Decision ID: 097043e7-3e3e-458e-8a1d-5a1292e15dc1
Year: 2019
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A.A_ ist in Deutschland wohnhaft und Eigentümer einer
Stockwerkeigentumseinheit (Quote 79/1000, Sonderrecht an der 2 1⁄2
Zimmerwohnung Nr. 2 im Erdgeschoss mit Kellerabteil Nr. 4 und
Autoeinstellplatz im Untergeschoss) auf der Parzelle Nr. 3506 der
Gemeinde X._, womit er dort steuerpflichtig ist. Aus den verfügbaren
Akten ergibt sich, dass die Kommunikation mit der kantonalen
Steuerverwaltung zeitweise über B.A_ lief, der eigenen Angaben
zufolge sein Sohn sei. Mit Schreiben vom 2. Juli 2018 (act. C.1) bat letzterer
die Steuerverwaltung jedoch, sämtliche Korrespondenz künftig direkt mit
seinem Vater (A.A_) zu führen und gab dessen Adresse bekannt.
2. Am 6. Dezember 2018 erliess die Steuerverwaltung des Kantons
Graubünden [nachfolgend: KSTV GR] in Sachen A.A_ je eine
Veranlagungsverfügung mit Ermessenstaxation für das Fiskaljahr 2017 für
die Einkommens- und Vermögenssteuern des Kantons und der Gemeinde
einerseits sowie für die Einkommenssteuern des Bundes andererseits (act.
C.2 und C.3). Die Beträge beliefen sich dabei auf CHF 1'649.00 für die
Kantonssteuern (nebst weiteren CHF 1'689.00 an Gemeindesteuern)
einerseits und CHF 996.55 für die Bundessteuer andererseits. In der Folge
stellte die KSTV GR A.A_ am 17. Dezember 2018 die entsprechenden
Rechnungen zu (act. C.4 und C.5). Diese betrugen jeweils CHF 580.46 für
die Kantonssteuern (unter Anrechnung einer Zahlung von CHF 1'068.54)
und CHF 61.33 für die Bundessteuer (unter Anrechnung von Zahlungen im
Umfang von CHF 994.92, aber unter Hinzurechnung von CHF 59.70 an
Kosten).
Da die genannten Ausstände in der Folge nicht beglichen wurden, erliess
die KSTV GR am 10. Januar 2019 die erste Mahnung für die
Kantonssteuern (act. C.10) und am 30. Januar 2019 für die Bundessteuer
(act. C.8). Die zweite Mahnrunde erfolgte daraufhin am 6. Februar 2019 für
- 3 -
die Kantonssteuern (act. C.11) respektive am 27. Februar 2019 für die
Bundessteuer (act. C.9), wobei inzwischen je CHF 30.00 Mahngebühren
hinzugekommen waren. Somit stiegen die Ausstände auf CHF 610.46 für
die Kantonssteuern und CHF 91.33 für die Bundessteuer, beides für das
Steuerjahr 2017.
3. Am 21. Januar 2019 stellte die KSTV GR A.A_ die provisorischen
Rechnungen für die Steuerperiode 2018 aus (act. C.6 und C.7), wobei sie
– wie im Vorjahr – wieder CHF 1'649.00 für die Kantonssteuern und
CHF 996.55 für die Bundessteuer einsetzte. Auch diese Beträge wurden
nicht beglichen, weshalb die KSTV GR am 17. April 2019 die erste Mahnung
für die Bundessteuer (act. C.14) und am 15. Mai 2019 jene für die
Kantonssteuern (act. C.15) erliess, wobei sie hierfür Zahlungen bis am 9.
April 2019 (Bund) respektive bis am 7. Mai 2019 (Kanton) berücksichtigte.
Am 9. Mai 2019 gingen dann eine Überweisung von CHF 980.06 für die
Bundessteuern und eine von CHF 1'620.26 für die Kantonssteuern ein,
womit sich nunmehr Ausstände in der Höhe von CHF 16.49 (Bund)
respektive CHF 28.74 (Kanton) für das Fiskaljahr 2018 ergaben (siehe act.
C.16 für die Bundessteuer und C.17 und C.18 für die Kantonssteuern).
4. Inzwischen erliess die KSTV GR am T._ 2019 eine
Sicherstellungsverfügung gegen A.A_ im Betrag von CHF 3'700.00,
zusammengesetzt aus CHF 1'200.00 für die direkten Bundessteuern 2017-
2018 und aus CHF 2'500.00 für Kantonssteuern 2017-2018. Sie publizierte
diese Verfügung gleichentags im Kantonsamtsblatt. Als Grund für die
Sicherstellung gab sie an, die Forderungen schienen gefährdet.
5. Am 13. Mai 2019 hat B.A_ – eigenen Angaben zufolge im Namen
seines Vaters, A.A_ – eine Beschwerde gegen die im
Kantonsamtsblatt publizierte, seinen Vater betreffende
Sicherstellungsverfügung beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden eingereicht (act. A.1). Gemäss Track&Trace Auszug zur
- 4 -
Sendung RT_ ist die Beschwerde am 15. Mai 2019 der
schweizerischen Post übergeben worden und am 16. Mai 2019 beim
Gericht eingegangen.
Als Beilagen hat B.A_ verschiedene Dokumente zu den Akten gereicht
(act. B.1-B.4), unter anderem einen Ausdruck der Publikation im
Kantonsamtsblatt vom T._ 2019 der Sicherstellungsverfügung gegen
A.A_ im Betrag von CHF 3'700.00 (act. B.3).
In der Beschwerde selbst bittet B.A_ vorab darum, den Schriftverkehr
über ihn zu führen. Er macht geltend, sie hätten erst am 13. Mai 2019
Kenntnis von der Sicherstellungsverfügung erhalten, da diese veröffentlicht
worden sei. Die Veröffentlichung habe stattgefunden obwohl A.A_s
Adresse bekannt sei. Darüber hinaus sei die angefochtene Verfügung nicht
rechtmässig, da die fraglichen Kantons- und Bundessteuern 2017 und 2018
beglichen seien. Es seien namentlich folgende Beträge überwiesen worden:
21.03.2016 Kantonssteuern 2015 EUR 1'516.25 (=CHF 1'636. 19)
(Rechnungsnr. –) 24.05.2017 Kantonssteuern 2016 EUR 1'507.00
(Rechnungsnr. 7022165) 26.05.2017 Bundessteuer 2016 EUR 900.00
(Rechnungsnr. 6925478) 09.03.2018 Kantonssteuern 2017 EUR 1'434.63
(Rechnungsnr. 7833834) 09.03.2018 Kantonssteuern 2016 EUR 20.75
(Rechnungsnr. 7643135) 09.03.2018 Bundessteuer 2016 EUR 20.34
(Rechnungsnr. 7639848) 15.03.2018 Bundessteuer 2017 EUR 860.43
(Rechnungsnr. 7818942) 08.05.2019 Kantonssteuern 2018 EUR 1'434.63 (=CHF 1'649.
00) (Rechnungsnr. –)
08.05.2019 Bundessteuer 2018 EUR 867.39 (=CHF 997.00)
- 5 -
(Rechnungsnr. –)
Gleichzeitig seien sie der Auffassung, das Problem liege darin, dass die
eingegangenen Zahlungen mit vermeintlich noch offenen Steuern aus den
Vorjahren verrechnet worden seien. Das sei schon deshalb nicht möglich,
da Zahlungen immer auf eine bestimmte Rechnungsnummer bzw. eine
bestimmte Steuer für ein definiertes Jahr bezahlt würden. Zahlungen auf
eine spezielle Schuld könnten nicht einfach auf andere Forderungen
umgebucht werden. Bei einer Überzahlung einer einzelnen Forderung
spreche zwar nichts dagegen, diese mit einer noch offenen anderen
Forderung zu verrechnen. Sämtliche Steuern der jeweiligen Vorjahre seien
hier aber bereits bezahlt, weshalb es nicht rechtmässig sei, Zinsen und
Gebühren zu erheben. Denkbare, durch Bankspesen auf Seiten der
Steuerbehörde oder durch Wechselkurse angefallene Kleinbeträge seien
sie hingegen bereit auszugleichen.
6. Der Instruktionsrichter hat mit Verfügung vom 17. Mai 2019 (act. D.1) die
KSTV GR zur Stellungnahme eingeladen und sie sogleich aufgefordert,
sämtliche Akten und alle verfügbaren Beweismittel einzureichen.
7. Die KSTV GR hat mit Eingabe vom 11. Juni 2019 eine vollumfängliche
Abweisung der Beschwerde beantragt, soweit darauf einzutreten sei, das
Ganze unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung äussert sie sich dahingehend, dass die angefochtene
Sicherstellungsverfügung vom T._ 2019 datiere und im
Kantonsamtsblatt rechtswirksam publiziert worden sei. Damit sei die
Beschwerde verspätet. B.A_ habe zudem keine Vollmacht
vorgewiesen. Er habe vielmehr mit Schreiben vom 2. Juli 2018 (act. C.1)
die KSTV GR gebeten, sämtliche Korrespondenz künftig direkt mit seinem
Vater zu führen.
- 6 -
Die Beschwerde sei aber auch materiell unbegründet. Die Kantonssteuern
und Bundessteuer 2017 seien nach Ermessen veranlagt und es seien keine
Einsprachen erhoben worden, sodass die Veranlagungen rechtskräftig
seien. Die basierend darauf versandten Rechnungen würden auch die
verbuchten Zahlungen ausweisen. Die offenen Steuerforderungen seien
aber selbst nach zwei Mahnungen nicht beglichen worden. Auch für die
provisorisch in Rechnung gestellten Beträge der Kantonssteuern und
Bundessteuern 2018 habe eine erste Mahnung versandt werden müssen.
Erst dann und nach Ergehen der Sicherstellungsverfügung seien am 9. Mai
2019 Zahlungseingänge registriert worden. Auch hier seien aber die
Ausstände noch nicht vollständig beglichen worden. Wenn
Steuerforderungen nicht vollständig in Schweizer Franken beglichen
würden, so entstünden nach Ablauf der Zahlungsfrist Verzugszinsen und
weitere Kosten für Mahnungen und das Inkasso. Dies sei vorliegend der
Fall. Die KSTV GR habe sich deshalb veranlasst gesehen, eine
Sicherstellungsverfügung zu erlassen, welche zusätzlich zu den
Ausständen noch die voraussichtlichen Steuerforderungen für die
Steuerperiode 2019 und die voraussichtlich anfallenden Gebühren und
Kosten für das Inkasso und den Arrest umfasse. Die Verfügung sei im
Amtsblatt publiziert worden, da sich die steuerpflichtige Person im Ausland
befinde und auf die Mahnschreiben nicht reagiert habe. Die Sicherstellung
sei durch den ausländischen Wohnsitz sowie durch den Umstand
gerechtfertigt, dass der Steuerpflichtige – wie schon in der Vergangenheit –
selbst nach diversen Mahnungen seine Steuerpflicht nicht erfüllt habe.
Zudem ergebe sich aus den vom Beschwerdeführer selbst eingereichten
Dokumenten, dass bereits für die Steuern 2015 und 2016
Inkassohandlungen gegen ihn hätten eingeleitet werden müssen. Zu den
konkreten noch offenen Beträgen macht die KSTV GR schliesslich geltend,
die Überweisungen vom 9. Mai 2019 für die Kantonssteuern 2019 [recte:
gemeint dürfte wohl 2018 sein] im Umfang von EUR 1'434.63 würden
umgerechnet CHF 1'620.26 (statt CHF 1'649.00) und jene für die direkte
- 7 -
Bundessteuer 2018 im Umfang von EUR 867.39 umgerechnet CHF 980.06
(statt CHF 997.00) entsprechen, womit auch weiterhin noch Ausstände
bestünden. Die KSTV GR habe in der Vergangenheit mit den
eingegangenen Zahlungen jeweils die ältesten Steuerausstände getilgt. Für
verspätete Zahlungen sei ein Verzugszins geschuldet, der vom
Finanzdepartement für jedes Kalenderjahr endgültig festgelegt würde. Der
Verzugszins werde berechnet und mit einer separaten Rechnung erhoben,
sobald die entsprechende Steuerforderung vollständig beglichen sei. Das
entspreche der gängigen Praxis. Die steuerpflichtige Person werde mit den
Rechnungen respektive Mahnungen zum jeweiligen Stichtag über die
genauen Ausstände zur korrekten Bezahlung informiert. Es liege in der
Verantwortung der steuerpflichtigen Person, auch bei Zahlungen in
Fremdwährung dafür besorgt zu sein, dass die in Rechnung gestellte
Forderung vollständig bezahlt werde. Dies sei vorliegend nicht geschehen,
was vom Beschwerdeführer eingeräumt werde.
8. Am 12. Juni 2019 hat der Instruktionsrichter die Stellungnahme der KSTV
GR B.A_ zugestellt (act. D.2). Gleichzeitig ist diesem eine Frist für eine
allfällige Replik angesetzt worden, die auf Gesuch vom 14. Juni 2019 (act.
D.3) hin bis am 5. Juli 2019 erstreckt wurde (act. D.4).
9. B.A_ hat am 2. Juli 2019 repliziert (act. A.3), wobei die Replik am 4. Juli
2019 beim Gericht eingegangen ist. Er macht geltend, die
Sicherstellungsverfügung sei bisher nicht rechtmässig zugestellt worden.
Die Veröffentlichung im Amtsblatt sei eine ausserordentlich einschneidende
Massnahme, da ihr die Gefahr innewohne, vom Betroffenen gar nicht zur
Kenntnis genommen zu werden, womit sein Anspruch auf rechtliches Gehör
stark beschnitten würde. Darüber hinaus gleiche sie einem "öffentlichen
Pranger", da alle davon Kenntnis nehmen könnten. Die Publikation sei
daher nur in begründeten Einzelfällen zulässig, wenn bspw. der
Aufenthaltsort des Zustellungsempfängers unbekannt sei oder eine
Zustellung an einen Vertreter oder ins Ausland nicht möglich sei. Vorliegend
- 8 -
sei kein solcher Fall gegeben. Schon deshalb sei die Verfügung
aufzuheben.
Die Sicherstellung sei aber darüber hinaus auch nicht verhältnismässig, da
die Bezahlung der Steuer nicht gefährdet sei und bei Erlass des Arrests
keine nennenswerten Rückstände bestanden hätten. Die KSTV GR hätte
am 22. Mai 2019 eine Auflistung der aus ihrer Sicht noch ausstehenden
Bundes- und Kantonssteuern übermittelt. Diese reicht er als neue Beilage
(act. B.5) mit der Replik ein. Daraus ergebe sich, dass die Ausstände darauf
zurückzuführen seien, dass die von A.A_ am 9. März 2018
überwiesenen EUR 1'434.63 (Kantonssteuern 2017) sowie die am 15. März
2018 einbezahlten EUR 860.43 (Bundessteuer 2017) laut dem
Währungsrechner OANDA zwar sogar höhere Beträge in Schweizer
Franken (CHF) ausmachen würden, als die von der KSTV GR
angegebenen, und hierbei auch keine Gebühren angefallen seien, dass die
KSTV GR diese Überschüsse aber offenbar zur Deckung "rückständiger
Steuern aus den Vorjahren" verwendet habe, obwohl bei den
Überweisungen ein klarer Verwendungszweck angegeben worden sei. Eine
solche Verrechnung sei jedoch unzulässig. Die kleinen Rückstände für das
Steuerjahr 2018 seien zudem inzwischen beglichen.
10. Am 4. Juli 2019 hat der Instruktionsrichter der KSTV GR die Replik
zugestellt (act. D.5). Gleichzeitig ist dieser eine Frist für eine allfällige Duplik
angesetzt worden.
11. Die KSTV GR hat am 16. August 2019 ihre Duplik (act. A.4) eingereicht und
ausgeführt, dieser würden zwei Kontoauszüge selbigen Datums beiliegen:
eines für die Kantonssteuern 2018, eines für die Bundessteuer 2018.
Tatsächlich beim Verwaltungsgericht eingegangen ist hingegen bloss ein
Kontoauszug für die Kantonssteuern 2018 (act. C.18). Auf diesem wurde
handschriftlich notiert, die Zahlung vom 9. Mai 2019 sei zu tief, um die in
Rechnung gestellte provisorische Steuerforderung zu tilgen, weshalb diese
- 9 -
Konstellation wieder Verzugszinsen und allenfalls, bei noch offenen
Forderungen nach dem 17. November 2019, auch Mahngebühren
generieren werde. Aus dem Kontoauszug ergibt sich, dass inzwischen wohl
die Veranlagungsverfügung mit Ermessenstaxation ergangen sein muss
und der entsprechende Betrag an Kantonssteuern 2018 nunmehr
CHF 1'660.00 ist, womit unter Berücksichtigung der Zahlung vom 9. Mai
2019 über CHF 1'620.26 ein Ausstand von neu CHF 39.74 resultiert.
In der Duplik selbst führt die KSTV GR ins Feld, B.A_ habe eingeräumt,
dass eben doch Steuerrückstände bestünden. Der Umstand, dass er diese
für nicht nennenswert hält, sei für die Beurteilung der
Sicherstellungsverfügung irrelevant. Ebenso wenig sei von Belang, ob
Banken oder die Post bei Auslandüberweisungen Gebühren in Abzug
bringen würden. Darauf habe die KSTV GR keinen Einfluss. Sie erhebe
jedenfalls keine solchen Gebühren. Entscheidend sei einzig welcher Betrag
ihr als Gläubigerin gutgeschrieben werde. Sie empfehle dem
Beschwerdeführer künftig die Überweisungen in Schweizer Franken (CHF)
vorzunehmen. So würde sie als Gläubigerin den korrekten, in Rechnung
gestellten Forderungsbetrag erhalten und dem Konto des Schuldners, von
welchem aus die Überweisung vorgenommen werde, würde der
entsprechende Gegenwert in Euro (EUR) belastet. Im vorliegenden Fall
bestünden eben doch Ausstände, auch bei den Steuern für die
Steuerperiode 2018. Schliesslich stelle die Verrechenbarkeit von
gleichartigen und fälligen Geldforderungen zwischen den gleichen
Rechtsträgern im öffentlichen Recht gemäss Lehre und Rechtsprechung
einen allgemeinen Rechtsgrundsatz dar, der auch für das Steuerrecht gelte.
12. Der Instruktionsrichter hat B.A_ am 20. August 2019 die Duplik der
KSTV GR zur Kenntnis zugestellt (act. D.6).
- 10 -
13. Auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid sowie auf die
Begründungen in den Eingaben der Parteien wird, soweit erforderlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
- 11 -

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Sicherstellungsverfügungen in Steuersachen können mit Beschwerde ans
Verwaltungsgericht als einzige kantonale Beschwerdeinstanz angefochten
werden, sowohl soweit diese die direkte Bundessteuer (Art. 169 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990
[DBG; SR 642.11] in Verbindung mit Art. 104 Abs. 3 DBG und Art. 166
Abs. 3 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden vom 8. Juni 1986
[BR 720.000], nachfolgend mit StG/GR abgekürzt), als auch die
Kantonssteuern betreffen (Art. 158 Abs. 3 StG/GR). Die Beschwerdefrist
beträgt 30 Tage. Für die direkte Bundessteuer ergibt sich dies direkt aus
Art. 169 Abs. 3 DBG. Für die kantonalen (und kommunalen) Steuern
hingegen enthalten Art. 158 ff. StG/GR keine spezifische Regelung.
Vielmehr verweist der hier zur Anwendung kommende Art. 124 Abs. 3
StG/GR als allgemeiner Verfahrensgrundsatz auf die Bestimmungen des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 31. August 2006 (VRG;
BR 370.100). Von Relevanz ist vorliegend insbesondere Art. 52 Abs. 1
VRG, wobei man sich fragen könnte, ob hier stattdessen nicht etwa Art. 52
Abs. 2 VRG anzuwenden wäre, da es sich bei Sicherstellungen an sich um
vorsorgliche Massnahmen handelt (vgl. BGE 134 II 349). Die kantonale
Rechtsprechung ist allerdings – in Nachachtung des
Harmonisierungsgebotes (Art. 129 Abs. 1 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV; SR 101] und
Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone
und Gemeinden vom 14. Dezember 1990 [Steuerharmonisierungsgesetz,
StHG; SR 642.14]) und des Grundsatzes der Parallelität der Verfahren für
die direkte Bundessteuer und die kantonalen Steuern, wonach die Kantone
einen einheitlichen Instanzenzug vorsehen und unterschiedliche
Fristbestimmungen für die kantonalen Steuern und die direkte
Bundessteuer vermeiden müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2A.70/2006 vom 15. Februar 2006 E. 3 mit Verweis auf BGE 130 II 65), –
- 12 -
konstant davon ausgegangen, dass nichtsdestotrotz immer die allgemeine
Frist von 30 Tagen auch für die Kantonssteuern anzuwenden ist, wie sie
Kraft Art. 169 Abs. 3 DBG für die Bundessteuer gilt, obwohl dies mit dem
Gesetzeswortlaut streng genommen nicht zu vereinbaren wäre. Ein
Abweichen von dieser Rechtsprechung zu Lasten des Beschwerdeführers
rechtfertigt sich im vorliegenden Fall nicht; die Ungereimtheit ist vielmehr
durch den Gesetzgeber zu korrigieren. Die Beschwerde hat schliesslich das
Rechtsbegehren, den Sachverhalt und eine Begründung zu enthalten
(Art. 38 Abs. 1 VRG). Sie ist zudem zu unterzeichnen und im Doppel unter
Beilage der verfügbaren Beweismittel und des angefochtenen Entscheids
einzureichen. Weitere Beweismittel sind genau zu bezeichnen (Art. 38
Abs. 2 VRG). Wenn der Streitwert den Betrag von CHF 5'000.00 nicht
überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben ist (Art. 43 Abs. 2
VRG), entscheidet das Verwaltungsgericht in einzelrichterlicher Kompetenz
(Art. 43 Abs. 3 lit. a VRG). Als Streitwert ist der zu sicherstellende Betrag
massgebend.
Im vorliegend zu beurteilenden Fall ist das Verwaltungsgericht
unbestrittenermassen für die Beurteilung der Beschwerde zuständig. Der
Streitwert beträgt CHF 3'700.00 und es liegt keine der in Art. 43 Abs. 2 VRG
genannten Konstellationen vor. Deshalb obliegt der Entscheid dem
Vorsitzenden der 4. Kammer als Einzelrichter (Art. 6 lit. d und e der
Verordnung über die Organisation des Verwaltungsgerichts vom 5.
Dezember 2008 [VGV; BR 173.300]). In prozessualer Hinsicht sind jedoch
verschiedene Punkte streitig. Einerseits ist fraglich, ob der
Beschwerdeführer gültig bevollmächtigt ist. Andererseits stellt die KSTV GR
in Abrede, dass die Beschwerde rechtzeitig erfolgt sei.
1.1. Zunächst gilt es festzuhalten, dass die KSTV GR es trotz wiederholten
Hinweisen in der Vergangenheit (siehe bspw. Urteil des
Verwaltungsgerichts A 18 52 vom 19. März 2019 E. 1.2) auch in diesem Fall
unterlassen hat, dem Gericht – wie zweimal ausdrücklich angeordnet (siehe
- 13 -
act. D.1 vom 17. Mai 2019 und act. D.5 vom 4. Juli 2019: "im Doppel unter
Beilage sämtlicher Akten und aller verfügbaren Beweismittel") – sämtliche
ihr verfügbaren Unterlagen und Beweismittel in dieser Sache zuzustellen.
So fehlen insbesondere der in der Duplik erwähnte zweite Kontoauszug,
der die Bundessteuer 2018 betreffe. Das ist an dieser Stelle nochmals mit
Nachdruck zu rügen, muss sich doch das Gericht bei staatlichen Behörden
darauf verlassen können, alle Akten einsehen und prüfen zu können, um
seiner Aufgabe als Organ der Rechtspflege gerecht werden zu können. Da
die hier zu beurteilende Sache aber trotz allem schon spruchreif ist, kann
auf das Einholen der übrigen Akten ausnahmsweise noch einmal verzichtet
werden.
1.2. Die Frage der Bevollmächtigung und rechtmässigen Vertretung des
eigentlichen Steuerpflichtigen A.A_ durch seinen Sohn B.A_ kann
anhand der Akten nicht abschliessend beurteilt werden, da die KSTV GR
nicht die vollständigen Akten eingereicht hat, sondern offensichtlich eine
blosse Auswahl. Zu den wenigen von der KSTV GR eingereichten Akten
zählt aber immerhin ein Schreiben, in welchem B.A_ am 2. Juli 2018
die KSTV GR bittet, sie möge künftig direkt mit seinem Vater
korrespondieren (act. C.1). Aus den von B.A_ eingereichten Beilagen
ergibt sich zudem, dass die KSTV GR in der Vergangenheit die
Korrespondenz zumindest teilweise (siehe act. B.1 vom 22. August 2017
und act. B.2 vom 12. Juli 2013) tatsächlich mit B.A_ als Vertreter von
A.A_ geführt hat. Daran ändert nichts, dass die KSTV GR in ihrer
Stellungnahme (act. A.2) geltend macht, es liege keine eigentliche
Vollmacht bei ihren Akten. Ob das letztlich tatsächlich zutrifft, muss
offenbleiben. Jedenfalls ist in Steuersachen eine Vertretung durch eine
handlungsfähige Person grundsätzlich möglich (vgl. Art. 123b StG/GR und
Art. 15 Abs. 1 lit. b VRG). Gemäss StG/GR kann die KSTV GR die
Vertretung auffordern, sich durch schriftliche Vollmacht auszuweisen (Art.
123b Abs. 2 StG/GR), sie muss dies aber nicht zwingend tun. Im hier zu
- 14 -
beurteilenden Fall hat die KSTV GR nicht dargetan, dass sie B.A_
aufgefordert hätte, sich als Vertreter seines Vaters auszuweisen. Vor
diesem Hintergrund ist eher davon auszugehen, dass sie die Vertretung
bereits als genügend erachtete. Auch spricht faktisch mehr für ein
Vertretungsverhältnis als dagegen; so insbesondere die
Verfahrensgeschichte. Die KSTV GR hat mehrfach Schreiben von
B.A_ erhalten. Soweit aus den verfügbaren Akten ersichtlich, hat sie
ihm nie mitgeteilt, dass sie das Vertretungsverhältnis in Frage stelle. Das
Gericht geht deshalb unter Berücksichtigung aller Umstände auch ohne
Vorliegen einer schriftlichen Vollmacht von einer gültigen Vertretung aus.
1.3. Die KSTV GR rügt weiter, die Frist zur Anfechtung der
Sicherstellungsverfügung sei nicht eingehalten worden. Da notorisch und
anerkannt ist, dass die angefochtene Verfügung am T._ 2019 im
Kantonsamtsblatt publiziert wurde, ist dieses Datum als fristauslösender
Eröffnungszeitpunkt massgebend. Die Beschwerdefrist beginnt
grundsätzlich am folgenden Tag zu laufen (Art. 7 Abs. 1 VRG), hier also am
T. _+1 2019. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass sie vom siebten
Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, mithin vom 14.
bis 28. April 2019, stillsteht (Art. 39 Abs. 1 lit. a VRG). Der letzte Tag der
Frist wäre somit der 23. Mai 2019 gewesen. Spätestens an diesem Tag
hätte die Beschwerde einer schweizerischen Poststelle, einer
schweizerischen diplomatischen oder konsularischen Vertretung oder
innerhalb der Bürozeit dem zuständigen Verwaltungsgericht übergeben
werden müssen (Art. 8 Abs. 1 VRG). Die Beschwerde von B.A_ wurde
hier am 15. Mai 2019 der schweizerischen Post übergeben, weshalb sie
entgegen der Auffassung der KSTV GR als fristgerecht gelten muss.
1.4. Als nächster Punkt ist die Rechtmässigkeit der Publikation im
Kantonsamtsblatt zu prüfen, die der Beschwerdeführer ausdrücklich
bestreitet. Die Bestimmungen über die Steuersicherung, insbesondere Art.
169 DBG und Art. 158 StG/GR, enthalten keine eigenen Regeln über die
- 15 -
Zustellung und die Eröffnung mittels amtlicher Publikation im Konkreten. Es
gelten mithin die allgemeinen Regeln in den Abschnitten über das
Verfahrensrecht (Art. 102 ff. DBG und Art. 122 ff. StG/GR), genauer gesagt
diejenigen über die allgemeinen Verfahrensgrundsätze (Art. 109 ff. DBG
und Art. 122 ff. StG/GR), wobei im StG/GR aber einzelne Bestimmungen
auch im Abschnitt über das Veranlagungsverfahren (Art. 126a ff. StG/GR)
eingeordnet sind und nach Auffassung dieses Gerichts sinngemäss auch
für Sicherstellungsverfügungen gelten müssen.
1.4.1. Einschlägig sind hier in erster Linie Art. 116 DBG und Art. 132 StG/GR.
Beide Normen sehen in ihrem Abs. 1 vor, dass Verfügungen und
Entscheide der steuerpflichtigen Person schriftlich zu eröffnen sind und eine