Decision ID: 74607caf-d046-5098-a724-afc109eef77d
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
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A. Dr. D.Y. sel., geboren 1968, verstarb zwischen dem 16. und 18. Juli 2016. Zuletzt
war sie in Q. wohnhaft. Vom 27. Mai 2016 bis zu ihrem Tod war sie in stationärer
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung in der psychiatrischen Klinik X.
Betreut wurde sie unter anderem vom Chefarzt der Klinik, Dr. med. G.X. Die
Verstorbene hinterliess zwei Töchter, B.Y. und C.Y., sowie ihren Ehemann Dr. med.
A.Y., von welchem sie seit März 2016 resp. Dezember 2015 getrennt lebte (act. 2, S. 3
E. 3, act. 6, S. 5 Ziff. III/5, act. 12/8, Erstgespräch vom 23. Februar 2016, act. 27/4-6,
8).
B. Am 25. August 2016 ersuchte Dr. med. G.X. auf Begehren von Dr. med. A.Y. vom
29. Juli 2016 und 23. August 2016 das Gesundheitsdepartement um Entbindung vom
Berufsgeheimnis hinsichtlich seiner Patientin Dr. D.Y. sel. Das Departement wies das
Gesuch mit Verfügung vom 25. Oktober 2016 ab (act. 2, act. 12/1 und 3 f., act. 27/8).
C. Gegen die Verfügung des Gesundheitsdepartements (Vorinstanz) vom 25. Oktober
2016 liessen Dr. med. A.Y. mit seinen Töchtern B.Y. und C.Y. (Beschwerdeführer 1 bis
3) durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde beim Verwaltungsgericht erheben mit dem
Rechtsbegehren, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei Dr. med. G.X.
(Beschwerdegegner) unter Kostenfolge vom ärztlichen Berufsgeheimnis betreffend D.Y.
sel. zu entbinden (act. 1). Am 2. Dezember 2016 ergänzten sie ihre Beschwerde mit
einer Begründung (act. 6). Mit Vernehmlassung vom 31. Januar 2017 schloss die
Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde (act. 11). Der Beschwerdegegner
verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung (act. 14). Mit Replik vom 15. März
2017 bestätigten die Beschwerdeführer ihren Antrag und ihre Ausführungen (act. 15).
Am 23. März 2017 reichte der Beschwerdegegner eine Stellungnahme ein (act. 19). Am
5. April 2017, 19. Juni 2017 und 14. September 2017 liessen sich die
Beschwerdeführer nochmals vernehmen (act. 22, 24, 26).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. (...).
2. Die Beschwerdeführer stellen die Beweisanträge (act. 6, S. 3 f. Ziff. II/1 f., act. 15, S.
3 f. Ziff. II/3 f. und 7, act. 22, S. 4 Ziff. II/4c f.), sie seien persönlich zu befragen. Ferner
seien E.S., F.P. und K.M. als Zeugen einzuvernehmen. Sodann seien der
Verbindungsnachweis des Hausanschlusses des Beschwerdeführers 1 vom Juni 2016
bei der Swisscom, die Verbindungsnachweise der jeweils von E.S. und F.P. benützten
Telefonanschlüsse und der Browserverlauf (SQL lite Datenbank) der
Beschwerdeführerin 2 zu edieren. Es seien eine Expertise betreffend Diagnosen und
Behandlungsbedarf der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 und ein Amtsbericht des
Regressdienstes der Sozialversicherungsanstalt einzuholen. Auf die beantragten
prozessualen Vorkehren kann verzichtet werden, da sich die entscheidrelevanten
tatsächlichen Verhältnisse, aufgrund derer die sich im vorliegenden Verfahren
stellenden Rechtsfragen einer Antwort zuzuführen sein werden, aus den dem Gericht
vorliegenden Verfahrensakten ergeben (vgl. zur antizipierten Beweiswürdigung BGE
141 I 60 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 136 I 229 E. 5.3 und Waldmann/Bickel,
Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 29 N 88, sowie
G. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender, Die schweizerische
Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, Art. 29 N 48).
3. Ärztliche Aufzeichnungen (insbesondere Krankengeschichten mit Anamnese-,
Diagnose- und Therapieverlaufsberichten) enthalten regelmässig sehr sensible
höchstpersönliche Informationen aus der Intim- und Privatsphäre von Patientinnen und
Patienten, die von Art. 13 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, BV) und Art. 8 der Europäischen Konvention zum Schutze
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) in besonderem Masse
geschützt sind (vgl. BGE 141 IV 77 E. 4.4 und 5.2 mit Hinweisen). Dementsprechend
wahren Personen, die einen universitären Medizinalberuf selbständig oder
unselbständig ausüben, nach Art. 44 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 3 des
Gesundheitsgesetzes (sGS 311.1, GesG) in Verbindung mit Art. 40 Ingress und lit. f des
Bundesgesetzes über die universitären Medizinalberufe (Medizinalberufegesetz; SR
811.11, MedBG) das Berufsgeheimnis nach Massgabe der einschlägigen Vorschriften
(siehe auch Art. 11 Abs. 1 der Standesordnung des Vereins FMH Verbindung der
Schweizer Ärztinnen und Ärzte, www.fmh.ch). Art. 40 Ingress und lit. f MedBG
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umschreibt den Begriff des Berufsgeheimnisses mittels eines dynamischen Verweises
auf die geltende Schweizer Rechtsordnung (vgl. B. Etter, Medizinalberufegesetz, Bern
2006, Art. 40 N 38). Der Verweis bezieht sich in erster Linie auf das strafrechtlich
geschützte Berufsgeheimnis gemäss Art. 321 des Schweizerischen Strafgesetzbuches
(SR 311.0, StGB, vgl. Botschaft zum MedBG, in: BBl 2005 S. 173 ff., S. 229, sowie
BGer 2C_1035/2016 vom 20. Juli 2017 E. 4.2, in: Anwaltsrevue 2017, S. 393 f.). Zu
beachten sind aber auch das Datenschutzrecht (insbesondere Art. 35 des
Datenschutzgesetzes, SR 235.1, DSG) sowie der privatrechtliche Schutz der
Persönlichkeit des Patienten (Art. 28 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210,
ZGB) und die Verschwiegenheits- und Geheimhaltungspflicht des Beauftragten (Art.
398 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des ZGB, Fünfter Teil:
Obligationenrecht, SR 220, OR, vgl. W. Fellmann, in: Ayer/Kieser/Poledna/
Sprumont [Hrsg.], Medizinalberufegesetz, Basel 2009, Art. 40 N 127-129).
Ärzte, die ein Geheimnis offenbaren, das ihnen infolge ihres Berufes anvertraut worden
ist oder das sie in dessen Ausübung wahrgenommen haben, werden, auf Antrag, mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 321 Ziff. 1 StGB, vgl.
hierzu BGE 143 IV 209 E. 1.2 mit Hinweisen). Jedes vorsätzliche Offenbaren des
geschützten Geheimnisses gegenüber Dritten sanktioniert das Gesetz, und zwar selbst
dann, wenn der Erklärungsempfänger seinerseits, wie hier der Beschwerdeführer 1, als
Arzt selbst der Geheimhaltung unterliegt (vgl. Aebi-Müller/Fellmann/Gächter/Rütsche/
Tag, Arztrecht, Bern 2016, § 9 Rz. 78 und 118 f.). Keine Verletzung der beruflichen
Schweigepflicht liegt unter anderem vor, wenn der Arzt das Geheimnis aufgrund einer
auf Gesuch des Arztes erteilten schriftlichen Bewilligung der vorgesetzten Behörde
oder Aufsichtsbehörde offenbart hat (Art. 321 Ziff. 2 StGB; vgl. BGer 2C_215/2015 vom
16. Juni 2016 in BGE 142 II 256 nicht publizierte E. 3). Dabei lassen sich dem Gesetz
keine Kriterien entnehmen, welche von der zuständigen Behörde bei ihrem Entscheid
über die Entbindung vom Berufsgeheimnis zu beachten wären. Nach Rechtsprechung
und Literatur ist dafür eine Rechtsgüter- und Interessenabwägung vorzunehmen, wobei
die Entbindung nur zu bewilligen ist, wenn dies zur Wahrung überwiegender privater
oder öffentlicher Interessen notwendig ist (Subsidiaritätsprinzip) bzw. die Interessen an
der Entbindung klar überwiegen (vgl. BGer 2C_215/2015 vom 16. Juni 2016 in BGE
142 II 256 nicht publizierte E. 5.1, BGE 142 II 307 E. 4.3.3, VerwGE B 2013/210 vom
23. Januar 2015 E. 3.2 je mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, Aebi-Müller/Fellmann/
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Gächter/Rütsche/Tag, a.a.O., § 9 Rz. 89, N. Oberholzer, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.],
Strafrecht II, 3. Aufl. 2013, Art. 321 Rz. 23, Trechsel/Vest, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.],
Schweizerisches Strafgesetzbuch, 2. Aufl. 2013, Art. 321 Rz. 34, J. Mausbach, Die
ärztliche Schweigepflicht des Vollzugsmediziners im schweizerischen Strafvollzug aus
strafrechtlicher Sicht, Zürich 2010, S. 162 f., Kuhn/poledna, Arztrecht in der Praxis,
2. Aufl. 2007, S. 753 f., B. Tag, Die Verschwiegenheit des Arztes im Spiegel des
Strafgesetzbuches und der Strafprozessordnung des Kantons Zürich, in:
ZStrR 122/2004, S. 1 ff., S. 11 ff., K. Keller, Das ärztliche Berufsgeheimnis gemäss
Art. 321 StGB, Zürich 1993, S. 154 f., und J. Boll, Die Entbindung vom Arzt- und
Anwaltsgeheimnis, Zürich 1983, S. 57 ff., siehe auch Art. 17 StGB, Art. 28 Abs. 2 ZGB,
Art. 13 DSG und Art. 19 Abs. 3 des Bundesgesetzes über genetische Untersuchungen
beim Menschen, SR 810.12, GUMG).
Soweit die Geheimnisse des zwischenzeitlich verstorbenen Patienten dem Arzt noch zu
dessen Lebzeiten zuteil geworden sind, entfällt die strafrechtliche Schweigepflicht des
Arztes mit dem Tod des Patienten nicht. Das höchstpersönliche Recht in eine
Entbindung einzuwilligen ist nicht vererblich. Die Nachfahren werden nicht
Geheimnisherren und erhalten kein Verfügungsrecht über das Arztgeheimnis (vgl. Pra
85 [1996] Nr. 94 E. 3a, BGE 118 IV 319 E. 2, in: Pra 84 [1995] Nr. 210, ZBl 91/1991,
S. 364 ff., S. 368 E. 5b, und BGE 87 IV 105 E. 2, Aebi-Müller/Fellmann/Gächter/
Rütsche/Tag, a.a.O., § 9 Rz. 149 und 152, L. Hübner, Umfang und Grenzen des
strafrechtlichen Schutzes des Arztgeheimnisses nach § 203 StGB, Frankfurt 2011,
S. 69 ff., allerdings in Bezug auf das deutsche Recht, K. Keller, a.a.O., S. 79 ff. und
J. Boll, a.a.O., S. 34 f.). Das Vertraulichkeitsgebot gilt auch gegenüber Angehörigen des
Patienten, welche durch die Erkrankung betroffen sein könnten (vgl. L. S. Brühwiler-
Frésey, Medizinischer Behandlungsvertrag und Datenrecht, Zürich 1996, S. 154 ff., und
demgegenüber Art. 1 Abs. 7 Satz 2 der Verordnung zum DSG, SR 235.11, VDSG). Sind
die Umstände des Todes oder der Erkrankung ausnahmsweise von hohem
persönlichen Interesse für Angehörige (wobei es sich hier nicht zwingend um die Erben
handeln muss), kann eine Offenbarung einzelner Gesundheitsdaten ausnahmsweise
durch ein überwiegendes privates Interesse gedeckt sein, bspw. im Zusammenhang
mit einer genetischen Prädisposition oder einer möglichen Ansteckung bei einer
lebensbedrohlichen Erkrankung (vgl. Aebi-Müller/Fellmann/Gächter/Rütsche/Tag,
a.a.O., § 9 Rz. 150, und ). Unter Umständen sind den Angehörigen Einsichtsrechte
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unter Einbezug einer Vertrauensperson zu gewähren (vgl. Pra 85 [1996] Nr. 94 E. 3c mit
Hinweisen, insbesondere auf Art. 8 Abs. 3 DSG).
4. Als Chefarzt Erwachsenenpsychiatrie der Klinik X. (www. ... .ch) fällt der
Beschwerdegegner, welcher unbestrittenermassen der strafrechtlichen sanktionierten
ärztlichen Schweigepflicht unterliegt, in den Anwendungsbereich von Art. 321 StGB.
Ob hier zusätzlich auch Art. 320 StGB (Verletzung des Amtsgeheimnisses) eine Rolle
spielt, ist nicht weiter entscheidend, bildet doch Beschwerdegegenstand bloss die
Entbindung vom Berufsgeheimnis. Eine Entbindung ist in beiden Fällen möglich (vgl.
Art. 320 Ziff. 2 bzw. Art. 321 Ziff. 2 StGB und BGer 2C_361/2012 vom 19. September
2012 E. 2.3 mit Hinweis). Des Weiteren ist aus den Akten nicht ersichtlich, dass die
Verstorbene zu Lebzeiten den Beschwerdegegner ausdrücklich oder stillschweigend
von der ihn treffenden Geheimhaltungspflicht entbunden hat. Auch die geltend
gemachten Kontakte (Telefongespräche, SMS, Whatsapp-Nachrichten) zwischen F.P.
bzw. E.S. und dem Beschwerdeführer 1 vom 30. Mai 2016, 13., 21. und 28. Juni 2016
sowie 5. Juli 2016, zwischen dem Beschwerdeführer 1 und der Verstorbenen vom 1.
und 6. Juli 2016 sowie zwischen den Beschwerdeführerinnen 2 und 3 und der
Verstorbenen vom 4., 5., 9., 11. und 13. Juli 2016 stellen keine hinreichende Grundlage
für eine Entbindungserklärung dar (act. 6, S. 7 Ziff. III/6d, act. 7/1, act. 8,
Verlaufsübersicht, S. 4, 7, 9, 11, 14, 19 und 26, act. 22, S. 3 Ziff. II/4a). Dies selbst
dann, wenn der Beschwerdeführer 1 in die Behandlung seiner verstorbenen Ehefrau
hätte einbezogen werden sollen und der von der Verstorbenen am 1. Juni 2016
geäusserte vorläufige Wunsch, dass das Klinikpersonal keinen Kontakt mit ihren
Angehörigen aufnehme (act. 12/8), nicht als explizite Willenserklärung angesehen
werden könnte, den Angehörigen keine Einsicht in ihre Krankenakte zu gewähren (act.
6, S. 2 f. Ziff. II/1, S. 5 f. Ziff. III/4 f., act. 11, S. 1-4 Ziff. II/1-3, act 15 S. 2 f. Ziff. II/1-5,
act. 19, act. 22, S. 2 f. Ziff. II/1-3). Es steht mithin fest, dass aufgrund des Verhaltens
und der Handlungen der Verstorbenen nicht von einer (konkludenten) Einwilligung
ausgegangen werden darf, aufgrund derer der Beschwerdegegner von seiner
Geheimhaltungspflicht entbunden worden wäre. Im Weiteren berufen sich die
Beschwerdeführer auf keine gesetzlichen Anzeigepflichten und Melderechte. Zu prüfen
bleibt, ob die Entbindung des Beschwerdegegners vom Berufsgeheimnis zulässig ist.
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5. Die Beschwerdeführer verlangen vollumfänglich Einsicht in die Krankenunterlagen
ihrer verstorbenen Mutter resp. Ehefrau mit der verständlichen Überlegung, damit ihre
Trauer bewältigen und die psychischen Auffälligkeiten in erster Linie der
Beschwerdeführerin 2, aber auch der Beschwerdeführerin 3 behandeln zu können.
Auch möchte der Beschwerdeführer 1 verstehen, was seine Frau dazu getrieben hat,
sich ihr Leben zu nehmen; ebenso, ob die Behandlung sorgfältig erfolgt und ihr Freitod
nicht hätte verhindert werden können (act. 6, S. 6 f. Ziff. III/6 f., act. 15, S. 3 f. Ziff. II/
6 f., act. 22, S. 3 f., Ziff. II/4 f., act. 24 und act. 26).
5.1. Was die privaten Interessen an der Trauerbewältigung, der Abklärung allfälliger
Behandlungsfehler sowie der Information über die Motive für den Freitod anbelangt, ist
den Beschwerdeführern zwar ein berechtigtes Interesse zuzugestehen. Diese
Interessen werden indessen insoweit abgeschwächt, als die Beschwerdeführer selbst
einräumen, keine Haftungsansprüche wegen allfälligen Behandlungsfehlern gegenüber
dem Beschwerdegegner geltend machen zu wollen (act. 26). Weiter erscheint fraglich,
ob die vollständige Akteneinsicht die einzige Möglichkeit einer erfolgreichen
Trauerbewältigung darstellt und das Subsidiaritätsprinzip diesbezüglich gewahrt ist.
Den verständlichen Offenbarungsinteressen der Beschwerdeführer steht das
Geheimhaltungsinteresse entgegen. Eine Durchsicht der Krankengeschichte (act. 12/8)
ergibt, dass darin im besonderen Masse schützenswerte höchstpersönliche Daten der
Verstorbenen enthalten sind, welche dem Beschwerdegegner im Rahmen der
damaligen Behandlung anvertraut wurden und vertrauliche Informationen zum Inhalt
haben. Es ist daher nicht ohne weiteres anzunehmen, dass die Verstorbene, selbst
wenn sie mit den Beschwerdeführern eng verbunden war, zugelassen hätte, dass
diesen über sie geführte ärztliche Dossier voll und ohne Einschränkungen zugänglich
gemacht würde. Letztes selbst dann, wenn die Abklärung der von den
Beschwerdeführern aufgeworfenen Frage, ob sie aufgrund einer Fehlbehandlung
verstarb, mutmasslich in ihrem eigenen Interesse gelegen hätte. Angesichts der
skizzierten Interessenlage und der überragenden Bedeutung des strafrechtlichen
Schutzes des Arztgeheimnisses hat die Vorinstanz daher den Beschwerdeführern die
Einsichtsnahme in dieser Hinsicht zu Recht verweigert. Insofern ist die angefochtene
Verfügung (act. 2) nicht zu beanstanden. Würde anders entschieden, wäre die
Geheimsphäre Verstorbener gegenüber Angehörigen praktisch schutzlos. Im Übrigen
ist das von den Beschwerdeführern in diesem Zusammenhang angerufene Urteil des
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Verwaltungsgerichts Freiburg, Deutschland, 6 K 2245/14 vom 29. Oktober 2015
(www.vgfreiburg.de) vorliegend nicht einschlägig, da es in analoger Anwendung von
§ 630g Abs. 3 des deutschen Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) erging. Ferner tut
vorliegend nichts zur Sache, ob ein Interesse der Sozialversicherungsanstalt an der
Einsichtsnahme in die Krankenakten der Verstorbenen besteht (act. 22, S. 4 Ziff. II/5).
5.2. Hingegen haben die Beschwerdeführer nachvollziehbar dargetan, dass die
Einsichtsnahme in die Krankengeschichte für die Behandlung der psychischen
Auffälligkeiten der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 von hohem persönlichem Interesse
ist. In diesem Zusammenhang kann der Interessenkonflikt ausgewogen gelöst werden,
indem der Beschwerdegegner den – durch die Beschwerdeführer zu bestimmenden –
behandelnden Ärzten und Psychologen der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 Einsicht in
die Krankenunterlagen der Verstorbenen unter folgenden Voraussetzungen gewährt:
Einerseits müssen diese über eine Berufsausübungsbewilligung in der Schweiz
verfügen. Andererseits darf der Beschwerdegegner diesen nur insoweit Einsicht in den
Inhalt der Krankengeschichte gewähren, als es für den Behandlungserfolg der
Beschwerdeführerinnen 2 und 3 erforderlich sein könnte.
5.3. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die angefochtene Verfügung aufzuheben.
6. Bei diesem Verfahrensausgang und angesichts dessen, dass sich die
Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren nicht auf die psychischen
Auffälligkeiten der Beschwerdeführerinnen 2 und 3 beriefen (vgl. act. 12/1, 3, 5 und 9),
rechtfertigt es sich, die amtlichen Kosten den Beschwerdeführern zu vier Fünfteln und
dem Beschwerdegegner zu einem Fünftel aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1‘500 ist angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12, GKV). Der Kostenanteil der Beschwerdeführer
von CHF 1‘200 ist mit dem von ihnen geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1‘500 zu
verrechnen. Der Restbetrag von CHF 300 ist zurückzuerstatten. Auf die Erhebung des
Kostenanteils des Beschwerdegegners (CHF 300), welcher Mitglied der
Geschäftsleitung des Psychiatrieverbundes X. ist (vgl. Art. 1 und Art. 5 lit. b des
Gesetzes über die Psychiatrieverbunde, sGS 320.5, GPV, sowie www. ... .ch), ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
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Bei diesem Verfahrensausgang (kein überwiegendes Obsiegen) besteht kein Anspruch
der Beschwerdeführer auf Entschädigung der ausseramtlichen Kosten (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98 VRP).