Decision ID: c698a278-80c1-58a8-a538-a05e3815a716
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1988
und Mutter einer 2010 geborenen Tochter
,
hat ihre Lehre als Kauffrau abgebrochen und danach diverse Tätigkeiten im Gastro
bereich und Verkauf ausgeführt, zuletzt
von März bis Dezember 2016
als
Ge
schäftsführerin und Gesellschafterin
der
mittlerweile gelöschten
A._
GmbH
(vgl.
Urk.
7/13,
Urk.
7/
14
,
Urk.
7/42 S. 2
; vgl. zh.chregister.ch
). Seit
her ging sie keiner
ausserhäuslichen
Arbeitstätigkeit
mehr nach (vgl.
Urk.
7/22 S.
6).
Am 1
9.
Juli 2018 (Eingangsdatum) mel
de
te sich die Versicherte unter Hinweis auf eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome sowie eine post
trau
matische Belastungsstörung und epileptische Anfälle bei der Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Be
zug von Leistungen an (Urk. 7/7). Die IV-Stelle nahm Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht vor und holte die Be
richte der behan
delnden Ärzte (Urk. 7/
18
, Urk. 7/
22
, Urk. 7/
28
, Urk. 7/
39
) sowie einen Auszug aus dem Indivi
duel
len Konto der Versi
cherten (IK-Auszug; Urk. 7
/14
) ein. Mit Mitteilung vom 2
2.
August 2018 teilte die IV-Stelle der Ver
sich
erten mit, dass berufliche Ein
gliederungs
mass
nah
men gesund
heitsbedingt nicht angezeigt seien (Urk. 7/15).
In der Folge veran
lasste die IV-Stelle eine akten
basierte Einschätzung durch
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
sowie Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Fest
stellungsblatt,
Urk. 7/42 S.
6ff.
).
Von keinem die Arbeits
fähigkeit dauerhaft einschränkenden Gesund
heits
schaden ausgehend stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 7. Ok
tober 2019 (
Urk.
7/43) die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht.
Hiergegen erhob die
Versicherte
a
m
1
1.
Oktober 2019 (Urk.
7/45) so
wie ergänzend a
m 7.
No
vember 2019 (
Urk.
7/47)
Einwand.
M
it Ver
fügung vom 1
4.
Januar 2020
wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
ab (
Urk.
7/49 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
1
3.
Februar 2020
(Urk. 1) Be
schwer
de und beantragte
sinngemäss
, die angefoch
tene Verfügung vom
1
4.
Janu
a
r 2020
sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, ihr eine Invali
den
rente auszurichten.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
März 2020
(Urk. 6
) auf Abweisung der Beschwerde
, was der Beschwerdeführerin mit Ver
fügung vom
3.
April 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
A
TSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
schei
dende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den inva
liditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesund
heits
schadens be
ein
flussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, blei
ben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung aus
geklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer ver
siche
rungs
medizinischen Begutachtung, welche sich nach den nor
ma
tiven Vor
gaben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, son
dern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände aufzuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeits
fähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
4.
Januar 2020 (Urk. 2) hielt die Be
schwer
degegnerin fest, medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass die aus
ge
wie
se
nen Diagnosen keine länger andauernden oder bleibenden Auswirk
un
gen auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Es würden psychosoziale Faktoren vorliegen, die bei der Beurteilung des IV-Leistungsanspruchs nicht berücksichtigt werden könnten.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 1
3.
Fe
bru
ar 2020 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
die medizinische Aktenlage würde einen langandauernden invalidisierenden Gesundheitsschaden aufzeigen. Hinzu kämen neue chronifizierende und schwer beeinträchtigende Diagnosen.
3.
Der medizinische Sachverhalt präsentiert sich im Wesentlichen folgendermassen:
3.1
Vom 1
9.
Juni bis 2
2.
August 2018 sowie vom 3
1.
August bis 1
3.
September 2018 war
die Beschwerdeführerin in der p
sychiatrischen Klinik
Y._
, Zentrum für Akute Psychische Erkrankungen,
in sta
tionärer Behandlung. Die behan
deln
den Ärzte konstatierten in ihrem Arztbericht vom
8.
Oktober 2018 (
Urk.
7/22),
die
erneute aktuelle
Zuweisung sei nach einem Suizidversuch mit Medikamenten erfolgt.
Die Beschwerdeführerin habe von traumatischen Erlebnissen, welche insbesondere während ihrer ersten Ehe in Form von physisch
er und psychischer Misshandlung durch ihren Ex-Ehemann stattgefunden hätten, berichtet. Sie leide unter Symp
to
men einer komplexen Traumafolgestörung mit ausgeprägten Ein- und Durch
schlaf
störungen, Flashbacks, Vermeidung von Emo
tionen,
Hyper
arou
sal
, Kon
zen
trationsstörungen, einem deprimierten Affekt und ausgeprägten An
span
nungs
zuständen sowie Suizidgedanken.
Die Ärzte hielten folgende Diag
nosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest:
-
Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10: F43.1)
,
bestehend
seit mindestens 2015
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
,
bestehend
seit zirka Mai 2018
-
Verdacht auf komplex-fokale epileptische Anfälle mit
absenzenartigem
Zustand bis Bewusstseinsverlust bei bekanntem Kavernom frontal rechts (Differenzialdiagnose: psychogene Anfälle)
, seit 201
7.
Betreffend die Prognose zur Arbeitsfähigkeit führten die behandelnden Ärzte aus, die Beschwerdeführerin leide an einer komplexen Traumafolgestörung nach schwerer interpersoneller Gewalt. An positiven prognostischen Faktoren seien die intellektuelle Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sowie ihre hohe Moti
va
tion, unabhängig zurecht zu kommen, zu nennen. Negative prognostische Fak
to
ren seien die schwere kognitive Verzerrung, die schlechte Selbstwahr
nehmung und die Komplexität der Symptomatik. In den nächsten zwölf Monaten sei keine Belastbarkeit für eine Integrationsmassnahme gegeben.
An Funktionsdefiziten würden aufgrund der Symptome eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit, eine ver
kürzte Aufmerksamkeitsspanne, eine reduzierte affektive Belastbarkeit, sowie eine reduzierte Belastbarkeit in Bezug auf interpersonelle Schwierigkeiten be
stehen. Ausserdem könne die Beschwerdeführerin ihre Grenzen nur schwer er
kennen, weshalb ein hohes Risiko einer Überforderung mit krisenhafter Zu
spitz
ung der Symptomatik bestehe. Bei Arbeiten im Bereich der Gastronomie und im Verkauf würde dies zu einem reduzierten Arbeitstempo, zu einer höheren Fehler
anfälligkeit, Belastung durch Kundenkontakt, häufige Fehlzeiten sowie dem Risi
ko einer Destabilisierung des Gesundheitszustandes führen.
Durch die Schwere der
psychiatrischen Erkrankung bestehe eine eingeschränkte Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit, welche sich auch auf die Tätigkeit im Haushalt auswirke.
Grund
sätzlich sei bei einem günstigen Verlauf eine nachhaltige Besserung der Symptomatik möglich, wobei eine berufliche Rehabilitation erst im Verlauf nach Besserung der Symptomatik wirksam werden könne.
3.2
Seit Oktober 2018 ist die Beschwerdeführerin bei
Dr.
med.
Z._
, Fach
ärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
, in
ambulanter
Behandlung.
Diese beschrieb die Beschwerdeführerin in ihrem Arztbericht vom 1
4.
Januar 2019
(Urk.
7/28/7-15)
als wache, bewusstseinsklare und regelrecht orientierte Patien
tin. Im Kontakt sei sie freundlich zugewandt, hilfesuchend und mitteilungs
bereit.
Ihr Antrieb sei leicht vermindert, d
ie Auffassung im Gespräch ungestört, die Kon
zentration reduziert.
Hinweise auf psychotisches Geschehen gebe es keine und bis auf Flashbacks auch keine Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Im Affekt sei die Beschwerdeführerin deutlich niedergeschlagen und wirke belastet, verzweifelt und affektlabil. Sie habe von Insuffizienz-, Scham- und Schulderleben sowie von häufigen «Ausrastern» mit Weinattacken, Herumschreien und Hyper
aktivität be
richtet. Sie habe Schwierigkeiten ihre Emotionen zu steuern und schäme sich für ihre Ausbrüche. Ängste oder Zwänge seien keine
eruierbar
. Sie habe latente Suizidgedanken, eine akute Suizidalität werde hingegen glaubhaft verneint.
Dr.
Z._
diagnostizierte eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2), eine komplexe PTBS (ICD-10: F43.1; DD: PTBS plus emotional instabile Persönlichkeitsstörung:
Borderline
-Typ) sowie eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10: F90.0) mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei der Verdacht auf komplex-fokale epileptische Anfälle mit «
absenzartigem
» Zustand bis Bewusst
seins
verlust bei bekanntem Kavernom frontal rechts.
Im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit konstatierte
Dr.
Z._
weiter, die emotionale und kognitive Belastbarkeit seien deutlich reduziert. Daher komme es bei Belastungen sofort zur Überforderung mit emotionaler Dekompen
sa
tion und langfristig potenzieller mittelbarer Gefähr
dung. Die Konzentration sei einge
schränkt, die Ausdauer reduziert. Die Beschwer
de
führerin habe ausserdem eine reduzierte Entscheidungsfähigkeit bei Selbstun
sicher
heit und Selbstkritik. Sie leide unter Zukunftssorgen und immer wieder auf
tretenden Symptomen der PTBS. Sie könne sich nur schwer abgrenzen und auf ihre Bedürfnisse achten. Durch die eingeschränkte Entscheidungsfähigkeit, die reduzierte Konzentration und die Intrusionen falle es der Beschwerdeführerin schwer, für eine Aufgabe Verantwortung zu übernehmen, obwohl sie ein hohes Verantwortungs
bewusst
sein
und Zuverlässigkeit habe. Schliesslich sei auch die Fehlergefahr erhöht. Die Fähigkeit
,
im Team mit sozialen Belastungen und unter Stress zu arbeiten
,
sei reduziert. Aufgrund der bei der Beschwerdeführerin sichtbaren und spürbaren Selbstunsicherheit, de
r ausgeprägten Selbstkritik, des
hohen Verantwortungsbe
wusst
sein
s
und Schulderleben
s
falle es ihr schwer sich ab
zu
grenzen, wodurch es zu Überforderung komme. Die bisherige Tätigkeit in der Gastronomie sei auf
grund der starken Belastung, des
hohen Stress
es
und der geringen Fähigkeit zur Ab
grenzung und Selbstfürsorge nicht mehr zumutbar
,
bis eine ausreichende Ver
besserung der Symptomatik erzielt werde. Bei Fortschreiten der Therapie seien bessere Einschätzungen möglich.
Dr.
Z._
befürwortete deshalb eine zeitlich be
grenze Rente, damit die Beschwerdeführerin sich voll auf die umfangreiche und wahrscheinlich etwas länger dauernde Therapie konzentrieren könne und damit wieder zu einer guten Leistungsfähigkeit gebracht werden könne.
In Bezug auf die Prognose führte
Dr.
Z._
aus, durch die Belastungssituation vor dem Hintergrund einer PTBS sei es zu einer Zunahme der depressiven Sympto
matik und Überforderung gekommen, so dass aktuell schwere Funktions
ein
bussen bestehen würden.
Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin unter adäquater Behandlung der verschiedenen Diagnosen sowie ausreichender Unterstützung im sozialen Umfeld wieder eine gute Funktionsfähigkeit erreichen werde. Hierfür sei aber eine intensive adäquate Therapie erforderlich. Die Be
schwer
deführerin sei therapiemotiviert und habe gute Grundkompetenzen, wes
halb davon auszugehen sei, dass nach Abschluss oder bei ausreichendem Fort
schritt der Behandlung eine Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt mög
lich sei.
Derzeit nehme die Beschwerdeführerin wöchentlich stattfindende ambulante Therapietermine wahr. Zudem erhalte sie Psychopharmakotherapie. Es sei geplant
,
eine psychiatrische Spitex zu installieren sowie bei ausreichender Stabilisierung eine stationäre Traumatherapie zu beginnen.
3.3
Im August 2019 berichtete
Dr.
Z._
von einem verschlechterten Gesund
heits
zustand (vgl. Arztbericht vom 2
6.
August 2019,
Urk.
7/39). Bei regelmässiger störungsspezifischer Psychotherapie sowie Psychopharmako
therapie sei zwar davon auszugehen, dass irgendwann langfristig zumindest eine Teil-Arbeits
fähigkeit (schrittweise) wiederhergestellt werden könne. Dies sei aber angesichts der inzwischen verhärteten depressiven Symptomatik momentan nicht absehbar. Sie empfehle eine Rente.
Bei gewisser Stabilisierung sei i
m Verlauf wieder über eine Wiedereingliederung nachzudenken.
3.4
RAD-Arzt
Dr.
B._
hielt im Rahmen einer aktenbasierten Einschätzung am 2. Ok
tober 2019 (vgl.
Urk.
7/42 S. 7f.) fest, unter Berücksichtigung der vor
liegen
den Dokumente und des Verlaufs könne mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit ein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesund
heits
schaden ausge
schlossen werden. Die Angaben würden in den vorgelegten Doku
men
ten er
heb
lich variieren und sich teilweise auch widersprechen. So würden beispielsweise die erhobenen psychopathologischen Befunde den gestell
ten Diagno
sen wider
sprechen. Ferner sei die vom Behandler empfohlene und vorge
sehene
Hospitali
sa
tionsdauer
nicht eingehalten worden. Die Ausweitung der Diagnosen nach Beginn der Behandlung in der
Y._
werde weder anhand ge
klagter Beschwerden noch anhand objektiver Symptome hergeleitet. Ein vor
zeitiger Austritt aus der Tagesklinik mit der Diagnose einer schweren depressiven Episode (ICD-10: F32.2) sei nicht nachvollziehbar. Schliesslich würden anhand der gestellten Diagnosen und geäusserten Be
schwerden die Fähigkeit zum Führen eines Personenwagens und die Aufrecht
erhaltung des Haushaltes mit Kindes
erziehung und Eröffnung eines Geschäftes in
C._
im Jahr 2016 (selbständig erwerbend) weitere In
kon
sis
ten
zen darstellen.
Es
seie
n die psychosozialen Faktoren (a
llein
er
zie
hend, Schul
den, fehlende Berufsbildung) zu beachten. Eine neurologische Erkran
kung/
Epilepsie habe aus
ser
dem durch entsprechende Unter
suchungsbefunde aus
ge
schlos
sen werden können.
4.
Gemäss vorliegender Aktenlage bestehen divergente Beurteilungen darüber, ob
die Diagnosen einer
schweren depressiven Episode
,
einer
komplexen PTBS sowie
einer
einfachen ADHS
vorliegen und ihnen
ein invaliden
versicherungs
rechtlich rele
van
ter Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit zukommt. RAD-Arzt Dr.
B._
hielt diesbezüglich in seiner Stellung
nahme vom
2.
Oktober 2019 fest, dass keine die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränkende
n
Diagnose
n
vor
lie
ge
n
und führte aus, dass die Einschätzung der be
han
delnden Psychiaterin nicht begründet und nachvollziehbar sei (E. 3.4). Wohl ergeben sich aus den Berichten von Dr.
Z._
wenig Angaben zu den objektiven Befunden und lassen sich die Diagnosen anhand ihrer Ausführungen nicht nachvollziehen, zumal sie auch über schwierige soziale Umstände berichtet
und
ihre Aus
führun
gen eine Abgrenzung zu einer psychiatrischen Diagnose missen lassen.
Ferner
erscheint
auch der Austritt aus der tagesklinischen Behandlung (vgl.
Urk.
7/34) bei Vor
liegen einer schweren depressiven Episode fragwürdig.
Indes be
ruht die Stellung
nahme des RAD auf keiner persönlichen Untersuchung und konnte sich auch der psychiatrische Fach
arzt lediglich auf die unzuläng
lichen Befunde der be
han
delnden Psychiaterin ab
stützen. Angesichts der bundes
gericht
lichen Recht
sprech
ung (E. 1.2) darf auf
grund
der Diagnosen, vor
liegend immer
hin (auch) eine
schwere depressive Epi
sode, und des
Zeitablaufs nicht (mehr) ohne W
eiteres auf Thera
pier
barkeit geschlossen bzw. die invalidenversiche
rungs
recht
liche Relevanz ver
neint werden.
Schlüssige medizinische Ausführungen, die eine zuverlässige Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im nunmehr anzuwendenden strukturierten Beweisverfahren nach
BGE 141 V 281 erlauben würden, liegen hier nicht vor. Die Prüfung der invaliden
versicherungsrechtlich relevanten Beeinträchtigungen ist nicht mög
lich, da sich die gegebenen Arztberichte sowie die Stellungnahme des RAD
Arztes nicht ein
gehender dazu äussern. Eine Auseinandersetzung mit den
rechtsprechungsgemäss
massgebenden Standard
indika
toren bezüglich einer all
fälligen psychischen Beei
n
trächtigung fand nicht statt. Es ist nicht auszu
schliessen, dass die diagnostizierte schwere de
pressive Stö
rung sowie die komplexe PTBS ein Ausmass erreicht haben, das invalidenversiche
rungsrechtlich relevant ist.
Solange aber Anhalts
punkte für eine psychiatrische Erkrankung vorliegen und weitere Sachverhaltsab
klärungen mög
lich sind, darf
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 61
lit
. c ATSG)
die Folge der Beweislosigkeit für einen invalidenversiche
rungs
recht
lich rele
van
ten Gesund
heitsschaden nicht greifen (vgl. BGE 138 V 218 E. 6 S. 221;
117
V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis)
.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Ent
scheidung an die Vorinstanz zurückweisen, insbesondere wenn mit dem an
ge
fochtenen Ent
s
cheid nicht auf die Sache einge
treten oder der Sachverhalt un
genügend fest
gestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozial
ver
siche
rungsgericht,
GSVGer
).
Zur abschlies
sen
den Klärung sind weitere medi
zi
nische Angaben not
wendig. Die Sache ist daher
unter Aufhebung der angefochtenen Ver
fü
gung vom 1
4.
Januar 2020
an die Beschwerde
gegne
rin zurückzu
weisen, da
mit sie weitere medizinische Ab
klä
run
gen, jeden
falls ein psychiatri
sches Gutach
ten, einhole. Gestützt auf diese Ab
klä
rungen wird sie in Berück
sichtigung des
gesund
heitlichen Verlaufs erneut über
den Leistungsanspruch
zu ent
scheiden haben
.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.