Decision ID: 280ffc93-d238-4aca-8a17-7ee8d7af432b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend arbeitsrechtliche Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts am Arbeitsgericht Meilen vom 21. Dezember 2018 (AH170004-G)
Rechtsbegehren: (Urk. 2 und Urk. 8)
"1. Es sei die Beklagte unter Vorbehalt der Nachklage zu verpflichten, dem Kläger CHF 21'798.00 brutto sowie CHF
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2'000.00 netto, beides nebst Zins zu 5% seit 28. Januar 2016 zu bezahlen.
2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger innert 10 Tagen nach Rechtskraft des Urteils ein Arbeitszeugnis mit folgendem Inhalt zuzustellen: Seit über 20 Jahren bietet die A._ AG eine grosse Palette ständig erweiterter Produkte und Dienstleistungen im Sektor Sonnen- und Wetterschutzanlagen an. Unsere in Eigenproduktion hergestellten Anlagen ermöglichen es uns, den Kunden massgeschneiderte Lösungen anzubieten. In unserer Schlosserei können wir exklusive Materialien wie beispielsweise Edelstahl und Bronze verarbeiten. Nebst diesen Eigenprodukten führen wir auch qualitativ hochstehende Standardanlagen weiterer Hersteller. Herr B._, geboren am tt. August 1976, arbeitete vom 1. August 2002 bis am 31. Mai 2016 als Schlosser in unserem Betrieb. Das Arbeitspensum betrug 100%. Wir haben Herrn B._ als zuverlässigen und einsatzbereiten Mitarbeiter mit hohem Verantwortungsbewusstsein kennengelernt. Er zeichnete sich durch ein fundiertes Fachwissen und umfangreiche Berufserfahrung sowie eine rasche Auffassungsgabe und hohe Belastbarkeit aus. Durch seine strukturierte und selbstständige Arbeitsweise erzielte Herr B._ stets sehr gute Arbeitsergebnisse. Seine Aufgaben erfüllte Herr B._ stets zu unserer vollen Zufriedenheit. Gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und der Kundschaft verhielt er sich freundlich und korrekt. Herr B._ verlässt uns per 31. Mai 2016 frei von jeglichen Verpflichtungen. Wir danken Herrn B._ für seinen langjährigen Einsatz und wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft alles Gute.
3. Unter Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWSt) zulasten der Beklagten."
Urteil des Einzelgerichts am Arbeitsgericht Meilen vom 21. Dezember 2018: (Urk. 73)
1. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger CHF 21'798.– brutto nebst Zins zu 5% seit 28. Januar 2016 zu bezahlen. Diese Bruttoforderung reduziert sich um die auf den Kläger entfallenden Sozialversicherungsleistungen, soweit die Beklagte nachweist, dass und in welchem Umfang sie die Sozialabzüge an die zuständige Instanz abgeführt hat.
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Die Beklagte wird überdies verpflichtet, dem Kläger CHF 2'000.– (Spesenpauschale) nebst Zins zu 5% seit 28. Januar 2016 zu bezahlen.
2. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger ein Arbeitszeugnis mit folgendem Wortlaut auszustellen:
"Seit über 20 Jahren bietet die A._ AG eine grosse Palette ständig erweiterter Produkte und Dienstleistungen im Sektor Sonnen- und Wetterschutzanlagen an. Unsere in Eigenproduktion hergestellten Anlagen ermöglichen es uns, den Kunden massgeschneiderte Lösungen anzubieten. In unserer Schlosserei können wir exklusive Materialien wie beispielsweise Edelstahl und Bronze verarbeiten. Nebst diesen Eigenprodukten führen wir auch qualitativ hochstehende Standardanlagen weiterer Hersteller.
Herr B._, geboren am tt. August 1976, arbeitete vom 1. August 2002 bis am 31. Mai 2016 als Schlosser in unserem Betrieb. Das Arbeitspensum betrug 100%.
Wir haben Herrn B._ als zuverlässigen und einsatzbereiten Mitarbeiter kennengelernt, der die ihm übertragenen Arbeiten verantwortungsbewusst erledigte. Er zeichnete sich durch ein fundiertes Fachwissen und umfangreiche Berufserfahrung sowie eine rasche Auffassungsgabe aus. Er arbeitete auch unter hoher Arbeitslast gründlich und speditiv. Durch seine strukturierte und selbständige Arbeitsweise erzielte Herr B._ stets gute Arbeitsergebnisse. Seine Aufgaben erfüllte Herr B._ stets zu unserer vollen Zufriedenheit.
Gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitenden und der Kundschaft verhielt er sich freundlich und korrekt.
Herr B._ verlässt uns per 31. Mai 2016 frei von jeglichen Verpflichtungen. Wir danken Herrn B._ für seinen langjährigen Einsatz und wünschen ihm für seine private und berufliche Zukunft alles Gute."
3. Die Gerichtskosten fallen ausser Ansatz.
4. Die Beklagte wird verpflichtet, dem Kläger eine Parteientschädigung von CHF 7'950.– (7.7% MwSt bereits enthalten) zu bezahlen.
5. (Schriftliche Mitteilung)
6. (Rechtsmittelbelehrung; Berufung, Frist 30 Tage)
Berufungsanträge:
der Beklagten und Berufungsklägerin (Urk. 72 S. 2):
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"1. Das Urteil des Bezirkgsgerichts Meilen vom 21. Dezember 2018 sei
aufzuheben.
2. Die Klage des Klägers und Berufungsbeklagten vom 20. Februar 2017 sei
vollumfänglich abzuweisen.
3. Eventualiter sei die Klage des Klägers und Berufungsbeklagten vom
20. Februar 2017 abzuweisen, soweit sie den Betrag von CHF 17'178.50 brutto und Spesen von CHF 2'000.00 übersteigt.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten
des Klägers und Berufungsbeklagten."
des Klägers und Berufungsbeklagten (Urk. 78 S. 2):
"1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der
Beklagten und Berufungsklägerin."

Erwägungen:
I. (Sachverhalt und Prozessverlauf)
1. Die Beklagte ist ein in C._ [Ort] domiziliertes Unternehmen, das
Produkte und Dienstleistungen im Sektor Sonnen- und Wetterschutzanlagen
anbietet. Der Kläger war seit 1. August 2002 bei der Beklagten als Schlosser
angestellt. Auch sein Vater D._ und sein Bruder E._ arbeiteten für die
Beklagte, Ersterer seit dem Jahre 1995 bis heute, Letzterer seit dem Jahre 2010
bis Juni 2016 (Urk. 8 S. 2 f.; Urk. 10 S. 1; Urk. 13 S. 3). Am Samstagabend
23. Januar 2016 kam es zwischen dem Kläger und seinem Bruder E._ im
Ferienhaus der Familie in F._ [Ort], Italien, zu einer tätlichen
Auseinandersetzung, in deren Folge E._ der Arbeit bis und mit 27. Januar
2016 fernblieb (Urk. 10 S. 3). Mit Schreiben vom 26. Januar 2016 eröffnete
G._, Mitglied des Verwaltungsrates der Beklagten, dem Kläger die fristlose
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Kündigung des Arbeitsverhältnisses und begründete sie mit den gravierenden
Vorfällen vom vorhergehenden Wochenende (Urk. 4/5). Vom 25. Januar 2016 bis
21. Februar 2016 war der Kläger arbeitsunfähig (Urk. 8 S. 6; Urk. 13 S. 4;
Urk. 4/11). Mit seiner Klage macht er Schadenersatz aus ungerechtfertigter
fristloser Entlassung während der Sperrfrist geltend im Umfang von vier
Bruttomonatslöhnen von insgesamt Fr. 24'806.50 (4 x Fr. 6'201.67), abzüglich
Fr. 7'628.– (SUVA-Taggeld und Zwischenverdienste), zuzüglich einer
Entschädigung im Sinne von Art. 337c Abs. 3 OR im Umfang von Fr. 4'619.50
(Teilklage), mithin insgesamt Fr. 21'798.– brutto, und eine Spesenpauschale von
Fr. 2'000.– netto samt Zinsen. Weiter verlangt er die Ausstellung eines
Arbeitszeugnisses gemäss Rechtsbegehren Ziff. 2 (Urk. 8 S. 2 f.). Die Vorinstanz
hiess die Klage mehrheitlich gut und verpflichtete die Beklagte, dem Kläger
insgesamt Fr. 21'798.– brutto und eine Spesenpauschale von Fr. 2'000.– nebst
Zins zu 5% seit 28. Januar 2016 zu bezahlen sowie ein teilweise gegenüber der
beantragten Version abgeändertes Arbeitszeugnis auszustellen (Urk. 73).
2. Die Klage wurde am 20. Dezember 2017 bei der Vorinstanz unter Beilage
der Klagebewilligung anhängig gemacht (Urk. 1; Urk. 2). Der Verfahrensgang vor
Vorinstanz kann dem angefochtenen Entscheid entnommen werden (Urk. 73
S. 3 f.). Gegen das zunächst unbegründete, hernach auf Antrag der Beklagten
begründete Urteil vom 21. Dezember 2018 (Urk. 65; Urk. 69) hat die Beklagte mit
Berufungsschrift vom 16. September 2019 fristgerecht Berufung erhoben (Urk. 72;
Urk. 70/1). Die rechtzeitig erstattete Berufungsantwort datiert vom 14. November
2019 (Urk. 76; Urk. 78) und wurde der Beklagten zur Kenntnisnahme zugestellt
(Urk. 80). Weitere Eingaben der Parteien erfolgten nicht.
II.
(Prozessuales)
1. Mit der Berufung kann die unrichtige Rechtsanwendung und die unrichtige
Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die
Berufungsinstanz verfügt über eine uneingeschränkte Überprüfungsbefugnis
bezüglich Tat- und Rechtsfragen. In der schriftlichen Berufungsbegründung
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(Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche
Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an
einem der genannten Mängel leidet. Das setzt (im Sinne einer
Eintretensvoraussetzung) voraus, dass der Berufungskläger die vorinstanzlichen
Erwägungen bezeichnet, die er anficht, sich inhaltlich mit diesen auseinandersetzt
und mittels präziser Verweisungen auf die Akten aufzeigt, wo die massgebenden
Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen und Einreden erhoben wurden bzw.
aus welchen konkreten Aktenstellen sich der geltend gemachte Berufungsgrund
ergeben soll (vgl. BGE 138 III 374 E. 4.3.1 S. 375 f.; BGer 5A_751/2014 vom
28. Mai 2015, E. 2.1; 5A_635/2015 vom 21. Juni 2016, E. 5.2;
Hungerbühler/Bucher, DIKE-Komm-ZPO, Art. 311 N 37 ff.; ZK ZPO-Reetz/Theiler,
Art. 311 N 36). Was nicht oder nicht in einer den gesetzlichen
Begründungsanforderungen genügenden Weise beanstandet wird, braucht von
der Rechtsmittelinstanz – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – nicht
überprüft zu werden und hat grundsätzlich Bestand (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4
S. 417 m.w.Hinw.; BGer 5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3;
4A_258/2015 vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.3). Abgesehen von dieser
Relativierung gilt der Grundsatz "iura novit curia" (Art. 57 ZPO) aber auch im
Berufungsverfahren. Die Berufungsinstanz ist deshalb weder an die in den
Parteieingaben vorgetragenen Argumente noch an die Erwägungen der
Erstinstanz gebunden. Sie kann die Berufung auch aus einem anderen als dem
angerufenen Grund gutheissen oder mit einer von der Argumentation der
Erstinstanz abweichenden Begründung abweisen (vgl. BK ZPO I-Hurni, Art. 57
N 21, N 39 ff.; Glasl, DIKE-Komm-ZPO, Art. 57 N 22). In diesem Rahmen ist auf
die Parteivorbringen einzugehen, soweit dies für die Entscheidfindung erforderlich
ist (BGE 134 I 83 E. 4.1 S. 88 m.w.Hinw.; 141 III 28 E. 3.2.4 S. 41).
Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfahren
nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt werden,
d.h. wenn sie – kumulativ – ohne Verzug vorgebracht wurden (lit. a) und trotz
zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten
(lit. b). Die gesetzliche Einschränkung des Novenrechts gilt auch im
Anwendungsbereich der sog. sozialen bzw. eingeschränkten
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Untersuchungsmaxime (BGE 138 III 625 E. 2.2; BGE 142 III 413 E. 2.2.2),
welcher der vorliegende Rechtsstreit unterliegt (vgl. Art. 247 Abs. 2 lit. b
Ziff. 2 ZPO). Wer sich auf (unechte) Noven beruft, hat deren Zulässigkeit darzutun
und ihre Voraussetzungen notwendigenfalls zu beweisen (BGE 143 III 42 E. 4.1;
BGer 5A_86/2016 vom 5. September 2016, E. 2.1 m.w.H.).
2. Die Rechtsmittelvoraussetzungen sind vorliegend erfüllt: Die Berufung
richtet sich gegen einen Endentscheid im Sinne von Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO in
einer vermögensrechtlichen Angelegenheit. Deren Streitwert übersteigt
Fr. 10'000.– (Art. 308 Abs. 2), und sie fällt nicht unter einen Ausnahmetatbestand
gemäss Art. 309 ZPO. Die Beklagte ist durch den angefochtenen Entscheid
beschwert. Die Berufung wurde form- und fristgerecht erhoben (Art. 311 Abs. 1
und Art. 142 f. sowie Art. 145 Abs. 1 lit. b ZPO; Urk. 70/1). Auf die Berufung ist
somit einzutreten.
III.
(Materielle Beurteilung)
1. Die Beklagte hatte vor Vorinstanz im Wesentlichen geltend gemacht, dass
sich E._, der Bruder des Klägers, am 25. Januar 2016 bei G._, Mitglied
des Verwaltungsrates der Beklagten, telefonisch krank gemeldet und vom Vorfall
des 23. Januar 2016 berichtet habe. Demnach habe ihn der stark alkoholisierte
Kläger am 23. Januar 2016 im elterlichen Domizil in F._ geschlagen und
getreten, seine Eltern tätlich angegriffen und in seiner Raserei die elterliche
Wohnung verwüstet, wobei die Situation dermassen ausser Kontrolle geraten sei,
dass der Vater die Polizei gerufen habe. Weiter machte die Beklagte geltend, als
Folge der Tätlichkeiten des Klägers sei E._ während drei Tagen
arbeitsunfähig gewesen und erst am 28. Januar 2016 wieder zu Arbeit
erschienen. Um die Vorfälle zu klären, habe G._ mit dem Vater des Klägers
gesprochen, der den von E._ geschilderten Ablauf vollumfänglich bestätigt
habe. Anlässlich eines mit Dr. H._ geführten Telefongespräches habe dieser
die Auffassung vertreten, die Brüder dürften nicht mehr zusammenarbeiten und
dass eine solche Zusammenarbeit gar gefährlich wäre (Urk. 10 S. 2 ff.). Der
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Kläger liess die Sachverhaltsdarstellung der Beklagten als nicht zutreffend
bestreiten. Im Wesentlichen hielt er fest, es habe zwar an jenem Abend eine
animierte Auseinandersetzung zwischen den Brüdern stattgefunden. Er sei aber
weder alkoholisiert gewesen noch habe er die Eltern verprügelt oder die
Wohnungseinrichtung demoliert. Der Bruder sei auch nicht arbeitsunfähig
gewesen und habe keinen Arzt aufgesucht. Vor seiner Entlassung habe kein
Gespräch zwischen G._ und Dr. H._ stattgefunden (Urk. 8 S. 2 ff.).
2. Die Vorinstanz führte ein Beweisverfahren zum umstrittenen Sachverhalt
betreffend die Vorkommnisse vom 23. Januar 2016 und deren Folgen durch. In
dessen Verlauf wurden die Parteien und vier Zeugen befragt, diverse Urkunden
abgenommen (Urk. 14) und die Notizen der Polizei von F._ auf dem
Rechtshilfeweg eingeholt (Urk. 28; Urk. 30; Urk. 43). Nach Würdigung des
Beweisergebnisses hielt die Vorinstanz folgenden Sachverhalt für erstellt (Urk. 73
S. 11 ff., S. 20 f.):
Am Abend des 23. Januar 2016 sei es zwischen dem Kläger und seinem
Bruder, E._, zu einem verbalen Disput und einer gegenseitigen Prügelei
gekommen in deren Zuge der Kläger E._ einen Faustschlag und eine
Ohrfeige ins Gesicht verpasst habe. Als die Eltern die Brüder hätten trennen
wollen, sei es infolge der Auseinandersetzung zwischen den Brüdern auch zu
Stössen gegen die Eltern gekommen, ohne dass sie jedoch vorsätzlich Ziel des
Angriffs gewesen seien. Zudem sei in der Wohnung Geschirr zerbrochen und
Essen auf den Boden und an die Wand geworfen worden, wobei unklar sei, wer
konkret dafür verantwortlich gewesen sei. Der Vater habe die Polizei angerufen,
welche zwar kein Protokoll, wohl aber Notizen über den Zwischenfall erstellt habe.
E._ habe sich auf Bitte des Vaters zwischenzeitlich in die Wohnung von
Nachbarn begeben. Er sei nach dem Eintreffen der Polizei in die elterliche
Wohnung zurückgekehrt, habe dann vom Vater EUR 50.– erhalten und in einem
Hotel genächtigt. Er habe als Folge der Auseinandersetzung einen leichten
Bluterguss und eine aufgeplatzte Lippe erlitten, die noch einige Tage sichtbar
gewesen seien. Er sei dem Arbeitsplatz für drei Tage ferngeblieben, weil er die
Begegnung mit dem Kläger, aber aufgrund der Verletzung auch mit den
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Arbeitskollegen gescheut habe. Direkt nach dem Vorfall habe er keinen Arzt
konsultiert, sondern am 30. Januar 2016 seinen Psychologen, Dr. H._,
aufgesucht. G._ habe am 25. Januar 2016 ein Gespräch mit dem Vater des
Klägers, D._, geführt, welcher von einer gegenseitigen Prügelei berichtet und
dafürgehalten habe, gegebenenfalls E._ und nicht den Kläger zu entlassen.
Zudem habe G._ mit Dr. H._ telefoniert, der Verständnis für die
Situation der Beklagten gezeigt habe, die nicht mehr beide Brüder in ihrem
Betrieb habe beschäftigen wollen. Er habe insofern auf den Entscheid der
Beklagten Einfluss genommen, als er das Ansinnen von G._ unterstützt
habe, wonach der Kläger entlassen werde, um E._ den Abschluss seiner
Ausbildung zu ermöglichen.
3. Fehlerhafte gerichtliche Beweiswürdigung
3.1. Die Beklagte wirft der Vorinstanz zunächst vor, sie habe die Beweise
unrichtig gewürdigt und damit den Sachverhalt unrichtig festgestellt. Sie rügt
insbesondere deren Feststellung als unzutreffend, dass es sich beim Vorfall vom
23. Januar 2016 um ein gegenseitiges Austeilen von Schlägen und nicht um
einen einseitigen Angriff des Klägers resp. eine grundlose, einseitige
Prügelattacke gehandelt habe. So lasse die Vorinstanz völlig ausser Acht, wer als
erster Faustschläge erteilt habe (der Kläger) und wer verletzt worden sei
(E._). Weiter habe sie nicht berücksichtigt und gewürdigt, dass die
Sachverhaltsdarstellung des Klägers in seinen Parteivorträgen fundamental vom
Beweisergebnis abweiche. So habe der Kläger in seinen Parteivorträgen
ausgeführt, dass die "Brüder zwar aneinander geraten seien", die Angelegenheit
aber durch den Vater geschlichtet worden sei. Dass die Polizei vor Ort gewesen
sei, habe er mit Nichtwissen bestritten. In der Parteibefragung habe er dann
plötzlich wieder gewusst, dass sein Vater die Polizei gerufen habe (Urk. 72 S. 14).
In der Replik habe er behauptet, er habe die Wohnung verlassen, weil er habe
vermeiden wollen, dass der Bruder nochmals auf ihn losgehe und die Diskussion
weitergehe (Urk. 13 S. 9; Urk. 72 S. 14). In der Parteibefragung habe der Kläger
nichts von eigentlichen Provokationen durch E._ berichtet, sondern
behauptet, er sei irgendwann aufgestanden, als die Diskussion heftiger geworden
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sei (Urk. 62 S. 11 ff.) und habe nach der Prügelei die Wohnung verlassen, um
sich zu beruhigen (Urk. 62 S. 12). Insgesamt habe der Kläger den Ablauf des
Vorfalls vom 23. Januar 2016 komplett verharmlost und in seinen Vorträgen
nachweislich die Unwahrheit gesagt (Urk. 72 S. 14). Der Vater habe versucht, ihn
vom Bruder zu trennen (und nicht den Bruder von ihm) und habe ihm zwei
Faustschläge ins Gesicht gegeben (Urk. 62 S. 12), was mit aller Deutlichkeit
zeige, dass der Vater nicht E._, sondern den Kläger für den Aggressor
gehalten habe und Ersteren habe schützen wollen (Urk. 72 S. 14). Der Umstand,
dass der Vater die Polizei gerufen habe, zeige die Verzweiflung der Eltern und die
Heftigkeit der Auseinandersetzung, genauso wie das zerschlagene Geschirr und
das auf den Boden geworfene Essen. Zwar habe E._ als Zeuge ausgesagt,
dass sich die Brüder gegenseitig geschlagen hätten und er seinen Bruder
provoziert habe (Urk. 62 S. 29 ff.). Es scheine jedoch, dass er vor seinem Bruder,
unter dem er jahrelang gelitten habe, selbst jetzt noch Angst habe und ihm mit
dieser Aussage habe schützen wollen (Urk. 72 S. 15). Hätte die Vorinstanz – so
die Beklagte weiter – die widersprüchlichen Aussagen des Klägers in seinen
Parteivorträgen mit seinen Aussagen während der Parteibefragung verglichen
und die Zeugenaussage von E._ nicht isoliert, sondern im Kontext mit den
Aussagen des Klägers, dem Bericht der Polizei von F._ und den
Verletzungen von E._ betrachtet, wäre sie zum Schluss gekommen, dass der
Kläger, ein Mitarbeiter der Beklagten, seinen Bruder, ebenfalls Mitarbeiter der
Beklagten, mit einem Faustschlag und einer Ohrfeige angegriffen habe, und der
Angriff derart heftig gewesen sei, dass der Vater mit Faustschlägen gegen den
Kläger eingegriffen und die Polizei verständigt habe, E._ zum Nachbarn
geflüchtet sei, sichtbare Verletzungen im Gesicht davon getragen habe und
während drei Tagen nicht zur Arbeit erschienen sei (Urk. 73 Ziff. II.5.5.; Urk. 72
S. 16).
3.2. Das Gericht bildet sich auf der Basis aller erhobenen Beweismittel und unter
Gewichtung ihres jeweiligen Beweiswertes in einem inneren, subjektiven Vorgang
die Meinung darüber, ob der Beweis einer Tatsache als erbracht oder misslungen
angesehen werden kann. Die richterliche Meinungsbildung hat nach
pflichtgemässem Ermessen, d.h. sorgfältig, umfassend, gewissenhaft und
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unvoreingenommen zu erfolgen. Die Bewertung der einzelnen Beweismittel und
des Beweisergebnisses insgesamt muss in objektiv nachvollziehbarer,
begründeter Weise geschehen (BK ZPO-Brönnimann, Art. 157 N 5 f.).
3.3. Zum behaupteten widersprüchlichen Aussageverhalten des Klägers ist
Folgendes festzuhalten:
Es trifft zu, dass der Kläger in seiner Replik zunächst die Schilderung der
Gegenseite zum Vorfall vom 23. Januar 2016 bestreiten liess (Urk. 13 S. 9).
Namentlich bestritt er, die Wohnung verwüstet zu haben, dass Schläge gegen
den Vater ausgeteilt worden seien sowie dass die Mutter zu Boden gestossen
worden sei (Urk. 13 S. 9). Anlässlich seiner späteren Parteibefragung erklärte der
Kläger, am Abend des 23. Januar 2016 seien beide Brüder handgreiflich
geworden, bevor der Vater sie auseinander gebracht habe (Urk. 62 S. 11 f.). Der
Vater sei von hinten gekommen und habe versucht, ihn von seinem Bruder zu
trennen. Er habe ihm zwei Faustschläge ins Gesicht gegeben. Dann habe der
Kläger – um sich zu beruhigen – das Haus verlassen. Ein Involvieren der Mutter
bejahte der Kläger insofern, als sie sicher auch versucht habe, die Brüder zu
trennen. Dass sie zu Boden gefallen sei, habe er allerdings nicht gesehen
(Urk. 62 S. 13). Diese Schilderungen des Klägers im Beweisverfahren decken
sich im Kern mit dessen Vorbringen im Behauptungsverfahren. Nach wie vor hält
er an seiner Darstellung fest, dass es zu einer gegenseitigen handgreiflichen
Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem Bruder, nicht aber zu gezielten
Aggressionen gegen die Eltern gekommen sei. Seine näheren Ausführungen zum
Hergang der Auseinandersetzung, namentlich wie der Eingriff des Vaters erfolgt
und welches die Rolle der Mutter gewesen sei, machte er auf entsprechende
Fragen der Vorderrichterin (Urk. 62 S. 11 ff.). Dies führte zu einem teilweise
überschiessenden Beweisergebnis, da dadurch Tatsachen in Erfahrung gebracht
wurden, die von keiner Partei behauptet worden waren (vgl. zum Ganzen Tabea
Lorenz, Die Beweiserhebung mittels Parteiaussage, SSZR – Schriften zum
Schweizerischen Zivilprozessrecht, Nr. 32, 2019, S. 206). Ein Widerspruch zur
Sachverhaltsdarstellung des Klägers im Behauptungsverfahren ergibt sich daraus
jedoch nicht. Hingegen ist der Beklagten beizupflichten, dass der Beizug der
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Polizei vom Rechtsvertreter des Klägers (zunächst) mit Nichtwissen bestritten
(Urk. 13 S. 9; 18) und anlässlich der Parteibefragung vom Kläger anerkannt
wurde (Urk. 62 S. 13), was auf eine anfängliche Verharmlosung des Vorfalls
hindeutet. Dieser Umstand allein erscheint indes nicht derart gravierend, dass er
Bedenken an der Glaubhaftigkeit der klägerischen Aussage aufkommen lässt.
Weiter widerspricht entgegen der Ansicht der Beklagten die Parteiaussage des
Klägers, wonach er zu seiner Beruhigung die Wohnung verlassen habe (Urk. 62
S. 12), nicht seiner Darstellung in der Replik, wo er einerseits ausführte, er habe
die Wohnung verlassen um zu vermeiden, dass der Bruder nochmals auf ihn
losgehe, anderseits aber auch damit die Diskussion nicht weitergehe (Urk. 13
S. 9). Letzteres impliziert die Absicht einer Konfliktberuhigung. Dass der Kläger
dazu (auch) sich selbst habe beruhigen müssen, wie er in der Parteiaussage
ausführt, steht dieser Darstellung nicht entgegen und erscheint nach der
geschilderten tätlichen Auseinandersetzung durchaus glaubhaft. Insgesamt
weichen die Aussagen des Klägers im Beweisverfahren demnach weder
fundamental vom Beweisergebnis ab, wie die Beklagte behauptet, noch "sagte er
in seinen Vorträgen nachweislich die Unwahrheit" (Urk. 72 S. 14). Die
entsprechende Rüge der Beklagten ist demnach nicht stichhaltig.
3.4. Weiter verfängt der Einwand der Beklagten nicht, die Vorinstanz habe die
Zeugenaussage von E._ isoliert und nicht im Kontext mit den Aussagen des
Klägers, mit dem Bericht der Polizei von F._ vom 23. Januar 2016 und den
Verletzungen von E._ betrachtet, weshalb sie zum unzutreffenden Schluss
einer gegenseitigen Prügelei gelangt sei (Urk. 72 S. 15).
Die Vorinstanz gab in ihren Erwägungen die Zeugenaussage von E._
zum Hergang der Auseinandersetzung vom 23. Januar 2016 (Urk. 73 S. 12) und
den weiteren Ereignissen des Abends wieder (Urk. 73 S. 15), stellte sie den
Aussagen des Klägers gegenüber (Urk. 73 S. 13; S. 15) und erwog, diese würden
im Kern übereinstimmen. Die Würdigung der Zeugenaussage B._ erfolgte
demnach nicht isoliert; bereits insofern kann dem Einwand der Beklagten nicht
gefolgt werden. Die Vorinstanz kam sodann zum Schluss, weder E._ noch
der Kläger hätten bestätigt, dass Letzterer seinen Bruder regelrecht verprügelt
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habe. Zwar habe der Kläger ihn nach eigenen Angaben geschlagen, es habe sich
jedoch nicht um einen einseitigen Angriff, sondern gemäss übereinstimmender
Angaben beider Brüder um ein gegenseitiges Austeilen von Schlägen gehandelt
(Urk. 73 S. 13). Diese Feststellungen treffen zu: E._ gab in seiner Befragung
an, den Kläger provoziert und beleidigt zu haben. Er habe auch versucht, ihn zu
schlagen (Urk. 62 S. 20). Der Kläger schildert in seiner Parteiaussage, er habe
den Bruder gepackt und ihm eine Ohrfeige und einen Faustschlag ins Gesicht
verpasst, worauf dieser ebenfalls "seine Hände verwendet" habe (Urk. 62 S. 12).
Der Umstand, dass der Kläger im Gegensatz zu E._ nicht ausdrücklich von
einer Provokation des Bruders gesprochen hat, ändert an der Kernaussage beider
Befragten nichts (Urk. 72 S. 15), sagte doch auch der Kläger aus, den
Handgreiflichkeiten sei eine verbale Diskussion vorausgegangen, bei der es für
ihn "nicht mehr auszuhalten" gewesen sei und er die Nerven verloren habe
(Urk. 62 S. 11). Ein Widerspruch dieser Darstellung zu den von E._
erwähnten Provokationen ist nicht ersichtlich. Die Behauptung der Beklagten,
E._ scheine selbst jetzt noch Angst vor dem Kläger zu haben und wolle ihn
mit seiner Aussage schützen, ist neu (Urk. 72 S. 15; Urk. 62 S. 42 ff.). Sie wird in
der Berufungsschrift von der Beklagten weder näher ausgeführt oder belegt, noch
wird dargelegt, weshalb sie nicht im Schlussvortrag vor Erstinstanz habe
vorgebracht werden können (Urk. 72 S. 15). Das verspätete Vorbringen im
Berufungsverfahren ist daher unzulässig und nicht zu hören. Als reine
Mutmassung wäre die Behauptung ohnehin nicht geeignet gewesen, die
Glaubhaftigkeit der Aussage von E._ zu erschüttern.
3.5. Auch die weiteren Einwände der Beklagten gegen die Würdigung der Vorin-
stanz, es habe sich um eine gegenseitige Aggression gehandelt, sind nicht
stichhaltig. Unbestritten und erstellt ist zwar, dass die erste Tätlichkeit vom Kläger
ausging und die Verletzungen von E._ während mehrerer Tage sichtbar
waren. Ebenfalls erwiesen ist, dass der Vater den Kläger mit Faustschlägen vom
Bruder trennte und dass die Auseinandersetzung derart heftig war, dass Geschirr
zu Bruch ging und der Vater den Beizug der Polizei für notwendig erachtete.
Diese erstellten Sachverhaltselemente sagen indes nichts darüber aus, ob der
Angriff einseitig oder gegenseitig erfolgte. Selbst wenn es zuträfe, dass der Vater
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E._ vor dem Kläger habe schützen wollen, wie die Beklagte behauptet, lässt
dies nicht auf eine einseitige Prügelattacke schliessen. Wie erwähnt bejahten
beide beteiligten Brüder in ihren Aussagen die Gegenseitigkeit des Angriffs. Auch
den Notizen der Polizei von F._ ist nichts Gegenteiliges zu entnehmen, wie
die Vorinstanz zutreffend festhält (Urk. 73 S. 13 f.). Die Brüder waren beim
Eintreffen der Polizei nicht mehr in der Wohnung anwesend. E._ habe sich
nach Angabe der Polizisten in der Wohnung einer Nachbarsfamilie befunden und
sei ihnen sehr erschreckt erschienen. Im Weiteren wird in der polizeilichen
Aktennotiz wiedergegeben, dass E._ der Polizei gegenüber ausgesagt habe,
er sei vom Kläger – wie schon seit seiner Kindheit – geschlagen worden.
Angaben zum genauen Hergang der streitgegenständlichen Auseinandersetzung
wurden indes keine festgehalten (Urk. 43 S. 3), weshalb sich aus der Polizeinotiz
nichts zugunsten der behaupteten einseitigen Prügelattacke des Klägers ableiten
lässt. Die weiteren, zum fraglichen Sachverhalt abgenommenen Beweismittel sind
nicht aussagekräftig. Die Auffassung der Vorinstanz, wonach die Aussage des
Zeugen G._ zum Ablauf des Vorfalls vom 23. Januar 2016 nicht massgebend
sei, da dieser keine unmittelbare Wahrnehmungen gemacht habe (Urk. 73 S. 11),
wurde von der Beklagten zu Recht nicht beanstandet (Urk. 72 S. 13 ff.). Die als
Zeugen angerufenen Eltern, die vom Streit aus eigener Wahrnehmung hätten
berichten können, haben sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht berufen (Urk. 62
S. 26 f.). Demnach kam die Vorinstanz in Würdigung der abgenommenen
Beweismittel und unter Gewichtung ihres Beweiswerts zutreffend zum Schluss,
die behauptete grundlose, einseitige Prügelattacke des Klägers vom 23. Januar
2016 sei nicht erstellt. Vielmehr habe es sich beim streitgegenständlichen Vorfall
um ein gegenseitiges Austeilen von Schlägen der beteiligten Brüder gehandelt.
3.6. Schliesslich rügt die Beklagte, die Vorinstanz sei unzutreffend davon
ausgegangen, es bestehe keine Wiederholungsgefahr hinsichtlich der
Prügelattacke des Klägers. Das Gegenteil sei der Fall, wovon die Beklagte habe
ausgehen müssen. So habe E._ gegenüber der Polizei in F._ berichtet,
dass er seit seiner Kindheit wegen geringfügigen Gründen immer wieder vom
Kläger geschlagen worden sei. Zudem seien zweimal Auseinandersetzungen
zwischen dem Kläger und weiteren Mitarbeitern ausgeartet, wobei die erste nur
- 15 -
durch die Anwesenheit von G._ habe verhindert werden können. Für das
zweite Mal sei der Kläger vom Statthalteramt des Bezirks Meilen wegen
Tätlichkeit bestraft worden. Die Beklagte habe den Kläger im Zusammenhang mit
den früheren Vorkommnissen entgegen der Feststellung der Vorinstanz
abgemahnt und dies erstinstanzlich geltend gemacht. Sie habe ihm Sanktionen
bis hin zur fristlosen Kündigung für den Wiederholungsfall angedroht (Urk. 72
S. 17; Urk. 10 S. 2; Urk. 11/3).
Der Beklagten wurde im Zusammenhang mit der bestrittenen
Wiederholungsgefahr der Beweis dafür auferlegt, dass Dr. H._ anlässlich des
Telefonats mit G._ am Abend des 25. Januars 2016 die Ansicht vertreten
habe, dass eine weitere Zusammenarbeit der Brüder nicht mehr möglich und
gefährlich sei, dass E._ bereits früher von seinem Bruder dominiert und
geschlagen worden sei und jeder Funke einen Brand erzeugen könne
(Beweissatz 4.2.; Urk. 14 S. 6). Die Vorinstanz kam nach Würdigung der dazu
abgenommenen Beweismittel – der Parteibefragung von G._ und der
Zeugenaussage von Dr. H._ – zum Schluss, eine entsprechende Aussage
von Dr. H._ sei nicht erstellt (Urk. 73 S. 19). Die Beklagte hat diese
Würdigung im Berufungsverfahren nicht beanstandet. Auch hat sie nicht geltend
gemacht, die Vorinstanz habe es in Verletzung der abgeschwächten
Untersuchungsmaxime unterlassen, weitere rechtserhebliche Tatsachen
namentlich zu den bestrittenen früheren Vorkommnissen und Verwarnungen des
Klägers zum Beweis zu erheben resp. weitere Beweismittel zur
Wiederholungsgefahr abzunehmen (Urk. 72; Urk. 13 S. 8). Die Rüge der
Beklagten, die Notiz der Polizei von F._ und die behaupteten
Auseinandersetzungen zwischen dem Kläger und weiteren Mitarbeitern seien
nicht hinreichend gewürdigt worden, verfängt daher von Vornherein nicht.
Darüber hinaus vermöchten die entsprechenden Vorbringen die behauptete
jederzeitige (Wiederholungs-) Gefahr einer Prügelattacke des Klägers nicht zu
begründen. Die aktenkundige Tätlichkeit des Klägers vom Oktober 2008
(Urk. 11/4) und der bestrittene frühere Vorfall zur verhinderten Schlägerei mit
einem weiteren Mitarbeiter (Urk. 10 S. 2; Urk. 13 S. 11) ereigneten sich – wenn
- 16 -
überhaupt – mehr als sieben Jahre vor der streitgegenständlichen Kündigung.
Seit Oktober 2008 sind keine Vorkommnisse behauptet. Aufgrund dieser weit
zurückliegenden Ereignisse aber musste im Zeitpunkt der Kündigung im Jahre
2016 nicht mit ähnlichen Vorfällen bzw. mit einer Prügelattacke des Klägers am
Arbeitsplatz gerechnet werden. Auch die Aussage von E._ gegenüber der
Polizei von F._, er werde bereits seit seiner Kindheit wegen geringfügigen
Gründen immer wieder vom Kläger geschlagen, sagt über die
streitgegenständliche akute Wiederholungsgefahr nichts aus. Der Vorfall vom
23. Januar 2016 beruhte erwiesenermassen auf Gegenseitigkeit. Zudem waren
die Brüder im Januar 2016 bereits fünf Jahre gemeinsam bei der Beklagten tätig,
ohne dass ein Vorfall zwischen ihnen aktenkundig wäre. Ins Gewicht fällt sodann
die Aussage von G._, Verwaltungsrat der Beklagten, der den Kläger als eher
ausgeglichenen Menschen beschreibt, während E._ labil sei, unter Druck
gelegentlich ausraste und aus Wut zumindest schon Sachen beschädigt habe
(Urk. 73 S. 23; Urk. 62 S. 6, 8). Damit ist insgesamt der von der Vorinstanz
gezogene Schluss, die Beklagte habe im Januar 2016 nicht mit ähnlichen
Vorkommnissen bzw. einer Prügelattacke des Klägers rechnen müssen, nicht zu
beanstanden.
3.7. Wie die vorstehenden Ausführungen zeigen, würdigte die Vorinstanz die
abgenommenen Beweismittel zum Hergang des Vorfalls vom 23. Januar 2016
und dessen Folgen umfassend und in objektiv nachvollziehbarer Weise.
Anhaltspunkte, wonach die Meinungsbildung der Vorderrichterin zu den
erbrachten oder misslungenen Beweisen nicht sorgfältig, gewissenhaft und
unvoreingenommen erfolgt sei, sind nicht ersichtlich. Ihre Beweiswürdigung ist
demnach nicht zu beanstanden und der entsprechend erstellte Sachverhalt (vgl.
vorstehend E. III.2.) der nachfolgenden Rechtsanwendung zugrunde zu legen.
4. Rechtmässigkeit fristlose Kündigung
4.1. Die Beklagte macht eine unrichtige Rechtsanwendung der Vorinstanz
geltend, indem sie die Rechtmässigkeit der fristlosen Kündigung verneint habe
(Art. 337 Abs. 1 und 2 OR). Das nachgewiesene Verhalten des Klägers sei
objektiv geeignet gewesen, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche
- 17 -
Vertrauensgrundlage zu erschüttern, sodass der Beklagten die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses nicht mehr habe zugemutet werden können (Urk. 72 S. 3).
Das Vertrauensverhältnis sei darüber hinaus auch tatsächlich zerstört bzw.
erschüttert. Physische Gewalt, die sich von einem Arbeitnehmer (Kläger) gegen
einen anderen Arbeitnehmer (E._) desselben Arbeitgebers richte, die zu
einer dreitägigen Abwesenheit des angegriffenen Arbeitnehmers und damit zu
einer Störung der Betriebsabläufe führe, müsse der Arbeitgeber nicht tolerieren.
Dadurch habe der Kläger auch seine Treupflicht gegenüber der Beklagten massiv
verletzt. Dass der Angriff nicht am Arbeitsplatz erfolgt sei, spiele keine Rolle. Die
Beklagte treffe auch gegenüber ihren anderen Mitarbeitenden eine
Fürsorgepflicht. Mit Gewaltausbrüchen des Klägers habe jederzeit gerechnet
werden müssen. Es liege eine besonders schwere Verfehlung des Klägers vor
(Urk. 72 S. 18 f.).
4.2. Gemäss Art. 337 OR kann der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer das
Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen jederzeit fristlos auflösen (Abs. 1). Als
wichtiger Grund gilt namentlich jeder Umstand, bei dessen Vorhandensein dem
Kündigenden nach Treu und Glauben die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses
nicht mehr zugemutet werden darf (Abs. 2). Nach der Rechtsprechung zu
Art. 337 OR ist eine fristlose Entlassung nur bei besonders schweren
Verfehlungen des Arbeitnehmers gerechtfertigt. Diese müssen einerseits objektiv
geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Vertrauensgrundlage zu
zerstören oder zumindest so tiefgreifend zu erschüttern, dass dem Arbeitgeber
die Fortsetzung des Vertrags nicht mehr zuzumuten ist, und anderseits auch
tatsächlich zu einer derartigen Zerstörung oder Erschütterung des gegenseitigen
Vertrauens geführt haben. Sind die Verfehlungen weniger schwerwiegend, so
müssen sie trotz Verwarnung wiederholt vorgekommen sein. Tätlichkeiten oder
gar Körperverletzungen am Arbeitsplatz sind in der Regel genügender Grund für
eine fristlose Entlassung, soweit nicht eine ausgesprochene Provokation vorlag,
welche die Reaktion entschuldbar werden lässt (vgl. Roger Rudolph,
Bagatelldelikte am Arbeitsplatz: ein ausreichender Grund für eine fristlose
Entlassung?, AJP 2010, S. 1516 ff. m. H. zur Rechtsprechung). Der wichtige
Grund liegt in der Regel in einer Vertragsverletzung der gekündigten Partei; die
- 18 -
fristlose Entlassung kann aber nach bundesgerichtlicher Praxis und nunmehr
einhelliger Lehre auch aus objektiven, von keiner Seite verschuldeten Gründen
erfolgen (BGE 129 III 380 E. 2.2; Streiff/von Kaenel/Rudolph, Arbeitsvertrag, 7.A.
2012, Art. 337 OR N 6). Auch in diesem Fall müssen die Vorkommnisse die
wesentlichen Grundlagen der vertraglichen Bindung derart erschüttern, dass eine
Fortsetzung der vertraglichen Beziehung subjektiv und objektiv als nicht zumutbar
erscheint (vgl. zum Ganzen BGer 4A_685/2011 vom 24.05.2012, E. 4, m.H.;
BGE 129 III 380 E. 2.2, 3.1).
Die Treuepflicht gebietet dem Arbeitnehmer, die berechtigten Interessen des
Arbeitsgebers zu wahren (Art. 321a Abs. 1 OR). Der Arbeitnehmer hat
insbesondere alles zu unterlassen, was den Arbeitgeber wirtschaftlich schädigen
könnte (BGE 117 II 560 E. 3.a. m.H.). Seine Interessenwahrungspflicht ist aber
eine beschränkte: sie besteht nur so weit, als es um die Erreichung und
Sicherung des Arbeitserfolges geht, also soweit ein genügender Zusammenhang
zum Arbeitsverhältnis besteht. Der Umfang der Treuepflicht ist für jedes
Arbeitsverhältnis aufgrund der konkreten Umstände zu bestimmen (Streiff/von
Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 321a OR N 2, 4, 7). Ist die Treuepflicht verletzt, bleibt
zu prüfen, ob die Schwere des Fehlverhaltens die fristlose Entlassung ohne
vorgängige Verwarnung rechtfertigt.
4.3. Die Beklagte stützt sich zur Begründung der Rechtsmässigkeit der fristlosen
Entlassung zunächst auf die physische Gewalt des Klägers gegenüber seinem
Bruder und Mitarbeiter und dessen daraus folgende dreitägige Abwesenheit von
der Arbeit. Daraus leitet die Beklagte eine massive Verletzung der
arbeitsvertraglichen Treuepflicht des Klägers ab (Urk. 72 S. 18).
Gemäss erstelltem Sachverhalt kam es zwischen den Brüdern
B._E._ zu einer Prügelei in deren Freizeit in F._, bei welcher der
Kläger als Erster handgreiflich wurde und seinem Bruder E._ einen
Faustschlag ins Gesicht und eine Ohrfeige erteilte. Die Handgreiflichkeiten
beruhten erstelltermassen auf Gegenseitigkeit und fanden ausserhalb der
Arbeitszeit und fern vom Arbeitsort statt. Die darauffolgende dreitägige
Abwesenheit des Bruders des Klägers von der Arbeit ist ebenfalls erwiesen,
- 19 -
wobei sie nicht zufolge Arbeitsunfähigkeit, aber u.a. aufgrund dessen sichtbaren
Verletzungen erfolgte. Aus dieser Abwesenheit leitet die Beklagte eine Störung
der Betriebsabläufe und damit die Verletzung der klägerischen Treuepflicht ab.
Worauf die Störung im einzelnen gründet, legte sie nicht konkret dar (Urk. 72
S. 18). Bei der in der Freizeit erfolgten gegenseitigen Prügelei der Brüder und der
daraus folgenden Verletzung von E._ ist kein genügender Zusammenhang
zum Arbeitsverhältnis mit der Beklagten auszumachen. Die Treuepflicht des
Klägers als angestellter Schlosser umfasst zwar die Wahrung der berechtigten
Interessen seiner Arbeitgeberin. Aus seinem Verhalten vom 23. Januar 2016 eine
pflichtverletzende Gefährdung ihres Arbeitserfolges abzuleiten, führte indessen zu
weit. In der Handgreiflichkeit des Klägers gegen seinen Bruder und dessen
dreitägigen Arbeitsabwesenheit kann demnach keine (massive) Verletzung der
Treuepflicht des Klägers erblickt werden.
4.4. Liegt keine Vertragsverletzung des Klägers vor, ist zu prüfen, ob der Vorfall
objektiv so schwer wog, dass der Beklagten die Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses bis zum nächsten ordentlichen Vertragsende nicht zumutbar
war, mithin insgesamt eine nicht mehr tragbare Situation vorlag, welche die
Beklagte zur fristlosen Auflösung des Arbeitsvertrages berechtigte.
Dazu verweist die Beklagte erneut auf die physische Gewalt der Klägers
gegenüber seinem Bruder, dessen dreitägige Abwesenheit von der Arbeit und die
Störung der Betriebsabläufe. Solches müsse vom Arbeitgeber nicht toleriert
werden. Auch wenn die körperlichen Angriffe des Klägers gegen andere
Mitarbeitende, die von der Beklagten abgemahnt worden seien, bereits länger
zurücklägen, handle es sich beim Vorfall vom 23. Januar 2016 nicht um den
ersten tätlichen Angriff des Klägers gegen einen Mitarbeitenden. Die früheren
Vorkommnisse und der Vorfall vom 23. Januar 2016 würden zeigen, dass der
Kläger unberechenbar sei, sich nicht unter Kontrolle habe und zu
Gewaltausbrüchen neige, wovor auch die anderen Mitarbeitenden geschützt
werden müssten, zumal mit solchen Gewaltausbrüchen des Klägers jederzeit zu
rechnen gewesen sei (Urk. 72 S. 18 f.).
- 20 -
Beim Vorfall vom 23. Januar 2016 handelt es sich um eine in emotionaler
Aufregung erfolgte, gegenseitige Prügelei unter Brüdern ausserhalb ihres
Arbeitsumfelds. Zwar fiel der Kläger im Betrieb der Beklagten bereits früher
negativ auf. Der anerkannte Vorfall rührt jedoch aus dem Jahre 2008 her und
konnte mangels Aktualität nicht dazu führen, dass die Beklagte im
Kündigungszeitpunkt jederzeit mit Gewaltausbrüchen des Klägers hätte rechnen
müssen. An dieser Einschätzung ändert die Aussage von E._ gegenüber der
Polizei von F._ wie bereits ausgeführt nichts. Es konnte daher insofern
weder eine besondere Schutzbedürftigkeit des Bruders des Klägers erstellt
werden, noch lag eine Solche anderer Mitarbeitenden der Beklagten vor, die zum
drastischen Schritt der sofortigen Vertragsauflösung mit dem Kläger Anlass
gegeben hätte. Dies gilt umso mehr, als der Kläger im Zeitpunkt der Kündigung
über 13 Jahre im Betrieb der Beklagten angestellt gewesen war und ihm während
der letzten sieben Anstellungsjahre weder behauptete noch erstellte Vorhaltungen
hinsichtlich seines Verhaltens gemacht worden sind. Die letzten fünf Jahre
arbeiteten die Brüder gemeinsam bei der Beklagten. Mit der Vorinstanz ist sodann
festzuhalten, dass die betrieblichen Arbeitsabläufe wohl aufgrund der dreitägigen
Beurlaubung von E._ gestört wurden, dieser Umstand objektiv indes nicht
derart schwer wiegt, dass die (zumindest einstweilige) Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses des Klägers als nicht zumutbar erscheint. Insgesamt wurde
demnach mit dem Vorfall vom 23. Januar 2016 und dessen Folgen keine Situation
geschaffen, die für die Beklagte objektiv nicht mehr tragbar oder unhaltbar war.
4.5. Mangels objektiver Unzumutbarkeit der Fortsetzung des
Arbeitsverhältnisses kann die Frage offen gelassen werden, ob das
Vertrauensverhältnis der Beklagten zum Kläger subjektiv erschüttert wurde.
Insgesamt liegt demzufolge kein wichtiger Grund vor, der zur fristlosen Auflösung
des Vertragsverhältnisses mit dem Kläger berechtigt hätte. Die mit Schreiben vom
26. Januar 2016 erfolgte fristlose Kündigung der Beklagten ist folglich
ungerechtfertigt.
5. Arbeitszeugnis
- 21 -
Die Beklagte will das Beendigungsdatum vom 31. Mai 2016 im
Arbeitszeugnis aufgrund der von ihr behaupteten zulässigen fristlosen Kündigung
anpassen (Urk. 72 S. 19). Beim 31. Mai 2016 handelt es sich um den Zeitpunkt
des hypothetischen Ablaufs der ordentlichen Kündigungsfrist des klägerischen
Arbeitsverhältnisses (Urk. 73 S. 32). Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen
liegt eine ungerechtfertigte fristlose Auflösung vor. Das Beendigungsdatum vom
31. Mai 2016 ist somit zutreffend, weshalb es damit sein Bewenden hat.
6. Entschädigung gemäss Art. 337c Abs. 3 OR
6.1. Die Vorinstanz hält dazu fest, der Kläger sei seit dem 1. August 2002 und
damit während über 13 Jahren bei der Beklagten angestellt gewesen. Je länger
das Arbeitsverhältnis dauere, desto stärker sei die Treuepflicht (recte:
Fürsorgepflicht) des Arbeitgebers und desto schwerer wiege deren Verletzung bei
ungerechtfertigter fristloser Kündigung. Der Kläger habe erst ab dem 1. Oktober
2016 eine Festanstellung gefunden und sei bis dahin auf Temporärstellen
angewiesen gewesen. Erschwerend wirke die versäumte Anhörung des Klägers
zum ihm angelasteten Vorfall. Der erstellte Sachverhalt habe – so die Vorinstanz
weiter – zwar nicht als Grund für eine fristlose Kündigung genügt, er habe die
Beklagte aber dennoch in nicht unerheblichem Mass tangiert. So seien zwei ihrer
Mitarbeiter in ihrer Freizeit massiv aneinandergeraten, wobei zumindest einer von
ihnen – wenn auch leichte – Verletzungen erlitten habe und in der Folge für drei
Tage bei der Arbeit ausgefallen sei. Die Beklagte habe sich unter diesen
Umständen offensichtlich im Spannungsfeld ihrer Fürsorgepflichten gegenüber
zwei Mitarbeitern befunden. Den Entscheid zur fristlosen Entlassung des Klägers
habe sie nicht leichtfertig getroffen, habe sie doch vorab sowohl den Vater der
beiden wie auch den Therapeuten von E._ konsultiert und sei bemüht
gewesen, eine sachgerechte Lösung zu treffen. Aufgrund dieser Umstände
handle es sich um einen Fall von noch nicht erheblicher Schwere, weshalb die
Vorinstanz eine Entschädigung von zwei Monatslöhnen für angemessen hielt. Da
diese über der vom Kläger mit Teilklage geltend gemachten Entschädigung von
Fr. 4'619.50 liege, sei sie in antragsgemässer Höhe zuzusprechen (Urk. 73
S. 28).
- 22 -
6.2. Im Eventualantrag, für den Fall der ungerechtfertigten fristlosen Entlassung,
hält die Beklagte die klägerische Forderung in Höhe von Fr. 17'178.50 brutto
zuzüglich Spesenersatz von Fr. 2'000.– für gerechtfertigt. Eine
Pönalentschädigung sei indes nicht geschuldet. Insofern liege ein
Ermessensmissbrauch der Vorinstanz vor, welche die vom Kläger zu vertretenden
Gründe für die Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht im erforderlichen Mass
gewichte. Der Kläger habe einen anderen Mitarbeiter verprügelt und damit die
Auflösung des Arbeitsverhältnisses bewirkt, weshalb sein Anspruch auf eine
Pönal-Zahlung verwirkt sei. Bei Letzterer gehe es um eine Sanktion des
Fehlverhaltens des Arbeitgebers, welches hier nicht vorliege (Urk. 72 S. 20).
6.3. Der Richter kann den Arbeitgeber bei ungerechtfertigter Entlassung
verpflichten, dem Arbeitnehmer eine Entschädigung zu bezahlen, die er nach
freiem Ermessen unter Würdigung aller Umstände festlegt. Sie darf den Lohn des
Arbeitnehmers für sechs Monate nicht übersteigen (Art. 337c Abs. 3 OR). Es kann
auf die zutreffenden rechtlichen Ausführungen im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden (Urk. 73 S. 26 f.). Hervorzuheben ist die Festsetzung der
Entschädigung nach objektivierbaren Bemessungskriterien. Darunter fallen unter
anderem das Mass der Widerrechtlichkeit der fristlosen Entlassung, die finanzielle
Situation der Parteien und die Schwere des Mitverschuldens des Arbeitnehmers
(Streiff/von Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 337c N 8, m.H.).
6.4. Die Vorinstanz bezog in ihre Überlegungen zur Festsetzung der
Entschädigung das Mass der Widerrechtlichkeit der fristlosen Entlassung mit ein,
indem sie die lange Anstellungsdauer des Klägers, seine späte Festanstellung
nach erfolgter ungerechtfertigter Kündigung und das Versäumnis seiner
persönlichen Anhörung würdigte. Zum anderen berücksichtigte sie die vom Kläger
zu vertretenden Umstände für die Kündigung, die Situation der Beklagten, die sich
im Spannungsfeld ihrer Fürsorgepflichten für die beiden Arbeitnehmer befunden
habe sowie ihre Bemühungen zur Findung einer sachgerechten Lösung. In
Abwägung all dieser Umstände bejahte sie den klägerischen Anspruch auf eine
Entschädigung im Sinne von Art. 337c Abs. 3 OR im Umfang von zwei
Monatslöhnen. Ihr Vorgehen erfolgte im Einklang mit zitierter Lehre und
- 23 -
Rechtsprechung und unter Einbezug der erwähnten objektivierbaren
Bemessungskriterien. Die Höhe der festgesetzten Entschädigung liegt im unteren
Drittel des gesetzlichen Rahmens und erscheint in Würdigung der vorliegenden
Umstände als angemessen. Die Wertung der Vorinstanz entspricht damit Recht
und Billigkeit im Sinne von Art. 4 ZGB. Ein Ermessensmissbrauch ist nicht
ersichtlich. Dem Einwand der Beklagten, es liege ihrerseits kein Fehlverhalten vor
(Urk. 72 S. 20), ist entgegenzuhalten, dass das Gesetz eine ungerechtfertigte
fristlose Entlassung an sich als ein über "normale" Vertragsbrüche hinaus zu
missbilligendes Verhalten wertet, weshalb regelmässig von einer
Persönlichkeitsverletzung des Arbeitnehmers auszugehen sei (vgl. Streiff/von
Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 337c OR N 8). Insgesamt ist die Festsetzung einer
Entschädigung im Sinne von Art. 337c Abs. 3 OR im Umfang von zwei
Monatslöhnen und deren Zusprechung im beantragten (tieferen) Umfang von
Fr. 4'619.50 nicht zu beanstanden.
6.5. Die Beklagte moniert schliesslich, diese Entschädigung stelle nicht Lohn dar.
Sie sei von der Vorinstanz fälschlicherweise zur klägerischen Bruttolohnforderung
hinzugerechnet worden (Urk. 72 S. 20 f.). Der Kläger schliesst sich dieser
Auffassung - trotz anderslautendem erstinstanzlichen Rechtsbegehren – im
Berufungsverfahren an (Urk. 78 S. 11; Urk. 8 S. 1, 11).
Den Parteien ist beizupflichten. Auf der Strafzahlung gemäss Art. 337c
Abs. 3 OR sind keine Sozialversicherungsprämien abzuführen (Streiff/von
Kaenel/Rudolph, a.a.O., Art. 337c OR N 11, 15). Entsprechend ist die beantragte
Entschädigung von Fr. 4'619.50 als Nettobetrag zuzusprechen.
7. Fazit
Die Vorinstanz würdigte die abgenommenen Beweismittel zum Hergang des
streitgegenständlichen Vorfalls vom 23. Januar 2016 und dessen Folgen objektiv
nachvollziehbar und nach pflichtgemässem Ermessen. Ihre Beweiswürdigung ist
nicht zu bestanden. Gestützt auf den erstellten Sachverhalt liegt kein wichtiger
Grund vor, der zur fristlosen Auflösung des klägerischen Arbeitsverhältnisses
berechtigt hätte. Die fristlose Kündigung der Beklagten vom 26. Januar 2016 war
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demnach ungerechtfertigt und löste die Folgen von Art. 337c OR aus. Damit bleibt
es beim im Arbeitszeugnis festgesetzten Beendigungsdatum vom 31. Mai 2016.
Weiter prüfte die Vorinstanz die rechtserheblichen Umstände für die Zusprechung
einer Entschädigung im Sinne von Art. 337c Abs. 3 OR und setzte deren Höhe im
Rahmen der einschlägigen Bemessungskriterien fest. Es liegt kein
Ermessensmissbrauch vor.
Eventualiter für den Fall der ungerechtfertigten fristlosen Kündigung blieb die
klägerische Forderung im Umfang des Bruttolohnes von Fr. 17'178.50 und
Pauschalspesen von Fr. 2'000.– netto unbeanstandet. Dies gilt auch für die
Verzinsung von 5% seit 28. Januar 2016, die zwar mit den Berufungsanträgen
Ziff. 1 und 3 mitangefochten ist (Urk. 72 S. 2), wozu aber in der Berufungsschrift
nichts ausgeführt wurde. Die von der Vorinstanz zutreffend zugesprochene
Entschädigung gemäss Art. 337c Abs. 3 OR von Fr. 4'619.50 (Pönale) ist
entgegen dem erstinstanzlichen Entscheid netto geschuldet. Insofern ist
Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen Urteils aufzuheben und die Entschädigung
– entsprechend den Anträgen beider Parteien – als Nettobetrag zuzusprechen. Im
Übrigen ist die Berufung abzuweisen und das angefochtene Urteil zu bestätigen.
IV.
(Kosten- und Entschädigungsfolgen)
Die Beklagte unterliegt mit ihrer Berufung praktisch vollumfänglich.
Ausgangsgemäss ist daher die erstinstanzliche Kosten- und
Entschädigungsregelung zu bestätigen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Das
Berufungsverfahren ist kostenlos (Art. 114 lit. c ZPO). Die Beklagte hat der
Klägerin für das Berufungsverfahren, ausgehend von einem Streitwert von
Fr. 29'338.–, eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.– (inkl. 7,7 %
Mehrwertsteuer) zu bezahlen (§ 4 Abs. 1 und § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV).
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