Decision ID: 4eb97c06-f902-5f8a-82da-6b173f872f8e
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 17. Juni 2021 in der Schweiz um Asyl
(Akten der Vorinstanz [SEM-act.] 1).
B.
Am 21. Juni 2021 nahm die Vorinstanz die Personalien des Beschwerde-
führers auf und am 5. Juli 2021 gewährte sie ihm rechtliches Gehör, unter
anderem zur Zuständigkeit Frankreichs für die Durchführung des Asyl- und
Wegweisungsverfahrens, zum beabsichtigten Nichteintretensentscheid
sowie zur Wegweisung in diesen Dublin-Mitgliedstaat (SEM-act. 7 und 12).
C.
Mit Verfügung vom 27. Juli 2021 – eröffnet am 29. Juli 2021 – trat die Vo-
rinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch nicht ein, ordnete die Wegweisung nach Frankreich an und
forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz am Tag nach Ablauf der
Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig wies die Vorinstanz auf die ei-
ner allfälligen Beschwerde von Gesetzes wegen fehlende aufschiebende
Wirkung hin und beauftragte den Kanton Bern mit dem Vollzug der Weg-
weisung (SEM-act. 24 ff.).
D.
Gegen den vorinstanzlichen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am
3. August 2021 (Datum Postaufgabe) Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Er beantragte, die Verfügung vom 27. Juli 2021 sei aufzuhe-
ben. Es sei ihm die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und ihm Asyl zu
gewähren; eventualiter sei die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfah-
rensrechtlicher Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer, es sei auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und es sei ihm die un-
entgeltliche Prozessführung unter Einsetzung eines amtlichen Rechtsbei-
standes zu gewähren (Akten des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer-
act.] 1).
E.
Am 4. August 2021 lagen dem Bundesverwaltungsgericht die Akten in
elektronischer Form vor und gleichentags setzte der Instruktionsrichter den
Vollzug der Überstellung gestützt auf Art. 56 VwVG einstweilen aus
(BVGer-act. 2).
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.2. Die Beschwerde ist zulässig (Art. 105 AsylG; Art. 31 ff. VGG). Der Be-
schwerdeführer ist zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz ist vorliegend auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist
(vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2; je m.w.H.). Die Fragen der An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft, der Gewährung von Asyl bezie-
hungsweise der Anordnung einer vorläufigen Aufnahme bildeten nicht Ge-
genstand des angefochtenen Nichteintretensentscheids, weshalb sie auch
nicht Gegenstand des dagegen gerichteten Beschwerdeverfahrens sein
können. Auf die entsprechenden Rechtsbegehren ist daher nicht einzutre-
ten. Im Übrigen ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
jedoch einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3. Die Beschwerde erweist sich – wie im Folgenden zu zeigen sein wird
– als offensichtlich unbegründet, weshalb sie im Verfahren einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durchführung
eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu behandeln
ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke mit der "Eurodac"-Datenbank ergab,
dass der Beschwerdeführer am 6. April 2021 in Frankreich um Asyl ersucht
hatte (SEM-act. 5). Frankreich stimmte am 20. Juli 2021 und damit innert
der zweiwöchigen Antwortfrist gemäss Art. 25 Abs. 1 der Verordnung (EU)
Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni
2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mit-
gliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen
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oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internatio-
nalen Schutz zuständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) der Wiederauf-
nahme des Beschwerdeführers zu (SEM-act. 23). Das Verfristungsschrei-
ben der Vorinstanz vom 20. Juli 2021 an die französischen Behörden
(SEM-act. 22) ist somit obsolet (zur Berechnung der Antwortfrist vgl. Art. 42
Dublin-III-VO). Die grundsätzliche Wiederaufnahmezuständigkeit Frank-
reichs zur Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens ist vorlie-
gend unbestritten gegeben (Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG; Art. 18 Abs. 1
Bst. b Dublin-III-VO i.V.m. Art. 23 Dublin-III-VO).
3.2. Was der Beschwerdeführer gegen seine Überstellung nach Frankreich
vorbringt, verfängt nicht:
3.2.1. Die französischen Behörden stimmten der Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO zu. Entge-
gen seinem sinngemässen Vorbringen in der Beschwerdeschrift ist des-
halb nicht davon auszugehen, sein Asylgesuch in Frankreich sei bereits
(rechtskräftig) negativ beschieden worden.
3.2.2. Selbst wenn das Asylgesuch des Beschwerdeführers in Frankreich
mittlerweile definitiv abgewiesen worden wäre, so würde dies kein Über-
stellungshindernis bilden. Frankreich bliebe auch für die Wegweisung des
Beschwerdeführers aus dem Dublin-Raum zuständig. Es gilt das Prinzip,
dass ein Asylgesuch lediglich von einem einzigen Dublin-Mitgliedstaat zu
prüfen ist (Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO; BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Kon-
krete Anhaltspunkte dafür, dass die französischen Behörden seinen Antrag
auf internationalen Schutz nicht unter Einhaltung der Regeln der Richtlinie
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) prüfen oder das
Asylverfahren mangelhaft durchgeführt hätten, sind nicht ersichtlich. Dass
die französischen Behörden ihn in Missachtung des Grundsatzes des Non-
Refoulement zur Ausreise nach Algerien zwingen könnten, ist nicht zu be-
fürchten (vgl. dazu statt vieler: Urteile des BVGer F-2682/2021 vom
23. Juni 2021 E. 7.1 und E. 7.3; D-1801/2021 vom 22. April 2021).
Schliesslich ergibt sich weder aus den Akten, noch behauptet der Be-
schwerdeführer, in Frankreich zu Unrecht inhaftiert gewesen zu sein.
3.3. Somit bleibt es bei der Zuständigkeit Frankreichs für die Durchführung
des Asyl- und Wegweisungsverfahrens.
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4.
Der angefochtene Entscheid verletzt weder Art. 3 EMRK, noch eine an-
dere, die Schweiz bindende völkerrechtliche Bestimmung. Eine gesetzes-
widrige Ermessensausübung der Vorinstanz ist nicht ersichtlich. Demzu-
folge ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von dem in Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO und in Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) verankerten Selbsteintrittsrecht
keinen Gebrauch gemacht hat. Zu Recht ist sie auf das Asylgesuch nicht
eingetreten und hat die Überstellung nach Frankreich verfügt. Die Be-
schwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
5.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist abzuwei-
sen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt
– als aussichtslos zu bezeichnen sind. Die Verfahrenskosten sind dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
6.
Dieses Urteil ist endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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