Decision ID: 41a93f93-e6c0-58d8-8b53-a0728ad28052
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 16. November 2018 stellte die Vorinstanz fest, der Ge-
suchsteller, seine Ehefrau und die beiden gemeinsamen Kinder würden die
Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllen, lehnte ihr Asylgesuch ab, verfügte die
Wegweisung aus der Schweiz, ordnete den Vollzug der Wegweisung an,
erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.– und händigte die editions-
pflichtigen Akten aus.
B.
Gegen diese Verfügung reichten der Gesuchsteller und seine Familie mit
Eingabe vom 28. November 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungs-
gericht ein.
C.
Gestützt auf den Auslieferungsentscheid des Bundesamtes für Justiz vom
(...) 201(...) wurde der Gesuchsteller am (...) 201(...) an die (...) Behörden
zwecks Durchführung eines Strafverfahrens ausgeliefert.
D.
Das Bundesverwaltungsgericht wies mit Urteil E-6757/2018 vom 18. März
2020 die Beschwerde betreffend Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft
und Gewährung von Asyl ab. In Bezug auf die Ehefrau und die beiden Kin-
der wies es die Vorinstanz an, diese vorläufig aufzunehmen. Betreffend
den Gesuchsteller hielt es fest, dass dessen Wegweisung gestützt auf
Art. 32 Abs. 1 Bst. b der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1,
SR 142.311] nicht weiter zu prüfen sei und schrieb die Beschwerde in die-
sem Punkt als gegenstandslos geworden ab.
E.
Mit Eingabe vom 21. Juli 2020 an das Bundesverwaltungsgericht teilte der
Gesuchsteller mit, das gegen ihn geführte Strafverfahren in B._ sei
inzwischen beendet und er sei vom Tatvorwurf freigesprochen worden. Seit
dem 10. Juli 2020 halte er sich wieder in der Schweiz auf, weil er unbedingt
seine Kinder habe sehen wollen, welche ihm alles bedeuten würden. Auf-
grund seiner Anwesenheit und derjenigen seiner beiden Söhne habe er ein
aktuelles Interesse daran, dass die Zumutbarkeit seines Wegweisungsvoll-
zuges nach Serbien geprüft werde. Er ersuche deshalb darum, die Anord-
nung der Vorinstanz unter Berücksichtigung des Rechtes auf Familie ge-
mäss Art. 8 EMRK und des Kindeswohles nach Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes (KRK, SR
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0.107) als unzumutbar zu qualifizieren und seinen Einbezug in die vorläu-
fige Aufnahme seiner Frau und seiner Söhne nach Art. 44 AsylG (SR
142.31) zu prüfen. Zudem ersuche er darum, ihm für die Dauer seines Auf-
enthaltes eine Kurzaufenthaltsbewilligung respektive einen N-Ausweis
auszustellen.
Zusammen mit dem Gesuch gab der Gesuchsteller unter anderem eine
Entlassungsanordnung des Landgerichts München II vom 9. Juli 2020 zu
den Akten.
F.
Die Instruktionsrichterin setzte am 23. Juli 2020 gestützt auf Art. 56 VwVG
mit superprovisorischer Massnahme den Vollzug der Wegweisung per so-
fort einstweilen aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Als Beschwerdeinstanz auf dem Gebiet des Asylrechts (vgl. Art. 31
VGG i.V.m. Art. 105 AsylG) ist das Bundesverwaltungsgericht auch für die
Beurteilung von Gesuchen um Wiederaufnahme eines von ihm abge-
schlossenen Beschwerdeverfahrens zuständig (vgl. statt vieler: Urteil des
BVGer D-747/2019 vom 25. Juli 2019). Vorliegend hat das Bundesverwal-
tungsgericht das Beschwerdeverfahren E-6757/2018 vom 18. März 2020
bezüglich des Gesuchstellers hinsichtlich der verfügten Wegweisung und
dem Wegweisungsvollzug als gegenstandslos geworden abgeschrieben.
1.2 Über die Wiederaufnahme abgeschriebener Asylbeschwerdeverfahren
entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in der Zusammensetzung mit
drei Richterinnen oder Richtern (Art. 21 Abs. 1 VGG, Art. 23 Abs. 1 Bst. a
VGG und Art. 111 AsylG [e contrario]).
2.
2.1 Abschreibungsbeschlüsse können weder in Revision noch in Wieder-
erwägung gezogen werden (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der
[vormaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 1993
Nr. 33 E. 1a sowie aus jüngerer Zeit Urteil des BVGer D-747/2019 vom
25. Juli 2019 E. 3). Ein Abschreibungsentscheid kann jedoch auf Gesuch
hin aufgehoben und das ursprüngliche Beschwerdeverfahren durch das
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Gericht wieder aufgenommen werden, insbesondere wenn das vorange-
gangene Verfahren infolge einer auf Willensmängel beruhenden Rück-
zugserklärung der Partei (vgl. Urteil des BVGer D-1424/2019 vom 23. Mai.
2019 E. 3.1, unter Hinweis auf die langjährige Praxis) oder irrtümlich als
Folge von unzutreffenden Informationen oder von Fehlinterpretationen als
gegenstandslos abgeschrieben wurde (vgl. Urteil des BVGer D-2608/2016
vom 6. Mai 2016 S. 5 m.w.H.).
2.2 Der Gesuchsteller macht in seiner Eingabe vom 21. Juli 2020 im Zu-
sammenhang mit der Abschreibung der Beschwerde betreffend seine
Wegweisung weder Revisionsgründe noch Willensmängel beziehungs-
weise Irrtümer geltend. Solches ist auch nicht ersichtlich. Vielmehr stützt
er sein Wiederaufnahmegesuch darauf, dass er sich wieder in der Schweiz
aufhalte, seine nächsten Angehörigen in der Schweiz vorläufig aufgenom-
men worden seien und er um Einbezug in deren vorläufige Aufnahme er-
suche. Mithin stützt er sein Wiederaufnahmegesuch auf neue, seit dem Ur-
teil des Gerichts vom 18. März 2020 veränderte Umstände und Tatsachen.
Bei dieser Ausgangslage ist das Beschwerdeverfahren nicht wieder aufzu-
nehmen. Das Gesuch um Einbezug in die vorläufige Aufnahme fällt in die
Zuständigkeit des Staatssekretariat für Migration, weshalb die Eingabe des
Gesuchstellers vom 21. Juli 2020 gestützt auf Art. 8 Abs. 1 VwVG zur wei-
teren Behandlung diesem zu überweisen ist.
2.3 Soweit der Gesuchsteller um Ausstellung von Dokumenten betreffend
seinen Aufenthaltsstatus ersucht, ist er diesbezüglich an die zuständigen
kantonalen Behörden zu verweisen (vgl. Art. 42 AsylG i.V.m Art. 30
AsylV 1).
3.
Bei dieser Ausgangslage wären die Verfahrenskosten dem Gesuchsteller
aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 2, 3 und 5 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bun-
desverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Auf deren Erhebung wird
jedoch in Anwendung von Art. 6 VGKE zu verzichtet.
4.
Mit Erlass dieses Urteils fällt der am 23. Juli 2020 verfügte Vollzugsstopp
dahin.
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