Decision ID: 6299cf2f-d843-472c-b70c-bd2cc2aade9e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983,
war ab
1.
März 2008 in einem bis längstens Oktober 2008 dauernden Arbeitsverhältnis im Bereich Sicherheitsadministration und Unterhaltsarbeiten beim Club
Y._ (Z._
) angestellt (
Urk.
15/5/3) und damit bei der AXA Versicherungen AG gegen Unfälle ver
sichert. Am 2
3.
Mai 2008 wurde der Versicherte fristlos entlassen (
Urk.
15/5/2), arbeitete indes am
7.
Juni 2008 noch einmal im Betrieb, um «seinen» geplanten Event durchzuführen (
Urk.
15/5/1
). In den Morgenstunden des
8.
Juni 2008 erlitt er einen Unfall, als er zum DJ-Pult hochsteigen wollte und die drei Meter hohe Treppe hinunterfiel (
Urk.
15/1 und
Urk.
15/5/1).
Die AXA trat auf den Schaden ein und erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
Nach einer Erstkonsultation
am 1
7.
Juni 2008
bei
Dr.
med.
A._
(
Urk.
16/M3)
diagnostizierte d
ie nachbehandelnde
Dr.
med.
B._
,
Fachärztin für Allgemein
medizin FMH, aufgrund eines MRI vom
9.
Juli 2008
am linken Knie
eine Destruk
tion des Innenmeniskusvorderhornes, eine Zerrung mit möglicher leichtgradiger Teilruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB), einen Totalausriss des Aussenbandes am
fibulären
Ansatz, eine diskrete Partialruptur des Innenbandes
femero
ventral,
kleine
nicht dislozierte Frakturlinien im medialen
Femurcondylus
ventro
medial sowie einen diskreten Erguss mit diskreter
Bakerzyste
(Bericht vom 1
5.
Juli 2008,
Urk.
16/M1). Am 1
3.
August 2008 erfolgte eine
Kniearthroskopie links mit
late
rale
r
Teilmeniskektomie
sowie
Plicaresektion
samt
Shaving
(Operationsbericht vom 2
0.
August 2008,
Urk.
16/M6). Am 1
5.
Oktober 2008 folgte eine
Knie
arthroskopie
links mit medialer
Teilmeniskektomie
und partieller
Synovektomie
sowie eine Auss
en
bandrekonstruktion mit
Semitend
in
osussehne
(proximale und distale Fixation mittels Bio-Cork-
Screw
, Operationsbericht vom 1
7.
Oktober 2008,
Urk.
16/M9).
Bei rezidivierenden Beschwerden wurde nach einem Jahr am 2
1.
Oktober 2009 erneut eine Kniearthroskopie
links
mit lateraler
Teilmeniskekto
mie
,
Plica
medio- und
lateropatellaris
-Teilresektion sowie eine partielle
Synovek
tomie
vorgenommen (Austrittsbericht vom 2
9.
Oktober 2009,
Urk.
16/M16b).
Der behandelnde
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie FMH, attestierte dem mittlerweile als Sicherheitschef in einer Sicherheitsfirma tätigen Beschwerdeführer ab
1.
Februar 2010 eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit und erwartete keinen bleibenden Nachteil (Bericht vom
4.
Februar 2010,
Urk.
16/M19).
Die AXA stellte die Ausrichtung ihrer Leistungen per 3
1.
Januar 2010 ein (
Urk.
15/32).
1.2
Am 1
7.
Juli 2012
stiess
der Versicherte auf Inline-Skates mit einem Motorrad zusammen und stürzte
;
am 2
2.
Februar 2015 knickte er beim Aussteigen aus dem Auto mit dem linken Knie ein. Die zuständige Unfallversicherung Suva erbrachte für beide Unfälle die gesetzlichen Leistungen und stellte diese per 3
1.
März 2016 ein.
Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Versicherte in einer IV-Massnahme, welche per 3
0.
April 2016 abgebrochen wurde (
Urk.
2 S. 2 und
Urk.
15/118 S. 1).
1.3
Am 2
9.
August 2014 (
Urk.
15/35)
hatte
der Versicherte die AXA um Kosten
gutsprache für eine anstehende Operation vom
4.
September 2014
ersucht
(Meniskus, Innenbandanriss).
Die AXA prüfte die Ansprüche nach Leistungs
einstellung durch die Suva ab
1.
April 2016 (
Urk.
15/118 S. 1). Dazu tätigte sie medizinische und erwerbliche Abklärungen
.
Mit Verfügung vom 2
9.
September 2016 (
Urk.
15/118) gewährte sie Heilbehandlung das linke Knie betreffend ab
1.
April 2016, verneinte indes einen Taggeldanspruch
. Zudem
sprach sie dem Versicherten eine Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätsein
busse von 10
%
zu, welche sie mit Einspracheentscheid vom 2
8.
März 2017 (
Urk.
15/140) auf 15
%
erhöhte.
Mit Verfügung vom 2
2.
Mai 2018
(
Urk.
15/180)
stellte die AXA die Heil
behand
l
ungskosten per 3
1.
Mai 2018 ein und verneinte einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
Die dagegen am 2
1.
Juni 2018 (
Urk.
15/187) erhobene Einsprache (vgl. auch Stellungnahme vom
1.
Juli 2019,
Urk.
15/204) wies die AXA mit Ent
scheid vom 1
1.
Juli 2019 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 1
0.
September 2019 Beschwerde und ersuchte um Zusprache einer Invalidenrente sowie einer höheren Integritäts
ent
schädigung samt Weitergewährung der Heilbehandlung über den 3
1.
Mai 2018 hinaus, sodann sei ein verwaltungsexternes Gutachten zur Frage des Kausal
zusammenhangs und des Integritätsschadens in Auftrag zu geben. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels sowie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie Rechts
vertretung (
Urk.
1 S. 2-3).
Die AXA schloss am 1
3.
Januar 2020 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
1 S. 3).
Mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
Januar 2020 (
Urk.
17) wurde dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin Stephanie C. Elms, Zug, als unent
geltliche Rechtsvertreterin für das
vorliegende
Verfahren
bestellt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Der Beschwerdeführer liess sich in der Folge nicht mehr vernehmen (
Urk.
19-22), was den Parteien am
3.
Juni 2020 (
Urk.
23) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
ent
sprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 3
1.
Mai 2008 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Aus
serdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Ver
unfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
li
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
den
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung
entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
mass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3). In diesem Zeit
punkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
454/2014 vom 2. September 2014 E. 6.3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der ver
sicherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Fest
stellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2. Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE 134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
1.
5
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts,
ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG
in der vorliegend anwendbaren, bis 3
1.
Dezember 2017 geltenden Fassung).
Invali
dität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil
weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invali
ditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeits
marktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.
6
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE
125 V 351 E.
3b
/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
im angefochtenen Einspracheentscheid weitere Ansprüche des Beschwerdeführers mit der Begründung, ein natürlich kausaler Zusammenhang der geklagten Kniebeschwerden zum Unfall vom
8.
Juni 2008 könne
nicht mehr mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlich
keit nachgewiesen werden. Darüber hinaus ergebe ein Einkommens
vergleich einen Invaliditätsgrad von lediglich 5
%
(
Urk.
2 S. 10
Ziff.
2.3.2.5 und S. 13
Ziff.
2.3.3.8).
2.2
Der Beschwerdeführer hielt da
gegen, die Versicherungsmedizine
r seien sich uneinig über den natürlichen Kausalzusammenhang. Zudem lägen neue, von der Beschwerdegegnerin nicht
berücksichtigte
medizinische
Unterlagen
vor, welche
es zwingend zu würdigen gelte (
Urk.
1 S. 11
Ziff.
29).
Sodann ging er - aus näher dargelegten Gründen - von einem Invaliditätsgrad von 41
%
aus (S. 14 f.
Ziff.
38).
3.
3.1
Basis der ursprünglichen Leistungseinstellung bildete der Bericht von
Dr.
C._
vom
4.
Februar 2010 (
Urk.
16/M19), womit dieser einen Status nach Aussenband
rekonstruktion mit
Semitendinosussehne
, medialer
Teilmeniskektomie
und partieller
Synovektomie
am 1
5.
Oktober 2008
sowie einen Status nach Knie
arthroskopie links mit lateraler
Teilmeniskektomie
, partieller
Synovektomie
,
Plica
medio- und
lateropatellaris
-Teilresektion am 2
1.
Oktober 2009 diagnostizierte.
Er führte aus, der Beschwerdeführer gebe aktuell eine deutliche Beschwerde
besserung an, klinisch zeige sich eine FL/EX von 125-0-0 bei stabilem Knie, Schmerzen liessen sich praktisch keine auslösen.
Er empfahl die Fortsetzung der Physiotherapie mit Stabilisationsübungen und attestierte eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit ab
1.
Februar 201
0.
Einen bleibenden Nachteil erwartete er nicht.
3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, Stv. Leiter Medizinischer Dienst der Beschwerdegegnerin, bejahte in seinem Bericht
vom
1
5.
September 2016 (
Urk.
16/M33) einen Zusammenhang der
vorliegenden
Knieinstabilität mit dem Unfall vom
8.
Juni 2008
(S. 1). Durch die mediale und laterale Instabilität sei die Belastungsfähigkeit des linken Knies reduziert. Eine entsprechend angepasste Tätigkeit sei zu 100
%
zumutbar (S. 2).
3.3
Dr.
med.
E._
, Spezialarzt FMH Chirurgie,
beratender Arzt der Beschwerde
gegnerin, führte am
7.
Februar 2017 (
Urk.
16/M38) aus, das Ereignis vom
8.
Juni 2008 habe zu Rupturen des medialen- und des lateralen Seitenbandes am linken Kniegelenk geführt sowie zu einer kleinen partiellen vorderen Kreuzbandruptur, die sich stabilitätsmässig auswirke. Als Vorzustand liege eine Situation nach offener medialer
Teilmeniskektomie
2001 am linken Kniegelenk vor. Zum Zeit
punkt der Kniearthroskopie sei der mediale Meniskus unauffällig gewesen, ebenso die Knorpelflächen im medialen Gelenkkompartiment. Auch im lateralen Kompartiment habe sich eine regelrechte Knorpelsituation gefunden und am Meniskus habe sich lediglich ein kleiner
Radiärriss
gezeigt, der
wahrscheinlich
in Zusammenhang mit dem Unfall zu stellen sei. Bedingt durch die frühere
Teil
meniskektomie
medial und die durch das Ereignis zusätzli
c
h hinzuge
kommene mediale und laterale Gelenkinstabilität sei davon auszugehen, dass es sich um
eine
richtunggebende Verschlimmerung eines bis anhin offensichtlich gut kompensierten Kniegelenks handle. In
diesem
Sinne sei der heutige Zustand am
linken Kniegelenk mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Ereignis vom
8.
Juni 2008 (S. 1).
3.4
Am
4.
Mai 2018 (
Urk.
16/M49) ergänzte
Dr.
D._
,
mit
einer weiteren Behand
l
ung könne keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes
erreicht werden. Seit Jahren zeige sich eine unveränderte Beschwerdesymptomatik. Entsprechend sei auch die Behandlung vom behandelnden Orthopäden abgeschlossen worden (vgl.
hierzu Bericht von
Dr.
C._
vom
2.
März 2018,
Urk.
16/M48).
3.
5
Im polydis
ziplinären Gutachten der F._
AG vom 2
0.
Mai 2018 (
Urk.
16/M53/1) diagnostizierte der Teilgutachter
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädie und Rheumatologie,
mit Bezug auf das linke Knie eine
Gonalgie
ohne klinisches Korrelat sowie - ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - einen Zustand nach Komplextrauma mit Totalruptur des Ligamentum kollaterale late
rale, Partialruptur des Ligamentum kollaterale mediale, nochmaliger Kniegelenk
korrektur am
7.
Juli 2012, sowie Distorsion am
2.
Februar 2015 mit multiplen nachfolgenden Operationen und zuletzt Kniearthroskopie
links am 5.
März 2015 mit
Teilmeniskektomie
des
Innenmeniskushinterhorns
ohne heute erkennbare funktionelle Einschränkung des linken Kniegelenkes. Er befand sämtliche Arbeiten im Wechsel von Stehen, Gehen und Sitzen ohne einseitige ständige Belastung der Lendenwirbelsäule oder ständiges Stehen als vollschichtig zumut
bar.
Dr.
G._
führte weiter aus, es bestehe eine erhebliche Diskrepanz zwischen den teilweise aggressiv und vorwerfend vorgetragenen Schmerzen im Bereich des linken Kniegelenkes und den objektiven Befunden. Auch wenn zweifelsohne sehr viele Operationen am linken Kniegelenk durchgeführt worden seien, sei nicht nachvollziehbar, dass sämtliche Eingriffe grundsätzlich hätten wertlos gewesen sein sollen und keinerlei Besserung gebracht hätten. Die klinische Untersuchung zeige ein völlig unauffälliges linkes Kniegelenk. Es blieben lediglich die vom Beschwerdeführer geklagten «heftigsten» Schmerzen, wobei er auch den Untersu
cher deutlich anfahre, als dieser überhaupt das Kniegelenk nur anfasse. Später sei er jedoch in der Lage gewesen, problemlos seine Strümpfe beziehungsweise Schuhe mit maximal gebeugten Kniegelenken anzuziehen ohne hierbei Aus
weichbewegungen oder Auffälligkeiten erkennen zu lassen. Ebenso zeige das Knie keine Rötung, Überwärmung oder irgendwelche Anhalte für einen Reiz
zustand. Der Bandapparat sei bei der Untersuchung stabil (S. 56 f.).
3.
6
D
er beratende Arzt der Beschwerdegegnerin,
Dr.
med.
H._
, FMH Orthopädi
sche Chirurgie,
führte in seiner Aktenbeurteilung vom
4.
März 2019 (
Urk.
16/M55)
aus, nach dem Treppensturz habe sich der Beschwerdeführer erst nach mindestens neun Tagen in allgemeinmedizinische Behandlung begeben.
Der dabei erhobene Befund
habe auf eine stattgehabte laterale Kniekontusion hin
ge
wiesen, worauf eine konservative Behandlung erfolgt sei. Bei persistierenden Schmerzen habe am
8.
Juli 2008 eine zweite allgemein
medizinische Unter
su
chung stattgefunden, bei welcher der Verdacht auf eine Meniskusläsion gestellt worden sei. In einer folgenden MRT-Untersuchung hätten sich dafür zwar keine Hinweise ergeben, aber es hätten sich ein
bone
bruise
am medialen
Femur
kondylus
als Zeichen eines stattgeh
a
bten Traumas und ein Status nach Resektion des medialen Meniskusvorderhorns ohne Hinweis auf eine erneute Läsion finden lassen
, was vom klinischen Befund her insgesamt sehr gut eine mediale Meniskusläsion imitieren könne.
Zusätzlich sei von radiologischer Seite her eine vollständige LCL-Ruptur (Aussenband)
diagnostiziert worden, für deren tatsäch
liches Vorliegen sich aber erhebliche Zweifel ergäben. Erstens sei es kaum vor
stellbar, wie der Beschwerdeführerin mit einer derartigen Pathologie ohne Hilfs
mittel überhaupt ohne ein schweres Hinken hätte gehen können, doch sei ein so
l
ches in der Anfangsphase nicht dokumentiert. Zweitens habe
Dr.
A._
anlässlich seiner Erstuntersuchung keine Bandinstabilität und auch
Dr.
B._
habe zumindest in der Anmeldung zur MRT vom
9.
Juli 2008 mit keinem Wort eine derartige Verletzung erwähnt. Dritten
s
habe
Dr.
I._
anlässlich einer Untersuchung in Narkose, wo sämtliche schmerzbedingt hemmenden Faktoren ausgeschaltet seien, ein stabiles Kniegelenk beschrieben, was eine relevante LCL
Läsion weitgehend ausschliesse. Viertens sei eine LCL-Ruptur in seinem Ver
ständnis der MRT-Bilder vom 1
9.
September 2008 gar nicht abgrenzbar, obwohl sie vom Radiologen auch dann noch als vorliegend beschrieben werde. Anlässlich einer Arthroskopie vom 1
3.
August 2008 habe sich dann ein nahezu
blander
Befund ohne Hinweise auf eine mechanisch relevante frische Läsion an Menisken, Knorpel oder Bändern gezeigt. Selbst wenn man davon ausginge, dass eine kleine randständige und mechanisch wahrscheinlich vollkommen bedeutungslose late
rale Meniskusläsion bei diesem Ereignis entstanden sei, dann wären mit dem Ein
griff vom 1
3.
August 2008 sämtliche unfallkausal entstandenen Schäden defini
tiv behoben worden. Auch in der Annahme, es sei beim Ereignis vom
8.
Juni 2008 zu einer operationswürdigen LCL-Läsion gekommen,
wäre spätestens mit dem Abschluss der Behandlung durch
Dr.
C._
am 2
3.
Oktober 2010
ein
defi
nitiver medizinischer Endzustand erreicht worden.
Bezüglich dieser Problematik zeigten sich wieder vollkommen stabile Verhältnisse, die bis heute bestätigt werden könnten (S. 6 f.).
Dr.
H._
erachtete für das aktuelle Zustandsbild den Umstand als wesentlich, dass beim Beschwerdeführer bereits 2001 eine partielle mediale
Meniskektomie
erfolgt sei, welche das gesamte Vorderhorn umfasst habe. Dies habe einerseits zu einer chronischen Überlastung des medialen Kompartimen
te
s mit
ei
n
er
entspre
chend übermässigen Belastung des Knorpelbelages daselbst geführt. Anderseits habe dadurch eine gewisse mediolaterale Instabilität resultiert, da der Meniskus auch dafür eine wesentliche Funktion habe.
Dies erkläre schlüssig, warum bei den Untersuchungen nach dem Trauma vom
8.
Juni 2008 zwischenzeitlich eine leicht vermehrte seitliche Aufklappbarkeit erwähnt worden sei, die überwiegend wahr
scheinlich auf den schon prätraumatisch fehlenden medialen Meniskusanteil und nicht auf eine relevante frische Läsion des LCL zurückzuführen gewes
e
n sei. Unabhängig von diesen Überlegungen sei festzuhalten, dass es beim erlittenen Treppensturz im medialen Kompartiment lediglich zum Auftreten eines
bone
bruise
am
Femurkondylus
gekommen sei, das ohne weitere Behandlung inner
t
höchstens sechs Monaten folgenlos ausgeheilt sei. Sämtliche folgenden Probleme im medialen Gelenkanteil müssten somit als im Zusammenhang mit dem bereits prätraumatisch bestehenden pathologischen Vorzustand oder als Folge von später eingetretenen Ereignissen beurteilt werden, wie sie ab 2014 wiederholt aufgezählt worden seien (Kollision mit Töff sowie Sturz samt Operationen:
m
ediale Meniskusnaht vom
4.
September 2014 sowie mediale
Teilmeniskektomie
vom
5.
März 2015
). Das Ereignis vom
8.
Juni 2008, bei dem es überwiegend wahr
scheinlich gar nicht zu potentiell dauerhaften strukturellen Verletzungen gekommen sei oder von dem im mindesten das mediale Kompartiment nicht in erkennbarer Weise betroffen worden sei, spiele hingegen überwiegend wahr
scheinlich auch teilkausal keine Rolle (S. 7 f.).
3.
7
Mit Austrittsbericht vom
8.
April 2019 (
Urk.
3/3)
diagnostizierten
die Ärzte
der Universitätsklinik J._
in Bezug auf das linke Knie eine Überlastung mediales Kompartiment bei beginnenden degenerativen Veränderungen mit/bei
Varusachse
von 8 Grad, Status nach Kniearthroskopie links mit medialer
Teil
meniskektomie
am
5.
März 2015, Status nach Kniearthroskopie mit medialer Meniskusnaht am
4.
September 2014 und Status nach Kniearthroskopie mit medialer
Teilmeniskektomie
und partieller
Synove
k
tomie
sowie Aussenband
rekonstruktion mit
Semitendinosussehne
am 1
5.
Oktober 200
8.
Sie verwiesen auf
die am
3.
A
pril 2019 durchgeführte mediale open-
wedge
Valgisationsosteotomie
Tibiakopf
links sowie die distal auslaufende
Tuberositas
-
Osteotomie mit Fixation der
Tuberositas
.
Anlässlich der Verlaufskontrolle sechs Wochen postoperativ zeigte sich ein
Hin
gebruch
bei ansonsten regelrechtem konventionellem Röntgenbild mit beginnen
der Konsolidation. Bei nur teilweiser Einhaltung der Teilbelastung wurde dies thematisiert unter Hinweis, dass der Knochen genügend Zeit braucht, um zu konsolidieren (Bericht vom 1
4.
Mai 2019,
Urk.
3/4).
3.8
Dr.
H._
führte am 2
7.
Dezember 2019 (
Urk.
16/M58) hierzu aus,
in
diese
n
neuen Berichte
n würden keine neuen Informationen geliefert, welche einen aus
reichenden Grund für eine veränderte
Beurteilung
eines kausalen Zusammen
hangs zwischen dem Ereignis vom
8.
Juni 2008 und den nachfolgend erhobenen
pathomorphologischen
Befunden gäben. Dies gelte insbesondere deshalb, weil keine zuvor nicht bekannten Akten aus der ersten Phase nach dem vom
Beschwerdeführer
erlittenen Unfall aufgetaucht seien, die zuvor nicht bekannte Aspekte in Bezug auf die Kausalitätsfrage beleuchteten (S. 1).
4.
4.1
Die von den Parteien ins Zentrum gerückte Frage der Kausalität der verbleibenden Restbeschwerden ist in Bezug auf das Erkenntnis der Beschwerdegegnerin, die Versicherungsleistungen per 3
1.
Mai 2018 einzustellen,
aus folgenden
Gründen ohne weitere B
edeutung.
4.2
Dass nach dem 3
1.
Mai 2018 von einer von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden konnte, machte nicht einmal der Beschwerdeführer geltend. Solches wäre angesichts der medizinischen Aktenlage auch abwegig.
Dr.
D._
ging bereits am 1
5.
September 2016 davon aus, dass trotz vorliegender Knieinstabilität eine angepasste Tätigkeit vollumfänglich zumutbar
ist (
E. 3.
2
). Am
4.
Mai 2018 kon
statierte er, dass
angesichts der seit Jahren unveränderten Beschwerde
sympto
matik mit
einer weiteren Behandlung keine namhafte Besserung des Gesund
heits
zustandes erreicht werden kann
und verwies auf den bereits erfolgten Behandlungsabschluss durch den Orthopäden (E. 3.4)
.
Auch die Abklärungen der Invalidenversicherung ergaben, dass eine angepasste Tätigkeit vollschichtig zumutbar ist, dies bei
stabilem Bandapparat und
fehlender Rötung
oder
Über
wärmung
sowie keinen
Anhalte
n für einen Reizzustand
(E. 3.5)
. Therapeutisch war
kein nennenswerter Handlungsbedarf gegeben; empfohlen wurden lediglich psychiatrische Kontrollen (
Urk.
16/M53/1 S. 71 unten und orthopädisches Teil
gutachten S. 16 unten).
4.3
Bei dieser Ausgangslage ist erstellt, dass von einer weiteren Behandlung des linken Knies keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit mehr erwartet werden konnte.
Die Verhältnisse zeigten sich unauffällig und den Restbeschwerden wurde durch die Formulierung des Stellenprofils Rechnung getragen. Dass durch weitere Massnahmen jemals wieder kniebelastende Tätigkeiten möglich werden könnten, wurde von keinem Arzt erwähnt. Eine solche Arbeit hatte der Beschwerdeführer denn auch vor dem Unfall seit längerer Zeit nicht mehr ausgeübt.
Damit ist der Fallabschluss per 3
1.
Mai 2018 nicht zu beanstanden, weshalb ab diesem Zeitpunkt kein Anspruch auf Heilbehandlung mehr bestand.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin bemass das
Validen- wie auch das Invalideneinkommen gestützt auf die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik im Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art) und gewährte beim Invalideneinkommen einen Abzug von 5
%
aufgrund der leichten Einschränkun
gen (
Urk.
2 S. 12 f.), womit ein entsprechender Invaliditätsgrad resultierte.
Der Beschwerdeführer schloss dagegen, dass er im Gesundheitsfall weiterhin im Sicherheitsbereich tätig wäre und dabei ein Einkommen von
Fr.
92'837.-- erzielen könnte, dies basierend auf den Werten der Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 Tabelle T17, Berufsgruppe Schutzkräfte und Sicherheitsbedienstete.
5.2
Der Beschwerdeführer absolvierte eine Lehre als Zimmermann, schloss diese jedoch nicht ab (
Urk.
15/75). Der Auszug aus dem individuellen Konto zeigt bis zum Unfall verschiedene Tätigkeiten des Beschwerdeführers mit Einkommen von
maximal
Fr.
37'681.--
pro Jahr (
Urk.
15/57).
Die Tätigkeit als Sicherheits
administrator wurde ihm nach knapp drei Monaten per 2
3.
Mai 2008 fristlos gekündigt (
Urk.
15/5/1-3).
Nach der Genesung und dem Fallabschluss per 3
1.
Januar 2010
übte er wiederum verschiedene Tätigkeiten aus. So war er vor
nehmlich temporär angestellt, wobei er in der Zeitspanne bis 2014 als maximales Einkommen
Fr.
45'666.-- erzielte (Jahr 2011,
Urk.
15/77). Die Einsätze fanden (
zum Teil
bereits vor Fallabschluss) in den Bereichen Bauarbeiter,
Holzbau
arbeiter,
Mitarbeiter K._, Sicherheitschef K._
und
Winterdien
s
tmit
arbeiter
statt
(
Urk.
15/59
,
Urk.
15/63
und
Urk.
15/80
). In d
er Folge wurde er von der L._ AG
fest angestellt (
Urk.
15/80 S. 3).
Bei dieser Ausgangslage ist nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer bei intakter Gesundheit im massgebenden Zeitpunkt am
1.
Juni 2018 eine Tätigkeit im Sicherheitsbereich ausgeübt und dabei ein Einkommen in Höhe des Doppelten des bisherigen Höchstverdienstes erzielt hätte. Aus der Erwerbsbiographie ergibt sich, dass der Beschwerdeführer jeweils Tätigkeiten als Hilfsarbeiter ausübte und
hauptsächlich temporär angestellt war. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wäre dies auch im Jahr 2018 der Fall gewesen.
Angesichts der fehlenden (abge
schlossenen) Ausbildung und fehlender langjähriger Erfahrung in anderen Berei
chen kamen für den Beschwerdeführer lediglich einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in F
rage (vgl. hierzu auch Urteil des Bundesgerichts 8C_457/2017 vom 1
1.
Oktober 2017 E. 6.3).
5.3
Gleiches gilt für das Invalideneinkommen. Auch diesbezüglich
kommen für den
Beschwerdeführer einfache Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art in Frage, weshalb sich das identische Inv
a
lideneinkommen ergibt, abgesehen vom Tabellenlohnabzug. Die Beschwerdegegnerin gewährte einen solchen von 5
%
(
Urk.
2 S. 13), der Beschwerdeführer schloss auf einen Abzug von 15
%
(
Urk.
1 S.
12 ff.).
Dem Beschwerdeführer sind
sämtliche Arbeiten im Wechsel von Stehen, Gehen und Sitzen ohne einseitige ständige Belastung der Lendenwirbelsäule oder ständiges Stehen als vollschichtig zumutbar (E. 3.5), wobei die Einschränkungen aufgrund der Rückenproblematik nicht unfallkausal sind.
Damit verbleibt dem Beschwerdeführer ein breites Einsatzgebiet
. Wenn r
echtsprechungsgemäss
der Umstand
allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug
ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen), dann umso weniger die Notwendig
keit von abwechselnden Körperpositionen.
Dass sich die Deklaration der Knieproblematik einem Arbeitgeber gegenüber negativ auswirkten sollte (vgl.
das entsprechende Vorbringen,
Urk.
1 S. 13 f.), ist nicht anzunehmen, sind doch die
relevanten
Auswirkungen in den für den Beschwerdeführer in Frage kommenden Tätigkeiten
praktisch
inexistent.
Auch wenn auf das von
Dr.
D._
am
4.
Mai 2018 (
Urk.
16/M49) formulierte Zumutbarkeitsprofil abgestellt würde, ergäbe sich kein anderes Ergebnis. Er konstatierte eine verminderte Belastbarkeit für regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für
Arbeiten
auf Leitern und
Gerüsten
, häufiges Treppensteigen, für
ausschliesslich
stehende und gehende Tätigkeiten, für Tätigkeiten mit der Notwendigkeit von regelmässigem Knien und Kauern sowie für Arbeiten mit erhöhten Anforderun
gen an die Stand- und Gangsicherheit. Eine Tätigkeit müsse überwiegend sitzend mit leichter Wechselbelastung, teils sitzend, teils ebenerdig gehend, auch mit gelegentlichem Heben und Tragen von Lasten bis 15 kg körpernah ausgestaltet sein. Auch diese Einschränkungen der Leistungsfähigkeit sind nicht derart, als dass der Beschwerdeführer mit einem verminderten Lohn rechnen müsste.
Wenn die Beschwerdegegnerin bei dieser Ausgangslage einen Tabellenlohnabzug von 5
%
gewährte, ist dies - jedenfalls aus Sicht des Beschwerdeführers - nicht zu beanstanden, zumal das Gericht sein Ermessen nicht an die Stelle der Verwal
tung setzen darf und nur bei Unangemessenheit einschreitet (BGE 137 V
71 E.
5.1).
5.4
Damit ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 5
%
, was unter der anspruchs
be
gründenden Schwelle von 10
%
(
Art.
18
Abs.
1
UVG) liegt.
6.
Die Höhe der Integritätsentschädigung legte die Beschwerdegegnerin mit rechts
kräftigem Einspracheentscheid vom 2
8.
März 2017 (
Urk.
15/140) auf 15
%
fest. In der
diesem Verfahren
zugrundeliegenden
Verfügung vom 2
2.
Mai 2018 (
Urk.
15/180) war die Höhe der Integritätsentschädigung kein Thema. Im ange
fochtenen Einspracheentscheid nahm die Beschwerdegegnerin diese Frage unter Hinweis auf die fehlende Kausalität nicht mehr auf (
Urk.
2 S. 14 unten).
Angesichts der fehlenden verfügungsmässigen Festlegung und der fehlenden
inhaltlichen
Auseinandersetzung der Beschwerdegegnerin im Einsprache
ent
scheid rechtfertigt sich eine Ausdehnung des Streitgegenstandes
in diesem Pro
zess
nicht, weshalb insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten ist.
Anzufügen bleibt, dass
eine
Revision nur im Ausnahmefall möglich
ist
, wenn die Ver
schlimmerung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war.
Wie es sich damit verhält, ist nicht in diesem Verfahren zu klären.
7.
7.1
Nach dem rechtmässigen Fallabschluss per 3
1.
Mai 2018 verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, so dass eine erneute Operation a
m
linken Knie nötig wurde. Namentlich die Korrektur der
Varusachse
in Folge der Überlastung des medialen Kompartimentes erscheint als massgebliche Ver
ände
rung des vorgängig als stabil erachteten Zustandes. Damit könnte - bei gegebener Kausa
lität - ein Rückfall vorliegen.
7.2
Zur umstrittenen Kausalität der weiterhin geklagten Kniebeschwerden ist den Akten zu entnehmen, dass einzig
Dr.
H._
davon ausging, dass sich der Beschwerdeführer beim Unfall höchstens eine vollkommen bedeutungslose late
rale Meniskusläsion, hingegen keine Seitenband-Läsion zugezogen hat.
Seine
diesbezüglichen
Begründungen sind wohl überwiegend nachvollziehbar. Insbe
sondere der Hinweis, dass sich der Beschwerdeführer erst nach geraumer Zeit in ärztliche Behandlung begeben hat
und bei dieser Pathologie kaum ohne Hinken
hätte gehen können, erscheint als schlüssig. Auch die fehlende festgestellte Band
instabilität durch
Dr.
A._
bei seiner Erstuntersuchung (
Urk.
16/M3) spricht gegen eine Seitenbandläsion
, ebenso
wie das am 1
3.
August 2008 in Narkose stabile Kniegelenk (
Urk.
16/M6).
Unerklärlich bleibt bei dieser Annahme indes die am 1
5.
Oktober 2008 durchge
führte Aussenbandrekonstruktion (
Urk.
16/M9). Neben der kleinen Meniskus
läsion, welche mittels
Teilmeniskektomie
im
Intermediärbereich
behandelt wurde, schilderte
Operat
e
ur
Dr.
C._
im Ope
r
ationsbericht einen Riss des Aussenbandes vor allem im distalen Bereich 1 cm proximal des
Fibulaköp
f
chens
und beschrieb den Vorgang zur Sanierung. Die von ihm erwähnte massive Instabilität im Zeit
punkt der ersten Operation vom 1
3.
August 2008 (S. 1 oben, unter anderem
Teil
meniskektomie
) findet sich im entsprechenden Operationsbericht
allerdings
nicht erwähnt (
Urk.
16/M6).
Im Gegenteil zeigte sich unter Narkose ein stabiles Knie
gelenk (S. 2 oben). Wie dem auch sei, bestätigte sich anlässlich der Operation die radiologische Einschätzung eines Aussenbandausrisses (
Urk.
16/M7). Dass sich diese zufällig nach dem Unfallereignis und unabhängig davon eingestellt haben sollte
,
ist ebenso abwegig wie die allfällig
e
Annahme, der Operationsbericht von
Dr.
C._
wie auch die radiologische Einschätzung seien fehlerhaft, was die Beschwerdegegnerin denn auch nicht geltend machte.
Angesichts dieser Umstände ist offenkundig, dass der Einschätzung von
Dr.
H._
Zweifel anhaf
ten. Damit kann darauf nicht abgestellt werden.
7.3
Erstellt
ist,
dass sich der Beschwerdeführer neben der kleinen Meniskusläsion eine Seitenbandruptur
zuzog
, welche beide operativ saniert wurden.
In der Folge klagte
er
wohl über Beschwerden,
bei Erreichen des Endzustandes bestand indes wieder eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit
.
Hieraus kann nun nicht gefolgert werden, dass die weitere Entwicklung des Zustandes des linken Knies unfallunabhängig erfolgte.
Ob die aktenkundigen Verletzungen geeignet waren, die
Varusfehlstellung
zu begründen
,
zu ver
schlimmern oder die Folgen davon zu verstärken, kann aufgrund der Aktenlage nicht entschieden werden. Insbesondere aufgrund des Umstandes,
dass per 3
1.
Ja
nuar 2010 die Leistungseinstellung bei geglückten Operationen und vollumfäng
licher Arbeitsfähigkeit erfolgte und der behandelnde Orthopäde keinen bleiben
den Nachteil erwartete, erscheint
bei Vorzustand sowie
nach zwei
weitere
n erlittenen
Unfälle
nicht ohne weiteres nachvollziehbar, dass der Unfall vom
8.
Juni 2008 ursächlich
für die zur Diskussion stehende Behandlungsbedürftigkeit (
Valgisat
ionsosteotomie
)
war
.
Gleichwohl war bei dieser Aktenlage nicht statthaft, dass
die Beschwerdegegnerin das künftige Rückfallmelderecht verneinte (
Urk.
2 S. 14 unten). Wenn ein Rück
fall oder Spätfolgen auftreten, ist die Beschwerdegegnerin leistungspflichtig, so
fern dannzumal der Kausalzusammenhang gegeben ist.
Dieses (künftige) Recht kann nicht verfügungs- oder
einspracheweise
genommen werden.
7.4
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin auf die sinngemässe Rüc
kfall
meldung einzutreten und abzuklären, ob der Unfall vom
8.
Juni 2008 ursächlich für die Beschwerden war, welche zur
Valgisationsosteotomie
führten.
Hierzu finde
n
sich ausser die in gewissen Teilen zweifelhafte Einschätzung von
Dr.
H._
keine Angaben.
Die Kausalität lässt sich aufgrund der Aktenlage weder bejahen noch verneinen. Hierzu hat die Beschwerdegegnerin ein verwaltungs
externes Gutachten erstellen zu lassen.
Bei
unkooperativem
Verhalten trägt
d
er
Beschwerdeführer
die Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens
hat der Beschwerdeführer respektive seine unentgeltliche Rechtsvertreterin Anspruch auf eine Prozessentschädigung, welche auf
Fr.
2'400.--
festzulegen ist.