Decision ID: 8bdba602-b427-4244-a455-a7221340fc60
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1961 geborene X._ meldete sich am 1. Dezember 2004 unter Hinweis auf drei Schleudertraumata sowie einen Raubüberfall bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1, 7/8). Im Rahmen der medizinischen Abklärungen wurde die Versi
cherte im März 2007 polydisziplinär begutachtet (Urk. 7/82). Gestützt auf dieses Gutachten sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 13. November 2008 mit Wirkung ab Dezember 2003 eine ganze Rente der Inva
lidenversicherung zu (Urk. 7/107 und 119).
1.2
Ende 2008 leitete die IV-Stelle ein Revisionsverfahren ein (Urk. 7/122). Nach
dem sie Berichte der behandelnden Ärzte beigezogen hatte, teilte sie der Versi
cherten mit Schreiben vom 9. April 2009 mit, es bestehe ein unveränderter Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (Urk. 7/128).
1.3
Im April 2013 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (Urk. 7/138), in dessen Rahmen sie der Versicherten mitteilte, sie erachte eine polydisziplinäre Begutachtung als notwendig (Urk. 7/148). Nach Bekanntgabe des Begutachtungsinstituts sowie der Gutachter erhob die Versicherte Einwände und beanstandete insbesondere die Wahl der Gutachterstelle sowie des neurolo
gischen Gutachters (Urk. 7/160). Mit Zwischenverfügung vom 18. Februar 2014 hielt die IV-Stelle an der Begutachtung fest (Urk. 7/162), wogegen die Versi
cherte Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht erhob (Urk. 7/163). Mit Urteil vom 3. Juni 2014 wurde die Beschwerde abgewiesen (Urk. 7/166). Am 31. März 2015 erstattete die Y._ GmbH ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 7/178). Daraufhin wurde die Versicherte zu einem Informationsgespräch betreffend die am 1. Januar 2012 in Kraft getretene Gesetzesrevision sowie zu einem Gespräch bezüglich beruflicher Eingliederung eingeladen (Urk. 7/182, 7/187). Mit Vorbe
scheid vom 9. März 2016 stellte die IV-Stelle die Einstellung der Rente in Aus
sicht (Urk. 7/192). Dagegen erhob die Versicherte unter Beilage eines aktuellen Berichtes des behandelnden Psychiaters Einwand (Urk. 7/197
198). Mit Schrei
ben vom 24. Mai 2016 nahmen die Gutachter zum aufgelegten Arztbericht Stellung (Urk. 7/203). Mit Verfügung vom 4. August 2016 wurde die der Versi
cherten bisher ausgerichtete Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfü
gung folgenden Monats aufgehoben; einer allfälligen dagegen gerichteten Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen (Urk. 2 [= 7/214]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 14. September 2016 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die ange
fochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze Inva
liden
rente auszurichten. Eventualiter sei ihr eine Dreiviertelsrente zuzuspre
chen (Urk. 1 S. 2). Zudem legte sie Berichte des behandelnden Psychiaters auf (Urk. 3/1-2).
Mit Beschwerdeantwort vom 26. Oktober 2016 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. November 2016 angezeigt wurde (Urk. 8).
Mit Eingabe vom 24. Juli 2017 (Urk. 9) legte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen auf (Urk. 10/1-3).
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungs
rechts;
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheits
zustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Aus
wirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heitszustandes erheblich ver
ändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revi
sionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
Nach lit. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen Schluss
be
stimmun
gen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des
Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung
(
IVG; 6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket; kurz:
lit.
a
Abs.
1 SchlB IVG
6.
IV-Revision
) werden Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare orga
nische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkraft
treten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und EMRK-konform (BGE 139 V 547 E. 3).
Die in lit. a
Abs.
1 SchlB
6.
IV-Revision
vorgesehene Rentenherabsetzung beziehungs
weise -aufhebung ist nicht auf vor dem
1.
Januar 2008 zuge
spro
chene Renten beschränkt. Erging die fragliche Rentenzusprache aber bereits in Beachtung der jeweils relevanten Rechtsprechung zu pathogenetisch-ätio
logisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare orga
nische Grundlage, bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der Schluss
bestimmung (BGE 140 V 8 E. 2).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von lit. a
Abs.
1 SchlB zur 6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (BGE
140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E. 10.1.1; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E. 3.1.2.1 mit Hinweis). Demnach ist die Schlussbestimmung bei kombinierten Beschwerden anwendbar, wenn die unklaren und die „erklärbaren" Beschwerden – sowohl diagnostisch als auch hinsichtlich der funktionellen Folgen – auseinanderge
halten werden können. Ein organisch begründeter
Teil
der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwendbarkeit der Schlussbestimmung nur neu beurteilt werden, sofern eine Veränderung im Sinne von
Art.
17 ATSG eingetreten ist. Insoweit wird im Anwendungsbereich der Schlussbestimmung vom Grundsatz abgewichen, dass die Verwaltung im Rahmen einer materiellen Revision – um eine solche handelt es sich auch hier – den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend prüft (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.4.2 mit Hinweisen).
Ist ein „Mischsachverhalt" gegeben, bei dem es unmöglich ist festzustellen, wie gross der Anteil der organisch bedingten Beschwerden bei der Rentenzuspre
chung war, wäre ein Abstellen auf die aktuelle gutachtliche Einschätzung nicht zu vereinbaren mit der Rechtsprechung, wonach der auf erklärbaren Beschwer
den beruhende Teil der Invalidität unter dem Rechtstitel der Schlussbestimmung nicht überprüft werden kann. In einem solchen Fall bestimmt sich die (zu einer
integralen
Neuprüfung führende) Anwendbarkeit der Schlussbestimmung nach folgendem Grundsatz: Besteht (im Zeitpunkt der Rentenzusprechung und/oder
überprüfung) neben dem syndromalen Zustand eine davon unab
hängige orga
nische oder psychische Gesundheitsschädigung, so hängt die Anwend
barkeit der Schlussbestimmung davon ab, dass die weitere („nicht
syndromale") Gesund
heitsschädigung die anspruchserhebliche Arbeitsun
fähig
keit nicht mitverur
sacht, das heisst letztlich nicht selbständig zur Begründung des Rentenan
spruchs beigetragen hat. Wenn sie die Auswirkungen des unklaren Beschwerde
bildes bloss verstärkte, bleibt eine Rentenrevision unter diesem Rechtstitel mög
lich (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.6 mit Hinweisen).
Da der Bestand laufender Renten wesentlich von medizinischen Aspekten abhängt, sind an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforderun
gen zu stellen. Namentlich muss verlangt werden, dass die Untersuchungen im Zeitpunkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblichen Fragestel
lung auseinandersetzen. Soweit die versicherte Person sich – auch mit Bezug auf die Chancen, welche die Wiedereingliederungsmassnahmen bieten – der Be
urteilung durch die Verwaltung und deren regionalen ärztlichen Dienst nicht anschliessen kann, dürfte sich in der Regel eine neue, polydisziplinäre Begut
achtung als unumgänglich erweisen (vgl. BGE 139 V 547 E. 10.2).
1.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. De
zember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE
141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.5
Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.7
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, die Rentenzusprache im Jahr 2008 sei aufgrund eines ätiologisch-pathogenetisch unklaren syndromalen Zustands
bildes ohne nachweisbare organische Grundlage erfolgt. Deshalb werde der Rentenanspruch gestützt auf die Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom 18. März 2011 überprüft. Die medizinischen Abklärungen hätten gezeigt, dass der Beschwerdeführerin körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar seien. Für leichte Tätigkeiten sei sie jedoch zu 75 % arbeitsfähig, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 2 S. 1-3).
Zu den im Vorbescheidverfahren vorgebrachten Einwänden wurde ausgeführt, die Rentenrevision sei zu Recht unter der Anwendung der Schlussbe
stimmungen 6a erfolgt. Abgesehen davon zeige das aktuelle Gutachten jedoch auch eine Verbesserung des Gesundheitszustandes, womit ein Revisionsgrund gemäss Art. 17 ATSG zu bejahen sei. Entgegen der Ansicht des behandelnden Psychiaters liege weder eine Persönlichkeitsstörung noch eine Persönlichkeits
veränderung nach Extrembelastung vor. Es könne vollumfänglich auf das Y._
Gutachten abgestellt werden (Urk. 2 S. 4-5).
2.2
Demgegenüber bringt die Beschwerdeführerin vor, aus dem internen Fest
stellungs
blatt der IV-Stelle gehe hervor, dass die Rentenzusprache aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung sowie neuropsychologischer Defizite erfolgt sei. Diese Befunde würden nicht unter die Schlussbestimmungen fallen, weshalb diese zu Unrecht zur Anwendung gebracht worden seien. Auch ein Revisionsgrund gemäss Art. 17 ATSG liege nicht vor. Auf das psychiatrische Y._-Teilgutachten könne nicht abgestellt werden. Vielmehr sei dem Bericht des behandelnden Psychiaters zu folgen, der davon ausgehe, dass bei der Beschwer
deführerin eine Persönlichkeitsstörung vorliege. Im Y._-Gutachten sei zudem der Lähmung des nervus ulnaris und der daraus resultierenden Behinderung zu wenig Beachtung geschenkt worden. Die in den einzelnen Fachgebieten attestierten Arbeitsunfähigkeiten hätten addiert werden müssen. Insgesamt lägen ein unverändert gebliebener Gesundheitszustand und ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente vor. Abgesehen davon sei die IV-Stelle von einem zu hohen Invalideneinkommen ausgegangen. Selbst unter der Annahme, dass ein Revisionsgrund vorliegen würde, wäre daher ein Anspruch auf eine Dreivier
telsrente der Invalidenversicherung zu bejahen (Urk. 1).
3.
3.1
3.1.1
Im polydisziplinären Gutachten vom 30. Mai 2007, welches der Renten
zuspra
che zugrunde lag, wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit aufgeführt (Urk. 7/82 S. 37):
-
Status nach Autounfall mit HWS-Stauchung/-Distorsion am 23.10.2001
-
Status nach Raubüberfall mit Schulterkontusion links und posttraumati
scher Belastungsstörung am 22.1.2002
-
Status nach Frontalkollision mit HWS-Distorsion am 14.10.2002
-
Status nach Heckauffahrunfall mit HWS-Distorsion am 11.3.2004
-
Status nach Fahrradunfall mit Commotio cerebri mit Rissquetschwunde am Kinn, Kontusion der Beine und Hände rechtsbetont, ventraler Luxa
tion und des Discus temporomandibulär beidseits am 10.9.2005 mit/bei
-
chronischem zervikospondylogenem Schmerzsyndrom linksbetont mit
-
myofaszialem Reizzustand im Nacken-/Schulterbereich linksbetont
-
segmentaler Dysfunktion der oberen HWS
-
residuellen Handbeschwerden rechts mit Schwäche und Sensibilitäts
störung ulnar bei
-
Status nach Handkontusion/-Distorsion beidseits im Rahmen eines
Fahrradsturzes am 10.9.2005
-
radiokarpal radialseitigem Handgelenksganglion und Ulna-
Plusvariante
-
nicht vollständig remittierter posttraumatischer Belastungsstörung
(ICD-10: F 43.1)
-
komplizierter protrahierter Trauerreaktion (ICD-10: F 38.8)
-
rezidivierender Depression, gegenwärtig noch leichter depressiver
Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F 33.0)
-
verminderter mentaler Leistungsfähigkeit dominiert von
Aufmerksamkeits- und exekutiven Dysfunktionen
3.1.2
Im rheumatologischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin klage über Nackenbeschwerden wechselnder Intensität nach diversen Unfällen. Jegli
che körperlich belastende Massnahme verursache eine Schmerzzunahme. Auch bei langem Verharren in der gleichen Position wie beispielsweise beim Arbeiten an einem Computer nähmen die Schmerzen zu. Aufgrund dessen könne sie im Haushalt keine Reinigungsarbeiten mehr ausführen, keine schweren Einkaufs
taschen mehr tragen und keine repetitiven Bewegungen vornehmen. In der rechten Hand habe sie eine leicht eingeschränkte Fingerbeweglichkeit des Ring- und Kleinfingers und bekunde Mühe bei feinmotorischen Verrichtungen (Urk. 7/82 S. 54-55).
Die Explorandin sitze während der Untersuchung ruhig auf dem Stuhl. Die Mimik und Gestik seien unauffällig. Das An- und Entkleiden sei unbehindert möglich. Bei der Rotation der Halswirbelsäule träten beidseits deutliche End
phasenschmerzen auf. Die In- und Reklination seien zu einem Drittel einge
schränkt mit Endphasenschmerz (Urk. 7/82 S. 56).
Bei der Explorandin liege ein chronisches, leichtgradiges zervikospondylogenes Schmerzsyndrom vor. Klinische oder bildgebende Hinweise für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik lägen nicht vor. Eine osteo-disko-ligamentäre Läsion könne ausgeschlossen werden. Zusätzlich leide die Explorandin unter residuellen Handbeschwerden rechts mit einer leichtgradigen Funktions
ein
schränkung. Zudem liege eine Kiefergelenksfunktionsstörung vor mit beginnen
der Arthrose an den Kieferköpfchen (Urk. 7/82 S. 60).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, der Versicherten sei stundenlanges Operieren in zum Teil rückenbelastenden Positionen nicht zumutbar, weshalb die Tätigkeit als Neurochirurgin ungeeignet sei. Andere ärztliche Tätigkeiten mit körperlich leichten, wechselbelastenden Verrichtungen könne sie indes zu 100 % ausführen (Urk. 7/82 S. 60-61).
3.1.3
Im neurologischen Teilgutachten wurde festgehalten, die Explorandin klage über dauernde Nackenschmerzen, die in beide Schultern ausstrahlen würden. Hinzu kämen Handbeschwerden rechts, Konzentrationsschwierigkeiten und Einschlafprobleme (Urk. 7/82 S. 69).
Die Explorandin zeige eine gewisse Affektlabilität. Während der Anamnese sei die Konzentration gut. Die Dornfortsätze der Halswirbelsäule seien druckdolent. Die Halswirbelsäulenbeweglichkeit sei eingeschränkt (Urk. 7/82 S. 70).
Die Explorandin leide unter einem chronischen zervikospondylogenen Syndrom beidseits sowie neurokognitiven Einschränkungen mit einer verminderten Leis
tungsfähigkeit. Klinisch fände sich in der rechten Hand eine diskrete Sensibili
tätsstörung, die wohl durch eine Irritation des Gewebes zu erklären sei. Aus neurologischer Sicht bestehe keine relevante Störung, insbesondere auch keine Einschränkung, die zu einer reduzierten Arbeitsfähigkeit führen würde (Urk. 7/82 S. 70-71).
3.1.4
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin klage über Schmerzen, die vor allem im Nacken auftreten würden. Ihre rechte Hand funk
tioniere nicht mehr so wie früher, was ihr Mühe bereite. Sie könne nicht mehr präzise arbeiten. Seit dem Raubüberfall habe sie Schlafprobleme. Auch sei sie lärmempfindlich geworden (Urk. 7/82 S. 82).
Die Explorandin sei allseits orientiert. Im Verlaufe des Gesprächs wirke sie zunehmend müde. Mimik und Gestik seien lebhaft. Das formale Denken sei zu Beginn unauffällig, im Lauf der Untersuchung breche sie jedoch wiederholt mitten im Satz ab und wisse nicht mehr, was sie sagen wollte. Inhaltlich sei sie auf die Verluste an Leistungsfähigkeit, Unabhängigkeit und Selbständigkeit ein
geengt. Die Grundstimmung sei bedrückt. Zwar lächle und lache sie, beginne jedoch auch heftig zu weinen, wenn ihr ihre Verluste bewusst würden (Urk. 7/82 S. 82).
Die Explorandin leide unter einer leichten bis mittelgradigen Depression, einer komplizierten, protrahierten Trauerreaktion sowie einer posttraumatischen Belastungsstörung. Die Störungen würden sich gegenseitig beeinflussen, wes
halb ihre Auswirkungen überadditiv seien. Durch die Depression sei die Versi
cherte in ihrer Leistungsfähigkeit um etwa 50 % eingeschränkt. Die posttrau
matische Belastungsstörung habe einen ungünstigen modulierenden Effekt auf die Schmerzen und die Depression und bewirke eine Arbeitsunfähigkeit von ungefähr 20 %. Entscheidend seien jedoch die neuropsychologischen, kogniti
ven und feinmotorischen Einschränkungen, die es der Versicherten verunmögli
chen würden, als Neurochirurgin zu arbeiten. Insgesamt bestehe in bisheriger Tätigkeit eine 15 %ige Arbeitsfähigkeit. In einer Verweistätigkeit könne der Versicherten eine Präsenzzeit von 50 % zugemutet werden, wobei die Leis
tungsfähigkeit um 70 % eingeschränkt sei (Urk. 7/82 S. 83-89).
3.1.5
In der interdisziplinären Zusammenfassung führten die Gutachter aus, aufgrund der psychopathologischen Faktoren müsse aktuell von einer hohen Arbeitsunfä
higkeit ausgegangen werden. Diese Faktoren würden die neuropsychologischen Defizite verursachen. Die Versicherte sei in ihrer Tätigkeit als Ärztin zu 85 % arbeitsunfähig (Urk. 7/82 S. 37).
3.2
Gestützt auf das Gutachten hielt der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) am 1. Dezember 2007 dafür, von einer 70 %igen Arbeitsunfähigkeit in einem nicht klinischen Umfeld auszugehen, woraufhin der Versicherten mit Verfügung vom 13. November 2008 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zugesprochen wurde (Urk. 7/107 und 119).
3.3
Aus dem Gutachten ergibt sich, dass die ursprüngliche Rentenzusprache auf
grund eines komplexen psychiatrischen Beschwerdebildes erfolgte, wobei die psychopathologischen Faktoren im Vordergrund standen. Der psychiatrische Gutachter erwähnte eine depressive Erkrankung sowie eine posttraumatische Belastungsstörung, die sich zusätzlich zu den Schmerzen negativ auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Vor diesem Hintergrund erscheint fraglich, ob die IV-Stelle zu Recht lit. a Abs. 1 SchlB IVG 6. IV-Revision zur Anwendung brachte. Diese Frage kann indes offen gelassen werden, da ein Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 ATSG vorliegt, wie nachstehende Erwägungen zeigen.
4.
4.1
4.1.1
Im Y._-Gutachten vom 31. März 2015 wurden folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 7/178 S. 37):
-
chronisches zervikospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10: M 53.0/S 13.4)
-
Osteochondrose und kleine Diskushernie C5/6 ohne Neurokompro
mittierung (MRI HWS 01/2008)
-
Status nach indirekten HWS-Traumata anlässlich Autounfällen 10/2001 (axiales Stauchungstrauma), 10/2002 und 03/2004 (Distor
sions
traumata) sowie Status nach Velounfall mit erneutem indirektem HWS-Trauma (Stauchung und Distorsion) 09/2005)
-
ohne Beteiligung neuraler Strukturen
-
leichte bis mittelschwere kognitive Defizite bei Schmerzen
-
Teilläsion des Nervus ulnaris rechts (traumatisch) (ICD-10: G 56.2)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F 33.0)
4.1.2
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin klage dar
über, durcheinander zu sein. Am schlimmsten sei, dass sie mit den Sachen nicht fertig werde. Sie könnte nicht lange durchhalten. Auch habe sie Schlafprobleme. Sie leide unter Schmerzen im Kiefer, im Halswirbelsäulenbereich, im Handge
lenk und in den Füssen (Urk. 7/178 S. 18).
Die Explorandin zeige keine Auffälligkeiten in der Psychomotorik. Während der gesamten länger als eine Stunde dauernden Exploration sitze sie ohne Anzei
chen einer Schmerzwahrnehmung auf dem Stuhl. Der affektive Kontakt sei gut herstellbar. Die Stimmung sei depressiv. Die Explorandin sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Es bestünden Konzentrationsstörungen, vor allem bei der Angabe von Lebensdaten. Die Aufmerksamkeit, Auffassung und das Gedächtnis seien sonst nicht beeinträchtigt (Urk. 7/178 S. 21).
Die Explorandin leide unter einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwär
tig in einer leichten depressiven Episode. Eine psychoorganische Stö
rung liege nicht vor. Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung könne aufgrund der Untersuchung nicht mehr bestätigt werden. Eine Persön
lichkeitsstörung liege bei der Explorandin nicht vor. Dagegen spreche vor allem der Umstand, dass es ihr vor der Erkrankung möglich gewesen sei, mit voller Leistung zu arbeiten (Urk. 7/178 S. 21-24).
Zur Arbeitsfähigkeit führte der psychiatrische Gutachter aus, bedingt durch die depressive Störung sei die Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 20 % einge
schränkt. Die Versicherte sei erhöht ermüdbar, weshalb sie auf vermehrte Pau
sen angewiesen sei. Eine somatisch angepasste Tätigkeit sei ihr jedoch zu 80 % zumutbar (Urk. 7/178 S. 22).
4.1.3
Im rheumatologischen Teilgutachten wurde festgehalten, bei der Explorandin stünde die Handproblematik rechts im Vordergrund. Sie lasse öfters Gegen
stände fallen. Schmerzen im Bereich der Finger habe sie nicht. Die zervikalen Beschwerden würden sich in der Mitte der Halswirbelsäule, eher links, lokali
sieren. Bei starken Schmerzen leide sie zusätzlich unter Konzentrations
schwierigkeiten (Urk. 7/178 S. 23-24).
Das Gangbild sei normal. Der Zehen- und Fersenstand sei beidseits gut möglich. Es bestünden eine grossbogige rechtskonvexe Wirbelsäulenskoliose, ein ein
drücklicher Schulterhochstand rechts sowie ein ausgeprägter Hohlrundrücken. Die Lateralflexion und Extension der Halswirbelsäule seien nicht eingeschränkt, die segmentale Rotation der unteren Halswirbelsäule sei ohne Schmerzprovoka
tion. Die segmentale Rotation der oberen Halswirbelsäule sei eingeschränkt und verursache starke subokzipitale Schmerzen (Urk. 7/178 S. 26).
Die klinische Untersuchung der Gelenke am rechten Unterarm sei durchwegs unauffällig. Hinweise auf eine vom Bewegungsapparat ausgehende Symptoma
tik lägen nicht vor. Die Halswirbelsäulenbeweglichkeit sei für die globale Rota
tion leichtgradig vermindert. Die segmentale Rotation der oberen Halswirbel
säule sei eingeschränkt und sehr schmerzhaft, dagegen fänden sich keine klini
schen Zeichen eines zervikoradikulären Syndroms oder einer zervikalen Myelopathie. Funktionell sei die körperliche Belastbarkeit des oberen Wirbel
säulenbereichs eingeschränkt (Urk. 7/178 S. 27-28).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der rheumatologische Gutachter fest, körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten seien der Versicherten nicht zumutbar. In einer geeigneten, körperlich leichten Tätigkeit ohne monoton-repetitive Hal
tungen oder Bewegungen mit der Möglichkeit zu Wechselpositionen und ohne Überkopfarbeiten sei die Versicherte zu 75 % arbeitsfähig (Urk. 7/178 S. 28).
4.1.4
Im neurologischen Teilgutachten wurde festgehalten, die Explorandin leide unter Halswirbelsäulenschmerzen und einer Lähmung an der rechten Hand. Das schwerwiegendste Problem sei jedoch ihre mentale Leistungsfähigkeit. Zudem sei sie chronisch depressiv (Urk. 7/178 S. 29-30).
Der Kopf sei frei beweglich, die grobe Kraft bis auf die Bewegung der Finger IV und V der rechten Hand allseits erhalten. Die Finger IV und V würden in leichter Abduktions- und Beugestellung gehalten. Der Händedruck sei unter Aussparung dieser Finger ausreichend kräftig. Die Feinbeweglichkeit und Koor
dination seien erhalten. Die Explorandin sei wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Der Denkablauf sei formal geordnet und flüssig. Die Merkfähigkeit und Aufmerksamkeit seien erhalten. Während der ungefähr einstündigen Untersuchung sei die Explorandin aufmerksam, zugewandt und berichte diffe
renziert von ihren früheren Tätigkeiten (Urk. 7/178 S. 30-31).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der neurologische Gutachter fest, aufgrund der Teil
parese des Nervus ulnaris könnten Tätigkeiten mit besonderen Anforderungen an die Geschicklichkeit beider Hände nicht mehr verrichtet werden. Dazu zähle auch die früher angestrebte Tätigkeit als Neurochirurgin. Ansonsten seien Tätigkeiten als Ärztin oder vergleichbare akademische Tätigkeiten als Medizi
nerin im vollen Umfang möglich (Urk. 7/178 S. 32).
4.1.5
Im neuropsychologischen Teilgutachten wurde festgehalten, das Testprofil zeige eine im Bereich der Intelligenz lediglich durchschnittlich leistungsfähige Explorandin, was vor dem Hintergrund der beruflichen Anamnese sehr auffällig sei. Aus neuropsychologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit zu 20 % beein
trächtigt (Urk. 7/178 S. 36-37).
4.1.6
In der interdisziplinären Zusammenfassung hielten die Gutachter fest, aus polydis
ziplinärer Sicht bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten. Auch als Neurochirurgin sei die Versi
cherte nicht arbeitsfähig. Dagegen seien ihr körperlich leichte, adaptierte Tätig
keiten unter Wechselbelastung zu 75 % zumutbar, vollschichtig realisierbar mit erhöhtem Pausenbedarf von 10-15 Minuten pro Stunde und leicht reduziertem Rendement. Die Arbeitsunfähigkeiten in den einzelnen Fachgebieten könnten nicht addiert werden, weil für die entsprechenden Ruhepausen die gleichen Zeiten in Anspruch genommen werden könnten. Hinsichtlich des Beginns der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, diese bestehe mindestens seit dem Zeitpunkt der aktuellen Untersuchung. Insbesondere aus psychiatrischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit der letzten Begutach
tung verbessert, so liege keine posttraumatische Belastungsstörung mehr vor und die depressive Störung sei lediglich noch leicht (Urk. 7/178 S. 39).
4.2
4.2.1
Das polydisziplinäre
Y._-Gutachten vom 31. März 2015
beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (Urk. 7/
178 S. 13-21, S. 26, S. 29-31, S. 34-36
), berücksichtigt die geklagten Beschwerden und ist in Kenntnis der relevanten Vorakten abgegeben worden (Urk. 7/
178 S. 4-13
). Die Gutachter setzten sich mit den Beurteilungen der behandelnden Ärzte hinreichend auseinander und legten einleuchtend dar, weshalb darauf aktuell in psychiatrischer Hinsicht nicht abgestellt werden kann (Urk. 7/
178 S. 23
).
4.2.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend,
a
uf das psychiatrische
Y._
-Teilgutach
ten könne nicht abgestellt werden. Vielmehr sei dem Bericht des behandelnden Psychiaters zu folgen
(Urk. 1). Im Bericht des behandelnden Psychiaters vom 22. April 2016 führte dieser aus, entgegen der Ansicht des Y._-Gutachters liege bei der Beschwerdeführerin eine Persönlichkeitsstörung vor. Eine solche Diag
nose könne nicht während einer Untersuchung von lediglich einer Stunde gestellt werden, weshalb die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit aus psychiatri
scher Sicht im Y._-Gutachten nicht nachvollziehbar sei (Urk. 3/1 S. 3-4).
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt es für den Aussagegehalt eines medizinischen Gutachtens praxisgemäss nicht auf die Dauer der Untersu
chung an (vgl. etwa
Urteil des Bundesgerichts 8C_639/2011 vom 5. Januar 2012 E. 4.3.1)
, weshalb das Vorbringen der Beschwerdeführerin, die Untersuchungs
dauer schliesse eine korrekte Diagnosestellung aus, nicht verfängt. Im Y._-Gut
achten wurde sodann schlüssig dargelegt, dass bei der Beschwerdeführerin keine Persönlichkeitsstörung vorliegt (Urk. 7/178 S. 22). Auch eine Persönlichkeits
veränderung nach Extrembelastung schloss der psychiatrische Gutachter unter Hinweis darauf, dass die ICD-Kriterien nicht erfüllt seien, überzeugend aus (Urk. 7/203). Mit dieser Einschätzung setzte sich der behandelnde Psychiater in seinem Bericht vom 22. April 2016 nicht auseinander. Er legte auch nicht dar, inwiefern die Arbeitsfähigkeit durch die von ihm diagnostizierte Persönlich
keitsstörung beeinträchtigt sein sollte. Widersprüchlich erscheint zudem, dass er angab, selbst mit Einnahme von Ritalin sei die Beschwerdeführerin lediglich dreissig Minuten lang konzentrationsfähig (Urk. 3/1 S. 5), ihr jedoch gleichzeitig eine Fahrtauglichkeit bescheinigte (Urk. 3/2 S. 2). Ein Motorfahrzeug darf gemäss gesetzlicher Bestimmung nur führen, wer über die erforderliche psychi
sche Leistungsfähigkeit verfügt (Art. 14 des Strassenverkehrsgesetzes, SVG). Dass die Beschwerdeführerin offensichtlich auch längere Autofahrten bewälti
gen kann
sie fährt gemäss eigenen Angaben jeweils alleine mit dem Auto zur Mutter in Deutschland (Urk. 7/178 S. 22) -, lässt entgegen den Ausführungen des behandelnden Psychiaters auf eine intakte Konzentrationsfähigkeit schlies
sen. Schliesslich ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behan
delnde Ärzte und Ärztinnen mitunte
r im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfäll
en eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Aus diesen Gründen vermag der Bericht des behandelnden Psychiaters die Beweiskraft des Y._-Gutachtens nicht zu schmälern.
4.2.3
Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, im Gutachten sei weder den aus
gepräg
ten, neuropsychologischen Einschränkungen noch der Lähmung des nervus ulnaris und der daraus resultierenden Behinderung ausreichend Rechnung getragen worden. Zudem hätten die Arbeitsunfähigkeiten in den ein
zelnen Fachgebieten addiert werden müssen (Urk. 1 S. 12).
Aus dem neuropsychologischen Teilgutachten geht hervor, dass die Beschwer
de
führerin lediglich eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit zeigte. Die Auf
merksamkeit wurde jedoch als sehr gut erachtetet, ebenso war die Merkfähigkeit für Bewegungsabläufe, Zahlen, Wörter und Gegenstände erhalten (Urk. 7/178 S. 36). Die Gutachter berücksichtigten diese Ergebnisse nicht nur beim neuro
psychologischen Teilgutachten, sondern auch im interdisziplinären Konsilium und gelangten zur Einschätzung, dass die Beschwerdeführerin dadurch zu 20 % in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei (Urk. 7/178 S. 39). Damit wurde den neuropsychologischen Einschränkungen genügend Rechnung getragen. Gleiches gilt für die Lähmung des nervus ulnaris. Der neurologische Gutachter wies darauf hin, dass der Beschwerdeführerin Tätigkeiten mit beson
deren Anfor
derungen an die Geschicklichkeit beider Hände nicht mehr zumut
bar seien, weshalb ihr für diese eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wurde (Urk. 7/178 S. 39). Inwiefern die Beschwerdeführerin durch die Beschwerden an der rechten Hand bei Tätigkeiten in nicht operativen Fächern der Medizin ein
geschränkt sein sollte, ist daher nicht ersichtlich und wird von ihr auch nicht ausgeführt. Hinsichtlich ihres Vorbringens, die Arbeitsun
fähig
keiten der einzel
nen Teilgebiete hätten addiert werden müssen, ist darauf hin
zuweisen, dass die Y._-Gutachter schlüssig darlegten, weshalb keine Addition vorgenommen wer
den könne (Urk. 7/178 S. 39). Auch dieser Einwand vermag daher die Schluss
folgerungen des Gutachtens nicht in Zweifel zu ziehen.
4.2.4
Mit Eingabe vom 24. Juli 2017 legte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen auf und machte geltend, aus diesen gehe hervor, dass auf das Y._-Gutachten nicht abgestellt werden könne
(Urk. 9
, 10/1-3
).
In den Berichten werden indes keine Befunde genannt
, die nicht bereits im
Y._
-Gutachten berücksichtigt worden wären.
Zudem
ist darauf hinzuweisen, dass
der Erlass der angefochtenen Verfügung die Grenze der richterlichen Überprü
fungsbefugnis bildet (vgl. etwa BGE 129 V 356 E. 1, 129 V 169 E. 1, 129 V 4 E. 1.2, je mit Hinweisen), und bloss diejenigen tatsächlichen Umstände zu berücksichtigen sind, die sich bis zu
jenem Zeitpunkt ereignet haben. Die Berichte datieren nach dem Verfügungsdatum,
weshalb
sie
im vorliegenden Verfahren von vornherein unbeachtlich sind.
Der Vollständigkeit sei darauf hin
zuweisen, dass es widersprüchlich erscheint, wenn die Beschwerdeführerin gel
tend macht, eine Rentenrevision in Anwendung der Schlussbestimmungen zur Revision 6a des IVG sei unstatthaft, gleichzeitig jedoch Wiedereingliederungs
mass
nahmen sowie eine befristete Weiterausrichtung der Rente unter diesem Titel beansprucht.
4.2.5
Schliesslich macht die Beschwerdeführerin geltend, ein Vergleich der beiden Gutachten zeige, dass seit der Rentenzusprache keine Verbesserung des Gesund
heitszustandes eingetreten sei (Urk. 1 S. 13). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden. Im Y._-Gutachten vom 31. März 2015 konnte keine posttraumatische Belastungsstörung mehr eruiert werden. Zudem lag lediglich noch eine leichte depressive Störung vor. Die Gutachter hielten fest, aus psychiatrischer Sicht habe sich der Gesundheitszustand verbessert (Urk. 7/178 S. 39), was auch vom behandelnden Psychiater bestätigt wurde. Dieser führte in seinem Bericht vom 22. April 2016 aus, die ICD-Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstö
rung lägen nicht vor (Urk. 3/1 S. 2). Es habe eine gewisse gesundheitliche Ver
besserung stattgefunden (Urk. 3/1 S. 3).
4.3
Nach dem Gesagten erscheint ausgewiesen, dass sich der psychiatrische Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin verbessert hat. Damit ist ein Revi
sionsgrund zu bejahen. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im polydisziplinä
ren Gutachten vom 31. März 2015 erweist sich als schlüssig. Es steht mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätigkeit zu 75 % zumutbar ist.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Für die Bemessung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versi
cherte Person im relevanten Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich erzielen würde. Die Ermittlung des Valideneinkommens muss so konkret wie möglich erfolgen. Da die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden erfahrungsgemäss fortgesetzt worden wäre, ist in der Regel vom letzten Einkommen auszugehen, das vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung erzielt wurde (SVR 2008 IV Nr. 35 S. 118 E. 3.3.3).
Vor Eintritt des Gesundheitsschadens arbeitete die Beschwerdeführerin als Assistenzärztin und erzielte im Jahr 2002 ein Einkommen von Fr. 98‘298.--(Urk. 7/16 S. 2). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der ohne Invaliditä
t erzielbare Verdienst unter Berücksichtigung der individuellen, per
sönlichen und beruflichen Verhältnisse der versicherten Person zu bestimmen. Theoretisch vorhandene berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sind nur dann zu beachten, wenn sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eingetreten wären.
Für die Annahme einer mutmasslichen Weiterentwicklung wird daher der Nachweis konkreter Anhaltspunkte dafür verlangt, dass die ver
sicherte Person einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend höheres Ein
kommen auch tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Es müssen konkrete Hinweise für das behauptete berufliche Fortkommen bestehen, so z.B. wenn der Arbeitgeber dies konkret in Aussicht ge
stellt oder gar zugesichert hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_215/2016 vom 28. Oktober 2016 E. 2.2.2).
Die IV-Stelle ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin inzwischen als Ober
ärztin bei ihrem früheren Arbeitgeber beschäftigt wäre und stützte sich bei der Berechnung des Valideneinkommens auf das Mittel der Löhne als Oberärztin mit FMH-Abschluss und ohne FMH-Abschluss (Urk. 7/105 S. 1). Bei Eintritt des Gesundheitsschadens war die Beschwerdeführerin knapp fünf Monate bei ihrem damaligen Arbeitgeber beschäftigt (Urk. 7/15 S. 1). Konkrete Anhaltspunkte dafür, dass sie zur Oberärztin befördert worden wäre, finden sich in den Akten nicht. Weder wurde eine Beförderung in Aussicht gestellt, noch wurde eine sol
che zugesichert. Damit erscheint nicht überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Beeinträchtigung heute als Oberärztin bei ihrem früheren Arbeitgeber beschäftigt wäre. Da Assistenzärzte in der über
wiegenden Anzahl Fälle lediglich einige Jahre in dieser Funktion tätig sind, kann indes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin heute einer Arbeit als Ärztin in anderer Funktion nachgehen würde. Zur Bestimmung des Valideneinkommens rechtfertigt es sich daher, die
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
heranzuziehen. Angesichts des Alters sowie des Berufs der Beschwerdeführerin ist auf die Tabelle T17, Akade
mische Berufe, abzustellen und von einem monatlichen Bruttolohn von Fr. 9‘533.-- auszugehen (LSE 2012, S. 45, Tabelle T17, Akademische Berufe).
Auf
gerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7
Stun
den pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeits
zeit nach Wirtschaftsabteilungen, A-S) und angepasst an die Ent
wicklung der Nominallöhne für
weibliche
Arbeitskräfte von
2‘630 Punkten im Jahr 2012 auf 2‘709 Punkte im Jahr 2016
(vgl. die auf der Website des Bundesamtes für Sta
tistik [www.bfs.admin.ch] unter der Rubrik „03 – Arbeit und Erwerb“ und der Unterrubrik „Löhne, Erwerbseinkommen“ publizierten Lohnentwicklungsdaten) ergibt dies ein Bruttoeinkommen von Fr.
122‘840.--
(Fr.
9‘533.--
/ 40 x 41,7 x 12 /
2‘630 x 2‘709
).
Dem Einkommensvergleich ist daher ein Validen
ein
kom
men in dieser Höhe zugrunde zu legen.
5.3
5.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Recht
spre
chung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch her
ausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE
139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröf
fentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE 133 V 545 E. 7.1)
. Das Abstellen auf die
Lohnstatistik
erfolgt bloss
subsidiär, das heisst
diese darf nur dann beigezogen werden
, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegeben
heiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das ent
sprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug ent
wickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebs
zuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäf
tigungs
grad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf
höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V
75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichsein
kommen mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
5.3.2
Auch für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist vorliegend ein statisti
scher Tabellenlohn heranzuziehen. Da der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit als Ärztin zumutbar ist, rechtfertigt es sich, ebenfalls auf den Tabellenwert T17, Akademische Berufe, abzustellen und von einem monatlichen Bruttolohn von Fr. 9‘533.-- auszugehen (
LSE 2012, S. 45, Tabelle T17, Akademische Berufe
).
Auf
gerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41,7
Stun
den pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeits
zeit nach Wirtschaftsabteilungen, A-S) und angepasst an die Ent
wicklung der Nominallöhne für weibliche Arbeitskräfte von 2‘630 Punkten im Jahr 2012 auf 2‘709 Punkte im Jahr 2016 (vgl. die auf der Website des Bundes
amtes für Sta
tistik [www.bfs.admin.ch] unter der Rubrik „03 – Arbeit und Erwerb“ und der Unterrubrik „Löhne, Erwerbseinkommen“ publizierten Lohn
ent
wicklungsdaten) ergibt dies
bei einem Beschäftigungsgrad von 75 %, welcher der Beschwerde
führerin gemäss gutachterlicher Einschätzung zumutbar ist,
ein Bruttoeinkom
men von Fr.
92‘130
.-- (Fr. 9‘533.-- / 40 x 41,7 x 12 / 2‘630 x 2‘709
x 0.75
).
Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführerin nicht mehr alle Tätigkeitsfelder offen stehen, rechtfertigt sich ein Abzug vom errechneten Jahreseinkommen im Umfang von 15 %. Weitere persönliche oder berufliche Merkmale, welche sich auf die Lohnhöhe auswirken könnten, sind nicht ersichtlich. Es resultiert ein Invalideneinkommen von Fr. 78‘311.-- (Fr. 92‘130.-- x 0.85).
5.4
Bei einem Invalideneinkommen von Fr. 78‘311.-- resultiert im Vergleich zum Valideneinkommen von Fr.
122‘840.
-- eine Erwerbseinbusse von Fr. 44‘529.--, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von rund 36 % entspricht. Die angefochtene Verfügung ist im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
8
00.
-
- festzulegen und ausgangsgemäss vo
n der
Beschwerdeführer
in
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).