Decision ID: a9904bc2-0396-438c-8507-f7631a704b69
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Auszug aus der Prozessgeschichte:
A. Mit Urteil der Strafkammer des Bundesstrafgerichts SK.2021.48 vom 8. Juli 2022 (TPF pag. 266.930.001 ff.), gleichentags mündlich eröffnet und summarisch  (TPF pag. 266.720.071 f.), wurde das Verfahren gegen Joseph S. Blatter (fortan: Blatter) wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB eingestellt. Im Übrigen wurde Blatter freigesprochen. Mit demselben Urteil wurde das Verfahren gegen Michel François Platini (fortan: Platini) wegen Gehilfenschaft zu ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Art. 25 StGB eingestellt. Im Übrigen wurde Platini freigesprochen. Die  der Fédération Internationale de Football Association FIFA (fortan: FIFA) auf Restitution/Einziehung beschlagnahmter Vermögenswerte sowie auf Begründung von Ersatzforderungen und Zusprechung von Vermögenswerten wurden . Das beschlagnahmte Guthaben auf dem Konto [...] der Eidgenössischen  in Höhe von Fr. 2'229'788.55 (per 30. April 2022) sei an Platini . Die Zivilklagen der FIFA gegen Blatter und Platini wurden jeweils auf den Zivilweg verwiesen.
B. Mit Eingabe vom 15. Juli 2022 meldete die Bundesanwaltschaft (fortan: BA) Be-
rufung an und ersuchte u.a. um Zustellung des schriftlich begründeten Urteils (CAR pag. 1.100.001 f.; -106 f.). Mit Eingabe vom 18. Juli 2022 meldete die FIFA ebenfalls Berufung an und ersuchte um Zustellung des schriftlich begründeten Urteils (CAR pag. 1.100.108).
C. Mit Schreiben vom 28. Juli 2022 erklärte Olivier Thormann im vorliegenden Ver-
fahren seinen Ausstand als Berufungsrichter sowie spruchkörperbildender , womit die Zuständigkeit zur Spruchkörperbildung gemäss Art. 56 Abs. 2 StBOG und Art. 15 BStGerOR auf die Vizepräsidentin der , die als Vorsitzende des vorliegenden Spruchkörpers amtet, überging (CAR pag. 1.100.003)
D. Das schriftlich begründete Urteil der Strafkammer SK.2021.48 vom 8. Juli 2022
(CAR pag. 1.100.006 ff.) wurde am 28. September 2022 an die Parteien versandt (CAR pag. 1.100.105-109) und am 29. September 2022 von der FIFA (pag. 1.100.111) bzw. am 30. September 2022 von der BA (CAR pag. 1.100.110)  entgegengenommen.
E. Mit Eingabe vom 17. Oktober 2022 erklärte die BA (vollumfängliche) Berufung
gegen das Urteil der Strafkammer SK.2021.48 vom 8. Juli 2022 (CAR pag. 1.100.128 ff.).
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F. Mit Eingangsanzeige vom 21. Oktober 2022 wurden die Parteien über den  der Berufungserklärung der BA vom 17. Oktober 2022 gegen das Urteil der Strafkammer SK.2021.48 vom 8. Juli 2022 informiert. Ihnen wurde der  (Andrea Blum als Vorsitzende; Thomas Frischknecht und Beatrice  Janett als Beisitzer; Franz Aschwanden als Gerichtsschreiber)  und sie wurden auf die Möglichkeit hingewiesen, gegen jedes Mitglied des Spruchkörpers ohne Verzug bei der Verfahrensleitung ein Ausstandsgesuch zu  (Art. 56 und Art. 58 Abs. 1 StPO; CAR pag. 1.200.001 f.). Ausserdem wurde die Berufungserklärung der BA vom 17. Oktober 2022 an die Parteien übermittelt mit der Gelegenheit zur Beantragung des Nichteintretens bzw. zur Erklärung der Anschlussberufung und zum Stellen von Beweisanträgen (Art. 400 Abs. 3 lit. a und b StPO; Art. 401 Abs. 1 i.V.m. Art. 399 Abs. 3 StPO; CAR pag. 1.400.001 f.).
G. Mit Eingabe vom 31. Oktober 2022 (CAR pag. 2.104.001 ff.) stellte Platini fol-
gende Anträge:
1. Die Vizepräsidentin Andrea Blum, Vorsitz, sei in den Ausstand zu versetzen;
2. Die nebenamtliche Richterin Beatrice Kolvodouris Janett, Beisitz, sei in den  zu versetzen;
3. Der nebenamtliche Richter Thomas Frischknecht, Beisitz, sei in den Ausstand zu versetzen;
4. Der Gerichtsschreiber Franz Aschwanden sei in den Ausstand zu versetzen;
5. Sämtliche Verfahrenshandlungen, an welchen Vizepräsidentin Andrea Blum  habe, seien gemäss Art. 60 StPO zu wiederholen;
6. Sofern die in den vorgenannten Ziff. l bis 4 genannten Personen sich dem  widersetzen, hätte der Präsident des Bundesstrafgerichts –  Art. 38c StBOG – aus der Zahl der Obergerichtspräsidenten und - der Kantone durch das Los einen Spruchkörper mit ausserordentlichen  Richtern und Richterinnen inkl. einer ausserordentlichen  / einem ausserordentlichen Gerichtsschreiber zu bezeichnen;
7. ln der Hauptsache selber (Berufungsverfahren) habe der Präsident des  – wiederum entsprechend Art. 38c StBOG – aus der Zahl der Obergerichtspräsidenten und -präsidentinnen der Kantone durch das Los einen Spruchkörper aus ausserordentlichen nebenamtlichen Richtern und Richterinnen inkl. einer ausserordentlichen Gerichtsschreiberin / einem ausserordentlichen  zu bezeichnen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MWST.
H. Am 3. November 2022 übermittelte die Vorsitzende die erwähnte Eingabe vom
31. Oktober 2022 an den Präsidenten des Bundesstrafgerichts zwecks  des Procederes gemäss Art. 38c StBOG (Auslosung von drei  nebenamtlichen Richterpersonen sowie einer ausserordentlichen
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Gerichtsschreiberperson zwecks Entscheidung der Ausstandsfrage und  in der Hauptsache) und stellte die anschliessende Sistierung des Verfahrens in Aussicht (CAR pag. 2.200.001 ff.).
I. Mit Eingabe vom 11. November 2022 erklärte die FIFA (vollumfängliche) An-
schlussberufung gegen das Urteil der Strafkammer SK.2021.48 vom 8. Juli 2022 (CAR pag. 1.400.003 ff.). Die Anschlussberufung wurde mit Schreiben vom 15. November 2022 an die Parteien übermittelt mit der Gelegenheit zur Beantragung des Nichteintretens (Art. 400 Abs. 3 lit. a StPO analog; CAR pag. 1.400.019 f.).
J. Mit Eingabe vom 14. November 2022 stellte Platini insgesamt 15 ausführlich be-
gründete Beweisanträge (CAR pag. 2.104.067-077).
K. Mit Eingaben vom 6. Dezember 2022 beantragten Blatter (CAR pag.
1.400.034-037) und Platini (CAR pag. 1.400.021-033), dass auf die  der FIFA vom 11. November 2022 nicht einzutreten sei.

Die Berufungskammer erwägt:
1. Die Sistierung eines Rechtsmittel- bzw. Berufungsverfahrens ist in der  nicht direkt geregelt. Als analog anwendbare Bestimmung kommt einerseits Art. 329 Abs. 2 (i.V.m. Art. 379) StPO in Betracht. Danach sistiert das Gericht ein Verfahren, wenn sich in dessen Verlauf ergibt, dass ein Urteil zurzeit nicht ergehen kann (zum Umfang des Verweises in Art. 379 StPO ZIEGLER/, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 379 StPO N. 4). Andererseits regelt Art. 314 StPO die Sistierung von Strafuntersuchungen durch die , wobei diese Bestimmung in Gerichts- bzw. Rechtsmittelverfahren analog anwendbar ist. Gemäss Art. 314 Abs. 1 lit. c StPO kann eine Untersuchung  sistiert werden, wenn der Ausgang des Strafverfahrens von einem  Verfahren abhängt und es angebracht erscheint, dessen Ausgang . Die in Art. 314 Abs. 1 StPO genannten Anwendungsfälle der Sistierung gelten als exemplikativ, sind also nicht abschliessend. Die Sistierung steht in einem  zum Beschleunigungsgebot (Art. 5 StPO). Entsprechend ist sie sehr zurückhaltend und bloss über kurze Zeitdauer anzuwenden (vgl. OMLIN,  Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 314 StPO N. 9 und 11; LANDSHUT/BOSSHARD, Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Aufl. 2020, Art. 314 StPO N. 3 f.). Bei Wegfall des Sistierungsgrundes ist das Verfahren von Amtes wegen unverzüglich weiterzuführen (vgl. Art. 315 Abs. 1 StPO), was formlos erfolgen kann, da die Sistierung keine materielle Rechtskraft erlangte. Die Weiterführung des Verfahrens bzw. die Wiederanhandnahme ist nicht anfechtbar (vgl. Art. 315 Abs. 2 StPO). Da es sich diesbezüglich um einen nicht anfechtbaren
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Zwischenentscheid handelt, ist auch eine Strafrechtsbeschwerde ans  nicht möglich (Art. 93 BGG; vgl. OMLIN, a.a.O., Art. 315 StPO N. 4 ff.; /BOSSHARD, a.a.O., Art. 314 StPO N. 2).
2. Mit Platinis Eingabe vom 31. Oktober 2022 wird im vorliegenden  CA.2022.25 der Ausstand sämtlicher Mitglieder des Spruchkörpers  (Ziffern 1 - 4). Mit Schreiben der Vorsitzenden vom 3. November 2022 wurde der Gesamtgerichtspräsident des Bundesstrafgerichts um die Durchführung des Procederes gemäss Art. 38c StBOG (Auslosung von drei ausserordentlichen  Richterpersonen sowie einer ausserordentlichen nebenamtlichen Gerichtsschreiberperson) ersucht, damit dieses Richtergremium über die  (und nötigenfalls in der Hauptsache) entscheiden möge.
3. Bis zum Entscheid des gemäss Art. 38c StBOG definierten ausserordentlichen Richtergremiums über die vorliegende Ausstandsfrage würde die Fortführung des Berufungsverfahrens wenig Sinn machen. Falls die Berufungskammer das Verfahren ungeachtet dieser ungeklärten Frage fortsetzen würde, bestünde die Gefahr, dass die entsprechenden Verfahrenshandlungen (insbesondere die  der Beweisanträge von Platini vom 14. November 2022) je nach  über die Ausstandsfrage allenfalls wiederholt werden müssten. Aus  der Verfahrensökonomie drängt sich somit – nach bereits erfolgter  der gesetzlich vorgesehenen Übermittlungen der Berufungs-/ bzw. dem Ablauf der jeweiligen 20-tägigen Frist zur  des Nichteintretens (Art. 400 Abs. 3 StPO analog) – eine Sistierung des Berufungsverfahrens bis zum rechtskräftigen Entscheid des gemäss Art. 38c StBOG definierten ausserordentlichen Richtergremiums über die vorliegende Ausstandsfrage auf. Die Behandlung der von Platini eingereichten  sowie der Anträge von Blatter und von Platini betreffend Nichteintreten auf die Anschlussberufung der FIFA, wird nach Wiederaufnahme des Verfahrens dem in der Hauptsache zuständigen Richtergremium obliegen.
4. Das Verfahren bleibt auch während der Sistierung bei der Berufungskammer hängig. Zurzeit sind keine weiteren Anordnungen angezeigt (vgl. Art. 329 Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 379 StPO).
5. Für diesen Beschluss werden weder Gerichtsgebühren erhoben noch  ausgeschieden.
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