Decision ID: 446bdd39-19f5-5c47-8c6e-b13356b7d2ba
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
V._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Werner Caviezel, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a V._ meldete sich im Januar 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Im
Bericht der Klinik Valens vom 4. Januar 2006 wurden als Diagnosen Schmerzen in
Schulter und Arm links, ein Diabetes mellitus Typ 2, eine hypertensive und koronare
Herzkrankheit, ein Verdacht auf PAVK Grad II rechts, eine arterielle Hypertonie und eine
leichte bis mittelgradige Depression festgehalten. Für eine leichte wechselbelastende
Tätigkeit wurde aus medizinisch-rheumatologischer Sicht eine ganztägige
Arbeitsfähigkeit als gegeben erachtet (IV-act. 16-12/39). Die Ärzte der Klinik für Innere
Medizin am Spital Walenstadt diagnostizierten im Bericht vom 14. Februar 2006 ein
invalidisierendes chronisches Hyperventilationssyndrom, eine mittelgradige Depression
und Somatisierungsstörung, eine hyperextensive und koronare Herzkrankheit, ein
Diabetes mellitus Typ 2, eine arterielle Hypertonie, Schulter-/Arm-Schmerzen und einen
Status nach Ulcus duodeni 1991 und 2001. Es sei ein psychologisches Konsilium im
Sozialpsychiatrischen Dienst veranlasst worden. Hierbei sei eine Depression und
Anpassungsstörung diagnostiziert worden. Unter Berücksichtigung der seit ca. zwei
Jahren anhaltend bestehenden multiplen körperlichen Symptome ohne somatisches
Korrelat seien diese als Somatisierungsstörung interpretiert worden (IV-act. 45-24/28ff;
vgl. auch IV-act. 45-14/28). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen wies den Anspruch auf
eine Invalidenrente mit Verfügung vom 11. April 2006 ab mit der Begründung, es sei
dank der eingeleiteten Rehabilitationsmassnahmen zu erwarten, dass der Versicherte in
einer leidensangepassten Tätigkeit wieder rentenausschliessend werde arbeiten
können (IV-act. 21).
A.b Am 16. Oktober 2006 meldete sich der Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug
an (IV-act. 22). Im Nachgang zu einer Begutachtung im ABI Basel (IV-act. 44) bestätigte
der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) eine Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit von 80 % und in einer adaptierten Tätigkeit von 100 % (IV-act. 47). Hierauf
stellte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 14. Februar 2008 die
Abweisung des Rentenanspruchs bei einem IV-Grad von 20 % in Aussicht (IV-act. 51).
Nach Prüfung des Einwands vom 31. März 2008 (IV-act. 56, 60, 61) verfügte die IV-
Stelle am 16. Mai 2008 im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 62).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung reichte Rechtsanwalt Dr. Werner Caviezel, Chur, für den
Versicherten am 16. Juni 2008 Beschwerde ein mit den Anträgen, es sei ein
gerichtliches, interdisziplinäres Gutachten anzuordnen und anschliessend der
Invaliditätsgrad durch das Gericht festzulegen. Eventuell sei die Verfügung aufzuheben
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur nochmaligen Abklärung zurückzuweisen
gemäss den richterlichen Vorgaben. Zur Begründung legte der Rechtsvertreter unter
anderem dar, betreffend die Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer
Sicht würden alle mit der Sache befassten Ärzte eine andere Einschätzung als der
psychiatrische Gutachter des ABI, Dr. med. A._, vertreten. Deswegen sei ein
Verlaufsgutachten bei Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie Pharmazeutische Medizin, Freienbach, oder ein Obergutachten
in Auftrag zu geben. In kardiologischer und rheumatologischer Hinsicht stimme die
Schlussfolgerung der Gesamtbeurteilung, dass der Beschwerdeführer noch zu 80 % in
der angestammten Tätigkeit arbeiten könne, nicht mit den von den ABI-Gutachtern Dr.
med. C._ und Dr. med. D._ selbst gemachten Feststellungen überein. Die von Dr.
D._ gewünschten Arbeitsplatzbedingungen würden in der Arbeitswelt eines Malers
nicht existieren. Deshalb sei auch die theoretische Annahme einer 80%igen Leistung
des Beschwerdeführers als Maler nicht realistisch. Ergänzend sei anzumerken, dass nie
ein MRI der Wirbelsäule gemacht worden sei, obwohl ein solcher Untersuch im
Austrittsbericht des Spitals Walenstadt vom 29. November 2005 empfohlen worden sei
und im ABI-Gutachten (S. 20) von einem Verdacht auf Randleistenhernie die Rede sei.
Erwünscht sei es, dass das Gericht selber ein umfassendes Gutachten in Auftrag gebe,
um dann gleich die Höhe des Invaliditätsgrades feststellen zu können. Andernfalls
müsse der Fall an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden, um ergänzende
Abklärungen nach Massgabe der richterlichen Erwägungen vorzunehmen zu lassen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 6. August 2008 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung hielt sie unter
anderem fest, die Begutachtung sei mit dem ABI von einer qualifizierten Fachstelle
vorgenommen worden, welche die von der Rechtsprechung aufgestellten
Anforderungen erfülle. Das ABI-Gutachten sei in Kenntnis des Gutachtens von Dr.
B._ vom 15. September 2006 abgegeben worden. Der psychiatrische ABI-Gutachter
Dr. A._ nehme sogar ausdrücklich Stellung dazu. Dr. B._ habe nicht konkret
beschrieben, aufgrund welcher psychischer Beschwerden der Beschwerdeführer nicht
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arbeiten können solle. Die Stellungnahme zum Einwand sei in der angefochtenen
Verfügung nach Rücksprache mit dem RAD erfolgt. Dieser habe ausgeführt, dass -
auch wenn eine mittelgradige depressive Episode vorgelegen sei - dies keinen
Widerspruch zwischen der Einschätzung von Dr. B._ sowie jener von Dr. A._
bedeute, sondern dies eine nach erfolgreicher Medikation erfolgte Verbesserung
darstellen könne. Überdies sei das ABI-Gutachten im Zeitpunkt der angefochtenen
Verfügung noch sehr aktuell gewesen. Insgesamt bestehe kein Anlass, an der
psychiatrischen Einschätzung im ABI-Gutachten zu zweifeln. Auch bestehe kein Grund,
ein weiteres Gutachten in Auftrag zu geben. Denn es werde keine vor Erlass der
Verfügung eingetretene Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend gemacht.
Der geltend gemachte Widerspruch betreffend die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aus kardiologischer Sicht im Hinblick auf die anlässlich der Konsensdiskussion vom
ABI festgestellte Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestehe tatsächlich.
Kein Widerspruch lasse sich jedoch bei der rheumatologischen Seite feststellen. Für
die von ihm behauptete Arbeitsfähigkeit von 50 % habe der Beschwerdeführer keine
Belege eingereicht und diese Zahl auch sonst nicht erläutert. Zur Durchführung eines
MRI habe gemäss den ABI-Gutachtern keine Indikation bestanden. Die Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit dürfte von den ABI-Gutachtern zwar zu hoch festgelegt
worden sein. Da jedoch die Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit
von den ABI-Gutachtern nachvollziehbar mit 100 % angegeben werde, ändere sich der
Invaliditätsgrad unter Berücksichtigung einer dem Leiden angepassten Tätigkeit für das
Invalideneinkommen nicht massgeblich.
B.c Mit Eingaben vom 3. September 2008 und 8. Dezember 2009 reichte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ärztliche Berichte der Psychiatrie-Dienste Süd
vom 26. August 2008, 5. Dezember 2008 und 19. Februar 2009 sowie vom 1. und 3.
Dezember 2009 ein. Daraus geht unter anderem hervor, dass der Beschwerdeführer
Ende 2008 und Ende 2009 im stationären Rahmen psychiatrisch behandelt wurde.

Erwägungen:
1.
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1.1 Streitig ist vorliegend, ob beim Beschwerdeführer gestützt auf die Neuanmeldung
vom 16. Oktober 2006, auf welche die Beschwerdegegnerin eintrat und das Gesuch
materiell prüfte, eine rentenbegründende Invalidität vorliegt (Art. 6 bis 8 und 16 ATSG in
Verbindung mit Art. 4 und 28 IVG).
1.2 Der Psychiater Dr. B._ berichtete zuhanden der Zürich Versicherungsgesellschaft
am 15. September 2006, der Befund sei vereinbar mit dem Vorliegen einer
mittelgradigen Depression mit somatischem Syndrom, die mittlerweile chronifiziert sei.
Dem Beschwerdeführer seien keinerlei Arbeiten mehr zuzumuten. Alles andere als eine
hundertprozentige Berentung sei zum jetzigen Zeitpunkt eine weltferne Einschätzung.
Es sei nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer jemals wieder einer beruflichen
Tätigkeit werde nachgehen können (IV-act. 25). Dr. med. E._, Allgemeine Medizin
FMH, bescheinigte am 28. Februar 2007 eine volle Arbeitsunfähigkeit im bisherigen
Beruf seit 9. Dezember 2005. Eine andere zumutbare Arbeit komme nicht in Frage (IV-
act. 45-4/28).
Die ABI-Gutachter diagnostizierten im Bericht vom 7. November 2007 mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit eine hyperextensive und koronare Herzkrankheit, eine
chronische Periarthropathia humeroscapularis tendinotica links, einen klinischen
Verdacht auf Thoracic-outlet-Syndrom beidseits linksbetont, ein intermittierendes
lumbovertebrales Schmerzsyndrom und eine Periarthropathia Genu rechts. Als
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie ein metabolisches
Syndrom, eine Symptomausweitung, einen Verdacht auf Schlaf-apnoesyndrom und
einen Verdacht auf Spannungskopfschmerzen fest. Als multidisziplinärer Konsens des
Internisten Dr. med. F._, des Psychiaters Dr. med. A._, des Rheumatologen Dr.
med. D._ und des Kardiologen Dr. med. C._ wurde unter anderem festgehalten, in
der aktuellen Untersuchung ergebe sich eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen dem
Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden.
Aus somatischer Sicht könne dem Exploranden seine angestammte Tätigkeit zu 80 %
unter Berücksichtigung einer 20 %igen Leistungseinbusse zugemutet werden, sofern
die Abduktion sowie die Elevationsbewegungen über 90° des linken Armes vermieden
werden könnten. Ebenso solle das repetitive Heben, Tragen, Ziehen und Stossen von
Lasten mit dem linken Arm über 10 kg vermieden werden können. Es sei dem
Beschwerdeführer die Möglichkeit zu bieten, die Arbeitsposition regelmässig
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selbständig zu wechseln. Es sei davon auszugehen, dass die um 20 % eingeschränkte
Arbeitsfähigkeit seit Oktober 2005 bestehe. Weder aus kardiologischer noch aus
psychiatrischer Sicht bestehe eine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als
Maler. Für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere, wechselbelastende
berufliche Tätigkeiten unter Berücksichtigung der erwähnten Bedingungen bestehe
eine voll zumutbare Arbeitsfähigkeit sowohl aus somatischer wie aus psychiatrischer
Sicht. Der Beschwerdeführer fühle sich nicht mehr in der Lage zu arbeiten. Als
Hauptgrund erwähne er seine Müdigkeit und Kraftlosigkeit. Es scheine aus
psychiatrischer Sicht, dass diese Symptome eher den körperlichen Krankheiten
zugeordnet seien. Zum Bericht der Klinik Valens vom 4. Januar 2006 hielten die
Gutachter fest, aufgrund der Befunde und der subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers bestehe eine eindeutige Reduktion der Schmerzsymptomatik am
Schultergürtel links; insbesondere sei das Ausmass der früher eindeutig vorliegenden
Tendinitis der langen Bizepssehne links eindeutig regredient. Zudem sei er
Rechtshänder, d.h. auch bei der Arbeit als Maler/Gipser würden die wesentlichen
anfallenden Tätigkeiten mit dem rechten Arm absolviert. Übereinstimmend mit den
Kollegen der Klinik Valens bestehe für leichte, körperlich adaptierte berufliche
Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit. Zum Gutachten von Dr. B._ vom 15.
September 2006 führten die ABI-Gutachter aus, dieser beschreibe einen relativ
unauffälligen Psychostatus, der zu den aktuell (im ABI) erhobenen Befunden passe. Es
bestehe eine beträchtliche Diskrepanz zwischen Diagnose und nachgewiesenen
Befunden. Es werde im Bericht von Dr. B._ auch nicht zwischen psychogenen und
somatischen Faktoren unterschieden. Beim Exploranden seien ihres (der ABI-
Gutachter) Erachtens nur geringe Symptome einer Verstimmung vorhanden. Die
meisten von ihm angegebenen Beschwerden wie Müdigkeit und Kraftlosigkeit,
Kopfweh, Schwindel könnten nicht einer depressiven Störung zugeordnet werden. Da
aus kardialer Sicht keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Maler
bestehe, könne die Einschätzung des Hausarztes einer vollen Arbeitsunfähigkeit nicht
nachvollzogen werden. Selbst bei Diagnosestellung eines Schlafapnoesyndroms sei
dieses behandelbar, so dass dadurch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
resultiere. Berufliche Massnahmen seien nicht indiziert, da es dem Beschwerdeführer
zumutbar sei, in der angestammten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen
zu erzielen (IV-act. 44).
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Dr. med. G._, Innere Medizin FMH, spez. Endokrinologie/Diabetologie, berichtete am
10. März 2008 über den aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers (IV-act.
57). Dr. B._ hielt im Bericht vom 2. Mai 2008 fest, der Befund des am ABI tätigen Dr.
A._ sei für ihn nur bedingt nachvollziehbar. Der von ihm in der Untersuchung vom 15.
September 2006 beschriebene Psychostatus sei sehr wohl mit einer mittelgradigen
depressiven Episode in Einklang zu bringen. Dr. A._ habe den Patienten über ein
Jahr später gesehen. Es könne durchaus sein, dass sich bis dahin der
psychopathologische Befund unter antidepressiver Therapie rückläufig entwickelt
habe. Nur so könne er sich die Diskrepanz in den beiden Befunden erklären. Sehr wohl
habe er auf die Möglichkeit hingewiesen, dass organische Gründe für die Depression
vorliegen könnten. Damit sei der Vorwurf von Dr. A._, dass er (Dr. B._) nicht
zwischen psychogenen und somatischen Faktoren unterschieden habe, nicht
zutreffend. Vorstellbar sei, nach den Darlegungen von Dr. A._ zu schliessen, dass
nunmehr eine Teilarbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht vorliegen könne. Für eine
genaue Einschätzung empfehle er aber eine nochmalige psychiatrische Untersuchung.
Er, Dr. B._, könnte den Beschwerdeführer nochmals sehen und den Befund
evaluieren (IV-act. 60). In der Stellungnahme vom 30. April 2008 zu den Vorbringen im
Einwand vom 31. März 2008 legten die ABI-Gutachter unter anderem dar, es werde im
Einwand ausführlich darüber argumentiert, wie lange die Untersuchung bei Dr. A._
gedauert habe und offensichtlich von einem etwa stündigen Gespräch ausgegangen.
Dem gebe es nicht viel hinzuzufügen. Inhaltlich sei das Gutachten von Dr. A._ klar. Es
habe sich auch zur Voreinschätzung von Dr. B._ geäussert. Auch die
rheumatologische und kardiologische Untersuchung sei retrospektiv klar. Im Einwand
seien keine inhaltlichen Gründe genannt worden, die irgendeinen Zweifel an den
Schlussfolgerungen im ABI-Gutachten wecken könnten (IV-act. 61).
2.
2.1 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
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Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a mit Hinweis;
RKUV 2000, 214). Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her
nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher
praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene
medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind,
sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der
Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE 124 I 175
Erw. 4; Urteil P. vom 13. Juni 2001 [I 506/00]) kann es nicht angehen, eine medizinische
Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass
weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu
unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an solchen vorgängig geäusserten
abweichenden Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn die
behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im
Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet sind, zu
einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des EVG vom 13. März 2006 i/S G. [I
676/05] Erw. 2.4). Erachtet das Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen
tatsächlichen Entscheidgrundlagen bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als
schlüssig, darf es den Prozess ohne Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung
eines Gerichtsgutachtens - abschliessen. In solchen Fällen sind an die
Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (RKUV 1997, 281 Erw. 1a).
2.2 Die Ärzte der Klinik Valens hatten am 4. Januar 2006 für eine leichte
wechselbelastende Arbeit eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers bescheinigt. Sie gingen zwar unter anderem von einer leichten bis
mittelschweren Depression aus, beschränkten ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung jedoch
auf die medizinisch-rheumatologische Sicht und wiesen überdies darauf hin, dass die
Leistungsbereitschaft des Beschwerdeführers im Test nicht konsistent gewesen sei, so
dass zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit medizinisch-theoretische Überlegungen
hätten herangezogen werden müssen (IV-act. 16-12/39). Auf der Grundlage dieses
Berichts erging die später in Rechtskraft erwachsene Verfügung vom 11. April 2006 (IV-
act. 21). In Frage stehen im vorliegenden Verfahren demgemäss Rentenansprüche für
die Zeit nach dieser Verfügung, d.h. ab 1. Mai 2006. Als Gesunder wäre der
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Beschwerdeführer nach Lage der Akten vollzeitlich erwerbstätig, weshalb sich die
Invalidität durch Einkommensvergleich (Art. 16 ATSG) bemisst.
Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens (Art. 16 ATSG) ist
die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Es liegen sich widersprechende Einschätzungen vor.
Im provisorischen Austrittsbericht der Klinik Gais vom 19. Mai 2006 wurde - wie zuvor
in der Klinik Valens - die Diagnose einer mitttelgradigen depressiven Störung mit
somatischem Syndrom erhoben und im Weiteren eine somatoforme autonome
Funktionsstörung des respiratorischen Systems und Panikattacken, eine koronare
Herzkrankheit und ein Diabetes mellitus bestätigt. Laut Bericht bestand beim
Beschwerdeführer bis 5. Juni 2006 eine volle Arbeitsunfähigkeit. Danach sei ambulant
eine neue Beurteilung vorzunehmen. Aus psychiatrischer Sicht könne mit einer
Behandlung mittel- bis langfristig eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 50 % erreicht
werden. Aufgrund der Komplexität der gesundheitlichen Situation des Patienten werde
eine arbeitsmedizinische und multidisziplinäre Abklärung empfohlen (IV-act. 45-16/28).
Der Psychiater Dr. B._ begründete im Bericht vom 15. September 2006 die von ihm
ebenfalls bestätigte mittelgradige Depression mit somatischem Syndrom und die
bescheinigte volle Arbeitsunfähigkeit mit dem Hinweis, differentialdiagnostisch sei
davon auszugehen, dass angesichts des langen Krankheitsverlaufs des Diabetes und
dessen Folgeerkrankungen die Depression sehr wahrscheinlich organisch bedingt sein
dürfte. Die geklagte Sensibilitätsstörung in den Händen sei am ehesten im Rahmen
einer somatoformen Störung zu interpretieren. Es könne sich aber auch um eine
Folgestörung der Diabetes handeln. Wie es zur Abweisung des früheren IV-
Leistungsantrags gekommen sei, sei jetzt nicht mehr nachvollziehbar (IV-act. 25). Die
ABI-Gutachter stellten im Gegensatz zu den vorerwähnten Berichten rund ein Jahr
nach der Begutachtung durch Dr. B._ keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit mehr, sondern vermerkten lediglich eine Symptomausweitung
und verneinten insgesamt eine Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe nur ein geringer Befund mit Unruhe und Dysphorie,
Schlafstörung und Libidoverlust. Somit sei gegenüber der Selbsteinschätzung eine
hohe Diskrepanz vorhanden (IV-act. 44).
2.3 Das ABI-Gutachten steht hinsichtlich des psychischen Gesundheitsstatus und der
daraus resultierenden Einschränkungen im Widerspruch zu sämtlichen vorher und
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nachher erstellten ärztlichen Berichten und Gutachten. Sowohl aus den konkreten
medizinischen Akten (vgl. act. G 6.1; IV-60) als auch aus der medizinischen Literatur
(Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 261. A., S. 408) ergibt sich, dass (rezidivierende)
depressive Störungen in Form von Episoden auftreten und im Zeitverlauf
unterschiedlich zu Tage treten können. Insbesondere Dr. B._ schloss im Bericht vom
2. Mai 2008 nicht aus, dass sich der psychopathologische Befund in der Zeit bis zur
ABI-Begutachtung aufgrund der durchgeführten Therapien rückläufig entwickelt haben
könnte (IV-act. 60). Es lässt sich daher nicht ohne weiteres ausschliessen, dass die
ABI-Begutachtung in einem Zeitpunkt erfolgt war, in welchem die
Beschwerdesymptome, welche zuvor zur Diagnose einer mittelschweren depressiven
Störung führten, nicht sichtbar in Erscheinung traten. Für diese Sichtweise spricht,
dass sich nach der ABI-Begutachtung offenbar erneut psychische Beschwerden
einstellten, die Psychiatrie-Dienste am 26. August 2008 wiederum eine mittelgradige
Episode einer depressiven Störung bescheinigten und im Übrigen festhielten, dass
beim Beschwerdeführer eine rezidivierende, also immer wiederkehrende depressive
Störung vorliege und ausserdem von einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung auszugehen sei. Es wurde eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht bescheinigt (act. G 6.1). Auch wenn dieser Bericht betreffend eine
am 18. Juli 2008 begonnene Behandlung nach Erlass der angefochtenen Verfügung
erging, so bleibt angesichts der divergierenden medizinischen Stellungnahmen
dennoch die Möglichkeit bestehen, dass bereits vor Beginn dieser Behandlung eine
psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit vorlag. Eine solche lässt sich angesichts des
Episode-Charakters der Krankheit gestützt auf die vorliegenden Akten auch in der Zeit
vor der ABI-Begutachtung weder überwiegend wahrscheinlich verneinen noch bejahen.
Dem Vorbringen der ABI-Gutachter, Dr. B._ habe im Bericht vom 15. September
2006 einen relativ unauffälligen Psychostatus beschrieben, mit welchem sich die
Diagnose einer mittelgradigen Depression nicht vereinbaren lasse (IV-act. 44),
widersprach dieser Arzt im Bericht vom 2. Mai 2008 (IV-act. 60). Nun wurde zwar der
medizinische Befund durch Dr. B._ (IV-act. 45-11/28) tatsächlich in nicht sehr
umfassender Weise dargelegt. Welcher spezialärztliche Standpunkt zutrifft, lässt sich in
diesem Verfahren gestützt auf die bestehenden Akten dennoch nicht abschliessend
festlegen. Bei dieser Aktenlage kann im psychiatrischen Bereich nicht ohne weitere
Abklärungen auf das ABI-Gutachten, welches sich zur Arbeitsfähigkeit ab Oktober
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2005 und damit zwei Jahre rückwirkend äusserte (IV-act. 44-23/25), abgestellt werden.
Weitere diesbezügliche Abklärungen lassen sich nicht umgehen.
2.4 Im Weiteren stellte der Kardiologe des ABI fest, dass der Beschwerdeführer für eine
körperlich nicht belastende Tätigkeit, sitzend mit gelegentlichem Laufen, einsetzbar sei,
nicht jedoch für eine körperlich schwere Tätigkeit (IV-act. 44-20/25). Die angestammte
Tätigkeit des Beschwerdeführers als Maler/Gipser muss als körperlich belastende,
schwere Tätigkeit taxiert werden, wie sich aus dem "Job Match" der Klinik Valens
ergibt (IV-act. 16-25f.). Damit lässt sich die erwähnte Feststellung des Kardiologen mit
der ABI-Gesamtbeurteilung, wonach aus kardiologischer Sicht keine zusätzliche
Einschränkung als Maler bestehe (IV-act. 44-23/25), nicht vereinbaren. Diese
Unvereinbarkeit bleibt jedoch ohne Auswirkungen, wenn für die Zumutbarkeit einer
beruflichen Tätigkeit aus somatischer Sicht lediglich leichte, körperlich nicht belastende
Arbeiten zugrunde gelegt werden. Die Schlussfolgerung des Rheumatologen des ABI,
wonach der Einsatz der rechten oberen Extremität nicht eingeschränkt sei,
dementsprechend auch repetitive Überkopfbewegungen mit dem rechten Arm
zumutbar seien und die Einschränkungen des linken Armes sowie der Wirbelsäule mit
einer 20 %igen Leistungseinbusse im angestammten Beruf zu veranschlagen seien (IV-
act. 44-16/25), steht mit der Gesamtbeurteilung demgegenüber in Einklang (IV-act.
44-23/25). Zum Einwand des Beschwerdeführers, es sei kein MRI der Wirbelsäule
durchgeführt worden, hielten die ABI-Gutachter fest, die Indikation für eine MRI-
Untersuchung sei in der rheumatologischen Teilbegutachtung nicht gestellt worden.
Eine MRI-Untersuchung sei ohne medizinische Evidenz, schon gar nicht hinsichtlich
Arbeitsfähigkeit (UV-act. 56). Konkrete Anhaltspunkte, aufgrund welcher die
Einschätzung des Rheumatologen Dr. D._ oder die rheumatologische Beurteilung
insgesamt in Zweifel zu ziehen wäre, lassen sich auch den Eingaben des
Beschwerdeführers nicht entnehmen.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde in dem Sinn teilweise
gutzuheissen, dass die Verfügung vom 16. Mai 2008 aufgehoben und die Sache zur
psychiatrischen Abklärung im Sinne eines Obergutachtens bzw. bei einem bislang nicht
involvierten Psychiater und zu anschliessender neuer Verfügung an die
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Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1 IVG). Unter Berücksichtigung des
Verfahrensaufwandes wird die der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
auferlegende Gerichtsgebühr auf Fr. 600.-- festgesetzt. Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten. Er hat bei diesem
Verfahrensausgang Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es
rechtfertigt sich, diese auf pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG