Decision ID: 8a403d95-f5ef-4d70-b113-1a5ceed5917a
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 19. November 2021 in der Schweiz um
Asyl nach. Er reichte zugleich eine syrische Identitätskarte im Original zu
den Akten.
B.
Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der Eurodac-Datenbank ergab,
dass er am 17. September 2018 in Griechenland ein Asylgesuch einge-
reicht hatte.
C.
Anlässlich der Personalienaufnahme (PA) vom 25. November 2021 und
des persönlichen Gesprächs vom 2. Dezember 2021 gemäss Art. 5 der
Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Ra-
tes vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Be-
stimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Dritt-
staatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten An-
trags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO)
führte der Beschwerdeführer im Wesentlichen aus, er sei im April oder Mai
2018 in Griechenland eingereist, habe dort einen positiven Asylentscheid
sowie einen Aufenthaltstitel erhalten und sich dort knapp vier Jahre aufge-
halten. Er habe in dieser Zeit in verschiedenen Camps gewohnt. Anfangs
November 2021 sei er mit dem Flugzeug von Thessaloniki nach Zürich und
in die Schweiz eingereist. Er verfüge über einen Aufenthaltstitel in Grie-
chenland und habe ausser in Griechenland und in der Schweiz in keinem
weiteren Land um Asyl nachgesucht.
Zu seinem gesundheitlichen Zustand führte er aus, es gehe ihm psychisch
sehr schlecht. Aufgrund seiner Erlebnisse vor sieben Jahren leide unter
Schlafstörungen und Albträumen. Die entsprechenden Medikamente wür-
den nicht wirklich wirken. Ausserdem leide er ständig unter Ohren-, Kopf-
und Magenschmerzen. In Griechenland habe er keinen Zugang zu medizi-
nischer Versorgung gehabt.
D.
Am 14. Dezember 2021 nahm das SEM dem Beschwerdeführer im Bun-
desasylzentrum einen griechischen Flüchtlingspass sowie einen griechi-
schen Aufenthaltstitel (beide im Original) ab und legte diese Dokumente zu
den Akten.
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Seite 3
E.
Mit Schreiben vom 17. Dezember 2021 hielt das SEM fest, aus den abge-
nommenen Unterlagen sei ersichtlich, dass die griechischen Behörden ihm
den Flüchtlingsstatus gewährt und ihm eine bis zum 6. Mai 2024 gültige
Aufenthaltsbewilligung gewährt haben. Deshalb beabsichtige das SEM,
auf sein Asylgesuch nicht einzutreten und ihn nach Griechenland wegzu-
weisen. Er erhalte hiermit Gelegenheit, sich im Rahmen des rechtlichen
Gehörs dazu – wie auch zu allfälligen zusätzlichen medizinischen Beein-
trächtigungen – zu äussern.
F.
Am 21. Dezember 2021 ersuchte das SEM die griechischen Behörden ge-
stützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger (Rückführungsrichtlinie) sowie das Abkommen zwi-
schen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Hellenischen Re-
publik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem Aufenthalt
vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729, nachfolgend: Rückübernahme-
abkommen) um Rückübernahme des Beschwerdeführers.
G.
Die griechischen Behörden stimmten dem Gesuch um Rückübernahme am
22. Dezember 2021 zu.
H.
Mit Eingabe vom 27. Dezember 2021 äusserte sich der Beschwerdeführer
im Rahmen des rechtlichen Gehörs zur beabsichtigten Wegweisung nach
Griechenland im Wesentlichen wie folgt: Es sei für ihn nur schwerlich denk-
bar, nach Griechenland zurückzukehren. Während seiner Zeit im Flücht-
lingscamp habe er sich von seiner Ehefrau getrennt, weshalb er von den
Brüdern seiner Frau mit Messern bedroht worden sei. Nach der Schutzge-
währung durch Griechenland habe er das Camp verlassen müssen und
ihm sei danach keine Unterkunft, Nahrung oder sonstige Unterstützung an-
geboten worden. Alle seine Bemühungen um Beanspruchung von staatli-
cher Hilfe seien erfolglos geblieben. Er habe auch keine Arbeit finden kön-
nen. Er sei bei einem Bekannten untergekommen, um die Obdachlosigkeit
zu verhindern. Da dieser Bekannte selbst eine Familie und wenig finanzi-
elle Mittel gehabt habe, habe er dessen Wohnung nach rund zweieinhalb
Monaten verlassen müssen. Um nicht auf der Strasse leben zu müssen,
sei er mit der letzten finanziellen Unterstützung seines Bekannten in die
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Schweiz gereist. In der Schweiz könne er auf die Unterstützung seines Bru-
ders zählen, der seit mehreren Jahren hier lebe. Ausser ihm lebten keine
weiteren Angehörigen oder eigene Kinder in der Schweiz. Die Kriegserleb-
nisse in Syrien würden ihn psychisch nachhaltig belasten. Seinem Wunsch
nach psychologischer Betreuung sei bisher noch nicht entsprochen wor-
den, er habe dies erneut angemeldet. Weiter leide er an diversen körperli-
chen Beschwerden. Schliesslich leide das Asylsystem in Griechenland, na-
mentlich auch die Situation von Schutzberechtigten, unter gravierenden
Mängeln, wie verschiedene Berichte von Nichtregierungsorganisationen
aufzeigen würden. Sowohl deutsche wie auch niederländische Gerichte
hätten sodann jüngst die Wegweisung von anerkannten Schutzberechtig-
ten aus Griechenland als nicht rechtmässig erachtet. Die Mängel im grie-
chischen Asylsystem beträfen insbesondere das Recht auf adäquate Un-
terkunft, den Mangel an sozialer Unterstützung und den Zugang zu medi-
zinischer Versorgung.
Vorliegend sei noch keine psychiatrische Abklärung durchgeführt und der
medizinische Sachverhalt noch nicht vollständig abgeklärt worden. Er sei
während seiner Zeit in Griechenland bereits unmenschlicher und erniedri-
gender Behandlung ausgesetzt gewesen. Bei einer Wegweisung würde er
sich in demselben Elend wiederfinden. Falls nicht von Unzulässigkeit aus-
gegangen würde, wäre die Wegweisung zumindest als unzumutbar einzu-
schätzen.
I.
In den darauffolgenden Monaten wurde der Beschwerdeführer mehrmals
medizinisch untersucht. In deren Nachgang reichte er die folgenden Arzt-
berichte ein:
- Arztbericht von B._ vom 13. Januar 2022; Diagnose einer Sep-
tumdeviation bei Schiefnase, leichtgradige Gehörseinschränkung links,
Ohrenschmerzen links sowie Verdacht auf Migräne;
- Medizinisches Datenblatt des Zentrumsarzts des Bundessylzentrums
C._ vom 16. Februar 2022; Diagnose: Spannungskopfschmer-
zen, leichter Kopfschall beim Bauch, wobei diese Beschwerden am
ehesten psychosomatisch assoziiert seien;
- Medizinisches Datenblatt des Zentrumsarzts des Bundessylzentrums
C._ vom 3. März 2022; Diagnose: Spannungskopfschmerzen
und Eindruck einer depressiven Störung;
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- Ärztlicher Kurzbericht der Psychiatrischen Dienste Aargau (PDAG)
vom 30. Mai 2022: Untersuchungsbefund: Anpassungsstörung und
Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung.
- Konsultationsbericht der PDAG vom 5. Juli 2022; Befund: mittelgradige
depressive Episode im Rahmen belastender Lebenssituation.
J.
Am 21. Juni 2022 wurde der Beschwerdeführer dem Kanton D._
als zuständigen Kanton zugewiesen. Als Grund wurde die maximale Auf-
enthaltsdauer von 140 Tagen in den Unterbringungsstrukturen der Bunde-
sasylzentren angegeben.
K.
Mit Schreiben vom 29. August 2022 ersuchte das SEM den Beschwerde-
führer im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs um Einreichung
allfälliger neuer Arztberichte, um Darlegung, welche medizinische Behand-
lungen er zurzeit erhalte und benötige sowie um Mitteilung, ob er sich ge-
genwärtig in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung be-
finde beziehungsweise wann letztmalig ein solcher Termin stattgefunden
habe.
L.
Mit Eingabe vom 6. September 2022 reichte der Beschwerdeführer seine
Stellungnahme ein und führte aus, es gehe ihm psychisch sehr schlecht,
was auch sein Krankheitsbild zeige. Aufgrund der traumatischen Kriegser-
lebnisse seien ihm durch die PDAG auch eine mittelgradig depressive Epi-
sode mit Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert
worden. Am 31. Mai 2022 habe er aufgrund von Suizidgedanken notfall-
mässig dem PDAG überwiesen werden müssen. Es seien noch zwei Arzt-
termine, am 7. sowie am 9. September 2022, ausstehend. In diesem Sinne
sei der medizinische Sachverhalt noch nicht restlos geklärt. Ausserdem sei
der Vollzug nach Griechenland gemäss Rechtsprechung vermutungsweise
unzumutbar für Personen, deren psychische oder physische Gesundheit in
besonders schwerwiegender Weise beeinträchtigt ist (vgl. Urteil des BVGer
E-3427/2021/E-3421/2021 E. 11.5.3). Dies sei bei ihm der Fall. Von der
Rechtsprechung für den Wegweisungsvollzug nach Griechenland gefor-
derte besonders günstige Umständen lägen nicht vor. Angesichts des klar
dokumentierten Gesundheitszustands wäre es angezeigt, ihn unverzüglich
in der Schweiz vorläufig aufzunehmen.
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Seite 6
M.
Mit Eingabe vom 15. September 2022 nahm der Beschwerdeführer zum
Entscheidentwurf des SEM vom 14. September 2022 Stellung. Der Stel-
lungnahme legte er den aktuellen psychiatrischen Bericht des Psychiatrie
Zentrums Löwenstrasse vom 14. September 2022 bei und führte aus, ge-
mäss dem neusten psychiatrischen Bericht sei bei ihm eine Anpassungs-
störung und eine Panikstörung diagnostiziert worden. Dies ziehe Folgen
wie Herzklopfen und Brustschmerzen nach sich. Alarmierend seien des
Weiteren die mehrmaligen Suizidversuche, was im Entscheid berücksich-
tigt werden müsse. Sein Gesundheitszustand müsse angesichts des neus-
ten Berichts als prekär bezeichnet werden. Er werde aktuell behandelt und
der nächste Termin finde am 5. Oktober 2022 statt. Die Rückweisung nach
Griechenland würde den Abbruch seiner hier aufgegleisten psychiatrischen
Behandlung sowie den Verlust der familiären Unterstützung durch seinen
Bruder bedeuten. Diese Destabilisierung würde in derart gefährden, dass
er sich in Griechenland in Lebensgefahr befinden würde. Es müsse bei ihm
von einer schwerwiegenden Krankheit im Sinne der jüngsten Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts ausgegangen werden. Ausserdem
lägen keine begünstigenden Umstände für eine Rückkehr nach Griechen-
land vor, weshalb die Wegweisung unzumutbar und der Beschwerdeführer
in der Schweiz vorläufig aufzunehmen sei.
N.
Mit Verfügung vom 16. September 2022 – gleichentags eröffnet – trat das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf das
Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung
aus der Schweiz sowie deren Vollzug an. Ferner wurden ihm die editions-
pflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis ausgehändigt.
O.
Mit Eingabe vom 21. September 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und bean-
tragt, es sei der Entscheid des SEM vom 16. September 2022 aufzuheben
und es sei auf das Asylgesuch einzutreten und dieses zu prüfen. Eventua-
liter sei das SEM anzuweisen, eine aktuelle Zustimmung für die Rücküber-
nahme durch die griechischen Behörden vorzulegen. Schliesslich sei auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltli-
che Prozessführung zu gewähren.
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Seite 7
P.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
22. September 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG).
Q.
Am 28. September 2022 ging beim Bundesverwaltungsgericht ein vom
25. September 2022 datierendes Schreiben von Pater E._ ein, in
dem dieser darlegt, der Beschwerdeführer habe sich in der (...) eingefun-
den, sein Interesse am Christentum, das er im Asylverfahren verschwiegen
habe, bekundet, und sich bereit erklärt, in der katholischen Kirche mitzu-
wirken, dies verbunden mit der Bitte, den Beschwerdeführer in der Schweiz
zu belassen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
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(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Demgegenüber prüft die Vorinstanz in solchen
die Frage der Wegweisung und des Vollzugs materiell, weshalb dem Bun-
desverwaltungsgericht diesbezüglich die volle Kognition zukommt.
3.
Die Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensicht-
lich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise einer zwei-
ten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung eines Schriften-
wechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln ist (Art. 111a
Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Zustimmung für die Rückübernahme
durch die griechischen Behörden datiere vom 21. Dezember 2021 und
liege bereits neun Monate zurück. Für eine Rückübernahme müsse eine
aktuelle Zustimmung vorliegen, was hier nicht der Fall sei, da eine solche
Zustimmung nicht auf alle Ewigkeit gültig sei. Weiter sei nicht ersichtlich
und werde nicht begründet, weshalb die Vorinstanz so lange mit dem Ent-
scheid zugewartet habe. Das Nichteintretensverfahren stehe denn auch
nur für klare Fälle, mithin bei einem offenkundigen Fehlen der Flüchtlings-
eigenschaft zur Verfügung, was zumindest aus der summarischen Begrün-
dung der Verfügung hätte hervorgehen müssen. Diese Rügen der Verlet-
zung des Untersuchungsgrundsatzes und der Begründungspflicht sind
vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Unrichtig ist die Sachverhaltsfest-
stellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger Sach-
verhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststel-
lung, wenn die Behörde den Sachverhalt nicht von Amtes wegen abgeklärt
hat, oder wenn nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände
berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043). Weiter
besteht die Pflicht der Behörden, Vorbringen des Betroffenen tatsächlich
zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidung angemessen zu
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Seite 9
berücksichtigen (Art. 35 VwVG). Die Entscheidbegründung muss so abge-
fasst sein, dass die betroffene Person den Entscheid gegebenenfalls sach-
gerecht anfechten kann.
4.3 Vorliegend stimmten die griechischen Behörden dem Ersuchen der Vo-
rinstanz um Rückübernahme des Beschwerdeführers am 22. Dezember
2022 ausdrücklich zu. Zwar lag diese Zustimmung zum Zeitpunkt des vo-
rinstanzlichen Entscheids rund neun Monate zurück. Es ist aber davon aus-
zugehen, dass die griechischen Behörden den Schutzstatus des Be-
schwerdeführers nach wie vor als gültig erachten und eine Rücküber-
nahme gewährleistet ist, dies zu den von den griechischen Behörden an-
gegebenen Bedingungen (namentlich eine Vorankündigung innert zehn Ar-
beitstagen). Eine Zustimmung zur Rückübernahme gilt grundsätzlich für ei-
nen Monat ab dem Zeitpunkt ihrer Bekanntgabe. Diese Frist kann nach
Absprache zwischen den Vertragsparteien jedoch verlängert werden
(Art. 1 Ziffer 5 letzter Satz des Rückübernahmeabkommens). Weshalb die
griechischen Behörden eine Verlängerung der Zustimmung verweigern
sollten, ist im vorliegenden Fall nicht zu erblicken, zumal der Beschwerde-
führer über eine bis am 6. Mai 2024 gültige Aufenthaltsbewilligung für Grie-
chenland besitzt. Zudem gibt es keine Bestimmungen, wonach die Frist
nicht mehrmals beziehungsweise innert einer vorgegebenen Frist verlän-
gert werden könnte oder nach Ablauf dieser Frist ein Übergang der Zustän-
digkeit erfolgen würde (vgl. Urteil des BVGer E-6331/2020 vom 18. Mai
2021 E. 4.2). Eine unzureichende Sachverhaltsfeststellung kann diesbe-
züglich nicht erblickt werden.
4.4 Weiter ist (vorab) festzustellen, dass die Vorinstanz nach Ansicht des
Gerichts der vorliegend interessierende medizinische Sachverhalt vollstän-
dig festgestellt hat. Damit zusammenhängend ist auch zu erklären, wes-
halb sie mit dem Entscheidentwurf beziehungsweise der Entscheidfällung
zugewartet hat, obwohl die Zustimmung der griechischen Behörden bereits
im Dezember 2021 vorgelegen hatte. Der Zeitraum vom rund zehn Mona-
ten zwischen der (Asyl-)Gesuchstellung und der Eröffnung des Nichteintre-
tensentscheid ist zwar als lange zu bezeichnen. Im vorliegenden Fall ist
aber nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz zunächst die verschiede-
nen ärztlichen Berichte über den physischen und psychischen Gesund-
heitszustand des Beschwerdeführers abgewartet – und damit den medizi-
nischen Sachverhalt korrekt festgestellt hat – bevor sie den angefochtenen
Entscheid fällte.
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4.5 Die formellen Rügen erweisen sich damit als unbegründet. Nach dem
Gesagten besteht für eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz keine
Veranlassung. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch in der Re-
gel nicht eingetreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a
Abs. 2 Bst. b AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann,
in welchem sie sich vorher aufgehalten hat.
5.2 Der Bundesrat bezeichnet Staaten, in denen nach seinen Feststellun-
gen effektiver Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG
besteht, als sichere Drittstaaten (Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG). Mit Be-
schluss des Bundesrates vom 14. Dezember 2007 wurden sämtliche Län-
der der Europäischen Union (EU) und der Europäischen Freihandelsasso-
ziation (EFTA) als sichere Drittstaaten bezeichnet.
5.3 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Griechenland als Mitgliedstaat der Europäischen Union
(EU) um einen sicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG
handelt. Den vorinstanzlichen Akten ist sodann zu entnehmen, dass dem
Beschwerdeführer in Griechenland internationaler Schutz gewährt worden
ist und die griechischen Behörden seiner Rückübernahme ausdrücklich zu-
gestimmt haben. Demnach sind die Voraussetzungen für einen Nichtein-
tretensentscheid nach Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG erfüllt, weshalb das
SEM auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers zu Recht nicht eingetre-
ten ist.
6.
6.1 Tritt das SEM auf ein Asylgesuch nicht ein, so verfügt es in der Regel
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an; es berück-
sichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt über keine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung und ein Anspruch auf Erteilung einer solchen ist zu vernei-
nen. Namentlich hat die Vorinstanz zu Recht begründet, weshalb der Be-
schwerdeführer aus der Anwesenheit seines Bruders in der Schweiz nichts
– insbesondere gestützt auf Art. 8 EMRK – zu seinen Gunsten ableiten
kann. Zwecks Vermeidung von Wiederholung kann vollumfänglich auf die
entsprechenden Erwägungen in der angefochtenen Verfügung verwiesen
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Seite 11
werden. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis nicht möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insb. Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 FK, Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie aufgrund von Situationen wie Krieg, Bür-
gerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet
sind.
7.3
7.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich im Referenzurteil
E-3427/2021, E-3431/2021 vom 28. März 2022 einlässlich mit der Situation
in Griechenland auseinandergesetzt und an seiner bisherigen Rechtspre-
chung festgehalten, wonach der Vollzug der Wegweisung nach Griechen-
land für Personen, die dort einen Schutzstatus erhalten haben, grundsätz-
lich zulässig ist. Das Gericht geht nicht von einer Situation aus, in der jeder
Person mit Schutzstatus in Griechenland eine unangemessene und ernied-
rigende Behandlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen
würde. Trotz existierender Schwachstellen kann nicht von einem dysfunk-
tionalen Aufnahmesystem gesprochen werden. Gewisse Angebote existie-
ren in Griechenland, die auch für Schutzberechtigte offenstehen, wenn
auch die Kapazitäten kaum ausreichend sein dürften und Infrastrukturhilfen
und Angebote bisher vor allem von internationalen Akteuren, zuvorderst
der EU, dem UNHCR und der IOM abhängen, die – in Zusammenarbeit mit
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Seite 12
der lokalen Zivilgesellschaft – Leistungen erbringen und finanzieren. Trotz
dieser schwierigen Verhältnisse geht das Bundesverwaltungsgericht davon
aus, dass schutzberechtigte Personen grundsätzlich in der Lage sind, ihre
existenziellen Bedürfnisse abzudecken. Auch ist davon auszugehen, dass
Rückkehrenden keine menschenunwürdige Behandlung droht, weshalb für
sie kein «real risk» einer völkerrechtswidrigen Behandlung besteht. An die-
ser Einschätzung vermögen auch die vom Beschwerdeführer sowohl im
erstinstanzlichen Verfahren als auch auf Beschwerdeebene angerufenen
Länderberichte und Urteile deutscher Verwaltungsgerichte nichts zu än-
dern.
7.3.2 Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist
(Referenzurteil E-3427/2021, E-3431/2021 E. 11.3). Die Legalvermutung
der Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung gilt bezüglich Griechen-
land grundsätzlich auch für vulnerable Personen, wie zum Beispiel
Schwangere oder Personen, die an gesundheitlichen Problemen leiden,
die nicht als schwerwiegende Erkrankung einzustufen sind (vgl. a.a.O
E. 11.5.1).
7.4 Es obliegt der betroffenen Person, diese Legalvermutungen umzustos-
sen. Dazu hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Be-
hörden im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen, ihr nicht den notwen-
digen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdigen Lebensumständen
aussetzen würden respektive, dass sie in Griechenland aufgrund von indi-
viduellen Umständen sozialer, wirtschaftlicher oder gesundheitlicher Art in
eine existenzielle Notlage geraten würde (vgl. Referenzurteil E-3427/2021,
E-3431/2021 E. 11.4).
7.4.1 Die griechischen Behörden haben dem Beschwerdeführer den
Flüchtlingsstatus gewährt. Demnach kann er sich auf die Garantien in der
Qualifikationsrichtlinie berufen (insbesondere die Regeln betreffend den
Zugang zu Beschäftigung [Art. 26], zu Bildung [Art. 27], zu Sozialhilfeleis-
tungen [Art. 29], zu Wohnraum [Art. 32] und zu medizinischer Versorgung
[Art. 30]), auf die sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften lassen
muss. Aufgrund der Akten liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor, dass
er für den Fall einer Rückkehr nach Griechenland dort mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen
Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Der Beschwerdeführer macht
geltend, nach Verlassen des Flüchtlingscamps keine Unterkunft gefunden
und in der Folge bei einem Bekannten untergekommen zu sein. Bei einer
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Wegweisung nach Griechenland würde er obdachlos werden und keinen
Zugang zu elementaren Leistungen erhalten. Auch unter Berücksichtigung
der Schwächen des griechischen Aufnahmesystems vermag jedoch allein
die blosse Möglichkeit, in nicht absehbarer Zeit aus nicht voraussehbaren
Gründen in eine missliche Lebenssituation zu geraten, die hohe Schwelle
zum «real risk» nicht zu erreichen, womit sich der Vollzug der Wegweisung
als zulässig erweist.
7.4.2 Die Vorinstanz hat weiter auch den Vollzug der Wegweisung mit zu-
treffender Begründung als zumutbar erachtet. Der Beschwerdeführer hat
gemäss eigenen Angaben rund drei Jahre und zehn Monate in Griechen-
land gelebt (vgl. SEM-eAkten, 1116512-16/2, S. 1). Dies zumindest teil-
weise auch selbständig und ausserhalb des Camps, was auf eine gewisse
Selbstständigkeit hindeutet. Selbst wenn die Lebensbedingungen in Grie-
chenland für den Beschwerdeführer eine Herausforderung darstellen und
eine adäquate Eingliederung in die sozialen Strukturen Griechenlands mit
nicht zu verkennenden Erschwernissen verbunden ist, liegen keine Hin-
weise für die Annahme vor, dass er bei einer Rückkehr einer existenziellen
Notlage ausgesetzt wäre. Daran vermag auch nichts zu ändern, dass er
sich gemäss eigenen – nicht weiter belegten – Angaben mehrmals an die
griechischen Behörden gewandt, jedoch keine Hilfe erhalten habe. Er ver-
fügt unbestritten über eine gültige griechische Aufenthaltsbewilligung. Da-
mit hat er grundsätzlich Zugang zu Sozialleistungen, zum griechischen
Stellenmarkt und zur Gesundheitsversorgung. Ebenso hat er Anspruch auf
diesbezügliche Gleichberechtigung mit griechischen Staatsangehörigen.
Insofern darf von ihm erwartet werden, sich bei Unterstützungsbedarf und
der Geltendmachung seines Anspruchs sowie allfälligen Verfahrensverlet-
zungen an die griechischen Behörden zu wenden und die erforderliche
Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzufordern.
7.4.3 Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers angeht,
erachtet das Gericht den diesbezüglichen Sachverhalt, wie erwähnt, als
von der Vorinstanz vollständig erstellt. Die Vorinstanz geht in der angefoch-
tenen Verfügung auf sämtliche vom Beschwerdeführer eingereichten ärzt-
lichen Berichte ein und gibt einen Überblick über deren Inhalt. Darauf kann
hier vollumfänglich verwiesen werden. Dem aktuellsten ärztlichen Bericht
des Psychiatriezentrums (...) zu seiner psychischen Gesundheit, datierend
vom 14. September 2022 sowie dem Bericht der PDAG vom 30. Mai 2022
ist zu entnehmen, dass beim Beschwerdeführer eine mittelgradige depres-
sive Episode mit Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung diag-
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nostiziert worden ist. Ob er zur Behandlung dieser Beeinträchtigungen ak-
tuell entsprechende Medikamente einnimmt, geht aus den neusten Berich-
ten nicht hervor und wird auf Beschwerdeebene nicht geltend gemacht.
Hierzu ist festzuhalten, dass eine mittelgradige depressive Episode mit so-
matischem Syndrom grundsätzlich auch in Griechenland behandelbar ist
(vgl. Urteil des BVGer D-3218/2022 vom 3. August 2022). Demnach wird
der Beschwerdeführer in Griechenland die allenfalls notwendigen Medika-
mente erhalten, selbst wenn er nicht nahtlos weiter behandelt werden
kann. Aus dem Umstand, dass er gemäss seinen Aussagen in Griechen-
land nicht behandelt worden sei, vermag er insgesamt nicht zu seinen
Gunsten abzuleiten, zumal er auch diesbezüglich den Rechtsweg einschla-
gen könnte. Sodann ist es ihm grundsätzlich auch möglich, medizinische
Leistungen in Anspruch zu nehmen, wobei es ihm unbenommen bleibt ein
öffentliches Krankenhaus aufzusuchen (vgl. Urteil des BVGer D-
1383/2022 vom 31. März 2022 E. 6.6). Schliesslich bringt der Beschwer-
deführer vor, sein äusserst schlechter psychischer Zustand habe sich auch
in suizidalen Absichten manifestiert. Die diesbezüglichen vor-
instanzlichen Erwägungen sind begründet und nicht zu beanstanden, wes-
halb grundsätzlich darauf verwiesen werden kann. Ohne den psychischen
Zustand des Beschwerdeführers verharmlosen zu wollen, ist gestützt auf
die Akten (ärztliche Berichte) und mit der Vorinstanz nicht auf einen dring-
lichen Handlungsbedarf zu schliessen. Namentlich auch der Bericht des
Psychiatriezentrums (...) vom 14. September 2022, welcher seinen aktuel-
len psychischen Zustand zusammenfasst, äussert keinen akuten Hand-
lungsbedarf oder eine dringende Massnahmenergreifung in Bezug auf die
suizidalen Gedanken. Es ist im heutigen Zeitpunkt demnach nicht von einer
derart schwerwiegenden Erkrankung oder stark ausgeprägten und wieder-
holten Suizidalität auszugehen, die der Zumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs entgegenstehen würde. Diesbezüglich ist auch auf die Rechtspre-
chung zu verweisen, wonach auch eine vorübergehende Suizidalität als
Reaktion auf einen negativen Asylentscheid dem Vollzug der Wegweisung
in aller Regel nicht entgegensteht (vgl. Urteil des BVGer
D-1383/2022 vom 31. März 2022 E. 6.6). Letztlich ist darauf hinzuweisen,
dass er zumindest vorübergehend die medizinische Rückkehrhilfe, bei-
spielsweise in Form der Mitgabe von Medikamenten oder der Übernahme
von Kosten für notwendige Therapien, in Anspruch nehmen kann (vgl.
Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG, Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August
1999 [AsylV 2, SR 142.312]). Dem psychischen Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers ist auch bei den Vollzugsmodalitäten Rechnung zu tra-
gen.
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7.4.4 Aufgrund der Aktenlage ist somit nicht davon auszugehen, der Be-
schwerdeführer gerate bei einer Rückkehr nach Griechenland zwangsläu-
fig in eine seine Existenz gefährdende Situation. Der Vollzug der Wegwei-
sung ist somit auch zumutbar.
7.4.5 Nach dem Gesagten ist es dem Beschwerdeführer auch unter Be-
rücksichtigung der aktuellen bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtspre-
chung nicht gelungen, die Regelvermutungen umzustossen (vgl. Referenz-
urteil E3427/2021, E-3431/2021 E. 11.5). Damit erweist sich der Wegwei-
sungsvollzug als zulässig und zumutbar.
7.5 Es ist schliesslich auch ohne weiteres von der Möglichkeit des Weg-
weisungsvollzugs auszugehen (Art. 83 Abs. 2 AIG), da sich Griechenland
– wie schon im Rahmen der Prüfung der Voraussetzungen von Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG festgestellt (vgl. oben, E. 5.3) – ausdrücklich zu einer
Wiederaufnahme des Beschwerdeführers bereit erklärt hat.
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
Daran vermag auch das Schreiben von Pater E._ (vgl. Sachverhalt
Bst. Q) nichts zu ändern.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
9.1
Die gestellten Begehren haben sich als aussichtslos erwiesen, weshalb
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ungeach-
tet einer allfälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist (Art. 65
Abs. 1 VwVG).
9.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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