Decision ID: a87672b8-0b4e-5b7e-82f6-87bf6db15e12
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ und B._ erstellten gestützt auf die Baubewilligung vom 22. September 2014 auf
ihrem in der Bauzone W2b gelegenen Grundstück Nr. 0001, Grundbuch C._, ein
Einfamilienhaus und ein Nebengebäude. Abweichend von den bewilligten Plänen
errichteten sie entlang der Grenze zum südlich gelegenen Grundstück Nr. 0002 und in
Verlängerung der Garagenfassade gegen die östlich gelegene D._strasse anstelle
einer Böschung eine Blocksteinmauer. Am 29. März 2016 ersuchten sie um
nachträgliche Bewilligung der Mauer. Die Baukommission wies am 4. Juli 2016 eine
gegen das Baugesuch erhobene Einsprache ab und erteilte die nachträgliche
Baubewilligung mit der Auflage, die Mauer innert einem Jahr von unten und oben
intensiv zu bepflanzen. Nachdem die Einsprecher den gegen diesen Entscheid beim
Baudepartement des Kantons St. Gallen erhobenen Rekurs zurückgezogen hatten,
wurde das Rekursverfahren (16-4306) gegenstandslos und am 25. Oktober 2016
abgeschrieben. A._ und B._ hatten gegen die von der Baukommission verfügte
Auflage ihrerseits kein Rechtsmittel ergriffen.
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B.
Nach mehreren, von den Einsprechern veranlassten Vollzugskontrollen kam die
Baukommission zum Schluss, die mit der nachträglich erteilten Baubewilligung
verknüpfte Auflage sei nicht erfüllt. Gegen die D._strasse hin waren entlang der
Mauerkrone fünf Pflanztöpfe angebracht sowie auf den vier durch die Blocksteine
gebildeten Stufen sechs kleine Pflanztröge und am Fuss der Mauer zwei weitere
Pflanztöpfe mit kleinwüchsigen Pflanzen und Blumen aufgestellt worden, die zudem
während des Winters entfernt werden sollten. Am 2. Juli 2018 verpflichtete die
Baukommission A._ und B._, die Stützmauer bis 31. Juli 2018 von unten und oben
intensiv zu bepflanzen und die Bepflanzung so anzulegen, dass diese die Stützmauer
dauerhaft, auch im Winter, decke.
Das Baudepartement wies den dagegen von A._ und B._ erhobenen Rekurs am
26. April 2019 ab (Ziffer 1a) und verpflichtete sie, die Stützmauer im Sinn der
Erwägungen innert einem Monat seit Rechtskraft zu bepflanzen (Ziffer 1b). Die
Berechtigung der früheren Einsprecher und Anzeiger zur Teilnahme am
Rekursverfahren liess das Baudepartement offen. Der Antrag auf Durchführung eines
Augenscheins wurde abgewiesen. Das Baudepartement ging davon aus, die
Baukommission habe mit dem Beschluss vom 2. Juli 2018 ihre am 4. Juli 2016 verfügte
Auflage "konkretisiert und eine neue Frist zu deren Umsetzung angesetzt". Nicht mehr
zu beurteilen seien die am 4. Juli 2016 rechtskräftig verfügte Auflage und die ihr
zugrundeliegende Bestimmung des Baureglements. Eine intensive Bepflanzung von
oben und unten, wie sie in der Auflage vom 4. Juli 2016 gefordert sei, führe
unweigerlich zu einer dauerhaften Bedeckung der Stützmauer. Dass dabei keine
vollständige und ganzjährig unveränderliche Bedeckung gemeint sein könne, liege bei
einer Bepflanzung in der Natur der Sache. Der Wortlaut der Auflage decke die
Verpflichtung zu einer ganzjährigen Bepflanzung. Die nur vom Frühling bis zum Herbst
angebrachten Pflanztöpfe und -tröge verdeckten die markante, rund 2,45 Meter hohe
Mauer kaum und kaschierten deren Wuchtigkeit nicht. Selbst wenn die Pflanzen noch
etwas wachsen sollten, werde die Auflage damit nicht zweckmässig umgesetzt. Wegen
des befestigten Bodens müsse die Bepflanzung von unten zwar sinnvollerweise mit
Pflanztrögen bewerkstelligt werden, allerdings könne aus der ursprünglichen Verfügung
nicht abgeleitet werden, dass dabei zwei kleinere Blumentöpfe auf einer Seite der
Stützmauer genügen sollten. Aus dem Hinweis auf eine andere Stützmauer in der
Politischen Gemeinde C._, welche weder begrünt noch aufgegliedert sei, könne
mangels Vergleichbarkeit der Sachverhalte – von der Erschliessungsstrasse
abgewandte Lage an einem stark abfallenden Hang – nicht auf eine Verletzung des
Rechtsgleichheitsgebots geschlossen werden.
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C.
A._ und B._ (Beschwerdeführer) erhoben gegen den Rekursentscheid des
Baudepartements des Kantons St. Gallen (Vorinstanz) vom 26. April 2019 mit Eingabe
ihres Rechtsvertreters vom 12. Mai 2019 (Poststempel: 13.-5.19) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie ersuchten um Sistierung des Verfahrens bis zum Entscheid der
Regierung über eine am 23. April 2019 erhobene Aufsichtsbeschwerde, mit welcher sie
die Nichtigkeit der kantonalen Genehmigung des kommunalen Baureglements und die
Rechtswidrigkeit der der Auflage zugrundeliegenden Bestimmung geltend machten.
Der zuständige Abteilungspräsident wies mit verfahrensleitender Verfügung vom
14. Mai 2019 das Sistierungsgesuch ab und setzte den Beschwerdeführern Frist zur
Ergänzung der Beschwerde an. Mit Beschwerdeergänzung vom 17. Juni 2019
beantragten die Beschwerdeführer, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich
Mehrwertsteuer sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit zur
nochmaligen Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen, eventualiter seien der
angefochtene Entscheid und der Entscheid der Baukommission der Politischen
Gemeinde C._ vom 2. Juli 2018 aufzuheben.
Die Einsprecher im nachträglichen Baubewilligungsverfahren teilten dem Gericht am
27. Juni 2019 die Nichtbeteiligung am vorliegenden Beschwerdeverfahren mit. Die
Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 3. Juli 2019, die Beschwerde sei
abzuweisen. Die Baukommission der Politischen Gemeinde C._ (Beschwerdegegnerin)
beantragte mit Vernehmlassung vom 14. August 2019, unter Kostenfolge zulasten der
Beschwerdeführer sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventualiter sei sie
abzuweisen. Am 28. August 2019 reichte die Vorinstanz den von der Regierung im
aufsichtsrechtlichen Beschwerdeverfahren am 20. August 2019 ergangenen Entscheid,
der Anzeige der Beschwerdeführer keine Folge zu geben, zu den Akten. Die
Beschwerdeführer nahmen am 2. September 2019 abschliessend Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Nicht einzutreten ist auf
den im Eventualbegehren gestellten Antrag, es sei der Entscheid der
Beschwerdegegnerin vom 2. Juli 2018 aufzuheben, da dieser als zusammen mit dem
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vorinstanzlichen Rekursentscheid angefochten gilt ("Devolutiveffekt", BGE 134 II 142 E.
1.4; BGer 1C_166/2013 vom 27. Juni 2013 E. 1.1 und 2C_204/2015 vom 21. Juli 2015
E. 1.2). Im Übrigen sind die Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt: Die Beschwerdeführer,
deren Begehren im Rekursverfahren abgewiesen wurden, sind zur Erhebung der
Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde
gegen den Rekursentscheid vom 26. April 2019 wurde mit Eingabe vom 12. Mai 2019
(Poststempel: 13.-5.19) unter Berücksichtigung des Fristenlaufs am Wochenende
rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 17. Juni 2019 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1, Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 142 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR 272, sowie Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb unter dem erwähnten Vorbehalt
einzutreten.
2.
Nicht am Beschwerdeverfahren zu beteiligen sind die Einsprecher, welche sich gegen
die Erteilung der nachträglichen Baubewilligung gewandt und die Behörden zur
Kontrolle der Erfüllung der am 4. Juli 2016 verfügten Auflagen angehalten haben. Sie
wurden von der Vorinstanz zwar als "Rekursgegner" beteiligt, haben jedoch bereits im
Rekursverfahren von der Möglichkeit, sich zum Rekurs vernehmen zu lassen, keinen
Gebrauch gemacht. Im Beschwerdeverfahren haben sie mit Eingabe vom 26. Juli 2019
ausdrücklich auf eine Beteiligung verzichtet. Sie sind deshalb nicht Partei im
Beschwerdeverfahren. Ihre in der Verzichtserklärung enthaltenen Äusserungen zur
Sache und die dazu eingereichten Beweismittel sind daher unbeachtlich (act. 10). Unter
diesen Umständen erübrigt sich die Durchführung eines Augenscheins zur Klärung der
Frage, ob die Einsprecher ein zur Beteiligung am Verfahren berechtigendes eigenes
schutzwürdiges Interesse dartun könnten.
3.
Die Beschwerdegegnerin hat am 4. Juli 2016 die Errichtung einer in den Plänen des
bewilligten Bauprojekts der Beschwerdeführer nicht vorgesehenen Blocksteinmauer
nachträglich bewilligt mit der Auflage, die Mauer innert einem Jahr von unten und oben
intensiv zu bepflanzen. Nachträgliche Bewilligung und Auflage sind rechtskräftig.
Beschwerdegegnerin und Vorinstanz gehen davon aus, dass es sich bei der Verfügung
vom 2. Juli 2018 um eine Vollstreckungsanordnung zur Auflage vom 4. Juli 2016
handelt. Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 2. Juli 2018 sei jedenfalls in Teilen eine erneute
Sachverfügung.
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Wie das allgemeine Verwaltungsrecht unterscheidet auch das Baurecht zwischen der
Sachverfügung einerseits und deren Vollstreckung anderseits (vgl. Art. 24 ff. und
Art. 101 ff. VRP; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 1224
ff.). Als neue Sachverfügung wäre die Anordnung vom 2. Juli 2018 deshalb einzig dann
anzusehen, wenn sie sachlich über die am 4. Juli 2016 verfügte Auflage hinausginge.
Dies ist offenkundig nicht der Fall. Wenn die Beschwerdegegnerin in der
Vollstreckungsanordnung darauf hinweist, die Bepflanzung müsse die Mauer auch im
Winter dauerhaft decken, begründet sie lediglich, weshalb sie die zusammen mit der
nachträglichen Baubewilligung am 4. Juli 2016 verfügte Auflage, die Mauer von unten
und oben intensiv zu bepflanzen, mit dem Anbringen einzelner Pflanzentöpfe und
kleiner Pflanzentröge, die zudem im Winter entfernt werden sollen, als nicht erfüllt
erachtet. Die Anordnung vom 2. Juli 2018 gibt Anhaltspunkte dafür, was die
Baubewilligungsbehörde unter einer intensiven Bepflanzung der Mauer von oben und
unten versteht. Die Auflage bezweckt offensichtlich, die wuchtige Stützmauer
möglichst nicht als solche in Erscheinung treten zu lassen. Dieser Zweck ist nicht auf
einzelne Jahreszeiten beschränkt. Winterfest bedeutet nicht, dass es sich zwingend um
Pflanzen handelt, die sommers und winters unverändert erscheinen. Wenn die
Beschwerdegegnerin eine winterfeste Bepflanzung verlangt, ergibt sich daraus also
keine neue Auflage. Im Übrigen kann auf die vorinstanzliche Begründung verwiesen
werden (Erwägung 4.5 des angefochtenen Entscheides).
Gegenstand des vorliegenden Rechtsmittelverfahrens ist damit die mit der Verfügung
der Beschwerdegegnerin vom 2. Juli 2018 angeordnete Vollstreckung der am 4. Juli
2016 verfügten rechtskräftigen Auflage.
4.
Ein Entscheid, welcher auf einer rechtskräftigen früheren Verfügung beruht und diese
lediglich vollzieht, kann nur noch insoweit angefochten werden, als die behauptete
Rechtswidrigkeit im Vollstreckungsentscheid selbst begründet ist. Grundsätzlich
ausgeschlossen ist die Rüge, die frühere (materielle) Verfügung sei rechtswidrig; eine
solche Rüge ist verspätet (dazu nachfolgend Erwägung 5). Eine Ausnahme von diesem
Grundsatz ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung allenfalls dann geboten,
wenn der Beschwerdeführer die Verletzung von unverzichtbaren oder unverjährbaren
Grundrechten geltend macht oder wenn die Nichtigkeit der ursprünglichen Verfügung
zur Diskussion steht (dazu nachfolgend Erwägung 6; vgl. BGer 1C_15/2007 vom
27. April 2007 E. 1.3 mit Hinweisen, 1C_484/2019 vom 20. November 2019 E. 3).
5.
Zunächst ist also zu prüfen, ob die Vollstreckungsanordnung vom 2. Juli 2018 als
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solche rechtswidrig ist. Nach Auffassung der Beschwerdeführer ist dies der Fall, weil
sie auf dem ihrer Ansicht nach gesetzwidrigen Art. 31 Abs. 2 des von einer
unzuständigen Behörde genehmigten Baureglements der Beschwerdegegnerin (BauR,
www.c._.ch) beruht (dazu nachfolgend Erwägung 5.1). Gegen die
Vollstreckungsanordnung vom 2. Juli 2018 kann zudem vorgebracht werden, die von
den Beschwerdeführern bereits getroffenen Massnahmen (Anbringen von grösseren
und kleineren Pflanztöpfen und -trögen) genügten inhaltlich der rechtskräftigen Auflage
vom 4. Juli 2016 (dazu nachfolgend Erwägung 5.2).
Die Vollstreckungsanordnung vom 2. Juli 2018 geht – wie festgestellt – inhaltlich nicht
über die rechtskräftige Auflage vom 4. Juli 2016 hinaus. Anders als die Sachverfügung
stützt sie sich deshalb entgegen der Auffassung der Beschwerdeführer nicht auf Art. 31
Abs. 2 BauR, sondern auf die in Art. 101 ff. VRP geregelte Vollstreckbarkeit
rechtskräftiger Sachverfügungen und -entscheide durch die verfügende Behörde.
Daran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass die Beschwerdegegnerin ihre
Verfügung vom 2. Juli 2018 nicht ausdrücklich als Vollstreckungsmassnahme
bezeichnet und nicht mit der dafür vom Gesetz in Art. 47 Abs. 2 VRP vorgesehenen
fünftägigen Rekursfrist versehen hat. Die Rüge der fehlenden gesetzlichen Grundlage
erweist sich deshalb als unbegründet, soweit sie sich auf die Vollstreckungsanordnung
vom 2. Juli 2018 bezieht, und als verspätet, soweit sie sich auf die Sachverfügung vom
4. Juli 2016 bezieht.
Die Einwendungen der Beschwerdeführer, die Beschwerdegegnerin habe sie
hinsichtlich der ausreichenden Rechtsgrundlage der Auflage getäuscht, weshalb im
Vollstreckungsverfahren auf die Sachverfügung vom 4. Juli 2016 zurückzukommen sei,
sind unbegründet. – Die Auflage vom 4. Juli 2016 ist mit dem Rückzug des Rekurses
durch die Einsprecher und der Abschreibung des Rekursverfahrens am 25. Oktober
2016 rechtskräftig geworden. Selbst wenn sich die Rechtsgrundlage, auf die sich
stützte, als rechtswidrig oder gar nichtig erwiese, könnte auf die Auflage im
vorliegenden Vollzugsverfahren nicht mehr zurückgekommen werden. Eine
mangelhafte Rechtsanwendung ist im ordentlichen Rechtsmittelverfahren geltend zu
machen. Ebenso ist im ordentlichen Rechtsmittelverfahren vorzubringen, die
angefochtene Verfügung könne sich nicht auf eine ausreichende Rechtsgrundlage
stützen. Der von den Beschwerdeführern beantragte – zumindest teilweise – Beizug der
Akten des Genehmigungsverfahrens der beanstandeten baurechtlichen Bestimmung
erübrigt sich unter diesen Umständen. Die Beschwerdeführer unterstellen der
Vorinstanz – als zusammengefasstes "Ergebnis des Rekursentscheides" – es werde
5.1.
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ihnen vorgehalten, selbst schuld zu sein, wenn sie den Behörden glaubten und
"behördenhörig" waren, es "Pech" sei, wenn nun eine rechtswidrige Vorschrift der
Bauordnung durchgesetzt werde, und die Kantonsverfassung gelte für sie bezüglich
der Stützmauer nicht. Eine solche Haltung der Vorinstanz – geschweige denn eine
solche Wortwahl – lässt sich den Erwägungen ihres Entscheides nicht entnehmen.
Vielmehr hat sie mit sachlicher Begründung dargelegt, aus welchen tatsächlichen und
rechtlichen Gründen sie auf die rechtskräftig verfügte Auflage nicht mehr
zurückkommen könne. Unter diesen Umständen war sie auch nicht gehalten,
entsprechend Art. 81 der Verfassung des Kantons St. Gallen vorfrageweise die
Rechtsmässigkeit von Art. 31 Abs. 2 BauR zu prüfen. Der Vorinstanz kann damit auch
nicht mit Erfolg eine Rechtsverweigerung vorgeworfen werden. Wenn der
Rechtsvertreter in der abschliessenden Stellungnahme vom 2. September 2019, indem
er umstrittene Auffassungen als unstrittig bezeichnet – insbesondere die
Rechtswidrigkeit von Art. 31 Abs. 2 BauR – und mit in Anführungs- und Schlusszeichen
gesetzten Ausführungen (vgl. Ziffer 4), die im angefochtenen Entscheid so gar nicht zu
finden sind, den Eindruck erwecken will, die Vorinstanz sei davon ausgegangen, die
Auflage habe keine ausreichende Rechtsgrundlage und werde jetzt trotzdem
durchgesetzt, ist ihm entgegenzuhalten, dass die Vorinstanz einzig im Sinn einer
Eventualbegründung festgehalten hat, selbst die allfällige Rechtswidrigkeit der
Bestimmung könnte nichts an der Vollstreckbarkeit der Auflage ändern.
In tatsächlicher Hinsicht ergibt sich der von der Beschwerdegegnerin ihrer
Vollzugsanordnung vom 2. Juli 2018 zugrunde gelegte Sachverhalt mit hinreichender
Klarheit aus den von den Beschwerdeführern (act. 12/5, Beilagen 3 und 4) und von der
Beschwerdegegnerin (act. 12/7, Seite 2) eingereichten Fotografien. Zumal die
Beschwerdeführer nicht geltend machen, mittlerweile sei die Bepflanzung der Mauer
verändert worden, erübrigt es sich, einen Augenschein auf dem Grundstück der
Beschwerdeführer durchzuführen und sie anzuhören sowie den Leiter Bau und Planung
der Beschwerdegegnerin zu befragen. Eine öffentliche Verhandlung gestützt auf Art. 55
VRP und Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte
und Grundfreiheiten, SR 0.101) haben die Beschwerdeführer nicht beantragt (vgl. Ziff.
II/7 der Beschwerdeergänzung). – Dass die Bepflanzung mit fünf an der Mauerkrone
angebrachten kleinen Blumentöpfen, sechs locker über die mittleren Abstufungen der
Mauer verteilten kleineren Keramiktöpfen mit Pflanzen sowie zwei im südlichen Bereich
des Mauerfusses vorhandenen etwas grösseren Blumentöpfen keiner intensiven
Bepflanzung der Mauer von oben und unten entspricht, wie sie in der rechtskräftigen
Auflage vom 4. Juli 2016 verlangt wurde, ist ohne weiteres nachvollziehbar. Die von
5.2.
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6.
Zu prüfen ist sodann, ob im Vollstreckungsverfahren ausnahmsweise auf die Auflage
zurückzukommen ist. Die Beschwerdeführer halten der Vollstreckbarkeit der
rechtskräftigen Sachverfügung vom 4. Juli 2016 deren Nichtigkeit entgegen, mit der
Begründung, sie beruhe auf einer gesetzwidrigen Regelung in der von einer dafür nicht
zuständigen Behörde genehmigten kommunalen Bauordnung.
Die Nichtigkeit der Sachverfügung kann auch noch im Vollstreckungsverfahren geltend
gemacht werden (BGE 129 I 361 E. 2, BGer 5A_317/2018 vom 24. August 2018 E. 3).
Verfügungen, die von einer nichtigen Rechtsgrundlage ausgehen, leiden an einem
inhaltlichen Mangel. Solche Mängel haben nur in seltenen Ausnahmefällen die
Nichtigkeit einer Verfügung zur Folge; erforderlich ist hierzu ein ausserordentlich
schwerwiegender Mangel (BGE 137 I 273 E. 3.1). Die Anordnung muss geradezu
sinnlos, sittenwidrig oder willkürlich sein oder den Kerngehalt der Grundrechte
betreffen (BGer 2C_315/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 2.2, 8C_1065/2009 vom
31. August 2010 E. 4.3.2 in BGE 136 I 332 nicht publiziert). Inwiefern der Inhalt der
Verfügung vom 4. Juli 2016 geradezu sinnlos, sittenwidrig oder willkürlich sein, den
Kerngehalt der Eigentumsgarantie betreffen oder unverjährbare oder unverzichtbare
Grundrechte verletzen soll, legen auch die Beschwerdeführer nicht dar. Der von den
Beschwerdeführern beantragte Beizug der Akten zur Prüfung und Genehmigung des
Baureglements der Beschwerdegegnerin erübrigt sich deshalb. Ebenso wenig ist auf
die umfangreichen Ausführungen in der Beschwerde zur Gesetzwidrigkeit von Art. 31
Abs. 2 BauR einzugehen.
7.
Zusammenfassend ergibt sich damit, dass es sich bei der Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 2. Juli 2018 um eine Vollstreckungsanordnung handelt. Als
solche stützt sie sich nicht auf Art. 31 Abs. 2 BauR, sondern auf Art. 101 ff. VRP. Sie
bezweckt die Umsetzung der von der Beschwerdegegnerin gegenüber den
Beschwerdeführern am 4. Juli 2016 rechtskräftig verfügten Auflage, die von ihnen
errichtete Blocksteinmauer von oben und unten intensiv zu bepflanzen. Diese
Verfügung wurde rechtskräftig und weist inhaltlich keine Mängel auf, welche deren
Vollstreckung ausschliessen würde.
den Beschwerdeführern getroffene Lösung ist offenkundig nicht geeignet, die wuchtige
Blocksteinmauer möglichst nicht als solche in Erscheinung treten zu lassen. Ergänzend
kann – anstelle von unnötigen Wiederholungen – auf die zutreffende vorinstanzliche
Begründung verwiesen werden (Erwägung 4.6 des angefochtenen Entscheides).
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8.
Schliesslich berufen sich die Beschwerdeführer auf den Anspruch, rechtsgleich im
Unrecht behandelt zu werden. Zur Begründung legen sie Fotografien einer sichtbaren,
nicht von oben und unten bepflanzten Stützmauer auf dem Grundstück Nr. 0003W,
Grundbuch C._, ins Recht (act. 6, Beilage 7).
Aus dem in Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) verankerten Rechtsgleichheitsgebot lässt sich kein
Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht ableiten (BGE 132 II 485 E. 8.6), es sei
denn, es liege eine ständige rechtswidrige Praxis einer rechtsanwendenden Behörde
vor und die Behörde gebe zu erkennen, sie gedenke auch in Zukunft nicht, von der
rechtswidrigen Praxis abzuweichen (BGE 136 I 65 E. 5.6 mit Hinweisen). Da indessen
das Gebot der rechtsgleichen Rechtsanwendung verlangt, Gleiches nach Massgabe
der Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe der Ungleichheit ungleich zu
behandeln (BGE 131 I 91 E. 3.4), kann ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht
von vornherein nur dann bestehen, wenn die Unterschiede in den Sachverhalten keine
unterschiedliche Behandlung rechtfertigen.
Die Situation auf dem Grundstück Nr. 0003W lässt sich mit jener auf dem Grundstück
der Beschwerdeführer in verschiedener Hinsicht nicht vergleichen. Insbesondere
erscheint die Umgebungsgestaltung im Zeitpunkt der Aufnahme der Fotografien noch
nicht abgeschlossen. Aus dem Vergleich mit dem Gebäude, an welches die Mauer
anschliesst, ergibt sich, dass die Mauer wohl auch nicht die Höhe der Blocksteinmauer
der Beschwerdeführer erreicht. Hinzu kommt, dass keinerlei Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass die Beschwerdegegnerin die Absicht hat, die Regelungen zur
Gestaltung von Stützmauern mit einer Höhe von über 1,5 Metern zukünftig gegenüber
anderen Bauherren nicht in rechtsgleicher Weise anzuwenden. Schliesslich verlangt die
Beschwerdegegnerin auch von den Beschwerdeführern keine Bepflanzung ihrer
Stützmauer, deren Erscheinungsbild sich nicht dem Lauf der Jahreszeiten
entsprechend wandeln kann. Das Begehren um Durchführung eines Augenscheins auf
dem gesamten Gemeindegebiet ist abzuweisen. Es ist davon auszugehen, dass es den
Beschwerdeführern möglich gewesen wäre, auch weitere ihrer Auffassung nach die
Anforderungen an eine intensive Bepflanzung von Stützmauern von unten und oben
nicht erfüllende Beispiele fotografisch zu dokumentieren, wie sie dies für das
Grundstück Nr. 0003 getan haben.
9.
Insgesamt erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist daher abzuweisen,
soweit auf sie eingetreten werden kann. Die Beschwerdegegnerin ist eingeladen, den
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Beschwerdeführern eine neue Frist zur Umsetzung der am 4. Juli 2016 verfügten
Auflage zur intensiven Bepflanzung der Stützmauer von unten und oben anzusetzen.
Auf die Ausführungen zur möglichen Befangenheit des vorinstanzlichen
Rekurssachbearbeiters bei der erneuten Prüfung der Sache muss – da die
Angelegenheit unter diesen Umständen nicht zurückzuweisen ist – nicht weiter
eingegangen werden.
10.
Bei diesem Ausgang sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von den
Beschwerdeführern zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
4'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Sie ist mit dem von den Beschwerdeführern in gleicher Höhe geleisteten
Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten sind für das
Beschwerdeverfahren nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).