Decision ID: f16a7979-17bb-46be-9c7e-94423d2f498b
Year: 2004
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache sexuelle Nötigung (Rückweisung des  des Kantons Zürich)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelrichterin in Strafsachen, vom 15. September 2000 (GG.......); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 26. Juni 2002 (SB......); Beschluss des Kassationsgerichtes des Kantons Zürich vom 6. Januar 2003 (.......)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Bezirksanwaltschaft Bülach vom 8. Dezember 1999 ist die-
sem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte ist schuldig der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne
von Art. 189 Abs. 1 StGB.
2. Der Angeklagte wird bestraft mit sechs Monaten Gefängnis.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
zwei Jahre angesetzt.
4. Es wird festgestellt, dass der Angeklagte grundsätzlich verpflichtet ist, der
Geschädigten I. S. eine Genugtuung zu bezahlen. Im Quantitativ wird das
Genugtuungsbegehren der Geschädigten auf den Zivilweg verwiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf Fr. 800.--.
6. Die Kosten, einschliesslich derjenigen für die unentgeltliche Vertretung der
Geschädigten, werden dem Angeklagten auferlegt."
Berufungsanträge:
a) Des Verteidigers des Angeklagten (Urk. 97):
1. Der Angeklagte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Dem Angeklagten sei eine angemessene Entschädigung und Genugtuung
zuzusprechen.
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b) Der Vertreterin der Geschädigten (Urk. 94):
1. Ziff. 4 des erstinstanzlichen Urteils, zweiter Satz sei aufzuheben und der
Angeklagte sei zu verpflichten, der Geschädigten eine Genugtuungssumme
von Fr. 10'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 1.8.1999 zu bezahlen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inkl. der unentgeltlichen Vertretung
der Geschädigten, seien dem Angeklagten aufzuerlegen.
c) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft (Urk. 101):
Das Urteil der Einzelrichterin in Strafsachen des Bezirkes Bülach vom 15.
September 2000 sei zu bestätigen.

Das Gericht zieht in Betracht:
I.
1. Dem Angeklagten wird im Wesentlichen vorgeworfen, am Abend des 1.
August 1999 die im Transitbereich des Flughafens Zürich als Asylbewerberin un-
tergebrachte Geschädigte in seiner damaligen Funktion als Beamter der Grenz-
polizei unter einem Vorwand in sein Büro gelockt zu haben und sie dort umarmt,
geküsst und genötigt zu haben, mit der Hand über den Kleidern sein Geschlechts-
teil zu berühren. Sodann soll er ihr die Brüste entblösst und diese betastet und
geküsst haben. Zudem soll er einige Zeit später die Geschädigte im Aufenthalts-
und Schlafraum für Asylbewerberinnen aufgesucht haben, wobei er sie geküsst
und versucht habe, ihr die Jacke auszuziehen (Urk. 18).
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2. Gestützt auf diese Anklagevorwürfe sprach die Vorinstanz den Ange-
klagten der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
schuldig und bestrafte ihn mit sechs Monaten Gefängnis unter Gewährung des
bedingten Strafvollzugs mit einer Probezeit von zwei Jahren. Sie hielt zudem fest,
dass der Angeklagte grundsätzlich verpflichtet sei, der Geschädigten eine Ge-
nugtuung zu bezahlen, verwies die Geschädigte bezüglich des Quantitativs einer
solchen Leistung jedoch auf den Zivilweg (Urk. 47 S. 28 f.).
Dieses Urteil wurde sowohl vom Angeklagten als auch von der Geschädig-
ten angefochten. Im Anschluss an die Berufungsverhandlung vom 4. September
2001 beschloss das Gericht am 2. Oktober 2001, die Untersuchung durch die Be-
fragung der Geschädigten zu ergänzen (Urk. 58). Trotz Abklärungen der Polizei in
Belgien, wo der Aufenthalt der Geschädigten vermutet wurde (vgl. Urk. 57a), blieb
diese unauffindbar (Urk. 60 H-D) und konnte somit nicht befragt werden.
Nach schriftlicher Stellungnahme der Parteien wurde der Angeklagte mit
Urteil der erkennenden Kammer vom 26. Juni 2002 freigesprochen (Urk. 71). Ge-
gen diesen Entscheid haben sämtliche Parteien kantonale Nichtigkeitsbeschwer-
de erhoben, wobei die Geschädigte auf eine Begründung verzichtet hat. Mit Be-
schluss vom 6. Januar 2003 wurde das genannte Urteil in Gutheissung der Nich-
tigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft aufgehoben und die Sache zur Neu-
beurteilung im Sinne der Erwägungen an die II. Strafkammer des Obergerichts
zurückgewiesen. Die Nichtigkeitsbeschwerde des Angeklagten wurde als gegen-
standslos geworden erledigt abgeschrieben (Urk. 87).
Die Parteien erklärten sich mit der schriftlichen Durchführung des aktuellen
Berufungsverfahrens einverstanden und verzichteten auf öffentliche Beratung und
mündliche Eröffnung des Urteils (Urk. 90, 91). Mit Eingaben vom 7. Juli 2003 und
18. September 2003 begründeten die Geschädigte und der Angeklagte ihre Be-
rufungen (Urk. 94, 97). Am 13. Oktober 2003 beantwortete die Geschädigte die
Berufung des Angeklagten (Urk. 100); wogegen der Angeklagte auf eine Beru-
fungsantwort verzichtete. Am 30. Oktober 2003 beantwortete die Staatsanwalt-
schaft die Berufung des Angeklagten (Urk. 101).
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II.
1. Der Angeklagte bestritt auch im aktuellen Berufungsverfahren (Urk. 97)
wie bereits in der ersten Berufungsverhandlung (Urk. 70= Prot. II S. 7 ff. und S.
29), während der Untersuchung und bei der Vorinstanz, dass er die Geschädigte
zu sexuellen Handlungen genötigt habe. Er anerkannte zwar, dass er am fragli-
chen Abend mit der Geschädigten in seinem Büro ein Gespräch geführt und sich
mit ihr im Aufenthaltsraum für Asylbewerberinnen im Terminal A aufgehalten ha-
be, stellte jedoch entschieden in Abrede, dass es dabei zu sexuellen Handlungen
mit ihr gekommen sei bzw. die Geschädigte überhaupt berührt zu haben.
2. Die Vorinstanz kam in ihren Erwägungen zusammenfassend zum
Schluss, dass nach Würdigung der Aussagen des Angeklagten, der äussere Ge-
schehensablauf sich so zugetragen habe, wie ihn die Geschädigte geschildert
habe und wie er der Anklage zu Grunde liege. Der Angeklagte habe sich im Laufe
des Verfahrens immer in zahlreichere Widersprüche verstrickt, die sich nicht an-
ders erklären liessen, als dass er etwas zu verheimlichen versuche, was an jenem
fraglichen Tag zwischen ihm und der Geschädigten vorgefallen sei. Seine Argu-
mentation wirke insgesamt weder überzeugend noch nachvollziehbar, seine Aus-
sagen seien deshalb als Schutzbehauptungen zu werten. Demgegenüber er-
schienen die Aussagen der Geschädigten glaubwürdig und aussagekräftig (Urk.
47 S. 21). Die Vorinstanz wies zudem darauf hin, dass die Ausführungen der Ge-
schädigten mehrfach durch Zeugen bestätigt und ergänzt worden seien; das von
der Geschädigten beschriebene Geschehen erscheine demnach auch unter Be-
rücksichtigung der Beobachtungen dieser Personen als glaubhaft (Urk. 47 S. 16
f.).
3. Die erkennende Kammer befand in ihrem aufgehobenen Urteil vom 26.
Juni 2002, dass die Aussage der Geschädigten mangels Konfrontation mit dem
Angeklagten nicht verwertbar seien, da diese Aussage wenn auch nicht das ein-
zige, so doch das ausschlaggebende Beweismittel für die Schuld des Angeklag-
ten darstelle (Urk. 71).
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4. Das Kassationsgericht des Kantons Zürich hob mit Beschluss vom 6. Ja-
nuar 2003 in Gutheissung der Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft das
genannte obergerichtliche Urteil auf und wies die Sache zur Neubeurteilung im
Sinne der Erwägungen an die II. Strafkammer des Obergerichts zurück (Urk. 87
S. 16).
Das Kassationsgericht befand, dass
- von der Unerreichbarkeit der Belastungszeugin S. I. auszugehen sei,
nachdem auch die vom Obergericht unternommenen Bemühungen ohne Erfolg
geblieben seien. Das Obergericht habe noch im Rahmen des Berufungsverfah-
rens erfolglos die angemessenen Massnahmen ergriffen, um die Geschädigte
nachträglich aufzufinden (Urk. 87 S. 10, 14),
- die erkennende Kammer in ihrem Urteil vom 26. Juni 2002 die Tragweite
des Begriffs des "ausschlaggebenden Beweismittels" im vorliegenden Zusam-
menhang überspannt habe. Dieses Kriterium könne nicht so ausgelegt werden,
dass erst dann, wenn bereits die übrigen Beweismittel den Schuldspruch vollum-
fänglich zu begründen vermögen, auch die in Frage stehende Zeugenaussage,
bezüglich welcher der Angeschuldigte in seinen Verteidigungsrechten einge-
schränkt war, verwertbar sei; denn in diesem Fall bedürfte es des letztgenannten
Beweismittels für den Schuldnachweis gar nicht mehr. Der Sinn der diesbezügli-
chen Rechtsprechung könne nicht darin liegen, dass eine Aussage erst dann in
die Beweiswürdigung einbezogen werden dürfe, wenn sie zum Schuldnachweis
ohnehin nicht mehr benötigt werde (Urk. 87 S. 11),
- es nach Auffassung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
insoweit für die Verwertbarkeit einer Zeugenaussage, bezüglich welcher der An-
geschuldigte sein Recht auf Stellung von Ergänzungsfragen wegen Unerreichbar-
keit des Zeugen nicht ausüben konnte, genüge, dass anderweitige, nicht bloss
nebensächliche, sondern gewichtige (und ordnungsgemäss erhobene) Beweise
vorliegen, welche die Aussage des unerreichbaren Zeugen bestätigen bzw. er-
gänzen; sie müssen insofern geeignet sein, zwar nicht notwendigerweise für sich
allein, wohl aber in Verbindung mit der in Frage stehenden Zeugenaussage den
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Schuldnachweis zu erbringen. In diesem Fall erachte der Gerichtshof den Schuld-
spruch bzw. das ihm zugrundeliegende Verfahren insgesamt als "fair" im Sinne
von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Urk. 87 S. 12 f.),
- dass die restriktivere Praxis bezüglich der Voraussetzung für die Verwer-
tung von Aussagen anonymer Zeugen sich sachlich insofern begründen lasse, als
es hier der Staat in der Hand habe, eine volle oder zumindest partielle Konfronta-
tion des Belastungszeugen mit dem Angeschuldigten zu gewährleisten oder zu
verhindern, während in Fällen faktischer Unerreichbarkeit des Belastungszeugen
die staatlichen Behörden die Unmöglichkeit der Ausübung des Fragerechts
grundsätzlich nicht zu verantworten haben (Urk. 87 S. 13 f.),
- dass sich aus den Akten nicht ergebe, dass die Geschädigte behördlicher-
seits ausgeschafft worden sei, weshalb die Unmöglichkeit der Konfrontation bzw.
der Inanspruchnahme der durch Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierten Rechte so-
mit nicht der Sphäre des Staates zuzurechnen sei (Urk. 87 S. 14).
5. Ergänzend ist nun vorab auf die diesbezüglichen Einwände der Verteidi-
gung einzugehen:
a) Der Verteidiger bemängelte erneut, dass keine angemessenen Nachfor-
schungen nach dem Verbleib der Geschädigten getätigt worden seien (Urk. 97 S.
4).
Diesbezüglich ist zunächst auf die Erwägungen im kassationsgerichtlichen
Beschluss vom 6. Januar 2003 zu verweisen, denen lediglich beizufügen ist, dass
sich die Ausschreibung der Geschädigten im OPA/RIR sowie die in Belgien getä-
tigten Aufenthaltsnachforschungen, die im Übrigen der Einflussmöglichkeit der
schweizerischen Strafjustizbehörden entzogen sind, als adäquat und genügend
erweisen. Eine internationale Ausschreibung via Interpol wäre dagegen - wie die
Staatsanwaltschaft zu Recht ausführt (Urk. 101 S. 3) - angesichts des Umstan-
des, dass die Geschädigte als Zeugin aussagen sollte und nicht als Angeschul-
digte gesucht wird, unverhältnismässig.
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b) Unzutreffend ist auch der Standpunkt des Angeklagten, dass kein Fall von
Unerreichbarkeit vorliege, wenn der Belastungszeuge bewusst verhindere, dass
er von den Untersuchungsbehörden oder dem Gericht vorgeladen werde (Urk. 97
S. 5). Auch diesbezüglich hat sich das Kassationsgericht zweifelsfrei verlauten
lassen (vgl. Urk. 87 S. 13 f.). Ein allfälliges Verschulden des Belastungszeugen an
der Unmöglichkeit der Konfrontationseinvernahme ist ein für die Verwertbarkeit
seiner belastenden Aussagen unmassgebliches Kriterium angesichts des im
Strafverfahren herrschenden Untersuchungs- und Offizialprinzips, wonach die
Durchführung des Verfahrens vom Willen des Geschädigten unabhängig ist. We-
sentlich ist, dass es nicht die Behörde selber zu vertreten hat, dass eine Bela-
stungsperson nicht einvernommen und dem Beschuldigten nicht gegenüberge-
stellt wird. Wie die Staatsanwaltschaft zu Recht ausführt (Urk. 101 S. 2) hat die
Bezirksanwaltschaft Bülach, nachdem sie am 2. August 1999 über den Vorfall ori-
entiert worden ist (Urk. 1/1 S. 4), am 3. August 1999 die Fremdenpolizei angewie-
sen, die Geschädigte einstweilen nicht auszuschaffen, da sie noch als Zeugin be-
nötigt werde (Urk. 12/1). Damit wurde die Verfügbarkeit der Geschädigten für die
auf den 18. August 1999 angesetzte Einvernahme (Urk. 3/2) grundsätzlich ausrei-
chend sichergestellt. Die Untersuchungsbehörde hat es somit keineswegs unter-
lassen, umgehend die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen, um die Geschä-
digte als Zeugin einzuvernehmen. Dass vorliegend die Unmöglichkeit der Kon-
frontation bzw. der Inanspruchnahme der durch Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garan-
tierten Rechte nicht der Sphäre des Staates zuzurechnen sei, wird denn auch im
kassationsgerichtlichen Beschluss klar festgehalten (Urk. 87 S. 14).
c) Der Verteidiger weist darauf hin, dass objektiv gar kein Zeugnis vorliege.
Wenn nun aber eine Zeugeneinvernahme nur verwertbar sei, wenn der Zeuge auf
die Pflicht zur wahrheitsgemässen Aussage und auf die Folgen einer falschen
Zeugenaussage im Sinne von Art. 307 StG aufmerksam gemacht worden sei, so
könne es doch unmöglich sein, dass eine polizeiliche Einvernahme (ohne die ge-
nannten Hinweise) zu Ungunsten des Angeklagten verwertet werden könnte (Urk.
97 S. 5 f.).
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Der Verteidigung ist beizupflichten, dass objektiv gar kein Zeugnis der Ge-
schädigten vorliegt. Dies ist indessen unerheblich. Die Geschädigte wurde pro-
zessual korrekt von der Polizei einvernommen, weshalb der Verwertung dieser
Einvernahme diesbezüglich nichts im Wege steht. Der Vergleich mit einer man-
gelhaften Zeugeneinvernahme geht somit fehl, da diese Einvernahme bereits
deshalb ungültig ist, weil sie nicht ordnungsgemäss erhoben worden ist.
d) Die Verteidigung argumentiert weiter, dass in den relevanten höchstrich-
terlichen Entscheiden stets von Zeugenaussagen und nicht von Aussagen in einer
polizeilichen Einvernahme gesprochen werde, weshalb diese somit nicht verwert-
bar seien (Urk. 97 S. 6 f.).
In seinem Entscheid vom 6. Januar 2003 machte das Kassationsgericht kei-
nen Unterschied zwischen polizeilichen und untersuchungsrichterlichen Einver-
nahmen und bezeichnete die Geschädigte als "Belastungszeugin". Im dort zitier-
ten Entscheid BGE 125 I 127 ff. führte das Bundesgericht zum Begriff des Zeugen
aus, dass dieser entsprechend der Rechtsprechung des Gerichtshofes autonom
und ohne formelle Bindung an das nationale Recht auszulegen sei. Als Aussagen
von Zeugen werden all jene betrachtet, die formell zugelassen sind, dem Gericht
zur Kenntnis kommen und von ihm verwendet werden können; auch in der Vor-
untersuchung gemachte Aussagen vor Polizeiorganen werden als Zeugenaussa-
gen betrachtet (BGE 125 I 132). Im Urteil Doorson hatte sich der Europäische Ge-
richtshof denn auch mit "statement by the police" zu befassen (zitiert in Urk. 87 S.
12). Dieser Einwand der Verteidigung erweist sich somit als unbehelflich.
e) Unter Hinweis auf den Kassationsentscheid vom 6. Januar 2003 und die
obigen Ausführungen sind die Aussagen der Geschädigten gegenüber der Polizei
verwertbar.
6. Da der Angeklagte wie erwähnt die Anklagevorwürfe bestreitet, ist im Fol-
genden zu prüfen, ob sich auf Grund der vorliegenden Beweismittel die Überzeu-
gung gewinnen lässt, dass sich das Geschehen am fraglichen 1. August 1999 so
wie in der Anklageschrift geschildert zugetragen hat.
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Als Beweismittel stehen die - wie vom Kassationsgericht verbindlich festge-
stellt (§ 104a GVG) - verwertbaren Aussagen der Geschädigten (Urk. 3/1) im Vor-
dergrund, da bei den dem Angeklagten angelasteten sexuellen Handlungen in
seinem Büro bzw. im Aufenthaltsraum der Geschädigten keine anderen Personen
zugegen waren. Es liegen somit keine Aussagen von Zeugen vor, die das fragli-
che Geschehen unmittelbar wahrgenommen hätten. Es fehlt aber auch an Sach-
beweisen; insbesondere konnten aus einem bei der Geschädigten von ihren Brü-
sten entnommenem Abstrich keine Spuren von DNA erhoben werden (vgl. Bericht
des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich, Urk. 11/2).
7.1. Vorab ist auf die zutreffende und ausführliche Zusammenfassung der
Aussagen sämtlicher Beteiligter im vorinstanzlichen Urteil zu verweisen (§ 161
GVG; Urk. 47 S. 8 - 16).
7.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung vom 4. September 2001 blieb der
Angeklagte bei seinen bisherigen Aussagen und bestritt erneut, die Geschädigte
je berührt zu haben (Prot. II S. 10 - 18).
7.3. Was die Würdigung der Aussagen anbelangte, kann weitgehend auf die
grundsätzlich zutreffenden und ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (§ 161 GVG; Urk. 47 S. 16 -21), dazu ist teilweise korrigierend und
ergänzend das Folgende zu bemerken:
a) Die Vorinstanz befand die Aussagen der Geschädigten zu Recht als
glaubhaft. Der von der Geschädigten beschriebene Ablauf der Geschehnisse ist
logisch und detailliert. Ihre Ausführungen bezüglich des äusseren Ablaufs wurden
mehrfach durch Zeuginnen und Zeugen im Wesentlichen bestätigt und ergänzt.
Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass der Zeuge R., nicht nur als mittelbarer
Zeuge zugegen war, sondern auch eigenständige Beobachtungen einbringen
konnte. So schilderte er eindrücklich die Verfassung der Geschädigten nachdem
sie - gemäss ihren eigenen Aussagen - den Angeklagten getroffen hat. Sie sei
aufgeregt gewesen und habe auf seine (R.s) Frage, warum sie so aufgeregt sei
und ihn so anschreie, gesagt, dies sei nicht sein Problem und ob er nicht gross
genug sein, um zu verstehen, was los sei (Urk. 4/2 S. 5; Urk. 4/1 S. 2). Als der
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Polizist in Uniform nahte, habe sie Angst bekommen und habe sich hinter den
Telefonkabinen versteckt und zu ihm gesagt, dass sie diese Nacht nicht im
Schlafraum schlafen werde, ansonsten der Polizist zu ihr kommen werde. In die-
sem Moment habe er geglaubt zu verstehen, was geschehen sei (Urk. 4/1 S. 3).
Die Schilderungen von R. sind sowohl bei der polizeilichen Einvernahme als auch
bei seiner Einvernahme als Zeuge sehr detailgetreu und ausführlich. Wie die Vo-
rinstanz zu Recht ausführt, erwiesen sich R.s Angaben auch bezüglich der von
der Geschädigten geführten Telefongespräche nach entsprechender Überprüfung
als zutreffend. Lebensnah wirkt auch seine Darstellung der emotionalen Verfas-
sung der Geschädigten (Urk. 4/2 S. 5). Diese Angaben von W. R. stehen im We-
sentlichen im Einklang mit der Schilderung der Geschädigten über den Ablauf der
Ereignisse am fraglichen Abend. Sie bestätigen damit indirekt die Richtigkeit der
Aussagen der Geschädigten.
Die Zeugin A. W. war Vertreterin der Geschädigten im Asylverfahren. Ge-
mäss ihren Aussagen bei der Einvernahme als Zeugin, erhielt sie am fraglichen
Abend um 21.45 Uhr von der Geschädigten einen Telefonanruf, in welchem diese
ihr mitteilte, sie sei vorher von einem alten und grossen Mann im Polizeibüro be-
lästigt worden; er habe versucht, sie auszuziehen. Dieser Mann habe ihr dann
gesagt, er komme nachher bei ihr im Aufenthaltsraum vorbei. Sie habe daraufhin
der Flughafenpolizei angerufen und der Beamtin am Telefon mitgeteilt, dass die
Geschädigte Angst habe und sich bedroht fühle (Urk. 5/1 S. 4 f.). Die Zeugin W.
führte dann am folgenden Tag im Transitbereich ein Gespräch mit der Geschä-
digten, das sie handschriftlich aufgezeichnet hatte (Urk. 5/4 und 5/5). Die dort
festgehaltenen Angaben der Geschädigten über den Verlauf des vor-
angegangenen Abends decken sich im Wesentlichen mit ihren Ausführungen, die
sie anlässlich der polizeilichen Befragung am Vortag (Urk. 3/1) gemacht hatte. Die
Aussagen von A. W. sind glaubhaft und es wurde selbst von der Verteidigung nie
in Frage gestellt, dass sie die Schilderungen der Geschädigten wiedergeben. Die
Aussagen der Geschädigten werden überdies durch die Aussagen der Zeugen L.
und J. gestützt. Die Polizeibeamtin D. L. und der Polizeibeamte M. J., die sich auf
den Anruf von A. W. hin zum Aufenthaltsraum begaben, betrafen dort den Ange-
klagten und die Geschädigte. Sie stellten im Wesentlichen fest, dass der Ange-
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klagte hinter einem Büchergestell, wo es auch Sessel habe, hochgekommen sei
und einen "verwirrten, d.h. eher überraschten Eindruck" machte (M. J.: Urk. 6/1 S.
3) bzw. "ein bisschen nervös, ein bisschen ertappt vielleicht" gewesen sei (D. L.:
Urk. 6/3 S. 3). Diese Angaben aus eigener Wahrnehmung können durchaus als
Indizien für das dem Angeklagten angelastete Handeln herangezogen werden.
b) Der Verteidiger bemängelt zunächst in seiner Kritik an der Glaubwürdig-
keit der Geschädigten bzw. der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, dass sie insofern
dem Zeugen R. widersprochen habe, als sie angab, nach dem Büro der Polizei
und nicht - wie dieser ausführte - nach einem Café gefragt zu haben (Urk. 97 S.
12 f.).
Dieser Einwand ist grundsätzlich zutreffend, doch vermag der Umstand,
dass sich die Geschädigte angesichts ihrer übrigen exakten Aussagen in einem
solchen Nebenumstand allenfalls irrte, ihrer Glaubwürdigkeit keinen Abbruch zu
tun. Im Übrigen ist auch gar nicht auszuschliessen, dass sich der Zeuge diesbe-
züglich geirrt hat.
c) Die weitere Behauptung, die Geschädigte habe aber ganz genau ge-
wusst, wo sich das genannte Büro befand, da sie mit Sicherheit schon mehrmals
dort gewesen sei, weshalb ihre Aussage, einen Jungen gefragt zu haben, un-
glaubhaft sei (Urk. 97 S. 12), ist spekulativ und keineswegs zwingend. Es ist -
insbesondere bei einer fremdsprachigen Ausländerin - ohne weiteres verständ-
lich, sich plötzlich im Flughafen nicht mehr zurechtzufinden, selbst wenn sie
schon einmal an einer bestimmten Stelle gewesen sein sollte. Zudem soll die
Grenzpolizei gemäss Angaben der Staatsanwaltschaft über mindestens vier Bü-
ros im Flughafen verfügen (Urk. 101 S. 7). Da der Angeklagte ausserdem vor dem
fraglichen Vorfall dienstlich noch nichts mit der Geschädigten zu tun hatte (Urk.
2/2 S. 3), konnte sie aus der Aufforderung in dasselbe Büro des Angeklagten zu
kommen, nicht schliessen, dass es sich dabei um das Büro handelt, in dem sie
beispielsweise bereits Essenscoupons beziehen durfte. Im Übrigen spricht der
Umstand, dass man eine Örtlichkeit in einem späteren Zeitpunkt genau beschrei-
ben kann, keineswegs dagegen, dass man sie sich vorher zeigen liess.
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d) Die Verteidigung stellt sich weiter auf den Standpunkt, dass wenn die Ge-
schädigte tatsächlich vom Angeklagten sexuell belästigt worden wäre, sie dies W.
R. gesagt hätte. Die Aussagen R.s würden sich vielmehr mit den Aussagen des
Angeklagten decken. Beide hätten ausgesagt, die Geschädigte habe sich aufge-
regt, nachdem das Thema Fluchtversuch aus dem Transit zur Sprache gekom-
men sei. Durch ihre Flucht vom 3. August 1999 habe die Geschädigte zudem be-
wiesen, dass sie Möglichkeiten zur Flucht gesucht hatte. Die Geschädigte habe
sich überdies bereits am Tage vorher sehr stark aufgeregt, nachdem man ihr das
Kind weggenommen habe. Auch habe sie im Asylverfahren Theater gespielt. Die
Geschädigte sei in der Lage, Emotionen zu zeigen, die von andern zur Kenntnis
genommen werden und die bewirken, dass andere etwas für sie tun (Urk. 97 S.
13 ff.).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass auch die Zeugin A. W. den Eindruck des
Zeugen R. bestätigte. Sie gab an, beim Gespräch, das sie am 2. August 1999 mit
der Geschädigten geführt hatte, den Eindruck gewonnen zu haben, diese sei ab-
gelöscht, traurig und nicht wiederzuerkennen verglichen mit der ersten Begeg-
nung (Urk. 5/1 S. 6). Die von W. und R. beschriebene Gemütsverfassung der Ge-
schädigten lässt auf die Richtigkeit von deren Aussagen schliessen, wonach es
zu sexuellen Übergriffen durch den Angeklagten gekommen ist. Dass sich die
Geschädigte dermassen beim Thema der Flucht aus dem Transit echauffierte, ist
so nicht zutreffend, was indessen nur bei Wahrnehmung der ganzen relevanten
Passagen in R.s Aussagen ersichtlich ist. R. schilderte die Situation wie folgt: "In
einem mehr oder weniger aufgeregten Zustand hat sie mir dann gesagt, dass sie
ihn gesehen habe. Sie hätten zusammen gesprochen. Er habe ihr Problem mit ih-
rer Tochter gekannt, dass sie immer noch hier in Zürich sei und nicht in Belgien.
Er habe ihr gesagt, dass man noch auf ein Dokument warten müsse. Ich habe sie
gefragt, ob er ihr nicht vorgeschlagen habe, von hier zu fliehen. Sie hat mir dann
aufgeregt gesagt, dass das nicht mein Problem sei. Ich habe sie gefragt, warum
sie sich so aufrege und mich jetzt so anschreie. Sie hat mir nochmals gesagt,
dass das nicht mein Problem sei und ob ich nicht gross genug sei, um zu verste-
hen, was los sei. Ich habe sie gefragt, was ich verstehen solle und sie hat mir zur
Antwort gegeben, ich solle sie doch nur anschauen. Dann hat sie mich aufgeregt
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um Geld gefragt. Sie hat mich ganz aufgeregt gebeten, ich solle ihr doch Geld
oder eine Telefonkarte geben, sie müsse ihre Familie, ihren Bruder und ihre An-
wältin anrufen" (Urk. 4/2 S. 5; Zeugeneinvernahme vom 12. August 1999). "Sie
sagte zu mir, dass sie diese Nacht nicht im Schlafraum, wo sie sonst übernachtet,
schlafen werde, ansonsten der Polizist zu ihr kommen werde. In diesem Moment
glaubte ich zu verstehen was geschehen war. Ich wusste es nicht genau, aber ich
hatte einen Verdacht. Sie sagte wieder zu mir, hilf mir. Ich solle eine Möglichkeit
finden, um der Anwältin anzurufen" (Urk. 4/1 S. 3; polizeiliche Einvernahme vom
3. August 1999). Allein mit diesen Äusserungen war die Geschädigte recht deut-
lich. Dass sich die Geschädigte einem praktisch fremden Mann nicht weiter an-
vertrauen und vielmehr einer nahestehenderen Person, nämlich ihrer Vertreterin -
mithin einer Frau - von den sexuellen Übergriffen berichten wollte, ist nachvoll-
ziehbar. R. informierte sie offensichtlich gerade über das notwendige Minimum,
um von ihm weitere Hilfe erwarten zu können. Dass die Geschädigte im Übrigen
völlig verzweifelt war angesichts dessen, dass man ihr ein Mädchen, welches
wohl nicht ihre Tochter war (Urk. 1/5 S. 2), doch für welches sie offenbar dennoch
im Zeitpunkt der Tat seit bald 5 Jahren die Verantwortung trug (Urk. 5/8), weit weg
von der Heimat einfach weggenommen hat, ist völlig normal, und alles andere wä-
re unverständlich. Von Theater kann daher keine Rede sein. Zutreffend ist, dass
die Geschädigte im Asylverfahren geweint hat (Urk. 12/7 S. 10), doch ist dies
nicht mit den genannten heftigeren Emotionen vergleichbar.
e) Die Verteidigung mutmasst, dass es für die gegenüber W. R. und auch A.
W. gezeigte Aufregung noch eine andere Begründung gebe. Denn da die Ge-
schädigte einen Beamten zu einer Amtspflichtverletzung anzustiften versucht ha-
be, habe sie seitens der Polizei irgendwelche Reaktionen befürchtet (Urk. 97 S.
17 f.).
Dem ist entgegenzuhalten, dass - sollte die Geschädigte tatsächlich ein der-
artiges Anliegen geäussert haben - sie keine negativen Konsequenzen in Aus-
sicht gestellt bekam. Gemäss Aussagen des Angeklagten habe er ihr auf die Bit-
te, sie illegal ins Land reisen zu lassen, geantwortet, dass das nicht in Frage
komme (Prot. I S. 8) bzw. er habe sich vehement dagegen gewehrt (Prot. II S. 13)
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und damit sei diese Angelegenheit für ihn erledigt gewesen (Prot. I S. 20). Ir-
gendwelche Nachteile für die Geschädigte standen nicht zur Diskussion und hatte
sie somit wohl auch kaum zu befürchten.
f) Aktenwidrig ist die Behauptung der Verteidigung, die Geschädigte habe
ausgesagt, der Angeklagte habe sie im Büro des Fachdienstes darauf hingewie-
sen, dass ihr Asylgesuch auch negativ entschieden werden könne. Gemäss Ver-
teidiger habe der Angeklagte dies deshalb nicht gesagt, da die Geschädigte be-
reits gewusst habe, dass ihr Asylgesuch abgewiesen worden sei (Urk. 97 S. 16).
Die Geschädigte gab jedoch zu Protokoll, dass der Angeklagte meinte, dass
"mein Asylrekurs auch negativ ausfallen könne." (Urk. 3/1 S. 3), was stimmig ist angesichts dessen, dass die Geschädigte bereits am 31. Juli 1999 durch ihre
Vertreterin gegen den abweisenden Asylentscheid rekurrierte (Urk. 12/9).
g) Die Verteidigung kritisiert die vorinstanzliche Feststellung, dass der Ange-
klagte widersprüchlich ausgesagt habe; vielmehr habe die Vorinstanz selbst vie-
les durcheinander gebracht. Die Geschädigte habe den Angeklagten nämlich so-
wohl im Frauenaufenthaltsraum als auch später vor dem Caviar House um ein
Gespräch gebeten. Dass er dies in der ersten polizeilichen Befragung noch nicht
gesagt habe, liege daran, dass es sich um eine eher kurze Einvernahme, um eine
kurze Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen gehandelt habe. Zu
Beginn wüssten jeweils sowohl der Befrager als auch der Befragte noch nicht,
was wichtig sei (Urk. 97 S. 9 f.).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass der Angeklagte erst auf die entspre-
chende konkrete Frage gesagt hat, dass er schon vorher im Frauenraum gewe-
sen ist (Urk. 2/2 S. 3). Die Geschädigte habe gesagt, sie habe Probleme und ge-
fragt, ob er ihr helfen könne (a.a.O. S. 5). Anlässlich der Hauptverhandlung vom
6. April 2000 gab er zu Protokoll, die Geschädigte vor dem Caviar House auf ihr
Problem angesprochen zu haben, da er bereits gewusst habe, dass sie wegen ih-
res Problems das Gespräch mit ihm gesucht habe (Prot. I S. 7). Damit steht aber
fest, dass der Angeklagte anlässlich der polizeilichen Befragung, als er angab, die
Geschädigte habe ihm vor dem Caviar House gesagt, dass sie Probleme habe
und ob er ihr helfen könne, gewusst hat, dass diese Schilderung nicht stimmt,
- 17 -
weshalb sich die Vermutung aufdrängt, er habe seinen Besuch im Frauenraum
verschweigen wollen.
h) Zutreffend ist der Einwand des Verteidigers, dass der Angeklagte tatsäch-
lich nicht erst vor Vorinstanz, sondern bereits anlässlich der bezirksanwaltschaftli-
chen Einvernahme vom 18. August 1999 zu Protokoll gab, dass ihm die Geschä-
digte, nachdem er kurz in den Schlafkojen nach dem schwarzen Mann gesucht
habe, im Raum aus der Richtung Türe entgegengekommen sei (Urk. 2/2 S. 8),
mithin diesbezüglich keine erst anlässlich der Hauptverhandlung vorgebrachte
neue Version der Geschehnisse vorliegt.
i) Weiter verlangt die Verteidigung die Einvernahme des Arbeitskollegen G.,
der bestätigen könnte, dass man damals einzeln nach einer Gruppe von Chine-
sen gesucht habe und dass es möglich gewesen sei, dass der Angeklagte dabei
auch den Frauenaufenthaltsraum betreten haben könnte. Die Verteidigung stellt
sich auf den Standpunkt, dass der erste Besuch des Angeklagten im Frauenauf-
enthaltsraum während der Dienstzeit des Beamten G. am späten Nachmittag oder
am frühen Abend stattgefunden habe und leitet daraus ab, die Aussage der Ge-
schädigten, sie habe sich fünf Minuten nach dem Weggang des Angeklagten ins
Büro des Fachdienstes begeben, daher nicht zutreffen könne (Urk. 97 S. 11).
Diesbezüglich ist vorab festzuhalten, dass sich der Angeklagte in zeitlicher
Hinsicht grundsätzlich nicht festlegen wollte (Urk. 2/2 S. 3; Urk. 2/3 S. 4). Aus sei-
ner Darstellung in der bezirksanwaltschaftlichen Einvernahme vom 18. August
1999 ergibt sich nun aber klar, dass er den Frauenaufenthaltsraum nach 19.00
Uhr betreten hat. In Urk. 2/2 führte er aus: "Bei mir war bis um 19.00 Uhr mein
Kollege G...." (a.a.O. S. 2). "An diesem Wochenende war es konkret so, das eine
Gruppe Chinesen aus Albanien erwartet wurde. Diese Arbeit machte ich noch zu-
sammen mit Herr[n] G.. Die Chinesen stellten sich als Albaner heraus. Nachdem
Herr G. gegangen war, war ich frei, selber Kontrollen z.B. im Transit vorzuneh-
men." ... "Auf meinem Kontrollgang ging ich dann auch in den Aufenthaltsraum für
Frauen, ..." (a.a.O. S. 3). Doch selbst wenn man davon ausginge, der Angeklagte
habe den Raum vorher, während der Suche nach den Chinesen betreten, würde
sich eine Einvernahme von G. erübrigen, da dieser nichts Relevantes über die
- 18 -
Tätigkeit des Angeklagten aussagen könnte, da die beiden Beamten ja - wie der
Angeklagte ausführen liess (Urk. 97 S. 11) -, getrennt nach den Chinesen such-
ten. Die Aussage der Geschädigten, sie habe noch fünf Minuten gewartet und
darauf einen Jungen im Nebenzimmer nach dem Büro der Polizei gefragt (Urk.
3/1 S. 2), ist somit nicht widerlegt. Dass sie einiges länger als fünf Minuten bis
zum Eintreffen im Büro des Angeklagten brauchte, ist offensichtlich, machte sie
sich doch erst nach fünf Minuten auf den Weg, überhaupt den Jungen anzuspre-
chen. Der Angeklagte hatte somit ohne weiteres Zeit für einen Abstecher ins
Gruppenchef B Büro.
k) Der Verteidiger argumentiert sodann, dass die Aussagen der Geschädig-
ten und R.s insofern nicht übereinstimmten, als die Geschädigte behauptet habe,
der Angeklagte sei im Korridor gestanden, welcher zu seinem Büro führe und ha-
be in alle Richtungen geschaut. R. habe demgegenüber ausgesagt, sie seien
beim Café des Terminal B angekommen. Die Geschädigte habe herumgeschaut,
habe aber den Polizeibeamten nicht gesehen (Urk. 97 S. 13).
Bei genauer Analyse der beiden Aussagen liegt kein Widerspruch vor. Der
Zeuge R. schilderte in beiden Einvernahmen, wie er sich in den Raucherbereich
gesetzt und die Flugzeuge beobachtet habe, während die Geschädigte im Nicht-
raucherbereich vor dem Restaurant auf den Polizisten gewartet habe. Er habe die
Flugzeuge beobachtet und sei abwesend gewesen. Als er ca. 15 Minuten später
nach der Geschädigten geschaut habe, sei diese nicht mehr bei der Sitzgruppe
gewesen (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/2 S. 4). Was die Geschädigte in der genannten
Viertelstunde gemacht hat, entzog sich somit seiner Kenntnis. Die Geschädigte
beschrieb nun aber in ihrer Einvernahme offensichtlich die von R. nicht beobach-
tete Zeit, was auch im Umstand ersichtlich ist, dass sie bei der Schilderung der an
den sexuellen Übergriff anschliessenden Ereignisse aussagte, der Junge, welcher
ihr das Büro gezeigt habe, sei immer noch bei der Sitzgruppe gewesen (Urk. 3/1
S. 4).
l) Der Verteidiger weist weiter darauf hin, dass es für die Beurteilung der
Glaubhaftigkeit von belastenden Aussagen doch nicht bedeutungslos sein könne,
dass die Geschädigte wenige Tage zuvor im Asylverfahren lauter Lügen erzählt
- 19 -
hatte. Sie habe offensichtlich ein grosses Interesse gehabt, ihren Aufenthalt im
Transit zu verlängern, bis ihr die Flucht gelingen würde (Urk. 97 S. 17).
Tatsächlich ist es nicht bedeutungslos, wenn eine Belastungsperson in ei-
nem andern Verfahren lügt, sondern ermahnt zu besonders kritischer Würdigung
ihrer aktuellen Aussagen. Dennoch ist wesentlich, dass die Zielsetzung im Asyl-
verfahren - wie die Vorinstanz zu Recht festhält - eine andere ist als im Strafver-
fahren. Während es im Asylverfahren darum geht, zu prüfen, ob der Gesuchstelle-
rin Asyl in der Schweiz gewährt werden soll, wird das Strafverfahren im öffentli-
chen Interesse durchgeführt. Das Interesse der Geschädigten am Strafverfahren
beschränkt sich dabei, abgesehen von dem im öffentlichen Interesse aufgehen-
den Wunsch, den Täter der Bestrafung zuzuführen, auf den finanziellen Ausgleich
des erlittenen Schadens (Schmid, Strafprozessrecht, 4. Aufl., Zürich 2004, N 81 f,
513). Das Eigeninteresse ist im Asylverfahren erheblicher. Dass die Geschädigte
noch weitergehende, verfahrensfremde Interessen an der Einleitung eines Straf-
verfahrens gehabt haben soll, erweist sich - wie die Staatsanwaltschaft zu Recht
ausführt (Urk. 101 S. 5) - als unbegründet. Da die Geschädigte den Entscheid des
Bundesamtes vom 30. Juli 1999 sowie der gleichzeitig verfügte Entzug der auf-
schiebenden Wirkung eines allfälligen Rekurses anfechten liess (Urk. 5/1 S. 3; 5/7
S. 3; 12/9), brauchte sie bis zum genannten Entscheid vernünftigerweise nicht mit
der Ausschaffung zu rechnen.
m) Weiter hegt die Verteidigung den Verdacht, dass die Geschädigte bereits
in der Schweiz oder in Belgien bezüglich ihres Geburtsdatums falsche Angaben
gemacht habe und auch gegenüber den belgischen Behörden gelogen habe. Es
seien auf dem Rechtshilfeweg ein Vorstrafenbericht und Leumundsbericht einzu-
holen und die entsprechenden Abklärungen zu tätigen (Urk. 97 S. 19).
Angesichts dessen, dass es sich bei den divergierenden Geburtsdaten auch
nur um ein Versehen handeln kann, der in der Meldung von Interpol Brüssel vom
23. Februar 2002 enthaltende Hinweis auf polizeiliche Nachforschungen zur Per-
son der Geschädigten (Urk. 60 F) nicht zwingend auf ein Strafverfahren schlie-
ssen lässt und die Geschädigte als Opfer und nicht als Täterin in das vorliegende
Verfahren involviert ist, ist von den beantragten Weiterungen abzusehen.
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n) Der Verteidiger stellt sich erneut auf den Standpunkt, dass dem Ange-
klagten von der Geschädigten eine Falle gestellt worden sei (Urk. 97 S. 18).
Diese Argumentation ist gänzlich unbehelflich und die Vorinstanz hat sich
bereits umfassend dazu geäussert (Urk. 47 S. 19). Hinzuweisen ist zur Verdeutli-
chung einzig auf den entscheidenden Widerspruch, dass die Geschädigte nicht
gewusst haben soll, dass der Angeklagte sie im Frauenaufenthaltsraum aufsu-
chen will (vgl. Prot. II S. 15) und einfach die Situation ausgenützt und die Türe
abgeschlossen habe, um ihn in ein schlechtes Licht zu rücken, aber vorgängig
sowohl A. W. als auch W. R. darüber informiert hat, dass der Angeklagte ihr an-
gekündigt hat, er werde vorbeikommen. Dieser Widerspruch lässt sich nicht auflö-
sen. Die Spekulation der Verteidigung, die Geschädigte habe einfach vermutet, der Angeklagte komme noch im Frauenaufenthaltsraum vorbei, um mit ihr zu  (Urk. 97 S. 18), weshalb sie sich an R. und W. gewandt und sich letztlich die beiden Polizisten zu Hilfe geholt habe, und schliesslich, als der Angeklagte tat-
sächlich vorbeikam, die Türe abgeschlossen habe, um die Behauptung, sie sei
sexuell belästigt worden, glaubhafter zu machen, ist an den Haaren herbeigezo-
gen.
o) Der Verteidiger verweist erneut auf seine Eingabe vom 31. August 2000,
in welcher er Stellung nahm zum Augenschein vom 29. Juni 2000 im Frauenauf-
enthaltsraum. Im Wesentlichen kritisiert er, die Aussage, der Angeklagte sei
"hochgekommen" müsse nicht zwingend heissen, dass er neben der Geschädig-
ten gesessen habe (Urk. 37; Urk. 97 S. 20).
Dem ist beizupflichten. Doch angesichts der wenig plausiblen Erklärungs-
versuche seitens des Angeklagten bzw. der seitens der Verteidigung angestellten
Interpretationen der genannten Bewegung (Urk. 37 S. 4), stellen die Aussagen
von J. und L. zumindest ein Indiz für die Darstellung der Geschädigten dar.
p) Letztlich wendet der Verteidiger ein, das von der Geschädigtenvertreterin
eingereichte Schreiben vom 29. Mai 2001 (Urk. 57) dürfe nicht als Beweismittel
verwendet werden, da bezweifelt werde, dass dies überhaupt von der Geschä-
- 21 -
digten stamme und wenn, sei nicht klar, aufgrund welcher Einflüsse dieser Brief
zustande gekommen sei (Urk. 97 S. 20).
Da dieses Schreiben für die Beweiswürdigung nicht relevant ist, erübrigen
sich Ausführungen dazu.
7.4. Zusammenfassend ist festzustellen, dass ein eindeutiges und überzeu-
gendes Gesamtbild der Geschehnisse an jenem fraglichen 1. August 1999 ent-
steht und keine relevanten Zweifel daran bestehen, dass sich der Sachverhalt wie
eingeklagt zugetragen hat.
III.
Bezüglich der rechtlichen Würdigung kann vollumfänglich auf die zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (§ 161 GVG; Urk. 47 S. 22 f.),
denen nichts beizufügen ist.
IV.
Hinsichtlich der Strafzumessung kann vorab auf die grundsätzlich zutreffen-
den Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (§161 GVG; Urk. 47 S. 23 ff.).
Zu ergänzen bleibt lediglich, dass seit der Tatbegehung am 1. August 1999 nun
mehr als 4 1⁄2 Jahre vergangen sind. Die relativ lange Verfahrendauer sowie auch
der Umstand, dass sich der Angeklagte seit der Delinquenz wohlverhalten hat
(Urk. 102), wirken sich nun aber strafmindernd aus. Aufgrund all dieser Umstände
erweist sich eine Reduktion der Strafe als angezeigt und ist der Angeklagte mit
fünf Monaten Gefängnis zu bestrafen.
V.
Bezüglich des bedingten Strafvollzuges ist vollumfänglich auf die vorinstanz-
lichen Erwägungen zu verweisen (Urk. 47 S. 25 f.; § 161 GVG). Der Vollzug der
- 22 -
Freiheitsstrafe ist somit aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzu-
setzen.
VI.
Hinsichtlich der Genugtuung ist vollumfänglich auf die zutreffenden Erwä-
gungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 47 S. 26 f.; § 161 GVG).
Der Vorinstanz ist insbesondere beizupflichten, dass die konkreten längerfri-
stigen Auswirkungen der Straftat auf die Persönlichkeit der Geschädigten gänzlich
unbekannt sind. Diesbezügliche Erhebungen, insbesondere auch das von der
Geschädigtenvertreterin anlässlich der ersten Berufungsverhandlung eingereichte
Schreiben vom 29. Mai 2001 (Urk. 57) betreffend, sind infolge des unbekannten
Aufenthaltes der Geschädigten nicht möglich.
Es ist somit festzustellen, dass der Angeklagte grundsätzlich zu verpflichten
ist, der Geschädigten I. S. eine Genugtuung zu bezahlen. Im Quantitativ ist das
Genugtuungsbegehren der Geschädigten auf den Weg des ordentlichen Zivilpro-
zesses zu verweisen.
VII.
1. Das vorinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 5 und 6) ist - unter Hinweis auf
die zutreffende Begründung in Urk. 47 S. 27 - zu bestätigen.
2. Die Gerichtsgebühr für das erste Berufungsverfahren (SB......) fällt au-
sser Ansatz. Ausgangsgemäss sind die Kosten des ersten Berufungsverfahrens
(SB.......), inkl. derjenigen der unentgeltlichen Geschädigtenvertreterin, auf die
Staatskasse zu nehmen.
3. Die Gerichtsgebühr für das zweite Berufungsverfahren (SB......) wird
festgesetzt auf Fr. 1'500.--.
- 23 -
Ausgangsgemäss sind die Kosten dieses Berufungsverfahrens, inkl derjeni-
gen der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, dem Angeklagten aufzuerlegen
(§ 396a StPO).
Demnach erkennt das Gericht:
1. Der Angeklagte ist schuldig der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne
von Art. 189 Abs. 1 StGB.
3. Der Angeklagte wird bestraft mit 5 Monaten Gefängnis.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
zwei Jahre angesetzt.
5. Es wird festgestellt, dass der Angeklagte grundsätzlich verpflichtet ist, der
Geschädigten I. S. eine Genugtuung zu bezahlen. Im Quantitativ wird das
Genugtuungsbegehren der Geschädigten auf den Weg des ordentlichen Zi-
vilprozesses verwiesen.
6. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffer 5 und 6) wird bestätigt.
7. Die Gerichtsgebühr für das erste Berufungsverfahrens (SB......) fällt ausser
Ansatz.
8. Die Kosten des ersten Berufungsverfahrens (SB......), inkl. derjenigen der
unentgeltlichen Geschädigtenvertreterin, werden auf die Staatskasse ge-
nommen.
- 24 -
9. Die Gerichtsgebühr für das zweite Berufungsverfahren (SB......) wird festge-
setzt auf:
Fr. Fr. 1'5; die weiteren Kosten betragen:
Fr. --.-- Vorladungsgebühren
Fr. 679.-- Schreibgebühren
Fr. 190.-- Zustellgebühren
Fr. --.-- Telefon
Fr. Rechtsbeistand (Gesch.) 25.6.2004/mbü
10. Die Kosten des zweiten Berufungsverfahren (SB......), inkl derjenigen der
unentgeltlichen Geschädigtenvertretung, werden dem Angeklagten aufer-
legt.
11. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
− den Angeklagten − die Geschädigte − die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich
sowie in vollständiger Ausfertigung an
− den Angeklagten − die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich − die Geschädigte − die Vorinstanz − die Koordinationsstelle vostra Zürich mit Formular A
12. Rechtsmittel:
a) Kantonale Nichtigkeitsbeschwerde gemäss § 428 ff. der zürcherischen
Strafprozessordnung (StPO): Gegen diesen Entscheid kann innert
10 Tagen, von seiner Eröffnung oder von der Entdeckung eines  an gerechnet, beim Vorsitzenden des entscheidenden Gerichts
- 25 -
mündlich oder schriftlich Nichtigkeitsbeschwerde zuhanden des Kassa-
tionsgerichts des Kantons Zürich angemeldet werden.
Die Frist zur Begründung der Beschwerde wird nach ihrer Anmeldung
angesetzt (vgl. die beiliegende Verfügung des Vorsitzenden vom
25. Mai 2004).
b) Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde: Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, beim Kassationshof des Bundesgerichts
Nichtigkeitsbeschwerde erhoben werden.
Die Beschwerde ist schriftlich im Doppel und in der in Art. 273 der
Bundesstrafprozessordnung (BStP) vorgeschriebenen Weise einzurei-
chen. Die Beschwerde kann nur damit begründet werden, dass der an-
gefochtene Entscheid eidgenössisches Recht verletze. Die Beschwer-
delegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten
sich nach den Vorschriften in Art. 268 ff. BStP.
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