Decision ID: a9df0d17-559f-422b-901b-014f55d3a685
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Mit Urteil vom 18. März 2005 sprach das Kreisgericht X. des versuchten und
vollendeten Mordes sowie Raubes schuldig und verurteilte ihn zu 20 Jahren Zuchthaus,
abzüglich 74 Tage Untersuchungshaft. Gegen dieses Urteil erhob X. Berufung. Am 23.
August 2005 schrieb das Kantonsgericht St. Gallen das Verfahren infolge Rückzugs der
Berufung ab.
Der Strafvollzug begann am 1. Mai 2002 vorzeitig im Gefängnis St. Gallen. X. verbüsst
zur Zeit die Freiheitsstrafe in der Strafanstalt Pöschwies, Regensdorf. Der Vollzug der
Strafe endet am 15. Februar 2022; die bedingte Entlassung ist ab 15. Juni 2015
möglich.
B./ Am 16. Mai 2008 reichte X. beim Amt für Justizvollzug ein Gesuch um Verlegung in
die Strafanstalt Saxerriet ein, wo er eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker
absolvieren wollte. Mit Schreiben vom 20. Mai 2008 teilte das Amt für Justizvollzug X.
mit, die Versetzung in den offenen Vollzug noch vor Lehrbeginn werde aus zeitlichen
und inhaltlichen Gründen als wenig realistisch beurteilt. Bevor über Vollzugsöffnungen
entschieden werden könne, müsse eine aktuelle Risikobeurteilung durch eine
Fachperson vorliegen. Weiter hielt das Amt für Justizvollzug fest, angesichts der
Schwere der Delikte und der verbleibenden Vollzugsdauer werde wohl nicht darauf
verzichtet, den Fall der Fachkommission vorzulegen. Des weiteren erfolge gewöhnlich
eine Verlegung aus dem geschlossenen in den offenen Vollzug erst, wenn sich der
Verurteilte in schrittweise bewilligten Ausgängen und Urlauben bewährt habe. Auch von
diesem bewährten Vorgehen werde wohl nicht abgewichen. Schliesslich wurde darauf
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hingewiesen, dass es nach der neuesten bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu
beanstanden sei, die Gewährung von Vollzugserleichterungen an die Durchführung
einer deliktsorientierten Therapie zu knüpfen, wenn mit der Therapie eine Gefährlichkeit
des Verurteilten verringert und bessere Grundlagen für eine Beurteilung seiner
Entwicklung geschaffen werden sollen.
Am 30. Juni 2008 beantragte X. einen begleiteten Beziehungsurlaub für den 2. Oktober
2008. Das Gesuch wurde am 31. Juli 2008 von der Strafanstalt Pöschwies abgelehnt,
da noch eine aktuelle Risikobeurteilung vorgenommen werden musste.
Am 14. August 2008 beauftragte das Amt für Justizvollzug Dr. med. W., über X. ein
forensisch-psychiatrisches Gutachten zu erstellen. W. war anlässlich der
Strafuntersuchung im Jahre 2002 mit der Begutachtung von X. beauftragt worden. Im
Gutachten vom 3. März 2009 wurde zusammenfasssend festgehalten, bei X. würden
weiterhin keine Hinweise auf auffällige oder pathologisch überdauernde
Persönlichkeitszüge vorliegen. Es könne ihm weiterhin – wie bereits im Gutachten vom
14. November 2002 festgehalten – eine günstige Legalprognose gestellt werden. Die
Gefahr einschlägiger Delikte, welche sich durch eine psychiatrische oder
psychotherapeutische Behandlung kaum nennenswert vermindern lasse, könne
praktisch vernachlässigt werden bzw. sei als ausgesprochen tief zu veranschlagen, weil
sich eine Situation wie damals kaum wieder einstellen werde. Aus medizinisch-
psychiatrischer Sicht spreche nichts gegen begleitete und später unbegleitete
Ausgänge oder eine Verlegung in eine offene Strafanstalt zum Zweck der Absolvierung
einer Berufslehre.
Nach der Einforderung eines Berichts der Strafanstalt Pöschwies, der durchgehend
positiv ausfiel, unterbreitete das Amt für Justizvollzug der konkordatlichen
Fachkommission zur Beurteilung der Gemeingefährlichkeit von Straftäterinnen und
Straftätern (abgekürzt Fachkommission) den Vorschlag über die weitere
Vollzugsplanung mit vorerst begleiteten Tagesurlauben, dann unbegleiteten
Tagesurlauben und schliesslich Urlauben mit Übernachtung. Bei Bewährung wurde die
Einweisung von X. in den offenen Strafvollzug, voraussichtlich in die Strafanstalt
Saxerriet, vorgeschlagen. Mit Beschluss vom 26. Juni 2009 hielt die Fachkommission
fest, aktuell zur beantragten Vollzugslockerungsplanung keine Stellung nehmen zu
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können. Zur Begründung wird im wesentlichen angeführt, im Gutachten vom 3. März
2009 (bzw. in beiden bisherigen Gutachten von W.) sei die Tatdynamik und die
Persönlichkeit von X. nicht umfassend dargestellt bzw. gewürdigt worden, was jedoch
für eine Beurteilung der Legalprognose wesentlich sei. Im Hinblick auf künftige
Vollzugslockerungen erachtete es die Fachkommission als unabdingbar, dass in einem
neuen Gutachten die aufgeworfenen Fragen umfassend geklärt und gewürdigt würden.
Dabei sei es empfehlenswert, diese Aufgabe einem bisher mit X. nicht befassten
Experten anzuvertrauen. Weiter wurde angefügt, dass bisher keine Tataufarbeitung
stattgefunden habe. Die Aufnahme einer Therapie zur Aufarbeitung des Delikts, wozu
auch die Gründe zur Schuldenaufhäufung und der Umgang mit Drucksituationen
gehören, erachtete die Fachkommission als hilfreich und daher empfehlenswert.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2009 informierte das Amt für Justizvollzug den damaligen
Rechtsvertreter von X. , angesichts der Schwere der vorliegenden Tat und der
Unklarheiten, die von der Fachkommission gerügt worden seien, sei vorgesehen, ein
neues Gutachten einzuholen. In seiner Stellungnahme vom 15. Juli 2009 hielt X. fest,
die Grundlagen für einen Entscheid über erste Vollzugslockerungen seien vorhanden.
Er sei nicht bereit, eine Therapie aufzunehmen und lehne ein neues Gutachten ab.
Mit Verfügung vom 11. August 2009 wies das Amt für Justizvollzug die Bewilligung von
Urlauben und die Verlegung in den offenen Strafvollzug ab mit der Begründung, ohne
nähere Informationen zur Tatdynamik und zur Persönlichkeit des Betroffenen könne
das mit der Vollzugsöffnung verbundene Risiko nicht mit hinreichender Sicherheit
beurteilt werden. Angesichts der gefährdeten Rechtsgüter sei entweder ein neues
Gutachten erforderlich, das die von der Fachkommission angesprochenen Lücken und
Unklarheiten beseitigt, oder eine deliktsorientierte Therapie durchzuführen.
C./ Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 31. August 2009 erhob X. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, die Verfügung des Amtes für
Justizvollzug vom 11. August 2009 sei aufzuheben, es seien ihm monatliche Urlaube zu
bewilligen und der der Fachkommission unterbreitete Vollzugsplan sei umzusetzen, des
weiteren sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu
gewähren; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
Zur Begründung wird im wesentlichen geltend gemacht, die Voraussetzungen für die
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Gewährung von Urlauben und weiteren Vollzugslockerungen seien erfüllt. Insbesondere
sei die Gemeingefährlichkeit nicht gegeben bzw. die angeführten Mängel des für ihn
positiv ausgefallenen Gutachtens betreffend die Risikobeurteilung seien nicht haltbar.
Letztlich sei auch die faktische Verknüpfung von Vollzugserleichterungen mit einer
deliktsorientierten Therapie unzulässig.
Das Amt für Justizvollzug schloss in seiner Vernehmlassung vom 10. September 2009
unter Hinweis auf die Vorakten und die Begründung der angefochtenen Verfügung auf
Abweisung der Beschwerde.
Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, zu der Vernehmlassung des Amtes für
Justizvollzug Stellung zu nehmen. Dies tat er mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom
9. Oktober 2009. Dabei wird an den bisherigen Beschwerdeanträgen festgehalten und
im Sinne eines Eventualantrages das Begehren gestellt, es sei bei W. ein
Ergänzungsgutachten einzuholen.
Auf die weiteren Vorbringen der Beteiligten wird, soweit wesentlich, in den

nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben entsprechen zeitlich,
formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Nach Art. 75 Abs. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (SR 311.0, abgekürzt
StGB) hat der Strafvollzug das soziale Verhalten des Gefangenen zu fördern,
insbesondere die Fähigkeit, straffrei zu leben. Der Strafvollzug hat den allgemeinen
Lebensverhältnissen so weit als möglich zu entsprechen, die Betreuung des
Gefangenen zu gewährleisten, schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges
entgegenzuwirken und dem Schutz der Allgemeinheit, des Vollzugspersonals und der
Mitgefangenen angemessen Rechnung zu tragen.
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2.1. Für den Vollzug von Freiheitsstrafen und Massnahmen hat der Kanton St. Gallen
mit anderen Ostschweizer Kantonen eine Vereinbarung abgeschlossen (Ostschweizer
Strafvollzugskonkordat, sGS 962.51, abgekürzt Konkordat).
Nach Art. 10 lit. b des Konkordats koordiniert der einweisende Kanton die Planung des
gesamten Vollzugs einschliesslich der Probezeit nach der Entlassung aus der
Vollzugseinrichtung. Er entscheidet über Vollzugsöffnungen wie die Bewilligung von
Urlaub, die Verlegung in den offenen Vollzug, den Vollzug in Form des Arbeits- sowie
des Wohn- und Arbeitsexternats, die bedingte Entlassung sowie die Unterbrechung
des Vollzugs (Art. 10 lit. c des Konkordats).
Nach Art. 9 Abs. 2 des Konkordats richtet sich der Vollzug nach den Vorschriften für
die einzelnen Vollzugseinrichtungen. Sie werden von dem Kanton erlassen, der die
Vollzugseinrichtung führt.
2.2. Nach Art. 2 Abs. 2 lit. a des Konkordats obliegt der Strafvollzugskommission die
Aufsicht über die Anwendung der Vereinbarung. Sie erlässt Richtlinien zur
Zusammenarbeit im Vollzugsbereich und zur Ausgestaltung des Vollzugs, die mit
Zustimmung aller Beteiligten als verbindlich erklärt werden können (Art. 2 Abs. 2 lit. c
des Konkordats). Die Strafvollzugskommission hat u.a. Richtlinien über die Ausgangs-
und Urlaubsgewährung erlassen (publiziert unter: www.justizvollzug.ch).
Nach Art. 75 Abs. 3 StGB sieht die Anstaltsordnung vor, dass zusammen mit dem
Gefangenen ein Vollzugsplan erstellt wird. Dieser enthält namentlich Angaben über die
angebotene Betreuung, die Arbeits- sowie die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten,
die Wiedergutmachung, die Beziehungen zur Aussenwelt und die Vorbereitung der
Entlassung. Art. 75 Abs. 4 StGB bestimmt, dass der Gefangene bei den
Sozialisierungsbemühungen und den Entlassungsvorbereitungen aktiv mitzuwirken hat.
2.3. Nach Art. 84 Abs. 6 StGB ist dem Gefangenen zur Pflege der Beziehungen zur
Aussenwelt, zur Vorbereitung seiner Entlassung oder aus besonderen Gründen in
angemessenem Umfang Urlaub zu gewähren, soweit sein Verhalten im Strafvollzug
dem nicht entgegensteht und keine Gefahr besteht, dass er flieht oder weitere
Straftaten begeht.
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Präzisierend hält Ziff. 3.1 der Richtlinien über die Ausgangs- und Urlaubsgewährung
fest, dass einer eingewiesenen Person Urlaub bewilligt werden kann, wenn keine
Gefahr besteht, dass sie flieht oder weitere Straftaten begeht, wenn sie den
Vollzugsplan einhält und bei den Eingliederungsbemühungen aktiv mitwirkt, wenn ihre
Einstellung und Haltung im Vollzug sowie ihre Arbeitsleistungen zu keinen
Beanstandungen Anlass geben, wenn Grund zur Annahme besteht, dass die
eingewiesene Person rechtzeitig zurückkehrt, sich an die durch die zuständige Behörde
festgelegten Bedingungen und Auflagen hält und während des Urlaubs das in sie
gesetzte Vertrauen nicht missbraucht, und schliesslich, wenn sie über genügend Mittel
verfügt, um die Kosten des Ausgangs oder des Urlaubs zu bezahlen.
Nach Ziff. 2 der Richtlinien über die Ausgangs- und Urlaubsgewährung entscheidet die
Einweisungsbehörde über die Bewilligung von Ausgang und Urlaub, wobei sie diese
Kompetenz an die Vollzugseinrichtung delegieren kann.
2.4. Gemäss Art. 76 Abs. 2 StGB wird der Gefangene in eine geschlossene Strafanstalt
oder in eine geschlossene Abteilung einer offenen Strafanstalt eingewiesen, wenn die
Gefahr besteht, dass er flieht, oder zu erwarten ist, dass er weitere Straftaten begeht.
Der einweisende Kanton bestimmt im Einzelfall die geeignete Vollzugseinrichtung (Art.
10 des Konkordats).
2.5. Nach Art. 75a Abs. 1 StGB beurteilt eine Fachkommission, bestehend aus
Vertretern der Strafverfolgungsbehörden, der Vollzugsbehörden sowie der Psychiatrie
(Art. 62d Abs. 2 StGB), im Hinblick auf die Einweisung in eine offene Strafanstalt und
die Bewilligung von Vollzugsöffnungen die Gemeingefährlichkeit des Täters, wenn
dieser ein Verbrechen nach Art. 64 Abs. 1 StGB (was im vorliegenden Fall zutrifft)
begangen hat (lit. a) und die Vollzugsbehörde die Frage der Gemeingefährlichkeit des
Gefangenen nicht eindeutig beantworten kann. Vollzugsöffnungen sind nach Art. 75a
Abs. 2 StGB Lockerungen im Freiheitsentzug, namentlich die Verlegung in eine offene
Anstalt, die Gewährung von Urlaub, die Zulassung zum Arbeitsexternat oder zum
Wohnexternat und die bedingte Entlassung. Gemeingefährlichkeit ist dann
anzunehmen, wenn die Gefahr besteht, dass der Gefangene flieht oder eine weitere
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Straftat begeht, durch die er die physische, psychische oder sexuelle Integrität einer
anderen Person schwer beeinträchtigt (Art. 75a Abs. 3 StGB).
Nach Art. 6 Abs. 2 des Konkordats beurteilt die Fachkommission auf Antrag des für
den Vollzug zuständigen Kantons die Gefährlichkeit von Straftätern. Sie gibt
Empfehlungen ab in den vom Bundesrecht vorgeschriebenen Fällen (lit. a) und falls die
Gemeingefährlichkeit von der Vollzugsbehörde nicht eindeutig beantwortet werden
kann oder trotz Bejahung der Gemeingefährlichkeit eine Vollzugslockerung in
Erwägung gezogen wird (lit. b).
2.6. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung folgt aus dem Grundrecht der
persönlichen Freiheit (Art. 10 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV) kein
Anspruch auf die Gewährung von Hafturlauben. Allerdings dürfen die Beschränkungen
der Freiheitsrechte von Gefangenen nicht über das hinausgehen, was zur
Gewährleistung der Haftzwecke und zur Aufrechterhaltung eines ordnungsgemässen
Gefängnisbetriebs erforderlich ist (BGE 6B_772/2007 vom 9. April 2008 E.2; BGE 124 I
203 E. 2b). Wird ein Urlaubsgesuch ohne ernsthafte und objektive Gründe verweigert,
so verstösst dies gegen das in Art. 9 BV verankerte Willkürverbot. Dabei ist zu
beachten, dass den kantonalen Behörden im Bereich des Strafvollzugs ein weiter
Ermessensspielraum zukommt (BGE 1P.10/2006 vom 31. Januar 2006; BGE 1P.
470/2004 vom 15. Oktober 2004).
2.7. Dem Verwaltungsgericht steht ausschliesslich die Rechtskontrolle zu. Es kann
lediglich prüfen, ob die Vorinstanz den Sachverhalt unrichtig oder unvollständig
festgestellt hat oder Rechtsnormen und allgemeine Rechtsgrundsätze fehlerhaft
angewendet hat (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 650). Die Kontrolle des Ermessens der
Strafvollzugsbehörde steht ihm dagegen nicht zu (vgl. VerwGE B 2004/167 vom
25. Januar 2005, in: www.gerichte.sg.ch). Das Gericht ist indessen an die Richtlinien
der Strafvollzugskommission nicht gebunden. Es berücksichtigt aber, dass die
Richtlinien von einer Fachbehörde erlassen wurden und eine einheitliche und
rechtsgleiche Vollzugspraxis gewährleisten.
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3. Streitgegenstand ist vorliegend, ob die Voraussetzungen für Vollzugserleichterungen
gemäss Art. 84 Abs. 6 und Art. 76 Abs. 2 StGB beim Beschwerdeführer gegeben sind.
Unbestritten ist das gute Vollzugsverhalten. Uneinigkeit besteht hingegen über die
Gefahr, dass der Beschwerdeführer weitere Straftaten begehen könnte.
3.1. Die Vorinstanz liess ein Gutachten erstellen, insbesondere auch in Bezug auf die
Wahrscheinlichkeit und Art neuer Delikte. Dieses hielt am Schluss fest, es könne, noch
eher als ehedem (verwiesen wird hier auf das erste Gutachten vom 14. November
2002) eine günstige Legalprognose gestellt werden. Die Gefahr einschlägiger Delikte
könne praktisch vernachlässigt werden. Somit liessen sich aus medizinisch-
psychiatrischer Sicht keine Argumente gegen begleitete und später unbegleitete
Ausgänge oder eine Verlegung des Exploranden in eine offene Strafanstalt zum Zweck
der Absolvierung einer Berufslehre finden. Nach Stellungnahme der Fachkommission
verfügte die Vorinstanz die Abweisung des Antrags. Sie erwog, trotz des guten
Vollzugsverhaltens und der fehlenden Vorstrafen könne angesichts der Tatumstände
eine Gemeingefährlichkeit nicht einfach verneint werden. Da X. keine deliktsorientierte
Therapie absolviert habe, würden Informationen über die innerpsychologischen
Vorgänge im Zusammenhang mit der unverständlichen Tat, namentlich über die
Motivation für das Tötungsdelikt, fehlen. Ohne nähere Informationen zur Tatdynamik
und auch zur Persönlichkeit von X. könne eine Legalprognose bzw. das mit
Vollzugsöffnungen allenfalls verbundene Risiko nicht mit hinreichender Sicherheit
beurteilt werden. Angesichts der gefährdeten Rechtsgüter sei entweder ein neues
Gutachten erforderlich, das die von der Fachkommission angesprochenen Lücken und
Unklarheiten beseitigt, oder eine deliktsorientierte Therapie durchzuführen. In Bezug
auf die deliktsorientierte Therapie wird festgehalten, diese würde ebenfalls die nötigen
Informationen zur Tatdynamik und Persönlichkeit von X. hervorbringen. Des weiteren
sei es gemäss der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zulässig, die
Bewilligung von Vollzugsöffnungen an die Durchführung einer deliktsorientierten
Therapie zu knüpfen, wenn damit eine bessere Grundlage für die Beurteilung der
Gefährlichkeit angestrebt werde. Somit seien die Vollzugserleichterungen derzeit
abzuweisen. Der Gesuchsteller werde eingeladen, sich entweder einer neuen
Begutachtung zu stellen oder – und dies scheine der erfolgversprechendere Weg – sich
beim PPD möglichst rasch für eine deliktsorientierte Therapie anzumelden.
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Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, es sei sehr wohl möglich,
basierend auf den Untersuchungen von W. eine positive Legalprognose zu stellen und
die Frage der Gemeingefährlichkeit zu verneinen. Insofern sei eine unrichtige
Sachverhaltsfeststellung zu rügen. Dabei wird einerseits die Frage aufgeworfen,
weshalb die Vorinstanz W. mit der Risikobeurteilung beauftragt hat, wenn sie wusste,
dass derselbe dem Beschwerdeführer bereits im Gutachten vom 14. November 2002
eine gute Prognose gestellt hatte und sich in der Zwischenzeit keine negativen Vorfälle
ereignet hätten. Es sei anderseits widersprüchlich, wenn die Vorinstanz Mängel des
Gutachtens bezüglich der Tataufarbeitung geltend mache. Die angeblichen Mängel
seien schon im Gutachten vom 14. November 2002 vorhanden und der Vorinstanz
bekannt gewesen; dennoch sei W. nochmals mit der Begutachtung beauftragt worden.
Sodann wird hinzugefügt, dass bereits im Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer
von dessen Verteidiger die Frage der ungenügenden Klärung der Deliktsgenese
aufgeworfen worden sei. Dennoch habe das Strafgericht auf das ursprüngliche
Gutachten abgestellt, wobei nicht ersichtlich sei, warum es jetzt nicht mehr gültig sein
solle. Letztlich wird darauf hingewiesen, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung von einer gutachterlichen Beurteilung nur abgewichen werden dürfe,
wenn wirklich gewichtige zuverlässig begründete Tatsachen oder Indizien deren
Überzeugungskraft erschüttern.
3.2. Wird ein Urlaub wegen Rückfallgefahr verweigert, muss ein Sachverständiger das
konkrete Rückfallrisiko einer Urlaubsbewilligung abgeklärt haben (A. Baechtold,
Strafvollzug, 2. Aufl., Bern 2009, S. 167). Das Gericht würdigt die Frage, ob ein
rechtsgenügliches Gutachten vorliegt, grundsätzlich frei. Es darf in Fachfragen nicht
ohne triftige Gründe vom Gutachten abweichen und muss Abweichungen begründen
(BGE 128 I 86 E. 2; M. Heer, Basler Kommentar, Strafrecht I, 2. Aufl., Basel 2007, N 74
zu Art. 56 StGB m.w.H.). Dieser Grundsatz muss auch für Vollzugsbehörden gelten.
Selbstredend muss eine Risikoanalyse auf den Täter und auf die Tatumstände
abstellen, wobei letztere gerade Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Täters
zulassen. Bei der Gefährlichkeitsanalyse steht die Analyse der Anlasstat im
Vordergrund; ein möglichst genaues Verständnis des Tatbildes und des Tatgeschehens
ist unabdingbar für eine zuverlässige Einschätzung der Gefährlichkeit des Exploranden
(statt vieler vgl. Heer, a.a.O., N 40, 67 f. zu Art. 64 StGB m.w.H.). Was die Umstände
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betrifft, müssen diese wie alle Faktoren einer Risikokalkulation rechtsgenüglich
nachgewiesen sein. Bei bestrittenem Sachverhalt ist diesem Umstand Rechnung zu
tragen (vgl. Heer, a.a.O., N 40 zu Art. 64 StGB m.w.H).
3.2.1. Vorliegend kann offen bleiben, ob ein Gutachten, das auf Akten und einer
eineinhalbstündigen Untersuchung des Exploranden basiert, rechtsgenüglich ist (vgl.
zu den Prognoseinstrumenten Heer, a.a.O., N 65 zu Art. 64 StGB). Auch auf die Frage,
ob fachspezifische Mängel vorliegen, muss nicht eingegangen werden.
Ausschlaggebend ist vielmehr die Feststellung, dass im Gutachten vom 3. März 2009
bei der Würdigung der Gefahr von erneuten Straftaten teilweise von einem falschen
Sachverhalt ausgegangen wurde. Darüber hinaus bestehen gewisse Widersprüche zum
Gutachten vom 14. November 2002 bzw. dessen Ergänzung vom 20. Oktober 2004.
3.2.2. Auf Seite 7 f. des Gutachtens vom 3. März 2009 wird festgehalten:
"Je mehr Zeit verging, desto mehr reifte der Entschluss im Exploranden, selber aus
dem Leben zu scheiden, jedoch nicht ohne zuvor seine Familie finanziell abzusichern.
In diesem Zusammenhang bot sich dann der Überfall .. .. an, wobei ihn der Plan recht
einfach dünkte, falls alles klappen würde. Subjektiv schränkten sich seine
Freiheitsgrade immer mehr ein, vergleichbar mit einem Fisch in einer Reuse, sodass
ihm der Überfall auf die Bankfiliale quasi als einzige Rettung erschien. Durch die
erwähnten Belastungsmomente und nach dem Gewahrwerden, dass sich vor dem
Hintergrund der sich verändernden Umstände sein Plan eventuell nicht realisieren
lassen würde, brach dann im Rahmen der aktuellen Versuchung. resp.
Versagenssituation seine Abwehr gegen gewalttätige Impulse teilweise ein, was den
Boden für die nachfolgenden schwerwiegenden Delikte bereitete.
Immerhin blieb aber, wie schon früher ausgeführt, die Steuerungsfähigkeit des
Exploranden erhalten, er konnte nach dem Tötungsdelikt innehalten, weshalb die
zweite anwesende Bankangestellte Frau M. unbehelligt blieb. Auf der nachfolgenden
anfänglich planlosen Flucht, welche auf die normalpsychologisch einfühlbare seelische
Erschütterung des Exploranden hinweist, dem bewusst wurde, einen Menschen getötet
zu haben, kam seine Besinnungsfähigkeit recht schnell wieder zurück, und er
bemerkte, dass er für andere Verkehrsteilnehmer eine Gefährdung darstellen könnte,
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weshalb er sein Motorfahrzeug abstellte und zu Fuss weiter flüchtete. Die ihm
angelastete Tötung wurde also nicht kaltblütig begangen, sondern in einem Zustand
seelischer Erregung, die sehr schnell wieder abklang, was alles für seine
Empathiefähigkeit spricht und mithin auch für eine eher gute Legalprognose."
3.2.3. Auffallend ist erstens, dass im besagten Gutachten offensichtlich davon
ausgegangen wird, dass der Beschwerdeführer den Diebstahl grundsätzlich ohne
Mordbegehung bzw. Gewalt durchführen wollte und dass er erst angesichts des
Scheiterns seines Planes zum Gewaltdelikt geschritten sei. Diese Annahme lässt
unberücksichtigt, dass diesbezüglich der Sachverhalt gerade bestritten war. Der
Beschwerdeführer behauptete anlässlich der Strafuntersuchung, er habe gemäss Plan
einen Ersatzschlüssel der Bank entwenden wollen, um später ungestört den Diebstahl
zu begehen; zum Mord sei es nur darum gekommen, weil das Mordopfer das Messer in
seiner Jacke gesehen habe und ihm die Nerven durchbrannten. Demgegenüber hielt
das Kreisgericht im Urteil vom 18. März 2005 fest, diese Version sei nicht glaubwürdig.
Es müsse davon ausgegangen werden, er habe das Mordopfer allein deshalb
umgebracht, um ohne Spuren einen Diebstahl durchzuführen. Auf die Begründung
dieser Tatsachenwürdigung ist vorliegend nicht weiter einzugehen bzw. es kann auf die
relevanten Erwägungen des Strafurteils verwiesen werden. Das Gutachten ist somit
nicht mit dem durch rechtskräftiges Urteil festgestellten Sachverhalt im Einklang. Die
Tatsache, dass der Sachverhalt umstritten war, wurde auch nicht erwähnt bzw. in die
Begutachtung einbezogen.
3.2.4. Weiter geht das Gutachten davon aus, die Steuerungsfähigkeit des
Beschwerdeführers sei erhalten geblieben, konnte er doch nach dem Tötungsdelikt
innehalten, weshalb die zweite anwesende Bankangestellte unbehelligt blieb. In Bezug
auf diese wurde von der Verteidigung des Beschwerdeführers ein Mordversuch ohne
Begründung bestritten. Das Gericht kam hingegen zum Schluss, der Beschwerdeführer
habe spätestens mit dem Betreten der Bankfiliale den Plan gefasst, auch die zweite
Angestellte zu töten. Dass es nicht zur Ausführung der Tat gekommen sei, liege einzig
an der geglückten Flucht der zweiten Angestellten. Demzufolge verurteilte das Gericht
den Beschwerdeführer auch wegen versuchten Mords. Wiederum ist auf die
Begründung dieser Tatsachenwürdigung nicht weiter einzugehen, sondern es kann auf
die relevanten Erwägungen des Strafurteils verwiesen werden. Auch diesbezüglich liegt
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somit eine Diskrepanz zwischen dem Gutachten und dem durch rechtskräftiges Urteil
festgestellten Sachverhalt vor bzw. wurde der Umstand, dass der Sachverhalt
umstritten war, nicht erwähnt und in die Begutachtung einbezogen.
3.2.5. Im Gutachten wird dann zusammenfassend festgehalten, die Tötung sei nicht
kaltblütig begangen worden, sondern in einem Zustand seelischer Erregung, die sehr
schnell wieder abklang. Dies widerspricht einerseits schon den obigen Ausführungen
betreffend die im Urteil festgehaltene Vorgehensweise des Beschwerdeführers. Der
Annahme einer Tat in einem Zustand der seelischen Erregung wird denn im Urteil auch
nochmals im Rahmen der Strafzumessung klar widersprochen. Straferhöhend wurde
berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer äusserst ruhig und überlegt vorging und
sich durch überraschende Begebenheiten nicht aus dem Konzept bringen liess.
Die Annahme einer seelischen Erregung scheint denn auch dem Gutachten desselben
Verfassers vom 14. November 2002 bzw. dessen Ergänzung vom 20. Oktober 2004 zu
widersprechen. Insbesondere im Rahmen der letzteren Ausführungen wurde eine
Affekttat ohne Zweifel ausgeschlossen (vgl. Seite 11 der Gutachtenergänzung vom 20.
Oktober 2004, die festhält "Es finden sich auch sonst in der Tatanlaufzeit keine
Anhaltspunkte, welche die dem Angeklagten vorgeworfene Tat als Affektdelikt, welches
er dazu noch in einem Zustand verminderter Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit
begangen hätte, erscheinen lassen; vgl. auch Seite 13 " ... weil es für mich als
psychiatrischer Sachverständiger absolut klar war, dass vorliegend nie und nimmer
eine Affekttat vorlag."). Wo der Unterschied zwischen seelischer Erregtheit und Affekt
liegt, bleibt unklar. Unter die Affekttat fällt auch die heftige Gemütsbewegung; ein
besonderer psychologischer Zustand, der nicht pathologisch begründet, sondern
dadurch gekennzeichnet ist, dass der Täter von einer starken Gefühlserregung
überwältigt wird, die in einem gewissen Grad seine Fähigkeit, die Situation
einzuschätzen oder sich zu beherrschen, einschränkt. Charakteristisch ist, dass der
Täter mehr oder weniger unverzüglich auf ein Gefühl reagiert, das ihn plötzlich
überwältigt. Beispiele solcher Gefühle sind Jähzorn, Wut, Eifersucht, Verzweiflung,
Angst oder Bestürzung (vgl. zum Ganzen Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II -
Strafen und Massnahmen, Zürich 2007, S. 82 f.). Abgesehen davon, dass es beim
Terminus "Affekttat" um einen juristischen Begriff geht, dessen Würdigung dem Gericht
obliegt, geht das Gutachten vom 3. März 2009 wohl von einer solchen starken
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Gefühlserregung im Sinne einer Affekttat aus; im Gutachten vom 14. November 2002
bzw. dessen Ergänzung vom 20. Oktober 2004 wurde dies jedoch gerade verneint.
Wird mit der "seelischen Erregtheit" eine andere Verhaltenstypologie angesprochen als
mit der Affekttat, so ist dies aus den Gutachten jedenfalls nicht nachvollziehbar. Zwar
wird im Gutachten vom 14. November 2002 bzw. dessen Ergänzung vom 20. Oktober
2004 festgehalten, eine Gewalttat wie die vorliegende bedinge immer eine gewisse
affektive Erregung, woraus eine gewisse Unterscheidung zwischen der oben
beschriebenen Affekttat und sonstigen in seelischer Erregung begangenen Delikten
erkennbar wird. In diesem Sinne könnte jedoch jedem Täter aufgrund dieser normalen
affektiven Erregung immer eine günstige Prognose gestellt werden. Die Gutachten
bleiben in dieser Hinsicht widersprüchlich.
3.2.6. Letztlich ist das Gutachten in tatsächlicher Hinsicht auch dann nicht
nachvollziehbar, wenn auf Seite 9 angenommen wird, eine Situation, wie sie sich am
13. Februar 2002 in .. .. konstellierte, werde sich kaum je mehr einstellen.
Objektiver Hintergrund der Straftat war offensichtlich die Drucksituation, die aus der
unsicheren finanziellen Lage des Beschwerdeführers entstanden war. Die finanzielle
Situation dürfte für den Beschwerdeführer weiterhin nicht leicht sein, sind doch zu den
vorbestehenden Schulden Verfahrens- und Entschädigungskosten in beträchtlicher
Höhe dazu gekommen. Bezieht sich die Aussage des Gutachtens auf die "seelische
Erregung" anlässlich des tatsächlichen Mordes, so besteht wiederum ein Widerspruch
zum rechtskräftig festgestellten Sachverhalt, der von einem geplanten Mord ausging.
3.2.7. Das Gutachten ist somit insbesondere deshalb problematisch, weil sich der
Verfasser bei der Tatanalyse (und folglich auch bei der Täteranalyse) ausschliesslich
auf die Aussagen des Beschwerdeführers stützt. Abweichende Feststellungen im
rechtskräftigen Urteil werden weder erwähnt geschweige denn in die Analyse
einbezogen. Die Feststellung, ein Gutachten fusse auf falschen Tatsachen und sei
somit nicht zu befolgen, ist gemäss der einführend zitierten einschlägigen
bundesrechtlichen Rechtsprechung ohne weiteres zulässig. Einerseits wird nicht
bezüglich Fachfragen vom Gutachten abgewichen, sondern in Bezug auf die
Berücksichtigung des rechtskräftig festgestellten Sachverhalts. Anderseits liegen somit
gerade gewichtige zuverlässig begründete Tatsachen vor, welche die
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Überzeugungskraft des Gutachtens erschüttern (vgl. Heer, a.a.O., N 78 zu Art. 56
StGB, welche die Distanzierung von einem Gutachten als angebracht erachtet, wenn
der relevante Sachverhalt ausserhalb des Fachbereichs anders gewertet wird als vom
Gericht). Zur Unverbindlichkeit des Gutachtens führen letztlich auch Widersprüche im
Gutachten selbst oder eben Widersprüche zu Aussagen desselben Gutachters in einem
anderen Kontext betreffend die gleiche Frage (vgl. dazu und zum relevanten
Sachverhalt BGE 101 IV 130 E. 3a).
3.2.8. Unbehelflich ist auch der Einwand des Beschwerdeführers, es sei fraglich,
warum nach der guten Legalprognose im Gutachten vom 14. November 2002 und dem
Vorliegen eines guten Vollzugsverhaltens nochmals ein Gutachten erstellt werden
müsse.
Betreffend die Anforderungen an die Aktualität eines Gutachtens hat sich das
Bundesgericht im Rahmen von Art. 45 Ziff. 1 aStGB ausgesprochen. Es sei zu
beachten, dass der Betroffene bei der Abänderung einer Massnahme oder bei der
Entlassung aus dem Massnahmenvollzug regelmässig bereits mindestens einmal,
häufig sogar mehrfach begutachtet wurde. Es sei deshalb zu prüfen, ob für den
Entscheid nicht auf bereits vorhandene Unterlagen abgestellt werden kann (BGE 128 IV
247, E. 3.4).
In der Lehre wurde eine gewisse Doppelspurigkeit insbesondere im Zusammenhang
mit Art. 64 StGB und Art. 75a StGB in Bezug auf die Prüfung der Gemeingefährlichkeit
durch die Fachkommission befürchtet (vgl. M. Wirthlin, Die Beurteilung der
Gemeingefährlichkeit durch die Fachkommissionen, ZbJV 2003, S. 438; Heer, a.a.O., N
5 zu Art. 75a StGB). Ob die Risikobeurteilung im Rahmen von Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB
(zu prüfen ist, ob ernsthaft zu erwarten sei, der Täter begehe weitere Taten dieser Art),
Art. 75a StGB (zu prüfen ist, ob die Gefahr besteht, dass der Gefangene flieht und eine
weitere Straftat begeht, durch die er die physische, psychische oder sexuelle Integrität
einer andern Person schwer beeinträchtigt), Art. 76 StGB (zu prüfen ist, ob die Gefahr
besteht, dass der Täter flieht, oder ob zu erwarten ist, dass er weitere Straftaten
begeht) und Art. 84 Abs. 6 StGB (zu prüfen ist, ob die Gefahr besteht, dass er flieht
oder weiter Straftaten begeht) schon aufgrund des Wortlauts an unterschiedlichen
Massstäben zu beurteilen ist, kann offen bleiben.
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Wesentlich ist, dass im Lichte des Verhältnismässigkeitsprinzips umso höhere
Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit der Tatwiederholung zu stellen sind, je
stärker der Eingriff in die Rechtsstellung des Einzelnen ist. In diesem Sinne hat das
Bundesgericht denn auch festgehalten, dass sowohl das Strafgericht als auch die
Vollzugsbehörde die Gefährlichkeit des Täters zu beurteilen haben, doch seien ihre
Beurteilungen in zeitlicher wie in materieller Hinsicht nicht deckungsgleich. Wenn das
Strafgericht die Gefährlichkeit des Straftäters im Hinblick auf die Anwendung von Art.
43 neues Fenster Ziff. 1 Abs. 2 aStGB neues Fenster verneint, so habe dies keine
bindende Wirkung für die Strafvollzugsbehörden (BGE 6A.86/2002 E. 5.2.3). Insofern ist
auch ein Gutachten, das die Wiederholungsgefahr eben auch unter Betrachtung der
relevanten Massnahme analysiert, nicht a priori überflüssig.
Entscheidend ist weiter neben den unterschiedlichen Massnahmen, die angeordnet
werden müssen, dass sich der rechtsgenüglich erstellte tatrelevante Sachverhalt erst
aus dem rechtskräftigen Urteil entnehmen lässt. Indem das Gutachten zur
Zurechnungsfähigkeit und Legalprognose gemäss Art. 64 StGB wesensgemäss vor
dem rechtskräftigen Urteil ergeht, können darin nicht alle rechtsgenüglich erstellten
Tatumstände berücksichtigt werden. Zwar müsste schon in einem ersten Gutachten
die Tatsache, dass der Sachverhalt umstritten ist, berücksichtigt werden, doch lassen
sich wohl schon aus Praktikabilitätsgründen nicht alle alternativen Möglichkeiten in die
Analyse einbeziehen. Dies mag im Rahmen der Legalprognose zu Art. 64 StGB
unbefriedigend sein, tangiert jedoch die Zweckmässigkeit eines späteren Gutachtens
im Rahmen von Vollzugserleichterungen nicht. Zu berücksichtigen bleibt letztlich, dass
im Gutachten vom 14. November 2002 vorwiegend die Frage der Zurechnungsfähigkeit
begutachtet wurde, die Legalprognose hingegen ausschliesslich auf der letzten Seite
angesprochen worden ist.
In diesem Sinne geht auch der Einwand des Beschwerdeführers ins Leere, die geltend
gemachten Mängel seien schon im Gutachten vom 14. November 2002 vorhanden
gewesen und die erneute Beauftragung von W. sei demzufolge widersprüchlich. Das
besagte Gutachten konnte die Erkenntnisse des späteren Strafurteils noch gar nicht
berücksichtigen.
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0xA43&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx311x0&AnchorTarget=
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Auch die Rüge, es sei nicht nachvollziehbar, warum die Vollzugsbehörde entgegen
dem Strafgericht Einwände gegen das Gutachten geltend mache, ist in dieser Hinsicht
nicht haltbar. Es ist aus den obigen Ausführungen ersichtlich, dass die
Vollzugsbehörde an die Einschätzungen des Strafgerichts betreffend die
Gemeingefährlichkeit und somit auch betreffend die Würdigung des entsprechenden
Gutachtens nicht gebunden ist (BGE a.a.O.). Schon angesichts der Bedeutung der
öffentlichen Interessen, die zu berücksichtigen sind, könnten aus einer allfälligen
falschen Beurteilung des Gutachtens seitens des Strafgerichts keine Rechte des
Beschwerdeführers in Bezug auf die Vollzugslockerung abgeleitet werden.
3.2.9. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Vorinstanz nicht auf einen
unzutreffenden Sachverhalt stützte, als sie die Abweisung der Vollzugslockerung
aufgrund mangelnder Risikoabklärung verfügte. Wie einführend bemerkt, gehört die
Analyse der Tatumstände zu einer vollständigen Risikoabklärung. Indem das Gutachten
vom 3. März 2009 von tatsachenwidrigen bzw. zum Strafurteil im Widerspruch
stehenden Tatumständen ausgegangen ist, kann es von der Vollzugsbehörde nicht als
Grundlage für eine sorgfältige Risikobewertung einbezogen werden. Es liegt somit im
Ermessen der Vorinstanz, alle notwendigen Massnahmen zu treffen, um die rechtlich
erforderliche Risikoabwägung vorzunehmen.
Was die Wahl des allfälligen Gutachters betrifft, so dürfte es gelegentlich genügen,
statt eines neuen umfassenden Gutachtens bei einem bereits tätig gewordenen
Sachverständigen oder bei einer anderen Fachperson ein Ergänzungsgutachten
einzuholen. Es liegt an der Vorinstanz zu prüfen, ob das erforderliche Vertrauen zu dem
ursprünglichen Gutachter noch besteht. Kritisch ist jedenfalls zu bemerken, dass einem
Gutachter, der schon anlässlich des Strafverfahrens eine positive Legalprognose
erlassen hat, trotz der materiell unterschiedlichen Fragestellung bei
Vollzugslockerungen wohl nur noch eine eingeschränkte Objektivität zukommt.
Unbestrittenermassen liegen dann die öffentlichen Interessen an einem fundierten
Gutachten höher als die Interessen des Beschwerdeführers an einem beschleunigten
Verfahren. Dies insbesondere auch in Hinblick auf die noch länger andauernde
Freiheitsstrafe.
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4. Schliesslich ist noch auf die Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, die
Vorinstanz habe die Zustimmung zu den Vollzugserleichterungen faktisch von der
Durchführung einer deliktsorientierten Therapie abhängig gemacht, was unzulässig sei.
Zur Begründung wird festgehalten, nach der Systematik des StGB könne eine Therapie
– die über die psychologische Grundversorgung hinausgehe – nur bei Personen mit
einer psychischen Störung oder Sucht angeordnet werden. Es sei unzulässig, über die
Mitwirkungspflicht gemäss Art. 75 Abs. 4 StGB eine Massnahme in Form einer
Therapie für eine Person anzuordnen, die nicht an der gesetzlich einschlägigen Störung
leide.
In der Verfügung vom 11. August 2009 hielt die Vorinstanz zusammenfassend fest, der
Gesuchsteller werde eingeladen, sich entweder einer neuen Begutachtung zu stellen
oder – und dies scheine der erfolgversprechendere Weg – sich beim PPD möglichst
rasch für eine deliktsorientierte Therapie anzumelden. Einführend wurde darauf
hingewiesen, dass es nach der neuesten bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht zu
beanstanden sei, die Gewährung von Vollzugserleichterungen an die Durchführung
einer deliktsorientierten Therapie zu knüpfen, wenn mit der Therapie eine Gefährlichkeit
des Verurteilten verringert und bessere Grundlagen für die Beurteilung seiner
Entwicklung angestrebt würden. In der Stellungnahme vom 10. September 2009 wurde
nochmals festgehalten, entweder sei ein neues Gutachten zu erstellen oder eine
deliktsorientierte Therapie durchzuführen, da auch dadurch die notwendigen
Informationen zur Tatdynamik beschafft werden können. Abschliessend wurde
wiederum darauf hingewiesen, dass bei einem Verurteilten ohne psychiatrische
Diagnose eine intensive Auseinandersetzung mit seinen Taten in Form einer
deliktsorientierten Therapie verlangt werden könne und der Verurteilte bei solchen
Bemühungen mitzuwirken habe.
4.1. Soweit vorliegend überhaupt auf die Frage der Zulässigkeit der Verknüpfung der
Vollzugslockerungen mit einer deliktsorientierten Therapie eingegangen werden muss,
kann festgehalten werden, dass es gemäss Bundesgericht keine allgemeingültige
Antwort gibt.
Im Entscheid 1P.470/2004 erachtete es das Bundesgericht als problematisch,
Vollzugslockerungen von einer genügenden, insbesondere therapeutischen
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Auseinandersetzung mit den begangenen Delikten abhängig zu machen. Für eine
bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug möge dies angehen, soweit die mangelnde
Bereitschaft, sich mit seinen Taten auseinanderzusetzen, die Rückfallgefahr des
Inhaftierten erhöhe. Dagegen erscheine es fraglich, ob die Urlaubsversagung eingesetzt
werden dürfe, um die Einwilligung des Gefangenen in eine Therapie zu erwirken. Dies
möge unter besonderen Umständen vor dem Willkürverbot standhalten (hierzu wurde
als Beispiel auf BGE 1P.313/1999 E. 2 verwiesen). Grundsätzlich aber widerspreche
eine solche Verknüpfung dem Zweck des Beziehungsurlaubs. Dieser solle dem
Eingewiesenen die Möglichkeit geben, seine Beziehungen zur Aussenwelt zu festigen
und seine Wiedereingliederung nach der Strafentlassung vorzubereiten. Diese
Vorbereitung sei auch und gerade bei Verurteilten erforderlich, die aufgrund ihrer
Therapieverweigerung rückfallgefährdet erschienen (BGE 1P.470/2004 E. 5.2 und 5.3).
Dabei ging es um einen 12-stündigen begleiteten Urlaub eines Sexualtäters, dem
gutachterlich eine ungünstige Legalprognose attestiert wurde. Die ungünstige
Legalprognose wurde jedoch vom Bundesgericht nicht als überzeugendes Argument
gegen die Gewährung von begleiteten Beziehungsurlauben erachtet. Im zu
beurteilenden Fall erschien dem Gericht die Gefahr eher gering, dass der Gesuchsteller
bei dem beantragten begleiteten Urlaub von 12 Stunden rückfällig werden könnte.
Dem erwähnten Urteil BGE 1P.313/1999 liegt ebenfalls eine Verurteilung wegen
Sexualdelikten zu Grunde. Im Rahmen des Strafvollzugs waren mehrere kürzere
begleitete Urlaube bewilligt worden. Urlaube von 24 Stunden oder längerer Dauer
wurden indessen nicht gewährt, obwohl das Verhalten des damaligen
Beschwerdeführers im Vollzug objektiv zu keinen Bedenken Anlass gegeben hatte. Die
Nichtbewilligung der länger dauernden Urlaube wurde damit begründet, dass sich der
Inhaftierte stets geweigert hatte, sich im Rahmen einer Therapie mit seinen Taten
auseinanderzusetzen. Er leugne diese sogar. Es wurde deshalb befürchtet, dass er von
seiner zeitweiligen Bewegungsfreiheit im Urlaub profitiere und an seiner Tochter Rache
nehmen werde. Denn seiner Ansicht nach hatte diese ein Komplott gegen ihn
angestiftet. Das Bundesgericht kam zum Schluss, dass sich die Verknüpfung von
Urlaub und Therapie unter diesen Umständen im Rahmen des Ermessensspielraums
der kantonalen Behörde halte und deshalb nicht willkürlich sei und auch nicht die
persönliche Freiheit des Beschwerdeführers verletze.
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In einem späteren Entscheid bezüglich eines Sexualtäters hielt das Bundesgericht fest,
die beiden Urteile unterschieden sich in der Art des Urlaubes, um den ersucht wurde
(begleiteter Urlaub von 12 Stunden respektive unbegleiteter Urlaub von 24 Stunden
und mehr), sowie in der daraus folgenden Beurteilung der Gefahr, die der Gesuchsteller
für Dritte darstellte (BGE 1P.622/2004 E. 7). Im aktuellen Fall hatte der Gesuchsteller
um einen längeren unbegleiteten Urlaub (28 Stunden) ersucht. Der Gesuchsteller war
als gemeingefährlich eingeschätzt worden. Der Beschwerdeführer weigerte sich, an
einer Therapie beim PPD teilzunehmen. Das Bundesgericht hielt fest, er verletze
dadurch grundsätzlich seine gesetzliche Mitwirkungspflicht. Gemäss dem Gutachten
neige er zudem insbesondere zur Exkulpation, und eine selbstkritische
Auseinandersetzung mit der Anlasstat habe nur in begrenztem Umfang stattgefunden.
Die Gefahr einer erneuten Vergewaltigung sei zwar nicht konkret. Die diesbezügliche
Prognose schätzte der Gutachter aber eher als belastend ein. Unter diesen Umständen
und in Anbetracht des weiten Ermessensspielraums, welcher der kantonalen Behörde
zusteht, würdigte es das Bundesgericht als nicht willkürlich und auch nicht als
übermässigen Eingriff in die persönliche Freiheit des Beschwerdeführers sowie in sein
Recht auf Schutz der Privatsphäre (Art. 10 und 13 BV), die Bewilligung des 28-
stündigen unbegleiteten Urlaubs als weitere Vollzugslockerung von der Einwilligung in
eine Therapie abhängig zu machen, dies auch angesichts der Tatsache, dass hier nicht
die Bewilligung von kürzeren Urlauben zur Diskussion steht.
Im Urteil, das von der Vorinstanz angeführt wurde, ging es um einen verwahrten Täter,
dessen Gemeingefährlichkeit gutachterlich festgestellt worden war. Trotz negativer
Legalprognose wurden dem Täter Vollzugserleichterungen zugesprochen. Dabei ging
es um unbegleitete Urlaube von 12 Stunden und die Versetzung in den offenen Vollzug
sowie um die Gewährung zweier täglicher Spaziergänge von etwa 30 Minuten.
Anlässlich einer Neubeurteilung wurden die unbeaufsichtigten Urlaube und die
Spaziergänge sistiert. Des Weiteren wurde die Rückversetzung in die geschlossene
Anstalt angedroht, wenn er sich nicht innert nützlicher Frist bereit erkläre, sich in eine
Therapie einbinden zu lassen. Das Bundesgericht hielt fest, es sei das Recht und die
Pflicht der zuständigen Behörden, das Vollzugsregime - egal aus welchem Anlass - im
Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten periodisch zu überprüfen und zum Schutze
der Öffentlichkeit eventuell gewährte Vollzugserleichterungen gegenüber willkürfrei als
gemeingefährlich eingestuften Straftätern zurückzunehmen bzw. von Bedingungen
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abhängig zu machen, die geeignet sind, die festgestellte Gefährlichkeit des Betroffenen
zu verringern und dessen Entwicklung besser zu beurteilen (BGE 6B_791/2007 E. 6).
Zusammenfassend kann somit festgestellt werden, dass die Vollzugslockerung nicht
schematisch von der Einwilligung in eine Therapie abhängig gemacht werden kann
bzw. unsachlich als Druckmittel verwendet werden soll (vgl. schon VerwGE B 2004/167
vom 25. Januar 2005 E. 2.g., in: www.gerichte.sg.ch; Baechtold, a.a.O., S. 168).
Anderseits ist die Verknüpfung der Vollzugslockerungen mit einer deliktsorientierten
Therapie nicht a priori unzulässig. Letztlich ist massgebend, welche Vollzugslockerung
in Betracht gezogen wird und wie die Rückfallwahrscheinlichkeit durch den
Fachspezialisten eingeschätzt wurde. Dabei ist zu beachten, dass in den
Kompetenzbereich des Sachverständigen die Antwort auf die Frage gehört, ob und
welche Straftaten vom Betroffenen begangen werden könnten, wie hoch der Grad der
entsprechenden Wahrscheinlichkeit liegt, und wie allfällige Behandlungsaussichten
aussehen. Selbstverständlich gehört es auch in die Kompetenz des Spezialisten
festzustellen, ob anhand eines Einzelgutachtens entsprechende Aussagen gemacht
werden können (bzw. mit welcher Gewissheit) oder ob eine längere Beobachtungszeit
erforderlich ist. In die Kompetenz der Behörde gehört die Gesamtwürdigung; dabei ist
abzuwägen, ob das festgestellte Risiko – unter Berücksichtigung des
Freiheitsinteresses des Betroffenen – der Öffentlichkeit zugemutet werden kann (vgl.
zum Ganzen Heer, a.a.O., N 64 und 66 zu Art. 64 StGB).
4.2. Vorliegend hat die Vorinstanz die Möglichkeit der Erstellung eines Gutachtens als
Alternative klar zugelassen. Zwar weist sie auf die Zulässigkeit der Verknüpfung der
Vollzugslockerung und Therapie hin und sieht in der deliktsorientierten Therapie die
erfolgversprechendere Massnahme. Die Möglichkeit des Gutachtens wird jedoch nicht
ausgeschlossen bzw. es erfolgt keine schematische Verknüpfung der
Vollzugserleichterung mit der Einwilligung in eine Therapie. Demzufolge ist die
angefochtene Verfügung auch unter diesem Gesichtspunkt rechtmässig. Nach der
allfälligen Erstellung des Gutachtens wird die Vorinstanz unter Berücksichtigung der
aufgezeigten massgebenden Gesichtspunkte über das weitere Vorgehen entscheiden
müssen.
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5. Der Beschwerdeführer beantragt die unentgeltliche Prozessführung. Diesem
Begehren kann stattgegeben werden, da die Beschwerde nicht als aussichtslos zu
qualifizieren war. Es galt unter anderem ein Gutachten zu würdigen, was immer eine
gewisse Ermessensfrage darstellt. Daher ist die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung zu bewilligen. Amtliche Kosten sind somit keine zu erheben (Art.
99 VRP in Verbindung mit Art. 282 Abs. 1 lit. b des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
Die Kostennote der unentgeltlichen Rechtsbeiständin mit einem Honorar von
Fr. 4'216.70 sowie Barauslagen von Fr. 181.-- zuzügl. MWSt, insgesamt Fr. 4'731.90,
ist tarifgemäss und angemessen (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 282 Abs. 1
lit. c ZPG und 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, sowie Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
Demnach hat das Verwaltungsgericht