Decision ID: b3216a01-b8f3-45d2-9e7a-d82f29642f6e
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1972, war seit dem Jahre 2006 in einem Pensum von 100 % als Produktionsmitarbeiter bei der
Z._
AG tätig (Urk. 6/3 Ziff. 5.4), als er sich am 2. Februar 2011 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte in der Folge medizinische (Urk. 6/12, Urk. 6/14-15) und erwerbli
che Abklärungen (Urk. 6/11, Urk. 6/13) und teilte dem Versicherten nach einem Ressourcengespräch am 24. März 2011 (Urk. 6/8)
mit Schreiben vom
25. März 2011 mit, es seien derzeit keine beruflichen Massnahmen möglich (Urk. 6/9). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/17-18) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Januar 2012 auch einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk.
6/19).
1.2
Am 5. Mai 2013 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/21), worauf die IV-Stelle
einen
aktuelle
n
medizinische
n
Bericht einholte (Urk. 6/25
)
. Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 6/27-28) gingen wei
tere medizinische Berichte (
Urk. 6/33)
sowie ein von der Beschwerdegegnerin veranlasstes
bidisziplinäres
Gutachten ein (Urk. 6/57). Nachdem die
Beschwer
degegnerin
am 2. Oktober 2013 die Massnahmen im Rahmen der
Eingliede
rungsberatung
sowie des Arbeitsplatzerhalts
abgeschlossen hatte
(Urk. 6/41)
,
wies sie den Versicherten mit Schreiben vom 3. Oktober 2014 auf ihm zumut
bare Behandlungen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes hin (Urk. 6/59) und
verneinte
gleichentags einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung (Urk. 6/60 =Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 3. Oktober 2014 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 30. Oktober 2014 Beschwerde und beantragte die
Zusprache
einer
Viertelsrente
ab 1. November 2011 (Urk. 1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom 5. Dezember 2014 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was dem Beschwerdeführer am 15. Januar 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 7). Am 11. Mai 2015 wurde in der Folge eine Instruktionsverhandlung durchgeführt (Urk. 8, Prot. S. 2).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
In formeller Hinsicht ist darauf hinzuweisen, dass
das im Rahmen des
Vorbe
scheidverfahrens
veranlasste Gutachten dem Beschwerdeführer vor
Verfügungs
erlass
nicht
mehr zur Kenntnisnahme
zugestellt wurde,
was
unter dem Aspekt des rechtlichen Gehörs als problematisch
erscheint
. Nachdem der Beschwerde
führer jedoch im Beschwerdeverfahren Gelegenheit hatte, sich zum Gutachten zu äussern
und
dabei keine Verletzung des rechtlichen Gehörs
gerügt
hat
(Urk. 1)
,
kann eine
solche
als geheilt betrachtet werden
.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Vali
deneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allge
meine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hin
weisen).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 3. Oktober 2014 davon aus, dass die vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen überwindbar seien und die angestammte Tätigkeit mit einer zumutbaren Willensanstrengung in einem Pensum von 100 % ausgeübt werden könne (Urk. 2 S. 2).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort
vom 5. Dezember 2014 führte die
Beschwer
degegnerin
ergänzend aus, zwar liege der
c
ancer-related
Fatigue
mittelbar eine organische Ursache zugrunde, dennoch weise der Beschwerde
führer genügend Ressourcen zur Überwindbarkeit dieser Müdigkeit und der depressiven Störung auf (Urk. 5 S. 1 f.). Der Beschwerdeführer arbeite an zwei bis drei Tagen die Woche und weise daneben ein erhebliches Aktivitätsniveau auf, was auf einige Ressourcen hinweise. Zudem hätten die objektiven Befunde während der Untersuchung keine erhebliche Einschränkung des Beschwerde
führers gezeigt (S. 2). Es sei von der Zumutbarkeit der Überwindbarkeit der Müdigkeit und der depressiven Störung auszugehen und ein invalidisierender Gesundheitsschaden zu verneinen (S. 3).
3.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend,
das von der
Beschwerde
gegnerin
in Auftrag gegebene Gutachten gehe von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % in angestammter und angepasster Tätigkeit aus und sei von der Beschwerdegegnerin als umfassend und schlüssig beurteilt worden. Trotzdem sei ihm keine Rente zugesprochen worden (Urk. 1 S. 2
lit
. II.2). D
ie
Beschwerdegeg
nerin
dürfe sich vorliegend aufgrund der Diagnosen nicht auf die
Überwindbar
keitspraxis
stützen, sondern habe der Einschätzung der Gutachter zu folgen. Das Bundesgericht habe festgehalten, dass als Begleitsymptom onkologischer Erkrankungen und deren Therapie der
c
ancer
-
related
Fatigue
zumindest mittel
bar eine organische Ursache zugrunde liege, weshalb es sich nicht rechtfertige, sozialversicherungsrechtlich auf die tumorassoziierte
Fatigue
die zum invalidi
sierenden Charakter
somatoformer
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze analog anzuwenden (
Urk. 1
S. 3 Ziff. 4).
3.3
Strittig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob diesem die Überwindung der bestehenden gesund
heitlichen Einschränkungen zumutbar ist.
4.
4.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Innere Medizin, speziell Onkologie und Hämatologie, nannte in seinem Bericht vom 28. März 2011 folgende
, hier leicht gekürzt angeführte
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/12 Ziff. 1.1):
Adeno-Ca
des
descendo-sigmoidalen
Übergangs
inkomplette Koloskopie 23. November 2010:
stenosierender
Tumor zirka 40 cm ab
ano
8. Dezember 2010: intraoperativ Infiltration des Duodenum Pars IV:
Laparoskopische
Hemikolektomie
links sowie
Duodenumteilresektion
keine Mikrosatelliteninstabilität am Tumorpräparat
aktuell:
adjuvante
Chemotherapie
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine chronische Hepatitis
B (Ziff. 1.1).
Der Beschwerdeführer sei aktuell auf dringende Empfehlung der Case Managerin der
Swica
vollständig arbeitsunfähig geschrieben, aus onkologischer Sicht sei er jeweils jede zweite Woche für drei Tage 100 % arbeitsunfähig wäh
rend der Therapiephase (Ziff. 1.6). Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht zumutbar, aktuell zu 50 %. Es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit jeweils während der Chemotherapie-Woche (Ziff. 1.7). Eingliederungsmassnah
men seien nicht notwendig, der Beschwerdeführer sei nach Abschluss der The
rapie wieder vollständig arbeitsfähig (Ziff. 1.8). Ab August 2011 könne mit einer Wiederaufnahme
der beruflichen Tätigkeit in einem Pensum von 100 % gerechnet werden (Ziff. 1.9).
4.2
Der Hausarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin, nannte in seinem Bericht vom 21. Mai 2011 folgende Diagnosen (Urk. 6/14 Ziff. 1.1):
colosigmoidales
Karzinom mit
regonärem
Lymphknotenbefall
November 2010
mässig differenziertes
Adenokarzinom
vom intestinalen Typ
Laparoskopische
Hemikolektomie
links
Deszendorektostomie
,
Duo
denumkeilresektion
8. Dezember 2010
13. Januar 2011 Implantation Port-a-
Cath
Status nach mehreren
Chemotherapiezyklen
Vom 5. November 2010 bis 30. Januar 2011 sei der Beschwerdeführer vollstän
dig arbeitsunfähig gewesen (Ziff. 1.6), das aktuelle Befinden sei ihm, Dr.
B._
, nicht bekannt (Ziff. 1.4). Es bestünden keine weiteren Einschrän
kungen, die bisherige Tätigkeit sei zu 100 % zumutbar (Ziff. 1.7).
Am 21. November 2011 hielt Dr.
B._
fest, er habe den Beschwerdeführer am 11. Januar 2011 zum letzten Mal gesehen. Gemäss den Berichten zeige sich ein günstiger Verlauf, der Beschwerdeführer sollte seit längerem wieder voll
ständig arbeitsfähig sein. Die Arbeitsunfähigkeit sei nicht durch ihn
attestiert
worden (Urk. 6/15/5).
4.3
Am 6. Mai 2013
(Urk. 6/20/4
5)
führte Dr.
B._
bei unveränderten Diagno
sen aus, an
Tagen mit Einnahme von
Viread
zur medikamentösen Therapie der Hepatitis
-
B
klage der Beschwerdeführer über ausgeprägte Müdigkeit und Gelenkschmerzen
(Ziff. 2). Seines Wissens sei die Arbeitsfähigkeit durch die Nebenwirkungen der Hepatitis
-T
herapie verursacht (Ziff. 3). Bei nun schon län
gerer Therapie und anhaltenden Beschwerden gehe er nicht von einer wesentli
chen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aus, im weiteren Verlauf rechne er eher mit einem Fortbestehen der 40%igen Arbeitsunfähigkeit, allenfalls mit einer Reduktion auf 30 % (Ziff. 5). Die Müdigkeit und Gelenkschmerzen aufgrund der Medikamenteneinnahme seien keine spezifischen Symptome und könnten durch
ihn nicht objektiviert werden. Aufgrund der Müdigkeit halte er andere Tätig
keiten ohne körperliche Belastung für schwierig, da die Fehlerquote vermutlich entsprechend hoch sei. Körperliche Belastungen seien aufgrund der
Schmerz
beschwerden
eingeschränkt möglich. Von einer Veränderung der Arbeit erwarte er keine wesentlich erhöhte Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/20/5 Ziff. 6).
4.4
Mit Schreiben vom 31. Juli 2013 teilte
Dr.
med.
C._
, Chefarzt Gastroentero
logie, D._
, mit, der Beschwerdeführer werde konsi
liarisch in der
hepatologischen
Sprechstunde wegen einer chronischen Hepati
tis
B behandelt. Da er über eine ausgeprägte Müdigkeit und Knieschmerzen klage,
sei
das Präparat gewechselt
worden
. Es könne jedoch noch nicht gesagt werden, ob dieser Wechsel definitiv eine Verbesserung der Situation nach sich ziehe (Urk. 6/25
, vgl. auch Schreiben vom 10. Juni 2013, Urk. 6/33/1)
.
4.5
Am 4. Ju
l
i 2014
erstatteten die Ärzte des
E._
,
F._
, ein Gutachten im Auftrag der
Beschwerdegeg
nerin
(Urk. 6/57/1-14), dies gestützt auf die vorhandenen Akten sowie eigene Untersu
chungen (S. 3).
D
ie Ärzte
nannten
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
S. 4 Ziff. 3):
rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom
auf dem Boden einer Anpassungsstörung nach Tumordiagnose
aktuell an der Grenze zur
leichtgradigen
Episode
bestehend seit 2011
vermehrte Müdigkeit
(Differentialdiagnose)
im Rahmen
post
c
ancer-related
Fatigue
im Rahmen von Medikamenten-Nebenwirkungen (
Viread
)
im Rahmen der chronischen Hepatitis
B,
H
B
e
-negativ
im Rahmen der psychiatrischen Diagnosen
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie sodann
(S. 4 Mitte)
:
Adenokarzinom
des
descendo-sigmoidalen
Überganges
laparoskopische
Hemikolektomie
links,
Descendorektostomie
,
Duo
denumteilresektion
am 8. Dezember 2010
12 Folfox4-Zyklen
chronische Hepatitis
B
HBe
-negativ
Die Hauptklage sei aktuell eine andauernde, als bandförmig beschriebene und als dauernd heruntergestimmtes Vitalitätsgefühl wahrgenommene Müdigkeit und eine rasche Ermüdbarkeit. Aus internistischer Sicht seien verschiedene Ursachen für die glaubwürdig vorgetragenen Beschwerden denkbar, insbeson
dere eine
cancer-related
Fatigue
nach Chemotherapie, eine Nebenwirkung von
Viread
oder eine direkte Folge der chronischen Hepatitis
B. Aus psychiatrischer
Sicht sei die Symptomatik als rezidivierende depressive Störung gegenwärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom zu interpretieren, die vom Beschwerdeführer nicht als solche wahrgenommen werde und entsprechend bisher nicht therapeutisch angegangen worden sei (S. 4). Eine genaue Abgren
zung der einzelnen Komponenten, die zur Müdigkeit beitragen
würden
, sei kaum möglich. Die Depression sei potentiell verbesserbar durch medizinische Massnahmen und es sei gesamthaft davon auszugehen, dass sich dann auch die Müdigkeit zumindest teilweise verbessere mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 5 oben).
Aufgrund der aktuellen Symptomatik bestehe für die langjährig ausgeübte Tätig
keit als
Produktionsmitarbeiter
sowie alle Verweistätigkeiten derzeit eine Einschränkung von 40 %
. Die Tätigkeit erfordere ein hohes Mass an schneller Fingerfertigkeit, Geschicklichkeit,
Multitaskingfähigkeit
und Ausdauer. Es bestünden jedoch eine verminderte Frustrationstoleranz und eine reduzierte Fähigkeit, zielgerichtete Aktivitäten über längere Zeit aufrechtzuerhalten. Dies sei vor allem durch die ausgeprägte Erschöpfbarkeit bedingt, welche zum Teil auch tumor- und therapiebedingt sei. Die
Multitaskingfähigkeit
sowie das Ver
mögen, planerisch zu denken und zu handeln, seien ebenfalls eingeschränkt. Insbesondere unter Stress und Zeitdruck könne es vermehrt zu Überforderung kommen. Er müsse für die Arbeit eine permanente Willensanstrengung voll
bringen und ermüde rascher. Die aktuelle Arbeitsstelle sei, bis auf die repetiti
ven Stresssituationen bei hohem Arbeitsdruck in den Spitzenzeiten und Tem
peraturunterschieden, eine angemessene Tätigkeit. Aufgrund der Ermüdbarkeit und Konzentrationsschwäche sei vom beruflichen Führen von Fahrzeugen, Beschäftigung an gefährlichen Maschinen und der Benutzung gefährlicher Werkzeuge
dringlichst
abzusehen, ebenso wie von Arbeiten über Boden und Arbeiten, bei welchen ein hohes Mass an Teamarbeit erforderlich sei (S. 5 Mitte). Ab der Diagnosestellung bis zum Abschluss der operativen Behandlun
gen im März 2011 sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
. Anschliessend bis zum Abschluss der Chemotherapie im August 2011
habe
die Arbeitsfähigkeit 50 % betragen. Seither sei von einer Arbeitsfähigkeit von 60 % auszugehen (S. 5 unten).
Der Beschwerdeführer sei bisher weder psychotherapeutisch noch
psychophar
makotherapeutisch
behandelt worden. Eine Psychotherapie, welche den Be
schwer
deführer auch mit Strategien zur Stress-, Schmerz- und
K
rankheits
bewäl
ti
gung
unterstütz
e, sei sinnvoll. Eine antidepressive Medikation könne in diesem Zustand indiziert sein und eine Besserung bewirken. Bei kon
sequenter
Intervention sei die Prognose nicht ungünstig, jedoch abhängig vom weiteren Verlauf der Tumorerkrankung (S. 6).
5.
5.1
Das
F._
-Gutachten vom 4. Juli 2014 ist nachvollziehbar und plausibel begrün
det und erfüllt damit die praxisgemässen Kriterien
(vorstehend E 2.4)
vollumfänglich
, so dass darauf abgestellt werden kann
.
Es ist dementsprechend davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer einerseits an einer rezidivieren
den depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom, sowie andererseits an einer vermehrten Müdigkeit leidet (E. 4.5).
Auch Dr.
med.
G._
, Facharzt Allgemeinmedizin und zertifizierter Gutach
ter SIM, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, beurteilte das Gutachten in seiner Stellungnahme vom 9. Juli 2014 zwar eben
falls als umfassend
und schlüssig (Urk. 8/58 S. 2).
D
ie Beschwerdegegnerin führte in der Folge jedoch eine
Überwindbarkeits
prüfung
durch und gelangte zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer Ressour
cen vorhanden seien, welche es ihm ermöglichen würden, einer höheren bezie
hungsweise vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen (Urk. 8/57 S. 3 unten).
Gemäss den nachstehenden Ausführungen kann d
ieser Argumentation jedoch nicht gefolgt werden.
5.2
In ihrem Gutachten nannten die Ärzte des
F._
zwei Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Ob dabei die rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittelschwere Episode mit somatischem Syndrom,
im konkreten Fall
inva
li
den
versicherungsrechtlich
relevant ist, kann
vorliegend
jedoch offen blei
ben
.
Als hauptsächliche Einschränkung bezeichneten die Gutachter entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin nicht die rezidivierende depressive Stö
rung, sondern eine vermehrte Müdigkeit, für welche sie verschiedene internis
tische Ursachen in Betracht zogen,
namentlich
eine
post
cancer-related
Fatigue
, eine Nebenwirkung des zur Behan
dlung der chronischen Hepatitis
B ver
schrie
benen Medikamentes
Viread
,
einen direkten Zusammenhang mit der Hepati
tis
B
-Erkrankung
sowie die psychiatrische Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung. Die Ärzte hielten die Depression zwar für potentiell ver
besserbar und gingen gesamthaft davon aus, dass sich dann auch die Müdigkeit zumindest teilweise verbessere mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
.
Sie wiesen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass eine genaue Abgrenzung der einzelnen Komponenten, welche zur Müdigkeit beitragen würden, kaum möglich sei
(E. 4.5).
5.3
Zu den
denkbaren
internistischen Ursachen der vermehrten Müdigkeit ist
F
olgen
des festzuhalten.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung tritt die
cancer-related
Fatigue
definitionsbedingt zwingend in Zusammenhang mit einer Krebserkrankung auf. Ein Hinweis auf die Einordnung in die
somatoformen
Störungen findet sich in der medizinischen Literatur nicht. Als Begleitsymptom onkologischer Erkran
kungen und ihrer Therapie liegt
der
cancer-related
Fatigue
zumindest mittelbar eine organische Ursache zugrunde, weshalb es sich nicht rechtfertigt, auf die
cancer-related
Fatigue
die zum invalidisierenden Charakter
somatoformer
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze analog anzuwenden (BGE 139 V 346 E. 3.4 mit Hinweisen).
Was sodann das
zur Behandlung der Hepatitis
B zugelassene
Medikament
Viread
betrifft, so handelt es sich bei der vermehrten Müdigkeit um eine häufige Nebenwirkung, welche bei einem bis zehn von hundert Patienten auftritt (
www.diagnosia.com/de/medikament/viread
). Auch
hierbei
ist die gesundheitli
che Beeinträchtigung
somit schlussendlich auf eine organische Erkrankung zurückzuführen.
Klar somatisch bedingt ist
sodann
die
vermehrte Müdigkeit, soweit
diese
direkt durch
die
chronische Hepatitis
B
-Erkrankung
verursacht wird
.
Zusammenfassend ist die von den
F._
-Ärzten diagnostizierte vermehrte Müdig
keit mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit mindestens teilweise auf organische Erkrankun
gen zurückzuführen, wobei es nicht möglich ist, die einzelnen
Ursachenkompo
nenten
genau abzugrenzen. Damit bleibt jedoch kein Raum für die von der Beschwerdegegnerin durchgeführte Überwindbarkeitsprüfung beziehungsweise die vom Bundesgericht
in BGE 141 V 281 nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung eingeführte ergebnisoffene Beurteilung des funkti
onellen Leistungsvermögens anhand festgelegter Standardindikatoren.
5.4
Gestützt auf
das Gutachten vom 4. Juli 2014
ist
der medizinische Sachverhalt
insgesamt
als dahingehend erstellt zu betrachten, dass der Beschwerdeführer von November 2010 bis März 2011 vollständig, anschliessend bis im August 2011
zu
50 % arbeitsunfähig war und seither
von einer Arbeitsunfähigkeit von 40 % sowohl in der
konkret ausgeübten Tätigkeit als
Produktion
smitarbeiter
als
auch in einer allfälligen Verweistätigkeit auszugehen
ist
.
6.
6.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen
dieser Einschränkungen.
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des
Einkom
mens
vergleichs
gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art.
16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Mass
gabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annä
herungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorge
nommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annä
herungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypotheti
sche Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das
Invaliden
einkommen
auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog.
Prozentver
gleich
; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E.
10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E.
3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Mass
gabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die kon
kreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und
Invali
deneinkommen
die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwert
e von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs.
2 IVG) eindeutig über- oder untersch
r
eitet (Urteil des Bun
desgerichts 8C_333/2013 vom 11.
Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
6.2
Die
F._
-Gutachter erachteten die aktuell
ausgeübte Tätigkeit als
Produktion
s
mitarbeiter
als angemessene Tätigkeit und bezifferten die aufgrund der gesund
heitlichen Situation bestehenden Einschränkungen sowohl in der aktuellen als auch in einer allfälligen Verweistätigkeit mit 40 % (Urk. 8/57 S. 5 f.). Für die Berechnung sowohl des Validen- als auch des Invalideneinkommens ist dem
entspreche
nd auf den Verdienst als Produktion
smitarbeiter abzustellen. Dem
ent
sprechend genügt für die Ermittlung des Invaliditätsgrades
die Gegen
über
stel
lung blosser Prozentzahlen. Nachdem dem Beschwerdeführer noch ein Pensum von 60 % zugemutet werden kann,
resultieren
ein Invaliditätsgrad von 40 % und damit der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Viertelsrente
.
6.3
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 3. Oktober 2014 (Urk. 2) aufzuheben und es ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab 1. November 2011 Anspruch auf eine
Viertelsrente
hat.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von
Fr. 1‘300.-- (inkl. Mehrwertsteuer und
Bar
auslagen
) für die im Jahre 2014
zum praxisgemeinen Stundenansatz von Fr. 170.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
getätigten Aufwendungen sowie
Fr.
600
.
für die
nunmehr zum Ansatz von Fr. 185.-- (zuzüglich Mehr
wert
steuer)
im Jahre 2015 getätigten Aufwendungen, insgesamt somit Fr. 1‘900.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
,
als angemessen.