Decision ID: 6e30326e-d3f0-4d08-bed7-58ca02455f27
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, Mutter zweier Kinder (geboren 1997 und 1998)
,
arbeitete zu einem Pensum von 70 % als Kleinkindererzieherin und stell
vertretende Leiterin bei der Kinderkrippe
Y._
GmbH, als sie sich am 22. Juli 2014 unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression/
ein
Burnout bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 6/13). Nachdem die
So
zialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, erwerbliche und medizi
nische Abklärungen vorgenommen hatte,
verneinte sie – nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/42-46) –
den Anspruch auf Leistungen der Invali
denversicherung
mit Verfügung vom 19. Januar 2015
(Urk. 2 = Urk. 6/47).
2.
Gegen die Verfügung vom 19. Januar 2015
(Urk. 2)
erhob die Versicherte am 19. Februar 2015 Beschwerde
und beantragte sinngemäss, es seien ihr berufli
che Massnahmen zu gewähren
(Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 26. März 2015
schloss
die Beschwerdegegnerin
auf
Gutheissung der Beschwerde im Sinne einer Rückweisung zur weiteren Abklärung (Urk. 5).
D
ie Beschwerde
führerin
liess sich
innert Frist zu diesem Antrag nicht vernehmen
(vgl.
Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Der Versicherungsträger prüft die
Begehren der versicherten Person, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (Art. 43 Abs. 1 ATSG).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit z
u neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (
§
26
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung - da diese das Verfahren verlängert und verteuert - abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. SVR 1995 ALV Nr. 27 S. 69).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin machte zusammengefasst geltend (Urk. 1), die
Be
-
schwer
degegnerin
habe keine Abklärungen
getroffen
, sondern mit ihr ledig
lich ein Informationsgespräch geführt. Sie habe nie einen IV-Arzt oder eine IV-Ärztin gesehen. Wie die Beschwerdegegnerin darauf kommen könne, dass bei ihr kein relevanter Gesundheitsschaden vorliege, sei ihr unverständlich.
2.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte den Leistungsans
pruch mit der Begründung (Urk. 2
), ein invaliditätsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden sei nicht aus
gewiesen (S. 1). Depressive Episoden seien vorübergehende Leiden und begrün
deten keinen langandauernden Gesundheitsschaden. Psychosoziale
Belastungs
faktoren
(Stress/Belastung bei der Arbeit) seien invaliditätsfremd (S. 2).
In der Beschwerdeantwort räumte
die Beschwerdegegnerin ein (Urk. 5),
dem ärztlichen Zeugnis des behandelnden Psychiaters könne entnommen werden, dass seit seinem letzten ausführlichen Bericht die zunächst vermutete Verbes
serung des Gesundheitszustandes nicht eingetreten sei. Aufgrund der Akten könne nicht beurteilt werden, warum sich die Arbeitsfähigkeit beziehungsweise die funktionelle Leistungsfähigkeit
trotz regelmässiger fachärztlicher Therapie
im Verlauf nicht verbessert habe. Um beurteilen zu können, inwiefern sich die von den behandelnden Ärzten gestellten Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten, seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen.
2.3
Streitig ist, ob bei der Beschwerdeführerin ein Gesundheitsschaden vorliegt, der sie derart in der
Erwerbsfähigkeit
einschränkt, dass sie Anspruch auf Leistunge
n der Invalidenversicherung hat beziehungsweise, ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten beurteilt werden kann.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Innere Medizin, diagnostizierte im
Arztbe
richt
vom 11. August 2014 (Urk. 6/22)
einen Erschöpfungszustand bei Beziehungsproblematik, zurzeit
in
Scheidung (Ziff. 1.1), und attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 4. März 2014 bis auf weiteres (
Ziff.
1.6). Er ging davon aus, dass höchstwahrscheinlich mit einer Wiederaufnahme der be
ruflichen Tätigkeit gerechnet werden könne (
Ziff.
1.9).
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte im Bericht vom 28. August 2014 (Urk. 6/27) die
Diagnosen einer mittleren bis schweren depressiven Episode (F32.1/32.2)
seit circa Frühling 2013
und einer selbstunsicheren bi
s ängstlichen Persönlichkeit (F
60.6/60.7;
Ziff.
1.1). Überein
stimmend mit
Dr.
Z._
attestierte er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei
t
4. März 2014 bis auf weiteres (Ziff. 1.6). Er ging davon aus, dass die medizi
nisch-psychiatrischen Massnahmen zu einer allmählichen Steigerung der Ar
beitsfähigkeit führen sollten und stellte in Aussicht, dass die Beschwerdeführe
rin in ein bis zwei Monaten in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % erlangen werde.
3.2
Gestützt auf diese Arztberichte erwog die Beschwerdegegnerin, dass bei der Be
schwerdeführerin kein langandauernder Gesundheitsschaden vorliege, da de
pressive Episoden vorübergehende Leiden und psychosoziale Belastungsfaktoren (Stress/Belastung bei der Arbeit) invaliditätsfremd seien
(
Urk.
2)
.
3.3
Mit ärztlichen
Zeugnissen vom 8. September 2014 (Urk. 6/31), 20. Oktober 2014 (Urk. 6/39) und 16. Februar 2015 (Urk. 6/48) attestierte
Dr.
A._
weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Hieraus ist zu schliessen, dass die vermutete Ver
besserung des Gesundheitszustands trotz fachpsychiatrischer Behandlung nicht eingetreten ist. Allerdings werden in den ärztlichen Zeugnissen keine Befunde aufgeführt, weshalb die attestierte Arbeitsunfähigkeit nicht schlüssig nachvoll
ziehbar ist. Es drängen sich deshalb weitere medizinische Abklärungen auf
.
Die
Sache
ist daher
dem Antrag der Beschwerdegegnerin entsprechend (vgl. Urk. 5) an diese zurückzuweisen
,
damit sie die notwendigen Abklärungen vor
nehme und hernach über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu entscheide. Hier
bei wird
sie
auch zu prüfen haben, ob
– wie von der Beschwer
deführerin beantragt (vgl. Urk. 1) -
ein Anspruch auf berufliche Massnahmen besteht.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG) und auf Fr. 300.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.