Decision ID: 0c5384d9-769e-5b43-8a7d-1596ef5c2bab
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 24. Juli 2008 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Vom 1. August 2005
bis zum 31. Juli 2006 war er zu 100% bei der Stiftung B._, angestellt gewesen (vgl.
IV-act. 11). Neben der Tätigkeit in diversen Einsatzprogrammen des RAV (IV-act. 5, IV-
act. 8) war er darüber hinaus in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit nachgegangen
(vgl. IV-act. 8).
A.b Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Medizin, stellte im Arztbericht vom
9. August 2008 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
Chronisches lumbovertebrales Syndrom sowie chronisches cervikobrachiales Syndrom
mit Spannungskopfschmerzen und Tendenz zur Generalisierung der
muskuloskelettalen Beschwerden (Symptomausbreitung). Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden ein Diabetes mellitus II, Übergewicht und Hyperlipidämie.
Der Versicherte sei seit Mai 2006 in Behandlung und sei durch ihn nie
krankgeschrieben worden. Klinisch finde man keinen Hinweis für radikuläre Symptome
ausgehend von der Hals- oder Lendenwirbelsäule. Die Arbeitsfähigkeit wäre vor allem
wegen des chronischen lumbovertebralen Syndroms in Bezug auf Heben, Tragen oder
längeres Sitzen eingeschränkt. Die Leistungsfähigkeit sei vielleicht etwas
eingeschränkt, aber wahrscheinlich nicht über 50% (IV-act. 13-1 ff.).
A.c Mit dem Bericht von Dr. C._ wurden mehrere Arztberichte eingereicht (vgl. IV-
act. 13-5 ff.). Im Bericht vom 27. Mai 2004 hatte Dr. med. D._, Klinik für
Orthopädische Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen, eine chronische Lumbalgie bei
Hemisacralisation L5 und linkskonvexer Lumbalskoliose diagnostiziert und dem
Versicherten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-act. 13-8 f.). Im Schreiben vom
28. Juni 2006 hatte Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, die Diagnose einer
Anpassungsstörung mit Beeinträchtigung von anderen Gefühlen nach ICD-10 F43.23
gestellt und das Vorliegen der diagnostischen Kriterien einer posttraumatischen
Belastungsstörung verneint. Aufgrund der Besserung des leicht depressiven
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Zustandsbilds des Versicherten sei die Behandlung in gegenseitigem Einvernehmen
abgeschlossen worden (IV-act. 13-10 f.). Im eingereichten Bericht vom 29. Juni 2007
hatte Dr. med. F._, Fachärztin FMH für Kardiologie und Innere Medizin, folgende
Diagnosen gestellt: Eine leichte diastolische Funktionsstörung des linken Ventrikels
ohne Nachweis einer Hypertrophie (keine relevante belastungsinduzierte Ischämie)
sowie kardiovaskuläre Risikofaktoren. Es zeige sich im Vergleich zu 2004 eine leicht
bessere Belastbarkeit und es sei somit von extrakardialen Thoraxschmerzen
auszugehen (IV-act. 13-5 ff.).
A.d Dr. med. G._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
des Bewegungsapparates, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), führte in einer
internen Stellungnahme am 26. August 2008 aus, es sei in einer entsprechend
leidensangepassten Tätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20%
auszugehen, da im Bereich der Wirbelsäule eine verminderte Belastbarkeit vorliege (IV-
act. 14).
A.e Am 26. September 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, die
Voraussetzungen für einen Anspruch auf Arbeitsvermittlung seien erfüllt (IV-act. 15).
A.f Lic. phil. H._, Psychologin, und Dr. med. I._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, Klinik J._, gaben im Arztbericht vom 6. November 2008 an, es
bestünden aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 20).
A.g In der Verlaufsbeschreibung der Eingliederungsberatung wurde am 23. Oktober
2008 angegeben, der Versicherte arbeite seit dem 1. Juli 2008 bei der Stiftung B._.
Er benehme sich aber sehr schwierig und arbeite lediglich 50%. Gemäss den
Ausführungen vom 24. November 2008 arbeitete der Versicherte auch weiter lediglich
50%, da ihm sein Hausarzt eine maximale 50%ige Arbeitsfähigkeit bestätigt habe. Der
Versicherte gehe aktuell einmal im Monat zu Dr. I._. Am 6. April 2009 führten die
Eingliederungsberater aus, der Versicherte werde voraussichtlich bis zum 30. Juni 2009
im B._ tätig sein (IV-act. 25).
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A.h Dr. C._ gab im Bericht vom 8. August 2009 an, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
vom 1. Juli 2008 bis zum 30 Juni 2009 sei von ihm nicht bestätigt worden. Es bestehe
eine verminderte Leistungsfähigkeit im Umfang von ca. 50% (vgl. IV-act. 36). Im
Verlaufsbericht vom 20. August 2009 beschrieben lic. phil. H._ und Dr. I._ den
Gesundheitszustand des Versicherten als stationär. Die anhaltend schwierige
psychosoziale Situation führe dazu, dass sich die Symptome im Rahmen bereits
gestellter Diagnosen intensiviert hätten. Die Prognose bezüglich Erhaltung der
bisherigen 50%igen Arbeitsfähigkeit sei als günstig zu beschreiben. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe keine verminderte Leistungsfähigkeit (IV-act. 37).
A.i Im Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 6. April 2009 führte die
zuständige Eingliederungsberaterin aus, der Versicherte klage über diverse
Beschwerden. Er zeige kein grosses Interesse, eine Arbeit zu suchen, und erledige
knapp die aufgetragenen Aufgaben. Es sei ein Teilzeitabzug von 8% zu gewähren (IV-
act. 38).
B.
B.a Im von der IV-Stelle veranlassten bidisziplinären Gutachten vom 18. Dezember
2009 stellten die Ärzte des Medizinischen Gutachtenzentrums St. Gallen (MGSG) im
Wesentlichen folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: Leichte
bis mittelgradige depressive Episode bestehend seit etwa Mai 2007; andauernde
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung bestehend seit Jahren; Zustand nach
Anpassungsstörungen mit Beeinträchtigung von anderen Gefühlen bestehend von etwa
2004 bis April 2007; lumbospondylogenes Syndrom beidseits, rechtsbetont;
zervikovertebrales bis zervikocephales und -brachiales Syndrom beidseits; mässig
ausgeprägte Periarthropathia humero-scapularis tendinotica rechts. Aus
rheumatologischer Sicht sei der Versicherte in der zuletzt ausgeübten beruflichen
Tätigkeit im Bereich des Elektronik-Recyclings 100% arbeitsfähig und eine
Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestehe nicht. Auch in einer sehr leichten bis
maximal leichten, wechselbelastenden adaptierten Tätigkeit bestehe eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 44-11). Aus rein psychiatrischer Sicht sei eine 70%ige
Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten Hilfsarbeitertätigkeit als auch in geistig
einfachen, adaptierten Tätigkeiten ohne Stressbelastung anzunehmen (IV-act. 44-31).
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Somit sei der Versicherte aus rheumatologisch-psychiatrischer Sicht in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit und in adaptierten Tätigkeiten 70% arbeitsfähig bei vollem
Stundenpensum. Die 70%ige Arbeitsfähigkeit bestehe seit etwa Mai 2007 und sei
seither konstant geblieben (IV-act. 44).
B.b Der RAD-Arzt Dr. G._ gab in seiner Stellungnahme vom 31. Dezember 2009 an,
es könne seines Erachtens vollumfänglich auf das Gutachten abgestellt werden und die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit angestammt und adaptiert auf 70% sei
nachvollziehbar. Der Beginn des Wartejahres könne auf den Mai 2007 terminiert
werden (IV-act. 45).
B.c Mit Vorbescheiden vom 8. Januar 2010 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Rentenbegehren aufgrund eines nicht rentenbegründenden IV-Grades
von 30% abzuweisen (IV-act. 50) und die Arbeitsvermittlung abzuschliessen (IV-
act. 49). Dagegen liess der Versicherte am 14. Januar 2010 Einwand erheben (IV-
act. 52) und eine Viertelsrente beantragen (vgl. Präzisierung vom 17. Januar 2010, IV-
act. 58). Zur Begründung wurde angeführt, dem Versicherten sei aufgrund der
erheblichen Einschränkungen in der adaptierten Tätigkeit, des Alters, der Nationalität,
der fehlenden Ausbildung und des Teilzeitbeschäftigungsgrades ein Abzug vom
Tabellenlohn von 25% zu gewähren. Damit resultiere ein IV-Grad von 47%.
B.d Mit Verfügung vom 19. Februar 2010 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
gemäss Vorbescheid ab. Zum Einwand des Versicherten führte sie an, bei der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit handle es sich um eine vorwiegend sitzende Tätigkeit mit der
Möglichkeit, aufzustehen. Es würden keine rückenergonomisch ungünstigen
Körperhaltungen oder übermässig belastenden Arbeitspositionen abverlangt. Diese
Tätigkeit könne als adaptiert betrachtet bzw. ohne zusätzliche Einschränkungen
ausgeführt werden und ein Leidensabzug sei nicht angezeigt. IV-fremde Gründe
könnten nicht berücksichtigt werden (IV-act. 60). Gleichentags wurde der Abschluss
der Arbeitsvermittlung verfügt (IV-act. 59).
C.
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C.a Gegen die rentenabweisende Verfügung vom 19. Februar 2010 richtet sich die
vorliegende Beschwerde vom 22. März 2010. Der Beschwerdeführer beantragt die Auf
hebung der Verfügung und die Zusprache einer Viertelsrente rückwirkend ab 1. Mai
2007. Zur Begründung wird im Wesentlichen angeführt, es sei ein Leidensabzug von
25% zu gewähren. Das Argument der Beschwerdeführerin, die angestammte Tätigkeit
könne ohne zusätzliche Einschränkungen ausgeführt werden, sei untauglich, da es sich
bei der Stiftung B._ um eine geschützte Werkstatt handle und nicht um eine
Anstellung in der freien Wirtschaft. Der Beschwerdeführer sei auf eine Stelle im
geschützten Rahmen angewiesen. Unter Anrechnung des Leidensabzuges von 25%
ergebe sich ein IV-Grad von 47.7%, weshalb der Beschwerdeführer Anspruch auf
mindestens eine Viertelsrente habe (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 23. Juni 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie an, es sei vorliegend beim
Validen- und beim Invalideneinkommen auf den Tabellenlohn abzustellen, wobei in
analoger Rechtsprechung zur Parallelisierung des Einkommens von unterdurch
schnittlich Verdienenden auch bei Erwerbslosen beim Valideneinkommen ein 5%iger
Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen sei. Da dem Beschwerdeführer eine
vollschichtige Tätigkeit zumutbar sei, könne einzig aufgrund der somatischen Ein
schränkungen ein Leidensabzug von maximal 10% gewährt werden. Es ergebe sich
damit ein Invaliditätsgrad von 37%, weshalb kein Rentenanspruch bestehe (act. G 6).
C.c Mit Replik vom 13. Juli 2010 lässt der Beschwerdeführer eine halbe IV-Rente,
rückwirkend ab 1. Mai 2007, beantragen. Es wird angeführt, entgegen den
Ausführungen in der Beschwerde sei der Beschwerdeführer vom 10. Dezember 2009
(gemäss Arbeitszeugnis act. G 8.1: 12. Oktober 2009) bis zum 31. März 2010 im
Rahmen eines Einsatzprogrammes im Projekt Sohomet zu 50% als
Recyclingmitarbeiter tätig gewesen. Im Gegensatz zu den gutachterlichen
Ausführungen vom 18. Dezember 2009 seien die Verantwortlichen des Sohomet der
Ansicht, der Beschwerdeführer könne lediglich zu 50% eine leichte Arbeit in der
Qualitätskontrolle ausführen (vgl. act. G 8.2). Diesem Tätigkeitsbericht sei hinsichtlich
der Beurteilung der Resterwerbsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit höheres
Gewicht beizumessen als dem durch die Beschwerdegegnerin eingeholten
bidisziplinären Gutachten. Sodann gehe auch Dr. C._ von einer um 50%
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verminderten Arbeitsfähigkeit aus, was mit der Einschätzung der Sohomet
korrespondiere. Die Verantwortlichen des Sohomet hätten den Beschwerdeführer
zudem über Monate beobachten können. Der Beschwerdeführer sei nur noch zu 50%
im geschützten Rahmen arbeitsfähig und er habe somit Anspruch auf mindestens eine
halbe IV-Rente (act. G 8.1).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet
(act. G 10).

Erwägungen:
1.
Mit angefochtener Verfügung vom 19. Februar 2010 hat die Beschwerdegegnerin einen
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente verneint. Streitig und
vorliegend zu prüfen ist, ob diese Abweisung des Leistungsbegehrens zu Recht erfolgt
ist.
2.
2.1 Invalidität wird definiert als die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Unter
Erwerbsunfähigkeit versteht man dabei den durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachten und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibenden ganzen oder teilweisen
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Anspruch auf eine Rente haben versicherte
Personen, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 lit. b und c des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat eine versicherte Person Anspruch auf eine ganze IV-
Rente, wenn sie mindestens zu 70% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von
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mindestens 60% besteht ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente, bei einem Invaliditäts
grad von mindestens 50% auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.
Vorab ist zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
3.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich in medizinischer Hinsicht auf das Gutachten
des MGSG vom 18. Dezember 2009 (IV-act. 44) und die darin festgelegte 70%ige
Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit.
Der Beschwerdeführer hingegen ist der Ansicht, dass den Aussagen Dr. C._s, welche
mit dem Tätigkeitsbericht des Sohomet (act. G 8.2) korrespondieren würden, höheres
Gewicht zuzumessen sei als dem medizinischen Gutachten. Nach den Einschätzungen
des Sohomet bestehe eine 50%igen Arbeitsfähigkeit, verwertbar im geschützten
Rahmen.
3.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes respektive der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
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besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3.3 Im Rahmen der Würdigung des MGSG-Gutachtens ist darauf hinzuweisen, dass
die psychiatrischen Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit von 30% bereits seit Mai 2007,
soweit sie sich auf die depressive Episode bezieht, eher grosszügig erscheint; dies ins
besondere im Vergleich zu den Berichten der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und
Psychotherapie vom 28. Juni 2006 und der Klinik J._ vom 6. November 2008 (IV-act.
13-10 f., IV-act. 20). Beiden Berichten lassen sich keine eigentlichen, eine
Arbeitsunfähigkeit begründenden Diagnosen entnehmen. Dieser Umstand ist jedoch für
sich alleine nicht geeignet, Zweifel am Gutachten zu begründen, zumal darüber hinaus
konkret keine Gesichtspunkte ersichtlich sind, welche seine Zuverlässigkeit in Frage
stellen könnten, und die vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen in ihrer
Gesamtheit nachvollziehbar sind. Das Gutachten erscheint medizinisch fundiert, ist in
sich schlüssig und weist darüber hinaus keine formellen Mängel auf. Verglichen mit den
genannten Berichten der behandelnden Psychiater ist es u.a. in der
Anamneseerhebung und in der Beschreibung des psychischen Status ausführlicher,
zeigt die Defizite des Beschwerdeführers detailliert auf und enthält eine Einschätzung
der zumutbaren Willensanstrengung, trotz des subjektiven Leidens zu arbeiten. Was
die verschiedenen Berichte Dr. C._s betrifft, so sind die darin enthaltenen Aussagen
zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als widersprüchlich und insgesamt nicht
fassbar zu bezeichnen; insbesondere wird keine eindeutige Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgegeben. Im Arztbericht vom 9. August 2008 (IV-act. 13) bezeichnet Dr. C._ die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers als "vielleicht etwas eingeschränkt, aber
wahrscheinlich nicht über 50%". Weiter führte er aus, er habe den Beschwerdeführer
"offiziell nie krankgeschrieben". In einem Schreiben an das Sozialamt gab er hingegen
an, die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers betrage nach wie vor nur 50% für
leichtere Arbeit (IV-act. 19). Im Bericht vom 8. August 2009 (IV-act. 36) äusserte sich
Dr. C._ wiederum dahingehend, eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im Zeitraum 1. Juli
2008 bis 30. Juni 2009 sei von seiner Seite nicht bestätigt worden. Die bisherige
Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer noch zu ca. 50% zumutbar. Dr. C._ scheint sich
bei seinen Äusserungen eher von den tatsächlichen Gegebenheiten (Halbtags-Tätigkeit
im Business-House) leiten lassen zu haben als eine eigenständige, die zumutbare
Willensanstrengung zur Arbeitsleistung trotz subjektiv erlebter Schmerzen
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berücksichtigende Arbeitsfähigkeitsschätzung abgelegt zu haben. Dem Gutachten ist
darüber hinaus zu entnehmen, dass Dr. C._ am 3. Dezember 2009 telefonisch
kontaktiert wurde (IV-act. 44-3). Aus dem Gutachtentext geht nicht hervor, ob sich Dr.
C._ im Rahmen dieses Gespräches erneut zur Arbeitsfähigkeit geäussert hat.
Gemäss den gutachterlichen Ausführungen hat er lediglich angegeben, die
muskuloskelettalen Beschwerden seien bezüglich Lokalisation seit mehreren Jahren
unverändert und eine erhöhte humorale Entzündungsaktivität sei nie nachgewiesen
worden. Zusammenfassend vermögen die ungenauen Aussagen zur Arbeitsfähigkeit
von Dr. C._ - der zudem weder über eine rheumatologische noch psychiatrische
Spezialisierung verfügt - nicht Zweifel an den gutachterlichen Ausführungen zu
begründen. Betreffend die Ausführungen des Beschwerdeführers, dem
Tätigkeitsbericht des Sohomet sei mehr Gewicht beizumessen, ist darauf hinzuweisen,
dass es sich bei diesen Aussagen nicht um medizinisch fundierte
Arbeitsfähigkeitsschätzungen handelt. Folglich beinhaltet der Bericht auch keine
ärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung.
3.4 Insgesamt ist deshalb vor dem Hintergrund, dass das bidisziplinäre Gutachten
des MGSG auf fachärztlichen Untersuchungen beruht, in Auseinandersetzung mit den
Vorakten sowie unter Berücksichtigung des vollständigen Beschwerdebildes erfolgte,
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer über eine 70%ige Restarbeitsfähigkeit
verfügt. Die Beschwerdeführerin ist somit zu Recht von einer 30%igen
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen.
4.
Ausgehend von einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit bleiben deren erwerbliche
Auswirkungen zu prüfen.
4.1 Gemäss Art. 28a IVG ist für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen
Versicherten Art. 16 ATSG anwendbar. Danach ist das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
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erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden. Ferner kann auch eine Gegenüberstellung blosser
Prozentzahlen genügen (Prozentvergleich; vgl. BGE 114 V 312, E. 3a).
4.2 Entgegen den Ausführungen in der Replik ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer in der Lage ist, seine Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt zu verwerten. Es ist darauf hinzuweisen, dass der Begriff des
ausgeglichenen Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem
Angebot an und der Nachfrage nach Stellen beinhaltet, sondern darüber hinaus einen
Arbeitsmarkt bezeichnet, welcher sowohl bezüglich der beruflichen und intellektuellen
Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes verschiedenartige
Stellen offen hält (vgl. Urteil I 349/01 des des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007 sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 3. Dezember 2003 mit Hinweisen). Die in Frage kommende
leichte, vorwiegend im Sitzen auszuübende Wechseltätigkeit ohne Stressbelastung
schränkt den Beschwerdeführer nicht derart ein, dass seine Anstellungschancen auf
diesem zu unterstellenden Arbeitsmarkt als nicht realistisch eingeschätzt werden
müssten.
4.3 Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der Schweiz lediglich
bei der Stiftung B._ und in verschiedenen Einsatzprogrammen des RAV tätig
gewesen ist. Es ist anzunehmen, dass der Beschwerdeführer - hätte er als Gesunder
eine entsprechende Stelle gefunden - eine Arbeitsstelle als Hilfsarbeiter angenommen
und einen entsprechenden Lohn erzielt hätte, zumal davon auszugehen ist, dass die
Tätigkeit als Zimmermann oder Polier nicht leidensadaptiert ist, was auch für die
Tätigkeit als LKW-Chauffeur (IV-act. 44-4, IV-act, 44-24) gelten dürfte. Da ihm für die
letztgenannte Tätigkeit offenbar ohnehin der in der Schweiz nötige Führerschein fehlt
und er seit Anfang der 1990er-Jahre nicht mehr als LKW-Chauffeur gearbeitet hat (IV-
act. 44-24), könnte er in diese Tätigkeit kaum zurückkehren, geschweige denn ein über
dem Tabellenlohn für Hilfsarbeiter liegendes Einkommen erzielen. Da ihm demgemäss
nach wie vor der gesamte Hilfsarbeitermarkt für körperlich leichte Arbeiten offen steht,
ist hinsichtlich des Valideneinkommens und des Ausgangswertes des
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Invalideneinkommens vom selben Betrag auszugehen, womit sich die Bemessung des
IV-Grades mittels eines Prozentvergleiches anbietet. Diesfalls entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzuges
vom Tabellenlohn (Urteil I 697/05 des EVG vom 9. März 2007, E. 5.4 mit Hinweis).
4.4 Nach der Rechtsprechung hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalles ab, die nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% begrenzt
ist. Eine schematische Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79
E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3, mit Hinweisen). Bei der
Überprüfung des Abzuges darf das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht
ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen (BGE 126 V 75 E.
6). Die Beschwerdegegnerin geht von einem maximal 10%igen Abzug aufgrund der
somatischen Einschränkungen aus. Im vorliegenden Fall gilt es insbesondere zu
berücksichtigen, dass die Einschränkungen des Beschwerdeführers - max. leichte
Tätigkeit mit Wechseln zwischen Sitzen, Stehen und Gehen ohne erforderliche
überdurchschnittliche Konzentrationsfähigkeit - nicht derart gravierend ausfallen, dass
ein höherer Abzug gerechtfertigt wäre. Den aus psychiatrischer Sicht erwähnten
Einschränkungen in Bezug auf die Vermeidung von erhöhtem Zeitdruck bzw.
überdurchschnittlicher Dauerbelastung kann durch nötigenfalls ganztägige
Anwesenheit bei reduzierter Leistungsfähigkeit (was von den Gutachtern ohnehin
favorisiert wurde) Rechnung getragen werden. Ein Abweichen von dem von der
Beschwerdegegnerin festgelegten Abzug von 10% rechtfertigt sich somit im Rahmen
einer Gesamtbeurteilung der wesentlichen Gesichtspunkte vorliegend nicht.
4.5 Ausgehend von einer 70%igen Restarbeitsfähigkeit und einem Abzug vom
Tabellenlohn von 10% resultiert im Rahmen des Prozentvergleichs ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 37% (100% - [70% x 0.9]).
4.6 Vor dem Hintergrund eines nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrades kann
darauf verzichtet werden, zu prüfen, ob der Beschwerdeführer während eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig
gewesen ist - mithin die Anspruchsvoraussetzung nach Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG erfüllt
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hat - und im vorliegenden Fall mit dem Arbeitsunfähigkeitsbegriff nicht nur eine rein
medizinische, funktionale Einschränkung, sondern auch ein erwerblicher Nachteil
(vgl. Urteil des Versicherungsgerichtes vom 11. Mai 2006, IV 2005/77 E. 3) zu be
rücksichtigen wäre.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 22. März 2010
abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1’000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dem unterliegenden Beschwerdeführer
sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm daran anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht