Decision ID: 14d81527-48fe-4c78-92f0-b762424be0a5
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 4. April 2011 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 2
und 7). Der seit 1. März 2011 behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin, berichtete am 29. Juni 2011, die Versicherte leide mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit an einem BWS-Syndrom, einer chronisch venösen Insuffizienz
beider Beine, einem Zustand nach CTS OP links (23. Februar 2011) sowie einer
Hypertonie. Für die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin bescheinigte er eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 16-5 ff.; vgl. auch den Bericht von Dr. B._ vom
29. November 2011, IV-act. 28). RAD-Ärztin Dr. med. C._, Fachärztin für Allgemeine
Medizin, hielt die Bescheinigung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für nicht
nachvollziehbar (Stellungnahme vom 13. Juli 2011, IV-act. 18). Dr. med. D._, Innere
Medizin FMH, bei dem die Versicherte seit 30. Oktober 1995 in Behandlung steht,
führte im Bericht vom 19. Dezember 2011 (Datum: Posteingang IV-Stelle) folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf: ein Thoraco-
Lumbovertebralsyndrom bei Fehlhaltung der Wirbelsäule und schwerer, teils
ankylosierender Spondylose; Polyarthronosen; eine Polymyalgia rheumatica; eine
chronisch-venöse Insuffizienz beider Beine; eine OSG-Arthrose rechts und einen Status
nach Sacrumfraktur mit Pseudarthrose. Für die angestammte Tätigkeit bescheinigte er
seit 1. September 2010 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 31). Dr. med. E._,
Departement Innere Medizin, Abteilung Rheumatologie/Rehabilitation, Kantonsspital
St. Gallen (KSSG), gab als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
generalisierte Schmerzen mit Polyarthralgien an Händen, Füssen und Schultern, ein
sensomotorisches Karpaltunnelsyndrom beidseits rechtsbetont sowie eine Adipositas
an. Sie verneinte das Bestehen von körperlichen, geistigen und psychischen
Einschränkungen. Eine Einschränkung bei der Arbeit sei durch eine allgemeine
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Dekonditionierung und Haltungsinsuffizenz bei Adipositas begründet (Bericht vom
27. März 2012, IV-act. 48).
A.b Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 25. Juni 2012 bidisziplinär
(rheumatologisch und psychiatrisch) durch F._, Rheumatologie und Innere Medizin
FMH, und Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, begutachtet.
Psychiatrischerseits wurde keine Diagnose erhoben. Der rheumatologische Gutachter
diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: ein multifaktorielles generalisiertes
Schmerzsyndrom (ICD-10: M79.0); eine Polymyalgia rheumatica, DD Fibromyalgie; ein
panvertebrales Syndrom (ICD-10: M54.0); eine Gonarthrose beidseits links > rechts;
eine beginnende OSG-Arthrose links; eine morbide Adipositas sowie ein schweres
schlaffragmentierendes obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom. Aus rein
rheumatologischer Sicht sei die Versicherte in vorwiegend gehend/stehend ausgeübten
Tätigkeiten mit bis zu mittelschweren Hebe- und Tragbelastungen, wie zuletzt als
Putzfrau ausgeübt, derzeit bestenfalls zu 50% arbeitsfähig. In beschwerdeadaptierten
Verweistätigkeiten, ausübbar in Wechselpositionen mit regelmässiger Möglichkeit zu
sitzen, wie in einfachen Sortier- und Verpackungstätigkeiten, sei medizinisch-
theoretisch eine 80 bis 100%ige Arbeitsfähigkeit vorstellbar. Die Realisierbarkeit dieser
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit erscheine aufgrund der Gesamtkonstellation
mit nun langdauernder Arbeitsunfähigkeit und doch deutlichen
Abnützungserscheinungen im Bereich der Kniegelenke, die erfahrungsgemäss wegen
der Gewichtsbelastung fortschreiten dürften, eher unwahrscheinlich (Gesamtgutachten
vom 3. Oktober 2012, IV-act. 54; zum psychiatrischen Teilgutachten vom 1. Oktober
2012 siehe IV-act. 55-1 ff.). Auf Nachfrage der IV-Stelle hin (IV-act. 57) führte der
rheumatologische Gutachter aus, eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
sei ihm in Anbetracht der multifokalen Probleme nicht möglich. Seine Stellungnahme
gelte ab Datum der Begutachtung vom 25. Juni 2012 (Schreiben vom 2. November
2012, IV-act. 58-3).
A.c Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 67, 68 und 72) verfügte die
IV-Stelle am 1. März 2013 die Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen (IV-
act. 73).
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A.d Vom 4. bis 23. März 2013 befand sich die Versicherte zur stationären
Rehabilitation in der Klinik H._. Sie habe in gebessertem Zustand nach Hause
entlassen werden können (Austrittsbericht vom 26. März 2013, IV-act. 89-6 f.). Vom
11. bis 17. Mai 2013 war die Versicherte wegen seit zwei Wochen bestehender, mit
Schweissausbrüchen vergesellschafteter Oberbauchschmerzen, die auf
Antibiotikagabe des Hausarztes nicht gebessert hätten, in der Abteilung
Gastroenterologie/Hepatologie des Departements Innere Medizin des KSSG
hospitalisiert. Die dort behandelnden Ärztinnen interpretierten die Beschwerden nach
Zusammenschau der Befunde am ehesten im Rahmen einer multifaktoriellen Genese
einerseits im Rahmen der Helicobacter pylori Gastritis, andererseits
medikamentösbedingt durch das Arava (Bericht vom 28. Mai 2013, IV-act. 101).
Anlässlich der Abklärung im Haushalt vom 21. August 2013 (IV-act. 81) gab die
Versicherte an, im Gesundheitsfall wäre sie voll erwerbstätig (Abklärungsbericht vom
22. Oktober 2013, IV-act. 87). Dr. D._ bestätigte im Verlaufsbericht vom
19. November 2013 für die Zeit ab November 2011 einen stationären
Gesundheitszustand. Er hielt die Versicherte für vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 89-1
ff.). RAD-Ärztin Dr. C._ gelangte in Würdigung der seit dem bidisziplinären Gutachten
aufgelaufenen Aktenlage zum Schluss, es ergäben sich daraus keine objektivierbaren
Befunde, welche Anlass zu einer anderen Einschätzung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit geben würden (Stellungnahme vom 11. Dezember 2013, IV-act. 90).
A.e Mit Vorbescheid vom 6. Januar 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 94). Dagegen erhob diese am
17. Januar 2014 Einwand und beantragte mit Wirkung ab 1. November 2011
Rentenleistungen (IV-act. 97). In der Stellungnahme vom 13. Mai 2014 vertrat RAD-
Ärztin Dr. C._ weiterhin die Auffassung, dass an der gutachterlichen Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit festgehalten werden könne (IV-act. 102). Daraufhin wies die IV-Stelle
das Rentenbegehren ab (Verfügung vom 22. Mai 2014, IV-act. 103).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 22. Mai 2014 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 26. Juni 2014. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung. Es sei ihr mit Wirkung ab 1. November 2011
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eine Rente zuzusprechen. Eventualiter sei ein Gerichtsgutachten zu veranlassen. Zur
Begründung bringt sie unter Hinweis auf die Berichte der behandelnden medizinischen
Fachpersonen im Wesentlichen vor, die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
sei nicht beweiskräftig. Vielmehr sei die Einschätzung von Dr. D._ nachvollziehbar.
Sodann rügt sie den von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen
Einkommensvergleich (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 16. September 2014 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Es bestehe keine
Rechtfertigung, von der vom RAD bestätigten gutachterlichen Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit abzuweichen. Ausgehend von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten führten auch die von der Beschwerdeführerin geforderte
Parallelisierung der Vergleichseinkommen sowie ein leidensbedingter Abzug zu keinem
rentenbegründenden Invaliditätsgrad (act. G 4).
B.c Die Beschwerdeführerin hat auf eine Replik verzichtet (act. G 8).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
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Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
1.4 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1).
2.
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Zu beantworten ist zunächst die Frage, ob der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht
rechtsgenüglich erstellt ist. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen
Verfügung auf das bidisziplinäre Gutachten sowie die Stellungnahmen des RAD (IV-
act. 103). Dagegen bringt die Beschwerdeführerin verschiedene Einwendungen vor
(act. G 1).
2.1 Die Beschwerdeführerin sieht die Aussagekraft der gutachterlichen Beurteilung
durch die davon abweichenden Berichte von Dr. D._ erschüttert (act. G 1, Rz 1,
S. 3 f.).
2.1.1 In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass ein den
Beweisanforderungen grundsätzlich genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V
351 f. E. 3a und b) nicht in Frage gestellt werden kann und Anlass zu weiteren
Abklärungen besteht, wenn und sobald die behandelnden medizinischen
Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen Beurteilung gelangen oder an
vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich
nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorgebracht werden, die im Rahmen
der Begutachtung unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen
Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juli 2008, 9C_830/07, E. 4.3
mit Hinweisen).
2.1.2 Das bidisziplinäre Gutachten enthält eine ausführliche Wiedergabe der
relevanten Vorgeschichte (IV-act. 54-3 ff.). Insbesondere ist darin der Inhalt des
Berichts von Dr. D._ vom 19. Dezember 2011 (Datum: Posteingang IV-Stelle)
dargestellt. Es ergeben sich im Vergleich zu den medizinischen Ausführungen in der
Beschwerde (act. G 1, S. 3 f.) keine bis zum Zeitpunkt der Begutachtung eingetretenen
Gesichtspunkte, die dem rheumatologischen Gutachter nicht bekannt gewesen wären.
Zwar fehlt im Gutachten eine Auseinandersetzung mit der von Dr. D._ im Bericht vom
19. Dezember 2011 bescheinigten Arbeitsfähigkeit. Allerdings ist zu beachten, dass Dr.
D._ sich darin lediglich zur Arbeitsfähigkeit für angestammte Tätigkeiten zu äussern
hatte (100%ige Arbeitsunfähigkeit als Putzfrau). Entscheidend ist zudem, dass der
rheumatologische Gutachter im Schreiben vom 2. November 2012 Stellung zu den
früher bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten bezogen hat (IV-act. 58-3).
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2.2 Sodann rügt die Beschwerdeführerin, die Frage nach der willentlichen
Überwindbarkeit der Schmerzen sei von den Gutachtern unbeantwortet geblieben (act.
G 1, Rz 1, S. 4 f.).
2.2.1 Der rheumatologische Gutachter führte in diesem Zusammenhang aus, eine
generalisierte Schmerzsymptomatik im Sinn einer Fibromyalgie, auf dem Boden der
entzündlichen Gelenkserkrankung, wie auch der zahlreichen mechanischen
Belastungsfaktoren, sei von den im Verlauf beurteilenden Rheumatologen erwogen
worden. In der aktuellen Untersuchung stehe ein derart generalisiertes Schmerzbild bei
freundlicher teilweiser jovial wirkender Patientin eher nicht im Vordergrund. Die
multifokal am Bewegungsapparat zu erhebenden Druckdolenzen würden namentlich im
Bereich des Achsenorgans sowie der Kniegelenke mit Orten der mechanischen
Überbelastung der muskulotendinösen wie ossären Strukturen durch das hohe
Körpergewicht bei morbider Adipositas korrelieren (IV-act. 54-16; siehe auch die
Ausführungen in IV-act. 54-20 f.). Damit brachte der rheumatologische Gutachter
nachvollziehbar zum Ausdruck, dass einem allenfalls bestehenden somatoformen
Geschehen keine wesentliche Bedeutung für die Frage nach den Beeinträchtigungen
der Leistungsfähigkeit zukommt. Dies deckt sich mit der Einschätzung von Dr. D._.
Dessen Diagnoseliste enthält im Wesentlichen somatische Krankheiten (siehe IV-
act. 89-1 und 31-2). Mangels Relevanz einer somatoformen Erkrankung kommt der
Überwindbarkeitsfrage vorliegend keine tragende Rolle zu, weshalb die Rüge der
Beschwerdeführerin ins Leere zielt.
2.2.2 Die Rüge der Beschwerdeführerin ist ferner auch deshalb unbegründet, weil
der psychiatrische Gutachter eine psychische Erkrankung, mithin eine psychische
Komorbidität, ausschloss und ausführlich Stellung zu den persönlichen Ressourcen der
Beschwerdeführerin und der zumutbaren Willensanstrengung genommen hat (IV-
act. 55-14). Darauf verwies er bei der Beantwortung der Frage 11, welche die
Überwindbarkeit somatoformer Schmerzkrankheiten zum Inhalt hatte ("Aufgrund des
Nichtvorliegens einer solchen oder anderen psychiatrischen Störung enfällt die
Beantwortung dieser Frage", IV-act. 55-15). Ein weiterer medizinischer
Abklärungsbedarf ist nicht ersichtlich.
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2.3 Aus der Sicht der Beschwerdeführerin erscheint die gutachterlich bescheinigte
"praktisch volle Arbeitsfähigkeit" aufgrund der Krankengeschichte und der auch durch
die Gutachter erhobenen zahlreichen Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nicht nachvollziehbar. Diese hätten denn auch relativierend ausgeführt,
die Realisierbarkeit dieser medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit erscheine
aufgrund der Gesamtkonstellation mit nun lang dauernder Arbeitsunfähigkeit und doch
deutlichen Abnützungserscheinungen im Bereich der Kniegelenke, die
erfahrungsgemäss wegen der Gewichtsbelastung fortschreiten dürften, eher
unwahrscheinlich (act. G 1, Rz 1, S. 5).
2.3.1 Bei ihrem Vorbringen übersieht die Beschwerdeführerin, dass in der
Diagnoseliste Krankheiten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit enthalten sind. Referenz
für die Diagnoseeinteilung bildet die angestammte Tätigkeit und nicht eine
leidensangepasste Tätigkeit. Es kann daher aus dem Umfang der Diagnoseliste für sich
allein nichts auf die für eine leidensangepasste Tätigkeit bestehenden
Beeinträchtigungen geschlossen werden, zumal vorliegend die angestammte nicht
einer leidensangepassten Tätigkeit entspricht (IV-act. 54-18). Entscheidend ist weiter,
dass der rheumatologische Gutachter detailliert und einleuchtend begründete, welche
Krankheiten in welchem Umfang Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten haben (IV-act. 54-16 f.).
2.3.2 Was die Frage nach der realistischen Verwertbarkeit anbelangt, so ist diese
nicht medizinischer Natur. Des Weiteren richtet sich deren Beantwortung nicht nach
dem tatsächlichen Arbeitsmarktangebot. Massgebend ist der ausgeglichene
Arbeitsmarkt im Sinn von Art. 7 Abs. 1 ATSG. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein
theoretischer und abstrakter Begriff. Er berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage
nicht, umfasst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene
Stellenangebote und sieht von den fehlenden oder verringerten Chancen Teilinvalider,
eine zumutbare und geeignete Arbeitsstelle zu finden, ab (BGE 134 V 71 E. 4.2.1 mit
Hinweis). Angesichts des noch nicht weit fortgeschrittenen Alters der
Beschwerdeführerin (Jahrgang 1964; IV-act. 2-1), des noch offen stehenden Spektrums
an leichten leidensangepassten Tätigkeiten (zum Anforderungsprofil siehe IV-
act. 54-17) und der lediglich geringen quantitativen Einschränkung (80 bis 100%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten, IV-act. 54-17) besteht kein Anlass,
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jegliche Möglichkeit der Erzielung eines Invalideneinkommens auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt zu verneinen. Dem steht die im Gutachten angesprochene Dauer der
Arbeitsunfähigkeit nicht entgegen (IV-act. 54-18), fällt dem Gesichtspunkt einer länger
dauernden Abwesenheit vom Arbeitsmarkt im Bereich der Hilfsarbeiterinnentätigkeit
doch eher untergeordnete Bedeutung zu. Im Übrigen trat die längerdauernde
Arbeitsunfähigkeit bzw. die Abwesenheit von einer Berufstätigkeit am 1. September
2010 ein (IV-act. 31-3; vgl. auch IV-act. 13-2). Im Zeitpunkt der Begutachtung vom
25. Juni 2012 lag die Abwesenheit vom Arbeitsmarkt noch weniger als zwei und im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses vom 22. Mai 2014 noch weniger als vier Jahre
zurück. Somit besteht kein Anlass, von der für leidensangepasste Tätigkeiten
bescheinigten 80 bis 100%igen Arbeitsfähigkeit abzuweichen.
2.3.3 Der Vollständigkeit halber ist zu bemerken, dass die im Gutachten für möglich
gehaltene Verschlechterung allein in Verbindung mit dem Übergewicht der
Beschwerdeführerin gestellt wurde ("wegen der Gewichtsbelastung fortschreiten
dürften", IV-act. 54-18). Die Gutachter empfahlen nebst anderen therapeutischen
Massnahmen "dringlich" eine Gewichtsabnahme (IV-act. 54-19). Die medizinischen
Fachpersonen des KSSG bezeichneten eine Gewichtsreduktion bereits im Bericht vom
14. Dezember 2009 als zentral (IV-act. 31-10; gleich auch die Ärzte der Klinik H._ im
Bericht vom 26. März 2013, IV-act. 89-7; zu den seit Jahren bestehenden
Gewichtsproblemen siehe Bericht des KSSG vom 6. September 2011, IV-act. 31-5).
Deshalb und da die "morbide Adipositas" bereits jetzt "allgemein" die
Bewegungsfähigkeit und die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin limitiert, ist die
Beschwerdeführerin daran zu erinnern, dass sie alles ihr Zumutbare unternehmen
muss, um den Eintritt einer Invalidität zu verhindern (Art. 7 Abs. 1 IVG). Kommt sie den
zumutbaren Massnahmen (siehe hierzu Art. 7a IVG) nicht nach, so läuft sie - nach dem
von der Beschwerdegegnerin durchzuführenden Mahn- und Bedenkzeitverfahren
(Art. 7b Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 21 Abs. 4 ATSG) - Gefahr, dass allfällige zukünftige IV-
Leistungen gekürzt oder verweigert werden können.
2.4 Gegen das Abstellen auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung bis zum
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung verweist die Beschwerdeführerin auf die von
Dr. D._ dokumentierte Krankheitsgeschichte und medikamentöse Therapie (act. G 1,
Rz 2, S. 6 ff.).
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2.4.1 Dr. D._ bezeichnete im Bericht vom 19. November 2013 - u.a. gestützt auf
den von ihm eingeholten radiologischen Untersuchungsbericht vom 13. November
2013 (MRT der HWS; IV-act. 89-15) - den seit November 2011 eingetretenen
Gesundheitsverlauf als stationär. Insgesamt seien die Befunde unverändert (IV-
act. 89-1). Damit ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine längerdauernde
gesundheitliche Verschlechterung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten seit der gutachterlichen Beurteilung bis zum
19. November 2013 zu verneinen. Auch für die Zeit danach bis zum Verfügungserlass
vom 22. Mai 2014 ist eine relevante Verschlechterung weder ersichtlich noch dargetan.
Insbesondere ergibt sich nichts Gegenteiliges aus der dokumentierten
Krankheitsgeschichte von Dr. D._ (act. G 1.6). Ergänzend kann auf die zutreffenden
Ausführungen der RAD-Ärztin verwiesen werden (Stellungnahmen vom 11. Dezember
2013, IV-act. 90-2, vom 20. Februar 2014, IV-act. 98-2, und vom 13. Mai 2014, IV-
act. 102-2). Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin (act. G 1, Rz 2, S. 7) war
die Müdigkeit bereits den Gutachtern bekannt und im Rahmen eines schweren
schlaffragmentierenden obstruktiven Schlafapnoesyndroms berücksichtigt worden (IV-
act. 54-16; vgl. ferner zur Klage der Beschwerdeführerin über "sehr starke Müdigkeit"
Bericht des KSSG vom 6. September 2011, IV-act. 31-5). Eine relevante
gesundheitliche Verschlechterung kann darin nicht erblickt werden.
2.4.2 Es bleibt unklar, was der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit seinen
Hinweisen auf die medikamentösen Therapien und den sich widersprechenden
Ausführungen betreffend Schmerzen ("Dem wäre kaum so, wenn es sich allein um eine
Schmerzproblematik handeln würde"; Dr. D._ habe festgestellt, die
Beschwerdeführerin sei "total schmerzgeplagt"; act. G 1, Rz 2, S. 6) zum Ausdruck
bringen möchte. Denn einerseits ist unbestritten und ergibt sich auch aus den Akten,
dass nicht bloss eine reine Schmerzproblematik vorliegt (siehe vorstehende E. 2.2.1).
Andererseits können aus einer in Anspruch genommenen Therapie bzw. der
Therapiebedürftigkeit keine Schlüsse hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten gezogen werden. Der Vollständigkeit halber ist darauf
hinzuweisen, dass die Verbesserung der Arthralgien und
Myalgien von den medizinischen Fachpersonen des KSSG im Rahmen der
Physiotherapie und nicht im Rahmen der medikamentösen Therapie mit Arava
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interpretiert wurde. Die Therapie mit Arava bei derzeit nicht klar ersichtlicher Indikation
sowie gastrointestinalen Nebenwirkungen sei zu sistieren (IV-act. 101-5).
2.4.3 Die Beschwerdeführerin weist sodann auf die "objektive Feststellung" eines
Restless Legs Syndroms durch Dr. D._ hin (act. G 1, Rz 2, S. 7). Im Eintrag vom
26. November 2013 hielt Dr. D._ fest, "relativ typische Anamnese von restless legs
syndrome" (act. G 1.6, S. 3). Die daraufhin begonnene medikamentöse Therapie mit
Sifrol schlug offenbar nach Dosierungssteigerung positiv an (Eintrag vom 11. März
2014: "Bezüglich RLS doch jetzt etwas besser", act. G 1.6, S. 2; danach finden sich
keine Einträge mehr hinsichtlich des Restless Legs Syndroms bzw. der Behandlung mit
Sifrol). Eine längerdauernde, die Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
beeinträchtigende Erkrankung durch das von Dr. D._ rudimentär begründete Restless
Legs Syndrom ist nicht dargetan. Im Übrigen wurden die bereits früher geklagten
Fussschmerzen "unklarer Genese" differenzialdiagnostisch im Rahmen der
Überbelastung in Folge der Adipositas interpretiert (Bericht des KSSG vom
20. Dezember 2010, IV-act. 31-12; vgl. auch Bericht des KSSG vom 27. März 2012, IV-
act. 48). Die Beschwerden in den Füssen hätten sich keiner neurologischen Erkrankung
zuordnen lassen. Sowohl klinisch als auch elektroneuromyographisch finde sich kein
Hinweis für eine neurogene Genese oder muskuläre Erkrankung (IV-act. 31-13).
2.4.4 Was die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführte entzündliche Aktivität
anbelangt (act. G 1, Rz 2, S. 7 f.), so ist zu bemerken, dass im Bericht des KSSG vom
14. Dezember 2009 weder klinisch noch radiologisch Hinweise für ein entzündliches
Geschehen festgestellt wurden (IV-act. 31-10). Der rheumatologische Gutachter gab
bei der Diagnose einer Polymyalgia rheumatica an, es bestehe kein Hinweis für eine
entzündliche Komponente (IV-act. 54-15; vgl. auch die Diskussion der Polymyalgie in
IV-act. 54-16). Im Bericht der Klinik H._ vom 26. März 2013 fand sich lediglich eine
"leichte" CRP-Erhöhung (IV-act. 89-7). Die behandelnden Ärztinnen des KSSG fanden
im Rahmen der Hospitalisation vom 11. bis 17. Mai 2013 weder einen Hinweis auf eine
entzündliche Aktivität noch auf eine entzündliche Komponente (IV-act. 101-1 und -5).
Es besteht daher unter diesem Gesichtspunkt kein Anlass, von der gutachterlichen
Beurteilung abzuweichen, zumal sich auch nichts Gegenteiliges aus der Dokumentation
von Dr. D._ ergibt (vgl. etwa den Eintrag vom 1. April 2014, act. G 1.6).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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2.4.5 Bei der Würdigung des bidisziplinären Gutachtens fällt ferner ins Gewicht,
dass es auf eigenständigen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet und die von der
Beschwerdeführerin geklagten Leiden berücksichtigt und gewürdigt. Die Attestierung
einer 80 bis 100%igen Restarbeitsfähigkeit leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Die
Beschwerdegegnerin hat bei der Bestimmung des Invalideneinkommens zu Recht auf
den Mittelwert der Arbeitsfähigkeit von 90% abgestellt (Urteil des Bundesgerichts vom
20. August 2009, 9C_193/2009, E. 1.3.1 mit Hinweis). Da ein Rentenanspruch
frühestens sechs Monate nach der Anmeldung vom 4. April 2011 und damit frühestens
am 1. Oktober 2011 beginnen würde (Art. 29 Abs. 1 IVG) und Dr. D._ den seit
November 2011 eingetretenen Gesundheitsverlauf im Verlaufsbericht vom
19. November 2013 als stationär/"insgesamt unverändert" bezeichnete (IV-act. 89-1),
ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die gutachterlich
bescheinigte Arbeitsfähigkeit auch rückwirkend Geltung hat. Zu ergänzen ist, dass sich
den Akten keine Hinweise für einen im Oktober 2011 bestehenden, im Vergleich zum
November 2011 schlechteren Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin entnehmen
lassen. Von weiteren Abklärungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb
darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 134 I 148 E. 5.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 15. November 2010, 8C_663/2010, E. 5.1).
3.
Ausgehend von einer 90%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten kann
eine konkrete Bestimmung der Vergleichseinkommen offen gelassen werden. Denn
selbst wenn zugunsten der Beschwerdeführerin - die als Gesunde einen im Vergleich
zum LSE-Hilfsarbeiterinnenlohn unterdurchschnittlichen Verdienst erzielte (vgl. IV-
act. 13) - ein Prozentvergleich vorgenommen und der höchstzulässige
Tabellenlohnabzug gewährt würde, resultierte ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von aufgerundet 33% (10% + [90% x 25%]).
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP