Decision ID: 11335eaf-421a-4126-94d2-2549dfbff74c
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971, war als Geschäftsführer der
Y._
GmbH über diese bei der Allianz Suisse Versicherungsgesellschaft AG (Allianz) kollektivkrankentaggeldversichert (
Urk.
9/1) und reichte dieser am 2
8.
Mai 2015 eine Krankheitsmeldung
-
begründet mit einer Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit dem
4.
Mai 2015
-
ein (
Urk.
9/8).
Am
8.
Juni 2015 teilte ihm die Allianz mit, sie übernehme den Schadenfall
(
Schaden-Nr.
Z._
)
nicht, weil die am
1.
Januar 2015 fällige Prämie
trotz ergangener Mahnung nicht bezahlt
worden
sei, womit gemäss
Art.
20 des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG) ihre Leistungspflicht
ruhe, dies seit dem 2
3.
März 2015 (
Urk.
9/9).
Am 1
0.
Juli 2015 kündigte die Allianz den Vertrag mit der
Y._
GmbH wegen Verletzung der Anzeigepflicht (
Urk.
9/12).
2.
Der Versicherte erhob am 2
7.
November 2015 Klage gegen die Allianz und beantragte, diese sei zu verpflichten, den Anspruch aus dem Schadenfall Nr.
Z._
umgehend zu überweisen (
Urk.
1 S. 1). Auf entsprechende Aufforderung des Gerichts (
Urk.
3)
hin
bezifferte er am 2
4.
Dezember 2015 die Klage auf
Fr.
28‘000.-- (
Urk.
5).
Die Allianz beantragte mit Klageantwort vom
1.
Februar 2016 (
Urk.
8) die Abweisung der Klage.
Auf Nachfrage des Gerichts (
Urk.
10) erklärte der Kläger am 1
0.
März 2016, er wünsche eine Hauptverhandlung (
Urk.
13).
Zu
r
auf den 2
5.
April 2016 an
gesetzten Hauptverhandlung (vgl.
Urk.
14) erschien er unentschuldigt nicht (Protokoll S. 4 =
Urk.
18), worauf ihm das Gericht mitteilte, dass sein
Replik
recht
verwirkt sei und im Urteilsfall die ordnungsgemäss in den Prozess ein
gegangenen Vorbringen und Akten berücksichtig
t
würden (
Urk.
19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundes
gesetz über die Krankenversicherung (KVG) unterstehen nach
Art.
12
Abs.
3 KVG dem
Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (
VVG
)
. Die Kantone können gestützt auf
Art.
7 der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO)
ein Gericht bezeichnen, welches als einzige kan
tonale Instanz für Streitigkeiten in diesem Gebiet sachlich zuständig ist. Im Kanton Zürich liegt die Zuständigkeit beim Sozialversicherungsgericht (
§
2
Abs.
2
lit
. b des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
1.2
Die für das Sozialversicherungsgericht verbindliche Regelung der örtlichen Zuständigkeit im Bereich der Zusatzversicherungen zur sozialen Kranken
versicherung findet sich in
Art.
32
ZPO
. Demnach ist bei Streitigkeiten aus Konsumentenverträgen für Klagen der Konsumentin oder des Konsumenten das Gericht am Wohnsitz oder Sitz einer der Parteien zuständig (
Art.
32
Abs.
1
lit
. a ZPO). Die Beklagte hat ihren Sitz im Kanton Zürich; damit ist auch die örtliche Zuständigkeit des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich gegeben.
1.3
Wird die Prämie zur Verfallzeit oder während der im Vertrag eingeräumten
Nachfrist nicht entrichtet, so ist der Schuldner unter Androhung der
Säumni
s
folgen
auf seine Kosten schriftlich aufzufordern, binnen 14 Tagen, von der Absendung der Mahnung an gerechnet, Zahlung zu leisten (
Art.
20
Abs.
1 VVG). Bleibt die Mahnung ohne Erfolg, so ruht die Leistungspflicht des Ver
sicherers vom Ablauf der Mahnfrist an (
Art.
20
Abs.
3 VVG).
1.4
D
iese Regelung des Zahlungsverzugs weicht von derjenigen des
Obligatione
n
rechts
erheblich ab. Sie statuiert einschneidende Folgen für die versicherte Person.
In Anbetracht der gravierenden wirtschaftlichen Auswirkungen hat die Mahnung nach
Art.
20
Abs.
1 VVG strengen Anforderungen hinsichtlich Form und Inhalt zu genügen, um die Interessen des Schuldners in geeigneter Weise zu wahren
:
Die schriftliche Mahnung muss die Beträge nennen, für die Zahlung verlangt wird, und ebenso die Zahlungsfrist von 14 Tagen. Vor allem hat sie aus
drücklich die Säumnisfolgen anzugeben, um diese in das Bewusstsein des Schuldners zu rücken. Die Androhung der Verzugsfolgen muss explizit, klar
und umfassend erfolgen, wobei sämtliche Säumnisfolgen zu nennen sind, mi
t
hin nicht nur das Ruhen der Leistungspflicht des Versicherers nach
Art.
20
Abs.
3 VVG, sondern auch das Recht des Versicherers, vom Vertrag zurück
zutreten, beziehungsweise die Vermutung des Rücktritts gemäss
Art.
21
Abs.
1
VVG.
E
ine Mahnung, welche nicht auf diese Folgen hinweist, ist rechtswidrig und kann die Wirkungen, auf die zu verweisen sie unterlässt, nicht erzeugen (BGE 138 III 2, E. 4.2 und 5.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Der Kläger führte zur Begründung seiner Klage aus, er habe - entgegen der Behauptung der Beklagten - das Formular „Gesundheitsfragen“ wahrheitsge
treu ausgefüllt und seine Anzeigepflicht nicht verletzt. Es gebe daher keine plausible Erklärung oder Begründung der Beklagten, das Krankentaggeld nicht zu bezahlen (
Urk.
1).
2.2
Die
Beklagte
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
8),
sie habe der Versicherungsnehmerin am 2
7.
März 2015 mitgeteilt, dass wegen aus
stehender Prämien der Versicherungsschutz ruhe und allfällig eintretende
Schadenfälle von der Versicherungsnehmerin selber übernommen werden müsst
en (S. 3
Ziff.
4). Da die fällige Prämie trotz ordnungsgemässer Mah
nung nicht bezahlt worden sei, habe ab dem 2
5.
März
2015 kein Versiche
rungsschutz mehr bestanden (S. 5
Ziff.
11); die danach gemeldete Arbeits
unfähigkeit ab
4.
Mai 2015 sei nicht versichert gewesen (S. 5
Ziff.
12).
2.3
Eingeklagt sind Taggeldleistungen im Umfang von
Fr.
28‘000.-- infolge einer ab
4.
Mai 2015 bestehenden Arbeitsunfähigkeit. Strittig ist, ob die Beklagte zu deren Ausrichtung zu verpflichten ist oder sich auf einen infolge Zah
lungsverzugs eingetretenen Wegfall des Versicherungsschutzes berufen kann.
Ob der Vertrag allenfalls infolge einer Meldepflichtverletzung dahingefallen
ist, ist nur zu prüfen, falls das Bestehen der Versicherungsdeckung bejaht wird
.
3.
3.1
Im November 2014 stellte die Beklagte der
Y._
GmbH die Rechnung für die Prämie vom
1.
Januar bis 3
0.
Juni 2015 (zuzüglich Saldovortrag von
Fr.
20.--) im Betrag von
Fr.
1‘121.--, zahlbar bis
1.
Januar 2015, zu (
Urk.
9/2).
Am 2
2.
Januar 2015 stellte sie der
Y._
GmbH einen die Zeit
vom
8.
August 2014 bis 2
2.
Januar 2015 umfassenden Kontoauszug mit eine
m
offenen Saldo von
Fr.
296.40 inklusive dem entsprechenden Einzahlungssch
ein zu (
Urk.
9/3).
Am 1
3.
Februar 2015 stellte sie der
Y._
GmbH
ein Erinnerungsschreiben und einen auf
Fr.
296.40 lautenden Einzahlungsschein zu (
Urk.
9/4).
3.2
Am
6.
März 2015 stellte sie der
Y._
GmbH eine Mahnung
(Prämie von
Fr.
276.40 plus Mahnspesen von
Fr.
40.
--;
Urk.
9/5)
zu
, in
der
sie unter anderem ausführte (S. 1):
Vom Versand dieser Mahnung an haben Sie 14 Tage Zeit, die ausstehen
de(n) Prämie(n) zu bezahlen.
(...)
Bleibt die Mahnung ohne Erfolg und Ihre Zahlung aus, ruht die
Leistungs
pflicht
des Versicherers vom Ablauf der Mahnfrist an. Der Versicherungs
schutz wird suspendiert und der Versicherer ist nach Ablauf der 14-tägigen Mahnfrist nicht mehr verpflichtet, für eintretende Schadenfälle aufzukom
men (
Art.
20
Abs.
3 VVG).
Der Versicherungsschutz lebt erst nach vollständiger Bezahlung der Prämie (inkl. Zinsen und Kosten) wieder auf.
Sodann wurde unter anderem ausgeführt (S. 2):
Nach Ablauf der 14-tägigen Mahnfrist hat der Versicherer während zwei Monaten das Wahlrecht, am Vertrag festzuhalten und die ausstehende Prämie rechtlich einzufordern oder unter Verzicht auf die Bezahlung der rückständigen Prämie, den Vertrag zu kündigen.
Wird die rückständige Prämie nicht innerhalb von zwei Monaten rechtlich eingefordert, so wird unwiderlegbar vermutet, dass der Versicherer unter Verzicht auf die Bezahlung der rückständigen Prämie vom Vertrag zurück
tritt. Das bedeutet, der Vertrag wird vollständig aufgehoben (
Art.
21
Abs.
1 VVG).
3.3
Am 2
7.
März 2015 stellte sie der
Y._
GmbH eine zweite Mahnung
mit der Aufforderung, den offenen Betrag unverzüglich zu überweisen,
zu (
Urk.
9/7).
3.4
Nach der Krankheitsmeldung vom 2
8.
Mai 2015 betreffend eine Arbeitsunfä
higkeit seit
4.
Mai 2015 (
Urk.
9/8) teilte die Allianz der
Y._
GmbH am
8.
Juni 2015 unter anderem mit, da diese die eingeräumte Nachfrist ungenützt habe verstreichen lassen, bestehe für das gemeldete Ereignis kein Versicherungsschutz (
Urk.
9/9 S. 1 unten).
3.5
Am
2.
Juli 2015 ging eine Zahlung von
Fr.
276.40 ein
(vgl.
Urk.
9/11 S. 1 unten).
4.
Aufgrund der Akten steht fest, dass die Versicherungsnehmerin die bis
1.
Januar 2015 zu entrichte
nd
e Prämie weder nach der Zahlungserinnerung
vom 1
3.
Februar 2015
noch nach der Mahnung vom
6.
März 2015 noch nach
der zweiten Mahnung vom 2
7.
März 2015 bezahlt hat. Auch mit der am
2.
Juli 2015 verbuchten Zahlung
wurde
der gemahnte Ausstand nicht voll
umfänglich beglichen.
Ebenso steht aufgrund der Akten fest, dass die am
6.
März 2015 ergangene Mahnung (vorstehend E. 3.2) allen von der Rechtsprechung gestellten Anfor
derungen (vorstehend E. 1.4) vollumfänglich genügt.
Beides wurde vom Kläger - auch in Kenntnis der sich darauf beziehenden Argumentation in der Klageantwort - nicht bestritten.
Damit steht fest, dass bei Eintritt des Schadenfalles
(Arbeitsunfähigkeit ab
4.
Mai
2015
)
infolge
des eingetretenen und
rechtsgenüglich
gemahnten Zahlungsverzugs die Versicherungsdeckung ruhte. Somit war die Beklagte berechtigt, ihre Leistungspflicht zu verneinen.
Die gegen sie erhobene Klage erweist sich dementsprechend als unbegründet
,
und sie ist abzuweisen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Klage
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft
Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA
4.