Decision ID: 4eed4cad-a5e9-5720-b6d9-57074edcff06
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), war als Geschäftsführer bei der B._ angestellt
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die
Folgen von Unfällen versichert. Mit Bagatellunfallmeldung UVG vom 24. Oktober 2019
liess der Versicherte melden, er habe sich am 11. Juli 2019 beim Grastrimmen eine
Zerrung an der linken Schulter zugezogen (Suva-act. 1). Eine Erstbehandlung hatte am
15. Oktober 2019 durch Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
stattgefunden (Suva-act. 9), welcher den Versicherten an Dr. med. D._, Stv. Chefarzt
Chirurgie, Departement Orthopädie, Spital E._, überwiesen hatte. Dr. D._ äusserte
anlässlich einer Untersuchung vom 25. Oktober 2019 einen Verdacht auf eine
Rotatorenmanschettenläsion und stellte als Differentialdiagnose eine SLAP-Läsion
Schulter links (Suva-act. 2). Nach einer in der Netzwerk Radiologie E._ angeforderten
Arthro-MRI-Untersuchung vom 30. Oktober 2019 (Suva-act. 4) diagnostizierte er eine
Supraspinatussehnenläsion und einen hochgradigen Verdacht auf eine SLAP-Läsion
Schulter links (Suva-act. 3). Am 15. Januar 2020 führte Dr. D._ beim Versicherten
eine Schulterarthroskopie mit Supraspinatussehnennaht (Speed-Fix) und subpectoraler
Tenodese der langen Bicepssehne durch (act. G 3.1). Im Austrittsbericht vom 20.
Januar 2020 diagnostizierte Dr. D._ eine Supraspinatussehnenläsion und eine Typ II
SLAP-Läsion Schulter links (act. G 3.2).
A.a.
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B.
Die gegen diese Verfügung vom Versicherten am 21. Januar 2020 erhobene Einsprache
(Suva-act. 31) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 9. April 2020 ab (Suva-act.
35).
C.
Zuvor hatte die Suva nach einer telefonischen Besprechung mit dem Versicherten
vom 18. Dezember 2019 (Suva-act. 11) und der Einholung einer kreisärztlichen Akten
beurteilung durch Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädie (Suva-act. 12), dem
Versicherten mit Schreiben vom 6. Januar 2020 mitgeteilt, dass sich am 11. Juli 2019
kein Unfallereignis im Sinne des Gesetzes zugetragen habe und auch die
Voraussetzungen zur Übernahme des Schadenfalls als unfallähnliche
Körperschädigung nicht erfüllt seien (Suva-act. 13). In einem Schriftwechsel mit der
Suva hatte sich der Versicherte mit der Mitteilung vom 6. Januar 2020 nicht
einverstanden erklärt (Suva-act. 19 f.) und eine einsprachefähige Verfügung verlangt
(Suva-act. 21). Darauf hatte die Suva den Schadenfall am 9. Januar 2020 ihrem
Kreisarzt Dr. F._ mit der Frage vorgelegt, weshalb die von ihm am 20. Dezember
2019 bestätigte Listendiagnose vorwiegend degenerativer Art sei (Suva-act. 23).
Gestützt auf die am 16. Januar 2020 erstattete kreisärztliche Beurteilung (Suva-act. 24)
hatte die Suva ihre Leistungspflicht für die Schulterbeschwerden links mit Verfügung
vom 17. Januar 2020 abgewiesen, da diese weder auf einen Unfall noch auf eine
unfallähnliche Körperschädigung zurückzuführen seien (Suva-act. 25).
A.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. April 2020 erhob der Versicherte (nach
folgend: Beschwerdeführer) am 20. April 2020 Beschwerde mit dem Antrag, der
angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, die gesetzlichen Leistungen wie
Heilbehandlung und Taggelder zu erbringen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
(act. G 1). Zusammen mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer eine
physikalische Berechnung vom 18. Januar 2020 der auf die Sehnen wirkenden Zugkraft
ein (act. G 1.2).
C.a.
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Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für das vom Beschwerdeführer
gemeldete Ereignis vom 11. Juli 2019 und die bei ihm in der Folge ärztlich,
insbesondere auch operativ, behandelten Gesundheitsstörungen im Bereich der linken
Schulter leistungspflichtig ist.
2.
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde und damit die Bestätigung des Einspracheentscheids
vom 9. April 2020 (act. G 3) und reichte eine kreisärztliche Beurteilung von Dr. F._
vom 11. Mai 2020 ein (act. G 3.3).
C.b.
Mit Replik vom 19. Juni 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinem Antrag
gemäss Beschwerdeschrift fest (act. G 5) und brachte verschiedene Fotokopien zu
seiner am 11. Juli 2019 ausgeübten Tätigkeit bzw. zum damaligen Sachverhalt bei (act.
G 5.1 f.).
C.c.
Mit Duplik vom 12. August 2020 hielt die Beschwerdegegnerin ihrerseits am
Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (act. G 7) und legte eine weitere
kreisärztliche Beurteilung von Dr. F._ vom 11. August 2020 vor (act. G 7.1).
C.d.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, Versicherungsleistungen
bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Als Unfall gilt
gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor
selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere
Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich gezogen hat. Ein
äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
2.1.
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im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (André
Nabold, N 42 zu Art. 6, in Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 32 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-
Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler
Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG]). Das für den Unfallbegriff
wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und
Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei
unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt
oder auszuführen versucht. Dass es tatsächlich zu einem Sturz kommt, wird mithin
nicht vorausgesetzt. Wo sich eine Schädigung auf das Körperinnere beschränkt und sie
erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheiten, namentlich von
degenerativen Veränderungen eines Körperteils innerhalb eines durchaus normalen
Geschehensablaufs auftreten kann, muss die unkoordinierte Bewegung als
unmittelbare Ursache der Schädigung unter besonders sinnfälligen Umständen gesetzt
worden sein; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich
wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine erhöhte
Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V 80 E.
4.3.2.1 mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 32 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 38 zu
Art. 6). Weiter bejaht die Rechtsprechung das Vorliegen eines ungewöhnlichen
äusseren Faktors dann, wenn beim Heben oder Verschieben einer Last ein ganz
ausserordentlicher Kraftaufwand erfolgt und zu einer, gelegentlich als Verhebetrauma
bezeichneten, Schädigung führt (KOSS UVG-Nabold, N 33 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer,
N 40 zu Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 42; BGE 116 V 139 E.
3b; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2).
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer sodann bei Vorliegen
eines Unfalls für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als
dieser in einem natürlichen sowie adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten
Ereignis steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 48 ff. zu
Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 63 ff. zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55; Urteil des
Bundesgerichts vom 22. Februar 2007, U 37/06, E. 5.2). Für die Beantwortung der
2.2.
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Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (vgl. KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N
66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 129 V 181 E. 3.1 und 3.2
sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009 vom 28.
Oktober 2009, je mit Hinweisen). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch objektiv
ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die adäquate
weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2).
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG (in Kraft seit 1. Januar 2017) erbringt die Versicherung
ihre Leistungen auch bei den folgenden, abschliessend aufgelisteten
Körperschädigungen (vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, a.a.O., N 42 zu Art. 6 UVG), sofern
sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: a.
Knochenbrüche, b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse, e.
Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. Trommelfellverletzungen. Mit Art.
6 Abs. 2 lit. a bis h UVG wird die gesetzliche (Kausalitäts-)Vermutung statuiert, dass der
Unfallversicherer bei erfüllter Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich
aber von seiner Leistungspflicht befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die
Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist
(Botschaft vom 30. Mai 2008, BBl 2008 S. 5411, und Zusatzbotschaft vom 19.
September 2014, BBl 2014 S. 7922; SZS 2017 S. 33). Auf das Kriterium des äusseren
Faktors wird explizit verzichtet (BBl 2014 S. 7922). Der Gegenbeweis der vorwiegend
abnützungs- oder krankheitsbedingten Verursachung beschlägt den natürlichen
Kausalzusammenhang. Nur der Nachweis eines rechtsgenügenden, d.h. vorwiegend
degenerativ oder krankhaft verursachten Schadens, kann zu einer Verneinung des
natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. der Leistungspflicht des Unfallversicherers
führen (Evalotta Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, Das
Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018 S. 358). Der (Gegen-)Beweis der vorwiegend
krankhaften oder degenerativen Pathogenese der Listendiagnose ist erbracht, wenn
die Listendiagnose zu mehr als 50% auf Abnützung oder Erkrankung beruht (BGE 146
V 64 E. 8.2.2.1 mit Hinweisen). Aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit
des Gegenbeweises ergibt sich allerdings auch nach der am 1. Januar 2017 in Kraft
getretenen UVG-Revision die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer
zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und
erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur
Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit bleibt auch beim Vorliegen einer
2.3.
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Listendiagnose die Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis -
nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung als zeitlicher Anknüpfungspunkt für Fragen
der Versicherungsdeckung oder Zuständigkeit des Unfallversicherers - relevant (zum
Ganzen: BGE 146 V 69 f. E. 8.6 mit Hinweisen). Zur Feststellung der medizinischen
Verhältnisse, konkret zur Beurteilung der Tatfrage, ob eine Schädigung vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, ist die rechtsanwendende Behörde auf
Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärzten und Ärztinnen zur Verfügung zu stellen sind
(vgl. BGE 122 V 157 E. 1b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N
53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55;
Samuelsson, a.a.O., S. 357 f.).
Eine durch einen Unfall verursachte Gesundheitsschädigung oder eine auftretende
Beschwerdesymptomatik kann einen zuvor intakten oder einen bereits
vorgeschädigten Körperteil betreffen. Ist letzteres der Fall kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung oder eine unfallähnliche Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs.
2 UVG höchstens als vorübergehende oder richtunggebende Verschlimmerung eines
Vorzustandes in Betracht. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers bei einem
verschlimmerten oder überhaupt erst manifest gewordenen Vorzustand entfällt erst,
wenn der Unfall nicht mehr die natürliche oder adäquate Ursache des
Gesundheitsschadens darstellt oder die Ursächlichkeit einer vorübergehenden
Verschlimmerung (so bei der Aktivierung einer vormals stummen Listenverletzung) einer
unfallähnlichen Vorschädigung ausgeschlossen werden kann. Dies trifft zu, wenn
entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall oder dem
Eintreten der Beschwerdesymptomatik bestanden hat (Status quo ante), oder aber
derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustands (auch ohne Unfall) früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine),
erreicht ist. Eine richtunggebende Verschlimmerung liegt vor, wenn medizinischerseits
feststeht, dass weder der Status quo sine noch der Status quo ante je wieder erreicht
werden können (vgl. in Bezug auf die unfallähnlichen Körperschädigungen:
Samuelsson, a.a.O., S. 362 f.; vgl. zum Erreichen des Status quo sine vel ante: UVG
Kommentar-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54).
2.4.
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, 121 V 210 E. 6c). Der
2.5.
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Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen,
138 V 221 f. E. 6). Die Verwaltung respektive das Gericht dürfen eine Tatsache nur
dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Die Frage,
ob sich ein Unfallereignis im Rechtssinn ereignet hat (vgl. Erwägung 2.1), und falls ja,
die weitere Frage, ob zwischen dem Unfallereignis und einer gesundheitlichen Störung
ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist (vgl. Erwägung 2.2), und ebenso die
Frage, ob eine Schädigung vorwiegend durch Abnützung oder Krankheit verursacht ist
(vgl. Erwägung 2.3), beurteilt sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines
Sachverhalts genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs bzw. für die
Verneinung einer Leistungspflicht nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen; vgl.
Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl.
2014, § 70 N 58 f.). Die obgenannte Beweislastregel kommt also erst zur Anwendung,
wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes hinsichtlich der vorgenannten Fragen
kein überwiegend wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 138 V 221
f. E. 6, BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 114 V 298 E. 5b). Wird auf dem Weg der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit dem
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, so hat dieses als
unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person
auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei der Frage, ob ein
Kausalzusammenhang eines Gesundheitsschadens zu einem Unfallereignis überhaupt
jemals gegeben ist, ist ebenfalls die versicherte Person beweisbelastet. Die Beweislast
für den Wegfall der Unfallkausalität oder der Ursächlichkeit einer vorübergehenden
Verschlimmerung einer vorbestehenden Listendiagnose trägt hingegen der
Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Urteil des Bundesgerichts vom 6.
August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V 264 E. 3b; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O.,
S. 54 f.; vgl. zur Beweislast bei unfallähnlichen Körperschädigungen: Samuelsson,
a.a.O., S. 363). Selbstredend trägt auch die Beweislast in Bezug auf den Nachweis
einer vorwiegend krankhaften oder degenerativen Verursachung der Listendiagnose
der Unfallversicherer.
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3.
Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob der Beschwerdeführer am 11. Juli 2019 einen
Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat.
Dazu ist vorerst festzulegen, was am 11. Juli 2019 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit geschehen ist. Der Hergang des Ereignisses vom 11. Juli 2019 ist
unumstritten (vgl. Suva-act. 35-6 Ziff. 3.2). Es liegen keine widersprechenden Angaben
des Beschwerdeführers über den Ereignishergang vor und es werden auch von
beschwerdegegnerischer Seite keine solchen geltend gemacht. Der Beschwerdeführer
hat das Ereignis insbesondere auch vor Kenntnis der erstmaligen Leistungsablehnung
durch die Beschwerdegegnerin (Suva-act. 13) - in der Bagatellunfallmeldung UVG vom
24. Oktober 2019 (Suva-act. 1) sowie anlässlich der telefonischen Besprechung mit der
Beschwerdegegnerin am 18. Dezember 2019 (Suva-act. 11) - glaubhaft und konsistent
geschildert (vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 9 ff. zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 9 f. zu
Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 29 f.; Urteile des Bundesgerichts vom 22.
September 2008, 8C_827/2007, E. 5, und 23. Oktober 2009, 8C_319/2009, E. 2).
3.1.
Mit Bagatellunfallmeldung UVG vom 24. Oktober 2019 meldete der Beschwerde
führer, dass sich am 11. Juli 2019 beim Grastrimmen der Schnurkopf mit Gras
umwickelt habe. Er habe zweimal versucht, mit dem linken Arm am Trimmer zu ziehen.
Es sei ihm aber nicht gelungen, den Trimmer freizubekommen. Um mehr Kraft zu
erzielen, habe er beim dritten Mal noch zusätzlich die linke Hüfte und linke Schulter
gedreht, wobei er einen stechenden Schmerz im linken Schultergelenk verspürt habe
(Suva-act. 1). Anlässlich der telefonischen Besprechung mit der Beschwerdegegnerin
vom 18. Dezember 2019 beschrieb der Beschwerdeführer detaillierter, jedoch ohne
Widersprüchlichkeit und in den wesentlichen Elementen übereinstimmend, er habe am
11. Juli 2019 bei seiner privaten Landwirtschaft das erste Mal gemäht, wobei das Gras
etwa kniehoch gewesen sei. Normalerweise mähe man in diesem Fall mit einem
Balkenmäher. Er habe jedoch eine Motorsense mit einem Sternaufsatz verwendet. An
einer ungünstigen Stelle, genauer gesagt in einer Ecke eines Trafo-Häuschens, habe
sich das noch nicht abgemähte Gras im Aufsatz der Motorsense verwickelt. Er habe
etwa zweimal an der Motorsense gezogen, da er nicht gedacht habe, dass diese so
festsitzen würde. Das dritte Mal habe er "mit voller Wucht" an der Motorsense
gezogen. Er habe jedoch nicht so ziehen können, wie er es sich gewohnt gewesen sei,
da seine Position ungünstig gewesen sei. Am Anschlag habe es ihm dann einen
starken Zwick in der linken Schulter gegeben und er habe danach stärkere Schmerzen
gehabt (Suva-act. 11).
3.2.
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4.
Die Beschwerdegegnerin stellt sodann im Einspracheentscheid vom 9. April 2020
(Suva-act. 35) zutreffend fest, dass auch die Sachverhaltsschilderung des
Beschwerdeführers in der Einsprache vom 21. Januar 2020 - er habe, um eine
grösstmögliche Kraft erzielen zu können, die Sense entgegen der Zugrichtung
verschoben, um anschliessend "mit Anlauf" aus der Schulter-Hüftdrehung und der
Gewichtsverlagerung nach schräg hinten die grösste Wucht erzielen zu können (Suva-
act. 31) - glaubhaft ist und mit den vorgenannten Sachverhaltsschilderungen
übereinstimmt.
3.3.
Aufgrund der in den Erwägungen 3.2 und 3.3 angeführten Ereignisschilderungen
ist im Folgenden mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von
einem Sachverhalt auszugehen, wonach es dem Beschwerdeführer am 11. Juli 2019
beim Versuch, den Grastrimmer bzw. die Motorsense vom noch nicht abgemähten
Gras, welches sich im Sternaufsatz verwickelt hatte, mit Kraftaufwand ("mit voller
Wucht" bzw. "mit Anlauf") und in einer Drehbewegung mit der linken Schulter und
Hüfte sowie mit einer Gewichtsverlagerung nach schräg hinten, in einer ungünstigen
Position, d.h. an einer ungünstigen Stelle in einer Ecke eines Trafo-Häuschens, zu
trennen, einen Zwick in der linken Schulter gegeben hat und er danach stärkere
Schmerzen hatte.
3.4.
Streitig und zu prüfen ist nachfolgend, ob der Beschwerdeführer angesichts des
Sachverhalts in Erwägung 3.4 einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG erlitten hat. Dazu
ist insbesondere zu untersuchen, ob ein ungewöhnlicher äusserer Faktor auf seinen
Körper eingewirkt hat. Das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann - wie
gesagt (vgl. Erwägung 2.1 hiervor) - in einer unkoordinierten Bewegung oder in einer
Überanstrengung zufolge eines ausserordentlichen Kraftaufwands beim Heben oder
Verschieben einer Last bestehen.
4.1.
Der Beschwerdeführer zog zwar entsprechend dem Verschieben einer Last an der
Motorsense, doch fällt im vorliegenden Fall ein Unfall im Sinne einer Überanstrengung
durch Schieben bzw. Ziehen einer Last ausser Betracht. Gemäss höchstrichterlicher
Rechtsprechung bilden bei solchen Vorgängen das Gewicht der geschobenen oder
getragenen Last, die Konstitution des Betroffenen sowie die berufliche und
ausserberufliche Gewöhnung die Beurteilungskriterien (vgl. BGE 116 V 139 E. 3b;
RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38 E. 2; Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. 1989, S. 178 Anm. 359; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 6. Mai 2002, U 477/00, E. 3b, und vom 27. Juli 2001,
4.2.
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U 7/00, E. 4b/dd; Suva-Jahresbericht 1988 Nr. 8 S. 15). Vom höchsten Gericht wurde
eine den Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung nur bei Lasten von mehr als 100 kg
bejaht (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Oktober 2009, 8C_319/2009, E. 3.3 mit
Hinweis auf Urteil des EVG vom 9. Oktober 2003, U 360/02). In Fällen, in welchen eine
den Unfallbegriff erfüllende Überanstrengung verneint wurde, waren die zu hebenden
Lasten zwischen 50 und 100 kg schwer (Urteil U 360/02, a.a.O., E. 3.4 mit Hinweisen;
vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 11. Januar 2010, 8C_1029/2009, E. 2.1). Die
Motorsense hatte ein Gewicht von angeblich 12 kg (vgl. act. G 1.2). Selbst gegenüber
den letztgenannten Sachverhalten stellt ein solches Gewicht ein nur geringes Gewicht
dar. Der Beschwerdeführer bewirtschaftet eine private Landwirtschaft und ist es zudem
offensichtlich gewohnt, mit einer Motorsense Gras zu mähen (vgl. Suva-act. 11).
Entgegen der Beurteilung der Beschwerdegegnerin ist jedoch anzuerkennen, dass
der Bewegungsablauf des Beschwerdeführers beim Ziehen der Motorsense durch eine
relevante Programmwidrigkeit im Sinne eines einmaligen, unerwartet oder plötzlich
einsetzenden Vorgangs gestört wurde.
4.3.
Zunächst handelt es sich beim Ziehen an einem landwirtschaftlichen Gerät -
selbst wenn dabei eine Drehbewegung mit dem Körper, konkret der Schulter und
Hüfte, sowie eine Gewichtsverlagerung des Körpers ausgeführt werden - um eine
normale Bewegung, die bei einer landwirtschaftlichen Tätigkeit mit dem Körper
ausgeführt werden kann. Es ist eine Erfahrungstatsache, dass selbst im Rahmen einer
anstrengenden körperlichen Betätigung mässige Verdrehungen oder ein gewisser Zug
auf Sehnen, Muskeln, Bänder und Gelenke nichts Aussergewöhnliches darstellen,
sondern die genannten Körperteile gerade ein normales und verletzungsfreies
Funktionieren im täglichen Leben sowie verschiedenste Bewegungen, Drehungen,
Gewichtsverlagerungen und dergleichen gewährleisten. Der erstbehandelnde Arzt Dr.
C._ diagnostizierte am 15. Oktober 2019 eine Distorsion der linken Schulter beim
Trimmen von hohem Gras (Suva-act. 9). Gerade Distorsionen zeichnen sich durch
unterschiedliche Schweregrade aus und können auch nach einem geringfügigen
Trauma auftreten (Alfred M. Debrunner, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2002, S.
1097; vgl. dazu auch Urteil des EVG vom 30. August 2001, U 277/99). Damit ist
allgemein gesagt, dass eine Distorsion nicht in jedem Fall einem Unfall mit
unphysiologischer, programmwidriger Beanspruchung eines Körperteils im Sinne eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors entspricht. Beim Beschwerdeführer ist allerdings ein
Faktor hinzugetreten, der davon ausgehen lässt, dass sein linkes Schultergelenk bei
der Betätigung mit der Motorsense übermässig beansprucht wurde. Er spürte einen
stechenden Schmerz nicht bereits beim zweimaligen gewöhnlichen Ziehen der
4.3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/24
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5.
Motorsense, sondern erst beim dritten Versuch, die Motorsense von dem noch nicht
abgemähten Gras, das sich im Sternaufsatz verwickelt hatte, freizubekommen. Um
eine grösstmögliche Kraft zu erzielen, vollzog er dabei mit seiner linken Hüfte und
linken Schulter eine Drehbewegung, worin - wie gesagt - noch keine besonderen
Vorkommnisse zu sehen sind. Vergleichbar mit einem Anstossen oder Sturz entstand
jedoch in der Rückwärtsbewegung durch die unbestrittenermassen zum Einsatz
gelangende "Wucht" bzw. den vom Beschwerdeführer genommenen "Anlauf" und den
gleichzeitigen Widerstand durch das im Sternaufsatz festsitzende Gras - wie in der
Einsprache vom 21. Januar 2020 beschrieben (Suva-act. 31) - ein plötzlicher Abbau der
Energie im Bereich des Schultergelenks. Dadurch kam es zu einer unkontrollierbaren
Zugkraft auf das linke Schultergelenk und es ist nachvollziehbar, dass insgesamt, also
in Kombination mit der abgedrehten Schulter, aussergewöhnlich ungünstige Kräfte auf
das Schultergelenk einwirkten, welche selbst im Rahmen einer landwirtschaftlichen
Betätigung nicht mehr als üblich und gewohnt betrachtet werden können. Demgemäss
kann von einem programmwidrigen Überschreiten der physiologischen
Belastungsgrenze ausgegangen werden.
Anzufügen ist, dass die Bejahung eines Unfalls im Sinne von Art. 4 ATSG
allgemein nicht von der Schwere der dabei erlittenen Verletzung abhängig gemacht
werden darf. Wird der natürliche Ablauf durch ein besonderes Vorkommnis, d.h. eine
Programmwidrigkeit gestört, ist für die Annahme eines Unfalls im Sinne von Art. 4
ATSG lediglich gefordert, dass das Vorkommnis schädigend auf den Körper der
versicherten Person eingewirkt und dadurch eine kausale Beeinträchtigung ihrer
Gesundheit zur Folge gehabt hat. Genauso wie es für die Prüfung der
Ungewöhnlichkeit ohne Belang ist, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende,
unerwartete Folgen nach sich gezogen hat, kann nicht entscheidend sein, dass die
Folgen nur leicht ausgefallen sind.
4.3.2.
Nach dem Gesagten kann mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer am 11.
Juli 2019 ein Ereignis erlitten hat, welches die Voraussetzungen des Unfallbegriffs
gemäss Art. 4 ATSG erfüllt.
4.4.
Der Umstand allein, dass bestimmte Ereignisse, wie eine Überdehnung des
Schultergelenks, potentiell geeignet wären, körperliche Verletzungen herbeizuführen,
bedeutet jedoch nicht, dass zwingend für alle Beschwerden im Bereich eines vom
konkreten Unfall betroffenen Körperteils dieser Unfall verantwortlich sein muss und
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/24
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damit auch natürlich kausale Unfallfolgen vorliegen (Art. 6 Abs. 1 UVG). Mit dem
alleinigen Vorliegen eines Gesundheitsschadens ist demnach nicht in jedem Fall auch
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dessen Unfallkausalität
ausgewiesen (vgl. dazu Erwägung 2.2). Auch bei einem Unfall ist entscheidend, welche
Verletzungen die betroffene Person tatsächlich erlitten hat. Im konkreten Fall ist streitig
und zu prüfen, ob es beim Unfall vom 11. Juli 2019 zu einer Schädigung des linken
Schultergelenks gekommen ist bzw. ob die von Dr. D._ am 15. Januar 2020 operativ
behandelten Schultergelenksläsionen links (act. G 3.1) durch den Unfall vom 11. Juli
2019 verursacht worden sind.
Kreisarzt Dr. F._ nimmt nur in seiner ärztlichen Beurteilung vom 11. August 2020
(act. G 7.1) explizit zu Fragen der natürlichen Kausalität zwischen den
Körperschädigungen im Bereich des linken Schultergelenks und dem Ereignis vom 11.
Juli 2019 Stellung. In seinen Beurteilungen vom 20. Dezember 2019 (Suva-act. 12), 16.
Januar 2020 (Suva-act. 24) und 11. Mai 2020 (act. G 3.3) äussert er sich
demgegenüber zum Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung im Sinne von
Art. 6 Abs. 2 lit. f UVG (Sehnenrisse). Wie bereits erwähnt (vgl. Erwägung 2.3),
beschlägt jedoch der Gegenbeweis der vorwiegend abnützungs- und
krankheitsbedingten Verursachung ebenfalls den natürlichen Kausalzusammenhang.
Vor diesem Hintergrund kann den vorgenannten Beurteilungen von Dr. F._ ebenfalls
Beweiskraft für die Frage der Unfallkausalität der Schultergelenksproblematik links
zukommen. Ist die Leistungspflicht des Unfallversicherers für unfallkausale
Gesundheitsschäden zu prüfen, ist jedoch zu beachten, dass es bereits genügt, dass
das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen, insbesondere auch
degenerativen oder krankheitsbedingten Ursachen, die körperliche oder geistige
Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat (Teilkausalität), der Unfall mit
anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele (vgl. KOSS UVG-Nabold, N 52 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 65 zu Art. 6; BGE 129 V 181 E. 3.1, 117 V 376 E. 3a; SVR 2007 UV Nr. 28 S.
94, U 413/05, E. 4.1). Betreffend Teilursächlichkeit wurde weder vom höchsten Gericht
noch vom Gesetzgeber ein Mindestsatz bestimmt. Auch in Art. 36 Abs. 1 UVG wird von
einer solchen Regelung abgesehen. Der Unfallversicherer ist also nur dann nicht
leistungspflichtig, wenn der Gesundheitsschaden ausschliesslich auf unfallfremden
Ursachen beruht. Im Folgenden ist zu prüfen, ob anhand der vorhandenen
medizinischen Akten in Bezug auf das zuvor Gesagte ein überwiegend
wahrscheinlicher Sachverhalt festgelegt werden kann.
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/24
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Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln,
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 351, E. 3a mit
Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft
eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V
351, E. 3a mit Hinweis 122 V 157). Die Beschwerdegegnerin stützt sich in
medizinischer Hinsicht bei ihrer Leistungsablehnung für die beim Beschwerdeführer
nach dem Unfall vom 11. Juli 2019 aufgetretene Schulterproblematik links
insbesondere auf die in Erwägung 5.2 angeführten Beurteilungen von Dr. F._ (Suva-
act. 12, 24, act. G 3.3, G 7.1). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen
kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert beigemessen werden. Auf deren Ergebnis
kann jedoch nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2, 135 V 470 E. 4.4 mit
Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2014, 8C_385/2014, E. 4.2.2;
SVR 2018 IV, Nr. 4, S. 12, E. 3.2). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass auch reine
Beurteilungen aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Dr. F._ vorgenommen
wurden (Suva-act. 12, 24, act. G 3.3, G 7.1), beweiskräftig sein können, sofern ein
lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche
Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die
direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil
des Bundesgerichts vom 18. Juni 2014, 9C_196/2014, E. 5.1.1). Den Beurteilungen von
Dr. F._ vom 16. Januar 2020 (Suva-act. 24), 11. Mai 2020 (act. G 3.3) und 11. August
2020 (act. G 7.1) ist zu entnehmen, dass diese in Kenntnis der Vorakten vorgenommen
wurden. So führte Dr. F._ den jeweiligen aktualisierten "aktenmässigen Verlauf"
lückenlos auf. Sie enthalten sodann ausführliche Erwägungen zur Kausalitätsfrage der
Gesundheitsschäden im linken Schultergelenk bzw. dazu, weshalb Dr. Köster
bezüglich der Gesundheitsschäden im linken Schultergelenk mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit von degenerativen Gesundheitsschäden ausgeht.
5.3.
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6.
Ob letztlich auf die Beurteilungen von Dr. F._ abgestellt werden kann, ist im Rahmen
der nachfolgenden materiell-rechtlichen Beurteilung bzw. Beweiswürdigung zu prüfen.
Für die Annahme unfallkausaler somatischer Restfolgen wird im Regelfall eine
strukturelle Läsion oder eine schlecht verheilte strukturelle Läsion als objektivierbares
Korrelat verlangt. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar und von der
Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten oder der Patientin
unabhängig sind. Folglich kann von objektiv ausgewiesenen organisch-strukturellen
Unfallfolgen dann gesprochen werden, wenn die erhobenen Befunde mit -
wissenschaftlich anerkannten - apparativen/bildgebenden Abklärungen (wie Röntgen,
MRT, CT, Arthroskopie) bestätigt werden (vgl. BGE 134 V 121 E. 9, 134 V 232 E. 5.1
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Oktober 2009, 8C_216/2009, E. 2;
SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit Hinweisen [U479/05]).
6.1.
In der am 30. Oktober 2019 in der Netzwerk Radiologie durchgeführten MR-
Arthrographie des linken Schultergelenks zeigte sich laut dem von den untersuchenden
Ärzten gleichentags erstellten Untersuchungsbericht und dem Korrekturnachtrag vom
31. Oktober 2019 eine ausgedehnte Rim-Rent-Läsion der Supraspinatussehne ohne
Nachweis einer höhergradigen Dehiszenz, eine Tendinopathie der Subscapularissehne
am Ansatz mit möglicher Einreissung, eine concomitante Bursitis subcoracoidea, eine
Bizepssehnen-Tendinopathie der proximalen langen Bicepssehne, wie sie in Begleitung
von Supraspinatussehnenläsionen immer wieder vorkomme, eine geringgradige
glenohumerale Arthrose sowie superoanterior eine breite Auffüllung mit Kontrastmittel
abterior bis in den Bereich des ödematös aufgequollenen Bicepsankers, bei der
differentialdiagnostisch eine ausgedehnte Variante des Weitbrecht-Foramens bis in den
Recessus sublabralis zwar möglich sei, andererseits eine SLAP-Läsion mit Einriss des
Labrums durchaus infrage komme (Suva-act. 4). Dr. D._ entnahm im
Untersuchungsbericht vom 19. November 2019 dem MR-Arthrographie-
Untersuchungsbericht eine Läsion der Supraspinatussehne mit Sehnenrest am
Tuberculum majus, keine Retraktion, keine Muskelatrophie, einen hochgradigen
Verdacht auf eine SLAP-Läsion mit zusätzlicher Tendinopathie der langen Bicepssehne
und stellte die Diagnose Supraspinatussehnenläsion und hochgradiger Verdacht auf
eine SLAP-Läsion Schulter links (Suva-act. 3). Am 15. Januar 2020 führte Dr. D._
beim Beschwerdeführer eine diagnostische und therapeutische Arthroskopie des linken
Schultergelenks durch. Laut Operationsbericht vom 17. Januar 2020 diagnostizierte er
eine SLAP-Läsion II und eine Supraspinatussehnenruptur Schulter links und nahm eine
Supraspinatussehnennaht (Speed-Fix) und eine subpectorale Tenodese der langen
6.2.
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Bicepssehne vor. Unter der Rubrik "Technisches Vorgehen" hielt Dr. D._ eine
ausgeprägte Synovitis im gesamten Gelenk fest. Der Knorpelbelag am Glenoid sei
etwas aufgeraut. Der Humeruskopf und das Glenoid seien auffällig. Im Bereich des
Bicepsankers sei die Sehne leicht gerötet. Diese lasse sich mitsamt dem anterioren,
vor allem aber dorsosuperioren Labrum, abheben. Die lange Bicepssehne zeige
interartikulär im Verlauf leichte degenerative Veränderungen. Es werde eine Tenotomie
entschieden. Die Subscapularissehne sei intakt, doch zeige sich eine Läsion im
Supraspinatus im anterioren Bereich. Der dorsale Supraspinatus, Infraspinatus und
Teres minor seien intakt (act. G3.1).
Als unfallkausale Gesundheitsschäden stehen die in der MR-Arthrographie sowie
intraoperativ erhobene Supraspinatussehnenläsion und die von Dr. D._ im
Operationsbericht diagnostizierte SLAP-Läsion II zur Diskussion. Dr. F._ verneint in
seiner Beurteilung vom 16. Januar 2020 (Suva-act. 24) eine traumatische
Supraspinatussehnenläsion und geht (nur) von einer degenerativ bedingten
Zusammenhangstrennung infolge einer den Ansatzbereich der Rotatorenmanschette
betreffenden Tendinopathie oder Enthesiopathie aus. In seiner Beurteilung vom 11. Mai
2020 (act. G 3.3) verneint er sodann eine SLAP-Läsion II und sieht lediglich ein
Abheben der Bicepssehne bei leichter Rötung im Bereich des Bicepsankers mitsamt
dem anterioren, vor allem dorso-superioren Labrum, im Sinne einer leichten
degenerativen Veränderung. Der Beschwerdeführer vertritt demgegenüber in der
Beschwerde vom 20. April 2020 den Standpunkt, er habe beim Unfall vom 11. Juli
2019 eine Supraspinatussehnen- und SLAP II-Läsion erlitten (act. G 1).
6.3.
Allgemein ist vorwegzunehmen, dass die Ausdrücke "Läsion" (= Verletzung oder
Störung der Funktion, Schaden) und "Ruptur" (= Zerreissung) nicht automatisch auf
eine Unfallkausalität hindeuten (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 412, 628, 722, 724 f.,
728 f., 732, 975; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 250, 1576,
1646; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 1681). In Bezug auf die
Rotatorenmanschette und insbesondere deren Supraspinatus- und
Subscapularissehne gilt es zu beachten, dass diese zur Degeneration neigen. Die
Rotatorenmanschette kann allerdings auch als Folge eines Traumas ein- oder
abreissen (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 628, 724 f., 728 ff; Roche Lexikon, Medizin,
5. Aufl. 2003, S. 1681; Pschyrembel, a.a.O., S. 1576, 1646). Ebenso kann eine SLAP-
Läsion Folge eines vorangegangenen Traumas (insbesondere einer Luxation) sein. Sie
wird jedoch in der medizinischen Literatur ebenfalls als degenerativer
Gesundheitsschaden beschrieben (Debrunner, a.a.O., S. 722, 732, vgl. auch S. 975).
Eine Tendinopathie, wie sie in der MR-Arthrographie bei der Bicepssehne erhoben
6.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/24
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wurde, stellt demgegenüber eine Entzündung der Sehne in Ansatznähe und damit
grundsätzlich ein krankheitsbedingtes Leiden bzw. eine degenerative Veränderung dar,
die - im Gegensatz zu einer Rotatorenmanschetten- und SLAP-Läsion - als
unfallkausaler Gesundheitsschaden höchstens sekundär, d.h. als (Spät-)Folge einer
primären Verletzung, beispielsweise einer Fraktur oder Ruptur, auftreten kann (vgl.
Debrunner, a.a.O., S. 1107; Pschyrembel, a.a.O., S. 1782; Roche Lexikon, a.a.O., S.
1808). Zumindest partielle Sehnenrisse bzw. Teilrupturen lassen sich in der Regel
klinisch nicht von sekundären entzündlichen Reaktionen wie einer Tendinopathie
unterscheiden. Intraoperativ oder durch Kontrastmitteldarstellung in einer MR-
Arthrographie (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 217; Pschyrembel, a.a.O., S. 152; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 133) können sie indessen in der Regel medizinisch eindeutig
festgestellt werden (vgl. dazu BGE 114 V 298; Urteil des EVG vom 29. August 2000, U
441/99, E. 4 mit Hinweisen). Schliesslich ist anzufügen, dass eine unterschiedliche
Befundsituation von MRI und Arthroskopie damit erklärt werden kann, dass die
Arthroskopie gegenüber dem MRI durch den direkten Einblick in die intraartikulären
Strukturen in vielen Fällen eine nochmals feinere diagnostische Differenzierung zulässt
(Pschyrembel, a.a.O., S. 153 f.; Debrunner, a.a.O., S. 247 f., 725 f.).
In Bezug auf die von Dr. F._ im vorliegenden Fall als objektiviert betrachteten
Gesundheitsschäden ist zunächst festzuhalten, dass die Ärzte der Netzwerk Radiologie
lediglich in Bezug auf die Subscapularissehne eine Tendinopathie feststellten,
hinsichtlich der Supraspinatussehne jedoch eine ausgedehnte Rim-Rent-Läsion
nannten (Suva-act. 4). Im Operationsbericht wurde sodann ebenfalls eine
Supraspinatussehnenruptur diagnostiziert, die Läsion wurde als u-förmig beschrieben
und es wurde entsprechend eine Refixation mit dem Speed-Fix-Verfahren durchgeführt
(act. G 3.1). Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollziehbar, inwiefern Dr. F._ eine
Sehnenruptur als nicht objektiviert betrachtet und nur von einer Tendinopathie ausgeht.
Eine Supraspinatussehnenruptur ist hinreichend nachgewiesen. Dr. F._ erwähnt in
der Beurteilung vom 16. Januar 2020 (Suva-act. 24) im Weiteren eine ansatznahe
Partialruptur bzw. knöcherne Signalstörung im Ansatzbereich der Subscapularissehne.
Diese zeigte sich jedoch in der Arthroskopie anders als in der zehn Wochen zuvor
durchgeführten MR-Arthrographie als intakt (act. G 3.1). In seiner Beurteilung vom 11.
Mai 2020 (act. G 3.3) hält Dr. F._ sodann zutreffend fest, dass Dr. D._ im
Operationsbericht eine SLAP II-Läsion diagnostiziert habe (act. G 3.1), und erklärt in
Übereinstimmung mit der medizinischen Literatur, dass man unter einem Typ II den
kompletten Abriss des Labrum-Bicepssehnen-Komplexes vom superioren Glenoid
nach cranial verstehe (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 732; https://schulterinfo.de/
slap_laesionen.html; https://flexikon. doccheck.com/de/SLAP-L%C3%A4sion; https: //
6.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/24
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www. dr-gross.de/ schulterzentrum-saar/ slap-laesion-schulter.html, alle abgerufen am
27. November 2020). Er bemerkt andererseits ebenfalls korrekt, dass im
Operationsbericht unter der Rubrik "Technisches Vorgehen" kein Abriss des Labrum-
Bicepssehnen-Komplexes beschrieben wird, sondern - wie bereits erwähnt - ein
Abheben der Sehne bei leichter Rötung im Bereich des Bicepsankers mitsamt dem
anterioren, vor allem dorso-superioren Labrum. Auch die lange Bicepssehne im
intraartikulären Verlauf wird mit leichten degenerativen Veränderungen beschrieben.
Dass Dr. F._ angesichts des Gesagten eine SLAP II-Läsion nicht als gegeben
betrachtet, ist nachvollziehbar und schlüssig. Zusammenfassend ist zu sagen, dass im
konkreten Fall als durch den Unfall verursachte neue, strukturelle
Gesundheitsschädigung nur noch die Supraspinatussehnenruptur in Betracht kommt.
Nachfolgend ist mithin zu prüfen, von welcher Kausalitätsvariante - traumatisch oder
degenerativ - in Bezug auf die Supraspinatussehnenruptur überwiegend wahrscheinlich
auszugehen ist.
Dr. F._ verneint zunächst eine traumatische Supraspinatussehnenveränderung in
den Beurteilungen vom 16. Januar und 11. August 2020 (Suva-act. 24, act. G 7.1),
indem er auf die in der MR-Arthrographie festgestellte Kontinuitätsunterbrechung der
ansatznahen humeralseitigen Supraspinatussehne und die gelenkseitig ansatznahe
Signalstörung der Subscapularissehne hinweist und festhält, diese müssten als
Ausdruck einer degenerativ bedingten Zusammenhangstrennung infolge einer den
Ansatzbereich der Rotatorenmanschette betreffenden Tendinopathie oder
Enthesiopathie bezeichnet werden. In seiner Begründung lehnt sich Dr. F._
offensichtlich an die grundsätzlich schlüssige Argumentation an, dass in die
Beurteilung einer Unfallkausalität die Gesamtsituation eines Gelenks einzubeziehen sei.
So ist es verständlich, dass bei Vorliegen umfassender degenerativer
Gesundheitsschäden im Bereich eines Körperteils die Herauslösung eines einzigen
Gesundheitsschadens und dessen Betrachtung als unabhängigen, traumatisch
bedingten Gesundheitsschaden ohne konkreten Grund kein nachvollziehbares
Ergebnis darstellt. Zumindest ist es nicht wahrscheinlicher als eine durch Degeneration
begünstigte Entwicklung. Seine Feststellung vermag jedoch insofern nicht zu
überzeugen und als Begründung für eine degenerative Genese zu genügen, als - wie in
Erwägung 6.4 f. dargelegt - eine Supraspinatussehnenruptur als nachgewiesen gilt und
eine Tendinopathie einzig in der MR-Arthrographie in Bezug auf die
Subscapularissehne erhoben wurde, in der Arthroskopie jedoch gar nicht mehr
gesehen werden konnte. Von der kreisärztlichen Einschätzung bleibt damit nur noch
die unbegründete Feststellung übrig, dass bei der ansatznahen humeralseitigen
Supraspinatussehne eine Kontinuitätsunterbrechung festgestellt worden sei, welche
6.6.
https://www.dr-gross.de/schulterzentrum-saar/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/24
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auf eine degenerative Genese hinweise. Schliesslich ist festzustellen, dass sich sowohl
in der MR-Arthrographie vom 30. Oktober 2019 (Suva-act. 4) als auch in der
diagnostischen Arthroskopie vom 15. Januar 2020 (act. G 3.1) nur leichte
Degenerationen erheben liessen (Suva-act. 4: geringgradiger Osteophyt im
glenohumeralen Gelenk, geringgradige glenohumerale Arthrose; act. G 3.1: leichte
degenerative Veränderungen der langen Bicepssehne, etwas aufgerauter Knorpelbelag
am Glenoid) und sich in der MR-Arthrographie insbesondere der Supraspinatusmuskel
eutroph und ohne Verfettung (Goutallier Grad 0/Thomazeau 0) zeigte (Suva-act. 4).
Leichte Degenerationen kommen laut medizinischer Literatur ab einem gewissen Alter
(etwa ab 40 Jahren) häufig vor und sollten daher ohnehin nicht mehr berücksichtigt
werden, um eine degenerative von einer traumatischen Läsion zu unterscheiden (vgl.
Debrunner, a.a.O., S. 586; https://medicalforum.ch/article/doi/smf.2019.03247,
abgerufen am 27. November 2020). Die Herauslösung der Supraspinatussehnenruptur
von den degenerativen Veränderungen und deren Betrachtung als unabhängigen,
traumatisch bedingten Gesundheitsschaden würde damit kein Ergebnis darstellen,
welches nicht als nachvollziehbar betrachtet werden könnte.
Dr. F._ sieht jedoch in seiner Beurteilung vom 11. August 2020 (act. G 7.1) aus
der Aktenlage noch andere Indizien, welche für eine verschleissbedingte Ursache der
Rotatorenmanschette sprechen.
6.7.
Erkenntnisse für seine Kausalitätsbeurteilung entnimmt er insbesondere der Art
und Weise der echtzeitlich aufgetretenen Beschwerden sowie dem zeitlichen Ablauf.
Grundsätzlich ist nicht zu bezweifeln, dass eine bestimmte Verletzung in der Regel mit
typischen klinischen Befunden bzw. mit verletzungsspezifischen Symptomen
einhergeht und insofern die klinischen Befunde des konkreten Falls von Bedeutung
sind. Entsprechend ist das zeitliche Zusammentreffen von verletzungsspezifischen
Symptomen mit einem Unfall grundsätzlich als Indiz für eine Unfallkausalität zu werten.
Laut Dr. F._ spricht der klinische Erstbefund vom 25. Oktober 2019 mit lediglich
eingeschränkter Abduktion und Flexion eher für eine verschleissbedingte
Rotatorenmanschette, da bei einer traumatisch verursachten Schädigung der
Rotatorenmanschette medizinisch eher ein Kraft- und Funktionsverlust im linken
Schultergelenk im Sinne einer Pseudoparalyse bzw. eines Drop-Armzeichens zu
erwarten gewesen wäre (act. G 7.1). Der medizinischen Literatur ist zwar zu
entnehmen, dass ein typisches Symptom einer Läsion der Supraspinatussehne die
Pseudoparalyse ist, bei welcher der Arm nicht mehr aktiv über die Horizontale gehoben
werden kann, doch wird die Pseudoparalyse nicht nur auf die traumatische Supra
spinatussehneläsion beschränkt (Debrunner, a.a.O., S. 728; Pschyrembel, a.a.O., S.
6.7.1.
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1576). Der Beschwerdeführer begab sich - entgegen der Feststellung von Dr. F._ -
erstmals am 15. Oktober 2019 bei seinem Hausarzt Dr. C._ in ärztliche Behandlung.
Dessen Arztzeugnis UVG vom 9. Dezember 2019 sind hinsichtlich der
Beschwerdesymptomatik die subjektive Schmerzangabe des Beschwerdeführers - er
habe seit dem Ereignis in seinem Garten persistierende Schmerzen in der linken
Schulter -, die Feststellung von Dr. C._ - der Schmerz werde im Bereich des Delta-
Muskels wahrgenommen - und der klinische Befund - das Schulterrelief sei äusserlich
unauffällig - zu entnehmen. Ein konkreter Befund entsprechend einer Pseudoparalyse
ist im Arztzeugnis UVG nicht zu finden (Suva-act. 9). Dieser Umstand allein erscheint
jedoch insofern nicht relevant, als die Befundangaben im Arztzeugnis UVG generell
wenig aussagekräftig und unspezifisch erscheinen. So ist nicht ersichtlich, welche
klinischen Untersuchungen und Tests Dr. C._ zur Diagnostik des linken
Schultergelenks, insbesondere hinsichtlich dessen Beweglichkeit, durchgeführt hat.
Am 25. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer sodann durch Dr. D._ untersucht.
Dieser erhob folgenden Status: "Äusserlich unauffälliges Schulterrelief, negativer
Yergason Test, Aussenrotation von 40° (Gegenseite 60°), Kraft M 5 aber leicht
schmerzhaft, Innenrotation zum lumbosakralen Übergang (Gegenseite LWS) mit
negativem Lift off Test aber angedeutet positivem Bear Hug und Belly press Test, keine
Krepitation am Codman Punkt, Abduktion und Flexion endgradig leicht eingeschränkt,
Jobe Test unauffällig, angedeutet positiver Supraspinatusstarter Test. Yokum,
Impingement, Cross body und Palm up Test stark positiv, AC-Gelenk und Sulcus
bicipitalis druckindolent" (Suva-act. 2). Die dargelegten Befunde wiesen teilweise
eindeutig auf eine Rotatorenmanschettenläsion hin, waren zum Teil aber auch
unauffällig. Dies obwohl die nachfolgende MR-Arthrographie vom 30. Oktober 2019
eine ausgedehnte Rim-Rent-Läsion der Supraspinatussehne ergab (Suva-act. 4). Die
eingeschränkte Aussenrotation weist zudem auf eine Pseudoparalyse hin. Angesichts
der dargelegten Sachlage, ist es in Bezug auf den konkreten Fall fraglich, ob sich aus
den klinischen Befunden überzeugende Hinweise für oder gegen eine Unfallkausalität
ableiten lassen. Der Beschwerdeführer begab sich nach dem Unfall, wie bereits
erwähnt, erstmals am 15. Oktober 2019 in ärztliche Behandlung (Suva-act. 9). Eine
Latenzzeit von rund drei Monaten bis zu einer ärztlichen Erstbehandlung ist an sich
lang und spricht grundsätzlich in Übereinstimmung mit Dr. F._ gegen eine
traumatische Rotatorenmanschettenproblematik. Der Beschwerdeführer rechtfertigt
jedoch den zeitlichen Ablauf in der Beschwerde vom 20. April 2020 (act. G 1) damit,
dass er zuerst versucht habe, eine Heilung mit regelmässigem Auftragen von Voltaren,
später mit einer Pferdesalbe, zu erzielen. Er habe während dieser Zeit die vielen
Geschäftsaufträge erledigen und auch unterrichten können. Am besten sei es gewesen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/24
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den linken Arm hängen zu lassen. Die Schmerzen seien vor allem in der Nacht
aufgetreten. Da leider keine Linderung eingetreten sei, habe er den Hausarzt
aufgesucht. Besteht eine Beschwerdesymptomatik nach einem Unfall hauptsächlich
aus bewegungsabhängigen Schmerzen und zeigt sich der betroffene Körperteil wie im
vorliegenden Fall unauffällig (vgl. Suva-act. 2, 9), erscheint es durchaus plausibel, wenn
eine versicherte Person nicht unverzüglich einen Arzt konsultiert und zunächst
abwartend auf Selbstheilung durch Eigenbehandlung hofft. Die Beschreibung, dass die
Situation bei hängendem Arm am besten gewesen sei, deckt sich im Übrigen mit den
Angaben in der medizinischen Literatur (Debrunner, a.a.O., S. 727) und macht
erkennbar, dass sich der Beschwerdeführer zunächst bestmöglichst an die
Schmerzsituation angepasst hatte. In Bezug auf den konkreten Fall ist ausserdem zu
berücksichtigen, dass seit dem Unfall vom 11. Juli 2019 bis zur Operation der
Suprapsinatussehnenläsion sogar sechs Monate vergangen waren, innerhalb derer der
Beschwerdeführer ebenfalls mit seinen Schmerzen und seiner
Bewegungseinschränkung zurechtkommen musste und vor allem ohne
Arbeitsunfähigkeit immer seiner Arbeit nachzugehen vermochte. Er übt eine
Konstrukteurs- und Bürotätigkeit als Ingenieur aus (Suva-act. 1, 2, 11), bei welcher das
Anheben der Arme über die Horizontale nicht zwingend oder jedenfalls nicht häufig
erforderlich ist. Zudem ist der Beschwerdeführer Rechtshänder (Suva-act. 2),
geschädigt war hingegen die linke Schulter. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
sich aus dem Beschwerdeablauf bzw. dem gesamten zeitlichen Ablauf im konkreten
Fall ebenfalls keine überzeugenden Anhaltspunkte für eine traumatische oder eine
degenerative Supraspinatussehnenläsion ergeben.
Auch aufgrund der epidemiologischen Betrachtung von Dr. F._ in der
Beurteilung vom 16. Januar 2020 (Suva-act. 24) drängt sich ein rein degenerativer
Prozess ohne unfallbedingten Ursachenbeitrag (im Zeitpunkt des Unfalls war der
Beschwerdeführer 63 Jahre alt) nicht unbedingt auf. In der medizinischen Literatur
sowie in medizinischen Fachartikeln finden sich Erhebungsergebnisse, welche keine
derart hohe Häufigkeit des Auftretens von degenerativ bedingten
Rotatorenmanschettendefekten wiedergeben, dass von einer degenerativ bedingten
Rotatorenmanschettenläsion auszugehen wäre. Abgesehen davon ist das
Alterskriterium ein allgemeines Beurteilungskriterium statistischer Natur und
berücksichtigt - abgesehen vom Alter der konkreten Person - die Aspekte des
Einzelfalls wie initiale Beschwerdesymptomatik, Diagnosen, Befunde und radiologische
Untersuchungsergebnisse sowie zeitlicher Ablauf nicht. Sprechen diese für eine
traumatische Genese, kann im Einzelfall durchaus auch bei einem älteren Menschen
6.7.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/24
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auf eine traumatische Läsion geschlossen werden. Wie in den Erwägungen 6.6 und
6.7.1 dargelegt, schliessen die einzelfallbezogenen Beurteilungskriterien eine
traumatische Ätiologie der Supraspinatussehnenruptur nicht überwiegend
wahrscheinlich aus. Schliesslich ist zu ergänzen, dass die Erkrankung
nachvollziehbarerweise meist den dominanten Arm trifft. Beim rechtsdominanten
Beschwerdeführer liegt jedoch eine linksseitige Supraspinatussehnenläsion vor (vgl. zu
allem Pschyrembel, a.a.O., S. 1576; https://medicalforum.ch/ article/doi/smf.
2019.03247, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/033-041l_S2e_
Rotatorenmanschette_2017-04_02.pdf; abgerufen am 27. November 2020).
6.8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass an der Zuverlässigkeit der
Beurteilungen von Dr. F._ (Suva-act. 24, act. G 3.3, G 7.1), wonach die am 15.
Januar 2020 arthroskopisch behandelte Supraspinatussehnenruptur links (act. G 3.1)
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliesslich einen degenerativ-
verschleissbedingten Vorzustand darstelle (vgl. act. G 7.1), zumindest Zweifel
bestehen, weil gestützt auf die von ihm thematisierten, an sich massgebenden
Beurteilungskriterien, in Bezug auf den konkreten Fall eine traumatische Ätiologie nicht
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden
kann. Eine andere ärztliche Kausalitätsbeurteilung liegt nicht vor. Dem Gericht ist es
jedoch allein gestützt auf die Aktenbeurteilungen von Dr. F._ nicht möglich, mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, ob bei der
Arthroskopie vom 15. Januar 2020 eine traumatische Verletzung oder ein degenerativer
Vorzustand behandelt worden ist. Angesichts des Gesagten wäre die
Beschwerdegegnerin gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
zur Einholung einer nicht vorbefassten Begutachtung verpflichtet gewesen (BGE 135 V
470 E. 4.4). Nachdem - wie gesagt - bereits geringe Zweifel an der Schlüssigkeit der
Feststellungen versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte ergänzende Abklärungen
erforderlich machen, wird sie solche nachzuholen haben. Die Angelegenheit ist mithin
zur Veranlassung einer solchen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.8.1.
Dazu bleibt, wenn auch nur im Rahmen eines obiter dictum zu ergänzen, dass -
sofern die weiteren Abklärungen ergeben sollten, dass es sich bei der
Supraspinatussehnenruptur nicht um eine beim Unfall vom 11. Juli 2019 erlittene neue,
strukturelle Verletzung, sondern um einen degenerativen Vorzustand gehandelt hat -
eine vorübergehende oder richtunggebende Verschlimmerung des Vorzustandes in
Betracht kommt (vgl. Erwägung 2.4). So erwähnt Dr. F._ in seiner Beurteilung vom
6.8.2.
https://medicalforum.ch/
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7.