Decision ID: 66c4b465-0254-55df-8efe-48f188310539
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat gemäss eigenen
Angaben am (...) Januar 2016, reiste gleichentags in die Schweiz ein und
suchte um Asyl nach.
Dabei gab er im Wesentlichen an, im Jahr 2009 vom Criminal Investigation
Department (CID) festgenommen worden zu sein, als er die Aktentasche
seines Arbeitgebers getragen habe und damit kontrolliert worden sei. Vier
Personen, welche mit ihm in einem Van weggebracht worden seien, seien
vom CID erschossen worden. Von einem CID-Beamten habe er erfahren,
dass auch seine Erschiessung angeordnet worden sei. Dank der Einfluss-
nahme seines (...) sei er zwei Tage später aus der Haft entlassen worden.
Im November 2015 habe ein Unbekannter ihn angerufen und ihm mitgeteilt,
sein Arbeitgeber sei entführt worden. Dieser habe ihm wenige Tage zuvor
– am 1. November 2015 – seinen Lohn ausbezahlt. Der Unbekannte habe
ihn aufgefordert, für die Freilassung seines Arbeitgebers 100 Millionen Ru-
pien zu bezahlen. Ausserdem sei ihm mit dem Tode gedroht worden, falls
er nicht weitere 20 Millionen Rupien bezahle. Er müsse zudem das Geld
zurückgeben, welches ihm sein Arbeitgeber ausbezahlt habe, da dieses
von den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) stamme. Zwei bis drei
Tage später seien Unbekannte bei ihm zuhause erschienen, hätten seinen
Vater geschlagen und gedroht, ihn (den Beschwerdeführer) umzubringen.
Daraufhin habe er sich bei seiner Tante versteckt, bis er von dort habe
weggehen müssen, weil deren Familie Angst gehabt habe, wegen ihm
Probleme zu bekommen. Er habe dann versucht, sich das Leben zu neh-
men, woraufhin er mehrere Tage bis zum 29. November 2015 gewesen sei.
Danach habe er sich bei einer anderen Tante versteckt und sei dann aus-
gereist. Das CID habe ihn nach der Entführung seines Arbeitgebers zu-
hause gesucht und befragen wollen.
A.b Mit Verfügung vom 5. März 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte das Asylgesuch ab, ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an. Zur
Begründung führte die Vorinstanz im Wesentlichen aus, seine Vorbringen
würden weder den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit noch denjenigen
an die Flüchtlingseigenschaft standhalten.
A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundes-
verwaltungsgericht mit Urteil E-2122/2018 vom 9. Dezember 2020 ab, so-
weit es darauf eintrat. Zur Begründung verwies es im Wesentlichen auf die
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vorinstanzliche Verfügung. Es hielt fest, dass die Lösegeldforderung und
Todesdrohungen durch Unbekannte Benachteiligungen seitens Dritter dar-
stellten, welche vorliegend nicht asylrelevant seien, da der sri-lankische
Staat schutzfähig und -willig sei. Die vorgebrachte Gefahr, von den Unbe-
kannten beim Staat denunziert zu werden, womit sich die private Verfol-
gung in eine staatliche umwandeln würde, sei unglaubhaft. Auch die zwei-
tägige Festnahme im Jahr 2009 könne ihm nicht geglaubt werden. Die Su-
che nach dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit der Entführung
seines Arbeitgebers würde keine Asylrelevanz entfalten. Des Weiteren lä-
gen bei ihm keine Risikofaktoren vor.
B.
B.a Am 19. Mai 2021 liess der Beschwerdeführer bei der Vorinstanz durch
seinen früheren Rechtsvertreter eine als «Neues Asylgesuch und Mittei-
lung an kantonale Behörden; sofortiger Vollzugsstopp» bezeichnete Ein-
gabe einreichen.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, er sei mit Demonstrati-
onsteilnahmen öffentlich exponiert aufgetreten und erfülle damit einen
Hochrisikofaktor, der heute zur Asylgewährung führen müsse. Er sei in den
(...) als "Hauptdarsteller" einer exilpolitischen Veranstaltung in B._
erschienen. Zudem werde seine Familie seit seiner Flucht in die Schweiz
regelmässig durch paramilitärische Gruppierungen und die sri-lankischen
Sicherheitsbehörden behelligt. Schliesslich habe sich die Menschenrechts-
lage in Sri Lanka seit dem Urteil des BVGer vom 9. Dezember 2020 funda-
mental verschlechtert. Aufgrund seines Engagements für den tamilischen
Separatismus und seiner Zugehörigkeit zur Gruppe der Rückkehrer drohe
ihm bei einer Rückkehr eine konkrete asylrelevante Verfolgung. In jedem
Fall sei er aufgrund der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig
aufzunehmen. Des Weiteren sei der Wegweisungsvollzug aufgrund seines
fünfjährigen Aufenthalts in der Schweiz, seines Gesundheitszustands und
der damit einhergehenden Perspektivlosigkeit in Sri Lanka unzumutbar.
B.b Er reichte folgende Beweismittel zu den Akten:
- Länderbericht vom 4. April 2021 (Beweismittel 1)
- Fotos des Gesuchstellers an einer Kundgebung in B._ vom (...)
2021 (Beweismittel 2)
- Fotos des Gesuchstellers an einer Demonstration in C._ vom
(...) 2021 (Beweismittel 3)
- Screenshots aus den (...) vom (...) 2021 (Beweismittel 4 und 5)
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- Wikipedia-Artikel zu (...) (Beweismittel 6)
- Screenshots aus dem Video von „(...)“ (Facebook-Profil) an der De-
monstration in C._ vom (...) 2021 (Beweismittel 7)
- Fotodokumentation betreffend den geltend gemachten Angriff auf das
Haus der Familie des Beschwerdeführers vom (...) 2021 (Beweismittel
8)
- Anzeige der Mutter bei der Polizei in D._ vom (...) 2021 (nur die
Übersetzung, Beweismittel 9)
- Meldung des Vorfalls durch die Mutter der sri-lankischen Menschen-
rechtskommission (HRC) vom (...) 2021(Beweismittel 10)
- Meldung des Vorfalls durch die Mutter beim Grama Sevaka Officer in
E._ vom (...) 2021 (Beweismittel 11)
- Bericht über den Angriff auf das Haus in der srilankischen Zeitung
F._ (inkl. Übersetzung) vom (...) 2021(Beweismittel 12)
- Bestätigungsschreiben von Social Welfare Human Right Well-Wisher
aus D._ (G._) vom (...) 2021 (Beweismittel 13)
- Anzeige der Mutter bei der Polizei vom (...) 2020 (inkl. Übersetzung,
Beweismittel 14)
- Report of the Office of the High Commissioner for Human Rights
[OHCHR], A/HRC/46/20 vom 9. Februar 2021 (Beweismittel 15)
C.
Am 26. Mai 2021 teilte das SEM dem Migrationsamt des Kantons
B._ mit, dass ein Mehrfachgesuch eingereicht worden sei, und er-
suchte die Behörde, vom Vollzug der Wegweisung einstweilen abzusehen
und Vorbereitungshandlungen zu sistieren.
D.
Am 5. Juli 2021 gewährte die Vorinstanz dem Beschwerdeführer das recht-
liche Gehör zu den Resultaten der von ihr getätigten Abklärungen in Bezug
auf die Bestätigung der HRC vom (...) 2021 (Beweismittel 10) und das Be-
stätigungsschreiben eines Dorfvorstehers Grama Sevaka Officer in
E._ vom (...) 2021 (Beweismittel 11). In dem Schreiben hielt sie
fest, dass verschiedene Auffälligkeiten in den obengenannten Beweismit-
teln darauf hinwiesen, dass diese manipuliert worden seien. Auch inhaltlich
wiesen sie verschiedene Unstimmigkeiten auf. Insbesondere enthielten
Quittungen betreffend Klagen an die HRC – im Gegensatz zum vom Be-
schwerdeführer eingereichten Beweismittel 10 – keinen Text, aus dem der
Inhalt der Klage hervorgehe. Ausserdem heisse der Regional Coordinator
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der HRC in D._ H._ (Stand Februar 2021), was mit der Un-
terschrift auf dem eingereichten Dokument (Initialen I._) nicht ver-
einbar sei.
E.
Mit Eingabe vom 15. Juli 2021 nahm der Beschwerdeführer Stellung zu
den vorinstanzlichen Ausführungen. Er machte insbesondere geltend, dem
Beweismittel 10 könnten keine Initialen "I._" entnommen werden,
weshalb dem entsprechenden Vorwurf des SEM die Grundlage entzogen
sei. Inwiefern eine schlechte Druckqualität an der Echtheit von Beweismit-
tel 11 etwas ändern solle, habe die Vorinstanz nicht stichhaltig ausgeführt.
F.
Mit Verfügung vom 23. Juli 2021 qualifizierte die Vorinstanz die Eingabe
vom 4. Juni 2021 als Mehrfachgesuch, stellte fest, der Beschwerdeführer
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte das Gesuch ab, soweit
sie darauf eintrat. Gleichzeitig verfügte sie die Wegweisung aus der
Schweiz, forderte den Beschwerdeführer auf, die Schweiz am Tag nach
Rechtskraft der Verfügung zu verlassen und ordnete den Vollzug der Weg-
weisung an; den zuständigen Kanton beauftragte sie mit dem Vollzug der
Wegweisung. Schliesslich erhob sie eine Gebühr von Fr. 600.– und lehnte
seinen Antrag um Vorladung zu einer Anhörung ab.
G.
Mit Eingabe vom 30. August 2021 liess der Beschwerdeführer durch sei-
nen neu mandatierten Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde erheben. Er beantragte, die Verfügung der Vorinstanz vom
23. Juli 2021 sei aufzuheben, es sei die Flüchtlingseigenschaft festzustel-
len und ihm Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die vorläufige Aufnahme
anzuordnen. In prozessualer Hinsicht sei ihm die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sei
zu verzichten. Ausserdem sei im Sinne einer vorsorglichen Massnahme die
aufschiebende Wirkung der Beschwerde festzustellen.
Der Beschwerdeschrift legte er nebst den bereits bei der Vorinstanz im
Rahmen des Mehrfachgesuchs eingereichten Unterlagen unter anderem
eine Bestätigung bei, dass seine Eltern bis im Jahr 2015 in der (...) in
J._ gelebt hätten. Zudem reichte er ein Formular des sri-lankischen
Police Information Book betreffend die Anzeige seiner Mutter bei der Poli-
zei vom (...) 2021 zu den Akten.
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Seite 6
H.
Mit Zwischenverfügung vom 24. September 2021 hielt die zuständige In-
struktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Ver-
fahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies sie das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ab und forderte den Be-
schwerdeführer zur Zahlung eines Kostenvorschusses von Fr. 1'500.– auf.
Der Kostenvorschuss ging am 6. Oktober 2021 beim Gericht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG). Gestützt auf
Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines Schriftenwech-
sels verzichtet.
4.
4.1 Zur Begründung ihres ablehnenden Asylentscheids führte die Vor-
instanz aus, sowohl das SEM als auch das Bundesverwaltungsgericht
seien zum Schluss gekommen, die Asylvorbringen des Beschwerdeführers
würden weder den Anforderungen an die Glaubhaftmachung noch denje-
nigen an die Flüchtlingseigenschaft genügen. Seinen neu eingereichten
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Seite 7
Beweismitteln und Vorbringen, welche sich auf dieselben Asylgründe stütz-
ten, sei somit grundsätzlich bereits die Grundlage entzogen. Das SEM
prüfte und würdigte dennoch die eingereichten Beweismittel und die dazu-
gehörigen Vorbringen; es zog den Schluss, diese hätten keinen bezie-
hungsweise einen äusserst geringen Beweiswert und/oder seien als Fäl-
schungen anzusehen. Die eingereichten Fotos betreffend den Angriff auf
das Haus der Familie seien nicht geeignet, seine Vorbringen zu untermau-
ern, zumal ihr Zusammenhang daraus nicht hervorgehe. Ausserdem sei
nicht erstellt, ob es sich dabei um das Haus seiner Familie sowie um seine
Familienangehörigen handle. In Bezug auf die geltend gemachte Anzeige
seiner Mutter bei der Polizei vom (...) 2021 (Beweismittel 9) sei nur deren
englische Übersetzung eingereicht worden, welche nicht über eine Partei-
behauptung hinausgehe. Eine solche Anzeige habe ohnehin einen gerin-
gen Beweiswert und entspreche einer Parteiaussage, zumal keine weite-
ren Dokumente betreffend die Fortsetzung des Verfahrens vorlägen. Die
Kopf- und Fusszeile des Dokuments wiesen eine niedrige Druckqualität auf
und der Text sei schräg. Dies deute auf eine Manipulation des Schreibens
hin. Überdies stütze sich der Inhalt des Schreibens auf unbelegte Aussa-
gen der Anzeigestellerin. Auch das Bestätigungsschreiben eines Dorfvor-
stehers Grama Sevaka Officer in E._ vom (...) 2021 (Beweismittel
11) enthalte Hinweise auf eine Manipulation und sei selbst bei angenom-
mener Echtheit von geringem Beweiswert, zumal sich auch eine solche
Anzeige lediglich auf die Aussagen der Anzeigestellerin stützen würde. Der
Beweiswert des eingereichten Berichts über den Angriff auf das Haus in
der sri-lankischen Zeitung F._ (Beweismittel 12) sei ebenfalls ge-
ring. Berichte und Aussagen könnten von jedermann bei dieser Zeitung
eingereicht werden und diese würden nicht seriös beziehungsweise nicht
vollständig auf ihre Richtigkeit geprüft. Beim Bestätigungsschreiben vom
Social Welfare Human Right Well-Wisher aus D._ (G._; Be-
weismittel 13) handle es sich um ein Gefälligkeitsschreiben.
Den geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeiten für die LTTE und gegen
die sri-lankische Regierung fehle es an der für Nachfluchtgründe erforder-
lichen qualifizierten Exponierung. Aufgrund seiner wenigen Demonstrati-
onsteilnahmen steche er nicht aus der Masse der zahlreichen sri-lanki-
schen und einfachen Demonstrationsteilnehmenden in der Schweiz und in
Europa heraus. Er habe sich nicht regelmässig über eine längere Dauer
exilpolitisch betätigt, sondern lediglich zweimal innerhalb eines Monats
nach Ergehen des abweisenden Urteils des Bundesverwaltungsgerichts an
Demonstrationen teilgenommen. Daran änderten auch die eingereichten
Fotos und Screenshots nichts. Diese belegten nämlich – sofern er darauf
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überhaupt identifizierbar sei – nur einfache und rare Demonstrationsteil-
nahmen.
Auf die eingereichte Anzeige seiner Mutter vom (...) 2020 bei der Polizei
(Beweismittel 14) gehe die Vorinstanz mangels funktioneller Zuständigkeit
nicht ein. Dieses Beweismittel sei bereits vor dem Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts vom 9. Dezember 2020 entstanden und dem Beschwer-
deführer auch bekannt gewesen. Somit hätte er es im Beschwerdeverfah-
ren einreichen müssen.
4.2 Dem entgegnet der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde, es
handle sich vorliegend um ein neues Asylgesuch. Folglich hätte das SEM
auf das mit der eingereichten Strafanzeige seiner Mutter vom (...) 2020
(Beweismittel 14) zusammenhängende Vorbringen eintreten müssen. Den
Erwägungen der vorinstanzlichen Verfügung lasse sich nicht entnehmen,
auf welche objektiven Gründe sie sich stütze. Somit habe die Vorinstanz
die Begründungspflicht, den Untersuchungsgrundsatz sowie seinen An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt. Die vorinstanzliche Verfügung erwe-
cke den Anschein, das SEM habe sich darauf beschränkt, subjektive Nach-
fluchtgründe zu prüfen. Das SEM habe fälschlicherweise argumentiert,
dass seinen neuen Vorbringen und Beweismitteln in Zusammenhang mit
den bisherigen unglaubhaften und flüchtlingsrechtlich nicht relevanten Ver-
folgungsvorbringen bereits die Grundlage entzogen sei. Jedoch habe das
Gericht in seinem Urteil vom 9. Dezember 2020 die später erfolgten exil-
politischen Tätigkeiten gar nicht antizipieren können. Die Vorinstanz habe
sich in willkürlicher Weise auf das erste Asylgesuch des Beschwerdefüh-
rers bezogen. Die Situation des Beschwerdeführers habe sich aufgrund
seiner exilpolitischen Tätigkeiten und seiner separatistischen Überzeugung
dahingehend entwickelt, dass er nun ein Risikoprofil innehabe und bei ei-
ner Rückkehr nach Sri Lanka festgenommen werden und eine Art. 3 EMRK
entgegenstehende Behandlung erfahren würde. Demnach habe er subjek-
tive Nachfluchtgründe. Er habe Fotos von Behördenmitgliedern, welche bei
seinem Haus ständen, sowie Links und Videos eingereicht. Mit Erwähnung
verschiedener Entwicklungen in Sri Lanka (Deklaration des sri-lankischen
Verteidigungsministers Gunaratne, dass sich die LTTE mit Unterstützung
der tamilischen Diaspora wieder formierten; Alarmbereitschaft des Militärs;
Verhaftungen von angeblichen LTTE-Mitgliedern) weist der Beschwerde-
führer überdies darauf hin, dass die menschenrechtliche Situation für Ta-
milen/Tamilinnen in Sri Lanka prekär und volatil bleibe.
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Seite 9
5.
5.1 In der Beschwerde wird demnach eine Verletzung des rechtlichen Ge-
hörs in Form einer unrichtigen und unvollständigen Sachverhaltsfeststel-
lung sowie einer Verletzung der Begründungspflicht gerügt. Ausserdem
wird der Vorinstanz vorgeworfen, sie habe willkürlich gehandelt. Dabei han-
delt es sich um formelle Rügen, welche vorab zu beurteilen sind, da sie
gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der vorinstanzlichen Verfü-
gung zu bewirken.
5.1.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ih-
rer Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Nicht erforderlich
ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich aus-
einandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt
(vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2). Dem verfassungsmässigen Grundsatz des
rechtlichen Gehörs erwachsen behördliche Pflichten wie die Untersu-
chungs- und die Begründungspflicht. Das AsylG als lex specialis zum
VwVG sieht für das Asylverfahren besondere Verfahrensbestimmungen
vor (Art. 6–17 AsylG).
5.1.2 Im Asylverfahren – wie in anderen Verwaltungsverfahren – gilt der
Untersuchungsgrundsatz (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG). Danach muss
die entscheidende Behörde den Sachverhalt von sich aus abklären, das
heisst sie ist verantwortlich für die Beschaffung der für den Entscheid not-
wendigen Unterlagen und das Abklären sämtlicher rechtsrelevanter Tatsa-
chen (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 142; KRAUS-KOPF/EMMENEG-
GER/BABEY, Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl.
2016, Rz. 20 ff. zu Art. 12 VwVG). Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststel-
lung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter
belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn
die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes
wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa-
chumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA
BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfah-
ren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
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5.1.3 Die Begründungspflicht dient der rationalen und transparenten Ent-
scheidfindung der Behörden und soll die Betroffenen in die Lage versetzen,
den Entscheid sachgerecht anzufechten. Die Behörde hat kurz die wesent-
lichen Überlegungen zu nennen, von denen sie sich leiten liess und auf die
sie ihren Entscheid stützt. Je weiter der Entscheidungsspielraum, je kom-
plexer die Sach- und Rechtslage und je schwerwiegender der Eingriff in die
Rechtsstellung der betroffenen Person, desto höhere Anforderungen sind
an die Begründung zu stellen (vgl. zum Ganzen BVGE 2012/24 E. 3.2.1 f.
m.w.H.; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungs-
rechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 629 ff.).
5.2 Die Rüge der Verletzung der Begründungspflicht erweist sich vorlie-
gend als offensichtlich unbegründet. Die verfügende Behörde tut ihrer Be-
gründungspflicht dann Genüge, wenn sie im Rahmen der Begründung die
wesentlichen Überlegungen nennt, welche sie ihrem Entscheid zugrunde
legt. Sie muss sich nicht ausdrücklich mit jeder tatbestandlichen Behaup-
tung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen, sondern darf sich
auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers hat die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid
alle wesentlichen Vorbringen berücksichtigt und in einer Gesamtwürdigung
nachvollziehbar aufgezeigt, von welchen Überlegungen sie sich hat leiten
lassen. Sie hat alle Beweismittel berücksichtigt, geprüft und in einer über-
sichtlichen Weise dargelegt, weshalb diese keinen Beweiswert entfalten.
Die in der Beschwerdeschrift erhobene Rüge, es sei nicht erkennbar, auf
welche Gründe sich die Verfügung stütze, erweist sich als haltlos. Überdies
ist festzuhalten, dass sich die Vorinstanz mit den vorgebrachten Sachver-
haltselementen des Beschwerdeführers differenziert auseinandersetzte
und keine entscheidwesentlichen Aspekte unbeantwortet liess, womit sie
ihm eine sachgerechte Anfechtung ermöglichte (vgl. BVGE 2008/47 E. 3.2
m.w.H.). Damit ist sie den Anforderungen an die Begründungspflicht ge-
recht geworden.
Die Behauptung des Beschwerdeführers, das SEM habe nur die geltend
gemachten subjektiven Nachfluchtgründe geprüft, findet keine Stütze in
den Akten. Im Gegenteil hat sie sich mit sämtlichen eingereichten Beweis-
mitteln sowie mit den damit zusammenhängenden Vorbringen auseinan-
dergesetzt und kam zum Schluss, dass auch diese die rechtskräftig fest-
gestellte Unglaubhaftigkeit beziehungsweise fehlende flüchtlingsrechtliche
Relevanz seiner geltend gemachten Asylgründe nicht umzustossen vermö-
gen. Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, aufgrund der festgestellten Un-
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Seite 11
glaubhaftigkeit und fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz seiner vor-
gebrachten Vorfluchtgründe sei seinen geltend gemachten Nachflucht-
gründen die Grundlage entzogen, ist zwar unzutreffend. Subjektive Nach-
fluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG liegen gerade dann vor, wenn eine
Person erst durch ihre Ausreise oder wegen ihres Verhaltens nach der Aus-
reise zum Flüchtling wurde. Jedoch verneint die Vorinstanz das Vorliegen
subjektiver Nachfluchtgründe in casu nicht nur aus diesem Grund, sondern
– wie nachfolgend dargelegt in zutreffender Weise – aufgrund der fehlen-
den Exponierung beziehungsweise Regelmässigkeit seiner exilpolitischen
Aktivitäten.
Den Akten lassen sich sodann auch sonst keine Hinweise für die Verlet-
zung des rechtlichen Gehörs und insbesondere der Untersuchungspflicht
entnehmen. Des Weiteren wird in der Beschwerde nicht ausgeführt, inwie-
fern die Vorinstanz das Willkürverbot verletzt haben sollte. Alleine der Um-
stand, dass die Vorinstanz nach Würdigung der Parteivorbringen respek-
tive der aktuellen Situation in der Heimat des Beschwerdeführers zu einem
anderen Schluss als dieser kam, stellt weder eine Gehörsverletzung noch
Willkür dar, sondern beschlägt die Frage der materiellen Würdigung und ist
an der entsprechenden Stelle durch das Gericht zu berücksichtigen.
Es besteht nach dem Gesagten keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Das Gericht hat in der Sache zu entscheiden (Art.
61 Abs. 1 VwVG).
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Gemäss Art. 54 AsylG wird Flüchtlingen kein Asyl gewährt, wenn sie
erst durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen
ihres Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
E-3847/2021
Seite 12
6.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Die Vorinstanz behandelte die Eingabe des Beschwerdeführers vom
20. Mai 2021 als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG. Ge-
genstand der Prüfung unter dem Titel des Mehrfachgesuches ist vorliegend
die Frage, ob sich seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-2122/2018 vom 9. Dezember 2020, mit dem die Verfügung des SEM
vom 5. März 2018 in Rechtskraft erwuchs, neue Sachverhalte ergeben ha-
ben und neue Beweismittel entstanden sind, welche zur Flüchtlingseigen-
schaft des Beschwerdeführers führen können. Die Qualifikation als Mehr-
fachgesuch ist demnach insofern zutreffend, als der Beschwerdeführer
Sachverhalte und angeblich hierzu dienende Beweismittel geltend macht,
die nach dem obengenannten Urteil entstanden sind und neu aufzeigen
sollen, dass er flüchtlingsrechtlich relevanten Nachteilen oder einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung in seinem
Heimatland ausgesetzt sei.
7.2 Vorweg ist festzuhalten, dass die Vorinstanz auf das Vorbringen des
Beschwerdeführers in Zusammenhang mit der eingereichten Anzeige sei-
ner Mutter bei der Polizei vom (...) 2020 zu Recht nicht eingetreten ist.
Dabei handelt es sich nämlich um ein vor dem Urteilszeitpunkt vom 9. De-
zember 2020 entstandenes Beweismittel. Dieses Beweismittel wäre dem-
nach allenfalls im Rahmen eines Revisionsverfahrens zu berücksichtigen
(Art. 123 Abs. 2 Bst. a BGG). Das Dokument wäre aber wohl kaum geeig-
net, eine Revision des Urteils vom 9. Dezember 2020 herbeizuführen, da
ihm angesichts des geringen Beweiswertes die revisionsrechtliche Erheb-
lichkeit abzusprechen wäre. Die Anzeige gibt nämlich lediglich wieder, was
die anzeigestellende Person gegenüber der sri-lankischen Polizei geltend
gemacht hat. Ob diese Anzeige irgendwelche Folgen hatte, beispielsweise
ein Verfahren eröffnet oder jemand angeklagt oder verurteilt worden ist,
geht aus den Akten nicht hervor. Ebenso unklar ist, wer die angeblichen
Angreifer gewesen seien. Es wird auch nicht glaubhaft dargelegt, inwiefern
dieser Angriff aus einem flüchtlingsrechtlich relevanten Grund hätte statt-
finden sollen.
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Seite 13
7.3 Das Bundesverwaltungsgericht kommt in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschwerdeführer keine in entscheiden-
der Hinsicht veränderte Sachlage in Bezug auf die Flüchtlingseigenschaft
darzutun vermag. Die Ausführungen in der Beschwerde sind nicht geeig-
net, zu einer anderen Beurteilung zu führen, zumal sie im Wesentlichen
lediglich die bereits im ordentlichen Verfahren geltend gemachten Asyl-
gründe wiederholen, ohne sich in substanziierter Weise mit den Erwägun-
gen in der angefochtenen Verfügung auseinanderzusetzen. Die im Rah-
men des Mehrfachgesuchs eingereichten Beweismittel haben – wie das
SEM zutreffend festgestellt hat – keinen ausreichenden Beweiswert, um
die Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts im Urteil E-2122/2018
vom 9. Dezember 2020 in Frage zu stellen. Dasselbe gilt für das auf Be-
schwerdeebene eingereichte Formular des sri-lankischen Police Informa-
tion Book betreffend die Polizeianzeige seiner Mutter vom (...) 2021. Auch
dieses Dokument stützt sich – genau wie die anderen eingereichten Anzei-
gen an verschiedene Institutionen – allein auf Aussagen der Anzeigestel-
lenden und sagt insbesondere nichts über die behauptungsgemäss verfol-
genden Personen aus. Aus den eingereichten Fotos des beschädigten
Hauses geht sodann nicht hervor, von wem dieser Angriff ausgegangen
sein soll. Ebenso wenig zeigt der Beschwerdeführer mit den allgemeinen
Ausführungen und den eingereichten Berichten zur Situation in Sri Lanka
auf, inwiefern die veränderte Lage zu einer konkreten Gefährdung seiner
Person führen könnte. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden.
7.4 Sodann sind auch die vom Beschwerdeführer zur Stützung seines
Mehrfachgesuchs geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten und die
dazu eingereichten Unterlagen nicht geeignet, auf eine aus flüchtlings-
rechtlicher Sicht relevante Gefährdung des Beschwerdeführers bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka schliessen zu lassen.
Der Beschwerdeführer vermag aus dem Vorbringen, er habe zweimal an
Demonstrationen teilgenommen und seine Teilnahme sei öffentlich ge-
macht worden, wie auch aus den allgemeinen Ausführungen zu den LTTE
und den behördlichen Massnahmen gegenüber Angehörigen und Sympa-
thisanten derselben nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Das von ihm ge-
schilderte exilpolitische Engagement ist, entgegen der im Mehrfachgesuch
vertretenen Auffassung, als sporadisch sowie insgesamt als niederschwel-
lig zu qualifizieren und folglich nicht geeignet, ein Risikoprofil im Sinne der
bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zu begründen (vgl. Re-
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Seite 14
ferenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5). Es ist daran zu erin-
nern, dass der Beschwerdeführer vor der Ausreise und bis nach Erlass des
abweisenden Urteils des Bundesverwaltungsgerichts E-2122/2018 vom
9. Dezember 2020 keine politischen Tätigkeiten ausübte und bei der Aus-
reise im Jahr 2016 nicht im Fokus der Behörden stand. Seine Rückkehr
aus der Schweiz nach einem inzwischen fünfjährigen Aufenthalt führt für
sich alleine nicht zu einem Risikoprofil im Sinne der erwähnten Rechtspre-
chung. Die eingereichten Beweismittel in Bezug auf exilpolitische Veran-
staltungen stützen diese Einschätzung, zumal der Beschwerdeführer sich
auf den Videos und Fotos nicht von anderen einfachen Demonstrationsteil-
nehmenden abhebt. Dasselbe gilt für die (...), in welcher der Beschwerde-
führer während ungefähr vier Sekunden auf zwei Standbildern zu sehen
ist. Er konnte nicht glaubhaft darlegen, dass er – wie im Mehrfachgesuch
behauptet – von den sri-lankischen Behörden als Träger der tamilisch se-
paratistischen Ideologie angesehen werde, welcher an der Wiederbele-
bung der LTTE mitarbeite.
Insgesamt ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer durch das be-
hauptete exilpolitische Wirken nach Erlass des Urteils des Bundesverwal-
tungsgerichts E-2122/2018 vom 9. Dezember 2020 ins Visier der sri-lanki-
schen Behörden geraten ist, zumal aufgrund der bereits im erwähnten Ur-
teil festgestellten fehlenden flüchtlingsrechtlichen Relevanz beziehungs-
weise Unglaubhaftigkeit seiner Asylvorbringen nicht davon auszugehen ist,
dass er vor der Ausreise aus Sri Lanka von den heimatlichen Sicherheits-
behörden registriert worden wäre. Im ordentlichen Asylverfahren verneinte
das Bundesverwaltungsgericht sodann gestützt auf seine Rechtsprechung
(vgl. Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 8.5) das Vorliegen
von Risikofaktoren, die auf eine aus flüchtlingsrechtlicher Sicht relevante
Gefährdung des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr nach Sri Lanka
schliessen lassen würden (vgl. Urteil des BVGer E-2122/2018 vom 9. De-
zember 2020 E. 9.4). Die sri-lankischen Behörden dürften daher die als
niederschwellig zu qualifizierende exilpolitische Tätigkeit des Beschwerde-
führers – sollten sie davon überhaupt Kenntnis erlangen – kaum als ernst-
hafte Bedrohung erachten.
7.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, die geltend gemachten Asylgründe respektive subjekti-
ven Nachfluchtgründe und somit eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich
relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG beziehungsweise eine ent-
sprechende Verfolgungsfurcht glaubhaft zu machen. Die Vorinstanz hat
E-3847/2021
Seite 15
deshalb zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Mehrfach-
asylgesuch abgelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen
Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG). Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG
kann der Vollzug für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar sein, wenn
sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen wie Krieg,
Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage konkret ge-
fährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbe-
halt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Der
Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der Aus-
länder weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen Dritt-
staat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2 AlG).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
E-3847/2021
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wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.3
9.3.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, fin-
det der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im
vorliegenden Verfahren keine Anwendung. Eine Rückkehr des Beschwer-
deführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5
AsylG rechtmässig.
9.3.2 Sodann ergeben sich weder aus der Beschwerde noch aus den Ak-
ten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung in den
Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschen-
rechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der
Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–127
m.w.H.).
9.3.3 Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka für sich allein
lässt den Wegweisungsvollzug nach konstanter Rechtsprechung des Bun-
desverwaltungsgerichts nicht als unzulässig erscheinen. Auch der EGMR
hatte sich wiederholt mit der Gefährdungssituation für Tamilen und Tamilin-
nen auseinandergesetzt, die aus einem europäischen Land nach Sri Lanka
zurückkehren müssen (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19.
September 2013, Beschwerde Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien,
Urteil vom 31. Mai 2011, Beschwerde Nr. 41178/08; T.N. gegen Dänemark,
Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Däne-
mark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; N.A. gegen
Grossbritannien, Urteil vom 17. Juli 2008, Beschwerde Nr. 25904/07). Da-
bei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller Weise davon aus-
zugehen sei, zurückkehrenden Tamilen/Tamilinnen drohe eine unmensch-
liche Behandlung. Vielmehr müssten im Rahmen der Beurteilung, ob Be-
troffene ernsthafte Gründe für die Befürchtung ihrer Festnahme und Befra-
gung vorbringen können, verschiedene Aspekte beziehungsweise persön-
liche Risikofaktoren in Betracht gezogen werden (vgl. EGMR, T.N. gegen
Dänemark, a.a.O., § 94; EGMR, E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O., § 13
E-3847/2021
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und 69 sowie das Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom 15. Juli
2016).
9.3.4 Nachdem der Beschwerdeführer nicht darlegen konnte, dass er bei
einer Rückkehr nach Sri Lanka befürchten müsste, die Aufmerksamkeit der
sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmass
auf sich zu ziehen, bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, ihm würde
aus demselben Grund eine menschenrechtswidrige Behandlung in seinem
Heimatstaat drohen. Wie schon im Urteil E-2122/2018 vom 9. Dezember
2020 festgehalten wurde, konnte er nicht glaubhaft machen, dass er von
den sri-lankischen Behörden als Träger der tamilischen separatistischen
Ideologie angesehen wird, der sich an der Wiederbelebung der LTTE be-
teiligt. Aus seiner tamilischen Ethnie sowie den Umständen, dass er in der
Vergangenheit im Vanni-Gebiet gelebt hat und nach mehrjähriger Landes-
abwesenheit aus der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrt, ergibt sich auch
bei einer heutigen Rückkehr – über einen sogenannten Backgroundcheck
(Befragungen, Überprüfungen von Auslandaufenthalten, Tätigkeiten in Sri
Lanka und im Ausland) hinaus – keine ernsthafte Gefahr von Folter oder
unmenschlicher Behandlung. Auch seine niederschwelligen exilpolitischen
Tätigkeiten führen zu keiner anderen Einschätzung.
9.3.5 Auch die gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers ([...])
sind nicht derart schwerwiegend, dass eine Gefahr der Verletzung von Art.
3 EMRK bestehen würde (vgl. Urteil des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte [EGMR] Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember
2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193 m.H.).
9.3.6 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.4
9.4.1 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, der Wegwei-
sungsvollzug erweise sich aufgrund seines Gesundheitszustandes als un-
zumutbar. Er leide an einer (...) und seine Familie lebe unter prekären Ver-
hältnissen. Bei einer Rückkehr würde er sehr leiden und seine Lebenser-
wartung wäre deutlich verkürzt.
9.4.2 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch unter
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Seite 18
Berücksichtigung der (sicherheits-)politischen Ereignisse in den vergange-
nen Jahren (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-1211/2021 vom 30. August
2021 E. 9.3.1). Gemäss nach wie vor gültiger Rechtsprechung ist der Weg-
weisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz weiterhin zumutbar, wenn das
Vorliegen der individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz
eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aus-
sichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht wer-
den kann (vgl. Referenzurteile E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 13.2 und
D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
9.4.3 Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass abgesehen von allge-
meinen Länderberichten (Beweismittel 1 und 15) keine neuen Beweismittel
in Bezug auf die behauptete Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
eingereicht wurden. Insbesondere hat der rechtlich vertretene Beschwer-
deführer keine neuen Arztberichte eingereicht. Somit ist nicht davon aus-
zugehen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit
Ergehen des Urteils E-2122/2018 vom 9. Dezember 2020 in einem weg-
weisungsrechtlich relevanten Ausmass verschlechtert hätte. Die Erwägun-
gen im betreffenden Urteil haben deshalb nach wie vor Gültigkeit und es
kann darauf verwiesen werden (vgl. a.a.O. E. 11.3). Die vagen und allge-
mein gehaltenen Ausführungen in der Beschwerde vermögen diese Ein-
schätzung nicht zu entkräften.
9.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
9.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1'500 festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Dabei ist zur Begleichung der Verfahrenskosten
der in selber Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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