Decision ID: 0d06689b-0def-510f-aff7-c5e68228f0b3
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im September 2012 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
einer Halbwaisenrente der AHV an, die ihr seit dem 1. Juni 2012 infolge des Todes ihrer
Mutter ausgerichtet wurde (EL-act. 109; EL-act. 110–5). Eine Sachbearbeiterin der EL-
Durchführungsstelle notierte am 14. November 2012 (EL-act. 106), die EL-Ansprecherin
wohne bei ihrem Stiefvater. Der leibliche Vater sei gemäss einem Scheidungsurteil
verpflichtet, ihr monatlich 257 Euro zu bezahlen. Mit einer Verfügung vom 21.
November 2012 sprach die EL-Durchführungsstelle der EL-Ansprecherin ab dem 1.
Juni 2012 eine Ergänzungsleistung von monatlich 900 Franken und ab dem 1. August
2012 eine solche von 552 Franken zu (EL-act. 99). Bei der Anspruchsberechnung (EL-
act. 96 f.) hatte die EL-Durchführungsstelle die Prämienpauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, die Hälfte des Mietzinses für die Wohnung, in der die EL-
Ansprecherin zusammen mit ihrem Stiefvater lebte, sowie eine Pauschale für den
allgemeinen Lebensbedarf als Ausgaben berücksichtigt. Als Einnahmen hatte sie für
die Monate Juni und Juli 2012 Ausbildungszulagen, die AHV-Waisenrente, eine
ausländische Waisenrente, einen geringfügigen Vermögensertrag sowie einen
familienrechtlichen Unterhaltsbeitrag von 3’734 Franken jährlich angerechnet. Ab
August 2012 hatte sie die AHV-Waisenrente, die ausländische Waisenrente sowie eine
Waisenrente der beruflichen Vorsorge, den Vermögensertrag sowie einen
Unterhaltsbeitrag von 3’707 Franken jährlich als Einnahmen angerechnet.
A.b Im August 2014 meldete sich der Stiefvater zum Bezug einer Ergänzungsleistung
an. Dabei stellte die EL-Durchführungsstelle fest, dass die EL-Bezügerin eine
Mietzinserhöhung per 1. Oktober 2012 und eine Mietzinsreduktion per 1. Februar 2014
nicht gemeldet (EL-act. 75 f.) und dass es die EL-Durchführungsstelle versehentlich
unterlassen hatte, den Anteil der EL-Bezügerin an der im Mai 2012 angefallenen
Erbschaft der Mutter bei der Anspruchsberechnung zu berücksichtigen. Die frühere
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Beiständin der EL-Bezügerin schätzte den Erbanteil auf etwa 15’000 Franken (EL-act.
73). Die EL-Durchführungsstelle nahm irrtümlich (weil sie das übrige Vermögen der EL-
Bezügerin von 4’610 Franken nicht berücksichtigte) an, dieser Anteil werde den
Vermögensfreibetrag nicht übersteigen, sah deshalb vorerst von weiteren Abklärungen
ab und entschloss sich, bis auf weiteres den geschätzten Erbanteil von 15’000 Franken
anzurechnen. Die rückwirkende Neuberechnung des EL-Anspruchs unter
Berücksichtigung des den gesetzlichen Freibetrag von 15’000 Franken nun
übersteigenden Vermögens und der Mietzinsanpassungen per 1. Oktober 2012 und per
1. Februar 2014 ergab sowohl für den Zeitraum vom 1. Oktober 2012 bis zum 31.
August 2014 als auch für die Zukunft einen tieferen EL-Anspruch (vgl. EL-act. 65 ff.).
Mit einer Verfügung vom 1. September 2014 forderte die EL-Durchführungsstelle
entsprechend unrechtmässig bezogene Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von
2’103 Franken zurück; für die Zeit ab dem 1. September 2013 setzte sie den EL-
Anspruch auf 115 Franken fest (EL-act. 71 f.).
A.c Ebenfalls am 1. September 2014 teilte die frühere Beiständin der EL-
Durchführungsstelle mit, dass die EL-Bezügerin per 1. Oktober 2014 von der
gemeinsamen Wohnung des Stiefvaters in eine eigene Wohnung umziehen werde (EL-
act. 63). In einem Schreiben vom 17. September 2014 ersuchte sie die EL-
Durchführungsstelle, die rückwirkende Neuberechnung der Ergänzungsleistung
gemäss der Verfügung vom 1. September 2014 zu korrigieren (EL-act. 60). Sie wies
darauf hin, dass der Stiefvater der EL-Bezügerin nur zwei und nicht, wie von der EL-
Durchführungsstelle fälschlicherweise angenommen, drei Abstellplätze gemietet habe.
Der von der EL-Durchführungsstelle berücksichtigte Mietzins (Total der Mietkosten
minus Kosten für drei Abstellplätze) sei deshalb zu tief. Im September 2013 sei die
Lebenspartnerin des Stiefvaters in die gemeinsame Wohnung eingezogen. Erst ab da
seien drei Abstellplätze gemietet worden. Weiter wies sie die EL-Durchführungsstelle
darauf hin, dass in der Verfügung vom 1. September 2014 fälschlicherweise ein
Vermögensverzehr von einem Zehntel berücksichtigt worden sei; richtigerweise dürfe
der EL-Bezügerin als Waisenrentenbezügerin nur ein Verzehr von einem Fünfzehntel
angerechnet werden (EL-act. 58). Der Vermieter der Mietwohnung des Stiefvaters der
EL-Bezügerin gab an, der dritte Abstellplatz sei ab dem 16. Dezember 2013 hinzu
gemietet worden. Mit einer Verfügung vom 20. September 2014 korrigierte die EL-
Durchführungsstelle die gerügten Fehler bezüglich der Mietzinsausgaben und des
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Vermögensverzehrs. Die Rückforderung reduzierte sich um total 444 Franken; ab
Februar 2014 betrug der EL-Anspruch nun 128 Franken (EL-act. 55 f.).
A.d Bereits am 16. September 2014 hatte die EL-Bezügerin den Mietvertrag der ab
dem 1. Oktober 2014 gemieteten eigenen Wohnung eingereicht (EL-act. 52). Dabei
hatte sie darauf hingewiesen, dass ihr leiblicher Vater ihr keine Unterhaltsbeiträge mehr
bezahle. Mit einer Verfügung vom 21. September 2014 erhöhte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung per 1. Oktober 2014 auf 134 Franken (EL-
act. 37). Sie führte aus, unter Berücksichtigung der Mietkosten für die eigene Wohnung
ergebe sich ein leicht höherer EL-Anspruch. Da der Vater weiterhin zu
Unterhaltszahlungen verpflichtet sei, würden die Alimente auch für die Zukunft
unverändert als Einnahmen angerechnet. Das Berechnungsblatt wies
dementsprechend wiederum Unterhaltsleistungen von 3’707 Franken jährlich als
Einnahmenposition aus (EL-act. 35).
A.e Am 25. September 2014 erkundigte sich die frühere Beiständin der EL-Bezügerin
nach dem Grund dafür, dass bei der Anspruchsberechnung ab dem 1. Oktober 2014
nur die Lebensbedarfspauschale für ein Kind und nicht jene für eine alleinstehende
erwachsene Person berücksichtigt worden sei (EL-act. 26). Daraufhin setzte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung mit einer Verfügung vom 4. Oktober 2014
per 1. Oktober 2014 unter Berücksichtigung der Lebensbedarfspauschale für eine
alleinstehende erwachsene Person auf 899 Franken fest (EL-act. 24). Bereits am 1.
Oktober 2014 hatte die EL-Bezügerin Bankunterlagen eingereicht, denen sich
entnehmen liess (EL-act. 25), dass sie ihren Anteil am Erbe ihrer Mutter ausbezahlt
erhalten hatte. Sie verfügte nun über Spareinlagen von 50.48 Euro und über einen
Sparbrief über 1’180.45 Euro bei der Bank B._ sowie über ein Sparguthaben von
3’356.70 Franken auf einem Jugendkonto und über ein Sparguthaben von 9’995.93
Franken auf einem Sparkonto bei der Bank C._. Am 5. Oktober 2014 erliess die EL-
Durchführungsstelle eine weitere Verfügung, mit der sie den EL-Anspruch ab dem 1.
Oktober 2014 erneut korrigierte (EL-act. 22). Anstelle des bisher angerechneten
Vermögens von 4’610 Franken und des Erbanteils von 15’000 Franken rechnete sie nun
ein Vermögen von total 16’907 Franken an. Die Ergänzungsleistung ab dem 1. Oktober
2014 betrug gemäss dieser Verfügung nun 914 Franken pro Monat.
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A.f Am 6. Oktober 2014 erhob die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 21. September 2014 (EL-act. 20). Sie führte aus, sie habe seit August 2014 keine
Unterhaltsleistungen mehr von ihrem Vater erhalten, weshalb bei der
Anspruchsberechnung auch keine solchen Leistungen mehr berücksichtigt werden
dürften. Am 29. Oktober 2014 teilte ihr die EL-Durchführungsstelle mit, dass die
Verfügung vom 5. Oktober 2014 als mitangefochten gelte (EL-act. 18). Mit einem
Entscheid vom 23. Dezember 2014 wies sie die Einsprache ab (EL-act. 8). Zur
Begründung führte sie aus, der Vater der EL-Bezügerin sei gemäss einem
Scheidungsurteil zu Unterhaltszahlungen verpflichtet. Diese Verpflichtung sei nicht
befristet worden. Da das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch eine dem Art. 277 Abs. 2
ZGB entsprechende Bestimmung enthalte, sei der Vater bis zum Abschluss der
Erstausbildung weiter zur Unterhaltszahlung verpflichtet. Nur wenn die EL-Bezügerin
erfolglos gerichtlich gegen ihren Vater vorgegangen wäre und die Unterhaltsleistungen
folglich als uneinbringlich zu qualifizieren wären, könnte die Anrechnung der
Unterhaltsleistungen unterbleiben. Die EL-Bezügerin habe aber nichts dergleichen
unternommen, sondern sei passiv geblieben.
B.
B.a Am 15. Januar 2015 erhob die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 23.
Dezember 2014 (act. G 1). Sie führte aus, ihr Vater habe der Amtsvormundschaft ein
Schreiben seiner Rechtsvertreterin zugesandt, kurz bevor sie ihr 18. Altersjahr vollendet
habe. Die Rechtsvertreterin habe darin ausgeführt, dass der Vater angesichts der
konkreten finanziellen Verhältnisse nicht mehr unterhaltspflichtig sei. Gestützt auf
dieses Schreiben habe sich der Vater dann auch nicht mehr unterhaltspflichtig gefühlt
und keine Zahlungen mehr geleistet. Sie, die Beschwerdeführerin, wisse nun nicht, wie
sich verhalten solle. Ihr Vater habe sich quer gestellt, die EL-Durchführungsstelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) sei ihr in keiner Weise behilflich gewesen und
die Beistandschaft habe mit dem Erreichen der Mündigkeit geendet. Sie sei nicht
darüber informiert worden, wie sie sich zu verhalten habe. Ihr fehlten die nötigen
Informationen und das Geld, um gerichtlich gegen ihren Vater vorzugehen. Sie sei aber
bereit dazu. Der Beschwerde lag das erwähnte Schreiben der Rechtsanwältin vom 7.
Mai 2014 bei (act. G 1.2), in dem diese ausgeführt hatte, dass die Unterhaltspflicht
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angesichts der finanziellen Verhältnisse des Vaters und der Beschwerdeführerin
geendet haben dürfte.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 5. Februar 2015 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.c Am 15. März 2016 reichte die Beschwerdegegnerin dem Gericht einen
Kontoauszug für den Zeitraum vom 1. März 2015 bis zum 8. März 2016 ein, laut dem
der Vater der Beschwerdeführerin dieser jeweils zu Beginn des Monats 257 Euro
überwiesen hatte (act. G 5.3). Die Beschwerdegegnerin wies darauf hin, dass dies ihren
im Einspracheentscheid vom 23. Dezember 2014 eingenommenen Rechtsstandpunkt
belege, weshalb sie um Berücksichtigung dieses echten Novums bitte (act. G 5). Am
12. April 2016 reichte die Beschwerdegegnerin einen weiteren Kontoauszug ein, laut
dem der Vater der Beschwerdeführerin dieser bereits im Februar 2015 1’285 Euro (= 5
× 257 Euro; handschriftlicher Vermerk: „Unterhalt Oktober – Februar“) überwiesen hatte
(act. G 7.1). Die Beschwerdegegnerin hielt fest, dass die Unterhaltszahlungen
rückwirkend ab Oktober 2014 geleistet worden seien, womit die Beschwerde faktisch
gegenstandslos geworden sei. Die Beschwerdeführerin liess sich dazu nicht
vernehmen.
B.d Am 26. Mai 2016 forderte das Versicherungsgericht die Beschwerdeführerin auf
anzugeben, ob sie die Unterhaltszahlung für den Monat September 2014 erhalten habe
(act. G 9). Die Beschwerdeführerin antwortete im Juli 2016 (act. G 11), sie habe in den
Monaten August und September 2014 keine Unterhaltszahlungen erhalten. Im Februar
2015 habe sie eine Nachzahlung für die Zeit ab Oktober 2014 erhalten. Seitdem
überweise ihr leiblicher Vater ihr die Unterhaltszahlungen regelmässig.

Erwägungen
1.
Die Beantwortung der Frage nach dem Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens
erfordert eine Auseinandersetzung mit dem Inhalt der fünf Verfügungen vom
September und Oktober 2014. Mit der Verfügung vom 1. September 2014 hat die
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Beschwerdegegnerin einen Fehler behoben, der ihr bei der ursprünglichen
Leistungszusprache unterlaufen war: Sie hatte es versehentlich unterlassen, den Anteil
der Beschwerdeführerin am Erbe ihrer Mutter zu berücksichtigen. Dabei kann es sich
nur um eine Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) gehandelt haben. Im Zuge dieser
Wiedererwägung hat die Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistung auch noch
rückwirkend an die Mietzinsveränderungen nach der erstmaligen Leistungszusprache
angepasst. Weil sie wohl irrtümlich davon ausgegangen ist, hinsichtlich des
Wirkungszeitpunktes für die Wiedererwägung sei der Wirkungszeitpunkt für die
rückwirkende Revision (die erste Mietzinsveränderung war per 1. Oktober 2012 erfolgt)
massgebend, hat sie den Fehler bei der ursprünglichen Leistungszusprache nicht
integral, das heisst rückwirkend ab dem Anspruchsbeginn im Juni 2012 (das Erbe war
im Mai 2012 angefallen), korrigiert. Aber das ändert bezüglich der Definition des
Streitgegenstandes nichts daran, dass die Verfügung vom 1. September 2014 eine
Wiedererwägungsverfügung gewesen ist, die unter anderem auch eine rückwirkende
Anpassung an die Mietzinsveränderungen beinhaltet hat. Diese
Wiedererwägungsverfügung ist mit einer weiteren Verfügung vom 20. September 2014
noch während der laufenden Rechtsmittelfrist widerrufen (vgl. Art. 53 Abs. 3 ATSG)
worden. Dieser Widerruf hat beide Teile der Verfügung vom 1. September 2014
betroffen, denn der Beschwerdegegnerin waren sowohl bei der Anpassung an die
Mietzinsveränderungen als auch bezüglich der Ermittlung des anrechenbaren
Vermögensverzehrs Fehler unterlaufen, die sie allesamt mit der Verfügung vom 20.
September 2014 hat beheben wollen. Nur einen Tag später, am 21. September 2014,
hat die Beschwerdegegnerin eine weitere Verfügung erlassen, die aber nichts mit den
Verfügungen vom 1. und vom 20. September 2014 zu tun gehabt hat. Mit dieser
Verfügung hat sie nämlich die Ergänzungsleistung für die Zukunft respektive für die Zeit
ab dem 1. Oktober 2014 an eine weitere Sachverhaltsveränderung – den Auszug der
Beschwerdeführerin aus der Wohnung des Stiefvaters – angepasst. Diese Verfügung
hat zudem auch eine Abweisung des Revisionsbegehrens der Beschwerdeführerin
bezüglich die sistierten Unterhaltsbeiträge ihres Vaters enthalten. Auch diese
Verfügung hat aber an einem Fehler gelitten, denn die Beschwerdegegnerin hatte es
versäumt, die Lebensbedarfspauschale an die Sachverhaltsveränderung anzupassen.
Mit der Verfügung vom 4. Oktober 2014 hat die Beschwerdegegnerin diesen Fehler
korrigiert. Die Verfügung vom 4. Oktober 2014 kann also nur eine Widerrufsverfügung
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gewesen sein, mit der die damals noch nicht rechtskräftige Verfügung vom 21.
September 2014 integral ersetzt worden ist. Die Verfügung vom 5. Oktober 2014
scheint aufgrund ihres Wirkungszeitpunktes die Verfügung vom 4. Oktober 2014 ersetzt
zu haben. Dieser Eindruck täuscht aber, denn mit der Verfügung vom 5. Oktober 2014
hat die Beschwerdegegnerin nicht einen Fehler korrigieren wollen, der ihr in der
Verfügung vom 4. Oktober 2014 (Abweisung des Revisionsbegehrens betreffend die
sistierten Unterhaltsbeiträge, Anpassung der Mietausgaben und der
Lebensbedarfspauschale infolge des Umzuges) unterlaufen war. Vielmehr hat die
Verfügung vom 5. Oktober 2014 bezweckt, anstelle eines „vorläufig“ geschätzten
Erbanteils nun „definitiv“ das tatsächlich vorhandene Vermögen bei der
Anspruchsberechnung zu berücksichtigen, nachdem die Erbteilung durchgeführt
worden war. Selbstverständlich hat sich mit der Erbteilung der relevante Sachverhalt
nicht verändert, da die Beschwerdeführerin nur den Erbanteil ausbezahlt erhalten
haben kann, der ihr von Anfang an zugestanden hatte. Das ist der Beschwerdegegnerin
natürlich bewusst gewesen, weshalb es sich bei der Verfügung vom 5. Oktober 2014
nicht um eine Revisionsverfügung im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG (mit dem
Wirkungszeitpunkt 1. Oktober 2014) gehandelt und weshalb diese Verfügung keinen
Widerruf der Verfügung vom 4. Oktober 2014 enthalten haben kann. Lässt man den –
falsch gewählten – Wirkungszeitpunkt ausser Acht, ist augenscheinlich, dass die
Verfügung vom 5. Oktober 2014 die Verfügung vom 20. September 2014, die damals
noch nicht formell rechtskräftig gewesen ist, ersetzt hat. Die Beschwerdegegnerin hat
mit anderen Worten mit der Verfügung vom 5. Oktober 2014 ihre Verfügung vom 20.
September 2014 widerrufen, mit der sie bereits ihre Verfügung vom 1. September 2014
widerrufen hatte, die wiederum die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung
wiedererwägungsweise ersetzt hatte. Als die Beschwerdeführerin am 6. Oktober 2014
eine Einsprache gegen die Verfügung vom 21. September 2014 erhoben hat, haben
also nur noch zwei nicht rechtskräftige Verfügungen existiert, nämlich die Verfügung
vom 4. Oktober 2014, die jene vom 21. September 2014 integral ersetzt hatte, und jene
vom 5. Oktober 2014, die jene vom 20. September 2014 (und damit indirekt auch jene
vom 1. September 2014) integral ersetzt hatte. Die Einsprache hat sich folglich gegen
eine nicht mehr existente Verfügung gerichtet, was der Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt der Einspracheerhebung aber nicht bewusst gewesen sein konnte, da sie
noch keine Kenntnis von den Verfügungen vom 4. und 5. Oktober 2014 hatte.
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Richtigerweise hätte die Beschwerdegegnerin die Einsprache als gegen die Verfügung
vom 4. Oktober 2014 gerichtet entgegen nehmen müssen, die ja die Verfügung vom
21. September 2014 ersetzt hatte. Wohl aufgrund des in der Verfügung vom 5. Oktober
2014 falsch gewählten Wirkungszeitpunktes ist sie aber davon ausgegangen, dass
diese Verfügung die Verfügung vom 4. Oktober 2014 ersetzt habe (was nicht der Fall
gewesen ist) und dass sich die Einsprache folglich nur gegen die Verfügung vom 5.
Oktober 2014 richten könne. Mit ihrem Schreiben vom 29. Oktober 2014 hat sie die
Verfügung vom 5. Oktober 2014 zum Gegenstand des Einspracheverfahrens erhoben,
das heisst sie hat den Gegenstand des Einspracheverfahrens ausgedehnt. Das
Einspracheverfahren hat also einerseits die Anpassung der Ergänzungsleistung infolge
des Umzuges der Beschwerdeführerin, die Abweisung des Revisionsbegehrens
betreffend die Sistierung der Unterhaltsbeiträge und andererseits die
wiedererwägungsweise Korrektur der ursprüng¬lichen leistungszusprechenden
Verfügung vom 21. November 2012 – die Berücksichtigung des zuerst versehentlich
vergessen gegangenen Erbanspruchs – zum Gegenstand gehabt. Da die
Beschwerdeführerin den Einspracheentscheid, der dieses Einspracheverfahren
abgeschlossen hat, integral angefochten hat, entspricht der Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens jenem des Einspracheverfahrens.
2.
Bezüglich der Anpassung der Mietausgaben und der Lebensbedarfspauschale per 1.
Oktober 2014 erweist sich der angefochtene Einspracheentscheid als rechtmässig.
Auch hinsichtlich der Sistierung der Unterhaltsbeiträge ist der Einspracheentscheid
rechtmässig, das heisst die Beschwerdegegnerin hat das entsprechende
Revisionsbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht abgewiesen. Die
Beschwerdeführerin hat zwar ab August 2014 von ihrem leiblichen Vater keine
Unterhaltszahlungen mehr erhalten. Darin kann aber keine relevante
Sachverhaltsveränderung im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG erblickt werden. Der
Anspruch auf einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von 257 Euro hat nämlich über den
31. Juli 2014 hinaus unverändert weiter bestanden. Nur die Durchsetzung dieses
Anspruchs ist schwieriger geworden, weil der Vater der Beschwerdeführerin seiner
Unterhaltspflicht nicht mehr freiwillig nachgekommen ist. Dies ist aber für den
Ergänzungsleistungsanspruch der Beschwerdeführerin nicht ausschlaggebend, da sie
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aufgrund ihrer ergänzungsleistungsrechtlichen Schadenminderungspflicht gehalten
gewesen ist, die Unterhaltsleistungen gegen den Willen des Vaters einzufordern. Etwas
anderes gälte nur, wenn davon ausgegangen werden müsste, dass die
Unterhaltsleistungen zum Vornherein uneinbringlich gewesen seien. Von einer solchen
Uneinbringlichkeit wird aber rechtsprechungsgemäss erst ausgegangen, wenn
sämtliche rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind oder wenn wenigstens
nachgewiesen ist, dass die Ausschöpfung allfälliger noch vorhandener rechtlicher
Möglichkeiten nicht erfolgsversprechend ist (vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichtes
9C_329/2010 vom 23. Juni 2010, E. 3.2, mit zahlreichen Hinweisen). Diese
Voraussetzungen sind vorliegend offensichtlich nicht erfüllt gewesen. Im Gegenteil
beweist die Tatsache, dass der Vater der Beschwerdeführerin seiner Unterhaltspflicht
nachträglich dann doch noch, wenn auch nur rückwirkend ab Oktober 2014,
nachgekommen ist, dass die Unterhaltsleistungen einbringlich gewesen sind bzw.
immer noch sind. Würde die Beschwerdeführerin ihre rechtlichen Möglichkeiten
ausschöpfen, könnte sie ihren unverändert weiter bestehenden Unterhaltsanspruch
nach wie vor durchsetzen und folglich auch für den August und den September 2014
die Unterhaltszahlungen von ihrem Vater erhalten. Somit ist für die Berechnung des
Ergänzungsleistungsanspruchs nicht auf den tatsächlichen Mittelzufluss, sondern
darauf abzustellen, dass die Beschwerdeführerin über den 31. Juli 2014 unverändert
einen Anspruch auf Unterhaltsleistungen ihres Vaters gehabt hat (vgl. hierzu auch
RALPH JÖHL, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schweizerisches
Bundessozialversicherungsrecht, Band XIV Soziale Sicherheit, 3. Aufl. 2016, Rz. 214).
Daran ändert die Tatsache nichts, dass die Beschwerdeführerin damals noch sehr jung
gewesen ist und keine Beiständin mehr zur Seite gehabt hat, denn sie hätte sich mit
der Frage, was sie unternehmen soll, beispielsweise an das Sozialamt wenden können.
Diesbezüglich ist die Beschwerde also abzuweisen.
3.
Die Beschwerdeführerin ist bereits im Mai 2012 und damit noch vor dem
Anspruchsbeginn, dem 1. Juni 2012, Erbin gewesen. Folglich hätte ab dem
Leistungsbeginn ein Erbanteil als Vermögensbestandteil berücksichtigt werden
müssen. Die Beschwerdegegnerin hat zunächst (in der leistungszusprechenden
Verfügung vom 21. November 2012) versehentlich vergessen, einen Erbanteil zu
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berücksichtigen, hat später (in den Verfügungen vom 1. und 20. September 2014) einen
„vorläufig“ geschätzten Erbanteil von 15’000 Franken und schliesslich (in der Verfügung
vom 5. Oktober 2014) den „definitiven“ Erbanteil berücksichtigt. Alle vier Verfügungen
hätten an sich denselben Wirkungszeitpunkt aufweisen müssen, denn bei den
Verfügungen vom 1. und 20. September 2014 und vom 5. Oktober 2014 kann es sich
nur um Wiedererwägungs- respektive Widerrufsverfügungen gehandelt haben, wie in
der E. 1 dargelegt worden ist. Angesichts des während der jeweils noch laufenden
Rechtsmittelfrist erfolgten Widerrufs der Verfügungen vom 1. und 20. September 2014
kann die Verfügung vom 5. Oktober 2014 vereinfachend als Wiedererwägung der
ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung vom 21. November 2012
bezeichnet werden. Auf die Frage nach der Zulässigkeit der „vorläufigen“
Berücksichtigung eines lediglich geschätzten Erbanteils ist folglich nicht weiter
einzugehen. Zudem erübrigen sich Ausführungen zur Rechtmässigkeit des in den
Verfügungen vom 1. und 20. September 2012 gewählten Wirkungszeitpunktes der
Wiedererwägung (1. Oktober 2012), der offensichtlich falsch und wohl darin begründet
gewesen ist, dass sich die Beschwerdegegnerin bei der Wahl des Wirkungszeitpunktes
der Wiedererwägung irrtümlicherweise am Wirkungszeitpunkt der (ebenfalls in der
Verfügung vom 1. September 2014 enthaltenen) Revision orientiert haben dürfte.
Jedenfalls kommt als Wirkungszeitpunkt für die Wiedererwägung nur der
Wirkungszeitpunkt der ursprünglichen Leistungszusprache in der Verfügung vom 21.
November 2012, das heisst der 1. Juni 2012, in Frage. Da der Erbanteil der
Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit damals weder höher noch
tiefer als der Betrag gewesen ist, der im Sommer 2014 dann auch tatsächlich
ausbezahlt worden ist, muss rückwirkend ab dem 1. Juni 2012 der ausbezahlte Betrag
zum damals tatsächlich vorhandenen (übrigen) Vermögen addiert werden. Die
leistungszusprechende Verfügung vom 21. November 2012 erweist sich folglich als
zweifellos unrichtig, weil gar kein Erbanteil berücksichtigt worden ist; die Berichtigung
dieses Fehlers ist von erheblicher Bedeutung, da der angerechnete Vermögensertrag,
der sich nur am übrigen Vermögen orientiert hat, betraglich nicht richtig sein kann, was
bedeutet, dass die Ergänzungsleistung entsprechend zu hoch ausgefallen ist (und da
zudem das übrige Vermögen zusammen mit dem Erbanteil den Vermögensfreibetrag
übersteigen und damit den EL-Anspruch zusätzlich beeinflussen könnte). Die
Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Korrektur der
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leistungszusprechenden Verfügung sind also erfüllt gewesen (vgl. Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Allerdings fehlen in den dem Gericht vorliegenden Akten Angaben zum „definitiven“
Betrag des Erbanteils der Beschwerdeführerin. Die von ihr eingereichten Bankauszüge
enthalten zwar Hinweise auf entsprechende Gutschriften, vermögen aber den
massgebenden Betrag der Erbschaft nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Diesbezüglich erweist sich der
Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Hinsichtlich der Erbschaft ist der angefochtene
Einspracheentscheid vom 23. Dezember 2014 folglich in Verletzung der
Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen, weshalb er als rechtswidrig
aufzuheben ist. Die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, die mittels
weiterer Abklärungen den genauen Betrag des Erbanteils der Beschwerdeführerin in
Erfahrung bringen und die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Juni 2012
entsprechend neu berechnen wird. Im Sinne eines obiter dictum ist darauf
hinzuweisen, dass die in der Verfügung vom 5. Oktober 2014 enthaltene Berechnung
falsch sein dürfte, weil darin der Sparbrief doppelt berücksichtigt worden ist. Die in der
saldierten Übersicht des Guthabens bei der Bank B._ angeführte Termineinlage (vgl.
EL-act. 25–1) dürfte wohl dem in der Einzelaufstellung erwähnten Sparbrief (vgl. EL-act.
25–2) entsprechen. Angesichts des Umstandes, dass der Beschwerdeführerin nach
dem Abschluss der weiteren Abklärungen auch für die Monate Juni bis und mit
September 2012 (neu) ein höheres Vermögen und allenfalls ein entsprechender
Vermögensverzehr anzurechnen sein wird, woraus eine entsprechende Rückforderung
resultieren könnte, besteht die Gefahr einer sogenannten reformatio in peius, das heisst
einer Korrektur des angefochtenen Einspracheentscheides zu Ungunsten der
Beschwerdeführerin. Das massgebende Ver¬mögen in diesem Zeitraum wird aber den
Freibetrag von 15’000 Franken nur geringfügig übersteigen (wenn überhaupt), denn
nach der Erbteilung hat die Beschwerdeführerin bei korrekter Berechnung nur über ein
Vermögen von rund 15’000 Franken (= 9’995.93 + 3’556.70 Franken + 1’180.45 + 50.48
Euro; wobei diese Beträge wie oben erläutert genauer zu erheben beziehungsweise zu
belegen sind) verfügt. Eine allfällige Rückforderung für die fünf Monate Juni bis und mit
September 2012 dürfte folglich nur wenige Franken betragen. Für die Zeit von Oktober
2012 bis und mit September 2014 ist davon auszugehen, dass das anrechenbare
Vermögen deutlich tiefer als das von der Beschwerdegegnerin berücksichtigte
Vermögen (19’610 = 4’610 + 15’000 Franken) ausfallen wird. Der Vermögensverzehr
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wird sich also deutlich verringern oder sogar ganz wegfallen. Für diese 24 Monate ist
folglich mit einer Nachzahlung zu rechnen. Auch für die Zeit ab Oktober 2014 ist mit
einem tieferen Vermögensverzehr und mit einem entsprechend höheren
Ergänzungsleistungsanspruch zu rechnen, da die Beschwerdegegnerin irrtümlich von
einem zu hohen Vermögensstand ausgegangen ist, weil sie den Sparbrief bei der Bank
B._ doppelt berücksichtigt hat. Gesamthaft ist deshalb davon auszugehen, dass es
nicht zu einer reformatio in peius kommen wird.
4.
Zusammenfassend ist die Beschwerde dahingehend teilweise gutzuheissen, dass die
Sache zur Ermittlung des effektiven Erbanteils der Beschwerdeführerin und zur
anschliessenden Neufestsetzung des EL-Anspruchs rückwirkend ab dem
Anspruchsbeginn am 1. Juni 2012 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Im
Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art.
61 lit. a ATSG).