Decision ID: 21212f88-b8f2-4b1c-8226-bc61603a0bbf
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1958, meldete sich am 1
5.
April 1998
unter Hinweis auf
eine
Encephalomyelitis
disseminata
(Multiple Sklerose
) bei der Invaliden
versi
cherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/6). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom
2.
Dezember 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Rente ab
1.
März 2002 zu (
Urk.
6/50,
Urk.
6/47).
1.2
Nach Eingang ein
es am 2
9.
September 2006
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
6/51
)
holte die IV-Stelle weitere medizinische Berichte (Urk. 6/53-54) e
in und teilte dem Vers
icherten mit Verfügung
vom
2
3.
April 2008
mit, der Renten
anspruch sei unverändert (Urk. 6/61).
Mit Mitteilung
en
vom
2
9.
Oktober 2010
(
Urk.
6/76) und vom 2
9.
Mai 2012 (Urk.
6/83)
teilte die IV-Stelle dem Versicherten
wiederum
mit, der
Rentenan
spruch sei unverändert.
1.3
Mit
Gesuch
vom 2
8.
Juni 2013 (
Urk.
6/85-86) meldete sich der Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an und machte eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend.
Mit Verfügung vom 1
3.
Mai 2014 (
Urk.
6/99) trat die IV-Stelle auf das erneute Leistungsbegehren nicht ein.
1.4
Mit
Gesuch
vom 1
9.
September 2014 (
Urk.
6/111) meldete sich der Versicherte erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an und machte wiederum eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/141-
145)
verneinte
die IV
Stelle
mit Verfügung vom
1.
April 2016 eine Erhöhung der Invalidenrente (
Urk.
6/146 =
Urk.
2).
2.
Der
Versicherte erhob am 2
6.
April 2016
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfü
gung vom
1.
April 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S.
1
Ziff.
1) und es sei ihm rückwirkend ab dem
1.
Juli 2013 eine Invalidenrente entsprechend einer Erwerbsunfähigkeit von 100
%
zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2), der IV-Entscheid vom 1
3.
Mai 2014 soll
e
neu beurteilt und dabei das
Validen
einkommen
aufgrund von Erfahrungswerten neu berechnet werden (S. 2
Ziff.
3), der IV-Entscheid vom 2
3.
April 2008 soll
e
neu beurteilt werden
unter Berück
sichtigung des Soziallohnes
und der IV-Grad beziehungsweise die IV-Rente neu berechnet werden. Die ihm seit 1
2.
September 2006 zustehende Renten-
Differenz se
i
nachzuzahlen (S. 2
Ziff.
4).
Die IV-Stelle beantragte mit
Beschwer
deantwort
vom
3
0.
Mai 2016
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Mit Ver
fügung vom 5. Juli 2016 (Urk. 7) wurde dem Beschwerdeführer Frist angesetzt, um zu den möglichen Folgen einer Rückweisung Stellung zu nehmen. Der Beschwerdeführer nahm am 2
5.
Juli 2016 Stellung und hielt an der Beschwerde fest (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und
in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Verfahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest,
die Abklärungen hätten ergeben, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers nicht verschlechtert habe. Aus medizinischer Sicht sei es ihm weiter
hin möglich, eine 50%ige optimal angepasste Tätigkeit auszuüben. Diese ent
spreche einer einfachen Arbeit ohne Leistungsdruck, ohne komplexe
Arbeitsab
läufe
und ohne Bedienen von Maschinen.
Der IV-Grad betrage unverändert 55
%
und begründe weiterhin den Anspruch auf die bisherige Invalidenrente
.
2.2
Demgegenüber vertrat der Beschwerdeführer den Standpunkt (
Urk.
1),
in den Berichten seit 2006 sei bereits von einer Arbeitsleistung von unter 50
%
zu lesen. S
ein Ge
sundheitszustand habe sich nachweislich verschlechtert. Zudem liege neu auch ein psychisches Leiden vor, das die Leistungsfähigkeit zusätzlich einschränke.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen für eine revisionsweise Anpas
sung der Rente gegeben sind.
Zu vergleichen ist dabei der Sachverhalt im Zeitpunkt der Mitteilung von Mai 2012 (
Urk.
6/83) mit demjenigen, welcher der hier ange
fochtenen Verfü
gung zugrunde liegt.
3.
3.1
Der Mitteilung von Mai 2012 (
Urk.
6/83) lagen im Wesentlichen die nach
folgen
den Arztberichte zu Grunde.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1
3.
Mai 2003 (
Urk.
6/41/3-5) und nannte folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit:
Multiple Sklerose
Minderintelligenz
depressive Grundstimmung
Er führte aus, dass der Beschwerdeführer seit Oktober 1999 nie mehr über 50
%
gearbeitet habe. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei seit etwa 1999 stationär (S. 1). Der Beschwerdeführer leide seit über 10 Jahren an einer eher schleichend verlaufenden MS. Kleinere Schübe seien in den letzten Jahren
vorgekommen. Beruflich habe der Beschwerdeführer die Möglichkeit, die Tätig
keit seiner Behinderung anzupassen.
Der angestammte Arbeitsplatz sei ideal angepasst (Transportunternehmen des Vaters).
Meistens arbeite er zirka 50
%, im Winter etwas weniger, da er auf Kälte schlecht reagiere. Prognostisch sei zu hoffen, dass bei schleichendem
Verlauf der Krankheit eine 50%i
ge Arbeitsfähig
keit bestehen bleibe (S. 2). Es bestehe somit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Auch auf längere Sicht sei nicht mit Verbesserungsmöglichkeiten der Arbeitsfä
higkeit zu rechnen
(S. 3)
.
3.3
Dr.
Z._
berichtete am 3
0.
Oktober 2006 (
Urk.
6/53/5-6) und führte aus,
dass seit Frühjahr (März) dieses Jahres eine deutlich raschere Ermüdbarkeit und Erschöpfung vorliege. Der Beschwerdeführer habe deshalb den ganzen Sommer über nie über 30
%
arbeiten können.
Seit Anfang September habe der Beschwerdeführer rezidivierend Anfälle mit Ataxie. Möglicherweise habe sich dabei um einen leichten MS Schub gehandelt (S. 1). Prognostisch sei eine Pro
gredienz zu erwarten. Es scheine sehr wichtig, dass der Beschwerdeführer wei
terhin das Gefühl habe, gebraucht zu werden. Dies wirke für ihn sehr moti
vierend. Wegen der schnelleren Erschöpfbarkeit habe er in diesem Jahr deutlich weniger gearbeitet, könne aber zum bisherigen Lohn und den bisherigen Stellenprozenten weiter im Betrieb bleiben (S. 2).
3.4
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am 8.
November 2006 (
Urk.
6/54/
1-
4) und führte aus,
dass im Rahmen neuropsy
chologischer Beeinträchtigung und
Fatigue
eine allgemein deutlich geringere Flexibilität und Belastbarkeit bestehe. In der bisherigen sowie in einer ange
passten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit.
3.5
Dr.
Z._
berichtete am
1
8.
November 2009
(
Urk.
6/64/7-
12) und
nannte
zusätz
lich
zu den bereits bekannten Diagnosen eine
chronische
Dysthymie
,
eine
beginnende
Coxarthrose
sowie ein
leichtes
Infektasthma
(S. 2)
.
Er führte aus,
dass in den letzten Jahren nur leichte Schübe stattgefunden hätten und ein s
ehr schleichender Verlauf
der
MS
vorliege (S. 2)
.
Im Jahr 2009 habe der Beschwer
deführer bisher nur 40
%
arbeiten können aufgrund der massiven Müdigkeit und der Ataxie (S. 3).
3.6
Dr.
Z._
berichtete erneut
am 1
0.
Januar 2012
(
Urk.
6/80) und führte aus,
dass eine weitere Zunahme der Behinderung leider anzunehmen sei bei schlei
chend zunehmendem Krankheitsverlauf (S. 2). Der Beschwerdeführer sei seit einem Jahr nur zirka 35-40
%
arbeitsfähig. Im Vordergrund stehe die vermin
derte Belastbarkeit im Sinne einer verminderten Konzentrationsspanne, so wie die stark variable Leistungsfähigkeit mit oft tagelang mangelnder Konzentra
tionsfähigkeit. Die angestammte Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer noch zu
zirka 40
%
zumutbar. Der Beschwerdeführer führe die Transporte nur aus, wenn er sich gut fühle, also wenn er dann auch leistungsfähig sei. Reduziert sei dabei die Zeitspanne der Konzentrationsfähigkeit. Es seien häufige Pausen notwendig. Bei schlechtem Befinden müsse der Beschwerdeführer die Arbeit abbrechen oder unterbrechen
(S. 3)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich beim Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf die nachfolgenden Berichte.
4.2
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 2
0.
Juni 2014 (
Urk.
6/103) und nannten folgende Diagnosen:
Verdacht auf somatoforme Störung mit seit mehreren Jahren bestehen
de
r
Schwäche der Extremitäten,
Hy
p
ästhesien
, Schwindel, Diplopie und Müdigkeit. Differentialdiagnose (DD): multiple Sklerose
(MS)
depressive Episoden
Verdacht auf
Dyssomnie
Sie führten aus, dass die Diagnosekriterien
einer
MS nicht erfüllt würden. Die Ätiologie der neuropsychologischen Minderleistung sei unklar.
Als möglicher leistungsmindernden Einfluss
komme die
Fatiguesymptomatik
in Frage, wobei die Befunde auch im Zusammenhang mit einer möglichen depressiven Symp
tomatik stehen könnten.
Es sei eine psychiatrische Untersuchung angezeigt
(S. 4 f.)
.
4.3
Die Ärzte der
C._
berichteten am
3.
Oktober 2014 über die stationäre
Re
ha
bilitation des Beschwerdeführers vom 1
1.
bis 3
0.
August 2014
(Urk.
6/113/3-4) und nannten folgende Diagnosen:
intermittierende, langjährige Schwäche der Extremitäten
Schwindel, Müdigkeit und Diplopie, Beginn seit 1992
DD: somatoforme Störung im Rahmen einer Depression,
neuro
de
genera
tive
Problematik
Sie führten aus, dass die
Verdachtsdiagnose MS praktisch
habe
ausgeschlossen werden
können
.
Der Beschwerdeführer habe relativ motiviert am multimodalen Therapieprogramm teilgenommen. Dieses habe vor allem aus psychologischen und ärztlichen Beratungsgesprächen sowie Körpertherapien bestanden. Zusätz
lich sei psychiatrisch evaluiert worden und es habe keine sichere Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode gestellt werden können. Insgesamt habe man den Eindruck gehabt, dass es beim Beschwerdeführer eher Richtung demenzielle Entwicklung gehe (S. 1). Der Beschwerdeführer habe sich während
des Aufenthalts einigermassen stabilisieren können. Seine Körpersymptome seien nicht im Zentrum seiner Beschwerden gewesen, die Erschöpfung und seine Konzentrationsschwäche hätten jedoch kaum beeinflusst werden können. Es bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Eine weiterführende Abklärung im Rahmen einer möglichen demenziellen Entwicklung erscheine zeitnah dringend.
4.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am 2
4.
Juni 2015 (
Urk.
6/135) und nannte keine Diagnosen mit Auswirkung die Arbeitsfähigkeit. Er führte aus, dass der Beschwerdeführer aus neurologischer Sicht nicht arbeits
unfähig sei
(S. 3)
.
Es bestehe der
Verdacht auf
eine
psychiatrische
Grund
er
krankung
(S. 4).
4.5
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
6.
November 2015 (
Urk.
6/140) und
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Konversionsstörung
,
im engeren Sinn
e
eine
disso
ziative Störung der Sinnesempfindung (ICD-10 F44.4).
Er führte aus, dass der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig sei. Es sollten einfache Tätigkeiten ohne Leistungsdruck sein und von komplexen Arbeitsabläufen sowie vo
m
Bedienen von Maschinen sollte abgesehen werden.
Als Lastwagenchauffeur
sei der Beschwerdeführer
voll
arbeitsunfähig. Es b
edürfe
einer
intensive
n psychotherapeutischen, langjährigen
Behandlung
(S.
3)
.
5.
5.1
Aus den aufliegenden Akten erhellt, dass sich der aktuelle Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sowie die verbliebene Arbeitsfähigkeit nur ungenügend feststellen lassen und eine abschliessende Beurteilung der strittigen
Rentener
höhung
mithin nicht möglich ist.
So divergieren
die behandelnden Ärzte
in den aktuelleren
Angaben
zum Gesund
heitszustand
des Beschwerdeführers nicht unwesentlich voneinander
und kommen
vor allem
bezüglich der Arbeitsfähigkeit zu anderen Beurteilungen
, obwohl
diese lediglich ein Jahr auseinander lagen. Die Ärzte der
C._
hielten im Oktober 2014 fest (vgl. vorstehend E. 4.3), dass
die
Ver
dachtsdiagnose
MS praktisch habe ausgeschlossen werden können und nicht die Körpersymptome im Zentrum der Beschwerden stünden. Beim Beschwerdeführer bestehe aufgrund der Erschöpfung und Konzentrationsschwäche eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit. Im November 2015 führte
Dr.
E._
hingegen aus (vgl. vorstehend E. 4.5), dass
der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätig
keit zu 50
%
arbeitsfähig sei. Als Diagnose nannte er eine Konversionsstörung, im
engeren Sinne eine dissoziative Störung der Sinnesempfindung (ICD-10 F44.4).
Die Ärzte machten in ihren Beurteilungen keine differenzierten Angaben zum Zustandekommen der jeweils attestierten Arbeitsfähigkeit
und bezifferten denn auch die genauen Auswirkungen der gestellten Diagnosen nicht.
Inwiefern die Beschwerden des Beschwerdeführers als unüberwindbar zu gelten haben, lässt sich aufgrund der Berichte nicht einschätzen. So wird von
Dr.
E._
ins
besondere
auch eine psychosomatische Erkrankung beschrieben, deren Anteil an der attestierten Arbeitsunfähigkeit
sich
jedoch aufgrund der Akten nicht
beurteilen
lässt.
In
Bezug auf die Prüfung der dem Beschwerdeführer noch zumutbaren Arbeits
leistung
ist
z
u bemerken, dass es nach der Rechtsprechung in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beeinträchtigungen keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Ein
z
elfall (gutachtlich) befassten Ar
z
tpersonen ist, selber abschlies
send und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) ver
bindlich
z
u entscheiden, ob das medi
z
inisch festgestellte Leiden
z
u einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenhei
ten hat die Recht
sprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Ar
z
tperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachten
den) Medi
z
iners ist es erstens, den Gesundheits
z
ustand
z
u beurtei
len und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der
Z
eit
z
u beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter är
z
tlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde
z
u erheben und gestüt
z
t darauf die Diagnose
z
u stel
len. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwal
tung und
im Streitfall
Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Fol
genab
schät
z
ung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeits
fähigkeit kommt der Ar
z
tperson hingegen keine abschliessende
Beurtei
lungs
kompeten
z
z
u (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2
sowie
BGE 141 V 281 E. 5.2.1
).
5
.
2
D
as
Bundesgericht hat seine bisherige Rechtsprechung zur Beurteilung psychoso
mati
scher Störungen neu gefasst:
Gemäss
BGE 141 V 281
ist die
Über
windbarkeitsp
raxis
in Änderung der Rechtspre
chung aufzugeben (E. 3.5). In
methodischer Hinsicht ergibt sich Folgendes: Die Frage, ob die diagnostizierte Schmerzstörung zu einer ganzen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit führe, stellt sich nicht mehr im Hinblick auf die Widerlegung einer Ausgangsvermutung. Das bisherige Regel/Ausnahme-Modell wird durch
einen strukturierten, norma
tiven
Prüfungsraster ersetzt. Anhand eines Kataloges von Indikatoren erfolgt eine
ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung des
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äu
sserer Belastungsfaktoren einer
seits und
Kompensations
potentialen
(Ressourc
en) anderseits
-
tatsächlich er
reichbaren Leistungsvermö
gens (E. 3.6). Betont wird, dass die Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung an den Regeln betreffend die Zumutbarkeit nichts ändert, namentlich nicht am Erfordernis ei
ner objektivierten Beurteilungs
grundlage. Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit nur vor, wenn sie aus objekti
ver Sicht nicht überwindbar ist. Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und
limitierungen
, wie sie gerichtsnotorisch ärztlicher
seits sehr oft unterstützt werden – wobei erst noch häufig gar keine konse
quente Behandlung statt
findet
, sind auch künftig nicht als invalidisierende
Gesundheitsbeein
trächti
gung
anzuerkennen (E. 3.7.1).
5.3
Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massge
bliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird (vgl. dazu auch Peter Henningsen, Probleme und offene Fragen in der Beurteilung der Erwerbsfähigkeit bei Probanden mit funktionellen
Körper
beschwerdesyndromen
, in: SZS 2014 S. 533 und 541 [Gutachten des Prof. Dr.
Peter Henningsen, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Technische Universität München, vom Mai 2014 zu Fragen der Schweizer Praxis zur Invaliditätsfeststellung bei somatoformen und ver
wandten Störungen]; E. 4.1.1 und E. 4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemein
samen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesge
richt i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
„
funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
:
„
Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
:
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
„
Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
„
Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
„
Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
:
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, ver
schaffen den Rechtsanwendern In
di
zien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
5.
4
Nach dem Gesagten hat die Beurteilung, ob eine fachärztlich diagnostizierte psychosomatische Erkrankung eine Invalidität begründet oder nicht, nicht mehr mittels der Regel/Ausnahme-Vorgaben beziehungsweise der
Über
wind
barkeits
vermutung
zu erfolgen.
Vielmehr hat die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Störungen stär
ker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichtigen, was sich bereits in den diagnostischen Anforderungen niederzuschlagen hat, indem dem diagnose-inhärenten Schweregrad der
psychosomatischen Erkran
kung
vermehrt Rechnung zu tragen ist. Sodann führt die auf die Begrifflichkeit des medizinischen Klassifikationssystems abstellende Diagnose der
psychoso
matischen Erkrankung
nur dann zur Feststellung einer
invalidenversi
cherungs
rechtlich
erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigung, wenn die Diagnose auch unter dem Gesichtspunkt der Ausschlussgründe (BGE 131 V 49 E. 1.2) standhält.
5.5
Den
angeführten Akten
, insbesondere der Beurteilung durch
Dr.
E._
,
lassen sich
nicht genügend Angaben entnehmen, um die Zuverlässigkeit der von ärztlicher Seite attestierten
Arbeitsunfähigkeit
bezie
hungs
weise den
Schwere
grad
und die Konsistenz der funktionellen Auswirkun
gen der psychischen Problematik aus rechtlicher Sicht beurteilen zu können.
Die genannte, nicht schlüssige medizinische Aktenlage erlaubt nach dem Gesag
ten keine verlässliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit de
s
Beschwerdeführer
s
sowohl in einer leidensangepassten Tätigkeit als auch in der angestammten Tätigkeit
.
Erforderlich ist somit eine medizi
nische Gesamtbetrachtung
unter Beachtung der Standardindikatoren
, welche die ak
tuellen Einschränkungen des Beschwerdeführers gesamtheitlich
berücksichtigt.
Erst wenn diese Einschätzung vorliegt, kann beurteilt werden
,
ob eine rentenrelevante Verschlechterung ein
getreten ist.
5.6
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sende Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sachverhalt als unvollständig, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese ent
sprechende medizinische Abklärungen zum Gesundheitszustand und zur Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers vornehme. Nach der Durchführung eines neuen Einkommensvergleichs
– der Beschwerdefüh
r
er arbeitet nun nicht mehr im Betrieb seines Vaters -
wir
d di
e IV-Stelle über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu zu verfügen haben.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6.2
Liegt keine
anwaltschaftliche
Vertretung vor, besteht der Anspruch auf eine Parteientschädigung nur, wenn die Vertretung für das in Frage stehende Rechtsgebiet besonders qualifiziert ist und wenn nicht anzunehmen ist, dass sie kostenlos erfolgt (BGE 108 V 270 E. 2; ZAK 1991 S. 421 E. 2).
Der Beschwerdeführer
ist durch
Y._
vertreten (Urk. 1
)
.
Den
Akten
sind keine Hinweise daraus zu entnehmen, dass
Herr
Y._
im Bereich des
Invali
denversicherungsrecht
s
besonders qualifiziert
ist
. Damit
kann offen bleiben, ob die Vertretung kostenlos war. Die
obgenannten
Vorausse
tzungen
sind
nicht erfüllt, weshalb keine
Pro
zessentschädigung
auszurichten ist.