Decision ID: 1dc38d7c-5bf7-4f7e-95d5-5e3f0c75251d
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1956 geborene X._ reiste am 1. Juli 2006 aus Y._ in die Schweiz ein und arbeitete als selbständig erwerbender Messe
standverkäufer, bis das Geschäft wegen Umsatzeinbruch per Ende Dezember 2013 aufgegeben wurde (Urk. 8/2 und Urk. 8/15). Am 17. Februar 2015 (Ein
gangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2). Daraufhin tätigte die IV-Stelle medizinische und erwerbliche Abklärungen. Mit Vorbe
scheid vom 22. Juli 2015 wurde X._ die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt (Urk. 8/23), wogegen er unter Einrei
chung eines undatierten Arztberichtes (dem zahlreiche weitere Berichte bei
la
gen) von med. pract.
Z._
, Praktische Ärztin für Allgemeine Medi
zin
, am 17. September 2015 sinngemäss Einwand erhob (Urk. 8/24). Nach
dem die
IV-Stelle bei med. pract.
A._
, Praktischer Arzt/Psychotherapie, einen
Arztbericht eingeholt hatte (Bericht vom 19. November 2015, Urk. 8/31), ver
neinte sie mit Verfügung vom 4. Januar 2016 einen Rentenanspruch von
X._
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ am 3. Februar 2016 Beschwerde und
beantragte, es seien ihm unter Aufhebung der Verfügung vom 4. Januar 20
16 die gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung im Zusammen
hang mit seiner Erkrankung zu erbringen; unter Kosten- und Entschädi
gungs
fo
l
gen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. In prozessualer Hinsicht er
suchte er um die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1). Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 8. März 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-34). Mit Ver
fügung vom 9. März 2016 wurde ein zweiter Schriftenwechsel ange
ordnet (Urk. 9). Mit Eingabe vom 26. Mai 2016 erstattete der Beschwerde
führer seine Replik (Urk. 12-13/1-2) und beantragte ergänzend, eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zu ergänzender Abklärung und zur Neubeurtei
lung zurück
zu
weisen. Der Verzicht auf Duplik (Urk. 15) wurde dem Be
schwerdeführer am 13. Juli 2016 mitgeteilt (Urk. 16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird -
soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegan
gen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. Novem
ber 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
telsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurtei
lung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medizinischen Vo
raussetzungen des Leistungs
anspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medi
zinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD kön
nen Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schrift
lich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014
E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu wür
digen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hin
weisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem
externer medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den
praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Quali
fi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zu
verlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesge
richts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vo
rin
stanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht
auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt w
urde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Ge
mäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rück
weisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechts
mittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen er
ledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensent
scheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt unge
nügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Admi
ni
strativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
re
for
ma
torisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückwei
sung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungs
träger bleib
t hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kan
to
nalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbe
nommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Prä
zisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Dr.
med.
B._
, Neurologie FMH,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 23. April 2014 (Urk. 8/21/13-14) Schwindel ohne derzeit fassbares Kor
relat sowie arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus Typ II, Dyslipidämie und Nikotinabusus. Die eingehende Befragung und die Untersuchung lieferten keine Hinweise auf eine periphere vestibuläre Funktionsstörung. Angesichts der Angabe eines Lochs im rechten Trommelfell seit Kindheit sei differential
diagnostisch an eine Perilymphfistel gedacht worden, doch seien die Unter
suchungsresultate auch diesbezüglich unergiebig. Ein anlässlich einer frühe
ren Schwindelepisode veranlasstes Schädel-MRI habe 2012 einen normalen Befund gezeigt, weshalb eine retrocochläre Raumforderung (Akustikusneuri
norm) ausgeschlossen werden könne. Neurosonologisch fänden sich normale morphologische und hämodynamische Befunde im vertebro-basilären Strom
gebiet. Bei derzeit fehlendem Anhalt auf Organizität sei am ehesten von einem phobischen Schwindel auszugehen, weshalb eine medikamentöse anxi
o
lytische Behandlung empfohlen werde.
2.2
Im Bericht des Interdisziplinären Zentrums für Schwindel und Gleichge
wichtsstörungen des
C._
vom 22. September 2014
wurden folgende Hauptdiagnosen genannt:
-
Episodisch auftretender Schwindel unklarer Zuordnung mit/bei
-
anamnestisch: erstmalig vor 20 Jahren aufgetretener, seit
3 Jahren zunehmender attackenartiger Drehschwindel für
mehrere Stunden anhaltend unterschiedlicher Intensität mit
nachfolgender Erschöpfung und teilweise Gliederschmerzen,
keine Begleitsymptome (Kopfschmerzen, Lärm-/Lichtscheu,
Hörminderung, Tinnitus), keine Trigger aufgefallen.
-
klinisch: Schallleitungsschwerhörigkeit rechts,
Trommelfellperforation rechts, Kopfschüttelnystagmus nach
links, im Übrigen unauffälliger Neurostatus
-
Metabolisches Syndrom
-
Diabetes mellitus Typ II, Adipositas, arterielle Hypertonie
Der vom Beschwerdeführer beschriebene episodisch auftretende Schwindel bleibe aktuell ätiologisch unklar. Die Symptomdauer wäre mit einem Morbus Menière oder einer vestibulären Migräne vereinbar, jedoch fehlten weitere Diagnosekriterien. Im neurootologischen Status zeige sich eine
Schalllei
tungs
schwerhörigkeit rechts,
sowie ein auffälliger
Trommel
fellbefund rechts (Einziehung mit Trommelfellperforation rechts), zudem ein
Kopfschüt
tel
nystagmus
als
unspezifischer Hinweis für eine peripher-vestibuläre Pa
tho
lo
gie. Zur weiteren Abklärung einer zentralen beziehungsweise auch peri
phe
re
n Schwindelursache seien ein MRI des Kopfes mit zusätzlicher Zielauf
nahme des Felsenbeines und weitere vestibulär-apparative Untersuchungen durchzu
führen
(Urk. 8/21/15 ff.).
2.3
Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Hals-, Nasen- Ohrenheilkunde, spez
. Hals- u. Gesichtschirurgie
, führte in seinem Bericht vom 2. Dezember 2014 (Urk. 8/21/54) aus, dass es sich bei der seit Kindheit bekannten chro
nischen Trommelfellperforation rechts um eine Otitis media chronica symp
lex handle. Bei positivem Valsalva sei die Tympanoplastik möglich, werde vom Beschwerdeführer jedoch nicht gewünscht. Dies sei durchaus vertretbar, da es seit Jahren zu keinen Infekten mehr gekommen sei. Alternativ könnte zur Hörverbesserung auch ein Hörgerät angepasst werden.
2.4
Im Bericht des E._, Klinik für Orthopädie und Traumatologie, vom 29. Juni 2015 (Urk. 8/21/55-56) wurde der Verdacht auf ein lumbosakrales Schmerzsyndrom geäussert. Zudem wurden folgende Neben
diagnosen genannt:
-
Radiologisch Coxarthrose beidseits, rechts mehr als links
-
Chronischer Schwindel
-
Arterielle Hypertonie
-
Chronische Unterschenkelödeme, differentialdiagnostisch im Rahmen
einer Herzinsuffizienz
-
Persistierender Nikotinabusus (90 py)
-
Status nach Femurfraktur links (in der Jugend)
Der Beschwerdeführer arbeite als Propagandist auf Märkten und Messen und
könne seiner Tätigkeit noch nachkommen. Aufgrund
der Schmerzlokalisation sowie der klinischen Untersuchung liege am ehesten eine lumbosakrale De
ge
ne
ration vor, weshalb sich eine rheumatologische Untersuchung auf
dränge. Aus hüftchirurgischer Sicht käme einzig eine Infiltration der Hüftge
lenke beidseits zur sicheren Differenzierung der Schmerzgenese in Frage, was aber bei vorliegenden radiologischen Befunden in Zusammenschau mit der klini
schen Untersuchung zum jetzigen Zeitpunkt als nicht indiziert angese
hen werd
e.
2.5
Dr. med. F._, Allgemeine Innere Medizin FMH, führte in seinem Be
richt vom 12. Juli 2015 (Urk. 8/21/1-12) zuhanden der Beschwerdegegnerin als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Schwindel ohne fass
bares neurologisches Korrelat auf und verwies dabei auf den Bericht von Dr. B._ vom 23. April 2014 (vgl. E. 2.1). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit verblieben folgende Diagnosen:
-
Chronische Otitis media (Perforation) rechts
-
Diarrhoe unklarer Aetiologie
-
Arterielle Hypertonie
-
Diabetes mellitus (Erstdiagnose im Februar 2013)
-
Abdominale Adipositas
-
Umbilikalhernie
-
Verdacht auf lumbosakrales Schmerzsyndrom
Durch die episodischen Schwindelbeschwerden könne sich der Beschwerde
führer kaum auf den Beinen halten und so unmöglich arbeiten. Ein chroni
scher oder chronisch-rezidivierender Verlauf sei möglich. Er sei vom 17. bis 29. März 2014 und vom 28. April bis 30. November 2014 zu 100 % arbeits
unfähig gewesen. Das Datum der letzten Konsultation sei der 1. Dezember 2014 gewesen. Eine Tätigkeit ohne Kundenkontakt und mit der Möglichkeit, Pausen einzuschalten, sollte möglich sein
. Über die im Herbst 2014 erfolgte Verlaufskontrolle in der Neurologie des
C._
liege kein Bericht vor.
2.6
In seiner Stellungnahme vom 22. Juli 2015 (Urk. 8/22/3) hielt med. pract. G._, Facharzt für Arbeitsmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) fest, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht von wesentlichen dauerhaften Einschränkungen auszugehen sei. Dem Beschwer
de
führer seien Tätigkeiten mit der Möglichkeit, bei Bedarf Pausen einzulegen, weiterhin möglich. In der bisher ausgeübten Tätigkeit als Marktfahrer sei
nicht von einer dauerhaften/langandauer
nden Arbeitsunfähigkeit auszuge
he
n. Aufgrund der Beschwerden könne es zu kurzzeitigen Arbeitsunfähig
keits-Zeiten kommen. Dasselbe gelte für angepasste Tätigkeiten gemäss Be
las
tungs
profil. Der Gesundheitszustand könne sich mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit nicht wesentlich ändern.
2.7
Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens ging ein Bericht von med. pract. Z._ ein (undatiert, eingegangen am 17. September 2015, Urk. 8/24), worin folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt wurden:
-
Lumbosakrales Schmerzsyndrom
-
Coxarthrose beidseits, rechts mehr als links
-
Chronischer Schwindel
-
Arterielle Hypertonie
-
Chronisches Unterschenkelödem im Rahmen einer Herzinsuffizienz
-
Persistierender Nikotinabusus (90 py)
-
Status nach Femurfraktur links (in der Jugend)
-
Chronische Gastritis
-
Depression
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verbleibe die Adipositas. Der Be
schwer
deführer befinde sich seit dem 28. Januar 2015 bei ihr in Behandlung. Der Beschwerdeführer habe Rücken- und Beinschmerzen und leide zudem an Übelkeit, weshalb er körperlich eingeschränkt sei. Die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Verkäufer werde vom behandelnden Psychiater A._ beurteilt.
2.8
Im zusätzlich eingeholten Bericht vom 19. November 2015 (Urk. 8/31) stellte der behandelnde Psychotherapeut med. pract. A._, bei welchem sich der Beschwerdeführer seit dem 7. Januar 2015 in Behandlung befindet, folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Depressive Episode, aktuell unter antidepressiver Therapie (ICD-10:
F 32.1)
-
Somatisierungsstörung (ICD-10: F 45.0)
Ohne Einfluss verbleibe die Tabak-/Nikotinabhängigkeit (ICD-10: F 17.25). D
er Beschwerdeführer habe Schwindel, Schlafstörungen, Übelkeit und Schmerzen (Rücken, Hüften, Knie). Er sei gedrückter Stimmung. Der Antrieb und die Energie seien vermindert. Er zeige eine deutlich verringerte Belast
barkeit und habe eine fehlende Tagesstruktur. Das soziale Umfeld sei gut und es bestehe keine Eigengefährdung. Die Prognose sei insgesamt als schlecht bei chroni
fi
ziertem Zustandsbild zu bewerten ohne nennenswerte Remission der Psycho
pathologie, die sich insgesamt eher verschlechtert habe. Der Beschwerdeführe
r sei als
selbständiger Kaufmann seit April 2014 bis auf Weiteres zu 100 %
arbeitsunfähig. Im 1. Arbeitsmarkt bestehe keine Arbeitsfähigkeit. Eine behin
derungsangepasste Tätigkeit sei 2 Stunden täglich mit einer 50%igen Belast
barkeit möglich. Es werde eine volle Invalidenrente empfohlen.
2.9
RAD-Arzt G._ hielt in seiner Stellungnahme vom 16. Dezember 2015
fest, dass mit den neuen medizinischen Berichten (vgl. E. 2.7-8) keine we
sen
t
lichen neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht worden seien. Der Psy
cho
therapeut med. pract. A._ nenne in seinem Bericht vom 18. Novem
ber 2015 weiterhin vor allem die Schwindelbeschweren seit circa 20 Jahren. Eine fachpsychiatrische Betreuung sei jedoch nicht erfolgt. Haus
ärztin med. pract. Z._ nenne unspezifische Beschwerden (chronische Ma
genbeschwer
den, Rücken- und Beinschmerzen), welche nicht zu einer lang
andauern
den/ dauerhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten. Es könne an der
Stellungnahme vom 22. Juli 2015 (vgl. E. 2.6) festgehalten werden (Urk. 8/
32).
2.10
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gingen zwei weitere Berichte ein (Urk. 13/1-2), wobei für die richterliche Beurteilung eines Falles grund
sätz
lich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungs
verfahrens massgebend sind. Tatsachen, die sich erst später ver
wirklichen, sind jedoch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitge
genstand in
engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beur
teilung im Ze
it
punkt des Entscheiderlasses zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
2.10.1
Psychotherapeut med. pract. A._ bestätigte in seinem Bericht vom
21. April 2016 (Urk. 13/2), dass die Krankheitsproblematik neben körperli
chen
Symptomen wie Diarrhoe, unterschiedlichen Schmerzen, einem ausge
prägten
Drehschwindel vor allem psychiatrisch relevante Symptome wie Schlaf
stö
rung
en, Antriebs-/Energieverlust, Stimmungsschwankungen, kog
nitive Ein
bussen
und eine insgesamt verringerten Belastbarkeit umfasse. Diese Symp
to
matik sei durch unterschiedliche Fachärzte durchgehend abge
klärt worden, wobei es hierbei zu keiner nennenswerten Verbesserung der beschriebenen Symptome gekommen sei, sondern eher zu einer konstanten Verschlech
te
rung.
2.10.2
Dr. med. H._, Schmerzspezialist (SGSS) mit dem Facharzttitel Chirurgie FMH, hielt in seinem Bericht vom 23. Mai 2016 (Urk. 13/1) zuhan
den der behandelnden Ärztin Z._ fest, es liege eine Facettenproblematik L4/5 beidseits bei muskulärer Dekonditionierung vor. Durch gezielte Infiltra
tionen dieser Gelenke und einer daraus resultierenden zweitägigen Verbes
se
rung der Beschwerden sei davon auszugehen, dass die Facettengelenke IV/V trotz negativer Bildgebung das Hauptproblem seien. Da die Schmerzge
nese aus den Facettengelenken L4/5 habe verifiziert werden können, sei nun eine CT-gesteuerte Infiltration mit Kortison vorgesehen. Bezüglich des Durchfalls des Beschwerdeführers sei eine Abklärung der Intoleranzen durch eine Ernährungsberatung durchgeführt worden; mit einem Weglassen von Laktose und Gluten habe der Beschwerdeführer praktisch wieder einen normalen Stuhlgang.
3.
3.1
Strittig ist, ob gestützt auf die vorhandenen medizinischen Unterlagen die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der Rentenverfügung ver
lässlich beurteilt werden kann.
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen invalidisierenden Gesundheitsscha
den, da aufgrund der gestellten Diagnosen keine wesentlichen dauerhaften Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit vorlägen (Urk. 2 und Urk. 7). Der Be
schwerdeführer rügt, dass die medizinische Sachlage nur ungenügend geklärt sei und insbesondere eine fundierte psychiatrische Abklärung fehle (Urk. 1 und Urk. 12).
3.2
RAD-Arzt G._ hielt in seiner Stellungnahme vom 22. Juli 2015 (E. 2.6) fest, dass anhand der gestellten Diagnosen (vgl. E. 2.1-5) keine wesentlichen dauerhaften Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit resultieren und attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit unter Einhaltung des Belastungsprofils (Möglichkeit, bei Bedarf Pausen ein
zulegen). Er begründete diese Einschätzung mit versicherungsmedizinischer Erfahrung. Eine eigene Untersuchung des Beschwerdeführers fand nicht statt. Demgegenüber berichtete insbesondere med. pract. A._ als behandelnder Psychotherapeut von psychischen Störungen (mittelgradige Depression und Somatisierungsstörung), weshalb er dem Beschwerdeführer bereits seit April 2014 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als selbständiger Kaufmann attestierte (E 2.8). Da med. pract. A._ den Beschwerdeführer erst seit Januar 2015 psychotherapeutisch behandelt, kann auf diese retrospektive Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nicht abgestellt werden. Doch bereits Dr. B._ vermutete an
lässlich seiner eingehenden neurologischen Untersuchung im April 2014, dass der Schwindel ohne derzeit fassbares Korrelat am ehesten einem phobi
schen und entsprechend psychogenen Schwindel entspreche (E. 2.1). Auch die
weitere Untersuchung am C._ konnte den episodisch auftretenden Schwin
del ätiologisch nicht erklären (E. 2.2). Hinsichtlich des zeitlichen Ver
laufs fällt jedoch auf, dass die attackenartigen Drehschwindel anamnestisch seit etwa 2011/2012 zunehmend auftraten. In diese Zeit fallen auch die be
ruf
lichen Schwierigkeiten als selbständig erwerbender Marktfahrer, welche per Dezember 2013 in der Geschäftsaufgabe wegen Umsatzeinbruch resul
tierten (vgl. Urk. 8/15). Aufgrund der Einschätzung von med. pract. A._ im Be
richt vom 19. November 2015 (E. 2.8) kann nicht ausgeschlossen werden, das
s eine psychische Störung vorliegt. Da med. pract. A._ aber nicht begrün
det, weshalb dem Beschwerdeführer eine behinderungsange
passte Tätigkeit nur 2 Stunden täglich bei einer 50%igen Belastbarkeit mög
lich sein soll und - mit Blick auf die Erfahrungstatsache, dass behandelnde Arztpersonen mit
unter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE
135
V 465 E. 4.5, BGE 125 V 351 E. 3b7cc) -, kann nicht auf seine Arbeits
fähigkeitseinschätzung abgestellt werden.
Aus de
n
im Recht liegenden Arztberichten
von Dr. B._, des C._, von Dr. D._ und des E._
geht
keine
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit hervor
(E. 2.1-4)
.
Die behandelnde Hausärztin med. pract. Z._
verweist hinsichtlich der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auf med. pract. A._ (E. 2.7). Folglich lassen sich gestützt auf diese Berichte die Auswirkungen der diver
sen Erkrankungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht ab
schliess
end beurteilen.
Zusammenfassend
sind
die
einzig
auf
diesen Akten
beruhende
n
Stellung
nahme
n
von
RAD-Arzt
G._
vom
22. Juli 2015 und vom 16. Dezember 2015
(E. 2.6 und E. 2.9)
sowie die darin festgehaltene
un
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, gerade auch unter Berücksichtigung der nur sehr kurz gehal
tenen Begründung sowie der fehlenden eigenen Untersuchung, nicht zwei
fels
frei nachvollziehbar, so dass nicht darauf abgestützt werden kann (vgl. E.
1.3
).
3.3
Nebst dieser psychischen Störung liegen gemäss medizinischer Aktenlage ab
er auch diverse somatische Beschwerden beim Beschwerdeführer vor. Im Bericht
des
E._
vom 29. Juni 2015 (E. 2.4) wurde erstmals der Verdacht auf ein lum
bosakrales Schmerzsyndrom geäussert, welches sich anfällig auf die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers auswirken könnte. In diesem Zusam
men
hang
wurde eine rheumatologische Untersuchung empfohlen. Erst Dr. H._ diagnostizierte beim Beschwerdeführer am 23. Mai 2013 (Urk. 13/1) eine Facettenproblematik L4/5 bei muskulärer Dekonditionierung, machte aber keine Angaben zu einer möglichen Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit.
Hinzuweisen ist auch auf die Feststellung des C._, wonach der Kopfschüt
tel
nystagmus ein unspezifischer Hinweis auf eine peripher-vestibuläre Pa
tho
logie sein könnte, welche weiter untersucht werden müsse (E. 2.2). Das Ergebnis dieser Untersuchung liegt aber nicht vor, wenn sie denn überhaupt bereits durchgeführt wurde.
Aber auch die radiologisch festgestellte Coxarthrose sowie die kardiovaskulä
ren Probleme bedürfen einer genaueren Abklärung hinsichtlich ihrer Aus
wirkungen auf eine angepasste Tätigkeit. Da erfahrungsgemäss di
verse
Erkrankungen in einer Wechselwirkung zueinander stehen können, drängt sich
vorliegend eine umfassende Abklärung sowohl der psychischen als auch der somatischen Erkrankungen - vorzugsweise unter Einholung eines polydiszi
plinären Gut
achtens - auf.
3.4
Zusammenfassend erweist sich die Aktenlage für eine abschliessende Beurtei
lung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unzulänglich. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit in geeigneter Weise
–
vor
zugsweise
unter Einholung eines polydisziplinären Gutachtens -
korrekt ab
klärt und an
schliessend über den Leistungsanspruch neu verfügt. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.
4.1
Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 600.-- anzusetzen und aus
gangsgemäss der Beschwerdegegnerin als unterliegender Partei aufzuerlegen.
4.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat. Diese ist gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht (GSVGer) unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr.
1‘800.--
(inklusive Bar
auslagen
und
Mehrwertsteu
er
) festzusetzen.