Decision ID: 337f6bf6-5d82-54ac-a262-a9317e07de72
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1956 geborene
X._
(
Urk.
13/2 S.
2)
lebt seit
1.
April 2017 von ihrem
Ehemann getrennt (
Urk.
13
/5d)
, der ins Ausland weggezogen ist (
Urk.
17 S. 3)
. Sie
meldete sich am
1
7.
Mai
2017
zum Bezug von Zusatzleistungen zu ihrer Invalidenrente an (
Urk.
13/4,
Urk.
13/20-21
,
Urk.
13/30
; vgl. auch
Urk.
13/7,
Urk.
13/V1).
D
as Amt für Zusatzleistungen zur AHV/IV der
Stadt Zürich (nach
folgend: AZL)
rechnete die Einnahmen und Ausgaben der Eheleute zusammen, ermittelte einen Einnahmenüberschuss (
Urk.
13/30) und wies
das Leistungsgesuch
deshalb
mit Verfügung vom 2
6.
Oktober 2017
ab
(
Urk.
13/V2
). Diese Verfügung wurde nicht angefochten (
Urk.
13/47).
1.2
Auf Anraten
des
AZL
(
Urk.
13/31
,
Urk.
13/AN S. 2,
Urk.
13/V2 S. 2
) erwirkte die Versicherte daraufhin die Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom
9.
April 2018 betreffend Regelung de
s Getrenntlebens ab
1.
April 201
7, mit welcher ihr Ehemann verpflichtet wurde, ihr für die Dauer des Getrenntlebens rückwirkend ab
1.
Juli 201
7 monatliche Unterhaltsbeiträge von
Fr.
100.-- zu bezahlen (
Urk.
13/5d).
Zusätzlich hatte das AZL
die
Versicherte im Februar 2018 das For
mular «Periodische Überprüfung des Anspruchs auf Zusatzleistungen zur AHV/IV» ausfüllen lassen (
Urk.
13/33,
Urk.
13/36,
Urk.
13/38). Aufgrund der neu
eingegangenen
Unterlagen
(
Urk.
13/35,
Urk.
13/35a-c,
Urk.
13/36-44,
Urk.
13/46)
ermittelte das AZL
nun
einen
Ausgabenü
berschuss
und setzte den Anspruchsbeginn auf den
1.
Februar 2018 fest (
Urk.
13/47).
M
it Verfügung vom 2
4.
Mai 2018
sprach es der Versicherten
ab Februar 2018
Zusatzleistungen
im monatlichen Betrag
von
Fr.
1'072.-- (
bestehend
aus Ergänzungsleistungen von
Fr.
498
.--, kantonale
n
Beihilfen in Höhe von
Fr.
202.--
sowie Gemeindezuschüs
se
n von
Fr.
372.
--
) zuzüglich Prämienverbilligung
en
von
Fr.
505.
--
zu (
Urk.
13/V3).
Nachdem die Versicherte am
5.
Juni 2018
dagegen
Einsprache erhoben
und unter anderem einen früheren Anspruchsbeginn
im April/Mai 2017 geltend gemacht
hatte (
Urk.
13/53), hob das AZL
die Verfügung vom 2
4.
Mai 2018 wiedererwägungsweise auf
und schrieb das
Einsprachever
f
ahren
als
g
egen
standslos ab (
Urk.
13/55
S. 1
)
.
M
it Verfügung vom 2
0.
Juni 2018
sprach sie der Versicherten
ab Juli 2017
– dem Beginn der Unterhaltspflicht des Ehemanns (
Urk.
13/54)
–
monatliche Zusatzleistungen von
Fr.
886.-- (Ergänzungsleistungen von
Fr.
398.-- und Prämienverbilligungen in Höhe von
Fr.
488.--) sowie ab Januar 2018 monatliche Ergänzungsleistungen von
Fr.
498.-- zuzüglich Prämi
enverbilligungen von
Fr.
505.-- zu
;
einen Anspruch auf
kantonale Beihilfen und
Gemeindezuschüsse
verneinte sie
hingegen (
Urk.
13/V5; vgl. auch
Urk.
13/55).
Die von der Versicherten dagegen
am
2.
Juli 2018
erhobene Einsprache
(
Urk.
13/61)
wies das AZL mit
Einspracheentscheid
vom
2.
Oktober 2018 ab, soweit es auf die Einsprache eintrat (
Urk.
13/V7; vgl. auch
Urk.
2,
Urk.
13/64
,
Urk.
13/V6,
Urk.
13/
V8
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte
mit Eingabe vom 2
5.
Oktober 2018 Beschwerde
mit den sinngemässen Rechtsbegehren,
es seien ihr ab Juli 2017 Zusatzleistungen in Höhe von
Fr.
1'577.-- zuzusprechen und es seien ihr Beihilfen und Gemeinde
zuschüsse auszurichten (
Urk.
1,
Urk.
3/6; vgl. auch
Urk.
4,
Urk.
6-7).
In der Beschwerdeantwort vom 1
9.
November 2018 beantragte das AZL die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
12).
Mit Replik vom
8.
Februar 2019
beantragte die Beschwerdeführerin, nunmehr vertreten durch Rechtsanwältin Barbara Laur, ins
besondere die Zusprechung von Beihilfen und Gemeindezuschüssen ab Juli 2017 sowie in prozessualer Hinsicht die Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertre
terin in der Person von Rechtsanwältin Barbara Laur
(
Urk.
17; vgl. auch
Urk.
9)
.
In der Duplik vom 1
4.
März 2019 hielt das AZL am Antrag auf Beschwerdeab
weisung fest (
Urk.
23), was der Beschwerdeführerin durch Zustellung einer Kopie zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
25).
Auf die Vorbringen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
9
Abs.
1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-
, Hin
terlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) entspricht die jährliche Ergän
zungsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben nach
Art.
10 ELG die anrechenbaren Einnahmen nach
Art.
11 ELG übersteigen.
1.2
Bei zu Hause lebenden Personen werden als Ausgabe unter anderem der Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten bis zu einem jährlichen Höchstbetrag bei alleinstehenden Personen von
Fr.
13'200.
--
aner
kannt (
Art.
10
Abs.
1
lit
. b
Ziff.
1 ELG).
1.3
Als Einnahmen
angerechnet werden auch Einkünfte aus beweglichem und unbe
wegliche
m
Vermö
gen (
Art.
11
Abs.
1
lit
. b ELG) sowie
ein Fünfzehntel, bei Altersrentnerinnen und Altersrentnern ein Zehntel des Reinvermögens
, soweit es
bei alleinstehenden Personen
Fr.
37‘500
.-- und bei Ehepaaren
Fr.
60'000.--
über
steigt (
Art.
11
Abs.
1
lit
. c ELG). Ebenfalls anrechenbar sind
familienrechtliche Unterhaltsbeiträge (
Art.
11
Abs.
1
lit
. h ELG) und
Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG). Eine
Verzichtshandlung im Sinne von
Art.
11
Abs.
1
lit
. g ELG liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Ein
künfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht oder ihre Rechte nicht durchsetzt, oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Grün
den von der Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (BGE 140 V 267 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
In Bezug auf die Beihilfen nach dem kantonalen Gesetz über die Zusatzleistungen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (Zusatz
leistungsgesetz [ZLG] und Zusatzleistungs
verordnung [ZLV]) finden nach
§
15 ZLG die Vorschriften, die für die jährliche Ergänzungsleistung nach Art. 9 ff. ELG gelten, entsprechende Anwendung, soweit für die Beihilfe nichts Abweichendes bestimmt ist.
Nach
§
16
Abs.
1 Satz 1 ZLG beträgt der jährliche Höchstanspruch auf Beihilfe für
Alleinstehende
Fr.
2'420.-- und für Ehepaare
Fr.
3‘630.--. Nach
§
17 ZLG wird für die Berechnung der Beihilfe auf die Bedarfsrechnung für die jährliche Ergän
zungsleistung abgestellt, wobei die tatsächlich ausgerichteten Ergänzungsleistun
gen als anrechenbare E
innahmen behandelt werden (
Abs.
1
lit
. a) und der Betrag für den allgemeinen Lebensbedarf bei zu Hause wohnenden Personen um den Höchstbetrag
der Beihilfe erhöht wird (
Abs.
1
lit
. b).
Nach
§
18 ZLG kann die Beihilfe gekürzt oder verweigert werden, soweit sie für den Unterhalt nicht benötigt wird
.
§
19 ZLV regelt als Anwendungsfall von
§
18 ZLG die Kürzun
g der Beihilfe bei Mehrpersonen
haushalten mit nicht invaliden Familienmitgliedern. Das Bundesgericht hat die Auffassung nicht als
willkürlich beurteilt, wonach
§
19 ZLV lediglich ein B
eispiel für die Anwendung von
§
18 ZLG darstelle und
§
18 ZL
G somit die Kürzung in weiteren
Fällen
erlaube
. Das Fehlen einer Aufzählung von weiteren Anwendungsfällen lasse vielmehr darauf schliessen, dass im Einzelfall anhand der konkreten Umstände zu prüfen sei, ob die Beihilfe im Umfang des in
§
16 ZLG festgesetzten Höchstbetrages «benötigt» werde, oder ob sie im Sinne von
§
18 ZLG zu kürzen oder zu verweigern sei
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_499/2010 vom 2
3.
August 2010 E. 3.2).
1.4.2
Gemäss
§
20 ZLG können die Gemeinden Gemeindezuschüsse zu den Beihilfen gewähren, die nicht als Einkommen anzurechnen sind. In der Stadt Zürich sind die Gemeindezuschüsse in der Verordnung über den Vollzug des Gesetzes über die Zusatzleistungen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versicherung und die Gewährung von Gemeindezuschü
ssen (Zusatzleistungsver
ordnung) und in den Ausführungsbestimmungen zur Zusatzleistungsverordnung (AZVO)
geregelt.
Nach
Art.
4
Abs.
1 der
städtischen
Zusatzleistungsverordnung wird für die Berechnung des jährlichen Gemeindezuschusses auf die Bedarfsrechnung für die gesetzliche Beihilfe abgestellt, wobei die tatsächlich ausgerichtete Beihilfe als Einnahme angerechnet wird. Dabei wird bei zu Hause wohnenden Personen der Betrag für den allgemeinen Lebe
nsbedarf um die Beträge in
Art.
3
Abs.
1
der Verordnung erhöht (
Fr.
3'900
.--
für Alleinstehende und
Fr.
5‘856.-- für Ehepaare;
Art.
4
Abs.
2
lit
. a der Verordnung), und der ermittelte Bedarf wird um den Miet
zinsanteil erhöht, der nach Abzug des im Einzelfall möglichen gesetzlichen Miet
zinsabzuges verbleibt, höchstens
jedoch
um
Fr.
3‘300.-- (
Art.
4
Abs.
2
lit
. b der Ver
ordnung). Ferner wird der Gemeindezuschuss nach
Art.
4
Abs.
4 der Verord
nung um einen Fünfzehntel, bei Altersrentnerinnen und Altersrentnern um einen Zehntel desjenigen Reinvermögens gekürzt, das bei
Alleinstehenden den Betrag von
Fr.
25'000.-- und bei Ehepaaren den Betrag von
Fr.
40‘000.-- übersteigt.
Wie die kantonale Beihilfe nach
§
18 ZLG kann der jährliche Gemeindezuschuss gemäss
Art.
6 der städtischen Zusatzleistungsverordnung verweigert oder gekürzt werden, wenn er für den Unterhalt nicht oder nur teilweise benötigt wird.
Ob Letzteres zutrifft, ist primär aufgrund einer wirtschaftlichen Betrachtungswe
ise zu entscheiden (
Art.
1
Abs.
1 AZVO). Der jährliche Gemeindezuschuss wird namentlich verweigert bei Alleinstehenden, die mit anderen volljährigen Perso
nen im gleichen Haushalt leben, welche nicht in der gleichen Berechnung der Zusatzleistungen einbezogen sind und keinen Anspruch auf eine Kinder- bzw. Waisenrente zu
r AHV/IV begründen (
Art.
2
lit
.
a AZVO)
, sowie bei Alleinstehen
den und Ehepaaren, die mit einem oder mehreren Kindern zusammenleben, welche Anspruch auf eine Kinder- beziehungsweise Waisenrente der AHV/IV begründen (
Art.
2
lit
. b-c AZVO)
. Auf eine Anwendung von
Art.
2 AZVO kann verzichtet werden, wenn damit ein Sozialhilfebezug verhindert werden kann oder die pauschale Verweigerung des jährlichen Gemeindezuschusses zu einem stos
senden Ergebnis führen würde (vgl.
Art.
3 AZVO).
Im Übrigen erklärt
Art.
12
Abs.
1 der städtischen Zusatzleistungsverordnung die Bestimmungen des ZLG sinngemäss auch für die Gemeindezuschüsse als anwend
bar, soweit in der Verordnung nichts Abweichendes geregelt ist.
2.
2.1
I
n der
Beschwerdeschrift
kritisierte die Beschwerdeführerin
die Berechnung
der
Ergänzungsleistung
en mit dem Argument, der Ehemann werde die vereinbarten monatlichen Unterhaltsbeiträge von
Fr.
100.-- voraussichtlich nicht bezahlen können
(
Urk.
1 S. 1,
Urk.
3/6 S. 1
). Diese Kritik
hat die Beschwerdeführerin in der Replik nicht aufrech
terhalten (
Urk.
17 S. 2 und 9), was einleuchtet, da
sie
nicht überzeugt
. Wie bereits das AZL im angefochtenen
Einspracheentscheid
festgehal
ten hat
(
Urk.
2 S. 2)
,
ist ihr Ehemann gemäss Verfügung des Bezirksgerichts Zürich vom
9.
April 2018 verpflichtet, ihr monatliche Unterhaltsbeiträge von
Fr.
100.-- zu bezahlen
(
Urk.
13/5d).
Sollte
er seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen,
hat die Beschwerdeführerin ihre Ansprüche grundsätzlich durchzusetzen
beziehungsweise rechtliche Schritte zu deren
Erhältlichmachung
einzuleiten
. Tut sie dies nicht, sind ihr die Unterhaltsbeiträge als Einkommens
verzicht anzurechnen
(
vgl. Müller, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum ELG,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Art.
11
ELG
Rz
590
ff. mit Hinweisen
)
.
Umstritten bleibt der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Beihilfen und Gemeindezuschüsse.
2.2
D
as AZL
begründete
die
Verneinung eines Anspruchs auf Beihilfen und Gemein
dezuschüsse
damit,
z
war sei
es
bei den bundesrechtlichen Ergänzungsleistungen an die im Eheschutzverfahren getroffene Unterhaltsvereinbarung gebunden. Im Bereich der weitergehenden Zusatzleistungen
habe es
jedoch ein
en
Ermessens
spielraum (
Urk.
2 S. 3).
Die Beihilfen und Gemeindezuschüsse könnten gemäss
§
18 ZLG und
Art.
6
der städtischen Zusatzleistungsverordnung
verweigert oder gekürzt werden, soweit sie für den Unterhalt nicht oder nur teilweise benötigt würden (
Urk.
2 S. 2). D
ie
Beschwerdeführerin und ihr Ehemann
seien
gemäss Ver
fügung des Bezirksgerichts
Zürich
vom
9.
April 2018
zwar getrennt, aber weiter
hin verheiratet.
Deshalb habe zur Ermittlung des Ergänzungsleistungsanspruchs eine Berechnung des Bedarfs der Beschwerdeführerin als alleinstehende Person vorgenommen werden müssen, welche sich
für s
ie im Vergleich zu einer Ehepaarberechnung günstiger auswirke.
Das Ehepaar leiste sich zwei Haushalte, was zu einem Ergänzungsleistungsanspruch
der Beschwerdeführerin
führe. Wür
den die Eheleute in der Schweiz zusammenleben,
resultierte
ein Einnahmenüber
hang und damit kein Anspruch auf staatliche Leistungen
(
Urk.
2 S. 2)
.
Zudem
hätten die Eheleute
im Eheschutzverfahren
eine für die Beschwerdeführerin unvorteilhafte Verteilung des e
helichen Einkommens zu gleichen Teilen verein
bart. Diese
Regelung
entspreche
nicht dem tatsächlich benötigten Verbrauch
:
Während
der Ehemann
, der
in Bosnien lebe und dem
mit dem verbliebenen monatlichen Einkommen von
Fr.
2'300.-- mehr
als das Doppelte eines allgemein praktizierenden Arztes
in Bosnien zur Verfügung stehe,
ein
fina
nziell sorgenfreies Leben führe, könne die Beschwerdeführerin mit ihrem Einkommen ihren Lebens
unterhalt nicht bestreiten und sei auf staatliche Leistungen
angewiesen
(
Urk.
2 S.
2 f.)
.
Das Bezirksgericht Zürich habe sich bei seiner Unterhaltsberechnung einer
seits sehr von den geltend gemachten Kosten des im Ausland lebenden Eheman
nes beeindrucken lassen, andererseits allfällige Krankheitskosten der Beschwer
deführerin bei
ihrer
Befragung gänzlich ausser Acht gelassen (
Urk.
23 S. 1 f.).
Die Ehe bestehe weiterhin, und die Eheleute schuldeten einander finanziellen Beistand. Sodann gebiete die den Ehepartnern obliegende Schadenminderungs
pflicht
, allfällige staatliche Leistungen so tief wie möglich zu halten (
Urk.
2 S. 2).
Würden der Beschwerdeführerin Beihilfen und Gemeindezuschüsse
gewährt
,
könnte
der Ehemann Ersparnisse bilden und sei dadurch bereichert. Seine Unter
haltspflicht
gegenüber der Ehefrau würde durch staatliche Leistungen ersetzt. Dies widerspreche aber dem Zweck der Zusatzleistungen, nämlich der Bestreitung des Lebensunterhalts von Personen mit dauerndem Aufenthalt in der Schweiz.
Es könne der Beschwerdeführerin zugemutet werden, den monatlichen Fehlbetrag von
Fr.
74.--, den die etwas über dem maximal möglichen Ansatz von
Fr.
13'200.-- gemäss
Art.
10
Abs.
1
lit
. b
Ziff.
1 ELG liegende Wohnung verursa
che, aus dem Lebensbedarf selbst zu bezahlen, zumal alle anderen Ausgaben gedeckt seien. Ein Bezug von wirtschaftlicher Sozialhilfe werde dadurch nicht nötig, weshalb die Ausnahmebestimmung von
Art.
3
lit
. a AZVO nicht zum Tra
gen komme (
Urk.
2 S. 3).
2.3
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend,
das AZL verkenne bei
sein
em Entscheid über den Anspruch auf Beihilfen und Gemeindezuschüsse, dass sie nicht aus freien Stücken auf Unterhaltsbeiträge ihres Ehemanns verzichtet habe, sondern dass dieser zur Leistung höherer Unterhaltsbeiträge nicht in der Lage sei und hierzu rechtlich auch nicht verpflichtet werden könne (
Urk.
17 S. 5).
Die Trennungsvereinbarung mit der Unterhaltsregelung sei auf Vorschlag des Bezirksgerichts
Zürich
zustande gekommen; hätte sie den vorgeschlagenen Unterhaltszahlungen des Ehemanns von
Fr.
100.-- pro Monat nicht zugestimmt, hätten ihr durch Urteil des Bezirksgerichts
Zürich
auch keine höheren Unterhalts
beiträge zugesprochen werden können (
Urk.
17 S. 6 f.). Ausserdem sei die Begründung des angefochtenen
Einspracheentscheids
, das Ehepaar «leiste sich zwei Haushalte», stossend und verletze ihr Recht, von ihrem Ehemann getrennt zu leben. Das Verhältnis zu ihrem Ehemann sei schlecht gewesen. Im Frühling 2019
(richtig: 2017)
sei die Belastung so gross geworden, dass
ein weiteres
Zusammenleben für beide Seit
en nicht mehr tragbar gewesen
wäre
, ansonsten weitere Nachteile für Gesundheit und Per
s
önlichkeit zu erwarten gewesen wären. Mit seinen knappen
finanziellen Mitteln könne der Ehemann in Bosnien die not
wendige medizinische Pflege selbst bezahlen, während er in der Schweiz auf Leis
tungen der Krankenkasse und der Ergänzungsleistungen angewiesen wäre
(
Urk.
17 S. 7 f.
,
Urk.
1 S. 2
).
Sie sei auf kantonale Beihilfen angewiesen.
Ihr Ehemann sei nicht in der Lage, sie nach Zahlung der Unterhaltsbeiträge weiter finanziell zu unterstützen.
Damit bestehe
ein Ausgabenüberschuss, so dass ihr rückwirkend für die Zeit ab Juli 2017 Beihilfen zuzusprechen seien
(
Urk.
17 S. 8 f.).
Ebenso habe sie Anspruch auf Gemeindezuschüsse.
Ihr
Bedarf werde durch ihre Einnahmen inklusive Beihilfen nicht gedeckt. Entgegen der Ansicht des AZL könne sie die über dem maximalen Mietzinsabzug von
Fr.
13'200.-- pro Jahr liegenden Mietkosten von
Fr.
74.-- pro Monat nicht aus ihrem Leben
sbedarf bezahlen. Zudem seien entgegen
dessen
Ansicht die
Art.
2 und 3
AZVO nicht anwendbar.
Art.
2 AZVO betreffe Konstel
lationen, die in ihrem Fall nicht vorlägen.
Art.
3 AZVO wiederum regle einen Ausnahmefall, in welchem
Art.
2 AZVO nicht zur Anwendung gelange (
Urk.
17 S. 9 f.).
3.
3.1
Aufgrund der vom AZL geäusserten Kritik, das Ehepaar «leiste sich zwei Haus
halte»
(
Urk.
2 S. 2)
, ist zunächst auf
F
olgendes
h
inzuweisen: Das Recht, sich im Fall einer untragbar gewordenen ehelichen Beziehung zu trennen,
wurde
im Bereich der Ergänzungsleistungen
durch die
Bestimmungen zur Berechnung des Leistungsanspruchs bei getrennten Ehegatten
berücksichtigt
(
Art.
9
Abs.
5
lit
. a ELG in Verbindung mit
Art.
1 der
Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenversicherung [ELV]) und ist grundsätzlich zu respektieren.
Hinreichende Anhaltspunkte für ein rechtsmissbräuchliches Ver
halten der Eheleute bestehen nicht. D
er
p
flegebedürftige Ehemann
hat
durch die Trennung und den Wegzug nach Bosnien
(
Urk.
13/5d)
keinen Anspruch auf Zusatzleistungen, was
unter Umständen
anders wäre, wenn er in der Schweiz geblieben wäre.
Deshalb spielt es – offenbar entgegen der Ansicht des AZL – keine Rolle, dass die Eheleute, würden sie nach wie vor zusammenleben, unter Umständen keinen Anspruch auf Zusatzleistungen hätten.
3.2
Die Argumentation des AZL läuft darauf hinaus, dass es der Beschwerdeführerin für die Ermittlung des Anspruchs auf Beihilfen und Gemeindezuschüsse einen betraglich nicht näher präzisierten, aber den
gemäss
Verfügung des Bezirksge
richts Zürich vom
9.
April 2018
festgesetzten monatlichen Betrag von
Fr.
100.--
(
Urk.
13/5d)
übersteigenden Unterhaltsbeitrag des Ehemanns als Einnahme
ange
rechnet hat,
im Sinne eines
V
erzichts
einkommens
. Auf dieser Basis ist
es
davon
ausgegangen
,
die
Beschwerdeführerin benötige
im Sinne von
§
18 ZLG und
Art.
6 der städtischen Zusatzleistungsverordnung
für
ihren Unterhalt
keine Beihilfen und Gemeindezuschüsse
.
Gemäss
in Rechtskraft erwachsener
Verfügung vom
9.
April 2018 des Bezirksge
richts Zürich betreffend Eheschutz/Getrenntleben
haben sich die Eheleute auf Basis einer Unterhaltsberechnung
des
Gericht
s
darauf geeinigt, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin ab Juli 2017 monatliche Ehegattenunterhaltsbeiträge von
Fr.
100.-- zu bezahlen hat (
Urk.
13/5d S. 2 f.).
Das AZL weist zu Recht darauf hin, dass es im Bereich der Ergänzungsleistungen an die vom Zivilgericht festgesetz
ten beziehungsweise genehmigten Unterhaltsbeiträge gebunden ist (
Urk.
2 S. 3;
vgl. Müller, a.a.O.,
Art.
11
ELG
Rz
601
mit Hinweisen
; Carigiet/Koch, Ergän
zungsleistungen zur AHV/IV,
2.
Auflage, Zürich 2009, S. 145).
Laut
§
15
und 17
ZLG
beziehungsweise
Art.
12
Abs.
1 der städtischen Zusatzleistungsverordnung finden
die Vorschriften, die für die jährlic
he Ergänzungsleistung nach
Art.
9 ff. ELG
beziehungsweise
für
die Beihilfen
gel
ten, entsprechende Anwendung bei der Ermittlung des Anspruchs auf Beihilfen respektive Gemeindezuschüsse, soweit in den übrigen Bestimmungen nichts
A
bweichendes geregelt ist.
Selbst wenn
von einer abweichenden Regelung für
die
Beihilfen und Gemeindezuschüsse in dem Sinne ausgegangen würde, dass
für diese Leistungen
die
Bindung
an den
vom
Zivilgericht festgesetzten Unterhaltsbeitrag
nicht gälte, ist
F
olgendes zu beach
ten:
N
ach Lage der Akten
bestehen
keine hinreichenden Belege für die Behauptung des AZL, der Ehemann könnte der Beschwerdeführerin wegen der tiefen Lebens
haltungskosten in Bosnien höhere Unterhaltsbeiträge bezahlen, zumal er hohe Gesundheitskosten zu tragen hat (vgl.
Urk.
13/5b,
Urk.
13/5d,
Urk.
13/35-a-c,
Urk.
13/54,
Urk.
13/69).
Zudem
hat die Beschwerdeführerin wegen
der
verbindli
chen
Unterhaltsr
egelung
des Bezirksgerichts Zürich
keine rechtliche Handhabe, um von ihrem Ehemann höhere Unterhaltsbeiträge
einzu
fordern.
Da der Ehemann
laut ihren
Angaben bereits
mit
der Bezahlung der monatlichen Beiträge in Höhe von
Fr.
100
.
--
Mühe hat (
Urk.
1 S. 1,
Urk.
3/6 S. 1)
,
kann
auch
nicht
davon ausgegang
en
werden
, dass er
in der Lage
und bereit
ist,
ihr freiwillig einen höheren Betrag
zu
leisten
.
Ein Verzicht der Beschwerdeführerin auf Unterhalts
beiträge ist deshalb nicht erstellt.
Bereits deshalb
kann nicht von
einer zusätzli
chen Einkommensquelle
ausgegangen werden
, die
geeignet
wäre
, zur Bestreitung des Unterhalts im Sinne von
§
18 ZLG
und
Art.
6 der städtischen Zusatzleistungs
verordnung
beizutragen.
Allein solche (potentiellen) Einnahmen und Vermögens
werte können indessen zu einer Kürzung oder Verweigerung von Beihilfen und Gemeindezuschüssen führen.
Mithin
dürfen der Beschwerdeführerin bei der Ermittlung ihres Anspruchs auf Beihilfen und Gemeindezuschüsse auf jeden Fall keine weiteren Einnahmen unter dem Titel
eines
Verzichts
auf Unterhaltsbeiträge des Ehemanns
angerechnet wer
den.
3.3
Das AZL räumt sodann selbst ein, dass
ein Teil des Mietzinses
durch die Ergän
zungsleistungen nicht gedeckt
ist
(
Urk.
2 S. 3,
Urk.
13/17,
Urk.
13/53l S. 1,
Urk.
13/V5,
Urk.
23 S. 2).
Zumindest i
nsofern kann nicht gesagt werden, die Beschwerdeführerin benötige
für den Unterhalt
keine ergänzenden
kantonalen und
eventuell
kommunalen
Zusatzleistungen
.
E
ntgegen der Ansicht des AZL
sind
die
Art.
2 und 3 AZVO nicht anwendbar
(
Urk.
2 S. 3)
.
Art.
2 AZVO bezieht sich auf Personen, die mit
anderen Personen im gleichen Haushalt
leben,
was auf die
alleine lebende Beschwerdeführerin
(
Urk.
13/53l) nicht zutrifft
.
Art.
3 AZVO wie
derum betrifft
einen Ausnahm
efall der
in
Art.
2 AZVO
geregelten Konstellatio
nen.
Bei diesem Ergebnis ist die Sache an das AZL zurückzuweisen, damit es den
Umfang der für den Unterhalt benötig
t
en kantonalen Beihilfen und Gemeindezu
schüsse ermittle
(vgl. vorstehend E. 1.4)
und hernach erneut über den
Anspruch
der Beschwerdeführerin auf
solche Leistungen
verfüge
. In diesem Sinne
ist die Beschwerde gutzuheissen
;
der angefochtene
Einspracheentscheid
ist aufzuheben, soweit damit ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf Beihilfen und Gemeinde
zuschüsse verneint wurde.
4.
Nach
§
34
Abs.
1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2)
.
Unter Berücksichtigung
der genannten
Kriterien und nachdem die
Rechtsvertre
terin der
Beschwerdeführerin trotz dem Hinweis, dass zur Einreichung einer Honorarnote keine vorgängige
Fristansetzung durch das Gericht erfolge (
Urk.
25), keine Kostennote eingereicht hat, ist ihr eine ermessensweise
festzusetzende
Parteientschädigung von
Fr.
2'5
00.
--
(inkl
. Barauslagen und
MWSt
) zuzuspre
chen.
Damit erweist sich ihr Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Rechts
vertretung als gegenstandslos.