Decision ID: abb4ff11-728e-5f31-ae66-2ec467d9329b
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1973 geborene
X._
arbeitete vo
m
1.
September 2000 bis
8.
Mai 2011 (Urk. 8)
als
Pflege
fach
mann Notfall
bei der
Spital Y._
AG
in einem
Voll
zeitpensum
und ab
9.
Mai 2011 (Urk. 9/18) im Spital
Z._
in
A._
zunächst
in einem 90%-Pensum (37.8
Stunden/Woche)
. Am
2
.
Mai
2013 (Urk. 9/2)
meldete er sich bei der
Sozial
ver
siche
rungs
anstalt
des Kantons
Zürich
, IV-Stelle,
unter Hinweis auf
eine Leber
zirrhose bei chronischer Hepatitis C und
Öso
phagusvari
zen
zum Leistungsbezug (Rente) an.
Die IV-Stelle führte ein
Stand
ort
gespräch
durch (Urk. 9/7) und
nahm den Auszug aus dem individuellen Konto
(Urk. 9/8
)
und das vom Vorsorgeversicherer veranlasste Gutachten von Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH (Urk. 9/10), zu den Akten
.
Am 2
4.
Juli
2013 (Urk. 9/12) teilte
sie
dem Versicherten mit, dass zurzeit keine
beruflichen Ein
gliederungs
massnahmen möglich seien
.
Sodann
holte
die IV-Stelle
medizinische
Bericht
e
(Urk. 9/14
, Urk. 9/19
)
und Auskünfte der Arbeitgeberin (Urk. 9/18)
ein und zog die Akten des
Kranken
tag
geld
ver
sicherers
bei (Urk. 9/16
-17
).
Nach
Erlass des Vorbescheids
(Urk. 9/22) und
Prüfung der
hie
ge
gen
er
ho
benen Ein
wände vom
11
.
Februar 2014
(Urk.
9
/
24, vgl. auch Urk. 9/23
)
verneinte
sie mit Verfügung vom 1
2
.
März
201
4
(Urk. 2)
einen Rentenanspruch
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 9. April 2014 (Urk. 1) Beschwerde und be
an
tragte,
es sei die Verfügung vom 1
2.
März 2014 aufzuheben und ihm eine Rente nach Gesetz zuzusprechen. Eventualiter sei eine polydisziplinäre Be
gutachtung
durchzuführen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
lasten der
Be
schwerde
gegnerin
. Am
10
.
Juni
201
4
(Urk. 7)
schloss
die
Be
schwerde
gegnerin
auf Abweisung der Beschwerde
.
Mit Replik vom 2
4.
Juli 2014 (Urk. 12) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest
und legte weitere Unter
lagen auf
(Urk. 13/1-2)
.
Mit Duplik vom
8.
September 2014 (Urk. 17)
reichte
die
Be
schwer
de
gegnerin
einen Bericht der Klinik
C._
vom 2
0.
Mai 2011 (Urk. 18)
ein
und
erneuerte ihre
gestellten
Anträgen
.
Mit Ein
gabe vom 15.
September 2014 (Urk. 20)
gelangte
der Beschwerdeführer erneut ans hiesige Gericht
.
Am 9.
Okto
ber 2014 (Urk. 23) teilte die Beschwerdegegnerin ihren Ver
zicht auf eine
dies
be
zügliche
Stellung
nahme mit, wovon dem Beschwerdeführer Kenntnis ge
geben wurde
(Urk. 24)
.
3.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien und die Akten wird, sofern für die
Ent
scheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalidenein
kom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
g
rad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
2.1.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 12. März 2014
(Urk. 2)
dafür,
dass d
e
r Beschwerdeführer seit 1
9.
November 2012 i
n
sei
ner Arbeitsfähigkeit als diplomierter
(Pflege-)
Experte NDS HF eingeschränkt sei.
Weil der Beschwerdeführer seit
1.
September 2013 wieder zu 70
%
arbeitsfähig sei,
resul
tiere
nach Ablauf der
Wartezeit keine rentenbegründende
Erwer
bsein
busse
. Wenn der Beschwerdeführer
- ausgehend von einem 90%-Pensum -
30
%
weni
ger
arbeite, ergebe dies eine Erwerbseinbusse von ebenfalls 30
%
.
Falls sich
die 30%ige Arbeitsunfähigkeit auf ein 100%-Pensum beziehe, bestehe sogar eine
Arbeitsfähigkeit von 70
%
und der Beschwerdeführer könnte seine Tätig
keit
noch
zu 70
%
ausüben
.
2.1.2
In der Vernehmlassung vom 1
0.
Juni 2014 (Urk. 7)
führte die
Be
schwerde
geg
ne
rin
unter anderem ergänzend
aus,
aufgrund der Aktenlage sei erstellt, dass der Beschwerdeführer am bisherigen Arbeitsort im Spital
Z._
seit 1. Septem
ber 2013 in seiner bisherigen Tätigkeit wieder in einem wöchentlichen
Arbeits
pensum
von 25.2 Stunden erwerbstätig
gewesen
sei. Gegenüber der wö
chent
lichen Arbeitszeit von 37.8 Stunden, die vor dem Eintritt des
Gesund
heits
schadens
vom 1
8.
November 2012 ausgeübt worden sei, ergebe sich ein
In
vali
ditäts
grad
von
33
%
.
Eine
über das
Warte
jahr
hinaus bestehende Invalidität von min
destens 40
%
bestehe offen
sicht
lich nicht.
Die Behauptung des Be
schwerde
füh
rers, dass
die
Pensums
reduktion
im Spital
Z._
auf
ein 90%-Pen
sum gesundheitsbedingt erfolgt sei, treffe nicht zu.
2.1.3
In der
Duplik vom
8.
September 2014 (Urk. 17)
führte die Beschwerdegegnerin
hin
sichtlich des Vorbringens des Beschwerdeführers, wonach er seine Tätigkeit im Spital
Y._
krankheitsbedingt verloren habe, aus,
laut Bericht der Klinik
C._
vom 2
0.
Mai 2011
(Urk. 18)
sei
dem Beschwerdeführer nach
dem
Klinik
a
uf
ent
halt
vom
8.
Februar bis 2
8.
April 2011 keine Einsch
ränkung
in seiner Arbeits
fähigkeit attestiert worden. Der Wechsel vom Spital
Y._
zum Spital
Z._
wie auch die Reduktion auf ein 90%iges Arbeitspensum könnten nicht mit einem invaliditätsrelevanten
Ge
sun
d
heitsschaden
begründet wer
den, sondern seien auf invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführen
(S. 2).
2.2
2.2.1
Dagegen machte de
r
Beschwerdeführer
in
seiner
Beschwerde vom
9.
April 2014 (Urk
. 1)
geltend, d
er Sachverhalt sei durch die Beschwerdegegnerin sowohl in medizinischer als auch in beruflicher Hinsicht nur mangelhaft abgeklärt wor
den.
Die
Be
schwerdegegnerin
habe weder einen
Arbeit
geber
bericht
der
Y._
AG ein
geholt noch eine
Haus
halt
ab
klärung
durch
geführt. Er sei auch nicht gefragt wor
den, welches Pensum er im
Ge
sund
heits
fall
ausüben würde
(S.
4 f.
Ziff.
9)
.
Ob
wohl umstritten sei, auf wel
ches Pen
sum sich die attestierte
n
Arbeits
un
fähig
keiten bezögen, habe es die
Be
schwer
de
gegnerin
ebenfalls
un
ter
lassen, bei den invol
vierten Ärzten nach
zu
fragen
(S. 5 Ziff.
10).
Es könne auch nicht a
uf das Gutachten von Dr.
B._
abgestellt werden.
Nur eine inter
dis
zi
pli
näre Begutachtung sei geeignet, seine Arbeitsfähigkeit
rechts
genüglich
festzu
setzen (S. 5
Ziff.
11).
Es sei auch
nicht zutreffend, dass er im
Gesund
heitsfall
nur
zu 90
%
arbeiten wür
de.
Im
Gesund
heits
fall
wäre er in einem vollen Pensum tätig (S. 6
Ziff.
12).
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
, habe ihm eine 40%ige Arbeits
unfähigkeit attestiert, welche sich auf ein 100%-Pen
sum
beziehe. Unter
der Prämisse, dass er im Gesundheitsfall voll arbeitsfähig wäre,
resultiere
ein
In
validität
s
grad
von min
destens 40
%
(S.
6 f. Ziff.
13).
2.2.2
In der
Replik vom 2
4.
Juli
2014 (Urk. 12)
führte der Beschwerdeführer
unter an
de
rem ergänzend
aus
,
aufgrund des
neu eingeholte
n
Arbeitgeberbericht
es des Spitals
Y._
sei davon auszugehen, dass er ohne Gesundheitsschaden auch weiter
hin im Spital
Y._
vollzeitlich tätig
gewesen wäre. Dafür spreche auch die Tatsache, dass er für vier Kinder unterhaltspflichtig sei und sich nicht ohne Not mit einem geringeren Einkommen zufrieden gegeben hätte (S. 2).
Im Spital
Y._
würde er
Fr. 7‘826.90 pro Monat
(100%-Pensum)
verdienen. Ver
glichen mit dem Einkommen
von Fr.
4‘101.26, welches er im Rahmen des 60%-Pensum
s
im Spital
Z._
ver
diene, er
gebe das einen Invalidität
sgrad von 47.7
%
und bei der vom
be
han
delnden Haus
arzt
attestierten
40%igen Arbeitsfähigkeit
re
sul
tiere
sogar ein
In
validitäts
grad
von 65
%
.
2.2.3
In der
Stellungnahme
vom 1
5.
September 1014 (Urk. 20)
hielt der Be
schwerde
führer
abermals
fest, dass sich aus den von der Beschwerdegegnerin nach
träg
lich ein
geholten Unterlagen eindeutig ergebe, dass die Spital
Y._
AG das
Arbeits
verhältnis nach der Sperrfrist krankheitsbedingt aufgelöst habe. Es sei nun zweifelsfrei erstellt, dass die Kündigung aus gesundheitlichen Gründen er
folgt sei
(S. 1)
.
2.3
Der Beschwerdeführer meldete sich am 2. Mai 2013 zum Leistungsbezug an (Urk.
9/2). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Mo
naten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruches (Art. 29 Abs. 1 IVG). Es ist somit zu prüfen, wie es sich mit den Verhältnissen für die Zeit ab Novem
ber 2013 verhält.
Dabei ist unbestritten und ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer nach einer im November 2012 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit (vgl. auch Urk. 9/19/1) seine Tätigkeit im Spital
Z._
wieder (teilweise) aufgenommen hat und seit 1. Oktober 2013 zu 60 % ausübt (Urk. 9/18).
Strittig ist hingegen, ob der Beschwerdeführer eine rentenbegründete
Erwerbs
ein
busse
erleidet.
3.
3.
1
Im vertrauensärztlichen Gutachten
vom
2.
Juli 2013 (Urk. 9/10)
,
welches von der
Vorsorge
einrichtung
BVK
in Auftrag gegeben w
o
rde
n war und sich auf die während der Entwöhnungsbehandlung in der Klinik
C._
(vgl. Urk. 13/1) statt
gefundene Untersuchung stützte
,
diagnostizierte
Dr.
B._
eine Leber
zirrhose bei chronischer Hepatitis C und Alkoholismus mit/bei
porta
ler
hyper
tensiver
Gas
tro
pathie
, Status nach
Öso
phagus
varizen-Blutung
am 19. November 2012 und wiederholten Ligaturen, hepatischer Dekompensation bei gemischter
äthylischer
und viraler Hepatitis im Feb
ruar 2013, eine chroni
sche Hepatitis C mit/bei Status nach wiederholten Therapie
versuchen,
Virus
persistenz
sowie
eine
Alko
hol
krankheit
, aktuell abstinent unter
Entzugs
be
hand
lung
seit Januar 201
3
(S. 8)
.
Gelinge es dem Beschwerdeführer nicht, sich von seiner Alkoholabhängigkeit zu lösen, sei eine negative gesundheitliche Entwicklung praktisch vorgezeichnet (S.
10).
In der Zusammenfassung und Beurteilung hielt
Dr.
B._
fest (S. 8 f.), aufgrund aller vorliegenden Informationen sei eine stufenweise Arbeitsaufnahme mög
lich. Der Beschwerdeführer wirke geistig rege und körperlich nur noch leicht ge
schwächt. Die Leberwerte seien anlässlich der letzten Kontrolle sehr gut ge
we
sen.
Die berufliche Reintegration solle in den kommenden sechs Monaten schritt
weise
durchgeführt werden
(S. 9 f.)
.
Aus heutiger Sicht bestehe keine Berufsunfähigkeit. Aufgrund von Krankheit sei aber mit einer weiteren partiellen Arbeitsunfähigkeit von mehreren Monaten zu
rech
nen. Im Rahmen eines Arbeitsversuchs werde der Beschwerdeführer voraus
sicht
lich schon im Juli einige Tage am Arbeitsort verbringen. Anschliessend, wahr
s
cheinlich im Laufe des Monates August, könne mit einer regulären parti
ellen Arbeitsaufnahme gerechnet werden, welche innert sechs Monaten schritt
weise auf das früher innegehabte Pensum gesteigert werden solle
(S. 10
Ziff.
8
lit
. b)
.
Es bleibe Ziel, während der Arbeitszeit eine volle Leistung zu erbringen
(S. 11
lit
. c)
.
Eine Nachuntersuchung sei sinnvoll, wenn der Beschwerdeführer nicht in der Lage sei, sein volles Pensum wieder innert acht Monaten zu erreichen
(S. 11
lit
.
d
)
.
Dem Beschwerdeführer könnten die üblichen Arbeiten als Notfallpfleger zu
ge
mutet werden. Während der Rehabilitationsphase sei er jedoch vor Über
lastun
gen körperlicher und psychischer Art zu schützen
(S. 11
lit
. e
)
.
3.
2
Vom 8. Februar bis 28. April 2011 hatte der Beschwerdeführer in der Klinik
C._
in stationärer Behandlung mit dem Ziel der Festigung einer längeren
Alko
holabstinenz
gestanden. Die Behandlung wurde beendet, ohne dass eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit genannt worden wäre (Urk. 18).
Vom 3. April bis 20. August 2013 war der Beschwerdeführer erneut in statio
nä
rer
Entwöhnungsbehandlung in derselben Klinik (Urk. 13/1).
Im Bericht vom 2
3.
Oktober 2013
diagnostizierten
med.
pract
.
E._
,
Ober
ärz
tin
, und
Psychotherapeutin
F._
,
Kompetenz
zent
rum
für die Behandlung von Alkohol-, Medikamenten- und
Tabak
abhängigkeit
, Kli
nik
C._
, ein
Alko
hol
ab
hängig
keitssyndrom
, gegenwärtig in beschützender Um
ge
bung ab
stinent (ICD-10 F10.21), einen schädlichen Gebrauch von Tabak, gegen
wärtig in be
schützender Umgebung abstinent (ICD-10 F17.1), ein
Opioid
ab
hän
gig
keits
syn
drom
(seit zwölf Jahren abstinent, ICD-10 F11.20), einen schäd
lichen Gebrauch von Kokain (seit fünf Jahren abstinent; ICD-10 F14.1), einen schädli
chen Ge
brauch von Cannabis (ICD-10 F12.1; letzter Konsum 2012), eine chro
nische Hepatitis C und einen Zustand nach
Oesophagus-Varizen
blutung
und fünf
m
a
liger Ligatur im November 2012 sowie
einen Zustand nach hepatischem Koma bei be
kannter Leberzirrhose im Januar 201
3.
Die behandelnden Fachpersonen der Klinik
C._
hielten unter anderem fest, dass die körperliche Kondition bis zum Schluss der stationären
Ent
wöhnungs
be
hand
lung
eingeschränkt
gewesen sei
. Sie at
testierten
– unter Hinweis auf die
entsprechende Vereinbarung mit dem Arbeitgeber - eine 30%ige Arbeits
fähig
keit
(S. 3)
.
3.
3
Im
Bericht
vom
5.
November 2013 (Urk. 9/14)
diagnostizierte
der be
handelnde
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, eine Leber
zirrhose bei chronischer Hepatitis C und
Alkohol
krank
heit
und attestierte eine 30%ige
Arbeitsunfähigkeit vom
1.
Oktober bis 3
1.
Dezember 201
3.
Dr.
D._
führte aus,
die bisherigen Tätigkeiten würden insbesondere durch die Müdig
keit, die durch das Leberleiden verursacht werde, eingeschränkt. Die bis
herige Tätigkeit sei aus medizinischer Tätigkeit noch im Rahmen von 60 bis 70 % zumutbar.
Eine Umschulung scheine nicht zielführend zu sein, da auch in einem anderen Beruf die
Leistungseinschränkung bestehen bleiben werde.
3.
4
Am 1
9.
r
espektive
2
4.
November 2013 (
Urk.
9/19/1-4
)
nannten
Dr.
med.
G._
,
und Prof.
Dr.
med.
H._
, Leitender Arzt Hepatologie, Klinik für Gastro
entero
logie und Hepatologie,
I._
,
als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeits
fähig
keit eine Leberzirrhose bei chronischer Hepati
tis C (Geno
typ 1) seit circa 1993, erfolglose Therapien i
n den
Jahr
en
2013, 2004 und 1993
und
eine
porto
pul
monale
Hypertonie
.
Sie
attestierte
n
dem Be
schwer
de
führer als Notfallpfleger vom 1
6.
Dezembe
r 2012 bis 2
1.
August 2013
– mithin dem Austritt aus der Klinik
C._
-
eine 100%ige
, vom 2
2.
bis 3
1.
August 2013 eine 70%ige und vom
1.
September 2013 bis auf weiteres eine 40
%
ige
Arbeits
un
fähigkeit
. Als Diagnosen ohne Aus
wir
kung auf die Arbeits
fähigkeit nannten sie einen Status nach Alkohol
-
und
Nikotin
abusus
bis Februar 201
3.
Die Ärzte des
I._
hielten fest, die körperliche Leistungsfähigkeit sei im Ver
gleich zum Jahr 2012 objektiv reduziert, der Beschwerdeführer ermüde schneller und brauche mehr arbeitsfreie Tage.
Die bisherige Tätigkeit sei noch drei Tage pro Woche im Schichtdienst möglich. In diesem zeitlichen Rahmen bestehe noch keine verminderte Leistungsfähigkeit, bei einem höheren Pensum bestehe aber sicherlich eine verminderte Leistungsfähigkeit. Aufgrund der Hepatopathie typischen
Fatigue
sei die Erholungszeit viel länger als bei Gesunden. Der Alko
hol
abusus sei klar mit beruflicher und gesundheitlicher Überforderung ver
ge
sellschaftet. Eine Teilrente verbessere wohl die Prognose.
3.
5
Im
Z
eugnis vom 1
2.
Februar 2014 (Urk. 9/23)
attestierte der behandelnde
Dr.
D._
vom
1.
September 2013 bis 3
0.
April 2014 eine 40%ige
Arbeits
un
fähigkeit. Der Beschwerdeführer sei bezogen auf ein Pensum von 100
%
zu
maxi
mal
60
%
arbeitsfähig.
3.
6
Dagegen hielt
Dr.
D._
in seiner Stellungnahme vom
7.
April 2014 (Urk. 13/2) zur Verfü
gung vom 1
2.
März 2014 fest, aufgrund der vorliegenden Diagnosen betrage die maximale Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers als Kranken
pfleger
(
Schichtarbeit inklusive Nachtschicht
)
maximal 40
%
. Sollte er mehr Leis
tung er
bringen müssen, seien Probleme programmiert. Es sei damit zu rechnen, dass bei einer über längere Zeit zu hohen Arbeits
leistung sein fragiles
Gesundheits
system
kollabieren und es zu einem voll
ständigen Arbeitsausfall kommen werde. Zudem sei zu be
achten, dass allen
falls eine
Lebertrans
plan
tation
ins Auge gefasst werden müsse, es sei auch damit zu rechnen, dass die pulmonal arterielle Hypertonie bei ver
mehrter Arbeits
belastung
dekompensieren
könnte. Er ersuche die zuständigen Stel
len darum, auf den Entscheid zurück
zukommen.
4.
4.1
Vorab stellt sich die Frage
,
in welchem Ausmass de
r
Beschwerdeführer ohne
gesund
heitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre. Die Beschwerdegegnerin
ging
davon aus, dass der Beschwerdeführer im Gesundheitsfall zu 90
%
er
werbs
tätig wäre (E. 2.1
hievor
)
. Der Beschwerde
führer machte dem
gegen
über geltend, dass er
im Gesundheitsfall
vollzeitig erwerbstätig gewesen wäre und die Reduktion auf eine Teilzeitstelle
gesundheitsbedingt
erfolgt sei (E.
2.2
hievor
).
4.2
Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruches als auch an
lässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG) stellt sich unter dem Ge
sichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbemessungsmethode.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nicht
erwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich,
Betätigungs
ver
gleich
, gemischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Üb
rigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beein
trächti
gung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbs
tätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, das heisst ohne
Gesund
heitsschaden
, aber
bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
).
4
.
3
Nachdem der Beschwerdeführer neben seiner Erwerbstätigkeit in keinem Auf
gabenbereich tätig ist – seine Kinder befinden sich bei der Mutter (
Urk.
9/7 S. 3)
-
fin
det die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs Anwendung für die
Invaliditätsbemessung
.
Damit besteht keine Veranlassung, die vom Beschwerde
führer angesprochene Haushaltabklärung (vgl. Urk. 1 S. 5) durchzuführen.
4.4
Zu prüfen bleibt,
ob
der Beschwerdeführer
sein Arbeitspensum im Mai 2011 aus gesundheitlichen Gründen reduziert hat oder um mehr Freizeit zu haben
.
Aus dem Arbeitgeberbericht der Spital
Y._
AG vom
2
6.
Mai 2014 (Urk. 8
/1
)
geht hervor
, dass der Beschwerdeführer
dort
vom
1.
September 2000 bis
8.
Mai 2011 vor Eintritt des Gesundheitsschadens 42 Stunden pro Woche gearbeitet hat und ihm schliesslich nach
Ablauf
der Sperrfrist
(
Krankheit
)
gekündigt worden ist.
Dabei fiel das Ende des Arbeitsverhältnisses praktisch mit dem Austritt aus der vom 8. Februar bis 28. April 2011 dauernden stationären Behandlung in der Klinik
C._
zusammen (Urk. 18), weshalb eine Kündigung wegen
Alkohol
pro
blemen
nicht ohne weiteres auszuschliessen ist. In den aufliegenden
Jahres
plä
nen
sind im Jahr 2009 nur wenige, hingegen ab September 2010 gehäuft auf
tretende Krankheitsabwesenheiten ersichtlich (Urk. 8/6-9), die indes nicht durch
Arztzeugnisse gestützt werden. Ausgewiesen ist sodann, dass die chronische Hepa
titis C zwar mehrmals therapeutisch angegangen wurde, zuletzt vor der Leberdekompensation im Oktober 2012 (vgl.
Urk.
9/10 S.
2, Urk. 9/16/4
7, Urk.
9/19/1 Ziff.
1.1). Aber eine auf diese Behandlungen zurückzuführende Arbeitsunfähigkeit ist nicht aktenkundig.
Der Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, dass vor der erstmaligen Behand
lung in der Klinik
C._
wie auch im Anschluss keine Arbeitsunfähigkeiten be
scheinigt wurden. Im Bericht der Klinik
C._
vom 20. Mai 2011 - anders als im nach der
Oesophagusvarizenblutung
im November 2012 und der hepatischen Dekompensation im Februar 2013 ergangenen Bericht vom 23. Oktober 2013 (E. 3.2) - war sogar in Kenntnis der bekannten Diagnosen ausdrücklich von gegebener Arbeitsfähigkeit die Rede (Urk. 18). Den weiteren medizinischen Un
terlagen sind frühestens ab Dezember 2012 (
I._
; Urk. 9/19/2) beziehungsweise ab Oktober 2013 (Hausarzt Dr.
J._
; Urk. 9/14) Arbeitsunfähigkeiten zu ent
nehmen.
Aufgrund dieser Aktenlage ist eine medizinisch indizierte Reduktion des Arbeitspensums auf 90 % nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Standortgesprächs vom 22. Mai 2013
neben den gesundheitlichen Ressourcen die Kinder als Gründe für die
Pensums
reduktion
angab (Urk. 9/7 S. 2). Da die Kinder jedoch bei der Mutter leben (Urk.
9/7 S.
3), fällt die wohl während den üblichen Besuchstagen angefallene Kinderbetreuung nicht in den Aufgabenbereich (E. 4.3).
Wenn auch der später erfolgreich behandelte Alkoholabusus, die chronische Hepatitis C und die Leberzirrhose zu einer subjektiven Beeinträchtigung geführt und den Beschwerdeführer zur
Pensumsreduktion
bewogen haben mag, recht
fertigt dies mangels einer objektivierten Arbeitsunfähigkeit nicht, das
Validen
ein
kommen
aufgrund eines 100%-Pensum zu ermitteln.
Ebenso wenig wie die
Pensumsreduktion
erfolgte der Wechsel vom Spital
Y._
ins Spital
Z._
im Mai 2011 aus gesundheitlichen Gründen, übte der Be
schwerdeführer doch an beiden Orte die nämliche Tätigkeit als Pfleger aus. In der Beschwerde führte er
hiezu
aus, der Stellenwechsel sei wegen des
Arbeits
weges
erfolgt; aufgrund einer Trunkenheitsfahrt habe er den Führerausweis abgeben müssen und das Spital
Y._
sei mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu weit weg gewesen (Urk. 1 S. 4). Damit führten offensichtlich
invaliditäts
fremde
Gründe zum Stellenwechsel, weshalb bei der Bemessung der
Erwerbs
einbusse
da
s im Spital
Y._
erzielte Einkommen von vornherein ausser Acht zu bleiben hat.
4.5
Wäre die versicherte Person gesundheitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, reduziert sie aber das Arbeitspensum aus freien Stücken, insbesondere um mehr Freizeit zu haben, oder ist die Ausübung einer Ganztagestätigkeit aus Gründen des Arbeitsmarktes nicht möglich, hat dafür nicht die Invaliden
ver
sicherung einzustehen (BGE 125 V 157 E. 5c/
bb
mit Hinweisen; ZAK 1992 S. 92 E.
4a). Das
Valideneinkommen
ist demzufolge ausgehend von der aus freien Stücken gewählten Teilerwerbstätigkeit festzulegen (BGE 131 V 51 E. 5.1.2).
Da der Beschwerdeführer unstreitig weiterhin bei der Spital
Z._
in einem Pensum von 60 % in seiner angestammten Tätigkeit als Pfleger tätig ist (Urk. 9/18), erleidet er angesichts des anrechenbaren Pensums von 90 % einen Verdienstausfall von höchstens 33 %, was einem rentenausschliessenden
Inva
lidi
täts
grad
entspricht.
Da allein ein Prozentvergleich
bei effektiv ausgeübtem
Arbeitspensum zu diesem
Ergebnis führt, sind von den beantragten
weiteren medizinischen Abklärungen kein
e
entscheidrelevanten
Erkenntnisse
zu erwarten, weshalb darauf zu ver
zich
ten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 E.
4b, 122 V 157 E.
1d).
Eine 60%ige Arbeitsfähigkeit ist aufgrund der medizinischen Akten und den effektiven Verhältnissen ausgewiesen. Die gegenteiligen Ausführungen von Dr.
D._
vom 7. April 2014 (E.
3.6) sind unbegründet, setzen sich nicht mit den
übrigen Berichten (auch den eigenen widersprechenden) auseinander und sind wohl irrtümlich verfasst worden.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem
Beschwer
de
führer
aufzuerlegen.