Decision ID: bb68558c-8909-4b4a-be6a-f6b780f9d895
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, war seit dem 2
0.
September 2004 als
Zimmer
frau
/Zimmerreinigerin für die
Z._
AG, zuerst in einem 100% Pensum, seit dem 1
5.
Mai 2013 in ei
nem 50% P
en
s
um tätig
(Urk. 8/9).
Unter Hinweis auf
Beschwerden an der Wirbelsäule und im Halsbereich sowie auf Knieschmerzen
meldete sich
die Versicherte
am 2
0.
August 2013
bei der In
validenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/1
). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische un
d erwerb
liche Situation ab.
Nach
durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 8/21-
31)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1
7.
September 2014
einen Rentenanspruch (Urk.
8/33
= Urk. 2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
1
4.
Oktober 2014
Beschwerde (Urk. 1)
gegen die Verfü
gung vom
1
7.
September 2014
(Urk. 2) und b
eantragte, diese sei aufzuhe
ben
und
bei der Bemessung der Invalidität seien die invaliditätsfremden Fakto
ren entweder bei den Vergleichseinkommen oder bei keinem dieser Einkommen zu berücksichtigen (S. 1 Ziff. 1), eventuell sei ihr eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % zuzusprechen (S. 2 Ziff. 2
)
.
Die IV-Stelle beant
ragte mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
November 2014
(Urk. 7
) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde der
Beschwerdeführerin am
1
3.
Januar 2015
zur Kenntnis gebracht (Urk.
9
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
min
-
des
tens
40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen für die Zeit vom 1
3
.
Februar 2013 bis 1
3.
Mai 2013
von
einer Arbeitsunfähigkeit von
100
%
und ab
dem
1
4
.
Mai
20
14
von einer Arbeitsunfähigkeit von
5
0 % in der angestammten Tätigkeit
als Zimmerreinigerin
aus.
Hingegen seien der Beschwerdeführerin körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten
gemäss beschriebenem Belastungsprofil vollumfänglich zumutbar.
Gestützt auf die vom Bun
des
amt für Statistik perio
disch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) könne die Beschwerde
führerin
in einer solchen Tätigkeit ein Einkommen von
Fr.
54‘543.-- erzielen. Im Vergleich zum
Valideneinkommen
von
Fr.
44‘509.-- resultiere ein
Invalidi
tätsgrad
von 0 % (S. 2).
Eine Parallelisierung der Einkommen sei nicht vorzu
nehmen, da die Differenz zwischen dem tatsächlich erzielten Verdienst und dem branchenspezifischen Tabellenlohn gemäss LSE weniger als 5 % betrage (Urk. 7 S. 2).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin (Urk. 1) geltend,
d
ie
Be
-
schwerde
gegnerin
habe sich bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
aus
schliesslich auf Tabellenwerte für allgemeine Hilfsarbeiten gestützt und den Besonderheiten im Einzelfall absolut keine Beachtung geschenkt. Namentlich habe sie den Umstand ausser Acht gelassen, dass
sie
seit über 20 Jahren aus
schliesslich als Zimmermädchen gearbeitet und dabei e
in relativ tiefes Einkom
men (zirka
Fr.
3‘400.-- im Monat) erzielt habe (Urk. 1 S. 4 oben).
Gemäss Lehre und Rechtsprechung seien invaliditätsfremde Faktoren entweder bei beiden Vergleichseinkommen oder bei keinem dieser Einkommen zu berücksichtigen. Soweit das
Valideneinkommen
gestützt auf das bisher erzielte Einkommen be
messen worden sei, müsse bei der Festlegung des Invalideneinkommens das Bestehen von allfälligen invaliditätsfremden Faktoren mitberücksichtigt werden, zumal diese invaliditätsfremden Faktoren im bisher tatsächlich erzielten
Vali
deneinkommen
gerade eingeschlossen gewesen seien (Urk. 1 S. 4 unten).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
somit der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente, wobei insbesondere die Berechnung von Validen- und
Invali
deneinkommen
umstritten ist.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Oberarzt, Uniklinik
A._
,
berichtete am
1
1.
März
2013
und
am
1
1.
April 2013 (Urk. 8/13/5-8)
, nannte als Diagnose eine
Zerviko
brachialgie
beidseits und führte aus, es bestehe unverändert kein sensomotori
sches Defizit im Bereich der oberen Extremitäten (Urk. 8/13/5). Für die Tätigkeit als Zimmermädchen bestehe seit dem 1
5.
Februar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(Urk. 8/13/7).
3.
2
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin,
berichtete am
2
5.
Juni 2013 (Urk. 8/4/13-14)
und nannte folgende Diagnosen (S. 1):
H
alswirbelsäulen (HWS)
-Syndrom
bei
linksseitiger
Diskusprotrusion
im Segment HWK 6/7 mit
Pelottierung
des
Myelons
und
geringgradiger
neuroforaminaler
Einengung
geringgradiger
osteodiskaler
Protrusion
HWK 5/6
mässiggradigen
Spondylarthrosen
HWS
permanente Knieschmerzen
beidseits bei
Gonarthrose und Meniskus Operation beidseits (2004 und 2008)
L
endenwirbelsäulen (L
WS
)
-Schmerzsyndrom
Er führte aus,
dass die Beschwerdeführerin
in der angestammten Tätigkeit
aktu
ell und auf unbestimmte Zeit zu 50
%
arbeitsunfähig sei (S. 1).
Dass die Ar
beitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer anderen Tätigkeit höher wäre, sei schwer vorstellbar (S. 2).
3.
3
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Facharzt für Rheumatologie,
Vetrauensä
rzt
licher
Dienst der
ÖKK,
berichtete am
8.
Juli 2013 (Urk. 8/4/11-12)
und nannte folgende Diagnosen (S. 1):
Z
ervikalsyndrom
bei kernspintomografisch gesicherter linksseitiger
Pro
-
tru
sion
C6/7 und
geringgradiger
neuroforaminaler
Einengung
sowie
mässiggradigen
Spondylarthrosen
K
nieschmerz beidseits bei Gonarthrose und Meniskus-O
peration
b
eidseits
(2004 und 2008)
l
umbovertebrales
Schmerzsyndrom
Er führte aus, die Beschwerdeführerin sei als Zimmermädchen
wie auch in einer adaptierten Tätigkeit
vom
1
2.
April bis 1
3.
Mai
2013
zu 100
%
und
ab
dem
1
4.
Mai
2013
bis auf weiteres
zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen (S. 1).
Die Prog
nose sei soweit unklar, da mit Ausnahme der kurzen knappen Beurteilung des
A._
keine fachärztliche Untersuchung vorliege und dementsprechend auch kein gezielter Therapieverlauf (S. 1 unten).
3.
4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Rheumatologie und Facharzt für Allge
meine Innere Medizin,
berichtete am
2
3.
September 2013 (
Urk.
8/8)
und nannte folgende
Diagnosen
(S. 1):
chronisches
z
ervi
k
overtebrales
Schmerzsyndrom
anamnestisch Gonarthrose beidseits
Er führte aus, die Beschwerdeführerin sei aktuell zu 50
%
arbeitsfähig. U
nter den genannten therapeutischen Massnahmen sollte es möglich sein, die Ar
beitsfähigkeit im Januar bis April 2014 monatli
ch um 10
%
zu steigern bis 80
%
,
dann
bestehe
je nach Verlauf wieder
eine
100%
ige
Arbeitsfähigkeit
(S. 2)
.
3.
5
Dr.
B._
berichtete am
1
6.
Januar 2014 (
Urk.
8/13/1-4)
und nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
Zervikobrachialgie
beidseits
MRI-Befund:
Bandscheibenprotrusion
C6/7
Er führte aus, dass für die Tätigkeit als Zimmermädchen sowie für eine
ange
passt
e Tätigkeit seit Oktober 2013 eine Arbeitsfähigkeit von
50
%
bestehe (S. 2
Ziff.
1.6).
3.
6
Dr.
D._
berichtete am
4.
Februar 2014 (
Urk.
8/15/1-4)
, nannte die bekann
ten Diagnosen
(S. 1
Ziff.
1.1)
und führte aus, für die Tätigkeit als Zimmermäd
chen
habe
von Februar bis April 2013
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
,
und a
b
Mai 2013 eine solche von
50
%
bestanden
(S. 2
Ziff.
1.6)
.
3.7
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatolo
gie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am
1
6.
Mai 2014
Stellung
(
Urk.
8/20/3-4)
und führte aus,
für die angestammte Tä
tigkeit als Zimmermädchen habe von Februar bis September 2013 eine 100%ige und seit Oktober 2013 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden.
F
ür
körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit
en
, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne wirbelsäulenbelastende und kniegelenks
belastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten (bücken, hocken, knien,
Über
kopfarbeit
, Arbeiten in weiter Armvorhalt
e), ohne häufige Kopfrotationen
und
ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände
bestehe
hingegen
eine
durchg
e
hende 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 2).
4.
In medizinischer Hinsicht ging die Beschwerdegegnerin gemäss Feststellungblatt vom 1
1.
Juni 2014 (
Urk.
8/20 S. 5) gestützt auf die vorliegenden Arztberic
hte davon aus, dass
die Beschwerdeführerin in der
bisher ausgeübte Tätigkeit als Zimmermädchen
zu
50
%
a
rbeitsfähig
sei. Für eine adaptierte Tätigkeit gemäss beschriebenem Belastungsprofil bestehe jedoch eine Ar
beitsfähigkeit von 100
%
. Dies wird von der Beschwerdeführerin nicht bean
standet und gibt aufgrund der Akten
zu keinen Bemerkungen Anlass, zumal aus den ärztlichen Stellungnah
men auf nichts Gegenteiliges geschlossen werden kann.
Auf weitere
medizini
sche Abklärungen
kann nach dem Gesagten
verzichtet werden
(antizipierte
Be
weiswürdigung
; BGE 122 V 157).
5.
5.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen dieser Einschrän
kungen vorzunehmen, wobei die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen als zu 100 % Erwerbstätige zu qualifizieren ist. Somit ist ein Einkommensvergleich nach Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG vorzunehmen.
5.2
Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälli
ger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
ge
glichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Be
-
zie
hung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander ge
genübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
tätsgrad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
-
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mensentwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausgegli
chenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Festsetzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruk
turerhebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.4
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Ermittlung des hypothetischen
Vali
deneinkommens
auf die Angaben der
Z._
AG,
vom
1
5.
Oktober 2013 (Urk. 8/9)
und errechnete unter Berücksichtigung der
Nomi
nallohnentwicklung
für das Jahr 201
4
einen Betrag von Fr.
44
‘
509
.
40
(vgl. Feststellungsblatt vom 1
1.
Juni 2014;
Urk.
8/19)
.
Dieses Einkommen ist aufgrund der Akten (Urk.
8
/
9,
Urk.
8/19
) nicht zu
bean
-
stan
den und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten.
5.5
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der
Invaliditätsbe
messung
nach
Art.
16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren
Ein
kommensniveau
begnügen
wollte
. Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleich
mässig zu berücksichtigen sind. Diese Parallelisierung der Einkommen kann
praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entspre
chende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statisti
schen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massgebenden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst, wenn er mindestens 5
%
vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.2).
Die Parallelisierung der Einkommen trägt somit dem Umstand Rechnung, dass die versicherte Person
als Invalide
realistischerweise
nicht den Tabellenlohn er
zielen kann, weshalb ein entsprechend tieferes
Invalideneinkommen
anzuneh
men ist (BGE 135 V 58 E. 3.4.3, Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2008 vom
5.
September 2008 E. 6.4, zusammengefasst in: SZS 2008 S. 570; Urteile des Bundesgerichts I 428/04 vom
7.
Juni 2006 E. 7.2.2; I 630/02 vom 5. Dezember 2003 E. 2.2.2). Kann tatsächlich oder
zumutbarerweise
ein durchschnittliches Invalideneinkommen erzielt werden, dann besteht kein Grund, ein aus wirt
schaftlichen Gründen unterdurchschnittliches
Valideneinkommen
auf ein durchschnittliches hochzurechnen. Denn mit einer solchen Vorgehensweise würden in gesetzwidriger Weise Einkommenseinbussen berücksichtigt, die nicht gesundheitlich bedingt sind. Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist somit das (zumutbare) Invalideneinkommen nicht demjenigen Einkommen gegenüber
zustellen, das ohne Gesundheitsbeeinträchtigung bei vollständiger Ausschöp
fung des wirtschaftlichen Potenzials
zumutbarerweise
hätte erzielt werden kön
nen, sondern demjenigen, das konkret erzielt worden wäre (BGE 135 V 58
E. 3.4.3 in
fine
).
Sind die Voraussetzungen der
Einkommensparallelisierung
erfüllt, weil die
ver
-
si
cherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge fehlender Berufs
ausbildung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches
Va
lideneinkommen
erzielt hatte, welches um mindestens 5
%
unter dem bran
chenüblichen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren
praxis
gemäss
nicht zusätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2).
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermeiden, dass diese – bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich er
zieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen – ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5
%
gegebenenfalls eine sprung
hafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheb
lichkeitsgrenzwert
von 5
%
übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung
pra
xisgemäss
nur die Ausgleichung einer deutlichen – also nicht jeder kleinsten – Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzeinkommen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
5.6
Die Beschwerdeführerin war als
Zimmermädchen
bei der
Z._
AG
tätig, wobei sie über keine Berufsausbildung verfügt
(vgl.
Urk.
8/1
Ziff.
5.3)
. Der branchenübliche
Ta
bellenlohn
in der Branche „
Beherbergung
“ für einfache und repetitive Tätig
keiten (LSE 2010, Tabelle TA1, Ziffer
55, S. 27
, Anforderungsniveau 4) beträgt
un
ter Berücksichtigung der wöchentlichen Ar
beitszeit von 4
2
.
6
Stunden und der Nominallohnentwicklung - im Jahr 201
4
rund Fr.
46
‘
514
.
05
(Fr. 3
‘
508
.-- : 40 x 4
2
.
6
x 12 x 1.01 x 1.0
1
x 1.0
07
x 1.0
1
). Verglichen mit dem Einkommen von rund Fr.
44‘509.40
.--, welches die Be
schwerdeführerin im gleichen Jahr tatsächlich verdient hätte
(vgl. vorstehend
E. 5.4)
, ist lediglich eine Abweichung von gerundet
4.3
% zu verzeichnen, so dass eine Parallelisierung der Erwerbseinkommen ausser Betracht fällt.
6.
6.1
Das Invalideneinkommen ermittelte die Beschwerdegegnerin – in Beachtung der geltenden Rechtsprechung (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis) – gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus
gegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE), wobei sie auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache und repetitive Tätigkeiten in sämtlichen
Wirt
schaftszeigen
des privaten Sektors abstellte (LSE 2010, S. 26, Tabellengruppe TA1, Total,
Anforderungensniveau
4). Unter Berücksichtigung der durchschnitt
lichen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 201
4
von 4
2
.
6
Stunden und der allge
meinen Loh
nentwicklung in den Jahren 2011,
2012
, 201
3
und 2014
ergibt sich ein hypo
thetisches I
nvalideneinkommen von rund Fr. 56
‘
021
.--
(Fr. 4‘225.-- : 40 x 42
.
6
x 12 x 1.01 x 1.01 x
1.00
7
x 1.01
).
6
.
2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kür
zen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der
Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
6.3
Die Beschwerdegegnerin gewährte der Beschwerdeführerin keinen
be
hinde
-
rungs
bedingten
Abzug (Urk. 2 S. 2, vgl. auch Urk. 8/19).
Angesichts der Zumutbarkeit einer 100%igen behinderungsangepassten
Tätig
keit steht der
Beschwerdeführer
in
eine breite Palette von Tätigkeiten
offen. D
ie medizinisch ausgewiesenen
Einschränkungen
der Be
schwerdeführerin
verun
möglichen ihr die Ausübung von
körperlich schweren Arbeiten in
wirbelsäulen
belastende
n
und kniegelenksbelastende
n
Zwangshaltungen
(vgl. vorstehend
E. 3.7). Hingegen sind der Beschwerdeführerin sämtliche körperlich leichten Tä
tig
keiten möglich. Die genannten Einschränkungen dürften bei den üblichen ein
fachen und repetitiven Tätigkeiten
kaum
ins Gewicht fallen.
Mithin schrän
ken die genannten Behinderungen die Beschwerdeführerin nicht wesentlich in der Wahl der Tätigkeit ein.
Ebenfalls begründet die fehlende Berufsausbildung der Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf einen Abzug, ist diese doch bei der Bestimmung des
Anforde
rungsniveaus
zu berücksichtigen (Urteil des Bundesge
richts 8C_427/2011 vom 1
5.
September 2011 E. 5.2).
Dem wurde hier Rechnung getragen, indem die Tabellenlöhne
des
niedrigsten Anforderungs
-
niveau
s
4 (einfache und repeti
tive Tätigkeiten), welches keine Berufsausbildung erfordert, verwendet wurden
.
Es ist
nach dem Gesagten
nicht zu erwarten, dass die
Be
schwerdeführer
in
ihre
verbleibende Ar
beitsfähigkeit nur zu einem unter
durch
schnittlichen Lohn - der tiefer sein müsste als der verwendete
Tabellen
lohn
- verwerten kann.
Es sind somit keine gesundheitlichen Umstände vorhanden, welche sich
l
ohnmin
dernd
aus
wirk
en. Auch
die weiteren per
-
sönlichen
und be
ruflichen Umstä
nde sind nicht geeignet, einen
Ab
zug zu rechtfertigen.
Dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführer
in
angesichts der vollen
Rest
arbeitsfähigkeit
in behinderungsangepassten Tätigkeiten keinen Abzug ge
währte, erscheint vorliegend als angemessen.
6.4
Der
Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr. 44‘509.40 (vgl. vorstehend
E. 5.4)
mit dem
Invalidenein
kommen
von
Fr. 56‘021.--
(vgl. vorstehend E. 6.
1
) ergibt somit
k
eine Einkommenseinbusse
und damit einen
ren
ten
aus
schliessen
den
Invaliditätsgrad von
0
%
.
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass selbst bei Gewährung des höchst möglichen leidensbedingten Abzugs von 25
%
lediglich ein Invaliditätsgrad von rund 5
%
resultieren würde.
Der angefochtene Entscheid erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerle
gen.