Decision ID: 984f65b9-dde6-4f92-98f0-6fef8343988d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1994 geborene X._ war seit dem 1. August 2010 als Lehrling Fachangestellte Gesundheit bei der Y._ angestellt und als solche bei der
Catlin Europe SE, Köln, Zweigniederlassung Zürich
, obli
gatorisch gegen die Folgen von Betriebs- und Nichtbetriebsunfällen versichert. Am 3. März 2012 wurde die Versicherte auf dem Fussgängerstreifen von einem Motorrad erfasst und zog sich eine Trümmerfraktur am rechten Unterschenkel zu (Urk. 11/K1, Urk. 10/M6). Die Erstversorgung erfolgte gleichentags am Z._, wo eine umgehende operative Sanierung erfolgte (Urk. 10/M6). Am 6. März 2012 fand am A._ ein weiterer operativer Eingriff statt (Urk. 10/M2). Der obligatorische Unfallversicherer er
brachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen. Ab 1. Oktober 2012 wurde der Besuch der Berufsschule an zwei Tagen pro Woche als zumutbar erachtet, bei ansonsten weiterhin bestehender vollständiger Arbeitsunfähigkeit (Urk. 10/M11). Für die praktische Arbeitstätigkeit wurde der Versicherten ab 1. Januar 2013 zudem für die restlichen drei Tage eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert, was drei Halbtagen entspricht (Urk. 10/M17). Ab 1. Mai 2013 war die Versicherte zu 100 % arbeitsfähig geschrieben (Urk. 10/M27). Am 20. März 2014 musste sich die Versicherte einer operativen Schraubenentfernung unter
ziehen (Urk. 10/M34), die operative Entfernung des Marknagels erfolgte am 30. September 2014 (Urk. 10/M38).
1.2
Unter Hinweis auf die ärztliche Beurteilung von Dr. med. B._, Facharzt FMH für Chirurgie, vom 27. Januar 2015 verneinte der Unfallversicherer mit Schrei
ben vom 2. Februar 2015 den Anspruch auf weitere Taggeldleistungen und Kostenvergütungen für Pflegeleistungen und sprach der Versicherten eine In
tegritätsentschädigung bei einem unfallbedingten Integritätsschaden von 10 % zu (Urk. 11/K66). An dieser Einschätzung hielt der Unfallversicherer sowohl mit Verfügung vom 3. September 2015 (Urk. 11/K74) als auch mit Einspracheent
scheid vom 5. Januar 2016 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am 25. Januar 2016 Beschwerde und beantragte, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weiterhin die vorübergehenden Leistungen gemäss UVG zu erbringen, namentlich Heilungs
kosten und Taggelder; eventualiter sei die Sache zur neuen Ermittlung und Festlegung der Integritätsentschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen; alles unter Kosten – und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Be
schwerdegegnerin (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. April 2016 beantragten die Vertreter der Be
schwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 9). Mit Replik vom 20. Mai 2016 und Duplik vom 29. August 2016 hielten die Parteien an den be
reits gestellten Anträgen fest (Urk. 16, Urk. 22); die Duplik wurde der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 31. August 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 23).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1).
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorübergehen
den Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invaliden
rente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortset
zung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszu
standes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Ein
gliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschl
ossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2
UVG; Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1, vgl. auch Urteil 8C_639/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 3).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
. Die Verwendung des Be
griffes „
namhaft" in Art.
19 Abs.
1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art.
10 Abs.
1 UVG er
hoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglich
keit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weiteren Massnahmen
–
wie etwa einer Badekur
–
zu erwartender ge
ringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durch
führung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versi
cherten Person prognostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_888/2013 vom 2.
Mai 2014 E. 4.1 mit Hinweisen, insbes. auf BGE
134 V 109 E. 4.3; vgl. auch Urteil 8C_6
39/2014 vom 2. Dezember 2014 E.
3).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu werden, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitli
che Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 Urteil vom 16.
Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das de
r Invaliditäts
bemessung der Suva
gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde ge
legte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfall
versicherung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bundesgericht 8C_588/2013 vom 16.
Januar 2014 E. 3.5).
1.3
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Be
handlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
Wird der Entscheid der
IV
über die (berufliche) Eingliederung erst später gefällt, kann dies Anlass für eine das Taggeld abl
ösende Übergangsrente nach Art. 19 Abs.
3 UVG in Verbindung mit Art.
30
der Verordnung über die Unfallversi
cherung (
UVV
)
bilden. Damit eine Übergangsrente nach Art.
19 Abs.
3 UVG ausgerichtet werden kann, muss der ausstehende
IV-
Entscheid über die berufli
che Eingliederung Vorkehren beschlagen, welche einer Eingliederungsproble
matik aufgrund eines unfallkausalen Gesundheitsschadens gelten.
Rechtspre
chungsgemäss
kann sich sodann der in Art. 19 Abs.
1 erster Satz UVG vorbe
haltene Abschluss allfälliger IV
-
Eingliederungsmassnahmen
, soweit es um be
rufliche
Massnahmen
geht, nur auf Vorkehren beziehen, welche geeignet sind, den der Invalidenrente der Unfallversicherung zu Grunde zu legenden Invalidi
tätsgrad zu beeinflussen. Für das Vorliegen dieser Voraussetzungen braucht es konkrete Anhaltspunkte (Urteil des Bundesgerichts 8C_588/2013 vom 16.
Januar 2014 E.
3.4 mit Hinweisen).
Die Überwindbarkeitspraxis
gemäss
BGE
136 V 279
und
BGE
130 V 352
findet
auf den UV-Heilbehandlungs- und Taggeldanspruch, und damit auch auf den Zeitpunkt des Fallabschlusses, keine Anwendung
(BGE
137 V 199
E. 2.
2.4
).
1.4
Nach Art. 24 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemes
sene Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dau
ernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität erleidet. Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdiens
tes nicht übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsscha
dens abge
stuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädi
gung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch gemacht. Abs. 1 dieser Vorschrift bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens minde
stens in gleichem Umfang besteht. Er ist erheblich, wenn die körperliche oder geistige Integrität, unabhän
gig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Ge
mäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integritätsentschädigung die Richtli
nien des Anhanges 3. Fallen mehrere körperliche oder geistige Integritätsschä
den aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsent
schädigung nach der gesamten Beeinträchtigung fest
gesetzt (Abs. 3).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Ex
perten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinwei
sen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Einspracheentscheid damit, dass gestützt auf die Beurteilung von Dr. B._ von weiteren ärztlichen Behandlungen keine namhafte Besserung mehr erwartet werden könne, weshalb kein Anspruch auf ärztliche oder physiotherapeutische Behandlungen mehr be
stehe, ausser bei Rückfällen und Spätfolgen (Urk. 2 S. 7). Die Integritätsentschä
digung sei aufgrund der Tabelle 5 der Suva (Integritätsentschädigung gemäss UVG) festzulegen, wobei in der Festsetzung des Integritätsschadens von 10 % eine Abschätzung der Arthrose-Progression für die nächsten fünf bis zehn Jahre enthalten sei. Eine Beinlängenbestimmung gehöre nicht zu den traumatologi
schen Routineuntersuchungen (S. 3). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei fest
zuhalten, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1. September 2015 voll in einem Pflegeheim arbeite und ihr dies entsprechend der Einschätzung von Dr. B._ auch in den nächsten Jahren möglich sein werde. Daran vermöge auch das Ar
beitsunfähigkeitszeugnis von Dr. med. C._, Fachärztin FMH für Innere Medizin, vom 9. Dezember 2015 nichts zu ändern. Die attestierte Arbeitsunfä
higkeit von 20 % ab 10. Dezember 2015 sei unter den erwähnten Umständen als nicht objektiviert zu betrachten (S. 8).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin ihre Aus
führungen dahingehend, dass die von Dr. C._ attestierte Arbeitsunfä
higkeit den medizinischen Akten widerspreche und die Einschätzung der be
handelnden Hausärztin beweisrechtlich ohnehin nicht verwertbar sei (Urk. 9 S. 14). Hinsichtlich der Integritätsentschädigung sei von einer mässigen Femoro
tibial-Arthrose auszugehen, was zu einem Integritätsschadensrahmen von 5 bis 15 % und einem Integritätsschaden von 10 % führe. Die Tabelle 2 der Suva (Integritätsentschädigung gemäss UVG) sei aufgrund der festgestellten Gelenks
beweglichkeit des Knie- und Sprunggelenks vorliegend nicht anzuwenden (S. 16 f.; vgl. auch Urk. 22).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass auf die Beurteilung von Dr. B._ infolge objektiv begründeter Befangenheit nicht abgestellt werden könne. So mache Dr. B._ in seinen Stellungnahmen juristische Ausführungen, was nicht Sache eines zur Unparteilichkeit verpflich
teten Sachverständigen sei. Weiter habe die Beschwerdegegnerin nicht kundge
tan, ab welchem Zeitpunkt sie die Leistungseinstellung vorzunehmen gedenke,
zudem habe sie die mit dem Fallabschluss zwingend vorzunehmende Renten
prüfung nicht vorgenommen (Urk. 1 S. 4). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit sei zu berücksichtigen, dass sie seit dem 1. September 2015 keine Schultage zur körperlichen Erholung mehr zur Verfügung habe, was die nunmehr eingetretene Teilarbeitsunfähigkeit anschaulich erkläre (S. 5). Sie werde in der angestammten Tätigkeit mittel- bis langfristig kaum voll arbeitsfähig bleiben, so dass die Überweisung an einen Schmerzspezialisten und die Einleitung von beruflichen Massnahmen erfolgt sei, unter Einschaltung der Invalidenversicherung (S. 6, Beilage 4). Hinsichtlich der Integritätsentschädigung habe Dr. B._ ihren Ge
sundheitsschaden nur ungenügend erkannt, insbeson
dere sei noch immer keine Beinlängenmessung vorgenommen worden, obschon bereits heute eine Schuheinlage getragen werde. Auch hinsichtlich der Knie- und Sprunggelenksbeweglichkeit sowie zur Frage einer Gefässproblematik sei eine gründliche Neubegutachtung angezeigt (S. 7 f., vgl. zum Ganzen auch Urk. 16).
3.
3.1
Dr. B._ untersuchte die Beschwerdeführerin am 22. Dezember 2014 und stellte in seinem Bericht vom 27. Januar 2015 (Urk. 10/M41) die folgenden Di
agnosen:
-
Myofasziale Restbeschwerden am rechten Bein nach initialer III.-gradig offener Unterschenkel-Mehrfragment-Fraktur rechts vom 3. März 2012, operativ behandelt
-
Status nach initialem Anlegen eines Fixateur externe am rechten Unter
schenkel am 3. März 2012
-
Status nach offener Reposition und Stabilisierung der III.-gradig offenen Unterschenkel-Mehrfragment-Fraktur durch einen Expert-Tibianagel am 6. März 2012 und gleichzeitiger Entfernung des Fixateur externe
-
Status nach Dekortikation der Tibia rechts und Spongiosaplastik lateral und medial sowie Narbenkorrektur am 9. Oktober 2014
-
Status nach Marknagel-Entfernung an der rechten Tibia sowie Mark
raum-Débridement und Entnahme einer bakteriologischen Probe am 30. September 2014 (S. 4).
Vor zirka einem Monat habe die Beschwerdeführerin beim normalen Gehen wie einen Schlag im rechten Oberschenkel verspürt. Sie sei dann zu Dr. D._ ge
gangen, welcher nichts Besonderes festgestellt habe; Dr. C._ habe von einer Achillessehnenentzündung gesprochen und sie habe Visco Heels bekom
men (S. 2). Objektiv würden funktionelle Restbeschwerden am rechten Bein be
stehen, ohne Anzeichen weder anamnestisch noch in der klinischen Untersu
chung für eine lokale Entzündung. Die Beweglichkeit des rechten Knies sei gut, das obere Sprunggelenk sei leicht eingeschränkt, die Hüftbeweglichkeit sei so
wohl rechts wie links normal. Es fänden sich deutliche Schonungszeichen am rechten Bein, vor allem am rechten Oberschenkel. Die Beschwerdeführerin brau
che zurzeit keine spezielle Behandlung. Der Schaden am rechten Bein sei funk
tionell zu vergleichen mit einer mässigen Femorotibial-Arthrose. Gemäss Ta
belle 5.2 der Suva ergebe sich ein Integritätsschaden von 10 %. Eingerechnet sei dabei eine Verschlechterung im Sinne einer Arthrose-Bildung im rechten Knie oder im rechten Sprunggelenk in den nächsten 5 bis 10 Jahren (S. 5).
3.2
Dr. C._ diagnostizierte in ihrem Bericht vom 21. Februar 2015 – ne
ben den Diagnosen wie sie dem Bericht von Dr. B._ vom 27. Januar 2015 zu entnehmen sind – eine leichte Oligodystrophie rechtes Bein nach offener Frak
tur und zahlreichen Operationen mit Schwellung, livider Verfärbung, Schmer
zen und Achillodynie. Die Beschwerdeführerin habe sie im November 2014 auf
gesucht, infolge Einschränkungen im Alltag, wo sie oft nur humpelnd habe ge
hen können. Nach Physiotherapie, Lymphdrainage, Kompressionsbehandlung, Visco Heel Einlagen und Miacalcic Nasenspray für einen Monat seien die Be
funde und Beschwerden stark regredient. Insbesondere sei die livide Verfärbung vollständig verschwunden und die Beschwerdeführerin könne das Bein wieder viel besser belasten. Die Oligodystrophie sei für sie klar auf den Unfall zurück
zuführen (Behandlung vom 14. November 2014 bis 6. Februar 2015, Urk. 10/M43).
3.3
In seiner Stellungnahme vom 27. Juli 2015 führte Dr. B._ in medizinischer Hinsicht aus, dass eine Beinlängenbestimmung nicht zur traumatologischen Routine gehöre. Weiter habe er anlässlich der Untersuchung vom 22. Dezember 2014 keine durchgehende Muskelatrophie finden können, die Umfangmess-Dif
ferenz habe sich nur auf den Oberschenkel bezogen. Bei der Untersuchung hät
ten sich weiter keine Schwellungszustände am rechten Bein finden lassen, ins
besondere auch keine Überwärmung. Da die Beschwerdeführerin gestützt auf die Tabelle 2.2 der Suva kein Anrecht auf eine Integritätsentschädigung habe, seien sie auf Tabelle 5.2 ausgewichen. Falls die Beschwerdeführerin in 20 oder 30 Jahren eine Prothesen-Implantation benötige, könne dies als Rückfall ge
meldet werden, was auch im Rahmen einer Neueinschätzung des Integritäts
schadens abgeglichen werde (Urk. 10/M44).
In seiner Stellungnahme vom 10. Oktober 2015 führte Dr. B._ ergänzend aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1. September 2015 voll in einem Pflegeheim arbeite. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werde sie in den nächsten Jahren trotz ihrer myofaszialen Restbeschwerden am rechten Knie diesen Beruf voll ausüben können (Urk. 10/M45).
3.4
Dr. med. E._, Anästhesie, Schmerzmedizin, Palliativmedizin, hielt in sei
nem Bericht vom 20. Januar 2016 fest, dass die Beschwerdeführerin aktuell an nozizeptiven Schmerzen im Bereich der medialen/mittleren Tibia leide. Er emp
fehle einen medikamentösen Therapieversuch mit Ibuprofen 800 mg für einen Monat, danach eine Wiedervorstellung und auch eine lokale Procain-Infiltration (Urk. 17/6).
3.5
In ihrem Bericht vom 25. April 2016 führte Dr. C._ aus, dass bei der Beschwerdeführerin leider noch immer Schmerzen beständen, besonders im Fraktur- und Operationsgebiet am rechten Unterschenkel, welche nach längerer Belastung jeweils stark zunähmen. Als Fachangestellte Gesundheit sei die Be
schwerdeführerin praktisch den ganzen Tag auf den Beinen. Die Arbeitsfähig
keit betrage aktuell 80 %, wobei sie nicht zu viele Tage am Stück arbeiten müsse und so die Überlastungsschmerzen gut unter Kontrolle gehalten werden könnten. Um auf längere Sicht 100 % einsatzfähig zu werden, habe sie sich ab August 2016 für ein Studium Pflegefachfrau HF eingeschrieben. Mit einem Diplom als Pflegefachfrau werde es vermutlich möglich werden, ein ausgewo
genes Verhältnis von Büroarbeiten und Tätigkeiten am Patienten zu erzielen. Im Moment finde noch eine Behandlung bei Dr. E._ statt (Urk. 17/5).
4.
4.1
Bezüglich des Fallabschlusses beruht der Bericht von Dr. B._ vom 27. Januar 2015 nicht auf allseitigen und umfassenden Abklärungen. Zwar wird auf ärztli
che Konsultationen bei Dr. D._ (Operation vom 30. September 2014, Urk. 10/M38) und Dr. C._ sowie auf eine erfolgte Physiotherapie hin
gewiesen, ohne allerdings bei den behandelnden Fachärzten aktuelle Berichte über die zuletzt erfolgten Behandlungen und deren Nutzen einzuholen. So geht aus dem nunmehr vorliegenden Bericht von Dr. C._ vom 21. Februar 2015 hervor, dass die Beschwerdeführer im November 2014 doch über erhebli
che Probleme mit Einschränkungen der Gehfähigkeit geklagt hat, welche neben den Einlagen auch mit Physiotherapie, Lymphdrainage sowie einer Kompressi
onsbehandlung angegangen wurden. Dabei sei es innert Monatsfrist zu einer deutlichen Verbesserung der Beschwerden gekommen. Der von Dr. B._ im Rahmen der Untersuchung am 22. Dezember 2014 angetroffene erfreuliche Zu
stand war demnach auch eine Folge der therapeutischen Bemühungen, so dass – zumindest zu diesem Zeitpunkt – nicht gesagt werden kann, dass die Vorausset
zungen für einen Fallabschluss gegeben waren. Hinzuweisen ist zudem darauf, dass die Untersuchung bei Dr. B._ zu einem Zeitpunkt erfolgte, als die Be
schwerdeführerin im Rahmen der Lehre noch die Schule besuchte und sich so ohnehin von der Belastung der praktischen Arbeit besser erholen konnte. Seit dies nicht mehr der Fall ist, leidet die Beschwerdeführerin immer wieder an be
lastungsabhängigen Anzeichen der Überlastungen sowie an Schmerzen, wie dem Bericht von Dr. C._ vom 25. April 2016 zu entnehmen ist (Urk. 17/5).
Hinsichtlich des genauen Zeitpunktes des Fallabschlusses wies der Vertreter der Beschwerdeführerin zu Recht darauf hin, dass ein genaues Datum fehlt. Das Schreiben vom 2. Februar 2015 verweist dabei auf die Einschätzung von Dr. B._, welche hinsichtlich des Fallabschlusses nicht zu überzeugen vermag. Weiter geht aus den vorliegenden Akten auch nicht eindeutig hervor, ob die erfolgte Behandlung bei Dr. C._ in der Zeit vom 14. November 2014 bis 6. Februar 2015 noch übernommen worden ist (vgl. dazu Urk. 11/K67).
Insgesamt sind schon allein zur Prüfung der Voraussetzungen des Fallabschlus
ses weitere Abklärungen nötig.
4.2
Weiter wies die Beschwerdeführerin zu Recht darauf hin, dass eine eigentliche Rentenprüfung im Rahmen des angefochtenen Einspracheentscheids nicht er
folgt ist. Die der Beschwerdeführerin auch auf längere Sicht attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Fachangestellte Gesundheit vermag dabei nicht zu überzeugen. Die massgebende Untersuchung bei Dr. B._ erfolgte am 22. Dezember 2014, zu einem Zeitpunkt, als die Be
schwerdeführerin noch während zwei Tagen pro Woche die Schule besuchte und sich so von der Belastung der praktischen Arbeit erholen konnte (vgl. Urk. 10/M17). Dass dabei die Anforderungen an die praktische Tätigkeit deut
lich höher sind als jene im Rahmen des Schulbesuchs, zeigen die zeitnahen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/M11, Urk. 10/M17, Urk. 10/M27). Die Aufnahme eines vollen Pensums nach Abschluss der Lehrzeit erfolgte da
bei erst am 1. September 2015, wobei die nunmehr von Dr. C._ fest
gestellten Überlastungserscheinungen aufgrund der hohen Anforderungen der angestammten Tätigkeit an die Geh- und Stehfähigkeit ohne weiteres nachvoll
ziehbar erscheinen. Ausgehend von einer jungen und beruflich motivierten Pa
tientin bestehen dabei erhebliche Zweifel, dass die Beschwerdeführerin auch nur kurzfristig in der angestammten Tätigkeit zu 100 % bestehen kann.
Bei dieser Sachlage erscheinen sowohl die Prüfung der Voraussetzungen des Fallabschlusses als auch die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (Rentenprüfung) im Rahmen eines externen und unabhängigen Gutachtens unabdingbar. Bei dieser Gelegenheit erscheint es weiter sinnvoll - sofern die Voraussetzungen für einen Fallabschluss überhaupt gegeben sind - die von der beschwerdeführenden Partei geforderten Abklärungen hinsichtlich der Einschätzung des Integritäts
schadens (Beinlängenmessung, Gefässproblematik) vorzunehmen, um so einer umfassenden Abklärung nachzukommen. Anzumerken ist dabei weiter, dass Dr. B._ in seinem Bericht vom 27. Januar 2015 sowohl eine Arthrosebildung im rechten Knie- wie auch im rechten Sprunggelenk für möglich hält (Urk. 10/M41 S. 5) und dennoch im Rahmen der Festsetzung des Integritäts
schadens lediglich von einer mässigen Femorotibial-Arthrose ausgeht. Der ge
nannte Bericht vermag damit - selbst wenn man allein auf die Tabelle 5 der Suva abstellen würde – auch hinsichtlich der Einschätzung des Integritätsscha
dens nicht zu überzeugen.
4.3
Zusammenfassend ist zu den Themen Fallabschluss, Rentenprüfung und Integri
tätsentschädigung an unabhängiges orthopädisches Gutachten einzuholen, wozu die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Ob dabei auch Ärzte anderer Fachrichtungen beizuziehen sind, ist dem zu beauftragenden Or
thopäden zu überlassen.
Bezüglich des Fallabschlusses ist anzumerken, dass ein solcher grundsätzlich erst nach Abschluss allfälliger
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversi
cherung
erfolgen soll. Solche wurden mit Schreiben vom 22. Januar 2016 anbe
gehrt (Urk. 3/4). Bei einer früheren Festsetzung des Fallabschlusses wäre dabei - nebst der Festsetzung der Integritätsentschädigung - der Anspruch auf eine
Übergangsrente nach Art. 19 Abs.
3 UVG in Verbindung mit Art.
30 UVV
zu prüfen.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen, was zur Aufhebung des ange
fochtenen Einspracheentscheids führt.
5.
Die Rückweisung der Sache kommt einem Obsiegen der Beschwerdeführerin gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin demnach zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 2'900.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.