Decision ID: cbab6991-b91d-597f-ac7d-c1ba8e3ddd03
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb am 2. Februar 2015 den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B. Am
14. April 2016 um 18.40 Uhr überfuhr sie mit ihrem Personenwagen auf der
St. Gallerstrasse in Rapperswil-Jona ein Lichtsignal und stiess in der Folge mit der
rechten Fahrzeugfront ungebremst gegen die linke Fahrzeugseite des Personenwagens
von Y, die aus dem Parkhaus Bühlstrasse nach rechts in die St. Gallerstrasse fuhr.
Durch den Zusammenstoss drehte sich der Personenwagen von Y um die Hochachse
und prallte mit der rechten Fahrzeugfront in eine Betonmauer rechts der
St. Gallerstrasse, während der Personenwagen von X ungefähr 60 Meter vom
Kollisionsort entfernt auf der Mittelinsel der St. Gallerstrasse zum Stillstand kam. Y
brach sich den rechten Ringfinger und erlitt Prellungen im linken Hüftbereich sowie am
linken Handgelenk. X und ihr z-jähriger Sohn, der beim Zusammenstoss auf der
Rückbank sass, blieben unverletzt. An den Fahrzeugen von Y und X entstand
Sachschaden von rund Fr. 25'000.–.
B.- Im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 14. April 2016 verurteilte das
Untersuchungsamt Uznach X mit Strafbefehl vom 29. Juli 2016 wegen einfacher
Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 400.–, bei schuldhafter
Nichtbezahlung zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von vier Tagen. Der Strafbefehl erwuchs
mangels Einsprache in Rechtskraft.
Zusätzlich wurde X mit Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 21. November 2016
der Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von drei Monaten entzogen.
C.- Dagegen erhob die Vertreterin von X am 8. Dezember 2016 (Datum des
Poststempels) Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die
Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 21. November 2016 (zugestellt am
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24. November 2016) sei aufzuheben und es sei ein Führerausweisentzug von
höchstens einem Monat zu verfügen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit
Eingabe vom 9. Januar 2017 liess sich das Strassenverkehrsamt vernehmen und
beantragte die Abweisung des Rekurses, worauf die Vertreterin der Rekurrentin mit
Eingabe vom 19. Januar 2017 replizierte.
Auf die Ausführungen der Parteien wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 8. Dezember 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen von Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Streitig ist, ob der am 14. April 2016 erfolgte Verstoss gegen das
Strassenverkehrsgesetz (SR 741.01, abgekürzt SVG) als schwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG oder als
mittelschwerer Fall gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG einzustufen ist.
a) Das Untersuchungsamt Uznach stellte im Strafbefehl vom 29. Juli 2016 gestützt auf
den Verzeigungsrapport der Kantonspolizei sowie die Befragungen der beiden
involvierten Lenkerinnen und einer Auskunftsperson in tatsächlicher Hinsicht fest, die
Rekurrentin habe am 14. April 2016 während der Fahrt auf der St. Gallerstrasse in
Rapperswil-Jona die Lichtsignalanlage bei der Ausfahrt des Parkhauses Bühlstrasse
von weitem auf Grün stehend wahrgenommen, diese danach aber trotz Rotphase
überfahren, weil sie kurzzeitig von ihrem auf der Rückbank sitzenden Sohn abgelenkt
worden sei. Dadurch sei es zu einer Kollision mit einem Personenwagen gekommen,
der das Parkhaus in diesem Augenblick verlassen habe und auf die St. Gallerstrasse
eingebogen sei. Dabei sei die Unfallgegnerin verletzt worden. Gestützt auf diesen
bis
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Sachverhalt verurteilte das Untersuchungsamt Uznach die Rekurrentin wegen einfacher
Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG zu einer Busse von Fr. 400.–. Der
entsprechende Strafbefehl ist rechtskräftig.
b) Das Strassenverkehrsamt schliesst sich in seiner Verfügung vom 21. November 2016
der Sachverhaltsfeststellung des Untersuchungsamts Uznach an, beurteilt das
Verhalten der Rekurrentin aber als schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG. Durch die
schwerwiegende Missachtung einer wichtigen Verkehrsvorschrift habe sie eine der
elementarsten Pflichten als Fahrzeuglenkerin verletzt. Dabei habe sie einen
Verkehrsunfall verursacht und andere Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet. Ihr
Verschulden wiege schwer, weil sie nach dem Erkennen des Lichtsignals mit
ca. 40 km/h auf dieses zugefahren sei, ohne ihm die nötige Aufmerksamkeit und
Beachtung zu schenken.
c) Die Rekurrentin entgegnet mit einem Verweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung, wonach leichte und mittelschwere Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16a und Art. 16b SVG strafrechtlich von
Art. 90 Abs. 1 SVG als einfache Verkehrsregelverletzungen erfasst würden, wohingegen
schwere Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von
Art. 16c SVG strafrechtlich als grobe Verkehrsregelverletzungen gemäss Art. 90 Abs. 2
SVG geahndet würden. In Beachtung des Grundsatzes der Einheit der Rechtsordnung
seien widersprüchliche Entscheide soweit möglich zu vermeiden, weshalb die
Verwaltungsbehörden beim Entscheid über Administrativmassnahmen gegenüber
Fahrzeugführern nur unter bestimmten Voraussetzungen von den tatsächlichen
Feststellungen des Strafrichters abweichen dürften. Die Rekurrentin sei vom
Untersuchungsamt Uznach wegen einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG zu einer Busse von
insgesamt Fr. 400.– verurteilt worden, wobei pauschal Fr. 250.– auf das Nichtbeachten
des Lichtsignals entfielen. Die geringe Erhöhung der Gesamtstrafe um lediglich
Fr. 150.– lasse darauf schliessen, dass der Strafrichter das Verschulden der
Rekurrentin als gering erachtet habe. Insofern sei nicht ersichtlich, weshalb die
Vorinstanz von der Einschätzung des Untersuchungsamtes abweiche und das
Verhalten der Rekurrentin ohne nähere Erläuterung als schwere Widerhandlung gegen
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die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16c SVG verstehe, was einer
strafrechtlichen Beurteilung als grobe Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 2
SVG entspreche. Vorliegend habe zwar eine konkrete Gefährdungssituation bestanden,
das Verschulden der Rekurrentin sei aber als gering bzw. höchstens mittelschwer zu
bezeichnen, weil sie lediglich einen kurzen Augenblick abgelenkt gewesen sei und statt
in Fahrtrichtung durch den Rückspiegel nach ihrem auf der Rückbank sitzenden Sohn
gesehen habe. Dies gelte umso mehr, als dass die Lichtsignalanlage zum
Unfallzeitpunkt nicht störungsfrei funktioniert habe und vermutungsweise für beide am
Zusammenstoss beteiligten Fahrzeuglenkerinnen auf Grün gestanden sei. Ferner
rechne man an der Unfallstelle aufgrund der Verkehrssituation nicht mit einem
Lichtsignal und von rechts einbiegenden Fahrzeugen. Schliesslich habe auch die
andere Fahrzeuglenkerin zur Kollision beigetragen, indem sie das herannahende
Fahrzeug der Rekurrentin nicht rechtzeitig erkannt habe und entsprechend reagieren
konnte.
Ausserdem sei das Verhalten der Rekurrentin auch unter dem Gebot der
Rechtsgleichheit als mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16b SVG einzustufen. In einer anderen
Angelegenheit mit vergleichbarem Hergang und vergleichbaren Auswirkungen eines
Unfalls habe die Verwaltungsrekurskommission das Verhalten des Fahrzeuglenkers
ebenfalls als mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im
Sinne von Art. 16b SVG beurteilt, ohne die Verschuldensfrage näher zu prüfen. Wenn
eine elementare Verkehrsregel verletzt werde und es für einen durchschnittlichen
Lenker erkennbar gewesen sei, dass dadurch Dritte hätten gefährdet werden können,
sei im Einklang mit der juristischen Literatur ein mittelschweres Verschulden
anzunehmen. Für die Annahme eines schweren Verschuldens fehle es vorliegend an
einem rücksichtslosen oder sonst schwerwiegend verkehrsregelwidrigen Verhalten
seitens der Rekurrentin.
Aufgrund der Kombination der objektiven Gefährdungslage mit dem geringen bzw.
maximal mittelschweren Verschulden sei das Verhalten der Rekurrentin als
mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von
Art. 16b SVG zu beurteilen, weshalb sich ein Führerausweisentzug von einem Monat
rechtfertige. Diesbezüglich sei auch zu berücksichtigen, dass die Rekurrentin über
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einen einwandfreien automobilistischen Leumund verfüge und aufgrund ihrer
selbständigen Erwerbstätigkeit als Event- und Kulturmanagerin dringend auf den
Führerausweis angewiesen sei.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung liegt vor, wenn
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorgerufen oder in Kauf genommen wird (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Sie liegt immer
dann vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten und nicht alle
qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind (Botschaft zur Änderung des
Strassenverkehrsgesetzes vom 31. März 1999, BBl 1999, S. 4487).
Der Tatbestand der schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ist
objektiv erfüllt, wenn eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv schwerer Weise
missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet wird. Eine ernstliche Gefahr
für die Sicherheit anderer ist bei einer konkreten Gefährdung gegeben. Subjektiv wird
ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein
schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit,
vorausgesetzt (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_87/2016 vom 13. Juni 2016,
E. 2.1.1).
4.- Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass die Rekurrentin durch das Missachten des
auf Rot stehenden Lichtsignals und den dadurch verursachten Zusammenstoss den
Tatbestand von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG erfüllt habe. Die Rekurrentin bestreitet soweit
ersichtlich nicht, dass sie eine wichtige Verkehrsvorschrift missachtet und durch eine
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konkrete Gefährdung eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer Personen
hervorgerufen hat. Sie ist indessen der Ansicht, ihr Verschulden wiege nur leicht bzw.
höchstens mittelschwer, was auch vom Untersuchungsamt Uznach implizit festgestellt
und somit für die Vorinstanz verbindlich präjudiziert worden sei.
a) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung vermag ein Strafurteil die
Verwaltungsbehörde grundsätzlich nicht zu binden. Allerdings darf die
Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters nur
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt oder wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen
abgeklärt, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. In der
rechtlichen Würdigung des Sachverhalts – namentlich auch des Verschuldens – ist die
Verwaltungsbehörde demgegenüber frei, ausser die rechtliche Qualifikation hängt stark
von der Würdigung von Tatsachen ab, die der Strafrichter besser kennt, etwa weil er
den Beschuldigten persönlich einvernommen hat (BGer 1C_275/2016 vom 29.
September 2016, E. 2.3; BGE 136 II 447, E. 3.1 = Die Praxis des Bundesgerichts [Pra]
2011 Nr. 34, E. 3.1).
Die Sachbearbeiterin mit staatsanwaltlichen Befugnissen des Untersuchungsamtes
Uznach hat den Strafbefehl vom 29. Juli 2016 ausschliesslich gestützt auf die
vorhandenen Akten der Kantonspolizei erlassen und keine zusätzlichen Abklärungen
zum Unfallhergang vorgenommen oder diesbezügliche Einvernahmen durchgeführt.
Somit verfügte sie über keine besseren oder unmittelbareren Sachverhaltskenntnisse
als die Vorinstanz, welche daher bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts und
insbesondere bei der Bemessung des Verschuldens entgegen der Ansicht der
Rekurrentin nicht an den Strafbefehl gebunden ist.
Im von der Rekurrentin vorgebrachten Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
vom 24. Juni 2010 (VRKE IV-2010/9) war das Verschulden des Fahrzeuglenkers nicht
weiter zu prüfen, nachdem die Anwendung des privilegierten Tatbestands der leichten
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von Art. 16a Abs. 1
lit. a ausgeschlossen war, weil die Gefährdung für die Sicherheit anderer Personen
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nicht mehr als gering bezeichnet werden konnte. Insoweit ist jener Entscheid für das
vorliegende Verfahren nicht einschlägig.
b) Das für die Anwendung von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG in subjektiver Hinsicht
vorausgesetzte schwere Verschulden bzw. die bei fahrlässigem Handeln
vorausgesetzte grobe Fahrlässigkeit sind zu bejahen, wenn sich der Fahrzeuglenker der
allgemeinen Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe
Fahrlässigkeit kann aber auch vorliegen, wenn der Fahrzeuglenker die Gefährdung
anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht gezogen, also unbewusst
fahrlässig gehandelt hat. In solchen Fällen ist grobe Fahrlässigkeit zu bejahen, wenn
das Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf
Rücksichtslosigkeit beruht. Rücksichtslos ist unter anderem ein bedenkenloses
Verhalten gegenüber fremden Rechtsgütern. Dieses kann auch in einem blossen
(momentanen) Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen bestehen
(BGE 131 IV 133, E. 3.2; BGE 130 IV 32, E. 5.1; BGE 118 IV 285, E. 4).
Das Missachten eines Rotlichts erfüllt in der Regel den qualifizierten Tatbestand von
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, der insoweit nur ausnahmsweise aus subjektiven Gründen zu
verneinen ist (vgl. BGer 6B_480/2014 vom 23. Februar 2015, E. 3.4; siehe BSK SVG-
Fiolka, Basel 2014, Art. 90 N 55; Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16b N 16 in fine). So erkannte das Bundesgericht
eine Grobfahrlässigkeit im Sinne einer groben Verkehrsregelverletzung, als eine Frau
ein Rotlicht unbewusst missachtete, weil sie sich trotz hohen Verkehrsaufkommens von
einem Mann ablenken liess, der in einer neben der Strasse gelegenen Wiese mit
seinem Hund trainierte (BGer 6S.156/1993 vom 25. Juni 1993, zitiert nach BGer 6S.
11/2002 vom 20. März 2002, E. 3c/aa). Ebenfalls als grobfahrlässig im Sinne einer
groben Verkehrsregelverletzung handelte ein Fahrzeuglenker, der im morgendlichen
Berufsverkehr ein auf Rot stehendes Lichtsignal überhaupt nicht bemerkte und dieses
mit 31 km/h überfuhr (BGer 6B_480/2014 vom 23. Februar 2015, E. 3.5). Auch ein
Fahrzeuglenker, der bei ungünstigen Lichtverhältnissen von der Sonne geblendet ein
Lichtsignal in einer Rotphase mit ca. 35 km/h ungebremst überfuhr und in ein anderes
Fahrzeug prallte, handelte nach Auffassung des Bundesgerichts grobfahrlässig und
beging eine grobe Verkehrsregelverletzung. Da er sich nicht vergewissert hatte, ob das
Lichtsignal tatsächlich auf Grün steht, hätte er sich der Kreuzung mit besonderer
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Achtsamkeit nähern müssen. Die Beachtung von Lichtsignalen stellt nämlich eine
elementare Vorschrift der Strassenverkehrssicherheit dar, deren Missachtung eine
erhebliche Unfallgefahr mit sich bringt, weil andere Verkehrsteilnehmer
berechtigterweise auf diese Signalisation vertrauen (BGer 1C_27/2012 vom 3. Juli
2012, E. 3.5). Hingegen erachtete es das Bundesgericht nicht als rücksichtslos und
somit als keine schwerwiegende Verkehrsregelverletzung, als ein Fahrzeuglenker ein
Rotlicht bei übersichtlichen Verkehrsverhältnissen – spitzwinklige Einmündung einer
einzigen gut überschaubaren Fahrbahn von links – in einer verkehrsarmen Zeit
missachtete (BGE 118 IV 285, E. 4).
Vorliegend ergibt sich aus dem Verzeigungsrapport der Kantonspolizei vom 26. Mai
2016, dass sich das von der Rekurrentin missachtete Lichtsignal auf einer
vielbefahrenen zweispurigen, im Bereich der Parkgarageneinfahrt auf der rechten Seite
sogar kurzzeitig dreispurigen Hauptstrasse im Innerortsbereich befindet. Die
Gegenfahrbahn verfügt über eine einzelne Fahrspur mit separater Busspur und ist im
Bereich des Lichtsignals durch eine Verkehrsinsel abgetrennt. Die nach dem
Lichtsignal gelegene Ausfahrt aus der Parkgarage, bei deren Einmündung in die
Hauptstrasse es zum Zusammenstoss mit einem anderen Fahrzeug gekommen ist,
liegt unmittelbar vor einem Hauptstrassenabschnitt, der eine quer dazu verlaufende
Quartierstrasse und ein davon abgetrenntes Bahngeleise unterführt. Die
Parkgaragenausfahrt ist nach den Aussagen der Rekurrentin denn auch "nicht leicht zu
erkennen". Der durchschnittliche Fahrzeuglenker rechne an dieser Stelle weder mit
einem Lichtsignal noch mit einbiegenden Fahrzeugen. Somit ist trotz guten Witterungs-
und Sichtverhältnissen von einer Verkehrssituation auszugehen, die von den
Verkehrsteilnehmern eine erhöhte Aufmerksamkeit abverlangt. Für die Rekurrentin galt
dies umso mehr, als dass sie diese Strasse gemäss eigenen Aussagen zuvor erst
selten befahren hatte. Aus dem Verzeigungsrapport der Kantonspolizei geht weiter
hervor, dass die Rekurrentin das Lichtsignal während der Anfahrt aus einer Entfernung
von rund 100 Metern als auf Grün stehend wahrgenommen hatte, als sie wegen eines
die Hauptstrasse überquerenden Fussgängers kurzzeitig auf Schritttempo abbremsen
musste. Nachdem sie wieder beschleunigt hatte, wandte sie sich durch den
Rückspiegel ihrem Sohn auf der Rückbank zu, überquerte dabei das auf Rot stehende
Lichtsignal und prallte schliesslich in ein anderes Fahrzeug. Entgegen den Vorbringen
der Rekurrentin ergeben sich aus dem Betriebsführungstagebuch und auch den
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übrigen Akten keine Hinweise auf irgendwelche Störungen der betroffenen
Lichtsignalanlage zum massgebenden Zeitpunkt. Die zuständige Person des
Tiefbauamts St. Gallen gab gegenüber der Kantonspolizei zu Protokoll, dass die
Lichtsignalanlage zur fraglichen Zeit einwandfrei funktioniert habe. Bei einer Störung
würde das Lichtsignal die Verkehrsteilnehmer durch gelbes Blinken zu besonderer
Vorsicht mahnen (vgl. Art. 68 Abs. 6 und Art. 70 Abs. 1 lit. b der
Signalisationsverordnung [SR 741.21]) und nicht einfach in allen Fahrtrichtungen auf
Grün stehen. Gestützt auf den Verzeigungsrapport ist daher davon auszugehen, dass
die Rekurrentin ihre Aufmerksamkeit bei voller Fahrt für mehrere Sekunden (act. 9/7)
von der in Fahrtrichtung liegenden Fahrbahn abwandte. Während dieser Dauer
beachtete sie das Lichtsignal nicht mehr und nahm weder dessen Umschalten auf
Orange und auf Rot noch das von der Parkgarageneinfahrt in die Hauptstrasse
einbiegende Fahrzeug der Unfallgegnerin wahr. An der Unfallstelle wurden keine
Bremsspuren der Rekurrentin festgestellt. Auch dies deutet daraufhin, dass sie bis zur
Kollision abgelenkt war. Die Ablenkung ging dabei von einer nicht direkt am
Strassenverkehr teilnehmenden Person aus, der die Rekurrentin in der entsprechenden
Verkehrssituation nicht ihre gesamte Aufmerksamkeit hätte zuwenden dürfen.
Nachdem sie das Lichtsignal aus der Entfernung nachweislich wahrgenommen hatte,
hätte sie sich der betreffenden Stelle vielmehr mit besonderer Achtsamkeit nähern und
sich vor deren Überquerung erneut vergewissern müssen, dass das Lichtsignal
tatsächlich auf Grün steht. Stattdessen wandte sie ihre Aufmerksamkeit während einer
längeren Dauer vollständig vom Strassenverkehr ab und setzte die Fahrt mit einer
unverminderten Geschwindigkeit von mindestens 40 km/h fort. Dabei vertraute sie
offenbar blindlings darauf, das Lichtsignal noch immer auf Grün stehend zu erreichen
und zu überqueren, ohne sich der dadurch geschaffenen akuten Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer – insbesondere auch ihres eigenen Sohnes – bewusst zu sein. Die
Kollision hätte für sämtliche beteiligten Fahrzeuginsassen weit schlimmere
Verletzungen und Langzeitbeschwerden zur Folge haben können. Diese vollständige
Gefahrenausblendung der Rekurrentin zeichnet die leichtfertige Bedenkenlosigkeit
ihres Verhaltens aus, das von der Vorinstanz zu Recht als grobfahrlässig beurteilt
worden ist.
c) Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorinstanz zu Recht von einer
schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im Sinne von
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Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ausgegangen ist. Die vorinstanzlich verfügte Entzugsdauer
entspricht der Mindestentzugsdauer von drei Monaten gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a
SVG, die nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 16 Abs. 3 SVG selbst
bei einer beruflichen Angewiesenheit der betroffenen Person auf den Führerausweis
und bei einem ungetrübten automobilistischen Leumund nicht unterschritten werden
darf (BGE 132 II 234, E. 2.3). Die Entzugsdauer von drei Monaten ist demnach ebenfalls
nicht zu beanstanden.
5.- Die Vorinstanz ordnete in Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung an, dass die
Rekurrentin den Führerausweis und allfällig vorhandene weitere Ausweise bis
spätestens am 21. Februar 2017 abzugeben habe. Hierbei handelt es sich um eine
vollstreckungsrechtliche Anordnung, die separat verfügt werden müsste. Darauf ist
indessen nicht weiter einzugehen, denn der Abgabetermin (21. Februar 2017) ist bereits
vorüber, weshalb besagte Anordnung zufolge Gegenstandslosigkeit aufzuheben ist. Die
Vorinstanz wird einen neuen Abgabetermin festlegen müssen. Allerdings hätte Ziffer 2
der angefochtenen Verfügung aufgehoben werden müssen, wenn die Abgabefrist nicht
bereits abgelaufen wäre. Dies ist bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
6.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie sind der Rekurrentin zu
vier Fünfteln und dem Staat zu einem Fünftel aufzuerlegen. Denn einerseits unterliegt
die Rekurrentin in der Hauptsache und andererseits hat die Vorinstanz die materielle
Verfügung (Führerausweisentzug) in unzulässiger Weise mit der Vollzugsanordnung
(Abgabetermin des Führerausweises) kombiniert. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) erscheint angemessen.
Der Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist mit dem Kostenanteil der Rekurrentin in der
Höhe von Fr. 960.– zu verrechnen. Der Rest des Kostenvorschusses von Fr. 240.– wird
der Rekurrentin zurückerstattet.
Bei diesem Verfahrensausgang ist keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen
(Art. 98 VRP).