Decision ID: 77579540-976b-422f-9183-0a8eb1160591
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X war im Jahr 2002 der Führerausweis wegen Führens eines Kleinmotorrades in
angetrunkenem Zustand mit einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 1,01 Gew.-
‰ für 3 Monate entzogen. Seit Februar 2003 ist er auch für die Kategorie B
fahrberechtigt. Wegen Lenkens eines Personenwagens in angetrunkenem Zustand mit
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einer Blutalkoholkonzentration von mindestens 0,91 Gew.-‰ war ihm der
Führerausweis vom 21. April 2005 bis und mit 20. Juni 2006 für 14 Monate entzogen.
B.- Am Freitag, 1. Januar 2010, wurde X um 22.15 Uhr als Lenker des Personenwagens
"VW Bora" mit dem amtlichen Kennzeichen SG 000 auf der A-Strasse in B durch die
Polizei kontrolliert. Ein Atemlufttest ergab umgerechnet eine Blutalkoholkonzentration
von 0,36 Gew.-‰. Da ein Drogenschnelltest belastend verlief, wurde ihm der
Führerausweis auf der Stelle abgenommen. Gegenüber der Polizei gab X an, er habe
um 6.00 Uhr einen Joint geraucht, um 15.00 Uhr 2 Linien Kokain gesnifft und zwischen
19.00 und 21.00 Uhr 3 dl Bier und 1 Glas Wein getrunken. Cannabis konsumiere er seit
der Lehre wöchentlich einmal und Kokain seit 4 Jahren alle 2 Monate einmal. Die
Analyse der nach der polizeilichen Kontrolle abgenommenen Blut- und Urinproben
ergab Werte von 220 μg/l Benzoylecgonin, 1,4 μg/l THC, 5,0 μg/l THC-COOH und
Spuren von Kokain im Blut sowie einen THC-COOH-Gehalt von ca. 107 μg/l im Urin.
Da diese Werte im Toleranzbereich lagen, hob das Untersuchungsamt U das wegen
Fahrens in fahrunfähigem Zustand eröffnete Strafverfahren mit Verfügung vom 17. März
2010 auf. Hingegen wurde X wegen Erwerbs und Konsums von Cannabis und Kokain
mit Fr. 200.-- gebüsst.
Am 22. Januar 2010 entzog das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen X den Führerausweis vorsorglich und leitete ein Verfahren zur Abklärung
seiner Fahreignung ein. Die mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2010 angeordnete
verkehrsmedizinische Untersuchung wurde am 19. April 2010 am Institut für
Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen durchgeführt. Da wegen kurzer Kopfhaare
und fehlender Körperhaare keine Haarprobe abgenommen werden konnte, hielt der
Gutachter am 18. Mai 2010 fest, eine abschliessende Beurteilung sei nicht möglich;
aufgrund der Angaben von X sei aber von einem Drogen-Gelegenheitskonsum
auszugehen. Das Strassenverkehrsamt hob daraufhin am 25. Mai 2010 den
vorsorglichen Entzug des Führerausweises auf. Die Analyse der am 13. Juli 2010
abgenommenen Haarprobe ergab Gehalte von 900 pg/mg Kokain und 200 pg/mg
Benzoylecgonin. In der Aktenbeurteilung vom 18. August 2010 kam der Gutachter zum
Schluss, ein Passivkonsum oder blosser Kontakt mit Kokain könne ausgeschlossen
werden und ein mit den Angaben von X vereinbarer Konsum zwischen Ende Februar
und Ende Juni 2010 sei nachgewiesen.
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Gestützt auf die Empfehlung in der Aktenbeurteilung verknüpfte das
Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 6. September 2010 den Führerausweis mit
der Auflage einer vollständigen, fachlich betreuten (Arzt und Suchtfachstelle) und
kontrollierten Drogenabstinenz gemäss Info-Blatt mit halbjährlichen Berichten. Eine
Lockerung oder Aufhebung der Auflagen könne frühestens in 12 Monaten geprüft
werden. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe vom 17. September 2010
(Postaufgabe: 21.09.2010) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem
Antrag, die Auflagen seien per April 2011 aufzuheben. Wenn die Haarprobe, die
anfangs 2011 fällig werde, negativ ausfalle, habe er sein Jahr Abstinenz wie abgemacht
erfüllt. Die Vorinstanz verzichtete am 21. Oktober 2010 auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. September 2010 (Postaufgabe) ist
rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 41lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist grundsätzlich
einzutreten.
Der Rekurrent beantragt die Aufhebung der mit der angefochtenen Verfügung vom
6. September 2010 angeordneten Auflagen zur Überprüfung einer Drogenabstinenz per
April 2011, da er dann die vereinbarte einjährige kontrollierte und betreute
Drogenabstinenz eingehalten haben werde. Gegenstand des Verfahrens bildet die
Verfügung der Vorinstanz vom 6. September 2010, in welcher jedoch keine Stellung zur
Frage bezogen wird, ob ein Gesuch, die Auflagen per April 2011 aufzuheben, behandelt
und allenfalls gutgeheissen würde. In der angefochtenen Verfügung wird zwar
festgehalten, eine Lockerung oder Aufhebung der Auflagen werde frühestens in 12
Monaten geprüft (Ziff. 1d). Zudem werden Berichte der betreuenden Stellen per Mitte
Januar 2011 und Mitte Juli 2011 erwartet (Ziff. 1b). Daraus ist zu schliessen, dass die
Vorinstanz bei der Frist von 12 Monaten von der Abnahme der Haarprobe am 13. Juli
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2010, mit welcher ein Kokainkonsum für die Zeit zwischen Ende Februar und Ende Juni
2010 – wobei sich der genaue Zeitpunkt nicht festlegen lässt und der Rekurrent
sinngemäss geltend macht, letztmals im April 2010 Kokain konsumiert zu haben –
nachgewiesen wurde, ausgeht und annimmt, der Rekurrent habe die Abstinenz
frühestens ab diesem Zeitpunkt eingehalten. Der Frist von 12 Monaten kommt keine
Sperrwirkung zu. Vielmehr hält sie fest, dass die Vorinstanz von einer mindestens 12-
monatigen Drogenabstinenz zur Wiederherstellung der uneingeschränkten Fahreignung
des Rekurrenten ausgeht. Ob die Vorinstanz ein im April 2011 gestelltes und mit dem
Nachweis der Einhaltung einer Drogenabstinenz seit 12 Monaten verbundenes Gesuch
um Lockerung oder Aufhebung der Auflagen behandeln und gutheissen wird, kann
deshalb im jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden. Jedenfalls liegt zurzeit kein
entsprechender abschlägiger Entscheid der Vorinstanz vor. Mangels
Anfechtungsobjekts kann deshalb auf den Rekurs nicht eingetreten werden, insoweit
damit die Aufhebung der Auflagen per April 2011 beantragt wird.
2.- Im Rekurs wird sodann sinngemäss die Aufhebung der mit der Verfügung vom
6. September 2010 von der Vorinstanz angeordneten Auflagen beantragt.
a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die Fahreignung.
Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein
Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss
grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Nach Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG
darf der Führerausweis nicht erteilt werden, wenn der Bewerber an einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht leidet. Wird nachträglich festgestellt, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen, ist der
Führerausweis zu entziehen (Art. 16 Abs. 1 SVG). Gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG
wird der Führerausweis einer Person auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn sie an einer
Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (vgl. dazu nachfolgend E. 2b).
Nach den allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen ist es im Rahmen der
Verhältnismässigkeit zulässig, aus besonderen Gründen den Führerausweis mit
Auflagen zu versehen, wenn diese der Sicherstellung der Fahreignung und damit der
Verkehrssicherheit dienen sowie mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang stehen
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4482). Die Anordnung von Auflagen kommt dann in
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Frage, wenn der Lenker die gesetzlichen Anforderungen an die Fahreignung bei
Einhaltung bestimmter Massnahmen erfüllt; ein Entzugsgrund nach Art. 16 SVG muss
dabei nicht gegeben sein (VRKE IV-2004/101 vom 20. Oktober 2004 E. 3a). Erforderlich
ist zudem, dass sich die Fahreignung nur mit dieser Massnahme aufrechterhalten lässt
und die Auflagen erfüll- und kontrollierbar sind (BGE 131 II 248 E. 6; VRKE IV-2008/117
vom 22. Januar 2009 E. 3b). Dass ein Fahrzeuglenker zum Missbrauch von
Substanzen, welche die Fahrfähigkeit beeinträchtigen, neigt, stellt einen besonderen
Grund dar, der Auflagen rechtfertigt (zum Alkoholmissbrauch vgl. BGE 131 II 248 E.
6.3). Ein solcher besonderer Grund liegt bei einem Konsumverhalten vor, bei welchem
es überwiegend wahrscheinlich ist, dass der Betroffene ausser Stande ist, eine
drogenkonsumbedingte zeitweilige Fahruntüchtigkeit rechtzeitig als solche zu erkennen
oder trotz einer solchen Erkenntnis von der aktiven Teilnahme am Strassenverkehr
abzusehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.11/2006 vom 13. April 2006, E. 3.2).
Personen, die zwar nicht drogensüchtig, aber nachweislich in erheblichem Ausmass
suchtgefährdet sind, kann der Führerausweis deshalb unter einer Abstinenzauflage
erteilt werden (VRKE IV-2004/101 vom 20. Oktober 2004 E. 3a; Ph. Weissenberger,
Administrativrechtliche Massnahmen bei Alkohol- und Drogengefährdung, in: Jahrbuch
zum Strassenverkehrsrecht 2004, St. Gallen 2004, S. 134 f.). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es zudem zulässig, im Interesse der
Verkehrssicherheit verhältnismässige Auflagen anzuordnen, welche der Klärung der
Fahreignung dienen, wenn nach den Umständen des konkreten Falles hinreichend
aussagekräftige Anzeichen für den Verdacht bestehen, dass der Fahrausweisinhaber
mindestens regelmässig Cannabis konsumiert, und die ärztliche Untersuchung diesen
Verdacht nicht ausräumen sowie die konkreten Konsumgewohnheiten nicht
abschliessend erhellen kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.11/2006 vom 13. April
2006, E. 3.3).
b) Der Rekurrent wurde am 19. April 2010 erstmals verkehrsmedizinisch untersucht.
Der vorläufigen Beurteilung legte der Gutachter am 18. Mai 2010 die Vorgeschichte, die
Angaben des Rekurrenten zur Krankenvorgeschichte und sozialen Situation, zum
Alkohol- und Drogenkonsum und zu den FiaZ-Ereignissen der Jahre 2002 und 2005
sowie zur Fahrt vom 1. Januar 2010 zugrunde. Der Gutachter diagnostizierte unter
Vorbehalt des Ergebnisses einer Haaranalyse und der abschliessenden Beurteilung
einen Drogen-Gelegenheitskonsum. Nachdem die Analyse der am 13. Juli 2010
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abgenommenen Haarprobe mit Gehalten von 900 pg/mg Kokain und 200 pg/mg
Benzoylecgonin den Angaben des Rekurrenten zu seinem Drogenkonsum nicht
entgegen stand, empfahl der Gutachter die Fahreignung bei bestehendem Verdacht auf
Kokain-Missbrauch mit einer Drogenabstinenzauflage gutzuheissen.
Verkehrsmedizinisch wurden dementsprechend weder eine Drogenabhängigkeit noch
ein verkehrsrelevanter Drogenmissbrauch festgestellt, die einen Sicherungsentzug des
Führerausweises gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG rechtfertigen könnten. Die
Vorinstanz hat denn auch bereits am 25. Mai 2010 den vorsorglichen Entzug des
Führerausweises aufgehoben und mit der angefochtenen Verfügung vom 6. September
2010 lediglich – aber immerhin – Auflagen angeordnet.
c) Zu prüfen ist deshalb, ob der vom Gutachter gestützt auf die verkehrsmedizinischen
Abklärungen ermittelte Verdacht auf Kokain-Missbrauch die Anordnung einer
befristeten kontrollierten Drogenabstinenz rechtfertigt.
aa) Am 1. Januar 2010 lenkte der Rekurrent um 22.15 Uhr einen Personenwagen nach
dem Konsum von Cannabis (1 Joint um 6.00 Uhr), Kokain (2 Linien um 15.00 Uhr) und
Alkohol (3 dl Bier und 1 Glas Wein zwischen 19.00 und 21.00 Uhr). Die in Atem, Blut
und Urin festgestellten Konzentrationen von Alkohol, Kokain und THC (Cannabis) lagen
in Bereichen, die nicht zwingend auf eine Fahrunfähigkeit des Rekurrenten schliessen
liessen. Indessen war der in B kontrollierte Rekurrent nach seinen Angaben von H
unterwegs an seinen Wohnort. Damit lag eine Fahrt mit einer Strecke von 35 km und
einem Zeitbedarf von rund 30 Minuten hinter ihm. Dass seine Fahrfähigkeit bei seiner
Wegfahrt in H insbesondere auch unter der verkehrsmedizinisch nicht weiter
abgeklärten kombinierten Wirkung der verschiedenen Betäubungs- und Suchtmittel
beeinträchtigt war, ist nicht auszuschliessen. Dies gilt umso mehr, als beim
kombinierten Konsum dieser Suchtmittel eine Potenzierung und nicht nur eine
Addierung der Gesamtwirkung resultiert (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.34/2003
vom 28. August 2003, E. 2.4) und die Urinuntersuchung auch für tricyclische
Antidepressiva positiv verlief.
Jedenfalls zeigen die beiden FiaZ-Fahrten der Jahre 2002 und 2005 sowie die Fahrt
vom 1. Januar 2010 unter dem kombinierten Einfluss von Cannabis, Kokain und
Alkohol, dass sich der Rekurrent der beträchtlichen Gefahr aussetzt, nach dem
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Konsum von Stoffen, welche geeignet sind, die Fahrfähigkeit einzuschränken, ans
Steuer eines Motorfahrzeugs zu setzen. Er selbst gab am 1. Januar 2010 gegenüber
der Polizei an, er wüsste ja eigentlich, wie es sei, und es sei nicht das erste Mal. Damit
sieht sich der Rekurrent selbst gefährdet, in einem fahrunfähigen Zustand ein
Motorfahrzeug zu führen. Da für die Anordnung von Auflagen die überwiegende
Wahrscheinlichkeit genügt, dass der Betroffene ausser Stande ist, eine
drogenkonsumbedingte zeitweilige Fahruntüchtigkeit rechtzeitig als solche zu erkennen
oder trotz einer solchen Erkenntnis von der aktiven Teilnahme am Strassenverkehr
abzusehen, ist nicht von Belang, dass der Rekurrent mit der Aufhebung des
Strafverfahrens am 17. März 2010 im Ergebnis vom Vorwurf des Fahrens in
fahrunfähigem Zustand freigesprochen wurde.
bb) Der Gutachter schliesst gestützt auf das Ergebnis der Analyse der dem
Rekurrenten am 13. Juli 2010 abgenommenen Haarprobe im abschliessenden
Aktengutachten vom 18. August 2010 einen höheren als den vom Rekurrenten
angegebenen Kokainkonsum (2- bis 3-mal jährlich) nicht aus. Die Angaben des
Rekurrenten zu seinem Kokainkonsum sind vage. Gegenüber der Polizei gab er am
1. Januar 2010 an, etwa seit 4 Jahren alle 2 Monate einmal Kokain zu konsumieren. In
der verkehrsmedizinischen Untersuchung vom 19. April 2010 führte er demgegenüber
aus, seit 2 Jahren etwa 2- bis 3-mal jährlich Kokain zu konsumieren. Eine Abhängigkeit
verneinte er. Dieser Einschätzung steht entgegen, dass er den Kokainkonsum ab Ende
Februar trotz der am 22. Januar 2010 in Aussicht gestellten und am 18. Februar 2010
angeordneten verkehrsmedizinischen Untersuchung und der vereinbarten Abnahme
einer Haarprobe am 13. Juli 2010 nicht aussetzte. Dies bestätigt die in Literatur und
Rechtsprechung vertretene Auffassung, dass namentlich der Konsum von Kokain rasch
zu einer ausgeprägten psychischen Abhängigkeit führen kann (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 6A.8/2004 vom 9. März 2004, E. 2.3 mit Hinweis auf BGE 120 Ib 305
E. 4 mit weiteren Hinweisen). Auch wenn beim Rekurrenten noch keine eigentlich
Abhängigkeit im medizinischen Sinn festzustellen war, weist sein Verhalten daraufhin,
dass er seinen Kokainkonsum nur eingeschränkt kontrollieren kann.
Hinzu kommt der regelmässige Konsum von Alkohol. Auch die Angaben zum
Alkoholkonsum sind vage. In der verkehrsmedizinischen Untersuchung gab der
Rekurrent zunächst an, "in letzter Zeit" habe es keine grösseren Abstürze oder Konsum
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grösserer Alkoholmengen gegeben. Die Frage, ob es Zeiten mit vermehrtem
Alkoholkonsum gegeben habe, verneinte er jedoch. Während er angab, 1- bis maximal
2-mal wöchentlich vorzugsweise am Freitag oder Samstag im Ausgang jeweils 4 bis 5
kleine Bier à 33 cl zusammen mit Kollegen zu konsumieren, fanden die FiaZ-Ereignisse
der Jahre 2002 und 2005 jeweils unter der Woche – Dienstag, 14. Mai 2002, und
Donnerstag, 21. April 2005 – statt.
Ebensowenig sind die Angaben des Rekurrenten zum Cannabiskonsum konsistent. In
der polizeilichen Befragung vom 1. Januar 2010 gestand er einen regelmässigen
wöchentlichen Cannabiskonsum seit der Lehre ein. In der verkehrsmedizinischen
Untersuchung gab er einen unregelmässigen Cannabiskonsum von 1 bis 2 Joints alle 2
Wochen seit rund 5 Jahren an. Die vagen und teilweise widersprüchlichen
Schilderungen weisen daraufhin, dass der Rekurrent bestrebt ist, seinen Alkohol- und
Drogenkonsum in einem möglichst harmlosen Licht erscheinen zu lassen. Gleichzeitig
fällt auf, dass er den Mischkonsum vom 1. Januar 2010 nicht als ein Ausnahmeereignis
darstellte.
cc) Es ist davon auszugehen, dass der heute 26-jährige Rekurrent seit der Lehre, d.h.
seit rund 10 Jahren, regelmässig wöchentlich einmal Cannabis und seit 4 Jahren
regelmässig zumindest alle 2 Monate einmal Kokain konsumiert. Hinzu kommt der
regelmässige Konsum von Alkohol. Wie das Verhalten vom 1. Januar 2010 zeigt,
mischt der Rekurrent den Konsum verschiedener Sucht- und Betäubungsmittel. Diese
Konsumweise entspricht insbesondere dem Konsum von Kokain als "Partydroge",
indem Kokain zwar nur gelegentlich eingenommen, jedoch mit anderen psychotrop
wirkenden Substanzen, insbesondere mit Alkohol oder Cannabis, kombiniert wird (vgl.
I. Thiele, Neue Aspekte in der Fahreignungsbegutachtung beim Drogenkonsum, in:
Jahrbuch für Strassenverkehrsrecht 2005, St. Gallen 2005, S. 108). Nach der
Fachliteratur und der sich auf sie stützenden Rechtsprechung können Cannabis- und
Kokainkonsum zu einer Sucht führen, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen
ausschliesst (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.8/2004 vom 9. März 2004, E. 2.3). Der
mehrjährige Mischkonsum von Cannabis und Kokain, selbst wenn er nach den
Angaben des Betroffenen lediglich in begrenztem Rahmen (Haschisch "ab und zu"
durch Rauchen, Kokain "vielleicht einmal an einer Party" durch schnupfen) stattfindet,
stellt ein erhebliches Indiz für eine Cannabis- und Kokainsucht dar (vgl. Urteil des
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Bundesgerichts 6A.49/2000 vom 28. Juni 2000, E. 3c). Deshalb darf aus dem erstellten
mehrjährigen Konsum von Cannabis, Kokain und Alkohol auf eine erhebliche
Suchtgefährdung geschlossen werden. Indem der Rekurrent nach dem kombinierten
Konsum von Cannabis, Kokain und Alkohol – zwar im Zeitpunkt der Kontrolle in wieder
fahrfähigem Zustand, was die Konzentrationen der einzelnen Suchtmittel anbelangt –
einen Personenwagen gelenkt hat, zeigt sich, dass sein Suchtmittelkonsum die nahe
liegende Gefahr beinhaltet, verkehrsrelevant zu werden.
dd) Unter den dargelegten Umständen erscheint die Empfehlung in der
abschliessenden verkehrsmedizinischen Beurteilung vom 18. August 2010, die
Fahreignung bei Einhaltung einer Drogenabstinenz gemäss Merkblatt gutzuheissen,
nachvollziehbar, schlüssig und widerspruchsfrei.
d) Die Vorinstanz hat gestützt auf die verkehrsmedizinische Beurteilung den
Führerausweis des Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung vom 6. September
2010 mit der Auflage einer fachlich betreuten (Arzt, Suchtfachstelle und Institut für
Rechtsmedizin), vollständigen und kontrollierten Drogenabstinenz gemäss Info-Blatt
verknüpft. Die Aufhebung oder Lockerung der Auflagen soll frühestens in 12 Monaten
geprüft werden. In der verkehrsmedizinischen Begutachtung vom 18. Mai/18. August
2010 wird keine minimale Dauer der Abstinenzauflage festgelegt. Aus der
Rekurseingabe geht jedoch hervor, dass der Rekurrent zur Einhaltung einer einjährigen
Drogenabstinenz bereit ist.
Wie festgestellt hat der Rekurrent weder eine Drogenabhängigkeit noch einen
verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch zu überwinden. Vielmehr soll die
Abstinenzauflage die erhöhte Suchtgefährdung, für welche die verkehrsmedizinische
Begutachtung deutliche Anhaltspunkte festgestellt hat, bannen. Unter diesen
Umständen ist fraglich, ob die Kontrolle des Nachweises der 12-monatigen
Drogenabstinenz gleichermassen engmaschig sein muss wie bei Personen, bei denen
eine Drogensucht im verkehrsrechtlichen Sinn festgestellt wurde. Eine engmaschige
Abstinenzkontrolle dient in erster Linie dazu, bei Personen, die im Verkehr im
Zusammenhang mit dem Konsum von Alkohol oder Drogen aufgefallen sind und nach
einem Sicherungsentzug auf unbestimmte Zeit wieder in den Besitz des
Führerausweises gelangen, einen Rückfall in ein früheres Konsumverhalten möglichst
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schnell festzustellen. Angesichts der Vorgeschichte des Rekurrenten, der bisher nie
wegen Fahrens in einem fahrunfähigen Zustand wegen Drogenkonsums strafrechtlich
belangt worden ist, erscheint eine derart enge Kontrolle der Abstinenz weder
erforderlich noch angemessen. Da ein Drogenkonsum – und damit die Verletzung der
Abstinenzverpflichtung – mittels Haaranalyse auf einen grösseren zurückliegenden
Zeitraum relativ zuverlässig festgestellt werden kann, erweist es sich als genügend,
wenn dem Rekurrenten zum Nachweis seiner Drogenabstinenz jeweils nach 6 Monaten
eine Haarprobe zur Analyse abgenommen wird. Zudem erweist sich auch eine
Betreuung durch eine Suchtberatungsstelle nicht als verhältnismässig, zumal im
verkehrsmedizinischen Gutachten von einem "Gelegenheitskonsum" und nicht von
einer Abhängigkeit oder einem verkehrsrelevanten Missbrauch ausgegangen wird.
Die Vorinstanz wird dementsprechend ein allfälliges Gesuch um Lockerung oder
Aufhebung der Auflagen im April 2011 anhand der Ergebnisse der Haaranalysen und
einer verkehrsmedizinischen Beurteilung zu prüfen haben.
e) Soweit auf den Rekurs eingetreten werden kann, ist er dementsprechend teilweise
gutzuheissen. Ziff. 1 lit. a und b des Dispositivs der angefochtenen Verfügung sind
aufzuheben. Der Führerausweis des Rekurrenten ist mit der Auflage einer durch
halbjährliche Haaranalysen kontrollierten Drogenabstinenz zu verknüpfen.
3.- Mit den Auflagen soll sichergestellt werden, dass der Rekurrent zum Schutz der
Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer nur in fahrfähigem Zustand ein
Motorfahrzeug lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, müsste der Rekurrent die Auflagen
nicht einhalten. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten zur Hälfte dem
Rekurrenten aufzuerlegen; die andere Hälfte der Kosten trägt der Staat (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 1'500.-- ist zu verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrenten
Fr. 750.-- zurückzuerstatten.