Decision ID: d87a595e-da75-5b96-86ee-5b0e36b1aa17
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass das damalige Bundesamt für Migration (BFM; nunmehr Staatssekre-
tariat für Migration [SEM]) mit Verfügung vom 19. Juli 2013 gestützt auf
Art. 51 Abs. 1 des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) den Beschwerdefüh-
rer als Flüchtling anerkannte und ihm in der Schweiz Asyl gewährte,
dass das SEM insgesamt dreimal, letztmals mit Zwischenverfügung vom
15. September 2020, dem Beschwerdeführer mitteilte, nachdem das Ober-
gericht des Kantons Aargau mit Urteil vom 28. Mai 2020 gegen ihn die Lan-
desverweisung verhängt habe und diese in Rechtskraft erwachsen sei, er-
achte es die Voraussetzungen von Art. 64 Abs. 1 Bst. e AsylG betreffend
das Erlöschen des Asyls als erfüllt und beabsichtige, eine entsprechende
Feststellungsverfügung zu erlassen, wonach das ihm in der Schweiz ge-
währte Asyl erloschen sei,
dass das Staatssekretariat dem Beschwerdeführer des Weiteren mitteilte,
ein Erlöschen des Asyls führe nicht zur Aberkennung seines Flüchtlings-
status,
dass das SEM den Beschwerdeführer jeweils zugleich aufforderte, sich
hierzu schriftlich zu äussern, mit letztmaliger Frist bis zum 2. Oktober 2020,
dass der Beschwerdeführer die gesetzten Fristen für eine Stellungnahme
allesamt ungenutzt verstreichen liess,
dass das SEM mit Verfügung vom 8. März 2021 (Datum der Eröffnung:
9. März 2021) gestützt auf Art. 64 Abs. 1 Bst. e AsylG feststellte, das dem
Beschwerdeführer in der Schweiz gewährte Asyl sei erloschen,
dass der Beschwerdeführer diese Verfügung mit Eingabe seines Rechts-
vertreters vom 7. April 2021 beim Bundesverwaltungsgericht anfocht,
dass dabei beantragt wird, es sei die genannte Verfügung aufzuheben und
vom Erlöschen des Asyls und der Flüchtlingseigenschaft abzusehen, even-
tualiter sei die Sache zur erneuten Beurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen,
dass zudem in verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragt wird, der Be-
schwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen, dem Beschwerdefüh-
rer seien die unentgeltliche Prozessführung sowie die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu gewähren, und es sei auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses zu verzichten,
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und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls über Be-
schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet,
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG),
dass das Bundesverwaltungsgericht – mit einer vorliegend nicht zutreffen-
den Ausnahme – endgültig entscheidet (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfügung besonders
berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung hat, wo-
mit er zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105 AsylG;
Art. 37 VGG i.V.m. Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde – mit
der nachfolgenden Einschränkung – einzutreten ist (Art. 108 Abs. 6 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich
vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt, um eine solche handelt, weshalb
der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a
Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wird,
dass sich die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen
Rügen im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten,
dass mit der Beschwerdeschrift beantragt wird, es sei die angefochtene
Verfügung aufzuheben und vom Erlöschen des Asyls und der Flüchtlings-
eigenschaft abzusehen,
dass sich die angefochtene Verfügung auf die Feststellung des Erlöschens
des Asyls beschränkt, während die Frage der Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens bil-
dete,
dass dem Beschwerdeführer durch das SEM mit Zwischenverfügung – un-
ter anderen – vom 15. September 2020 auch ausdrücklich mitgeteilt wurde,
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ein Erlöschen des Asyls führe nicht zur Aberkennung seines Flüchtlings-
status,
dass die Frage der Flüchtlingseigenschaft nach dem Gesagten auch nicht
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sein kann, womit
auf den diesbezüglichen Antrag nicht einzutreten ist,
dass gemäss Art. 64 Abs. 1 Bst. e AsylG das Asyl in der Schweiz erlischt,
wenn eine Landesverweisung nach – unter anderem – Art. 66a des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0) rechtskräftig gewor-
den ist,
dass gemäss Auszug aus dem Strafregister das Obergericht des Kantons
Aargau mit Urteil vom 28. Mai 2020 gestützt auf Art. 66a StGB gegen den
Beschwerdeführer eine Landesverweisung von drei Jahren anordnete,
dass das genannte Urteil gemäss Auszug aus dem Strafregister mit glei-
chem Datum auch in Rechtskraft erwachsen ist,
dass die gesetzlichen Voraussetzungen für das Erlöschen des Asyls im
Sinne von Art. 64 Abs. 1 Bst. e AsylG somit offensichtlich erfüllt sind,
dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter auch nicht in
Frage stellt, dass die durch Art. 64 Abs. 1 Bst. e AsylG statuierten gesetz-
lichen Voraussetzungen erfüllt sind, sondern diesen Umstand ausdrücklich
anerkennt (Beschwerdeschrift, S. 5),
dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter demgegenüber
geltend macht, gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB könne in bestimmten Härte-
fällen ausnahmsweise von einer Landesverweisung abgesehen werden,
und gemäss Art. 66d StGB könne der Vollzug der obligatorischen Landes-
verweisung nach Art. 66a StGB in bestimmten Fällen aufgeschoben wer-
den, wenn es sich bei der betroffenen Person um einen von der Schweiz
anerkannten Flüchtling handle,
dass er im soeben genannten Zusammenhang vorbringt, er sei im Jahr
2013 als Minderjähriger im Alter von vierzehn Jahren in die Schweiz ge-
langt, sei hier aufgewachsen und lebe hier mit seinen Eltern und verschie-
denen Geschwistern,
dass er im genannten Zusammenhang unter Einreichung eines ärztlichen
Zeugnisses ferner vorbringt, er leide unter schwerwiegenden psychischen
Problemen und sei deswegen in Spitalbehandlung gewesen,
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dass weiter geltend gemacht wird, als anerkannter Flüchtling sei der Be-
schwerdeführer durch das völkerrechtlich zwingende Gebot des Non-Re-
foulements, die Bestimmungen des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30), Art. 3 EMRK, Art. 3
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
(FoK, SR 0.105) und weitere rechtliche Normierungen geschützt,
dass er aus diesen Gründen in Bezug auf das strafrechtliche Urteil des
Obergerichts des Kantons Aargau vom 28. Mai 2020 ein Revisionsgesuch
einzureichen beabsichtige,
dass gemäss Art. 5 Abs. 4 BV Bund und Kantone das Völkerrecht zu be-
achten hätten,
dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter im Übrigen be-
hauptet, der Sachverhalt sei durch die Vorinstanz nicht ausreichend abge-
klärt worden,
dass die Anwendung der Bestimmungen von Art. 66a–66d StGB betreffend
die Landesverweisung offensichtlich nicht in den Kompetenzbereich der
schweizerischen Asylbehörden, sondern der strafrechtlich zuständigen Be-
hörden fällt,
dass mit der Beschwerdeschrift ausschliesslich Gesichtspunkte geltend
gemacht werden, deren Beurteilung entweder in den Kompetenzbereich
der strafrechtlich und allenfalls ausländerrechtlich zuständigen Behörden
fallen würden oder welche Rechtsfragen betreffen (in Bezug auf die Flücht-
lingseigenschaft beziehungsweise die Durchführbarkeit eines allfälligen
Vollzugs der Landesverweisung oder einer ausländerrechtlichen Wegwei-
sung), die ausserhalb des Gegenstands des vorliegenden Verfahrens (Er-
löschen des Asyls) liegen,
dass die Beschwerdeschrift folglich keinerlei Vorbringen enthält, welche die
Feststellung der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung in Frage stel-
len könnten, in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 Bst. e AsylG sei auf das Er-
löschen des Asyls des Beschwerdeführers zu schliessen,
dass auch nicht zu erkennen ist, inwiefern der massgebliche Sachverhalt
durch die Vorinstanz nicht ausreichend abgeklärt worden sein soll,
dass die Beschwerde somit abzuweisen ist, soweit auf sie überhaupt ein-
getreten werden kann,
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dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb sich die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung so-
wie Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstands-
los erweisen,
dass die mit der Beschwerdeschrift gestellten Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeistän-
dung abzuweisen sind, da die hauptsächlichen Begehren – wie sich aus
den angestellten Erwägungen ergibt – als von vornherein aussichtslos zu
bezeichnen sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens dessen Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2])
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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