Decision ID: 8f951fbd-39fe-512b-86ef-8c5429bc1789
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Hilflosenentschädigung (Revision)
Sachverhalt:
A.
A.a G._, Jahrgang 1992, leidet unter anderem an Trisomie 21, dem
Geburtsgebrechen Nr. 313 der Liste im Anhang zur Verordnung über
Geburtsgebrechen (GgV; SR 831.232.21). Neben medizinischen Massnahmen und
Sonderschulmassnahmen bezahlte die IV ihm ab 1. Juli 1994 Pflegebeiträge für
Hilflosigkeit leichten Grades (IV-act. 21) und ab 1. April 2005 für Hilflosigkeit mittleren
Grades (IV-act. 26). Mit Verfügung vom 8. Dezember 2004 wurde ihm rückwirkend ab
1. Januar 2004 eine Hilflosenentschädigung für mittelgradige Hilflosigkeit
zugesprochen (IV-act. 80).
A.b Im September 2008 füllten die Eltern des Versicherten ein Formular für die Revision
der Hilflosenentschädigung aus (IV-act. 99). Daraufhin stellte die IV-Stelle mit
Vorbescheid vom 29. Januar 2009 die Einstellung der Hilflosenentschädigung in
Aussicht (IV-act. 110). In Vertretung der Eltern des Versicherten als dessen gesetzliche
Vertreter beantragte Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer von der procap,
Schweizerischer Invalidenverband, im Einwand vom 2. März 2009 die
Weiterausrichtung der Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades (IV-act. 122).
Die IV-Stelle erachtete schliesslich weitere Abklärungen für notwendig und führte am
23. März 2009 eine telefonische Befragung der Mutter des Versicherten durch (IV-
act. 125). Im Anschluss daran verfügte sie am 23. März 2009 die Herabsetzung der
Hilflosenentschädigung ab 1. Mai 2009 auf eine solche für Hilflosigkeit leichten Grades
infolge dauernder Überwachungsbedürftigkeit (act. G 1.2).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde der Rechtsvertreterin des
Versicherten vom 11. Mai 2009. Sie beantragt die Aufhebung der Verfügung. Dem
Beschwerdeführer sei eine Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades
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zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Leider hätten es die Eltern des Beschwerdeführers versäumt, den Revisionsfragebogen
sorgfältig auszufüllen; sie hätten ihn nur rudimentär und vielleicht sogar "schludrig"
ausgefüllt. Sie seien davon ausgegangen, dass sich die Leistungen nicht ändern
würden, da sich die Situation nur unwesentlich verändert habe. Gleichzeitig habe es die
Beschwerdegegnerin unterlassen, den Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung
ordentlich abzuklären. Es habe keine persönliche Abklärung vor Ort stattgefunden. Die
Rechtsvertreterin macht im Folgenden Ausführungen zu den einzelnen
Lebensverrichtungen, auf die im Rahmen der Erwägungen im Einzelnen einzugehen ist.
Weiter lässt der Beschwerdeführer darauf hinweisen, dass sich die Situation nicht
verändert habe, sodass kein Revisionsgrund gegeben sei. Der behandelnde Hausarzt
Dr. med. A._ habe im Bericht vom 29. April 2009 festgehalten, dass der
Beschwerdeführer in den alltäglichen Lebensverrichtungen auf Hilfe angewiesen sei.
Die Veränderung der Leistungen sei für den Arzt, der den Beschwerdeführer seit
einigen Jahren kenne, nicht nachvollziehbar, da sich die medizinische Situation nicht
verbessert habe (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2009 die
Abweisung der Beschwerde. Beim Beschwerdeführer würden seit seiner Geburt
dieselben Diagnosen vorliegen. Ihm sei zuzustimmen, dass sich der medizinische
Sachverhalt seit der Verfügung vom 8. Dezember 2004 nicht verändert habe. Aufgrund
des seither sich fortsetzenden Reifungsprozesses seiner Persönlichkeit sei er jedoch
viel selbstständiger geworden. Er habe gelernt, mit seiner Behinderung besser
umzugehen und benötige eine deutlich geringere Hilfestellung durch Drittpersonen als
früher. Dies bedeute revisionsrechtlich, dass sich der rechtserhebliche Sachverhalt
wesentlich geändert habe, weshalb die Hilflosenentschädigung zu Recht herabgesetzt
worden sei. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ergäben sich keine
Hinweise, dass das Revisionsformular unsorgfältig ausgefüllt worden sei. Zudem habe
man bei der Mutter des Beschwerdeführers noch eine telefonische Abklärung
durchgeführt, um die im Einwand vorgebrachten Punkte zu erörtern. Eine Abklärung an
Ort und Stelle brächte keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn, sodass man darauf habe
verzichten dürfen. Im Folgenden äussert sich auch die Beschwerdegegnerin zu den
einzelnen Lebensverrichtungen und schlussfolgert, dass der Beschwerdeführer einzig
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auf intensive persönliche Überwachung angewiesen sei. Dies begründe nur Anspruch
auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit leichten Grades (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 24. August 2009 lässt der Beschwerdeführer an den Anträgen
gemäss Beschwerde festhalten. Da die letzte Abklärung vor Ort anscheinend im
November 2004 stattgefunden habe, wäre es sinnvoll, dass sich die Abklärungsperson
ein Bild des Beschwerdeführers mache, den sie bezüglich seiner Selbstständigkeit
bzw. seines Bedarfs an Unterstützung Dritter zu beurteilen habe. Nur in eindeutigen
Fällen, kurz nach der letzten Abklärung, möge ausnahmsweise eine telefonische
Abklärung genügen. Die Abklärung vom Schreibtisch aus sei vorliegend nicht
rechtsgenüglich gewesen. Es folgen Erwiderungen zu den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin zu den einzelnen Lebensverrichtungen. Abschliessend drückt die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ihr Befremden über die Vorgehensweise der
Beschwerdegegnerin aus. Es sei Pflicht der Behörde, eine sorgfältige, objektive
Abklärung des Anspruchs vorzunehmen. Die Fragestellung sei vorliegend oberflächlich
geblieben und habe nicht die ganze Lebensverrichtung in all ihren Facetten erfasst.
Gleichzeitig entstehe der Eindruck, dass die Beschwerdegegnerin sich über die
Bestimmungen im Gesetz, in der Verordnung und in den Weisungen der
Aufsichtsbehörde hinwegsetze mit dem Ziel, die indirekte Dritthilfe bei der
Hilflosenentschädigung ausser Acht zu lassen. Diese Tendenz könne leider in mehreren
Fällen im Kanton St. Gallen festgestellt werden (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 28. August 2009 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 8).
B.e Auf weitere Vorbringen der Parteien wird, sofern entscheidwesentlich, im Rahmen
der Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
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Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]). Nach Abs. 2 wird auch jede andere formell rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich
verändert hat. Hilflosenentschädigungen fallen in den Anwendungsbereich von Abs. 2.
1.2 Als hilflos gilt, wer wegen der Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung
bedarf (Art. 9 ATSG). Hilflose Personen haben einen Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Es ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer
und leichter Hilflosigkeit (Art. 42 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine leichte Hilflosigkeit liegt vor, wenn eine
versicherte Person in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (Art. 37 Abs. 3 lit. a der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]), einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 3 lit. b IVV) oder nur dank
regelmässigen und erheblichen Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte
pflegen kann (Art. 37 Abs. 3 lit. d IVV). Als mittelschwer gilt die Hilflosigkeit, wenn die
versicherte Person trotz Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen
Lebensverrichtungen (d.h. in mindestens vier von sechs massgebenden Verrichtungen)
in erheblicher Weise auf Dritthilfe angewiesen ist, in mindestens zwei
Lebensverrichtungen der Dritthilfe und überdies einer dauernden persönlichen
Überwachung oder dauernder lebenspraktischer Begleitung bedarf (Art. 37 Abs. 2 IVV).
Ist die versicherte Person vollständig hilflos, benötigt sie also in allen
Lebensverrichtungen regelmässig und in erheblicher Weise Dritthilfe und dauernde
Pflege oder persönliche Überwachung, so gilt die Hilflosigkeit als schwer (Art. 37
Abs. 1 IVV).
1.3 Neben der direkten ist auch die indirekte Dritthilfe zu beachten. Diese ist gegeben,
wenn die versicherte Person die alltäglichen Lebensverrichtungen zwar
funktionsmässig selbst ausführen kann, dies aber nicht, nur unvollständig oder zu
Unzeiten tun würde, wenn sie sich selbst überlassen wäre. Eine persönliche und nicht
nur allgemeine Überwachung bei der jeweiligen Lebensverrichtungen ist also von
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Nöten (vgl. Rz 8029 ff. des vom Bundesamt für Sozialversicherung herausgegebenen
Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit [KSIH]).
2.
Zur Beurteilung, ob die Revisionsvoraussetzungen vorliegend gegeben sind, ist der
Sachverhalt, wie er sich im Zeitpunkt der Verfügung vom 8. Dezember 2004
präsentierte, zu vergleichen mit jenem bei Herabsetzung der Entschädigung am
23. März 2009.
2.1 Im Dezember 2004 war der Beschwerdeführer zwölf Jahre alt. Gemäss
Abklärungsbericht vom 18. November 2004 musste man ihn beim Ankleiden
kontrollieren. Er ziehe vieles verkehrt an mit den Nähten nach aussen. Die Mutter richte
die Kleider her, er könne sich nicht witterungsgerecht anziehen. Knöpfe und
Reissverschlüsse könne er nicht schliessen, Schuhe binden gehe auch nicht (IV-
act. 79). Im Fragebogen vom 1. September 2008 gaben die Eltern an, der
Beschwerdeführer brauche keine Hilfe beim An- und Auskleiden, lediglich etwas
Kontrolle (IV-act. 99-4). Bei der telefonischen Befragung vom 23. März 2009 präzisierte
die Mutter, der Beschwerdeführer brauche betreffend witterungsadäquate Kleidung
Anweisung und Kontrolle. Wenn die Kleidung gerichtet werde, sei keine weitere Hilfe
nötig (IV-act. 125-2). Offenbar sind also Knöpfe und Reissverschlüsse anders als noch
2004 unterdessen kein Problem mehr und der Beschwerdeführer ist zudem in der
Lage, die Kleider richtig herum und mit den Nähten nach innen anzuziehen. Somit ist
davon auszugehen, dass der bei Erlass der angefochtenen Verfügung fast 17 Jahre alte
Beschwerdeführer seit 2004 diesbezüglich Fortschritte gemacht und eine erhöhte
Selbstständigkeit erlangt hat. Zwar muss die Mutter den Beschwerdeführer in seiner
Kleiderwahl überwachen und ihn allenfalls auffordern, sich wettergerechter anzuziehen.
Eine gewisse indirekte Dritthilfe ist folglich zu bejahen. Ob diese aber die
Erheblichkeitsschwelle überschreitet, kann letztlich offen gelassen werden, wie
nachfolgend zu zeigen ist.
2.2 In den Verrichtungen Aufstehen, Absitzen und Abliegen benötigte der
Beschwerdeführer unbestrittenermassen bereits 2004 keine Hilfeleistungen mehr (IV-
act. 79-3).
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2.3 Anlässlich der Abklärung vom 17. November 2004 hatte die Mutter des
Beschwerdeführers ausgesagt, ihr Sohn esse mit Messer und Gabel. Weiche Sachen
könne er selbst zerkleinern. Das Fleisch müsse ihm regelmässig zerschnitten werden
(IV-act. 79-3). Im Fragebogen vom 1. September 2008 verneinten die Eltern eine
Hilfsbedürftigkeit in der Verrichtung des Essens hingegen (IV-act. 99-4). Anlässlich der
Telefonabklärung gab die Mutter an, der Beschwerdeführer könne beispielsweise Brot
nicht selber schneiden. Beim Schneiden von Fleisch habe er jedoch Fortschritte erzielt
(IV-act. 125-2). In der Beschwerde wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer
benötige Kontrolle und Anweisung bei der Menge, die er sich schöpfe. Die Eltern
müssten ihn stoppen, damit er nicht zu viel esse. Anweisung und Kontrolle seien auch
notwendig, weil er sich beispielsweise regelmässig zu viel Konfitüre aufs Brot streiche
(act. G 1, S. 6). Demgegenüber ist einem Jahresbericht der Schule vom Sommer 2005
zu entnehmen, dass es angenehm sei, mit dem Beschwerdeführer an einem Tisch zu
essen. Er habe gute Tischmanieren und esse sauber mit Messer und Gabel. Er sei
fähig, seinen Hunger einzuschätzen und die Portionen entsprechend zu dosieren (IV-
act. 91-4). Es braucht nicht geklärt zu werden, ob der Beschwerdeführer das Brot nicht
abbeissen kann, sondern zerschneiden muss. Selbst wenn er für die Zerkleinerung
harter Speisen Hilfe benötigt, ist nicht davon auszugehen, dass die Hilfe regelmässig
notwendig ist und ein erhebliches Ausmass annimmt, denn es wäre dem
Beschwerdeführer zumutbar, nicht täglich hartes oder fest gebackenes Brot etc. zu
essen (vgl. etwa den Entscheid AHV-H 2008/1 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 15. August 2008, Erw. 2.3.2). Sollte der Beschwerdeführer von sich aus
tendenziell zu grosse Mengen essen, wie die Eltern behaupten (was von Seiten der
Schule jedoch verneint wird), so könnte dies ohne nennenswerten Aufwand verhindert
werden, indem man ihm eine angemessene Portion auf den Teller schöpft. Ein
gewisser Bedarf an indirekter Dritthilfe beim Essen in Form von gelegentlicher Kontrolle
ist nach Lage der Akten zwar glaubhaft. Dass diese die geforderte Erheblichkeitsgrenze
erreicht, ist jedoch nicht überwiegend wahrscheinlich.
2.4 Im November 2004 war bei der Körperpflege regelmässige Hilfeleistung beim
Waschen, Kämmen und Baden/Duschen bejaht worden. Der Beschwerdeführer könne
unter der Dusche die Wassertemperatur nicht selber einstellen. Die Haare müssten von
der Mutter gewaschen werden. Nach dem Duschen müsse die Mutter ihn abtrocknen.
Er stehe einfach nur da und klage, dass er kalt habe. Die Mutter müsse die Haare
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immer nachkämmen (IV-act. 79-4). Im Fragebogen vom 1. September 2008 verneinten
die Eltern Hilfeleistungen bei der Körperpflege und ergänzten, man müsse kontrollieren
(IV-act. 99-4). Telefonisch gab die Mutter schliesslich die Auskunft, dass sie den
Beschwerdeführer auffordern müsse, aus der Dusche zu kommen, wenn er nicht von
selbst zu duschen aufhöre (IV-act. 125-2). In der Beschwerde wurde angefügt, die
Mutter weise den Beschwerdeführer an, die Haare zu waschen und sage ihm, welche
Körperteile er vergessen habe. Finger- und Zehennägel könne er nicht selber
schneiden. Er müsse angewiesen werden, sich einzukremen und gegen trockene
Lippen einen Pomadenstift zu benützen (act. G 1, S. 6). Auch bei der Körperpflege ist
eine wesentliche und regelmässige direkte Hilfeleistung im Gegensatz zu 2004 nach
diesen Angaben offenbar nicht mehr nötig. Das Nagelschneiden muss nur sporadisch
vorgenommen werden und erfüllt somit das Kriterium der erheblichen Hilfestellung
nicht. Indirekte Dritthilfe durch Überwachung und gegebenenfalls Anleitung erscheint
jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als notwendig. So muss eine
überwachende Drittperson zumindest beim Duschen, Einkremen etc. grundsätzlich
anwesend sein. In der Lebensverrichtung der Körperpflege ist eine Hilflosigkeit
insbesondere in Form der indirekten Dritthilfe folglich zu bejahen.
2.5 Beim Verrichten der Notdurft war 2004 festgehalten worden, der
Beschwerdeführer vergesse, aufs WC zu gehen und müsse immer wieder daran
erinnert werden. Er gehe dann selber. Die Mutter überprüfe die Nachreinigung, da es
nicht immer sauber werde (IV-act. 79-4). Im Fragebogen vom 1. September 2008 war
Hilfeleistung beim Stichwort "Körperreinigung/Überprüfung der Reinlichkeit" bejaht
worden (IV-act. 99-4). Bei der telefonischen Befragung hatte die Mutter ausgesagt, der
Beschwerdeführer wisse in der Regel, wann er zur Toilette müsse. In besonderen
Situationen komme es vor, dass er es vergesse und mal in die Hosen mache. Die
Reinigung nach der Verrichtung falle nicht immer zufriedenstellend aus. Dies sehe die
Mutter, wenn sie die Wäsche wasche. Ab und an übe die Mutter die Reinigung wieder
mit dem Beschwerdeführer. Eine erhebliche Dritthilfe liege indes nicht vor (IV-
act. 125-2). In der Beschwerde wurde darauf hingewiesen, nach dem Stuhlgang sei es
notwendig, dass die Mutter kontrolliere und nachreinige. Vor längeren Autofahrten oder
Gelegenheiten, bei denen einige Zeit keine Toilette in der Nähe sei, müsse der
Beschwerdeführer angewiesen werden, die Toilette vorher aufzusuchen (act. G 1, S. 6).
Insbesondere unter Berücksichtigung der telefonischen Aussagen der Mutter des
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Beschwerdeführers ist davon auszugehen, dass selbst beim Stuhlgang nicht
regelmässig eine Kontrolle und gegebenenfalls Nachreinigung erfolgt. Auch hier ist
dementsprechend jedenfalls nicht von erheblicher Dritthilfe auszugehen. Dass man den
Beschwerdeführer gelegentlich – so etwa vor langen Autofahrten – auffordern muss,
die Toilette zu benützen, ist nicht in der erforderlichen Regelmässigkeit notwendig.
Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin die Hilflosigkeit in dieser Lebensverrichtung
zu Recht verneint.
2.6 Im Jahr 2004 war festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer in der
Lebensverrichtung der Fortbewegung im Freien sowie in der Pflege gesellschaftlicher
Kontakte auf Hilfe angewiesen sei. Die Mutter bringe ihn zum Schulbus. Sein
Orientierungssinn sei sehr schlecht (IV-act. 79-4). Im Fragebogen vom 1. September
2008 gaben die Eltern an, der Beschwerdeführer brauche Begleitung im
Strassenverkehr und bei der Pflege gesellschaftlicher Kontakte (IV-act. 99-4). Bei der
telefonischen Befragung sagte die Mutter aus, den Schulweg könne der
Beschwerdeführer nun selbst zurücklegen. Für Wegstrecken, die er nicht kenne, sei
Begleitung notwendig. Im Strassenverkehr behindere ihn zusätzlich sein schlechtes
Gehör (IV-act. 125-3). In der Beschwerde wurde ergänzt, dass der Beschwerdeführer
an gesellschaftliche Anlässe nur in Begleitung der Eltern gehen könne. Dadurch, dass
er stark hörbehindert sei, könne er sich nur schlecht (stichwortartig) ausdrücken. Er sei
auf die Hilfe von ihm nahestehenden Personen für die Verständigung mit Dritten
angewiesen (act. G 1, S. 7). Aufgrund der Akten kann als erstellt gelten, dass der
Beschwerdeführer insbesondere für die Pflege gesellschaftlicher Kontakte – diese
gehen über Familie und Schule hinaus – auf Dritthilfe angewiesen ist. Auch die
Fortbewegung ausserhalb des Schulwegs ist ihm allein kaum möglich. Somit ist hier
das Vorliegen von Hilflosigkeit zu bejahen.
2.7 Insgesamt kam es im Vergleich zu 2004 in mehreren alltäglichen
Lebensverrichtungen zu einer relevanten Verbesserung. Der Beschwerdeführer ist
selbstständiger geworden und seine Betreuung gestaltet sich weniger aufwändig. In
den Lebensverrichtungen der Körperpflege und der Fortbewegung/Pflege
gesellschaftlicher Kontakte sowie allenfalls beim An- und Auskleiden benötigt er
gemäss den Erwägungen jedoch nach wie vor in erheblichem Ausmass teils direkte,
teils indirekte Dritthilfe.
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3.
3.1 Eine dauernde persönliche Überwachungsbedürftigkeit im Sinn von Art. 37 Abs. 2
lit. b IVV liegt vor, wenn eine Drittperson mit kleinen Unterbrüchen durchgehend bei der
versicherten Person anwesend sein muss, weil sie nicht allein gelassen werden kann
(ZAK 1989 S. 174 Erw. 3b). Das Erfordernis der Dauer bedingt indes nicht, dass die
betreuende Person ausschliesslich an die überwachte Person gebunden ist, und hat
auch nicht die Bedeutung von "rund um die Uhr", sondern ist als Gegensatz zu
"vorübergehend" (etwa bei einer akuten Krankheit) zu verstehen
(Bundesgerichtsentscheid 8C_912/2008 vom 5. März 2009, Erw. 3.2.3). Das Erfordernis
der dauernden persönlichen Überwachung als zusätzliche Anspruchsvoraussetzung
gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV bezieht sich nicht auf die alltäglichen
Lebensverrichtungen und ist deshalb von der indirekten Dritthilfe zu unterscheiden
(ZAK 1984 S. 354 Erw. 2c). Hilfeleistungen, die bereits als direkte oder indirekte Hilfe in
einem Bereich der alltäglichen Lebensverrichtung Berücksichtigung gefunden haben,
können bei der Beurteilung der Überwachungsbedürftigkeit nicht nochmals ins Gewicht
fallen. Es handelt sich vielmehr um eine Art medizinischer oder pflegerischer
Hilfeleistung, die infolge des physischen, geistigen oder psychischen Zustands der
versicherten Person notwendig ist (Bundesgerichtsentscheid 8C_158/2008 vom
15. Oktober 2008, Erw. 5.2.1; BGE 107 V 136 neues Fenster Erw. 1b mit Hinweisen;
ZAK 1990 S. 44 Erw. 2c).
3.2 Nur eine dauernde persönliche Überwachung von einer gewissen Intensität ist
anspruchsbegründend. Da die Voraussetzungen in Bezug auf die Dritthilfe bei
Vornahme der Lebensverrichtungen im Zusammenhang mit der mittelschweren
Hilflosigkeit weit weniger umfassend sind als bei der schweren Hilflosigkeit (Art. 37
Abs. 1 IVV), ist der dauernden persönlichen Überwachung im Rahmen von Art. 37
Abs. 2 lit. b IVV nach der Praxis des Bundesgerichts ein grösseres Gewicht
beizumessen und nicht bloss ein minimales wie bei Art. 37 Abs. 1 IVV (8C_158/2008,
Erw. 5.2.1, mit Hinweisen; Rz 8037 KSIH). Grundsätzlich muss eine
Überwachungsbedürftigkeit etwa dann angenommen werden, wenn die versicherte
Person ohne Überwachung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sich selbst oder
Drittpersonen gefährden würde (Rz 8035 KSIH).
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=hilflosenentsch%E4digung+%FCberwachung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F107-V-136%3Ade&number_of_ranks=0#page136
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3.3 Die Parteien sind sich darüber einig, dass der dauernde persönliche
Überwachungsbedarf gemäss Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV vorliegend gegeben ist. Dieser
Auffassung ist zuzustimmen. Im Fragebogen vom 1. September 2008 hatten die Eltern
die Frage nach Bedarf an persönlicher Überwachung tagsüber oder nachts zwar
verneint (IV-act. 99-5). Bei der telefonischen Befragung hatte die Mutter hingegen
ausgesagt, dass der Beschwerdeführer nicht länger als eine halbe Stunde nach klarer
Ansage wie "Ich gehe kurz einkaufen" allein gelassen werden könne. Insbesondere
abends müsse immer jemand zuhause sein. Wenn die Eltern mal nicht verfügbar seien,
müsse zwingend ein Sitter organisiert werden. G._ habe allein grosse Angstzustände.
Es sei ihm nicht möglich, adäquat Hilfe zu organisieren. Der Umgang mit dem Telefon
falle ihm noch schwer (IV-act. 125-3). Im Rahmen der Abklärung vom November 2004
war darauf hingewiesen worden, dass die Mutter etwas im Haus machen könne, da der
Beschwerdeführer wisse, dass sie da sei und er jederzeit kommen könne (IV-act. 79-6).
Insgesamt kann als erstellt gelten, dass der Beschwerdeführer höchstens für kurze Zeit
alleingelassen werden kann. Zwar lässt sich den Akten nicht entnehmen, ob aufgrund
der Angstzustände, denen der Beschwerdeführer bei Alleinsein ausgesetzt ist, eine
Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt. Die Ängste an sich verbunden mit der
Unfähigkeit, situationsadäquat zu reagieren, begründen jedoch an sich bereits einen
Bedarf an dauernder persönlicher Überwachung. Kleinere Unterbrüche vermögen
diesen Bedarf wie erläutert nicht zu erschüttern. Mit den Parteien ist folglich davon
auszugehen, dass das Kriterium des dauernden persönlichen Überwachungsbedarfs
erfüllt ist.
3.4 Insgesamt ergibt sich, dass der Beschwerdeführer in zwei, allenfalls sogar drei der
alltäglichen sechs Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf Dritthilfe
angewiesen ist und darüber hinaus der dauernden persönlichen Überwachung bedarf.
Damit erfüllt er die Voraussetzungen des Art. 37 Abs. 2 lit. b IVV für den Bezug einer
Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren Grades.
4.
4.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 23. März 2009 gutzuheissen. Der Beschwerdeführer hat
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auch ab Mai 2009 weiterhin Anspruch auf eine Entschädigung für Hilflosigkeit mittleren
Grades.
4.2 Bei Eintritt der Volljährigkeit des Beschwerdeführers wird die Beschwerdegegnerin
zu prüfen haben, ob er der lebenspraktischen Begleitung im Sinn von Art. 42 Abs. 3
IVG i.V.m. Art. 38 IVV bedarf. Die Beschwerdegegnerin wird zu gegebener Zeit
diesbezügliche Abklärungen vorzunehmen haben, wobei sie betreffend Qualität der
Abklärung die in BGE 133 V 450 Erw. 11.1.1 erläuterten Grundsätze zu beachten haben
wird.
4.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. Sie ist der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer ist der von ihm geleistete
Gerichtskostenvorschuss von Fr. 600.- zurückzuerstatten.
4.4 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht