Decision ID: c96546a0-bfee-5c17-9f06-48bab61a3843
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Mattias Dolder, Schwager Mätzler Schneider,
Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 19./20. Dezember 2007 zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Seit Oktober 2004 war
die Versicherte als Maschinenführerin bei der B._, arbeitstätig gewesen (IV-act. 9,
11). Ab 13. März 2007 war sie zu 100% arbeitsunfähig geschrieben und am 12. April
2007 war eine Diskektomie L5/S1 beidseits durchgeführt worden (IV-act. 11, 27-2/3,
81-3/10). Am 18. Juni 2007 hatte die Versicherte die Arbeit wieder zu 50%
aufgenommen (Fremdakten; ärztliches Zeugnis vom 13. Juni 2007 von Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Neurochirurgie). Eine Erhöhung auf das Vollpensum war gescheitert.
Vom 27. August bis 13. Oktober 2007 war ihr vom Hausarzt Dr. med. D._, Facharzt
FMH für Allgemeinmedizin, eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit, vom 14. bis 28. Oktober
2007 eine solche von 80% attestiert worden. Danach hatte der Hausarzt bis auf
Weiteres wiederum eine volle Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (IV-act. 14). Eine von der
Krankentaggeldversicherung veranlasste Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit (EFL) vom 17. November 2007 hatte infolge erheblicher
Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz für die Beurteilung der
zumutbaren Belastbarkeit nur teilweise verwertbare Resultate erbracht. Medizinisch-
theoretisch war für die bisherige oder eine andere berufliche Tätigkeit eine ganztägige
Arbeitsfähigkeit ohne zusätzliche Pausen attestiert worden, bei guter Compliance
erreichbar innert vier bis sechs Wochen. Aufgrund der allgemeinen Dekonditionierung
sei die Versicherte beim Heben und Tragen von Lasten über 10kg eingeschränkt
(Fremdakten). Im Rahmen einer Untersuchung vom 4. Dezember 2007 (IV-act. 13) hatte
Dr. med. E._, Oberärztin Wirbelsäulenchirurgie Schulthess Klinik Zürich, festgehalten,
rein radiologisch finde sich ein normaler postoperativer Zustand. Im angestammten
Beruf sei die Versicherte im Moment 100% arbeitsunfähig, Heben von Gewichten von
maximal 6kg sowie wechselbelastende Tätigkeiten sollten möglich sein.
A.b Vom 18. Februar bis 14. März 2008 wurde eine ambulante
Rehabilitationsbehandlung in der Klinik F._ durchgeführt (IV-act. 28). Dr. med. G._,
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Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Chefarzt Klinik F._, diagnostizierte im
Austrittsbericht vom 31. März 2008 eine mittelgradige depressive Episode und einen
Verdacht auf anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die Versicherte habe im
ambulanten Rehabilitationsprogramm von Anfang an regelmässig und gewissenhaft
mitgemacht. Die Behandlung habe bei der Versicherten keine Veränderung in der
Wahrnehmung der körperlichen Symptomatik bewirkt. Sie sei weiterhin emotional
wenig belastbar. Aus psychiatrischer Sicht sei die Versicherte zu 100% arbeitsfähig.
Das Arbeitsverhältnis der Versicherten wurde per 30. Juni 2008 gekündigt (Fremdakten:
Bericht der Swica Care Managerin vom 8. April 2008, Schreiben der B._ vom 1. April
2008; IV-act. 100; 30. Juni 2012 war wohl ein Verschrieb). Ab Juli 2008 meldete sich
die Versicherte bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse St. Gallen an, wobei die
Vermittlungsfähigkeit auf 50% festgelegt wurde (IV-act. 68).
A.c Am 22. August 2008 unterzog sich die Versicherte einer Unterleibsoperation bei
Dr. med. H._, Spezialarzt Gynäkologie und Geburtshilfe, (IV-act. 67-12/15;
Hysterektomie). Mit Bericht vom 25. Oktober 2008 (IV-act. 67-13/15) wies Dr. med.
I._, Spezialarzt FMH Neurochirurgie, darauf hin, dass die Versicherte an einer
komplexen Problematik leide, die Ursache für die Lumbalgien die Degeneration der
Bandscheibe L5/S1 sein dürfte und die Schmerzen sich mit ihrer depressiven
Verstimmung verstärkten. Mit Bericht vom 11. Dezember 2008 diagnostizierte Dr. med.
J._, Fachärztin Psychiatrie/Psychotherapie FMH, eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom, eine somatoforme Schmerzstörung, einen
Zustand nach Hysterektomie, einen Harnwegsinfekt postoperativ, eine chronische
Lumbago sowie einen Verdacht auf ein beginnendes metabolisches Syndrom (IV-
act. 67-4/15). Die Versicherte sei aus rein psychiatrischer Sicht voll arbeitsunfähig. In
einem von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebenen Gutachten vom
14. Januar 2009 (IV-act. 37) diagnostizierte Dr. med. K._, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, eine leichte depressive Episode. Daraus ergebe sich
seit der von Dr. J._ attestierten Verschlechterung ab August 2008 eine höchstens
30%-ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in jeder in Frage kommenden Tätigkeit.
Dr. J._ bescheinigte der Versicherten ab 2. März 2009 eine Arbeitsfähigkeit von 50%
(IV-act. 38, 46f., 50-2/2, 53, 55, 61-2/2).
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A.d Vom 11. Mai bis 31. Oktober 2009 war die Versicherte im Rahmen eines
Einsatzprogramms des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) zu 50% tätig
(IV-act. 60, 62). Im Dezember 2009 wurde die Arbeitsvermittlung seitens der IV-Stelle
abgeschlossen (IV-act. 64).
A.e Mit polydisziplinärem Gutachten der Medas Ostschweiz vom 24. November 2010
(IV-act. 86) wurden ein lumbales Schmerzsyndrom bei Status nach Diskektomie L5/S1
wegen Diskushernie beidseits sowie eine mittelgradige depressive Störung mit zusätz
licher Beeinflussung durch IV-fremde, vor allem psychosoziale Belastungen,
diagnostiziert. In der bisherigen Tätigkeit sei die Versicherte retrospektiv seit dem
13. März 2007 arbeitsunfähig. Spätestens ab Januar 2008 sei für eine adaptierte
Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von gesamthaft 60% (ganztags, reduzierte Leistung)
ohne wesentliche Einschränkung auszugehen. Mit Vorbescheid vom 22. Februar 2012
(IV-act. 93) stellte die IV-Stelle der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 30% die
Abweisung ihres Rentenbegehrens in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte am
20. März 2012 Einwand (IV-act. 97).
A.f Daraufhin stellte die IV-Stelle der früheren Arbeitgeberin der Versicherten
Rückfragen (IV-act. 98, 100), holte aktuelle Verlaufsberichte bei den behandelnden
Ärzten Dr. J._ vom 27. August 2012 (IV-act. 106) und Dr. D._ vom 7. Juli 2012
(act. 104) ein und leitete eine weitere polydisziplinäre medizinische Untersuchung der
Versicherten in die Wege (IV-act. 108). Im SMAB-Gutachten vom 6. Februar 2013 (IV-
act. 121) wurden ein panvertebrales Schmerzsyndrom, eine chronifizierte leichte
depressive Episode und eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. In der
bisherigen Tätigkeit als Fabrik-Produktionsmitarbeiterin im Nachtschichtdienst sei die
Versicherte seit 2007 nicht mehr arbeitsfähig. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe seit
2007 eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit.
A.g Mit einem weiteren Vorbescheid vom 8. März 2013 (IV-act. 126) stellte die IV-Stelle
der Versicherten in Aussicht, ihr Rentenbegehren bei einem Invaliditätsgrad von 29%
abzuweisen. Dagegen liess die Versicherte am 8. April 2013 Einwand erheben und
einen Bericht von Dr. J._ vom 3. April 2013 beilegen (IV-act. 127). Am 30. April 2013
verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 129).
B.
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B.a Mit Beschwerde vom 28. Mai 2013 liess die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. Mattias Dolder, St. Gallen, beantragen, die Verfügung vom
30. April 2013 sei aufzuheben und ihr seien mit Wirkung ab wann rechtens die ihr
zustehenden gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung, namentlich eine ganze
Invalidenrente, zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Diese sei anzuweisen, das Beweisverfahren formgerecht
durchzuführen und dabei ein (neues) interdisziplinäres Gutachten, welches über ihre
Arbeitsfähigkeit Auskunft gebe, einzuholen und anschliessend über die ihr zustehenden
gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung neu zu befinden; alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung liess
die Beschwerdeführerin unter Ausführung verschiedener Kritikpunkte vorbringen, das
Gutachten der SMAB AG sei nicht beweistauglich. Die IV-Stelle gehe zudem von einem
zu tiefen Valideneinkommen und von einem zu hohen Invalideneinkommen aus. Es sei
der maximale leidensbedingte Abzug zu gewähren.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2013 (act. G4) schloss die
Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, bei der Beschwerdeführerin sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht und gesamthaft von einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit auszugehen. Die Depression habe sich bei der
Beschwerdeführerin aus einer Kombination des somatoformen Schmerzsyndroms und
der belastenden psychosozialen Überlastungssituation entwickelt. Foersterkriterien im
notwendigen Schweregrad seien nicht ersichtlich. Nach einem Leidensabzug von 10%
resultiere ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 36%.
B.c Mit Replik vom 27. August 2013 (act. G6) hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an den bisherigen Anträgen fest.
B.d Mit Eingabe vom 24. September 2013 (act. G8) setzte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin das Versicherungsgericht darüber in Kenntnis, dass ein arthros
kopischer Eingriff am linken Schultergelenk mit einer AC-Gelenkrekonstruktion und
einer Rotatorenmanschettenrekonstruktion in Betracht gezogen werde, und legte die
entsprechenden Berichte des Kantonsspitals St. Gallen (act. G8.1ff.) bei. Die
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Beschwerdegegnerin wurde darum ersucht, eine Rücknahme der Angelegenheit ins
Abklärungsverfahren zu erwägen.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik. Der
Schriftenwechsel wurde am 14. November 2013 geschlossen (act. G10).
B.f Mit Eingabe vom 24. November 2014 (act. G11) bat der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin um beförderliche Behandlung des vorliegenden Verfahrens.
Dr. J._ bestätigte mit Arztzeugnis vom 21. November 2014 (act. G11.2), die Patientin
sei durch das lange Invalidenversicherungsverfahren psychisch sehr belastet und es
bestehe die Gefahr einer Verschlechterung des seelischen Zustands.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitig ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
1.2 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht fallenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare
Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen
Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
(in der bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) bzw. Art. 28 Abs. 2 IVG
besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist.
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Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe
Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung gestellt haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswerts eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung
der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der
untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 351
E. 3a, 122 V 157 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Zuerst ist zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.2 Im polydisziplinären Medas-Gutachten vom 24. November 2010 (IV-act. 86)
wurden als Diagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ein lumbales
Schmerzsyndrom bei Status nach Diskektomie L5/S1 wegen Diskushernie beidseits am
12. April 2007 sowie eine mittelgradige depressive Störung mit zusätzlicher
Beeinflussung durch IV-fremde, vor allem psychosoziale Belastungen gestellt. In der
bisherigen Tätigkeit sei die Versicherte retrospektiv seit dem 13. März 2007
arbeitsunfähig. Spätestens ab Januar 2008 sei für eine adaptierte Tätigkeit aus
somatisch-orthopädischer Sicht von einer Arbeitsfähigkeit ohne wesentliche
Einschränkung auszugehen. Aus somatischer Sicht bestehe für eine möglichst
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wechselbelastende Tätigkeit mit Heben und Tragen von Gewichten von etwa 5kg,
selten 10kg, ohne Beugehaltung, häufiges Bücken oder Hocken (gelegentlich erlaubt)
durch die Notwendigkeit vermehrter Pausen allenfalls eine Einschränkung von maximal
10%. Aus psychiatrischer Sicht sei von einer 40%-igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Aufgrund der sozialen Situation werde eine Schichtarbeit, vor allem Nachtschicht, für
die Beschwerdeführerin nicht als sinnvoll erachtet. Sie sollte einer geregelten Tätigkeit
tagsüber nachgehen. Gesamthaft bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 40% (ganztags,
reduzierte Leistung) für adaptierte Tätigkeiten. Der psychiatrische Teilgutachter med.
pract. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, wies darauf hin, dass
aufgrund der doch recht komplexen Exploration mit einer nicht immer kooperativen
Versicherten sowie verschiedenen Belastungen, die nicht näher exploriert und belegt
werden könnten (Todesfälle in der Heimat, sexueller Missbrauch), eine Beurteilung
schwierig sei. Aufgrund der vorhandenen Befunde gehe er zurzeit von einer
mittelgradigen depressiven Störung aus, die aber zusätzlich von vielen IV-fremden, vor
allem psychosozialen Belastungen überlagert sei. Die Versicherte wirke wenig integriert
in der Schweiz, spreche kaum Deutsch und habe jahrelang in dem Zwiespalt gelebt,
zum einen Nachtarbeit zu verrichten und zum anderen tagsüber für ihre Kinder
zuständig zu sein. Den Verdacht auf eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
bzw. die Diagnose der somatoformen Schmerzstörung könne er zurzeit nicht
bestätigen, da er davon ausgehe, dass die vermehrte Schmerzwahrnehmung von der
Depression überlagert sei und hauptsächlich auf die Depression zurückzuführen sei.
Beim Abklingen der Depression müsse die Frage nach einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung nochmals gestellt werden.
2.3 In der angefochtenen Verfügung vom 30. April 2013 stellte die
Beschwerdegegnerin auf das SMAB-Gutachten vom 6. Februar 2013 (IV-act. 121) ab.
Darin wurden als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein panvertebrales
Schmerzsyndrom bei pathologischen Wirbelsäulenbefunden, eine chronifizierte leichte
depressive Episode sowie eine somatoforme Schmerzstörung gestellt. Die
orthopädisch ausgewiesenen degenerativ gründenden Schäden im Bereich der
Wirbelsäule beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht. Die als IV-
fremd geltende und über viele Jahre anhaltende Adipositas mit einem aktuellen BMI
von 41.9 kg/m verschlechtere bei dieser erst 38-jährigen Versicherten die Prognose
der orthopädischen Befunde und Diagnosen. Aus somatischer
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versicherungsmedizinischer Sicht bestehe eine Minderung der Leistungsfähigkeit von
20%. Die vorliegende Rückenpathologie reduziere entsprechend das Arbeitstempo und
damit die Produktivität. Die psychiatrisch diagnostizierte chronifizierte leichte
depressive Episode – als Komorbidität der ebenfalls diagnostizierten somatoformen
Schmerzstörung zu interpretieren – beeinträchtige die Arbeitsfähigkeit infolge einer
emotionalen Minderbelastbarkeit und einer leicht eingeschränkten Stresstoleranz
ebenfalls um 20%. In einer angepassten Tätigkeit bestehe gesamthaft eine
Restarbeitsfähigkeit von 80% (verminderte Leistungsfähigkeit von 20%). Als
zumutbares Belastungsprofil formulierten die Gutachter eine leichte, rückenadaptierte,
wechselbelastende Arbeit. Arbeiten in Zwangshaltungen für den Rücken (wie z.B.
langfristig sitzend, nur stehend, insbesondere vornübergebeugt stehend, kniend,
hockend, kauernd) und repetitive Bewegungsanforderungen an den Rumpf seien zu
meiden. Tragen und Bewegen von Lasten seien mit 10kg limitiert. Akkordtätigkeiten
und Tätigkeiten in Wechselschicht, insbesondere in Nachtschicht, seien zu vermeiden.
Retrospektiv gelte die Bewertung der Arbeitsfähigkeit von 80% seit ca. drei Monaten
nach der am 12. April 2007 durchgeführten lumbalen Diskushernien-Revision, somit ca.
ab 1. August 2007, mit interkurrenten Aussparungen bei diversen Infekten und
gynäkologischen Operationen etc.
2.4
2.4.1 Die Beschwerdeführerin liess gegen das SMAB-Gutachten vorbringen, es
stehe im Widerspruch zu sämtlichen früheren gutachterlichen Abklärungen. Das davor
eingeholte Medas-Gutachten sei vom RAD ebenfalls als "ausführlich, schlüssig und
nachvollziehbar" bezeichnet worden, obwohl es von einer höheren Arbeitsunfähigkeit
ausgehe. Das SMAB-Gutachten setze sich nur vordergründig und zum Teil unter
unzutreffenden Annahmen mit den abweichenden ärztlichen Beurteilungen
auseinander. Die einzige "inhaltliche" Begründung, die übrigen medizinischen
Einschätzungen hätten zu Unrecht psychosoziale invaliditätsfremde Faktoren
berücksichtigt, überzeuge nicht.
2.4.2 Tatsächlich wirft die Einschätzung der psychiatrischen Gutachterin der
SMAB, Dr. med. M._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Fragen auf,
soweit sich die Gutachterin retrospektiv zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit der
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Beschwerdeführerin äussert. Gemäss Dr. M._ kann dem Gutachten von Dr. K._
vom 14. Januar 2009 gefolgt werden. Dieser habe allerdings die sozialen Faktoren
betont, so dass die Differenz von 10% gegenüber der aktuellen gutachterlichen
Einschätzung von 20% erklärlich sei. Auch der psychiatrische Bericht aus dem
Gutachten der Medas Ostschweiz vom 24. November 2010 habe eine 40%-ige
Arbeitsunfähigkeit auf dem psychiatrischen Fachgebiet unter Einschluss
invaliditätsfremder psychosozialer Faktoren beschrieben. Die aktuell beschriebene
Einschränkung von 20% müsse seit Beginn der psychiatrischen Behandlung
angenommen werden. Verlässliche Hinweise auf eine höhergradige Arbeitsunfähigkeit
beständen nicht, zumal in entsprechend höhergradig attestierten
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen soziale invaliditätsfremde Faktoren und auch
körperliche Phänomene inkludiert worden seien. Dieser Schlussfolgerung kann mit
Bezug auf den Zeitraum vor der Begutachtung durch Dr. M._ nicht gefolgt werden,
da – wie sich nachfolgend ergibt – mit den Gutachten von Dr. K._ und med.
pract. L._ zwei grundsätzlich konsistente und überzeugende Beurteilungsgrundlagen
vorliegen, die nachvollziehbar einen schwankenden Verlauf der psychischen
Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin darlegen (aktenkundig sind wie erwähnt
depressive Episoden mit variierendem Schweregrad). Diese Schwankungen und deren
Auswirkungen wurden von Dr. M._ nicht berücksichtigt.
2.4.3 Dr. K._ konnte bei Diagnose einer leichten depressiven Episode keine
emotionalen Konflikte oder psychosozialen Probleme der Beschwerdeführerin finden,
die schwerwiegend genug waren, um als entscheidende ursächliche Einflüsse gelten zu
können (IV-act. 37-26/30). Vor diesem Hintergrund ist nicht davon auszugehen, dass
solche Umstände in seine Arbeitsfähigkeitsschätzung Eingang gefunden hatten. Dr.
K._ hatte den Beginn der von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeit von 30% auf August
2008 gelegt mit der Begründung, auf jenen Zeitpunkt hin habe Dr. J._ eine
Verschlechterung beschrieben (IV-act. 37/30). Diese hatte am 11. Dezember 2008 erst
eine leichte Besserung des depressiv/dysphorischen Zustands und der
Schlafstörungen erwähnt, schliesslich aber die im August 2008 durchgeführte
Hysterektomie als erneute Traumatisierung der Beschwerdeführerin beschrieben und
diese zusammen mit der Absetzung der antidepressiven Medikation während der
Operation als verantwortlich bezeichnet für eine Destabilisierung der Stimmungslage
(IV-act. 67-5/15, vgl. auch 74-2/5). Dass Dr. K._ nach seiner zweieinhalbstündigen
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Exploration der Beschwerdeführerin – die im Dezember 2008 und damit zeitnah zur von
ihm als plausibel bezeichneten Verschlechterung der psychischen Situation der
Beschwerdeführerin stattgefunden hatte – zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 30% ab August 2008 gelangte, vermag insgesamt eher zu überzeugen als die
retrospektive Beurteilung von Dr. M._ vom Januar 2013. Folglich ist für den
damaligen Zeitraum auf die Beurteilung von Dr. K._ abzustellen.
2.4.4 Med. pract. L._ ging aufgrund der vorhandenen Befunde zum Zeitpunkt
der Exploration am 20. Oktober 2010 von einer mittelgradigen depressiven Störung
aus, die aber zusätzlich von vielen IV-fremden, vor allem psychosozialen Belastungen
überlagert sei (IV-act. 86-29/30). Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung wurde
von ihm – wie bereits von Dr. K._ vor ihm – nicht diagnostiziert. Allerdings regte er
an, die Frage nach einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung müsse bei
Abklingen der Depression nochmals gestellt werden. Aufgrund der sozialen Situation
riet er von einer Schichtarbeit mit vor allem Nachtschicht ab. Diskrepanzen zur
Beurteilung von Dr. K._ waren nach Ansicht von med. pract. L._ auf normale
Schwankungen im Rahmen von Depressionen zurückzuführen. Er ging davon aus, dass
sich die depressive Symptomatik seit der Beurteilung von Dr. K._ leicht
verschlechtert habe. Dies lasse sich anhand der erhobenen Befunde nachvollziehen.
Die Beurteilung von med. pract. L._ ist nachvollziehbar begründet. Plausibel
beschreibt er Schwankungen im Krankheitsverlauf bzw. daraus resultierend
Schwankungen in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Es ist nicht
anzunehmen, dass auszuklammernde psychosozialen Umstände als Grund oder als die
Krankheit wesentlich unterhaltend zu Unrecht in seine Beurteilung eingeflossen wären.
Vielmehr sieht er diese als zusätzliche Belastung an. Auf die von med. pract. L._ ab
Begutachtungszeitpunkt (20. Oktober 2010) bescheinigte 40%-ige Arbeitsunfähigkeit
ist somit abzustellen; eine (weitere) Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit der Begutachtung durch Dr. K._
erscheint überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen.
2.4.5 Im Rahmen der Begutachtung der Beschwerdeführerin am 15. Januar 2013
diagnostizierte Dr. M._ eine chronifizierte leichte depressive Episode und eine
somatoforme Schmerzstörung (IV-act. 121-49/54). Die 20%-ige psychisch bedingte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin beruhe auf einer
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emotionalen Minderbelastbarkeit und leicht eingeschränkten Stresstoleranz. Diese
Befunde wurden bei der psychiatrischen Exploration der Beschwerdeführerin erhoben,
führten die Gutachterin zu den genannten Diagnosen und bildeten zusammen mit
diesen die Basis für die Einschätzung der zumutbaren Leistungsfähigkeit. Diese ist
nachvollziehbar begründet und erscheint für den Zeitraum ab Exploration plausibel.
Aufgrund des erwähnten gemäss den Akten schwankenden Verlaufs der depressiven
Erkrankung ist anzunehmen, dass eine gewisse Verbesserung verglichen mit dem
Zeitpunkt der Beurteilung durch med. pract. L._ eingetreten ist, sodass ab
Begutachtung durch Dr. M._ auf eine Arbeitsfähigkeit von 80% abzustellen ist.
2.4.6 Die Einschätzungen von Dr. J._, die der Beschwerdeführerin als
behandelnde Psychiaterin bereits seit 2008 durchwegs höhere Arbeitsunfähigkeiten
bescheinigte als die psychiatrischen Gutachter, vermögen nicht den Eindruck zu
erwecken, dass die Gutachter eine unangemessene Zumutbarkeitsbeurteilung
vorgenommen hätten oder ihre Beurteilungen in anderer Weise unzutreffend sein
könnten. Dr. J._ begründete die Divergenz der von ihr im Dezember 2008 als
vollumfänglich aufgehoben geschätzten Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 67-4/15f.) zur von
der Klinik F._ nach der ambulanten Rehabilitation im März 2008 als uneingeschränkt
bezeichneten Arbeitsfähigkeit (IV-act. 28) nicht. Bei gleichbleibenden Diagnosen ging
sie ab 2. März 2009 sodann neu von einer 50%-igen Arbeitsfähigkeit aus; eine
Begründung für diese höhere Arbeitsfähigkeitsschätzung gab sie wiederum nicht ab.
Im Bericht vom 7. März 2010 (IV-act. 74f) hielt Dr. J._ einzig fest, dass die
Beschwerdeführerin, nachdem sie von Dr. K._ als leicht depressiv und zu höchstens
30% arbeitsunfähig betrachtet worden sei, im März 2009 dazu habe motiviert werden
können, sich beim RAV zu 50% vorübergehend als Arbeitssuchende zu melden. Dies
verdeutlicht, dass Dr. J._ ihre Einschätzungen aus der Perspektive der Behandlerin
bzw. Therapeutin abgab. Offenbar liess sie sich erheblich von der pessimistischen
Selbsteinschätzung ihrer Patientin beeinflussen. Mit ihren Attesten scheint sie teilweise
versucht zu haben, das Verhalten der Patientin zu lenken bzw. darauf günstig
einzuwirken. Dies mag vor dem Hintergrund ihres Behandlungsauftrags gerechtfertigt
oder sogar notwendig sein. Eine versicherungsmedizinische, einen objektiven
Zumutbarkeitsmassstab ansetzende und für die Rechtsanwendenden nachvollziehbare
Arbeitsfähigkeitsschätzung stellt dies jedoch nicht dar. Die Einschätzungen von
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Dr. J._ vermögen sodann auch keine erheblichen Zweifel an der Zuverlässigkeit der
gutachterlichen Beurteilungen zu wecken.
2.5
2.5.1 Die Beschwerdeführerin lässt im Zusammenhang mit dem SMAB-Gutachten
im Weiteren kritisieren, obwohl man ausdrücklich um eine Stellungnahme zu den
Nebenwirkungen der Medikamente gebeten habe, sei diese Frage im SMAB-Gutachten
nicht behandelt worden. Dem internistischen SMAB-Teilgutachten ist zu entnehmen,
dass bei der Medikamenteneinnahme eine ordentliche Compliance vorgelegen habe
und der Laborbefund normal gewesen sei (IV-act. 121-41/54f.). Die Gutachter waren
sich also in quantitativer und qualitativer Hinsicht im Klaren über die
Medikamenteneinnahme. Es ist ohne Weiteres davon auszugehen, dass ihnen
mögliche Nebenwirkungen der Medikamente grundsätzlich vertraut sind und sie solche
im Gesamtkontext hätten einordnen können, wenn sie Hinweise darauf gefunden
hätten, dass die Beschwerdeführerin darunter leidet. Hinweise darauf, dass unerkannte
Nebenwirkungen sich in einer Art und Weise auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin auswirken könnten, die von den Gutachtern unerkannt geblieben
wäre, liegen nicht vor. Weiterungen hierzu erübrigen sich somit.
2.5.2 Das SMAB-Gutachten erscheint in Bezug auf die Beurteilung der
somatischen Situation umfassend, plausibel und in seinen Schlussfolgerungen
nachvollziehbar. Die attestierte Einschränkung von 20% aus somatischer
versicherungsmedizinischer Sicht wurde damit begründet, dass die vorliegende
Rückenpathologie das Arbeitstempo und damit die Produktivität reduziere. Hinweise
darauf, dass die Begutachtung bzw. die Beurteilung nicht lege artis vorgenommen
worden wären, liegen nicht vor. Im orthopädischen Teilgutachten wurden die geklagten
Schmerzen soweit als möglich objektiviert bzw. Erklärungen dafür gesucht, etwa
mittels Beurteilung der aktuellen MRI bzw. Röntgenbilder aus dem Jahr 2012 (IV-
act. 121-22/54ff.). Unerklärliche Widersprüche zur übrigen Aktenlage ergeben sich
nicht. Das festgestellte Übergewicht der Beschwerdeführerin wurde in die
Gesamtwürdigung miteinbezogen; die empfohlene "drastische
Gewichtsminderung" (IV-act. 121-24/54) wurde nicht als Voraussetzung für die
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Erreichung der attestierten Arbeitsfähigkeit betrachtet, sondern präventiv zur
Verhinderung einer Progredienz und Ausweitung der Wirbelsäulenbefunde.
2.6 Insgesamt ist ab der psychiatrischen SMAB-Begutachtung (15. Januar 2013) von
einer Arbeitsfähigkeit von 80% für adaptierte Tätigkeiten auszugehen. Gemäss den
obigen Erwägungen ist für den davorliegenden Zeitraum ab August 2008 auf das
Gutachten von Dr. K._ (Arbeitsfähigkeit von 70%) und ab Februar 2011 auf das
Consiliargutachten von med. pract. L._ (Arbeitsfähigkeit von 60%) abzustellen.
2.7
2.7.1 Rechtsprechungsgemäss bildet das Datum des Verfügungserlasses – in
diesem Fall der 30. April 2013 – die zeitliche Grenze der richterlichen
Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 121 V 366 E. 1b mit Hinweisen; siehe auch Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 61 zu Art. 61). Soweit jedoch auf einen
späteren Zeitpunkt datierende ärztliche Berichte Rückschlüsse auf die Zeit vor
Verfügungserlass zulassen, können sie unter Umständen dennoch Berücksichtigung
finden. Mit Eingabe vom 24. September 2013 (act. G8) macht der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin geltend, ein MRI vom 8. Februar 2013 habe eine partiale Ruptur
der Supraspinatussehne, ein Ganglion in der Spinaglenoid Notch sowie eine fragliche
SLAP-Läsion gezeigt. Die bereits gegenüber der SMAB-Gutachterstelle geschilderten
Schulterbeschwerden seien von diesen nicht berücksichtigt worden. Zudem habe die
Beschwerdeführerin eine VKB-Ruptur links erlitten.
2.7.2 Die Knieschmerzen links sind für die vorliegende Beurteilung nicht relevant:
Gemäss Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des Spitals Z._ vom 15. August 2013 erlitt die
Beschwerdeführerin die VKB-Ruptur links nach einem sieben Tage zurückliegenden
Distorsionstrauma (act. G8.1). Dieser Vorfall liegt folglich ausserhalb des vorliegend zu
berücksichtigenden Zeitraums.
2.7.3 Bei der Anamnese im Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen vom 3. Juni
2013 (act. G8.3) gab die Beschwerdeführerin an, seit ca. Januar 2013 Beschwerden in
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der linken Schulter, vor allem bei Überkopfbewegungen, zu haben. Echtzeitlich sind
entsprechende Beschwerdeschilderungen vor Verfügungserlass (30. April 2013) jedoch
nicht belegt. Im Rahmen der SMAB-Begutachtung fanden die persönliche Befragung
und die klinische Untersuchung im Fachgebiet Orthopädie/Traumatologie am
19. Dezember 2012 statt (IV-act. 121-1/54). Bei der Anamnese beschrieb die
Beschwerdeführerin damals Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den linken
Oberarm, aber keine Schulterschmerzen (IV-act. 121-18/54). Die klinische
Untersuchung ergab in Bezug auf den Schultergürtel und die oberen Extremitäten
damals keine pathologischen Befunde, weshalb sich bildgebende Untersuchungen
erübrigten (IV-act. 121-21/54). Bei dieser Aktenlage ist nicht bewiesen, dass
Einschränkungen der linken Schulter, die sich allenfalls negativ auf die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin auswirken könnten, bereits bei Verfügungserlass bestanden;
diesbezüglich ergab sich bis zu jenem Datum auch kein weiterer Abklärungsbedarf. Die
offenbar Anfang Juni 2013 begonnene Abklärung am Kantonsspital St. Gallen mit MRI-
Bildgebung zeigte zwar neue Befunde (ohne dass deswegen ein
Arbeitsunfähigkeitsattest ausgestellt worden wäre, vgl. act. G8.3 S. 2). Daraus kann
aber nicht abgeleitet werden, dass dadurch bereits vor Verfügungserlass eine
qualitative oder quantitative Arbeitsunfähigkeit verursacht worden wäre. Weitere
diesbezügliche Abklärungen drängen sich vor diesem Hintergrund nicht auf.
3.
3.1 Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird
gemäss Art. 16 ATSG durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das
Einkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.2 Ausgangspunkt zur Bestimmung des Valideneinkommens der Beschwerdeführerin
bilden vorliegend die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin
vom 8. Januar 2008 (IV-act. 11-3). Danach betrug der AHV-beitragspflichtige Lohn der
Beschwerdeführerin im Jahr 2007 Fr. 57'792.--. Mit Blick auf das Jahreseinkommen,
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das die Beschwerdeführerin in den beiden davorliegenden Jahren generiert hatte
(2005: Fr. 55'195.--; 2006: Fr. 54'785.--; vgl. IK-Auszug, IV-act. 9), ist auf die glaubhafte
Angabe der Arbeitgeberin, dass der Lohn im Jahr 2008 unverändert geblieben wäre,
abzustellen. Da der frühestmögliche allfällige Rentenbeginn im Jahr 2008 liegt, erübrigt
sich eine Anpassung an die Nominallohnentwicklung. Als Validenlohn sind somit
Fr. 57'792.-- heranzuziehen.
3.3
3.3.1 Bei der Bemessung des Invalideneinkommens sind die Tabellenlöhne der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2008 beizuziehen. Das durchschnittliche
Einkommen einer Frau betrug bei einfachen und repetitiven Tätigkeiten Fr. 4'116.--
monatlich bzw. Fr. 49'392.-- pro Jahr (Tabelle TA1, Anforderungsprofil 4). Bei einer
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.6 Stunden resultiert mit Fr. 51'368.-- der Betrag,
den die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort ermittelt hat.
3.3.2 Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, kann ein Abzug vom statistischen Lohn im Umfang von
maximal 25% vorgenommen werden. Einerseits wird hierbei berücksichtigt, dass
versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit
verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende
durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Andererseits
können auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie
Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben (vgl. BGE 134 V
322 mit Hinweis). Bei der Beschwerdeführerin gilt es insbesondere zu berücksichtigen,
dass sie auch in einer angepassten Tätigkeit keine Nachtarbeit mehr verrichten könnte
und für einen potenziellen Arbeitgeber verschiedene Nachteile wie die Gefahr
überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, Unfähigkeit zur Leistung von Überstunden,
fehlende Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsplatz und Bedarf nach besonderer
Rücksichtnahme birgt. Diesen Nachteilen ist mit einem Abzug von 10% Rechnung zu
tragen. Dass die Beschwerdeführerin trotz ganztägiger Präsenz lediglich zu 80%
leistungsfähig ist, wird vom Bundesgericht als Abzugsgrund verneint (vgl. dazu kritisch
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Philipp Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, Die Bereinigung der LSE-Tabellenlöhne zur
Ermittlung des Invalideneinkommens, in: Kieser/Lendfers [Hrsg.], Jahrbuch zum
Sozialversicherungsrecht [JaSo] 2012, Zürich/St. Gallen 2012, S. 148 ff. mit Hinweis;
vgl. aber auch Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2012, 8C_20/2012, E. 3.2 mit
Hinweisen).
3.3.3 Das Invalideneinkommen beträgt bei einer Arbeitsfähigkeit von 80%
Fr. 36'985.-- (Fr. 51'368.-- x 0.8 x 0.9).
3.4 Bei der Gegenüberstellung des Valideneinkommens (Fr. 57'792.--) und des
Invalideneinkommens von Fr. 36'985.-- resultiert ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 36%.
3.5 Aufgrund der höheren psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten im Zeitraum vor
der Begutachtung bei Dr. M._ besteht allerdings Anspruch auf eine befristete Rente.
3.5.1 Zum Zeitpunkt des Eintritts der Verschlechterung des psychischen
Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin im August 2008 hatte diese das
sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG bzw. Art. 29 Abs. 1 IVG in der bis Ende
2007 in Kraft gestandenen Fassung) bereits erfüllt (Eintritt Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit am 13. März 2007, Ablauf Wartejahr am 12. März 2008; vgl.
zur Thematik etwa das Urteil IV 2009/52 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 7. Dezember 2010 E. 5.3, vom Bundesgericht nicht beanstandet im
Entscheid 9C_1041/2010 vom 30. März 2011). Bei einer Arbeitsfähigkeit von 70%,
gemäss Beurteilung von Dr. K._ bestehend ab August 2008, resultiert bei einem
Invaliditätsgrad von 44% (Invalideneinkommen: Fr. 32'361.85 [Fr. 51'368.-- x 0.7 x 0.9])
ein Anspruch auf eine Viertelsrente ab 1. August 2008 (Art. 29 Abs. 3 IVG bzw. Art. 29
Abs. 2 IVG in der bis Ende 2007 in Kraft gestandenen Fassung). Am Rand bemerkt sind
bezüglich Rentenbeginn aufgrund der IV-Anmeldung im Dezember 2007 die
Bestimmungen des IVG massgebend, wie sie vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision
bestanden haben. Selbst die Anwendung der seither in Art. 29 Abs. 1 IVG eingeführten
Frist von sechs Monaten seit Anmeldung ergäbe jedoch keinen anderen Rentenbeginn.
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3.5.2 Eine Verschlechterung und eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit sind zu
berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(Art. 88a der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Seit der
Begutachtung bei med. pract. L._ im Oktober 2010 ist eine weitere Verschlechterung
ausgewiesen, so dass ab diesem Zeitpunkt von einer Arbeitsfähigkeit von 60%
auszugehen ist. Dies führt zu einer Erhöhung der Invalidenrente ab 1. Februar 2011 auf
eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 52% (Invalideneinkommen:
Fr. 27'738.70 [= Fr. 51'368.-- x 0.6 x 0.9]). Diese Rente ist auf den Zeitpunkt drei
Monate nach Begutachtung durch Dr. M._, also auf Ende April 2013, einzustellen.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Der Beschwerdeführerin ist rückwirkend für die Zeit vom 1. August 2008 bis 31. Januar
2011 eine Viertelsrente und vom 1. Februar 2011 bis 30. April 2013 eine halbe Rente
zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Gerichtskosten im Umfang von Fr. 600.--
(wie in vergleichbaren Fällen üblich) erscheinen vorliegend angemessen. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind diese den Parteien je hälftig aufzuerlegen,
wobei der von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss im Umfang von
Fr. 300.-- daran anzurechnen und ihr der Restbetrag von Fr. 300.-- zurückzuerstatten
ist.
4.3 Die Beschwerdeführerin hat zudem Anspruch auf eine reduzierte
Parteientschädigung. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle eine Parteientschädigung
bis
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von pauschal Fr. 1'750.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen,
was der Hälfte der praxisgemäss zuzusprechenden Pauschale entspricht.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht