Decision ID: cccec97d-e181-5416-83e2-18c559d43058
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am 23. November 2015 in der Schweiz
um Asyl nach. Anlässlich der Befragungen zur Person (BzP) vom 2. De-
zember 2015 und den Anhörungen vom 29. September 2017 machten sie
im Wesentlichen Folgendes geltend:
Der Beschwerdeführer stamme aus F._. Vom (...) 2003 bis (...)
2005 habe er den regulären Wehrdienst für die syrische Armee absolviert.
Am (...) 2011 habe er die Beschwerdeführerin geheiratet und danach mit
ihr in G._ und in H._ (Gouvernement Hasaka) gelebt. Mit
seinem Bruder habe er in einer [Firma] gearbeitet. Es sei zu Kämpfen zwi-
schen Kurmanci-Leuten und der Regierung gekommen. Als die Regierung
begonnen habe, Männer zum Wehrdienst mitzunehmen, habe er sich stets
von den Checkpoints entfernt gehalten. Im Jahr 2014 sei der sogenannte
Islamische Staat (IS) in das Gebiet gekommen und die Lage habe sich
verschlimmert. Als die Regierung H._ bombardiert habe, sei sein
Cousin getötet worden. Im Jahr 2015 seien beim Neujahrsfest viele
Kurmanci-Personen durch einen Anschlag des IS getötet worden. Seine
Schwester sei von IS-Mitgliedern auf offener Strasse entführt und während
15 Tagen festgehalten worden. Über einen Freund bei der [Firma] habe er
den Kontakt zu einem Araber herstellen können, welcher vier oder fünf
Tage später den Aufenthaltsort seiner Schwester in Erfahrung habe brin-
gen können. Er habe ihm einen Geldbetrag bezahlt, worauf er über einen
Mittelsmann die Schwester habe befreien können. Nach der Rückkehr der
Schwester seien sie nach I._ gegangen, wo sie ihre Ausreise orga-
nisiert hätten. Sie seien nicht mehr ins Dorf zurückgekehrt, da die dortigen
Araber mit dem IS zusammenarbeiten würden. Er selber habe keine eige-
nen Probleme oder Kontakte mit Mitgliedern des IS oder der Regierung
gehabt. In seiner Familie gebe es ausserdem die (...)-Krankheit; viele Ver-
wandte (Vater, Geschwister) seien bereits daran verstorben.
Die Beschwerdeführerin stamme aus I._ (Gouvernement Hasaka),
wo sie bis zu ihrer Heirat mit dem Beschwerdeführer gelebt habe. Danach
sei sie nach J._ und weiter nach G._ gezogen, wobei sie
auch in H._ gelebt hätten. Es habe Kämpfe zwischen der Regierung
und den Kurmanci-Leuten gegeben. Die Regierung habe Granaten abge-
worfen und man habe nicht nach draussen gehen können. Die Lage sei
sehr schlecht gewesen, es habe weder Frieden noch Sicherheit gegeben.
Am Neujahrsfest im Jahr 2015 sei ein Auto explodiert und es habe viele
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Todesopfer gegeben. Die Schwester des Beschwerdeführers sei vom IS
entführt worden. Durch eine Geldübergabe habe er die Freilassung seiner
Schwester erwirken können. Es hätte sein können, dass er durch den IS
oder von der Regierung getötet worden wäre; deshalb seien sie geflüchtet.
Es sei auch so, dass die Leute in Syrien reden würden. Wenn ein Mädchen
entführt werde, würden die Leute über das Mädchen sprechen und entge-
gen den wahren Gegebenheiten sagen, dass sie vergewaltigt worden sei.
Sie selber habe keine direkten Probleme mit Mitgliedern des IS oder der
Regierung gehabt.
Die Beschwerdeführenden reichten ihre syrischen Identitätskarten sowie
den Führerschein und das Militärbüchlein des Beschwerdeführers zu den
Akten.
B.
Mit Verfügung vom 27. Oktober 2017 – eröffnet am 31. Oktober 2017 –
verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden
und lehnte ihre Asylgesuche ab. Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung
aus der Schweiz, deren Vollzug es aufgrund der Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs jedoch aufschob.
C.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht vom 28. November
2017 beantragten die Beschwerdeführenden in der Hauptsache die Ge-
währung der vollumfänglichen Einsicht in die Akten A3/8, A4/8 und A29/1
(Rechtsbegehren 1). Eventualiter sei ihnen zu diesen Akten das rechtliche
Gehör zu gewähren (Rechtsbegehren 2) und ihnen eine angemessene
Frist zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen (Rechtsbe-
gehren 3). Weiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sa-
che dem SEM zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurückzuwei-
sen (Rechtsbegehren 4), eventualiter sei ihre Flüchtlingseigenschaft fest-
zustellen und ihnen Asyl zu gewähren (Rechtsbegehren 5), respektive
seien sie eventualiter als Flüchtlinge anzuerkennen (Rechtsbegehren 6).
In prozessualer Hinsicht beantragten sie die Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung inklusive Kostenvorschussverzicht (Rechtsbegehren
7 und 8) sowie eventualiter die Ansetzung einer angemessenen Frist zur
Einreichung der Sozialhilfebestätigung beziehungsweise zur Bezahlung
des Kostenvorschusses (Rechtsbegehren 9).
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Auf die Begründung wird – soweit relevant – in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 14. Dezember 2017 hiess die vormalig zu-
ständige Instruktionsrichterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gut und verzichtete auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses. Gleichzeitig hielt sie fest, dass über weitere Anträge bezie-
hungsweise Instruktionsmassnahmen zu einem späteren Zeitpunkt befun-
den werde.
E.
Mit ergänzender Beweismitteleingabe vom 19. Februar 2018 reichten die
Beschwerdeführenden die deutsche Übersetzung eines angeblichen Such-
befehls des Polizeikommandos K._ vom (...) 2017 zu den Akten.
Hierzu hielten sie fest, dass daraus hervorgehe, dass der Beschwerdefüh-
rer wegen Versäumnisses der Einrückung in den Reservedienst von den
syrischen Behörden gesucht werde.
F.
Mit weiterer Beweismitteleingabe vom 28. März 2018 reichten die Be-
schwerdeführenden den angeblichen Suchbefehl im Original zu den Akten.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 29. Juni 2020 wies der Instruktionsrichter die
Vorinstanz an, den Beschwerdeführenden im Sinne der Erwägungen Ein-
sicht in die Akten A3/8 und A4/8 zu gewähren. Gleichzeitig lud er die Vor-
instanz zur Vernehmlassung ein.
H.
In seiner Vernehmlassung vom 10. Juli 2020 äusserte sich die Vorinstanz
zum auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel und zu einzelnen
Punkten der Beschwerdeschrift und hielt im Wesentlichen fest, dass diese
keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche
eine Änderung des Standpunktes rechtfertigen könnten.
I.
Mit Replik vom 29. Juli 2020 hielten die Beschwerdeführenden an ihren
Anträgen fest.
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Seite 5
J.
Im vorliegenden Verfahren zog das Bundesverwaltungsgericht die Akten
der Schwester des Beschwerdeführers (N [...]) bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
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3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung oder
Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht
haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhaltung
des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen von Asylvorbringen
in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis.
Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, 2013/11
E. 5.1 und 2010/57 E. 2.3, je m.w.H.), soweit nicht in den nachfolgenden
Erwägungen noch spezifisch darauf Bezug zu nehmen ist.
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid mit der fehlenden Asylrele-
vanz der Vorbringen der Beschwerdeführenden im Sinne von Art. 3 AsylG.
Ihre Vorbringen seien nicht geeignet, eine Furcht vor asylrelevanter Verfol-
gung zu begründen und würden den Anforderungen an die Intensität nicht
zu genügen vermögen. Aus der Entführung der Schwester des Beschwer-
deführers könne er für sich selber keine Asylrelevanz ableiten. Es sei nicht
davon auszugehen, dass er vonseiten jener Mitglieder des IS Repressions-
massnahmen zu befürchten hätte, da er selber bis zu seiner Ausreise keine
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Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG erlitten habe. Er habe selber keinen
direkten Kontakt mit Mitgliedern des IS gehabt und daher keine direkten
oder sich konkret manifestierenden Nachteile erlitten. Aufgrund der fehlen-
den Intensität vermöge auch das Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass
wegen der Entführung die Leute im Dorf schlecht über sie reden würden,
keine asylrelevante Furcht vor Verfolgung zu begründen. Sie selber sei auf-
grund der Entführung der Schwägerin keinen Nachteilen im Sinne von
Art. 3 AsylG ausgesetzt gewesen und habe keinen direkten Kontakt mit
Mitgliedern des IS gehabt.
Im Weiteren ergäben sich keine konkreten Hinweise darauf, dass der Be-
schwerdeführer gezielt in den aktiven Reservedienst aufgeboten worden
wäre. Das Militärbüchlein bestätige, dass er den militärischen Grundwehr-
dienst bei der syrischen Armee im Jahr 2005 abgeschlossen habe. Seinen
Ausführungen mangle es aber an substanziierten Hinweisen auf eine tat-
sächlich erfolgte erneute Einberufung. Er habe diesbezüglich keinen Kon-
takt mit den syrischen Behörden gehabt und keine gezielte Aufforderung,
in den Militärdienst einzurücken, erhalten. Dies gelte umso mehr, als er
auch nicht geltend gemacht habe, in der Vergangenheit als Gegner des
syrischen Regimes aufgefallen zu sein. Er weise damit klarerweise auch
nicht das in BVGE 2015/3 aufgezeigte Risikoprofil auf. Alleine der Um-
stand, dass er sich vor einem erneuten Einzug in den Militärdienst in Zu-
kunft fürchte, vermöge gemäss ständiger Praxis keine Furch vor asylrele-
vanter Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu begründen.
Ihre Vorbringen, Syrien aufgrund der derzeitigen schwierigen Lage und we-
gen fehlender medizinischer Versorgung verlassen zu haben, erfüllten die
Kriterien der Asylrelevanz ebenfalls nicht.
4.2
4.2.1 Zur Begründung ihrer Beschwerde brachten die Beschwerdeführen-
den zunächst formelle Rügen vor.
Ihrer Rechtsauffassung zufolge erfüllten diejenigen Personen direkt die
Flüchtlingseigenschaft, welche illegal aus Syrien ausgereist seien und be-
reits vor ihrer Flucht über ein spezifisches Profil verfügt hätten, aufgrund
dessen sie mit der Ausreise aus Syrien asylrelevant verfolgt würden. Dies
wäre im vorliegenden Fall ebenfalls einschlägig gewesen, zumal der Be-
schwerdeführer über ein spezifisches Profil verfüge und illegal ausgereist
sei. Das SEM hätte sich näher hiermit auseinanderzusetzten gehabt, was
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dieses aber nicht getan habe, weshalb die Verfügung aufzuheben und dem
SEM zurückzuweisen sei.
Überdies sei der Anspruch auf Akteneinsicht und rechtliches Gehör durch
das SEM verletzt worden, indem es mit seiner Verfügung vom 21. Novem-
ber 2017 die Einsicht in zahlreiche Akten verweigert habe. Die Akten A3/8
und A4/8 (Grenzkontrollrapporte) enthielten möglicherweise Informationen
von entscheidrelevanter Bedeutung. Es hätte ihnen zwingend Einsicht in
diese Akten gewährt werden müssen. Das SEM habe die Einsicht in diese
Akten mit der Begründung, es handle sich dabei um Akten anderer Behör-
den, zu Unrecht verweigert. Weiter gehe aus der Bezeichnung der Akte
A29/1 als «interne Aktennotiz» nicht hervor, worum es sich dabei handle
und ob dieses Dokument zu Recht als intern bezeichnet worden sei. Mit
dieser pauschalen Bezeichnung sei das SEM seiner Paginierungs- und Ak-
tenführungspflicht nicht ausreichend nachgekommen.
Weiter sei der Anspruch auf rechtliches Gehör sowie das Willkürverbot
durch die vom SEM unterlassene Würdigung der eingereichten Beweismit-
tel verletzt worden. Das SEM sei überhaupt nicht auf den Umstand einge-
gangen, dass der Beschwerdeführer gemäss Militärbüchlein den regulären
Militärdienst in Syrien absolviert habe und in den Reservistendienst einge-
treten sei. Das SEM hätte diese aus seiner Sicht damit bewiesenen Tatsa-
chen im Zusammenhang mit den nicht bewiesenen Vorbringen der Be-
schwerdeführenden in einer Gesamtbetrachtung würdigen müssen.
Im Weiteren wiege schwer, dass das SEM es unterlassen habe, das Dos-
sier der Schwester des Beschwerdeführers beizuziehen, zumal die Be-
schwerdeführenden ausdrücklich und glaubhaft eine asylrelevante Re-
flexverfolgung vorgebracht hätten. Ein Aktenbeizug gehe weder aus der
Verfügung noch aus dem Aktenverzeichnis noch aus den übrigen Akten
hervor. Damit sei das rechtliche Gehör verletzt und der Sachverhalt unzu-
reichend abgeklärt und festgestellt worden. Im Weiteren sei der Sachver-
halt nicht vollständig abgeklärt worden, indem das SEM die Gefahr, welche
für die Beschwerdeführenden ausgehend von ihren Bekannten und weite-
ren Personen bestehe, weil sie die Schwester des Beschwerdeführers vom
IS befreit hätten, nicht richtig eingeschätzt und abgeklärt habe. Dem SEM
sei das Ausmass der Problematik der Ehrverletzung nicht bewusst, obwohl
die Beschwerdeführenden dies ausführlich erläutert hätten. Die Abklä-
rungspflicht sei ebenfalls dadurch verletzt, indem das SEM beinahe zwei
Jahre ungenutzt habe verstreichen lassen zwischen der Einreichung des
Asylgesuchs bis zur Durchführung der Anhörung.
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4.2.2 Zur Begründung der Asylrelevanz ihrer Vorbringen führten die Be-
schwerdeführenden aus, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner Hil-
feleistungen für die Schwester beim IS bekannt sei und von diesem asyl-
relevant verfolgt werde. Das SEM verkenne die akute Verfolgung der Be-
schwerdeführenden durch den IS. Der Beschwerdeführer habe sowohl in
der BzP als auch der Anhörung ausführlich dargelegt, dass er aufgrund
seines Engagement für die Befreiung der Schwester vom IS wohl gesucht
werde. Das Gebiet, in dem sie gelebt hätten, werde überwiegend von Ara-
bern besiedelt, wovon viele den IS unterstützen würden und konservativ
eingestellt seien. Dass es nicht zu Repressionsmassnahmen seitens des
IS gekommen sei, sei dem Umstand geschuldet, dass sie nach Befreiung
der Schwester umgehend nach I._ geflüchtet seien. Ansonsten
wäre die gesamte Familie der Gefahr ausgesetzt gewesen, wiederholt in
die Fänge des IS zu geraten. Zudem würden die Beschwerdeführenden
deswegen von weiteren, konservativ eingestellten Personen asylrelevant
verfolgt; sie würden als Unterstützer einer Person betrachtet, welche
«Schande über die Familie» gebracht habe. Sie müssten daher in Angst
leben, von konservativ eingestellten Personen aufgesucht zu werden.
Im Weiteren habe der Beschwerdeführer vorgebracht, in den Reservisten-
dienst der syrischen Armee einrücken zu müssen. Angesichts des Krieges
habe sich die Rekrutierung von Dienstpflichtigen und Reservisten intensi-
viert, zudem sei die Vorgehensweise der Behörden oft willkürlich, unbere-
chenbar und menschenrechtswidrig. Hätte man den Beschwerdeführer an
einem Kontrollposten der syrischen Regierung angehalten, hätte er umge-
hend den Reservistendienst antreten müssen. Dass er direkt im Anschluss
an den regulären Dienst in den Reservistendienst eingetreten sei, entspre-
che dem Reglement des syrischen Militärs und lasse sich dem Militär-
dienstbüchlein entnehmen. Er habe sich bewusst nicht in Gebiete bege-
ben, welche unter der Kontrolle der syrischen Regierung gestanden seien.
Bei einer Rückkehr nach Syrien würde er als Dienstverweigerer identifiziert
werden und asylrelevant verfolgt werden. Diesbezüglich müsse das SEM
das Urteil D-5553/2013 des Bundesverwaltungsgerichts (BVGE 2015/3)
und die aktuelle Berichterstattung der Schweizerischen Flüchtlingshilfe
(SFH) berücksichtigen.
Hinzu komme, dass sich Kurden mit der syrischen Regierung bekämpft
hätten, wobei der Cousin des Beschwerdeführers ums Leben gekommen
sei. Auch der IS sei gezielt gegen die kurdische Bevölkerung vorgegangen
und habe bei einem Anschlag während des Newroz-Festes zahlreiche
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Menschen getötet. Die Beschwerdeführenden seien nach der Befreiung
der Schwester des Beschwerdeführers wohl ins Blickfeld des IS geraten.
4.2.3 Ferner machten die Beschwerdeführenden geltend, dass der Be-
schwerdeführer durch seine illegale Ausreise aus Syrien gegen Ausreise-
bestimmungen verstossen habe. Die illegale Ausreise werde als regime-
feindliche Handlung aufgefasst, weshalb ihm im Falle einer Rückkehr eine
Verhaftung aus politischen Gründen sowie Folter oder gar die Hinrichtung
drohten. Deshalb sei er als Flüchtling anzuerkennen und wegen Unzuläs-
sigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen.
Bei einer Rückkehr hätten die Beschwerdeführenden zudem mit einem
Verhör durch die Behörden zu rechnen, was für sie eine ausserordentliche
Gefahr darstelle. Das Profil des Beschwerdeführers als kurdischer Dienst-
verweigerer verschärfe sich durch das Einreichen eines Asylgesuchs in der
Schweiz. Es bestehe die Gefahr, dass er einem willkürlichen Verhör und
asylrelevanten Massnahmen ausgesetzt wäre.
Im Übrigen äusserten sich die Beschwerdeführenden ausführlich zur Lage
und Entwicklung in Syrien.
4.3 In ihrer Vernehmlassung vom 10. Juli 2020 hielt die Vorinstanz an ih-
rem Standpunkt fest.
Zur Rüge betreffend die Praxis zur illegalen Ausreise aus Syrien hielt das
SEM fest, dass diese keine Verfolgungsgefahr begründe. Der Hinweis in
der Beschwerdeschrift auf eine angeblich anderweitige Praxis sei unzutref-
fend. Verfüge eine Person im Einzelfall über Risikofaktoren und reise illegal
aus Syrien aus, könne dies zu flüchtlingsrechtlich relevanter Verfolgung
führen. Der Beschwerdeführer weise jedoch keine entsprechenden Risiko-
faktoren auf.
Zum nachträglich eingereichten Beweismittel führte das SEM aus, dass der
Stempel auf dem Dokument kein Nassstempel sei, womit die Originalität
des Dokuments in Zweifel gezogen werde. Es weise keinerlei fälschungs-
sichere Merkmale auf. Es sei allgemein bekannt, dass in Syrien praktisch
jegliche Art von Dokumenten käuflich erworben werden könne, womit die
Beweiskraft solcher Dokumente entsprechend gering sei. Es erstaune zu-
dem, dass die Jahresangaben auf dem Dokument – so sei die Jahreszahl
2017 beim Ausstellungsdatum sowie bei der Angabe des Polizeiberichts
bei der Angabe Jahr – bereits in der «Vorlage» hereingeschrieben worden
und nicht wie alle anderen Angaben von Hand eingetragen worden seien.
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In dem Dokument sei nicht – wie fälschlicherweise von den Beschwerde-
führern betitelt – von einer behördlichen Suche die Rede. Gemäss Über-
setzung sei das Polizeikommando in K._ durch einen Polizeibericht
in Kenntnis gesetzt worden, dass der Beschwerdeführer zwei Straftaten –
«Versäumnis vom Reservedienst» und «Einrückungsversäumnis» – be-
gangen habe. Selbst wenn von der Authentizität des Dokuments ausge-
gangen werde, sei unerklärlich, wie der Beschwerdeführer in den Besitz
eines internen Dokuments der Polizei gekommen sein soll, zumal in der
Eingabe unterlassen worden sei, die Umstände des Erhalts dieses Doku-
ments darzulegen. Es sei den Beschwerdeführenden daher nicht gelun-
gen, mittels des eingereichten Beweismittels die Einberufung des Be-
schwerdeführers in den aktiven Reservedienst im Sinne von Art. 7 AsylG
glaubhaft zu machen. Im Weiteren sei der Vorwurf der unterlassenen Wür-
digung der eingereichten Beweismittel haltlos. Hierzu verwies das SEM auf
die entsprechenden Ausführungen im Asylentscheid.
Hinsichtlich der beigezogenen Akten führte das SEM aus, dass die Akten
der Geschwister des Beschwerdeführers (N [...] und N [...]) beigezogen
worden seien. Es sei jedoch versäumt worden, dies im Entscheid kenntlich
zu machen. Der Beizug der Akten vermöge jedoch nichts an der Einschät-
zung zu ändern. Der IS spiele in Syrien als Territorialmacht seit dem Jahr
2017 keine Rolle mehr, womit sich die geltend gemachten Befürchtungen
vor einer Reflexverfolgung durch den IS im Gebiet um Hasaka als unbe-
gründet erweisen würden. Von einer begründeten Furcht vor Verfolgung
durch «konservative Personen» sei ebenfalls nicht auszugehen, zumal
auch die Mutter des Beschwerdeführers und zwei Brüder sowie weitere
Familienangehörige gemäss den Angaben des Beschwerdeführers ausser
der allgemeinen Lage keine diesbezüglichen Probleme oder Nachteile
durch Dritte erlitten hätten. Der Beschwerdeführer habe zudem selbst aus-
gesagt, später, wenn alles ruhig sei, wieder nach Syrien zurückkehren zu
können. Die zweijährige Dauer bis zur Durchführung der Anhörung sei nicht
ideal, jedoch Folge der damaligen Arbeitsbelastung und stelle keinen
Nachteil für die Beschwerdeführenden dar. Der Beschwerdeführer verfüge
auch nicht über ein Risikoprofil, zumal er nicht aus einer oppositionell akti-
ven Familie stamme und bis zur Ausreise aus Syrien nicht die Aufmerk-
samkeit der syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen habe. Die blosse
Ausreise aus Syrien und die Einreichung eines Asylgesuchs im Ausland
sowie eine allfällige Befragung bei einer allfälligen Rückkehr führten daher
nicht zur Annahme asylrelevanter Nachteil bei einer hypothetischen Rück-
kehr nach Syrien. Angehörige der kurdischen Ethnie seien in Syrien auch
keiner Kollektivverfolgung ausgesetzt.
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Seite 12
Im Übrigen sei auf die Erwägungen zu verweisen, an denen vollumfänglich
festgehalten werde.
4.4 In ihrer Replik hielten die Beschwerdeführenden zunächst fest, dass
das SEM die Einsicht in die Akten A3 und A4 zu Unrecht verweigert habe.
Weiter bedeute die illegale Ausreise des Beschwerdeführers trotz Einzug
in den Militärdienst eine gezielte asylrelevante Verfolgung. Zum Suchbe-
fehl habe das SEM sinngemäss ausgeführt, eine Dokumentenanalyse
durchgeführt zu haben. Es sei zwingend Einsicht in diese zu gewähren.
Insbesondere behaupte das SEM, auf dem entsprechenden Dokument be-
finde sich kein Nassstempel. Es beschränke sich darauf, pauschal zu be-
haupten, die entsprechenden Dokumente seien irrelevant, da sie nicht fäl-
schungssicher seien. Damit habe das SEM zusätzlich zur Abklärungspflicht
(Unterlassen der Dokumentanalyse) den Anspruch auf rechtliches Gehör
sowie Art. 7 AsylG schwerwiegend verletzt. Insbesondere habe es den
Grundsatz des Vorrangs von Beweismitteln verletzt. Im Weiteren gehe aus
dem eingereichten Dokument eindeutig hervor, dass der Beschwerdefüh-
rer wegen des Versäumnisses, in den Reservedienst einzurücken, gesucht
werde. Es sei schlicht nicht ersichtlich, weshalb das SEM davon ausgehe,
eine entsprechende Suche ergebe sich nicht aus dem Dokument. Es sei
sodann allgemein bekannt – werde aber vom SEM hartnäckig ignoriert –
dass derartige Dokumente in Syrien im Original den entsprechenden Per-
sonen beziehungsweise Verwandten auf der Suche nach den Verfolgten
ausgehändigt würden. Sie erfüllten die Funktion offizieller Dokumente. Das
SEM habe es zudem auch unterlassen, das Dienstbüchlein einer Doku-
mentanalyse zu unterziehen oder sich anderweitig über dessen Echtheit
zu äussern. Im Weiteren handle es sich bei den Ausführungen des SEM
betreffend den Beizug der Akten der Geschwister des Beschwerdeführers
lediglich um eine Behauptung, womit das SEM die Abklärungspflicht sowie
insbesondere die Begründungspflicht und somit den Anspruch auf rechtli-
ches Gehör schwerwiegend verletzt habe.
Im Übrigen sei auf die Ausführungen in der Beschwerde zu verweisen.
5.
5.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs im Sinne einer Verletzung des Anspruchs auf Aktenein-
sicht, der Aktenführungspflicht sowie der Untersuchungs- beziehungs-
weise Begründungspflicht (vgl. obige Wiedergabe der Rügen in E. 4.2.1
und 4.4). Diese Rügen sind vorab zu behandeln, da sie allenfalls geeignet
wären, eine Kassation der angefochtenen Verfügung zu bewirken.
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5.2
5.2.1 Der mit Grundrechtsqualität ausgestattete Grundsatz des rechtlichen
Gehörs fordert, dass die verfügende Behörde die Vorbringen der Betroffe-
nen tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfin-
dung berücksichtigt, was sich entsprechend in einer sachgerecht anfecht-
baren Entscheidbegründung niederzuschlagen hat (vgl. BVGE 2015/10
E. 3.3 m.w.H.). Dem Bundesverwaltungsgericht obliegt gemäss Art. 49
Bst. b VwVG (bzw. Art. 106 Abs. 1 Bst. b AsylG) eine umfassende Sach-
verhaltskontrolle (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 2.188). Ermittelt das Bun-
desverwaltungsgericht eine fehler- oder lückenhafte Feststellung des
Sachverhalts, hebt es die Verfügung auf und weist die Sache an die Vorin-
stanz zurück, damit diese den rechtserheblichen Sachverhalt neu und voll-
ständig feststellt (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 2.191;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1155). Der Untersuchungsgrundsatz
gehört zu den allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungs- beziehungs-
weise Asylverfahrens (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder wenn die Vorinstanz nicht alle
entscheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts prüfte, etwa weil
sie die Rechtserheblichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneinte. Unvoll-
ständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid
rechtsrelevanten Sachumstände berücksichtigt wurden (vgl. KÖLZ/
HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1043).
5.2.2 Die vom SEM unterlassene Einsichtsgewährung in die – im Übrigen
nicht entscheidrelevanten – Akten A3 und A4 kann mit der nachträglich ge-
währten Einsicht als geheilt betrachtet werden. Betreffend die Akte A29
wurde bereits in der Zwischenverfügung vom 29. Juni 2020 festgehalten,
dass es sich dabei um eine einfache Aktennotiz ohne Entscheidrelevanz
oder Beweischarakter für das Verfahren der Beschwerdeführenden han-
delt, welche zu Recht als internes Aktenstück klassifiziert wurde. Eine Ver-
letzung des Rechts auf Akteneinsicht respektive des rechtlichen Gehörs
liegt diesbezüglich nicht vor.
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5.2.3 Da die Beschwerdeführenden bei der Begründung ihres Asylgesuchs
ausdrücklich einen Zusammenhang mit der Verfolgung der als Flüchtling
anerkannten Schwester des Beschwerdeführers geltend machten, drängte
sich ein Beizug zumindest dieses Dossiers auf. Es trifft zu, dass in der an-
gefochtenen Verfügung keine expliziten Anhaltspunkte dafür ersichtlich
sind, dass das SEM insbesondere das Dossier der Schwester des Be-
schwerdeführers vor dem Entscheid über die Asylgesuche beigezogen hat.
Ein Hinweis auf den Beizug der Dossiers der Schwester sowie des Bruders
des Beschwerdeführers (N [...] und N [...]) findet sich mit den entsprechen-
den Abklärungsergebnissen einzig im – nicht zur Edition freigegebenen –
internen Antrag betreffend die vorläufige Aufnahme der Beschwerdefüh-
renden (vgl. A30). Wenn die Vorinstanz ein Dossier eines Verwandten bei-
gezogen und berücksichtigt hat, wäre es indes angezeigt, dass ein solcher
Beizug und die Begründung des Beizugsergebnisses auch ihren Nieder-
schlag im Asylentscheid finden (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-
4122/2016 vom 16. August 2016 E. 6.2.4).
Indes hat das SEM sodann im Rahmen der Vernehmlassung den Beizug
der genannten Verfahrensakten klar ausgewiesen und deren Berücksichti-
gung für den Asylentscheid begründet respektive erläutert, weshalb sich
aus den beigezogenen Akten keine asylrelevante Verfolgung der Be-
schwerdeführenden ableiten lasse. Da die Konsultation der Verweisdos-
siers zudem zumindest aus dem internen Antrag betreffend die vorläufige
Aufnahme der Beschwerdeführenden (vgl. A30) hervorgeht, handelt es
sich bei den Erläuterungen in der Vernehmlassung mitnichten um eine Be-
hauptung, wie von den Beschwerdeführenden auf Replikebene gerügt
wurde. Im Übrigen ist auch nicht zu erkennen, inwiefern der Sachverhalt
bezüglich der Ehrverletzungs-Problematik vom SEM nicht richtig abgeklärt
worden sein soll, zumal das SEM wie erwähnt die relevanten Beizugsdos-
siers konsultierte und sich aus den Befragungen – wie nachfolgend aufzu-
zeigen sein wird (vgl. E 6.3) – keine Anzeichen für darauf begründende
ernsthafte Nachteile ergaben. Bei der Einschätzung dieses Sachverhalts
handelt es sich sodann nicht um eine formelle Frage, sondern um eine
Frage der rechtlichen Würdigung der Vorbringen der Beschwerdeführen-
den mit Blick auf ihre Flüchtlingseigenschaft (vgl. hierzu nachfolgend E. 6).
Nach dem Ausgeführten liegt bezüglich des Beizugs von Dossiers von Ver-
wandten nach erfolgter Vernehmlassung weder eine Gehörsverletzung,
noch eine Verletzung der Abklärungs- und Begründungspflicht vor. Nichts-
destotrotz ist das SEM mit Nachdruck an die Erwägungen im Urteil des
BVGer E-4122/2016 vom 16. August 2016 (insb. E. 6.2.4) zu erinnern und
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aufzufordern, den darin enthaltenen Empfehlungen betreffend den Beizug
von Dossiers zu folgen.
5.2.4 Im Weiteren ergeben sich entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-
renden aus den Akten auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die einge-
reichten Beweismittel von der Vorinstanz nicht gewürdigt wurden. Im Asyl-
entscheid wurden sämtliche eingereichten Beweismittel aufgeführt und –
soweit relevant – gewürdigt (vgl. a.a.O. E. I Ziff. 4 und E II Ziff. 3). Der auf
Beschwerdeebene eingereichte angebliche Suchbefehl wurde in der Ver-
nehmlassung vom SEM ebenfalls einer ausführlichen Würdigung unterzo-
gen (vgl. a.a.O. S. 2). Das SEM stellte im Asylentscheid die Glaubhaftigkeit
der Vorbringen des Beschwerdeführers bezüglich seines Militärdienstes
nicht in Frage, weshalb es sich verständlicherweise nicht zusätzlich auch
noch zur Echtheit des Militärbüchleins hätte äussern oder gar eine Doku-
mentanalyse hätte durchführen müssen. Betreffend den angeblichen
Suchbefehl gilt festzuhalten, dass das SEM – aufgrund fehlender Sicher-
heitsmerkmalen, indes aufgrund von blossem Auge erkennbaren Auffällig-
keiten der Urkunde – nicht veranlasst war eine Dokumentenanalyse vorzu-
nehmen. Eine Verletzung von Verfahrensvorschriften ist auch in dieser Hin-
sicht nicht ersichtlich.
5.2.5 Ferner habe die Vorinstanz seine Abklärungspflicht und damit das
rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt, indem es die Anhö-
rungen erst rund zwei Jahre nach Gesuchseinreichung durchgeführt habe.
Hierzu ist festzuhalten, dass es zwar durchaus wünschenswert ist, wenn
zwischen der Einreichung des Asylgesuchs respektive der Befragung und
der Anhörung ein relativ kurzer Zeitraum liegt. Jedoch gibt es keine zwin-
gende, mit Rechtsfolgen versehene gesetzliche Verpflichtung des SEM,
die Anhörungen innerhalb eines gewissen Zeitraums durchzuführen. Der
Länge des zwischen den einzelnen Anhörungen verstrichenen Zeitraums
ist indes bei der Würdigung der Aussagen des Beschwerdeführers Rech-
nung zu tragen. Eine Gehörsverletzung ist nicht ersichtlich.
5.3 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erweisen sich die formellen
Rügen insgesamt als unbegründet, weshalb keine Veranlassung besteht,
die Sache aus formellen Gründen aufzuheben.
6.
6.1 In materieller Hinsicht ist im Folgenden zu prüfen, ob die Beschwerde-
führenden aufgrund der vorgebrachten Reservedienstverweigerung des
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Seite 16
Beschwerdeführers sowie der Befreiung seiner Schwester aus den Hän-
den des IS eine Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG durch die Regierung
respektive den IS oder «konservative Personen» zu befürchten hätten.
6.2
6.2.1 An der geltend gemachten Reservedienstverweigerung des Be-
schwerdeführers sind eingangs erhebliche Zweifel anzubringen. So ver-
neinte der Beschwerdeführer anlässlich der Befragungen klar und deutlich,
diesbezüglich irgendwie gearteten Kontakt mit den Behörden gehabt ge-
schweige denn ein Aufgebot erhalten zu haben (vgl. A25, F54). Auf diese
unzweideutigen Aussagen, deren Richtigkeit er im Anhang des Protokolls
unterschriftlich bestätigt hat, ist er zu behaften. Auch für eine angebliche
Suche nach seiner Person ergeben sich keine Hinweise. Stattdessen äus-
serten die Beschwerdeführenden lediglich pauschale allgemeine Befürch-
tung, man hätte den Beschwerdeführer allenfalls künftig einmal in den Mi-
litärdienst einziehen können (vgl. a.a.O.; A27, F43, F56; A6, Ziff. 7.01).
Weiter kommt hinzu, dass auch an der Authentizität des erst im Beschwer-
deverfahren zu den Akten nachgereichten angeblichen Suchbefehls doch
Zweifel anzubringen sind. Ungesehen des Umstandes, dass dieses Doku-
ment in offenem Widerspruch zu den obgenannten klaren Angaben des
Beschwerdeführers steht, haben sich die Beschwerdeführenden an keiner
Stelle zu den genauen Umständen geäussert, wie sie dieses wohlbemerkt
interne Polizeidokument überhaupt erhalten haben wollen; dies nicht ein-
mal in ihrer Replik, nachdem das SEM in seiner Vernehmlassung das Feh-
len entsprechender Ausführungen gar ausdrücklich bemängelte. Die pau-
schale Entgegnung der Beschwerdeführenden, solche Dokumente würden
halt einfach ausgehändigt, vermag nicht zu überzeugen. Zum anderen ist
der Vorinstanz zuzustimmen, dass das Dokument keinerlei fälschungssi-
chere Merkmale aufweist und entsprechende Dokumente problemlos käuf-
lich erworben werden können. Weiter kommt hinzu, dass das Dokument
auch augenfällige Besonderheiten aufweist. Hierbei sticht ins Auge, dass
der (Nass-)Stempel sowie die handschriftliche Unterschrift – von blossem
Auge erkennbar – lediglich kopiert sind, während die übrigen Stellen des
Dokuments handschriftlich ausgefüllt wurden. Um dies mit Sicherheit fest-
zustellen, bedarf es keiner umfassenden Dokumentanalyse. Insgesamt ist
der Beweiswert dieses Dokuments als sehr gering einzustufen. Aufgrund
der Aktenlage ist daher nicht davon auszugehen, der Beschwerdeführer
sei in den aktiven Reservedienst eingezogen oder hierzu einberufen wor-
den. Die entsprechende Frage kann aber im Hinblick auf die nachstehen-
den Ausführungen ohnehin im Resultat offen gelassen werden.
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Seite 17
6.2.2 Die Tatsache alleine, dass eine Person im Status eines Reservisten
– der mit überwiegender Wahrscheinlichkeit jedoch nicht zum aktiven Re-
servedienst einberufen worden ist – aus Syrien ausgereist ist, kann nicht
als Fahnenflucht im Sinne einer Dienstverweigerung oder Desertion erach-
tet werden. Auch kommt dem Umstand, dass die syrische Armee im Verlauf
des Bürgerkriegs auch Reservisten einberufen hat bezüglich des Be-
schwerdeführers mangels konkretem Aufgebot keine Bedeutung zu (vgl.
Urteil des BVGer D-120/2020 vom 2. Juli 2020, E. 7.3.)
6.2.3 Nach geltender Rechtsprechung (vgl. das Grundsatzurteil BVGE
2015/3, insb. E. 5) vermag eine Wehrdienstverweigerung oder Desertion
nicht allein, sondern nur verbunden mit einer Verfolgung im Sinne von Art.
3 Abs. 1 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Mit anderen Wor-
ten muss die betroffene Person aus einem in dieser Norm genannten
Grund (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten
sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) wegen ihrer Wehrdienst-
verweigerung oder Desertion eine Behandlung zu gewärtigen haben, die
ernsthaften Nachteilen gemäss Art. 3 Abs. 2 AsylG gleichkommt. In Bezug
auf die spezifische Situation in Syrien erwog das Gericht, die genannten
Voraussetzungen seien im Falle eines syrischen Refraktärs erfüllt, welcher
der kurdischen Ethnie angehöre, einer oppositionell aktiven Familie ent-
stamme und bereits in der Vergangenheit die Aufmerksamkeit der staatli-
chen syrischen Sicherheitskräfte auf sich gezogen hatte (BVGE 2015/3 E.
6.7.3; kürzlich u.a. bestätigt im Urteil des BVGer E-5457/2018 vom 29. April
2020 E. 9.5.2). Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Praxis da-
von aus, dass bei Wehrdienstverweigerung und Desertion im syrischen
Kontext nur dann eine asylrelevante Strafe zu befürchten ist, wenn zusätz-
liche exponierende Faktoren gegeben sind. Hingegen droht Wehrdienst-
verweigerern und Deserteuren, die nicht zusätzlich politisch exponiert sind,
nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit eine Strafe, welche die Schwelle
der Asylrelevanz erreichen würde (vgl. statt vieler Urteile des BVGer D-
3914/2018 vom 19. August 2019 E. 4.2.4; E-234/2019 vom 25. November
2019 E. 7.3.1; E-4648/2019 vom 2. Dezember 2019 S. 9; E-194/2020 vom
4. Februar 2020 E. 8.2).
6.2.4 Im vorliegenden Fall liegt entgegen der Ansicht der Beschwerdefüh-
renden keine Konstellation vor, die mit jener im Urteil BVGE 2015/3 ver-
gleichbar wäre. Der Beschwerdeführer ist zwar kurdischer Ethnie, stammt
jedoch weder aus einer oppositionell tätigen, regimekritischen Familie noch
verfügt er über ein eigenes politisches Profil. Er hat auch nicht geltend ge-
macht, je an Demonstrationen teilgenommen zu haben und dabei von den
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Seite 18
Behörden identifiziert worden zu sein. Es ergeben sich aus den Akten keine
Hinweise, dass er vor der Ausreise den syrischen Behörden bereits negativ
aufgefallen wäre; er hatte bis zur Ausreise keine Nachteile seitens der Be-
hörden zu gewärtigen. Dass seine in Syrien verbliebenen Angehörigen auf-
grund seiner Ausreise irgendwelche Nachteile durch die Behörden erfah-
ren hätten oder aufgesucht worden seien, ergibt sich weder aus den Akten
noch aus den Eingaben der Beschwerdeführenden auf Beschwerdeebene
(vgl. A25, F21 f.; für die Beschwerdeführerin: A27, F14). Im Weiteren gab
der Beschwerdeführer anlässlich der BzP gar ausdrücklich zu Protokoll, in
Syrien «überhaupt keine Probleme mit den Behörden» gehabt zu haben
oder je aufgegriffen oder verhaftet worden zu sein (vgl. A6, Ziff. 7.02). Er
verneinte ebenfalls, politisch aktiv gewesen zu sein (vgl. a.a.O.).
Nach dem Ausgeführten liegen beim Beschwerdeführer keine zusätzlichen
exponierenden Faktoren vor. Mit Blick auf die oben dargestellte Rechtspre-
chung ist selbst bei Wahrunterstellung der Suche nach ihm aufgrund eines
versäumten Reservedienstes nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, er würde bei einer Rückkehr nach Syrien durch die
staatlichen syrischen Sicherheitsbehörden als Regimegegner betrachtet
und hätte als solcher eine politisch motivierte Bestrafung im Sinne von
Art. 3 AsylG zu befürchten.
6.3 Hinsichtlich der geltend gemachten Verfolgung respektive Reflexverfol-
gung der Beschwerdeführenden durch den IS und «konservative» Drittper-
sonen aufgrund der Befreiung der Schwester des Beschwerdeführers aus
den Fängen des IS kann mit den nachfolgenden Ausführungen auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz gemäss angefochtener Verfügung
(dort E. II Ziff. 1) und der Vernehmlassung (S. 2) verwiesen werden.
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführenden ergibt sich aus
den Akten keine akute und konkrete Verfolgung durch den IS aufgrund der
Befreiung der Schwester des Beschwerdeführers. Diese sei mit Hilfe eines
Freundes als Mittelsmann durchgeführt worden, welcher wiederum eine
weitere Person – ein IS-Mitglied – beauftragt habe, die Schwester zu ihm
zu bringen (vgl. A25, F40, insb. F47 f., F58; A27, F33, F42, F47). Der Be-
schwerdeführer hatte somit selber nie Kontakt zu Angehörigen des IS.
Sämtliche diesbezüglichen Ausführungen anlässlich der Befragungen sind
sehr vage ausgefallen; die Beschwerdeführenden beschränkten sich auf
die Wiedergabe bloss hypothetischer Szenarien ohne jedoch ersichtliche
Anhaltspunkte für das Vorhandensein einer konkreten Verfolgungsgefahr
(vgl. A25, F52 f.; A27, F43, F60; A7, Ziff. 7.01 f.). Für die an der BzP vom
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Seite 19
Beschwerdeführer noch erwähnte Suche des IS nach ihm sind dem Anhö-
rungsprotokoll sowie den weiteren Akten keine konkreten Hinweise zu ent-
nehmen, obwohl der Beschwerdeführer vom SEM explizit hierauf ange-
sprochen wurde (vgl. a.a.O.; insb. A25, F52). Die entsprechenden Ausfüh-
rungen in der Beschwerdeeingabe führen zu keiner anderen Einschätzung.
Dasselbe gilt auch für die vorgebrachte angebliche Verfolgung durch Dritt-
personen, wofür sich ihren Aussagen keinerlei konkrete Anhaltspunkte ent-
nehmen lassen. Diesbezüglich beschränkten sie sich an der Anhörung
ebenfalls auf die Wiedergabe von bloss vagen Befürchtungen und führten
weiter aus, dass die Leute über einen sprechen würden (vgl. A25, F58;
A27, F45, F48, F59). Die Beschwerdeführenden erwähnten dies zudem
erst an der Anhörung und verneinten in der BzP gar ausdrücklich, jemals
Probleme mit Privatpersonen gehabt zu haben (vgl. A6, Ziff. 7.02; A7, Ziff.
7.01 f.).
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer gar
ausführte, in Syrien vor nichts Angst zu haben, aber dahin einfach nicht
mehr zurückkehren möchte. Später allerdings, wenn alles ruhig sei, könne
er wieder zurück (vgl. A25, F60). Dies lässt offensichtlich nicht darauf
schliessen, dass die Beschwerdeführenden konkrete Probleme mit Dritten
gehabt und eine begründete Furcht vor Verfolgung hätten.
Nach dem Ausgeführten sind keine konkreten Anhaltspunkte für eine Ver-
folgung respektive Reflexverfolgung ersichtlich.
6.4 Schliesslich führen weder eine illegale Ausreise aus Syrien noch die
blosse Tatsache der Asylgesuchstellung in der Schweiz zur Annahme,
dass einer syrischen Person bei einer Rückkehr in ihr Heimatland mit be-
achtlicher Wahrscheinlichkeit eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfolgung
droht. Zwar ist aufgrund der illegalen Ausreise und der längeren Landes-
abwesenheit davon auszugehen, dass bei einer Wiedereinreise nach Sy-
rien eine Befragung durch die heimatlichen Behörden stattfindet. Da die
Beschwerdeführenden aber keine Vorverfolgung erlitten haben und nicht
davon auszugehen ist, dass sie vor dem Verlassen Syriens als regime-
feindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Behörden geraten sind,
kann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass
sie als staatsgefährdend eingestuft würden. Ferner ist auch nicht akten-
kundig, dass sie sich seit ihrer Ausreise exilpolitisch betätigt hätten. Somit
ist nicht davon auszugehen, sie könnten nach einer (hypothetischen) Rück-
kehr als regimefeindliche Personen ins Blickfeld der syrischen Behörden
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geraten (vgl. Urteil des BVGer D‐3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.4.3
[als Referenzurteil publiziert]).
6.5 Den Akten der Schwester des Beschwerdeführers sind keine Hinweise
auf eine asylrelevante Verfolgung der Beschwerdeführenden zu entneh-
men. Im Übrigen ergeben sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass
die in Syrien verbliebenen Familienangehörigen der Beschwerdeführenden
aufgrund ihrer Flucht irgendwelche Nachteile seitens der Behörden, dem
IS oder von Drittpersonen zu gewärtigen (gehabt) hätten (vgl. A25, F17 ff.;
A27, F13 f.).
6.6 Zusammenfassend haben die Beschwerdeführenden nichts vorge-
bracht, was geeignet wäre, ihre Flüchtlingseigenschaft nachzuweisen oder
zumindest glaubhaft zu machen. Es bestehen insgesamt keine konkreten
Anhaltspunkte dafür, dass sie im Zeitpunkt ihrer Ausreise aus Syrien einer
asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt waren. Gleichzeitig ist auch nicht da-
von auszugehen, dass sie im Falle einer Wiedereinreise nach Syrien eine
asylrelevante Verfolgung zu befürchten hätten. Die Vorinstanz hat daher
ihre Asylgesuche zu Recht abgelehnt.
6.7 Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der anerkannten kon-
kreten Gefährdung aufgrund des in Syrien herrschenden Bürgerkrieges mit
der Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführenden in der
Schweiz Rechnung getragen worden ist.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine aus-
länderrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Er-
teilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 21
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwerde-
führenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Nachdem mit Zwischen-
verfügung vom 14. Dezember 2017 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gutgeheissen worden ist und keine Verände-
rung ihrer finanziellen Verhältnisse ersichtlich sind, sind keine Kosten zu
erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 22