Decision ID: aab818d7-e9e2-4b05-b70b-1b0eafb59821
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der im Juni 1954 geborene
X._
teilte der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, mit E-Mail vom 2
0.
Februar 2019 mit, dass er trotz Jahrgang 1954 weiterarbeiten werde und das wohl noch einige Jahre. Man solle es ihn wissen lassen, falls er etwas Offizielles ausfüllen müsste (
Urk.
7
/
26
). Der Versicherte erhielt darauf keine Rückmeldung. Auf eine E-Mail vom
3.
November 2020 (
Urk.
7/59
) hin
, mit welcher er sich erkundigte, ob und wann er die Maximalrente erreiche, teilte ihm die Ausgleichskasse mit Schreiben vom
5.
November 2020 mit (
Urk.
7/60
), dass er für den Aufschub der Altersrente bis am 3
0.
Juni 2020 einen Antrag hätte einreichen müssen.
Mit Verfügung vom
1
7.
November 2020
(Urk.
7/65
)
wies die Ausgleichskasse den Antrag des Versi
cherten um Aufschub der Altersrente ab mit der Begründung, dass er diesen nicht innert Frist geltend gemacht habe.
Die gegen diesen Entscheid erhobene Einspra
che vom
2
5.
November 2020
(
Urk.
7/68
) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom
8.
Februar 2021
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
2
4.
Februar 2021
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei
die Altersrente aufzuschieben
. Am
2
2.
März 2021
beantragte die
Ausgleichskasse
, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
6
)
.
Mit Replik vom
1
4.
April 2021
(
Urk.
10
) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Mit Eingabe vom
2
7.
April 2021
teilte die Beschwerdegegnerin mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik ver
zichte (
Urk.
12
), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
2
8.
April 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
1
3
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf eine ordentliche Altersrente haben Männer, welche das 65. Alters
jahr, und Frauen, welche das 64. Altersjahr vollendet haben, sofern ihnen für mindestens ein volles Jahr Einkommen, Erziehungs- oder Betreuungsgutschrif
ten angerechnet werden können (Art. 21 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 29 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Alters- und
H
interlassenenversicherung
, AHVG).
Im Rahmen des flexiblen Rentenalters haben Personen, die das ordentliche Ren
tenalter erreicht haben, die Möglichkeit, den Bezug der Altersrente um mindes
tens ein Jahr und höchstens fünf Jahre aufzuschieben und innerhalb dieser Frist die Renten von einem bestimmten Monat an abzurufen (Art. 39 Abs. 1 AHVG). Die aufgeschobene Altersrente und die sie allenfalls ablösende
Hinterlassenen
rente
wird um den versicherungstechnischen Gegenwert der nicht bezogenen Leistung erhöht (Art. 39 Abs. 2 AHVG). Der Aufschub ist innert
eines Jahres
vom Beginn der
Aufschubsdauer
an schriftlich zu erklären.
Ist innert Frist keine
Aufschubserklärung
erfolgt, so wird die Altersrente nach den allgemein geltenden Vorschrif
ten fest
gesetzt und ausbezahlt
(Art. 55
quater
Abs. 1 der
Verordnung über die Alters-
und
Hinterlassenenversicherung
,
AHVV)
.
1
.2
Gemäss Art. 27 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
siche
rungsrechts (ATSG) sind Versicherungsträger und Durchführungsorgane der ein
zel
nen Sozialversicherungen verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeits
be
reichs die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzu
klären
(Abs. 1). Die kantonalen Ausgleichskassen haben mindestens einmal jährlich durch
Publikation auf Leistungen der Versicherung, die Anspruchsvoraus
set
zung
en und die Anmeldung hin
zuweisen (Art. 67 Abs. 2 AHVV).
1.3
Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung kann nach dem in Art. 9
der Bundesverfassung
verankerten Grundsatz von Treu und Glauben eine unrichtige Auskunft, welche eine Behörde einer rechtssuchenden Person erteilt, unter gewis
sen Umständen Rechtswirkungen entfalten. Voraussetzung dafür ist, dass: a) es sich um eine vorbehaltlose Auskunft der Behörden handelt; b) die Auskunft sich auf eine konkrete, die betroffene Person berührende Angelegenheit bezieht; c) die Amtsstelle, welche die Auskunft gegeben hat, dafür zuständig war oder die betroffene Person sie aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; d) die betroffene Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne Weiteres hat erkennen können; e) die betroffene Person im Vertrauen hierauf nicht ohne Nach
teile rückgängig zu machende Dispositionen getroffen hat; f) die Rechtslage zur Zeit der Verwirklichung noch die gleiche ist wie im Zeitpunkt der Auskunftser
teilung; g) das Interesse an der richtigen Durchsetzung des objektiven Rechts dasjenige am Vertrauensschutz nicht überwiegt. Diese Bedingungen müssen kumulativ erfüllt sein. Vertrauensschutz setzt nicht zwingend eine unrichtige Auskunft oder Verfügung voraus; er lässt sich auch aus einer
blossen
behördli
chen Zusicherung und sonstigem, bestimmte Erwartungen begründendem Verhalten der Behörden herleiten (BGE 143 V 95 E. 3.6.2; Urteil des Bundes
gerichts 9C_296/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2). Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vorschrift (vgl. Art. 27 ATSG) oder obwohl sie nach den im
Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die Rechtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleichgestellt (BGE 143 V 341 E. 5.2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_220/2021 vom 12. Mai 2021 E. 3.1.3).
Sodann gilt das Vertrauensprinzip nicht nur dann, wenn die rechtssuchende Person Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, sondern auch, wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit einer behördlichen Auskunft oder Anordnung es unterlassen hat, Dispositionen zu tref
fen, die nicht mit dem früher möglichen Erfolg nachgeholt werden können (BGE 121 V 65 E. 2b mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_132/2019 vom
3.
Juli 2019 E. 6.3). Erforderlich ist, dass die Auskunft für die
darauf folgende
Unterlassung ursächlich war. Ein solcher Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn angenommen werden kann, die rechtssuchende Person hätte sich ohne die fehlerhafte Auskunft anders verhalten. An den Beweis des Kausalzusammenhangs zwischen Auskunft und Disposition beziehungsweise Unterlassung werden nicht allzu strenge Anforderungen gestellt. Denn bereits aus dem Umstand, dass eine rechtssuchende Person Erkundigungen einholt, erwächst eine natürliche Vermu
tung dafür, dass sie im Falle eines negativen Entscheides ein anderes Vorgehen gewählt hätte. Der erforderliche Kausalitätsbeweis darf deshalb schon als geleistet gelten, wenn es aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung als glaubhaft erscheint, dass sich die rechtssuchende Person ohne die fragliche Auskunft anders verhalten hätte (BGE 121 V 65 E. 2b mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
die Anmeldung für einen Aufschub der Altersrente spätestens nach einem Jahr seit Erreichen des ordentlichen Rentenalters hätte geltend gemacht werden müssen. Der Beschwerdeführer hätte seinen Antrag somit spätestens bis 3
0.
Juni 2020 bei ihr einreichen müssen. Sie habe die Anmeldung des Aufschubes jedoch erst am 1
0.
November 2020 erhalten. Im Dossier des
Beschwerdeführer
s finde sich weder eine E-Mail noch eine Telefonnotiz, die bestätige, dass ihm bezüglich des Vorgehens bei der Anmeldung für den Aufschub eine falsche Auskunft
erteilt
worden sei. Er erhalte deshalb ab Juli 2019 seine ordentliche Altersrente.
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
6
) hielt sie ergänzend fest,
der Beschwerde
führer habe ihrer Kundenberaterin am 2
0.
Februar 2019 mitgeteilt, dass er nach dem Pensionsalter weiterarbeiten möchte und nachgefragt, ob er dafür etwas ausfüllen müsse. Aus der E-Mail gehe nicht hervor, dass er auch geplant habe, seine Rente aufzuschieben. Die E-Mail sei leider von ihr nicht beantwortet
worden. Der Beschwerdeführer habe sich aber nicht darauf verlassen können, dass er nichts unternehmen müsse, um den Aufschub der Altersrente zu beantragen. Vielmehr hätte er innert nützlicher Frist nachfragen sollen, wann die E-Mail beantwortet werde. Dies habe er jedoch unterlassen. Auch aus späteren Kontakt
aufnahmen gehe nicht hervor, dass er beabsichtigt habe, die Altersrente aufzu
schieben und es habe aus der Korrespondenz mit ihm auch nicht darauf geschlos
sen werden müssen. Der Kundenberaterin könne somit nicht vorgeworfen werden, die Antwort unterlassen oder eine falsche Auskunft erteilt zu haben. Aus dem Umstand, dass er auch nach Erreichen des AHV-Rentenalters weiterhin AHV-Beiträge bezahlt und keine Rente verlangt habe, könne nicht auf eine konkludente Erklärung des Rentenaufschubs geschlossen werden. Die Beschwerdegegnerin sei auch nicht dazu verpflichtet, die Versicherten automatisch über die
Auf
schub
m
öglic
h
keiten
zu informieren und habe auch nicht
von sich
aus jeden Versicher
ten individuell aufzuklären und zu beraten.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
er habe schon zwei Jahre vor seinem 6
5.
Geburtstag anlässlich der jährlichen Fest
legung des voraussichtlichen Umsatzes die Absicht geäussert, dass er weiter
arbeiten werde, um seine Rente auf
da
s Maximum bringen zu können. Die Konversationen habe er meist telefonisch mit der jeweiligen Person, welche auf den entsprechenden Verfügungen als Referenz angegeben worden sei, geführt. Ihm sei mitgeteilt worden, dass er diesen Wunsch ein Jahr im Voraus nochmals äussern solle. Dass aber dafür intern eine andere Stelle zuständig wäre und man Formulare ausfüllen müsste, sei nicht erwähnt worden.
2018 und im Februar 2019 habe er darum gebeten, ihm mitzuteilen, ob etwas Offizielles verlangt werde,
er
habe darauf jedoch keine Antwort erhalten. Am
3.
November 2020 habe er seine momentane Rente erfragen wollen und dann sei ihm mitgeteilt worden, dass kein Aufschub möglich sei, da er verspätet sei. Auch sei ihm dann erstmals ein Formular zugestellt worden, das er habe ausfüllen müssen. Dass bezüglich Korrespondenz mit der
Beschwerdegegnerin
nichts in seinem Dossier vorhanden sein soll, sei ihm unverständlich. Auch sei nicht akzeptabel, dass er nicht infor
miert worden sei.
Im Laufe des Verfahrens ergänzte der Beschwerdeführer (
Urk.
10), in der ganzen Kommunikation mit der
Beschwerdegegnerin
sei es um seine Weiterarbeit nach der offiziellen Pensionierung und den Wunsch um Aufschub der Rentenaus
zahlung gegangen. Leider stehe keine Aufnahme der Telefongespräche zur Verfügung. Ihm sei ab Juli 2019 die Rente nicht ausbezahlt worden, wodurch er habe davon ausgehen dürfen, dass sein Wunsch
um
Aufschub bis zur Erreichung des möglichen Maximums bei der
Beschwerdegegnerin
angekommen sei.
3.
3.1
Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer das Gesuch um Aufschub der Rente nicht rechtzeitig gestellt hat. Streitig und zu prüfen ist, ob er gestützt auf den Vertrauensschutz so zu stellen ist, wie wenn er innert der gesetzlich vorgesehenen Frist das Gesuch eingereicht hätte.
3.2
Mittels elektronischen Kontaktformulars ersuchte der
Beschwerdeführer
die
Beschwerdegegnerin
am 1
3.
Januar 2017 unter anderem um Auskunft, per wann er sich bezüglich einer Weiterarbeit über das 6
5.
Altersjahr hinaus bei ihr melden müsse.
Dabei warf er auch die Frage auf, wie lange Beiträge bezahlt werden müss
ten und ob dies bis zum Erreichen des Rentenmaximums sei (Urk. 7/2).
Den Akten lässt sich entnehmen, dass die
Beschwerdegegnerin
ihn daraufhin am selben Tag telefonisch kontaktierte, nicht jedoch, was anlässlich dieses Gesprächs genau besprochen wurde.
Im November 2017 wurde dem
Beschwerdeführer
auf sein Ersuchen hin ein Auszug aus dem individuellen Konto zugestellt (
Urk.
7/4-7). Die weitere Korrespondenz zwischen den Parteien beschränkte sich in den folgenden Monaten auf die Beiträge, welcher der Beschwerdeführer als
Selbständige
rwer
bender
zu leisten hatte (Rechnungen, Beitragsverfügungen, Lohndeklarationen und dergleichen, vgl.
Urk.
7/8-25)
. Am 2
0.
Februar 2019 schrieb der
Beschwer
deführer
der
Beschwerdegegnerin
folgende E-Mail (Urk. 7/26): «Ich denke ich habe das schon Mal mitgeteilt, tue das aber um sicher zu gehen nochmals: Ich werde trotz Jahrgang 54 weiterarbeiten, und das wohl noch einige Jahre. D.h. solange es läuft und Spass macht und gut geht. Ich muss wohl nichts Offizielles o.ä. ausfüllen oder per Einschreiben mitteilen. Ansonsten wollen Sie es mich wissen
lassen.»
Die
Beschwerdegegnerin
antwortete ihm nicht auf dieses Schrei
ben. Während des darauffolgenden Jahres beschränkte sich die Korrespondenz zwischen den Parteien wiederum auf die Beiträge, welcher der Beschwerdeführer als
Selbständige
rwerbender
zu leisten hatte (
Urk.
7/2
7
-29 und
Urk.
7/33-43).
Am 2
5.
Februar 2020 teilte der
Beschwerdeführer
der
Beschwerdegegnerin
mit (
Urk.
7/44), dass er im Juni
2019
65
geworden sei
und weiterarbeite und Beiträge einza
hle
, und erkundigte sich nach den Freibeträgen für die Jahre 2019 und 2020, welche die
Beschwerdegegnerin
ihm mitteilte (U
rk.
7/45 und
Urk.
7/47-49). In der Folge beschränkte sich die Korrespondenz zwischen den Parteien wiederum auf die Beiträge, welcher der Beschwerdeführer als
Selbständige
rwerbender
zu leisten hatte (
Urk.
7/50-58). Am
3.
November 2020 teilte der
Beschwerdeführer
der
Beschwerdegegnerin
mit, er arbeite über die Altersgrenze hinaus. Bevor er nur noch einzahle, interessiere es ihn, ob er auf das Maximum komme und wann dies allenfalls der Fall sei. Er wolle nicht unbedingt auf die Auszahlung der monat
lichen Rente verzichten, wenn er deren mögliches Maximum erreiche. Das brächte
nichts, insbesondere da er ja weiterhin in die Kasse einzahlen müsse, obwohl die Rente dann einmal gedeckelt sei, also stabil bleibe (
Urk.
7/59).
Die
Beschwerde
gegnerin
teilte ihm daraufhin mit, dass er den Antrag für den Aufschub der Altersrente bis am 3
0.
Juni 2020 bei einer Ausgleichskasse hätte einreichen müssen. Aus diesem Grund sei kein Aufschub der Altersrente möglich (
Urk.
7/60).
3.3
Nach dem Gesagten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer der Beschwerde
gegnerin noch vor Erreichen des 6
5.
Altersjahrs mitteilte, dass er auch über das 6
5.
Altersjahr hinaus arbeiten werde. Zwar
schrieb er ihr nicht
ausdrücklich
, dass er auch
den Bezug seiner Altersrente aufschieben möchte, doch forderte er die
Beschwerdegegnerin
auf, ihm mitzuteilen, falls er weitere Vorkehrungen zu tref
fen hätte. Die Beschwerdegegnerin erkundigte sich daraufhin weder bei ihm, ob er gedenke, die Altersrente aufzuschieben, noch teilte sie ihm mit, dass der Aufschub
innert
eines Jahres
vo
n
Beginn der
Aufschubsdauer
an schriftlich zu erklären ist.
Zwar erteilte die Beschwerdegegnerin
damit
keine falsche Auskunft
im engeren Sinne
.
In Frage steht und zu prüfen ist jedoch
, ob
angesichts
der Nachfrage
des Beschwerdeführers
und der weiteren Um
stände
von einer unge
nü
genden Wahrnehmung der Auskunf
tspflicht auszugehen ist, da die Beschwer
degegnerin den Beschwerdeführer
umfassender hätte infor
mieren müssen. Die Rechtsprechung hat das Unterbleiben einer Auskunft trotz gesetzlicher Vorschrift nach
Art.
27 ATSG oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, der Erteilung einer unrichtig
en Auskunft gleichgestellt (E. 1
.3 hier
vor).
Anhand des Schreibens vom 2
0.
Februar 2019 war für die Beschwerdegegnerin nicht klar erkennbar, dass der Beschwerdeführer vorhatte, den Rentenbezug aufzuschieben. Erkennbar war für sie
aber
, dass er eine Rückmeldung erwartete,
müsste
er in Zusammenhang mit der Weiterarbeit über das 6
5.
Altersjahr hinaus
weitere Formalitäten erledigen.
Zwar trifft zu, dass die Beschwerdegegnerin nicht
verpflichtet ist, von sich aus, ohne entsprechende Nachfrage, jeden Versicherten individuell aufzuklären und zu beraten. Eine
An
frage bezüglich weiteres Vor
gehen bei Weiterarbeit nach Erreichen des 65.
Altersjahrs war vorliegend jedoch vorhanden
. Implizit stand damit auch die Frage nach einem Rentenaufschub im Raum, dürfte doch ein solcher i
n der Einkommensklasse des
Beschwerdeführer
s - welche der
Beschwerdegegnerin
aufgrund seiner jährlichen Lohndeklarationen bekannt war - regelmässig mit einer Weiterarbeit
einhergehen
. Mit Blick auf das nach dem 6
5.
Altersjahr erzielte Einkommen (vgl.
Urk.
7/66/3) war der
Beschwer
deführer
bei seiner Pensionierung auf die Altersrente finanziell nicht angewiesen, umgekehrt ist bei seinen zuvor erzielten Einkommen (
Urk.
7/66/2-3) nachvoll
ziehbar, dass er nicht mit einer Maximalrente rechnen durfte und diese mit einem
Rentenaufschub erhöhen wollte.
Letzteres beziehungsweise, dass er bei seinen Überlegungen zur Weiterarbeit
über das ordentliche Rentenalter hinaus
auch das Erreichen
eines
«
Rentenmaximums
»
im Blick
hatte, ergibt sich auch aus seiner A
nfrage vom 13.
Januar 2017 (
Urk.
7/2),
worauf
er in
seine
r
E-Mail
vom 20.
Feb
ruar 2019 ebenfalls
mit
Bezug nahm.
Angesichts dieser Umstände ergibt sich offenkundig, dass der Beschwerdeführer die Weiterarbeit im Zusammenhang mit einer angestrebten Erhöhung seiner Altersrente ins Auge fasste und die Beschwer
degegnerin hierüber informiert war. Dass sie sich im Februar 2019 hieran nicht mehr erinnern konnte und deshalb den Sinngehalt der Anfrage falsch interpre
tierte, kann nicht zu Lasten des Beschwerdeführers gehen.
Von der Beschwerde
gegnerin hätte zumindest erwartet werden dürfen,
dass sie
sich beim Beschwer
deführer
erkundigt
, wie seine Nachricht genau zu verstehen sei und ob er gedenke
,
seine Rente aufzuschieben.
Hätte sie dies getan, ist zu erwarten, dass der Beschwerdeführer den von ihm beabsichtigten Antrag
um Aufschub der Rente
erwähnt hätte, woraufhin sie ihn über die Jahresfrist zur schriftlichen Erklärung des Aufschubs hätte informieren
müssen
.
Nachdem die Beschwerdegegnerin sich nicht vernehmen liess, durfte sich
der Beschwerdeführer
aufgrund der Formu
lierung in seiner E-Mail
darauf verlassen, dass von ihm bezüglich Weiterarbeit über das 6
5.
Altersjahr hinaus
und damit auch bezüglich Rentenaufschub
nichts
Weiteres
erwartet wurde, als dass er weiterhin seiner Beitragspflicht als
Selbstän
digerwerbender
nachkommt.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (
Urk.
6 S. 2
) war der Beschwerdeführer gerade nicht verpflichtet, sich bei ihr zu erkundigen, weshalb er auf die N
achricht vom 20.
Februar 2019 keine Antwort erhalte
n hat
. Vielmehr durfte er die ausbleibende Rückmeldung
nach Treu und Glau
ben
so verstehen,
dass für eine
Weiterarbeit über das 6
5.
Altersjahr hinaus und damit auch für eine
n aufgescho
be
nen Rentenbezug keine weiteren Voraus
set
zungen oder
Bedingungen bestehen und er durfte da
rauf vertrauen, dass er keine besonderen Vorkehrungen für den aufgeschobenen Ren
ten
bezug zu treffen hat.
3.4
Zu prüfen ist weiter, ob der Beschwe
rdeführer im Vertrauen auf die fehlende
Auskunft Dis
po
sitionen getroffen hat, die er ohne Nachteil nicht mehr rückgängig machen kann. Davon ist nicht nur dann auszugehen, wenn er Dispositionen ge
troffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig ge
macht werden können, sondern auch dann, wenn er
es
im Vertrauen auf die Richtigkeit der behördlichen Auskunft oder Anordnung unterlassen hat, Dis
positionen zu treffen, die nicht mit dem früher möglichen Erfolg nachgeholt wer
den können (BGE 106 V 65 E. 3b).
Die Verweigerung des Aufschubs der Altersrente bedeutet in vermögensrecht
licher Hinsicht keinen Nachteil, weil der gewährte Zuschlag zur ordentlichen
Altersrente infolge des Aufschubs nicht wirklich eine Leistungsverbesserung bringt,
sondern dem versicherungsmässigen Gegenwert der während der
Aufschub
sdauer
nicht bezogenen Leistungen entspricht (vgl. Urteile des Bundes
ge
richts 9C_296/2020
vom
4.
September 2020 E. 4.2.3 und 9C_970/2008 vom 2.
Novem
ber 2009 E. 4.1
;
Rz
. 6304 der Wegleitung des Bundesamtes für Sozialversicherung über die Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versicherung [RWL]). Im vorliegenden Fall besteht die nachteilige Disposition des Beschwerdeführers jedoch darin, dass er den Rentenaufschub nicht rechtzeitig
geltend gemacht hat, mithin in einer Disposi
tion im Sinne einer Unterlassung, und
da
durch sein Recht auf Aufschub verwirkt ist und von Gesetzes wegen nicht mehr besteht.
Aufgrund der Umstände
und mit Blick auf das soeben Dargelegte
ist davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer von der Möglichkeit des Ren
ten
auf
schubs Ge
brauch machen wollte (vgl.
etwa
Urk.
7/59
). Im Sinne
der sozial
versicherungs
recht
lichen Beweis
an
forderung ist auch überwiegend wahr
schein
lich, dass der Be
schwerde
führer bei richtiger und vollständiger In
for
mation seitens der Be
schwer
de
geg
nerin den Aufschub recht
zeitig, nämlich innert eine
m
Jahr nach Ent
stehung des ordentlichen Rentenanspruchs, geltend gemacht hätte. Dieses Recht kann der Be
schwerdeführer jetzt laut Gesetz nicht mehr gel
tend machen. Folglich
könnte
er auch nicht mehr, wie von ihm gewünscht, vom prozentualen Zuschlag zur aufgeschobenen Rente gemäss Art. 55
ter
Abs. 1 AHVV profitieren.
3.5
Aus dem Gesagten folgt, dass die Voraussetzungen der Rechtsprechung, unter denen eine rechtsuchende Person aufgrund einer unrichtigen Auskunft vom materiellen Recht abweichend zu behandeln ist
(vgl. E. 1.3 hiervor)
, erfüllt sind. Mithin ist der Beschwerdeführer so zu stellen, wie wenn er den Renten
aufschub innert einem Jahr nach Ent
stehung des ordentlichen Renten
anspruchs geltend gemacht hätte. Dies hat zur Folge, dass
er
Anspruch auf eine Altersrente mit ent
sprechendem Zuschlag gemäss Art. 39 Abs. 2 AHVG
i.V.m
. Art. 55
ter
Abs. 1 AHVV hat. Wird eine aufgeschobene Altersrente abge
rufen, so wird sie vom folgenden Monat an ausbezahlt (Art. 55
quater
Abs. 3 AHVV).
Der Beschwerdeführer hat noch nicht erklärt, ab wann er die Altersrente beziehen möchte. Sobald er eine solche Erklärung abgibt, wird er ab dem darauffolgenden Monat an - spätestens aber ab dem
1.
Juni 2024
-
Anspruch auf eine Alters
rente
mit prozen
tualem Zuschlag zur aufgeschobenen Rente haben.