Decision ID: 41819b7e-77e1-4879-afe5-759b4c290c2e
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der aus Georgien stammende Beschwerdeführer suchte erstmals am
3. November 2012 in der Schweiz um Asyl nach und wurde am 24. Juni
2013 von der Schweiz in sein Heimatland zurückgeführt.
B.
Am 1. März 2022 reiste der Beschwerdeführer erneut in die Schweiz ein
und stellte am 3. März 2022 ein weiteres Asylgesuch.
C.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentralein-
heit Eurodac) am 8. März 2022 ergab, dass der Beschwerdeführer am
21. Januar 2013 in Schweden sowie am 23. Januar 2014 und am 16. Ok-
tober 2014 in Deutschland je ein Asylgesuch eingereicht hatte. Anlässlich
des Dublin-Gesprächs vom 5. April 2022 gab der Beschwerdeführer zu
Protokoll, er habe im Jahr 2014 in Deutschland ein Asylverfahren durch-
laufen, sein Gesuch aber wegen familiärer Probleme in seinem Heimat-
staat zurückgezogen. Seither habe er sich bis zu seiner erneuten Ausreise
am 23. Februar 2022 in Georgien aufgehalten. Gestützt darauf ersuchte
das SEM Deutschland um Aufnahme des Beschwerdeführers nach Art. 18
(1) d der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren
zur Bestimmung des Mitgliedstaates, der für die Prüfung eines von einem
Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten
Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (Dublin-III-VO). Mit Schrei-
ben vom 7. April 2022 lehnten diese das Aufnahmeersuchen ab. Gleichen-
tags erklärte die Vorinstanz das Dublin-Verfahren für beendet.
D.
Am 7. und am 18. März 2022 wurde der Beschwerdeführer medizinisch
abgeklärt, wobei ihm ein depressiv-ängstliches Syndrom sowie Unterleibs-
schmerzen diagnostiziert und die Einnahme von Antidepressiva verschrie-
ben wurden. Eine Tuberkulose-Erkrankung wurde verneint.
E.
Die Personalienaufnahme des Beschwerdeführers fand am 10. März 2022
statt. Am 7. Juni 2022 wurde er zu seinen Asylgründen angehört. Dabei
machte er im Wesentlichen Folgendes geltend: Er stamme aus dem Dorf
B._, in der Provinz C._. Dort sei er im Oktober 2021 von ihm
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unbekannten Leuten bedroht und dazu aufgefordert worden, die Regie-
rungspartei zu wählen und auch seine Freunde und Verwandten davon zu
überzeugen. Am Wahltag sei er vor dem Wahllokal in ein Handgemenge
zwischen Anhängern der Regierungspartei und der Opposition geraten und
dabei auch geschlagen worden. Man habe dort gedacht, dass er engen
Kontakt zu der Opposition habe und diese auch gewählt habe. Er sei aller-
dings weder politisch aktiv noch interessiere er sich für Politik. Fünf Tage
später sei er mit seinem Auto von der Polizei angehalten und des Drogen-
konsums beschuldigt und mit Verhaftung bedroht worden. Mitte Februar
2022 sei er aus demselben Grund wieder von der Polizei angehalten wor-
den. Als sich dieser Vorfall drei Tage später im Beisein seiner Freunde wie-
derholt habe, sei er ein paar Tage darauf legal per Flugzeug in die Türkei
ausgereist. Während seiner Abwesenheit sei eine alte Steuerforderung zu-
sammen mit einem Bussgeld gegen seine Frau erhoben worden; sie sei
die offizielle Eigentümerin eines Unternehmens seiner Schwiegermutter.
Seine Frau befürchte, dass es im Falle des Nichtbezahlens zu einer
Zwangsvollstreckung kommen würde und sie ihr Heimatland ebenfalls ver-
lassen müsse. Der Beschwerdeführer reichte das Original seines Perso-
nalausweises und eine Kopie seines Reisepasses zu den Akten.
F.
Am 14. Juni 2022 stellte das SEM der zugewiesenen Rechtsvertretung den
Entscheidentwurf zur Stellungnahme zu. Diese datiert vom 15. Juni 2022.
G.
Mit Verfügung vom 17. Juni 2022 – eröffnet am gleichen Tag – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab und ordnete die Wegwei-
sung aus der Schweiz sowie den Vollzug an. Gleichentags legte die zuge-
wiesene Rechtsvertretung ihr Mandat nieder.
H.
Am 24. Juni 2022 erhob der Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf-
zuheben und ihm die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen. Eventualiter
seien die Dispositivziffern 3 – 5 aufzuheben und er sei vorläufig in der
Schweiz aufzunehmen, subeventualiter sei der Entscheid im Wegwei-
sungspunkt dahingehend abzuändern, dass die Rückschaffung nach Ge-
orgien derzeit aus medizinischen Gründen ausgeschlossen werde. In pro-
zessualer Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Prozessführung inklu-
sive eines Verzichts auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Im Wei-
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teren ersuchte er um den Beizug sämtlicher Verfahrensakten sowie die Er-
öffnung eines Schriftenwechsels mit Replikrecht zu allfälligen Stellungnah-
men der Vorinstanz.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
27. Juni 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG). Mit
Schreiben vom gleichen Tag bestätigte das Bundesverwaltungsgericht den
Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Die Beschwerde ist fristgerecht eingereicht worden. Sie enthält zudem
Rechtsbegehren, die Unterschrift des Beschwerdeführers sowie eine
– wenn auch nur rudimentäre – Begründung. Da an eine Laienbeschwerde
keine hohen formellen Anforderungen zu stellen sind, ist die Eingabe auch
als formgerecht zu qualifizieren. Der Beschwerdeführer hat am Verfahren
vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung
besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Be-
schwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie
Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
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Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Soweit der Beschwerdeführer formelle Rügen (Verletzung des Willkür-
verbotes, Rechtsverletzungen sowie Ermessensfehler) erhebt, ist vorab
festzuhalten, dass sich diese als unbegründet erweisen, zumal weder der
Beschwerde noch den Akten zu entnehmen ist, inwiefern die Vorinstanz
ihre diesbezüglichen Pflichten verletzt haben soll.
4.2 Die Vorinstanz würdigte im angefochtenen Entscheid einlässlich die
Asylgründe des Beschwerdeführers. Angesichts der fehlenden Asylrele-
vanz der Vorbringen konnte darauf verzichtet werden, weitere Abklärungen
vorzunehmen. Auch hat die Vorinstanz in ihrer Verfügung die wesentlichen
Überlegungen genannt, von denen sie sich hat leiten lassen, sodass eine
sachgerechte Anfechtung möglich war. Nach dem Gesagten besteht keine
Veranlassung, den Entscheid aus formellen Gründen aufzuheben.
5.
5.1 Zur Begründung des ablehnenden Entscheides führt das SEM im We-
sentlichen aus, dass Georgien als sicherer Heimatstaat im Sinne von
Art. 6a Abs. 2 lit. a AsylG gelte. Somit würden entsprechende Asylgesuche
grundsätzlich abgelehnt, ausser es ergäben sich im Laufe der Anhörung
Hinweise auf eine Verfolgung. Dies treffe auch vorliegend zu, zumal der
Beschwerdeführer weder selbst politisch aktiv sei noch angab, sich für Po-
litik zu interessieren und jeweils nach entsprechenden Treffen mit Anhä-
ngern der Regierungspartei ohne Probleme wieder nach Hause zurückge-
kehrt sei. Da auch die Beteiligung am Handgemenge vor dem Wahllokal
oder seine sonstigen Vorbringen wie die (angedrohten) Verhaftungen
durch die Polizei wegen seines angeblichen Drogenkonsums oder die
Frage der Zwangsvollstreckung gegen seine Ehefrau in keinem sachlichen
oder zeitlichen Kausalzusammenhang zu diesen Ereignissen stünden,
könne eine asylrelevante Verfolgung ausgeschlossen werden.
5.2 Der Beschwerdeführer bringt in der Beschwerdeschrift vor, die Verfol-
gung in seinem Heimatstaat sei für ihn lebensbedrohlich.
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6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von
bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Die erlittene Verfolgung muss zudem sachlich und zeitlich
kausal für die Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grund-
sätzlich auch im Zeitpunkt des Asylentscheides noch aktuell sein.
6.3 Der Bundesrat hat Georgien am 28. August 2019 auf die Liste der ver-
folgungssicheren Staaten aufgenommen, womit Georgien ab dem 1. Okto-
ber 2019 im Sinne des Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG als sicherer Heimatstaat
(Safe Country) zu bezeichnen ist. Bei solchen Staaten gilt grundsätzlich die
Regelvermutung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Ver-
folgung nicht stattfindet und gestützt auf Art. 83 Abs. 5 des Bundesgeset-
zes vom 16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer und
über die Integration (AIG, SR 142.20) der Wegweisungsvollzug in der Re-
gel zumutbar ist, wobei es der betroffenen Person obliegt, diese Legalver-
mutungen umzustossen.
6.4 Nach Durchsicht der Akten kommt das Gericht zum Schluss, dass die
vorinstanzlichen Erwägungen nicht zu beanstanden sind. Eine Verfolgung
wegen der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Merkmale liegt nicht vor. Das
SEM hat die relevanten Sachumstände geprüft und in seiner Entscheidfin-
dung berücksichtigt. Es ist in ausreichender Weise auf die vom Beschwer-
deführer vorgetragenen Asylgründe eingegangen und hat in den Erwägun-
gen dargelegt, aus welchen Überlegungen es diese als nicht asylrelevant
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eingeschätzt hat. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden kann dies-
bezüglich vollumfänglich auf die überzeugenden Ausführungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden (vgl. angefochtene Verfügung, Ziffer II).
6.5 Demzufolge hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 Wie die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat, findet das in Art. 5
AsylG verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement im
vorliegenden Verfahren keine Anwendung. Sodann sind keine Anhalts-
punkte für eine in Georgien drohende menschenrechtswidrige Behandlung
im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) ersichtlich.
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8.2.2 Soweit sich der Beschwerdeführer auf seinen Gesundheitszustand
beruft, könnte die Bestimmung von Art. 3 EMRK – soweit das Verbot der
unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung betreffend – der Zuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs entgegenstehen.
8.2.3 Die Vorinstanz hielt in der angefochtenen Verfügung diesbezüglich
fest, dass er die benötigte medizinische Behandlung in seinem Heimatland
in Anspruch nehmen könne. Ebenfalls habe die Diagnose eines depressiv-
ängstlichen-Syndroms keine Auswirkungen auf seine Fähigkeit, die Rück-
reise antreten zu können.
8.2.4 Die vorinstanzlichen Erwägungen sind zu bestätigen. Das SEM hat
in der angefochtenen Verfügung zu Recht festgestellt, dass der Zugang zu
medizinischer Versorgung in Georgien gewährleistet ist. Für die Behand-
lung psychischer Probleme besteht sodann ein staatliches Programm
("State Programme for Mental Health"), welches allen georgischen Bürger-
innen und Bürgern offensteht und kostenlos ist (vgl. etwa Urteil des BVGer
E-2301/2020 vom 3. Januar 2022 E. 8.3.3 m.w.H.). Der Vollständigkeit hal-
ber sei erwähnt, dass der Beschwerdeführer – anders als in der Be-
schwerde angegeben – nicht an Tuberkulose erkrankt ist (vgl. Lettra di di-
missione, Ospedale Regionale die Mendrisio vom 7. März 2022).
8.2.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit als zulässig, da auch
die hohen Anforderungen, die die Rechtsprechung für die Unzulässigkeit
des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen Gründen stellt, offensichtlich
nicht erfüllt sind (vgl. bspw. BVGE 2011/9 E. 7 m.w.H.) Der Beschwerde-
führer macht denn auch nicht geltend, ihm drohe bei einer allfälligen Rück-
kehr durch die Ausschaffung – mangels angemessener medizinischer Be-
handlung im Zielstaat – ein reales Risiko, einer ernsten, raschen und un-
wiederbringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustands ausge-
setzt zu werden, die zu intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkür-
zung der Lebenserwartung führen würden (vgl. Urteil des EGMR Papos-
hvili gegen Belgien 13. Dezember 2016, Grosse Kammer, 41738/10, §§
180–193 m.w.H., und zum Ganzen auch BVGE 2017 VI/7 E. 6).
8.3
8.3.1 Der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer erweist sich als unzu-
mutbar, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG).
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Seite 9
8.3.2 Das SEM hielt hinsichtlich der wirtschaftlichen Situation in Georgien
fest, er verfüge als erwachsener Mann über ein Familiennetzwerk und lang-
jährige Berufserfahrung. Auch sein Gesundheitszustand stehe einer Rück-
kehr nicht im Weg.
8.3.3 Den vorinstanzlichen Erwägungen schliesst sich das Gericht an. Die
Vorinstanz hat zu Recht festgestellt, dass weder die allgemeine Lage in
Georgien noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung des Be-
schwerdeführers im Falle einer Rückkehr schliessen lassen. Der Vollzug
der Wegweisung erweist sich deshalb als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (im
Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und um Befreiung von der Kostenvor-
schusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG) ist abzuweisen, da die vorlie-
gende Beschwerde sich als offensichtlich unbegründet erweist.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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