Decision ID: 013424bb-6a0c-4425-a672-36db4fa5d935
Year: 2014
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

dessen Beurteilung auf einen nicht ausreichend abgeklärten Sachverhalt
abstütze und einer näheren Prüfung nicht standhalte. Bezüglich des
Vorzustands der Beschwerdeführerin sei nicht gesichert, ob damals eine
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Tendinitis calcarea der Supraspinatussehne bestanden habe. Die
Beschwerdesymptomatik habe sich postoperativ nach dem Eingriff vom
27. Januar 2009 völlig verändert. Dr. med. E._ habe im Rahmen
einer differentialdiagnostischen Beurteilung mehrfach eine
Arm/Plexusläsion, aufgetreten im Rahmen der Plexusanästhesie vom
27. Januar 2009, als wahrscheinlich bezeichnet und dies auch
nachvollziehbar begründet. Gerade wegen des komplexen
Beschwerdebildes und des dafür mutmasslich verantwortlichen
multifaktoriellen Geschehens sei eine vertiefte medizinische Abklärung in
Form einer umfassenden Begutachtung unumgänglich. Wenn das
beantragte Gutachten verweigert und gleichzeitig auf der Grundlage einer
gänzlich unzutreffenden Beweislastverteilung Beweislosigkeit zu
Ungunsten der Beschwerdeführerin angenommen werde, stelle dies eine
Rechtsverweigerung dar. Damit verletze die B._ AG die
sozialversicherungsrechtliche Untersuchungsmaxime, die
Abklärungsverpflichtung und den beschwerdeführerischen
Gehörsanspruch, mit wesentlichen Beweisanträgen gehört zu werden.
Soweit sich das Risiko einer Plexusläsion im Rahmen der unfallbedingten
Operation realisiert haben sollte, müsste die B._ AG dafür auch
einstehen, zumal die Operation unfallbedingt indiziert gewesen sei und
die B._ AG ihre diesbezügliche Leistungspflicht anerkannt habe.
Entgegen der Darstellung im Einspracheentscheid handle es sich bei der
Ablehnung in der Verfügung nicht um das Resultat der erstmaligen
Leistungsprüfung, sodass es Sache der B._ AG sei, nachzuweisen,
dass die eigentlichen Unfallfolgen mit dem Datum der verfügten
Leistungseinstellung nicht mehr gegeben seien. Sollte eine
Vorschädigung des Schultergelenks mitursächlich für die durchgeführte
Operation gewesen sein, ändere dies nichts an der Leistungsverpflichtung
der B._ AG. Selbst wenn die Operation nicht auf den Unfall
zurückgeführt werden könnte, wäre die B._ AG zur Prüfung
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verpflichtet, ob ein qualifizierter Behandlungsfehler im Zuge der
durchgeführten Plexusanästhesie erfolgt sei und damit das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors bei
medizinischen Eingriffen im Sinne von Art. 4 ATSG erfüllt sei. Schliesslich
hätte der von der Beschwerdeführerin eingeholte Bericht von Dr. med.
D._ vom 20. Juli 2010 zu weitergehenden Abklärungen
beziehungsweise zu einer vertieften Überprüfung des Falls und zum
erneuten Beizug von Dr. med. G._ durch die B._ AG geführt.
Die Einholung dieses Berichts sei somit gerechtfertigt gewesen, weshalb
die B._ AG den entsprechenden Rechnungsbetrag zu übernehmen
habe.
5. Die B._ AG (nachfolgend Beschwerdegegnerin) beantragte in ihrer
Beschwerdeantwort vom 13. Oktober 2011 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung brachte die Beschwerdegegnerin
zusammenfassend vor, es handle sich bei der Plexusläsion als
behauptete Ursache für die Beschwerden um eine Möglichkeit, welche
lediglich durch die beweisrechtlich unzulässige Schlussfolgerung im Sinne
von „post hoc ergo propter hoc“ begründet werde. Ein Verdacht oder die
Möglichkeit genügten indes nicht. Dr. med. G._ habe anhand der
Befunde der neurologischen Untersuchung überzeugend festgestellt,
dass eine Schädigung des Plexus nie habe dokumentiert werden können.
Überdies liessen sich die Beschwerden durch die radikuläre Komponente
sowie ein Karpaltunnelsyndrom restlos erklären. Folglich sei bezüglich der
Schulterbeschwerden als Folge des Unfalls vom 8. Januar 2009 der
Status quo sine per 30. Juni 2009 erreicht. Die darüber hinaus geklagten
Beschwerden stünden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in
natürlichem Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 8. Januar 2009.
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6. Mit Schreiben vom 14. Oktober 2011 wurde den Parteien mitgeteilt, dass
bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) die IV-
Akten der Beschwerdeführerin einverlangt worden seien.
7. Mit Schreiben vom 28. Dezember 2011 stellte die Beschwerdegegnerin
dem Gericht zwei Verfügungen der IV-Stelle vom 19. beziehungsweise
vom 20. Dezember 2011 zu, mit welchen diese sowohl den
beschwerdeführerischen Anspruch auf eine Invalidenrente als auch jenen
auf berufliche Massnahmen verneinte. Erläuternd führte die
Beschwerdegegnerin aus, die Ansicht der IV-Stelle decke sich insofern
mit der ihrigen, als gesagt werden könne, dass in Bezug auf die
Schulterbeschwerden als Folge des Unfalls vom 8. Januar 2009 der
Status quo sine per 30. Juni 2009 erreicht worden sei. Darüber hinaus
geklagte Beschwerden stünden nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in natürlichem Kausalzusammenhang mit dem
Ereignis vom 8. Januar 2009, weshalb die Beschwerde abzuweisen sei.
8. In einem zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien an ihren
Rechtsbegehren fest und ergänzten und vertieften ihre Standpunkte.
9. Mit Schreiben vom 24. April 2012 teilte die Beschwerdeführerin dem
Gericht mit, dass am 29. Februar 2012 bei der Staatsanwaltschaft
Graubünden Strafanzeige wegen schwerer, fahrlässiger Körperverletzung
zum Nachteil der Beschwerdeführerin erstattet worden sei. Der
zuständige Staatsanwalt beabsichtige, ein Gutachten in Auftrag zu geben
zur Klärung der Frage, ob und inwieweit eine Plexusläsion ein bekanntes
Risiko [der am 27. Januar 2009 durchgeführten Operation] darstelle und
ob diese Operation lege artis durchgeführt worden sei. Die Ergebnisse
dieses Gutachtens sollten abgewartet werden. Allenfalls könne die
staatsanwaltschaftliche Begutachtung mit der von der
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Beschwerdeführerin beantragten polydisziplinären Begutachtung
kombiniert durchgeführt werden.
In ihrer Stellungnahme vom 9. Mai 2012 führte die Beschwerdegegnerin
aus, das von der Staatsanwaltschaft Graubünden in Auftrag gegebene
Gutachten müsse weder abgewartet noch mit der von der
Beschwerdeführerin beantragten polydisziplinären Begutachtung
kombiniert werden, da diese auch kein anderes Resultat liefern werde.
Mit prozessleitender Verfügung vom 11. Mai 2012 teilte die
Instruktionsrichterin den Parteien mit, dass das beschwerdeführerische
Sistierungsgesuch vom 24. April 2012 abgewiesen werde.
10. Am 22. Oktober 2012 verlangte die Instruktionsrichterin bei Dr. med.
I._ die neurologischen Abklärungsberichte beziehungsweise die
Unterlagen betreffend A._ zur Edition. Dazu liessen sich die
Beschwerdegegnerin sowie die Beschwerdeführerin am 5. Dezember
2012 beziehungsweise am 31. Januar 2013 vernehmen. Dabei
beantragte die Beschwerdeführerin wiederum eine Sistierung des
vorliegenden Verwaltungsgerichtsverfahrens bis zum Vorliegen des von
der Staatsanwaltschaft Graubünden in Auftrag gegebenen Gutachtens.
Nachdem die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 14. Februar 2013
wiederum die Abweisung des beschwerdeführerischen Sistierungsantrags
beantragte, teilte die Instruktionsrichterin den Parteien mit
prozessleitender Verfügung vom 15. Februar 2013, dass dem erneuten
Sistierungsgesuch der Beschwerdeführerin nicht stattgegeben werde.
11. Mit Schreiben vom 19. Februar 2013 führte die Beschwerdeführerin
zuhanden des Gerichts aus, dass die Plexusläsion keineswegs zu den
bekannten Risiken der durchgeführten Anästhesie gehöre. Gegenstand
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der medizinischen Abklärung sei auch die Thematik, ob die Anästhesie
und die anschliessende Operation lege artis durchgeführt worden seien.
Diese Risiken trage der Unfallversicherer. Das von der
Instruktionsrichterin gewählte Vorgehen, mithin die Ablehnung des
Sistierungsgesuchs, verletze den Gehörsanspruch der
Beschwerdeführerin.
12. Am 14. April 2013 beschloss die II. Kammer des Verwaltungsgerichts
anlässlich einer ersten Beratung, das Beschwerdeverfahren S 11 105 bis
zum Vorliegen des von der Staatsanwaltschaft Graubünden in Auftrag
gegebenen Gutachtens zu sistieren.
13. Am 11. September 2013 liess die Staatsanwaltschaft Graubünden dem
Gericht eine Kopie des interdisziplinären Gutachtens der Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals O.4._ vom 28. August 2013
zukommen. Mit Schreiben vom 1. Oktober 2013 wurde den Parteien
Gelegenheit eingeräumt, zum Gutachten Stellung zu nehmen.
In ihrer Stellungnahme zum Gutachten des Kantonsspitals O.4._
vom 15. November 2013 führte die Beschwerdeführerin unter Beilage
ihres Schreibens an die Staatsanwaltschaft Graubünden − ebenfalls vom
15. November 2013 − im Wesentlichen aus, dass es aufgrund der
Ergebnisse des Gutachtens und der Strafuntersuchung beweismässig
erhärtet sei, dass zwischen 1998 und dem Sturzereignis vom 8. Januar
2009 Schmerzfreiheit bestanden habe und folglich die Indikation zur
Schulteroperation eindeutig unfallkausal gewesen sei. Aufgrund der
multifaktoriellen Genese der Beschwerden sei der Kausalzusammenhang
zwischen Unfallereignis, Operationsindikation und anschliessender
Beschwerdesymptomatik zumindest im Sinne einer Teilursache
einwandfrei nachgewiesen.
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Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Stellungnahme vom
21. November 2013 unter Beilage einer Stellungnahme von Dr. med.
K._ zusammenfassend aus, dass aus dem Gutachten zweifelsfrei
hervorgehe, dass die von der Beschwerdeführerin geklagten Schulter-
Arm-Beschwerden rechts nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf
den Unfall vom 8. Januar 2009 zurückgeführt werden könnten.
Am 15. Januar beziehungsweise am 18. Februar 2014 liessen sich die
Beschwerdegegnerin und die Beschwerdeführerin zur jeweiligen
Stellungnahme der Gegenpartei nochmals vernehmen.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften
sowie auf den angefochtenen Einspracheentscheid wird, soweit
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 56 Abs. 1 i.V.m. Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
kann gegen Einspracheentscheide Beschwerde beim
Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in dem die
versicherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat.
Vorliegend hat die Beschwerdeführerin Wohnsitz in O.2._/GR,
weshalb die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichtes des Kantons
Graubünden gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichtes ergibt sich aus Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Der
Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011, mit welchem die
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Beschwerdegegnerin die Einsprache der heutigen Beschwerdeführerin
abgewiesen hat, stellt demnach ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht dar. Als Adressatin des
angefochtenen Einspracheentscheids ist die Beschwerdeführerin berührt
und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf (Art. 59
ATSG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
somit einzutreten.
2. a) Nachfolgend ist in beweisrechtlicher Hinsicht zunächst auf die
beschwerdeführerischen Beweisanträge (nachfolgend E.2) sowie auf die
formellen Rügen (nachfolgend E.3 - 6) einzugehen, bevor alsdann die
materiellen Rügen und Einwände der Beschwerdeführerin zu prüfen sind.
b) In ihrer Beschwerde vom 8. September 2011 beziehungsweise in ihrer
Replik vom 23. Februar 2012 beantragt die Beschwerdeführerin unter
anderem die Edition der verwaltungsgerichtlichen Verfahrensakten
S 12 22 und 23, der Akten betreffend Kostentragung allfälliger
Behandlungen der rechten Schulter in den zehn Jahren vor dem
8. Januar 2011 aus den Händen der H._ AG sowie die
neurologischen Abklärungsberichte/Unterlagen aus den Händen von
Dr. med. D._, Allgemeine Medizin FMH. Weiter wird die
Zeugeneinvernahme von Dr. med. D._, Dr. med. L._,
Allgemeine Innere Medizin FMH, und M._ sowie die Einholung einer
schriftlichen Auskunft bei Dr. med. N._ (Chefarzt-Stv. Chirurgie) des
Krankenhauses O.1._ beantragt.
c) Im Verwaltungsbeschwerdeverfahren bestimmt in erster Linie die
zuständige Verwaltungsbehörde beziehungsweise im
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren das angerufene Gericht,
welche Beweismittel zur Ermittlung oder Bestätigung des Sachverhalts
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heranzuziehen und welche Beweismittel zu verwerfen sind. Als Ausfluss
des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
besitzen Verfahrensbeteiligte das Recht, an der Sachverhaltsabklärung
mitzuwirken und besonders neue Beweisanträge zu stellen. Allerdings
sind Beweise im Rahmen des verfassungsmässigen Anspruchs auf
rechtliches Gehör nur über jene Tatsachen abzunehmen, die für die
Entscheidung der Streitsache erheblich sind und somit zur Erhärtung der
behaupteten Tatsache beitragen. Ein Beweismittel ist namentlich dann
erheblich, wenn es den Entscheid der Behörde zu beeinflussen vermag.
Auf die Einholung weiterer Beweismittel darf dann verzichtet werden,
wenn der Sachverhalt, den eine Partei beweisen will, nicht
rechtserheblich ist, wenn bereits Feststehendes bewiesen werden soll,
wenn zum Voraus gewiss ist, dass der offerierte Beweis keine
wesentliche Aufklärung herbeizuführen vermag,oder falls die verfügende
Behörde den Sachverhalt aufgrund eigener Sachkunde ausreichend
würdigen kann (sog. antizipierte Beweiswürdigung: vgl. dazu Praxis
6/2003 Nr. 113 E.2.2; BGE 134 I 140 E.5.3, 127 I 54 E.2b, 124 I 241 E.2,
124 V 90 E.4b, 122 V 157 E.1d).
d) Vorliegend sind die vorerwähnten beschwerdeführerischen
Beweisanträge aus den nachfolgend darzulegenden Gründen
abzuweisen. Einerseits kann auf die Edition der verwaltungsgerichtlichen
Verfahrensakten S 12 22 und 23 mit Hinweis auf das mittlerweile in
Rechtskraft erwachsene Urteil des Verwaltungsgerichtes des Kantons
Graubünden S 12 22 und 23 vom 25. Oktober 2013 verzichtet werden.
Von der Edition der Akten betreffend Kostentragung allfälliger
Behandlungen der rechten Schulter in den zehn Jahren vor dem
8. Januar 2011 aus den Händen der H._ AG kann sodann aufgrund
der Tatsache, dass der medizinische Vorzustand aus den Akten ohne
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Weiteres ersichtlich ist, abgesehen werden. Ebenfalls nicht erforderlich ist
die Edition der neurologischen Abklärungsberichte/Unterlagen aus den
Händen des Hausarztes der Beschwerdeführerin, Dr. med. D._, da
einerseits seine Arztberichte bereits bei den Akten liegen und die
Beschwerdeführerin anderseits nicht genau bezeichnet, welche
Unterlagen von Dr. med. D._ noch fehlen sollten. Aus denselben
Überlegungen kann auch von dessen Einvernahme als Zeuge abgesehen
werden. Insbesondere ist nicht ersichtlich, welche neuen Erkenntnisse
mittels eines Zeugnisses von Dr. med. D._ noch erlangt werden
könnten. Was die beantragte Zeugeneinvernahme von Dr. med. L._
− welcher den Ausführungen in der Einsprache vom 27. Januar 2011
(S. 9) zufolge Praxisstellvertreter von Dr. med. D._ ist − betrifft, legt
die Beschwerdeführerin in keiner Weise dar, was dieser genau bestätigen
könnte. Auch vor dem Hintergrund, dass sich den Akten keine
Anhaltspunkte entnehmen lassen, wonach Dr. med. L._ die
Beschwerdeführerin jemals persönlich behandelt hat, erübrigt sich dessen
Einvernahme als Zeuge. Ebenfalls kann angesichts der medizinischen
Aktenlage auch von der Einvernahme des damals verantwortlichen
Physiotherapeuten des Krankenhauses O.1._, M._, als Zeuge
abgesehen werden. Schliesslich ist angesichts der vorliegenden
medizinischen Aktenlage auch von der Einholung eines Berichtes zur
Frage der Traumakausalität des operativen Eingriffs an der rechten
Schulter und der Einholung einer schriftlichen Auskunft hinsichtlich der
Hintergründe der Indikation für den operativen Eingriff sowie der
unfallbedingten Auswirkungen des Sturzereignisses auf die rechte
Schulter/Wirbelsäule jeweils bei Dr. med. N._ des Krankenhauses
O.1._ abzusehen; dies auch deshalb, weil Dr. med. N._ in das
Strafverfahren betreffend fahrlässige Körperverletzung zum Nachteil der
Beschwerdeführerin verwickelt ist und deshalb davon ausgegangen
werden muss, dass keine objektiven Auskünfte zu erwarten wären
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beziehungsweise dieser nicht unbefangen Auskunft erteilten könnte. Vor
diesem Hintergrund sind die erwähnten beschwerdeführerischen
Beweisanträge in Anwendung der antizipierten Beweiswürdigung
abzuweisen. Demgegenüber wurde der beschwerdeführerische
Beweisantrag auf Edition der neurologischen
Abklärungsberichte/Unterlagen aus den Händen von Dr. med. I._,
Neurologe FMH, vom angerufenen Gericht gutgeheissen, verlangte die
Instruktionsrichterin doch am 22. Oktober 2012 die erwähnten
Abklärungsberichte beziehungsweise die Unterlagen bei Dr. med. I._
zur Edition.
e) Auf die von der Beschwerdeführerin beantragte Einvernahme der Zeugen
P._, Q._ und R._ und S._ ist weiter hinten einzugehen
(vgl. E.14b).
3. a) In formeller Hinsicht rügt die Beschwerdeführerin vorab eine Verletzung
ihres verfassungsmässigen Anspruchs auf rechtliches Gehör nach Art. 29
Abs. 2 BV beziehungsweise Art. 42 ATSG, indem sie was folgt ausführt:
 Vorgängig des Einspracheentscheids sei ihr keine Einsicht in den Bericht über die Sonografie der Schultern beidseits vom 4. Dezember 1995 (beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] M28), den Bericht des Radiologieinstituts O.3._ vom 20. Januar 1997 (Bg-act. M28), die Stellungnahme des beratenden Arztes der Beschwerdegegnerin Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie, vom 1. Juni 2011 (. M27) sowie in den Verlaufsbericht von Dr. med. D._ vom 20. Juni 2011 (Bg-act. M29) gewährt worden, obwohl diese Berichte und Stellungnahmen entscheidrelevant gewesen seien. Sodann stütze sich der angefochtene Entscheid wesentlich auf die Beurteilungen des in einem Mandatsverhältnis zur Beschwerdegegnerin stehenden beratenden Arztes Dr. med. G._ ab. Dies obwohl ihr im Hinblick auf den neuerlichen Beizug von Dr. med. G._ vom 1. Juli 2011 (recte: 1. Juni 2011) die Möglichkeit verwehrt wurde, eigene Fragestellungen an den beratenden Arzt zu unterbreiten. Folglich seien die Verfahrenskosten der Beschwerdegegnerin zu überbinden,
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welche überdies unabhängig vom Verfahrensausgang eine Parteientschädigung zu entrichten habe.
Demgegenüber negiert die Beschwerdegegnerin eine Verletzung des
beschwerdeführerischen Akteneinsichtsrechts unter Verweis auf die
ausführliche Sachverhaltsdarstellung in ihrer Beschwerdeantwort.
b) Damit ist in Bezug auf den Vorwurf einer Verletzung des rechtlichen
Gehörs einerseits der Frage nachzugehen, ob die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin vor Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 1. Juli 2011 nochmals Gelegenheit zur
Stellungnahme zu den im Einspracheverfahren eingeholten ärztlichen
Berichten hätte geben müssen (vgl. nachstehend E.4 f.). Anderseits ist zu
prüfen, ob die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die
Möglichkeit hätte einräumen müssen, im Hinblick auf den neuerlichen
Beizug des beratenden Arztes Dr. med. G._ vom 1. Juni 2011 eigene
Fragestellungen zu unterbreiten (vgl. nachstehend E.6). Auf die
beschwerdeführerischen Ausführungen bezüglich der Verfahrenskosten
sowie der Parteientschädigung ist sodann am Ende der materiellen
Prüfung einzugehen (vgl. nachstehend E.17c).
4. a) Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung,
anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim
Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person
eingreift. Dazu gehört insbesondere das Recht, sich vor Erlass des in ihre
Rechtstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche
Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen
Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher
Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis
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zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen
(BGE 132 V 368 E.3 mit weiteren Hinweisen).
b) Aus Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des Anspruchs
auf rechtliches Gehör folgt nach der Rechtsprechung, dass grundsätzlich
sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden
müssen, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung darauf
abgestellt wird. Denn es gehört zum Kerngehalt des rechtlichen Gehörs,
dass die Verfügungsadressatin vor Erlass eines für sie nachteiligen
Verwaltungsaktes zum Beweisergebnis Stellung nehmen kann. Das
Akteneinsichtsrecht ist somit eng mit dem Äusserungsrecht verbunden,
gleichsam dessen Vorbedingung. Die Versicherte kann sich nur dann
wirksam zur Sache äussern und geeignete Beweise führen oder
bezeichnen, wenn ihr die Möglichkeit eingeräumt wird, die Unterlagen
einzusehen, auf welche sich die Behörde bei ihrer Verfügung gestützt hat.
Das rechtliche Gehör dient in diesem Sinne einerseits der Sachaufklärung
und stellt anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im
Verfahren dar. Daraus ergibt sich, dass der Versicherer, welcher neue
Akten beizieht, auf die er sich in seiner Verfügung zu stützen gedenkt,
grundsätzlich verpflichtet ist, die Beteiligten über den Aktenbeizug zu
informieren (BGE 132 V 387 E.3.1, 115 V 302 E.2e; KIESER, ATSG-
Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Art. 42 Rz. 14).
c) Das Akteneinsichtsrecht bezieht sich auf sämtliche verfahrensbezogenen
Akten, die geeignet sind, Grundlage des Entscheids zu bilden. Die
Akteneinsicht ist demnach auch zu gewähren, wenn die Ausübung des
Akteneinsichtsrechts den Entscheid in der Sache nicht zu beeinflussen
vermag. Die Einsicht in die Akten, die für ein bestimmtes Verfahren
erstellt oder beigezogen wurden, kann demnach nicht mit der Begründung
verweigert werden, die fraglichen Akten seien für den Verfahrensausgang
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belanglos. Es muss vielmehr der Betroffenen selber überlassen sein, die
Relevanz der Akten zu beurteilen (BGE 132 V 387 E.3.2 mit Hinweis auf
das Urteil des Bundesgerichtes 2A.444/1995 vom 13. August 1996).
d) Nach Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Sie müssen nicht angehört werden vor Verfügungen, die durch
Einsprache anfechtbar sind. Spätestens im Einspracheverfahren hat die
Verwaltung jedoch die allgemeinen Grundsätze des rechtlichen Gehörs
zu wahren und folglich der versicherten Person oder ihrem Vertreter
Einsicht in die Akten zu gewähren, auf deren Grundlage sie den
Einspracheentscheid abstützt (vgl. RKUV 1992 Nr. U 152 S. 200 E.3b).
Wird nach Erhebung einer Einsprache festgestellt, dass die
Entscheidungsgrundlagen unvollständig sind, so ist der Sachverhalt unter
Wahrung der Parteirechte zu vervollständigen und das
Verwaltungsverfahren mit dem Einspracheentscheid abzuschliessen
(BGE 132 V 387 E.4.1, 131 V 431 E.2.1.2.2).
e) Das Recht auf Akteneinsicht ist wie das Recht, angehört zu werden,
formeller Natur. Die Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht führt
ungeachtet der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur
Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Vorbehalten bleiben
praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des Akteneinsichtsrechts
nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass die Partei,
deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern
kann, welche sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen uneingeschränkt
überprüft. Von einer Rückweisung der Sache zur Gewährung des
rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung des
Mangels selbst bei schwer wiegenden Verletzungen des rechtlichen
Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem
formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen
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würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der
betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu
vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E.2.3.2, 136 V 117 E.4.2.2.2,
133 I 201 E.2.2, 132 V 387 E.5.1; Urteil des Bundesgerichtes
4D_111/2010 vom 19. Januar 2011 E.3.1).
5. Dass der Sonographiebericht der Schultern beidseits vom 4. Dezember
1995 (Bg-act. M28), der Bericht des Radiologieinstituts O.3._ vom
20. Januar 1997 (Bg-act. M28), die Stellungnahme des beratenden Arztes
Dr. med. G._ vom 1. Juni 2011 (Bg-act. M27) sowie der
Verlaufsbericht von Dr. med. D._ vom 20. Juni 2011 (Bg-act. M29)
Eingang in den angefochtenen Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011
gefunden haben, kann − nachdem im Einspracheentscheid explizit auf
diese Dokumente Bezug genommen wird − nicht zweifelhaft sein.
Unzweifelhaft ist des Weiteren, dass diesen Dokumenten eine gewisse
Entscheidrelevanz zukommt (vgl. E.3.1.1, 3.1.2, 3.1.18, 3.3.2, 3.3.4, 3.3.6
des angefochtenen Einspracheentscheids vom 1. Juli 2011). Aus diesem
Umstand kann indessen noch nicht gefolgert werden, die Nichtzustellung
dieser Berichte an die Beschwerdeführerin vor Erlass des
Einspracheentscheids stelle eine schwere, keiner Heilung zugängliche
Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Einerseits wurde der
Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin bereits vor Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 10. Dezember 2010 jederzeit
Akteneinsicht gewährt (vgl. Ziff. II 1.3 - 1.5 der Beschwerdeantwort vom
13. Oktober 2011). Anderseits bestätigen sowohl der Sonographiebericht
der Schultern beidseits vom 4. Dezember 1995 (Bg-act. M28) als auch
der Bericht des Radiologieinstituts O.3._ vom 20. Januar 1997 (Bg-
act. M28) sowie auch die Stellungnahme des beratenden Arztes Dr. med.
G._ vom 1. Juni 2011 (Bg-act. M27) im Wesentlichen lediglich den
medizinischen Vorzustand, wie er bereits in den übrigen medizinischen
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Akten erwähnt ist, so unter anderem auch im Bericht von Dr. med.
D._ an den beschwerdeführerischen Rechtsanwalt vom 20. Juli 2010
(Bg-act. M24). Selbst wenn mit Blick auf die gerügte Verletzung des
Akteneinsichtsrechts indes eine allfällige Verletzung des rechtlichen
Gehörs zu bejahen wäre, wäre der Mangel als nachträglich geheilt zu
qualifizieren, weil es sich aufgrund des eben geschilderten um keine
schwerwiegende Verletzung der Parteirechte handelt und sich die
Beschwerdeführerin im Rahmen eines doppelten Schriftenwechsels vor
dem Verwaltungsgericht, das sowohl den Sachverhalt wie auch die
Rechtslage frei überprüfen kann (volle Kognition), ausführlich zu allen
Fragen äussern konnte. Überdies würde eine Rückweisung der Sache zur
Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Beschwerdegegnerin zu einem
formalistischen Leerlauf sowie zu unnötiger Verzögerungen führen.
Folglich sprechen vorliegend auch verfahrensökonomische Gründe gegen
eine Rückweisung.
6. a) Es bleibt in formeller Hinsicht zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin die Möglichkeit hätte einräumen müssen, im Hinblick
auf den neuerlichen Beizug des beratenden Arztes Dr. med. G._
vom 1. Juni 2011, diesem eigene Fragestellungen zu unterbreiten. Wie
vorstehend bereits erläutert gebietet es der Gehörsanspruch, in
verschiedener Weise an der Sachverhaltsabklärung mitwirken zu können.
So muss die Partei beispielsweise Gelegenheit erhalten, sich bei der
Gutachtenerstellung zur vorgesehenen sachverständigen Person äussern
zu können; ferner hat sie Anspruch darauf, Ergänzungsfragen zu stellen
(vgl. BGE 120 V 357 E.2b). Der Anspruch darauf, Ergänzungsfragen zu
stellen, kann sich sodann auch bei Stellungnahmen von
versicherungsinternen sachverständigen Personen ergeben, soweit deren
Berichte massgebend berücksichtigt werden sollen (KIESER, a.a.O.,
Art. 42 Rz. 17).
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b) Hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin erwähnten Arztberichtes von
Dr. med. G._ vom 1. Juni 2011 (Bg-act. M27) gilt es festzuhalten,
dass diesem hinsichtlich der Frage der richtunggebenden oder
vorübergehenden Verschlimmerung der Diskushernie C5/6 neben allen
anderen bei den Akten liegenden medizinischen Berichten und
Stellungnahmen keine Entscheidrelevanz hinsichtlich des
Einspracheentscheids zukommt. Dies zumal Dr. med. G._ darin
lediglich seine Ausführungen zur Diskushernie in den Berichten vom
1. Juli 2010 (Bg-act. M21) beziehungsweise vom 30. November 2010 (Bg-
act. M25), welche bereits im Zeitpunkt der Verfügung vom 10. Dezember
2010 vorlagen, bestätigte. Da der erwähnte Bericht von Dr. med. G._
vom 1. Juni 2011 somit gegenüber den bereits bei den Akten liegenden
medizinischen Berichten keine neuen entscheidrelevanten
Gesichtspunkte enthält und folglich für den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011 nicht von entscheidender
Bedeutung ist, kann aber auch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs
vorliegen, wenn die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die
Möglichkeit verwehrte, im Hinblick auf den Beizug des beratenden Arztes
eigene Fragen zu unterbreiten.
c) Zusammenfassend ist damit mit Blick auf die gerügte Verletzung des
Akteneinsichtsrechts festzuhalten, dass die von der Beschwerdegegnerin
nicht gewährte Gelegenheit zur Stellungnahme zu den im
Einspracheverfahren eingeholten ärztlichen Berichten zwar einen Mangel
im Sinne von Art. 29 Abs. 2 BV beziehungsweise Art. 42 ATSG darstellt,
welcher aber noch nicht zu einer Verletzung des rechtlichen Gehörs
beziehungsweise zu einer Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids führt. Denn der Beschwerdeführerin wurde bereits
vor Erlass der Verfügung vom 10. Dezember 2010 das
- 21 -
Akteneinsichtsrecht gewährt und die der Beschwerdeführerin nicht zur
Stellungnahme zugestellten Arztberichte bestätigen lediglich den
medizinischen Vorzustand, wie er bereits in den übrigen medizinischen
Akten erwähnt ist. Selbst wenn man diesbezüglich aber von einer leichten
Gehörsverletzung ausgehen sollte, wäre diese durch das vorliegende
Beschwerdeverfahren geheilt worden. Ebenfalls keine Verletzung des
rechtlichen Gehörs ist in der Tatsache zu sehen, dass die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die Möglichkeit verwehrt
hat, im Hinblick auf den neuerlichen Beizug des beratenden Arztes
Dr. med. G._ vom 1. Juni 2011 eigene Fragestellungen zu
unterbreiten. Denn auch der Arztbericht von Dr. med. G._ vom
1. Juni 2011 enthält gegenüber den bei den Akten liegenden
medizinischen Berichten keine neuen entscheidrelevanten
Gesichtspunkte.
7. a) Nachdem keine formellen Gründe für eine Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 1. Juli 2011 ausgewiesen sind, ist materiell zu
prüfen, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen für das Unfallereignis
vom 8. Januar 2009 infolge Erreichens des Status quo sine zu Recht per
30. Juni 2009 eingestellt hat und die persistierenden Beschwerden
(Schmerzen Vorderarm, Hand und Sensibilitätsstörungen) mangels
natürlichem Kausalzusammenhang verneint hat.
b) Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt,
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die
plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
- 22 -
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Die Leistungspflicht des
Unfallversicherers setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
der gesundheitlichen Schädigung ein natürlicher oder adäquater
Kausalzusammenhang besteht (BGE 129 V 177 E.3).
c) Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle
Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als
eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser
Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne
dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE
129 V 177 E.3.1 mit Hinweisen, 126 V 353 E.6b). Ursachen im Sinne des
adäquaten Kausalzusammenhangs sind Ereignisse, die nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung
an sich geeignet sind, einen Gesundheitsschaden von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Gesundheitsschadens
also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE
129 V 177 E.3.2). Im Bereich organisch objektiv ausgewiesener
körperlicher Beeinträchtigungen spielt die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang
ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine Rolle, da sich
hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE
134 V 109 E. 2.1).
- 23 -
8. a) Wird durch einen Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder
überhaupt erst manifest, entfällt die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und
adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt, wenn also
Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen
beruht. Dies trifft dann zu, wenn der (krankhafte) Gesundheitszustand
erreicht ist, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (status quo
ante), oder wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines
krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt
hätte (status quo sine; Urteil des Bundesgerichtes 8C_84/2010 vom
1. Juni 2010 E.2.1 mit Hinweisen).
b) Der Beweis des Wegfalls des natürlichen Kausalzusammenhangs muss
nicht durch den Nachweis unfallfremder Ursachen erbracht werden.
Ebenso wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen
Beweis zu verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder
die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei. Entscheidend ist
allein, ob unfallbedingte Ursachen des Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, also dahingefallen sind (Urteil des
Bundesgerichtes 8C_79/2011 vom 9. März 2011 E.2.2 mit Hinweisen).
Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen
eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht
allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender
ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast nicht
bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (Urteil des
Bundesgerichtes 8C_79/2011 vom 9. März 2011 E.2.2 mit Hinweisen).
Dabei ist zu beachten, dass die Parteien im Sozialversicherungsprozess
eine Beweislast nur insofern tragen, als im Falle der Beweislosigkeit der
- 24 -
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 261 E.3b).
Bevor sich aber überhaupt die Frage der Beweislast stellt, ist der
Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig und
vollständig zu klären (Urteil des Bundesgerichtes 8C_354/2007 vom
4. August 2008 E.2.2).
c) Sowohl das Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale
Sozialversicherungsprozess sind vom Untersuchungsgrundsatz
beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben
Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht
dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Bleiben
erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellungen, ist weiter zu ermitteln, soweit von
zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche
Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichtes 8C_616/2013
vom 28. Januar 2014 E.2.1).
9. Zur Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhangs sind
Sozialversicherungsträger und Sozialversicherungsrichter auf Unterlagen
angewiesen, die ihnen vorab von Ärzten zur Verfügung zu stellen sind.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist dabei entscheidend,
ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a mit
- 25 -
Hinweis). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit
weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c mit Hinweisen).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die
Beweiswürdigung aufzustellen. In Bezug auf Berichte von Hausärzten
darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass
Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten
aussagen. Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner
Ärzte kommt sodann Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass
der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab
anzulegen (vgl. zum Ganzen BGE 125 V 351 E.3b, 122 V 157 E.1c mit
Hinweisen).
10. Unbestritten und durch die Akten ausgewiesen ist vorliegend, dass die
Beschwerdeführerin am 8. Januar 2009 auf dem Bodenteppich
ausrutschte und auf die rechte Schulter fiel. Anlässlich der
Erstbehandlung am Folgetag im Krankenhaus O.1._ wurde eine
Schulterkontusion rechts bei Tendinitis calcarea rechts sowie radiologisch
- 26 -
eine Tendinitis calcarea mit mehreren Kalkdepots an typischer Stelle,
aber keine frischen ossären Läsionen diagnostiziert (vgl. Unfallmeldung
UVG [Bg-act. 1], Arztbericht des Krankenhauses O.1._ vom 13. Mai
2009 [Bg-act. M1]). Aufgrund der erlittenen Verletzungen war die
Beschwerdeführerin ab dem 9. Januar 2009 bis zum 2. Mai 2009 zu
100 % arbeitsunfähig, bevor ab dem 3. Mai 2009 wieder eine vollständige
Arbeitsfähigkeit (100 %) gegeben war (vgl. Arztbericht des
Krankenhauses O.1._ vom 13. Mai 2009 [Bg-act. M1]). Für die
100%ige Arbeitsunfähigkeit erbrachte die Beschwerdegegnerin
Taggeldleistungen bis am 30. April 2009 und übernahm die
Heilbehandlungskosten bis am 30. Juni 2009. Streitig und zu prüfen ist
nun die Frage, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen für das
Unfallereignis vom 8. Januar 2009 zu Recht per 30. Juni 2009 eingestellt
hat und die Unfallkausalität der nach dem operativen Eingriff vom 27.
Januar 2009 (vgl. vorne Sachverhalt Ziff. 1) geklagten Beschwerden
(Schmerzen Vorderarm, Hand und Sensibilitätsstörungen) zu Recht
verneint hat. Dabei ist insbesondere umstritten, ob der operative Eingriff
vom 27. Januar 2009 unfallbedingt erfolgt ist.
11. a) In Bezug auf den krankhaften Vorzustand führt die Beschwerdeführerin
aus, dass es keineswegs gesichert sei, ob damals eine Tendinitis
calcarea der Supraspinatussehne bestanden habe. Entscheidend sei
diesbezüglich, dass sie bis zum Sturz am 8. Januar 2009 über zehn Jahre
im Schulterbereich beschwerdefrei und uneingeschränkt arbeitsfähig
gewesen sei. Damit habe sich der von der Beschwerdegegnerin
behauptete krankhafte Vorzustand gesundheitlich bis zum 8. Januar 2009
nie ausgewirkt. Die Indikation zur Operation vom 27. Januar 2009 sei
ausschliesslich vor dem Hintergrund des unfallbedingt ausgelösten
Beschwerdebildes entstanden, wobei ein allfälliger krankhafter
Vorzustand vor dem Hintergrund von Art. 36 UVG für die Leistungspflicht
- 27 -
der Beschwerdegegnerin ohne Relevanz wäre. Die Unfallkausalität des
operativen Eingriffs vom 27. Januar 2009 und der Folgebeschwerden sei
zu bejahen. Letztlich habe auch die Beschwerdegegnerin den operativen
Eingriff finanziert und damit die Unfallkausalität des operativen Eingriffs
anerkannt.
Die Beschwerdegegnerin ist demgegenüber der Ansicht, dass sich aus
den medizinischen Unterlagen ein Nachweis eines Vorzustands ableiten
lasse. Sollte eine Aktivierung erst wieder durch das Unfallereignis vom
8. Januar 2009 erfolgt sein, so sei diese lediglich vorübergehend erfolgt.
Im Übrigen habe sie die Kosten für die Operation vom 27. Januar 2009
übernommen und diesbezüglich gezeigt, dass von einer
vorübergehenden Verschlimmerung auszugehen sei. Damit sei aber nicht
belegt, dass das Unfallereignis die einzige Ursache für die Operation
dargestellt habe. Hinsichtlich der Degeneration einer
Rotatorenmanschette sei zudem zu beachten, dass diese in hohem
Masse der Degeneration unterliege, was zusätzlich für einen
degenerativen Vorzustand spreche.
b) Wie die Beschwerdegegnerin − bereits im angefochtenen
Einspracheentscheid − zu Recht ausführte, kann eine Kontusion der
Schulter eine bisher schmerzfreie degenerative Veränderung zwar
symptomatisch machen. Im Fall einer Aktivierung hat die
Unfallversicherung aber nur Leistungen für das unmittelbar im
Zusammenhang mit dem Unfall stehende Schmerzsyndrom zu erbringen.
Vorliegend vermögen die medizinischen Akten − entgegen den
beschwerdeführerischen Ausführungen − ohne Weiteres zu belegen, dass
bereits vor dem Unfallereignis vom 8. Januar 2009 ein krankhafter
Vorzustand, und zwar eine Tendinitis calcarea, bestanden hat, welche
bereits in den Jahren 1995 und 1997 zu massiven therapieresistenten
- 28 -
Schulterschmerzen rechts geführt hat (vgl. Sonographiebericht vom
4. Dezember 1995 und MRI-Bericht der rechten Schulter vom 20. Januar
1997 [Bg-act. M28]). Auch im Operationsbericht vom 27. Januar 2009
(Bg-act. M2) wurde eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung nach
vorgängig gleichartiger Erkrankung erwähnt, nachdem bereits anlässlich
der Erstbehandlung im Krankenhaus O.1._ vom 9. Januar 2009,
mithin bloss einen Tag nach dem Unfallereignis, eine Tendinitis calcarea
mit mehreren Kalkdepots an typischer Stelle festgestellt wurde, aber
keine frischen ossären Läsionen (vgl. Arztbericht des Krankenhauses
O.1._ vom 13. Mai 2009 [Bg-act. M1]). Schliesslich führte auch der
Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. med. D._, in seinem
Arztbericht vom 20. Juli 2010 (beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 8,
Bg-act. M24) aus, die Beschwerdeführerin sei bereits in den Jahren 1995
und 1997 wegen den Schulterbeschwerden rechts bei ihm in Behandlung
gewesen, wobei er dabei eine Kalkbildung im Bereiche der Gelenkkapsel
der rechten Schulter festgestellt habe. Anlässlich des operativen Eingriffs
vom 27. Januar 2009 wurden sodann − wie gesehen − die Kalkdepots
ausgeräumt und eine Acromioplastik rechts vorgenommen. Eine
Behandlung unfallbedingter Verletzungen ist demgegenüber nicht
dokumentiert (vgl. Operationsbericht vom 27. Januar 2009 [Bg-act. M2]).
Vor diesem Hintergrund erscheint die Beurteilung des
beschwerdegegnerischen Vertrauensarztes Dr. med. G._ vom
30. November 2010 (Bg-act. M25 S. 4 Ad. 3), wonach sämtliche
strukturellen Veränderungen (Kalkeinlagerungen) rein degenerativ
bedingt seien und keinen Zusammenhang zum Unfallereignis vom
8. Januar 2009 hätten, richtig und nachvollziehbar. Dass durch das
Unfallereignis die diagnostizierten degenerativen Veränderungen
vorübergehend aktiviert worden sind, wird von der Beschwerdegegnerin
sodann zu Recht nicht in Frage gestellt, wurde doch eine solche
vorübergehende Aktivierung des Vorzustandes sowohl von Dr. med.
- 29 -
D._ (vgl. sein Arztbericht vom 20. Juli 2010 S. 2 Ziff. 3 [Bf-act. 8, Bg-
act. M24]) und Dr. med. G._ (vgl. seine Stellungnahme vom
30. November 2010 [Bg-act. M25]) als auch von Dr. med. F._ (vgl.
seine Stellungnahme vom 26. Januar 2010 [Bg-act. M11]) bestätigt. Im
ärztlichen Bericht des Krankenhauses O.1._ vom 30. Juni 2009 (Bg-
act. M3) führte Dr. med. N._ sodann aus, dass die
Beschwerdeführerin in Bezug auf die Schulterkontusion im Verlauf der
Betreuung über deutlich weniger Schmerzsymptomatik berichtet und sich
auch die Beweglichkeit im Schultergelenk deutlich gebessert habe. Vor
diesem Hintergrund ist es nicht zu beanstanden, wenn der
beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med. F._ in seiner
Stellungnahme vom 26. Januar 2010 (Bg-act. M11) zum Schluss kam,
dass der Status quo sine bezüglich der Schulterbeschwerden drei Monate
nach dem Sturz erreicht gewesen sei und die Beschwerdegegnerin
daraufhin hinsichtlich der Schulterbeschwerden per 30. Juni 2009
ebenfalls vom Status quo sine ausgegangen ist. Dies zumal in den Akten
keine Befunde dokumentiert sind, welche auf eine strukturelle Schädigung
der Schulter beziehungsweise eine bleibende traumakausale Schädigung
der Schulter durch das Unfallereignis vom 8. Januar 2009 hindeuten
würden. Folglich ist die Beschwerdegegnerin aber zu Recht davon
ausgegangen, dass die strukturellen Veränderungen mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit rein degenerativ bedingt sind und keinen
Zusammenhang zum Unfallereignis vom 8. Januar 2009 haben.
c) An diesem Ergebnis vermögen weder das Argument, wonach die
Beschwerdeführerin im Schulterbereich bis zum Unfallereignis vom
8. Januar 2009 über zehn Jahre beschwerdefrei und uneingeschränkt
arbeitsfähig gewesen sei noch die Rüge, wonach es sich bei den
Beurteilungen der beschwerdegegnerischen Vertrauensärzte Dres. med.
F._ und G._ um blosse Aktenbeurteilungen handle, auf welche
- 30 -
nicht abgestützt werden könne, etwas zu ändern. Einerseits ist nicht
ersichtlich, was die Beschwerdeführerin aus dem Argument, sie sei bis
zum Unfallereignis vom 8. Januar 2009 während über zehn Jahren
beschwerdefrei und uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen, für sich
ableiten möchte. Vielmehr widerlegen die erwähnten medizinischen
Berichte die beschwerdeführerische Aussage, wonach sich der
gesundheitliche Vorzustand bis zum 8. Januar 2009 nie ausgewirkt habe.
Anderseits ist auch die Rüge, wonach auf die Aktenbeurteilungen der
beschwerdegegnerischen Vertrauensärzte nicht abgestellt werden könne,
unbegründet, sind doch Aktengutachten nach der Rechtsprechung ohne
Weiteres zulässig, wenn genügend Unterlagen von persönlichen
Untersuchungen vorliegen (RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371). Dies ist dann
der Fall, wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf
und gegenwärtigen Status ergeben, so dass sich der Experte gesamthaft
ein lückenloses Bild machen kann (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichtes U 330/02 vom 5. Dezember 2003 E.2.3 mit
weiteren Hinweisen; vgl. dazu auch vorstehend E.9). Den
beschwerdegegnerischen Vertrauensärzten lagen vorliegend
umfangreiche medizinische Berichte von persönlichen Untersuchungen
vor, weshalb sie ohne Weiteres in der Lage waren, die sich stellenden
(Kausalitäts-)Fragen zuverlässig und nachvollziehbar zu beantworten.
Folglich kommt aber ihren Stellungnahmen und Beurteilungen durchaus
Beweiswert zu.
12. a) In Bezug auf die Frage, ob hinsichtlich der Diskushernie C4/5 und C5/6
durch das Unfallereignis vom 8. Januar 2009 eine vorübergehende
Verschlechterung oder eine traumatisch bleibende Verschlimmerung
stattgefunden hat, ist zunächst zu beachten, dass es im Bereich des
Unfallversicherungsrechts einer medizinischen Erfahrungstatsache
entspricht, dass praktisch alle Diskushernien bei Vorliegen degenerativer
- 31 -
Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis nur
ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche
Ursache in Betracht fällt. Als weitgehend unfallbedingt kann eine
Diskushernie betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von besonderer
Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe
herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder
radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit
auftreten. In solchen Fällen hat die Unfallversicherung praxisgemäss auch
für Rezidive und allfällige Operationen aufzukommen. Ist indessen die
Diskushernie bei degenerativem Vorzustand durch den Unfall nur
aktiviert, nicht aber verursacht worden, so hat die Unfallversicherung nur
Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem Unfall
stehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Solange der Status quo sine vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer diesfalls
gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern
auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter
auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen. Demnach hat
die versicherte Person auch Anspruch auf eine − operative Eingriffe mit
einschliessende − zweckmässige Behandlung. Nach derzeitigem
medizinischen Wissensstand kann das Erreichen des Status quo sine bei
posttraumatischen Lumbalgien und Lumboischialgien nach drei bis vier
Monaten erwartet werden, wogegen eine allfällige richtunggebende
Verschlimmerung röntgenologisch ausgewiesen sein und sich von der
altersüblichen Progression abheben muss; eine traumatische
Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustands an
der Wirbelsäule ist in der Regel nach sechs bis neun Monaten,
spätestens aber nach einem Jahr, als abgeschlossen zu betrachten
(Urteile des Bundesgerichtes 8C_412/2008 vom 3. November 2008
E.5.1.1 - 5.1.3, 8C_326/2008 vom 24. Juni 2008 E.3.1 - 3.3 jeweils mit
weiteren Hinweisen; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes
- 32 -
U 354/04 vom 11. April 2005 E.2.2 mit weiteren Hinweisen auf die
medizinische Literatur; RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl., Zürich 2012, Art. 6 S. 55 f.).
b) Vorliegend sind sich die Parteien darin einig, dass der Unfall die
vorbestehende Bandscheibenproblematik aktiviert beziehungsweise zu
einer vorübergehenden Verschlimmerung derselben geführt hat.
Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht
während rund sechs Monaten bis am 30. Juni 2009 anerkannt. Nicht einig
sind sich die Parteien in der Frage, ob das Unfallereignis zu einer
richtunggebenden Verschlimmerung geführt hat.
c) Aufgrund der medizinischen Aktenlage und dem Unfallereignis vom
8. Januar 2009 an sich steht vorliegend fest, dass die im Rahmen der
Abklärungen der Ursachen der Hypästhesien diagnostizierten
Diskushernien C4/5 und C5/6 von diesem höchstens ausgelöst, nicht aber
verursacht wurden. Denn einerseits belegen sowohl der Arztbericht von
Dr. med. D._ vom 20. Juli 2010 (Bf-act. 8, Bg-act. M24) als auch die
Stellungnahme des beschwerdegegnerischen Vertrauensarztes Dr. med.
G._ vom 1. Juni 2011 (Bg-act. M27) bereits vor dem Unfallereignis
vom 8. Januar 2009 vorbestehende Diskushernien C4/5 und C5/6.
Anderseits wurde eine richtunggebende Verschlimmerung dieses
Vorzustands durch Dr. med. G._ mit Stellungnahme vom 1. Juni
2011 (Bg-act. M27) ausdrücklich und nachvollziehbar ausgeschlossen.
Darin führte er aus, dass sich bei einem Vergleich der HWS-MRI-Bilder
vom 23. November 2005 und vom 27. August 2009 in beiden Bildern eine
unveränderte medio-lateral rechtsbetonte Diskushernie C4/5 gezeigt
hätte. Nach Sichtung der Bilder könne nur eine vorübergehende
Verschlimmerung nachvollzogen werden. Eine richtunggebende
- 33 -
Verschlimmerung der Diskushernien sei dagegen radiologisch nicht
ausgewiesen. Sodann lägen im Befund vom 27. August 2009 auch
keinerlei Hinweise vor, wonach traumatisch eine Verschlimmerung
stattgefunden hätte (vgl. Stellungnahmen des beschwerdegegnerischen
Vertrauensarztes vom 3. November 2010 [Bg-act. M25] und vom 1. Juni
2011 [Bg-act. M27]). Folglich ist aber mit der Beschwerdegegnerin und
Dr. med. G._ eine richtunggebende Verschlimmerung der
vorbestehenden Diskushernien durch das Unfallereignis vom 8. Januar
2009 − da eine solche röntgenologisch nicht ausgewiesen ist − zu
verneinen. Eine vorübergehende Verschlechterung der Diskushernien
durch das Unfallereignis ist zwar möglich, nicht aber überwiegend
wahrscheinlich. Dem hat die Beschwerdegegnerin insofern Rechnung
getragen, als sie ihre Leistungspflicht für die unmittelbar im
Zusammenhang mit dem Unfallereignis stehenden Beschwerden während
rund sechs Monaten beziehungsweise bis am 30. Juni 2009 anerkannt
hat, was vor dem Hintergrund der vorstehend dargestellten
bundesgerichtlichen Rechtsprechung in keiner Weise zu beanstanden ist.
Gestützt wird dieses Ergebnis im Übrigen auch durch das Gutachten der
Klinik für Neurologie des Kantonsspitals O.4._ vom 28. August 2013,
in welchem explizit ausgeführt wird, dass die kernspintomographisch
2009 und 2013 fehlenden posttraumatischen Veränderungen zusammen
mit der fehlenden Zunahme der Nackenbeschwerden zum Zeitpunkt des
Sturzes ein weiteres Argument gegen eine durch den Sturz
hervorgerufene Progression der HWS-Veränderung seien (Gutachten
S. 34). Ein weiterer Abklärungsbedarf hinsichtlich der Diskushernien ist
vor diesem Hintergrund nicht angezeigt.
13. a) Nach dem operativen Eingriff vom 27. Januar 2009 an der rechten
Schulter traten bei der Beschwerdeführerin Beschwerden im Sinne von
Sensibilitätsstörungen und Schmerzen im rechten Arm und an der rechten
- 34 -
Hand auf. Diesbezüglich ist nachfolgend zu prüfen, ob diese postoperativ
aufgetretenen Beschwerden noch auf das Unfallereignis vom 8. Januar
2009 als deren natürliche Ursache zurückzuführen sind. Dabei ist
insbesondere auch die Frage zu beantworten, ob die am 27. Januar 2009
durchgeführte Operation unfallbedingt erfolgte oder lediglich
krankheitsbedingt war. Sollte die Operation unfallbedingt erfolgt sein −
wobei Teilursächlichkeit nach Art. 36 UVG genügt − wäre die
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die persistierenden
Beschwerden zu bejahen, sofern die Beschwerden tatsächlich auf eine
konsekutive Plexusläsion des Truncus superior zurückzuführen wären. Ist
die Operation dagegen nicht unfallkausal, sondern degenerativ
beziehungsweise krankheitsbedingt erfolgt, gilt folgendes: Im Rahmen
einer Krankheitsbehandlung, für welche der Unfallversicherer nicht
leistungspflichtig ist, kann ein Behandlungsfehler ausnahmsweise den
Unfallbegriff erfüllen, nämlich dann, wenn es sich um grobe und
ausserordentliche Verwechslungen und Ungeschicklichkeiten oder sogar
um absichtliche Schädigungen handelt, mit denen niemand rechnet noch
zu rechnen braucht. Ob dabei ein Unfall im Sinne des UVG vorliegt,
beurteilt sich unabhängig davon, ob der beteiligte Mediziner
haftpflichtrechtlich eine Sorgfaltspflichtverletzung begangen hat. Ebenso
wenig besteht eine Bindung an eine allfällige strafrechtliche Beurteilung
des ärztlichen Verhaltens (SVR 2014 UV Nr. 5 E.4.2, 2013 UV Nr. 7
E.5.1, 2012 UV Nr. 11 E.6.1 jeweils mit weiteren Hinweisen; RUMO-
JUNGO/HOLZER, a.a.O., Art. 6 S. 31 ff.; zum Ganzen: LARGIER,
Schädigende medizinische Behandlung als Unfall, Diss., Basel/Genf
2002). Zur Beantwortung der sich stellenden Fragen bezüglich der
natürlichen Kausalität stehen neben den bereits erwähnten Arztberichten
insbesondere auch das interdisziplinäre Gutachten der Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals O.4._ vom 28. August 2013
zuhanden der Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden (nachfolgend
- 35 -
Gutachten) zur Verfügung, welches auf ambulant-neurologischen,
orthopädischen, elektrophysiologischen, ambulant-anästhesiologischen
sowie kernspintomographischen Untersuchungen beruht.
b) Die Beschwerdeführerin führt hinsichtlich der Frage, ob die Operation
vom 27. Januar 2009 unfallbedingt erfolgte sowie bezüglich der
nachfolgend zu prüfenden natürlichen Kausalität was folgt aus:
 Die Operation vom 27. Januar 2009 − einschliesslich präoperativer Plexusanästhesie − sei ausschliesslich vor dem Hintergrund der unfallbedingten Beschwerden erfolgt. Die Beschwerdegegnerin habe den operativen Eingriff finanziert und damit die Unfallkausalität des Eingriffs anerkannt. Postoperativ habe sich die Beschwerdesymptomatik nach dem Eingriff vom 27. Januar 2009 völlig verändert. Dr. med. E._ habe im Rahmen einer differenzialdiagnostischen Beurteilung mehrfach eine im Rahmen der Plexusanästhesie aufgetretene Arm/Plexusläsion als wahrscheinlich bezeichnet und dies auch nachvollziehbar begründet. Diese Auffassung werde auch von Dr. med. D._ und Dr. med. I._ geteilt. Und selbst der beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med. F._ habe sich dieser Beurteilung angeschlossen. Sodann spreche auch die zeitliche Konnexität des Beschwerdebildes zur durchgeführten Operation für die differenzialdiagnostische Beurteilung einer Plexusläsion.
 Soweit sich das Risiko einer Plexusbrachialschädigung im Rahmen der Operation realisiert haben sollte, müsse die Beschwerdegegnerin dafür auch einstehen. Teilursächlichkeit des Unfallereignisses sei ausreichend.
 Bei der Ablehnung in der Verfügung handle es sich nicht um das Resultat der erstmaligen Leistungsprüfung, weshalb es Sache der Beschwerdegegnerin sei, nachzuweisen, dass die eigentlichen Unfallfolgen mit dem Datum der verfügten Leistungseinstellung nicht mehr gegeben seien. Dabei müsse das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die entsprechende Beweislast liege bei der Beschwerdegegnerin, da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handle.
- 36 -
 Selbst wenn die Operation aber nicht auf den Unfall zurückgeführt werden könnte, wäre die Beschwerdegegnerin zur Prüfung verpflichtet, ob ein qualifizierter Behandlungsfehler im Zuge der durchgeführten Plexusanästhesie erfolgt sei und damit das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors bei medizinischen Eingriffen im Sinne von Art. 4 ATSG erfüllt sei.
 Wegen des komplexen Beschwerdebildes und des dafür mutmasslich verantwortlichen multifaktoriellen Geschehens sei eine umfassende polydisziplinäre Begutachtung erforderlich.
Diesen Ausführungen hält die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen was
folgt entgegen:
 Die Operation vom 27. Januar 2009 sei nicht unfallbedingt erfolgt. Sodann handle es sich bei der fraglichen Plexusläsion um ein neues Beschwerdebild, welches von der Beschwerdegegnerin nie anerkannt worden sei. Es lägen keine Hinweise für eine Plexusläsion anlässlich der nicht unfallbedingten Operation vom 27. Januar 2009 vor. Eine Plexusläsion habe denn auch nie dokumentiert worden können. Vielmehr sei das Vorliegen einer Plexusschädigung alleine aufgrund der zeitlichen Koinzidenz als Differenzialdiagnose postuliert worden. Alle neurologischen Befunde sprächen gegen eine entsprechende Schädigung und es hätten sich auch später, als die Plexusschädigung dann als wahrscheinlich betrachtet worden sei, keine entsprechenden Hinweise gezeigt. Auch Dr. med. I._ habe eine Plexusläsion zwar als möglich erachtet, jedoch nicht als überwiegend wahrscheinlich. Der blosse Verdacht oder die blosse Möglichkeit des Vorliegens einer Plexusläsion genüge aber dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrundsatz der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht. Da es sich bei einer allfälligen Plexusläsion um ein bekanntes Risiko handle und eine Nervenverletzung in einem solchen Fall gemäss geltender Rechtsprechung nicht als aussergewöhnlicher Faktor gewertet werde (BGE 121 V 35), liege auch kein neues Unfallereignis im Sinne von Art. 4 ATSG vor.
c) Gemäss vorerwähntem Gutachten liegen verschiedene Ursachen vor,
welche für die chronischen belastungsabhängigen Schulter-Arm-
Schmerzen verantwortlich sein könnten. Entsprechend gehen die
Gutachter denn auch von einer multifaktoriellen Genese der Beschwerden
aus, wobei das Impingement-Syndrom der rechten Schulter, was die
- 37 -
Belastungsabhängigkeit der Beschwerden erklären könne, im
Vordergrund stehe. Eine Schädigung von Teilen des Truncus superior
des Plexus zervikobrachialis rechts als weitere Schmerzursache und auch
als Ursache des Taubheitsgefühls im Bereich von Oberarm, Unterarm
und Daumen sei möglich. Ein zervikoradikuläres Schmerz- und sensibles
Ausfallsyndrom C6 rechts sowie ein elektrophysiologisch verifiziertes
Karpaltunnelsyndrom rechts seien weitere Komponenten der
multifaktoriellen Genese der Beschwerden.
Nachfolgend ist gestützt auf die vorhandene medizinische Aktenlage die
Unfallkausalität für jedes einzelne der soeben erwähnten
Beschwerdebilder gesondert zu prüfen.
aa) Subacromiales Impingement-Syndrom der rechten Schulter
Gemäss Gutachten stehe hinsichtlich der Schmerzursache das
subacromiale Impingement-Syndrom im Vordergrund, welches
typischerweise in den lateralen Arm ausstrahlende Schmerzen
verursachen könne (vgl. Gutachten S. 33). Wie vorstehend aber bereits
ausgeführt kann das subacromiale Impingement-Syndrom nicht auf das
Unfallereignis vom 8. Januar 2009 zurückgeführt werden. Zwar hat das
Unfallereignis zu einer vorübergehenden Verschlechterung des
Vorzustands geführt, wobei der Status quo sine nach drei, spätestens
aber im Zeitpunkt der Leistungseinstellung nach rund sechs Monaten am
30. Juni 2009 eingetreten war (vgl. vorstehend E.11b). Dies wird im
Übrigen auch von Dr. med. K._, Facharzt FMH für Chirurgie,
bestätigt, welcher in seiner Stellungnahme vom 19. November 2013
davon ausgeht, dass die rein kontusionsbedingte Schmerzsymptomatik
ohne nachweisbare strukturelle Schädigung nach der allgemeinen
Erfahrung nach spätestens drei Monaten ausgeheilt gewesen sei. Weiter
hielt er fest, dass anlässlich des operativen Eingriffs vom 27. Januar 2009
- 38 -
keine Schädigungen behandelt worden seien, die in einem kausalen
Zusammenhang mit dem Unfall vom 8. Januar 2009 stünden. Die
anlässlich des operativen Eingriffs durchgeführten Massnahmen würden
sich vollumfänglich auf den gesicherten Vorzustand beziehen. Dafür
spricht im Übrigen auch der Operationsbericht vom 27. Januar 2009 (Bg-
act. M2), wo unter Operationsdiagnose ein „Rezidivierendes
subacromiales Impingement bei Tendinitis calcarea vor allem der
Infraspinatus-Sehne, frozen shoulder“ angegeben wurde. Vor diesem
Hintergrund ist vorliegend davon auszugehen, dass das Unfallereignis
zwar zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Vorzustands
geführt hat, der Status quo sine aber nach drei Monaten, spätestens aber
im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 30. Juni 2009, eingetreten war.
Diese Zeitspanne hat die Beschwerdeführerin vorliegend aber nicht
abgewartet, sondern am 27. Januar 2009 interkurrent einen operativen
Eingriff durchführen lassen, wobei anlässlich dieses Eingriffs
ausschliesslich vorbestehende Befunde behandelt wurden. Folglich ist
aber das subacromiale Impingement-Syndrom nicht auf das Unfallereignis
vom 8. Januar 2009 zurückzuführen. Daran vermögen auch die
anderslautenden Ausführungen der Beschwerdeführerin − insbesondere
in deren Stellungnahme vom 15. November 2013 − nichts zu ändern.
bb) Läsion von Teilen des Truncus superior des Plexus zervikobrachialis
rechts
Erstmals erwähnt wurde die Plexusläsion im Arztbericht von Dr. med.
I._ vom 27. September 2009, wo dieser ausführte, dass aufgrund der
Anamnese mit initialer, über einen Monat persistierenden Anästhesie des
rechten Arms und teilweiser Rückbildung sowie des klinischen Befundes
mit (reiner) Sensibilitätsstörung und positivem
Schultergürtelprovokationsmanöver mit hoher Wahrscheinlichkeit eine
residuelle, rein sensible Läsion des Plexus brachialis vorliegen dürfte.
- 39 -
Diesen Befund liess Dr. med. I._ mittels MRI genauer abklären,
weshalb er die Beschwerdeführerin an Dr. med. T._, Radiologie
FMH, überwies. Dieser konnte jedoch im MRI des Plexus brachialis keine
Anzeichen einer entsprechenden Läsion nachweisen (vgl. MRI-Bericht
des Plexus brachialis vom 29. September 2009 [Bg-act. M6]). Auch
anlässlich der neurologischen und elektrophysiologischen Untersuchung
vom 14. Dezember 2009 durch Dr. med. E._, Oberarzt in Neurologie,
fanden sich sodann keine Hinweise auf eine Plexusläsion. Lediglich
aufgrund der zeitlichen Korrelation wurde eine mögliche Plexusläsion
diskutiert (vgl. Arztbericht von Dr. med. E._ vom 14. Dezember 2009
[Bg-act. M9 S. 4]). In weiteren Berichten wurde diese Differenzialdiagnose
sodann teilweise übernommen, so auch vom beschwerdegegnerischen
Vertrauensarzt Dr. med. F._, der in seiner Stellungnahme vom
25. Mai 2010 (Bg-act. M15) ausführte, es hätten sich seit der Operation
neue Beschwerden eingestellt, die wahrscheinlich auf den operativen
Eingriff oder die angewandte Plexusanästhesie zurückzuführen seien.
Eine medizinische Begründung hierfür ist dem Bericht von Dr. med.
F._ indes nicht zu entnehmen. Nachdem die Nackenschmerzen mit
der selektiven Wurzelinfiltration C5 und C6 sowie die
Einschlafsensationen der rechten Hand mit Ausnahme des Daumens mit
der lokalen Steroidinfiltration in den Karpalkanal gelindert werden
konnten, führte Dr. med. E._ im Verlaufsbericht vom 8. April 2010
(Bg-act. M19) aus, dass die unveränderten Schmerzen in der Schulter mit
Ausstrahlung in den Daumen wahrscheinlich auf eine Plexusläsion
zurückzuführen seien, welche im Rahmen der Plexus-Anästhesie am
27. Januar 2009 aufgetreten sei. Auch diesem Bericht ist keine
eingehendere medizinische Begründung zu entnehmen.
Demgegenüber führte Dr. med. G._ in seinen Berichten vom 1. Juli
2010 (Bg-act. M21) sowie vom 30. November 2010 (Bg-act. M25) aus,
- 40 -
dass eine Schädigung des Plexus nie habe dokumentiert werden können;
insbesondere hätten sich unauffällige nadelmyographische
Kurzexplorationen ohne jegliche Denervationszeichen in den
untersuchten Muskeln gezeigt, welche allesamt von einzelnen, durch den
Plexus brachialis rechts verlaufenden Nerven versorgt würden, und auch
die F-Wellen seien unauffällig gewesen, wobei hier die Nervenabschnitte
vom Plexusbereich ebenfalls benötigt würden. Schliesslich hätten sich
völlig unauffällig somato-sensorisch evozierte Potentiale bei Reizung des
N. medianus gezeigt, welche bei einer Schädigung im Plexusbereich
pathologisch hätten ausfallen müssen. Eine Plexusläsion müsse zur
Erklärung der Beschwerden aber auch nicht angenommen werden;
vielmehr liessen sich diese durch die radikulären Beschwerden C5 und
C6 sowie ein Karpaltunnelsyndrom restlos erklären.
Schliesslich erachten auch die Gutachter des Kantonsspitals O.4._
eine postoperativ hinzugekommene Läsion von Teilen des Truncus
superior des Plexus zervikobrachialis rechts lediglich als möglich, da
unmittelbar postoperativ nach einer Operation in Plexusanästhesie,
welche eine Schädigung des Plexus zervikobrachialis in 1 bis 3.3 % zur
Folge haben könne, ein Taubheitsgefühl im rechten Arm aufgetreten sei,
welches bei Lokalisation im Daumen, radialem Unterarm und
streckseitigem Oberarm Teilen des Truncus superior zugeordnet werden
könne. Bei fehlenden elektrophysiologischen sowie bildmorphologischen
Korrelaten würden sich indes keine Hinweise auf eine relevante axonale
Läsion ergeben, wobei eine solche Läsion auch nicht gänzlich
ausgeschlossen werden könne (vgl. Gutachten S. 33 f.).
Zusammenfassend lässt sich somit festhalten, dass keiner der Ärzte die
Ursache der nach Plexusanästhesie am 27. Januar 2009 verbleibenden
Sensibilitätsstörungen mit Sicherheit angeben konnte. Vielmehr hielten
- 41 -
Dr. med. I._, Dr. med. F._ sowie auch Dr. med. E._
lediglich fest, dass die unveränderten Schmerzen in der Schulter mit
Ausstrahlung in den Daumen wahrscheinlich beziehungsweise mit hoher
Wahrscheinlichkeit auf eine Plexusläsion zurückzuführen sein dürften,
welche im Rahmen der Plexus-Anästhesie am 27. Januar 2009
aufgetreten sei. Folglich ist eine postoperative Läsion des Plexus
brachialis zwar möglich; sie kann aber nicht mit dem im Bereich des
Sozialversicherungsrechts notwendigen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bewiesen werden. Vor diesem Hintergrund ist es denn
auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das Vorliegen
einer Plexusläsion nie anerkannt hat. Somit hat aber die
Beschwerdeführerin die Folgen einer Beweislosigkeit der von ihr
behaupteten Unfallkausalität dieses Beschwerdebildes zu tragen.
Bei dieser Sachlage erübrigt sich sowohl die von der Beschwerdeführerin
und Dr. med. E._ beantragte Einholung eines ausführlichen
polydisziplinären Gutachtens für eine detaillierte Abklärung und
Differenzierung der Beschwerden (vgl. Arztbericht vom 4. Mai 2010 [Bg-
act. M23]) als auch die von Dr. med. D._ beantragte erneute
neurologische Beurteilung der Frage der möglichen residuellen
Beschwerden als Folge einer Plexusverletzung durch die
Plexusanästhesie (vgl. Arztbericht vom 20. Juli 2010 [Bf-act. 8; Bg-
act. M24]). Denn einerseits sind sich sämtliche Ärzte dahingehend einig,
als eine postoperative Läsion des Plexus höchstens möglich ist, diese
aber nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bewiesen werden kann. Daran dürfte auch die
Einholung einer weiteren Expertenmeinung nichts ändern. Anderseits liegt
mit dem Gutachten der Klinik für Neurologie des Kantonsspitals
O.4._ vom 28. August 2013 bereits ein interdisziplinäres Gutachten
bei den Akten, welchem voller Beweiswert zuzuerkennen ist, selbst wenn
- 42 -
im Fokus der Exploration nicht eine Kausalitätsbeurteilung stand, sondern
mit dem Gutachten eine Beurteilungsgrundlage für das Strafverfahren
geschaffen werden sollte. Dies vermag jedoch nichts an der Tatsache zu
ändern, dass das Gutachten für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen (ambulant-neurologischen, orthopädischen, ambulant-
anästhesiologischen sowie elektrophysiologischen und bildgebenden)
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben wurde und überdies in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und nachvollziehbar
ist. Des Weiteren ist auch zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin,
nachdem Dr. med. D._ im Bericht vom 20. Juli 2010 ausführte, dass
die Frage der möglichen residuellen Beschwerden als Folge einer
Plexusläsion durch die Plexusanästhesie eventuell von einem Neurologen
zu beantworten sei, die Akten erneut ihrem Vertrauensarzt Dr. med.
G._ − und damit einem Neurologen − zur Beurteilung dieser Frage
vorlegte und dieser in der Folge die gestellte Frage abschliessend und
ausführlich beantwortete. In der entsprechenden Stellungnahme führte
Dr. med. G._ unter anderem auch aus, dass eine erneute
neurologische Untersuchung den Verdacht auf eine Plexusschädigung
wohl vollkommen beseitigen könnte. Notwendig für eine weitere Therapie
sei eine erneute neurologische Untersuchung indes nicht (vgl.
Stellungnahme von Dr. med. G._ vom 30. November 2010 [Bg-
act. M25]).
Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, eine Plexusläsion sei
gemäss Gutachten gar nicht erforderlich, da eine Nervenschädigung auch
durch die Verwendung von Lokalanästhetika erfolgen könne. Vorliegend
sei dokumentiert, dass anlässlich der Operation das Medikament
Adrenalin zwecks Hinderung einer Ausdehnung des Lokalanästhetikums
in die gesamte Blutbahn eingesetzt worden sei. Da dieser Aspekt
- 43 -
bezüglich der Ursachen und der Kausalitätsproblematik von der
Gutachterin nicht weiter behandelt worden sei, seien weitere
diesbezügliche Abklärungen erforderlich. Im mehrfach erwähnten
Gutachten wird bezüglich einer allfälligen Nervenschädigung durch die
Verwendung von Lokalanästhetika was folgt ausgeführt (vgl. Gutachten S.
44): „Eine Möglichkeit für eine Nervenschädigung durch eine
interskalenäre Plexusanästhesie ist die Verwendung von
Lokalanästhetika, denen vasokonstringierende (=gefässverengende)
Medikamente zugesetzt werden. Im Fall [der Beschwerdeführerin] wurde
mit dem Medikament Adrenalin ein solches Mittel zugesetzt. Durch die
Gefässverengung wird das Lokalanästhetikum daran gehindert, sich in
der gesamten Blutbahn auszubreiten, was einerseits die Wirksamkeit der
Nervenblockade steigert, andererseits aber auch die Nebenwirkungen
des Lokalanästhetikums reduziert. Allerdings wird durch Adrenalin auch
die Durchblutung des betreffenden Nerven reduziert, was wiederum zu
einer Minderversorgung des Nerven mit Blut und Sauerstoff - und damit
zu einer Funktionseinschränkung - führen kann. Dies wird in der Literatur
in einigen wenigen Einzelfällen als ursächlich für eine
Funktionseinschränkung nach Plexusanästhesien vermutet. Der Zusatz
von solchen vasokonstringierenden Medikamenten gilt jedoch als lege
artis für die Plexusanästhesie und wird dementsprechend in vielen
Zentren so durchgeführt.“ Somit trifft es zwar zu, dass der
Beschwerdeführerin anlässlich der Operation vom 27. Januar 2009 zur
Verhinderung der Ausbreitung des Lokalanästhetikums in der gesamten
Blutbahn das Medikament Adrenalin zugesetzt wurde. Dies kann gemäss
Gutachten zu einer Minderversorgung des Nerven mit Blut und Sauerstoff
- und damit zu einer Funktionseinschränkung - führen. Zumindest werde
dies − so die Gutachter − in der Literatur in einigen wenigen Einzelfällen
als ursächlich für eine Funktionseinschränkung nach Plexusanästhesien
vermutet. Im konkreten Fall liegen allerdings keinerlei Anhaltspunkte vor,
- 44 -
wonach die Verabreichung des Medikaments Adrenalin tatsächlich
ursächlich für die − offensichtlich höchst selten auftretenden −
Funktionseinschränkung sein sollte. Vielmehr stellt dies lediglich eine
weitere − höchst unwahrscheinliche − Möglichkeit dar. Folglich sind aber
die postoperativ aufgetretenen Funktionsstörungen auch nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die lege artis vorgenommene
Verabreichung des Medikaments Adrenalin zurückzuführen. Vor dem
Hintergrund, dass der Zusatz von solchen vasokonstringierenden
Medikamenten als lege artis für die Plexusanästhesie gilt und
dementsprechend häufig durchgeführt wird, erübrigen sich weitere
diesbezügliche Abklärungen.
cc) Zervikoradikuläres Schmerz- und sensibles Ausfallsyndrom C6 rechts
Als weitere Ursache wird im Gutachten ein zervikoradikuläres Schmerz-
und sensibles Ausfallsyndrom C6 rechts genannt. Wie vorstehend bereits
dargestellt sind diese Beschwerden indes nicht unfallkausal (vgl. E.12c).
Einerseits führte der beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med.
G._ in der Stellungnahme vom 1. Juni 2011 (Bg-act. M27)
diesbezüglich aus, er habe die MRI-Bilder vom 27. August 2009 mit
denjenigen vom 21. November 2005 verglichen und dabei keine
Veränderung des degenerativen Vorzustands auf Höhe C5/6 feststellen
können. Anderseits geht aus dem Gutachten hervor, dass das
zervikoradikuläre Schmerz- und sensible Ausfallsyndrom C6 rechts auch
erst im Verlauf ab Anfang 2010 klinisch relevant geworden sei. Die
kernspintomographisch 2009 und 2013 fehlenden posttraumatischen
Veränderungen zusammen mit der fehlenden Zunahme der
Nackenbeschwerden zum Zeitpunkt des Sturzes seien ein weiteres
Argument gegen eine durch den Sturz hervorgerufene Progression der
HWS-Veränderung. Folglich handelt es sich aber auch beim
- 45 -
zervikoradikulären Schmerz- und sensiblen Ausfallsyndrom C6 rechts
nicht um unfallkausale Beschwerden.
dd) Karpaltunnelsyndrom rechts
Hinsichtlich des im Gutachten erwähnten Karpaltunnelsyndroms rechts,
welches die Schulter-Armbeschwerden sowie ein Taubheitsgefühl im
Daumen rechts erklären könnte, führte bereits der
beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med. G._ in der
Stellungnahme vom 1. Juli 2010 (Bg-act. M21), aus, dass das
Unfallereignis vom 8. Januar 2009 bezüglich des Karpaltunnelsyndroms
auf Dauer irrelevant sei. Dieses Ergebnis wird sodann auch durch die
Gutachter des Kantonsspitals O.4._ gestützt, welche diesbezüglich
ausführten, dass der fehlende Nachweis in der Untersuchung vom
21. September 2009 [durch Dr. med. I._] annehmen lasse, dass
diese Pathologie erst im Verlauf, d.h. einige Monate nach dem
Unfallereignis und der Operation einen Beitrag zu den Beschwerden
geleistet habe (Gutachten S. 35). Da die übrigen medizinischen Akten
keine gegenteiligen Anhaltspunkte enthalten, ist davon auszugehen, dass
es sich auch beim Karpaltunnelsyndrom rechts nicht um unfallkausale
Beschwerden handelt.
ee) Postoperativer neuropathischer Narbenschmerz
Schliesslich wird im Gutachten noch ausgeführt, dass der Beginn des
Taubheitsgefühls im Narbenbereich am rechten Oberarm und die
Allodynie der Narbe annehmen lasse, dass im Verlauf ein postoperativer
neuropathischer Narbenschmerz hinzugekommen sei, dessen zeitlicher
Beginn schwierig festzulegen sei (Gutachten S. 34). Dass dieser
Narbenschmerz in keinerlei Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom
27. Januar 2009 steht, bedarf keiner weiteren Ausführungen.
- 46 -
d) Somit können aber die von der Beschwerdeführerin postoperativ
geklagten Schulter-Arm-Beschwerden rechts trotz multifaktorieller
Genese nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das
Unfallereignis vom 8. Januar 2009 zurückgeführt werden. Sodann ist auch
die Operation einschliesslich der Anästhesie nicht Kernursache der
postoperativ aufgetretenen Beschwerdesymptomatik. Hauptverantwortlich
hierfür ist − wie aus dem Gutachten des Kantonsspitals O.4._
deutlich hervorgeht − vielmehr das Impingement-Syndrom der rechten
Schulter, welches aber − wie gesehen − nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 8. Januar 2009
zurückzuführen ist (vgl. vorstehend E.13c/aa). Eine anlässlich des
operativen Eingriffs vom 27. Januar 2009 erfolgte Schädigung von Teilen
des Truncus superior des Plexus zervikobrachialis rechts als Grund für
die Schulterbeschwerden erachten die Gutachter des Kantonsspitals
O.4._ − wie auch die übrigen involvierten Ärzte − bestenfalls als
möglich, was jedoch nicht ausreicht, um mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine unfallkausale Genese dieses
Befundes herzuleiten.
Die nach dem Unfallereignis vom 8. Januar 2009 aufgetretene reaktive
Schmerzsymptomatik an der rechten Schulter (ohne nachweisbare
strukturelle Schädigung) stellte denn auch keine Indikation für den
operativen Eingriff vom 27. Januar 2009 dar. Als Operationsdiagnose
wurde damals ein rezidivierendes subacromiales Impingement bei
Tendinitis calcarea vor allem der Infraspinatussehne und eine frozen
shoulder genannt (vgl. Operationsbericht vom 27. Januar 2009 [Bg-
act. M2]). Aus dieser Diagnose kann kein unfallkausaler Befund
entnommen werden. Der operative Eingriff vom 27. Januar 2009 wurde
somit einzig aufgrund unfallfremder Befunde vorgenommen, womit
gleichzeitig auch gesagt ist, dass die Operation nicht unfallbedingt erfolgt
- 47 -
ist. Wohl führte das Unfallereignis zu einer vorübergehenden Aktivierung
der vorbestehenden degenerativen Veränderungen an der rechten
Schulter. Dies vermag aber nichts an der Tatsache zu ändern, dass
anlässlich des operativen Eingriffs vom 27. Januar 2009 einzig die
Kalkdepots ausgeräumt und eine Acromioplastik vorgenommen wurde,
während eine Behandlung unfallbedingter Verletzungen nicht
dokumentiert ist und somit die Operation allein der Behebung
krankheitsbedingter Beschwerden diente. Dafür, dass die Operation vom
27. Januar 2009 nicht unfallbedingt erfolgt ist, spricht im Übrigen auch die
Tatsache, dass es die Beschwerdeführerin war, welche sich für den
operativen Eingriff entschieden hat, da unter konservativer Behandlung
keine Besserung der reaktiven Schmerzsymptomatik erreicht werden
konnte. Eine Weiterführung der konservativen Behandlung kam für die
Beschwerdeführerin hingegen nicht mehr in Frage (vgl. Austrittsbericht
des Krankenhauses O.1._ vom 4. Februar 2009 [Bg-act. M2/B1]).
e) Damit bleibt die Frage zu klären, ob im Zuge des durchgeführten
operativen Eingriffs vom 27. Januar 2009 ein Behandlungsfehler
vorgefallen ist, welcher das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit des
äusseren Faktors bei medizinischen Eingriffen im Sinne von Art. 4 ATSG
erfüllt und damit eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zu
begründen vermag. Wie vorstehend bereits erläutert (vgl. E.13a) kann im
Rahmen einer Krankheitsbehandlung, für welche der Unfallversicherer
nicht leistungspflichtig ist, ein Behandlungsfehler nur ausnahmsweise den
Unfallbegriff erfüllen, nämlich dann, wenn es sich um grobe und
ausserordentliche Verwechslungen und Ungeschicklichkeiten oder sogar
um absichtliche Schädigungen handelt, mit denen niemand rechnet noch
zu rechnen braucht (RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., Art. 6 S. 32). Im
konkreten Fall liegen allerdings keinerlei Anhaltspunkte vor, welche auf
grobe und ausserordentliche Verwechslungen und Ungeschicklichkeiten
- 48 -
oder sogar absichtliche Schädigungen beziehungsweise auf einen
ungewöhnlichen äusseren Faktor im Sinne von Art. 4 ATSG hindeuten
würden. Einerseits wird im Gutachten explizit bestätigt, dass sowohl die
Operation als auch die Plexusanästhesie vom 27. Januar 2009 lege artis
durchgeführt wurden (Gutachten S. 43 f.). Anderseits stellt die
Plexusläsion gemäss Gutachten ein bekanntes Operations-/Narkoserisiko
dar, wobei die Operation selbst, die Lagerung, die Anästhesie,
vorbestehende Grunderkrankungen der Patientin, Minderdurchblutungen
des Gewebes sowie weitere Faktoren ursächlich dafür in Betracht kämen
(Gutachten S. 47). Folglich kann aber weder in der Operation noch in der
Anästhesie vom 27. Januar 2009 ein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG
erblickt werden, da sowohl die Operation als auch die Anästhesie lege
artis durchgeführt wurden. Zudem wurde die Beschwerdegegnerin − wie
dem Gutachten weiter zu entnehmen ist (Gutachten S. 39 ff.) − auch über
die Risiken der Operation und der Anästhesie ausreichend aufgeklärt.
Weitere diesbezügliche medizinische Abklärungen − insbesondere die
von der Beschwerdeführerin beantragte Einholung eines polydisziplinären
Gutachtens − sind vor diesem Hintergrund nicht angezeigt (vgl. dazu auch
die vorstehenden Ausführungen hinsichtlich der beantragten Einholung
eines polydisziplinären Gutachtens unter E.13c/bb).
14. a) Des Weiteren beantragt die Beschwerdeführerin − selbst im Falle der
Beschwerdeabweisung − die Erbringung weiterer
Versicherungsleistungen (Erwerbsausfall, Behandlungskosten etc.) für die
Periode Mai bis Juni 2009. Wie den bei den Akten liegenden
Leistungsabrechnungen zu entnehmen ist, erbrachte die
Beschwerdegegnerin für die 100%ige Arbeitsunfähigkeit
Taggeldleistungen bis am 30. April 2009 und übernahm darüber hinaus
noch Heilbehandlungskosten bis am 30. Juni 2009. Aktenkundig ist des
Weiteren, dass die damalige Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin
- 49 -
(C._ AG) das Arbeitsverhältnis am 27. März 2009 per 30. April 2009
− der Beschwerdeführerin zufolge unfallbedingt − gekündigt hat (vgl.
Kündigung des Anstellungsverhältnisses [Bf-act. 10]) und die
Beschwerdeführerin in der Folge beträchtliche Einkommenseinbussen in
Kauf nehmen musste, bevor sie per 1. Oktober 2010 eine neue
Festanstellung als Pflegerin eines betagten Ehepaars antreten konnte
(vgl. Arbeitsvertrag vom 1. Oktober 2010 [Bf-act. 30]).
b) Gemäss Art. 16 UVG hat die Versicherte Anspruch auf ein Taggeld, wenn
sie infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig ist (Abs. 1). Der
Anspruch auf Taggeld entsteht am dritten Tag nach dem Unfalltag. Er
erlischt mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit, mit dem
Beginn einer Rente oder mit dem Tod der Versicherten (Abs. 2). Gemäss
Art. 25 Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR
832.202) wird das Taggeld für alle Tage, einschliesslich der Sonn- und
Feiertage ausgerichtet. Wenn die Beschwerdeführerin nun − selbst im
Falle der Beschwerdeabweisung − die Erbringung weiterer
Versicherungsleistungen (Erwerbsausfall, Behandlungskosten etc.) für die
Periode Mai und Juni 2009 beantragt, erweist sich dieses Begehren
hinsichtlich der Heilungskosten als unbegründet, wurden diese doch
erwiesenermassen bis Ende Juni 2009 erbracht. Darüber hinaus besteht
− wie vorstehend erläutert − kein Anspruch auf die Übernahme weiterer
Heilungskosten durch die Beschwerdegegnerin. Demgegenüber erweist
sich das beschwerdeführerische Begehren bezüglich Taggelder −
zumindest teilweise − als begründet. Denn obwohl vorliegend eine
Arbeitsunfähigkeit bis am 2. Mai 2009 ausgewiesen ist (vgl. Arztbericht
UVG des Krankenhauses O.1._ vom 13. Mai 2009 [Bg-act. M1]),
erbrachte die Beschwerdegegnerin − wie sie in ihrer Beschwerdeantwort
vom 13. Oktober 2011 selber bestätigte (S. 6 Ziff. 2.2) −
Taggeldleistungen nur bis am 30. April 2009. Da der Anspruch auf
- 50 -
Taggeldleistungen aber gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG so lange besteht, wie
die Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist, hat die Beschwerdeführerin bis
am 2. Mai 2009 Anspruch auf Taggelder. Folglich hat aber die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin noch für zwei Tage (1. und
2. Mai 2009) Taggeldleistungen nachzubezahlen. An diesem Ergebnis
vermag die Tatsache, dass die C._ AG das Arbeitsverhältnis mit der
Beschwerdeführerin am 27. März 2009 per 30. April 2009 gekündigt hat,
nichts zu ändern, da in Art. 16 Abs. 2 Satz 2 UVG nicht vorgesehen ist,
dass ein einmal entstandener Anspruch auf Taggeldleistungen mit
Dahinfallen des nachgewiesenen Verdienstausfalls (hier infolge
Kündigung) enden soll. Vielmehr besteht der Taggeldanspruch so lange,
als die Beschwerdeführerin die volle Arbeitsfähigkeit nicht wiedererlangt
hat (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_538/2008 vom 22. Oktober 2008
E.2.3). Insofern erweist sich die Beschwerde als begründet, was zur
teilweisen Gutheissung derselben führt. Einen über den 2. Mai 2009
hinausgehenden Anspruch auf Taggeldleistungen steht der
Beschwerdegegnerin hingegen nicht zu, und zwar unabhängig davon, ob
die Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch die C._ AG
unfallbedingt erfolgt ist oder nicht. Denn ab dem 3. Mai 2009 war die
Beschwerdeführerin erwiesenermassen wieder voll arbeitsfähig (vgl.
Arztbericht UVG des Krankenhauses O.1._ vom 13. Mai 2009 [Bg-
act. M1]). Folglich kann aber sowohl auf die beschwerdeführerischerseits
beantragte Zeugenbefragung von P._ (c/o C._ AG) als auch auf
die Einvernahme der Zeugen Q._, R._ und S._ verzichtet
werden. Da vorliegend kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Versicherungsleistungen über den 30. Juni 2009 hinaus besteht, sind im
Übrigen auch keine weiteren Abklärungen bezüglich der
Einkommenssituation der Beschwerdeführerin erforderlich. Dies zumal bei
der Beschwerdeführerin auch aus IV-rechtlicher Sicht, wo neben den
Unfallfolgen auch die krankhaften Beschwerden mitberücksichtigt wurden,
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bereits ab Mai 2009 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit mit einer
Leistungseinschränkung von maximal 20 % aus Schmerzgründen mit
verlangsamtem Arbeitstempo vorgelegen hat (vgl. dazu das rechtskräftige
Urteil des Verwaltungsgerichtes des Kantons Graubünden S 12 22 und 23
vom 25. Oktober 2013).
15. Darüber hinaus beantragt die Beschwerdeführerin, dass ihr die Kosten im
Zusammenhang mit dem Arztbericht von Dr. med. D._ vom 20. Juli
2010 in der Höhe von Fr. 359.45 zuzüglich Zins von 5 % seit dem
29. September 2010 erstattet werden. Wie die Beschwerdegegnerin
bereits in ihrem Einspracheentscheid vom 1. Juli 2011 unter Ziff. 3.5 zu
Recht erläutert hat, erweist sich dieses Begehren als unbegründet.
Gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt der Versicherungsträger die
Kosten der Abklärung, soweit er die Massnahmen angeordnet hat. Hat er
keine Massnahmen angeordnet, so übernimmt er deren Kosten dennoch,
wenn die Massnahmen für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich
waren oder Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen bilden
(vgl. Urteile des Bundesgerichtes 9C_237/2014 vom 13. Juni 2014 E.4,
8C_1005/2012 vom 4. Februar 2013 E.5; Urteil des Verwaltungsgerichtes
des Kantons Graubünden S 12 128 vom 12. Dezember 2013 E.7). Was
den erwähnten Arztbericht von Dr. med. D._ vom 20. Juli 2010
angeht, so wurde dieser einerseits nicht von der Beschwerdegegnerin
angeordnet. Anderseits war aber der Arztbericht für die Beurteilung des
beschwerdeführerischen Anspruchs weder unerlässlich noch bildet er
Bestandteil nachträglich zugesprochener Leistungen. Vielmehr hält
Dr. med. D._ im erwähnten Arztbericht im Wesentlichen lediglich den
medizinischen Verlauf fest und empfiehlt, zur Abklärung der Symptomatik
ein funktionelles MRI der HWS erstellen zu lassen sowie eine erneute
neurologische Untersuchung vorzunehmen. Da es sich beim erwähnten
Arztbericht von Dr. med. D._ somit nicht um einen für die Beurteilung
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unerlässlichen eigentlichen Verlaufsbericht des behandelnden Arztes
handelt, kann die Beschwerdegegnerin auch nicht zur Übernahme der
Kosten verpflichtet werden. Somit erweist sich der beschwerdeführerische
Antrag auf Erstattung der Kosten dieses Arztberichtes als unbegründet.
16. a) Schliesslich bringt die Beschwerdeführerin vor, der Verzicht auf das
beantragte polydisziplinäre Gutachten unter gleichzeitiger Annahme von
Beweislosigkeit zu Ungunsten der Beschwerdeführerin durch die
Beschwerdegegnerin stelle eine Rechtsverweigerung dar. Damit habe die
Beschwerdegegnerin die sozialversicherungsrechtliche
Untersuchungsmaxime und die Abklärungsverpflichtung gemäss Art. 43
und 44 ATSG sowie den beschwerdeführerischen Gehörsanspruch, mit
wesentlichen Beweisanträgen gehört zu werden, verletzt.
Demgegenüber negiert die Beschwerdegegnerin eine Verletzung von
Art. 43 ATSG. Sie habe von Amtes wegen alle notwendigen Abklärungen
getroffen, um die medizinische Sachlage zuverlässig beurteilen zu
können. Von einer weiteren Begutachtung wären keine zusätzlichen
Erkenntnisse in Bezug auf die Unfallkausalität zu erwarten gewesen.
b) Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die
Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur
Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend
wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere
Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr
ändern, so ist auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten
(antizipierte Beweiswürdigung). Ein solches Vorgehen verstösst weder
gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör des Art. 29 Abs. 2 BV noch
gegen die Abklärungspflicht gemäss Art. 43 ATSG, wonach der
Versicherungsträger die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen
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vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen hat (vgl. nicht
publ. E.4.2.1 des Urteils BGE 129 V 11, veröffentlicht in SVR 2003 AHV
Nr. 4 S. 9 [H26/02], 2001 IV Nr. 10 S. 27 E.4b [I 362/99]; Urteil des
Bundesgerichtes 8C_57/2008 vom 16. Mai 2008 E.5.3; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichtes U 101/04 vom 16. August 2004
E.2.3).
c) Nach dem Gesagten ist es nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin − noch vor dem Vorliegen des Gutachtens der
neurologischen Klinik des Kantonsspitals O.4._ vom 28. August 2013
− nach pflichtgemässer Würdigung der medizinischen Aktenlage in
antizipierter Beweiswürdigung auf die Einholung eines polydisziplinären
Gutachtens beziehungsweise auf weitere medizinische
Beweismassnahmen verzichtet hat. Nachdem das Vorliegen einer
Plexusschädigung im Arztbericht von Dr. med. E._ vom
14. Dezember 2009 (Bg-act. M9 S. 4) alleine aufgrund der zeitlichen
Konnexität als Differenzialdiagnose postuliert wurde und diese
Differenzialdiagnose in der Folge teilweise von weiteren Ärzten
übernommen wurde, ist vorliegend doch zu beachten, dass alle
neurologischen Befunde gegen eine entsprechende Plexusläsion
sprechen. Zudem erachten sämtliche Ärzte eine postoperative Läsion des
Plexus brachialis bestenfalls als möglich, nicht aber als überwiegend
wahrscheinlich. Wenn nun die Beschwerdegegnerin nach pflichtgemässer
Würdigung dieser medizinischen Aktenlage auf die Einholung eines
polydisziplinären Gutachtens beziehungsweise auf weitere medizinische
Beweismassnahmen verzichtet hat, ist dies nicht zu beanstanden, zumal
ihr Vertrauensarzt Dr. med. G._ in seiner Stellungnahme vom
30. November 2010 (Bg-act. M25) nachvollziehbar ausführte, dass eine
erneute neurologische Untersuchung therapeutisch keine Konsequenz
hätte und damit höchstens der Verdacht auf eine Plexusschädigung
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vollkommen beseitigt werden könnte. Wenn nun aber von einer weiteren
neurologischen Untersuchung lediglich die gänzliche Ausräumung
etwaiger Zweifel zu erwarten wäre, so ist − wie die Beschwerdegegnerin
zu Recht ausführt − davon auszugehen, dass von einer solchen
Begutachtung keine weiteren Erkenntnisse bezüglich Unfallkausalität zu
erwarten sind. Gleiches gilt im Übrigen für die von Dr. med. G._
erwähnte mögliche Messung der distal-motorischen Latenzzeit und der
sensiblen Nervenleitgeschwindigkeit des N. medianus über das
Handgelenk rechts. Damit könnte lediglich ein Karpaltunnelsyndrom und
damit ein krankhaftes Geschehen dokumentiert werden, was aber
keinerlei Einfluss auf die Frage nach einer möglichen Plexusläsion hätte.
Im Übrigen besteht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zufolge im
Verfahren um Zusprechung oder Verweigerung von
Sozialversicherungsleistungen auch kein förmlicher Anspruch auf eine
versicherungsexterne Begutachtung. Eine solche ist
rechtsprechungsgemäss lediglich dann einzuholen, wenn auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen bestehen (BGE
135 V 465 E.4). Da vorliegend aber − wie gesehen − sämtliche
neurologischen Befunde gegen eine Plexusläsion sprechen und sich
sämtliche Ärzte dahingehend einig sind, dass eine postoperative Läsion
des Plexus höchstens möglich ist, diese aber nicht mit dem notwendigen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit bewiesen werden
kann, bestehen vorliegend keine Zweifel an der Richtigkeit der
diesbezüglichen Feststellungen durch die beschwerdegegnerischen
Vertrauensärzte, womit für die Beschwerdegegnerin keine Notwendigkeit
für weitere Abklärungen bestand. Folglich verletzt das
beschwerdegegnerische Verhalten weder den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf rechtliches Gehör, noch ist darin eine
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Rechtsverweigerung oder eine Verletzung der Abklärungspflicht im Sinne
von Art. 43 ATSG zu sehen.
d) Dass sich vorliegend auch von Seiten des angerufenen Gerichts die
Einholung eines polydisziplinären Gutachtens erübrigt, wurde vorstehend
bereits dargestellt (vgl. E.13c/bb).
17. a) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Beschwerdegegnerin
ihre Leistungen für das Unfallereignis vom 8. Januar 2009 infolge
Erreichens des Status quo sine zu Recht per 30. Juni 2009 eingestellt und
die persistierenden Beschwerden mangels natürlichem
Kausalzusammenhang zu Recht verneint hat. Da die Beschwerdeführerin
keinen Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen über den 30. Juni
2009 hinaus hat, erweist sich die Beschwerde in diesem Punkt als
unbegründet. Demgegenüber erweist sich die Beschwerde hinsichtlich
des Antrags auf Erbringung weiterer Versicherungsleistungen für die
Periode Mai und Juni 2009 − zumindest hinsichtlich der Taggelder und
lediglich für den 1. und 2. Mai 2009 − als teilweise begründet, was zu
deren teilweisen Gutheissung führt.
b) Gerichtskosten werden keine erhoben, da das kantonale
Beschwerdeverfahren gemäss Art. 61 lit. a ATSG − ausser hier nicht
zutreffender Ausnahmen − grundsätzlich kostenlos ist.
c) Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes würde es sich bei einer
Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Verwaltung mit
anschliessender Heilung im gerichtlichen Verfahren rechtfertigen, der
Gehörsverletzung durch Zusprache einer reduzierten
Parteientschädigung und teilweiser Auferlegung der Gerichtskosten
Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 9C_234/2008 vom
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4. August 2008 E.5.1; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes
I 718/05 vom 8. November 2006 E.5.2). Vorliegend wurde jedoch das
rechtliche Gehör der Beschwerdeführerin − wie gesehen − nicht verletzt
(vgl. vorstehend E.4 - 6), weshalb sich gestützt darauf die Zusprechung
einer Parteientschädigung an die Beschwerdeführerin erübrigt. Da die
Beschwerdeführerin aber hinsichtlich ihres Antrags auf Erbringung
weiterer Versicherungsleistungen für die Periode Mai und Juni 2009
zumindest teilweise obsiegt, hat die Beschwerdegegnerin die anwaltlich
vertretene und teilweise − wenn auch nur minimal − obsiegende
Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG noch angemessen zu
entschädigen. Der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin reichte am
19. Februar 2014 eine Kostennote über Fr. 12‘355.20 ein. Angesichts des
blossen minimalen Obsiegens der Beschwerdeführerin setzt das
angerufene Gericht die Parteientschädigung unabhängig von der
eingereichten Kostennote ermessensweise selbst fest, wobei es
vorliegend eine aussergerichtliche Entschädigung von pauschal Fr. 500.--
(inkl. MWST) als angemessen erachtet. Diesen Betrag hat die
Beschwerdegegnerin somit noch an die Beschwerdeführerin zu bezahlen.
Demgegenüber steht der in der Hauptsache obsiegenden
Beschwerdegegnerin keine aussergerichtliche Entschädigung zu
(Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).