Decision ID: f8ae26ac-5cd2-40d8-8742-875168fea509
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, absolvierte nach der Schulzeit eine Lehre als Kleinoffsetdrucker, ging danach einige Arbeitsverhältnisse im erlernten Beruf ein, die von kürzerer Dauer waren, und arbeitete anschliessend in der Werbung
sowie
als Fotoreporter
, Journalist und Redaktor verschiedener Zeitungen und Zeitschriften (vgl. den Lebenslauf in
Urk.
13/20 und die Zeugnisse in Urk.
20/20). Zuletzt versah er ab dem
1.
Dezember 2011 beim
Y._
eine Stelle als Redaktor der Verbandspubli
kation „
Z._
”
, die ihm bereits per Ende April 2012 wieder gekündigt wurde (Arbeitsvertrag, Kündigungsschreiben und Arbeitszeugnis in
Urk.
13/153).
Danach bezog er Arbeitslosenentschädigung und war
daher
bei der Suva für die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen obligatorisch versichert.
1.2
Am späteren Abend des 1
9.
Juni 2012 war
X._
nach einem Restaurantbesuch mit einem Elektroroller unterwegs nach Hause und wurde von einer Autolenkerin auf der Strasse tief schlafend beziehungsweise bewusstlos aufgefunden (vgl. die Polizeiunterlagen in
Urk.
13/50).
Er wurde ins Spital
A._
gebracht, wo
ein Mehrschicht-
Computertomogramm
des Schädels einschliesslich der Nasennebenhöhlen angefertigt wurde (Be
richt vom 2
0.
Juni 2012, Urk.
13
/35) und
ein Schädel-Hirn-Trauma Grad I mit einer
Kalottenfraktur
,
eine
r
Fraktur im Bereich des
Orbitadaches
und eine
r
minim dislozierte
n
Fraktur im Bereich des linken
Rezessus
frontalis
sowie eine Schulterkontusion links dia
gnostiziert wurden. Am 2
3.
Juni 2012 konnte
X._
das Spital wieder verlassen (Austrittsbericht vom 2
4.
Juli 2012,
Urk.
13/18).
X._
meldete das Ereignis am 1
1.
Juli 2012 der Suva (
Urk.
13/1)
. Diese liess durch den Versicherten das einschläg
ig
e Formular ausfüllen (Urk. 13
/11)
,
holte beim
H
ausarzt
Dr.
med.
B._
da
s Arztzeugnis UVG vom 2
0.
Juli 2012 ein (
Urk.
13/12),
nahm am
6.
August 2012
die
mündliche
n
Angaben
des Versicherten
zum Hergang des Ereignisses
, zu seinem Gesundheitszustand und zu seiner beruflichen Situation en
t
gegen (
Urk.
13/21) und anerkannte daraufhin ihre Leistungspflicht (Sch
reiben vom
9.
August 2012, Urk.
13/
22).
In der Folge liess sich die Suva
vom Versicherten persönlich (Au
fzeichnungen vom 2
1.
September 2012,
Urk.
13/30) und
v
on
Dr.
B._
(Berichte vom 31.
August und vom 2
6.
September 2012,
Urk.
13/26 und
Urk.
13/32) über den
V
erlauf berichten
und nahm einen Bericht des Spitals
A._
über ein weiteres Mehrschicht-
Computertomogramm
des Schädels vom 1
7.
September 2012 zu den Akten (
Urk.
13/34).
Am
6.
November 2012 teilte sie dem Versicherten
gestützt auf eine Auskunft von
Dr.
B._
(Telefonnotiz vom 3
1.
Oktober 2012,
Urk.
13/41)
mit, dass sie ihre Taggeldleistungen ab dem
1.
November 2012 einstelle, da er ab diesem Datum wieder zu 75
%
arbeitsfähig sei und deshalb die Arbeitslosenversicherung für die Entschädigung des Erwerbsausfalles zuständig sei (
Urk.
13/43).
Am 2
2.
November 2012
bescheinigte
Dr.
B._
dem Versicherten noch bis Ende November 2012 eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit und hielt fest, dass danach mit einer vollen Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei (
Urk.
13/49
S. 4).
1.3
Nachdem
Dr.
B._
am 2
5.
Januar 2013 berichtet hatte,
sein Patient
leide immer noch am beidseitigen Tinnitus, der seit dem Unfall bestehe (
Urk.
13/53), liess die Suva den Versicherten
nach Rücksprache mit dem Kreisarzt
Dr.
med.
C._
, Spezialarzt für Physikalische M
edizin und Rehabilitation (Urk.
13/54-56)
,
durch
Dr.
med.
D._
, Spezialarzt für Neurologie
,
untersuchen
, der ihm wieder eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (Bericht vom 1
5.
März 2013,
Urk.
13/62). Am
3.
April 2013 wurde eine Magnetresonanz
-
to
mo
graphie des Schädels
durchgeführt (
Urk.
13/70), und am
4.
April 2013
untersuchte
Dr.
med.
E._
, Spezialarzt für Otorhinolaryngologie, den Versicherten auf Zuweisung von
Dr.
B._
hin (
Urk.
13/83; Brief
von Dr.
B._
vom 2
2.
März 2013,
Urk.
13/68). Am
1.
März 2013 hatte der Versicherte eine 50%-Stelle bei der
F._
als Redaktor für die Website
„
G._
”
angetreten (Arbeitsvertrag vom 1
4.
Januar 2013,
Urk.
13/73
S. 2-3); das Arbeitsverhältnis war indessen noch in der Probezeit durch die
Arbeitgeberin wieder aufgelöst worden (Kündigungsschreiben vom 1
2.
März 2013,
Urk.
13/73 S. 4)
.
1.4
Am 13./1
4.
Mai 2013 wurde auf Veranlassung der Suva in der Spezialsprechstunde für Leichte Tra
u
matische Hirnverletzungen der Rehaklinik
H._
ein Spät-Assessment durchgeführt (Bericht von PD
Dr.
med.
I._
, Spezialärztin für Neurologie und Psychiatrie/Psychotherapie, vom
3.
Juni
2013,
Urk
13/99
; neuropsychologischer Bericht von
lic
. phil.
J._
vom 1
3.
Mai 2013, Urk.
13/101; Bericht Ergotherapie/Physiotherapie von
K._
,
dipl.
Ergotherapeutin,
L._
,
dipl.
Physiotherapeut, und
M._
, Musiktherapeut und
Rehamanager
, vom 2
4.
Mai 2013,
Urk.
13/100), und am
7.
Juni 2013 fand in
der Suva-Agentur e
in berufliche
s
Standort
gespräch
statt (B
ericht vom
24.
Juni 2013,
Urk.
13/105).
Unterdessen hatte sich der Versicherte a
m 1
9.
April 2013 auch bei der Invalid
enversicherung angemeldet (
Urk.
20/4). Diese
führte mit ihm
ebenfalls
Berufsberatungsg
espräche
(Protokolle in Urk.
20/36 und
Urk.
20/41) und sprach ihm anschliessend
die
Kosten einer berufsbegleiten
den Umschulung zum Technik
r
edakt
or zu
, die im September 2013 begann und im Oktober 2014
hätte
beendet sein soll
en
(
Mitteilung vom 1
8.
September 2013,
Urk.
13/117 =
Urk.
20/42
).
Am 1.
Oktober 2013 trat der Versicherte zudem bei der
N._
SA eine 50%
-P
raktikumsstelle als technischer Redaktor an (Arbeitsvertrag vom 2
7.
September 2013,
Urk.
20/51
=
Urk.
13/149
S. 2-3
).
Als es dem Versicherten nicht gelang, die Ausbildung auf den verlängerten Termin bis Ende März 2015 hin (vgl.
die
Mitteilung vom
2.
Dezember 2014,
Urk.
13/152 S. 2-4 = Urk. 20/54
) abzuschliessen, teilte ihm die IV-Stelle am
7.
Juli 2015 mit, dass weitere berufliche Massnahmen wegen mangelnder Erfolgsaussich
ten ausgeschlossen würden (Urk.
13/200 = Urk. 20/69). Der Versicherte selbst erklärte mit
Brief an die IV
Stelle vom 20. August 2015, die beruflichen Massnahmen hätten aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen werden müssen (
Urk.
20/74). Die Praktikumstätigkeit war per Ende März 2015 ebenfalls beendet worden (vgl. die Telefonnotiz der Suva vom 2
8.
April 2015,
Urk.
13/185).
1.5
Am 2
4.
November 2014 war der Versicherte bei einer Auseinandersetzung in einem Restaurant vom Stuhl gestürzt und hatte den Kopf angeschlagen. Er
hatte
dies der Suva als Bagatellunfall
gemeldete
(Meldung vom 1
6.
Dezember 2014,
Urk.
12
/
2),
hatte
anlässlich
einer
Befragung vom
9.
Februar 2015 jedoch
erklärt
, wegen des besagten Ereignisses nicht in ärztlicher Behandlung
und auch nicht arbeitsunfähig gewesen zu sein (
Urk.
12/5).
1.6
Nachdem v
on August
2014
bis Mai 2015 neurologische
Verlaufskontrolle
n
bei
Dr.
D._
stattgefunden
hatten
(Berichte vom
6.
August und vom
8.
Dezember 2014
sowie vom
3
1.
März und vom
1
3.
Mai 2015
,
Urk.
13/138
,
Urk.
13/157
,
Urk.
13/180 und
Urk.
13/189
)
,
wurde der Versicherte
am 2
0.
Juli und am 31.
A
ugust 2015
auf Veranlassung von
Dr.
D._
wegen des Tinnitus in der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
O._
untersucht (Bericht vom
2.
September 2015 einschliesslich Reintonaud
i
o
gramm, Urk.
13/209 und
Urk.
13/213
-215
). Des Weiteren begab sich der Versicherte am 2
8.
September 2015 in die Tinnitus-Sprechstunde der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des
O._
(Bericht vom
6.
November 2015,
Urk.
13/219), und am 1
8.
Dezembe
r
2015 fand eine nochmalige Kontrolle in der Klinik für Ohren-,
Nasen-, Hals- und Gesichts
chirurgie des
O._
statt (Beri
cht vom 2
2.
Dezember 2015, Urk.
13/229).
Am 1
1.
Januar 2016 wurde der Versicherte durch den
Konsiliarpsychiater
der Suva
Dr.
med.
P._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, u
ntersucht (Bericht
vo
m 1
3.
Januar 2016,
Urk.
13/237). Ferner gab die Suva-Ärztin
Dr.
med.
Q._
, Spezialärztin für
Oto
-Rhino-Laryngologie, am 12.
Januar 2016 ihre Beurteilung anhand der Akten aus der Sicht ihres Fachgebietes ab (
Urk.
13/239), und
am 2
2.
Januar 2016 erfolgte eine neurologische Aktenbeu
r
teilung durch den Suva-Arzt
Dr.
med.
R._
, Spezialarzt für Neurologi
e (
Urk.
13/240).
Mit Verfügung vom
2.
Februar 2016 teilte die Suva dem Versicherten daraufhin mit, dass die Versicherungsleistungen per Ende Februar 2016 eingestellt würden, da
gemäss der durchgeführten
Adäquanzprüfung
keine adäquaten Unfallfolgen vorlägen (
Urk.
13/243). Die KPT Krankenkasse AG erhob am
4.
Februar 2016 Einsprache (
Urk.
13/244), und der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Yolanda
Schweri
, liess mit Eingabe vom
4.
März 2016
ebenfalls
Einsprache erheben (
Urk.
13/246).
Mit Entscheid vom 3
0.
Mai 2016 wies die Suva die Einsprache ab (
Urk.
2 =
Urk.
13/255).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 3
0.
Mai 2016 liess
X._
, neu vertreten durch Rechtsanwalt Manfred Lehmann, mit Eingabe vom
1.
Juli 2016 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, der Entscheid sei aufzuheben und es seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, eventualiter sei das Verfahren bis zu einem Entscheid der IV-Stelle zu sistieren, eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Verpflichtung, den Sachverhalt rechtskonform festzustellen und anschliessend einen rechtskonformen Entscheid zu erlassen (
Urk.
1 S. 2). In prozessualer Hinsicht liess er um die unentgeltliche Rechtsvertretung ersuchen (
Urk.
1 S. 2).
Die
Suva, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Beat Frischkopf, liess in der Beschwerdeantwort vom
7.
September 2016 auf Abweisung der B
eschwerde schliessen (
Urk.
11 und die damit eingereichten
Unterlagen in
Urk.
12/1-20 und
Urk.
13/1-258).
Nachdem das Gericht mit Verfügung vom
4.
Oktober 2016 (
Urk.
19) die Akten der Invalidenversicherung beigezogen hatte (
Urk.
20/1-101), bewilligte es nach Einsicht in die eingereichten und nachverlangten Unterlagen mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2016 das Gesuch um die unentgelt
l
iche Rechtsvertretung und ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
22).
In der Replik vom 1
5.
November 2016 liess der Versicherte an seinen Anträgen festhalten (
Urk.
23); die Suva blieb in der Duplik vom 2
3.
Dezember 2016 ebenfalls bei ihrem Standpunkt (
Urk.
25), was dem Versicherten mit Verfügung vom
3.
Januar 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
26).
Mit Eingabe vom 1
7.
August 2017 (
Urk.
27) informierte der Versicherte über das Gutachten des
S._
vom 3
0.
November 2016, das die IV-Stelle unterdessen hatte erstellen lassen (
Dr.
med.
T._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Fallführung,
Dr.
med.
U._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
V._
, Spezialarzt für Neurologie,
lic
. phil.
W._
, Fachpsychologe für Psychotherapie und Neuropsychologe, und
Dr.
med.
AB._
, Spezialarzt für Otorhinolaryngologie;
Urk.
28/1
=
Urk.
30/7
), und liess dem Gericht ausserdem eine
Stellungnahme von
Dr.
D._
zum Gutachten
(
Urk.
28/2) und einen Bericht der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
O._
vom
9.
August 2017 über eine Verlaufskontrolle vom
7.
August 2017 (
Urk.
28/3) zukommen. Das Gericht zog daraufhin die neu hinzugekommen
en
Akten der
Invalidenversicherung bei (Urk.
30/1-26; Verfügung vom 2
1.
August 2017,
Urk.
29)
und gab der Suva Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen, unter der Annahme,
der Versicherte
habe davon bereits mit seiner Eingabe vom 1
7.
August 2017 Gebrauch
gemacht (Verfügung vom 2
9.
August 2017,
Urk.
32). Die Suva antwortete mit Eingabe vom
6.
September 2017 (
Urk.
34).
Die IV-Stelle hatte unterdessen am
8.
August 2017 verfügt, der Versicherte habe keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
30/24). Dieser liess dagegen mit Eingabe vom 1
0.
September 2017 Beschwerde erheben; sie ist Gegenstand des Prozesses Nr. IV.2017.00954, über den ebenfalls mit Urteil von heute entschieden wird.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
ge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in
Kraft gestanden sind
, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbe
stimmungen zur Änderung
des UVG
vom 25.
September 2015 vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisheri
gem Recht gewährt werden (Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen).
Die vorliegend zur Diskussion stehenden Ereignisse vom 1
9.
Juni 2012 und vom 2
4.
November 2014 haben sich vor dem
1.
Januar 2017 zugetragen. Deshalb gelangen die bis 3
1.
Dezember 2016 gültig gewesenen Normen
zur Anwendung; sie werden nachfolgend in der damaligen Fassung zitiert
.
2.
2.1
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (
Abs.
2). Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbehandlung zugefügt werden (
Abs.
3).
2.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität,
Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
2.3
2.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges
zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
2.3.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
2.3.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergangenen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133
E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V
133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei banalen Unfällen wie zum Beispiel bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie zum Beispiel einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesundheitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6a).
Bei schweren Unfällen ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische Gesundheitsschäden zu bewirken (BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
, 115 V 133 E. 6b; RKUV 1995 Nr. U 215 S. 90 E. 3b).
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346
S. 428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV
Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352
E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S.
53 ff., 1998 Nr. U 307
S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2.3.4
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die
Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen
Beschwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Bundesgericht auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hir
n-Traumas
oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung
der Halswirbelsäule
sinngemäss
an (BGE 134 V 109 E. 6.2.2 mit Hinweisen).
2.3.5
Dort, wo die zum typischen Beschwerdebild eines sogenannten Schleudertrau
mas der Halswirbelsäule oder ei
ner vergleichbaren Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zu einer ausge
prägten psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten, nimmt die höchstrichterliche Rechtsprechung die Adäquanzbeurteilung im Sinne einer Ausnahme nicht nach den besonderen, für das Schleudertrauma aufgestellten Kriterien, sondern nach wie vor nach den Kriterien für psychische Fehlent
wicklungen nach einem Unfall vor, die allein auf dem Ausmass und den Aus
wirkungen der organisch nachweisbaren Unfallfolgen basieren (vgl. BGE 127 V 102 E. 5b/
bb
, 123 V 98 E. 2a; RKUV 2002 Nr. U 465 S. 437 ff.; Urteil des Bundesgerichts
8C_430/2016 vom 3
1.
Oktober 2016 E. 7.1
).
Ebenfalls nach den allgemeinen, für psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall aufgestellten Kriterien beurteilt die Rechtsprechung diejenigen Fälle, wo sich nach einem Unfall, losgelöst vom organisch-psychischen Beschwerdebild eines sogenannten Schleudertraumas oder einer vergleichbaren Verletzung, eine selbständige, sekundäre psychische Gesundheitsschädigung manifestiert oder wo
eine derartige selbständige psy
chische Beeinträchtigung vorbestanden hat und sich du
rch einen Unfall ver
schlimmert (vgl. RKUV 2001 Nr. U 412 S. 79 ff., 2000 Nr. U 397 S. 327 ff.; Urteile des Bundesgerichts U 495/05 vom 7. Juni 2006 E. 3.1, U 238/05 vom 31. Mai 2006 E. 4 und U 331/03 vom 30. August 2004 E. 3.1.2, je mit Hinweisen).
Schliesslich
beurteilt
die
bundesgerichtliche
Rechtsprechung die Adäquanz
auch dort
nach den Kriterie
n für die psychische Fehlentwicklung und nicht nach d
en Schleudertrauma-Kriterien
, wo ein Schädel-Hirntrauma lediglich den Schweregrad einer Commotio cerebri (auch als milde traumatische Hirnverletzung bezeichnet) und nicht mindestens den Grenzbereich zu einer
Contusio
cerebri erreicht (Urteile des Bundesgerichts 8C_44/2017 vom 1
9.
April 2017 E. 4.1, 8C_75/2016 vom 1
8.
April 2016 E. 4.2 und 8C_270/2011
vom 28. Juli 2011
E.
2.1).
Gleicher
massen unterzieht das Bund
esgericht einen Tinnitus, dem keine organische, mit apparativ-bildgebenden Abklärungen feststellbare Schädigung zugrunde liegt, einer Adäquanzprüfung nach den Kriterien für die psychische Fehlentwicklung (BGE 138 V 248).
2.3.6
Zeitlich
ist
bei
Prüfung der Adäquanz
nach den Kriterien für die psychische Fehlentwicklung
derjenige Moment
massgebend,
in dem von der Fortsetzung der auf die somatischen Leiden gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann
(BGE 134 V 109 E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2017 vom
5.
September 2017 E. 6.1 mit Hinweisen). Bei der Prüfung der Adäquanz nach den Schleudertrauma-Kriterien kommt es auf den Zeitpunkt an,
in dem von der Fortsetzung der auf das Schleudertrauma-Beschwerdebild
mit sämtlichen psychischen und p
hysische
n
Komponenten gerichteten ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung mehr zu erwarten ist (BGE 134 V 109 E. 6.2
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2017 vom
5.
September 2017 E. 6.1 mit Hinweisen).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen unter Prüfung der
Unfalladäquanz
zu Recht auf Ende Februar 2016 eingestellt hat.
3.2
Fest steht
aufgrund der Akten
, dass die Frakturen, die der Beschwerdeführer beim Unfall vom 1
9.
Juni
2012 erlitten hatte, bis Ende Februar 2016 folgenlos abgeheilt waren.
Das Mehrschicht-
Computertomogramm
, das am 1
7.
September 2012
zur Kontrolle angefertigt
wurde
(
Urk.
13/34), zeigte im Vergleich zu demjenigen vom 2
0.
Juni 2012
(
Urk.
13/35)
keine Frak
t
uren mehr, und in den nachfolgenden medizinischen Unterlagen fehlen jegliche Hinweise darauf, dass
in den Knochenstrukturen Residuen der Frakturen verblieben wären oder
dass
der Beschwerdeführer
an fortdauernden, direkt auf die Frakturen zurückzuführenden Beschwerden gelitten hätte.
Auch im Bereich der Halswirbelsäule waren strukturelle Veränderungen, die
auf das Ereignis vom 1
9.
Juni 2012 zurück
zuführen
gewesen wären, zu keiner Zeit vorhanden. Das Mehrschicht-
Computertomogramm
vom 2
0.
Juni 2012 zeigte vielmehr nur Veränderungen degenerativer Natur (
Urk.
13/35), und der Beschwerdeführer klagte zwar nach dem Unfall ü
ber vermehrte Nackenbeschwerden, die Gegenstand einer längerdauernden physiotherapeutischen Behandlung waren (vgl. die Anamnese im Bericht von
Dr.
D._
vom 1
5.
März 2013, Urk.
13/62 S. 2
, die Physiotherapie-Verordnungen in
Urk.
13/123-125
und Urk. 13/137 sowie
die Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin vom 2
5.
März 2014,
Urk.
13/132
), Kreisarzt
Dr.
C._
ging jedoch
im
März 2014
in einer unwidersprochen gebliebenen Beurteilung
d
avon aus, dass
diese Beschwerden nur
mehr durch die vorbestandenen degenerativen Veränderungen
bestimmt seien, welche keine richtunggebende Verschlimmerung durch d
en Unfall erfahren hätten (Urk.
13/134).
3.3
Im Vordergrund des gesamten Verlaufs standen denn auch nicht die Nackenbeschwerden - hier war schon im Bericht von
Dr.
D._
vom 1
5.
März 2013 von einem praktisch normalen Zustand die Rede (
Urk.
13/62 S. 2)
-
,
sondern es waren eine reduzierte Belastbarkeit
und ein Tinnitus,
die seit dem Unfall vom 19.
Juni 2012 dominierten. Diesen beiden Beschwerdebildern lässt sich indessen ebenfalls kein organisches Substrat zuordnen.
Als Ursache für die reduzierte Belastbarkeit
, verbunden mit einer
in der Rehaklinik
H._
und im
S._
erhobenen, beide Male als leicht eingestuften neuropsychologischen Störung (
Urk.
13/101 S. 5,
Urk.
30/7 S. 23),
fällt das Schädel-Hirn
-T
rauma in Betracht, das im Spital
A._
diagnostiziert wurde.
Bereits das Mehrschicht-
Computert
omogramm
vom 2
0.
Juni 2012 zeigte indessen keine strukturellen Veränderungen des Gehirns, sondern die Darstellungen der Grosshirn- und der Kleinhirnhemisphären sowie des Hirnstammes erwiesen sich als regelrecht, und es konnten auch keine Raumforderungen, Blutungen oder ischämische Veränderungen nachgewiesen werden (
Urk.
13/35)
. Das Mehrschicht-
Computertom
o
gramm
vom 1
7.
September 2012
ergab unverändert unauffällige Befunde; der Bericht sprach von einer altersent
s
prechend normalen Darstellung der supra- und
infratentori
ellen
Hirnabschnitte (
Urk.
13/34
). Des Weiteren machte die Magnetresonanztomographie vom
3.
April 2013 zwar eine nicht mehr frische punktförmige Ischämie im Bereich des Centrum semiovale links und gewisse Veränderungen - Lakune, unspezifische
Glioseareale
und eine Schleimhautretentionszyste
-
erkennbar (
Urk.
13/70)
;
Dr.
D._
wertete die Ischämie auf die Anfrage der Beschwerdegegnerin hin
aber
als lediglich mög
liche Unfallfolge (
Urk.
13/95). Schliesslich fand
en
Dr.
D._
und PD
Dr.
I._
bei den
n
eurologischen
Untersuchung
en
vom März
und vom Mai
2013
keine
ins Gewicht fallenden
messbaren Auffälligkeiten (
Urk.
13/62 S. 2), und der Neurologe
Dr.
V._
des
S._
konnte im Oktober 2016 nach wie vor
keine Funktionsstörungen aus
neurologischer
Sicht
feststellen (
Urk.
30/7 S.
17).
Den fehlenden
unfallkausalen
strukturellen
Befunden entsprechend wurde
von den
erst
behandelnden
Ärzten im
Spital
A._
anhand der Glasgow-Koma-Skala
(GCS) - im Austritt
s
bericht ist die Rede von einem allzeit vorhandenen GCS von 14-15 -
die Diagnose eines Schädel-Hirn-Traumas des Schweregrades I gestellt
(Urk.
13/18)
, also
einer Gehirnerschü
tterung (Synonyme Commotio
cere
bri und Leichte Traumatische Hirnverletzung
)
, welche definitionsgemäss nicht mit
bildgebend sichtbaren
Veränderungen einhergeht
(vgl. die Informationen unter
www.fragile.ch
, „Patienteninformation ‚Leichte Traumatische Hirn
verletzung‘ und ‚
Glasgow-Koma-Skala
'
“).
Auch hinsichtlich des T
innitus
führten die medizinischen Abklärungen
– von der Suva-Ärztin
Dr.
Q._
bestätigt (
Urk.
13/239) -
nicht zu bildgebend darstellbaren Befunden.
Dr.
E._
konnte im April 2013 keine Hinweise auf eine
Contusio
cochleae
erkennen
(
Urk.
13/83)
,
gleichermassen l
iess sich
im September und im Dezember 2015
in der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
O._
keine messbare Erklärung für die Ohrgeräusche finden (
Urk.
13/209 S. 2,
Urk.
13/229 S. 2), und dasselbe gilt für die
otorhinolaryngologische
Untersuchung durch
Dr.
AB._
des
S._
vom Oktober 2016 (
Urk.
30/7 S. 25 und S. 26).
3.4
Fehlt es somit an einem organisch nachweisbaren Substrat für die fortdauernde verminderte Belastbarkeit mit gewissen neuropsychologischen Schwächen und
für
den Tinnitus, so hat die
Adäquanzbeurteilung
gemäss der zitierten Rechtsprechung (E.
2.3.5)
nach den Krit
erien
zu erfolgen, mit der das Bundesgericht die Adäquanz einer psychischen Fehlentwicklu
ng nach einem Unfall beurteilt, wie die B
eschwerdegegnerin richtig erkannt
hat
(
Urk.
2 S. 9 ff.,
Urk.
11 S. 6).
Unerheblich ist dabei, ob
neben den beiden zur Diskussion stehenden Beschwerdebilder
n
eine psychische Erkrankung im engeren Sinne vorliegt -
Dr.
P._
führte in seiner Beurteilung von Januar 2016 le
diglich
eine vorübergehende Anpassungsstörung mit längerer depressiver Re
aktion auf
(
Urk.
13/237 S.
23)
–, und die
beiden
Beschwerdebilder müssen auch nicht zwangsläufig auf psychische Gründe zurückgeführt werden, wie
Dr.
U._
des
S._
es
tat
, wenn er
den Tinnitus einer undifferenzierten Somatisierungsstörung
(
Code F45.1
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Wel
tgesundheitsorganisation,
I
CD-10)
zuordnete
(
Urk.
30/7 S. 11). Denn die besagte Rechtsprechung wendet die Kriterien der psyc
hischen Fe
hlentwicklung auf die Commotio c
erebri und den Tinnitus analog
an, ohne diese
Beschwerdebilder medizinisch
einer eigentlichen psychischen Erkrankung gleichzusetzen.
3.5
3.5.1
Die Adäquanzbeurteilung hat aufgrund der vorstehenden rechtlichen Erwägungen zu dem Zeitpunkt zu erfolgen, zu dem von der
Fortsetzung der
Behandlung der organisch nachweisbaren Unfallfolgen keine namhafte Besserung mehr erwartet werden kann (E. 2.3.6). Dies war nach dem bereits
Dargelegten
(E. 3.2) zur Zeit der strittigen Leistungseinstellung per Ende Februar 2016 längstens der Fall, nachdem die Frakturen bereits im Jahr 2012 abgeheilt waren und die
Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule spätestens im Laufe des Jahres 2014 nicht mehr auf eine unfallbedingte Verschlimmerung der vorbestandenen degenerativen Veränderungen zurückgeführt werden konnten.
3.5.2
Massgebendes Ereignis für die Adäquanzbeurteilung ist
entgegen der Annahme der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 11 f.,
Urk.
11 S. 6)
allein der Unfall vom 19.
Juni 201
2.
Der spätere Unfall vom 2
4.
November 2014
hinterliess
keine
bleibenden Schäden
, sondern der Beschwerdeführer gab am
9.
Februar 2015 zu Protokoll, die Zustandsverschlimmerung sei nur temporär gewesen und aktuell sei der Zustand wieder wie vorher (
Urk.
12/5 S. 2).
Der genaue Hergang des Ereignisses, das am 1
9.
Juni 2012 zum Sturz auf der Strasse führte, kann nicht eruiert werden, da der Beschwerdeführer in Bezug auf das Ereignis eine Amnesie hatte
(vgl. den Austrittsbericht des Spitals
A._
,
Urk.
13/18, und die Angaben des Beschwerdef
ührers vom
6.
August 2012, Urk.
13/21). Aus den Polizeiunterlagen ist jedoch zu schliessen, dass keine
weiteren Personen
am Ereignis beteiligt waren,
sondern der Beschwerdeführer in alkoholisiertem Zustand (vgl. die Testergebnisse in
Urk.
13/50 S. 26 ff.) ohne Fremdeinwirkung stürzte (vgl.
Urk.
13/50 S. 6). Dabei gab es Indizien dafür, dass der Beschwerdeführer den Elektroroller entgegen seiner Aussage (
vgl.
Urk.
13/21
)
vor dem Sturz nicht
nur geschoben
, sondern ihn als Fahrzeug
benutzt hatte (vgl.
Urk.
13/50 S. 8)
. Dieser Hergang spricht für sich allein für einen eher geringfügigen Schweregrad des Ereignisses. Immerhin erlitt der
Beschwerdeführer dabei
aber m
ehrfache Schädelfrakturen, muss also den Kopf heftig angeschlagen haben.
Das Ereignis kann daher entgegen der Beurteilung der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2 S. 12) nicht als leicht eingestuft werden, sondern es ist von einem mittelschweren Ereignis, wenn auch im unteren Spektrum auszugehen.
Damit sind in die Beurteilung der
Unfalladäquanz
die von der Rechtsprechung aufgestellten Zusatzkriterien einzubeziehen, wobei lediglich die
Beeinträchtigungen mit strukturell
nach
gewiesenem Befund m
assgebend sind.
3.5.3
Es bestehen keine Hinweise auf Begleitumständ
e, die dem Selbstunfall vom 19.
Juni 2012 eine besondere Dramatik oder Eindrücklichkeit im Sinne des entsprechenden Kriteriums der Rechtsprechung verliehen hätten.
Zweifellos handelt es sich hingegen bei Schädelfrakturen um Verletzungen in einem besonders sensi
blen Bereich. Den
erlittenen organisch
feststellbaren Ve
rletzungen
des Beschwerdeführers kann daher eine gewisse Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, nicht abgesprochen
werden, weshalb dieses weitere Kriterium der Adäquanzbeurteilung erfüllt ist.
Von einer ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung kann wiederum nicht gesprochen werden. Denn eine eigentliche ärztliche Heilbehandlung, die auf die
strukturell sichtbaren
Unfallfolgen
gerichtet gewesen wäre,
fand nach dem Abheilen der Frakturen im Laufe des Jahres 2012 nicht mehr statt
. Die Beschwerden im Bereich der Halswirbelsäule, die in
der ersten Zeit noch vom Unfall beeinflusst gewesen sein könnten, wurden in erster Linie physiotherapeutisch behandelt (vgl. E. 3.2
und die An
gaben von
Dr.
B._
vom 26.
September 2012,
Urk.
13/32
). Die verschiedenen Konsultationen bei
Dr.
D._
sodann dienten
lediglich der Kontrolle des Verlaufs
und betrafen
zudem
n
icht die
bildgebend erkennbaren Befunde, sondern vielmehr die geklagte Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit und den Tinnitus. Auch die medizinischen Vorkehren in der Rehaklinik
H._
und in der Klinik für Ohren-, Nasen, Hals- und Gesichtschirurgie bezogen sich auf diese beiden
Beschwerd
e
bilder
,
und waren
ausserdem
ebenfalls
nicht therapeutischer
, sondern untersuchender Natur.
Der Beschwerdeführer litt
des Weiteren
nicht an körperlichen Dauerschmerzen. Die persistierenden Restsymptome, von denen
Dr.
B._
im Bericht vom 25.
Januar 2013 sprach, standen nicht im Zusammenhang mit den erlittenen Frakturen, sondern auch hier handelte sich um die kognitive Pro
blematik und den Tinnitus und zusätzlich um die Nackenschmerzen, die der Arzt jedoch
schon damals
als gebessert bezeichnete (
Urk.
13/53).
Ferner
bestehen keinerlei Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung, und der Heilungsverlauf war in Bezug auf die Schädelfrakturen komplikationslos. Auch diese beiden Kriterien sind daher zu verneinen.
Was schliesslich die Arbeitsunfähigkeit betrifft, so
attestierte
Dr.
B._
dem Beschwerdeführer in der ersten Zeit nach dem Unfall vom 1
9.
Juni 2012 eine 100%ige, im Oktober 2012
dann
eine 50%ige und im November 2012 noch eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit und rechnete für die Zeit danach w
ieder mit einer vollen Arbeits
fähigkeit (vgl.
Urk.
13/49). Die erneute Arbeitsunfähigkeit
ab März 2013 begründete
der Neurologe
Dr.
D._
mit dem
postcommotionellen
Syndrom und der damit zusammenhängenden Symptomatik der stark reduzierten Belastbarkeit und des Tinnitus (
Urk.
13/62), also nicht mehr mit den durchgemachten Frakturen. Daher ist das Ausmass (Grad und Dauer) der Arbeits
unfähigkeit, soweit es auf die strukturell nachweisbaren Befunde zurück
zuführen ist, nicht erheblich, womit auch dieses letzte Kriterium nicht erfüllt ist.
3.5
.4
Damit ist von den sieben Adäquanzkriterien nur dasjenige der Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen, erfüllt. Dies genügt angesichts der Unfallschwere im mittleren Bereich der unteren Hälfte nicht, um die Adäquanz des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall vom 1
9.
Juni 2012 und dem Beschwerdebild, wie es Ende Februar 2016 noch vorhanden war, zu bejahen. Die Beschwerdegegnerin hat daher ihre Leistungen zu Recht auf diesen Zeitpunkt hin eingestellt.
Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers
zur Ausprägung und den Auswirkungen der neuropsychologischen Beeinträchtigung und des Tinnitus (
Urk.
23 und
Urk.
27)
und auf die hierzu ins Recht gelegten Berichte von
Dr.
D._
und der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie des
O._
(
Urk.
28/2+3)
muss unter diesen Umständen nicht
näher eingegangen werden; sie sind
nach dem Gesagten für die Adäquanzb
eurteilung nicht von Belang
.
Offen bleiben kann auch, ob die festgestellten neuropsychologischen Beeinträchtigungen überhaupt in einem natürlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 1
9.
Juni 2012
stehen, was der Suva-Arzt
Dr.
R._
in
seiner neurologischen Aktenbeurteilung in Frage stellte (vgl.
Urk.
13/240 S. 8).
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat keine Aufstellung über seine Aufwendungen und Auslagen eingereicht, weshalb die ihm zustehende Entschädigung nach Ermessen auf
Fr.
1
'
8
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.