Decision ID: d5329f7c-2240-4c67-b0c6-ab09b98b51c3
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren 1978
, arbeitete zuletzt temporär vom 7. April bis 12
.
September
2014
als Labortechniker
b
ei
der
Z._
GmbH
(
Urk.
8/21 Ziff. 29,
Urk. 8
/23 Ziff. 1-3
). Am 1
6
.
September
2014 meldete
er
sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) z
ur Ar
beitsvermittlung an
und stellte einen Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab 15. September 2014
(
Urk.
8/21 Ziff. 2,
Urk. 8/22
).
Aufgr
und einer Meldung des RAV vom 10
.
März
2015 (Urk. 8/2
) stellte das Amt für
Wirtschaft und Arbeit (AWA) den
Versicherte
n mit Verfügung vom 18
.
März 2015 (Urk. 8/3
) wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühungen in der Kontrollperiode
Februar 2015
für die Dauer von vier Tagen ab 1.
März
2015 in der Anspruchsberec
htigung ein. Die dagegen vom Versicherten am 19
.
März
2
015 erhobene Einsprache (Urk.
8
/
4
), wies das AW
A mit Einspracheentscheid vom 1
.
Juni 2015 ab (Urk. 8/
5
= Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 25
.
Juni
2015 Beschwerde gege
n den Einspracheent
scheid vom 1
.
Juni
2015 (Urk. 2) und beantragte sinngemäss, die verfügten Einstelltage seien aufzuheben (Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
.
September 2015 (Urk. 7
) beantragte das AWA die A
bweisung der Beschwerde, was dem
Be
schwerdeführer am 14. September
2015 zur
Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9
).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
17
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die obligatorische Arbeitslosenversi
cherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
muss die versicherte Person, die Versicherungsleistungen beanspruchen will, mit Unter
stützung des zuständigen Arbeit
samtes alles Zumutbare unterneh
men, um Ar
beitslosigkeit zu vermeiden oder zu verkürzen. Insbe
sonde
re ist sie verpflichtet, Arbeit zu suchen, nötigenfalls auch ausserhalb ihres bisherigen
Berufes. Sie muss ihre Bemühun
gen nachweisen können. Gemäss
Art.
30
Abs.
1 lit.
c AVIG
ist die versicherte Person i
n der Anspruchsberechtigung ein
zustellen, wenn sie sich per
sönlich nicht genügend um zumut
bare Arbeit bemüht.
1.3
Bei der Beurteilung de
r Frage, ob sich eine versicher
te Person genügend um zumutbare Arbeit bemüht hat, ist nicht nur die Quantität, sonder
n auch die Qualität ihrer Bewer
bungen von Bedeutung (BGE
139 V 524 E. 2.1.4, und
124 V 225 E. 4a
je
mit Hinweis
en
).
Dabei kommt es nicht auf den Erfolg der Arbeitsbemühungen an, sondern viel
mehr auf
die Tatsache und Intensität der
selben (
BGE 124 V 225 E. 6; Urteil des Bundesgerichts C 16/07 vom 2
2.
Februar 2007 E. 3.1
). Die Ar
beitsbemühungen müssen zudem um
so intensiver sein, je weniger Aussicht eine versicherte Per
son hat, eine Stelle zu finden (
vgl.
Barbara Kupfer Bucher, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung,
4. Auflage, Zürich 2013, S. 104).
Betreffend Quantität der persönlichen Arbeitsbemühungen können zwar keine eindeutigen Zahlenwerte angegeben werden, in der Regel müssen aber mindes
tens zehn bis zwölf geeignete Arbeitsbemühungen je Kontrollperiode nachge
wiesen werden (BGE 139 V 524 E. 2.1.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_917/2013 vom 4. März 2014 E. 2.2)
.
Eine in qualitativer Hinsicht genügende Suchbemühung setzt voraus, dass mit dem möglichen Arbeitgeber tatsächlich ein Kontakt zustande kommt. Ist eine telefonische Kontaktnahme nicht möglich, hat zwingend eine schriftliche Be
werbung zu erfolgen oder die versicherte Person hat selber im Betrieb vorzu
sprechen (Urteil des Bundesgerichts C 275/05 vom 6. November 2006 E. 3.2). Qualitativ nicht genügend ist die blosse Anmeldung bei einem Stellenvermitt
lungsbüro (
vgl.
Barbara Kupfer Bucher
, a.a.O., S. 174 mit Hinweis). Qualifizierte Berufsleuten dürfen zudem ihre Suchbemühungen nur zu Beginn der Arbeitslo
sigkeit auf den bisherigen Berufszweig beschränken (BGE 139 V 524 E. 2.1.3).
1.4
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach
dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tag
e bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3
der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insol
venzentschädigung; AVIV
).
2.
2.1
Der Beschwerdegegner begründete seinen Einspracheentscheid (
Urk.
2) damit, der Beschwerdeführer habe in der Kontrollperiode Februar 2015 mit nur sieben
Bewerbungen im eigentlichen Sinne in quantitativer Hinsicht ungenügende Ar
beitsbemühungen nachgewiesen.
Dem vom Beschwerdeführer vorgebrachten Argument, wonach sein früherer RAV-Berater auch Vorste
llungsgespräche als Arbeitsbemühungen akzeptiert habe
, sei zu entgegnen, dass der Beschwerde
führer bereits seit September 2014 vom jetzigen RAV-Berater unterstützt werde und dass es sich bei der Kontrollperiode Februar 2015 nicht um die erste Kon
trollperiode während der Arbeitslosigkeit gehandelt habe. Da er sich bereits in der zweiten Rahmenfrist für den Leistungsbezug befunden habe, könne umso mehr erwartet werden, dass ihm seine Pflichten bekannt sei
en
. Selbst unter Be
rücksichtigung des Vorstellungsgespräches sowie des psychologischen Gutach
tens wäre der Beschwerdeführer mit lediglich neun Bemühungen seiner Scha
denminderungspflicht nur ungenügend nachgekommen
(S. 2 f.
Ziff.
4).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) gelte
nd, er habe schon in früheren Nachweisen der Arbeitsbemühungen auch Vorstellungs
gespräche aufgeführt. Als er eine neue RAV-Beraterin bekommen habe,
habe er
diese gefragt, ob alles gleich
bleibe
.
Bis auf
Kleinigkeiten
, die er
prompt
umge
setzt
habe, sei bei
diesem Punkt keine Änderung vorgesehen gewesen
.
Di
e RAV-Beraterin habe
in der Folge
diesen Punkt von heute auf morgen geändert, ohne ihn zu informieren. Eine einfache Information hätte gereicht und er hätte Vor
stellungsgespräche nicht eingetragen, sondern Bewerbungen, die er dadurch weggelassen habe. Es sei reine Willkür und Schikane so zu entscheiden.
2.3
St
rittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer
zu Recht für die Dauer von vier Tagen in der Anspruchsberechtigung eingestellt wurde.
3.
3.1
Von den neun vorhandenen Einträgen auf dem
Nachweisblatt der Arbeitsbemü
hungen für den Monat Februar 2015 (
Urk.
8
/15)
rechnete der Beschwerdegegner
d
ie Einträge vom 1
8.
Februar 2015 und vom 2
7.
Februar 2015 nicht an
(
vgl.
vorstehend E. 2.1).
Wie der Beschwerdegegner zu Recht ausführte, handelt es sich sowohl bei
einem
Vorstellungsgespräch als auch bei einer psychologischen Tauglichkeitsuntersuchung nicht um
Stellenb
ewerbungen
,
sondern
sie
sind le
diglich Folge
n
getätigten Bewerbung und könne
n
daher nicht
zusätzlich ange
rechnet
werden.
Damit
hat der Beschwerdeführer
mit dem Nachweis von lediglich sieben Arbeits
bemühungen
für
den Monat Februar 2015
in Anbetracht der
praxisge
mäss
geforderten
rund zehn bis zwölf Arbeitsbemühungen pro Monat
(vorste
hend E. 1.3
)
seine
Obliegenheiten nicht ausreichend
erfüllt
, womit
grundsätzlich
ein Grund zur Einstellung wegen ungenügender persönlicher Arbeitsbemühun
gen im Sinne von Art. 30 A
bs. 1 lit. c AVIG gegeben ist.
3.2
Zu beachten ist jedoch, dass die ungenügenden Arbeitsbemühungen kausal für die verlängerte Arbeitslosigkeit sein müssen, was r
echtsprechungsgemäss
nicht der Fall ist
, wenn es der versicherten Person durch ihre Stellensuche in der massgeblichen Kontrollperiode tatsächlich gelingt, ihre Arbeitslosigkeit innert nützlicher Frist zu beenden (
vgl. Urteil des Bundesgerichts C 19/00 vom 2
6.
Juni 2000 E. 2b;
Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht (SBVR), Bd. Soziale Sicherheit,
3.
Auflage 2016, Rz 844 mit Hinweis auf SVR 2015 ALV Nr. 7 und
ARV 1990 Nr. 20 S. 132
). Ein solcher Z
usammenhang zwischen der Stellensuche i
m Monat Februar 2015
und dem Auffinden der Stelle
als Lokführer
liegt hier vor
. Dem
Nachweisformular für die
persönlichen Arbeitsbemühungen im Monat Februar 2015 kann entnommen werden, dass sich der Beschwerdeführer am
6.
Februar 2015 bei der
A._
AG als Lokführer bewarb und sich am 2
7.
Februar 2015 der psychologischen Tauglichkeitsuntersuchung 1 unterzog (
Urk.
8/15)
.
Mit Eintrag vom 1
6.
Juni 2015 hielt die RAV-Beraterin im prozessorientierten Beratungs
protokoll fest, dass der Beschwerdeführer die Stelle als Lokführer bekommen habe und sich per
1.
September 2015 vom RAV abmelden könne. Ein Vertrag sei vorhanden (
Urk.
8/13 S. 1).
3.3
Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer die Stelle als Lokfüh
rer dank seiner Bemühungen in der fraglichen Kontrollperiode gefunden hat, weshalb
die ungenügenden Arbeitsbemühungen
im Februar 2016
nicht
kausal für die verlängerte Arbeitslosigkeit
waren. Dies führt zur Gutheissung der Be
schwerde.