Decision ID: b1e4f8b9-fd70-555d-a888-1e304485a79b
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Philip Schneider, LL.M., Poststrasse 23, 9001 St.
Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente (Einkommensvergleich)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich im Dezember 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte die Ausrichtung einer Rente. Er leide an
Schmerzen im linken Arm und im Rücken vom schweren Tragen bei der Arbeit sowie
an Schwindel und starken Kopfschmerzen (IV-act. 1). Seit 1. Mai 1990 arbeitete der
Versicherte als Mitarbeiter bei der B._ AG. Dieses Arbeitsverhältnis wurde durch die
Arbeitgeberin per Ende Mai 2003 aus medizinischen Gründen aufgelöst (IV-act. 8/1-4).
A.b Gestützt auf eine interdisziplinäre Begutachtung (Gutachten vom 25. Oktober
2006; IV-act. 30) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. Oktober 2007 einen
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (IV-act. 49). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hob diesen Entscheid mit Urteil vom 3.
April 2009 (IV 2007/437) in teilweiser Gutheissung der Beschwerde auf und wies die
Sache zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen an die IV-Stelle zurück (IV-
act. 69).
A.c Entsprechend dem Entscheid des Versicherungsgerichts vom 3. April 2009
veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung bei der Academy of Swiss
Insurance Medicine (ASIM) in Basel. Im ASIM-Gutachten vom 31. Dezember 2009
wurden im Wesentlichen ein chronisches unspezifisches zervikovertebrales
Schmerzsyndrom mit Schmerzausstrahlung in den Schultergürtelbereich beidseits
linksbetont (ICD-10: M53.0 und M53.1), ein chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10: M54.86) und eine chronische Epicondylopathia humeri
radialis links diagnostiziert. Für die aktuelle Tätigkeit als Taxifahrer sei der Versicherte
aufgrund somatisch nachvollziehbarer Armbeschwerden und unspezifisch
lumbovertebraler Beschwerden um 20% in seiner Leistungsfähigkeit vermindert. Für
eine angepasste, leichte Arbeit ohne Heben, Stossen oder Ziehen von Lasten von mehr
als 3 bis 5kg, ohne Tätigkeitsanteile auf oder über Schulterhöhe sowie ohne wiederholt
gebückt zu verrichtende Arbeiten bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 78).
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A.d Mit Vorbescheid vom 1. März 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, dass er bei einem Invaliditätsgrad von 34% keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe (IV-act. 82). Gegen den Vorbescheid liess der Versicherte am 16.
April 2010 Einwand erheben (IV-act. 83). Mit Verfügung vom 26. Mai 2010 verneinte die
IV-Stelle einen Anspruch auf eine Invalidenrente. Bei einem Valideneinkommen von Fr.
73'157.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 47'983.-- resultiere ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 38% (IV-act. 85).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Philip Schneider
im Namen des Versicherten eingereichte Beschwerde vom 24. Juni 2010 mit den
Anträgen, die Verfügung vom 26. Mai 2010 sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer
seien die gesetzlichen Leistungen aus der Invalidenversicherung zu erbringen,
mindestens die Zusprache einer Viertelsrente; unter Kosten und Entschädigungsfolge
zulasten der Beschwerdegegnerin. Der Beschwerdeführer habe bei der B._ AG nur
bis Juli 2002 regulär gearbeitet. Ab August 2002 habe der ausgewiesene Betrag
lediglich der minimalen Lohnfortzahlung entsprochen. Der Arbeitgeber habe hierfür eine
Lohnrückerstattung durch die Krankentaggeldversicherung erhalten. Somit sei für das
Jahr 2002 lediglich das bis Juli 2002 erzielte Einkommen für den Einkommensvergleich
heranzuziehen und auf ein ganzes Jahr aufzurechnen. Unter Einbezug der Gratifikation
von Fr. 4'230.-- pro Jahr, ergebe sich für das Jahr 2002 ein massgebliches
Jahreseinkommen von Fr. 73'959.42. Der bei C._ erzielte Nebenverdienst sei
ebenfalls beim Valideneinkommen zu berücksichtigen. Für die Jahre 2000 bis 2002
betrage das durchschnittliche Jahreseinkommen somit Fr. 77'573.--. Unter
Berücksichtigung der Lohnentwicklung ergebe sich für das Jahr 2009 ein
Valideneinkommen von Fr. 85'872.--. Das Invalideneinkommen betrage dagegen
gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin Fr. 47'983.--, wodurch sich ein
Invaliditätsgrad von 44% ergebe. Gemäss ASIM-Gutachten sei es medizinisch
nachvollziehbar, dass dem Beschwerdeführer die körperlich schwere Tätigkeit bei der
B._ AG nicht mehr zumutbar gewesen sei. Jener Zeitpunkt, als er die Arbeit bei B._
AG habe aufgeben müssen, sei massgeblich für die Festsetzung der Invalidität (act. G
1).
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B.b In der Beschwerdeantwort vom 13. August 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer mache
zu Recht geltend, dass auch das Einkommen, welches er von September bis
Dezember 2002 hätte erzielen können, zu berücksichtigen sei. Für das Jahr 2002 sei
demnach von einem Einkommen von Fr. 77'909.-- auszugehen. Das
Durchschnittseinkommen der Jahre 2000 bis 2002 betrage folglich Fr. 77'909.--. Der
Beschwerdeführer könne einer seinem Leiden adaptierten Tätigkeit zu 100%
nachgehen. Laut Lohnstrukturerhebung (LSE) 2002 könne ein Mann im Tätigkeitsfeld
des Anforderungsniveaus 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) umgerechnet auf eine
betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit von wöchentlich 41.9 Stunden einen
durchschnittlichen Jahreslohn von Fr. 57'008.-- erzielen. Es sei nicht ersichtlich,
weshalb ein Leidensabzug zu gewähren sei. Maximal könnte ein Abzug von 10%
zugestanden werden, woraus ein Invaliditätsgrad von 34% resultiere. Ohne dessen
Berücksichtigung betrage der Invaliditätsgrad lediglich 27% (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 29. September 2010 hält der Beschwerdeführer unverändert an
den Anträgen fest (act. G 8).
B.d Mit Duplik vom 8. Oktober 2010 hält auch die Beschwerdegegnerin
vollumfänglich an ihrem Antrag fest (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Im bereits erwähnten Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
3. April 2009 wurden die massgebenden rechtlichen Bestimmungen bei der Prüfung
eines Rentenanspruchs eingehend dargelegt. Ebenso wurde die medizinische
Aktenlage, wie sie bis zur Verfügung vom 10. Oktober 2007 vorgelegen hatte,
ausführlich wiedergegeben. Auf diese Ausführungen wird verwiesen.
2.
Sowohl der Beschwerdeführer als auch die Beschwerdegegnerin bringen gegen das
ASIM-Gutachten vom 31. Dezember 2009 zu Recht keine Einwände vor. Das
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Gutachten beruht auf umfassenden, eigenständigen Untersuchungen und
berücksichtigt die Vorakten sowie die geklagten Beschwerden des Beschwerdeführers
hinreichend. Die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und die
entsprechende Beurteilung sind nachvollziehbar und einleuchtend. Auf die
Schlussfolgerungen, insbesondere die Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers, kann vorliegend abgestellt werden.
3.
3.1 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgericht [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16.
Mai 2001, I 42/01, mit Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung
begründet, dass die bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt
worden wäre (Urteil des EVG vom 29. August 2002, I 97/00).
3.2 Für das Valideneinkommen ist demnach auf das zuletzt bei der B._ AG erzielte
Einkommen abzustellen. Für das Jahr 2002 ermittelten die Parteien ein
Jahreseinkommen von Fr. 77'909.-- (inkl. Nebenverdienst bei C._). Aufgrund der
vorliegenden Akten ist die Berechnung dieses Einkommens nicht zu beanstanden. Den
Akten ist sodann zu entnehmen, dass die Jahreseinkommen gewissen Schwankungen
unterlagen, weshalb grundsätzlich ein durchschnittlicher Jahresverdienst für die
Bestimmung des Valideneinkommens heranzuziehen wäre. Der Beschwerdeführer hat
in der Beschwerde nachvollziehbar dargelegt, dass der durchschnittliche Verdienst der
Jahre 2000 bis 2002 leicht unter dem Einkommen für das Jahr 2002 liegt. Die
folgenden Erwägungen werden zeigen, dass auch wenn vom im Jahr 2002 erzielten
Einkommen als Valideneinkommen ausgegangen wird, daraus kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert. Das im Jahr 2002 vom
Beschwerdeführer theoretisch erzielte Einkommen von Fr. 77'909.-- ist somit als
Valideneinkommen heranzuziehen. Bezüglich der Anpassung an die
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Nominallohnentwicklung führte die Beschwerdegegnerin zu Recht aus, dass eine
solche Aufrechnung nicht zwingend durchzuführen sei, da davon ausgegangen werden
könne, dass sich das Validen- und Invalideneinkommen in etwa gleich entwickeln.
Entscheidend für den Einkommensvergleich ist, dass stets Werte aus derselben
Vergleichsperiode beizuziehen sind. Es werden deshalb für die Berechnung des
Invaliditätsgrads die Werte für das Jahr 2002 berücksichtigt.
3.3 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, sowie das
Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn erscheint,
gilt grundsätzlich der von ihr tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V
472 E. 4.2.1).
3.4 Gemäss ASIM-Gutachten ist der Beschwerdeführer in der aktuellen Tätigkeit als
Taxifahrer zu 20% in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Für eine angepasste
leichte Tätigkeit bestehe hingegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Der
Beschwerdeführer schöpft somit in seiner jetzigen Tätigkeit seine verbliebene
Restarbeitsfähigkeit nicht vollständig aus, weshalb beim Invalideneinkommen nicht auf
das als Taxifahrer erzielte Einkommen abzustellen ist. Das Invalideneinkommen ist
somit anhand der Tabellen-löhne der LSE zu bestimmen. Die Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist nicht auf bestimmte
Wirtschaftszweige beschränkt. Gemäss ASIM-Gutachten ist dem Beschwerdeführer -
unter Berücksichtigung der leidensbedingten Einschränkungen - grundsätzlich jede
leichte Hilfstätigkeit zumutbar, weshalb entgegen der vom Beschwerdeführer in der
Replik vertretenen Meinung auf das Total der LSE-Tabellenlöhne abzustellen ist.
Gemäss LSE-Tabelle 2002, Privater Sektor, Anforderungsniveau 4, lag der
Durchschnittslohn für einen Mann bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden
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bei Fr. 4'557.--. Aufgerechnet auf die 2002 vorherrschende durchschnittliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (vgl. Bundesamt für Statistik,
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabschnitten) ergibt sich ein
Jahreseinkommen für 2002 von Fr. 57'008.--.
3.5 Zu beurteilen bleibt die Frage, in welchem Umfang ein sogenannter Leidensabzug
auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist. Nach der Rechtsprechung können die
statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der
Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412
E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Dabei
handelt es sich um einen allgemeinen behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78
E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen - auch von invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab
(namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist
unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481
E. 4.2.3 mit Hinweisen).
3.6 Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer die körperlich schwere Tätigkeit
bei der B._ AG aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann und ihm nur
noch eine angepasste leichte körperliche Tätigkeit zumutbar ist, rechtfertigt sich unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände ein Abzug von höchstens 10%. Das
Invalideneinkommen beläuft sich demnach auf Fr. 51'307.--.
3.7 Aus der Gegenüberstellung des Validen- und des Invalideneinkommens ergibt
sich ein Erwerbsausfall von Fr. 26'602.-- (Fr. 77'909.-- ./. Fr. 51'307.--) und damit ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 34% (Fr. 26'602.-- x 100% : Fr. 77'909.--),
weshalb die Verneinung eines Rentenanspruchs durch die Beschwerdegegnerin nicht
zu beanstanden ist.
4.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung der
angefochtenen Verfügung abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig.
Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von ihm geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP