. August 2008 (Urk. 12/72)
das Vor
liegen einer erheblichen und bleibenden Schädigung an der rechten Hand
im Umfang einer Integritätseinbusse von 30 %
.
Eine revisionsweise Erhöhung des Integritätsschadens lehnte
sie
im hier angefochtenen E
ntscheid unter Berufung auf die Beurteilung der Kreisärztin
B._
vom 9. September 2020
(Urk. 12/292) ab.
7.2
Die Einschätzung der Beschwerdegegnerin ist unter Berücksichtigung der mass
gebenden Tabelle (Integritätsentschädigung gemäss UVG, Tabelle 3, Integritäts
schaden bei einfachen oder kombinierten Finger-, Hand- und Armverlusten) nicht zu beanstanden.
So sieht die einschlägige Tabelle erst bei einem Verlust von Daumen
-,
Zeige- und Mittelfinger eine höhere Entschädigung vor (35 %)
.
Selbst bei einem vollständigen Verlust der Hand wird lediglich von einem Integritäts
schaden von 40 % ausgegangen.
Bezüglich des vom Beschwerdeführer geltend gemachten
Arthroserisikos
(Urk. 1 S. 12) sieht die einschlägige Suva-Tabelle 5 bei Fingergelenk-Arthrosen gar keine Entschädigung vor.
Auch wenn
aufgrund des Schmerzgeschehens sowie der mangelnden Beweglichkeit des Mittelfingers die Funktion der ganzen Hand eingeschränkt ist,
ist
aufgrund der funktionellen Möglichkeiten von Zeigefinger und Daumen die Festsetzung des Integritätsscha
dens in der Höhe von 30 %
respektive die Verweigerung einer Erhöhung desselben
nicht zu beanstanden.
8.
8.1
Bezüglich der
Hilflosenentschädigung
machte die Vertreterin des Beschwerde
führers beschwerdeweise geltend, dass
dieser
in den Bereichen Essen und Körper
pflege andauernd auf Dritthilfe angewiesen sei; zudem bestehe ein Anspruch auf leben
spraktische
Begleitung
(Urk. 1 S. 13).
8.2
Die für die Abklärung betreffend
Hilflosenentschädigung
zuständige Fachperson führte in ihrem Bericht vom 27. Februar 2020 aus, dass
in den Bereichen Ver
richten der Notdurft sowie Fortbewegung keine Einschränkungen bestehen würden (Urk. 12/225 S. 2)
, was unbestritten blieb.
Im Bereich An- und Ausziehen gab der Beschwerdeführer an, dass
das Anziehen der Kleider mit Mühe gehe, bei Jeans
hosen
mit Knopf oberhalb des Reissver
schlusses sei manchmal Hilfe erforderlich. Schuhe binden gehe nicht, er lasse die Schuhbändel
unverschnürt
, zudem habe
er
2-3 Hosen ohne Knöpfe gekauft.
Nach Einschätzung der Abklärungsperson sei keine Hilfe nötig, gemäss der Vertreterin des Beschwerdeführers seien die Tätigkeiten knapp ohne Hilfe zu bewältigen.
Im Bereich Essen gab der Beschwerdeführer an, dass er jeden Tag Unterstützung beim Fleisch
z
erschneiden brauche, zudem könne er im Selbstbedienungsres
taurant das
Tablett
nicht tragen. Mit Gabel essen gehe mit links, mit rechts
könne er nicht
mit Gabel und Messer essen. Burger King und McDonald
’s
sowie Boh
nensuppe löffeln gehe. Gemäss der Abklärungsperson sei mit der Ausschöpfung von geeigneten Hilfsmitteln keine Hilfe erforderlich, gemäss der Vertreterin des Beschwerdeführers sei eine solche ausgewiesen.
Im Bereich Körperpflege führte der Beschwerdeführer aus, dass er beim Waschen und Abtrocknen Unterstützung brauche, beim Rasieren einmal pro W
oche seitlich
zu den Ohren hin
. Duschen tue er ab und zu auch selber, er brauche Hilfe beim Platzieren des Brausekopfes, beim Einreiben von Shampoo sowie beim Abtrock
nen. Gemäss Abklärungsperson bestehe kein Hilfsbedarf, gemäss der Vertreterin des Beschwerdeführers sei ein solcher ausgewiesen (Urk. 12/225 S. 1).
8.3
Dr. med.
F._
führte in seiner kreisärztlichen Stellungnahme vom 14. August 2020 aus, dass
sich
aus somatischer Sicht, also bezogen auf die Unfallfolgen am
Dig
. III eine Hilfebedürftigkeit nicht im Geringsten begründen lasse. Entsprechend den Befunden und den ausführlichen Schilderungen über die stationäre Behand
lung in der Rehaklinik
A._
müsse man davon ausgehen, dass der Beschwer
deführer aufgrund der unfallbedingten Einschränkungen in allen Belangen der Selbstversorgung absolut selbständig sei. Die dargestellten und funktionellen Ein
schränkungen würden allenfalls aufgrund der ausgedehnten Symptomaus
wei
t
ung und des differenziert beschriebenen
dysfunktionellen
Verhaltens bestehen (Urk. 12/279 S. 2)
.
8.4
Was den
Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung
anbelangt, ist dieser, sofern ein solcher in der Unfallversicherung überhaupt einen Tatbestand der Hilfsbedürftigkeit dars
tellt
(verneinend: Urteil des Bundesgerichts 8C_994/2010 vom 20. Juni 2011 E. 6.3; vgl. dagegen mit dem Hinweis auf einen allfälligen Analogieschluss: Urteil 8C_257/2016 vom
23. August 2016),
zwar
nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt
ist,
doch
stellt dies die grosse Mehrheit der
Fälle dar. Daneben erwähnte das Bundesgericht etwa eine mögliche Anspruchs
berechtigung bei
hirnverletzte
n
Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Bei
der
Beurteilung eines Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist
für die Belange der Invalidenversicherung
danach zu fragen, ob diese notwendig ist, damit der Alltag selbständig bewältigt werden kann. Die erforderlichen Hilfeleistungen sind unter dem Gesichtspunkt einer Verwahrlosung zu evaluieren und es ist immer zu prüfen, ob die versicherte Person ohne die entsprechende Hilfe in ein Heim ein
gewiesen werden müsste (
Rz
8080 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der IV, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015
)
Auch wenn
sich
die Bewältigung des Alltags für den Beschwerdeführer durch die Verletzung
glaub
haft
mühsamer gestaltet, ist aufgrund der vorliegenden Akten nicht ersichtlich, dass er auf lebenspraktische Begleitung
im obigen Sinn
angewiesen
sein soll
.
Auszuklammern gilt es dabei die psychischen Probleme, welche nicht unfall
kausal sind. Ob der Bedarf an lebenspraktischer Begleitung in Analogie zur Inva
lidenversicherung entgegen dem Wortlaut von Art. 38 UVV
in der Unfallversi
cherung
überhaupt
zu einem
Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
führen kann, kann vorliegend somit
offen blieben
.
Auch in den Bereichen Essen sowie Körperpflege ist die Einschätzung der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden.
So ist aufgrund der medizinischen Akten davon auszugehen, dass die rechte Hand als
Zudienhand
aus rein somati
scher Sicht
zumindest bei leichten Tätigkeiten eingesetzt werden kann und
– wenn auch in geringem Mass – Kraft entwickelt werden kann (vgl. Urk. 12/344). Zudem handelt es sich bei den alltäglichen kritischen Belastungen der rechten Hand um wenige punktuelle Einsätze etwa beim Schneiden von Fleisch oder beim Abtrocknen. Dass dabei keineswegs von einer vollständigen
Einhändigkeit
aus
zugehen ist, zeigen auch die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den Berei
chen An- und Ausziehen sowie Verrichten der Notdurft, wo ebenfalls zumindest leichte bis mittelgradige Belastungen der rechten Hand nötig sein dürften.
Sodann gilt auch im Bereich der
Hilflosenentschädigung
der Grundsatz der Schadenmin
derungspflicht. Deshalb kann der Anspruch nicht entstehen, solange die versi
cherte Person in der Lage ist, durch geeignete Vorkehren eine Hilfsbedürftigkeit zu vermeiden (ZAK 1989 213
,
1986 481),
wie
zum Beispiel
vorliegend durch das Tragen
leidensangepasste
r
Kleidung mit
Klettverschluss oder
das Benutzen
einen elektrischen, mit der
adominanten
Hand bedienbaren Rasierapparat
es
.
Zuletzt ist anzufügen, dass im Rahmen der
Hilflosenentschädigung
nicht per se jede Hilfe
stellung vergütet werden muss; vielmehr ist ein A
nspruch nur gegeben, wenn eine Person
regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist
.
Selbst wenn aber im Bereich «Essen» eine Hilflosigkeit infolge der notwendigen Hilfestellung bei der Zerkleinerung von Speisen, insbesondere Fleisch, anerkannt würde, ist
i
nsgesamt ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
nicht ausge
wiesen.
Von weiteren Beweisvorkehren hierzu ist angesichts der mit den Erkennt
nissen der Abklärungsperson übereinstimmenden unmissverständlichen
und nach
vollziehbaren
Beurteilung von Dr.
F._
in antizipierter Beweiswürdi
gung abzusehen (BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, je mit Hinweisen).
9.
9.1
Zusammenfassend führt dies in teilweiser Gutheissung der Beschwerde zur Abänderung des angefochtenen
Einspracheentscheids
in dem Sinne, dass der Beschwerdeführer ab 1. März 2021 Anspruch auf eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 20 % hat.
9.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Be
schwerde
führer eine reduzierte
Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwieri
gkeit des Prozesses auf Fr. 1'3
00.-- (inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Bezüglich der Fortsetzung der Taggeldzahlung
und Behandlungskosten,
der Erhöhung der Integritätsentschädigung
sowie der Ausrichtung
einer
Hilflosenent
schädigung
ist von einem Unterliegen des Beschwerdeführers auszugehen. Für diesen Bereich sind antragsgemäss die Voraussetzungen für die unentgeltliche Rechtsvertretung zu prüfen.
10.
10.1
Nach Gesetz und Praxis sind in d
er Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig
und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Bedürftig im Sinne von
Art.
64
des Bundesgerichtsgesetzes (
BGG
) ist eine Per
son, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Fa
milie nötigen Lebensun
terhaltes nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (BGE 128 I 225 E. 2.5.1). Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt, in dem das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (§ 28
lit
. a
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht,
GSVGer
,
i.V.m
. Art. 119
d
er Zivilprozessordnung, ZPO
) eingereicht wird (BGE 120
Ia
179 E. 3a), oder – bei seither eingetretenen
Veränderungen – auch in demjenigen der
Entscheidfindung
(BGE 108 V 265 E. 4). Bei der Beurteilung der Bedürftigkeit ist das Einkommen beider Ehegatten zu be
rücksichtigen (BGE 115
Ia
193 E. 3a, 108
Ia
9 E. 3).
Im Verfahren betreffend die unentgeltliche Rechtspflege gilt ein durch die um
fassende Mitwirkungsobliegenheit eingeschränkter Untersuchungsgrundsatz. Der Gesuchsteller hat zur Erfüllung seiner Mitwirkungsobliegenheit zunächst seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse darzulegen und zu belegen. Die mit dem Gesuch befasste Behörde hat danach weder den Sachverhalt von sich aus nach jeder Richtung hin abzuklären, noch unbesehen alles, was behauptet wird, von Amtes wegen zu überprüfen. Sie muss den Sachverhalt nur dort (weiter) ab
klären, wo noch Unsicherheiten und Unklarheiten bestehen, sei es, dass sie von einer Partei auf solche hingewiesen wird, sei es, dass sie solche selbst feststellt (Urteil des Bundesgerichts 4A_274/2016 vom 19. Oktober 2016 E. 2.3).
Bei einer anwaltlich vertretenen Partei ist das Gericht nach
§ 28
lit
. a
GSVGer
in Verbin
dung mit Art.
97
ZPO
demgegenüber nicht verpflichtet, eine Nachfrist anzuset
zen, um ein unvollständiges oder unklares Gesuch zu verbessern (
vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
4D_69/2016 vom 28.
November
2016
E. 5.4.3 mit Hinweisen
).
10.2
Der Beschwerdeführer beziffert das monatliche Einkommen der Familie unter Berücksichtigung des Lohnes der
Partnerin
, der Witwen- und Waisenrenten sowie der Taggelder der Arbeitslose
nversicherung
mit
Fr. 10'866.-- (Urk. 10/0).
Demgegenüber ist von einem Grundbetrag von Fr. 1'700.
--
, von einem Grundbe
trag von Fr. 600.-- für
den
2004 geborenen Sohn der
Partnerin
des Beschwerde
führers sowie von zwei Grundbeträgen von je Fr. 400.-- für die jüngsten Kinder
auszugehen
; weiter ergibt sich ein Freibetrag für von Fr. 600.-- und für die
drei
Kinder in der Höhe von total Fr. 300.--. Insgesamt ergibt dies einen Betrag von Fr. 4'000.--, was unter Berücksichtigung der geltend gemachten Ausgaben in der Höhe von Fr. 6'540.65 einem Total von Fr. 10'540.65 entspricht. Allein daraus ergibt sich ein monatlicher Überschuss von mehr als Fr. 300.--, sodass die Bedürftigkeit im vorliege
nden Verfahren zu verneinen ist.
10.3
Darüber hinaus
ist anzumerken, dass auch die geltend gemachten Ausgaben im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens nicht im vollen Ausmass berücksichtigt werden können. So erscheint ein monatlicher Betrag für
Serafe
, Telefon und Internet für drei Personen in der Höhe von Fr. 500.-- bei beengten finanziellen Verhältnissen
als
nicht angemessen
und sind diese Kosten bereits im Grundbetrag enthalten
.
Weiter unterliess es der Beschwerdeführer trotz entsprechender Säumnisandro
hung (vgl.
Urk. 5 und
Urk. 9 Ziff. 13), das Einkommen des als Gebäudereiniger
tätigen ältesten Sohns der Partnerin anzugeben; auch der Lehrlingslohn des 2004 geborenen Sohnes wird nicht ausgewiesen. Aus der Aufstellung der Ausgaben
ist ersichtlich
, dass sich der älteste Sohn mit rund Fr.
335.
--
an den Mietkosten beteiligt (Urk. 10/0).
Dies stellt einen sehr geringen Betrag an
die
Haushaltskosten dar, da
re
chtsprechungsgemäss
ein
Haushaltsbeitrag
in der Höhe eines Drittels des Nettoeinkommens anzurechnen
ist
(Urteil des Bundesgerichts 9C_866/2014 vom 31. März 2015 E. 3.3).
Geht man – mangels Angaben des Beschwerdeführers – von einem bescheidenen monatlichen Nettoeinkommen in der Höhe von Fr. 3'000.-- aus, ergäbe sich ein massgebender Betrag von Fr. 1'000.--. Weiter hätte sich auch der in der Lehre befindliche Sohn zumindest in geringem Ausmass an den Haushaltskosten zu beteiligen.
Zuletzt ist anzumerken, dass den geltend gemachten Ausgaben Kreditzahlungen von monatlich insgesamt Fr. 1'687.90 zu entnehmen sind.
Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts sind Verpflichtungen zu
r
Abzahlung eines (Bank-)Kredits zu berücksichtigen, soweit es sich um Ausgaben für den laufenden Lebensunterha
lt der Familie handelt (Urteil 8C_911/2011 vom 4. Juli 2012 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen
).
Allein aufgrund der Höhe der monatlichen Zahlungen muss darauf geschlossen werden, dass die
geltend gemachten Kredite
kaum allein für den laufenden Lebensunterhalt der Familie eingegangen worden sind; den Ausführungen des Beschwerdeführers sind diesbezüglich auch keine Angaben zu entnehmen.
10.4
Zusammenfassend ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsver
tretung mangels Bedürftigkeit abzuweisen.
Dasjenige um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung erweist sich angesichts der Kostenlosigkeit des Verfah
rens
(Art. 61
lit
.
f
bis
ATSG) zum vornherein als gegenstandslos.