Decision ID: 5694dec3-5803-4b34-a8f9-070194aef673
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- A und B X sind je zur Hälfte Miteigentümer des Wohnhauses im Gebiet "S",
Grundstück Nr. 001, in U in der politischen Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann. Mit
Rechnung vom 26. Juli 2010 erhob der Verein Toggenburg Tourismus bei A und B X
eine Pauschalkurtaxe für das Jahr 2010 von Fr. 360.--, nämlich den Grundansatz pro
Objekt von Fr. 120.-- und den maximalen Zuschlag für vier und mehr Zimmer von
Fr. 240.--. Den von A und B X gegen diese Rechnung am 5. August 2010 erhobenen
Rekurs wies der Gemeinderat Wildhaus ab. Der Rechtsmittelentscheid wurde am
28. Oktober 2010 ausgefertigt.
B.- Gegen diesen Entscheid erhoben A und B X mit Eingabe vom 11. November 2010
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, der
angefochtene Entscheid des Gemeinderates Wildhaus und die ihm zugrunde liegende
Rechnung des Vereins Toggenburg Tourismus seien aufzuheben. Auf die Ausführungen

zur Begründung des Antrags wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 31. Januar 2011 auf eine Vernehmlassung.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 11. November 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. h Ziff. 5, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Streit liegt die pauschale Kurtaxe des Jahres 2010 für das Wohnhaus der
Rekurrenten im Gebiet "S" in U in der Gemeinde Wildhaus. Dabei ist unbestritten, dass
die Taxe sich auf das st. gallische Tourismusgesetz vom 26. November 1995 (sGS
575.1, abgekürzt: TourG) in Verbindung mit dem vom Volkswirtschaftsdepartement des
Kantons St. Gallen am 2. September 2008 genehmigten einschlägigen Gemeinderecht,
nämlich dem Reglement der politischen Gemeinde Wildhaus über Kurtaxen und
Abgaben zur Tourismusförderung vom 18. März 2008 (nachfolgend:
Kurtaxenreglement) und dessen Anhang 1 mit dem dazugehörigen Tarif, die beide vom
14. April bis 13. Mai 2008 dem fakultativen Referendum unterstanden, sowie den dazu
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vom Gemeinderat Wildhaus erlassenen Ausführungsbestimmungen, und damit auf eine
in formeller Hinsicht genügende gesetzliche Grundlage (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts 2P.199/2000 vom 14. Mai 2001 E. 4; BGE 123 I 249 mit Hinweisen;
97 I 804, GVP 1990 Nr. 21; Botschaft des Regierungsrates zum Tourismusgesetz vom
25. Oktober 1994, in: Amtsblatt 1994, S. 2476 ff., namentlich S. 2494) stützen kann:
Art. 16 Abs. 1 TourG ermächtigt die politischen Gemeinden von Gästen (lit. a) und
Nutzniessern des Tourismus (lit. b) zur Finanzierung der kommunalen
Tourismusförderung Tourismusabgaben zu erheben. Die Gemeinde regelt gemäss
Art. 17 Abs. 1 TourG durch Reglement insbesondere Abgabepflicht (lit. a),
Bemessungsgrundlage und Abgabesatz (lit. b), Veranlagung (lit. c), Bezug (lit. d) und
Verwendung (lit. e). Nach Art. 2 Abs. 1 Kurtaxenreglement hat jeder in der Gemeinde
Wildhaus übernachtende Gast eine Kurtaxe zu entrichten. Gast im Sinn des
Kurtaxenreglements ist nach Abs. 2 jede natürliche Person, welche die Möglichkeit hat,
das touristische Angebot zu benützen, ohne in der Gemeinde Wildhaus
steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt zu haben. Grundeigentum in der Gemeinde
Wildhaus begründet zwar Steuerpflicht, befreit aber nicht von der Kurtaxenpflicht
(Abs. 3). Die Taxe wird entweder als Einzelkurtaxe pro Logiernacht des Gastes (Art. 5
Kurtaxenreglement) oder als Pauschalkurtaxe jährlich insbesondere von Eigentümern
von Ferienhäusern, Ferienwohnungen-/zimmern, Ski- und Clubhäusern, von
Standplätzen für Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile sowie von weiteren Unterkünften
für sich und die unentgeltlich beherbergten Gäste erhoben (Art. 6 Satz 1
Kurtaxenreglement). Ebensowenig wird im Rekurs die Berechnung der Pauschalkurtaxe
von Fr. 360.-- für das Jahr 2010 als solche beanstandet: Gemäss Ziff. 2 lit. a des Tarifs
über die Kurtaxen (Anhang 1 zum Kurtaxenreglement) setzt sich die Pauschalkurtaxe
bei Ferienhäusern, Ferienwohnungen und –zimmern sowie weiteren Unterkünften aus
einem Grundansatz von Fr. 120.-- pro Objekt und einem Zuschlag von Fr. 60.-- pro
Zimmer zusammen und beträgt jährlich mindestens Fr. 180.-- und höchstens Fr. 360.--.
a) Die Rekurrenten bringen im Wesentlichen vor, die Ausdehnung der Kurtaxenpflicht
auf Eigentümer von Wohnhäusern ohne steuerrechtlichen Wohnsitz in Alt St. Johann
sei rechtswidrig. Es sei zweifelhaft, ob die Erhebung von Kurtaxen ausschliesslich von
Personen ohne Wohnsitz mit dem Grundsatz der Rechtsgleichheit vereinbar sei.
Ansässige leisteten mit den Einkommens- und Vermögenssteuern nur unwesentliche
Beiträge an die touristischen Einrichtungen, obwohl auch sie daraus unmittelbare und
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mittelbare Vorteile zögen. Am Meisten profitierten die "Feriengäste" oder "Gäste im
hergebrachten Sinn", zu denen die Grund- und Vermögenssteuern bezahlenden
Wohnhausbesitzer ohne Wohnsitz nicht gezählt werden dürften. Diese suchten den Ort
weniger wegen der touristischen Einrichtungen und Veranstaltungen als vielmehr
wegen des eigenen Wohnhauses zwecks Unterhaltsarbeiten und
Wochenendaufenthalts auf. Grund für den Erwerb des Wohnhauses durch die
Rekurrenten sei nicht die touristische Infrastruktur, sondern die Sicherung der
Altersvorsorge gewesen. Zudem werde von den Tagestouristen, auf welche das
touristische Angebot in der Region Toggenburg in neuerer Zeit ausgerichtet werde und
welche die Zahl der übernachtenden Gäste um ein Vielfaches überstiegen, keine
Abgabe erhoben. Als Zwecksteuer halte die Kurtaxe vor dem
Doppelbesteuerungsverbot nur Stand, wenn deren Höhe unerheblich sei. Die Steuer
von Fr. 360.-- liege in der Grössenordnung eines Nettotagesverdienstes der
Rekurrenten und der Steuern, die sie aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit in Alt St.
Johann bezahlten. Bei dieser Höhe werde die pauschale Kurtaxe zur rechtswidrigen
Aufenthaltssteuer.
b) aa) Bei der Kurtaxe handelt es sich nach der neueren Terminologie um eine
Kostenanlastungssteuer. Unter diesen Begriff fallen Sondersteuern, welche einer
bestimmten Gruppe von Pflichtigen auferlegt werden, weil diese Personen zu
bestimmten Aufwendungen des Gemeinwesens eine nähere Beziehung haben als die
Gesamtheit der Steuerpflichtigen. Solche Abgaben haben eine gewisse Verwandtschaft
zur Vorzugslast, doch unterscheiden sie sich von dieser dadurch, dass kein
individueller, dem einzelnen Pflichtigen zurechenbarer Sondervorteil vorliegen muss,
der die Erhebung der Abgabe rechtfertigt. Es genügt, dass die betreffenden
Aufwendungen des Gemeinwesens dem abgabepflichtig erklärten Personenkreis eher
anzulasten sind als der Allgemeinheit, sei es, weil diese Gruppe von den Leistungen
generell (abstrakt) stärker profitiert als andere oder weil sie – abstrakt – als
hauptsächlicher Verursacher dieser Aufwendungen angesehen werden kann. Die
Kostenanlastungsabgabe stellt, da sie voraussetzungslos erhoben wird, eine Steuer
dar. Sie steht aber in einem Spannungsverhältnis zum Grundsatz der Allgemeinheit der
Besteuerung. Eine derartige Sondersteuer setzt voraus, dass sachlich haltbare Gründe
bestehen, die betreffenden staatlichen Aufwendungen der erfassten Personengruppe
anzulasten. Zudem muss die allfällige Abgrenzung nach haltbaren Kriterien erfolgen.
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Die Kostenanlastung an den erfassten Personenkreis muss nach einem vernünftigen
Prinzip und unter Beachtung des Gebotes der Verhältnismässigkeit und der
Rechtsgleichheit erfolgen. Anders als bei Vorzugslasten richtet sich die Bemessung
nicht nach konkret nachgewiesenen Vorteilen, sondern abstrakt nach schematisch
festgelegten Kriterien (vgl. BGE 2P.14/2006 vom 26. Mai 2006 E. 2.2; 2P.322/2004 vom
24. Juni 2005 E. 2). So ist insbesondere eine Pauschalierung der Kurtaxen für
Eigentümer, Nutzniesser und Dauermieter von Wohnräumen verfassungsrechtlich nicht
zu beanstanden (vgl. BGE 2P.194/2006 vom 7. August 2006 E. 3).
bb) Nach der kantonalen gesetzlichen Vorgabe kommen sowohl Gäste als auch
Nutzniesser des Tourismus als Steuersubjekte in Frage. Bezüglich des Begriffes des
Gastes ist Art. 2 des kommunalen Reglements sehr offen formuliert und umfasst
jegliche Personen, welche die Möglichkeit haben, das touristische Angebot zu nutzen
und in der Gemeinde nicht steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt haben, d.h.
nicht unbeschränkt steuerpflichtig im Sinn von Art. 15 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 13
des Steuergesetzes (sGS 811.1, abgekürzt: StG) sind. Diese Umschreibung bewegt
sich im Rahmen der kantonalen Vorgabe im Tourismusgesetz, welches zwar den
Begriff des Gastes nicht ausdrücklich umschreibt, jedoch aufgrund der Materialien
Personen umfasst, die als Touristen im weitesten Sinn steuerrechtlich weder Aufenthalt
noch Wohnsitz am Ort haben (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 2490). Diese Umschreibung
deckt sich mit den Umschreibungen in der Lehre und in vergleichbaren Erlassen
anderer Kantone (vgl. A. Marantelli, Grundprobleme des schweizerischen
Tourismusabgaberechts, Bern 1991, S. 252 f.; VRKE I/2-2008/30 vom 9. Januar 2009,
E. 2c/aa).
Die Rekurrenten haben in der politischen Gemeinde Wildhaus keinen steuerrechtlichen
Wohnsitz und sind dementsprechend in der Gemeinde Wildhaus auch nicht
unbeschränkt steuerpflichtig. Unbestritten ist, dass sie das Haus im Gebiet "S" im
Bemessungszeitraum für die Pauschalkurtaxe 2010 ausschliesslich für den Eigenbedarf
genutzt und keine Gäste gegen Entgelt beherbergt haben. Damit unterliegen sie für ihr
Wohnhaus grundsätzlich der Pauschalkurtaxe im Sinn von Art. 6 Kurtaxenreglement.
Das Gebiet "S" stellt ein typisches Ferienhausquartier dar, das auf einer Höhe von rund
1'100 Meter über Meer etwa 200 Meter über dem Talgrund und damit relativ abgelegen
ist. Daran, dass es sich beim Wohnhaus jedenfalls zurzeit um ein Ferienhaus im Sinn
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von Art. 6 Abs. 1 Kurtaxenreglement handelt, ändert nichts, dass die Rekurrenten das
Haus nicht als "Ferienhaus" bezeichnen wollen und als Altersvorsorge erworben haben.
Die Nutzung durch sie und ihre Familie – nämlich vor allem an Wochenenden –
entspricht der klassischen Nutzung einer Zweitwohnung an einem vom Wohnsitz der
Familie verschiedenen Ort.
Die Pauschale beruht im Übrigen auf der Fiktion, dass die Aufenthalte der Eigentümer
eine bestimmte durchschnittliche Dauer haben. Da es sich bei der Kurtaxe um eine
Kostenanlastungssteuer und nicht um eine Vorzugslast handelt, so dass im Einzelfall
gar kein konkreter Vorteil des Pflichtigen nachgewiesen zu werden braucht, ist es auch
nicht erforderlich, dass der Pflichtige von seinem Feriendomizil tatsächlich Gebrauch
macht. Es genügt unter dem Gesichtspunkt des verfassungsrechtlichen Willkürverbots
(Art. 9 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101,
abgekürzt: BV; vgl. BGE 127 I 60 E. 5a) schon, dass er als Eigentümer zu jenem
Personenkreis gehört, welcher von den mit der Abgabe zu finanzierenden
Aufwendungen des Gemeinwesens – der touristischen Infrastruktur – in der Regel
profitiert.
Der Einwand der Rekurrenten, ihr Haus im Gebiet "S" biete keine Grundlage für die
Erhebung der Pauschalkurtaxe erweist sich damit als unbegründet. Dass sie sich selbst
als Gäste im Sinn von Art. 2 Abs. 2 Kurtaxenreglements betrachten, kommt im Übrigen
auch darin zum Ausdruck, dass sie mit dem Verein Toggenburg Tourismus für die
Kurtaxen der kommenden Jahre eine Einzelabrechnung ihrer Übernachtungen
vereinbart haben.
cc) Die Rekurrenten machen eine unzulässige Ungleichbehandlung im Verhältnis zu
den Tagestouristen, die nicht mit einer der Kurtaxe entsprechenden Abgabe belastet
werden, geltend.
Die Rechtsprechung verneint in diesem Zusammenhang regelmässig eine Verletzung
des Rechtsgleichheitsgebots mit der Begründung, der Tagesgast entrichte in der Regel
höhere Eintrittsgelder als der sich im Besitz einer Kurkarte befindende übernachtende
Kurgast, der Tagesgast benütze die Anlagen weniger intensiv als der längere Zeit
verweilende Gast und die Situation des Tagesgastes sei vergleichbar mit jener des
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Einheimischen, welcher auch keine Kurtaxe zu entrichten habe (vgl. Marantelli, a.a.O.,
S. 276 mit Hinweisen). Das Bundesgericht hat eine Verletzung des
Rechtsgleichheitsgebots bezüglich einer für ein Ferienhaus in Einsiedeln erhobenen
jährlichen und pauschalen Kurtaxe von Fr. 75.--, nämlich Fr. 15.-- pro Bett, für die
Jahre 1971 bis 1973 trotz der überragenden Bedeutung des Tagestourismus verneint.
Zwar bestehe eine gewisse Rechtsungleichheit zwischen den mit der Taxe belasteten
Kurgästen und denjenigen Personen, welche die Einrichtungen des Kurortes
mitbenützten, ohne zu übernachten und demgemäss ohne eine Kurtaxe zu entrichten.
Dabei handle es sich jedoch nicht um eine Grundsatzfrage, sondern um eine solche
des Masses. Das Rechtsgleichheitsgebot sei dann nicht verletzt, wenn dem Verhältnis
zwischen Kurgästen und Tagestouristen bei der Bemessung der Kurtaxe Rechnung
getragen werde. Treffe dies zu, so könne angenommen werden, ein wesentlicher Teil
der für die Annehmlichkeiten der Tagestouristen aufgewendeten Mittel werde aus dem
ordentlichen Haushalt aufgebracht. Verhalte es sich so, dann sei der Rüge, wonach
eine nach Logiernächten zu bemessende Abgabe an sich willkürlich sei, der Boden
entzogen (vgl. BGE 102 Ia 143 E. 2c).
Seit 1970 haben sich die Konsumentenpreise in der Schweiz etwa verdreifacht (vgl.
Bundesamt für Statistik, Landesindex der Konsumentenpreise, www.bfs.admin.ch,
Themen/Preise/Zum Nachschlagen/statistisches Lexikon). Die vom Bundesgericht als
vergleichsweise bescheiden bezeichnete Pauschale von Fr. 15.-- pro Bett beliefe sich
damit im Jahr 2010 auf Fr. 45.--. Bei vier Zimmern mit insgesamt 6-8 Betten ergäbe
sich eine Pauschale von Fr. 270.-- bis Fr. 360.--. Die von den Rekurrenten für ein Haus
mit vier oder mehr Zimmern erhobene Pauschale liegt damit in dieser Grössenordnung.
Zudem erreicht die Bedeutung des Tagestourismus in der Region Toggenburg nicht
jene, die ihr in Einsiedeln zukommt. Hinzu kommt, dass die Erfassung von
Tagestouristen mit einer Taxe vorab technische Probleme bietet (vgl. Marantelli, a.a.O.,
S. 276). Aus Gründen der Praktikabilität und Veranlagungsökonomie ist es unter dem
Gesichtspunkt der Rechtsgleichheit jedoch zulässig, die Abgabe nicht von allen
Personen, die profitieren, sondern einzig von den Hauptnutzniessern zu erheben (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 2P.111/2002 vom 13. Dezember 2002 E. 4.2 mit Hinweis auf
2P.199/2000 vom 14. Mai 2001 E. 6b).
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Insgesamt bestehen deshalb keine Anhaltspunkte dafür, dass die von der Gemeinde
Wildhaus erhobene Pauschalkurtaxe von Fr. 120.-- pro Objekt zuzüglich Fr. 60.-- pro
Zimmer, maximal Fr. 360.--, im Verhältnis zur Behandlung der Tagestouristen das
Gebot der Rechtsgleichheit verletzt.
dd) Die Rekurrenten machen sodann eine Verletzung des Gleichbehandlungsgebots im
Verhältnis zu den "ansässigen" Wohnungsbesitzern geltend.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung geht die Rüge, die Erhebung einer
Kurtaxe von Wohneigentümern ohne Wohnsitz am betreffenden Ort verletze im
Verhältnis zu den einheimischen Wohnungseigentümern des Gleichbehandlungsgebot,
"an der Sache vorbei" (vgl. Urteil 2P.14/2006 vom 26. Mai 2006 E. 5.1; vgl. auch BGE
93 I 17 E. 4 zum Gebot der Gleichbehandlung von "Ansässigen" und
"Niedergelassenen"). Dies ergibt sich unmittelbar daraus, dass einerseits die
"Ansässigen" zwar von der touristischen Infrastruktur ebenfalls profitieren können,
jedoch aufgrund ihrer unbeschränkten Steuerpflicht mit den Einkommens- und
Vermögenssteuern über den Gemeindehaushalt zumindest indirekt auch einen Teil der
Lasten tragen, und dass anderseits die Einnahmen aus den Kurtaxen zur Finanzierung
von Einrichtungen dienen, welche überwiegend den Gästen dienen. Die vom
Kurtaxenreglement vorgesehene Abgrenzung des abgabepflichtigen Personenkreises
und die Bemessungsregeln des Tarifs erfüllen damit die für die Erhebung von Kurtaxen
üblichen verfassungsrechtlich als haltbar anerkannten Kriterien.
c) Die Rekurrenten machen zudem geltend, die Pauschalkurtaxe stelle eine eigentliche
Aufenthaltssteuer dar und deren Erhebung führe zusammen mit ihrer beschränkten
Steuerpflicht am Ort der gelegenen Sache zu einer unzulässigen Doppelbesteuerung.
aa) Art. 127 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR
101, abgekürzt: BV) untersagt die interkantonale Doppelbesteuerung. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt eine unzulässige Doppelbesteuerung vor,
wenn eine steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das gleiche
Steuerobjekt und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird (aktuelle
Doppelbesteuerung) oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden
Kollisionsnormen seine Steuerhoheit überschreitet und eine Steuer erhebt, die einem
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anderen Kanton zustehen würde (virtuelle Doppelbesteuerung; vgl. beispielsweise BGE
125 I 55 f. mit Hinweisen).
Die gleichzeitige Erhebung von Vermögenssteuern am Ort der gelegenen Sache und
einer am Wohneigentum anknüpfenden Tourismusabgabe stellt keinen Sachverhalt der
interkantonalen Doppelbesteuerung dar. Zudem sind die Rekurrenten im Fürstentum
Liechtenstein unbeschränkt steuerpflichtig, so dass sich die Rüge der Verletzung des
interkantonalen Doppelbesteuerungsverbots von vornherein als unbegründet erweist.
bb) Die umstrittene Abgabe kann auch nicht als Aufenthaltssteuer bezeichnet werden.
Zu einer Aufenthaltssteuer wird die Kurtaxe erst, wenn ihr Ertrag verwendet wird zur
Finanzierung allgemeiner Gemeindeaufgaben, deren Kosten üblicherweise aus dem
Ertrag der ordentlichen Steuern bestritten werden (vgl. BGE 90 I 86 E. 8 mit Hinweis auf
BGE 67 I 205). Dies trifft jedoch auf die Kurtaxe von Wildhaus nicht zu, denn gemäss
Art. 10 Kurtaxenreglement sind die Einnahmen zur Finanzierung von oder Beteiligung
an touristischer Infrastruktur zu verwenden (Abs. 1 Satz 1). Sie dürfen insbesondere
nicht für die Marktbearbeitung und die Finanzierung von ordentlichen
Gemeindeaufgaben verwendet werden (Abs. 2). Selbst wenn die Einnahmen aus der
Kurtaxe indirekt zu einer gewissen Entlastung des allgemeinen Gemeindehaushalts
führen würden, erschiene sie angesichts der konkreten Höhe von jährlich Fr. 360.-- als
"unbedeutende Sondersteuer" (vgl. BGE 102 Ia 143 E. 4; vgl. auch BGE 93 I 17 E. 5c,
wo gemäss Kurtaxengesetz der Gemeinde St. Moritz vom 27. Mai 1962 bereits in den
Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts die Taxe Fr. 1.10 je Logiernacht und die jährliche
Pauschale je nach Lage und Komfort des Hauses Fr. 40.-- bis Fr. 80.-- pro Bett betrug,
und BGE 90 I 86, wo die Jahrespauschale in der Gemeinde Flims Fr. 50.-- pro Bett
betrug), die – wären die Rekurrenten in einem anderen schweizerischen Kanton
unbeschränkt steuerpflichtig – das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung
nicht verletzen würde.
cc) Der Erhebung der Pauschalkurtaxe steht schliesslich auch das Abkommen
zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Liechtenstein
über verschiedene Steuerfragen (SR 0.672.951.43) nicht entgegen. Unter das
Abkommen fallen gemäss dessen Art. 2 ausschliesslich die Steuern vom Einkommen
(vgl. Botschaft, in: BBl 1995 IV S. 1633 ff.). Ebensowenig steht ihr das zwischen dem
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Kanton St. Gallen und dem Fürstentum Liechtenstein bestehende Staatsvertragsrecht
entgegen. Die Vereinbarung zwischen der Regierung des Fürstentums Liechtenstein
und dem Regierungsrat des Kantons St. Gallen vom 22. Juni 1957 (sGS 811.711) regelt
einzig die Befreiung von Zuwendungen an gemeinnützige und wohltätige Zwecke von
der Erbschafts-, Vermächtnis- und Schenkungssteuer.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten den Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- ist angemessen
(vgl. Art. 7 Ziff. 122 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 500.-- ist zu verrechnen.