Decision ID: 6bc03d1f-04c1-420b-bd84-69f8891f1852
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
I.
Die Baudirektion des Kantons Zürich verweigerte A mit Gesamtverfügung vom 20. April 2018 – eröffnet mit Beschluss des Ausschusses Bau und Infrastruktur der Stadt Bülach vom 6. Juni 2018 – die raumplanungsrechtliche Bewilligung für den teilweisen Rückbau des Gebäudes Vers.-Nr. 01 und den Neubau eines Schafstalls mit Laufhof auf dem Grundstück Kat.-Nr. 02, C-Strasse 03 und 04, Bülach.
II.
Gegen diese Verfügung erhob A am 9. Juli 2018 Rekurs und beantragte die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die Erteilung der raumplanungsrechtlichen Bewilligung. Eventualiter beantragte er die Reduktion der ihm auferlegten Verfahrenskosten auf die Hälfte. Das Baurekursgericht hiess den Rekurs am 22. November 2018 teilweise gut und reduzierte die Bauverweigerungsgebühr von Fr. 3'400.- auf Fr. 2'270.-. Im Übrigen wies es den Rekurs ab.
III.
Am 16. Dezember 2018 erhob A Beschwerde an das Verwaltungsgericht mit den Anträgen, es sei die Baubewilligung für den geplanten Ersatzbau eines Schafstalls zu erteilen; der geplante teilweise Rückbau des Gebäudes Nr. 01 Kat.-Nr. 02 03 sei zu bewilligen; die Baubewilligung für den geplanten Laufhof Kat.-Nr. 02 04 sei zu erteilen; der geplante Laufhof und Miststock auf Kat.-Nr. 02 03 sei zu bewilligen, unter Kostenfolgen zulasten des Beschwerdegegners.
Die Baudirektion, das Amt für Raumentwicklung und die Baubehörde der Stadt B schlossen in ihren Vernehmlassungen je auf Abweisung der Beschwerde.
Die Kammer

erwägt:
1.
Das Verwaltungsgericht ist gestützt auf § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG) für die Behandlung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Da auch die übrigen Beschwerdevoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
2.1
Gemäss Art. 22 Abs. 2 des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG) ist Voraussetzung einer behördlichen Bewilligung von Bauten und Anlagen, dass diese dem Zweck der Nutzungszone entsprechen (lit. a) und das Land erschlossen ist (lit. b). Abweichend von Art. 22 Abs. 2 lit. a RPG können gemäss Art. 24 RPG Bewilligungen für die Errichtung von Bauten und Anlagen oder für die Zweckänderung erteilt werden, wenn der Zweck der Bauten und Anlagen einen Standort ausserhalb der Bauzonen erfordert (lit. a) und keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b).
2.2
Gemäss Art. 16a Abs. 1 Satz 1 RPG sind Bauten und Anlagen zonenkonform, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind. Überdies sind Bauten und Anlagen, die der inneren Aufstockung eines landwirtschaftlichen oder eines dem produzierenden Gartenbau zugehörigen Betriebs dienen, zonenkonform (Art. 16a Abs. 2 Satz 1 RPG).
2.3
Die Bestimmungen des Raumplanungsgesetzes werden in der Raumplanungsverordnung vom 28. Juni 2000 (RPV) konkretisiert. Gemäss Art. 34 Abs. 1 RPV sind Bauten und Anlagen in der Landwirtschaftszone insbesondere zonenkonform, wenn sie der bodenabhängigen Bewirtschaftung oder der inneren Aufstockung dienen und wenn sie für die Produktion verwertbarer Erzeugnisse aus Pflanzenbau und Nutztierhaltung (lit. a) oder die Bewirtschaftung naturnaher Flächen (lit. b) verwendet werden. Die Bewilligung darf gemäss Art. 34 Abs. 4 RPV nur erteilt werden, wenn die Baute oder Anlage für die infrage stehende Bewirtschaftung nötig ist (lit. a); der Baute oder Anlage am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen entgegenstehen (lit. b) und der Betrieb voraussichtlich längerfristig bestehen kann (lit. c).
2.4
An der betrieblichen Notwendigkeit eines Neubaus im Sinn von Art. 34 Abs. 4 lit. a RPV fehlt es, wenn die vorgesehene Nutzung in einer bereits vorhandenen Baute möglich wäre. Ist eine Neubaute erforderlich, so muss diese den objektiven Bedürfnissen des Betriebs angepasst sein; namentlich mit Bezug auf ihre Grösse und ihren Standort (BGr, 29. August 2016, 1C_567/2015, E. 4.1, mit weiteren Hinweisen).
Bei Neubauten ist überdies zu prüfen, ob sie an der Stelle von bisherigen Bauten errichtet werden können, um eine weitere Zersiedelung der Landschaft zu vermeiden. Ist dies nicht möglich, so muss schon im Bewilligungsverfahren für den Neubau geprüft werden, ob die Beanspruchung der Landschaft durch die Beseitigung bestehender, nicht mehr benötigter Bauten und Anlagen verringert werden kann (BGr, 29. August 2016, 1C_567/2015, E. 4.1, mit Hinweis auf BGr, 3. September 2014, 1C_647/2012, E. 9).
3.
3.1
Am 11. Januar 2018 teilte die Baudirektion dem Beschwerdeführer mit, dass der geplante freistehende neue Schafstall aus landwirtschaftlicher und raumplanungsrechtlicher Sicht abgelehnt werde, weil die bestehende Remisenfläche für seinen Betrieb stark überdimensioniert sei. Der südliche Bereich der Remise Vers.-Nr. 02 würde sich objektiv eignen, um als Schafstall umgenutzt zu werden, wobei auch der nicht mehr gebrauchte Silo südlich des Stalls abgebrochen und die südlich angrenzende Fläche teilweise als Auslauf genutzt werden könne. Zuerst sei aber ein Einbau des Stalls in das Gebäude Vers.-Nr. 05 zu prüfen. Die Baudirektion stellte den Beschwerdeführer vor die Wahl, ein revidiertes Projekt einzureichen, das Gesuch zurückzuziehen, Eröffnung des ablehnenden Einzelentscheids zu verlangen oder Behandlung des Baugesuchs im formell koordinierten und kostenpflichtigen Verfahren zu verlangen. Der Beschwerdeführer verlangte daraufhin die Behandlung im formell koordinierten und kostenpflichtigen Verfahren, in welchem ihm schliesslich die Baubewilligung verweigert wurde.
3.2
Die Vorinstanz hat erwogen, die anrechenbare Remisen- und Lagerfläche in den Gebäuden Vers.-Nrn. 05 und 01 umfasse rund 1850 m
2
. Gemäss den Richtlinien der Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-Tänikon (FAT-Bericht Nr. 590/2002, "Raumbedarf für Remisen und Einzelmaschinen", www.agroscope.admin.ch, besucht am 15. Juli 2019) belaufe sich der Raumbedarf vorliegend auf ca. 1345 m
2
, laut Maschinenliste und weiteren Unterlagen des Beschwerdeführers habe die Baudirektion sodann einen Bedarf von ca. 1620 m
2
als ausgewiesen anerkannt. Die bestehende Remisen- und Lagerfläche sei demnach überdimensioniert und ein Einbau des Schafstalls in bestehendes Gebäudevolumen zumutbar.
3.3
Der Berechnung des Raumbedarfs gestützt auf den FAT-Bericht Nr. 590/2002 wurde im Einklang mit der Rechtsprechung ein detailliertes Verzeichnis der Maschinen und ein Einstellkonzept zugrundgelegt (vgl. BGr, 29. August 2016, 1C_567/2015, E. 4.3). Das Abstellen auf den Bericht ist damit zulässig. Dass die Berechnung aufgrund des FAT-Berichts Nr. 590/2002 nicht richtig vorgenommen worden wäre, wurde nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Zu Recht haben somit die Vorinstanzen festgestellt, dass die in den bestehenden Gebäuden vorhandene Remisen- und Lagerfläche für den Betrieb des Beschwerdeführers überdimensioniert sei und es demnach an der betrieblichen Notwendigkeit und damit an der Zonenkonformität des Neubaus fehle, zumindest soweit nicht vorgängig geprüft worden sei, ob der vorgesehene Schafstall in ein bereits bestehendes Gebäude eingebaut werden könne.
3.4
Der Beschwerdeführer macht geltend, der Einbau des Stalls in die bestehende Baute sei aufgrund von Vorschriften des Tierschutzgesetzes sowie aufgrund von feuerpolizeilichen Vorgaben nicht möglich. So könnten die Vorgaben betreffend Klima, Lüftung, Tageslicht und Hygiene bei der Futterentnahme nicht eingehalten werden, indem etwa die Luftzirkulation und das Tageslicht durch eine einzubauende Brandschutzdecke behindert würden. Zudem sei im Brandfall ein tiergerechter Fluchtweg nicht gewährleistet.
Er sei nicht dazu aufgefordert worden, diese Abklärungen einzureichen. Vielmehr habe er verlangt, dass das Baugesuch im formell koordinierten und kostenpflichtigen Verfahren vollständig behandelt werde. Sodann sei das Baugesuch unzureichend geprüft worden. Das Amt für Raumentwicklung habe mit Schreiben vom 17. September 2018 in Betracht gezogen, das Gesuch erneut zu prüfen.
3.5