Decision ID: e3567932-e125-4b90-bf91-bf360b436409
Year: 2017
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

den Akten entnommen:
A. A._ (Rekurrent) wurde mit Verfügungen (datiert vom 8.10.2014) von der Steuerverwaltung des Kantons Bern, _ (Steuerverwaltung), pro 2012 auf ein
steuerbares Einkommen in der Höhe von CHF 143'700.-- (kantonale Steuern) und
CHF 152'100.-- (direkte Bundessteuer) veranlagt. Entgegen der Selbstdeklaration des
Rekurrenten berücksichtigte die Steuerverwaltung dabei insbesondere CHF 17'000.--
(Verwaltungsratshonorar und Sitzungsgelder) als zusätzliches Einkommen.
B. Gegen diese Veranlagungsverfügungen erhob der Rekurrent mit Schreiben vom 10. November 2014 Einsprache. Der Rekurrent führte aus, dass das Verwaltungsratshonorar
und die Sitzungsgelder im Umfang von CHF 17'000.-- nicht aufzurechnen seien. Dieses Mandat
sei über die Firma C._ AG (ab 2014 D._ AG) abgewickelt und versteuert
worden. Die Firma werde ordentlich im Kanton Zürich besteuert.
C. Mit Schreiben vom 19. Dezember 2014 forderte die Steuerverwaltung weiterführende Angaben bzw. Hintergrundinformationen zur Einsprache ein. Die Steuerverwaltung hielt fest,
dass es bei der Aufrechnung von CHF 17'000.-- um Sitzungsgelder bzw. das
Verwaltungsratshonorar der Firma E._ AG mit Sitz in Solothurn handle, deren
Verwaltungsratspräsident der Rekurrent sei. Insoweit würden Vergütungen besteuert, welche
der Rekurrent erhalten habe. Für diese Vergütungen sei er an seinem Wohnort steuerpflichtig.
Mit Schreiben vom 12. März 2015 stellte der Rekurrent der Steuerverwaltung diverse Belege
(Rechnungen) der D._ AG zu. Mit Rechnungen vom 12. Januar 2012, 24. Februar
2012, 23. April 2012, 13. Juni 2012, 21. August 2012, 17. Oktober 2012 und 29. November
2012 forderte die D._ AG von der E._ AG die Bezahlung von je CHF 1'000.--
für die Beratung durch den Rekurrenten im Bereich Immobilien. Am 21. Juni 2012 wurde eine
Rechnung über CHF 10'000.-- gestellt, ebenfalls für die Beratung des Rekurrenten im Bereich
Immobilien. Nach weiterer Korrespondenz kam die Steuerverwaltung zum Schluss, dass an der
Aufrechnung über CHF 17'000.-- festgehalten werde (Schreiben vom 27.6.2016). Für die
Tätigkeit als Mitglied des Verwaltungsrates einer Aktiengesellschaft seien nur natürliche
Personen wählbar. Dies lege die Vermutung nahe, dass auch das entsprechende Honorar dem
Verwaltungsrat und mithin dem Rekurrenten persönlich zustehe. Wenn in Abweichung von
dieser Vermutung das Honorar auf Grund vertraglicher Vereinbarung einer Drittperson zustehe,
sei dieser Beweis zu erbringen. Im vorliegenden Fall sei dieser Beweis nicht erbracht worden,
weshalb die Einsprache abzuweisen sei. Mit Hinweis auf das Schreiben vom 27. Juni 2016
wurde die Einsprache in der Folge mit Einspracheentscheiden vom 19. August 2016
abgewiesen.
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D. Gegen diese Einspracheentscheide hat der Rekurrent mit Eingabe vom 17. September 2016 bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) Rekurs und
Beschwerde erhoben. Er beantragt, die Aufrechnung von CHF 17'000.-- im Zusammenhang mit
dem Verwaltungsratshonorar und den Sitzungsgeldern zu korrigieren. Die D._ AG
habe die E._ AG in allen Immobilienfragen unterstützt. Dabei sei ihm das Mandat als
Verwaltungsratspräsident der E._ AG übertragen worden. Die Honorierung der
Leistungen der D._ AG (samt denjenigen des Rekurrenten als Mandatsträger) seien
der E._ AG durch die D._ AG in Rechnung gestellt worden. Die E._
AG habe die Rechnungen bezahlt und die entsprechenden Erträge seien von der D._
AG im Kanton Zürich versteuert worden. Dementsprechend seien die Honorare nicht an den
Rekurrenten ausbezahlt worden, weshalb die CHF 17'000.-- auch nicht vom Rekurrenten zu
versteuern seien.
E. Am 14. Dezember 2016 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen. In ihrer Vernehmlassung beantragt die Steuerverwaltung, den Rekurs und die Beschwerde
abzuweisen. Die Steuerverwaltung weist darauf hin, dass der Rekurrent im massgebenden
Zeitraum gemäss Handelsregister des Kantons Solothurn als Präsident des Verwaltungsrates
der E._ AG eingetragen war. Nach Meldung der Steuerverwaltung des Kantons
Solothurn sei dem Rekurrenten in der Steuerperiode 2012 ein Verwaltungsratshonorar von
CHF 10'000.-- und Sitzungsgelder im Umfang von CHF 7'000.-- ausbezahlt worden, weshalb
diese CHF 17'000.-- auch vom Rekurrenten zu versteuern seien. Jedenfalls seien bis heute
keine Beweise vorgelegt worden, wonach die CHF 17'000.-- nicht dem Rekurrenten persönlich,
sondern einer Drittperson zustehen würden.
F. Der Rekurrent hat Gelegenheit erhalten, zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung Stellung zu nehmen. Davon hat er – vertreten durch die B._ AG – am 31. Januar 2017
Gebrauch gemacht. Der Rekurrent hält an seinem bisher gestellten Rechtsbegehren fest. Er
führt aus, dass die Aufrechnung von CHF 17'000.-- als Einkommen zu einer ungerechtfertigten,
doppelten Erfassung des gleichen Steuersubstrats führe. Das Vereinnahmen einer
Entschädigung über eine Gesellschaft (hier der D._ AG) sei zulässig. Im vorliegenden
Fall sei das Vereinnahmen des Honorars über die D._ AG schriftlich geregelt worden.
Als Beleg dazu wurde eine entsprechende Vereinbarung zwischen der D._ AG und
dem Rekurrenten vom 5. Februar 2008 nachgereicht.
G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidrelevant, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
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Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG und
Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über
die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Eingabe ist deshalb einzutreten.
Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fallen die vorliegenden Entscheide in die
einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Strittig ist, ob die Steuerverwaltung das Verwaltungsratshonorar (CHF 10'000.--) und die entsprechenden Sitzungsgelder (CHF 7'000.--) zu Recht als Einkommen aufgerechnet hat.
3. Nach Art. 20 Abs. 1 StG und Art. 17 Abs. 1 DBG sind Einkommen aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit steuerbar. Die Verwaltungsratstätigkeit gilt im Steuer- und
Sozialversicherungsrecht grundsätzlich als unselbstständige Erwerbstätigkeit
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 18 zu Art. 17
DBG).
3.1 Die Parteien vertreten im Wesentlichen unterschiedliche Positionen, welcher steuerpflichtigen Person die Verwaltungsratshonorare und die Sitzungsgelder zuzuordnen sind.
Die Steuerverwaltung vertritt den Standpunkt, dass der Rekurrent die Verwaltungsratshonorare
und die Sitzungsgelder als natürliche Person vereinnahmt hat und diese deshalb von ihm
persönlich zu versteuern sind (Bst. C und E). Der Rekurrent ist der Auffassung, dass er für die
D._ AG zu Gunsten der E._ AG tätig geworden ist. Die D._ AG habe
als juristische Person für seine Leistungen Rechnung gestellt und die entsprechenden Erträge
versteuert (Bst. B und D). Folglich sei von der Aufrechnung von CHF 17'000.-- als Einkommen
bei ihm persönlich abzusehen, da ansonsten das gleiche Steuersubstrat doppelt erfasst würde
(Bst. F).
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3.2 Die von der Steuerverwaltung vertretene Position wird gestützt durch die Vermutung, dass die Tätigkeit als Verwaltungsrat grundsätzlich von einer natürlichen Person ausgeübt wird. Das
folgt aus Art. 707 Abs. 1 und Abs. 3 des Schweizerischen Obligationenrechts (OR; SR 220),
wonach ausschliesslich natürliche Personen als Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft
wählbar sind. Hergeleitet wird dies u.a. aus der Sorgfalts- und Treuepflicht der Mitglieder des
Verwaltungsrats (Art. 717 Abs. 1 OR). Macht eine steuerpflichtige, natürliche Person – wie der
Rekurrent – nun geltend, dass Entgelt für die Verwaltungsratstätigkeit stehe nicht ihm, sondern
einer juristischen Person zu, wird eine aus seiner Optik steuermindernde Tatsache geltend
gemacht. Dementsprechend obliegt es dem Rekurrenten, die gesetzliche Vermutung anhand
des Beweises des Gegenteils zu entkräften. Grundsätzlich ist denkbar, dass an Stelle einer
juristischen Person ein Vertreter (natürliche Person) als Verwaltungsrat gewählt werden kann.
Dem Rekurrenten obliegt demnach der Beweis, dass das Verwaltungsratshonorar und die
entsprechenden Sitzungsgelder auf Grund einer vertraglichen Vereinbarung nicht ihm, sondern
der D._ AG als juristischer Person zusteht. Gleiches gilt für ein allfälliges
Beratungsentgelt (vgl. zum Ganzen BGer 2C.95/2013 vom 21.8.2013, E. 2.2 ff.).
3.3 Der Rekurrent legt dazu eine Vereinbarung mit der D._ AG vom 5. Februar 2008 vor (Bst. F). Darin wird dem Rekurrenten als Verwaltungsrat der D._ AG das Recht
eingeräumt, Mandate im Namen der D._ AG anzunehmen. Diese Mandate können
gemäss der Vereinbarung vom 5. Februar 2008 in erster Priorität die Tätigkeitsgebiete
Organisationberatung, Treuhandfunktionen und Immobilienberatung beinhalten. Diese
Vereinbarung betrifft insoweit das Innenverhältnis zwischen dem Rekurrenten und der
D._ AG. Betreffend das Aussenverhältnis (zwischen der D._ AG und der
E._ AG) liegen verschiedene Rechnungen vor (Bst. C). Insgesamt hat die D._
AG der E._ AG in der Steuerperiode 2012 Rechnungen für die Beratungstätigkeit des
Rekurrenten im Umfang von CHF 17'000.-- gestellt. Genaue Angaben zum Inhalt der
Beratungstätigkeit (bzw. entsprechende schriftliche Verträge dazu) liegen nicht vor. Der
eingeforderte Betrag entspricht jedoch dem von der E._ AG deklarierten Vergütung zu
Gunsten ihres Verwaltungsratspräsidenten, d.h. zu Gunsten des Rekurrenten (pag. 38). In
Ermangelung von näheren Angaben zur angeblichen Beratungstätigkeit des Rekurrenten zu
Gunsten der E._ AG und angesichts der seitens der E._ AG eindeutig als
Verwaltungsratshonorar bzw. Sitzungsgeld ausgewiesenen Vergütung steht für die
Steuerrekurskommission damit zweifelsfrei fest, dass die CHF 17'000.-- alleine für die Tätigkeit
des Rekurrenten als Verwaltungsratspräsident ausgerichtet worden sind.
3.4 Betreffend die Tätigkeit des Rekurrenten als Verwaltungsrat liegen im Übrigen keine Dokumente vor, wonach der Rekurrent als offener Vertreter der D._ AG in den
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Verwaltungsrat der E._ AG gewählt worden wäre (vgl. dazu Wernli/Rizzi in: Basler
Kommentar zum Obligationenrecht, Band II, Artikel 530 bis 964, 5. Aufl., 2016, N. 33 zu Art. 707
OR). Es wird auch nicht behauptet (oder wäre aus der mit Schreiben vom 31.1.2017
auszugsweise nachgereichten Erfolgsrechnung pro 2012 der D._ AG ersichtlich), dass
die D._ AG Aktionärin der E._ AG ist. Insofern ist davon auszugehen, dass der
Rekurrent nicht über die aktienrechtliche Delegation nach Art. 707 Abs. 3 OR als Vertreter der
D._ AG in den Verwaltungsrat der E._ AG gewählt worden ist. Denkbar bleibt
damit noch, dass der Rekurrent fiduziarisch als Verwaltungsrat für die D._ AG tätig
wurde. Darauf weisen aber keine weiteren Sachumstände hin. Es wurde nicht geltend gemacht,
dass die D._ AG dem Rekurrenten als fiduziarischem Vertreter jemals (in engem
Rahmen zulässige, vgl. Wernli/Rizzi, a.a.O., N. 26 zu Art. 707 OR) Weisungen erteilt hätte.
Ausserdem sind auch keine Gründe ersichtlich oder genannt worden, inwiefern die D._
AG überhaupt ein Interesse an der Geschäftsführung der E._ AG haben könnte.
Dementsprechend gelingt dem Rekurrent der Nachweis nicht, dass er im Namen und als
Vertreter der D._ AG als Verwaltungsrat für die E._ AG tätig war. Folglich ist
nach der vorherrschenden Beweislastverteilung davon auszugehen, dass die für die
Verwaltungsratstätigkeit ausgerichteten Vergütungen dem Rekurrenten persönlich zuzuordnen
sind (E. 3.2).
3.5 Bei diesem Beweisergebnis sind Rekurs und Beschwerde abzuweisen. Dabei bleibt unerheblich, dass die entsprechenden Vergütungen (CHF 17'000.--) offenbar von der
D._ AG vereinnahmt, verbucht und versteuert worden sind. Nach der auszugsweis
vorgelegten Erfolgsrechnung pro 2012 handelt sich bei den CHF 17'000.-- um die einzigen
Erträge der D._ AG. Weil die D._ AG allerdings ein eigenständiges
Steuersubjekt darstellt, liegt mit der erwähnten doppelten Erfassung desselben Steuersubstrats
(Bst. F) von vornherein keine interkantonale Doppelbesteuerung im eigentlichen Sinn vor (vgl.
Peter Mäusli-Allenspach in: Kommentar zum interkantonalem Steuerrecht, 2011, N. 16 zu § 3).
Deshalb hat die Steuerverwaltung auch unter Berücksichtigung des interkantonalen Aspekts in
ihren Einspracheentscheiden zutreffenderweise festgehalten, dass der Rekurrent die
ausgerichteten Verwaltungsratshonorare und die Sitzungsgelder persönlich zu versteuern hat.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Rekurrent kostenpflichtig. Er hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten oder
andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2,
53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
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Da der Rekurrent im vorliegenden Fall unterliegt, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).