Decision ID: 3b2dfbe9-76dc-4e2d-9bc4-ac992b690b06
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Tschechische Republik ersuchte mit Ausschreibung im Schengener In-
formationssystem (SIS) vom 12. August 2020 um Fahndung und Festnahme
ihres Staatsangehörigen A. zwecks Auslieferung (act. 8.1).
B. Gestützt auf die Haftanordnung des Bundesamtes für Justiz (nachfolgend
«BJ») vom 12. August 2020 wurde A. gleichentags festgenommen und in
provisorische Auslieferungshaft versetzt (act. 8.3). A. erklärte sich anlässlich
der Einvernahme vom 13. August 2020 mit der vereinfachten Auslieferung
an die Tschechische Republik nicht einverstanden (act. 8.4).
C. Am 14. August 2020 erliess das BJ gegen A. einen Auslieferungshaftbefehl
wegen Fluchtgefahr (act. 5).
D. Dagegen erhob A. mit persönlicher Eingabe vom 21. August 2020 bei der
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde. Er ersucht um
Aufhebung des Auslieferungshaftbefehls vom 14. August 2020 und um Ge-
währung unentgeltlicher Rechtspflege und –verbeiständung (act. 1).
E. Rechtsanwalt Matthias Hotz (nachfolgend «RA Hotz») setzte das Gericht am
24. August 2020 über seine Mandatierung seitens A. in Kenntnis und er-
suchte um Akteneinsicht (act. 2). Am 25. August 2020 stellte die Beschwer-
dekammer RA Hotz den von ihr telefonisch beim BJ angeforderten Ausliefe-
rungshaftbefehl vom 14. August 2020 sowie die persönliche Eingabe von A.
vom 21. August 2020 zu. Zudem wies die Beschwerdekammer RA Hotz da-
rauf hin, dass dem Gericht das Eröffnungsdatum des Auslieferungshaftbe-
fehls nicht bekannt sei und bis zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Verfah-
rensakten angefordert wurden (act. 4).
F. Die Tschechische Republik ersuchte die Schweiz am 28. August 2020 for-
mell um Auslieferung von A. zwecks Verfolgung der ihm vorgeworfenen
Straftaten. A. wird verdächtigt, zwischen dem 3. und 6. August 2020 aus
nicht näher festgestellten Orten, mit der Telefonnummer 1 unter anderem bei
der tschechischen Post, diversen Krankenhäusern, einem Seniorenheim so-
wie einem Hotel angerufen und insgesamt 12 Mal mitgeteilt zu haben, dass
dort Bomben explodieren würden. Zudem wurde ausgeführt, dass A. wegen
- 3 -
ähnlichen Delikten bereits mehrfach verurteilt worden sei (act. 8.6).
G. Das BJ reichte dem Gericht am 31. August 2020 auf telefonische Nachfrage
hin den Auslieferungshaftbefehl vom 14. August 2020 samt der von A. un-
terzeichneten Empfangsbestätigung vom 18. August 2020 zu den Akten
(act. 5).
H. Die Beschwerdekammer forderte das BJ am 31. August 2020 zur Einrei-
chung der Verfahrensakten auf (act. 6). Das BJ kam dieser Aufforderung am
2. September 2020 nach (act. 8).
I. Da die von A. der Beschwerdekammer eingereichte persönliche Eingabe
vom 31. August 2020 weder leserlich noch inhaltlich verständlich war (act. 7),
wurde RA Hotz am 3. September 2020 aufgefordert, dem Gericht mitzuteilen,
was A. dem Gericht in seiner Eingabe mitzuteilen beabsichtigte. Zugleich
wurden RA Hotz die dem Gericht seitens des BJ eingereichten Verfahrens-
akten zugestellt (act. 9). Die Eingabe von RA Hotz vom 9. September 2020,
worin er die Argumente in Eingabe von A. vom 31. August 2020 zusammen-
fasste, wurde dem BJ am 11. September 2020 zur Kenntnis gebracht
(act. 10, 11).
J. Auf die Durchführung eines Schriftenwechsels wurde verzichtet.
Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers und die eingereich-
ten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwä-
gungen Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für den Auslieferungsverkehr zwischen der Schweiz und der Tschechischen
Republik sind primär das Europäische Auslieferungsübereinkommen vom
13. Dezember 1957 (EAUe; SR 0.353.1) sowie die drei hierzu ergangenen
Zusatzprotokolle vom 15. Oktober 1975 (ZPI EAUe; SR 0.353.11), vom
17. März 1978 (ZPII EAUe; SR 0.353.12) und vom 10. November 2010
(ZPIII EAUe; SR 0.353.13) massgebend, welchen beide Staaten beigetreten
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sind. Überdies gelangt das Schengener Durchführungsübereinkommen vom
14. Juni 1985 (SDÜ; ABl.L 239 vom 22. September 2000, S.19-62) i.V.m
dem Beschluss des Rates vom 12. Juni 2007 über die Einrichtung, den Be-
trieb und die Nutzung des SIS der zweiten Generation (SIS II), namentlich
Art. 26-31 (ABl.L vom 7. August 2007, S. 63-84) zur Anwendung, wobei die
zwischen den Vertragsparteien geltenden weitergehenden Bestimmungen
aufgrund bilateraler Abkommen unberührt bleiben (Art. 59 Abs. 2 SDÜ).
1.2 Soweit die staatsvertraglichen Bestimmungen gewisse Fragen nicht ab-
schliessend regeln, findet auf das Verfahren der Auslieferung ausschliesslich
das Recht des ersuchten Staates Anwendung (Art. 22 EAUe), namentlich
das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über internationale Rechtshilfe in
Strafsachen (Rechtshilfegesetz, IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige Ver-
ordnung vom 24. Februar 1982 (Rechtshilfeverordnung, IRSV; SR 351.11).
Das innerstaatliche Recht gelangt nach dem Günstigkeitsprinzip auch dann
zur Anwendung, wenn dieses geringere Anforderungen an die Rechtshilfe
stellt (BGE 142 IV 250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 137 IV 33 E. 2.2.2; 136 IV 82
E. 3.1). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte (BGE 135 IV
212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c; TPF 2016 65 E. 1.2; 2008 24 E. 1.1).
Für das Beschwerdeverfahren gelten zudem die Art. 379-397 StPO sinnge-
mäss (Art. 48 Abs. 2 i.V.m. Art. 47 IRSG) und die Bestimmungen des Bun-
desgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (Ver-
waltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021; vgl. Art. 39 Abs. 2 lit. b
i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010
über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorgani-
sationsgesetz, StBOG; SR 173.71]).
2.
2.1 Die verfolgte Person kann gegen den Auslieferungshaftbefehl des BJ innert
zehn Tagen ab der schriftlichen Eröffnung Beschwerde bei der Beschwerde-
kammer des Bundesstrafgerichts führen (Art. 48 Abs. 2 i.V.m. Art. 25 Abs. 1
IRSG, Art. 50 Abs. 1 VwVG, Art. 37 Abs. 2 lit. a Ziff. 1 StBOG).
2.2 Der Auslieferungshaftbefehl wurde dem Beschwerdeführer am 18. August
2020 eröffnet (act. 5). Als Verfolgter (vgl. Art. 11 Abs. 1 IRSG) ist der Be-
schwerdeführer zur Einreichung der vorliegenden Beschwerde legitimiert.
Auf die im Übrigen frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist einzutre-
ten.
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3. Die Beschwerdekammer ist nicht an die Begehren der Parteien gebunden
(Art. 25 Abs. 6 IRSG) und prüft die Auslieferungshaftvoraussetzungen grund-
sätzlich mit freier Kognition. Die Beschwerdekammer befasst sich jedoch nur
mit Tat- und Rechtsfragen, die Streitgegenstand der Beschwerde bilden
(Entscheide des Bundesstrafgerichts RR.2009.2 vom 9. Juli 2009 E. 2.4;
RR.2007.34 vom 29. März 2007 E. 3, je m.w.H.).
4.
4.1 Die Verhaftung des Verfolgten während des ganzen Auslieferungsverfah-
rens bildet die Regel (BGE 136 IV 20 E. 2.2; 130 II 306 E. 2.2). Eine Aufhe-
bung des Auslieferungshaftbefehls sowie eine Haftentlassung rechtfertigen
sich nur ausnahmsweise und unter strengen Voraussetzungen, wenn der
Verfolgte sich voraussichtlich der Auslieferung nicht entzieht und die Straf-
untersuchung nicht gefährdet (Art. 47 Abs. 1 lit. a IRSG), wenn er den soge-
nannten Alibibeweis erbringen und ohne Verzug nachweisen kann, dass er
zur Zeit der Tat nicht am Tatort war (Art. 47 Abs. 1 lit. b IRSG), wenn er nicht
hafterstehungsfähig ist oder andere Gründe vorliegen, welche eine weniger
einschneidende Massnahme rechtfertigen (Art. 47 Abs. 2 IRSG), oder wenn
sich die Auslieferung als offensichtlich unzulässig erweist (Art. 51 Abs. 1
IRSG). Diese Aufzählung ist nicht abschliessend (BGE 130 II 306 E. 2.1; 117
IV 359 E. 2a; vgl. zum Ganzen u.a. den Entscheid des Bundesstrafgerichts
RH.2018.3 vom 20. Februar 2018 E. 3.2). Offensichtlich unzulässig kann ein
Auslieferungsersuchen sein, wenn ohne jeden Zweifel und ohne weitere Ab-
klärungen ein Ausschlussgrund vorliegt (vgl. BGE 111 IV 108 E. 3a). Vor-
bringen gegen die Auslieferung als solche oder gegen die Begründetheit des
Auslieferungsbegehrens sind nicht im vorliegenden Beschwerdeverfahren,
sondern im eigentlichen Auslieferungsverfahren zu prüfen (vgl. MOREIL-
LON/DUPUIS/MAZOU, La pratique judiciaire du Tribunal pénal fédéral, in Jour-
nal des Tribunaux 2009 IV 111 Nr. 190 und 2008 IV 66 Nr. 322 je m.w.H. auf
die Rechtsprechung).
4.2 Die ausnahmsweise zu gewährende Haftentlassung ist deshalb an strengere
Voraussetzungen gebunden als der Verzicht auf die gewöhnliche Untersu-
chungshaft in einem Strafverfahren oder die Entlassung aus einer solchen.
Diese Regelung soll es der Schweiz ermöglichen, ihren staatsvertraglichen
Auslieferungspflichten nachzukommen (vgl. BGE 130 II 306 E. 2.2 und 2.3;
111 IV 108 E. 2; Entscheid des Bundesstrafgerichts RH.2015.14 vom 9. Juli
2015 E. 4.1). Die Rechtsprechung ist hinsichtlich der Verneinung von Flucht-
gefahr überaus restriktiv und misst der Erfüllung dieser staatsvertraglichen
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Auslieferungspflichten im Vergleich zu den Interessen des Verfolgten aus-
serordentlich grosses Gewicht bei (vgl. BGE 130 II 306 E. 2 S. 310 ff. m.w.H.;
Entscheid des Bundesstrafgerichts RH.2015.4 vom 23. Februar 2015 E. 5.2).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer führt in der von ihm persönlich verfassten Be-
schwerde lediglich aus, dass er nicht an die Tschechische Republik ausge-
liefert werden wolle (act. 1). RA Hotz präzisierte mit Schreiben vom 9. Sep-
tember 2020 die Ausführungen des Beschwerdeführers in der Eingabe vom
31. August 2020 (act. 7) und machte im Wesentlichen einen Alibibeweis gel-
tend. Namentlich führte RA Hotz aus, dass der Beschwerdeführer die Tsche-
chische Republik am 24. Juli 2020 verlassen und sich seither in diversen
Städten in Europa aufgehalten habe. Des Weiteren hätte dem Beschwerde-
führer bereits anlässlich der ersten Einvernahme ein Rechtsvertreter bestellt
werden müssen (act. 10).
5.2 Im Falle einer Auslieferung an die Tschechische Republik droht dem Be-
schwerdeführer aufgrund des Wiederholungsfalles die Verurteilung zu einer
Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren (act. 8.6). Der Beschwerdeführer ist
ausländischer Staatsangehöriger und 47 Jahre alt. Abgesehen von seiner
Sprachstörung ist der Beschwerdeführer – soweit ersichtlich – bei guter Ge-
sundheit. Jedenfalls war es dem Beschwerdeführer möglich, die zahlreichen
Reisen in der Zeit vor seiner Verhaftung vorzunehmen. Der Beschwerdefüh-
rer ist in der Schweiz nicht wohnhaft und verfügt auch in keinem anderen
Staat über einen festen Wohnsitz (act. 8.4, S. 2). Unter diesen Umständen
ist von hoher Fluchtgefahr auszugehen. Der seit dem 21. August 2020 an-
waltlich vertretene Beschwerdeführer stellt das Vorliegen der Fluchtgefahr
nicht in Abrede. Mildere Ersatzmassnahmen, die geeignet wären, der erheb-
lichen Fluchtgefahr ausreichend zu begegnen, sind vorliegend weder er-
sichtlich noch werden solche vom Beschwerdeführer geltend gemacht.
5.3 Die persönliche Eingabe des Beschwerdeführers vom 31. August 2020 ging
beim Gericht nach Ablauf der Rechtsmittelfrist ein und erweist sich damit als
verspätet (act. 7). Da darin Ausführungen geltend gemachten werden, die
als ausschlaggebend i.S.v. Art. 32 Abs. 2 VwVG zu qualifizieren sind, ist auf
die verspäteten Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen.
5.4
5.4.1 Laut tschechischem Ersuchen hätten die Ermittlungen ergeben, dass die ita-
lienische SIM-Karte mit der Nummer 1 vom Beschwerdeführer erworben
worden sei, von welcher aus er mit einer Bekannten in Tschechien Kontakt
- 7 -
gehabt haben soll (act. 8.3). Angesichts der Tatbegehung mittels eines Mo-
biltelefons könnte der Beschwerdeführer die ihm vorgeworfenen Taten von
irgendeinem Ort aus begangen haben. Unabhängig von der Frage, wo sich
der Beschwerdeführer zum Tatzeitpunkt aufgehalten hat, liegt jedenfalls der
Erfolgsort in der Tschechischen Republik. Deshalb ist zum gegenwärtigen
Zeitpunkt auch nicht zu erkennen, dass die ersuchende Behörde für die Ver-
folgung der dem Beschwerdeführer vorgeworfenen Taten offensichtlich un-
zuständig wäre. Damit ist die vom Beschwerdeführer aufgeworfene Frage,
ob er sich zum Tatzeitpunkt im ersuchten Staat aufgehalten hat, und ob er
den Alibibeweis i.S.v. Art. 63 IRSG erbringen kann, nicht von massgeblicher
Bedeutung.
5.4.2 Rügen, weshalb der Beschwerdeführer nicht an die Tschechische Republik
ausgeliefert werden soll, wird er gegenüber dem Beschwerdegegner vor Er-
lass eines allfälligen Auslieferungsentscheides und gegebenenfalls im Be-
schwerdeverfahren vorbringen können wird. Da Schuld- und Tatfragen im
Rahmen eines Auslieferungsverfahrens grundsätzlich nicht geprüft werden
(vgl. BGE 133 IV 76 E. 2.2; 118 Ib 121 E. 5c), wird der Beschwerdeführer die
diesbezüglichen Rügen vor dem ausländischen Sachrichter geltend machen
können. Aus diesem Grund ist im vorliegenden Verfahren auf die dem Ge-
richt eingereichten Einschätzungen seitens zweier Bekannten des Be-
schwerdeführers, ob er die ihm vorgeworfenen Delikte mit seiner Sprachstö-
rung begehen konnte, nicht näher einzugehen (act. 10.2, 10.3).
5.4.3 Andere Gründe, welche eine Auslieferung offensichtlich auszuschliessen
oder sonst zu einer Aufhebung der Auslieferungshaft zu führen vermöchten,
werden vom Beschwerdeführer weder geltend gemacht noch sind solche er-
sichtlich.
5.5 Ebenso unbegründet ist der Vorwurf des Beschwerdeführers, ihm hätte an-
lässlich der ersten Einvernahme ein Verteidiger bestellt werden müssen. Die
einschlägigen Bestimmungen in Bezug auf die Durchführung der Einver-
nahme und die Gewährung des rechtlichen Gehörs finden sich in Art. 52
IRSG und Art. 17 IRSV. Art. 52 Abs. 2 IRSG besagt, dass der Verfolgte kurz
über seine persönlichen Verhältnisse einvernommen und befragt werde, ob
und aus welchen Gründen er Einwendungen gegen den Haftbefehl oder ge-
gen seine Auslieferung erhebe. Dabei kann sein Rechtsbeistand mitwirken
(Art. 52 Abs. 2 IRSG). Der Beschwerdeführer wurde anlässlich der Einver-
nahme vom 13. August 2020 auf die Möglichkeit einen Rechtsbeistand bei-
zuziehen hingewiesen (act. 8.4, S. 2), woraufhin er einen Rechtsbeistand
beantragte. In der Folge ersuchte ein Mitarbeiter des Kantonalgefängnisses
Frauenfeld RA Hotz um Übernahme der Vertretung des Beschwerdeführers
- 8 -
(act. 10.1), wobei dessen Mandatierung vom 21. August 2020 datiert
(act. 2.1). Die Befragung des Beschwerdeführers vom 13. August 2020 wird
den Anforderungen von Art. 52 IRSG und Art. 17 IRSV ohne Weiteres ge-
recht. Insbesondere wurde dem Beschwerdeführer der Grund der Inhaftie-
rung, namentlich die SIS-Ausschreibung seitens der ersuchenden Behörde
und der ihm darin gemachte Vorwurf eröffnet (act. 8.4, S. 1). Eine zwingende
Anwesenheit des Rechtsvertreters anlässlich der Einvernahme vom 13. Au-
gust 2020 ist entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers in Art. 52 IRSG
nicht vorgesehen. Das IRSG kennt auch das Institut des sog. Anwalts der
ersten Stunde i.S.v. Art. 158 Abs. 1 lit. c StPO nicht (vgl. Entscheid des Bun-
desstrafgerichts RH.2018.3 vom 20. Februar 2018 E. 2.3).
6. Die Beschwerde erweist sich damit als offensichtlich unbegründet und ist
ohne Durchführung eines Schriftenwechsels abzuweisen.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer ersucht um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege und –verbeiständung (RP.2020.47, act. 1).
7.2 Die Beschwerdekammer befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen
Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der Verfahrenskosten, sofern
ihr Begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG) und bestellt
dieser einen Anwalt, wenn dies zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist
(Art. 65 Abs. 2 VwVG). Diese Regelung ist Ausfluss von Art. 29 Abs. 3 BV.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Prozessbegehren
als aussichtslos anzusehen, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich gerin-
ger erscheinen als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein Begehren nicht als
aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren ungefähr
die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend
ist, ob eine Partei, die über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde (BGE 142 III 138 E. 5.1
S. 139 f.; 140 V 521 E. 9.1; 139 III 475 E. 2.2 S. 476 f.; 139 III 396 E. 1.2;
138 III 217 E. 2.2.4).
7.3 Nach dem oben Ausgeführten muss die vorliegende Beschwerde als aus-
sichtslos bezeichnet werden, weshalb das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und –verbeiständung bereits aus diesem Grund abzuweisen
ist (vgl. MAILLARD, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 65 VwVG N. 23 f. und 37).
Der schwierigen wirtschaftlichen Situation des Beschwerdeführers ist im
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Rahmen der Festlegung der Gerichtsgebühr angemessen Rechnung zu tra-
gen.
7.4 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtgebühr ist auf
Fr. 500.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 5 VwVG i.V.m. Art. 73 StBOG sowie
Art. 5 und 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bundesstrafgerichts vom
31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigungen in Bun-
desstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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