Decision ID: a11063f0-685b-55fa-84c6-686137520ffa
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Ivo Wiesendanger, Oberfeldstrasse 158,
Postfach 5, 8408 Winterthur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1958, meldete sich am 27. November 2006 unter Hinweis auf
Depressionen, psychische Probleme und drei Operationen wegen einer
Unterleibserkrankung zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 65).
A.b In einem ärztlichen Bericht vom 20. Oktober 2006 an den Hausarzt der
Versicherten Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, hatten die Ärzte
der Klinik Gais festgehalten, die Versicherte sei vom 3. August 2006 bis 26. August
2006 in stationärer Behandlung gewesen. Nach der geplanten gynäkologischen
Untersuchung wäre sie aus psychiatrischer Sicht für eine leichte körperliche Arbeit zu
50 % arbeitsfähig (IV-act. 62-8 ff). Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, hatte der Versicherten unter Hinweis auf ihren Hausarzt in einem
ärztlichen Bericht vom 9. November 2006 aus psychischen Gründen eine seit mehreren
Wochen bestehende Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert (IV-act. 62-11 f.).
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, am 20. März 2008 ein psychiatrisches Gutachten. Er
diagnostizierte im Wesentlichen eine psychogene Überlagerung der zugrunde
liegenden körperlichen Störungen und eine atypische Depression und attestierte ab
September 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20 % (IV-act. 38).
A.d Ebenfalls im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Gynäkologie und Geburtshilfe, am 14. Mai 2008 einen Arztbericht, in welchem er
beurteilend festhielt, ein anatomisches Substrat für die unklaren krampfartigen Mittel-
und Unterbauchschmerzen habe nicht gefunden werden können (IV-act. 34).
A.e Am 25. August 2008 gab Dr. D._ eine Endbeurteilung unter Berücksichtigung
des Berichts von Dr. E._ vom 14. März 2008 ab. Er attestierte der Versicherten
sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit im Service als auch in adaptierten Tätigkeiten
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eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Gesamtmedizinisch bestehe seit September 2006 eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von höchstens 20 %. Diese sei in einem
ganztägigen Pensum mit reduzierter Leistung zu verwerten (IV-act. 30).
A.f Mit Vorbescheid vom 1. Oktober 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass die Abweisung des Rentengesuchs vorgesehen sei (IV-act. 25).
A.g Dagegen liess die Versicherte am 3. November 2008 Einwand erheben und die
Ausrichtung einer Invalidenrente beantragen (IV-act. 20-1 ff.). Ihrer Eingabe legte sie
einen Bericht von Dr. med. F._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 28. Juli 2008 bei, aus welchem hervorgeht, dass aufgrund des psychischen
Zustandes der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit weiterhin begründet sei
(IV-act. 20–11 ff.), sowie einen Arztbericht von Dr. med. G._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 22. Oktober 2008, in welchem eine mittel- bis
schwergradige rezidivierende depressive Störung sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung diagnostiziert und eine weiterhin bestehende 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden waren (IV-act. 20-13 ff.).
A.h Am 12. August 2009 erstattete Dr. D._ ein monodisziplinäres psychiatrisches
Verlaufsgutachten, nachdem die IV-Stelle die vorangegangene Bitte der Versicherten
um Beauftragung eines anderen Gutachters mit Schreiben vom 2. Februar 2009
abgewiesen hatte (IV-act. 11). Im Verlaufsgutachten wurde im Wesentlichen eine
gewisse Chronifizierung der neurasthenischen Symptome, darunter der leichten
atypischen Depression, und eine seit September 2006 aus psychiatrischer Sicht
andauernde Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20 % bei Status nach psychogener
Überlagerung von abgeklungenen Schmerzen nach Operationen im gynäkologischen
Bereich attestiert (IV-act. 8).
A.i Mit Verfügung vom 24. August 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch ab (IV-
act. 6).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die am 28. September 2009 erhobene
Beschwerde, in der beantragt wird, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es
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sei der Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Zur Begründung
wird im Wesentlichen ausgeführt, die Ärzte Dr. B._, Dr. C._, Dr. G._ und Dr. F._
sowie die Ärzte der Kliniken Gais und Teufen hätten übereinstimmend und unabhängig
voneinander eine (rezidivierende) mittel- bis schwergradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
festgestellt. Die Beschwerdeführerin sei gemäss übereinstimmenden Ausführungen
dieser Ärzte und Kliniken seit Anfang 2006 bis heute und bis auf weiteres in ihrer
angestammten und in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig.
Damit sei belegt, dass die Beschwerdeführerin an einer depressiven Erkrankung leide,
die sich stark auf ihre Arbeitsfähigkeit auswirke. Sie habe Anspruch auf eine ganze IV-
Rente (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 19. November 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen aus, dass das bidisziplinäre Gutachten von Dr. D._ und Dr. E._ vom
20. März/23. Mai/25. August 2008 sowie das monodisziplinäre psychiatrische
Verlaufsgutachten von Dr. D._ vom 12. August 2009 die Anforderungen der
Rechtsprechung erfüllen würden, weshalb darauf abgestellt werden könne. Zwar sei
der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden, da der Beschwerdeführerin das
Verlaufsgutachten vor Erlass der angefochtenen Verfügung nicht zur Einsicht und
Stellungnahme zugestellt worden sei, doch wiege diese Verletzung nicht schwer und
sei als geheilt zu betrachten, zumal die Beschwerdeführerin diese nicht einmal gerügt
habe (act. G 4).
B.c Am 15. Januar 2010 erstattete die Beschwerdeführerin die Replik. Sie führte im
Wesentlichen aus, dass die drei ausgewiesenen Psychiater Dr. C._, Dr. G._ und Dr.
F._ eine mittel- bis schwergradige (rezidivierende) depressive Störung und eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert und eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hätten. Diese Angaben würden auf umfangreichen und
intensiven Abklärungen und Beobachtungen basieren. Auf diese gut abgestützten und
fundierten Diagnosen könne abgestellt werden. Bei Zweifeln wäre eine Begutachtung
anzuordnen. Der Gutachter solle sich neutral und objektiv mit den sich
widersprechenden Diagnosen auseinandersetzen und den Zustand der
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Beschwerdeführerin beschreiben. Aufgrund der Verletzung des rechtlichen Gehörs sei
die Sache ohnehin an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (act. G 8).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rentenleistung
streitig.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 832.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
24. August 2009 ergangen (IV-act. 6), wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der sich
teilweise vor Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1.
Januar 2008 verwirklicht hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine
Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend
den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007
auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen
Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision; BGE 130 V 445 ff.; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E.1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
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1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % auf eine Viertelsrente.
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die Versicherungsträger und das
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Demgegenüber kommt
rechtsprechungsgemäss einem Gutachten oder anderen medizinischen Beurteilungen
dann kein voller Beweiswert zu, wenn Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen; es
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muss aber nicht feststehen, dass die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den
Tatsachen entsprechen, was nicht mit medizinischen Fachpersonen besetzte Behörden
in der Regel nicht beurteilen können (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom
16. Oktober 2002, I 779/01, E. 4.2).
2.
Vorab zu klären ist die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung auf das
monodisziplinäre psychiatrische Verlaufsgutachten von Dr. D._ vom 12. August 2009
(IV-act. 8-1 ff.).
2.2 Der ärztliche Bericht von Dr. B._ stützt sich überwiegend auf fremde Befunde
(IV-act. 62-1 ff.). Als Allgemeinmediziner erscheint er zudem nicht geeignet, eine lang
andauernde psychiatrisch begründete Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Was die
Berichte von Dr. F._ vom 20. Oktober 2006 (IV-act. 62-8 ff.) und 28. Juli 2008 (IV-act.
20-11 ff.) anbelangt, so ist festzustellen, dass dessen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
für leichte körperliche Arbeit zu 50 % nicht näher begründet ist und einzig auf den
Schmerzschilderung der Beschwerdeführerin zu basieren scheint. In seinem Bericht
vom 28. Juli 2008 wird die Arbeitsunfähigkeit von 100 % nicht begründet; in der
Verlaufsbeschreibung erwähnt er einzig "depressive Verstimmung und
Ängstlichkeit" (IV-act. 20-12). Es ist allgemein festzustellen, dass seine
Befunderhebung sehr knapp und nicht sonderlich auffällig ist. Es sind auch keine
Kriterien für die Diagnosestellung ersichtlich. Im Weiteren nimmt Dr. F._ weder im
Bericht vom 20. Oktober 2006 noch in demjenigen vom 28. Juli 2008 eine
Auseinandersetzung mit der Frage der zumutbaren Willensanstrengung zur
Überwindung der geklagten Probleme vor. Schliesslich geht Dr. F._ im ersten Bericht
vom 20. Oktober 2006 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % und im zweiten vom 28.
Juli 2008 von einer solchen von 100 % aus, ohne dass die beschriebenen Befunde
erheblich voneinander abweichen würden; die Abweichung der
Arbeitsunfähigkeitseinschätzung ist mithin weder ersichtlich noch begründet. Von Dr.
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C._ befinden sich nur Berichte aus dem Jahr 2006 in den Akten (IV-act. 62-4 ff.,
62-11 ff.). Er gibt keine eigenständige Arbeitsfähigkeitsschätzung ab, sondern zitiert
ausschliesslich den Hausarzt (IV-act. 62-5, 62-12). Dies wohl, weil er den Einfluss der
körperlichen Beschwerden auf den psychischen Zustand als erheblich bezeichnete. Dr.
C._ führte im Weiteren aus, dass der Tod der Schwägerin im November 2006 eine
vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
bewirkt haben könnte (IV-act. 62-6). Hinweise für eine anhaltende Verschlechterung
liegen aber nicht vor. Auch ist aktenkundig, dass erstmals ab dem 31. Januar 2006 eine
Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde (Dr. B._, IV-act. 62-1). Dass nach Ablauf des
Wartejahrs eine relevante Arbeitsunfähigkeit bestanden hätte, ist nicht überwiegend
wahrscheinlich belegt. Die Therapie bei Dr. C._ brach die Versicherte offenbar im
November 2006 ab. Dies nachdem sie sich verstimmt gezeigt hatte, als Dr. C._
bemängelt hatte, keinen Überblick über ihre Medikation zu haben (IV-act. 62-6). Im
Übrigen konnte sie auch gegenüber Dr. D._ ihre Medikation nicht nennen, sondern
stellte ihm später eine Liste zu (IV-act. 8-11). Somit ist insgesamt eine zuverlässige
Medikamteneinnahme nicht ausgewiesen. Zudem weisen die Akten darauf hin, dass
die in H._ wohnhafte Beschwerdeführerin sich nach dem Tod ihrer Schwägerin im
November 2006 um die zwei Neffen, wovon der eine blind und geistig behindert ist (IV-
act. 62-2 ff., 38-4), in I._ kümmern konnte. Vor diesem Hintergrund muss davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin offenbar nicht, wie Dr. F._ und
Dr. G._ in ihren Berichten vom 20. Oktober 2006 und 22. Oktober 2008 ausführten
(IV-act. 62-9, 20-14), antriebslos war. Dr. G._ verneinte im Weiteren in seinem Bericht
vom 22. Oktober 2008 jegliche Arbeitsfähigkeit und stützte sich bei seiner Diagnose
der mittel- bis schwergradigen rezidivierenden depressiven Störung und anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung sowohl auf die Schmerzschilderung der
Beschwerdeführerin als auch auf die Diagnose von Dr. F._ vom 28. Juli 2008 (IV-act.
20-11 ff.). Seine Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind daher nicht eigenständig und in
ihrer Gesamtheit nicht schlüssig. Zudem schätzen behandelnde Ärzte
erfahrungsgemäss die Arbeitsfähigkeit ihrer Patienten pessimistischer ein als
unabhängige medizinische Sachverständige. Das beruht unter anderem auf dem
Therapieverhältnis, das die behandelnden Ärzte dazu neigen lässt, die
Beschwerdeschilderungen ihrer Patienten hoch zu gewichten und deren subjektive
Selbsteinschätzung zu übernehmen (vgl. Urteil des Versicherungsgerichtes des
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Kantons St. Gallen vom 7. Oktober 2010, IV 2009/106, E. 5.3). Aufgrund all dieser
Erwägungen wecken somit - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (act. G
1 und 8) - die Berichte von Dr. B._, Dr. C._, Dr. G._ und Dr. F._ keine
ernsthaften Zweifel an der Beweiskraft des Verlaufsgutachtens vom 12. August 2009.
2.3 Dem Verlaufsgutachten von Dr. D._ vom 12. August 2009 (IV-act. 8-1 ff.) lässt
sich bezüglich subjektiver Angaben der Beschwerdeführerin folgendes entnehmen:
Zum Untersuchungszeitpunkt am 29. Juni 2009 gab die Beschwerdeführerin an, es
würde ihr 2-3 Tage ganz schlecht gehen, dann wiederum könne es ihr tagelang
bessergehen. Momentan gehe es ihr sehr schlecht, sie habe Kopfschmerzen und
müsse erbrechen. Ebenfalls habe sie einige Male pro Tag jeweils für eine Sekunde
Herzklopfen, dadurch verspüre sie Schmerzen in der Brust. Ebenfalls leide sie an
Schwindel und Unterleibsschmerzen. Da sie zudem mit dem Magen schon lange
Probleme habe, habe sie eine Tablette dagegen eingenommen (IV-act. 8-12). Im
Weiteren gab die Beschwerdeführerin an, bis vor eineinhalb Jahren einen Freund in
K._ gehabt zu habe. Diesbezüglich bemerkte Dr. D._, dass die Beschwerdeführerin
im Widerspruch dazu bei der Begutachtung im Februar 2008 noch angegeben habe,
nach der Trennung von ihrem Mann keine Partnerschaft mehr eingegangen zu sein aus
Angst, wieder Pech zu haben (IV-act. 8-3, 38-2). Dr. D._ stellte weiter fest, dass sich
die Beschwerdeführerin gut von den Beschwerden ablenken lasse. Sie sei
bewusstseinsklar und allseits orientiert. Sie gehe kooperativ auf die gestellten Fragen
ein; es seien weder Konzentrations- noch Gedächtnis- oder
Aufmerksamkeitsstörungen eruierbar. Die geltend gemachten Beschwerden würden
nicht in Übereinstimmung mit der Beschwerdeschilderung der behandelnden
Psychiatern stehen: Die Beschwerdeführerin wirke weder hilf- noch ratlos. Sie sei auch,
im Gegensatz zu den Befunden und Beobachtungen von Dr. F._ und Dr. G._ in
deren Berichten vom 20. Oktober 2006 und 22. Oktober 2008 (IV-act. 62-9, 20-14),
nicht ängstlich oder antriebsarm. Ihr Antrieb während der Untersuchung sei
keineswegs herabgesetzt gewesen (IV-act. 8-14). Symptome wie Derealisation,
Depersonalisation, Ängste, paranoide Symptome und Zwangssymptome, die gemäss
Dr. D._ mit einer schweren depressiven Störung sicher einhergehen würden, habe
die Beschwerdeführerin verneint. Im Weiteren lässt sich das Gefühl von Gefühllosigkeit
- laut Dr. D._ einer der Hauptsymptome einer depressiven Störung - bei der
Beschwerdeführerin nicht bestätigen: Im Gegenteil bestehe eine grosse emotionale
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Beteiligung gegenüber der schicksalsmässigen Entwicklung ihrer Familie, ihrer Kinder,
ihrer herzkranken Mutter sowie des Bruders und seinen zwei Söhnen. Die
Beschwerdeführerin sei somit keineswegs "emotional leer". Gefühllosigkeit und
Interessensverlust seien bei der Beschwerdeführerin nicht objektivierbar. Gemäss Dr.
D._ bestehen Inkonsistenzen der Beschwerdeschilderungen gegenüber ihm und Dr.
G._ (IV-act. 8-18). Die Art und das Ausmass der neurasthenischen Entwicklung seien
mit einer zumutbaren Willensanstrengung der Beschwerdeführerin überwindbar. Die
dafür notwendigen intellektuellen und emotionalen Ressourcen würden der
Beschwerdeführerin zur Verfügung stehen (IV-act. 8-21). Dr. D._ verneinte eine
Diagnose der somatoformen Schmerzstörung: Die vorherrschenden Beschwerden
seien nicht andauernde schwere und quälende Schmerzen, welche durch einen
physiologischen Prozess oder eine körperliche Störung nicht vollständig erklärt werden
könnten, weshalb die erforderlichen Kriterien für die Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung nicht gegeben seien (IV-act. 8-23). Vor diesem
Hintergrund erscheinen die Einschätzungen von Dr. D._ insgesamt als plausibel. Bei
der Würdigung des Verlaufsgutachtens fällt zusammenfassend ins Gewicht, dass es
auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange umfassend ist.
Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden berücksichtigt und gewürdigt. Eine nachvollziehbare
Auseinandersetzung mit den abweichenden Beurteilungen der behandelnden Ärzte
fand statt. Die Attestierung einer 80%igen Arbeitsfähigkeit für angestammte und
adaptierte Tätigkeiten leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden
wären. Damit geht einher, dass Dr. D._ der Beschwerdeführerin bereits ein Jahr
zuvor in seiner Endbeurteilung vom 25. August 2008 unter Berücksichtigung der
medizinischen Vorakten aus psychiatrischer Sicht aufgrund der objektivierbaren
Befunde bzw. der gestellten Diagnosen eine seit September 2006 bestehende
Arbeitsunfähigkeit zu höchstens 20 % attestiert hatte (IV-act. 38-1 ff.). Die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen durch Dr. D._ sowohl in der Endbeurteilung als auch im
Verlaufsgutachten sind substantiiert, schlüssig und gut nachvollziehbar. Die
Beschwerdegegnerin hat damit der Bestimmung des Invaliditätsgrades in der
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angefochtenen Verfügung zu Recht die verlaufsgutachterliche
Leistungsfähigkeitsbeurteilung zugrunde gelegt.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin sieht schliesslich ihren Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt, weil ihr die Beschwerdegegnerin keine Gelegenheit gegeben hat, sich zum
Fragenkatalog an Dr. D._ zu äussern, Ergänzungsfragen an den Gutachter zu stellen
sowie vor Erlass der angefochtenen Verfügung zum Verlaufsgutachten Stellung zu
nehmen. Diese Verletzung könne im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht geheilt
werden. Die Beschwerde sei bereits aus diesem Grund gutzuheissen (act. G 8, S. 4).
3.2 Gemäss Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das
rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher
in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Es umfasst insbesondere das Recht, sich
vor Erlass des in ihrer Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern,
erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen
Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise
entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn
dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 370 f. E. 3.1, mit
Hinweisen).
3.3 Da der angefochtenen Verfügung eine Bemessung des Invaliditätsgrads gestützt
auf ein zeitlich nach dem Vorbescheid vom 1. Oktober 2008 durchgeführtes
Verlaufsgutachten, d.h. ein neues Abklärungsergebnis, zugrunde liegt, hätte die
Beschwerdegegnerin nochmals einen Vorbescheid erlassen müssen (vgl. GVP 2009,
Nr. 9). Dieser Pflicht ist sie aktenkundig nicht nachgekommen. Die angefochtene
Verfügung ist somit unter Missachtung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf
rechtliches Gehör gemäss Art. 57a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 42 Satz 1 ATSG ergangen.
Nach der Rechtsprechung kann selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung
(im Sinne einer Heilung des Mangels) abgesehen werden, wenn und soweit die
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu einer unnötigen
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Verzögerung führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der
betroffenen Person an einer beförderlichen Beurteilung der Sachen nicht zu
vereinbaren wäre (BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2 S. 127, 133 I 201 E. 2.2 S. 204, 132 V 387
E. 5.1 S. 390 mit Hinweis). In der Beschwerde und Replik bringt die
Beschwerdeführerin eindeutig zum Ausdruck, dass sie primär an einem raschen
materiellen Entscheid interessiert ist, zumal sie in der Beschwerde die
Gehörsverletzung nicht einmal gerügt und erstmals in der Replik - nachdem die
Beschwerdegegenerin sich in ihrer Beschwerdeantwort dazu geäussert hatte -
marginal geltend gemacht hat (vgl. act. G 8 S. 4). Zudem hat die Beschwerdeführerin
das Verlaufsgutachten vor Erlass der angefochtenen Verfügung zugestellt erhalten,
zumal in der Beschwerde darauf Bezug genommen wird (act. G1, S. 10 ff.). Die
erwähnten verfahrensökonomischen Gründe rechtfertigen es somit, den an sich nicht
gering zu beurteilenden Verfahrensmangel mit dem vorliegenden Verfahren, in welchem
das Gericht mit voller Kognition ausgestattet ist, zu heilen, nachdem die
Beschwerdeführerin selber ein materielles Urteil des Gerichts erwartet. Daher führt die
Gehörsverletzung vorliegend ausnahmsweise nicht zu einer Rückweisung.
4.
4.1 Im Sinne der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat die Gerichtskosten
grundsätzlich zu tragen. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69
Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Da die
Beschwerdeführerin vollständig unterliegt, hat sie unter Anrechnung des von ihr
geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 600.-- diese Gerichtsgebühr allein zu tragen.
4.3 Trotz Unterliegens der Beschwerdeführerin in der Sache könnte ihr grundsätzlich
eine Parteientschädigung zugesprochen werden, sofern die Beschwerdegegnerin die
Kosten verursacht hätte. Dieser allgemeine Rechtsgrundsatz, wonach jene Partei für
die Kosten des Verfahrens aufzukommen hat, welche es verursacht hat, gelangt auch
bei der Verletzung des rechtlichen Gehörs zur Anwendung (BGE 128 V 311; SVR 2003
AlV Nr. 2 S. 5 E. 1d). Massgebend für die Kostenfolgen ist, dass der Partei nicht Kosten
entstehen, die ihr ohne die Gehörsverletzung nicht entstanden wären (BGE 133 I 234;
bis
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Urteil des Bundesgerichts 9C_363/2009 vom 18. März 2010). Entscheidend ist jedoch,
ob der Beschwerdeführerin Mehrkosten entstanden sind, die ohne Verletzung des
rechtlichen Gehörs nicht angefallen wären, was insbesondere dann der Fall ist, wenn
die Beschwerdeführerin ohne die Gehörsverletzung nicht Beschwerde erhoben hätte
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_429/2010 vom 9. Juli 2010 E. 2.3). Dies kann hier
nicht gesagt werden: Die Beschwerdeführerin rügte die Verletzung des rechtlichen
Gehörs beschwerdeweise nicht. Erst nachdem die Beschwerdegegnerin sich in ihrer
Beschwerdeantwort dazu geäussert hatte, macht die Beschwerdeführerin in der Replik
die Gehörsverletzung marginal geltend (act. G 8, S. 4). Zudem bringt die
Beschwerdeführerin, wie bereits ausgeführt, sowohl in der Beschwerde als auch in der
Replik eindeutig zum Ausdruck, dass sie primär an einem raschen materiellen
Entscheid interessiert ist. Die Beschwerdegegnerin hält in der Beschwerdeantwort (act.
G 4) und im Schreiben vom 25. Januar 2010 (act. G 10) an ihren verfügungsmässig
getätigten Ausführungen und dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest. Es ist
deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in jedem Fall Beschwerde
erhoben hätte, weshalb ihr mit der Gehörsverletzung keine zusätzlichen Kosten
entstanden sind. Eine Parteientschädigung ist der Beschwerdeführerin somit nicht
zuzusprechen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP