Decision ID: 0dad2c6f-cafd-492e-b64b-7177eed07667
Year: 2018
Language: de
Court: BE_SRK
Chamber: BE_SRK_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. A._ (Rekurrent) ist unter der Bezeichnung "A._Marketing" (nicht im Handelsregister eingetragen) selbstständig erwerbstätig. Zudem ist er Geschäftsführer der
D._GmbH, deren Zweck gemäss Handelsregisterauszug namentlich "Vermittlung,
Handel, Marketing und Beratung in der Uhrenindustrie, Handel mit Uhren und deren
Bestandteilen" umfasst. Die Stammanteile der D._GmbH werden zu 99 % von
B._ (Rekurrentin) und zu 1 % vom Rekurrenten gehalten.
B. Weil A._ und B._ (zusammen: Rekurrenten) trotz Mahnung keine Steuererklärung für das Jahr 2014 eingereicht hatten, wurden sie von der Steuerverwaltung des
Kantons Bern, _ (Steuerverwaltung), mit Verfügungen vom 8. März 2016 nach
Ermessen auf ein steuerbares Einkommen von CHF 100'000.-- bei den kantonalen Steuern und
von CHF 105'000.-- bei der direkten Bundessteuer veranlagt (Akten Vorinstanz, pag. 59-57).
Dagegen erhoben die Rekurrenten, vertreten durch die C._GmbH (Vertreterin), am
15. März 2016 Einsprache und reichten die Steuererklärung nach (pag. 60; 56-42). Mit
Einspracheentscheiden vom 7. März 2017 veranlagte die Steuerverwaltung das steuerbare
Einkommen auf CHF 104'602.-- bei den kantonalen Steuern und auf CHF 109'780.-- bei der
direkten Bundessteuer (pag. 76-73). Das steuerbare Vermögen wurde auf CHF 430'533.--
festgesetzt. Die Steuerverwaltung machte namentlich eine Wertberichtigung auf Forderungen
aus Lieferungen und Leistungen (Debitoren) in der Höhe von CHF 100'000.-- rückgängig, die
der Rekurrent in der Erfolgsrechnung der A._Marketing (Beilage 1 zur Vernehmlassung
der Steuerverwaltung vom 24.4.2017) verbucht hatte.
C. Gegen die Einspracheentscheide hat die Vertreterin im Namen und Auftrag der Rekurrenten mit Eingabe vom 8. März 2017 Rekurs und Beschwerde an die
Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) erhoben. Sie beantragt,
die erwähnte Wertberichtigung auf den Debitoren im vollen Umfang von CHF 100'000.-- zu
berücksichtigen und macht geltend, dass die im Wert reduzierten Forderungen aufgrund eines
seit Jahren andauernden Rechtsstreits "ganz oder teilweise stark" gefährdet seien.
D. Die Steuerverwaltung hat sich am 24. April 2017 vernehmen lassen und die Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Sie erachtet die geschäftsmässige Begründetheit der
Wertberichtigung auf den Debitoren als nicht nachgewiesen, namentlich auch deshalb, weil für
die D._GmbH seit ihrer Gründung im Jahr 2012 keine Steuererklärungen oder
Jahresrechnungen eingereicht worden seien. Weiter weist die Steuerverwaltung darauf hin,
dass gemäss den vorhandenen Akten auch die Kreditoren zu berichtigen sein dürften.
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E. Die Vernehmlassung der Steuerverwaltung ist am 25. April 2017 der Vertreterin zur Stellungnahme zugesandt worden. Weder die Vertreterin noch die Rekurrenten haben sich
dazu geäussert.
F. Mit Schreiben vom 8. September 2017 hat die Steuerrekurskommission der Vertreterin diverse Fragen zum Sachverhalt gestellt. Diese wurden von den Rekurrenten mit Schreiben
vom 9. Oktober 2017 selber beantwortet unter Beilage eines Schiedsurteils vom 17. März 2017
(siehe E. 3 hiernach).
G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf den detaillierten Inhalt der genannten Rechtsschriften und weiteren Unterlagen wird, soweit
für den vorliegenden Entscheid von Bedeutung, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Rekurrenten sind im vorinstanzlichen Verfahren mit
ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie sind daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt,
da der Streitwert über CHF 10'000.-- liegt (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom
11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG;
BSG 161.1]).
2. Auslöser für den vorliegenden Rechtsstreit ist eine vom Rekurrenten in der Jahresrechnung der A._Marketing erfolgsmindernd verbuchte Wertberichtigung auf
den Debitoren in der Höhe von CHF 100'000.--, die von der Steuerverwaltung nicht akzeptiert
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worden ist. Dieser Sachverhalt betrifft das vom Rekurrenten erzielte Einkommen aus
selbstständiger Erwerbstätigkeit, das im Folgenden von der Steuerrekurskommission beurteilt
wird. Die übrigen von den Rekurrenten erzielten Einkünfte sind ebenso wenig Gegenstand des
Verfahrens wie die Gewinn- und Kapitalveranlagung der D._GmbH.
3. Am Ursprung der strittigen Wertberichtigung stand ein missglückter Handel mit Uhrwerken in den Jahren 2012 und 2013. Dieser führte letztlich zu einem privatrechtlichen
Schiedsverfahren vor einem von der "Swiss Chambers' Arbitration Institution" eingesetzten
Einzelrichter (im Folgenden: Schiedsgericht). Am Schiedsverfahren beteiligt waren der
Rekurrent und die D._GmbH als Beklagte sowie die F._SA als Klägerin. Das
ausführliche Urteil des Schiedsgerichts vom 17. März 2017 wurde vom Rekurrenten am
9. Oktober 2017 bei der Steuerrekurskommission eingereicht. Die folgende Darstellung des
Sachverhalts stützt sich, nebst den übrigen Unterlagen, auf die Feststellungen des
Schiedsgerichts.
3.1 Im Jahr 2012 gelangte die F._SA an den Rekurrenten und beauftragte diesen mit der Beschaffung einer beträchtlichen Anzahl mechanischer Uhrwerke der G._SA. Der
F._SA war es infolge Lieferbeschränkungen seitens der G._SA offenbar nicht
möglich, auf offiziellem Weg die gewünschte Anzahl an G._-Uhrwerken zu beschaffen
(Schiedsurteil, Ziff. 78). Insgesamt bestellte die F._SA beim Rekurrenten und bei der
D._GmbH 15'350 Uhrwerke zum Preis von rund CHF 2.0 Mio (Rekursbeilagen 5, 11
und 15, Nummerierung durch Steuerrekurskommission). Die F._SA überwies dem
Rekurrenten und der D._GmbH Anzahlungen in der Höhe von total CHF 905'580.--,
was sich aus drei mit 16. September 2013 datierten Schuldanerkennungen ergibt
(Rekursbeilagen 6, 12 und 16; siehe auch Schiedsurteil, Ziff. 88-91):
Datum Betrifft Anzahl Preis total Anzahlung
31.08.2012 Rekurrent 650 126'360 63'180
25.10.2012 Rekurrent 8'000 1'036'800 518'400
24.01.2013 D._GmbH 6'700 868'320 324'000
Total 15'350 2'031'480 905'580
Der Rekurrent konnte die von der F._SA bestellten Uhrwerke nicht selber liefern. Er
versuchte, diese bei der in Deutschland domizilierten H._GmbH zu beschaffen. In den
Akten finden sich zwei von der H._GmbH an den Rekurrenten ausgestellte
Rechnungen sowie Belege über die vom Rekurrenten an die H._GmbH überwiesenen
Anzahlungen (Rekursbeilagen 17-19, 21-23; Schiedsurteil, Ziff. 92):
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Datum Betrifft Anzahl Preis total Anzahlung
05.11.2012 Rekurrent 8'000 800'000 400'000
11.01.2013 D._GmbH 6'700 445'550 215'011 Total 14'700 1'245'550 615'011
Vergleicht man die beiden Tabellen, fällt auf, dass für die erste von der F._SA beim
Rekurrenten bestellte Tranche von 650 Uhrwerken offenbar kein Auftrag an die
H._GmbH erfolgte. Wie es sich damit verhält, muss vorliegend indes nicht weiter
geprüft werden.
3.2 Weil in der Folge die H._GmbH keine Uhrwerke lieferte, sahen sich der Rekurrent und die D._GmbH ausserstande, ihren Verpflichtungen gegenüber der
F._SA nachzukommen. Diese annullierte daher mit Schreiben vom 11. November 2013
die Bestellungen und forderte vom Rekurrenten die Anzahlungen von CHF 581'580.-- zurück,
zuzüglich einer Konventionalstrafe von CHF 77'760.--, total ausmachend CHF 659'360.--
(Rekursbeilage 4). Die Forderungen gegenüber der D._GmbH beliefen sich auf
CHF 324'000.-- (Rekursbeilage 13). Der Rekurrent und die D._GmbH forderten
ihrerseits mit Schreiben vom 13. November 2013 die an die H._GmbH überwiesenen
Anzahlungen zurück und machten zugleich Konventionalstrafen und weitere Forderungen
geltend. Insgesamt beliefen sich die Forderungen des Rekurrenten gegenüber der
H._GmbH auf CHF 502'000.-- (Rekursbeilage 20) und diejenigen der
D._GmbH auf CHF 289'607.50 (Rekursbeilage 24).
3.3 In den Akten finden sich drei von der F._SA am 5. Dezember 2013 unterzeichnete Betreibungsbegehren betreffend die hiervor genannten Forderungen gegenüber
dem Rekurrenten und der D._GmbH (Rekursbeilagen 3, 8 und 14). Die Betreibungen
scheinen indes nicht weiterverfolgt worden zu sein (Schiedsurteil, Ziff. 99). Vielmehr
vereinbarten die F._SA und der Rekurrent, gemeinsam gegen die H._GmbH,
deren Geschäftsführer I._ sowie gegen J._ (alias K._) vorzugehen.
Bei Letzterem soll es sich um den eigentlichen Drahtzieher handeln, der I._ als eine Art
Strohmann eingesetzt hat. Gegen J._ wurde in Deutschland offenbar wiederholt wegen
Diebstahls und Betrug ermittelt (Schiedsurteil, Ziff. 82 und 83). In der Absicht, das rechtliche
Vorgehen in Deutschland dadurch zu erleichtern, dass nur eine geschädigte Partei auftritt,
zedierte der Rekurrent mit Schreiben vom 5. Juni 2014 seine gesamte Forderung gegenüber
der H._GmbH von CHF 502'000.-- an die D._GmbH (Rekursbeilage 28). Mit
finanzieller Unterstützung durch die F._SA wurden in Deutschland ein Privatdetektiv
und ein Rechtsanwalt engagiert und im Namen der D._GmbH zivil- und strafrechtliche
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Schritte eingeleitet (Schiedsurteil, Ziff. 100 und 101; Strafanzeige vom 3.11.2014,
Rekursbeilage 30).
3.4 Am 23. Dezember 2014 wurde zwischen der D._GmbH, dem Rekurrenten (bzw. dessen Einzelunternehmen A._Marketing) sowie der F._SA ein
Abtretungsvertrag ("contrat de cession") abgeschlossen (Rekursbeilage 10). Darin bestätigte
der Rekurrent die Gültigkeit der am 5. Juni 2014 erfolgten Zession der Forderungen gegenüber
der H._GmbH an die D._GmbH und dehnte diese auf allfällige Forderungen
gegenüber I._ und J._ aus (Ziff. 17: "A._Marketing confirme en tant
que besoin la cession en faveur de D._GmbH, le 05.06.2014, de ces créances à
l'encontre de H._GmbH. Pour autant que des créances s'avèrent exister également
contre I._ et J._ alias K._, elles sont également cédées à
D._GmbH"). Weiter wurde vereinbart, dass sämtliche Forderungen der
D._GmbH gegen die H._GmbH, I._ und J._ in der Höhe von
mindestens CHF 896'907.50 an die F._SA übertragen werden (Ziff. 18: "Par la
présente, D._GmbH cède à F._SA, selon l'article 164 ss CO, toutes ses
créances contre H._GmbH, I._ et J._ alias K._, d'un montant
total d'au moins CHF 896'907.50"). In Ziff. 20 wurde sodann festgehalten, dass die
Forderungsübertragung an die F._SA an Zahlungsstatt erfolge, so dass deren
Schuldner D._GmbH, A._Marketing und der Rekurrent vollständig entlastet
würden ("La cession intervient en paiement de toutes créances de F._SA contre
A._Marketing et A._ [...] et contre D._GmbH [...] de sorte que les
débiteurs D._GmbH, A._Marketing et A._ s'en trouvent complètement
déchargés"). Der Grund für diese Abtretung lag offenbar darin, dass die Parteien davon
ausgingen, dass die D._GmbH ohne diese Massnahme infolge Überschuldung die
Bilanz hätte deponieren müssen und Konkurs gegangen wäre. Dies wollte man verhindern und
es der F._SA zugleich ermöglichen, in eigenem Namen weiter gegen die deutschen
Geschäftspartner vorzugehen (Schiedsurteil, Ziff. 108 und 109). Ziff. 23 des Vertrags regelte
schliesslich das Vorgehen im Streitfall: Zunächst war eine Mediation nach dem Reglement der
_ Industrie- und Handelskammer vorgesehen. Bliebe diese erfolglos, wäre der Streit
endgültig durch einen alleine entscheidenden Schiedsrichter zu beurteilen.
3.5 Am 25. November 2015 reichte die F._SA ein Mediationsgesuch (Requête en médiation) bei der _ Industrie- und Handelskammer ein und verlangte die Annullierung
des Abtretungsvertrags vom 23. Dezember 2014 und die Zahlung von CHF 938'340.-- plus
Zinsen (Ziff. 3 des Mediationsgesuchs, Rekursbeilage 1). Nach offenbar erfolglosen
Mediationsbemühungen gelangte die F._SA am 4. Juli 2016 ans Schiedsgericht
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(Ziff. 20 des Schiedsurteils). Dieses wies mit Urteil vom 17. März 2017 sämtliche
Rechtsbegehren der F._SA vollumfänglich ab (Ziff. 1 des Dispositivs: "F._SA
est déboutée de toutes ses conclusions").
3.6 Mit dem Urteil des Schiedsgerichts vom 17. März 2017 ist rechtsverbindlich festgestellt worden, dass der Rekurrent aus dem angestrebten Handel mit G._-Uhrwerken weder
Verbindlichkeiten gegenüber der F._SA noch Forderungen gegenüber der
H._GmbH und ihre Hintermänner mehr hat. Im Folgenden ist zu prüfen, wie sich dies
auf die hier strittige Steuerveranlagung für das Jahr 2014 auswirkt.
4. Der Rekurrent ist als selbstständig Erwerbender mit einem Umsatz von weniger als CHF 500'000.-- seit Inkrafttreten des revidierten Rechnungslegungsrechts per 1. Januar 2013
nicht (mehr) zur Buchführung und Rechnungslegung gemäss dem Schweizerischen
Obligationenrecht (OR; SR 220) verpflichtet. Er muss hingegen über die Einnahmen und
Ausgaben sowie über die Vermögenslage Buch führen, wobei die Grundsätze der
ordnungsgemässen Buchführung sinngemäss gelten (Art. 957 Abs. 2 Ziff. 1 und Abs. 3 OR).
Steuerrechtlich verhält es sich so, dass ein selbstständig Erwerbender, der freiwillig Buch führt,
gleich behandelt wird wie wenn er dazu verpflichtet wäre (Art. 21 Abs. 5 StG i.V.m. Art. 85 StG
bzw. Art. 18 Abs. 3 DBG i.V.m. Art. 58 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 135 zu
Art. 18 DBG). Dies bedeutet namentlich, dass der buchhalterisch ausgewiesene Gewinn
grundsätzlich auch für die steuerliche Gewinnermittlung massgebend ist
("Massgeblichkeitsprinzip", vgl. Brülisauer/Mühle-mann in: Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, 3. Aufl., 2017, N. 8 ff. zu Art. 58
DBG). Dies gilt jedoch nur dann, wenn die Bücher nach den zwingenden Vorschriften des
Handelsrechts ordnungsgemäss geführt werden
(Brülisauer/Mühlemann, a.a.O., N. 12 zu Art. 58 DBG).
4.1 Die Bilanz des Rekurrenten hat sich in den Jahren 2011 bis 2014 wie folgt entwickelt (Beilage 1 zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung, einzelne Positionen zusammengefasst):
2011 2012 2013 2014
Flüssige Mittel 77.34 67'503.44 4'284.85 0.00
Debitoren 0.00 400'000.00 400'000.00 402'160.00
Delkredere 0.00 -20'000.00 -40'000.00 -140'000.00
Übrige Aktiven 1'100.00 24'961.40 23'553.05 23'454.05
Aktiven 1'177.34 472'464.84 387'837.90 285'614.05
Kreditoren 155.80 618'173.70 618'173.70 618'173.70
Übriges Fremdkapital 6'160.40 9'223.53 5'164.61 3'648.45
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Eigenkapital -27'844.21 -171'074.67 -224'990.98 -245'215.05
Gewinn/Verlust 22'705.35 16'142.28 -10'509.43 -90'993.05
Passiven 1'177.34 472'464.84 387'837.90 285'614.05
4.2 Der Rekurrent verbuchte im Jahr 2012 die von ihm an die H._GmbH überwiesenen Anzahlungen als Forderungen aus Lieferungen und Leistungen (Debitoren) in
den Aktiven und die von der F._SA erhaltenen Anzahlungen als Verbindlichkeiten aus
Lieferungen und Leistungen (Kreditoren) in den Passiven. Dass die geleisteten und erhaltenen
Anzahlungen nicht über die Erfolgsrechnung, sondern erfolgsneutral über die Bilanz verbucht
wurden, ist korrekt. Allerdings hätten dazu anstelle der "regulären" Debitoren- und
Kreditorenkonten spezielle Anzahlungskonten verwendet werden sollen (Schweizer Handbuch
der Wirtschaftsprüfung [HWP], Buchführung und Rechnungslegung, 2014, S. 156 f. und 206 f.).
In der für den vorliegenden Entscheid relevanten Bilanz per 31. Dezember 2014 sind beide
Positionen immer noch enthalten, wobei der Rekurrent den Bilanzwert seiner Forderung
gegenüber der H._GmbH über das Delkredere-Konto um CHF 100'000.-- reduziert hat
(zusätzlich zu den bereits in den beiden Vorperioden verbuchten Wertberichtigungen von
kumuliert CHF 40'000.--). Dass die Steuerverwaltung diese Wertberichtigung nicht akzeptiert
hatte, war Auslöser für das vorliegende Rekurs- und Beschwerdeverfahren. Angesichts des in
E. 3 hiervor dargelegten Sachverhalts ist indes offensichtlich, dass die im Jahr 2014
vorgenommene Wertberichtigung nicht nur gerechtfertigt, sondern vielmehr zu gering
ausgefallen war. Spätestens als sich beim Rekurrenten der Verdacht erhärtet hatte, Opfer eines
Betrugs geworden zu sein, musste er ernsthaft mit einem Totalausfall der Forderung rechnen.
Dementsprechend hätte er diese in Befolgung des handelsrechtlichen Vorsichtsprinzips (HWP,
S. 38) vollständig abschreiben müssen. Die Strafanzeige gegen I._ datiert vom
3. November 2014. Damit musste per Bilanzstichtag 31. Dezember 2014 davon ausgegangen
werden, dass die der H._GmbH überwiesenen CHF 400'000.-- mit grosser
Wahrscheinlichkeit uneinbringlich bleiben würden.
4.3 Weiter ist zu beachten, dass der Rekurrent seine Forderungen gegenüber der H._GmbH mit Schreiben vom 5. Juni 2014 an die D._GmbH zediert hat. Im
entsprechenden Dokument (Rekursbeilage 28) ist erwähnt, dass ein allfälliger Zahlungseingang
an den Rekurrenten zu überweisen wäre. Insofern kann man von einer Art Inkassozession
ausgehen. Dies würde bedeuten, dass der Rekurrent anstelle der Forderungen gegen die
H._GmbH eine solche gegen die D._GmbH hätte verbuchen müssen. Dies
ändert indes nichts am wesentlichen Sachverhalt, wie sich aus folgender Erwägung ergibt.
4.4 Mit Vertrag vom 23. Dezember 2014 wurden sämtliche Forderungen der D._GmbH und des Rekurrenten gegenüber der H._GmbH, I._ und
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J._ an die F._SA abgetreten (siehe E. 3.4 hiervor). Im Gegenzug erklärte die
F._SA den Verzicht auf die ihr gegenüber dem Rekurrenten und der
D._GmbH zustehenden Forderungen. In der Bilanz des Rekurrenten hätten per Ende
2014 demnach weder Forderungen gegenüber den (vermeintlichen) deutschen Lieferanten
(bzw. gegenüber der D._GmbH als Inkassobeauftragte) noch Verbindlichkeiten
gegenüber der F._SA aufgeführt werden dürfen. Allerdings reichte Letztere am
25. November 2015 ein Mediationsgesuch bei der Neuenburger Industrie- und Handelskammer
ein, mit dem Ziel, den Abtretungsvertrag vom 23. Dezember 2014 zu annullieren. Das dadurch
entstandene Prozessrisiko hätte in der Buchhaltung des Rekurrenten die Bildung einer
angemessenen Rückstellung erfordert (HWP, a.a.O., S. 215). Durch das Urteil des
Schiedsgerichts vom 17. März 2017 steht mittlerweile jedoch fest, dass die Bemühungen der
F._SA, den Vertrag vom 23. Dezember 2014 rückgängig zu machen, definitiv
gescheitert sind. Dementsprechend wäre eine allfällig gebildete Rückstellung für Prozessrisiken
im Jahr 2017 wieder aufzulösen.
4.5 Im Übrigen ist noch darauf hinzuweisen, dass in der Buchhaltung des Rekurrenten weder die ihm von der F._SA in Rechnung gestellte Konventionalstrafe von CHF 77'760.--
(Rekursbeilage 4) als Aufwand noch die vom Rekurrenten an die H._GmbH fakturierte
Konventionalstrafe von CHF 102'000.-- (Rekursbeilage 20) als Ertrag verbucht worden waren.
Die Buchhaltung des Rekurrenten erweist sich somit in mehrerer Hinsicht als nicht
ordnungsgemäss. Dementsprechend kann bei der Ermittlung des steuerbaren Erfolgs aus
selbstständiger Erwerbstätigkeit und des steuerbaren Eigenkapitals nicht auf den
Jahresabschluss pro 2014 abgestellt werden.
5. Die Steuerrekurskommission verfügt bei der Überprüfung einer Veranlagung über die gleichen Befugnisse wie die Steuerverwaltung im Veranlagungsverfahren (Art. 198 Abs. 2 StG;
Art. 142 Abs. 4 DBG). Sie kann alle Steuerfaktoren neu festsetzen und nach Anhören der
steuerpflichtigen Person die Veranlagung auch zu deren Nachteil abändern (Art. 199 Abs. 2
StG; Art. 143 Abs. 1 DBG). Die Rekurrenten sind von der Steuerrekurskommission mit
Schreiben vom 8. September 2017 auf die Möglichkeit einer Korrektur der Veranlagung zu ihren
Ungunsten infolge Löschung der Verbindlichkeiten gegenüber der F._SA hingewiesen
worden. In der Antwort vom 9. Oktober 2017 haben sie erklärt, dass diese Verbindlichkeiten
Ende 2014 noch Bestand gehabt hätten. Dies trifft indes nicht zu, wie sich aus dem in E. 4.4
hiervor Ausgeführten ergibt. Daher sind per Ende 2014 sowohl die Forderungen des
Rekurrenten gegenüber der H._GmbH als auch seine Verbindlichkeiten gegenüber der
F._SA erfolgswirksam aus der Bilanz zu entfernen:
Debitoren gemäss Bilanz (nach Delkredere) 262'160.00 Kreditoren gemäss Bilanz 618'173.70
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Davon Forderungen ggn. H._GmbH -260'000.00 Davon Schulden ggn. F._SA -581'580.00
Restbestand Debitoren 2'160.00 Restbestand Kreditoren 36'593.70
Diese Korrekturen wirken sich folgendermassen auf den steuerbaren Erfolg aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit und auf das steuerbare Eigenkapital aus:
Erfolg gemäss Erfolgsrechnung -90'993.05 Eigenkapital gemäss Bilanz -245'215.05
Korrektur Debitoren -260'000.00 Steuerbarer Erfolg 230'586.95
Korrektur Kreditoren 581'580.00 Steuerbarer Erfolg 230'586.95 Steuerbares Eigenkapital -14'628.10
Auf eine Korrektur der nicht verbuchten Konventionalstrafen (siehe E. 4.5 hiervor) kann
verzichtet werden, denn die damit verbundene Erhöhung von Aufwand und Ertrag würde durch
eine entsprechende Erhöhung der zu korrigierenden Debitoren- und Kreditorenpositionen
wieder neutralisiert. Weiter erübrigen sich in den Folgeperioden die Bildung und Auflösung einer
Rückstellung für Prozessrisiken, da nunmehr feststeht, dass der Abtretungsvertrag vom
23. Dezember 2014 rechtlich Bestand hat.
6. Auf den ersten Blick mögen die Steuerfolgen für die Rekurrenten unangemessen erscheinen. Sie machen in der Eingabe vom 9. Oktober 2017 denn auch geltend, "durch die
beiden Betrüger aus Deutschland alles eingebüsst" zu haben. Es kann jedoch nicht ausser Acht
gelassen werden, dass der Rekurrent von der F._SA insgesamt CHF 581'580.--
erhalten hatte, selber aber nur CHF 400'000.-- an die H._GmbH überwies (jeweils ohne
die über die D._GmbH abgewickelten Transaktionen). Weil sowohl die bezahlten als
auch die erhaltenen Anzahlungen steuerneutral verbucht worden sind (dies zu Recht, siehe
E. 4.2 hiervor), ist die Differenz von CHF 181'580.-- bis anhin nicht versteuert worden. Dieser
Betrag entspricht in etwa der vorzunehmenden Aufrechnung von rund CHF 230'000.--,
vermindert um die vom Rekurrenten bereits in den Jahren 2012 und 2013 steuerreduzierend
verbuchten Wertberichtigungen von kumuliert CHF 40'000.-- (siehe E. 4.2 hiervor). In der Bilanz
sind per Ende 2014 keine flüssigen Mittel ausgewiesen. Es kann davon ausgegangen werden,
dass der Rekurrent die Differenz zwischen den erhaltenen und geleisteten Anzahlungen zu
einem grossen Teil für private Zwecke verwendet hat, verbuchte er doch in den Jahren 2012 bis
2014 Privatbezüge von insgesamt rund CHF 245'000.--, während im gleichen Zeitraum nur rund
CHF 54'000.-- aus Geschäftstätigkeit zugeflossen waren (vereinfacht: verbuchter Erfolg
zuzüglich Wertberichtigungen):
Kumulierter Erfolg gemäss Bilanz -85'360.20
Verbuchte Wertberichtigungen 140'000.00
Erwirtschaftete Mittel 54'639.80
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Verbuchte Privatbezüge -245'709.04
Differenz erw. Mittel - Privatbezüge -191'069.24
Auch aufgrund dieser Überlegungen erweisen sich die in vorheriger Erwägung erläuterten
Korrekturen beim steuerbaren Erfolg aus selbstständiger Erwerbstätigkeit und beim steuerbaren
Eigenkapital als gerechtfertigt. Rekurs und Beschwerde sind demnach abzuweisen und die
Sache ist zur Neuveranlagung im Sinn der Erwägungen an die Steuerverwaltung
zurückzuweisen. Diese wird dabei auch allfällige Auswirkungen des vorliegenden Sachverhalts
auf den Vermögenssteuerwert der Beteiligung der Rekurrenten an der D._GmbH zu
berücksichtigen haben.
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Rekurrenten kostenpflichtig. Sie haben die gesamten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1
StG i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die
Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der
Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]). Da die Rekurrenten im
vorliegenden Fall unterliegen, werden keine Parteikosten gesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG
sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968
über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).