Decision ID: 904249bb-0cd2-4634-94e2-31744de5cc35
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1958
, meldete sich am
20. Oktober 2005
unter Hinweis auf
Melancholie, Depression und Schmerzen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
5. November 2008
bei einem Invalidi
tätsgrad von
20 %
eine
n
Rente
nanspruch
(Urk.
7/55
).
Die dagegen am hiesigen Sozialversicherungsgericht erhobene Beschwerde (Urk. 7/58/3-9) wurde mit Ur
teil vom 22. März 2010 abgewiesen (Prozess IV.2008.01276; Urk. 7/68).
1.2
Auf das am 22. Februar 2012 von der Versicherten eingereichte Neuanmeldungs
gesuch (Urk. 7/72) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Juni 2012 nicht ein (Urk. 7/84)
.
1.3
Am 28. Juli 2015 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Ren
tenbezug an (Urk. 7/100).
D
ie IV-Stelle
veranlasste
unter anderem bei
ihrem Re
gionalen Ärztlichen Dienst (RAD) eine psychiatrische sowie eine orthopädische Untersuchung. Die Untersuchungsberichte wurden am 22. März 2017
erstattet (Urk.
7/140
-1
41). Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/147
; Urk.
7/
157
)
lehnte
die IV-Stelle
das Rentengesuch
der
Versicherten mit Verfü
gung vom 4. Dezember 2017 bei einem Invaliditätsgrad von 20 % ab
(Urk.
7/174
= Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
22. Januar 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
4. Dezember 2017
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es
seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere sei ihr ab 1. Januar 2016 eine ganze Rente auszurichten. Eventuell sei die Sache zur ergänzenden Abklärung und Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk.
1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
22. Februar 2018 (Urk. 6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mangels
genügender Substantiierung wurde
das Gesuch um
unentgeltliche Pro
zessführung und Rechtsvertretung
(vgl. Urk. 1 S. 2)
mit Gerichtsverfügung vom 26. April 2018
abgewiesen
,
und
es wurde
der Beschwerdeführerin die Beschwer
deantwort zur Kenntnis gebracht
(Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen G
rundlagen wurden im Urteil vom 22
.
März 2010 im Prozess IV.2008.01276 in Erwägung 1 dargelegt (Urk. 7/68
S. 3
ff.
). Darauf kann - mit den nachfolgenden Ergänzungen - verwiesen werden.
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus
,
gestützt auf die Untersuchungen
durch ihren RAD sei ausgewiesen, dass in der von der Beschwerdeführerin zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Reinigungskraft aus medizinischer Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Hingegen sei sie in einer angepassten, leichteren Hilfstätigkeit zu 100 % arbeitsfähig (S. 1 f.).
Die Beschwerdeführerin wäre als Gesunde je zu 50 % im Erwerbs- beziehungsweise im Haushaltsbereich tätig. Die Haushaltsabklärung vor Ort vom 23. Oktober 2007 habe eine Einschränkung von 39 % ergeben. Auf eine aktuelle Haushaltsabklä
rung werde verzichtet, da bei einem Teilinvaliditätsgrad von 0 % im Erwerbsbe
reich eine massgebliche Einschränkung, welche die Rentenstufe beeinflussen würde, unwahrscheinlich sei (S. 2 oben).
Mit Beschwerdeantwort ergänzte die Beschwerdegegnerin, der der angefochtenen Verfügung
zugrundeliegende
Einkommensvergleich sei gestützt auf das Urteil des hiesigen Gerichts vom 22. März 2010 zu korrigieren
. Zu Gunsten der Beschwer
deführerin sei höchstens von einem Invaliditätsgrad von 38 % auszugehen (Urk. 6 S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1)
, insbesondere auf die psychiatrische Einschätzung durch den RAD könne nicht abgestellt werden. Es seien weder die stattgefundenen Behandlungen noch die geklagten Beschwerden vollständig erfasst und bei der Diagnosestellung und Be
urteilung der Leistungsfähigkeit gewürdigt worden. Auch sei die angezeigte
In
dikatorenprüfung
unterblieben. Was die Einschränkung im Haushalt angehe, werde auf eine veraltete und überholte Einschätzung aus dem Jahr 2007 abge
stellt, was angesichts des aktenkundigen Gesundheitszustandes nicht zulässig sei (S. 8 ff. Ziff. III).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch zu Recht verneinte.
3.
Mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 22. März 2010 (Urk. 7/68)
- welches die letzte materielle Überprüfung des Rentenanspruches darstellt -
wurde die ange
fochtene Verfügung vom 5. November 2008 im Ergebnis geschützt und insbeson
dere gestützt auf das
Y._
-Gutachten vom 7. Mai 2007
(vgl. Urk. 7/21/1-19)
auf
grund eines
Impingements
im Schultergelenk
rechts mit AC-Gelenksüberlastung und Verdacht auf
Tendinopathie
der
Subskapularissehne
, einer leichten bis mit
telgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.0, F32.1) und einer Panikstörung (ICD-10 F41.0) eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit ohne Staubexposition festgehalten.
Den übrigen Diagnosen -
eine Schmerzverarbeitungsst
örung (
ICD-10 F54), ein chronische
s
Schmerzsyndrom mit diffusem Schulter-/Arm-/Handsyndrom beid
seits, ein chronische
s
zerviko
-
vert
ebrale
s
, aktuell vorwiegend
ten
domyotische
s
Schmerzsyndrom, ein chronische
s
lumbo
-
vertebrale
s
Schmerz
syndrom
, ein
genu
valg
um
mit klinischem Verdacht auf eine beginnende Gonarthrose und
Femoro
p
atellararthrose
rechts sowie ei
n Verdacht auf eine obstruktive
Pneumopathie
bei pathologischem Lungenauskultationsbefund im Rahmen eines Nikotinabusus von 25
packyears
-
wurden laut
Y._
-Gutachter kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt (E
rwägungen
3.6 und 4.1
des besagten Urteils
).
4.
4.1
Am 1. Juni 2011 erstatteten Ärzte des
S
pitals Z
._
(
Z._
), Rheu
maklinik und Institut für Physikalische Medizin
,
einen Bericht (Urk. 7/79/1-2; vgl. auch Bericht vom 6. Januar 2011, Urk. 7/107/13-15). Die Beschwerdeführe
rin sei zur Teilnahme am ambulanten Schmerzprogramm zugewiesen worden, was jedoch aus sprachlichen Gründen nicht möglich gewesen sei (S. 2 oben). Ak
tuell stehe bei
ihr
eine Angsterkrankung im Vordergrund. Von rheumatologischer Seite sei eine undifferenzierte
Spondarthropathie
möglich. Im Gegensatz zu
m Zu
stand im
Januar 2011 bestehe
gegenwärtig
höchstens eine minimale entzündliche Symptomatik, so dass zunächst keine Therapie zu etablieren sei. Im Rahmen der Abklärungen sei eine chronische Hepatitis B diagnostiziert worden, welche
mo
mentan
allerdings
keiner Therapie bedürfe
. Die Hepatitis B schränke die sonstigen medikamentösen Behandlungsoptionen ein (S. 2 Mitte).
4.2
Mit Schreiben vom 21. März 2012 (Urk. 7/76; vgl. auch Bericht vom 21. März 2012, Urk. 7/77) führte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie und
für
Allgemeine
Innere Medizin, aus, gemäss eigenen Angaben der Beschwerdeführe
rin hätten sich die Schmerzen seit der Begutachtung im Mai 2007 in ihrer Inten
sität deutlich verstärkt. Dies insbesondere bezüglich Knieschmerzen und Dau
mensattelgelenk-/Daumenballenschmerzen.
Dr.
A._
diagnostizierte ein
Panver
tebralsyndrom
, anamnestisch eine
seronegative
Polyarthritis, eine reaktive De
pression und generalisierte Angsterkrankung sowie einen Vitamin-D-Mangel, und eine chronisch HBs-Antigen positive Hepatitis B (Erstdiagnose Februar 2011; Urk. 7/77/1).
4.3
Die Beschwerdeführerin begab sich vom 25. November 2013 bis 24. Januar 2013 (richtig: 2014) in ein tagesklinisches Rehabilitationsprogramm des Medizinischen Zentrums
B._
(
B._
; Bericht vom 19. Mai 2014, Urk. 7/102/8-11).
Die Be
schwerdeführerin habe über seit Februar 2005 konstant vorhandene Schmerzen in beiden Hände
n
, im gesamten Rücken und im linken Fuss berichtet. Sie leide an Müdigkeit (drei Stunden Durchschlaf), Konzentrationsstörungen, Vergesslich
keit, sitze teilweise am Boden und könne nicht mehr weitergehen. Sie könne sich draussen nicht alleine bewegen, sei traurig. Seit 1996 leide sie an Depressionen mit Lust- und Interesselosigkeit, Rückzug, Antriebslosigkeit
, Appetitzunahme. Suizidideen seien anamnestisch vorhanden, keine Suizidversuche oder akute Su
izidalität (S. 1 unten).
Im somatischen Befund wurden insbesondere im Bereich der linken Nierenloge sowie der Halswirbelsäule eine leichte
Klopfdolenz
sowie ein Schonhinken auf
geführt.
Der psychopathologische Befund
lautete folgendermassen: Äusserlich gepflegt, altersentsprechend, bewusstseinsklar und allseits orientiert. In der emo
tionalen Kontaktaufnahme abwartend, zurückhaltend, gehemmt, sachlich, aktiv im Spontanverhalten, Stimmung deutlich depressiv-resigniert, affektiv kontrol
liert. Im Gesprächsverlauf verbal mitte
i
lungsaktiv, schildere das Symptomerleben und -verhalten in Zusammenhang mit der schweren Arbeit. Kognitiv in Aufmerk
samkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis verlangsamt beziehungs
weise deutlich eingeschränkt, deutliche Vergesslichkeit, Denken formal beweg
lich, inhaltlich problemzentriert. Keine Anhaltspunkte
(AP)
für psychotische Er
lebnisweisen
(S. 2 unten)
.
Es wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1)
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Ganzkörperschmerzen mit/bei Polyarthrose und Polyarthritis
-
Adipositas
-
Anosmie fast vollständig
-
anamnestisch positive Serologie für Hepatit
i
s B Virus (asymptomatisch)
Der Test zur Erfassung der Schwere der Depression habe zu Beginn der Therapie einen Wert für eine schwere Depression (RW: 100) gezeigt. Die Beschwerdefüh
rerin habe in leicht gebessertem Zustand und weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig aus dem Rehabilitationsprogramm entlassen werden können. Die Depression sei weitgehend stationär geblieben und es sei zu keiner generellen Reduktion der Schmerzen gekommen (S. 4 Mitte).
4.4
Am 18. Mai 2015 wurde durch diverse Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
C._
(
C._
) ein Bericht zur interdisziplinären Schmerzbehandlung erstellt (Urk. 7/102/1-
7
)
. Folgende Diagnosen wurden aufgeführt (S. 1):
-
rezidivierende Störung, gegenwärtig depressive Episode ohne psychoti
sche Symptome (ICD-10 F33.2)
-
soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
-
Ganzkörperschmerzen
mit/bei Polyarthrose und Polyarthritis
-
Adipositas
-
Anosmie fast vollständig
-
anamnestisch positive Serologie für
Hepatits
B Virus (asymptomatisch)
-
Nikotinabusus
-
leichte
Erythrozytose
-
Dyslipidämie
-
anamnestisch diverse Allergien
-
«
p
os. FA für KHK und CVI»
-
Hirsutismus
-
Fibromyalgie
Aus somatischer Sicht wurden
im Wesentlichen
Druckdolenz
, Schmerzen und Schwellungen im Bereich der Knie und der Hände
,
Druckdolenz
und Hartspann im Bereich der Nacken- und Schultermuskulatur sowie der Lendenwirbelsäule,
und
eine
Impingementsymptomatik
der Schulter rechts festgestellt (S. 4 f.). Der psychosomatische Befund zeigte sich weitgehend identisch mit demjenigen des
B._
(vorstehend E. 4.3).
Somatisch und psychisch habe eine deutliche Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes stattgefunden (S. 6 oben). Die Beschwer
deführerin sei für sämtliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig (S. 6 f.).
4.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1. Februar 2016 (Urk. 7/107/6-9), die Beschwerdeführerin komme seit Jahren nur zur Bestimmung der Leberwerte zu ihm und werde ansonsten spezialärztlich be
treut (Ziff. 1.2). Wegen der Angststörung und der Depression könne die Be
schwerdeführerin ihre Wohnung nicht alleine verlassen und aufgrund der gene
ralisierten und lokal (beispielsweise an den Händen) verstärkten Schmerzen am Bewegungsapparat könne sie keine körperlichen Arbeiten verrichten (Ziff. 1.7). Er attestierte der Beschwerdeführerin daher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen sowie jeder anderweitigen Tätigkeit (Ziff. 1.6 ff.).
4.6
Mit Bericht vom 18. März 2016
(Urk. 7/113/6-10)
führten die Fachpersonen des
B._
dieselben Diagnosen auf, wie sie im Bericht des
C._
genannt wurden (vor
stehend E. 4.4), wobei einzig die Diagnose Hirsutismus keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe (S. 1 f. Ziff. 1.1).
Der aufgeführte ärztliche Befund ist iden
tisch mit jenem im Vorbericht (S. 3 oben; vgl. vorstehend E. 4.3). Die Beschwer
deführerin sei aufgrund ihrer depressiven Symptomatik und der Antriebslosigkeit, Erschöpfbarkeit, der mangelnden Konzentrations- und Merkfäh
i
gkeit nicht leis
tungsfähig. Dazu kämen Ängste, das Haus alleine zu verlassen und Angst vor Autos (S. 3 f. Ziff. 1.7). In bisheriger sowie angepasster Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 3 f. Ziff. 1.6 f.).
4.7
Anlässlich der psychiatrischen
RAD
-Untersuchung, welche bei
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erfolgte (Bericht vom 22. März 2017, Urk. 7/140)
,
berichtete die Beschwerdeführerin, sie sei seit zirka 2005 vor allem wegen ihrer Schmerzen
in psychiatrischer Therapie
. Diese seien an den verschiedensten Stellen und praktisch immer bei einer Stärke von 9
(von 10)
vorhanden. Seit einigen Monaten habe sie neu Schmerzen im linken Ober
bauch. Der Arzt habe von
Aortenproblemen
gesprochen. Sie habe nun auch Angst, dass es sich dabei um ein schlimmeres Problem handeln würde. Am schlimmsten seien im Moment die Probleme mit dem Ehemann. Bei diesem sei im November 2016 Darmkrebs mit Lebermetastasen diagnostiziert worden. Es gehe ihm gar nicht gut, so dass sie ihn in allem unterstützten müsse. Sie traue sich nicht einmal mehr, die Wohnung zu verlassen. Daneben belaste sie seit lan
gem die finanzielle Situation, und jetzt, wo mit dem Tod des Ehemannes gerech
net werden müsse, habe sie noch mehr Existenzängste (S. 2 Ziff. 3).
Dr.
E._
konnte
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellen
(S. 7 Ziff. 10). In der aktuellen Untersuchung habe keine depressive Symptomatik eruiert werden können, die die Diagnose einer Depression gerechtfertigt hätte. Aufgrund der aktuellen Belastung mit dem krebskranken Ehemann und der vor
liegenden Symptomatik könne am ehesten eine Anpassungsstörung, aktuell mit
noch kurzer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.20) gestellt werden. Diese habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6 Ziff. 9, S. 7 Ziff. 10).
Es habe gestützt auf die aktuelle Untersuchung weder eine Panikstörung noch eine soziale Phobie diagnostiziert werden können; die jeweiligen ICD-10-Kriterien seien nicht erfüllt gewesen. Da die Schmerzen teilweise gut somatisch hätten erklärt werden können und weder psychische Faktoren noch Verhal
tenseinflüsse eine wesentliche Rolle in der Ätiologie oder im Verlauf der körper
lichen Krankheit spielen würden, habe keine Schmerzverarbeitungsstörung (
Y._
-Gutachten) festgestellt werden können. Insgesamt sei eine Verdeutlichung bei
se
kundärem Krankheitsgewinn am w
ahrscheinlichsten anzunehmen,
vor allem auch weil die Beschwerdeführerin während der Untersuchung gefragt habe, was sie tun könne, um bei der IV akzeptiert zu werden
(S. 6 Ziff. 9 Mitte).
Als
Inkonsistenzen führte
Dr.
E._
aus, zwischen der Selbstschilderung der Be
schwerdeführerin (massive Schmerzen konstant bei 9 auf einer Skala bis 10) und dem tatsächlich feststellbaren psychopathologischen Befund würden erhebliche Widersprüche vorliegen. Die Beschwerdeführerin scheine durch die Schmerzen im Alltag auch nicht wirklich eingeschränkt zu sein
(vgl. geschilderter Tagesablauf, S. 2 Ziff. 4)
.
Vor allem bestünden grosse Diskrepanzen zu den Arztberichten des
B._
. Bei
spielsweise
sei
im Bericht vom 18. März 2016 angegeben worden, dass die Be
schwerdeführerin aufgrund von Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, An
triebslosigkeit, Auffassungsstörungen, Ängsten und fehlender Belastbarkeit zu 100 %
arbeitsunfähig sei. Die Beschwerdeführerin habe im aktuellen Gespräch aber klar verneint, an Konzentrationsstörungen zu leiden oder antriebslos zu sein. Ebenso habe sie allgemeine Ängste vor Menschen verneint. Die Auffassungsgabe und das Gedächtnis seien während der Untersuchung unauffällig gewesen (ge
prüft mit Kurztests
). Gemäss Arztbericht sei sie auch bei den Haushaltsaufgaben eingeschränkt. Die Beschwerdeführerin habe allerdings angegeben, sie mache den ganzen Haushalt praktisch selbst
(
S. 6
f.
Ziff. 9 unten).
In Bezug auf die bisherige Tätigkeit in der Reinigung sei von einer leichtgradigen Einschränkung aufgrund möglicher Ängste bei vielen Menschen auszugehen (S. 7 Ziff. 11).
Das Belastungsprofil einer zumutbaren Tätigkeit entspreche demjenigen der bisherigen Tätigkeit. Wegen der jahrelangen Dekonditionierung solle der Ein
stieg jedoch langsam aufbauend sein. Ab dem Begutachtungszeitpunkt am 21. März 2017 sei somit aus psychiatrischer Sicht in bisheriger und angepasster Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Retrospektiv sei die Einschätzung schwierig. Inwieweit die Berichte des
B._
berücksichtigt werden könnten, könne nicht klar beurteilt werden (S. 8 oben).
4.
8
Ebenfalls am 21. März 2017 erfolgte die orthopädische RAD-Untersuchung bei med.
pract
.
F._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates (Bericht vom 22. März 2017, Urk. 7/141).
Med.
pract
.
F._
stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 8 Ziff. 8):
-
Rhizarthrose und Fingergelenkspolyarthrose
-
schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der Lendenwir
belsäule (LWS) bei flacher Skoliose
-
schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der Halswirbel
säule (HWS)
-
leichte Bewegungseinschränkung beider Schultern bei bekannter AC-Gelenksarthrose links
-
klinisch beginnende Kniegelenksarthrose beidseits
Aus orthopädischer Sicht bestehe bei Polyarthrose der Hände eine verminderte Belastbarkeit für Tätigkeiten mit erhöhten Anforderungen an die Kraft und Hal
tefunktion der Hände sowie für Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an das feinmotorische Geschick. Die Funktionseinschränkungen im Bereich der Schulter-Nackenregion, der LWS
sowie
der Schulter- und Kniegelenke würden körperlich sehr schwere und schwere Tätigkeiten, insbesondere mit Zwangshaltungen, Über
kopfarbeiten, Tätigkeiten im Knien oder Hocken sowie Tätigkeiten mit häufigem Gehen auf unebenem Grund ausschliessen.
Körperlich leichte bis selten mittelschwere Tätigkeiten in Wechselbelastung unter Ausschluss ungünstiger Witterungsbedingungen und ohne Belastung durch Nässe und Feuchtigkeit seien aus somatischer Sicht weiterhin zumutbar. Dabei sollten keine erhöhten Anforderungen an die Handfunktion gestellt werden. Die Funk
tion der Wirbelsäule und der grossen Gelenke der oberen und unteren Extremi
täten sei im Vergleich zum Gutachten von 2007 im Wesentlichen unverändert
. Obwohl schon 2007 Anzeichen der Gonarthrose vorgelegen hätten, sei es bisher zu keiner Einschränkung der Beweglichkeit gekommen. Beide Schultern seien ak
tuell etwas schlechter beweglich als 2007, dabei sei jedoch darauf hinzuweisen, dass die Bewegungsprüfung bei aktivem Gegenspannen nicht konklusiv möglich gewesen sei. Während der rheumatologische Gutachter 2007 zum Schluss gekom
men sei, dass die Arbeitsfähigkeit als Reinigungskraft noch 30 % betrage, könne aktuell festgestellt werden, dass diese Tätigkeit vor allem aufgrund der Poly
arthrose der Hände nicht mehr zumutbar sei. Der Zeitpunkt der Verschlechterung sei anhand der Aktenlage nicht klar nachvollziehbar. Aufgrund der Akten sei spätestens seit Mai 2015 eine Beeinträchtigung der Handfunktion beidseits aus
gewiesen (S. 9). Seit diesem Zeitpunkt sei
d
ie
Beschwerdeführerin
in der bisheri
gen Tätigkeit als Reinigungskraft nicht mehr arbeitsfähig. In einer dem genannten Belastungsprofil
angepassten Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen (S. 10 Ziff. 10).
4.
9
Mit Schreiben vom 14. August 2017 nahmen
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
phil.
H._
, klinischer Psycho
loge und Supervisor,
B._
,
Stellung zur RAD-Beurteilung (Urk. 7/164).
Die psy
chiatrischen Beschwerden der Beschwerdeführerin seien keine Folge der Schmer
zen und schon gar nicht der behaupteten finanziellen Ängste, sondern der tragi
schen Vorfälle
von
1995 bis heute, welche die Beschwerdeführerin zusammen mit den Schmerzen nicht habe überwinden können (S. 2 Ziff. 3). Es seien sowohl die Symptome einer mittelgradigen depressiven Episode (S. 2 unten) wie auch einer Panikstörung (S. 3 oben) gegeben. Die RAD-Einschätzung von
Dr.
E._
sei sehr oberflächlich und in der Symptomerfassung und diagnostischen Einschätzung falsch (S. 4).
4.
10
Am 30. August 2017 verfasste
Dr.
D._
(vorstehend E. 4.5)
erneut einen Bericht (Urk. 7/166). Es würden weiterhin vorbekannte Funktionseinschränkungen der Hals- und Lendenwirbelsäule bestehen. Zudem seien
Arthrosezeichen
der Knie beidseits und Belastungsschmerzen des oberen Sprunggelenkes (OSG) links vor
handen. Im Bereich der Hände leide die Beschwerdeführerin an Polyarthrose. Ebenfalls bestünden weiterhin chronische epigastrische Beschwerden und ein de
pressives Zustandsbild. Es handle sich um einen
sich
über die Jahre verschlech
ternden (vor allem bezüglich ängstlich-depressiver Symptomatik
) Krankheitsver
lauf
(Ziff. 8).
Eine angepasste, körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeit ohne Nässe, Kälte, Hitze, Lärm, Rauch, Gase, Dämpfe, ohne Wechsel- oder Nacht
schicht und ohne Bücken, Heben oder Tragen von Lasten sei der Beschwerdefüh
rerin zu 50 % zumutbar (Ziff. 9).
4.1
1
Mit Stellungnahme vom 22. November 2017 (Urk.
7/173/3-4
) äusserte sich
Dr.
E._
zur von
Seiten des
B._
(vgl. vorstehend E. 4.8) und
der Beschwerde
führerin kundgetanen Kritik an ihrer psychiatrischen Beurteilung.
5.
5.1
Die RAD-Berichte
(vgl. vorstehend E. 4.7
f.
)
basieren auf umfassenden psychi
atrischen
und orthopädischen
Untersuchungen und wurden in Kenntnis der
Vorakten
verfasst. Die Beschwerdeführerin konnte
in Anwesenheit einer Dolmet
scherin
ihre
Beschwerden ausführlich
schildern und wurde eingehend befragt. Die gestellten Diagnosen als auch die Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit wer
den in den RAD-Berichten einleuchtend dargelegt und begründet. Hierbe
i setzten sich die RAD-Ärzte
insbesondere mit
den erhobenen Befunden und
den anders
lautenden Einschätzungen auseinander. Die Schlussfolgerung ist nachvollzieh
bar. Damit
vermögen die RAD-Berichte die an eine beweiskräftige ärztliche Ent
scheidungsgrundlage gestellten Anforderungen (
vorstehend
E.
1.
4-5
) vollum
fänglich zu erfüllen und es kommt ihnen voller Beweiswert zu.
5.2
Entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S. 8 Ziff. III) wurde von
Dr.
E._
erfasst, dass die
se
in psychiatrischer Behandlung steht. Auch die angegebene Medikation wurde aufgeführt (vgl. Urk. 7/140/2-3 Ziff. 3+5).
Dr.
E._
setzte sich mit den anderslautenden Arztberichten und auch dem
Y._
-Gutachten auseinander und legte dar, weshalb sie die bisher gestellten Diagnosen nicht bestätigen könne und von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten auszugehen sei (vorstehend E. 4.7).
Schliesslich mangelt es der RAD-Ärztin, welche Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist, auch nicht an der fachlichen Qualifi
kation
. Der Vorwurf der mutmasslichen Unerfahrenheit
(vgl. Urk. 1 S. 10 unten)
wurde nicht näher begründet und
ist
gestützt auf die allge
mein einsehbaren Angaben zu
Dr.
E._
auf der Website doctorfmh.ch ohnehin unhaltbar.
5.3
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, es sei auf die Berichte der behan
delnden Ärzte abzustellen (Urk. 1 S. 9), kann ihr nicht gefolgt werden.
Die diag
nostische Einschätzung in den Berichten des
B._
ist
nicht nachvollziehbar. Es wurde aufgeführt, es sei bei Therapiebeginn ein Wert für eine schwere Depression erhoben worden. Im Verlauf sei es zu einem leicht gebesserten Zustand gekom
men. Gleichwohl wurde die depressive Problematik als stationär beschrieben. Di
agnostisch wurde schliesslich eine mittelgradige depressive Episode festgehalten (vorstehend E. 4.3). Diese Widersprüchlichkeiten
finden sich auch in den weiteren Berichten des
B._
und des
C._
, welche weitgehend wörtlich identische Befunde aufführten (vorstehend E. 4.4). Trotz identischem Befund wurde im Bericht des
C._
von einer deutlichen Verschlechterung des psychischen Gesundheitszu
stands berichtet
,
und
diagnostisch wurde die depressive Symptomatik ebenfalls weiterhin als mittelgradig eingestuft.
Sodann ist aufgrund der Ausführungen von
Dr.
G._
und
Dr.
phil.
H._
des
B._
davon auszugehen, dass diese bei der Beurteilung der zumutbaren Arbeits
fähigkeit auch psychosoziale Faktoren mitberücksichtigt
hab
en (vgl. vorstehend E. 4.
9
).
5.4
Aus somatischer Sicht vermochten die Berichte von
Dr.
A._
und
Dr.
D._
keine objektiv fassbaren Aspekte namhaft
zu
mache
n
, welche
med.
pract
.
F._
entgangen waren oder mit denen
sie
sich nicht befasst hatte. Im Übrigen erklärt sich der abweichende Standpunkt
von
Dr.
D._
wohl auch mit dem Unterschied zwischen medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag. Die von
Dr.
D._
attestierte Arbeitsunfähigkeit i
st auch aufgrund der Erfahrungs
tatsache zu re
lativieren, dass Hausärztinnen und Hausärzte wie überhaupt behandelnde Arzt
personen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Zudem nahm
Dr.
D._
auch zum psychiatrischen Gesundheitszustand Stellung und be
zog diesen in seine Beurteilung mit ein, was den Beweiswert seiner Berichte ohnehin mindert.
Na
ch dem Gesagten
gingen aus den
übrigen Berichte
n
keine objektiv feststellba
ren Gesichtspunkte
hervor
, welche Zweifel a
n der RAD-Beurteilung
hervorrufen
.
Sowohl der psychische als auch der physische Gesundheitszustand sowie die Be
einträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sind in den Beurtei
lungen gebührend berücksichtigt worden. Die Beschwerdeführerin vermochte so
dann nicht weiter darzutun, inwiefern die Aktenlage unzutreffend beziehungs
weise unvollständig ist. Da der Sachverhalt nach dem Gesagten durch genügende medizinische Einschätzungen abgeklärt wurde, erweisen sich die vorliegenden medizinischen Akten als ausreichend. Auf weitere Abklärungen kann deshalb verzichtet werden (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157).
5.5
Daran ändert auch die geänderte Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Beur
teilung des Anspruchs auf eine IV-Rente bei psychischen Leiden nichts.
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisver
fahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rah
men beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsun
fähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen ge
genteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus ande
ren Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409
E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E.
7.1).
Dementsprechend bleibt ein
strukturiertes Beweisverfahren
im vorliegenden Fall entbehrlich, da gestützt auf d
ie
beweiswertigen
RAD-Berichte
eine vollständige Arbeitsfähigkeit in angepasste
r
Tätigkeiten in nachvollziehbar begründeter Weise festgestellt wurde und de
r gegenteiligen Einschätzung der
behandelnden
Ärzte
aus den genannten Gründen kein Bew
eiswert beigemessen werden kann.
5.6
Zusammenfassend ist gestützt auf die Beurteilungen des RAD
eine wesentliche
Verbess
erung des Gesundheitszustandes ausgewiesen und
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit unter Beachtung des genannten Belas
tungsprofils (vorstehend E. 4.
8
) auszugehen.
6.
6.1
Es bleiben d
ie e
rwerblichen Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung zu prüfen.
6.2
Die Beschwerdeführerin fordert, es sei eine neue Haushaltsabklärung durchzu
führen (Urk.
1 S.
11 Mitte). Es ist fraglich, ob die Beschwerdeführerin nicht ohnehin als Vollerwerbstätige einzustufen wäre: Ihre Kinder sind längst volljährig und ihr pflegebedürftiger Ehemann ist zwischenzeitlich verstorben. Mit der Be
schwerdegegnerin ist davon auszugehen, dass der derzeitige gesundheitliche Zu
stand
, welcher im Vergleich zur letzten materiellen Beurteilung eine 100%ige Ar
beitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit zulässt,
jedenfalls keine höhere Einschrän
kung im Haushaltsbereich erwarten liesse,
zumal sie nur noch einen Einper
sonenhaushalt zu bewältigen hat. Somit sind
auch in dieser Hinsicht keine wei
teren Abklärungen vorzunehmen. Die Statusfrage kann offenbleiben
(vgl. dazu auch Urteil des hiesigen Gerichts vom 22. März 2010, Urk. 7/68
S.
14
ff.
)
, da selbst bei Beibehaltung einer Aufteilung von 50
%
Erwerbs- und 50
%
Haushalts
bereich kein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren würde, wie nachfol
gend aufzuzeigen sein wird.
6.
3
Mit den Parteien (vgl. Urk. 1 S. 11; Urk. 6 S. 2
)
ist das im Urteil vom 22. März 2010
berechnete
Validen- und Invalideneinkommen
(vgl. Urk. 7/68/16-17 E. 5.3)
heranzuziehen
und bis zum Jahr 201
6
(vgl.
Art.
29
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
,
IVG
) der Nominallohnentwicklung anzupassen
.
Für das Jahr 2006 wurde im vorangegangenen Urteil ein
Valideneinkommen
von Fr. 34'295.-- errechnet. Nominallohnbereinigt ergibt sich für das Jahr 201
6
ein
Valideneinkommen
von
rund
Fr. 38'
4
38
.-- (Bundesamt für Statistik, Tabelle T39, 2006: 2
’
417 Punkte, 201
6
: 2
’
709
Punkte; Fr. 34'295.-- : 2
’
417 x 2
’70
9
).
Das Invalideneinkommen wurde
im vorangegangenen Urteil
gestützt auf die Ta
bellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE), Tabelle TA1, be
rechnet und von der Beschwerdegegnerin korrekterweise gestützt auf die Tabel
lenlöh
ne des Jahres 2014 angepasst auf Fr. 27'259.-- bei einem 50%igen Er
werbspensum (entsprechend der früheren Qualifizierung)
.
Somit ergibt sich
für das Jahr 201
6
bei einem Tabellenlohn von 4'3
63
.-- (Totalwert Frauen 201
6
Kom
petenzniveau 1
)
und
einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
ein In
valideneinkommen von
rund
Fr.
27'
291
.--
(Fr. 4'3
63
.--
x 12 :
40 x 41.7
x 0.5).
6.4
6.4.1
Die Beschwerdegegnerin gewährte einen leidensbedingten Abzug von 10 %. Die Beschwerdeführerin fordert einen solchen von 25 % wegen den diversen körper
lichen Einschränkungen, den psychischen Beeinträchtigungen, dem hohen Alter, mangelnder Sprachkenntnisse und der langen Abwesenheit im Erwerbsleben (Urk. 1 S. 11 Mitte).
6.4.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schät
zen und darf 25
% nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbeding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichts
punkts führen dürfen (Urteil
des Bundesgerichts
9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl.
auch
Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abwei
chende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februa
r 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
6.4.3
Ob das Merkmal «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkreter Umstände des Einzelfalls zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 9C_366/2015 vom 22. September 2015 E. 4.3.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2). Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein fortgeschrittenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswir
ken muss.
Hilfsarbeiten werden auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellen
markt altersunabhängig nachgefragt (Urteile des Bundesgerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3).
Die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt betrifft das Kriterium der Dienstjahre, dessen Bedeutung im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungs
profil ist. Mit Blick auf das Kompetenzniveau 1 kommt diesem Aspekt keine ins Gewicht fallende Bedeutung zu (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.2 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.3 unter Hinweis auf 8C_351/2014 vom 14. August 2014 E. 5.2.4.2).
Was die körperlichen Einschränkungen betrifft ist festzuhalten, dass die Be
schwerdeführerin aufgrund ihres Gesundheitszustandes und des noch zumutba
ren Tätigkeitsprofils in qualitativer Hinsicht durchaus eingeschränkt ist
(vgl. vor
stehend E. 4.7.2)
, was das Spektrum der ihr zumutbaren Verweistätigkeiten ein
schränkt.
Gesamthaft
darf das Gericht sein Ermessen
allerdings
nicht ohne trifti
gen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen
(vorstehend E. 6.4.2)
, weshalb ein Abweichen grundsätzlich nur bei Unangemessenheit möglich ist. Letzteres trifft vorliegend nicht zu, weshalb es bei einem
leidensbedingten
Abzug von 10 % sein Bewenden hat.
Dementsprechend resultiert ein Invalideneinkom
men von Fr. 24'
562
.-- (Fr. 27'
291
.-- x 0.9).
6.5
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von Fr. 38'
4
38
.-- mit dem Invalidenein
kommen von Fr. 24'
562
.-- ergibt eine Erwerbseinbusse von 13'8
76
.
.
Für den erwerblichen Bereich resultiert - zu Gunsten der Beschwerdeführerin bei Beibe
haltung der Aufteilung der Tätigkeit von je 50 % im Erwerbs- beziehungsweise im Haushaltsbereich - ein Teilinvaliditätsgrad von 36 %
. Ausgehend von der bis
herigen Einschränkung von 39 % im Haushaltsbereich ergibt sich
(aufgerundet von 37.5 %)
ein Gesamtinvaliditätsgrad von 38 %.
Im Ergebnis erweist sich die angefochtene Verfügung damit als rechtens. Die Be
schwerde ist abzuweisen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig v
om Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG
) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.