Decision ID: 96597197-9513-5e1d-8fe4-15c043bdd7a4
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, bezieht seit Juni 2001 eine Rente der Inva
lidenversicherung (
Urk.
7/3/4-5)
, dies in der Höhe von monatlich
Fr.
1‘401.-- im Jahr 2011 (
Urk.
7/14/1-4
Ziff.
3.1)
.
Am 2
4.
August 2012 beantragte ihre
Bei
stän
din
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
(SVA)
die Aus
richtung von Zusatzleistungen (
Urk.
7/1,
Urk.
7/10).
M
it Verfügung vom 2
3.
Oktober 2012 verneinte d
ie
SVA (Ausgleichskasse)
ei
nen
Anspruch
auf Zusatzleistungen zur Invalidenversicherung
(
Urk.
7/38)
. Die
da
ge
gen erhobene Einsprache (
Urk.
7/47) wies die
SVA (Zusatzleistungen)
am
6.
März
2013 ab (
Urk.
7/48 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte - und ihre
Beiständin
(vgl.
Urk.
4) - erhob gegen den
Ein
spra
cheentscheid
vom
6.
März 2013 (
Urk.
2) am
1
9.
April 2013 Beschwerde und be
an
tragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihr Zusatzleistungen zur Invali
den
versicherung auszurichten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2).
Die SVA (Zusatzleistungen) beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
Mai 2013
(
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführe
rin am
1
1.
Juni 201
3
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1
.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus
setzungen nach
Art.
4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tung
en zur Deckung ihres Existenzbedarfs (
Art.
2
Abs.
1 ELG; §
§
1, 13, 15 und 20
Abs.
1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-, Hin
terlassenen- und Invalidenversicherung, ZLG).
1.2
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (
Art.
9
Abs.
1 ELG).
1.3
A
nrechenbare Einnahmen
sind unter anderem (
Art.
11
Abs.
1
ELG
):
Einkünfte a
us beweglichem und unbeweglichem
Vermögen (
lit
. b):
ein Fünfzehntel des Reinvermögens, soweit es bei
alleinstehenden Perso
nen
Fr.
37‘500
übersteig
t (
lit
. c).
1.4
Nicht angerechnet werden unter anderem gemäss
Art.
11
Abs.
3
lit
. a ELG
Ver
wandtenunterstützungen
nach
Art.
328 ff. des Schweizerischen
Zivilgesetzbuch
s
(ZGB).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid davon aus,
die Zah
lungen an die Beschwerdeführerin durch eine von ihren Eltern errichtete Stif
tung stellten keine Verwandtenunterstützung dar, da sie nicht mehr aus dem Vermögen der Eltern stammten und überdies bedarfsunabhängig ausgerichtet würden. Dies bilde auch den wesentlichen Unterschied zur von der Beschwer
de
führer
in
analogieweise angeführten Leibrente (
Urk.
2
S. 3
Ziff.
3b).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt,
das Stiftungsvermögen sei von ihren Eltern gemäss Erb
vertrag im Rahmen eines Erbauskaufs eingebracht worden (S.
4
Ziff.
6). Sie sei alleinige Begünstigte der Stiftung (S.
4
Ziff.
8). Das Stiftungsvermögen gehöre der Stiftung und nicht ihr; sie könne nicht darüber verfügen. Dass sie das Ver
mögen und die Erträge der Stiftung in der Schweiz versteuern müsse, liege ein
zig daran, dass die (
Y._
) Stiftung in der Schweiz steuerrechtlich nicht anerkannt werde (S.
5
Ziff.
11).
Schliesslich wies sie auf Urteile und
Weg
leitungsbestimmungen
hin, denen gemäss Leibrenten als
Verwandtenunterstüt
zung
einzuordnen seien (S.
6
Ziff.
15).
2.3
Strittig und zu prüfen ist mithin, wie die der Beschwerdeführerin zukommenden Erträge und das Vermögen der genannten Stiftung rechtlich zu qualifizieren sind.
3.
3.1
Am
8.
November 2011 schlossen die Beschwerdeführerin und ihre Eltern einen (öffentlich beurkundeten und
von
der
Beiständin
mitunterzeichneten) Erbver
trag (
Urk.
7/6/1-7 =
Urk.
7/8/1-7). In der Präambel wurde
unter anderem
fest
gehalten:
...
Im Rahmen eines Erbauskaufes möchten die Eltern
X._
den Be
trag von CHF 2‘200‘000.-- (nachstehend auch „
Auskaufsbetrag
“) zukom
men lassen. Der
Auskaufsbetrag
wird nicht direkt und nicht als
Einmal
zahlung
an
X._
überwiesen. Die Eltern errichten vielmehr eine Stiftung nach
Y._
Recht und alimentieren
d
ie
se
mit dem
Auskaufsbetrag
von CHF 2‘
2
00‘000.--. Alleinige Begün
stigte der Stiftung is
t
X._
während ihrer
Lebzeit
, die von
der Stiftung monatlich ei
nen festgelegten Mindestbetrag und - sofern erforderlich - zusätzliche Unter
stützung aus dem Stiftungsvermögen erhält.
Im Gegenzug verzichtet
X._
auf sämtliche erbrechtlichen
An
sprüche
gegenüber dem Nachlass ihrer Eltern.
...
Gemäss verschiedenen
Steuerrulings
der Steuerbehörden ... werden sowohl
die Vermögenswerte und Einkünfte der Stiftung zum Zweck der Besteue
rung
X._
zugeordnet.
In den Vertragsbestimmungen wurde festgelegt, dass die Stiftung der Beschwer
de
führerin monatlich
Fr.
2‘625.-- an die Kosten ihres Lebensunterhalts aus
schütte; dieser Betrag könne je nach Ertrags- und Vermögenslage der Stiftung und Lebenssituation der Beschwerdeführerin auf maximal
Fr.
3‘125.-- erhöht wer
den (
Ziff.
2.3). Zusätzlich könne die Stiftung
die Kosten einer psychologi
schen
Betreuung der Beschwerdeführerin in der Höhe von maximal
Fr.
15‘000.-- pro Jahr
übernehmen (
Ziff.
2.4). Zusätzlich bilde die Stiftung für die Deckung von
ausserordentlichen Ausgaben bis zu einem Gesamtbetrag von
Fr.
50‘000.
--
Rück
stellungen von
Fr.
5‘000.-- pro Jahr, welche beim Vorliegen von speziellen Situationen (wie Krankheit, Nachkommen) an die Beschwerdeführerin ganz oder teilweise ausgeschüttet werden könnten (
Ziff.
2.
5).
Weiter wurde festgelegt, dass die Stiftung die Vermögens- und Einkommens
steuern der Beschwerdeführerin übernehme (
Ziff.
2.6), dass die vorgenannten Be
träge jährlich dem Landesindex der Konsumentenpreise angepasst würden (
Ziff.
2.8), und dass - sollten es die Ertrags- und Vermögenslage der Stiftung nicht erlauben, die genannten Leistungen über den geplanten Zeitraum zu er
bringen - die Stiftung die Ausschüttungen entsprechend verringern könne (
Ziff.
2.9).
Sollte die Beschwerdeführerin ohne Nachkommen versterben, so werde ein all
fälliges Restvermögen der Stiftung zu gleichen Teilen an ihre drei Geschwister aus
geschüttet (
Ziff.
2.17
Abs.
2).
Sodann wurde festgelegt, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf Gleichbehandlung gegenüber ihren Geschwistern habe,
und dass sie
auf die Geltendmachung ihres Pflichtteils, auf eine Ausgleichszahlung irgendwelcher
Art sowie auf die Geltendmachung sämtlicher Herabsetzungsan
s
prüche ver
zichte
(
Ziff.
4)
.
3.2
Am
2.
Dezember 2011 wurde die
Z._
Stiftung errichtet, deren Stiftungsur
kunde (
Urk.
7/5/1-8) und Stiftungszusatzurkunde (
Urk.
7/5/10-17) und Regle
ment (
Urk.
7/5/18-21) entsprechend den Bestimmungen des Erbvertrags ausge
staltet wurden.
3.3
In einer Anfrage der
A._
AG
im Auftrag der Eltern der Beschwerdeführerin
an verschiedene Steuerbehörden vom 2
0.
Juni 2011 (
Urk.
7/7
/1-3
=
Urk.
7/12
/1-3
) war ausgeführt worden, Z
iel der anvisierten Lö
sung sei es, dass einerseits die derzeitigen Zusatzleistungen der öffentlichen Hand
abgelöst
werden könn
t
en und andererseits der Lebensunterhalt der Be
schwerdeführerin bis zu ihrem Ableben gesichert sei (S. 1 Mitte). In steuerlicher Hinsicht wurde unter anderem ausgeführt, die Alimentierung der Stiftung durch die Eltern gelte als direkte Zuwendung an die Beschwerdeführerin und sei ent
sprechend von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit (S. 2 unten). Dem hatten die kantonalen Steuerbehörden von
B._
(S. 3 unten) sowie
C._
(
Urk.
7/7/4 =
Urk.
7/12/4)
und
D._
(
Urk.
7/44 S. 3 unten)
zugestimmt.
4.
4.1
Gemäss
Art.
328
Abs.
1 ZGB ist, w
er in günstigen Verhältnissen lebt, ver
pflich
tet, Verwandte in auf- und absteigender Linie zu unterstützen, die ohne diesen Beistand in Not geraten würden.
Zivilrechtlich sind somit
günstige Ver
hältnisse auf Seiten der unterstützenden Person
,
eine Notlage auf Seiten der un
terstützten
Person
und ein direktes Verwandtschaftsverhältnis zwischen die
sen
voraus
ge
setzt
.
Der Unterstützungsanspruch geht in der Regel auf die Verschaffung von Nah
rung, Kleidung, Wohnung sowie ärztlicher Betreuung und Heilmitteln bei Krank
heit (BGE 133 III 507 E. 5.1).
Die
Untergrenze des Unterstützungsbedarfs
ist
der betreibungsrechtliche Notbedarf (BGE 132 III 97 E. 2.2)
.
4.2
Die Leistungen der
Z._
Stiftung an die Beschwerdeführerin können dann nicht
als Verwandtenunterstützung qualifiziert werden, wenn von der Herkunft des
Stif
tungsvermögens
abstrahiert und ausschliesslich darauf abgestellt wird, dass zwischen der Stiftung und der Beschwerdeführerin kein Verwandtschafts
ver
hält
nis besteht. Dies ist die Betrachtungsweise der Beschwerdegegnerin.
4.3
Die Prüfung der Frage, ob es sich bei den genannten Zuwendungen um (für den
An
spruch auf
Ergänzungsleistungen nicht zu berücksichtigende)
Verwandten
un
terstützung
handelt, ist nur sinnvoll möglich, wenn der Umstand ins Zentrum gerückt wird, dass das Stiftungsvermögen von den Eltern der Beschwerdeführe
rin eingebracht wurde und dass die Beschwerdeführerin die einzige
Destinatärin
der Stiftung ist, weil
sich
nur so die
vorausgesetzte verwandtschaftliche Bezie
hung postulieren lässt.
4.4
Die Errichtung der
Z._
Stiftung zugunsten der Beschwerdeführerin erfolgte im
Rahmen einer erbrechtlichen Transaktion. Die Grundlage dafür ist der Erb
ver
trag, der zwischen der Beschwerdeführerin und ihren Eltern geschlossen wurde. Darin verzichtete die Beschwerdeführerin auf alle späteren
erbrechtli
chen
An
sprüche, während sich die Eltern im Gegenzug verpflichteten, die ge
nannte Stif
tung zu errichten und mit
Fr.
2‘200‘000.-- auszustatten.
Dies unterscheidet sich von einem
konventionellen
Erbvorbezug
und -verzicht
in
zwei Punkten: Erstens willigte die Beschwerdeführerin darin ein, dass der
Aus
kaufsbetrag
nicht in ihr Eigentum überging, sondern in jenes der zu diesem Zweck errichteten Stiftung. Und zweitens stimmte die Beschwerdeführerin dem Mechanismus zu, der ihr statt den gesamten Erträgen des Stiftungsvermögens monatlich einen bestimmten Betrag (von Ausnahmesituationen abgesehen min
destens
Fr.
2‘625.- und maximal
Fr.
3‘125.--) zukommen lässt.
Beide Besonderheiten ändern nichts daran, dass mittels Erbvertrag d
er
prä
su
m
tive
Erbteil der Beschwerdeführerin aus dem Vermögen ihrer Eltern heraus
gelöst
wurde und nun - zu den genannten, von ihr gebilligten einschränkenden Kondi
tionen - ihr zugutekommt.
4.5
Der Erbvertrag hat zur Folge, dass der Beschwerdeführerin aus ihrem
vorbe
zo
genen
Erbteil monatlich ein fester Betrag zufliesst, dies zuzüglich weiterer (limi
tierter) Beträge im Bedarfsfall.
Der Erbvertrag hat allerdings auch zur Folge, das
s die Beschwerdeführerin über das Kapital, das den Erbvorzug darstellt, nicht ver
fügen kann, befindet es sich doch im Eigentum der gemäss Erbvertrag er
rich
te
ten Stiftung.
4.6
Somit stellt sich die Frage, ob die Mittel, die der Beschwerdeführerin aufgrund des - etwas aussergewöhnlich ausgestalteten - Erbvorbezugs zufliessen, als
Ver
wandtenunterstützung
im Sinne von
Art.
328 ZGB und
Art.
10
Abs.
3
lit
. a ELG zu qualifizieren sind.
Ausgangspunkt für die Beantwortung dieser Frage ist die Feststellung, dass d
as
aus der güter- und erbrechtlichen Auseinandersetzung resultierende Vermögen bei der Berechnung der Ergänzungsleistung vollumfänglich zu berücksichtigen ist
(BGE 139 V 505 E.
2.1). In einem älteren Entscheid hat das Bundesgericht aus
ge
führt,
der Charakter einer Verwandtenunterstützung gemäss
Art.
328
ff. ZGB
könne den
den
Erbanspruch übersteigenden Zuwendungen von Miterben (Nach
kommen) aus der Erbschaft zugesprochen werden (BGE 105 V 68 E. 2a), woraus
sich im Umkehrschluss ergibt, dass Zuwendungen, welche den Erban
spruch nicht
übersteigen, nicht als Verwandtenunterstützung anzusehen sind.
Diese Betrachtungsweise erscheint sachgerecht, denn andernfalls
wäre nicht zu unterscheiden zwischen ergänzungs
leistungs
relevanten erbrechtlich ausgelösten Finanzflüssen und solchen, die als ergänzungsleistungsmässig privilegierte
Ver
wandtenunterstützung
zu gelten hätten.
4.7
Dies führt zum Schluss, dass die Zuwendungen, welche die Beschwerdeführerin vo
n der
Z._
Stiftung erhält, eine Art gestaffelten Erbvorbezug - und nicht
Ver
wandtenunterstützung
- darstellen.
Demnach sind sie bei der Anspruchsermittlung als Einnahmen zu berücksichti
gen.
Anders verhält es sich mit dem Vermögen der
Z._
Stiftung. Darüber kann die
Beschwerdeführerin nicht verfügen; es ist Eigentum der Stiftung. Der von
Art.
1
1
Abs.
1
lit
. c
ELG
verlangte Vermögensverzehr ist der Beschwerdeführe
rin somit aus zwei rechtlichen Gründen nicht möglich: Erstens handelt es sich nicht um ihr Vermögen, sondern jenes der Stiftung, und zweitens hat sie keine Ver
fü
gungs
gewalt über die Mittel der
Z._
Stiftung.
4.
8
Dementsprechend ist das von der Beschwerdegegnerin erstellte
Berechnungs
blatt
vom 2
3.
Oktober 2012 (
Urk.
7/41) zu korrigieren:
Nicht zu beanstanden ist der mit
Fr.
36‘925.-- bezifferte Bedarf.
Einnahmenseitig zu berücksichtigen ist (mit der Beschwerdegegnerin) die Invali
denrente von jährlich
Fr.
16‘812.-- sowie (neu) die Zuwendung der
Z._
Stif
tung von monatlich
Fr.
2‘625.-- (x 12 =
Fr.
31‘500.--), jedoch kein
Vermögens
ertrag
und -verzehr
. Damit betragen die Einnahmen
Fr.
48‘312.-- (
Fr.
16‘812.-- +
Fr.
31‘500.--).
Dies ergibt einen Einnahmenüberschuss von
Fr.
11‘387.--, womit kein Anspruch auf Ergänzungsleistungen besteht.
4.
9
Der angefochtene Entscheid ist mithin - aus den genannten Gründen jedoch nur im Ergebnis - zu bestätigen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.