Decision ID: bec7a67c-435d-4c14-9a7f-7d01117c170e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, ist gelernter
Damencoiffeur
und war seit dem Jahr 2005 als Coiffeur selbständig erwerbstätig (Urk. 9/8, Urk. 9/51). Am 8. Juni 2015 meldete er sich unter Hinweis auf einen Armbruch bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 9/1). Mit E-Mail vom 21. September 2015 teilte der Versicherte der IV-Stelle mit, dass er ab sofort wieder zu 100 % arbeiten könne (Urk. 9/11). Mit Verfügung vom 10. November 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des Versicherten
mangels Erfüllens des Wartejahrs
ab (Urk. 9/15).
1.2
Am 5. Mai 2017 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf
den
im Jahr 2014 erlittenen Armbruch
, Depressionen sowie Schlafstörungen erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 9/16). Die IV-Stelle holte
daraufhin
die Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 9/28, Urk. 9/30). Am 6. Februar 2018 zog der Versicherte die Anmeldung vom 5. Mai 2017 vorbehaltlos zurück (Urk. 9/34
/2
), woraufhin die IV-Stelle sein Gesuch als gegenstand
s
los
geworden
abschrieb (Urk. 9/36).
1.3
Per 31. Januar
2020 gab der Versicherte seine selbständige Erwerbstätigkeit als Coiffeur aus gesundheitlichen Gründen auf (Urk. 9/37/6). Am 9. April 2020 mel
dete er sich unter Hinweis auf schwere Depressionen, schwere Schlafstö
rungen, Beschwerden nach Armbruch sowie
Betriebsaufgabe
erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 9/37). Mit Austrittsbericht vom 24. April 2020 informier
ten die Ärzte des Sanatoriums
Y._
über die vom 13. Februar bis am 3. März 2020
durchgeführte
stationär-
psychiatrische Behandlung des Versi
cherten (Urk. 9/43).
Nachdem die IV-Stelle einen Bericht des
nunmehr
behandelnden Arztes,
Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin
,
eingeholt hatte (Urk. 9/46), legte sie das Dossier
ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD) zur Stellungnahme vor
(Stellungnahme Dr. med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychothe
rapie, v
om 30. Juni 2020 [Urk. 9/55/3]). Mit
Vorbescheid vom 7. Juli 2020
stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aus
sicht (Urk. 9/56). Mit E-Mail vom 8. Juli 2020
zeigte
sich
der Versicherte
mit dem
Vorbescheid
nicht einverstanden
(Urk. 9/57), woraufhin die IV-Stelle sein Leistungsbegehren mit Verfügung vom 17. September 2020 abwies (Urk. 2 = Urk. 9/60).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 26. September 2020 Beschwerde und
bean
tragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 17. September 2020 und die Ausrichtung von Leistungen der Invalidenversic
herung (Urk. 1, Urk. 5
).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. November 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), worüber der Beschwerdeführer am 23. November 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 10). Mit Schreiben vom 23. N
ovember 2020 äusserte sich der Beschwerdeführer unaufgefordert erneut zur Sache (Urk. 11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Der Beschwerdeführer meldete sich
bereits am
8. Juni 2015 und am 5. Mai 2017
zum Leistungsbezug bei
der Invalidenversicherung an. Sein Gesuch vom 8. Juni 2015 wurde abgewiesen, da
er
seine selbständige Erwerbstätigkeit vor Ablauf des Wartejahres wieder vollumfänglich hatte aufnehmen können
(vgl.
Sachverhalt E. 1.1, Urk. 9/14/2
).
Die
Anmeldung vom 5. Mai 2017 zog der
Beschwerdeführer
–
ebenfalls
vor dem Hintergrund der Wiederaufnahme
seiner selbständigen
Er
werbstätigkeit
(Urk. 9/32
, vgl. Urk. 9/30/7
)
– zurück, woraufhin die IV-Stelle sein Gesuch als gegenstand
s
los
geworden
abschrieb (vgl. Sachverhalt E. 1.2).
Der An
meldung zum
Leistungsbezug vom
9. April 2020 geht die
Aufgabe der selbständigen Erwerbstätigkeit
durch den
Beschwerdeführer
voraus
(
vgl. Sach
verhalt E. 1.3);
da
mit
ist
dieses
Leistungsgesuch nicht als Neuanmeld
ung im Sinne von Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV), sondern gleich wie eine erstm
alige Anmeldung zu behandeln
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_876/2017 vom 15. Mai 2018 E. 4.1 mit Hinweis
auf
Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage 2014, Art. 30-31 N 118 S. 456
).
2
.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2
.
3
2.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.2
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz
auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
3.
3.1
Im Bericht des
Sanatorium
s
Y._
vom
24. April 2020
wurde folgende Haupt
diagnose gestellt (Urk. 9/43/1)
:
-
Rezidivierende depressive Stör
ung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(ICD-10 F33.1)
Daneben
wurden
folgende Nebendiagnosen
festgehalten
(Urk. 9/43/1):
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
: Abhängig
keitssyndrom (ICD-10 F12.2)
-
Chronische Rhinitis (ICD-10 J31.0)
-
Paronychie
Dig
4 Hand rechts
Bei Eintritt
des
Beschwerdeführer
s
wurde folgender psychopathologischer
Befund
erhoben
: Der
Beschwerdeführer
sei wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert gewesen. Er habe über deutliche Gedächtnisstörungen und
Konzentrations
störungen geklagt
, im Gespräch sei er weitgehend unauffällig gewesen. Im for
malen
Denken
sei der
Beschwerdeführer
sehr eingeengt auf seine schwierige berufliche und private Zukunft sowie die schwierige Biographie gewesen. Es habe kein Anhalt für inhaltliche Denkstörungen, Ich-Störungen oder Halluzinationen
bestanden. Sodann hätten auch keine abnormen Ängste oder Zwänge bestanden. Affektiv sei er etwas bedrückt, wenig spürbar und affektarm gewesen, könne im Gespräch aber auch wieder lachen und sei gut auslenkbar. Er habe über Hoffnungslosigkeit und mangelnde Perspektiven, insbesondere beruflich, berich
tet. Sozial sei er stark isoliert. Es würden Ein- und Durchschlafstörungen beste
hen. Die Suizidgedanken seien derzeit nicht handlungsrelevant, 1998 habe ein Suizidversuch stattgefunden. Der
Beschwerdeführer
berichte
über eine nicht wahrnehmbare Gereiztheit, sei jedoch deutlich
dysphorisch
gewesen. Psycho
motorisch sei er etwas unruhig gewesen und habe über massive innere Anspannung berichtet (Urk. 9/43/2).
Seit dem Alter von 15 Jahren konsumiere der
Beschwerdeführer
täglich einen Joint zum Einschlafen, er könne sonst nicht schlafen.
Zudem bestehe eine
a
usge
prägte Abhängigkeit von Nasensprays (
Privinismus
). Aufgrund der teils wider
sprüchlichen Aussagen des
Beschwerdeführer
s
sei es kaum gelungen, ein konsistentes Bild, insbesondere der Psychopathologie, zu gewinnen. Zudem sei
er
wenig frustrationstolerant und der
Hospitalisation
gegenüber ambivalent geblie
ben.
Eine IV-Anmeldung sei dem
Beschwerdeführer
dringend angeraten worden, da die langjährigen Schlafstörungen möglicherweise nicht rasch zu beheben seien und seine Leistungsfähigkeit und psychische Stabil
ität einschränk
en
würden
.
Im Rahmen der Schlafstörung
hätten
in der ersten Phase der Therapie eine reduzierte Belastungsfähigkeit und eine stark verminderte Konzentration bestanden.
Da der
Beschwerdeführer
den Eindruck
gehabt habe
, besser zu Hause zu schlafen und nur tagsüber vom Programm zu profitieren, sei er am 3. März 2020
verfrüht
nach Hause ausgetreten. Die
i
m Anschluss an den stationären Aufenthalt vorgesehen
e
tagesklinische Behandlung im Hause
habe er jedoch nur vom 4. b
is am 9. März 2020 besucht
,
da er die Betreuung seines Hundes nicht
anders
h
abe gewährleisten können
. So habe die psychotherapeutische Behandlung nicht abgeschlossen wer
den können. Letztlich habe sich sein Zustand nur
wenig verbessert, auch wenn
sich
der
Beschwerdeführer
in der Gruppe der Mitpatienten wohl gefühlt habe. Er habe dringend eine Abklärung der Schlafstörung gewünscht.
Die ambulant begonnene medikamentöse Therapie mit
Trittico
retard
150 mg und
Trittico
50 mg sei fortgesetzt und im weiteren Verlauf auf
Trittico
retard
50 mg und
Trittico
150 mg gewechselt worden, da der
Beschwerdeführer
über einen Über
hang am Morgen geklagt habe. Der Schlaf habe sich nicht gebessert, eine Alter
native habe der
Beschwerdeführer
abgelehnt.
Er
habe sich während des gesamten Verlaufs der Therapie in wechselndem Zustand und der Behandlung gegenüber
ambivalent
gezeigt. Daher sei es ihm nur ansatzweise gelungen, ein grund
legendes Verständnis seiner derzeitigen Lebenssituation zu entwickeln und sich
Bewältigungsstrategien aktiv anzueignen. Die ambulante psychotherapeutische Weiterbehandlung erfolge wegen der Corona-Pandemie nur punktuell telefonisch. Eine empfohlene Psychotherap
ie
wolle
der
Beschwerdeführer
nur na
ch Abklärung seiner Schlafstörung beginnen (Urk. 9/43
/2
-5
).
3.2
Dr.
Z._
nannte
in seinem Bericht vom
7. Mai 2020
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/46/4)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, aktuell eher zunehmende Sympto
matik (ICD-10 F33.1)
Daneben stellte er folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/46/5):
-
Chronische Rhinitis (
ICD-10 J30.1;
Privinismus
seit Jahren)
Beim
Beschwerdeführer
bestehe seit dem 13. Januar 2020 bis auf Weiteres eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Coiffeur.
Er
leide seit Jahren unter depressiven Verstimmungen, welche mit Antidepressiva behandelt worden seien.
Im Verlauf des letzten Sommers habe er zunehmend Erschöpfungssymptome entwickelt und sei wegen der Verschlimmerung der Symptomatik im Sanatorium
Y._
hospitalisiert gewesen.
Aktuell bestünden weiterhin ausgeprägte Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen,
eine
ausge
prägte Müdigkeit und depressive Verstimmung.
Die
Schlafstörungen
würden im Vordergrund stehen.
Nach dem Aufenthalt im Sanatorium
Y._
hätten sich die vorgesehenen neuen Arbeitsmöglichkeiten wegen der Corona-Krise zerschla
gen, sodass der
Beschwerdeführer
gerne wieder als angestellter Coiffeur arbeiten möchte. Ein Arbeitsversuch sei aber wegen der aktuellen Müdigkeit und Unkonzentriertheit, sowie der psychomotorischen Unruhe zur Unzufriedenheit des
Beschwerdeführer
s und der Arbeitgeberin grösstenteils fehlgeschlagen.
Aktuell seien nur stunde
nweise Arbeitsversuche möglich.
Nach Überwindung der aktuellen Krise sei
mindestens
eine teilweise Arbeitsfähigkeit sehr wahrscheinlich.
Aktuell nehme der
Beschwerdeführer
abends
Trittico
100 mg (Dosis aktuell
regredient
) und
Sequase
25 mg ein.
Die medikamentöse Behandlung sei weiter
zuführen. Zudem
hätten
eine unterstüt
zende psychotherapeutische Betre
uung
so
wie
begleitend
eine
hausärztliche Betreuung
stattzufinden
.
Die Prognose zur Ein
gliederung sei grundsätzlich gut.
Im Haushalt sei der
Beschwerdeführer
aktuell nicht eingeschränkt (Urk. 9/46).
3.3
Mit
RAD
-
Stellungnahme vom 30. Juni 2020
hielt Dr.
A._
fest,
d
er
Beschwerdeführer
habe sich seit 2005 dreimal in ambulanter psychiatrischer Behandlung wegen leichter depressiver Symptomatik mit Schlafstörungen befun
den, die jeweils unter medikamentöser Behandlung habe remittieren können. Eine
längere Behandlung mit medizinischer Prophylaxe sei wegen der fehlenden Compliance nicht möglich gewesen. Seit April 2017 bestehe keine ambulante psy
chiatrische Behandlung mehr. Der
Beschwerdeführer
erhalte anti
de
pres
sive/schlaffördernde Medikation von seinem Hausarzt Dr.
Z._
. Für eine depressive Episode fehle vorliegend der Charakter der Dauerhaftigkeit. Die depressive Symptomatik einschliesslich der Schlafstörungen sei bereits in der Vergangenheit nach psychiatrisch medikamentöser Behandlung vollständig remittiert. Eine erneute Remission sei
medizinischtheoretisch
durch konsequente ambulante psychiatrische Behandlung und Anpassung der Medikation möglich. Zudem sollte eine Motivation zur Cannabisabstinenz erfolgen. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden aus
gewiesen (Urk.
9
/55/3).
4
.
4.1
Gestützt auf die aktenkundigen
medizinischen Berichte
ist
das Vorliegen eines psychiatrischen Leidens mit Krankheitswert
nicht auszuschliessen
. So
berichtete
der seit dem 28. Januar 2019 behandelnde Arzt, Dr.
Z._
,
a
m 7. Mai 2020
von
eine
r
seit dem Sommer 2019 eingetretene
n
Verschlimmerung insbesondere der Ers
chöpfungssymptomatik
, weshalb der
Beschwerdeführer
ins Sanatorium
Y._
eingetreten sei (
Urk. 9/46/3
). Nachdem der
Beschwerdeführer
dort vom 13. Februar bis am 3. März 2020 eine stationäre psychiatrische Therapie absol
viert hatte, wurde im Austrittsbericht vom 24. April 2020 die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), gestellt. In diesem Zusammenhang wurde insbesondere darauf hinge
wiesen, dass die langjährigen Schlafstörungen den
Beschwerdeführer
in seiner Leistungsfähigkeit sowie seiner psychischen Stabilität einschränken würden. So habe im Rahmen der Schlafstörungen eine reduzierte Belastungsfähigkeit und eine stark verminderte Konzentration bestanden (E. 3.1). In den darauffolgenden Berichten
des behandelnden Arztes
wurde diese Symptomatik bestätigt (E. 3.2, Urk. 3/2).
4
.2
Die
Beschwerdegegnerin
verneinte
demgegenüber
in der angefochtenen Verfügung eine erhebliche gesundheitliche Einschränkung, die sich längerfristig auf die Arbeitsfähigkeit
des
Beschwerdeführer
s
auswirkt. Zur Begründung führte sie – gestützt auf die Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr.
A._
vom
30. Juni 2020
– aus, einer depressiven Episode fehle der Charakter der Dauer
haftigkeit. Die depressive Symptomatik einschliesslich der Schlafstörungen sei bereits in der Vergangenheit nach psychiatrisch medikamentöser Behandlung vollständig
remittiert, weshalb eine erneute Remission durch konsequente ambu
lante psychiatrische Behandlung und Anpassung der Medikation möglich sei. Der
Beschwerdeführer
habe
die
medizinische
n
Behandlungen abgebrochen und lehne eine medikamentöse Therapie ab, weshalb nicht von einem erhöhten Leidens
druck auszugehen sei (Urk. 2).
4
.3
Der
Argumentation der
Beschwerdegegnerin
kann nur schon deshalb nicht gefolgt werden,
weil
in der Invalidenversicherung die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht absolut ent
gegensteht.
Für die Entstehung eines Anspruchs auf eine Rente ist vielmehr einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit (Art.
6 ATSG)
bestanden hat (Art. 28 Abs.
1
lit
.
b IVG) und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfä
higkeit weiterhin besteht (Art.
28 Abs.
1
lit
. c IVG; vgl. E. 2.2
; BGE 143 V 409 E. 4.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_6
82/2016 vom 16. Februar 2017 E.
3.2).
Gestützt auf die vorliegenden Akten
ist
von
eine
r
langjährige
n
Einnahme von Antidepressiva aus
zugehen
(Urk. 9/28/2, Urk. 9/30/7, Urk. 9/43/4, Urk. 9/46/4, Urk. 3/2)
, weshalb sich denn
– entgegen dem Dafürhalten der
Beschwerdegegnerin
–
auch
nic
ht
erschliesst
, inwiefern der
Beschwerdeführer
eine medikamentöse Therapie
ablehnen sollte.
I
n der Beschwerdeantwort
räumte die
Beschwerdegegnerin
ein
, dass die Begründung in der Verfügung bezüglich der Einnahme von Medikamenten unglücklich formuliert worden sei
, zumal
aus dem
Bericht des Sanatoriums
Y._
eine Behandlung mit
antidepressiven Medikamenten
her
vorgehe
(Urk. 8 S. 2).
Ferner bestehen Anzeichen dafür, dass die Nichtaufnahme einer ambulanten Psychotherapie nach Austritt aus dem Sanatorium
Y._
auch in den mit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie hervorgerufenen Um
ständen
begründet liegen
könnte (vgl. Urk.
9/43/5, Urk. 1 S. 2-3
)
.
Nachdem sich der Beschwerdeführer zur Behandlung seiner Schlafstörungen an
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, gewendet hat (
Urk.
3/2), kann ein Leidensdruck nicht zum vornherein verneint werd
en und ist –
wie dar
gelegt –
ein invalidenrechtlich relevanter Gesundheitsschaden entgegen der Auf
fassung der Beschwerdegegnerin gestützt auf die derzeitige Aktenlage nicht aus
zuschliessen.
4
.
4
Ob
die Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen der Invalidenversicherung er
füllt sind,
lässt sich
a
ber
gestützt
auf die
medizinischen Berichte
nicht abschliessend
beurteilen
.
So
mangelt es an einer
fachpsychiatrischen
Ein
schätzung der funktionellen Leistungsfähigkeit
des
Beschwerdeführer
s
.
Die von
Dr.
Z._
attestierte vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit
(
Urk. 9/46/3-7
)
er
weist sich insofern nicht als
verlässlich
, als
diese einerseits
einzig auf psychiatrischen
und damit für
Dr.
Z._
fachfremden
Aspekten
beruht und sich andererseits lediglich auf die
bisherige
Tätigkeit bezieht.
Die
Behandler des Sanatoriums
Y._
nahmen
–
insbesondere
vor dem Hintergrund eines instabilen Gesundheitszustandes und einer ausgemachten Ambivalenz des
Beschwerdeführer
s gegenüber der Behandlung (Urk. 9/43/5) –
keine Einschätzung
der Leistungsfähigkeit
vor
. Die Schlafstörungen waren denn bei
Austritt des
Beschwerdeführer
s
nicht
austherapiert, vielmehr
hat sich
sein
Zustand
während der stationären Therapie
offenbar
nur wenig verbessert
.
Zusammengefasst kann die Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s m
angels verlässlicher Angaben
zu seinem
Gesundheitszustand aus psychiatrischer Sicht nicht abschliessend beurteilt werden, weshalb hierzu weitere Abklärungen zu tätigen sind
.
Was die gesundheitliche Situation in somatischer Hinsicht betrifft, so ist darauf hinzuweisen, dass sich diesbezüglich keine Anhaltspunkte für eine andauernde
Einschränkung der Leistungsfähigkeit
ergeben
. So führte denn auch der behandelnde Arzt, Dr.
Z._
, die
eingeschränkte Leistungsfähigkeit aus
schliesslich auf
psychische
Leiden
zurück (E.
3.2
)
und wurde im Austrittsbericht des Sanatoriums
Y._
vom 24. April 2020 ein unauffälliger
Somatostatus
erhoben (Urk. 9/43/2-3).
4
.5
Damit erweist sich der medizinische Sachverhalt in psychiatrischer Hinsicht als ergänzungsbedürftig.
So fehlt es gänzlich an einer fachpsychiatrischen Beurtei
lung der Leistungsfähigkeit und somit auch an einer
Arbeitsunfähigkeits
schätzung unter Beachtung der massgebe
nden Indikatoren (Beweisthemen)
, was rechtsprechungsgemäss
jedoch
zwingend erforderlich ist (vgl. B
GE 145 V 361 E.
4.3; vgl. E. 2.3
).
Die angefochtene Verfügung ist demnach
aufzuheben und
d
ie Sache
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie den
Beschwerde
führer
im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung unter Berücksichtigung d
er normativen Vorgaben abklärt.
Im
Anschluss daran wird die IV-Stelle eine neue Beurteilung (auch eventueller Eingliederungsmassnahmen)
vorzunehmen
und her
nach über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu
zu verfügen haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
5
.2
Dem
unvertretenen
Beschwerdeführer
ist keine Prozessentschädigung zuzu
sprechen, da sein Arbeitsaufwand und seine Umtriebe im vorliegenden Ver
fahren nicht den Rahmen dessen überschritten, was der Einzelne
zumutbarerweise
nebenbei zur Besorgung seiner persönlichen Angelegenheiten auf sich zu nehmen hat.