Decision ID: cc356742-7b70-4ad1-bb5c-bbd4f13f8ba1
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. rer. publ. Michael B. Graf, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 19. August 2008 unter Hinweis auf Rückenbeschwerden
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 6). Seit dem
20. November 2007 hatte ihr der Hausarzt Dr. med. B._, Allgemeine Medizin, eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% bescheinigt (IV-act. 10, 54/5; vgl. IV-act. 63). Aufgrund
einer chronischen Lumbalgie war sie vom 5. bis 6. Februar 2008 im Kantonsspital St.
Gallen hospitalisiert (IV-act. 18/1-4). Vom 28. Februar 2008 bis 19. März 2008 hatte sie
sich zu einem stationären Aufenthalt in die Klinik Valens begeben. Im Austrittsbericht
vom 17. März 2008 hatten die behandelnden Ärzte die Diagnose chronisches
lumbovertebrales Syndrom bei Osteochondrosen L4-S1 gestellt und waren von einer
vollständigen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen bzw. in einer leichten
wechselbelastenden Tätigkeit ab April 2008 ("Wiederaufnahme der Arbeit zu 50% für 2
Wochen, mit anschliessender Steigerung") ausgegangen (IV-act. 18/7-18).
A.b Seit Mai 2008 wurde die Versicherte durch Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, im
Wirbelsäulenzentrum am Rosenberg, St. Gallen, behandelt (IV-act. 18/5f., 45/2-6, 48).
In einem Arztbericht vom 26. März 2009 zuhanden der IV-Stelle hielt Dr. C._ unter
Hinweis auf die Diagnosen Lumboischialgie rechtsbetont bei Spondylarthrose L4/5, L5/
S1 (seit 1994) und Zervikalgie bei Osteochondrose C5/6 (Dezember 2008) fest, die
Versicherte sei bei der bisherigen Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Eine angepasste
Tätigkeit sei ihr unter Rücksicht auf eine schmerzbedingt eingeschränkte Belastbarkeit
bzw. Vermeidung von Lastenheben über 5 kg noch zumutbar (IV-act. 53/2).
A.c Der seit 11. März 2009 behandelnde Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, nannte im Bericht vom 3. Mai 2009 die Diagnosen chronisches
lumbovertebrales Syndrom bei Osteochondrosen L4-S1, seit Dezember 2008 Verdacht
auf somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie Anpassungsstörung mit Angst
und depressiver Reaktion (ICD-10 F43.22). Der Einfluss des psychischen Leidens auf
die Leistungsfähigkeit sei schwierig einzuschätzen und müsste durch eine
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Arbeitsabklärung bestimmt werden. Die Arbeitsunfähigkeit dürfte aber aufgrund der
Ergebnisse der Behandlung in der Klinik Valens erheblich sein (IV-act. 59/2,4).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle des Kantons St. Gallen wurde ein interdisziplinäres
Gutachten der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 3. November
2009 - unter Einbezug des psychiatrischen Teilgutachtens des Dr. med. E._, Facharzt
FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Oktober 2009 (IV-act. 75/23-29) -
durch Dr. med. F._, Allgemeine Medizin FMH, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, und Dr. med. G._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie,
erstellt. Die Experten stellten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
ausgeprägtes cerviko-lumbales Schmerzsyndrom, Zustand nach erfolgloser
wiederholter Facetteninfiltration L4/5 und L5/S1, Status nach erfolgloser Rhizotomie
und anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die Versicherte sei zunächst aufgrund
der Wirbelsäulen-Symptomatik ab dem 20. November 2007 zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Aus rein orthopädisch-somatischer Sicht sei entsprechend der Darstellung in
den Akten ab März 2008 eine leichte (Heben von Lasten selten über 5-10kg),
wechselbelastend (sitzend/stehend) ausgeübte Tätigkeit grundsätzlich zu 100%
zumutbar. Die angestammte Tätigkeit (Leiterplatten-Bestückung) entspreche den
Anforderungen. Aufgrund der subjektiv empfundenen Schmerzen, der Chronifizierung
der Beschwerden und der unbefriedigenden Behandlungsergebnisse ergebe sich aus
psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20% (IV-act. 75/17f.).
B.
Nach Durchführung des Vorbescheidsverfahrens (IV-act. 80-87) wies die IV-Stelle mit
Verfügung vom 2. März 2010 einen Rentenanspruch ab. Bei einem Valideneinkommen
von Fr. 53 ́820.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 43 ́056.-- ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von 20%. Diese Erwerbseinbusse begründe keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente (IV-act. 88).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 2. März 2010 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 19. April/27. Mai 2010. Die Beschwerdeführerin lässt darin unter Kosten- und
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Entschädigungsfolge deren Aufhebung sowie die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente ab dem 1. November 2008 beantragen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen zurückzuweisen. Zur Begründung
führt sie einerseits aus, das MEDAS-Gutachten erfülle die Anforderungen an die
Beweistauglichkeit nicht. Die Namen der Gutachter seien vorgängig nicht bekannt
gegeben worden. Das Gutachten setze sich kaum mit den gegensätzlichen
Auffassungen in vorgängigen Arztberichten und insbesondere deren
Arbeitsfähigkeitsschätzungen auseinander und gebe deren Inhalt teilweise
unvollständig oder sogar unrichtig wieder. Es stütze sich in somatischer Hinsicht einzig
auf die Berichterstattung der Klinik Valens, die entgegen der Feststellungen anderer
Mediziner der Beschwerdeführerin mangelnde Motivation und Selbstlimitierung
unterstelle. Obwohl mehrere auf somatischer Grundlage gestellte Diagnosen die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen würden, werde die Arbeitsunfähigkeit ausschliesslich
gestützt auf die psychiatrischen Diagnosen anerkannt. Des Weiteren seien weder die
seit Jahren geklagten Kopf- und Nackenbeschwerden berücksichtigt, noch die zumut
bare Überwindbarkeit der somatoformen Schmerzstörung, noch die funktionelle
Auswirkung der dominierenden depressiven Störung hinreichend beurteilt worden.
Überdies sei die Festlegung der Arbeitsfähigkeit auf 80% aus psychiatrischer Sicht
nicht nachvollziehbar. Wegen der aufgeführten Mängel des MEDAS-Gutachtens sei
stattdessen gemäss Einschätzungen der behandelnden Ärzte von einer
Arbeitsunfähigkeit von 100% auszugehen. Andererseits bringt die Beschwerdeführerin
vor, beim Valideneinkommen sei auf die tatsächlichen Verhältnisse im Jahr 2007 (Fr. 58
́700.--), bevor die gesundheitsbedingte finanzielle Einbusse im Jahr 2008 eingetreten
sei, unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis 2008 (Fr. 59 ́874.--)
abzustellen. Beim Invalideneinkommen seien unter Berücksichtigung der korrekten
Arbeitsunfähigkeit die LSE 2008 im Anforderungsniveau 4 für Frauen (Fr. 49 ́392.--)
beizuziehen. Vom ermittelten Tabellenlohn sei ein Abzug von 25% vorzunehmen, zumal
selbst bei leichten Hilfsarbeiten eine relevante Einschränkung vorliege. Insbesondere
seien neben den ausgeprägten Beschwerden auch die Nationalität der
Beschwerdeführerin und die Anzahl der bei der letzten Arbeitgeberin absolvierten
Dienstjahre in der Gesamtbeurteilung gebührend zu berücksichtigen. Der
Beschwerdeschrift sind ein Schreiben des Dr. B._ vom 26. Januar 2010 sowie die
Lohnausweise 2007 und 2008 beigelegt (act. G 1 und 4).
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C.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. Juli 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Sie hält fest, es seien keine Befangenheitsgründe geltend
gemacht worden. Dass medizinische Berichte nicht vollständig und präzis zitiert
würden, sei nicht entscheidend. Es genüge im konkreten Fall, dass die MEDAS-
Gutachter von den vorgängigen Arztberichten Kenntnis genommen hätten. Es treffe
nicht zu, dass die MEDAS keine vollständige Untersuchung gemacht und sich
stattdessen auf den Austrittsbericht der Klinik Valens abgestützt habe. In materieller
Hinsicht seien die Nacken- und Rückenbeschwerden mit berücksichtigt worden, indem
die Experten aufgrund dieser auf eine rückenadaptierte Tätigkeit verwiesen hätten. Nur
die durch entsprechende Befunde hinreichend erklärbaren Schmerzen seien in die
Beurteilung einzubeziehen. Aufgrund nicht vorhandener erheblicher psycho-
pathologischer Befunde habe die MEDAS der Beschwerdeführerin zu Recht eine nur
geringe Arbeitsunfähigkeit von 20% aus psychiatrischer Sicht attestiert. Als
Valideneinkommen könne der Verdienst von Fr. 53 ́715.--, den die Beschwerdeführerin
2006 erzielt habe, genommen werden. Für das Invalideneinkommen sei nach LSE 2006
von einem Wert von Fr. 50 ́278.-- auszugehen. Da die Beschwerdeführerin nur noch
leichte Hilfstätigkeiten ausüben könne, sei ein sogenannter Leidensabzug von 10%
vorzunehmen. Es lägen keine weiteren gesundheitlich bedingten Einschränkungen vor.
Die Nationalität und die bereits geleisteten Dienstjahre würden keinen zusätzlichen
Abzug rechtfertigen. Der Invaliditätsgrad betrage somit 33% (act. G 6).
C.c Mit Replik vom 15. September 2010 hält der Rechtvertreter der
Beschwerdeführerin fest, dass die Berichte der behandelnden Ärzte Dr. C._ und Dr.
B._ aufgrund der langjährigen Betreuung eine fundierte und unerlässliche Auskunft
über den Gesundheitszustand enthalten würden. Die auszugsweise Zitierung und
bewusste Weglassung von Passagen im MEDAS-Gutachten habe zu einer Verzerrung
der ärztlichen Einschätzungen geführt, so dass die anderen Gutachter, die
gerichtsnotorisch nur die Aktenauszüge lesen würden, von einer tatsachenfremden
Darstellung ausgegangen seien. Seit den medizinischen Feststellungen in der Klinik
Valens habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nachgewiesen
verschlechtert, weshalb das Gutachten auf jene frühere Abklärung nicht hätte abstellen
dürfen. Die MEDAS habe nicht bloss Nacken- und Rückenbeschwerden, sondern ein
ausgeprägtes cervico-lumbales Schmerzsyndrom diagnostiziert, was aber bei der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht genügend berücksichtigt worden sei. Eine
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Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht im Umfang von 20% sei
nicht nachvollziehbar, weil die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung
nicht vorliegen würden. Es bestehe kein Anlass, auf das Erwerbseinkommen von 2006
als Validenbasis abzustellen. Da die Beschwerdeführerin erst Ende November 2007
arbeitsunfähig geworden sei und der Zeitpunkt des Beginns des Rentenanspruchs im
November 2008 liege, sei unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis 2008
ein Valideneinkommen von Fr. 59 ́874.-- anzunehmen. Aufgrund der somatisch und
psychisch begründeten starken Einschränkungen, der nicht mehr zählenden
Dienstjahre, der Unwahrscheinlichkeit eine geeignete Stelle mit dem Anforderungsprofil
zu finden, der zu erwartenden depressionsbedingten Absenzen sei beim
Invalideneinkommen ein Leidensabzug in der Höhe von 25% zu gewähren (act. G 8).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 28. September 2010 auf eine begründete
Duplik (act. G 10).
C.e Mit Schreiben vom 29. Oktober 2010 reicht die Rechtsvertretung der
Beschwerdeführerin eine Honorarnote in der Höhe von Fr. 6 ́952.05 ein (act. G 12).
D.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
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zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
2. März 2010 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Nachfolgend werden die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
2.
Streitig ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente.
2.1 Ein solcher Leistungsanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach seiner Geltendmachung (Art. 29 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 ATSG),
sofern während einer einjährigen Wartezeit durchschnittlich mindestens eine 40%ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG i.V.m. Art. 6 Satz 1 ATSG).
Nach Ablauf dieses Jahres muss die versicherte Person gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG
i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG mindestens 40% invalid sein. Unter Invalidität versteht Art. 4
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 8 Abs. 1 ATSG den voraussichtlich bleibenden oder längere Zeit
andauernden Verlust der Erwerbsmöglichkeiten in jeder zumutbaren Tätigkeit. Die
Tatsache, dass eine versicherte Person nicht imstande ist, im bisherigen Beruf zu
arbeiten bzw. als arbeitsunfähig im Sinn von Art. 6 Satz 1 ATSG gilt, führt nicht zur
Invalidität, wenn sie ohne wesentliche Erwerbseinbusse eine andere zumutbare
Tätigkeit ausüben kann.
2.2 Der Invaliditätsgrad bei Erwerbstätigen ist - gemäss Art. 16 ATSG - aufgrund
eines Vergleichs zwischen dem möglichen Erwerbseinkommen ohne
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Gesundheitsschaden und demjenigen mit Gesundheitsschaden zu bestimmen. Die
Erheblichkeit des ermittelten Invaliditätsgrads wird in Art. 28 Abs. 2 IVG geregelt.
Dementsprechend besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, sind die rechtsanwendenden
Behörden auf die fachärztliche Feststellung der Gesundheitsschäden (Befunderhebung
und Diagnose) angewiesen. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Die ärztlichen Auskünfte sind in der Folge eine wichtige Grundlage für die Beurteilung
der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 125 V 261 E. 4; vgl. BGE 105 V 158 E. 1 und ZAK 1982 S. 34).
3.
Vorliegend stützte die Beschwerdegegnerin die angefochtene Verfügung auf das
interdisziplinäre Gutachten der MEDAS-Ostschweiz vom 3. November 2009.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Die
Beschwerdeführerin rügt die gutachterliche Beurteilung in verschiedener Hinsicht als
mangelhaft. Deshalb ist zunächst die Beweiskraft der MEDAS-Gutachten zu würdigen.
3.1 Unbestritten hat die Beschwerdegegnerin die gemäss Art. 44 ATSG erforderliche
vorgängige Bekanntgabe der Namen der Gutachter ausser Acht gelassen. Diese
Bestimmung bezweckt zu verhindern, dass ein Gutachten nachträglich wegen
gesetzlicher Ausstands- und Ablehnungsgründe in der Person des Gutachters als
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beweisuntauglich erklärt werden muss (BGE 132 V 376 E. 7.3). Da gegen die beteiligten
Experten keine konkreten Ausstandsgründe vorgebracht worden sind, vermag die
unterlassene Bekanntgabe den Beweiswert des MEDAS-Gutachtens nicht zu
entkräften.
3.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin rügt, die im MEDAS-Gutachten
zitierten Auszüge der Vorakten würden nicht immer alle Möglichen relevanten
Passagen enthalten. Die wortgenaue Wiedergabe der vorgängigen Berichterstattung ist
aber nicht massgebend. Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung dürfen die
Vorakten teilweise ohne Angaben zum Inhalt aufgelistet werden (Urteil des
Bundesgerichts 9C_528/2008 E. 2.2 vom 26. März 2009). Es ist auch nicht erforderlich,
dass die Gutachter zu jeder einzelnen abweichenden medizinischen Meinung
ausdrücklich Stellung nehmen. Von ihnen wird nur, aber immerhin eine in Kenntnis der
gesicherten Aktenlage gebildete eigenständige Beurteilung erwartet (Urteil des
Bundesgerichts 8C_669/2008 E. 3 vom 25. Februar 2009). Unzulässig wäre es, wenn
die Gutachter nur über die Aktenzusammenfassung verfügt oder die Vorakten nicht
konsultiert hätten (Urteil des Bundesgerichts 9C_528/2008 E. 2.2). Es ist entgegen der
Behauptung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin nicht gerichtsnotorisch,
dass die Gutachter pflegen würden, nur Aktenzusammenfassungen zu studieren. Im
vorliegenden Fall ist nicht ersichtlich, dass die Experten aufgrund mangelnder
Aktenkenntnisse keine eigenständige Beurteilung der Sachlage vorgenommen hätten.
Anscheinend geht der Rechtsvertreter davon aus, dass nur die federführenden
Hauptgutachter (Dr. F._ und Dr. G._) von den vorgängigen medizinischen
Meinungen Kenntnis genommen hätten. Aktenkundig ist hingegen, dass Dr. Engelhard
dem psychiatrischen Gutachter Dr. E._ nicht nur die Aktenauszüge, sondern auch die
gesamten IV-Akten zukommen liess (IV-act. 75/23).
3.3 Der Einwand, das MEDAS-Gutachten habe sich in somatischer Hinsicht einseitig
auf eine nicht mehr aktuelle Berichterstattung der Klinik Valens (Februar/März 2008)
gestützt, hält einer eingehenden Prüfung nicht stand. Zum einen waren die MEDAS-
Gutachter für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der Zeitspanne vor der
Begutachtung auf die Vorakten angewiesen. Sie setzten sich mit verschiedenen
medizinischen Auffassungen auseinander und stellten aus orthopädisch-somatischer
Sicht auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung durch die Klinik Valens ab, weil auch die
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behandelnden Ärzten keine objektivierbaren pathologischen Befunde für die beklagten
Beschwerden feststellen konnten. Zum anderen führten die Gutachter am 21. und am
23. September 2009 aktuelle, eigene Untersuchungen der Beschwerdeführerin durch,
ohne sich auf Aktenkenntnisse zu beschränken (IV-act. 75/16f.).
3.4 Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin kann nicht gefolgt werden, soweit
er bemängelt, die Arbeitsunfähigkeitsschätzung im MEDAS-Gutachten sei
unvollständig und widersprüchlich, weil sie die somatischen Beeinträchtigungen
gemäss Hauptdiagnosen nicht einbeziehe. Aus den gutachterlichen Vorgaben geht
ausdrücklich hervor, dass das Spektrum von zumutbaren Tätigkeiten aufgrund der
somatischen Beeinträchtigungen beschränkt ist. Danach kann die Beschwerdeführerin
nur Tätigkeiten ausüben, die abwechselnd im Sitzen und Stehen zu verrichten und bei
denen Belastungen über 5-10 kg zu vermeiden sind (IV-act. 75/17f.). Wenn die
Gutachter davon ausgehen, dass aus rein orthopädisch-somatischer Sicht keine
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt, sofern die ergonomischen
Empfehlungen und das zumutbare physische Belastbarkeitsniveau beachtet werden,
liegt darin kein Widerspruch, sondern deren Beurteilung erscheint durchaus
nachvollziehbar. Der Beschwerdegegnerin ist deshalb beizupflichten, dass der Verweis
auf eine rückenadaptierte Tätigkeit unter anderem dem Umstand Rechnung trägt, dass
die Beschwerdeführerin sich über Nacken- und Rückenbeschwerden beklagt (act. G 6).
Eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit beruht nach der gutachterlichen
Einschätzung ausschliesslich auf psychiatrischer Grundlage. Auch wenn Kopf- und
Nackenschmerzen aufgrund der damit beklagten Schlafstörungen zu
Müdigkeitserscheinungen und zu einer verminderten Arbeitsleistung im Alltag führen
können, überschneiden sich deren Auswirkungen mit den psychiatrisch begründeten
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Beim Zusammentreffen verschiedener
Gesundheitsbeeinträchtigungen ist der Grad der Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer
sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen.
Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen und
Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade ist daher nicht zulässig (Urteil
des Bundesgerichts I 85/04 vom 27. August 2004 E. 2.3). Eine auf psychiatrischer
Grundlage beruhende Arbeitsunfähigkeit bringt mit sich die Möglichkeit, die tägliche
Arbeitszeit zu verkürzen, in einem reduzierten Tempo zu arbeiten oder mehr Pausen
einzulegen. All das dient sowohl der körperlichen als auch der psychischen Schonung
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und Erholung. Deshalb erscheint hier nicht plausibel, dass die infolge von
Schlafstörungen nötige Erholung eine höhere als die psychisch begründete
Arbeitsunfähigkeit von 20% rechtfertigen würde.
3.5 Weshalb aus dem psychischen Leiden nur eine Reduktion der Arbeitsleistung um
20% resultiert, ist nach der Ansicht des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin nicht
nachvollziehbar.
3.5.1 Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise
wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität bewirken. Das Vorliegen eines
fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens mit Krankheitswert ist aus rechtlicher
Sicht wohl Voraussetzung, aber nicht hinreichende Basis für die Annahme einer
invalidisierenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Vielmehr besteht nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung eine Vermutung dafür, dass bei einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung die versicherte Person mit einer zumutbaren
Willensanstrengung die Folgen der Gesundheitsbeeinträchtigung überwinden bzw.
einer Erwerbstätigkeit nachgehen kann. Ausnahmsweise können Umstände vorliegen,
welche die "Schmerzbewältigung" im Sinne des Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess
intensiv und konstant behindern, weil die versicherte Person nicht über die für den
Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Von einem solchen
Ausnahmefall ist auszugehen, wenn eine mitwirkende, psychisch ausgewiesene
Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer vorliegt oder
andere qualifizierte in der Rechtsprechung erwähnte Kriterien (sogenannte "Foester-
Kriterien") mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllt sind (BGE 131 V 50 E. 1.2; BGE
130 V 353ff E. 2.2.1, 2.2.2. und 2.2.3).
3.5.2 Nach der Auffassung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin wird die
"Schmerzüberwindung" durch den Depressionsgrad, die Suizidgedanken, die
Chronifizierung und das Ausmass der Schmerzen, die erfolglosen Behandlungen und
einen sozialen Rückzug behindert (act. G 8).
3.5.3 Der psychiatrische Gutachter hielt fest, aufgrund einer
Aggravationstendenz bei der Beschwerdeführerin könne die Diagnose einer
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depressiven oder Angststörung von Krankheitswert nicht gestellt werden. Die vom
behandelnden Psychiater im Bericht vom 11. März 2009 diagnostizierte schwere
Depression stehe nicht ganz im Einklang mit der aktuellen Symptomatik
(23. September 2009). Vielmehr handle es sich um eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, begleitet von starken Verstimmungen und basierend auf
akzentuierten histrionischen Zügen in der Persönlichkeitsstruktur. Ein
aufmerksamkeitssuchendes Verhalten, in dessen Folge sich ein sekundärer
Krankheitsgewinn nicht ausschliessen lasse, stehe im Vordergrund. Es liege keine
psychische Komorbidität vor, welche die zumutbare Willensanstrengung der
Beschwerdeführerin hinsichtlich der Bewältigung ihrer empfundenen Schmerzen
einschränken würde. Aufgrund der subjektiv empfundenen Schmerzen, der
Chronifizierung der Beschwerden und der unbefriedigenden Behandlungsergebnisse
ergebe sich aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
20%. Eine Einschränkung über dieses Ausmass hinaus könne nur auf eine
Selbstlimitierung zurückgeführt werden (IV-act. 75/28). Diese Argumentation leuchtet
ein, weil der Gutachter einerseits Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, die auf
aggravatorisches Verhalten zurückzuführen sind, im Einklang mit BGE 130 V 352 bei
der Festlegung der Arbeitsunfähigkeit ausklammert (vgl. BGE 130 V 354, 359 E. 2.2.3
und 3.3.2) und andererseits tatsächliche Hindernisse wie einen chronifizierten
Krankheitsverlauf und unbefriedigende Behandlungsergebnisse nennt und gewichtet.
3.6 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vertritt die Auffassung, dass die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte gegenüber dem MEDAS-
Gutachten den Vorzug verdienen würden.
3.6.1 Es steht ausser Frage, dass Dr. B._ und H._ aufgrund langjähriger
Betreuung der Beschwerdeführerin über nur einem Hausarzt zugängliche Kenntnisse
des Gesundheitszustands verfügen (vgl. act. G 8). Auf ihre Berichterstattung kann
jedoch nicht abgestellt werden. Die Kranken- und Unfallkarte mit den Eintragungen
bezüglich Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 10) stellt nur ein einfaches, nicht begründetes
Arztzeugnis dar. Das Arztzeugnis vom 17. Dezember 2008 (IV-act. 45/1), der
Arztbericht zuhanden der IV-Stelle vom 31. März 2009 (IV-act. 54/5), die Beantwortung
einer Anfrage der IV-Stelle mit der Stellungnahme vom 8. Juni 2009 (IV-act. 63) und das
Schreiben vom 26. Januar 2010 (act G 1) enthalten keine ausführlichen, mit einem
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interdisziplinären Gutachten vergleichbare Angaben. Derartige Einschätzungen erfolgen
erfahrungsgemäss aus therapeutischer Sicht und müssen somit nicht auf
versicherungsrelevante Aspekte eingehen. Insbesondere begnügen sie sich damit, die
beklagten Beschwerden wiederzugeben und thematisieren überhaupt nicht die
allenfalls noch vorhandenen Ressourcen der Beschwerdeführerin im Umgang mit den
Schmerzen. Die Frage, weshalb eine körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeit bei
Einhaltung von vorgegebenen Gewichtslimiten und unter Ausschluss von Arbeiten in
Vorhalteposition nicht zumutbar wäre (vgl. IV-act. 57), hat Dr. H._ mit einem
allgemeinen, nicht aussagekräftigen Hinweis auf erhebliche Rückenschmerzen und auf
eine mittelschwere Depression beantwortet. Als Allgemeinmediziner verfügen die
Hausärzte allerdings nicht über die erforderliche Fachkenntnisse, um die Auswirkungen
der hier massgebenden psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen auf die
Arbeitsfähigkeit zu beurteilen.
3.6.2 Von Dr. C._, Wirbelsäulenzentrum am Rosenberg, kann eine spezialisierte
fachärztliche Beurteilung der Rückenproblematik erwartet werden. In seinem Bericht
vom 9. Mai 2008 gibt er an, die beklagten Beschwerden seien zwar auf degenerative
Veränderungen L4-S1 zurückzuführen, gingen aber weit über das zu erwartende
Ausmass hinaus (IV-act. 45/3). In einer Mitteilung vom 18. Dezember 2008 zuhanden
der IV-Stelle berichtet der Spezialist, die Beschwerdeführerin sei wegen ihrer
chronischen Rückenbeschwerden und nach der bisherigen erfolglosen Behandlung
arbeitsunfähig (IV-act. 48). Im Arztbericht vom 26. März 2009 hält er die Anforderung
an eine adaptierte Tätigkeit fest: Die Rückenbeschwerden würden die
Beschwerdeführerin bei längerem Stehen und Sitzen hindern. Sie könne keine
Gewichte über 5 kg heben. Soweit ersichtlich wäre diese adaptierte Tätigkeit zumutbar
(IV-act. 53/2). Auf Rückfrage der IV-Stelle legt er jedoch am 20. Mai 2009 eine
Arbeitsfähigkeit von nicht mehr als 30% in einer adaptierten Tätigkeit fest. Die
Beschwerdeführerin habe bei jeder Belastung eine Schmerzverstärkung. Sie könne
nicht mehr als 20 bis 30 Minuten in einer Position bleiben, was sehr häufig wechselnde
Positionen erfordere (IV-act. 62). Es ist entgegen der Vermutung der MEDAS-Gutachter
(IV-act. 75/18) festzuhalten, dass Dr. C._ kaum eine auf psychiatrischer Grundlage
beruhende Arbeitsunfähigkeit geschätzt hat. Seine Einschätzung beschränkt sich wohl
ausschliesslich auf sein Fachgebiet. Was das Anforderungsprofil der adaptierten
Tätigkeit anbelangt, sind sich die Gutachter und der behandelnde Facharzt einig. Es ist
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auch nicht einzusehen, dass Dr. C._ sich in seiner Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit auf von der MEDAS unerkannte oder ungewürdigt gebliebene
Befunde gestützt hätte, welche geeignet wären, zu einer anderen Beurteilung zu führen
(vgl. Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 58/06 vom 2. August 2006
E. 2.2 und I 676/05 vom 13. März 2006 E. 2.4; des Bundesgerichts 9C_830/07 vom
29. Juli 2008 E. 4.3). Angesichts dessen, dass er selber keine massgebenden Befunde
erhoben hat, welche das Ausmass der vorgebrachten Beschwerden erklären könnten,
ist die Festlegung einer höheren Arbeitsunfähigkeit nur nachvollziehbar als die
Übernahme des subjektiven Empfindens der Beschwerdeführerin als tatsächliche
zumutbare Arbeitsleistung. Durch ein solches Vorgehen werden die
Schlussfolgerungen des MEDAS-Gutachtens nicht erschüttert.
3.6.3 Was die Auswirkungen des psychischen Leidens auf die Arbeitsfähigkeit
anbelangt, ist die Aussage des behandelnden Psychiaters Dr. D._, die
Arbeitsunfähigkeit dürfte gestützt auf die Ergebnisse der Behandlung in der Klinik
Valens erheblich sein (IV-act. 59/4), nicht nur vage, sondern widersprüchlich. Denn aus
dem ergonomischen Test vom 5. März 2008 und aus dem Austrittsbericht der Klinik
Valens vom 17. März 2008 geht hervor, dass die Beschwerdeführerin mindestens eine
leichte wechselbelastende Arbeit ausüben kann. Angesichts dessen, dass sie sich
beim Test demonstrativ und selbstlimitiert gezeigt habe und das beobachtete Ausmass
der Leistungseinschränkung mit den bestehenden Befunden nicht erklärbar sei, sei
davon auszugehen, dass bei genügender Anstrengung noch eine bessere Leistung
erbracht werden könnte (IV-act. 18/7 und 11). Dr. D._ hält konkretisierend fest,
psychisch dürfte sich eine Fixierung auf die Schmerzen bei der Krankheitsbewältigung
und der Umsetzungsfähigkeit der vorhandenen Ressourcen limitierend auswirken.
Auch die Tendenz, mit einer depressiven Reaktion auf die erfolgte Ablehnung der IV-
Leistungen zu reagieren, sei als Einschränkung der Bewältigungsmöglichkeiten der
Beschwerdeführerin zu verstehen. Die chronischen Rückenschmerzen würden als so
stark und belastend erlebt, dass sie den Wahrnehmungsfokus der Beschwerdeführerin
bestimmen würden, so dass der Schmerz zum Lebensmittelpunkt werde (IV-act. 59/4).
Es fällt in dieser Einschätzung auf, dass der behandelnde Psychiater sich einseitig auf
das negative Leidensbild konzentriert und die subjektive Wahrnehmung der
Beschwerdeführerin hoch gewichtet, aber keine von den Gutachtern ausser Acht
gelassenen Erkenntnisse vorzubringen vermag. Das MEDAS-Gutachten erscheint
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hingegen umsichtiger. Es erkennt die Tragweite der subjektiv empfundenen Schmerzen
und prüft deren Überwindbarkeit nach objektiven Kriterien wie die Chronifizierung der
Beschwerden und die wirkungslose Behandlung.
3.7 Aus all dem folgt, dass das MEDAS-Gutachten nachvollziehbar und überzeugend
darlegt, wie die Experten zu ihren Schlussfolgerungen gekommen sind, keinen
Widerspruch zwischen Befunden und Schlussfolgerungen aufzeigt und eine
hinreichende medizinische Grundlage für die Beurteilung des Leistungsanspruchs
durch die rechtsanwendenden Behörden bildet. Damit sind die
rechtsprechungsmässigen Anforderungen der Beweistauglichkeit erfüllt.
4.
Gestützt auf das MEDAS-Gutachten ist vom 20. November 2007 bis zum Zeitpunkt des
Austrittsberichts der Klinik Valens von einer auf orthopädisch-somatischer
Beeinträchtigung beruhenden Arbeitsunfähigkeit von 100% auszugehen. Ab März 2008
besteht auf dieser Grundlage keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
mehr. Die Gutachter legen aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 20%
sowohl bei der angestammten als auch bei einer adaptierten Tätigkeit fest (IV-act.
75/17f.). Seit wann diese Arbeitsunfähigkeit gelten soll, haben die Gutachter nicht
gesagt. Die Beschwerdeführerin ist aber erst seit März 2009 in psychiatrischer
Behandlung. Selbst der behandelnde Psychiater Dr. D._ attestiert eine
diesbezügliche Arbeitsunfähigkeit erst seit Dezember 2008 (IV-act. 59/2). Es kann offen
bleiben, ob im vorliegenden Fall die Wartezeit bestanden wurde. Jedenfalls resultiert
aus dem Einkommensvergleich i.S.v. Art. 16 ATSG keine rentenbegründende
Invalidität. Mit dem Einkommensvergleich verhält es sich hier wie folgt:
4.1 Es stellt sich zuerst die hypothetische Frage nach dem Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person im Gesundheitsfall erzielen könnte (Valideneinkommen).
Ausgangspunkt für die Festsetzung des Valideneinkommens bildet erfahrungsgemäss
der letzte vor Eintritt der Gesundheitsschädigung erzielte Lohn (BGE 135 V 59 E. 31;
BGE 134 V 325 E. 4.1). Da die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erst seit
20. November 2007 eingeschränkt ist, kann auf den vom Rechtsvertreter eingereichten
Lohnausweis 2007 abgestellt werden (act. G 4.4). Dabei wurden eine
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Dienstalterszulage und eine Leistungszulage hinzugerechnet, so dass ein
Jahreseinkommen in der Höhe von Fr. 58 ́700.-- resultiert. Darin eingeschlossen sind
Kinderzulagen von Fr. 2 ́520.-- (vgl. IV-act. 31/12). Diese sind vom Jahreseinkommen
abzuziehen, so dass ein Valideneinkommen von Fr. 56 ́180.-- resultiert (vgl. auch IK-
Auszug in IV-act. 16-2). Demgegenüber ist das Erwerbseinkommen, das nach dem
Gesundheitsschaden und nach Durchführung von Eingliederungsmassnahmen auf
zumutbare Weise und bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erreicht werden könnte
(hypothetisches Invalideneinkommen), gestützt auf die statistischen Werte gemäss den
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen
(LSE) festzusetzen, weil die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit mehr
nachgeht. Der mittlere Lohn für Frauen, die 2007 einfache und repetitive Tätigkeiten
ausführten, belief sich auf Fr. 51 ́047.-- (IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Anhang 2, 2012). Bei einer Arbeitsunfähigkeit von 20% ergibt sich ein
Invalideneinkommen von Fr. 40 ́838.--.
4.2 Es stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang ein Tabellenlohnabzug auf
dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist, um den statistischen Durchschnittslohn an
die individuell-konkreten Verhältnisse anzupassen und allfällige lohnsenkende Faktoren
zu berücksichtigen. Mit der Festlegung einer Arbeitsunfähigkeit von 20% wurde
Rechnung getragen, dass aufgrund des psychischen Leidens die Beschwerdeführerin
eine reduzierte Leistung erbringt, weshalb auf dieser Grundlage keine zusätzliche
Herabsetzung der Tabellenlöhne gerechtfertigt ist. Dass bei ihr nach erfolgloser
Behandlung in der Zukunft ein erhöhtes Krankheits- und damit Abwesenheitsrisiko
bestehe, dürfte sich allerdings auf dem Arbeitsmarkt lohnsenkend auswirken, indem sie
einen tieferen Lohn hinnehmen müsste, um konkurrenzfähig zu bleiben. Dieser
Umstand erscheint abzugsfähig (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_650/2008, E. 5.4
vom 25. November 2008). Da die Beschwerdeführerin nur leichte Tätigkeiten ausüben
kann und die Lohnstrukturerhebungen auch Löhne für körperlich schwere Tätigkeiten,
die in der Regel besser entlöhnt werden, beinhalten, ist ein solcher Nachteil auch mit
dem (behinderungsbedingten) Abzug auszugleichen (BGE 129 V 481 f. E. 4.2.). Die
Nationalität der Beschwerdeführerin hingegen stellt keinen lohnsenkenden Nachteil
dar, werden doch die in Frage kommenden Arbeiten mehrheitlich von Menschen mit
Migrationshintergrund ausgeführt. Die bei der letzten Arbeitgeberin absolvierten
Dienstjahre wurden bereits beim Valideneinkommen mit berücksichtigt
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(Dienstalterszulage) und rechtfertigen keinen Abzug beim Invalideneinkommen. Bei der
Höhe des vorzunehmenden Abzuges handelt es sich um eine Ermessensfrage.
Gestützt auf die erwähnten abzugsrelevanten Umstände erscheint ein
Tabellenlohnabzug von 10% angezeigt. Das Invalideneinkommen beläuft sich damit auf
Fr. 36 ́754.-- (Fr. 40 ́838.-- x 0.90).
4.3 Da davon auszugehen ist, dass sich Validen- und Invalideneinkommen in etwa
gleich entwickeln, kann eine Aufwertung unterbleiben. Aus der Differenz zwischen dem
Valideneinkommen (Fr. 56 ́180.--) und dem Invalideneinkommen (Fr. 36 ́754.--) resultiert
eine Einkommenseinbusse von Fr. 19'426.--. Diese entspricht einem gemäss Art. 28
Abs. 1 lit. c IVG nicht rentenrelevanten Invaliditätsgrad von 35%.
5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Diese ist vollumfänglich
der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Bei diesem Verfahrensausgang hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP