Decision ID: 84b7ea88-00a0-4fe2-aa38-eaba94f6329d
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Uster vom 20. März 2018; Proz. FE170146
Vorsorgliches Massnahmebegehren des Beklagten vom 25. Oktober 2017: (act. 8/24 S. 4 f., act. 8/32 S. 1 f.)
" 1. Es sei die Obhut für die Kinder C._, geboren tt.mm.2008, und D._, geboren tt.mm.2011, für die Dauer des Scheidungsverfahrens beiden Eltern gemeinsam zu belassen. Es sei festzustellen, dass die Kinder ihren Wohnsitz bei der Mutter haben.
2. Es sei die elterliche Betreuung wie folgt festzulegen: Die Eltern übernehmen die Betreuung der Kinder je zur Hälfte. Die Kinder werden in den geraden Kalenderwochen vom Vater betreut und in den ungeraden Kalenderwochen von der Mutter. Der Wechsel von einem Elternteil zum anderen findet jeweils am Montagmittag statt.
3. Eventualiter zu Antrag Ziff. 2 sei die elterliche Betreuung wie folgt zu : a. Der Vater betreut die Kinder jede zweite Woche von Donnerstag-
mittag bis Dienstagmorgen. b. Die Mutter betreut die Kinder in der übrigen Zeit.
4. Es seien die Feiertage paritätisch auf die Eltern zu verteilen, wobei der  die Kinder in Jahren mit gerader Jahreszahl an Ostern (Mittwochabend bis Ostermontag) und in Jahren mit ungerader Jahreszahl an Pfingsten (Freitagabend bis Pfingstmontag) sowie in Jahren mit gerader Jahreszahl am 24. Dezember und in Jahren mit ungerader Jahreszahl am 25. Dezember betreut.
5. Es seien die Schulferien der Kinder hälftig unter den Eltern aufzuteilen,  die Eltern zu verpflichten seien, die Aufteilung der Ferien und die  Modalitäten rechtzeitig im Voraus abzusprechen.
6. Eventualiter zu Antrag Ziff. 5 sei den Eltern abwechselnd die erste oder zweite Hälfte aller Schulferien zuzuteilen. Demgemäss sei der Vater  zu erklären, in Jahren mit gerader Jahreszahl die erste Hälfte aller Schulferien (Sport-, Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien) und in Jahren mit ungerader Jahreszahl die zweite Hälfte aller Schulferien mit den Kindern zu verbringen.
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Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten der Klägerin."
Modifiziertes vorsorgliches Massnahmebegehren des Beklagten vom 15. März 2018:
(act. 8/74 S. 1 f.)
" 1. Der Beklagte hält an seinen Anträgen vom 8. November 2017 fest.
2. Es sei Antrag Ziff. 2 der Klägerin betreffend Bewilligung des Wechsels des Aufenthaltsortes der Kinder C._ (geboren tt.mm.2008) und D._ (geboren tt.mm.2011) ins Ausland zur Abklärung und Beurteilung ins Hauptverfahren zu verweisen.
3. Es seien Antrag Ziff. 3.2. der Klägerin (Betreuung der Kinder nach Wegzug) und Antrag Ziff. 5.3. der Klägerin (Kinderunterhalt nach Wegzug) zur  und Beurteilung ins Hauptverfahren zu verweisen.
4. Es sei der Klägerin mit sofortiger Wirkung zu verbieten, den Aufenthaltsort der Kinder C._ und D._ ins Ausland zu wechseln und es seien die vom Gericht für geeignet erscheinenden Sicherungsmassnahmen zur  des bestehenden Zustandes anzuordnen.
5. Eventualiter zu Antrag Ziff. 2 vorstehend sei die Bewilligung zum Wechsel des Aufenthaltsortes der Kinder nach E._ (Deutschland) zu .
6. Der Beklagte stellt mit Bezug auf Antrag Ziff. 5 vorstehend die folgenden Beweisanträge: a) Es sei ein Gutachten über die Erziehungseignung von Vater und
Mutter einzuholen. b) Es sei ein kinderpsychologisches Gutachten zur Frage einzuholen,
ob das Wohl der Kinder C._ (geboren tt.mm.2008) und D._ (geboren tt.mm.2011) besser gewahrt ist, wenn die Kinder mit der auswanderungswilligen Mutter wegziehen oder wenn die Kinder sich beim zurückbleibenden Vater aufhalten.
7. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin angemessene monatliche Beiträge an die Kinderkosten von C._ und D._ (zuzüglich ) zu bezahlen.
8. Es sei der Beklagte zu verpflichten, angemessene monatliche  für die Klägerin persönlich zu bezahlen.
9. Es seien die weiteren Anträge der Klägerin abzuweisen.
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Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten der Klägerin."
Weiter modifiziertes vorsorgliches Massnahmebegehren des Beklagten vom 15. März 2018:
(Protokoll Vorinstanz S. 72 ff., sinngemäss)
Die modifizierten Anträge Ziffern 2 und 3 der Klägerin (act. 8/77 S. 1) seien .
Eventualiter sei der Beklagte bis auf Weiteres zu berechtigen und zu , die Kinder C._ und D._ jede zweite Woche von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Montagmorgen, Schulbeginn, zu betreuen. Zusätzlich sei der Beklagte eventualiter zu berechtigen und zu verpflichten, die Kinder C._ und D._ bis im Juli 2018 während den Ferien und Feiertagen wie folgt zu betreuen:
- 29. März 2018, 15.30 Uhr, bis 3. April 2018, 08.00 Uhr, - 22. April 2018 bis 29. April 2018, - 9. Mai 2018, 18.00 Uhr, bis 14. Mai 2018, 08.00 Uhr, - 22. Mai 2018, 08.00 Uhr, bis 28. Mai 2018, 08.00 Uhr, - 3. Juli 2018, 18.00 Uhr, bis 5. Juli 2018, 08.00 Uhr, - 13. Juli 2018, 17.00 Uhr, bis 2. August 2018, 17.00 Uhr.
Eventualiter sei der Beklagte zu berechtigen und zu verpflichten, die Kinder C._ und D._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
- jede zweite Woche von Mittwoch nach Schulschluss bis , Schulbeginn;
- jährlich zusätzlich während sechs Wochen Ferien.
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Vorsorgliches Massnahmebegehren der Klägerin vom 8. November 2017:
(act. 8/34 S. 1 ff.)
" 1. Die Kinder C._, geb. tt.mm.2008, und D._, geb. tt.mm.2011, seien unter der alleinigen elterlichen Obhut der Klägerin zu belassen, und es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Kinder ihren Wohnsitz am Wohnort der Klägerin haben.
2. Es sei den Kindern C._ und D._ zu bewilligen, ihren  per Juli/August 2018 nach E._ (Deutschland) zu verlegen.
3. Es sei der Beklagte zu berechtigen und zu verpflichten, die Kinder C._ und D._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
3.1. Bis 31. Juli 2018 bzw. bis zum Umzug der Klägerin und der Kinder nach E._ (Deutschland): - an jedem zweiten Wochenende von Freitag, 17.00 Uhr, bis Montag-
morgen, Schulbeginn; - monatlich an bis zu zwei zusätzlichen Tagen ab Schulschluss am
Nachmittag oder ab Abend bis am darauffolgenden Morgen, wenn der Beklagte die entsprechenden Tage und die genauen Abhol- und Rückbringzeiten mindestens fünf Tage im Voraus der Klägerin  mitteilt;
- an Pfingsten von Freitagabend vor Pfingsten bis Dienstagmorgen nach Pfingstmontag;
- vom 25. Dezember 2017, 12.00 Uhr, bis 1. Januar 2018, 17.00 Uhr, wobei anzuordnen sei, dass die Klägerin die Kinder am 25.  2017 auf 12.00 Uhr zu den Grosseltern des Beklagten nach F._ (Deutschland) bringt und der Beklagte die Kinder am 1.  2018 auf 17.00 Uhr nach G._ (Österreich) bringt;
- jährlich zusätzlich während drei Wochen Ferien.
3.2. Ab 1. August 2018 bzw. nach dem Umzug der Klägerin und der Kinder nach E._ (Deutschland): - monatlich an einem Wochenende von Freitagabend bis Sonntag-
abend; - in Jahren mit ungerader Jahreszahl an Ostern (Donnerstagabend
vor Ostern bis Ostermontagabend) und während der zweiten Hälfte der Weihnachtsschulferien inkl. Silvester/ Neujahr sowie in Jahren mit gerader Jahreszahl an Pfingsten (Freitagabend vor Pfingsten bis Pfingstmontagabend) und während der ersten Hälfte der  inkl. Weihnachtsfeiertagen;
- jährlich zusätzlich während vier Wochen Ferien, wobei der Beklagte zu verpflichten sei, die Feriendaten mindestens neun Monate im
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Voraus mit der Klägerin abzusprechen, ansonsten die  der Klägerin Vorrang haben.
3.3. Es sei anzuordnen, dass die Feiertagsregelung den übrigen  und die Ferienregelung der regulären Betreuungsregelung .
3.4. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Parteien ein abweichendes oder weitergehendes Betreuungs- bzw. Ferienrecht unter altersgemässer Mitsprache der Kinder von Mal zu Mal unter Berücksichtigung der  und des Wohls aller Beteiligten gegenseitig vereinbaren können.
4. Dem Beklagten seien folgende Weisungen zu erteilen: a) keine Betreuungszeiten direkt mit den Kindern abzusprechen; b) sich an die mit der Klägerin getroffenen Abmachungen in Bezug
auf die Kinder zu halten; c) in Anwesenheit der Kinder gegenüber der Klägerin keine abfälligen
und aggressiven Bemerkungen zu machen.
5. Unterhaltsbeiträge für C._ und D._ 5.1. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin für die Kinder C._ und
D._ monatliche, jeweils auf den Ersten eines jeden Monats im Voraus zahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 2'000.00 je Kind, zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder vertraglich geschuldeter Kinder- und/oder , zu bezahlen, zahlbar ab 1. Dezember 2017 und für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens.
5.2. Zusätzlich sei der Beklagte zu verpflichten, ausserordentliche Kosten von C._ und D._ (schulische Fördermassnahmen, zahnmedizinische Behandlungen, usw.) je hälftig nach Vorlage der entsprechenden  zu übernehmen, soweit nicht Dritte, insbesondere Versicherungen, für diese Kosten aufkommen.
5.3. Es sei anzuordnen, dass sich die Höhe der Unterhaltsbeiträge gemäss Ziff. 5.1. bei Wohnsitz der Kinder in Deutschland um 40% reduziert.
6. Der Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin für sie persönlich monatliche, jeweils auf den Ersten eines jeden Monats im Voraus zahlbare  von CHF 1'000.00 zu bezahlen, zahlbar ab 1. Dezember 2017 und für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens.
7. Materiell-rechtliche Auskunftsbegehren
7.1. Es sei der Beklagte gestützt auf Art 170 ZGB und unter Androhung der  nach Art. 292 StGB zu verpflichten, innert einer kurzen, vom Gericht anzuberaumenden Frist, folgende Auskünfte zu erteilen und Unterlagen zu edieren:
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a) sämtliche Lohnausweise 2016 mit allen Beiblättern, insbesondere betreffend sein Arbeitsverhältnis mit der H._ (Schweiz) AG;
b) sämtliche vertraglichen Abreden mit allen aktuellen Arbeitgebern (Arbeits- und Mandatsverträge), insbesondere mit der H._ (Schweiz) AG, samt allen Nebenabreden wie Spesen-, Dienst-, Bonus- und Mitarbeiterbeteiligungs-Reglemente;
c) vollständige, unterzeichnete und nachweislich eingereichte  2016 samt allen Beiblättern und Beilagen;
d) belegte Auskunft über den Bestand seiner Mitarbeiteraktien sowie der ihm zugeteilten Mitarbeiterbeteiligungen (Optionen etc.),  von der H._ (Schweiz) AG und der H._ SE in Deutschland, per 12. Juli 2017;
e) Auszüge von folgenden auf den Beklagten alleine lautenden  mit dem Saldo per 12. Juli 2017:
- Zürcher Kantonalbank, Privatkonto, Nr. 1; - Zürcher Kantonalbank, EUR-Konto, Nr. 2; - UBS, Mietkautionskonto, Nr. 3.
7.2. Im Säumnisfall seien gestützt auf Art. 170 Abs. 2 ZGB die H._ (Schweiz) AG, ... [Adresse] (betr. Anträge Ziff. 7.1. lit. a, b und d), das Gemeindesteueramt I._, ... [Adresse] (betr. Antrag Ziff. 7.1. lit. c), die Zürcher Kantonalbank, ... [Adresse] (betr. Antrag Ziff. 7.1. lit. e) und die UBS Switzerland AG, ... [Adresse] (betr. Antrag Ziff. 7.1. lit. e) zur Edition der in Antrag Ziff. 7.1. erwähnten Urkunden zu verpflichten.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten des Beklagten."
Modifiziertes vorsorgliches Massnahmebegehren der Klägerin vom 5. März 2018:
(act. 8/69 S. 3)
" 7.1. Es sei der Beklagte gestützt auf Art 170 ZGB und unter Androhung der  nach Art. 292 StGB zu verpflichten, innert einer kurzen, vom Gericht anzuberaumenden Frist, folgende Auskünfte zu erteilen und Unterlagen zu edieren: a) sämtliche Lohnausweise 2016 und 2017 mit allen Beiblättern, ins-
besondere betreffend sein Arbeitsverhältnis mit der H._ (Schweiz) AG;
c) vollständige, unterzeichnete und nachweislich eingereichte  2016 und 2017 samt allen Beiblättern und Beilagen (für das Jahr 2017 sobald vorhanden);"
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Weiter modifiziertes vorsorgliches Massnahmebegehren der Klägerin vom 15. März 2018:
(act. 8/77 S. 1)
" 2. Es sei den Kindern C._ und D._ zu bewilligen, ihren  ab Juli 2018 nach E._ (Deutschland) zu verlegen.
3. Es sei der Beklagte zu berechtigen und zu verpflichten, die Kinder C._ und D._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
3.1. Bis 31. Juli 2018 bzw. bis zum Umzug der Klägerin und der Kinder nach E._ (Deutschland): - jede zweite Woche von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Montagmorgen,
Schulbeginn; - an Ostern von Donnerstagabend vor Ostern bis Dienstagmorgen
nach Ostermontag; - jährlich zusätzlich während drei Wochen Ferien.
[...] Eventualiter [für den Fall, dass die Verlegung des Aufenthaltsorts der  nach E._ nicht bewilligt wird und die Klägerin deshalb nicht nach E._ umzieht] sei der Beklagte zu berechtigen und zu verpflichten, die Kinder C._ und D._ auf eigene Kosten wie folgt zu betreuen:
- jede zweite Woche von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Montagmorgen, Schulbeginn;
- in Jahren mit ungerader Jahreszahl an Ostern (Donnerstagabend vor Ostern bis Dienstagmorgen nach Ostermontag) und während der zweiten Hälfte der Weihnachtsschulferien inkl. Silvester/Neujahr  in Jahren mit gerader Jahreszahl an Pfingsten (Freitagabend vor Pfingsten bis Dienstagmorgen nach Pfingstmontag) und während der ersten Hälfte der Weihnachtsschulferien inkl. ;
- jährlich zusätzlich während vier Wochen Ferien, wobei der Beklagte zu verpflichten sei, die Feriendaten mindestens neun Monate im  mit der Klägerin abzusprechen, ansonsten die Ferienwünsche der Klägerin Vorrang haben."
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Anträge des Vertreters der Kinder vom 15. März 2018: (act. 76 S. 4 ff., sinngemäss)
1. Es sei den Kindern C._ und D._ zu bewilligen, ihren  nach E._ (Deutschland) zu verlegen.
2. Die Kinder C._ und D._ seien unter die alleinige Obhut der  zu stellen.
3. Es sei der persönliche Verkehr zwischen den Kindern und dem Beklagten zu regeln, wobei darauf zu achten sei, dass nicht nur Besuche des  bei den Kindern, sondern auch Besuche der Kinder beim Beklagten vorgesehen werden.
Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018: (act. 3)
" 1. Die Kinder C._, geb. tt.mm.2008, und D._, geb. tt.mm.2011, wer-
den für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die alleinige elterliche
Obhut der Klägerin gestellt. Die Kinder haben ihren Wohnsitz am Wohnort
der Klägerin.
2. Der Klägerin wird bewilligt, den Aufenthaltsort der Kinder C._ und
D._ ab Juli 2018 für die Dauer des Scheidungsverfahrens nach
E._ (Deutschland) zu verlegen.
3. Der Beklagte wird für berechtigt erklärt, die Kinder C._ und D._
während der Dauer des Scheidungsverfahrens auf eigene Kosten wie folgt
zu betreuen:
a) Bis zum Umzug der Klägerin und der Kinder nach E._ (Deutsch-
land):
− jede zweite Woche von Donnerstag, 18.00 Uhr, bis Montagmor-
gen, Schulbeginn; sowie
− zusätzlich während folgenden Zeiten:
− 29. März 2018, 15.30 Uhr, bis 3. April 2018, 08.00 Uhr,
− 22. April 2018 bis 29. April 2018,
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− 9. Mai 2018, 18.00 Uhr, bis 14. Mai 2018, 08.00 Uhr,
− 22. Mai 2018, 08.00 Uhr, bis 28. Mai 2018, 08.00 Uhr,
− 3. Juli 2018, 18.00 Uhr, bis 5. Juli 2018, 08.00 Uhr,
− 13. Juli 2018, 17.00 Uhr, bis 2. August 2018, 17.00 Uhr.
b) Nach dem Umzug der Klägerin und der Kinder nach E._ (Deutsch-
land):
− Jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend,
davon abwechslungsweise ein Wochenende in der Schweiz und
ein Wochenende in E._ oder F._, Deutschland. Die Klä-
gerin wird verpflichtet, für die Hin- und Rückreise der Kinder bis
zum Flughafen Zürich sowie ab dem Flughafen Zürich besorgt zu
sein und die Kosten hierfür zu tragen. Der Beklagte wird verpflich-
tet, die Kinder an den Wochenenden, an welchen er sie in
Deutschland betreut, an ihrem Wohnort in E._ abzuholen
und sie wieder dorthin zurückzubringen.
− In Jahren mit gerader Jahreszahl an Ostern (Donnerstagabend
vor Ostern bis Ostermontagabend) und während der zweiten Hälf-
te der Weihnachtsschulferien inkl. Silvester/Neujahr sowie in Jah-
ren mit ungerader Jahreszahl an Pfingsten (Freitagabend vor
Pfingsten bis Pfingstmontagabend) und während der ersten Hälfte
der Weihnachtsschulferien inkl. Weihnachtsfeiertage (24. und
25. Dezember).
− Während der Hälfte der Schulferien der Kinder, wobei die Partei-
en verpflichtet werden, die Aufteilung der Ferien und die übrigen
Modalitäten drei Monate im Voraus abzusprechen. Können sich
die Parteien nicht einigen, so kommt dem Beklagten in Jahren mit
gerader Jahreszahl das Entscheidungsrecht bezüglich der Auftei-
lung der Ferien zu, der Klägerin in Jahren mit ungerader Jahres-
zahl.
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c) Die Parteien sind berechtigt, ein abweichendes oder weitergehendes
Betreuungs- bzw. Ferienrecht unter altersgemässer Mitsprache der
Kinder von Mal zu Mal unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und des
Wohls aller Beteiligten gegenseitig zu vereinbaren.
4. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für die Kosten des Unterhalts
und der Erziehung des Kindes C._ für die Dauer des Scheidungsver-
fahrens Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) wie folgt zu bezahlen:
− Fr. 1'980.– zuzüglich gesetzliche oder vertraglich geschuldete Kinder-
und/oder Ausbildungszulagen, rückwirkend ab 1. Dezember 2017 bis
zum Ende desjenigen Monats, in welchem die Klägerin mit den Kindern
nach E._ (Deutschland) umzieht; hernach
− Fr. 1'200.–, zuzüglich gesetzliche oder vertraglich geschuldete Kinder-
und/oder Ausbildungszulagen, bis zur Rechtskraft des Scheidungsur-
teils,
zahlbar monatlich im Voraus, jeweils auf den Ersten eines Monats.
5. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für die Kosten des Unterhalts
und der Erziehung des Kindes D._ für die Dauer des Scheidungsver-
fahrens Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) wie folgt zu bezahlen:
− Fr. 1'950.– zuzüglich gesetzliche oder vertraglich geschuldete Kinder-
und/oder Ausbildungszulagen, rückwirkend ab 1. Dezember 2017 bis
zum Ende desjenigen Monats, in welchem die Klägerin mit den Kindern
nach E._ (Deutschland) umzieht; hernach
− Fr. 1'200.–, zuzüglich gesetzliche oder vertraglich geschuldete Kinder-
und/oder Ausbildungszulagen, bis zur Rechtskraft des Scheidungsur-
teils,
zahlbar monatlich im Voraus, jeweils auf den Ersten eines Monats.
6. Zusätzlich wird der Beklagte verpflichtet, während der Dauer des Schei-
dungsverfahrens ausserordentliche Kosten von C._ und D._
(schulische Fördermassnahmen, usw.) nach Vorlage der entsprechenden
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Rechnungen hälftig zu übernehmen, soweit nicht Dritte, insbesondere Versi-
cherungen, für diese Kosten aufkommen, und sofern sich die Parteien vor-
gängig über die ausserordentliche Ausgabe geeinigt haben. Kommt keine
Einigung zustande, hat die Klägerin die entsprechenden Ausgaben einstwei-
len alleine zu tragen; vorbehalten bleibt die gerichtliche Geltendmachung der
Kosten.
7. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin rückwirkend ab dem
1. Dezember 2017 für die Dauer des Scheidungsverfahrens bis zur Rechts-
kraft des Scheidungsurteils für sie persönlich einen monatlichen Unterhalts-
beitrag von Fr. 1'000.– zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus auf den
Ersten eines jeden Monats.
8. Der Beklagte ist berechtigt, die für Dezember 2017 bis und mit Februar 2018
bereits geleisteten Unterhaltszahlungen von insgesamt Fr. 9'924.– mit den
Unterhaltsbeiträgen gemäss Dispositiv-Ziffern 4, 5 und 7 in Verrechnung zu
bringen.
9. Der Beklagte wird gestützt auf Art 170 ZGB und unter Androhung der Unge-
horsamsstrafe nach Art. 292 StGB verpflichtet, dem Gericht innert 30 Tagen
ab Zustellung dieses Entscheides bzw. sofern eine Begründung verlangt
wird, innert 30 Tagen ab Zustellung des begründeten Entscheides, folgende
Auskünfte zu erteilen und Unterlagen zu edieren, sofern dies nicht bereits
erfolgt ist:
a) sämtliche Lohnausweise 2016 und 2017 mit allen Beiblättern, insbe-
sondere betreffend sein Arbeitsverhältnis mit der H._ (Schweiz)
AG;
b) sämtliche vertraglichen Abreden mit allen aktuellen Arbeitgebern (Ar-
beits- und Mandatsverträge), insbesondere mit der H._ (Schweiz)
AG, samt allen Nebenabreden wie Spesen-, Dienst-, Bonus- und Mit-
arbeiterbeteiligungs-Reglemente;
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c) vollständige, unterzeichnete und nachweislich eingereichte Steuerer-
klärungen 2016 und 2017 samt allen Beiblättern und Beilagen (für das
Jahr 2017 sobald vorhanden);
d) belegte Auskunft über den Bestand seiner Mitarbeiteraktien sowie der
ihm zugeteilten Mitarbeiterbeteiligungen (Optionen etc.), insbesondere
von der H._ (Schweiz) AG und der H._ SE in Deutschland,
per 12. Juli 2017;
e) Auszüge von folgenden auf den Beklagten alleine lautenden Konten
mit dem Saldo per 12. Juli 2017:
− Zürcher Kantonalbank, Privatkonto, Nr. 1;
− Zürcher Kantonalbank, EUR-Konto, Nr. 2;
− UBS, Mietkautionskonto, Nr. 3.
10. Alle weiteren oder darüber hinausgehenden Anträge der Parteien werden
abgewiesen.
11. Der Entscheid über die Festsetzung und die Verlegung von Kosten- und
Entschädigungsfolgen erfolgt mit dem Hauptentscheid in der Sache.
12. [Mitteilung]
13. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
des Beklagten und Berufungsklägers (act. 2 S. 2 ff.):
" 1. Es sei Dispositiv-Ziff. 1 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 aufzuheben und es sei die Obhut für die Kinder C._ (geb. tt.mm.2008) und D._ (geb. tt.mm.2011) für die Dauer des  beiden Parteien gemeinsam zu belassen.
2. Es sei Dispositiv-Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 aufzuheben und es sei der Antrag der Klägerin auf Bewilligung des Wechsels des Aufenthaltsortes der Kinder C._ und D._ nach
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E._ (Deutschland) zur Abklärung und Beurteilung ins Hauptverfahren zu verweisen.
3. Eventualiter zu Antrag Ziff. 2 sei in Aufhebung von Dispositiv-Ziff. 2 des  des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 der Antrag der Klägerin auf Bewilligung des Wechsels des Aufenthaltsortes der Kinder C._ und D._ nach E._ (Deutschland) abzuweisen.
4. Subeventualiter zu Antrag Ziff. 2 sei in Aufhebung von Dispositiv-Ziff. 2 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 der Antrag der  auf Bewilligung des Wechsels des Aufenthaltsortes der Kinder C._ und D._ nach E._ (Deutschland) zur Abklärung des Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5. In Ergänzung zu Dispositiv-Ziff. 3.a) des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 sei die elterliche Betreuung der Kinder C._ und D._ ab August 2018 wie folgt festzulegen:
Die Eltern übernehmen die Betreuung der Kinder je zur Hälfte. Die Kinder werden in den geraden Kalenderwochen vom Vater betreut und in den  Kalenderwochen von der Mutter. Der Wechsel von einem Elternteil zum anderen findet jeweils am Montagmittag statt.
6. Es sei Dispositiv-Ziff. 3.b) des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 aufzuheben und es sei die Regelung der elterlichen  der Kinder C._ und D._ für die Zeit nach einem allfälligen Wegzug nach E._ (Deutschland) zur Abklärung und Beurteilung ins Hauptverfahren zu verweisen.
7. Eventualiter zu Antrag Ziff. 6 sei Dispositiv-Ziff. 3.b) des Urteils des  Uster vom 20. März 2018 aufzuheben und es seien die  zu verpflichten, eine Mediation durchzuführen, um die Kinderbelange, insbesondere die elterliche Betreuung der Kinder C._ und D._ für die Zeit nach einem allfälligen Wegzug nach E._ (Deutschland)  zu regeln.
8. Es sei Dispositiv-Ziff. 4 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 abzuändern und es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin  Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) für C._ für die Dauer des Scheidungsverfahrens wie folgt zu bezahlen: 542 EUR vom Zeitpunkt eines allfälligen Wegzugs der Klägerin mit den Kindern nach E._ (Deutschland).
9. Es sei Dispositiv-Ziff. 5 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 abzuändern und es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin  Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) für D._ für die Dauer des Scheidungsverfahrens wie folgt zu bezahlen: 542 EUR vom Zeitpunkt eines allfälligen Wegzugs der Klägerin mit den Kindern nach E._ (Deutschland).
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10. Es sei Dispositiv-Ziff. 7 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 abzuändern und es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin  Unterhaltsbeiträge für sich persönlich von Fr. 1'000.– für die Dauer des Scheidungsverfahrens, maximal bis zu einem allfälligen Wegzug der Klägerin nach E._ (Deutschland) zu bezahlen.
11. Es sei Dispositiv-Ziff. 9 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 aufzuheben und es sei die Verpflichtung des Beklagten, gestützt auf Art. 170 ZGB und unter Androhung der Ungehorsamstrafe nach Art. 292 StGB innert 30 Tagen ab Zustellung des begründeten Urteils des  Uster vom 20. März 2018 die in lit. a bis lit. e der erwähnten -Ziff. 9 aufgeführten Auskünfte zu erteilen und Unterlagen zu edieren, sofern dies nicht bereits erfolgt ist, ersatzlos aufzuheben.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin.
[prozessuale Anträge]"
der Klägerin und Berufungsbeklagten (act. 16 S. 2):
" 1. Es sei die Berufung vollumfänglich abzuweisen, soweit auf diese  ist, unter vollumfänglicher Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich Mehrwertsteuer)  des Berufungsklägers."
des Vertreters der Kinder (act. 18 S. 1):
" 1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Prozessual sei beantragt, dass über die Berufung bis 31. Juli 2018  wird."

Erwägungen:
1. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1.1. Die Parteien sind seit dem tt. Juli 2006 miteinander verheiratet und haben
zwei Kinder, C._, geb. tt.mm.2008, und D._, geb. tt.mm.2011. Seit Ok-
tober 2012 leben die Parteien getrennt (act. 3 S. 10). Am 12. Juli 2017 (act. 8/1)
reichte die Klägerin und Berufungsbeklagte (fortan Klägerin) die Scheidungsklage
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beim Bezirksgericht Uster (fortan Vorinstanz) ein. Mit Eingabe vom 25. Oktober
2017 stellte der Beklagte und Berufungskläger (fortan Beklagte) seine Anträge zur
Scheidung und machte ein (kurz begründetes) Begehren um Erlass vorsorglicher
Massnahmen mit den eingangs erwähnten Anträgen anhängig (act. 8/24). Anläss-
lich der Verhandlung vom 8. November 2017, an welcher die Vorinstanz zudem
das Vorliegen des Scheidungsgrundes abklärte, begründete der Beklagte sein
Massnahmebegehren weiter (act. 8/32), woraufhin die Klägerin Stellung nahm
und ihrerseits die eingangs erwähnten Anträge um Erlass vorsorglicher Mass-
nahmen – insbesondere um Bewilligung des Wegzugs der Kinder C._ und
D._ nach E._ (Deutschland) – stellte (act. 8/34). Auf Antrag des Beklag-
ten wurde die Verhandlung in der Folge unterbrochen (Protokoll der Vorinstanz
[fortan Prot. Vi.], S. 11 ff.). Am 13. Dezember 2017 hörte die Vorinstanz die Kinder
C._ und D._ gemeinsam an (Prot. Vi., S. 17, act. 8/47). Mit Verfügung
vom 10. Januar 2018 (act. 8/55) ernannte die Vorinstanz für die Kinder einen Ver-
treter. Mit Eingabe vom 5. März 2018 erweiterte die Klägerin ihr vorsorgliches
Massnahmebegehren betreffend Edition (act. 69 S. 3). Am 15. März 2018 wurde
die Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen fortgesetzt, anlässlich wel-
cher beide Parteien sowie der Vertreter der Kinder mehrfach Stellung nahmen
(Prot. Vi., S. 20 ff.). Hierbei modifizierte der Beklagte sein Massnahmebegehren
zweimal (act. 8/74 S. 1 f., Prot. Vi., S. 72 ff.), die Klägerin einmal (act. 8/77 S. 1);
der Vertreter der Kinder stellte seinerseits Anträge (act. 76 S. 4 ff.). Mit (unbe-
gründetem) Urteil vom 20. März 2018 entschied die Vorinstanz über die beantrag-
ten vorsorglichen Massnahmen gemäss dem einleitend wiedergegebenen Dispo-
sitiv; auf Verlangen des Beklagten stellte sie den Parteien in der Folge die be-
gründete Fassung zu (act. 3).
1.2. Gegen dieses Urteil erhob der Beklagte mit Eingabe vom 22. Mai 2018
(act. 2) rechtzeitig Berufung mit den eingangs erwähnten Anträgen. Den mit Ver-
fügung vom 25. Mai 2018 (act. 5) eingeforderten Kostenvorschuss von
CHF 4'500.– leistete er rechtzeitig (act. 7). Ebenfalls mit Verfügung vom 25. Mai
2018 wurde die Prozessleitung delegiert und das Gesuch des Beklagten um Er-
lass eines superprovisorischen Verbots an die Klägerin, den Aufenthaltsort der
Kinder nach Deutschland zu verlegen, abgewiesen. Auf Antrag des Beklagten
- 17 -
(act. 2 S. 4 ff.) und nach Anhörung der Klägerin (act. 11) sowie des Vertreters der
Kinder (act. 10) wurde der Berufung mit Beschluss vom 18. Juni 2018 (act. 14)
teilweise – in Bezug auf Dispositivziffern 2 (Wegzugsbewilligung) und 9 (Edition)
des angefochtenen Urteils – die aufschiebende Wirkung erteilt. Ferner wurde für
den Fall, dass die Klägerin ihren Wohnsitz ins Ausland oder innerhalb der
Schweiz an einen Ort verlegt, von dem aus ein Besuch der bisherigen Schule
durch die Kinder C._ und D._ nicht mehr gewährleistet ist, der Berufung
auch in Bezug auf Dispositivziffern 1 (Obhut) und 3 (Betreuung bzw. persönlicher
Verkehr) die aufschiebende Wirkung erteilt. Darüber hinaus wurden die Kinder
C._ und D._ für diesen Fall und auf diesen Zeitpunkt hin für die Dauer
des Berufungsverfahrens unter die alleinige Obhut des Beklagten gestellt und der
persönliche Verkehr zwischen den Kindern und der Klägerin geregelt. Im übrigen
Umfang – insbesondere hinsichtlich des beantragten vorsorglichen Verbots an die
Klägerin, den Aufenthaltsort der Kinder nach Deutschland zu verlegen – wurden
die prozessualen Anträge des Beklagten abgewiesen. Gleichzeitig wurde der Klä-
gerin und dem Vertreter der Kinder Frist zur Erstattung der Berufungsantwort an-
gesetzt, welche sie mit Eingaben jeweils vom 2. Juli 2018 (act. 16 und 18) recht-
zeitig und mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen einreichten. Mit Verfü-
gung vom 5. Juli 2018 (act. 19) wurde dem Beklagten Frist zur freigestellten Stel-
lungnahme angesetzt; eine solche reichte er mit Eingabe vom 13. Juli 2018
(act. 22) rechtzeitig ein. Mit Verfügung vom 16. Juli 2018 (act. 24) wurde der Klä-
gerin sowie dem Kindesvertreter ebenfalls Frist zur freigestellten Stellungnahme
angesetzt, woraufhin diese eine solche mit Eingaben vom 20. Juli 2018 (act. 26)
bzw. vom 23. Juli 2018 (act. 27) einreichten. Die Stellungnahme des Kindesver-
treters (act. 26) wurde der Klägerin und die Stellungnahme der Klägerin (act. 27,
28/1-5) dem Kindesvertreter zugestellt (vgl. act. 29 und 30). Die Klägerin erklärte
in der Folge Verzicht auf eine weitere Stellungnahme (act. 31). Dem Beklagten
sind diese Eingaben mit dem vorliegenden Entscheid zuzustellen.
1.3. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (act. 8/1-91). Das Verfah-
ren erweist sich als spruchreif.
- 18 -
2. Prozessuales
2.1. Gegen erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen ist die
Berufung zulässig (Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO). Gegenstand des vorliegenden Be-
rufungsverfahrens ist – unter anderem – die Frage, ob ein Wegzug der Kinder
C._ und D._ nach E._ (Deutschland) vorsorglich zu bewilligen ist
sowie die Regelung der Obhut, der Betreuung und des persönlichen Verkehrs.
Damit liegt eine nicht vermögensrechtliche Streitigkeit vor (Art. 308 Abs. 2 ZPO).
2.2. Die Berufung ist gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO zu begründen. Beim Be-
gründungserfordernis handelt es sich um eine von Amtes wegen zu prüfende Zu-
lässigkeitsvoraussetzung; fehlt sie, ist auf das Rechtsmittel nicht einzutreten. Der
Berufungskläger hat sich mit den Erwägungen des vorinstanzlichen Entscheids
einlässlich auseinanderzusetzen und im Einzelnen darzulegen, an welchen kon-
kreten Mängeln der angefochtene Entscheid seiner Ansicht nach leidet und in
welchem Sinne er abgeändert werden soll. Es sind die vorinstanzlichen Erwägun-
gen zu bezeichnen, die angefochten werden, und die Aktenstücke zu nennen, auf
denen die Kritik beruht. Es genügt nicht, bloss auf die vor erster Instanz vorgetra-
genen Ausführungen zu verweisen, diese in der Berufungsschrift (praktisch) wort-
gleich wiederzugeben oder den angefochtenen Entscheid bloss in allgemeiner
Weise zu kritisieren. Was nicht in dieser Weise beanstandet wird, hat Bestand
(vgl. BGE 138 III 374, E. 4.3.1; BGer, 4A_97/2014 vom 26. Juni 2014, E. 3.3;
5A_209/2014 vom 2. September 2014, E. 4.2.1). Diese Begründungsanforderun-
gen gelten grundsätzlich auch, soweit Kinderbelange betroffen sind, in welchen
der strenge Untersuchungsgrundsatz (Art. 296 Abs. 1 ZPO) und die Offizialmaxi-
me (Art. 296 Abs. 3 ZPO) gelten (BGE 138 III 374, E. 4.3.1; BGer, 4A_651/2012
vom 7. Februar 2013, E. 4.3; 5A_206/2016 vom 1. Juni 2016, E. 4.2.1).
2.3. Die Berufungsinstanz verfügt in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht über
volle Kognition, d.h. es kann sowohl unrichtige Rechtsanwendung wie auch un-
richtige Feststellung des Sachverhalts beanstandet werden (Art. 310 ZPO); soweit
Ermessensausübung in Frage steht, kann auch Unangemessenheit gerügt wer-
den (vgl. BGer, 5D_113/2016 vom 26. September 2016, E. 4.2; OGer ZH,
LY150026 vom 4. März 2016). Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Berufungs-
- 19 -
instanz gehalten wäre, von sich aus wie ein erstinstanzliches Gericht alle sich
stellenden tatsächlichen und rechtlichen Fragen zu untersuchen, wenn die Partei-
en diese in oberer Instanz nicht mehr vortragen; vielmehr hat sie sich – abgese-
hen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der in der
schriftlichen Berufungsbegründung erhobenen Beanstandungen zu beschränken
(BGE 142 III 413, E. 2.2.4; BGer 4A_418/2017 vom 8. Januar 2018, E. 2.3). Um-
gekehrt kann aber auch die berufungsbeklagte Partei – um die Abweisung der Be-
rufung zu erwirken und ohne Anschlussberufung zu erheben – in ihrer Berufungs-
antwort (weitere) Beanstandungen vortragen und hierdurch das von der Rechts-
mittelinstanz vorzunehmende Prüfprogramm auf Gesichtspunkte des angefochte-
nen Entscheids erweitern, welche der Berufungskläger nicht in Frage gestellt hat.
Hierfür gelten auch für die Berufungsantwort im Wesentlichen dieselben Begrün-
dungsanforderungen wie für die Berufungsschrift (vgl. BGer, 5A_438/2012 vom
27. August 2012, E. 2.4; OGer ZH, LB150044 vom 13. Dezember 2016, E. II.3). In
einem weiteren Schriftenwechsel bzw. einer darauffolgenden, unaufgeforderten
Stellungnahme können indes keine neuen Beanstandungen mehr vorgebracht
werden, dienen solche Äusserungsmöglichkeiten doch bloss der Wahrung des
rechtlichen Gehörs, und nicht dazu, Beanstandungen nachzuholen, die bereits
während der Berufungs- bzw. Berufungsantwortfrist hätten vorgebracht werden
können und müssen (BGer, 5A_737/2012 vom 23. Januar 2013, E. 4.2.3;
4A_666/2015 vom 26. April 2016, E. 3.1). Innerhalb des so definierten Prüfpro-
gramms ist die Berufungsinstanz freilich weder an die Argumente, welche die Par-
teien zur Begründung ihrer Beanstandungen vorbringen, noch an die Erwägungen
der ersten Instanz gebunden; es wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 57
ZPO) und verfügt über freie Kognition in Tatfragen, weshalb es die Berufung auch
mit einer anderen Argumentation gutheissen oder diese auch mit einer von der
Argumentation der ersten Instanz abweichenden Begründung abweisen kann
(BGer, 4A_397/2016 vom 30. November 2016, E. 3.1).
2.4. In Kinderbelangen gilt wie im erstinstanzlichen Verfahren auch im Rechts-
mittelverfahren die strenge Untersuchungsmaxime, d.h. das Gericht hat den
Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen (sog. Freibeweis; Art. 296 Abs. 1
ZPO). Soweit es nicht um Kinderbelange geht – so namentlich in Bezug auf die
- 20 -
Ehegattenunterhaltsbeiträge und die Editionsbegehren –, gilt die eingeschränkte
Untersuchungsmaxime (Art. 272 i.V.m. Art. 276 Abs. 1 ZPO). Die Untersu-
chungsmaxime wird indes durch die von den Parteien begründet vorzutragenden
Beanstandungen in ihrem sachlichen Umfang beschränkt (vgl. BGer,
5A_141/2014 vom 28. April 2014, E. 3.4; 5D_65/2014 vom 9. September 2014,
E. 5.1). Sie führt ferner nicht dazu, dass die Parteien von der Mitwirkung gänzlich
entbunden wären. In aller Regel sind sie über die massgebenden Verhältnisse
selber am besten informiert und dokumentiert. Wo sie ihrer Obliegenheit zur Mit-
wirkung nicht oder nur ungenügend nachkommen und wo die so erstellten Grund-
lagen eines Entscheids nicht offenkundig unrichtig sind, darf das Gericht zulasten
der nachlässigen Partei darauf abstellen und auf weitere eigene Abklärungen ver-
zichten (OGer ZH, LC130019 vom 8. Mai 2013, E. 3.1; LY160050 vom 18. April
2017, E. II.3.2).
2.5. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel
(Noven) im Berufungsverfahren nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug
vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz
hätten vorgebracht werden können. Dies gilt auch im Anwendungsbereich der
(eingeschränkten) Untersuchungsmaxime; eine analoge Anwendung von Art. 229
Abs. 3 ZPO, wonach vor erster Instanz bei Geltung der Untersuchungsmaxime
Noven bis zum Beginn der Urteilsberatung voraussetzungslos zugelassen wer-
den, fällt für das obergerichtliche Verfahren grundsätzlich ausser Betracht (vgl.
BGE 138 III 625, E. 2.2; 142 III 413, E. 2.2.2). Zu beachten bleibt freilich, dass
das Gericht – im Rahmen der Beanstandungen auch die Berufungsinstanz – in
Kinderbelangen den Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen hat (Art. 296
Abs. 1 ZPO) und daher auch im Rechtsmittelverfahren von sich aus Untersu-
chungen anstellen kann bzw. muss (vgl. BGer, 5A_528/2015 vom 21. Januar
2016, E. 2, mit Verweis auf BGE 138 III 625). Nach der Praxis der Kammer führt
dies dazu, dass in Kinderbelangen in Abweichung von Art. 317 Abs. 1 ZPO Noven
auch noch im Berufungsverfahren unbeschränkt bis zum Beginn der Urteilsbera-
tung zuzulassen sind (OGer ZH, LC130019 vom 8. Mai 2013, E. 3.1; LY150026
vom 4. März 2016, E. II.4; LY160035 vom 14. Dezember 2016, E. 2.3; LY160050
vom 18. April 2017, E. II.3.2). Der Auffassung der Klägerin, verschiedene vom
- 21 -
Beklagten vorgebrachte Noven seien unzulässig und deshalb nicht zu beachten
(act. 16 Rz. 4), kann somit von vornherein nicht gefolgt werden, soweit Kinderbe-
lange betroffen sind.
2.6. Die Berufungsschrift muss Rechtsmittelanträge enthalten. Diese müssen
grundsätzlich so bestimmt bzw. beziffert sein, dass sie im Falle einer Gutheissung
unverändert zum Urteil erhoben werden können; in der Regel ist zudem ein re-
formatorischer Antrag in der Sache erforderlich (vgl. BGer, 4A_383/2013 vom
2. Dezember 2013, E. 3.2.1). Dies gilt auch im Anwendungsbereich der Offi-
zialmaxime, namentlich in Kinderbelangen (Art. 296 Abs. 3 ZPO). Ob nämlich ein
Rechtsmittel ergriffen werden soll und in welchem Umfang, steht in der Dispositi-
on der Parteien, unabhängig davon, ob sie über das streitige Recht verfügen kön-
nen oder nicht; die Einleitung des Rechtsmittelverfahrens setzt deshalb auch in
Kinderbelangen voraus, dass eine Partei ein form- und fristgerechtes Rechts-
schutzersuchen an die Rechtsmittelinstanz richtet. Die formelle Prozessvoraus-
setzung eines genügenden Rechtsmittelantrags betrifft jedoch nur die (gültige)
Einleitung des Berufungsverfahrens, während in der Folge – sofern genügende
Anträge gestellt wurden – in Kinderbelangen keine Bindung an die Parteianträge
besteht und auch das Verschlechterungsverbot nicht zum Tragen kommt (Offi-
zialmaxime; Art. 296 Abs. 3 ZPO; BGE 137 III 617, E. 4; 5A_807/2012 vom
6. Februar 2013, E. 4.2.2).
2.7. Der Beklagte stellte hinreichende – insbesondere bezifferte – Berufungsan-
träge. Die Klägerin moniert jedoch, der Berufungsantrag Ziffer 7 (eventualiter be-
antragte Mediation, um die Kinderbelange nach einem allfälligen Wegzug der
Klägerin mit den Kindern zu regeln; act. 2 S. 3) sei neu und der Berufungsantrag
Ziffer 10 (Ehegattenunterhalt) habe der Beklagte erstmals im Berufungsverfahren
beziffert bzw. in zeitlicher Hinsicht beschränkt; dies stelle eine unzulässige Klage-
änderung dar, weshalb darauf nicht einzutreten sei (act. 16 Rz. 90, 92, 94). Beru-
fungsantrag Ziffer 7 sowie auch die Berufungsanträge Ziffern 8 und 9, welche der
Beklagte erstmals im Berufungsverfahren beziffert hat, betreffen Kinderbelange.
Diesbezüglich sind zwar wie gesagt konkrete (bezifferte) Rechtsmittelanträge er-
forderlich, andernfalls auf die Berufung nicht einzutreten ist. Ist diese Prozessvo-
- 22 -
raussetzung indes erfüllt, besteht keine Bindung an die Parteianträge. Folglich
sind im Geltungsbereich der Offizialmaxime in Abweichung von Art. 317 Abs. 2
ZPO grundsätzlich auch neue (konkrete bzw. bezifferte) Rechtsmittelanträge zu-
lässig, da die Berufungsinstanz auch von sich aus mehr oder etwas anderes zu-
sprechen könnte, als im Rechtsmittelverfahren bzw. vor Vorinstanz beantragt
wurde. Soweit der klägerische Einwand Kinderbelange betrifft, ist er damit von
vornherein unbegründet. Soweit er sich auf den Ehegattenunterhalt bezieht, wel-
cher – abgesehen von einem Genehmigungserfordernis einer einvernehmlichen
Regelung (vgl. BGer, 5A_842/2015 vom 26. Mai 2016, E. 2.5) – der Dispositions-
maxime (Art. 58 Abs. 1 ZPO) und im Rechtsmittelverfahren zudem dem Ver-
schlechterungsverbot untersteht (vgl. BGer, 5A_386/2014 und 5A_434/2014 vom
1. Dezember 2014, E. 6), ist Folgendes zu erwägen: Diesbezüglich ist bereits vor
erster Instanz eine Bezifferung erforderlich (vgl. BGer, 5A_704/2013 vom 15. Mai
2014, E. 3.3); eine Änderung – d.h. Erweiterung – des Rechtsbegehrens ist im
Berufungsverfahren alsbald nur noch unter den engen Voraussetzungen einer
Klage- bzw. Gesuchsänderung nach Art. 317 Abs. 2 ZPO zulässig (vgl. BGer,
5A_671/2013 vom 29. Juli 2014, E. 7). Jedoch muss der Beklagte, der sich einer
beantragten Unterhaltszahlung widersetzt, vor erster Instanz seinen Antrag auf
Klage- bzw. Gesuchsabweisung nicht beziffern; er kann vielmehr auch bloss "Ab-
weisung" oder die Zusprechung "angemessener Unterhaltsbeiträge" verlangen
oder überhaupt kein (explizites) Begehren stellen, in welchen Fällen grundsätzlich
nicht von einer (teilweisen bzw. bezifferten) Klage- bzw. Gesuchsanerkennung
auszugehen ist. Unterliegt der Beklagte indes vor erster Instanz, so hat er im Be-
rufungsverfahren – erstmals – bezifferte Anträge zu stellen, wobei er auch bloss
"Abweisung" (d.h. Zahlung überhaupt keiner Unterhaltsbeiträge) verlangen kann.
Insofern kann er auch erstmals beantragen, es seien Unterhaltsbeiträge nur für
eine bestimmte Zeit, d.h. befristet, zuzusprechen, zumal es sich hierbei gegen-
über einem Abweisungsbegehren bloss um eine Einschränkung handelt (vgl.
BGer, 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.2). Die Berufungsanträge des Be-
klagten erweisen sich damit als zulässig.
- 23 -
3. Verletzung von Verfahrensgarantien
3.1. In prozessualer Hinsicht rügt der Beklagte, er – und auch der Kindesvertre-
ter – habe im Rahmen des zweiten Teils der vorinstanzlichen Verhandlung betref-
fend vorsorgliche Massnahmen vom 15. März 2018 (vgl. Prot. Vi., S. 20 ff.) nicht
genügend Zeit gehabt, um sich mit den neuen Ausführungen und Unterlagen der
Klägerin und des Kindesvertreters auseinanderzusetzen. Das Gericht habe um
16.00 Uhr einen Abbruch der seit 08.30 Uhr laufenden Verhandlung abgelehnt;
der Beklagte sei stattdessen dazu gezwungen worden, eine Stellungnahme noch
an dieser Verhandlung abzugeben. Es sei ihm zwar eine Verhandlungspause von
80 Minuten zur Vorbereitung eingeräumt worden, dies habe jedoch nicht gereicht.
Er habe sodann gegen Ende der Verhandlung angekündigt, später noch weitere
Unterlagen einzureichen; dies habe die Vorinstanz mit dem kurz auf die Verhand-
lung folgenden Urteil jedoch verunmöglicht (act. 2 S. 10, 13, act. 22 S. 2). Damit
rügt der Beklagte eine Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren und des
rechtlichen Gehörs (Art. 53 Abs. 1 ZPO; Art. 29 Abs. 1 und 2 BV; Art. 6 Ziff. 1
EMRK). Zudem macht er eine Verletzung des Rechts auf Beweis sowie der Un-
tersuchungsmaxime geltend; darauf wird später zurückzukommen sein (s. unten,
E. 5).
3.2. Soweit sich der Beklagte darauf beruft, es sei das rechtliche Gehör des
Kindesvertreters verletzt worden, ist seine Rüge mangels Legitimation bzw. Be-
schwer von vornherein unbegründet, da sich eine Partei nur auf die Verletzung
des eigenen Gehörsanspruchs berufen kann, nicht aber auf die Verletzung des
Gehörs einer anderen Partei bzw. des Kindesvertreters (vgl. BGer, 1C_320/2011
vom 30. Mai 2012, E. 4.3.1; 5A_322/2017 vom 12. Juni 2017, E. 3). Hinzukommt,
dass der Kindesvertreter ausgeführt hat, er hätte genügend Zeit für die Vorberei-
tung einer Stellungnahme gehabt (act. 26 S. 1).
3.3. Gemäss Art. 53 ZPO, Art. 29 Abs. 1 und 2 BV sowie Art. 6 Ziff. 1 EMRK (in
Bezug auf zivilrechtliche Ansprüche und strafrechtliche Anklagen) haben die Par-
teien eines Gerichtsverfahrens Anspruch auf rechtliches Gehör und ein faires Ver-
fahren, unter Beachtung des Grundsatzes der Waffengleichheit. Diese Garantien
umfassen das Recht, von allen bei Gericht eingereichten Stellungnahmen Kennt-
- 24 -
nis zu erhalten und sich dazu äussern zu können, und zwar unabhängig davon,
ob die Eingaben neue und/oder wesentliche Vorbringen enthalten. Dieses Replik-
recht besteht zudem unabhängig davon, ob ein zweiter Schriftenwechsel ange-
ordnet oder eine Frist zur Stellungnahme angesetzt wurde (BGer, 1C_142/2012
vom 18. Dezember 2012, E. 2; 4A_557/2017 vom 21. Februar 2018, E. 2.1). Ge-
suche um vorsorgliche Massnahmen im Rahmen eines Scheidungsverfahrens
werden im summarischen Verfahren behandelt (Art. 276 Abs. 1 i.V.m. Art. 271
ZPO), das grundsätzlich vom Bemühen um Prozessbeschleunigung geprägt ist. In
der Regel ist eine mündliche Verhandlung durchzuführen (Art. 273 Abs. 1 ZPO).
Diese hat einerseits den Zweck, eine Einigung herbeizuführen (Art. 273 Abs. 3
ZPO), sowie andererseits, den Sachverhalt insbesondere durch Parteibefragung
zu ermitteln (Art. 272 ZPO). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich,
dass sich der Massnahmegegner grundsätzlich – vorbehalten besonderer Dring-
lichkeit (Art. 265 ZPO) – vor dem Massnahmeentscheid zum Gesuch äussern
kann; ob dies schriftlich oder mündlich an der Verhandlung zu erfolgen hat, ist ei-
ne Frage der Prozessleitung (Art. 124 Abs. 1 ZPO) und steht im Ermessen des
Gerichts (vgl. Art. 253 ZPO). Ob sich die Parteien anschliessend – zur Wahrung
des Replikrechts – schriftlich oder mündlich zum jeweiligen Vorbringen der Ge-
genpartei äussern können, steht ebenfalls im Ermessen der Prozessleitung
(Art. 124 ZPO); ein zweiter Schriftenwechsel ist grundsätzlich nicht vorgesehen
und angesichts der Natur des Summarverfahrens nur zurückhaltend anzuordnen
(BGE 138 III 252, E. 2.1; BGer, 5A_82/2015 vom 16. Juni 2015, E. 4.1;
4A_557/2017 vom 21. Februar 2018, E. 2.1). Aus dem Gehörsanspruch folgt je-
doch, dass den Parteien ein effektives Replikrecht zu gewähren ist (BGer,
1C_142/2012 vom 18. Dezember 2012, E. 2.3-2.4; 5A_1022/2015 vom 29. April
2016, E. 3.2.2), wozu namentlich auch gehört, dass ihnen eine angemessene Be-
denk- und Vorbereitungszeit eingeräumt wird; andernfalls würde das Replikrecht
inhaltlich seiner Substanz beraubt.
3.4. Dass dem Beklagten die effektive Ausübung seines Repilkrechts verun-
möglicht worden sein soll, trifft nicht zu. Die Verhandlung vom 8. November 2017
wurde abgebrochen, nachdem die Klägerin in ihrer mündlichen Stellungnahme
zum beklagtischen Massnahmegesuch ihrerseits – überraschend – den Antrag
- 25 -
gestellt und ausführlich begründet hatte, es sei den Kindern vorsorglich der Weg-
zug zu bewilligen (Prot. Vi., S. 8 ff., 11 ff.). Anschliessend hatte der Beklagte über
vier Monate Zeit, sich mit dem dann weitgehend bekannten Prozessstoff ausei-
nanderzusetzen. Die Verhandlung wurde am 15. März 2018 fortgesetzt, wobei
zunächst der Beklagte und dann der Kindesvertreter Stellung nehmen konnten
und anschliessend die Parteien persönlich befragt wurden (Prot. Vi., S. 20 ff.). Da-
raufhin replizierte die Klägerin mündlich (Prot. Vi., S. 59 ff.). Inwiefern es dem an-
waltlich vertretenen Beklagten nicht möglich gewesen sein sollte, sich innerhalb
der hierfür von 16.00 bis 17.20 Uhr eingeräumten Verhandlungspause mit den an-
lässlich der Verhandlung gemachten Ausführungen der Klägerin und des Kindes-
vertreters sowie den neu eingereichten Unterlagen auseinanderzusetzen und eine
Stellungnahme vorzubereiten, ist nicht ersichtlich. Die Plädoyernotizen des Kin-
desvertreters umfassen sechs Seiten (act. 8/76), jene der Klägerin neun Seiten
(act. 8/77), was angesichts des Umfangs der übrigen Rechtsschriften doch über-
schaubar ist; auch die Zahl der von der Klägerin neu eingereichten Unterlagen
(act. 8/78/90-103) hielt sich in Grenzen (während der Beklagte seinerseits we-
sentlich mehr Unterlagen einreichte [act. 8/75/1-45], mit welchen sich die Klägerin
ebenfalls anlässlich der Verhandlung auseinandersetzen musste). Der Prozess-
stoff war zudem den wesentlichen Grundzügen nach bekannt; Noven wurden
nicht in einem Umfang eingebracht, der eine zusätzliche Vorbereitungszeit erfor-
derlich gemacht hätte. Dass zu den anlässlich der persönlichen Befragung der
Parteien gemachten Ausführungen sogleich mündlich Stellung zu nehmen ist,
entspricht im Übrigen der Praxis und dem summarischen Charakter des Mass-
nahmeverfahrens.
3.5. Dass der Beklagte während der Verhandlung angekündigt haben soll, er
werde nach der Verhandlung noch weitere Unterlagen einreichen, ist nicht belegt
und wurde von der Vorinstanz auch nicht protokolliert (vgl. insb. Prot. Vi., S. 82).
Ob er damit den Beginn der Urteilsberatung, der grundsätzlich mit dem Abschluss
der Hauptverhandlung eintritt (vgl. BGE 138 III 788, E. 4.2; BGer, 5A_445/2014
vom 28. August 2014, E. 2.1), hätte hinausschieben – und damit das Einbringen
weiterer Noven ermöglichen – können (Art. 229 Abs. 3 ZPO), kann deshalb offen
bleiben.
- 26 -
3.6. An der Prozessführung der Vorinstanz ist nichts auszusetzen; die Verfah-
rensgarantien des Beklagten wurden nicht verletzt. Zudem wäre eine allfällige
Gehörsverletzung durch die Vorinstanz ohnehin im Rechtsmittelverfahren geheilt
worden, da sich der Beklagte (mehrfach) äussern konnte, eine mögliche Verlet-
zung nicht schwer wiegen würde und die Berufungsinstanz über volle Kognition
verfügt (vgl. hierzu etwa BGE 137 I 195, E. 2.3.2).
4. Wegzugsbewilligung als vorsorgliche Massnahme
4.1. Nach neuem, am 1. Juli 2014 in Kraft getretenem Recht stehen minderjäh-
rige Kinder im Regelfall unter der gemeinsamen elterlichen Sorge von Vater und
Mutter (Art. 296 Abs. 2 ZGB); eine Zuteilung des Sorgerechts an einen Elternteil
allein erfolgt nur in ausgewiesenen Ausnahmefällen (vgl. Art. 298 Abs. 1 ZGB).
Das Recht, den Aufenthaltsort eines Kindes zu bestimmen, ist neuerdings Teil
des Sorgerechts und nicht mehr der Obhut (Art. 301a Abs. 1 ZGB). Üben die El-
tern die elterliche Sorge gemeinsam aus und will ein Elternteil den Aufenthaltsort
des Kindes wechseln, so bedarf dies der Zustimmung des andern Elternteils oder
ersatzweise des Gerichts bzw. der Kindesschutzbehörde, sofern der neue Auf-
enthaltsort entweder im Ausland liegt oder der Aufenthaltsortswechsel erhebliche
Auswirkungen auf die Ausübung der elterlichen Sorge, das bisherige Betreu-
ungsmodell oder den persönlichen Verkehr durch den andern Elternteil hat
(Art. 301a Abs. 2 ZGB; vgl. hierzu BGE 142 III 502, E. 2.3 und 2.4). Keiner Zu-
stimmung bedarf hingegen ein blosser Wechsel des Aufenthaltsortes durch einen
Elternteil allein (ohne die unter gemeinsamer Sorge stehenden Kinder), da der
Niederlassungs- bzw. Bewegungsfreiheit der Eltern insofern Vorrang zukommt
(BGE 142 III 481, E. 2; BGer, 5A_641/2015 vom 3. März 2016, E. 4.1).
4.2. Die Klägerin beabsichtigt, zusammen mit den Kindern C._ und
D._ noch im August 2018 nach E._ (Deutschland) zu ziehen. Da sich
der Beklagte diesem Vorhaben widersetzt, ist hierfür nach dem Gesagten eine
behördliche Zustimmung erforderlich (Art. 301a Abs. 2 ZGB). Zu prüfen ist zu-
nächst, ob und unter welchen Voraussetzungen eine solche Wegzugsbewilligung
wie von der Klägerin beantragt auch bereits als vorsorgliche Massnahme im
Rahmen eines Scheidungsverfahrens (Art. 276 Abs. 1 ZPO) erteilt werden kann.
- 27 -
4.3. Die Vorinstanz erwog hierzu, dass ohne Hängigkeit eines Scheidungsver-
fahrens der Eheschutzrichter im summarischen Verfahren zur Erteilung der Weg-
zugsbewilligung zuständig wäre und dass deshalb eine solche grundsätzlich auch
in einem vorsorglichen Massnahmeverfahren erteilt werden könne. Nach der
Rechtsprechung sei es zwar grundsätzlich vorzuziehen, darüber erst mit der
Hauptsache und nicht bereits vorsorglich zu entscheiden, da dies eine umfassen-
de Abklärung der Verhältnisse erlaube und ein solcher Entscheid zudem erhebli-
che Auswirkungen auf den persönlichen Verkehr mit dem zurückbleibenden El-
ternteil habe. Ferner komme einer Erteilung der Umzugsbewilligung im Mass-
nahmeverfahren präjudizielle Wirkung zu, sei doch nach erfolgtem Umzug eine
abweichende Beurteilung im Endentscheid normalerweise kaum mehr zu erwar-
ten, zumal dies eine einschneidende Veränderung für die Kinder darstelle. Im
summarischen Massnahmeverfahren könne die Wegzugsfrage jedoch dann beur-
teilt werden, wenn ein zeitnaher Entscheid notwendig sei. Insbesondere können,
so die Vorinstanz, die für einen Umzugsentscheid notwendigen Sachverhaltsab-
klärungen auch im Massnahmeverfahren erfolgen; in Kinderbelangen könne und
müsse das Gericht nämlich auch im summarischen Verfahren sämtliche Beweise
erheben, die zur Sachverhaltsermittlung erforderlich seien. Im Vergleich zum or-
dentlichen (Scheidungs-)Verfahren sei somit bloss das Beweismass herabge-
setzt. Eine Notwendigkeit, über den geplanten Wegzug bereits mit vorsorglicher
Massnahme zu entscheiden, sah die Vorinstanz unter anderem darin begründet,
dass einerseits ein Urteil im Hauptverfahren bis zum geplanten Umzug nicht ge-
fällt werden könne, und dass andererseits von der Hypothese auszugehen sei,
dass die Klägerin tatsächlich per Juli bzw. August 2018 nach E._ ziehe. Bei
einem Wegzug der Klägerin müsse schlicht geregelt werden, ob die Kinder mit ihr
mitgehen oder beim Beklagten zurückbleiben sollen. Ferner sei ein Umzug im
Sommer 2018 für C._ am wenigsten belastend, da er dann in Deutschland in
eine neue, noch nicht bestehende Klasse eintreten könne; zudem spreche über-
haupt die von den Kindern als Belastung empfundene Ungewissheit für einen
schnellen Entscheid. Nur (aber immerhin) von untergeordneter Bedeutung sei in-
des der von der Klägerin ins Feld geführte Aspekt, dass sie aufgrund ihres Alters
nur bei einem Umzug im Sommer 2018 noch die Möglichkeit habe, in Deutsch-
- 28 -
land "verbeamtet" zu werden. Damit sei es im Hinblick auf das Kindeswohl erfor-
derlich, über die Wegzugsfrage bereits im Rahmen einer vorsorglichen Mass-
nahme zu entscheiden (act. 3 S. 16 ff.).
4.4. Hiergegen wendet der Beklagte unter Bezugnahme auf die Rechtspre-
chung ein, über die Frage einer Wegzugsbewilligung könne grundsätzlich nur im
Hauptverfahren und nicht vorsorglich entschieden werden. Letzteres sei zwar
nicht ausgeschlossen, müsse aber klar die Ausnahme bleiben; namentlich sei
dies nur unter grösster Zurückhaltung und nur dann zulässig, wenn ein vorsorgli-
cher Entscheid "notwendig" sei. Aufgrund der einschneidenden Veränderungen,
welche ein Umzug mit sich bringe, habe ein vorsorglicher Massnahmeentscheid
erhebliche präjudizielle Wirkungen; ein Zurückkommen auf den Wegzugsent-
scheid sei nach bereits erfolgtem Umzug normalerweise kaum zu erwarten. Nur
eine Beurteilung im Hauptverfahren ermögliche eine vollständige Sachverhaltsab-
klärung, während dies im summarischen Verfahren – trotz Geltung der strengen
Untersuchungsmaxime – nicht gewährleistet sei; namentlich lehne es ein Mass-
nahmegericht tendenziell ab, umfangreiche Beweismittel abzunehmen. So habe
die Vorinstanz denn auch den Sachverhalt nur unvollständig abgeklärt und ver-
schiedene, vom Beklagten offerierte Beweismittel nicht abgenommen. Ferner sei
im Massnahmeverfahren auch das Beweismass herabgesetzt; aufgrund der prä-
judiziellen Wirkung und der Bedeutung des Entscheids erscheine aber nur das
Regelbeweismass als sachgerecht. Der von der Vorinstanz angestellte Vergleich
zwischen dem vorsorglichen Massnahme- und dem Eheschutzverfahren hinke, da
Letzteres ein eigenständiges Verfahren sei und grundsätzlich definitiven Charak-
ter habe (act. 2 S. 8 ff., 12 f.). Schliesslich, so der Beklagte, liege die von der
Rechtsprechung geforderte Notwendigkeit für einen Massnahmeentscheid nicht
vor. Diesbezüglich habe die Vorinstanz zu Unrecht auf zeitliche und nicht auf
sachliche Aspekte abgestellt. Namentlich dürfe der von der Klägerin einseitig
festgelegte Wegzugszeitpunkt nicht relevant sein. In sachlicher Hinsicht treffe
zwar zu, dass ein Umzug im Sommer 2018 für C._ günstig sei; "günstig"
heisse aber nicht "notwendig" und genüge deshalb nicht. Zudem sei der Zeitpunkt
für D._ ungünstig, da er nach nur einem Jahr die Klasse schon wieder wech-
seln müsste. Die von der Vorinstanz sodann angeführte Ungewissheit bestehe
- 29 -
immer, wenn gerichtlich über einen Umzug zu entscheiden sei, weshalb dies kein
sachliches Kriterium sein könne. Schliesslich müsse auch der Aspekt der "Verbe-
amtung" unmassgeblich sein, da dies nur die Höhe des zukünftigen Einkommens
der Klägerin betreffe (act. 2 S. 11 ff.).
4.5. Die Klägerin schliesst sich im Wesentlichen der Argumentation der Vor-
instanz an. Ferner macht sie geltend, dass aufgrund der vorliegend anwendbaren
Untersuchungsmaxime auch im summarischen Verfahren sämtliche Beweismittel
abgenommen werden könnten (Art. 254 Abs. 2 lit. c ZPO) und dass deshalb der
(bestrittene) Vorwurf, es seien gewisse Beweismittel zu Unrecht nicht abgenom-
men worden, nicht die Frage beeinflusse, ob über den Wegzug bereits vorsorglich
entschieden werden könne, sondern nur die Richtigkeit des vorsorglichen Ent-
scheids als solchen betreffe. Der von der Vorinstanz gezogene Vergleich mit dem
Eheschutzverfahren sei zutreffend, da auch Letzterem nur provisorischer Charak-
ter zukäme; namentlich sei eine Abänderung vereinfacht möglich und ein Ehe-
schutzentscheid falle ebenfalls mit einem Scheidungsurteil dahin. Es sei nicht ge-
rechtfertigt, bei nicht hängiger Scheidung über einen Wegzug sofort in einem
Eheschutzverfahren zu entscheiden, während eine wegzugswillige Partei bei
hängiger Scheidung unter Umständen mehrere Jahre auf einen Entscheid warten
müsse; dies gelte umso mehr, als vorliegend in der Hauptsache von einer mehr-
jährigen Verfahrensdauer auszugehen sei und der Beklagte dieses Verfahren
immer wieder verzögere. Eine Notwendigkeit bzw. Dringlichkeit für einen Mass-
nahmeentscheid sieht die Klägerin ferner im Umstand, dass sie ihre Arbeitsstelle
sowie ihre Wohnung in der Schweiz gekündigt und in Deutschland per 6. August
2018 eine neue Stelle angenommen habe; zudem finde der erste Schultag für
C._ und D._ in E._ am 9. bzw. 10. August 2018 statt. Schliesslich
würde ein Verbleib der Kinder beim Beklagten das Kindeswohl gefährden, da die-
ser aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sei, diese zu betreuen; auch
deshalb sei ein vorsorglicher Massnahmeentscheid notwendig (act. 16 Rz. 5 ff.).
4.6. Sind die Eltern eines minderjährigen Kindes (noch) miteinander verheiratet
und ist ein Scheidungsverfahren (noch) nicht rechtshängig, ist – wie die Vor-
instanz zutreffend ausgeführt hat (act. 3 S. 16) – das Eheschutzgericht im sum-
- 30 -
marischen Verfahren für die Erteilung oder Verweigerung der Wegzugsbewilli-
gung (Art. 301a Abs. 2 ZGB) zuständig (Art. 176 Abs. 3 ZGB); dies haben die Par-
teien zu Recht nicht in Frage gestellt. In einem solchen Fall kann das Eheschutz-
gericht grundsätzlich ohne weitere Voraussetzungen – wie etwa eine besondere
Dringlichkeit – über die Frage eines Wegzugs entscheiden. Dies gilt selbst dann,
wenn im Zeitpunkt des eheschutzrichterlichen Wegzugsentscheids das Schei-
dungsverfahren mittlerweile eingeleitet wurde, in welchem Fall die Zuständigkeit
des Eheschutzgerichts nicht entfällt. Diese Konstellation lag dem Urteil des Bun-
desgerichts vom 30. August 2017, 5A_444/2017, zugrunde. Das Bundesgericht
wandte in diesem Entscheid die materiellen Voraussetzungen von Art. 301a ZGB
an, ohne Einschränkungen dahingehend zu machen, dass ein entsprechender
Wegzugsentscheid in einem Eheschutzverfahren nur unter bestimmten Voraus-
setzungen ergehen könne (BGer, a.a.O., E. 5.3).
4.7. Ist im Zeitpunkt, in welchem das Begehren um Bewilligung des Aufent-
haltsortswechsels der Kinder gestellt wird, bereits ein Scheidungsverfahren zwi-
schen den sorgeberechtigten Eltern anhängig, so entfällt eine eheschutzrichterli-
che Zuständigkeit. Der Vorinstanz und der Klägerin ist indes darin beizupflichten,
dass ein Wegzugsentscheid im Rahmen des Scheidungsverfahrens grundsätzlich
nicht nur mit dem Endentscheid in der Hauptsache, d.h. als Scheidungsnebenfol-
ge im Scheidungsurteil (Art. 133 Abs. 1 ZGB), getroffen werden kann, sondern
auch bereits vorab in einem vorsorglichen Massnahmeverfahren (Art. 276 Abs. 1
ZPO i.V.m. Art. 176 Abs. 3 ZGB). Es ist nämlich nicht einzusehen, weshalb in ei-
nem Massnahmeverfahren grundlegend andere Voraussetzungen gelten sollten,
als in einem dem Scheidungsverfahren zeitlich vorangehenden Eheschutzverfah-
ren. Ob ein Gesuch um vorsorglichen Rechtsschutz in einem Eheschutz- oder in
einem vorsorglichen Massnahmeverfahren zu behandeln ist, hängt nicht selten
von zeitlichen Zufälligkeiten ab; daran weitreichende Rechtsfolgen zu knüpfen,
wäre nicht sachgerecht. Dies muss umso eher gelten, als ein einmal eingeleitetes
Eheschutzverfahren auch dann als solches zu Ende zu führen ist, wenn vor des-
sen Abschluss das Scheidungsverfahren eingeleitet wurde (vgl. BGE 138 III 646,
E. 3.3.2; 129 III 60, E. 3; BGer, 5A_933/2012 vom 17. Mai 2013, E. 5).
- 31 -
4.8. Vorsorgliche Massnahmen im Scheidungsverfahren stellen das funktionale
Äquivalent zu Eheschutzmassnahmen dar. Art. 276 Abs. 1 ZPO verweist auf die
Bestimmungen über den Eheschutz und erklärt diese im vorsorglichen Massnah-
meverfahren für sinngemäss anwendbar. Zwar besteht in Letzterem – anders als
im Eheschutzverfahren – kein numerus clausus möglicher Massnahmen; abgese-
hen davon gelten jedoch dieselben materiellen und prozessualen Regeln. Na-
mentlich ist dieselbe Verfahrensart anwendbar, es gilt dasselbe Beweismass und
es sind dieselben Beweismittel zulässig. Ferner weisen Eheschutz- und vorsorgli-
che Massnahmeurteile hinsichtlich ihrer Rechtskraft und Beständigkeit denselben,
provisorischen Charakter auf: Einerseits kommt solchen Entscheiden nur eine be-
schränkte materielle Rechtskraft zu, weshalb sie unter erleichterten Vorausset-
zungen abänderbar sind (vgl. BGE 141 III 376, E. 3.3.1 und 3.3.4). Andererseits
ist deren Geltungsdauer ex lege beschränkt; ihre Wirksamkeit fällt ex nunc dahin,
sobald die Ehegatten das Zusammenleben wiederaufnehmen (Art. 179 Abs. 2
ZGB i.V.m. Art. 276 Abs. 1 ZPO) oder ein Scheidungsurteil ergeht (vgl. BGE 138
III 583, E. 5.1). Insofern trifft die Auffassung des Beklagten, nur vorsorgliche
Massnahme-, nicht aber Eheschutzentscheide hätten provisorischen Charakter
(act. 2 S. 11), nicht zu. Zwar ist korrekt, dass sich an ein Eheschutzverfahren
nicht zwingend ein Scheidungsverfahren anschliessen muss. Jedoch ist es auch
bei einem laufenden (oder abgeschlossenen) vorsorglichen Massnahmeverfahren
ohne Weiteres möglich, dass das Scheidungsbegehren, nicht aber das Mass-
nahmegesuch, zurückgezogen wird; in einem solchen Fall fällt auch das Mass-
nahmeverfahren (bzw. -urteil) nicht dahin (vgl. ZOGG, "Vorsorgliche" Unterhalts-
zahlungen im Familienrecht, FamPra 2018, S. 59 ff.). Es ist somit davon auszu-
gehen, dass sich die Voraussetzungen, unter welchen über einen geplanten
Wegzug vorsorglich entschieden werden kann, nicht grundlegend danach unter-
scheiden, ob ein solcher Entscheid in einem Eheschutz- oder in einem vorsorgli-
chen Massnahmeverfahren zu treffen ist.
4.9. Nach Art. 276 Abs. 1 ZPO trifft das Scheidungsgericht die "nötigen vorsorg-
lichen Massnahmen". Diese zielen darauf ab, die Verhältnisse innerhalb der Fami-
lie während der Dauer des Scheidungsverfahrens zu regeln; es handelt sich dabei
um sog. Regelungsmassnahmen. Nicht bzw. nur eingeschränkt anwendbar sind
- 32 -
insofern die allgemeinen Bestimmungen über vorsorgliche Massnahmen nach
Art. 261 ff. ZPO. So ist, wovon die Vorinstanz zutreffend ausging (act. 3 S. 12), im
Rahmen vorsorglicher Regelungsmassnahmen im Scheidungsprozess – gleich-
ermassen wie im Eheschutzverfahren – grundsätzlich weder ein Verfügungsgrund
(Art. 261 Abs. 1 lit. b ZPO) noch besondere Dringlichkeit erforderlich. Welche
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, bestimmt sich vielmehr nach dem materiel-
len Recht (OGer ZH, LY160046 vom 5. Dezember 2017, E. III.1.2; LY150004 vom
19. Juni 2015, E. II.6.1; LY140014 vom 10. Juni 2014, E. 3.2.2; BK ZPO-SPYCHER,
Art. 276 N 13).
4.10. Es trifft zu, dass das Bundesgericht im Zusammenhang mit vorsorglichen
Massnahmen im Rahmen eines Abänderungsverfahrens (Art. 284 Abs. 3 i.V.m.
Art. 276 ZPO) zum Ausdruck gebracht hat, dass solche angesichts der Rechts-
kraft des bestehenden Scheidungsurteils nur ausnahmsweise anzuordnen seien,
nämlich wenn besondere Umstände vorlägen und Dringlichkeit bestehe. Zudem
würden bereits im Massnahmeverfahren dieselben strengen Voraussetzungen
gelten wie im Abänderungsverfahren selbst; namentlich sei eine erhebliche
und dauerhafte Veränderung der Verhältnisse erforderlich. In Bezug auf die Ertei-
lung einer Wegzugsbewilligung erscheine es angesichts der damit verbunden
Auswirkungen in der Regel angebracht, darüber erst mit der Hauptsache zu ent-
scheiden, da dies eine vollständige Sachverhaltsabklärung erfordere (BGer,
5A_641/2015 vom 3. März 2016, E. 4; 5A_274/2016 vom 26. August 2016, E. 4).
Diese Erwägungen übertrug die I. Zivilkammer des Obergerichts Zürich auf den
Fall vorsorglicher Massnahmen im Rahmen eines Scheidungsverfahrens und
führte aus, es dürfe nur dann vorsorglich über die Erteilung einer Wegzugsbewilli-
gung entschieden werden, wenn dies "notwendig" sei. Es gelte, Veränderungen
im Leben der Kinder vor einem Endentscheid in der Hauptsache zu vermeiden,
da dies präjudizierend wirken könne und es nicht zu einem schädlichen Hin und
Her kommen solle. Würde die Zustimmung zum Wechsel des Aufenthaltsortes
vorsorglich erteilt, wäre ein späteres Zurückkommen auf den Entscheid norma-
lerweise kaum zu erwarten. Ein solch folgenschwerer Entscheid erfordere weit-
reichende Sachverhaltsabklärungen, weshalb er im Rahmen des ordentlichen
Scheidungsverfahrens und nicht – sofern nicht notwendig – im summarischen
- 33 -
Massnahmeverfahren gefällt werden solle (OGer ZH, LY160046 vom
5. Dezember 2017, E. III.1.6.1).
4.11. Aus diesen Erwägungen will der Beklagte darauf schliessen, dass es an
der Klägerin sei, im Einzelnen aufzuzeigen, dass und aus welchen Gründen ein
Umzug – und damit ein vorsorglicher Entscheid über eine entsprechende Weg-
zugsbewilligung – bereits während des laufenden Scheidungsverfahrens sachlich
notwendig sei. Der von der Klägerin einseitig festgelegte Wegzugszeitpunkt dürfe
als solcher nicht ausschlaggebend sein (act. 2 S. 11 f.). Dies trifft nicht zu. Entge-
gen der von der I. Zivilkammer im oberwähnten Entscheid geäusserten Auffas-
sung, wonach sich die wegzugswillige Partei im Rahmen der Prüfung der Not-
wendigkeit eines vorsorglichen Wegzugsentscheids nicht darauf beschränken
könne, ihr Recht auf persönliche Freiheit und Freizügigkeit anzurufen, sondern sie
darzulegen habe, weshalb ihr ein Zuwarten mit dem Umzug bis zum Scheidungs-
urteil nicht zugemutet werden könne (OGer ZH, LY160046 vom 5. Dezember
2017, E. III.1.6.2), muss der vom Bundesgericht anerkannte (BGE 142 III 481,
E. 2.4-2.6), auf eine bewusste Entscheidung des Gesetzgebers zurückgehende
Vorrang der Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit der Eltern bei genauer Be-
trachtung auch bereits im vorsorglichen Massnahmeverfahren Geltung haben.
Das Bundesgericht führte im erwähnten Leitentscheid aus, die Schweiz dürfe
nicht aufgrund einer "faktischen Residenzpflicht" zu einem "Müttergefängnis" wer-
den, weshalb die Motive des wegziehenden Elternteils – vorbehalten Rechtsmiss-
brauch – nicht zur Debatte stehen dürfen und von der Hypothese auszugehen sei,
dass der wegzugswillige Elternteil auch tatsächlich wegziehe (BGer, a.a.O.,
E. 2.5). Aus dieser – zu akzeptierenden – gesetzgeberischen Wertung muss kon-
sequenterweise folgen, dass auch eine zwar bloss vorübergehende, aber unter
Umständen doch mehrere Jahre dauernde "faktische Residenzpflicht" nicht ge-
wollt war, und dass eine Abwägung, ob dem wegzugswilligen Elternteil ein vor-
übergehender, aber doch länger währender Verbleib in der Schweiz zugemutet
werden könne, dem grundsätzlichen Vorrang der verfassungsmässigen Nieder-
lassungs- und Bewegungsfreiheit der Eltern zuwiderliefe. Insofern ist auch bereits
im Massnahmeverfahren von der Hypothese auszugehen, dass der wegzugswilli-
- 34 -
ge Elternteil wie geplant und auf den angekündigten Zeitpunkt hin wegzieht. Hier-
von ging die Vorinstanz zu Recht aus (act. 3 S. 18 f.).
4.12. Sofern die Klägerin tatsächlich wie geplant im Sommer 2018 nach E._
zieht, wovon wie gesagt auszugehen ist, so ist eine Entscheidung darüber, ob die
Kinder mit ihr mitgehen oder – bei Umteilung der Obhut – beim Beklagten bleiben
sollen, unerlässlich. Bei einem Wegzug kann nicht unentschieden bleiben, was
mit den Kindern während der verbleibenden Dauer des Scheidungsverfahrens
geschehen soll. Der Umstand, dass die Klägerin – wie sie selbst ausführt (act. 16
Rz. 86) – in Wahrheit gar nicht wegziehen würde, falls eine Wegzugsbewilligung
für die Kinder verweigert würde, darf hier nicht berücksichtigt werden;
als Folge des höchstrichterlich anerkannten Vorrangs der Niederlassungs- und
Bewegungsfreiheit der Eltern ist diese Tatsache schlechterdings zu ignorieren.
4.13. Damit besteht in Fällen, in welchen in der Anfangsphase eines Schei-
dungsverfahrens ein Wegzugsbegehren gestellt wird – ebenso wie wenn vor Ein-
leitung eines Scheidungsverfahrens ein entsprechendes Eheschutzbegehren ge-
stellt wird –, regelmässig eine Notwendigkeit, darüber vorsorglich zu entscheiden.
Etwas anderes kann nur dann gelten, wenn im Zeitpunkt des Massnahmeent-
scheids das Scheidungsurteil unmittelbar bevorsteht bzw. dieses auf den geplan-
ten Wegzugszeitpunkt hin – oder kurze Zeit später – zu erwarten ist und eine "fak-
tische Residenzpflicht" damit von vornherein entfiele bzw. sich auf eine relativ
kurze Dauer beschränken würde. In einem solchen Fall erwiese sich ein vorsorg-
licher Entscheid über den geplanten Wegzug in der Tat als "nicht notwendig".
Dies ist vorliegend freilich nicht der Fall. Das Scheidungsverfahren steht erst am
Anfang und ein Entscheid in der Hauptsache ist in näherer Zukunft nicht zu erwar-
ten. Hinzu kommt der Umstand, dass ein Teilentscheid über die Wegzugsfrage in
der Hauptsache wegen des Grundsatzes der Einheit des Scheidungsurteils (bzw.
der Scheidungsnebenfolgen; Art. 283 Abs. 1 ZPO) nicht möglich ist. Die Klägerin
auf den Hauptsacheentscheid im Scheidungsurteil zu verweisen und einen Weg-
zugsentscheid damit während des unter Umständen noch mehrere Jahre dauern-
den Scheidungsverfahrens zu verweigern, wäre weder zumutbar noch mit der vor-
rangigen Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit der Klägerin zu vereinbaren.
- 35 -
Damit erweist sich ein vorsorglicher Entscheid über die Wegzugsbewilligung als
notwendig.
4.14. Dem Einwand, eine vorsorgliche Bewilligung eines Aufenthaltsortswech-
sels der Kinder habe präjudizierende Wirkung und nehme den Endentscheid im
Scheidungsurteil weitgehend vorweg, ist Folgendes zu entgegnen: Erstens trifft es
zwar zu, dass eine vorsorgliche Bewilligung eines Aufenthaltsortswechsels ins
Ausland den Hauptentscheid in nicht unerheblicher Weise präjudizieren kann, je-
doch darf umgekehrt nicht ausser Acht gelassen werden, dass auch eine Verwei-
gerung der Wegzugsbewilligung oder eine Verweigerung eines vorsorglichen Ent-
scheids überhaupt eine in ähnlichem Masse präjudizierende Wirkung haben mag.
Macht die wegzugswillige und bisher hauptsächlich betreuende Partei von ihrer
Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit Gebrauch und zieht – aufgrund der nicht
vorliegenden Bewilligung eines Aufenthaltsortswechsels der Kinder – alleine weg,
geht damit zwangsläufig eine (vorläufige, wenigstens faktische) Obhutsumteilung
einher; eine solche kann für den späteren Hauptsacheentscheid in ähnlichem
Masse präjudizierend wirken, wie ein vorläufiger Wegzug der Kinder ins Ausland.
Aber selbst wenn die wegzugswillige Partei aufgrund der nicht erhältlichen vorläu-
figen Bewilligung eines Aufenthaltsortswechsels der Kinder einstweilen auf einen
Wegzug verzichten und die Kinder bis zum Vorliegen des Scheidungsurteils wei-
terhin in der Schweiz betreuen würde, hätte dies – wenigstens bei Kindern im
Primarschulalter oder bei noch älteren Kindern – unter Umständen ebenfalls eine
nicht unerhebliche präjudizierende Wirkung zur Folge. Je länger die Kinder näm-
lich in der Schweiz verbleiben, hier zur Schule gehen, sich einen Freundeskreis
aufbauen und sich mit der hiesigen Umgebung verwurzeln, desto unwahrscheinli-
cher wird eine spätere Bewilligung eines Wegzugs. Bei einem sich über mehrere
Jahre hinziehenden Scheidungsverfahren könnte dies durchaus entscheidend
sein, würde über einen Wegzug nicht bereits vorsorglich entschieden, zumal die
nicht wegzugswillige Partei dann ein Interesse daran haben könnte, die Schei-
dung hinauszögern.
4.15. Zweitens gilt für die Frage, ob ein Wegzug der Kinder zu bewilligen ist, die
strenge Untersuchungsmaxime (Art. 296 Abs. 1 ZPO), weshalb trotz Anwendbar-
- 36 -
keit des summarischen Verfahrens keine Beweismittelbeschränkung zum Tragen
kommt (Art. 254 Abs. 2 lit. c ZPO). Der Einwand des Beklagten, es wirke trotz
Geltung der Untersuchungsmaxime weiterhin "der Charakter des vorsorglichen
Massnahmeverfahrens als summarische[s] Verfahren[...]" und ein Gericht lehne
im Massnahmeverfahren "tendenziell mit Rücksicht auf das Ziel einer schnellen
und nur vorläufigen Regelung umfangreichere Beweismassnahmen eher ab als
im Hauptverfahren" (act. 2 S. 9; vgl. auch OGer ZH, LY160046 vom 5. Dezember
2017, E. III.1.6.2 und III.2.1), erweist sich damit als unbegründet. Art. 254 Abs. 2
lit. c i.V.m. Art. 296 Abs. 1 ZPO ist ernst zu nehmen und grundsätzlich – vorbehal-
ten bleiben besonders dringliche Fälle – nicht etwa mit Blick auf den bloss provi-
sorischen Charakter des Massnahmeentscheids zu relativieren. Es können und
müssen sämtliche Beweismittel, die zur Feststellung des relevanten Sachverhalts
erforderlich sind, abgenommen werden; dazu zählen – soweit notwendig – auch
Gutachten und Zeugenaussagen. In diesem Sinne darf ein vorsorglicher Weg-
zugsentscheid nur und erst dann ergehen, wenn der massgebliche Sachverhalt
umfassend abgeklärt wurde (vgl. OGer ZH, LY150042 vom 14. August 2015,
E. 2.9.1). Auch hiervon ist die Vorinstanz zu Recht ausgegangen (act. 3 S. 17 ff.).
Wenn der Beklagte ihr vorwirft, sie habe den Sachverhalt unvollständig bzw. un-
richtig abgeklärt und relevante Beweismittel nicht abgenommen (act. 2 S. 9 f.,
12 f.), so betrifft dies – wie die Klägerin zutreffend bemerkt (act. 16 Rz. 6, 16 f.) –
nicht die Frage, ob über einen Wegzug überhaupt im Rahmen eines vorsorglichen
Massnahmeverfahrens entschieden werden kann, sondern die Frage, ob ein ent-
sprechender Massnahmeentscheid inhaltlich fehlerfrei ist. Darauf wird zurückzu-
kommen sein (vgl. unten, E. 5).
4.16. Schliesslich wendet der Beklagte ein, das Massnahmeverfahren sei für ei-
nen so folgenschweren Entscheid wie jenen über die Bewilligung eines Aufent-
haltsortswechsels der Kinder ungeeignet, weil damit ein abgesenktes Beweis-
mass einhergehe und die relevanten Tatsachen nur glaubhaft zu machen statt wie
im ordentlichen Scheidungsverfahren strikte zu beweisen seien. Dies sei insbe-
sondere deshalb problematisch, weil dies die Möglichkeit eröffne, eine antizipierte
Beweiswürdigung auf Stufe "Glaubhaftmachen" vorzunehmen und die Abnahme
von Beweismitteln mit der Begründung abzulehnen, eine bestimmte Tatsache
- 37 -
(oder ihr Gegenteil) sei bereits glaubhaft gemacht worden (act. 2 S. 10 f.). Dieser
Einwand ist nicht ganz unberechtigt. Das Problem eines abgesenkten Beweis-
masses, das sich mit der präjudizierenden Wirkung eines vorsorglichen Weg-
zugsentscheids und dessen faktischer Tragweite in der Tat nicht ohne Weiteres
verträgt, besteht indes gleichermassen, wenn über einen Wegzug im Rahmen ei-
nes Eheschutzverfahrens zu entscheiden ist (was zweifelsohne möglich ist). Bei
richtiger Betrachtung ist diesem Problem denn auch nicht damit zu begegnen,
dass ein Wegzugsentscheid im vorsorglichen Massnahmeverfahren schlechter-
dings zu verweigern und ins Hauptverfahren zu verweisen wäre, sondern damit,
dass im Rahmen eines solchen Entscheides von einer antizipierten Beweiswürdi-
gung nur zurückhaltend Gebrauch zu machen ist. Angesichts der Folgenschwere
und der präjudizierenden Wirkung eines vorsorglichen Wegzugsentscheides kann
es nicht angehen, die Abnahme eines möglicherweise relevanten Beweismittels
mit der Begründung abzulehnen, gestützt auf die bisher abgenommenen Beweise
sei das Vorliegen oder Nichtvorliegen einer Tatsache bereits glaubhaft gemacht
(aber nicht strikte bewiesen). Anders als bei anderen Massnahmeentscheiden wä-
re es hier nämlich nicht sachgerecht, mit dem abgesenkten Beweismass bloss ei-
ne erleichterte Abänderbarkeit bzw. eine beschränkte materielle Rechtskraft ein-
hergehen zu lassen und auf den Wegzugsentscheid bei Vorliegen eines verbes-
serten Beweisergebnisses zu einem späteren Zeitpunkt (aber vor Abschluss des
Scheidungsverfahrens) ohne Weiteres zurückzukommen; ein für die Kinder
schädliches Hin und Her gilt es mit Blick auf das Kindeswohl gerade zu vermei-
den.
4.17. Zusammenfassend ist ein Entscheid über die Wegzugsfrage im Rahmen
des vorliegenden Massnahmeverfahrens zu fällen. Zu beachten ist jedoch, dass
trotz des summarischen Charakters des Verfahrens keine Beweismittelbeschrän-
kung gilt, dass der Sachverhalt umfassend abzuklären ist und dass eine antizi-
pierte Beweiswürdigung jedenfalls nicht mit der Begründung erfolgen darf, das
Vorliegen oder Nichtvorliegen einer Tatsache sei bereits glaubhaft gemacht.
- 38 -
5. Bewilligung des Aufenthaltsortswechsels der Kinder
5.1. Grundlagen
5.1.1. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Aufenthaltsortswech-
sel der Kinder nach Art. 301a Abs. 2 ZGB zu bewilligen ist, bildet die vom Ge-
setzgeber bewusst getroffene Entscheidung, die Niederlassungs- und Bewe-
gungsfreiheit der Eltern zu respektieren und selbst dem Kindeswohl voran zu stel-
len. Es ist mithin – vorbehalten Rechtsmissbrauch – nicht nach den Motiven für
den elterlichen Wegzug zu forschen, sondern von dieser Prämisse auszugehen.
Dementsprechend lautet die vom Gericht zu beantwortende Frage nicht, ob es für
das Kind vorteilhafter wäre, wenn beide Elternteile am angestammten Ort verblei-
ben würden. Die entscheidende Fragestellung ist vielmehr, ob sein Wohl besser
gewahrt ist, wenn es mit dem wegzugswilligen Elternteil wegzieht oder wenn es
sich beim zurückbleibenden Elternteil aufhält, was regelmässig eine Obhutsumtei-
lung impliziert. Die Antwort auf diese Frage hat sich nicht an der Interventions-
schwelle der Kindeswohlgefährdung, sondern an der Maxime des Kindeswohls
auszurichten; zudem ist sie auch unter Berücksichtigung der gestützt auf
Art. 301a Abs. 5 ZGB gegebenenfalls anzupassenden Kinderbelange (Obhut, Be-
treuung, persönlicher Verkehr, Unterhalt) zu beantworten. Insofern besteht zwi-
schen der unter dem Aspekt des Kindeswohls zu beantwortenden Frage, ob die
Verlegung des Aufenthaltsortes zu bewilligen ist, und der allenfalls darauffolgen-
den Anpassung der Kinderbelange – d.h. insbesondere den zur Debatte stehen-
den zukünftigen Betreuungsmodellen – eine enge Interdependenz (BGE 142 III
481, E. 2.3-2.6; 142 III 502, E. 2.5-2.6; BGer, 5A_945/2015 vom 7. Juli 2016,
E. 4.2-4.3 [nicht publ. in BGE 142 III 498]). Ein tragfähiger Entscheid darüber, ob
ausgehend vom Wegzug eines Elternteils ein Mitgehen oder ein Verbleiben des
Kindes beim anderen Elternteil zu seinem besseren Wohl ist, kann nämlich nicht
einfach im luftleeren Raum gefällt werden, sondern es bedarf hierzu einer konkre-
ten Entscheidbasis, d.h. einer konkreten Vorstellung darüber, in welche Umge-
bung der Umzug erfolgen soll und wie das zukünftige Betreuungs- bzw. Besuchs-
konzept einerseits bei einem Mitgehen des Kindes und andererseits bei einem
- 39 -
Verbleib beim anderen Elternteil aussehen würde (BGE 142 III 502, E. 2.6; 142 III
481, E. 2.8).
5.1.2. Die Frage, ob es – unter Geltung des dafür jeweils vorgesehenen Betreu-
ungs- bzw. Besuchskonzepts – für das Wohl des Kindes besser ist, mit dem weg-
zugswilligen Elternteil mitzugehen oder beim anderen Elternteil zurückzubleiben,
ist im Wesentlichen anhand derjenigen Kriterien zu beurteilen, die das Bundesge-
richt im Zusammenhang mit der Obhutszuteilung im Trennungs- bzw. Schei-
dungsfall entwickelt hat. Für die Neuregelung der Eltern-Kind-Verhältnisse haben
die Interessen der Eltern in den Hintergrund zu treten. Abzustellen ist auf die per-
sönlichen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, auf ihre erzieherischen Fä-
higkeiten und Bindungstoleranz, auf ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener Obhut
zu haben und sie weitgehend persönlich zu betreuen, sowie auf das Bedürfnis der
Kinder nach der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher, seelischer und
geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der Verhältnisse (BGE 142 III 481, E. 2.7;
142 III 498, E. 4.4; BGer, 5A_274/2016 vom 26. August 2016, E. 6; 5A_444/2017
vom 30. August 2017, E. 5.3.2).
5.1.3. Ist nur (aber immerhin) ein Elternteil willens und in der Lage, die Kinder bei
sich aufzunehmen und persönlich oder im Rahmen eines im Kindeswohl liegen-
den Betreuungskonzepts für das Wohl der Kinder zu sorgen, so ist der Entscheid,
wo sich der gewöhnliche Aufenthaltsort der Kinder befinden soll, imperativ präju-
diziert; eine nähere Diskussion des Kindeswohls läuft bei einer solchen Aus-
gangslage von vornherein ins Leere (BGE 142 III 481, E. 2.7, 2.9). Die grundsätz-
liche Erziehungsfähigkeit sowie der Wille und die Fähigkeit, im Rahmen eines
tauglichen Konzepts für eine angemessene, im Wohle der Kinder stehende Be-
treuung zu sorgen, bilden somit gewissermassen die Grundvoraussetzungen da-
für, dass die Wegzugsfrage überhaupt einer näheren Prüfung bedarf. Ob dies vor-
liegend aufseiten beider Parteien gegeben ist, wird in erster Linie zu prüfen sein.
5.1.4. Sind diese Grundvoraussetzungen bei beiden Elternteilen erfüllt und ist ihre
Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit in vergleichbarer Weise gewährleistet, so
kommt dem Kriterium der Stabilität der Verhältnisse besonderes Gewicht zu, gilt
es doch unnötige Veränderungen im örtlichen und sozialen Umfeld der Kinder
- 40 -
soweit möglich zu vermeiden. In einem solchen Fall ist grundsätzlich jener Lösung
den Vorzug zu geben, die unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles
am besten geeignet ist, den Kindern – gemessen an den bisher tatsächlich geleb-
ten Verhältnissen – die notwendige Stabilität zu bieten und die mit einem Wegzug
eines Elternteils zwangsläufig einhergehenden Veränderungen möglichst gering
zu halten (BGer, 5A_274/2016 vom 26. August 2016, E. 6; 5A_444/2017 vom
30. August 2017, E. 5.3.2).
5.1.5. Hierbei bildet das bisher gelebte Betreuungsmodell faktisch den Ausgangs-
punkt der Überlegungen. Sind die Kinder bislang von beiden Elternteilen in ähnli-
chem Umfang betreut worden (geteilte bzw. alternierende Obhut), so ist die Aus-
gangslage gewissermassen neutral. Es ist dann anhand weiterer Kriterien – na-
mentlich der besseren Gewährleistung der Stabilität der Verhältnisse, des zu er-
wartenden sozialen, wirtschaftlichen und sprachlichen Umfelds, der in Aussicht
stehenden Beschulung, der Erfüllung gesundheitlicher Bedürfnisse der Kinder
sowie (bei älteren Kindern) deren Meinungsäusserung – zu eruieren, welche
Lösung im besten Interesse der Kinder liegt (BGE 142 III 481, E. 2.7; 142 III 502,
E. 2.5).
5.1.6. War hingegen der wegzugswillige Elternteil nach dem bisher tatsächlich ge-
lebten Betreuungskonzept ganz oder überwiegend die Bezugsperson (namentlich
beim klassischen Besuchsmodell), wird es tendenziell eher im Wohl der Kinder
sein, wenn sie bei diesem verbleiben und folglich mit ihm wegziehen. Massgeblich
sind jedoch auch in solchen Konstellationen stets die Umstände des Einzelfalles,
wozu namentlich auch das Alter des Kindes gehört. Die für einen Verbleib der
Kinder in der Schweiz notwendige Umteilung der Obhut (bzw. der überwiegenden
Betreuungsanteile) an den anderen Elternteil – welche wie gesagt a priori voraus-
setzt, dass dieser überhaupt fähig und bereit ist, die Kinder bei sich aufzunehmen
und für eine angemessene Betreuung zu sorgen – bedarf jedenfalls der sorgfälti-
gen Prüfung, ob sie tatsächlich dem Kindeswohl entspricht. Dabei kommt es wie-
derum auf die Umstände des Einzelfalles an. Sind die Kinder noch klein und
dementsprechend mehr personen- denn umgebungsbezogen, ist eine Umteilung
an den zurückbleibenden Elternteil angesichts des Grundsatzes der Betreuungs-
und Erziehungskontinuität nicht leichthin vorzunehmen. Hingegen werden bei äl-
- 41 -
teren Kindern zunehmend die Wohn- und Schulumgebung sowie der sich ausbil-
dende Freundeskreis wichtig; hier kann der Verbleib in der Schweiz dem Kindes-
wohl unter Umständen besser dienen (BGE 142 III 481, E. 2.7; 142 III 502,
E. 2.5).
5.1.7. Zu beachten sind aber auch alle weiteren Facetten der konkreten Situation.
Beispielsweise ist es für ein Kind nicht einerlei, ob es bereits bislang zweisprachig
aufgewachsen ist oder ob es neu in einer ihm fremden Sprache beschult würde,
und es ist mit Blick auf die Stabilität der Verhältnisse auch nicht dasselbe, ob bei-
spielsweise der auswanderungswillige Elternteil in sein Heimatland bzw. in den
angestammten Familienkreis zurückkehrt bzw. zu einem neuen Partner in ein
wirtschaftlich und sozial abgesichertes Umfeld zieht oder ob es beispielsweise um
Gewinnung von Abstand bzw. um Abenteuerlust und eine Lebensführung mit
weitgehend offener Perspektive geht. Schliesslich wird bei älteren Kindern mass-
geblich auch auf die bei ihrer Anhörung geäusserten Wünsche und Vorstellungen
abzustellen sein, soweit sich diese mit den konkreten Begebenheiten vereinbaren
lassen (BGE 142 III 481, E. 2.7).
5.2. Erziehungsfähigkeit
5.2.1. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, es bestünden insgesamt keine Hinwei-
se für eine mangelnde Erziehungsfähigkeit einer der Parteien. Aufgrund des Um-
gangs beider Elternteile mit den Kindern sowie angesichts deren äusserst enga-
gierten Einsatzes in sämtlichen Kinderbelangen sei davon auszugehen, dass bei-
de Parteien C._ und D._ ein liebevolles, vorsorgliches und förderndes
Umfeld bieten würden. Die von den Parteien gegenseitig erhobenen Vorwürfe –
nämlich dass der Beklagte den bestehenden Loyalitätskonflikt der Kinder verstär-
ken würde, dass die Klägerin die Kinder vom Beklagten entfremden wolle und
nicht bindungstolerant sei und dass beide Parteien jeweils nicht kooperations- und
kommunikationsfähig seien – seien allesamt unbegründet bzw. würden diese
nicht auf eine allgemeine Erziehungsunfähigkeit einer der Parteien schliessen
lassen. Es sei somit nicht notwendig, ein Gutachten zur Erziehungsfähigkeit der
Parteien einzuholen (act. 3 S. 22 ff.). Zum selben Schluss kommt auch der Kin-
desvertreter (act. 18 S. 4 ff.).
- 42 -
5.2.2. In seiner Berufungsschrift macht der Beklagte in diesem Zusammenhang
im Wesentlichen nur noch geltend, die Klägerin beabsichtige, die Kinder von ihm
zu entfremden. So habe sie sich vehement dagegen gewehrt, dass der Beklagte
bei offiziellen Fussballspielen der Kinder auf dem Fussballplatz anwesend sein
dürfe, wenn diese in die Betreuungszeiten der Klägerin fallen würden. Sodann
wolle bzw. akzeptiere sie zumindest, dass D._ ihren neuen Partner, J._,
"Papi" nenne; zudem habe sie den Beklagten verschiedentlich schon als "biologi-
schen Vater" bezeichnet. Dies begründe den Verdacht, dass die Klägerin mit dem
geplanten Wegzug beabsichtige, die Kinder von ihm zu entfremden (act. 2
S. 17 f.). Diese Ausführungen überzeugen nicht. Der Klägerin ist darin beizupflich-
ten (vgl. act. 34 Rz. 26, act. 16 Rz. 30), dass sich der Beklagte in Zeiten, in wel-
chen das Recht und die Pflicht zur Kinderbetreuung nach Absprache der Parteien
bzw. (nunmehr) nach gerichtlicher Anordnung der Klägerin zukommt, grundsätz-
lich aus dieser herauszuhalten hat. Es ist gewiss nicht förderlich, wenn er sich in
die dann von der Klägerin auszuübende Kinderbetreuung einmischt. Nichts ein-
zuwenden ist demgegenüber gegen eine blosse, passive Anwesenheit des jeweils
nicht betreuenden Elternteils an offiziellen Fussballspielen, die insofern mit Schul-
oder Musikaufführungen oder dergleichen vergleichbar sind. Gegen eine entspre-
chende passive "Zuschauerrolle" wehrt sich die Klägerin denn auch gar nicht (vgl.
act. 34 Rz. 26). Die (bestrittene) Behauptung, dass die Klägerin von D._ (ak-
tiv) verlange, dass dieser "Papi" zu J._ sage, ist durch nichts belegt. Gegen
den (unstrittigen) Umstand, dass sie dies bloss (passiv) toleriere, ist dagegen
nichts einzuwenden. Die Klägerin hat im Übrigen nachvollziehbar dargelegt, dass
sie mit den Kindern anhand eines Kinderbuches besprochen habe, dass es unter-
schiedliche Familientypen und daher auch unterschiedliche Möglichkeiten gebe,
wie Menschen bezeichnet werden könnten, und dass den Kindern niemand vor-
schreiben solle, wen sie wie zu nennen hätten; nur in diesem Kontext habe sie
den Beklagten als "biologischen Vater" bezeichnet (act. 16 Rz. 30 ff.). Mit der Vor-
instanz (act. 3 S. 22 ff.) und dem Kindesvertreter (act. 18 S. 4 ff.) ist davon aus-
zugehen, dass diese Umstände in keiner Weise geeignet sind, die Bindungstole-
ranz bzw. die Erziehungsfähigkeit der Klägerin in Frage zu stellen. Vielmehr sind
sie Ausdruck einer (legitimen) liberalen Haltung in Bezug auf mögliche Familien-
- 43 -
strukturen, was als solches im Rahmen einer auf Eigenverantwortung gerichteten
Erziehung durchaus auch mit den Kindern besprochen werden kann. Von einer
Absicht, die Kinder vom Beklagten entfremden zu wollen, kann jedenfalls nicht
gesprochen werden.
5.2.3. Wenn der Beklagte der Vorinstanz schliesslich vorwirft, die für die Um-
zugsmotive der Klägerin relevanten Tatsachen unrichtig festgestellt zu haben
(act. 2 S. 18), so verkennt er, dass diese – abgesehen von Fällen des Rechts-
missbrauchs – schlicht unerheblich sind (BGE 142 III 481, E. 2.7). Dass die Klä-
gerin offensichtlich nur deshalb nach E._ ziehe, um die Kinder vom Beklag-
ten zu entfremden, sonst aber überhaupt keine plausiblen – wenn allenfalls auch
nur für sie, nicht aber für die Kinder unmittelbar relevanten – Gründe dafür habe,
macht auch der Beklagte nicht geltend. Von einer Entfremdungsabsicht bzw. ei-
nem rechtsmissbräuchlichen Umzug kann damit keine Rede sein.
5.2.4. Die Klägerin bestreitet die Erziehungsfähigkeit des Beklagten (sinngemäss)
auch in ihrer Berufungsantwort und lässt ausführen, sie habe vor Vorinstanz sach-
lich dargelegt, inwiefern der Beklagte die Loyalitätskonflikte der Kinder verstärke
und inwiefern seine Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit unzureichend
seien. Die von ihr erwähnten Vorfälle habe die Vorinstanz zu Unrecht bagatelli-
siert und nicht berücksichtigt (act. 16 Rz. 29). Mit diesen Ausführungen wiederholt
die Klägerin im Wesentlichen bloss ihr Vorbringen vor Vorinstanz bzw. verweist
sie auf dieses. Damit genügt sie den Anforderungen an eine hinreichende Be-
gründung der in der Berufungsantwort neu erhobenen Beanstandungen nicht (vgl.
dazu oben, E. 2.2-2.3). Auf diese Einwände ist folglich nicht weiter einzugehen.
5.2.5. Damit ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass beide Parteien in
gleichem Masse erziehungsfähig sind. Ein Gutachten über die Erziehungsfähig-
keit der Parteien einzuholen, erübrigt sich damit.
5.3. Tauglichkeit und Angemessenheit der zukünftigen Betreuungskonzepte
5.3.1. Damit sich die Frage, ob es zum besseren Wohl der Kinder ist, mit der Klä-
gerin wegzuziehen oder beim Beklagten in der Schweiz zu bleiben, überhaupt
- 44 -
stellt, ist wie gesagt erforderlich, dass beide Elternteile willens und in der Lage
sind, die Kinder bei sich aufzunehmen und persönlich oder im Rahmen eines im
Kindeswohl liegenden Betreuungskonzepts für die Kinder zu sorgen (vgl. BGE
142 III 481, E. 2.7, 2.9). Aus der zwischen der Wegzugsfrage und den gegebe-
nenfalls neu zu regelnden Kinderbelangen bestehenden Interdependenz (vgl.
Art. 301a Abs. 5 ZGB) ergibt sich ferner, dass über den Wegzug nur bei Kenntnis
der konkreten – bis zum Wegzugsentscheid freilich hypothetischen – Ausgestal-
tung der Betreuung und des persönlichen Verkehrs für die zwei zur Debatte ste-
henden Szenarien entschieden werden kann. Es muss insofern eine gewisse
Vorstellung darüber bestehen, in welche Umgebung der Wegzug erfolgen soll und
wie das zukünftige Betreuungs- bzw. Besuchskonzept im Falle eines Mitgehens
der Kinder einerseits und im Falle eines Verbleibs in der Schweiz andererseits
aussehen würde. Vom wegzugswilligen Elternteil können indes nicht Details wie
die genaue Wohn- oder Schuladresse verlangt werden, weil dieser für die Umset-
zung der Pläne oft gerade auf den Wegzugsentscheid angewiesen ist; wenigstens
die Konturen des Wegzugs und des neuen Betreuungskonzepts müssen jedoch
feststehen (BGE 142 III 481, E. 2.8; 142 III 502, E. 2.6). Es sind somit die von den
Parteien aufgestellten Konzepte, die sie für den Fall eines Wegzugs der Kinder
nach E._ bzw. bei einem Verbleib in der Schweiz jeweils vorsähen, näher zu
betrachten.
5.3.2. Betreuungskonzept der Klägerin
5.3.2.1. Bereits vor Vorinstanz hat die Klägerin das von ihr für den Fall eines
Wegzugs nach E._ vorgesehene Betreuungskonzept den Konturen nach hin-
reichend deutlich umrissen. Die Vorinstanz erachtete dieses zu Recht als tauglich
und mit dem Kindeswohl ohne Weiteres vereinbar (act. 3 S. 29 f.). Mit ihrer Stel-
lungnahme zur Frage der aufschiebenden Wirkung (act. 11) und ihrer Berufungs-
antwort (act. 16) brachte die Klägerin alsdann verschiedene Noven ein, womit die
mögliche Betreuungssituation der Kinder weiter konkretisiert wurde: Ihr Partner,
J._, habe nun in E._ (... [Adresse]) ein Einfamilienhaus gekauft, in wel-
ches sie mit ihm und den Kindern einziehen wolle (act. 11 Rz. 13, act. 16 Rz. 40,
act. 12/2). C._ sei am K._-Gymnasium in E._ aufgenommen wor-
- 45 -
den; der erste Schultag finde am 10. August 2018 statt. D._ würde die
L._-Schule in E._ besuchen und dort gleich in die dritte Klasse eintre-
ten; der erste Schultag sei am 9. August 2018 (act. 11 Rz. 14 f., act. 16 Rz. 10,
act. 12/3, 12/5, 17/1). Ferner sei die Klägerin für eine Teilzeitstelle von 14 Wo-
chenstunden (ca. 50 %) in der Förderschule an der ... in E._ ausgewählt
worden, welche sie per 6. August 2018 angenommen habe (act. 11 Rz. 18,
act. 16 Rz. 10, 40, act. 12/8). Die Fahrzeit vom vorgesehenen Wohnort betrage
mit dem Auto ca. fünf Minuten, mit dem Fahrrad ca. acht Minuten. Den Stunden-
plan habe die Schule noch nicht erstellt. Aufgrund des Blockunterrichts in
Deutschland, wonach grundsätzlich (ausser bei älteren Kindern) nur vormittags
bis 13.00 bzw. 13.30 Uhr unterrichtet werde, sei es aber unwahrscheinlich, dass
die Klägerin nachmittags werde arbeiten müssen; gegebenenfalls würde dies
höchstens einen Nachmittag betreffen. Vorbereitungen für die Schule würde die
Klägerin – wie bisher – abends erledigen, wenn die Kinder im Bett seien. Folglich
wäre die Klägerin an gewissen Tagen in Randzeiten – etwa eine halbe Stunde
morgens und u.U. nach dem Unterricht über den Mittag – sowie allenfalls an ei-
nem Nachmittag pro Woche auf Fremdbetreuung angewiesen. Dies sei jedoch
kein Problem, da die Schulen jeweils ganztägige Betreuungsprogramme anbieten
würden. D._ würde an maximal zwei Tagen pro Woche im Hort Mittag essen;
C._ würde im Gymnasium jeweils in der Mensa mit Schulkameraden essen
(act. 16 Rz. 40, Prot. Vi., S. 31, 35 f.).
5.3.2.2. Der vom Beklagten sowohl vor Vorinstanz (act. 74 Rz. 77) wie auch in
seiner Berufungsschrift (act. 2 S. 20) erhobene Einwand, der Klägerin könnte eine
Arbeitsstelle zugeteilt werden, die weit weg vom vorgesehenen Wohnort liege,
sodass erheblich mehr Fremdbetreuung anfallen würde, hat sich mit den von der
Klägerin nunmehr eingebrachten (unbestrittenen) Noven erübrigt. Dasselbe gilt für
seinen Einwand, das Pensum der Klägerin stehe nicht fest und könne mehr als
50 % betragen (act. 2 S. 20 f.).
5.3.2.3. Weiter moniert der Beklagte, die Vorinstanz habe die von ihm geäusserte
Befürchtung, dass die Klägerin allenfalls auch nachmittags arbeiten müsse und
entsprechend erheblich mehr Fremdbetreuung notwendig werden würde, "ge-
- 46 -
stützt auf Mutmassungen" zurückgewiesen (act. 2 S. 20). Die Ausführungen der
Vorinstanz, wonach Nachmittagsarbeit angesichts der in Deutschland üblichen
Blockzeiten unwahrscheinlich sei und höchstens einzelne Nachmittage betreffen
würde (act. 3 S. 30), seien "nicht nachvollziehbar" (act. 2 S. 20). Dieses Vorbrin-
gen des Beklagten genügt den Anforderungen an eine hinreichende Berufungs-
begründung nicht (vgl. oben, E. 2.2), weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
Immerhin sei angemerkt, dass der Schluss der Vorinstanz, erhebliche Nachmit-
tagsarbeiten würden angesichts der Blockzeiten unrealistisch erscheinen, durch-
aus nachvollziehbar ist und dass selbst wenn die Klägerin an gewissen Nachmit-
tagen arbeiten müsste, eine Fremdbetreuung – wie sie auch der Beklagte in sei-
nem Betreuungskonzept vorsieht – ohne Weiteres möglich und mit dem Kindes-
wohl zu vereinbaren wäre.
5.3.2.4. In Bezug auf die mögliche Regelung des persönlichen Verkehrs zwischen
den Kindern und dem Beklagten (bzw. möglicher Betreuungsanteile des Letzte-
ren) bringt die Klägerin in ihrer Berufungsantwort neu vor, der Beklagte habe sich
mit E-Mail vom 13. Juni 2018 (act. 17/4) erstmals zu einem Besuchs- bzw. Be-
treuungskonzept für den Fall eines Wegzugs geäussert und mit einer Excel-Datei
angeboten, er könne die Kinder jedes vierte Wochenende in Deutschland, jeweils
von Mittwoch, 17:00 Uhr, bis Montag, 08.00 Uhr, und jedes vierte Wochenende
bei sich in der Schweiz (Hinflug jeweils Freitag nachmittags, Rückflug jeweils
Sonntag spätnachmittags) betreuen (act. 16 Rz. 23, act. 17/5); dies sei mit einem
Arbeitspensum von 80 % bzw. 90 % ohne Weiteres zu vereinbaren (act. 27
Rz. 20). Dem hält der Beklagte entgegen, diese vorgeschlagene Regelung sei
ausdrücklich nur vorläufig und nur für den (nicht eingetretenen) Fall bestimmt ge-
wesen, dass die aufschiebende Wirkung nicht gewährt würde (vgl. act. 17/4 S. 2).
Er habe einen abrupten Abbruch des persönlichen Verkehrs verhindern wollen.
Bei dieser Regelung hätte er Urlaub beziehen müssen, was langfristig bei einem
80 %-Pensum aber nicht möglich gewesen wäre. Sollte es tatsächlich zu einem
Umzug kommen, möchte er die Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs wie be-
antragt in einer Mediation geregelt haben (act. 22 S. 8 ff., 17).
- 47 -
5.3.2.5. Der Beklagte bringt zwar zutreffend vor, dass er das von ihm vorgeschla-
gene Besuchs- bzw. Betreuungskonzept ausdrücklich als nur vorläufige Regelung
bezeichnet habe (act. 17/4 S. 2). Inwiefern diese vorläufige Regelung jedoch mit
einem Arbeitspensum von 80 % – bei gegebener Flexibilität der Arbeitgeberin (s.
dazu sogleich, E. 5.3.3) – nicht auch längerfristig zu vereinbaren wäre, leuchtet
nicht ein, zumal die Belastung des Beklagten im Falle einer Wegzugsverweige-
rung erheblich grösser wäre. Dies ist indes nicht entscheidend. Selbst wenn ein
persönlicher Verkehr nur im Rahmen der von der Vorinstanz für die Zeit nach ei-
nem Wegzug vorgesehenen Besuchsregelung möglich sein sollte, welche auch
der Beklagte nicht als unzumutbar oder unangemessen rügt, liesse sich ein – ge-
messen an der Distanz zwischen den Wohnorten – doch immer noch recht aus-
gedehnter Kontakt zwischen den Kindern und dem Beklagten realisieren. Danach
würde Letzterer die Kinder jeweils jedes vierte Wochenende (Freitag- bis Sonn-
tagabend) in Deutschland, jedes vierte Wochenende (Freitag- bis Sonntagabend)
bei sich in der Schweiz sowie zur Hälfte an den Feier- und Ferientagen betreuen
(act. 3, S. 46 ff. und Dispositivziffer 3b). Das von der Klägerin für den Fall eines
Wegzugs nach E._ vorgeschlagene Betreuungs- und Besuchskonzept er-
weist sich insofern als angemessen und mit dem Kindeswohl vereinbar.
5.3.3. Betreuungskonzept des Beklagten
5.3.3.1. Die Vorinstanz erachtete auch das vom Beklagten für den Fall eines Ver-
bleibs der Kinder in der Schweiz – bei gleichzeitigem Wegzug der Klägerin nach
Deutschland – vorgesehene Betreuungs- und Besuchskonzept im Grundsatz als
angemessen und mit dem Kindeswohl vereinbar. Der Beklagte habe sein Pensum
als IT-Consultant auf 80% reduziert; dies sei einstweilen befristet, könne aber
auch in Zukunft so weitergeführt werden. Seine Arbeitgeberin, die H._
(Schweiz) AG, sei in Bezug auf Anpassungen, die aufgrund der Kinderbetreuung
notwendig würden, äusserst entgegenkommend. Eine Anwesenheitspflicht beste-
he grundsätzlich nicht und es sei generell ein Arbeiten im "Home-Office" erlaubt;
zudem habe er keine festen Arbeitszeiten, sondern sei völlig flexibel. Es würden
jedoch gelegentlich Reisen zu Kunden notwendig werden. Während dies früher
noch viel häufiger der Fall gewesen sei, kämen heute – aufgrund der nunmehr
- 48 -
vorwiegend virtuellen Tätigkeit des Beklagten – praktisch keine mehrtägigen Aus-
landreisen mehr vor, wohl aber immer noch Tagesaufenthalte in Bern und Basel
sowie zweitägige Reisen nach München und ... [Ort in Deutschland] (act. 3 S. 30
f.). Der vom Beklagten vorgelegte Betreuungsplan (act. 8/75/31) sehe eine
Fremdbetreuung jeweils am Montag- und Donnerstagmittag im Kinderhort sowie
an zwei für Reisen vorgesehenen Tagen pro Monat (inklusive Übernachtung)
durch die bisherige Kinderbetreuerin M._ vor. Am Montag und Donnerstag
würde der Beklagte im Büro in N._ und in den restlichen Zeiten – neben der
Kinderbetreuung – im "Home-Office" arbeiten. Dies erachtete die Vorinstanz als
realistisch, da die Kinder keine Betreuung rund um die Uhr mehr benötigen wür-
den, sondern sich selbst beschäftigen könnten (act. 3 S. 31). Einen ersten Vorbe-
halt brachte die Vorinstanz jedoch in Bezug auf mögliche mehrtägige Geschäfts-
reisen des Beklagten an (act. 3 S. 31 f.). Obschon deren Häufigkeit in den letzten
Jahren stark abgenommen habe, sei davon auszugehen, dass solche nach wie
vor vorkommen würden. In seinem Betreuungskonzept sähe der Beklagte vor,
dass er solche Reisen in jene Zeiträume legen könne, in welchen die Klägerin die
Kinder in den Ferien betreue. Dies erachtete die Vorinstanz als unrealistisch. Ent-
sprechend sei das Betreuungskonzept des Beklagten in diesem Punkt "ungenü-
gend" (act. 3 S. 32); dennoch erachtete sie dies letztlich aber offenbar nicht als
entscheidend (vgl. act. 3 S. 33, 41). Einen zweiten Vorbehalt äusserte die Vo-
rinstanz dahingehend, dass sich ernsthaft die Frage stelle, ob es tatsächlich rea-
listisch sei, dass der Beklagte sein 80%-Pensum mit einer umfassenden Kinder-
betreuung vereinbaren könne bzw. ob ihn dies nicht überfordern würde. Für ent-
scheidend hielt sie dies letztlich aber offenbar auch nicht (act. 3 S. 33, 41).
5.3.3.2. In ihrer Stellungnahme zur Frage der aufschiebenden Wirkung sowie in
ihrer Berufungsantwort brachte die Klägerin alsdann die (unbestrittenen) Noven
vor, sie hätte den Mittagstisch in O._ mit Schreiben vom 23. April 2017
(act. 12/7) gekündigt und die Kinderbetreuerin M._ stehe nicht (mehr) zur
Verfügung (act. 11 Rz. 17, 25, act. 16 Rz. 11; vgl. auch act. 27 Rz. 2 f., 14); folg-
lich erweise sich das Betreuungskonzept des Beklagten als "völlig unzureichend".
Dass die Klägerin den Mittagshort in O._ eigenmächtig kündigte, obschon ihr
klar sein musste, dass ein Umzug nach E._ nicht definitiv feststehen und der
- 49 -
Mittagshort fester Bestandteil des Betreuungskonzepts des Beklagten sein würde,
und sie dieses Konzept nun (unter anderem) aus eben diesem Grund als unzu-
reichend kritisiert, mutet seltsam an. Auch scheint merkwürdig, dass die bisherige
Kinderbetreuerin, M._, die dem Beklagten zuvor noch schriftlich bestätigt hat-
te, für die Kinderbetreuung weiterhin zur Verfügung zu stehen (act. 8/75/31a), nun
offenbar doch nicht dazu bereit sein soll, was sie der Klägerin ebenfalls schriftlich
bestätigt hat (act. 12/9). Dies mag auf die fehlenden Sprachkenntnisse der Kin-
derbetreuerin zurückzuführen sein. Auch mag zutreffen, dass sie die Kinder nur
dann betreuen möchte, wenn dies im Einverständnis mit beiden Elternteilen ge-
schieht (vgl. act. 27 Rz. 2 f.). Weshalb sich die Klägerin aber gegen eine Betreu-
ung durch die bisherige Kinderbetreuerin wehren sollte, ist – abgesehen davon,
dass sie sich dadurch offensichtlich einen Vorteil im vorliegenden Prozess ver-
schaffen und das Betreuungskonzept des Beklagten dadurch in Frage stellen will
– schlicht nicht ersichtlich. Wie es sich damit im Einzelnen verhält, kann indes of-
fen bleiben. Mit seiner Stellungnahme vom 13. Juli 2018 (act. 22) brachte der Be-
klagte nämlich die Noven vor, er habe Frau P._ als Ersatz gefunden, welche
die Kinderbetreuung anstelle von M._ übernehmen würde, und er habe im
Hort O._ (wieder) zwei Plätze für den Mittagstisch reservieren können
(act. 22 S. 3 ff., act. 23/2, 23/6-7). Damit erübrigen sich die entsprechenden Ein-
wände der Klägerin. Ihr neues Vorbringen, Frau P._ sei über 70 Jahre und
das eingereichte Arbeitszeugnis über zehn Jahre alt, ist nicht stichhaltig. Dafür,
dass Frau P._ für die Kinderbetreuung ungeeignet sein soll, bestehen keiner-
lei Anhaltspunkte.
5.3.3.3. Ferner reichte der Beklagte mit seiner Stellungnahme vom 13. Juli 2018
ein neues, überarbeitetes Betreuungs- und Besuchskonzept ins Recht (act. 22
S. 4 f., act. 23/1). Danach würde er am Montag und Freitag Vollzeit arbeiten und
diese Tage bei Bedarf für Arbeiten im Büro in N._ sowie für Tagesaufenthalte
bei Kunden in der Schweiz freihalten. An diesen Tagen hätten beide Kinder ge-
mäss dem neuen Stundenplan ganztags Schule und würden am Mittag im Hort in
O._ essen. Nach Schulschluss (15.25 Uhr) würden die Kinder an diesen bei-
den Nachmittagen von Frau P._ betreut; der Beklagte käme dann jeweils
spätestens um 18.30 Uhr nach Hause. An den übrigen Tagen übernehme er per-
- 50 -
sönlich die Betreuung. Für Notfälle würden sodann zwei Nachbarinnen (Frau
Q._ und Frau R._) einspringen, welche die Kinder bereits gut kennen
würden. Ferner habe sich auch die Mutter des Beklagten (wohnhaft in Deutsch-
land) bereit erklärt, die Kinder bei Bedarf in der Wohnung des Beklagten zu be-
treuen (vgl. act. 23/8); auch zu ihr hätten die Kinder ein gutes Verhältnis. Maximal
jeden zweiten Monat falle sodann ein zweitägiger Aufenthalt bei Langzeitkunden
in Deutschland (... [Ort] und München) an. Soweit diese Aufenthalte nicht in Ob-
hutszeiträume der Klägerin – insbesondere deren hälftige Ferienbetreuung – ge-
legt werden könnten, stehe die Mutter des Beklagten zur Verfügung, um die Kin-
der bei ihm in der Wohnung zu betreuen (act. 22 S. 4 f., 23/8).
5.3.3.4. In Bezug auf die von der Vorinstanz bemängelte Regelung der mehrtäti-
gen Auslandreisen führt der Beklagte aus, dass diese klar die Ausnahme bilden
würden und eigentlich gar nicht vorkommen sollten. Es bestehe keine Regelmäs-
sigkeit solcher Reisen und damit auch keine Regelungsbedürftigkeit. So habe die
letzte grössere Geschäftsreise denn auch im Mai 2017 stattgefunden. Seit dann
würden eigentlich keine solchen Reisen mehr anfallen. Grund dafür sei, dass seit
dann eine sog. Cloud-Software in Gebrauch sei, die eine Software-Beratung aus
der Ferne ermögliche (act. 2 S. 21 f., act. 22 S. 12, Prot. Vi., S. 47). Für den sel-
tenen Fall, dass es doch zu einer Auslandreise kommen sollte, könne der Beklag-
te diese entgegen den vorinstanzlichen Feststellungen sehr wohl in die Betreu-
ungszeiträume der Klägerin (namentlich deren Ferienbetreuung) legen. Die Ter-
mine für entsprechende Besuche von Langzeitkunden würden ca. sechs bis acht
Wochen im Voraus festgelegt; dies sei entgegen der Vorinstanz durchaus plausi-
bel, weil der Beklagte diese Kunden in ihrer langfristigen Planung berate (act. 2
S. 21 f., act. 22 S. 12).
5.3.3.5. Gegen das Betreuungskonzept des Beklagten wendet die Klägerin zu-
nächst ein, dass sich die Kinderbetreuung mit der Arbeit im "Home-Office" nicht
vereinbaren lasse, namentlich weil der Beklagte nachmittags auch an Videokonfe-
renzen teilnehmen müsse (act. 16 Rz. 44). Dies überzeugt nicht. Es ist nicht er-
sichtlich, inwiefern gelegentliche Videokonferenzen einer Kinderbetreuung grund-
sätzlich entgegenstehen würden. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt (act. 3
- 51 -
S. 31), sind die Kinder in einem Alter, in welchem sie sich durchaus selbst be-
schäftigen können und keiner permanenten Überwachung mehr bedürfen. So-
dann hält die Klägerin dafür, dass eine Fremdbetreuung für eine etwa alle zwei
Monate anfallende Übernachtung nicht sichergestellt sei (act. 27 Rz. 6), dass eine
Zusage für Notfälle durch die zwei Nachbarinnen unbelegt sei und dass die
70-jährige Mutter des Beklagten 700 km entfernt wohne, weshalb ein kurzfristiges
Einspringen nicht möglich sei. Auch diese Einwände erweisen sich als unbegrün-
det. Die Mutter des Beklagten bestätigte ausdrücklich, ihre Enkelkinder bei Bedarf
in der Wohnung des Beklagten zu betreuen, wenn nötig auch über mehrere Tage.
Sie sei bereits mehrfach mit der Bahn nach Zürich gereist, um den Beklagten und
die Kinder zu besuchen. Eine solche Reisetätigkeit im Abstand von etwa zwei
Monaten erscheint ohne Weiteres zumutbar. Zudem liegt es nicht nahe, dass die
jeweils zweitägigen Geschäftsreisen nach Deutschland jeweils so kurzfristig anbe-
raumt werden müssen, dass eine entsprechende Anreise der Mutter des Beklag-
ten nicht möglich wäre. Im Übrigen trifft es zwar zu, dass der Beklagte zum Be-
weis der behaupteten Zusage der Nachbarinnen, bei Notfällen einzuspringen, nur
deren Zeugenaussagen offeriert hat (act. 22 S. 5). Ernsthafte Zweifel daran, dass
sich für Notfälle – d.h. für an sich nicht vorgesehene Ausnahmesituationen, wie
sie im Leben immer eintreten können – eine Lösung in der Nachbarschaft, mit
Frau P._ oder dem sonstigen sozialen Netzwerk des Beklagten finden liesse,
können freilich nicht bestehen.
5.3.3.6. Weiter wendet die Klägerin ein, es sei mit der Vorinstanz davon auszuge-
hen, dass mehrtägige Reisen weiterhin, wenn vielleicht auch seltener, anfallen
würden und dass eine Verschiebung um möglicherweise mehrere Wochen unrea-
listisch sei (act. 16 Rz. 42, act. 27 Rz. 6, 25). Diese Bedenken teilt die Kammer
nicht. Obschon es zwar möglich scheint – und auch der Beklagte nicht aus-
schliesst –, dass auch in Zukunft ganz vereinzelt längere Reisen anfallen könnten,
scheint es durchaus realistisch, dass der Beklagte diese in Absprache mit seiner
Arbeitgeberin und den Kunden (weitgehend) in die von der Klägerin übernomme-
nen, noch weiter im Voraus abzusprechenden Zeiträume der Ferienbetreuung le-
gen kann. Der Beklagte legt nachvollziehbar dar, dass er diese Kunden in ihrer
langfristigen Planung unterstütze. Vor diesem Hintergrund scheint unwahrschein-
- 52 -
lich, dass die Kunden regelmässig darauf beharren würden, dass der Beklagte in-
nert weniger Tage oder Wochen ins entfernte Ausland reise. Und selbst wenn
einmal, ganz ausnahmsweise, eine mehrtägige Geschäftsreise anfallen sollte, die
der Beklagte nicht in Betreuungszeiten der Klägerin legen könnte, ist davon aus-
zugehen, dass sich – im Sinne einer Notfalllösung – eine Fremdbetreuung sicher-
stellen liesse (z.B. durch die Mutter des Beklagten, Frau P._ oder eine
Nachbarin; vgl. act. 22 S. 5). Die grundsätzliche Tauglichkeit des Betreuungskon-
zepts des Beklagten wird dadurch jedenfalls nicht in Frage gestellt.
5.3.3.7. Schliesslich stellt sich die von der Vorinstanz (act. 3 S. 32 f.) und der Klä-
gerin (act. 16 Rz. 43, act. 27 Rz. 4, 26) aufgeworfene Frage, ob die vom Beklag-
ten vorgeschlagene Kinderbetreuung ihn neben seiner Arbeitslast überfordern
würde. Die Vorinstanz führt aus, der Beklagte habe eine anspruchsvolle Arbeit zu
verrichten und arbeite bei einem 80% Pensum etwa 40 Wochenstunden, was ei-
nem landläufigen Vollzeitpensum entspreche. Es lägen sodann zwei E-Mails des
Beklagten vom 26. April 2017 (act. 35/48) bzw. vom 14. Mai 2017 (act. 35/49) im
Recht, in welchen dieser zum Ausdruck gebracht habe, dass er an einem chroni-
schen Erschöpfungszustand leide und deshalb die Kinder neben der Arbeit nur
noch von Samstagmorgen, 08.00 Uhr, bis Sonntagabend, 18.00 Uhr, betreuen
könne (act. 3 S. 32 f.).
5.3.3.8. Dem hält der Beklagte entgegen, dass er im April bzw. Mai 2017 100 %
gearbeitet habe, dass er dann aber per Ende Juni 2017 sein Pensum auf 80 %
reduziert habe. Zudem seien zu jenem Zeitpunkt noch in erheblichem Umfang
grössere Auslandreisen angefallen, was nun aber auch weggefallen sei (act. 2
S. 22). Ferner habe der Beklagte seither wiederholt umfassend für die Kinder ge-
sorgt, was einwandfrei funktioniert habe. Namentlich seien die Kinder vom 8. bis
16. Februar 2018 und vom 25. Februar bis 5. März 2018 beim Beklagten gewe-
sen. In der ersten Woche hätten die Kinder Schule gehabt, in der zweiten Ferien;
der Beklagte habe indes in beiden Wochen voll gearbeitet (act. 22 S. 12).
5.3.3.9. Es ist zwar sicher richtig, dass eine umfassende Kinderbetreuung durch
den Beklagten – bei einem ausgedehnten persönlichen Verkehr durch die Kläge-
rin – bei seinem derzeitigen Arbeitspensum eine nicht zu unterschätzende Belas-
- 53 -
tung darstellen würde. Dass er hierzu jedoch ausserstande wäre bzw. dies zu ei-
ner geradezu gesundheitsschädigenden Überforderung des Beklagten führen
würde, ist im heutigen Zeitpunkt nicht ersichtlich. Der Beklagte macht zu Recht
geltend, dass er seit dem Sommer 2017 – und wohl als Reaktion auf seine vorma-
lige Erschöpfung – sein Pensum auf 80 % reduziert und dass die Reisetätigkeit
seither massiv abgenommen habe. Die Klägerin weist ihrerseits zutreffend darauf
hin, dass der Beklagte zwar sein Arbeitspensum auf 80 % reduziert habe, dass er
aber im Falle eines Verbleibs der Kinder in der Schweiz diese nunmehr in viel
grösserem Umfang zu betreuen hätte (act. 16 Rz. 43). Unrichtig scheint dagegen,
dass die Zunahme der Betreuungsanteile des Beklagten dessen Pensumsreduk-
tion mehr als wettmache. Das vom Beklagten vorgeschlagene Betreuungskonzept
sieht vor, dass er sein 80 %-Pensum über fünf Wochentage verteilen und nament-
lich auch dann – im "Home-Office" – arbeiten kann, wenn die Kinder am Nachmit-
tag zu Hause (oder im Fussballtraining oder dergleichen) sind. Dies erscheint
zwar durchaus anspruchsvoll, jedoch auch realistisch. Ins Gewicht fällt sodann
der (weitgehende) Wegfall der Reisetätigkeit. Hinzu kommt, dass die Kinder älter
sind als noch im Mai 2017 und dass deren tatsächliche Betreuungsbedürftigkeit
mit zunehmendem Alter stetig abnehmen wird.
5.3.3.10. In seinem überarbeiteten Betreuungs- und Besuchskonzept (act. 23/1)
sieht der Beklagte im Wesentlichen eine spiegelbildliche Regelung des persönli-
chen Verkehrs zwischen der Klägerin und den Kindern vor wie jene, welche die
Vorinstanz für den Fall eines Wegzugs der Kinder zwischen diesen und dem Be-
klagten angeordnet hat (act. 3, Dispositivziffer 3b). Solches erschiene durchaus
angemessen und wäre der Klägerin auch zuzumuten.
5.3.3.11. Insgesamt erscheint das überarbeitete Betreuungs- und Besuchskon-
zept des Beklagten als realistisch und mit dem Kindeswohl ohne Weiteres verein-
bar. Zwar ist darin ein gewisses Mass an Fremdbetreuung vorgesehen (Mittags-
tisch an zwei Wochentagen, Fremdbetreuung an zwei Nachmittagen und eine
Übernachtbetreuung durch die Mutter des Beklagten etwa alle zwei Monate), je-
doch hält sich diese doch immer noch in engen Grenzen. Da auch die Klägerin in
ihrem Betreuungskonzept auf gewisse – umfangmässig zwar etwas geringere –
- 54 -
Fremdbetreuung angewiesen ist, erweisen sich die beiden Konzepte auch unter
dem Aspekt der Eigenbetreuung als ungefähr gleichwertig.
5.4. Bisheriges Betreuungsmodell
5.4.1. Sind beide Elternteile erziehungsfähig sowie willens und in der Lage, die
Kinder bei sich aufzunehmen und persönlich oder im Rahmen eines im Kindes-
wohl liegenden Betreuungskonzepts für die Kinder zu sorgen, so kommt – insbe-
sondere bei Gleichwertigkeit der beiden Betreuungskonzepte – dem Kriterium der
Stabilität der Verhältnisse besonderes Gewicht zu. Hierbei bildet das bisher tat-
sächlich gelebte Betreuungsmodell Ausgangspunkt der Überlegungen (s. dazu
oben, E. 5.1).
5.4.2. Hierzu stellt die Vorinstanz Folgendes fest: Die Klägerin habe bisher in ei-
nem Pensum von 41-43% als Sonderpädagogin an der Primarschule in S._
gearbeitet und den Hauptanteil der Kinderbetreuung übernommen (act. 3 S. 26
ff.). Der Beklagte habe die Kinder zunächst an jedem zweiten Wochenende je-
weils von Freitagabend bis Montagmorgen sowie an durchschnittlich zwei weite-
ren Tagen pro Monat unter der Woche betreut. Seit Mitte November 2017 bzw.
seit Mitte Januar 2018 – der genaue Beginn der neuen Regelung sei strittig – ha-
be der Beklagte die Betreuung jedes zweite Wochenende jeweils von Donners-
tagabend bis Montagmorgen übernommen, dafür seien keine weiteren Zusatztage
unter der Woche mehr dazu gekommen. Zudem habe er die Kinder in den letzten
Jahren während jeweils durchschnittlich knapp sechs Wochen Ferien bzw. Feier-
tagen pro Jahr betreut (act. 3 S. 26 ff.). Im restlichen Umfang habe die Klägerin
die Kinder betreut, wobei sie aber teilweise auf Fremdbetreuung angewiesen ge-
wesen sei: Am Montag- und Donnerstagmittag hätten die Kinder jeweils am Mit-
tagstisch im Hort in O._ gegessen. Ferner sei D._, der dann frei gehabt
habe, am Dienstagnachmittag von der bisherigen Kinderbetreuerin M._ be-
treut worden, bis die Klägerin gegen 17.00 Uhr von der Arbeit zurückgekehrt sei.
Gelegentlich sei weitere Fremdbetreuung notwendig geworden, so etwa, wenn die
Klägerin abends Elterngespräche habe führen müssen (act. 3 S. 28).
- 55 -
5.4.3. Die Klägerin erachtet diese Feststellungen als zutreffend (vgl. act. 16
Rz. 35), macht aber geltend, die Ferien- bzw. Feiertagsbetreuung habe sich auf
"ca. fünf Wochen pro Jahr" belaufen (act. 16 Rz. 38) und die neue Regelung der
Betreuung werde bereits seit Mitte November 2017 praktiziert (act. 11 Rz. 8). Der
Beklagte macht seinerseits geltend, dass auch C._ jeweils am Dienstag-
nachmittag von M._ betreut worden sei (etwa von 16.00 bis 17.00 Uhr), dass
die neue Betreuungsregelung erst seit Januar 2018 Geltung habe und dass er die
Kinder zuvor in grösserem Umfang betreut habe, als die Vorinstanz festgestellt
habe. Namentlich seien mehr als zwei bis drei Zusatztage pro Monat dazuge-
kommen; zudem habe die Klägerin zwischen August und Dezember 2017 zusätz-
liche Betreuungstage durch den Beklagten in gewissem Umfang verweigert. Wie
viele Zusatztage seiner Ansicht nach dazugekommen sein sollen bzw. in welchem
Umfang die Klägerin ihm den Umgang mit den Kindern verwehrt haben soll, führt
der Beklagte in seiner Berufungsschrift nicht aus, weshalb sich seine Ausführun-
gen insoweit als nicht hinreichend begründet erweisen (Art. 311 Abs. 1 ZPO;
oben, E. 2.2). Sodann ist vorliegend nicht entscheidend, ob der Beklagte durch-
schnittlich fünf oder sechs Wochen der Ferienbetreuung übernommen hatte und
ob die neue Betreuungsregelung seit Mitte November 2017 oder seit Mitte Januar
2018 praktiziert wurde. Der Betreuungsanteil des Beklagten bewegte sich – wie
die Vorinstanz zutreffend feststellte – immer mehr oder weniger im selben Rah-
men und entsprach immer ungefähr dem aktuell praktizierten Betreuungsanteil.
Abgesehen davon ist unter dem Gesichtspunkt der Betreuungskontinuität und der
Stabilität der Verhältnisse ohnehin der aktuelle und nicht der frühere Betreuungs-
umfang relevant.
5.4.4. Insofern kann davon ausgegangen werden, dass der Beklagte die Kinder
aktuell jedes zweite Wochenende jeweils von Donnerstagabend bis Montagmor-
gen sowie während rund der Hälfte der Ferien- bzw. Feiertage (durchschnittlich
etwa fünf bis sechs Wochen pro Jahr) betreut. In der übrigen Zeit übernimmt die
Klägerin die Betreuung, wobei die Kinder zweimal pro Woche im Mittagshort es-
sen und an einem Nachmittag pro Woche (bis ca. 17.00 Uhr) von Frau M._
betreut werden. Der Betreuungsanteil des Beklagten beträgt damit rund 30 %.
- 56 -
Entgegen der Auffassung der Klägerin ist hier nicht nur die Alltags-, sondern auch
die Ferienbetreuung relevant (vgl. act. 27 Rz. 31).
5.5. Stabilität der Verhältnisse; gesundheitliche Bedürfnisse; Kinderwünsche
5.5.1. Unter dem Gesichtspunkt der Stabilität der Verhältnisse gilt es, die Verän-
derungen im Umfeld der Kinder – gemessen an den bisher tatsächlich gelebten
Verhältnissen – möglichst gering zu halten, um eine harmonische Entfaltung in
körperlicher, seelischer und geistiger Hinsicht bestmöglich zu gewährleisten. Aus-
gangspunkt bildet hier wie gesagt das bisherige Betreuungsmodell, wonach
C._ und D._ hauptsächlich von der Klägerin, zu rund 30 % vom Beklag-
ten und in ganz geringem Umfang von Drittpersonen betreut werden.
5.5.2. Werden die Kinder – wie vorliegend – überwiegend vom wegzugswilligen
Elternteil betreut, gilt nach der Rechtsprechung der Grundsatz, dass es tendenzi-
ell eher im Wohl der Kinder sein wird, wenn sie beim bisher hauptsächlich betreu-
enden Elternteil verbleiben und folglich mit ihm wegziehen (vgl. BGE 142 III 481,
E. 2.7; 142 III 502, E. 2.5). Eine solche Vermutung kann jedoch bei Lichte be-
trachtet nur bei jüngeren Kindern gelten, die noch ganz vorwiegend personen-
und nicht oder nur beschränkt umgebungsbezogen sind, insbesondere bei noch
nicht schulpflichtigen Kindern (vgl. BGE 142 III 481, E. 2.7; 142 III 502, E. 2.5, wo
die erwähnte Regel sogleich relativiert wurde). Mit zunehmendem Alter nimmt
auch die Umgebungsbezogenheit zu, d.h. es bildet sich – abgesehen von den
Beziehungen zu den beiden Elternteilen – auch eine gewisse Verwurzelung zum
geographischen, sozialen und schulischen bzw. beruflichen Umfeld heraus, so-
dass nicht einfach die personenbezogene Betreuungskontinuität dem Grundsatz
nach ausschlaggebend sein kann. Bei Teenagern, die bereits eine Lehrstelle ha-
ben oder das Gymnasium besuchen, mag insofern sogar umgekehrt der Grund-
satz gelten, dass ein Verbleib in der Schweiz eher in deren Wohl sein wird. Bei
Primarschülern scheint es indessen schwierig und nicht zielführend, ein eigentli-
ches "Regel-Ausnahme-Verhältnis" zu schaffen. Es ist vielmehr im Einzelfall ab-
zuwägen, ob eine Veränderung in der Betreuungssituation, d.h. namentlich eine
Änderung der Hauptbetreuungs- und Hauptbezugsperson, oder aber eine Verän-
derung im geographischen, sozialen und schulischen Umfeld einschneidender
- 57 -
wäre. Gerade wenn auch der zurückbleibende Elternteil bisher substantielle –
wenngleich klar unterhälftige – Betreuungsanteile übernommen hat und folglich
eine Betreuung durch diesen für die Kinder nicht ungewohnt wäre, kann der As-
pekt der personenbezogenen Betreuungskontinuität in den Hintergrund treten und
die Beziehungen zum sonstigen Umfeld gewichtiger werden. Zu berücksichtigen
ist nämlich insbesondere, dass sowohl im einen wie auch im anderen der beiden
zur Debatte stehenden Szenarien eine erhebliche Veränderung für die Kinder ein-
treten wird: Im einen Fall verlieren sie ihr geographisches, soziales und schuli-
sches Umfeld, im anderen Fall verlieren sie ihre bisherige Hauptbetreuungsper-
son. Dass überhaupt eine solche Veränderung eintritt, lässt sich unter der vom
Gesetzgeber diktierten Hypothese des tatsächlichen Umzugs des wegzugswilli-
gen Elternteils nicht verhindern.
5.5.3. Unter der Maxime des Kindeswohls sind aber auch sämtliche weiteren rele-
vanten Aspekte der konkreten Situation zu beachten, wie namentlich, ob die Kin-
der neu in einer fremden Sprache beschult würden, ob der wegzugswillige Eltern-
teil in sein Heimatland bzw. den angestammten Familienkreis ziehen würde und
ob sich dort ein wirtschaftlich und sozial abgesichertes Umfeld vorfinden würde.
Zudem sind gesundheitliche Bedürfnisse der Kinder zu beachten sowie – insbe-
sondere bei älteren Kindern – die bei ihrer Anhörung geäusserten Wünsche (vgl.
BGE 142 III 481, E. 2.7).
5.5.4. Die Vorinstanz führt hierzu aus, dass sowohl die Klägerin wie auch der Be-
klagte den Kindern ein stabiles Umfeld bieten würde und dass die Verhältnisse in
E._ mit jenen in der Schweiz vergleichbar seien. Die Klägerin beabsichtige
mit ihrem Partner, J._, in ein Haus in E._ zu ziehen. J._ arbeite als
Professor an der Hochschule E._ und sei als Unternehmensberater tätig; die
Klägerin werde 50 % als Sonderpädagogin arbeiten. Insofern würden die Kinder
in E._ ein finanziell abgesichertes Umfeld vorfinden. Zudem seien die Bezie-
hungen der Kinder zu J._ und dessen Sohn, T._, der mehrheitlich bei
seiner Mutter in ... [Ort in Deutschland] lebe, gut. Ferner würden verschiedene
Familienangehörige von C._ und D._ in der weiteren Umgebung von
E._ leben (Eltern und Geschwister des Beklagten im 50 km entfernten
- 58 -
F._ sowie der Vater und eine Schwester der Klägerin im 145 km entfernten
... [Ort in Deutschland]), zu welchen die Kinder ebenfalls gute Beziehungen hät-
ten. Beide Kinder sprächen deutsch und schweizerdeutsch, weshalb keine
sprachlichen Probleme zu erwarten seien. Weder C._ noch D._ hätten
Schwierigkeiten mit dem Schulstoff, sodass ein Schulwechsel unproblematisch
erschiene. Das deutsche Bildungssystem sei mit dem schweizerischen vergleich-
bar; dasselbe gelte für die Lebensqualität und die Kultur in Deutschland. Die Kin-
der würden jedoch neu in einer Stadt und nicht mehr auf dem Land wohnen, was
eine gewisse Umstellung mit sich brächte; sie seien jedoch mit der dortigen Regi-
on und Lebensweise bereits vertraut. Insgesamt könnten die Kinder in Deutsch-
land ein ebenso gutes Leben führen wie in der Schweiz (act. 3 S. 33 ff., 41). Die
Vorinstanz legt weiter dar, dass die Kinder im Falle eines Wegzugs nach E._
ihr gesamtes Umfeld in der Schweiz verlieren würden und nicht mehr so viel Zeit
mit dem Beklagten verbringen könnten; im Fall eines Verbleibs in der Schweiz
würde dies umgekehrt aber ein Verlust der Hauptbetreuungsperson bedeuten
(act. 3 S. 33, 41). Die Kinder hätten zu beiden Elternteilen sehr gute und innige
persönliche Beziehungen (act. 3 S. 22). Beide Kinder seien sodann in der
Schweiz geboren und hier aufgewachsen. Sie würden am bisherigen Wohnort
über ein stabiles Umfeld verfügen, hätten Freunde, seien im Fussballclub aktiv
und würden gerne zur Schule gehen (act. 3 S. 35).
5.5.5. Die Kinder hätten gegenüber dem Kindesvertreter zwar den Wunsch ge-
äussert, nicht nach Deutschland umziehen zu wollen. Ihre Wünsche seien zwar
zu berücksichtigen, jedoch nicht ausschlaggebend, sofern das Kindeswohl ein
Abweichen gebiete (act. 3 S. 37, 41 f.). Sodann befasst sich die Vorinstanz mit
den gesundheitlichen Problemen von C._. Während D._ ein eher uner-
schrockenes Kind sei, käme C._ mit Veränderungen schlechter zurecht.
C._ hätte denn auch mit der Trennung der Eltern und dem daraus resultie-
renden Loyalitätskonflikt viel mehr zu kämpfen gehabt als D._. 2013 seien
bei ihm gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgetreten, die sich in sog. "Tics"
manifestiert hätten, wie etwa in unwillkürlichen Zuckungen mit dem Kopf und den
Schultern. Einem Bericht des KJPD vom 29. Juni 2015 sei zu entnehmen, dass
diese Tics Ausdruck einer Anpassungsstörung seien; sie seien als chronische
- 59 -
Ticstörung zu qualifizieren. In der Folge habe C._ vom 13. April 2016 bis
zum 8. Februar 2017 eine Psychotherapie besucht, die alsdann eingestellt wor-
den sei, weil C._ keine Tics mehr gehabt habe und es ihm besser gegangen
sei. Nach der Thematisierung des geplanten Umzugs nach E._ sei C._
im November 2017 wiederum bedrückt und nicht stabil gewesen. Seither sei aber
Besserung eingetreten; C._ zeige aktuell keine Verhaltensauffälligkeiten
mehr und die Tics seien verschwunden (act. 3 S. 37 f., 40). Ein Gutachten zur
Frage einzuholen, wie sich C._s (psychische) Gesundheit im Falle eines
Wegzugs bzw. eines Verbleibs in der Schweiz entwickeln würde, sei nicht not-
wendig. Einerseits sei zweifelhaft, ob ein Gutachter überhaupt aussagekräftige
Feststellungen machen könnte, da auch ein solcher nicht in die Zukunft sehen
könne (act. 3 S. 39 f.). Andererseits sei auch ohne Expertise davon auszugehen,
dass C._ mehr Schwierigkeiten als D._ bekunden werde, sich den ver-
änderten Verhältnissen anzupassen. Dies gelte sowohl bei einem Wegzug (in
welchem Fall er sein bisheriges Umfeld verlöre) wie auch bei einem Verbleib in
der Schweiz (in welchem Fall er die Hauptbetreuungsperson verlöre). Unabhängig
vom Entscheid über die Wegzugsbewilligung würden bei C._ somit gesund-
heitliche Probleme auftreten. Selbst dann, wenn diese im Falle eines Wegzugs
grösser wären als bei einem Verbleib in der Schweiz, sei die Bewilligung aber zu
erteilen (act. 3 S. 40 f.).
5.5.6. Dies begründete die Vorinstanz im Kern damit, dass D._ aufgrund sei-
nes Alters noch überwiegend personenbezogen sei, weshalb dem Grundsatz der
Betreuungs- und Erziehungskontinuität für ihn eine massgebliche Bedeutung zu-
komme. Deshalb – sowie aufgrund der Vorbehalte gegenüber dem Betreuungs-
konzept des Beklagten – sei es für D._ eher im Kindeswohl, nicht von der
bisher überwiegend betreuenden Klägerin getrennt zu werden und ihn folglich
nach E._ umziehen zu lassen. Dem entspreche auch seine Aussage, er kön-
ne sich nicht vorstellen, ohne die Klägerin nur beim Beklagten zu leben (act. 3
S. 42 f.). C._ sei demgegenüber bereits etwas weniger personen- und mehr
umgebungsbezogen als D._, obschon auch er noch recht jung sei und sein
Bezug zur Umgebung noch weniger stark ausgeprägt sei als bei einem Teenager.
Entsprechend würde er sein bisheriges Umfeld widerwilliger verlassen als
- 60 -
D._, was auch seine Aussagen zur aktuellen und der möglichen zukünftigen
Umgebung zeigen würden. Ausschlaggebend sei aber, dass es nicht im Kindes-
wohl sei, C._ in dieser auch sonst schon sehr belastenden Situation von
D._ zu trennen; entsprechend sei es auch für ihn besser, zusammen mit
D._ und der Klägerin nach E._ zu ziehen. Nach Auffassung der Vo-
rinstanz wäre selbst dann so zu entscheiden, wenn im Falle eines Umzugs mit
gravierenderen gesundheitlichen Problemen bei C._ zu rechnen sei als bei
einem Verbleib in der Schweiz (act. 3 S. 42 ff.).
5.5.7. Der Beklagte wirft der Vorinstanz im Wesentlichen vor, den Sachverhalt
nicht hinreichend abgeklärt und damit die Untersuchungsmaxime (Art. 296 Abs. 1
ZPO) verletzt zu haben. Namentlich sei ein fachärztliches bzw. psychologisches
Gutachten betreffend die Bindungen der Kinder zur Kernfamilie sowie zum bishe-
rigen sozialen Umfeld (Freunde und Erwachsene aus dem Wohn-, Schul- und
Sportumfeld) einzuholen gewesen. Insofern habe die Vorinstanz zwar das zukünf-
tige Umfeld in Deutschland hinreichend abgeklärt, nicht aber das bisherige Um-
feld der Kinder in der Schweiz (act. 2 S. 18 f., 23 f., 27). Gutachterlich abzuklären
sei ferner das Verhältnis zwischen C._ und J._, da ein Zusammenleben
mit diesem geplant sei, C._ aber wegen des Loyalitätskonflikts erhebliche
Mühe mit dem neuen Partner der Klägerin habe (act. 2 S. 24). Weiter macht der
Beklagte geltend, dass C._ und D._ durchaus abschätzen könnten, was
ein Wegzug für sie bedeute, weshalb sie in ihren Wünschen ernst zu nehmen sei-
en; diese seien gutachterlich abzuklären (act. 2 S. 24 f., 31, act. 22 S. 13 f., 16).
In Bezug auf die Gesundheit von C._ hätte ein Bericht der Psychotherapeutin
sowie ein Gutachten darüber eingeholt werden müssen, welche Risiken in Bezug
auf C._s Gesundheit bei einem Wegzug sowie im Falle eines Verbleibs in
der Schweiz jeweils bestehen würden. Nachdem im November 2017, als C._
vom potentiellen Umzug erfahren habe, wieder Tics aufgetreten seien, sei keine
Besserung eingetreten; namentlich habe C._ auch in den Gesprächen mit
dem Kindesvertreter Tics gezeigt. Zudem gehe C._ seit April 2018 wieder in
die Psychotherapie (act. 2 S. 25 ff., act. 22 S. 7 f., 13 ff.). Ferner würden sich
auch in Bezug auf D._s Gesundheit gutachterliche Abklärungen aufdrängen,
da auch dieser verschiedentlich Verhaltensauffälligkeiten gezeigt habe. So habe
- 61 -
er etwa beim Kindesvertreter nicht reden wollen, sondern sofort zu rechnen be-
gonnen und Zahlenpyramiden aufgeschrieben; ein ähnliches Verhalten habe er
auch anlässlich der Kindesanhörung durch die Vorinstanz gezeigt (act. 2 S. 26 f.,
act. 22 S. 14 f.).
5.5.8. Weiter macht der Beklagte geltend, es sei zwar tatsächlich die Klägerin bis-
her Hauptbetreuungsperson gewesen, jedoch sei die Qualität der Betreuung wich-
tiger als deren Quantität. Insofern gebe es vorliegend keine Hauptbezugsperson,
sondern es sei die Qualität der Bindungen zwischen den Kindern und den beiden
Elternteilen als gleichwertig zu betrachten. Insofern sei der Aspekt der Personen-
bezogenheit vorliegend als neutral zu bewerten (act. 2 S. 30, act. 22 S. 11 f.,
15 f.). Die vorinstanzliche Erwägung, D._ sei überwiegend personenbezo-
gen, übersehe sodann, dass auch D._ bereits seit einem Jahr zur Schule
gehe und über ein soziales Umfeld verfüge. Beide Kinder seien in ihrem sozialen
Umfeld sehr gut integriert, so namentlich mit den Nachbarskindern und im Fuss-
ballclub. Zumindest in der Zeit, in welcher die Kinder beim Beklagten seien, wür-
den sie häufig mit anderen Kindern draussen spielen; regelmässig beteilige sich
auch der Beklagte an Aktivitäten wie z.B. dem Fussballspielen mit Nachbarskin-
dern (act. 2 S. 30, 32, act. 22 S. 7, 13). Unhaltbar sei schliesslich die Erwägung
der Vorinstanz, dass die Wegzugsbewilligung selbst dann zu erteilen sei, wenn
dies zu stärkeren gesundheitlichen Problemen bei C._ führen würde als im
Falle eines Verbleibs in der Schweiz. Zwar sei richtig, dass die beiden Kinder
nicht getrennt werden dürften, jedoch gebe dann eben C._ den Ausschlag,
wenn bei ihm nicht anders zu begegnende Störungen mit Krankheitswert aufträ-
ten und D._ ein eher unerschrockenes Kind sei (act. 2 S. 32 f.).
5.5.9. Die Klägerin führt aus, C._ und D._ hätten zu beiden Elternteilen
sehr gute und innige persönliche Beziehungen, die als gleichwertig zu betrachten
seien; dies sei unbestritten, weshalb eine Begutachtung der Beziehungen nicht
erforderlich sei. Zwar sei auch der Beklagte eine wichtige Bezugsperson für die
Kinder, jedoch habe die Klägerin diese deutlich mehr betreut, namentlich im Alltag
(Hausaufgaben machen, zu Bett bringen, Pflege), weshalb sie auch klar die
Hauptbezugs- und Hauptbetreuungsperson sei (act. 16 Rz. 21, 34, 73, act. 27
- 62 -
Rz. 23). Eine Schwächung der Bindung zum Beklagten trete auch im Falle eines
Wegzugs nicht ein, da die Kinder ihren Vater im Rahmen eines ausgedehnten
persönlichen Verkehrs auch dann noch in ähnlichem Umfang sehen könnten, wie
dies heute der Fall sei (act. 16 Rz. 22 f., 34, 57). Sowohl D._ wie auch
C._ seien noch viel mehr personen- als umgebungsbezogen. Die Umge-
bungsbezogenheit sei zudem noch geringer, als die Vorinstanz angenommen ha-
be. Beide Kinder seien zwar im Sportverein integriert und würden sich an Nach-
mittagen unter der Woche sowie an Wochenenden mit Freunden verabreden, je-
doch geschehe dies sehr selten und nur auf Aufforderung der Klägerin hin; vor al-
lem C._ sei in seiner Freizeit oft zuhause (act. 16 Rz. 47, 81, act. 27 Rz. 23,
27). Es sei ferner notorisch, dass Kinder im Alter von C._ und D._ nicht
einschätzen können, welche Auswirkungen ein Wegzug für sie habe; ihren Wün-
schen komme entsprechend kein massgebendes Gewicht zu (act. 16 Rz. 51,
act. 11 Rz. 21). In Bezug auf die Gesundheit von C._ macht die Klägerin gel-
tend, dass die Tics, welche im Jahre 2013 aufgetreten seien, nicht mit dem Um-
zug, sondern mit der Trennung der Eltern und dem daraus resultierenden Loyali-
tätskonflikt zusammenhängen würden. Diese Tics seien heute nicht mehr vorhan-
den. Dass sie in einem Gespräch mit dem Kindervertreter wieder aufgetreten sei-
en, sei darauf zurückzuführen, dass dies für C._ eine Ausnahmesituation
gewesen sei. C._ sei heute gesund. Von Mai bis Juli 2018 habe er sich zwar
wieder einer Psychotherapie bei Frau U._ unterzogen, jedoch nicht, weil er
Verhaltensauffälligkeiten gezeigt hätte oder krank wäre, sondern nur, um besser
mit der belastenden Situation umgehen zu können. Es bestehe zwar ein gewisses
Risiko, dass im Falle eines Wegzugs wieder gesundheitliche Probleme auftreten
könnten, jedoch sei dieses als gering einzustufen; ferner bestehe ein gleich hohes
Risiko, dass C._ auch im Falle eines Verbleibs in der Schweiz (ohne die Klä-
gerin) gesundheitliche Probleme habe würde. Vor diesem Hintergrund habe die
Vorinstanz eine Begutachtung C._s zu Recht für nicht notwendig erachtet
(act. 11 Rz. 22 f., act. 16 Rz. 53 ff., act. 27 Rz. 16, 28 f.). Bei D._ bestünden
dagegen keinerlei gesundheitlichen Probleme und auch kein Risiko, dass sich
dies im Falle eines Wegzugs ändern könnte. Seine Belastung durch den Loyali-
tätskonflikt und den möglichen Umzug sei deutlich geringer als bei C._, so-
- 63 -
dass eine Psychotherapie bei Frau U._ für ihn nie zur Diskussion gestanden
sei (act. 16 Rz. 59 f., act. 27 Rz. 29).
5.5.10. Der Kindesvertreter führt aus, beide Kinder seien "mehr oder weniger so-
wohl personen- als auch umgebungsbezogen". Kinder würden in fast jedem Alter
lieber nicht umziehen, selbst wenn beide Eltern mitziehen würden. Die Kinder sei-
en in der Schweiz gut integriert, hätten Freunde, seien im Fussballclub aktiv und
würden gerne zur Schule gehen. Der Verlust des bisherigen Umfelds (Freunde,
Schule, Nachbarn, Vereine) wiege insofern schwer; ein Umzug nach Deutschland
würde für C._ und D._ somit eine einschneidende Änderung darstellen
(act. 8/76 S. 5). Hier sei die Situation zudem dadurch verschärft, dass durch den
Wegzug auch noch die enge Beziehung der Kinder zum Vater gelockert würde
(act. 18 S. 3). C._ sei sicher stärker umgebungsbezogen als D._; er-
leichtert würde der Umzug für ihn aber dann, wenn er in eine neu zusammenge-
setzte Klasse eintreten könnte (act. 18 S. 3 f.). Die Einholung eines kinderpsycho-
logischen Gutachtens oder eines Gutachtens betreffend die Beziehungen in der
Kernfamilie bzw. zum weiteren sozialen Umfeld hält der Kindesvertreter weder für
erforderlich noch für zielführend, nicht zuletzt auch aufgrund der damit verbunde-
nen grossen zusätzlichen Belastung für die Kinder (act. 18 S. 5 f., Prot. Vi., S. 23).
Obschon sich beide Kinder klar dagegen aussprächen, sei das Kindeswohl insge-
samt besser gewahrt, wenn die Kinder mit der Klägerin nach Deutschland ziehen
würden, namentlich weil dies dem bisherigen Betreuungsmodell entspreche und
weil der Beklagte kein taugliches Betreuungskonzept vorgelegt habe (act. 8/76
S. 4 ff., act. 18 S. 6).
5.5.11. Dem Wunsch eines Kindes betreffend einen möglichen Wegzug, die Ob-
hutszuteilung, die Betreuung oder den persönlichen Verkehr ist Beachtung zu
schenken, und zwar selbst dann, wenn es bezüglich der jeweiligen Fragen (noch)
nicht urteilsfähig ist. Im Rahmen der Untersuchungsmaxime (Art. 296 Abs. 1 ZPO)
ist zu entscheiden, ob im Einzelfall die Hilfe eines Sachverständigen erforderlich
ist, um die Aussagen eines Kindes zu interpretieren (BGE 142 III 612, E. 4.3; 142
III 617, E. 3.2.3). Während bei älteren Kindern massgeblich auf die bei ihrer Anhö-
rung geäusserten Wünsche und Vorstellungen abzustellen ist (BGE 142 III 481,
- 64 -
E. 2.7), ist bei jüngeren Kindern indes Zurückhaltung geboten. Bei solchen ist
nicht unmittelbar nach konkreten Zuteilungswünschen zu fragen bzw. haben sol-
che Äusserungen nur eine beschränkte Bedeutung, da ihnen hierfür regelmässig
die Abstraktionsfähigkeit abgeht und sie sich oft durch zufällige, gegenwärtige
Einflussfaktoren leiten lassen, jedoch nicht eine stabile Absichtserklärung abzu-
geben vermögen (BGE 131 III 553, E. 1.2.2).
5.5.12. In der Anhörung durch die Vorinstanz vom 13. Dezember 2017 wurde ein
möglicher Wegzug von C._ und D._ bzw. die Frage, ob sie mit der Klä-
gerin mitgehen oder beim Beklagten in der Schweiz verbleiben möchten, nicht
diskutiert bzw. das Besprochene – auf Wunsch der Kinder – nicht protokolliert
(act. 8/47, act. 3 S. 37). Dagegen äusserten sich die Kinder am 6. bzw. 15. Feb-
ruar 2018 gegenüber dem Kindesvertreter und erlaubten diesem auch, ihre Vor-
stellungen in das Verfahren einzubringen. Sowohl C._ wie auch D._ hät-
ten den Wunsch geäussert, mehr Zeit mit dem Beklagten zu verbringen. C._
habe spontan berichtet, am liebsten eine Woche bei der Klägerin und eine Woche
beim Beklagten zu wohnen. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, nur beim
Beklagten zu leben, habe er geschwiegen. D._ habe dazu eingeworfen, dass
"Mama wichtig" sei und er sich nicht vorstellen könne, nur beim Beklagten zu
wohnen. Weiter habe er angemerkt, dass es "ohne Mama nicht gehe, ohne Papa
auch nicht". Beide hätten ausdrücklich den klaren Willen geäussert, nicht nach
Deutschland umzuziehen (act. 8/76 S. 1 f., 4 f.). Dies ergibt sich ferner auch aus
einer E-Mail der beiden Lehrerinnen von D._ vom 10. November 2017
(act. 8/75/32, 8/74 S. 30), wonach dieser im Klassenrat den Wunsch geäussert
habe, nicht wegziehen zu müssen, sowie aus einer E-Mail der Schulsozialarbeite-
rin Frau V._ vom 23. Mai 2018 (act. 23/9), wonach C._ ihr auf "Google
Maps" gezeigt habe, wo er hinziehen würde, woraufhin er gesagt habe: "Ich finde
dies doof, da ich die Schule verlassen muss".
5.5.13. Die klare Ablehnung eines Umzugs durch die Kinder ist – wie die Vor-
instanz zu Recht bemerkt – kein Votum für oder gegen die Zuteilung zum einen
oder anderen Elternteil. Die persönlichen Beziehungen der Kinder sind zu beiden
Elternteilen sehr gut, weshalb sie sich verständlicherweise nicht zwischen ihnen
- 65 -
entscheiden wollen und können. Dass sie einen Wegzug nach Deutschland ab-
lehnen, ist vielmehr Ausdruck ihrer Ablehnung gegenüber Veränderungen
schlechthin, d.h. sie würden sich eigentlich wünschen, dass die Klägerin in der
Schweiz und insofern alles beim Alten bliebe, allenfalls mit etwas zusätzlicher Be-
treuungszeit durch den Beklagten. Verständlicherweise können die Kinder die
vom Gesetzgeber vorgegebene Hypothese eines Wegzugs der Klägerin ihrer
Meinungsbildung nicht zugrunde legen bzw. wollen und können sie dies nicht ak-
zeptieren. Da aber eine solche, von den Kindern klar favorisierte "dritte Variante"
eines Verbleibs der Klägerin in der Schweiz nicht zur Debatte steht, kann ihrer
Meinungsäusserung insofern kein wesentliches Gewicht zukommen. Auch ihre
Äusserung, dass es weder ohne die Klägerin, noch ohne den Beklagten gehe,
und sie sich nicht vorstellen könnten, nur beim Beklagten zu leben (bzw. dass
C._ auf eine entsprechende Frage geschwiegen habe), ist kein Votum in die
eine oder die andere Richtung, sondern schlicht Ausdruck davon, dass sie nicht
akzeptieren wollen bzw. können, dass die Klägerin wegziehen will. Dies kommt
für die Kammer hinreichend deutlich zum Ausdruck, sodass eine fachpsychologi-
sche Interpretation der Äusserungen der Kinder nicht notwendig erscheint, auch
wenn vor allem D._ noch recht jung ist. Vor diesem Hintergrund können die
Aussagen der Kinder zu einem allfälligen Wegzug bzw. einer Zuteilung zur Kläge-
rin oder zum Beklagten nicht ausschlaggebend sein.
5.5.14. Es ist unzweifelhaft und im Übrigen allseits unbestritten, dass sowohl
C._ wie auch D._ sehr gute und innige Beziehungen zur Klägerin und
zum Beklagten hat und dass diese qualitativ als gleichwertig zu betrachten sind
(act. 3 S. 22, act. 2 S. 30, act. 22 S. 11 f., 15 f., act. 16 Rz. 21, 34, 73). Ein Gut-
achten über die Beziehungen der Kinder zu den beiden Elternteilen einzuholen,
wie der Beklagte es fordert, erübrigt sich somit. Zutreffend ist ferner, dass die
Klägerin bisher wesentlich grössere Betreuungsanteile übernommen und entspre-
chend mehr Zeit mit den Kindern – vor allem in deren Alltag – verbracht hat als
der Beklagte; insofern war sie klar die Hauptbetreuungs- und Hauptbezugsper-
son. Der Beklagte wendet ein, es sei nicht nur die Quantität der Betreuung, son-
dern auch deren Qualität entscheidend. Dies mag bis zu einem gewissen Grad
zutreffen, ändert vorliegend jedoch nichts daran, dass die Klägerin, die doch etwa
- 66 -
doppelt so viel Zeit mit den Kindern verbracht hat, als hauptsächliche (aber nicht
ausschliessliche!) Bezugsperson zu betrachten ist, zumal – wie auch der Beklagte
ausführt – die persönlichen Beziehungen der Kinder zu den Eltern als gleichwertig
zu betrachten sind. Jedoch ist davon auszugehen, dass auch der Beklagte eine
wichtige Bezugsperson für C._ und D._ darstellt, was ebenfalls unbe-
stritten ist (act. 2 S. 30, act. 22 S. 11 f., 15, act. 16 Rz. 21, 34, 73). Dies zeigt sich
namentlich auch darin, dass beide Kinder gegenüber dem Kindesvertreter den
Wunsch geäussert haben, mehr Zeit mit dem Beklagten zu verbringen (act. 8/76
S. 2). Die Kriterien der Personenbezogenheit und vor allem der Betreuungs- und
Erziehungskontinuität sprechen insofern für die Klägerin. Jedoch ist nicht zu ver-
kennen, dass auch der Beklagte substantielle Betreuungsanteile geleistet hat und
dass er, wie soeben ausgeführt, ebenfalls eine wichtige Bezugsperson von
C._ und D._ ist. Insofern bezieht sich eine Personenbezogenheit der
Kinder auch – wenngleich weniger stark – auf den Beklagten.
5.5.15. Sodann ist ebenfalls unbestritten und nicht weiter zweifelhaft, dass
C._ sensibler auf die Trennung der Eltern reagierte und grössere (psychi-
sche) Probleme im Umgang mit dem daraus resultierenden Loyalitätskonflikt so-
wie dem nunmehr aktuell gewordenen, möglichen Umzug nach Deutschland hatte
– und noch immer hat – als D._. Ebenfalls scheint klar, dass bei C._
sowohl im Falle eines Wegzugs wie auch im Falle eines Verbleibs in der Schweiz
von einem gewissen Risiko gesundheitlicher bzw. psychischer Probleme auszu-
gehen ist (vgl. act. 3 S. 40 ff., act. 2 S. 25 ff., 32 f., act. 22 S. 7 f., 13 f., act. 11
Rz. 22 f., act. 16 Rz. 53 ff., act. 27 Rz. 16, 29, act. 8/75/36, 8/75/24, Prot. Vi., S.
30, 65 f.). Mit der Vorinstanz ist jedoch davon auszugehen, dass eine Begutach-
tung von C._s aktueller (psychischer) Gesundheit und ihrer möglichen Ent-
wicklung im Falle eines Wegzugs bzw. Verbleibs in der Schweiz, nicht zielführend
wäre (vgl. act. 3 S. 39 f.). Wie die Vorinstanz zutreffend bemerkt, kann die
(Rechts-)Frage, ob das Wohl von C._ bei einem Wegzug oder Verbleib in der
Schweiz besser gewahrt wäre, von vornherein nicht an einen Gutachter delegiert
werden, sondern es ist diese normative Frage gestützt auf alle relevanten Fakto-
ren und festgellten Tatsachen vom Gericht zu beantworten. Eine Begutachtung
der Frage, wie sich C._s Gesundheit in Zukunft – im Falle eines Wegzugs
- 67 -
sowie im Falle eines Verbleibs in der Schweiz – entwickeln würde, erweist sich als
unzweckmässig, da eine verlässliche Vorhersage, wie sich die Zukunft entwickeln
und wie C._ im jeweiligen Szenario reagieren würde, auch für eine Fachper-
son nicht möglich ist. Ein Gutachter könnte höchstens die Risiken für eine ge-
sundheitliche Verschlechterung bzw. die Chancen für eine Verbesserung in den
jeweiligen Szenarien abzuschätzen versuchen; eine verlässliche Aussage, die
klar in die eine oder die andere Richtung deuten würde, wäre jedoch nicht zu er-
warten. Erschwerend käme hinzu, dass der Gutachter die jeweiligen Risiken in
zukünftigen Szenarien zu beurteilen hätte, von denen eines, nämlich der Wegzug
der Klägerin ohne die Kinder, bereits als solches unrealistisch – d.h. rein hypothe-
tisch und nur in der juristischen Gedankenwelt existierend – ist (vgl. act. 16 Rz.
86). Wenn die Klägerin tatsächlich ohne die Kinder nach Deutschland zöge und
bei diesen insofern ein Gefühl zurücklassen würde, "von der Mutter verlassen"
worden zu sein, hätte dies mit grosser Wahrscheinlichkeit negative Auswirkungen
auf die psychische Verfassung C._s; nur wäre solches – in der realen Welt –
eben gerade nicht der Fall (vgl. act. 16 Rz. 86). Schliesslich kommt hinzu, dass
eine Begutachtung C._s zweifelsohne eine nicht unerhebliche, zusätzliche
Belastung für ihn darstellen würde (vgl. act. 18 S. 6, Prot. Vi., S. 23). Angesichts
der Tatsache, dass von einer Begutachtung ohnehin keine massgebenden Er-
kenntnisse zu erwarten wären, erscheint eine solche deshalb nicht im Kindeswohl
(vgl. hierzu SCHWEIGHAUSER, in: Schwenzer et al [Hrsg.], FamKomm Scheidung,
Bd II, 3. Aufl. 2017, Art. 296 ZPO N 18 ff. m.Nw.). Dasselbe gilt auch für eine vom
Beklagten beantragte Begutachtung D._s. Eine Begutachtung würde auch
das Verfahren verzögern. Alles in Allem ist eine solche im Rahmen der vorliegen-
den vorsorglichen Massnahmen nicht angezeigt.
5.5.16. Bei dieser Ausgangslage ist es jedoch entgegen der Vorinstanz (act. 3
S. 43 f.) nicht sachgerecht, dass C._ – um nicht von seinem Bruder getrennt
zu werden – unbesehen seiner gesundheitlichen Bedürfnisse D._ und der
Klägerin nach E._ folgen muss. Da C._ unzweifelhaft sensibler auf die
Trennung und die Frage des Umzugs reagiert hat als D._ und weil seine
psychischen Probleme gravierender sind, hat vielmehr C._ den Ausschlag
über die Wegzugsfrage zu geben und D._ ihm zu folgen. Zwar hat auch
- 68 -
D._ zweifelsohne mit den Folgen der Trennung sowie einem möglichen
Wegzug zu kämpfen und ist deswegen psychisch stark belastet, jedoch ist aus
den Akten klar ersichtlich, dass C._s Probleme deutlich überwiegen (vgl.
act. 8/75/36, 8/75/24, 8/75/32-34, Prot. Vi., S. 23, 30, 37 f.,40 ff., 65 f., 70 f., 76,
act. 2 S. 25 ff., 32 f., act. 22 S. 7 f., 13 f., act. 11 Rz. 22 f., act. 16 Rz. 53 ff.,
act. 27 Rz. 16, 29). Vor diesem Hintergrund entscheidend auf die Bedürfnisse
D._s abzustellen, der besser mit Veränderungen klarkommt, und jene
C._s hintanzustellen, ist unhaltbar.
5.5.17. Der heute gut zehnjährige C._ geht seit nunmehr vier Jahren in die
Primarschule in O._ und kommt nach den Sommerferien in die fünfte Klasse
(vgl. act. 8/75/24, act. 8/47 S. 1, Prot. Vi., S. 30). In der Anhörung durch die Vor-
instanz vom 13. Dezember 2017 (act. 8/47) führte er unter anderem aus, seine
zwei jungen Lehrerinnen seien sehr nett; seine Schule sei "die beste Schule der
Welt" (S. 1 f.). Er sei im Fussballclub und habe jeweils am Montag- und Mittwoch-
abend Training. Es gefalle ihm gut und der Trainer, W._, sei sehr nett. Er
brülle nicht herum, wenn sie etwas falsch machen würden, ermahne sie aber und
stelle sie gegebenenfalls vom Feld (S. 2). Von der Wohnung des Beklagten und
der Wohnung der Klägerin sei der Schulweg etwa gleich lang, nämlich 13 Minuten
zu Fuss; dass er nicht den Bus nehmen müsse, fände er gut. In ihrer Wohnsied-
lung seien alle sehr nett; er und D._ könnten viel spielen, was ihm sehr gefal-
le (S. 2). Auf die Frage, ob er und D._ an Wochenenden oder in den Ferien
manchmal nach Deutschland gehen würden und ob sie gerne dort seien, sagte
C._ unter anderem, dass sie in Deutschland jeweils in einer Stadt seien, was
er nicht so möge; er lebe lieber in einem Dorf, wo er draussen im Grünen spielen
könne. Es gefalle ihm deshalb sehr gut in der Schweiz, insbesondere auch die
Berge finde er toll (S. 3). Auch gegenüber dem Kindesvertreter erwähnte
C._, dass er lieber auf dem Land wohne würde und nicht in einer Stadt
(act. 8/76 S. 2).
5.5.18. Trotz des noch immer recht jungen Alters von C._ zeugen diese
Äusserungen von einer doch bereits erheblichen Umgebungsbezogenheit, die
sich auf sein örtliches, schulisches und soziales Umfeld erstreckt. C._ spricht
- 69 -
von der "besten Schule der Welt", was zeigt, dass er dieser sehr verbunden ist. Er
betont, dass er eine ländliche Umgebung einer urbanen klar bevorzuge; zum
Ausdruck kommt auch, dass sich C._ am jetzigen Wohnort wohl und zuhau-
se fühlt. In sozialer Hinsicht ist er im Fussballverein und in der Wohn- und
Schulumgebung gut vernetzt. Dies geht auch aus einem Bericht der beiden Leh-
rerinnen vom 1. September 2017 hervor, bei welchen C._ die erste bis dritte
Klasse besucht hat (act. 8/75/24). Darin führen sie aus, dass C._ anfänglich
etwas schüchtern gewesen sei, dass aber ein Freund, den C._ aus dem Kin-
dergarten gekannt habe, eine hilfreiche Stütze für ihn gewesen sei. In der Klasse
sei er gut integriert gewesen. Die beiden Knaben, mit welchen er sich in der drit-
ten Klasse am besten verstanden hätte, würden nun mit ihm gemeinsam die vier-
te Klasse besuchen. Der (völlig unbelegte) Einwand der Klägerin, C._ sei in
der Freizeit oft zuhause und verabrede sich nur selten mit Freunden und nur auf
ihre Aufforderung hin (act. 16 Rz. 47, act. 27 Rz. 27), steht im Widerspruch zu
C._s Aussagen und ist insofern nicht nachvollziehbar. Wie dargelegt ist viel-
mehr davon auszugehen, dass C._ eine starke Bindung zu seinem örtlichen,
sozialen und schulischen Umfeld entwickelt hat und dass eine Entwurzelung dar-
aus schwer wiegen würde.
5.5.19. Umgekehrt besteht bei C._ aber auch eine noch immer relativ starke
Personenbezogenheit, insbesondere aufgrund seines Alters. Zu beachten ist je-
doch, dass sich eine solche nicht nur auf die Klägerin erstreckt, sondern in nicht
unerheblichem Umfang – gerade bei C._ (vgl. etwa act. 8/76 S. 2 und Prot.
Vi., S. 27) – auch auf den Beklagten (s. dazu oben, E. 5.5.14). Die Klägerin macht
zwar zu Recht geltend, dass auch im Falle eines Wegzugs ein ausgedehnter per-
sönlicher Verkehr mit dem Beklagten möglich wäre und C._ ihn oft sehen
könnte (vgl. hierzu oben, E. 5.3.2.5). Dies träfe umgekehrt aber genau gleich –
bzw. aufgrund des reduzierten Pensums der Klägerin noch viel eher – auch für
den Fall zu, dass die Klägerin ohne C._ nach Deutschland zöge; auch in die-
sem Fall könnte C._ die Klägerin im Rahmen eines ausgedehnten persönli-
chen Verkehrs oft sehen und wäre nicht völlig von ihr getrennt. Unter dem Ge-
sichtspunkt der Betreuungs- und Erziehungskontinuität würde ein Wechsel der
Hauptbetreuungsperson zwar eine erhebliche Veränderung bedeuten. Dass der
- 70 -
Beklagte für C._ aber bereits bisher eine wichtige Bezugsperson war und ei-
ne Betreuung durch ihn – wenngleich quantitativ in geringerem Umfang – für
C._ nicht ungewöhnlich wäre, relativiert diese Veränderung und damit die
Beeinträchtigung, die C._ bei einem Verbleib in der Schweiz erleiden würde,
beträchtlich.
5.5.20. Insgesamt erweist sich bei C._ damit ein Verlust seines örtlichen, so-
zialen und schulischen Umfelds als schwerwiegender als ein Wechsel in der
hauptbetreuenden Person. Es ist insofern davon auszugehen, dass er eine Re-
duktion der Betreuungszeit durch die Klägerin, die er aber immer noch relativ häu-
fig sehen könnte, bei gleichzeitiger Erhöhung der Betreuungsanteile des Beklag-
ten besser verkraften würde als eine Entwurzelung aus dem bisherigen Umfeld.
Damit liegt es eher im Wohl von C._, beim Beklagten in der Schweiz zu blei-
ben und nicht mit der Klägerin nach E._ zu ziehen, zumal – entgegen der Vo-
rinstanz – gegen das (überarbeitete) Betreuungskonzept des Beklagten keine
Einwände bestehen (s. dazu oben, E. 5.3.3).
5.5.21. Wenn die Vorinstanz ausführt, dass die Klägerin den Kindern in E._
ein gutes, stabiles und wirtschaftlich abgesichertes Umfeld bieten könnte, dass
die Verhältnisse in E._ hinsichtlich Lebensqualität, Bildung und Kultur mit je-
nen in der Schweiz vergleichbar seien, dass die Beziehungen zwischen den Kin-
dern und dem neuen Partner der Klägerin, J._, sowie dessen Sohn, T._,
mit denen sie zusammenleben würden, gut seien und dass weder sprachliche
noch schulische Probleme zu erwarten seien (act. 3 S. 33 ff.), so spricht dies alles
nicht für einen Wegzug der Kinder nach E._, sondern bloss nicht dagegen.
All dies ändert nämlich nichts daran, dass ein Wegzug aus der Sicht von C._
aufgrund der Entwurzelung aus dem bisherigen Umfeld einschneidender wäre als
ein Verbleib in der Schweiz beim Beklagten.
5.5.22. Der heute gut siebenjährige D._ geht seit einem Jahr in die Primar-
schule in O._, wo er zuvor bereits den Kindergarten besucht hat, und käme
nach den Sommerferien in die zweite – bzw. allenfalls (teilweise) dritte – Klasse
(vgl. act. 8/47 S. 1, 8/75/24 S. 2 a.E., 8/34 Rz. 48, act. 11 Rz. 15, act. 23/5). Auf-
grund seines Alters ist bei D._ – insofern mit der Vorinstanz – noch von einer
- 71 -
überwiegenden Personenbezogenheit auszugehen. Dies verdeutlichen seine per-
sonenbezogenen Aussagen gegenüber dem Kindesvertreter, dass "Mama wich-
tig" sei, dass er sich nicht vorstellen könne, "nur bei Papa zu wohnen" und dass
es aber auch "ohne Papa" nicht gehe (act. 8/76 S. 2). Seine Verwurzelung im hie-
sigen örtlichen, sozialen und schulischen Umfeld ist insofern noch deutlich weni-
ger ausgeprägt als bei C._. Wäre nur auf D._ abzustellen, wäre es unter
dem Aspekt der Betreuungs- und Erziehungskontinuität eher in seinem Wohl, mit
der Klägerin nach E._ umzuziehen. Da jedoch eine Trennung der Kinder un-
ter dem Aspekt des Kindeswohls (beider Kinder!) nicht in Frage kommt und weil
aufgrund der grösseren Sensibilität und Schwierigkeiten C._s, mit Verände-
rungen umzugehen, sowie angesichts dessen erhöhten Risikos psychischer Prob-
leme nicht auf D._, sondern auf C._ abzustellen ist, liegt ein Wegzug
insgesamt auch nicht im Wohle D._s. Obschon ein Verlust der Hauptbetreu-
ungsperson für ihn einschneidender wäre als ein Verlust des bisherigen Umfelds,
ist davon auszugehen, dass er eine entsprechende Veränderung eher verkraften
würde als umgekehrt C._ ein Wegzug nach E._. Auch aus der Sicht von
D._ kommt nämlich relativierend hinzu, dass auch der Beklagte bisher eine
wichtige Bezugsperson für ihn war und eine Betreuung durch ihn auch für
D._ nicht ungewöhnlich wäre. Zudem wäre D._ nicht gänzlich von der
Klägerin getrennt, sondern würde er diese – sollte sie ohne die Kinder nach
E._ ziehen – im Rahmen eines ausgedehnten persönlichen Verkehrs noch
immer relativ häufig sehen.
5.5.23. Im Ergebnis liegt es damit eher im Wohle beider Kinder, einstweilen nicht
mit der Klägerin nach E._ zu ziehen, sondern beim Beklagten in der Schweiz
zu bleiben. Nach dem Gesagten erweist sich eine weitergehende Feststellung des
Sachverhalts bzw. die Abnahme weiterer Beweismittel (insbesondere von Gutach-
ten) als nicht erforderlich. Folglich sind die Dispositivziffern 2 und 3b des Urteils
des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Uster vom 20. März 2018 aufzuheben und
der Antrag der Klägerin, es sei den Kindern C._ und D._ für die Dauer
des Scheidungsverfahrens zu bewilligen, ihren Aufenthaltsort nach E._
(Deutschland) zu verlegen, abzuweisen.
- 72 -
6. Obhut, Betreuung und persönlicher Verkehr
6.1. Aus Art. 301a Abs. 5 ZGB ergibt sich, dass das Gericht sowohl im Falle ei-
ner Erteilung wie auch im Falle einer Verweigerung der beantragten Wegzugsbe-
willigung auch über eine Anpassung der weiteren Kinderbelange zu entscheiden
hat, insbesondere über die Regelung der Obhut, der Betreuung, des persönlichen
Verkehrs und des Unterhalts (Grundsatz der Einheit des Entscheids; BGE 142 III
481, E. 2.8; 142 III 502, E. 2.6). Freilich kann für diesen Teil des Entscheids – im
Falle einer Verweigerung der Wegzugsbewilligung – nicht mehr die gedankliche
Hypothese gelten, dass der wegzugswillige Elternteil auch tatsächlich wegzieht,
sondern ist hier von den realen Gegebenheiten auszugehen. Die Klägerin stellt
ohne jeden Vorbehalt klar, dass sie in der Schweiz bleiben werde und sich wei-
terhin um die Kinderbetreuung kümmern wolle, sofern eine Wegzugsbewilligung
nicht erteilt werde (act. 16 Rz. 86, 88). Es ist somit davon auszugehen, dass sie
nun, da ein Wegzug für die Kinder C._ und D._ nicht bewilligt wird, zu-
mindest für die Dauer des Scheidungsverfahrens nicht nach E._ ziehen wird.
(Sollte sie sich doch anders entscheiden, müsste dannzumal eine Lösung getrof-
fen werden, welche sich am Beschluss vom 18. Juni 2018 orientieren könnte.)
6.2. Der Beklagte beantragt für diesen Fall und für die Dauer des Scheidungs-
verfahrens, die Obhut für C._ und D._ den Parteien gemeinsam (alter-
nierend) zuzuweisen und die Betreuung paritätisch aufzuteilen. In den geraden
Kalenderwochen sei die Betreuung durch den Beklagten, in den ungeraden durch
die Klägerin zu übernehmen, bei hälftiger Teilung der Ferien- und Feiertagsbe-
treuung. Der Wohnsitz der Kinder sei bei der Klägerin zu belassen (Berufungsan-
träge Ziffern 1 und 5; act. 2 S. 2 f., 33 f.). Die Klägerin beantragt dagegen – für
den Fall einer Verweigerung der Wegzugsbewilligung –, die Kinder unter ihrer al-
leinigen Obhut zu belassen und die Betreuung bzw. den persönlichen Verkehr
gemäss der vorinstanzlichen Anordnung in Dispositivziffer 3a des angefochtenen
Urteils wie bis anhin praktiziert weiterzuführen (act. 16 Rz. 86 ff.).
6.3. Der Begriff der "Obhut" reduziert sich unter neuem Recht auf die "faktische
Obhut", d.h. auf die Befugnis und die Pflicht zur täglichen Betreuung des Kindes
und zur Ausübung der Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der tatsächli-
- 73 -
chen Pflege und laufenden Erziehung, während das Aufenthaltsbestimmungs-
recht (früher: "rechtliche Obhut") neu Teil des Sorgerechts ist (vgl. BGE 142 III
612, E. 4.1; OGer ZH, LE140039 vom 15. Dezember 2014, E. II.2.5). Auch wenn
die gemeinsame elterliche Sorge nunmehr die Regel ist, geht damit nicht notwen-
digerweise die Errichtung einer gemeinsamen bzw. alternierenden (faktischen)
Obhut einher. Eine solche kann indes bei gegebenen Voraussetzungen auch ge-
gen den Willen eines Elternteils angeordnet werden. Oberste Richtschnur ist auch
hier das Kindeswohl (BGE 142 III 612, E. 4.2).
6.4. Eine alternierende Obhut kommt nur in Frage, wenn beide Elternteile er-
ziehungsfähig sowie gewillt und in der Lage sind, persönlich oder im Rahmen ei-
nes im Kindeswohl liegenden Betreuungskonzepts für die Kinder zu sorgen. So-
dann erfordert eine alternierende Obhut organisatorische Massnahmen und ge-
genseitige Informationen, weshalb deren praktische Umsetzung voraussetzt, dass
die Eltern fähig und bereit sind, in den Kinderbelangen miteinander zu kommuni-
zieren und zu kooperieren. Allein aus dem Umstand, dass sich ein Elternteil einer
alternierenden Betreuungsregelung widersetzt, kann indessen nicht ohne Weite-
res auf eine fehlende Kooperationsfähigkeit geschlossen werden. Ein derartiger
Schluss könnte nur dort in Betracht fallen, wo die Eltern aufgrund der zwischen
ihnen bestehenden Feindseligkeiten auch hinsichtlich anderer Kinderbelange
nicht zusammenarbeiten können, mit der Folge, dass sie ihre Kinder im Szenario
einer alternierenden Obhut dem gravierenden Elternkonflikt in einer Weise aus-
setzen würden, die ihren Interessen offensichtlich zuwiderliefe. Zu berücksichti-
gen ist ferner die geographische Situation, namentlich die Distanz zwischen den
Wohnungen der beiden Eltern, und die Stabilität, welche die Weiterführung der
bisherigen Regelung für die Kinder gegebenenfalls mit sich bringt. In diesem Sin-
ne fällt die alternierende Obhut eher in Betracht, wenn die Eltern die Kinder schon
vor ihrer Trennung abwechselnd betreuten. Weitere Gesichtspunkte sind die Mög-
lichkeit der Eltern, die Kinder persönlich zu betreuen, das Alter der Kinder, ihre
Beziehungen zu den beiden Elternteilen und Einbettung in ein weiteres soziales
Umfeld. Auch dem Wunsch der Kinder ist Beachtung zu schenken, selbst wenn
sie bezüglich der Frage der Betreuungsregelung (noch) nicht urteilsfähig sind.
Kommt das Gericht zum Schluss, dass eine alternierende Obhut nicht im Kindes-
- 74 -
wohl ist, muss es entscheiden, welchem Elternteil die Obhut über die Kinder zuzu-
teilen ist. Dabei hat es im Wesentlichen die bereits erörterten Beurteilungskriterien
zu berücksichtigen (BGE 142 III 612, E. 4.3-4.4). Diese Kriterien gelten grundsätz-
lich unabhängig davon, ob ein Obhutsentscheid im Rahmen eines Scheidungs-,
Eheschutz- oder Massnahmeverfahrens zu fällen ist (BGer, 5A_236/2016 vom
15. Januar 2018, E. 4.1; 5A_17/2017 vom 25. Oktober 2017, E. 2.2).
6.5. Es wurde bereits festgestellt, dass sowohl der Beklagte wie auch die Klä-
gerin erziehungsfähig sind (s. oben, E. 5.2). Alsdann ist davon auszugehen, dass
die Parteien über eine hinreichende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit
verfügen, die eine alternierende Obhut ohne Weiteres erlauben würde. Dies zeigt
sich namentlich darin, dass die Übergaben der Kinder bisher problemlos verliefen
und Absprachen zwischen den Eltern über die konkreten Betreuungszeiten – trotz
vereinzelter Schwierigkeiten – im Allgemeinen doch ohne grössere Probleme
möglich waren und auch eingehalten wurden. Darauf wies die Vorinstanz zu
Recht hin (vgl. act. 3 S. 23 f.). Sodann wurde bereits ausgeführt, dass das Be-
treuungskonzept des Beklagten – selbst für eine ganz überwiegende Betreuung
der Kinder – als solches tauglich und mit dem Kindeswohl zu vereinbaren ist
(s. oben, E. 5.3.3). Dies galt selbstverständlich auch für das bisherige Betreu-
ungskonzept der Klägerin, bevor sie ihre Wohnung in O._ gekündigt hat. Bis
anhin wohnten die Parteien in Gehdistanz zueinander und der Schulweg war für
die Kinder von beiden Wohnungen aus zu Fuss zu bewältigen, sodass eine alter-
nierende Obhut mit (mehr oder weniger) ausgeglichenen Betreuungsanteilen oh-
ne Weiteres praktikabel gewesen wäre, ohne dass die Kinder einer übermässigen
Belastung ausgesetzt worden wären. Für eine alternierende Obhut spräche so-
dann der Umstand, dass die Beziehungen der Kinder zu beiden Elternteilen sehr
gut sind (s. oben, E. 5.5.14) und dass beide Kinder gegenüber dem Kindesvertre-
ter explizit den Wunsch geäussert haben, mehr Zeit mit dem Beklagten zu ver-
bringen (act. 8/76 S. 2). C._ sprach sich sogar dafür aus, jeweils eine Woche
beim Beklagten und eine Woche bei der Klägerin zu wohnen, wobei offen bleiben
kann, ob dies tatsächlich seinem genuinen Willen entsprach oder ob er hierbei –
wie der Kindesvertreter erwägt – die Vorstellungen des Beklagten übernommen
hat (act. 8/76 S. 2, 5). Gegen eine alternierende Obhut bzw. eine Ausdehnung der
- 75 -
Betreuungsanteile des Beklagten spricht jedoch das Kriterium der Stabilität der
Verhältnisse. C._ und D._ wurden bisher überwiegend von der Klägerin
betreut (s. oben, E. 5.4); eine alternierende Obhut würde für sie eine erhebliche
Veränderung in ihrem Alltag bedeuten.
6.6. Entscheidend ist jedoch – beim heutigen Stand der Dinge – ein anderer
Punkt: Die Klägerin führt aus, sie werde im Falle einer Verweigerung der Weg-
zugsbewilligung in der Schweiz bleiben und wolle dann die Kinder weiterhin im
bisherigen Umfang betreuen. Bis zum 30. September 2018 habe sie an der bishe-
rigen Adresse eine andere Wohnung mieten können (vgl. act. 17/12). Für die Zeit
danach würde sie gegebenenfalls eine andere Wohnung in der Nähe suchen. Zu-
dem würde sie sich auch um eine neue Stelle in der Schweiz bemühen, was je-
doch eine Weile dauern könnte (act. 16 Rz. 86). Es ist zwar mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Klägerin für die Zeit nach dem
30. September 2018 eine neue Wohnung in der Umgebung finden wird und dass
sie in geraumer Zeit auch eine neue Stelle als Sonderpädagogin wird antreten
können. Das neue Umfeld der Klägerin ist jedoch zum heutigen Zeitpunkt noch
mit erheblichen Unsicherheiten belastet. Die Kinder aus diesem Grund vorüber-
gehend – bis zur Klärung der neuen Wohn- und Arbeitssituation der Klägerin –
unter die alleinige Obhut des Beklagten zu stellen und diesem die überwiegende
oder gar alleinige Betreuung zuzuweisen, rechtfertigt sich aber nicht. Für die doch
noch recht jungen Kinder ist die Kontinuität in der Betreuung und Erziehung wich-
tig; ein mehrfaches Hin und Her gilt es zu vermeiden. C._ und D._ im
heutigen Zeitpunkt unter die alleinige Obhut des Beklagten zu stellen und sie
dann – im Rahmen einer Abänderung des vorliegenden Massnahmeentscheids –
allenfalls nur kurze Zeit später wieder der Obhut der Klägerin zuzuweisen bzw.
eine alternierende Obhut anzuordnen, wäre nicht in ihrem Wohl. Dasselbe gilt für
eine Anordnung der alternierenden Obhut bereits zum heutigen Zeitpunkt, die
dann vielleicht nur kurze Zeit später wieder in die eine oder die andere Richtung
korrigiert werden müsste, wenn sich die Situation aufseiten der Klägerin geklärt
hat. Unter dem Gesichtspunkt der Stabilität der Verhältnisse drängt es sich in der
heute noch unsicheren Situation deshalb erst einmal auf, die aktuelle Regelung
beizubehalten, die dann zum gegebenen Zeitpunkt – und bei gegebenen Voraus-
- 76 -
setzungen – allenfalls zugunsten einer geteilten Obhut oder – sofern die Klägerin
keine Wohnung in der Nähe finden oder aus beruflichen oder sonstigen Gründen
doch nicht länger in der Region O._ bleiben wird – zugunsten einer alleinigen
Obhut des Beklagten abgeändert werden kann.
6.7. Folglich hat es bis auf Weiteres bei der vorinstanzlichen Anordnung zu
bleiben, C._ und D._ für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die
alleinige Obhut der Klägerin zu stellen (Dispositivziffer 1 des angefochtenen Ur-
teils). Bis auf Weiteres beizubehalten ist zudem auch die bisher praktizierte Rege-
lung der Betreuung und des persönlichen Verkehrs zwischen dem Beklagten und
den Kindern; Dispositivziffern 3a und 3c des angefochtenen Urteils sind entspre-
chend anzupassen.
7. Unterhalt
7.1. Die von der Vorinstanz gesprochenen Kindesunterhaltsbeiträge (Disposi-
tivziffern 4 und 5) hat der Beklagte nur teilweise angefochten, nämlich aus-
schliesslich in Bezug auf die Regelung für die Zeit nach einem allfälligen Wegzug
der Klägerin mit den Kindern; nur darauf richtet sich seine Berufung (Berufungs-
anträge Ziffern 8 und 9, act. 2 S. 3 f.). Im verbleibenden Teil – d.h. in Bezug auf
die Kindesunterhaltsbeiträge, die für die Zeit vor einem allfälligen Wegzug bzw.
bei gänzlichem Ausbleiben eines Wegzugs geschuldet sind – hat er den vor-
instanzlichen Urteilsspruch nicht angefochten. Auch seine Berufungsbegründung
bezieht sich ausschliesslich auf die Unterhaltsregelung für die Zeit nach einem
Wegzug der Klägerin mit den Kindern nach E._ (act. 2 S. 36 ff.; vgl. auch
act. 22 S. 17 ff.). Da ein Wegzug der Kinder aufgrund des vorliegenden Urteils
nun aber nicht stattfinden wird, bleibt es damit für die Dauer des Scheidungsver-
fahrens bei der diesbezüglichen vorinstanzlichen Regelung (Dispositivziffer 4, Ab-
satz 1, erstes Lemma, und Absatz 2, sowie Dispositivziffer 5, Absatz 1, erstes
Lemma, und Absatz 2).
7.2. Angefochten hat der Beklagte jedoch Dispositivziffer 4, Absatz 1, zweites
Lemma, sowie Dispositivziffer 5, Absatz 1, zweites Lemma, des vorinstanzlichen
Urteils. Diesbezüglich stellt er einen genügenden Rechtsmittelantrag (s. oben,
- 77 -
E. 2.6-2.7) und begründet seine Berufung hinreichend (act. 2 S. 36 ff.), weshalb
darauf einzutreten ist (vgl. dazu oben, E. 2.2). Der Beklagte beantragt, es seien
die Unterhaltsbeiträge für C._ und D._ für die Zeit nach einem Wegzug
der Klägerin mit den Kindern nach E._ für die Dauer des Scheidungsverfah-
rens auf je EUR 542.– festzusetzen. Da ein solcher Wegzug der Kinder nun aber
wie gesagt nicht stattfinden wird, besteht auch kein Anlass, eine entsprechende
Unterhaltsregelung zu treffen. Dispositivziffer 4, Absatz 1, zweites Lemma, und
Dispositivziffer 5, Absatz 1, zweites Lemma, des angefochtenen Urteils sind des-
halb – in Anwendung der Offizialmaxime über den beklagtischen Rechtsmittelan-
trag hinaus (vgl. hierzu oben, E. 2.6) – ersatzlos aufzuheben.
7.3. Angefochten hat der Beklagte sodann Dispositivziffer 7 des vorinstanzli-
chen Urteils (Ehegattenunterhalt). Er beantragt, es sei die – in der Höhe nicht be-
anstandete – Pflicht des Beklagten zur Leistung von Ehegattenunterhalt an die
Klägerin zeitlich bis zu einem allfälligen Wegzug Letzterer nach E._ zu be-
schränken und Dispositivziffer 7 um eine entsprechende Resolutivbedingung zu
ergänzen. Da die Klägerin indes ohne Vorbehalt klargestellt hat, im Falle einer
Verweigerung der Wegzugsbewilligung für die Kinder in der Schweiz zu bleiben
(act. 16 Rz. 86, 88), besteht auch für die Anordnung einer solchen Resolutivbe-
dingung kein Anlass. Der beklagtische Berufungsantrag Ziffer 10 ist folglich ab-
zuweisen.
8. Edition
8.1. Vor Vorinstanz verlangte die Klägerin vom Beklagten – und im Säumnisfall
von verschiedenen Drittpersonen – gestützt auf Art. 170 ZGB diverse Auskünfte
und Unterlagen, welche sie im Hinblick auf das laufende Scheidungsverfahren
benötige, um die notwendigen Behauptungen zur Geltendmachung allfälliger un-
terhalts- bzw. güterrechtlicher Ansprüche aufstellen zu können (act. 8/34 S. 3,
Rz. 130 ff., act. 8/69 S. 3, Prot. Vi., S. 11). Die Vorinstanz bejahte ein entspre-
chendes Rechtsschutzinteresse der Klägerin und verpflichtete den Beklagten un-
ter Strafandrohung von Art. 292 StGB zur Edition der beantragten Auskünfte und
Unterlagen, "sofern dies nicht bereits erfolgt" sei. Das gegen Drittpersonen gerich-
tete (bedingte) Editionsbegehren wies sie dagegen ab (act. 3 S. 77 ff.).
- 78 -
8.2. Der Beklagte beantragt in seiner Berufung, es sei die vorinstanzlich ange-
ordnete Editionspflicht vollumfänglich aufzuheben. Hierzu macht er einerseits gel-
tend, dass für das klägerische Editionsbegehren kein (aktuelles) Rechtsschutzin-
teresse bestehe. In Bezug auf den Unterhalt sei die Leistungsfähigkeit des Be-
klagten bereits abgeklärt worden; zudem habe die Klägerin die Höhe seines Ein-
kommens anerkannt. Soweit güterrechtliche Ansprüche betroffen seien, sei ein
aktuelles Rechtsschutzinteresse deshalb zu verneinen, weil das Hauptverfahren
noch gar nicht begonnen habe; die Klägerin könne dann im Rahmen ihrer Klage-
begründung im Scheidungsverfahren darlegen, welche weiteren Unterlagen sie
für die Begründung ihres Standpunktes benötige. Eine Dringlichkeit zur Anord-
nung der Edition bestehe nicht. Andererseits beanstandet der Beklagte, dass die
Vorinstanz gar nicht geprüft habe, ob und inwiefern die verlangten Auskünfte bzw.
Unterlagen schon ediert worden seien; insofern sei es unrichtig, ihn mit dem Vor-
behalt "sofern dies nicht bereits erfolgt [sei]" zur entsprechenden Edition zu ver-
pflichten. Konkret macht der Beklagte geltend, er habe bestimmte Unterlagen
(Lohnausweise 2016 und 2017 sowie ein Kontoauszug eines ZKB Privatkontos),
zu deren Edition er verpflichtet worden sei, bereits eingereicht (act. 2 S. 39 f.).
8.3. Jeder Ehegatte kann vom anderen Auskunft über dessen Einkommen,
Vermögen und Schulden verlangen (Art. 170 Abs. 1 ZGB). Das Gericht kann den
andern Ehegatten oder Dritte auf Begehren verpflichten, die erforderlichen Aus-
künfte zu erteilen und die notwendigen Urkunden vorzulegen (Art. 170 Abs. 2
ZGB). Hierbei handelt es sich um einen materiell-rechtlichen Informationsan-
spruch. Davon zu unterscheiden sind prozessuale Editions- und Auskunftspflich-
ten, welche heute namentlich in Art. 160 ff. ZPO geregelt werden. Jede Partei hat
das Recht zu beantragen, dass das Gericht über streitige und entscheidrelevante
Tatsachen Beweise abnimmt, nötigenfalls auch die Gegenpartei zur Herausgabe
von Beweismitteln verpflichtet. Prozessuale Editionspflichten können ausschliess-
lich im Rahmen eines Beweisverfahrens (Art. 150 ff. ZPO) in Beweisverfügungen
festgelegt werden; Letztere erwachsen nicht in materielle Rechtskraft und können
ohne Weiteres abgeändert werden (Art. 154 ZPO). Demgegenüber kann ein ma-
terieller Auskunftsanspruch nach Art. 170 ZGB grundsätzlich jederzeit gestellt
werden, und zwar entweder in einem familienrechtlichen Verfahren zusammen mit
- 79 -
einem anderen materiellen Hauptsacheanspruch – gewissermassen als Stufen-
klage – oder aber unabhängig von einem anderen (bereits gerichtlich geltend ge-
machten) Anspruch in einem selbständigen summarischen Verfahren (Art. 271
lit. d ZPO). Angesichts dessen, dass ein materielles Recht zur Beurteilung ge-
langt, kommen die Art. 261 ff. ZPO nicht zur Anwendung. Der richterliche Ent-
scheid über den materiellen Auskunftsanspruch hat materielle Rechtskraft und un-
terliegt der Realvollstreckung nach Art. 335 ff. ZPO (BGer, 5A_918/2014 vom
17. Juni 2015, E. 4.2.1; 5A_421/2013 vom 19. August 2013, E. 1.2; 5A_768/2012
vom 17. Mai 2013, E. 4; 5C.276/2005 vom 14. Februar 2006, E. 2; OGer ZH,
LE120048 vom 2. Oktober 2012, E. III.6b; LE160021 vom 23. September 2016,
E. II.A.4.1).
8.4. Ein materieller Auskunftsanspruch nach Art. 170 ZGB besteht nur soweit,
als die Erteilung von Auskünften oder das Vorlegen von Urkunden für die Beurtei-
lung oder Geltendmachung von (anderen) materiell-rechtlichen Ansprüchen not-
wendig ist oder geeignet erscheint, Hinweise auf solche Ansprüche zu vermitteln.
Der Gesuchsteller muss folglich ein Rechtsschutzinteresse glaubhaft machen,
wenn er um den Erlass einer gerichtlichen Editionsanordnung ersucht. Dabei
reicht es aber, wenn aus dem Auskunftsbegehren implizit hervorgeht, für welchen
materiell-rechtlichen Anspruch die Informationen verlangt werden. Zu verneinen
ist das Rechtsschutzinteresse hingegen, wenn das Begehren offensichtlich aus
blosser Neugier oder als Schikane gestellt wird (BGer, 5C.276/2005 vom 14. Feb-
ruar 2006, E. 2.1; OGer ZH, LE120048 vom 2. Oktober 2012, E. III.5a; LY160026
vom 17. Oktober 2016, E. II.5.1; LY170017 vom 27. September 2017, E. III.3.1;
KOKOTEK, Die Auskunftspflicht des Ehegatten nach Art. 170 ZGB, Zürich 2012,
Rz. 75 ff.).
8.5. Von der Frage des Rechtsschutzinteresses abzugrenzen ist die Frage
nach dem Inhalt und dem Umfang der Informationspflicht. Welche Auskünfte er-
forderlich und welche Urkunden vorzulegen sind, um ein zutreffendes Bild über
das Einkommen, das Vermögen und die Schulden eines Ehegatten zu erhalten,
hat das Gericht im konkreten Einzelfall und je nach dem eherechtlichen Anspruch,
für dessen Beurteilung der andere Ehegatte sein Auskunftsrecht geltend macht,
- 80 -
festzulegen. In zeitlicher Hinsicht bezieht sich der Auskunftsanspruch grundsätz-
lich auf die Verhältnisse im Zeitpunkt der Stellung des Antrages; je nach Art des
materiell-rechtlichen Anspruches, in Bezug auf welchen das Editionsbegehren
gestellt wird, kann jedoch auch ein Rechtsschutzinteresse daran bestehen, dass
über die Vergangenheit informiert wird (OGer ZH, LE120048 vom 2. Oktober
2012, E. III.5b; LY160026 vom 17. Oktober 2016, E. II.5.2; LY170017 vom
27. September 2017, E. III.3.2).
8.6. Im Auskunftsbegehren muss konkret angegeben werden, über welche Tat-
sachen Auskunft verlangt wird und in welche Belege Einsicht genommen werden
will. Ausserdem müssen die in Bezug auf den jeweiligen Hauptsacheanspruch zu
klärenden Tatsachen genannt werden, wobei die zu liefernden Auskünfte und Un-
terlagen zumindest geeignet sein müssen, einen solchen zu begründen bzw. zu
beweisen. Dabei müssen die Angaben so genau sein, dass das Gericht konkret
verfügen kann; es ist nicht seine Aufgabe, die einzuholenden Informationen selbst
zu bestimmen. Spezifische Anträge und darauf gestützt präzise formulierte ge-
richtliche Anordnungen sind insbesondere im Hinblick auf die Strafandrohung
nach Art. 292 StGB wichtig, da der Verpflichtete klar erkennen können muss, was
er zu tun oder zu unterlassen hat (BGer, 5C.308/2001 vom 22. Januar 2002, E. 4;
OGer ZH, LY160026 vom 17. Oktober 2016, E. II.5.3).
8.7. Vorliegend macht die Klägerin explizit ausschliesslich materiell-rechtliche
Auskunftsansprüche nach Art. 170 ZGB geltend, und zwar im Rahmen eines vor-
sorglichen Massnahmeverfahrens, was ohne Weiteres möglich ist (Art. 276 Abs. 1
i.V.m. Art. 271 lit. d ZPO); sie beruft sich nicht auf prozessuale Editionspflichten.
Gegenstand der Berufung ist sodann ausschliesslich eine gegen den Beklagten
gerichtete Editionspflicht, nicht aber eine solche Dritter.
8.8. Der Beklagte verneint ein Rechtsschutzinteresse der Klägerin ganz allge-
mein mit dem Hinweis, das Hauptverfahren habe noch gar nicht begonnen, wes-
halb die Klägerin mit ihren Editionsanträgen auf das Scheidungsverfahren zu ver-
weisen sei (act. 2 S. 40). Dies trifft nicht zu. Ein materiell-rechtlicher Auskunftsan-
spruch nach Art. 170 ZGB kann – im Gegensatz zu prozessualen Editionsbegeh-
ren – jederzeit auch in einem separaten, summarischen Eheschutz- bzw. Mass-
- 81 -
nahmeverfahren zur gerichtlichen Beurteilung gebracht werden (Art. 271 lit. d
i.V.m. Art. 276 Abs. 1 ZPO), ohne dass der Hauptsacheanspruch, auf den sich
das Editionsbegehren bezieht, bereits gerichtlich geltend gemacht worden sein
muss. Dringlichkeit ist hierfür entgegen der Auffassung des Beklagten (act. 2
S. 40) keine Voraussetzung. Materiell-rechtliche Editionsbegehren, mit welchen
Ansprüche aus Güterrecht bzw. auf nachehelichen Unterhalt vorbereitet werden
sollen, können deshalb auch bereits im Rahmen eines Eheschutz- bzw. Mass-
nahmeverfahrens gestellt werden; den ansprechenden Ehegatten auf das Schei-
dungsverfahren zu verweisen, wäre nicht zulässig (vgl. BGer, 5A_918/2014 vom
17. Juni 2015, E. 4.2; 5A_768/2012 vom 17. Mai 2013, E. 4; OGer ZH, LE120048
vom 2. Oktober 2012, E. III.6b; LE160021 vom 23. September 2016, E. II.A.4.1;
LY160026 vom 17. Oktober 2016, E. II.6.1). Ebenfalls ins Leere geht der Einwand
des Beklagten, seine Leistungsfähigkeit sei bereits abgeklärt worden und die Klä-
gerin habe die Höhe seines Einkommens anerkannt (act. 2 S. 39 f.). Die bisheri-
gen Feststellungen der Vorinstanz bzw. die bisherigen Ausführungen der Klägerin
bezogen sich – im Rahmen des vorliegenden Massnahmeverfahrens – aus-
schliesslich auf den ehelichen Unterhalt (Art. 163 und Art. 176 ZGB) bzw. den bis
zum Scheidungsurteil geschuldeten Kindesunterhalt (Art. 276 und Art. 176 ZGB).
Die Klägerin verlangt jedoch Edition zur Geltendmachung von (u.a.) nacheheli-
chem Unterhalt (Art. 125 ZGB), der mit Ersterem nicht identisch ist. Insofern ist
ein Rechtsschutzinteresse der Klägerin an der Erteilung von Auskünften bzw.
dem Vorlegen von Urkunden zur Geltendmachung möglicher Ansprüche aus Gü-
terrecht bzw. auf nachehelichen Unterhalt grundsätzlich zu bejahen.
8.9. Im Einzelnen verlangt die Klägerin zunächst Edition sämtlicher Lohnaus-
weise des Beklagten der Jahre 2016 und 2017 mit allen Beiblättern, "insbesonde-
re betreffend [das] Arbeitsverhältnis mit der H._ (Schweiz) AG" (act. 8/37
S. 3, act. 69 S. 3). Diese Unterlagen benötige sie zur Bezifferung nachehelicher
Unterhaltsansprüche sowie – weil auf den Zusatzblättern Angaben über Mitarbei-
terbeteiligungen enthalten seien – zur Geltendmachung güterrechtlicher Ansprü-
che (act. 34 Rz. 135). Der Klägerin und der Vorinstanz (act. 3 S. 78) ist ohne Wei-
teres zuzustimmen, dass die Lohnausweise der vergangenen zwei Jahre erforder-
lich sind, um nacheheliche Unterhaltsansprüche zu beziffern, und dass deren
- 82 -
Beiblätter geeignet sind, Hinweise auf mögliche güterrechtliche Ansprüche zu
vermitteln. Der Beklagte wendet jedoch zu Recht ein, dass er die Lohnausweise
der H._ (Schweiz) AG der Jahre 2016 und 2017 (samt Beiblättern) anlässlich
der Verhandlung vom 15. März 2018 bereits eingereicht hat (Prot. Vi., S. 20), was
auch die Klägerin anerkennt (act. 16 Rz. 110). Damit entfiel das Rechtsschutzinte-
resse der Klägerin an der Edition dieser Urkunden nachträglich, weshalb die Vo-
rinstanz das Editionsbegehren in diesem Umfang hätte als gegenstandslos ge-
worden abschreiben müssen. Daran ändert insbesondere auch der Umstand
nichts, dass der Beklagte vor Vorinstanz nur ganz allgemein und unsubstantiiert
geltend gemacht hat, er hätte bereits "alle notwendigen Unterlagen eingereicht"
(act. 8/74 Rz. 148). Die Vorinstanz hatte den Sachverhalt von Amtes wegen ab-
zuklären (Art. 276 Abs. 1 i.V.m. 272 ZPO), zumal es sich beim Rechtsschutzinte-
resse um eine Prozessvoraussetzung handelt (Art. 59 f. ZPO). Bei der implizit
vorgetragenen Rüge des Beklagten, die Vorinstanz habe den Sachverhalt in Ver-
letzung der Untersuchungsmaxime festgestellt, handelt es sich nicht um ein unzu-
lässiges Novum, sondern um eine Rüge der Rechtsverletzung (Art. 310 lit. a ZPO;
BGE 138 III 374, E. 4.3; BGer, 5A_724/2015 vom 2. Juni 2016, E. 4.5). Da der
Beklagte die genannten Lohnausweise bei der Vorinstanz eingereicht hatte und
diese für die Vorinstanz leicht als solche erkennbar waren, hätte sie diese Tatsa-
che von sich aus berücksichtigen müssen. Soweit Dispositivziffer 9 lit. a des an-
gefochtenen Urteils den Beklagten also zur Edition der genannten Lohnausweise
verpflichtet, ist diese aufzuheben und das entsprechende Begehren der Klägerin
als gegenstandslos geworden abzuschreiben.
8.10. Das klägerische Editionsbegehren Ziffer 7.1 lit. a (act. 8/34 S. 3, act. 8/69
S. 3) umfasst jedoch nicht nur Lohnausweise der H._ (Schweiz) AG, sondern
darüber hinaus auch sämtliche weiteren – allenfalls vorhandenen – Lohnausweise
anderer Arbeitgeber des Beklagten der Jahre 2016 und 2017 ("insbesondere").
Auch wenn der Beklagte (implizit) geltend macht, es bestünden neben den Lohn-
ausweisen der H._ (Schweiz) AG keine weiteren Lohnausweise bzw. habe er
diesbezüglich bereits sämtliche Unterlagen eingereicht, so steht dies der Anord-
nung einer entsprechenden Editionspflicht grundsätzlich nicht entgegen. Der Aus-
kunftsanspruch der Klägerin wird nämlich nicht bereits dadurch erfüllt oder ge-
- 83 -
genstandslos, dass der Beklagte behauptet, es gebe nichts (Weiteres) zu edieren
(vgl. im Zusammenhang mit erbrechtlichen Informationsansprüchen BRÜCKNER/
WEIBEL, Die erbrechtlichen Klagen, 3. Aufl., 2012, Rz 40). Ob der Editionsbeklagte
sämtliche Auskünfte erteilt bzw. sämtliche Urkunden eingereicht hat, vermag das
Gericht bei offen formulierten Editionsbegehren nur schwerlich zu prüfen. Viel-
mehr hat die klagende Partei grundsätzlich Anspruch darauf, dass das Gericht die
offen formulierte Editionspflicht des Beklagten – gegebenenfalls unter Anordnung
der direkten Vollstreckung (d.h. insbesondere der Strafdrohung) – in einem voll-
streckbaren Erkenntnisurteil verankert. Bekräftigt die beklagte Partei alsdann ih-
ren Standpunkt, es gebe nichts (Weiteres) zu edieren, nachdem ein solches Urteil
ergangen ist, so hat sich die klagende Partei bis zum Nachweis des Gegenteils
damit abzufinden. Insoweit ist im Dispositiv durchaus der Vorbehalt aufzunehmen,
dass der Beklagte darlegen kann, inwiefern er der angeordneten Editionsschuld
nicht nachkommen könne bzw. inwiefern diese Verpflichtung bereits vollständig
erfüllt sei. Etwas anderes muss freilich dann gelten, wenn sich die klagende Partei
mit den bereits edierten Urkunden zufrieden gibt oder wenn das Gericht selbst zur
Überzeugung gelangt, dass sämtliche der verlangten Unterlagen eingereicht bzw.
sämtliche der geforderten Auskünfte wahrheitsgemäss erteilt wurden; nur in ei-
nem solchen Fall entfiele das Rechtsschutzinteresse (vgl. BRÜCKNER/WEIBEL,
a.a.O., Rz 40; vgl. auch KUKO ZPO-OBERHAMMER, Art. 85 N 16). Dies ist vorlie-
gend jedoch nicht der Fall. Die Klägerin anerkennt die Erfüllung ihres Editionsbe-
gehrens nur teilweise (act. 16 Rz. 110). Zwar bestehen keine konkreten Hinweise
darauf, dass weitere Lohnausweise des Beklagten für die Jahre 2016 und 2017
bestehen würden, jedoch kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Be-
klagte neben seiner Haupttätigkeit bei der H._ (Schweiz) AG auch noch ge-
wisse Nebeneinkünfte erzielte. Entsprechende Lohnausweise wären zu edieren.
Dispositivziffer 9 lit. a des angefochtenen Urteils ist in diesem Sinne abzuändern.
8.11. Weiter verlangt die Klägerin Edition sämtlicher vertraglicher Abreden des
Beklagten mit allen aktuellen Arbeitgebern (act. 8/34 S. 3, Ziff. 7.1 lit. b), Edition
der vollständigen, unterzeichneten und nachweislich eingereichten Steuererklä-
rungen 2016 und 2017 samt Beiblättern und Beilagen (act. 8/34 S. 3, Ziff. 7.1
lit. c, act. 8/69 S. 3) sowie belegte Auskunft über den Bestand der Mitarbeiterak-
- 84 -
tien des Beklagten und der ihm zugeteilten Mitarbeiterbeteiligungen (Optionen
etc.) per 12. Juli 2017 (act. 8/34 S. 3, Ziff. 7.1 lit. d). Die Klägerin legte vor Vor-
instanz dar, inwiefern sie diese Auskünfte bzw. Unterlagen zur Geltendmachung
möglicher unterhalts- bzw. güterrechtlicher Ansprüche benötige. Gestützt darauf
bejahte die Vorinstanz sowohl ein Rechtsschutzinteresse der Klägerin wie auch
die Erforderlichkeit der Edition zur Geltendmachung der genannten Ansprüche
(act. 3 S. 78). Abgesehen von den bereits behandelten, nicht stichhaltigen Ein-
wendungen (s. oben, E. 8.8) bringt der Beklagte hiergegen keine weiteren Bean-
standungen vor (act. 2 S. 39 f.). Damit bleibt es insoweit bei der vorinstanzlichen
Anordnung.
8.12. Schliesslich verlangt die Klägerin Edition von Auszügen dreier auf den Be-
klagten lautender Bankkonten per 12. Juli 2017. Diese benötige sie, um güter-
rechtliche Ansprüche zu prüfen bzw. geltend zu machen; der 12. Juli 2017 sei der
hierfür relevante Stichtag (act. 8/34 Rz. 137). Gestützt darauf bejahte die Vor-
instanz ein Rechtsschutzinteresse der Klägerin sowie die Erforderlichkeit der Edi-
tion zur Geltendmachung güterrechtlicher Ansprüche (act. 3 S. 78). Abgesehen
von seinen bereits behandelten allgemeinen Einwendungen (s. oben, E. 8.8)
macht der Beklagte hierzu geltend (act. 2 S. 39), er habe den mit Dispositivziffer 9
lit. e, erstes Lemma, des angefochtenen Urteils verlangten Kontoauszug des Pri-
vatkontos bei der Zürcher Kantonalbank, Nr. 1, bereits mit Eingabe vom 25. Sep-
tember 2017 (act. 8/21) eingereicht (act. 8/23/11). Dagegen wendet die Klägerin
zu Recht ein, dass es sich beim vom Beklagten edierten act. 8/23/11 um einen
Auszug des fraglichen Kontos per 31. Juli 2017 handle, aus welchem lediglich ei-
ne Buchung vom 13. Juli 2017 ersichtlich sei, während alle anderen Buchungen
geschwärzt seien (act. 16 Rz. 111). Bei der einzigen nicht geschwärzten Buchung
ist zwar unter dem Betreff "Valuta" das Datum des 11. Juli 2017 sowie dazu ein
Saldo von CHF 7'832.37 ersichtlich (act. 8/23/11). Güterrechtlicher Stichtag ist
aber das Datum der Einreichung der Scheidungsklage, d.h. der 12. Juli 2017
(Art. 204 Abs. 2 ZGB; act. 8/1; act. 8/34 Rz. 138). Ob der genannte Betrag auch
dem Kontostand per 12. Juli 2017 entsprach, steht somit nicht fest. Insbesondere
ist nicht ersichtlich, mit Valuta welchen Datums die nachfolgende(n) Transakti-
on(en) verbucht wurden. Folglich ist die Editionsschuld des Beklagten nicht als er-
- 85 -
füllt zu betrachten, weshalb es insoweit bei der von der Vorinstanz angeordneten
Editionspflicht bleibt.
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Die Vorinstanz hat in Anwendung von Art. 104 Abs. 3 ZPO den Entscheid
über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens
dem Endentscheid vorbehalten. Diesbezüglich gilt es keine Anordnungen zu tref-
fen. Über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des zweitinstanzlichen Verfah-
rens ist indes nicht erst mit dem erstinstanzlichen Endentscheid in der Hauptsa-
che, sondern bereits an dieser Stelle zu befinden.
9.2. Grundlage für die Festsetzung der Entscheidgebühr bilden der Streitwert
bzw. das tatsächliche Streitinteresse, der Zeitaufwand des Gerichts und die
Schwierigkeit des Falls (§ 2 Abs. 1 GebV OG i.V.m. Art. 96 ZPO). Ausgangspunkt
der Kostenberechnung für das Berufungsverfahren bilden § 12 Abs. 1 und 2
i.V.m. § 6 Abs. 1 i.V.m. § 5 Abs. 1 GebV OG, wonach die Gebühr grundsätzlich
nach den für die Vorinstanz geltenden Bestimmungen bemessen wird und bei
nicht vermögensrechtlichen Streitigkeiten in der Regel Fr. 300.– bis Fr. 13'000.–
beträgt. Nach § 6 Abs. 2 lit. b GebV OG analog bzw. § 8 Abs. 1 GebV OG kann
die Gebühr sodann bis zur Hälfte reduziert werden. Das vorliegende Berufungs-
verfahren erweist sich als relativ aufwändig. Unter Berücksichtigung dessen sowie
des bedeutenden Streitinteresses ist die Gebühr im oberen Drittel des genannten
Kostenrahmens festzulegen und unter Berücksichtigung des Reduktionsgrundes
gemäss § 6 Abs. 2 lit. b bzw. § 8 Abs. 1 GebV OG auf CHF 6'000.– zu bemessen.
9.3. Zu den Gerichtskosten zählen auch die Kosten der Kindesvertretung
(Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO). Als Teil der Prozesskosten sind sie den kostenpflichti-
gen Parteien zu überbinden, aber gemäss kantonalem Tarif festzusetzen und
vorab aus der Gerichtskasse auszubezahlen. Über die Höhe des Honorars des
Kindesvertreters wird nach Eingang der Honorarnote mit separatem Beschluss zu
entscheiden sein (vgl. OGer ZH, LY150026 vom 4. März 2016, E. IV.2.2a).
- 86 -
9.4. Die Prozesskosten werden grundsätzlich nach Obsiegen und Unterliegen
verteilt (Art. 106 ZPO). In familienrechtlichen Verfahren kann das Gericht jedoch
von den üblichen Verteilungsgrundsätzen abweichen und die Prozesskosten nach
Ermessen verteilen (Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO). Mit Bezug auf Kinderbelange sind
die Kosten des Verfahrens nach der Praxis der Kammer unabhängig vom Aus-
gang des Prozesses den Parteien je hälftig aufzuerlegen und die Parteientschädi-
gungen wettzuschlagen, wenn diese im Hinblick auf das Kindeswohl jeweils ach-
tenswerte Gründe für ihre Rechtspositionen hatten (vgl. etwa OGer ZH, LY150026
vom 4. März 2016, E. IV.2.2b). Solche Gründe können den Parteien vorliegend
nicht abgesprochen werden. Weil das Berufungsverfahren ganz überwiegend
Kinderbelange betrifft, rechtfertigt es sich, den Parteien die Gerichtskosten je zur
Hälfte aufzuerlegen und keine Parteientschädigungen zuzusprechen.
9.5. Die Gerichtskosten sind mit dem vom Beklagten geleisteten Kostenvor-
schuss (CHF 4'500.–) zu verrechnen. Der Fehlbetrag ist im Umfang von
CHF 1'500.– von der Klägerin und im Umfang der noch festzusetzenden Kosten
des Kindesvertreters je zur Hälfte von der Klägerin und dem Beklagten zu bezie-
hen (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Die Klägerin ist ausserdem zu verpflichten, dem Be-
klagten den von ihm geleisteten Kostenvorschuss im Umfang von CHF 1'500.– zu
ersetzen (Art. 111 Abs. 2 ZPO).