Decision ID: dcecad72-64c1-5993-a738-9c000fc8c16c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 11. Dezember 2018 erstmals in die
Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach. Ein Abgleich mit der
europäischen Finderabdruckdatenbank (Zentraleinheit Eurodac) ergab,
dass er am 3. Mai 2017 in Bulgarien, am 22. Februar 2018 in Belgien, am
26. Juli 2018 in Kroatien und am 12. Oktober 2018 in Frankreich um Asyl
nachgesucht hatte. Mit Verfügung vom 21. Januar 2019 trat die Vorinstanz
in Anwendung der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Par-
laments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein,
wies ihn in den zuständigen Dublin-Mitgliedstaat (Kroatien) weg und beauf-
tragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Eine da-
gegen erhobene Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Ur-
teil E-482/2019 vom 8. Februar 2019 ab.
B.
Am 14. März 2019 wurde gegen den Beschwerdeführer ein dreijähriges
Einreiseverbot (vom [...] 2019 bis [...] 2022) für die Schweiz und das Fürs-
tentum Liechtenstein erlassen.
C.
Am (...) wurde der Beschwerdeführer nach Kroatien überstellt.
D.
Der Beschwerdeführer reiste am 25. April 2019 erneut in die Schweiz ein.
Mit Verfügung vom 16. Mai 2019 ordnete die Vorinstanz in Anwendung von
Art. 64a Abs. 1 AIG (SR 142.20) seine Wegweisung nach Kroatien an. Am
24. Juli 2019 wurde der Beschwerdeführer nach Kroatien überstellt.
E.
Das Migrationsamt B._ teilte der Vorinstanz am 12. August 2019
mit, der Beschwerdeführer halte sich wiederum in der Schweiz auf. Mit Ver-
fügung vom 27. August 2019 ordnete die Vorinstanz gestützt von Art. 64a
AIG erneut die Wegweisung des Beschwerdeführers nach Kroatien an. Am
18. September 2019 wurde der Beschwerdeführer nach Kroatien überstellt.
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F.
Am 24. Mai 2020 reiste der Beschwerdeführer mit dem Zug erneut in die
Schweiz ein, wo er auf dem Weg nach B._ aufgegriffen wurde. Glei-
chentags gewährte die Kantonspolizei C._ ihm das rechtliche Ge-
hör zur Missachtung des Einreiseverbots und zum rechtswidrigen Aufent-
halt. Der Beschwerdeführer gab an, er sei drei Mal von der Schweiz und
einmal von Belgien nach Kroatien ausgeschafft worden. Er habe in Kroa-
tien nicht um Asyl nachsuchen wollen, sei aber auf der Durchreise aufge-
griffen worden. Er habe Angst dorthin zurückkehren, da er Probleme mit
(...) habe.
G.
Am 29. Mai 2020 ersuchte der Kanton B._ die Vorinstanz um Durch-
führung eines Dublin-Wegweisungsverfahrens.
H.
Am 2. Juni 2020 ersuchte die Vorinstanz gestützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b
Dublin-III-VO die kroatischen Behörden um Wiederaufnahme des Be-
schwerdeführers. Diese hiessen das Gesuch am 10. Juni 2020 gut.
I.
Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 – eröffnet am 10. Juli 2020 – wies die
Vorinstanz den Beschwerdeführer in den für ihn zuständigen Dublin Mit-
gliedstaat (Kroatien) weg und hielt fest, er habe die Schweiz – unter Andro-
hung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – spätestens am Tag nach
Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Den zuständigen Kanton beauf-
tragte sie mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte dem Beschwerde-
führer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus und hielt
fest, einer allfälligen Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu.
J.
Mit Eingabe vom 17. Juli 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung des SEM
vom 10. Juni 2020 sei aufzuheben und auf das Asylgesuch sei einzutreten.
Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu-
weisen. Prozessual sei ihm die unentgeltliche Prozessführung und amtli-
che Verbeiständung zu gewähren sowie auf die Erhebung eines Kosten-
vorschusses zu verzichten. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wir-
kung zu gewähren, es sei ein superprovisorischer Vollzugsstopp zu erlas-
sen und die kantonale Behörde sei entsprechend anzuweisen. Es seien die
Akten der Vorinstanz und des Migrationsamtes B._ zu edieren.
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Nach Einsicht in die Akten, sei ihm die Möglichkeit einer Beschwerdeer-
gänzung zu gewähren.
Als Beweismittel gab der Beschwerdeführer medizinische Unterlagen, di-
verse Befragungsprotokolle, eine Honorarnote und eine Vollmacht zu den
Akten.
K.
Am 20. Juli 2020 setzte die Instruktionsrichterin den Vollzug der Wegwei-
sung per sofort einstweilen aus. Gleichentags reichte der Beschwerdefüh-
rer eine Fürsorgebestätigung ein.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Juli 2020 gewährte die Instruktionsrichte-
rin der Beschwerde antragsgemäss die aufschiebende Wirkung und wies
das Gesuch um Akteneinsicht ab. Gleichzeitig hiess sie das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut, verzichtete auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses, wies das Gesuch um Gewährung der
amtlichen Verbeiständung ab und lud die Vorinstanz zur Vernehmlassung
ein.
M.
In der Vernehmlassung vom 4. August 2020 hielt die Vorinstanz an ihren
Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
N.
Mit Eingabe vom 11. August 2020 gab der Beschwerdeführer eine Voll-
macht und einen Auszug aus einem Dublin-Gespräch zu den Akten.
O.
In der Replik vom 27. August 2020 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen fest.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist für Beschwerden gegen Verfügun-
gen der Vorinstanz betreffend Wegweisung aufgrund der Dublin-Assoziie-
rungsabkommen (Art. 64a AIG) zuständig (Art. 31 ff. VGG i.V.m.
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Art. 5 VwVG; Art. 112 Abs. 1 AIG). Das Gericht entscheidet endgültig
(Art. 83 Bst. c Ziff. 4 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG oder die
Spezialgesetzgebung – vorliegend das AIG – nichts anderes bestimmen
(Art. 112 Abs. 1 AIG i.V.m. Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt der nachfolgenden Er-
wägung – einzutreten (Art. 64a Abs. 2 AIG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
Die angefochtene Verfügung stützt sich auf die ausländerrechtliche Be-
stimmung von Art. 64a AIG (Wegweisung aufgrund des Dublin-Assozie-
rungsabkommens). Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist einzig die
Frage, ob die Anordnung der Wegweisung nach Kroatien rechtmässig ist,
nicht aber diejenige nach der Zuständigkeit für die Durchführung des Asyl-
und Wegweisungsverfahrens. Darüber wurde im Urteil E-482/2019 vom
8. Februar 2019 bereits rechtskräftig entschieden. Auf den Antrag, auf das
Asylgesuch sei einzutreten, ist demnach nicht einzutreten. Auf die Ausfüh-
rungen betreffend einen Selbsteintritt der Schweiz und einer Verletzung der
Verfahrensbestimmungen des AsylG ist entsprechend nicht weiter einzu-
gehen.
3.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht kann die Verletzung
von Bundesrecht einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Er-
messens, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheb-
lichen Sachverhaltes sowie die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 49
VwVG).
4.
Eine Wegweisungsverfügung nach Art. 64a Abs. 1 AIG setzt den illegalen
Aufenthalt einer ausländischen Person in der Schweiz sowie die Zustän-
digkeit eines anderen, an das Dublin-Assoziierungsabkommen gebunde-
nen Staates für die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens
voraus.
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5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Zuständigkeit für das Verfahren liege gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dub-
lin-III-VO bei Kroatien. Es obliege den kroatischen Behörden, nach Ab-
schluss des Asylverfahrens den Aufenthaltsstatus des Beschwerdeführers
zu regeln oder gegebenenfalls eine Wegweisung nach Afghanistan anzu-
ordnen. Es lägen keine Hinweise vor, dass Kroatien seinen völkerrechtli-
chen Verpflichtungen nicht nachkommen und das Asyl- und Wegweisungs-
verfahren nicht korrekt durchführen würde. Die Aussagen des Beschwer-
deführers hätten keinen Einfluss auf die Bestimmung des zuständigen
Dublin-Staates. Es sei nicht Sache der betroffenen Person, den für ihr Asyl-
verfahren zuständigen Staat selber zu bestimmen. Sodann sei Kroatien ein
Rechtsstaat, welcher über ein funktionierendes Polizei- und Justizsystem
verfüge. Sollte sich der Beschwerdeführer in Kroatien vor Übergriffen durch
Privatpersonen fürchten oder solche erleiden, könne er sich an die zustän-
digen staatlichen Stellen wenden.
5.2 In der Rechtsmitteleingabe macht der Beschwerdeführer geltend, in
Kroatien werde er von (...) verfolgt und bedroht, da er die Namen deren
Mitglieder den Behörden offengelegt habe. Von der kroatischen Polizei
könne er keine Hilfe erwarten; diese habe ihn nach Serbien ausgeschafft.
Er habe in Kroatien kein korrektes Asylverfahren durchlaufen können und
habe keinen Zugang zu einem geeigneten Dolmetscher gehabt. Es gäbe
unzählige Berichte, welche Völkerrechtsverletzungen in Kroatien doku-
mentieren würden. Er müsse in Kroatien auf der Strasse leben, ohne Zu-
gang zu medizinischer Behandlung, was bei einer psychisch kranken Per-
son eine unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK darstelle.
5.3 In der Vernehmlassung führt die Vorinstanz aus, Abklärungen der
Schweizer Botschaft in Kroatien hätten keine Hinweise auf generelle sys-
temische Schwachstellen im kroatischen Asylsystem ergeben. Der Zugang
zu einem rechtsstaatlichen Asyl- und Wegweisungsverfahren in Kroatien
sei gewährleistet. Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, sein Asyl-
verfahren werde in Kroatien nicht korrekt durchgeführt und er werde durch
die kroatischen Behörden oder Dritte schlecht behandelt, sei festzuhalten,
dass er sich auf dem Rechtsweg dagegen wehren könne. Das Bundesver-
waltungsgericht habe im Urteil F-5992/2019 vom 20. November 2019 fest-
gehalten, dass nicht davon auszugehen sei, Kroatien missachte den
Grundsatz des Non-Refoulement. Auch sei nicht damit zu rechnen, dass
Rückkehrende aufgrund der Aufnahmebedingungen in eine existenzielle
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Notlage geraten würden. Schliesslich verfüge Kroatien über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur und es würden keine Hinweise vorlie-
gen, dass die Behörden Asylsuchenden die notwendige medizinische Be-
handlung verweigern würden.
5.4 In der Replik macht der Beschwerdeführer geltend, seine persönlichen
Erfahrung würden sich nicht mit den Ausführungen der Vorinstanz decken.
Er sei von Polizisten brutal zusammengeschlagen worden. Seine Asyl-
gründe seien nicht geprüft worden und es bestehe das Risiko einer Rück-
schaffung nach Afghanistan.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche An-
wesenheitsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Er hält sich demnach illegal in der Schweiz auf.
6.2 Die Zuständigkeit Kroatiens für die Durchführung des Asyl- und Weg-
weisungsverfahrens wurde mit Urteil E-482/2020 vom 8. Februar 2019
rechtskräftig festgestellt und die kroatischen Behörden hiessen das Wie-
deraufnahmegesuch der Vorinstanz am 10. Juni 2020 gut. Es ist festzu-
halten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt,
den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (BVGE 2010/45
E. 8.3; Urteil des BVGer F-1499/2018 vom 25. Oktober 2019 E. 8.2).
Schliesslich gilt das Prinzip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch
einen einzigen Mitgliedstaat («one chance only»), welches der Vermeidung
von multiplen Asylgesuchen in verschiedenen Staaten dient (Art. 3 Abs. 1
Dublin-III-VO).
6.3 Die Voraussetzungen für eine Wegweisung nach Art. 64a Abs. 1 AIG
sind somit gegeben.
7.
Zu prüfen bleibt, ob dem Vollzug der Wegweisung Hindernisse im Sinne
von Art. 83 Abs. 1-4 AIG entgegenstehen. Erweist sich der Vollzug einer
Wegweisung als unzulässig, unzumutbar oder unmöglich, hat die Vorin-
stanz eine vorläufige Aufnahme anzuordnen (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
7.1
7.1.1 Kroatien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
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(FK, SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Ausserdem darf davon ausgegangen werden, dieser
Staat anerkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus
den Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU
vom 26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und
Aberkennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) so-
wie 2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
7.1.2 Gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts liegen zum jetzigen
Zeitpunkt, auch unter Würdigung der kritischen Berichterstattung bezüglich
Kroatien, keine Gründe für die Annahme vor, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Antragsteller würden systemische Schwach-
stellen im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Sätze 2 und 3 Dublin-III-VO aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne des Artikels 4 der EU-Grundrechtecharta mit sich bringen würden
(vgl. Urteile des BVGer F-4456/2020 vom 15. September 2020 E. 6.6;
E-829/2020 vom 11. März 2020 E. 5.1.2, F-5933/2019 vom 23. Januar
2020; E. 6.4; D-405/2020 vom 28. Januar 2020, E. 6.1).
7.1.3 Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Bedrohungen durch Pri-
vatpersonen stellen keinen Grund dar, von einer Rücküberstellung nach
Kroatien abzusehen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführte, verfügt Kro-
atien über ein funktionierendes Polizei- und Justizsystem, dessen Schutz
der Beschwerdeführer nötigenfalls beanspruchen kann. Es liegen auch
keine Gründe für die Annahme vor, Kroatien werde im Fall des Beschwer-
deführers den Grundsatz des Non-Refoulement missachten. Soweit der
Beschwerdeführer vorbringt, er habe in Kroatien mangels geeignetem Dol-
metscher kein Zugang zum Asylverfahren gehabt, ist festzustellen, dass
dieser Einwand bereits im Verfahren E-482/2019 erhoben und beurteilt
wurde. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann darauf verwiesen werden
(vgl. Urteil E-482/2019 vom 8. Februar 2019 E. 4). Hinzuzufügen ist, dass
der Beschwerdeführer wiederholt aus Kroatien ausgereist ist, ohne den Ab-
schluss seines Verfahrens abzuwarten. Damit hat er sich selbst einem
Asylverfahren in Kroatien entzogen. Angesichts dieses Verhaltens kann
nicht davon ausgegangen werden, dem Beschwerdeführer sei in Kroatien
der Zugang zum Asylverfahren verwehrt worden. Ferner geht aus seinen
Aussagen hervor, dass er gar kein Asylgesuch in Kroatien stellen wollte,
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sondern ausschliesslich zum Zweck einer Transitreise in Kroatien einge-
reist ist. Auch vor diesem Hintergrund erwiest sich seine Behauptung, er
sei ihm kein Zugang zum kroatischen Asylverfahren gewährt worden, als
unbegründet.
Ob die weiteren Vorbringen (Abschiebung nach Serbien, schlechte Be-
handlung durch kroatische Behörden) glaubhaft erscheinen, kann offen-
bleiben, weil vor dem beschriebenen Hintergrund aus diesem Einzelfall je-
denfalls nicht geschlossen werden kann, dass Kroatien systematisch ge-
gen die Verfahrensrichtlinie verstossen und dem Beschwerdeführer dauer-
haft die im gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbe-
dingungen vorenthalten würde. Bei einer allfälligen vorübergehenden Ein-
schränkung könnten er sich im Übrigen an die dafür zuständigen Behörden
wenden und die ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechts-
weg einfordern (vgl. Art. 26 der Aufnahmerichtlinie). Zudem steht ihm die
Möglichkeit offen, die vor Ort tätigen karitativen Organisationen zu kontak-
tieren.
7.1.4 Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, sein Gesundheitszu-
stand ([...], [...], [...]) stehe einer Überstellung nach Kroatien entgegen, ist
festzuhalten, dass Kroatien über eine ausreichende medizinische Infra-
struktur verfügt und sich der Beschwerdeführer an das dafür zuständige
medizinische Fachpersonal wenden kann. Die Mitgliedstaaten sind ver-
pflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die
zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung
von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng-
lich zu machen (Art. 19 Abs. 1 der Aufnahmerichtlinie); den Antragstellern
mit besonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sons-
tige Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen
Betreuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen
keine Hinweise vor, wonach Kroatien seinen Verpflichtungen im Rahmen
der Dublin-III-VO in medizinischer Hinsicht nicht nachkommen würde (vgl.
etwa Urteil des BVGer E-6105/2019 vom 12. Dezember 2019 E. 6.2.2). Bei
dieser Sachlage erweist sich die erhobene Rüge der nicht rechtsgenügli-
chen Sachverhaltsabklärung als nicht stichhaltig, zumal die medizinischen
Probleme bereits im Verfahren E-482/2019 vorgebracht und beurteilt wur-
den (vgl. a.a.O. E. 4). Der Vollzug der Wegweisung erweist sich demnach
als zulässig.
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7.2 Der Beschwerdeführer vermag überdies keine konkret drohende Not-
situation im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darzutun, die den Wegweisungs-
vollzug unzumutbar machen würde. Es ist davon auszugehen, dass Kroa-
tien sich an die aus der Verfahrens- und Aufnahmerichtlinie fliessenden
Verpflichtungen hält und dass die medizinische Betreuung gewährleistet
ist. Seine Reisefähigkeit wird von der Überstellung abschliessend beurteilt
werden, wobei auf seine Beschwerden durch Vornahme der angezeigten
medizinischen Vorkehrungen Rücksicht genommen wird.
7.3 Schliesslich ist der Vollzug der Wegweisung nach Kroatien im Sinne
von Art. 83 Abs. 2 AIG auch ohne weiteres möglich. Soweit der Beschwer-
deführer geltend macht, die Vorinstanz verhalte sich widersprüchlich, in-
dem sie in den Erwägungen ausführe, er könne aufgrund des Coronavirus
nicht selbständig ausreisen und im Dispositiv festhalte, er habe die
Schweiz – unter Androhung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – zu
verlassen, ist festzustellen, dass sich dem Dispositiv die Pflicht zur Aus-
reise entnehmen lässt. Zudem beauftragte die Vorinstanz den zuständigen
Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung. Die Einschränkungen in den Er-
wägungen beziehen sich lediglich auf Ausreisemodalitäten aufgrund des
Coronavirus. Der Beschwerdeführer hat sich demnach an die Anweisun-
gen der kantonalen Behörden zu halten.
7.4 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist. Für
eine Rückweisung der Sache an die Vorinstanz besteht kein Anlass. Die
Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Besch-
werdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da ihm mit Zwischenver-
fügung vom 23. Juli 2020 die unentgeltliche Prozessführung gewährt
wurde, sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
(Dispositiv nächste Seite)
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