Decision ID: 710f7426-a187-4284-b386-a16287eccf63
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
X._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) legte im Jahre 2020 erstmals
das eidgenössische Staatsexamen für Ingenieur-Geometerinnen und -Ge-
ometer (nachfolgend auch: Staatsexamen) ab, bestand dieses jedoch im
Themenkreis C (Landmanagement) nicht. Am 25./26. August und 2. Sep-
tember 2021 legte er die Prüfung in diesem Themenkreis ein zweites Mal
ab.
B.
B.a Am 3. September 2021 teilte die Eidgenössische Kommission für In-
genieur-Geometerinnen und -Geometer (nachfolgend: Vorinstanz) dem
Beschwerdeführer ihren gleichentags gefällten Entscheid mit, dass er die
Prüfung im Themenkreis C und damit die Prüfung insgesamt nicht bestan-
den habe. Die Entscheidbegründung werde in acht Wochen zugestellt.
B.b Mit einem als "Verfügung" bezeichneten und mit einer Rechtsmittelbe-
lehrung versehenen Schreiben vom 25. Oktober 2021 liess die Vorinstanz
dem Beschwerdeführer ihre gleichentags datierte Begründung des Ent-
scheids vom 3. September 2021 zukommen.
C.
Nachdem der Beschwerdeführer am 11. November 2021 bei der Vorinstanz
seine Prüfungsresultate persönlich einsehen konnte, hat er gegen das
Schreiben der Vorinstanz vom 25. Oktober 2021 am 26. November 2021
Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht erhoben. Er beantragt un-
ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Vorinstanz die voll-
umfängliche Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Bewertung
seiner Prüfung im Themenkreis C als bestanden. Eventualiter sei er noch-
mals kostenlos zur Geometerprüfung in diesem Themenkreis zuzulassen.
In verfahrensmässiger Hinsicht ersucht er um die Edition sämtlicher Ver-
fahrensakten, zumindest soweit sie seine Prüfung beträfen, und um an-
schliessende Gelegenheit zur Beschwerdeergänzung. Er begründet seine
Anträge im Wesentlichen damit, dass die Verfügung vom 25. Oktober 2021
formell fehlerhaft eröffnet worden sei und mangels genügender Begrün-
dung seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletze. Ferner sei er über
die Art und Weise der Prüfungsbewertung unzureichend informiert und die
Prüfung in willkürlicher Weise korrigiert worden.
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D.
In ihrer Vernehmlassung vom 24. Januar 2022 begehrt die Vorinstanz unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschwerdeführers die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Die angefochtene Verfügung
bestehe aus dem Brief vom 3. September 2021 und dem als "Verfügung"
betitelten Schreiben vom 25. Oktober 2021 und sei somit als solche be-
zeichnet, begründet und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen. Das
rechtliche Gehör sei dem Beschwerdeführer mit der schriftlichen Ent-
scheidbegründung und anlässlich seiner Einsichtnahme in die Prüfungsre-
sultate am 11. November 2021 gewährt worden. Er sei hinreichend über
die Art und Weise der Prüfungsbewertung informiert worden. Letztere sei
zudem nicht willkürlich erfolgt. Er habe in seiner Lösung der Prüfungsauf-
gabe fundamentale Fehler gemacht. Er habe das Verfahren der Landum-
legung nach Werten und das Verfahren der Landumlegung nach Fläche
vermischt und Flächenabtausche über die Zonengrenze hinweg vorge-
nommen.
E.
In seiner Replik vom 22. Februar 2022 hält der Beschwerdeführer an sei-
nen Rechtsbegehren fest. Ergänzend legt er dar, keinen Flächenabtausch
über die Zonengrenzen hinweg vorgenommen und die beiden Landumle-
gungsverfahren nicht vermischt, sondern eine Landumlegung nach Fläche
durchgeführt zu haben. Die Berechnungen, der Landumlegungsplan und
die Vorgehensweise stimmten überein. Der von ihm gewählte Lösungsweg
sei praxistauglich, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und
die Prüfung als bestanden zu werten sei.
F.
In ihrer Duplik vom 7. April 2022 hält die Vorinstanz fest, dass die Prüfungs-
arbeit des Beschwerdeführers infolge deren grundsätzlicher Mängel nur
mit sehr geringer Punktzahl habe bewertet werden können. Die ungenü-
gende Bewertung des Aufgabenbereichs sei nicht willkürlich, sondern das
Ergebnis der zahlreichen Mängel gewesen. Die Prüfung sei von vier aus-
gewiesenen Experten mit langjähriger Praxiserfahrung unabhängig vonei-
nander mit der äusserst geringen Punktzahl von jeweils rund sieben Punk-
ten bewertet worden.
G.
Mit Verfügung vom 11. April 2022 stellte die Instruktionsrichterin die Duplik
der Vorinstanz dem Beschwerdeführer für allfällige Bemerkungen bis zum
2. Mai 2022 zu.
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Der Beschwerdeführer hat innert Frist keine Bemerkungen eingereicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) als Be-
schwerdeinstanz Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwal-
tungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021).
1.1.1 Der Beschwerdeführer rügt eine formell fehlerhafte Verfügung. Die
Verfügung vom 25. Oktober 2021 verweise lediglich auf die Mitteilung vom
3. September 2021, halte jedoch nicht fest, dass er die Prüfung nicht be-
standen habe. Die Mitteilung stelle selbst weder eine Verfügung dar noch
sei sie als solche bezeichnet worden. Auch enthalte sie keine Rechtsmit-
telbelehrung. Der Beschwerdeführer führt weiter aus, dass dieser Fehler
vermutungsweise aber geheilt werden könne.
1.1.2 Nach Art. 5 Abs. 1 VwVG sind Verfügungen Anordnungen der Behör-
den im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen und
die Begründung, Änderung oder Aufhebung von Rechten oder Pflichten
(Bst. a), die Feststellung des Bestehens, Nichtbestehens oder Umfanges
von Rechten und Pflichten (Bst. b) oder die Abweisung von Begehren auf
Begründung, Änderung, Aufhebung oder Feststellung von Rechten und
Pflichten oder das Nichteintreten auf ein solches Begehren zum Gegen-
stand haben (Bst. c). Als Verfügungen gelten mithin autoritative, einseitige,
individuell-konkrete Anordnungen der Behörde, die in Anwendung von Ver-
waltungsrecht ergangen, auf Rechtswirkungen ausgerichtet sowie verbind-
lich und erzwingbar sind (vgl. statt vieler: BGE 139 V 143 E. 1.2 und 135 II
38 E. 4.3, je mit weiteren Hinweisen).
Vom Verfügungsbegriff zu trennen ist die Frage nach der Form der Verfü-
gung. Nach Art. 34 Abs. 1 VwVG hat die Verfügungseröffnung grundsätz-
lich schriftlich zu erfolgen. Daneben sind Verfügungen gemäss Art. 35
Abs. 1 VwVG als solche zu bezeichnen, zu begründen und mit einer
Rechtsmittelbelehrung zu versehen. Dazu kommt schliesslich die Bezeich-
nung der verfügenden Behörde und des Adressaten sowie die Formulie-
rung eines Dispositivs (vgl. TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines
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Verwaltungsrecht, 4. Aufl. 2014, § 29 Rz. 10; BENOÎT BOVAY, Procédure ad-
ministrative, 2. Aufl. 2015, S. 362 ff.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemei-
nes Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 871). Werden die Formvorschrif-
ten des VwVG nicht eingehalten, so liegt ein Eröffnungsmangel vor. Aus
einer mangelhaften Eröffnung darf den Parteien kein Nachteil erwachsen
(Art. 38 VwVG). Formfehlerhafte Verfügungen sind anfechtbar, in seltenen
Fällen gar nichtig. Eine mit formellen Mängeln behaftete Verfügung bleibt
aber – abgesehen vom seltenen Fall der Nichtigkeit – eine Verfügung
(BVGE 2015/15 E. 2.1.2.1 in fine; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O.,
§ 28 Rz. 18; FELIX UHLMANN, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxis-
kommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 5 N. 132). Ist
dem Betroffenen trotz Formfehler kein Nachteil entstanden, bleibt dieser
Mangel folgenlos, da sich der Sinn des Formzwanges im Schutz des Be-
troffenen gemäss Art. 38 VwVG erschöpft (Urteile des BVGer B-4720/2019
vom 14. Juli 2020 E. 2.4 und A-3766/2012 vom 5. August 2013 E. 1.4.3;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., § 29 Rz. 2 und 20).
Formfehler führen somit grundsätzlich nicht zum Wegfall des Verfügungs-
charakters; die Formvorschriften sind nicht Voraussetzung, sondern Folge
der Verfügung. Massgebend ist, ob die typischen inhaltlichen Strukturele-
mente einer Verfügung vorliegen (sog. "materieller Verfügungsbegriff"; vgl.
BVGE 2015/15 E. 2.1.2.1; s.a. BVGE 2016/20 E. 1.2.1; UHLMANN, Praxis-
kommentar VwVG, Art. 5 N 132).
1.1.3 In casu hat die Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 3. September
2021 ihren Entscheid mitgeteilt, wonach er das Staatsexamen nicht be-
standen habe, und darauf hingewiesen, dass die Begründung in acht Wo-
chen folgen werde. Das Schreiben ist allerdings weder als Verfügung be-
zeichnet noch mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen. Die Begründung
des Entscheids erfolgte am 25. Oktober 2021 unter dem Titel "Verfügung"
und mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen (vgl. Sachverhalt Bst. B hier-
vor). Daraus geht hervor, dass sich das Schreiben vom 25. Oktober 2021
auf den Entscheid der Geometerkommission bezüglich des Prüfungser-
gebnisses des Staatsexamens für Ingenieur-Geometerinnen und -Geome-
ter 2021 beziehe und der Beschwerdeführer die Prüfung im Themenkreis
C (Landmanagement) nicht bestanden habe. Demnach enthielt das Schrei-
ben vom 25. Oktober 2021 nicht nur explizit eine Begründung und eine
Rechtsmittelbelehrung, sondern führte auch aus, dass der Beschwerdefüh-
rer die Prüfung im besagten Themenkreis nicht bestanden habe. Unter Be-
zugnahme auf das Schreiben vom 3. September 2021 geht somit klar her-
vor, dass der Beschwerdeführer damit das Staatsexamen insgesamt nicht
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Seite 6
bestanden hat. Demnach liegt eine autoritative und einseitige Anordnung
vor, die sich konkret auf den Einzelfall des Beschwerdeführers bezieht. Sie
ist in Anwendung von Bundesverwaltungsrecht ergangen und auf die
Rechtswirkung ausgerichtet, dass dieser weiterhin kein Inhaber des Inge-
nieur-Geometer-Patents ist. Die Anordnung ist für den Beschwerdeführer
verbindlich und ihr Vollzug kann durch die Behörden erzwungen werden.
Selbst wenn an sich ein eigenständiges Dispositiv, wonach der Beschwer-
deführer das Staatsexamen nicht bestanden habe, im Schreiben vom
25. Oktober 2021 zu erwarten gewesen wäre, geht im vorliegenden Fall
angesichts des Dargelegten doch klar hervor, dass mit dem Nichtbestehen
der Themenkreisprüfung auch das Staatsexamen insgesamt nicht bestan-
den wurde. Wie der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer denn selbst
einsieht – dass ein Mangel geheilt werden könnte –, ist ihm dadurch kein
Nachteil entstanden. Das Schreiben vom 25. Oktober 2021 ist somit als
eine vor dem Bundesverwaltungsgericht anfechtbare Verfügung im Sinne
von Art. 5 Abs. 1 VwVG zu qualifizieren.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung der vorliegenden
Beschwerde zuständig (Art. 31 und 33 Bst. f VGG). Eine Ausnahme nach
Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.3 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes vorsieht (Art. 37 VGG).
1.4 Der Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Entscheids
zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Eingabefrist so-
wie Anforderungen an Form und Inhalt der Beschwerdeschrift sind gewahrt
(Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG). Der Kostenvorschuss wurde frist-
gerecht bezahlt (Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf die Beschwerde ist deshalb
einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht können die Verlet-
zung von Bundesrecht (einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch
des Ermessens), die unrichtige oder unvollständige Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts sowie die Unangemessenheit der ange-
fochtenen Verfügung gerügt werden (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft Entscheide über Ergebnisse
von Prüfungen grundsätzlich mit uneingeschränkter Kognition (Art. 49
VwVG; vgl. Urteile des BVGer B-160/2021 vom 4. August 2021 E. 2.2,
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B-2588/2020 vom 7. Juli 2021 E. 4.1 und B-5185/2019 vom 6. März 2020
E. 5.2; ZIBUNG/HOFSTETTER, Praxiskommentar VwVG, Art. 49 VwVG
N 43). Indes haben Prüfungen oftmals Spezialgebiete zum Gegenstand, in
denen die Rechtsmittelbehörde in der Regel über keine eigenen Fach-
kenntnisse verfügt. Der Rechtsmittelbehörde ist es oft nicht möglich, sich
ein zuverlässiges Bild über die Gesamtheit der Leistungen einer Beschwer-
departei und der Leistungen der übrigen Kandidaten zu machen. Eine freie
und umfassende Überprüfung der Examensbewertung würde die Gefahr
von Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten gegenüber den anderen Prü-
fungskandidaten in sich bergen, und es ist auch nicht Aufgabe der Be-
schwerdeinstanz, die Bewertung der Prüfungsleistungen gewissermassen
zu wiederholen (vgl. statt vieler: BVGE 2008/14 E. 3.1). In Bezug auf die
relative Gewichtung der verschiedenen Aufgaben, der Überlegungen oder
Berechnungen, die zusammen die korrekte und vollständige Antwort auf
eine bestimmte Prüfungsfrage darstellen, kommt den Expertinnen und Ex-
perten ein erheblicher Beurteilungsspielraum zu. Dies gilt insbesondere
auch bei der Beurteilung der Frage, wie viele Punkte für eine konkret ab-
weichende oder nur teilweise richtige Antwort erteilt werden. Das Ermes-
sen der Experten ist lediglich dann eingeschränkt, wenn die Prüfungsor-
gane ein verbindliches Bewertungsraster vorgegeben haben, in dem die
genaue Punkteverteilung für einzelne Teilantworten klar definiert ist. In ei-
nem solchen Fall hat jeder einzelne Kandidat entsprechend dem Grund-
satz der Gleichbehandlung den Anspruch darauf, dass er diejenigen
Punkte erhält, die ihm gemäss Bewertungsraster für eine richtige Teilleis-
tung zustehen (vgl. statt vieler: BVGE 2008/14 E. 4.3.2; Urteile des BVGer
B-160/2021 vom 4. August 2021 E. 2.3 und B-5256/2019 vom 23. Juli 2020
E. 3.3).
In ständiger Rechtsprechung auferlegt sich das Bundesverwaltungsgericht
daher bei der Bewertung von Prüfungsleistungen und spezifischen Fragen,
die seitens der Gerichte nur schwer überprüfbar sind, eine gewisse Zurück-
haltung (vgl. statt vieler: BGE 136 I 237 E. 5.4.1 und 5.4.2, 131 I 467 E. 3.1;
Urteile des BVGer B-3099/2020 vom 4. November 2021 E. 4 und
B-6114/2020 vom 27. Mai 2021 E 4.2) und weicht nicht ohne Not von der
Beurteilung der Experten ab, besonders wenn diese im Rahmen der Ver-
nehmlassung der Vorinstanz Stellung zu den Rügen der beschwerdefüh-
renden Person genommen haben und die Auffassung der Experten, insbe-
sondere soweit sie von derjenigen der beschwerdeführenden Person ab-
weicht, nachvollziehbar und einleuchtend ist (vgl. BVGE 2010/21 E. 5.1,
2010/11 E. 4.2 und 2008/14 E. 3.1 f. und 4.3.2; Urteile des BVGer
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B-3099/2020 vom 4. November 2021 E. 4 und B-671/2020 vom 6. Oktober
2020 E. 2.3).
2.3 Diese Zurückhaltung gilt indessen nur für die materielle Bewertung der
Prüfungsleistungen. Ist demgegenüber die Auslegung oder Anwendung
von Rechtsvorschriften streitig oder werden Verfahrensmängel im Prü-
fungsablauf gerügt, so hat das Bundesverwaltungsgericht die erhobenen
Einwendungen mit umfassender Kognition zu prüfen, andernfalls es eine
formelle Rechtsverweigerung beginge (vgl. dazu statt vieler: Urteil des
BGer 2D_6/2010 vom 24. Juni 2010 E. 5.2; BVGE 2010/11 E. 4.2, 2010/10
E. 4.1 und 2008/14 E. 3.3; Urteile des BVGer B-2588/2020 vom 7. Juli 2021
E. 4.2 und B-671/2020 vom 6. Oktober 2020 E. 2.5). Dabei nehmen all jene
Einwände auf Verfahrensfragen Bezug, die den äusseren Ablauf der Prü-
fung, die Aufgabenstellung oder das Vorgehen bei der Bewertung betref-
fen. Die Beweislast für allfällige Verfahrensfehler obliegt dem Beschwerde-
führer (vgl. Urteil des BGer 2D_7/2010 vom 24. Juni 2010 E. 5.2; Urteile
des BVGer B-6114/2020 vom 27. Mai 2021 E. 4.4, B-671/2020 vom 6. Ok-
tober 2020 E. 2.5 und B-1364/2019 vom 29. Januar 2020 E. 2.5).
3.
Zur selbständigen Ausführung von Arbeiten der amtlichen Vermessung ist
berechtigt, wer das eidgenössische Staatsexamen für Ingenieur-Geomete-
rinnen und Ingenieur-Geometer erfolgreich bestanden hat und im Register
der Ingenieur-Geometerinnen und Ingenieur-Geometer eingetragen ist
(Art. 41 Abs. 1 des Geoinformationsgesetzes vom 5. Oktober 2007 [GeoIG,
SR 510.62]). Eine aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundes, der Kan-
tone und der Berufsorganisationen zusammengesetzte Behörde des Bun-
des führt das Staatsexamen durch (Art. 41 Abs. 2 Bst. a GeoIG). Gestützt
auf Art. 29 Abs. 3 Bst. b und c sowie Art. 41 Abs. 3 GeoIG enthält die Geo-
meterverordnung vom 21. Mai 2008 (GeomV, SR 211.432.261) Vorschrif-
ten über die Zulassung und die Durchführung des Staatsexamens für In-
genieur-Geometerinnen und Ingenieur-Geometer (Art. 1 Bst. a und b, 2 ff.
und 9 ff. GeomV). Das Staatsexamen ist eine anwendungsorientierte Prü-
fung in den Themenkreisen amtliche Vermessung, Geomatik, Landma-
nagement und Unternehmensführung (Art. 9 Abs. 1 GeomV). Sie wird von
der Geometerkommission durchgeführt, welche Expertinnen und Experten
beiziehen kann (Art. 10 Abs. 1 und 2 GeomV). Die Mitglieder der Geome-
terkommission sowie die beigezogenen Expertinnen und Experten stellen
für jeden Themenkreis fest, ob die Prüfung bestanden oder nicht bestan-
den ist (Art. 13 Abs. 1 GeomV). Das Staatsexamen gilt als bestanden,
wenn die Prüfung in jedem der vier Themenkreise bestanden ist (Art. 13
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Abs. 2 GeomV). Die Geometerkommission entscheidet über das Bestehen
des Staatsexamens. Ist es nicht bestanden, so begründet sie ihren Ent-
scheid (Art. 13 Abs. 3 GeomV). Das Staatsexamen kann einmal wiederholt
werden, wobei nur Themenkreise wiederholt geprüft werden, die nicht be-
standen wurden (Art. 15 Abs. 1 und 2 GeomV).
Das Staatsexamen setzt sich, wie gesehen, aus vier Themenkreisen zu-
sammen. Der vom Beschwerdeführer abgelegte Themenkreis C "Landma-
nagement" gliedert sich in drei Teile: Heptathlon (bestehend aus sieben
Einzelfragen), Marathon und die mündliche Prüfung Triathlon. Die drei Teile
werden je gleichermassen gewichtet (vgl. zum Ganzen: Staatsexamen
2021, Informationen zu den Prüfungen je Themenkreis).
4.
Vorab ist strittig und zu prüfen, ob die Vorinstanz die Bewertung der Ant-
worten des Beschwerdeführers in den Prüfungsteilen 1 ("Heptathlon") und
2 ("Marathon") der Prüfung im Themenkreis C ungenügend begründet und
damit dessen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt hat.
4.1 Der durch Art. 29 Abs. 2 BV gewährleistete Anspruch auf rechtliches
Gehör stellt auch gewisse Ansprüche an die Begründung von Entscheiden.
Die Begründung muss so abgefasst werden, dass der oder die Betroffene
erkennen kann, weshalb die Behörde so entschieden hat, sodass er oder
sie diesen Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann (vgl.
BGE 136 I 184 E. 2.2.1, 133 III 439 E. 3.3 und 129 I 232 E. 3.2). Bei Prü-
fungsentscheiden kommt die Behörde dieser Verpflichtung nach, wenn sie
dem Betroffenen – allenfalls auch nur mündlich – kurz darlegt, welche Lö-
sungen und Problemanalysen von ihm erwartet wurden und inwiefern
seine Antworten den Anforderungen nicht zu genügen vermochten (vgl. Ur-
teile des BGer 2D_10/2019 vom 6. August 2019 E. 4.2, 2D_29/2015 vom
27. November 2015 E. 2.2 und 2D_54/2014 vom 23. Januar 2015 E. 5.3).
Die Begründungspflicht ist bei Prüfungsentscheiden grundsätzlich nicht
schon dann verletzt, wenn die zuständige Instanz sich vorerst darauf be-
schränkt, die Notenbewertung bekannt zu geben. Es genügt vielmehr,
wenn sie nach einer kurzen mündlichen Erläuterung die schriftliche Be-
gründung im Rechtsmittelverfahren (nach-)liefert und der Betroffene Gele-
genheit erhält, in einem zweiten Schriftenwechsel umfassend dazu Stel-
lung zu nehmen (vgl. Urteile des BGer 2C_1004/2017 vom 29. Mai 2018
E. 3.1, 2D_29/2015 vom 27. November 2015 E. 2.2 und 2D_54/2014 vom
23. Januar 2015 E. 5.3). In der vorliegend anwendbaren GeomV ist darüber
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Seite 10
hinaus, wie gesehen (vgl. E. 3), ausdrücklich vorgesehen, dass die Geo-
meterkommission im Falle des Nichtbestehens des Staatsexamens ihren
Entscheid begründet und diesen Entscheid schriftlich dem betroffenen
Kandidaten eröffnet (vgl. Art. 13 Abs. 3 und 4 GeomV).
4.2 Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, dass ihre Begründung
des Entscheids bezüglich der Prüfungsergebnisse vom 25. Oktober 2021
inhaltlich äusserst kurz gehalten sei. Eineinhalb Zeilen stellten die gesamte
Begründung dafür dar, weshalb er den Prüfungsteil 1 "Heptathlon" nicht
bestanden habe. Darüber, welches die Aufgabenstellungen gewesen
seien, bei denen er die minimalen Anforderungen nicht erfüllt habe, was
als minimale Anforderungen angesehen worden sei etc. werde keinerlei
Auskunft erteilt. Ebenso wenig gehe aus der Begründung hervor, ob die
beiden Teilbereiche, bei welchen das Wissen angeblich schwach gewesen
sei, Bestandteil der vier Aufgabenstellungen seien, in denen er die minima-
len Anforderungen angeblich nicht erfüllt habe, oder ob mit diesen beiden
Teilbereichen zwei zusätzliche Aufgabenstellungen gemeint seien. Es sei
für ihn unmöglich nachzuvollziehen, wofür er Punkte erhalten habe und
wofür nicht. Die Begründung der Vorinstanz sei somit offensichtlich unge-
nügend. Das Gleiche gelte für die Begründung des Prüfungsteils 2 "Mara-
thon". In der Begründung der Prüfungsergebnisse fänden sich keine Hin-
weise dazu, welches die grundlegenden Fehler seien, die er gemacht ha-
ben solle. Ebenso wenig würden beispielsweise angebliche Widersprüche
im Bericht aufgezeigt. Selbst der Beizug der Bewertungsraster der Prü-
fungsteile 1 und 2 helfe nicht weiter. Aus diesen Rastern sei nicht ersicht-
lich, wofür die Punkte vergeben worden seien und was für eine höhere
Punktzahl gefehlt habe. Die Punktzahl sei nicht auf die einzelnen Teilauf-
gaben aufgeteilt. Es sei ihm wiederum unmöglich nachzuvollziehen, wofür
er keine Punkte erhalten habe und weshalb. Die Vorinstanz verunmögliche
ihm den Nachvollzug der materiellen Bewertung seiner Prüfungsleistung.
4.3 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid am 25. Oktober 2021 mit
Blick auf den Prüfungsteil 1 "Heptathlon" damit, dass der Beschwerdefüh-
rer in vier von sieben schriftlichen Aufgabenstellungen die minimalen An-
forderungen nicht erfüllt habe. In zwei von sieben Teilbereichen sei das
Wissen schwach gewesen. Gesamthaft sei dieser Prüfungsteil als ungenü-
gend bewertet worden. In Bezug auf den Prüfungsteil 2 "Marathon" führte
die Vorinstanz an, dass der Beschwerdeführer grundlegende Fehler ge-
macht habe. Der Bericht enthalte vieles, das nicht zur Aufgabenstellung
passe, und sei dadurch für die Adressaten (Gemeinderat) nicht nachvoll-
ziehbar. Zudem beinhalte er Widersprüche. Der Beschwerdeführer habe
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Seite 11
die Aufgabenstellung mehrfach abgeändert. Im Kostenverteiler habe er die
unterschiedlichen Zonen nicht berücksichtigt. Er habe die minimalen An-
forderungen sehr deutlich nicht erfüllt. Gesamthaft werde dieser Prüfungs-
teil als sehr deutlich ungenügend bewertet. Teilweise sei das Wissen sehr
schwach gewesen. Die Bewertung betrage 1/3.
4.4 Diese Begründung vom 25. Oktober 2021 ist knapp ausgefallen, wurde
jedoch durch die Informationen ergänzt, die der Beschwerdeführer anläss-
lich seiner persönlichen, etwa eine Stunde dauernden Einsichtnahme in
seine Prüfungsresultate am 11. November 2021 (siehe Vernehmlassung
der Vorinstanz S. 2) erlangen konnte. Art. 13 GeomV hält zwar fest, dass
die Geometerkommission ihren Entscheid schriftlich begründet. Weiterge-
hende Vorgaben, etwa zum Begründungsumfang, sind in der Verordnung
aber nicht enthalten. In Anlehnung an die bundesgerichtliche Praxis zu den
Anforderungen an die Begründung von negativen Prüfungsentscheiden
(vgl. soeben E. 4.1) muss die vorliegende knappe Begründung auch in An-
wendung von Art. 13 GeomV genügen. So ermöglichten es diese sowie die
weiteren erlangten Informationen dem Beschwerdeführer durchaus, den
Entscheid sachgerecht vor dem Bundesverwaltungsgericht anzufechten.
Im vorliegenden Beschwerdeverfahren hat die Vorinstanz sodann mit der
Einreichung der von den Experten ausgefüllten Bewertungsraster "Mara-
thon" und der Bewertung der Prüfung "Heptathlon" eine detaillierte schrift-
liche Begründung der Prüfungsbewertung nachgeliefert (Vernehmlas-
sungsbeilagen 5b, 5c, 6d und 6e). Daraus geht hervor, inwiefern die Ant-
worten den Anforderungen nicht zu genügen vermochten und wie viele
Punkte dem Beschwerdeführer je Teilaufgabe, Aufgabe und insgesamt er-
teilt wurden, und teilweise auch, welche Antworten von ihm erwartet wur-
den. Den Bewertungsrastern "Marathon" kann zudem entnommen werden,
welche Kriterien bei der Bewertung angewandt wurden. Ferner legte die
Vorinstanz nicht nur in ihrer Vernehmlassung, sondern auch in ihrer Duplik
(S. 2 ff.) ausführlich dar, welche Fehler und Widersprüche die Arbeit des
Beschwerdeführers im Prüfungsteil "Marathon" enthalte. Der Beschwerde-
führer konnte zu diesen nachgelieferten Begründungen im Rahmen seiner
Replik und der ihm eröffneten Möglichkeit zu abschliessenden Bemerkun-
gen ausführlich Stellung nehmen. Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör bzw. von Art. 13 GeomV liegt somit nicht vor.
4.5 Was den prozessualen Antrag des Beschwerdeführers um Edition
sämtlicher Verfahrensakten seiner Prüfung, namentlich der Musterlösun-
gen oder der Lösungsskizzen, und um anschliessende Gelegenheit zur Be-
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Seite 12
schwerdeergänzung anbelangt, begründete er diesen damit, dass die Vorin-
stanz darzulegen habe, für welche Teile der von ihm eingereichten Lösun-
gen ihm wie viele Punkte vergeben worden seien und wofür er keine
Punkte erhalten habe oder wo ihm sogar Punkte abgezogen worden seien.
Die Vorinstanz ist diesem Anliegen im Rahmen ihrer Vernehmlassung wie
eben erwähnt nachgekommen (vgl. E. 4.4 hiervor). Der Beschwerdeführer
konnte im laufenden Beschwerdeverfahren dazu Stellung nehmen. Dass
er nach wie vor in bestimmte Unterlagen Einsicht nehmen wolle, hat er
denn nicht mehr geltend gemacht, sondern vielmehr darauf verzichtet, in
seiner Replik weiter darauf einzugehen.
Im Übrigen ist die Edition von Musterlösungen nur dann ausnahmsweise
zulässig, wenn in der Musterlösung gleichzeitig die Bewertung festgelegt
ist und neben der Musterlösung kein selbständiges Bewertungsraster vor-
liegt (vgl. dazu Urteil des BVGer B-1183/2020 vom 4. Februar 2022 E. 4.3
mit weiteren Hinweisen). Den Ausführungen der Vorinstanz zufolge sind im
Themenkreis C gar keine detaillierten Musterlösungen vorhanden, da es
bei Planungsgeschäften immer eine Vielzahl von möglichen Lösungen
gebe, die individuell bewertet werden müssten. Dabei seien auch unter-
schiedliche kantonale Gesetzgebungen und Richtlinien zu berücksichtigen,
da die Kandidatinnen und Kandidaten den zu bearbeitenden Kanton frei
wählen könnten (vgl. Vernehmlassung S. 3). In casu liegen jedenfalls be-
treffend den Prüfungsteil "Marathon" zudem selbständige Bewertungsras-
ter vor (vgl. soeben E. 4.4). Der Editionsantrag des Beschwerdeführers ist
somit abzuweisen, soweit er nicht bereits aus den dargelegten Gründen
gegenstandslos geworden ist.
5.
Der Beschwerdeführer macht weiter das Vorliegen von Verfahrensmängeln
im Ablauf der Prüfung im Themenkreis C geltend. Konkret rügt er die Ver-
letzung des Grundsatzes von Treu und Glauben bei der Punktevergabe.
5.1 Der Beschwerdeführer wirft der Vorinstanz vor, Punkteabzüge für
Mehrfachantworten vorgenommen zu haben, jedoch vor und während der
Prüfung nirgends erwähnt zu haben, dass mehrfache oder falsche Antwor-
ten zu Punkteabzügen führten. Es wäre wichtig gewesen, über diesen Um-
stand vorgängig Bescheid zu wissen, da dieser einen Einfluss darauf habe,
wie eine Frage durch den Prüfungskandidaten beantwortet werde. Durch
die fehlende Aufklärung habe die Vorinstanz den Grundsatz von Treu und
Glauben verletzt. Sie sei deshalb anzuweisen, keine entsprechenden
Punkteabzüge vorzunehmen und ihre Prüfungsbewertung entsprechend
B-5150/2021
Seite 13
anzupassen. Weiter sei ihm am 11. November 2021 auf seine Nachfrage
hin mitgeteilt worden, dass Antworten, welche gestützt auf das Gesetz zwar
richtig seien, keine Punkte gegeben hätten, wenn die kantonale Praxis vom
Gesetz abweiche. Auch diese Handhabung der Vorinstanz sei den Prü-
fungskandidaten vorgängig nicht kommuniziert worden und dürfe deshalb
keinen Rechtsschutz finden. Die Mängel im Prüfungsablauf hätten in kau-
saler Weise sein Prüfungsergebnis entscheidend beeinflusst oder beein-
flussen können.
5.2 Die Vorinstanz wendet ein, zu Beginn der Prüfung seien die Teilnehmer
explizit darauf hingewiesen worden, dass für widersprüchliche Antworten
respektive für eine "Auswahl" an verschiedenen Antworten – richtige und
falsche Lösung zur gleichen Aufgabe – keine Punkte vergeben würden. Ein
Punkteabzug bei falschen Antworten oder Mehrfachantworten erfolge
nicht. Die Behauptung des Beschwerdeführers, ihm sei auf seine Nach-
frage hin mitgeteilt worden, "dass Antworten, welche gestützt auf das Ge-
setz zwar richtig seien, keine Punkte gegeben hätten, wenn die kantonale
Praxis vom Gesetz abweiche", entbehre jeglicher Grundlage. Der Um-
stand, dass der Beschwerdeführer die Prüfungsaufgabe über das tolerier-
bare Mass hinaus abgeändert und damit zu lösende Aufgabenteile gänzlich
ignoriert habe, habe zu keinen Abzügen bei der Bewertung geführt.
5.3 Aus den Bewertungen der Experten gehen keine Punkteabzüge für fal-
sche oder mehrfache Antworten hervor. Dem Beschwerdeführer wurden
bei anderen als den erwarteten Antworten lediglich weniger Punkte als die
volle Punktzahl erteilt (vgl. Vernehmlassungsbeilagen 5b und 6d). Entspre-
chend war die Vorinstanz von vornherein nicht gehalten, die Prüfungskan-
didaten vorgängig über solche Abzüge zu informieren. Ferner erweist sich
auch die Aussage des Beschwerdeführers, "es seien bei einer Abweichung
der kantonalen Praxis vom Gesetz keine Punkte erteilt worden", lediglich
als Behauptung. Was die Themenkreisverantwortlichen dem Beschwerde-
führer anlässlich der Akteneinsicht vom 11. November 2021 mündlich mit-
geteilt haben, geht aus den Akten zwar nicht hervor. Der Beschwerdeführer
führt indes dazu auch in der Replik nichts weiter aus und hat entsprechend
die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.
5.4 Die geltend gemachten Verfahrensmängel erweisen sich somit als un-
begründet.
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Seite 14
6.
In materieller Hinsicht ist umstritten, ob die Vorinstanz die Prüfungsleistun-
gen des Beschwerdeführers im Prüfungsteil 2 "Marathon" in willkürlicher
Weise unterbewertet und dieser deshalb das Staatsexamen nicht bestan-
den hat.
6.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei nicht rechtens, dass ihm auf-
grund einer anderen, in der Praxis ebenfalls gängigen Methode kaum
Punkte für seine Lösung gewährt worden seien. Diese Art der Prüfungskor-
rektur sei willkürlich. Quasi "als Folgefehler" der von ihm angewandten Me-
thode habe er anschliessend kaum noch eine grössere Anzahl Punkte
sammeln können. Dies dürfe in einem Fall wie dem vorliegenden, wo die
vom Prüfungskandidaten gewählte Methode nicht falsch sei – auch wenn
es sich dabei nicht um die präferierte Methode der Prüfungskommission
handle –, keinen Rechtsschutz finden. Im Übrigen legt der Beschwerdefüh-
rer eingehend dar, dass er die beiden Verfahren nicht vermischt, sondern
eine Landumlegung nach Fläche durchgeführt habe. Die Berechnungen,
der Landumlegungsplan sowie die im Bericht beschriebene Vorgehens-
weise stimmten überein.
6.2 In Ergänzung ihrer Entscheidbegründung vom 25. Oktober 2021 hält
die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung fest, dass der Beschwerdeführer in
"Marathon" in seiner Lösung fundamentale Fehler gemacht habe. Seien
die Werte im alten und neuen Bestand unterschiedlich, müsse zwingend
eine Landumlegung nach Werten erfolgen. Er habe aber im neuen Bestand
die Grundstückswerte berücksichtigt und damit die beiden Verfahren
– Landumlegung nach Flächen und Landumlegung nach Werten – ver-
mischt. Er habe sogar Flächenabtausche über die Zonengrenze hinweg
vorgenommen. Eine Landumlegung könne entweder nach Flächen oder
nach Werten gemacht werden. Es lägen vier voneinander unabhängige,
sehr nahe beieinanderliegende Bewertungen zwischen 7.0 und 7.5 Punkte
vor. Die tiefe Note sei nicht aufgrund von Folgefehlern entstanden. Der Be-
schwerdeführer habe in jedem Teilbereich grundlegende Fehleinschätzun-
gen gemacht sowie praxisuntaugliche Lösungen präsentiert, welche für die
Prüfungsexperten nicht nachvollziehbar gewesen seien. Zudem sei auch
nicht klar gewesen, welche Art von Landumlegung er vollzogen habe, da
sich seine Ausführungen hierzu respektive die entsprechenden Berech-
nungen mehrmals widersprochen hätten. Die Vorinstanz erwähnt als Bei-
spiel, dass er einen Lösungsweg textlich beschrieben, diesen jedoch rech-
nerisch nicht entsprechend der Beschreibung umgesetzt habe. Dafür seien
keine Punkte vergeben worden. Die Bewertung der Aufgaben beinhalte
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voneinander unabhängige Elemente. Es sei möglich gewesen, in den ein-
zelnen Teilbereichen unabhängig von der gewählten Methode Punkte zu
erzielen. Die Bewertung sei nicht willkürlich.
In ihrer Duplik ergänzt die Vorinstanz, dass die Neuzuteilungstabelle neben
Spalten mit Flächenangaben auch Spalten mit Frankenbeträgen und bei-
spielsweise der Beschriftung "Zuteilung nach Wert" beinhalte. Dies belege
die Vermischung der beiden unterschiedlichen Landumlegungsmethoden.
Dass der Beschwerdeführer nicht konsequent eine Landumlegung nach
Flächen verfolgt habe, zeige sich auch in der Berechnung der Mehr- und
Minderzuteilung. Diese sei erst nach Flächen berechnet, anschliessend
aber zusätzlich in Werte umgerechnet worden, und zwar nach Landpreisen
im neuen Bestand. Dies sei falsch. Die Arbeit des Beschwerdeführers
weise grundsätzliche Mängel auf und habe folgerichtig nur mit sehr gerin-
ger Punktzahl bewertet werden können. Die ungenügende Bewertung des
Aufgabenbereichs sei das Ergebnis der aufgezeigten zahlreichen Mängel
(siehe im Einzelnen: Duplik, S. 3 f.).
6.3
6.3.1 Die drei Experten und die Expertin bewerteten die Aufgabenlösung
des Beschwerdeführers in je einem "Bewertungsraster Marathon", datiert
vom 26. August 2021 (Experte 1) bzw. 27. August 2021 (Expertin 2, Experte
3 und 4). Beim ersten Bewertungskriterium ("Generelles Verständnis der
Aufgabe") erhielt der Beschwerdeführer von der Expertin und den Experten
im Durchschnitt 0.5 von total zwei Punkten, beim zweiten ("Landumle-
gungsplan") 2.125 von total sechs möglichen Punkten, beim dritten Krite-
rium ("Landumlegungsberechnungen") 3.125 von acht Punkten, beim vier-
ten ("Kostenverteiler") 0.81 von sechs Punkten, beim fünften ("Dokumen-
tation der Aufgabenbeantwortung") 0.43 von zwei Punkten und beim
sechsten Kriterium ("Bonus für gute Ideen, Originalität") 0.0625 von
zwei Punkten. Die Prüfungsarbeit des Beschwerdeführers wurde ab-
schliessend mit einer durchschnittlichen Gesamtpunktzahl von 7.1 von to-
tal 26 Punkten bewertet. Die Expertin bzw. Experten vergaben dabei je
zwischen 7 und maximal 7.5 Punkte (von 26 möglichen Punkten). Dies
zeigt, wie die Vorinstanz zurecht vorbringt, deutlich auf, dass sämtliche vier
Experten die Leistung des Beschwerdeführers gleichermassen als
schwach einstuften.
6.3.2 Was die strittige Methodenwahl anbelangt, haben die Expertin und
die Experten mehrfach bemängelt, dass der Beschwerdeführer die Prü-
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fungsaufgabe mit einer Landumlegung nach Flächen statt nach Werten ge-
löst und bei der Aufgabenlösung Flächen und Werte vermischt habe, und
verschiedentlich auf Fehler und die ungenügende Prüfungsleistung hinge-
wiesen (auszugsweise):
 Beim ersten Bewertungskriterium ("Generelles Verständnis der Auf-
gabe") begründeten die Experten die erteilte tiefe Punktzahl damit, dass
der Beschwerdeführer die Landumlegung nach Flächen statt nach Werten,
dann aber doch vermischt (Tabelle) vorgenommen habe (Expertin 2) bzw.
nur eine Umlegung nach Flächen erfolgt sei, was nicht genüge (Experte 4).
Weiter sei "keine Unterscheidung in Landwirtschafts- und Industriezone ->
Werte!" erfolgt (Experten 2 und 3), die Aufgabe nicht erfüllt (Experte 3) und
seien "Bedingungen nicht erfüllt", es gebe "Fehlaussagen, Überlegungs-
fehler" (Expertin 2).
 Beim zweiten Bewertungskriterium ("Landumlegungsplan") wies die Ex-
pertin 2 darauf hin, dass "kein Unterschied in Strassenfläche und Bauland-
fläche Gemeinde" erfolgt sei; Zonenunterschiede seien nicht ablesbar. Der
Ablauf sei nicht korrekt und zielführend (Experte 3). Die Aufgabenstellung
sei mehrere Male nach Gutdünken verändert worden (Experte 4).
 Beim dritten Bewertungskriterium ("Landumlegungsberechnungen")
führten die Experten an, dass der Beschwerdeführer Werte nicht gerechnet
habe (Expertin 2) bzw. die Berechnungen "nur nach Fläche" erfolgt seien
(Experte 3). Er habe nur die Fläche, keinen Wert angegeben (Experte 1),
seine Antwort sei falsch und gehe "nur über Fläche", da grosse Unter-
schiede im Wert bestünden (Experte 4). Er habe Werte vertauscht (Experte
3) bzw. sei in der Tabelle ein Wert grob falsch (Expertin 2). Die Antwort des
Beschwerdeführers sei praktisch nicht möglich, die Beschreibung fehle und
die Tabelle sei nicht nachvollziehbar (Expertin 2 und Experte 3).
 Beim vierten Bewertungskriterium ("Kostenverteiler") begründeten die
Experten die erteilte tiefe Punktzahl damit, dass der Beschwerdeführer al-
les nach der Fläche gemischt habe (Expertin 2). Die Antwort sei "nicht
nachvollziehbar und logisch" (Experte 4) bzw. erfolge eine Verteilung über
die Fläche NZTe (Experte 3). Die Antwort sei "einzeln ausgewiesen, [ent-
halte] aber keine Gesamtsumme, beim Plausibilitätscheck pro Fläche/pro
Grundeigent[ümer]" (Expertin 2). Er habe kein Vorteilsprinzip erkannt (Ex-
perte 1).
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 Beim fünften Bewertungskriterium ("Dokumentation der Aufgabenbeant-
wortung") schliesslich hielt Experte 1 fest: "nicht nachvollziehbar für Adres-
saten, zu lange, viel Unnötiges, unordentlich, keine klare Aussage, ist nicht
richtig auf Auftraggeber eingegangen", Expertin 2: "Es ist offensichtlich,
dass ein fertig vorbereiteter Bericht verwendet wurde, der viel Theorie ent-
hält, die nicht zur Aufgabe passt und mehr verwirrt als erläutert. Zahlreiche
Widersprüche, Zahlen nicht erläutert und daher nicht nachvollziehbar. Auf-
gabenstellung über tolerierbares Mass abgeändert, grobe Fehler, die nicht
passieren sollten, keine Kontrollen, vieles im Bericht, das nicht gefragt war
und auch nicht relevant ist" (mit Beispielen).
6.3.3 Der Beschwerdeführer hat seiner Ansicht nach allein die Flächenme-
thode angewandt. Er insistiert auf der Richtigkeit der von ihm gewählten
Methode und bestreitet, die Flächen- und Wertmethode miteinander ver-
mischt zu haben. Er bestreitet jedoch die Vertretbarkeit der von den Exper-
ten getroffenen Methodenwahl nicht und ist auch nicht der Meinung, dass
diese in methodischer Hinsicht zu hohe Anforderungen gestellt hätten. Zu-
dem bringt er keine konkreten Forderungen nach zusätzlichen Punkten bei
spezifischen Kriterien und damit eine substantiierte punktemässige Bes-
serbewertung vor. Seine Forderung nach einer Besserbewertung stützt
sich vielmehr auf Behauptungen zur Methodenwahl ohne Bezug zur kon-
kreten Punkteerteilung. Demgegenüber haben sowohl die Expertin und Ex-
perten als auch die Vorinstanz im vorliegenden Beschwerdeverfahren ob-
jektiv nachvollziehbar dargelegt, inwiefern die Prüfungsleistung des Be-
schwerdeführers nicht den Anforderungen entsprochen hat, und hinsicht-
lich der Mängel eingehende Ausführungen gemacht. Das Bundesverwal-
tungsgericht weicht, wie dargelegt (E. 2), nicht ohne Not von der Beurtei-
lung der Fachinstanzen ab. Weder gehen aus den Akten Anhaltspunkte da-
für hervor noch vermag der Beschwerdeführer solche substantiiert und
überzeugend vorzubringen, wonach zu hohe Anforderungen gestellt wor-
den wären oder die Prüfungsleistung offensichtlich unterbewertet worden
wäre. Die Behauptung allein, die eigene Lösung sei richtig und die Auffas-
sung der Prüfungskommission oder eine vorgegebene Musterlösung sei
falsch oder unvollständig, genügt praxisgemäss nicht (vgl. BVGE 2010/21
E. 5.1, 2010/11 E. 4.3 und 2010/10 E. 4.1). Daher ist auch sein Antrag auf
Einholung einer schriftlichen Auskunft eines gemeinsam bestimmten unab-
hängigen Experten abzuweisen.
6.3.4 Was die Rüge der Folgefehler betrifft, ist das Vorbringen der Vorin-
stanz, der Punkteerwerb wäre in einzelnen Teilbereichen unabhängig von
der gewählten Methode möglich gewesen, nachvollziehbar. In der Duplik
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verweist sie beispielhaft auf über einer Seite auf zahlreiche Fehler und Wi-
dersprüche hin. Der Beschwerdeführer bezeichnet dagegen überhaupt
keine Prüfungsantworten oder Bewertungskriterien, bei denen ihm eine
konkrete Anzahl Punkte zu wenig erteilt worden wäre. So bleibt unklar, wel-
cher Aufgabenteil inwiefern unterbewertet worden sein solle. Die Be-
schwerde erweist sich somit auch insofern als unbegründet.
7.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
8.
8.1 Entsprechend dem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Reg-
lements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Die Spruchge-
bühr richtet sich nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache, Art der
Prozessführung und finanzieller Lage der Parteien (Art. 63 Abs. 4bis VwVG
und Art. 2 Abs. 1 VGKE). Sie ist auf Fr. 1'500.– festzusetzen.
8.2 Da der Beschwerdeführer vorliegend vollständig unterliegt, ist ihm
keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7
Abs. 1 VGKE).
9.
Nach Art. 83 Bst. t des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (BGG,
SR 173.110) ist die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten
an das Bundesgericht unzulässig gegen Entscheide über das Ergebnis von
Prüfungen und anderen Fähigkeitsbewertungen, namentlich auf den Ge-
bieten der Schule, der Weiterbildung und der Berufsausübung. Unter die-
sen Ausschlussgrund fallen Prüfungsergebnisse im eigentlichen Sinn, aber
auch alle anderen Entscheide, die sich auf eine Bewertung der intellektu-
ellen oder physischen Fähigkeiten oder die Eignung eines Kandidaten be-
ziehen (vgl. BGE 147 I 73 E. 1.2.1 und 138 II 42 E. 1.1, je mit weiteren
Hinweisen). Wenn andere Entscheide im Zusammenhang mit einer Prü-
fung strittig sind, insbesondere solche organisatorischer oder verfahrens-
rechtlicher Natur, bleibt das Rechtsmittel zulässig (vgl. BGE 147 I 73
E. 1.2.1 mit weiteren Hinweisen).
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