Decision ID: 04a78ce9-4335-573a-8823-1aec4dc02063
Year: 2013
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Z._ GmbH & Co KG mit Sitz in Y._ (A) bezweckte die
Durchführung von gewerblichen Transporten und Speditionen. So führte
das Unternehmen insbesondere grenzüberschreitende Transporte zwi-
schen Österreich bzw. Deutschland und der Schweiz durch. X._
war alleiniger Geschäftsführer der Gesellschaft. Am (...) wurde über die
Z._ GmbH & Co KG der Konkurs eröffnet und in der Folge deren
Vermögen liquidiert.
B.
Eine gegen die Z._ GmbH & Co KG eingeleitete Zollstrafuntersu-
chung ergab, dass X._ als Geschäftsführer der genannten Firma
im Zeitraum Januar 2005 bis März 2009 mit Fahrzeugen der Gesellschaft
mindestens 273 Inlandtransporte in der Schweiz (sog. Kabotagefahrten)
durchführen liess. Dabei wurden die für die Inlandtransporte benutzten
Fahrzeuge weder zur Verzollung angemeldet, noch Bewilligungen für die
Nutzung eines unverzollten Fahrzeuges eingeholt.
C.
Gestützt auf das Ergebnis der Zollstrafuntersuchung erliess die Zollkreis-
direktion Schaffhausen am 7. Mai 2010 eine Nachforderungsverfügung.
Darin verlangte sie von X._ die Nacherstattung von Einfuhrabga-
ben in der Höhe von Fr. 300'335.75 (Zoll Fr. 156'925.00, Mehrwertsteuer
[Einfuhrsteuer] Fr. 126'647.85, Gebühren Fr. 800.00 und Verzugszins
Fr. 15'962.90). Die Einfuhrabgaben wurden dabei auf allen für die Inland-
transporte benutzten 20 Lastwagen und 20 Anhängern erhoben. Zugleich
wurden die Z._ GmbH & Co KG für den Gesamtbetrag sowie die
zwei schweizerischen Auftraggeberinnen je in Teilbeträgen solidarisch
leistungspflichtig erklärt.
D.
Am 9. Juni 2010 liess X._ bei der Oberzolldirektion (OZD) Be-
schwerde erheben und beantragen, die Verfügung vom 7. Mai 2010 über
die Leistungspflicht sei aufzuheben, eventualiter die Zollabgabe und
Mehrwertsteuer auf den Betrag von höchstens Fr. 17'947.85 bzw. auf ei-
nen angemessenen Betrag zu reduzieren, unter Kosten- und Entschädi-
gungsfolge. Zur Begründung liess er im Wesentlichen vorbringen, dass es
an einer gesetzlichen Grundlage für den Nachbezug von Zollabgaben
und Mehrwertsteuer aufgrund von Inlandtransporten fehle, dass die
Nachforderung dieser Abgaben unverhältnismässig und in Bezug auf die
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Anhänger nicht rechtmässig sei. Sodann sei X._ für die Nachfor-
derung nicht solidarisch haftbar, da er keine vorsätzliche Widerhandlung
gegen die Verwaltungsgesetzgebung des Bundes begangen habe.
E.
Mit Entscheid vom 12. März 2012 wies die OZD die Beschwerde als un-
begründet ab.
F.
Dagegen lässt X._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) beim Bun-
desverwaltungsgericht am 27. April 2012 Beschwerde führen und bean-
tragen, die Verfügung über die Leistungspflicht der Zollkreisdirektion
Schaffhausen vom 7. Mai 2012 bzw. die Verfügung der OZD vom
12. März 2012 seien aufzuheben, eventualiter seien die Abgaben auf den
Betrag von höchstens Fr. 11'227.85 bzw. auf einen angemessenen Betrag
zu reduzieren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung
wiederholt der Beschwerdeführer die bereits im vorinstanzlichen Verfah-
ren dargelegten Argumente. Zudem ergänzt er, dass es sich bei den im
Zollinland eingesetzten Fahrzeugen um Erzeugnisse mit Ursprung in der
Europäischen Union (EU) handelt, die zum Präferenzzollsatz zu verzollen
seien. Um den Präferenzursprung EU der involvierten Fahrzeuge zu be-
weisen, legt er mehrere Lieferantenerklärungen ins Recht. Sodann sei
der Beschwerdeführer auch mindestens im Umfang der Konkursdividen-
de, die im Insolvenzverfahren der Z._ GmbH & Co KG resultiert
habe, von der Zahlungspflicht zu befreien.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 6. Juli 2012 beantragte die OZD die kosten-
fällige Abweisung der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über
das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021; Art. 31 des Bundesge-
setzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht [VGG, SR
173.32]). Soweit das VGG nichts anderes bestimmt, richtet sich das Ver-
fahren nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG, Art. 2 Abs. 4
VwVG).
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Der Beschwerdeführer rügt einen Beschwerdeentscheid der OZD betref-
fend Nachforderung von Zoll- und Einfuhrsteuerabgaben. Das Bundes-
verwaltungsgericht ist zur Beurteilung dieser Beschwerde sachlich und
funktionell zuständig (Art. 32 VGG e contrario sowie Art. 31 i.V.m. Art. 33
Bst. d VGG). Der Beschwerdeführer ist zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG) und hat die Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 50 und Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist mit Einschränkung
des unter Ziff. 1.2 Ausgeführten einzutreten.
1.2 Anfechtungsobjekt im Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht bildet
ausschliesslich der vorinstanzliche Entscheid, vorliegend der Entscheid
der OZD vom 12. März 2012. Dieser ersetzt aufgrund des im verwal-
tungsinternen Instanzenzug geltenden Devolutiveffekts allfällige Ent-
scheide unterer Instanzen, so dass letztere nicht mehr anfechtbar sind
(ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor
dem Bundesverwaltungsgericht, Basel 2008, Rz. 2.7). Soweit der Be-
schwerdeführer die Aufhebung der von der Zollkreisdirektion Schaffhau-
sen erlassenen Verfügung über die Leistungspflicht vom 7. Mai 2010 ver-
langt, ist folglich auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Ent-
scheid grundsätzlich in vollem Umfang. Der Beschwerdeführer kann mit
der Beschwerde neben der Verletzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a
VwVG) auch die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhaltes (Art. 49 Bst. b VwVG) sowie Unangemessen-
heit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG; vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
a.a.O., Rz. 2.149).
1.4 Im Beschwerdeverfahren vor Bundesverwaltungsgericht gilt zunächst
die Untersuchungsmaxime, wonach das Bundesverwaltungsgericht unter
Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten den entscheidrelevanten Sachver-
halt von Amtes wegen festzustellen hat (vgl. ULRICH HÄFELIN/GEORG
MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zü-
rich/St. Gallen 2010, Rz. 1623 ff. und 1758 f.). Zudem ist das Bundesver-
waltungsgericht gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Am-
tes wegen verpflichtet, auf den festgestellten Sachverhalt unabhängig von
der Begründung der Begehren die richtige Rechtsnorm anzuwenden
(Art. 62 Abs. 4 VwVG). Als Folge dieser zwei Verfahrensgrundsätze dür-
fen vor Bundesverwaltungsgericht sowohl gegenüber dem vorinstanzli-
chen Verfahren neue Sachverhaltsumstände geltend gemacht, als auch
neue Rechtsstandpunkte vertreten werden (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER,
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a.a.O., Rz. 2.196 ff. und 2.204 ff.). Die vom Beschwerdeführer vor Bun-
desverwaltungsgericht neu vorgebrachten und der vorinstanzlichen Beur-
teilung noch nicht zugänglichen Argumente und Beweismittel sind daher
zulässig, zumal sie weder die Rechtsbegehren ändern noch den Streitge-
genstand erweitern (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.208).
1.5 Im Rechtsmittelverfahren kommt – wenn auch in sehr abgeschwäch-
ter Form (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 1.55) – das Rüge-
prinzip mit Begründungserfordernis in dem Sinn zum Tragen, dass die
Beschwerdeführerin die ihre Rügen stützenden Tatsachen darzulegen
und allfällige Beweismittel einzureichen hat (Art. 52 Abs. 1 VwVG; CHRIS-
TOPH AUER, in: Christoph Auer/Markus Müller/Benjamin Schindler [Hrsg.],
Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG],
Zürich/St. Gallen 2008, Art. 12 N 9 und 12). Hingegen ist es grundsätzlich
nicht Sache der Rechtsmittelbehörden, den für den Entscheid erheblichen
Sachverhalt von Grund auf zu ermitteln und über die tatsächlichen Vor-
bringen der Parteien hinaus den Sachverhalt vollkommen neu zu erfor-
schen (BVGE 2007/27 E. 3.3; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O.,
Rz. 1.52).
1.6 Am 1. Mai 2007 sind das Zollgesetz vom 18. März 2005 (ZG,
SR 631.0) sowie die Zollverordnung vom 1. November 2006 (ZV,
SR 631.01) in Kraft getreten. Mit ihrem Inkrafttreten wurde das alte Zoll-
gesetz vom 1. Oktober 1925 (aZG, AS 42 287 und BS 6 465) sowie die
Verordnung vom 10. Juli 1926 zum alten Zollgesetz (aZV, AS 42 339 und
BS 6 514) aufgehoben. Zur Bestimmung des anwendbaren materiellen
Rechts sind gemäss einem allgemeinen intertemporalrechtlichen Grund-
satz in zeitlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze anzuwenden, die bei
der Verwirklichung des zu Rechtsfolgen führenden Sachverhalts in Gel-
tung standen (statt vieler: BGE 119 Ib 103 E. 5; BVGE 2007/25 E. 3.1).
Die zu beurteilenden Sachverhalte betreffen den Zeitraum vom
10. Januar 2005 bis März 2009. In der Sache sind somit auf die grenz-
überschreitenden Warenbewegungen bzw. Inlandtransporte vor dem
1. Mai 2007 die Vorschriften der alten Zollgesetzgebung (aZG und aZV)
anzuwenden. Für die Grenzübertritte bzw. Inlandtransporte ab dem 1. Mai
2007 gilt hingegen das neue Zollrecht (ZG und ZV).
1.7 Am 1. Januar 2010 ist das Bundesgesetz vom 12. Juni 2009 über die
Mehrwertsteuer (MWSTG, SR 641.20) in Kraft getreten. Die bisherigen
gesetzlichen Bestimmungen sowie die darauf gestützt erlassenen Vor-
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schriften bleiben grundsätzlich weiterhin auf alle während ihrer Geltungs-
dauer eingetretenen Tatsachen und entstandenen Rechtsverhältnisse
anwendbar (Art. 112 Abs. 1 MWSTG). Das bisherige Recht (Bundesge-
setz vom 2. September 1999 über die Mehrwertsteuer [aMWSTG,
AS 2000 1300]; Verordnung vom 29. März 2000 zum aMWSTG
[aMWSTGV, AS 2000 1347]) gilt u.a. für die Einfuhr von Gegenständen,
bei denen die Einfuhrsteuerschuld vor Inkrafttreten des MWSTG entstan-
den ist (Art. 112 Abs. 2 MWSTG). Im vorliegenden Fall, der Grenzübertrit-
te vor dem Jahr 2010 betrifft, kommen daher in materieller Hinsicht die
Bestimmungen des aMWSTG sowie der dazugehörigen aMWSTGV zur
Anwendung.
Demgegenüber ist das neue mehrwertsteuerliche Verfahrensrecht im
Sinn von Art. 113 Abs. 3 MWSTG auf sämtliche im Zeitpunkt des Inkraft-
tretens hängige und damit grundsätzlich auch auf das vorliegende Verfah-
ren anwendbar. Allerdings ist Art. 113 Abs. 3 MWSTG insofern restriktiv
zu handhaben, als gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung nur ei-
gentliche Verfahrensnormen sofort auf hängige Verfahren anzuwenden
sind und es dabei nicht zu einer Anwendung von neuem materiellen
Recht auf altrechtliche Sachverhalte kommen darf (ausführlich: Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-1113/2009 vom 23. Februar 2010 E. 1.3).
Kein Verfahrensrecht in diesem engen Sinn stellt etwa die Ausgestaltung
des Selbstveranlagungsprinzips dar, so dass diesbezüglich noch altes
Recht anwendbar ist (statt vieler: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-7809/2010 vom 5. September 2011 E. 1.3).
Zu den sofort anwendbaren Verfahrensbestimmungen gehört auch Art. 81
MWSTG (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-3409/2010 vom 4. April
2011 E. 1.4 und dortige Zitate). Die Anwendung von Art. 81 Abs. 1
MWSTG hat zur Folge, dass im vorliegenden Verfahren bezüglich der
Mehrwertsteuer Art. 2 Abs. 1 VwVG keine Anwendung findet, d.h. die Ver-
fahrensvorschriften von Art. 12 bis 19 und Art. 30 bis 33 VwVG gelten.
Weiter ist nach Art. 81 Abs. 3 MWSTG der Grundsatz der freien Beweis-
würdigung im Bereich der Mehrwertsteuer anwendbar, sofern nicht nach
Art. 113 Abs. 3 MWSTG das bisherige materielle Recht weiterhin gilt (vgl.
Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-3547/2009 und A-3552/2009
vom 12. September 2011 E. 1.2.2). Anders jedoch bezüglich der Nachfor-
derung der Zollabgaben: Für diese gilt die Zollgesetzgebung (E. 1.6) und
die dortigen Verfahrensvorschriften bzw. die Verfahrensvorschriften der
anwendbaren Zollabkommen.
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2.
2.1 Waren, die ins Zollgebiet verbracht werden, sind zollpflichtig und nach
dem Zollgesetz sowie dem Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG,
SR 632.10) zu veranlagen ('Grundsatz der allgemeinen Zollpflicht'; Art. 1
aZG bzw. Art. 7 ZG, Art. 1 Abs. 1 ZTG). Solche Gegenstände unterliegen
zudem grundsätzlich der Einfuhrsteuer (Art. 73 Abs. 1 aMWSTG). Vorbe-
halten bleiben Abweichungen wie Zollbefreiungen und -erleichterungen
sowie Steuererleichterungen, die sich aus Staatsverträgen oder besonde-
ren Bestimmungen von Gesetzen und Verordnungen ergeben (Art. 14 ff.
aZG, Art. 2 Abs. 1 und Art. 8 ff. ZG, Art. 1 Abs. 2 ZTG, Art. 74 aMWSTG;
zu den Abweichungen vgl. E. 3).
2.2
2.2.1 Gemäss Art. 9 Abs. 1 aZG in Verbindung mit Art. 6 aZG hatte derje-
nige, der eine Ware über die Grenze brachte, sowie der Auftraggeber, alle
Waren, die eingeführt wurden, der zuständigen Zollstelle zuzuführen, un-
ter Zollkontrolle zu stellen und zur Abfertigung anzumelden. Art. 9 aZG
legte somit den Kreis der zollmeldepflichtigen Personen fest. Nach neu-
em Recht hat gemäss Art. 21 Abs. 1 ZG in Verbindung mit Art. 26 Bst. a
ZG derjenige, der Waren ins Zollgebiet verbringt, verbringen lässt oder
sie danach übernimmt, die Waren unverzüglich und unverändert der
nächstgelegenen Zollstelle zuzuführen und ordnungsgemäss anzumel-
den. Zuführungspflichtig sind – wie die bundesrätliche Verordnung präzi-
sierend festhält – insbesondere der Warenführer, die mit der Zuführung
beauftragte Person, der Importeur, der Empfänger, der Versender und der
Auftraggeber (Art. 75 ZV). Die Definition der zuführungspflichtigen Person
in Art. 21 Abs. 1 ZG stimmt inhaltlich mit der Definition des Zollmelde-
pflichtigen gemäss Art. 9 Abs. 1 aZG überein (BARBARA HENZEN, in: Ko-
cher/Clavadetscher [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum Zollgesetz,
Bern 2009 [nachfolgend: Zollkommentar], Art. 21 N 4 ff.). Die Zollmelde-
pflicht bzw. Zuführungspflicht besteht im Übrigen unabhängig von der
wirtschaftlichen oder privatrechtlichen Berechtigung an der Ware (vgl. et-
wa Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-5115/2011 vom 5. Juli 2012
E. 2.1.1 sowie A-6922/2011 vom 30. April 2012 E. 2.2).
2.2.2 Nach dem Gesagten ist u.a. der Auftraggeber zollmeldepflichtig
nach Art. 9 Abs. 1 aZG bzw. zuführungspflichtig gemäss Art. 21 Abs. 1
ZG. Auftraggeber im Sinne von Art. 9 Abs. 1 aZG war, wer im zivilrechtli-
chen Sinn oder tatsächlich den Warentransport veranlasste (BGE 107 Ib
198 E. 6b.). Damit galten neben einer allfällig vertraglich verpflichteten ju-
ristischen Person auch jene natürliche Personen als Auftraggeber, die
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– in ihrer Funktion als Organ der Gesellschaft – die Wareneinfuhr tatsäch-
lich auslösten (Urteil des Bundesgerichts 2C_747/2009 vom 8. April 2010
E. 5 mit Hinweisen). Die in Art. 21 Abs. 1 ZG verwendete Umschreibung
"wer Waren ins Zollgebiet verbringen lässt" kodifiziert die bisherige bun-
desgerichtliche Rechtsprechung zum Begriff des Auftraggebers im Sinne
von Art. 9 Abs. 1 aZG. Der Begriff des Auftraggebers ist also nach altem
und neuen Recht inhaltlich identisch (vgl. HENZEN, Zollkommentar, a.a.O.,
Art. 21 N 7).
2.2.3 Zollzahlungspflichtig waren nach Art. 13 aZG sodann die in Art. 9
aZG genannten Personen sowie diejenigen, für deren Rechnung die Wa-
ren eingeführt oder ausgeführt wurden. Das neue Zollgesetz enthält eine
materiell entsprechende Regelung (Art. 70 Abs. 2 Bst. a bis c ZG). Da-
nach sind Zollschuldner insbesondere die Personen, welche die Waren
über die Zollgrenze bringen oder bringen lassen (Bst. a). Dies sind die ei-
gentlichen Warenführenden, aber auch diejenigen, welche rechtlich oder
tatsächlich den Warentransport veranlassen, so insbesondere der Auf-
traggeber. Im Weiteren sind es die Personen, die zur Zollanmeldung ver-
pflichtet oder damit beauftragt sind (Bst. b) sowie diejenigen, auf deren
Rechnung die Waren ein- oder ausgeführt werden (Bst. c). Der Gesetz-
geber hat damit – sowohl nach dem alten als auch nach dem neuen Zoll-
gesetz – den Kreis der Zollzahlungspflichtigen bzw. Zollschuldner weit
gezogen, um die Einbringlichkeit der Zollforderung sicherzustellen (BGE
107 Ib 198 E. 6a; BGE 89 I 542 E. 4; Urteil des Bundesgerichts
2C_747/2009 vom 8. April 2010 E. 4.2; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts A-3637/2010 vom 6. Juli 2011 E. 2.4 mit Hinweis). Die Zollzah-
lungspflicht umfasst dabei auch die Pflicht zur Entrichtung der Abgaben
und Kosten, die gestützt auf andere als zollrechtliche Erlasse (also bei-
spielsweise gestützt auf die Mehrwertsteuergesetzgebung) durch die
Zollverwaltung zu erheben sind (Art. 90 ZG bzw. Art. 10 aZG; zum Gan-
zen: Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-5115/2011 vom 5. Juli 2012
E. 2.1.3).
2.2.4 Gemäss Art. 13 aZG und Art. 70 Abs. 3 ZG haften die Zollzahlungs-
pflichtigen bzw. Zollschuldnerinnen und Zollschuldner für die Zollschuld
solidarisch. Die Solidarhaftung gilt ebenfalls für die Einfuhrsteuerschuld
(Art. 72 aMWSTG). Dies bedeutet zum einen, dass der ganze geschulde-
te Zoll- bzw. Einfuhrsteuerbetrag von jedem Solidarverpflichteten einge-
fordert werden kann, in dem Sinn, dass die Zollbehörde auf einen beliebi-
gen Zollzahlungspflichtigen greifen kann (BGE 107 Ib 205 E. 2a). Zum
anderen hat die durch einen der Verpflichteten erfolgte Entrichtung der
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Abgabe befreiende Wirkung für sämtliche Schuldnerinnen und Schuldner.
Die durch die Solidarhaft begründete starke Position der Behörde ist
durch den Gesetzgeber gewollt und logische Folge davon, dass das Ein-
fordern der Zollabgaben bestmöglich sichergestellt werden soll (zum
Ganzen: MICHAEL BEUSCH, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Stämpflis
Handkommentar zum Zollgesetz, Bern 2009 [nachfolgend: Zollkommen-
tar], Art. 70 N 9). Der Rückgriff unter den Zollschuldnerinnen und Zoll-
schuldnern richtet sich sodann nach den Regeln des Obligationenrechts
(Art. 70 Abs. 3 ZG).
2.3
2.3.1 Das Zollverfahren ist vom Selbstdeklarationsprinzip bestimmt. Da-
nach unterliegen die zuführungs- bzw. zollmeldepflichtigen Personen be-
sonderen gesetzlichen Mitwirkungs- und Sorgfaltspflichten (Art. 29 ff. aZG
sowie Art. 18, 21, 25 und 26 ZG). Insbesondere tragen sie die volle Ver-
antwortung für die Vornahme der Zollanmeldung und die vollständige und
richtige Deklaration der Ware (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom
7. Februar 2001, veröffentlicht in: Archiv für Schweizerisches Abgaberecht
[ASA] 70 S. 330 E. 2c, 2A.1/2004 vom 31. März 2004 E. 2.1; statt vieler:
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-829/2011 vom 30. Dezember
2011 E. 2.2). Die Zollpflichtigen haben sich vorweg über die Zollpflicht
sowie die jeweiligen Abfertigungsverfahren zu informieren und die Waren
entsprechend zur Veranlagung anzumelden (Art. 30 f. aZG, Art. 47 Abs. 1
ZG). Unterlassen sie dies, haben sie dafür prinzipiell selber die Verant-
wortung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 2A.566/2003 vom 9. Juni
2004, veröffentlicht in: ASA 74 246 ff. E. 3.3; Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-5115/2011 vom 5. Juli 2012 E. 2.1.2, A-845-2011 vom
7. Februar 2012 E. 2.1.3, A-1134/2011 vom 2. Dezember 2011 E. 2.3.1).
Mangels anderweitiger Regelung im aMWSTG gelten die Mitwirkungs-
und Sorgfaltspflichten des Zollverfahrens auch für die Erhebung der
Mehrwertsteuer auf der Einfuhr von Gegenständen (Art. 72 aMWSTG).
2.3.2 Waren, die in ein Zollverfahren übergeführt werden sollen, sind zum
betreffenden Verfahren anzumelden (Art. 30 f. aZG, Art. 47 Abs. 1 ZG).
Von Bedeutung ist insbesondere die Anmeldung zur Überführung in den
zollrechtlich freien Verkehr (vgl. Art. 47 Abs. 2 Bst. a ZG). Sodann bedür-
fen auch Waren, die zum Freipassverkehr zugelassen oder in das Zollver-
fahren der vorübergehenden Verwendung übergeführt werden sollen
(siehe nachfolgend E. 3) einer Zollanmeldung (Art. 47 Abs. 1 aZG, Art. 47
Abs. 2 Bst. d ZG). Waren, die in ein Zollverfahren übergeführt worden
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sind, können zu einem anderen Zollverfahren angemeldet werden (z. B.
Art. 110 Abs. 2 aZV [Löschung des Freipasses], Art. 47 Abs. 3 ZG).
2.3.3 In Bezug auf das Anmeldeverfahren sah Art. 31 Abs. 1 aZG vor,
dass der Zollmeldepflichtige bei der Zollstelle einen Abfertigungsantrag zu
stellen und je nach Bestimmung der Waren die Zolldeklaration unter Vor-
legung der für die Abfertigungsart erforderlichen Belege, Bewilligungen
und anderen Ausweise in der vorgeschriebenen Zahl, Form und Frist ein-
zureichen hatte. Wurde eine Zollbefreiung oder eine Verzollung zu einem
ermässigten Tarif gewünscht, so war diese Zollerleichterung zu beantra-
gen bevor die entsprechenden Waren aus der Zollkontrolle entlassen
wurden (Art. 49 Abs. 2 aZV). Fehlten massgebliche Unterlagen im Zeit-
punkt der Einfuhr, fehlten namentlich Ursprungsnachweise, so konnte die
provisorische Verzollung beantragt und es durften die erforderlichen Do-
kumente innerhalb einer von der Verwaltung bestimmten Frist nachge-
reicht werden (vgl. Art. 68 Abs. 2 aZV).
Gemäss Art. 25 Abs. 1 ZG hat die anmeldepflichtige Person die der Zoll-
stelle zugeführten, gestellten und summarisch angemeldeten Waren in-
nerhalb der von der Zollverwaltung bestimmten Frist zur Veranlagung an-
zumelden und die Begleitdokumente einzureichen (Art. 25 Abs. 1 ZG). Als
Begleitdokumente gelten Unterlagen, die für die Zollveranlagung von Be-
deutung sind, so u.a. Ursprungsnachweise (Art. 80 Abs. 1 ZV; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts A-30/2012 vom 4. September 2012 E. 2.5). In
der Zollanmeldung müssen zusätzlich zu den sonstigen vorgeschriebe-
nen Angaben gegebenenfalls eine Zollermässigung, Zollbefreiung, Zoller-
leichterung, Rückerstattung oder provisorische Veranlagung beantragt
werden (Art. 79 ZV). Die provisorische Veranlagung kommt zum Zug,
wenn im Zeitpunkt der Zollanmeldung Begleitdokumente für die Gewäh-
rung einer Zollermässigung oder Zollbefreiung fehlen (Art. 93 Abs. 1 und
2 ZV i.V.m. Art. 39 Abs. 1 ZG)
2.3.4 Ist eine Zollanmeldung erfolgt, so entsteht die Zollschuld im Zeit-
punkt, in dem die Zollstelle die Zollanmeldung annimmt (Art. 11 Abs. 1
aZG, Art. 69 Bst. a ZG). Ist hingegen die Zollanmeldung unterlassen wor-
den, entsteht die Zollschuld im Zeitpunkt, in dem die Waren über die Zoll-
grenze verbracht oder, wenn dieser Zeitpunkt nicht feststellbar ist, im
Zeitpunkt, in dem die Unterlassung entdeckt wird (Art. 11 Abs. 2 aZG,
Art. 69 Bst. c ZG). Der Einfuhrsteueranspruch entsteht zur selben Zeit wie
die Zollschuld (Art. 78 Abs. 1 aMWSTG).
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Seite 11
3.
3.1 Eine Ausnahme von der allgemeinen Zollpflicht, nach der alle Waren,
die ins Zollgebiet verbracht werden, zollpflichtig sind (E. 2.1), stellt das
Zollverfahren der vorübergehenden Verwendung dar, welches im alten
Zollrecht als Freipassverkehr bezeichnet wurde (Art. 15 aZG, Art. 9 ZG).
Gegenstände, die zur vorübergehenden Verwendung beziehungsweise
mit Freipass vorübergehend eingeführt werden, sind ebenso von der Ein-
fuhrsteuer befreit (Art. 74 Abs. 1 Ziff. 8 aMWSTG [Fassung vor 1. Mai
2007], Art. 74 Abs. 1 Ziff. 7 aMWSTG [Fassung ab 1. Mai 2007]).
3.1.1 Bezüglich der vorübergehenden Verwendung ist im Verhältnis zwi-
schen der Schweiz und Österreich bzw. Deutschland das für die Schweiz
am 11. August 1995 in Kraft getretene Übereinkommen vom 26. Juni
1990 über die vorübergehende Verwendung (nachfolgend 'Istanbul Über-
einkommen, SR 0.631.24) zu berücksichtigen. Die Bestimmungen des Is-
tanbul Übereinkommens sind grundsätzlich direkt anwendbar und die Be-
troffenen können sich unmittelbar darauf berufen (Urteil des Bundesge-
richts 2C_1049/2011 vom 18. Juli 2012 E. 2.3.1; Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts A-7817/2010 vom 24. November 2011 E. 2.3.1; Entscheid
der Eidgenössischen Zollrekurskommission [ZRK] vom 7. Oktober 2002
[ZRK 2001-024], veröffentlicht in Verwaltungspraxis der Bundesbehörden
[VPB] 67.42 E. 6b). Das Übereinkommen setzt lediglich Mindesterleichte-
rungen fest, über welche die Vertragsparteien auch hinausgehen können
(Art. 17 Istanbul Übereinkommen).
Gemäss Art. 1 Bst. a und Art. 2 Istanbul Übereinkommen dürfen bestimm-
te Waren – u.a. Beförderungsmittel – frei von Eingangsabgaben für einen
bestimmten Zweck vorübergehend in ein Zollgebiet verbracht werden. Als
Beförderungsmittel im Sinn des Abkommens gelten u.a. 'Strassenkraft-
fahrzeuge (einschliesslich Anhänger)' (Art. 1 Bst. a der Anlage C des Is-
tanbul Übereinkommens).
Für die zoll- und steuerfreie Einfuhr eines Fahrzeugs zur vorübergehen-
den gewerblichen Verwendung ist erforderlich, dass (1) das Fahrzeug in
einem anderen Gebiet als dem Gebiet der vorübergehenden Verwendung
zugelassen ist. Sodann hat (2) die Zulassung auf den Namen einer Per-
son zu erfolgen, die ihren Sitz oder Wohnsitz ausserhalb des Gebiets der
vorübergehenden Verwendung hat. Schliesslich (3) ist das Fahrzeug von
Personen einzuführen und zu verwenden, die von diesem Gebiet aus ihre
Geschäftstätigkeit ausüben (Art. 5 Bst. a der Anlage C des Istanbul Über-
einkommens). Beförderungsmittel zur gewerblichen Verwendung sind
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Seite 12
wieder auszuführen, sobald die Beförderung beendet ist, für die sie ein-
geführt worden sind (Art. 9 Abs. 1 der Anlage C des Istanbul Überein-
kommens). Die Vertragsparteien sind berechtigt, für Beförderungsmittel
zur gewerblichen Verwendung, die im Binnenverkehr benutzt werden, die
vorübergehende Verwendung zu versagen oder die Bewilligung zu wider-
rufen (Art. 8 Bst. a der Anlage C des Istanbul Übereinkommens).
3.1.2 Die im Istanbul Übereinkommen vorgesehene Möglichkeit, für ge-
werblich genutzte ausländische Beförderungsmittel Binnentransporte zu
untersagen, wurde im schweizerischen Recht konkretisiert. Im Rahmen
des früher geltenden Freipassverkehrs statuierte Art. 15 Ziff. 1 aZG ins-
besondere, 'dass [...] nach Erfüllung der hierfür festgesetzten Bedingun-
gen die Pflicht zur Bezahlung der Zollbeträge und der Monopolgebühren
für die folgenden Waren aufgehoben wird: für vom Ausland herkommende
Fahrzeuge aller Art, sofern sie zum Personen- und Warentransport über
die Grenze dienen und hierauf die Schweiz wieder verlassen'. Diese
Norm erfasste lediglich grenzüberschreitende Transporte; Binnentrans-
porte waren dagegen vom Anwendungsbereich des Freipassverkehrs
nicht gedeckt. Zwar wurde Art. 15 Ziff. 1 aZG im Rahmen einer beabsich-
tigten Anpassung an das europäische Recht am 18. Juni 1993 dahinge-
hend revidiert, dass Inlandtransporte mit unverzollten Fahrzeugen zuge-
lassen werden sollten. Diese revidierte Bestimmung wurde jedoch nie in
Kraft gesetzt (vgl. Botschaft für ein neues Zollgesetz vom 15. Dezember
2003, BBl 2004 567, S. 573; Botschaft über das Folgeprogramm nach Ab-
lehnung des EWR-Abkommens vom 24. Februar 1993, BBl 1993 I 805,
S. 868 f.). Somit waren nach altem Zollrecht gewerbliche Binnentranspor-
te im Rahmen des Freipassverkehrs ausgeschlossen und entsprechend
wurde die Pflicht zur Bezahlung der Zollbeträge für vom Ausland her-
kommende Fahrzeuge nicht aufgehoben, wenn diese auch dem Trans-
port im Binnenverkehr dienten.
Auch nach neuem Zollrecht sind gewerbliche Binnentransporte mit aus-
ländischen Fahrzeugen nicht erlaubt. Gemäss Art. 9 Abs. 1 ZG kann der
Bundesrat vorsehen, dass ausländische Waren zur vorübergehenden
Verwendung im Zollgebiet [...] unter teilweiser oder vollständiger Befrei-
ung von den Einfuhrabgaben eingeführt werden können. Er regelt die Vo-
raussetzungen der Zollabgabenbefreiung (Art. 9 Abs. 2 ZG). Art. 34
Abs. 1 ZV, der Art. 9 Abs. 2 ZG präzisiert, hält fest, dass die zollfreie vo-
rübergehende Verwendung von ausländischen Beförderungsmitteln für
Binnentransporte zu gewerblichen Zwecken grundsätzlich untersagt ist.
Art. 34 Abs. 3 ZV (in der vor dem 1. August 2012 geltenden Fassung)
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Seite 13
sieht jedoch eine Ausnahme zu diesem Verbot nach erteilter Bewilligung
vor, namentlich wenn keine entsprechenden inländischen Beförderungs-
mittel zur Verfügung stehen oder das ausländische Beförderungsmittel zu
Testzwecken eingeführt wird. Eine solche Bewilligung ist vor der ersten
Einfuhr zu beantragen (Art. 58 Abs. 1 ZG i.V.m. Art. 164 Abs. 1 ZV).
3.1.3 Für Gütertransporte im grenzüberschreitenden Verhältnis zwischen
der Schweiz und den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, zu denen
Deutschland und Österreich zählen, ist weiter das Abkommen zwischen
der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Europäischen Gemein-
schaft über den Güter- und Personenverkehr auf Schiene und Strasse
vom 21. Juni 1999 (in Kraft getreten am 1. Juni 2002) zu beachten
('Landverkehrsabkommen', SR 0.740.72). Gemäss Art. 9 Abs. 1 Landver-
kehrsabkommen sind der grenzüberschreitende gewerbliche Strassengü-
terverkehr und die Leerfahrten zwischen den Gebieten der Vertragspar-
teien erlaubt, sofern das Transportunternehmen über eine Lizenz verfügt.
Dies gilt auch für Beförderungen von Gütern im gewerblichen Verkehr von
einem Mitgliedstaat der Gemeinschaft in einen anderen Mitgliedstaat mit
einem in der Schweiz zugelassenen Fahrzeug, unabhängig davon, ob
das Fahrzeug auf derselben Fahrt und auf der gewöhnlichen Route durch
das Gebiet der Schweiz fährt oder nicht (sog. 'grosse Kabotage für die
Schweiz', Art. 12 i.V.m. Art. 3 Landverkehrsabkommen). Für die umge-
kehrte Konstellation, dass ein in einem Mitgliedstaat zugelassenes Fahr-
zeug einen Transport in die Schweiz durchführt, enthält das Landver-
kehrsabkommen keine Bestimmungen (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 3 Land-
verkehrsabkommen), sodass diese weiterhin durch das Istanbul Überein-
kommen geregelt sind. Demgegenüber ist die sog. 'kleine Kabotage' un-
tersagt: So hält Art. 14 Landverkehrsabkommen fest, dass Beförderungen
zwischen zwei Orten im Gebiet eines Mitgliedstaats der Gemeinschaft mit
einem in der Schweiz zugelassenen Fahrzeug sowie Beförderungen zwi-
schen zwei Orten im Gebiet der Schweiz mit einem in einem Mitgliedstaat
der Gemeinschaft zugelassenen Fahrzeug nicht zulässig sind. Insoweit
entspricht das Landverkehrsabkommen dem Istanbul Übereinkommen.
3.1.4 Eine Lockerung des Verbots von Inlandtransporten im Rahmen der
vorübergehenden Verwendung ist hingegen für Behälter vorgesehen, wo-
bei dazu das Istanbul Übereinkommen (E. 3.1.1) massgebend ist. Dies-
bezüglich setzt nämlich die Anlage B.3. des Istanbul Übereinkommens
(Version vor 16. Januar 2011, AS 1995 4741) zwischen den Vertragspar-
teien die – weitgehend identischen – Bestimmungen des Zollabkommens
vom 2. Dezember 1972 über Behälter ('Zollabkommen über Behälter',
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Seite 14
SR 0.631.250.112) ausser Kraft (Art. 9 der Anlage B.3. des Istanbul
Übereinkommens).
3.1.4.1 Gemäss Art. 2 Bst. b der Anlage B.3. des Istanbul Übereinkom-
mens werden im Rahmen eines Handelsgeschäfts eingeführte beladene
und unbeladene Behälter [...] zur vorübergehenden Verwendung zuge-
lassen. Ferner können Behälter zur Warenbeförderung im Binnenverkehr
verwendet werden, wobei jede Vertragspartei berechtigt ist, die Verwen-
dung von folgenden Voraussetzungen abhängig zu machen: 1) der Behäl-
ter muss auf dem zumutbar kürzesten Weg an den Ort oder näher an den
Ort befördert werden, an dem der Behälter mit Ausfuhrwaren beladen
oder leer wiederausgeführt werden soll; 2) der Behälter wird vor seiner
Wiederausfuhr nur ein einziges Mal im Binnenverkehr verwendet (Art. 4
Abs. 1 Bst. b der Anlage B.3. des Istanbul Übereinkommens).
Was den Geltungszeitraum von aZG und aZV anbelangt (E. 1.6), machte
die Schweiz von der Möglichkeit, die Verwendung von Behältern im Bin-
nenverkehr zu beschränken, keinen Gebrauch. Auch im neuen Zollrecht
wurde die erste einschränkende Voraussetzung betreffend Unmittelbar-
keit des Beförderungswegs nicht vorgesehen. Hingegen hält Art. 37 ZV
fest, allerdings mit Verweis auf das hier nicht anwendbare Zollabkommen
über Behälter (E. 3.1.4), dass ein Behälter vor der Wiederausfuhr nur ein
einziges Mal im Binnenverkehr verwendet werden darf. Die Frage kann
offen gelassen werden, ob Art. 37 ZV, obwohl die Bestimmung auf das
Zollabkommen über Behälter verweist, auch im Rahmen des Istanbul
Übereinkommens nur einen einzigen Binnentransport gestattet, zumal
diese Voraussetzung vorliegend ohnehin erfüllt wäre.
3.1.4.2 Nach Art. 1 Bst. c Anlage B.3. des Istanbul Übereinkommens ist
ein 'Behälter' im Sinne des Istanbul Übereinkommens eine Transportaus-
rüstung (Möbeltransportbehälter, abnehmbarer Tank oder anderes ähnli-
ches Gerät), die
(i) einen zur Aufnahme von Waren bestimmten ganz oder teilweise ge-
schlossenen Hohlkörper darstellt;
(ii) von dauerhafter Beschaffenheit und daher genügend widerstandsfä-
hig ist, um wiederholt verwendet werden zu können;
(iii) besonders dafür gebaut ist, um die Beförderung von Waren durch ei-
nen oder mehrere Verkehrsträger ohne Umladung des Inhalts zu er-
leichtern;
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Seite 15
(iv) so gebaut ist, dass es leicht gehandhabt werden kann, insbesondere
bei der Umladung von einem Verkehrsträger auf einen anderen;
(v) so gebaut ist, dass es leicht beladen und entladen werden kann, und
(vi) einen Rauminhalt von mindestens einem Kubikmeter hat.
Der Begriff 'Behälter' schliesst das Zubehör und die Ausrüstung des Be-
hälters je nach seiner Art ein, sofern Zubehör und Ausrüstung mit dem
Behälter zusammen befördert werden.
Der Begriff 'Behälter' schliesst weder Fahrzeuge noch deren Zubehör
oder Ersatzteile noch Umschliessungen oder Paletten ein. Abnehmbare
Karosserien gelten als Behälter.
3.1.4.3 Um die Erleichterungen der Anlage B.3. des Istanbul Überein-
kommens in Anspruch nehmen zu können, müssen die Behälter an einer
geeigneten gut sichtbaren Stelle eine dauerhafte Aufschrift mit den fol-
genden Angaben tragen: a) die Bezeichnung des Eigentümers oder Hal-
ters; b) die dem Behälter vom Eigentümer oder Halter gegebenen Erken-
nungszeichen und Erkennungsnummern; c) das Eigengewicht des Behäl-
ters einschliesslich der fest angebrachten Ausrüstung. Sodann gelten be-
sondere Bestimmungen über die Art und Weise der zulässigen Beschrif-
tung und Methoden der dauerhaften Kennzeichnung der Behälter (siehe
Anhang II der Anlage B.3. i.V.m. Art. 4 Bst. b Anlage B.3. des Istanbul
Übereinkommens).
3.2 Nach Art. 1 Abs. 2 ZTG können sich aus Staatsverträgen, besonderen
Bestimmungen von Gesetzen sowie Verordnungen des Bundesrates, die
sich auf dieses Gesetz abstützen (Art. 1 Abs. 2 ZTG) Abweichungen vom
Grundsatz ergeben, dass alle Waren, die über die schweizerische Zoll-
grenze ein- oder ausgeführt werden, nach dem Generaltarif zu verzollen
sind (Art. 1 Abs. 1 ZTG). Eine solche Ausnahme besteht in der Gewäh-
rung von Zollpräferenzen für die Einfuhr von Ursprungserzeugnissen, die
durch ein Freihandelsabkommen gedeckt sind.
3.2.1 Das Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft vom 22. Juli 1972
(SR 0.632.401; 'Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und der
EG) bezweckt gemäss Art. 2 und 3, die Einfuhrzölle für zahlreiche Ur-
sprungserzeugnisse der Gemeinschaft und der Schweiz zu beseitigen.
Dabei legt das dazugehörige Protokoll Nr. 3 vom 28. April 2004 über die
Bestimmung des Begriffs 'Ursprungserzeugnisse' und über die Methoden
der Zusammenarbeit der Verwaltungen (Protokoll Nr. 3, SR 0.632.401.3)
die Ursprungsregeln fest (Art. 11 des Abkommens). Gemäss Art. 16 des
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Seite 16
Protokolls Nr. 3 erhalten Ursprungserzeugnisse der Gemeinschaft bei der
Einfuhr in die Schweiz die Begünstigungen des Abkommens, sofern (1)
eine Warenverkehrsbescheinigung EUR.1 nach dem Muster in Anhang III
vorgelegt wird, oder wenn (2) in den in Art. 21 Abs. 1 genannten Fällen
vom Ausführer eine Erklärung mit dem in Anhang IV des Protokolls Nr. 3
angegebenen Wortlaut auf einer Rechnung, einem Lieferschein oder ei-
nem anderen Handelspapier abgegeben wird (Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-30/2012 vom 4. September 2012 E. 2.2, A-3296/2008
vom 22. Oktober 2009 E. 2.6). Die Ursprungsnachweise sind den Zollbe-
hörden des Einfuhrstaates nach den dort geltenden Verfahrensvorschrif-
ten vorzulegen (Art. 24 Protokoll Nr. 3).
3.2.2 Nach den hier massgebenden Verfahrensbestimmungen (E. 2.3.3)
setzt die Verzollung zum Präferenzzollansatz sowohl nach altem wie auch
nach neuem Recht voraus, dass eine ordentliche Zollanmeldung erfolgt
ist, ein Präferenzzollantrag gestellt und die entsprechenden Vorlagepflich-
ten erfüllt worden sind. Ist eine solche Zollanmeldung nicht geschehen,
dann hat auch eine Anmeldung zur Präferenzverzollung als nicht erfolgt
zu gelten. Daraus ergibt sich, dass eine nachträgliche Präferenzverzol-
lung bzw. Zollbegünstigung ausgeschlossen ist (Urteil des Bundesge-
richts 2A.539/2005 vom 12. April 2006 E. 4.5, 2A.566/2003 vom 9. Juni
2004 E. 2.3 und 2.4 mit Hinweisen). Werden die Voraussetzungen einer
Zollbegünstigung nach Art. 1 Abs. 2 ZTG nicht erfüllt, so ist die Ware nach
dem Normalansatz zu verzollen (zum Ganzen Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A-30/2012 vom 4. September 2012, E. 2.5, A-6930/2009
vom 1. September 2011 E. 2.5.).
4.
4.1 Wer zollpflichtige Waren beim Grenzübertritt ganz oder teilweise zur
Zollbehandlung anzumelden unterliess, wer für Waren Zollbefreiung oder
Zollermässigung erwirkte, ohne dass die Voraussetzungen für den zoll-
freien Warenverkehr oder die Zollbegünstigung zutrafen bzw. wer auf an-
dere Weise dem Bund zum eigenen oder zum Vorteil eines anderen Zölle
vorenthielt oder sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Zollvor-
teil verschaffte oder die gesetzmässige Veranlagung gefährdete oder ver-
hinderte, beging nach altem Zollrecht eine Zollwiderhandlung (Art. 74 Ziff.
3, Ziff. 9 und Ziff. 16 aZG). Gemäss Art. 118 ZG begeht eine Zollwider-
handlung, wer Zollabgaben durch Nichtanmelden, Verheimlichen oder un-
richtige Zollanmeldung der Waren oder in irgendeiner anderen Weise
ganz oder teilweise hinterzieht, oder sich oder einer anderen Person
sonst wie einen unrechtmässigen Zollvorteil verschafft.
A-2326/2012
Seite 17
Eine Widerhandlung gegen die Mehrwertsteuergesetzgebung begeht, wer
sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Steuervorteil verschafft,
namentlich die Steuer hinterzieht, auch indem er für sich eine unrecht-
mässige Befreiung, Vergütung, Rückerstattung oder einen unrechtmässi-
gen Abzug von Steuern erwirkt (Art. 85 aMWSTG).
4.2 Auf Zollwiderhandlungen und Widerhandlungen gegen die Mehr-
wertsteuergesetzgebung des Bundes findet sodann das Bundesgesetz
vom 22. März 1974 über das Verwaltungsstrafrecht (VStrR, SR 313.0)
Anwendung (Art. 80 Abs. 1 aZG, Art. 128 Abs. 1 ZG, Art. 88 Abs. 1
aMWSTG). Sowohl die Zoll- als auch die Mehrwertsteuergesetzgebung
gehören zur Verwaltungsgesetzgebung des Bundes (vgl. Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts A-5115/2011 vom 5. Juli 2012 E. 2.4.2).
4.2.1 Gemäss Art. 12 Abs. 1 VStrR sind Abgaben, die infolge einer Wi-
derhandlung gegen die Verwaltungsgesetzgebung des Bundes zu Un-
recht nicht erhoben worden sind, ohne Rücksicht auf die Strafbarkeit ei-
ner Person nachzuentrichten. Es genügt also eine objektive Widerhand-
lung. Die Leistungspflicht besteht unabhängig von der Einleitung eines
Strafverfahrens, eines Verschuldens oder einer strafrechtlichen Verant-
wortlichkeit (statt vieler: BGE 106 Ib 218 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts
2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.1 mit Hinweisen).
4.2.2 Zur Nachleistung der Zollabgaben und Einfuhrsteuer ist verpflichtet,
wer in den Genuss eines unrechtmässigen Vorteils gelangt ist, insbeson-
dere der zur Zahlung der Abgabe Verpflichtete (Art. 12 Abs. 2 VStrR).
Wurde eine geschuldete Abgabe zu Unrecht nicht bezahlt, so gelten ins-
besondere jene Personen, welche dem Kreis der Zollzahlungspflichtigen
gemäss Art. 13 und 9 aZG bzw. der Zollschuldnerinnen und Zollschuldner
gemäss Art. 70 ZG zuzurechnen sind (E. 2.2.3) – sowohl bezüglich der
Zollabgabe als auch der Einfuhrsteuer (Art. 75 Abs. 1 aMWSTG) – ipso
facto als bevorteilt (Urteile des Bundesgerichts 2C_132/2009 vom 7. Ja-
nuar 2010 E. 4.1, 2A.82/2005 vom 23. August 2005 E. 2.1; Urteile des
Bundesverwaltungsgerichts A-3637/2010 vom 6. Juli 2011 E. 5.1, A-
1726/2006 vom 28. Januar 2008 E. 3.1). Dies gilt selbst dann, wenn die
Person aus der Widerhandlung keinen persönlichen Nutzen gezogen hat
(Urteil des Bundesgerichts 2A.242/2006 vom 2. Februar 2007 E. 2.1;
BEUSCH, Zollkommentar, a.a.O., Art. 70 N 12).
A-2326/2012
Seite 18
5.
5.1 Gelangt das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung nicht zum
Ergebnis, dass sich ein rechtserheblicher Sachumstand verwirklicht hat,
kommen die Beweislastregeln zur Anwendung. Gemäss der allgemeinen
Beweislastregel hat, wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, derjenige
das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr
Rechte ableitet (Art. 8 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom
10. Dezember 1907 [ZGB, SR 210]). Bei Beweislosigkeit ist folglich zu
Ungunsten desjenigen zu entscheiden, der die Beweislast trägt (BGE 121
II 257 E. 4c.aa, Urteil des Bundesgerichts vom 14. Juli 2005, veröffentlicht
in: Archiv für schweizerisches Abgaberecht [ASA] 75 S. 495 ff. E. 5.4;
MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.149 ff.). Abgesehen von Be-
sonderheiten, welche die Natur des im Zollrecht geltenden Selbstdeklara-
tionsprinzips mit sich bringt (E. 2.3.1), gilt auch in diesem Rechtsgebiet
– wie allgemein im Abgaberecht – der Grundsatz, wonach die Behörde
die Beweislast für Tatsachen trägt, welche die Abgabepflicht begründen
oder die Abgabeforderung erhöhen; demgegenüber ist die abgabepflichti-
ge bzw. abgabebegünstigte Person für die abgabeaufhebenden und
-mindernden Tatsachen beweisbelastet ([statt vieler] Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts A-845/2011 vom 7. Februar 2012 E. 1.3.2 mit Hin-
weisen).
5.2 Das verfassungsmässige Gebot der Verhältnismässigkeit (Art. 5
Abs. 2 der schweizerischen Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV,
SR 101] verlangt, dass staatliche Hoheitsakte für das Erreichen eines im
übergeordneten Interesse liegenden Zieles geeignet, notwendig und dem
Betroffenen zumutbar sein müssen. Eine staatliches Handeln ist nament-
lich dann unverhältnismässig, wenn eine ebenso geeignete mildere An-
ordnung für den angestrebten Erfolg ausreicht. Der Eingriff darf in sachli-
cher, zeitlicher und räumlicher Hinsicht nicht einschneidender sein als
notwendig (BGE 126 I 122 E. 5b mit Hinweisen). Für Verhältnismässig-
keitsüberlegungen verbleibt jedoch immer dann kein Raum, wenn eine
Norm zwar als streng erscheinen mag, aber vom Bundesgesetzgeber so
gewollt ist und innerhalb des diesem eröffneten Regelungsermessens
liegt (Urteil des Bundesgerichts 2C_703/2009 und 2C_22/2010 vom
21. September 2010 E. 4.4.2). Denn die rechtsanwendenden Behörden
dürfen von einer klar formulierten Vorschrift, deren Wortlaut auch dem
Sinn und Zweck der Regelung entspricht, nicht abweichen (sog. Anwen-
dungsgebot; Art. 190 BV; BGE 131 II 217 E. 2.3).
A-2326/2012
Seite 19
6.
Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer als al-
leiniger Geschäftsführer der Z._ GmbH & Co. KG mehrere grenz-
überschreitende Gütertransporte in die Schweiz und anschliessend In-
landtransporte mit ausländischen Lastwagen und Anhängern in der
Schweiz veranlasste. Ebenso steht fest, dass die Transportmittel nicht zur
Verzollung angemeldet wurden und keine Ausnahmebewilligungen für die
Durchführung von Inlandtransporten vorlagen.
6.1 Vorab ist festzuhalten, dass das Verbringen der Lastwagen und An-
hänger der Z._ GmbH & Co. KG über die schweizerische Zoll-
grenze die allgemeine Zollpflicht und die Einfuhrsteuerpflicht auslöst
(E. 2.1), sofern keine Ausnahme von der Zoll- und Einfuhrsteuerpflicht
bzw. vom Grundsatz der Verzollung nach Generaltarif besteht (E. 3).
Im Folgenden ist vorerst zu prüfen, ob der Beschwerdeführer zum Kreis
der Zollzahlungspflichtigen bzw. Zollschuldner zählt (E. 6.2). Weiter stellt
sich die Frage, ob eine Ausnahme von der allgemeinen Zollpflicht vorliegt
(E. 6.3) und ob eine Ausnahme vom Grundsatz der Verzollung nach Ge-
neraltarif besteht (E. 6.4). Sodann ist auf die Nachleistungspflicht gemäss
Art. 12 VStR einzugehen (E. 6.5) und schliesslich ist der Vorwurf der Un-
verhältnismässigkeit zu prüfen (E. 6.6).
6.2 Zollzahlungspflichtig bzw. Zollschuldner ist u.a. wer Waren über die
Grenze bringen lässt, also der Auftraggeber (E. 2.2.3). Der Beschwerde-
führer hat als Geschäftsführer seines Speditionsunternehmens die Trans-
porte über die Grenze tatsächlich veranlasst. Indem er in seiner Funktion
als Organ der Gesellschaft die Wareneinfuhr tatsächlich auslöste, gilt er
als Auftraggeber im Sinne der Zollgesetzgebung und ist dem Kreis der
Zollzahlungspflichtigen bzw. Zollschuldner zuzurechnen.
Als Zollzahlungspflichtiger bzw. Zollschuldner haftet der Beschwerdefüh-
rer sodann mit weiteren Zollzahlungspflichtigen bzw. Zollschuldnern für
die Zoll- und Einfuhrsteuerschuld solidarisch (E. 2.2.4). Darauf ist in
E. 6.5.4 näher einzugehen.
6.3 Weiter ist zu prüfen, ob eine Ausnahme von der allgemeinen Zoll-
pflicht bzw. Einfuhrsteuerpflicht besteht, namentlich ob das Verfahren des
Freipassverkehrs bzw. der vorübergehenden Verwendung anwendbar ist
(E. 3.1).
A-2326/2012
Seite 20
6.3.1 Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, dass Kabotagefahrten die
Anwendung der Zollverfahren der vorübergehenden Verwendung bzw.
des Freipassverkehrs nicht ausschliessen. Für die Erhebung von Zoll-
und Einfuhrsteuerabgaben infolge von unzulässigen Inlandtransporten
fehle eine gesetzliche Grundlage. Hingegen würden Kabotagefahrten ge-
gebenenfalls verwaltungsstrafrechtliche Sanktionen nach sich ziehen.
Die Vorinstanz erachtet dagegen das Zollverfahren der vorübergehenden
Verwendung bzw. des Freipassverkehrs aufgrund der durchgeführten In-
landtransporte als nicht anwendbar und erblickt die gesetzliche Grundla-
ge für die Erhebung von Zoll und Einfuhrsteuer in der allgemeinen Zoll-
pflicht.
6.3.2 Der Argumentation des Beschwerdeführers kann nicht beigepflichtet
werden. Die Anwendbarkeit der Zollverfahren des Freipassverkehrs bzw.
der vorübergehenden Verwendung ist an bestimmte Voraussetzungen
geknüpft. Wie dargelegt, bildet gemäss Art. 15 Ziff. 1 aZG und Art. 34
Abs. 1 ZV eine solche Voraussetzung das Unterlassen von Inlandtrans-
porten (E. 3.1.2). Der Anwendungsbereich der genannten Zollverfahren
beschränkt sich auf grenzüberschreitende Transporte, bedingt also, dass
die Fahrzeuge vom Ausland an den Bestimmungsort im Inland und wie-
der ins Ausland fahren, ohne zusätzlich Inlandtransporte durchzuführen.
Weil aber vorliegend im Anschluss an den Grenzübertritt Inlandtransporte
stattfanden, verbleibt für die Anwendung der Zollverfahren der vorüber-
gehenden Verwendung und des Freipassverkehrs kein Raum. Dies hat
zur Folge, dass die in die Schweiz eingeführten und für die Inlandtrans-
porte benutzten Transportmittel der allgemeinen Zollpflicht unterstanden
(E. 2.1). Folglich hätten die Transportmittel aus zollrechtlicher Sicht nach
entsprechender Zollanmeldung (E. 2.3.2) verzollt und versteuert werden
müssen.
6.3.3 Soweit der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang darlegt, im
Zeitpunkt des Grenzübertritts habe gerade keine 'Abgabepflicht' bestan-
den, verkennt er das im Zollverfahren geltende Prinzip der Selbstdeklara-
tion (E. 2.3.1) sowie den Mechanismus des Zollverfahrens.
Lag nämlich die Absicht, Binnentransporte durchzuführen, bereits im
Zeitpunkt des Grenzübertritts vor, so war vorliegend das Verfahren des
Freipassverkehrs bzw. der vorübergehenden Verwendung von Beginn
weg nicht anwendbar. In diesem Fall ist eine 'Falschanmeldung' erfolgt
(der Beschwerdeführer hätte die Lastwagen und Anhänger wie die mitge-
A-2326/2012
Seite 21
führten übrigen Waren zur Verzollung anmelden müssen), die nicht zur
Aufhebung der Abgabepflicht führt, und für welche der Zollmeldepflichtige
die Verantwortung trägt. Die Zollschuld entsteht hier mit der Annahme der
mangelhaften Zollanmeldung (E. 2.3.4).
Doch selbst wenn der Entschluss, Binnentransporte durchzuführen, erst
nachträglich gefasst und das Verfahren des Freipassverkehrs bzw. der
vorübergehenden Verwendung zunächst rechtmässig in Anspruch ge-
nommen wurde, verlangt das Selbstdeklarationsprinzip, die Ware zu ei-
nem anderen Zollverfahren anzumelden, sobald eine materielle Voraus-
setzung des bisher gewählten Verfahrens entfällt (E. 2.3.1). Vorliegend
war eine materielle Voraussetzung des Freipassverkehrs bzw. der vorü-
bergehenden Verwendung nicht oder nicht mehr erfüllt, so dass spätes-
tens vor Durchführung der Inlandtransporte eine neue Zollanmeldung zur
Überführung in den zollrechtlich freien Verkehr hätte erfolgen müssen.
Bei einer solchen Nichtanmeldung wird die Entstehung der Zollschuld zu-
rückbezogen auf den Zeitpunkt des Grenzübertritts (E. 2.3.4).
Vorliegend unerheblich ist sodann, dass selbst im Anwendungsbereich
des Freipassverkehrs bzw. der vorübergehenden Verwendung eine Zoll-
schuld entsteht und lediglich deren Fälligkeit hinausgeschoben wird. So-
mit würde die Wiederausfuhr der Transportmittel nur dann zum Untergang
der bedingt entstandenen Zollschuld führen, wenn die Verfahren des
Freipassverkehrs bzw. der vorübergehenden Verwendung anwendbar
wären (Art. 12 aZG, Art. 58 Abs. 3 ZG; ferner MICHAEL BEUSCH, Der Un-
tergang der Steuerforderung, Zürich 2012, S. 338 f.).
6.3.4 Im Rahmen der vorübergehenden Verwendung kommt den Behäl-
tern eine Sonderstellung zu, weil für Behälter das Verfahren der vorüber-
gehenden Verwendung nicht a priori ausgeschlossen ist, wenn Inland-
transporte durchgeführt werden (E. 3.1.4). Es ist daher zu prüfen, ob die
Anhänger als Behälter zu gelten haben und ob daher für die Behälter eine
Ausnahme von der Zoll- und Einfuhrsteuerpflicht besteht.
6.3.4.1 Der Beschwerdeführer ist der Ansicht, dass unzulässigerweise
Zoll und Einfuhrsteuer auf den 15 Anhängern mit Wechselaufbau erhoben
worden seien. Denn diese Anhänger hätten gemäss dem Zollabkommen
vom 2. Dezember 1972 über Behälter nach einer grenzüberschreitenden
Verwendung für einen einzigen Transport innerhalb des Zollgebiets ver-
wendet werden dürfen. Anhänger mit Wechselaufbau würden die Voraus-
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Seite 22
setzungen gemäss Art. 1 Abs. 1 Bst. c des Zollabkommens über Behälter
erfüllen und seien deshalb als Behälter zu qualifizieren.
Die OZD verneint die Behältereigenschaft der Anhänger, da diese als
'Fahrzeuge und Zubehör' gelten. Ausserdem hätte der bei 15 der 20 An-
hänger bestehende Wechselaufbau lediglich unter einschränkender Be-
dingung abgabefrei im Binnenverkehr eingesetzt werden können. So sei
vorliegend die Voraussetzung der Anlage 3 des Zollabkommens über Be-
hälter nicht eingehalten worden, wonach der Beförderungsweg der Behäl-
ter so unmittelbar, wie es billigerweise erwartet werden kann, an den Ort
oder näher an den Ort zu bringen ist, an dem der Behälter mit Ausfuhr-
wahren beladen oder leer wieder ausgeführt werden soll.
6.3.4.2 Behälter dürfen – wenn vorliegend auch nicht gemäss dem Zoll-
abkommen über Behälter, sondern gestützt auf die Anlage B.3. des Istan-
bul Übereinkommens – im Rahmen des Zollverfahrens der vorüberge-
henden Verwendung für Inlandtransporte eingesetzt werden (E. 3.1.4.1).
Dabei sah und sieht das schweizerische Zollrecht – entgegen der Ansicht
der Vorinstanz – keine Einschränkung bezüglich Unmittelbarkeit des Be-
förderungswegs vor. Die zweite allfällige Einschränkung, wonach lediglich
ein einziger Binnentransport im Anschluss an eine grenzüberschreitende
Warenbeförderung gestattet ist, ist vorliegend unbestrittenermassen er-
füllt (E. 3.1.4.1).
6.3.4.3 Um einen Behälter im Rahmen der vorübergehenden Verwendung
abgabebefreit einführen zu können, müssen weiter die Vorschriften über
die Kennzeichnung eingehalten werden (E. 3.1.4.3). So haben die Behäl-
ter gemäss Anhang II der Anlage B.3. des Istanbul Übereinkommens an
einer geeigneten gut sichtbaren Stelle eine dauerhafte Aufschrift u. a. mit
der Bezeichnung des Eigentümers oder Halters, den vorgeschriebenen
Erkennungszeichen und Erkennungsnummern sowie dem Eigengewicht
des Behälters einschliesslich der fest angebrachten Ausrüstung zu tragen
und es sind die Bestimmungen über die Art und Weise der zulässigen
Beschriftung und Methoden der dauerhaften Kennzeichnung der Behälter
einzuhalten. Dass die in Frage stehenden Anhänger mit Wechselaufbau
bzw. der jeweilige Wechselaufbau diese Anforderungen der Kennzeich-
nung im Zeitpunkt der massgebenden Grenzübertritte erfüllt haben, wird
vom Beschwerdeführer weder behauptet, noch bewiesen.
Wie in E. 1.5 dargelegt, ist es nicht Sache des Bundesverwaltungsge-
richts, den Sachverhalt über die tatsächlichen Vorbringen der Parteien
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hinaus vollkommen neu zu erforschen, zumal die vom Istanbul Überein-
kommen vorgeschriebene Kennzeichnung der Behälter eine steueraufhe-
bende Tatsache darstellt, für welche der Beschwerdeführer beweispflich-
tig wäre (E. 5.1). Da bereits mangels Nachweis der notwendigen Kenn-
zeichnung eine Zollbefreiung der Anhänger gestützt auf die Anlage B.3
des Istanbul Übereinkommens nicht möglich ist, kann offen bleiben, ob es
sich bei den Anhängern mit Wechselaufbau überhaupt um Behälter ge-
mäss Art. 1 Bst. c der Anlage B.3. des Istanbul Übereinkommens handelt
(E. 3.1.4.2). Damit unterliegen auch die Anhänger mit Wechselaufbau der
allgemeinen Zollpflicht (E. 2.1).
6.4 Im Folgenden ist weiter zu prüfen, ob eine Ausnahme vom Grundsatz
der Verzollung nach Generaltarif vorliegt (E. 3.2), indem eine Zollbefrei-
ung gestützt auf das Freihandelsabkommen mit der EU zum Zug kommt.
6.4.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass eine Zollbefreiung der
benutzten Lastwagen und Anhänger gestützt auf das Freihandelsabkom-
men mit der EU bestehe, und legt zum Nachweis diverse Lieferantener-
klärungen ins Recht. Ferner stellt er in Aussicht – falls möglich – Waren-
verkehrsbescheinigungen EUR.1 nachzureichen, welche gemäss Art. 18
Abs. 1 Bst. a des Protokolls Nr. 3 zum Freihandelsabkommen mit der EU
nachträglich ausgestellt werden können.
Die Vorinstanz verneint die Möglichkeit der Präferenzverzollung im Rah-
men eines Nachbezugs nach Art. 12 VStrR.
6.4.2 Wie in E. 3.2.2 dargelegt, setzt die Verzollung zum Präferenzzollan-
satz gestützt auf das Freihandelsabkommen mit der EU sowohl nach al-
tem wie auch nach neuem Recht voraus, dass eine ordentliche Zollan-
meldung erfolgt ist, in der die Präferenzverzollung beantragt wurde und,
dass die entsprechenden Vorlagepflichten eingehalten worden sind. Eine
nachträgliche Präferenzverzollung ist ausgeschlossen. Vorliegend ist eine
solche Zollanmeldung mit Präferenzzollantrag unbestrittenermassen nicht
geschehen, so dass auch kein Präferenzzoll angewendet werden kann.
Damit erübrigt es sich, Warenverkehrsbescheinigungen EUR.1 nachträg-
lich ausstellen zu lassen. Die Rüge, wonach auf den für die Inlandtrans-
porte benutzten Lastwagen und Anhänger zu Unrecht nicht der Präfe-
renzzoll gewährt worden sei, erweist sich als unbegründet.
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6.5 Eine Zollwiderhandlung bzw. eine Widerhandlung gegen die Mehr-
wertsteuergesetzgebung liegt vor, wenn Zollabgaben und Einfuhrsteuern
durch Falsch- oder Nichtanmeldung hinterzogen werden (E. 4.1).
6.5.1 Vorliegend wurden die für die Inlandtransporte benützten Fahrzeuge
nicht zur Verzollung angemeldet, obwohl sie bereits im Zeitpunkt, als sie
über die Grenze verbracht wurden – spätestens aber im Zeitpunkt der
Durchführung der Inlandtransporte –, der allgemeinen Zollpflicht unterla-
gen (E. 6.3). Durch die Nicht-Verzollung wurde damit ein unrechtmässiger
Zollvorteil erlangt. Damit ist der objektive Tatbestand der Zollwiderhand-
lung erfüllt (E. 4.1) und somit die Nachleistungspflicht für Zollabgaben
und Einfuhrsteuer nach Art. 12 Abs. 1 VStrR gegeben (E. 4.2.1).
6.5.2 Nicht gefolgt werden kann der Auffassung des Beschwerdeführers,
wonach Art. 12 VStrR nicht anwendbar sei, da die Erhebung von Einfuhr-
abgaben nicht infolge der verpönten Inlandtransporte unterblieben sei,
sondern aufgrund dieser allenfalls erst hätte erfolgen müssen. Es wurde
bereits darauf hingewiesen, dass vorliegend die Erhebung der Einfuhrab-
gaben infolge der Falsch- bzw. Nichtanmeldung unterblieb (E. 6.3.2), wo-
bei die Zollforderung spätestens beim Grenzübertritt entstand (E. 6.3.3).
6.5.3 Gestützt auf Art. 12 Abs. 2 VStrR ist der Beschwerdeführer als Zoll-
zahlungspflichtiger bzw. Zollschuldner (E. 6.2) – unabhängig eines allfälli-
gen strafrechtlichen Verschuldens – zur Nachleistung der Zollabgaben
und der Einfuhrsteuer verpflichtet (E. 4.2.2).
6.5.4 Der Beschwerdeführer haftet solidarisch mit weiteren Zollzahlungs-
pflichtigen bzw. Zollschuldnerinnen und Zollschuldnern für die Zoll- und
Einfuhrsteuerschuld (E. 6.2). Neben dem Beschwerdeführer ist vorliegend
die Haftung der Z._ GmbH & Co. KG von Bedeutung, in deren
Namen der Beschwerdeführer handelte und die er vertraglich für die
Transportdienstleistungen verpflichtete.
6.5.4.1 In Bezug auf die Solidarhaftung rügt der Beschwerdeführer, dass
er lediglich für 67% der gegebenenfalls geschuldeten Steuer und Abgabe
solidarisch haftbar sei. Denn die eidgenössische Zollverwaltung habe es
unterlassen, die Zollforderung im Konkurs der Z._ GmbH & Co.
KG durchzusetzen. Dieses den Beschwerdeführer schädigende Verhalten
der eidgenössischen Zollverwaltung sei als Forderungsverzicht im Um-
fang der im Konkurs der Z._ GmbH & Co. KG entstandenen Kon-
kursdividende von 33% aufzufassen.
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Die Vorinstanz hält im Wesentlichen dagegen, dass sich der Beschwerde-
führer nicht mit dem Hinweis auf mangelnde Bezahlung durch weitere so-
lidarisch Haftende von seiner Abgabepflicht befreien könne.
6.5.4.2 Der Beschwerdeführer dringt mit seiner Rüge nicht durch. Die
eidgenössische Zollverwaltung hatte die Zollforderung im Konkurs der
Z._ GmbH & Co. KG eingegeben, diese wurde jedoch vom Mas-
severwalter und der Gemeinschuldnerin bestritten. Dass die Zollverwal-
tung anschliessend die Forderung nicht gerichtlich durchzusetzen ver-
suchte, kann nicht als Forderungsverzicht aufgefasst werden, zumal ein
solches Gerichtsverfahren für die Zollbehörde einen erheblichen Mehr-
aufwand bedeutet hätte. Sodann entspricht es gerade Sinn und Zweck
der solidarischen Haftung für die Zollschuld, dass die Zollverwaltung wäh-
len kann, bei welchem Schuldner sie die Forderung eintreiben möchte
(E. 2.2.4). Aus der Solidarhaftung lässt sich folglich für die Behörde keine
Pflicht ableiten, die Zollforderung gegenüber der Z._ GmbH & Co.
KG zuerst einzufordern oder gar durchzusetzen, bevor sie den Be-
schwerdeführer belangt. Es kann der Zollverwaltung daher auch kein
Nachteil daraus erwachsen, dass sie die Durchsetzung der Zollforderung
gegenüber der insolventen Z._ GmbH & Co. KG nicht gerichtlich
weiter verfolgt hat und stattdessen den Beschwerdeführer ins Recht fasst.
Nach dem Gesagten liegt es im freien Ermessen der Behörde, den Be-
schwerdeführer für die gesamte Zollschuld zu belangen, und es bleibt für
eine Reduktion um die Konkursdividende kein Raum.
6.6
6.6.1 Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, die Nachforderung sei
unverhältnismässig. Geschuldet seien höchstens die Abgaben für einen
einzigen Lastwagen mit Anhänger. Es sei Zufall, dass für die 273 Inland-
transporte 20 verschiedene Anhängerzüge – und somit beinahe der ge-
samte Fuhrpark des Unternehmens – eingesetzt worden seien. Ebenso
hätten die Inlandtransporte mit ein und demselben Lastwagen durchge-
führt werden können. Während ein kleines Transportunternehmen ledig-
lich ein Fahrzeug verwendet hätte, werde die Z._ GmbH & Co KG
vorliegend für ihre Betriebsgrösse bestraft, was unbillig sei und Sinn und
Zweck der Zollgesetzgebung zuwider laufe. Auch mit Blick auf Art. 34
Abs. 2 Bst. a ZV, der für die gewerbliche Verwendung eines ausländi-
schen Beförderungsmittels durch Personen mit Sitz oder Wohnsitz im
Zollinland 12 Beförderungen pro Jahr erlaubt, sei die vorliegende Erhe-
bung von Zoll- und Einfuhrabgaben unverhältnismässig.
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Die Vorinstanz verneint ein unverhältnismässiges Vorgehen der Zollver-
waltung, da ihr in Bezug auf die Höhe der Nachforderung kein Ermes-
sensspielraum zukomme.
6.6.2 Es ist nachvollziehbar, dass die vorliegende Nachforderung von
Zoll- und Einfuhrsteuerabgaben ein Unternehmen finanziell schwer treffen
kann. Ebenso mag es sein, dass sich vorliegend mit einer geschickteren
Planung der (nota bene unzulässigen) Inlandtransporte die Nachforde-
rungen massiv hätten verringern lassen. Es steht aber weder im Ermes-
sen der Zollverwaltung, ihrem Entscheid über die Nachforderung von Zoll-
und Einfuhrabgaben Sachverhalte zugrunde zu legen, die sich – un-
bestrittenermassen – nie verwirklicht haben, so namentlich anzunehmen,
dass lediglich ein Lastwagen und Anhänger verwendet wurde oder dass
sich der Unternehmenssitz im Zollinland befand. Noch darf die Zollbehör-
de eine Verhältnismässigkeitsprüfung vornehmen, wo eine klare gesetzli-
che Grundlage für die Abgabenerhebung besteht (E. 5.2). Wie bereits
mehrfach ausgeführt, unterliegen die für die Inlandtransporte benutzten
Lastwagen und Anhänger der allgemeinen Zollpflicht (E. 6.3). Die Höhe
der Zollforderung bemisst sich dabei gemäss Art. 1 ZTG nach dem Gene-
raltarif (E. 3.2). Die Abgabenerhebung auf allen involvierten Lastwagen
sowie die Höhe der Abgaben beruhen auf klarer bundesgesetzlicher
Grundlage. Eine Berücksichtigung der 'besonderen Umstände' des Ein-
zelfalles ist weder durch die Auswahl eines beliebigen Abgabe- bzw.
Steuerobjekts noch bei der Festlegung der Höhe der Zoll- bzw. Steuerfor-
derung möglich. Durch das gesetzeskonforme Vorgehen der Zollverwal-
tung wurde der Grundsatz der Verhältnismässigkeit nicht verletzt.
7.
Mit Recht hat die Vorinstanz damit die Nachforderung der Zoll- und Ein-
fuhrsteuerabgaben bestätigt. Rechnerisch ist die Nachforderung nicht
bestritten. Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
8.
Der Beschwerdeführer hat als unterliegende Partei die Verfahrenskosten
im Umfang von Fr. 7'500.-- zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Sie werden
mit dem von ihm in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrech-
net. Ein Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG
e contrario).
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