Decision ID: bf4abccd-5b87-53c8-8b97-b31186fecccd
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden reichten am 11. August 2021 in der Schweiz ein
Asylgesuch ein. Am 17. August 2021 wurde eine Rechtsvertretung bevoll-
mächtigt. Am 14. September 2021 erfolgte die Anhörung der Beschwerde-
führenden (Eltern) zu ihren Asylgründen.
Zur Begründung des Gesuchs machten sie geltend, sie hätten ihre Heimat
ausschliessliche wegen ihrer Tochter C._ verlassen, welche
schwerwiegende gesundheitliche Probleme habe. Bei ihr sei im Kindesal-
ter (...) mit folgenden Komorbiditäten diagnostiziert worden: (...). Eine Son-
derschule gebe es in Georgien nicht und sie habe eine normale Schule
besuchen müssen, wo sie wegen ihrer Beeinträchtigungen stigmatisiert,
gemobbt und ausgelacht worden sei. Aus diesem Grund habe die Tochter
zwei Suizidversuche unternommen. Sie sei psychisch labil und dies belaste
die Familie sehr. Die Behandlungen der Tochter in Georgien seien sehr
teuer und weder von der Krankenkasse übernommen worden noch seien
sie vonseiten des georgischen Staates unterstützt worden. Im Falle der
Rückkehr würden sie eine ausweglose Lage, weitere Diskriminierung ihres
Kindes und als Folge einen erneuten Versuch ihrer Tochter, sich das Leben
zu nehmen, befürchten. Sonstige Probleme mit den Behörden oder Dritt-
personen hätten sie nie gehabt.
Die Beschwerdeführenden reichten ihre georgischen Reisepässe und
Identitätskarten, die Reisepässe ihrer Kinder, ihren Eheschein im Original
und Kopien der Geburtsscheine der Kinder sowie den Beschwerdeführer
betreffende medizinische Unterlagen ein.
B.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 23. September 2021 trat das
SEM auf die Asylgesuche gestützt auf Art. 31a Abs. 3 i.V.m. Art. 18 AsylG
(SR 142.31) nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an. Ferner verfügte das SEM die Aushändigung der editions-
pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis an die Beschwerdeführenden.
C.
Die amtlich mandatierte Rechtsvertretung legte am 24. September 2021
das Mandat nieder.
D.
Mit Eingabe vom 29. September 2021 reichten die Beschwerdeführenden
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beim Bundesverwaltungsgericht eine handschriftlich ergänzte Formularbe-
schwerde ein. Sie beantragten, die angefochtene Verfügung sei aufzuhe-
ben, ihre Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und es sei ihnen Asyl
zu gewähren; es sei festzustellen, dass der Vollzug der Wegweisung un-
zulässig, unzumutbar und unmöglich sei und die vorläufige Aufnahme sei
anzuordnen. Ferner sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren,
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ein amtlicher
Rechtsbeistand einzusetzen. Eventualiter sei die aufschiebende Wirkung
wiederherzustellen.
E.
Mit Schreiben vom 6. Oktober 2021 bestätigte das Gericht den Eingang
der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Die Beschwerde-
führenden sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1
VwVG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von Asyl
sind nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung, da mit dieser auf das
Asylgesuch der Beschwerdeführenden gestützt auf Art. 31a Abs. 3 i.V.m.
Art. 18 AsylG nicht eingetreten wurde und der Beschwerdegegenstand sich
daher auf die Überprüfung dieses Nichteintretensentscheids beschränkt.
Auf die diesbezüglichen Rechtsbegehren, die im Übrigen auch nicht be-
gründet wurden, ist daher nicht einzutreten.
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4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Als Asylgesuch gilt gemäss Art. 18 AsylG jede Äusserung, mit der eine
Person zu erkennen gibt, dass sie die Schweiz um Schutz vor Verfolgung
nachsucht. Dabei ist der Praxis entsprechend von einem weiten Verfol-
gungsbegriff auszugehen, der neben den in Art. 3 AsylG genannten Grün-
den auch Wegweisungshindernisse im Sinne von Art. 44 AsylG i.V.m.
Art. 83 Abs. 2–4 AIG umfasst, sofern diese von Menschenhand geschaffen
wurden (Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylre-
kurskommission [EMARK] 2003 Nr. 18). Sind die Voraussetzungen von
Art. 18 AsylG nicht erfüllt, wird auf ein Gesuch in Anwendung von Art. 31a
Abs. 3 AsylG nicht eingetreten.
5.2 Im vorinstanzlichen Verfahren gaben die Beschwerdeführenden zu
Protokoll, nur deshalb in der Schweiz um Asyl nachzusuchen, weil sie sich
hier für ihre kranke Tochter C._ eine bessere Behandlung erhofften
als in Georgien. Sie hätten keine Probleme mit den georgischen Behörden
gehabt, und es sei ihnen in ihrem Heimatstaat auch nichts zugestossen.
Aus diesem Vorbringen ergeben sich – wie vom SEM in der angefochtenen
Verfügung zu Recht festgestellt – tatsächlich keinerlei Hinweise auf eine
Verfolgung. Das bestreiten die Beschwerdeführenden denn auch nicht.
5.3 Das SEM ist folglich gestützt auf Art. 31a Abs. 3 AsylG zu Recht nicht
auf die Asylgesuche der Beschwerdeführenden eingetreten.
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6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2009/50 E. 9).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens über
die Rechtstellung der Flüchtlinge vom 28. Juli 1951 [FK, SR 0.142.30],
Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiter-
reise der Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder
einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG). Gemäss Art. 83
Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumut-
bar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situatio-
nen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage
konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist –
unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige Aufnahme zu ge-
währen. Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin
oder der Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch
in einen Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83
Abs. 2 AIG).
7.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
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8.
8.1 Die Vorinstanz hat den Wegweisungsvollzug zu Recht als zulässig, zu-
mutbar und möglich bezeichnet. Hierzu kann vorab auf die einlässlichen
und praxiskonformen Ausführungen des SEM in der angefochtenen Verfü-
gung verwiesen werden (vgl. act. [...]-56/15 Ziff. III S. 6–11).
8.2 Die Vorinstanz wies in ihrer Verfügung namentlich zutreffend darauf
hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur Per-
sonen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Dies ist bei den Be-
schwerdeführenden nicht der Fall, weshalb der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung findet. Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Be-
schwerdeführenden noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für
den Fall einer Rückkehr nach Georgien dort mit beachtlicher Wahrschein-
lichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Be-
handlung ausgesetzt wären. Gemäss der Praxis des Europäischen Ge-
richtshofes für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folter-
ausschusses müssten die Beschwerdeführenden eine konkrete Gefahr
nachweisen oder glaubhaft machen. Ein solches "real risk" machen sie
nicht geltend.
8.3 Die Beschwerdeführenden berufen sich im Zusammenhang mit der
Durchführbarkeit des Vollzugs insbesondere auf die gesundheitliche Situ-
ation ihrer Tochter C._. Die zwangsweise Wegweisung von Perso-
nen mit gesundheitlichen Problemen kann allerdings nur ganz ausnahms-
weise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen. Dies würde voraus-
setzen, dass die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder
terminalen Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach ei-
ner Überstellung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei
soziale Unterstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7), oder dass
die betroffene Person mangels angemessener medizinischer Behandlung
im Heimatstaat mit einem realen Risiko konfrontiert würde, einer ernsten,
raschen und unwiederbringlichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stand ausgesetzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erhebli-
chen Verkürzung der Lebenserwartung führen würde (vgl. Urteil des EGMR
Paposhvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10,
§§ 180–193 m.w.H., und zum Ganzen auch BVGE 2017 VI/7 E. 6). Für eine
derartige Annahme liefert der vorliegende Fall jedoch keinerlei Anknüp-
fungspunkte. Die Tochter der Beschwerdeführenden leidet zwar unter ge-
sundheitlichen Beeinträchtigungen. Diese lassen aber weder auf ein termi-
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nales Krankheitsstadium noch darauf schliessen, dass die Tochter auf-
grund ihrer Erkrankung bei einer Rückkehr in das Heimatland mit dem si-
cheren Tod oder einer unwiederbringlichen Verschlechterung des Gesund-
heitszustands mit intensivem Leiden rechnen müsste (vgl. dazu auch die
nachfolgenden Erwägungen). Die hohe Schwelle eines Verstosses gegen
Art. 3 EMRK ist vorliegend nicht erreicht. Aus den Akten ergeben sich mit-
hin keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführenden
für den Fall einer Ausschaffung nach Georgien dort mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wären. Der Vollzug der Wegweisung ist zu-
lässig.
8.4
8.4.1 Das SEM hat sich ferner einlässlich mit der Frage der Zumutbarkeit
des Vollzugs der Wegweisung der Beschwerdeführenden in allgemeiner
und individueller Hinsicht befasst (Arbeitserfahrung, familiäres Bezie-
hungsnetz, keine in Aussicht stehende lebensgefährdende Beeinträchti-
gung des Gesundheitszustandes, Behandelbarkeit der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen der Kinder, insbesondere der Tochter C._, in
Georgien) und ist zutreffend zum Schluss gelangt, dass der Vollzug der
Wegweisung als zumutbar zu qualifizieren ist.
8.4.2 Auf die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizini-
schen Gründen ist aus humanitären Überlegungen dann zu schliessen,
wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur
Verfügung steht und die Rückkehr zu einer massgeblichen Beeinträchti-
gung des Gesundheitszustands der Betroffenen führen würde. Als wesent-
lich wird dabei die allgemeine und dringende medizinische Behandlung er-
achtet, die zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut
notwendig ist. Eine Unzumutbarkeit ist insbesondere nicht bereits anzu-
nehmen, wenn die medizinischen Behandlungsmöglichkeiten im Heimat-
staat nicht dem schweizerischen Standard entsprechen (vgl. BVGE
2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.).
8.4.3 Sind von einem allfälligen Wegweisungsvollzug Kinder betroffen, so
bildet im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung das Kindeswohl einen Ge-
sichtspunkt von gewichtiger Bedeutung. Dies ergibt sich nicht zuletzt aus
einer völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 83 Abs. 4 AIG im Lichte
von Art. 3 Abs. 1 des Übereinkommens über die Rechte der Kinder (KRK,
SR 0.107). Unter dem Aspekt des Kindeswohls sind sämtliche Umstände
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einzubeziehen und zu würdigen, die im Hinblick auf eine Wegweisung we-
sentlich erscheinen (vgl. BVGE 2009/28 E. 9.3.2). Dabei ist zu beachten,
dass für die Annahme einer konkreten Gefährdung im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG weniger hohe Anforderungen gelten, wenn das Kindeswohl mit
zu berücksichtigen ist, da das Kindeswohl nicht erst dann gefährdet ist,
wenn das Kind in eine existenzielle Notlage gerät (vgl. BVGE 2014/26
E. 7.6 m.H.).
8.4.4 Die Beschwerdeführenden bringen vor, ihrer schwerkranken Tochter
C._ sei eine Rückkehr nach Georgien nicht zuzumuten. Die benö-
tigte Behandlung und Therapie stünden dort nicht zur Verfügung respektive
wären selbst zu tragen und zu teuer. Sie machen in diesem Zusammen-
hang zudem geltend, dass das SEM den Sachverhalt unvollständig festge-
stellt habe (vgl. Beschwerde Ziff. 12).
8.4.5 Im vorliegenden Fall ist unter dem Gesichtspunkt der Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs in erster Linie auf das Kindeswohl der Tochter
C._ einzugehen. Den ärztlichen Berichten zufolge wurde bei
C._ eine (...) mit diversen Komorbitäten festgestellt (vgl. act. [...]-
53/1). Zunächst ist in Bezug auf die gesundheitlichen Probleme von
C._ festzustellen, dass diese zum heutigen Zeitpunkt nicht lebens-
bedrohlich im Sinne der soeben erwähnten Rechtsprechung ausfallen (vgl.
BVGE 2009/2 E. 9.3.2).
Nach Kenntnisstand des Gerichts verfügt Georgien über ein funktionieren-
des Gesundheitssystem, welches vor allem in den letzten Jahren Fort-
schritte gemacht hat (vgl. Urteile des BVGer E-4637/2019 vom 19. Sep-
tember 2019 S. 10; E-5673/2018 vom 11. Oktober 2018 E. 6.2.4 je m.w.H.).
Ferner hat Georgien seit dem Jahr 2006 ein Sozialhilfeprogramm für Per-
sonen unter der Armutsgrenze, das eine kostenlose Krankenversicherung
einschliesst (vgl. Urteile des BVGer E-1259/2020 vom 5. August 2020
E. 8.2.2; D-5673/2018 vom 11. Oktober 2018 E. 6.2.4 je m.w.H). Die
Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung deshalb zu Recht festge-
stellt, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung in Georgien für die
Beschwerdeführenden gewährleistet ist.
Soweit die Beschwerdeführenden geltend machen, die Kosten der Be-
handlung ihrer Tochter hätten sie jeweils selbst tragen müssen, teilt das
Gericht die Einschätzung der Vorinstanz, dass dieses Vorbringen nicht
glaubhaft ist. Dies zum einen aufgrund der vorangegangenen Ausführun-
gen. Zum anderen bleiben ihre Vorbringen zur Krankenversicherung und
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dem Zugang zu anderen Hilfssystemen äusserst vage (vgl. act. [...]-45/15
F55–F60; act. [...]-46/14 F72–75, F87). Die Beschwerdeführenden haben
sodann keinerlei medizinische Unterlagen ihre Tochter und deren Behand-
lung im Heimatstaat betreffend eingereicht, auch keine Unterlagen, welche
ihre Behauptung, ihnen seien Leistungen verweigert worden, belegen wür-
den.
Soweit sie ausserdem geltend machen, die Tochter habe aufgrund ihrer
Situation bereits zweimal einen Suizidversuch im Heimatstaat unternom-
men, erachtet das Gericht auch dieses Vorbringen nicht als glaubhaft, da
hierzu von den Eltern weder substanziierte Ausführungen getroffen wurden
noch deren Aussagen übereinstimmen. Vielmehr ergeben sich in Bezug
auf den Zeitpunkt dieser angeblichen Handlungen Widersprüche, welche
nicht aufgelöst werden konnten (vgl. act. [...]-45/15 F67–71; act. [...]-46/14
F37 f.).
8.4.6 Die Tochter war sodann offenbar in der Lage, alleine (ohne Hilfe ihrer
Eltern) die ordentliche Schule zu besuchen (vgl. act. [...]-45/15 F48 f., F63–
66; [...]-46/14 F35 f., F40). Wie die Vorinstanz in ihrem Entscheid ausführt,
gibt es in Georgien sodann auch Sonderschulen, wonach der Einwand der
Beschwerdeführenden, dass es solche in Georgien für C._ nicht
gebe und sie als Kind mit Behinderung diskriminiert werde, nicht verfängt
(vgl. Beschwerde Ziff. 12 sowie act. [...]-56/15 S. 8). Das Bedürfnis der Be-
schwerdeführenden, ihrer Tochter C._ in der Schweiz eine bessere
medizinische Behandlung und Therapie ihrer Krankheit zu ermöglichen, ist
nachvollziehbar und menschlich verständlich. Es vermag aber nichts an
der Tatsache zu ändern, dass vorliegend nicht von einer akuten und exis-
tenziellen Gesundheitsgefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG auszu-
gehen ist, welche im Rahmen des Wegweisungsvollzuges relevant sein
könnte.
8.4.7 Die Rüge in der Beschwerde, dass der medizinische Sachverhalt un-
genügend abgeklärt worden sei, erweist sich vor dem Hintergrund der vor-
angegangenen Erwägungen als unbegründet. Die im ärztlichen Kurzbe-
richt vom 16. September 2021 betreffend die Tochter in Aussicht gestellten
weiteren Abklärungen (Standortbestimmung, allfällige IV-Anmeldung, Ab-
klärungen zum Besuch einer Sonderschule) betreffen das soziale und me-
dizinische Setting der Tochter in der Schweiz. Wesentlich für die Beurtei-
lung ist jedoch, dass das Krankheitsbild der Tochter erstellt ist. Ausgehend
von der Erkrankung der Tochter hat das SEM einlässlich geprüft, ob von
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einer adäquaten Behandelbarkeit respektive Therapierbarkeit im Heimat-
staat ausgegangen werden kann. Die von den Beschwerdeführenden be-
hauptete Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes fällt ausser Betracht,
denn das SEM brauchte mit Blick auf den Untersuchungsgrundsatz nur ab-
zuklären, was sich für den vorliegenden Fall als rechtserheblich erwies.
Eine mangelnde Entscheidreife aus medizinischen Gründen liegt mithin
nicht vor.
8.4.8 Andere Gründe, die unter dem Aspekt des Kindeswohls von Rele-
vanz sein könnten, sind nicht ersichtlich, auch nicht in Bezug auf die beiden
anderen Kinder. Die Beschwerdeführenden halten sich insbesondere erst
kurz in der Schweiz auf, weshalb eine Rückkehr der Kinder in den Heimat-
staat auch zumutbar ist.
8.4.9 Somit ist festzuhalten, dass weder die allgemeine Lage in Georgien
noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung der Beschwerde-
führenden und ihrer Kinder in Georgien schliessen lassen. Der Vollzug der
Wegweisung erweist sich somit auch als zumutbar.
8.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zustän-
digen Vertretung ihres Heimatstaates die für eine Rückkehr allenfalls zu-
sätzlich benötigten Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4
AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Weg-
weisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit auf diese einge-
treten wird.
10.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich der Antrag auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung während
des Beschwerdeverfahrens als gegenstandslos erweist. Mit vorliegendem
Urteil wird auch der Antrag auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses gegenstandslos.
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11.
Die Anträge auf Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und auf
Bestellung eines amtlichen Rechtsbeistandes (Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2
VwVG i.V.m. Art. 102m AsylG) sind abzuweisen, weil sich die Rechtsbe-
gehren nach dem Gesagten als aussichtslos erwiesen haben. Folglich sind
die Kosten den unterliegenden Beschwerdeführenden aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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