Decision ID: dc00cc35-a00e-5b4e-9b8b-0920004ba443
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist Halter des mit Benzin und Bioethanol betriebenen Personenwagens Volvo C30
1.8 Flexifuel Coupé. Dieser wurde am 2. Juli 2007 in Verkehr gesetzt. Von den
Strassenverkehrssteuern 2009 wurde X befreit.
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B.- Mit Rechnung Nr. 1000815996 vom 21. Juni 2010 erhob das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt bei X, für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
Strassenverkehrssteuern für das Fahrzeug Volvo C30 1.8F Coupé von Fr. 455.--. Die
dagegen erhobene Einsprache vom 28. Juni 2010 wies das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt mit Entscheid vom 29. Juni 2010 ab.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X mit Eingabe vom 11. Juli 2010 Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, der Volvo C30 1.8 Flexifuel sei
auch im 2010 (wie im bereits vorhergehenden Jahr) von der Motorfahrzeugsteuer zu
befreien.
Mit Vernehmlassung vom 28. September 2010 beantragte die Vorinstanz sinngemäss
die Abweisung des Rekurses. Am 17. Dezember 2010 reichte die Vorinstanz
zusätzliche Akten ein.
D.- Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit notwendig, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 11. Juli 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. h Ziff. 1, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist grundsätzlich einzutreten.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob für den Personenwagen Volvo C30 1.8F Coupé für das
Jahr 2010 Strassenverkehrssteuern zu bezahlen sind.
a) Der Rekurrent macht geltend, die Einsprache bezüglich der Befreiung von der
Strassenverkehrssteuer 2009 sei am 12. Januar 2010 gutgeheissen worden. Das Jahr
2010 sei das dritte und letzte Jahr für die Ökosteuerbefreiung. Es gebe keine
Begründung, wieso ein bereits gefällter Entscheid im nächsten Jahr rückgängig
gemacht werden solle. Gemäss Energie-Etikette betrügen die klimarelevanten CO -2
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Emissionen bei vollem Benzinbetrieb (Anm.: gemeint ist wohl, bei vollem
Bioethanolbetrieb) 43 g/km. Er tanke ausschliesslich Bioethanol. Die Umwelt werde mit
Ethanol E85 am wenigsten belastet. Damit betriebene Fahrzeuge erreichten in der
Bewertung die höchsten Punktzahlen, auch im Vergleich zu Gas- und Hybridautos. Das
habe den Ausschlag gegeben, dieses Fahrzeug zu kaufen. Der Volvo C30 1.8 Flexifuel,
Ethanol 85 betrieben, sei von der Strassenverkehrssteuer befreit.
Dem hält die Vorinstanz entgegen, mit Schreiben vom 12. Januar 2009 sei dem
Rekurrenten irrtümlich die Motorfahrzeugsteuer für das Jahr 2009 erlassen worden.
Das Fahrzeug des Rekurrenten mit einer CO -Emission von 172 g/km (gemäss
Typengenehmigung: 174 g/km) erfülle die Voraussetzungen zur Steuerbefreiung nicht.
Die Motorfahrzeugsteuer für das Jahr 2010 sei geschuldet.
b) Zunächst ist festzuhalten, dass die in einer früheren Steuerperiode getroffenen
Verfügungen grundsätzlich keine Verbindlichkeit für spätere Veranlagungen entfalten.
Die Steuerbehörde kann vielmehr im Rahmen jeder Neuveranlagung eines
Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche als auch die rechtliche Ausgangslage
vollumfänglich überprüfen und, soweit erforderlich, abweichend würdigen (Urteil des
Bundesgerichts 2P.153/2002 vom 29. November 2002, E. 4.2). Der Rekurrent kann
daher aus der Gewährung der Steuerbefreiung im Jahr 2009 nichts zu seinen Gunsten
für das Jahr 2010 ableiten.
c) Der Kanton St. Gallen erhebt jährlich eine Steuer auf Motorfahrzeugen und
Motorfahrzeuganhängern, die im Kanton ihren Standort haben und auf öffentlichen
Strassen verkehren (Art. 3 Abs. 1 des Gesetzes über die Strassenverkehrsabgaben,
sGS 711.70, abgekürzt: SVAG). Steuerpflichtig ist der Fahrzeughalter (Art. 4 SVAG). Die
Steuer wird nach dem Gesamtgewicht des Fahrzeugs berechnet (Art. 10 SVAG). Der
allgemeine Steuersatz ist in Art. 11 SVAG geregelt. Art. 12 ff. enthält den Steuersatz für
besondere Fahrzeuge. So wird unter anderem die Steuer für emissionsarme Fahrzeuge,
Elektrofahrzeuge und gasbetriebene Fahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen im
Jahr der ersten Inverkehrsetzung und in den drei folgenden Jahren erlassen (Art. 12 ,
12 und 12 SVAG). Art. 11 bis 12 SVAG wurden mit dem VI. Nachtrag zum
SVAG eingeführt. In Kraft ist dieser Nachtrag seit dem 1. Januar 2009.
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ter quater quater
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d) Beim Fahrzeug des Rekurrenten handelt es sich um einen Volvo C30 1.8 Flexifuel,
welcher mit Benzin und/oder Bioethanol betrieben werden kann. Bioethanol ist aus
chemischer Sicht ein Alkohol, der aus Biomasse gewonnen und als Flüssigtreibstoff
meistens in einer E85-Mischung, bestehend aus 85% Ethanol und 15% Benzin,
verwendet wird. Es handelt sich also weder um ein gasbetriebenes noch um ein
Elektro-Fahrzeug. Somit kommt lediglich ein Steuererlass aufgrund von Art. 12 SVAG
in Frage.
aa) Gemäss Art. 12 SVAG wird die einfache Steuer bis zu vier Jahre für leichte
Motorwagen erlassen, die bei ihrer ersten Inverkehrsetzung im Kanton St. Gallen nach
den bundesrechtlichen Vorschriften der besten ökologischen Kategorie angehören. Die
beste ökologische Kategorie bestimmt sich nach der eidgenössischen
Energieverordnung (SR 730.01, abgekürzt: EnV). Im Anhang 3.6 der EnV wird der
Begriff der Energieeffizienzkategorie definiert. Diese muss seit März 2003 auf jedem
zum Verkauf angebotenen Neuwagen mittels einer angebrachten Energieetikette
ersichtlich sein. Dabei gibt es Effizienzklassen von A (sehr effizient) bis G (ineffizient).
Die Einteilung erfolgt über den Treibstoffverbrauch in l/100 km, den CO -Ausstoss in g/
km und die Energieeffizienz bezogen auf das Fahrzeug-Leergewicht. Weitere
ökologische Faktoren werden durch die Energieetikette nicht berücksichtigt. Zudem
regelt die Regierung gemäss Art. 12 Abs. 3 SVAG die Umsetzung durch Verordnung.
In der Verordnung über den Erlass der Motorfahrzeugsteuer für emissionsarme
Motorfahrzeuge (sGS 711.73) wird festgehalten, dass die einfache Steuer für leichte
Motorwagen der Energieeffizienzklasse A erlassen wird, welche nicht mehr als 130 g
CO je km ausstossen (Art. 1 und Art. 2 lit. a).
bb) Der Hersteller eines Personenwagens muss den Treibstoffverbrauch und die CO -
Emissionen mittels Typengenehmigung angeben (vgl. Anhang 3.6, Ziff. 2.1.1 der
Energieverordnung, SR 730.01; abgekürzt: EnV). Dabei muss er dem zuständigen
Bundesamt zu den neu zugelassenen Personenwagen unter anderem Angaben über
CO -Emissionen in Gramm pro Kilometer und Energieeffizienz-Kategorie machen
(Anhang 3.6, Ziff. 5.3 EnV). Das Bundesamt für Strassen stellt dem zuständigen
Bundesamt oder der vom Bundesamt beauftragten Stelle dazu die technischen Daten
der Typengenehmigung zur Verfügung (Anhang 3.6, Ziff. 5.5 EnV). Diese werden durch
eine technische Prüfung der Fahrzeugtypen ermittelt. Zuständig für die Durchführung
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dieser Prüfung sind nur wenige Prüfstellen, welche im Anhang 2 der Verordnung über
die Typengenehmigung von Strassenfahrzeugen (SR 741.511; abgekürzt: TGV)
aufgeführt sind. Über die Typengenehmigungen führt das Bundesamt für Strassen ein
Fahrzeugtypenregister (TARGA) (vgl. Art. 104d des Strassenverkehrsgesetzes, SR
741.01; abgekürzt: SVG). Darin werden für jeden Fahrzeugtyp die Daten für die
Zulassung und Überprüfung der Fahrzeuge aufgeführt (Art. 11 Abs. 1 TGV). Diese
Daten werden den für die Fahrzeugzulassung und -prüfung zuständigen Stellen
bekanntgegeben und mittels
eines Abrufsystems zugänglich gemacht (Art. 11 Abs. 2 TGV).
Die Vorinstanz führt ein Register aller im Kanton St. Gallen zugelassenen Fahrzeuge.
Für dieses kantonale Register bezieht sie die technischen Daten aus dem TARGA. Für
das Fahrzeug des Rekurrenten wurde vom Hersteller eine Typengenehmigung
(Nr. 1VA4 94) eingeholt. Dabei ergab sich ein CO -Wert von 174 g/km und die
Energieeffizienzkategorie C. Diese Daten wurden von der Vorinstanz in ihr Register
übernommen (vgl. act. 11/17). Auch auf der Energie-Etikette des Fahrzeugtyps Volvo
C30 1.8F Coupé sind die CO -Emissionen mit 174 g/km aufgeführt und das Fahrzeug
wird der Energieeffizienzkategorie C zugeteilt (vgl. act. 11/12). In der Auto-Umweltliste
des VCS-Magazins wird für diesen Fahrzeugtyp zwar für den Betrieb mit E85 ein
Abgaswert von 30 g CO /km, aber ebenfalls die Energieeffizienzkategorie C aufgeführt
(vgl. act. 11/13). Gemäss Auskunft der Vorinstanz wurde das Fahrzeug ab 1. Juli 2010
sogar der Energieeffizienz-Kategorie D zugeteilt (vgl. act. 10, 11 und 11/18).
cc) Die Vorinstanz hat zu Recht auf die in der Typengenehmigung des Fahrzeugs
enthaltenen technischen Daten abgestellt. Der CO -Emissionswert wird darin mit
174 g/km aufgeführt. Dieser Wert entspricht vielleicht nicht dem faktischen CO -
Ausstoss beim Betrieb des Fahrzeugs mit Bioethanol. Entscheidend ist aber, dass das
Fahrzeug der Energieeffizienzkategorie C und seit dem 1. Juli 2010 angeblich sogar der
Energieeffizienzkategorie D zugeteilt ist. Deshalb erfüllt es die in Art. 12 SVAG
aufgeführten Voraussetzungen für einen Erlass der Strassenverkehrssteuer nicht, da
die Merkmale der Zugehörigkeit zur Energieeffizienzklasse A sowie ein CO -Ausstoss
von nicht mehr als 130 g je km, kumulativ erfüllt sein müssen.
e) Zusammenfassend ergibt sich, dass für das Fahrzeug des Rekurrenten für das Jahr
2010 keine Steuerbefreiung gewährt werden kann. Der Rekurs ist damit abzuweisen.
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3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- ist angemessen
(vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 500.-- ist zu verrechnen.