Decision ID: 775ec5e7-1cba-4d54-8dd6-fa57d40bc433
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y., geb. 1956, erwarb den Führerausweis für Personenwagen im Jahr 1975. In
den Jahren 1994 und 1996 wurde ihm der Führerausweis wegen Fahrens in
angetrunkenem Zustand zweimal für die Dauer von neun bzw. von fünfzehn Monaten
entzogen. Am 5. August 2001 fuhr er erneut in angetrunkenem Zustand. Darauf wurde
ihm der Führerausweis am 25. Februar 2002 wegen fehlender Eignung auf
unbestimmte Zeit entzogen. Am 20. Januar 2003 wurde ihm der Ausweis wieder erteilt
mit der Auflage, Motorfahrzeuge nur in absolut alkoholfreiem Zustand zu lenken. Diese
Auflage wurde am 25. November 2003 aufgehoben.
Am 1. November 2007 lenkte X.Y. einen Personenwagen mit einer
Blutalkoholkonzentration von 0,59 Gew.-‰. Am 4. Januar 2008 verwarnte ihn das
Strassenverkehrsamt wegen dieses Vorfalls.
Am 15. Dezember 2007 wurde X.Y. von der Polizei als Lenker eines Personenwagens
angehalten. Ein Atemlufttest wies auf eine Blutalkoholkonzentration von 0,67 bzw. 0,64
Gew.-‰. Das Strassenverkehrsamt ordnete am 16. April 2008 eine
verkehrsmedizinische Untersuchung an. Gegen diese Zwischenverfügung erhob X.Y.
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Rekurs, der von der Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 22. Oktober
2008 teilweise gutgeheissen wurde. Die Angelegenheit wurde zu neuem Entscheid
nach Abschluss des Strafverfahrens an das Strassenverkehrsamt zurückgewiesen, da
X.Y. geltend machte, es stehe nicht fest, dass er am 15. Dezember 2007 auf
öffentlichen Strassen in angetrunkenem Zustand gefahren sei. Mit rechtskräftigem
Urteil des Einzelrichters in Strafsachen Alttoggenburg-Wil vom 25. November 2008
wurde X.Y. wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand, begangen am 1. November
2007, mit Fr. 5'000.-- gebüsst. Für den Vorfall vom 15. Dezember 2007 wurde er nicht
belangt.
Am 15. November 2008 kontrollierte die Polizei X.Y. auf der Verbindungsstrasse Uzwil-
Oberbüren als Lenker eines Personenwagens. Ein Atemlufttest wies auf eine
Blutalkoholkonzentration von 0,90 bzw. 0,82 Gew.-‰. Der Führerausweis wurde X.Y.
von der Polizei abgenommen. Die Analyse der Blutprobe ergab eine
Blutalkoholkonzentration von mindestens 0,98 Gew.-‰. Mit Zwischenverfügung vom
2. Februar 2009 ordnete das Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinisch-/
verkehrspsychologische Untersuchung an. Einem Rekurs wurde die aufschiebende
Wirkung entzogen.
B./ Gegen die Verfügung vom 2. Februar 2009 erhob X.Y. mit Eingabe seines
Rechtsvertreters vom 16. Februar 2009 Rekurs. Die Verwaltungsrekurskommission
wies den Rekurs mit Entscheid vom 25. Juni 2009 ab.
C./ X.Y. erhob durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 17. Juli 2009
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 25.
Juni 2009 sei aufzuheben, das Verfahren sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz
zurückzuweisen, eventualiter sei der Führerausweis für fünf Monate zu entziehen,
subeventualiter sei eine verkehrspsychologische Untersuchung anzuordnen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Ausserdem beantragte der Beschwerdeführer, es
sei im Sinn einer vorsorglichen Massnahme der Führerausweis bis zur Erledigung des
Administrativverfahrens wieder auszuhändigen.
Die Vorinstanz liess sich in ihrer Vernehmlassung vom 5. August 2009 zum Begehren
um Anordnung einer vorsorglichen Massnahme vernehmen; in materieller Hinsicht
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verzichtete sie unter Hinweis auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid auf
eine Vernehmlassung zur Beschwerde.
Aufgrund der uneinheitlichen Praxis des Bundesgerichts zur Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts übermittelte dieses die Beschwerde am 6. August 2009 dem
Bundesgericht zum Entscheid. Das Bundesgericht entschied über die Angelegenheit
am 23. November 2009 (1C_348/2009). Es hielt fest, es habe mit Urteil vom
6. November 2009 (1C_346/2009) erkannt, dass die Verwaltungsrekurskommission auf
dem Gebiet der Massnahmen im Strassenverkehr kein oberes Gericht im Sinne von
Art. 86 Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes (SR 173.110) sei. Das Bundesgericht trat
auf die Beschwerde nicht ein und wies die Sache zur weiteren Behandlung an das
Verwaltungsgericht zurück.
Auf die Einholung einer Vernehmlassung beim Strassenverkehrsamt wurde verzichtet
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 53 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP).
Der Beschwerdeführer erhielt Gelegenheit, sich zur Vernehmlassung der Vorinstanz zu
äussern. Dies tat er mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 21. Dezember 2009 und
hielt am Begehren um Erlass einer vorsorglichen Massnahme fest.

Die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die zur Begründung der
Beschwerde vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (BGE 1C_348/2009
vom 23. November 2009). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 17. Juli 2009 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher im Grundsatz einzutreten.
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Gegenstand des angefochtenen Rekursentscheids ist die Bestätigung der vom
Strassenverkehrsamt verfügten Anordnung einer verkehrsmedizinisch-/
verkehrspsychologischen Untersuchung. Weder die Verfügung des
Strassenverkehrsamts noch der Entscheid der Vorinstanz haben einen
Führerausweisentzug zum Gegenstand, weder einen Warnungsentzug noch einen
Sicherungsentzug. Ob auf den Eventualantrag, der Ausweis sei für fünf Monate zu
entziehen, überhaupt eingetreten werden könnte, erscheint daher fraglich, kann aber
offen bleiben.
2. Führerausweise sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Strassenverkehr, SR 741.01, abgekürzt SVG). Wegen
fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit
entzogen, wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst
(Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG). Da ein Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich
des Betroffenen eingreift, ist nach der Rechtsprechung in jedem Fall und von Amtes
wegen eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse, insbesondere der
Trinkgewohnheiten vorzunehmen. Das Ausmass der notwendigen behördlichen
Nachforschungen, namentlich die Frage, ob ein medizinisches Gutachten eingeholt
werden soll, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde. Die Vorinstanz hat die massgebenden
Vorschriften und die rechtlichen Grundsätze ausführlich und zutreffend mit Hinweisen
auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung dargelegt (E. 3 Abs. 1 bis 3). Es kann
vollumfänglich auf die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden (vgl. auch BGE
vom 13. September 2007, 1C_98/2007 mit Hinweisen).
2.1. Fest steht, dass dem Beschwerdeführer der Führerausweis in den Jahren 1994
und 1996 für die Dauer von neun bzw. fünfzehn Monaten entzogen wurde. Der
Beschwerdeführer wies dabei Alkoholisierungsgrade von 1,83 bzw. 1,13 Gew.-‰ auf.
Im August 2001 lenkte er wiederum ein Motorfahrzeug in angetrunkenem Zustand.
Fest steht weiter, dass der Beschwerdeführer am 1. November 2007 erneut einen
Personenwagen in angetrunkenem Zustand lenkte. Die Blutalkoholkonzentration betrug
0,59 Gew.-‰, womit der Beschwerdeführer nach Art. 1 der Verordnung der
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Bundesversammlung über Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr (SR 741.13)
wegen Alkoholeinwirkung fahrunfähig war (Angetrunkenheit).
Streitig sind die Vorfälle vom 15. Dezember 2007 und 15. November 2008. Am
15. Dezember 2007 kontrollierte die Polizei den Beschwerdeführer auf dem
Geschäftsareal ... Dabei ergab der Atemlufttest eine Blutalkoholkonzentration von 0,67
bzw. 0,64 Gew.-‰. Der Einzelrichter des Kreisgerichts Alttoggenburg-Wil kam in
seinem Urteil vom 25. November 2008 zum Schluss, der Beschwerdeführer habe
weder bei der Anhaltung durch die Polizei noch bei der Einvernahme noch an der
Gerichtsverhandlung Angaben zum Alkoholkonsum und zum Trinkende vor der
Anhaltung am 15. Dezember 2007 gemacht. Es könne nicht ausgeschlossen werden,
dass das Trinkende innerhalb der von Art. 139 Abs. 1 der früheren
Verkehrszulassungsverordnung festgelegten zwanzig Minuten gelegen habe und somit
die Atemalkoholkontrolle nicht richtlinienkonform durchgeführt worden sei, zumal auch
keine Mundspülung vor dem Atemlufttest erfolgt sei. Aufgrund dieser allfälligen nicht
korrekten Durchführung der Messung könne nicht ausgeschlossen werden, dass das
Testergebnis verfälscht worden sei, weshalb der Beschwerdeführer für diesen Vorfall
nicht belangt werden könne.
Am 15. November 2008 wurde der Beschwerdeführer erneut von der Polizei
kontrolliert. Der Atemlufttest ergab eine Blutalkoholkonzentration von 0,9 bzw. 0,82
Gew.-‰. Es wurde daher eine Blutprobe angeordnet. Nach dem Bericht des Instituts
für Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen vom 19. November 2008 betrug die
minimale Blutalkoholkonzentration 0,98 Gew.-‰. Der Beschwerdeführer wurde wegen
dieses Vorfalls vom Untersuchungsamt wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand
schuldig gesprochen. Der Beschwerdeführer erhob gegen den Strafbescheid
Einsprache. Die Angelegenheit ist beim Kreisgericht noch hängig.
2.2. Im vorliegenden Fall ist nicht entscheidend, dass der Vorwurf des Fahrens in
angetrunkenem Zustand am 15. November 2008 strafrechtlich noch nicht rechtskräftig
beurteilt und der Beschwerdeführer wegen des Vorfalles vom 15. Dezember 2007
strafrechtlich nicht belangt wurde. Fest steht jedenfalls, dass der Atemlufttest bei der
Kontrolle am 15. Dezember 2007 eine Blutalkoholkonzentration von 0,67 bzw. 0,64
Gew.-‰ ergab. Der Beschwerdeführer äusserte gegenüber der Polizei, "Ich anerkenne
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den Blaswert, möchte aber heute keine Aussagen machen". Unter diesen Umständen
durfte sich das Strassenverkehrsamt für den Entscheid über weitere Abklärungen auch
auf den Vorfall vom 15. Dezember 2007 stützen. Weitere Abklärungen über die
Fahrfähigkeit sind nicht nur bei strafrechtlich rechtskräftig und endgültig beurteilten
Delikten zulässig, sondern können auch bei dringenden Verdachtsmomenten geboten
sein. Solche bestanden aufgrund der Aktenlage hinsichtlich des Vorfalls vom
15. Dezember 2007.
Ebenso verhält es sich beim Vorfall vom 15. November 2008. Bei dieser Kontrolle ergab
die Blutprobe eine Blutalkoholkonzentration von 0,98 Gew.-‰. In zeitlicher Hinsicht
musste sich die Polizei auf die Angaben des Beschwerdeführers stützen, wobei dieser
gemäss Polizeirapport lediglich Angaben zum Trinkende machte, nicht aber zur Menge
des konsumierten Alkohols. Auch in diesem Punkt ist nicht ausschlaggebend, dass der
Beschwerdeführer im Strafverfahren Rügen gegen die Beweiskraft des
Blutprobenberichts erhebt. Aufgrund der vorliegenden Akten bestehen keine
offenkundigen Mängel des Atemlufttests und der Blutprobe. Im Hinblick auf die
Notwendigkeit einer weiteren Abklärung der Fahreignung ist nicht entscheidend, ob die
mit Atemlufttest festgestellte Alkoholisierung 0,8 Gew.-‰ betrug oder geringfügig
darunter lag. Der Beschwerdeführer hätte gegenüber der Polizei genaue Angaben
machen können, um zeitliche Unsicherheiten bei der Durchführung des Atemlufttests
auszuschalten. Auch dieser Vorfall ist ein Merkmal, dass die Eignung des
Beschwerdeführers als Motorfahrzeuglenker im Lichte seines bisherigen Verhaltens
fraglich ist.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, aufgrund des Vorfalls vom 1. November
2007 sei im Hinblick auf die Blutalkoholkonzentration von 0,59 Gew.-‰ keine
verkehrsmedizinische Untersuchung anzuordnen, kann ihm nicht gefolgt werden. Dem
Beschwerdeführer wurde 1994 und 1996 der Führerausweis wegen
Trunkenheitsfahrten entzogen. Sodann war er im August 2001 in angetrunkenem
Zustand gefahren. Das Bundesgericht hält fest, dass Personen, die während der letzten
fünf Jahre vor der aktuellen Trunkenheitsfahrt keine einschlägige Widerhandlung
begangen haben, dann einer Fahreignungsuntersuchung zu unterziehen sind, wenn die
Blutalkoholkonzentration 2,5 und mehr Gew.-‰ beträgt (BGE 126 II 191). Im
vorliegenden Fall lagen zwar zwischen der Trunkenheitsfahrt von 2001 und jener vom
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1. November 2007 mehr als fünf Jahre, und die Alkoholisierung lag am 1. November
2007 nicht über 2,5 Gew.-‰. Nicht entscheidend ist allerdings, dass im Zeitpunkt des
genannten Bundesgerichtsentscheids (27. März 2000) der massgebende
Blutalkoholgrenzwert noch 0,8 Gew.-‰ betrug. Nach der Rechtsprechung ist zudem
im Verfahren betr. Sicherungsentzug der Grundsatz der Unschuldsvermutung nicht
dahingehend massgebend, dass stets der Minimalwert zur Grundlage des Entscheids
gemacht werden muss (BGE 129 II 82 E. 4.3; BGE 1C_98/2007 vom 13. September
2007, E. 3.2). Der Umstand, dass eine Blutalkoholkonzentration deutlich unter 2,5
Gew.-‰ liegt, lässt eine Untersuchung nicht unzulässig erscheinen, und zudem ist
auch die Häufigkeit von einschlägigen Vorfällen zu berücksichtigen (BGE 1C_98/2007
vom 13. September 2007, E. 3.2). Im vorliegenden Fall handelte es sich bei der Fahrt in
angetrunkenem Zustand am 1. November 2007 um die vierte einschlägige
Widerhandlung seit 1994, und dem Beschwerdeführer war der Ausweis im Jahr 2001
wegen fehlender charakterlicher Eignung im Zusammenhang mit seinem Trinkverhalten
sicherungshalber entzogen worden. Bei dieser Sachlage ist es im Hinblick auf die
Rechtfertigung einer weiteren Abklärung der Fahreignung nicht entscheidend, ob die
mittels Atemlufttest festgestellten Alkoholisierungen die strafrechtlich massgebenden
Grenzwerte überschritten oder geringfügig, allenfalls sogar deutlich, darunter lagen.
Aufgrund der Rapporte der Polizei sowie der Strafbescheide besteht zumindest ein
dringender Verdacht, dass der Beschwerdeführer auch am 15. Dezember 2007 und am
15. November 2008 vor dem Fahren in erheblichem Masse Alkohol konsumierte, was
aufgrund der aktenmässig ausgewiesenen Vorgeschichte die erneute Abklärung der
Fahreignung mittels verkehrspsychologischer und/oder verkehrsmedizinischer
Untersuchung rechtfertigt. Die Beschwerde gegen die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen-/verkehrspsychologischen Untersuchung erweist sich daher als
unbegründet.
2.3. Dem Eventualbegehren um Anordnung eines befristeten Warnungsentzugs von
fünf Monaten kann nach dem Gesagten nicht entsprochen werden. Zunächst ist die
Eignung des Beschwerdeführers als Motorfahrzeuglenker abzuklären.
2.4. Der Beschwerdeführer stellte einen Antrag nach Art. 18 VRP, es sei ihm der
Führerausweis bis zur Erledigung des Straf- bzw. Administrativverfahrens unverzüglich
auszuhändigen.
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Dem Beschwerdeführer wurde der Führerausweis am 15. November 2008 von der
Polizei abgenommen. Auf dem entsprechenden Formular ist vermerkt, dass die
polizeiliche Abnahme des Ausweises bis zum Entscheid der Entzugsbehörde die
Wirkung eines Entzuges hat (Art. 54 Abs. 4 SVG) und dass das Führen von
Motorfahrzeugen bis zur Wiederaushändigung des Ausweises oder bis zu einem
Entscheid der Entzugsbehörde über eine ausdrückliche Fahrerlaubnis ausdrücklich
untersagt ist (Art. 38 Abs. 4 der Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt
VZV). Weiter wurde auf den Straftatbestand von Art. 95 Ziff. 1 SVG und den
Entzugstatbestand von Art. 16c Abs. 1 lit. f SVG verwiesen.
Die polizeiliche Abnahme des Führerausweises stützt sich auf Art. 54 SVG. In dieser
Bestimmung werden folgende besonderen Befugnisse der Polizei geregelt:
Stellt die Polizei Fahrzeuge im Verkehr fest, die nicht zugelassen sind, oder deren
Zustand oder Ladung den Verkehr gefährden, oder die vermeidbaren Lärm erzeugen,
so verhindert sie die Weiterfahrt. Sie kann den Fahrzeugausweis abnehmen und
nötigenfalls das Fahrzeug sicherstellen.
Die Polizei kann schwere Motorwagen zum Gütertransport, welche die
vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit nicht erreichen können, zur Umkehr
anhalten.
Befindet sich ein Fahrzeugführer in einem Zustand, der die sichere Führung
ausschliesst, oder darf er aus einem andern gesetzlichen Grund nicht führen, so
verhindert die Polizei die Weiterfahrt und nimmt den Führerausweis ab.
Hat sich ein Motorfahrzeugführer durch grobe Verletzung wichtiger Verkehrsregeln als
besonders gefährlich erwiesen oder hat er mutwillig vermeidbaren Lärm verursacht, so
kann ihm die Polizei auf der Stelle den Führerausweis abnehmen.
Von der Polizei abgenommene Ausweise sind sofort der Entzugsbehörde zu
übermitteln; diese entscheidet unverzüglich über den Entzug. Bis zu ihrem Entscheid
hat die polizeiliche Abnahme eines Ausweises die Wirkung des Entzuges.
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Im Abnahmeformular wurden nur die Rechtswirkungen der Abnahme und die
Sanktionen bei Missachtung des Fahrverbots ausgeführt. Auf welchen Abnahmegrund
sich die Massnahme im konkreten Fall stützte, wurde nicht begründet. Aufgrund des
Vorfalles stützte sich die Zwangsmassnahme auf Art. 54 Abs. 2 oder Abs. 3 SVG. Am
24. November 2008 teilte das Strassenverkehrsamt dem Beschwerdeführer mit, dass
ihm vorläufig das Recht aberkannt sei, ein Motorfahrzeug zu führen, und am 27.
November 2008 wurde ihm das rechtliche Gehör bezüglich eines allfälligen
Sicherungsentzugs gewährt. Einen unverzüglichen Entscheid über einen Entzug
gemäss Art. 54 Abs. 4 SVG fällte die Entzugsbehörde aber nicht. Die Mitteilung vom
24. November 2008 war keine förmliche Verfügung über einen vorsorglichen Entzug;