Decision ID: 297117c8-07e6-406f-b13a-32f3f52ae792
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
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St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
S._ (Jg. 1957) meldete sich am 9. Mai 2002 zum Bezug von IV-Leistungen an. Sie
gab an, sie sei gelernte Krankenschwester. Dr. med. A._ berichtete der IV-Stelle am
25. Mai 2002, die Versicherte habe sich bei einem Sturz am 22. Juni 1998 den Kopf
angeschlagen. Er gab folgende Diagnosen an: chronisches zervikozephales
Schmerzsyndrom mit St. n. HWS-Distorsion 22. 6. 98, Wirbelsäulenfehlform und -
fehlhaltung, muskuläre Dysbalance, möglicherweise posttraumatische Osteochondrose
HWK 5/6, Zeichen einer Hypermobilität HWK 4/5 ohne Instabilität, subligamentäre
Diskusprotrusion C5/6 ohne Nervenwurzelkompression, intermittierendes LVS bei
Wirbelsäulenfehlhaltung, muskuläre Dysbalance, Adipositas. Als Onkologieschwester
sei die Versicherte seit dem 11. September 1999 immer wieder zu 50% bzw. zu 100%
arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 19. Januar 2002 liege eine Arbeitsunfähigkeit von
50% vor. Der Gesundheitszustand sei stationär. Vom 17. April bis 8. Mai 2002 hatte
sich die Versicherte zur Rehabilitation in Valens aufgehalten. Eine neuropsychologische
Abklärung hatte ein leicht beeinträchtigtes Leistungsprofil mit Hauptschwierigkeiten in
der verbalen und figurativen Umstellfähigkeit, in der Resistenz gegen Störreize, im
Unterscheiden von Wesentlichem und Unwesentlichem, im sprachlichen Lernen, im
Gedächtnis und in den visuokonstruktiven Funktionen ergeben. Unter Müdigkeit hatten
sich die Gedächtnisprobleme subjektiv verstärkt. Es war allerdings darauf hingewiesen
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worden, dass Faktoren wie Krankheits- und Schmerzverarbeitung einen Einfluss auf
das kognitive Leistungsprofil haben könnten. Das Spital K._ teilte der IV-Stelle am
28. Mai 2002 mit, es beschäftige die Versicherte seit 1979 als Krankenschwester. Seit
2002 betrage der Lohn Fr. 6550.10 (x13). In einem Verlaufsbericht vom 26. März 2003
führte Dr. med. A._ aus, trotz Serien von Physiotherapien und ausgedehnten
rheumatologischen und neurologischen Abklärungen sei es nicht möglich gewesen, der
Schmerzsymptomatik im Nacken, die für die Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend sei,
beizukommen. Auch während der Hospitalisation in der Schmerzklinik Kirschgarten in
Basel seien die Beschwerden nur minimal rückläufig gewesen. Die
psychotherapeutische Führung zur Verbesserung der Schmerzverarbeitung sei
eingeleitet worden. Die Arbeitsfähigkeit betrage knapp 50%. Falls die psychische
Problematik nicht beeinflusst werde, sei eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit zu
erwarten. Am 8. August 2003 berichtete Dr. med. A._, die Arbeitsfähigkeit sei
zunächst auf 30% gesunken. Dann habe sich bei einem Versuch der Arbeitssteigerung
eine Verschlechterung der Kopfschmerzen und der Konzentrationsstörungen
eingestellt. Seit dem 29. Juli 2003 liege eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vor.
B.
Die B._ Versicherung teilte der IV-Stelle am 13. Januar 2004 mit, sie habe weitere
medizinische Abklärungen durch die MEDAS Bern in Auftrag gegeben. Die IV-Stelle
übermittelte der B._ Versicherung am 6. Februar 2004 jene Fragen an die
Sachverständigen, die IV-rechtlich relevant waren. Die MEDAS berichtete in ihrem
Gutachten vom 3. August 2005, folgende Diagnosen seien erhoben worden: morbide
Adipositas (BMI 48), chronisches zervikozephales und rechtsseitiges zervikobrachiales
Schmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Ausstrahlung in den rechten Schultergürtel
(beginnende Diskopathie der zervikalen Bewegungssegmente C4/5 und C5/6, Zustand
nach erfolgreicher Fazetteninfiltration C3/4 rechts 11/02, Schmerzverstärkung im
Liegen durch unphysiologische Achsenverhältnisse Kopf-Hals-Schultergürtel infolge
morbider Adipositas), ausgedehntes Weichteilschmerzsyndrom, Zustand nach
Commotio cerebri am 22. Juni 1998 und Insomnie mit periodic leg movement-Syndrom
und restless legs-Syndrom. Die Gutachter führten dazu aus, beim Unfall am 22. Juni
1998 habe die Versicherte höchstwahrscheinlich eine Commotio cerebri erlitten. Die
Computertomographie drei Tage nach dem Unfall sei normal gewesen. Eine Commotio
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cerebri heile in aller Regel folgenlos ab. Bei der Versicherten habe anfangs Vieles in
diese Richtung gewiesen. Insbesondere habe die Versicherte schon nach zwei Wochen
wieder zu 50% und nach sechs Wochen wieder zu 100% als Onkologieschwester
gearbeitet. Bis 10. Februar 1999 sei sie voll arbeitsfähig geblieben. Dann habe sie über
vom Nacken ausgehende Kopfschmerzen, begleitet von Schwindel bis zur Übelkeit, zu
klagen begonnen. schliesslich habe sie aber wieder die volle Arbeitsfähigkeit erlangt.
Im Jahr 2000 habe sich die Versicherte als Diabetesschwester qualifiziert und Kurse zur
komplementärmedizinischen Therapie besucht. Ab Januar 2002 habe sie das
Arbeitspensum reduziert. Die neuropsychologischen Testungen vom Mai und Juli 2002
hätten nur in einzelnen Gebieten leichte Teilleistungsschwächen aufgezeigt. Im
Austrittsbericht der Klinik Kirschgarten vom 11. Februar 2003 sei ein mögliches
Weichteilschmerzsyndrom angedeutet worden. Umfangreiche Untersuchungen hätten
keinen Hinweis für ein internistisches oder für ein rheumatologisches Grundleiden
ergeben. Eine ambulante psychiatrische Behandlung sei nach fünf Monaten
ergebnislos abgebrochen worden. Der behandelnde Psychiater habe keine psychische
Störung von Krankheitswert diagnostiziert. Die präsentierte leichtgradige depressive
Symptomatik sei auf die chronischen Schmerzen zurückzuführen. Die Aufgabe der
Erwerbstätigkeit im Juli 2003 habe die Schmerzen bis heute nur wenig beeinflusst. Der
Kopfschmerz trete gegen Mittag auf, verstärke sich bis zum Abend und erreiche sein
Maximum nach dem Hinlegen. Die Versicherte fahre aber immer noch Auto und sie
betätige sich am PC. Der rechtsbetonte Nackenschmerz werde vorwiegend in
Kombination mit dem Kopfschmerz verspürt. Nach Überkopfarbeiten komme es zu
einem Einschlafen der Finger IV und V rechts und nachfolgend zu einem mehrtägigen
Schmerz und zu einer Kraftlosigkeit der Arme. Die Versicherte habe eine Reintegration
in den Arbeitsprozess vor allem aus Furcht vor der angeblich ungenügenden
Hirnleistung unterlassen. Mit Ausnahme der Adipositas habe die internistische
Begutachtung keine pathologischen Besonderheiten ergeben. Auch der neurologische
und der rheumatologische Zusatzgutachter hätten keine Befunde erhoben, welche die
vorhandenen Beschwerden erklären würden. Aufgrund des Verhaltens der Versicherten
sei auf eine erneute neuropsychologische Testung verzichtet worden. Der
Rheumatologe habe keine Instabilität zervikaler Bewegungssegmente gefunden. Er
habe aber ein ausgedehntes Weichteilsyndrom festgestellt, welches das derzeitige
Beschwerdebild hauptsächlich präge. Auf Wunsch der Versicherten und weil während
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der mehrstündigen Konsultation keine psychische Auffälligkeit erkennbar gewesen sei,
habe man auf eine psychiatrische Begutachtung verzichtet. Die Zunahme der Kopf-
und Nackenschmerzen im Liegen lasse sich ausschliesslich durch den extrem
unphysiologischen Winkel zwischen Kopf, Hals und Schultergürtel erklären. Nicht mehr
zumutbar seien sämtliche Arbeiten über Kopf, Arbeiten am Bildschirm während mehr
als 30 Min. und sämtliche rückenbelastenden Arbeiten. Ebenfalls nicht mehr möglich
seien Notfallinterventionen mit dem Erfordernis einer raschen Reaktions- und
Umstellfähigkeit. Als Krankenschwester auf einer Allgemeinstation sei die Versicherte
zu 50% arbeitsunfähig. In einer angepassten Tätigkeit als Krankenschwester (z.B. als
Fachschwester Onkologie) sei während einer Wiedereinstiegsphase von sechs
Monaten von einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% auszugehen. Binnen zwölf
Monaten sollte die Arbeitsfähigkeit dann auf 100% gesteigert werden können.
C.
Der zuständige Arzt des RAD hielt dazu am 3. Oktober 2005 fest, verwertbar sei nur die
Angabe einer derzeitigen Arbeitsfähigkeit von 50%. Angaben zu einer
Steigerungsmöglichkeit seien in der Regel nicht umsetzbar. Die Symptomatik sei hoch
verdächtig auf eine psychische Erkrankung aus der Gruppe der funktionellen
Störungen. Die Versicherte teilte am 3. Oktober 2005 mit, sie sei in Behandlung beim
Psychiater Dr. med. C._ und bei der Psychologin Frau D._. Dr. med. C._
berichtete der IV-Stelle am 2. Dezember 2005, die Versicherte leide seit 2002 an einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode,
an einem posttraumatischen zervikozephalen Syndrom und an einer schweren
posttraumatischen Insomnie mit restless legs-Syndrom. Die Arbeitsunfähigkeit habe
von Juli 2003 bis Juni 2005 100% betragen. Seither belaufe sie sich auf 70%. Die
Versicherte habe im November 2004 in einem Altersheim zu arbeiten begonnen. Seit
Juli 2005 sei sie zu 30% fest angestellt. Sie sei für das Verwalten der Apotheke, für das
Richten der Medikamente und für die Kardexführung verantwortlich. Eingeschränkt sei
sie vor allem durch starke Kopfschmerzen. Sie habe grosse Mühe, sich zu
konzentrieren, und sie habe Probleme mit dem Gedächtnis. Häufig passierten ihr
Fehler, was sie dann noch zusätzlich unruhig und nervös mache. Dadurch würden die
Schmerzen verstärkt. Dr. med. C._ gab weiter an, die Versicherte leide vor allem
unter einer stark verminderten Belastbarkeit. Durch die kognitiven Defekte und durch
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die Schmerzen sei sie bei der Tätigkeit als Krankenschwester stark eingeschränkt. Die
jetzige Arbeitsstelle sei sehr flexibel, so dass die Versicherte entsprechend ihrer
momentanen Belastbarkeit eingesetzt werden könne. Da es wohl keine ähnlich flexible
Stelle gebe, machten Eingliederungsmassnahmen keinen Sinn.
D.
Der zuständige Arzt des RAD empfahl am 1. Mai 2006 eine Verlaufsbegutachtung
durch die MEDAS Bern. Die Versicherte liess am 21. August 2006 mehrere Berichte der
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen einreichen. Gemäss diesen Berichten war
sie am 2. April 2006 erneut gestürzt und im April 2006 hatte sie einen Auffahrunfall
erlitten. Dadurch hatten sich die Kopf- und Nackenschmerzen verschlimmert. Ein CT
des Schädels und HWS-Aufnahmen hatten aber mit Ausnahme mässiggradiger
degenerativer Veränderungen der HWS normale Verhältnisse aufgezeigt. Die
Versicherte hatte vermehrte Konzentrationsstörungen und zeitweise massive
Gedächtnisstörungen angegeben. Die IV-Stelle beauftragte das Ärztliche
Begutachtungsinstitut ABI mit einer polydisziplinären Begutachtung der Versicherten.
Das Kantonsspital St. Gallen berichtete der IV-Stelle am 8. Januar 2007, die
Versicherte leide an langdauernden Schmerzen (Zervikozephalien rechtsbetont und
frontale Kopfschmerzen bds., depressive Entwicklung, kognitive Beeinträchtigung).
Zudem bestehe ein unklares Zustandsbild mit Konzentrationsstörungen,
Gedächtnisstörung und Apraxie. Die Versicherte habe vom 13. August bis 2. November
2006 an einem interdisziplinären Schmerzmanagementprogramm teilgenommen. Zwar
habe sie davon profitieren und wieder etwas mehr Freiheiten erlangen können. Aber in
bezug auf die Arbeitsfähigkeit habe sich nicht viel getan. Als Folge der Kopfschmerzen,
der Konzentrationsstörung und der Gedächtnisstörungen könne die Versicherte keine
länger dauernde, kognitiv hochstehende Arbeit leisten. Eine neuropsychologische
Abklärung wäre sinnvoll.
E.
E.a Das ABI berichtete in seinem Gutachten vom 16. Mai 2007, die Versicherte habe
angegeben, sie habe praktisch immer Kopfschmerzen unterschiedlicher Intensität. Sie
habe auch Probleme mit dem Gedächtnis und mit der Konzentration. Zudem leide sie
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unter Nacken-/Schulterschmerzen rechts mit Ausstrahlung in den rechten Arm und bis
in den Ring- und Kleinfinger. Sie könne den Arm nicht mehr richtig heben. Seit einem
Jahr habe sie auch sonst Rückenschmerzen, schmerzhafte Hände morgens und
Beinschmerzen. Dazu kämen Schwindelprobleme. Sie fühle sich beim Gehen unsicher.
Bei Anstrengung würden die Konzentrationsprobleme schlimmer. Sie hoffe, dass es ihr
nach den Abklärungen besser gehen werde und dass sie vielleicht wieder als
Krankenschwester werde arbeiten können. Der psychiatrische Sachverständige des
ABI berichtete, die Versicherte sei überzeugt, aufgrund ihrer somatischen Beschwerden
höchstens noch zu 20-30% arbeiten zu können. Diese Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung
lasse sich durch die somatischen Untersuchungsbefunde nicht vollständig
objektivieren, so dass eine psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Die
Versicherte habe Mühe, mit den chronischen Beschwerden umzugehen. Sie sei
leistungsorientiert gewesen und habe einen grossen Teil ihres Selbstwertgefühls aus
ihrer Arbeitsleistung bezogen. Die chronischen Beschwerden, der Verlust der
angestammten Arbeit und die zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hätten zu
leichten depressiven Verstimmungen geführt. Die Versicherte sei innerlich unruhig,
gereizt und leide nachts unter Gedankenkreisen vor allem betreffend die wirtschaftliche
Situation. Sie könne sich nicht mehr richtig freuen, die Zukunft mache ihr Angst. Sie
habe nach wie vor eine gute Beziehung zu den Eltern, zum Bruder und zu zahlreichen
Kolleginnen, mit denen sie sich regelmässig und mehrmals wöchentlich treffe. Sie sehe
regelmässig fern, lese Zeitungen und löse Kreuzworträtsel. Bei der psychiatrischen
Untersuchung sei die Versicherte leicht depressiv gewesen. Hinweise auf
Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen hätten sich nicht finden lassen. Da die
Versicherte früher nicht unter einer langanhaltenden psychosozialen oder emotionalen
Belastungssituation gelitten habe, sei die Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung ausgeschlossen. Es sei stattdessen von einer leichten depressiven
Episode und von einer Schmerzverarbeitungsstörung auszugehen. Der Schwindel und
die damit verbundenen unklaren Stürze seien somatisch nicht erklärbar. Sie seien im
Rahmen der Schmerzverarbeitungsstörung zu sehen. Mit den Stürzen, die nie
beobachtet worden seien, sei die Versicherte in der Lage, vor der Umgebung
auszudrücken, wie schlecht es ihr gehe. Es handle sich um eine
Verdeutlichungstendenz. Aufgrund der leichten depressiven Störung sei die
Arbeitsfähigkeit um 20% eingeschränkt. Die Schmerzverarbeitungsstörung beschränke
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die Arbeitsfähigkeit nicht. Es wäre der Versicherten zumutbar, die Willensanstrengung
aufzubringen, um ganztags mit einer Leistungsfähigkeit von 80% tätig zu sein. Es gebe
entgegen der Auffassung des behandelnden Psychiaters keine Hinweise darauf, dass
die Versicherte in den letzten Jahren mittelgradig oder schwer depressiv gewesen
wäre.
E.b Der neurologische Sachverständige führte aus, die Versicherte leide an
multifaktoriell bedingten chronischen Kopfschmerzen (phänomenologisch
Spannungstyp-Kopfweh, aktuell medikamenteninduzierte Kopfschmerzen), an einem
chronischen zervikalen und zervikobrachialen Schmerzsyndrom rechts (degenerative
HWS-Veränderungen, Torsionsskoliose der WS, St. n. Sturz mit u.a. HWS-
Distorsionstrauma 22.6.98), an rezidivierenden Stürzen unklarer Ursache, an Insomnie/
restless legs-Syndrom laut Angabe und an einem St. n. einem Sturz mit möglicher
Commotio cerebri 22.6.98. Als Hauptproblem habe die Versicherte die Kopfschmerzen
angegeben. Dabei handle es sich um eine Überlagerung mit psychischen Faktoren. Die
Versicherte habe ausserdem über konstant vorhandene, rechtsseitig lokalisierte
Nackenschmerzen mit intermittierender Ausstrahlung in den rechten Arm und mit
einem Taubheitsgefühl an den beiden kleinen Fingern geklagt. Klinisch sei die aktive
HWS-Beweglichkeit eingeschränkt gewesen. Bei der passiven HWS-Beweglichkeit sei
die Einschränkung geringer gewesen. Radiologisch hätten sich, nebst einer
Fehlhaltung, degenerative Veränderungen schwerpunktmässig auf der Höhe C5/6
gefunden. Anhaltspunkte für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik fehlten, so
dass von einem HWS-Distorsionstrauma auszugehen sei. Die aktuell geklagten
neuropsychologischen Defizite seien aus neurologischer Sicht als unspezifisch zu
beurteilen. Wahrscheinlich seien sie die Folge von Interferenzfaktoren wie Schmerzen
und/oder Problemen. Nur so könne der Verlauf mit Akzentuierung über die Zeit erklärt
werden. Auch für den Schwindel gebe es keine neurologische Erklärung. Anhaltspunkte
für eine zentrale oder peripher-vestibuläre Funktionsstörung fehlten. Der Schwindel
könne auch nicht mehr im Rahmen eines postcommotionellen Syndroms interpretiert
werden. Für die Stürze gebe es keine klare Ursache. Letztlich komme
differentialdiagnostisch sogar eine konversive Störung in Betracht. Körperlich schwere
Arbeiten mit Heben und Tragen von Lasten über 15 kg, Arbeiten in Zwangshaltung und
Arbeiten über Kopf seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. Daraus folge, dass die
Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Krankenschwester mit etwa 60%
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einzuschätzen sei. Eine genaue Quantifizierung sei nicht möglich, da die konkreten
Anforderungen relevant seien. In einer angepassten Tätigkeit bestehe keine
Arbeitsunfähigkeit.
E.c Gestützt auf einen multidisziplinären Konsensus gingen die Sachverständigen des
ABI für die angestammte Tätigkeit als Krankenschwester von einer Arbeitsfähigkeit von
50% aus. Die somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit von 40% war durch die
psychiatrisch ausgewiesene geringe Leistungseinbusse auf 50% zu erhöhen. Für
körperlich leichte bis nur gelegentlich mittelschwere adaptierte Tätigkeiten wurde von
einer Arbeitsunfähigkeit von 20% ausgegangen. Die Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit bestand nach der Auffassung der Sachverständigen seit
Januar 2002. Diese Einschätzung stimmte ihrer Ansicht nach mit dem Gutachten der
MEDAS Bern überein, denn dort sei man aus rein somatischer Sicht von einer
Arbeitsfähigkeit von 100% nach einer zwölfmonatigen Rehabilitationsphase
ausgegangen.
F.
Der Berufsberater der IV-Stelle hielt am 18. Juli 2007 fest, berufliche Abklärungen
würden die Diskrepanzen zwischen der Selbsteinschätzung der Versicherten und der
objektiv bestehenden Situation nur noch verstärken. Die Chronifizierung sei schon
längst eingetreten. Deshalb sei über das Rentengesuch zu entscheiden. Die IV-Stelle
wartete den Gerichtsentscheid in der UV-Sache der Versicherten ab. Dr. med. E._
vom RAD gab am 25. Juni 2008 an, für die angestammte Tätigkeit als
Krankenschwester sei ab Januar 2002 von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50%
auszugehen. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Der
Berufsberater der IV-Stelle sah am 27. Juni 2008 keine Möglichkeit, die Situation der
Versicherten durch eine Eingliederung zu verbessern. Die IV-Stelle verglich ein
Einkommen der Versicherten als (gesunde) Krankenschwester von Fr. 90'116.- mit dem
im Altersheim theoretisch erzielbaren Einkommen von Fr. 62'881.-. Es resultierte ein
Invaliditätsgrad von 30%. Mit einem Vorbescheid vom 17. Juli 2008 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass sie beabsichtige, das Rentenbegehren abzuweisen. Die
Versicherte liess am 25. August 2008 einwenden, die Arbeit einer Krankenschwester
sei immer mit schwereren Arbeiten verbunden. Das gelte auch für jede andere Tätigkeit
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im Pflegebereich. Deshalb stelle sich die Frage, ob im angestammten Bereich
überhaupt eine verwertbare Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Das zumutbare
Invalideneinkommen betrage nicht Fr. 62'881.-, weil das im Altersheim effektiv erzielte
Erwerbseinkommen nicht einfach auf 80% hochgerechnet werden könne. Diese
Arbeitsstelle lasse sich nämlich nicht wesentlich ausbauen. Aus diesem Grund müssten
die beantragten beruflichen Massnahmen nochmals geprüft werden. Ein Einsatz im
Gesundheitsbereich dürfte nicht mehr in Frage kommen. Möglich wäre ein Einsatz im
Sozialwesen. Dort könnte ein Lohn von Fr. 42'500.- erzielt werden. Mit einer Verfügung
vom 22. September 2008 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten ab.
G.
Die Versicherte liess am 17. Oktober 2008 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer Invalidenrente rückwirkend ab Januar 2003 beantragen. Eventualiter seien
vorgängig die beantragten beruflichen Massnahmen zu prüfen. Zur Begründung des
Hauptbegehrens liess die Versicherte ausführen, es hätte nicht auf das ABI-Gutachten
abgestellt werden dürfen. Darin sei das Gutachten von Dr. F._ vom 8. Juli 2002 nicht
einmal erwähnt, geschweige denn diskutiert worden. Ausserdem sei die Begutachtung
nicht umfassend gewesen. Es fehle nämlich eine neuropsychologische Abklärung,
obwohl die neuropsychologischen Defizite die Arbeit erheblich beeinträchtigten. Die
Versicherte werde nach zwei Stunden Arbeit fahrig und unkonzentriert. Sie beginne,
Fehler zu machen und die Namen der Medikamente zu verwechseln. Im Übrigen sei
das ABI-Gutachten nicht mehr aktuell. Der Gesundheitszustand habe sich seither
nämlich verschlechtert. Das ABI-Gutachten sei auch nicht schlüssig, denn die Arbeit
als Krankenschwester sei immer mit schwereren Arbeiten verbunden. Deshalb sei
zumindest ab Januar 2002 eine rentenbegründende Einschränkung anzunehmen. Das
zumutbare Invalideneinkommen könne nicht ausgehend von einem Jahreseinkommen
von Fr. 78'601.20 ermittelt werden, da es sich dabei um den fiktiven Lohn handle, den
die Versicherte bei einem Beschäftigungsgrad von 100% im Altersheim erzielen würde.
Die konkrete Stelle sei aber nicht wesentlich ausbaubar. Unzutreffend sei die Annahme,
dass die Erwerbsmöglichkeiten durch berufliche Massnahmen nicht verbessert werden
könnten. Es sei nämlich noch nicht geklärt, welche adaptierten Tätigkeiten in Frage
kämen und welche zusätzlichen beruflichen Voraussetzungen dafür erforderlich seien.
Ohne Berufsqualifikation könnte die Versicherte im Sozialbereich höchstens Fr.
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42'500.- verdienen. Damit würde ein Invaliditätsgrad von wenigstens 50% resultieren.
Gemäss einem Bericht von Dr. med. G._ vom 12. September 2008 hatte sich der
psychische Zustand der Versicherten als Folge der Enttäuschung über den IV-
Entscheid verschlechtert. Dr. med. G._ stimmte mit der Arbeitsfähigkeitsschätzung
des ABI überein (50% als Krankenschwester). Wahrscheinlich sei in einem anderen
Beruf eine höhere Arbeitsfähigkeit möglich, aber das Alter und der psychische Zustand
sprächen gegen eine Umschulung. Gemäss einer Bestätigung der Klinik Aadorf vom 6.
Oktober 2008 war die Versicherte durch Dr. med. C._ zu einer stationären Therapie
angemeldet worden.
H.
Die IV-Stelle beantragte am 20. November 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, Gegenstand des Beschwerdeverfahrens sei nur ein Rentenanspruch.
Auf das Eventualbegehren betreffend berufliche Massnahmen könne das Gericht
deshalb nicht eintreten. Es schade nicht, dass das ABI keine Kenntnis vom Gutachten
F._ gehabt habe. Dort sei nämlich in Übereinstimmung mit anderen neurologischen
Untersuchungen festgestellt worden, dass keine neurologischen Ausfälle vorlägen. Das
ABI-Gutachten sei nicht unvollständig, nur weil keine neuropsychologische Testung
vorgenommen worden sei. Eine solche Untersuchung sei nämlich wenig geeignet zur
Objektivierung geklagter Beschwerden, weil es praktisch unmöglich sei zu bestimmen,
ob Hirnleistungsschwächen auf fehlende Motivation, auf ein Unfallereignis oder auf
Erbanlagen zurückzuführen seien. Auch psychische Beeinträchtigungen oder eine
psychosoziale Problematik führten zwangsläufig zu schwachen neuropsychologischen
Testergebnissen. Seit der Begutachtung durch das ABI sei keine Verschlechterung des
Gesundheitszustands eingetreten. Es sei eine Regel, dass Personen mit untauglichen
Schmerzverarbeitungsmechanismen praktisch dauernd in medizinischer Behandlung
seien. Die leichte depressive Episode sei zum vornherein nicht invalidisierend.
Dasselbe gelte für die Schmerzverarbeitungsstörung, weil keine psychische Krankheit
von erheblicher Schwere, Dauer und Ausprägung vorliege. Aus psychiatrischer Sicht
sei deshalb von einer vollständig erhaltenen Arbeitsfähigkeit auszugehen.
Diesbezüglich könne vom ABI-Gutachten abgewichen werden. Der restliche Teil des
ABI-Gutachtens verliere deshalb seinen Beweiswert nicht. Da Krankenschwestern nicht
stets Lasten von 15 kg und mehr heben, Zwangshaltungen einnehmen oder
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Überkopfarbeiten ausführen müssten, sei die geltend gemachte vollständige
Arbeitsunfähigkeit nicht glaubhaft. In einer adaptierten Tätigkeit sei die Versicherte voll
arbeitsfähig. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 85'151.30 und einem zumutbaren
Invalideneinkommen von Fr. 60'084.- resultiere ein Invaliditätsgrad von 29%.
I.
Die Versicherte liess in der Replik vom 19. Januar 2009 einwenden, sie habe seit dem
Frühsommer 2008 immer mehr Mühe, den Alltag zu bewältigen. Die Ärzte der Klinik
Aadorf hätten eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Sie hätten erhebliche
neuropsychologische Defizite bestätigt. Eine neuropsychologische Abklärung sei
geplant. Die bestehende Störung könne nach der Ansicht der Ärzte der Klinik Aadorf
auch durch eine zumutbare Willensanstrengung nicht überwunden werden. Die Ärzte
der Klinik Aadorf hatten dem Rechtsvertreter der Versicherten am 13. Januar 2009
angegeben, das ambulante Setting habe nicht mehr ausgereicht, weshalb der
Versicherten ein stationärer Klinikaufenthalt empfohlen worden sei. Die Diagnose laute:
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion und anhaltende somatoforme
Schmerzstörung. Anamnestisch lägen Schwindel, Gleichgewichtsstörungen,
Vergesslichkeit, Paraesthesien im Arm und Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsstörungen vor. Am 14. Januar 2009 werde eine neuropsychologische
Abklärung erfolgen. Weil sich das depressive Zustandsbild auf kognitive Bereiche
auswirke, seien Defizite bei der Erwerbsfähigkeit zu erwarten. Trotz einer intensiven
stationären Therapie sei bisher keine Besserung des Zustandsbildes erreicht worden,
so dass davon auszugehen sei, dass die Diagnose und die störungsspezifischen
Symptome durch eine zumutbare Willensanstrengung nicht überwunden werden
könnten. Weitere Differenzierungen wären durch ein unabhängiges Gutachten zu
klären.
J.
Die IV-Stelle verzichtete am 23. Januar 2009 auf eine Duplik.
K.
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Die Versicherte liess am 12. Februar 2009 einen Bericht von Dr. phil. H._ und Dr.
med. I._ vom 21. Januar 2009 über eine neuropsychologische Abklärung einreichen.
Laut diesem Bericht lagen eine knapp genügende Konzentrations- und
Aufmerksamkeitsleistung, ein erschwertes kognitives Umstellen, Schwierigkeiten beim
Erlernen abstrakter Konzepte, ein fehlerhaftes verbales Gedächtnis und eine leichte
psychomotorische Verlangsamung mit Verstimmung vor. Diese leichten Dysfunktionen
liessen sich weder lokalisatorisch noch aetiologisch einem Muster zuordnen. Eine
Hirnverletzung konnte mit grosser Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die
auffällige Fehlerhäufigkeit, die einzig im verbalen Gedächtnis präsent sei, sei am
ehesten ein Interferenzeffekt durch verschiedene Hirnleistungstrainings. Die
dargestellten Befunde seien überwiegend schmerzverbunden und möglicherweise
durch Medikamente induziert. Als Pflegeassistentin sollte die Versicherte zu 50-60%
arbeitsfähig sein (verminderte Konzentration, Langsamkeit, eingeschränkte kognitive
Flexibilität). Die Versicherte liess darauf hinweisen, dass diese Befunde bei ihrem
effektiven Beruf einer Pflegefachfrau aufgrund der gegenüber einer Pflegeassistentin
höheren Anforderungen stärkere Auswirkungen hätten.

Erwägungen:
1.
In der Stellungnahme vom 25. August 2008 zum Vorbescheid hat die
Beschwerdeführerin neben dem Hauptbegehren, ihr eine Invalidenrente zuzusprechen,
das Eventualbegehren stellen lassen, es seien vorgängig nochmals die beantragten
beruflichen Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Das Wort "vorgängig" konnte sich
nur auf die Prüfung des Rentenbegehrens beziehen, d.h. der Bedarf nach
Eingliederungsmassnahmen sollte vor dem Rentenanspruch geprüft werden. Dem
widersprach aber die Ausgestaltung als Eventualbegehren, denn dieses konnte ja erst
zum Zug kommen, wenn das Hauptbegehren (Zusprache einer Invalidenrente)
abgelehnt worden war, d.h. es konnte sich nur um eine "nachgängige" Prüfung des
Bedarfs nach beruflichen Eingliederungsmassnahmen handeln. Dieser unauflösbare
Widerspruch hätte nur dadurch verhindert werden können, dass die
Beschwerdegegnerin das Begehren entgegen seinem Wortlaut nicht als
Eventualbegehren, sondern als Begehren, eine unterlassene Erfüllung des Grundsatzes
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der Eingliederung vor Rente (vgl. dazu Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A.,
Vorbemerkungen N. 47) nachzuholen, bevor über das Rentenbegehren entschieden
werde, verstanden hätte. Die Beschwerdegegnerin hat das Eventualbegehren aber
nicht so verstanden. Sie ist davon ausgegangen, dass die beruflichen
Eingliederungsmassnahmen nicht im Rahmen des Grundsatzes der Eingliederung vor
Rente zur Diskussion stünden, weil der Invaliditätsgrad auf jeden Fall unter 40% liege.
Deshalb hat sie einen reinen Anspruch auf berufliche Massnahmen angenommen, der
völlig unabhängig zu prüfen war. Sie hat die Behandlung eines entsprechenden
Gesuchs für den Fall zugesichert, dass sich die subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung der Beschwerdeführerin verändere und der objektiven
medizinischen Einschätzung (wohl im ABI-Gutachten) annähere. Diese Zusicherung
weist keinen Verfügungscharakter auf, womit eine gerichtliche Beurteilung eines
allfälligen reinen Anspruchs auf berufliche Eingliederungsmassnahmen im vorliegenden
Beschwerdeverfahren ausgeschlossen ist. Die Beschwerdeführerin hat ihr
"Eventualbegehren" auch in der Beschwerde wieder gestellt. Das kann nur so
interpretiert werden, dass sie erneut sinngemäss geltend gemacht hat, es liege ein –
vorläufiger – Invaliditätsgrad von 40% oder mehr vor, so dass nach dem Grundsatz der
Eingliederung vor Rente die Notwendigkeit einer beruflichen Eingliederung zu prüfen
sei, bevor über die Rentenberechtigung entschieden werden könne. Da die Erfüllung
der im Grundsatz der Eingliederung vor Rente zum Ausdruck gebrachten IV-
rentenspezifischen Schadenminderungspflicht die zwingende Voraussetzung jeder
Rentenzusprache ist, muss sie immer von Amtes wegen geprüft werden, bevor
endgültig über ein Rentenbegehren entschieden werden kann. Das Gericht müsste
diese Frage also auch dann vorweg beantworten, wenn die Beschwerdeführerin dies
nicht beantragt hätte. Das bedeutet, dass die Notwendigkeit einer beruflichen
Eingliederung zur Vermeidung oder Verminderung eines allfälligen Rentenanspruchs
der Beschwerdeführerin zwingend geprüft werden muss. Insofern gehört die berufliche
Eingliederung entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin zum notwendigen
Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
2.
Eine Pflicht zur beruflichen Eingliederung nach dem Grundsatz der Eingliederung vor
Rente besteht nur, wenn ohne eine solche Eingliederung ein Invaliditätsgrad von
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mindestens 40%, d.h. ein Rentenanspruch bestehen würde. Das bedeutet, dass
zunächst eine "vorläufige" Invaliditätsbemessung erfolgen muss. "Vorläufig" bedeutet,
dass das Invalideneinkommen anhand der aktuellen erwerblichen Situation und der
darin bestehenden Arbeitsfähigkeit ermittelt werden muss. Die Ermittlung des
"vorläufigen" Invalideneinkommens setzt die Ermittlung der "vorläufigen"
Invalidenkarriere voraus. Es muss also feststehen, auf welche Art und mit welchem
Arbeitsfähigkeitsgrad die Beschwerdeführerin ohne vorgängige berufliche
Eingliederung zumutbarerweise tätig sein könnte. Die "vorläufige" Invalidenkarriere ist
in vielen Fällen eine ganz andere als die "definitive" Invalidenkarriere, denn letztere
stützt sich auf die erwerblichen Umstände nach dem Abschluss der erforderlichen
beruflichen Eingliederungsmassnahmen. Die Validenkarriere hingegen ist bei der
"vorläufigen" Invaliditätsbemessung dieselbe wie bei der "definitiven"
Invaliditätsbemessung. Dabei handelt es sich nämlich um einen rein fiktiven
Sachverhalt: Wie und in welchem Ausmass könnte eine versicherte Person einer
Erwerbstätigkeit nachgehen, wenn sie in ihrer Gesundheit nicht beeinträchtigt wäre?
Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin ohne
Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin als Krankenschwester in der früheren Abteilung
und in der früheren Funktion im Spital K._ tätig wäre. Dabei handelt es sich
tatsächlich um die wahrscheinlichste Hypothese, denn die Beschwerdeführerin hat
zwar auch nach dem Ereignis im Jahr 1998 noch Weiterbildungen absolviert, aber mit
diesen hat sie eine Verbreiterung ihres beruflichen Wissens als Krankenschwester und
nicht eine höhere berufliche Qualifikation angestrebt. Sie hätte also auch langfristig
betrachtet weiterhin als Krankenschwester im Spital K._ gearbeitet. Das hat die
Beschwerdeführerin indirekt bestätigt, indem sie das von der Beschwerdegegnerin
angenommene Valideneinkommen als korrekt bezeichnet hat. Problematischer ist die
Definition der "vorläufigen" Invalidenkarriere. Die Beschwerdeführerin hat vom Spital
K._ in das Altersheim L._ gewechselt. Dort ist sie nicht als Krankenschwester tätig
gewesen. Vielmehr ist sie gemäss dem Arbeitgeberbericht vom 20. März 2006 für das
Richten und das Kontrollieren der Medikamente usw. zuständig gewesen. Dabei dürfte
es sich nur um eine von mehreren Möglichkeiten der Beschwerdeführerin gehandelt
haben, die beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung noch zu verwerten. Aus dem Betrag des vom Altersheim
L._ ausgerichteten Lohnes, der erheblich unter dem früher am Spital K._ erzielten
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Lohn liegt, muss der Schluss gezogen werden, dass die Beschwerdeführerin nicht
unter voller Ausschöpfung ihrer beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen eingesetzt
wird. Die in Bezug auf das Erwerbseinkommen vorteilhafteste Lösung wäre ein weiterer
Einsatz als Krankenschwester gewesen. Dabei hätte die Beschwerdeführerin allerdings
keine körperlich schweren Arbeiten (Lasten über 15 kg), keine Arbeiten in
Zwangshaltung und keine Arbeiten über Kopf ausführen dürfen. Auch wenn die
Behauptung des Rechtsvertreters, keine Arbeitsstelle im Pflegebereich erfülle diese
Anforderungen, offensichtlich nicht stimmen kann, ist doch davon auszugehen, dass
die eigentliche Arbeit einer qualifizierten Krankenschwester immer wieder auch einzelne
nicht adaptierte Arbeiten umfasst. Eine Tätigkeit als Krankenschwester ohne Anteile
von nicht adaptierten Arbeiten würde wohl eine deutlich bessere berufliche
Qualifikation (insbesondere zur Ausübung einer leitenden Funktion) voraussetzen. Gibt
es auch auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine Stelle für eine
qualifizierte Krankenschwester, an der keine nicht adaptierten Arbeiten ausgeführt
werden müssen, so hat die Beschwerdeführerin sowohl in Bezug auf die Verwertung
der bestehenden beruflichen Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen als auch in
Bezug auf den erzielbaren Lohn eine adäquate behinderungsadaptierte Tätigkeit
aufgenommen. Sie hat damit die in Art. 6 Satz 2 ATSG kodifizierte
Selbsteingliederungspflicht vollumfänglich erfüllt. Die konkret ausgeübte Tätigkeit im
Altersheim L._ ist also – zumindest in Bezug auf die Beeinträchtigung der
körperlichen Gesundheit – die bestmögliche Verwertung der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit ohne berufliche Eingliederung. Diese Erwerbstätigkeit entspricht somit
der "vorläufigen" Invalidenkarriere.
3.
Das zumutbare "vorläufige" Invalideneinkommen richtet sich also grundsätzlich nach
dem im Altersheim L._ ausgerichteten Lohn. Eine vergleichbare Tätigkeit könnte
allerdings auf dem allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt, anders als im
Altersheim L._, zu 100% ausgeübt werden. Deshalb bleibt zur Ermittlung der
zumutbaren "vorläufigen" Invalideneinkommens noch zu klären, welcher
Arbeitsfähigkeitsgrad in dieser Tätigkeit besteht. Gemäss den Angaben im ABI-
Gutachten besteht für eine adaptierte Erwerbstätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80%.
Die Arbeitsunfähigkeit von 20% ist ausschliesslich auf die leichte depressive Episode
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zurückzuführen sein. Die Beschwerdeführerin hat im Verlauf des Verwaltungsverfahrens
über eine Vielzahl von Beschwerden geklagt. Bei der Würdigung dieser Klagen durch
die vielen mit dem Fall der Beschwerdeführerin befassten Ärzte ist der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte dazu neigen, die
Angaben ihrer Patienten als objektiv zu qualifizieren, während abklärende unabhängige
Sachverständige die Angaben der Exploranden auf ihre Plausibilität prüfen. Das
Verhalten der behandelnden Ärzte lässt sich damit erklären, dass sie aufgrund ihres
Therapieauftrages gehalten sind, die Anamnese- und Beschwerdeschilderungen ernst
zu nehmen, es sei denn, diese Schilderungen enthielten ein deutliches Indiz dafür, dass
sie nicht zuträfen. Nur in solchen seltenen Ausnahmefällen sind behandelnde Ärzte
gezwungen, zur Sicherstellung einer erfolgreichen Therapie die Angaben ihrer Patienten
zu hinterfragen. Demgegenüber besteht der Auftrag der unabhängigen medizinischen
Sachverständigen ausschliesslich darin, das objektive Krankheitsgeschehen zu
ermitteln. Dazu ist es erfahrungsgemäss oft notwendig, die Anamnese- und
Beschwerdeschilderungen der Exploranden auf ihre Objektivität zu prüfen, also u.a.
Untersuchungsmethoden anzuwenden, die geeignet sind, Widersprüche zwischen den
Beschwerdeschilderungen und dem objektiven Gesundheitszustand aufzudecken. Eine
Übereinstimmung zwischen den Angaben der behandelnden Ärzte und der
Einschätzung der unabhängigen medizinischen Sachverständigen spricht deshalb
weniger für die Richtigkeit der gutachterlichen Einschätzung als für die Objektivität der
Angaben des behandelnden Arztes. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass
behandelnde Ärzte sich oft jahrelang erfolglos bemüht haben, dass sie ebenso lange
einer konsequent vorgetragenen, beim Untersuch demonstrierten und im Alltag
umgesetzten Krankheits- und Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung eines Patienten
ausgesetzt gewesen sind und dass sie eine Rentenausrichtung unbewusst als
Therapiemittel betrachten. All dies führt dazu, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzungen
behandelnder Ärzte erfahrungsmäss als weniger überzeugend qualifiziert werden
müssen als diejenigen der unabhängigen Sachverständigen, wobei natürlich
vorausgesetzt wird, dass die Begutachtung lege artis erfolgt ist.
4.
Hier setzt die Kritik der Beschwerdeführerin an. Sie bezeichnet das Gutachten des ABI
als nicht umfassend, weil eine neuropsychologische Abklärung unterblieben sei und
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weil nicht alle relevanten medizinischen Vorakten Berücksichtigung gefunden hätten.
Das erste Argument beruht auf der Unterstellung, dass eine neuropsychologische
Abklärung unbedingt nötig gewesen wäre, um den Gesundheitszustand und damit die
Arbeitsfähigkeit abschliessend beurteilen zu können. Der neurologische Gutachter des
ABI hat sich die Frage nach der Notwendigkeit einer neuropsychologischen Abklärung
gestellt und er hat sie bewusst verneint. Begründet hat er das damit, dass sich
neuropsychologische Defizite erfahrungsgemäss nach einem organisch-traumatisch
bedingten Auftreten innert höchstens eines Jahres vollständig zurückbildeten.
Anlässlich der neuropsychologischen Testung vom 3. Juli 2002 seien die Defizite
bereits wenig ausgeprägt gewesen. Aktuell seien sie aus neurologischer Sicht als
unspezifisch zu beurteilen. Sie seien wahrscheinlich die Folge von Interferenzfaktoren
(Schmerzen und/oder psychische Probleme). Nur so könne die Akzentuierung über die
Zeit erklärt werden. Diese Begründung für den Verzicht auf eine neuropsychologische
Untersuchung überzeugt. Der von der Beschwerdeführerin eingereichte Bericht vom
31. Januar 2009 über eine neuropsychologische Untersuchung bestätigt das. Die
auffällige Fehlerhäufigkeit, die einzig im verbalen Gedächtnis präsent gewesen ist, ist
als Interferenzeffekt durch verschiedene Hirnleistungstrainings bzw. als überwiegend
schmerzverbunden und möglicherweise medikamenteninduziert qualifiziert worden.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass den abklärenden Neuropsychologinnen mit
Ausnahme des neuropsychologischen Berichts vom 2. Juli 2002 keine medizinischen
Unterlagen zur Verfügung gestanden haben. Sie sind deshalb nicht umfassend über die
Krankheitssituation der Beschwerdeführerin informiert gewesen. Demnach sind sie
auch nicht in der Lage gewesen festzustellen, ob es auch andere Ursachen für die
festgestellten Defizite geben könnte. Insbesondere ist es ihnen dadurch auch nur
beschränkt möglich gewesen, objektiv vorhandene von subjektiv empfundenen und
dargestellten Einschränkungen zu trennen. Sie haben zwar die Auffassung des
neurologischen Sachverständigen des ABI dem Grundsatz nach bestätigt, aber ihrer
Arbeitsfähigkeitsschätzung kann aufgrund der fehlenden Kenntnis der medizinischen
Gesamtsituation der Beschwerdeführerin keine Überzeugungskraft beigemessen
werden. Die ebenfalls gerügte Unvollständigkeit der medizinischen Vorakten hat keinen
Einfluss auf die Qualität des ABI-Gutachtens. Das fehlende Gutachten von Dr. med.
F._ vom 8. Juli 2002 hatte eine vorwiegend schmerzmittelinduzierte, chronische
Kopfschmerzproblematik, aber keinen krankhaften neurologischen Befund enthalten.
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Dr. med. F._ hatte eine stationäre Therapie zur Absetzung aller Schmerzmittel
vorgeschlagen. Sein Gutachten enthielt also nichts, das die Sachverständigen des ABI
hätte dazu veranlassen können, den Gesundheitszustand und damit die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin anders einzuschätzen. Die Behauptung der
Beschwerdeführerin, nach spätestens zwei Stunden Arbeit träten
Konzentrationsprobleme auf, sie verwechsle dann beispielsweise Medikamente, ist
unglaubwürdig. So wäre sie nämlich eine Gefahr für die Altersheimbewohner und die
Heimleitung hätte ihr wohl längst gekündigt.
5.
Die MEDAS Bern hatte in ihrem Gutachten vom 3. August 2005 keine Anzeichen für
eine Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit der Beschwerdeführerin gefunden.
Deshalb hatte sie auf eine psychiatrische Abklärung verzichtet. Auch für die Zeit vor der
Begutachtung durch die MEDAS Bern fehlen Hinweise auf ein psychisches Leiden. Die
Klinik Valens hatte am 14. Mai 2002 keine psychiatrische Diagnose gestellt. Auch im
Bericht der Schmerzklinik Kirschgarten vom 11. Februar 2003 fehlte eine solche
Diagnose. Erst der behandelnde Psychiater Dr. med. C._ hat am 2. Dezember 2005
über eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
bestehend seit 2002, berichtet. Wäre diese Einschätzung richtig, so hätten die Klinik
Valens und die Schmerzklinik Kirschgarten dies während der jeweiligen stationären
Aufenthalte festgestellt. Beide Institutionen sind nämlich in einem Bereich tätig, in
welchem die Wechselwirkung von körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen
sehr wichtig ist, so dass das Augenmerk immer auch auf die psychische Situation der
Patienten gerichtet ist. Auch die MEDAS Bern hätte zumindest eine psychiatrische
Abklärung empfohlen, wenn Anzeichen für eine eigentliche Depression bestanden
hätten. Der psychiatrische Sachverständige des ABI hat darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdeführerin in den vergangenen Jahren ein normales Leben geführt habe
(selbständiges Führen des Haushalts, regelmässige Pflege sozialer Kontakte), was bei
einer mittelschweren Depression wohl kaum mehr möglich gewesen wäre. Unter diesen
Umständen vermag die von Dr. med. C._ gestellte Diagnose samt
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht zu überzeugen oder auch nur ernsthafte Zweifel an
der Richtigkeit der Einschätzung der Sachverständigen des ABI zu wecken. Dasselbe
gilt für die in der Beschwerdeantwort von der Beschwerdegegnerin geäusserte Kritik an
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der Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen des ABI. Wenn
diese Arbeitsfähigkeitsschätzung tatsächlich nicht zu überzeugen vermöchte, hätte das
korrekte Vorgehen der Beschwerdegegnerin darin bestanden, die Rückweisung der
Sache zu beantragen und dann eine neue psychiatrische Begutachtung anzuordnen.
Auf keinen Fall kann es zulässig sein, eine als unzutreffend vermutete
Arbeitsfähigkeitsschätzung durch eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung zu ersetzen,
denn dem Mitarbeiter des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin und den
Richterinnen fehlen jene medizinischen Kenntnisse, die nötig sind, um die Unrichtigkeit
einer Arbeitsfähigkeitsschätzung nachzuweisen und die korrekte Arbeitsfähigkeit zu
ermitteln. Im vorliegenden Fall fehlt es bereits an den erforderlichen Indizien, die
berechtigte Zweifel an der Richtigkeit der Arbeitsfähigkeit des psychiatrischen
Sachverständigen des ABI wecken würden. Dass die Diagnose einer leichten
depressiven Episode per se nie eine unüberwindbare (Teil-) Arbeitsunfähigkeit bewirken
kann, wie die Beschwerdegegnerin sinngemäss unterstellt, lässt sich medizinisch wohl
nicht belegen. Der Umstand, dass der psychiatrische Sachverständige des ABI weder
auf die einschlägige Bundesgerichtspraxis hingewiesen noch mit der "zumutbaren
Willensenergie" argumentiert hat, zwingt nicht zum Schluss, dass er die
Bundesgerichtspraxis ignoriert hätte. Im Gegenteil ist davon auszugehen, dass der
erfahrene psychiatrische Sachverständige sehr wohl über diese Bundesgerichtspraxis
orientiert gewesen ist und dass er sie in seine Arbeitsfähigkeitsschätzung hat
einfliessen lassen. Es ist durchaus möglich, dass die chronische körperliche
Begleiterkrankung oder die Kombination vieler für sich allein irrelevanter Krankheiten es
der Beschwerdeführerin verunmöglichen, die aus der leichten depressiven Episode
fliessende Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung mit einer zumutbaren Willensanstrengung
vollumfänglich zu überwinden. Die Annahme, dass die Beschwerdeführerin die
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung nur zu 80% überwinden kann (z.B. weil sie zusätzliche
Arbeitspausen benötigt), ist durchaus plausibel. Die für eine adaptierte Erwerbstätigkeit
angegebene Arbeitsunfähigkeit von 20% ist deshalb überwiegend wahrscheinlich
korrekt. Indizien dafür, dass sich der psychische Gesundheitszustand nach der
Begutachtung dauernd verschlechtert haben könnte, fehlen. Erfahrungsgemäss hat die
Abweisung eines Rentengesuchs oft eine Verstärkung der depressiven Situation zur
Folge, aber dies bildet sich in aller Regel bald wieder zurück. Davon ist auch im
vorliegenden Fall auszugehen.
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6.
Strittig ist ein Rentenanspruch ab Januar 2003. Der Einkommensvergleich müsste
deshalb an sich anhand der Zahlen des Jahres 2003 erfolgen. Nun ist die
Beschwerdeführerin aber erst seit Ende 2004 beim Altersheim L._ angestellt.
Verlässliche Lohnzahlen liegen erst für das Jahr 2005 vor. Dies zwingt dazu, die
Invaliditätsbemessung ausnahmsweise anhand der Zahlen des Jahres 2005
vorzunehmen. Eine relevante Unstimmigkeit als Folge einer unterschiedlichen
Lohnentwicklung ist angesichts der kurzen Zeitspanne nicht zu erwarten. Das Spital
K._ hat für das Jahr 2002 einen Lohn der Beschwerdeführerin von Fr. 85'151.30
angegeben. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik ermittelten Lohnentwicklung
2005, Tabelle T1.93, haben sich die Nominallöhne im Gesundheits- und Sozialwesen
im Jahr 2003 um 2,25% und im Jahr 2004 und 1,3% erhöht. Daraus resultiert ein
Valideneinkommen 2005 von Fr. 88'156.-. Das Altersheim L._ hat für 2005 einen
Monatslohn der Beschwerdeführerin von Fr. 1809.20 angegeben. Dies hat sich auf
einen Beschäftigungsgrad von 30% bezogen. Das entspricht einem Jahreseinkommen
von Fr. 23'520.-. Umgerechnet auf einen Beschäftigungsgrad von 80% resultiert ein
Jahreseinkommen von Fr. 62'720.-. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse
beträgt somit Fr. 25'436.-. Das entspricht einem "vorläufigen" Invaliditätsgrad von
knapp 30%. Da die Grenze von 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG) nicht erreicht ist, "droht" kein
"Schaden" in der Form eines Rentenanspruchs, so dass keine berufliche
Eingliederungspflicht besteht. Die Sache muss deshalb nicht zur Abklärung und zur
Durchführung beruflicher Massnahmen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen
werden. Das wiederum bedeutet, dass das Resultat der "vorläufigen"
Invaliditätsbemessung gleichzeitig auch das Resultat der "definitiven"
Invaliditätsbemessung ist. Da die Beschwerdeführerin nur zu 30% invalid ist, hat die
Beschwerdegegnerin das Rentenbegehren zu Recht abgewiesen.
7.
Entsprechend den vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens trägt grundsätzlich die unterliegende Partei die
Verfahrenskosten. Diese betragen zwischen Fr. 200.- und Fr. 1000.-. Bemessen
werden sie nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser rechtfertigt im bis
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vorliegenden Fall eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-. Da der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, ist ihr diese Gerichtsgebühr zwar
aufzuerlegen, aber sie wird von der Bezahlung befreit. Sie ist jedoch zur Nachzahlung
der Gerichtskosten verpflichtet, wenn ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dies später
gestatten sollten. Dasselbe gilt für die als Folge der Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung vom Staat zu übernehmenden Parteikosten. Diese bemessen
sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
(Art. 61 lit. g ATSG). Entsprechend der durchschnittlichen Schwierigkeit des Prozesses
rechtfertigt es sich, die Parteikosten auf Fr. 3500.- festzusetzen. Die Entschädigung
dieser Parteikosten beläuft sich gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen
Anwaltsgesetzes auf 80%. Der Staat hat den Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin
also mit Fr. 2800.- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG