Decision ID: fb5cc505-49e2-58b2-8071-068799797e1d
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X. besitzt den Führerausweis auf Probe der Kat. B seit dem 3. März 2009. Am 14.
November 2009, 2.56 Uhr, überschritt er die zulässige Höchstgeschwindigkeit (100 km/
h) auf der Autobahn um 36 km/h. Mit Verfügung vom 27. Mai 2010 entzog ihm die
Vorinstanz den Führerausweis deshalb für die Dauer von drei Monaten; vollzogen
wurde die Massnahme vom 27. September bis 26. Dezember 2010 (vgl. Verfügung vom
28. September 2010).
B.- Am 12. Februar 2013, 18.15 Uhr, lenkte X. einen Kleintransporter der Marke
Mercedes Benz (Vito) mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000000 auf der N.-Strasse in
Richtung M. In einer Rechtskurve kam das Fahrzeug bei verschneiter und teilweise
vereister Fahrbahn ins Schleudern und kollidierte mit einem entgegenkommenden VW
Golf. An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden in der Gesamthöhe von rund
Fr. 10'000.--; verletzt wurde niemand. Die Staats- und Jugendanwaltschaft verurteilte
X. mit Strafbefehl vom 26. Februar 2013 wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs
infolge Nichtanpassens der Geschwindigkeit an die gegebenen Strassenverhältnisse zu
einer Busse von Fr. 180.--. Mit Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 1. März 2013
wurde X. das Führen von Motorfahrzeugen ab sofort vorsorglich verboten. Am 19. März
2013 annullierte das Strassenverkehrsamt den Führerausweis und teilte mit, ein neuer
Lernfahrausweis könne frühestens ab 12. Februar 2014 aufgrund eines die Fahreignung
bestätigenden verkehrspsychologischen Gutachtens erteilt werden. Einem allfälligen
Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
C.- Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 3. April 2013 (Poststempel) erhob X. bei
der Verwaltungsrekurskommission Rekurs gegen die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 19. März 2013. Er beantragte, die Verfügung der Vorinstanz
sei aufzuheben und er sei zu verwarnen. Zudem sei dem Rekurs die aufschiebende
Wirkung zu erteilen und eine mündliche Verhandlung anzuordnen. Auf die weiteren
Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge und die Akten ist,
soweit erforderlich, in den Erwägungen einzugehen. Mit Schreiben vom 23. April 2013
verzichtete das Strassenverkehrsamt auf eine Vernehmlassung.
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Der Abteilungspräsident erteilte dem Rekurs gegen die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 19. März 2013 mit Verfügung vom 6. Mai 2013 die
aufschiebende Wirkung und teilte am 29. Mai 2013 mit, von einer mündlichen
Verhandlung einstweilen abzusehen.
Am 23. Juni 2013 nahm die Polizei X. den Führerausweis wegen einer Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsordnung auf der Stelle ab.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 3. April 2013 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass dem Rekurrenten der Führerausweis
auf Probe vom 27. September bis 26. Dezember 2010 – innerhalb der bis 2. März 2012
laufenden Probezeit – entzogen war. Ebenso ist nicht streitig, dass er am 12. Februar
2013 um 18.15 Uhr mit einem Kleintransporter auf der schnee- und eisbedeckten N.-
Strasse in einer Rechtskurve ins Schleudern geriet und mit einem
entgegenkommenden Fahrzeug kollidierte. Der Strafrichter ging davon aus, der
Rekurrent habe die Geschwindigkeit nicht den Strassenverhältnissen angepasst und
damit gegen Art. 32 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
und Art. 4 Abs. 2 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV)
verstossen; danach ist die Geschwindigkeit stets den Umständen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen, anzupassen und bei schnee- oder eisbedeckter Strasse langsam zu
fahren. Gegen den Strafbefehl ergriff der Rekurrent kein Rechtsmittel. Die
Administrativbehörde darf zwar nicht ohne ernsthafte Gründe von der
Tatsachenfeststellung durch den Strafrichter abweichen, vom Strafurteil geht jedoch
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keine Bindungswirkung hinsichtlich der Rechtsanwendung insbesondere der
Würdigung des Verschuldens und der Gefährdung aus (Ph. Weissenberger, Kommentar
zum Strassenverkehrsgesetz, 2011, N 9 f. vor Art. 16 ff. SVG).
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
4.- Die Vorinstanz hat die Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten vom 12. Februar
2013 als mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG
behandelt. Der Rekurrent geht demgegenüber von einer leichten Widerhandlung nach
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG aus.
a) Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt eine leichte Widerhandlung voraus, dass der
Lenker durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorgerufen hat und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Nach der
Rechtsprechung müssen eine geringe Gefahr (vgl. dazu nachfolgend E. 4b) und ein
leichtes Verschulden kumulativ gegeben sein (BGE 135 II 138 E. 2.2.3 mit Hinweisen).
b) aa) Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG setzt zunächst voraus, dass die
Verkehrsregelverletzung lediglich eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
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hervorgerufen hat. Eine Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 16a – 16c
SVG ist bei einer konkreten oder auch bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung zu
bejahen. Eine erhöhte abstrakte Gefahr besteht, wenn die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung nahe liegt. Ob eine solche Gefährdung vorliegt, hängt von
den jeweiligen Verhältnissen des Einzelfalls ab (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_184/2011 vom 31. Oktober 2011 E. 2.4.2 mit Hinweisen auf 1C_3/2008 vom 18. Juli
2008 E. 5.2, 1C_156/2010 vom 26. Juni 2010 E. 4 und BGE 131 IV 133 E. 3.2).
Wesentliches Kriterium für die Annahme einer erhöhten abstrakten Gefahr ist die Nähe
der Verwirklichung (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2 mit Hinweisen). Die Feststellung, dass
der Lenker die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren hat und ins Schleudern geraten
ist, erlaubt ohne Würdigung der Umstände im Einzelfall noch keine Aussage darüber,
ob eine schwere, eine mittelschwere oder eine leichte Widerhandlung gegeben ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts Urteil 1C_235/2007 vom 29. November 2007 E. 2.2). Ein
Kontrollverlust kann nicht als Indiz für das Vorliegen einer mindestens mittelschweren
Widerhandlung eingestuft werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_3/2008 vom
18. Juli 2008 E. 5.2).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist von einer geringen Gefahr
auszugehen, wenn die Verkehrsregelverletzung als Folge eines Zusammenspiels
mehrerer unglücklicher Umstände erscheint. Davon ging es bei einem Fahrzeuglenker
aus, der auf der mit Schneematsch bedeckten Autobahn die Situation falsch
einschätzte, aufgrund plötzlich aufleuchtender Warnlichter brüsk bremste und
daraufhin die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Es setzte sich in diesem Urteil jedoch
mehr mit dem Verschuldensaspekt auseinander als mit der Frage der Gefährdung.
Gleich beurteilte es die Situation, in der ein Lenker die Schleudergefahr bei Regen nur
geringfügig unterschätzte und die Höchstgeschwindigkeit ausserorts zwar deutlich (60
bis 70 km/h bei zulässiger Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h), aber angesichts der
schlechten Verhältnisse noch zu wenig, unterschritten hatte und einen Selbstunfall
verursachte (vgl. die Hinweise im Urteil des Bundesgerichts 1C_3/2008 vom 18. Juli
2008 E. 5.3, wobei die vom Bundesgericht genannten Kriterien mehr für die Beurteilung
des Verschuldens massgebend sind). Von einer mittelschweren Widerhandlung ist
hingegen auszugehen, wenn ein Fahrzeug innerorts bei einer Geschwindigkeit von 50
km/h auf schneebedeckter Fahrbahn ins Schleudern gerät, wenn der Lenker ausserorts
auf einer kurvenreichen, abfallenden Strasse bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h
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beim Abbremsen ins Schleudern gerät, wenn ein Lenker bei nicht angepasster
Geschwindigkeit zu nahe an der Mittellinie fährt und, aufgeschreckt durch ein
entgegenkommendes Fahrzeug, eine überzogene Lenkkorrektur vornimmt oder wenn
eine Kombination von Fahrfehlern bei erhöhter Geschwindigkeit eine erhöhte abstrakte
Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer bewirkt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_3/2008 vom 18. Juli 2008 E. 5.3 und 5.4). Eine mittelschwere Widerhandlung wurde
ferner bei einem Selbstunfall mit Sachschaden bejaht (vgl. Urteil des Bundesgerichts
1C_83/2010 vom 12. Juli 2010).
bb) Der Rekurrent macht unter Berufung auf das zitierte Bundesgerichtsurteil
1C_3/2008 vom 18. Juli 2008 geltend, er sei im Bereich der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit lediglich mit einer Geschwindigkeit von 35 bis 40 km/h
unterwegs gewesen. Auch wenn er noch langsamer hätte fahren sollen, sei er
grundsätzlich sehr langsam unterwegs gewesen und habe die Schleudergefahr beim
Herunterschalten falsch eingeschätzt. Infolge der niedrigen Geschwindigkeit habe auch
nur eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer bestanden. Zudem sei das
Verkehrsaufkommen gering gewesen und niemand verletzt worden. Aufgrund der
herrschenden Wetterverhältnisse hätten sich zahlreiche weitere Unfälle ereignet. Die
Fahrbahn sei spiegelglatt gewesen. Bei derart widrigen Wetterverhältnissen seien die
Voraussetzungen für die Annahme eines leichten Falles gegeben.
cc) Der Unfall ereignete sich bei Dunkelheit um 18.15 Uhr auf der Hauptstrasse
zwischen N. und M. Auf dem fraglichen Strassenabschnitt ist eine
Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h signalisiert. Um diese Zeit herrscht auf den
Strassen normalerweise reger Feierabendverkehr. Im Polizeirapport werden die
Verkehrsbedingungen jedoch als "schwach" bezeichnet, so dass von einem nur
geringen Verkehrsaufkommen auszugehen ist. Im Kurvenbereich war zudem nicht mit
plötzlich auftauchenden Fussgängern zu rechnen. Die Möglichkeit, dass durch das
Nichtbeherrschen des Fahrzeuges durch den Rekurrenten weitere, nicht am Unfall
beteiligte Personen hätten gefährdet werden können, war deshalb sehr gering. Im
Übrigen verhalten sich schwächere Verkehrsteilnehmer unter derart widrigen
Wetterverhältnissen, wie sich im Zeitpunkt des Unfalls herrschten, in der Regel
besonders vorsichtig und umsichtig. Von einer erhöhten abstrakten Gefährdung
weiterer, nicht am Unfall beteiligter Personen ist deshalb nicht auszugehen.
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Jedoch steht fest, dass der Kleintransporter mit dem entgegenkommenden Fahrzeug
kollidierte und erheblichen Sachschaden verursachte. Er wurde im Polizeirapport auf
insgesamt Fr. 10'000.-- geschätzt. Das Fahrzeug der Unfallgegnerin war zudem nicht
mehr fahrtauglich. Damit war zumindest die Lenkerin des VW Golf konkret gefährdet.
Daran ändert nichts, dass sie nach dem Unfall zu Protokoll gab, durch den Aufprall
nicht verletzt worden zu sein. Den Akten ist über das genaue Schadenbild nichts zu
entnehmen. Auch ist unklar, ob sich der Airbag des Wagens beim Aufprall öffnete oder
nicht. Dies ist jedoch nicht ausschlaggebend. Wesentlich ist, dass eine Frontalkollision
generell mit erheblichen Verletzungsrisiken verbunden ist. Aus der Unfallforschung
ergibt sich, dass ein Zusammenprall von zwei Fahrzeugen mit ca. 55 km/h
Aufprallgeschwindigkeit – insbesondere bei spurversetzten Fahrzeugen – häufig zu
schweren Verletzungen führt. Diese Art von Unfällen repräsentiert einen Großteil
schwerer und tödlicher Unfälle (vgl. European New Car Assessment Programme, unter:
www.euroncap.com; www.tcs.ch/Test&Sicherheit/Crashtest). Vor dem Hintergrund
dieser Testergebnisse ist auch bei Kollisionen mit niedriger Geschwindigkeit – beide
Fahrzeuge fuhren mit 35 bis 40 km/h – von einer nicht mehr bloss geringen konkreten
Gefährdung der Fahrzeuginsassen auszugehen. Dabei ist nicht ausschlaggebend, dass
die Kollision nicht beidseitig frontal erfolgte. Auch bei seitlichem Aufprall wirken
vergleichbare Kräfte auf die Frontpartie des anderen Fahrzeugs. Hinzu kommt, dass
der Kleintransporter des Rekurrenten mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 2'800
kg nahezu doppelt so schwer ist wie der Personenwagen der Unfallgegnerin.
dd) Damit ergibt sich, dass der Rekurrent mit dem Verlust der Herrschaft über sein
Auto nicht eine nur geringe Gefahr für die Sicherheit der Unfallgegnerin geschaffen hat.
Eine Sanktionierung nach Art. 16a SVG fällt deshalb ausser Betracht. Die Feststellung
der Vorinstanz, es handle sich um eine mittelschwere Widerhandlung, ist folglich
zutreffend. Unter diesen Umständen kann offen bleiben, ob den Rekurrenten lediglich
ein geringes Verschulden trifft. Auch dies würde nichts daran ändern, dass von einer
mittelschweren Widerhandlung auszugehen ist. Entsprechend ist der Antrag des
Rekurrenten auf Aussprechung einer Verwarnung abzuweisen.
5.- Nach einer mittelschweren Widerhandlung ist der Führerausweis für mindestens
einen Monat zu entziehen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). Die Vorinstanz geht davon aus,
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es handle sich um den zweiten Entzug innerhalb der Probezeit, was den Verfall des
Führerausweises auf Probe zur Folge hätte (Art. 15a Abs.4 SVG).
a) Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst auf Probe erteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre (Art. 15a Abs. 1 SVG). Wird
dem Inhaber der Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die
Probezeit um ein Jahr verlängert. Dauert der Entzug über die Probezeit hinaus, so
beginnt die Verlängerung mit der Rückgabe des Führerausweises (Abs. 3). Der
Führerausweis auf Probe verfällt mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führt (Abs. 4).
Der Führerausweis auf Probe wurde vom Strassenverkehrsamt am 3. März 2009
ausgestellt; die Probezeit endete folglich am 2. März 2012 (act. 8, 13/4). Nach der
Widerhandlung vom 14. November 2009 (Überschreiten der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit) wurde dem Rekurrenten der Führerausweis auf Probe für die
Dauer von drei Monaten entzogen (27. September bis 26. Dezember 2010). Die
Verfügung vom 27. Mai 2010 stützte sich auf Art. 16a Abs. 2 SVG (richtig: Art. 16c Abs.
2 SVG) und Art. 33 der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen
zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV). In den Erwägungen wurde der
Rekurrent darauf hingewiesen, dass im Falle einer Widerhandlung, die zum Entzug des
Führerausweises auf Probe führe, ein neuer Führerausweis auf Probe ausgestellt
werde. Gemäss Art. 35 Abs. 1 VZV ende die neue Probezeit ein Jahr nach dem
Ablaufdatum des entzogenen Führerausweises auf Probe. Gestützt auf diese
Bestimmung werde die Probezeit des befristeten Führerausweises um ein Jahr
verlängert. Ein entsprechend verlängerter Führerausweis auf Probe werde ihm nach
Ablauf der Entzugsdauer zugestellt. Im Rechtsspruch der Verfügung fand diese
Anordnung jedoch keinen Niederschlag. Zu prüfen ist, ob die Probezeit damit
rechtsgültig verlängert wurde.
b) Nach Art. 24 Abs. 1 lit. b VRP gehört zu einer Verfügung oder zu einem Entscheid
der Rechtsspruch, auch als Entscheidungsformel oder Dispositiv bezeichnet (vgl. Art.
61 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren, SR 172.021). Dieses Element
enthält in knapper Form eine Aussage, wie das Verfahren von der betreffenden Instanz
erledigt worden ist. Die Bindung an eine rechtskräftige Entscheidung geht nicht weiter
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als die im Dispositiv erscheinende Erkenntnis über das gestellte Rechtsbegehren.
Blosse Erwägungen erwachsen für sich alleine nicht in Rechtskraft. Sie nehmen daran
nur indirekt teil, indem sie der Ergänzung bzw. Erläuterung des Dispositivs dienen,
wenn dieses ausdrücklich ("im Sinne der Erwägungen") oder dem Sinne nach zwingend
auf die Motive verweist. Dementsprechend kann nur der Rechtsspruch angefochten
werden (Imboden/Rhinow, Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Band I, Basel
und Stuttgart 1976, Nr. 42 B II; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1059; GVP 1997 Nr. 12; GVP 1979 Nr. 25; GVP 1972
Nr. 28). Das Bundesgericht verlangt deshalb zum Beispiel, dass medizinisch bedingte
Auflagen in der Entscheidungsformel aufgeführt werden. Der Betroffene – im zu
beurteilenden Fall war es ein Epileptiker – soll genau wissen, dass er als
Fahrzeuglenker zum Verkehr nur solange zugelassen wird, als er für die Einhaltung der
Auflagen Gewähr bietet (BGE 104 Ib 179 E. 3c).
Die Vorinstanz informierte den Rekurrenten zwar über die vorgesehene Verlängerung
der Probezeit, unterliess es jedoch, diese zu verfügen; im Rechtsspruch wurde die
Verlängerung nicht erwähnt. Dies zeigt sich schon daran, dass Art. 15a Abs. 3 SVG
nicht als Rechtsgrundlage des Rechtsspruchs erwähnt wurde. Der Rekurrent erhielt mit
der Verfügung keine konkreten Informationen über die Massnahme, insbesondere
wurde ihm darin kein neues Datum hinsichtlich des Ablaufs der Probezeit mitgeteilt. Er
durfte in jenem Zeitpunkt in guten Treuen davon ausgehen, dass er der wesentlich
strengeren Probezeitregelung ab 3. März 2012 nicht mehr unterliegen würde. Dass
dem Rekurrenten nach Ablauf der Entzugsdauer ein neuer Ausweis zugestellt wurde,
auf dem unter der Rubrik "Ablaufdatum" der 2. März 2013 aufgeführt war (act. 14/2),
ändert daran nichts. Dieser Umstand vermag jedenfalls die fehlende
Probezeitverlängerung im Rechtsspruch nicht aufzuwiegen.
c) Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Probezeit gemäss Art. 15a SVG mit der
Verfügung vom 27. Mai 2010 nicht verlängert wurde und somit am 2. März 2012
endete. Der Unfall vom 2. Februar 2013 ereignete sich folglich nicht mehr innerhalb der
Probezeit und ist deshalb nicht nach Art. 15a Abs. 4 SVG zu sanktionieren. Nachdem
ihm der Führerausweis letztmals vor mehr als zwei Jahren entzogen war, gelangt
Art. 16b Abs. 2 lit. 1 SVG zur Anwendung, wonach der Führerausweis nach einer
mittelschweren Widerhandlung für mindestens einen Monat zu entziehen ist. Die
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Vorinstanz hat sich zur Entzugsdauer nicht geäussert. Die
Verwaltungsrekurskommission kann sie nicht an deren Stelle festlegen, da dem
Rekurrenten dadurch der Instanzenzug verkürzt würde. Die Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 19. März 2013 ist deshalb aufzuheben, und die Sache ist zu
neuer Entscheidung im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen. Eine
Rückweisung erscheint auch deshalb als zweckmässig, weil sich der Rekurrent am
23. Juni 2013 offenbar eine weitere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften zu Schulden kommen liess. Sind mehrere
Widerhandlungen gleichzeitig zu beurteilen, kann eine Gesamtmassnahme
ausgesprochen werden.
6.- Der Ausgang des Verfahrens entspricht einer teilweisen Gutheissung des Rekurses.
Die amtlichen Kosten sind zur Hälfte dem Rekurrenten aufzuerlegen; die andere Hälfte
der Kosten sind vom Staat zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 1'400.--, worunter die Kosten der Verfügung zur aufschiebenden Wirkung vom
6. Mai 2013 von Fr. 200.--, erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist bis
zum Betrag von Fr. 700.-- zu verrechnen und dem Rekurrenten im Mehrbetrag von
Fr. 500.-- zurückzuerstatten. Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent keinen
Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 und 98 VRP; vgl.
R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
St. Gallen 2004, S. 182 ff.).