Decision ID: 4f9da9b9-2a4b-4bd5-aa73-21c4d8717f61
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 1990 unter Hinweis auf einen im August 1989
erlittenen Unfall, bei dem er sich am rechten Handgelenk verletzt hatte, zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 113). Er war im März 1989 als
Saisonnier in die Schweiz eingereist und hatte als Schaustellergehilfe gearbeitet (IV-act.
93). Vom 13. Januar 1992 bis zum 7. Februar 1992 fand eine berufliche Abklärung in
der BEFAS Appisberg statt (IV-act. 104). Diese ergab, dass der Versicherte, der
zwischenzeitlich in einem Pensum von 50 Prozent als Hilfsabwart an einer Schule
gearbeitet hatte, das Potential für eine einjährige Einarbeitung im Bereich der Elektro-/
Elektronikmontage besass. Die Verantwortlichen der BEFAS Appisberg erachteten eine
über eine praktische Einarbeitung hinausgehende berufliche Eingliederung angesichts
der geringen Deutschkenntnisse und der begrenzten intellektuellen Fähigkeiten des
Versicherten als nicht durchführbar. Die IV-Stelle erteilte in der Folge eine
Kostengutsprache für eine einjährige Ausbildung zum Elektronikverdrahter. Im Juli 1994
wurde der Versicherte von der Klinik für orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St.
Gallen im Auftrag der IV-Stelle begutachtet (IV-act. 81). Die Sachverständigen
attestierten eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent. Schon am 4. Februar 1993 hatte
die IV-Stelle dem Versicherten mit einer Verfügung vom 4. Februar 1993 rückwirkend
per 1. August 1990 eine halbe Rente zugesprochen (IV-act. 55 f.).
A.b Im Februar 1994 hatte der Versicherte die praktische Ausbildung zum
Elektronikverdrahter abgeschlossen (IV-act. 106). Er fand in der Folge allerdings trotz
der Unterstützung durch die IV-Stelle keine Arbeitsstelle (vgl. IV-act. 119). Zudem
machte er gegenüber der IV-Stelle geltend, sein Gesundheitszustand habe sich im
Spätsommer 1995 stark verschlechtert. Sein Hausarzt beantragte eine „Erhöhung der
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Rente von 50 Prozent auf 75 Prozent“ (IV-act. 25). Laut einem durch die Klinik für
orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen im Auftrag der IV-Stelle
erstellten Gutachten vom September 1996 war der Versicherte jedoch in der Lage,
vollzeitig als Elektronikverdrahter zu arbeiten (IV-act. 10). Bei einer erneuten beruflichen
Abklärung durch die BEFAS Appisberg im September 1997 ergab sich eine effektive
Leistungsfähigkeit von 33,6 Prozent (IV-act. 22). Diese war offenbar unter
Berücksichtigung einer Leistungsfähigkeit von 50 Prozent und einem
überdurchschnittlich hohen Fehlzeitanteil von 32,75 Prozent errechnet worden. Am 7.
November 1997 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass es weiterhin bei einer
halben Rente bleibe (IV-act. 38). Dagegen erhob der Versicherte einen Rekurs an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen, der mit einem Entscheid vom 13. Januar
2000 (IV 1997/259; vgl. IV-act. 146) abgewiesen wurde. Eine gegen diesen Entscheid
des Versicherungsgerichtes erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde wurde vom
Eidgenössischen Versicherungsgericht mit einem Urteil vom 30. Oktober 2001 (I
232/00; vgl. IV-act. 148) insofern gutgeheissen, als die Sache zur weiteren Abklärung
an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde.
A.c Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Ostschweiz am 28. Februar 2003 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 133 f.). Die Sachverständigen führten aus, der
Versicherte leide an einem chronifizierten Schmerzsyndrom im rechten Handgelenk
und an einer länger dauernden depressiven Reaktion. Aus somatischer Sicht sei er in
seinem neuen Beruf als Elektronikverdrahter weiterhin vollständig arbeitsfähig. Aus
psychiatrischer Sicht sei er angesichts des mittelschweren bis schweren depressiven
Zustandsbildes vollständig arbeitsunfähig. Die Prognose sei aber günstig, weshalb in
etwa einem Jahr eine Überprüfung durchzuführen sei. Mit einer Verfügung vom 14.
August 2003 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. März 1996
eine ganze Rente statt der bisherigen halben Rente zu (IV-act. 170).
A.d Im Juni 2004 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, einen Fragebogen für die
Revision der Invalidenrente auszufüllen (IV-act. 171). Dieser gab an, sein
Gesundheitszustand sei unverändert geblieben. Diese Angabe wurde vom Hausarzt im
Juli 2004 bestätigt (IV-act. 173). Daraufhin teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass er weiterhin einen Anspruch auf eine ganze Rente habe (IV-act. 175).
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A.e Im August 2009 füllte der Versicherte einen weiteren Fragebogen zur
Rentenrevision aus; wiederum gab er an, sein Gesundheitszustand habe sich nicht
verändert (IV-act. 188). Der Hausarzt bestätigte diese Angabe im August 2009, wobei
er ausführte, der Versicherte könne seine rechte Hand lediglich noch „fürs Essen und
fürs Halten von Zigaretten“ gebrauchen (IV-act. 189). Im September 2009 bat eine
Sachbearbeiterin der IV-Stelle den IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD),
Stellung zur medizinischen Aktenlage zu nehmen. Am 2. Oktober 2009 führte der RAD-
Arzt Dr. med. B._ aus (IV-act. 190), die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz sei nicht nachvollziehbar.
Offensichtlich sei das Gutachten nicht vom RAD überprüft worden. Auch die vom
psychiatrischen Sachverständigen empfohlene psychiatrische Verlaufsbegutachtung
ein Jahr später sei unterblieben. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit sei der
Versicherte nicht mehr vollständig arbeitsunfähig. Eine Verlaufsbegutachtung sei
angezeigt. Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Ostschweiz am 12. Mai 2010
ein Verlaufsgutachten (IV-act. 196). Die Sachverständigen führten aus, der Versicherte
leide nach wie vor an einem chronifizierten Schmerzsyndrom im rechten Handgelenk.
In psychiatrischer Hinsicht liege eine mittelgradige depressive Episode mit einem
somatischen Syndrom vor. Nach acht Jahren insuffizienter Behandlung habe sich die
Wesensgrundlage der depressiven Störung „unter Verminderung der IV-fremden
Anteile in Richtung einer chronifizierten, fixierten, also eigenständigen depressiven
Störung“ verschoben. Dennoch bleibe die Störung medizinisch angehbar. Aktuell liege
der Arbeitsunfähigkeitsgrad bei 50 Prozent. Der Zeitpunkt der Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei retrospektiv nicht feststellbar, es könne
aber davon ausgegangen werden, dass die Zusprache einer ganzen Rente mit der
Abnahme der Zukunftsängste in der ganzen Familie einen wesentlichen Beitrag
geleistet habe. Vermutlich habe sich der Gesundheitszustand des Versicherten bereits
ab Anfang 2004 verbessert.
A.f Am 6. Juli 2010 notierte der RAD-Arzt Dr. B._ (IV-act. 197), das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz sei überzeugend. Demzufolge habe sich der Gesundheitszustand
seit der Rentenerhöhung im Jahr 2003 wesentlich verändert. Bei einer aktuellen
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent sei der Versicherte eingliederungsfähig. Bevor mit einer
beruflichen Eingliederung begonnen werde, müsse sich der Versicherte aber einer
medizinischen Behandlung unterziehen. Am 20. September 2010 forderte die IV-Stelle
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den Versicherten auf (IV-act. 200), seiner „Mitwirkungs- und
Schadenminderungspflicht“ nachzukommen, was bedeute, sich in eine psychiatrische
Behandlung zu begeben. Bis am 8. Oktober 2010 müsse er den Namen und die
Adresse des behandelnden Psychiaters bekannt geben. Am 27. September 2010 teilte
der Versicherte mit, dass er sich bei Dr. med. C._ in die Behandlung begeben werde;
der erste Termin sei auf den 29. September 2010 angesetzt worden (IV-act. 201).
Nachdem die IV-Stelle trotz mehreren Aufforderungen keinen Bericht von Dr. C._
erhalten hatte, forderte sie ihn am 25. Juli 2011 mittels eingeschriebener Post und mit
Kopie zur Kenntnisnahme an den Versicherten letztmals auf, über die begonnene
Behandlung zu berichten (IV-act. 208). Am 16. August 2011 beschwerte sich Dr. C._
telefonisch über das Vorgehen der IV-Stelle (IV-act. 210). Er gab an, dass er
„höchstens“ einen Verlaufsbericht erstatten werde, da der Versicherte seit dem Jahr
1990 eine Rente beziehe. Der Sachbearbeiter der IV-Stelle notierte, dass alle Versuche,
Dr. C._ zu erklären, dass er der erste behandelnde Psychiater sei, gescheitert seien.
Am 24. August 2011 erstattete Dr. C._ dann schliesslich einen Bericht (IV-act. 211).
Allerdings beschränkte er sich auf die Angabe, der Gesundheitszustand des
Versicherten sei stationär, ohne zu erklären, auf welchen Referenzzeitpunkt sich diese
Angabe beziehe. Die RAD-Ärztin Dr. med. D._ notierte am 18. November 2011 (IV-
act. 212), gestützt auf den Bericht von Dr. C._ sei von einem seit der
Verlaufsbegutachtung durch die MEDAS Ostschweiz unverändert gebliebenen
Gesundheitszustand auszugehen. Spätestens ab dem Zeitpunkt der Begutachtung sei
der Versicherte zu 50 Prozent arbeitsfähig gewesen.
A.g Am 3. April 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie berufliche
Eingliederungsmassnahmen durchführen wolle, bevor sie die Rente herabsetze (IV-act.
214). Am 8. Mai 2012 antwortete der Versicherte (IV-act. 228), er wehre sich nicht
dagegen, einen Arbeitsversuch zu unternehmen, sei aber der Meinung, dass sich sein
Gesundheitszustand seit der Rentenerhöhung nicht verändert habe. Das
Verlaufsgutachten der MEDAS Ostschweiz erwecke den Eindruck einer „heute üblichen
Gesundschreibung“. In der Beilage liess er der IV-Stelle einen Bericht des
Gastroenterologen Dr. med. E._ vom 13. Januar 2011 zugehen, laut dem er an einer
medikamenten-assoziierten Diarrhoe litt (IV-act. 226). Am 22. Juni 2012 führte die
Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle ein Assessmentgespräch mit dem
Versicherten (vgl. IV-act. 234). Dabei gab dieser an, er fühle sich nicht arbeitsfähig (IV-
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act. 233). Die Eingliederungsverantwortliche empfahl, den Versicherten auf seine
„Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht“ hinzuweisen. Mit einem Schreiben vom
5. September 2012 forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, seiner „Mitwirkungs-
und Schadenminderungspflicht“ nachzukommen beziehungsweise bis spätestens am
19. September 2012 schriftlich zu erklären, dass er an beruflichen
Eingliederungsmassnahmen aktiv mitwirken werde (IV-act. 235). Falls er dieser
Aufforderung nicht nachkomme, werde die IV-Stelle ihre Eingliederungsbemühungen
einstellen und „die Herabsetzung der laufenden Rente wegen fehlender Mitwirkung“
prüfen. Am 19. September 2012 teilte der Versicherte mit (IV-act. 238), sein
Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Er werde erst Stellung zur beruflichen
Eingliederung nehmen können, wenn er mit den behandelnden Ärzten über den
aktuellen Stand „diskutiert“ habe. Dem Schreiben legte er eine Stellungnahme des
neuen Hausarztes bei, der festgehalten hatte (IV-act. 237), in den letzten Monaten habe
sich der Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert. Wahrscheinlich werde
dieser nur eine leichte Beschäftigungstherapie bewältigen können, bei der er während
zwei bis drei Stunden pro Tag leicht gefördert werde. Am 15. Oktober 2012 teilte der
Versicherte mit, dass er einen Eingliederungsversuch wagen wolle (IV-act. 240). Am 3.
Januar 2013 trat er ein Belastungstraining an, das bis zum 31. März 2013 dauern sollte
(IV-act. 244). Am 21. Januar 2013 teilte die für das Belastungstraining zuständige
Betreuungsperson mit (IV-act. 265), dass der Versicherte täglich jammere und dass von
einer Leistung keine Rede sein könne. Der Hausarzt habe der Betreuungsperson
telefonisch versichert, dass Jammern nicht angebracht sei und dass er dies mit dem
Versicherten besprechen werde. Die Eingliederungsverantwortliche wies die
Betreuungsperson darauf hin, dass der Versicherte das Pensum per 1. Februar 2013
auf 100 Prozent steigern müsse. Kurze Zeit später habe die Betreuungsperson
mitgeteilt, dass der Versicherte telefonisch unter Hinweis auf starke Schmerzen
mitgeteilt habe, er werde vorerst nicht mehr zum Belastungstraining erscheinen. Am
30. Januar 2013 teilte die Betreuungsperson der Eingliederungsverantwortlichen mit,
dass die Leistung des Versicherten bei etwa zehn Prozent liege. Ihres Erachtens wäre
der Versicherte in der Lage, mehr zu leisten, wobei der mangelnde Wille aber nicht das
einzige Problem zu sein scheine. Der Versicherte bleibe stets für sich alleine, auch in
den Pausen. Der Versicherte selbst erklärte der Eingliederungsverantwortlichen, dass
es ihm nicht gut gehe. Seine Schmerzen hätten zugenommen. Er sehe sich
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ausserstande, seine Präsenz ab dem 1. Februar 2013 auf 100 Prozent zu steigern.
Daraufhin wurde das Belastungstraining abgebrochen.
A.h Am 15. März 2013 forderte die IV-Stelle den Versicherten unter Hinweis auf seine
„Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht“ auf (IV-act. 268), die zugesprochenen
Eingliederungsmassnahmen im Rahmen seiner zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50
Prozent bei einem Arbeitspensum von 100 Prozent sofort wieder aufzunehmen und
aktiv mitzuwirken. Sollte er dieser Aufforderung nicht nachkommen, werde sie ihre
Eingliederungsbemühungen einstellen und die Herabsetzung der laufenden Rente
wegen fehlender Mitwirkung prüfen. Mit einem Schreiben vom 6. Mai 2013, das mit
„Mahn- und Bedenkzeitverfahren“ überschrieben war (IV-act. 271), forderte die IV-
Stelle den Versicherten „letztmals“ auf, die beruflichen Massnahmen „von Anfang bis
Ende mit der nötigen Motivation und Anstrengung“ zu absolvieren und schriftlich
mitzuteilen, dass er bei den beruflichen Massnahmen aktiv mitwirken werde. Wie
bereits das Schreiben vom 15. März 2013 enthielt auch dieses Schreiben einen
Hinweis sowohl auf den Art. 21 Abs. 4 ATSG als auch auf den Art. 43 Abs. 3 ATSG. Der
Versicherte antwortete am 4. Juni 2013 (IV-act. 273), es fehle ihm nicht am Willen, sich
einzugliedern. Vielmehr sei er medizinisch nicht in der Lage, mehr Präsenz und Effizienz
zu zeigen. Er habe den Arbeitsversuch nicht grundlos, sondern in Absprache mit
sämtlichen Beteiligten abgebrochen. Die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeitsschätzung entspreche nicht der effektiven Arbeitsfähigkeit. Am 18.
Juni 2013 wies die IV-Stelle den Versicherten darauf hin (IV-act. 274), dass er nach wie
vor nicht eindeutig bestätigt habe, in Zukunft bei beruflichen Massnahmen mitzuwirken.
Die IV-Stelle erwarte nach wie vor, dass er seine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent
verwerte. Die berufliche Massnahme habe nicht der Abklärung der Leistungsfähigkeit,
sondern der Gewöhnung an den Berufsalltag gedient. Der Versicherte habe die
Möglichkeit, bis spätestens am 15. Juli 2013 medizinische Berichte einzureichen, die
eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes belegten. Im Übrigen habe „das
Mahnschreiben vom 6. Mai 2013 nach wie vor Gültigkeit“. Am 9. Juli 2013 antwortete
der Versicherte (IV-act. 277), er widerspreche mit aller Deutlichkeit der Annahme, er sei
nicht arbeitswillig, und erwarte, dass die IV-Stelle nun aktuelle medizinische Berichte
einhole. Erst anschliessend werde er definitiv Stellung nehmen.
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A.i Am 5. August 2013 hielt die RAD-Ärztin Dr. D._ fest (IV-act. 279), es lägen keine
medizinischen Berichte bei den Akten, die eine Verschlechterung nach der
Verlaufsbegutachtung durch die MEDAS Ostschweiz belegen würden. Die im Bericht
von Dr. E._ erwähnte Diarrhoe sei nach dem Absetzen der Medikamente wieder
verschwunden. Die Sachbearbeiterin der IV-Stelle notierte am 12. September 2013 (IV-
act. 282), der Versicherte sei bei der erstmaligen Rentenzusprache als Hilfsarbeiter
qualifiziert worden. Beim Einkommensvergleich müsse deshalb auf den Medianwert der
Hilfsarbeiterlöhne abgestellt werden. Da medizinisch eine Arbeitsfähigkeit von 50
Prozent ausgewiesen sei, bestehe ein Anspruch auf eine halbe Rente. Mit einem
Vorbescheid vom 5. November 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act.
286), dass sie vorsehe, die bisherige ganze auf eine halbe Rente herabzusetzen. Zur
Begründung führte sie aus, gestützt auf die medizinischen Akten sei von einer
Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent auszugehen. Deshalb sei der Versicherte aufgefordert
worden, aktiv an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken, die dazu dienen sollten, ihn
wieder an den Arbeitsalltag zu gewöhnen. Trotz einer Abmahnung habe der Versicherte
nicht ausreichend an der beruflichen Eingliederung mitgewirkt. In Anwendung des Art.
21 Abs. 4 ATSG müsse die ganze Rente deshalb auf eine halbe Rente herabgesetzt
werden.
A.j Dagegen wandte der Versicherte am 10. Dezember 2013 ein (IV-act. 288), die
Ausführungen im Vorbescheid seien tendenziös. Er leide an einer Beeinträchtigung
seines Willens durch eine Depression, was den Medizinern der IV-Stelle bekannt sein
müsse. Er habe alles ihm Zumutbare unternommen, weshalb die Rentenherabsetzung
nicht rechtmässig sei. Er gehe davon aus, dass die SVA die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung „weiterhin“ gewähre (offenbar war die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung in einem EL-Einspracheverfahren bewilligt worden). Mit einer
Verfügung vom 23. Januar 2014 setzte die IV-Stelle die bisherige ganze per 1. März
2014 auf eine halbe Rente herab (IV-act. 293). Die Begründung entsprach weitgehend
jener des Vorbescheides vom 5. November 2013 (IV-act. 291), enthielt aber zusätzlich
noch den Hinweis, es stehe fest, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten
seit der Zusprache einer ganzen Rente im Jahr 2003 wesentlich verbessert habe.
Folglich liege ein medizinischer Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG vor.
B.
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B.a Am 27. Februar 2014 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 23. Januar 2014 erheben (act. G 1). Sein
Rechtsvertreter beantragte die Weiterausrichtung der bisherigen Rente, eventualiter die
Durchführung einer polydisziplinären medizinischen Abklärung, eventualiter (gemeint
wohl: subeventualiter) die sukzessive Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess, ohne
dass der Beschwerdeführer „dabei verängstigt und bedrängt“ werde, sowie die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung „für beide
Instanzen“. Zur Begründung führte er aus, die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) habe mit untauglichen Mitteln versucht, den Beschwerdeführer
wieder einzugliedern. „Gerade bei einem schwer depressiven Menschen“ wie dem
Beschwerdeführer sei es „kontraproduktiv, ihn quasi mit Brechstange in den
Arbeitsprozess wieder zu zwingen“. Die Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz
hätten „nicht umsonst“ von einer „Infaust-Situation“ gesprochen. Im Ergebnis habe die
Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung vereitelt, weil sie mit ihrer
Vorgehensweise die massiven Ängste beim Versicherten vertieft habe. In der
angefochtenen Verfügung habe sich die Beschwerdegegnerin nicht zum Begehren um
eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung geäussert. „Dieses Schweigen“ werde
mitangefochten.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. April 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, das Gesuch um eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren gehöre nicht zum
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens, denn darüber sei nicht in der
angefochtenen, sondern in einer weiteren Verfügung vom 15. April 2014 entschieden
worden. Das Verlaufsgutachten der MEDAS Ostschweiz beweise, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der Rentenerhöhung wesentlich
verbessert habe, weshalb die Rente revisionsweise habe überprüft werden müssen.
Um dem Beschwerdeführer bei der Verwertung der wiedererlangten Arbeitsfähigkeit zu
helfen, sei ein Belastungstraining durchgeführt worden, das der Beschwerdeführer
dann aber vorzeitig abgebrochen habe. Angesichts der subjektiven Überzeugung des
Beschwerdeführers, nicht arbeitsfähig zu sein, seien weitere berufliche Massnahmen
zum Vorneherein zum Scheitern verurteilt. Er werde sich selbst eingliedern müssen. Der
Invaliditätsgrad sei anhand eines Prozentvergleichs zu berechnen. Bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 Prozent und unter Berücksichtigung eines
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Tabellenlohnabzuges von zehn Prozent resultiere ein Invaliditätsgrad von 55 Prozent.
Folglich sei die Rente zu Recht herabgesetzt worden.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 16. Juni 2014 an seinen Anträgen festhalten (act.
G 10). Zusätzlich beantragte sein Rechtsvertreter die Aufhebung der Verfügung vom
15. April 2014. Zur Begründung führte er aus, die Beschwerdegegnerin habe lediglich
„ihr qualifiziertes Schweigen auch noch zu Papier“ gebracht. Sie hätte spätestens mit
der angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2014 über das Begehren um eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung entscheiden müssen. Mit ihrem „qualifizierten
Schweigen“ müsse sie das Begehren abgewiesen haben. Die „neuerliche“ Abweisung
des Gesuchs sei „somit nicht zu hören“.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 12).

Erwägungen
1.
Aufgrund der weitgehenden Verknüpfung der Beschwerdeverfahren betreffend die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren und betreffend die
Rentenherabsetzung und aufgrund der damit zu erzielenden Reduktion des
Beurteilungsaufwandes rechtfertigt sich eine Beurteilung der beiden Beschwerden in
einem einzigen Urteil.
2.
2.1 Der Beschwerdeführer hat am 10. Dezember 2013 um eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren („Vorbescheidsverfahren“)
ersucht. Da es sich beim Entscheid über eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung um
einen Zwischenentscheid handelt (vgl. TOBIAS BOLT, Unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im kantonalen Verfahren, in: Sozialversicherungsrechtstagung
2015, S. 46 ff.), hätte die Beschwerdegegnerin an sich vor dem Erlass der Verfügung in
der Hauptsache über das Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung
entscheiden sollen. Aber sie hat am 23. Januar 2014 das Verwaltungsverfahren mit
einer Verfügung abgeschlossen, ohne vorher über das Gesuch um eine unentgeltliche
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Rechtsverbeiständung entschieden zu haben. In seiner Beschwerde vom 27. Februar
2014 hat sich der Beschwerdeführer also nur gegen den „Nicht-Erlass“ einer Verfügung
über sein Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren wenden können. Bei der Beschwerde vom 27. Februar 2014
kann es sich also nur um eine Rechtsverweigerungsbeschwerde im Sinne des Art. 56
Abs. 2 ATSG gehandelt haben. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat denn
auch selbst ausgeführt, dass er das „Schweigen“ der Beschwerdegegnerin zu seinem
Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren
anfechte. Würde man seinen Antrag in der Beschwerde vom 27. Februar 2014 um die
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren
wörtlich nehmen, könnte auf die Beschwerde in diesem Punkt mangels einer
entsprechenden Verfügung als Anfechtungsgegenstand nicht eingetreten werden. Als
Rechtsverweigerungsbeschwerde interpretiert ist der Antrag dagegen einer
gerichtlichen Überprüfung zugänglich, die sich aber auf die Frage beschränken muss,
ob eine Rechtsverweigerung vorliegt.
2.2 Auch wenn es sinnvoll ist, eine solche Zwischenverfügung so bald als möglich,
jedenfalls vor dem Abschluss des (Haupt-) Verwaltungsverfahrens zu erlassen, ist eine
nach dem Abschluss des (Haupt-) Verwaltungsverfahrens erlassene
Zwischenverfügung nicht ohne weiteres rechtswidrig, denn es besteht keine
gesetzliche Pflicht, vor dem Abschluss des (Haupt-) Verwaltungsverfahrens über das
Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu entscheiden. Im Umstand
allein, dass erst nach dem Abschluss des (Haupt-) Verwaltungsverfahrens über ein
Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung entschieden wird, kann also
keine Rechtsverweigerung oder eine Rechtsverzögerung erblickt werden. Die sich auf
das Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren beziehende Rechtsverweigerungsbeschwerde ist folglich
abzuweisen.
2.3 Selbstverständlich kann das anfängliche „Schweigen“ der Beschwerdegegnerin
zum Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren nicht als eine Abweisung des entsprechenden Begehrens
qualifiziert werden. Gerade angesichts des Umstandes, dass dem Beschwerdeführer
für ein Einspracheverfahren betreffend seinen Ergänzungsleistungsanspruch die
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unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden war, hat im Zeitpunkt der
Erhebung der hier zu behandelnden Beschwerde durchaus mit einer nachträglichen
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das „Vorbescheidsverfahren“
gerechnet werden können. Entscheidend ist aber, dass die Beschwerdegegnerin erst in
der Verfügung vom 15. April 2014 – und damit nach der Beschwerdeerhebung am 27.
Februar 2014 – über das Gesuch um eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren entschieden hat. Natürlich hat sich der Beschwerdeführer in
seiner Beschwerde nicht bereits gegen eine (befürchtete) zukünftige Verfügung wenden
können, wie seinem Rechtsvertreter als einem seit langer Zeit im
Sozialversicherungsrecht praktizierenden Anwalt zweifellos bekannt sein musste (vgl.
statt vieler BGE 125 V 413 mit zahlreichen Hinweisen). Erst nach der Eröffnung der
Verfügung vom 15. April 2014 hätte der Beschwerdeführer eine Beschwerde gegen die
Verweigerung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung erheben können, was aber
nicht geschehen ist. In der Replik vom 16. Juni 2014 hat der Rechtsvertreter explizit nur
seine „vorsorgliche“ Beschwerde vom 27. Februar 2014 gegen die damals noch nicht
ergangene Verfügung betreffend die unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das
Verwaltungsverfahren „erneuert“ und mit einer nicht nachvollziehbaren Begründung
geltend gemacht, die Verfügung vom 15. April 2014 sei „nicht zu hören“. Das verfängt
nicht. Wäre er mit der besagten Verfügung nicht einverstanden gewesen, hätte er diese
begründet anfechten müssen. Selbst wenn der Rechtsvertreter mit seiner Replik vom
16. Juni 2014 eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. April 2014 erhoben hätte,
was nicht der Fall gewesen ist, wäre diese trotz des Fristenstillstandes über Ostern (Art.
38 Abs. 4 lit. a ATSG) verspätet gewesen. Jedenfalls kann auf das Begehren um die
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verwaltungsverfahren
nicht eingetreten werden.
3.
3.1 Der angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2014 lässt sich nicht ohne weiteres
entnehmen, ob es sich dabei um eine sanktionsweise Leistungskürzung gestützt auf
den Art. 21 Abs. 4 ATSG wegen einer Verletzung einer zumutbaren
Schadenminderungspflicht oder um eine revisionsweise Rentenherabsetzung gestützt
auf den Art. 17 Abs. 1 ATSG wegen einer Verminderung des Invaliditätsgrades handelt.
Selbstverständlich kann die Verfügung nicht gleichzeitig eine sanktionsweise
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Leistungskürzung und eine revisionsweise Rentenherabsetzung, sondern nur entweder
das eine oder das andere sein, denn es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche
Rechtsanwendungsvorgänge, die nicht kombiniert werden können, auch wenn sie rein
betraglich zum selben Resultat zu führen scheinen. Eine revisionsrechtliche
Rentenherabsetzung schliesst eine sanktionsweise Leistungskürzung (mit demselben
betraglichen Ergebnis) begriffsnotwendigerweise aus, denn wenn die Rente ohnehin
herabgesetzt werden müsste, kann es sich bei der (betraglich zum selben Ergebnis
führenden) Leistungskürzung nicht um eine Sanktion handeln. Umgekehrt schliesst
aber auch eine sanktionsweise Leistungskürzung eine revisionsrechtliche
Rentenherabsetzung aus, denn wenn der Grund für die Leistungsreduktion in der
Verletzung einer Schadenminderungspflicht zu erblicken ist, kann kein Revisionsgrund
vorliegen, der zum selben Ergebnis führen würde, weil ansonsten ja objektiv gar keine
Schadenminderungsmöglichkeit bestünde. Die angefochtene Verfügung vom 23.
Januar 2014 kann also nur entweder eine Revisions- oder eine Sanktionsverfügung
sein.
3.2 Die Interpretation des Wortlautes der Verfügung vom 23. Januar 2014 führt zu
keinem eindeutigen Ergebnis, denn die Verfügung enthält – anders als noch der
Vorbescheid vom 5. November 2013 – Ausführungen sowohl zur Verletzung der
Schadenminderungspflicht als auch zur Verminderung des Invaliditätsgrades. Vom
Ablauf des Verwaltungsverfahrens her scheint es sich bei der Verfügung eher um eine
Sanktionsverfügung zu handeln, denn im Vorbescheid vom 5. November 2013 war die
vorgesehene Rentenherabsetzung noch ausschliesslich mit dem Art. 21 Abs. 4 ATSG
begründet worden. Dem Vorbescheid war denn auch ein entsprechendes „Mahn- und
Bedenkzeitverfahren“ vorausgegangen, das allerdings nur schon deshalb nicht korrekt
durchgeführt worden sein dürfte, weil die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
nicht eindeutig mitgeteilt hatte, ob eine Verletzung der Schadenminderungspflicht (Art.
21 Abs. 4 ATSG) oder eine Verletzung der Mitwirkungspflicht (Art. 43 Abs. 3 ATSG) zur
Diskussion stehe. Die Frage nach der Rechtmässigkeit des Vorgehens der
Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit der Abmahnung einer
Schadenminderungs- oder Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers kann aber offen
bleiben, wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen: Die Begründung der Verfügung hat
sich von derjenigen des Vorbescheides dadurch unterschieden, dass die
Rentenherabsetzung zusätzlich auch noch mit einer Verminderung des
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Invaliditätsgrades erklärt worden ist. In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. April 2014
hat sich die Beschwerdegegnerin dann nur noch zur Rentenrevision geäussert; der in
der Verfügung noch erwähnten Verletzung einer Schadenminderungspflicht als Grund
für die Rentenreduktion hat sie keine Beachtung mehr geschenkt. Der eigenen –
authentischen – Interpretation der Beschwerdegegnerin zufolge hat es sich bei der
angefochtenen Verfügung also um eine Rentenrevisionsverfügung im Sinne des Art. 17
Abs. 1 ATSG und nicht um eine Sanktionsverfügung im Sinne des Art. 21 Abs. 4 ATSG
gehandelt. Verschiedene Hinweise in den Akten sprechen dafür, dass es sich bei dieser
Interpretation um das richtige Auslegungsergebnis handelt. Die Beschwerdegegnerin
scheint offenbar – wohl aufgrund einer Fehlinterpretation der massgebenden
Gesetzesbestimmungen – davon ausgegangen zu sein, dass sie die Rente nach einem
Absinken des Invaliditätsgrades erst revisionsweise herabsetzen dürfe, wenn sie
versucht habe, den Beschwerdeführer wieder beruflich einzugliedern. Diese
Fehlüberlegung ist im Verfahrensablauf zusehends in den Hintergrund getreten. In ihrer
Beschwerdeantwort hat die Beschwerdegegnerin dann schliesslich völlig zu Recht
festgehalten, dass die Weigerung des Beschwerdeführers, an der (nur auf eine
Überwindung der für den Rentenanspruch irrelevanten Arbeitslosigkeit abzielenden)
beruflichen Wiedereingliederung mitzuwirken, nur zur Folge haben könne, dass er
diesbezüglich nun auf sich allein gestellt sei, und dass diese Weigerung bezüglich der
Rentenrevision irrelevant sei. Spätestens im Schreiben vom 18. Juni 2013 hat die
Beschwerdegegnerin eindeutig die Auffassung zum Ausdruck gebracht, dass die
Voraussetzungen des Art. 17 Abs. 1 ATSG für eine Rentenherabsetzung erfüllt seien
und dass die berufliche Eingliederung damit grundsätzlich nichts zu tun habe. Unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände kann es sich bei der angefochtenen Verfügung
vom 23. Januar 2014 also trotz des Wortlautes nicht um eine Sanktions-, sondern nur
um eine Revisionsverfügung gehandelt haben. Der Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens beschränkt sich folglich auf die Frage nach der
Rechtmässigkeit der revisionsweisen Rentenherabsetzung.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer hatte zunächst eine halbe Rente der Invalidenversicherung
bezogen. Aufgrund eines im Jahr 1996 gestellten Revisionsbegehrens war er im
Februar 2003 polydisziplinär begutachtet worden. Die Sachverständigen hatten ihn
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damals als vollständig arbeitsunfähig qualifiziert, was sie mit einer mittelschwer bis
schwergradig ausgeprägten depressiven Störung begründet hatten. Mit einer
Verfügung vom 14. August 2003 hatte die Beschwerdegegnerin gestützt auf diese
Arbeitsfähigkeitsschätzung die halbe auf eine ganze Rente erhöht. Erst im August 2009
ist ein Revisionsverfahren zur Überprüfung der seither ausgerichteten ganzen Rente
eröffnet worden. Mit der angefochtenen Verfügung vom 23. Januar 2014 hat die
Beschwerdegegnerin dieses über vier Jahre vorher eröffnete Revisionsverfahren dann
abgeschlossen. Für die Beantwortung der Frage, ob sich der Invaliditätsgrad im Sinne
des Art. 17 Abs. 1 ATSG massgebend vermindert hatte, muss der Sachverhalt, wie er
sich im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (also am 23. Januar 2014)
dargestellt hat, mit jenem Sachverhalt verglichen werden, der der
Rentenerhöhungsverfügung vom 14. August 2003 zugrunde gelegt worden war.
4.2 Der Rentenerhöhung vom 14. August 2003 hat das Gutachten der MEDAS
Ostschweiz vom 28. Februar 2003 zugrunde gelegen, laut dem der Beschwerdeführer
damals aus psychiatrischen Gründen vollständig arbeitsunfähig war. Die angefochtene
Verfügung vom 23. Januar 2014 beruht auf dem Verlaufsgutachten der MEDAS
Ostschweiz vom 12. Mai 2010. Im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Verfügung ist dieses Verlaufsgutachten schon beinahe vier Jahre alt gewesen.
Grundsätzlich wäre es nötig gewesen, vor dem Erlass der Verfügung den seitherigen
Verlauf des massgebenden Sachverhalts zu klären. Nun fehlt aber ein klarer Hinweis
auf eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers in
den Jahren 2010–2014: Laut dem Bericht des Gastroenterologen Dr. E._ (vgl. IV-act.
225) hat der Beschwerdeführer zwar im Zeitraum des Jahreswechsels 2010/2011 an
einer Diarrhoe gelitten, die offenbar durch die Medikamenteneinnahme ausgelöst
worden war. Diese Krankheit ist aber erfolgreich behandelt worden. Der Hausarzt hat
zwar dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers angegeben (vgl. IV-act. 236), dass er
im Jahr 2012 Zeichen einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers gesehen habe. Diese Zeichen sind aber derart unspezifisch
beschrieben worden, dass es sich dabei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um
eine unkritische Wiedergabe der vom Beschwerdeführer demonstrierten und geklagten,
das heisst subjektiv wahrgenommenen gesundheitlichen Situation gehandelt hat, die
bei Hausärzten erfahrungsgemäss häufig anzutreffen ist und denen in Bezug auf den
objektiven Arbeitsfähigkeitsgrad kein Beweiswert beizumessen ist. Die
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Beschwerdegegnerin ist also zu Recht davon ausgegangen, dass sich der somatische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach der Begutachtung im Jahr 2010 bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung nicht verschlechtert hatte. Dem Bericht des
behandelnden Psychiaters Dr. C._ vom 24. August 2011 (vgl. IV-act. 211) hat sich
zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nur entnehmen lassen, dass dieser
unverändert geblieben sei. Da sich der Beschwerdeführer vor der offenbar kurz vorher
aufgenommenen Therapie bei Dr. C._ nie psychiatrisch hatte behandeln lassen, kann
sich diese Angabe von Dr. C._ nur auf den im Verlaufsgutachten der MEDAS
Ostschweiz vom 12. Mai 2010 beschriebenen Gesundheitszustand bezogen haben.
Der sehr auf die Information der Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht
bedachte Rechtsvertreter hat bis zum Verfügungserlass keine Berichte von Dr. C._
oder eines anderen Psychiaters mehr eingereicht, was nur den Schluss zulässt, dass
gar nie eine eigentliche Psychotherapie erfolgt ist, weil kein Bedarf danach bestanden
hat. Da also auch keine Hinweise auf eine nach der Begutachtung eingetretene
Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
vorgelegen haben, hat die Beschwerdegegnerin ihre Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs.
1 ATSG) im Ergebnis nicht verletzt, indem sie von einer Verlaufserhebung abgesehen
hat. Zusammenfassend steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass der im Verlaufsgutachten der MEDAS Ostschweiz vom
12. Mai 2010 beschriebene Gesundheitszustand bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 23. Januar 2014 keine relevante dauernde Veränderung erfahren hat.
4.3 Dem Verlaufsgutachten der MEDAS Ostschweiz vom 12. Mai 2010 lässt sich
entnehmen, dass die Sachverständigen die früheren medizinischen Berichte eingehend
gewürdigt haben. Sie sind also nicht nur über den aus der persönlichen Untersuchung
gewonnenen aktuellen Zustand des Beschwerdeführers, sondern auch über den
gesamten Verlauf seit dem Unfall im Jahr 1989 im Bilde gewesen. Die Befunde, die sie
erhoben haben, sind detailliert und anschaulich geschildert worden. Aus diesen
Befunden und den anamnestischen Angaben haben sie überzeugend begründete
Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnose und der Arbeitsfähigkeit gezogen. Der
psychiatrische Sachverständige hat sich kritisch mit seiner früheren
Arbeitsfähigkeitsschätzung im Jahr 2003 auseinander gesetzt, was belegt, dass er um
Objektivität bemüht gewesen ist. Hinweise, die Zweifel an den Schlussfolgerungen der
Sachverständigen wecken würden, sind keine ersichtlich. Das Gutachten vermag
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vollständig zu überzeugen. Folglich ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt,
dass sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in den Jahren
2003–2010 massgebend gebessert hat. Der psychiatrische Sachverständige hat zwar
ausgeführt, dass schon im Jahr 2003 für die Beurteilung des Rentengesuchs nicht von
einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit hätte ausgegangen werden dürfen, sondern dass
der Invaliditätsbemessung eine Arbeitsfähigkeit von 20–30 Prozent hätte zugrunde
gelegt werden müssen. Gleichzeitig hat er aber auch überzeugend dargelegt, dass der
Beschwerdeführer im Jahr 2010 massgeblich weniger beeinträchtigt als noch im Jahr
2003 gewesen ist. Den Zeitpunkt dieser Verbesserung des psychischen
Gesundheitszustandes hat er zwar nicht genau festlegen können. Das ändert aber
nichts daran, dass eine relevante Verbesserung des psychischen
Gesundheitszustandes mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Der genaue Zeitpunkt des Eintrittes dieser
Verbesserung spielt denn auch gar keine Rolle, weil keine Meldepflichtverletzung im
Sinne des Art. 88bis Abs. 2 lit. b IVV vorliegt und die Revision der Rente folglich
gemäss dem Art. 88bis Abs. 2 lit. a IVV ohnehin erst mit Wirkung auf das Ende des der
Zustellung der Verfügung folgenden Monats hat vorgenommen werden dürfen.
Jedenfalls steht mit dem überzeugenden Gutachten der MEDAS Ostschweiz fest, dass
der Beschwerdeführer spätestens im Jahr 2010, wahrscheinlich aber schon viel früher,
bis zum Tag des Erlasses der angefochtenen Verfügung wieder zu 50 Prozent
arbeitsfähig gewesen ist und dass es sich bei dieser Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
um eine anderslautende Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Sachverhaltes gehandelt hat, sondern dass sich der psychische Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers nach der Rentenerhöhung im August 2003 tatsächlich
verbessert hat.
4.4 Der Beschwerdeführer ist vor dem Unfall im Jahr 1989 als Hilfsarbeiter tätig
gewesen. Die Akten enthalten keinerlei Hinweise, die gegen die Annahme sprechen,
der Beschwerdeführer hätte einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn erzielen können,
wenn er eine entsprechende Arbeitsstelle gefunden hätte. Trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung kann der Beschwerdeführer leidensadaptierte
Hilfsarbeiten verrichten, mit denen sich grundsätzlich ein durchschnittlicher
Hilfsarbeiterlohn erzielen liesse. Der Ausgangswert zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens entspricht folglich dem Valideneinkommen. Die
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Beschwerdegegnerin hat den Invaliditätsgrad deshalb zu Recht anhand eines
sogenannten Prozentvergleichs berechnet. Angesichts der erheblichen
Beeinträchtigung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers ist
davon auszugehen, dass die indirekten, d.h. ökonomisch-betriebswirtschaftlichen
Nachteile des Beschwerdeführers gegenüber gesunden mit einem Beschäftigungsgrad
von 50 Prozent erwerbstätigen Hilfsarbeitern (besondere Kontrollbedürftigkeit bei
schwankender Konzentrations- und Leistungsfähigkeit, Gefahr erhöhter
Krankheitsabsenzen, Bedarf nach besonderer Rücksichtnahme seitens der
Vorgesetzen und der Arbeitskollegen, Motivationsprobleme usw.) erheblich sind, so
dass ein dem Beschwerdeführer ausgerichteter halber Durchschnittslohn eine
erhebliche Soziallohnkomponente enthalten würde. Der von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene Tabellenlohnabzug von zehn Prozent ist deshalb zu tief. In Fällen wie
dem Vorliegenden wird praxisgemäss ein Abzug von 15 Prozent als angemessen
betrachtet. Daraus resultiert weiterhin ein zwischen 50 und 59 Prozent liegender
Invaliditätsgrad (1 – 0,85 × 0,5 = 57,5%). Im Ergebnis erweist sich die angefochtene
Verfügung vom 23. Januar 2014 deshalb als rechtmässig, weshalb die Beschwerde
abzuweisen ist.
5.
An sich hätte der sowohl in Bezug auf die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren als auch in Bezug auf die Rentenherabsetzung unterliegende
Beschwerdeführer die Gerichtskosten von je 300 Franken zu bezahlen. Da ihm aber für
das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, wird
er von der Bezahlung dieser Gerichtsgebühren von zusammen 600 Franken befreit.
Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das
Beschwerdeverfahren hat der Staat dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Entschädigung auszurichten, die 80 Prozent des erforderlichen Vertretungsaufwandes
zu entsprechen hat (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Der Vertretungsaufwand ist als
durchschnittlich zu qualifizieren, weshalb sich Entschädigungen von 500 Franken
(unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren) und von 3’000 Franken
(Rentenherabsetzung), jeweils einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer, als
angemessen erweisen. Der Staat hat den Rechtsbeistand des Beschwerdeführers also
mit 400 Franken und 2‘400 Franken, d.h. insgesamt mit 2’800 Franken zu
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entschädigen. Sollten es seine wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird
der Beschwerdeführer zur Nachzahlung der Gerichtskosten und zur Rückerstattung der
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung verpflichtet werden können
(Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).