Decision ID: 123272f5-7ffd-5c14-9805-bf4cef8d4619
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y Z sind unselbständig erwerbstätig und wohnen in S. Ihre Tochter A (geb.
1984) besuchte in den Jahren 2005 bis 2008 das Kindergartenseminar Rudolf Steiner in
Bern. Während dieser Zeit wurde sie von den Eltern finanziell unterstützt. Sie schloss
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den dreijährigen Ausbildungsgang Ende Oktober 2008 ab und erhielt das Diplom im
November 2008. Mitte Oktober 2008 begann, sie als Kindergärtnerin zu arbeiten.
B.- Nachdem X und Y Z keine Steuererklärung für das Jahr 2008 eingereicht hatten,
wurden sie für die direkte Bundessteuer 2008 nach Ermessen mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 74'200.-- veranlagt. Am 19. September 2009 (Poststempel: 24.
September 2009) erhoben sie gegen die Veranlagung Einsprache und reichten
gleichzeitig die Steuererklärung für das Jahr 2008 ein. Sie deklarierten ein steuerbares
Einkommen von Fr. 37'954.--.
Mit Entscheid vom 2. Dezember 2009 hiess die Veranlagungsbehörde die Einsprache
teilweise gut und nahm verschiedene Korrekturen vor. Sie liess insbesondere den für
die Tochter A geltend gemachten Kinderabzug von Fr. 6'800.--, den damit
verbundenen zusätzlichen Pauschalabzug von Fr. 600.-- für Sparzinsen und
Versicherungsprämien sowie die Ausbildungskosten von Fr. 10'885.-- nicht zum Abzug
zu und legte das steuerbare Einkommen auf Fr. 58'400.-- fest.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhoben X und Y Z mit Eingabe vom 30.
Dezember 2009 (Poststempel) Beschwerde bei der Verwaltungsrekurskommission mit
dem sinngemässen Antrag, der Kinderabzug und der Abzug der Ausbildungskosten
seien zuzulassen. Auf die Ausführungen zur Begründung des Antrags wird, soweit
notwendig, in den Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz beantragte am 9. Februar 2010 unter Hinweis auf den angefochtenen
Entscheid die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 30. Dezember 2009
(Poststempel) ist rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum
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Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.- Vorab ist festzuhalten, dass die Abzüge, welche Kinder betreffen, bei der direkten
Bunddessteuer und bei der kantonalen Steuer nicht identisch sind. So kennt die direkte
Bundessteuer keinen Abzug für Kinder in schulischer oder beruflicher Ausbildung, wie
er mit dem II. Nachtrag zum St. Gallischen Steuergesetz (nGS 41-85) für die Staats-
und Gemeindesteuern auf den 1. Januar 2007 neu eingeführt wurde. Die Vorinstanz hat
daher zu Recht die unter Ziff. 25.3 der Steuererklärung deklarierten Aufwendungen bei
der direkten Bundessteuer nicht berücksichtigt.
3.- In der Beschwerde ist umstritten, ob die Beschwerdeführer Anspruch auf den
Kinderabzug und den erhöhten Abzug für Versicherungsprämien und Sparzinsen für
ihre 1984 geborene Tochter A haben.
a) Die Beschwerdeführer machen geltend, ihre Tochter A sei bis Ende Oktober 2008 in
Ausbildung gewesen und habe das Abschlussdiplom erst im November 2008 erhalten.
Sie habe bis Oktober 2008 unbezahlte Praktika in W und R absolviert. Erst Mitte
Oktober 2008 habe sie die Erwerbstätigkeit aufgenommen. Es sei inakzeptabel, dass
die Ausbildungsabzüge nicht zugelassen würden.
Die Vorinstanz bestreitet den geschilderten Sachverhalt nicht. Sie weist in ihrem
Einspracheentscheid vom 2. Dezember 2009 aber darauf hin, dass A Z Ende 2008
nicht mehr in Ausbildung, sondern bereits berufstätig gewesen sei. Daher entfielen im
2008 die Abzüge für die Tochter A.
b) Gemäss Art. 213 Abs. 1 lit. a DBG in Verbindung mit Art. 7 lit. a der Verordnung über
den Ausgleich der Folgen der kalten Progression für die natürlichen Personen bei der
direkten Bundessteuer (in der Fassung vom 27. April 2005, AS 2005 S. 1937,
SR 642.119.2, abgekürzt: VKP) werden für jedes minderjährige oder in der beruflichen
Ausbildung stehende Kind, für dessen Unterhalt der Steuerpflichtige sorgt, Fr. 6'100.--
vom Einkommen abgezogen. Der erhöhte Abzug für Versicherungsprämien und
Sparzinsen nach Art. 212 Abs. 1 DBG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 VKP beträgt
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Fr. 700.-- und kann nur gewährt werden, wenn ein Abzug nach Art. 213 Abs. 1 lit. a
oder b DBG geltend gemacht werden kann. Die Sozialabzüge werden nach den
Verhältnissen am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht festgesetzt (Art. 213
Abs. 2 DBG). Massgebend ist der 31. Dezember. Eine anteilmässige Gewährung
kommt in Frage, wenn die Steuerpflicht nur während eines Teils der Steuerperiode
besteht (Art. 213 Abs. 3 DBG).
Mit den Sozialabzügen trägt das Steuergesetz, ähnlich wie mit den allgemeinen
Abzügen, den besonderen wirtschaftlichen Belastungen der Steuerpflichtigen
Rechnung. Anders als die allgemeinen Abzüge lassen sie jedoch nicht den Abzug
angefallener Aufwendungen zu; vielmehr kann bei Vorliegen bestimmter persönlicher
Verhältnisse ein gesetzlich festgelegter Betrag beansprucht werden (vgl. Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl. 1999, S.
165). Sie sind nicht unmittelbar auf die Berücksichtigung von effektiven Aufwendungen
der Steuerpflichtigen, sondern auf Gruppendifferenzierung ausgerichtet. Sie sind
deshalb ein Element der Tarifgestaltung bzw. Tarifvariationen oder Tarifverfeinerungen
und wirken als solche grobschlächtig. Sie tragen den konkret verausgabten Mitteln
bloss typisiert Rechnung (M. Reich, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,
Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 67 zu Art. 9 StHG).
Da die Gewährung von Sozialabzügen an das Vorliegen bestimmter Verhältnisse
anknüpft, gilt für deren Festsetzung gemäss Art. 213 Abs. 2 DBG das Stichtagsprinzip.
Es ist ein typisches Beispiel einer gesetzlichen Vereinfachung im Rahmen des
Steuervollzugs, indem Veränderungen in den persönlichen Verhältnissen nicht laufend,
sondern (grundsätzlich) nur einmal in der Steuerperiode berücksichtigt werden.
Bestehen die Verhältnisse am Stichtag, so wird undifferenziert davon ausgegangen,
dass sie in der ganzen Steuerperiode bestehen (I.P. Baumgartner, Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2 Auflage 2008, N 2 zu Art. 35 DBG). Dem
Stichtagsprinzip liegt eine Gesamtbetrachtung zugrunde, bei der in Kauf genommen
wird, dass im Einzelfall eine steuerliche Bevorzugung oder Benachteiligung eines
Pflichtigen eintreten kann. Entscheidend ist, dass – soweit eine absolut korrekte
Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht erreicht werden kann –
es im Sinn der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügt, wenn die gesetzliche
Regelung nicht in genereller Weise zu Ungerechtigkeiten führt (SGE 2008 Nr. 1 E.
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2.3.2). Eine solche generelle Benachteiligung gewisser Kategorien von Pflichtigen tritt
beim Stichtagsprinzip gerade nicht ein, indem allen Pflichtigen ein Sozialabzug, der
sich zu ihrem Vorteil auswirkt, auch dann gewährt wird, wenn die Veränderung in den
persönlichen Verhältnissen erst kurze Zeit bestand. Andererseits ist es möglich, dass
bei der Beendigung einer Ausbildung Ende November der Abzug nicht gewährt wird,
obwohl während elf Monaten eine Unterstützung zur Hauptsache geleistet wurde. Dies
ist nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung hinzunehmen (SGE 2008 Nr. 1
E. 2.3.3). Auch wenn es durchaus bedenkenswert wäre, den Kinderabzug pro rata
temporis zuzulassen, verbietet der klare Wortlaut von Art. 213 Abs. 2 und 3 DBG zum
heutigen Zeitpunkt eine entsprechende Gesetzesauslegung (vgl. allgemein Bosshard/
Bosshard/Lüdin, Sozialabzüge und Steuertarife im schweizerischen Steuerrecht, Zürich
2000, S. 109 ff.).
c) Es ist unstreitig, dass die Beschwerdeführer im Jahr 2008 während nahezu zehn
Monaten wesentliche Beiträge an ihre Tochter leisteten und damit an deren Unterhalt
mindestens in der Höhe des Abzuges beitrugen. Da jedoch das Stichtagsprinzip zur
Anwendung gelangt, ist die Dauer der Unterstützung nicht massgebend. Vielmehr ist
entscheidend, dass die Tochter am 31. Dezember 2008, dem Ende der Steuerperiode,
unselbständig erwerbstätig war und sich nicht mehr in schulischer oder beruflicher
Ausbildung befand. Bei dieser, auch von den Beschwerdeführern nicht bestrittenen
Sachlage hat die Vorinstanz den Kinderabzug und den erhöhten Abzug für
Versicherungsprämien und Sparzinsen zu Recht nicht zugelassen. Die Beschwerde ist
deshalb abzuweisen.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Verfahrenskosten den
Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 800.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Art. 13 Ziff. 522
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.-- ist zu
verrechnen.