Decision ID: d5ad4911-dc1c-40c1-afa4-f116fabe6420
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- A. erwarb den Führerausweis der Kategorien B und BE sowie der Unterkategorien
D1 und D1E 1995 sowie denjenigen der Kategorie A 2001. Am 3. Mai 2018 wurde A.
von Dr.med. F., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, untersucht. Im
psychiatrischen Gutachten vom 24. Mai 2018 führte Dr. F. unter anderem aus, bei A.
liege eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung vor. Es beständen aus psychiatrischer
Sicht mittelgradige und zeitweise auch schwere Beeinträchtigungen seiner
Funktionsfähigkeit. Das Lenken eines Motorfahrzeuges sei bei Schmerzen nicht
empfehlenswert. In einer Aktennotiz vom 30. Mai 2018 schloss sich Dr.med. K.,
Facharzt Chirurgie FMH, vom Regionalen Ärztlichen Dienst Ostschweiz (abgekürzt:
RAD Ostschweiz) dieser Auffassung an und hielt fest, dass Persönlichkeiten mit
solchen Störungen nicht aktiv am Strassenverkehr teilnehmen sollten.
B.- Am 30. Mai 2018 machte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
(abgekürzt: SVA) dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt eine Meldung gemäss
Art. 66c IVG (Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, SR 831.20), wonach sie bei
A. aus medizinischen Gründen an der Fahrtauglichkeit zweifle. Das
Strassenverkehrsamt ersuchte die SVA in der Folge am 6. Juni 2018 um Zustellung der
Akten, welche diese am 12. Juni 2018 übermittelte. Mit Schreiben vom 14. Juni 2018
stellte das Strassenverkehrsamt A. eine verkehrsmedizinische Untersuchung in
Aussicht und gab ihm Gelegenheit, innert 10 Tagen dazu Stellung zu nehmen. Von der
Möglichkeit zur Stellungnahme machte A. keinen Gebrauch. Mit Verfügung vom 11. Juli
2018 ordnete das Strassenverkehrsamt alsdann eine verkehrsmedizinische
Untersuchung an.
C.- Dagegen erhob A. mit Eingabe vom 23. Juli 2018 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen. Er beantragte sinngemäss die
Aufhebung der Verfügung vom 11. Juli 2018, begründete seine Anträge aber nicht. Mit
Schreiben vom 24. Juli 2018 forderte der Abteilungspräsident A. zur nachträglichen
Rekursbegründung bis zum 31. August 2018 auf. Am 24. August 2018 reichte A. eine
Rekursbegründung ein und stellte sinngemäss den zusätzlichen Eventualantrag, die
verkehrsmedizinische Untersuchung sei bei einem Arzt der Stufe 3 (statt bei einem der
Stufe 4) durchzuführen; seiner Eingabe legte er eine Bestätigung seines Hausarztes
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sowie weitere Akten bei. Das Strassenverkehrsamt reichte am 12. September 2018
eine Vernehmlassung ein und beantragte die Abweisung des Rekurses.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Bei der
Verwaltungsrekurskommission können unter anderem die Verfügungen der für den
Vollzug der Strassenverkehrsgesetzgebung zuständigen Behörden mit Rekurs
angefochten werden (Art. 41 lit. g des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Da der Rekurrent zur Rekurserhebung befugt ist und die
gesetzlichen Anforderungen von Art. 45, Art. 47 und Art. 48 VRP erfüllt sind, ist auf den
Rekurs einzutreten.
2.- Die angefochtene Verfügung vom 11. Juli 2018 ist von Amtes wegen auf ihre
formelle Rechtmässigkeit hin zu überprüfen. Hierzu gehört namentlich die Wahrung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör. Die beabsichtigte Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung wurde von der Vorinstanz vorab mitgeteilt und
dem Rekurrenten wurde Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben. Die Verfügung der
Vorinstanz enthielt auch eine kurze Begründung. Insgesamt wurde der Anspruch auf
rechtliches Gehör gewahrt, was vom Rekurrenten auch nicht bestritten wird. Die
vorinstanzliche Verfügung erweist sich als formell rechtmässig.
3.- In materieller Hinsicht ist streitig, ob die Vorinstanz zu Recht eine
verkehrsmedizinische Untersuchung durch einen Arzt der Stufe 4 anordnete.
a) Gemäss Art. 15d Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird eine Person einer Fahreignungsuntersuchung unterzogen, wenn Zweifel an ihrer
Fahreignung bestehen. Mit diesem Begriff werden die körperlichen und geistigen
Voraussetzungen des Individuums umschrieben, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr
sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE
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133 II 384 E. 3.1). Zweifel an der Fahreignung bestehen namentlich dann, wenn einer
der Fälle gemäss Art. 15d Abs. 1 lit. a bis e SVG vorliegt (Urteil des Bundesgerichts
[BGer] 1C_13/2017 vom 19. Mai 2017 E. 3.2). Nach Art. 15d Abs. 1 lit. d SVG wird eine
Person bei einer Meldung einer kantonalen IV-Stelle nach Artikel 66c IVG einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen. Erfolgt eine solche Meldung, so muss die
Strassenverkehrsbehörde von Amtes wegen die erforderlichen Abklärungen vornehmen
(Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015,
Art. 15d N 94); eine Einzelfallprüfung erfolgt nicht, selbst wenn die Zweifel an der
Fahreignung noch nicht erhärtet oder abstrakter Natur sind (BGer 1C_232/2018 vom
13. August 2018 E. 3.2). Körperliche und psychische Erkrankungen mit einer
hinreichenden Schwere können die Fahreignung ausschliessen (Weissenberger, a.a.O.,
Art. 16d N 19); das gilt insbesondere auch für chronische Schmerzstörungen.
b) Die Vorinstanz begründete die Anordnung der verkehrsmedizinischen Untersuchung
in der angefochtenen Verfügung damit, dass die IV-Stelle an der Fahrtauglichkeit des
Rekurrenten zweifle. Aus der Aktennotiz des RAD Ostschweiz vom 30. Mai 2018 gehe
hervor, dass der Rekurrent an einer chronischen Schmerzstörung sowie einer
Persönlichkeitsstörung leide.
Der Rekurrent bestreitet die gestellten Diagnosen nicht, wendet aber ein, Schmerzen
allein seien kein Grund für Zweifel an der Fahrtauglichkeit. Er habe die Schmerzen
bereits seit vier Jahren und in dieser Zeit noch keine Verstösse gegen das
Strassenverkehrsgesetz begangen. Er sei in der Lage zu merken, wenn er überfordert
sei. Im psychiatrischen Gutachten werde bescheinigt, dass bei ihm keine
Konzentrations-, Merk- oder Gedächtnisstörungen, kein Wahn, keine
Sinnestäuschungen und keine Ich-Störung aufgefallen seien. Er halte seine
Fahrtauglichkeit deshalb für gegeben.
Im vorliegenden Fall stützt sich die Vorinstanz in erster Linie auf die Meldung der SVA
vom 30. Mai 2018, wonach beim Rekurrenten Zweifel an der Fahreignung beständen.
Erhält das Strassenverkehrsamt eine solche Meldung gemäss Art. 66c IVG, ist die
Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung grundsätzlich obligatorisch und
es besteht grundsätzlich kein Ermessensspielraum (Art. 15d Abs. 1 lit. d SVG;
BGer 1C_232/2018 vom 13. August 2018 E. 3.3; Weissenberger, a.a.O., Art. 15d N 94);
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eine weitere Abklärung wäre allenfalls dann zu treffen, wenn die Meldung der IV-Stelle
offensichtlich versehentlich erfolgte. Im vorliegenden Fall sind keine Umstände
ersichtlich, warum auf eine Fahreignungsuntersuchung verzichtet werden könnte. Die
Diagnosen des Psychiaters müssen als fundiert betrachtet werden. Sie wurden durch
den Arzt des RAD Ostschweiz bestätigt und werden vom Rekurrent nicht bestritten;
auch die hausärztliche Bestätigung der Fahrfähigkeit ändert daran nichts. Für die
Anordnung einer Überprüfung der Fahreignung spielt sodann der bis anhin ungetrübte
automobilistische Leumund grundsätzlich keine Rolle (vgl. BGer 1C_232/2018 vom
13. August 2018 E. 3.3 und E. 4). Ebenso wenig sind eine vorhandene kognitive
Leistungsfähigkeit und das Fehlen gewisser psychischer Symptome hinreichende
Kriterien für das Vorliegen der Fahreignung, können sich doch gerade psychische
Krankheiten und körperliche Beeinträchtigungen durch Schmerzen im konkreten
Einzelfall unabhängig von der Grundkonstitution verkehrsrelevant auswirken. Im
Übrigen sind die diagnostizierten Erkrankungen an sich schon geeignet, Zweifel an der
Fahreignung des Rekurrenten zu wecken.
Unter diesen Umständen bestehen Zweifel an der Fahreignung des Rekurrenten. Die
Vorinstanz ordnete deshalb zu Recht eine verkehrsmedizinische Untersuchung an. Der
Rekurs ist diesbezüglich abzuweisen.
c) Der Rekurrent rügt sinngemäss auch, die verkehrsmedizinische Untersuchung sei
von einem Arzt der Stufe 3 durchzuführen. Die angeordnete Untersuchung durch einen
Arzt der Stufe 4 sei unverhältnismässig, zumal gesamtschweizerisch in einem Fall wie
dem vorliegenden ein Arzt der Stufe 3 mit der Untersuchung beauftragt würde.
Die Vorinstanz hielt in ihrer Vernehmlassung fest, dass verkehrsmedizinische
Untersuchungen nach Art. 5a Abs. 1 lit. c VZV zwar primär von Ärzten der Stufe 3
vorzunehmen seien, sie in begründeten Einzelfällen aber die Untersuchung bei einem
Arzt der Stufe 4 anordne, insbesondere wenn ein komplexer Einzelfall vorliege. Diese
Praxis stimme mit Art. 5a Abs. 3 VZV überein, wonach ein Inhaber einer Anerkennung
einer höheren Stufe alle Untersuchungen durchführen dürfe, für die eine Anerkennung
einer niedrigeren Stufe vorgeschrieben sei. Im vorliegenden Fall stehe aufgrund der
diagnostizierten Erkrankungen zudem eine ärztlich begleitete Kontrollfahrt zumindest
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im Raum und deren Empfehlung sei gemäss Art. 5j Abs. 1 und 2 VZV einem Arzt der
Stufe 4 vorbehalten.
Nach Art. 5a Abs. 1 lit. c Ziff. 5 VZV sind verkehrsmedizinische Untersuchungen nach
Art. 15d Abs. 1 lit. d SVG von kantonal anerkannten Ärzten der Stufe 3 durchzuführen.
Diese Bestimmung dient der gesamtschweizerischen Qualitätssicherung bei der
Fahreignungsabklärung (Botschaft zur Via sicura vom 20. Oktober 2010, Ziff. 1.3.2.12,
BBl 2010 S. 8473 f.); sie setzt als solche Mindest-, aber keine Höchstanforderungen.
Dem Strassenverkehrsamt muss es somit möglich sein, im Rahmen ihres
pflichtgemässen Ermessens eine Fahreignungsabklärung durch einen Arzt höherer
Stufe anzuordnen. Dabei hat die Behörde das Verhältnismässigkeitsprinzip zu
beachten. Im vorliegenden Fall liegt beim Rekurrenten ein komplexes Krankheitsbild
mit psychischen und somatischen Faktoren vor. Die Anordnung einer Untersuchung
durch einen Arzt der Stufe 4 liegt hier noch im Rahmen des vorinstanzlichen
Ermessens. Die Vorinstanz hält zudem die Empfehlung einer Anordnung einer ärztlich
begleiteten Kontrollfahrt für möglich, die nur durch einen Arzt der Stufe 4
vorgenommen werden kann (Art. 5j Abs. 1 und 2 VZV). Die vorgesehene Untersuchung
durch einen Arzt der Stufe 4 rechtfertigt sich daher auch aus verfahrensökonomischen
Überlegungen und aus Kostengründen. Es ist nicht ersichtlich und wird vom
Rekurrenten nicht dargetan, inwiefern die Untersuchung durch einen Arzt einer höheren
Stufe für ihn im vorliegenden Fall zu bedeutenden Nachteilen führen sollte.
Insgesamt ist die Anordnung der Vorinstanz, dass die Fahreignungsabklärung durch
einen Arzt der Stufe 4 vorzunehmen sei, nicht zu beanstanden. Der Rekurs ist auch in
diesem Punkt abzuweisen.
4.- Die Kosten des Rekursverfahrens haben die Beteiligten nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Der Rekurrent dringt mit
seinen Rügen nicht durch; er hat als Unterliegender die amtlichen Kosten zu tragen.
Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) erscheint angemessen; der Kostenvorschuss
von Fr. 1'200.– ist damit zu verrechnen.
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