Decision ID: 90206902-b325-5815-8a4f-699550369717
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 4. Februar 2004 bei der Invalidenversicherung (IV) zum
Leistungsbezug an (IV-act. 3). Dr. med. B._, Allgemeine Medizin FMH, hielt im
Arztbericht vom 16. Februar 2004 fest, der Versicherte leide unter Panikattacken und
unter phobischem Angstschwindel und sei seit 6. Februar 2003 zu 100 %
arbeitsunfähig. Er sei in psychiatrischer Behandlung in der sozialpsychiatrischen
Beratungsstelle C._ (IV-act. 13-1 ff.).
A.a.
Das Ambulatorium für Sozialpsychiatrie des Psychiatrischen Zentrums C._
berichtete am 22. Februar 2005, der Versicherte leide unter einer Agoraphobie mit
Panikstörung (ICD-10: F40.01) bei konfliktvermeidender, zwanghafter Persönlichkeit.
Eine frühere ambulante Behandlung habe vom 5. April bis 28. August 2001
stattgefunden. Ein neurologischer Befund vom 11. April 2003 (vgl. Bericht der Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG], IV-act. 13-5 f.) sei unauffällig. Da sich
im Mai 2003 die Angststörung sehr ausgeprägt gezeigt habe, sei eine tagesklinische
Behandlung vorgesehen worden, zu welcher der Versicherte am 6. Mai 2003
erschienen sei, die aber abgebrochen worden sei, da sich der Versicherte nicht in der
Lage gefühlt habe, diese weiterhin wahrzunehmen. Die ambulante Behandlung sei am
15. Juli 2003 wieder aufgenommen worden. Mittlerweilen habe sich die
A.b.
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Angstsymptomatik mit ausgeprägter Agoraphobie und Panikattacken deutlich
verstärkt. Mehrere Behandlungsversuche mit Antidepressiva seien wegen
Unverträglichkeit (gastrointestinale Beschwerden) abgebrochen worden. Des weiteren
erfolgten stützende psychotherapeutische Gespräche in ca. 14-tägigem Intervall. Eine
stationäre oder teilstationäre Psychotherapie sei nach wie vor indiziert, werde aber
abgelehnt, da sich der Versicherte nicht vorstellen könne, sich unter fremden
Menschen aufzuhalten. Nach einer möglichen teilstationären oder stationären
Behandlung sei mit einer Verbesserung der Grundstörung zu rechnen. Danach könnte
versucht werden, den Versicherten in einer reizarmen Umgebung mit möglichst wenig
Mitarbeitenden zu reintegrieren (IV-act. 20).
Aufgrund einer Stellungnahme des RAD vom 7. April 2005 (IV-act. 24) setzte die
IV-Stelle dem Versicherten am gleichen Tag Mahn- und Bedenkzeit an, eine teil- oder
vollstationäre Behandlung aufzunehmen (IV-act. 25). Der Versicherte nahm am 5.
September 2005 eine tagesklinische Behandlung an 5 Tagen pro Woche auf
(Verlaufsbericht Psychiatrisches Zentrum C._, Tagesklinik, vom 13. Oktober 2005, IV-
act. 28). Am 21. April 2006 wurde berichtet, es sei zusätzlich die Diagnose einer
andauernden Persönlichkeitsänderung bei psychischer Erkrankung (ICD-10: F62) zu
stellen. Die Behandlung erfolge an drei Tagen wöchentlich. Wegen ausgeprägter
Konzentrations-, Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und Auffassungsstörungen sowie
starker psychomotorischer Verlangsamung sei die Teilnahme an den Therapien sehr
eingeschränkt. Der Versicherte benötige für handwerkliche Tätigkeiten eine 1:1-
Betreuung. Sich selbst überlassen seien über Stunden generalisierte dissoziative
Zustände mit Abwesenheit, Anspannung, Nervosität und Angst aufgetreten. Er sei voll
arbeitsunfähig, mittelfristig sei keine Veränderung der Erwerbsfähigkeit zu erwarten (IV-
act. 31).
A.c.
Mit Mitteilung vom 17. Mai 2006 sprach die IV-Stelle dem Versicherten ab
1. Februar 2004 eine ganze Rente zu (IV-act. 35).
A.d.
Die IV-Stelle leitete am 13. September 2007 ein amtliches Revisionsverfahren ein
(IV-act. 39). Das Psychiatrische Zentrum hielt im Verlaufsbericht vom 8. Mai 2008 fest,
durch die Gesprächstherapie habe eine geringfügige Verbesserung erreicht werden
können, wenngleich der Verlauf sehr schleppend sei. Mittel- und längerfristig sei mit
A.e.
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einer Verbesserung der Symptomatik zu rechnen, der Zeitpunkt sei jedoch sehr schwer
einschätzbar (IV-act. 45). Der RAD nahm am 13. Juni 2008 Stellung, die beschriebene
Verbesserung sei nicht arbeitsfähigkeitsrelevant (IV-act. 46). Die IV-Stelle schloss das
Revisionsverfahren am 16. Juni 2008 mit der Mitteilung ab, es bestehe ein
unveränderter Rentenanspruch (IV-act. 48).
Ein weiteres amtliches Revisionsverfahren wurde nach Einholung eines
Verlaufsberichts von Dr. B._ vom 4. Oktober 2010 (IV-act. 51) am 10. November 2010
mit der Mitteilung abgeschlossen, es bestehe ein unveränderter Rentenanspruch (IV-
act. 55).
A.f.
Im Zusammenhang mit der Überprüfung des Leistungsanspruchs der Ehefrau des
Versicherten stellte die IV-Stelle Ungereimtheiten fest und unterzog das Dossier des
Versicherten einer vertieften Überprüfung. Sie hielt fest, es stelle sich die Frage, wer die
Hausarbeiten und Einkäufe übernehme und wie dieser Haushalt funktionieren könne.
Im Rahmen einer Observation der Ehefrau wurde der Versicherte am 9. Juli 2014
beobachtet, wie er zusammen mit ihr das Haus verliess und sich dabei völlig unauffällig
bewegte, den Personenwagen lenkte, seine Ehefrau absetzte und die Fahrt alleine
fortsetzte, ohne dass Einschränkungen beobachtbar waren. Daraufhin weitete die IV-
Stelle den Überwachungsauftrag mündlich auf den Versicherten aus (Aktennotiz vom
14. Mai 2014, IV-act. 56; Stellungnahme mit Leistungsprofil vom 26. Juni 2016;
Überwachungsauftrag vom 8. August 2014, IV-act. 60). Der Versicherte wurde am
9. Juli 2014, nachmittags, beobachtet, wie er unter anderem in einem Einkaufszentrum
Einkäufe tätigte. Am 20., 21., 22., 28. und 29. Juli 2014 konnten keine Feststellungen
des Versicherte gemacht werden, ausser dass sein Auto zeitweise nicht auf seinem
Parkplatz stand. Am 31. Juli 2014 tätigte er wiederum Einkäufe im selben
Einkaufszentrum. Am 5. und 11. August 2014 waren erneut keine Aktivitäten
beobachtbar. Am 20. August 2014 besichtigte der Versicherte Fahrzeuge und machte
wiederum Einkäufe im nämlichen Einkaufszentrum (Observationsbericht vom
25. August 2014, IV-act. 63).
A.g.
Nachdem der Versicherte am 18. September 2014 (IV-act. 67) und Dr. B._ am
29. September 2014 (IV-act. 71) angaben, der Gesundheitszustand sei stationär, fand
am 16. Dezember 2014 ein Standortgespräch mit der Ehefrau des Versicherten statt.
A.h.
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Sie erklärte dabei, nicht genau zu wissen, weshalb ihr Ehemann eine IV-Rente beziehe
(Aktennotiz vom 16. Dezember 2014, IV-act. 75). Daraufhin eröffnete die IV-Stelle dem
Versicherten die stattgefundene Observation und die Durchführung einer
rheumatologisch-psychiatrischen Begutachtung (Mitteilungen vom 17. Dezember 2014,
IV-act. 77 f.).
Im Gutachten vom 1. Juli 2015 (richtig: 11. Juli 2016, vgl. IV-act. 103) gelangten die
Gutachter (PD Dr. med. D._, Rheumatologie, und Dr. med. E._, Psychiatrie,
Inselspital Bern; Untersuchungen 23. Juni 2015, IV-act. 95) zum Schluss, es bestünden
weder aus rheumatologischem noch aus psychiatrischem Blickwinkel Einschränkungen
(IV-act. 95-16). Spätestens seit 2008, seit der Rückmeldung eines verbesserten
Gesundheitszustandes durch das Psychiatrische Zentrum C._, bestehe in adaptierter
- körperlich leichter bis mittelschwerer und unter Vermeidung unergonomischer
Belastungen der Wirbelsäule auszuführender - Tätigkeit eine qualitativ und quantitativ
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Seit 2008 befinde sich der Versicherte auch nicht
mehr in psychiatrischer/psychotherapeutischer Behandlung, welche der Versicherte
ohnehin von Beginn an als nicht indiziert betrachtet habe. Hinsichtlich eines allfällig
passager auftretenden Schwankschwindels sollte für eine Tätigkeit die Möglichkeit
eines kurzen Absitzens gegeben sein (IV-act. 95-17 ff., 25). Das Observationsmaterial
verdeutliche die Diskrepanzen zu den beklagten Beschwerden. Gerade in Situationen,
die der Versicherte als symptomauslösend und -verstärkend angebe und meide und
die ausserdem diagnosespezifisch seien (grössere Menschenmengen in grossen
Kaufhäusern, Warten in langen Warteschlangen, Aussteigen aus dem Auto, lange und
weite Autofahrten, sicheres Gangbild) bestehe ganz offensichtlich eine gänzliche
Beschwerdefreiheit (IV-act. 95-20).
A.i.
Dr. F._ nahm am 24. August 2016 Stellung, das Gutachten sei aus medizinischer
Sicht unanfechtbar. Es sei vollumfänglich darauf abzustellen. Seit der Rentenzusprache
im Juli 2006 sei eine signifikante Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands
eingetreten. Psychiatrischerseits könne eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit ab 2009
angenommen werden. Aus rheumatologischer Sicht bestehe seit 2002 eine 100 %ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 97). Mit Vorbescheid vom 4. April 2017 gewährte die IV-Stelle
dem Versicherten das rechtliche Gehör zur beabsichtigten Einstellung der
Invalidenrente (IV-act. 98). Mit Einwand vom 22. Mai 2017 liess der Versicherte unter
A.j.
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B.
anderem geltend machen, die Observation sei unrechtmässig erfolgt und auf das
Gutachten könne nicht abgestellt werden. Gemäss Dr. B._ würden die Panikattacken
ganz plötzlich in bestimmten Situationen auftreten. Es sei deshalb möglich, dass (von
Drittpersonen) keine Einschränkungen bemerkt würden. Es würden noch gewisse
ärztliche Abklärungen getroffen (IV-act. 102).
Mit Verfügung vom 30. Juni 2017 hob die IV-Stelle die Rente auf Ende des der
Zustellung folgenden Monats auf und entzog einer allfälligen Beschwerde die
aufschiebende Wirkung. Da eine Anpassung der Rente bloss für die Zukunft
vorgenommen werde, sei nicht relevant, ob der Versicherte bereits 2008 oder erst
später eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht habe. Wesentlich sei, dass aktuell keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr nachweisbar sei, und dass der Versicherte
eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit verwerten könne (IV-act. 104).
A.k.
Gegen die Verfügung vom 30. Juni 2017 lässt A._, vertreten durch
Rechtsanwältin lic. iur. B. Surber am 4. September 2017 Beschwerde erheben. Er
beantragt, die angefochtene Verfügung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei
die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache für eine umfassende Abklärung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Hinsichtlich des Observationsmaterials
sei von einem absoluten Verwertungsverbot auszugehen. Die Videoaufzeichnungen
und das Gutachten des Inselspitals seien aus dem Recht zu weisen. Sein
Gesundheitszustand habe sich seit der Rentenzusprache tatsächlich nicht verbessert.
Aus der im Arztbericht vom 8. Mai 2008 beschriebenen leichten Verbesserung des
Gesundheitszustands könne nicht geschlossen werden, dass sich die Arbeitsfähigkeit
von 0 % auf 100 % gesteigert habe. Die am Psychiatriezentrum C._ gestellte
Diagnose sei aufgrund der monate- und schliesslich jahrelangen und intensiven
Therapie gestellt und überzeugend begründet worden. Er habe die Therapie am
Psychiatriezentrum nicht aufgegeben, weil sich sein Gesundheitszustand verbessert
habe, sondern weil er sich trotz sehr intensiver Therapie nicht verbessert habe. Damit
seien weder Revisions- noch Wiedererwägungsgründe gegeben. Die Gutachter hätten
eine weitere Abklärung mittels MRI der LWS und ENMG empfohlen, um eine aktuelle
B.a.
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Erwägungen
1.
Neurokompression auszuschliessen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb sie diese
Untersuchungen nicht selbst durchgeführt hätten und es könne nicht ausgeschlossen
werden, dass noch weitere Beeinträchtigungen bestünden. Das Gutachten sei auch
aus diesem Grund mangelhaft. Aus dem Observationsmaterial könne im Übrigen nicht
geschlossen werden, dass er nicht unter einer erheblichen Beeinträchtigung leide bzw.
seine Angaben nicht korrekt seien. Während der Observationsdauer vom 9. Juli bis
20. August 2014 habe er lediglich dreimal gesehen werden können. Es sei damit davon
auszugehen, dass er an verschiedenen Tagen die Wohnung nicht verlassen habe,
wenn er sich gesundheitlich dazu nicht im Stande gesehen habe (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 20. Dezember
2017 die Abweisung der Beschwerde. Gemäss der einschlägigen Rechtsprechung sei
das Observationsmaterial verwertbar. Die Verdachtsmomente seien im Antrag
ausführlich beschrieben worden. Die eigentliche Observation sei nur an wenigen Tagen
durchgeführt worden. Damit habe der Beschwerdeführer eine geringe Verletzung seiner
privaten Verhältnisse erlitten. Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer an den
übrigen Tagen nicht gesehen worden sei, könne nichts zu seinen Gunsten abgeleitet
werden (act. G 8).
B.b.
Der Beschwerdeführer reicht keine Replik ein (act. G 10).B.c.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der
Rente wie auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 26. März 2010, 9C_438/2009, E. 1).
1.1.
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Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu
beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar. Dagegen stellt die unterschiedliche
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit allein keinen Revisionsgrund im Sinne
von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Januar 2008,
9C_552/2007, E. 3.1.2, mit weiteren Hinweisen). Weder eine hinzugetretene Diagnose
noch eine höhere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bilden per se einen Revisionsgrund
(Urteil des Bundesgerichts vom 25. April 2016, 9C_894/2015, E. 5.1). Bei gegebenem
Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3 und E. 6.1; Urteil vom 5. Dezember
2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
1.3.
Ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden setzt eine auf
objektivierten Beschwerden beruhende fachärztlich gestellte Diagnose nach einem
wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem voraus (BGE 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6, BGE 141 V 289 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts vom 22. Februar 2016,
1.4.
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8C_1/2016, E. 4.3). Erforderlich ist zudem, dass die geltend gemachten Beschwerden
objektiviert werden können und sich auf die Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit auswirken
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 30. November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4, und
vom 27. März 2015, 8C_673/2014, E. 5.1.1; BGE 143 V 427 E. 6). Soweit die
Beschwerden nicht empirisch-klinisch, anamnestisch oder bildgebend und/oder
apparativ nachgewiesen werden können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 30.
November 2017, 8C_350/2017, E. 5.4), ist der Beweis nach dem strukturierten
Verfahren mittels Indikatoren zu führen (BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine
lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann
als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen
im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer
Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer
Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
1.5.
Zur Verwertbarkeit von ohne genügend bestimmte gesetzliche Grundlage
erhobenem Observationsmaterial hielt das Bundesgericht in einem Leitentscheid vom
14. Juli 2017 mit Blick auf das Urteil 61838/10 des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) vom 18. Oktober 2016 (endgültig am 18. Januar 2017) fest,
diese sei in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren grundsätzlich zulässig, es sei
denn, bei einer Abwägung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen
überwögen letztere. Videoaufnahmen, die im Rahmen einer unrechtmässigen
Observation erhoben worden seien, seien verwertbar, solange Handlungen der
versicherten Person aufgezeichnet würden, die sie aus eigenem Antrieb und ohne
äussere Beeinflussung gemacht habe, und ihr keine Falle gestellt worden sei. Ein
Verwertungsverbot gelte betreffend Handlungen im nicht öffentlich frei einsehbaren
1.6.
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2.
Raum (BGE 143 I 385 ff. E. 5; Urteile des Bundesgerichts vom 15. Mai 2019,
8C_837/2018, E. 5.1, vom 22. Oktober 2018, 9C_908/2017/ 9C_3/2018, E. 5.2, und
vom 20. Oktober 2017, 8C_305/2017, E. 4.2).
Der rheumatologische Gutachter fand im Observationsmaterial für sein Fachgebiet
keine wesentlichen Diskrepanzen (IV-act. 95-13). Der psychiatrische Gutachter mass
den Observationsakten Gewicht bei, indem er ausführte, nach Durchsicht des
Observationsmaterials könne die Diagnose einer Agoraphobie mit Panikattacken
ausgeschlossen werden (IV-act. 96-26). Die Beweiskraft des Gutachtens hängt somit
auch von der Verwertbarkeit des Observationsmaterials ab; diese ist daher vorab zu
prüfen.
2.1.
Im die Ehefrau des Beschwerdeführers und somit ebenfalls die fragliche
Observation betreffenden IV-Verfahren befand das hiesige Gericht die Verwertbarkeit
des Observationsmaterials und der unter Kenntnis dessen erfolgten medizinischen
Beurteilung trotz Unzulässigkeit der Observation als gegeben (vgl. Urteil vom 15. März
2019, IV 2016/285, E. 4). Dieses Urteil wurde vom Bundesgericht am 16. Dezember
2019 bestätigt (9C_308/2019). Es erkannte in der Bestätigung der Verwertbarkeit des
Ermittlungs- und Observationsberichts vom 25. August 2014 wie auch der (teilweise)
darauf abstellenden psychiatrischen Expertise keine Verletzung von Bundesrecht. Mit
Blick auf BGE 143 I 384 E. 4 stehe fest, dass die zwischen dem 8. Juli und 20. August
2014 durchgeführte Observation rechtswidrig gewesen sei. Nach demselben Urteil sei
Beweismaterial, das im Rahmen einer rechtswidrig angeordneten Überwachung im
öffentlich frei einsehbaren Raum gewonnen wurde, im Invalidenversicherungsverfahren
gestützt auf eine Interessenabwägung zwischen privaten und öffentlichen Interessen
verwertbar (BGE 143 I 385 f. E. 5.1.1). Dies gelte unabhängig von der Frage, ob die
Observation objektiv geboten gewesen sei oder nicht (Urteil vom 16. Dezember 2019,
9C_308/2019, E. 2.1). Zu den rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen für eine
Verwertbarkeit habe die Vorinstanz erwogen, die Observationsdokumentation zeige im
öffentlichen Raum aufgenommene (unbeeinflusste) Handlungen der Versicherten. Die
tatsächlichen Observationen hätten an elf Tagen innerhalb von eineinhalb Monaten
stattgefunden. Die Versicherte habe dabei lediglich an zwei Tagen, am 9. Juli und 20.
August 2014, auch beobachtet werden können. Sie sei nur über einen kurzen Zeitraum
beobachtet worden und weder einer systematischen noch ständigen Überwachung
ausgesetzt gewesen. In dieser Hinsicht habe sie einen relativ geringen Eingriff in ihre
grundrechtliche Position erlitten. Stelle man diesen Aspekten das erhebliche und
gewichtige öffentliche Interesse an der Verhinderung des Versicherungsmissbrauchs
2.2.
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entgegen, so ergebe sich, dass die Observationsergebnisse verwertbar seien (vgl.
E. 2.2). Die Vorbringen der Versicherten hätten sich einzig gegen den von der
Vorinstanz bejahten "Anfangsverdacht" gerichtet, mithin die Frage betroffen, ob die
Observation objektiv geboten gewesen sei (vgl. BGE 137 I 327 E. 5.4.2 S. 332 ff.), was
mit Blick auf das soeben Dargelegte (vgl. E. 2.1 in fine) indes nicht von entscheidender
Bedeutung sei (vgl. Urteil vom 16. Dezember 2019, 9C_308/2019, E. 2.2).
Das Bundesgericht verweist betreffend Anfangsverdacht darauf, dass ein solcher
nicht gegeben sein müsse und zitiert dafür das Urteil 8C_244/2019 vom 4. Juli 2019
E. 4, welches wiederum auf das Urteil vom 8. Februar 2019, vereinigte Verfahren
9C_561/2018 und 9C_631/2018, verweist. In letzterem war jedoch die Frage des
Anfangsverdachts nicht entscheidend, da die IV-Stelle dort Unterlagen der
Vorsorgeeinrichtung beigezogen hatte, welche die Überwachung ihrerseits mit der
"unklaren medizinischen und sozialen Situation" begründet hatte. Dementsprechend
prüfte das Bundesgericht die objektive Gebotenheit der Observation nicht weiter und
schloss, dass die im öffentlich frei einsehbaren Raum entstandenen durch die
Vorsorgeversicherung erlangten Observationsergebnisse somit im IV-Verfahren
gestützt auf eine Interessenabwägung zwischen privaten und öffentlichen Interessen
verwertbar seien, unabhängig davon, ob diese (möglicherweise) mangels Gebotenheit
rechtswidrig gewesen sei. Das Bundesgericht hielt demnach die Prüfung eines
Anfangsverdachts im IV-Verfahren für verzichtbar, weil ein solcher im Verfahren
betreffend beruflicher Vorsorge ausgewiesen war. Im vorliegend zu beurteilenden Fall
hat jedoch die beschwerdebeklagte IV-Stelle die Observation selbst angeordnet und
nicht lediglich die Unterlagen einer anderen Versicherung beigezogen, weswegen auch
das Vorliegen eines Anfangsverdachts betreffend die Frage der Verwertbarkeit der
unbestritten rechtswidrig erlangten Observationsergebnisse zu prüfen ist.
2.3.
Am 1. Oktober 2019 sind die neuen gesetzlichen Regelungen zur Observation
(Art. 43a ATSG; Art. 7a ff. und 8a ff. der Verordnung über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11]) in Kraft getreten. Diese enthalten keine
Übergangsregelung, weshalb der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz zur
Anwendung gelangt, wonach der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen
sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheides beziehungsweise im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die
vorliegend zu diskutierende Observation fand im Juli und August 2014 statt (IV-act. 62),
und die angefochtene Verfügung erging am 30. Juni 2017. Somit sind die neuen
2.4.
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Normen nicht anwendbar und die Verwertbarkeit der Observationsergebnisse nach der
eingangs zitierten Rechtsprechung zu beurteilen.
Ausgangspunkt der Überwachung war die in Anbetracht des Rentenbezugs beider
Ehepartner aufgekommene Frage, wer den Haushalt und die Einkäufe besorge bzw.
wie der Haushalt funktionieren könne (Überwachungsauftrag vom 8. August 2014, IV-
act. 60). Aufgrund dessen liess die IV-Stelle durch Dr. F._ am 14. Mai 2014 ein
Leistungsprofil erstellen (IV-act. 57). Die Ärztin der IV-Stelle führte am 26. Juni 2014 im
Wesentlichen aus, die Rentenzusprache an den Beschwerdeführer sei ohne vertiefte
fachpsychologische Begutachtung erfolgt. Die in Anspruch genommene Therapie
korreliere nicht mit den geltend gemachten Beschwerden. Der Beschwerdeführer gebe
an, bei ausserhäuslichen Aktivitäten auf die Begleitung Dritter angewiesen zu sein,
während seine Ehefrau immer wieder in der psychiatrischen Klinik hospitalisiert sei (IV-
act. 58-2). Im Rahmen einer Observation der Ehefrau, deren Verwertbarkeit inzwischen
vom Bundesgericht bestätigt wurde (Urteil vom 16. Dezember 2019, IV-
act. 9C_308/2019, E. 2.3), konnte am 9. Juli 2014 festgestellt werden, wie der
Beschwerdeführer zusammen mit seiner Ehefrau das Haus verlassen, sie nach Arbon
gefahren habe und von dort alleine weitergefahren sei. Er habe sich dabei ohne
sichtbare Einschränkungen wie Antriebsarmut, Verlangsamung und völlig unauffällig
bewegt (Überwachungsauftrag vom 8. August 2014, IV-act. 60-3 f.). Daraufhin liess die
IV-Stelle die Observation auf den Beschwerdeführer ausdehnen (Aktennotiz vom
14. Mai 2014, IV-act. 56). Die IV-Stelle stützte die Anordnung der Observation nicht nur
auf Beobachtungen des Beschwerdeführers zusammen mit seiner Ehefrau. Sie führte
weiter an, nach Auffassung der ehemaligen Arbeitgeberin täusche der
Beschwerdeführer seine schlechte psychische Verfassung nur vor (vgl. Angaben der
Arbeitgeberin vom 12. Februar 2004, IV-act. 12, wo als Grund zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses "psychische Krankheit ohne Gründe" angegeben worden war). Die
in den Akten liegenden medizinischen Berichte seien schwach abgestützt, da sie sich
nur auf die Darstellungen des Versicherten stützten, und seien überdies auffallend
unkritisch. Eine teilstationäre Behandlung habe er erst nach Einleitung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens aufgenommen, eine medikamentöse Therapie sei erst später
durchgeführt worden ohne Kontrolle der Einnahme (Überwachungsauftrag vom
8. August 2014, IV-act. 60). Dies ist anhand der Akten nachvollziehbar: Dem
Beschwerdeführer wurde am 7. April 2005 Mahn- und Bedenkzeit hinsichtlich einer
teilstationären oder stationären Psychotherapie angesetzt (IV-act. 25). Die ab
5. September 2005 während fünf Tagen erfolgte tagesklinische Therapie wurde wegen
Überforderung auf drei Tage reduziert (Bericht Psychiatrisches Zentrum C._ vom
13. Oktober 2005, IV-act. 28). Im Verlaufsbericht vom 21. April 2006 hatte die
2.5.
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3.
In somatischer Hinsicht berichtete der Beschwerdeführer über Schmerzen und
Gefühlsstörungen im linken Bein und Fuss nach einer Diskushernienoperation L4/5 im
Dezember 2001 (IV-act. 95-29 f.). Der rheumatologische Gutachter erhob eine
residuelle Muskelatrophie entsprechend der Wurzel L4 links, eine Spondylarthrose L4/5
und den Verdacht auf eine Instabilität der LWK 2/3 und 3/4. Zum Ausschluss einer
relevanten Neurokompression empfahl er ein MRI sowie ein ENMG (IV-act. 95-7 f., 12).
Aus somatischer Sicht bestünden keine Hinweise für Diskrepanzen oder Widersprüche.
Die erhobenen Befunde seien klar objektivierbar und durch den Beschwerdeführer
nicht beeinflussbar. Der Beschwerdeführer sei (jedoch) aufgrund der somatischen
Befunde nie als arbeitsunfähig angesehen worden. Nach seiner Wahrnehmung sei die
Berentung aufgrund psychischer Probleme und nicht aufgrund von Residuen der
Diskushernienoperation erfolgt (IV-act. 95-8 f., 35). Die bisherige sowie andere
behandelnde Oberärztin der Tagesklinik dissoziative Zustände beschrieben, die eine
eins-zu-eins-Betreuung bei Arbeiten notwendig machten (IV-act. 31). Am
27. September 2007 hatte sie den Gesundheitszustand als stationär bezeichnet (IV-
act. 42). Mit Verlaufsbericht vom 8. Mai 2008 wurde ein leicht verbesserter
Gesundheitszustand beschrieben (IV-act. 45). Aus den Angaben des
Beschwerdeführers zum Gesundheitszustand vom 23. September 2010 geht hervor,
dass seit 19. November 2008 keine psychiatrische Konsultation mehr stattgefunden
hatte (IV-act. 49; vgl. auch Angabe vom 18. September 2014, IV-act. 67-1). Da sich die
Arbeitsfähigkeitsschätzung nach der Natur der geltend gemachten Einschränkungen
massgeblich auf subjektive Angaben des Beschwerdeführers stützen muss und anhand
der Diskrepanz zur Behandlungsintensität scheint plausibel, dass eine Objektivierung
der Beschwerden unter Zuhilfenahme von Observationsergebnissen weitaus treffender
möglich sein würde als alleine gestützt auf die vorliegenden medizinischen Berichte
und die Angaben des Beschwerdeführers. Die Anordnung der Überwachung war somit
objektiv geboten. Die Überwachung erstreckte sich über den Zeitraum vom 9. Juli 2014
bis zum 20. August 2014 und fand an neun Tagen statt, wovon der Beschwerdeführer
selbst an fünfen nicht festgestellt werden konnte. Diese Dauer erreicht bei Weitem
nicht die zwar hier nicht direkt anwendbare, aber für die Beurteilung der
Verhältnismässigkeit dennoch heranziehbare Grenze von Art. 43a Abs. 5 ATSG. Die
gemachten Beobachtungen fanden in einem Einkaufszentrum und im für Interessenten
frei zugänglichen Bereich eines Autohandels statt und erfolgten ohne Einflussnahme
seitens der Observierenden. Sie begründen daher kein absolutes Verwertungsverbot.
Insgesamt erweist sich die Verwertung beziehungsweise Berücksichtigung der
Observationsergebnisse durch die Gutachter als zulässig.
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Tätigkeiten in Wechselposition und ohne regelmässiges Heben und Tragen von Lasten
über 2 kg seien mit voller Arbeitsfähigkeit zumutbar (IV-act. 95-10 f., 14, 36 f.). Die
Einschätzung geht von den vom Beschwerdeführer angegebenen Beschwerden und
den erhobenen konsistenten klinischen Untersuchungsbefunden aus und
berücksichtigt diese im Adaptationsprofil. Da invalidenversicherungsrechtlich die
klinischen funktionellen Auswirkungen des Gesundheitsschadens und nicht seine
Ätiologie wesentlich sind, erscheint nachvollziehbar, dass er die Beschwerden als
klinisch hinreichend objektiviert erachtete und sie im Adaptionsprofil berücksichtigte,
ohne dass er eine bildgebende Bestätigung für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als
notwendig erachtete, und dass diese Anmerkung sich vor allem an den behandelnden
Arzt richtete. Somit erscheint seine Einschätzung vollständig, nachvollziehbar und
schlüssig.
4.
Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter schilderte der Beschwerdeführer
zunächst, aktuell gehe es gut, er habe gut geschlafen, sei alleine mit dem Zug
angereist. Das Beschwerdebild habe sich seit 2001 nicht verändert. Nach der
Operation der Diskushernie habe er Anfang 2002 wieder zu arbeiten begonnen. Nach
mehreren Monaten sei die Symptomatik "wie aus heiterem Himmel" aufgetreten, er
habe "den Boden unter den Füssen verloren", als er vor dem Computer gestanden sei.
(IV-act. 96-18). Die Attacken träten unverhofft, völlig situationsunabhängig, bei Stress
vermehrt auf. Frequenz und Intensität seien seit 2001 gleich geblieben (IV-act. 96-22).
Die Symptomatik stelle sich mittlerweile auch zu Hause ein und beeinträchtige seinen
Alltag enorm, er verlasse das Haus nur noch wenn notwendig. Aufgrund der Angst vor
den Attacken kaufe er lediglich im nahen Supermarkt ein. Dabei sei er unsicher im
Gehen. Letztens habe er sich an einer Mauer festhalten müssen (IV-act. 96-17, 22). Am
Anfang der Symptomatik habe er oft Panik gehabt, jetzt weniger. Er beschreibt die
Anfälle wie wenn er sich auf einem Schiff befinde, auf einer weichen Luftmatratze gehe
und schwebe. Er mache entweder nur ganz langsame Bewegungen oder gehe schnell
weg. Aus dem Schwindel ergäben sich eine Angst zu stürzen und eine "Angst vor der
Angst". In der Folge des Schwindels habe er Herzrasen, schwitze, sei blass. Nach
diesen Minuten fühle er sich wie eine "leere Batterie" (IV-act. 96-17). Die letzte schwere
Schwindelattacke sei eine Woche vor der Exploration aufgetreten (IV-act. 96-17). Er
leide ausschliesslich unter Schwindel und könne nicht verstehen, dass er deswegen
psychiatrisch behandelt worden sei (IV-act. 96-19 f., 25). Die tagesklinische
Behandlung auf Druck der IV-Stelle habe überhaupt nicht geholfen. Man habe ihm
nicht glauben wollen, dass er keine Ängste habe und der Schwindel sein einziges
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/23
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Problem sei. Die versuchten Psychopharmakotherapien habe er wegen
Nebenwirkungen, insbesondere gastrointestinaler Natur, abgesetzt. Lediglich Temesta
nehme er aktuell in Reserve ein (IV-act. 96-18, 21). Seit 2008 bestehe keine
psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung mehr, welche er von Beginn an als
nicht indiziert betrachtet habe. Gegenwärtig nehme er zweimonatlich Termine beim
Hausarzt wahr (IV-act. 96-18, 21). Die Krankheit habe ihm viele Lebensziele
genommen, beispielweise die Einbürgerung und die Unabhängigkeit (IV-act. 96-19).
Durch den Rückzug in die eigenen vier Wände sei sein Freundeskreis in den letzten
Jahren immer kleiner geworden. Sein Umfeld bekomme kaum etwas von seinen
Beschwerden mit, da er diese gut verstecken könne (IV-act. 96-20). Er gehe nach dem
Mittag mit dem Auto spazierenfahren ("irgendwohin"), fahre öfters in ein
Einkaufszentrum, wo es ruhig sei, schaue viel fern und nutze das Internet. Für grössere
Einkäufe sei er auf die Unterstützung der Ehefrau oder des Sohnes angewiesen.
Flugreisen, längere Autofahrten und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel seien
unproblematisch. Er wolle demnächst nach G._ fliegen, um sich dort eine Offerte für
eine Zahnbehandlung einzuholen (IV-act. 96-20). Eine sitzende Arbeit wäre kein
Problem, jedoch die Fahrt zum Arbeitsort (IV-act. 96-19 f., 25).
Im Befund erhob der Gutachter beim Entlanggehen eines 40 m langen Korridors
ein unauffälliges Gangbild, wobei der Beschwerdeführer über ein subjektives
Benommenheits- und Schwankgefühl berichtete (IV-act. 96-21, 27). Weitere
psychopathologische Befunde konnte er nicht erheben (vgl. IV-act. 96-21 f.). Er
diagnostizierte einen phobischen Schwankschwindel (ICD-10: F45.8). Die im
Psychiatrischen Zentrum C._ gestellte Diagnose einer Agoraphobie sei mit dem vom
Beschwerdeführer beschriebenen unverhofften, situationsunabhängigen Auftreten nicht
in Einklang zu bringen. Die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung bei
psychischer Erkrankung (ICD-10: F62) sei nicht nachvollziehbar. Sie bedürfte des
Nachweises einer eindeutigen und anhaltenden Änderung in der Wahrnehmung, in der
Beziehung und im Denken in Bezug auf die eigene Umgebung und zu sich selbst nach
einer oder mehreren Episoden einer psychiatrischen Erkrankung, von der die betroffene
Person klinisch ohne Residualsymptome genesen sei. Letzteres sei beim
Beschwerdeführer nicht der Fall. Sodann könnten die im Verlaufsbericht beschriebenen
dissoziativen Zustände mit Derealisationserleben kaum nachvollzogen werden, wenn
der Beschwerdeführer selbst seine psychische Problematik als vernachlässigbar bis
nichtig beschreibe. Die Diagnose einer Agoraphobie mit Panikattacken könne aufgrund
des Observationsmaterials ausgeschlossen werden. Der Beschwerdeführer halte sich
in einem gut besuchten Einkaufszentrum auf, wirke entspannt und unbekümmert und
zeige auch bei längerem Warten vor der Kasse keine erkennbaren Symptome wie
4.2.
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Unsicherheit beim Gehen oder Stehen, Schweissausbrüche, Tremor oder
Atembeschwerden. Er könne auf das Verkaufspersonal zugehen und längere Reisen
und Autofahrten unternehmen. Schliesslich beklage der Beschwerdeführer fast
ausschliesslich Schwindelsymptome und Ängste und Panikattacken erst auf Nachfrage
(IV-act. 96-26). Das berichtete sichtbare "Wackeln" und Festhaltenmüssen bei
längerem Stehen sei auf dem Observationsvideo nicht zu beobachten. Des Weiteren
erscheine die Beschwerdeschilderung teilweise sehr diffus, manchmal sogar in sich
inkonsistent und widersprüchlich. So beschreibe er einerseits ein völlig unverhofftes,
situationsunabhängiges Auftreten der Beschwerden, andererseits aber eine
Stressabhängigkeit und eine Zirkadianik. Der Beschwerdeführer verneine Phobien,
kaufe aber in einem kleinen Supermarkt in der Nachbarschaft ein, wenn dieser nicht
gut besucht sei. Dann aber besuche er auch ein grosses Einkaufszentrum, wo er seine
Ruhe habe. Den Krankheitsverlauf schildere er als seit 2001 gleich bleibend und
unverändert schlecht, berichte aber auch, dass die Panikattacken in den ersten Jahren
der Erkrankung deutlich ausgeprägter gewesen seien, während die "Angst vor der
Angst" zugenommen habe. Trotz beklagtem zunehmendem Vermeidungsverhalten
seien mehrfach Reisen nach G._ und nach H._ zu eruieren (IV-act. 96-27). Es
verwundere in Anbetracht der Aktenlage, insbesondere der Berichte des
Psychiatrischen Zentrums C._, dass der Beschwerdeführer eine Psychopathologie
verneine. Die dort durchgeführte stützende Psychotherapie sei bei phobischem
Schwankschwindel nicht erfolgsversprechend; hierfür bedürfe es einer klaren
Exposition und körperlichen Betätigung (IV-act. 96-28). Aus psychiatrischer Sicht
attestiert der Gutachter zumindest in sitzenden Tätigkeiten eine vollumfängliche
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 96-29 f.).
In einem Bericht der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
vom 11. April 2003 wurde festgehalten, der Beschwerdeführer berichte über seit
Anfang Februar mehrmals täglich auftretende Schwindelattacken. Die
Lagerungsproben seien unauffällig, ohne Provokation von Nystagmus. Stand, Gang,
erschwerte Gangprüfungen, Diadochokinese und Zeigeversuche seien unauffällig. Die
Symptomatik sei diagnostisch nach Zusammenschau von Anamnese mit in typischer
Weise geschildertem Auftreten und Manifestationsform und dem unauffälligen
neurologischen Befund, einschliesslich Provokationsmanöver, als phobischer
Schwankschwindel einzuordnen. Es wurde in erster Linie eine Physiotherapie mit
gezieltem Schwindeltraining empfohlen (IV-act. 13-5 f.). Dass eine solche durchgeführt
worden wäre, ist aus den Akten nicht ersichtlich. In der Folge wurden agoraphobische
Panikattacken berichtet, welche den Beschwerdeführer zumindest zeitweise am
Verlassen der Wohnung und an der Aufnahme einer teil- oder vollstationären
4.3.
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Behandlung hindern würden (Arztbericht Ambulatorium für Sozialpsychiatrie vom
22. Februar 2005, IV-act. 20). Eine somatische bzw. organische Erklärung für die
Schwindelbeschwerden (benigner Lagerungsschwindel bzw. vestibulärer Schwindel)
konnte bislang nicht gefunden werden. Es ist davon auszugehen, dass die eingangs
erwähnten neurologischen Abklärungen diesbezüglich umfassend waren. Mithin
handelt es sich um ein syndromales Leiden. Somit ist die
invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nach dem
ergebnisoffenen strukturierten Beweisverfahren zu beurteilen, soweit nicht Aggravation
oder ähnliche Erscheinungen das Vorliegen einer versicherten Gesundheitsschädigung
ausschliessen (BGE 141 V 287 f. E. 2.2 mit Verweis auf BGE 139 V 149).
Der psychiatrische Gutachter wies auf zahlreiche Diskrepanzen und Inkonsistenzen
hin: So lasse die subjektive Einschätzung des Beschwerdeführers hinsichtlich eines seit
2001 unveränderten Beschwerdebildes ein vormaliges, zwischenzeitliches Bestehen
eine Agoraphobie mit Panikattacken unwahrscheinlich erscheinen (IV-act. 96-26). Der
Beschwerdeführer beklage als beeinträchtigend fast ausschliesslich
Schwindelsymptome und gebe erst auf Nachfrage Ängste und Panikattacken an. Dies
erscheine konträr zu den IV-relevanten Diagnosen einer Agoraphobie mit Panikstörung
oder gar einer Persönlichkeitsänderung nach psychischer Erkrankung. Er gebe von
Anfang an ein gutes und stabiles psychisches Allgemeinbefunden an. Man habe ihn
praktisch "in die Psychoecke gedrängt" (IV-act. 96-26). Des Weiteren sei das Berichten
des Beschwerdeführers teilweise sehr diffus, manchmal sogar in sich inkonsistent und
(in sich) widersprüchlich. Er schildere, die Beschwerden würden völlig unverhofft,
situationsunabhängig, überall und ohne jeglichen erkennbaren Auslöser auftreten. Im
weiteren Verlauf berichte er über eine Stressabhängigkeit und ausserdem über eine
Zirkadianik (Auftreten der Symptome ausschliesslich tagsüber; IV-act. 92-27). Sodann
gebe er an, keine Phobien vor z.B. Menschenansammlungen zu haben; auf der
anderen Seite gehe er insbesondere vormittags in einem kleinen Supermarkt in der
Nachbarschaft einkaufen, wenn dieser nicht gut besucht sei. Dann wiederum führe er
an, dass er auch gerne ein grosses Einkaufszentrum besuche, wo er seine Ruhe habe
(IV-act. 96-27). Sodann könne nicht nachvollzogen werden, dass der Beschwerdeführer
bei der Exploration betone, schon immer gegenüber allen Ärzten geäussert zu haben,
keinerlei psychische Probleme zu haben, sondern ausschliesslich an einem körperlich
begründbaren Schwindel zu leiden, während in den Berichten des Psychiatrischen
Zentrums C._ stets schwere psychopathologische Befunde angegeben würden bis
hin zu dissoziativen Zuständen mit Derealisationserleben (IV-act. 96-27.). Der
Beschwerdeführer verneine eine Psychopathologie im Sinne ausgeprägter Ängste oder
Panikattacken, was hinsichtlich der bestehenden Aktenlage, insbesondere des
4.4.
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Psychiatrischen Zentrums C._, verwundere. Laut Arztberichten habe der
Beschwerdeführer damals schwere Panikattacken beklagt, insbesondere bei
Menschenansammlungen oder an fremden Orten, welche sogar eine teilstationäre oder
stationäre psychische Behandlung nicht hätten zustande kommen lassen. Erst auf
Druck der IV sei er in eine tagesklinische Behandlung eingetreten, welche sukzessive
vom Beschwerdeführer von fünf ganzen auf drei halbe Tage wöchentlich reduziert
worden sei bei gleichzeitig vielen Absenzen. Im Psychiatrischen Zentrum C._ sei laut
Berichten insbesondere eine stützende Psychotherapie erfolgt, welche bei phobischem
Schwankschwindel nicht erfolgsversprechend sei. Nach der IV-Berentung sei seit dem
Jahr 2007 keine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mehr erfolgt, was
den beklagten Leidensdruck in Frage stellen könne (IV-act. 96-28; vgl. auch IV-
act. 95-19, 23). Die Diagnose Agoraphobie mit Panikattacken würde vom
Beschwerdeführer selber angezweifelt (IV-act. 96-28). Nach Angaben des
Beschwerdeführers helfe beim Auftreten von Schwindel ein kurzes Absitzen stets
rasch. Dabei sei nicht von einer Verminderung der Leistungsfähigkeit auszugehen (IV-
act. 96-28). Laut der früheren Arbeitgeberin des Beschwerdeführers habe dieser
Versuche einer beruflichen Wiedereingliederung systematisch umgangen und die
beklagten psychischen Erkrankungen vorgetäuscht. Dennoch sei im Verlauf keine
fachpsychiatrische Begutachtung erfolgt (IV-act. 96-29). Gemäss Dr. B._ seien die
vom Beschwerdeführer ihm gegenüber geäusserten Beschwerden naturgemäss in
seiner Praxis nicht objektivierbar. Als einziges von aussen ersichtliches Symptom
werde das unsicher wirkende Gehen entlang einer Wand beim Betreten und Verlassen
seiner Praxis erwähnt. Des Weiteren habe der Beschwerdeführer in den letzten Jahren
die Rezeptierungen für Temesta 1 mg Tbl. in Reserve in stets länger werdenden
zeitlichen Abschnitten angefordert (IV-act. 96-31; vgl. auch IV-act. 95-21). Schliesslich
habe die Ehefrau des Beschwerdeführers am 16. Dezember 2014 angegeben, nicht
genau zu wissen, weshalb ihr Ehemann eine IV-Rente beziehe. Es stelle sich die Frage,
wie die nächste Angehörige die vom Beschwerdeführer als schwer invalidisierend
beschriebenen Schwindelattacken, agoraphobischen Ängste mit Panikattacken und
sozialem Rückzug nicht habe mitbekommen und somit schildern können (IV-
act. 96-31). Im Konsens hielten die Gutachter fest, die Untersuchungsergebnisse
deuteten darauf hin, dass die Glaubwürdigkeit der Beschwerden und insbesondere
auch deren Folgen für das frühere Arbeits- und heutige Privatleben des
Beschwerdeführers deutlich in Frage gestellt seien (IV-act. 95-21). Schliesslich sei im
Jahr 2008 durch das Psychiatrische Zentrum ein deutlich verbesserter
Gesundheitszustand gemeldet worden (IV-act. 95-25). Schlussendlich werteten die
Gutachter als zusätzliche Inkonsistenz, dass dem rheumatologischen Gutachter
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gegenüber ausschliesslich Schmerzen und beim psychiatrischen Gutachter
ausschliesslich Schwindel beklagt worden seien (IV-act. 95-22).
Zunächst fällt eine Diskrepanz zwischen den Angaben der ehemals behandelnden
Psychiaterin und der vom Beschwerdeführer geltend gemachten vollständigen
Arbeitsunfähigkeit einerseits und konkreteren Angaben des Beschwerdeführers,
seinem in der Observation beobachteten Verhalten, den anlässlich der Begutachtung
erhobenen Befunden andererseits auf: Dr. med. I._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, Oberärztin Psychiatrisches Zentrum C._, beschrieb im Verlaufsbericht vom
21. April 2006 ausgeprägte Konzentrations-, Gedächtnis-, Aufmerksamkeits- und
Auffassungsstörungen sowie eine starke psychomotorische Verlangsamung und hielt
fest, sich selbst überlassen seien über Stunden generalisierte dissoziative Zustände mit
Abwesenheit, Anspannung, Nervosität und Angst aufgetreten (IV-act. 31). Am 8. Mai
2008 berichtete Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychiatrisches Zentrum C._, eine (schleppend verlaufende, geringfügige)
Verbesserung des Gesundheitszustands. Mittel- bis langfristig sei durchaus mit einer
Verbesserung der Symptomatik zu rechnen (IV-act. 45). Schliesslich nahm der
Beschwerdeführer ab dem Jahr 2008 keine psychiatrische oder andere fachärztliche
Behandlung mehr in Anspruch. Die als Begründung dafür angeführte Wirkungslosigkeit
der Therapie vermag in Anbetracht der beschriebenen gravierenden Beschwerden
nicht zu überzeugen. Sie hätte eher einen Wechsel des Therapiekonzepts nahegelegt.
Auch der RAD sah sich nicht veranlasst, weitere Abklärungen in die Wege zu leiten
oder wiederum Behandlungsauflagen zu empfehlen (RAD-Stellungnahme vom 13. Juni
2008, IV-act. 46). Damit übereinstimmend berichtete der Beschwerdeführer anlässlich
der psychiatrischen Begutachtung, dass es ihm gut gehe, und gab weder kognitive
oder dissoziative Einschränkungen an, noch liessen sich solche erheben IV-
act. 96-17 f., 21 f.). Der Beschwerdeführer selber hält sodann eine sitzende Tätigkeit für
möglich (IV-act. 96-19 f.). Nach seiner Angabe treten die Attacken zwar mehrmals
täglich auf, jedoch nur im Stehen und Gehen, und dauern nur einige Minuten. Eine
schwerere Attacke wird eine Woche vor der Begutachtung berichtet (IV-act. 96-17).
Beim Autofahren und bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel fühle er sich nicht
eingeschränkt (IV-act. 96-20). Diese Schilderungen sind diskrepant zu einer 100 %igen
Arbeitsunfähigkeit und zur Aussage des Beschwerdeführers, dass er das Haus nur
gezwungenermassen verlasse und dass sich sein Beschwerdebild seit 2001 nicht
verändert habe (IV-act. 96-17). Es ist nicht nachvollziehbar, dass die von ihm
beschriebenen Schwindelattacken jegliche Arbeitstätigkeit verhindern sollten, sofern
der Beschwerdeführer Gelegenheit hat, sich allenfalls festzuhalten, hinzusetzen und
einige Minuten zu pausieren. Dasselbe gilt hinsichtlich der geltend gemachten
4.5.
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5.
Unmöglichkeit, selbständig an einen ausserhäuslichen Arbeitsplatz gelangen zu können
(IV-act. 96-20). Hätte der Beschwerdeführer nach wie vor kognitive oder dissoziative
Störungen oder Schwindelanfälle, die ihm ein unbegleitetes Verlassen der Wohnung
verunmöglichen würden, wäre es unverantwortbar, dass er ein Motorfahrzeug lenkt.
Vor allem aber hätte die Ehefrau, die mit dem Beschwerdeführer zusammenlebt,
darüber Angaben machen können bzw. von sich aus gemacht (vgl. Aktennotiz vom
19. Dezember 2014, IV-act. 75), auch wenn die Beziehung zu ihr offenbar nicht
unproblematisch ist (vgl. IV-act. 96-24). Die Angaben des Beschwerdeführers
gegenüber dem psychiatrischen Gutachter sind sodann inkonsistent, indem er zum
einen angibt, dass es ihm gut gehe, zum anderen aber ausführt, das Beschwerdebild
habe sich seit 2001 nicht verändert (IV-act. 96-17), wobei einzuräumen ist, dass sich
die zweite Aussage mehr auf die Art als auf die Intensität der Beschwerden beziehen
mag. Sodann sind während der Observation in einem Einkaufszentrum weder
schwindelbedingte noch vegetative Anzeichen für die geltend gemachte Symptomatik
in Erscheinung getreten. Dass er vom 20. bis 28. Juli 2014 nicht beobachtet werden
konnte, ist nicht darauf zurückzuführen, dass er das Haus nicht verlassen konnte,
sondern gemäss Aussage seiner Ehefrau auf Ferienabwesenheit (Aktennotiz vom
16. Dezember 2014, IV-act. 75). Selbst wenn dem Beschwerdeführer zuzubilligen ist,
dass er sich unauffällig irgendwo (an seinem Auto) anlehnen oder (am Einkaufswagen)
festhalten kann, bestehen solche Möglichkeiten auch an einem potentiellen
Arbeitsplatz. Insgesamt ergibt sich kein konsistentes Gesamtbild invalidisierender
Einschränkungen. Sie lassen sich aufgrund der Aussagen des Beschwerdeführers
selbst, der Unkenntnis seiner Ehefrau, aufgrund der Observationsergebnisse und der
gutachterlichen Befunde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausschliessen.
Mangels eines invalidisierenden Leidens entfällt ein weitergehendes strukturiertes
Beweisverfahren und es ist auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung
abzustellen.
Nach dem Gesagten ist die gutachterliche Folgerung, wonach sich der
Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache (Mitteilung vom 17. Mai 2006, IV-
act. 35) massgebend verbessert hat, nachvollziehbar. Der Rentenanspruch ist daher
ausgehend von einer 100 %igen Arbeitsfähigkeit umfassend neu zu beurteilen.
5.1.
Aufgrund der quantitativ und qualitativ vollständigen Arbeitsfähigkeit bestehen
keine Einschränkungen, die zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen
Gegebenheiten und insbesondere dem fortgeschrittenen Alter die Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit ausschliessen (vgl. dazu BGE 138 V 460 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen;
5.2.
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Urteile des Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E. 3.3 mit Hinweisen,
vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3 und vom 27. September 2010,
8C_482/2010, E. 4.3).
Eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ist grundsätzlich auf
dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar. Es kann daraus in aller Regel unmittelbar
auf eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit geschlossen und damit ein entsprechender
Einkommensvergleich (mit dem Ergebnis eines tieferen Invaliditätsgrades)
vorgenommen werden. Als grundsätzlich ("vermutungsweise") unzumutbar gilt die
Selbsteingliederung indessen, wenn die versicherte Person bei der wiedererwägungs-
oder revisionsweisen Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente das
55. Altersjahr überschritten oder seit mehr als 15 Jahren eine Rente bezogen hat. Es
sind Eingliederungsmassnahmen durchzuführen, sofern nicht Anhaltspunkte dafür
bestehen, dass die Selbsteingliederung objektiv dennoch möglich sei, was unter
anderem der Fall ist, wenn die langjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt auf
invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür,
dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-
theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der
Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten. Immerhin ist von einer die
Rentenaufhebung hindernden Unzumutbarkeit der Selbsteingliederung bei unter 55-
jährigen Versicherten und weniger als 15 Jahre dauerndem Rentenbezug nur dann
auszugehen, wenn eine Hilfestellung erforderlich ist, die über den allgemeinen, bei
einer Rentenaufhebung regelmässig gegebenen Eingliederungsbedarf hinausgeht
(Urteil vom 12. Dezember 2019, 8C_597/2019, E. 8.1 mit weiteren Hinweisen).
5.3.
Der am _ 1958 geborene Beschwerdeführer hat bei Erlass der rentenaufhebenden
Verfügung am 30. Juni 2017 das 55. Altersjahr bereits überschritten. Aus medizinischen
Gründen sind keine beruflichen Massnahmen angezeigt. Auch aus beruflich-
erwerblicher Sicht sind keine Anhaltspunkte dafür auszumachen, weshalb dem
Beschwerdeführer die Selbsteingliederung nicht zuzumuten wäre. Der
Beschwerdeführer ist gemäss gutachterlichem Konsens seit spätestens 2008 aus
psychiatrischer und somatischer Sicht qualitativ und quantitativ uneingeschränkt
arbeitsfähig (IV-act. 95-24 f.). Die langjährige Abwesenheit vom Arbeitsmarkt ist somit
invaliditätsfremd. Er führt ein soweit unauffälliges, aktives (Rentner-)Leben, fährt Auto,
macht Einkäufe, engagiert sich im Haushalt, unternimmt Flugreisen (u.a. auch zum
Zweck um Kosten für eine allfällige Zahnbehandlung abzuklären), kennt sich mit dem
Internet aus und verfügt über Computerkenntnisse zum Hausgebrauch und bestätigt
nicht zuletzt selbst, dass er eine sitzende Tätigkeit ausführen könnte. Subjektiv wird er
5.4.
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6.
lediglich durch den Schwindel bzw. die Schwindelanfälle eingeschränkt, die aber
objektiv zu keiner Zeit effektiv in Erscheinung getreten sind und sich gemäss dem
psychiatrischen Gutachter am ehesten unter der Diagnose eines phobischen
Schwankschwindels subsummieren lassen haben. Trotz seiner eigenen Äusserung
betreffend die Ausübung einer sitzenden Tätigkeit besteht jedoch Grund zur Annahme,
dass es der Beschwerdeführer (weiterhin) am subjektiven Eingliederungswillen fehlen
lässt. Er befindet sich nachweislich seit 2008 in keiner Therapie mehr, nimmt keinerlei
Medikamente ein (Temesta lässt er sich in Reserve verschreiben) und stellt sich alle
zwei Monate beim Hausarzt vor. Sodann gab der Beschwerdeführer am 18. September
2014 an, sich nicht vorstellen zu können, erwerbstätig zu sein (IV-act. 67-9). Im
Vorbescheid vom 4. April 2017 und in der Verfügung vom 30. Juni 2017 hielt denn auch
die Beschwerdegegnerin fest, aufgrund der subjektiven Arbeitsunfähigkeit machten
berufliche Massnahmen keinen Sinn (IV-act. 98-3 und 104-3), was unwidersprochen
blieb. In den Rechtsschriften sind keinerlei Anträge betreffend berufliche Massnahmen
erkennbar. Unter den gegebenen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin trotz des fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers auf
Eingliederungsmassnahmen verzichtete.
Die Gutachter attestieren dem Beschwerdeführer auch in der bisherigen Tätigkeit
eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 95-16), womit keine invaliditätsbegründende
Erwerbseinbusse vorliegt. Wird davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer seine
bisherige Arbeitsstelle (auch) durch einen invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Gesundheitsschaden verloren hat, ergibt sich folgender Einkommensvergleich: Der
Beschwerdeführer hatte die ihm auf den 30. November 2003 gekündigte Stelle als
Mitarbeiter im Zylinderlager der K._ AG seit dem 5. Juni 1990 inne. Das
Valideneinkommen ist somit auf der Grundlage des dort zuletzt erzielten Einkommens
zu bemessen, welches die Arbeitgeberin am 14. August 2003 mit 12 x Fr. 4'699.-- =
Fr. 56'388.-- angab (IV-act. 12-2). Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
bis zum Jahr 2017 beträgt es Fr. 64'768.-- (Bundesamt für Statistik [BFS], T 39, Indices
Männer 2003: 1958, 2017: 2249). Dieses Einkommen liegt leicht unter dem
Durchschnitt des Durchschnitts der Lohnstrukturerhebung (LSE)/Lohnentwicklung
2017, welches für Männer, Kompetenzniveau 1, Fr. 67'102.-- betrug (Informationsstelle
AHV/IV, IV, Ausgabe 2019, Bern 2019, Anhang 2). Der Beschwerdeführer hätte, selbst
wenn der höchste Tabellenlohnabzug von 25 % begründbar wäre (vgl. BGE 126 V 80
E. 5b/cc), keinen Rentenanspruch.
5.5.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/23
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St.Galler Gerichte