Decision ID: 80159046-73ec-5374-b194-51f13e5a995a
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Übersicht
a) A_ wurde erstmals im Juli 2013 telefonisch von Vertretern der „D_“ in seinem
Geschäft (AA_ GmbH) in E_ kontaktiert. Der Vertreter bot lukrative
Anlagemöglichkeiten in Form von Investments in Aktien an und lockte mit der Aussicht auf
hohe Renditen. Weitere Kontakte erfolgten vor allem per E-Mail. Die „D_“ stellte sich
als Private Vermögensverwaltungsgesellschaft vor, welche sich in offshore Investments
spezialisiert habe. Als Portfolio Manager trat ein F_ auf. Dieser bot A_ den Kauf von
Aktien der CRX Worldwide LTD an. A_ willigte diesem Kauf zu und übertrug am 12. Juli
2013 US Dollar 6‘787.20 beziehungsweise CHF 6‘407.95 auf ein ihm angegebenes Konto
in Malta. Zur Bestätigung der Transaktion wurde eine von der „D_“ selber erstellte
Trade Confirmation zugesandt. Solche Vorgänge wiederholten sich im Verlauf der
nächsten 3 Jahren mehrfach, wobei A_ jedes Mal Geldbeträge zwischen CHF 5‘000
und CHF 20‘000 übertrug. Auch als A_ mitgeteilt wurde, dass die „D_“ von der
„G_“ und diese später von der „H_“ übernommen worden sei, führte er seine
Anlagengeschäfte mit diesen Gesellschaften weiter. Als A_ Rückvergütungen
verlangte, wurden diese verzögert beziehungsweise es trat neu eine „J_“ auf, welche
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A_ ihre angebliche Unterstützung dabei anbot. Im Dezember 2016 teilte die „H_“
A_ mit, dass seine Bestände leider abgeschrieben werden müssen. Bis zu diesem
Zeitpunkt hatte A_ Zahlungen in Höhe von über CHF 440‘000 geleistet.
b) A_ und die AA_ GmbH liessen am 15. Dezember 2016 bei der Staatsanwaltschaft
Appenzell Ausserrhoden Strafanzeige gegen Unbekannte Personen wegen Betrugs nach
Art. 146 StGB einreichen.1 Dabei machte er geltend, er sei durch das Auftreten der
„D_“, der „G_“, der „H_“ sowie der „J_“ arglistig dazu verleitet worden, hohe
Geldsummen ins Ausland zu transferieren. Es handle sich mit hoher Wahrscheinlichkeit
um einen sogenannten „boiler room scam“. Fiktive Firmen oder Unternehmen würden
dabei unter falschen Adressen blind Personen anrufen und sich als legitime
Vermögensverwaltungsgesellschaften ausgeben. Da die Akteure unter verschiedensten
Adressen, Abzeichen und Internetseiten aufgetreten seien, sei davon auszugehen, dass
ein gewerbsmässiger Betrug nach Art. 146 Abs. 2 StGB vorliege.
c) Das Verfahren U 17 67 wurde mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. März 2017
unter Anwendung von Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO nicht anhand genommen (Ziff. 1). Die
Kosten gingen zu Lasten des Staates (Ziff. 2).2
Der Begründung der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung kann entnommen
werden, dass eine Täuschungshandlung wohl zu bejahen sei, jedoch von Art. 146 StGB
nur die arglistige Täuschung erfasst werde. Die behaupteten falschen Angaben über die
Gewinne vermöchten das Kriterium der Arglist nicht zu erfüllen. Die Täterschaft habe die
mögliche Täuschung nicht mit gefälschten Bilanzen oder Erfolgsrechnungen untermauert.
Zudem wäre es für A_ einfach gewesen, die Angaben mittels Internet-
beziehungsweise Google-Recherchen oder durch ein anerkanntes und der
Bankenaufsicht unterstelltes Finanzinstitut überprüfen zu lassen. Es sei nicht ersichtlich,
dass A_ nur eine dieser oder ähnlicher Vorsichtsmassnahmen ergriffen habe. Sein
Verhalten müsse als grob fahrlässige Vernachlässigung des Selbstschutzes, mithin als
leichtsinnig bezeichnet werden. Mangels Arglist könne nicht von einem Betrug im Sinne
von Art. 146 StGB gesprochen werden. Somit sei kein strafrechtlich relevantes Handeln
erkennbar und es sei aufgrund der Anzeige von A_ kein Strafverfahren zu eröffnen.
1 Act. B 9/1.1 2 Act. B 2/1
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B. Prozessgeschichte
a) Gegen diese Nichtanhandnahmeverfügung liess A_ durch seinen Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 23. März 2017 Beschwerde beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden
einreichen und die eingangs erwähnten Anträge stellen.3
b) Mit Verfügung vom 27. März 2017 wurde A_ verpflichtet, innert 10 Tagen einen
Kostenvorschuss von CHF 800.00 zu leisten.4 Dieser ging am 4. April 2017 bei der
Gerichtskasse ein.5
c) Am 4. April 2017 wurde der Staatsanwaltschaft eine Kopie der Beschwerdeschrift
zugestellt und ihr Gelegenheit zur Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme
eingeräumt.6
d) Die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft datiert vom 13. April 2017.7
e) Am 25. April 2017 wurde dem Beschwerdeführer eine Kopie der Stellungnahme zugestellt
und ihm Gelegenheit gegeben, seine Entschädigungsforderung einzureichen.8 Diese ging
am 2. Mai 2017 beim Obergericht ein.9
f) Auf die Ausführungen in den vorstehend aufgeführten Eingaben kann verwiesen werden.
Soweit für die Beurteilung der Beschwerde erforderlich, ist darauf im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen einzugehen.
C. Beschluss des Obergerichts
3 Act. B 1 4 Act. B 4 5 Act. B 5 6 Act. B 6 7 Act. B 8 8 Act. B 10 9 Act. B 11 und act. B 12
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Das Obergericht führte seine Beratung am 12. Dezember 2017 durch und eröffnete
seinen Beschluss anschliessend im Dispositiv.

Erwägungen
1. Formelles
1.1 Nach Art. 26 JG10 ist das Obergericht Berufungs- und Beschwerdeinstanz in der
allgemeinen Strafrechtspflege. Zuständig ist vorliegend somit eine Abteilung des
Obergerichts.
1.2 Die Beschwerde ist zulässig gegen die Verfügungen und die Verfahrenshandlungen von
Staatsanwaltschaft (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Eine Nichtanhandnahmeverfügung der
Staatsanwaltschaft stellt eine solche Verfahrenshandlung dar (Art. 393 Abs. 1 lit. a i.V.m.
Art. 310 und Art. 322 Abs. 2 StPO)11. Ausschlussgründe gemäss Art. 394 StPO liegen
keine vor.
1.3 Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen
schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO).
Vorliegend hat der Beschwerdeführer die Nichtanhandnahmeverfügung der
Staatsanwaltschaft am 15. März 2017 erhalten.12 Mit der Erhebung der Beschwerde am
23. März 2017 wurde die Beschwerdefrist von Art. 396 Abs. 1 StPO gewahrt.13
Auch der Kostenvorschuss wurde rechtzeitig geleistet.14
10 Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) 11 ANDREAS J. KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 16 zu Art. 393 StPO; PATRICK GUIDON, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 10 zu Art. 393 StPO
12 Act. B 1/2 13 Act. B 1 14 Act. B 4 und act. B 5
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1.4 Legitimiert zur Anfechtung einer Nichtanhandnahmeverfügung ist jede Partei, die ein
rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des Entscheids hat
(Art. 382 Abs. 1 i.V.m. Art. 310 Abs. 2 und Art. 322 Abs. 2 StPO). Parteien sind die
beschuldigte Person, die Privatklägerschaft und im Haupt- und im Rechtsmittelverfahren
die Staatsanwaltschaft (Art. 104 Abs. 1 StPO).
Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am
Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO).
Voraussetzung für die Konstituierung als Privatklägerschaft ist somit die
Geschädigtenstellung. Geschädigte, die sich nicht als Privatkläger im Strafpunkt
konstituiert haben, können die Nichtanhandnahmeverfügung nicht anfechten. Die
Konstituierung hat bis zum Abschluss des Vorverfahrens zu erfolgen (Art. 118 Abs. 3
i.V.m. Art. 318 StPO), wobei jedoch diese Einschränkung nicht gilt, wenn die geschädigte
Person noch keine Gelegenheit hatte, sich zur Frage der Konstituierung zu äussern, d.h.
wenn beispielsweise bereits zu Beginn des Vorverfahrens eine Einstellung ergeht.15
Als Geschädigter gilt die Person, die durch die Straftat in ihren Rechten unmittelbar
verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Unmittelbar verletzt und damit in eigenen
Rechten betroffen ist, wer Träger des durch die verletzte Strafnorm geschützten oder
zumindest mitgeschützten Rechtsgutes ist.16
Der Beschwerdeführer reichte als Geschädigter Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein.
Zudem beabsichtigt er, als Privatkläger einer allfälligen Strafuntersuchung beizutreten,
weshalb ihm bereits deshalb die Beschwerdelegitimation zukommt.17
1.5 Mit der Beschwerde können gerügt werden: a. Rechtsverletzungen, einschliesslich
Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und
Rechtsverzögerung; b. die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts;
c. Unangemessenheit (Art. 393 Abs. 2 StPO).
1.6 Neue Tatsachenbehauptungen und Beweise sind zulässig, wenn die beschwerdeführende
Partei sie nicht schon bei der Vorinstanz hätte vorbringen können.18 Die
15 LANDSHUT/BOSSHARD, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 9 zu Art. 322 StPO; GRÄDEL/HEINIGER, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 6 zu Art. 322 StPO; Urteil des Bundesgerichts 6B_1337/2016 vom 2. Juni 2017 E. 2.1 mit Hinweisen
16 Urteil des Bundesgerichts 6B_1337/2016 vom 2. Juni 2017 E. 2.1.3 mit Hinweisen 17 Urteil des Bundesgerichts 1B_298/2012 vom 27. August 2012 E. 2.1 und E. 2.2 mit Hinweisen
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Beschwerdeinstanz verfügt über volle Kognition, es können sämtliche Mängel der
angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung gerügt werden.19 Die Beschwerde wird in
einem schriftlichen Verfahren behandelt. Heisst das Obergericht die Beschwerde gut, so
fällt es einen neuen Entscheid oder hebt den angefochtenen Entscheid auf und weist ihn
zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Bei Gutheissung einer Beschwerde
gegen eine Einstellungsverfügung kann das Obergericht der Staatsanwaltschaft für den
weiteren Gang des Verfahrens Weisungen erteilen (Art. 397 Abs. 1 - 3 StPO). Aufgrund
der Natur der Sache ist immer nur kassatorisch zu entscheiden, wenn die Beschwerde
gegen einen Entscheid auf Nichtanhandnahme, Einstellung oder Sistierung des
Verfahrens gutgeheissen wird.20 Gegen Entscheide der kantonalen Beschwerdeinstanzen
ist die Strafrechtsbeschwerde ans Bundesgericht zulässig.21
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1 Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, die Staatsanwaltschaft handle
krass widersprüchlich. Zwar anerkenne sie, dass die Betrugshandlungen der Täter auf
verschiedene Weise und auf mehrere Jahre verteilt erfolgt seien. Auf der anderen Seite
solle eindeutig feststehen, dass in keinem der dutzenden von Zahlungen ein Betrug
vorliege. Weiter begründe die Staatsanwaltschaft die Einstellung einzig und allein damit,
das Tatbestandselement der Arglist sei nicht erfüllt, da er eine Opfermitverantwortung
trage. Gleichzeitig anerkenne sie selbst, dass Arglist typischerweise zu bejahen sei,
wenn gefälschte Urkunden vorlägen. Dass dies dutzendfach in Form gefälschter
Aktienzertifikate, gefälschter Kontoauszüge etc. vorliegend der Fall sei, erwähne die
Staatsanwaltschaft wiederum nicht. Beim vorliegenden Lügengebäude mit gefälschten
Urkunden sei die Arglist in besonderer Ausprägung erfüllt. Zudem hätten sich die Täter
besondere Mühe gegeben, ihre Spuren zu verwischen und allfällige Recherchen zu
vereiteln.22
18 PATRICK GUIDON, a.a.O., N. 16 zu Art. 393 StPO; ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 15 zu Art. 396 StPO 19 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 13 zu Art. 310 StPO 20 ANDREAS J. KELLER, a.a.O., N. 7 zu Art. 397 StPO. 21 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 13 zu Art. 322 StPO; GRÄDEL/HEINIGER, a.a.O., N. 7 zu Art. 322 StPO 22 Act. B 1/4ff.
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2.2 Die Staatsanwaltschaft entgegnet, der Beschwerdeführer verkenne, dass von
Urkundenfälschungen nur dann gesprochen werden könne, wenn es um Schriften gehe,
die zum Beweis bestimmt und geeignet seien. Bei den mit der Strafanzeige
eingereichten Unterlagen zu den verschiedenen Unternehmensgruppen sowie den
verschiedenen „trade confirmations“ handle es sich um von der Täterschaft selbst
verfasste Erklärungen. Diese seien nicht geeignet, die erlogene Tatsache zu beweisen
und erreichten nicht den Grad einer qualifizierten schriftlichen Lüge, weshalb auch nicht
von einer Falschbeurkundung gesprochen werden könne. Aus den Unterlagen könne
jedenfalls keine Arglist abgeleitet werden.23
2.3 Aus der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung vom 14. März 2017 geht hervor,
dass das auf Strafanzeige hin eröffnete Verfahren gestützt auf Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO
nicht anhand genommen wurde.24
Nach Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die Nichtanhandnahme,
sobald aufgrund der Strafanzeige oder des Polizeirapports feststeht, dass die fraglichen
Straftatbestände oder die Prozessvoraussetzungen eindeutig nicht erfüllt sind.
Eine Nichtanhandnahmeverfügung kommt nur infrage, wenn keine
Untersuchungshandlungen vorgenommen werden.25 Art. 310 Abs. 1 lit. a StPO verlangt,
dass der Verzicht auf die Verfahrensöffnung nur dann erfolgt, wenn die fraglichen
Straftatbestände eindeutig nicht erfüllt sind, also in sachverhaltsmässig und rechtlich
klaren Fällen.26 Die Situation muss sich für den Staatsanwalt demnach so präsentieren,
dass gar nie ein Verdacht hätte angenommen werden dürfen oder der Anfangsverdacht
vollständig entkräftet worden ist.27 Hingegen darf bei blossen Zweifeln, ob ein
Straftatbestand vorliegt oder ob der Nachweis strafbaren Verhaltens gelingen wird, keine
Nichtanhandnahme erfolgen.28 Wenn eine eingehende rechtliche Würdigung notwendig
ist (etwa bei einer Sorgfaltspflichtverletzung), besteht kein Raum für eine
Nichtanhandnahmeverfügung.29
23 Act. B 8 24 Act. B 3 25 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 1 zu Art. 310 StPO; ESTHER OMLIN, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl.
2014, N. 8 zu Art. 310 StPO 26 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 4 zu Art. 310 StPO; 137 IV 285 E. 2.3 27 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 4 zu Art. 310 StPO 28 LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N. 5 zu Art. 310 StPO; BGE 137 IV 285 E. 2.3 29 BGE 137 IV 285 E. 2.5
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2.4 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, es liege ein genügender
Tatverdacht für die Eröffnung einer Untersuchung wegen Betrugs vor.
Nach Art. 146 Abs. 1 StGB wird, wer in der Absicht, sich oder einen andern
unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von
Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den Irrenden
zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder einen andern am
Vermögen schädigt, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft.
Handelt der Täter gewerbsmässig, so wird er mit Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder
Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen bestraft (Art. 146 Abs. 2 StGB).
Die Erfüllung des Tatbestands erfordert eine arglistige Täuschung. Betrügerisches
Verhalten ist strafrechtlich nur relevant, wenn der Täter mit einer gewissen Raffinesse
oder Durchtriebenheit täuscht. Dieses Erfordernis ist erfüllt, wenn der Täter ein ganzes
Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient.
Einfache falsche Angaben gelten als arglistig, wenn deren Überprüfung nicht oder nur mit
besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist und wenn der Täter den Getäuschten
von der möglichen Überprüfung abhält oder nach den Umständen voraussieht, dass
dieser die Überprüfung der Angaben auf Grund eines besonderen
Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Keine Arglist liegt vor, wenn das
Täuschungsopfer den Irrtum mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden
können. Dies beurteilt sich unter Berücksichtigung der jeweiligen Lage und
Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im Einzelfall, wobei einerseits auf besonders
schutzbedürftige Opfer Rücksicht zu nehmen und andererseits deren gegebenenfalls
vorhandene besondere Fachkenntnis und Geschäftserfahrung in Rechnung zu stellen ist.
Der Tatbestand erfordert indes nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche
Sorgfalt walten lässt und alle erdenklichen Vorkehren zu seinem Schutz trifft. Arglist
scheidet lediglich aus, wenn es die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht
beachtet. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit
des Täuschungsopfers, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische
Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lässt. Die zum Ausschluss der Strafbarkeit
des Täuschenden führende Opferverantwortung kann nur in Ausnahmefällen bejaht
werden.30
30 Urteil des Bundesgerichts 6B_929/2015 vom 7. April 2016 E. 2.2.2 mit Hinweis unter anderem auf
BGE 135 IV 76 E. 5.2 und auf Urteil des Bundesgerichts 6B_462/2014 vom 27August 2015 E. 8.1.1; vgl. auch ROBERT BRAUN, Anlagebetrug aus strafrechtlicher Sicht – Problemfelder und Lösungsansätze, forumpoenale 2/2010 S. 104ff
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Nach der Rechtsprechung ist die Vorspiegelung des Leistungswillens grundsätzlich
arglistig im Sinne von Art. 146 StGB, weil sie eine innere Tatsache betrifft, die vom
Vertragspartner ihrem Wesen nach nicht direkt überprüft werden kann. Arglist kann bei
einfachen falschen Angaben gegeben sein, wenn eine weitere Überprüfung nicht
handelsüblich ist, etwa weil sie sich im Alltag als unverhältnismässig erweist und die
konkreten Verhältnisse eine nähere Abklärung nicht nahelegen oder gar aufdrängen und
dem Opfer diesbezüglich der Vorwurf der Leichtfertigkeit nicht gemacht werden kann. Mit
einer engen Auslegung des Betrugstatbestands würden die sozialadäquate
Geschäftsausübung und damit der Regelfall des Geschäftsalltags betrugsrechtlich nicht
geschützt. Selbst ein erhebliches Mass an Naivität des Geschädigten hat nicht in jedem
Fall zur Folge, dass der Täter straflos ausgeht.31
2.5 Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft liegt kein sachverhaltsmässig und
rechtlich klarer Fall von Straflosigkeit vor. Aufgrund der Sachverhaltsschilderung in der
Strafanzeige des Beschwerdeführers bestehen Zweifel, ob die (unbekannte) Täterschaft
nicht von Beginn weg beabsichtigt hatte, die vom Beschwerdeführer überwiesenen Gelder
nicht in Aktien anzulegen. Insofern wurde zum einen über eine innere Tatsache
getäuscht. Zum anderen errichteten die Täter ein ausgeklügeltes Lügengebäude und
bedienten sich besonderer Machenschaften. Für den Geschäftsverkehr mit potentiellen
Anlegern gaben sie sich mit erheblichem Täuschungsaufwand als respektable private
Vermögensverwaltungsgesellschaft aus mit eigener Homepage, Telefonnummern, E-
Mailkonten und Büros an diversen Standorten, wobei sie ihren Aussenauftritt immer
wieder ändern mussten. Des Weiteren fabrizierten sie für ihre Klientschaft diverse
Dokumente (trade confirmations, business cards). Besonders raffiniert agierten sie
sodann mit dem von ihnen gewählten zweistufigen Vorgehen, indem sie, als der
Beschwerdeführer auf Rückzahlungen drängte, quasi als Retter oder Helfer eine neue
Gesellschaft anboten zur angeblichen Unterstützung.
Nicht gefolgt werden kann der Staatsanwaltschaft auch insofern, als sie dem
Beschwerdeführer ein leichtsinniges Verhalten vorwirft. Unter dem Gesichtspunkt der
Opfermitverantwortung wird nicht verlangt, dass der Getäuschte die grösstmögliche
Sorgfalt walten lässt und alle erdenklichen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus,
wenn er die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Insoweit stossen die
diesbezüglichen Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, wonach sich der Beschwerdeführer
mittels Internet- beziehungsweise Google-Recherchen hätte informieren müssen, ins
31 Urteil des Bundesgerichts 6B_1407/2016 vom 21. September 2017 E. 3.3 mit Hinweis; vgl. auch HEIDI
SÄGESSER, Opfermitverantwortung beim Betrug, 2014, S. 237ff.; BGE 135 IV 76 E. 5.3
Seite 11
Leere. Dannzumal beziehungsweise im Zeitpunkt, als der Beschwerdeführer seine
Anlagen tätigte, existierten die von der Staatsanwaltschaft erwähnten Warnungen vor den
Betrügern im Internet noch nicht. Ein klarerweise leichtfertiges Verhalten des
Beschwerdeführers liegt mit Blick auf die gesamten Umstände somit nicht vor.
Zusammenfassend erweist sich die Kritik des Beschwerdeführers an der
Nichtanhandnahmeverfügung somit als begründet und die angefochtene Verfügung ist
aufzuheben und die Sache zur weiteren Beurteilung an die Staatsanwaltschaft
zurückzuweisen.
3. Kosten und Entschädigungen
3.1 Art. 428 StPO regelt die Kostentragungspflicht im Rechtsmittelverfahren. Gemäss Abs. 1
tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens. Abweichend davon sieht Absatz 4 bei Aufhebung eines
Entscheids durch die Rechtsmittelinstanz und Rückweisung zu neuer Entscheidung an die
Vorinstanz vor, dass der Kanton die Kosten des Rechtsmittelverfahrens und, nach
Ermessen der Rechtsmittelinstanz, jene der Vorinstanz trägt.
Über die Verlegung der vorinstanzlichen Kosten ist vorliegend nicht zu befinden, da
gemäss Ziff. 2 der Nichtanhandnahmeverfügung der Staat die Kosten trägt. Vorliegend
wurde die Beschwerde gutgeheissen und die Sache zur weiteren Beurteilung an die
Vorinstanz zurückgewiesen. In Nachachtung von Art. 428 Abs. 4 StPO sind demzufolge
die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gebühr von CHF 500.0032,
vom Staat zu tragen. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von
CHF 800.00 ist ihm zurückzuerstatten.
3.2 Art. 436 StPO regelt die Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren. Nach
Abs. 3 haben, hebt die Rechtsmittelinstanz einen Entscheid nach Art. 409 auf, die
Parteien Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für ihre Aufwendungen im
Rechtsmittelverfahren und im aufgehobenen Teil des erstinstanzlichen Verfahrens.
32 Vgl. Art. 29 Abs. 1 lit. a der Verordnung vom 15. Juni 1981 über die Rechtskosten und
Entschädigungen in der Zivil- und Strafrechtspflege (Gebührenordnung, bGS 233.3)
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Die Bestimmung verweist auf eine Aufhebung im Berufungsverfahren nach Art. 409 StPO;
sie ist aber auch im Beschwerdeverfahren anwendbar, wenn nach Art. 397 Abs. 2 StPO
eine Rückweisung erfolgt. Die Entschädigung wird hier von der Rechtsmittelinstanz
zugesprochen, ebenfalls bezüglich des aufgehobenen Teils des erstinstanzlichen
Verfahrens. Bei einer Rückweisung nach einem Beschwerdeverfahren kann davon
ausgegangen werden, dass das erstinstanzliche Verfahren an solchen Mängeln leidet,
dass das Urteil aufgehoben und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurück gesandt
werden muss. Die Vorinstanz hat also fehlerhaft gehandelt, wofür nur der Staat die
Verantwortung trägt und entsprechend entschädigungspflichtig wird. Anspruch auf eine
Entschädigung haben alle Parteien, selbst die unterliegende.33 Es bleibt schliesslich
darauf hinzuweisen, dass die Staatsanwaltschaft bzw. der von ihr vertretene Kanton
generell, d.h. auch bei Obsiegen, keinen Anspruch auf Entschädigung hat.34
Rechtsanwalt B_ hat für das Beschwerdeverfahren eine Kostennote über CHF 1‘349.25
eingereicht.35 Der geltend gemachte Stundenaufwand erscheint als angemessen, weshalb
dem Beschwerdeführer für die Kosten seiner Vertretung im Beschwerdeverfahren eine
Entschädigung von CHF 1‘349.25 (inkl. Barauslagen und MWSt) aus der Staatskasse
zugesprochen wird.36
33 WEHRENBERG/FRANK, Basler Kommentar, StPO, 2. Aufl. 2014, N. 14ff zu Art. 436 StPO; YVONA
GRIESSER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 4 zu Art. 436 StPO; NIKLAUS SCHMID, Praxiskommentar schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2013, N. 4ff zu Art. 436 StPO
34 NIKLAUS SCHMID, a.a.O., N. 2 zu Art. 423 StPO; PATRICK GUIDON, Die Beschwerde gemäss Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, Rz. 581
35 Act. B 12: 6 h à CHF 200.00, Barauslagen CHF 49.30 und Mehrwertsteuer CHF 99.95 36 Vgl. Art. 83 StPO: versehentlich wurde in Ziff. 3 des Dispositivs dem Beschwerdeführer eine
Entschädigung von CHF 1‘349.25.40 zugesprochen; hierbei handelt es sich um einen offensichtlichen Schreibfehler, welcher hiermit zu berichtigen ist
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Das Obergericht beschliesst :
1. In Gutheissung der Beschwerde wird die Nichtanhandnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. März 2017 i. S. Unbekannte Täterschaft betreffend Betrug (Verfahren Nr. U 17 67/TBU) in Ziffer 1 aufgehoben und die Sache zur weiteren Beurteilung an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen.
2. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestehend aus einer Gebühr von CHF 500.00,
werden auf die Staatskasse genommen. Die vom Beschwerdeführer geleistete Sicherheit von CHF 800.00 wird ihm durch die Gerichtskasse zurückerstattet.
3. Dem Beschwerdeführer A_ wird für die Kosten seiner Vertretung im
Beschwerdeverfahren eine Entschädigung von CHF 1‘349.25 (inkl. Barauslagen und MWSt) aus der Staatskasse zugesprochen.