Decision ID: e210e319-5acb-4120-87ec-551094487321
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
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Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
und
C._ Pensionskasse,
Beigeladene,
betreffend
Erlass Rentenrückforderung / Verrechnung
Sachverhalt:
A.
A._ meldete sich am 13. März 2001 zum Bezug einer Invalidenrente an. Dr. med.
B._ vom Kantonsspital St. Gallen berichtete der IV-Stelle am 14. September 2001,
die Versicherte sei in einem sitzenden Beruf (Büroarbeit) zu 30% arbeitsfähig.
Ausgehend von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 70% ermittelte die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 78%. Mit einer Verfügung vom 23. Januar 2002 sprach sie der
Versicherten rückwirkend ab 1. März 2001 eine ganze Invalidenrente zu. Die Rente
wurde von der Ausgleichskasse C._ ausbezahlt. Am 8. Februar 2002 trat diese
Ausgleichskasse den Rentenfall der Versicherten an die Ausgleichskasse des Kantons
St. Gallen ab, da diese der Versicherten eine Ergänzungsleistung ausrichtete. Die
Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen orientierte die Versicherte am 11. Februar
2002 über diesen Wechsel. Gleichzeitig wies sie die Versicherte auf deren Meldepflicht
bei Änderungen hin. Am 3. Juni 2002 ging bei der IV-Stelle eine Anstellungsbestätigung
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vom 7. Mai 2002 ein, laut der die Versichert seit dem 4. Mai 2002 mit einem
Arbeitspensum von 30% für das Gasthaus D._ als Serviceanstellte tätig war. Es
handelte sich um Freitagsablösungen, Bankett- und Wochenendaushilfen.
B.
Am 11. Oktober 2006 versandte die IV-Stelle einen Fragebogen für die Revision der
Invalidenrente. In diesem Fragebogen wurde die Versicherte unter der Ziffer 2.1
gefragt, ob sie unselbständigerwerbend, selbständigerwerbend, Landwirt, im eigenen
Haushalt tätig oder nicht erwerbstätig sei. Die Versicherte gab am 21. Oktober 2006 an,
sie sei nicht erwerbstätig. Weiter gab sie unter der Ziffer 2.2 des Fragebogens an, seit
der Rentenzusprache habe sich keine berufliche Umstellung aus gesundheitlichen
Gründen ergeben. Dementsprechend machte die Versicherte auch keine Angaben zur
Frage nach den Adressen allfälliger Arbeitgeber unter der Ziffer 2.3 des Fragebogens.
Unter der Ziffer 2.5 wurde die Versicherte nach einer allfälligen nebenberuflichen
Erwerbstätigkeit gefragt. Die Versicherte verneinte auch diese Frage. Am 2. November
2006 ging ein Auszug aus dem individuellen Beitragskonto (IK) der Versicherten bei der
IV-Stelle ein. Laut diesem Auszug hatte die Versicherte 2002 und 2003 beim Gasthaus
D._ ein Einkommen von Fr. 18'019.- (Mai bis Dezember) und Fr. 9328.- (Januar bis
April) erzielt. Im Jahr 2004 war sie für vier Betriebe tätig gewesen. Dabei hatte sie
folgende Einkommen erzielt: Fr. 1981.- (Februar und März), Fr. 1618.- (März und April),
Fr. 11'860.- (Mai bis Dezember) und Fr. 1555.- (Juni und Juli). Im Jahr 2005 war sie in
zwei Betrieben beschäftigt gewesen. Dabei hatte sie folgende Löhne erzielt: Fr. 9217.-
(Januar bis Dezember) und Fr. 10'244.- (Juli bis Dezember). Dr. med. E._ berichtete
der IV-Stelle am 31. Oktober 2006, in den Phasen guter Gesundheit sei die Versicherte
zu 100% arbeitsfähig. Es sei deshalb ideal, wenn sie im Service auf Abruf tätig sein
könne. Das Restaurant F._ berichtete der IV-Stelle am 1. Februar 2007, es
beschäftige die Versicherte seit Juli 2005 als Aushilfe im Service. Die Arbeitszeit sei
jeden Monat individuell.
C.
Gemäss einer Telefonnotiz der IV-Stelle vom 5. März 2007 gab die Versicherte an
diesem Tag an, sie habe Angst, dass sich das erzielte Einkommen auf die ganze Rente
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auswirken könnte. Es sei keine böse Absicht gewesen, dass sie auf dem
Revisionsformular keine Erwerbstätigkeit angegeben habe. Sie habe damals die
Gemeinde angefragt, ob sie einer Arbeit nachgehen könne. Man habe ihr gesagt, dass
sie das auf jeden Fall dürfe. Sie sei dann davon ausgegangen, dass die Gemeinde das
weiterleite, so dass sie selbst es der IV-Stelle nicht auch noch melden müsse. Das
G._ gab der IV-Stelle am 1. März 2007 an, es habe die Versicherte während der
Saison 2004 (15. Mai bis 19. September) und während der Saison 2005 (1. Mai bis
2. August) als Serviceangestellte beschäftigt. Gemäss einem neuen Auszug aus dem IK
vom 21. Juni 2007 hatte die Versicherte im Jahr 2006 nur von Oktober bis Dezember
gearbeitet. Der Arbeitgeber, das H._, bestätigte am 25. Juni 2007 telefonisch, dass
die Versicherte tatsächlich nur in dieser Zeit als Aushilfe tätig gewesen sei. Seit Ende
2006 arbeite die Versicherte nicht mehr dort. Gemäss einer Telefonnotiz der IV-Stelle
vom 25. Juni 2007 gab die Schwester der Versicherten an diesem Tag an, diese sei seit
Mai 2007 im Spital. Im Jahr 2007 habe die Versicherte nur für das Restaurant F._
gearbeitet. Das Restaurant F._ übermittelte das Lohnblatt 2007 der Versicherten. Dr.
med. I._ vom Kantonsspital St. Gallen berichtete am 5. Juli 2007, die Versicherte sei
seit dem 14. Mai 2007 zu 100% arbeitsunfähig. Gemäss einer telefonischen Auskunft
des Kantonsspitals vom 9. August 2007 sollte die Versicherte Mitte August 2007 vom
Spital in die stationäre Rehabilitation übertreten. Diese Rehabilitation sollte bis
mindestens 28. August 2007 dauern.
D.
Gemäss einer umfangreichen internen Notiz der IV-Stelle vom 9. August 2007 war bei
der Rentenzusprache davon ausgegangen worden, dass die Versicherte im Service zu
100% arbeitsunfähig sei. Im Rahmen des Rentenrevisionsverfahrens sei nun
festgestellt worden, dass die Versicherte weiter im Service gearbeitet habe. Derzeit
liege zwar kein Revisionsgrund vor, aber für die Jahre 2002, 2004, 2005 und 2006
bestehe eine Verletzung der Meldepflicht gemäss dem Ergebnis der für jedes dieser
Jahre vorgenommenen Einkommensvergleiche. Die IV-Stelle habe erst aufgrund des
ZIK (Zusammenruf der IK) von der Höhe der Erwerbseinkommen Kenntnis erhalten.
Daher könne bis 31. Oktober 2006 zurückgefordert werden. Im
Rentenrevisionsformular habe die Versicherte noch angegeben, dass sie nicht
erwerbstätig sei. Für die Zukunft (November 2006) sei von einem Invaliditätsgrad von
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73% auszugehen. Für das Jahr 2006 sei einem Valideneinkommen von Fr. 53'213.- ein
Invalideneinkommen von Fr. 19'210.- gegenüberzustellen. Daraus resultiere ein
Invaliditätsgrad von aufgerundet 64%. Für das Jahr 2005 stehe einem
Valideneinkommen von Fr. 52'687.- ein zumutbares Invalideneinkommen von
Fr. 19'461.- gegenüber. Das ergebe einen Invaliditätsgrad von 63%. Für 2004 sei ein
Valideneinkommen von Fr. 52'216.- mit einem zumutbaren Invalideneinkommen von
Fr. 17'014.- zu vergleichen, was einen Invaliditätsgrad von 67% liefere. Der
Einkommensvergleich für 2002 ergebe bei einem Valideneinkommen von Fr. 50'635.-
und einem zumutbaren Invalideneinkommen von Fr. 18'019.- einen Invaliditätsgrad von
64%. Demnach habe für November und Dezember 2002 nur ein Anspruch auf eine
halbe Invalidenrente bestanden (Rechtslage vor der 4. IV-Revision). Für Januar 2004
bis Oktober 2006 habe die Versicherte effektiv nur einen Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente gehabt.
E.
Am 11. September 2007 übermittelte die IV-Stelle der Versicherten einen Vorbescheid,
laut dem beabsichtigt war, eine Verfügung mit folgendem Dispositiv zu erlassen:
"1. Inskünftig besteht unverändert der Anspruch auf eine ganze Rente. 2. Für die Zeit
vom 01.11.2002-31.12.2002, vom 01.01.2004-31.12.2004, vom 01.01.2005-31.12.2005
und vom 01.01.2006 - 31.10.2006 liegt eine Verletzung der Meldepflicht vor. Die in
dieser Zeit zu Unrecht bezogenen Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)). Sie
erhalten hierüber eine separate Verfügung. 3. Eine Beschwerde gegen diese Verfügung
hat keine aufschiebende Wirkung [...]". Die AHV-Zweigstelle der Gemeinde J._ nahm
am 13. September 2007 Stellung zu diesem Vorbescheid. Sie führte aus, die
Versicherte sei vom 1. Juli 1998 bis 25. August 2006 in der Gemeinde J._ wohnhaft
gewesen. Aufgrund ihrer finanziellen Verhältnisse habe die Versicherte im Jahr 2002 für
kurze Zeit Ergänzungsleistungen bezogen. Nach der Aufnahme der ersten
Erwerbstätigkeit sei eine Abmeldung bei der EL erfolgt. Seither habe die Versicherte
ihre Arbeitsstellenwechsel korrekt gemeldet. Die Meldungen seien im Sinn der EL
entgegengenommen worden, die AHV-Zweigestelle habe jedoch keine Meldung in
Bezug auf die Invalidenrente an die IV-Stelle vorgenommen. Man ersuche darum, die
Verfügung bezüglich der Meldepflicht aufzuheben, da es sich anscheinend um ein
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Missverständnis handle. Die Versicherte sei stets der Auffassung gewesen, dass ihre
Meldungen an die IV-Stelle weitergeleitet würden. Der zuständige Sachbearbeiter der
IV-Stelle hielt am 21. September 2007 in einer internen Notiz fest, objektiv gesehen
wäre es Sache der Versicherten gewesen, die neuen Arbeitsstellen der IV-Stelle
mitzuteilen. Das habe sie aber unterlassen. Stossend sei, dass die Versicherte im
Revisionsformular am 21. Oktober 2006 eine Erwerbstätigkeit verneint habe, obwohl
sie zu diesem Zeitpunkt gleich zwei Arbeitsstellen innegehabt habe. Gemäss Rz 5027
KSIH genüge bereits eine leichte Verletzung der Meldepflicht, damit zu Unrecht
bezogene Leistungen zurückerstattet werden müssten. Dieses Kriterium sei mit dem
Unterlassen der Mitteilung von insgesamt acht Arbeitgebern seit 2002 erfüllt. Der EL sei
zwar ein kleiner Jahresverdienst gemeldet worden. Dies habe die Versicherte aber nicht
davon entbunden, die weiteren, neuen Arbeitgeber der IV bekannt zu geben. Zudem
wäre eine damalige Orientierung von Seiten der EL an die Adresse der IV mit einer
Lohnsumme von Fr. 7500.- ohnehin nicht rententangierend gewesen. Mit den weiteren
Arbeitsstellen habe die Versicherte ihr Erwerbseinkommen jedoch erheblich gesteigert.
Die Versicherte selbst führte in ihrer Stellungnahme vom 24. September 2009 zum
Vorbescheid aus, sie habe gedacht, die Gemeinde J._ melde das weiter. Das sei
leider nicht der Fall gewesen. Sie habe es immer gemeldet, wenn sie gearbeitet habe,
denn sie habe nichts zu verbergen gehabt. Sie habe nicht gewusst, dass sie das auch
der IV-Stelle hätte melden müssen. Sie bitte darum, das Verfahren einzustellen. Sie
wisse nicht, wie sie mit ca. Fr. 1400.- leben solle, denn sie habe Fixkosten von ca. Fr.
2000.- ohne Strom, Telefon usw. Am 25. Oktober 2007 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit, dass weiterhin ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehe,
allerdings nun bei einem Invaliditätsgrad von 100% statt von 78%. Betreffend die
Rückforderung werde sie von der zuständigen Ausgleichskasse gemäss beiliegendem
Brief eine separate Verfügung erhalten. Als Beilage war in diesem Schreiben aber nur
ein Merkblatt betreffend die Beitragspflicht aufgeführt. Ebenfalls am 25. Oktober 2007
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Anhörung zum Vorbescheid vom 11.
September 2007 abgeschlossen sei. Die zuständige Ausgleichskasse werde ihr die
beschwerdefähige Verfügung betreffend Rückforderung zukommen lassen.
F.
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Am 25. Oktober 2007 erteilte die IV-Stelle der Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen
mit einer Mitteilung den Auftrag, eine Rückforderung infolge Meldepflichtverletzung zu
verfügen. Sie legte dieser Mitteilung an die Ausgleichskasse den sogenannten
"Verfügungsteil 2" bei. Gemeint war damit jener Teil der zu erlassenden
Rückforderungsverfügung, der den IV-spezifischen Teil der Verfügungsbegründung
enthielt. Dieser Verfügungsteil 2 findet sich in den Akten der IV-Stelle unter der Nr.
60-1/3 bis 60-3/3. Die Ausgleichskasse kam ihrem Auftrag am 13. Dezember 2007
nach. Sie erliess – im eigenen Namen – eine Rückforderungsverfügung über Fr.
13'612.-. Einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung entzog sie die
aufschiebende Wirkung, "da bei einer Ausrichtung der Leistung die spätere
Rückzahlung nicht gesichert wäre". Sie wies auf die Möglichkeit hin, ein Erlassgesuch
zu stellen. Gleichzeitig ergingen zwei Verfügungen, mit denen die Ausgleichskasse des
Kantons St. Gallen für Januar 2004 bis Oktober 2006 eine Dreiviertelsrente und für
November und Dezember 2002 eine ganze Rente zusprach. Die Versicherte machte in
einem an die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen gerichteten Schreiben vom 7.
Januar 2006 (richtig: 2008) mit dem Betreff "Rückforderung IV Rente" geltend, sie sei
nicht einverstanden mit der Rückforderung von Fr. 13'612.-. Sie habe auf der
Gemeinde in J._ immer gemeldet, wann und wo sie gearbeitet habe. Sie sei im guten
Glauben gewesen, dass es weitergemeldet werde, was leider nicht der Fall gewesen
sei. Es wäre für sie fatal, den Betrag zurückzahlen zu müssen. Sie habe gerade so viel,
dass sie leben könne. Seit dem 14. Mai 2007 sei sie sehr krank. Die IV-Stelle
qualifizierte dieses Schreiben als Erlassgesuch, das sie am 28. März 2008 abwies.
Gleichzeitig ordnete sie die Verrechnung der laufenden ganzen Rente im Betrag von Fr.
400.- monatlich zur Deckung der Rückforderung an. Einer Beschwerde entzog sie die
aufschiebende Wirkung. Zur Begründung der Abweisung des Erlassbegehrens führte
sie aus, bei der Revision sei festgestellt worden, dass die Versicherte in den Jahren
2002, 2004, 2005 und 2006 ein rentenbeeinflussendes Erwerbseinkommen erzielt
habe. Daher hätten die zu Unrecht ausgerichteten Leistungen zurückgefordert werden
müssen. Als Rentenbezügerin habe die Versicherte die Pflicht gehabt, wesentliche
Änderungen der IV-Stelle zu melden. Eine blosse Meldung an die AHV-Zweigstelle der
Wohngemeinde habe dazu nicht genügt. Da die Versicherte somit ihre Meldepflicht
verletzt habe, könne ihr der gute Glaube nicht zugesprochen werden. Die
Verrechnungsanordnung wurde damit begründet, dass eine verrechenbare Quote von
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Fr. 874.- monatlich bestehe. Zur Ermittlung dieser verrechenbaren Quote hatte die IV-
Stelle die obligatorischen Krankenversicherungsbeiträge (Fr. 2444.-), den
Bruttomietzins (Fr. 12'360.-) und den Grundbetrag (Fr. 13'200.-) der Invalidenrente
(Fr. 17'868.-), der Invalidenrente der Pensionskasse (Fr. 9284.-) und dem
Krankentaggeld (Fr. 11'351.-) gegenübergestellt. Die Einnahmen hatten die Ausgaben
um Fr. 10'499.- übertroffen.
G.
Die Versicherte liess am 18. April 2008 Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. März
2008 erheben. Ihr Rechtsvertreter beantragte sinngemäss die Wiedererteilung der
aufschiebenden Wirkung, die Feststellung der Nichtigkeit der Verfügung vom 28. März
2008, eventualiter deren Aufhebung, subeventualiter die Gutheissung des
Erlassgesuches. Zur Begründung führte der Rechtsvertreter der Versicherten aus, es
gebe keine rechtskräftige Rückforderungsverfügung, weshalb sowohl die Abweisung
des Erlassgesuches als auch die Verrechnungsanordnung unhaltbar seien. Der Entzug
der aufschiebenden Wirkung sei nicht begründet worden. Die Berechnung der
verrechenbaren Quote sei falsch, weil nicht alle anrechenbaren Ausgaben
Berücksichtigung gefunden hätten. In der Beschwerdeergänzung vom 15. Mai 2008
stellte der Rechtsvertreter der Versicherten zusätzlich die Begehren, es sei die
Nichtigkeit auch der Verfügung vom 13. Dezember 2007 festzustellen; eventualiter sei
diese Verfügung aufzuheben und es sei der Versicherten für die Zeit vom 1. November
2002 bis zum 31. Oktober 2006 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Der
Rechtsvertreter der Versicherten wies darauf hin, dass die ihm zugestellten Akten nicht
vollständig seien. Zur Begründung seiner Begehren machte er geltend, über den
Rentenanspruch für die obgenannte Periode sei nie in einem Revisionsverfahren
rechtskräftig verfügt worden. Es fehle eine Verfügung, welche die früheren Verfügungen
bzw. Rentenauszahlungen aus den Jahren 2002 bis 2006 abändern würde. Somit seien
die Verfügungen vom 13. Dezember 2007 und vom 28. März 2008 ohne zwingende
Grundlage und damit ohne Rechtsgrund erfolgt. Die Verfügung vom 13. Dezember
2007 sei nichtig, weil weder eine Revision noch eine Wiedererwägung erfolgt seien,
weil die Versicherte nie "mit einer auf Rechtswirkung hinzielenden Verfügung" darauf
hingewiesen worden sei, in welcher Höhe sich ihr Invaliditätsgrad bewege (Verletzung
des rechtlichen Gehörs), weil nie mit Verfügung darauf hingewiesen worden sei, dass
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die angeblichen neuen Invaliditätsgrade das Ergebnis eines Revisionsverfahrens nach
Art. 53 Abs. 1 ATSG hätten sein müssen, weil die Voraussetzungen einer Revision nie
geprüft oder festgestellt worden seien, weil nie geprüft worden sei, ob die 90-tägige
Frist gemäss Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 67 Abs. 1 und 2 VwVG gewahrt sei, und
weil der Versicherten die Möglichkeit genommen worden sei, sich konkret über die
angeblichen Invaliditätsgrade zu informieren. Sollte nicht von einer Nichtigkeit der
Verfügung vom 13. Dezember 2007 ausgegangen werden, so sei der Einwand vom 7.
Januar 2008 nicht nur als Erlassgesuch, sondern auch als Beschwerde aufzufassen.
Diese Beschwerde hätte an das Versicherungsgericht weitergeleitet werden müssen.
Da die IV-Stelle über die Erwerbsaufnahme im Mai 2002 informiert gewesen sei, sei die
Rückforderung insgesamt verwirkt. Die Meldungen der Versicherten an die AHV-
Zweigstelle müssten genügen. Auch der Revisionsgrund sei verwirkt, da dieser im Juni
2002 entdeckt worden sei. In Bezug auf die Abweisung des Erlassgesuchs sei zu
beachten, dass die Versicherte alles Notwendige der AHV-Zweigstelle gemeldet habe
und deshalb in gutem Glauben habe davon ausgehen können, dass sie ihre
Meldepflicht erfüllt habe. Am 16. Mai 2008 machte der Rechtsvertreter der Versicherten
ergänzend geltend, auch die Pensionskasse zahle keine Rente mehr aus. Deshalb
müsse der Beschwerde sofort wieder die aufschiebende Wirkung erteilt werden.
H.
Die IV-Stelle beantragte am 16. Mai 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie führte
zur Begründung aus, sie habe der Beschwerde zu Recht die aufschiebende Wirkung
entzogen, weil damals nicht davon habe ausgegangen werden können, dass die
Versicherte im Beschwerdeverfahren obsiegen werde. Über die Rückforderung sei am
13. Dezember 2007 rechtskräftig verfügt worden. Das Schreiben der Versicherten vom
7. Januar 2008 betreffe einzig die Erlassvoraussetzungen und sei deshalb zu Recht nur
als Erlassgesuch und nicht auch als Beschwerde interpretiert worden. Der Entzug der
aufschiebenden Wirkung sei nicht begründet worden, aber diese Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör sei praxisgemäss zu heilen. Gemäss Art. 77 IVV
müsse jede Veränderung der persönlichen oder wirtschaftlichen Verhältnisse der IV-
Stelle unverzüglich gemeldet werden. Auf der Rückseite jeder Verfügung werde
ausdrücklich u.a. auf die Meldepflicht bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
hingewiesen. Deshalb habe die Versicherte nicht gutgläubig davon ausgehen können,
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dass sie mit den Meldungen an die AHV-Zweigstelle ihre Meldepflicht erfüllt habe.
Hinzu komme, dass die Versicherte im Fragebogen für die Rentenrevision am 21.
Oktober 2006 mitgeteilt habe, dass sie nicht erwerbstätig sei. In einer Ergänzung ihrer
Beschwerdeantwort machte die IV-Stelle am 4. Juni 2008 geltend, die Versicherte habe
am 8. Januar 2008 angegeben, sie sei mit der Rückforderung nicht einverstanden.
Demnach müsse sie die Rückforderungsverfügung vom 13. Dezember 2007 erhalten
haben. Dieser Rückforderung habe keine Revisions- oder Wiedererwägungsverfügung
vorausgehen müssen.
I.
Die Versicherte liess in der Replik vom 26. Juni 2008 ausführen, eine Rückforderung sei
entgegen der Auffassung der IV-Stelle nur unter den für eine Wiedererwägung oder
eine prozessuale Revision massgebenden Voraussetzungen zulässig. Die Verfügung
vom 23. Januar 2001 sei weder in Wiedererwägung gezogen noch prozessual revidiert
worden. Deshalb fehle der Rückforderungsverfügung vom 13. Dezember 2007 eine
unabdingbare Voraussetzung. Sie sei nur eine Berechnung und keine Verfügung bzw.
eine nichtige Verfügung. Es sei nur von einem leicht schuldhaften Verstoss gegen die
Meldepflicht auszugehen, so dass ein gutgläubiger Rentenbezug vorliege. Die
Versicherte habe nämlich davon ausgehen dürfen, dass die Meldung an die AHV-
Zweigstelle ausreiche. Bei der Berechnung der verrechenbaren Quote müsse
berücksichtigt werden, dass die Pensionskasse keine Rente mehr auszahle.
Ausserdem müssten auch die Prämien für die Zusatzversicherung abgezogen werden,
weil es angesichts der bestehenden gesundheitlichen Situation unzumutbar für die
Versicherte wäre, diese Zusatzversicherung aufzulösen. Sie könnte später keine solche
Versicherung mehr abschliessen. Schliesslich seien auch die ungedeckten
Krankheitskosten abzuziehen. Die Versicherte habe mit dem Schreiben vom 7. Januar
2008 auch Beschwerde gegen die Rückforderungsverfügung vom 13. Dezember 2007
erhoben. Das zeige sich auch darin, dass sie in der Stellungnahme vom 24. September
2007 zum Vorbescheid angegeben habe, dass sie effektiv zu 78% invalid sei.
J.
Die Pensionskasse beantragte am 28. Juli 2008 eine Beiladung, was ihr bewilligt
wurde.
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K.
Die Versicherte liess am 6. August 2008 darauf hinweisen, dass die Krankentaggelder
eingestellt worden seien, so dass keine Verrechnung mehr erfolgen dürfe und auch
kein Grund für einen Entzug der aufschiebenden Wirkung mehr bestehen könne.
L.
Die IV-Stelle verzichtete am 13. August 2008 auf eine Duplik.
M.
Die Gerichtsleitung stellte die aufschiebende Wirkung der Beschwerde mit einem
Entscheid vom 5. Mai 2009 wieder her.
N.
Die Pensionskasse führte am 22. Mai 2009 aus, es sei für sie nicht relevant, ob die
Rentenrückforderung erlassen werde oder nicht. Für sie sei nur der Invaliditätsgrad für
die Periode November 2002 bis Oktober 2006 massgebend. Sie beantrage dem
Gericht deshalb, im Urteilsdispositiv über den Invaliditätsgrad zu befinden.

Erwägungen:
1.
Der Erlass von Verfügungen über die Leistungen der Invalidenversicherung ist Sache
der IV-Stellen (Art. 57 Abs. 1 lit. g IVG). Dazu gehören auch die Verfügungen über die
Rückforderung von Leistungen gestützt auf Art. 25 Abs. 1 ATSG. Die Verfügung vom
13. Dezember 2007 ist aber von der Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen, d.h. von
einer unzuständigen Stelle, erlassen worden. Eigentlich hätte die Beschwerdegegnerin
verfügen müssen. Die höchstrichterliche Rechtsprechung ist in jenen Fällen, in denen
eine unzuständige Ausgleichskasse anstelle der eigentlich zuständigen
Ausgleichskasse verfügt hat, regelmässig davon ausgegangen, dass die Verfügung
nicht nichtig, sondern nur anfechtbar sei (vgl. etwa ZAK 1979, S. 433 ff.; ZAK 1982, S.
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82 ff.). Im vorliegenden Fall hat nun aber eine Ausgleichskasse anstelle der an sich
zuständigen IV-Stelle verfügt. Auf den ersten Blick scheint das ein bedeutend
schwerwiegenderer formaler Mangel zu sein, als wenn eine Ausgleichskasse anstelle
einer anderen Ausgleichskasse verfügt, denn die Ausgleichskasse hat in einem
"fremden" Rechtsgebiet verfügt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass die
Ausgleichskasse durchaus in einem Rechtsgebiet verfügt hat, in dem sie auch tätig ist.
Die Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen hat nämlich den "AHV-spezifischen" Teil
der Verfügung vom 13. Dezember 2007 ausgearbeitet. Nur der "IV-spezifische" Teil
dieser Verfügung stammt von der Beschwerdegegnerin. Die Ausgleichskasse des
Kantons St. Gallen hat also weder in einem für sie "fremden" Rechtsgebiet noch in
einem für sie "fremden" Fall verfügt. Das bedeutet, dass nur ein rein formaler Fehler
vorliegt. Die Ausgleichskassen erlassen nämlich nach der bestehenden internen
Zuständigkeitsaufteilung - im Namen der jeweils zuständigen IV-Stelle - alle
Verfügungen über die IV-Leistungen. Die formale Unzuständigkeit der Ausgleichskasse
des Kantons St. Gallen (Verfügung im eigenen statt im Namen der
Beschwerdegegnerin) hat keine Gefahr einer inhaltlich falschen Verfügung entstehen
lassen. Das bedeutet, dass die möglichen Folgen des Erlasses einer Verfügung durch
die formal unzuständige Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen jedenfalls nicht
schwerer wiegen können als diejenigen, die beim Erlass einer Verfügung durch eine
unzuständige Ausgleichskasse anstelle der zuständigen Ausgleichskasse drohen.
Deshalb verneint das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen in ständiger Praxis
die Nichtigkeit von Verfügungen, die im Namen einer Ausgleichskasse statt im Namen
der gemäss Art. 57 Abs. 1 lit. g IVG eigentlich zuständigen IV-Stelle ergangen sind (vgl.
den unveröffentlichten Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 28. Oktober 2003, IV 2002/200, Erw. 3 m.H.). Die Verfügung vom 13. Dezember
2007 ist deshalb nicht wegen einer Unzuständigkeit der verfügenden Stelle nichtig.
2.
Die Beschwerdeführerin betrachtet die Verfügung vom 13. Dezember 2007 nicht als
Folge der Unzuständigkeit der verfügenden Ausgleichskasse des Kantons St. Gallen,
sondern als Folge der Unmöglichkeit des Verfügungsinhalts als nichtig. Diese
inhaltliche Nichtigkeit soll darin bestehen, dass die Verfügung vom 13. Dezember 2007
nur eine Rückforderung von Rentenleistungen beinhalte, die notwendige Korrektur der
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Rentenverfügung vom 23. Januar 2002 also fehle. Die Beschwerdegegnerin hat
dagegen eingewendet, eine Rückforderung gestützt auf Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG
setze keine Korrektur der früheren leistungszusprechenden Verfügung voraus. Diese
Aussage widerspricht der eindeutigen höchstrichterlichen Rechtsprechung (vgl. U.
Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., N. 12 ff. zu Art. 25 ATSG). Die Beschwerdegegnerin
hat tatsächlich zwei rückwirkende Korrekturverfügungen erlassen. Diese beiden
Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 13. Dezember 2007 haben die mit der
Verfügung vom 23. Januar 2002 seit dem 1. März 2001 ausgerichtete Invalidenrente ab
Januar 2002 (bis Ende 2002) und ab Januar 2004 (bis Ende 2006) neu festgesetzt.
Dabei kann es sich aufgrund des nach dem Rentenbeginn liegenden
Wirkungszeitpunkts (1. Januar 2002 bzw. 1. Januar 2004) nur um eine Revision gemäss
Art. 17 Abs. 1 ATSG gehandelt haben. Die prozessuale Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG)
und die Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) hätten nämlich die Verfügung vom 23.
Januar 2002 aufgehoben und durch eine (rückwirkende) neue erstmalige
Rentenzusprache ersetzt. Tatsächlich ist die Verfügung vom 23. Januar 2002 aber den
Sachverhaltsveränderungen per 1. Januar 2002 und per 1. Januar 2004 angepasst
worden. Die Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 13. Dezember 2007 haben
also Revisionen der laufenden Invalidenrente gestützt auf Art. 17 Abs. 1 ATSG i.V.m.
Art. 88bis Abs. 1 lit. b IVV beinhaltet. Da entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin durchaus eine Korrektur der Verfügung vom 23. Januar 2002 als
Voraussetzung der Rückforderung erfolgt ist, die dann die zwischen Januar und
Dezember 2002 und zwischen Januar 2004 und Oktober 2006 ausgerichteten
Rentenleistungen als teilweise ungerechtfertigt ausgerichtet i.S. von Art. 25 Abs. 1 Satz
1 ATSG hat erscheinen lassen, besteht entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin auch keine inhaltliche Nichtigkeit der Rückforderungsverfügung.
3.
Sowohl die Rückforderungsverfügung der Ausgleichskasse als auch die beiden als
Revisionsverfügungen gedachten Verfügungen der Beschwerdegegnerin haben eine