Decision ID: b3547388-ee83-4000-a479-81aad8efb437
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 12. März 2015 (EE150007-E)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin (Urk. 17):
"1. Es sei der Gesuchstellerin das Getrenntleben zu bewilligen,  festzustellen sei, dass die Parteien bereits seit dem 22.  2014 getrennt leben.
2. Die Obhut über die gemeinsamen Kinder der Parteien, C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, sei der  zuzuteilen.
3. Dem Gesuchsgegner sei ein angemessenes Besuchsrecht für C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, .
4. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin  Auskunft über sein Einkommen, Vermögen und Schulden zu erteilen. Er sei zur Edition der dafür erforderlichen Unterlagen (Steuererklärungen, Lohnausweise, Lohnabrechnungen, , Kontoauszüge etc.) zu verpflichten.
5. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin ab November 2014 für den Sohn, C._, geb. tt.mm.2011, und die Tochter D._, geb. tt.mm.2013, angemessene monatliche Kinderunterhaltsbeiträge zu bezahlen.
6. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin  ab November 2014 angemessene monatliche  zu bezahlen.
7. Der Gesuchsgegner sei unter Androhung der Busse gemäss Art. 292 StGB im Unterlassungsfalle zu verpflichten, der  die Reisepässe und die Ausländerausweise der Kinder C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, auf erstes Verlangen herauszugeben.
8. Für die Kinder C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, sei eine Besuchsrechtsbeistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 2 ZGB anzuordnen.
9. Es seien die übrigen Folgen des Getrenntlebens zu regeln. 10. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zu-
lasten des Gesuchsgegners."
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des Gesuchsgegners (Urk. 13 sinngemäss):
1. Es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen, wobei  sei, dass diese bereits seit dem 22. Oktober 2014  leben.
2. Die Obhut der gemeinsamen Kinder der Parteien, C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, sei dem  zuzuteilen.
3. Der Gesuchstellerin sei ein angemessenes Besuchsrecht für C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, .
4. Die Gesuchstellerin sei ihrerseits zu verpflichten, umfassend  über ihre finanziellen Verhältnisse zu geben. Sie sei zur  der dafür erforderlichen Unterlagen zu verpflichten.
5. Die Gesuchstellerin sei zu verpflichten, dem Gesuchsgegner für die Kinder C._ und D._ monatliche im Voraus zu  und im Verzugsfall zu 5 % verzinsliche Unterhaltszahlungen von je CHF 700.00 plus Kinderzulagen zu bezahlen.
6. Eventualiter sei die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem  für die Kinder C._ und D._ angemessene monatliche im Voraus zu bezahlende und im Verzugsfall zu 5 % verzinsliche Unterhaltszahlungen zu bezahlen.
7. Es seien Verhandlungen über einen gegenseitigen Rückzug der laufenden Strafverfahren, allenfalls über eine  zu führen.
8. Unter Kosten und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil vom 12. März 2015: (Urk. 32)
1. Es wird festgestellt, dass die Parteien zum Getrenntleben berechtigt sind und seit dem 22. Oktober 2014 getrennt leben.
2. Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2011, und D._, geboren am tt.mm.2013, werden für die Dauer des Getrenntlebens unter die  Obhut der Parteien gestellt. Der Hauptwohnsitz der Kinder befindet sich bei der Gesuchstellerin.
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3. Der Gesuchsgegner ist berechtigt und verpflichtet, die Kinder C._ und D._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
- jede Woche von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Samstag, 18.00 Uhr;
- jede zweite Woche von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Sonntag, 18.00 Uhr;
- jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr;
- sowie in geraden Jahren über die ganzen Osterfeiertage, von , 10.00 Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr, und in ungeraden Jahren über die ganzen Pfingstfeiertage, von Pfingstsamstag, 10.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr.
Im Übrigen ist der Gesuchsgegner berechtigt, die Kinder während drei Wochen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu . Der Gesuchsgegner kündigt der Gesuchstellerin die  mindestens drei Monate im Voraus an.
Es steht den Parteien frei, unter Berücksichtigung der Interessen der Kinder nach gegenseitiger Absprache abweichende Wochenend-, - oder Ferienkontakte zu vereinbaren.
4. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, für die Dauer des Getrenntlebens an die Kosten für die Kinder monatlich im Voraus eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge zuzüglich allfälliger gesetzlicher und vertraglicher  wie folgt zu bezahlen:
- Fr. 450.– pro Kind ab dem 1. November 2014 bis der  eine neue Arbeitsstelle gefunden hat, längstens jedoch bis zum 31. September 2015
- Fr. 600.– pro Kind ab dem 1. Oktober 2015 bzw. ab Antritt der neuen Arbeitsstelle
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, einen neuen Stellenantritt unverzüglich der Gesuchstellerin mitzuteilen.
5. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für die Dauer des Getrenntlebens monatlich im Voraus eines jeden Monats Unterhaltsbeiträge für sie persönlich wie folgt zu bezahlen:
- Fr. 350.– ab dem 1. November 2014 bis der Gesuchsgegner  neue Arbeitsstelle gefunden hat, längstens bis zum 31. September 2015
- Fr. 650.– ab dem 1. Oktober 2015 bzw. ab Antritt der neuen 
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6. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin auf erstes  die Reisepässe und die Ausländerausweise der Kinder C._ und D._ herauszugeben.
7. Für die Kinder C._ und D._ wird eine Besuchsrechtsbeistandschaft errichtet. Dem Beistand bzw. der Beiständin (nachfolgend "Beistand")  die folgenden Aufgaben übertragen:
- dafür besorgt zu sein, dass die Kinder entsprechend den Vorgaben in Dispositiv-Ziffer 3 zur rechten Zeit dem jeweiligen Obhutsberechtigten übergeben werden;
- gleichzeitig zu regeln, welche Kindergegenstände bei der Übergabe der Kinder zum jeweiligen Obhutsberechtigten mitgehen.
8. Die KESB des Bezirks Hinwil wird angewiesen, einen Beistand gemäss -Ziffer 7 zu ernennen.
9. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 4'000.– festgesetzt.
10. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Der Anteil der  wird jedoch zufolge der ihr gewährten unentgeltlichen  einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine allfällige  nach Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
11. Die Parteientschädigungen werden gegenseitig wettgeschlagen.
12. [Mitteilung] 13. [Berufung]
Berufungsanträge:
des Gesuchsgegners und Berufungsklägers (Urk. 31 S. 2 ff.):
"1. Der angefochtene Entscheid vom 12. März 2015 sei in Ziff. 2 (zweiter Satz (Hauptwohnsitz), in Ziff. 3, in Ziff. 4, in Ziff. 5 und in Ziff. 6, Ziff. 7 und in Ziff. 8 aufzuheben.
2. Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2011, und D._,  am tt.mm.2013, seien für die Dauer des Getrenntlebens  die gemeinsame Obhut der Parteien zu stellen. Der Hauptwohnsitz der Kinder sei dem Kindsvater .
3. Die Berufungsgegnerin sei zu berechtigen und zu verpflichten, die Kinder C._ und D._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
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- jede Woche von Sonntag um 18.00 Uhr bis Mittwoch 18.00 Uhr; eventualiter von Montag 08.00 Uhr bis Donnerstag 08.00 Uhr
- jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr
- sowie in geraden Jahren über die ganzen Osterfeiertage, von Karfreitag 10.00 Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr, und in  Jahren über die ganzen Pfingstfeiertage, von Pfingstsamstag, 10.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr.
Im Übrigen seien die Parteien zu berechtigten, die Kinder je während drei Wochen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Ferien seien zwei Monate im Voraus anzukündigen.
Es sei den Parteien freizustellen, unter Berücksichtigung der  der Kinder nach gegenseitiger Absprache abweichende -, und Feiertags- oder Ferienkontakte zu vereinbaren.
4. Eventualiter sei folgende Regelung festzusetzen: Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2011, und D._, geboren am tt.mm.2013, seien für die Dauer des Getrenntlebens unter die  Obhut der Parteien zu stellen. Der Hauptwohnsitz der Kinder sei der Kindsmutter zuzuerkennen.
Der Berufungsgegner sei zu berechtigen und zu verpflichten, die  C._ und D._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
- jede Woche von Donnerstag 12.00 Uhr bis Montag 08.00 Uhr - jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und
Neujahr
- sowie in geraden Jahren über die ganzen Osterfeiertage, von Karfreitag 10.00 Uhr, bis Ostermontag, 18.00 Uhr, und in  Jahren über die ganzen Pfingstfeiertage, von Pfingstsamstag, 10.00 Uhr, bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr.
Im Übrigen seien die Parteien zu berechtigten, die Kinder je während drei Wochen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Ferien seien zwei Monate im Voraus anzukündigen.
Es sei den Parteien freizustellen, unter Berücksichtigung der  der Kinder nach gegenseitiger Absprache abweichende -, und Feiertags- oder Ferienkontakte zu vereinbaren.
5. Der Berufungsführer sei zu verpflichten für die Dauer des  für die Kosten der Kinder monatlich im Voraus  und im Verzugsfall zu 5 % verzinsliche Unterhaltsbeiträge nebst Kinder- und Familienzulagen wie folgt zu bezahlen. - CHF 100.00 pro Kind ab dem 01. November 2014
- CHF 200.00 pro Kind ab dem 01. März 2016
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6. Eventualiter seien durch das Gericht je nach Situation  Kinderunterhaltszahlungen durch den Berufungsführer bzw. die Berufungsgegnerin festzusetzen.
7. Es sei keine gegenseitige Unterhaltszahlungen für die Parteien festzusetzen.
8. Beide Parteien seien zu verpflichten bei Bedarf auf erstes  hin die Reisepässe und die Ausländerausweise der Kinder C._ und D._ herauszugeben.
9. Die Vorakte sei beizuziehen.
10. Die Eltern des Berufungsführers E._ und F._ seien als Zeugen oder Auskunftspersonen zu befragen.
11. Dem Berufungsführer sei auch im vorliegenden Verfahren die vollumfängliche unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren.
12. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 36 S. 2): "1. Der angefochtene Entscheid sei unter vollumfänglicher Abwei-
sung der Berufung zu bestätigen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MwSt.) zu-
lasten des Beklagten."

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien sind verheiratet und Eltern der Kinder C._, geboren
am tt.mm.2011, und D._, geboren am tt.mm.2013. Mit Eingabe vom
23. Januar 2015 gelangte die Gesuchstellerin und Berufungsbeklagte (fortan: Ge-
suchstellerin) an das Bezirksgericht Hinwil (Urk. 1) und stellte in der Folge die
eingangs wiedergegebenen Rechtsbegehren. Betreffend den Verlauf des erstin-
stanzlichen Verfahrens kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 32 S. 4). Die Vorinstanz fällte am 12. März 2015 das eingangs wieder-
gegebene Urteil (Urk. 32).
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2. Gegen dieses Urteil erhob der Gesuchsgegner und Berufungskläger
(fortan: Gesuchsgegner) am 27. Juli 2015 innert Frist Berufung, wobei er die oben
angeführten Anträge stellte. Zeitgleich stellte er ein Armenrechtsgesuch für das
Berufungsverfahren (Urk. 31 S. 2 ff.). Die Verweigerung seines Gesuchs um un-
entgeltliche Rechtspflege durch die Vorinstanz bildet Gegenstand eines separaten
Beschwerdeverfahrens (Verfahrens-Nr. RE150016). Mit Verfügung vom 13. Au-
gust 2015 wurde der Gesuchstellerin Frist zur Berufungsantwort angesetzt
(Urk. 35), welche die Gesuchstellerin mit Eingabe vom 27. August 2015 erstattete.
Zudem stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Urk. 36 S. 2). Mit
Verfügung vom 1. September 2015 wurde die Berufungsantwort samt Beilagen-
verzeichnis und Beilagen der Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt
(Urk. 39). Mit Eingabe vom 3. September 2015 reichte die Gesuchstellerin weitere
Urkunden zu den Akten (Urk. 40 bis 42/1-2). Diese wurden dem Gesuchsgegner
am 9. September 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt (Prot. S. 4 und Urk. 43). Es
erfolgten weitere Eingaben, die der jeweiligen Gegenpartei zur Kenntnisnahme
gebracht wurden (Urk. 44 bis 54).
Die Akten der Vorinstanz wurden beigezogen (Urk. 1 bis 30). Das Verfahren
erweist sich als spruchreif.
II.
Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Entscheides im
Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die Dispositiv-Ziffern 1, 2 Abs. 1 und
Dispositiv-Ziffern 9 bis 11 des vorinstanzlichen Urteils blieben unangefochten. In
diesem Umfang ist das vorinstanzliche Urteil am 28. Juli 2015 in Rechtskraft er-
wachsen (vgl. Urk. 25). Dies ist vorzumerken.
III.
1. Die Parteien lebten bis zu ihrer Trennung bei den Eltern des Gesuchs-
gegners. Er arbeitete bis zum Verlust seiner Stelle 100 %. Die Gesuchstellerin
ging während der Ehe einem Arbeitspensum von 60 % nach. Die Grosseltern vä-
terlicherseits betreuten währenddessen die Kinder. Unbestritten ist, dass die
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Spannungen durch das Zusammenleben der Parteien unter einem Dach mit den
Eltern des Gesuchsgegners Grund für die Trennung waren. Über deren Modalitä-
ten sind sich die Parteien indessen uneinig. Der Gesuchsgegner spricht davon,
die Gesuchstellerin habe die Familie verlassen; die Gesuchstellerin macht gel-
tend, sie sei von der Familie des Gesuchsgegners verstossen worden und habe
sich an die KESB wenden müssen, um wieder Kontakt und einen angemessenen
persönlichen Verkehr mit den Kindern haben zu können (Urk. 31 S. 5, Urk. 36
S. 3 und 5).
2. Die Vorinstanz hat die beiden Kinder der Parteien unter ihrer gemein-
samen Obhut belassen. Die Parteien hätten die Betreuung ihrer Kinder seit der
Trennung je ungefähr zur Hälfte übernommen. Damit sei eine geteilte/alter-
nierende Obhut angezeigt. Vom Gesuchsgegner vorgebrachte Zweifel an der Er-
ziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin seien nicht glaubhaft und würden nicht ge-
gen eine geteilte/alternierende Obhut sprechen. Da die Kinder mehrheitlich bei
der Gesuchstellerin wohnten, befinde sich dort der Hauptwohnsitz der Kinder
(Urk. 32 S. 8 f.; gemäss Art. 25 Abs. 1 ZGB befindet sich der Wohnsitz des Kin-
des von getrennt lebenden Eltern am Wohnsitz des obhutsberechtigten Eltern-
teils; in den Fällen von gemeinsamer Obhut gilt der Aufenthaltsort des Kindes als
Wohnsitz).
Hinsichtlich Betreuungsanteile erwog die Vorinstanz, die Gesuchstellerin le-
ge glaubhaft dar, dass sie sich aufgrund ihrer Arbeitssituation von Montag bis
Donnerstagabend persönlich um die Kinder kümmern könne, da sie freitags und
samstags arbeite. Die Ausführungen des Gesuchsgegners, wonach er sich per-
sönlich um seine Kinder kümmere, seien nicht glaubhaft. Vielmehr sei glaubhaft,
dass er die Kinderbetreuung seinen Eltern überlasse. Schliesslich werde ihm die
Kinderbetreuung unter der Woche nicht mehr möglich sein, sobald er wieder eine
Arbeitsstelle gefunden haben werde. Auch wenn sich der Gesuchsgegner nicht
persönlich um die Betreuung seiner Kinder kümmere, sei aber eine Betreuung
durch seine Eltern einer faktischen Fremdbetreuung vorzuziehen. Unter diesen
Umständen erscheine es angebracht, dem Gesuchsgegner jede Woche ein Be-
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suchsrecht (recte: einen Betreuungsanteil) von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Sams-
tag, 18.00 Uhr, sowie jede zweite Woche von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Sonn-
tag, 18.00 Uhr, zuzusprechen (Urk. 32 S. 9 bis 11).
Weiter regelte die Vorinstanz die Unterhaltsbeiträge (Urk. 32 S. 11 bis 18)
und die Herausgabe der Reisepässe der Kinder (Urk. 32 S. 18 f.).
Zudem wurde für die Kinder auf Antrag der Gesuchstellerin hin eine Bei-
standschaft errichtet. Die Vorderrichterin erwog dazu, aus dem Bericht der KESB
Hinwil (Urk. 11/1) gehe hervor, dass auch künftig mit wiederkehrenden Unstim-
migkeiten und Konflikten zwischen den Parteien bzw. deren Familien zu rechnen
sei. Demzufolge werde von der KESB empfohlen, für die Kinder eine Beistand-
schaft zu errichten, um insbesondere die Kindesübergabe sowie das Besuchs-
recht zu überwachen und bei Konflikten zu vermitteln. Unter Würdigung der ge-
samten Umstände sei davon auszugehen, dass die Parteien bei der Umsetzung
des persönlichen Verkehrs einer gewissen Begleitung und Unterstützung bedürf-
ten. Es sei deshalb für die Kinder eine Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und
2 ZGB zu errichten. Dem Beistand würden die Aufgaben übertragen, dafür be-
sorgt zu sein, dass die Kinder zur rechten Zeit dem jeweiligen Obhutsberechtigten
(recte: Betreuungsberechtigten) übergeben würden und gleichzeitig zu regeln,
welche Gegenstände der Kinder bei deren Übergabe zum jeweiligen Betreuungs-
berechtigten mitgingen (Urk. 32 S. 19 f.).
3. Der Gesuchsgegner ficht die Zuteilung des "Hauptwohnsitzes" (s. E. 2
oben), die Betreuungsanteile, die Höhe der Unterhaltszahlungen sowie die Pass-
regelung und Errichtung einer Besuchsbeistandschaft an. Er rügt, dass das Erzie-
hungsverhalten der Gesuchstellerin noch nie unter die Lupe genommen und die
Grosseltern nicht persönlich zur Gesamtsituation befragt worden seien. Dies wäre
für die Beurteilung der Gesamtsituation im Sinne des Kindeswohls dringend an-
gezeigt gewesen und werde im Berufungsverfahren nochmals beantragt. Er bean-
tragt dazu u.a. seine Parteibefragung (und die Befragung seiner Eltern; Urk. 31
S. 5). Die Vorinstanz habe einerseits die bisherige Lebensweise und die intensive
Beziehung der Kinder zu den Grosseltern, seine enge Beziehung zu den Kindern
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und die mehrfach vorgebrachten Erziehungsschwierigkeiten der Gesuchstellerin
vergessen. Es sei (für die Vorinstanz) von Anfang an klar gewesen, dass die Kin-
der mehrheitlich bei der Gesuchstellerin seien, obwohl sie sich zwischenzeitlich
gar nicht um die Kinder gekümmert habe. Der Entscheid sei noch weiter gegan-
gen und habe der Kindsmutter eine Reduktion der Arbeitstätigkeit zugestanden,
um die Kinder persönlich betreuen zu können. Währenddessen sei ihm, der sich
bisher intensiv um die Kinder gekümmert und in der Übergangszeit die Verantwor-
tung für die Stabilität und Kontinuität hinsichtlich der Entwicklung der Kinder über-
nommen habe, selbstverständlich ein hypothetisches Einkommen von 100 % an-
gerechnet worden. Die von der Vorinstanz getroffene Lösung diene daher nicht
dem Kindeswohl, sondern der Kindsmutter. Die Kinder wohnten seit ihrer Geburt
zusammen mit den Parteien bei den Grosseltern väterlicherseits. Der Gesuchs-
gegner sei fähig und willens, sich um die Kinder zu kümmern. Es sei daher sinn-
voll, den Lebensmittelpunkt der Kinder weiterhin dort zu belassen, wo sie stabile
Verhältnisse vorfänden und bisher gelebt hätten. Er sei damit einverstanden, dass
die Gesuchstellerin die Kinder zur Hälfte betreue (damit sei es ihr auch möglich,
weiterhin 60 % zu arbeiten; Urk. 31 S. 6). Aufgrund der Lebenssymbiose (mit sei-
nen Eltern), die ihm auch auslagenseitig angerechnet werde, könne er es sich
leisten, nur noch 80 % zu arbeiten und die Kinder hauptsächlich selbst zu be-
treuen. Die Gesuchstellerin habe ihr Arbeitspensums hauptsächlich deshalb redu-
ziert, um den "Hauptwohnsitz" der Kinder, mehr Betreuungszeiten und damit hö-
here Unterhaltsbeiträge zu erhalten. Es treffe entgegen der Vorinstanz nicht zu,
dass die Parteien seit ihrer Trennung die Betreuung der Kinder je hälftig über-
nommen hätten (Urk. 31 S. 7). Zunächst sei die Gesuchstellerin aus der Wohnung
ausgezogen und habe ihm die Betreuung der Kinder überlassen (unter Hinweis
auf Urk. 19/1). In der Folge seien sie zwar auch bei der Gesuchstellerin gewesen.
Insgesamt seien sie aber nach der Trennung hauptsächlich bei ihm gewesen. Es
stimme nicht, dass er sich nicht persönlich um die Kinder kümmere, sondern dies
seinen Eltern überlasse (Urk. 31 S. 7 f.).
Die Festlegung allfälliger Unterhaltszahlungen sei im Wesentlichen von der
Zuteilung des "Hauptwohnsitzes", der Anzahl der Betreuungstage und der An-
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rechnung eines hypothetischen Einkommens abhängig. Weiter ist der Gesuchs-
gegner der Meinung, dass ihm ein zu hohes Erwerbsersatzeinkommen aus der
Arbeitslosenversicherung angerechnet worden sei, da davon vom Betreibungsamt
regelmässig Abzüge für gemeinsame Schulden getätigt würden. Betreffend das
hypothetische Einkommen bemängelt er, dass er Einstelltage hätte hinnehmen
müssen, wenn er sich nicht intensiv um eine Stelle bemüht bzw. eine zumutbare
Stelle nicht angenommen hätte. Aufgrund seiner intensiven Arbeitsbemühungen
sei es angemessen, ein hypothetisches Einkommen von höchstens Fr. 4'000.–,
frühestens ab dem 1. März 2016, anzurechnen (Urk. 31 S. 9).
Zudem will der Gesuchsgegner in seinem Notbedarf die Kindergrundbeträge
mindestens zur Hälfte berücksichtigt wissen sowie einen Anteil von Fr. 500.– für
den Mietanteil der Kinder an der Wohnung seiner Eltern. Auch seien die Kranken-
kassenkosten der Kinder je hälftig aufzuteilen. Weiter ist er der Meinung, dass bei
einem allfälligen Ehegattenunterhalt die Steuern sowie die geleisteten Schulden-
abzahlungen für gemeinsame Schulden in seinem Bedarf zu berücksichtigen wä-
ren. Zudem bemängelt er, dass der Notbedarf der Gesuchstellerin nicht berechnet
worden ist (Urk. 31 S. 10). Zu beachten sei schliesslich, dass die Gesuchstellerin
die Kinderzulagen beziehe (Urk. 31 S. 11).
Weiter sei es nicht notwendig, eine Besuchsbeistandschaft zu errichten
(Urk. 31 S. 11; im Widerspruch zu seinen Ausführungen auf S. 5).
Schliesslich beantragt er, dass die Parteien sich jeweils die Pässe gegensei-
tig zu übergeben hätten, wenn Bedarf für eine Auslandreise bestehe (Urk. 1
S. 11).
4. Die Gesuchstellerin fordert die vollumfängliche Bestätigung des vor-
instanzlichen Entscheids (Urk. 36 S. 2 ff.). Zur Untermauerung ihrer Standpunkte
beantragt sie mehrmals ihre Parteibefragung (Urk. 36 S. 3, 7, 11 und 13). Sie
macht insbesondere geltend, der Gesuchsgegner verkenne hinsichtlich seiner
Rüge betreffend ihre Erziehungsschwierigkeiten, dass die Vorinstanz diese zu
Recht als nicht glaubhaft bezeichnet habe. So habe die Gesuchstellerin im Ge-
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gensatz zum Gesuchsgegner immerhin eine Bestätigung einer Kinderärztin einge-
reicht, aus welcher hervorgehe, dass es sich bei der Gesuchstellerin um eine sehr
fürsorgliche Mutter handle, welche sich immer adäquat um die Kinder gekümmert
habe (Urk. 36 S. 4 unter Hinweis auf Urk. 18/3). Auch habe die Vorinstanz die
vom Gesuchsgegner behauptete persönliche Betreuung der Kinder zu Recht als
nicht glaubhaft bezeichnet, zumal er selbst mehrfach ausgeführt habe, dass seine
Eltern – und nicht er – jeweils die Kinder betreut hätten, wenn die Gesuchstellerin
gearbeitet habe (Urk. 36 S. 4). Es treffe keineswegs zu, dass sie sich kaum um
die Kinder gekümmert habe. Sie habe nach der Trennung im Oktober 2014 nicht
freiwillig auf den Kontakt mit den Kindern verzichtet, sondern dieser sei ihr durch
den Gesuchsgegner und dessen Eltern verwehrt worden. Weiter sei sie darauf
angewiesen gewesen, dass ihr fixe Arbeitstage zugeteilt worden seien, damit eine
feste, verbindliche Besuchsrechtsreglung habe getroffen werden können. Deshalb
(und um den trennungsbedingten Mehraufwand im Alltag zu meistern) habe sie
ihr Arbeitspensum reduzieren müssen (Urk. 36 S. 5). Seit Erlass des vorinstanzli-
chen Entscheides sei C._ in aller Regel – abgesehen von einigen eigen-
mächtigen Verlängerungen durch den Gesuchsgegner – von Samstag bzw. Sonn-
tag bis Donnerstagabend bei der Gesuchstellerin (Urk. 36 S. 6). Die malerischen
Ausführungen, wonach der Gesuchsgegner nach der Trennung für stabile Ver-
hältnisse und eine stets persönliche Betreuung der Kinder gesorgt habe, würden
angesichts der Betreuung durch die Grossmutter väterlicherseits und in Anbe-
tracht der Art und Weise der Trennung der Parteien geradezu zynisch erscheinen.
Die Ausführungen der Vorinstanz, wonach es nicht glaubhaft sei, dass der Ge-
suchsgegner persönlich die Kinder betreue, seien demgegenüber sehr wohl fun-
diert und keineswegs einseitig und voreingenommen (Urk. 36 S. 7). Die Errich-
tung einer Beistandschaft sei sinnvoll; seit der Trennung der Parteien halte sich
der Gesuchsgegner an keinerlei Abmachungen und gestalte die Obhut über die
Kinder nach seinem Belieben. Er und seine Eltern würden sodann immensen Ein-
fluss auf die Kinder, insbesondere auf den Sohn C._, ausüben und liessen
nichts unversucht, die Gesuchstellerin ihm gegenüber in einem schlechten Licht
darzustellen (Urk. 36 S. 10).
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5.1. Beide Parteien beantragen die Parteibefragung zur Untermauerung ih-
rer Standpunkte. Ein Blick in das vorinstanzliche Protokoll zeigt, dass der Ge-
suchstellerin zwei Fragen zu ihrer Arbeitssituation und dem Gesuchsgegner eine
Frage zu seiner Stellensuche und zwei zur neuen Wohnung der Gesuchstellerin
gestellt wurden (Prot. I S. 11). Auf eine Befragung der Parteien zu den strittigen
Kinderbelangen wurde sodann gänzlich verzichtet (wie bereits im ersten Ehe-
schutzverfahren der Parteien vor Vorinstanz mit der Verfahrensnummer
EE120066; Urk. 5, Prot. S. 9 ff.).
5.2.1. Im summarischen Verfahren wie dem Eheschutzverfahren ist der Be-
weis grundsätzlich durch Urkunden zu erbringen (Art. 254 Abs. 1 ZPO). Andere
Beweismittel sind gemäss Art. 254 Abs. 2 ZPO jedoch zulässig, wenn sie das
Verfahren nicht wesentlich verzögern (lit. a), es der Verfahrenszweck erfordert
(lit. b) oder das Gericht den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen hat
(lit. c). Im Eheschutzverfahren stellt das Gericht den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest (Art. 272 ZPO), weshalb die Beweismittelbeschränkung nicht gilt. Das
Eheschutzverfahren ist – von klaren und unbestrittenen Verhältnissen abgesehen
– mündlich und die Parteien haben persönlich zu erscheinen (Art. 273 Abs. 1 und
2 ZPO). Nebst den Urkunden dienen daher die mündlichen Parteiverhöre in erster
Linie als Beweismittel (Pfänder Baumann, DIKE-Komm-ZPO, Art. 273 N 6). In al-
ler Regel kann auf die förmliche Parteibefragung gemäss Art. 191 ZPO zur Klä-
rung des Sachverhalts und zur Anordnung der verschiedenen Massnahmen nicht
verzichtet werden (vgl. Sutter-Somm/Vontobel, in: Sutter-Somm/Hasen-
böhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 273 N 6, mit weiteren Verweisen; BK ZPO
II-Spycher, Art. 273 N 4). Sind Anordnungen über die Kinder zu treffen, ergibt sich
die Pflicht zur Anhörung der Eltern direkt aus Art. 297 Abs. 1 ZPO in Verbindung
mit Art. 296 Abs. 1 ZPO. Erst der direkte Kontakt ermöglicht dem Gericht, einen
persönlichen Eindruck der Parteien zu erhalten, und dient der Prozessbeschleu-
nigung, was dem Charakter des summarischen Verfahrens entspricht (vgl. Sutter-
Somm/Vontobel, a.a.O., Art. 273 N 5). Eine Parteibefragung ist in der Regel auch
deshalb zweckmässig, weil die Parteien meist mehr wissen, als sich aus den Vor-
trägen der Anwälte ergibt. Oft gibt die Parteibefragung die Grundlage für eine güt-
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liche Prozesserledigung. Zu beachten ist sodann, dass die die Parteiaussagen
begleitenden, nicht verbalen Signale wie Mimik, Gestik, Sprachmelodie, Lautstär-
ke und Unterbrechungen oft zuverlässiger sind als Worte (BK ZGB-Spühler/Frei-
Maurer, Art. 158 aZGB N 121). Die Pflicht zur Anhörung der Eltern dient folglich
einerseits der Sachverhaltsfeststellung und ist in Kinderbelangen eine Konse-
quenz der uneingeschränkten Untersuchungsmaxime gemäss Art. 296 ZPO. An-
dererseits wird damit ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Eltern
konkretisiert. Dadurch werden in einem besonders delikaten Bereich erhöhte An-
forderungen an das rechtliche Gehör gestellt (BSK ZPO-Steck, Art. 297 N 5 mit
Hinweisen). Anzuhören sind die Eltern persönlich, nicht nur ihre Vertreter (BSK
ZPO-Steck, Art. 297 N 10). Es ist somit grundsätzlich von einem Obligatorium der
Anhörung der Parteien im strittigen Eheschutzverfahren auszugehen. Unterblei-
ben darf die Anhörung eines Elternteils nur bei Unmöglichkeit (beispielsweise we-
gen unbekannten Aufenthalts, Urteilsunfähigkeit, Krankheit; BK ZPO II-Spycher,
Art. 297 N 10; vgl. Art. 273 Abs. 2 ZPO).
Vorliegend ist die Bedeutung der im Bereich der Kinderbelange geltenden
sog. uneingeschränkten Untersuchungsmaxime gemäss Art. 296 Abs. 1 ZPO be-
sonders hervorzuheben. Bei dieser Bestimmung handelt es sich um die prozess-
rechtliche Grundnorm zur Ermittlung des Sachverhalts bezüglich der Kinderbe-
lange. Das Gericht hat alle Tatsachen, die für die Anordnung über die Kinder von
Bedeutung sind, von Amtes wegen zu ermitteln, wobei es die ihm bedeutsam
scheinenden Gegebenheiten frei würdigt (Schweighauser, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 296 N 10 mit Hinweisen).
Wegleitend ist die Erkenntnis, dass in den familienrechtlichen Angelegenheiten für
die Kinder ein "verstärktes Bedürfnis nach Schutz" und "ein erhöhtes Interesse an
der materiellen Wahrheit besteht, deren Findung gefördert werden soll" (BGE 118
II 93 E. 1a; BSK ZPO-Steck, Art. 296 N 3). Das Gericht ist dabei nicht nur berech-
tigt, sondern verpflichtet, alle nötigen Abklärungen zu treffen. Dies wird eben
dadurch verdeutlicht, dass in Art. 296 ZPO der Sachverhalt erforscht werden
muss, während in der abgeschwächten Form des Art. 272 ZPO eine Feststellung
des Sachverhaltes von Amtes wegen genügt. Das Gericht muss daher – unab-
- 16 -
hängig von Kostenüberlegungen oder Arbeitsbelastung – jede Sachverhaltsabklä-
rung vornehmen, die notwendig oder geeignet ist, den massgeblichen Sachver-
halt zu erstellen (Schweighauser, a.a.O., Art. 296 N 12 mit Hinweisen, BSK ZPO-
Steck, Art. 296 N 10 und 12). Als Beweismittel zu nennen sind in erster Linie die
Befragung der Eltern und (je nach Alter) des Kindes (vgl. Art. 297 ZPO) und die
Parteibefragung gemäss Art. 191 ZPO (s. dazu oben). Denkbar sind jedoch auch
diverse andere Beweiserhebungen (Befragung von Lehr- oder Vertrauensperso-
nen, Abklärungsberichte von Kindesschutzbehörden, Gutachten, angeordnete Be-
ratungen, Beizug eines Sachverständigen etc.). Dabei sind die Gerichte gemäss
ausdrücklicher Bestimmung nicht an die Beweismittel der Zivilprozessordnung
gebunden (Art. 168 Abs. 2 ZPO; sog. Freibeweis). Das Gericht kann deshalb
"nach eigenem Ermessen auf unübliche Art Beweise erheben und von sich aus
Berichte einholen" (BGE 122 I 53 E. 4a). Wobei auch in diesen Fällen den Partei-
en zur nachträglichen Gewährung des rechtlichen Gehörs Gelegenheit zur Stel-
lungnahme einzuräumen ist (vgl. Art. 232 Abs. 1 ZPO; Schweighauser, a.a.O.,
Art. 296 N 14 f.; BK ZPO II-Spycher, Art. 296 N 6; BSK ZPO-Steck, Art. 296
N 20). Das Gericht entscheidet zudem ohne Bindung an die Parteianträge (sog.
Offizialmaxime; Art. 296 Abs. 3 ZPO).
5.2.2. Vorliegend hat die Vorinstanz die Parteien insbesondere nie zu den
Kinderbelangen befragt. Stattdessen stellt sie ohne nähere Begründung fest, dass
einerseits die Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin und ande-
rerseits die Ausführungen des Gesuchsgegners, er kümmere sich persönlich um
seine Kinder, nicht glaubhaft seien (Urk. 32 S. 9 f.). Auch trifft sie Annahmen (z.B.
hinsichtlich der Bezahlung der Krankenkassenkosten, Urk. 32 S. 17), ohne die
Parteien zu den umstrittenen Punkten befragt zu haben. Somit stellt sie den
Sachverhalt in einem wesentlichen Teil unvollständig fest und verletzt insbeson-
dere das Recht des Gesuchsgegners auf Beweis, indem sie das zentrale Be-
weismittel der Parteibefragung nicht abgenommen hat. Dieses Beweismittel ist
gemäss Art. 254 Abs. 2 lit. c ZPO zulässig und kann der Glaubhaftmachung von
Parteivorbringen dienen. Die im Rahmen der Befragung gemachten Aussagen der
Parteien stellen ein zulässiges Mittel der Glaubhaftmachung von Parteivorbringen
- 17 -
dar. Das Recht auf Beweis bildet das Korrelat zur Beweis- bzw. Glaubhaftma-
chungslast. Indem zu den umstrittenen Kinderbelangen keine Parteibefragung
stattgefunden hat, wurde den Parteien die Möglichkeit verwehrt, ihrer Glaubhaft-
machungspflicht nachzukommen.
Die Vorinstanz wird jedenfalls eine Anhörung gemäss Art. 297 Abs. 1 ZPO
und allenfalls auch eine Parteibefragung gemäss Art. 191 ZPO durchzuführen ha-
ben. Alsdann wird sie zu entscheiden haben, ob das Verfahren spruchreif ist oder
ob weitere Beweismassnahmen zu treffen sind. Immerhin liegt ein Bericht der
KESB Hinwil vom 29. Januar 2015 (Urk. 11/1) bei den Akten, der Abklärungen be-
treffend Kinderzuteilung und Kindesschutzmassnahmen anregt. Auch die weiteren
Aktennotizen der KESB (Urk. 11/3-16) sowie die Gewaltschutzakten (Urk. 6 f. und
Urk. 11/17) weisen auf schwierige Verhältnisse hin. Die Vorinstanz wird demge-
mäss zu prüfen haben, ob auf eine genaue Abklärung der Verhältnisse durch
Fachleute tatsächlich verzichtet werden kann.
5.2.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Verfahren nicht spruch-
reif ist. Es ist grundsätzlich nicht Aufgabe der Berufungsinstanz, den Sachverhalt
anstelle der ersten Instanz zu erstellen (Reetz/Hilber, in: Sutter-Somm/Hasen-
böhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 318 N 35). Dies gilt im vorliegenden Fall
umso mehr, als vor Vorinstanz – abgesehen von den bereits erwähnten fünf Fra-
gen – keine Anhörung bzw. Befragung der Parteien zu den umstrittenen Punkten
stattgefunden hat und die Berufungsinstanz daher durch eine nachträgliche Par-
teibefragung (im summarischen Verfahren werden grundsätzlich keine Zeugen
befragt) im Berufungsverfahren faktisch die Aufgabe der Vorinstanz wahrnehmen
würde. Hinzu kommt, dass im Falle einer umfassenden Parteibefragung durch die
Berufungsinstanz diese als erste Instanz über wichtige Tatfragen entscheiden
würde und die Parteien im Ergebnis eine Instanz verlieren würden. Vor diesem
Hintergrund rechtfertigt sich eine Rückweisung des Entscheids an die Vorinstanz
zwecks Vervollständigung des Sachverhalts (Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 2 ZPO).
Da die Unterhaltsbeiträge massgeblich von der Ausgestaltung der Betreu-
ungsanteile abhängen, erübrigen sich hierzu weitere Ausführungen. Auch die Re-
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gelung der Herausgabe der Reisepässe macht erst nach der Festsetzung der Be-
treuungsanteile Sinn. Was die Beistandschaft betrifft, wird die Vorinstanz zu prü-
fen haben, inwiefern sich die Anordnung einer geteilten/alternierenden Obhut mit
der Errichtung einer Beistandschaft verträgt. Kommt doch die Anordnung der ge-
teilten/alternierenden Obhut wohl nur in Frage, wenn das Verhältnis der Eltern
nicht derart konflikthaft ist, dass erwartet werden kann, die Eltern würden sich
auch längerfristig über Alltagsfragen einigen können (Meyer, Gemeinsame elterli-
che Sorge nach neuem Recht – Regelungsmöglichkeiten in der Praxis?, Vortrag
an einer Tagung zum Scheidungsrecht des Europainstitutes der Universität Zürich
vom 15. Mai 2014, S. 9).
Zusammenfassend sind Dispositiv-Ziffer 2 Abs. 2 sowie die Dispositiv-Ziffern
3, 4, 5, 6, 7 und 8 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am
Bezirksgericht Hinwil vom 12. März 2015 aufzuheben und die Sache zur Vervoll-
ständigung des Sachverhalts und zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zu-
rückzuweisen.
IV.
1. Zufolge Rückweisung des Verfahrens können die Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen für das zweitinstanzliche Verfahren noch nicht abschliessend
geregelt werden. Es sind daher zwar für das Berufungsverfahren Kosten festzu-
setzen, doch der Entscheid über die Kostenauflage und die Regelung der Ent-
schädigungsfolgen ist dem Endentscheid der Vorinstanz vorzubehalten. Da das
Verfahren nicht abgeschlossen wird, ist die Entscheidgebühr für das Berufungs-
verfahren in Anwendung der §§ 5 Abs. 1, 6 Abs. 2 lit. b, 8 Abs. 1 und 12 GebV
OG auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
Bei dieser Gelegenheit ist darauf hinzuweisen, dass zwar, wenn Kinderbe-
lange strittig sind, die Kosten des Verfahrens gemäss obergerichtlicher Praxis –
unabhängig vom Ausgang – den Parteien grundsätzlich je zur Hälfte auferlegt und
die Prozessentschädigungen wettgeschlagen werden, wenn die Parteien unter
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dem Gesichtspunkt der Interessen des Kindes gute Gründe zur Antragstellung
hatten. Davon ausgenommen sind jedoch die Kinderunterhaltsbeiträge (ZR 84
Nr. 41).
2.1. Schliesslich sind die Gesuche der Parteien um unentgeltliche Rechts-
pflege für das Berufungsverfahren zu beurteilen. Eine gesuchstellende Partei hat
dann Anspruch auf Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, wenn sie nicht
über die erforderlichen Mittel verfügt und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos
erscheint (Art. 117 ZPO). Es besteht ein Anspruch auf Bestellung eines unentgelt-
lichen Rechtsbeistandes, wenn dies zur Wahrung der Rechte der gesuchstellen-
den Partei notwendig ist, insbesondere wenn die Gegenpartei anwaltlich vertreten
ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO).
2.2. Der Gesuchsgegner weist hinsichtlich seines Armenrechtsgesuchs da-
rauf hin, dass er trotz intensiver Suche nach wie vor keine Stelle gefunden habe
und nach wie vor Arbeitslosengeld im gleichen Umfang erhalte. Auch sonst habe
sich finanziell nichts geändert (Urk. 31 S. 11).
Gemäss den eingereichten Arbeitslosentaggeld-Abrechnungen wurden dem
Gesuchsgegner für die Monate April bis Juli 2015 durchschnittlich Fr. 3'357.– pro
Monat ausbezahlt (Parallelverfahren RE150016: Urk. 37/1; vgl. Urk. 15/9 und
19/2). Sein Notbedarf beläuft sich gemäss Kreisschreiben der Verwaltungskom-
mission des Obergerichts des Kantons Zürich vom 16. September 2009 allein
aufgrund der Positionen Grundbetrag (Fr. 1'100.–), Mietzins (gemäss Vorinstanz
Fr. 746.–, jedoch umstritten; vgl. Urk. 15/11, Urk. 32 S. 16) und Krankenkassen-
prämie KVG (Fr. 201.–, Urk. 32 S. 17) auf Fr. 2'047.–. Zudem hat er im Rahmen
der prozessualen Bedürftigkeit Anspruch auf Anrechnung weiterer Bedarfspositio-
nen (wie Telefon, Mobilitätskosten, Versicherungen etc.), weshalb sein pro-
zessualer Notbedarf höher zu liegen kommt (Emmel, in: Sutter-Somm/Hasen-
böhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 117 N 9 ff.). Zudem liegt die Unterhalts-
pflicht gegenüber seinen beiden Kindern und seiner Ehefrau vorliegend im Streit.
Geht man nur schon von der Hälfte der Kinderkosten gemäss Zürcher Tabellen
(ohne Fremdbetreuungskosten) aus, hätte der Gesuchsgegner für seine beiden
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Kinder zudem Fr. 1'140.– Kinderunterhaltsbeiträge zu bezahlen. Der Gesuchs-
gegner verfügt zudem glaubhaft nicht über ein den Notgroschen übersteigendes
Vermögen (RE150016: Urk. 37/2+4+5). Damit ist seine zivilprozessuale Bedürf-
tigkeit im Sinne von Art. 117 lit. a ZPO zu bejahen. Seine Begehren waren nicht
aussichtslos und er ist als juristischer Laie auf anwaltliche Vertretung angewiesen,
zumal auch die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist (Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO).
Zusammenfassend ist dem Gesuchsgegner die unentgeltliche Prozessführung für
das Rechtsmittelverfahren zu gewähren, und es ist ihm ein unentgeltlicher
Rechtsbeistand beizugeben.
2.3. Die Gesuchstellerin macht geltend, sie erziele inklusive 13. Monatslohn
ein durchschnittliches monatliches Nettoeinkommen von rund Fr. 1'950.– (exkl.
Kinderzulagen). Darüber hinaus erhalte sie Sozialhilfe, da der Gesuchsgegner bis
anhin keinerlei Unterhaltszahlungen geleistet habe. Ihren Notbedarf inklusive Kin-
der beziffert sie auf Fr. 4'057.20. Sie verfüge über keinerlei Vermögen (Urk. 36
S. 12 f.).
Das Armenrechtsgesuch der Gesuchstellerin wurde im erstinstanzlichen
Verfahren gutgeheissen (Urk. 32 S. 22). Ihre finanzielle Situation hat sich nicht
verbessert. Sie wird nebst ihrer Teilzeitanstellung als Verkäufern nach wie vor von
der Sozialhilfe unterstützt (Urk. 38/3/1-5 und 38/4) und hat als mittellos zu gelten
(Urk. 42/2). Da auch die weiteren Voraussetzungen (keine Aussichtslosigkeit,
sachliche Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung) gegeben sind, ist ihr die
unentgeltliche Rechtspflege für das Berufungsverfahren zu gewähren.