Decision ID: 0f9ce9df-2570-4ae9-a67b-bd56c7048a1f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Klägerin betrieb den Beklagten mit Zahlungsbefehl Nr. xxx des Betrei-
bungsamts Q. vom 17. November 2021 für eine Forderung von
Fr. 16'379.50 nebst Zins zu 5 % seit 10. September 2021 sowie für Gebüh-
ren von Fr. 500.00 und Administrativaufwand von Fr. 320.00. In der Rubrik
"Forderungsurkunde mit Datum oder Angabe des Forderungsgrundes"
wurde angegeben: "RG 1450405, 1450406, 1450413, 1450417, 1450430,
1450467, 1450477, 1450529, 1450553, 1450554, 1450574; Offene Rech-
nung für Aufwandsentschädigung".
1.2.
Der Beklagte erhob gegen den ihm am 23. November 2021 zugestellten
Zahlungsbefehl gleichentags Rechtsvorschlag.
2.
2.1.
Mit Eingabe vom 7. Dezember 2021 stellte die Klägerin beim Bezirksgericht
Baden das Gesuch um Erteilung der provisorischen Rechtsöffnung für
Fr. 787.30 nebst Zins zu 5 % seit 10. September 2021 (RG 1450405),
Fr. 781.90 nebst Zins zu 5 % seit 10. September 2021 (RG 1450406),
Fr. 1'364.00 nebst Zins zu 5 % seit 14. September 2021 (RG 1450413),
Fr. 1'883.65 nebst Zins zu 5 % seit 15. September 2021 (RG 1450417),
Fr. 1'646.75 nebst Zins zu 5 % seit 22. September 2021 (RG 1450430),
Fr. 1'172.85 nebst Zins zu 5 % seit 4. Oktober 2021 (RG 1450467),
Fr. 2'073.25 nebst Zins zu 5 % seit 5. Oktober 2021 (RG 1450477),
Fr. 1'125.45 nebst Zins zu 5 % seit 14. Oktober 2021 (RG 1450529)
Fr. 1'931.05 nebst Zins zu 5 % seit 25. Oktober 2021 (RG 1450553),
Fr. 1'919.20 nebst Zins zu 5 % seit 25. Oktober 2021 (RG 1450554) und
Fr. 1'694.10 nebst Zins zu 5 % seit 1. November 2021 (RG 1450574) sowie
Gebühren von Fr. 500.00, Administrativaufwand von Fr. 320.00 und Zu-
stellkosten des Zahlungsbefehls von Fr. 103.30.
2.2.
Der Beklagte liess sich innert angesetzter Frist nicht vernehmen.
2.3.
Die Präsidentin des Bezirksgerichts Baden erkannte am 7. März 2022:
" 1. Das Rechtsöffnungsgesuch wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr von Fr. 400.00 wird der Gesuchstellerin auferlegt und mit ihrem Kostenvorschuss in der gleichen Höhe verrechnet.
- 3 -
3. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen."
3.
3.1.
Gegen diesen ihr am 14. März 2022 zugestellten Entscheid erhob die Klä-
gerin mit Eingabe vom 23. März 2022 (Postaufgabe am 24. März 2022)
beim Obergericht des Kantons Aargau Beschwerde mit dem sinngemässen
Antrag, der vorinstanzliche Entscheid vom 7. März 2022 sei aufzuheben
und es sei ihr in der Betreibung Nr. xxx des Betreibungsamts Q. (Zahlungs-
befehl vom 17. November 2021) wie begehrt provisorische Rechtsöffnung
zu erteilen.
3.2.
Der Beklagte erstattete keine Beschwerdeantwort.

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Rechtsöffnungsentscheide sind mit Beschwerde anfechtbar (Art. 319 lit. a
i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO). Mit der Beschwerde können die unrichtige
Rechtsanwendung und die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sach-
verhalts geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Offensichtlich unrichtig
bedeutet willkürlich (Urteil des Bundesgerichts 4A_149/2017 vom 28. Sep-
tember 2017 E. 2.2). Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und
neue Beweismittel sind ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Das gilt so-
wohl für echte als auch für unechte Noven, da die Beschwerde nicht der
Fortführung des erstinstanzlichen Prozesses, sondern grundsätzlich nur
der Rechtskontrolle des erstinstanzlichen Entscheids dient (DIETER FREI-
BURGHAUS/SUSANNE AFHELDT, in: THOMAS SUTTER-SOMM/FRANZ HASEN-
BÖHLER/CHRISTOPH LEUENBERGER [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 3 f. zu Art. 326 ZPO). Ob ein
gültiger Rechtsöffnungstitel vorliegt, hat die Beschwerdeinstanz von Amtes
wegen zu prüfen. Abgesehen von offensichtlichen Mängeln am Rechtsöff-
nungstitel hat die Rechtsmittelinstanz nur diejenigen Beanstandungen zu
beurteilen, welche die Parteien in ihren Rechtsmittelschriften gegen das
erstinstanzliche Urteil erhoben haben (BGE 147 III 176 E. 4.2.1; DANIEL
STAEHELIN, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung
und Konkurs I, 3. Aufl. 2021, N. 90 zu Art. 84 SchKG).
2.
2.1.
Die Vorinstanz begründete die Abweisung des Rechtsöffnungsbegehrens
im Wesentlichen damit, dass die als Rechtsöffnungstitel eingereichten Un-
- 4 -
terlagen (Arbeitsrapporte zweier Temporärmitarbeiter, mutmasslich unter-
zeichnet vom jeweiligen Temporärmitarbeiter und dem Beklagten; zwei von
keiner Partei unterzeichnete Verleihverträge zwischen der Klägerin und
dem Beklagten; diverse nicht unterzeichnete Rechnungen der Klägerin an
den Beklagten) keine schriftliche Schuldanerkennung i.S.v. Art. 82 Abs. 1
SchKG darstellten. Hierfür hätte es zwingend einer Unterschrift des Beklag-
ten auf jenen Dokumenten, in welchen seine Zahlungspflicht und zumindest
die massgeblichen Berechnungsparameter der geschuldeten Beträge fest-
gelegt worden seien, bedurft. Indessen seien weder die Verleihverträge
noch die Rechnungen vom Beklagten unterzeichnet worden. Allein aus den
(mutmasslich vom Beklagten unterzeichneten) Arbeitsrapporten, auf denen
der geschuldete bzw. vereinbarte Stundentarif nicht vermerkt sei, ergebe
sich keine Anerkennung einer Zahlungspflicht in einer bestimmten oder be-
stimmbaren Höhe, weswegen diese selbst in Kombination mit den übrigen,
nicht vom Beklagten unterschriftlich bestätigten Dokumenten keinen provi-
sorischen Rechtsöffnungstitel gemäss Art. 82 SchKG bildeten.
2.2.
Die Klägerin rügte in ihrer Beschwerde, die Vorinstanz habe die beiden
Temporärmitarbeiter nicht angehört. Diese könnten bestätigen, dass sie
unter dem Weisungsrecht des Beklagten täglich tätig gewesen seien und
die tägliche Arbeit unter seiner persönlichen Weisung ausgeführt hätten.
Der Beklagte habe somit sein Weisungsrecht im Rahmen der von der Klä-
gerin geleisteten Personaldienstleistung im Beisein relevanter Zeugen/
Temporärmitarbeiter aktiv in Anspruch genommen, umgesetzt und ausge-
führt. Entsprechend habe der Beklagte jeweils auch im Beisein der Tempo-
rärmitarbeiter bzw. der relevanten Zeugen die Rapporte eigenhändig unter-
zeichnet. Weiter habe der Beklagte in einem von ihm persönlich verfassten
E-Mail, versendet von seinem persönlichen Postausgangsserver, die in Be-
treibung gesetzte Gesamtschuld bestätigt und damit anerkannt.
3.
3.1.
Beruht die Forderung auf einer durch öffentliche Urkunde festgestellten
oder durch Unterschrift bekräftigten Schuldanerkennung, so kann der Gläu-
biger die provisorische Rechtsöffnung verlangen (Art. 82 Abs. 1 SchKG).
Der Richter spricht dieselbe aus, sofern der Betriebene nicht Einwendun-
gen, welche die Schuldanerkennung entkräften, sofort glaubhaft macht
(Art. 82 Abs. 2 SchKG).
3.2.
3.2.1.
Eine Schuldanerkennung i.S.v. Art. 82 Abs. 1 SchKG ist eine Willenserklä-
rung des Schuldners, worin dieser anerkennt, eine bestimmte oder leicht
bestimmbare Geldsumme bei deren Fälligkeit zu bezahlen oder als Sicher-
- 5 -
heitsleistung zu hinterlegen. In der Schuldanerkennung muss der Verpflich-
tungsgrund nicht genannt sein (Art. 17 OR). Sie muss nicht juristisch kor-
rekt abgefasst sein, doch muss sich daraus eindeutig ergeben, dass sich
der Schuldner zur Zahlung oder Sicherheitsleistung verpflichtet fühlt. Aus
der Schuldanerkennung muss der unmissverständliche und bedingungs-
lose Wille des Betriebenen hervorgehen, dem Betreibenden eine be-
stimmte oder leicht bestimmbare und fällige Geldsumme zu zahlen
(BGE 139 III 297 E. 2.3.1; STAEHELIN, a.a.O., N. 21 zu Art. 82 SchKG), wo-
bei hinsichtlich Bestand, Umfang und Fälligkeit der betreffenden Forderung
liquide Verhältnisse vorliegen müssen (PETER STÜCHELI, Die Rechtsöff-
nung, 2000, S. 328 ff.). Dabei kann die Schuldanerkennung auch aus meh-
reren Urkunden bestehen, sofern die notwendigen Elemente daraus her-
vorgehen. Dies bedeutet, dass die unterzeichnete Urkunde auf die Schrift-
stücke, welche die Schuld betragsmässig ausweisen, klar und unmittelbar
Bezug nehmen bzw. verweisen muss (BGE 139 III 297 E. 2.3.1).
Ist die Schuldanerkennung nicht in einer öffentlichen Urkunde festgestellt,
so muss sie unterschrieben worden sein. Welche Erfordernisse an die Un-
terschrift zu stellen sind, bestimmt das Obligationenrecht, insbesondere
Art. 13 - 15 OR (STAEHELIN, a.a.O., N. 12 zu Art. 82 SchKG). Gemäss
Art. 14 Abs. 1 OR muss die Unterschrift eigenhändig geschrieben werden.
Der eigenhändigen Unterschrift gleichgestellt ist gemäss Art. 14 Abs. 2bis
OR die mit einem qualifizierten Zeitstempel verbundene qualifizierte elek-
tronische Signatur gemäss Art. 2 lit. e des Bundesgesetzes über Zertifizie-
rungsdienste im Bereich der elek-tronischen Signatur und anderer Anwen-
dungen digitaler Zertifikate vom 18. März 2016 (Bundesgesetz über die
elektronische Signatur, ZertES; SR 943.03).
3.2.2.
Wie die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zutreffend festhielt, hat die
Klägerin mit den im erstinstanzlichen Verfahren eingereichten Unterlagen
keine schriftliche Schuldanerkennung i.S.v. Art. 82 Abs. 1 SchKG vorge-
legt. Die Verleihverträge Nr. 6003872 und Nr. 6003873, mit denen sich der
Beklagte verpflichtete, der Klägerin für den Einsatz der beiden Temporär-
mitarbeiter C. und D. Verleihkosten von Fr. 34.00 bzw. Fr. 44.00 pro Stunde
(exkl. MWSt) zu bezahlen, enthalten keine Unterschrift des Beklagten i.S.v.
Art. 14 Abs. 1 oder Art. 14 Abs. 2bis OR. Die vom Beklagten unterzeichne-
ten Arbeitsrapporte der jeweiligen Temporärmitarbeiter, auf denen die der
Beklagten pro Einsatzstunde geschuldeten Verleihkosten nicht vermerkt
sind, stellen ebenso wenig den Anforderungen von Art. 82 Abs. 1 SchKG
genügende Schuldanerkennungen dar wie die vom Beklagten ebenfalls
nicht unterzeichneten Rechnungen der Klägerin. Das Vorliegen einer
Schuldanerkennung ist eine gesetzliche Voraussetzung der provisorischen
Rechtsöffnung (Art. 82 Abs. 1 SchKG) und kann daher nicht durch Zeugen-
aussagen ersetzt werden. Zeugen könnten hingegen in einem allfälligen
Anerkennungsprozess (Art. 79 SchKG) einvernommen werden (Art. 168
- 6 -
Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 169 ff. ZPO). Die Einsatzverträge (Beschwerdebei-
lage 1) und die E-Mail-Korrespondenz mit dem Beklagten (Beschwerdebei-
lage 3) hat die Klägerin nicht bereits im erstinstanzlichen Verfahren, son-
dern zum ersten Mal mit der Beschwerde vorgelegt. Dabei handelt es sich
somit um neue Beweismittel, welche gemäss Art. 326 Abs. 1 ZPO im Be-
schwerdeverfahren nicht zulässig sind und deshalb von vornherein nicht
berücksichtigt werden können.
3.3.
Gemäss den obigen Ausführungen hat die Vorinstanz das Rechtsöffnungs-
begehren der Klägerin somit zu Recht mangels Vorliegens einer Schuldan-
erkennung i.S.v. Art. 82 Abs. 1 SchKG abgewiesen. Die Beschwerde ist
deshalb abzuweisen.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Klägerin die obergerichtliche
Entscheidgebühr zu bezahlen (Art. 106 Abs. 1 ZPO; Art. 61 Abs. 1 i.V.m.
Art. 48 Abs. 1 GebV SchKG) und ihre Parteikosten selber zu tragen. Dem
Beklagten ist im Beschwerdeverfahren kein Aufwand entstanden, weshalb
ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen ist.