Decision ID: 4644ced0-6108-4c5a-bde5-cf63da7f4c52
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene
X._
hat eine Ausbildung zur diplomierten Pflege
fachfrau HF abgeschlossen und war von November 2007 bis 2015 als Pflegefach
frau und Berufsbildnerin bei der
A._
AG angestellt (Urk. 7/1, 7/2, 7/7 und 7/8/2). Unter Hinweis auf verschiedene psychische Probleme wie rasche Ermüdbarkeit und Panikattacken meldete sie sich am 13. Juli 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte nebst einem aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 7/7) insbesondere die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/10) sowie diverse Arztberichte (Urk. 7/13 f., 7/16) ein. Überdies gab sie bei Dr.
B._
, Fachärztin
FMH
für Psy
chiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches am 6. Juni 2016 vorgelegt wurde (Urk. 7/22). Nachdem die IV-Stelle der Ver
sicherten mit Vorbescheid vom 17. November 2016 die Zusprechung einer ganzen Invalidenrente ab Januar 2016 in Aussicht gestellt hatte (Urk. 7/30), verfügte sie am 23. Juni 2017 in diesem Sinne (Urk. 7/38 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 22. Juli 2017 Beschwerde mit dem sinnge
mässen Rechtsbegehren,
die angefochtene Verfügung sei dahingehend zu korri
gieren, als ihr ein höherer monatlicher Rentenbetrag zuzusprechen sei
(Urk. 1).
Mit Schreiben
vom 26. September 2017 verzichtete die IV-Stelle auf eine Stellungnahme (Urk. 6), worüber die Versicherte mit Verfügung vom 28. Sep
tember 2017 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 8). Mit Beschluss vom 31. August 2018 wurde sie vom hiesigen Gericht auf eine
mögliche Schlechter
stellung im Urteilsfall hingewiesen (
reformatio
in
peius
; Urk. 9). Mit Eingabe vom
29. September
2018
hielt die Versicherte an ihren Anträgen fest (Urk. 11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinwe
isen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 23. Juni 2017 zog die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen in Erwägung, gemäss den Abklärungen sei der Versicherten keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar, weshalb ein Invaliditätsgrad von 100 % vorliege.
Ab Januar 2016 - sechs Monate nach Geltendmachung des Anspruchs - bestehe Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung (Urk. 2 S. 3).
2.2
Mit Beschwerdeschrift vom 22. Juli 2017
machte die Versicherte
zusammen
gefasst
geltend, der ihr monatlich zugesprochene Rentenbetrag sei zu tief ausge
fallen
(Urk.
1)
.
Diese Auffassung vertrat sie ebe
nso in ihrer Stellungnahme vom
29. September 2018. Sie sei nicht bloss leicht depressiv und kämpfe nach wie vor mit ihrer Erkrankung. Die ihr zugesprochene
Invalidenr
ente reiche zur Bestrei
tung des Lebensunterhalts nicht aus (Urk. 11).
2.3
Mit der verfügungsweisen Zusprechung einer unbefristeten Invalidenrente wird ein durch die Anspruchsberechtigung an sich sowie die Höhe und den Beginn der Leistung bestimmtes Rechtsverhältnis geordnet. Werden lediglich einzelne Ele
mente der Rentenfestsetzung wie beispielsweise der Invaliditätsgrad oder der Rentenbeginn
beanstandet, bedeutet dies nicht, dass die unbestrittenen Teilas
pekte in Rechtskraft erwachsen und demzufolge der richterlichen Überprüfung entzogen sind. Die Beschwerdeinstanz prüft vielmehr von den
Verfahrensbetei
ligten nicht aufgeworfene Rechtsfragen und nimmt allenfalls selber zusätzliche Abklärungen vor (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen).
Nach der im Zeitpunkt des Erlasses der rentenzusprechenden Verfügung mass
geblichen bundesgerichtlichen Rechtsprechung fielen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, bereits diagnosebedingt einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent waren (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3 mit Hin
weis sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_753/2016 vom 1
5.
Mai
2017 E. 4.4). Gemäss aktueller bundesgerichtlicher Praxis
ist
d
ie Aner
kennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades
überdies in Bezug auf grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden
nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren
(vgl. BGE 141 V 281 E. 6)
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbe
lastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 und 143 V 418 E. 7.2).
3.
3.1
Nachdem der Beschwerdeführerin seitens ihr
er behandelnden Ärztin Dr. C._
, Praktische Ärztin, bereits seit September 2014 eine hochgra
dig einschränkte Arbeitsfähigkeit attestiert worden war (vgl. Urk.
7/10/2 ff.), begab sie sich
vom 8. Dezember 2014 bis 17. Januar 2015 in der
Klinik
D._
in stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung. Dem Austrittsbericht vom 3. Februar 2015 sind folgende Diagnosen zu entnehmen (Urk. 7/14/5):
-
mittelgradige depressive
Episode
(ICD-10 F32.1) im Rahmen einer multi
faktoriellen Belastungssituation (ICD-10 Z56, Z60, Z61, Z63) mit Erschöp
fungssyndrom (ICD-10 Z73) auf dem Boden von akzentuierten Persön
lichkeitszügen (ICD-10 Z73.1),
-
Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0),
-
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom linksbetont mit muskulärer
Dysba
lance
(ICD-10 M54.94, M79.61),
-
arterielle Hypertonie (ICD-10 I11.9), medikamentöse Behandlung seit 2013, hierunter
normotone
Blutdruck- und Herzfrequenzwerte.
Die Versicherte habe von einer bereits länger dauernden und seit September 2014 zunehmenden multiplen Belastungssituation im beruflichen und sozialen Kontext berichtet. In den letzten Monaten sei es wiederkehrend zu Panikattacken mit Zittern, Atemnot und Druck im
Thoraxbereich
gekommen (Urk. 7/14/6).
Zu Beginn der Therapie habe die Versicherte ein ausgeprägt ängstlich-depressives Zustandsbild mit hoher innerer Anspannung, Antriebslosigkeit sowie einem deut
lich verminderten Selbstwert und Existenzängsten gezeigt. Ferner sei sie deutlich bestimmend und um Kontrolle bemüht gewesen. Aufgefallen seien insbesondere auch ein stark erschöpfter Gesamteindruck,
eine schwer spürbare Affektlage mit eingeschränkter Schwingungsfähigkeit, eine eingeschränkte Konzentrations
fähigkeit sowie eine hohe Antriebsminderung. Hinweise auf Bewusstseins- oder inhaltliche Denkstörungen hätten sich ebenso wenig ergeben wie für soziale oder spezifische Phobien. Suizidale Gedanken seien verneint worden (Urk. 7/14/7 f.).
Bei Klinikaustritt habe ein gebessertes Zustandsbild vorgelegen, obgleich sich bei der Versicherten infolge eines selbst auferlegten Drucks zur raschen beruflichen Wiedereingliederung eine ausgeprägte Unruhe und Anspannungszustände mit Erwartungs- und Bewertungsängsten gezeigt hätten.
Der berufliche Wiederein
stieg sei frühestens im Februar 2015 mit einem reduzierten Pensum von 20 % einzuleiten, wobei eine langsame Steigerung je nach gesundheitlichem Zustand in Absprache mit der Hausärztin erfolgen sollte (Urk. 7/14/5).
3.2
Dr. E._
, Fachärztin
FMH
für Kinder- und Jugendpsychiatrie,
stellte
mit Bericht vom 8. September 2015 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/13/1):
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung bei multifaktorieller Belas
tungssituation (ICD-10 43.1, Z56, Z61, Z63, Z73),
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0),
-
akzentuierte Pers
önlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1).
Die Versicherte sei aktuell wenig belastbar und fühle sich rasch überfordert. Es bestehe ein Wechsel zwischen
Nervosität,
Erschöpfung, Anspannung,
Zukunfts
sorgen sowie
Trauer über mangelnde soziale und familiäre Kontakte
. Ferner liege eine Tendenz zu hohen Selbsterwartungen und Stressanfälligkeit vor.
Aus medi
zinischer Sicht sei die
Tätigkeit als Pflegefachfrau Psychiatrie
ab 2016 zu 20 % zumutbar mit späterer Steigerung bis zu 50 %. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit in einem relativ
ruhigen, wohlwollenden Umfeld sei an zwei bis drei Stunden pro Tag möglich (Urk. 7/13/2 f.).
3.3
Dr.
B._
stellte in ihrem psychiatrischen Gutachten vom 6. Juni 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/22/6):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11),
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01).
Im Rahmen der Exploration habe die Versicherte von einer unschönen Kindheit und familiären Schwierigkeiten berichtet.
Sie leide sehr darunter, dass der Kon
takt zu ihren beiden erwachsenen Kindern so schlecht sei. Ihre aktuellen gesund
heitlichen Probleme hätten vor etwa drei bis vier Jahren begonnen, ohne ein eigentliches auslösendes Ereignis. Sie habe bereits seit vielen Jahren als Pflegerin in der geschlossenen Station einer psychiatrischen Klinik gearbeitet. Die Arbeits
situation sei aufgrund häufige
n
Personalwechsels,
konflikthafter
Zusammen
arbeit sowie mangelnder Leistungsanerkennung unbefriedigend gewesen. Sie habe begonnen unter Schlafstörungen sowie Gedankenkreisen zu leiden und habe sich gestresst gefühlt.
An einer Teamsitzung habe sie dann eine Panikattacke erlitten. Nach der stationären Behandlung in einer psychiatrischen Klinik habe sie versucht, mit einem stark reduzierten Pensum
(20 %)
wieder in
ihren Beruf
einzusteigen
, was für sie sehr schwer gewesen sei. Das Arbeitsverhältnis sei dann unerwartet vom Arbeitgeber gekündigt worden.
Im Moment könne sie sich über
haupt nicht vorstellen, wieder einer Arbeit nachzugehen. Sie habe einen einiger
massen geregelten Tagesablauf und mache den Haushalt, wenn sie Energie dafür habe. Administrative Angelegenheiten schaffe sie gerade so. Sie habe wenig soziale Kontakte, wobei sie sich eigentlich mehr wünsche.
Hobbies habe sie noch nie richtig gehabt. Ihr Gewicht habe sich wieder normalisiert. Sie schlafe mittler
weile auch wieder besser und habe gelernt, ihre kreisenden Gedanken abzuschal
ten. Sie fühle sich aber nach wie vor dünnhäutig. In geschlossenen Räumen oder unter vielen Menschen fühle sie sich unwohl und gerate in Panik, was aber schon mehr oder weniger immer der Fall gewesen sei. Im Weiteren sei sie zerfahren, wobei vor circa zwei Jahren ein Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) diag
nostiziert worden sei
(Urk. 7/22/3 f.)
.
Zum Gespräch sei die Versicherte etwas aufgewühlt und mässig gepflegt erschie
nen. Sie habe leicht fahrig gewirkt und einen lockeren, eher kollegialen Umgangs
ton gepflegt, was in der Untersuchungssituation teilweise unangepasst gewirkt habe. Sie sei jedoch bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen.
Hinsichtlich der
Konzentration seien Schwankungen aufgetreten; ferner seien die Aufmerk
samkeit leicht sprunghaft und das Gedächtnis nicht immer genau und lückenlos gewesen. Das formale Denken habe zwar etwas ungeordnet, sprunghaft und weit
schweifig imponiert, der Gedankengang sei jedoch kohärent und von normalem Tempo gewesen. Anhaltspunkte für Wahn, Zwang, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen hätten sich nicht ergeben.
Im Affekt sei die Explorandin
zum einen
wenig spürbar
und teils
parathym
gewesen. Sie habe zudem angespannt, sehr wechselhaft, betont sorglos, souverän und distanziert gewirkt. Zum anderen sei sie allerdings durchaus spürbar deprimiert und ratlos, aber auch schwingungsfä
hig gewesen. Es scheine, als ob sie eine Fassade aufrechterhalte. Nebst einer inneren Unruhe bestünden ein verminderter Antrieb und eine reduzierte Vitalität.
Ausserdem lägen nebst Scham eine Perspektivlosigkeit sowie ein teilweiser sozialer Rückzug vor. Der Schlaf habe sich mittlerweile normalisiert. Hinweise auf eine Fremd- oder Selbstgefährdung
oder auf Symptome einer posttrauma
tischen Störung
hätten sich nicht eruieren lassen
(Urk. 7/22/5)
.
Vor diesem Hintergrund gelangte Dr.
B._
zur Auffassung, dass die Versicherte aufgrund verschiedener belastender Lebensereignisse seit vielen Jahren unter einer rezidivierenden depressiven Störung
- gegenwärtig mittelschwer ausgeprägt -
leide.
Angefangen habe dies mit einer schwierigen Kindheit, welche durch eine autoritäre Erziehung geprägt gewesen sei. Im Weiteren seien insbe
sondere der frühe Tod der beiden Geschwister sowie die schwierige Scheidung mit jahrelangem Kampf um das Sorgerecht
für die
beiden Kinder von
Bedeutung
. Auch im Zusammenhang mit der Belastung durch die Abschlussprüfungen zur Pflegefachfrau habe die Versicherte psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Die aktuelle Störung habe sich als Überlastungsreaktion bei Belas
tungen sowohl an der Arbeitsstelle als auch durch unbefriedigenden Kontakt zu den beiden erwachsenen Kindern sowie ein fehlendes soziales Umfeld entwickelt. Es sei zudem zu Panikattacken, sozialem Rückzug und Grübeln gekommen.
Auf die unerwartete Kündigung durch den Arbeitgeber habe die Explorandin erneut mit Kränkung, Depression und Ängsten reagiert.
Konkrete Hinweise für eine
Traumafolgestörung
gemäss den Kriterien der ICD-10 hätten sich
indes
nicht ergeben.
Abgesehen von der depressiven Störung liege eine Agoraphobie vor, welche sich in Vermeidungsverhalten sowie in Panikattacken äussere. Diese Stö
rung sei jedoch nicht mehr so stark ausgeprägt; so
sei
die Versicherte in der Lage, den öffentlichen Verkehr zu benutzen oder ihre Therapeuten selbständig aufzu
suchen.
Aktuell sei die Versicherte aber sowohl in den alltäglichen als auch den sozialen Aktivitäten erheblich eingeschränkt und verlangsam
t (Urk. 7/22/5 f.).
Für die sehr anspruchsvolle und belastende Tätigkeit als Pflegefachfrau Psychi
atrie sie die Versicherte wahrscheinlich dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig
. Es sei nicht zumutbar, dass jemand mit eigenen psychischen Problemen Verantwortung für andere psychisch Kranke übernehme. Es bestünde die Gefahr wiederholter Überforderung mit psychischer respektive depressiver Dekompensation. Für weniger belastende Tätigkeiten im Pflegebereich - etwa in einer somatischen Tagesklinik mit ambulanten Behandlungen - bestehe jedoch ab dem Zeitpunkt der Begutachtung eine rund 25%ige Arbeitsfähigkeit. Voraussetzung dafür bilde, dass die Versicherte die psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung fortsetze. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sollte im Verlauf eines Jahres mög
lich sein, wobei nicht vorhersehbar sei, wie hoch die Arbeitsfähigkeit schliesslich ausfalle.
Auch andere Tätigkeiten im Bereich der Pflege sowie in anderen beruf
lichen Bereichen seien derzeit zu circa 25 % zumutbar. Dabei sollte die Ver
sicherte Schwierigkeiten ansprechen können, keinen ununterbrochenen Kunden
kontakt aufrechterhalten und nur zeitweise Teamarbeit leisten müssen. Es sollte überdies ein klar abgegrenzter Aufgabenbereich vorhanden sein. Die Versicherte sollte nicht die Verantwortung für die Planung übernehmen müssen und vorläu
fig sollte sie ohne übermässigen Zeitdruck arbeiten können (Urk.
7/22/7).
4.
4.1
Im
Beschluss vom 31. August 2018
(Urk. 9)
wurde festgehalten, dass das
Gericht
an die Begehren der Parteien nicht gebunden ist. Es kann eine Verfügung zu Ungunsten der Beschwerde führenden Person ändern (
reformatio
in
peius
) oder dieser mehr zusprechen, als sie verlangt hat, wobei den Parteien vorher Gelegen
heit zur Stellungnahme und zum Rückzug der Beschwerde zu geben ist (Art. 61
lit
. d ATSG und § 25 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
], vgl. auch BGE 122 V 166 E. 2b).
Eine
reformatio
in
peius
setzt nicht voraus, dass der angefochtene Entscheid zweifellos unrichtig und dessen Korrektur von erheb
licher Bedeutung ist (BGE 144 V 153 E. 4.2.4).
Ob
schon
die Beschwerdeführerin nur die Höhe des ihr zugesprochenen monat
lichen Rentenbetrags beanstandet
hat
, steht dies
demnach
einer grundlegenden Prüfung des Rentenanspruchs durch das Gericht
nicht entgegen, zumal
ihr
die Möglichkeit
eingeräumt worden
war
, hierzu Stellung zu nehmen
beziehungsweise
die Beschwerde zurückzuziehen (vgl. Urk. 9).
4.2
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
B._
vom 6. Juni 2016 diente massgeblich als medizinische Grundlage für die angefochtene Verfügung
. Die Expertise basiert auf umfassenden psychiatrischen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der
Vorakten
erstellt (Urk. 7/22/1 ff.). Die Beschwerdeführerin konnte gegenüber der
Sachverständigen
sowohl
ihre
Kra
nkheitsgeschichte als auch ihre
aktuellen
Beschwerden
und den
gewöhnlichen Tagesablauf schildern (Urk. 7/22/3 f.) Die geklagten Leiden fanden im Rahmen der Feststellung der Diagnosen Berücksich
tigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
erläutert
wurden. Soweit möglich erfolgte zudem eine Auseinandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (Urk.
7/22/5 ff.).
Insgesamt erfüllt das psychiatrische Gutachten somit die forma
len Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E. 1.4).
4.3
Dr.
B._
erachtete
die Versicherte für die
zuletzt ausgeübte
Tätigkeit als Pflege
fachfrau Psychiatrie als
bis auf weiteres -
aber
wahrscheinlich dauerhaft
-
nicht mehr arbeitsfähi
g. Die in diesem Zusammenhang von ihr angeführte Begründung vermag zu überzeugen. So ist
naheliegend, dass d
er direkte Umgang mit psychi
schen Problemen anderer Personen
grosse Anforderungen an die eigene
geistige
Ausgeglichenheit stellt und eine grosse Belastbarkeit voraussetzt.
Da die Beschwerde
führerin selbst unter psychischen Problemen leidet, ist in der Tat von einer erheblichen Gefahr wiederholter Überforderung mit depressiver Dekompen
sation auszugehen, weshalb diese Tätigkeit
zumindest aktuell mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
als nicht mehr
zumutbar erscheint (vgl. Urk. 7/22/7).
4.4
4.4.1
Zu prüfen bleibt,
ob auch
auf
die von Dr.
B._
für
Tätigkeiten als Pflegefachfrau in einem weniger fordernden Arbeitsbereich
sowie für andere Verweistätigkeiten attestierte Arbeitsfähigkeit von 25 % abgestellt werden kann (Urk. 7/22/7). In diesem Zusammenhang ist vorab festzuhalten, dass das Bundesgericht
in zwei Entscheiden vom 30. November 2017
erkannt hat, dass nunmehr grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (BGE 143 V 409, 143 V 418).
In intertemporal
rechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechts
staatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss
altem Verfahrens
standard eingeholte Gutach
ten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobe
nen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinn
gemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anfor
derungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistra
tiven und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklä
rungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Diese Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) andererseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.3). Die Anerkennung eines rentenbe
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der
medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest)
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; 141 V 547 E. 2).
4.4.2
Zum Komplex
„
Gesundheitsschädigung
“
ist anzumerken, dass die im Rahmen der Begutachtung erhobenen objektiven Befunde nicht auf einen ausgeprägten Schweregrad der psychischen Erkrankung schliessen lassen.
Zwar
pflegte die Ver
sicherte einen der Untersuchungssituation teilweise unangepassten Umgangston. Ferner konnten insbesondere eine schwankende Konzentration und ein etwas ungeordnetes, sprunghaften formales Denken
sowie ein reduzierter Antrieb und eine verminderte Vitalität
festgestellt werden.
Zudem zeigte sich die Beschwerde
führerin im Affekt sehr wechselhaft. Demgegenüber war sie aber auch
durchaus schwingungsfähig,
bewusstseinsklar und allseits orientiert. Der Gedankengang war kohärent und von normaler Geschwindigkeit. Anhaltspunkte für inhaltliche Denkstörungen ergaben sich ebenfalls nicht.
Im Vergleich zu den Angaben im Bericht der
Klinik
D._
vom 3. Februar 2015 fiel die Versicherte auch nicht mehr durch eine starke Erschöpfung
oder
eine hohe Antriebsminde
rung auf (vgl. E. 3.1).
Ferner hatten sich der Schlaf sowie der Appetit normalisiert.
Hinweise auf Fremd- oder Selbstgefährdung fanden sich ebenfalls nicht (vgl. zum Ganzen Urk. 7/22/4 f.).
Massgeblich ins Gewicht fällt im Weiteren, dass ein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden nach wie vor nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig
in
psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1 mit Hinweis).
Im Zuge der
Begründung der von ihr gestellten Diagnosen
-
namentlich der rezidivierenden depressiven Störung -
verwies Dr.
B._
ausführlich
auf die belastenden Lebensereignisse der Ver
sicherten, die oft
mals zur Folge gehabt hätten, dass diese sich in psycho
therapeutische Behand
lung begeben habe
. Solche Ereignisse hätten unter anderem die schwierige Kind
heit, der frühe Tod der beiden Geschwister, die belastende Scheidung mit jahre
langem Sorgerechtsstreit um die beiden Kinder, die Belastung durch die Abschlussprüfungen zur Pflegefachfrau sowie die Überforderung im Rahmen der
zuletzt ausgeübten
beruflichen Tätigkeit mit schliesslich unerwarteter Kündigung dargestellt (Urk. 7/22/5 f.
; vgl. zudem Urk. 7/14/
5 f.
).
Aufgrund der erheblichen Ausprägung dieser psychosozialen Faktoren ist somit fraglich, ob überhaupt von einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden
gesprochen
werden kann.
Jedenfalls wird dieser Gesichtspunkt im Rahmen der Gesamtwürdigung der Indikatoren (vgl. E. 4.
4.
5) zu berücksichtigen sein.
Betreffend
den Indikator
der Behandlungsresistenz ist darauf hinzuweisen, dass
das definitive Scheitern von Therapien nicht ausgewiesen ist. Sowohl die Gut
achterin als auch die behandelnden Ärzte gingen davon aus, dass sich der psy
chische Gesundheitszustand
der Versicherten durch eine
Fortsetzung der
psycho
therapeutische
n
und medikamentöse
n
Behandlung
positiv beeinflussen lasse (vgl. Urk. 7/13/2 f., 7/14/5 und 7/22/7).
Eine Eingliederungsresistenz liegt ebenfalls nicht vor. Die Versicherte hat zwar nach dem stationären Klinikaufenthalt im Dezember 2014 respektive Januar 2015 versucht, wieder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Pflegefachfrau Psychiatrie Fuss zu fassen, worauf jedoch nach nur wenigen Wochen die Kündigung seitens der Arbeitgeberin ausgesprochen wurde (vgl. Urk. 7/8/2, 7/22/4).
Trotz des Umstands, dass von ärztlicher Seite seit Jahren eine angepasste Tätigkeit in einem geringen - aber steigerungsfähigen - Pensum für zumutbar erachtet w
ird
(vgl. Urk. 7/10/17, 7/10/20, 7/10/22, 7/10/25, 7/13/3 und 7/22/7), unternahm die Versicherte - soweit ersichtlich
–
noch
keine Anstrengungen zur Selbsteingliederung und sah sich nicht in der Lage, an Integrationsmassnahmen teilzunehmen (vgl. Urk. 7/26/4).
Hinsichtlich der Komorbiditäten ist zu
bemerken, dass
dem psychiatrischen Gut
achten keine Hinweise
für relevante Wechselwirkungen zwischen der depressiven Störung und der
Agoraphobie zu entnehmen sind, was denn auch nicht naheliegt.
Die Agoraphobie wurde s
eitens der Gutachterin überdies
als leicht ausgeprägt eingestuft, da die Versicherte beispielsweise in der Lage ist, den öffentlichen Ver
kehr zu benutzen und ihre Therapeuten selbständig aufzusuchen (Urk. 7/22/6). Zudem gab die Versicherte an, sich in geschlossenen Räumen oder unter vielen Menschen schon mehr oder weniger immer unwohl gefühlt zu haben
(Urk. 7/22/4), wobei sich keine
Anzeichen
dafür
ergeben, dass infolge dessen ihre Erwerbsfähigkeit
wesentlich
beeinträchtigt gewesen wäre.
Ebenso wenig
sind
im Übrigen
Anhaltspunkte für
körperliche Begleiterkrankungen
ersichtlich
(vgl. dies
bezüglich Urk.
7/10/29 f.,
7/14/3
und
7/14/7)
, welche die psychischen Beschwer
den negativ zu beeinflussen vermögen
.
4.4.3
In Bezug auf den Komplex
„
Persönlichkeit
“
ist festzuhalten, dass
sich dem psy
chiatrischen Gutachten keine Anhaltspunkte für eine auffällige Persönlich
keits
struktur entnehmen lassen.
Weder wurde eine Persönlichkeitsstörung diag
nos
tiziert, noch konnten die von Dr.
E._
festgestellten akzentuierten Persönlich
keitszüge (vgl. E. 3.2) bestätigt werden.
Abgesehen davon vermögen Letztere ohnehin keinen
rechtserheblichen Gesundheitsschaden zu begründen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1).
4.4.4
Zum Komplex
„
Sozialer Kontext
“
geht aus den Akten hervor, dass die Beschwer
deführerin vergleichsweise wenig soziale Kontakte pflegt.
Sie lebt derzeit in kei
ner Beziehung, i
hre Eltern und Geschwister sind bereits verstorben und zu ihren erwachsenen Kindern besteht infolge eines Sorgerechtsstreits
in den 90er-Jahren
keine intensive Beziehung (Urk. 7/22/3 ff.)
.
Im Standortgespräch vom 21. August 2015 gab die Versicherte demgegenüber jedoch an, mit ihrem Sohn
(einiger
massen)
und
mit guten
Kolleginnen
in Kontakt zu stehen
(Urk. 7/8/3). Insgesamt zeigt sich, dass die Beschwerdeführerin über kein grosses soziales Netzwerk ver
fügt, welches potentiell mobilisierbare Ressourcen enthalten würde. Zu berück
sichtigen ist
aber auch
, dass die Versicherte bereits vor Eintritt des Gesundheits
schadens vergleichsweise wenig soziale Kontakte ausserhalb des Arbeitsumfeldes pflegte und insofern nicht von einem
primär
krankheitsbedingten sozialen Rück
zug gesprochen werden kann (vgl. Urk. 7/22/6).
4.4.5
Zur Kategorie
„
Konsistenz
“
ist schliesslich festzuhalten, dass
die Versicherte therapeutische Optionen in Form von Psycho- und Maltherapie jeweils einmal wöchentlich in Anspruch nimmt. Darüber hinaus greift sie auf Psychopharmaka zurück (Urk. 7/22/4 f.). Angesichts dieser Umstände ist ein gewisser Leidensdruck nachvollziehbar. D
ie Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, wonach ihr eine Arbeitstätigkeit nicht zumutbar sei (vgl. Urk. 7/22/4, 7/26/3 f.),
ist
mit ihrem Alltagsverhalten
allerdings
nicht vereinbar.
Wenngleich sie die anfallenden Haushaltsarbeiten gemäss eigenen Angaben nur etappenweise ausführen kann
,
ist sie weder in diesem Zusammenhang noch in Bezug auf die administrativen Belange auf Dritthilfe angewiesen. Sie verfügt darüber hinaus über eine geregelte Tagesstruktur, schaut fern, kocht, erledigt Einkäufe und
nimmt Therapien wahr. Bis z
um Tod ihrer Mutter übernahm die Versicherte
ausserdem deren Buchhaltung und
sie pflegt Kontakt zu guten Kolleginnen
. Hobbys ging sie bereits vor Eintritt der psychischen
Erkrankung
nicht nach
(vgl. zum Ganzen Urk. 7/8/3, 7/22/4).
4.
4.6
Zusammenfassend ergibt sich aus der Prüfung der Standardindikatoren und deren Gesamtwürdigung, dass die Beschwerdeführerin bei Ausschöpfung ihrer vorhan
denen Ressourcen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in der Lage ist, eine leidensangepasste Tätigkeit - wozu auch die angestammte Tätigkeit als Pflege
fachfrau gehört, sofern der Arbeitsbereich nicht
die Pflege psychisch erkrankter Personen umfasst - in leistungsausschliessendem Ausmass zu verrichten.
Es ist daran zu
erinnern, dass grundsätzlich nur schwere psychische Störungen invali
disierend sein können (BGE 143 V 418 E. 5.2.2). Gegen das Vorliegen einer solchen Erkrankung
sprechen
im konkreten Fall
nebst den
erheblichen invalidi
tätsfremden psychosozialen Belastungsfaktoren insbesondere die fehlende Behandlungs- und Eingliederungsresistenz, die weitgehend unauffällige
n
Persön
lichkeits
merkmale sowie die erhaltene Tagesstruktur. Sowohl das Aktivitäts
niveau der Beschwerdeführerin
in persönlichen Belangen
wie auch das soziale Beziehungsnetz
erweisen sich
zwar
als
vergleichsweise klein. Dies ist allerdings
in erster Linie
nicht auf die psychische Erkrankung zurückzuführen, sondern war bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens der Fall.
Insgesamt ist ein
rechts
genüglicher
Bezug zwischen den gestellten Diagnosen und deren funktionellen Auswirkungen im Sinne einer eingeschränkten Arbeitsfähigkeit mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nicht ausgewiesen, weshalb die materi
ell beweisbelastete
Beschwerdeführerin
die Folgen zu tragen hat (vgl. E. 4.4.1).
5.
Nach dem Gesagten hat
die Beschwerdegegnerin der Versicherten
mit Verfügung vom 23. Juni 2017 (Urk. 2)
zu Unrecht eine Rente der Invali
denversicherung zugesprochen
. Es erübrigt sich folglich, auf die von der Beschwerdeführerin in Bezug auf die Höhe der monatlichen Rentenbeträge erhobenen Rügen näher ein
zugehen. Die Beschwerde ist
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
mit der Feststellung abzuweisen, dass die Versicherte keinen Rentenanspruch hat.
6
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.