Decision ID: 0cbdba00-ebad-5bcf-87f1-21ba1f8803cb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin (geb. [...], irakische Staatsangehörige) stellte am
4. Mai 2020 ein Asylgesuch in der Schweiz. Mit Verfügung vom 27. Mai
2020 trat die Vorinstanz auf das Asylgesuch der Beschwerdeführerin nicht
ein und verfügte deren Wegweisung aus der Schweiz in den zuständigen
Dublin-Mitgliedstaat Deutschland. Eine dagegen erhobene Beschwerde
wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil F-2954/2020 vom 26. Juni
2020 ab. Am 7. Juli 2020 verfügte der Migrationsdienst des Kantons
B._ gegen die Beschwerdeführerin eine Ausschaffungshaft im Rah-
men des Dublin-Verfahrens für die Dauer von höchstens sechs Wochen.
B.
Mit Verfügung vom 7. Juli 2020 (gleichentags eröffnet) verhängte die Vor-
instanz ein dreijähriges Einreiseverbot (vom 23. Juli 2020 bis 22. Juli 2023)
gegen die Beschwerdeführerin. Gleichzeitig ordnete sie die Ausschreibung
zur Einreiseverweigerung im Schengener Informationssystem (SIS II) an.
Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung.
C.
Mit Eingabe vom 6. August 2020 erhob die Beschwerdeführerin beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung der Vor-
instanz vom 7. Juli 2020 sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz
zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei das Einreiseverbot
aufzuheben; subeventualiter sei es aufzuheben und auf ein, eventualiter
zwei Jahre zu verkürzen. Sie sei von der Bezahlung der Verfahrenskosten
zu befreien. Eventualiter sei eine angemessene Frist zur Einreichung der
Sozialhilfebestätigung beziehungsweise zur Bezahlung eines Gerichtskos-
tenvorschusses anzusetzen.
Der Beschwerde war eine Vollmacht vom 16. Juni 2020 betreffend Asyl und
Wegweisung (inkl. Dublin) beigelegt.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 3. September 2020 gab die Instruktionsrichte-
rin der Vorinstanz Gelegenheit zur Einreichung einer Vernehmlassung und
forderte den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin auf, eine Vollmacht
einzureichen.
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E.
Am 10. September 2020 gab der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
eine Vollmacht vom 4. September 2020 zu den Akten.
F.
Am 30. September 2020 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 30. September 2020 hiess die Instruktions-
richterin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und gab der
Beschwerdeführerin Gelegenheit, eine Replik einzureichen.
H.
Mit Replik vom 6. November 2020 nahm die Beschwerdeführerin zur Ver-
nehmlassung Stellung. Am 19. November 2020 wurde die Replik der Vor-
instanz zur Kenntnisnahme zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des SEM, die ein Einreiseverbot nach Art. 67 AIG
(SR 142.20) zum Gegenstand haben, unterliegen der Beschwerde an das
Bundesverwaltungsgericht (Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 31 ff. VGG).
1.2 Das Rechtsmittelverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet
sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37
VGG).
1.3 Die Beschwerdeführerin ist zur Erhebung der Beschwerde legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist einzutreten (Art. 50 Abs. 1 VwVG; Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.4 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet in der vorliegenden Sache
endgültig (Art. 83 Bst. c Ziff. 1 BGG).
2.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes und die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
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Seite 4
VwVG). Das Bundesverwaltungsgericht wendet im Beschwerdeverfahren
das Bundesrecht von Amtes wegen an. Es ist gemäss Art. 62 Abs. 4 VwVG
nicht an die Begründung der Begehren gebunden und kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheis-
sen oder abweisen. Massgebend ist grundsätzlich die Sachlage zum Zeit-
punkt des Entscheids (BGE 139 II 534 E. 5.4.1; BVGE 2014/1 E. 2).
3.
Die Beschwerdeführerin erhebt formelle Rügen, welche vorab zu beurtei-
len sind, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vorinstanzli-
chen Verfügung zu bewirken.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe ihren Rechtsvertreter
am 16. Juni 2020 bevollmächtigt, sie betreffend Asyl und Wegweisung
(inkl. Dublin) zu vertreten. Diese Vollmacht sei nie widerrufen worden. Folg-
lich habe die Vorinstanz ihren Rechtsvertreter zu Unrecht nicht ins Verfah-
ren betreffend Einreiseverbot miteinbezogen. Zudem hätte die Verfügung
betreffend Einreiseverbot ihrem Rechtsvertreter eröffnet werden müssen.
Nach Art. 11 Abs. 1 VwVG kann sich eine Partei, wenn sie nicht persönlich
zu handeln hat, auf jeder Stufe des Verfahrens vertreten lassen. Solange
die Partei die Vollmacht nicht widerruft, macht die Behörde ihre Mitteilun-
gen an den Vertreter (Art. 11 Abs. 3 VwVG). Die Behörden eröffnen den
Parteien die Verfügungen schriftlich (Art. 34 Abs. 1 VwVG).
Die eingereichte Vollmacht vom 16. Juni 2020 bevollmächtigt den Rechts-
vertreter einzig, die Beschwerdeführerin im Asylverfahren (inkl. Dublin) zu
vertreten. Beim Verfahren betreffend Einreiseverbot handelt es sich um ein
eigenständiges Verfahren, das von der Vollmacht nicht erfasst ist. Die Be-
schwerdeführerin wurde denn auch vom Gericht aufgefordert, eine für das
vorliegende Verfahren gültige Vollmacht einzureichen. Die Vorinstanz war
daher nicht gehalten, den Rechtsvertreter in das Verfahren betreffend Ein-
reiseverbot einzubeziehen. Die Verfügung wurde der Beschwerdeführerin
korrekt eröffnet.
3.2 Die Beschwerdeführerin moniert, die Vorinstanz habe die Begrün-
dungspflicht verletzt, indem sie nicht erwähnt habe, dass ihr Lebenspartner
in der Schweiz lebe. Er sei bereit und in der Lage, für sie aufzukommen.
Dieser Umstand hätte bei der Interessenabwägung berücksichtigt werden
müssen.
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Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV umfasst alle
Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfah-
ren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 II
427 E. 3.1). Dazu gehört das (hier nicht angerufene) Recht, sich vor Erlass
eines in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache äussern
zu können (Art. 30 Abs. 1 VwVG), sowie der Anspruch, dass die Behörde,
bevor sie verfügt, alle erheblichen und rechtzeitigen Vorbringen der Par-
teien tatsächlich hört, ernsthaft prüft und in ihrer Entscheidfindung ange-
messen berücksichtigt (Art. 32 Abs. 1 VwVG). Daraus fliesst die (verfas-
sungsrechtliche) Pflicht der Behörde, ihren Entscheid ausreichend und
nachvollziehbar zu begründen (BGE 145 IV 99 E. 3.1; für das Verwaltungs-
verfahren verankert in Art. 35 Abs. 1 VwVG). Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid in voller Kenntnis der Sa-
che an die höhere Instanz weiterziehen kann. Nicht erforderlich ist, dass
sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (BGE 143 III 65
E. 5.2).
Gemäss Urteil des Bundeverwaltungsgerichts F-2954/2020 vom 26. Juni
2020 ist der Partner der Beschwerdeführerin (noch) mit einer anderen Frau
verheiratet. Es gibt keine Anhaltspunkte, dass eine schützenswerte Bezie-
hung zur Lebenspartnerin vorliegt. Die Beschwerdeführerin hat auch nicht
dargetan, dass diese Bekanntschaft ausserhalb des Schutzbereichs von
Art. 8 Ziff. 1 EMRK ihre privaten Interessen tangieren würde. Im Übrigen
liess sie die angebliche Beziehung zu ihrem Partner anlässlich des Ausrei-
segesprächs vom 6. Juli 2020 unerwähnt. Die Vorinstanz war daher nicht
gehalten, näher auf diesen Punkt einzugehen. Sie hat sich mit allen Partei-
vorbringen auseinandergesetzt und die Begründungspflicht nicht verletzt.
3.3 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfü-
gung aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das
entsprechende Rechtsbegehren ist somit abzuweisen.
4.
4.1 Nach Art. 67 Abs. 2 AIG kann das SEM ein Einreiseverbot gegenüber
Ausländerinnen und Ausländern verfügen, die gegen die öffentliche Sicher-
heit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen haben oder
diese gefährden (Bst. a), Sozialhilfekosten verursacht haben (Bst. b) oder
in Vorbereitungs-, Ausschaffungs- oder Durchsetzungshaft genommen
worden sind (Bst. c). Das Einreiseverbot wird für eine Dauer von höchstens
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fünf Jahren verfügt. Es kann für eine längere Dauer verfügt werden, wenn
die betroffene Person eine schwerwiegende Gefahr für die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung darstellt (Art. 67 Abs. 3 AIG). Aus humanitären oder
anderen wichtigen Gründen kann die zuständige Behörde von der Verhän-
gung eines Einreiseverbots absehen oder ein solches vollständig oder vo-
rübergehend aufheben (Art. 67 Abs. 5 AIG).
4.2 Wird gegen eine Person, die nicht die Staatsangehörigkeit eines Mit-
gliedstaats der Europäischen Union oder der Europäischen Freihandelsas-
soziation besitzt, ein Einreiseverbot verhängt, so wird sie nach Massgabe
der Bedeutung des Falles im Schengener Informationssystem (SIS) zur
Einreiseverweigerung ausgeschrieben (vgl. Art. 21 und 24 der Verordnung
[EG] Nr. 1987/2006 vom 20. Dezember 2006 über die Einrichtung, den Be-
trieb und die Nutzung des Schengener Informationssystems der zweiten
Generation [SIS-II], Abl. L 381/4 vom 28.12.2006 [nachfolgend: SIS-II-VO];
Art. 21 der N-SIS-Verordnung vom 8. März 2013 [SR 362.0]).
5.
5.1 Die Vorinstanz begründet das Einreiseverbot damit, die Beschwerde-
führerin sei nach den Bestimmungen der Dublin-III-Verordnung weggewie-
sen und es sei eine Ausschaffungshaft angeordnet worden. Gemäss
Art. 67 Abs. 2 Bst. c AIG sei deshalb eine Fernhaltemassnahme anzuord-
nen. Die im Rahmen des rechtlichen Gehörs eingereichte Stellungnahme
der Beschwerdeführerin enthalte keine Gründe, die es rechtfertigen wür-
den, davon abzusehen.
5.2 Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Einreiseverbot nach
Art. 67 Abs. 2 Bst. c AIG sei nicht zwingend zu verhängen; vielmehr handle
es sich um eine "Kann"-Bestimmung. Ihr Lebenspartner sei Schweizer Bür-
ger. Es sei davon auszugehen, dass er in den kommenden Monaten nach
ihrer Ausschaffung nach Deutschland ein Gesuch um Familiennachzug
stellen werde. Durch ein dreijähriges Einreiseverbot werde ein Familien-
nachzugsgesuch von vornherein verunmöglicht. Eine Interessenabwägung
ergebe, dass das Einreiseverbot unverhältnismässig sei. Allenfalls sei die
Dauer des Einreiseverbots zu kürzen. Ein dreijähriges Einreiseverbot lasse
sich durch ihr Verhalten nicht rechtfertigen. Zudem könnte sie dadurch auf
mehrere Jahre hinaus nicht mit ihrem Lebenspartner zusammenwohnen.
5.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, die Beschwerdeführe-
rin sei rechtswidrig in die Schweiz eingereist, womit sie gegen die Gesetz-
gebung verstossen und die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet
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habe. Nachdem auf ihr Asylgesuch rechtskräftig nicht eingetreten worden
sei, sei sie zur Sicherstellung der Wegweisung in den zuständigen Dublin-
Staat in Ausschaffungshaft genommen worden. Die Beschwerdeführerin
habe während ihres Aufenthalts in der Schweiz (Sozialhilfe-)Kosten verur-
sacht. In solchen Fällen entspreche die Anordnung eines Einreiseverbots
nach Art. 67 Abs. 2 Bst. a–c AIG der geltenden Praxis. Die Dauer von drei
Jahren sei verhältnismässig.
5.4 Die Beschwerdeführerin bringt in der Replik vor, die "Kann"-Bestim-
mung betreffend das Einreiseverbot umfasse eine Pflicht zur Ermes-
sensausübung. Der Verweis auf die geltende Praxis entbinde die Vor-
instanz nicht von dieser Pflicht. Die Vorinstanz argumentiere in der Ver-
nehmlassung erstmals mit dem Verstoss gegen die öffentliche Sicherheit
und Ordnung sowie dem Bezug von Sozialhilfe. Diese Gründe seien nach-
geschoben und entbehrten jeglicher Grundlage.
6.
6.1 Die Beschwerdeführerin ist rechtswidrig in die Schweiz eingereist, wo-
mit sie gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat. Wäh-
rend ihres Aufenthalts in der Schweiz verursachte sie Sozialhilfekosten.
Zudem wurde am 7. Juli 2020 die Ausschaffungshaft für sie angeordnet.
Somit hat sie drei Fernhaltegründe gesetzt (Art. 67 Abs. 2 Bst. a–c AIG),
weshalb die Vorinstanz grundsätzlich ein Einreiseverbot anordnen durfte.
6.2 Der Bestand und die Dauer des Einreiseverbots sind unter dem Blick-
winkel des Grundsatzes der Verhältnismässigkeit zu überprüfen. Abstufun-
gen betreffend die Dauer ergeben sich aus der wertenden Abwägung zwi-
schen dem öffentlichen Interesse an der Fernhaltung und den privaten In-
teressen, welche die betroffene Person an der zeitlichen Beschränkung der
Massnahme hat (BVGE 2016/33 E. 9.2; 2014/20 E. 8.1). Ausgangspunkt
der Überlegungen bilden die Stellung der verletzten oder gefährdeten
Rechtsgüter, die Besonderheiten des ordnungswidrigen Verhaltens und
die persönlichen Verhältnisse der betroffenen ausländischen Person
(Art. 96 Abs. 1 AIG; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 8. Aufl. 2020, Rz. 555 ff.).
6.3
6.3.1 Das öffentliche Interesse an einer befristeten Fernhaltung der Be-
schwerdeführerin ist aus generalpräventiver Sicht von Bedeutung. Ein Ein-
reiseverbot soll andere Ausländerinnen und Ausländer angesichts der
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nachteiligen Folgen dazu anhalten, sich an die ausländerrechtliche Ord-
nung des Gastlandes zu halten. Andererseits ist eine spezialpräventive
Zielsetzung der Massnahme darin zu sehen, dass sie die Betroffenen er-
mahnt, sich inskünftig an die geltenden Regeln zu halten.
Die Beschwerdeführerin ist illegal in die Schweiz eingereist und bezog in
der Folge Sozialhilfe. Für sie wurde die Ausschaffungshaft angeordnet, da
die Gefahr bestand, dass sie sich einer Ausschaffung entziehen würde. Sie
hat damit gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen. Zudem
besteht ein öffentliches Interesse daran, eine künftige Belastung der öffent-
lichen Finanzen zu vermeiden. Das öffentliche Interesse an einer Fernhal-
tung der Beschwerdeführerin ist evident.
6.3.2 Als privates Interesse führt die Beschwerdeführerin an, ihr Partner
sei Schweizer Bürger und würde in der Schweiz für ihren Lebensunterhalt
aufkommen. Ein Einreiseverbot verunmögliche ein Familiennachzugsge-
such. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass es im vorliegenden Verfahren
nicht um ein Aufenthaltsrecht geht, sondern um eine Fernhaltemass-
nahme. Eine allfällige Beeinträchtigung des Familien- und Privatlebens ist
daher nur soweit rechtserheblich, als sie unmittelbar auf das Einreiseverbot
zurückzuführen ist. Im Asylverfahren wurde bereits festgehalten, dass der
Partner der Beschwerdeführerin (noch) verheiratet ist. Gemäss Akten be-
steht die Beziehung zwischen den Beiden erst seit Ende 2018. Bis zu ihrer
Einreise in die Schweiz am 4. Mai 2020 bestand die Beziehung aus gele-
gentlichen Treffen in Deutschland und Telefonkontakt. Eine nahe, echte
und tatsächlich gelebte Beziehung, die unter den Schutz von Art. 8 EMRK
fallen würde, liegt offensichtlich nicht vor. Es ist fraglich, ob ein Familien-
nachzugsgesuch unter diesen Umständen bewilligungsfähig wäre. Einem
späteren Familiennachzugsgesuch würde das Einreiseverbot überdies
nicht im Wege stehen. Sollten die Schweizer Behörden diesem Gesuch
stattgeben, hätte die Vorinstanz für die Aufhebung der Sperre zu sorgen.
Zudem steht es dem Partner offen, die Beschwerdeführerin in Deutschland
zu besuchen und den Kontakt mittels moderner Kommunikationsmittel zu
pflegen, so wie er dies in der Vergangenheit getan hat. Das Einreiseverbot
hat folglich keine erhebliche Beeinträchtigung der Beziehung zwischen der
Beschwerdeführerin und ihrem Partner zur Folge. Weitere Verbindungen
zur Schweiz sind nicht ersichtlich.
6.4 Eine Abwägung der öffentlichen und privaten Interessen ergibt, dass
das Einreiseverbot im Grundsatz zu bestätigen ist. In Anbetracht der die
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Fernhaltemassnahme auslösenden Gründe sowie gestützt auf vergleich-
bare Fälle (vgl. Urteile des BVGer F-7035/2017 vom 16. September 2019
E. 7.4; F-6530/2016 vom 7. September 2017 E. 10.5) erweist sich die
Dauer des Einreiseverbots von drei Jahren jedoch als unverhältnismässig,
zumal die Beschwerdeführerin am 28. Juli 2020 freiwillig nach Deutschland
zurückgekehrt ist. Das Einreiseverbot ist somit auf zwei Jahre zu befristen.
6.5 Nicht zu beanstanden ist, dass der Beschwerdeführerin die Einreise in
das Hoheitsgebiet sämtlicher Schengen-Staaten verboten wurde (vgl.
Art. 21 i.V.m. Art. 24 Ziff. 3 SIS-II-Verordnung), handelt es sich doch vorlie-
gend um einen Verstoss gegen nationale Rechtsvorschriften über die Ein-
reise und den Aufenthalt.
7.
Die Vorinstanz hat demnach Bundesrecht verletzt, soweit das Einreisever-
bot die Dauer von zwei Jahren überschreitet (vgl. Art. 49 Bst. a VwVG). Die
Beschwerde ist teilweise gutzuheissen. Das gegen die Beschwerdeführe-
rin verhängte Einreiseverbot ist auf zwei Jahre – bis zum 22. Juli 2022 – zu
befristen.
8.
8.1 Bei diesem Verfahrensausgang ist von einem Obsiegen der Beschwer-
deführerin zu einem Drittel auszugehen, womit sie die Verfahrenskosten zu
zwei Dritteln zu tragen hätte (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Angesichts der
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung nach Art. 65 Abs. 1 VwVG
ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu verzichten.
8.2 Für die notwendigen Kosten der Rechtsvertretung ist der Beschwerde-
führerin im Umfang des Obsiegens eine Parteientschädigung zulasten der
Vorinstanz zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 und Abs. 2 VwVG). Mangels einer
Honorarnote setzt das Gericht die Parteientschädigung nach pflichtgemäs-
sem Ermessen fest (Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Höhe der Entschädigung
ist unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfaktoren
(Art. 8 ff. VGKE) auf insgesamt Fr. 900.– festzulegen. Nach Massgabe des
Obsiegens ist der Beschwerdeführerin eine reduzierte Parteientschädi-
gung von Fr. 300.– zuzusprechen.
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