Decision ID: f04bae82-affe-5366-9625-8527e210dde6
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Der Sicherheitsverbund Region Wil lud verschiedene Unternehmen ein, für
den Neubau des Betriebsgebäudes Angebote zur Erstellung fugenloser Bodenbeläge
einzureichen. In den Unterlagen zur Einladung wurden als Zuschlagskriterien ohne
Gewichtung "1. Preis", "2. Referenzen", "3. Angebot Regieansätze" und "4. Ausbildung
Lernende" genannt (act. 2/4 Seite 3). Innert der bis 23. Januar 2015 offenen Frist
gingen drei Angebote von drei Anbietern ein, darunter jenes der Texolit AG zum
Nettopreis von CHF 149'112.85 inklusive Mehrwertsteuer. Bei der Bewertung der
Angebote wurden der Preis mit 45 Prozent, die Referenzen mit 35 Prozent, die
Regieansätze mit 15 Prozent und die Ausbildung Lernender mit 5 Prozent gewichtet.
Für die Bewertung der Angebote nach den Kriterien des Preises und der Regieansätze
wurde ausgehend von den günstigsten Offerten je eine Preisspanne von 30 Prozent
festgesetzt (act. 10/8). Der Zuschlag wurde am 28. April 2015 der Walo Bertschinger
AG St. Gallen, deren Angebot mit 3,56 gewichteten Punkten (Preis 1,51; Referenzen
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1,40; Regieansätze 0,60; Ausbildung Lernender 0,05) bewertet worden war (act. 2/5),
zum Nettopreis von CHF 156'438.65 erteilt.
B. Die Texolit AG (Beschwerdeführerin), deren Angebot 3,38 gewichtete Punkte
(Preis 1,80; Referenzen 1,40, Regieansätze 0,13; Ausbildung Lernender 0,05) erzielt
hatte (act. 2/5), erhob gegen die Zuschlagsverfügung des Sicherheitsverbundes Region
Wil (Vorinstanz) vom 28. April 2015 mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 11. Mai
2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen sei der angefochtene Vergabeentscheid aufzuheben und der
Zuschlag der Beschwerdeführerin zu erteilen, eventualiter die Angelegenheit zur neuen
Bewertung und zum neuen Zuschlag an die Vorinstanz zurückzuweisen,
subeventualiter die Nichtigkeit beziehungsweise Rechtswidrigkeit der angefochtenen
Verfügung festzustellen. Das von der Beschwerdeführerin gleichzeitig gestellte Gesuch,
der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen, hiess der Vizepräsident des
Verwaltungsgerichts am 22. Mai 2015 gut. Die Kosten verblieben bei der Hauptsache.
Die Walo Bertschinger AG St. Gallen (Beschwerdegegnerin) liess sich mit Eingabe vom
8. Juni 2015 zur Beschwerde vernehmen, ohne ausdrücklich einen Antrag zu stellen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2015, die Beschwerde sei
unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen. Die Beschwerdeführerin nahm zu
den Vernehmlassungen am 15. Juli 2015 Stellung.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Der Zweckverband "Sicherheitsverbund Region Wil" wurde als öffentlich-
rechtliche Körperschaft im Sinn von Art. 210 ff. des per 31. Dezember 2009
aufgehobenen Gemeindegesetzes vom 23. August 1979 (nGS 36-29; seit 1. Dezember
2010 Art. 140 ff. des Gemeindegesetzes vom 21. April 2009, sGS 151.2) mit eigener
Rechtspersönlichkeit nach st. gallischem Recht gegründet und erfüllt für die St. Galler
Gemeinden Wil und Bronschhofen (heute: Stadt Wil) sowie die Thurgauer Gemeinden
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Rickenbach und Wilen die Aufgaben im Zusammenhang mit dem Bevölkerungsschutz
sowie weitere zugewiesene Aufgaben im Bereich Sicherheit, einschliesslich der damit
zusammenhängenden Verwaltungsaufgaben (vgl. Art. 1, 2 und 3 der Vereinbarung über
den Sicherheitsverbund Region Wil vom 24. Februar / 9. März 2004, veröffentlicht unter
anderem auf www.stadtwil.ch, nachfolgend Vereinbarung SVRW).
Der Sicherheitsverbund Region Wil verfügt mithin über eine eigene
Rechtspersönlichkeit, nimmt im Allgemeininteresse liegende Aufgaben wahr, erfüllt
keine ausschliesslich gewerbliche Tätigkeit und wird von den Gemeinden, die ihn
bilden, beherrscht (vgl. Art. 8 ff. der Vereinbarung SVRW). Er unterliegt deshalb als
Einrichtung des öffentlichen Rechts im Sinn von Art. 8 Abs. 1 Ingress und lit. a der
Interkantonalen Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (sGS 841.32,
IVöB), der auch der Kanton Thurgau beigetreten ist (vgl. RB 720.1, in Kraft seit 1. Juni
2004), den Regeln des öffentlichen Vergaberechts (vgl. dazu Galli/Moser/Lang/Steiner,
Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, 3. Aufl. 2013, Rz. 133/134). Nichts anderes
ergibt sich aus Art. 2 Abs. 1 Ingress und lit. b des Einführungsgesetzes zur
Gesetzgebung über das öffentliche Beschaffungswesen (sGS 841.1, EGöB), wonach
das st. gallische Beschaffungsrecht nebst den Gemeinden auch andere Träger von
Gemeindeaufgaben erfasst (vgl. beispielsweise VerwGE B 2006/184 vom 23. Januar
2007 E. 1a, www.gerichte.sg.ch, zum Zweckverband Abfallregion St. Gallen-
Rorschach-Appenzell). An der Anwendbarkeit st. gallischen Rechts ändert nichts, dass
der Sicherheitsverbund Region Wil interkantonal tätig ist, da er sich als öffentlich-
rechtliche Körperschaft des st. gallischen Rechts gemäss Art. 2 der Vereinbarung
SVRW auch dem st. gallischen Recht unterstellt hat. Das Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen ist dementsprechend zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 5
Abs. 2 EGöB).
Weil der Verwaltungsratspräsident zur Vertretung des Verbandes nach aussen befugt
ist (vgl. Art. 14 der Vereinbarung SVRW), ist die Zuschlagsverfügung gültig
unterzeichnet. Die nicht berücksichtigte Beschwerdeführerin, deren Angebot den
zweiten Rang erreicht und die damit reelle Chancen auf einen Zuschlag hat, ist zur
Beschwerde legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom
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11. Mai 2015 rechtzeitig erhoben und erfüllt die Anforderungen in formeller und
inhaltlicher Hinsicht (Art. 15 Abs. 3 IVöB). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beanstandet die Berücksichtigung der Regieansätze
als Zuschlagskriterium. Ob die Rüge verspätet ist, kann offen bleiben (dazu
nachfolgend Erwägung 2.1), da sie sich in der Sache unbegründet erweist (dazu
nachfolgend Erwägung 2.2).
2.1. Die Ausschreibung gilt gemäss Art. 15 Abs. 2 Ingress und lit. 1 a IVöB als
anfechtbare Verfügung. Konnte sie selbständig angefochten werden, so darf auf sie im
Anschluss an den Zuschlag nicht mehr zurückgekommen werden. Es verstiesse gegen
Treu und Glauben, wenn ein Anbieter, der sich auf ein Submissionsverfahren
eingelassen hat, obwohl er die von ihm als ungenügend erachtete Umschreibung der
Zuschlagskriterien in der Ausschreibung hätte anfechten können, noch in diesem
Zeitpunkt dagegen Beschwerde führen könnte (BGer 2P.222/1999 vom 2. März 2000 E.
3a mit Hinweis auf BGE 125 I 203; VerwGE B 2011/22 vom 12. April 2011 E. 2.1,
www.gerichte.sg.ch). Wer vorbehaltlos die Ausschreibungs- und Einladungsunterlagen
akzeptiert und diese zur Grundlage seines Angebots macht, dem ist es verwehrt, nach
einem für ihn negativen Ausgang des Verfahrens Mängel der Einladung zu rügen (vgl.
VerwGE B 2003/230 vom 23. April 2004 E. 4b/bb mit Hinweisen auf weitere
Rechtsprechung, www.gerichte.sg.ch).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin war aus der Umschreibung klar
ersichtlich, dass neben dem Preis auch die Regieansätze für die Bewertung der
Angebote von Bedeutung sein würden. Insoweit trifft das Vorbringen der
Beschwerdeführerin, die Bedeutung der Ausschreibungsbedingungen und der
Zuschlagskriterien seien in ihrer Tragweite nicht erkennbar gewesen, nicht zu. Indem
sie der Einladung gefolgt ist, ohne sich zu den Bedingungen zu äussern, und ein
Angebot eingereicht hat, hat sie sich – wie in den Unterlagen von ihr unterschriftlich
bestätigt – mit den darin umschriebenen Bedingungen einverstanden erklärt.
Insbesondere hat sie bestätigt, von den allgemeinen Bedingungen, nach denen
nachträgliche Vorbehalte nicht anerkannt werden, Kenntnis genommen zu haben (vgl.
act. 2/4 Seiten 8 und 11). Nach der dargelegten verwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung wäre deshalb davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin die
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Möglichkeit hatte, die Festlegung der Zuschlagskriterien gegenüber der Vorinstanz bei
der Eröffnung der Unterlagen zu beanstanden. Danach hätte sie die Rügen, die
Regieansätze hätten nicht als Zuschlagskriterium behandelt werden dürfen, weil es sich
nicht um ein Sanierungsprojekt handle, weil bei Projekten mit genau definierbarem
Ausmass wie vorliegend Regieansätze absolut unbedeutend seien, da nicht damit
gerechnet werde, dass Zusatzaufwand und insbesondere zusätzliche Arbeitsstunden,
welche nicht bereits im Leistungsumfang enthalten seien, anfielen, weil für zusätzliche
anfallende Arbeiten das Instrument der Nachtragsofferte zur Verfügung stehe und weil
Regieansätze nur als Unterkriterium für die Bewertung des Preises beigezogen werden
dürften, bereits im Zusammenhang mit den Einladungsunterlagen vorbringen müssen.
Für das Einladungsverfahren wird in der Literatur die Auffassung vertreten, weder die
Einladung noch die „Einladungsunterlagen“ seien in Art. 15 Abs. 2 IVöB als selbständig
anfechtbare Verfügungen genannt. Der Zuschlag sei der erste formelle Entscheid im
Einladungsverfahren. Auch wenn die Einladungsunterlagen als Bestandteil der
Einladung angesehen würden, sei eine frühzeitige Anfechtung damit nicht möglich. Da
der Anbieter gar keine Möglichkeit zur frühzeitigen selbständigen Anfechtung habe,
könne er den Mangel der Einladungsunterlagen erst im Rahmen der Anfechtung des
Zuschlags geltend machen (D. Kuonen, Das Einladungsverfahren im öffentlichen
Beschaffungsrecht, Bern 2005, S. 197 f.). Darüber, ob den Anbieter nach Treu und
Glauben die Pflicht trifft, Mängel der Einladung beziehungsweise der
Einladungsunterlagen ausserhalb eines Rechtsmittelverfahrens frühzeitig der
Vergabebehörde zu melden, seien die Auffassungen geteilt. Ob es einem Anbieter aber
zumutbar sei, durch frühzeitige Einwände gegen die Einladung beziehungsweise die
Einladungsunterlagen das Wohlwollen der Vergabebehörde zu riskieren, sei fraglich
(vgl. Kuonen, a.a.O., S. 222). Ob angesichts der kontroversen Auffassungen an der
dargelegten verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung festzuhalten ist und der
Beschwerdeführerin vorgehalten werden darf, sie hätte die Rüge, die Regieansätze
hätten nicht als Zuschlagskriterium berücksichtigt werden dürfen, nicht erst mit der
Anfechtung der Zuschlagsverfügung vorbringen dürfen, kann indessen offen bleiben.
2.2. Art. 34 Abs. 2 der Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen (sGS
841.11, VöB) zählt die Kriterien für die Ermittlung des wirtschaftlich günstigsten
Angebots nicht abschliessend auf. Die Verordnungsbestimmung nennt zwar die
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Regietarife nicht als eigenständiges Zuschlagskriterium, jedoch ist offenkundig, dass es
sich dabei wie beim Preis (lit. a) um ein Kostenelement handelt, welches für die
Beurteilung der Wirtschaftlichkeit eines Angebots von Bedeutung sein kann. Da die
Bestimmung die Zuschlagskriterien nicht abschliessend aufführt, ist es auch nicht
geboten, die Regietarife lediglich als Unterkriterium zum Preis zu behandeln.
3. Die Beschwerdeführerin beanstandet sodann die Gewichtung der
Zuschlagskriterien, insbesondere der Regietarife.
3.1. Sie macht geltend, der Auftrag umfasse bereits 65 Arbeitsstunden für
manuelle Bearbeitungen an Rändern oder in kleinen Räumen und für
Reinigungsarbeiten, was im Verhältnis zum gesamten Arbeitsvolumen von CHF
150'000 sehr grosszügig erscheine. Dass bei der Ausführung ein Mehrfaches, konkret
das Zehnfache bis zum Break-even, nämlich über 600 Regiestunden dazu kämen, sei
schlicht undenkbar. Mit den Positionen „Bearbeitung von Hand“ und „Untergrund
reinigen“ seien so oder anders schon 15 Regiestunden sowie Arbeiten für 3‘900
Quadratmeter eingeplant. Im Angebot der Beschwerdeführerin machten die Kosten für
65 offerierte Regiestunden 4,2 Prozent des Gesamtaufwandes aus. Ein gewisser Teil
der Regiearbeiten sei also bereits in der Ausschreibung enthalten. Die Gewichtung der
Regieansätze mit 15 Prozent stehe dazu in einem massiven Missverhältnis. Während
das Verhältnis zwischen Arbeiten nach Einheitspreisen und nach Aufwand 1/24
betrage, stünden die beiden Zuschlagskriterien in einem Verhältnis von einem Drittel
(8/24) zueinander. Die Regieansätze fielen also bei der Bewertung des Preises achtmal
höher ins Gewicht. Die Beschwerdegegnerin habe mit ihrem 19 Prozent unter der
Empfehlung des Berufsverbandes PAVIDENSA liegenden wettbewerbsverzerrenden
Durchschnittstarif praktisch jeden Konkurrenten ausstechen können. Selbst wenn aber
Regieaufwendungen von 15 Prozent im Verhältnis zum Gesamtaufwand, also für etwa
CHF 22‘500 anfallen würden, könnte die Beschwerdegegnerin dafür bei einem
durchschnittlichen Ansatz von CHF 75.20 pro Stunde 299,2 Regiestunden, die
Beschwerdeführerin bei einem durchschnittlichen Ansatz von CHF 92.80 242,5
Stunden erbringen. Die Beschwerdeführerin wäre bei den Regiearbeiten bei derselben
Stundenzahl CHF 5‘265.75 teurer, zusammen mit ihrem Grundangebot aber immer
noch billiger als die Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdegegnerin wäre erst ab einer
unrealistischen Summe von 386 Regiestunden wirtschaftlicher.
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Die Vorinstanz hält dem entgegen, die Beschwerdeführerin verkenne, dass die
Regieansätze lediglich mit 15 Prozent gewichtet worden seien. Ihr mittlerer Stundentarif
liege mehr als 23 Prozent über den Angeboten der Mitbewerber. Es liege in der Natur
der Regiearbeiten, dass sie grösstenteils nicht vorhersehbar seien. Sie seien im Bereich
oder Toranlagen, Rinnen und Abläufe sowie bei Schleifarbeiten zur Vorbereitung oder
Anpassungen im Bereich von festinstallierten Betriebseinrichtungen nicht gänzlich
ausgeschlossen. Die Beschwerdegegnerin bringt vor, bei einem solchen Bauobjekt
fielen erfahrungsgemäss 10 bis 15 Prozent Regiearbeiten an, weil die genauen
Standorte von Einbauteilen, Maschineninfrastrukturen und dergleichen nicht präzise
definiert werden könnten.
3.2. Gemäss Art. 34 Abs. 1 VöB erhält das wirtschaftlich günstigste Angebot den
Zuschlag. Die Bestimmung räumt dem Auftraggeber einen weiten Ermessensspielraum
ein. Der Vergabebehörde kommt sowohl bei der Erstellung der Beurteilungsmatrix als
auch bei der Bewertung der massgeblichen Kriterien ein erhebliches Ermessen zu (vgl.
BGE 125 II 86 E. 6). Die Gewichtung der einzelnen Zuschlagskriterien ist einer
Rechtskontrolle nur beschränkt zugänglich. Wie beispielsweise die Erfahrung einer
Unternehmung gewichtet und in Relation zu einer bestimmten Preisdifferenz gesetzt
wird, ist weitgehend eine Ermessensfrage, in die das Verwaltungsgericht nicht eingreift
(vgl. VerwGE B 2010/57 vom 11. Mai 2010 E. 3.1; GVP 2006 Nr. 58). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung kommt dem Offertpreis im Verhältnis zu den
übrigen Zuschlagskriterien für die Bestimmung des wirtschaftlich günstigsten Angebots
bei komplexeren Werken oder Dienstleistungen weniger Gewicht zu als bei
standardisierten Werken oder Dienstleistungen. Je aufwendiger die ausgeschriebene
Arbeit ist, desto mehr rücken neben dem Preis auch andere Kriterien wie Qualität,
Termine oder Umweltaspekte in den Vordergrund. Allerdings wird der Grundsatz, dass
das wirtschaftlich günstigste Angebot den Zuschlag erhalte, bei einer Gewichtung des
Preises im Umfang von weniger als 20 Prozent seines Gehalts entleert (vgl. BGer 2P.
230/2006 vom 5. März 2007 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 129 I 313 E. 9.2; Galli/Moser/
Lang/Steiner, a.a.O., Rz. 880).
3.3. Wie die Beschwerdeführerin selbst ausführt, sind weder die Berücksichtigung
von Regieansätzen noch die Gewichtung des Kostenelementes mit 60 Prozent, nämlich
45 Prozent für die Einheitspreise und 15 Prozent für allfällige Regiearbeiten,
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grundsätzlich unzulässig. Die Gewichtung der Kosten mit insgesamt 60 Prozent ist mit
Blick auf die Art der ausgeschriebenen Arbeiten, die nicht durch besondere
Komplexität gekennzeichnet sind, nicht zu beanstanden. Innerhalb der Kosten fallen
die Regieansätze mit einem Viertel ins Gewicht. Die Bewertung der Angebote nach den
Regieansätzen darf das mit 45 Prozent gewichtete Preiskriterium nicht aushebeln. Für
die Beurteilung, ob dies der Fall ist, sind – neben dem Gewicht des
Zuschlagskriteriums der Regieansätze als solchem – die Preiskurven für die beiden
Kriterien von Bedeutung.
Die Vorinstanz hat der Preisbewertung eine lineare Preiskurve auf der Basis einer
Preisspanne von 30 Prozent zugrunde gelegt. Diese Preisspanne ist zwar etwas breiter
als die Spanne von rund 20 Prozent zwischen den tatsächlich eingegangen Angeboten
von CHF 178‘393.25 und CHF 149‘112.85. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass
lediglich drei Angebote eingeholt wurden. Insbesondere ist nicht ausgeschlossen, dass
die Vorinstanz bereits tendenziell preisgünstigere Anbieter auswählte und damit in
einem offenen Verfahren auch teurere Angebote zu erwarten gewesen wären.
Jedenfalls erscheint die von der Vorinstanz gewählte Preisspanne von 30 Prozent nicht
als unrealistisch. Bei der Bewertung der Regieansätze hat die Vorinstanz ebenfalls eine
Preisspanne von 30 Prozent angenommen. Der mittlere gewichtete Stundentarif für
Vorarbeiter (10 Prozent), gelernter Arbeiter (40 Prozent) und ungelernter Arbeiter (50
Prozent) lag zwischen CHF 75.20 und CHF 93.50, betrug mithin 25 Prozent. Die
gewählte Preisspanne erscheint damit ebenfalls nicht als unrealistisch.
Die Gewichtung der Kosten des Auftrags als solchen mit 45 Prozent einerseits und der
Kosten allfälliger Regiearbeiten mit 15 Prozent geht bei gleich verlaufenden Preiskurven
davon aus, dass letztere einen Umfang von einem Drittel der Kosten des Auftrags
ausmachen, mithin im Ausmass von rund CHF 50‘000 anfallen werden. Ein solcher –
bei einem mittleren Stundenansatz von CHF 100 einem Aufwand von 500 Stunden
entsprechender – Anteil erscheint mit Blick auf die ausgeschriebenen Arbeiten in der
Tat als hoch. Die Vorinstanz hat in den allgemeinen Bedingungen unter dem Stichwort
„Regiearbeiten“ zudem festgehalten, es stehe der Bauleitung frei, für solche Arbeiten
auch während der Ausführung Konkurrenzpreiseingaben einzuholen und die Arbeiten
anderweitig zu vergeben (act. 10/1 Seite 10). In den objektspezifischen Bedingungen
hat sie zu den „Regiearbeiten“ zudem ausgeführt, der jeweilige Aufwand müsse ebenso
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wie die Tarife der eingesetzten Mitarbeiter durch den Unternehmer beziffert werden
und bei grösseren Regiearbeiten werde vorgängig ein Kostendach durch den
Unternehmer und die Bauleitung festgelegt (act. 10/1 Seite 2). Daraus kann abgeleitet
werden, dass die Vorinstanz bei einem hohen Anteil an Regiearbeiten zur Wahrung der
Wirtschaftlichkeit sich nicht an den Zuschlag des Auftrages gebunden fühlen will. Die
hohe Gewichtung der Regieansätze bei der Vergabe des Auftrags steht deshalb in
einem gewissen Widerspruch zu den Bedingungen, unter denen Regiearbeiten im
Rahmen des Auftrags vergeben werden.
Die vorinstanzlichen Vorbringen sind nicht geeignet, diese sehr hohe Gewichtung der
Regietarife sachlich zu begründen. Ihre Ausführungen zum Umfang der zu erwartenden
Regiearbeiten bleiben vage. Auch wenn es – wie sie geltend macht – nicht um eine
„Break-Even“-Überlegung gehen sollte, führt die dargestellte mit der gleichen
Preisspanne verlaufende Kurve dazu, dass sich die günstigen Regietarife in einem
überproportionalen Verhältnis zu den voraussichtlichen tatsächlichen Kosten
auswirken.
3.4. Eine Gewichtung der Kosten für den Auftrag beispielsweise mit 55 Prozent
und der Kosten für Regiearbeiten mit 5 Prozent, kombiniert mit einem potentiellen
Regiekostenvolumen von 1/11 des Auftragsvolumens von CHF 150‘000, entsprechend
rund CHF 13‘700 oder 137 Stunden bei einem mittleren Stundenansatz von CHF 100,
würde zu einer Bewertung des Angebots der Beschwerdeführerin mit 3,69 gewichteten
Punkten (Preis 2,20, Referenzen 1,40, Regieansätze 0,04, Ausbildung Lernende 0,05)
und des Angebots der Beschwerdegegnerin mit 3,49 gewichteten Punkten (Preis 1,84,
Referenzen 1,40, Regieansätze 0,20, Ausbildung Lernende 0,05) und damit zu einer
Rangierung der Beschwerdeführerin vor der Beschwerdegegnerin führen.
4. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde teilweise als begründet. Die
angefochtene Zuschlagsverfügung vom 28. April 2015 ist aufzuheben und die
Angelegenheit zur neuen Festlegung der Gewichtung der Zuschlagskriterien,
insbesondere unter Berücksichtigung eines sachlich zu rechtfertigenden Verhältnisses
zwischen der Gewichtung des Preises einerseits und der Regieansätze anderseits und
zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
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5. Bei diesem Ausgang des Hauptverfahrens – dem Begehren der
Beschwerdeführerin, es sei ihr der Zuschlag zu erteilen, kann nicht entsprochen
werden, jedoch ist die Zuschlagsverfügung aufzuheben – bezahlen die
Beschwerdeführerin einen Viertel und die Vorinstanz – die Beschwerdegegnerin hat
keine Anträge gestellt – drei Viertel der amtlichen Kosten des Hauptverfahrens (Art. 95
Abs. 1 VRP). Die Kosten des Zwischenverfahrens – der Beschwerde war entgegen dem
vorinstanzlichen Antrag die aufschiebende Wirkung zu erteilen – trägt die Vorinstanz.
Gebühren von CHF 1‘000 für die Zwischenverfügung vom 22. Mai 2015 und von CHF
2‘000 für den Entscheid in der Hauptsache sind angemessen (Art. 7 Ziffern 211 und
222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf die Erhebung der Kosten bei der
Vorinstanz ist nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP; R. HIRT, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 109f.).
Der von der Beschwerdeführerin zu tragende Anteil an der Entscheidgebühr für den
Entscheid in der Hauptsache ist mit ihrem Kostenvorschuss von CHF 2'000 zu
verrechnen; CHF 1‘500 sind ihr zurückzuerstatten.
Bei dieser Verlegung der amtlichen Kosten sind der Beschwerdeführerin die
ausseramtlichen Kosten des Hauptverfahrens zur Hälfte und jene des
Zwischenverfahrens vollständig zu entschädigen (Art. 98 und 98bis VRP; HIRT, a.a.O.,
S. 183). Mangels Honorarnote sind die Entschädigungen ermessensweise
festzusetzen. Für das Zwischenverfahren sind CHF 1'500, für das Hauptverfahren CHF
3'000, davon die Hälfte, je zuzüglich 4 % Barauslagen ohne Mehrwertsteuer – die
Beschwerdeführerin ist mehrwertsteuerpflichtig – ausseramtlich zu entschädigen (vgl.
Art. 6, 19, 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 28bis Abs. 1 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 964.75; HIRT, a.a.O., S. 194). Kostenpflichtig
ist die Vorinstanz.