Decision ID: 263a05b4-011a-40ca-b84a-8e79b14bface
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 21. Juni 2019 ging bei der Bundesanwaltschaft (nachfolgend "BA") eine als "Anmeldung in einem Strafverfahren und Überprüfung der Aktivitäten eines Schweizer Bürgers" bezeichnete Strafanzeige von A. für sich und B.  ein. Die Strafanzeige richtete sich gegen C. und die Personen, in deren Auftrag er gehandelt habe. Die Strafanzeige und ihre Beilagen schildern was folgt:
A. habe von 1996 bis 2014 das russische Grossunternehmen D. (sowie ein Tochterunternehmen) und ihre zwei Hauptaktionäre in der ganzen Welt in Steuerstreitigkeiten gegen den russischen Staat vertreten und eine  Entschädigung aus dem Haushalt der Russischen Föderation erzielt. Daraufhin hätte er sich mit dem Unternehmen D. und ihren Hauptaktionären darauf geeinigt, dass er als Belohnung 1 Prozent der D.-Aktien im Wert von rund USD 50 Mio. sowie USD 13 Mio. erhalte. Die Vereinbarung sei trotz seiner beharrlichen Bemühungen nicht schriftlich fixiert worden. Es sei ihm mitgeteilt worden, dass die Absprache über Offshore-Gesellschaften  werde.
Dazu sei für ihn die B. Limited in Belize gegründet worden, mit dem Direktor C. des Unternehmens E. und einem Firmenkonto bei der Bank F. in . In den Jahren 2013–2014 seien auf dem Konto Zahlungen von rund USD 5 Mio. eingegangen, die er als Dividenden bezogen habe. Ende 2014 habe er dann in Zürich erfahren müssen, dass die ihm unbekannten -Gesellschaften G. Ltd. und H. Corporation die Zahlungen geleistet hätten und sie gestützt auf von C. unterzeichnete Darlehensverträge erfolgt seien. C. habe erklärt, diese Darlehen dienten nur als Papiere für die , ohne effektiv Verpflichtungen für B. Limited zu begründen.  D. habe es im selben Jahr abgelehnt, ihre weiteren  aus der Vereinbarung zu erfüllen, da A. diese nicht nachweisen könne. A. habe dazu beim High Court of London eine Klage eingereicht. Die G. Ltd. und die H. Corporation hätten ihre Darlehen zurückgefordert.
A. bringt vor, es sei versucht worden, ihm 5.5 Mio. zu stehlen, über , Fälschung von Dokumenten und weiteres. Er zeigt sich sodann überzeugt, dass ein Verstoss gegen Geldwäschereibestimmungen vorliege.
B. A. berichtet, im Jahr 2015 eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich eingereicht zu haben. Gemäss eingereichter  seines Anwaltes vom 5. März 2018 hat die Zürcher  am 19. Februar 2018 eine Nichtanhandnahme-Verfügung erlassen
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(B-4/2015/10023595). Das Obergericht des Kantons Zürich habe die  seines Anwalts am 25. März 2019 abgewiesen (/U/BUT).
C. Die BA nahm die Strafanzeige vom 21. Juni 2019 am 26. September 2019 nicht anhand, da ihr keine Aufsichtsfunktion über kantonale Behörden , deren Entscheide sie auch nicht überprüfen könne. Aus der  ergebe sich weiter kein Tatverdacht, der die Eröffnung einer  rechtfertigen würde (act. 1.1).
D. Dagegen gelangten A. und die B. Limited am 7. Oktober 2019 mit  ans Bundesstrafgericht (act. 1). Sie rügen, es handle sich um Straftaten in der Zuständigkeit der Bundesanwaltschaft. Die spezifischen  der Anzeige seien weder geprüft noch bewertet worden.  Ermittlungen habe die BA unterlassen.
Es wurde kein Schriftenwechsel durchgeführt (vgl. Art. 390 Abs. 2 StPO im Umkehrschluss).
Auf die Ausführungen der Partei und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug .

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Eine Nichtanhandnahme-Verfügung können die Parteien innert 10 Tagen bei
der Beschwerdeinstanz anfechten (Art. 310 Abs. 2 i.V.m. Art. 322 Abs. 2 StPO; Art. 396 Abs. 1 StPO). Zur Beschwerdeführung berechtigt ist die , die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides hat (Art. 382 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 und 105 Abs. 2 StPO). Partei ist namentlich die Privatklägerschaft (Art. 104 Abs. 1 lit. b StPO). Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die  erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Geschädigte Person ist, wer durch die Straftat in  Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). An die Konstituierung der Privatklägerschaft sind in einem frühen Stadium des  keine hohen Anforderungen zu stellen (BGE 137 IV 246 E. 1.3.1).
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Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen gerügt werden,  Überschreitung und Missbrauchs des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtverzögerung (Art. 393 Abs. 2 lit. a StPO), sowie die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (Art. 393 Abs. 2 lit. b StPO) und die Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 lit. c StPO).
1.2 Die Beschwerdeführer bringen vor, durch Vermögensdelikte geschädigt wor-
den zu sein. Sie sind demnach beschwerdelegitimiert. Sie haben weiter am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und die Beschwerde frist- und formgerecht erhoben. Auf ihre Beschwerde ist damit einzutreten.
2. 2.1 Eine Staatsanwaltschaft eröffnet eine Untersuchung, wenn sich aus den In-
formationen und Berichten der Polizei, aus der Strafanzeige oder aus ihren eigenen Feststellungen ein hinreichender Tatverdacht ergibt (Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO). Die Staatsanwaltschaft verzichtet auf die Eröffnung, wenn sie sofort eine Nichtanhandnahmeverfügung oder einen Strafbefehl erlässt (Art. 309 Abs. 4 StPO). Der Begriff des hinreichenden Tatverdachts als  für eine Durchsuchung (Art. 197 Abs. 1 lit. b StPO) ist identisch mit dem Anfangsverdacht, welcher gemäss Art. 309 Abs. 1 lit. a StPO zur Einleitung der Strafverfolgung führt bzw. – in Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO  formuliert – zur Fortführung derselben verpflichtet. Dabei gilt der  in dubio pro duriore. Danach ist nur nicht an die Hand zu nehmen oder einzustellen (Art. 319 Abs. 1 lit. a und b StPO), wenn es klar erscheint, dass der Sachverhalt nicht strafbar ist oder nicht bestraft werden kann (OMLIN, Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 310 N. 8).
Die Beschwerdeführer schildern ihre Einschätzung eines wirtschaftlichen Sachverhalts. Zentrale Punkte – die nachträgliche mündliche Vereinbarung einer Entschädigung; die Vorkommnisse um die Offshore-Gesellschaft – und Zusammenhänge bleiben mehrdeutig. Beim heutigen Stand geht aus der Schilderung der Beschwerdeführer kein genügender Anfangstatverdacht  bestimmte Personen hervor. Der Sachverhalt erfordert vielmehr eine vorgängige zivilrechtliche Beurteilung und Klärung.
2.2 Die Nichtanhandnahme der BA ist auch aus weiteren Gründen zu schützen:
Zum einen trifft es zu, dass die BA nicht die Entscheide kantonaler Behörden überprüfen kann und daher die Verfügung der Zürcher Staatsanwaltschaft vom 19. Februar 2018 gar nicht auf die Zuständigkeit oder Korrektheit kon-
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trollieren könnte. Geht es vorliegend um den gleichen Sachverhalt und  neue wesentliche Beweismittel oder Tatsachen, so vermöchte die BA das von der Zürcher Justiz nicht an die Hand genommene Verfahren auch nicht wiederaufzunehmen (vgl. Art. 323 Abs. 1 i.V.m. Art. 310 Abs. 1 lit. a und Art. 310 Abs. 2 StPO).
Der vorliegende Sachverhalt fällt zum anderen nicht unter eine zwingende Bundeszuständigkeit (Art. 23 und Art. 24 Abs. 1 StPO). Die  des Bundes wurde geschaffen, um Taten des organisierten , der Geldwäscherei und der komplexen Wirtschaftsstraftaten effizient zu bekämpfen (vgl. Botschaft vom 28. Januar 1998 über die Änderung des Strafgesetzbuches, der Bundesstrafrechtspflege und des  [Massnahmen zur Verbesserung der Effizienz und der Rechtsstaatlichkeit in der Strafverfolgung], BBl 1998 II S. 1544 ff.). Ob Taten nach Art. 24 Abs. 1 lit. a StPO überwiegend bzw. zu einem wesentlichen Teil im Ausland begangen wurden, beurteilt sich nicht nach quantitativen,  nach qualitativen Kriterien, d. h. danach, ob die ausländische  einen derartigen Umfang erreicht, dass sich die Bundesgerichtsbarkeit im Hinblick auf eine effiziente Strafverfolgung als geeignet erweist (BGE 130 IV 68 E. 2.2 S. 71). Diese Dimensionen sind offensichtlich nicht erreicht.
2.3 Zusammengefasst liegt auch in Anwendung des Grundsatzes von "in dubio pro duriore" (vgl. obige Erwägung 2.1) offensichtlich kein Sachverhalt vor, welcher der BA die Eröffnung einer Strafuntersuchung erlaubt. Sie hat die Strafanzeige zu Recht nicht an die Hand genommen. Die dagegen  Rügen gehen mehrfach fehl. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beschwerdeführer die Ge-
richtskosten solidarisch zu tragen (vgl. Art. 428 Abs. 1 StPO). Die  ist auf Fr. 800.-- festzusetzen (vgl. Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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