Decision ID: 7f3facbe-e1eb-5d5b-8499-00f7cc952f8c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. April 2007 bei der B._ GmbH als
Hilfsarbeiter bzw. Fenstermonteur angestellt und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am
18. November 2009 auf einer Baustelle aus ca. 1.5 m Höhe von einer Leiter stürzte und
auf den linken Unterarm fiel (Suva-act. 50, 37). Die Erstbehandlung erfolgte
gleichentags in der Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG), wo die Ärzte eine distale intraartikuläre
Radiusfraktur links diagnostizierten und eine palmare Plattenosteosynthese
durchführten. Der intra- und postoperative Verlauf gestaltete sich komplikationslos und
der Versicherte wurde am 20. November 2009 in gutem Allgemeinzustand und mit einer
ruhigstellenden Vorderarmgipsschiene aus dem Spital entlassen (Suva-act. 2 f.).
Nachdem eine Röntgenuntersuchung im KSSG vom 25. März 2010 eine vollständige
Konsolidierung der Radiusfraktur gezeigt hatte (Suva-act. 12; vgl. auch Suva-act. 15),
erfolgte am 2. Juni 2010, ebenfalls im KSSG, die Metallentfernung (Suva-act. 17).
Aufgrund der Radiusfraktur war der Versicherte vom 18. November 2009 bis 18. April
2010 zu 100% und vom 19. April bis 1. Juni 2010 zu 50% arbeitsunfähig gewesen.
Infolge der Metallentfernung bestand ab 2. Juni 2010 erneut eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 14, 16, 19, 22). Am 5. Juli 2010 nahm der Versicherte
seine Arbeit wieder zu 50% auf. Allerdings berichtete sein Hausarzt, Dr. med. C._,
Chirurgie/Allgemein Medizin FMH, in seinem ärztlichen Zwischenbericht vom 20. Juli
2010 über eine schmerzhafte Beweglichkeitseinschränkung bei Flexion und Extension
und Belastung über 10 kg (Suva-act. 24 f.). Am 5. August 2010 erfolgte die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abschlusskontrolle im KSSG durch Prof. Dr. D._, Chefarzt der Klinik für Hand-,
Plastische- und Wiederherstellungschirurgie. Auf dem gleichentags erstellten
Röntgenbild (vgl. Suva-act. 62) stellte er fest, dass der Versicherte am 18. November
2009 neben der Radiusfraktur zusätzlich eine Fraktur des Processus styloideus ulnae
erlitten hatte. Auch diese Fraktur zeigte sich jedoch konsolidiert und es war keine
grosse Stufenbildung erkennbar. Hingegen liessen sich bereits gewisse arthrotische
Veränderungen erkennen. Entsprechend diagnostizierte Prof. Dr. D._ eine
posttraumatische Arthrose Handgelenk links (Suva-act. 26). Dr. C._ berichtete in
ärztlichen Zwischenberichten vom 6. September 2010 und 12. Januar 2011 weiterhin
über Schmerzen bei Belastung in Endgradstellung und attestierte dem Versicherten
eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit, welche dieser ganztags in leichteren Tätigkeiten bei
der B._ GmbH mit einer 50%-Leistung umsetzte (Suva-act. 30 ff., 51).
A.b Am 18. Januar 2011 legte die Suva den Schadenfall zur Prüfung des
Fallabschlusses, zur Festlegung der Arbeitsfähigkeit und zur Schätzung eines allfälligen
unfallbedingten Integritätsschadens des Versicherten Prof. Dr. med. E._, FMH für
orthopädische Chirurgie, Abteilung Versicherungsmedizin der Suva, vor (Suva-act. 52).
Am 9. Februar 2011 führte dieser eine ärztliche Abschlussuntersuchung durch.
Gestützt auf deren Ergebnisse bestätigte Prof. Dr. E._ ab 14. Februar 2011 eine
100%-ige Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeit und schätzte den Integritätsschaden wegen
eines posttraumatischen Schadens am linken Radio-karpal-Gelenk, der sich aufgrund
der leichten bis mässigen Fehlstellung über längere Zeit in Richtung Arthrose
entwickeln werde, auf 5% (Suva-act. 56 f., 59).
A.c Am 4. Mai 2011 informierte die Arbeitgeberin die Suva, dass eine Anpassung des
Arbeitsvertrags mit dem Versicherten erfolge, wonach dieser per 1. Juni 2011 (richtig:
1. Juli 2011) im Rahmen eines 50%-Pensums für angepasste Tätigkeiten angestellt
werde (Suva-act. 72; vgl. dazu auch Suva-act. 79). Mit Schreiben vom 11. Mai 2011
teilte die Suva dem Versicherten jedoch mit, dass er laut kreisärztlicher Beurteilung in
einer angepassten Tätigkeit seit Mitte Februar 2011 voll arbeitsfähig sei und die
Taggeldzahlungen deshalb per 31. Mai 2011 eingestellt würden (Suva-act. 75).
A.d Am 22. September 2011 fand sich der Versicherte wegen anhaltender
Belastungsschmerzen und gelegentlichen Ruheschmerzen im Bereich des linken
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Handgelenks zu einer Untersuchung in der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG ein. Deren Ärzte diagnostizierten im
Untersuchungsbericht vom 23. September 2011 eine posttraumatische Arthrose
radiocarpal links mit/bei Versorgung einer distalen Radiusfraktur mit
Plattenosteosynthese am 18. November 2009 und Entfernung des
Osteosynthesematerials am 2. Juni 2010 und empfahlen eine
Handgelenksdenervierung. Weiter wurde festgestellt, dass im Verlauf eine
Teilarthrodese möglich sei (Suva-act. 89). Am 21. Oktober 2011 führte med. pract.
F._, Klinik für Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG, die
Handgelenksdenervierung durch (Suva-act. 94). Dr. C._ attestierte dem Versicherten
ab Operationsdatum eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Suva-act. 113 und 118).
A.e Inzwischen hatte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per
Ende September 2011 gekündigt (Suva-act. 85).
A.f Nachdem der Versicherte gegenüber den untersuchenden Ärzten in der Klinik für
Hand-, Plastische- und Wiederherstellungschirurgie des KSSG anlässlich der
Nachkontrollen vom 15. und 30. März 2012 (Suva-act. 127, 129) sowie vom 11. Mai
2012 (Suva-act. 138) über Neurom-typische Beschwerden bzw. Dysästhesien im
Bereich der Operationsnarbe und eine schmerzbedingt leicht eingeschränkte Funktion
im Handgelenk geklagt hatte, wurde am 25. Mai 2012 im Institut für Radiologie des
KSSG eine MR-Arthrographie des linken Handgelenks durchgeführt. Diese brachte eine
moderat fortgeschrittene posttraumatische radiokarpale Arthrose bei konsolidierter
ehemaliger distaler Radiusfraktur mit residuellen Gelenkstufen sowie begleitend eine
dislozierte Fraktur des Processus styloideus ulnae, einen zentralen Defekt des TFCC,
einen partiellen Riss des lunotriquetralen Ligamentes sowie Tendinosen der Extensor-
carpi-ulnaris-Sehne, der Extensor-pollicis-longus-Sehne sowie der Extensorsehne Dig.
II zur Darstellung (Suva-act. 140). Med. pract. F._ und Prof. Dr. D._ empfahlen
hierauf im Untersuchungsbericht vom 8. Juni 2012 den kleineren Eingriff einer RSL-
Fusion (radioscarpholunär) oder eine, ein grösseres Mass an Beschwerdefreiheit
sichernde, Panarthrodese (Suva-act. 145). Nachdem Suva-Kreisarzt Dr. med. G._ am
20. Juni 2012 eine Operation als indiziert und nachvollziehbar erklärt hatte (Suva-act.
145), führte med. pract. F._ beim Versicherten am 22. August 2012 eine
Handgelenkspanarthrodese links durch (Suva-act. 158, vgl. auch Suva-act. 157). Am 8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
November 2012 attestierten die Ärzte der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG dem Versicherten nach einer 100%-igen
Arbeitsunfähigkeit ab 9. November 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 75% und ab 1.
Dezember 2012 eine solche von 50% (Suva-act. 170, 173).
A.g Nachdem Suva-Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, am 22. November 2012 ab 15.
Januar 2013 eine 75%-ige Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere Tätigkeiten
ohne repetitive Rotationsbewegungen und Abstützen der adominanten linken Hand als
wahrscheinlich erklärt hatte (Suva-act. 174, vgl. auch Suva-act. 178), teilte die Suva
dem Versicherten mit Schreiben vom 4. Dezember 2012 die Einstellung ihrer
Taggeldleistungen ab 14. Januar 2013 mit (Suva-act. 179).
A.h Per 1. Juli 2013 wurde der Versicherte wieder bei der B._ GmbH als
Hilfsmonteur für leichte Arbeit mit einem 75%-Pensum angestellt (Suva-act. 200 f.).
A.i Am 4. Oktober 2013 erfolgte in der Klinik für Hand-, Plastische- und
Wiederherstellungschirurgie des KSSG bei der Diagnose einer verheilten
Handgelenksarthrodese links die Metallentfernung zusammen mit einer
Narbenkorrektur (Suva-act. 202). Laut Dr. C._ bestand ab Operationsdatum eine
Arbeitsunfähigkeit von 100% und ab 4. November 2013 eine solche von 50% (Suva-
act. 206). Ab 25. November 2013 bestätigte Dr. C._ wieder eine Arbeitsfähigkeit von
mindestens 75% (Suva-act. 207, 213). So arbeitete der Versicherte bei seiner
Arbeitgeberin im Rahmen seiner Anstellung (Suva-act. 208 f.)
A.j Am 3. Februar 2014 wurde der Versicherte erneut kreisärztlich durch Dr. H._
untersucht. Im gleichentags erstellten Untersuchungsbericht erklärte dieser den
derzeitigen Gesundheitszustand des Versicherten durch keine weiteren
Behandlungsmassnahmen mehr wesentlich günstig beeinflussbar und hielt fest, dass
sich bezüglich des von Prof. Dr. E._ am 10. Februar 2011 formulierten
Zumutbarkeitsprofils (Suva-act. 52) keine Änderungen ergeben hätten (Suva-act. 216).
Den Integritätsschaden bewertete er in einer gesonderten Beurteilung vom 3. Februar
2014 wegen der Handgelenksarthrodese auf 15% (Suva-act. 217).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.k Mit Verfügung vom 6. Februar 2014 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung auf der Grundlage einer Integritätseinbusse von 15% zu
(Suva-act. 218). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.l Einen Rentenanspruch des Versicherten wies die Suva mit Verfügung vom 25. Juni
2014 ab. Sie führte insbesondere aus, dass der Versicherte seit dem 1. Juli 2013 im
angestammten Betrieb als Hilfsmonteur für leichte Arbeiten mit einem
Beschäftigungsgrad von 75% tätig sei. Eine zeitliche Einschränkung lasse sich jedoch
vom unfallbedingten medizinischen Befund her nicht begründen (Suva-act. 227).
B.
Die am 6. August 2014 gegen die Rentenverfügung vom 25. Juni 2014 erhobene
Einsprache (Suva-act. 232) wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 24. Oktober
2014 ab (Suva-act. 234).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob Rechtsanwalt Dr. iur. K. Glavas, Muolen,
für den Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 20. November 2014
Beschwerde mit dem Antrag, der angefochtene Einspracheentscheid vom 24. Oktober
2014 sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer sei eine 25%-ige Invalidenrente zu
gewähren. Eventualiter sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und
eine Oberexpertise in Auftrag zu geben, um daraufhin neu zu entscheiden, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 6. Januar 2015 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) Abweisung der Beschwerde und Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 24. Oktober 2014 (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 29. Januar 2015 hielt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
an seinen Anträgen fest (act. G 5) und legte einen angepassten Arbeitsvertrag der
B._ GmbH mit dem Beschwerdeführer per 1. Januar 2014 für eine Anstellung als
Hilfsmonteur für leichte Arbeit mit einem Arbeitspensum von 100% für eine
Arbeitsleistung von 75% bei (act. G 5.5).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.d Mit Duplik vom 27. Februar 2015 erneuerte auch die Beschwerdegegnerin ihren
Antrag auf Beschwerdeabweisung (act. G 7).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Frage, ob der Beschwerdeführer
gegenüber der Beschwerdegegnerin Anspruch auf eine Invalidenrente aus der
Unfallversicherung hat. Während die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2014 (Suva-act. 234) einen solchen Anspruch
verneint, nimmt der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers an, die
Beschwerdegegnerin schulde eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad
von 25%. Die Prüfung des Rentenanspruchs im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am
25. Juni 2014 (Suva-act. 227) bzw. die Annahme, dass in diesem Zeitpunkt der
gesundheitliche Endzustand erreicht war (Art. 19 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE
HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 143,
145), hat der Beschwerdeführer zu Recht nicht beanstandet.
2.
2.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so
hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Grad der für den
Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des
Invalideneinkommens bilden die Arbeitsfähigkeitsgradschätzung und die
Umschreibung der trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und
zumutbaren Tätigkeiten. Um das Ausmass der Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist
die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
2.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind.
Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich
weder dessen Herkunft noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1 mit
Hinweis auf BGE 125 V 352 E. 3a). Den Berichten versicherungsinterner Ärzte und
Ärztinnen kann rechtsprechungsgemäss gleichfalls Beweiswert beigemessen werden,
sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV
1991 Nr. U 133 S. 311 ff.).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten und radiologisch objektiviert, dass beim
Beschwerdeführer infolge des Unfalls vom 18. November 2009 ein Status nach distaler
intraartikulärer Radiusfraktur links mit residuellen Gelenkstufen bestand, in deren Folge
sich eine ausgeprägte, schmerzhafte Radiokarpalarthrose entwickelte (Suva-act. 8, 11,
56 f., 140, 145). Nachdem eine am 21. Oktober 2011 durchgeführte Denervierung nicht
den gewünschten Erfolg erbracht hatte (Suva-act. 94), wurde der Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
am 22. August 2012 mit einer Handgelenkspanarthrodese links behandelt (Suva-act.
157 f.).
3.2 Am 10. Februar 2011, d.h. vor den zwei obgenannten operativen Eingriffen, hatte
Prof. Dr. E._ eine ärztliche Abschlussuntersuchung durchgeführt (Suva-act. 57) und
in Berücksichtigung der damaligen Situation des linken Handgelenks des
Beschwerdeführers eine Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen sowie ein
Zumutbarkeitsprofil definiert. Er hatte anerkannt, dass dem Beschwerdeführer die
angestammte schwere Arbeit bei der Fenstermontage mit den mehreren 100 kg
wiegenden 3-fach verglasten grossen Fenstern nicht mehr zugemutet werden könne.
Andere, leichtere Tätigkeiten könnten hingegen vollschichtig ohne Einbusse praktiziert
werden. Insofern sei das Tätigkeitsprofil eingeschränkt für schwere Arbeiten oder
solche von repetitivem Charakter, bei denen mittelschwere Lasten manipuliert werden
müssten. Trage- und Hebearbeiten bis 10 kg seien auch mehrfach am Tag möglich (die
rechte Hand sei ja in Ordnung), stossende und schiebende Arbeiten, wie Tragen von
Gewichten über dieser Limite, seien nur in Ausnahmefällen für kurze Zeit zu
akzeptieren.
3.3 Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 3. Februar 2014 durch Dr. H._
(Suva-act. 216) nach der Denervierung und der Handgelenkspanarthrodese klagte der
Beschwerdeführer über eine unangenehme Wetterfühligkeit des linken Handgelenks
und beschrieb die Beschwerden in kalten Witterungslagen als deutlicher spürbar. Er
gab ausserdem an, dass Drehbewegungen sowie gewichtsmässige Belastungen
stechende Schmerzen auslösen würden. Schwere Gegenstände könne er nicht
anheben. Die maximale Gewichtsbelastung betrage ca. 2 kg. Die Kraftentfaltung in der
linken Hand sei vermindert. Dr. H._ hielt nach Durchführung einer umfassenden
klinischen Untersuchung des linken Handgelenks (insbesondere
Funktionsuntersuchung [Beweglichkeit, Kraftmessung]; Testung auf Klopf- bzw.
Druckschmerzhaftigkeit; Inspektion bzw. Betrachtung des linken Handgelenks, auch im
Seitenvergleich) im gleichentags erstellten Untersuchungsbericht als objektivierbare
Gesundheitsschäden eine nahezu aufgehobene Beweglichkeit des linken Handgelenks
und eine verschmächtigte Handmuskulatur im Bereich des Thenar sowie Hypothenar
fest. Einen Reizzustand bezeichnete er als nicht feststellbar. Unter axialer
Stauchungsbelastung werde aber ein ulno-carpaler Schmerz angegeben. Das Anheben
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eines leichten Bürostuhls sei unproblematisch, hingegen sei das Anheben eines
schweren Bürostuhls nur unter erheblicher Kraftanstrengung bei reduzierter
Greif¬fähigkeit der linken Hand durchführbar. Den Status einer
Handgelenkspanarthrodese bezeichnete er schliesslich als dauerhaft und erheblich und
stellte fest, dass sich bezüglich des von Prof. Dr. E._ formulierten
Zumutbarkeitsprofils keine Änderungen ergeben hätten.
3.4 Mit dem von Prof. Dr. E._ definierten und von Dr. H._ bestätigten
Zumutbarkeitsprofil wurde den von Dr. H._ erhobenen Befunden, d.h. den
Schmerzen, insbesondere bei axialer Stauchungsbelastung, sowie den Kraft- und
Bewegungsdefiziten im Bereich des linken Handgelenks umfassend Rechnung
getragen, indem die Einwirkung auf das Handgelenk durch Belastung und Bewegung
weitgehend reduziert wird. Die subjektiv vom Beschwerdeführer geschilderten
Beschwerden weichen von den objektiv er¬hobenen Befunden nicht derart ab, dass
das Zumutbarkeitsprofil durch zusätzliche Einschränkungen zu ergänzen wäre. So ist
auch die vom Beschwerdeführer angeführte maximal mögliche Gewichtsbelastung von
2 kg berücksichtigt, indem das Zumutbarkeitsprofil regelmässig auszuübend nur leichte
Arbeiten als adaptierte Tätigkeiten definiert. Arbeiten mit mittelschweren Lasten, durch
welche das linke Handgelenk repetitiv belastet wird, sowie schwere Arbeiten werden
ausdrücklich ausgeschlossen. Leichte Arbeiten sollten vom Beschwerdeführer mit
seiner rechten und damit sogar dominanten Hand (Trage- und Hebearbeiten nur bis 10
kg) oder zusätzlich mit der linken Hand als Hilfshand (stossende und schiebende
Arbeiten sind ausgeschlossen) ausgeführt werden können. Seine Unfallrestfolgen
betreffen einen paarigen und damit in dem von Prof. Dr. E._ vorgegebenen Rahmen
grundsätzlich weitgehend kompensierbaren Körperteil. Der linken Hand des
Beschwerdeführers kommt durchaus noch eine Gebrauchsfähigkeit zu, indem eine
gewisse Greifffähigkeit und Kraft vorhanden sind. Anlässlich der Untersuchung durch
Dr. H._ vermochte der Beschwerdeführer beispielsweise einen leichten Bürostuhl
ohne Probleme bis Brusthöhe zu heben. Es sind keine Anhaltspunkte ersichtlich, die
geeignet wären, Zweifel daran zu begründen, dass mit dem Zumutbarkeitsprofil von
Prof. Dr. E._ der in Frage stehenden Gesundheitsschädigung im Bereich des linken
Handgelenks bzw. den damit verbundenen Beschwerden und ihren praktischen
Auswirkungen nicht genügend Rechnung getragen worden wäre. Auch der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers stellt das Zumutbarkeitsprofil nicht konkret in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Frage. Bereits an dieser Stelle ist jedoch vorwegzunehmen, dass die abstrakte
Berücksichtigung des Zumutbarkeitsprofils die Frage nach der Zumutbarkeit eines
konkreten Arbeitsplatzes mit seinen einzelnen körperlichen Anforderungen an die linke
und rechte Hand nicht in jedem Fall abdeckt (vgl. dazu nachfolgende Erwägung 4.4).
3.5 Dr. H._ sieht sodann die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers nur in
qualitativer Hinsicht eingeschränkt. Unter den erwähnten, limitierenden Bedingungen
ist denn auch ohne weiteres eine volle Arbeitsfähigkeit als gegeben zu erachten.
Entgegen der Darstellung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers (vgl. act. G 1,
S. 3, Ziff. III. 2.) ist in den Akten kein ärztlicher Bericht von Prof. Dr. D._ enthalten,
worin dieser die Meinung vertritt, der Beschwerdeführer sei dauerhaft im Umfang von
25% arbeitsunfähig. Im Bericht vom 31. Januar 2013 über die Abschlusskontrolle vom
28. Januar 2013 (nach der Handgelenksarthrodese links vom 27. August 2012 und vor
der Metallentfernung am 4. Oktober 2013 bei verheilter Handgelenksarthrodese [Suva-
act. 202 f.]) hielten med. pract. F._ und Prof. Dr. D._ vielmehr fest, dass der
Beschwerdeführer die Hand für alltägliche Bewegungen wieder weitgehend
vollumfänglich einsetze. Nur bei schweren Belastungen äussere er Schmerzen im
Bereich des STT-Gelenks. Gegebenenfalls könnte eine Schraube das STT-Gelenk
irritieren. Nach vollständiger ossärer Konsolidierung erfolge die Metallentfernung. Die
Arbeitsunfähigkeit werde im Weiteren mit dem Hausarzt festgelegt (Suva-act. 187). Für
die Zeit nach der Metallentfernung liegt sodann nur der Untersuchungsbericht vom 23.
Oktober 2013 vor (Suva-act. 203), worin die beiden vorgenannten Ärzte festhielten,
dass Vollbelastungen noch für 1 bis 2 Wochen vermieden werden sollten. Zur
Arbeitsfähigkeit konkret äusserten sie sich nicht. Dr. C._ attestierte dem
Beschwerdeführer zwar anlässlich der Konsultation vom 1. Februar 2014 noch eine
25%-ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 213). Eine Begründung dazu liegt jedoch keine
vor und es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um die Bestätigung der zu dieser
Zeit im Arbeitsvertrag mit der B._ GmbH vereinbarten bzw. erbrachten 75%-igen
Arbeitsleistung des Beschwerdeführers handelte (vgl. act. G 5.5). Zusammenfassend ist
mithin festzuhalten, dass bezüglich des linken Handgelenks im Folgenden von dem von
Prof. Dr. E._ beschriebenen (Suva-act. 57) und von Dr. H._ bestätigten (Suva-act.
216) Zumutbarkeitsprofil auszugehen ist. Eine zusätzliche zeitliche Einschränkung lässt
sich vom unfallbedingten medizinischen Befund her nicht begründen.
4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.1 Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung entweder Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) oder die DAP-Zahlen
herangezogen werden (BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
4.2 Laut Arbeitsvertrag vom 27. Dezember 2013 mit der B._ GmbH ist der
Beschwerdeführer seit dem 1. Januar 2014 als Hilfsmonteur für leichte Arbeit mit einem
Arbeitspensum von 100% für eine Arbeitsleistung von 75% angestellt (act. G 5.5). Ent-
gegen der Auffassung des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers verwertet der
Beschwerdeführer mit dieser beruflichen Tätigkeit seine verbliebene Arbeitsfähigkeit
nicht in zumutbarem Umfang, womit der tatsächlich erzielte Verdienst von Fr.
44‘037.50 (13 x Fr. 3‘387.50, vgl. act. G 5.4) keine verlässliche Grundlage für die
Bestimmung des Invalideneinkommens darstellt. Der Arbeitsfähigkeitsgrad wird sowohl
durch das Arbeitspensum bzw. die Anwesenheit am Arbeitsplatz als auch durch die
während der Anwesenheitszeit erbrachte Leistung bzw. die - vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers angeführte - Effizienz bestimmt. So ist es nicht nur möglich, dass
eine versicherte Person eine angepasste Tätigkeit nicht ganztags ausüben kann,
sondern auch, dass sie in einer angepassten Tätigkeit durch ihre arbeitsbezogenen
Fähigkeiten und Defizite verlangsamt ist. In Bezug auf den Beschwerdeführer ist jedoch
nicht ersichtlich, inwiefern es ihm aufgrund seiner Handgelenkssituation links aus
medizinischer Sicht unzumutbar sein sollte, in einer handgelenksadaptierten Tätigkeit in
einem Vollpensum tätig zu sein und dabei eine volle Leistung zu erbringen (vgl.
Erwägungen 3.4 und 3.5). Die Ausführungen in der Replik vom 29. Januar 2015 (act. G
5, lit. A, B) sowie in den weiteren Akten (vgl. Suva-act. 63, 200, 222) weisen darauf hin,
dass die Tätigkeit bei der B._ GmbH nicht vollumfänglich einer adaptierten Tätigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entspricht, woraus sich nicht ableiten lässt, die Arbeitsleistung von (nur) 75% (vgl.
Arbeitsvertrag per 1. Juli 2013, Suva-act. 201) stehe im Zusammenhang mit dem
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers.
4.3 Steht also fest, dass der Beschwerdeführer medizinisch-theoretisch in einer
adaptierten Tätigkeit zu 100% arbeitsfähig ist, so ist als nächstes zu prüfen, ob die
konkrete Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen theoretischen Arbeitsmarkt
verwertbar und einem Arbeitgeber sozialpraktisch noch zumutbar ist (vgl. dazu RUMO-
JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 133). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer
und abstrakter Begriff, welcher dazu dient, den Leistungsbereich der
Unfallversicherung von jenem der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Ein
ausgeglichener Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht
zwischen Angebot und Nachfrage nach Stellen bzw. Arbeitskräften und weist einen
Fächer verschiedenster Tätigkeiten auf und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes. Bei der Bestimmung des im Einzelfall in Betracht fallenden, dem
gesundheitlichen Anforderungsprofil entsprechenden Arbeitsmarktes ist nicht von
realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt
werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven
Gegebenheit zumutbar sind. Andererseits sind an die Konkretisierung von
Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu
stellen (Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches
Versicherungsgericht, EVG] vom 17. September 2008, 9C_418/2008, E. 3.2.1). Das
Bundesgericht hat selbst bei einer faktischen Einhändigkeit oder der Beschränkung der
dominanten Hand als Zudienhand sowie überdies der Fähigkeit, nur noch leichte Arbeit
verrichten zu können, wiederholt bestätigt, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten zu finden seien (Urteile des
Bundesgerichts vom 23. März 2009, 8C_971/2008, E. 4.2.5; vom 17. April 2009,
9C_418/2008, E. 2.3.2; vom 17. September 2008, 9C_418/2008, E. 3.2 f.; und vom 3.
März 2010, 8C_810/2009, E. 2.6.4 je mit Hinweisen). Zu denken sei an einfache
Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und
Überwachung von (halb-)automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die
keinen Einsatz von rechtem Arm und rechter Hand voraussetzten (Urteile des
Bundesgerichts vom 17. Dezember 2008, 9C_418/2008, E. 3.2.2, und vom 27. August
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2008, 8C_635/2007, E. 4.2 je mit Hinweisen). Wenn in diesem Rahmen nicht von
realitätsfremden bzw. unmöglichen oder unzumutbaren Einsatzmöglichkeiten
ausgegangen werden kann, ist dies wohl auch in der gesundheitlich besseren Situation
des Beschwerdeführers - volle Gebrauchsfähigkeit der dominanten Hand,
Gebrauchsfähigkeit der adominanten Hand für leichte Arbeiten - anzunehmen. Eine
zumutbare Tätigkeit ist dem Beschwerdeführer nicht nur in so eingeschränkter Form
möglich, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder nur unter
nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers ausgeübt
werden kann (vgl. dazu Urteil des EVG vom 3. Dezember 2003, I 349/01, E. 6.1). Beim
als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt geht es nicht um reale, geschweige denn
offene Stellen, sondern um (gesundheitlich zumutbare) Beschäftigungsmöglichkeiten,
welche der Arbeitsmarkt von seiner Struktur her, abstrahiert von den konjunkturellen
Verhältnissen, umfasst (Urteil des EVG vom 16. Juli 2003, I 758/02). Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass beim Beschwerdeführer eine zumutbare wirtschaftliche
Verwertbarkeit der Rest¬arbeitsfähigkeit im Umfang von 100% in einer adaptierten
Tätigkeit besteht.
4.4 Die Beschwerdegegnerin legte das Invalideneinkommen gestützt auf DAP-Zahlen,
d.h. die Arbeitsplätze Nr. 8530, 8912, 9289, 9835 und 11450 (Suva-act. 225), mit Fr.
58‘492.60 (Durchschnitt der fünf ausgewählten Arbeitsplätze) fest. Im Hinblick auf die
geforderte Repräsentativität der DAP-Profile und der daraus abgeleiteten Lohnangaben
hat die Beschwerdegegnerin nach der Rechtsprechung, zusätzlich zur Auflage von
mindestens fünf DAP-Blättern, Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund
der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über
den Höchst- und Tiefstlohn sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils
verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Gruppe. Im Beschwerdeverfahren ist
es Sache des angerufenen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-
Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die Sache an den Versicherer
zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen Tabellenlohnvergleich
gestützt auf die LSE vorzunehmen (Urteil des EVG vom 28. August 2003, U 35/00, E.
4.2.2). Konkret liegen die erforderlichen Angaben vor (Suva-act. 225). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erachtet jedoch die von der
Beschwerdegegnerin ausgewählten DAP-Arbeitsplätze auf den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers nicht zugeschnitten respektive ihm nicht zumutbar. Soweit er
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich auf den Standpunkt stellt, der Beschwerdeführer könne Tätigkeiten nicht
beidhändig verrichten, kann ihm insoweit nicht gefolgt werden, als von den Suva-
Ärzten für leichte Arbeiten beidhändiges Hantieren nicht generell ausgeschlossen
wurde. Einschränkend ist jedoch zu beachten, dass die Beweglichkeit des linken
Handgelenks und die Kraft der linken Hand des Beschwerdeführers massgebend
eingeschränkt sind und sich diese Komponenten, trotz der allgemeinen Fähigkeit beide
Hände einzusetzen, in Bezug auf konkrete Tätigkeiten auswirken können. Insofern ist
auch die Erklärung von Prof. Dr. E._ - Trage- und Hebearbeiten bis 10 kg seien
mehrfach am Tag möglich - in Ergänzung des Satzes - die rechte Hand sei ja in
Ordnung - als Einschränkung zu verstehen. Das Hantieren mit oder Heben von
Gegenständen gestaltet sich je nach Form und Gewicht oder auch der Höhe, auf die
ein Gegenstand gehoben werden muss, verschieden. Entgegen der Feststellung der
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom 6. Januar 2015 (act. G 3) kommt
insofern dem Hinweis des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers, beim Arbeitsplatz
Nr. 8912 müssten Überkopfarbeiten ausgeführt werden, durchaus Bewandtnis zu.
Gemäss Formular „Körperliche Anforderungen“ zum Arbeitsplatz Nr. 8912 ist das
Heben über Brusthöhe bis 5 kg oft gefordert. Konkret müssen mit Pizzateigen gefüllte,
5 kg schwere Kisten auf Palette gehoben werden. Bei dieser Tätigkeit ist anzunehmen,
dass die vollständige Kompensation durch die rechte Hand ausgeschlossen bzw. ein
gleichwertiger Einsatz der linken Hand, nicht zuletzt auch aus Sicherheitsgründen,
notwendig ist. Das Heben von 5 kg schweren Kisten über Brusthöhe geschieht
gewöhnlich nicht nur mit einer Hand und die Unterstützung durch die zweite Hand mit
einer nahezu aufgehobenen Beweglichkeit des Handgelenks ist als ungenügend zu
bezeichnen. Der DAP-Arbeitsplatz Nr. 8912 beinhaltet mithin Arbeiten, die über dem
Zumutbaren liegen. Beim DAP-Arbeitsplatz Nr. 11450 ist sodann oft das mittelschwere
Hantieren mit Gegenständen sowie das Heben und Tragen von Gegenständen bis 5 kg
Gewicht, selten bis Brusthöhe, gefordert. Beidhändigkeit ist bedingt notwendig. Der
Arbeitsplatz im Restaurant beinhaltet unter anderem die Tätigkeit, Tablare in den
Rückgabewagen zu stellen. Die linke Hand des Beschwerdeführers bzw. dessen linkes
Handgelenk dürfte, wie vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers befürchtet, auch
hierfür nicht genügen. Tablare mit Geschirr werden im Regelfall, insbesondere um die
Balance zu halten, beidhändig getragen. Dies dürfte über Brusthöhe mit einem steifen
Handgelenk nur schwer möglich sein. Die Option, bei gewissen Tätigkeiten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Bewegungen oben/unten) die Hilfe von Kolleginnen oder Kollegen in Anspruch
nehmen zu können, erscheint ausserdem in geschäftigen Zeiten eher unrealistisch.
Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass nicht bedenkenlos auf alle von der
Beschwerdegegnerin bei¬gezogenen Arbeitsplätze abgestellt werden kann.
4.5
4.5.1 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ist demzufolge ein
Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE 2012 vorzunehmen (BGE 129 V 478 E.
4.2.2) und dabei auf die Tabelle TA 1, privater Sektor, Total, Männer Kompetenzniveau
1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art). Insbesondere im
Produktions- und Dienstleistungsbereich dürften Kontroll- oder
Überwachungstätigkeiten oder Tätigkeiten im Kurierdienst, wie sie der
Beschwerdeführer ohne weiteres auszuüben vermöchte, vorhanden sein. Im Jahr 2012
lag der Durchschnittslohn für einen Mann bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40
Stunden bei Fr. 5‘210.--. Angepasst an die betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41.7
Stunden ergibt sich ein monatliches Einkommen von Fr. 5‘431.--, was jährlich einen
Betrag von Fr. 65‘172.-- bzw., normallohnindexiert bis 2014 (Index: Männer: 2013:
0.8%; 2014: 0.7%), von Fr. 66‘153.-- ausmacht.
4.5.2 Nach der Rechtsprechung ist ein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt,
wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein Versicherter, der
gesundheitsbedingt lediglich noch leichte Hilfsarbeiten ausführen kann, seine
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage ist. Zudem können weitere persönliche
und berufliche Merkmale (Alter, Dauer der Beschäftigung, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben (BGE 126 V 78 E. 5a mit Hinweisen). Im konkreten Fall gilt es zu
berücksichtigten, dass hinsichtlich des körperlichen Anforderungen (schwer,
mittelschwer, leicht) zwischen der angestammten Tätigkeit des Beschwerdeführers und
den ihm nach Eintritt des Gesundheitsschadens am linken Handgelenk noch
zumutbaren Tätigkeiten ein Unterschied besteht. Während der Beschwerdeführer vor
dem Unfall im Baugewerbe bzw. Fensterbau mit schwereren Arbeiten beschäftigt war,
sind ihm nun nur noch leichte handgelenksadaptierte Tätigkeiten zumutbar, immerhin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
jedoch nicht bezüglich des dominanten Arms und zu einem Vollpensum. Das Spektrum
der Tätigkeiten, welche der Beschwerdeführer noch verrichten kann, hat sich dadurch
verringert. Die Tatsache, dass der Durchschnittslohn der Männer seit der LSE 2012 im
Kompetenzniveau 1 im Verhältnis zur Nominallohnentwicklung spürbar höher ist als
derjenige der Männer in der LSE 2010 im Anforderungsniveau 4, ist offenbar mit einer
erhöhten Gewichtung von Schwerarbeiterlöhnen über alle Sektoren zu begründen (vgl.
in TA1 2012 die Legende zur Definition von Tätigkeiten des Kompetenzniveaus 1
„Einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art“). Nachdem der
Beschwerdeführer gerade keine körperlich schweren Arbeiten mehr ausüben kann, ist
dem vorgenannten Umstand mit einem Tabellenlohnabzug von 10% Rechnung zu
tragen. Ausser Betracht fällt hingegen der behauptete Nachteil der Herkunft aus dem
Balkan. Die Beschwerdegegnerin hält in der Duplik vom 27. Februar 2015 (act. G 7)
unter Hinweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zutreffend fest, dass die
Nationalität in Bezug auf die Lohnhöhe im Anforderungsniveau 4 bzw.
Kompetenzniveau 1 keine relevante Rolle spielt (Urteile des Bundesgerichts vom 27.
Februar 2008, U 11/07, E. 8.4, und 2. November 2007, 8C_223/2007, E. 6.2.2). Es
bestehen auch sonst keine weiteren Aspekte, die eine Erhöhung des Abzugs
rechtfertigen. Bei einem Tabellenlohnabzug von 10% ergibt sich ein
Invalideneinkommen von Fr. 59‘537.--.
4.6 Das in den Akten belegte und unbestrittene Valideneinkommen 2014 liegt bei Fr.
58‘500.-- (13 x Fr. 4‘500.--; vgl. Suva- act. 224 und 33 betreffend 13. Monatslohn).
Stellt sich die Frage nach einer Parallelisierung der Vergleichseinkommen infolge
Minderverdienstes, so ist der von der versicherten Person vor Eintritt des
Versicherungsfalls erzielte Verdienst mit den branchenüblichen Löhnen zu vergleichen
(vgl. BGE 135 V 297), bevor zur genauen Bestimmung des Invaliditätsgrades der
Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG durchgeführt werden kann. Der
Beschwerdeführer arbeitete als Hilfsarbeiter im Baugewerbe (vgl. Suva-act. 37, 50). Der
in der LSE-Tabelle TA1 ausgewiesene, auf einer 40-Stundenwoche beruhende
Monatslohn, Kompetenzniveau 1, Baugewerbe, Männer, betrug für das Jahr 2012 Fr.
5‘430.--. Aufgerechnet auf einen Jahreslohn und angepasst an eine branchenübliche
Arbeitszeit von 41.5 Stunden (vgl. die Tabelle des Bundesamtes für Statistik,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Baugewerbe) resultiert ein
Jahreseinkommen von Fr. 67‘603.-- (Fr. 5‘430.-- / 40 x 41.5 x 12) bzw.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/18
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nominallohnindexiert bis 2014 (vgl. E. 4.5.1) von Fr. 68‘621.--. Angesichts des
Valideneinkommens von Fr. 58‘500.-- ergibt sich ein Minderverdienst von 14.75% ([Fr.
68‘621.-- – Fr. 58‘500.--] / Fr. 68‘621.--). Somit ist die Erheblichkeitsgrenze von 5%
gemäss der höchstrichterlichen Rechtsprechung (BGE 135 V 297) überschritten.
Demgemäss ist das Valideneinkommen vorliegend um 9.75% auf Fr. 64‘204.--
heraufzusetzen.
4.7 Unter Berücksichtigung eines Valideneinkommens von Fr. 64‘204.-- und eines
Invalideneinkommens von Fr. 59‘537.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 4‘667.--
bzw. ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 7.5% (Fr. 4‘667.-- /Fr.
62‘343.--).
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 24. Oktober 2014 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).