Decision ID: d1b6b1cc-96c0-48a0-934b-db41397e9e48
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Andres Büsser, Marktgasse 20, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
berufliche Massnahmen (Umschulung)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 26. Juni 2003 zum Bezug von IV-Leistungen
(Berufsberatung, Umschulung und Arbeitsvermittlung) an. Er führte aus, an einem
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom zu leiden (act. G 6.1.2). Der behandelnde
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Rheumatologie, Physikalische Medizin und
Rehabilitation, bescheinigte dem Versicherten für die bisherige Tätigkeit als
Hartverchromer seit 2. Juni 2003 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Arztbericht vom
9. Juli 2003, act. G 6.1.12).
A.b Die IV-Stelle lehnte mit Verfügung vom 28. August 2003 einen Anspruch des
Versicherten auf berufliche Massnahmen ab, da es diesem möglich sei, bei Verwertung
der verbliebenen Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein im
Vergleich zum bisherigen annähernd gleichwertiges Erwerbseinkommen zu erzielen
(act. G 6.1.18). Diese Verfügung focht der Versicherte an. Letztinstanzlich gelangte das
damalige Eidgenössische Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) zum Schluss, dass der für die
Vornahme von beruflichen Massnahmen erforderliche Mindestinvaliditätsgrad von 20%
erfüllt sei. Es wies die Sache zur Abklärung von geeigneten Umschulungsmöglichkeiten
und zur neuen Entscheidung über den Leistungsanspruch an die IV-Stelle zurück (Urteil
des EVG vom 31. Januar 2005, I 588/04, act. G 6.1.46).
A.c In der Folge erteilte die IV-Stelle am 10. März 2005 einen Abklärungsauftrag
betreffend berufliche Massnahmen (act. G 6.1.49). Nach Rücksprache mit der SUVA,
wonach der Versicherte bei der C._ zu 50% für eine leichte, wechselbelastende
Tätigkeit angestellt sei und die SUVA weitere medizinische Abklärungen durchführe,
schloss die beauftragte Berufsberaterin den Fall am 26. Juli 2005 intern ab (act.
G 6.1.53).
A.d Am 7. Juni 2006 meldete sich der Versicherte zum Bezug von Rentenleistungen an
(act. G 6.1.63). Er wurde am 11. März 2008 in der ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH untersucht. Im Gutachten vom 14. April 2008
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diagnostizierten die Experten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: eine leichte bis
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0/F32.1), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), eine chronische Lumbalgie, derzeit ohne radikuläre
Ausfälle (ICD-10: M54.5) und eine chronische Zervikalgie, derzeit ohne radikuläre
Ausfälle (ICD-10: M54.2). Sie bescheinigten dem Versicherten für leidensadaptierte
Tätigkeiten eine 80%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 6.1.117).
A.e Am 8. Mai 2008 erteilte die IV-Stelle erneut einen Abklärungsauftrag betreffend
berufliche Massnahmen (act. G 6.1.119). Darauf absolvierte der Versicherte am
15. Januar 2009 einen Leistungstest. Aus diesem schloss die IV-Stelle, dass eine
Ausbildung zum technischen Kaufmann oder CNC-Operateur nicht erfolgversprechend
sei. Der Versicherte besitze jedoch eine sehr gute praktische Bildungsfähigkeit.
Deshalb sei eine Einarbeitung bzw. praktische Umschulung "on the Job mit evtl.
Kursbesuchen", die auf die Arbeit abgestimmt wären, zu empfehlen (act. G 6.1.120). Im
Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 13. Mai 2009 hielt die
Eingliederungsverantwortliche fest, der Versicherte habe sich für den Weg der
Arbeitsvermittlung mit der Option entschieden, bei Bedarf eine Umschulung "on the
Job" machen zu können. Primär stehe jedoch die Arbeitsvermittlung im Vordergrund,
da aufgrund der gegenwärtigen Situation zurzeit keine Umschulung zum Tragen
kommen könne (act. G 6.1.124). Der Versicherte berichtete der IV-Stelle am 26. August
2009, dass er an der gegenwärtigen Arbeitsstelle keine Ferien für einen
Schnupperaufenthalt in der Ausbildungs- und Integrationsinstitution D._ beziehen
könne. Mit der Berufsberaterin wurde vereinbart, den Fall abzuschliessen mit der
Anmerkung, dass sich der Versicherte wieder anmelden könne, wenn er für berufliche
Massnahmen bereit sei (act. G 6.1.127; vgl. auch act. G 6.1.128 f.).
A.f Im Vorbescheid vom 29. September 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren auf eine Umschulung abzuweisen (act. G 6.1.130).
Dagegen erhob der Versicherte am 30. Oktober 2009 Einwand. Er brachte vor, aus den
Akten ergebe sich klar, dass ihm weiterhin die Möglichkeit einer Umschulung
offengehalten werden solle. Aus beruflichen Gründen bei der aktuellen
Teilzeitanstellung solle aber in Absprache mit der Eingliederungsstelle von einer
sofortigen aktuellen Umschulung abgesehen werden. Die Möglichkeit der Umschulung
müsse aber weiterhin offen bleiben, wie es mit der Eingliederungsstelle abgemacht
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worden sei. Deshalb gebe es keinen Anlass für eine Verfügung, die einen Anspruch auf
eine Umschulung generell verneine. Vielmehr sei in dieser Sache höchstrichterlich
entschieden worden, dass ein Umschulungsanspruch grundsätzlich bestehe (act.
G 6.1.133).
A.g Die IV-Stelle verfügte am 10. November 2009 entsprechend dem Vorbescheid. Zur
Begründung führte sie aus, dass die Sache vom EVG zu weiteren Abklärungen an die
IV-Stelle zurückgewiesen worden sei, um anschliessend über den Anspruch auf
Umschulung neu zu verfügen. Die entsprechenden Abklärungen seien in der
Zwischenzeit von der Berufsberaterin vorgenommen worden. Diese hätten ergeben,
dass der Versicherte den Anforderungen an eine eigentliche Umschulung, z.B. zum
Technischen Kaufmann oder CNC-Operateur, mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht
gewachsen wäre. Es würde ihm aber weiterhin Hand für eine "Umschulung on the job"
geboten, sofern eine solche Massnahme zur Erhaltung der beruflichen
Eingliederungsfähigkeit unerlässlich sein sollte (act. G 6.1.134).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 10. November 2009 richtet sich die vorliegende
Beschwerde. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Gewährung einer Umschulung.
Eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Er stellt sich auf den Standpunkt, dass ein Umschulungsanspruch
ausgewiesen sei. Die von der Beschwerdegegnerin getätigten Abklärungen hätten
lediglich ergeben, dass eine Ausbildung zum technischen Kaufmann oder zum CNC-
Operateur womöglich nicht geeignet wäre. Ein klares Ergebnis hierzu liege nicht vor. Es
seien ihm ferner Ausbildungsprogramme zum Industriepraktiker bzw. zum
Industriepraktiker Qualitätskontrolle von der Beschwerdegegnerin ausgehändigt
worden. Deshalb sei beschlossen worden, dass in einem zweiwöchigen Schnupperkurs
während den Ferien im Herbst 2009 im D._ abgeklärt werde, ob und welches der
besprochenen Angebote für ihn in Frage kommen würde. Er habe der
Beschwerdegegnerin mitgeteilt, dass er den geplanten Termin nicht wahrnehmen
könne, weil sein Arbeitgeber die notwendigen Ferien in dieser Zeit nicht bewillige. Es
sei ihm aber zugesichert worden, dass die Umschulung auch zu einem späteren
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Zeitpunkt noch angegangen werden könne. Die generelle Verneinung einer
Umschulungsmassnahme sei daher unzulässig und stehe im Übrigen in Widerspruch
zur Verfügungsbegründung, worin ihm ein Angebot zur "Umschulung on the job"
gemacht worden sei (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. März 2010,
der Beschwerdeführer sei zum Rückzug seiner Beschwerde aufzufordern. Eventualiter
sei die Beschwerde abzuweisen. Im Moment könne aufgrund der konkreten Umstände
keine Umschulung/Eingliederung durchgeführt werden, da der Beschwerdeführer dazu
noch nicht bereit sei. Folgerichtig sei der Anspruch abgewiesen worden, da sie die
Dossiers nicht über längere Zeit pendent halten könne, wenn sicher sei, dass in der
nächsten Zeit nichts Weiteres geschehe. Wie dem Beschwerdeführer zugesichert,
könne er sich jedoch selbstverständlich melden, wenn sich an seiner beruflichen
Situation etwas ändere oder einfach die Umschulung/Eingliederung aktuell werde.
Durch die verfügte Ablehnung gehe er keinerlei Ansprüche verlustig (act. G 6).
B.c In der Stellungnahme vom 5. Juli 2010 hält der Beschwerdeführer an der
Beschwerde fest. Dass er mit der angefochtenen Verfügung keiner Ansprüche verlustig
gehe, ergebe sich daraus nicht. Die ihm gemäss der angefochtenen Verfügung
verbleibenden Möglichkeiten entsprächen nicht jenen einer Umschulung. Wenn die
Beschwerdegegnerin die gegenteilige Auffassung vertrete, sei sie gehalten, ihre
Verfügung zu widerrufen und mit einer Klarstellung eine neue Verfügung zu erlassen,
worin nicht im Dispositiv jede IV-Umschulung abgelehnt werde (act. G 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält in ihrem Schreiben vom 12. Juli 2010 an ihren
bisherigen Ausführungen fest (act. G 11).
B.e Auf Nachfrage der Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts präzisiert die
Beschwerdegegnerin, dass sie auf die Leistungsablehnung bezüglich Umschulung
nicht zurückkommen wolle. Es blieben bezüglich "Umschulung on the job" bzw.
Arbeitsvermittlung sämtliche Möglichkeiten offen. Bezüglich einer eigentlichen
Umschulung zum Technischen Kaufmann oder CNC-Operateur werde mit der
angefochtenen Verfügung ein Anspruch aber definitiv abgewiesen (act. G 12).

Erwägungen:
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1.
Im vorliegenden Verfahren ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf
Umschulungsmassnahmen zu überprüfen.
2.
2.1 Nach Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) haben Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig und geeignet sind, die
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern (lit. a) und die Voraussetzungen für den
Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Massnahme hat
verhältnismässig zu sein, was Geeignetheit, Notwendigkeit und Angemessenheit
(sachlich, zeitlich, wirtschaftlich und persönlich) umfasst. In der Regel besteht also nur
ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen,
notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen
bestmöglichen Vorkehren (BGE 121 V 258). Denn das Gesetz will die Eingliederung
lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend
ist (BGE 124 V 108).
2.2 Als Umschulung gilt die Gesamtheit der Eingliederungsmassnahmen
berufsbildender Art, die notwendig und geeignet sind, einer schon (mit oder ohne
Ausbildung) erwerbstätig gewesenen Person nach Eintritt der Invalidität eine neue
eingliederungswirksame Erwerbsmöglichkeit zu verschaffen. Verlangt ist immer eine
gezielte Ausrichtung auf die beruflich-erwerbliche Ausbildung, also eine Ausbildung im
Sinn des Berufsbildungsrechts, des Weiteren Massnahmen zur Vorbereitung auf eine
konkrete berufliche Ausbildung. Auch ein Deutschkurs fällt unter Umständen als
Bestandteil einer Umschulungsmassnahme in Betracht (U. Meyer, Bundesgesetz über
die Invalidenversicherung, in E. Murer / H.-U. Stauffer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 2. Auflage, Zürich 2010, S. 194 mit
Hinweisen).
3.
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Die Beschwerdegegnerin verneint in der angefochtenen Verfügung gemäss Dispositiv
generell den Anspruch des Beschwerdeführers auf Umschulungsmassnahmen.
Gleichzeitig führt sie in der Begründung aus, dass dem Beschwerdeführer weiterhin
Hand für eine "Umschulung on the job" geboten werde (act. G 6.1.134). Damit geht
einher, dass dem Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin zugesichert wurde,
dass er die Möglichkeit hat, sich bezüglich beruflicher Massnahmen jederzeit zu
melden (vgl. Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 28. August 2009, act.
G 6.1.129). Selbst im Beschwerdeverfahren waren sich die Parteien einig, dass die
beruflichen Massnahmen lediglich zur Zeit abgeschlossen werden und der
Beschwerdeführer dadurch keinen Rechtsnachteil für zukünftige berufliche
Massnahmen erleiden soll (vgl. auch die Ausführungen in der Beschwerdeantwort vom
29. März 2010: Der Beschwerdeführer "wurde mehrere Male sowie im Rahmen der
angefochtenen Verfügung darauf aufmerksam gemacht, dass er sich jederzeit wieder
melden könne, wenn sich seine Situation verändert hat. Er kann sich jedoch
selbstverständlich auch melden, wenn [...] oder einfach die Umschulung/Eingliederung
aktuell wird. Durch unsere aktuelle Ablehnung geht er keinerlei Ansprüche verlustig.",
act. G 6, Rz 6). Angesichts dieses offenen Widerspruchs zwischen Dispositiv und
Begründung ist zu prüfen, ob die Verfügung willkürlich ist.
3.1 Nach Art. 9 der Bundesverfassung (BV; SR 101) hat jede Person Anspruch darauf,
von den staatlichen Organen ohne Willkür und nach Treu und Glauben behandelt zu
werden. Der Begriff der Willkür erfasst nur qualifizierte Fehler. Diese liegen vor, wenn
Sachverhaltsfeststellungen und Beweiswürdigung "auf einem offenbaren Versehen
beruhen" (BGE 105 Ia 190 E. 2a mit Hinweisen) oder wenn ein Entscheid "an einem
inneren Widerspruch leidet" (BGE 121 I 243 E. 1d mit Hinweisen; Urteil des EVG vom
10. Februar 2000, 1P.45/00, E. 3c).
3.2 Die angefochtene Verfügung leidet an einem offensichtlichen inneren Widerspruch,
da die Beschwerdegegnerin darin den Anspruch des Beschwerdeführers für
Umschulungsmassnahmen - wie das damalige EVG (vgl. Urteil vom 31. Januar 2005,
I 588/04, act. G 6.1.46) - für gegeben hält (vgl. auch act. G 6.1.129), andererseits
diesen aber im Dispositiv generell verneint (act. G 6.1.134), woran sie im
Beschwerdeverfahren festhält (act. G 12). Ihr Vorgehen verletzt damit das
Willkürverbot. Des Weiteren verletzt die Beschwerdegegnerin durch ihr in sich
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widersprüchliches Verhalten auch den verfassungsmässigen Anspruch des
Beschwerdeführers, nach Treu und Glauben behandelt zu werden, wenn sie ihm die
jederzeitige voraussetzungslose (Wieder-)Aufnahme von Umschulungsbemühungen
zusichert, letztlich aber mit dem Verfügungsdispositiv einen Umschulungsanspruch
generell verneint und ihn schliesslich von bestimmten Umschulungsmassnahmen
definitiv ausschliessen will (act. G 12).
4.
Ergänzend ist zu bemerken, dass die Beschwerdegegnerin in der vorliegenden
Angelegenheit - wo sich die Parteien einig sind, dass sich der Beschwerdeführer
jederzeit bezüglich beruflicher Massnahmen (wieder) melden könne (act. G 6, Rz 6) -
von der falschen Voraussetzung ausgeht, dass ein Fallabschluss bezüglich beruflicher
Massnahmen zwangsläufig mittels förmlicher Verfügung zu erfolgen hat (die IV-Stelle
gehe immer so vor; act. G 12). Ein solches Erfordernis ergibt sich weder aus dem
Gesetz noch aus dem Urteil des EVG vom 31. Januar 2005, I 588/04. Die
Beschwerdegegnerin schloss denn auch zu einem früheren Zeitpunkt (26. Juli 2005) die
Vorkehren bezüglich beruflicher Massnahmen (vorläufig) intern ab, ohne dass dieser
Abschluss in eine Verfügung mündete (act. G 6.1.53). Ferner hat es die
Beschwerdegegnerin auch in der Hand, einen (vorläufigen) Abschluss von beruflichen
Massnahmen im Rahmen einer Mitteilung an die versicherten Personen vorzunehmen
mit dem Hinweis, dass es diesen frei stehe, den Erlass einer anfechtbaren Verfügung
zu beantragen (vgl. Art. 51 ATSG). Es ist auch nicht einsehbar, weshalb das
Verwaltungsverfahren bezüglich beruflicher Massnahmen nicht sistiert werden könnte.
Nimmt die Beschwerdegegnerin schliesslich den Abschluss der beruflichen
Massnahmen in Verfügungsform vor, so hat sich das entsprechende Dispositiv in
Fällen, wo wie vorliegend die subjektive und objektive Eingliederungsfähigkeit
grundsätzlich nicht im Streit stehen und die Beschwerdegegnerin einen Anspruch auf
Umschulungsmassnahmen nicht generell verneint (vgl. act. G 6.1.129), auf die konkret
in Frage stehenden beruflichen Massnahmen zu beziehen, deren Anspruch
verfügungsweise abgelehnt werden soll. Wäre also die Beschwerdegegnerin der
Auffassung, sie habe die Voraussetzungen für eine Umschulung zum technischen
Kaufmann oder CNC-Operateur umfassend geprüft und sei zum Schluss gelangt, dass
diese Massnahmen nicht bewilligt werden können, hätte sich eine abweisende
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Verfügung auf diese Massnahmen zu beschränken. Denkbar wäre auch, das
entsprechende Dispositiv mit dem Vermerk "zur Zeit abgewiesen" zu gestalten. Auf
diese Weise würde der von der Beschwerdegegnerin ausdrücklich eingeräumten
Möglichkeit Rechnung getragen, dass sich der Beschwerdeführer bezüglich einer
beruflichen Massnahme jederzeit melden könne, in diesem Fall allerdings ohne jede
Einschränkung (vgl. Schlussbericht der beruflichen Eingliederung vom 28. August 2009,
act. G 6.1.129).
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
10. November 2009 aufzuheben.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihm zurückzuerstatten.
5.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses pauschal zwischen
Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- bemessen werden (Art. 61 lit. g des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]; Art. 22 Abs. 1
lit. b HonO [sGS 963.75]). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf die
Einreichung einer Honorarnote verzichtet. Der Bedeutung und dem Aufwand der
Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'000.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht