Decision ID: f6a92c0f-5383-44c2-80e0-96551f544da2
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfachen Amtsmissbrauch etc.
Berufung gegen die Urteile des Bezirksgerichtes Dietikon vom 12. Dezember
2013 (DG130004 und DG130005); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zü-
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rich, II. Strafkammer, vom 16. Juni 2015 (SB140192); Urteil des Schweizeri-
schen Bundesgerichtes vom 14. März 2016 (6B_1024/2015, 6B_1033/2015)
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Anklagen:
Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 21. Januar
2013 (Urk. 20 und 21) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz (A._):
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des mehrfachen Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 StGB
- der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
- der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie des Ver-
suchs dazu im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB
- der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB
- des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
- des mehrfachen geringfügigen Vermögensdelikts (Sachentziehung) im
Sinne von Art. 141 in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe und einer
Busse von Fr. 500.–.
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3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Auf die Zivilansprüche des Privatklägers wird nicht eingetreten.
6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 700.– hälftige Gebühr Strafuntersuchung gem. § 4 GebV StrV
7. Die Verfahrenskosten (bestehend aus der Gerichtsgebühr und der hälftigen
Untersuchungsgebühr) werden dem Beschuldigten auferlegt. Allfällige weite-
re Auslagen bleiben vorbehalten.
Urteil der Vorinstanz (B._):
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- des mehrfachen Amtsmissbrauchs im Sinne von Art. 312 StGB
- der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
- der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie des Ver-
suchs dazu im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB
- der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB
- des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
- des mehrfachen geringfügigen Vermögensdelikts (Sachentziehung) im
Sinne von Art. 141 in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
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2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Monaten Freiheitsstrafe und einer
Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Auf die Zivilansprüche des Privatklägers wird nicht eingetreten.
6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 700.– hälftige Gebühr Strafuntersuchung gem. § 4 GebV StrV
7. Die Verfahrenskosten (bestehend aus der Gerichtsgebühr und der hälftigen
Untersuchungsgebühr) werden dem Beschuldigten auferlegt. Allfällige weite-
re Auslagen bleiben vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1:
(Urk. 208 S. 13 und Prot. S. 11 f.)
1. Umfassender Freispruch 2. Schadenersatz in der Höhe von Fr. 122'342.80 (zzgl. Anwaltskos-
ten für heutige Verhandlung) + Fr. 11'014.00 /Karriereschaden 1. Januar 2017 bis 31. Dezember 2018
3. Genugtuung nach Ermessen des Gerichts, aber nicht unter Fr. 20'000.--.
4. Regelung der Verfahrenskosten zulasten der Staatskasse.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2:
(Urk. 210 und Prot. S. 16)
" 1. Der Berufungskläger sei von Schuld und Strafe frei zu sprechen.
2. Es sei ihm eine Entschädigung in der Höhe der gesamten  zuzusprechen.
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3. Es sei ihm für die erlittene Unbill eine angemessen Genugtuung zuzusprechen.
4. Es seien die gesamten Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen."
c) Der Privatklägerschaft:
(Urk. 101 S. 2; sinngemäss)
1. Auf die Zivilansprüche des Privatklägers sei einzutreten und sie seien zu behandeln.
2. Die Beschuldigten seien zu verpflichten, dem Privatkläger CHF 901.25 Schadenersatz zu bezahlen. Für die weiteren heute noch nicht bezifferbaren Schadensposten sei festzustellen, dass die Beschuldigten unter solidarischer Haftbarkeit dem Grundsatze nach zu Schadenersatz verpflichtet sind.
Eventualiter sei der Staat zu verpflichten, dem Privatkläger CHF 901.25 Schadenersatz zu bezahlen und für die weiteren heute noch nicht bezifferbaren Schadensposten sei festzustellen, dass der Staat dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
3. Die Beschuldigten seien zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung in richterlichem Ermessen, mindestens aber CHF 6'000.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 25. Juni 2011 zu bezahlen.
Eventualiter sei dem Privatkläger von der Staatskasse eine  in richterlicher festzusetzender Höhe zuzusprechen, mindestens aber CHF 6'000.00 nebst Zins zu 5 % seit dem 25. Juni 2011.
4. Die Kosten des erst- und zweitinstanzlichen Verfahren seien i.S. von Art.428 StPO den Beschuldigten aufzuerlegen, die Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretern des Privatklägers seien auf die Staatskasse zu nehmen.
d) Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 212 S. 1)
" 1. Die Urteile des Bezirksgerichts Dietikon vom 12. Dezember 2013 seien voll-
umfänglich aufzuheben und die Berufungskläger seien von sämtlichen Vor-
würfen freizusprechen.
2. Die Entscheidung der Kosten- und Entschädigungsfrage sei gemäss
Art. 428 und 436 StPO dem Ermessen des Gerichts anheimzustellen."
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Formelles
1. Mit Urteilen vom 12. Dezember 2013 sprach das Bezirksgericht Dietikon
die Beschuldigten A._ und B._ des mehrfachen Amtsmissbrauchs und
weiterer Delikte schuldig und bestrafte sie mit je 16 Monaten Freiheitsstrafe be-
dingt und einer Busse von Fr. 500.–. Auf die Zivilforderungen des Privatklägers
trat es nicht ein (Urk. 54 und 88/50).
Gegen die Urteile meldeten die Beschuldigten mit Eingaben vom 12. De-
zember 2013 Berufung an (Urk. 42 und 72/41). Die Berufungserklärungen folgten
unterm 24. April 2014 und 12. Mai 2014 (Urk. 55 und 88/53). Demnach verlangen
beide Beschuldigten einen vollumfänglichen Freispruch unter Übernahme der
Kosten auf die Staatskasse und Erstattung einer Entschädigung.
Ebenfalls Berufung gegen beide Urteile meldete am 19. Dezember 2013 der
Privatkläger an (Urk. 44 und 72/43). Seine schriftlichen Berufungserklärungen
sind mit dem 9. Mai 2014 datiert und am 12. Mai 2014 eingegangen (Urk. 57 und
88/52). Kleinere Korrekturen zu diesen Berufungserklärungen reichte der Privat-
kläger mit Eingabe vom 15. Mai 2014 nach (vgl. Urk. 60 und 61 sowie 88/54 und
72/55). Er verlangte eine Erhöhung des Strafmasses für die Beschuldigten und ih-
re Verurteilung auch wegen schwerer Körperverletzung und weiterer Straftatbe-
stände. Ebenso hielt er sinngemäss an seinen Schadenersatz- und Genugtuungs-
forderungen in Höhe von je 4 Mio. Fr. zuzüglich Zins fest. Mit Präsidialverfügung
vom 16. Mai 2014 wurde seinem Antrag (Urk. 56 und 88/51) entsprochen, und es
wurde ihm für das Berufungsverfahren eine unentgeltliche Rechtsvertreterin be-
stellt (Urk. 63 und 88/57). Diese schränkte mit Eingabe vom 11. Juni 2014 die Be-
rufung des Privatklägers auf die Zivilansprüche ein (Urk. 67 und 68 sowie 88/62
und 88/63).
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Anschlussberufungen wurden keine erhoben, auch nicht von der Staatsan-
waltschaft, die anfänglich erklärte, sich am weiteren Verfahren nicht aktiv beteili-
gen zu wollen (Urk. 76 und 88/64). Mit Beschluss vom 5. September 2014 wurden
die beiden Berufungsverfahren miteinander vereinigt (Urk. 70 und 88/66).
2. Mit Eingaben vom 10. September 2014 sowie 6. und 13. November 2014
stellten die Beschuldigten und mit Eingabe vom 21. Oktober 2014 auch der Pri-
vatkläger Beweisanträge (Urk. 73, 74, 82, 84 und 85). Darüber wurde einstweilen
mit Beschlüssen vom 6. Oktober 2014 und vom 18. November 2014 entschieden
(Urk. 78 und 86). Stattgegeben wurde dem Antrag auf Vornahme eines Augen-
scheins am Tatort; dieser fand vorgängig der Berufungsverhandlung statt
(vgl. Urk. 166 S. 6 ff.). Das Gericht holte zudem beim Hausarzt des Privatklägers,
Dr. D._, ergänzende Auskünfte ein (vgl. Urk. 79 und 81); ferner wurde der
Privatkläger obligatorisch zur Berufungsverhandlung vorgeladen. Die weiter bean-
tragten Beweisergänzungen wurden einstweilen abgelehnt. Mit Eingabe vom
5. Dezember 2014 (Urk. 94) reichte die Verteidigung des Beschuldigten 1 weitere
Unterlagen zu den Akten, darunter ein Gutachten von Prof. E._ (Urk. 95/2).
3. Im Anschluss an den Augenschein wurde am 9. Dezember 2014 der
erste Teil der Berufungsverhandlung durchgeführt mit der Befragung der Be-
schuldigten und den Parteivorträgen (Urk. 166 S. 10 ff.).
Am 12. Dezember 2014 beschloss das Berufungsgericht weitere Beweiser-
gänzungen (Urk. 104). So zog es die IV- und die Strafakten des Privatklägers bei
(Urk. 108 und 111) und entschied, F._ und Dr. D._ als Zeugen zu befra-
gen. Ein Gesuch der Vertreterin des Privatklägers vom 11. Februar 2015 um Ver-
schiebung der auf den 16. Juni 2015 terminierten Fortsetzung der Berufungsver-
handlung (samt Befragung zweier Zeugen) wurde mit Präsidialverfügung vom
Folgetag abgewiesen (Urk. 181). Zusätzliche Beweisanträge der Parteien (vgl.
Urk. 109, 116, 132, 135, 138 und 139) sowie ein Antrag des Privatklägers um
Ausschluss der Öffentlichkeit aus dem Verfahren (Urk. 137) wurden mittels Be-
schluss vom 22. Mai 2015 einstweilen abgewiesen (Urk. 141).
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Nachdem der Privatkläger mit Eingaben vom 16. und 24. April 2015
(Urk. 133 und 134/1) und seine unentgeltliche Vertreterin mit Schreiben vom
21. Mai 2015 (Urk. 140) entsprechende Gesuche gestellt hatten, wurde Letztere
mit Präsidialverfügung vom 26. Mai 2015 aus ihrem Mandat entlassen (Urk. 142).
4. Die Fortsetzung der Berufungsverhandlung fand am 16. Juni 2015 statt
(vgl. Urk. 166 S. 75 ff.). Vorgängig dazu machten die Verteidiger am 8. Juni 2015
Voreingaben zu den vom Gericht beigezogenen bzw. von ihnen ins Recht geleg-
ten weiteren Unterlagen betreffend den Privatkläger (Urk. 144 und 147). Anläss-
lich der Verhandlung vom 16. Juni 2015 wurden der Privatkläger ergänzend ein-
vernommen sowie F._ und der Hausarzt des Privatklägers, Dr. D._, als
Zeugen angehört (Urk. 166 S. 77 ff.). Anschliessend wurde den Parteien Gele-
genheit gegeben, zum Beweisergebnis Stellung zu nehmen. Dabei hielten die
Verteidiger wie schon in der Verhandlung vom 9. Dezember 2014 an ihren bishe-
rigen Beweisanträgen fest (Urk. 166 S. 14 und S. 76 sowie Urk.158 S. 2). Zur Be-
gründung wurden keine von den schriftlichen Eingaben wesentlich divergierenden
Argumente vorgebracht. Damit bestand keine Veranlassung, anders als bisher
über diese Anträge zu entscheiden. Sie waren folglich als entbehrlich abzuwei-
sen. Die von den Verteidigern eingereichten Dokumente, insbesondere das (pri-
vate) Ergänzungsgutachten von Prof. E._ (Urk. 152), wurden zu den Akten
genommen. Auch die von RA X2._ angeregte ad-hoc-Befragung von Prof.
E._ (Urk. 166 S. 76) erwies sich angesichts der Zeugenaussage von Dr.
D._ als nicht mehr erforderlich, und es war deshalb davon abzusehen.
Im Anschluss der Berufungsverhandlung vom 16. Juni 2015 mit den
Schlussworten der Beschuldigten fällte die erkennende Kammer ihr Urteil
(Urk. 164).
5. Dagegen legten sowohl der Privatkläger wie auch beide Beschuldigte Be-
schwerde beim Bundesgericht ein (Urk. 173/2 und 175/2; vgl. Urk. 178). Auf die
Beschwerde des Privatklägers trat das Bundesgericht am 17. November 2015
nicht ein (Urk. 178). Die Beschwerden der Beschuldigten hiess es am 14. März
2016 jedoch gut, hob das Urteil der Kammer vom 16. Juni 2015 auf und wies die
Sache zu neuer Entscheidung an das Obergericht zurück (Urk. 184).
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6. Nachdem sich der Privatkläger, anders als die übrigen Parteien (Urk. 186-
188, Urk. 191-192), gegen die schriftliche Durchführung der Fortsetzung des Be-
rufungsverfahrens ausgesprochen hatte (Urk. 190), wurde auf heute zur Fortset-
zung der Berufungsverhandlung vorgeladen. Vorgängig wurde mit Beschluss vom
14. Juni 2016 dem Gesuch des Privatklägers um erneute Beigabe eines unent-
geltlichen Rechtsbeistandes nicht stattgegeben und seine neu gestellten Beweis-
anträge wurden einstweilen abgewiesen (Urk. 194). An der heutigen Verhandlung
vor der Berufungsinstanz nahmen die Parteien und ihre Vertreter teil. Einzig der
Beschuldigte B._ hatte sich von der Teilnahme dispensieren lassen. Die Par-
teien stellten die eingangs aufgeführten Schlussanträge. Das Beweisergebnis er-
fuhr keine Veränderung. Weder die neuen Beweisanträge des Privatklägers (Urk.
189, Urk. 193 und Urk. 195 A sowie Prot. II S. 13) noch diejenigen der Verteidi-
gung der beiden Beschuldigten (Urk. 205 S. 1; Urk. 208 S. 7-12; Urk. 211/4) er-
weisen sich auch nach Abschluss der Berufungsverhandlung aus den noch darzu-
legenden Gründen (vgl. nachstehend E. II. 7.d.) als sachdienlich. Sie sind definitiv
abzuweisen. Der Fall ist deshalb spruchreif.
7. Hebt das Bundesgericht einen Entscheid auf und weist es die Sache zu
neuer Beurteilung an die kantonale Instanz zurück, so wird der Streit in jenes Sta-
dium von der kantonalen Instanz zurückversetzt, in dem er sich vor Erlass des
angefochtenen Entscheides befunden hat. Die kantonale Instanz hat ihrem neuen
Entscheid die Begründung der Kassationsinstanz zu Grunde zu legen. Auch wenn
Art. 107 Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG, SR 173.110) die Regelung
von Art. 277ter Abs. 2 aBStP beziehungsweise Art. 66 aOG nicht ausdrücklich
übernommen hat, gilt dieser Grundsatz ebenso unter dem seit dem 1. Januar
2007 geltenden Bundesgerichtsgesetz (vgl. Seiler / von Werdt / Güngerich /
Oberholzer, Bundesgerichtsgesetz, Handkommentar, 2. Auflage, Bern 2015,
Art. 107 N 8 f.; BGE 135 III 334 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_296/2014
vom 20. Oktober 2014 E. 1.2.2). Die Vorinstanz - mithin die erkennende Kammer
- ist somit an die Auffassung des Bundesgerichtes gebunden.
Dies gilt in der Regel nur für die rechtliche Begründung der Kassations-
instanz, da sie gemäss Art. 105 Abs. 1 BGG an die Sachverhaltsfeststellung der
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Vorinstanz gebunden ist. Erweist sich die Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz
jedoch als offensichtlich unrichtig oder beruht sie auf einer Rechtsverletzung im
Sinne von Art. 95 BGG, so kann das Bundesgericht den Sachverhalt auf Rüge hin
oder von Amtes wegen berichtigend oder ergänzend neu feststellen (Art. 97 Abs.
1 bzw. Art. 105 Abs. 2 BGG). Dies war vorliegend der Fall. In einem solchen Fall
ist die Vorinstanz - vorbehaltlich neuer Beweise im nach der Rückweisung er-
gänzten Verfahren, was vorliegend nicht gegeben ist - an die neuen sachverhalt-
lichen Feststellungen des Bundesgerichts gebunden.
II. Erstellung des Sachverhalts
1. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten in separaten, aber inhalt-
lich deckungsgleichen Anklagen vom 21. Januar 2013 vor, als Beamte der Stadt-
polizei G._ am 24. Juni 2011 im Schrebergarten des Privatklägers an der ...-
Strasse in G._ bzw. in dessen Nähe mehrere Delikte begangen zu haben, so
mehrfachen Amtsmissbrauch, Freiheitsberaubung, mehrfache Nötigung, einfache
Körperverletzung, Hausfriedensbruch und Sachentziehung. Die Beamten sollen in
gleichmassgeblichem Zusammenwirken bei Planung und Durchführung den Pri-
vatkläger in dessen Gartenhäuschen während rund 10 Minuten festgehalten ha-
ben und dabei mit tätlicher Gewalt gegen ihn vorgegangen sein. Auch hätten sie
den Privatkläger dabei mehrfach genötigt und ihm den Schlüssel sowie das Mobil-
telefon weggenommen und ihn später vom Ort vertrieben. Mit diesem Vorgehen
hätten sie die ihnen anvertraute staatliche Macht bewusst zweckentfremdet ein-
gesetzt und den Privatkläger unrechtmässig diszipliniert und gedemütigt. Einige
Zeit später seien die Beschuldigten zum Schrebergarten des Privatklägers zu-
rückgekehrt und hätten in dessen Abwesenheit und ohne Berechtigung das um-
friedete Grundstück nochmals betreten (Urk. 20 und Urk. 72/21).
Dem eigentlichen Tatgeschehen war ein Nachbarschaftsstreit zwischen dem
Privatkläger und den Zeugen H._ und H1._ vorausgegangen. Dabei be-
gab sich der Privatkläger mit einer Giesskanne zum Schrebergarten der genann-
ten Zeugen und wollte wegen der ihn störenden Rauchentwicklung das Feuer in
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deren Kamin löschen. Es kam daraufhin zu einer handgreiflichen Auseinanderset-
zung zwischen dem Privatkläger und dem Zeugen H._. In der Folge holte die
weitere Zeugin I._ unter Hinweis darauf, dass der Zeuge H._ angegrif-
fen worden sei, die beschuldigten Polizisten, welche sich zufällig in einem nahe-
gelegenen Café aufhielten, ins Schrebergartenareal, wo sie den Privatkläger an-
trafen.
2. Die Beschuldigten bestreiten nahezu vollständig, sich gegenüber dem
Privatkläger so verhalten zu haben, wie es ihnen die Anklagen vorwerfen. Insbe-
sondere verneinten sie in ihren beiden Einvernahmen, dass sie das Gartenhaus
des Privatklägers überhaupt betreten hätten (A._ in Urk. 4/1 S. 6 und 4/3
S. 4; B._ in Urk. 5/1 S. 6 und 5/3 S. 5). Weiter hielten sie daran fest, dass es
ausser dem Packen des Privatklägers an beiden Armen und seinem Führen vom
Sitzplatz vor seinem Häuschen zum nahe parkierten Polizeiauto (zwecks Über-
prüfung seiner Personalien) zu keinen weiteren Körperkontakten gekommen sei
(Urk. 4/1 S. 6 und 8, 4/3 S. 8, 5/1 S. 6 und 7 f., 5/3 S. 5). Von ihnen als zutreffend
anerkannt ist jedoch, dass sie wegen der Vorgeschichte auf das Schrebergarten-
areal gerufen, dort mit den obgenannten Zeugen gesprochen und anschliessend
den Privatkläger überprüft und zur Ruhe ermahnt hätten. Beide Beschuldigten er-
klärten weiter, dass der Privatkläger ihr Erscheinen zuerst ignoriert habe und er
anfangs auch nicht zum Polizeiauto habe mitkommen wollen. Auch habe er eine
"Schimpftirade" auf sie losgelassen bzw. ziemlich aggressive Kraftausdrücke ge-
braucht und er habe mit den Händen gestikuliert (Urk. 4/1 S. 3 und 5-7, 5/1 S. 3
und 5 f.). Gemäss Aussage des Beschuldigten B._ soll der Privatkläger wäh-
rend der Überprüfung seiner Personalien keine Gelegenheit ausgelassen haben,
um auf jede nur erdenkliche Weise zu provozieren (Urk. 5/1 S. 3). Was den Vor-
wurf angeht, die Beschuldigten hätten sich nach einiger Zeit nochmals auf das
vom Privatkläger gepachtete Grundstück begeben, so gab dies der Beschuldigte
B._ in der zweiten Einvernahme zu; er sei auch in das dortige Metallgehäuse
getreten und sei kurz die Leiter hinunter gegangen, um zu schauen, was dort sei;
die Tür dazu sei offen gestanden (Urk. 5/3 S. 3). Auch der Beschuldigte A._
räumte die Möglichkeit ein, dass er und B._ das Gelände nochmals betreten
hätten (vgl. Urk. 4/3 S. 2 f.). Beide betonten jedoch, dass es Routine und normal
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sei, dass man dort, wo es Ärger gegeben habe, nochmals vorbeischaue, ob nun
alles in Ordnung sei (Urk. 4/3 S. 2 f. und 5/3 S. 3 oben). Im ersten Berufungsver-
fahren blieben die Beschuldigten bei ihren bisherigen Aussagen (Urk. 166 S. 24 ff.
und S. 132 f.). Auch im zweiten Berufungsverfahren bestreiten die Beschuldigten
die eingeklagten Vorwürfe (B._ [sinngemäss]: Urk. 210; A._: Prot. II S.
8).
Die Anklagebehörde stützte sich vor Vorinstanz im Wesentlichen auf die
Schilderung des Geschehens, welche der Privatkläger sehr ausführlich in seiner
Strafanzeige vom 22. September 2011 (Urk. 1) und ergänzend mit seinen Aussa-
gen als Auskunftsperson (Urk. 6/1+2) gemacht hatte, ferner auf ärztliche Befunde
über seine Verletzungen (Urk. 7/1 und 9/8). Daneben lagen Zeugenaussagen von
mehreren Drittpersonen vor (Urk. 6/4-7), die sich zum Kern des Tatgeschehens –
von der Rückkehr der Polizisten aufs Gartenareal abgesehen (vgl. Zeuge J._
in Urk. 6/7 S. 4) – jedoch nicht direkt zu äussern vermochten.
3. Die Vorinstanz analysierte das Aussageverhalten der die Vorwürfe be-
streitenden Beschuldigten und qualifizierte es bei beiden als anpasserisch, ste-
reotyp, blass und zum Teil lebensfremd; das Bezirksgericht hegte deshalb im Er-
gebnis starke Zweifel am Wahrheitsgehalt der bestreitenden Aussagen. Die
Schilderungen des Privatklägers hingegen erachtete die Vorinstanz als äusserst
detailliert, plastisch und folglich trotz einiger Widersprüche und Warnsignale als
durchaus glaubhaft. Für die Vorinstanz ergab sich "zwingend" der Schluss, dass
der Privatkläger das Verhalten der Beschuldigten wahrheitsgemäss wiedergege-
ben hatte; verbleiben würden höchstens theoretische Zweifel am Tatgeschehen.
Das Bezirksgericht hielt deshalb den Anklagesachverhalt für erstellt. Es schränkte
lediglich ein, dass sich die genaue Anzahl und die Heftigkeit der Ohrfeigen, wel-
che die Beschuldigten gemäss Anklageziffer 2 dem Privatkläger ausgeteilt hätten,
nicht genau erstellen liessen, was – so die Vorinstanz weiter – jedoch nicht zent-
ral sei, da das Verletzungsbild auf Stösse, Schläge, Tritte und auf das Festhalten
sowie auf das Ziehen am Finger zurückzuführen sei und die vorgängige Ausei-
nandersetzung mit dem Nachbar H._ als Ursache ausgeschlossen werde
könne (Urk. 54 S. 22 f.; Urk. 72/50 S. 23).
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4. Richtig ist, dass, was den Kern der Anklagen angeht, im Wesentlichen
Aussage gegen Aussage steht.
a) Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Privatklägers wies die Vorinstanz zu
Recht darauf hin, dass dieser seine Schilderung erst in den staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahmen und nicht bereits beim Verfassen seiner Strafanzeige unter
Hinweis auf die Strafandrohungen von Art. 303 bis 305 StGB gemacht hat. In den
angefochtenen Urteilen wurde sodann als Warnsignal erwähnt, dass der Privat-
kläger den Beschuldigten zu Unrecht unterstellt habe, dass sie nur auf eine Pro-
vokation seinerseits gewartet hätten, um den Taser gegen ihn abzufeuern
(Urk. 54 und 72/50, je S. 18; Urk. 6/2 S. 8). Des Weiteren hielt die Vorinstanz zu-
treffend die Abneigung des Privatklägers gegen die Beschuldigten fest. Dies muss
richtigerweise als Abneigung gegen die Polizei ganz generell verstanden werden
(vgl. Urk. 18/3, wonach der Privatkläger bezogen auf die Beschuldigten, ohne
aber noch ihre Identität zu kennen, geäussert habe: "Schicken Sie mir nur eine
Knarre, dann lege ich die beiden um!"; siehe auch seine dies wiederholende Aus-
sage in Urk. 6/2 S. 2; die Beschuldigten betitelte er sodann regelmässig etwa als
"Bullen", "Arschlöcher", "Tublä", "Drecksäcke", "huere Habasch", vgl. etwa Urk. 1
sowie Urk. 6/1 S. 5 und 6/2 S. 2; vgl. ferner die IV-Akten des Privatklägers in
Urk. 111, Dokumente vom 7.8.09 und 16.10.09).
Zutreffend hat die Vorinstanz des Weiteren auf das grosse finanzielle Inte-
resse des Privatklägers am Ausgang des Verfahrens hingewiesen, welches sich
in seinen exorbitant hohen Zivilansprüchen manifestiert, die er – dies ist anzufü-
gen – gleich auch noch gegen die als Verfahrenszeugen aufgetretenen Garten-
nachbarn, welche die Polizei herbei gerufen hatten, richtete (vgl. Urk. 16/3: Zivil-
klage über 4 Mio. Fr. Schadenersatz und gleichviel Genugtuung).
Wenn die Vorinstanz die Glaubwürdigkeit des Privatklägers insgesamt als
vermindert bezeichnete, so ist dies richtig, allerdings fällt die entsprechende Ein-
schränkung angesichts der Übertreibungs- und Dramatisierungstendenzen des
Privatklägers, die sich zum Teil auch mit Bezug auf die erlittenen Verletzungen
manifestierten (vgl. u.a. seine Aussagen in Urk. 6/1 S. 7 oben und Urk. 6/2 S. 3),
und angesichts seiner starken Voreingenommenheit gegenüber der Polizei weit
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grösser aus, als es noch die Vorinstanz annahm, welche diese in unverständlicher
Weise als "insgesamt nicht übermässig" bezeichnete (Urk. 54 und 72/50, je
S. 10). Im gleichen Zusammenhang ist auch der in den IV-Akten des Privatklägers
festgehaltene Verdacht auf eine "anhaltend wahnhafte Störung F22.8" nicht zu
übersehen (Urk. 111 unterm 16.10.09), welche Störung auch als "Querulanten-
Wahn" definiert wird. Trotz dieser negativeren Einschätzung der Glaubwürdigkeit
des Privatklägers können seine Aussagen nicht von vorneherein als gänzlich un-
glaubhaft eingestuft werden. Es kann dem Privatkläger aber auch nicht einfach al-
les geglaubt werden, wie es die Vorinstanz letztlich getan hat. Vielmehr ist zu dif-
ferenzieren, und es ist der Grad der Überzeugungskraft einer jeden seiner die Be-
schuldigten belastenden Aussagen davon abhängig zu machen, ob sie bar jeder
Objektivierbarkeit im Raume steht oder ob sich Beweiselemente finden lassen,
welche die Plausibilität und Kohärenz der konkreten Aussage rechtsgenügend zu
unterstützen vermögen.
b) Mit Bezug auf die Beschuldigten ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass
keine Anhaltspunkte gegeben sind, die von vorneherein gegen deren Glaubwür-
digkeit sprechen würden. Einzig ihre prozessuale Stellung als Beschuldigte lässt
ihre Aussagen mit einer gewissen Zurückhaltung würdigen. Entscheidender ist bei
ihnen ohnehin die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen und weniger die gene-
relle Glaubwürdigkeit. Auch bei den Beschuldigten gilt jedoch, dass bei zusätz-
licher Stütze einer bestimmten Aussage durch Beweismittel oder Indizien diese
jedenfalls an Plausibilität gewinnt.
5. Die Vorinstanz hat die Aussagen der beiden Beschuldigten anlässlich de-
ren je zwei Einvernahmen richtig wiedergegeben und unter dem Aspekt der
Glaubhaftigkeit weitgehend zutreffend beurteilt, weshalb vorab darauf verwiesen
werden kann (Urk. 54 und 72/50, je S. 11-17). Mit ihr ist festzuhalten, dass das
Zusammentreffen der Polizisten mit dem Privatkläger nicht mehr als reiner Routi-
ne-Einsatz bezeichnet werden kann. Die Polizisten wurden vom Privatkläger, den
sie als "Randständigen" einschätzten, nach ihrer Darstellung heftig beschimpft
und dieser habe, so zumindest der Beschuldigte A._ (Urk. 4/1 S. 3), auch
gespuckt und gemäss dem Beschuldigten B._ (Urk. 5/1 S. 3) zudem keine
- 15 -
Provokation ausgelassen, was alles angesichts der notorischen Polizeifeindlich-
keit des Privatklägers und seiner damaligen Angetrunkenheit sowie seines auch
bei anderer Gelegenheit manifestierten Ausfällig-Werdens nicht überrascht und
durchaus glaubhaft erscheint, auch wenn er es bestreitet (Urk. 6/1 S. 14, 6/2
S.16). Auch hat sich der Privatkläger zuerst offenbar geweigert, zwecks Perso-
nenkontrolle zum Polizeifahrzeug zu gehen, und musste letztlich von den Polizis-
ten an den Armen dorthin geführt werden. Sodann ist unbestritten, dass ihm we-
gen nicht korrekter Meldeverhältnisse eine Busse von Fr. 70.– auszustellen war,
deren sofortige Begleichung von Seiten der Polizei schriftlich quittiert wurde. Auch
haben die Polizisten den Privatkläger, wie sie selber aussagten, "in den Senkel
gestellt", damit er gegenüber den Nachbarn Ruhe gebe. Des weiteren sind die
Beschuldigten nach einiger Zeit nochmals auf das Grundstück zurückgekehrt, um,
wie sie erklärten, zu schauen, ob nun alles in Ordnung sei. Der Privatkläger war
bei dieser Gelegenheit nicht mehr vor Ort.
Angesichts dieser eher speziellen Vorgänge ist es nicht verständlich, wie
beide Beschuldigte im ersten Verhör nichts von der Ausstellung der Busse und
ebenso wenig etwas von ihrer späteren Rückkehr an den Ort erwähnt haben. Sie
räumten beides erst in der zweiten Befragung ein, als dies beweismässig bereits
erstellt war (Urk. 4/3 S. 2 f.; 5/3 S. 2 ff.). Der Grund für das Nichterwähnen der
Rückkehr an den Tatort könnte zwar darin gelegen haben, dass sich die Beschul-
digten bewusst waren, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen war: So
hatten sie keinen Durchsuchungsbefehl und Gefahr war auch nicht im Verzug.
Grund für das Nichterwähnen dieses Vorgangs kann aber auch einfach sein, dass
eine solche Nachkontrolle für sie tatsächlich Routine war und beim Fehlen weite-
rer besonderer Vorkommnisse in nachvollziehbarer Weise in den Hintergrund ge-
raten ist. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz kann deshalb vom Nichterwäh-
nen der Rückkehr zur Örtlichkeit nicht zwingend etwas Nachteiliges für die Be-
schuldigten abgeleitet werden.
Anders kann das anfängliche Verschweigen der Ausstellung der Busse ge-
wertet werden: Auf dem Durchschlag aus dem entsprechenden Quittungs-
Büchlein des Beschuldigten A._ (Urk. 9/10) ist ersichtlich, dass dessen da-
- 16 -
runter angebrachte Unterschrift gut leserlich ist und demnach sein Name daraus
klar hervorgeht. Das Original der Bussenquittung, das der Privatkläger am 6. Ja-
nuar 2012 der Staatsanwaltschaft brachte und deshalb aktenkundig ist (eine Ko-
pie in Urk. 8 und das Original in Urk. 113/1), präsentiert sich jedoch mit abge-
trennter Unterschrift des Beschuldigten A._ und ebenso mit abgetrennter Be-
legsnummer. Fragt sich, wer diese Verstümmelung der Quittung bewerkstelligt
hat. Angesichts dessen, dass der Privatkläger die (wahren) Namen der Polizisten
anfangs nicht kannte und sich nach dem Vorfall über ein halbes Jahr um die Eru-
ierung derselben bzw. um die Identität der beiden Polizisten bemühte, ist eher
auszuschliessen, das er selber es war, der die Unterschrift des Polizisten (und
weiter auch die Belegsnummer) von der Originalquittung abgetrennt hat (vgl. dazu
Urk. 1, Blätter 1 und 6; Urk. 3 S. 6: "C._ konnte keinen Namen der Stadtpoli-
zisten nennen. Jedoch machte er Angaben zu den Signalementen"; Urk. 6/1 S. 3
unten: "Der eine hatte dann gesagt: K._ von der Polizei. Da bin ich mir nicht
ganz sicher", vgl. weiter auch a.a.O. S. 11 f.; vgl. sodann die Telefonnotizen vom
21.1.12 und 3.5.12 in Urk. 18/2+3). Somit lässt sich fragen, ob es die Beschuldig-
ten gewesen sind, die den Quittungsbeleg verstümmelt haben, um etwas zu ver-
heimlichen. Dies hat denn auch der Privatkläger wiederholt so behauptet (Urk. 6/1
S. 7 f.; Urk. 6/2 S. 14 f.). Nach der verbindlichen Feststellung des Bundesgerich-
tes (Urk. 184, Erwägung 5) lässt sich aus der Verstümmelung der Bussenquittung
jedoch nicht bereits der Schluss ziehen, dass damit ein unerlaubter körperlicher
Übergriff der Beschuldigten auf den Privatkläger verheimlicht werden sollte. Ein
solcher Schluss sei mit sachlichen Gründen nicht haltbar. Zunächst fehlt es ge-
mäss Bundesgericht bereits am Nachweis, dass die Beschuldigten Urheber der
Verstümmelung gewesen seien. Und selbst wenn dies erwiesen wäre, liesse sich
gemäss Bundesgericht daraus und ebenso wenig aus dem unterlassenen Eintrag
des Einsatzes im Polizeijournal nicht bereits zwingend ableiten, die Beschuldigten
hätten einen unerlaubten Übergriff auf den Privatkläger zu verantworten und sie
hätten dies verheimlichen wollen. Grund für die Kontrolle des Privatklägers durch
die Beschuldigten sei – so das Bundesgericht weiter – offensichtlich dessen tät-
liche Auseinandersetzung mit einem Nachbarn gewesen und – entgegen der Auf-
fassung der Vorderrichter – nicht der Verdacht auf Drogenbesitz. Folglich sei oh-
- 17 -
nehin kein plausibler Grund bzw. Auslöser für die vom Privatkläger behauptete
Auseinandersetzung mit den Beschuldigten ersichtlich. An diese Erwägungen ist
die urteilende Kammer gebunden (vgl. vorne E. I.7), weshalb zu Gunsten der Be-
schuldigten von deren Version ausgegangen werden muss.
6. Es bleibt die Frage, was am 24. Juni 2011 auf dem Gartenareal des Pri-
vatklägers tatsächlich passierte. Dazu ist vorerst näher auf das Verletzungsbild
einzugehen, welches der Privatkläger, als er vier Tage später erstmals seinen
Hausarzt aufsuchte, gemäss ärztlichem Zeugnis aufwies (Urk. 7/1; vgl. auch
Urk. 9/8 und Urk. 81). Dabei ist insbesondere zu prüfen, ob sich als Ursache der
festgestellten Verletzungen eine andere Erklärung als die Konfrontation des Pri-
vatklägers mit den beiden Beschuldigten finden lässt.
Dies ist beim Bluterguss am Jochbein des Privatklägers der Fall: nach sei-
nen eigenen Aussagen hat diese Verletzung nichts mit den Beschuldigten zu tun,
sondern stammt von der Auseinandersetzung mit dem Nachbarn H._ (Urk. 1
Blatt 3). Was sodann die Schürfwunden und Blutergüsse an beiden Armen des
Privatklägers angeht, so gaben beide Beschuldigte als naheliegende Erklärung
an, diese könnten auf das Packen des Privatklägers an den Armen und sein der-
artiges Führen zum Polizeiauto zurückgeführt werden. Dies erscheint durchaus
plausibel. Ein Teil der Verletzungen an den Armen des Privatklägers könnte aber
auch von der tätlichen Auseinandersetzung mit dem Nachbarn herrühren. Bleiben
die weiteren Schürfwunden und Hämatome an den Beinen, am Kreuzbein und am
Rippenbogen des Privatklägers. Auch hier kann die Ursache nicht mit Sicherheit
festgestellt werden. Sie könnte ebenfalls in der tätlichen Auseinandersetzung mit
dem Nachbarn H._ liegen. So hielt der Privatkläger in seiner Strafanzeige
fest, dass H._ ihn "gezehrt" und "gestossen" habe; des Weiteren habe
H._ den ausgestreckten Arm des Privatklägers "gekrallt" und habe versucht,
ihn "mit aller Kraft wegzudrücken respektive umzuwerfen". Nachher habe
H._ begonnen, mit den Beinen auszuschlagen (Urk. 1, Blatt 3). In seinen
Einvernahmen wiederholte der Privatkläger diese Schilderung (Urk. 6/1 S. 2 f., 6/2
S. 5 f.). Wie die Vorinstanz unter solchen Umständen kategorisch feststellen
konnte, dass die tätliche Auseinandersetzung mit dem Nachbarn H._ als Ur-
- 18 -
sache für Verletzungen des Privatklägers auszuschliessen sei (Urk. 54 und 72/50,
je S. 23), ist nicht verständlich. Die Schmerzen des Privatklägers bei der Bewe-
gung der Halswirbelsäule können ebenfalls nicht zwingend dem Kontakt mit den
Beschuldigten zugeordnet werden; gemäss Angabe seines Hausarztes wies der
Privatkläger nämlich einen Status nach einem Halswirbelsäulen-Schleuder-
trauma aus früherer Zeit mit chronifizierten Schmerzen und einer Bewegungsein-
schränkung an der Halswirbelsäule auf (vgl. insbesondere Urk. 81, aber auch Urk.
6/2 S. 15 unten). Die Aktivierung der Schmerzen am Hals könnte im Übrigen nicht
nur Folge des Polizeieinsatzes gewesen sein, sondern durchaus auch auf die vo-
rangegangene tätliche Konfrontation mit dem Nachbarn H._ zurückgeführt
werden.
So verbleiben als Verletzungen des Privatklägers, die von ihrer Art her nicht
auf den vorangegangenen Nachbarschaftsstreit zurückgeführt werden können
und für die sich auch nicht so ohne weiteres eine andere Ursache finden lässt,
einmal das hufeisenförmige Hämatom auf Magenhöhe. Sodann hatte der Privat-
kläger einen verstauchten linken Zeigefinger. Beide Verletzungen lastet er den
Beschuldigten an.
7. Im Folgenden ist näher auf den konkreten Sachverhalt der Anklageschrif-
ten einzugehen und zu prüfen, ob sich die einzelnen inkriminierten Handlungen
rechtsgenügend erstellen lassen.
a) Gemäss Auffassung der Vorinstanz (Urk. 54 und 72/50 je S. 20), kann
sich der in der Anklage behauptete Übergriff der Beschuldigten auf den Privatklä-
ger nicht im Freien, sondern einzig innerhalb seines Gartenhauses abgespielt ha-
ben; ansonsten hätten die Nachbarn, wie auch aus dem gerichtlichen Augen-
schein hervorging (Urk. 166 S. 8, sechste Protokollnotiz), etwas sehen oder zu-
mindest hören müssen, was nach ihrer Aussage gerade nicht der Fall gewesen
war. Die Kammer bestätigte diese Erwägungen in ihrem Urteil vom 16. Juni 2015.
Das Bundesgericht bezeichnet diese sachverhaltliche Feststellung der
Kammer als Zirkelschluss und lässt sie nicht gelten. Damit aber fällt der Anklage-
- 19 -
vorwurf der Freiheitsberaubung (Festhalten bzw. Einsperren im Gartenhäuschen)
von vornherein in sich zusammen.
b) Die Beweislage hinsichtlich des Anklagevorwurfs, dass die Beschuldigten
dem Privatkläger abwechslungsweise in drei Serien je neun bis zwölf Ohrfeigen
ausgeteilt hätten, ist ebenfalls ungenügend. Bereits die Vorinstanz hat diesbezüg-
lich den Vorwurf relativiert und festgehalten, dass sich die Anzahl und die Heftig-
keit der Ohrfeigen nicht erstellen liessen. Auch vom Hausarzt des Privatklägers
wurden keine Auffälligkeiten am Kopf desselben oder an dessen Wangen festge-
stellt, die eine solche Kaskade an Ohrfeigen erwarten liessen; es wurde an sei-
nem Kopf einzig ein Bluterguss am Jochbein festgestellt, der jedoch, wie erwähnt,
nachweislich eine andere Ursache hatte. Allein aufgrund der belastenden Aussa-
gen des Privatklägers, der auch erklärte, die Beschuldigten hätten eben so ge-
schlagen, "dass man nichts sehen könnte" (Urk. 6/1 S. 5 oben), lassen sich folg-
lich die dutzendweisen Ohrfeigen nicht rechtsgenügend nachweisen. Dieser Vor-
wurf hat deshalb bei einer allfälligen Verurteilung wegen einfacher Körperverlet-
zung auszuscheiden.
c) Ebenfalls zu einem Freispruch gelangen muss der Anklagevorwurf, wo-
nach der Beschuldigte A._ dem Privatkläger mit beiden Händen gegen die
Brust geschlagen habe, was bewirkt habe, dass der Privatkläger mit dem Kopf
gegen die Seitenlehne eines Sofas geprallt sei. Auch diesbezüglich fehlen ärztli-
che Feststellungen am Kopf und an der Brust des Privatklägers, die eine Zuord-
nung dieses behaupteten Vorganges zulassen oder ihn wenigstens plausibler
machen würden.
d) Die in den Anklageschriften aufgeführten Vorgänge mit dem vorgeworfe-
nen Fusstritt von A._ in den Oberbauch des Privatklägers und mit dem vom
gleichen Beschuldigten zusammen mit dem Mitbeschuldigten am Privatkläger
praktizierten Zurückbiegen dessen linken Zeigefingers könnten aber vom Verlet-
zungsbild her durchaus anders beurteilt werden. Hier stellte der Hausarzt des Pri-
vatklägers noch vier Tage später eine Schwellung und eine Druckdolenz am Fin-
ger bzw. eine Verstauchung fest und ebenso ein hufeisenförmiges, einem Schuh-
absatz entsprechendes Hämatom in der Magengegend des Privatklägers
- 20 -
(Urk. 7/1 und 9/8). Diese ärztlichen Befunde stützen auf den ersten Blick, auch
wenn sie sehr kurz gehalten sind und keine bildlichen Wiedergaben enthalten, die
Darstellung des Privatklägers darüber, dass er und wie er diese Verletzungen er-
litten hat. Auf Nachfrage des Berufungsgerichts (Urk. 79) präzisierte Dr. D._
seine Befunde in gewissen Punkten (vgl. Urk. 81).
Anlässlich des am 9. Dezember 2014 stattfindenden ersten Teils der Beru-
fungsverhandlung kritisierten beide Verteidiger die Feststellungen von Dr.
D._ (Urk. 98 S. 9 ff. und Urk. 100 S. 5 ff.). Sie stützten sich dabei auf ein (pri-
vates) Gutachten von Prof. E._, welches sie einreichten (Urk. 95/2). Darin
werden Zweifel daran geäussert, ob es sich beim hufeisenförmigen Abdruck auf
dem Bauch des Privatklägers überhaupt um ein Hämatom gehandelt habe und es
wird eine Selbstbeibringung dieser Verletzung ins Spiel gebracht (a.a.O. S. 2 und
8). Vom Gutachter wird sodann der Verletzungsmechanismus, der zur Schwellung
und Druckschmerzhaftigkeit über dem Mittelgelenk des linken Zeigefingers des
Privatklägers geführt habe, in Frage gestellt; die genannten Befunde hätten nach
seiner Auffassung nicht im Mittelgelenk, sondern in erster Linie im Grundgelenk
des Fingers auftreten sollen (a.a.O. S. 6).
Anlässlich der ersten Fortsetzung der Berufungsverhandlung am 16. Juni
2015 reichten die Verteidiger ein ergänzendes weiteres Gutachten von Prof.
E._ ein, welches die im ersten Gutachten vorgebrachte Kritik weiter vertieft
(Urk. 152). In der selben Verhandlung wurde Dr. D._ als Zeuge zu den Ver-
letzungen des Privatklägers befragt und dabei auch mit der von Prof. E._ in
dessen Gutachten vorgebrachten Kritik konfrontiert (Urk. 166 S. 104 ff.). Dr.
D._ hielt daran fest, dass es sich beim hufeisenförmigen Abdruck auf dem
Oberbauch des Privatklägers um eine Blutansammlung d.h. um ein Hämatom ge-
handelt habe und nicht um eine Hautreizung. Das Hämatom sei blau-violetter
Farbe gewesen und habe nach seiner Erinnerung noch keine Abbauzeichen (Ver-
färbungen) gehabt. Der Zeuge führte weiter aus, dass ein Hämatom zwischen ei-
nem und vier Tagen brauche, um sich aufzubauen; zuerst gebe es eine Rötung,
dann blute es ein und es werde purpurn bis dunkelblau. Beim Abbau des Häma-
toms nach fünf bis sieben Tagen werde es grün und nach ein bis zwei Wochen
- 21 -
gelb (a.a.O. S. 107 und S. 114 ff.). Eine Selbstbeibringung hielt Dr. D._ auf-
grund des gesamten Verletzungsmusters als sehr unwahrscheinlich und die ent-
sprechende Annahme von Prof. E._ als an den Haaren herbeigezogen
(a.a.O. S. 109).
Auch was den verletzten Zeigefinger der linken Hand des Privatklägers an-
geht, konnte Dr. D._ aufklärende Angaben machen. Das Grundgelenk eines
Fingers sei viel beweglicher als das Mittelgelenk. Bei Ersterem gebe es selten
Verletzungen. Viel mehr Probleme machten demgegenüber die Mittel- und End-
gelenke der Finger (a.a.O. S. 110). Dr. D._ erklärte auch, dass er den Finger
des Privatklägers in einer Klinik habe röntgen lassen und legte diesbezüglich den
Röntgenbericht vom 12. Juli 2011 vor (Urk. 157). Dieser bestätigt den Befund ei-
ner Weichteilschwellung im Bereich des Mittelgelenkes des zweiten Fingers links,
verneint jedoch eine Fraktur. Die damit erstellte Weichteilschwellung des Finger-
mittelgelenks und das Ausbleiben einer vergleichbaren Verletzung am Grundge-
lenk des Fingers korrespondiert mit der Demonstration und Aussage des Privat-
klägers anlässlich seiner ergänzenden Befragung vom 16. Juni 2015, wonach die
Beschuldigten beim Zurückbiegen seiner Fingerspitze das mittlere Fingergelenk
mit dem Daumen festgehalten hätten, womit der Finger, bis es schmerzt, nicht so
weit angehoben werden muss, wie wenn der ganze Finger hochbewegt würde
(Urk. 166 S. 77 f.). Das gleiche Detail hatte der Privatkläger bereits in seiner aus-
führlichen Strafanzeige erwähnt (vgl. Urk. 1 Blatt 8: "... der Lange drückt seine
linke Hand auf meine. Dann der Dicke mit der linken Hand nimmt meinen Zeige-
finger, zieht nach oben und mit dem Daumen nach unten...").
In der Verhandlung vom 16. Juni 2015 wurde zu den Verletzungen des Pri-
vatklägers ebenfalls F._ als Zeuge angehört (Urk. 166 S. 94-104). Dieser
sagte im Wesentlichen aus, dass er beim Privatkläger am Tag nach dem inkrimi-
nierten Vorfall vorbeigegangen sei und dessen Hand gesehen habe, die schlimm
ausgeschaut habe; die Finger seien "so" geschwollen gewesen (a.a.O. S. 97).
Auch habe der Privatkläger sein T-Shirt angehoben und der Zeuge habe auf des-
sen Brustkasten gesehen, dass alles rot gewesen sei und es einen Fussabdruck
- 22 -
eines Schuhs gehabt habe. Den Absatz habe man noch sehr gut sehen können
(a.a.O. S. 98).
F._ hinterliess vor Gericht einen sehr glaubwürdigen Eindruck. Er
machte detaillierte und differenzierte Ausführungen, die lebensnah und stimmig
wirken (vgl. Urk. 166 S. 94-104). Trotz seiner Bekanntschaft mit dem Privatkläger
besteht deshalb kein Anlass, an der Richtigkeit seiner Darstellung zu zweifeln.
J._ wurde als Zeuge von der Staatsanwaltschaft einvernommen
(Urk. 6/7). Im Wesentlichen sagte er aus, dass der Privatkläger ihm nach dem
Vorfall in traurigem Zustand gesagt habe, er – der Privatkläger – habe "auf den
Ranzen bekommen" (Urk. 6/7 S. 4).
Die Aussagen des Zeugen J._ waren stimmig und nahezu wider-
spruchsfrei. Es gibt keinen Grund, an deren Glaubhaftigkeit zu zweifeln. Seine
Darstellung deckt sich mit den Ausführungen des Privatklägers, dass er von den
beiden Beschuldigten tätlich angegangen worden sei, so dass sie als ein weiteres
Indiz gedeutet werden muss, dass dem auch so war.
Sowohl die Aussagen von Dr. D._ samt seinen fachkundigen Erläute-
rungen wie auch die Depositionen von F._ und J._ erscheinen gesamt-
haft durchaus glaubhaft und überzeugend. Es erweist sich, dass das Hämatom
auf dem Oberbauch des Privatklägers und die Schwellung an seinem linken Zei-
gefingers noch frisch waren, als sie am Tag nach der Konfrontation des Privatklä-
gers mit der Polizei von den Zeugen F._ und J._ gesehen wurden. Auf-
grund der diesbezüglich korrespondierenden Aussagen des Privatklägers und der
Zeugen F._, J._ und Dr. D._ und nachdem eine Selbstbeibringung
weitgehend ausgeschlossen werden kann, findet sich als plausible Erklärung für
die Entstehung der beiden Verletzungen in erster Linie, dass sie dem Privatkläger
am Freitag, dem 24. Juni 2011, von den Beschuldigten zugefügt worden sein
müssen. Berücksichtigt man schliesslich, dass die Beschuldigten vor dem ihnen
vorgeworfenen Fusstritt und dem Zurückbiegen des Fingers vom Privatkläger
massiv beschimpft, bespuckt und heftig provoziert wurden (vgl. vorstehend E. II. 2
und 5), so drängt sich diese Schlussfolgerung umso mehr auf.
- 23 -
Das Bundesgericht sieht dies in für den Entscheid verbindlicher Weise an-
ders. Die vom Hausarzt attestierten Verletzungen des Privatklägers sowie die
Ausführungen der weiteren Zeugen würden nur die Existenz der Verletzungen
bezeugen, nicht aber, auf welche Weise sie entstanden seien. Die Aussagen des
Hausarztes und der weiteren Zeugen gäben in Bezug auf die Entstehung der Ver-
letzungen aber nur die Darstellung des Privatklägers wieder. Aus eigener Wahr-
nehmung könnten sie zur Sache nichts beitragen. Mit Bezug auf die Entstehung
der Verletzungen liege somit nur die bestrittene Darstellung des Privatklägers vor.
Ebenfalls nicht relevant sei, dass nach Auffassung des Hausarztes eine Selbst-
beibringung der Verletzungen ausscheide. Das Bundesgericht erwägt ferner, dass
– trotz der massiven Beschimpfungen und Provokationen des Privatklägers und
dem Umstand, dass klare Hinweise dafür bestehen, dass die beiden Beschuldig-
ten beim Privatkläger Marihuana gesucht, aber nicht gefunden hatten – ein nach-
vollziehbarer Hintergrund für den körperlichen Übergriff der Beschuldigten auf den
Privatkläger nicht ersichtlich sei. Die behaupteten Übergriffe, welche zu den Ver-
letzungen geführt haben sollen, würden keine vom geschilderten Gesamtverhal-
ten der Beschuldigten losgelösten Handlungen bilden, sondern seien darin einge-
bunden. Wenn die Aussagen des Privatklägers in Bezug auf die Ohrfeigen und
andere Verletzungen unglaubhaft seien, so sei nicht einzusehen, weshalb dies
hinsichtlich des Tritts in den Bauch und die Verstauchung des Fingers anders sein
soll. Insgesamt erscheine jedenfalls die vom Privatkläger zur Herkunft der Verlet-
zungen gelieferte Erklärung als völlig abwegig. Somit könne nicht gesagt werden,
dass sich keine andere plausible Erklärung für die Verletzungen finden lasse. Das
Bundesgericht lässt somit den Vorwurf der Körperverletzung nicht gelten. Die
Kammer ist an diese Würdigung gebunden (E. I.7), so dass in Bezug auf die
Fusstritte und das Zurückbiegen des Fingers in dubio pro reo von der Version der
Beschuldigten auszugehen ist, die Entsprechendes verneinen.
Bei diesem Beweisergebnis kann auf die Abnahme der von der Verteidigung
beantragten Beweisergänzungen verzichtet werden (Urk. 208 S. 7 und
Urk. 211/4).
- 24 -
Da gestützt auf die bundesgerichtlichen Erwägungen Zeugen, welche ledig-
lich die Darstellung des Privatklägers wiedergeben und nicht aus eigener Wahr-
nehmung berichten könnten, ohne Bedeutung seien, erübrigt sich auch die vom
Privatkläger beantragte Befragung von L._ (vgl. Urk. 189). Auch sie könnte
nämlich nicht mehr als nur bestätigen, dass der Privatkläger kurz nach dem Vor-
fall die eingeklagten Verletzungen aufgewiesen habe. Zur Erstellung der Entste-
hung dieser Verletzungen könnte auch sie nichts beitragen, weshalb dieser Be-
weisantrag abzuweisen ist. Ähnliches gilt für den anlässlich der heutigen Beru-
fungsverhandlung sinngemäss gestellten Antrag, zusätzliche medizinische Unter-
suchungen über den aktuellen Gesundheitszustand des Privatklägers einzuholen
(vgl. Prot. II S. 13). Nach über fünf Jahren kann von solchen Untersuchungen kei-
ne sachdienliche Erkenntnis über die Entstehung der geltend gemachten Verlet-
zungen erwartet werden.
Ebenfalls abzuweisen ist der Antrag des Privatklägers, eine Person aus dem
... zu ermitteln, der dem Privatkläger am Tattag ein Funktelefon gegeben haben
soll, und diesen anschliessend zu befragen (Urk. 193). Die Auffindung einer sol-
chen Person, dessen Namen und Aufenthaltsort völlig unbekannt sind, ist nach
über fünf Jahren illusorisch.
Schliesslich ist auch der letzte Beweisantrag abzuweisen, wonach zwei Per-
sonen einzuvernehmen seien, welche von den Beschuldigten ebenfalls tätlich an-
gegangen worden seien (Urk. 195/A). Zum vorliegenden Sachverhalt können die-
se Personen zum vornherein nichts Sachdienliches aussagen.
e) Ausser durch die nach höchstrichterlicher Auffassung kritisch zu hinter-
fragenden Aussagen des Privatklägers werden auch die in den Anklageschriften
aufgeführten Nötigungsvorwürfe durch keine weiteren Beweismittel oder Indizien
gestützt. Dass die Beschuldigten den Privatkläger dazu gezwungen haben sollen,
der Liegenschaftsverwaltung einen Brief zu schreiben, wonach er sich hier nicht
mehr blicken lasse, macht von vornherein keinen Sinn. Anders wäre es, wenn der
Privatkläger etwa zur Kündigung des Pachtvertrages gezwungen worden wäre,
was aber nicht der Fall war und vom Privatkläger nicht so behauptet wird. Auch
der weitere Vorgang, den Hausschlüssel in dasselbe Couvert zu legen und es zu
- 25 -
frankieren, ist als solches unverständlich und schwer zu glauben. Ein Pachtver-
trag kann in dieser Weise und zudem ausserterminlich ohnehin nicht aufgelöst
werden. Das Couvert und der Schlüssel sind denn auch nicht nachweislich beim
Adressaten angekommen oder sonstwie wieder aufgetaucht. Ausser der Aussage
des Privatklägers gibt es für diese nötigenden Handlungen der Beschuldigten so-
mit keinerlei Anhaltspunkte. Gleiches gilt für die vom Privatkläger behauptete an-
schliessende Wegnahme des Couverts mit dem Schlüssel sowie seines Mobiltele-
fons. Beides ist auch als mehrfache geringfügige Sachentziehung zur Anklage
gebracht. Wie unter Ziff. II.4.a ausgeführt und vom Bundesgericht ebenfalls be-
tont, ist die Verlässlichkeit der Äusserungen des Privatklägers jedoch stark einge-
schränkt. Folglich verbieten sich nach dem Grundsatz in dubio pro reo entspre-
chende Verurteilungen.
f) Klar aufgebauscht erscheint auch die Darstellung des Privatklägers, wie
er anschliessend von den Polizisten in angeblich nötigender Weise zum "Verrei-
sen" aufgefordert und dann mit den Polizeifahrzeug ein Stück weit verfolgt worden
sei. Der Privatkläger war in G._ nicht angemeldet und er hat gegenüber den
Beschuldigten angedeutet, dass er im Schreberhaus nächtige, was nicht erlaubt
war. Somit hatten die Polizisten begründete Veranlassung, ihn aufzufordern, den
Ort zu verlassen und an seinen Wohnsitz, wo er offiziell angemeldet war, zurück-
zukehren. Wenn sie dies mit groben Worten taten und sich über eine Distanz von
ein paar hundert Metern auch vergewisserten, ob der Privatkläger der Aufforde-
rung nachkomme, so ist dies, wenn von der filmreifen, aber wenig nachvollziehba-
ren Dramatisierung durch den Privatkläger abstrahiert wird, noch nicht als gewalt-
same Vertreibung anzusehen, zumal selbst die Anklage nur von einem kurzfristi-
gen Vorgang spricht. Vom Privatkläger wird denn auch nicht behauptet, er sei bei
der Verfolgung durch den Polizeiwagen konkret gefährdet bzw. eigentlich zu et-
was gezwungen worden, vielmehr hielt er in seiner Strafanzeige selber fest, er
habe sich gedacht, dann mache ich halt ein "Spaziergängli" (vgl. Urk. 1 S. 10;
idem Urk. 6/2 S. 10). Bei nächster Gelegenheit kehrt er denn auch wieder in sein
Schreberhaus zurück. Es handelte sich bei diesem Vorgang somit vielmehr um
ein unhöfliches Verweisen des Privatklägers von der Örtlichkeit durch die Polizis-
ten, welche beim eigenen Verlassen des Gartenareals ohnehin dieselbe (einzige)
- 26 -
Strasse benützen mussten. Eine Gewaltanwendung oder die Androhung ernstli-
cher Nachteile ist dabei nicht erstellt. Auch hier hat folglich ein Freispruch zu er-
gehen.
g) Die Anklage wirft den diensthabenden Beschuldigten bezogen auf all die
inkriminierten Vorgänge mehrfachen Amtsmissbrauch vor. Inwieweit sie die staat-
liche Macht, die sie hatten, bewusst zweckentfremdet eingesetzt haben, hängt je-
doch davon ab, ob dabei weitere Straftatbestände erfüllt und damit unrechtmässig
gehandelt worden ist. Darauf ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung einzuge-
hen.
h) Bleibt als letzter Anklagevorwurf derjenige, dass der Beschuldigte
B._ in Absprache mit dem Mitbeschuldigten etwa eine halbe Stunde nach
dem Weggehen des Privatklägers dessen Grundstück erneut betreten und sich
auch Zutritt zu dem auf diesem Grundstück befindlichen "Bunker" des Gaswerkes
verschafft hätte, was als Hausfriedensbruch zu betrachten sei. Das Betreten und
Kontrollieren des "Bunkers" wird den Beschuldigten von der Anklage nicht aus-
drücklich vorgeworfen, jedoch das Betreten des Grundstücks, welches vom Pri-
vatkläger gepachtet war. Wie sich aus dem Augenschein vor Ort ergab, ist dieses
Grundstück gegen die Nachbarn I._ und ebenfalls gegen die Strasse einge-
friedet. Zugang dazu von der Strasse her ist im Normalfall durch ein Holztörchen
gegeben, welches mit einem Schloss versehen ist. Das Hausrecht des Privatklä-
gers umfasst gemäss Pachtvertrag auch den auf demselben Terrain befindlichen
sog. "Bunker", der früher eine Gasmessstation mit Unterkellerung war (vgl. den
Pachtvertrag in Urk. 91). Mangels Anwesenheit des Privatklägers hatten die Be-
schuldigten beim nochmaligen Betreten von dessen Grundstück keine ausdrückli-
che Zutrittserlaubnis.
In Erwägung 6 ihres Rückweisungsentscheides hält des Bundesgericht fest,
dass der Schluss der Vorinstanz, dass es den Beschuldigten beim Kontrollgang
wie schon bei ihrem ersten Erscheinen auf dem Areal des Privatklägers darum
gegangen sei, Drogen finden zu wollen, unhaltbar sei. Diese Motivation der Be-
schwerdeführer entfalle deshalb als Grundlage für einen allfälligen Schuldspruch
wegen Hausfriedensbruch. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die Beschuldig-
- 27 -
ten nur kontrollieren wollten, ob sich die Situation seit ihrer ersten Intervention
entspannt habe. Auch an diese höchstrichterliche Feststellung ist die Kammer
gebunden. Im Rahmen der rechtlichen Würdigung ist zu prüfen, ob aufgrund die-
ses nunmehr berichtigten Sachverhalts Tatbestandsmässiges gegeben ist oder
nicht.
III. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz folgte bei der rechtlichen Würdigung des aus ihrer Sicht er-
stellten Anklagesachverhalts – mit Ausnahme von Anklageziffer 3, wo sie auf ver-
suchte, statt auf vollendete Nötigung erkannte – der Staatsanwaltschaft. Dabei ist
sie aufgrund der Umstände von Mittäterschaft der beiden Beschuldigten ausge-
gangen worden. Die vorstehenden Erwägungen haben nun aber gezeigt, dass
sich die Sachverhalte gemäss Anklageziffern 1 (Freiheitsberaubung), 4 und 6
(Nötigungen), 5 (Sachentziehung) und 2 (Körperverletzung) nicht erstellen lassen.
Entsprechende Verurteilungen haben deshalb von vorneherein auszuscheiden.
Indem die Beschuldigten später ohne ausdrückliche Erlaubnis des Privatklä-
gers sein Areal nochmals betraten, wurde sein Hausrecht tangiert. Dazu sei vor-
weg auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen (Urk. 54 und
88/50 S. 25 f. bzw. 26 f.). Wie diese ausführte, lag kein Fall von § 20 des kantona-
len Polizeigesetzes vor. Diese Bestimmung regelt, dass der Polizei das Betreten
privater Grundstücke dann gestattet ist, wenn dies "zur Erfüllung polizeilicher Auf-
gaben notwendig ist". Die polizeilichen Aufgaben sind in §§ 3-7 PolG definiert.
Vorliegend wäre nur die Verhinderung oder Aufklärung einer Straftat oder die Ab-
wehr einer unmittelbar drohenden Gefahr in Betracht gekommen. Dafür bestand
damals aber keine dienstliche Notwendigkeit. Nach der verbindlichen Auffassung
des Bundesgerichts war das erneute Betreten des Grundstücks des Privatklägers
durch die Beschuldigten rechtmässig, da es im Nachgang des zuvor erfolgten
Einsatzes von der Erfüllung polizeilicher Aufgaben im Sinne des kantonalen Poli-
zeigesetzes umfasst war. Ein Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs würde
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daher Bundesrecht verletzen. Folglich sind die Beschuldigten auch von diesem
Anklagevorwurf freizusprechen.
Verbleibt aber letztlich keine Straftat im Dienst, so hat auch der Vorwurf des
Amtsmissbrauchs zu entfallen.
IV. Zivilpunkt
Die Auffassung der Vorinstanz ist zutreffend, wonach es sich bei den auf
Amtsmissbrauch gestützten Schadenersatzbegehren und Genugtuungsforderun-
gen des Privatklägers um Ansprüche aus Staatshaftung handeln würde, welche in
einem Strafprozess nicht adhäsionsweise geltend gemacht werden können.
Nachdem vorliegend jedoch keine entsprechende Verurteilung erfolgt, ist auf die
Zivilforderungen des Privatklägers ohnehin nicht einzutreten.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen, Genugtuung
1. Kostenfolge und Prozessentschädigung
Die Beschuldigten werden freigesprochen. Ausgangsgemäss sind die Kos-
ten des Vorverfahrens und der ersten und zweiten Gerichtsinstanz (Verfahrens-
Nrn. DG130004, DG130005, SB140192 und SB160131) auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Zudem sind sämtliche Anwaltskosten der Be-
schuldigten für ihre erbetenen Verteidigungen einschliesslich des Aufwands vor
Bundesgericht (abzüglich der dort entrichteten Parteientschädigung von je
Fr. 3'000.–) auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 429 Abs.1 lit. a StPO).
Die von der Verteidigung des Beschuldigten 1 geltend gemachten Anwalts-
kosten für das gesamte Verfahren setzen sich zusammen aus dem Honorar des
Vorverteidigers RA M._ für das Vorverfahren und die erste Instanz in Höhe
von Fr. 8'858.00 (Urk. 209/2) sowie den Aufwand von RA X1._ für das erste
Berufungsverfahren im Betrag von Fr. 71'864.10 (Urk. 203/1), für das Beschwer-
deverfahren vor Bundesgericht (abzüglich der dort entrichteten Parteientschädi-
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gung) in der Höhe von Fr. 10'780.05 (Urk. 203/2) und für das zweite Berufungs-
verfahren (inkl. dem Aufwand für die heutige Berufungsverhandlung) in der Höhe
von Fr. 9'996.40 (Urk. 209/3; Fr. 8'700.40 + 4 h à Fr. 300.00 + MwSt.). Diese Kos-
ten sind ausgewiesen, weshalb dem Beschuldigten 1 aus der Gerichtskasse eine
Prozessentschädigung für das gesamte Verfahren von Fr. 101'499.00 zu entrich-
ten ist.
Die von der Verteidigung des Beschuldigten 2 geltend gemachten Anwalts-
kosten für das gesamte Verfahren setzen sich zusammen aus dem Honorar des
Vorverteidigers RA N._ für das Vorverfahren und die erste Instanz in der Hö-
he von Fr. 24'019.40 (Urk. 204 [Beilage 1]) sowie den Aufwand von RA X2._
für das erste Berufungsverfahren im Betrag von Fr. 36'983.15 (Fr. 27'983.15 +
Fr. 9'000.00 [Akontozahlung]; Urk. 204 [S. 10 des Faxes]; Urk. 211/2; Prot. II
S. 16), für das Beschwerdeverfahren vor Bundesgericht (abzüglich der dort ent-
richteten Parteientschädigung) in der Höhe von Fr. 5'439.70 (Urk. 211/3: Fr.
7'814.70 + Fr. 625.00 [MwSt.] - Fr. 3'000.00) und für das zweite Berufungsverfah-
ren (inkl. dem Aufwand für die heutige Berufungsverhandlung) in der Höhe von
Fr. 11'297.35 (Fr. 9'828.55 + 4 h à Fr. 340.00 + MwSt.). Diese Kosten sind aus-
gewiesen, weshalb dem Beschuldigten 2 aus der Gerichtskasse eine Prozessent-
schädigung für das gesamte Verfahren von Fr. 77'740.00 zu entrichten ist.
2. Entschädigung für wirtschaftliche Einbussen des Beschuldigten A._
Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO hat ein Freigesprochener Anspruch auf
Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihm aus dem Strafverfahren
entstanden sind. Die Verteidigung macht für den Beschuldigten A._, welcher
verfahrensbedingt am Arbeitsplatz zuerst freigestellt, dann trotz Krankheit erst-
mals von der Stadt G._ gekündigt und per Ende Dezember 2015 definitiv auf
Ende März 2016 gekündigt worden ist, sowohl die Lohneinbusse im Vergleich zur
Arbeitslosenentschädigung von April bis Dezember 2016 (Fr. 7'417.50 und
Fr. 3'708.75) wie auch einen Karriereschaden für die Jahre 2015 bis 2016
(Fr. 11'014.00) sowie für weitere zwei Jahre einen Beförderungsschaden (weitere
Fr. 11'014.00) geltend (Urk. 208 S. 16 ff und Prot. II S. 10 f.). Die Forderungen
sind weitgehend belegt oder sonstwie plausibilisiert. Insbesondere ist davon aus-
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zugehen, dass der Beschuldigte A._ vor Ende 2016 auf seinem Beruf keine
neue Anstellung finden wird. Die wirtschaftlichen Einbussen von insgesamt
Fr. 33'154.25 sind ihm folglich aus der Staatskasse zu ersetzen.
3. Genugtuung
Beide Beschuldigten verlangen eine Genugtuung für die erhebliche Verlet-
zung in ihren Persönlichkeitsrechten durch das seit dem Jahre 2012 dauernde
Strafverfahren, welches zuerst in beiden kantonalen Instanzen zu Verurteilungen
geführt hat und in den Medien "ausgeschlachtet" worden ist. Die lange Dauer des
Verfahrens und die Verurteilungen durch zwei Gerichtsinstanzen, welche Urteile
später aufgehoben wurden, sind gerichtsnotorisch und haben die Beschuldigten
ohne Zweifel in ihren persönlichen Verhältnissen besonders schwer betroffen. Zu
dieser Verletzung in den Persönlichkeitsrechten hat verstärkend das breite Me-
dieninteresse beigetragen. Letzteres betraf jedoch vor allem den Beschuldigten
A._ und weniger den Mitbeschuldigten B._, welcher den Polizeidienst
aus eigener Initiative bereits verlassen hatte. In Anwendung von Art. 429 Abs. 1
lit. c StPO rechtfertigt es sich deshalb, dem Beschuldigten A._ antragsge-
mäss eine Genugtuung von Fr. 20'000.– und dem Beschuldigten B._ eine
solche von Fr. 10'000.– zuzusprechen.