Decision ID: e0f42d80-59c0-5482-8386-b317485fe583
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die am (...) 1959 geborene, heute in ihrem Heimatland wohnhafte kro-
atische Staatsangehörige A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
entrichtete in den Jahren 1982 bis 1998 Beiträge an die obligatorische
schweizerische Alters- Hinterlassenen und Invalidenversicherung (Akten
der Vorinstanz act. 4-1 ff.).
A.b Am 19. November 2009 (unterzeichnet durch die zuständige kroati-
sche Behörde am 25. Februar 2011) meldete sich die Beschwerdeführerin
via den kroatischen Sozialversicherungsträger bei der Invalidenversiche-
rungsstelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend: Vorinstanz)
zum Leistungsbezug der schweizerischen Invalidenversicherung an. Sinn-
gemäss machte sie geltend, aufgrund einer schweren Krebserkrankung
und psychischen Problemen nicht mehr arbeitsfähig zu sein (act. 7-1 ff.).
A.c In der Folge tätigte die Vorinstanz medizinische und beruflich-erwerb-
liche Abklärungen. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (act. 61)
wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 30. Juli 2012 ab (act.
64-1 ff.). Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Invalidität
im bisherigen Aufgabenbereich (Haushalt) betrage nach Ablauf des Warte-
jahrs 40 %. Eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
40 % (Viertelsrente) könne an "nicht EU-Bürger, die ausserhalb der
Schweiz oder der EU wohnhaft" seien, jedoch nicht ausbezahlt werden.
A.d Am 3. September 2012 (Datum Postaufgabe 4. September 2012) ge-
langte die Tochter der Beschwerdeführerin an die Vorinstanz und bemän-
gelte unter expliziten Bezugnahme auf die Verfügung vom 30. Juli 2012 die
Abweisung des Leistungsbegehrens (act. 66). Die Vorinstanz nahm dieses
Schreiben als verspätete Bemerkung zum Vorbescheid vom 20. Juni 2012
zu den Akten (act. 67).
B.
B.a Am 12. Februar 2013 machte die Beschwerdeführerin, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, eine Verschlechterung ihres Gesund-
heitszustands geltend. Unter diesen Umständen sei der Beschwerdeführe-
rin eine ganze Rente zuzusprechen. Zudem sei ihr die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren (act. 68).
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B.b Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (act. 79) trat die Vo-
rinstanz mit Verfügung vom 14. Mai 2013 auf die Neuanmeldung zum Leis-
tungsbezug nicht ein. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen gel-
tend, die Beschwerdeführerin habe nicht glaubhaft machen können, dass
sich der Grad der Invalidität seit der Abweisung des Leistungsanspruchs
mit Verfügung vom 30. Juli 2012 in anspruchserheblicher Weise geändert
habe (act. 84).
B.c Am 11. Juni 2013 gelangte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführe-
rin an die Vorinstanz und ersuchte um Mitteilung, ob der Beitritt Kroatiens
zur EU per 1. Juli 2013 zur automatischen Auszahlung der Viertelsrente
führe oder ob dazu eine Neuanmeldung erforderlich sei (act. 85).
B.d Mit Schreiben vom 19. Juni 2013 führte die Vorinstanz aus, dass das
Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU nicht automa-
tisch auf den neuen Mitgliedsstaat Kroatien ausgedehnt werde. Bis zur
Ausdehnung des Freizügigkeitsabkommens auf Kroatien bleibe das bishe-
rige Sozialversicherungsabkommen mit Kroatien anwendbar. Eine defini-
tive Antwort, ob eine Neuanmeldung erforderlich sei, könne zum jetzigen
Zeitpunkt nicht gegeben werden (act. 86).
C.
C.a Gleichzeitig liess die Beschwerdeführerin am 12. Juni 2013 (Datum
Postaufgabe) gegen die Verfügung vom 14. Mai 2013 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht erheben (BVGer act. 1). Die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und die Vorinstanz sei zu verpflichten, die aktuelle
medizinische Situation der Beschwerdeführerin abzuklären und daraufhin
neu zu verfügen. Zudem sei ihr für das Beschwerdeverfahren die unent-
geltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter Kos-
ten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich 8 % Mehrwertsteuer) zu Lasten
der Vorinstanz. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich entgegen der Auf-
fassung der Vorinstanz verschlechtert. Zudem sei ihr vom kroatischen So-
zialversicherungsträger mit Entscheid vom 14. Mai 2010 mit Wirkung ab
29. März 2010 eine ganze Invalidenrente zugesprochen worden. Überdies
"sei sie gespannt", ob der Beitritt Kroatiens zur EU per 1. Juli 2013 zur
Ausrichtung der im 20. Juni 2012 erwähnten Viertelsrente führe.
C.b Mit Vernehmlassung vom 25. Juli 2013 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 3). Zur Begründung machte sie
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im Wesentlichen geltend, dass gemäss Beurteilung des Regionalärztlichen
Dienstes (RAD) keine Verschlechterung des Gesundheitszustands einge-
treten sei. Ergänzend fügte sie an, dass eine Viertelsrente mangels Aus-
dehnung des Freizügigkeitsabkommens auf Kroatien nicht ausbezahlt wer-
den könne.
C.c Mit Zwischenverfügung vom 29. August 2013 hiess der Instruktions-
richter das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gut und ordnete der
Beschwerdeführerin Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas als amtlicher An-
walt bei (BVGer act. 8).
C.d Mit Replik vom 25. September 2013 hielt die Beschwerdeführerin an
ihren Anträgen und deren Begründung fest (BVGer act. 9).
C.e Mit Duplik vom 25. Oktober 2013 hielt die Vorinstanz an ihrem Antrag
auf Abweisung der Beschwerde fest (BVGer act. 11).
C.f Mit Verfügung vom 6. November 2013 wurde der Vorinstanz ein Doppel
der Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 4. November zugestellt
und der Schriftenwechsel abgeschlossen.
D.
D.a Mit Zwischenverfügung vom 2. Juli 2014 (BVGer act. 15) kam der In-
struktionsrichter zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin mit der Ein-
gabe ihrer Tochter vom 3. September 2012 (Datum Postaufgabe 4. Sep-
tember) ihren Beschwerdewillen gegen die Verfügung vom 30. Juli 2012 -
unter Berücksichtigung des Fristenstillstands gemäss Art. 38 Abs. 4 Bst. b
ATSG vom 15. Juli bis 15. August - fristgereicht und rechtsgenüglich kun-
detan hatte, sodass die Vorinstanz nach Art. 30 ATSG verpflichtet gewesen
wäre, die Eingabe dem Bundesverwaltungsgericht als zuständige Rechts-
mittelbehörde weiterzuleiten. Da dies nicht geschehen sei, müsse die Ver-
fügung vom 30. Juli 2012 als angefochten gelten, sodass sie nicht in
Rechtskraft habe erwachsen können. Unter diesen Umständen sei zu-
nächst die Rechtmässigkeit dieser Verfügung zu prüfen, bevor beurteilt
werden könne, ob die Vorinstanz mit Verfügung vom 14. Mai 2013 die Ein-
tretensvoraussetzungen für die Neuanmeldung zum Leistungsbezug zu
Recht verneint habe.
In der Folge wurden die beiden Verfahren vereinigt und unter der Ge-
schäftsnummer C-3362/2013 weitergeführt und der Beschwerdeführerin
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Gelegenheit gegeben, ihre Beschwerde vom 4. September 2012 zu ergän-
zen.
D.b Am 8. Juli 2014 verzichtete die Beschwerdeführerin vorerst auf zusätz-
liche Bemerkungen und stellte in Aussicht, die Akten des kroatischen Sozi-
alversicherungsträgers erhältlich zu machen (BVGer act. 17).
D.c Mit Vernehmlassung vom 16. Juli 2014 beantragte die Vorinstanz die
Abweisung der Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. Juli 2012
(BVGer act. 19). Zur Begründung verwies sie insbesondere auf die dama-
lige Beurteilung durch ihren ärztlichen Dienst.
D.d Mit Replik vom 8. September 2014 hielt die Beschwerdeführerin voll-
umfänglich an ihren Rechtsbegehren fest (BVGer act. 21). Sie bemängelte
im Wesentlichen die Einschätzung ihrer Leistungsfähigkeit durch den ärzt-
lichen Dienst der Vorinstanz. Ergänzend beantragte sie die Edition der Ak-
ten des kroatischen Sozialversicherungsträgers auf dem Rechtshilfeweg.
D.e Mit Duplik vom 23. Oktober 2014 hielt die Vorinstanz an ihrem Antrag
auf Abweisung der Beschwerde fest (BVGer act. 27).
D.f Mit Verfügung vom 6. November 2014 hiess der Instruktionsrichter den
Antrag der Beschwerdeführerin um Einholung der Akten des kroatischen
Sozialversicherungsträgers gut und wies die Vorinstanz an, diese einzuho-
len (BVGer act. 28).
D.g In der Folge teilte die Vorinstanz dem Bundesverwaltungsgericht am
10. April 2015 mit, dass sie die Akten des kroatischen Sozialversicherungs-
trägers trotz Mahnschreiben nicht habe erhältlich machen können (BVGer
act. 32). Nach mehrmaliger Intervention seitens des Bundesverwaltungs-
gerichts via die Schweizer Botschaft in Zagreb (BVGer act. 33 ff.), gingen
die Akten des kroatischen Sozialversicherungsträgers am 20. Juli 2015
beim Bundesverwaltungsgericht ein und wurden den Parteien am 21. Au-
gust 2015 (samt Übersetzungen) zur Stellungnahme zugestellt (BVGer act.
44 und 47).
D.h Am 28. August 2015 reichte die Beschwerdeführerin ihre Schlussbe-
merkungen ein (BVGer act. 48). Die Schlussbemerkungen der Vorinstanz
vom 2. Oktober 2015 gingen am 8. Oktober 2015 beim Bundesverwal-
tungsgericht ein. Sie führte darin im Wesentlichen aus, dass die vom kroa-
tischen Sozialversicherungsträger eingereichten medizinischen Berichte
bereits aktenkundig und von ihrem ärztlichen Dienst gewürdigt worden
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Seite 6
seien (BVGer act. 50). Mit Verfügung vom 16. Oktober 2015 wurde der
Schriftenwechsel geschlossen (BVGer act. 51).
E.
Auf die Ausführungen der Parteien und die Beweismittel ist, soweit erfor-
derlich, in den folgenden Erwägungen näher einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen, ob die Prozessvo-
raussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Beschwerde einzutreten ist
(BVGE 2007/6 E. 1 mit Hinweisen).
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des ATSG (SR 830.1) vorbehal-
ten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmungen dieses Gesetzes auf die
bundesgesetzlich geregelten Sozialversicherungen anwendbar, wenn und
soweit die einzelnen Sozialversicherungsgesetze es vorsehen. Nach Art. 1
IVG (SR 831.20) sind die Bestimmungen des ATSG auf die IV anwendbar
(Art. 1a bis 70 IVG), soweit das IVG nicht ausdrücklich eine Abweichung
vom ATSG vorsieht. Dabei finden nach den allgemeinen intertemporal-
rechtlichen Regeln in formellrechtlicher Hinsicht mangels anderslautender
Übergangsbestimmungen grundsätzlich diejenigen Rechtssätze Anwen-
dung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben
(BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Zu den anfechtbaren
Verfügungen gehören jene der IVSTA, welche eine Vorinstanz des Bun-
desverwaltungsgerichts darstellt (Art. 33 Bst. d VGG; vgl. auch Art. 69 Abs.
1 Bst. b IVG). Eine Ausnahme, was das Sachgebiet angeht, ist in casu nicht
gegeben (Art. 32 VGG).
1.3 Die Beschwerden wurden frist- und formgerecht eingereicht (vgl.
Art. 22a VwVG in Verbindung mit Art. 60 ATSG und Art. 52 Abs. 1 VwVG;
vgl. auch die Zwischenverfügung vom 2. Juli 2014 betreffend Fristenstill-
stand [BVGer act. 15]). Als Adressatin ist die Beschwerdeführerin durch die
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angefochtenen Verfügungen berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung oder Änderung (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die Beschwer-
den ist daher einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG; BENJAMIN
SCHINDLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesge-
setz über das Verwaltungsverfahren, Zürich 2008, Rz. 1 ff. zu Art. 49).
2.2 Es ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes we-
gen nicht an die Begründung der Begehren der Parteien gebunden (Art. 62
Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kognition kann es die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 212; vgl. BGE 128 II 145 E. 1.2.2,
BGE 127 II 264 E. 1b).
3.
Im Folgenden sind vorab die im vorliegenden Verfahren anwendbaren Nor-
men und Rechtsgrundsätze darzustellen.
3.1 Die Beschwerdeführerin ist kroatische Staatsangehörige mit Wohnsitz
in Kroatien, das seit dem 1. Juli 2013 Mitglied der EU ist. Mangels Unter-
zeichnung bzw. Ratifizierung des Zusatzprotokolls (Protokoll III) ist das
Freizügigkeitsabkommen vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) im
Verhältnis zu Kroatien aber nicht anwendbar. Es ist daher weiterhin das
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der
Republik Kroatien über Soziale Sicherheit vom 9. April 1996 (nachfolgend:
Sozialversicherungsabkommen, SR 0.831.109.291.1) und die Verwal-
tungsvereinbarung zur Durchführung dieses Sozialversicherungsabkom-
mens vom 24. November 1997 (SR 0.831.109.291.12) anzuwenden. Nach
Art. 4 Abs. 1 des Abkommens sind die Staatsangehörigen des einen Ver-
tragsstaates in ihren Rechten und Pflichten aus den Rechtsvorschriften des
anderen Vertragsstaates, zu denen gemäss Art.1 Abs. 1 Bst. a in Verbin-
dung mit Art. 2 A Bst. ii die Bundesgesetzgebung über die schweizerische
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Seite 8
Invalidenversicherung gehört, den Staatsangehörigen dieses Vertrags-
staates gleichgestellt; abweichende Bestimmungen in diesem Abkommen
bleiben vorbehalten. Betreffend die Voraussetzungen des Anspruchs auf
eine schweizerische Invalidenrente sind keine abweichenden Vorschriften
auszumachen.
3.2 Die Frage, ob und gegebenenfalls ab wann Anspruch auf Leistungen
der schweizerischen Invalidenversicherung besteht, bestimmt sich dem-
nach ausschliesslich nach den innerstaatlichen schweizerischen Rechts-
vorschriften, insbesondere nach dem IVG sowie der Verordnung über die
Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.210; vgl. Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes [EVG, heute: Bundesge-
richt] I 785/04 vom 25. April 2006 E. 1 mit weiteren Hinweisen und Art. 4
Sozialversicherungsabkommen). Ferner besteht für die rechtsanwenden-
den Behörden in der Schweiz keine Bindung an Feststellungen und Ent-
scheide ausländischer Versicherungsträger, Krankenkassen, Behörden
und Ärzte bezüglich Invaliditätsgrad und Anspruchsbeginn (vgl. BGE 130
V 253 E. 2.4; AHI-Praxis 1996, S. 179; vgl. auch ZAK 1989 S. 320 E.2).
Vielmehr unterstehen auch aus dem Ausland stammende Beweismittel der
freien Beweiswürdigung des Gerichts (vgl. Urteil des EVG vom 11. Dezem-
ber 1981 i.S. D; zum Grundsatz der freien Beweiswürdigung: BGE 125 V
351 E. 3a).
3.3 Damit finden im vorliegenden Verfahren grundsätzlich jene schweizeri-
schen Rechtsvorschriften Anwendung, die bei Erlass der angefochtenen
Verfügungen vom 30. Juli 2012 und 14. Mai 2013 in Kraft standen, weiter
aber auch solche Vorschriften, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft
getreten waren, die aber für die Beurteilung eines allenfalls früher entstan-
denen Rentenanspruchs von Belang sind (für das IVG: ab dem 1. Januar
2004 in der Fassung vom 21. März 2003 [AS 2003 3837; 4. IV-Revision],
ab dem 1. Januar 2008 in der Fassung vom 6. Oktober 2006 [AS 2007
5129; 5. IV-Revision] und – soweit einschlägig – ab dem 1. Januar 2012 in
der Fassung vom 18. März 2011 [AS 2011 5659, 6. IV-Revision, erstes
Massnahmenpaket]; zudem die Verordnung vom 17. Januar 1961 über die
Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201] in den entsprechenden Fassun-
gen der 4., 5. und 6. IV-Revision, erstes Massnahmenpaket).
4.
4.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde, ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit,
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Seite 9
sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen, verstanden (vgl. Art. 8
Abs. 1 und 3 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beein-
trächtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom-
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Nach Art. 7 Abs. 2
ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung, sind für die Beurtei-
lung einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitli-
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen und eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur dann vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist. Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Un-
fähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu
leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem ande-
ren Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Wei-
se wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Die Annahme eines
psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie
Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG im Besonderen setzt grundsätzlich eine lege
artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abge-
stützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396). Eine solche
Diagnose ist eine rechtlich notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung
für einen invalidisierenden Gesundheitsschaden (BGE 132 V 65 E. 3.4).
4.2 Vor der Berechnung des Invaliditätsgrades muss jeweils beurteilt wer-
den, ob die versicherte Person als (teil-)erwerbstätig oder nichterwerbstätig
einzustufen ist (sogenannte Statusfrage), was entsprechenden Einfluss auf
die anzuwendende Methode der Invaliditätsgradbemessung hat. Bei einer
erwerbstätigen versicherten Person wird das Erwerbseinkommen, das
diese nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zu-
mutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn
sie nicht invalid geworden wäre (allgemeine Methode des Einkommensver-
gleichs, Art. 16 ATSG). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, insbeson-
dere bei Hausfrauen und Hausmännern, wird für die Bemessung der Inva-
lidität darauf abgestellt, in welchem Mass sie unfähig sind, sich im bisheri-
gen Aufgabenbereich zu betätigen (spezifische Methode des Betätigungs-
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vergleichs, Art. 28a Abs. 2 IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt täti-
gen, nicht erwerbstätigen Personen gelten insbesondere die übliche Tätig-
keit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künst-
lerische Tätigkeiten (Art. 27 IVV). Bei Versicherten, die nur zum Teil er-
werbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der
Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG
festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die
Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem
Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit
im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit
im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Berei-
chen zu bemessen (gemischte Methode, Art. 28a Abs. 3 IVG).
Zu prüfen ist, was die versicherte Person bei im Übrigen unveränderten
Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde.
So sind insbesondere bei im Haushalt tätigen Versicherten die persönli-
chen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfäl-
lige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter,
die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Nei-
gungen und Begabungen zu berücksichtigen. Die Statusfrage beurteilt sich
praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der an-
gefochtenen Verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische An-
nahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit ausreicht (vgl. BGE 133 V 504 E. 3.3, 133 V 477 E. 6.3, 125
V 146 E. 2c, je mit Hinweisen).
4.3 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der seit 1. Januar 2008 gültigen Fassung)
haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (Bst. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (Bst. b); und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid
(Art. 8 ATSG) sind (Bst. c).
4.4 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
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Seite 11
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertels-
rente.
4.5 Laut Art. 29 Abs. 4 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung
werden Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50 % entspre-
chen, jedoch nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohnsitz und ge-
wöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben, soweit nicht
staatsvertragliche Vereinbarungen eine abweichende Regelung vorsehen.
Eine solche Ausnahme gilt aufgrund des FZA zwar seit dem 1. Juni 2002
für die Staatsangehörigen eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz,
sofern sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (BGE 130 V 253
E. 2.3 und 3.1). Wie sich vorstehend gezeigt hat, ist das FZA trotz Beitritt
Kroatiens zur EU per 1. Juli 2013 jedoch nicht anwendbar (vgl. vorstehende
E. 3.1). Da das nach wie vor massgebende Sozialversicherungsabkom-
men nach Art. 5 Abs. 2 keine entsprechende Ausnahmeregelung vorsieht,
gelangt Art. 29 Abs. 4 IVG zur Anwendung. Nach der Rechtsprechung des
EVG stellt diese Regelung nicht eine blosse Auszahlungsvorschrift, son-
dern eine besondere Anspruchsvoraussetzung dar (BGE 121 V 275 E. 6c).
Mangels Anwendbarkeit des FZA ist die angefochtene Verfügung nicht zu
beanstanden, soweit die Vorinstanz den Rentenanspruch der Beschwer-
deführerin trotz eines Invaliditätsgrads von 40 % verneint hat. Offen bleiben
kann sodann die Frage, ob die Vorinstanz der Beschwerdeführerin ab Bei-
tritt Kroatiens zur EU per 1. Juli 2013 automatische eine Viertelsrente hätte
ausrichten müssen.
4.6 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133
E. 2; AHI-Praxis 2002 S. 62 E. 4b/cc).
4.7 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
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Seite 12
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurtei-
lung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Exper-
ten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a).
5.
Gemäss rechtskräftiger Zwischenverfügung vom 2. Juli 2014 ist zunächst
zu prüfen, ob die Vorinstanz den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 30. Juli 2012 zu Recht verneint hat (vgl. BVGer act. 15).
Rechtsprechungsgemäss ist dabei auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen (BGE 132
V 220 E. 3.1.1 mit Hinweisen).
Sollte sich dabei herausstellen, dass die Verfügung vom 30. Juli 2012 zu
bestätigen ist, wäre in einem zweiten Schritt die Rechtmässigkeit der Ver-
fügung vom 14. Mai 2013, womit die Vorinstanz auf die Neuanmeldung
zum Leistungsbezug nicht eingetreten ist, zu prüfen. Anders verhält sich
indessen, wenn das Gericht zum Schluss gelangt, dass die Verfügung vom
30. Juli 2012 mangels rechtskonformer Sachverhaltsabklärung aufzuhe-
ben und zur weiteren Abklärung und anschliessender Neuverfügung an die
Vorinstanz zurückzuweisen ist. In diesem Fall wäre die Verfügung vom
14. Mai 2013 ersatzlos aufzuheben, setzt doch die Neuanmeldung nach
Art. 87 Abs. 4 IVV in Verbindung mit Abs. 3 dieser Bestimmung gerade
voraus, dass die versicherte Person eine anspruchserhebliche Sachver-
haltsveränderung seit der letztmaligen Verfügung, womit der Rentenan-
spruch rechtskräftig abgewiesen wurde, glaubhaft macht.
6.
6.1 Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin in der Verfügung vom
30. Juli 2012 als im Haushalt tätige Person eingestuft. Ab dem 24. April
2009 sei ihr diese Betätigung noch zu 35 % zumutbar gewesen. Ab dem
31. Januar 2010 habe die Einschränkung noch 60 % betragen, sodass der
Invaliditätsgrad nach Ablauf des Wartejahrs 40 % betrage. Da die Be-
schwerdeführerin kroatische Staatsangehörige mit Wohnsitz in Kroatien
sei, bestünde jedoch kein Anspruch auf eine Viertelsrente (act. 64-1 ff.).
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Seite 13
6.2 Die Beschwerdeführerin bemängelt im Wesentlichen die vorinstanzli-
che Einschätzung ihrer Leistungsfähigkeit. Diese sei aufgrund ihrer Kran-
kengeschichte nicht nachvollziehbar. Es sei ihr – wie schon in ihrem Hei-
matland – eine ganze Invalidenrente auszurichten. Für den Fall, dass dazu
weitere Abklärungen notwendig seien, biete sie ihre volle Mitwirkung an
(BVGer act. 21).
6.3 Demgegenüber erachtet die Vorinstanz die im Rahmen der Verfügung
vom 30. Juli 2012 erfolgte Beurteilung der Leistungsfähigkeit der Be-
schwerdeführerin durch die Ärztin des IV-ärztlichen Dienstes als voll be-
weiskräftig (BVGer act. 19). Auch die im Rahmen des Beschwerdeverfah-
rens erfolgte erneute Beurteilung durch den RAD, habe keine neuen Sach-
verhaltselemente ergeben (BVGer act. 27).
7.
Vorab ist festzuhalten, dass die Ausrichtung der Invalidenrente der kroati-
schen Sozialversicherung keine präjudizielle Wirkung für den Leistungsan-
spruch der schweizerischen Invalidenversicherung entfaltet. Vielmehr rich-
tet sich der vorliegend umstrittene Rentenanspruch allein nach den schwei-
zerischen Rechtsvorschriften (vgl. vorstehende E. 3.2).
Zu prüfen ist nachfolgend insbesondere, ob der zur Beurteilung des Leis-
tungsanspruchs massgebliche rechtserhebliche Sachverhalt rechtsgenüg-
lich abgeklärt wurde.
7.1 Hinsichtlich der Statusfrage ist aktenkundig, dass die Beschwerdefüh-
rerin nach der Rückkehr in ihr Heimatland im Jahr 1998 – abgesehen von
einer befristeten Dauer von drei Monaten – nicht erwerbstätig, sondern mit
der Haushaltsführung betraut war (act. 14-1 ff.).
Die Vorinstanz hat die Beschwerdeführerin daher zu Recht als nichter-
werbstätige Versicherte qualifiziert, welche im häuslichen Aufgabenbe-
reich tätig ist, so dass sich die Bemessung der Invalidität nicht nach Art. 16
ATSG, sondern nach Art. 28a Abs. 2 IVG richtet (spezifische Methode). Es
ist folglich darauf abzustellen, in welchem Masse die Beschwerdeführerin
unfähig ist, sich in diesem Aufgabenbereich zu betätigen. Als Aufgabenbe-
reich der im Haushalt tätigen Versicherten gelten insbesondere die übliche
Tätigkeit im Haushalt, die Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und
künstlerische Tätigkeiten (Art. 27 IVV). Die Invalidität wird aufgrund eines
Betätigungsvergleichs ermittelt. Der gesamte Aufgabenbereich der im
Haushalt tätigen Versicherten entspricht in jedem Fall einem Wert von
C-3362/2013, C-6755/2012
Seite 14
100 %. Die Gewichtung der einzelnen Teilbereiche der Haushaltführung
hat sodann nach Massgabe der Verwaltungsweisungen zu erfolgen. Her-
nach ist die gesundheitlich bedingte Einschränkung in den einzelnen Teil-
bereichen festzustellen, woraus sich schliesslich der Invaliditätsgrad ermit-
teln lässt (AHI 1997 S. 291 E. 4a).
7.2 In der Verfügung vom 30. Juli 2012 stützte sich die Vorinstanz insbe-
sondere auf die Stellungnahmen von IV-Ärztin Dr. med. B._, Fach-
ärztin Onkologie und Hämatologie, vom 12. August 2011 und 15. März
2012 (act. 38-1 ff und act. 59-1 ff.). Die Stellungnahmen von Dr. med.
B._ geben stichwortartig die Berichte der behandelnden kroati-
schen Ärzte wieder, wobei folgende Diagnosen genannt werden: "Depres-
sio (F32.2); Neo recti (C20); Meta lymphonodorum (C77.5); St. post hemi-
colectomiam; St. post chemoradiotherapiam". Dr. med. B._ hielt
im Wesentlichen fest, dass die Beschwerdeführerin am 30. April 2009 we-
gen eines Adenokarzinoms am Rektum operativ bzw. postoperativ chemo-
und radiotherapeutisch behandelt worden sei. Sodann sei in einem ersten
neuropsychiatrischen Bericht vom 29. Dezember 2010 ein reaktiv ängst-
lich-depressiver Zustand aufgrund der schweren Tumorerkrankung ge-
nannt worden, der psychotherapeutisch und medikamentös behandelt wor-
den sei. Betreffend den psychiatrischen Gesundheitszustand verwies sie
sodann in ihrer zweiten Stellungnahme auf den psychiatrischen Bericht
vom 23. Januar 2011. Darin wurde in somatischer Hinsicht zunächst auf-
geführt, dass die Beschwerdeführerin ihren Stuhlgang nicht halten könne,
über Druck und Schmerzen im unteren Abdomenbereich klage und nicht
länger sitzen könne. Im Übrigen wurden – ebenfalls stichwortartig – psy-
chiatrische Befunde aufgelistet und die medikamentöse Behandlung wie-
dergegeben (vgl. auch act. 54). Dr. med. B._ kam zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin während der Krebsbehandlung im Aufgaben-
bereich Haushalt sehr eingeschränkt gewesen sei. In der Folge habe sich
ihr Zustand verbessert, wobei im Wesentlichen bei schweren Tätigkeiten
Einschränkungen und regelmässiger Pausenbedarf bestünden. Anhand ei-
nes Betätigungsvergleichs bemass Dr. med. B._ den Invaliditäts-
grad für den Zeitraum April 2009 bis Januar 2010 auf 65 %. Ab Januar 2010
hielt sie sodann ohne Vornahme eines Betätigungsvergleichs einen Invali-
ditätsgrad von 40 % fest (act. 59-1 ff.).
8.
8.1 Um feststellen zu können, in welchem Masse eine versicherte Person
im Haushalt zufolge ihrer gesundheitlichen Beschwerden eingeschränkt
C-3362/2013, C-6755/2012
Seite 15
ist, bedarf es im Prinzip einer Abklärung vor Ort (vgl. Art. 69 Abs. 2 IVV;
BGE 130 V 97 E. 3.3.1 sowie Urteile des BGer 9C_121/2011 vom 31. März
2011 E. 3.1.1 mit Hinweisen und 8C_671/2007 vom 13. Juni 2008 E. 3.2.1).
Diese Abklärungsberichte im Haushalt stellen grundsätzlich eine geeignete
und im Regelfall genügende Grundlage für die Invaliditätsbemessung im
Haushalt dar (Urteil EVG I 103/06 vom 6. November 2006 E. 4.1).
8.2 Der Abklärungsbericht ist seiner Natur nach in erster Linie auf die Er-
mittlung des Ausmasses physisch bedingter Beeinträchtigungen zuge-
schnitten, weshalb seine grundsätzliche Massgeblichkeit unter Umstän-
den Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte Person an psy-
chischen Beschwerden leidet. Grundsätzlich jedoch stellt er auch dann
eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer
psychisch bedingten Invalidität geht, d.h. wenn die Beurteilung psychischer
Erkrankungen im Vordergrund steht (AHI 2004 S. 137 E. 5.3). Widerspre-
chen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen
Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Auf-
gaben zu erfüllen, ist aber in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen
mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung,
weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das
Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschrän-
kungen zu erkennen (Urteile des BGer 8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E.
5.1, 9C_986/2009 vom 11. November 2010 E. 7.2 und 9C_631/2009 vom
2. Dezember 2009 E. 5.1.2 mit Hinweisen).
8.3 Eine Abklärung der gesundheitlichen Einschränkungen einer versi-
cherten Person im Haushalt ist von einer qualifizierten Person zu verfas-
sen und hat in Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie
der sich aus den medizinischen Diagnosen ergebenden Beeinträchtigun-
gen und Behinderungen zu erfolgen. Ebenso muss der Bericht plausibel,
begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschrän-
kungen sein (vgl. Urteil des BGer 8C_817/2013 vom 28. Mai 2014 E. 5.1
sowie BGE 130 V 97 mit Hinweis).
8.4 Es ist denkbar, dass bei Wohnsitz des Versicherten im Ausland auf
eine Haushaltsabklärung im oben dargelegten Sinne ausnahmsweise ver-
zichtet werden kann (vgl. E. 8.1). Der Abklärungsbericht muss dann aber
eine fachmedizinische Evaluation der Fähigkeiten der Versicherten, ihre
gewohnten Aufgaben zu erfüllen, enthalten. Eine solche Evaluation wird
mit Hilfe eines Arztes durchgeführt, wobei eine detaillierte und eingehende
Betrachtung der Einschränkungen der Versicherten nach deren Anhörung
C-3362/2013, C-6755/2012
Seite 16
durch den Arzt notwendig ist (vgl. Urteil des BGer I 733/06 vom 16. Juli
2007 E. 4.2.2).
9.
Die Überprüfung der von der Vorinstanz festgestellten gesundheitsbeding-
ten Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin in ihrem Aufgabenbereich
Haushalt ergibt eine eindeutig ungenügende Entscheidgrundlage.
9.1 Eine Abklärung vor Ort durch eine qualifizierte Person fand vorliegend
nicht statt. Vielmehr hat IV-Ärztin Dr. med. B._ den Invaliditätsgrad
der Beschwerdeführerin aufgrund der Aktenlage festgelegt, wobei sie die
gesundheitlich bedingten Einschränkungen in den einzelnen (gewichteten)
Teilbereichen der Haushaltführung lediglich für den Zeitraum April 2009 bis
Januar 2010 tabellarisch festhielt (IV-act. 59-5). Diesbezüglich ist festzu-
halten, dass für das Gericht nicht ersichtlich ist, auf welchen sachverhaltli-
chen Grundlagen und Würdigungen sich die festgehaltenen Einschrän-
kungsgrade hinsichtlich der einzelnen Haushaltstätigkeiten stützen. Mithin
fehlt es an einer substantiierten Begründung der nach Ansicht von Dr. med.
B._ bestehenden Einschränkungen. Insbesondere ist auch nicht er-
kennbar, inwieweit sich Dr. med. B._ überhaupt mit den von der Be-
schwerdeführerin im Fragebogen für die im Haushalt tätigen Versicherten
vom 28. Mai 2011 (act. 18-1 ff.) geltend gemachten Einschränkungen aus-
einandergesetzt hätte. Soweit die IV-Ärztin den Invaliditätsgrad der Be-
schwerdeführerin sodann ab Januar 2010 ohne Vornahme eines Betäti-
gungsvergleichs mit 40 % bezifferte, fehlt es bereits aus diesem Grund an
einer plausiblen, detaillierten und nachvollziehbaren Entscheidgrundlage.
9.2 Überdies fällt ins Gewicht, dass die vorgenannten Stellungnahmen von
Dr. med. B._ als Berichte Sinn von Art. 59 Abs. 2bis IVG zu qualifi-
zieren, in denen nicht selber medizinische Befunde erhoben, sondern vor-
handene Befunde aus medizinischer Sicht gewürdigt werden.
Solchen Berichten kann nicht jegliche Aussen- oder Beweiswirkung abge-
sprochen werden. Sie sind vielmehr entscheidrelevante Aktenstücke (UL-
RICH MEYER/MARCO REICHMUTH, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
IVG, 3. Aufl., Zürich 2014, Art. 59, Rz. 3). Ein Aktenbericht ist jedoch nur
zulässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf
und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind; der
Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der Experte im-
stande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein gesamthaft lü-
ckenloses Bild zu verschaffen (RKUV 1993 Nr. U 167 S. 95 E. 5d; Urteil
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Seite 17
des BGer 8C_514/2008 vom 31. März 2009 E. 5). Enthalten die Akten für
die streitigen Belange keine beweistauglichen Unterlagen, kann eine in-
terne ärztliche Stellungnahme keine abschliessende Beurteilungsgrund-
lage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärungen Anlass geben.
Mithin hat sich ein Aktengutachten auf beweiskräftige Arztberichte abzu-
stützen (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3).
9.3 Die im massgebenden Beurteilungszeitpunkt des Erlasses der ange-
fochtenen Verfügung (30. Juli 2012) vorhandenen medizinischen Akten der
behandelnden kroatischen Ärzte erfüllen die Anforderungen an beweis-
taugliche Unterlagen offensichtlich nicht (vgl. act. 42 ff., 69 f.). Insbeson-
dere enthalten weder die somatischen noch psychiatrischen Berichte
Schlussfolgerungen hinsichtlich der durch die erhobenen Befunde und Di-
agnosen resultierenden funktionellen Einschätzungen. Hinzu kommt, dass
es sich bei den psychiatrischen Berichten (act. 49, 54) um knappe Berichte
bzw. Formularberichte handelt. Solch knappe Berichte reichen allenfalls,
wenn sie – im Sinn einer Verlaufsbeurteilung – eine auf klarem Fundament
beruhende frühere Einschätzung bestätigen oder wenn die gestellten Di-
agnosen keine weiteren Fragen aufwerfen, insbesondere keine Abschät-
zung der funktionellen Folgen notwendig machen (vgl. Urteil des BGer
9C_952/2011 vom 7. November 2012 E. 2.3), was hier jedoch nicht der Fall
ist.
9.4 Des Weiteren ist festzuhalten, dass es beim Zusammentreffen ver-
schiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen – wie vorliegend insbeson-
dere psychiatrischer, onkologischer und internistischer Leiden – nicht ge-
rechtfertigt ist, die psychischen und somatischen Befunde isoliert abzuklä-
ren. Vielmehr ist eine interdisziplinäre Untersuchung durchzuführen (vgl.
Urteil des BGer 8C_168/2008 vom 11. August 2008 E. 6.2.2) und der Grad
der Leistungsfähigkeit jeweils aufgrund einer sämtliche Behinderungen
umfassenden fachärztlichen Gesamtbeurteilung zu bestimmen (vgl. Urteil
des EVG I 850/02 vom 3. März 2003 E. 6.4.1). Keiner der aktenkundigen
fachärztlichen Berichte beinhaltet eine in diesem Sinn zuverlässige bzw.
schlüssig und nachvollziehbar begründete Gesamtbeurteilung.
9.5 Zusammenfassend ist festzustellen, dass weder die medizinischen Be-
richte bzw. vorinstanzlichen ärztlichen Stellungnahmen noch die Abklärung
der Einschränkungen im Haushalt den Anforderungen der Rechtsprechung
genügen. Insofern kann nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit beurteilt werden, in welchem Umfang die Beschwerde-
C-3362/2013, C-6755/2012
Seite 18
führerin aufgrund der infolge der Krebserkrankung aufgetretenen somati-
schen und psychischen Beschwerden im Aufgabenbereich Haushalt ein-
geschränkt ist.
9.6 Ebenso wenig kann auf die im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
eingeholten Stellungnahmen von RAD-Arzt Dr. med. C._ , Facharzt
Allgemeine Medizin, vom 21. Oktober 2013 (BVGer act 11, Beilage) und 6.
Oktober 2014 (BVGer act. 27, Beilage) bzw. die Stellungnahme von Dr.
med. D._, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, vom 17. Okto-
ber 2014 (act. BVGer act. 27, Beilage) abgestellt werden. Diese Aktenbe-
richte vermögen einen Abklärungsbericht im Sinn einer fachmedizinischen
Evaluation der Fähigkeiten der Versicherten, ihre gewohnten Aufgaben zu
erfüllen (vgl. vorstehende E. 8.4), nicht zu ersetzten. Zudem standen – wie
es bereits bei IV-Ärztin Dr. med. B._ der Fall war – auch den beiden
RAD-Ärzten keine beweistauglichen medizinischen Berichte im Sinn der
Rechtsprechung zur Verfügung. Des Weiteren fällt auf, dass sich die Stel-
lungnahmen im Wesentlichen auf nach Erlass der angefochtenen Verfü-
gung vom 30. Juli 2012 verfasste Arztberichte beziehen.
10.
10.1 Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass eine zuverlässige Ein-
schätzung, in welchem Mass und in welchen Tätigkeiten des Haushalts die
Beschwerdeführerin Einschränkungen unterliegt, aufgrund der bestehen-
den Aktenlage nicht möglich ist. Die Beeinträchtigungen der Beschwerde-
führerin im Haushalt wurden in Anbetracht der konkreten Umstände seitens
der Vorinstanz nicht rechtskonform abgeklärt (Art. 43 ff. ATSG und Art. 12
und Art. 49 Bst. b VwVG), sodass die Verfügung vom 30. Juli 2012 aufzu-
heben ist.
10.2 Vorliegend erscheint eine Rückweisung der Streitsache an die
IVSTA auch im Lichte der Rechtsprechung nach BGE 137 V 210 aus-
nahmsweise möglich. Zu beachten sind insbesondere die Ausführungen
des Bundesgerichts, wonach eine weitgehende Verlagerung der Experten-
tätigkeit von der administrativen auf die gerichtliche Ebene sachlich nicht
wünschbar ist. Die Rechtsstaatlichkeit der Versicherungsdurchführung litte
empfindlich und wäre von einem Substanzverlust bedroht, so das Bundes-
gericht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte, dass
ihre Arbeit in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozialversiche-
rungsfall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung un-
terliege. Im Rahmen der de lege lata gegebenen Organisation dränge es
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Seite 19
sich vielmehr auf, das drohende Defizit dort durch gerichtliche Expertisen
auszugleichen, wo die Gerichte bei der Würdigung des Administrativgut-
achtens im Kontext der gesamten Aktenlage zum Schluss kommen, wei-
tere Abklärungen seien notwendig (BGE 137 V 210 ff., E. 4.2).
10.3 Hier liegt indessen nicht ein vom Bundesverwaltungsgericht zu würdi-
gendes Administrativgutachten im Recht. Vielmehr war die Zulässigkeit ei-
nes Aktenberichts durch den IV-ärztlichen Dienst bzw. den RAD zu beur-
teilen. Wie sich vorstehend gezeigt hat, konnte weder der eine noch der
andere auf für die streitigen Belange beweistaugliche Unterlagen im Sinn
der Rechtsprechung zurückgreifen. Eine Aktenbeurteilung war unter die-
sen Umständen offensichtlich unzulässig, was zwangsläufig zur weiteren
Sachverhaltsabklärungen hätte führen müssen, wobei dabei insbesondere
auch die rechtsgenügliche Abklärung der Einschränkung der Beschwerde-
führerin im Haushalt ins Auge zu fassen gewesen wäre. Würde eine derart
mangelhafte Sachverhaltsabklärung durch Einholung eines Gerichtsgut-
achtens im Beschwerdeverfahren korrigiert, bestünde die Gefahr der uner-
wünschten Verlagerung der den Durchführungsorganen vom Gesetz über-
tragenen Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersu-
chungsgrundsatz (Art. 43 Abs. 1 ATSG) abzuklären (so dass gestützt da-
rauf die Verfügung über die in Frage stehende Leistung ergehen kann), auf
das Gericht. In Fällen mit Auslandsbezug ist die Gefahr der Verlagerung
der Expertentätigkeit von der administrativen auf die gerichtliche Ebene
umso grösser, als dass die Aktenbeurteilung durch den RAD (oder den me-
dizinischen Dienst der Vorinstanz) gestützt auf ausländische Arztberichte,
die oftmals weder eine erforderliche interdisziplinäre Gesamtbeurteilung
enthalten noch in Kenntnis der Vorakten und der spezifischen versiche-
rungsmedizinischen Anforderungen der Invalidenversicherung verfasst
werden, häufig vorkommen. Weiter ist zu beachten, dass für Fälle mit Aus-
landsbezug eine spezialisierte IV-Stelle eingerichtet worden ist. Daher und
aufgrund dessen, dass vorliegend aufgrund der Aktenlage nur eine sehr
rudimentäre Beurteilung des Gesundheitszustands der Beschwerdegeg-
nerin erfolgen konnte – mithin ihr Gesundheitszustand als nahezu unge-
klärt zu betrachten ist, ist die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die Vorinstanz zurückzuweisen, mit der Anweisung, einen rechtskonformen
Abklärungsbericht im Haushalt respektive eine fachmedizinische Evalua-
tion der Fähigkeiten der Beschwerdeführerin, ihre gewohnten Aufgaben zu
erfüllen, einzuholen und gestützt darauf den Invaliditätsgrad zu berechnen.
10.4 Die Beschwerde vom 4. September 2012 ist daher insoweit gutzuheis-
sen, als die angefochtenen Verfügungen vom 30. Juli 2012 aufgehoben
C-3362/2013, C-6755/2012
Seite 20
und die Sache an die Vorinstanz zurückgewiesen wird, damit diese, nach
erfolgten Abklärungen der rechtserheblichen Tatsachen im Sinne der Er-
wägungen, neu verfüge.
Anzufügen ist, dass die Aufhebung der Verfügung vom 30. Juli 2012 und
Rückweisung der Sache zu weiterer Abklärung und anschliessendem Neu-
entscheid nicht zu einem Anwendungsfall der Rechtsprechung nach BGE
137 V 314 (Gelegenheit des Beschwerderückzugs, wenn mit einem Rück-
weisungsentscheid eine rentenzusprechende Verfügung aufgehoben wird)
führt, da aufgrund des nach wie vor anwendbaren Sozialversicherungsab-
kommen bei dem in der aufzuhebenden Verfügung festgestellten Invalidi-
tätsgrad von 40 % nach Art. 29 Abs. 4 IVG weder im Zeitpunkt des Verfü-
gungserlasses ein Rentenanspruch entstehen konnte bzw. ein solcher
auch heute nicht entstehen kann.
10.5 Bei diesem Verfahrensausgang ist die Verfügung vom 14. Mai 2013,
womit die Vorinstanz auf die Neuanmeldung zum Leistungsbezug nicht ein-
getreten ist, ersatzlos aufzuheben (vgl. vorstehende E. 5) und die Be-
schwerde vom 12. Juni 2013 in diesem Sinn gutgeheissen.
11.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
11.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG sind die Verfahrenskosten in der Regel
der unterliegenden Partei aufzuerlegen. Die Rückweisung gilt praxisge-
mäss als Obsiegen der beschwerdeführenden Partei. Der unterliegenden
Vorinstanz werden jedoch keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
11.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann die Beschwerdeinstanz der ganz
oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig
hohe Kosten zusprechen.
Die Parteientschädigung umfasst dabei die Kosten der Vertretung sowie
allfällige weitere notwendige Auslagen der Partei (Art. 8 VGKE). Die Kos-
ten der Vertretung umfassen gemäss Art. 9 Abs. 1 VGKE das Anwaltsho-
norar (Bst. a), den Ersatz der Auslagen (Bst. b) und der Mehrwertsteuer
(Bst. c), wobei Letztere nur dann geschuldet ist, wenn die zu entschädi-
gende Partei Wohnsitz oder Sitz in der Schweiz hat (vgl. dazu Urteile des
BVGer C-3800/2012 vom 27. Mai 2014, C-7742/2009 vom 9. August 2012
C-3362/2013, C-6755/2012
Seite 21
E. 7.2, C-6248/2011 vom 25. Juli 2012 E. 12.2.5 m.w.H. und C-6173/2009
vom 29. August 2011 m.H). Das Anwaltshonorar wird nach dem notwendi-
gen Zeitaufwand des Vertreters oder der Vertreterin bemessen (Art. 10
Abs. 1 VGKE), wobei der Stundensatz für Anwälte und Anwältinnen min-
destens Fr. 200.- und höchstens Fr. 400.- beträgt (Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Die Partei, die Anspruch auf Parteientschädigung erhebt, hat dem Bundes-
verwaltungsgericht vor dem Beschwerdeentscheid eine detaillierte Kosten-
note einzureichen, aus welcher hervorgehen muss, welche Arbeiten durch-
geführt worden sind und wer wieviel Zeit zu welchem Tarif aufgewendet hat
(MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 4.84 f.).
11.3 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat mit der zweiten Rep-
lik vom 8. September 2014 eine Honorarnote für den bis dahin angefalle-
nen Aufwand in der Höhe von Fr. 3'238.55 (15.57 Stunden à Fr. 200.-, zu-
züglich 4 % Barauslagen in der Höhe von Fr. 124.55) eingereicht (BVGer
act. 21, Beilage). Aus der Honorarnote wird ersichtlich, dass 3.78 Stunden
des geltend gemachten Aufwands das Vorbescheidverfahren (Aufwand
vom 21. Januar 2013 bis 3. Mai 2013) betrifft und daher nicht im Rahmen
der Parteientschädigung des Beschwerdeverfahrens geltend gemacht wer-
den kann. Für den weiteren Aufwand bis zum Abschluss des Schriften-
wechsels am 16. Oktober 2015 hat der Beschwerdeführer keine Honorar-
note eingereicht, sodass das Gericht die diesbezügliche Entschädigung
aufgrund der Akten festsetzt (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Berück-
sichtigung des gebotenen und aktenkundigen Aufwands sowie einer ange-
messenen Zeit für die Besprechung des Urteils mit der Beschwerdeführerin
(vgl. Urteil des BGer 9C_987/2012 vom 26. September 2012 E. 4), er-
scheint ein weiterer Aufwand von 1 Stunde gerechtfertigt. Die Parteient-
schädigung ist somit total auf Fr. 2'660.30.- (12.79 Stunden x Fr. 200.-; zu-
züglich 4 % Barauslagen in der Höhe von Fr. 102.32, exklusiv Mehrwert-
steuer, die aufgrund des Wohnsitzes der Beschwerdeführerin im Ausland
nicht geschuldet ist [vgl. vorstehende E. 11.2]).
11.4 Die mit Zwischenverfügung 29. August 2013 bewilligte unentgeltliche
Rechtspflege wird damit obsolet.
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Seite 22