Decision ID: 49a33631-48c4-4e97-9762-3f749118ad17
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war in den Jahren 2016 und 2017 bei der
Sanagate AG (nachfolgend: Sanagate) obligatorisch krankenpflegeversichert (act. G 3.7
und 3.8). Am 6. Januar 2018 stellte die Sanagate der Versicherten den Betrag von
Fr. 4'596.35 in Rechnung mit der Begründung, dass es sich dabei um die
Rückforderung der Prämienverbilligung für den Zeitraum 1. August 2016 bis 31. Juli
2017 handle (act. G 3.1 S. 1). Nach Ablauf der angesetzten Zahlungsfrist mahnte die
Sanagate die Versicherte am 17. März 2018 für die Rechnung vom 6. Januar 2018
(act. G 3.1 S. 2). Am 14. April 2018 forderte die Sanagate die Versicherte erneut zur
Zahlung auf und stellte ihr Mahngebühren von Fr. 20.-- in Rechnung. Sie setzte ihr eine
Zahlungsfrist bis zum 15. Mai 2018 und drohte ihr für den Fall der nicht rechtzeitigen
Bezahlung die Betreibung an (act. G 3.1 S. 3). Nach verstrichener Zahlungsfrist leitete
die Sanagate am 13. August 2018 für ausstehende Krankenversicherungsprämien vom
1. August 2016 bis 31. Juli 2017 die Betreibung (Nr. XXXXXXXX) beim Betreibungsamt
B._ über Fr. 4'596.35 samt Zins von 5 % seit dem 13. August 2018, Spesen von
Fr. 180.-- und aufgelaufene Zinsen von Fr. 121.30 ein (act. G 3.3).
A.b Mit Verfügung vom 16. Oktober 2018 hob die Sanagate den gegen die Betreibung
erhobenen Rechtsvorschlag auf und forderte die Versicherte zur Zahlung von
insgesamt Fr. 5'012.45 (Versicherungsprämien von Fr. 4'596.35, Spesen von Fr. 180.--,
seit dem 3. Februar 2018 aufgelaufene Verzugszinsen von Fr. 162.80 und
Betreibungskosten von Fr. 73.30) auf (act. G 3.4).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 26. Oktober 2018 Einsprache.
Darin machte sie geltend, sie schulde der Versicherung keine Krankenkassenprämien.
Die Krankenkasse habe den Rechtsvorschlag in Anwendung einer falschen
Bestimmung zu Unrecht aufgehoben. Die Sozialversicherungsanstalt (SVA) des
Kantons St. Gallen habe eine Rückforderung gestellt. Diesbezüglich sei beim
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Versicherungsgericht ein Rechtsstreit hängig. Sie fordere die Sanagate auf, das Urteil
des Versicherungsgerichts abzuwarten (act. G 3.5).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 31. Oktober 2018 wies die Sanagate die Einsprache
ab und hielt fest, der von der Versicherten geschuldete Betrag für die Rückforderung
der Prämienverbilligung belaufe sich auf Fr. 4'596.35 zuzüglich Mahnspesen von Fr.
180.-- sowie Verzugszins von 5 % seit dem 3. Februar 2018. Der Rechtsvorschlag in
der Betreibung Nr. XXXXXXX werde aufgehoben und über den Betrag von Fr. 4'596.35
(zuzüglich Mahnspesen von Fr. 180.-- und 5 % Verzugszins seit dem 3. Februar 2018)
werde die Rechtsöffnung erteilt. Zudem seien die Betreibungskosten von der
Versicherten zu bezahlen (act. G 3.6).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 16. November 2018 Beschwerde, worin sie die Aufhebung der
Betreibung Nr. XXXXXXXX beantragte (act. G 1).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 28. November 2018 beantragte die Sanagate
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin (act. G 3).
C.c In ihrer Replik vom 3. Januar 2019 hielt die Beschwerdeführerin sinngemäss an
ihrem Antrag fest (act. G 5).
C.d In ihrer Duplik vom 24. Januar 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
fest (act. G 7).
C.e Mit Schreiben vom 5. Juli 2019 forderte das Versicherungsgericht die
Beschwerdegegnerin auf, die in ihrem Einspracheentscheid erwähnten Mitteilungen
des Kantons bezüglich Gewährung bzw. Annullation der Prämienverbilligungen sowie
Belege für die von ihr behaupteten Auszahlungen von Differenzbeträgen an die
Beschwerdeführerin bis zum 12. Juli 2019 einzureichen (act. G 9). Gleichentags wurde
die Beschwerdeführerin seitens des Gerichts aufgefordert, allfällige Belege für
geleistete Prämienzahlungen bis zum 12. Juli 2019 einzureichen (act. G 10). Beide
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Aufforderungen erfolgten unter der Androhung, bei unbenütztem Fristablauf werde
angenommen, dass entsprechende Belege nicht beigebracht werden könnten (act. G 9
und 10).
C.f Mit Eingabe vom 11. Juli 2019 reichte die Beschwerdegegnerin einen Ausdruck der
bei ihr elektronisch erfassten Daten bezüglich der seitens des Kantons mitgeteilten
Gewährung und Annullation der Prämienverbilligungen (act. G 11.1) sowie einen
Ausdruck aus der Computersoftware SAP bezüglich der Auszahlungen der
überschüssigen Prämienverbilligungen an die Beschwerdeführerin (act. G 11.2) ein
(act. G 11). Weiter erklärte sie in ihrer Eingabe, dass ihr die Gewährung und die
Annullation der Prämienverbilligung seitens des Kantons elektronisch via "C._"
mitgeteilt worden sei. Aus dem beigelegten SAP-Auszug ergebe sich sodann, dass die
überschüssigen Prämienverbilligungszahlungen auf das Postkonto der
Beschwerdeführerin überweisen worden seien. Weiter bestünde die Möglichkeit, für
sämtliche Auszahlungen eine Zahlungsnachforschung bei der Post einzureichen,
welche belegen könnte, dass die Zahlungen auf dem angegebenen Konto
gutgeschrieben worden seien. Angesichts der beträchtlichen Kosten der
entsprechenden Nachforschung werde um Mitteilung gebeten, ob die eingereichten
Auszüge ausreichten oder ob weitere Belege benötigt würden (act. G 11).
C.g Am 15. Juli 2019 teilte das Versicherungsgericht der Beschwerdegegnerin
telefonisch mit, dass sie vorerst keine weiteren Belege einzureichen brauche (act. G
12). Die über dieses Telefongespräch angefertigte Aktennotiz sowie die von der
Beschwerdegegnerin eingereichten Belege liess das Versicherungsgericht der
Beschwerdeführerin mit gleichentags verfasstem Schreiben zur Kenntnisnahme
zustellen (act. G 13).

Erwägungen
1.
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens sind Prämienforderungen aus der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung bzw. eine Rückforderung von
Prämienverbilligungen für den Zeitraum August 2016 bis Juli 2017.
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2.
2.1 Die Beschwerdegegnerin fordert von der Beschwerdeführerin die Bezahlung von
Fr. 4'596.35 für ausstehende Prämien von August 2016 bis Juli 2017, da der Kanton St.
Gallen die Prämienverbilligung für diesen Zeitraum annulliert habe (vgl. act. G 3.3 und
3.4). Die durch den Kanton vorgenommene Annullation der Prämienverbilligungen habe
dazu geführt, dass die Prämien der Beschwerdeführerin von August 2016 bis Juli 2017
nicht mehr beglichen seien. Die Prämienzahlungspflicht betreffe die versicherte Person
persönlich. Der Krankenversicherer dürfe die gesamte Prämie bei der versicherten
Person einfordern unabhängig von allfällig ausstehenden Prämienverbilligungen. Ein
allfälliger Anspruch auf Prämienverbilligung könne nur gegenüber dem Kanton am
Wohnsitz und nicht gegenüber dem Krankenversicherer geltend gemacht werden
(act. G 3.6 S. 3).
2.2 Demgegenüber vertritt die Beschwerdeführerin die Ansicht, dass ihre
Krankenversicherungsprämien alle bezahlt seien. Die Beschwerdegegnerin müsse
zwischen der Nichtbezahlung von Prämien und einer Rückforderung unterscheiden. Die
SVA des Kantons St. Gallen habe eine Rückforderung gestellt, worüber nun ein
Rechtsstreit hängig sei. Diesen habe die Beschwerdegegnerin abzuwarten. Überdies
empfindet die Beschwerdeführerin die Anwendung von Art. 49 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) im
vorliegenden Fall als willkürlich (act. G 1 und 5).
2.3 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin im hier interessierenden Zeitraum
von August 2016 bis Juli 2017 bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch
krankenpflegeversichert gewesen ist. Dies ergibt sich auch aus den von der
Beschwerdegegnerin eingereichten Policen. Sodann ist diesen Policen zu entnehmen,
dass die monatlichen Krankenversicherungsprämien im Jahr 2016 Fr. 171.45 und im
Jahr 2017 205.95 betragen haben (vgl. act. G 3.7 und 3.8). Daraus ergibt sich für die
Beschwerdegegnerin für den Zeitraum August 2016 bis Juli 2017 eine
Prämienforderung von Fr. 2'298.90 (5 x Fr. 171.45 + 7 x Fr. 205.95). Gegen die in den
Policen genannte Höhe der Prämien hat die Beschwerdeführerin keine Einwände
erhoben. Sodann ist die Schilderung der Beschwerdegegnerin, wonach der Kanton für
den Zeitraum August 2016 bis Juli 2017 zunächst Prämienverbilligungen (im Jahr 2016
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von monatlich Fr. 373.-- und im Jahr 2017 von monatlich Fr. 391.--) ausbezahlt, später
jedoch annulliert habe (vgl. act. G 3.6 S. 2), glaubhaft, zumal sie von der
Beschwerdeführerin nicht bestritten wird (vgl. auch Art. 27 der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung des
Kantons St. Gallen [sGS 331.111]). Zudem hat die Beschwerdegegnerin einen
Ausdruck eingereicht, aus welcher die von ihr behauptete Annullation der
Prämienverbilligungen seitens des Kantons hervorgeht (act. G 11.1). Demnach ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin vom Kanton für die
Beschwerdeführerin für den Zeitraum August 2016 bis Juli 2017 Prämienverbilligungen
von gesamthaft Fr. 4'602.-- erhalten hat, welche der Kanton später jedoch wieder
annulliert hat. Diesen Betrag abzüglich einer Umweltabgabe von Fr. 5.65, sprich
gesamthaft Fr. 4'596.35, fordert die Beschwerdegegnerin nun von der
Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin bringt zwar vor, die Prämien seien
bezahlt, reicht diesbezüglich jedoch keinerlei Belege ein (vgl. act. G 10). Sie bringt denn
auch nicht vor, sie selber habe die Prämien bezahlt. Vielmehr macht sie geltend, dass
die Beschwerdegegnerin zwischen einer Rückforderung und der Bezahlung der
Prämien unterscheiden müsse, und erachtet die Rückforderung unter Verweis auf einen
Rechtsstreit mit der SVA St. Gallen, der beim Versicherungsgericht allerdings nicht
aktenkundig ist, sinngemäss als unrichtig (vgl. act. G 1 und 5). Der Beschwerdeführerin
ist darin zuzustimmen, dass es sich bei der von der Beschwerdegegnerin geltend
gemachten Forderung nicht ausschliesslich um unbezahlte Prämien handelt, sondern
zu einem gewissen Teil auch um eine Rückforderung von weitergeleiteten
Prämienverbilligungszahlungen des Kantons. Die Beschwerdegegnerin hat in ihrem
Einspracheentscheid nämlich erklärt, dass sie die für die Beschwerdeführerin vom
Kanton erhaltene Prämienverbilligung für den Zeitraum August 2016 bis Juli 2017
jeweils mit den fälligen Prämien verrechnet und die Differenzbeträge an die
Beschwerdeführerin ausbezahlt habe (vgl. act. G 3.6 S. 2). Die Auszahlung der
Differenzbeträge hat die Beschwerdegegnerin mittels eines SAP-Auszuges belegt und
sie werden von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten (vgl. act. G 11.2). Indem
die Beschwerdegegnerin von der Beschwerdeführerin die gesamten vom Kanton
zunächst an sie ausbezahlten, später jedoch annullierten Prämienverbilligungen
zurückfordert, macht sie einerseits offene Prämienforderungen, andererseits eine
Rückforderung zu Unrecht an die Beschwerdeführerin ausbezahlter
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Prämienverbilligungen geltend. Gemäss Art. 31 der Verordnung zum Einführungsgesetz
zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung des Kantons St. Gallen haben
die Versicherer zu Unrecht bezogene Prämienverbilligungen beim Versicherten geltend
zu machen. Demnach steht der Beschwerdegegnerin das Recht zu, die an die
Beschwerdeführerin ausbezahlten Prämienverbilligungen zurückzufordern, nachdem
der Kanton einen Anspruch auf Prämienverbilligung nachträglich verneint hat. Ebenso
steht ihr das Recht zu, die aufgrund der annullierten Prämienverbilligungen nicht mehr
beglichenen Prämien von der Beschwerdeführerin einzufordern. Denn, wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht vorbringt (vgl. act. G 3.6 S. 3), handelt es sich bei der
Prämienzahlungspflicht um eine verwaltungsrechtliche Pflicht, welche die versicherte
Person persönlich trifft (vgl. Gebhard Eugster, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum KVG, in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2018, N 13
zu Art. 61 KVG mit weiteren Hinweisen [nachfolgend zitiert als Gebhard Eugster,
Rechtsprechung KVG]). Der Wegfall der durch eine Drittperson übernommenen
Prämienzahlungspflicht ändert nichts am Rechtsverhältnis zwischen der Versicherung
und der versicherten Person (Urteil des Bundesgerichts vom 13. Dezember 2001, K
36/01, E. 3b; Gebhard Eugster, Rechtsprechung KVG, N 13 zu Art. 61). Ein allfällig
hängiger Streit zwischen der Beschwerdeführerin und der SVA des Kantons St. Gallen
vermag an der hier zur Diskussion stehenden Rechtsbeziehung zwischen der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin somit nichts zu ändern. Dies hat
umso mehr zu gelten, als die Beschwerdegegnerin die Prämien auch dann von ihren
Versicherten einfordern kann, wenn allfällige Prämienverbilligungen noch nicht
ausgerichtet worden sind (Gebhard Eugster, Rechtsprechung KVG, N 16 zu Art. 61 mit
Hinweisen). Schliesslich ist die Beschwerdegegnerin gestützt auf Art. 64a des
Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10) und Art. 105b der
Verordnung über die Krankenversicherung (KVV, SR 832.102) auch gehalten, offene
Prämien zeitnah einzutreiben, was mit dem Abwarten bis zur Erledigung sämtlicher
Streitigkeiten zwischen der Beschwerdeführerin und der SVA des Kantons St. Gallen
nicht zu vereinbaren wäre. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Beschwerdegegnerin Bestand und Umfang der in Betreibung gesetzten
Grundforderung mit den eingereichten Unterlagen rechtsgenüglich dargelegt hat und
die Einwendungen der Beschwerdeführerin daran nichts zu ändern vermögen.
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2.4
Weiter ist zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin verfahrensrechtlich korrekt
vorgegangen ist.
2.4.1 Für unbezahlte fällige Prämien und Kostenbeteiligungen im Rahmen der
obligatorischen Krankenpflegeversicherung muss die Krankenversicherung, nachdem
sie diese Ausstände mindestens einmal schriftlich gemahnt hat, eine schriftliche
Zahlungsaufforderung zustellen, der versicherten Person eine Nachfrist von 30 Tagen
einräumen und sie auf die Folgen des Zahlungsverzugs hinweisen (Art. 64a Abs. 1
KVG). Die Zahlungsaufforderung hat der Versicherer grundsätzlich spätestens drei
Monate ab Fälligkeit der Forderung und getrennt von allfälligen anderen
Zahlungsausständen zuzustellen (Art. 105b Abs. 1 KVV). Bei der Frist von Art. 105b
Abs. 1 KVV handelt es sich allerdings um eine Ordnungsvorschrift, deren
Nichteinhaltung weder den Anspruch auf die Ausstände noch den der
betreibungsrechtlichen Durchsetzung verwirken lässt (vgl. Gebhard Eugster,
Krankenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, 3. Aufl. Basel 2016, S. 801 f. [nachfolgend
zitiert als Gebhard Eugster, Krankenversicherung]); Gebhard Eugster, Rechtsprechung
KVG, N 1 zu Art. 64a KVG mit weiterem Hinweis).
2.4.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin für die Prämienabrechnung
vom 6. Januar 2018 (act. G 3.1 S. 1) zunächst mit Mahnung vom 17. März 2018 (act. G
3.1 S. 2) und später mit Zahlungsaufforderung vom 14. April 2018 (act. G 3.1 S. 3)
gemahnt. Sie hat der Beschwerdeführerin in der Zahlungsaufforderung vom 14. April
2018 eine Zahlungsfrist von 30 Tagen angesetzt (vgl. act. G 3.1 S. 3) und ihr angesichts
der erst im August 2018 erfolgten Anhebung der Betreibung sogar eine noch längere
Zahlungsfrist eingeräumt (vgl. act. G 3.3). Ausserdem hat sie die Beschwerdeführerin in
der Zahlungsaufforderung vom 14. April 2018 auf die Folgen bei Nichtbezahlung
hingewiesen. Insbesondere hat sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie die
ausstehenden Prämien bei unbenützten Fristablauf auf dem Betreibungsweg einfordern
werde (act. G 3.1 S. 3). Schliesslich sind die Prämien zwar zusammen mit der
Rückforderung der Prämienverbilligungszahlungen, jedoch separat von allfälligen
anderen Ausständen gemahnt und betrieben worden (vgl. act. G 3.1 und 3.3). Dass die
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Beschwerdegegnerin die Rückforderung der Prämienverbilligungen, die eng mit den
geschuldeten Prämien verknüpft ist, gemeinsam mit den Prämien gemahnt und
betrieben hat, ist vorliegend nicht zu beanstanden, zumal eine Aufteilung in eine
Prämienforderung und eine Prämienverbilligungsrückforderung für die versicherte
Person vermutlich eher schwieriger nachvollziehbar gewesen wäre. Nach dem
Gesagten bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die verfahrensrechtlichen Mahn-
und Betreibungsvorschriften von Art. 64a Abs. 1 KVG oder Art. 105b KVV vorliegend
nicht eingehalten worden sind.
2.4.3 Schliesslich ist es entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin (vgl. act. G
5) auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den von der
Beschwerdeführerin erhobenen Rechtsvorschlag mit ihrer Verfügung vom 16. Oktober
2018 gestützt auf Art. 49 ATSG (vgl. act. G 3.4) bzw. mit ihrem Einspracheentscheid
vom 31. Oktober 2018 (act. G 3.6) aufgehoben hat. Denn betrifft eine Betreibung eine
im öffentlichen Recht begründete Forderung, über die eine Verwaltungsbehörde zu
befinden hat, ist unter dem Betreten des ordentlichen Prozessweges nach Art. 79 des
Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1) die
Geltendmachung der Forderung vor dieser Behörde zu verstehen. Auf dem Gebiet der
Sozialversicherung ist dabei die erstinstanzlich verfügende Verwaltungsbehörde, die
kantonale Beschwerdeinstanz bzw. das Bundesgericht ordentlicher Richter im Sinne
von Art. 79 SchKG, der zum Entscheid über die Aufhebung des Rechtsvorschlags
zuständig ist. Daraus ergibt sich für die Krankenversicherungen, dass sie für ihre
Geldforderungen gemäss allgemeinem betreibungsrechtlichem Grundsatz auch ohne
rechtskräftigen Rechtsöffnungstitel die Betreibung einleiten, im Falle des
Rechtsvorschlags nachträglich eine formelle Verfügung erlassen und nach Eintritt der
Rechtskraft derselben die Betreibung fortsetzen können. Die Verwaltungsbehörde kann
in ihrer Verfügung somit nicht nur einen sozialversicherungsrechtlichen Sachentscheid
über die Verpflichtung des Versicherten zu einer Geldzahlung fällen, sondern
gleichzeitig auch als Rechtsöffnungsinstanz über die Aufhebung des Rechtsvorschlags
befinden (BGE 119 V 331 E. 2b; Gebhard Eugster, Rechtsprechung KVG, N 10 zu
Art. 64a).
3.
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Für fällige Beitragsforderungen sind gemäss Art. 26 Abs. 1 ATSG Verzugszinsen zu
leisten. Der Satz für den Verzugszins auf fälligen Prämien beträgt 5 % im Jahr (Art.
105a KVV). Verzugszinsen von 5 % für die im Rahmen dieses Urteils festgestellte
Forderung für offene Prämien in der Höhe von Fr. 2'298.90 sind somit ausgewiesen.
Anders sieht es bei dem über die offenen Prämien hinausgehenden Forderungsbetrag
von Fr. 2'297.45 (Fr. 4'596.35 – 2'298.90) aus. Dabei handelt es sich weder um
Beitragsforderungen bzw. Beitragsrückerstattungsansprüche i.S.v. Art. 26 Abs. 1 ATSG
noch um verspätete Leistungen von Sozialversicherungen i.S.v. Art. 26 Abs. 2 ATSG.
Vielmehr handelt es sich dabei um eine Rückforderung von zu Unrecht erbrachten
Prämienverbilligungen. Folglich besteht für diese Beträge keine Verzugszinspflicht
gegenüber der Beschwerdegegnerin (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2015, N 18 zu Art. 26 mit Hinweisen). Eine solche ist auch im
Reglement der Beschwerdegegnerin nicht statuiert (vgl. act. G 3.9). Folglich sind
Verzugszinsen nur auf den Forderungsteil in der Höhe von Fr. 2'298.90 geschuldet.
Der Verzugszins ist nicht erst nach der Mahnung gemäss Art. 64a Abs. 1 KVG, sondern
bereits ab dem vom Versicherer gesetzten Zahlungstermin geschuldet (vgl. Gebhard
Eugster, Krankenversicherung, S. 807). Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin mit der Rechnung vom 6. Januar 2018 eine Zahlungsfrist bis zum
3. Februar 2018 gesetzt (act. G 3.1 S. 1). Entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 3.6 S. 3) hat die Verzinsungspflicht nicht bereits am
letzten der Tag der Zahlungsfrist, sondern erst am Tag nach Ablauf der Zahlungsfrist,
sprich am 4. Februar 2018, zu laufen begonnen.
4.
4.1 Für von der versicherten Person verschuldete Aufwendungen, die bei rechtzeitiger
Zahlung von Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht entstanden wären, kann der
Versicherer gemäss Art. 105b Abs. 2 KVV angemessene Bearbeitungsgebühren
erheben, sofern er in seinen allgemeinen Bestimmungen über die Rechte und Pflichten
der Versicherten eine entsprechende Regelung vorsieht.
4.2 Eine Regelung zur Erhebung von Mahn- und Betreibungskosten findet sich in Ziff.
13.3 des Reglements der Beschwerdegegnerin für die Versicherungen nach KVG
(Ausgabe Januar 2015), ohne dass dort jedoch deren Höhe festgelegt wäre (vgl. act. G
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3.9). Für die Beurteilung der Angemessenheit ist in solchen Fällen das
Kostendeckungs- oder Äquivalenzprinzip anzuwenden (Gebhard Eugster,
Krankenversicherung, S. 807; Gebhard Eugster, Rechtsprechung KVG, N 3 f. zu
Art. 64a mit Hinweisen). Angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin trotz
Zahlungserinnerung und Mahnung die Bezahlung der geschuldeten Prämienausstände
bzw. die Rückerstattung der Prämienverbilligung unterlassen und damit in schuldhafter
Weise Aufwendungen verursacht hat, die bei rechtzeitiger Zahlung nicht eingetreten
wären, sind die geltend gemachten Spesen für die Mahnungen und die eingeleitete
Betreibung in der Höhe von Fr. 180.-- (vgl. act. G 3.3, 3.4 und 3.6 S. 3) nicht zu
beanstanden, wenngleich die Höhe der Spesen eher hoch angesetzt ist (vgl. Gebhard
Eugster, Rechtsprechung KVG, N 3 f. zu Art. 64a mit Hinweisen). Dass es sich bei
einem Teil der Forderung nicht um eigentliche Prämien handelt, spielt keine Rolle, da
die Aufwendungen auch bei der Geltendmachung des Prämienanteils entstanden
wären.
5.
Die Betreibungskosten von Fr. 73.30 sind von Gesetzes wegen geschuldet (Art. 68
SchKG) und vom Schuldner bei erfolgreicher Betreibung zusätzlich zum Betrag, der
dem Gläubiger zugesprochen wird, zu bezahlen. Entsprechend sind sie nicht in die
Rechtsöffnung einzubeziehen (RKUV 2003 KV 251 S. 226; Gebhard Eugster,
Krankenversicherung, S. 808 mit weiteren Hinweisen).
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen und die
Beschwerdeführerin zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin den Betrag von
Fr. 2'298.90 nebst Verzugszins von 5 % seit dem 4. Februar 2018 zu bezahlen; weiter
ist sie zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin den Betrag von Fr. 2'297.45 sowie
Bearbeitungs- und Mahnkosten in der Höhe von Fr. 180.-- zu bezahlen. In diesem
Umfang ist in der Betreibung Nr. XXXXXXXX des Betreibungsamtes B._ definitive
Rechtsöffnung zu erteilen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (vgl. Art. 61 lit. a
ATSG).