Decision ID: 6459510f-18d7-4dba-88e3-24fe81ec611a
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 10./14. August 2008 bei der Invalidenversicherung an und
beantragte Massnahmen zur beruflichen Eingliederung und eine Rente (act. G 4.1/1).
Seit 5. März 2008 war er auf Grund eines Bandscheibenvorfalls LWK4/5 links mit
lumboradikulärem Schmerzsyndrom von seinem Hausarzt Dr. med. B._, FMH Innere
Medizin, zu 100% arbeitsunfähig geschrieben worden (vgl. Arztzeugnis vom 22. Mai
2008, act. G 4.2). Am 8. April 2008 war er deswegen in der Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen operiert worden (act. G 4.1/17-5f.). Im Arztbericht vom 4.
März 2009 diagnostizierte der Hausarzt mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
chronisches lumbo-vertebrales Syndrom bei degenerativen Diskopathien lumbal, eine
Hypertonie, Verdacht auf hypertensive Kardiomyopathie, eine Cephalea sowie
chronische Magenschmerzen. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe eine
Depression seit 2004 und ein Tinnitus seit 2005. Der Versicherte sei seit der Operation
vom 8. April 2008 als Bauarbeiter zu 100% arbeitsunfähig (act. G 4.1/32).
A.b Am 26. Mai 2009 fand eine zweite Rückenoperation statt. Danach litt der
Versicherte laut Bericht seines Hausarztes vom 17. August 2009 jedoch unverändert an
Rückenschmerzen (act. G 4.1/47).
A.c Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Ohren-, Nasen-, Halsheilkunde, Hals- und
Gesichtschirurgie, hielt im Schreiben vom 10. September 2009 fest, beim Versicherten
sei auf Grund seiner Hörproblematik (Einschränkung der Hörschwelle und Tinnitus) im
angestammten oder auch einem anderen Beruf höchstens von einer Arbeitsunfähigkeit
von 5 - 10% auszugehen (act. G 4.1/50).
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A.d Am 16. und 18. Februar 2010 wurde der Versicherte in der MEDAS-
Zentralschweiz internistisch, rheumatologisch und psychiatrisch begutachtet. Im
Gutachten vom 6. Mai 2010 wurden als Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit ein chronisches Lumbovertebralsyndrom und chronische, linksbetonte
Ischialgien bei residueller linksforaminaler Diskushernie L4/5 ohne Wurzelkompression
und bei Status nach Diskushernienoperationen L4/5 2008 und 2009, eine
Handgelenksarthrose rechts (radioulnar, radiokarpal, interkarpal, karpometakarpal; MRI
2005) und ein Verdacht auf Chondrokalzinose (rechtes Knie, rechtes Handgelenk)
festgehalten. Die Gutachter schätzten die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
auf 0%, diejenige in einer angepassten Tätigkeit auf 50% (act. G 4.1/64). RAD-Arzt Dr.
D._ fand das Gutachten als nachvollziehbar. Er empfahl die Einleitung beruflicher
Massnahmen (act. G 4.1/65).
A.e Gemäss dem Schlussbericht der Eingliederungsverantwortlichen vom 3. Juli 2010
sah sich der Versicherte nicht in der Lage, eine adaptierte Tätigkeit im Rahmen von
50% auszuüben. Daher wurde die Eingliederung abgeschlossen (act. G 4.1/69) und der
Abschluss der Arbeitsvermittlung am 28. September 2010 durch die IV-Stelle verfügt
(act. G 4.1/89).
A.f Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (sowohl bezüglich Eingliederung
wie Rente, act. G 4.1/80, G 4.1/88) sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Verfügung vom 23. Dezember 2010 eine halbe Rente ab 1. März 2009 bei einem
Invaliditätsgrad von 57% zu (act. G 4.1/92).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende im Namen des Versicherten
erhobene Beschwerde von Fürsprecher M. Büchel, Oberuzwil, vom 27. Januar 2011
mit dem Begehren um Aufhebung der angefochtenen Verfügung und Zusprache einer
ganzen Invalidenrente rückwirkend ab 1. März 2009. Eventualiter sei dem
Beschwerdeführer rückwirkend ab 1. März 2009 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung macht er geltend, dass die
Restarbeitsfähigkeit auf Grund der verschiedenen Einschränkungen des
Beschwerdeführers nicht mehr als wirtschaftlich verwertbar erscheine, weshalb eine
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volle Erwerbsunfähigkeit vorliege. Eventualiter sei dem Beschwerdeführer zusätzlich
zum Teilzeitabzug von 10% ein Leidensabzug von 15% zu gewähren, da er auf Grund
seines fortgeschrittenen Alters, seiner fehlenden Deutschkenntnisse und seiner
gesundheitlichen Behinderungen kaum mehr einen Arbeitgeber finden werde, der ihn
einstellen würde. Unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Invalideneinkommen von
25% resultiere ein Invaliditätsgrad von 64.4% und damit ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 9. März 2011 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie begründete dies damit, dass der
Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter im Baugewerbe mit einem Einkommen von
Fr. 63'245.-- im Jahr 2008 überdurchschnittlich viel verdient habe. Im Vergleich dazu
habe der Tabellenlohn nämlich lediglich Fr. 59'979.-- betragen. Da der
Beschwerdeführer nicht mehr jeder Hilfstätigkeit nachgehen könne, werde er
voraussichtlich nicht mehr einen überdurchschnittlichen, sondern nur noch einen
durchschnittlichen Lohn erzielen. Durch die Berücksichtigung des Tabellenlohns werde
somit bereits ein Abzug von 5% gewährt. Männer, welche mit einem Pensum zwischen
50% und 74% arbeiteten, verdienten 10% weniger. Deshalb sei noch ein Teilzeitabzug
von 10% berücksichtigt worden. Es sei nicht möglich, einen weiteren Abzug zu
gewähren. Der Beschwerdeführer habe Anspruch auf eine halbe Rente (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 13. April 2011 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest
(act. G 6). Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act.
G 8).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die dem Beschwerdeführer attestierte Rest
arbeitsfähigkeit von 50% noch verwertbar ist und falls ja, von welchem
Invalideneinkommen auszugehen ist. Während die Beschwerdegegnerin dem
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Beschwerdeführer einen Abzug vom Tabellenlohn von 10% gewährte, verlangt dieser
einen solchen von 25% und damit mindestens die Ausrichtung einer Dreiviertelsrente.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Es besteht ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, und auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu
60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch
auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch
auf eine Viertelsrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.
3.1 Das MEDAS-Gutachten attestierte dem Beschwerdeführer eine Arbeitsfähigkeit
von 50% in einer adaptierten Tätigkeit. Diese Einschätzung stützte sich auf die
Diagnosen eines chronischen Lumbovertebralsyndroms und chronischer linksbetonter
Ischialgien bei residueller linksforaminaler Diskushernie L4/5 ohne Wurzelkompression
und bei Status nach Diskushernienoperationen L4/5 2008 und 2009, auf die Diagnose
einer Handgelenksarthrose rechts (radioulnar, radiokarpal, interkarpal,
karpometakarpal; MRI 2005) und diejenige eines Verdachts auf Chondrokalzinose
(rechtes Knie, rechtes Handgelenk). Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert hielten die Gutachter zudem
Augenprobleme mit Visusverminderung, wahrscheinlich kongenital, am rechten Auge
(unkorrigiert 0.15), mit rechtsbetonter Anisohyperopie und mit Sicca-Syndrom
(anamnestisch), eine Hochtonschwerhörigkeit, linksbetont mit Hörgeräten beidseits,
eine arterielle Hypertonie, wahrscheinlich essentiell, Erstdiagnose 2005, aktuell
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135/100mmHg bei positiver Familienanamnese (Mutter) sowie Nikotinabusus (20
Zigaretten pro Tag, zirka 50 py) mit chronischer Bronchitis fest. In der angestammten
Tätigkeit als Bauarbeiter schätzten sie die Arbeitsfähigkeit auf 0% der Norm, wobei die
rheumatologischen Befunde die Grenzen setzen würden. Dasselbe gelte auch für alle
anderen körperlichen Schwerarbeiten, für solche in fast ausschliesslich stehender oder
vornüber geneigter Position sowie solche mit regelmässigem Heben von schweren
Gewichten oder häufigem kraftaufwändigem Faustschluss (act. G 4.1/64-17f.). Der
rheumatologische Gutachter Dr. med. E._, Facharzt FMH für Physikalische Medizin
und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen, hielt zudem in seinem
Teilgutachtensbericht vom 1. März 2010 eine leichte manuelle Berufstätigkeit ohne
stereotype Bewegungsabläufe in Bezug auf die Handgelenke und ohne monotone
Arbeitspositionen, speziell auch ohne Sitzzwang, als zumutbar, sofern regelmässige
Positionswechsel zugelassen würden (z.B. feinere Reinigungsarbeiten,
Kontrollarbeiten). Unter diesen Bedingungen sei eine 50%ige Arbeitstätigkeit zumutbar
(4 bis 4.5 Stunden pro Arbeitstag an fünf aufeinander folgenden Wochentagen, act.
G 4.1/64-26). Demgegenüber stellte der psychiatrische Gutachter Dr. med. F._, FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie, keine psychiatrische Diagnose bzw. sah aus
psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (act. G 4.1/64-27ff.).
Diese Gutachtensbeurteilungen werden vom Beschwerdeführer zu Recht nicht
beanstandet. Wie der RAD-Arzt Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin,
Rheumatologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, festhält, ist das
MEDAS-Gutachten umfassend, kohärent und widerspruchsfrei. Es kann darauf
abgestellt werden.
3.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die gegebene Restarbeitsfähigkeit
nicht mehr als wirtschaftlich verwertbar erscheine. Es ist deshalb zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit von 50% adaptiert erwerblich umzusetzen
vermag. Referenzpunkt für diese Verwertung ist der hypothetische ausgeglichene
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach der Rechtsprechung handelt es sich dabei um
einen theoretischen und abstrakten Begriff, der dazu dient, den Leistungsbereich der
Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der
Begriff umschliesst einerseits ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot
von und der Nachfrage nach Stellen; anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der
von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält und zwar
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sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen
wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes; Letzteres gilt auch im Bereich der un-
und angelernten Arbeitnehmer. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im
Einzelfall, ob die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu
verwerten (BGE 110 V 276 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b). Daraus folgt, dass für die
Invaliditätsbemessung nicht darauf abzustellen ist, ob eine invalide Person unter den
konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig darauf, ob
sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die
verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden (AHI
1998 S. 291). Für den Beschwerdeführer stehen - trotz seiner gesundheitlichen
Einschränkungen - auf diesem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend
leichte Hilfs-, Kontroll- und Überwachungstätigkeiten offen, sodass nicht von
realitätsfremden und in diesem Sinn unmöglichen oder unzumutbaren
Einsatzmöglichkeiten ausgegangen wird. Denn die zumutbare Tätigkeit ist vorliegend
nicht nur in so eingeschränkter Form möglich, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt
praktisch nicht kennt oder nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers ausgeübt werden kann (ZAK 1989 S. 322 E. 4a). Der
Beschwerdeführer verkennt den rein hypothetischen Charakter des ausgeglichenen
Arbeitsmarktes, an dem festzuhalten ist, weil nur so die Risiken Arbeitslosigkeit und
Invalidität voneinander abgegrenzt werden können. So geht es beim als ausgeglichen
unterstellten Arbeitsmarkt nicht um offene Stellen, sondern um (gesundheitlich
zumutbare) Beschäftigungsmöglichkeiten, welche der Arbeitsmarkt von seiner Struktur
her, jedoch abstrahiert von den konjunkturellen Verhältnissen, umfasst (vgl. nicht
veröffentlichtes Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar
2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Juli 2003, I 758/02).
4.
4.1 Damit bleibt die Höhe des Invaliditätsgrads zu prüfen. Es ist unbestritten, dass
die Berechnung nach der Einkommensvergleichsmethode (vgl. dazu BGE 128 V 30 E.
1, 104 V 136 E. 2a und b) zu geschehen hat. Für die Ermittlung des
Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
(allfälligen) Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde hätte verdienen können. Dabei wird - primär aus
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Beweisgründen - in der Regel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Gemäss dem Fragebogen für Arbeitgebende hätte der
Beschwerdeführer bei der G._ AG, bei welcher er seit 1981 als Bauarbeiter tätig war,
ab 1. Januar 2008 einen AHV-pflichtigen Jahreslohn von Fr. 63'245.-- erzielt (act.
G 4.1/14-3). Nachdem der Rentenbeginn anerkanntermassen auf März 2009
festzusetzen ist, ist unter Berücksichtigung der Teuerung von 2.1% im Jahr 2009 von
einem Valideneinkommen von Fr. 64'573.-- auszugehen.
4.2 Für die Ermittlung der Höhe des Invalideneinkommens ist primär von der
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret
steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich
weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder
jedenfalls keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf
Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person angesichts ihrer
Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären.
Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss den vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
herangezogen (BGE 129 V 475 f. E. 4.2.1). Gemäss LSE 2009 ist daher von einem
Hilfsarbeitereinkommen von Fr. 61'240.-- auszugehen bzw. unter Berücksichtigung der
50%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers von einem Einkommen von
Fr. 30'620.--. Dies ist soweit unbestritten.
4.3 Streitig ist demgegenüber die Höhe des Abzugs vom Invalideneinkommen. Nach
der Rechtsprechung ist ein solcher Abzug gerechtfertigt, wenn im Einzelfall
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein Versicherter, der gesundheitsbedingt lediglich
noch leichtere Hilfsarbeiten ausführen kann, seine Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage ist. Zudem können weitere persönliche und berufliche Merkmale
(Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad) Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben (vgl. BGE 126 V 75 E. 5a
mit Hinweisen). Bei der Überprüfung des Abzugs, der eine Schätzung darstellt und von
der Verwaltung kurz zu begründen ist, darf das Sozialversicherungsgericht sein
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Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen
(BGE 126 V 75 E. 6).
4.3.1 Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer einen Abzug für
Teilzeitarbeit von 10% gewährt, welcher auf Grund der 50%igen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit zu Recht zu berücksichtigen ist. Im Weiteren macht die
Beschwerdegegnerin jedoch geltend, der Beschwerdeführer habe - obgleich er
ungelernt sei - als Hilfsarbeiter im Baugewerbe im Jahr 2008 mit Fr. 63'245.--
überdurchschnittlich viel verdient. Der Tabellenlohn 2008 für Hilfsarbeiter betrage
nämlich lediglich Fr. 59'979.--. Da er nun nicht mehr jeder Hilfsarbeitertätigkeit
nachgehen könne, werde er voraussichtlich nicht mehr einen überdurchschnittlichen,
sondern nur noch einen durchschnittlichen Lohn erzielen. Durch die Berücksichtigung
des Tabellenlohns werde somit bereits ein Abzug von 5% gewährt. Mehr sei nicht
möglich. Dieser Argumentation kann nicht gefolgt werden. Bei der
Einkommensvergleichsmethode wird ja gerade das Validen- mit dem
Invalideneinkommen verglichen und auf Grund möglichst exakter Grundlagen geprüft,
wie hoch die finanzielle Einbusse der versicherten Person ausgedrückt in der
Verhältniszahl des Invaliditätsgrads auf Grund ihres Gesundheitsschadens ist. Hat eine
versicherte Person, unabhängig von ihrer Ausbildungsstufe, während längerer Zeit viel
mehr verdient, als was ihr nach Eintritt eines Gesundheitsschadens noch möglich und
zumutbar ist, wird ihr Invaliditätsgrad dementsprechend höher ausfallen.
Demgegenüber fällt er umso tiefer aus, wenn sie ohne Gesundheitsschaden lediglich
wenig mehr verdiente als mit den gesundheitlichen Einschränkungen. Im Übrigen dürfte
aber der Lohn des Beschwerdeführers, den er als Gesunder erzielte, sowieso nicht mit
dem durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn verglichen werden. Der Beschwerdeführer
arbeitete in einer körperlich sehr anstrengenden Tätigkeit als Bauarbeiter und
unterstand dadurch dem Landesmantelvertrag für das Schweizerische
Bauhauptgewerbe (LMV 2008, vgl. act. G 4.1/14-2f.). Daher hätte bei fehlenden
konkreten Lohnangaben auf diesen abgestellt werden müssen. Laut Art. 41 des LMV
2008 betrug der Basislohn für Bauarbeiter mit Fachkenntnissen, worunter der
Beschwerdeführer auf Grund seiner langjährigen Berufserfahrung fallen dürfte, im Jahr
2008 Fr. 61'945.-- (Fr. 4'765.-- x 13) bzw. im Jahr 2009 Fr. 63'492.-- (Fr. 4'884.-- x 13).
Aber auch gemäss LSE TA1 des Baugewerbes (Ziff. 45) wäre für das
Valideneinkommen auf einen vergleichbaren Lohn abzustellen. Ausgehend von einem
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durchschnittlichen Monatslohn von Fr. 5'150.-- (Anforderungsniveau 4) ergäbe sich ein
Jahreslohn von Fr. 61'800.-- (Fr. 5'150.-- x 12) bzw. umgerechnet auf die
durchschnittliche Arbeitszeit im Jahr 2009 von 41.6 Stunden/Woche und angepasst an
die Nominallohnentwicklung 2009 von 2.1% ein Betrag von Fr. 65'622.--. Somit ist
beim Jahreslohn des Beschwerdeführers 2008 keinesfalls von einem
überdurchschnittlichen Einkommen auszugehen.
4.3.2 Weiter ist bezüglich des Abzugs vom Tabellenlohn zu berücksichtigen,
dass die Lohnstrukturerhebungen auch Löhne für körperlich schwere Tätigkeiten
beinhalten, die in der Regel besser entlöhnt werden und welche der Beschwerdeführer
nicht mehr ausüben kann. Ein solcher Nachteil ist mit dem (behinderungsbedingten)
Abzug auszugleichen (BGE 129 V 481 f. E. 4.2.). Vorliegend verrichtete der
Beschwerdeführer ohne berufliche Ausbildung während des ganzen Erwerbslebens
schwere Arbeiten. Nun ist er auch für leichte Arbeiten auf Grund seiner
Handgelenksarthrose relativ erheblich eingeschränkt und muss in einer neuen Tätigkeit
in der Lage sein können, seine Arbeitsposition regelmässig zu wechseln. Damit wird er
sich bei der Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit in anderen Tätigkeiten mit
Lohnnachteilen konfrontiert sehen.
4.3.3 Auch kann die Feststellung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit aus
ophthalmologischer Sicht nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Beschwerdeführer
auf Grund des verminderten Sehvermögens, insbesondere des fehlenden
Stereosehens (vgl. act. G 4.1/34-2), auch für leichte Tätigkeiten nur noch beschränkt
einsatzfähig ist, womit er gegenüber gesunden Hilfsarbeitern mit einer tieferen
Entlöhnung zu rechnen hat.
4.3.4 Hinsichtlich der Frage des Alters als Abzugsgrund sprach sich das Bundes
gericht zwar vereinzelt dagegen aus (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 23. Oktober
2007, 9C_610/07, E. 4.3 und vom 22. Januar 2007, I 304/06 E. 4.2, sowie Urteile des
EVG vom 5. August 2005, I 376/05, E. 4.2, und vom 20. Juli 2003, I 39/04, E. 2.4). In
der Mehrheit der seit BGE 126 V 75 ergangenen Rechtsprechung wird jedoch das
fortgeschrittene Alter (ab 50 Jahren) als Abzugsgrund zugelassen (vgl. etwa Urteile des
EVG vom 10. Mai 2002, I 481/01, E. 4c, vom 27. Januar 2003, U 245/02, E. 3.2.2, vom
13. September 2004, I 511/03, E. 5.3, vom 4. Juni 2004, I 617/03, E. 5.2, vom 23.
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November 2004, I 106/04, E. 5.2.2, vom 15. März 2006, U 471/05, E. 4.2.3, und vom
5. September 2006, I 447/06, E. 3.2.2 sowie des Bundesgerichts vom 10. November
2009, 8C_9/2009, E. 4.4.3, vom 19. Januar 2009, 9C_93/2008, E. 7.3, vom 30.
September 2008, 9C_677/2008, vom 22. April 2010,9C_17/2010, E. 3.3.3, vom
10. Februar 2011, 9C_617/2010, E. 4.3, vom 22. Februar 2011, 9C_678/2010, E. 3.4.4,
vom 29. September 2010, 9C_686/2010, E. 2.2.3 und vom 5. August 2011,
9C_436/2011, E. 3.3). Massgebend ist insbesondere die Tatsache, dass es für
entlassene ältere Arbeitskräfte - v.a. mit vergleichsweise schlechten Qualifikationen -
schwieriger ist, eine Stelle zu finden als für jüngere, so dass sie bei Wiedereinstellung
mit "deutlichen" Lohneinbussen zu rechnen haben (Seco, Die Arbeitsmarktfähigkeit der
älteren Arbeitnehmenden, 2005, Bundesamt für Statistik, Erwerbstätigkeit der
Personen ab 50 Jahren, 2008, [Fn. 18], S. 13). Das ist vorliegend beim
Beschwerdeführer mit Jahrgang 1954 zu berücksichtigen.
4.3.5 Auch wenn die Bedeutung der Dienstjahre im privaten Sektor abnimmt, je
niedriger das Anforderungsprofil ist (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 27. August 2008,
8C_780/2007), wirkt sich der Umstand, dass der Beschwerdeführer als neu
Anzustellender nicht mehr vom bisher erworbenen 27-jährigen Dienstalter (von März
1981 bis März 2008 als Bauarbeiter bei derselben Arbeitgeberin tätig, act. G 4.1/14-2)
profitieren kann, zusätzlich lohnsenkend aus. Dazu kommt der Nachteil, dass die
langjährige und einseitige Ausübung der Bauarbeitertätigkeit die berufliche
Umorientierung erschwert.
4.3.6 In Würdigung der gesamten Umstände folgt, dass die Unmöglichkeit,
besser entlöhnte Schwerarbeit zu leisten, die reduzierte Einsatzfähigkeit wegen dem
verminderten Sehvermögen, das fortgeschrittene Alter und die Umstände der
beruflichen Umorientierung eine Abweichung vom statistischen Lohn rechtfertigen. Das
Zusammenwirken zwischen invaliditätsbegründeten und -fremden Faktoren ist mit dem
in der angefochtenen Verfügung gewährten Leidensabzug von 10% nicht ausreichend
berücksichtigt; vielmehr ist der Abzug auf 20% festzusetzen.
4.4 Damit ist das Invalideneinkommen ausgehend von einer 50%-igen
Arbeitsunfähigkeit und eines Leidensabzugs von 20% auf Fr. 24'496.-- festzusetzen
([Fr. 30'620.--] - 20%). Wird das Invalideneinkommen in Beziehung gesetzt zum
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Valideneinkommen von Fr. 64'573.-- resultiert daraus eine Erwerbseinbusse von Fr.
40'077.--. Diese entspricht einem Invaliditätsgrad von 62%. Der Beschwerdeführer hat
somit Anspruch auf eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 2
IVG).
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 23. Dezember 2010 teilweise gutzuheissen und dem Beschwerdeführer
gestützt auf einen
Invaliditätsgrad von 62% ab 1. März 2009 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
zu bezahlen. Der vom Beschwerdeführer geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
ihm zurückzuerstatten.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die mit der Zusprache einer höheren Rente im
Wesentlichen obsiegende beschwerdeführende Partei Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall, wo der
Beschwerdeführer obsiegt hat, erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP