Decision ID: 97ea92a3-7cba-5679-ac6c-7ee74e567871
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. wohnt mit seiner Tochter Y., geb. 16. Oktober 2000, in Z. Y. absolvierte im
Schuljahr 2020/2021 die Berufsmaturitätsschule und arbeitete zu 50 % als Kauffrau.
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In der Steuererklärung für das Jahr 2020 machte X. für Y. den Kinder- und den
Versicherungskostenabzug geltend. Die Veranlagungsbehörde liess diese Abzüge nicht
zu mit der Begründung, die Tochter hätte mit ihren Einkünften im Jahr 2020 ihren
Lebensunterhalt zur Hauptsache selber bestreiten können. Sie veranlagte X. am 4. Mai
2021 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2020 mit einem steuerbaren Einkommen
von Fr. 61'200.– und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 0.– sowie für die direkte
Bundessteuer 2020 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 63'400.–. Die dagegen
am 18. Mai 2021 erhobenen Einsprachen wurden vom Kantonalen Steueramt mit
Entscheiden vom 26. Mai 2021 abgewiesen.
B.- Gegen die Einspracheentscheide erhob X. mit Eingabe vom 16. Juni 2021 (Datum
der Postaufgabe) Rekurs und Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission des
Kantons St. Gallen (VRK). Er beantragte sinngemäss, dass der Kinder- und der
Versicherungskostenabzug zuzulassen und die Veranlagung entsprechend zu
korrigieren seien. Nachfolgend hielt er jedoch lediglich am Rekurs fest, weshalb das
Beschwerdeverfahren am 9. Juli 2021 mit separater Verfügung als erledigt
abgeschrieben wurde (VRKE I/1-2021/83). Die Vorinstanz beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 16. Juli 2021 die kostenpflichtige Abweisung des Rekurses. Der
Rekurrent verzichtete auf eine weitere Stellungnahme.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 16. Juni 2021 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
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2.- Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid der Vorinstanz vom 26. Mai 2021.
Umstritten ist, ob die Vorinstanz den Kinder- und den Versicherungskostenabzug für
die mittlere Tochter zu Recht verweigerte. Der Rekurrent bringt vor, dass er wegen
seiner hohen Fixkosten finanziell sehr belastet sei. Da zwei Töchter (Jg. 1998 und 2000)
ständig und die dritte Tochter (Jg. 2005) jedes zweite Wochenende bei ihm wohnen
würden, sei er gezwungen, eine grosse Wohnung zu mieten. Weiter trage er neben den
monatlichen Alimentenzahlungen für die jüngste Tochter auch zu deren
ausserordentlich anfallenden Lebenshaltungskosten bei. Insgesamt reiche sein
Verdienst nicht aus, um sämtliche Lebenshaltungskosten und die Steuerrechnung zu
begleichen.
a) Gemäss Art. 48 Abs. 2 StG werden die Sozialabzüge nach den Verhältnissen am
Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht festgelegt. Vorliegend ist unbestritten,
dass die mittlere Tochter des Rekurrenten per Stichtag 31. Dezember 2020, also am
Ende der massgebenden Steuerperiode, neben ihrer 50 %-Anstellung als Kauffrau die
Berufsmaturität absolvierte. Gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung hilft für
die Beantwortung der Frage, ob der Rekurrent per Stichtag für den Unterhalt der
Tochter aufkommt, das Stichtagsprinzip nicht weiter. Letzteres gilt nur für die
Beurteilung des Status (in einem weiteren Sinn) des Pflichtigen (z.B. Zivilstand, Alter,
Unterstützungsbedürftigkeit etc.), nicht aber für die übrigen Voraussetzungen eines
Sozialabzuges. Ob ein Pflichtiger zur Hauptsache für den Unterhalt aufkommt, kann
nicht alleine mit Bezug auf einen Stichtag beurteilt werden, sondern erfordert die
Würdigung einer gewissen Zeitperiode (VerwGE B 2015/324 vom 26. Oktober 2017
E. 5.3 und B 2007/142 vom 12. Februar 2008 E. 2.3.1 und 2.3.2 je mit weiteren
Hinweisen [m.w.H.], im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort
unter Rechtsprechung). Es ist deshalb zu prüfen, ob die mittlere Tochter ihren
Lebensunterhalt in jenem Zeitraum, in dem das am Stichtag des 31. Dezember 2020
vorhandene Statusmerkmal erfüllt war, vorwiegend durch eigene Erwerbseinkünfte
bestreiten konnte oder nicht.
b) Nach Art. 48 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 StG werden vom Reineinkommen für jedes unter der
elterlichen Sorge oder Obhut des Pflichtigen stehende oder volljährige Kind, das in der
schulischen oder beruflichen Ausbildung steht, Fr. 10'200.– abgezogen, dazu
höchstens weitere Fr. 13'000.– für Ausbildungskosten, soweit sie der Steuerpflichtige
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selbst trägt und sie Fr. 3'000.– übersteigen (Ziff. 3). Hinzu kommt ein
Versicherungsprämienabzug von Fr. 1'000.– für jedes Kind, für das der erwähnte
Kinderabzug geltend gemacht werden kann (Art. 45 Abs. 1 lit. g StG). Der Kinderabzug
setzt weiter voraus, dass der Steuerpflichtige "zur Hauptsache" für den Unterhalt des
Kindes aufkommt. Dies muss indes nicht notwendigerweise mehr als 50 % sein (vgl.
VerwGE B 2016/41 vom 28. September 2017 E. 2.1 und B 2015/324 vom 26. Oktober
2017 E. 5.1 je m.w.H.). Nach den allgemeinen Beweislastregeln im Steuerrecht obliegt
der Steuerbehörde der Nachweis für steuerbegründende oder steuererhöhende
Tatsachen. Der Steuerpflichtige hat demgegenüber steueraufhebende oder
steuermindernde Tatsachen nachzuweisen; dieser hat die entsprechenden Tatsachen
nicht nur zu behaupten, sondern auch zu belegen. Der Rekurrent hat demnach
aufzuzeigen, inwieweit er den Unterhalt des Kindes "zur Hauptsache" getragen hat (vgl.
BGer 2C_839/2016 und 2C_840/2016 vom 12. April 2017 E. 5.3 mit Hinweisen auf
BGE 140 II 248 E. 3.5 und BGer 2C_966/2015 vom 18. Juli 2016 [in BGE 142 II 399
nicht publizierte] E. 2.3 sowie GVP 2001 Nr. 31 und St. Galler Steuerentscheide [SGE]
2015 Nr. 11). Soweit, wie hier, die tatsächlichen Auslagen nicht bekannt oder belegt
sind, ist es zur Bestimmung des Unterhaltsbedarfs zulässig, auf Schätzungen und
Pauschalen zurückzugreifen und von diesen abzuweichen, soweit besondere
Verhältnisse vorliegen (vgl. VerwGE B 2016/41 vom 28. September 2017 E. 2.1 und B
2015/324 vom 26. Oktober 2017 E. 5.1 je m.w.H.). Für die Festlegung der
Durchschnittswerte wird regelmässig auf die "Zürcher Kinderkosten-Tabelle" des Amts
für Jugend und Berufsberatung des Kantons Zürich (https://www.zh.ch/content/dam/
zhweb/bilder-dokumente/themen/familie/sorgerecht-unterhalt/kinderkosten_2018.pdf)
abgestellt (SGE 2007 Nr. 9, Steuerbuch [StB] Art. 48 Nr. 1 Ziff. 2.2.2 S. 4, Zigerlig/
Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, II. Teil N 668).
Die Veranlagungsbehörde ermittelte einen Bedarf von Fr. 16'560.– für die mittlere
Tochter. Gestützt auf die Ansätze der Zürcher Kinderkosten-Tabelle per 1. Januar 2020
beträgt der monatliche Unterhaltsbedarf bei einem von zwei Kindern Fr. 1'595.− pro
Kind und Monat bzw. Fr. 19'140.− pro Jahr. Weshalb die Vorinstanz von einem
monatlichen Betrag von Fr. 1'580.− ausgeht, ist unklar. In diesem Zusammenhang ist
zudem zu beachten, dass die mittlere Tochter bereits volljährig ist, weshalb ihr Bedarf
gegenüber der Vergleichsgruppe "13. bis 18. Altersjahr" eher noch höher ausfallen
dürfte. Weiter nahm die Vorinstanz einen Abzug von Fr. 2'400.– für Ferien und Freizeit,
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soweit in den Durchschnittswerten enthalten, vor. Dieser Abzug wird nicht weiter
begründet und ist auch in den Richtlinien StB 48 Nr. 1 nicht vorgesehen, weshalb er
nicht gerechtfertigt ist (vgl. VRKE I/1-2014/247 vom 31. März 2015, E. 4d, SGE 2015
Nr. 11 S. 4). Gesamthaft ergibt sich damit ein Unterhaltsbedarf von Fr. 19'140.– für die
mittlere Tochter.
Der Kinderabzug entfällt, wenn das Kind aufgrund seiner eigenen Einkommens- und
Vermögensverhältnisse nicht oder nicht mehr zur Hauptsache auf die Unterstützung
der Eltern angewiesen ist. Bis zu Einkünften von Fr. 15'000.– pro Jahr wird davon
ausgegangen, dass das Kind daraus nicht zur Hauptsache selbst seinen Unterhalt
bestreiten kann (vgl. Zigerlig/Oertli/Hofmann, a.a.O., II. Teil N 668). Ein allfälliger Beitrag
des Kindes ist von Fall zu Fall nach den konkreten Umständen zu ermitteln und zu den
gesamten, notwendigen Lebenshaltungskosten ins Verhältnis zu setzen. Einem Kind,
das eigene Einkünfte erzielt, steht zudem in jedem Fall ein Betrag von Fr. 6'000.– pro
Jahr zur freien Verfügung zu. Nur der darüber hinausgehende Betrag wird als
Unterhaltsbeitrag des Kindes angerechnet (vgl. StB 48 Nr. 1 Ziff. 2.2.2, S. 5).
Aus dem Lohnausweis 2020 geht hervor, dass die mittlere Tochter vom 1. Januar bis
31. Dezember 2020 einen Nettolohn von Fr. 26'228.– (inkl. 13. Monatslohn) erzielte
(act. 11/3/a). Weiter floss ihr ein Vermögensertrag von abgerundet Fr. 37.− zu. Nach
Abzug des Freibetrags von Fr. 6'000.– und des besonderen Unterhalts (act. 11/3/a;
act. 11/3/b: Schulgeld, Lehrmittel, Prüfungsgebühren: Fr. 1'202.–, Fahrtkosten
zwischen Wohn- und Ausbildungsort: Fr. 463.−, Pauschale für die auswärtige
Verpflegung: Fr. 3'200.–) hätte sie an ihren Lebensunterhalt Fr. 15'401.− beitragen
können.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass die mittlere Tochter Fr. 15'401.− an ihren
Unterhaltsbedarf von Fr. 19'140.– hätte leisten können. Dementsprechend betrug die
notwendige Elternleistung Fr. 3'739.−. Dieser Betrag entspricht weniger als der Hälfte
des Unterhaltsbedarfs. Der im vorinstanzlichen Verfahren vorgebrachte Einwand, der
Verdienst aus der Erwerbstätigkeit der Tochter sollte vorwiegend der Befriedigung der
persönlichen Bedürfnisse in ihren zukünftigen Ausbildungsjahren dienen, erscheint
zwar grundsätzlich nachvollziehbar. Allerdings zeigt dies, dass mit der
Teilzeiterwerbstätigkeit der mittleren Tochter eine Situation entstand, bei welcher nicht
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mehr davon ausgegangen werden kann, dass der Vater "zur Hauptsache" für die
Tochter aufkommen muss. Diese konnte ihren Lebensunterhalt am Stichtag des
31. Dezember 2020 durch eigene Erwerbseinkünfte bestreiten, weshalb der
Kinderabzug von Fr. 10'200.– und der erhöhte Abzug bei den Versicherungskosten von
Fr. 1'000.– zu Recht verweigert wurden.
3.- Zusammenfassend ist der Rekurs abzuweisen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.− erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 600.− ist damit
zu verrechnen.