Decision ID: 4ed3f88b-5332-45d8-8b6b-ec5548ce847b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren im Februar 1954 (
Urk.
9/4/2),
war
gelernter Maler/Lackierer und arbeitete auf diesem Beruf bis im Jahr 199
2.
Danach war er mehr als 20 Jahre als selbständiger Unternehmer tätig, zuerst als Lebensmittelhändler, dann im Transportwesen und zuletzt als Rohrbauer. Zwischen 1999 und 2003 machte er eine Weltreise. In der Folge war er häufig arbeitslos und lebte einige Jahre
auf
Mallorca und
in
der Türkei, bevor er im Jahr 2010 in die Schweiz einreiste (
Urk.
9/2/2 und 9/11/2). Im Dezember 2014 meldete er sich wegen eines psy
chi
schen Leidens bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle), zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3).
Diese holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK;
Urk.
9/12) sowie Be
richte zur stationären psychiatrischen Behandlung einschliesslich Alkoholent
zugs von Mitte November bis Mitte Dezember 2014 im Sanatorium
A._
(
Urk.
9/11) und der daran anschliessenden suchtspezifischen Nachbehandlung bis Mitte Januar 2015 in der Klinik
B._
(
Urk.
9/15) ein. Danach auferlegte sie dem Versicherten mit Schreiben vom 1
9.
November 2015 eine
Schadenminde
rungs
- bzw. Mitwirkungspflicht im Sinne einer sechsmonatigen Alk
oholabstinenz mit entsprechender
fachlicher Begleitung sowie ärztlichen Urinkontrollen (
Urk.
9/18) und holte hierzu später einen Bericht bei den ambulanten Behandlern des Zentrums
C._
ein (
Urk.
9/26). Nach Vorliegen einer Stellungnahme von
Dr.
med.
D._
vom Regi
onalen Ärztlichen Dienst (RAD;
Urk.
9/32/5), kündigte die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 5. September 2016 die Verneinung eines Rentenanspruchs an (
Urk.
9/33). Dage
gen
erhob
dieser Einwand (Urk. 9/34; Begründung
Urk.
9/41) und liess das Zentrum
C._
eine Stellungnahme verfassen (
Urk.
9/45 und 9/48). Die IV-Stelle holte erneut einen IK-Auszug (
Urk.
9/49) sowie eine weitere Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
D._
(
Urk.
9/5
0/3) ein. Schliesslich verneinte sie mit Verfügung vom
3
1.
Januar 2017 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte, vertreten durch die Sozialen Dienste
der Stadt Zürich (
Urk.
4), mit Eingabe vom
2.
März 2017 unter Beilage eines weiteren
Arztberichts (
Urk.
3/4) Beschwerde. Darin beantragt er, ihm eine Rente zuzusprechen. Eventualiter sei nach Einholung eines psychiatrischen Gerichtsgut
achtens erneut über den Rentenanspruch zu entscheiden (
Urk.
1 S. 2 und 11). Ferner ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S.
2), welche ihm mit Verfügung vom 1
7.
Mai 2017 bewilligt wurde (
Urk.
10). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
6.
Mai 2017 – unter Beilage einer Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
med.
E._
(
Urk.
9/55) – auf Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
8). Es wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet
(
Urk.
10). In der Replik vom
2.
Juni 2017 stellte der Versicherte unter Beilage neuer
Arztberichte (
Urk.
13/1, 2 und 4
) den Eventualantrag, ihn aufgrund des ver
schlech
terten physisch
en
und psychisch
en
Gesundheitszustandes erneut medizi
nisch abzuklären (
Urk.
12). Die IV-Stelle verzichtete auf eine Duplik (
Urk.
17).
Am 1
7.
Oktober 2018 ersuchte das Sozialversicherungsgericht die Sozialen Dienste
der Stadt Zürich telefonisch, gewisse Dokumente nachzureichen (
Urk.
19). Diese gaben hierauf neben einer Abmeldebestätigung ins Ausland (
Urk.
21/1-2), einer Verfügung betreffend Rentenleistungen der AHV (
Urk.
21/3) und dem Austritts
bericht des Sanatoriums
A._
vom 1
6.
Juli 2015 (
Urk.
21/4) auch die Ster
be
urkunde des
am 2. November 2017 verstorbenen
Versicherten (
Urk.
22) zu den Akten. Das Gericht stellte der IV-Stelle die neuen Unterlagen zur Kenntnisnahme zu und beauftragte die Sozialen Dienste der Stadt Zürich abzuklären, ob die Erben den Prozess fortsetzen wollen (
Urk.
23). Mit Schreiben vom 2
5.
Januar 2019 (
Urk.
27) reichten diese eine Erklärung von
Y._
zu den Akten, wonach sie den Prozess ihres Vaters weiterführen und sich hierbei durch die Sozialen Dienste der Stadt Zürich vertreten lassen wolle (
Urk.
29/2).
Dabei legitimierte sie sich mit einer
vom Versicherten unterzeichnete
n
Generalvollmacht, welche aus
drücklich über den Tod hinaus gelten soll und auch die Vertretung vor Gericht umfasst
. Ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung für ihre Person stellte sie nicht
(
Urk.
28). In einer weiteren Erklärung teilte die zweite Tochter des Versicherten,
F._
, mit, keine Einwände gegen die Fortfüh
rung des Prozesses durch ihre Schwester zu haben (
Urk.
29/1).
Das Gericht aner
kannte in der Folge den Prozesseintritt der Beschwerdeführerin.
Mit Verfügung
vom
3
1.
Januar 2019 stellte das Gericht der IV-Stelle die neuen Unterlagen zu und gab den Parteien Gelegenheit, sich zu Urk. 21/3-4 zu äussern (
Urk.
30). Es wurden keine weiteren Stellungnahmen eingereicht (
Urk.
32).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht,
welcher
die versi
cherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein ren
ten
ausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4). Die Annahme eines
solchen
setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E.
5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist je
doch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss
eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind
dabei
neu sämtliche psychischen Leiden, laut BGE 143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
(Änderung der Rechtsprechung).
1.
4
Bei der Beurteilung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
stützt sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolge
rungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a mit Hinweis). Auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen - zu denen die RAD-Berichte (vgl.
Art.
49
Abs.
2 der
Verordnung
über die Invaliden
versicherung,
IVV)
gehören - kann nicht abgestellt werden, wenn auch nur ge
ringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7; Urteil des Bundesgerichts 8C_839/2016 vom 1
2.
April 2017 E. 3.2; vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 9C_254/2017 vom 2
1.
August 2017 E. 4.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog sinngemäss, die Arbeitsfähigkeit des Versicherten sei infolge verringerten Antriebs, verlangsamter Auffassungsgabe und leicht deprimierten Zustandsbilds seit Oktober 2014 eingeschränkt. Die Einschränkung sei angesichts der Befunde aber nicht wesentlich und dauerhaft. Zudem würden
ih
r Ursachen
im sozialen Umfeld (Todesfälle) und nicht eine verselbständigte psychische Störung zugrunde liegen. Ferner hätten die tagesklinische Behandlung und die Alkoholabstinenz bereits
zu einer Besserung der depressiven Sympto
ma
tik mit Verbesserung des Schlafes und Stoppen der akustischen Halluzinationen geführt. Unter adäquater fachpsychiatrischer Behandlung, zu der man den Ver
si
cherten hiermit auffordere, werde daher nachweislich eine weitere gesundheit
liche Besserung eintreten und damit die Erwerbsfähigkeit in rentenaus
schlies
sen
dem Ausmass gesteigert. Eingliederungsmassnahmen seien nicht angezeigt, zumal
sich der Versicherte für einen Rentenvorbezug der Alters- und
Hinterlassenen
versicherung
(
AHV
) ab März 2017 entschieden habe (
Urk.
2). Falls sich der Gesundheitszustand nach Erlass der angefochtenen Verfügung verschlechtert habe, könne er bei ihr ein neues Gesuch einreichen (
Urk.
17).
2.2
Dem hielt der Versicherte die Berichte zu den stationären Aufenthalten im Sana
torium
A._
und der Klinik
B._
, zur ambulanten (teilweise tagesklini
schen) Behandlung in den Zentren
C._
und
G._
sowie die RAD-Stellungnahme vom 2
6.
Juli 2016 entgegen (
Urk.
1 S. 3-7 und S.
10). Der RAD-Arzt habe seiner fehlenden Fachkenntnisse entsprechend einen Arbeitsversuch bzw. eine Begutachtung als notwendig erachtet. Darauf könne nicht allein wegen seines Alters oder AHV-Rentenvorbezugs verzichtet werden. Zudem hätten sich die thematisierten Todesfälle bereits im Jahr 1999 ereignet und die Schwierigkeiten mit dem ehemaligen Vermieter seien inzwischen gelöst. Dabei würde es schon genügen, wenn die inzwischen verselbständigte psychische Störung die Erwerbsunfähigkeit nur mitverursache. Entgegen der RAD-Beurtei
lung vom 16. Mai 2017 bestünden mit den Halluzinationen und den auf eine Depression hinweisenden Befunden weiterhin massgebliche psychische Leiden. Trotz regelmässiger Behandlung und Einnahme von Medikamenten habe sich also nur die Alkoholsucht verbessert. Es bestehe eine Therapieresistenz bzw. das hypo
thetische Verbesserungspotential infolge der Alkoholabstinenz lasse sich nicht im gewünschten Ausmass realisieren. Überdies habe sich sein Zustand verschlech
tert. So sei er im März 2017 und – nach Erhalt der Kündigung für sein gemietetes Zimmer erneut – im April 2017 notfallmässig im Stadtspital
H._
hospitalisiert und am 5. Mai 2017 ins Pflegezentrum
I._
übergetreten. Im gleichen Monat sei er im Stadtspital
J._
zur Einstellung des Diabetes Mellitus und zur Operation bei hochgradigem Verdacht auf ein Pankreaskopfkarzinom hospita
lisiert worden. Eventuell könne er nach der «Rehabilitation» ins betreute Wohnen des
I._
übertreten (
Urk.
1 S. 7-10;
Urk.
12).
3.
3.1
3.1.1
Am 1
9.
November 2014 trat der Versicherte auf Initiative einer Mitarbeiterin des Sozialamts zur stationären psychiatrischen Behandlung ins Sanatorium
A._
ein (
Urk.
9/11/2). Im Bericht vom 31. Dezember 2014 wurde vorab eine anam
nestisch seit dem Jahr 1999 bestehende chronische Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.2) mit Hepatopathie diagnostiziert. Dazu wurde angemerkt, dass sich der auf Wunsch durchgeführte und mit Valium gestützte Entzug komplikationslos ge
staltet habe. Weiter wurde beim Eintritt die Diagnose einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode (ICD-10: F32.1), differentialdiagnostisch einer rezi
divierenden depressiven Störung, mit Vollremission im Verlauf gestellt. Als Ver
dachtsdiagnosen wurden zum einen eine wahnhafte Störung unklarer Ätiologie mit intermittierender Angabe von Stimmenhören (ICD-10: F22.8), differen
tial
diagnostisch eine alkoholinduzierte residualpsychotische Störung (ICD-10: F10.75)
, und zum andern eine Akzentuierung der Persönlichkeit (ICD-10: Z73) genannt (
Urk.
9/11/1 und 9/11/3).
3.1.2
Dazu erläuterten die Ärztinnen, der Versicherte habe auf der offenen Station ini
tial formalgedankliche Auffälligkeiten mit Verlangsamung, starker Weit
schwei
figkeit und im Antrieb teilweise starker
Logorrhoe
gezeigt. Wie schon auf der geschlossenen Station – aber noch nicht beim Eintritt – habe er geäussert, seit Jahren an Stimmenhören zu leiden, was er jedoch kaum habe präzisieren können. Zum Teil habe er paranoide bis möglicherweise wahnhafte Ideen geäussert, die sich inhaltlich teilweise auf das von ihm als ungerecht erlebte Sozialsystem be
zogen hätten. Das Vorliegen einer wahnhaften Störung (oder
Halluzinose
) könne aktuell aber nicht eindeutig bestätigt werden; dies aufgrund der zum Teil nicht sicher kongruenten Angaben, einer kaum ersichtlichen affektiven Beteiligung und von nicht gänzlich
unplausibel
erscheinenden Aggravationstendenzen. Inter
aktionell und im Verhalten würden sich zum Teil auch narzisstische Persön
lich
keitszüge andeuten (
Urk.
9/11/3).
Kognitiv habe sich der Versicherte nach erfolgreichem Alkoholentzug und
Vali
um
abbau
auf ein adäquates Niveau mit Selbständigkeit in allen Alltagsfähig
keiten erholt. Bei leichten Auffälligkeiten in den Gesprächen und 27 von 30 Punk
ten im Mini-Mental-Status-Test (MMST) sei eine möglicherweise beginnen
de kognitive Störung nicht ausser Acht zu lassen und im Verlauf zu kontrollieren bzw. gegebenenfalls neuropsychologisch abzuklären. Ein
craniales
MRT
habe keine deutlichen Auffälligkeiten gezeigt. Neurologisch hätten sich bis auf ein leichtes, wahrscheinlich ethyltoxisches
zerebelläres
Syndrom keine Auffällig
keiten gefunden (
Urk.
9/11/3 f.).
Insgesamt sei es im Verlauf des stationären Settings mit deutlichem Profit von den sozialen Kontakten und aktivierenden sowie gesprächstherapeutischen The
ra
pien zu einer erfreulichen Zustandsverbesserung unter
Zyprexa
gekommen, ohne dass eine zusätzliche antidepressive Therapie notwendig gewesen wäre. Affektiv sei der Versicherte überwiegend
euthym
gewesen, habe einen adäquaten Antrieb und im Alltag ein gutes kognitives Funktionsniveau gezeigt. Er habe sich suffizient um seine sozialmedizinischen und weiteren Behandlungsanliegen auch ausser Haus (einschliesslich der Nutzung des öffentlichen Verkehrs, der Einhal
tung aller Termine usw.) kümmern können (
Urk.
9/11/4).
3.1.3
Die Ärztinnen schlussfolgerten, kognitiv bestünden leichte Einschränkungen. Psychisch sei der Versicherte durch die schwere Suchterkrankung, aber auch die Depression, mögliche wahnhafte Störung und Persönlichkeitsakzentuierung ein
ge
schränkt (
Urk.
9/11/4). Konkret bestünden eine verminderte Konzentration, eine starke Ablenkbarkeit, formalgedankliche Auffälligkeiten und eine fragliche wahnhafte Störung. Die Arbeit als Bautechniker sei bei stark
chronifiziert
anmu
tender Erkrankung nicht mehr vorstellbar. Eine Arbeit mit geringeren Anfor
de
rungen oder im geschützten Rahmen sei gegebenenfalls denkbar. Dies müsse aber im Verlauf abschliessend evaluiert werden, vor allem nach der empfohlenen neuropsychologischen Abklärung und unter Berücksichtigung des Verlaufs in der Klinik
B._
(
Urk.
9/11/5). Bei weiterer Alkoholabstinenz sei eine weitere psychiatrische Besserung vor allem der Depression, die schon in der Klinik rasch remittiert sei, gut möglich (
Urk.
9/11/3).
3.1.4
Zur Anamnese wurde notiert, der Versicherte habe von suizidalen Gedanken unter Alkoholeinfluss berichtet. Aus Angst er könnte in alkoholisiertem Zustand seinen Plänen Taten folgen lassen, habe er den täglichen Alkoholkonsum ge
stoppt. Weiter habe er erzählt, seit dem Jahr 1999 oft unter bedrückter Stimmung zu leiden. Etwa zeitgleich habe er mit dem übermässigen Alkoholkonsum be
gonnen. Seinerzeit seien Ehefrau und Kind tödlich verunglückt sowie seine Firma in Deutschland Konkurs gegangen. Er sei dann viereinhalb Jahre in der Welt herumgereist. Hernach sei er häufig arbeitslos gewesen und im Jahr 2010 in die Schweiz gekommen. Hier habe er bis im Jahr 2013 und erneut im Juli 2014 für kurze Zeit eine Arbeit gehabt. Für die Zukunft sehe er als 60-Jähriger keine guten Aussichten für sich auf dem Arbeitsmarkt.
Nach wochenlanger Übernachtung bei der Heilsarmee habe er seit einem Monat ein kleines Zimmer, das durch das Sozialamt finanziert werde. Der Wohnblock werde jedoch im Februar 2015 abgerissen. Er habe keine Angehörigen, fühle sich seit Jahren
einsam und werde immer wieder mit der Sinnfrage konfrontiert. Bis
her habe er sich teils durch Arbeit, Spiele (Internet, Sportwetten, Roulette, Karten) und Alkohol ablenken können. Nun wolle er abstinent bleiben und wünsche Unterstützung bei der Klärung der Wohnsituation und der Sicherung seiner Existenz durch Sozialhilfe (
Urk.
9/11/2).
3.2
3.2.1
Auf Wunsch des Versicherten erfolgte am 1
8.
Dezember 2014 eine Verlegung in die Klinik
B._
zur suchtspezifische Nachbehandlung bis 10. Januar 2015 (
Urk.
9/11/3 und 9/15/2). Im Unterschied zum vorhergehenden wurde im nach
träg
lich erstellten Bericht der Klinik
B._
, datiert vom 18. Juni 2015, eine gegenwärtig mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Zudem wurde bei den Diagnosen einer anhaltenden wahnhaften Störung (ICD-10: F22.8) und Alko
hol-
Halluzinose
(ICD-10: F10.75) kein Vorbehalt mehr im Sinne einer Verdachts
diagnose angebracht (
Urk.
9/15/1). Dennoch wurde die medizinische Situation letztlich ähnlich beurteilt. Es bestünden Einschränkungen im Bereich der Kogni
tion und Aufmerksamkeit sowie im formalen Denken und auch inhaltliche Denk
störungen. Es gebe Hinweise auf Wahrnehmungsstörungen in Form von Sinnes
täu
schungen sowie Störungen der Affektivität, die sich allesamt auf die Arbeits
fähigkeit auswirken würden. Eine Prognose sei gegenwärtig nicht möglich, sondern
nach sechsmonatiger Abstinenz zu stellen. Die Einschränkungen könnten durch eine medikamentöse und psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung ver
min
dert werden, wobei sich aber erst zeigen müsse, wie sich dies auf die Arbeits
fähigkeit auswirke (
Urk.
9/15/3 f.).
3.2.2
Ferner wurden im Bericht der Klinik
B._
die im Vorbericht bloss angedeu
teten «paranoiden bis möglicherweise wahnhaften Ideen» des Versicherten kon
kretisiert. Gemäss der Anamnese berichtete dieser bei der Aufnahme, Straftäter gerettet zu haben, die irgendwo als Sklaven hätten arbeiten müssen. Er habe mehrmals gefragt, ob er bei der Staatsanwaltschaft anrufen könne, und über
Konspirationstheorien und Verfolgungsängste berichtet. Zum Befund wurde notiert, die Frage nach Orientierungsstörungen und der Aufmerksamkeitstest seien
aufgrund der Weitschweifigkeit und leichten
Sedation
erschwert. Formal
gedank
lich wirke der Versicherte verlangsamt, leicht eingeengt auf die Staatsan
walt
schaft- und Befreiungsgeschichte. Er sei mässig ideenflüchtig, deutlich vorbei
redend, aber nicht zerfahren. So berichte er, dass er einen Kollegen habe befreien müssen, der wie ein Zwangsarbeiter behandelt worden sei, und dass er mit der Staatsanwaltschaft in Kontakt stehe. Er habe Verfolgungsängste und sei ohne Liebe aufgewachsen. Er
berichte, dass eine Verschwörung laufe. Alsdann seien Sinnestäuschungen in Form von Stimmenhören und Gestaltensehen vorhanden. Der Rapport sei schwer herstellbar, da er eine starre Mimik und Affektarmut zeige. Auf die Frage nach der Stimmung in letzter Zeit sei er mehrmals nicht einge
gangen. Ansonsten erscheine er innerlich ruhig, aber auch leicht gereizt von den Fragen des Interviewers. Ebenso erschwert seien die Fragen nach Antrieb, zirka
dianen Besonderheiten und Krankheitsgefühl gewesen (
Urk.
9/15/2).
3.3
3.3.1
Vom 1
6.
Juni bis 1
6.
Juli 2015 liess sich der Versicherte erneut stationär-psychia
trisch im Sanatorium
A._
behandeln. Zur Zuweisung wurde im Austritts
bericht vom 1
6.
Juli 2015 angemerkt, der Versicherte habe angegeben, vor fünf Wochen aufgrund eines länger bestehenden Konflikts mit seinem Vermieter einen Rückfall erlitten zu haben und wieder täglich 2 Flaschen Wein sowie 5 bis 6 Bier zu konsumieren. Zudem klage er, depressiv verstimmt zu sein. Er habe keine Freude bzw. Interessen mehr, wisse nichts mit sich anzufangen, habe keine Auf
gabe und «hänge» nur in der Wohnung herum. Er lebe sozial zurückgezogen und habe kaum Appetit (
Urk.
21/4 S. 1 f.).
3.3.2
Ähnlich wie ein halbes Jahr zuvor diagnostizierten die Ärzte eine Alkoholab
hängigkeit (ICD-10: F10.2), eine mögliche chronische
Halluzinose
mit Stimmen
hören, differentialdiagnostisch alkoholinduzierte residualpsychotische Störung (ICD-10: F10.75), eine beim Eintritt mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10: F33.1) und den Verdacht auf eine narzisstisch betonte Akzentuierung der Persönlichkeit (ICD-10: Z73). Neu aufgenommen wurde die Z-Diagnose «Kontaktanlässe mit Bezug auf das Wohn
umfeld oder die wirtschaftliche Lage» (ICD-10: Z59) unter Hinweis auf die ina
dä
quate Unterkunft und Unstimmigkeiten mit Nachbarn bzw. dem Vermieter (
Urk.
21/4 S. 2).
Im psychopathologischen Befund und
in
der Anamnese finden
sich folgerichtig ebenfalls keine nennenswerten Unterschiede zwischen den beiden
Berichten des Sanatoriums
A._
(
Urk.
21/4 S. 2). Dabei ist zu beachten, dass im Bericht vom 1
6.
Juli 2015 nur der Eintrittsbefund erhoben wurde, der Ver
sicherte aber von der medikamentösen Anpassung während des Aufenthalts kognitiv und affektiv «deutlich profitierte» (
Urk.
21/4 S. 3).
3.3.3
Dazu wurde erläutert, der Versicherte habe sich beim Eintritt mittelgradig deprimiert und nicht akut psychotisch gezeigt. Über die gesamte Behandlung hinweg dominiert
hätten thematisch die sozialen Probleme. Der Versicherte zeige eine starke Externalisierungstendenz bezüglich seines Alkoholrückfalls und der Depression, die seines Erachtens Folgen der «Belästigung und finanzielle Aus
beute» durch seinen Vermieter seien. Der
Temesta
-gestützte Alkoholentzug sei komplikationslos verlaufen. Initial sei die ambulant duale
neuroleptische
Medi
kation zugunsten einer Monotherapie mit
Olanzapin
geändert und dieses im Ver
lauf reduziert worden. Davon habe der Versicherte kognitiv und affektiv deutlich profitiert. Er sei im Gespräch konzentrierter, wacher und affektiv schwingungs
fähiger gewesen. Sein Antrieb habe gebessert. Psychopathologisch hätte auch im Verlauf und nach Reduktion der Neuroleptika wie im Voraufenthalt keine sicher psychotischen Symptome ausgemacht werden können. Zwar sei auf Nachfrage ein chronisches Stimmenhören bejaht worden, indes sei nie eine diesbezügliche Ablenkung erkennbar gewesen. Der Versicherte habe keine Wahndynamik gezeigt und nicht unter den Stimmen gelitten, die er zudem nur sehr vage beschrieben habe. Trotz nicht sicherer Indikation habe der Versicherte an
Olanzapin
festge
halten.
Chlorprothixen
sei hingegen aufgrund zu starker Sedierung bei ohnehin geringem Antrieb gestoppt worden.
Dem Versicherten sei entgegen seinem Wunsch keine Verhandlungsunfähigkeit attestiert worden, worauf er den Prozess gegen seinen Vermieter nach eigenen Aussagen gewonnen und die Kündigung seiner Wohnung abgewendet habe. Im Übrigen habe er eine geringe Therapiemotivation gezeigt, sei tagsüber oft im Bett gelegen oder unterwegs gewesen. Eigeninitiativ habe er sich in einer sozialthe
rapeutisch-abstinenzorientierten Einrichtung mit Werkstatt vorgestellt und wolle sich auch selbst um den nächsten ambulant-psychiatrischen Termin kümmern. Kognitiv habe er in den Gesprächen und im Screening leichte, vermutlich alko
holassoziierte Einbussen gezeigt, sei aber durchgehend orientiert und in seinen Alltagsfähigkeiten (auch bei externen Terminen inkl. Gesprächstermin) nicht beeinträchtigt gewesen. Man empfehle kognitive
Screeningkontrollen
, wobei das Resultat im MMST mit erneut 27 von 30 Punkten stabil geblieben sei. Affektiv zeige der Versicherte eine Dysphorie bis Gereiztheit, eine ausgeprägte depressive Symptomatik persistiere nicht erkennbar. Es werde ambulant die weitere Reduk
tion von
Zyprexa
auf 5 mg empfohlen sowie möglichst das Absetzen von
Temesta
zur Nacht sowie gegebenenfalls erneut die Etablierung einer Therapie mit einem SSRI (
Urk.
21/4 S. 3 f.).
3.4
3.4.1
Gemäss den Angaben in den der Beschwerdegegnerin am
4.
Juli 2016 zuge
gangenen Berichten von
Dr.
med.
K._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
besuchte der Versicherte bei ihr ab dem 1
7.
Januar 2015 eine ambu
lante Behandlung im Zentrum
C._
und ab dem 2
7.
Juli 2015 eine tagesklinische Behandlung im Zentrum
G._
(
Urk.
9/26/1
f. und 9/26/15). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit wurden im Bericht der Tagesklinik vom
1.
Juni 2016 eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F
33.1),
und ein «Restzustand» bzw. eine verzögert auftretende psychotische Störung, ko
n
kret chronische akustische Halluzinationen (ICD-10: F10.75), gestellt (
Urk.
9/26/14)
. Im Übrigen wurden beim Versicherten in der Tagesklinik zwischen dem 4. Dezember 2015 und 2. Juni 2016 acht unangekündigte (
Urk.
9/26/14) Urin
kontrollen durchgeführt, wobei nie ein Alkoholkonsum nachweisbar war (
Urk.
9/26/6-13).
3.4.2
Dem Bericht der Tagesklinik ist ferner – teilweise präzisierend zur Anamnese in den Austrittsberichten der stationären Behandlungen – zu entnehmen, der Versi
cherte leide nach eigenen Angaben vor allem seit dem Tod von Ehefrau und Tochter bei einem Erdbeben in Istanbul im Jahr 1999 unter dem Verlust der Lebensaufgabe und -freude sowie immer wiederkehrenden akustischen Halluzi
nationen. Seit dem Jahr 2004 bestehe ein übermässiger Alkoholkonsum.
Nach Machenschaften eines türkischen Kollegen mit Kopfgeldzahlungen hätten im Oktober 2014 Verfolgungsängste mit deutlichen Suizidideen/-plänen (Suizid
versuch durch Ertrinken) begonnen. Lust- und Interessenlosigkeit, Rückzug, Antriebslosigkeit, Sinnlosigkeitsgedanken, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Ver
gesslichkeit und Schlafstörungen (medikamentös besser) hätten sich zuneh
mend manifestiert. Zudem seien wieder akustische Halluzinationen (lautes Schiffs
horn, Menschengruppen, Schienen, Gespräche mit dem Vater) aufgetreten. Im Rahmen eines inkompletten Selbstheilungsversuchs habe er dann massiv Alkohol (2 Liter Wein und Bier, Schnaps) konsumiert.
Aktuell gebe er an, letztmals im Dezember 2015 Alkohol konsumiert zu haben. Von März bis ca. Ende April 2016 seien keine akustischen Halluzinationen mehr aufgetreten und der Schlaf habe sich verbessert. Ende April 2016 habe der Ver
sicherte indes erneut über akustische Halluzinationen berichtet, die
mittlerweilen
wieder zurückgegangen seien. Weiterhin bestünden aber Angstanfälle (unspe
zifische Ängste), gekennzeichnet durch eine innere Unruhe und Anspannung, die seinen Tag-Nacht-Rhythmus stören und trotz erarbeiteter Bewältigungsstrategie persistieren würden (
Urk.
9/26/14 f.).
Zum ärztlichen Befund wurde notiert, man erlebe den Versicherten als affektarm,
verlangsamt, stark zurückhaltend und in einer indifferenten, gedrückten Stim
mung
. Die Schwingungsfähigkeit sei deutlich reduziert. Er sei in der emotionellen Kontaktaufnahme abwartend, wirke eher misstrauisch, sei wortkarg und habe wenig Blickkontakt. Verlangsamt sei der Versicherte in Aufmerksamkeit, Konzen
tration und im formalen Gedankengang. Er wirke leicht deprimiert, innerlich unruhig, ängstlich und antriebsarm. Die Vitalgefühle seien gestört. Ein- und Durch
schlafstörungen bestünden insbesondere im Zusammenhang mit seinen Ängsten. Intermittierend bestünden
Akosamen
und Stimmenhören. Er lebe sozial zurückgezogen (
Urk.
9/26/15).
3.4.3
Als konkrete Einschränkung wurde im Bericht der Tagesklinik eine reduzierte psychische Belastbarkeit mit reduzierter Aufmerksamkeit, Aufnahmefähigkeit und Konzentration festgestellt. Infolgedessen bestehe eine schnelle Erschöpfung und Überforderung, ein Rückzug und die Gefahr der Exazerbation der psychi
schen Symptome bei Belastungen. Der Versicherte benötige daher eine ruhige Umgebung, regelmässige Pausen und wechselnde Aufgaben. Zu vermeiden seien repetitive, monotone Tätigkeiten, Grossräume und Tätigkeiten mit Verletzungs
gefahr. Er benötige weiterhin eine Tagesstruktur, weshalb man ein Belastbar
keits
training oder eine Beschäftigungsmassnahme empfehle. Sofern er weiterhin stabil bleibe, bestehe eine eher gute Prognose, dass er zumindest eine angepasste Tätig
keit im geschützten Rahmen in einem reduzierten Arbeitspensum aufnehmen könne (
Urk.
9/26/15 f.). Im Bericht
des Zentrums
C._
wurde das vorstehend Ausgeführte für die Zeit ab Mai 2016 insofern präzisiert, als Konzentrationsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit als mittel
gradig beeinträchtigt beurteilt wurden. Ausserdem wurde empfohlen, die Be
schäf
tigung mit jeweils täglich zwei Stunden zu beginnen und schrittweise zu steigern (
Urk.
9/26/5).
3.5
Nach dem Vorbescheid verfasste
Dr.
K._
am
9.
November
2016 einen weiteren Bericht. Darin betonte sie, dass psychosoziale Faktoren nur am Anfang der Erkrankung im Vordergrund gestanden hätten, sich inzwischen aber eine rezidivierende depressive Störung im Sinne einer verselbständigten psychischen Störung entwickelt habe. Die an die Wohnbedingungen und Unstimmigkeiten mit dem ehemaligen Vermieter geknüpften Probleme hätten sich gelöst. Derzeit sei die Wohnsituation stabil. Im Übrigen übernahm sie den Wortlaut aus dem Vor
bericht vom
1.
Juni 2016 und aktualisierte die Medikation mit
Zyprexa
. Es wurden weder neue Halluzinationen seit der letzten Berichterstattung erwähnt, noch Angaben zur
konkreten Behandlung (ambulant oder tagesklinisch) nach dem
1.
Juli 2016 gemacht (
Urk.
9/48).
3.6
Im Verlaufsbericht des Zentrums
G._
vom 21. Februar 2017, erstmals unterzeichnet vom Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
Dr.
med.
L._
, wurden neben akustischen (verstorbener Vater spreche mit ihm, Gespräche von Menschenmengen, eine Frau rufe ihn) neu bzw. wie einst im Bericht der Klinik
B._
zusätzlich optische Halluzinationen (sehe eine Gestalt am Ufer eines Sees oder im Zug) konstatiert. Dazu wurde angemerkt, der Versicherte verkenne dabei, dass er an einem völlig anderen Ort sei. Die Halluzinationen seien begleitet von Angst, Schweissausbrüchen und nächtlichen Alpträumen. Ein vom Sozialamt initiiertes Belastbarkeitstraining sei wegen der Ängste, sich zu ver
letzen, bis heute nicht möglich gewesen. Der Versicherte versuche, den Tag so gut wie möglich zu überstehe
n
. Der Zustand habe sich trotz Medikation nicht verbessert. Es sei von einer Therapieresistenz auszugehen (
Urk.
3/4).
3.7
3.7.1
Hinsichtlich der vom Versicherten im Gerichtsverfahren eingereichten Berichte des Stadtspitals
J._
, die alle nach Erlass der angefochtenen Verfügung behan
delte somatische Leiden betreffen,
ist vorab festzuhalten, dass aus rechtlicher Sicht grundsätzlich der Sachverhalt bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung massgebend ist. Später eingereichte ärztliche Berichte sind ausnahmsweise zu berücksichtigen, wenn daraus Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand im Zeit
punkt des Verfügungserlasses gezogen werden können (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_48/2015 vom
1.
Juli 2015 E. 3.2.1 mit Hinweis auf BGE 132 V 215 E. 3.1.1, 130 V 138 E. 2.1 und 121 V 362 E. 1b in
fine
).
3.7.2
Allerdings fand sich
im
Austrittsbericht vom 2
9.
März 2017 die Diagnose rezi
divierende depressive Störung mit einem «Status nach» schwerer depressiver Epi
sode mit psychotischen Symptomen im September 201
6.
Ferner wurde erläutert, da der Versicherte verlangsamt und apat
h
isch gewirkt habe, sei bei vorbesteh
ender rezidivierender depressiver Störung ein psychiatrisches Konsilium erfolgt. Es habe sich erneut eine depressive Verstimmung gezeigt. Die Therapie mit
Zyprexa
und
Truxal
sei vom Versicherten nicht toleriert und abgesetzt worden.
Sirdalud
habe man ausgeschlichen. Die psychopharmakologische Behandlung beim Austritt reduzierte sich folglich auf 3 mg
Invega
pro Tag. Eine stationär
e
psychiatrische Weiterbehandlung lehnte der Versicherte ab (
Urk.
13/1).
3.7.
3
Im Bericht vom 2
6.
April 2017 wurde die obgenannte Diagnose durch eine chronische Suizidalität ergänzt. Die notfallmässige Zuweisung erfolgte denn auch nach Äusserung von Suizidgedanken gegenüber der Ernährungsberaterin. Der Versicherte habe über eine zunehmende depressive Verstimmung bei psycho
so
zialer Belastungssituation berichtet. Eine B-Symptomatik [Fieber, Nachtschweiss, Gewichtsverlust] werde verneint. Da er sich bereits auf der Notfallstation glaub
haft von akuten Selbstmordabsichten distanziert habe, sei er auf der Normal
station behandelt worden. Bei problematischer Wohnungssituation sei eine Übergangspflege organisiert worden, zumal er keinen Platz in einer stationären Psychiatrie erhalten habe. Man empfehle die Prüfung einer Anschlusslösung bei schwieriger Wohnsituation (
Urk.
13/2).
3.7.
4
Im Bericht, datiert vom 2
6.
Mai 2017, wurde darauf hingewiesen, dass der Ver
sicherte trotz seiner Begleiterkrankungen mit chronischer Suizidalität bei rezidi
vierender depressiver Störung ein operatives Vorgehen in Bezug auf das Pan
kreas
kopfkarzinom wünsche. Der bekannt depressive Versicherte sei psychoonko
logisch und psychiatrisch behandelt worden und habe während des stationären Aufenthalts durchwegs ein depressives Zustandsbild gezeigt, das sich nach Diag
nose der hepatischen Metastasierung und
Inoperabilität
des Grundleidens noch deutlich verschlechtert habe. Eine akute Suizidalität habe zu keinem Zeitpunkt bestanden. Der Versicherte vereinbare selbst einen Termin im Zentrum
C._
, wo er weiterhin an die Tagesklinik angebunden sei (
Urk.
13/4).
4.
4.1
Die medizinischen Unterlagen wurden zunächst vom RAD-Arzt
Dr.
D._
, Fach
arzt für Neurologie, gewürdigt. Er kam am 2
6.
Juli 2016 zum Schluss, die Scha
den
minderungspflicht im Sinne einer sechsmonatigen Alkoholabstinenz könne als erfüllt betrachtet werden. Unter dieser habe sich der Gesundheitszustand
gebessert. Bei der berichteten mittelgradigen depressiven Episode sei eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit nicht direkt nachvollziehbar. Eine gewisse gesundheitliche Beeinträchtigung sei anzunehmen. Inwiefern psychosoziale Faktoren mitwirken würden, sei nicht klar zu isolieren. Allenfalls könne die reelle funktionelle Leistungskapazität in einem Arbeitsversuch geklärt werden. Alternativ könne ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben werden (
Urk.
9/32/5).
Daran hielt
Dr.
D._
in seiner zweiten Stellungnahme vom 1
3.
Dezember 2016 fest. Er fügte einzig hinzu, soweit aus Sicht des Kundenberaters weder Einglie
derungsmassnahmen noch eine Begutachtung indiziert seien, stehe es diesem offen, auf die berichtete volle Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt abzustellen (
Urk.
9/50/3).
4.2
Nach Anhebung der Beschwerde holte die Beschwerdegegnerin eine weitere Stellungnahme beim RAD ein.
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, nahm am 1
6.
Mai 2017 ausführlich Stellung.
Anhand der im Bericht des Sanatoriums
A._
vom 3
1.
Dezember 2014 beschriebenen Befunde und Diagnosen sei nicht überwiegend wahrscheinlich ersichtlich, dass neben den darin genannten psychosozialen Belastungen ein eigen
ständiges psychisches Leiden zum geklagten Beschwerdebild beigetragen habe. Hinsichtlich der Alkoholfolgen würden sich zudem keine Befunde finden, die auf eine irreversible körperliche oder mentale Schädigung hindeuten würden. Im Verlauf der stationären Behandlung werde der Versicherte ferner als psychisch unauffällig beschrieben. Aus dem Bericht der Klinik
B._
vom 1
8.
Juni 2015 ergebe sich nicht viel Neues. Es würden paranoide Symptome geschildert, jedoch wiederum kein ausgeprägtes depressives Zustandsbild. Über den weiteren Verlauf des stationären Aufenthalts werde nichts berichtet und der Bericht sei offen
sicht
lich erst nachträglich angefertigt worden.
Im Bericht des Zentrums
G._
vom
1.
Juni 2016 erfahre man ein Jahr später, dass der Versicherte im Dezember 2015 zuletzt Alkohol konsu
miert habe. Der psychiatrische Befund habe sich hinsichtlich der paranoiden Symptomatik beruhigt und die depressive Symptomatik zeige sich nicht verstärkt. Dass dennoch die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt werde, sei nicht nachvollziehbar, insofern anamnestisch keine längere Remis
sions
phase (ohne Alkoholkonsum) dokumentiert sei, was eigentlich das Kriterium für die Diagnosestellung wäre. Der Bericht vom
9.
November 2016 sei eine nahe
zu wörtliche Wiederholung.
Insofern – so die Schlussfolgerung von
Dr.
E._
– seien die bisherigen RAD-Stellungnahmen nachvollziehbar, in welchen insbesondere explizit auf das Ver
besserungspotenzial durch Alkoholabstinenz hingewiesen worden sei. Insgesamt würden aus den Berichten des Zentrums
G._
keine objek
ti
ven Befunde und Diagnosen hervorgehen, die neben den ausgeprägten und auch langwierigen
psychosozialen Belastungen als Ursache der Beschwerden, andere massgebliche psychische Leiden oder Krankheitsfolgen ausweisen würden (
Urk.
9/55).
4.3
Dr.
E._
hob somit die Gemeinsamkeit in den RAD-Stellungnahmen hervor, was letztlich aber nicht darüber hinwegzutäuschen vermag, dass
Dr.
D._
ein invalidisierendes Leiden – wenn auch nicht als ausgewiesen – so zumindest als möglich und abklärungsbedürftig erachtete,
Dr.
E._
ein solches indes klar verneinte. Während eine solche Diskrepanz im Normalfall eine Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung indizieren könnte, fällt eine solche vorliegend von vornherein ausser Betracht. Der Versicherte verstarb am
2.
November 2017 und die behandelnden Ärzte haben sich bereits in mehreren echtzeitlichen Berichten zu den relevanten Fragen geäussert, so dass von einer Rückweisung der Sache keine neuen medizinischen Kenntnisse zu erwarten wären. Möglich bleibt ein externes Aktengutachten, in welchem zu prüfen wäre, ob – entgegen der ge
meinsamen Auffassung von
Dr.
E._
und
Dr.
D._
– bereits aufgrund der vor
han
denen medizinischen Unterlagen ein invalidisierendes Leiden mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen ist.
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8 des
Schweizerische
n
Zivilgesetzbuch
es,
ZGB)
obliegt es bei erstmaliger Rentenprüfung nämlich der versicherten Person, die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt (BGE 139 V 547 E. 8.1). Wie dargelegt kommt den medizinischen Experten eine entscheidende Rolle zu. Diese haben im Einzelnen zu begründen und mittels ihrer Feststellungen und Einschätzungen zu Leidens
druck, psychischen Ressourcen oder funktionellen Defiziten darzulegen, in wel
chem Ausmass die Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, oder aber festzuhalten, dass die Beantwortung dieser Frage - trotz Ausschöpfung aller Möglichkeiten fach
gerechter Exploration - nicht oder nicht sicher genug möglich ist. Bleiben die Auswirkungen eines objektivierbaren wie auch eines nicht (bildgebend) fassbaren Leidens auf die Arbeitsfähigkeit trotz in Nachachtung des Untersuchungs
grund
satzes sorgfältig durchgeführter Abklärungen vage und unbestimmt, ist der Be
weis für die Anspruchsgrundlage nicht geleistet und nicht zu erbringen (BGE 140 V 290 E. 4.1).
4.4
Vorab ist festzuhalten, dass
Alkoholismus nach ständiger Rechtsprechung keine Invalidität im Sinne des Gesetzes begründet. Eine solche Sucht wird invaliden
versicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder
ab
er
wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts der verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbs
fähig
keit einschränkt. Soweit der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alko
hol
sucht und krankheitswertigem psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage nach der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_906/2013 vom 23. Mai
2014 E. 2.2 und 9C_701/2012 vom 10. April 2013 E. 2 mit Hinweisen sowie 9C_706/2012 vom 1. Juli 2013 E. 3.2 mit Hinweis auf I 169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2).
Aus den medizinischen Unterlagen geht hervor, dass der Versicherte mindestens dreimal komplikationslos einen Alkoholentzug absolvierte. Nach dem ersten im Dezember 2014 erlitt er im Mai 2015 einen Rückfall, der zu einer weiteren stationären psychiatrischen Behandlung einschliesslich eines Alkoholentzugs im Juni/Juli 2015 führte. Danach konsumierte er erneut bzw. letztmals im Dezember 2015 Alkohol. Die danach tagesklinisch kontrollierte Alkoholabstinenz war offenbar dauerhaft. Gegenteiliges wäre zumindest bei den längeren
Hospitalisa
tionen
im Stadtspital
J._
aufgefallen. Insofern ist davon auszugehen, dass eine Alkoholabstinenz trotz der psychischen Beschwerden zumutbar war.
4.5
Die Invalidenversicherung ist
sodann
eine finale Versicherung
. Das
heisst, es wird nicht nach der Art und Genese eines Gesundheitsschadens gefragt,
d
er die Erwerbsunfähigkeit verursacht. Der Gesundheitszustand ist folglich immer gesamt
heitlich zu betrachten. Selbst eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch eine soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein verselbstständigtes psychisches Leiden. Eine rentenbe
gründende Invalidität kann damit nicht allein mit dem Hinweis auf das Vorhan
densein soziokultureller oder psychosozialer Belastungsfaktoren verneint werden (
Urteil des Bundesgerichts
8C_830/2013 vom 2
9.
April 2014 E. 5.2.3 mit Hinweis auf
BGE 136 V 279 E. 3.2.1, 127 V 294 E. 5a
).
Konkret gilt gemäss Bundesgericht:
Bestimmen psychosoziale oder soziokultu
relle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Faktoren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu um
fassen. Solche von der soziokulturellen oder psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann
(Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 2
1.
November 2018 E. 2.2 mit Hinweis auf
BGE 141 V 281 E. 4.3.3
und
127 V 294 E. 5a
). W
enn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen be
stehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbe
gründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
Aktenkundig begab sich der Beschwerdeführer erstmals im November 2014 in psychiatrische Behandlung. Beim damaligen Eintritt ins Sanatorium
A._
war er seit fast zwei Jahren arbeitslos und bewohnte seit einem Monat ein kleines Zimmer, finanziert von der Fürsorgebehörde. Der Wohnblock sollte allerdings bereits im Februar 2015 abgerissen werden. Davor hatte er einige Wochen bei der Heilsarmee übernachtet (vgl. E. 3.1.4 und
Urk.
9/12). Zur erneuten psychiatri
schen Hospitalisierung im Sanatorium
A._
im Juni 2015 kam es nach Anga
ben des Versicherten aufgrund eines länger bestehenden Konfliktes mit seinem Vermieter. Dabei nahm er während des Aufenthalts an einer Verhandlung teil, bei der er gegenüber dem Vermieter obsiegte und vorerst in der Wohnung bleiben konnte. Im Austrittsbericht wurde daraufhin festgehalten, dass während der ge
samten Behandlung nicht die Depression oder psychotischen Symptome, sondern die sozialen Probleme thematisch dominiert hätten. Dieser Umstand wurde mit einer Z-Diagnose bekräftigt (vgl. E.
3.3.2 und E. 3.3.3). Wohl unbestritten ist der Zusammenhang zwischen der notfallmässigen Aufnahme im Stadtspital
H._
im April 2017 und dem Erhalt der definitiven Kündigung der Wohnung (vgl. E. 2.2 und E. 3.7.
3
). Dass das Mietverhältnis für das kleine Zimmer im zum Abriss bestimmten Wohnblock des unliebsamen Vermieters kurz verlängert wurde, war für den Beschwerdeführer sicher eine Erleichterung, löste das Problem aber ent
gegen der Darlegung von
Dr.
K._
(vgl.
E. 3.5) nicht. Demnach manifes
tier
ten sich die psychischen Beschwerden kurz, nachdem die finanziellen Schwierig
keiten zu einer prekären Wohnsituation geführt hatten, die grundsätzlich bis zum Übertritt ins Pflegeheim im Frühjahr 2017 anhielt. Den RAD-Ärzten ist somit in dem Sinne beizupflichten, dass offensichtlich eine anhaltend psychosoziale Belastungssituation bestand.
4.6
Soweit es Bestand und Ausmass der psychischen Beschwerden betrifft, ist vorab auf die Erwägungen 3.1.2 und 3.3.3 betreffend die Austrittsberichte des Sanato
riums
A._
zu verweisen. In beiden Berichten wurde ausführlich und nach
vollziehbar dargelegt, aus welchen konkreten Gründen sich die vom Beschwer
deführer angegebene psychotische Symptomatik trotz mehrwöchiger stationärer Beobachtun
g nicht plausibilisieren liess
. Zudem wurden vom Sanatorium
A._
durch eine bildgebende Abklärung und mittels zweimaliger Durchführung des MMST eine mehr als leichtgradige Einschränkung der kognitiven Fähigkeit (bei Alkoholabstinenz) ebenso wie eine Verschlechterung derselben zwischen Dezember 2014 und Juni/Juli 2015 ausgeschlossen. Darüber hinaus wurde wäh
rend der
Hospitalisationen
in dieser Institution jeweils eine massgebliche Besserung des Gesundheitszustandes erzielt und dem Beschwerdeführer letztlich ein gutes Funktionsniveau im Alltag mit eigenverantwortlichem und eigen
initia
tivem Handeln attestiert. All dies spricht gegen eine Therapieresistenz oder krankheitswertige Beeinträchtigung der Alltagsfunktionen, die bei der Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit in einem strukturierten Beweisverfahren aufzugreifen wäre
n
.
Allein aus der von den Ärzten im Rahmen der ersten psychiatrischen Hospitali
sierung Ende 2014/Anfang 2015 gestellten, zurückhaltend positiven Prognose zur Arbeitsfähigkeit bei andauernder Alkoholabstinenz kann jedenfalls nicht auf eine
überwiegend wahrscheinlich rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit geschlossen wer
den
. Damit wurde vorab der noch unklaren Entwicklung der (bis dahin leichten) kognitiven Einschränkungen sowie möglichen Halluzinationen/ psychotischen Symptomen Rechnung getragen (vgl. E. 3.1.3 und E. 3.2.1). In der Folge liess sich weder eine Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten noch eine psychotische Symptomatik nachweisen (vgl. E. 3.3.3).
In den Berichten der Zentren
C._
und
G._
werden primär die vom Versicherten subjektiv geklagten Beschwerden wiedergegeben, ohne dass sich die behandelnden Arztpersonen mit der
objektiven Nachvoll
zieh
barkeit
dieser Angaben auseinandersetzten.
Insbesondere werden keine Aspekte vorgebracht, die von den stationär behandelnden Arztpersonen übersehen w
o
r
den wären.
Hinsichtlich der
Halluzinationen wurde z.B. geltend gemacht, der Ver
sicherte habe während rund zwei Monaten im Frühjahr 2016 keine akus
tischen Halluzinationen gehabt. Ende April 2016 erneut aufgetretene Halluzinationen seien bis zur Berichterstattung Anfang Juni 2016 wieder zurückgegangen (vgl. E.
3.4.2). Im November 2016 wurde diesbezüglich nichts Neues berichtet (vgl. E.
3.5). Indessen wurde im Februar 2017 darauf
mitgeteilt
, dass der Versicherte sowohl über akustische als auch optische Halluzinationen klage, wobei er gar verkenne, an einem völlig anderen Ort zu sein. Zudem wurden neu massive Ängste postuliert, die ihn an einem Belastbarkeitstraining hindern würden (vgl. E. 3.6). Gründe für diesen abrupten Verlauf bei Alkoholabstinenz, andauernder psychopharmakologischer und engmaschiger psychotherapeutischer Behandlung w
u
rden keine genannt. Dabei ist der zeitliche Konnex zum Vor- und Renten
bescheid der Invalidenversicherung augenfällig. Gleiches gilt für die Tatsache, dass diese
akute
Symptomatik im Stadtspital
J._
offenbar trotz psychia
tri
schem Konsilium nicht erkannt wurde (vgl. E. 3.7.
2
).
4.7
Es bleibt anzufügen, dass
letztlich
die Glaubhaftigkeit der Angaben des Ver
sicherten zu hinterfragen ist. So spielte als invaliditätsfremder Faktor wohl mithinein, dass sich der Versicherte nach eigenen Angaben keine guten Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnete (vgl. E. 3.1.4), soweit trotz Erwerbsbiographie (
Urk.
9/2/2) und Weigerung zur Teilnahme an einem Belastungstraining, wie von
Dr.
K._
befürwortet (vgl. E. 3.4.3), überhaupt eine entsprechende Arbeits
moti
vation bestand (vgl. E. 3.6). Des Weiteren kann aus der Inanspruchnahme einer intensiven Therapie in seinem Fall nicht ohne weiteres auf einen hohen Leidensdruck geschlossen werden, zumal er sich zu Hause offensichtlich unwohl und einsam fühlte bzw. langweilte (E. 3.3.1), während der stationären Aufenthalte mehr Interesse an der Lösung seiner sozialen Probleme denn an einer Therapie zeigte (E. 3.3.3) und zuletzt kaum mehr eine psychopharmakologische Medikation tolerierte (E. 3.7.
2
). Zudem fällt auf, dass er offenbar nie seine beiden Töchter in Deutschland erwähnte. Die Beziehung war immerhin so gut, dass er nach seiner nachweislich schweren somatischen Erkrankung zu diesen nach Deutschland zog (vgl.
Urk.
21/1-2 und
Urk.
13/4).
4.8
Nach dem vorstehend Ausgeführten bestehen keine Zweifel an der gemeinsamen Feststellung der RAD-Ärzte, dass aufgrund der Aktenlage ein invalidisierendes Leiden nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen ist.
Darüber hinaus
sind
die Berichte der ambulanten und tagesklinischen Behandlungspersonen in den massgeblichen Punkten
auch
zu wenig fundiert,
um Beobachtungen im statio
nären Rahmen in Frage
zu stellen und Anlass für weitere Abklärungen zu geben, wären solche noch möglich.
Ein strukturiertes Beweisverfahren im Sinne von BGE 141 V 281 ist somit entbehrlich.
Ergänzend ist
festzuhalten
, dass der Versicherte
vor seiner Arbeitslosigkeit
offen
bar temporär angestellt war und gemäss IK-Auszug bei der BM Temporär AG im Durschnitt Fr. 4'146.-- pro Monat bzw. knapp
Fr.
50'000.-- pro Jahr verdiente (
Urk.
9/12). Unter diesen Umständen würde erst bei einem anrechenbaren Invalideneinkommen von unter
Fr.
30'000.-- pro Jahr ein rentenbegründender Min
destinvaliditätsgrad von 40
%
resultieren, der
alsdann
Anspruch auf eine
Viertels
rente
gäbe. Bei fehlender Einschränkung in den Alltagsfunktionen, nicht
besonders
ausgeprägten depressiven Symptomen und nur leich
ten kognitiven Einschränkungen
ist anzunehmen, dass es dem Versicherten möglich gewesen wäre,
auf dem massgeblichen ausgeglichenen hypothetischen Arbeitsmarkt
einen solchen Minimalverdienst in einem Teilzeitpensum in einer Hilfstätigkeit zu erzielen.
5.
Zusammenfassend
bestehen keine genügenden Anhaltspunkte für ein invalidi
sierendes Leiden
und kein Anlass für
weitere Abklärungen, wobei die vom Ver
si
cherten beantragte Begutachtung nach seinem Versterben faktisch auch gar nicht mehr durchführbar wäre. Damit muss es bei der Verneinung d
es Renten
sp
ruchs
bleiben
, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.
-- bis Fr.
1‘000.
--
festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf
Fr.
500
.
--
festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführe
rin
aufzuerlegen.