Decision ID: 9f0873a1-4e81-4c09-a5c4-5cb3eb208959
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 14. Oktober 2022 im Bundesasylzent-
rum Zürich ein Asylgesuch ein. Seine Schwester B._
(F-5517/2022) ersuchte mit ihren Kindern C._ und D._ dort
gleichentags ebenfalls um Asyl. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der
«Eurodac»-Datenbank ergab, dass er am 1. August 2022 in Kroatien ein
Asylgesuch gestellt hatte.
B.
Im Rahmen des Dublin-Gesprächs gewährte das SEM dem Beschwerde-
führer am 4. November 2022 im Beisein der zugewiesenen Rechtsvertre-
tung das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr dort-
hin sowie zum medizinischen Sachverhalt. Hierbei bestätigte er, in Kroatien
ein Asylgesuch gestellt zu haben. Er habe zweimal versucht, nach Kroatien
einzureisen. Beim ersten Mal habe ihn die Polizei nach Bosnien zurückge-
schickt, beim zweiten Mal sei ihm die Einreise gelungen. Er wolle jedoch
nicht nach Kroatien zurück. Während zweier Monate habe er sich dort auf-
gehalten, aber es sei kaum auszuhalten gewesen. Man habe ihn in diesem
Land sehr schlecht behandelt. Auch habe er gehört, wie sich die Polizisten
respektlos und anzüglich über seine ihn begleitende Schwester unterhalten
hätten. Zudem seien Polizisten einmal maskiert mitten in der Nacht ins Zim-
mer gestürmt. Die Kinder seiner Schwester seien von diesem Vorfall immer
noch traumatisiert. Die Schwester sei ohne ihren Ehemann unterwegs. Die-
ser habe seit neun bis zehn Monaten nichts mehr von sich hören lassen,
weshalb er für die Kinder seither die Vaterrolle übernehme. Zum Gesund-
heitszustand gab der Beschwerdeführer an, dass es ihm gut gehe. Vor zwei
Tagen sei er zwar krank gewesen, aber im Zentrum behandelt worden.
C.
Am 9. November 2022 ersuchte das SEM die kroatischen Behörden um
Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestim-
mung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaats-
angehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags
auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO).
Die kroatischen Behörden stimmten dem Übernahmeersuchen am 23. No-
vember 2022 gestützt auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO zu.
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D.
Mit Verfügung vom 28. November 2022 (eröffnet am 29. November 2022)
trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte
seine Überstellung nach Kroatien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das
SEM den Kanton Bern mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem
Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis
aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den Entscheid
keine aufschiebende Wirkung zukomme.
Die zugewiesene Parteivertretung erklärte am 29. November 2022 das
Rechtsvertretungsverhältnis für beendet.
E.
Am 30. November 2022 reichte der Beschwerdeführer beim Bundesver-
waltungsgericht ein Rechtsmittel ein, dessen Begründung ausschliesslich
in türkischer Sprache abgefasst war.
F.
Am 1. Dezember 2022 setzte die Instruktionsrichterin gestützt auf Art. 56
VwVG den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen aus.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 5. Dezember 2022 forderte das Bundesver-
waltungsgericht den Beschwerdeführer auf, innerhalb von drei Tagen nach
Erhalt dieser Verfügung eine Begründung in deutscher Sprache nachzu-
reichen, andernfalls auf die Beschwerde unter Kostenfolge nicht eingetre-
ten werde.
Dieser Aufforderung kam er mittels Eingabe vom 5. Dezember 2022 (Post-
stempel: 6. Dezember 2022) fristgemäss nach. In seiner Beschwerdeein-
gabe beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das
SEM anzuweisen, auf sein Asylgesuch einzutreten und das Asylverfahren
in der Schweiz durchzuführen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
ersuchte er um Erteilung der aufschiebenden Wirkung, Erlass vorsorglicher
Massnahmen, Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Am 9. Dezember 2022 (Datum des Poststempels) reichte der Beschwer-
deführer eine Beschwerdeergänzung nach.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das vorliegende Beschwerdeverfahren F-5514/2022 wird mit demjeni-
gen seiner Schwester B._ und deren Kindern koordiniert. Über de-
ren Beschwerde wird gleichzeitig, aber in einem separaten Verfahren be-
funden (siehe F-5517/2022).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwür-
diges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist da-
her zur Einreichung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 105 AsylG und
Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf das nach Eingang der Beschwerdeverbesserung
nunmehr frist- und formgerechte Rechtsmittel ist einzutreten (Art. 108
Abs. 3 AsylG sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, ein Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
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Recht auf ein Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.H.).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung dieses Staates prüft das SEM die
Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO. Führt diese Prüfung zur
Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die Prüfung des Asylge-
suchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betreffende Mitgliedstaat
einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt hat, auf das Asylge-
such nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Staates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals
ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO). Im Fall eines so-
genannten Aufnahmeverfahrens («take charge») sind die in Kapitel III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort aufgeführten
Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskriterien; vgl. Art. 7
Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es ist von der Situation im Zeit-
punkt, in dem die betreffende Person erstmals einen Antrag in einem Mit-
gliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.3 Im Rahmen des in den Art. 23–25 Dublin-III-VO geregelten sogenann-
ten Wiederaufnahmeverfahrens («take back») findet demgegenüber
grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt.
Die Zuständigkeit beziehungsweise die Verpflichtung des Mitgliedstaates
zur Wiederaufnahme ergibt sich direkt aus Art. 18 Abs. 1 Bst. b–d bezie-
hungsweise Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO (vgl. Urteil des EuGH [Grosse
Kammer] vom 2. April 2019, H. und R., C 582/17 und C-583/17,
EU:C:2019:280, Rn. 47–50; BVGE 2019 VI/7 E. 4-6, 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.H.). Die Dublin-III-VO räumt den Schutzsuchenden kein Recht ein,
den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45
E. 8.3).
5.
5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 1. August 2022 in Kroatien um Asyl
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nachgesucht hatte (SEM act. 7). Das SEM ersuchte die kroatischen Behör-
den deshalb am 9. November 2022 um Rückübernahme des Beschwerde-
führers. Diese stimmten dem Ersuchen am 23. November 2022 zu. Die
Zustimmung stützte sich auf Art. 20 Abs. 5 Dublin-III-VO. Die grundsätzli-
che Zuständigkeit Kroatiens ist somit gegeben. Dies wird vom Beschwer-
deführer auch nicht bestritten.
5.2 Nachfolgend ist demnach im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu
prüfen, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Kroatien würden sys-
temische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-
chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-
Grundrechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
6.
6.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts im Bereich der Wie-
deraufnahmeverfahren liegen zum heutigen Zeitpunkt keine konkreten
Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die Aufnahmebedin-
gungen für Antragstellende in Kroatien würden systemische Schwachstel-
len im Sinne von Art. 3 Abs. 2 zweiter und dritter Satz Dublin-III-VO aufwei-
sen (vgl. dazu beispielsweise die Urteile des BVGer F-3957/2022 vom
11. Oktober 2022 E. 5; F-3903/2022 vom 16. September 2022 E. 4;
F-3448/2022 vom 22. August 2022 E. 6.2; F-1653/2022 vom 21. April 2022
E. 6.2; D-1404/2022 vom 30. März 2022; D-735/2022 vom 28. Februar
2022 E. 6.5.2).
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6.3 Die Vorinstanz hat in Beachtung der bundesverwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung eine Einzelfallprüfung vorgenommen und ist unter Ver-
weis auf Abklärungen durch die Schweizer Botschaft in Kroatien zum
Schluss gekommen, dass Personen, welche im Rahmen eines Dublin-Ver-
fahrens nach Kroatien zurückgeführt werden, nicht von der problemati-
schen "Push-back"-Praxis betroffen sind (vgl. etwa Urteil des BVGer
F-4002/2022 vom 26. September 2022 E. 7.3 m.w.H.). Für eine Änderung
der Rechtsprechung besteht auch in Würdigung der Äusserungen des Be-
schwerdeführers in der Beschwerdeverbesserung vom 5. Dezember 2022
und der ergänzenden Eingabe vom 9. Dezember 2022 keine Veranlas-
sung.
6.4 Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO nicht gerechtfertigt.
7.
7.1 Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat
beschliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staa-
tenlosen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn
er nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prü-
fung zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbst-
eintrittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. Au-
gust 1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig
wäre. Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist
der Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
7.2 Der Beschwerdeführer äussert in seinen knapp gehaltenen Eingaben
lediglich allgemeine Kritik am kroatischen Asylsystem und ergänzt bezogen
auf seine persönliche Situation, in einem schmutzigen Zimmer unterge-
bracht gewesen zu sein, was eine Hautkrankheit ausgelöst habe, welche
nicht habe behandelt werden können. Damit hat er kein konkretes und
ernsthaftes Risiko dargetan, die kroatischen Behörden würden sich wei-
gern, ihn wiederaufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen
Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den
Akten sind denn keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, Kroatien
werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und
ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder
seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder
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in dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwun-
gen zu werden. Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die
ihn bei einer Rückführung erwartenden Bedingungen in Kroatien seien der-
art schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Des Weiteren
liegen keine konkreten Anhaltspunkte für die Annahme vor, Kroatien würde
ihm dauerhaft die ihm gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen
Lebensbedingungen vorenthalten. Bei einer allfälligen vorübergehenden
Einschränkung könnte er sich im Übrigen nötigenfalls an die dortigen Be-
hörden wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem
Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
7.3 Gesundheitliche Beeinträchtigungen sind aktuell keine ersichtlich.
Sollte der Beschwerdeführer nach der Rückkehr nach Kroatien dennoch
eine medizinische Behandlung benötigen, ist darauf hinzuweisen, dass die
Mitgliedstaaten verpflichtet sind, den Antragstellenden die erforderliche
medizinische Versorgung, die zumindest die Notversorgung und die unbe-
dingt erforderliche Behandlung von Krankheiten und psychischen Störun-
gen umfasst, zugänglich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie; vgl.
hierzu F-3957/2022 E. 6.4 m.H.). Ausserdem werden die schweizerischen
Behörden, die mit dem Vollzug der angefochtenen Verfügung beauftragt
sin, dem aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bei der
Organisation der Überstellung nach Kroatien Rechnung tragen, indem sie
die dortigen Behörden über den Gesundheitszustand und die allenfalls not-
wendige medizinische Behandlung des Beschwerdeführers informieren
werden.
7.4 Zu Recht ebenfalls nicht geltend gemacht wird ein Abhängigkeitsver-
hältnis des Beschwerdeführers zu seiner Schwester und deren Kindern,
welche ihn auf dem Weg von der Türkei hierhin begleiteten. In den Über-
stellungsmodalitäten findet sich aber der Hinweis darauf, dass der Vollzug
der Wegweisung mit demjenigen der Schwester (F-5517/2022) zu koordi-
nieren sei. Deshalb wird es dem Beschwerdeführer auch in Kroatien wei-
terhin möglich sein, für die Kinder seiner Schwester präsent zu sein und
ihnen zur Seite zu stehen.
7.5 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts verfügt das SEM bei
der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 über einen Ermessensspiel-
raum (vgl. BVGE 2015/9 E. 7 f.). Die angefochtene Verfügung ist unter die-
sem Blickwinkel nicht zu beanstanden; insbesondere sind den Akten keine
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Hinweise auf einen Ermessensmissbrauch oder ein Über- respektive Un-
terschreiten des Ermessens zu entnehmen. Das Gericht enthält sich des-
halb in diesem Zusammenhang weiterer Äusserungen.
7.6 Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine Anwendung der Er-
messensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO. Somit bleibt Kroatien der für
die Behandlung des Asylgesuches des Beschwerdeführers zuständige Mit-
gliedstaat gemäss Dublin-III-VO.
8.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Kroatien in Anwendung von Art. 44 AsylG
ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1). Es besteht auf-
grund der bestehenden Sachlage somit kein Anlass, den vorinstanzlichen
Entscheid gemäss dem Eventualantrag zur Neubeurteilung an die Vorin-
stanz zurückzuweisen, zumal der Beschwerdeführer den entsprechenden
Antrag nicht begründet hat.
9.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
10.
Mit dem Entscheid in der Sache wird der Antrag auf Erteilung der aufschie-
benden Wirkung gegenstandslos. Der am 1. Dezember 2022 angeordnete
Vollzugstopp fällt mit vorliegendem Urteil dahin.
11.
Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den
vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtslos zu bezeichnen sind,
weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt sind.
Die Verfahrenskosten sind daher dem Beschwerdeführer aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1 – 3
des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigun-
gen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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