Decision ID: 7133141e-7b6a-5276-8461-a3c0c248e82e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der am (...) 1974 geborene, geschiedene A._ ist österreichi-
scher Staatsangehöriger und wohnt in Österreich. In den Jahren 1995 bis
1998 war er in der Schweiz während 25 Monaten als Anlagenelektriker tä-
tig und entrichtete in dieser Zeit Beiträge an die schweizerische Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (IV-act. 1, 64 und 80).
A.b Am 30. September 2011 meldete sich A._ bei der österreichi-
schen Pensionsversicherungsanstalt (PVA) zum Leistungsbezug an. Diese
leitete das Gesuch an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfol-
gend: IVSTA oder Vorinstanz) weiter (IV-act. 20).
A.c Mit Verfügung vom 26. Juni 2013 (IV-act. 80) sprach die IVSTA
A._ mit Wirkung ab 1. März 2012 eine ganze Invalidenrente zu. Sie
stützte sich dabei im Wesentlichen auf die Stellungnahme von
Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie beim Regionalen Ärztlichen
Dienst (RAD), vom 3. Februar 2013 (IV-act. 72, inkl. Tabelle Haushalt vom
6. Februar 2013) und den Schlussbericht vom 20. November 2012 (IV-
act. 66). Dieser stellte darin – die vorhandenen ärztlichen Berichte zusam-
menfassend – fest, A._ leide an einer kombinierten Persönlichkeits-
störung (ICD-10 F61,0), Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10
F41.2), Tic-Störung sowie an einer psychischen Störung und einer Verhal-
tensstörung durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1). Daraus
leitete er eine Arbeitsunfähigkeit für die bisherige und auch für angepasste
Tätigkeiten von 100 % sowie eine Einschränkung im Haushalt von 49 %
seit Juni 2010 ab.
A.d Mit dem Fragebogen für die IV-Rentenrevision vom 17. Juli 2014 lei-
tete die IVSTA eine Rentenrevision von Amtes wegen ein. A._ füllte
den Fragebogen am 22. Juli 2014 aus und retournierte ihn (IV-act. 89). Die
IVSTA teilte A._ daraufhin mit Schreiben vom 18. August 2014 (IV-
act. 93) gestützt auf die Stellungnahme von Dr. med. C._, Facharzt
für Allgemeinmedizin beim Medizinischen Dienst der IVSTA, vom 7. August
2014 (IV-act. 92) mit, die Überprüfung des Invaliditätsgrades habe keine
anspruchsbeeinflussende Änderung ergeben, sodass weiterhin Anspruch
auf die bisherigen Leistungen bestehe.
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B.
B.a Mit Schreiben vom 10. August 2018 (IV-act. 113) forderte die IVSTA
A._ zur Einreichung von Unterlagen auf, damit die Voraussetzun-
gen für die Weitergewährung der Rente geprüft werden könnten. Ferner
holte die IVSTA mit einem weiteren Schreiben vom 10. August 2018 bei der
PVA medizinische Unterlagen ein (IV-act. 114) und informierte A._
darüber (vgl. IV-act. 115).
B.b Die PVA reichte mit Schreiben vom 22. August 2018 ein psychiatri-
sches Gutachten von Dr. med. D._ ein (IV-act. 117 f.). Am 23. Au-
gust 2018 retournierte A._ der IVSTA den ausgefüllten Revisions-
fragebogen (IV-act. 116).
B.c Gestützt auf die eingeholten Beurteilungen von Dr. med. E._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie beim Medizinischen Dienst
der IVSTA vom 4. und 24. September 2018 (IV-act. 121 und 123) erliess
die IVSTA den Vorbescheid vom 26. September 2018 (IV-act. 124) und
kündigte A._ die Herabsetzung der bisherigen ganzen Rente auf
eine halbe Rente an. Zur Begründung führte die IVSTA aus, die psychothe-
rapeutische Therapie habe bewirkt, dass er den Haushalt und den Alltag
wieder besser bewältigen könne, sodass im Aufgabenbereich lediglich
noch von einer Einschränkung von 9 % auszugehen sei. Die Einschrän-
kung im erwerblichen Bereich betrage unverändert 100 % für jegliche Tä-
tigkeiten. Insgesamt betrage somit der Invaliditätsgrad noch 56 %.
B.d Mit Eingabe vom 8. Oktober 2018 (IV-act. 126) erhob A._ Ein-
wand gegen den Vorbescheid.
B.e Unter Berücksichtigung der Stellungnahme von Dr. med. F._,
Facharzt für Allgemeinmedizin beim RAD, vom 4. Januar 2019 (IV-
act. 138), welcher eine Verminderung des Rendements im Aufgabenbe-
reich aufgrund der neu aufgetretenen somatischen Probleme attestierte,
ging die IVSTA seit dem 12. Juli 2018 von einer Einschränkung im Aufga-
benbereich von 25 % aus. Die IVSTA erliess am 9. Januar 2019 einen
neuen Vorbescheid, mit welchem sie die Reduktion der bisherigen ganzen
Rente auf eine Dreiviertelsrente in Aussicht stellte (IV-act. 139).
B.f Am 16. Januar 2019 (IV-act. 140) erhob A._ erneut Einwand ge-
gen den Vorbescheid. Zur Begründung führte er aus, seit 2015 sei keine
Besserung des gesundheitlichen Zustandes, sondern vielmehr eine Ver-
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schlechterung der Symptomatik eingetreten. Es seien keinesfalls psycho-
therapeutische Verbesserungen festzustellen. Das Sachverständigengut-
achten von Dr. med. G._, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom
31. August 2018 (vgl. IV-act. 141) bestätige, dass von einem Dauerzustand
ausgegangen werden müsse und Therapieresistenz vorliege.
B.g Mit Verfügung vom 22. März 2019 (IV-act. 145) setzte die IVSTA die
bisherige ganze Rente auf eine Dreiviertelsrente herab.
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 22. März 2019 erhob A._ (nachfol-
gend: Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Horst Lumper,
mit Eingabe vom 24. April 2019 (BVGer-act. 1 und 2) Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht. Er beantragte sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Weitergewährung einer ganzen Rente.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die Einholung von medizi-
nischen Gutachten sowie eines Sachverständigengutachtens zur Frage
der Einschränkung im Haushalt. Zur Begründung führte er aus, der Ge-
sundheitszustand habe sich nicht verbessert, sondern vielmehr ver-
schlechtert. Die Vorinstanz lege im angefochtenen Entscheid nicht dar, in-
wiefern sich die Einschränkung im Aufgabenbereich verringert haben und
nun lediglich noch 25 % betragen soll.
C.b Am 3. Juni 2019 (vgl. BVGer-act. 6) ist der mit Zwischenverfügung
vom 14. Mai 2019 (BVGer-act. 4) vom Beschwerdeführer einverlangte
Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- bei der Gerichtskasse einge-
gangen.
C.c Mit Vernehmlassung vom 29. August 2019 (BVGer-act. 10) beantragte
die IVSTA unter Verweis auf die erneute Stellungnahme von
Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
22. August 2019 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte
sie aus, seit der letzten Beurteilung habe sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers insoweit gebessert, dass dieser nun den Haushalt
weitgehend alleine führen könne und sich auch wieder in der Lage sehe,
die Wohnung zu verlassen, namentlich auch um Einkäufe zu erledigen.
C.d Mit Replik vom 7. November 2019 (BVGer-act. 18 f.) hielt der Be-
schwerdeführer an seinem Antrag fest. Er reichte einen Bericht des behan-
delnden Psychiaters Dr. med. H._ vom 21. Oktober 2019 ein und
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führte aus, es sei noch keine nachhaltige Stabilisierung des Gesundheits-
zustands eingetreten, und es bestehe auch in hauswirtschaftlichen Tätig-
keiten weiterhin eine erhebliche Einschränkung.
C.e Mit Duplik vom 5. Dezember 2019 (BVGer-act. 22) hielt die Vorinstanz
unter Hinweis auf die Stellungnahme von Dr. med. E._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 26. November 2019 an ihrem bis-
herigen Antrag fest.
C.f Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Be-
weismittel ist – soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nach-
folgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG
und Art. 69 Abs. 1 Bst. b des IVG (SR 831.20) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden von Personen im Ausland gegen Verfügungen
der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG (SR 172.021), soweit das VGG nichts anderes bestimmt
(Art. 37 VGG). Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversiche-
rungsrechtlichen Verfahren die besonderen Bestimmungen des ATSG
(SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmungen die-
ses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversicherungen
anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversicherungsgesetze es
vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Inva-
lidenversicherung anwendbar (Art. 1a bis 26bis und Art. 28 bis 70), soweit
das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Dabei
finden nach den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln in formell-
rechtlicher Hinsicht mangels anderslautender Übergangsbestimmungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwendung, welche im Zeitpunkt der
Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Als direkter Adressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Verfügung berührt und er kann sich auf ein schutzwürdiges Interesse an
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deren Aufhebung oder Änderung berufen (Art. 59 ATSG; Art. 48 Abs. 1
VwVG).
1.4 Da die Beschwerde im Übrigen frist- und formgerecht (Art 60 Abs. 1
ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) eingereicht und der Kostenvorschuss frist-
gerecht geleistet wurde, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 143 V 446 E. 3.3; 139 V 335 E. 6.2; 138 V 475 E. 3.1).
Deshalb finden die Vorschriften Anwendung, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 22. März 2019 in Kraft standen; weiter aber auch Vor-
schriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
2.2 Die Beschwerdeführenden können im Rahmen des Beschwerdever-
fahrens die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des Missbrauchs
oder der Überschreitung des Ermessens, die unrichtige oder unvollstän-
dige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts sowie Unangemes-
senheit des Entscheids rügen (Art. 49 VwVG).
2.3 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 22. März 2019) eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verän-
dert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver-
fügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.
3.1 Gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG wird eine Rente von Amtes wegen oder
auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad des Rentenbezügers erheblich
verändert hat.
3.1.1 Zu einer Änderung des Invaliditätsgrades Anlass geben kann einer-
seits eine wesentliche Verbesserung oder Verschlechterung des Gesund-
heitszustandes mit entsprechender Beeinflussung der Erwerbsfähigkeit
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und anderseits eine erhebliche Veränderung der erwerblichen Auswirkun-
gen eines an sich gleich gebliebenen Gesundheitsschadens
(BGE 125 V 369 E. 2, 113 V 275 E. 1a, 107 V 221 E. 2 mit Hinweisen;
SVR 2004 IV Nr. 5 S. 13 E. 2).
Dagegen ist die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unver-
ändert gebliebenen Sachverhalts kein Revisionsgrund; unterschiedliche
Beurteilungen sind revisionsrechtlich nur dann beachtlich, wenn sie Aus-
druck von Änderungen der tatsächlichen Verhältnisse sind (siehe
BGE 115 V 313 E. 4a/bb mit Hinweisen; SVR 1996 IV Nr. 70 S. 204 E. 3a).
Identisch gebliebene Diagnosen schliessen eine revisionsrechtlich erheb-
liche Steigerung des tatsächlichen Leistungsvermögens (Arbeitsfähigkeit)
grundsätzlich nicht aus. Dies gilt namentlich dann, wenn der Schweregrad
eines Leidens sich verringert hat oder es der versicherten Person gelungen
ist, sich besser an das Leiden anzupassen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3). Ob
eine derartige tatsächliche Änderung vorliegt oder aber eine revisions-
rechtlich unbeachtliche abweichende ärztliche Einschätzung eines im We-
sentlichen gleich gebliebenen Gesundheitszustands, bedarf auch mit Blick
auf die mitunter einschneidenden Folgen für die versicherte Person einer
sorgfältigen Prüfung. Dabei gilt der Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit; die blosse Möglichkeit einer Verbesserung tatsächlicher Art
genügt nicht (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 9C_88/2010 vom 4. Mai
2010 E. 2.2.2 mit Hinweis). Bei den Renten der Invalidenversicherung ist
grundsätzlich jede Änderung des Sachverhalts, die zu einer Über- oder Un-
terschreitung eines Schwellenwertes (vgl. Art. 28 Abs. 2 IVG) führt, als er-
heblich zu betrachten (BGE 133 V 545 E. 6 f.; SVR 2010 IV Nr. 53 S. 165,
9C_8/2010 E. 3.1). Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der
Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht allseitig zu prüfen
(BGE 117 V 198 E. 4b; SVR 2004 IV Nr. 17 S. 53; Urteil des BGer
9C_223/2011 vom 3. Juni 2011 E. 3.1).
3.1.2 Ob eine unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten erhebliche Än-
derung eingetreten ist, beurteilt sich durch den Vergleich des Sachverhal-
tes, wie er im Zeitpunkt der letzten, der versicherten Person eröffneten
rechtskräftigen Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Ren-
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdi-
gung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten
für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszu-
stands) beruht, mit demjenigen zur Zeit der streitigen Revisionsverfügung
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respektive des Einspracheentscheides; vorbehalten bleibt die Rechtspre-
chung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108
E. 5.4).
3.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist In-
validität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebrechen, Krank-
heit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7 ATSG der durch Be-
einträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen-
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Be-
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufga-
benbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die
zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berück-
sichtigt (Art. 6 ATSG).
3.3 Die Prüfung, ob eine psychische Erkrankung eine rentenbegründende
Invalidität zu begründen vermag, hat grundsätzlich anhand eines struktu-
rierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 zu erfolgen (BGE 143 V
409 E. 4.5; 143 V 418 E. 6 ff.).
3.3.1 Ausgangspunkt der Prüfung und damit erste Voraussetzung für eine
Anspruchsberechtigung bildet eine psychiatrische, lege artis gestellte Di-
agnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1;
143 V 418 E. 6 und E. 8.1). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psy-
chische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem
Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung
der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und
grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass
bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten
Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar
ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2; 143 V 409
E. 4.2.1; 141 V 281 E. 3.7). Eine invalidenversicherungsrechtlich erhebli-
che Gesundheitsbeeinträchtigung liegt nur vor, wenn die Diagnose im Rah-
men einer Prüfung auf der ersten Ebene auch unter dem Gesichtspunkt
der Ausschlussgründe nach BGE 131 V 49 standhält. Danach liegt regel-
mässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leis-
tungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung be-
ruht (BGE 141 V 281 E. 2.2 und E. 2.2.1).
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Seite 9
3.3.2 Liegt auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe eine ver-
sicherte Gesundheitsschädigung vor, erfolgt auf der zweiten Ebene an-
hand eines normativen Prüfungsrasters mit einem Katalog von Indikatoren
eine ergebnisoffene symmetrische Beurteilung des – unter Berücksichti-
gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – tatsächlich erreich-
baren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6). Die für die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das Bundesgericht wie folgt
systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schwe-
regrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (Ausprä-
gung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und
Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), «Persön-
lichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychi-
sche Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kate-
gorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Fak-
toren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver-
gleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliede-
rungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
3.3.3 Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl
die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsan-
wendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den norma-
tiven Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der ent-
sprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechts-
anwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin,
ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen
gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellun-
gen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen lassen. Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den
Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in concreto ausschliesslich funktio-
nelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden
und ob die Zumutbarkeitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage er-
folgte. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Mass-
gabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen
der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen
medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festge-
stellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE
144 V 50 E. 4.3 S. 54 mit Hinweisen; Urteil des BGer 8C_465/2019 vom
12. November 2019 E. 7.3). Von einer lege artis, d.h. auch normorientiert
erfolgten medizinischen Schätzung ist aus triftigen Gründen abzuweichen.
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Solche liegen vor, wenn die medizinisch-psychiatrische Annahme einer Ar-
beitsunfähigkeit letztlich, im Ergebnis, unter dem entscheidenden Ge-
sichtswinkel von Konsistenz und materieller Beweislast der versicherten,
rentenansprechenden Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht
überzeugt. Dabei ist in Erinnerung zu rufen und es gilt als Leitschnur, dass
die ärztliche Beurteilung – von der Natur der Sache her unausweichlich –
Ermessenszüge aufweist, die auch den Rechtsanwender begrenzen (BGE
145 V 361 E. 4.3; Urteil des BGer 9C_765/2019 vom 11. Mai 2020 E. 4.2).
3.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf-
gabe des Arztes im schweizerischen Invalidenversicherungsverfahren ist
es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen,
in welchem Umfang und gegebenenfalls bezüglich welcher Tätigkeiten der
Versicherte arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind sodann eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen
dem Versicherten konkret noch zugemutet werden können
(BGE 125 V 256 E. 4, 115 V 134 E. 2; AHI-Praxis 2002, S. 62, E. 4b/cc).
3.5 Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren
gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versiche-
rungsträger und Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, das heisst
ohne förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu wür-
digen.
Bezüglich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu-
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt-
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begrün-
det sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit we-
der die Herkunft des Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereich-
ten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder als Gutach-
ten (vgl. dazu das Urteil des BGer I 268/2005 vom 26. Januar 2006 E. 1.2,
mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3.a).
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Seite 11
Gleichwohl erachtet es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar, Richtlinien für die Beweiswürdigung in Be-
zug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten aufzu-
stellen (vgl. hierzu BGE 125 V 351 E. 3b; AHI 2001 S. 114 E. 3b; Urteil des
BGer I 128/98 vom 24. Januar 2000 E. 3b). So ist den im Rahmen des Ver-
waltungsverfahrens eingeholten Gutachten externer Spezialärzte, welche
aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Be-
weiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuver-
lässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb, mit weiteren
Hinweisen). Berichte der behandelnden Ärzte schliesslich sind aufgrund
deren auftragsrechtlicher Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt
zu würdigen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Dies gilt für den allgemein prakti-
zierenden Hausarzt wie auch für den behandelnden Spezialarzt (Urteil des
BGer I 655/05 vom 20. März 2006 E. 5.4 mit Hinweisen; vgl. aber Urteil des
BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008 E. 2.3.2). In diesem Zusammenhang
gilt es allerdings zu beachten, dass auch die Einschätzungen von behan-
delnden Hausärzten und Spezialisten nicht von vornherein unbeachtlich
sind; vielmehr sind diese im Rahmen der freien Beweiswürdigung zu be-
rücksichtigen, zumal die Behörde und das Gericht auch auf die speziellen,
etwa dank der langjährigen medizinischen Betreuung nur einem Hausarzt
zugänglichen Erkenntnisse des Gesundheitszustandes eines Versicherten
abstellen können (vgl. dazu die Urteile des BGer 4A_526/2014 vom 17. De-
zember 2014 E. 2.4 und 9C_468/2009 vom 9. September 2009 E. 3.3).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht
insbesondere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfe-
stellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizi-
nisch zu würdigen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie
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Seite 12
haben die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen,
wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten
eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die an-
dere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu-
nehmen ist (BGE 142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen
Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme ei-
ner versicherungsinternen Fachperson in der Regel keine abschliessende
Beurteilungsgrundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärun-
gen Anlass geben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011
E. 3.3).
3.6 Vor der Berechnung des Invaliditätsgrades muss jeweils beurteilt wer-
den, ob die versicherte Person als (teil-)erwerbstätig oder nichterwerbstätig
einzustufen ist, was entsprechenden Einfluss auf die anzuwendende Me-
thode der Invaliditätsgradbemessung hat (allgemeine Methode des Ein-
kommensvergleichs, gemischte Methode, spezifische Methode des Betäti-
gungsvergleichs, vgl. Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a IVG). Wie im
Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs stellt sich auch
anlässlich einer Rentenrevision die Frage nach dem Status der versicher-
ten Person und damit nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsme-
thode. Ob eine Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist – was je zur Anwendung einer anderen
Methode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, gemischte
Methode, Betätigungsvergleich) führt –, ergibt sich aus der Prüfung, was
die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine ge-
sundheitliche Beeinträchtigung bestünde (vgl. Urteil des BGer I 561/05
vom 31. März 2006 E. 2.1). Die in einem bestimmten Zeitpunkt relevante
Methode der Invaliditätsschätzung präjudiziert die künftige Rechtsstellung
der versicherten Person somit nicht. Vielmehr können die alternativen Kri-
terien der Erwerbsunfähigkeit einerseits und der Unmöglichkeit der Betäti-
gung im nicht erwerblichen Aufgabenbereich anderseits einander ablösen
(BGE 117 V 199 Erw. 3b mit Hinweisen).
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie
sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben,
wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
(Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausreicht (vgl. BGE 133 V 504
E. 3.3, 133 V 477 E. 6.3, 125 V 146 E. 2c, je mit Hinweisen). Ein starkes
Indiz ist dabei die Tätigkeit, welche bei Eintritt der invalidisierenden ge-
sundheitlichen Beeinträchtigung tatsächlich – und unter Umständen seit
C-1949/2019
Seite 13
längerer Zeit – ausgeübt wurde, vor allem bei sonst im Wesentlichen un-
veränderten Verhältnissen bis zur Entstehung des Rentenanspruches (vgl.
Urteil des BGer 9C_565/2015 vom 29. Januar 2016 E. 3.2 mit Hinweisen).
Die Statusfrage, welche zwangsläufig hypothetisch ist, ist nach der Recht-
sprechung mit Rücksicht auf die gesamten persönlichen, familiären, sozia-
len und erwerblichen Verhältnisse zu beurteilen (BGE 137 V 334 E. 3.2).
Dabei sind die ebenfalls hypothetischen Willensentscheidungen der versi-
cherten Person zu berücksichtigen, welche als innere Tatsachen einer di-
rekten Beweisführung nicht zugänglich sind und in aller Regel aus äusse-
ren Indizien erschlossen werden müssen (Urteil des BGer 9C_883/2017
vom 28. Februar 2018 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
3.7 Versicherte haben Anspruch auf eine Viertelsrente, wenn sie zu min-
destens 40 Prozent invalid sind, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 Prozent besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 Prozent auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 Prozent auf
eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
4.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die IVSTA die Rente des Beschwerdeführers
zu Recht revisionsweise herabgesetzt hat.
Vorliegend strittig ist, ob sich der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers
seit der Rentenzusprache am 26. Juni 2013 erheblich verändert hat. Es ist
somit der Sachverhalt im Zeitpunkt der Rentenzusprache mit demjenigen
im Zeitpunkt der angefochtenen Revisionsverfügung vom 22. März 2019
zu vergleichen. Die am 18. August 2014 erlassene Mitteilung (IV-act. 93)
darüber, dass sich die Verhältnisse nicht geändert hätten, ist nicht als Re-
ferenzzeitpunkt beizuziehen, da es sich dabei nicht um eine umfassende
Abklärung mit anschliessender Verfügung im obgenannten Sinn handelte.
Die Vorinstanz machte geltend, aus den neueren Berichten gehe hervor,
dass der Beschwerdeführer seine Wohnung verlassen könne, ausserdem
würden keine Panikattacken mehr beschrieben. Er gehe Wandern und Ve-
lofahren und erledige auch seine Einkäufe selber. Daraus schloss die Vor-
instanz, dass sich die Einschränkungen im Aufgabenbereich verringert hät-
ten.
Der Beschwerdeführer führte hingegen aus, seine Mutter, die ihn früher
noch unterstützt habe, sei mittlerweile älter geworden und könne ihm des-
halb nicht mehr viel helfen. Er müsse seinen Alltag nun selber bewältigen.
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C-1949/2019
Seite 14
Er brauche für die Besorgung des Haushalts mehr Zeit, da er nicht in der
Lage sei, die Haushaltführung zu planen und ohne Anleitung durchzufüh-
ren. In dieser Hinsicht erhalte er von seiner Mutter noch Unterstützung.
Ausserdem sei nicht nachvollziehbar, woraus die Vorinstanz den Schluss
ziehe, dass durch die psychotherapeutische Behandlung eine bessere Be-
wältigung des Alltags erreicht werden konnte. Dies ergebe sich aus keinem
Gutachten und sei völlig aus der Luft gegriffen. Es sei im Gegenteil sogar
davon auszugehen, dass die funktionelle Einäugigkeit zu einer Verschlech-
terung seines Gesundheitszustands und auch zu weiteren Einschränkun-
gen in der Haushaltführung geführt habe. Aus der angefochtenen Verfü-
gung gehe nicht hervor, weshalb nunmehr lediglich eine Einschränkung
von 25 % im Haushalt bestehen soll. Der Beschwerdeführer reichte im Be-
schwerdeverfahren zur Untermauerung seiner Äusserungen einen Arztbe-
richt von Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie,
Psychotherapeut, vom 21. Oktober 2019 ein.
4.1 Die als Vergleichszeitpunkt massgebende, leistungszusprechende
Verfügung vom 26. Juni 2013 basierte im Wesentlichen auf den Berichten
von Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Arzt für
Psychosoziale und Psychosomatische Medizin, Psychotherapeut, vom
8. November 2011 (IV-act. 29), von Dr. med. D._, Facharzt für Psy-
chiatrie, vom 13. Januar 2012 (IV-act. 27) und vom 4. Dezember 2012 (IV-
act. 71) sowie von Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeinmedizin,
vom 26. Januar 2012 (IV-act. 26).
Den genannten medizinischen Unterlagen sind folgende Diagnosen und
Angaben zur Arbeitsfähigkeit zu entnehmen: 1) Kombinierte Persönlich-
keitsstörung, 2) Angst und depressive Störung gemischt, 3) Tic-Störung
und 4) Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, schädlicher Ge-
brauch. Die begutachtenden Ärzte attestierten übereinstimmend eine volle
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt.
Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie beim
RAD, hielt in seiner Stellungnahme vom 20. November 2012 (IV-act. 66)
die obgenannten Diagnosen fest und schloss in Übereinstimmung mit den
Gutachtern auf eine volle Arbeitsunfähigkeit in jeglichen Tätigkeiten. Die
Einschränkung im Aufgabenbereich bezifferte Dr. med. B._ gemäss
Tabelle «Versicherte im Haushalt, Einschätzung der Invalidität» vom
6. Februar 2013 (IV-act. 72 S. 4) mit 49 %.
C-1949/2019
Seite 15
4.2 Die angefochtene Verfügung beruht im Wesentlichen auf dem Bericht
von Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeinmedizin, vom 25. Novem-
ber 2016 (IV-act. 100), der Stellungnahme von Dr. med. K._, Fach-
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie beim Medizinischen Dienst der
IVSTA, vom 1. Februar 2017 (IV-act. 109), dem Bericht von
Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie, vom 13. Juli 2018 (IV-
act. 118), den Stellungnahmen von Dr. med. E._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie beim Medizinischen Dienst der IVSTA,
vom 4. und 24. September 2018 (IV-act. 121 und 123) und den Stellung-
nahmen von Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeinmedizin beim
RAD, vom 8. Dezember 2018 (IV-act. 136) und vom 4. Januar 2019 (IV-
act. 138).
Den Arztberichten ist zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer als
Hauptdiagnosen immer noch Angst und depressive Störung gemischt und
als relevante Nebendiagnose eine kombinierte Persönlichkeitsstörung ge-
nannt werden. Ferner besteht auch die früher bereits genannte Tic-Störung
weiterhin. Dazugekommen sind ein Zustand nach Neuroborreliose (2015),
ein Keratokonus beidseits, rechts mehr als links, mit funktioneller Einäu-
gigkeit links, eine Fettleber, Übergewicht und ein chronischer Nikotinabu-
sus.
Vergleicht man den im Jahr 2013 festgestellten Sachverhalt, der zur Ren-
tenzusprache geführt hat, mit demjenigen im Jahr 2019 fällt auf, dass beim
Beschwerdeführer insbesondere ein Zustand nach Neuroborreliose sowie
ein Keratokonus beidseits hinzugekommen ist, die Einfluss auf die Arbeits-
fähigkeit haben. Diese beiden Beschwerden lagen im Zeitpunkt der Ren-
tenzusprache noch nicht vor. Es ist somit festzuhalten, dass damit ein Re-
visionsgrund vorliegt und deshalb der Rentenanspruch allseitig neu zu prü-
fen ist, um zu ermitteln, ob der Beschwerdeführer immer noch Anspruch
auf eine Rente hat und – wenn ja – in welcher Höhe (vgl. E. 3.1.1 hiervor).
4.2.1 In psychiatrischer Hinsicht stehen immer noch die Haupt- und die Ne-
bendiagnose (Angst und depressive Störung gemischt und kombinierte
Persönlichkeitsstörung) im Raum. Die beurteilenden Ärzte stellten überein-
stimmend fest, dass sich die Arbeitsfähigkeit mit Blick auf die unverändert
bestehenden psychischen Beeinträchtigungen nicht verbessert habe und
nach wie vor für jegliche Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Ar-
beitsfähigkeit bestehe. Der behandelnde Arzt, Dr. med. H._, äus-
serte sich in seinem Bericht vom 21. Oktober 2019 dahingehend, dass der
Beschwerdeführer seit 2006 in seiner Behandlung stehe und an einer
C-1949/2019
Seite 16
schweren generalisierten Angsterkrankung leide. Er sei krankheitsbedingt
weiterhin stark eingeschränkt und schaffe es derzeit lediglich an «guten
Tagen» von (...) nach (...) zu fahren. An schlechten Tagen schaffe er es
weiterhin nicht, die Wohnung alleine zu verlassen. Es sei ihm bisher noch
nicht gelungen, seinen Bewegungsradius weiter auszudehnen. Die Fähig-
keit zur Haushaltsführung habe sich nur an vereinzelten Tagen verbessert.
Grundsätzlich überwögen jedoch die Einschränkungen, da die «guten
Tage» leider immer noch selten aufträten.
4.2.2 In Bezug auf die neu aufgetretenen somatischen Beschwerden stellte
Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeinmedizin, in seinem Gutachten
vom 25. November 2016 (IV-act. 100) fest, aufgrund der Neuroborreliose
bestünden beim Beschwerdeführer insbesondere beim Abwärtsgehen
noch vermehrte Koordinationsprobleme in beiden Beinen. Wegen des
Keratokonus sehe er mit dem rechten Auge nur noch Farben und grobe
Umrisse, mit dem linken Auge könne er eine normal grosse Schrift lesen.
4.2.3 Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie, hielt in seinem Gut-
achten vom 13. Juli 2018 (IV-act. 118) fest, durch die durchgemachte Neu-
roborreliose habe sich der psychische Zustand eher noch verschlechtert.
Trotz wöchentlicher psychotherapeutischer Betreuung habe keine nach-
haltige Stabilisierung stattgefunden, und die cerebrale Belastbarkeit sei zu
gering für die Aufnahme einer Arbeitstätigkeit im ersten Arbeitsmarkt. Auch
Dr. med. E._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, be-
stätigte in ihrer Stellungnahme vom 24. September 2018, dass der Be-
schwerdeführer aus psychiatrischer Sicht weder in der bisherigen Tätigkeit
als Anlagenelektriker noch in einer angepassten Tätigkeit beruflich tätig
sein könne. Es bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit.
4.2.4 Dr. med. E._ äusserte sich in ihren Stellungnahmen vom
4. und 24. September 2018 (IV-act. 121 und 123) auch noch zur Ein-
schränkung im Haushalt, da die Vorinstanz den IV-Grad anlässlich der
Rentenzusprache mittels gemischter Methode bemessen hatte. Sie ging
gestützt auf die vorhandenen Akten davon aus, dass in psychischer Hin-
sicht eine derartige Stabilisierung respektive Verbesserung des Gesund-
heitszustands erreicht werden konnte, dass er wenigstens den Alltag be-
wältigen könne. Es bestehe lediglich noch eine geringe Einschränkung
beim Einkaufen und den sozialen Kontakten; im Übrigen sei der Beschwer-
deführer in der Lage, seinen Haushalt selbständig zu besorgen.
C-1949/2019
Seite 17
4.2.5 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Ärzte davon aus-
gehen, dass der Beschwerdeführer in jeglichen Tätigkeiten auf dem ersten
Arbeitsmarkt weiterhin vollumfänglich arbeitsunfähig ist. Ursächlich für die
angenommene Arbeitsunfähigkeit sind gemäss ärztlicher Einschätzung im
Wesentlichen die psychischen Beschwerden (Angst und depressive Stö-
rung gemischt und kombinierte Persönlichkeitsstörung). Die Frage nach
den Auswirkungen sämtlicher psychischer Erkrankungen auf das funktio-
nelle Leistungsvermögen ist – wie bereits erwähnt (vgl. E. 3.3 hiervor) –
grundsätzlich unter Anwendung des strukturierten Beweisverfahrens zu
beantworten. Es ist somit fachärztlich unter Anwendung der Standardindi-
katoren zu prüfen, inwiefern diese psychischen Beschwerden einen Ein-
fluss auf die Arbeitsfähigkeit haben. Ein Ausschlussgrund für die Durchfüh-
rung eines strukturierten Beweisverfahrens ist vorliegend nicht ersichtlich,
sodass es unerlässlich ist, eine Indikatorenprüfung durchzuführen, um ein
verlässliches Bild in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
zu erhalten. Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass vorliegend
eine interdisziplinäre fachärztliche Beurteilung (psychiatrisch, internis-
tisch/allgemeinmedizinisch, neurologisch und ophthalmologisch) fehlt, wel-
che die vorhandenen Beschwerden hinreichend und umfassend würdigt
und unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ge-
forderten Standardindikatoren die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
beurteilt.
4.2.6 Weiter ist festzuhalten, dass die vorliegend von der Vorinstanz ange-
wandte gemischte Methode lediglich in denjenigen Fällen anwendbar ist,
in welchen davon auszugehen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall
lediglich teilweise erwerbstätig und daneben noch im Aufgabenbereich tä-
tig wäre. Der Beschwerdeführer war, wie den Akten zu entnehmen ist, vor
Eintritt der Invalidität während einigen Jahren als Monteur für Stickmaschi-
nen im Ausland tätig und dabei viel unterwegs. Im Jahr 2006 musste er
diese langjährige Tätigkeit nach einem mehrmonatigen Krankenstand auf-
geben (vgl. Gutachten von Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie
und psychotherapeutische Medizin, vom 13. Januar 2012 [IV-act. 27]). Im
Anschluss an diesen Krankenstand fand er eine Anstellung als technischer
Hausbetreuer von zwei Wohnanlagen. In diesem Anstellungsverhältnis ar-
beitete er (aus unbekannten Gründen) lediglich 3-4 Stunden pro Tag (vgl.
IV-act. 39).
Der Beschwerdeführer wohnt alleine und hat keine Kinder. Es ist nicht
nachvollziehbar, weshalb die Vorinstanz beim Beschwerdeführer von ei-
C-1949/2019
Seite 18
nem teilzeitlich erwerbstätigen Versicherten mit zusätzlichem Aufgabenbe-
reich ausgegangen ist. Es trifft zwar zu, dass der Beschwerdeführer in sei-
ner letzten Anstellung als technischer Hausbetreuer lediglich 3-4 Stunden
pro Tag gearbeitet hat. Es liegen jedoch keine Hinweise dafür vor, dass er
die reduzierte Erwerbstätigkeit ausgeübt hat, weil er daneben noch im Auf-
gabenbereich tätig war. Der Beschwerdeführer war zuvor als Monteur jah-
relang vollzeitlich erwerbstätig gewesen und wäre dies ohne gesundheitli-
che Beeinträchtigung wohl noch immer. Gestützt auf die vorliegenden Ak-
ten lässt sich diese Frage jedoch nicht abschliessend beurteilen, da nicht
klar ist, gestützt auf welche Informationen die Vorinstanz sich für die An-
wendung der gemischten Methode entschieden hat. Soweit dies ersichtlich
ist, wurde der Beschwerdeführer nie (weder im Rahmen der Rentenzuspra-
che im Jahr 2013 noch im Rahmen der Rentenrevisionen in den Jahren
2014 und 2019) dazu befragt, ob er im Gesundheitsfall vollzeitlich erwerbs-
tätig wäre oder nicht. Auch in dieser Hinsicht ist der Sachverhalt somit zu
ergänzen, um über den Anspruch des Beschwerdeführers befinden zu kön-
nen. Sollte die Vorinstanz vorliegend nach weiteren Abklärungen zum
Schluss kommen, dass die gemischte Methode anzuwenden ist, so wäre
die Einschränkung im Haushalt sorgfältig durch eine fachlich kompetente
Person festzustellen, da der standardmässig eingesetzte Fragebogen eher
auf körperliche Einschränkungen ausgerichtet und nicht geeignet ist, psy-
chische Einschränkungen zu erfassen.
4.3
4.3.1 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung können die Sozialver-
sicherungsgerichte nicht frei entscheiden, ob sie eine Streitsache zu wei-
teren medizinischen Abklärungen an die Verwaltung zurückweisen. So hat
es erkannt, dass es zwar nicht angebracht ist, in jedem Beschwerdefall auf
der Grundlage eines Gerichtsgutachtens zu urteilen, doch drängt es sich
auf, dass die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein-
holt, wenn sie einen medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich
abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem
rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Eine Rückweisung an die
IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhe-
bung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist oder wenn
lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen
Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1 ff.).
4.3.2 Vorliegend erscheint eine Rückweisung der Streitsache an die IVSTA
im Lichte der dargelegten Rechtsprechung aus nachfolgenden Gründen
C-1949/2019
Seite 19
ausnahmsweise möglich. Zu beachten sind insbesondere die Ausführun-
gen des Bundesgerichts im hiervor zitierten BGE 137 V 210, wonach eine
weitgehende Verlagerung der Expertentätigkeit von der administrativen auf
die gerichtliche Ebene sachlich nicht wünschbar ist. Die Rechtsstaatlichkeit
der Versicherungsdurchführung litte empfindlich und wäre von einem Sub-
stanzverlust bedroht, so das Bundesgericht, wenn die Verwaltung von
vornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit in jedem verfügungs-
weise abgeschlossenen Sozialversicherungsfall auf Beschwerde hin
gleichsam gerichtlicher Nachbesserung unterliege. Im Rahmen der de lege
lata gegebenen Organisation dränge es sich vielmehr auf, das drohende
Defizit dort durch gerichtliche Expertisen auszugleichen, wo die Gerichte
bei der Würdigung des Administrativgutachtens im Kontext der gesamten
Aktenlage zum Schluss kommen, weitere Abklärungen seien notwendig
(BGE 137 V 210 E. 4.2).
4.3.3 Hier liegen zwar mehrere vom Bundesverwaltungsgericht zu würdi-
gende Berichte im Recht, die jedoch eine abschliessende Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit nicht zulassen. Eine Beurteilung ohne eingehende Diskus-
sion der die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden Faktoren und ohne die
Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens ist im vorliegenden
Fall nicht zulässig. Vorliegend fehlt es gänzlich an einer iv-rechtlich erfor-
derlichen Gesamtbeurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerde-
führers. Die Vorinstanz hat es unterlassen, eine interdisziplinäre Abklärung
zu veranlassen, obwohl eine solche aufgrund der im Raum stehenden Be-
funde und Diagnosen, welche verschiedene medizinische Fachgebiete be-
treffen, geboten gewesen wäre. Da die Vorinstanz noch kein Gutachten
veranlasst hat, und die Verwaltung nicht von vornherein darauf bauen
kann, dass ihre Arbeit in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozial-
versicherungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesse-
rung unterläge, ist von der Einholung eines Gerichtsgutachtens oder Erhe-
bung anderer Beweisabnahmen abzusehen (BGE 137 V 210 E. 4.2; Urteil
des BVGer C-1358/2014 vom 11. Dezember 2015 E. 5). Die vorliegende
Konstellation hätte zwangsläufig zu einer Präzisierung der vorhandenen
Unterlagen führen müssen. Würde eine derart mangelhafte Sachverhalts-
abklärung respektive -würdigung durch Einholung eines Gerichtsgutach-
tens im Beschwerdeverfahren korrigiert, bestünde die Gefahr der uner-
wünschten Verlagerung der den Durchführungsorganen vom Gesetz über-
tragenen Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersu-
chungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) abzuklären (sodass gestützt da-
rauf die Verfügung über die in Frage stehende Leistung ergehen kann), auf
das Gericht. Daher und aufgrund dessen, dass vorliegend aufgrund der
C-1949/2019
Seite 20
Aktenlage der Gesundheitszustand und demnach auch die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers nicht abschliessend beurteilt werden kann, sind
weitere medizinische Abklärungen im obgenannten Sinn anzuordnen und
der Status des Beschwerdeführers zu klären.
4.3.4 Die Vorinstanz ist daher in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 VwVG an-
zuweisen, nach Aktualisierung und Vervollständigung der medizinischen
Akten eine umfassende interdisziplinäre Begutachtung des Beschwerde-
führers zu veranlassen. Nur so kann sichergestellt werden, dass alle rele-
vanten Gesundheitsschädigungen erfasst und die daraus jeweils abgelei-
teten Einflüsse auf die Arbeitsfähigkeit würdigend in einem Gesamtergeb-
nis ausgedrückt werden (vgl. dazu SVR 2008 IV Nr. 15 S. 44, E. 2.1). Mit
Blick auf die im Raum stehenden Befunde und Diagnosen erscheinen Ex-
pertisen in den Fachbereichen Psychiatrie, Innere Medizin, Neurologie und
Ophthalmologie angezeigt. Ob noch weitere Disziplinen beizuziehen sind,
ist dem pflichtgemessen Ermessen der Gutachter zu überlassen, zumal es
primär ihre Aufgabe ist, aufgrund der konkreten Fragestellung über die er-
forderlichen Untersuchungen zu befinden. Sie sind einerseits für die fach-
liche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten Entschei-
dungsgrundlage, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklärung
letztverantwortlich (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 3.3; Urteil des BGer
8C_124/2008 vom 17. Oktober 2008 E. 6.3.1).
Nebst den allgemeinen Beweisanforderungen, hat ein zwecks Rentenrevi-
sion zu erstellendes Gutachten spezielle Beweisanforderungen zu erfüllen.
Namentlich hat es sich ausreichend auf das Beweisthema – erhebliche Än-
derung des Sachverhalts – zu beziehen (vgl. dazu eingehend Urteile des
BGer 8C_170/2017 vom 13. Oktober 2017 E. 5.2 m.H.; 9C_143/2017 vom
7. Juni 2017 E. 4.1). Vorliegend geht es um die Frage, ob eine erhebliche
Verbesserung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers vergli-
chen mit jenem im Juni 2013 eingetreten ist und wenn ja, inwiefern und in
welchem medizinisch objektivierbaren Ausmass mit welcher Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit. Betreffend den zu beurteilenden Zeitraum haben
die Gutachter sinnvollerweise die Entwicklung des Gesundheitszustands
und den Verlauf der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der Ver-
fügung vom 22. März 2019 bis zum Zeitpunkt der neu durchzuführenden
Begutachtung miteinzubeziehen und zu beurteilen.
Die polydisziplinäre Begutachtung hat vorliegend in der Schweiz zu erfol-
gen, da die Abklärungsstelle mit den Grundsätzen der schweizerischen
Versicherungsmedizin vertraut sein muss (vgl. dazu Urteil des BGer
C-1949/2019
Seite 21
9C_235/2013 vom 10. September 2013 E. 3.2; statt vieler Urteil des BVGer
C-3864/2017 vom 11. März 2019 E. 7.5 m.w.H.) und vorliegend keine
Gründe ersichtlich sind, die eine Begutachtung in der Schweiz als unver-
hältnismässig erscheinen liessen. Im Weiteren ist die Gutachterstelle nach
dem Zufallsprinzip gemäss Zuweisungssystem «SuisseMED@P» zu ermit-
teln (vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 5.2.1 und Art. 72bis Abs. 2 IVV). Dem
Beschwerdeführer sind die ihm zustehenden Mitwirkungsrechte einzuräu-
men (vgl. BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9).
4.4 Im Ergebnis ist die Beschwerde somit gutzuheissen und die angefoch-
tene Verfügung vom 22. März 2019 ist aufzuheben. Die Sache ist zur
Durchführung der notwendigen medizinischen Abklärungen, Bestimmung
des Status des Beschwerdeführers, erneuten Prüfung des Leistungsan-
spruchs und zur Verfügung über den Anspruch des Beschwerdeführers auf
die Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
5.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
5.1 Die Verfahrenskosten sind bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
die Verweigerung von IV-Leistungen nach dem Verfahrensaufwand und un-
abhängig vom Streitwert im Rahmen von 200-1'000 Franken festzulegen
(Art. 69 Abs. 1bis IVG). Die Verfahrenskosten werden in der Regel der un-
terliegenden Partei auferlegt (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Rückweisung der
Sache an die Verwaltung zu erneuter Abklärung und neuer Verfügung gilt
im Sozialversicherungsrecht praxisgemäss als volles Obsiegen der Be-
schwerde führenden Partei (BGE 137 V 210 E. 7.1 und 132 V 215 E. 6).
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer keine
Kosten aufzuerlegen. Einer unterliegenden Vorinstanz sind gemäss Art. 63
Abs. 2 VwVG ebenso wenig Verfahrenskosten aufzuerlegen. Der geleis-
tete Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 800.- ist dem Beschwerdeführer
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheids auf ein von ihm
bekannt zu gebendes Konto zurückzuerstatten.
5.2 Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden
Partei von Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr er-
wachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen
(Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
C-1949/2019
Seite 22
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Parteientschädigung um-
fasst die Kosten der Vertretung sowie allfällige weitere notwendige Ausla-
gen der Partei, wobei unnötiger Aufwand nicht entschädigt wird (Art. 8
VGKE).
Der Beschwerdeführer war im vorliegenden Verfahren anwaltlich vertreten,
weshalb ihm zu Lasten der unterliegenden Vorinstanz eine Parteientschä-
digung zuzusprechen ist. Der Vertreter des Beschwerdeführers hat keine
Kostennote eingereicht. Unter Berücksichtigung des aktenkundigen und
gebotenen Aufwands ist die Entschädigung auf Fr. 2'000.- festzusetzen.
C-1949/2019
Seite 23