Decision ID: 70d6fbb4-fa7b-429d-8642-6ceb739587a9
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1961, meldete sich am
17. Juli 2006 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbez
ug an (Urk. 7
/3). Mit Verfügung vom 17. März 2008
(Urk. 7
/56
, Urk. 7
/65
) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, dem Versicherten rückwirkend ab 1. August 2006 eine
Vier
tels
rente
zu, wogegen er
am 17. April 2008 Besc
hwerde (Urk. 7
/73/3-15)
erhob
. Mit Urt
eil vom 28. Oktober 2008
im Verfahren IV.2008.00398
hiess das
Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
die Beschwerde in dem Sinne gut, dass die Verfü
gung
vom 17. März 2008 aufgehoben und die Sache an die IV
Stelle zur Durch
füh
rung
weiterer Abklärungen und zum Neuentscheid über einen Rentenanspruch zurück
gewiesen wurde
(Urk. 7/89 Dispositiv Ziff. 1)
.
1.2
In der Folge
veranlasste
d
ie IV-Stelle
ein psychiatrisches
(
Gutachten
vom
2
6.
Juni 2010
,
Urk. 7/120) sowie
bei
m
Y._
ein
polydis
ziplinäres Gutachten
, welches am 15. Juli 2011 erstattet wurde
(Urk. 7
/138)
.
M
it Verfügung vom
10. Juli 2012 (
Urk.
7/169)
stellte die IV-Stelle
di
e bisher ausgerichtete R
ente auf
Ende des folgenden Monats ein
, wogegen der Ver
sicherte a
m
1.
September 2012
Beschwerde (
Urk.
7/176/3-4
)
erhob
. Mit Ver
fügung vom 9. Oktober 2012 (
Urk.
7/179) hob die IV-Stelle die Verfügung vom 10. Juli 2012 wegen zweifelloser Unrichtigkeit wiedererwägungsweise auf und sprach dem Versicherten mit Verfügung vom 9. November 2012 (Urk.
7/183) wieder die bisherige
Invalidenrente zu
. M
it Urteil des
Sozialversi
cherungs
ge
richt
s
des Kantons Zürich
vom 1
2.
November 2012
im Verfahren IV.2012.00864
(
Urk.
7/193) wurde die Beschwerde des Versicherten vom 1. Sep
tember 2012 gegen die Verfügung vom 10. Juli 2012
in dem Sinne gut
geheissen, dass die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese über den Renten
anspruch neu verfüge (
Urk.
7/193
Dispositiv
Ziff.
1).
1.3
Am 26. April 2013 (
Urk.
7/206) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass eine polydisziplinäre medizinische Verlaufsuntersuchung nötig sei, womit d
ie
MEDAS
Y._
beauftrag
t
werde. Dagegen erhob der Versicherte am 7.
Mai 2013 Einwände (
Urk.
7/209).
Mit Zwischenverfügung vom 20. Juni 2013 (
Urk.
7/
210
=
Urk.
2) hielt die IV
Stelle an der A
bklärung durch die
MEDAS
Y._
fest
.
2.
Der Versicherte erhob g
egen die Zwischenverfügung vom
20
.
Juni 2013
(Urk.
2)
am
26
.
August 2013
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
die Sache sei zur neuen Beurteilung
im Sinne der Erwägungen
an die IV-Stelle zurückzuweisen.
Eventuell sei diese zu verpflichten, die Ableh
nung der
vorgeschlagenen
Gut
achterstelle
hinreichend zu begründen. Subeventuell sei die IV-Stelle zu verpflichten, die von ihm vorgeschlagene Gutachterstelle für die
polydis
ziplinäre
medizinische Verlaufsuntersuchung zu beauftragen.
Sub
eventuell
sei die IV-Stelle zu verpflichten die Gutachterstelle nach dem Zufalls
prinzip auszu
wählen. Ausserdem sei sie zu verpflichten,
diesfalls
die Namen der beauftragten Gutachter bekanntzugeben
(S.
2).
Am 30. September 2013 verzich
tete die IV
Stelle auf eine Vernehmlassung (
Urk.
6), was dem Ver
sicherten am 18. Okto
ber 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei d
er angefochtenen Verfügung vom 20
.
Juni 2013
(Urk. 2) handelt es sich um eine verfahrensleitende Verfügung, mit welcher die IV-Stelle an der von ihr gewählten Abklärungsstelle festhielt. Da sie das Administrativverfahren nicht abschliesst, handelt es sich um eine Zwischenverfügung.
1.2
Zwischenverfügungen können gemäss Art. 55 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
) unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen recht
licher und tatsächlicher Natur angefochten werden. Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext der
Gutach
tenanordnung
fällt gemäss der Rechtsprechung (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7) ins Gewicht, dass das Sachverständigengutachten im Rechtsmittelverfahren mit Blick auf die fachfremde Materie faktisch nur beschränkt überprüfbar ist. Mithin kommt es entscheidend darauf an, dass qualitätsbezogene Rahmen
bedingungen durchgesetzt werden können. Greifen die Mitwirkungsrechte erst nachträglich
bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und
Beschwerde
verfahren
-, so kann hieraus ein nicht wieder gutzumachender Nachteil ent
stehen, zumal im Anfechtungsstreitverfahren kein Anspruch auf Einholung von
Gerichts
gutach
ten
besteht. Hinzu kommt, dass die mit medizinischen Unter
suchungen einher
gehenden Belastungen zuweilen einen erheblichen Eingriff in die physische oder psychische Integrität bedeuten. Aus diesen Gründen ist gemäss der Recht
sprechung die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzu
machenden Nach
teils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu
bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird. Beschwerdeweise geltend gemacht wer
den können materielle Einwendungen beispielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sachverhalt - bloss einer
Zweit
meinung
ent
spre
che (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen; noch anders: BGE 136 V 156). Sodann können personenbezogene
Ausstandsgründe
gerügt werden.
2.
2.1
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde vom August 2013 (
Urk.
1) geltend,
es sei nicht rechtens, dass die Verlaufs
untersuchung
erneut von der
MEDAS
-
Stelle vorgenommen werde
, welche bereits im Jahr 2011 das Gutachten erst
a
t
tet
habe
. Vielmehr solle die Vergabe nach dem Zufallsprinzip erfolgen (S.
5 f
f
.
Ziff.
5).
Im Übrigen habe die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem die von seiner Seite für die
Verlaufsunter
suchung
vorgeschlagene Gutachterstelle ohne Begründung nicht berücksichtigt
und an der bisherigen Abklärungsstelle festgehalten worden sei (S. 7 f.
Ziff.
6-
8). Es sei ein entsprechender Konsens über die Vergabe des Gutachtensauftrages anzustreben (S. 9
Ziff.
9).
2.2
Die Beschwerdegegnerin hielt in der Zwischenverfügung vom
Juni 2013
(Urk. 2) an der Abklärungsstelle MEDAS
Y._
fest
mit der Begründung, nach Prüfu
ng der Einwände des Beschwerdeführers
liege
kein schützenswerte
r
Ausstands- oder Ablehnungsgr
u
nd gegen die begutachtende Person vor
, welche
den Anschein der Befangenheit oder der Voreingenommenheit zu begründen vermöge
(S. 1 f.).
3
.
3
.1
Vorab ist zur geltend gemachten Verletzung der Begründungspflicht respektive des rechtlichen Gehörs durch die Beschwerdegegnerin festzuhalten, dass in der angefochtenen Zwischenverfügung vom Juni 2013 (
Urk.
2) tatsächlich nicht vertieft auf die Argumente des Beschwerdeführers in seinem Schreiben vom Mai 2013 (
Urk.
7/209), welche
s
auf die am
2
6.
April 2013 erfolgte
Bekanntgabe der beabsichtigten Guta
chterstelle (
Urk.
7/206) folgte
, eingegangen worden ist.
Ob damit
eine Verletzung des rechtlichen Gehörs gegeben
ist, kann offen gelassen werden. Einerseits ging aus der ergangenen Zwischenverfügung vom Juni 2013 (
Urk.
2) zumindest
hervor, dass die
Beschwerdegegnerin keine Gründe sah
, von
der
von ihr gewählten
Gutachtenss
telle abzuweichen und
andererseits konnte
der Beschwerdeführer
in
seiner
Beschwerde
vom August
2013
(
Urk.
1)
bei voller Kognition des hiesigen Gerichts
alle se
ine Argumente vorbringen
,
womit eine
allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs
durch die Beschwerdegegnerin
ohnehin
als
geheilt
anzusehen ist
.
3
.2
Weiter machte der Beschwerdeführer im Hinblick auf die Wahl der
Gutachter
stelle
geltend,
es
s
ei ein diesbezüglicher Konsens zu finden (vorstehend E. 2.1)
.
Auch wenn nach der Rechtsprechung gilt, dass im Hinblick auf die bessere Akzeptanz durch die versicherte Person eine einvernehmliche
Gutachtens
ein
holung
in den Vordergrund zu stellen ist (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.6)
,
bedeutet das nicht, dass
ein
eigentlicher Rechtsanspruch auf eine einver
nehmliche Eini
gung oder Nennung einer Gutachterstelle besteht, auch nicht unter dem neuen, seit dem
1.
März 2012 geltenden Regime (vgl. Urteile des
Sozial
versicherungs
gerichts
IV.2012.00375 vom 2
2.
Juni 2012 E. 3.4 und IV.2012.00373 vom 1
8.
Juli 2012 E. 6.2). Auch das Bundesgericht bezeichnete eine vorgängige Einigung lediglich als Obliegenheit (BGE 138 V 271 E. 3.4).
3
.3
Zu prüfen bleibt die
Vergabe
der Gutachterstelle durch das Zufallsprinzip im Sinne von Art.
72
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV).
Als Folge der vom Bundesgericht in BGE 137 V 210 aufgestellten Forderungen setzte der Bundesrat den neuen Artikel 72
bis
IVV
auf den
1.
Mä
rz 2012
in Kraft. Demzufolge haben polydisziplinäre medizinische Gutachten, das heisst medi
zinische Gutachten, an denen drei und mehr Fachdisziplinen beteiligt sind
,
ausschliesslich bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung getroffen hat (
Abs.
1). Die Vergabe dieser Aufträge muss nach dem Zufallsprinzip erfolgen (
Abs.
2).
In der Mitte
i
lung
der Beschwerdegegnerin
vom 2
6.
April 2013
(
Urk.
7/206) wurde zur Klärung der Leistungsansprüche eine umfassende medizinische
Verlaufs
untersuchung
(Allgemeine/Innere Medizin, Orthopädische Chirurgie, Rheumatologie, Neurologie, Psychiatrie) als notwendig erachtet.
Aufgrund des Zeitablaufs und des in medizinischer
Hinsicht
umfassenden Gut
achtens
auftrags handelt es sich beim veranlassten Gutachten um
ein
poly
dis
ziplinäres
medizinisches Gutachten gemäss Art. 72
bis
IVV
,
für welches
die Ver
gabe des Auftrages nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen
hat
.
Dies gilt umso mehr, als dass neu und im Gegensatz
zum
Y._
-Gutachten
des Jahres 2011 (
Urk.
7/138, vgl. auch
Urk.
7/132,
Urk.
7/134) auch eine rheumatologische Begutachtung als notwendig erachtet wurde und somit nicht auf bereits involvierte Ärzte zurückgegriffen werden kann. Insgesamt
sprechen keine
überwiegenden
Gründe dafür, die umfassende Verlaufsbegutachtung an der bereits involvierten
Gut
achterstelle
durchzuführen. Zudem
kann mit der Vergabe nach dem Zufalls
prinzip
den mit BGE 137 V 210 vom Bundesgericht geforderten
Verfahrens
garantien
zur Stärkung der Mitwirkungsrechte und der Verfahrensfairness (E.
2.5, E. 3.4.2.4 und 3.4.2.7) Rechnung
getragen werden.
4
.
Aufgrund des Gesagten
ist
die Beschwe
rde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene
Zwischenverfügung vom 2
0.
Juni 2013
(
Urk.
2)
aufzuheben und die
Sache an die Beschwerdegegnerin
z
ur Vergabe des
Verlaufsgutachtens
auftrags
nach dem Zufallsprinzip zurück
zuweisen ist.
5
.
5
.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (
Art.
61
lit
. a ATSG in Verbindung mit
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
sicherung, IVG
).
5
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen, weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Prozess
ent
schädigung
hat. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache
,
der Schwierigkeit des Prozesses und beim massgebenden
Stunden
ansatz
von
Fr.
200.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
1‘
2
00.-- (inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer) festzulegen.