Decision ID: db098bcf-fd08-4ba7-b199-d957a9a47082
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1970 geborene
X._
,
Mutter von vier Kindern
und
zuletzt von
Januar 2009
bis Mai 2010
in einem 100%-Pensum als „
Coordinator
“ bei der
Z._
AG tätig (
Urk.
8/15)
,
meldete sich
am 17.
Februar 2010
nach einer
längeren krankheitsbedingten
Abwesenheit
vom Arbeits
platz
(
Urk.
8/2)
unter Hinweis auf
eine psychische
Gesundheitsbeein
trächtigung
zum Bezug von Leistungen der I
nvalidenversicherung
an
(
Urk.
8/8)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte
einen
Bericht
bei der behandelnden Psychiaterin Dr.
med.
A._
, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie
(Urk.
8/13
/6-11
)
,
sowie einen
Arbeitgeberbericht (Urk.
8/15) ein
. Nach Abbruch eines von
der Invalidenversicherung
finanzierten
Belastungs
trainings
(Urk.
8/23-24 und Urk.
8/
31-32)
und nach Einholung eines weiteren Berichts bei
Dr.
A._
(Urk.
8/35/
6
-11)
auferlegte die IV-Stelle
der Ver
sicherten
im Rahmen
ihrer Schadenminderungspflicht
die
Fortsetzung der
fachpsychiatrische
n
und psychopharmakologische
n
Behandlung
und
Therapie
(
Urk.
8/39)
.
Mit
Verfügung
en
vom
18.
April
und 1
2.
Mai 2011
sprach
die IV
Stelle
X._
mit Wirkung ab
1.
August 2010,
ausge
hend von einem Invaliditätsgrad von
zunächst 70
%
und
anschliessend
100
%
,
eine ganze Ren
te der Invalidenversicherung
nebst Kinderrenten
zu
(Urk.
8/54
und
Urk.
8/57
)
.
1.2
Im Rahmen des im März 2012
von Amtes wegen veranlassten
Revisionsver
fahrens
(
Urk.
8/61) tätigte die IV-Stelle erneut medizinische, erwerbliche sowie berufliche Abklärungen und
liess
die Versicherte am 31.
Oktober 2012
durch
Dr.
med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, begutachten (vgl. Expertise vom 2
4.
Dezember 2012,
Urk.
8/70
/1-18
). Daraufhin teilte sie
X._
mit Vorbescheid vom 2
3.
Januar 2013 (
Urk.
8/72) mit, dass die Rente aufgrund des Wiedererlangens der vollen Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit
sowie auch
in anderen,
adap
tierte
n
Tätigkeiten
aufgehob
en werde. Auf
hiegegen
erhobene
Einw
ä
nd
e
(
Urk.
8/75
,
Urk.
8/82
,
Urk.
8/86
und
Urk.
8/94
) hin
gelangte die
IV-Stelle
zwei
mal mit Rückfragen an
d
en
Gutachter
Dr.
B._
(
Urk.
8/91
und
Urk.
8/98
)
.
In der Folge
hielt sie an ihrem Vorbescheid fest und verfügte
am
1
9.
März 2014
die Einstellung der
ganzen
Invalidenrente per
3
0.
April 2014
(
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom
19
.
März
201
4
(Urk. 2) erhob
X._
am
5.
Mai 2014
Beschwerde (Urk. 1) und beant
ragte, diese sei aufzuhe
ben und
es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr weiterhin eine Inva
lidenrente im
gleichen Umfang auszurichten. Eventuell sei die Sache zwecks ergänzender Abklärung des medizinischen Sachverhaltes und der Zumutbarkeit an die Verwaltung zurückzuweisen (S. 2)
. Die Beschwerdegegnerin
schloss
in ihrer Vernehmlassung vom
4.
Juni 2014
auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 7). Am
1
4.
Oktober 2014
erstattete die Beschwerdeführerin ihre Replik und hielt an den gestellten Anträgen fest (Urk. 1
4
).
Mit der Replik legte sie einen
Bericht der
C._
vom 1
2.
September 2014
über einen Aufenthalt
in der Tagesklinik
vom 1
0.
Juni bis
5.
September 2014
auf
(
Urk.
15).
Am
28.
Oktober 2014
verzichtete die Beschwerdegegnerin auf
das Einreichen einer
Duplik (Urk. 1
8
), was der Beschwerdeführerin am
3
0.
Oktober 2014
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 1
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit
Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.
3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kul
turellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invali
disierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin
bejahte
in ihrer Verfügung vom 1
9.
März 2014
gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
den Eintritt einer
gesundheitlichen
Verbes
serung
(
Urk.
2). Die früher dokumentierte depressive Episode sei aktuell remittiert und es bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr.
In der Beschwerdeantwort ergänzte sie
, dass in Bezug auf die rentenzusprechende
n
Verfügung
en
ein Wiedererwägungsgrund vorliege, da
damals angesichts der
gestellten Diagnosen
kein
invalidisierende
r
Gesundheitssch
aden vorgelegen habe.
Zudem hätten
erheblich
e
psychosoziale Belastungsfaktoren
bestanden
(
Urk.
7).
2.
2
Die Beschwerdeführerin erhob demgegenüber Einwände gegen das Gutachten von
Dr.
B._
(
Urk.
1
Ziff.
11 f. S.
8 und
Urk.
14
Ziff.
4.
1.
S. 3);
sie erachtete die Abklärungen der Beschwerdegegnerin als unvollständig (
Urk.
1
Ziff.
1 ff. S. 10). Zudem verneinte sie das Vorliegen eines Wiedererwägungsgrundes (
Urk.
14
Ziff.
4.2 S. 4 ff.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist zunächst, ob die IV-Stelle im massgebenden
Ver
gleichs
zeitraum
zwischen der Zusprechung einer ganzen Rente der Invali
den
versicherung mit Verfügungen vom
1
8.
April und 1
2.
Mai
2011 (Urk. 8/54 und
Urk.
8/57) und
der
Aufhebung der Rente mit
Verfügung vom 19.
März 2014 (Urk. 2) zu Recht von einer
wesentlichen
Verbesserung des Gesundheits
zustandes
beziehungsweise
von einem
die Rentenaufhebung rechtfertigenden
Revisionsgrund ausging.
3.
3.1
Den am 18. April 2011 und 1
2.
Mai 2011 verfügten Ansprüchen auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung (
Urk.
8/54 und
Urk.
8/57) lagen in medizini
scher Hinsicht
folgende
Akten
zugrunde:
3.2
Am 1
6.
März 2010 berichtete
Dr.
A._
, bei welcher die Beschwerdeführer
in
seit dem 3
0.
August 2007 in Behandlung stand, der IV-Stelle (
Urk.
8/13
/6-11
).
Die Ärztin
diagnostizierte eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), eine
Dysthymie
sowie eine chronische Gratifikationskr
ise und attestierte der Beschwerdeführerin vom 2
5.
Mai 2009 bis Februar 2010 eine 100%ige und ab Februar 2010 bis auf Weiteres eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit, wobei sie ab Sommer 2010 mit einer 50%igen
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
r
echnete. Nach der Krankschreibung
im Mai 2009 sei die Beschwerdeführerin vom 1
8.
Juni 2009 bis zum 2
2.
Januar 2010 in
der
Tagesklinik für Affektkranke der
C._
gewesen. Die psychische Erkrankung der Beschwerdeführerin wirke sich bei der Arbeit aus, indem eine starke Selbstverunsicherung, Konzentrationsprobleme, eine ver
langsamte Aufmerksamkeit und eine reduzierter Belastbarkeit bestünden.
Dr.
A._
gab im Weiteren an, es sei eine Reintegration geplant und es
sei
in einem späteren Zeitpunkt
von einer normalen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Sie fügte am
29.
März 2010
einen Nachtrag ein, wonach seit
einem Medikations
versuch mit
Wellbutrin
eine eindeutige Besserung eingetreten
sei
.
3.3
Am 1
0.
September 2010
nannte
Dr.
A._
diese
lben Diagnosen wie im ersten Bericht, wobei sie diese mit der Diagnose einer
Exacerbation
eines chronischen Paarkonfliktes ergänzte (
Urk.
8/35
/6-11)
.
Dr.
A._
stellte fest, die Beschwer
deführer
in
sei aktuell wieder so durcheinander, dass jeder Reiz von aussen zur Verstärkung ihrer Beschwerden führe. Aktuell sei sie sehr mit familiären Prob
lemen beschäftigt.
Eine
Reintegration sei geplant gewe
sen. Nun sei e
ine volle Arbeitsfähigkeit nicht denkbar
–
im Gegenteil sei die Beschwerdeführerin aktu
ell zu 100
%
arbeitsunfähig. Sie könne knapp ihre Funktion als Mutter von drei kleinen Kindern sowie einer 18
-
jährigen Tochter inklusive Haushalt erledigen. Dies koste sie viel Energie bei reduziertem Antrieb, starker
Selbstverunsiche
rung
, Konzentrationsproblemen, verlangsamter Aufmerksamkeit, reduzierter Belastbarkeit und unter Stress nur völlig untergeordneten
Copingstrategien
.
3.4
Dr.
med.
Dr.
rer
. pol.
D._
, Facharzt für Innere Medizin
,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV-Stelle (RAD)
kam in seiner Stellungnahme vom 2
8.
Sep
tember 2010 zu
den Berichten von
Dr.
A._
zum Schluss, auch für eine adaptierte Tätigkeit sei der ausgewiesene Verlauf – 100%ige Arbeits
unfähig
keit vom 2
5.
Mai 2009 bis Februar 2010, 70%ige Arbeitsunfähig
keit vom Februar
bis Ende August 2010 und wiederum 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab September 2010 – ausgewiesen (
Urk.
8/38 S. 3 f.).
4.
4.1
Im Rahmen des im März 2012 an die Hand genommenen
Rentenrevisions
ver
fahrens
wurden die folgenden medizinischen Bericht
e
zu den Akten genommen:
4.
2
Am
3
0.
März 2012 wies
Dr.
A._
(
Urk.
8/62
/5-11
)
auf massive
Paarschwierig
keiten
im vergangenen Jahr
hin
,
mit Auslösung von ausgeprägten existenziellen Ängste
n
, Versagensgefühlen, Verlust
ängsten und Insuffizienzerleben
, die sich unter psychiatrisch-psychotherapeutischer Begleitung und
Paartherapie langsam beruhigt hätten
. Insgesamt sei die Beschwerdeführerin nun stabiler, wenn auch häufig Infekte und Kopf- sowie Rückenschmerzen auftreten würden. Neben
der
Mutter- und Hausfrauenrolle sei eine zusätzliche Arbeit nicht vorstellbar.
Dr.
A._
diagnostizierte aktu
ell eine
Dysthymie
(ICD-10 F34.1
) sowie einen Status nach mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10 F32.1) bei chronischer Gratifikation
s
krise und
Exa
ce
r
b
ation
eines chronischen Paarkonfliktes im Jahr 2010/2011 sowie Rückenschmerzen (Diagnose unbekannt). Sie attestierte der Beschwerdeführerin ab Oktober 2011 und
bis auf W
eiteres eine 70%ige Arbeits
unfähigkeit. Langfristig, insbesondere mit dem Grösserwerden der Kinder
,
sei der Gesundheitszustand vermutlich besserungsfähig. Aktuell sei er stabil auf einem auswärts arbeitsunfähigen Niveau.
Die Beschwerdeführerin
sei in ihrer Funktion als Hausfrau und Mutter ausgelastet und gerate zwar weniger in Erschöpfung
s- und Überforderungszustände;
w
enn diese aber eintreten würden, wirkten sie sehr bedrohlich. Eine zusätzliche auswärtige Arbeit sei nicht zumut
bar beziehungsweise
es sei
eine erneute Dekompensation im Sinne einer Erschöpfungsdepression und Selbstwertkrise zu befürchten
.
4.
3
Der Hausarzt
Dr.
med.
E._
, Allgemeine Medizin FMH,
diagnostizierte im Bericht vom
4.
Juni 2012 (
Urk.
8/65) ein depressives Zustandsbild bei einem Status nach mittelgradiger depressiver Episode (ICD-10 F32.1) mit einer
Hospi
talisation
in der
C._
. Er gab zudem an
,
die rezidivierenden Rückenschmerzen und der rezidivierende Eisenmangel hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit (
Ziff.
1.1). Im Übrigen verwies er auf den ausführlichen Bericht von
Dr.
A._
.
4.
4
Dr.
med.
B._
diagnostizierte in seinem psychiatrisch-psychotherapeutischen Gutachten vom 2
4.
Dezember 2012 (
Urk.
8/70/1-18) eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) bei einer gegenwärtig remittierten depressiven Störung (ICD-10 F32.4/F33.4) mit (subjektiven) neurasthenischen, ängstlichen und depressiven
Restsymptomen
und mit
unregelm
ässigem Konsum von Alkohol, Kok
ain,
E
xtasy
und
Cannabinoiden
(S. 7).
Er gab an, in der Untersuchung vom 3
1.
Oktober 2012 seien keine relevanten psychopathologischen Befunde erkennbar gewesen. Es sei eine leichte Unruhe aufgefallen. Die Beschwerdeführerin sei im Affekt leicht
klagsam
und eine erhöhte
La
k
rimosität
(den Tränen nahe sein) trete hin und wieder auf. Ein depressives Syndrom könne auch nicht mit Hilfe
der
MA
DRS objektiviert wer
den (S. 9).
Die neurasthenischen, ängstlichen und depressiven Restsymptome
beziehungs
wiese
die
Dysthymia
erklärten sich vollständig als
Folge einer
gemäss Akten depressiven Episode zwischen Mai 2009 und März 2012 sowie der aus den Akten ersichtlichen und subjektiv geschilderten psychosozialen Faktoren,
wie unter anderem Herkunft, Migration, Lebensalter, Rentenbezug, eheliche Kon
flikte, Krankheiten der Kinder, Mehrfachbelastung als Hausfrau und Mutter, persönliche Berufswünsche sowie Abstinenz vom und Lage am Arbeits
markt
(S.
10).
Die
Dysthymia
führe im Fall der Versicherten aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht zu einer Minderung der Arbeitsfähigkeit. Dies gelte für jede Art von Tätigkeit, inklusive der Arbeiten im Haushalt. Gründe für
die
Unzumutbarkeit einer Willensanstrengung zur Überwindung der objektiv gering ausgeprägten Defizite könnten aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht nicht attestiert werden (S. 12). Die genannten psychosozialen Faktoren wirkten deutlich gegen eine Motivation zur beruflichen Reintegration und zur (zumutbaren)
Überwin
dung der
dysthymen
Verstimmung (S. 13).
Es handle sich um eine Verbesserung des Gesundheitszustandes (S. 17). Hierzu
werde
auch auf die Einschätzung der behandelnden Psychiaterin
Dr.
A._
verwiesen. Eine im Mai 2009 dokumentierte depressive Episode sei remittiert (S.
16).
In seiner
auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin ergan
genen ergänzenden Stel
lungnahme
führte
Dr.
B._
am 2
2.
Juli 2013 aus
(
Urk.
8/92)
, seine Explora
tion im engeren Sinne habe über 100 Minuten gedauert und die vollständige Untersuchung (inklusive Verhaltensbeobachtung und Testpsychologie MADRS) habe 160 Minuten in Anspruch genommen. Dr.
B._
gab in derselben Stel
lungnahme zudem an, die psychosozialen Faktoren stünden bei der Beschwer
deführerin
wesentlich im Vordergrund (
S. 2). Am 18.
November 2013 bejahte
Dr.
B._
erneut, dass eine Verbesserung des Gesundheitszustandes eingetreten sei. Dem habe die Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung selbst zuge
stimmt, in dem sie beispielsweise ausgeführt habe, es gehe ihr viel besser
. Diese
Einschätzung habe auch die langjährige behandelnde Psychiaterin in ihrem Bericht vom 3
0.
März 2012 bestätigt, indem sie angegeben habe, die depressive Episode sei remittiert und die Arbeitsunfähigkeit habe sich vermindert (
Urk.
8/99 S. 2).
4.
5
Dr.
D._
vom RAD stellte in seinen
Stellungnahme
n
vom 2
5.
Januar 2013
(
Urk.
8/71 S. 4 f.)
und 1
8.
März 2014
(
Urk.
8/104 S. 7)
auf das psychiatrische Gutach
t
en von
Dr.
B._
ab und
hielt
fest, der Gesundheitszustand habe sich seit März 2012 gebessert. Seit diesem Zeitpunkt bestehe für die zuletzt ausge
führte und für eine adaptierte Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
5.
I
m Beschwerdeverfahren
reichte die Beschwerdeführerin
einen Bericht
der
C._
vom 1
2.
September 2014 über eine teilstationäre Behandlung in der Tagesklinik vom 1
0.
Juni bis
5.
September 2014
zu den Akten
(
Urk.
1
5). Der Assistenzarzt
F._
und die Oberärztin
Dr.
med.
G._
diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1).
Die Ärzte gaben an,
durch
die Behandlung der depressiven Störung habe eine Teilremission der Symptomatik erreichen können. In den psychotherapeutischen Sitzungen seien einige dysfunktionale Denk- und Verhaltensmuster besproche
n worden, welche geeignet seien,
die depressive Symptomatik
weiter
zu erhalten. Nach Abschluss des akuttagesklinischen Programms sei die Beschwerdeführerin in einem stabilen und gebesserten Zustandsbild in die alten Verhältnisse ent
lassen worden
(S. 3)
.
6.
6.1
Das psychiatrische Gutachten
von
Dr.
B._
vom 2
4.
Dezember 2012 beruht
auf anlässlich der Untersuchung vom 3
1.
Oktober 2012 erhobenen psychischen und testpsychologischen Befunden, der erhobenen Anamnese sowie den
Vorak
ten
.
Dr.
B._
kam zum Schluss, dass sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
im Zeitpunkt der Begutachtung
verbessert habe. Er diagnostizierte
eine
Dysthymia
sowie neurasthenische, ängstli
che und depressive Restsymptome
. D
ie
in den Vorberichten von Dr.
A._
diagnosti
zierte
mittelgradige
depressive Episode erachtete er als remittiert. Er stützte sich bei dieser Einschätzung
nebst
eigene
n
Wahrnehmungen
sowie Testergebnisse
n
auf
die
Schilderungen
der Beschwerdeführerin
, wonach es ihr viel besser gehe
.
Zudem wies er darauf hin, dass im
Bericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
A._
vom 30.
März 2012
ebenfalls
eine Verbesserung
attestiert
und eine
Dysthymia
bei einem
Status nach
mittelgradiger depressiver Episode
diagnosti
ziert worden sei
.
6.2
Von erheblicher Bedeutung ist der
Hinweis von
Dr.
B._
auf
zahlreiche
psy
chosoziale Faktoren
(
Urk.
8/70/1-18
S. 11).
Tatsächlich
begründete
Dr.
A._
d
ie
im Bericht vom 3
0.
März 2012 attestierte
Arbeitsunfähigkeit
namentlich auch mit der Auslastung durch die Mutter- und Hausfrauenrolle
.
Zudem hob sie die Bedeutung des chronischen Paarkonflikts hervor.
In diesem Zusammenhang
gilt
es
zu beachten, dass bei
stark im Vordergrund stehenden
psychosoziale
n Faktoren eine fachärztlich festgestellte psychisch
e Störung von Krankheitswert in
ausgeprägter Form vorhanden sein
muss
, damit sie aus
versicherungsrechtli
cher
Sicht als invalidisierend erachtet werden kann (vgl.
vorstehende E. 1.
3
)
. Diese Voraussetzung dürfte
bei einer
Dysthymie
entsprechend der im massge
benden ICD-Klassifikationssystem enthaltenen Umschreibung (
vgl.
Dilling
/
Mom
bour
/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 9. Auflage 2014, S. 183
zu ICD-10 F34.1
; vgl. auch
Urteil
e
des Bun
desgerichts 8C_806/2013
vom
6.
März 2014
E.
6.2 mit zahlreichen Hinweisen sowie
8C_623/2013 vom 1
1.
März 2014 E. 3.2 mit Hinweis
) praxisgemäss regelmässig nicht
erfüllt sein
.
6.3
Mit Blick auf den Bericht der
C._
vom 1
2.
September 2014
über einen mehrmo
natigen Aufenthalt in der Tagesklinik
und der wiederum diagnostizier
ten rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
,
ist
allerdings
nicht
rechtsgenüglich
auszuschliessen, dass in der Zeit nach der psy
chiatrischen Begutachtung
durch
Dr.
B._
im Oktober 2012
bis zum Zeit
punkt des Verfügungserlasses
im März 2014
eine Verschlechterung der psy
chiatrischen Situation eingetreten ist.
In der „Revidierten Diagnose“ der behan
delnden Psychiaterin
Dr.
A._
, wiedergegeben in der
– wenn auch von zwei
felhafter Aussagekraft da
fast gänzlich geschwärzten
–
Email vom
8.
März 2013 an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (
Urk.
3), passte
auch
Dr.
A._
ihre Diagnose
n
an. Sie
ging von einer rezidivierenden depressiven Störung (vor einem Monat mittelschwer) sowie
von einer
Dysthymie
auf dem Hintergrund einer sequentiellen Traumatisierung (sex. Abusus, tragische Ereignisse mit Mutter) in aktuell schwieriger partnerschaftliche
r
und finanzielle
r
Situation aus.
Die Beschwerdegegnerin sah sich zwar veranlasst, bis zum Verfügungserlass im März 2014 zweimal Rückfragen beim Gutachter zu stellen. Eine ergänzende Untersuchung wurde aber nicht durchgeführt.
Ebensowenig
wurde ein
Verlaufs
bericht
bei der behandelnden Psychiaterin eingeholt.
6.
4
Was die geltend gemachten somatischen Beschwerden betrifft (
Urk.
1 S. 8),
hielt der Hausarzt in seinem Bericht
vom
4.
Juni 2012
fest, dass diese keine Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten
(vgl. E. 4.
3
).
Auch dieser Bericht liegt
relativ weit zurück, weshalb
auch diesbezüglich
Rückfragen angezeigt sind.
Aufgrund der Aktenlage scheint daher eine ergänzende
medizinische
Abklärung
entsprechend dem unter Ziffer 2 beant
ragten Eventu
alantrag,
falls nötig
unter
Beizug
eines Dolmetschers
(vgl.
Urk.
1 S. 9
Ziff.
3)
,
indiziert.
Dabei werden die bundesgerichtlichen Vorgaben betreffend den
Krankheitswert einer psychischen Störung bei Vorliegen
psychosozialer und
soziokultureller Faktoren
mit
zu berücksichtigen sein
(vgl. E. 1.3 und E. 6.2)
.
7.
Die
ursprünglich
e
Rentenzusprache
mit Verfügungen vom 1
8.
April und 1
2.
Mai 2011 ist schliesslich
nicht
als
zweifellos unrichtig in dem Sinne
zu qualifizieren
, dass nur
ein einziger Schluss
–
derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung
–
denkbar
wäre
(
vgl. Beschwerdeantwort
Urk.
7 S. 2;
Urteil
des Bundesgerichts 9C_837/2010 vom 3
0.
August 2011
E. 2.5.1).
Zunächst
kann der
Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach
es sich bei den damals gestellten Diagnosen per se nicht um einen invalidisier
enden Gesundheitsschaden handle
,
mit Blick auf die
diagnostizierte
mit
telgradige depressive Erkrankun
g
nicht
in di
eser Absolutheit gefolgt werden
, zumal die bundesgerichtliche Rechtsprechung durchaus Raum lässt,
um
bei mittelgradigen Depressionen
eine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit in relevantem Ausmass zu berücksichtigen
(vgl. etwa Urteile des Bundesge
richts
9C_1041/2010 vom 30. März 2011
E. 5.2 und 9C_292/2014 vom
3.
Sep
tember 2014 E. 3.2)
,
und die Beschwerdeführerin nach Lage der Akten seit Jahren rezidivierend an depressiven Störungen litt (vgl.
Urk.
7/13/6-11 S. 19), seit August 2007 in psychiatrischer Behandlung stand
(vgl.
Urk.
7 S. 2
)
und seit der massiven Zunahme der Beschwerden im Sommer 2009
bis zur
Rentenzu
sprache
engmaschig
Behandlungstermine wahrnahm und sich einer medika
mentösen Behandlung unterzog (
Urk.
7/13/6-11 S. 2
Ziff.
1.5 und
Urk.
7/35/6
11)
.
Auch die
zusätzlich relevanten
psychosozialen
Belastungs
fak
toren
lassen
die
ursprüngliche
Rentenzusprache
gestützt auf die fachärztliche Diagnose
der behandelnden Psychiaterin sowie die Stellungnahme des RAD (vgl.
3.4
) nicht
als zweifellos unrichtig erscheinen
, erhob die Ärztin in den massgebenden Berichten doch nicht im Wesentlichen
nur
Befunde, die in den psychosozialen und soziokulturellen Belastungen
aufgingen
(BGE 127 V 294 E.
5a S. 299
, vgl. 8/13/6-11 S. 2
Ziff.
1.4 und
Urk.
8/35/6-11 S. 2
Ziff.
1.4
).
8.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und
auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
Zudem ist der Beschwer
deführerin eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘
1
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).