Decision ID: 15a96164-4edc-49f9-abbe-b0d62682f046
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Fachstelle Personensicherheitsprüfungen des Generalsekretariats des
Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und
Sport (nachfolgend: Fachstelle) unterzog den Stellungspflichtigen
A._ einer Personensicherheitsprüfung. Im Rahmen der Datenerhe-
bung nahm die Fachstelle Einsicht in den nationalen Polizeiindex EJPD
und in die Akten der Staatsanwaltschaft B._. Sie stellte beim Stel-
lungspflichtigen zwei Verzeichnungen fest: Einen Strafbefehl vom 6. Juli
2020 hinsichtlich mehrerer Tätlichkeiten vom 26., 30. und 31. März 2020
gegenüber der Geschädigten sowie eine Einstellungsverfügung vom
25. Mai 2020 betreffend einen Faustschlag ins Gesicht gegenüber dersel-
ben Geschädigten am 20. Juli 2019. Die Geschädigte hatte keinen Straf-
antrag gestellt.
B.
Im Rahmen der Rekrutierung vom 16. August 2021 wurde A._ über
die hängige Personensicherheitsprüfung und den voraussichtlichen Erlass
einer Risikoerklärung gemäss Art. 113 Abs. 4 Bst. d des Militärgesetzes
vom 3. Februar 1995 (MG, SR 51.10) i.V.m. Art. 22 Abs. 1 Bst. c der Ver-
ordnung über die Personensicherheitsprüfungen vom 4. März 2011 (PSPV,
SR 120.4) informiert. Er erklärte gleichentags den Verzicht, innerhalb von
10 Tagen bei der Fachstelle eine nachträgliche Stellungnahme anlässlich
des rechtlichen Gehörs einzureichen. In der Folge wurde er vorzeitig aus
der Rekrutierung entlassen.
Wie angekündigt erliess die Fachstelle mit Datum desselben Tages eine
Risikoerklärung. Sie beurteilte das Gefährdungs- und Missbrauchspoten-
zial von A._ im Zusammenhang mit der Abgabe der persönlichen
Waffe als erhöht. Es lägen ernstzunehmende Anzeichen oder Hinweise für
eine Gefährdung mit respektive Missbrauch von der persönlichen Waffe im
Sinne von Art. 113 des Militärgesetzes vor. Die Abgabe der persönlichen
Waffe sei deshalb nicht zu empfehlen.
C.
Gegen die Risikoerklärung der Fachstelle erhebt A._ (nachfolgend
auch: Beschwerdeführer) am 16. September 2021 (Poststempel) Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt sinngemäss die
Aufhebung der Risikoerklärung, damit er bewaffneten Militärdienst leisten
dürfe.
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D.
Mit Vernehmlassung vom 10. November 2021 schliesst die Fachstelle
(nachfolgend: Vorinstanz) auf Abweisung der Beschwerde.
E.
Der Beschwerdeführer reicht keine Replik ein.
F.
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die sich bei den
Akten befindlichen Schriftstücke wird – soweit relevant – in den nachfol-
genden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 VGG Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme
nach Art. 32 VGG gegeben ist und eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33
VGG entschieden hat. Bei der angefochtenen Risikoerklärung vom 16. Au-
gust 2021 handelt es sich um eine Verfügung gemäss Art. 5 VwVG. Dem-
nach sind sämtliche Voraussetzungen erfüllt und das Bundesverwaltungs-
gericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Ver-
fahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes be-
stimmt (Art. 37 VGG).
1.2 Der Beschwerdeführer hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men; er ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Anfechtung (Art. 49 VwVG). Er ist daher zur
Beschwerde legitimiert. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist deshalb
einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet grundsätzlich mit uneinge-
schränkter Kognition. Es überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Er-
messensausübung – sowie auf Angemessenheit hin (Art. 49 VwVG).
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2.2 Bei der Beurteilung, ob eine bestimmte Person ein Sicherheitsrisiko
darstellt, gesteht das Bundesverwaltungsgericht der Vorinstanz, die dies-
bezüglich über besondere Fachkenntnisse verfügt, einen gewissen Beur-
teilungsspielraum zu. Soweit ihre Überlegungen als sachgerecht erschei-
nen, greift es nicht in ihr Ermessen ein. Ebenso wenig definiert es den
Massstab für sicherheitsrelevante Bedenken selbst (Urteil des BGer
8C_283/2013 vom 8. November 2013 E. 6.1.2; BVGer A-2154/2018 vom
7. Februar 2019 E. 2.2).
3.
Der Beschwerdeführer führt aus, der formelle Prozess sei wohl korrekt
durchgeführt worden. Ihn habe dieses Ereignis jedoch völlig unvorbereitet
getroffen und er habe die gemachten Aussagen und deren Konsequenzen
in jenem Zeitpunkt nicht annährend einschätzen können. Er macht damit
sinngemäss die Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend.
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, welcher in die Rechtsstellung des Einzelnen ein-
greift. Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Er-
lass eines solchen Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen und Einsicht in die Akten zu nehmen. Der Anspruch auf recht-
liches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (statt vieler BGE 144 I 11 E. 5.3 m.H.).
Der Gehörsanspruch ist formeller Natur. Seine Verletzung führt grundsätz-
lich ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur Gut-
heissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen Ent-
scheids (bspw. BGE 137 I 195 E. 2.2 S. 197 m.H.). Nach der Rechtspre-
chung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtli-
chen Gehörs jedoch ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffe-
ne Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äus-
sern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann
(BGE 127 V 431 E. 3d/aa). Von einer Rückweisung der Sache an die Ver-
waltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen
Gehörs abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalis-
tischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die
mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei
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an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären
(BGE 132 V 387 E. 5.1).
3.2 Gemäss den Akten wurde der Beschwerdeführer im Rahmen der Rek-
rutierung vom 16. August 2021 über die hängige Personensicherheitsprü-
fung und den voraussichtlichen Erlass einer Risikoerklärung informiert.
Gleichzeitig wurde ihm der Entscheid betreffend die vorzeitige Entlassung
aus der Rekrutierung mitgeteilt. Der Beschwerdeführer unterschrieb glei-
chentags eine Verzichtserklärung, wonach er ausdrücklich auf die Möglich-
keit verzichtete, innerhalb von 10 Tagen bei der Fachstelle eine nachträg-
liche Stellungnahme zu den anlässlich des rechtlichen Gehörs von der
Fachstelle gemachten Ausführungen einzureichen.
3.3 Es liegt nichts im Recht, das auf eine Vororientierung des Beschwer-
deführers schliessen liesse. Es ist deshalb glaubhaft, dass er – trotz der
ihm bekannten strafrechtlich verzeichneten Ereignisse – nicht mit einem
Erlass einer Risikoerklärung rechnete und von der damit verbundenen vor-
zeitigen Entlassung aus der Rekrutierung überrascht wurde. Er erhielt zwar
im Rahmen des Gesprächs rechtliches Gehör. Es ist jedoch nachvollzieh-
bar, dass er mehr Zeit als die Dauer des Gesprächs benötigt hätte, um die
Ausführungen der Behörden und deren Konsequenzen einschätzen zu
können. Da er am selben Tag auf dem vorbereiteten Formular auf eine
nachträgliche Stellungnahme verzichtete, bereits zu diesem Zeitpunkt aus
der Rekrutierung entlassen wurde, und schon am Tag danach die Risiko-
erklärung erhielt, wurde ihm die Möglichkeit verwehrt, das Erlebte hinrei-
chend zu reflektieren und sich allenfalls doch noch zur Sache zu äussern
oder sich rechtlich beraten zu lassen. Mit dem unmittelbaren Erlass der
Risikoverfügung wurde sein rechtliches Gehör verletzt.
3.4 Der Beschwerdeführer konnte in der Folge die ihm am 17. August 2021
zugestellte, ausführlich begründete Risikoerklärung anfechten. Die Vor-
instanz nahm im Beschwerdeverfahren zur Sache nochmals Stellung und
der Beschwerdeführer erhielt die Gelegenheit, seinerseits zu replizieren.
Ausserdem verfügt das Bundesverwaltungsgericht grundsätzlich über die
uneingeschränkte Kognition. Unter diesen Umständen ist die Gehörsver-
letzung zu heilen, zumal die Aufhebung der Verfügung und die Rückwei-
sung der Sache zur Einräumung des rechtlichen Gehörs hier zu einem for-
malistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen wür-
de, die nicht mit dem Interesse des Beschwerdeführers an einer beförder-
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lichen Beurteilung der Sache zu vereinbaren wäre. Die ergangene Gehörs-
verletzung ist jedoch im Rahmen der Prozesskostenauflage zu berücksich-
tigen.
4.
4.1 Art. 113 MG regelt die Prüfung von Hinderungsgründen für die Über-
lassung der persönlichen Waffe und sieht die Möglichkeit vor, das Gefähr-
dungs- oder Missbrauchspotential einer Person durch eine bundesinterne
Prüfbehörde beurteilen zu lassen, ohne dass es dazu deren Zustimmung
bedarf (Abs. 4 Bst. d). Diese Personensicherheitsprüfung dient aus-
schliesslich dazu, Gewaltverbrechen mit der Militärwaffe zu verhindern.
Gemäss Art. 5 Abs. 2 Bst. a PSPV werden alle Stellungspflichtigen anläss-
lich ihrer Rekrutierung geprüft. Die Prüfbehörde erlässt eine Risikoerklä-
rung, wenn sie die zu prüfende Person als Sicherheitsrisiko beurteilt
(Art. 22 Abs. 1 Bst. c PSPV).
4.2 Bei der Personensicherheitsprüfung wird gestützt auf die erhobenen
Daten eine Risikoeinschätzung vorgenommen beziehungsweise eine
Prognose über ungewisse künftige Sachverhalte gestellt. Insofern kann
nicht nur aufgrund «harter» Fakten entschieden werden; vielmehr liegt es
in der Natur der Sache, dass es sich bei den aus den erhobenen Daten
gezogenen Schlussfolgerungen auch um Annahmen und Vermutungen
handelt. Gerichtlich überprüft werden kann zum einen, ob die getätigten
Erhebungen auf zulässige Weise und umfassend erfolgt sind, und zum an-
deren, ob die erhobenen Daten anschliessend korrekt gewürdigt worden
sind. Hinsichtlich des diesbezüglich geltenden Beurteilungsmassstabes
verlangt die Vorinstanz mit Blick auf das mit einer Waffe verbundene Ge-
fahrenpotential zu Recht, dass sich die überprüften Stellungspflichtigen,
denen die Armee eine Waffe aushändigt, durch eine besondere Zuverläs-
sigkeit auszeichnen. Damit ist der Spielraum für tolerierbare Unregelmäs-
sigkeiten in der Lebensführung eingeschränkt (vgl. BVGer A-1124/2019
vom 3. Juli 2019 E. 3.2 m.H. auf A-2154/2018 vom 7. Februar 2019 E. 3.1).
5.
5.1 Hinsichtlich der Durchführung des Verfahrens rügt der Beschwerdefüh-
rer, die Vorinstanz habe ausschliesslich auf die Akten der Staatsanwalt-
schaft B._ abgestellt und auf eine persönliche Befragung verzichtet.
Der Sachverhalt werde deshalb einseitig dargestellt. Zur «komplementären
Einschätzung» stehe die geschädigte Person zur Verfügung.
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5.2 Die Vorinstanz führt dazu aus, die Anordnung einer Befragung liege in
ihrem pflichtgemässen Ermessen und müsse nur erfolgen, wenn die vor-
handenen Daten für eine Befragung unzureichend seien. Im vorliegenden
Fall seien die erhobenen Strafakten für die Beurteilung ohne Befragung
ausreichend gewesen, weil daraus genügend hervorgehe, dass ein erhöh-
tes Gefährdungs- und Missbrauchspotenzial im Zusammenhang mit der
Abgabe der persönlichen Waffe bestehe.
5.3 Soweit der Beschwerdeführer demnach geltend macht, die Datenerhe-
bung sei weder rechtskonform noch vollständig, kann ihm nicht gefolgt wer-
den. Wie sogleich zu zeigen sein wird, sind die Umstände beziehungs-
weise der Sachverhalt unter anderem aufgrund der Verurteilung und des
weiteren Eintrags im Polizeiindex bereits hinreichend erstellt. Die Vor-
instanz durfte somit von weiteren Sachverhaltsabklärungen (z.B. persönli-
che Befragung) absehen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, er bereue die begangenen Tätlich-
keiten im Jahr 2020 zutiefst. In der Zwischenzeit lebe er mit der geschä-
digten Person zusammen und habe aus den verschiedenen Ereignissen
enorm dazugelernt. Sein Verhalten habe er grundlegend verändert, was
ihm in der Zwischenzeit einen entspannten Umgang mit Konfliktsituationen
ermögliche. Weiter sei sein tiefster Wunsch, bewaffneten Militärdienst für
sein Vaterland zu leisten, ungebrochen. Er sei überzeugt, als gefestigter
Mensch dieser Aufgabe gewachsen zu sein und er stelle klar kein Sicher-
heitsrisiko dar.
6.2 Der Einschätzung des Beschwerdeführers, wonach er sein Verhalten
seit den Ereignissen im Jahr 2020 grundlegend verändert habe, hält die
Vorinstanz entgegen, dieser könne nicht gefolgt werden. Die von ihm ver-
übten Gewalttätigkeiten lägen noch nicht genügend lange zurück, um von
einer relevanten Abnahme des Risikos auszugehen. Nach der Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts müssten vergangene Straftaten
grundsätzlich mehr als vier bis fünf Jahre zurückliegen, damit eine länger-
fristige Bewährung angenommen werden könne und den begangenen Ver-
stössen keine massgebende Bedeutung mehr zukomme. Diese Vorausset-
zungen seien hier nicht erfüllt. Zudem sei für die Risikobeurteilung nicht
nur der Strafbefehl vom 6. Juli 2020 wegen mehrfachen Tätlichkeiten im
März 2020, sondern auch die Einstellungsverfügung vom 25. Mai 2020 von
Bedeutung, wonach der Beschwerdeführer die Geschädigte schon im Juli
2019 derart mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe, dass ihre Nase
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gebrochen sei. Das Verfahren sei lediglich deshalb eingestellt worden, weil
die Geschädigte keinen Strafantrag gestellt habe.
6.3 Nicht jede Verurteilung wegen krimineller Handlungen oder jeder Ein-
trag im Strafregister macht eine Person zu einem Sicherheitsrisiko. Auszu-
gehen ist vielmehr von der Art des Delikts, den Umständen der Tat und den
Beweggründen zur Delinquenz. Es ist zu fragen, ob die damaligen Umstän-
de Rückschlüsse auf Charakterzüge der überprüften Person zulassen, die
einen Risikofaktor darstellen. Weiter spielt eine Rolle, ob es sich um ein
einmaliges Vergehen handelt oder ob der Betroffene mehrmals delinquiert
hat und ob von einer Wiederholungsgefahr auszugehen ist (Urteil des
BVGer A-1124/2019 vom 3. Juli 2019 E. 4.3).
6.4 Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Risikoerklärung der Vorinstanz – un-
ter Berücksichtigung ihres Ermessensspielraums – auf einer korrekten
Würdigung der erhobenen Daten basiert (vgl. oben E. 4.2).
6.4.1 Die Vorinstanz schloss aufgrund der strafrechtlichen Verurteilung des
Beschwerdeführers und der Einstellungsverfügung vom 25. Mai 2020 auf
ein überdurchschnittliches Gefährdungs- und Missbrauchspotential im Fal-
le der Abgabe der persönlichen Waffe. Im Folgenden ist auf die diesbezüg-
liche Würdigung näher einzugehen.
6.4.2 Über den Beschwerdeführer ist die nachstehende Verurteilung we-
gen mehrfacher Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB aktenkundig:
Der Beschuldigte habe sich am 26. März 2020 bei seiner damaligen Freun-
din und Geschädigten an ihrem Wohnort befunden, als er sie wissentlich
und willentlich am Oberarm gepackt und ihr den Mund zugedrückt habe.
Sodann habe er die Geschädigte wissentlich und willentlich auf ihr Bett ge-
drückt, ihr in den rechten Unterarm gebissen, ihr den Oberarm geklemmt
und mit der Faust in den Oberschenkel geschlagen. Aufgrund des Bisses
und des Faustschlags habe die Geschädigte leichte und vorübergehende
Hautrötungen erlitten. Am selben Ort habe der Beschuldigte am 30. März
2020 die Geschädigte wissentlich und willentlich beim Rippenbogen und
am Oberarm gepackt, so dass sie eine leichte und vorübergehende Hautrö-
tung erlitten habe. Am selben Ort habe der Beschuldigte am 31. März 2020
die Geschädigte wissentlich und willentlich am Arm gepackt und habe sie
während zirka drei Sekunden gewürgt.
6.4.3 Der Einstellungsverfügung vom 25. Mai 2020 ist Folgendes zu ent-
nehmen:
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Es bestehe der Verdacht und erscheine als erstellt, dass der Beschuldigte
am 20. Juli 2019 der Geschädigten zumindest eventualvorsätzlich die
Faust ins Gesicht geschlagen habe, so dass mitunter die Nase der Ge-
schädigten gebrochen sei. Der Beschuldigte und die Geschädigte hätten
im Tatzeitpunkt zwar eine Partnerschaft, nicht jedoch eine Lebensgemein-
schaft unterhalten. Die Geschädigte habe keinen Strafantrag gestellt, so
dass das Vorverfahren einzustellen sei. Nachdem der Beschuldigte in zivil-
rechtlicher Hinsicht rechtswidrig und schuldhaft gehandelt habe und (mit-
unter aufgrund des vorliegenden Sachverhalts) vorliegendes Verfahren
durch das rechtswidrige und schuldhafte Verhalten verursacht habe, seien
ihm die Verfahrenskosten aufzuerlegen. Die Kosten seien im Endentscheid
festzusetzen, nachdem mit separater Verfügung ein Strafbefehl wegen Tät-
lichkeiten auszufällen sei.
6.4.4 Nach der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts lassen Delikte ge-
gen Leib und Leben, beispielsweise ein Kopfstoss mit der Stirn gegen das
Gesicht eines Anderen oder Faustschläge ins Gesicht, auf eine besondere
Aggressivität und damit auf ein erhöhtes Gewaltpotential schliessen. Ent-
scheidend ist dabei, dass bei derartigen Handlungen, auch wenn sie kei-
nen direkten Bezug zu einer Waffe aufweisen, unter Umständen eine
schwere Verletzung von Personen in Kauf genommen wird (BVGer
A-1124/2019 E. 4.4.2.2, m.w.H.).
6.4.5 Im vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer seine Freundin im
März 2020 – von ihm unbestritten – innerhalb von fünf Tagen dreimal tätlich
angegriffen, dabei geschlagen, gebissen und kurzzeitig auch gewürgt. Ge-
mäss den Strafakten erfolgten alle Tätlichkeiten jeweils wissentlich und wil-
lentlich. Auch wenn keine der verzeichneten Taten letztlich eine Schädi-
gung ihres Körpers und ihrer Gesundheit zur Folge hatten, zeigen die Er-
eignisse ein wiederholt hohes Gewaltpotenzial beim Beschwerdeführer.
Dazu kommt das Ereignis vom Juli 2019, wonach der Beschwerdeführer
seine Freundin derart mit der Faust in Gesicht geschlagen haben soll, dass
ihre Nase gebrochen sei. Das Strafverfahren wurde zwar eingestellt und
nicht gerichtlich beurteilt. Gestützt auf die Akten und darauf, dass es vom
Beschwerdeführer nicht bestritten wurde, ist jedoch mit der Vorinstanz da-
von auszugehen, dass es geschehen ist. Vor diesem Hintergrund und an-
gesichts der dargelegten Praxis des Bundesverwaltungsgerichts ist des-
halb nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz auf ein erhöhtes Gefähr-
dungs- und Missbrauchspotential geschlossen hat.
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6.5 Die Vorfälle ereigneten sich im Juli 2019 und im März 2020, anderthalb
bis rund zwei Jahre vor der Rekrutierung am 18. August 2021 beziehungs-
weise aktuell vor knapp drei respektive zwei Jahren. Die verschiedenen
Delikte gegen die körperliche Unversehrtheit der Freundin liegen somit
nicht weit genug zurück, als dass sie nicht entscheidrelevant wären.
6.6 Es stellt sich weiter die Frage, ob seither Umstände hinzugetreten sind,
welche die Verurteilung und der nicht strafrechtlich beurteilte Faustschlag
– unabhängig vom Zeitablauf – in den Hintergrund treten oder anders be-
urteilen lassen und sich die Risikobeurteilung zugunsten des Beschwerde-
führers geändert hat. Relevant sind etwa die Persönlichkeit, das persönli-
che Umfeld und die Lebensumstände des Betroffenen (vgl. z.B. BVGer
A-5246/2017 vom 14. März 2018 E. 5.3 in fine).
6.6.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, er bereue «die begangenen
Tätlichkeiten im Jahr 2020 zutiefst». In der Zwischenzeit habe er «aus den
verschiedenen Ereignissen enorm dazugelernt». Er habe sein Verhalten
grundlegend verändert, was ihm einen «entspannten Umgang mit Konflikt-
situationen» ermögliche. In der Zwischenzeit lebe er mit der geschädigten
Person zusammen. Er sei überzeugt, als gefestigter Mensch der Aufgabe,
bewaffneten Militärdienst für sein Vaterland leisten zu können, gewachsen
zu sein, und stelle klar kein Sicherheitsrisiko dar.
6.6.2 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts sind Ar-
beitszeugnisse und andere Beurteilungen der überprüften Person dann zu
berücksichtigen, um etwa bei länger zurückliegenden Vorfällen die Persön-
lichkeit zu erfassen und die seitherige Entwicklung angemessen zu würdi-
gen (vgl. BVGer A-4988/2013 vom 8. Mai 2014 E. 4.4.2).
6.6.3 Es ist möglich, dass der damals (...)-jährige und damit knapp erwach-
sene Beschwerdeführer aus den Ereignissen und der Verurteilung im Juli
2020 seine Lehren gezogen hat. Der Beschwerdeführer legt aber weder
näher dar noch reicht er Belege (z.B. Therapiebericht) dazu ein, woraus er
seinen Reifeprozess ableitet, das heisst, dass er nunmehr mit Konflikten
umgehen könne und nicht mehr in schwierigen Situationen aggressiv und
gewalttätig werde. Der Vorinstanz ist dahingehend zuzustimmen, dass er
einzig aus seiner eigenen Überzeugung beziehungsweise der Behaup-
tung, nunmehr mit Konfliktsituationen entspannt umgehen zu können,
nichts zu seinen Gunsten ableiten kann. Daran vermag auch der Umstand
nichts zu ändern, dass er gemäss seinen Angaben mit seiner Freundin,
gegen die er mehrfach tätlich geworden ist, zusammenlebt. Dahingehend
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Seite 11
bleibt zu bedenken, dass die persönliche Waffe in der Regel zu Hause auf-
bewahrt wird und der Beschwerdeführer die hier in Frage stehenden De-
likte am Wohnort seiner Freundin begangen hat.
6.6.4 Die wiederholten, strafrechtlich grundsätzlich relevanten Delikte ge-
gen Leib und Leben, die der Beschwerdeführer innerhalb von acht Mona-
ten begangen hat, sind keineswegs entschuldbar oder zu marginalisieren.
Sie lassen ein bestehendes Risiko, dass der Beschwerdeführer in neuen
Konfliktsituationen wieder aggressiv und gewalttätig reagieren und allen-
falls eine persönliche Waffe missbrauchen könnte, jedenfalls im heutigen
Zeitpunkt nicht ausschliessen. Zudem ist der vergangene Zeitraum seit den
begangenen Delikten zu kurz, um bereits jetzt auf eine längerfristige Be-
währung schliessen zu können.
6.7 Zusammengefasst sind die Feststellungen der Vorinstanz bezüglich
des erhöhten Gefährdungs- und Missbrauchspotentials des Beschwerde-
führers im Zusammenhang mit der persönlichen Waffe nicht zu beanstan-
den.
7.
Es bleibt die Verhältnismässigkeit der Risikoerklärung zu prüfen.
7.1 Die Verfügung muss mit Blick auf das im öffentlichen Interesse ange-
strebte Ziel geeignet und erforderlich sein; sie hat zu unterbleiben, wenn
eine gleich geeignete, aber mildere Massnahme ausreichen würde. Aus-
serdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu
den Belastungen stehen, die dem Beschwerdeführer auferlegt werden. Bei
der Beurteilung dieser Frage sind die einander gegenüberstehenden öf-
fentlichen und privaten Interessen gegeneinander abzuwägen (vgl. Art. 5
Abs. 2 BV).
7.2 Die Nichtüberlassung der persönlichen Waffe ist eine geeignete Mass-
nahme, um das Risiko eines Waffenmissbrauchs zu vermeiden. Ferner
sind anderweitige (mildere) oder flankierende Massnahmen, die das Risiko
eines Waffenmissbrauchs auf ein vertretbares Ausmass verringern könn-
ten, im konkreten Fall nicht ersichtlich.
7.3 Im Rahmen der Interessenabwägung ist seitens des Beschwerdefüh-
rers zu beachten, dass eine Rekrutierung im Falle einer Risikoerklärung
faktisch ausgeschlossen ist, da das Kommando Ausbildung den Empfeh-
lungen der Vorinstanz in der Regel folgt (statt vieler: BVGer A-1124/2019
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E. 4.5.2). Damit erfüllt sich der Wunsch des Beschwerdeführers, bewaffne-
ten Militärdienst zu leisten, beim Weiterbestand der Risikoerklärung nicht.
Mit Ausnahme der Tatsache, dass der Beschwerdeführer die Wehrpflichter-
satzabgabe wird leisten müssen, sind jedoch für den Fall einer Nichtrekru-
tierung keine konkreten, ernsthaften Nachteile für ihn erkennbar und wur-
den auch nicht vorgebracht. Demgegenüber fallen die mit der Risikoerklä-
rung verfolgten, öffentlichen Interessen an der Verhinderung von Gewalt-
delikten mit Militärwaffen erheblich ins Gewicht. Diese überwiegen die ent-
gegenstehenden Interessen des Beschwerdeführers deutlich. Die ange-
fochtene Risikoerklärung ist ihm daher zuzumuten und somit verhältnis-
mässig.
7.4 Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie
ist deshalb abzuweisen.
8.
8.1 Dem bei diesem Verfahrensausgang unterliegenden Beschwerdefüh-
rer sind die Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG und
Art. 2 ff. des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht vom 21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]).
Im Hinblick auf die im Verwaltungsverfahren festgestellte Verletzung seines
rechtlichen Gehörs (siehe oben E. 3.3 f.) werden die auf Fr. 800.– festzu-
setzenden Verfahrenskosten um die Hälfte auf Fr. 400.– reduziert und sind
dem geleisteten Kostenvorschuss zu entnehmen. Der Restbetrag von
Fr. 400.– ist dem Beschwerdeführer auf ein von ihm zu bezeichnendes
Konto zurückzuerstatten.
8.2 Weder der unterliegende Beschwerdeführer noch die Vorinstanz haben
Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG; Art. 7 Abs. 3
VGKE).
9.
Das vorliegende Urteil ist endgültig. Es kann nicht mit Beschwerde beim
Bundesgericht angefochten werden (Art. 83 Bst. i BGG; Urteil des BGer
1C_590/2018 vom 26. November 2018 E. 3).
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