Decision ID: cd3ed3e1-953c-4c41-8502-5376fab8d21e
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., geboren 1979, lebt mit ihren Kindern A., geboren 10. November 1998, und B.,
geboren 6. Juli 2004, in G. Vom Vater des älteren Kindes ist sie seit 15. März 2004
geschieden. Der Vater lebt mutmasslich in seinem Heimatstaat und bezahlt keinen
Unterhalt für sein Kind. Das Sozialamt bevorschusst Fr. 100.-- pro Monat. Der Vater
des jüngeren Kindes kommt seiner Unterhaltspflicht nach.
Aufgrund der Geburt von B. kündigte X.Y. ihre Stelle als Sachbearbeiterin bei der Z. Sie
arbeitete bis zum 8. Juni 2004 und erhielt bis 13. Oktober 2004 den Lohn ausbezahlt.
Mit Verfügung vom 6. Oktober 2004 sprach ihr das Sozialamt für die Zeit vom 1. Juli
bis 31. Dezember 2004 Mutterschaftsbeiträge von insgesamt Fr. 2'216.-- zu.
Am 6. Dezember 2004 stellte X.Y. ein Gesuch um Ausrichtung von finanzieller
Sozialhilfe ab 1. Januar 2005. Mit Verfügung vom 4. Januar 2005 sprach ihr das
Sozialamt Leistungen ab 1. Januar 2005 von Fr. 2'360.50 zu (Grundbedarf Fr. 1'825.--,
Miete Fr. 1'160.--, Krankenkassenprämien Fr. 345.50, abzüglich Alimente Fr. 970.--).
Eine Ende Dezember 2004 geleistete Auszahlung eines dreizehnten Monatslohns von
Fr. 2'995.60 wurde von dieser Sozialhilfeleistung in Abzug gebracht (Januar 2005 Fr.
2'360.50, Februar 2005 Fr. 635.10; vgl. Ziff. 2 der Verfügung des Sozialamts). X.Y.
wurde sodann angewiesen, sich umgehend nach einer geeigneten Kinderbetreuung für
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A. und B. umzusehen und dem Sozialamt dafür bis spätestens 31. Januar 2005 den
schriftlichen Nachweis zu erbringen (Ziff. 4a), sich ab sofort beim RAV St. Gallen zur
Stellenvermittlung und bei der Arbeitslosenkasse zum Bezug von
Arbeitslosentaggeldern (zu 60 Prozent) zu melden, die Termine beim RAV strikte
einzuhalten und alle Mitwirkungspflichten zu erfüllen (Ziff. 4b) und sich ab sofort
intensiv um die Aufnahme einer existenzsichernden Tätigkeit bis zu 80 Prozent
(mindestens 60 Prozent) zu bemühen und dafür regelmässig den Nachweis zu
erbringen sowie jede verfügbare bzw. zugewiesene Arbeit anzunehmen (Ziff. 4c). Weiter
wurde verfügt, dass die Sozialhilfeleistungen mit Wirkung ab 1. Februar 2005 für die
Dauer von mindestens sechs Monaten um Fr. 173.-- pro Monat bzw. 15 Prozent des
Grundbetrags gekürzt würden, wenn die Anweisungen gemäss Ziff. 4 nicht erfüllt
würden (Ziff. 6). Gegen die Verfügung des Sozialamts erhob X.Y. am 24. Januar 2005
Rekurs, den die Sozialkommission der Gemeinde G. mit Entscheid vom 9. März 2005
abwies, soweit sie darauf eintrat.
B./ Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 13. April 2005 erhob X.Y. Rekurs beim
Stadtrat G. mit dem Antrag, der Entscheid der Sozialkommission sei aufzuheben und
es sei Ziff. 2 der Verfügung des Sozialamts insofern abzuändern, als ihr für Januar und
Februar 2005 die ungekürzte Sozialhilfeleistung von Fr. 2'360.50 pro Monat
auszuzahlen sei, Ziff. 4 sei insofern abzuändern, als festzuhalten sei, dass sie
frühestens ab August 2006 und im Umfang von maximal 50 Prozent eine
Erwerbstätigkeit aufzunehmen habe und demgemäss anzuweisen sei, sich auf diesen
Zeitpunkt beim RAV und allenfalls der Arbeitslosenkasse anzumelden und eine
geeignete Kinderbetreuung zu organisieren, und Ziff. 6 und 7 lit. b bis e der Verfügung
seien aufzuheben. Der Stadtrat hiess den Rekurs teilweise gut, indem er die
Anrechnung des dreizehnten Monatslohns auf Fr. 2'116.-- beschränkte und das
Sozialamt anwies, den Ueberschuss von Fr. 779.60 der Rekurrentin zu überlassen (Ziff.
1). Im übrigen wies er den Rekurs ab (Ziff. 2). Der Stadtrat erwog, nach der Praxis der
Sozialkommission werde bei alleinstehenden Müttern mit einem einzelnen Kind eine
Erwerbstätigkeit von 80 bis 100 Prozent und bei solchen mit zwei Kindern eine solche
von 50 bis 80 Prozent verlangt. Vorbehalten bleibe, dass ein geeigneter Pflegeplatz
vorhanden sei, die Plazierung wirtschaftlich Sinn mache, die Mutter auf dem
Arbeitsmarkt vermittelbar sei und ihr psychischer und physischer Zustand eine
Erwerbstätigkeit zulasse.
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C./ Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 20. September 2005 erhob X.Y. Rekurs
beim Departement des Innern und beantragte, Ziff. 2 des Stadtratsbeschlusses sei
aufzuheben und es sei in Abänderung von Ziff. 4 der Verfügung des Sozialamts vom 4.
Januar 2005 festzuhalten, dass sie frühestens ab August 2006 und im Umfang von
maximal 50 Prozent eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen habe und demgemäss
anzuweisen sei, sich auf diesen Zeitpunkt hin beim RAV und nötigenfalls bei der
Arbeitslosenkasse anzumelden und eine geeignete Kinderbetreuung für A. und B. zu
organisieren, Ziff. 2 des Beschlusses des Stadtrats sei aufzuheben und es sei in
Aufhebung von Ziff. 6 der Verfügung des Sozialamts dieses anzuweisen, die seit 1.
Februar 2005 vorgenommene Kürzung der Sozialhilfeleistung von Fr. 173.-- pro Monat
nachzuleisten bzw. künftig zu unterlassen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Das Departement des Innern hiess den Rekurs mit Entscheid vom 3. April 2006 im Sinn
der Erwägungen gut und wies das Sozialamt an, der Rekurrentin die seit 1. Februar
2005 erfolgten Kürzungen der Sozialhilfeleistungen von Fr. 173.-- monatlich zu
vergüten bzw. die Kürzung in Zukunft zu unterlassen. Es erwog, in Anbetracht des
Alters der beiden Kinder, insbesondere des Babys B., und der persönlichen Situation
der Rekurrentin erscheine es sinnvoll und angemessen, dass diese das Kleinkind bis
zur Vollendung des zweiten Lebensjahres und somit bis 6. Juli 2006 selber betreue, um
eine gefestigte Mutter-Kind-Beziehung aufbauen zu können. Demgemäss sei der
Rekurs in diesem Punkt gutzuheissen; die Rekurrentin sei bis Ende Juli 2006
grundsätzlich nicht verpflichtet, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Weiter hielt das
Departement fest, die Rekurrentin sei seit 1. November 2005 mit einem Pensum von 40
Prozent für ihren ehemaligen Arbeitgeber tätig. Dies zeige, dass sie als Arbeitnehmerin
geschätzt werde und an ihrem Arbeitsplatz gut integriert sei. Die Auflage, nach einer
Stelle mit einem Pensum von mindestens 60 Prozent zu suchen, bedeute für die
Rekurrentin, dass sie entweder ihr Pensum bei ihrem Arbeitgeber erhöhen oder eine
andere Stelle suchen müsste, bei der sie mindestens 60 Prozent arbeiten könne, womit
sie ihre Stelle beim jetzigen Arbeitgeber alsdann kündigen müsste. Die Rekurrentin
müsse für die Koordination von Arbeitsplatz und Pflegeplatz zunächst über einen
Pflegeplatz verfügen, welcher flexibel genug sei, den Betreuungsumfang dauerhaft zu
erhöhen, sobald sie einer Tätigkeit mit einem höheren Beschäftigungsgrad nachgehe.
Wenn eine geeignete Kinderbetreuung gewährleistet bzw. vorhanden sei, so sei es der
Rekurrentin aber grundsätzlich ab August 2006 zuzumuten, einer Erwerbstätigkeit mit
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einem Beschäftigungsgrad von mehr als 40 Prozent nachzugehen. Fraglich sei
hingegen, ob die Rekurrentin in absehbarer Zeit eine andere geeignete Stelle mit einem
höheren Beschäftigungsgrad in G. oder der näheren Umgebung finde. Ein Umzug wäre
nicht im Interesse eines stabilen Umfelds der Kinder. Es sei daher unverhältnismässig
und unzweckmässig, wenn die Rekurrentin verpflichtet würde, auf einen fixen Zeitpunkt
zu einem um mindestens 20 Prozent erhöhten Beschäftigungsgrad zu arbeiten. Der
Rekurs werde auch in diesem Punkt gutgeheissen. Die Situation verlange nach einer
koordinierten Lösung. Indem die Rekurrentin trotz fehlender Lösung bei der
Kinderbetreuung eine Stelle angenommen habe, habe sie zudem ihren Willen gezeigt,
im Erwerbsleben wieder Fuss zu fassen. Damit erweise sich die Kürzung um Fr. 173.--
monatlich als rechtswidrig. Sie werde zudem seit 1. Februar 2005 vollzogen, ohne dass
sie je förmlich verfügt worden sei. Zusammenfassend sei der Rekurs gutzuheissen. Das
Sozialamt wurde angewiesen, die seit 1. Februar 2005 vorgenommene Kürzung um Fr.
173.-- zu vergüten bzw. künftig zu unterlassen.
C./ Mit Eingaben vom 18. April und 5. Mai 2006 erhob der Stadtrat G. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid des Departements vom
3. April 2006 sei aufzuheben und sein Rekursentscheid vom 1. September 2005 sei zu
bestätigen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 23. Mai 2006 auf Abweisung der
Beschwerde.
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin vom 7. Juli
2006 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde sowie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
Die Beschwerdeführerin erhielt Gelegenheit, sich zu den Vernehmlassungen zu
äussern. Sie reichte jedoch keine Stellungnahme ein.
Auf die von den Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Politische Gemeinde G. ist in ihren eigenen finanziellen Interessen berührt und daher
gemäss Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP zur Beschwerdeführung
legitimiert. Die Beschwerdeeingaben vom 18. April und 5. Mai 2006 wurden rechtzeitig
eingereicht und enthalten einen Antrag, eine Darstellung des Sachverhalts und eine
Begründung. Insoweit sind die Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2./ Im Sozialhilferecht wird nicht nur die verbindliche Regelung von Leistungen als
anfechtbare Verfügung behandelt; auch die Anordnung von Auflagen und Bedingungen
im Zusammenhang mit der Ausrichtung von Sozialhilfeleistungen gilt als anfechtbare
Verfügung (vgl. VerwGE B 2004/137 vom 9. November 2004, E. 2c, publ. in:
www.gerichte.sg.ch). Das Sozialamt hat in der angefochtenen Verfügung die Kürzung
der Leistungen ab 1. Februar 2005 für den Fall der Nichtbefolgung der in derselben
Verfügung enthaltenen Auflagen angeordnet und die Kürzung nach dem besagten
Datum umgehend vollzogen. Ob im vorliegenden Fall für die Kürzung eine weitere
förmliche Verfügung erforderlich gewesen wäre, kann offen bleiben. Der umgehende
Vollzug der Kürzung war jedenfalls unzulässig, da der am 24. Januar 2005 dagegen
erhobene Rekurs aufschiebende Wirkung hatte.
3./ Nach Art. 9 des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1, abgekürzt SHG) hat Anspruch auf
finanzielle Sozialhilfe, wer für seinen Lebensunterhalt nicht hinreichend oder nicht
rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann.
Im Sozialhilfegesetz sind nicht nur Ansprüche statuiert, sondern auch Pflichten
verankert. Wer finanzielle Sozialhilfe bezieht, ist nach Art. 16 Abs. 2 SHG verpflichtet,
Tatsachen umgehend zu melden, die Anspruch oder Berechnung verändern. Nach Art.
17 SHG wird finanzielle Sozialhilfe verweigert, gekürzt oder eingestellt, wenn die
hilfesuchende Person keine oder unrichtige Auskünfte erteilt (lit. a), verlangte
Unterlagen nicht einreicht (lit. b), Bedingungen und Auflagen missachtet (lit. c) oder
ihren Fähigkeiten entsprechende Arbeit ablehnt (lit. d).
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a) Die Vorinstanz entschied, die Beschwerdegegnerin sei bis Ende Juli 2006 nicht
verpflichtet, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die von der Beschwerdeführerin
angeordnete Auflage sei unverhältnismässig. Die Beschwerdegegnerin sei seit 1.
November 2005 mit einem 40 Prozent-Pensum für ihren früheren Arbeitgeber tätig. Es
sei daher auch unverhältnismässig und unzweckmässig, eine Erhöhung des Pensums
auf 60 Prozent für einen fixen Zeitpunkt anzuordnen. Zweckmässig sei es, die
Beschwerdegegnerin anzuhalten, ihr Pensum bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber wenn
möglich zu erhöhen und parallel dazu für eine dauerhafte Lösung für die
Kinderbetreuung besorgt zu sein.
Das Verwaltungsgericht übt eine Rechtskontrolle aus; die Ueberprüfung des
Ermessens der Verwaltung steht ihm dagegen nicht zu (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP).
Eingriffe in den Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe sind dahingehend zu prüfen, ob sie
verhältnismässig sind. Die Verhältnismässigkeit eines Eingriffs in einen gesetzlichen
Anspruch wird als Rechtsfrage vom Verwaltungsgericht mit voller Kognition überprüft.
Die Beschwerdeführerin macht nun aber nicht geltend, das Departement habe in
unverhältnismässiger Weise die Ansprüche der Beschwerdegegnerin eingeschränkt.
Sie bemängelt jedoch sinngemäss, die von ihr verfügte Leistungskürzung sei
rechtmässig gewesen und von der Vorinstanz zu Unrecht als unverhältnismässig
aufgehoben worden.
b) Die Vorinstanz hat die persönliche Situation der Beschwerdegegnerin einer
eingehenden und sorgfältigen Prüfung unterzogen. Sie zog in Betracht, dass die
Beschwerdegegnerin zwei Kinder hat, die im Zeitpunkt, ab welchem diese zur
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verpflichtet wurde, rund sechs Jahre bzw. knapp
sieben Monate alt waren und diese sehr unterschiedlichen Alters- bzw.
Betreuungsstadien zusätzlichen Betreuungsaufwand erfordern. Weiter berücksichtigte
sie, dass die Väter der Kinder keine Betreuungsaufgaben wahrnehmen und deshalb die
Kinder nur zu einem ihrer Elternteile eine gefestigte Beziehung aufbauen können.
Ausserdem hielt sie fest, dass namentlich Kleinkinder in den ersten Lebensmonaten
empfindlich auf Wechsel von Pflegepersonen reagieren würden. Auch zog sie in
Betracht, dass die Beschwerdegegnerin bereits ab 1. November 2005 bei ihrer
ehemaligen Arbeitgeberin mit einem Pensum von 40 Prozent tätig war. Unter diesen
Umständen ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz den Zeitpunkt der
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Zumutbarkeit der Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit ab 1. August 2006 unrichtig
beurteilt hat. Es wäre trotz der verschiedenen Fremdbetreuungsangebote verfehlt, die
Beschwerdegegnerin mit einer zwingenden Verpflichtung zu einem Pensum von
mindestens 60 Prozent zu veranlassen, ihre angestammte Stelle zu kündigen oder den
Wohnort zu wechseln. Vielmehr erscheint es aufgrund der konkreten Umstände
zweckmässig, die Beschwerdegegnerin anzuhalten, bei ihrem derzeitigen Arbeitgeber
auf eine Erhöhung des Pensums ab August 2006 hinzuwirken, wobei sie vom Sozialamt
bei der Lösung der Kinderbetreuung zu unterstützen sei. Von einer
unverhältnismässigen Auflage kann unter den gegebenen Umständen nicht
gesprochen werden.
c) Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Sozialamt verlange gemäss gefestigter
Praxis von einer alleinerziehenden Mutter nach Ablauf der gesetzlichen Bezugsdauer
von Mutterschaftsbeiträgen von sechs Monaten im Regelfall bzw. von höchstens zwölf
Monaten im Härtefall dann keine teilweise Erwerbsaufnahme, wenn eine solche der
Mutter aus psychischen oder physischen Gründen nicht zugemutet werden könne oder
aus besonderen Gründen ausnahmsweise nur eine persönliche Betreuung der Kinder
durch die Mutter und damit keine familienergänzende Betreuung in Frage komme. An
diese Praxis des Sozialamts war die Vorinstanz nicht gebunden. Die Praxis wurde
zudem erst im Hinblick auf den vorliegenden Streitfall schriftlich festgehalten; eine
allgemeine Dienstanweisung der Sozialkommission, die beim Erlass der angefochtenen
Verfügung Bestand hatte, liegt jedenfalls nicht vor.
Das Departement hat entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keinen
allgemeinen Rechtsanspruch statuiert, dass alleinstehende Mütter generell erst nach
Vollendung des zweiten Lebensjahres des Kindes eine Erwerbstätigkeit aufnehmen
müssen. Der angefochtene Entscheid beruht wie erwähnt auf einer Würdigung der
konkreten Umstände des vorliegenden Falles, ohne dass damit generelle Ansprüche
anerkannt oder allgemeine Regeln erlassen werden.
Im weiteren sieht zwar Art. 7 des Gesetzes über Mutterschaftsbeiträge (sGS 372.1,
abgekürzt GMB) eine Beitragsdauer von sechs Monaten, in Härtefällen von einem Jahr
vor. Daraus könnte allenfalls ein allgemeiner Richtwert für die Dauer der persönlichen
Betreuung abgeleitet werden. Die Beitragsdauer des GMB schliesst aber nicht aus, im
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Rahmen der Ausrichtung von Sozialhilfe anhand der konkreten Umstände die
Wiederaufnahme der Arbeit erst nach zwei Jahren seit der Geburt des zweiten Kindes
anzuordnen. Diesbezüglich kann auf die zutreffenden Erwägungen in der
Beschwerdevernehmlassung der Vorinstanz verwiesen werden. Dieser kann nicht
vorgehalten werden, sie habe eine dem Gesetzgeber vorbehaltene generelle
Ausdehnung der im GMB statuierten Ansprüche vorgenommen. Sie hat auch keinen
auf die SKOS-Richtlinien abgestützten Rechtsanspruch begründet, sondern lediglich
unter Hinweis auf einen früheren Entscheid ausgeführt, welche Kriterien bei der
Abwägung zwischen Erwerbs- und Betreuungstätigkeit zu berücksichtigen sind.
Wie lange einer Mutter nach der Geburt eine Erwerbstätigkeit im Interesse des Kindes
nicht zugemutet werden kann, hängt in erheblichem Mass von den konkreten
Umständen ab und kann nicht generell festgelegt werden. Das Bundesgericht hielt fest,
je jünger ein Kind sei, desto besser müsse gesichert sein, dass eine geeignete und
voraussichtlich nicht wechselnde Person ganztags zur persönlichen Betreuung zur
Verfügung stehe. Die vom Bundesgericht angeführte Literatur geht von einer
Zeitspanne von 18 bzw. 24 bis 30 Monaten, längstens drei Jahren aus, während der die
ganztätige Betreuung eines Kleinkindes durch die Mutter oder eine ebenbürtige, nicht
wechselnde Person zu besorgen ist (BGE 121 III 443). In einem anderen Urteil hielt das
Bundesgericht fest, die Halbtagsarbeit einer Adoptivmutter schade einem weniger als
zweijährigen Kind nicht (BGE 125 III 161). Aus diesen Urteilen lässt sich jedenfalls
nichts zugunsten des Standpunkts der Beschwerdeführerin ableiten, wonach eine
persönliche Betreuung während zwei Jahren im Lichte der persönlichen Situation
unverhältnismässig ist. Auch das Bundesgericht hat die Bedeutung der konkreten
Umstände des Einzelfalles hervorgehoben, und es hat auch keine generelle Frist
festgelegt, nach welcher die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ungeachtet der
konkreten Umstände des Einzelfalles zumutbar ist.
Fehl geht im weiteren das unter Berufung auf Studien und Literatur vorgebrachte
Argument der Beschwerdeführerin, die familienergänzende Tagesbetreuung weise im
Hinblick auf das Kindeswohl Vorzüge gegenüber der elterlichen Betreuung auf. Darüber
bestehen keine allgemeingültigen Erkenntnisse. Es liegt auch nicht am Sozialamt, bei
der Beurteilung der Zumutbarkeit einer Erwerbstätigkeit die ausserhäusliche
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Kinderbetreuung generell als vorteilhafter für das Kind einzustufen als die persönliche
Betreuung durch die Mutter. Dazu bietet das Gesetz keine Handhabe.
Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, dass die Beschwerdegegnerin aufgrund
des damals ausgetrockneten Arbeitsmarktes (gemeint ist wohl entgegen dem
allgemeinen Begriffsverständnis eine geringe Zahl von offenen Stellen) mit einer länger
dauernden Arbeitslosigkeit hätte rechnen müssen, während der sie die Betreuung ihres
jüngeren Kindes weiterhin persönlich hätte gewährleisten können. Der Bezug von
Arbeitslosengeld setzt voraus, dass die Bezüger vermittlungsfähig sind. Es geht daher
nicht an, eine wegen Betreuungsaufgaben nicht vermittelbare Sozialhilfebezügerin nur
deshalb zur Anmeldung beim RAV zu veranlassen, weil nicht damit gerechnet wird,
dass sie eine Stelle findet. Dies wäre geradezu missbräuchlich.
An der Sache vorbei gehen sodann die Vorbringen der Beschwerdeführerin zu den
Anteilen erwerbstätiger bzw. alleinerziehender Mütter in der Schweiz. Aus solchen
statistischen Unterlagen lassen sich keine zuverlässigen Erkenntnisse für die
Beurteilung des konkreten Einzelfalls entnehmen. Dies gilt auch für die Tatsache, dass
die Vorinstanz die familienergänzende Betreuung von Kleinkindern bereits ab einem
Alter von drei bzw. sechs Monaten bewilligt. Die Beschwerdeführerin legt im übrigen
nicht dar, inwiefern die Vorinstanz in ähnlich gelagerten Fällen abweichende Entscheide
getroffen hat. Deshalb geht auch der Hinweis auf den Grundsatz der Gleichbehandlung
nach Art. 8 der Schweizerischen Bundesverfassung (SR 101) fehl.
d) Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangt das Verwaltungsgericht zum
Schluss, dass die von der Vorinstanz geänderten Auflagen verhältnismässig sind und
die Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist.
4./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr.
2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- ist zu verrechnen.
Die Beschwerdegegnerin hat Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art.
98bis VRP). Für das Beschwerdeverfahren ist eine Entschädigung von Fr. 1'500.--
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zuzügl. MWSt angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c der Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten, sGS 963.75).