Decision ID: b93ba422-4050-44e6-99f2-a6f39e494066
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, Anwaltskanzlei schmuckipartner,
Marktgasse 3, 9004 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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St.Galler Gerichte
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 19_, meldete sich am 6. Februar 2011 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Er gab
an, keinen Beruf erlernt zu haben und aktuell als Fabrikarbeiter in einem Vollpensum
tätig zu sein. Er leide an einer Arthrose der Schultergelenke und sei deswegen seit dem
31. August 2010 vollständig arbeitsunfähig. Sein Hausarzt, Dr. med. B._, teilte
Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) am 17. März 2011
telefonisch mit, dem Versicherten sei aufgrund einer Omarthrose am 31. August 2010
eine Schultergelenkstotalendoprothese rechts eingesetzt worden (IV-act. 16). Die
postoperative Rehabilitation gehe zögerlich voran. Aktuell bestehe der Verdacht einer
frozen shoulder rechts und einer partiellen Läsion des Nervus axillaris rechts. Die
Beweglichkeit der rechten Schulter sei massiv eingeschränkt. Der Versicherte sei –
auch in adaptierten Tätigkeiten – nicht arbeitsfähig. Die Klinik für Orthopädische
Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete am 14. April 2011 (IV-act. 31–9),
angesichts der Störung im Bereich des Nervus musculo-cutaneus erscheine eine
erneute operative Revision zur Verbesserung des Bewegungsumfangs aktuell als nicht
indiziert. Vielmehr sollte versucht werden, die Schmerztherapie zu optimieren und nach
Möglichkeit eine intensivierte Physiotherapie in die Wege zu leiten. Aktuell sei der
Versicherte nicht arbeitsfähig. Das Muskelzentrum des Kantonsspitals St. Gallen hatte
am 24. März 2011 über eine zu vermutende axonale Schädigung des Nervus musculo-
cutaneus rechts und einen Hinweis auf eine ältere axonale Läsion des rechten Nervus
suprascapularis rechts berichtet (IV-act. 31–4 ff.). Nachdem der IV-Stelle weitere
Berichte zugegangen waren, notierte die RAD-Ärztin Dr. C._ am 15. Dezember 2011
(IV-act. 35), die Aussagen des Hausarztes und des Muskelzentrums zur Arbeitsfähigkeit
seien widersprüchlich. Die Klinik für Orthopädie habe sich nicht zur Arbeitsfähigkeit
geäussert. Sie empfahl, einen weiteren Arztbericht bei der Klinik für Orthopädie
einzuholen. Am 6. Februar 2012 teilte diese mit (IV-act. 42; vgl. auch IV-act. 36 f.), zur
Arbeitsfähigkeit könne nicht Stellung genommen werden. Der Versicherte leide an einer
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Schwäche und an einer Sensibilitätsstörung im rechten Arm. Die rechte Schulter sei nur
eingeschränkt einsatzfähig.
A.b Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle Bern ZVMB
GmbH am 3. August 2012 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 55). Die Sachver
ständigen führten aus, aus internistischer und psychiatrischer Sicht lägen keine die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden Gesundheitsstörungen vor. Aus neurologischer
Sicht sei wahrscheinlich ab dem 24. März 2011 keine versicherungsmedizinisch rele
vante Diagnose mehr zu stellen gewesen. Aus objektiver Sicht sei jedenfalls keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht mehr begründbar. Aus
orthopädischer Sicht seien die Beeinträchtigungen an der rechten Schulter und am
rechten Arm durch den Zustand nach der Implantation einer Gelenkprothese und der
anschliessenden Entwicklung einer frozen shoulder zu verstehen. Mit dem rechten Arm
könne der Versicherte bloss noch Lasten bis sieben Kilogramm vom Boden bis zur
Taille heben. Tragen, Stossen und Ziehen könne er einhändig rechts noch Lasten bis
zehn Kilogramm. Die fehlende Beweglichkeit in der Schulter mache das Heben über
Taillenhöhe und horizontal unmöglich. Für Tätigkeiten mit der rechten Hand, bei denen
nur der Ellenbogen, das Handgelenk und die Finger, nicht aber die Schulter zum
Einsatz kämen, bestehe Einsetzbarkeit. Das Tragen vorne beidseitig sei nur noch für
Lasten bis 15 Kilogramm möglich. Auch in der linken Schulter bestehe eine
entsprechende Bewegungseinschränkung, die es verunmögliche, Lasten über
Taillenhöhe zu heben. Überkopfarbeiten seien dauerhaft nicht mehr möglich. Unter
Berücksichtigung dieser Einschränkungen seien leichte körperliche Tätigkeiten
vollschichtig ausführbar. Die RAD-Ärztin Dr. C._ erachtete das Gutachten am
22. August 2012 als überzeugend (IV-act. 56). Mit einem Vorbescheid vom 29. August
2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie gedenke, sein
Leistungsbegehren bei einem Invaliditätsgrad von null Prozent abzuweisen (IV-act. 60).
Dagegen liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte einwenden (IV-act. 65), die von
den Sachverständigen beschriebene zumutbare Tätigkeit existiere auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt gar nicht, weshalb der Versicherte überhaupt kein
Erwerbseinkommen mehr erzielen könne, zumal sein Alter und die fehlenden
Sprachkenntnisse das Auffinden einer Erwerbstätigkeit zusätzlich erschwerten. Der
Versicherte habe deshalb Anspruch auf eine ganze Rente. Mit einer Verfügung vom
15. November 2012 wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch ab (IV-act. 66). Sie führte
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aus, geeignete Tätigkeiten existierten auf dem Arbeitsmarkt durchaus; das Alter und
die Sprachkenntnisse seien invaliditätsfremd und deshalb nicht zu berücksichtigen.
Ihrer Verfügung legte sie eine Aufstellung von drei ihr geeignet scheinenden Tätigkeiten
bei (IV-act. 67).
B.
B.a Am 17. Dezember 2012 liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. November 2012 erheben und die
Zusprache einer ganzen Rente sowie eventualiter die Rückweisung zu weiteren
Abklärungen beantragen (act. G 1). Zur Begründung liess er im Wesentlichen
ausführen, auf das Gutachten der ZVMB GmbH könne nicht abgestellt werden, weil es
die Sachverständigen unterlassen hätten, eine elektromyographische Untersuchung
durchzuführen. Die Ergebnisse des von den Sachverständigen mehrfach erwähnten
Labortests seien nicht dokumentiert, womit sich das Gutachten als lückenhaft erweise
und überdies der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden sei. Die
Sachverständigen hätten auch unzureichend begründet, weshalb ihrer Ansicht nach
keine Nervenverletzung mehr vorläge, denn im Muskelzentrum des Kantonsspitals
St. Gallen sei eine Nervenverletzung nachgewiesen worden. Angesichts der Befunde
des Orthopäden erscheine es als unmöglich, dass der Beschwerdeführer seinen
rechten Arm im Rahmen einer Arbeitstätigkeit noch einsetzen könne. Der Arm sei
praktisch unbeweglich und nicht mehr belastbar. Auch die Einsatzfähigkeit des linken
Arms sei erheblich beeinträchtigt. Die von den Sachverständigen insgesamt
abgegebene Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeuge angesichts dessen nicht. Der
Beschwerdeführer könne unter Berücksichtigung der orthopädischen Befunde wohl
keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen. Die von der Beschwerdegegnerin in der
angefochtenen Verfügung erwähnten Arbeitsplatzbeispiele beträfen allesamt
Montagetätigkeiten, die aber gemäss dem Gutachten der ZVMB GmbH gar nicht mehr
zumutbar seien. Schliesslich sei auch zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
die Zumutbarkeit einer Verweistätigkeit unter Berücksichtigung des Alters und der
fehlenden Sprachkenntnisse nicht vertieft geprüft habe. Die Verwertbarkeit einer
allfälligen Arbeitsfähigkeit sei jedenfalls nicht mehr gegeben. Sollte dennoch davon
aufgegangen werden, dass eine zumutbarerweise verwertbare Arbeitsfähigkeit
bestehe, müsse ein Abzug vom Tabellenlohn von 25 Prozent gewährt werden.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 22. Januar 2013 die Abweisung der Be
schwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers sei dessen rechter Arm noch einsetzbar. Die einge
schränkte Schulterbeweglichkeit erschwere lediglich gewisse Tätigkeiten, was aber
nicht zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führe. Deshalb hätten die
Sachverständigen ja auch eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten attestiert. Die in der Verfügung beispielhaft erwähnten Arbeitsplätze hätten
gemein, dass die Schultergelenke kaum in Anspruch genommen werden müssten. Der
Beschwerdeführer habe nicht konkret dargelegt, weshalb diese Arbeiten nicht
zumutbar sein sollten. Selbst wenn er als faktisch Einhändiger qualifiziert würde,
könnte er auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise geeignete
Tätigkeiten finden. Die invaliditätsfremden Faktoren hätten bei der Frage nach der
Verwertbarkeit unberücksichtigt zu bleiben. Selbst bei Gewährung eines maximalen
Abzuges vom Tabellenlohn von 25 Prozent resultiere kein rentenbegründender
Invaliditätsgrad, weshalb kein Rentenanspruch bestehe.
B.c Am 4. März 2013 liess der Beschwerdeführer einwenden (act. G 7), entscheidend
sei nicht die passive, sondern vielmehr die aktive Beweglichkeit der Arme. Diese sei so
eingeschränkt, dass eine Erwerbstätigkeit nicht nur unzumutbar, sondern sogar un
möglich sei. Das linke Schultergelenk müsse in absehbarer Zeit wohl ebenfalls ersetzt
werden. Es liege im Übrigen an der Beschwerdegegnerin, zumutbare Tätigkeiten zu
bezeichnen.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).

Erwägungen:
1.
1.1 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG).
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Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des
Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG).
1.2 Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens stellt
sich zunächst die Frage nach der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer der
Gesundheitsbeeinträchtigung angepassten Hilfsarbeit. Laut dem Gutachten der ZVMB
GmbH bestehen erhebliche Einschränkungen der Beweglichkeit und der Belastbar
keit der rechten Schulter. Sodann sind auch die Beweglichkeit und die Belastbarkeit
der linken Schulter beeinträchtigt. Eine gewisse Restbelastbarkeit ist allerdings
bezüglich beider Schultern noch gegeben. Selbst mit dem rechten Arm kann der
Beschwerdeführer noch leichtere Lasten heben und tragen. Feinmotorische Tätigkeiten
sind ihm beidhändig zumutbar. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers spielt die
vom Orthopäden festgehaltene aktive Beweglichkeit diesbezüglich keine
entscheidende Rolle, denn für den Orthopäden ist nicht beurteilbar, ob der
Beschwerdeführer den orthopädisch noch möglichen Bewegungsspielraum voll
ausgeschöpft oder sich selbst limitiert hat. Aus diesem Grund wird jeweils auch die
passive Beweglichkeit geprüft. Es darf ohne Weiteres unterstellt werden, dass der
Orthopäde in der Lage gewesen ist, anhand der den Akten entnommenen und anhand
der anlässlich der persönlichen Untersuchung gewonnenen Daten eine Beurteilung
darüber abzugeben, welche Anstrengungen dem Beschwerdeführer noch zugemutet
werden können. Insofern kann kein Widerspruch innerhalb des Gutachtens der ZVMB
GmbH erblickt werden. Nicht zu beanstanden ist weiter, dass keine Elektromyographie
durchgeführt worden ist. Den Sachverständigen haben die detaillierten Ergebnisse der
vom Muskelzentrum des Kantonsspitals St. Gallen durchgeführten
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elektromyographischen Untersuchungen vorgelegen und es hat in ihrer Kompetenz
gestanden, darüber zu entscheiden, ob eine weitere elektromyographische
Untersuchung notwendig sei. Eine neue Untersuchung wäre nötig gewesen, wenn
Hinweise auf eine Veränderung seit der letzten Untersuchung vorgelegen hätten.
Massgebend sind in erster Linie ohnehin die anhand der klinischen Untersuchung
ermittelten Einschränkungen, weshalb auf gewisse diagnostische Abklärungen unter
Umständen verzichtet werden kann. Die Labortests sind schliesslich für die Beurteilung
der hier massgebenden Frage nicht von wesentlicher Bedeutung gewesen, weil die
Sachverständigen ihre Schlussfolgerungen nicht auf deren Ergebnisse gestützt haben
und auch nicht ersichtlich ist, dass sie dies hätten tun sollen. Ausserdem sind die
daraus gewonnenen wesentlichen Erkenntnisse im Gutachten wiedergegeben worden.
Insgesamt vermag das Gutachten zu überzeugen, denn es erscheint als sorgfältig und
unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Daten ausgearbeitet; die
Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und plausibel. Massgebend für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ist folglich das anlässlich der Konsensbesprechung
ermittelte Zumutbarkeitsprofil, zumal keine wesentlichen Abweichungen zu den
Einschätzungen der behandelnden Fachärzte erblickt werden können.
1.3 Für die im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren relevante Frage nach der
Verwertung einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit in einer Erwerbstätigkeit
ist praxisgemäss auf den so genannten ausgeglichenen Arbeitsmarkt abzustellen, der
sich dadurch auszeichnet, dass ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage
nach Arbeitskräften und ein Fächer verschiedenster Tätigkeiten bestehen (BGE 110 V
273 E. 4b S. 276). Mit dem Abstellen auf diesen teilweise fiktiven und nicht auf den
realen Arbeitsmarkt wird vermieden, dass die Invalidenversicherung auch bei einer
Erwerbslosigkeit Leistungen erbringen muss, die nicht auf das Risiko der Invalidität,
sondern auf jenes der Arbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Die Annahme, der
Beschwerdeführer könnte auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt trotz seiner
krankheitsbedingten Einschränkungen eine geeignete Arbeitsstelle finden, ist nicht
unrealistisch. Zwar sind die Belastbarkeit und die Beweglichkeit des linken Arms
deutlich eingeschränkt und besteht eine weitgehende Behinderung des rechten Arms,
so dass die von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagenen leichten Montage- und
Aufhängearbeiten als ungeeignet qualifiziert werden müssen. Aber zumindest Kontroll-
und Überwachungstätigkeiten erscheinen trotz der erheblichen Beeinträchtigung an
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beiden Armen als zumutbar, da die Arme dabei nur selten und nur ohne Krafteinsatz
und ohne ungünstige Bewegungen eingesetzt werden müssen und da die Feinmotorik
des Beschwerdeführers erhalten ist. Die fehlenden Deutschkenntnisse des
Beschwerdeführers hindern die Aufnahme einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht,
denn für Hilfsarbeiten, insbesondere Kontroll- und Überwachungstätigkeiten, werden
erfahrungsgemäss keine vertieften Deutschkenntnisse vorausgesetzt. Im Übrigen hat
der Beschwerdeführer auch schon früher verschiedene Hilfsarbeiten verrichten können.
Das fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers hingegen erschwert die
Verwertbarkeit der medizinisch-theoretischen Restarbeitsfähigkeit, denn ältere
Hilfsarbeiter, die „umsatteln“ und gewissermassen (ohne ihre früheren beruflichen
Erfahrungen gewinnbringend nutzen zu können) von vorne beginnen müssen, sind
teurer und häufig langsamer als jüngere Hilfsarbeiter. Sie können einem wirtschaftlich
denkenden Arbeitgeber keinen diese Nachteile überwiegenden oder wenigstens
ausgleichenden Vorteil bieten. Ein selbst unter marktwirtschaftlichem Druck stehender
potentieller Arbeitgeber wird einen älteren Hilfsarbeiter ohne gewinnbringende
berufliche Erfahrung deshalb nur zu einem unterdurchschnittlichen Lohn anstellen. In
Bezug auf den Beschwerdeführer erscheint zwar eine Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit aufgrund des Alters nicht als ausgeschlossen. Er wird aber einen
erheblichen erwerblichen Nachteil in Kauf nehmen müssen, was es rechtfertigt, einen
Tabellenlohnabzug von 15% vorzunehmen (vgl. BGE 126 V 75).
1.4 Ist ein Versicherter vor Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung als Hilfsarbeiter
tätig gewesen und steht ihm nun trotz seiner krankheitsbedingten Einschränkung eine
Invalidenkarriere als Hilfsarbeiter – in einem behinderungsadaptierten Arbeitsplatz –
offen, so entspricht der Ausgangswert zur Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens in aller Regel dem Zentralwert der Löhne aller Hilfsarbeiter
sämtlicher Branchen. Ist das Einsatzspektrum des Hilfsarbeiters aber wie im Fall des
Beschwerdeführers massiv eingeschränkt, d.h. kommt nur noch ein sehr enger
Ausschnitt aus dem Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiten in Frage, stellt sich
notwendigerweise die Frage nach der statistischen Relevanz dieses
Durchschnittslohnes. Wird nämlich auf den Zentralwert der Löhne aller Branchen
abgestellt, so wird damit unterstellt, dass zu 100% arbeitsfähige männliche
Hilfsarbeiter, die Kontroll- und Überwachungstätigkeiten ausüben, durchschnittlich
gleich viel verdienten wie zu 100% tätige männliche Hilfsarbeiter generell. Eine solche
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Annahme vermag offensichtlich nicht zu überzeugen. Die Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik zeigt selbst bereits die Notwendigkeit diverser
Differenzierungen auf. So sind beispielsweise die Löhne der - regelmässig
massgebenden - Tabelle TA1 einerseits nach der Branche und andererseits nach dem
Anforderungsniveau unterteilt. Die Notwendigkeit einer solchen Differenzierung ist ohne
weiteres erkennbar, denn die statistischen Erhebungen weisen nach, dass das
Lohnniveau mit dem Anforderungsniveau steigt. Sie belegen aber auch, dass sich die
durchschnittlichen Löhne in den verschiedenen Branchen erheblich unterscheiden. So
sind etwa das Gastgewerbe, der Detailhandel und der Gartenbau offensichtlich
sogenannte Tieflohnbranchen. Erfahrungsgemäss unterscheiden sich die Löhne auch
aber je nach der Art und der Schwere der zu verrichtenden Arbeiten, was sich der
Lohnstrukturerhebung allerdings nicht entnehmen lässt. Körperlich wenig belastende
Tätigkeiten sind deshalb oft schlechter entlöhnt als anstrengende Tätigkeiten. Eine
Differenzierung nach der Art der zu verrichtenden Arbeiten erscheint daher nicht als
weniger sinnvoll und notwendig als eine Differenzierung nach dem Anforderungsniveau
oder nach der Branche. Im Einzelfall kann es sich als notwendig erweisen, nicht auf
den Durchschnitt aller Löhne, sondern auf einen Durchschnittslohn bei einem
bestimmten Anforderungsniveau oder in einer bestimmten Branche abzustellen.
Dasselbe muss gelten, wenn die konkrete Behinderung dazu führt, dass der
versicherten Person nur noch ein besonders enger Ausschnitt aus dem Arbeitsmarkt
offensteht. Der Umstand, dass die Ergebnisse der Lohnstrukturerhebung nicht
entsprechend aufgeschlüsselt sind, vermag das Abstellen auf einen irrelevanten, weil
zu allgemeinen, aber in der Lohnstrukturerhebung aufgeführten Durchschnittslohn nicht
zu rechtfertigen. Im vorliegenden Fall darf folglich zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens des Beschwerdeführers nicht auf den Zentralwert der Löhne der
männlichen Hilfsarbeiter über sämtliche Branchen hinweg abgestellt werden.
Massgebend ist vielmehr der sämtliche Branchen umfassende Durchschnittslohn jener
männlichen Hilfsarbeiter, die lediglich Kontroll- und Überwachungstätigkeiten ausüben.
Grundsätzlich hätte die Beschwerdegegnerin diesen Durchschnittslohn noch zu
ermitteln. Nun ist aber nicht zu erwarten, dass dieser Lohn so weit unter dem
allgemeinen Durchschnittslohn liegt, dass trotz der 100%igen Arbeitsfähigkeit (und
unter Berücksichtigung des Tabellenlohnabzuges von 15 Prozent) ein -
rentenbegründender - Invaliditätsgrad von wenigstens 40 Prozent resultieren würde.
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Aus diesem Grund kann auf die Ermittlung des genauen Durchschnittslohns für
Kontroll- und Überwachungsarbeiten verzichtet werden. Damit erweist sich die
angefochtene Abweisung des Rentengesuchs des Beschwerdeführers als rechtmässig.
1.5 Laut den Akten hat der Beschwerdeführer bis zum Tag vor der Operation Ende
August 2010 voll gearbeitet. Dass er damit über das ihm damals zumutbare Mass
hinaus erwerbstätig gewesen hätte, ist zwar möglich, aber nicht belegt. Entsprechende
Nachforschungen können unterbleiben, denn spätestens ab April 2011, also bereits
sieben Monate später, ist dem Beschwerdeführer gemäss den überzeugenden
Angaben der Sachverständigen der ZVMB GmbH die Aufnahme einer adaptierten
Tätigkeit im Vollpensum wieder zumutbar gewesen. Der Beschwerdeführer hat also das
sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) nicht erfüllt. Folglich besteht auch kein
Anspruch auf eine befristete Rente.
2. Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen. Der unterliegende
Beschwerdeführer hätte an sich die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und
angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf 600 Franken festzusetzenden
Gerichtskosten zu übernehmen. Da ihm aber die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt worden ist, ist er von der Bezahlung dieser Gebühr zu befreien. Der Staat hat
seinen Rechtsvertreter infolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung mit 80% des angesichts des durchschnittlichen Aufwandes auf
Fr. 3’500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzenden
Honorars, das heisst mit Fr. 2’800.--, zu entschädigen. Sollten es die wirtschaftlichen
Verhältnisse des Beschwerdeführers dereinst gestatten, kann er zur Nachzahlung der
Gerichtsgebühr und zur Rückerstattung der Entschädigung für die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung verpflichtet werden (Art. 99 Abs. 2 VRP/SG i.V.m. Art. 123 ZPO).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP