Decision ID: 63cfc0b5-453e-4adb-a86a-eb6a87c7bb10
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979, arbeitet
e
seit Juni 2005 als Gipser bei der
Y._
AG (Urk.
2/8/1 Ziff. 1 und 3
)
und
war
in dieser Eigenschaft bei der Schweizeri
schen Unfallversicherungsanstalt (Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 3. Dezember 2018 rutschte er auf einer Wendeltreppe aus und fiel auf den Betonboden, wobei er sich eine Prellung der rechten Schulter zuzog (Urk. 2/8/1 Ziff. 6 und 8).
Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Urk. 2/8/6).
Mit Verfügung vom 4. Juni 2019 hielt die Suva fest, die noch bestehenden rechts
seitigen Schulterbeschwerden seien nicht mehr unfallbedingt, und stellte die bis
herigen Leistungen per 12. April 2019 ein (Urk.
2/
8/64). Die dagegen am 7. Juni 2019 erhobene Einsprache (Urk.
2/
8/69) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 17. Juli 2019 ab (Urk.
2/
8/79
= Urk. 2/2
).
1.2
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 17. Juli 2019 erhob der Versicherte am 13. September 2019 Beschwerde (Urk. 2/1), welche mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 25. Juni 2020 im Prozess Nr. UV.2019.00219 abgewiesen wurde (Urk. 2/23). Die dagegen am 14. September 2020 erhobene Beschwerde hiess das Bundesgericht mit Urteil vom 15. Dezember 2020 in dem Sinne gut, dass das Urteil vom 25. Juni 2020 aufgehoben
und die Sache zur Einholung eines Gerichtsgutachtens und neuen Entscheidung an das hiesige Gericht zurückgewie
sen wurde (Urk. 2/28 = Urk. 1).
2.
Mit Beschluss vom 21. April 2021 ordnete das Gericht eine orthopädische Begut
achtung durch
Dr.
med.
Z._
und
pract
.
med. A._
, Fachärzte für Orthopädische Chirurgie
, an (Urk. 6). Nachdem keine der Parteien gegen die vorgesehenen Gutachter Einwände erhoben ha
t
te (Urk. 9-10), erteilte das Gericht mit Beschluss vom 31. Mai 2021 den definitiven Gutachtensauftrag (Urk. 12), worauf am 26. November 2021 das Gutachten erstattet wurde (Urk. 20-21).
Die Stellungnahmen des Beschwerdeführers vom 11. Januar 2022 (Urk. 24) sowie der Beschwerdegegnerin vom 2. März 2022 (Urk. 28) wurden den Parteien mit Ver
fügung vom 24. März 2022 je zur Kennt
nisnahme zugestellt (Urk. 29).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (
UVG
)
werden –
soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei folgenden
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (Abs. 2): Knochenbrüche (
lit
. a), Verrenkungen von Gelenken (
lit
. b), Meniskus
risse (
lit
. c), Muskelrisse (
lit
. d), Muskelzerrungen (
lit
. e), Sehnenrisse (
lit
. f), Band
läsionen (
lit
. g) und Trommelfellverletzungen (
lit
. h). Ausserdem erbringt die Ver
sicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdar
stellung, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrschein
lichste würdigt (BGE 144 V 427 E. 3.2)
.
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet si
nd (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V
351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
Mit Urteil
8C_551/2020
vom
15. Dezember 2020 (Urk. 1) hielt das Bundesgericht fest, es bestehe ein Widerspruch der ärztlichen Einschätzungen hinsichtlich der Kriterien, die aus medizinischer Sicht für die Beurteilung des natürlichen Kausal
zusammenhangs zwischen dem beim Beschwerdeführer vorliegenden Befund der
C
apsulitis
beziehungsweise den dadurch bedingten, auch über den 12. April 2019 noch anhaltenden Einschränkungen und dem am 3. Dezember 2018 erlittenen Unfall massgeblich seien. Während gemäss Suva-Kreisärztin eine sofortige Funk
tionseinschränkung verlangt werde, eine schleichende Entwicklung hingegen für die krankhafte Verursachung spreche, halte Dr. med.
B._
den vorliegend dokumentierten Verlauf mit verzögerter Versteifung für typisch unfallbedingt, was hinreichende Zweifel an den versicherungsinternen Berichten begründe.
Indem das hiesige Gericht die ärztlicherseits widersprüchlich beurteilte fehlende zeitnahe Schultersteife ohne die dazu erforderlichen medizinischen Fachkennt
nisse als ausschlaggebend für die Ätiologie der Schädigung als nicht unfallbe
dingt erachtet habe, habe es die bundesrechtlichen Regeln über die Beweiswürdi
gung verletzt.
Das Bundesgericht hob daher den Entscheid UV.2019.00219 vom 25. Juni 2020 auf und wies die Sache zur Einholung eines Gerichtsgutachtens und zum Neu
entscheid an das kantonale Gericht zurück (E. 6.4).
3.
Dr.
med.
Z._
sowie
pract
. med.
A._
, Fachärzte für orthopä
dische Chirurgie, erstatteten am 26. November 2021 im Auftrag des Gerichts ihr Gutachten (Urk. 20). Sie stützten sich dabei auf eine ausführliche Befragung, eine vollständige körperliche Untersuchung des Bewegungsapparates, radiographische Untersuchungen sowie die vorhandenen Akten (S. 2).
Die Gutachter diagnosti
zierten einen Status nach Prellung der Schulter rechts vom 3. Dezember 2018 mit hieraus resultierender adhäsiver
Capsulitis
der rechten Schulter mit belastungs- und bewegungsbeeinträchtigenden Beschwerden (S. 31 Ziff.
IV.a
) und nannten weiter als Diagnose ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit eine arterielle Hyper
tonie (S. 31 Ziff.
IV.b
).
Zusammengefasst würden die rechtsseitigen Schulterbeschwerden im Vorder
grund stehen. Klinisch äusserten sich die Beschwerden in einem
endgradigen
Bewegungsschmerz und noch leicht reduzierten Bewegungsausmassen. Insbeson
dere bei Überkopfarbeiten oder bei Arbeiten in Zwangshaltung der oberen Extre
mitäten sei
der Beschwerdeführer
noch beeinträchtigt. Ferner lasse sich aufgrund der festgestellten Minderbelastbarkeit nachvollziehen, dass das Tragen von schwereren Gegenständen, wie schwererem Arbeitsgerät oder gefüllten Eimern
,
nur eingeschrä
nkt möglich sei (S. 33). Die vom Beschwerdeführer dargestellten verbliebenen Einschränkungen seien glaubhaft und liessen sich als verbliebene Folge
der
zu seiner Zeit behandelten Leiden einordnen. Diese seien, soweit man die vorliegende Aktenlage zur Grundlage nehme und die entsprechenden
Chro
nologien
würdige, mit der Ausbildung einer adhäsiven
Capsulitis
zu vereinbaren. Grundlage hierfür sei der klassische Verlauf mit einer initialen Schmerzphase, der anschliessenden Phase der Bewegungslimitierung und schlussendlich der Krank
heitsabschnitt, bei welchem sich eine Besserung der klinischen Zeichen im zeitli
chen Verlauf eingestellt habe. Ferner spreche das gute Ansprechen der initiali
sierten
Kortikoidtherapie
und der physiotherapeutischen Massnahmen für die Leitdiagnose (S. 34)
.
Entsprechend des dargestellten Sachverhaltes, vom Zeitpunkt des Ereignisses vom 3. Dezember 2018 bis zu den schmerzhaften Bewegungseinschränkungen Wochen später und schlussendlich zur Besserung des objektivierbaren Schmerz
bildes, sei die Diagnose einer adhäsiven
Capsuliti
s
aufgrund der wissenschaftlich bekannten Kriterien nachvollziehbar. Entsprechend dieser wichtigen bekannten
Chronologien
, also vom ersten Auftreten der Beschwerden bis hin zu den bewe
gungslimitierenden Einschränkungen, würden die in der Gesamtheit vorliegenden Indizien zusätzlich auf eine traumatische Entstehungsgeschichte schliessen lassen (S. 35).
Aufgrund der festgestellten Beeinträchtigungen bestehe keine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit, da der Beschwerdeführer keinen eigentlichen Beruf erlernt und überwiegend als ungelernte Kraft, zum Zeitpunkt des Unfalls als Gipser, gearbeitet habe. Aufgrund der Minderbelastbarkeit seiner rechten oberen Extre
mität habe er die Arbeitsstelle gewechselt und übe zum jetzigen Zeitpunkt nach seinen eigenen Aussagen «leichtere» Tätigkeiten aus, als zum Zeitpunkt seiner Verletzung im Jahr 201
8.
Er arbeite aktuell in einem Pensum von 100 % (S. 36 Ziff.
V.e
). Auch in einer Verweistätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit von 100 % vor
gesehen, es bestünden jedoch Einschränkungen bei Tätigkeiten mit Überkopfar
beiten und beim schweren Heben von Lasten. Diese Einschränkungen seien bei einer Arbeitsstelle zu berücksichtigen (S. 37 Ziff.
V.f
).
Gemäss der Aktenlage habe vom 27. Dezember 2018 bis 10. September 2019 sowie vom
15. November 2019 bis 20. April
2020 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 37 Ziff.
V.g
). Es könne angenommen werden, dass mit konsequenter physiothera
peutischer Behandlung und in
s
besondere mit der Durchführung eines intensiven Heimprogrammes in Eigenregie zumindest der aktuelle Status mit den jeweilig beschriebenen Beeinträchtigungen weiter deutlich verbessert werden könne. Im Rahmen der radiologischen Diagnostik hätten sich am Untersuchungstag keine Zeichen einer Anschlussarthrose oder anderweitig radiographisch objektivierbare Einschränkungen gezeigt, die zu einer weiteren möglichen Limitierung der Bewe
gungsumfänge führen könnten (S. 38 Ziff.
V.h
).
Der Endzustand sei noch nicht erreicht, da noch leichtgradige Bewegungslimitie
rungen und belastungsabhängige Beschwerden bestünden. Es sei jedoch mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass in den kommenden Monaten auch diese klinischen Phänomene gebessert würden (S. 43 Ziff. 5).
Aufgrund der vorliegenden Akten und der darin enthaltenen
Chronologien
, der selbst erhobenen klinisch und radiographischen Befunde und aufgrund der Aus
führungen des Beschwerdeführers könne eher eine adhäsive
Capsulitis
aufgrund einer traumatischen Genese erkannt werden als
eine
Capsulitis
, welche auf Grundlage einer primären, idiopathischen Ursache entstanden sei. Die Gründe dafür seien einerseits darin zu sehen, dass der Beschwerdeführer an keiner idio
pathischen Erkrankung leide, welche die Entstehung einer primären, idiopathi
schen Schultersteife begünstige. Andererseits habe der Beschwerdeführer vor dem Ereignis des 3. Dezember 2018 zu keiner Zeit unter aktenkundigen behandlungs
würdigen Schulterbeschwerden gelitten. Zusätzlich könne für die Entstehung seiner Beeinträchtigung und seiner Beschwerden in
der
rechtsseitigen Schulter
region, wenngleich auch nur drei Wochen später, ein dezidiertes Ereignis benannt werden, welches ätiologisch für die Entstehung der Beeinträchtigungen verant
wortlich sein könnte. Hinzu komme, dass die leitliniengerecht durchgeführte Diagnostik der behandelnden Mediziner in der Hochphase der Erkrankung im Januar 2019 keine bildmorphologischen Veränderungen in der Schultergelenk
kapsel erkannt hätten, welche auf einen schleichenden, idiopathischen Krank
heitsbeginn hingewiesen hätten
(S. 41 f. Ziff. 3). Somit sei ein natürlich-kausaler Zusammenhang mit dem Unfallereignis eher wahrscheinlich.
Es sprächen mehr Argumente für die Entstehung der adhäsiven
Capsulitis
auf Grundlage des Trau
mas, als dass die
se
nicht aufgrund des Ereignisses vom 3. Dezember 2018 ent
standen sei. Aufgrund der teilweise unspezifischen Verläufe beider Formen könne jedoch auch diese Begutachtung nicht mit überwiegender beziehungsweise hin
reichender Wahrscheinlichkeit eine eindeutige Aussage über den natürlich-kausalen Zusammenhang liefern. Es würden jedoch die
jenigen
Argumente über
wiegen, welche für die Entstehungsgeschichte aufgrund des Traumas sprächen (S. 42 Ziff. 4).
4.
4.1
In seiner Stellungnahme vom 11. Januar 2022 (Urk. 24) wies der Beschwerdefüh
rer darauf hin, dass die Gerichtsgutachter einen natürlich-kausalen Zusammen
hang der bestehenden Beschwerden mit dem Unfallereignis für eher wahrschein
lich
gehalten hatten
. Gemäss ihren Ausführungen würden mehr Argumente für die Entstehung der adhäsiven
Capsulitis
auf Grundlage des Traumas sprechen als dagegen. Die Gutachter hätten zwar festgehalten, dass auch diese Begutachtung nicht mit überwiegender beziehungsweise hinreichender Wahrscheinlichkeit eine eindeutige Aussage über den natürlich-kausalen Zusammenhang liefern könne. Bemerkenswert sei jedoch, dass sie die ärztlichen Beurteilungen der behandelnden beziehungsweise beratenden Fachärzte, welche von einer überwiegend wahr
scheinlichen Unfallkausalität ausgegangen seien, allesamt als korrekt bezeichnet hätten (S. 2 Ziff. 2). Aufgrund der gesamten relevanten Sachumstände sei die Würdigung der Beurteilung der Gerichtsgutachter so vorzunehmen, dass die adhäsive
Capsulitis
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit Folge des Unfallereignisses vom 3. November 2018 sei. Es sei nämlich die offen
sichtlich wahrscheinlichere der zwei möglichen Sachverhaltsvarianten (S. 3 Ziff. 3).
Demgegenüber hielt die Beschwerdegegnerin mit Stellungnahme vom 2. März 2022 fest, die G
erichtsg
utachter hätten einen natürlich-kausalen Zusammenhang zwischen der Ende Januar 2019 diagnostizierten adhäsiven
Capsulitis
mit dem Unfallereignis vom 3. Dezember 2018 als «eher wahrscheinlich» beurteilt, jedoch auch festgehalten, dass die vorliegende Begutachtung nicht mit überwiegender oder hinreichender Wahrscheinlichkeit eine eindeutige Aussage über den natür
lich-kausalen Zusammenhang liefern könne (Urk. 28).
4.2
Nach den Richtlinien zur Beweiswürdigung weicht das Gericht praxisgemäss nicht ohne zwingende Gründe von Gerichtsgutachten ab (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 135 V 465 E. 4.4). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder
,
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätz
liche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Ober
expertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
; Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2020 vom 3. November 2020 E. 4).
4.
3
Vorliegend besteht kein Grund, von der Beurteilung im Gerichtsgutachten abzu
weichen. Das Gutachten von Dr.
Z._
und
pract
.
med. A._
vom 26. November 2021
beruht auf medizinisch-theoretischen Grundlagen, dem aktenkundigen Ver
lauf sowie den festgestellten Befunden und
erfüllt
damit
die praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise (
vgl.
E.
1.3
) vollumfänglich
.
Die Gerichtsgutachter Dr.
Z._
und
pract
.
med. A._
hielten einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen den noch bestehenden Beschwerden sowie dem Unfallereignis vom 3. Dezember 2018 für «eher wahrscheinlich».
Bezüglich des
notwendigen Beweisgrad
es
geht das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung davon aus, dass die blosse Möglichkeit eines Zusammenhanges nicht genügt, ver
langt wird vielmehr eine überwiegende Wahrscheinlichkeit (
vgl.
E. 1.2).
Zwar wiesen die Gerichtsgutachter ausdrücklich darauf hin, dass eine eindeutige Aussage über den natürlich-kausalen Zusammenhang nicht mit überwiegender beziehungsweise hinreichender Wahrscheinlichkeit gemacht werden könne (E. 3).
V
orliegend
kommt jedoch
ausschliesslich entweder eine traumatische oder eine primäre, idiopathische
Ursache für die adhäsive
Capsulitis
in Frage
. G
emäss den nachvollziehbaren und überzeugenden Ausführungen der Gutachter
überwiegen
klar
diejenigen Argumente, welche für die Entstehungsgeschichte aufgrund des Traumas sprechen
. Damit
ist
entgegen der Wortwahl im Gutachten
nicht von einer blossen Möglichkeit, sondern vielmehr von einer überwiegenden Wahr
scheinlichkeit
im Sinne der Rechtsprechung
auszugehen
(vgl. E. 1.2)
.
Hierfür spricht auch, dass die Gutachter
die Beurteilungen derjenigen behandeln
den Fachärzte, welche von einer überwiegend wahrscheinlichen Unfallkausalität ausgegangen waren, als korrekt bezeichnet hatten (Urk. 20 S. 44 f Ziff. 8.1 sowie Ziff. 8.3). Demgegenüber
wiesen sie ausführlich begründet darauf hin, dass den
Berichte
n
der Kreisärztin Dr.
C._
nicht gefolgt werden
könne
(Urk. 20 S. 44 f. Ziff. 8.2).
Die Gutachter bringen klar zum Ausdruck, dass sie die traumatische Ursache
für die adhäsive
Capsulitis
für die
wahrscheinlichere
halten.
Gegen diese Beurteilung spricht sodann auch nicht, dass die Gutachter als einen der Gründe für einen traumatisch bedingten Verlauf die Tatsache aufführten, der Beschwerdeführer
habe
vor dem Unfall vom 3. Dezember 2018 zu keiner Zeit unter aktenkundigen und behandlungswürdigen Schulterbeschwerden gelitten (Urk. 20 S. 41 Ziff. 3). Zwar handelt es sich dabei um eine unzulässige Argumen
ta
tion nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc», nach deren Bedeutung
eine gesundheitliche Schädigung schon dann als durch den Unfall verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist. Eine solche Argumentation ist beweisrechtlich nicht zulässig und vermag zum Beweis natürlicher Kausalzusammenhänge nicht zu genügen (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
., Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
Die Gutachter
stützten ihre Beurteilung jedoch nicht ausschliesslich darauf, sondern
begründeten
diese
auch damit, dass der Beschwer
deführer einerseits an keiner idiopathischen Erkrankung gelitten hatte, welche die Entstehung einer primären, idiopathischen Schultersteife begünstigen würde, und andererseits in der Hochphase der Erkrankung im Januar 2019 keine bildmorpho
logischen Veränderungen in der Schultergelenkkapsel erkannt wurden, welche auf einen schleichenden, idiopathischen Krankheitsbeginn hingewiesen hätten.
Insgesamt
ist damit gestützt auf die überzeugenden und nachvollziehbaren
Aus
führungen der Gerichtsgutachter
davon auszugehen, dass die nach wie vor bestehenden Beschwerden in der rechten Schulter in einem natürlich-kausalen Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 3. Dezember 2018 stehen.
4.4
Zusammenfassend
ist
damit
der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 17. Juli 2019 (Urk. 2/2) in
Gutheissung
der Beschwerde aufzuheben und es ist festzustel
len, dass die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom 3. Dezember 2018
auch über den 1
2.
April 2019 hinaus
leistungspflichtig ist.
5.
5.1
Gemäss verbindlicher Feststellung war der Sachverhalt ungenügend abgeklärt (vorstehend E. 2). Das hiesige Gericht stützte sich den Sachverhalt betreffend auf die Akten der Beschwerdegegnerin. Demnach waren deren Abklärungen ungenü
gend und dafür ausschlaggebend, dass ein Gerichtsgutachten einzuholen war.
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, dem Gericht die Kosten für das einge
holte Gutachten in der Höhe von
Fr.
7
’
469.05
(
Urk.
22
) zu erstatten (vgl. BGE 143 V 269).
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende, Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von
je
Fr.
2’200
.--
für das Verfahren Nr. UV.2019.00219 und das vorliegende Verfah
ren
als angemessen
, womit sich die Prozessentschädigung auf insgesamt
Fr.
4'400.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) beläuft
.