Decision ID: be668f15-7eea-5da5-bf62-6c03e4e73fa7
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die in Deutschland wohnhaften Eheleute A.B. und G.B., geboren 1964 bzw. 1959,
beide italienische Staatsangehörige, stellten am 15. September 2005 ein Gesuch um
Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung (L-Ausweis) EG/EFTA für einen Aufenthalt in
der Schweiz bzw. eine Erwerbstätigkeit bei der .. GmbH mit Sitz in Wil. Nach der
Erteilung einer bis 30. Oktober 2006 gültigen Kurzaufenthaltsbewilligung reisten die
Eheleute B. am 1. November 2005 in die Schweiz ein und nahmen in X. Wohnsitz.
Am 12. Januar 2006 stellte A. ein Gesuch um Familiennachzug für ihre Nichten
Francesca V., geboren 16. Dezember 1988, und Simona V., geboren 19. Februar 1994.
Beide sind italienische Staatsangehörige und Töchter der Eheleute Giuseppe V., dem
Bruder von A., und Angela Diecidue V. Aufgrund eines Urteils des Tribunale per i
Minorenni di Palermo vom 2. Juli 2002 war das Sorgerecht über Francesca und Simona
V. den Eheleuten A.B. und G.B. übertragen worden.
Mit Verfügung vom 12. Mai 2006 wies das Ausländeramt das Gesuch von A. ab mit der
Begründung, nach Art. 3 Anhang I des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten über
die Freizügigkeit (Personenfreizügigkeitsabkommen, SR 0.142.112.681, abgekürzt FZA)
hätten Nichten keinen Anspruch auf Familiennachzug.
Am 1. Juni 2006 erteilte das Ausländeramt A. eine bis 31. Oktober 2010 gültige
Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA für die ganze Schweiz (Aufenthaltsbewilligung B).
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B./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 30. Mai und 21. Juni 2006 erhob die
Gesuchstellerin Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement mit dem Antrag, die
Verfügung des Ausländeramts vom 12. Mai 2006 sei aufzuheben und es sei Francesca
und Simona V. eine Kurzaufenthaltsbewilligung EG/EFTA im Rahmen des
Familiennachzugs zu erteilen. Zur Begründung wurde im wesentlichen vorgebracht, die
Nichten seien mit der Gesuchstellerin in aufsteigender Linie verwandt, weshalb gestützt
auf Art. 3 Abs. 2 lit. b Anhang I zum FZA ein Anspruch auf Familiennachzug bestehe.
Ferner liege quasi ein "Eltern-Kind-Verhältnis" vor, und die angefochtene Verfügung
verletze die Europäische Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK).
Das Justiz- und Polizeidepartement wies den Rekurs mit Entscheid vom 8. November
2006 ab. Es erwog, als Verwandte würden nur direkte Aszendenten oder Deszendenten
wie Eltern und Grosseltern bzw. Kinder und Enkel gelten, nicht auch Neffen oder
Nichten. Daher bestehe gestützt auf Art. 3 Abs. 2 lit. b des Anhangs I zum FZA kein
Anspruch auf Familiennachzug. Auch begründe das geltend gemachte "Eltern-Kind-
Verhältnis" keinen Anspruch auf Familiennachzug. Die Gesuchstellerin habe zwar ein
gefestigtes Anwesenheitsrecht, und in bezug auf die erst zwölfjährige Simona V. sei
von einem Abhängigkeitsverhältnis auszugehen. In bezug auf die ältere Nichte, die
demnächst volljährig werde und nicht in besonderem Masse betreuungsbedürftig sei,
liege aber kein Abhängigkeitsverhältnis im Sinn von Art. 8 EMRK vor. Aus dieser
Bestimmung ergebe sich weder ein Recht auf Einreise oder Aufenthalt in einem
bestimmten Staat noch auf Wahl des für das Familienleben am geeignetsten
erscheinenden Orts. Weder die Gesuchstellerin noch deren Nichten hätten vor der
Einreise eine besondere Beziehung zur Schweiz gehabt. Motiv für die Einreise dürfte
einzig die Arbeitsstelle gewesen sein. In Anbetracht der kurzen Aufenthaltsdauer in der
Schweiz könne nicht gesagt werden, dass eine Wiederausreise der
Familiengemeinschaft unzumutbar wäre. Vielmehr erscheine dies ohne besondere
Schwierigkeiten möglich. Aus diesem Grund könne sich die Gesuchstellerin nicht auf
Art. 8 EMRK berufen und erweise sich die angefochtene Verfügung auch als
verhältnismässig.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 23. November 2006 erhob A. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 8. November 2006
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sowie die Verfügung des Ausländeramts vom 12. Mai 2006 seien aufzuheben und es
sei Francesca V. und Simona V. eine Kurzaufenthaltsbewilligung EG/EFTA im Rahmen
eines Familiennachzugs zu bewilligen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die
Beschwerdeführerin beharrt auf ihrem Standpunkt, Art. 3 Abs. 2 lit. b Anhang I zum
FZA bzw. die dort verankerten Voraussetzungen seien erfüllt, weil sie mit den Nichten
in aufsteigender, wenn auch nicht in gerader Linie, verwandt sei. Das Gesetz verlange
nicht, dass eine Verwandtschaft in gerader aufsteigender Linie bestehen müsse. Weiter
sei auch wesentlich, dass ein gerichtlich angeordnetes "Eltern-Kind-Verhältnis"
bestehe, da der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann mit Gerichtsbeschluss die
elterliche Sorge über die beiden Kinder eingeräumt und übertragen worden sei. Die
elterliche Sorge beinhalte sämtliche elterlichen Verantwortlichkeiten und Befugnisse in
bezug auf die Kinder, insbesondere auch auf die Erziehung und Obhut. Da die
Beschwerdeführerin einen Anspruch auf Verbleib in der Schweiz habe, müsse dieser
auch den unter ihrer elterlichen Sorge stehenden Kindern zukommen. Vorliegend sei
ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann in der Schweiz über eine
gefestigte Anstellung verfügten. Den beiden Kindern könne die Rückreise nach Italien
nicht zugemutet werden, da die elterliche Sorge der Beschwerdeführerin und ihrem
Ehemann doch gerade wegen finanzieller Not der leiblichen Eltern übertragen worden
sei. Ebenfalls sei offenkundig, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann nicht
nach Italien zurückkehren könnten, ohne selber in finanzielle Not zu geraten. Im übrigen
hätten sich die Beschwerdeführerin, ihr Ehemann und die Kinder sehr gut integriert.
Eine Wegweisung wäre unverhältnismässig, weshalb der angefochtene Entscheid Art. 8
EMRK verletze. Auf die einzelnen Vorbringen der Beschwerdeführerin wird, soweit
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung unter Hinweis auf die Erwägungen
des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 23. November 2006
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entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2./ Die Beschwerdeführerin ist italienische Staatsangehörige und kann sich daher auf
die Bestimmungen des FZA berufen. Nach Art. 3 Abs. 1 des Anhangs I zum FZA haben
die Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist
und ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei dieser Wohnung zu nehmen. Als
Familienangehörige gelten nach Art. 3 Abs. 2 des Anhangs I zum FZA ungeachtet ihrer
Staatsangehörigkeit der Ehegatte und die Verwandten in absteigender Linie, die noch
nicht 21 Jahre alt sind oder denen Unterhalt gewährt wird (lit. a), die Verwandten und
die Verwandten des Ehegatten in aufsteigender Linie, denen Unterhalt gewährt wird
(lit. b), und im Fall von Studierenden der Ehegatte und die unterhaltsberechtigten
Kinder (lit. c).
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihre Nichten seien mit ihr in aufsteigender
Linie verwandt. Das FZA setze nicht eine Verwandtschaft in gerader aufsteigender Linie
voraus.
Die Bestimmungen des FZA definieren nicht näher, ob zu den Verwandten in
aufsteigender Linie im Sinn von Art. 3 Abs. 2 lit. b des Anhangs I zum FZA nur
diejenigen gehören, die in direkt aufsteigender Linie mit dem Gesuchsteller verwandt
sind, oder ob auch die Nachkommen der in direkt aufsteigender Linie Verwandten
einen Anspruch aus Art. 3 Abs. 2 lit. b des Anhangs I zum FZA beanspruchen können.
Auch den Materialen zum Freizügigkeitsabkommen lässt sich nicht näher entnehmen,
wie Art. 3 Abs. 2 lit. b Anhang I FZA in diesem Punkt zu verstehen ist (vgl. BBl 1999,
S. 6311).
Ziel des FZA ist es, den freien Personenverkehr bzw. die Freizügigkeit der
Staatsangehörigen der Vertragsstaaten im Hoheitsgebiet der anderen Vertragspartei
auf der Grundlage der in der Europäischen Gemeinschaft geltenden Bestimmungen zu
regeln (vgl. BGE 129 II 249 ff. E. 4.2 mit Hinweis auf die Präambel zum FZA sowie Art.
16 Abs. 1 FZA und auf die Botschaft zum Abkommen [BBl 1999, S. 6310];
BGE 129 II 249 ff.; BGE 130 II 1 ff. E. 3.3). Die Vorinstanz hielt unter Berufung auf das
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Schrifttum fest, als Familienangehörige würden nur direkte Aszendenten oder
Deszendenten wie Eltern und Grosseltern bzw. Kinder und Enkel gelten, nicht aber
Seitenverwandte wie Geschwister, Onkel und Tanten oder Neffen und Nichten. Das
Verwaltungsgericht schliesst sich dieser Beurteilung an. Würde Art. 3 Abs. 2 lit. b des
Anhangs I zum FZA so ausgelegt, wie es die Beschwerdeführerin tut, indem die
Voraussetzungen für den Familiennachzug auch bei Nachkommen von Verwandten in
gerade aufsteigender Linie gegeben sind, so hätten sämtliche Nachkommen der in
aufsteigender gerader Linie verwandten Personen einen Aufenthaltsanspruch. Dies
käme einem praktisch unbegrenzten Anspruch auf Familiennachzug von Personen
gleich, bei denen in der Regel keine enge persönliche Bindung mit der hier
anwesenheitsberechtigten Person besteht. Ein derart weitgehender Rechtsanspruch
auf Aufenthalt hätte im FZA explizit verankert werden müssen. Aufgrund von Sinn und
Zweck der Familiennachzugsregelung ist daher mit der Vorinstanz davon auszugehen,
dass nur Verwandte in gerade aufsteigender Linie unter Art. 3 Abs. 2 lit. b des Anhangs
I zum FZA fallen, weshalb die Beschwerdeführerin für ihre Nichten aufgrund des FZA
keinen Rechtsanspruch auf Familiennachzug geltend machen kann.
b) Die Beschwerdeführerin rügt im weiteren eine Verletzung von Art. 8 EMRK.
Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt BV)
gewährleisten das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens. Darauf kann sich
eine Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit berufen, wenn sie einen
Rechtsanspruch auf Anwesenheit in der Schweiz hat (vgl. ausführlich BGE 126 II 377 ff.
E. 2 b, c; BGE 130 II 281 ff. E. 3.1). Die Beschwerdeführerin hat als Inhaberin einer
gestützt auf das FZA ausgestellten, bis 2010 gültigen Aufenthaltsbewilligung einen
festen Rechtsanspruch auf Anwesenheit in der Schweiz und kann sich daher
grundsätzlich auf Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV berufen (BGE 129 II 215 ff. E. 5.3).
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts gewährleistet das Recht auf Schutz des
Familienlebens, welches gestützt auf Art. 8 EMRK einen Anspruch auf eine
fremdenpolizeiliche Bewilligung verschaffen kann, vor allem die Beziehung zwischen
Ehegatten sowie zwischen Eltern und minderjährigen Kindern, welche im gleichen
Haushalt leben. Der Anspruch auf Schutz des Familienlebens kommt aber in gewissen
Fällen nicht nur bei der Kernfamilie im engeren Sinn zum Tragen, also bei der
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Gemeinschaft von Eltern und Kindern (vgl. BGE 120 Ib 257 ff. E. d). Geht es um
Personen, die nicht der eigentlichen Kernfamilie zuzurechnen sind, setzt eine
schützenswerte familiäre Beziehung - in Uebereinstimmung mit der Rechtsprechung
der Strassburger Organe - voraus, dass der um die fremdenpolizeiliche Bewilligung
ersuchende Ausländer vom hier Anwesenheitsberechtigten abhängig ist (vgl. Uebersax/
Münch/Geiser/Arnold [Hrsg.], Ausländerrecht, Basel 2002, Rz 13.65 mit Hinweis auf
BGE 120 Ib 267 ff. E. 1 d).
Die Vorinstanz hat in bezug auf die rund dreizehnjährige Simona V. ein
Abhängigkeitsverhältnis angenommen, welches die Berufung auf Art. 8 EMRK zulässt,
dies in bezug auf die im Zeitpunkt des Rekursentscheids kurz vor der Volljährigkeit
stehende Schwester Francesca aber verneint.
Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die elterliche Sorge über Simona V. und
Francesca V. im Jahr 2002 durch Gerichtsbeschluss der Beschwerdeführerin und
deren Ehemann übertragen wurde. Dass eine solche Uebertragung der elterlichen
Sorge auf eine Tante und deren Ehemann nach schweizerischem Recht nicht möglich
ist, wie die Vorinstanz festhält, ist vorliegend nicht ausschlaggebend. Das Urteil ist
rechtskräftig, und es ist nicht ersichtlich und wird auch von der Vorinstanz oder vom
Ausländeramt nicht geltend gemacht, es widerspreche dem schweizerischen ordre
public. Somit liegt eine Beziehung der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes zu
den Nichten vor, die einer Eltern-Kind-Beziehung sehr nahe kommt. Hinzu kommt, wie
die Vorinstanz zutreffend festhielt, dass in bezug auf die jüngere Nichte aufgrund deren
Alters eine besondere Abhängigkeit unbestritten ist.
Würde die vorliegende Situation ausschliesslich im Hinblick auf die jüngere Tochter
beurteilt, wäre eine Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung im Lichte von Art. 8 EMRK
offensichtlich unverhältnismässig. Allein der Umstand, dass die ältere Nichte während
des hängigen Beschwerdeverfahrens volljährig geworden ist, rechtfertigt eine andere
Beurteilung nicht. Im Zeitpunkt des Familiennachzugsbegehrens war Francesca V.
minderjährig, und der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann oblag aufgrund eines
gerichtlichen Urteils die elterliche Sorge. Die Uebertragung der elterlichen Sorge lag
darin begründet, dass die leiblichen Eltern offenbar nicht imstande waren, ihre
Erziehungsverantwortung wahrzunehmen. Die Nichten leben nunmehr seit mehreren
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Jahren mit der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann zusammen. Obwohl die ältere
Tochter knapp vor der Volljährigkeit stand, widerspräche eine gesonderte Beurteilung
der Anwesenheitsberechtigung im vorliegenden Fall Sinn und Zweck des Anspruchs
auf Schutz des Familienlebens. Da die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann einen
Rechtsanspruch auf Anwesenheit haben und zur Obhut verpflichtet waren und in bezug
auf die jüngere Nichte ein besonderes Abhängigkeitsverhältnis besteht, rechtfertigt sich
in bezug auf die ältere Nichte eine Einschränkung des Anspruchs auf Schutz des
Familienlebens bzw. eine gesonderte Beurteilung der Berechtigung zum
Familiennachzug nicht. Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen, und der
angefochtene Rekursentscheid vom 8. November 2006 und die Verfügung des
Ausländeramts vom 12. Mai 2006 sind aufzuheben. Die Angelegenheit ist zur Erteilung
der Bewilligungen an das Ausländeramt zurückzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Auf ihre Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'000.--
zurückzuerstatten.
Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98
Abs. 1 und 2 VRP und Art. 98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht, weshalb die Entschädigung ermessensweise festzusetzen ist (Art. 6 und 19
der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt
HonO). Für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren ist eine Entschädigung von
Fr. 3'500.-- zuzügl. MWSt angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b und c HonO).
Demnach hat das Verwaltungsgericht