Decision ID: cdb550c8-d56f-5e4c-a9a5-b1353c4fb326
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben
zufolge am (...) und reiste am 2. April 2016 illegal in die Schweiz ein. Am
4. April 2016 suchte er im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum
(EVZ) B._ um Asyl nach und wurde dort am 11. April 2016 zu seiner
Identität, zum Reiseweg sowie summarisch zu den Gesuchsgründen be-
fragt (Befragung zur Person; BzP). Ausserdem wurde ihm das rechtliche
Gehör zu allfälligen gesundheitlichen Beeinträchtigungen gewährt. Die
ausführliche Anhörung zu den Asylgründen fand am 15. Mai 2018 statt.
A.b Zur Begründung seines Asylgesuchs machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er sei Tamile und stamme aus C._, Distrikt
D._ (Nordprovinz). Im Hinblick auf die Wahlen vom 17. August 2015
habe sein Kollege E._ von F._, dem Vorsitzenden der regie-
rungsnahen (...), Geld erhalten, um eine Liste von parteiunabhängigen
Wahlkandidaten zusammenzustellen. Die (...) habe damit zum Schaden
der (...) eine Zersplitterung der Wahlstimmen erreichen und sich damit sel-
ber einen Vorteil bei den Wahlen verschaffen wollen. Sie seien eine Gruppe
von insgesamt zehn Personen gewesen, bestehend aus Studenten und
Geschäftsleuten und angeführt von E._. Er (Beschwerdeführer) sei
zum (...) ernannt worden. Nachdem sie die Wahlregistrierungsgebühren
bezahlt hätten, seien ihnen Zweifel gekommen, zumal sie Angst vor der
Reaktion der (...) gehabt hätten. Er habe daraufhin dafür gesorgt, dass auf
den Formularen für die Kandidaturen die – formell notwendige – Unter-
schrift von E._. gefehlt habe. Als sie die Formulare am 13. Juli 2015
auf dem Distriktbüro eingereicht hätten, seien ihre Kandidaturen infolge
dieses Formfehlers abgelehnt worden. Dies habe die (...) verärgert, und
E._. sei umgehend nach Verlassen des Distriktbüros von einem
(...)-Angehörigen auf die ungültigen Formulare angesprochen worden.
E._ habe dem (...)-Mann daraufhin erklärt, er (Beschwerdeführer)
sei schuld, da er die Formulare nicht richtig kontrolliert habe. Am selben
Abend sei er von zwei Personen – einem (...)-Mitglied und einem mut-
masslichen Armee- oder Geheimdienstangehörigen – tätlich angegriffen,
schwer verletzt und mit dem Tod bedroht worden. Seine Eltern hätten ihn
daraufhin zur Tante gebracht, wo er sich bis nach den Wahlen versteckt
habe. Nach Bekanntwerden der Wahlresultate hätten Angehörige der (...)
sowie Beamte des Criminal Investigation Departments (CID) zuhause nach
ihm gesucht und erneut Todesdrohungen ausgesprochen. Seine Eltern
hätten Angst bekommen, da im Jahr 2007 bereits der Ehemann seiner
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Tante ermordet worden sei; sie hätten ihn daher nach G._ ins Haus
eines Freundes seines Vaters gebracht. Sodann hätten auch zwei (...) Po-
litiker seine Eltern aufgesucht und ihn wegen seiner Kandidatur als Verräter
bezeichnet. Nachdem im November/Dezember 2015 mehrere Personen
entführt und teilweise getötet worden seien, habe er sich zunehmend Sor-
gen um seine Sicherheit gemacht. Sein Kollege E._. sei unterge-
taucht, nachdem er ebenfalls Probleme bekommen habe. Aus diesen
Gründen sei er am (...) mit Hilfe eines Schleppers auf dem Seeweg aus Sri
Lanka ausgereist. In der Schweiz habe er erfahren, dass (...)-Leute unge-
fähr acht Mal zuhause nach ihm gefragt hätten. Er habe Angst, bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka umgebracht zu werden, und befürchte Probleme
von Seiten der Regierungspartei als auch von Seiten der Opposition. Der
Beschwerdeführer machte ausserdem geltend, er habe in der Schweiz im
Jahr 2016 an einer Heldentagsfeier teilgenommen.
A.c Der Beschwerdeführer reichte im Rahmen des vorinstanzlichen Ver-
fahrens folgende Unterlagen zu den Akten: mehrere Presseberichte betref-
fend die Wahlen im Jahr 2015, mehrere Internetausdrucke betreffend die
Wahlkandidatur, mehrere Unterlagen betreffend den Tod des Ehemannes
einer Tante im Jahr 2007 (alles in Kopie) sowie seine Identitätskarte.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 10. April 2019 fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug der
Wegweisung an.
C.
Der Beschwerdeführer focht diesen Entscheid mit Beschwerde vom
13. Mai 2019 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragte, die ange-
fochtene Verfolgung sei aufzuheben, und es sei ihm Asyl zu gewähren;
eventuell sei er in der Schweiz vorläufig aufzunehmen. Subeventuell sei
die Sache zur rechtskonformen Sachverhaltsabklärung und neuen Ent-
scheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um vollständige Einsicht in die vorinstanzlichen Akten, Einräu-
mung einer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung, Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung (inklusive Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses) und unentgeltliche Verbeiständung. Ausserdem
beantragte er, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu gewäh-
ren.
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Der Beschwerde lagen eine Kopie der angefochtenen Verfügung, eine Voll-
macht vom 27. April 2019 (Kopie), eine Honorarnote vom 13. Mai 2019,
zwei Ausdrucke von Wikipedia (betreffend F._ und die [...]) sowie
ein Internetartikel der Frankfurter Allgemeinen vom 6. Februar 2019 bei.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 27. Mai 2019 hielt die Instruktionsrichterin fest,
der Beschwerdeführer könne den Abschluss des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Sodann hiess sie das Akteneinsichtsgesuch teilweise
gut und wies das SEM an, dem Beschwerdeführer die Aktenstücke A6 und
A13 zu edieren. Das Gesuch um Einräumung einer Frist zur Einreichung
einer Beschwerdeergänzung wurde hingegen abgewiesen. Die Instrukti-
onsrichterin hiess ausserdem die Gesuche um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und unentgeltliche Verbeiständung (vorbehältlich
der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung) gut, verzichtete auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses, ordnete dem Beschwerdeführer seinen
Rechtsvertreter als amtlichen Rechtsbeistand bei und forderte den Be-
schwerdeführer auf, innert Frist eine Fürsorgebestätigung nachzureichen.
E.
Mit Eingabe vom 11. Juni 2019 reichte der Beschwerdeführer mehrere Fo-
tos betreffend seine exilpolitischen Aktivitäten, zwei Unterlagen betreffend
die Anmeldung zu den Wahlen im Jahr 2015 (einen «Entry Pass» sowie
eine Quittung; Kopien), eine Sozialhilfebescheinigung vom 11. Juni 2019
(Kopie) sowie eine aktualisierte Honorarnote des Rechtsvertreters vom
11. Juni 2019 zu den Akten.
F.
Mit Eingaben vom 6. April und 28. Mai 2020 reichte der Beschwerdeführer
einen Verlaufsbericht der psychiatrischen Klinik H._ vom 30. März
2020 (Kopie) sowie eine E-Mail von B. B., Klinik H._, vom 26. Mai
2020 ein.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gestützt auf Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, welche von einer
Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG erlassen wurden, sofern keine das
Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG vorliegt.
Demnach ist das Bundesverwaltungsgericht zuständig für die Beurteilung
von Beschwerden gegen Entscheide des SEM auf dem Gebiet des Asyls,
und entscheidet in diesem Bereich in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt indes das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist – und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
demnach einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die Durchführung
eines Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihres Entscheids im Wesentli-
chen aus, der Beschwerdeführer habe bezüglich der Frage der wissentli-
chen Beteiligung von E._. an der absichtlich herbeigeführten Feh-
lerhaftigkeit der Formulare unterschiedliche Angaben gemacht. Auch seine
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Aussagen hinsichtlich der Suche nach ihm seien widersprüchlich ausgefal-
len. So habe er unterschiedliche Zeitpunkte für die fragliche Suche nach
ihm genannt. Ausserdem habe er zunächst erklärt, sein Vater sei geschla-
gen worden, während er in der Anhörung im Widerspruch dazu vorgebracht
habe, die Verfolger hätten seine Mutter geschlagen. Auf Vorhalt habe er
die Widersprüche nicht aufklären können. Die Asylvorbringen seien damit
in zentralen Punkten widersprüchlich. Die eingereichten Beweismittel wür-
den keine Hinweise darauf enthalten, dass der Beschwerdeführer infolge
der Wahlkandidatur Probleme gehabt habe. Die Asylvorbringen seien da-
her insgesamt unglaubhaft. Es sei sodann auch nicht anzunehmen, dass
der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka aus anderen
Gründen mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt wäre (Verweis auf die
im Referenzurteil E-1866/2015 des BVGer vom 15. Juli 2016 definierten
Risikofaktoren). Insbesondere sei nicht davon auszugehen, dass die sri-
lankischen Behörden den Beschwerdeführer aufgrund seiner nieder-
schwelligen exilpolitischen Tätigkeit (Teilnahme an einem Heldentag) als
gefährlichen politischen Agitator betrachten würden. Demnach sei die
Flüchtlingseigenschaft zu verneinen und das Asylgesuch abzulehnen. Die
Vorinstanz legte im Weiteren dar, der Wegweisungsvollzug nach Sri Lanka
(Nordprovinz) sei zulässig, zumutbar und möglich. Hinsichtlich der Frage
der individuellen Zumutbarkeit des Vollzugs verwies das SEM insbeson-
dere auf das am Herkunftsort bestehende familiäre Beziehungsnetz und
die gesicherte Wohnsituation und hielt ausserdem fest, die geltend ge-
machten gesundheitlichen Beschwerden (Angstzustände, Unruhe, Schlaf-
probleme, Kopfschmerzen) stünden dem Vollzug der Wegweisung nicht
entgegen.
4.2 In der Beschwerde wird zunächst der Sachverhalt wiederholt und in
diesem Zusammenhang vorgebracht, der Beschwerdeführer sei in der BzP
mehrmals angehalten worden, sich kurz zu fassen, worauf er sich nicht
mehr getraut habe, alles zu sagen. Dies erkläre die vom SEM monierten
Widersprüche, sofern diese überhaupt als relevant erachtet werden könn-
ten. Der rechtserhebliche Sachverhalt sei demnach vom SEM unrichtig und
unvollständig festgestellt worden. Ausserdem habe das SEM die Vorbrin-
gen nicht rechtsgenüglich geprüft und den Entscheid ungenügend begrün-
det. Die Sache sei mit der Anweisung, den Beschwerdeführer ausreden zu
lassen, den Sachverhalt rechtskonform abzuklären, die Vorbringen auf ihre
Glaubhaftigkeit zu überprüfen und eine neue Entscheidung zu fällen, an
das SEM zurückzuweisen. Dabei sei der Beschwerdeführer insbesondere
erneut zur (...) und zur (...) respektive zu deren Verhältnis zueinander zu
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befragen. Weiter wird gerügt, dem Beschwerdeführer sei nicht umfassend
Akteneinsicht gewährt worden; insbesondere sei das Aktenstück A13 (die
von ihm eingereichten Beweismittel) nicht ediert worden, weshalb erneut
vollumfängliche Akteneinsicht beantragt werde. Der Beschwerdeführer sei
infolge fehlerhaften Ausfüllens der Wahlformulare seitens der (...) unter
Druck geraten. Er habe dazu Beweismittel eingereicht, deren Beweiskraft
das SEM ohne zureichende Begründung pauschal verneint habe. Die vom
SEM genannten Widersprüche betreffend die Frage, wer für die Formfehler
verantwortlich gewesen sei, seien irrelevant. Massgebend sei, dass der
Beschwerdeführer letztlich ins Visier der Schergen von I._ geraten
sei, was lebensgefährlich sei; denn die (...) sei eine äusserst brutale, re-
gierungsnahe paramilitärische Gruppierung. Zu berücksichtigen sei ferner,
dass die sri-lankischen Behörden als Reaktion auf die Anschläge vom 21.
April 2019 die Sicherheitsvorkehrungen weiter verschärft und Ende April
2019 gar Notstandsbestimmungen in Kraft gesetzt hätten. Dadurch habe
sich für den Beschwerdeführer die Gefahr erhöht, bei der Einreise oder
auch danach widerrechtlich festgehalten und menschenrechtswidrig be-
handelt zu werden. Es sei anzunehmen, dass dieses Repressionsinstru-
ment auch dazu benutzt werde, die tamilische Bevölkerung erneut zu un-
terdrücken. Die auch am Herkunftsort des Beschwerdeführers gesteigerte
Militärpräsenz hätte zur Folge, dass die Militärs auf Geheiss der (...) nach
ihm suchen würden. Somit liege eine begründete Furcht vor Verfolgung
vor, und dem Beschwerdeführer sei Asyl zu gewähren. Der Vollzug der
Wegweisung sei sodann weder zulässig noch zumutbar, dies namentlich
aufgrund der aktuellen politischen Situation sowie der schlechten Sicher-
heits- und Menschenrechtslage in Sri Lanka. Das SEM habe sich diesbe-
züglich auf veraltete Lageberichte zu Sri Lanka bezogen. Eine Rückschie-
bung des Beschwerdeführers nach Sri Lanka würde zudem gegen Art. 5
AsylG verstossen. Er müsste bei einer Rückkehr mit Verhaftung sowie wei-
teren Repressalien rechnen. Der sri-lankische Präsident beabsichtige, die
Todesstrafe wieder vollstrecken zu lassen; es sei klar, dass davon auch die
als «Terroristen» bezeichneten Tamilen mit Verbindungen zu den Libera-
tion Tigers of Tamil Eelam (LTTE) betroffen wären. Es sei auch deshalb
nicht zumutbar, den Beschwerdeführer nach Sri Lanka auszuschaffen; viel-
mehr sei ihm (eventualiter) die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
4.3 In den Eingaben vom 6. April und 28. Mai 2020 wird angefügt, der Be-
schwerdeführer sei am 3. Februar 2020 per fürsorgerische Unterbringung
(FU) in die psychiatrische Klinik H._ eingewiesen und am 27. Mai
2020 wieder entlassen worden. Er sei psychiatrisch behandelt worden, und
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seine Behandlung werde auch nach der Entlassung aus der Klinik weiter-
geführt. Es sei nicht davon auszugehen, dass er in Sri Lanka die benötigte
Behandlung erhalten würde; vielmehr würde er im Falle einer Rückkehr
nach Sri Lanka wohl auf den Strassen von Colombo sterben. Der Vollzug
der Wegweisung verstosse daher gegen Art. 3 EMRK.
5.
Zu den in der Beschwerde erhobenen formellen Rügen ist vorab Folgendes
festzustellen:
5.1 Soweit der Beschwerdeführer eine Verletzung des Akteneinsichts-
rechts rügt, ist auf die entsprechenden Ausführungen in der Zwischenver-
fügung vom 27. Mai 2019 zu verweisen, wonach die Instruktionsrichterin
zum Schluss kam, das SEM habe die Aktenstücke A6 und A13 zu Unrecht
von der Akteneinsicht ausgenommen. Diesbezüglich liegt eine Verletzung
des Akteneinsichtsrechts vor. Für eine Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung besteht indes keine Veranlassung. Mit Zwischenverfügung vom
27. Mai 2019 wurde die Vorinstanz angewiesen, dem Beschwerdeführer
die beiden Aktenstücke – unter Berücksichtigung allfälliger Geheimhal-
tungsinteressen im Sinne von Art. 27 VwVG – zu edieren. Dieser Aufforde-
rung kam die Vorinstanz nach. Darüber hinaus ist die Akte A6 für das vor-
liegende Verfahren nicht wesentlich, und das SEM hat sich, wie auch be-
treffend die eingereichten Beweismittel (A13), in der Begründung der an-
gefochtenen Verfügung nicht zu Lasten des Beschwerdeführers auf diese
abgestützt. Im Übrigen kann grundsätzlich davon ausgegangen werden,
dass die asylsuchende Person vom Inhalt der von ihr selbst als Beweismit-
tel eingereichten Unterlagen Kenntnis und von diesen Dokumenten Kopien
angefertigt hat. Vor diesem Hintergrund bestand auch keine Veranlassung,
dem Beschwerdeführer Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung
anzusetzen. Zu den weiteren Aktenstücken hielt die Instruktionsrichterin in
der genannten Zwischenverfügung fest, die Vorinstanz habe diese zu
Recht nicht ediert (A2/1, A3/1, A9 [überwiegende öffentliche oder private
Interessen an der Geheimhaltung und keine Abstellung darauf zum Nach-
teil des Beschwerdeführers] sowie A5, A7, A8, A11, A16 [interne Akten
ohne Beweischarakter]). Der Subeventualantrag auf Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz ist demnach abzuweisen.
5.2 Ferner rügt der Beschwerdeführer, das SEM habe den rechtserhebli-
chen Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt respektive unge-
nügend abgeklärt. Ausserdem habe es die ihm obliegende Prüfungs- und
Begründungspflicht und damit den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
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5.2.1 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden
den Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei
muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-
lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis führen (vgl. auch Art. 30–33 VwVG). Unrichtig ist
die Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und
aktenwidriger oder nicht weiter belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt
wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde
trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes wegen ab-
geklärt hat, oder wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachum-
stände berücksichtigt wurden (vgl. dazu BVGE 2016/2 E. 4.3). Die Behörde
ist jedoch nicht verpflichtet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche
Nachforschungen anzustellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur
dann vorzunehmen, wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt er-
scheinen (vgl. dazu ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Ver-
waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl.
2013, Rz. 629 ff.; CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kom-
mentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, 2. Aufl., 2019,
Rz. 17 zu Art. 12; BENJAMIN SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
a.a.O., Rz. 29 ff. zu Art. 49).
Aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 29
VwVG) sowie Art. 35 Abs. 1 VwVG folgt sodann, dass alle erheblichen Par-
teivorbringen zu prüfen und zu würdigen sind. Die verfügende Behörde hat
im Rahmen der Entscheidbegründung die Überlegungen zu nennen, von
denen sie sich leiten liess und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Begrün-
dung des Entscheids muss so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn ge-
gebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Die Behörde muss sich jedoch
nicht mit jeder tatbeständlichen Behauptung auseinandersetzen, sondern
kann sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte be-
schränken (vgl. dazu LORENZ KNEUBÜHLER/RAMONA PEDRETTI, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 7 ff. zu Art. 35; KÖLZ/HÄ-
NER/BERTSCHI; a.a.O., N. 629 ff.; BVGE 2016/9 E. 5.1; BVGE 2011/37
E. 5.4.1; BGE 136 I 184 E. 2.2.1 und 134 I 83 E. 4.1).
5.2.2 Die Rüge, der rechtserhebliche Sachverhalt sei unrichtig und unvoll-
ständig festgestellt worden, begründet der Beschwerdeführer primär mit
dem Vorbringen, er sei in der BzP dazu angehalten worden, sich kurz zu
fassen, und habe deshalb nicht alles sagen können. Aufgrund der Akten-
lage ist indessen davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in der
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BzP ausreichend Gelegenheit hatte, seine Asylgründe – wenn auch in zu-
sammengefasster Form – vollständig darzulegen. Er schilderte die Gründe
für seine Ausreise zunächst in freier Rede, anschliessend wurden ihm dazu
einige Fragen gestellt. Zudem wurde er mehrmals gefragt, ob noch weitere
Gründe bestünden (vgl. A4 Ziff. 7.01, 7.03), was er jeweils verneinte. Er
kritisierte zwar, dass er nicht detailliert habe sprechen können (vgl. A4
Ziff. 9.01). An der Einschätzung, dass es ihm bei der BzP ohne weiteres
möglich war, die ihm wesentlich erscheinenden Fluchtgründe darzulegen
respektive zumindest zu erwähnen, ändert dies jedoch nichts, zumal er
seine Asylvorbringen in der anschliessenden Anhörung ausführlich schil-
dern konnte. In der Beschwerde wird im Weiteren sinngemäss vorgebracht,
der Beschwerdeführer hätte vom SEM eingehender zur (...) sowie zur (...)
befragt werden müssen, da deren Verhältnis zueinander sowie deren Rol-
len dem Befrager offenbar nicht klar gewesen seien (vgl. S. 5 der Be-
schwerde). Für diese Einschätzung finden sich in den Akten indessen
keine konkreten Hinweise, und es ist nicht ersichtlich, inwiefern eine wei-
tergehende Befragung des Beschwerdeführers zu diesen Parteien sach-
dienlich hätte sein können. Die Rüge, der rechtserhebliche Sachverhalt sei
nicht korrekt festgestellt worden, ist nach dem Gesagten als unbegründet
zu erachten.
5.2.3 Der Beschwerdeführer rügt weiter, das SEM habe seine Vorbringen
nicht rechtsgenüglich geprüft und den Entscheid ungenügend begründet.
Konkret wird diesbezüglich lediglich vorgebracht, das SEM habe die Be-
weiskraft der eingereichten Beweismittel ohne zureichende Begründung
verneint und ausserdem die veränderte Sicherheitslage in Sri Lanka nicht
gewürdigt, zumal es sich bei der Beurteilung des Wegweisungsvollzugs auf
veraltete Lageberichte zu Sri Lanka bezogen habe. Diese Rügen sind als
unbegründet zu bezeichnen. Entgegen der Auffassung des Beschwerde-
führers hat das SEM in der angefochtenen Verfügung in nachvollziehbarer
Weise dargelegt, weshalb die eingereichten Beweismittel nicht geeignet
seien, die geltend gemachte Verfolgung glaubhaft zu machen (vgl. Ziff. II.1
in fine). Es hat ausserdem mit hinreichender Begründungsdichte ausge-
führt, aus welchen Gründen der Vollzug der Wegweisung als zulässig und
zumutbar zu erachten sei (vgl. Ziff. III). Die vom Beschwerdeführer geäus-
serte Unzufriedenheit mit den Schlussfolgerungen des SEM respektive der
Umstand, dass das SEM seine Einschätzung der allgemeinen Lage in
Sri Lanka auf von ihm nicht als opportun erachtete Quellen stützte, können
im Übrigen nicht unter den Tatbestand der mangelhaften Prüfung und Be-
gründung subsumiert werden, sondern stellen vielmehr eine Kritik in der
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Sache selbst dar (vgl. dazu bereits das Urteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 3.2.3 [als Referenzurteil publiziert]).
5.3 Nach dem Gesagten liegt keine Verletzung des Anspruchs auf rechtli-
ches Gehör vor, und der Sachverhalt erweist sich als richtig und vollständig
festgestellt. Der Kassationsantrag ist daher abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder ihrer politi-
schen Anschauungen wegen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
6.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend (vgl.
Art. 54 AsylG). Subjektive Nachfluchtgründe können zwar die Flüchtlings-
eigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG begründen, führen jedoch nach
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. dazu
BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352, m.w.H.).
D-2287/2019
Seite 12
7.
7.1 Aufgrund der Aktenlage ist es nicht auszuschliessen, dass der Be-
schwerdeführer zusammen mit anderen Personen im Rahmen einer
Gruppe von Parteilosen für die Wahlen im August 2015 kandidieren wollte,
die eingereichte Liste jedoch aufgrund eines Formfehlers abgelehnt wurde;
denn der Beschwerdeführer hat diesbezüglich detaillierte und im Wesent-
lichen widerspruchsfreie Aussagen gemacht, und seine Angaben (nament-
lich zu den Gebühren, Formerfordernissen und Folgen bei Formfehlern)
stimmen mit den anwendbaren gesetzlichen Vorgaben überein (vgl. dazu
Section 15 und 16 des Sri Lankan Parliamentary Elections Act No. 1 of
1981; vgl. http://www.commonlii.org/lk/legis/num_act/pea1o1981259).
7.2 Nicht glaubhaft ist hingegen das Vorbringen, der Beschwerdeführer sei
im Zusammenhang mit der abgelehnten Kandidatur in der von ihm darge-
legten Art und Weise von der (...) verfolgt worden. Zunächst einmal ist nicht
nachvollziehbar, weshalb die (...) deswegen den Beschwerdeführer hätte
belangen sollen. Laut Beschwerdeführer hat nicht er, sondern E._.
von der (...) Geld erhalten und sich dafür verpflichtet, für die Wahlen zu
kandidieren. E._. war zudem offenbar offizieller Gruppenführer und
damit in eigener Person verantwortlich für die formgültige Einreichung der
Wahlliste. Es ist daher nicht plausibel, dass die (...) (auch) den Beschwer-
deführer für die erfolglose Kandidatur zur Verantwortung ziehen wollte. Der
Beschwerdeführer erklärte dazu, E._. sei unmittelbar nach Verlas-
sen des Distriktbüros von einem (...)-Anhänger auf die Ablehnung der Kan-
didatur angesprochen worden, worauf er diesem gesagt habe, er (Be-
schwerdeführer) sei schuld (vgl. A14 F62). Diese Darstellung ist jedoch zu
bezweifeln, da nicht ersichtlich ist, wie die (...) derart schnell von der un-
gültigen Kandidatur hätte erfahren können. Im Weiteren ist es kaum denk-
bar, dass die Nichtteilnahme der Gruppe des Beschwerdeführers an den
Wahlen massgeblich zur Wahlniederlage der (...) beigetragen hat. Im Dis-
trikt D._ ging bei den Wahlen im Jahr 2015 die Illankai Tamil Arasu
Kachchi (welche zur TNA gehört) mit fünf Sitzen als Siegerin aus den Wah-
len hervor, die (...) erhielt einen Sitz, und ein Sitz ging an die United Nati-
onal Party (UNP), alle anderen Parteien und Gruppen gingen leer aus. Ab-
gesehen von den drei genannten Parteien beteiligten sich weitere zwölf
Parteien sowie sechs unabhängige Gruppen an den Wahlen (vgl.
https://elections.gov.lk/web/wp-content/uploads/election-results/parlia-
mentary-elections/general-election-2015.pdf). Bei dieser Sachlage er-
scheint es realitätsfremd, dass die (...) ernsthaft hätte glauben können,
dass ihr just der Formfehler der Gruppe des Beschwerdeführers den Wahl-
sieg gekostet habe. Dementsprechend muss die vom Beschwerdeführer
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Seite 13
geltend gemachte, heftige Reaktion der (...) als unplausibel bezeichnet
werden. Die Aussagen des Beschwerdeführers zu den angeblich erlittenen
Verfolgungsmassnahmen seitens der (...) enthalten zudem mehrere Unge-
reimtheiten, welche ebenfalls für die Unglaubhaftigkeit dieser Vorbringen
sprechen: In der BzP führte der Beschwerdeführer aus, zwei Tage nach
den Wahlen (d.h. am 19. August 2015) hätten einige Leute zuhause nach
ihm gesucht und dabei seinen Vater geschlagen (vgl. A4 Ziff. 7.01). In der
Anhörung erklärte er im Widerspruch dazu, die Leute seien einen Tag nach
den Wahlen, nämlich am 18. August 2015, gekommen und hätten seine
Mutter geschlagen (vgl. A14 F45, F78 und F93). Auf Vorhalt dieser Wider-
sprüche war er nicht in der Lage, diese aufzulösen (vgl. A14 F117 ff.). Er
machte ferner auch unterschiedliche Angaben zum Zeitpunkt, in welchem
er nach dem angeblichen tätlichen Angriff vom 13. Juli 2015 zu seiner Tante
gegangen sei (am folgenden Tag [A4 Ziff. 7.01] vs. in derselben Nacht [A14
F45]). In der Beschwerde bringt der Beschwerdeführer vor, die Widersprü-
che seien entstanden, weil er in der BzP dazu angehalten worden sei, sich
kurz zu fassen. Dieser Einwand überzeugt indessen nicht, da die genann-
ten Widersprüche konkrete Details betreffen und die Divergenzen nicht mit
einer Einschränkung der erzählerischen Freiheit in der BzP erklärt werden
können. Schliesslich kann auch aus den eingereichten Beweismitteln
nichts zugunsten der Glaubhaftigkeit der angeblichen Verfolgungsmass-
nahmen abgeleitet werden, da sich die Beweismittel dazu nicht äussern.
Insgesamt ist daher nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer infolge der
ungültigen Wahlkandidatur von der (...) angegriffen, mit dem Tod bedroht
und mehrfach gesucht worden ist.
7.3 Im Weiteren ist festzustellen, dass sich die angebliche Suche nach dem
Beschwerdeführer durch Anhänger der (...) auf sein Elternhaus beschränk-
ten und ihm weder während seines rund zwei Monate dauernden Aufent-
halts bei seiner – nur fünf Häuser entfernt wohnhaften (vgl. A4 Ziff. 2.01
und A14 F22 f.) – Tante noch des rund drei Monate dauernden Aufenthalts
in G._ (vgl. A4 Ziff. 2.01) etwas geschehen ist. Dies spricht eben-
falls gegen eine im Ausreisezeitpunkt bestehende konkrete und ernsthafte
Verfolgung durch die (...) respektive eine entsprechende Verfolgungsfurcht
und weist im Übrigen darauf hin, dass sich der Beschwerdeführer den an-
geblichen Nachstellungen durch die (...) ohne weiteres anstatt durch die
Ausreise aus Sri Lanka auch durch einen Ortswechsel hätte entziehen und
beispielsweise zumindest vorübergehend auch zu einem seiner Brüder
(nach D._ respektive J._) hätte ziehen können.
D-2287/2019
Seite 14
7.4 Das Vorbringen, der Beschwerdeführer sei auch seitens der (...) unter
Druck gewesen, da deren Anhänger ihn als Verräter betrachtet hätten, ist
sodann zu bezweifeln, da er dies erst in der Anhörung geltend machte,
während er in der BzP ausdrücklich erklärt hatte, er habe abgesehen von
den Problemen mit der (...) keine Schwierigkeiten mit anderen Gruppierun-
gen oder Organisationen gehabt (vgl. A4 Ziff. 7.02). Im Übrigen ist dieses
Vorbringen ohnehin nicht asylrelevant, da dem Beschwerdeführer von Sei-
ten der (...) keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG
zugefügt worden sind und mangels anderweitiger, konkreter Hinweis auch
nicht davon auszugehen ist, er habe solche zukünftig zu befürchten.
7.5 Nach dem Gesagten ist insgesamt nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer im Zusammenhang mit den Wahlen vom August 2015
von Seiten der (...) oder anderer Parteien in asylbeachtlicher Weise ver-
folgt wurde oder begründete Furcht hatte (respektive weiterhin hat), zu-
künftig deswegen einer entsprechenden Verfolgung ausgesetzt zu werden.
7.6 Es bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer im Falle seiner Rückkehr
nach Sri Lanka aus anderen Gründen flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gungsmassnahmen zu befürchten hätte.
7.6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert] unter Berücksichtigung von
zahlreichen einschlägigen Quellen eine Analyse der Situation von Rück-
kehrenden nach Sri Lanka vorgenommen und dabei verschiedene Kriterien
aufgestellt, die ein Verfolgungsrisiko begründen. Drei Faktoren wurden da-
bei als stark risikobegründend qualifiziert: eine tatsächliche oder vermeint-
liche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE (darunter fallen
auch tatsächliche oder vermutete familiäre Verbindungen zu LTTE-Mitglie-
dern und Hilfeleistungen für die LTTE [a.a.O., E. 8.4.1]), die Teilnahme an
exilpolitischen regimekritischen Handlungen sowie frühere Verhaftungen
durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusammenhang mit
einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE. Demgegen-
über würden das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente, eine zwangs-
weise respektive durch die International Organisation for Migration (IOM)
begleitete Rückführung sowie gut sichtbare Narben schwach risikobegrün-
dende Faktoren darstellen. Im Urteil wird weiter ausgeführt, von den Rück-
kehrenden, die diese Risikofaktoren erfüllten, habe allerdings nur eine
kleine Gruppe tatsächlich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten; und zwar jene Perso-
D-2287/2019
Seite 15
nen, die nach Ansicht der sri-lankischen Behörden bestrebt seien, den ta-
milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen, und deshalb eine Ge-
fahr für den sri-lankischen Einheitsstaat darstellten (a.a.O., E. 8.5.3). Mit
Blick auf die dargelegten Risikofaktoren seien in erster Linie jene Rückkeh-
rer gefährdet, deren Namen in der am Flughafen in Colombo abrufbaren
«Stop-List» vermerkt seien und deren Eintrag den Hinweis auf eine Verhaf-
tung beziehungsweise einen Strafregistereintrag im Zusammenhang mit
einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE enthalte.
Entsprechendes gelte für sri-lankische Staatsangehörige, die sich im Aus-
land regimekritisch betätigt hätten (a.a.O., E. 8.5.5).
7.6.2 Diesbezüglich ist zunächst festzustellen, dass sich der Beschwerde-
führer – abgesehen von der ungültigen Kandidatur für die nota bene regie-
rungsfreundliche (...) – in Sri Lanka nicht politisch engagiert hat und insbe-
sondere nie als Befürworter des tamilischen Separatismus in Erscheinung
getreten ist. Zudem enthalten die Akten keinerlei Hinweise darauf, dass er
oder nahe Angehörige die LTTE unterstützten, persönliche Kontakte zu
LTTE-Mitgliedern pflegten oder selber Mitglied der LTTE waren. In der
Schweiz nahm er seinen Angaben sowie den eingereichten Beweismitteln
(Fotos) zufolge im Jahr 2016 an einem (...), im November 2018 an einem
Anlass in K._, im März 2019 an einer Kundgebung in L._
sowie im Mai 2019 an einer Kundgebung in M._ teil. Gestützt auf
die eingereichten Fotos sowie mangels anderweitiger konkreter Vorbringen
ist indessen davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer lediglich als
gewöhnlicher Teilnehmer respektive Mitläufer an den fraglichen Anlässen
teilgenommen hat und ihm mithin keine besondere Funktion innerhalb ei-
ner tamilischen exilpolitischen Organisation zukommt. Er hat sich in keiner
Art und Weise als besonders engagierter und ernstzunehmender Regime-
gegner profiliert. Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen,
dass ihm – im Falle des Bekanntwerdens dieser Aktivitäten – seitens der
sri-lankischen Behörden ein überzeugter Aktivismus mit dem Ziel der Wie-
derbelebung des tamilischen Separatismus zugeschrieben würde. Die gel-
tend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten sind daher offensichtlich nicht
geeignet, das Vorliegen einer flüchtlingsrechtlich relevanten Verfolgungs-
furcht im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Aus Europa respek-
tive der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsuchende
sind ferner nicht per se einer ernstzunehmenden Gefahr ausgesetzt, bei
ihrer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu erleiden,
sondern nur dann, wenn die sri-lankischen Behörden das Verhalten der
zurückkehrenden Person mutmasslich als staatsfeindlich einstufen. Diese
Voraussetzung ist mit Blick auf die vorstehenden Erwägungen nicht erfüllt.
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Seite 16
Der Beschwerdeführer war in Sri Lanka nie inhaftiert oder gar angeklagt,
hatte auch keine anderweitigen glaubhaften und konkreten Probleme mit
den heimatlichen Behörden und war wie bereits ausgeführt nicht in rele-
vanter Weise politisch tätig. Es ist daher nicht davon auszugehen, dass er
in Sri Lanka einschlägig registriert ist oder gar auf einer Fahndungsliste der
heimatlichen Behörden steht. Aus diesen Gründen erscheint es selbst in
Anbetracht der jüngeren Lageentwicklung in Sri Lanka insgesamt unwahr-
scheinlich, dass er bei einer Rückkehr infolge seines Aufenthalts in der
Schweiz in asylrelevanter Weise gefährdet wäre.
7.7 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten Asyl-
gründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich rele-
vante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine entspre-
chende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Demnach hat die
Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft verneint und das Asylge-
such abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
Abs. 1 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
D-2287/2019
Seite 17
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
9.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
9.1.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kam-
mer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde
Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt
festgestellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe
in Sri Lanka eine unmenschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risi-
koeinschätzung im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. beispielsweise
das EGMR-Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013,
Nr. 10466/11, Ziff. 37). Die Einzelfallprüfung fällt mangels hinreichender
Anhaltspunkte vorliegend negativ aus (vgl. vorstehend E. 7). Die vom
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Seite 18
EGMR genannten Faktoren sind im Wesentlichen durch die im Referenz-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 in
den Erwägungen 8.4 und 8.5 identifizierten Risikofaktoren abgedeckt. Vor-
liegend wurde bereits festgestellt, dass aufgrund der Aktenlage nicht davon
auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr aus der
Schweiz nach Sri Lanka die Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden
in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass auf sich ziehen wird.
Demnach bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass ihm aus densel-
ben Gründen eine menschenrechtswidrige Behandlung im Heimatland dro-
hen würde. Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den
Wegweisungsvollzug im heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig
erscheinen. Dies gilt auch unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Prä-
sidentschaftswahlen von November 2019 sowie der aktuellen Entwicklun-
gen.
9.1.4 Entgegen den entsprechenden Bemerkungen in der Eingabe vom
6. April 2020 verstösst der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdefüh-
rers nach Sri Lanka auch unter medizinischen Gesichtspunkten nicht ge-
gen Art. 3 EMRK. Zwar kann gemäss Praxis des EGMR der Vollzug der
Wegweisung eines abgewiesenen Asylsuchenden mit gesundheitlichen
Problemen im Einzelfall einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK darstellen; dies
jedoch nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen (vgl. Urteil des
EGMR Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kam-
mer, 41738/10, § 183). Solche Umstände sind in der Regel zu bejahen,
wenn sich die von einer Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer
Lebensgefahr befindet, oder wenn Personen angesichts fehlender Be-
handlungsmöglichkeiten im Zielstaat dem realen Risiko einer schwerwie-
genden, raschen und irreversiblen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands ausgesetzt werden, die zu heftigen Leiden oder einer erheblichen
Reduktion der Lebenserwartung führen (vgl. dazu BVGE 2011/9 E. 7.1
S. 117 f., 2009/2 E. 9.1.3). Derartige aussergewöhnliche Umstände sind im
vorliegenden Fall offensichtlich nicht gegeben.
9.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
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Seite 19
9.2.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-
renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine Einschätzung der Lage
in Sri Lanka vorgenommen. Dabei hat es festgestellt, dass der Wegwei-
sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von be-
stimmten individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz ei-
nes tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussicht
auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann.
An dieser Einschätzung vermögen weder die Gewaltvorfälle in Sri Lanka
vom 21. April 2019 und der daraufhin bis am 28. August 2019 andauernde
Ausnahmezustand noch die Ergebnisse der Wahlen vom November 2019
oder die aktuelle Situation in Sri Lanka etwas zu ändern (vgl. dazu statt
vieler Urteil des BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3). Das SEM
hat demnach den Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers an sei-
nen Herkunftsort im Distrikt D._, Nordprovinz, zu Recht als generell
zumutbar erachtet.
9.2.2 In Bezug auf die Frage der individuellen Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs ist für den vorliegenden Fall festzustellen, dass es sich beim
Beschwerdeführer um einen heute (...)-jährigen Mann mit guter Ausbildung
handelt, welcher aus einer mittelständischen Familie stammt. Seine Eltern
sind Rentner und bewohnen ein eigenes Haus. Darüber hinaus leben zahl-
reiche weitere Verwandte in der Herkunftsregion des Beschwerdeführers,
darunter namentlich zwei Brüder sowie mehrere Onkel und Tanten. Somit
verfügt der Beschwerdeführer an seinem Herkunftsort über ein tragfähiges
soziales Beziehungsnetz sowie eine gesicherte Wohnmöglichkeit. Es ist
ihm zudem grundsätzlich zuzumuten, sich nach seiner Rückkehr nach
Sri Lanka, allenfalls mit Hilfe seiner Verwandten, eine wirtschaftliche Le-
bensgrundlage aufzubauen. Die medizinischen Probleme des Beschwer-
deführers stellen sodann kein Vollzugshindernis dar. Den eingereichten
ärztlichen Unterlagen zufolge leidet er unter einer Depression, teilweise mit
psychotischen Symptomen, und wurde deswegen (...) stationär psychiat-
risch behandelt. Gestützt auf die Eingabe vom 28. Mai 2020 ist davon aus-
zugehen, dass die Therapie anschliessend in einem ambulanten Setting
fortgeführt wurde. Aus dem ärztlichen Bericht vom 30. März 2020 geht her-
vor, dass die Depression durch die Einsamkeit des Beschwerdeführers in
der Schweiz verstärkt wird; dieser negative Faktor würde bei einer Rück-
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Seite 20
kehr zu seinen Angehörigen nach Sri Lanka wegfallen. Zudem bieten ver-
schiedene staatliche Institutionen in Sri Lanka eine ambulante psychiatri-
sche Gesundheitsversorgung an, welche er in Anspruch nehmen könnte
(vgl. dazu die Urteile des BVGers
E-6241/2018 vom 10. Juli 2020, E. 7.3.5, sowie D-6325/2018 vom 13. Juli
2020, E. 8.4.5, m.w.H.). Es ist daher davon auszugehen, dass die geltend
gemachten psychischen Beschwerden grundsätzlich auch in Sri Lanka
adäquat behandelt werden können. Dasselbe gilt für die Rückenschmer-
zen des Beschwerdeführers, gegen die er den Akten zufolge handelsübli-
che Schmerzmittel erhalten hat. Allfälligen spezifischen Bedürfnissen des
Beschwerdeführers (namentlich in Bezug auf benötigte Medikamente)
könnte sodann auch im Rahmen der medizinischen Rückkehrhilfe Rech-
nung getragen werden (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der
Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Insgesamt
ist somit nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka in eine existenzielle Notlage geraten würde, wes-
halb der Vollzug der Wegweisung auch in individueller Hinsicht als zumut-
bar zu erachten ist.
9.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch
BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–515), weshalb der Vollzug der Wegweisung
auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
Die aktuelle Corona-Pandemie steht dem Wegweisungsvollzug ebenfalls
nicht entgegen; denn es handelt sich dabei – wenn überhaupt – um ein
bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im Rahmen der Voll-
zugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist,
indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Heimatland ange-
passt wird.
9.4 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegwei-
sungsvollzug zu Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat.
Eine Anordnung der vorläufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht
(Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
D-2287/2019
Seite 21
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem jedoch das
mit der Beschwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
mit Verfügung vom 27. Mai 2019 gutgeheissen und der angeforderte Be-
dürftigkeitsnachweis mit Eingabe vom 11. Juni 2019 nachgereicht worden
ist, werden keine Verfahrenskosten erhoben.
11.2 Mit derselben Verfügung wurde ferner auch das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen. Die Festsetzung des amtlichen Honorars
erfolgt in Anwendung der Art. 8–11 sowie Art. 12 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2). In der aktualisierten Kosten-
note vom 11. Juni 2019 wird ein Aufwand von 8 Stunden sowie Auslagen
von Fr. 29.90 ausgewiesen, was angemessen erscheint. Der veran-
schlagte Stundenansatz von Fr. 270.– ist gemäss der vom Gericht festge-
legten Praxis bei amtlicher Vertretung auf Fr. 220.– zu kürzen (vgl. dazu
die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 27. Mai 2019). Dem amt-
lichen Vertreter ist demnach zu Lasten des Bundesverwaltungsgerichts ein
Honorar von insgesamt Fr. 1’790.– (nicht mehrwertsteuerpflichtig) zuzu-
sprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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