Decision ID: 47cb71da-362f-4c1e-87bb-5b02d39297de
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
X.Y. führte beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen
(Vorinstanz) ein Rekursverfahren betreffend den Widerruf seiner Aufenthaltsbewilligung
EU/EFTA. Das Rekursverfahren wurde am 29. Januar 2016 wegen Nichtleistens des
Kostenvorschusses abgeschrieben. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen die
Abschreibungsverfügung mit Eingabe vom 15. März 2016 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Am 20. April 2016 äusserte er sich zur möglichen Verspätung der
Beschwerde und ersuchte gleichzeitig um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und -verbeiständung im Beschwerdeverfahren. Am 3. Mai 2016 wies der
Präsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege wegen
Aussichtslosigkeit des angestrebten Verfahrens ab. Auf die dagegen erhobene
Beschwerde trat das Bundesgericht am 16. Juni 2016 nicht ein.
Das Verwaltungsgericht setzte dem Beschwerdeführer mit verfahrensleitender
Verfügung vom 27. Juni 2016 eine Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses von CHF
1‘500 bis 14. Juli 2016 an. Mit Eingabe vom 11. Juli 2016 (Postaufgabe 12.07.2016)
ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilligung einer Zahlung des Kostenvorschusses
in monatlichen Raten von CHF 50. Der Präsident des Verwaltungsgerichts wies das
Gesuch am 13. Juli 2016 ab. Nachdem der Kostenvorschuss weder innert der
angesetzten Frist noch später geleistet worden war, schrieb der Präsident des
Verwaltungsgerichts das Beschwerdeverfahren mit Verfügung vom 8. August 2016 ab.
Die Verfügung wurde dem Beschwerdeführer mit eingeschriebenem Brief zugestellt.
Nachdem der Brief nicht abgeholt und an das Gericht zurückgesandt worden war,
wurde dem Beschwerdeführer die Abschreibungsverfügung am 23. August 2016 mit A-
Post-Plus zugestellt. Der Beschwerdeführer verlangte mit Eingaben vom 4. September
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2016 (Postaufgabe 05.09.16) einen Entscheid des Gerichts und vom 5. September
2016 (Postaufgabe 07.09.16) „Wiedereinsetzung in den vorigen Stand“.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der Beschwerde in der Sache zuständig
(Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP).
Der Beschwerdeführer, dessen Rekursverfahren betreffend den Widerruf seiner
Niederlassungsbewilligung die Vorinstanz wegen Nichtleistens des Kostenvorschusses
mit der angefochtenen Verfügung vom 29. Januar 2016 abgeschrieben hat, ist zur
Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Ob
die weiteren Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind, insbesondere ob die Beschwerde
rechtzeitig erhoben worden ist, kann offen bleiben, wenn sie ohnehin mit der
präsidialen Abschreibungsverfügung vom 8. August 2016 zu Recht abgeschrieben
worden ist.
2. Entsprechend dem Rechtsmittelhinweis in der Abschreibungsverfügung vom 8.
August 2016 verlangte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 4. September 2016
(Postaufgabe 05.09.16) einen Entscheid des Gerichts. Am 5. September 2016
(Postaufgabe 07.09.16) ersuchte er zudem um Wiederherstellung der Frist.
2.1. Gemäss Art. 96 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 39bis Abs. 1 Ingress und lit. b VRP
kann der Präsident über die Abschreibung des Verfahrens verfügen, wenn der
Betroffene der Aufforderung, einen Kostenvorschuss zu leisten, trotz Hinweis auf die
Säumnisfolgen nicht entspricht. Entsprechend Art. 39bis Abs. 2 VRP können die
Beteiligten innert einer Frist von 14 Tagen durch einfache Erklärung einen Entscheid
des Gerichts verlangen. Nach Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 143 Abs. 1 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) müssen Eingaben am letzten Tag
der Frist beim Gericht eingereicht oder zu dessen Handen der Schweizerischen Post
übergeben werden. Gesetzliche Fristen haben nach Art. 30bis VRP Verwirkungsfolge,
wenn das Gesetz nichts anderes bestimmt.
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Eine eingeschriebene Sendung gilt spätestens am letzten Tag einer Frist von sieben
Tagen ab Eingang bei der Poststelle am Ort des Empfängers als zugestellt, sofern
tatsächlich ein erfolgloser (Briefkasten- oder Postfach)Zustellungsversuch mit
entsprechender Abholungseinladung unternommen wurde und der Adressat mit der
fraglichen Zustellung rechnen musste (vgl. Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art.
138 Abs. 3 Ingress und lit. a ZPO, BGE 141 II 429, BGer 2C_102/2016 vom 5. Februar
2016). Nachdem der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 11. Juli 2016 Ratenzahlung
des Kostenvorschusses beantragt hatte, musste er mit der Zustellung von
fristauslösenden Anordnungen des Gerichts rechnen. Gemäss der Sendungsverfolgung
wurde die Abschreibungsverfügung vom 8. August 2016 am 9. August 2016 an der
Postadresse des Beschwerdeführers zur Abholung bis 16. August 2016 gemeldet. Die
14-tägige Frist zur Einreichung der einfachen schriftlichen Erklärung gemäss Art. 39bis
Abs. 2 VRP begann dementsprechend am 17. August 2016 zu laufen und endete am
30. August 2016. Die Erklärung vom 4. September 2016, die der Beschwerdeführer am
5. September 2016 der Post übergab, ist dementsprechend verspätet und der
Anspruch auf einen Entscheid des Gerichts verwirkt.
2.2. Eine Frist kann gemäss Art. 30ter Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 148 Abs. 1 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung (SR 272, ZPO) wiederhergestellt werden, wenn
die Partei glaubhaft macht, dass sie kein oder nur ein leichtes Verschulden trifft. Die
Beweislast für den behaupteten Wiederherstellungsgrund trägt die säumige Partei,
wobei die Glaubhaftmachung der materiellen Voraussetzungen genügt. Die Gründe für
die Wiederherstellung sind soweit möglich zu belegen und entsprechende Beweismittel
einzureichen (vgl. N. Frei, in: Berner Kommentar zum schweizerischen Privatrecht, ZPO
Band I, Bern 2012, N 36 zu Art. 148 ZPO).
Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe den Entscheid erst am 30. August 2016
erhalten. An seinem Wohnsitz habe er keinen „Postkasten“. Bis 30. September
(gemeint wohl: August) 2016 habe er sich wegen einer Heilbehandlung im Ausland
aufgehalten. Eine Abholungseinladung sei nach seiner Rückkehr nicht vorhanden
gewesen. Soweit der Beschwerdeführer – seit längerer Zeit immer wieder – geltend
macht, er habe an seinem Wohnsitz keinen Briefkasten, entbindet ihn dies nicht, die
Zustellung der Post im Hotel, in welchem er lebt, so zu organisieren, dass Briefe und
Abholungseinladung nicht für jedermann zugänglich auf der Theke liegen, sondern für
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ihn – allenfalls in einem abschliessbaren Behältnis – bereit gehalten werden. Die
Abwesenheit wegen einer Heilbehandlung belegt der Beschwerdeführer zudem nicht.
Unter diesen Umständen hat der Beschwerdeführer ein bloss leichtes Verschulden an
seiner Säumnis nicht rechtsgenüglich belegt. Eine Wiederherstellung der versäumten
Frist wäre deshalb selbst bei einer allfälligen Zustimmung der Vorinstanz nicht zu
gewähren, zumal auch keine öffentlichen Interessen für eine Wiederherstellung
sprechen (vgl. VerwGE B 2014/232 vom 19. Februar 2015 E. 2.1 und 2.2,
www.gerichte.sg.ch). Das Wiederherstellungsgesuch ist damit abzuweisen.
3. Dementsprechend ist auf die einfache schriftliche Erklärung vom 4. September 2016
wegen Verspätung nicht einzutreten. Es ist deshalb festzustellen, dass die präsidiale
Abschreibungsverfügung vom 8. August 2016 rechtskräftig geworden ist.
4. (...).