Decision ID: 237922c9-9a47-53ae-83b0-fc8460088241
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Bolt, Auerstrasse 2, Postfach 91,
9435 Heerbrugg,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 28. September 2009 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 15). Gemäss ihrem Lebenslauf hatte sie nach der Primarschule eine zweijährige
Büroanlehre absolviert. Von 1989 bis 2006 war sie als Reinigungsangestellte tätig
gewesen (IV-act. 17-2). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, berichtete am 20.
Oktober 2009 (IV-act. 27), die Versicherte leide an einer Gonarthrose bds. und an einer
chronischen Epicondylitis. Seit dem 1. September 2008 bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit von 50%. Er legte einen Bericht von Dr. med. C._, Rheumatologie
FMH, vom 3. April 2007 bei (IV-act. 27-6 ff.), laut dem die Versicherte für leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten ohne rezidivierende Knieflexionen und ohne Arbeiten in
der Hocke oder im Knien arbeitsfähig war. Dr. med. D._, Facharzt für orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats und zertifizierter Gutachter SIM,
vom RAD untersuchte die Versicherte am 16. November 2009. Er berichtete am 18.
November 2009 (IV-act. 32), er habe folgende Diagnosen erhoben: Ausgeprägte Varus-
Gonarthrose bds., zur Zeit rechtsbetont, chronische Epicondylitis humeri radialis rechts
und Adipositas. Er führte weiter aus, die Versicherte weise belastungsabhängige
Dauerschmerzen in beiden Kniegelenken auf, wobei das rechte Kniegelenk stärker
betroffen sei. Daneben bestehe eine therapieresistente Epicondylitis humeri radialis
rechts. Da es sich dabei um die dominante obere Extremität handle, sei die Versicherte
in ihren Aktivitäten deutlich eingeschränkt. Als Reinigungsangestellte sei sie zu 100%
arbeitsunfähig. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten
Tätigkeit sei problematisch, weil die Gesundheitsschäden sich gegenseitig negativ
beeinflussten. Eine leidensangepasste Tätigkeit müsste folgendermassen beschaffen
sein: Leicht, wechselbelastend, ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, keine
längeren Gehstrecken, kein Überwinden von Höhendifferenzen (Treppe, Leiter, Gerüst),
keine Zwangspositionen der Kniegelenke (Knien, Hocken, Kauern), keine repetitiven
Bewegungen des rechten Arms resp. Ellenbogens. In einer derartigen Tätigkeit liege
die Arbeitsfähigkeit zwischen 60 und 70%. Die Versicherte könne ganztags arbeiten,
brauche aber vermehrt Pausen.
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A.b Die Eingliederungsverantwortliche hielt am 3. Dezember 2009 fest (IV-act. 33-3),
die Versicherte wolle keine Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung, sondern eine
Prüfung der Rentenberechtigung. Der Treuhänder des Arbeitgebers, bei dem die
Versicherte bis zur Kündigung als Reinigungsangestellte tätig gewesen war, reichte am
12. April 2010 eine Reihe von monatlichen Lohnabrechnungen aus dem Jahr 2006 ein
(IV-act. 42). Gemäss diesen Abrechnungen hatte die Versicherte mit schwankendem
Beschäftigungsgrad gearbeitet (IV-act. 43). Am 12. August 2010 erfolgte eine
Haushaltabklärung. Die Abklärungsperson hielt in ihrem Bericht vom 6. September
2010 fest (IV-act. 49), die Versicherte beziehe eine Witwenrente. Sie habe angegeben,
sie würde im früheren Ausmass von 70% arbeiten, wenn sie gesund wäre, denn sie
müsse daneben den Haushalt führen. Den bei ihr lebenden Sohn könne sie damit nicht
belasten, da er eine Sechstagewoche habe. Die Abklärungsperson ermittelte eine
Invalidität im Haushalt von 16,69%, bei einem Haushaltanteil von 30% also eine
anteilige Invalidität von 5%. Zur Situation im erwerblichen Bereich hielt die
Abklärungsperson fest, das Valideneinkommen sei ausgehend vom durchschnittlichen
Lohn der Hilfsarbeiterinnen bei einem Pensum von 70% zu ermitteln. Es belaufe sich
auf Fr. 35'960.--. Das zumutbare Invalideneinkommen betrage entsprechend dem
Arbeitsfähigkeitsgrad 65% des Valideneinkommens, also Fr. 23'374.--. Die
Erwerbseinbusse von Fr. 120'586.-- ergebe einen Invaliditätsgrad von 35%. Davon
seien entsprechend dem Erwerbsanteil 70%, also 24,5% anzurechnen. Der
Gesamtinvaliditätsgrad belaufe sich somit auf 29,5%. Mit einem Vorbescheid vom 13.
Oktober 2010 kündigte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des
Rentenbegehrens an (IV-act. 52). Die Versicherte wandte ein, sie habe einen Anspruch
auf eine halbe Rente, weil der Gesundheitszustand keine höhere Arbeitsfähigkeit
zulasse; sie sei froh, dass sie den Haushalt noch einigermassen selbst erledigen könne
(IV-act. 53). Mit einer Verfügung vom 23. November 2010 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren ab (IV-act. 54).
B.
B.a Die Versicherte liess am 10. Januar 2011 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer Viertelsrente ab 1. April 2010 beantragen (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter machte
sinngemäss geltend, gemäss den Lohnabrechnungen für Januar bis Oktober 2006
habe sie effektiv zu rund 75% gearbeitet. In diesem Umfang wäre sie weiterhin tätig
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gewesen. Deshalb sei der erwerbliche Teil mit 75% und der Haushaltteil mit 25% zu
gewichten. Die im Bericht des RAD angegebene Arbeitsfähigkeit betrage 60-70%. Die
Beschwerdegegnerin habe mit dem Mittelwert von 65% gerechnet. Zugunsten der
Beschwerdeführerin sei von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 60% auszugehen, da kein
Grund bestehe, die ärztlichen Angaben zum Nachteil der Beschwerdeführerin zu
ermitteln. Im Übrigen sei ein Abzug vom Tabellenlohn zu bewilligen. Angesichts der
leidensbedingten Limitierung des Stellenprofils bzw. der starken Einschränkung der in
Frage kommenden Stellen, der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin den ganzen
Tag einsetzen müsse, um eine Leistung von 60% zu erbringen, des fortgeschrittenen
Alters und der bevorzugten Beschäftigung von jüngerem Personal rechtfertige sich ein
Tabellenlohnabzug von 25%. Damit betrage das zumutbare Invalideneinkommen noch
Fr. 17'338.--, was einen Invaliditätsgrad im Erwerb von 55% ergebe. Bei einem Anteil
von 75% resultiere eine Invalidität von 41,25%. Zusammen mit der Invalidität im
Haushalt von 4,18% resultiere ein Gesamtinvaliditätsgrad von 45,43%.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. Februar 2011 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Sie hielt zur Begründung fest, gemäss den Angaben der
Arbeitslosenkasse vom 1. Juni 2010 habe die Beschwerdeführerin eine Arbeitsstelle mit
einem Pensum von 70% gesucht. Demnach sei davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin auch als Gesunde nur zu 70% erwerbstätig wäre. Im Jahr 2006
habe sie Fr. 25'822.-- verdient. Dieser Betrag sei als Valideneinkommen in den
Einkommensvergleich einzusetzen. Der Durchschnittslohn 2006 habe sich auf Fr.
50'278.-- belaufen. Bei einem Pensum von 70% ergebe das Fr. 35'195.--. Dieser
Betrag sei höher als das Valideneinkommen und müsse deshalb praxisgemäss bis zu
einer positiven Differenz von 5% zum Valideneinkommen gekürzt werden. Mit dieser
Parallelisierung seien sämtliche invaliditätsfremden Faktoren abgegolten. Trotzdem sei
ein Abzug von 10% gerechtfertigt. Praxisgemäss sei von einer durchschnittlichen
Arbeitsfähigkeit von 65% auszugehen. Das ergebe ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 15'861.-- und einen Invaliditätsgrad von 38,5%, bei einem
Erwerbsanteil von 70% also von 27%. Zusammen mit dem anteiligen Invaliditätsgrad
im Haushalt resultiere eine Invalidität von 32%.
B.c Der Rechtsvertreter wandte in der Replik vom 18. Mai 2011 ein (act. G 10), die
Beschwerdeführerin habe mit einem Pensum von 75% arbeiten wollen. Davon sei bei
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der Aufteilung zwischen Erwerb und Haushalt auszugehen. Das Valideneinkommen
belaufe sich entsprechend dem Einkommen 2006 auf Fr. 30'146.40. Das
unterdurchschnittliche Einkommen sei voll auszugleichen. Deshalb betrage das
Einkommen bei einem Beschäftigungsgrad von 75% Fr. 38'529.--. Der Abzug vom
Tabellenlohn müsse 25% ausmachen, was zusammen mit dem Arbeitsfähigkeitsgrad
von 60% ein Invalideneinkommen von Fr. 17'338.-- ergebe. Der anteilige
Invaliditätsgrad im Erwerb belaufe sich somit auf 41,25%. Zusammen mit dem
anteiligen Invaliditätsgrad im Haushalt von 4,18% resultiere ein massgebender
Invaliditätsgrad von über 45%.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 7. Juni 2011 auf eine Stellungnahme
(act. G 12).

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten im Sinn
von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2
IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter
anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV).
Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die Invalidität
diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Ist die versicherte Person daneben in
einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der
Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG).
Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als gemischte Methode
bezeichnet. In ständiger Rechtsprechung prüft das Bundesgericht die Frage, ob und
gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
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Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei
auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum
massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150).
2.
2.1 Bei der Haushaltabklärung hat die Beschwerdeführerin eine eindeutige Aussage
zu ihrem Beschäftigungsgrad im fiktiven "Gesundheitsfall" gemacht, nämlich dass sie
zu 70% einer Erwerbstätigkeit nachginge. Dass sie in den Monaten vor der Kündigung
bei einem von Monat zu Monat schwankenden Beschäftigungsgrad im Durchschnitt
etwa zu 75% erwerbstätig gewesen ist, dürfte ein Zufall sein und hat deshalb keine
Bedeutung für die Zeit nach der Kündigung. Somit ist davon auszugehen, dass die
Erwerbsquote 70% beträgt. Das Ergebnis der Haushaltabklärung ist von der
Beschwerdeführerin zu Recht nicht in Frage gestellt worden, hat es sich doch de facto
nicht um einen eigentlichen Betätigungsvergleich in der an sich notwendigen Form
eines Augenscheins (bei dem die Beschwerdeführerin bei der Ausübung der einzelnen
Haushalttätigkeiten beobachtet worden wäre), sondern weitgehend nur um eine
Befragung der Beschwerdeführerin gehandelt. Die Beschwerdeführerin hätte also ihre
eigenen Angaben als falsch bezeichnen müssen, wenn sie die ermittelte
Haushaltsinvalidität von 16,69% hätte in Frage stellen wollen. Im Übrigen erscheinen
diese Angaben als durchaus plausibel. Bei einer Haushaltsquote von 30% beträgt die
anteilige Invalidität im Haushalt also 5,0%.
2.2 Im Rahmen des Einkommensvergleichs hat die Beschwerdegegnerin im
Verwaltungsverfahren eine durchschnittliche Hilfsarbeit als Validenkarriere betrachtet.
Dies ist im Haushaltabklärungsbericht mit dem Umstand begründet worden, dass die
Beschwerdeführerin ihre Arbeitsstelle nicht aufgrund der Krankheit verloren habe. In
der Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin dann die bis zur Kündigung im
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Jahr 2006 ausgeübte Tätigkeit im Reinigungsdienst als Validenkarriere betrachtet.
Entsprechend diesen beiden Varianten der Validenkarriere hat die Beschwerdegegnerin
zur Bemessung des Valideneinkommens im Verwaltungsverfahren auf einen
statistischen Durchschnittslohn und in der Beschwerdeantwort auf den bis Oktober
2006 effektiv erzielten Lohn abgestellt. Richtig ist die erste Variante, denn nach der
Kündigung hätte die Beschwerdeführerin - bei fiktiv erhaltener Gesundheit - irgendeine
Hilfsarbeit in irgendeiner Branche ausüben können. Sie wäre also nicht auf eine
Betätigung als Raumpflegerin beschränkt gewesen. Erst recht wäre sie nicht
gezwungen gewesen, eine unterdurchschnittlich entlöhnte Hilfsarbeit auszuüben. Ihr
Valideneinkommen bemisst sich deshalb nach dem Durchschnittseinkommen der
Hilfsarbeiterinnen im Jahr 2008. Dieses Durchschnittseinkommen hat sich auf Fr.
51'368.-- belaufen (vgl. die Angaben im Anhang 2 zu der von der Infostelle AHV/IV
publizierten Textausgabe des IVG). Bei einem Erwerbsanteil von 70% beträgt das
Valideneinkommen also Fr. 35'958.--.
2.3 Auch das Invalideneinkommen bemisst sich nach dem statistischen
Durchschnittslohn der Hilfsarbeiterinnen, da die Beschwerdeführerin trotz ihrer
behinderungsbedingten Einschränkungen in vielen Branchen als Hilfskraft eingesetzt
werden könnte. Die starke Beschränkung der Zahl der noch in Frage kommenden
Hilfsarbeitsplätze rechtfertigt keine Reduktion des erzielbaren Einkommens, weil die
Beschwerdeführerin an einem Arbeitsplatz, an dem sich die Behinderung nicht
qualitativ auswirken würde, eine der verbleibenden Arbeitsfähigkeit entsprechende
Leistung erbringen könnte, gegenüber gesunden Hilfsarbeiterinnen mit demselben
Beschäftigungsgrad also leistungsmässig nicht im Nachteil wäre. Trotzdem hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht einen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen. Die
Gesundheitsbeeinträchtigung hat nämlich indirekte Lohnnachteile zur Folge. Diese
haben ihre Ursache etwa in der Befürchtung eines potentiellen Arbeitgebers, dass es
zu überdurchschnittlichen Krankheitsabsenzen kommen könnte. Diese Befürchtung
dürfte zwar nicht begründet sein, aber trotzdem führt sie dazu, dass der potentielle
Arbeitgeber nur bereit wäre, die Beschwerdeführerin anzustellen, wenn sie - trotz
durchschnittlicher Leistung - zu einem unterdurchschnittlichen Lohn arbeiten würde.
Weiter gehört zu den Ursachen für einen indirekten Lohnnachteil ein - wohl ebenfalls zu
Unrecht - befürchteter Bedarf der Beschwerdeführerin nach besonderer
Rücksichtnahme (z.B. als Folge des Bedarfs nach nicht betriebsüblichen, zusätzlichen
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Pausen) oder die fehlende Flexibilität der Beschwerdeführerin in qualitativer und
quantitativer Hinsicht, d.h. die Unfähigkeit, bei dringendem Bedarf an einem nicht
behinderungsadaptierten Arbeitsplatz eingesetzt zu werden, und die Unfähigkeit, bei
dringendem Bedarf Überstunden zu leisten bzw. den Beschäftigungsgrad auf mehr als
den Arbeitsfähigkeitsgrad zu erhöhen. Das Alter der Beschwerdeführerin stellt keinen
einkommensrelevanten Nachteil dar, denn ältere Arbeitnehmer werden grundsätzlich
sogar höher entlöhnt als jüngere Angestellte. Ein allfälliger Dienstaltersnachteil könnte
innert nützlicher Frist überwunden werden. Die indirekt behinderungsbedingten
Nachteile, die in Art und Umfang bei den meisten auf körperlich leichte Hilfsarbeiten mit
reduziertem Arbeitsfähigkeitsgrad beschränkten Versicherten auftreten, ohne aber eine
massive Zurücksetzung gegenüber gesunden Hilfsarbeiterinnen zu begründen,
rechtfertigen praxisgemäss einen Tabellenlohnabzug von 10%. Das
Durchschnittseinkommen von Fr. 51'368.-- ist also auf Fr. 46'231.- zu reduzieren.
2.4 Dr. D._ hat in seinem überzeugenden Bericht einen Arbeitsfähigkeitsgrad von
60-70% angegeben. Er hat diese Ungenauigkeit mit den Schwierigkeiten begründet,
die ihm die Kombination zweier sich gegenseitig beeinflussender Krankheiten bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung bereitet hat. Da zu erwarten ist, dass weitere medizinische
Abklärungen angesichts dieser Schwierigkeiten keine präzisere
Arbeitsfähigkeitsschätzung liefern würden, muss gestützt auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung (vgl. das Urteil I 822/04 vom 29. April 2005, Erw. 4.4) vom Mittelwert
ausgegangen werden. Das zumutbare Invalideneinkommen ist deshalb auf der
Grundlage einer Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 65% zu ermitteln.
Ausgehend von einem Jahreseinkommen von Fr. 46'231.-- ergibt das ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 30'050.--. Das zumutbare Invalideneinkommen ist somit
Fr. 5'908.-- tiefer als das Valideneinkommen. Diese behinderungsbedingte
Erwerbseinbusse entspricht einem Invaliditätsgrad von 16,43%, entsprechend der
Erwerbsquote von 70% also einem anteiligen Invaliditätsgrad von 11,50%. Zusammen
mit dem anteiligen Invaliditätsgrad im Haushalt von 5% resultiert ein
Gesamtinvaliditätsgrad von (aufgerundet) 17%. Die Beschwerdegegnerin hat also im
Ergebnis zu Recht einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint.
3.
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Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, weshalb das
entsprechende Begehren ebenfalls abzuweisen ist. Die Beschwerdeführerin trägt auch
die Gerichtskosten. Diese sind praxisgemäss auf Fr. 600.-- festzusetzen. Sie sind
durch den in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP