Decision ID: 0e4cd541-a420-42f0-ba96-c1a38dc38694
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1985, arbeitete als selbständige Kosme
tikerin und war bei der VAUDOISE ALLGEMEINE, Versicherungs-Gesellschaft AG, versichert, als sie sich am 17. Juli 2015 eine Ruptur des vorderen Kreuz
bands zuzog (Urk. 9/1).
Nach
getätigten
Abklärungen
verneinte die Unfallversicherung ihre Leistungs
pflicht aus dem genannten Ereignis
mit Verfügung vom
11. Oktober 2016 (Urk. 9/9). Die von der Versicherten am 8. November 2016 erhobene Einsprache (Urk. 9/10) wies sie am 15. März 2017 ab (Urk. 9/14 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 27. April 2017 Beschwerde gegen den Einspracheent
scheid vom 15. März 2017 (Urk. 2) und beantragte, es seien die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die gesetzlichen Unfallleistungen festzustellen und der angefochtene Entscheid aufzuheben (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Juni 2017 (Urk. 8) beantragte die Beschwer-degeg
nerin die Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 23. Juni 2017 reichte die Beschwerdeführerin weitere Arztberichte ein (Urk. 10, Urk. 11/1-3). Mit Verfügung vom 27. Juni 2017 wurde der Beschwerdegegnerin Frist zur Stellungnahme dazu gesetzt und der Beschwerdeführerin die Be
schwer-deantwort zur Kenntnis gebracht (Urk. 12).
Am 26. Juli 2017 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Stellungnahme ein, wo
rin sie ausführte, dass sie nach Vorlage der neuen Arztberichte an ihren bera
tenden Arzt die Verfügung vom 11. Oktober 2016 samt Einspracheentscheid vom 15. März 2017 zurückziehe und die Beschwerde somit als gegenstandslos zu gelten habe (Urk. 14).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Nach Art. 53 Abs. 3 ATSG kann der Versicherungsträger eine Verfügung oder einen Einspracheentscheid, gegen die Beschwerde erhoben wurde, so lange wie
dererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Die neue Verfügung oder der neue Einspracheentscheid beendet den Streit insoweit, als damit den Anträgen der beschwerdeführenden Partei entsprochen wird. Soweit den Beschwerdeanträgen nicht stattgegeben wird, besteht der Rechtsstreit wei
ter; in diesem Fall muss die Beschwerdebehörde auf die Sache eintreten, ohne dass die beschwerdeführende Partei die neue Verfügung oder den neuen Ein
spracheentscheid anzufechten braucht (vgl. BGE 113 V 237). Einem nach der Vernehmlassung ergangenen Wiedererwägungsentscheid kommt jedoch nur die Bedeutung eines Antrages an das Gericht zu, wie zu entscheiden sei (ZAK 1989 S. 563 E. 2a, vgl. auch ZAK 1989 S. 310).
Vorliegend erfolgte die Eingabe der Beschwerdegegnerin, mit welcher sie die Aufhebung (beziehungsweise den „Rückzug“) des Einspracheentscheids vom 15. März 2017 (Urk. 2) erklärte, am 26. Juli 2017 (Urk. 14) und damit nach Er
stattung der Beschwer
deantwort (Urk. 8). Ihr kommt daher nur die Bedeutung eines Antrages an das Gericht zu, wie zu entscheiden sei, während eine nach diesem Zeitpunkt erlassene Verfügung selber von der Rechtsprechung als nich
tig betrachtet wird (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar Rz 78 zu Art. 53 m.w.H.).
2.
2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.2
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
3.
Sinngemäss bejaht die Beschwerdegegnerin mit ihren Ausführungen vom 26. Juli 2017 (Urk. 14) den Kausalzusammenhang zwischen der Ruptur des vor
deren Kreuzbandes des linken Knies der Beschwerdeführerin und dem Ereignis vom 17. Juli 2015 indem sie festhielt, die Operation vom 15. Juni 2017 gehe zu ihren Lasten. Sie beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheides vom 15. März 2017 und der diesem zugrundeliegenden Verfügung vom 11. Oktober 2016 (Urk. 14).
Damit liegen in Bezug auf
die Beschwerde der Beschwerdeführerin vom 2
7.
April 2017 (Urk. 1) übereinstimmende
Parteia
nträge auf Gutheissung vor
.
4.
4.1
Im Wesentlichen unbestritten sind vorliegend der Unfallhergang, wonach der Sohn der Beschwerdeführerin am 17. Juli 2015 auf dem Spielplatz in ihr linkes Knie stiess (Urk. 9/4), sowie das Vorliegen einer Ruptur des vorderen Kreuz
bandes des linken Knies (MR-Befund vom 5. Februar 2016; Urk. 9/3).
4.2
Mit Schreiben vom 21. Juni 2017 (Urk. 11/1) führte Dr. med. Z._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, unter Hinweis auf den Operationsbericht vom 15. Juni 2017 (Urk. 11/2) und die Videoprints (Urk. 11/3) aus, während der Operation habe sich bestätigt, dass es sich um eine frische traumatische Läsion handle und dass diese sicher nicht vor zehn Jahren entstanden sei. Das Ein
drücklichste sei der eingedrückte Knorpel am Femurkondyl. Ebenfalls sei die Aufhängung medial des lateralen Meniskus ausgerissen. Der einzige degenera
tive Schaden, welcher sich gezeigt habe, sei der durchgeschabte Korbhenkelriss des medialen Hinterhorns. Hier hätte man eigentlich früher operieren sollen. Die Verletzung, die anlässlich der Operation vom 15. Juni 2017 dokumentiert wor
den sei, sei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch das Ereignis vom 17. Juli 2015 entstanden. Es fänden sich reine posttraumatische Läsionen.
4.3
Aufgrund der Aktenlage (
vorstehend E. 4
.2
;
Urk.
9/6,
Urk.
9/11/2
) ist die Unfall
kausalität der von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden ausgewiesen und in Übereinstimmung mit den Parteiausführungen (Urk. 1, Urk. 14) zu beja
hen. Damit hat die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Unfalls vom 17. Juli 2015 die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Die Beschwerde ist daher gestützt auf die Akten- und Rechtslage im Einklang mit den übereinstimmenden Parteianträgen (Urk. 1, Urk. 14) gutzuheissen. Da
mit ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 15. März 2017 (Urk. 2) auf
zuheben, und es ist
festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin
für das Ereignis vom 1
7.
Juli 2015 die gesetzlichen Versicherungsleistungen zu erbringen hat.
5.
Nach § 34 Abs. 1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Ausgangsgemäss ist der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung zuzu
-
spre
chen
. I
n Ermangelung einer Honorarnote
ist diese
ermessenweise unter Berücksichtigung des notwendigen Aufwandes und der Schwierigkeit des Pro
zesses
beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 185.— (zuzüglich Mehr
wertsteuer)
auf Fr. 1‘400.-- (inklusive Barauslagen und MWSt) festzusetzen.