Decision ID: e4c16bf2-46f2-4980-8017-6be3dac802e0
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A., geb. 1976, ist türkischer Staatsangehöriger. Er reiste am 20. März 2001 in die
Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch, welches vom Bundesamt für Flüchtlinge am
16. Januar 2003 abgewiesen wurde. Dagegen erhob A. Rekurs, der von der
Schweizerischen Asylrekurskommission mit Entscheid vom 19. November 2004 als
offensichtlich unbegründet abgewiesen wurde. In der Folge wurde A. eine Frist zum
Verlassen der Schweiz bis 15. Januar 2005 angesetzt. Ab 16. Januar 2005 galt A. als
verschwunden. Er hielt sich nach eigenen Angaben mehrheitlich illegal in der Schweiz
auf.
Am 31. Januar 2006 ersuchte A. um eine Aufenthaltsbewilligung zur Vorbereitung der
Heirat mit der Schweizer Bürgerin N.P. Am 24. Februar 2006 heirateten A. und N.P. in
Zürich. In der Folge erteilte das Migrationsamt des Kantons Zürich A. eine
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib bei der
Ehefrau.
Im Dezember 2007 lernte A. die in Wil wohnhafte Schweizerin S. kennen. Diese gebar
am 28. Oktober 2008 die Tochter Y. A. hatte Y. bereits am 11. September 2008 vor
dem Zivilstandsamt Wil-Bronschhofen als eigenes Kind anerkannt.
Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 5. Januar 2009 wurde die Ehe von A. und
N.P. geschieden und die Vereinbarung der Eheleute vom 25. August 2008 über die
Scheidungsfolgen genehmigt.
Am 22. Januar 2009 meldete sich A. beim Einwohneramt Wil an und stellte beim
Ausländeramt des Kantons St. Gallen ein Gesuch um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Kantonswechsels. Er gab an, er lebe seit
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31. Dezember 2008 von seiner Ehefrau getrennt und sei aus der gemeinsamen
Wohnung ausgezogen.
Mit Verfügung vom 14. April 2009 wies das Ausländeramt das Gesuch um
Kantonswechsel ab und wies A. an, den Kanton St. Gallen bis spätestens 25. Mai 2009
zu verlassen. Zur Begründung führte es an, A. erfülle die Voraussetzungen für einen
Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung trotz Auflösung der
Ehegemeinschaft nicht. Auch habe sein Verhalten zu Klagen Anlass gegeben. Die
Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Kantonswechsels sei
verhältnismässig. Der persönliche Kontakt zum Kind und dessen finanzielle
Unterstützung könnten auch aus dem Kanton Zürich erfolgen.
B./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29. April 2009 erhob A. gegen die
Verweigerung des Kantonswechsels Rekurs, der vom Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 22. Juni 2009 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 6. Juli 2009 erhob A. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und
es sei ihm eine Aufenthaltsbewilligung zuzusprechen, eventualiter sei das Verfahren im

Sinne der Erwägungen zur Neubeurteilung zurückzuweisen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Der Beschwerdeführer beruft sich auf einen Rechtsanspruch
nach Art. 50 Abs. 1 lit. a und b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt AuG) sowie Art. 3 und 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK). Die zur Begründung im
einzelnen vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 30. Juli 2009 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
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Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 6. Juli 2009 wurde
rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Art. 36 AuG bestimmt, dass Personen mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung, einer
Aufenthalts- oder einer Niederlassungsbewilligung ihren Wohnsitz innerhalb des
Kantons, der die Bewilligung erteilt hat, frei wählen können. Der Wechsel des Wohnorts
in einen anderen Kanton ist in Art. 37 AuG geregelt. Wollen Personen mit einer
Kurzaufenthaltsbewilligung oder einer Aufenthaltsbewilligung ihren Wohnort in einen
anderen Kanton verlegen, so müssen sie im voraus eine entsprechende Bewilligung
des neuen Kantons beantragen (Art. 37 Abs. 1 AuG). Personen mit einer
Aufenthaltsbewilligung haben Anspruch auf den Kantonswechsel, wenn sie nicht
arbeitslos sind und keine Widerrufsgründe nach Art. 62 vorliegen (Art. 37 Abs. 2 AuG).
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG liegen unter anderem vor, wenn der Ausländer eine
mit der Verfügung verbundene Bedingung nicht einhält (Art. 62 lit. d AuG) oder wenn er
oder eine Person, für die er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist (Art. 62 lit. e
AuG).
2.1. Ausländer können nur in einem Kanton eine Aufenthaltsbewilligung besitzen
(Art. 66 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201,
abgekürzt VZAE). Zwei Bewilligungen können folglich nicht auf einmal bestehen.
Verlegt der Ausländer den Mittelpunkt seiner Lebensverhältnisse in einen anderen
Kanton, liegt ein bewilligungspflichtiger Kantonswechsel vor (Art. 67 Abs. 1 VZAE). Die
alte Bewilligung erlischt dabei nicht schon mit dem Kantons- bzw. Wohnsitzwechsel,
sondern erst mit der Erteilung der neuen Bewilligung im anderen Kanton (Art. 61 Abs. 1
lit. b AuG). Personen mit Aufenthaltsbewilligung haben somit grundsätzlich einen
gesetzlich geschützten Anspruch auf Kantonswechsel (vgl. Uebersax/Rudin/Hugi Yar/
Geiser, Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz 8.13 mit Hinweisen; vgl. auch Rz.
7.241).
2.2. Der Beschwerdeführer ist bzw. war im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung des
Kantons Zürich. Diese Aufenthaltsbewilligung wurde gemäss Feststellung der
Vorinstanz letztmals bis 23. Februar 2009 verlängert. Der Beschwerdeführer ersuchte
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am 22. Januar 2009 das Ausländeramt des Kantons St. Gallen um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung im Kanton St. Gallen im Rahmen des Kantonswechsels. Ob er
auch um Verlängerung der bestehenden Aufenthaltsbewilligung im Kanton Zürich
ersuchte, führt er nicht näher aus. Dieser Umstand ist auch aus den Akten nicht
ersichtlich. Weitere Abklärungen können allerdings unterbleiben, da diese Tatsache
nicht entscheidwesentlich ist.
Die Aufenthaltsbewilligung im Kanton Zürich wurde dem Beschwerdeführer im Rahmen
des Familiennachzugs zum Verbleib bei der Ehefrau erteilt. In der Bewilligungskopie
von 2006 wurde als Aufenthaltszweck ausdrücklich vermerkt: "Ehegatte eines
Schweizer Bürgers". In der bis 23. Februar 2009 gültigen Aufenthaltsbewilligung wurde
als Aufenthaltszweck vermerkt: "Ehegatte einer CH-Bürgerin, Küchenhilfe, Schweiz.
Epilepsie-Zentrum .. Zürich".
Ausländische Ehegatten von Schweizerinnen und Schweizern haben Anspruch auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen (Art. 42 Abs. 1 AuG). Nach Art. 50 Abs. 1 AuG besteht nach
Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AuG weiter, wenn
die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche
Integration besteht (Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG) oder wenn wichtige persönliche Gründe
einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG).
Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG können namentlich
vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und die
soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2
AuG).
Die Heirat des Beschwerdeführers mit der Schweizerin N.P. erfolgte am 24. Februar
2006. Das Datum der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft geht aus den Akten nicht
genau hervor. Fest steht, dass der Beschwerdeführer und N.P. am 25. August 2008
eine Vereinbarung über die Scheidungsfolgen schlossen. Anfangs 2008 wurde S. vom
Beschwerdeführer schwanger. Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass die
eheliche Gemeinschaft Anfang 2008 nicht mehr bestand und die Frist von drei Jahren
nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG nicht erfüllt ist. Zutreffend wird zwar in der Beschwerde
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festgehalten, dass die Scheidung nur knapp zwei Monate vor Ablauf der dreijährigen
Frist nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG ausgesprochen wurde. Dies ist aber nicht
entscheidend. Ausschlaggebend ist vielmehr, wann die eheliche Gemeinschaft
aufgelöst wurde, da der Anspruch auf Erteilung bzw. Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung erlischt, wenn ausländische Ehegatten von Schweizerinnen
nicht mit diesen zusammenwohnen. Dies bedeutet, dass der Anspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung bereits mit der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft und
mithin bereits rund zwei Jahre nach der Heirat erloschen ist. Nicht massgebend ist bei
dieser Sachlage auch die Behauptung des Beschwerdeführers, er sei am 31. Dezember
2008 aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen und lebe seither von seiner Ex-Frau
getrennt. Im weiteren ist auch das Erfordernis der erfolgreichen Integration nach Art. 50
Abs. 1 lit. a AuG nicht erfüllt, nachdem der Beschwerdeführer trotz der Ehe mit einer
Schweizerin nicht imstande ist, sich auf Deutsch auszudrücken bzw. die deutsche
Sprache nicht versteht und im Scheidungsverfahren einen Dolmetscher benötigte.
2.3. Weiter beruft sich der Beschwerdeführer auf Art. 3 und Art. 8 EMRK. Da er Vater
eines Kindes mit Schweizer Bürgerrecht ist, kann er sich grundsätzlich auf Art. 8 EMRK
berufen. Die Beziehung zum Schweizer Kind verschafft aber keinen bedingungslosen
Rechtsanspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Der Beschwerdeführer hat
das Kind anerkannt und sich zu Unterhaltsleistungen verpflichtet. Das Kind lebt aber
bei der Mutter.
Der nicht sorgeberechtigte Ausländer kann die familiäre Beziehung zu seinem Kind nur
in einem beschränkten Rahmen, nämlich durch Ausübung des ihm eingeräumten
Besuchsrechts, leben. Ein Besuchsrecht gegenüber einem in der Schweiz fest
anwesenheitsberechtigten Kind verschafft dem ausländischen Elternteil daher im
allgemeinen noch keinen Anspruch auf dauernde Anwesenheit; den Anforderungen von
Art. 8 EMRK ist Genüge getan, wenn das Besuchsrecht im Rahmen von
Kurzaufenthalten vom Ausland her ausgeübt werden kann, wobei allerdings dessen
Modalitäten entsprechend aus- bzw. umzugestalten sind. In ausländerrechtlicher
Hinsicht hat das Bundesgericht daraus die Konsequenz gezogen, dass die
Aufenthaltsbewilligung nur dann erteilt oder erneuert werden muss, wenn einerseits
zwischen dem Ausländer und dessen in der Schweiz ansässigen Kindern in
wirtschaftlicher und affektiver Hinsicht eine besonders enge Beziehung besteht, die
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sich wegen der Distanz zwischen der Schweiz und dem Land, in das der Ausländer bei
Verweigerung der Bewilligung auszureisen hätte, praktisch nicht aufrechterhalten
liesse, und wenn andererseits das Verhalten des Ausländers weitgehend tadellos ist
(vgl. statt vieler Urteil 2A.119/2004 vom 5. März 2004, Urteil 2A.563/2002 vom 23. Mai
2003, BGE 120 Ib 4 ff. und 24 ff.).
Im vorliegenden Fall ist zudem nicht entscheidend, ob ein genügender Kontakt des
Vaters mit dem Kind von der Türkei aus gepflegt werden kann. In der Streitsache geht
es nicht um die Verweigerung des Aufenthalts in der Schweiz, sondern lediglich um die
Verweigerung des Kantonswechsels. Der Beschwerdeführer ist bzw. war im Kanton
Zürich im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung. Er hatte mit seiner Ex-Ehefrau in Zürich
gewohnt. Für eine Arbeitsstelle in Wil als Hilfskraft im Gastgewerbe reiste er vom
Wohnort Zürich in den Kanton St. Gallen. Die Pflege der Beziehung zum Kind und zur
Kindsmutter ist dem Beschwerdeführer daher auch vom Kanton Zürich aus zuzumuten.
Die geringe Distanz zwischen Zürich und dem Wohnort der Kindsmutter bzw. des
Kindes bedeutet keine erhebliche Erschwerung des Kontakts zum Kind. Daher kann
der Vorinstanz keine Rechtsverletzung vorgehalten werden, wenn sie die Zumutbarkeit
der Pflege der Beziehung trotz der Verweigerung des Kantonswechsels bejaht hat.
Die Vorinstanz erwog, die Erteilung einer Jahresaufenthaltsbewilligung an
Konkubinatspartner von Schweizerinnen liege im Ermessen der Behörden. Sie verwies
dabei auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG. Diese Bestimmung regelt die Abweichung von den
Zulassungsvoraussetzungen bei Härtefällen. Von einem solchen kann im vorliegenden
Fall nicht gesprochen werden, da der Kontakt des Beschwerdeführers mit der
Kindsmutter nur unwesentlich eingeschränkt wird. Im übrigen kann sich der
Beschwerdeführer mit Bezug auf die Beziehung zur Kindsmutter nicht auf Art. 8 EMRK
berufen. Inwiefern der angefochtene Entscheid Art. 3 EMRK (Verbot der Folter) verletzt,
wird in der Beschwerde nicht begründet.
Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass dem Beschwerdeführer der Verbleib im
Kanton Zürich zuzumuten ist und die Verweigerung des Wechsels in den Kanton St.
Gallen keinen Verstoss gegen Bestimmungen des AuG oder der EMRK darstellt.
Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
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3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht