Decision ID: 57241909-e992-5c59-b54f-f8cc64a2f094
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., geboren am 26. April 1969, russische Staatsangehörige, reiste am 19. Juni
2009 zusammen mit ihrer Tochter A.Y., geboren am 30. März 1994, ebenfalls russische
Staatsangehörige, in die Schweiz ein, um den Schweizer Bürger T.Y., geboren am 25.
August 1950, zu heiraten. Die Hochzeit fand am 28. August 2009 statt. X.Y. und A.Y.
wurde im Rahmen des Familiennachzugs eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib
beim Ehemann bzw. Stiefvater erteilt, die letztmals bis 27. August 2012 verlängert
wurde.
Am 27. Juni 2011 reichte T.Y. beim Kreisgericht Wil die Scheidungsklage ein. Gemäss
provisorischer Vereinbarung zwischen X.Y. und T.Y. vom 8. März 2012 (act. 89 des
Migrationsamtes betreffend X.Y.) lebten die Ehegatten seit dem 30. Juni 2011 getrennt.
Am 13. November 2013 wurde die Ehe rechtskräftig geschieden.
Nachdem das rechtliche Gehör gewährt worden war, widerrief das Migrationsamt am
16. Mai 2012 die Aufenthaltsbewilligung von X.Y. und A.Y. Es wurde ihnen Frist zur
Ausreise bis 31. Juli 2012 gesetzt.
B./ Am 6. Juni 2012 erhoben X.Y. und A.Y., vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur.
Katja Ammann, Zürich, gegen die Verfügung des Migrationsamtes vom 16. Mai 2012
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Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement. Sie beantragten, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern (Ziff. 1). Zur
Begründung wurde im Wesentlichen geltend gemacht, die Familiengemeinschaft mit
T.Y. sei nicht endgültig aufgelöst. Sodann würden wichtige persönliche Gründe im Sinn
von Art. 50 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20,
abgekürzt AuG) den Weiterbestand des Aufenthaltsrechts in der Schweiz rechtfertigen.
Am 11. Februar 2013 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den Rekurs im Sinn
der Erwägungen ab und lud das Migrationsamt ein, X.Y. und A.Y. eine neue
Ausreisefrist zu setzen.
C./ Am 28. Februar 2013 erhoben X.Y. und A.Y. durch ihre Rechtsvertreterin gegen den
Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements vom 11. Februar 2013 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Sie beantragten, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben
und das Migrationsamt sei anzuweisen, die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern
(Ziff. 1). Sodann sei ihnen im Rahmen der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde zu
gestatten, das Verfahren um Aufenthaltsbewilligung bis zum rechtskräftigen Entscheid
in der Schweiz abzuwarten (Ziff. 2), unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ziff. 3
und 4).
Am 12. April 2013 stellte das Sicherheits- und Justizdepartement den Antrag, die
Beschwerde sei abzuweisen. Auf eine Stellungnahme wurde verzichtet.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Soweit die Beschwerdeführerinnen beantragen, zufolge der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde sei ihnen zu gestatten, das Verfahren betreffend
Aufenthaltsbewilligungen bis zum rechtskräftigen Entscheid in der Schweiz
abzuwarten, ist ihnen entgegenzuhalten, dass sich die Berechtigung zum Verbleib in
der Schweiz nicht aus diesem Grundsatz ergeben kann, weil die
Aufenthaltsbewilligungen nur bis zum 27. August 2012 gültig waren. Streitgegenstand
ist nicht der Widerruf, sondern die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligungen.
Hingegen dürfen sich die Beschwerdeführerinnen mangels abweichender Verfügung
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entsprechend Art. 59 Abs. 2 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit (sGS 142.201, abgekürzt VZAE) während des Verfahrens betreffend
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen in der Schweiz aufhalten.
3. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, der angefochtene Entscheid verletze
Vorgaben der UN-Kinderrechtekonvention (SR 0.107, abgekürzt UN-KRK). Wie sie
selber ausführen (Beschwerdeschrift Ziff. 2.3.2.6. und Rekursschrift Ziff. 2.7.), gelten
diese Vorgaben für unmündige Kinder (vgl. Teil 1 Art. 1 UN-KRK). Weil die
Beschwerdeführerin 2 das achtzehnte Altersjahr am 30. März 2012 vollendet hat, zu
einem Zeitpunkt als der Widerruf der Aufenthaltsbewilligungen noch nicht erfolgt war,
können sich die Beschwerdeführerinnen deshalb nicht auf die UN-KRK berufen. Weiter
ist nicht ersichtlich, inwiefern Art. 277 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
(SR 210, abgekürzt ZGB), wonach das Kind unter Umständen über die Volljährigkeit
hinaus elterlichen Unterhalt beanspruchen kann, und Art. 278 Abs. 2 ZGB, wonach
jeder Ehegatte dem anderen in der Erfüllung der Unterhaltspflicht gegenüber
vorehelichen Kindern in angemessener Weise beizustehen hat, der Nichtverlängerung
der Aufenthaltsbewilligungen der Beschwerdeführerinnen entgegenstehen sollten.
4. Die Beschwerdeführerinnen berufen sich darauf, die Beschwerdeführerin 2 erfülle die
Voraussetzungen eines Härtefalls im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG, weshalb ihr
gestützt auf diese Bestimmung eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen sei. Aus diesem
Grund habe die Beschwerdeführerin 1, die seit vielen Jahren alleinerziehende Mutter
sei, gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG Anspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Dieser Anspruch ergebe sich auch aus Art. 8
Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) und Art. 13 der Bundesverfassung (SR
101, abgekürzt BV). Die Beschwerdeführerinnen begründen ihren Standpunkt im
Wesentlichen damit, die Beschwerdeführerin 2 sei auf den Beistand der
Beschwerdeführerin 1 angewiesen, weshalb sie die Schweiz verlassen müsste, wenn
der Beschwerdeführerin 1 nicht gestattet würde, sich ebenfalls hier aufzuhalten und die
Beschwerdeführerin 2 zu betreuen. In diesem Fall wäre das Schicksal der
Beschwerdeführerin 2 im Verhältnis zu demjenigen anderer Ausländerinnen und
Ausländer in gesteigertem Mass in Frage gestellt, weil die von ihr angestrebte
akademische Laufbahn zunichte gemacht würde. Als Schülerin der Kantonsschule Q.
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sei sie dank ihrer Intelligenz Klassenbeste und sie werde das Gymnasium im Jahr 2014
deshalb wohl mit einem sehr guten Ergebnis abschliessen. In Russland sei es ihr
gemäss Gesetz der Russischen Föderation über das Bildungswesen zufolge ihres
Alters demgegenüber nicht mehr möglich, einen der Maturität vergleichbaren und für
ein Universitätsstudium erforderlichen schulischen Abschluss zu machen. Weil die
Beschwerdeführerin 2, die an einer Schilddrüsenerkrankung (chronische
Autoimmunthyreoiditis) leide, das 18. Lebensjahr vollendet habe, könne sie nicht mehr
in die "städtische allgemeinbildende Einrichtung" aufgenommen werden. In Betracht
falle auch, dass davon ausgegangen werden könne, dass sie in der Schweiz mit
Bravour ein Hochschulstudium abschliessen werde. Weil die Schweiz auf
Hochschulabgänger angewiesen sei, die mit den Schweizer Verhältnissen vertraut und
gewillt seien, ihre Fähigkeiten der Schweizer Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, habe
die Beschwerdeführerin 2 gestützt auf Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG persönlich Anspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Die Beschwerdeführerinnen rügen, die
Vorinstanz habe in dieser Hinsicht ihr rechtliches Gehör bzw. den
Untersuchungsgrundsatz verletzt, weil sie die schulische Situation der
Beschwerdeführerin 2 und die Auswirkungen einer Rückkehr ins Herkunftsland für die
von ihr angestrebte akademische Laufbahn nicht gewürdigt habe, obschon sie
Beweismittel zur Verfügung gestellt hätten.
4.1. Art. 8 EMRK gewährleistet den Schutz des Familienlebens. Die EMRK verschafft
aber keinen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt oder auf einen besonderen
Aufenthaltstitel in einem bestimmten Konventionsstaat (BGE 138 I 250 E. 3.2.1 mit
Hinweisen). Hat ein Ausländer nahe Verwandte in der Schweiz und ist diese familiäre
Beziehung intakt und wird sie tatsächlich gelebt, kann es hingegen das in Art. 8 Ziff. 1
EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV garantierte Recht auf Achtung des Familienlebens bzw.
auf Schutz der Familie verletzen, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz untersagt
wird (BGE 131 II 350 E. 5, 130 II 285 E. 3.1; vgl. auch BGer 2C_1065/2012 vom 2. Juli
2013 E. 2.4). Das geschützte Familienleben beschränkt sich grundsätzlich auf die
Kernfamilie bzw. auf die Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern
(BGE 129 II 11 E. 2). Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte ist der Begriff des Familienlebens im Sinn von Art. 8 EMRK weit zu
fassen, so dass unter Umständen, bei besonders intensiven privaten Beziehungen in
der Schweiz, auch rein faktische familienähnliche Beziehungen darunter fallen können
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(VerwGE B 2012/105 vom 13. November 2012 E. 4.2. mit Hinweisen, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
Die Beschwerdeführerinnen verfügten über Aufenthaltsbewilligungen, die im Rahmen
des Familiennachzugs erteilt worden waren und die letztmals bis 27. August 2012
verlängert worden sind. Somit können sie sich nicht mit Erfolg darauf berufen, sie
hätten gestützt auf Art. 8 Ziff. 1 EMRK und Art. 13 BV Anspruch darauf, ihre familiäre
Beziehung weiterhin in der Schweiz leben zu können. Dies könnte höchstens dann der
Fall sein, wenn sich erweisen sollte, dass die Beschwerdeführerin 1 entgegen der
Auffassung des Migrationsamtes und der Vorinstanz gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b
AuG Anspruch auf einen Aufenthaltstitel hat (vgl. dazu aber Ziff. 4.4.3 hiernach).
4.2. Von den Zulassungsvoraussetzungen (Art. 18-29 AuG) kann nach Art. 30 Abs. 1 lit.
b AuG abgewichen werden, um schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder
wichtigen öffentlichen Interessen Rechnung zu tragen. Bei der Beurteilung sind
insbesondere die Integration, die Respektierung der Rechtsordnung, die
Familienverhältnisse, die finanziellen Verhältnisse, die Dauer des Aufenthalts in der
Schweiz, der Gesundheitszustand und die Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung
im Herkunftsland zu berücksichtigen (Art. 31 Abs. 1 VZAE).
Die Erteilung einer Härtefallbewilligung liegt im Ermessen der Behörde (vgl. dazu BGE
137 II 348 E. 3.2.1). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt ein Härtefall
vor, wenn sich die betroffene Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre
Lebens- und Daseinsbedingungen müssen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal
von anderen ausländischen Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (BGE
130 II 39 E. 3; 128 II 200 E. 4). Der Begriff des schwerwiegenden Härtefalls ist restriktiv
auszulegen und an die Härtefallkriterien nach Art. 31 VZAE ist ein strenger Massstab zu
legen (VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3, abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
4.3. Nach Art. 33 Abs. 2 AuG wird die Aufenthaltsbewilligung für einen bestimmten
Aufenthaltszweck erteilt und kann mit weiteren Bedingungen verbunden werden. Nach
Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten und ledige Kinder unter 18 Jahren
von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen.
http://www.gerichte.sg.ch http://www.gerichte.sg.ch
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4.4. Nach Art. 50 AuG besteht der gestützt auf Art. 42 AuG eingeräumte
Rechtsanspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung von
nachgezogenen Ehegatten und Kindern bei Auflösung der Ehe bzw. der
Familiengemeinschaft weiter, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.
4.4.1. Nach Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG besteht nach Auflösung der Ehe oder der
Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AuG weiter, wenn die
Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche
Integration besteht.
Die Beschwerdeführerinnen verfügten über Aufenthaltsbewilligungen im Rahmen des
Familiennachzugs bzw. zum Verbleib beim Ehemann bzw. Stiefvater. Sie machen
geltend, die Beschwerdeführerin 1 wisse bis heute nicht, weshalb sich T.Y. im Jahr
2011 plötzlich von ihr getrennt habe bzw. sein Verhalten könne nicht als definitive
Auflösung der Familiengemeinschaft verstanden werden. In dieser Beziehung werde
erst ein rechtskräftiges Scheidungsurteil Klarheit bringen.
Gemäss provisorischer Vereinbarung zwischen der Beschwerdeführerin 1 und T.Y. vom
8. März 2012 (act. 89 des Migrationsamtes betreffend die Beschwerdeführerin 1) lebte
das Ehepaar seit dem 30. Juni 2011 getrennt. Gemäss Mitteilung des Migrationsamtes
vom 19. November 2013 wurde die Ehe am 13. November 2013 sodann rechtskräftig
geschieden. Somit besteht gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. a AuG kein Anspruch auf
Erteilung und Verlängerung von Aufenthaltsbewilligungen.
4.4.2. Nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG besteht nach Auflösung der Ehe oder der
Familiengemeinschaft der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AuG weiter, wenn wichtige
persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen.
Dabei geht es darum, Härtefälle bei der Bewilligungsverlängerung nach der Auflösung
der ehelichen Gemeinschaft zu vermeiden (BGE 137 II 348 E. 3.2.1 mit Hinweis auf
BGE 136 II 4 E. 5.3). Wichtige persönliche Gründe können nach Abs. 2 dieser Vorschrift
namentlich vorliegen, wenn der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde und die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (vgl. auch Art. 77
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Abs. 2 VZAE). Der Gesetzgeber hat bewusst eine offene Formulierung gewählt, die den
rechtsanwendenden Behörden einen Beurteilungsspielraum einräumt (M. Caroni, in:
Caroni/Gächter/Thurnherr [Hrsg.], Handkommentar zum Ausländergesetz, Bern 2010,
N 23 zu Art. 50 AuG). Nach der Praxis des Bundesgerichts fallen neben den in Art. 50
Abs. 2 AuG genannten Gründen der Tod des Ehegatten, von dem sich die
Aufenthaltsberechtigung ableitet, als wichtiger Grund in Betracht (BGE 138 II 393 ff.),
sowie die Interessen gemeinsamer Kinder, zu denen eine enge Beziehung besteht und
die in der Schweiz gut integriert sind (BGE 137 II 349 E. 3.2.2).
Da es sich im Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG um nacheheliche Härtefälle handelt,
d.h. dass an die ursprünglich aus der Ehe abgeleitete Bewilligung angeknüpft wird,
sind auch die Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt haben, von Bedeutung. Hat
der Aufenthalt nur kurz gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz
geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die
erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme stellt. Entscheidend
ist, ob die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark gefährdet
zu gelten hat, und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (BGE 137 II 350
E. 3.2.3 mit Hinweisen). Ein persönlicher, nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der
konkreten Umstände des Einzelfalls eine erhebliche Intensität der Konsequenzen für
das Privat- und Familienleben der ausländischen Person voraus, die mit ihrer
Lebenssituation nach dem Dahinfallen der aus Art. 42 Abs. 1 AuG abgeleiteten
Anwesenheitsberechtigung verbunden sind (BGer 2C_13/2012 vom 8. Januar 2013 E.
3.4 mit Hinweis).
4.4.3. Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, Referenzen würden belegen, dass
die Anwesenheit der Beschwerdeführerin 1 im öffentlichen Interesse liege. Mit ihren
Kenntnissen über die Schweiz helfe sie russischen Landsleuten, sich hier zu
integrieren. Auch werde ihr Wille zur Weiterbildung und zur beruflichen Integration
dokumentiert. Weiter sei die Beschwerdeführerin 1 durch ihre berufliche Tätigkeit in der
Lage, für ihre Unterhaltskosten und für die Ausbildungs- und Unterhaltskosten der
Beschwerdeführerin 2 aufzukommen. Sie sei in keinerlei Weise auf staatliche Hilfe und
Unterstützung angewiesen.
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Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin 1 über einige Kenntnisse der deutschen
Sprache verfügt (act. 106 des Migrationsamtes betreffend die Beschwerdeführerin 1)
und dass ihr die Schweizerische Vereinigung russischer Landsleute ein Zertifikat über
die Teilnehme an einer pädagogischen Konferenz zu den "Besonderheiten der
Unterrichtsmethoden der russischen Sprache im Ausland und Erfahrungen russischer
Schulen in der Schweiz" ausgestellt hat. Sodann arbeitet sie gemäss Arbeitsvertrag mit
dem Russischen Kulturverein Q. vom 27. Januar 2013 seit dem 6. Februar 2013 jeweils
am Mittwoch (im Zeitraum zwischen 13.00 bis 19.00 Uhr) als Lehrperson "mit Lohn
nach Provision von den Elternbeiträgen". Der Verein behält 20 % bzw. Fr. 10.-- pro
Kind und Stunde und überweist den Restbetrag nach Abzug der gesetzlich
vorgesehenen Abzüge Ende Monat auf das Konto der Beschwerdeführerin 1. Die
Tätigkeit der Beschwerdeführerin 1 als Kulturvermittlerin für in der Schweiz lebende
russische Landsleute vermag gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG aber keinen
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 AuG
zu begründen. Hinzu kommt, dass ihre Einkünfte aus der Tätigkeit beim Russischen
Kulturverein Q. bei weitem nicht ausreichen, um ihren und den Lebensunterhalt der
Beschwerdeführerin 2 in der Schweiz und die Ausbildungskosten der
Beschwerdeführerin 2 bestreiten zu können. Aus einem Schreiben des Rechtsvertreters
von T.Y. vom 19. Mai 2011 (act. 4 zur Rekursschrift vom 6. Juni 2012) geht zwar
hervor, dass sich dieser bereit erklärt hat, der Beschwerdeführerin 1 während 18
Monaten nach der Scheidung einen Betrag von Fr. 800.-- je Monat zu bezahlen.
Abgesehen davon, dass es sich um die zeitlich befristete Zusicherung eines relativ
geringen Betrags handelt, machen die Beschwerdeführerinnen vor Verwaltungsgericht
geltend, der vormalige Ehemann der Beschwerdeführerin 1 nehme seine finanzielle
Mitverantwortung nicht wahr. Die Beschwerdeführerinnen vermögen somit nicht
nachzuweisen, dass die Beschwerdeführerin 1 finanziell in der Lage ist, für den
Unterhalt der Beschwerdeführerinnen in der Schweiz zu sorgen.
4.4.4. Die Beschwerdeführerinnen machen weiter geltend, weil der
Beschwerdeführerin 2 im Sinn eines Härtefalls im Sinn von Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG die
Ausbildung in der Schweiz weiterhin zu ermöglichen sei, liege ein wichtiger
persönlicher Grund vor, der den Aufenthalt der Beschwerdeführerin 1 in der Schweiz
erforderlich mache. Sie begründen dies damit, die Beschwerdeführerin 1 sei seit vielen
Jahren alleinerziehende Mutter der Beschwerdeführerin 2, die in vielen Belangen von
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ihr abhängig sei. Sie fühle sich nach wie vor für ihre Tochter verantwortlich. Die
Beschwerdeführerinnen berufen sich unter Hinweis auf M. Spescha, in: Spescha/Thür/
Zünd/Bolzli, Kommentar zum Migrationsrecht, 3. Aufl., Zürich 2012, Rz. 8c zu Art. 50
AuG darauf, der Verbleib hier aufgewachsener ausländischer Kinder stelle in der Regel
einen wichtigen persönlichen Grund im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG dar.
Im Fall bloss aufenthaltsberechtigter und niedergelassener Kinder fällt der Aspekt des
Kindeswohls nicht in gleicher Weise zugunsten des Verbleibs in der Schweiz in
Betracht wie bei Schweizer Kindern. Hier genügt die Zumutbarkeit der Ausreise des
Kindes für eine Bewilligungsverweigerung an den sorge- bzw. obhutsberechtigten
Elternteil (BGE 137 I 251 E. 4.2.3). Unter Verweis auf BVGer C-6168/2008 vom
28. September 2011 E. 5.4 führt Spescha am von den Beschwerdeführerinnen
angeführten Ort in diesem Zusammenhang aus, wenn einem Kind aufgrund von dessen
bisheriger Anwesenheit und bei fehlender Bindung zum Heimatland die Ausreise nicht
ohne weiteres zugemutet werden könne, so reiche das allgemeine öffentliche Interesse
an einer restriktiven Einwanderungspolitik für sich allein nicht aus, um im Rahmen der
nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK geforderten Interessenabwägung einen Eingriff in die Garantie
des Familienlebens zu rechtfertigen. Daraus folgert der Autor, der Verbleib hier
aufgewachsener, ausländischer Kinder in der Schweiz stelle im Regelfall einen
wichtigen Grund im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG dar.
Die Beschwerdeführerin 2, die nicht in der Schweiz aufgewachsen und von der
anzunehmen ist, dass sie eine gewisse Bindung zum Herkunftsland beibehalten hat, ist
kein Kind im rechtlichen Sinn mehr. Sie wird am 30. März 2014 20 Jahre alt. Im
Gegensatz zur Auffassung der Beschwerdeführerinnen sind junge Erwachsene in
diesem Alter in der Lage, ihr Leben selbständig, ohne ständige persönliche Betreuung
durch die Eltern oder einen Elternteil zu führen. Die ständige Anwesenheit der Eltern
oder eines Elternteils ist nicht mehr erforderlich. Es wäre der Beschwerdeführerin 2
somit trotz der von ihr geltend gemachtenSchilddrüsenerkrankung möglich und
zumutbar, in Abwesenheit der Beschwerdeführerin 1 in der Schweiz eine akademische
Laufbahn einzuschlagen. Somit hätte die Beschwerdeführerin 1 auch dann gestützt auf
Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG keinen Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn die Beschwerdeführerin 2 ihre Ausbildung in der Schweiz
fortsetzen würde (vgl. dazu auch Art. 27 AuG). Weiter ist davon auszugehen, dass es
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der Beschwerdeführerin 1 möglich ist, im Herkunftsland nicht nur persönlich, sondern
auch wirtschaftlich wieder Fuss zu fassen. Die heute rund 44 Jahre alte
Beschwerdeführerin 1, die erst seit gut vier Jahren hier lebt, ist gemäss eigenen
Angaben in der Heimat einer selbständigen Erwerbstätigkeit als Lehrerin der russischen
Sprache nachgegangen und hat sich damit eine gute Lebensgrundlage geschaffen.
4.5. Im Rahmen des Rekursverfahrens hatten die Beschwerdeführerinnen argumentiert,
auch die Beschwerdeführerin 2 habe gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG Anspruch auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. In der Lehre wird in diesem
Zusammenhang davon ausgegangen, der persönliche Geltungsbereich dieser
Vorschrift beziehe sich auf Ehegatten und minderjährige Kinder, nicht aber auf
Nachkommen, die über 18 Jahre alt sind (vgl. dazu M. Caroni, in: Caroni/Gächter/
Thurnherr [Hrsg.], a.a.O., Art. 50 AuG Rz. 3). Die Vorinstanz hat sich zu diesem Antrag
insofern geäussert, als im angefochtenen Entscheid im
RahmenderInteressenabwägung festgehalten wird, die Beschwerdeführerin 2, die vor
rund 3 1⁄2 Jahren mit der Beschwerdeführerin 1 in die Schweiz gekommen sei,habe die
prägenden Kinder- und Jugendjahre im Herkunftsland verbracht und sie sei in der
Kantonschule Q. eine sehr gute und geschätzte Schülerin. Mittlerweile sei sie aber
volljährig und sie könne ihre Ausbildung im Herkunftsland weiterführen. Wie die
Übersiedlung in die Schweiz werde sie die Rückkehr ins Herkunftsland problemlos
bewältigen.
Aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz sowie der Tatsache, dass sowohl
der Prorektor als auch der Klassenlehrer die intellektuellen Fähigkeiten und die soziale
Kompetenz der Beschwerdeführerin 2 als überdurchschnittlich gut einschätzen (act. 2
und act. 5 zur Rekursschrift vom 6. Juni 2012; vgl. auch Beilagen 2 und 4 zur
Beschwerdeschrift vom 22. März 2013) durfte die Vorinstanz davon ausgehen, es sei
ihr problemlos möglich, sich im Herkunftsland beruflich und gesellschaftlich
zurechtzufinden bzw. es sei ihr zumutbar, dorthin zurückzukehren. Zutreffend ist zwar,
dass es die Vorinstanz unterlassen hat, sich mit dem Argument der
Beschwerdeführerinnen auseinanderzusetzen,wonach es der Beschwerdeführerin 2
zufolge ihres Alters nicht mehr möglich sei, im Herkunftsland einen schulischen
Abschluss zu erlangen, der es ihr erlaube, ein universitäres Studium aufzunehmen. Im
Gegensatz zur Auffassung der Beschwerdeführerinnen führt ein derartiger Umstand
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aber nicht zu einer dauernden Unzumutbarkeit der Ausreise aus der Schweiz bzw. zu
einer persönlichen Notlage, die nur mit der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
behoben werden kann (vgl. dazu BGer 2C_697/2008 vom 2. Juni 2009 E. 4.3). Im
konkreten Fall kann diesem Hindernis dadurch Rechnung getragen werden, dass das
Migrationsamt die neue Ausreisefrist gemäss Ziff. 1 b) des angefochtenen Entscheids -
jedenfalls für die Beschwerdeführerin 2 - so festsetzt, dass diese ihre Ausbildungan der
Kantonsschule Q., die sie im August 2010 begonnenhat (Beilage 2 der
Beschwerdeschrift vom 22. März 2013), dort im Jahr 2014 mit der Maturitätsprüfung
beenden kann. Dadurch wird ihr ermöglicht, im Herkunftsland eine universitäre
Laufbahn einzuschlagen. Gemäss eigenen Angaben (vgl. II.B.2.4 der Rekursschrift vom
6. Juni 2012 unter Hinweis auf Beilage 6) setzt ein Studium an einer russischen
Universität entweder den Abschluss an einem russischen Gymnasium voraus, oder
aber einen vergleichbaren ausländischen Abschluss wie zum Beispiel eine
schweizerische Maturität. In Betracht fällt schliesslich, dass die Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin 2 ihre intellektuellen Fähigkeiten der Schweizer Wirtschaft zur
Verfügung stellen will, kein wichtiges öffentliches Interesse darstellt, das die Erteilung
einer Härtefallbewilligung rechtfertigen könnte. Gemäss E. 8 des angefochtenen
Entscheids ist das Migrationsamt aber eingeladen worden zu prüfen, ob der
Beschwerdeführerin 2 gestützt auf Art. 27 AuG eine Bewilligung erteilt werden kann.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Das
Migrationsamt wird die Ausreisefrist für die Beschwerdeführerinnen aber so
festzusetzen haben, dass es der Beschwerdeführerin 2 möglich ist, ihre Ausbildung an
der Kantonsschule Q. im Jahr 2014 mit der Maturitätsprüfung abzuschliessen.
5.1. (...).
5.2. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht