Decision ID: fef9cca3-328e-53ec-a93c-807889ecf27f
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1987, war nach einer abgebrochenen Lehre als Fachfrau Kinderbetreuung (Urk. 6/3 Ziff. 5.3)
ab dem 1. Januar 2012
in einem Einsatzprogramm des
Y._
(Urk. 6/3 Ziff. 5.4)
tätig
, als sie sich am
2. Mai 2012 aufgrund einer psychischen Störung bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 6/3 Ziff. 6.2). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte in der Folge medizinische (Urk. 6/8
, Urk. 6/11-13
) und berufliche Abklärungen (Urk. 6/2, Urk. 6/7)
und auferlegte der Versicherten m
it Schreiben vom 22. November 2012 im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht eine absolute Substanzkarenz sowie entspre
chende regelmässige laborchemische Kontrollen während mindestens sechs Mo
naten (Urk. 6/14).
Nachdem die IV-Stelle von der Versicherten keine Rückmel
dung betreffend eine weitere Beratung erhalten hatte, wurde
die Berufsberatung
mit Mitteilung vom 28. August 2013
abgebrochen
(Urk. 6/25).
Am 18. Dezember 2013 bat die Versicherte um einen Termin zur Wiederauf
nahme der Berufsberatung (Urk. 6/28),
teilte m
it Schreiben vom 21. April 2014
jedoch
mit, sie habe sich entschieden, den Weg in den Arbeitsmarkt selbständig zu gehen (Urk. 6/35).
Daraufhin schloss die IV-Stelle die Berufsberatung erneut ab und verwies betreffend Rente auf eine spätere separate Verfügung (Urk. 6/38).
1.2
Nachdem die Versicherte die Termine zur psychiatrischen Begutachtung mehr
fach nicht wahrgenommen hatte (vgl. Urk. 6/31, Urk. 6/40
-42, Urk. 6/
45) und
von der
IV-Stelle mit Schreiben
vom 16. Mai 2014 unter Androhung der Leis
tungsabweisung auf die Mitwirkungspflicht bei der Begutachtung hingewiesen worden war (Urk. 6/41)
, stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 7. August 2014 die Abweisung
des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 6/51).
Dagegen erhob die Versicherte am 21. August 2014 einen Einwand (Urk. 6/53) und un
terzog sich in der Folge der vorgesehenen psychiatrischen Begutachtung (Urk. 6/58). Mit Schreiben vom 19. Januar 2015 auferlegte die IV-Stelle der Versicherten im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht die Durchführung ei
ner psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung (Urk. 6/60) und wies sie am 22. Juni 2015 auf
ihre Mitwirkungspflicht betreffend Eingliederungsmass
nahmen
hin (Urk. 6/73).
Nach
durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/77-78, Urk. 6/81) verneinte die IV-Stelle am 29. September 2015 einen Anspruch auf Leistungen der Invali
denversicherung (Urk. 6/83 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 29. September 2015 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 19. Oktober 2015 Beschwerde und beantragte die Wiederaufnahme des Verfahrens zur Prüfung eines Rentenanspruchs (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 25. November 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5), was der Versicherten am 3. Dezember 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsgerichts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliede
rung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe
von Art
.
16 Abs
.
2
lit.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Mass
nahmen (lit. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung
, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit.
d).
1.3
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 %
arbeitsunfä
hig (Art.
6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vor
bereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen berufli
cher Art geschaffen werden können (
Art.
14a
Abs.
1
IVG
). Als Integrations
massnahmen gelten
gemäss Abs. 2
gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (lit.
a) und
Be
schäftigungsmassnahmen (lit.
b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit verloren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu er
halten (BBl
2005 4521
ff., 4564; Erwin Murer, Invalidenversicherung: Präven
tion, Früherfassung und Integration, Bern 2009, N.
4 und 31 zu Art.
14a IVG; Silvia Bucher, Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach Art.
14a IVG, in: Soziale Sicherheit
–
Soziale Unsicherheit, Festschrift für Erwin Murer zum 65.
Geburtstag, 2010, S.
111).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt
eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 29. September 2015 führte die Beschwer
-
de
gegnerin aus, gemäss den Abklärungen seien berufliche Massnah
men an
-
gezeigt. Die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin könne mit einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung wesentlich
ver
bessert und mit beruflichen Massnahmen eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % erreicht werden.
Im Sinne von „Eingliederung vor Rente“ könne während dieses Zeitraums kein Entscheid über einen allfälligen Rentenanspruch gefällt werden. Die Beschwerdeführerin habe sodann nicht begründet, weshalb sie die psychiat
risch-psychotherapeutische Behandlung nicht
habe aufnehmen können
(Urk. 2 S. 2).
In der Beschwerdeantwort vom 25. November 2015 führte die Beschwerde
-
gegne
rin sodann ergänzend aus, die Beschwerdeführerin habe sich entgegen der gutachterlichen Einschätzung auf den Standpunkt gestellt, dass sie nicht eingliederungsfähig sei, und sei somit ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachge
-
kommen. Damit mangle es am Eingliederungswillen der Beschwerde
führerin (Urk. 5 S. 1 Ziff. 1). Die Zusprechung einer Rente falle erst in Betracht, wenn
eine genügende rentenausschliessende Eingliederung nicht möglich sei. Bei der ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 % ergebe sich so
dann kein Rentenanspruch (S. 1 f. Ziff. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend, sie leide seit zwei Jah
ren an starken chronischen Schmerzen am ganzen Körper sowie diversen wei
teren Symptomen, welche durch körperliche Belastung verstärkt hervortreten
würden
und die Teilnahme an Massnahmen der Invalidenversicherung verun
möglichten
. Sie beantrage daher die Wiederaufnahme des Verfahrens zur Prü
fung eines Rentenanspruchs.
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach
insbesondere, ob die Voraussetzungen für berufliche Massnahmen erfüllt sind oder ob ein
Rentenanspruch
zu prüfen ist
.
3.
3.1
Die behandelnde Psychotherapeutin
Z._
, Psychotherapeutin FSP, sowie
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie, nann
ten in ihrem Bericht vom 29. Juni 2012 (Urk. 6/8) folgende Diagnosen (Ziff. 1.1):
generalisierte Angststörung
posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
Probleme bei körperlicher Misshandlung eines Kindes
Verschwinden eines Familienangehörigen
Die Beschwerdeführerin sei mit einem gewalttätigen und psychisch kranken Vater als mittleres von fünf Geschwistern aufgewachsen. Im Alter von zehn Jahren habe die Mutter die Familie verlassen, ohne dass die Beschwerdeführerin deren Aufenthaltsort gekannt habe. Mit 14 Jahren sei sie dann zur Mutter gezo
gen. Die Beschwerdeführerin leide an Hypervigilität, Flashbacks, Unruhe, Angstproblematik und Panikattacken sowie Schlafstörungen. Die Regulations
fähigkeit der Emotionen sei eingeschränkt, es komme zu extremen Stimmungs
schwankungen. Es bestehe eine eingeschränkte Belastbarkeit, eine starke Ermü
dbarkeit und wenig Effizienz bei der Arbeit. Sie brauche Pausen und habe Ab
senzen. Der Verlauf sei schwankend, die Beschwerdeführerin sei aber zuneh
mend belastbar. Sie sei immer mehr fähig, eine Tagesstruktur aufrechtzuerhal
ten. Dank hoher Motivation und guten kognitiven Fähigkeiten sei die Prognose gut (Ziff. 1.4). Die Beschwerdeführerin sei seit zwei Jahren arbeitslos, habe sich aber seit Januar 2012 im
B._
selber einen geschützten Arbeits
platz organisiert und sei dort
in einem Pensum von 50 % tätig
.
Sie sei sehr mo
tiviert, wieder einer geregelten Arbeit nachgehen zu können und einen Lehrab
schluss nachzuholen. Dies sei aber nur mit Unterstützung der Beschwerdegeg
nerin möglich (Ziff. 1.7). Zur Aufarbeitung und Integration der traumatischen
Erfahrungen sowie zur Förderung der Belastbarkeit sei eine Psychotherapie notwendig (Ziff. 1.8). Ab wann mit der Wiederaufnahme einer beruflichen Tä
tigkeit gerechnet werden könne, sei noch nicht absehbar (Ziff. 1.9).
3.2
Die Hausärztin
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 3. Juli 2012 (Urk. 6/11) eine PTBS sowie ein chronisches zervikogenes Schmerzsyndrom, differenzialdi
agnostisch posttraumatisch (Ziff. 1.1). Die Beschwerden der Halswirbelsäule (HSW) würden ihres Erachtens eindeutig mit der Prognose der PTBS zusam
menhängen
(Ziff. 1.4)
.
Die bisherige Tätigkeit als Hilfskraft im
O._
im Umfang von zirka 35 % halte sie für zumutbar, allerdings während nicht mehr als drei Stunden täglich
(Ziff.
1.4).
3.3
Vom 28. März bis 16. Mai 2011 war die Beschwerdeführerin in der Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
D._
, hospitalisiert. In ihrem Bericht vom 17. Oktober 2012
(Urk. 6/12)
führten die Ärzte aus, während der Hospitalisation habe eine wahnhafte Symptomatik bestanden. Nach Remission dieser Symptomatik
seien
weiterhin Schwierigkeiten in der Abgrenzung zu An
deren und im Äussern eigener Bedürfnisse
aufgetreten
. Die Beschwerdeführerin habe an einem geringen Selbstwertgefühl, Zukunftsängsten, Konzentrations
störungen und Niedergeschlagenheit
gelitten
. Im Anschluss an die stationäre Behandlung sei die Beschwerdeführerin noch nicht arbeitsfähig gewesen und es sei eine tagesklinische Behandlung in der Tagesklinik
E._
organisiert worden. Im Zeitpunkt der Behandlung habe weiterhin eine um 50 % vermin
derte Leistungsfähigkeit bestanden. Es sei davon auszugehen, dass
die Be
schwerdeführerin
beim Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unterstützende Massnahmen benötigen werde. Inwiefern die Beschwerdeführerin aktuell ar
beitsfähig beziehungsweise belastbar sei, sei ihnen nicht bekannt (Ziff. 1.7).
3.4
Dr.
A._
und die Psychotherapeutin
Z._
hielten in ihrem Bericht vom 12. November 2013 bei unveränderten Diagnosen fest, die Beschwerdeführerin habe grundsätzlich deutliche Fortschritte gemacht und sei stabiler (Urk. 6/27
/3-4
S. 1
Ziff. 1 und 2). Im Juli 2013 habe sie eine Stelle im Detailhandel (Mode
branche) erhalten und sei aus dem betreuten Wohnen in eine
eigene
Wohnung auf dem freien Wohnungsmarkt gezogen. Sie habe sich in der Zeit stabilisiert, die Angst- und Panikattacken seien deutlich geringer gewesen. Nach wie vor sei sie aber hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in allen Bereichen eingeschränkt ge
wesen. Nach einem Monat habe sie dann die Kündigung erhalten und selbstän
dig die Medikamente abgesetzt.
Dies habe zu einem heftigen Rückfall in alte Symptome geführt, welche jedoch nach ungefähr eineinhalb Monaten wieder verschwunden seien. Gemäss ihren eigenen Angaben sei sie danach wieder
stabiler gewesen (S. 1 Ziff. 3). Weiter
e psychotherapeutische Begleitung insbe
sondere zur weiteren Stabilisierung der Regulationsfähigkeit der Emotionen, der Stresstoleranz und der Belastbarkeit wäre hilfreich. Eine Prognose zur Arbeits
fähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt sei unsicher, die Motivation sei aber wei
terhin hoch (S. 2 Ziff. 4). Hilfreich könnte ein Coaching in einem geschützten Bereich sein, in welchem ihre kognitiven und kreativen Fähigkeiten mehr gefor
dert seien, und wodurch die Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit verbessert werden könne (S. 2 Ziff. 5).
3.5
Am 4. November 2014 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der Beschwer
-
de
gegnerin von
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
begutachtet. In ihrem Gutachten vom 9. Dezember 2014 stützte sich Dr.
F._
auf die vorhandenen Akten, die eigene
n
sowie testpsychologische Untersuchungen (Urk. 6/58 S. 1) und nannte insgesamt folgende Diagnosen (S. 6):
Panikstörung
somatoforme Schmerzstörung
Verdacht auf Persönlichkeitsstörung
Die Leistungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht müsse sowohl anhand des aktuel
len Zustandes als auch anhand der Angaben im Längsschnitt beurteilt werden. Die Beschwerdeführerin habe eine traumatisier
ende
Kindheit mit Ge
walt, Vernachlässigung sowie Verlassenwerden durch die Mutter erlebt. Es sei von einer Beeinträchtigung, sehr wahrscheinlich einer Störung der Persönlich
keitsentwicklung
auszugehen (S. 6 lit. F). Die Arbeitsstellen seien aufgrund zwischenmenschlicher Konflikte
immer wieder
abgebrochen worden. Dies, ob
wohl von den betreuenden Therapeuten immer wieder die hohe Motivation zur beruflichen Integration festgestellt worden
sei
. Jahrelang habe sie sich in am
bulanter sowie stationärer psychiatrischer Behandlung befunden und sei auch medikamentös behandelt worden.
Insgesamt müsse von einer geringen psychi
schen Stabilität und Belastbarkeit ausgegangen werden, auch wenn das aktuelle Erklärungsmodell der Versicherten ausschliesslich in somatische Richtung ten
diere.
Da die Versicherte bisher keine berufliche Ausbildung absolviert habe, gebe es noch keinen angestammten Beruf. Die Einschränkungen wirkten sich jedoch stärker aus bei Tätigkeiten, die mit intensivem Kontakt mit Kunden oder Ar
beitskollegen verbunden seien. Aktuell sei die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Beschwerden in der Fähigkeit, sich an Regeln und Routine anzupassen, eingeschränkt. Sie könne
Termine
nur bedingt verabredungsgemäss wahrneh
men und sich in
Organisationsabläufe einfügen.
Bei der Planung und Struktu
rierung von Aufgaben sei sie nicht eingeschränkt, sofern sie hierfür genügend Zeit habe. Die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit seien erheblich einge
schränkt, hingegen bestünden in der Anwendung fachlicher Kompetenzen keine Einschränkungen. Die Urteilsfähigkeit sowie die Entscheidungsfähigkeit
schie
nen beeinträchtigt zu sein. Die Durchhaltefähigkeit sei derzeit schmerzbedingt beeinträchtigt. In sozialen Fähigkeiten wie
der
Selbstbehauptungsfähigkeit,
der
Kontaktfreudigkeit
und
der
Gruppenfähigkeit
sowie der
Fähigkeit, Beziehungen aufzunehmen, sei die Beschwerdeführerin erheblich eingeschränkt. Insgesamt sei ihr Aktivitätsniveau in allen Lebensbereichen deutlich vermindert.
Obwohl die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit immer wieder die Über
-
zeu
gung geäussert habe, selbständig in der Lage zu sein, eine Lehrstelle be
ziehungsweise eine Arbeitsstelle zu finden, scheine sie sich in dieser Hinsicht immer wieder überschätzt zu haben. Aus psychiatrischer Sicht sei sie dringend auf Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung angewiesen.
Vorerst sollte
daher
eine Abklärung beziehungsweise eine Belastungserprobung durchgeführt werden, um die Belastbarkeit
,
aber auch die praktischen F
ä
higkeiten der Versi
cherten zu erproben. Ein Einstieg sei ab sofort zu mindestens 50 % möglich mit einer schrittweisen Steigerung bis zu mindestens 80 % innerhalb von drei Mo
naten. Anhand der Ergebnisse dieser Abklärung wären dann berufliche Mass
nahmen im Sinne einer beruflichen Ausbildung möglich. Ob diese in der freien Wirtschaft möglich sein würden, könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden. Dies müsse zum Abschluss der Abklärung nochmals über
prüft werden. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Unterstützung während der Eingliederungsmassnahmen sei dringend zu empfehlen (S. 7).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich bei der Abweisung des Leistungsbegehrens auf den Standpunkt, dass die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin
durch
eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung wesentlich verbes
sert und mit beruflichen Massnahmen eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 % erreicht werden könne (vgl. E. 2.1)
. Dabei
stützte
sie
sich insbesondere auf das Gutachten von Dr.
F._
(vgl. E. 3.5).
Entgegen der Ansicht der Beschwer
degegnerin kann
das Gutachten von Dr.
F._
jedoch
nicht
in dem Sinne ver
standen werden
, dass mittels beruflicher Massnahmen innert dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von 80 % erreicht werden kann. Vielmehr ist davon auszuge
hen, dass im jetzigen Zeitpunkt lediglich die Abklärungen zur Belastbarkeit so
wie den praktischen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin in einem Pensum von
derzeit
50
% mit einer schrittweisen Steigerung bis mindestens 80 % innerhalb
von drei Monaten durchgeführt werden können. Erst anhand der so festgestell
ten Ergebnisse wären dann in einem späteren Zeitpunkt
allenfalls
berufliche Massnahmen im Sinne einer beruflichen Ausbildung möglich. Dr.
F._
hielt denn auch ausdrücklich fest, es könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, ob dies in der freien Wirtschaft möglich sein werde. Zur Ar
beitsfähigkeit im eigentlichen Sinn machte
sie
gar
keine Angaben (E. 3.5).
Nachdem sich somit die Interpretation des Gutachtens durch die Beschwer
-
degeg
nerin
und damit die Grundlage der angefochtenen Verfügung
als unzu
-
treffend
erweist
,
ist davon auszugehen, dass die Möglichkeiten der Einglie
derungsmassnahmen noch nicht vollständig ausgeschöpft wurden. Die ange
fochtene Verfügung, in welcher die Beschwerdegegnerin
an sich
korrekt auf den Grundsatz „Eingliederung vor Rente“ verwiesen hat (Urk. 2 S. 2)
,
ist damit auf
zuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
4.2
Entsprechend der gutachterlichen Beurteilung hat die Beschwerdegegnerin im Sinne eines letzten Versuches zunächst die von Dr.
F._
vorgeschlagene Ab
klärung der
objektiven
Belastbarkeit und der praktischen Fähigkeiten durchzu
führen. Dabei
ist etwa an die berufliche Abklärungsstelle
G._
oder die Stiftung
H._
zu denken.
Dem Verhalten der Beschwerdeführerin, welche
bisher
Mühe damit
bekundete
,
die Hilfsangebote der Beschwerdegegnerin zur Integration in den Arbeitsmarkt anzunehmen
(vgl. Urk. 6/25, Urk. 6/35)
und teilweise
auch
die
Mitwirkung zur Begutachtung
verweigerte
(vgl. Urk. 6/31, Urk. 6/40-42, Urk. 6/45)
,
ist im
wei
teren Verfahren
dahingehend Rechnung zu tragen, dass die Beschwerdegegnerin gegebenenfalls ein Mahn- und Bedenkzeitverfahren durchzuführen haben wird, um der Beschwerdeführerin
die Wichtigkeit der Teilnahme
an den Abklärungen
noch einmal deutlich vor Augen zu führen
.
Sollte sich jedoch zeigen, dass die von Dr.
F._
vorgeschlagenen Abklärungen trotz Mitwirkung der Beschwerdeführerin nicht
die erhofften Ergebnisse
bringen
und die Durchführung beruflicher Massnahmen nicht möglich ist
, wäre in die
sem Zeitpunkt
eine erneute Begutachtung zu veranlassen, wobei sich die Ärzte dannzumal zur
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
zu äussern hätten.
4.3
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin aufgrund ihrer unzutreffenden Interpretation des Gutachtens von Dr.
F._
die notwendigen Abklärungen zur Durchführung beruflicher Massnahmen nicht in genügendem Ausmass getätigt, sodass die verfügte Abweisung des Anspruches auf Leistungen der Invaliden
versicherung zu
unrecht
erfolgt ist.
Die angefochtene Verfügung vom 29. September 2015 ist aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach erfolgten Abklärungen betreffend Belastbarkeit und praktischen Fähigkeiten der Be
schwerdeführerin über deren Anspruch auf berufliche Massnahmen oder gege
benenfalls eine Rente neu verfüge.
Die Beschwerdeführerin wird auf ihre Mitwirkungspflicht (Art. 7 IVG) aufmerk
sam gemacht.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtspre
chung gilt die Rückweisung einer Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (
BGE 137 V 57 E. 2.2
), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens der Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen
sind.