Decision ID: 26948aa6-aa91-4a8d-a7ca-533da1961851
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 7. März 2017 beschlagnahmte die Zollkreisdirektion [...], Sektion
Zollfahndung, unter anderem die [...] Skulptur «A._» von
B._ (nachfolgend: Kunstwerk), welche sich auf dem Areal
C._ in [...] befindet, und sprach ein Verfügungsverbot aus. Ferner
beanspruchte sie das Kunstwerk als Zollpfand. Als Drittansprecher wurden
die X._ AG [im Land 1] und E._ in der Beschlagnahmungs-
und Zollpfandverfügung aufgeführt. Diese Verfügung erwuchs in Rechts-
kraft (Urteil des BVGer A-1751/2018 vom 7. September 2018).
A.b Mit Eingabe vom 26. November 2020 ersuchten die Anwälte der [Kanz-
lei F._] (nachfolgend: Rechtsvertreter) die Eidgenössische Zollver-
waltung (nachfolgend: EZV) um Zustimmung zur Restaurierung des von
der Zollbehörde beschlagnahmten Kunstwerks. Hierbei sollte das Kunst-
werk zu Restaurationszwecken an einen neuen, temporären Standort
transportiert und der G._ AG mit Sitz in [...] (nachfolgend: Restau-
rierungsbetrieb) übergeben werden. Die Rechtsvertreter legten diesem
Gesuch eine Kostenschätzung vom 29. Oktober 2020 (ausgestellt vom
Restaurierungsbetrieb, adressiert an die H._) sowie einen Auszug
aus dem Handelsregisteramt des Kantons [...] vom 25. November 2020
betreffend den Restaurierungsbetrieb bei.
A.c Mit Schreiben vom 9. Dezember 2020 informierte die EZV, Direktions-
bereich Strafverfolgung, das Steueramt des Kantons [...] über das Gesuch
der Rechtsvertreter vom 26. November 2020 und wies darauf hin, dass
ohne Zustimmung der EZV über das Kunstwerk nicht verfügt werden dürfe.
A.d Am 11. Dezember 2020 bat die EZV, Abteilung Finanzen, die Rechts-
vertreter um Mitteilung, in welcher Funktion und in welchem Auftrag sie
handeln würden, und um Nachreichung einer Vollmacht.
A.e Mit Schreiben vom 22. Dezember 2020 reichten die Rechtsvertreter
die gewünschte Vollmacht nach. Diese war gleichentags ausgestellt und
im Namen der X._ AG (ohne Adressangabe) unterzeichnet worden.
A.f Ein weiteres Schreiben der Rechtsvertreter an die EZV folgte am
14. Januar 2021. Darin ersuchten die Rechtsvertreter um einen baldigen
Entscheid.
A-2357/2021
Seite 3
A.g Am 25. Januar 2021 informierte die EZV, Abteilung Finanzen, die
Rechtsvertreter dahingehend, dass das besagte Kunstwerk auf Veranlas-
sung des Bezugsdienstes des Steueramts des Kantons [...] im Jahr 2019
durch das [Betreibungsamt] der Stadt [...] verarrestiert worden sei. Für die
Behandlung der Arrestsache sei das Betreibungsamt [...] zuständig, mit
welchem sie (die EZV, Abteilung Finanzen) in Abklärung stehe.
A.h Am 9. März 2021 teilten die Rechtsvertreter mit, dass sie keine Kennt-
nis hätten über ein Arrestverfahren, welches das fragliche Kunstwerk be-
treffen würde, und ersuchten um entsprechende Dokumentation. Ferner
baten sie erneut um zeitnahe Zustimmung zur Restauration des Kunst-
werks, da es sonst möglicherweise Schaden nehmen könne und behielten
sich die Geltendmachung eines allfälligen Schadenersatzes ausdrücklich
vor.
B.
Mit Verfügung vom 13. April 2021 trat die EZV, Abteilung Finanzen (nach-
folgend ebenfalls: EZV), auf das Gesuch vom 26. November 2020 sowie
dessen nachfolgende Ergänzungen nicht ein (Ziff. 1 des Dispositivs). Sie
erhob weder Verfahrenskosten (Ziff. 2 des Dispositivs) noch sprach sie
eine Parteientschädigung zu (Ziff. 3 des Dispositivs).
Die EZV führte hierzu zusammengefasst aus, ein Ersuchen um Freigabe
eines als Zollpfand beschlagnahmten Gegenstandes (Art. 84 Abs. 1 des
Zollgesetzes vom 18. März 2005 [ZG, SR 631.0]) könne nicht von jeder-
mann gestellt werden. Vielmehr bedürfe es hierzu eines schutzwürdigen
Interesses. Gleiches müsse auch während der Dauer der Beschlagnah-
mung gelten und damit auch für ein Gesuch um Restauration eines be-
schlagnahmten Gegenstands. Letztendlich begründete die EZV ihr Nicht-
eintreten damit, dass die Legitimation der X._ AG oder deren hin-
reichende Betroffenheit bzw. deren Parteistellung nicht nachgewiesen sei.
C.
C.a Mit Eingabe vom 14. Mai 2021 erhebt die X._ AG, eine «Non-
resident Domestic Corporation» aus [Land 1] (nachfolgend: Beschwerde-
führerin), Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen die Verfü-
gung der EZV vom 26. April 2021 [recte: 13. April 2021]. Sie beantragt,
Ziff. 1 und 3 der angefochtenen Verfügung seien aufzuheben und [die Vor-
instanz anzuweisen,] das Kunstwerk zum Zwecke der Restauration dem
Restaurierungsbetrieb zu übergeben und im Anschluss an die Restauration
A-2357/2021
Seite 4
an den gegenwärtigen Standort zu retournieren. Eventualiter sei der ange-
fochtene Entscheid aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die
EZV zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich
Mehrwertsteuer). In prozessualer Hinsicht beantragt die Beschwerdeführe-
rin, die Verfahrensakten beizuziehen.
Zur Begründung führt die Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, das
fragliche Kunstwerk stehe in ihrem Eigentum und sei am 9. bzw. 10. Mai
2011 durch die I._ im Verlagerungsverfahren importiert worden.
Diese Transaktion sei Gegenstand eines von der EZV im Jahre 2012 gegen
E._ und weitere Personen geführten Zollverfahrens gewesen und
dort als Fall Nr. 18 dokumentiert. Über die Nachforderung von Zollabgaben
betreffend das fragliche Kunstwerk habe das Bundesgericht im Verfahren
2C_219/2019 mit Urteil vom 27. April 2020 rechtskräftig entschieden.
Das gegenständliche Kunstwerk sei einerseits von der EZV mit Zollbe-
schlag belegt worden und diene als Zollpfand, andererseits sei es im Zu-
sammenhang mit Steuerforderungen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft und des Kantons [...] verarrestiert worden. Das Kunstwerk befinde
sich auf dem Aussenareal C._ in [...]. Wegen Witterungsschäden
sei es zwischenzeitlich renovationsbedürftig. Das Betreibungsamt [...]
habe mit E-Mail vom 25. Januar 2021 an die EZV dem Restaurationsvor-
haben grundsätzlich zugestimmt. Daraus erhelle, dass sich die EZV bereits
mit dem besagten Restaurationsvorhaben materiell auseinandergesetzt
habe und zumindest intern ihre (der Beschwerdeführerin) Legitimation und
jene von E._ als beherrschende Person bejaht habe. Es gehe vor-
liegend nicht um eine Freigabe im Sinne von Art. 84 Abs. 1 ZG, sondern
einzig um die Zustimmung zur Restauration. Sie (die Beschwerdeführerin)
sei zudem Eigentümerin des Kunstwerks. Zum Nachweis ihres Eigentums
reicht die Beschwerdeführerin ein Schreiben der J._ Inc. vom
14. Mai 2021 ein, worin jene nach bestem Wissen angibt, nicht sie selbst,
sondern die X._ AG, [Land 1], sei Eigentümerin des Kunstwerks.
Schliesslich moniert die Beschwerdeführerin das Verhalten der EZV als un-
verhältnismässig und als gegen das Gebot von Treu und Glauben verstos-
send.
C.b Die EZV (nachfolgend auch: Vorinstanz) beantragt mit Vernehmlas-
sung vom 30. August 2021, die Beschwerde sei unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolge abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
A-2357/2021
Seite 5
Die Vorinstanz begründet dies zur Hauptsache damit, dass die Partei- und
Prozessfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht erstellt sei, handle es sich
bei der Beschwerdeführerin doch um eine juristische Person mit Sitz im
Ausland. Auch die Gültigkeit der vorgelegten Anwaltsvollmacht sei nicht
nachprüfbar. Ferner fehle es der Beschwerdeführerin an einem schutzwür-
digen Interesse an der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Ver-
fügung. Die Beschwerdeführerin habe beim Betreibungsamt [...] keinen
Antrag auf Restauration gestellt und könne daher selbst bei Zustimmung
ihrerseits (der Vorinstanz) nicht über das Kunstwerk verfügen, da dieses
noch immer verarrestiert sei. Daneben weite die Beschwerdeführerin mit
ihren Rechtsbegehren auf Anordnung der Standortverschiebung zum Zwe-
cke der Restauration den Streitgegenstand unzulässigerweise aus. Das
Schreiben der J._ Inc. vom 14. Mai 2021 beweise die Eigentümer-
schaft der Beschwerdeführerin keineswegs, sei dieses Schreiben doch
vom Kanzleipartner der Rechtsvertreter unterzeichnet worden. Dieser sei
ins Zollstrafverfahren involviert gewesen. Überdies zähle die J._
Inc. ebenfalls zum Konzern von E._.
C.c Mit Stellungnahme vom 24. November 2021 präzisiert die Beschwer-
deführerin ihre Beschwerde, wobei die entsprechenden Präzisierungen be-
reits oben in Bst. C.a im ersten Absatz eingefügt sind.
Sinngemäss führt die Beschwerdeführerin aus, sie sei Adressatin der an-
gefochtenen Verfügung und daher ohne Weiteres zur Anfechtung legiti-
miert. Die Beschwerdeführerin reicht sodann ein «Certificate of election
and incumbency» vom 6. Oktober 2017 mit Beglaubigung der Kopie vom
13. August 2021 sowie eine Passkopie zum Nachweis der Zeichnungsbe-
rechtigung der die Anwaltsvollmacht unterzeichnenden Person ein. Aus
prozessökonomischer Sicht sei auf eine Rückweisung zu verzichten und
über die Restauration zu entscheiden. Mit der Restauration solle eine Wert-
verminderung verhindert werden. Die Eigentümerschaft am fraglichen
Kunstwerk sei keine Voraussetzung für dessen Restauration und wäre oh-
nehin im Zivilprozess zu klären. Die Eigentümerschaft ergebe sich sodann
auch aus dem Umstand, dass E._ die erwähnten ausländischen
Gesellschaften und damit alle potentiellen Eigentümer kontrolliere. Ausser-
dem stehe die Restauration letztlich im Interesse des Eigentümers und
könne auch im Rahmen einer Geschäftsführung ohne Auftrag vorgenom-
men werden. Daneben stehe sie auch im Interesse der Vorinstanz und der
Betreibungsbehörde.
A-2357/2021
Seite 6
C.d Die Vorinstanz erklärt am 9. Dezember 2021 den Verzicht auf eine wei-
tere Stellungnahme. Die Beschwerdeführerin verzichtet am 16. Dezember
2021 ebenfalls auf eine nochmalige Stellungnahme ihrerseits.
Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien wird im Rahmen der nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen, soweit sie entscheidwesentlich sind.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Angefochten ist eine Verfügung der EZV, Abteilung Finanzen, vom
13. April 2021.
Die EZV wurde per 1. Januar 2022 in das Bundesamt für Zoll und Grenz-
sicherheit (BAZG) umbenannt (Verordnung vom 12. Juni 2020 über die An-
passung von Gesetzen infolge der Änderung der Bezeichnung der Eidge-
nössischen Zollverwaltung im Rahmen von deren Weiterentwicklung
[AS 2020 2743]). Die Bezeichnung dieser Verwaltungseinheit wurde in An-
wendung von Art. 20 Abs. 2 der Publikationsverordnung vom 7. Oktober
2015 (PublV, SR 170.512.1) in sämtlichen betroffenen Erlassen angepasst
(vgl. AS 2020 2743, AS 2021 589). Infolgedessen ist die Vorinstanz im
Rubrum entsprechend umzubenennen. Nachfolgend wird die Vorinstanz
(in ihrer Funktion als Partei) jedoch weiterhin als EZV bezeichnet. Demge-
genüber wird die Vorinstanz als BAZG bezeichnet, wenn das ZG auf sie
verweist.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 des
Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) gege-
ben ist (Art. 31 VGG). Eine solche Ausnahme liegt nicht vor. Der angefoch-
tene Entscheid ist eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG. Das BAZG
(damals noch EZV) ist eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts
(vgl. Art. 33 VGG; Art. 91 Abs. 1 ZG). Das Bundesverwaltungsgericht ist
daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl.
auch Art. 116 Abs. 4 ZG). Das Verfahren richtet sich – soweit das VGG
nichts anderes bestimmt – nach den Vorschriften des VwVG (Art. 37 VGG).
1.3 Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht eingereicht (vgl. Art. 50
Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
A-2357/2021
Seite 7
1.4 Die Parteifähigkeit setzt die Rechtsfähigkeit voraus und erfasst alle na-
türlichen und juristischen Personen des Privatrechts und des öffentlichen
Rechts. Im Rahmen des Zollrechts werden auch gesetzlich zugelassene
Personenverbindungen ohne eigene Rechtspersönlichkeit als Person be-
trachtet (Art. 6 ZG). Vorliegend kann offenbleiben, ob die Beschwerdefüh-
rerin eine juristische Person (nach ausländischem Recht) oder eine (aus-
ländische) Personenvereinigung ohne Rechtspersönlichkeit ist. Beide
Rechtsformen sind nach ZG parteifähig. Folglich ist die Parteifähigkeit der
Beschwerdeführerin und damit auch ihre Prozessfähigkeit vor dem Bun-
desverwaltungsgericht zu bejahen.
1.5 Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men und ist inhaltlich von der Verfügung vom 13. April 2021 betroffen. Die
aktenkundige Anwaltsvollmacht vom 22. Dezember 2020 für das vor-
instanzliche Verfahren nennt sie als Auftraggeberin. Die Vorinstanz ist so-
dann auf das Gesuch vom 26. November 2020 unter anderem deshalb
nicht eingetreten, weil sie das Verfügungsrecht über das Kunstwerk als ent-
scheidwesentlich betrachtet und die Beschwerdeführerin ein solches nicht
nachgewiesen habe. Mit anderen Worten sieht die Vorinstanz das Eigen-
tum der Beschwerdeführerin am Kunstwerk als nicht erstellt an. Die Be-
schwerdeführerin ist somit als materielle Adressatin der Verfügung vom
13. April 2021 zu betrachten. Sie hat ein Interesse an deren Aufhebung
bzw. Änderung und ist damit zur Beschwerdeerhebung vor Bundesverwal-
tungsgericht legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.6 Nach dem Gesagten ist auf das Rechtsmittel vor Bundesverwaltungs-
gericht grundsätzlich einzutreten (vgl. aber nachfolgend: E. 1.7).
1.7 Anfechtungsobjekt in einem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsge-
richt bildet der angefochtene vorinstanzliche Entscheid. Im vorliegenden
Fall ist dies die Nichteintretensverfügung vom 13. April 2021. Mit einer Be-
schwerde gegen einen Nichteintretensentscheid kann nur geltend gemacht
werden, die Vorinstanz habe zu Unrecht das Bestehen der Eintretensvo-
raussetzungen verneint. Die beschwerdeführende Partei kann entspre-
chend nur die Anhandnahme durch die Vorinstanz beantragen (Urteil des
BVGer A-174/2020 vom 2. Februar 2021 E. 1.3).
Vorliegend ist somit einzig zu prüfen, ob die Vorinstanz auf das Gesuch
vom 26. November 2020 hätte eintreten müssen. Auf den sinngemässen
Antrag der Beschwerdeführerin zur Erteilung der Zustimmung zur Restau-
ration bzw. Standortverschiebung ist somit nicht einzutreten.
A-2357/2021
Seite 8
1.8 Dem prozessualen Antrag der Beschwerdeführerin auf Beizug der Ver-
fahrensakten wurde mit Zwischenverfügung vom 14. Juni 2021 entspro-
chen. Die Vorinstanz hat ihrer Vernehmlassung vom 30. August 2021 zahl-
reiche Akten beigelegt.
1.9 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhaltes (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Rüge der Unangemessenheit erheben (Art. 49
Bst. c VwVG).
1.10
1.10.1 Die für die Entscheidfindung (Rechtsanwendung) vorzunehmende
Tatsachenfeststellung setzt voraus, dass die Sachlage korrekt und voll-
ständig ermittelt wurde. Das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungs-
rechtspflege werden deshalb grundsätzlich von der Untersuchungsmaxime
beherrscht. Demnach muss die entscheidende Behörde den Sachverhalt
von sich aus abklären. Sie trägt die Beweisführungslast (sog. subjektive
oder formelle Beweislast). Der Untersuchungsgrundsatz erfährt durch die
Mitwirkungspflicht der Verfahrensparteien allerdings eine Einschränkung
(ANDRÉ MOSER et al., Prozessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht,
3. Aufl. 2022, Rz. 1.49 ff.).
1.10.2 Im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht gilt der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung (BGE 130 II 485 E. 3.2). Die Beweiswürdigung
endet mit dem richterlichen Entscheid darüber, ob eine rechtserhebliche
Tatsache als erwiesen zu gelten hat oder nicht. Der Beweis ist geleistet,
wenn das Gericht gestützt auf die freie Beweiswürdigung zur Überzeugung
gelangt ist, dass sich der rechtserhebliche Sachumstand verwirklicht hat
(MOSER et al., a.a.O., Rz. 3.141). Es ist dabei nicht an bestimmte förmliche
Beweisregeln gebunden, die genau vorschreiben, wie ein gültiger Beweis
zu Stande kommt und welchen Beweiswert die einzelnen Beweismittel im
Verhältnis zueinander haben (vgl. BGE 130 II 482 E. 3.2; Urteile des BVGer
A-584/2020 vom 24. August 2021 E. 1.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer
2C_798/2021 vom 11. Mai 2022], A-2106/2018 vom 31. Dezember 2018
E. 1.4.2.2; MOSER et al., a.a.O., Rz. 3.140).
Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung kann das Beweisverfahren ge-
schlossen werden, wenn die noch im Raum stehenden Beweisanträge eine
nicht erhebliche Tatsache betreffen oder offensichtlich untauglich sind,
A-2357/2021
Seite 9
etwa weil ihnen die Beweiseignung abgeht oder umgekehrt die betreffende
Tatsache aus den Akten bereits genügend ersichtlich ist und angenommen
werden kann, dass die Durchführung des Beweises im Ergebnis nichts än-
dern wird (BGE 131 I 153 E. 3; zum Ganzen: Urteile des BVGer
A-2932/2017 vom 18. Januar 2018 E. 1.4, A-5216/2014 vom 23. April 2015
E. 1.5.4). Diesfalls werden die von den Parteien gestellten Beweisanträge
im Rahmen einer vorweggenommenen, sog. antizipierten Beweiswürdi-
gung abgewiesen (Urteile des BVGer A-584/2020 vom 24. August 2021
E. 1.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai 2022],
A-1328/2018 vom 18. April 2018 E. 1.4.3 f.; MOSER et al., a.a.O.,
Rz. 3.144).
Bleibt eine entscheidrelevante Tatsache unbewiesen, gilt im Bereich des
öffentlichen Rechts grundsätzlich die Beweislastregel von Art. 8 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB,
SR 210) als allgemeiner Rechtsgrundsatz (vgl. BGE 138 II 465 E. 6.8.2;
Urteil des BVGer A-6341/2015 vom 28. Juni 2016 E. 2.1.3). Demnach hat
jene Partei die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen, die aus der unbewie-
sen gebliebenen Tatsache Rechte ableitet (vgl. BGE 133 V 205 E. 5.5; Ur-
teil des BGer 1C_236/2016 vom 15. November 2016 E. 3.6 am Ende; MO-
SER et al., a.a.O., Rz. 3.150).
1.10.3 Nach dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen ist
das Bundesverwaltungsgericht verpflichtet, auf den unter Mitwirkung der
Verfahrensbeteiligten festgestellten Sachverhalt die richtigen Rechtsnor-
men und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als den zutreffenden
erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es überzeugt ist (MO-
SER et al., a.a.O., Rz. 1.54 unter Verweis auf BGE 119 V 347 E. 1a). Aus
dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen folgt sodann,
dass das Bundesverwaltungsgericht als Beschwerdeinstanz nicht an die
rechtliche Begründung der Begehren gebunden ist (vgl. Art. 62 Abs. 4
VwVG). Es kann eine Beschwerde aus anderen als den geltend gemach-
ten Gründen (ganz oder teilweise) gutheissen oder den angefochtenen
Entscheid im Ergebnis mit einer von der Vorinstanz abweichenden Begrün-
dung bestätigen (sog. Motivsubstitution; vgl. anstelle vieler: Urteil des
BVGer A-825/2016 vom 10. November 2016 E. 2.2).
A-2357/2021
Seite 10
2.
2.1 Der Bund hat gemäss Art. 82 Abs. 1 ZG ein gesetzliches Pfandrecht
(Zollpfandrecht) a) an Waren, für welche Zollabgaben zu entrichten sind,
und b) an Waren bzw. Sachen, welche zur Verletzung zollrechtlicher Er-
lasse oder nichtzollrechtlicher Erlasse des Bundes, bei deren Vollzug das
BAZG mitwirkt, gedient haben. Das Zollpfandrecht entsteht zugleich mit
der Zollforderung, welche es zu sichern hat, und geht sämtlichen übrigen
dinglichen Rechten an der Sache vor (Art. 82 Abs. 3 ZG).
2.2 Als dingliches Recht haftet es an der Sache als solcher, unabhängig
davon, wem diese gehört oder in wessen Besitz sie sich befindet. Dritte,
die nicht am mit der Sache zusammenhängenden Verwaltungs- oder Ver-
waltungsstrafverfahren beteiligt sind, müssen daher grundsätzlich dulden,
dass die Sache zur Deckung der Zollforderung beschlagnahmt und verwer-
tet wird (Art. 214 Abs. 1 der Zollverordnung vom 1. November 2006 [ZV,
SR 631.01]; Urteil des BVGer A-584/2020 vom 24. August 2021 E. 4.5.1
[bestätigt durch Urteil des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai 2022]; vgl. RO-
GER M. CADOSCH, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Stämpflis Handkom-
mentar Zollgesetz [ZG], 2009 [nachfolgend: Zollkommentar], Art. 82 N 12).
Eine Ausnahme hiervon bildet Art. 84 ZG (siehe E. 2.5). Sind die Dritten
bekannt, so setzt das BAZG sie von der Beschlagnahme in Kenntnis
(Art. 214 Abs. 2 ZV).
2.3 Das BAZG kann das Zollpfand mittels Beschlagnahme geltend machen
(Art. 83 Abs. 1 ZG). Die Beschlagnahme besteht in der Besitzergreifung
oder in einem Verfügungsverbot, welches an den Besitzer der Waren bzw.
Sachen gerichtet wird (Art. 83 Abs. 2 ZG).
2.4 Das Zollpfandrecht nach Art. 82 ZG und die Beschlagnahmung nach
Art. 83 ZG sind verwaltungsrechtliche Zwangsmassnahmen, die dem un-
mittelbaren Zwang zuzurechnen sind (vgl. Botschaft vom 15. Dezember
2003 über ein neues Zollgesetz, BBl 2004 567, E. 2.3.2.3 S. 649; ULRICH
HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht,
8. Aufl. 2020, Rz. 1478; CADOSCH, Zollkommentar, Art. 83 N 4; das Urteil
des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai 2022 E. 1.2 spricht von einer vorsorg-
lichen Massnahme). Sie dienen primär der Sicherung von Zollforderungen
(CADOSCH, Zollkommentar, Art. 82 N 13 und Art. 83 N 4). Die zivilrechtli-
chen Eigentumsverhältnisse (vgl. Art. 641 ZGB; zum internationalen Ver-
hältnis vgl. Art. 100 des Bundesgesetzes vom 18. Dezember 1987 über
das internationale Privatrecht [IPRG, SR 291]) am beschlagnahmten
Kunstwerk bleiben dabei grundsätzlich bestehen.
A-2357/2021
Seite 11
2.5 Beschlagnahmte Waren bzw. Sachen können der berechtigten Person
gegen Sicherstellung freigegeben werden (Art. 84 Abs. 1 ZG). Die Eigen-
tümerin oder der Eigentümer einer gefundenen und beschlagnahmten
Ware gilt als berechtigte Person (Art. 217 Abs. 1 ZV). Sicherzustellen ist
der Betrag, für den der um Freigabe Ersuchende schlimmstenfalls zu haf-
ten hat (BGE 97 I 455 E. 3b; Urteil des BVGer A-584/2020 vom 24. August
2021 E. 4.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer 2C_798/2021 vom 11. Mai
2022]).
Ohne Sicherstellung werden beschlagnahmte Waren bzw. Sachen gemäss
Art. 84 Abs. 2 ZG freigegeben, sofern der Eigentümer für die gesicherte
Zollforderung nicht selber haftet (Art. 84 Abs. 2 Bst. a ZG) und nachweist,
dass die Waren bzw. Sachen ohne ihre oder seine Schuld zur Widerhand-
lung benutzt worden sind oder dass sie oder er das Eigentum oder den
Anspruch auf Erwerb von Eigentum vor der Beschlagnahme erworben hat,
ohne von der Nichterfüllung der Zollpflicht zu wissen (Art. 84 Abs. 2 Bst. b
ZG; Art. 218 Abs. 1 ZV; vgl. BVGE 2017 III/2 E. 3.3.5). Trotz angebotener
Sicherheitsleistung bzw. trotz Vorliegens von Befreiungsgründen nach
Art. 84 Abs. 2 ZG wird die als Zollpfand beschlagnahmte Ware bzw. Sache
jedoch nicht freigegeben, wenn sie in einem Strafverfahren als Beweismit-
tel dient oder zur Vernichtung bestimmt ist (Urteil des BVGer A-584/2020
vom 24. August 2021 E. 4.5.2 [bestätigt durch Urteil des BGer
2C_798/2021 vom 11. Mai 2022]; CADOSCH, Zollkommentar, Art. 84 N 1
und 4).
2.6 Mit Busse bis zum Fünffachen des Warenwerts wird bestraft, wer
a) eine vom BAZG als Zollpfand beschlagnahmte Ware beziehungsweise
Sache, die in seinem Besitz belassen worden ist, vernichtet; oder b) ohne
Zustimmung des BAZG darüber verfügt (Art. 122 Abs.1 ZG).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung
vom 13. April 2021 auf ein Gesuch der Beschwerdeführerin zur Restaura-
tion eines zollrechtlich beschlagnahmten Kunstwerks mangels eines
schutzwürdigen Interesses nicht eingetreten.
3.2 Es kann offenbleiben, inwieweit die vorstehend genannten Bestimmun-
gen zur Beschlagnahmung und zum Zollpfand dem materiellen Recht und
inwieweit sie dem Verfahrensrecht zuzuordnen sind. Es liegt nämlich im
A-2357/2021
Seite 12
hier zu beurteilenden Fall einzig die Frage im Streit, ob die Voraussetzun-
gen zur Einleitung des Verwaltungsverfahrens vor der Vorinstanz gegeben
waren bzw. sind.
3.3 Das Verwaltungsverfahren – auch Verfahren auf Erlass einer Verfü-
gung, erstinstanzliches Verfahren oder nichtstreitiges Verwaltungsverfah-
ren genannt – ist das formalisierte, mithin rechtlich geregelte Verfahren,
das in den Erlass einer Verfügung mündet (vgl. Art. 1 Abs. 1 VwVG; BGE
146 V 38 E. 4.1; PIERRE TSCHANNEN, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
VwVG, Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Kommentar,
2. Aufl. 2019 [nachfolgend: Kommentar VwVG], Art. 1 N 9; GREGOR BACH-
MANN, Anspruch auf Verfahren und Entscheid, Der Zugang zum Verwal-
tungsverfahren und zur Verwaltungsrechtspflege unter besonderer Berück-
sichtigung der verfassungsrechtlichen Verfahrensgarantien, 2019, S. 5).
3.4 Der Anspruch auf ein Verwaltungsverfahren beurteilt sich nach formel-
lem Recht (vgl. BACHMANN, a.a.O., S. 27 m.Hw. auf die Rechtsprechung).
Er setzt voraus, dass die Behörde über die Frage eine Verfügung im Sinne
von Art. 5 VwVG bzw. Art. 25 VwVG bzw. Art. 25a VwVG erlassen kann
(vgl. BACHMANN, a.a.O., S. 27). Diese muss ihre Grundlage im öffentlichen
Recht des Bundes haben (vgl. MARKUS MÜLLER, Kommentar VwVG, Art. 5
N 60). Des Weiteren ist Voraussetzung, dass die Behörde zum Erlass die-
ser Verfügung zuständig ist (vgl. Art. 7 bis 9 VwVG) und dass die Partei-
stellung im Sinne von Art. 6 VwVG bzw. Art. 48 VwVG gegeben ist.
3.4.1 Gemäss Art. 5 Abs. 1 VwVG gelten als Verfügungen Anordnungen
von Behörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes
stützen und die Begründung, Änderung oder Aufhebung von Rechten oder
Pflichten (Bst. a), die Feststellung des Bestehens, Nichtbestehens oder
Umfanges von Rechten und Pflichten (Bst. b) oder die Abweisung von Be-
gehren auf Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von
Rechten und Pflichten oder das Nichteintreten auf ein solches Begehren
(Bst. c) zum Gegenstand haben. Als Verfügungen gelten mithin autorita-
tive, einseitige, individuell-konkrete Anordnungen einer Behörde, die in An-
wendung von Verwaltungsrecht ergehen, auf Rechtswirkungen ausgerich-
tet sowie verbindlich und erzwingbar sind (BGE 139 V 72 E. 2.2.1, 135 II
38 E. 4.3 m.w.Hw.; vgl. auch TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 28 N 1 f. und N 16 ff.). Diese Struktur-
merkmale bzw. Elemente des Verfügungsbegriffs müssen kumulativ erfüllt
sein (vgl. zum Ganzen: Urteile des BVGer A-4731/2019 vom 3. Februar
2020 E. 2.1.1, A-3146/2018 vom 24. Januar 2019 E. 2.1.1, A-3808/2018
A-2357/2021
Seite 13
vom 14. August 2018 E. 2.1, B-1290/2017 vom 22. September 2017
E. 2.1).
3.4.2 Die Legitimation, ein Verfahren auf Erlass einer Verfügung nach Art. 5
VwVG zu verlangen, bemisst sich nach den Voraussetzungen von Art. 6
und Art. 48 VwVG (BACHMANN, a.a.O., S. 74). Die Legitimation in Art. 6
VwVG ist nämlich weitgehend deckungsgleich mit der Legitimation in
Art. 48 VwVG (ISABELLE HÄNER, Kommentar VwVG, Art. 6 N 1).
3.4.3 Nach Art. 6 VwVG gelten als Parteien Personen, deren Rechte oder
Pflichten die Verfügung berühren soll, und andere Personen, Organisatio-
nen oder Behörden, denen ein Rechtsmittel gegen die Verfügung zusteht.
Zu den Parteien zählen damit neben materiellen Verfügungsadressaten,
deren Rechte oder Pflichten die Verfügung betrifft, auch Dritte, die nach
Art. 48 VwVG beschwerdeberechtigt sind (BVGE 2010/12 E. 2.2; Urteile
des BVGer A-4114/2020 vom 22. Februar 2022 E. 4.1, A-4929/2017 vom
31. Januar 2018 E. 3.1).
Dritte müssen damit stärker als jedermann betroffen sein und in einer be-
sonderen Beziehungsnähe zur Streitsache stehen. Zudem ist erforderlich,
dass sie ein persönliches Interesse daran haben, einen materiellen oder
ideellen Nachteil zu vermeiden, den der angefochtene Entscheid mit sich
bringen würde. Die Beschwerdebefugnis soll die Popularbeschwerde aus-
schliessen und den Charakter des Beschwerderechts als Instrument des
Individualrechtsschutzes unterstreichen (vgl. BGE 142 II 80 E. 1.4.1, 142 II
451 E. 3.4.1, 131 II 361 E. 1.2; Urteile des BVGer A-4114/2020 vom
22. Februar 2022 E. 4.1, A-2669/2016 vom 22. August 2016 E. 3.2,
A-4929/2017 vom 31. Januar 2018 E. 4.1.2; HÄNER, Kommentar VwVG,
Art. 48 N 12).
3.4.4 Das öffentliche Verfahrens- und Prozessrecht unterscheidet nicht
zwischen Prozess- und Sachlegitimation (HÄNER, Kommentar VwVG,
Art. 6 N 3).
3.4.5 Die Legitimation ist von Amtes wegen zu prüfen, wobei die gesuch-
stellende Partei die Beweislast hierfür trägt. Das Beweismass ist unter-
schiedlich; teilweise genügt Glaubhaftmachung, teilweise wird eine ge-
wisse Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt (HÄNER, Kommentar VwVG,
Art. 48 N 2).
A-2357/2021
Seite 14
3.5
3.5.1 Mit Verfügung vom 7. März 2017 (vgl. Sachverhalt A.a) hat die Zoll-
behörde das Kunstwerk als Zollpfand im Sinne von Art. 82 ZG beansprucht
und mit einem Verfügungsverbot im Sinne von Art. 83 ZG belegt. Sie hat
damit die ausschliessliche Verfügungsmacht über die Sache beansprucht.
Nach der Sachdarstellung der Beschwerdeführerin im Gesuch vom 26. No-
vember 2020 muss das Kunstwerk zum Zwecke der Restauration in den
Gewahrsam des Restaurationsbetriebs übergeben werden. Damit zeigt die
Beschwerdeführerin, dass sie die Besitzverhältnisse betreffend das Zoll-
pfand verändern will bzw. die Zollbehörde hierzu anhalten will.
3.5.2 Zweifelsohne zielt das Gesuch vom 26. November 2020 auf den Er-
lass einer Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG ab. Die EZV als Inhaberin
der ausschliesslichen Verfügungsmacht ist hierfür zuständig (vgl. E. 3.4 ff.).
Bereits wegen des Risikos einer Bestrafung nach Art. 122 ZG ist – entge-
gen der Ansicht der Vorinstanz und für den Fall, dass die Beschwerdefüh-
rerin die Restauration selber veranlassen möchte – auch für die Beschwer-
deführerin ein schutzwürdiges Interesse am Erlass einer zustimmenden
Verfügung zur Vornahme der Restauration ohne Weiteres zu bejahen
(s. aber E. 3.5.5).
3.5.3 Soweit die Beschwerdeführerin ihr Gesuch vom 26. November 2020
bzw. ihre Eingabe vom 14. Mai 2021 dahingehend verstanden haben
wollte, die Zollbehörde anzuhalten, das Kunstwerk sorgfältig zu behandeln
bzw. einen allfälligen drohenden Schaden abzuwenden, stünde eine Ein-
flussnahme auf die Amtsführung der Zollbehörden zur Diskussion, welche
ausserhalb der Prüfungsbefugnis des Bundesverwaltungsgerichts liegen
würde und im vorliegenden Verfahren nicht zu behandeln wäre. Darauf ist
nicht weiter einzugehen.
3.5.4 Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Restaurationsvorhaben,
welches im Rahmen eines Werkvertrags (vgl. hierzu: GAUDENZ G. ZINDEL/
BERTRAND G. SCHOTT, in: Widmer Lüchinger/Oser [Hrsg.], Basler Kom-
mentar, Obligationenrecht I, Art. 1 – 529 OR, 7. Aufl. 2020 [nachfolgend:
BSK OR], Art. 363 N 3; PETER LEHMANN, in: Honsell [Hrsg.], Kurzkommen-
tar OR, 2014 [nachfolgend: Kurzkommentar OR], Art. 363 N 4 m. Hw. auf
BGE 130 III 461 E. 4) vorzunehmen sein wird, bedarf es zumindest einer
tatsächlichen Übergabe des Pfandobjekts (vgl. Art. 365 Abs. 2 des Obliga-
A-2357/2021
Seite 15
tionenrechts vom 30. März 191 [SR 220; nachfolgend: OR], in sinngemäs-
ser Anwendung; ZINDEL/SCHOTT, BSK OR, Art. 365 N 4 m.Hw. auf BGE 113
II 422 E. 2a und E. 2b sowie Art. 365 N 11 f.; zu den Nebenpflichten siehe
auch: LEHMANN, Kurzkommentar OR, Art. 364 N 4 und Art. 365 N 5) an den
Werkunternehmer bzw. an den Restaurationsbetrieb. Es ist in diesem Zu-
sammenhang darauf hinzuweisen, dass die Akten nicht darauf schliessen
lassen, dass die Zollbehörde Partei des angestrebten Werkvertrags sein
soll. Zumindest hat die Beschwerdeführerin bereits ein Unternehmen be-
stimmt, welches die Restauration vornehmen soll, sowie eine Analyse des
Zustands des fraglichen Kunstwerks vornehmen lassen.
Damit die Restauration vorgenommen werden kann, bedarf es zwingend
der Verfügung über die Pfandsache durch die Zollbehörde bzw. der Über-
gabe oder der Zustimmung zur Übergabe an den Restaurationsbetrieb, zu-
mindest aber der Zustimmung zur Bearbeitung der Pfandsache am bishe-
rigen Ort. Sofern die Vorinstanz nicht selbst eine Restauration vornehmen
lässt (dazu E. 3.5.3), kommen sämtliche der vorgenannten Handlungen ei-
ner (zumindest teilweisen) Freigabe des Kunstwerks im Sinne von Art. 84
Abs. 1 ZG durch die Vorinstanz als Inhaberin der ausschliesslichen Verfü-
gungsgewalt über die Pfandsache gleich, auch wenn die Beschwerdefüh-
rerin mehrfach betont, nicht deren Freigabe zu verlangen. Es rechtfertigt
sich deshalb, für die Frage der Sachlegitimation im Sinne einer Lückenfül-
lung Art. 84 Abs. 1 ZG analog anzuwenden (zur richterlichen Lückenfüllung
siehe: BGE 144 II 281 E. 4.5.1; zum Analogieschluss siehe: BGE 144 IV
97 E. 3.1.2). Mit der Übergabe des Pfandgegenstandes und dessen Bear-
beitung durch eine Drittperson besteht zudem die Gefahr eines zufälligen
Untergangs des Kunstwerks bzw. Restaurationsobjekts. Insoweit rechtfer-
tigt es sich auch, grundsätzlich nach Art. 84 Abs. 1 ZG eine Sicherstellung
zu verlangen und insoweit ebenfalls analog anzuwenden bzw. ausnahms-
weise in analoger Anwendung von Art. 84 Abs. 2 ZG auf eine Sicherstellung
zu verzichten. Wird der Antrag der Beschwerdeführerin so verstanden, ist
eine öffentlich-rechtliche Grundlage für den Erlass der Verfügung durch die
Vorinstanz zu bejahen.
3.5.5 Davon abzugrenzen ist jedoch ein schutzwürdiges Interesse am be-
schlagnahmten Kunstwerk bzw. Zollpfand selber. Dieses akzentuiert sich
durch eine besondere Nähe zum Objekt. Insoweit geht es um die Sachle-
gitimation am Kunstwerk bzw. Pfandobjekt, welche vorliegend umstritten
ist.
A-2357/2021
Seite 16
3.6 Wie soeben ausgeführt (E. 3.5.4), ist Art. 84 ZG vorliegend analog an-
zuwenden. Damit ist die Rüge der Beschwerdeführerin nicht zu hören, sie
habe keine Freigabe nach Art. 84 ZG verlangt, weshalb sich die Eigen-
tumsfrage nicht stelle.
3.7 Gemäss Art. 84 Abs. 1 ZG erfolgt die Freigabe gegenüber dem Berech-
tigten. Als solcher gilt nach Art. 217 Abs. 1 ZV der Eigentümer des Pfand-
gegenstands (E. 2.5).
3.7.1 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 121 Abs. 3 des
Zollgesetzes vom 1. Oktober 1925 (aZG, AS 42 287) durfte die Zollverwal-
tung von demjenigen, der die Herausgabe eines beschlagnahmten Zoll-
pfandes gegen Sicherstellung beanspruchte, den strikten Nachweis des
Eigentums verlangen (BGE 107 Ib 94 E. 3a) und war auch nicht verpflich-
tet, von Amtes wegen die Eigentumsverhältnisse am beschlagnahmten
Zollpfand abzuklären (BGE 107 Ib 94 E. 4), zumal es dem Gesuchsteller
jederzeit freistand, mit weiteren Beweismitteln den Beweis für sein Eigen-
tum zu erbringen.
Daraus ist zu folgern, dass die Zollverwaltung nach aZG die Herausgabe
eines Zollpfandes gegen Sicherstellung verweigern durfte, wenn eine sum-
marische Prüfung ergab, dass die Eigentumsverhältnisse nicht liquid wa-
ren oder umgekehrt formuliert, die Zollverwaltung die vorhandenen Be-
weismittel zwar zu würdigen hatte, auf weitere Abklärungen aber verzich-
ten durfte.
3.7.2 Nach neuem Recht versucht das BAZG gemäss Art. 83 Abs. 3
2. Satz ZG die berechtigte Person ausfindig zu machen, falls der Wert der
Waren es rechtfertigt. Dies wird in Art. 217 Abs. 2 ZV insofern bekräftigt,
als dort festgehalten wird, das BAZG ermittle die berechtigte Person durch
sachdienliche Nachforschungen. Abs. 3 von Art. 217 ZV hält fest, dass eine
öffentliche Bekanntmachung erfolgt, wenn die berechtigte Person nicht er-
mittelt werden kann. Art. 217 Abs. 4 ZV konkretisiert in seinem 2. Satz den
in Art. 83 Abs. 3 2. Satz ZG genannten Wert der Ware. Dort wird festgehal-
ten, dass auf die Ermittlung der berechtigten Person dann generell verzich-
tet werden kann, wenn der Wert der Ware Fr. 1'000.- nicht übersteigt. Auch
sonst muss nach dem 1. Satz dieser Verordnungsvorschrift der Aufwand
zur Ermittlung der berechtigten Person in einem vernünftigen Verhältnis
zum Wert der Ware stehen. Hier wird demnach der Grundsatz der Verhält-
nismässigkeit präzisiert. Ohnehin muss aber die berechtigte Person ihr
Recht an einer gefundenen oder beschlagnahmten Ware nachweisen
A-2357/2021
Seite 17
(Art. 218 Abs. 1 ZV) und sonst das Recht mit einer Klage beim zuständigen
Zivilgericht geltend machen (Art. 218 Abs. 2 ZV). Nach Art. 219 Abs. 1 ZV
wird die Beschlagnahme des Zollpfandes durch dessen Freigabe aufgeho-
ben und die Sache dem Adressaten bzw. der Adressatin (vgl. hierzu:
E. 2.2) der Beschlagnahmeverfügung übergeben. Im Streitfall oder wenn
mehrere Personen die Berechtigung an der Ware beanspruchen, wird nach
Massgabe von Art. 218 Abs. 3 ZV vorgegangen. Gemäss dieser Bestim-
mung kann sich das BAZG durch gerichtliche Hinterlegung von der Her-
ausgabe befreien, wenn streitig ist, welcher von mehreren berechtigten
Personen die Ware zurückzugeben sei.
Unter dem aktuellen Verordnungsrecht ist die Zollverwaltung somit nicht
verpflichtet, bei illiquiden Eigentumsverhältnissen ein aufwändiges Verfah-
ren zur Feststellung des Eigentums durchzuführen. Sie hat nur verhältnis-
mässige Massnahmen zu ergreifen.
3.7.3 Die Beschlagnahmungsverfügung vom 7. März 2017 war an die
D._ AG adressiert (vgl. E. 2.2). Soweit die Beschwerdeführerin das
fragliche Kunstwerk reparieren lassen bzw. über das Kunstwerk Anordnun-
gen treffen will, hat sie demnach ein besseres Recht als die D._ AG
nachzuweisen. Das behauptete Eigentum am Kunstwerk wäre als besse-
res Recht zu betrachten.
Die Freigabe nach Art. 84 Abs. 1 ZG beendet die Zwangsmassnahme, wes-
halb sich die Zollbehörde für die Frage der Eigentümerschaft auf eine prima
facie-Prüfung beschränken und liquide Verhältnisse verlangen darf. Inso-
weit gilt ein strengeres Beweismass (vgl. E. 3.4.5). Gleiches muss auch für
die analoge Anwendung von Art. 84 Abs. 1 bzw. Abs. 2 ZG gelten.
Infolgedessen durfte die Vorinstanz für ihre Beurteilung ohne Weiteres auf
die von der Gesuchstellerin vorgelegten Unterlagen abstellen. Es war ihr
auch unbenommen, weitere behördennotorische Informationen heranzu-
ziehen.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob das Eigentum der Beschwerdeführerin vor
der Vorinstanz liquid war.
3.8
3.8.1 Die Vorinstanz negierte die Sachlegitimation der Beschwerdeführerin
zur Einreichung eines Gesuches um Restauration des beschlagnahmten
Kunstwerks bzw. Pfandgegenstandes. Sie führte hierzu in der angefochte-
A-2357/2021
Seite 18
nen Verfügung vom 13. April 2021 aus, dass die Eingaben der Beschwer-
deführerin vom 26. November 2020, 22. Dezember 2020, 14. Januar 2021
und vom 9. März 2021 keine Ausführungen darüber enthalten würden,
weshalb die Beschwerdeführerin rechtlich befugt sein sollte, über das
Kunstwerk Anordnungen zu treffen oder treffen zu lassen. Vielmehr sei im
Verfahren A-714/2018 vor Bundesverwaltungsgericht geltend gemacht
worden, dass die J._ Inc. berechtigt gewesen sei, über das fragli-
che Kunstwerk zu verfügen und mit der I._ einen Kommissionsver-
trag abzuschliessen. Von der Beschwerdeführerin sei damals nicht die
Rede gewesen. Ferner habe die K._ Stiftung in ihrer Beschwerde
vom 19. Februar 2021 in einem anderen Verfahren an das Bundesverwal-
tungsgericht unter anderem festgehalten, dass die indirekt von E._
kontrollierten ausländischen Gesellschaften mit der I._ Kommissi-
onsverträge abgeschlossen hätten, um die jeweils in ihrem Eigentum ste-
henden Kunstwerke verkaufen zu lassen. Dies lasse darauf schliessen,
dass die J._ Inc. auch Eigentümerin des vom vorliegenden Verfah-
ren betroffenen Kunstwerks sei. Die Beschwerdeführerin habe zudem die
sie betreffende Nachbezugsverfügung vom 19. August 2015 mit Be-
schwerde vom 21. September 2015 angefochten und ihr Eigentum an den
Kunstwerken bestritten. Sodann habe die Beschwerdeführerin im Oktober
und November 2019 Gesuche um Freigabe im Sinne von Art. 84 Abs. 1 ZG
eingereicht betreffend das Gemälde «[Bild 1]» und weitere zur Auktion vor-
gesehene Kunstwerke. In der Folge habe schon in jenen Verfahren keine
Klarheit über die Vertretungs- und Eigentumsverhältnisse betreffend diese
Kunstgegenstände geschaffen werden können. Auch ein weiteres Gesuch
der Beschwerdeführerin vom 6. August 2020 um Freigabe des Gemäldes
«[Bild 1]» sei ohne Eigentumsnachweis der Beschwerdeführerin geblie-
ben. Sinngemäss macht die Vorinstanz geltend, dass die Eigentumsver-
hältnisse betreffend die Kunstwerke von E._ und dessen Umfeld
grundsätzlich unklar seien. Schliesslich erübrigten sich nach der Auffas-
sung der Vorinstanz weitere Abklärungen betreffend die Legitimation der
Beschwerdeführerin. Es sei nämlich davon auszugehen, dass E._
die Beschwerdeführerin, die K._ Stiftung, die L._ Ltd., die
M._ Inc., die N._ Inc., die J._ Inc. und die D._
AG kontrolliere, weshalb seitens der genannten Gesellschaften keine un-
abhängigen Aussagen zu erwarten seien.
A-2357/2021
Seite 19
3.8.2 Es ist mit der Vorinstanz einig zu gehen, dass sich weder den Schrei-
ben vom 26. November 2020, 22. Dezember 2020, 14. Januar 2021 noch
vom 9. März 2021 Hinweise finden, die auf die rechtliche Befugnis der Be-
schwerdeführerin schliessen lassen, das fragliche Kunstwerk restaurieren
zu lassen.
Die Vollmacht vom 22. Dezember 2020 weist die Beschwerdeführerin als
Auftraggeberin gegenüber ihren Rechtsvertretern aus, sie im Verfahren ge-
gen die EZV betreffend Restauration des fraglichen Kunstwerks zu vertre-
ten und enthält keinen Hinweis über den Rechtsgrund der von ihr bean-
spruchten Verfügungsbefugnis über das Kunstwerk bzw. die Aktivlegitima-
tion für einen Restaurierungsauftrag.
Die im Vorverfahren eingereichte Kostenschätzung des Restaurationsbe-
triebs vom 29. Oktober 2020 richtet sich an einen O._ von
«H._». Soweit die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 24. No-
vember 2021 geltend macht, es handle sich beim Adressaten um den Res-
taurator, ist nicht ersichtlich, weshalb dieser eine Kostenschätzung einholt
bzw. in welchem Rechtsverhältnis er zur Beschwerdeführerin bzw. zum
Kunstwerk steht. Auch die erforderliche Nähe der Beschwerdeführerin zum
streitgegenständlichen Kunstgegenstand ist damit nicht erstellt.
Des Weiteren schloss die Vorinstanz aufgrund von Zollerhebungsverfahren
aus dem Umkreis von E._ und einem Freigabeverfahren hinsicht-
lich eines weiteren Kunstwerks, in welchen die Eigentumsverhältnisse un-
geklärt geblieben waren, darauf, dass auch die Eigentumsverhältnisse be-
treffend das hier strittige Kunstwerk unklar sein dürften und von den von
E._ beherrschten Gesellschaften diesbezüglich auch keine objekti-
ven Auskünfte erhältlich seien. Auch diese Schlussfolgerung ist grundsätz-
lich nicht zu beanstanden.
Allerdings ergibt sich aus dem Protokoll über die Beschlagnahme als Zoll-
pfand (Dossier Nr. [...]), welches zwar undatiert ist, dem jedoch aufgrund
der weiteren Beschlagnahmeprotokolle, je vom 7. März 2017, das Datum
vom 7. März 2017 zuzuschreiben ist, dass die «X._ AG,
[Land 1]/E._, c/o Admin. [Initialen von E._]-Büro, [...]», als
Eigentümerin bzw. Drittansprecher/in des fraglichen Kunstwerks in Frage
kommen könnten.
A-2357/2021
Seite 20
Indessen vermag auch das vorerwähnte «Protokoll über die Beschlag-
nahme als Zollpfand» keinen rechtsgenüglichen Nachweis über die Eigen-
tümerschaft der Beschwerdeführerin zu erbringen, weil ihre Nennung darin
ohne sachliche Prüfung des Eigentums erfolgte.
3.8.3 Aktenkundig vor Bundesverwaltungsgericht sind sodann eine Voll-
macht der Beschwerdeführerin an ihre Rechtsvertreter vom 12. April 2021
betreffend «Herausgabe Kunstwerke, Forderung» sowie eine Vollmacht
vom 22. November 2021 betreffend «Beschwerde Bundesverwaltungsge-
richt (Geschäfts-Nr. 2357/2021)». Diese beiden Dokumente betreffen le-
diglich die Ermächtigung der Rechtsvertreter zur Einleitung des vorinstanz-
lichen bzw. des Beschwerdeverfahrens und erweisen sich mit Bezug auf
die Eigentumsfrage als irrelevant.
3.9 Die Beschwerdeführerin beruft sich vor Bundesverwaltungsgericht
selbst auf ihr Eigentum am fraglichen Kunstwerk.
Somit ist in einem nächsten Schritt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin
im Verfahren vor Bundesverwaltungsgericht ihr Eigentum zum beschlag-
nahmten Kunstobjekt bzw. Zollpfand liquid darzulegen vermag.
3.9.1 Die Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang geltend,
mit ihrem Gesuch vom 26. November 2020 bzw. der Ergänzung vom
22. Dezember 2020 und ihren beiden Schreiben vom 14. Januar 2021 und
9. März 2021 als Eigentümerin über das Kunstwerk verfügen und dieses
auf eigene Kosten restaurieren lassen zu wollen (vgl. Beschwerde vom
14. Mai 2021 Rz. 23). Sie verweist hierzu auf Unterlagen der Zollfahndung
[...], worin Folgendes vermerkt worden sei:
«Gekauft wurde das Werk von der X._. [...] Eine Eigentumsüber-
tragung auf J._ [Inc.] ist nicht bekannt.»
Bei diesen Ausführungen handelt es sich um Ausführungen der untersu-
chenden Beamten im Zollverfahren. Sie vermögen den belegmässigen
Nachweis der Beschwerdeführerin für ihre Eigentümerschaft nicht zu er-
setzen, zumal ein rechtskräftiges Gerichtsurteil hierzu nicht ersichtlich ist.
3.9.2 Mit ihrer Beschwerde vom 14. Mai 2021 reicht die Beschwerdeführe-
rin ferner eine schriftliche Bestätigung der J._ Inc. ein (Beilage
Nr. 18), wonach Letztere nicht Eigentümerin des vorerwähnten Kunstwerks
sei. Diese Bestätigung der J._ Inc. mit gleichem Datum vermag
bestenfalls als indirektes Beweismittel zu dienen und ist als solches nicht
A-2357/2021
Seite 21
geeignet, das Eigentum der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich nachzu-
weisen.
3.9.3 Auch die beiden von der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom
24. November 2021 eingereichten Bestätigungen von E._ vom
22. November 2021 und der D._ AG vom 24. November 2021, wo-
nach das Kunstwerk der Beschwerdeführerin gehöre, vermögen nicht
zweifelsfrei zu belegen, dass die Beschwerdeführerin die rechtmässige Ei-
gentümerin des fraglichen Kunstwerks ist:
Zum einen ist E._ gemäss dem «Certificate of election and incum-
bency» (Kopie vom 13. August 2021) weder als «Director» noch als «acting
Officer» der Beschwerdeführerin im [...] Register [des Landes 1] eingetra-
gen (obwohl dort eine Person mit ähnlichem Namen verzeichnet ist). Aller-
dings hatte ihn die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 21. Septem-
ber 2015 an die EZV noch als ihren Geschäftsführer bezeichnet (daselbst
Rz. 28). Ohnehin hat aber E._ seine schriftliche Äusserung vom
22. November 2021 nicht im Namen der Beschwerdeführerin, sondern in
seinem eigenen Namen gemacht. Insoweit liegt wiederum ein indirektes
Beweismittel vor. Entscheidend jedoch ist, dass die schriftliche Erklärung
von E._ vom 22. November 2021 erst während des aktuellen Ver-
fahrens vor Bundesverwaltungsgericht getätigt worden ist, obschon gegen
ihn seit längerer Zeit mehrere Zollverfahren laufen und teilweise bereits
abgeschlossen sind. Die Beschwerdeführerin hatte zuvor im Verfahren be-
treffend die Nachforderung von Einfuhrabgaben in ihrer Eingabe vom
21. September 2015 an die EZV ihr Eigentum an sämtlichen ihrem Ge-
schäftsführer zugeordneten Kunstwerken noch bestritten, ohne zu erklä-
ren, welche Kunstgegenstände davon auszunehmen waren.
Zum andern ist die Erklärung der D._ AG vom 24. November 2021
ebenfalls erst vor Bundesverwaltungsgericht vorgebracht worden. Zudem
geben die Unterzeichnenden darin nur ihren Wissenstand betreffend die
Eigentumsverhältnisse einer anderen angeblichen Eigentümerin wieder.
Infolgedessen kann auch aufgrund der beiden Erklärungen vom 22. No-
vember 2021 und vom 24. November 2021 nicht mit rechtsgenüglicher Si-
cherheit geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin Eigentümerin
des streitgegenständlichen Kunstwerks ist.
A-2357/2021
Seite 22
3.9.4 Die Beschwerdeführerin reicht sodann vor Bundesverwaltungsge-
richt zum Nachweis ihres Eigentumserwerbs die Rechnung des Auktions-
hauses P._ [...] vom 16. Mai 2007 ins Recht. Sie lässt hierbei aber
unbeachtet, dass diese Rechnung an die «X._» mit Adresse in [der
Schweiz] gerichtet war. Laut dem von der Beschwerdeführerin mit Eingabe
vom 24. November 2021 ebenfalls eingereichten «Certificate of election an
incumbency» (Kopie vom 13. August 2021) ist sie am 27. März 1992 nach
[dem] Recht [des Landes 1] als «Nonresident Domestic Corporation» ge-
gründet worden. Dass diese [...] Gesellschaft [aus dem Land 1] mit der
Rechnungsempfängerin identisch ist, lässt sich diesen Dokumenten nicht
zweifelsfrei entnehmen. Damit ist auch nicht zweifelsfrei erstellt, dass die
Beschwerdeführerin im Jahre 2007 rechtmässige Eigentümerin des streit-
gegenständlichen Kunstwerks geworden ist. Selbst wenn sie das Kunst-
werk im Jahre 2007 zu Eigentum erworben hätte, hat sie im Jahre 2015
bestritten, Eigentümerin zu sein, weshalb sich die Frage stellt, ob sie in der
Zwischenzeit das Eigentum aufgegeben hatte.
3.9.5 Im Sinne eines Zwischenergebnisses ist festzuhalten, dass die Ei-
gentumsverhältnisse weiterhin illiquid sind.
3.9.6 Soweit die Beschwerdeführerin auf die Geschäftsführung ohne Auf-
trag hinweist, ist festzuhalten, dass gemäss Art. 419 ff. OR eine solche vor-
liegt, wenn jemand (Geschäftsführer) willentlich, aber ohne vertragliche
oder sonstwie rechtserhebliche Veranlassung, im Interesse eines Dritten
(Geschäftsherrn) tätig geworden ist (OSER/ WEBER, BSK OR, Art. 419 N 1).
Hier liegt indessen gar kein Fall von Geschäftsführung ohne Auftrag vor,
weshalb nicht auf deren Voraussetzungen und schon gar nicht deren (feh-
lendes) Vorliegen im konkreten Fall sowie das Verhältnis zu den zollstraf-
rechtlichen Bestimmungen (E. 2.6) einzugehen ist.
3.9.7 Daneben unterlässt es die Beschwerdeführerin, darzulegen, aus wel-
chem anderen Grund, sie zum fraglichen Kunstobjekt eine besondere Be-
ziehung aufweise, um über dieses verfügen zu dürfen. Es kann daher of-
fenbleiben, ob der Begriff der berechtigten Person im Sinne von Art. 84
Abs. 1 ZG möglicherweise über den Begriff des Eigentümers der Pfandsa-
che (vgl. Art. 217 ZV) hinausgeht.
3.9.8 Davon abzugrenzen ist die Frage, ob die Restauration des Kunst-
werks tatsächlich der Werterhaltung dient, wie das die Beschwerdeführerin
geltend macht. Letztere Frage betrifft die sachliche Prüfung des Gesuchs
A-2357/2021
Seite 23
und war nicht Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens und ist deshalb
vorliegend nicht zu beurteilen (E. 1.77).
3.10 Die Beschwerdeführerin rügt ferner, die Vorinstanz verstosse mit ih-
rem Nichteintretensentscheid gegen das Gebot von Treu und Glauben,
weil sie eine Schädigung des Kunstwerks in Kauf nehme. Zudem verstosse
sie damit auch gegen den Grundsatz der Verhältnismässigkeit, weil ja nur
die Restauration ermöglicht werden solle und keine Pfandentlassung ver-
langt werde.
Beide Argumente betreffen jedoch nicht die Eintretensvoraussetzungen,
sondern vielmehr die Frage, ob die Bewilligung zur Restauration zu erteilen
wäre (bzw. eine Frage, für deren Beantwortung das Bundesverwaltungs-
gericht nicht zuständig ist: E. 3.5.3). Sie betreffen damit die weiteren Vo-
raussetzungen für die Erteilung der Bewilligung, welche von der Vorinstanz
gar nicht erst geprüft worden sind. Da die Vorinstanz die Legitimation zu
Recht verneint hat und es der Beschwerdeführerin auch vor Bundesver-
waltungsgericht nicht gelingt, ihre Legitimation zur Durchführung des Ver-
waltungsverfahrens betreffend Bewilligung über eine beschlagnahmte Sa-
che bzw. Zollpfand zu verfügen, rechtsgenüglich zu belegen, bleibt kein
Raum für eine Beurteilung des Gesuches vom 26. November 2020. Für
eine Rückweisung an die Vorinstanz bleibt unter diesen Umständen eben-
falls kein Raum.
3.11 Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde vollumfänglich
abzuweisen ist, soweit darauf einzutreten ist.
4.
4.1 Ausgangsgemäss sind die auf Fr. 1‘500.- festzusetzenden Verfahrens-
kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Der einbezahlte Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der
Verfahrenskosten zu verwenden.
4.2 Eine Parteientschädigung ist nicht zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1
VwVG e contrario und Art. 7 Abs. 1 VGKE e contrario sowie Art. 7 Abs. 3
VGKE).
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
A-2357/2021
Seite 24