Decision ID: f8581e50-8fb4-4f71-b1e2-8eb4ae80c267
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Urs Müller, Toggenburgerstrasse 61, Postfach
336, 9501 Wil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente und berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
A.a Die 1972 geborene L._ meldete sich am 4./6. Mai 2009 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an und beantragte namentlich eine Rente. Sie sei
1989 in die Schweiz gekommen und zuletzt in Stickereien tätig gewesen. Gegenwärtig
sei sie (seit Juni 2003) ebenfalls in einer Stickerei angestellt. Seit August 2007 sei sie
arbeitsunfähig. Sie leide an einem Bandscheibenvorfall und die Muskeln und Nerven
ihrer linken Seite seien zu schwach; nun habe das Gleiche auch noch auf der rechten
Seite begonnen.
A.b Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt in einem
Protokoll vom 14. Mai 2009 (IV-act. 9) über ein Gespräch mit dem Arzt A._ fest, die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten sei durch eine Diskushernie der Halswirbelsäule mit
degenerativen Veränderungen beeinträchtigt. Sie könnte aber noch an acht Stunden
pro Tag leichte bis mittelschwere Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne
Zwangshaltungen der Wirbelsäule und ohne Überkopfarbeiten ausüben. Gegen einen
sofortigen Beginn der Wiedereingliederung spreche allerdings, dass abgewartet
werden sollte, ob sich bei einer Abklärung auf der Klinik für Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen eine Operationsindikation ergebe. Am 15. Mai 2009 (IV-act. 11)
wurde vorgesehen, ein Triagegespräch mit der Eingliederungsberatung zu führen.
A.c Die Arbeitgeberin erklärte am 26. Mai 2009 (IV-act. 18), die Versicherte sei von
Juni 2003 bis 31. Juli 2009 (gleichzeitig letzter Arbeitstag) als Mitarbeiterin an der
Produktionsmaschine angestellt gewesen. Seit Februar 2009 habe sie an der
Mustermaschine leichtere Arbeit verrichtet. Seit dem 21. August 2007 sei sie
verschiedentlich arbeitsunfähig gewesen. Nach mehreren Umplatzierungen an andere
Maschinentypen sei festgestellt worden, dass die Belastung an den kleineren
Mustermaschinen für die Versicherte am geringsten sei, weil dort die repetitiven
Arbeiten kürzer seien und mehr Abwechslung gegeben sei. Die Kündigung sei wegen
der Verschlechterung der Auftragslage erfolgt. Es sei denkbar, dass die Versicherte in
Teilzeit an den Mustermaschinen beschäftigt würde, da sie zu den besten
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Mitarbeiterinnen gehöre und sie (die Arbeitgeberin) mit ihrer Arbeitsleistung sehr
zufrieden sei.
A.d Hausarzt A._ ergänzte das RAD-Gesprächsprotokoll am 4. Juni 2009 (IV-
act. 19) insofern, als auch ein chronisches muskuloligamentäres Schmerzsyndrom
Schulter-/Nackenbereich (mit Armschmerzen) linksbetont vorliege. Beigelegt war unter
anderem ein Bericht der Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom
7. Mai 2009, wonach eine cervicale Diskushernie HWK6/7 mit sensomotorischem
Ausfallsyndrom C7 links und eine Cervicobrachialgie rechts mit sensorischem
Ausfallsyndrom am ehesten C6-Dermatom vorlägen. Die Versicherte sei gegenwärtig
zu 100 % arbeitsunfähig. Am 30. September 2008 hatte Dr. med. B._, Facharzt für
Neurologie, über das Schmerzsyndrom im Schulter-/Nackenbereich und eine
Adipositas per magna berichtet. Ihren bisherigen Beruf, der eine für sie höchst
ungünstige Arbeitshaltung mit angehobenen Armen erfordere, werde sie
wahrscheinlich nicht mehr ausüben können. Aus neurologischer Sicht sei die
Versicherte hingegen für leichte Arbeiten in Wechselhaltung uneingeschränkt
arbeitsfähig. Es werde schwierig sein, sie wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren;
zu empfehlen wäre eine Reduktion auf eine Tätigkeit von 50 %. Begleitend bestehe
wahrscheinlich ein depressives Syndrom. Gemäss einem Bericht vom 10. Januar 2008
hatte Dr. med. C._, Innere Medizin/Rheumatologie FMH (bzw. Dr. med. D._,
Fachärztin für Rheumatologie FMH, als seine Stellvertreterin), im Wesentlichen ein
linksbetontes cervico-spondylogenes und thorakales Schmerzsyndrom; Arthralgien
beider Handgelenke, Myotendinosen gluteal links und eine mediale Bandreizung Knie
links; eine rezidivierende Epicondylopathia humeri radialis et ulnaris mit
intermittierendem Sulcus-ulnaris-Syndrom; eine Anämie; unklar erhöhtes CRP und
BSR; und Adipositas diagnostiziert. Die Beschwerden seien erklärt. Die
Arbeitsfähigkeitseinschätzung sei zunächst bei 50 % zu belassen und bei klinisch
günstigem Verlauf nach etwa vier bis sechs Wochen auf 70 % zu steigern.
A.e Im IV-Arztbericht vom 29. Juni 2009 (Eingang Sozialversicherungsanstalt; IV-
act. 20) gab die Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen als Diagnose eine
Cervicobrachialgie bei Diskushernie C6/7 an. In ihrer Tätigkeit sei die Versicherte seit
dem 5. Juni 2009 zu 100 % arbeitsunfähig. Ein Wechsel in eine Tätigkeit mit weniger
manueller Beschäftigung begünstige die Eingliederung.
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A.f Dem Frühinterventions-Ergebnis-Protokoll nach Assessmentgespräch vom
14. Oktober 2009 (IV-act. 27; vgl. auch Aktennotiz des RAD vom 14. Oktober 2009, IV-
act. 28) ist zu entnehmen, dass die Versicherte berichtet habe, es gehe ihr sehr
schlecht. Es stehe noch eine medizinische Untersuchung aus. Beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) habe sie sich nicht angemeldet, weil sie sich
subjektiv nicht arbeitsfähig fühle. Sie sehe im Moment auch keine
Eingliederungsmöglichkeiten in einem Einsatzprogramm oder im geschützten Rahmen.
Es bestehe weder ein Renten- noch ein Umschulungsanspruch, aber Anspruch auf
Arbeitsvermittlung. Dem Assessment-Protokoll vom 24. September 2009 (IV-act. 29)
war unter anderem zu entnehmen gewesen, dass die Versicherte einen leicht
depressiven Eindruck gemacht habe. Sie könnte sich eine psychotherapeutische
Behandlung für sich vorstellen.
A.g Mit zwei Vorbescheiden vom 1. Dezember 2009 (IV-act. 32 bis 35) wurde der
Versicherten eine Abweisung bezüglich ihres Anspruchs auf berufliche Massnahmen
(subjektiv nicht arbeitsfähig) und auf eine Rente (keine invaliditätsbedingte
Erwerbseinbusse) in Aussicht gestellt.
A.h Die Versicherte liess am 28. Dezember 2009 (IV-act. 36) einwenden, sie betrachte
sich nicht als komplett arbeitsunfähig, wäre aber auch in einer angepassten Tätigkeit
nicht voll arbeitsfähig. Ausserdem müsste ein Leidensabzug von mindestens 10 %
gemacht werden. Es seien eine Rente und berufliche Massnahmen zuzusprechen,
eventualiter weitere medizinische Untersuchungen vorzunehmen. Ergänzend liess sie
am 18. Januar 2010 (IV-act. 39) darlegen, sie wäre durchaus bereit, in einer Institution
wie beispielsweise der BEFAS in F._ einen Arbeitsversuch zu unternehmen. Aufgrund
ihrer körperlichen Einschränkungen sei sie auch darauf angewiesen, bei der
Arbeitssuche unterstützt zu werden. Die tatsächliche Arbeitsfähigkeit sei ungenügend
abgeklärt worden. Es erstaune, dass in der Aktennotiz des RAD kein Hinweis auf die
massive Kraftverminderung der linken dominanten Hand zu finden sei. Auch bezüglich
des linken Knies seien keine neueren Untersuchungen oder Bilder gemacht worden.
Nicht abgeklärt worden seien die Auswirkungen der Anämie, der Grund der erhöhten
Entzündungswerte und die psychiatrische Situation. Erforderlich sei ein
multidisziplinäres Gutachten. Ferner sei ein Leidensabzug von 20 % gerechtfertigt.
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A.i Mit Verfügung vom 17. Februar 2010 (IV-act. 40) lehnte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen Rentenanspruch der
Versicherten ab. Die volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit werde mehrfach
bestätigt, namentlich von zwei voneinander unabhängigen Fachstellen. Der
Leidensabzug könne nicht gewährt werden, weil weiterhin mittelschwere Tätigkeiten
zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkt erledigt werden könnten. Es stehe
weiterhin ein genügend grosses Arbeitsmarktsegment offen. Selbst bei einem Abzug
ergäbe sich kein Anspruch. - Mit Verfügung vom 11. März 2010 (IV-act. 41) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle auch einen Anspruch auf berufliche Massnahmen
ab. Wenn die Versicherte bereit sei, die attestierte Arbeitsfähigkeit von 100 % in der
freien Wirtschaft umzusetzen, werde sie in der Stellensuche unterstützt werden.
B.
Gegen die Verfügung vom 17. Februar 2010 richtet sich die von Rechtsanwalt
lic. iur. Urs Müller am 22. März 2010 für die Betroffene erhobene Beschwerde. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und die Sache sei zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen und
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventualiter der
Beschwerdeführerin mindestens eine halbe Rente zuzusprechen. Vom 21. August 2008
bis zur IV-Anmeldung sei die Beschwerdeführerin in unterschiedlichem Grad
arbeitsunfähig gewesen, zwischendurch nur zehn Wochen lang ganz arbeitsfähig und
im Zeitpunkt der Anmeldung ganz arbeitsunfähig. Der am 29. Juni 2009 eingegangene
Bericht der Klinik für Neurochirurgie sei unseriös ausgefüllt worden. Dass die bisherige
Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei, dabei aber keine verminderte Leistungsfähigkeit
bestehen solle, sei widersprüchlich. Die Frage nach einer Verbesserungsmöglichkeit
durch medizinische Massnahmen sei mit einem Hinweis auf einen Berufswechsel
beantwortet worden. Die Aussagen seien auf die Monate Mai/Juni 2009 zu beziehen.
Um über den Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu befinden, sei eine interdisziplinäre
Begutachtung erforderlich. Aus dem Arztbericht von Dr. B._ und dem
Assessmentprotokoll ergebe sich, dass ein depressives Syndrom vorliege. Auch
Hausarzt A._ attestiere in neuester Zeit eine subdepressive Stimmungslage, wie sich
aus dem beigelegten Arztbericht vom 19. Februar 2010 ergebe. Die bis 20. Oktober
2009 behandelnde Physiotherapeutin bestätige in einem Bericht vom 11. März 2010
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die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Verschlechterung des
Gesundheitszustandes (ebenso wie die gegenwärtige Physiotherapeutin). Dr. med.
E._, FMH Orthopädie, habe in einem Bericht vom 9. Oktober 2009 erklärt, er habe
anlässlich einer Schulterinfiltration vom selben Tag eine diskrete AC-Gelenksarthrose
erkannt, die er in der Röntgenbildserie vom 6. Oktober 2009 noch nicht habe erkennen
können. Wie sich diese auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, sei nicht abgeklärt worden,
was nachzuholen sei. Die Beschwerdeführerin sei nun seit Juni 2007 mehr oder
weniger andauernd zu 100 % arbeitsunfähig. Dadurch habe sich nicht nur ihr
psychischer Gesundheitszustand verschlechtert, sondern auch die Funktionalität von
Teilen des Bewegungsapparates. Trotz Hinweisen in den Akten habe es die
Beschwerdegegnerin nicht für nötig gehalten, den psychischen Gesundheitszustand
abklären zu lassen, ebenso wenig wie die Schmerzen im linken Bein. Die Angabe des
Rheumatologen, dass sich wahrscheinlich sekundär eine Fehlbelastung im lumbalen
Bereich und am linken Knie entwickelt habe, was die dortigen Beschwerden ebenfalls
erkläre, sei nicht ausreichend für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Während
Dr. B._ festgestellt habe, die Beschwerdeführerin könne nur eine leichte Arbeit in
Wechselbelastung ausüben, behaupte die Beschwerdegegnerin, es sei ihr eine leichte
bis mittelschwere Tätigkeit zumutbar. Aufschluss über die gegenwärtig vorhandene
Restarbeitsfähigkeit könne nur eine Begutachtung geben.
C.
Gegen die Verfügung vom 11. März 2010 lässt die Beschwerdeführerin am
23. April 2010 ebenfalls Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin nebst
der Arbeitsvermittlung Anspruch auf weitergehende berufliche Massnahmen habe,
eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Die psychische Komponente des Gesundheitszustands sei überhaupt
nicht berücksichtigt worden. Erst nach einer interdisziplinären Begutachtung sei eine
rechtskonforme Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und des Invaliditätsgrades der
Beschwerdeführerin möglich. Der Entscheid darüber, ob die Beschwerdeführerin
Anspruch auf berufliche Massnahmen habe oder nicht, sei noch nicht spruchreif.
Schon aus formellen Gründen müsse die Sache zur Neubeurteilung nach erfolgtem
rechtskräftigem Entscheid über die Beschwerde betreffend die Rente zurückgewiesen
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werden. Selbst wenn sich in jenem Beschwerdeverfahren aber ergeben sollte, dass die
Beschwerdeführerin keinen Rentenanspruch habe, müsste die Beschwerdegegnerin,
falls eine Invalidität von mindestens 20 % bestehe, angesichts einer drohenden
Invalidität abklären, welche zumutbaren Eingliederungsmassnahmen zu treffen seien.
Ohne berufliche Massnahmen sei es eine Frage der Zeit, bis die Beschwerdeführerin
auch noch unter erheblichen Somatisierungsstörungen leiden werde, sofern sie es
nicht bereits tue. Ansatzweise seien solche bereits im Spätsommer 2008 festgestellt
worden. Die protokollarische Wiedergabe, dass die Beschwerdeführerin sich nicht
arbeitsfähig fühle und im Moment auch keine Eingliederungsmöglichkeit in einem
Einsatzprogramm oder im geschützten Rahmen sehe, entspreche nicht der Einstellung
der Beschwerdeführerin. Sie sei nie über die Details einer beruflichen Abklärung oder
über die verschiedenen beruflichen Massnahmen informiert worden, so dass nicht von
einer Eingliederungsberatung gesprochen werden könne. Dass nun Unterstützung bei
der Arbeitssuche in Aussicht gestellt werde, sei widersprüchlich, da der
Beschwerdeführerin im Assessment doch die hierfür vorausgesetzte
Eingliederungsfähigkeit (wenn auch zu Unrecht) abgesprochen worden sei. Die blosse
Unterstützung bei der Arbeitssuche ohne Kenntnis davon, welche Tätigkeiten die
Beschwerdeführerin noch ausüben könne, sei nicht erfolgversprechend. Es sei grosser
Wert auf die Wahl der beruflichen Massnahmen zu legen, da die Beschwerdeführerin
noch rund 26 Jahre des Erwerbslebens vor sich habe und einzig als
Stickereimitarbeiterin ausgebildet gewesen sei. Der Anspruch sei von Gesetzes wegen
nicht an einen bestimmten Invaliditätsgrad gebunden. Bei besonderen Umständen
könne nach der Rechtsprechung (BGE 127 V 133 E. 4) sogar bei weniger als 20 %
Invaliditätsgrad ein Anspruch bestehen. Die Beschwerdegegnerin werde das nach dem
Rentenentscheid zu prüfen haben. Liege kein Invaliditätsgrad vor, der eine Umschulung
verunmögliche oder sinnlos mache, so bestehe Anspruch auf eine Umschulung.
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2010 zu den vereinigten Verfahren beantragt
die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerden. Sowohl die Klinik für
Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen wie der Hausarzt A._ hätten ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzungen in Kenntnis der Diagnosestellungen der Dres. C._ und
D._ abgegeben. Insbesondere dem Hausarzt seien sämtliche medizinischen Berichte
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abgegeben worden. Die Diagnosen seien berücksichtigt worden. Wenn die Dres. C._
und D._ davon ausgingen, die Kniebeschwerden seien auf eine Fehlbelastung
zurückzuführen, so sei diese Erklärung einleuchtend und ausreichend. Es stelle sich
ohnehin die Frage, inwiefern die vermeintlich nicht berücksichtigten Diagnosen
(insbesondere der Eisenmangel) einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollten.
Den Aussagen der Eingliederungsberaterin zum psychischen Zustand komme keine mit
einem medizinischen Bericht vergleichbare Bedeutung zu. Das von Dr. B._ erwähnte
depressive Syndrom dauere weniger als 14 Tage, ansonsten müsste von einer
depressiven Episode gesprochen werden. Die von A._ beschriebene subdepressive
Stimmungslage sei keine Krankheit nach ICD-10-Klassifikation. Sollte damit eine
leichte depressive Episode angesprochen worden sein, sei daran zu erinnern, dass eine
solche keine Invalidität im Rechtssinn zu begründen vermöge. Auch die Tatsache, dass
die Beschwerdeführerin bisher keine psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen habe,
spreche gegen das Vorliegen psychischer Beschwerden. Es bestehe kein Anlass, eine
psychiatrische Abklärung oder ein interdisziplinäres Gutachten anzuordnen. Die
depressive Stimmungslage könnte nebenbei bemerkt im Zusammenhang mit dem
Eisenmangel gesehen werden, zu dessen Symptomen depressive Verstimmungen
gehörten. Der Bericht der Physiotherapeutin vermöge an der bisherigen Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit nichts zu ändern. Abgesehen davon, dass auf diesen Bericht
rechtlich nicht abgestellt werden könne, erwähne die Therapeutin keine funktionellen
Einschränkungen, die zu einer Reduktion der Arbeitsfähigkeit in einer
leidensadaptierten Tätigkeit führen würden. Der Hausarzt spreche zu etwa gleicher Zeit
von einem unveränderten Verlauf und stelle keine neuen Diagnosen. Die von Dr. E._
erwähnte diskrete Arthrose habe offensichtlich keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Der Hausarzt habe sie im Bericht vom 19. Februar 2010 trotz Kenntnis nicht einmal
erwähnt. Selbst wenn von der Zumutbarkeit lediglich einer leichten Tätigkeit
auszugehen wäre, ergäbe sich mit dem maximal zulässigen Abzug, der hier nicht
gerechtfertigt wäre, ein Invaliditätsgrad von 25 %. Zumutbar sei jedoch auch eine
mittelschwere Tätigkeit. Der Beurteilung von A._ sei ein höheres Gewicht
beizumessen als derjenigen von Dr. B._. Sie sei aktueller und stamme vom langjährig
betreuenden Arzt, der umfassend über den Gesundheitszustand informiert sei,
ausserdem sei sie in Kenntnis der divergierenden Einschätzung von Dr. B._
vorgenommen worden. Der Bericht erfülle die Anforderungen an den vollen
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Beweiswert. Es seien keine Kriterien erfüllt, die einen Leidensabzug rechtfertigen
würden. Gemäss der Beschwerdeschrift wolle die Beschwerdeführerin
Arbeitsvermittlung nicht in Anspruch nehmen. Es verbleibe daher einzig die
Umschulung, die aber nur geschuldet sei, wenn eine Erwerbseinbusse von etwa 20 %
vorliege. Der Invaliditätsgrad liege hier allerdings bei null, so dass kein Anspruch
bestehe. Das gelte, selbst wenn man einen grosszügig bemessenen Abzug von 10 %
vornähme.
E.
In seiner Replik vom 12. Juli 2010 wendet der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
ein, dass die Klinik für Neurochirurgie und der Hausarzt ihre Beurteilungen in Kenntnis
der Diagnosestellung der Dres. C._ und D._ abgegeben hätten, sei eine blosse
Vermutung. Es fänden sich dort keine Hinweise, dass die gesamte Diagnosestellung
relevant sei. Ob und in welchem Umfang die Zusatzdiagnosen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit hätten, sei gerade durch die beantragte Expertise abzuklären. Es sei
eine Frage, über die nicht der Jurist, sondern der Arzt zu befinden habe. Dass sich eine
Fehlbelastung entwickelt habe, sei im Übrigen lediglich eine Vermutung der Ärzte.
Dr. B._ sei kein ausgebildeter Psychiater und könne daher nicht darüber befinden, ob
ein depressives Syndrom oder eine depressive Episode vorgelegen habe. Die
Abgrenzung sei selbst für den psychiatrischen Facharzt nicht immer leicht. Auch wenn
die Eingliederungsberaterin diesbezüglich ebenso wenig kompetent sei, müsse ihr
Hinweis in Kombination mit den Berichten von Dr. B._ und des Hausarztes
ausreichend Anlass für eine fachärztliche Abklärung bieten. Der Beschwerdeführerin
seien Remeron und Cymbalta verschrieben worden, letzeres nehme sie immer noch
ein. Sie hoffe, damit einigermassen stabil zu bleiben, weshalb sie keine psychiatrische
Hilfe in Anspruch genommen habe. Die Stimmungslage dem Eisenmangel zuzuordnen,
sei zu einfach. Auch der Bericht der Physiotherapeutin sei im Kontext zu würdigen. Sie
beschreibe, dass die Muskulatur in den letzten zwei Jahren immer schwächer
geworden sei, weil die Beschwerdeführerin wegen der Schmerzen immer weniger habe
machen können. Die Beschwerdeführerin arbeite denn auch aufgrund ihres
Gesundheitszustandes seit April 2009 überhaupt nicht mehr. A._ zeige den
chronischen Verlauf der Muskelschmerzen auf und habe immerhin knapp eineinhalb
Jahre nach der Erwähnung des depressiven Syndroms durch Dr. B._ eine
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subdepressive Symptomatik attestiert. Wenn nach so langer Zeit ein depressiver
Zustand festgestellt werde, verlange das nach vertiefter fachärztlicher Abklärung. Der
Hausarzt betreue die Beschwerdeführerin, obwohl er sie in adaptierter Tätigkeit für
100 % arbeitsfähig halte, immer noch wegen der verschiedenen Leiden und sie nehme
auch immer noch Medikamente ein. Die AC-Gelenksarthrose sei zusammen mit den
übrigen Beschwerden zu würdigen. Dass der Hausarzt sie nicht erwähnt habe, könne
darin begründet sein, dass er an die vier Monate zuvor ergangene Mitteilung nicht mehr
gedacht habe. Die vorhandenen medizinischen Berichte lägen im Übrigen allgemein
teils schon lange Zeit zurück. Eine Neuprüfung der Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt
des Erlasses des Entscheids sei erforderlich. In der Frage der Zumutbarkeit von leichter
oder auch mittelschwerer Tätigkeit stütze sich die Beschwerdegegnerin offenbar auf
den Hausarzt, jenen Arzt aber auch, der die Beschwerdeführerin seit dem 24. April
2009 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben habe. So wie der Hausarzt die AC-
Gelenksarthrose zu erwähnen vergessen habe, werde er wohl auch beim Telefonat mit
dem RAD am 14. Mai 2009 nicht an die attestierte Arbeitsfähigkeit von Dr. B._
gedacht haben. Die Beschwerdeführerin sei 38-jährig und habe seit ihrem
19. Lebensjahr als angelernte Stickereimitarbeiterin gearbeitet, habe also nur in einer
Branche Berufserfahrung. Sie könne gemäss der Beschwerdegegnerin nur noch leichte
bis mittelschwere Tätigkeiten in Wechselbelastung, ohne Zwangshaltung der
Wirbelsäule und ohne Überkopfarbeit ausführen. Sie habe keine Berufsausbildung und
werde höchstens noch eine Hilfsarbeit finden. Sie habe nur schlechte
Deutschkenntnisse. Arbeitsvermittlung sei ungenügend. Die Offerte sei
widersprüchlich, da der Beschwerdeführerin die Eingliederungsfähigkeit abgesprochen
worden sei. Es wäre durch eine berufliche Abklärung zu ermitteln gewesen, in welcher
beruflichen Tätigkeit eine Wiedereingliederung der Beschwerdeführerin erfolgen könne.
F.
Die Beschwerdegegnerin hat am 22. Juli 2010 auf die Erstattung einer Duplik
verzichtet.

Erwägungen:
1.
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1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtenen Verfügungen am 17. Februar 2010 und am
11. März 2010, also unter der Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu
beurteilen ist der Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser
Verfügungen entwickelt hat. Dieser Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der
5. IV-Revision zurück. Soll auf bestimmte Sachverhalte nicht neues Recht Anwendung
finden, sondern das aufgehobene Recht massgebend bleiben, muss eine geltende
Norm die Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für bestimmte Sachverhalte
anordnen. Die 5. IV-Revision enthält keine die Rente betreffende übergangsrechtliche
Bestimmung. Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine
ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007).
Die Definition der Sachverhalte, auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte
durch ein materiell-rechtliches, unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen
der Zeitpunkt der Entstehung des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des
Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum
Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Nach der gegenwärtigen Aktenlage setzte die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im August 2007 ein, hielt aber nicht im Sinn
der Rechtsprechung ununterbrochen an (Unterbruch mit wohl voller Arbeitsfähigkeit
von Januar/Februar bis August 2008), so dass der Versicherungsfall danach erst im
Jahr 2009 eintrat. Auch die IV-Anmeldung wurde im Mai 2009 eingereicht. Demnach
sind vorliegend die neuen Bestimmungen anzuwenden. Das wäre selbst dann der Fall,
wenn von einem Ablauf des Wartejahres bereits im Jahr 2008 auszugehen wäre und
die erwähnte Übergangsregelung des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom
12. Dezember 2007 zur Anwendung gelangte. Denn es fehlte die nach dieser Regelung
für die Anwendbarkeit alten Rechts vorgesehene Voraussetzung einer Anmeldung bis
spätestens zum 31. Dezember 2008.
1.2 Mit den angefochtenen Verfügungen hat die Beschwerdegegnerin die Ansprüche
der Beschwerdeführerin auf eine Rente und auf berufliche Massnahmen abgelehnt. Die
Beschwerdeführerin lässt im Verfahren IV 2010/130 im Hauptstandpunkt eine
Rückweisung, eventualiter mindestens eine halbe Rente, im Verfahren IV 2010/172 im
Hauptstandpunkt berufliche Massnamen, eventualiter eine Rückweisung beantragen.
Streitgegenstand bilden der Anspruch auf berufliche Massnahmen und auf eine Rente.
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2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 IVG haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte
versicherte Personen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese
notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern. Die
Eingliederungsmassnahmen bestehen unter anderem in Integrationsmassnahmen zur
Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Art. 8 Abs. 3 lit. a IVG) und in
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung,
Umschulung, Arbeitsvermittlung und Kapitalhilfe; Art. 8 Abs. 3 lit. b IVG).
2.2 Als invalid im Sinne von Art. 17 IVG gilt eine versicherte Person, wenn sie wegen
der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den
ihr ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren
Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von
mindestens etwa 20 % erleidet (Entscheide des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S A. vom 22. Januar 2004, I 91/03, und i/S F. vom 9. April
2002, I 167/03; BGE 124 V 110 f. E. 2b; AHI 2000 S. 62 E. 1; Ulrich Meyer, Die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. A. 2010, S. 191; für die MV: BGE 130
V 491).
2.3 Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
3.1 Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im
Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
bis
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Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V
99 f. E. 4; ZAK 1982 S. 34). Ob die versicherte Person eine ihr zumutbare Tätigkeit
auch tatsächlich ausübt, ist für die Invaliditätsbemessung hingegen unerheblich
(Rz 3046 des vom Bundesamt für Sozialversicherungen erlassenen Kreisschreibens
über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung = KSIH).
3.2 Den Akten lässt sich entnehmen, dass bei der Beschwerdeführerin seit Frühjahr
2007 zunehmend anhaltende Nackenschmerzen (bei zervikaler Diskushernie HWK 6/7
mit sensorischem Ausfallsyndrom C7 links) auftraten und im Juni 2007 Ausstrahlung in
die linke obere Extremität bis zu den Fingern III bis V links mit Hypästhesien und
Kribbelparästhesien in den Fingern dazukam (Fremdakten, Bericht von A._ vom
19. Dezember 2007). Unter Physiotherapie kam es langsam zu einer Besserung, so
dass die Beschwerdeführerin ihre Arbeit im November 2007 zur Hälfte und dann voll
wieder aufnahm, worauf sie aber am 5. Dezember 2007 wieder voll arbeitsunfähig
geschrieben werden musste. Ab 1. Januar 2008 wurde ihr wiederum eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % attestiert (Fremdakten, Bericht von Dr. C._ bzw. Dr. D._
vom 8. Februar 2008). Dr. C._ war am 10. Januar 2008 davon ausgegangen, dass die
Arbeitsfähigkeit von 50 % bei günstigem Verlauf nach vier bis sechs Wochen auf 70 %
werde gesteigert werden können. Ab dem 26. Januar 2008 war die Beschwerdeführerin
in der Folge nicht mehr arbeitsunfähig, bis am 21. August 2008 ein Rückfall mit voller
Arbeitsunfähigkeit eintrat (Fremdakten, Bericht von A._ vom 25. September 2008).
Dr. B._ hielt am 30. September 2008 dafür, die Beschwerdeführerin werde für ihre
bisherige Tätigkeit wohl nicht mehr arbeitsfähig sein; die Arbeitshaltung sei höchst
ungünstig. Ab Mitte November 2008 wurde ihr allerdings wieder eine Arbeitsfähigkeit
von 50 % attestiert und nach einer weiteren Rückläufigkeit der Beschwerden
(Fremdakten, Bericht von A._ vom 27. Januar 2009) war die Beschwerdeführerin ab
Februar 2009 zu 80 % arbeitsfähig (Fremdakten, Bericht von A._ vom 9. März 2009).
Am 24. April 2009 trat erneut eine volle Arbeitsunfähigkeit auf (Fremdakten, Kranken-
und Unfallkarte, Bescheinigung von A._ vom 1. Mai 2009).
3.3 Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit
nahm somit einen bewegten Verlauf. Was eine Tätigkeit in einer angepassten Tätigkeit
betrifft, gab zunächst im September 2008 (noch vor der erneuten Verschlechterung
vom
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April 2009) Dr. B._ an, aus neurologischer Sicht bestehe in einer solchen Tätigkeit
keine Arbeitsunfähigkeit. Er empfahl aber gleichzeitig bei der Wiederintegration in den
Arbeitsprozess eine Reduktion auf 50 % Arbeitstätigkeit, was sich zumindest
möglicherweise auf eine angepasste Tätigkeit bezog. Der Hausarzt A._ gab dem
RAD-Arzt am 14. Mai 2009 die Auskunft, die Beschwerdeführerin könnte
zumutbarerweise eine leichte bis mittelschwere, angepasste Arbeit an acht Stunden
pro Tag verrichten. Es sei aber noch die Klärung einer allfälligen Operationsindikation
bei der neurochirurgischen Konsultation abzuwarten. Die Klinik für Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen hatte am 7. Mai 2009 festgestellt, die Beschwerdeführerin
leide an einem Cervicobrachialgie-Syndrom C7 links und einem neu aufgetretenen
Cervicobrachialgie-Syndrom am ehesten C6 rechts. Diagnostiziert wurden eine
cervicale Diskushernie HWK6/7 mit sensomotorischem Ausfallsyndrom C7 links und
eine Cervicobrachialgie rechts mit sensorischem Ausfallsyndrom am ehesten C6-
Dermatom. Die Beschwerdeführerin werde mittels MRI auf Diskushernien untersucht
werden.
3.4 Dem IV-Arztbericht der Klinik für Neurochirurgie vom 29. Juni 2009 schliesslich ist
zu entnehmen, dass am 19. Mai 2009 diese MRI-Untersuchung stattgefunden habe,
die eine cervicale Diskushernie C6/7 ergeben habe. Es bestehe eine Cervicobrachialgie
beidseits. Es zeigten sich Kribbelparästhesien und eine objektivierbare Hypästhesie im
lateralen Unterarm, Oberarm und (den) ulnaren Fingern links, ausserdem Hypästhesien
am radialen Unterarm und Daumen rechts. Eine Operationsindikation sei vorerst nicht
gegeben. Auf die Frage, welche Arbeiten der Beschwerdeführerin in einer
behinderungsadaptierten Tätigkeit noch zumutbar seien und welche nicht mehr, hat die
Klinik die einzelnen Arbeiten der einen oder anderen Kategorie zugeordnet und
uneingeschränkte Fähigkeiten bezüglich Konzentrations- und Auffassungsvermögen,
Anpassung und Belastbarkeit festgestellt. In welchem zeitlichen Rahmen die einzelnen
Arbeiten zumutbar seien, hat sie nicht beantwortet. - Die Beschwerdegegnerin stellt
sich auf den Standpunkt, die Klinik habe der Beschwerdeführerin damit für eine
angepasste Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert. Dies ist durchaus möglich,
wurde doch keine zeitliche oder leistungsmässige Einschränkung ausdrücklich
erwähnt. Diese Annahme lässt sich indessen nicht mit ausreichender
Wahrscheinlichkeit treffen. Denn immerhin legte die Klinik dar, unter Analgetika und
Physiotherapie seien die Schmerzen der Beschwerdeführerin zwar zurzeit tolerierbar,
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doch liege eine Arbeitsunfähigkeit vor. Ob sich diese Feststellung tatsächlich einzig auf
die bisherige Tätigkeit bezieht, ist zu bezweifeln. Wenn dargelegt wird, "Besserung" sei
bei gleicher Arbeitstätigkeit nicht zu erwarten, und wenn als (wenn auch irrtümlich
medizinische) Massnahme zur Verminderung der Einschränkungen ein Wechsel in
einen Beruf mit weniger manueller Beschäftigung erwähnt wird, so scheint die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer solchen Tätigkeit noch nicht definiert
zu sein.
3.5 Ob sich im MRI vom Mai 2009 das Hinzukommen einer Diskushernie rechts
bestätigt habe, wird aus dem Bericht nicht mit Bestimmtheit klar; jedenfalls wurde aber
eine beidseitige Cervicobrachialgie angegeben. Gemäss dem Bericht vom 7. Mai 2009
musste jedenfalls ein solches Syndrom rechts ca. zwei Monate zuvor aufgetreten sein.
Was den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nach
dem Zeitpunkt dieser Verschlechterung betrifft, ergibt sich aus dem Bericht von A._
vom 19. Februar 2010, dass der Beschwerdeführerin bei unverändertem Verlauf seit
23. Dezember 2009 eine volle Arbeitsunfähigkeit ab 24. April 2009 in der bisherigen
Tätigkeit attestiert wird. Über eine allfällige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit fehlt
eine ausdrückliche Aussage.
3.6 Es zeigt sich damit, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
adaptierter Tätigkeit ungenügend abgeklärt ist, auch wenn nicht ausgeschlossen ist,
dass der Hausarzt die Abklärungen auf der Neurochirurgie lediglich im Hinblick auf die
Operationsindikation (und nicht auf die Arbeitsfähigkeit) veranlasst und dass er danach
am Attest einer vollen Arbeitsfähigkeit festgehalten haben könnte. Einzig der Bericht
der Klinik für Neurochirurgie vom 29. Juni 2009 genügt zur abschliessenden
Feststellung der Arbeitsfähigkeit nicht, zumal zu berücksichtigen ist, dass diverse
weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen vorliegen, die dort nicht thematisiert
wurden. So bestehen etwa ferner Arthralgien beider Handgelenke, Myotendinosen
gluteal links, eine mediale Bandreizung Knie links, eine rezidivierende Epicondylopathia
humeri radialis et ulnaris und eine diskrete AC-Gelenksarthrose. Des weiteren gibt es
ärztliche Hinweise auf ein depressives Syndrom bzw. auf eine subdepressive
Stimmungslage, weswegen der Beschwerdeführerin auch eine entsprechende
Medikation verschrieben wurde. Nach der gegenwärtigen Aktenlage ist zwar nicht auf
eine diesbezügliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu schliessen. Indessen wird
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die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin insgesamt wie erwähnt ergänzend
abzuklären sein.
3.7 Steht das Ausmass der zumutbaren Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
einer adaptierten Tätigkeit fest, so wird gemäss dem Ergebnis der medizinischen
Abklärungen zunächst der Anspruch auf berufliche Massnahmen festzulegen sein. Zu
beachten wird diesbezüglich insbesondere sein, dass die Beschwerdeführerin während
ihrer gesamten Erwerbstätigkeit zwar verschiedene Stellen innehatte, dass sie aber
ausschliesslich in der Stickerei beschäftigt war, was nun nach der Aktenlage aus
gesundheitlichen Gründen für sie nicht mehr in Frage kommt. Zur Arbeitsvermittlung
gehört insbesondere auch eine Beratung, welche sich nach den Bedürfnissen einer
versicherten Person und den Voraussetzungen ausrichtet, welche sie für einen
Wiedereinstieg in das Erwerbsleben mitbringt.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen sind die Beschwerden unter Aufhebung
der angefochtenen Verfügungen vom 17. Februar 2010 und vom 11. März 2010 beide
teilweise gutzuheissen. Die Sache ist zu ergänzenden medizinischen Abklärungen im
Sinne der Erwägungen und zum Erlass entsprechender neuer Verfügungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung der Streitsache und anschliessender
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin stellt praxisgemäss aus prozessualer
Sicht in Bezug auf die Kosten ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. SVR 1995 IV Nr. 51
S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft
aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Es rechtfertigt sich, für die frühzeitig
vereinigten beiden Verfahren eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- zu erheben. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
bis
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4.3 Die Beschwerdeführerin hat bei vollem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Die Honorarpauschale beträgt in der
Verwaltungsrechtspflege vor Versicherungsgericht Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (Art. 22
Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75).
Die Honorarnote des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin lautet auf total
Fr. 5'962.65 (Fr. 5'250.-- Honorar, entsprechend 21 Stunden, Fr. 291.50 Auslagen,
darunter Fr. 120.-- für einen Arztbericht von A._ vom 15. März 2010, und Fr. 421.15
MWSt). Nach der Gerichtspraxis beträgt allerdings das übliche Pauschalhonorar in
Fällen mit mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad, wie dies hier zutrifft, unter
Einschluss von Barauslagen und Mehrwertsteuer Fr. 3'500.--. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin war veranlasst, zwei Beschwerden zu verfassen, was einen leicht
überdurchschnittlichen Aufwand erforderte. Eine Entschädigung für ein Arztzeugnis von
A._ muss entfallen, da kein solches Arztzeugnis eingereicht worden ist. Insgesamt
rechtfertigt sich, die Entschädigung auf pauschal Fr. 4'500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG