Decision ID: 878e1eb7-1522-42c1-9b1b-2027e1ee86a7
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1977 geborene
X._
, afghanische Staatsangehörige, reiste am 11. Sep
tember 2007 aus dem Iran in die Schweiz ein, wo sie über einen Ausweis für vorläufig aufgenommene Ausländer (Status F) verfügt. Im Iran hatte sie die Primar
schule besucht und keine Ausbildung abgeschlossen. In der Schweiz wurde sie Mutter zweier in den Jahren 2009 und 2010 geborener Kinder und war Haus
frau. Am 6. Januar 2016 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hinweis auf Rheuma und psychische Probleme, bestehend seit circa fünf Jahren, bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/5-6, Urk. 8/9; nachträgliche Unter
zeichnung des Antrags siehe Urk. 8/11). Die IV-Stelle klärte die beruflich-erwerb
lichen und medizinischen Verhältnisse ab und teilte der Versicherten am 8. Juli 2016 mit, dass aktuell keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 8/29). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 23. Januar 2017 [Urk. 8/38]; Einwand vom 10. Februar 2017 [Urk. 8/39]) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. März 2017 einen Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 [= Urk. 8/41]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 18. April 2017 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Sache sei an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 7. Juni 2017 angezeigt wurde (Urk. 9). Mit Verfügung vom 3. August 2018 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege gewährt. Den Par
teien wurde sodann Frist angesetzt, um sich zu den beitragsrechtlichen Voraus
setzungen für die Entstehung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente zu äussern (Urk. 11). Die Parteien erstatteten ihre Stellungnahmen am 15. August 2018 (Beschwerdegegnerin, Urk. 13) beziehungsweise am 24. September 2018 (Beschwerdeführerin, Urk. 15). Nach Zustellung dieser Eingaben an die jeweilige Gegenpartei (Urk. 16) verzichteten beide Parteien auf weitere Stellungnahmen (Urk. 18 und Urk. 19).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
D
ie Beschwerdeführerin
verfügt über
den Status einer vorläufig aufgenommenen Au
sländerin (Ausweis F; Urk.
8/6/5-6)
nach Art.
83 ff. des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (Auslän
dergesetz, AuG).
1.2
1.2.1
Versichert nach Massgabe des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind Personen, die gemäss den Art. 1a und 2 des Bundesgesetzes über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) obligatorisch oder freiwillig ver
sichert sind (Art. 1b IVG).
Obligatorisch versichert sind unter anderem die natürlichen Personen mit Wohn
sitz in der Schweiz (Art. 1a Abs. 1 lit. a AHVG).
1.2.2
Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) be
stimmt, dass ausländische Staatsangehörige anspruchs
be
rechtigt sind, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. In Bezug auf den Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente enthält Art. 36 Abs. 1 IVG weitere Anspruchsvoraus
setzungen. Danach haben Versi
cherte, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben, Anspruch auf eine ordentliche
Rente der Invalidenversicherung. Anspruch auf eine ausserordentliche Rente haben
auch invalide Ausländer und Staatenlose, die als Kinder die Voraussetzungen von Art. 9 Abs. 3 IVG erfüllt haben (Art. 39 Abs. 3 IVG).
1.2.3
Gemäss Art. 14 Abs. 2
bis
AHVG
, in Kraft seit dem 1. Januar 2007, sind die Bei
träge von Asylsuchenden, vorläufig Aufgenommenen und Schutzbedürftigen ohne Aufenthaltsbewilligung, die keine Erwerbstätigkeit ausüben, erst dann fest
zusetzen und unter Vorbehalt von Artikel 16 Absatz 1 zu entrichten, wenn:
a.
diese Personen als Flüchtlinge anerkannt wurden;
b.
diesen Personen eine Aufenthaltsbewilligung erteilt wird; oder
c.
auf Grund des Alters, des Todes oder der Invalidität dieser Personen ein Leistungsanspruch im Sinne dieses Gesetzes oder des IVG entsteht.
Gemäss Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes, zur Änderung des Bundesge
setzes über die Krankenversicherung sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung vom 4. September 2002 (
02.060
) führt d
er
am 1. Januar 2007 in Kraft getretene
Abs
.
2
bis
des Art. 14 AHVG
eine Sistierung des Beitragsbezuges ein für Asylsuchende,
humanitär und provisorisch Aufgenommene sowie Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung
(nachste
hend Asylsuchende), die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen.
Bei Eintritt eines Versicherungsfalles oder bei Regelung der Anwesenheit der
betreffenden Person in der Schweiz wird diese Sistierung aufgehoben und die Beiträge
werden inner
halb der Grenzen der Verjährung rückwirkend erhoben. Damit
soll die Erfassung und die Beitragserhebung für nichterwerbstätige Asylsuchende
vermieden wer
den, ohne jedoch grundsätzlich die betreffenden Personengruppen
von der Ver
sicherungsunterstellung auszunehmen. Bei Eintritt eines Versicherungsfalles
ent
steht ein Anspruch auf Leistungen, sofern die ordentlichen Voraussetzungen
erfüllt sind. Allfällige Leistungen bemessen sich auf Grund der rückwirkend
erhobenen Beiträge. Erhält die betreffende Person ein Anwesenheitsrecht in
der Schweiz (Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung, Anerkennung als Flüchtling),
wird ihre Stellung gegenüber den Sozialversicherungen normalisiert und die Bei
träge
werden rückwirkend erhoben. Da sich der rückwirkende Beitrag
s
bezug auf höchstens
fünf Jahre beschränkt, können bei längeren Aufenthalten (was insbe
sondere
bei der humanitären oder provisorischen Aufnahme vorkommt), Bei
tragslücken und
damit verbundene Leistungseinbussen auftreten. In solchen Fäl
len ist eine vollkommene
Gleichstellung mit den übrigen Versicherten nicht mög
lich. Personen, die
die Schweiz wieder verlassen, werden mangels Beitragsbezug von der Versicherung
überhaupt nicht erfasst (BBl 2002 6845 ff., 6923).
2.
2.1
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 6. Januar 2016 (Eingangsdatum) bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 8/4) und machte bereits im Meldeformular für die Früherfassung vom 14. November 2015 geltend, die gesundheitliche Beeinträchtigung bestehe seit circa fünf Jahren mit einer 100%igen Arbeitsun
fä
higkeit (Urk. 8/1 und Urk. 8/3/2). Damit steht eine gesundheitliche Beein
trächti
gung ab Anfang 2011 in Frage, was nach Ablauf des einjährigen Warte
jahres gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG zum Eintritt einer Invalidität zu Beginn des Jahres 2012 führen würde. Gemäss A
rt. 36 Abs. 1 IVG
setzt der Anspruch auf eine
ordentliche Invalidenrente in der vorliegenden Konstellation die Leistung von Beiträgen während dreier Jahre vor Eintritt der Invalidität voraus, was bedingen würde, dass die Beschwerdeführerin während der Jahre 2009 bis 2011 Beiträge geleistet hätte.
Dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) der Beschwerdeführerin vom 14. Januar 2016 sind keine Einträge zu entnehmen. Zum einen war die Beschwerdeführerin in der Schweiz nie erwerbstätig (mit Ausnahme einer ein
mo
na
tigen Anstellung in einem Gemüseladen gemäss eigenen Angaben der Beschwerdeführerin [Urk. 8/3/2]), zum anderen werden Beiträge vorläufig aufge
nommener Ausländer, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, erst im von Art. 14 Abs. 2
bis
AHVG
bestimmten Zeitpunkt festgesetzt.
Werden Beiträge nicht innert fünf Jahren nach Ablauf des Kalenderjahres, für welches sie geschuldet sind, durch Verfügung geltend gem
acht, so können sie gemäss Art. 16 Abs.
1 AHVG nicht mehr eingefordert oder entrichtet werden (Verwirkungsfrist
; vgl. auch die Wegleitung über die Beiträge der Selbststän
di
gerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN] Rz. 2173
).
Bei Annahme des
Eintritt
s
einer Invalidität zu Beginn des Jahres 2012
wäre es
also nicht
mehr
möglich, die
dreijährige Beitragspflicht zu erfüllen: Der sich in den Akten befindliche Ausweis für vorläufig aufgenommene Ausländer, welcher am 9. April 2015 erneut für ein Jahr ausgestellt wurde, belegt, dass die Beschwer
deführerin bis zu diesem Zeitpunkt nicht als Flüchtling anerkannt worden war und dass ihr bis zu diesem Zeitpunkt auch keine Aufenthalts
bewilligung erteilt worden war. Bei einer Änderung des diesbe
züglichen Sachver
halts im Jahr 2015 hätten allfällige Beiträge rückwirkend bloss bis ins Jahr 2010 entrichtet werden können (vgl. die
Wegleitung über den Bezug der
Beiträge in der AHV, IV und EO [WBB], Stand ab 1. Januar 2015, Rz. 5012). Ein Leistungs
anspruch im Sinne des IVG (Art. 14 Abs. 2
bis
lit. c
AHVG
) hätte überdies frühestens im Jahr 2016 geprüft werden können, nachdem sich die Beschwerde
führerin erst am 6. Januar 2016 bei der Beschwerdegegnerin angemeldet hatte und ein
Leistungsanspruch
frühes
tens im Jahr 2016 hätte entstehen können
(
Art.
29 Abs.
1 und 3 IVG
). Aufgrund der Verwirkungsfrist von Art. 16 Abs.
1 AHVG
würde also keiner der genannten Sachverhalte zur Möglichkeit einer bis ins Jahr 2009 zurückliegenden
nachträg
liche
n
Beitragsentrichtung
führen.
Da sich die Parteien zu dieser Thematik bislang nicht geäussert hatten, wurde ihnen mit Verfügung vom 3. August 2018 Frist zur Stellungnahme zu den bei
tragsrechtlichen Voraussetzungen angesetzt (Urk. 11).
2.2
Die Beschwerdeführerin liess in ihrer Stellungnahme vom 24. September 2018 vorbringen, aufgrund der vorliegenden Akten könne nicht festgestellt werden, wann die Invalidität eingetreten sei. Zwar seien drei stationäre Klinikaufenthalte aktenkundig, von welchen der erste im Juni 2011 stattgefunden habe und auf
grund welchem davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin bereits damals erste Anzeichen von psychischen Beschwerden aufgewiesen habe. Den
noch könne gestützt darauf noch nicht von einer Invalidisierung gesprochen wer
den, wie sie in Bezug auf verlangte Invalidenrenten regelmässig verlangt werde. Zudem sprächen diverse Umstände dagegen, dass diese Beschwerden zum dama
ligen Zeitpunkt bereits invalidisierend gewesen seien. Den Austritts
berichten der Y._ sei zu entnehmen, dass die Umstände, welche zu den jewei
ligen Eintritten geführt hätten, überwiegend auf die äusserst belastenden Lebens
umstände der Beschwerdeführerin sowie ihrer Familie im Asylheim zurückzu
führen gewesen seien. Zudem sei die Beschwerdeführerin in der Folge auch nur von einer Psychologin und nicht von einer psychiatrischen Fachärztin behandelt worden. Dass man im vorliegenden Fall lediglich aufgrund der Angaben im Bericht von Dr. Z._ vom 12. März 2016 vom Eintritt der Invalidität per Anfang 2011 ausgehe, obwohl konkrete Anhaltspunkte dagegen sprächen, sei nicht gerechtfertigt. Die Beschwerdeführerin befinde sich erst seit dem 19. Mai 2015 in fachpsychiatrischer Behandlung bei Dr. Z._. Dieser attestiere ihr seither eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Damit wäre ein Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente frühestens am 19. Mai 2016 entstanden (Urk. 15 S. 1
3).
2.3
2.3.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin auch anlässlich des Gesprächs vom 23. Dezember 2015 im Rahmen der Früherfassung angegeben hatte, sie sei seit längerer Zeit (zirka seit fünf Jahren) in psychologischer Behand
lung (Urk. 8/3). Dies deckt sich mit der Angabe im Meldeformular für die Früh
erfassung (Urk. 8/1; vgl. E. 2.1). In der Anmeldung für eine berufliche Inte
gra
tion/Rente vom 4. Januar 2016 gab die Beschwerdeführerin in Überein
stimmung damit ebenfalls an, ihre Probleme (Rheuma, psychische Probleme) bestünden seit circa fünf Jahren. Die psychischen Probleme seien circa im Jahr 2010 aufgetreten und würden bis jetzt andauern. Seit Sommer 2008 sei sie bei A._, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, wegen Rheuma und psychi
scher Probleme in Behandlung, bei Dr. Z._ wegen psychischer Prob
leme seit Sommer 2015 (Urk. 8/5/6-7).
2.3.2
Im Austrittsbericht der Y._ vom 7. Juni 2011 über die erste Hospi
talisation vom 20. bis 23. Mai 2011 wurde die Diagnose Anpassungs
stö
rung: verlängerte depressive Reaktion, ICD-10 F43.2.1, bei Belastungsfaktoren (Probleme mit Bezug auf inadäquate Unterkunft [Z59.1] und Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung [Z60.3]) gestellt (Urk. 8/17/5). Im Bericht wurde unter anderem ausgeführt, gemäss Zuweisungs
schreiben sei die Beschwerdeführerin in den letzten Tagen psychisch dekompen
siert. Vor zwei bis drei Tagen habe sie versucht, mit ihren beiden Kleinkindern aus dem Fenster des vierten Stockes zu springen. Am Einweisungstag sei wahr
scheinlich ein zweiter Suizidversuch auf ähnliche Weise erfolgt. Auf der Notfall
station des B._ habe sich die Beschwerdeführerin weiterhin nicht von suizidalen Absichten distanzieren können, weswegen sie in die Klinik verlegt worden sei. Die Beschwerdeführerin habe beim Eintrittsgespräch angege
ben, sie habe in letzter Zeit oft geweint, da die Bedingungen im Asylheim, wo sie lebe, sehr schlecht seien. Sie sehe keinen Sinn mehr im Leben. Es erscheine immer wieder eine Frau, welche ihr sage, sie solle sich und ihre Kinder umbringen (Urk. 8/17/5). Unter Einfluss der verabreichten Medikamente sei die halluzina
to
rische Symptomatik rasch rückläufig gewesen, die Beschwerde
führerin habe sich auf der Station ruhig und angepasst im Kontakt gezeigt. Sie habe dann berichtet, dass die Suizidalität aufgrund ihrer Verzweiflung über ihre aktuelle Situation aufgetreten sei. Im Asylheim, wo sie lebe, würde mit Drogen gehandelt, es gebe Schlägereien, Männer würden mitten in der Nacht teils alkoholisiert an die Türe poltern und an die Türe urinieren. Man habe einmal Kokain in ihrem Kinderwa
gen versteckt und sie mit einem Messer bedroht und ihr gesagt, sie dürfe nieman
dem etwas sagen (Urk. 8/17/7).
2.3.3
Im Austrittsbericht der Y._ vom 16. August 2011 über die zweite Hospitalisation vom 4. bis 12. August 2011 wurden dieselben Diagnosen wie im ersten Austrittsbericht (E. 2.3.2) aufgeführt. Gemäss Zuweisungsschreiben habe die Beschwerdeführerin damit gedroht, sich umzubringen. Bei der Aufnahme habe sie weinend von schlechten Lebensbedingungen im Asylheim berichtet. Sie lebe mit zu vielen Menschen auf engem Raum zusammen. Die Situation sei kaum aushaltbar. Auf keinen Fall wolle sie dorthin zurück. Lieber wäre sie tot (Urk. 8/17/8). Später im Bericht wurde festgehalten, zum auffälligen Verhalten auf dem Sozialamt sei es gekommen, da die Familie einen Brief erhalten habe, aus dem sie entnommen hätten, sie müssten die Schweiz verlassen. Der Brief sei mitgebracht worden. Darin stehe aber, dass der Familie der Asylstatus nicht gewährt werde, dass sie aber einen vorläufigen Aufnahmestatus habe, der vor
läufig bestehe, da die Verhältnisse in Afghanistan nicht für eine Rückreise zumutbar seien. Die Beschwerdeführerin sei auf der Station ruhig und angepasst im Kontakt gewesen, habe jedoch sehr verzweifelt und depressiv gewirkt. Gemäss Asylbetreuerin und Partner der Beschwerdeführerin kümmere sich diese kaum um ihre Kinder. An Dr. C._ wurde die Empfehlung gerichtet, die Beschwerde
führerin weiterhin psychiatrisch-psychotherapeutisch zu behandeln (Urk. 8/17/9).
2.3.4
Im Austrittsbericht der Y._ vom 21. Februar 2012 über die dritte Hospitalisation vom 25. bis 31. Januar 2012 wurden die Diagnosen 1) mittel
gra
dige depressive Episode, DD schwere Episode, ICD-10 F32.1, und 2) anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4, genannt. Die Zuweisung sei freiwil
lig erfolgt, da die Beschwerdeführerin Kopf- und Nackenschmerzen habe und kaum schlafen könne. Ihre Stimmung sei seit langer Zeit schlecht, sodass sie viel weinen müsse und Suizidgedanken habe. Die Bedingungen im Asylheim seien sehr schlecht. Gleich im Eintrittsgespräch habe sie mehrmals den Austrittswunsch geäussert. Gemäss telefonischer Auskunft der Hausärztin bestehe die depressive Symptomatik seit mehreren Monaten mit Zunahme in den letzten zwei bis drei Monaten. Der Partner der Beschwerdeführerin gebe an, dass diese nur über Schmerzen klage, weine und nicht mehr für ihre Kinder sorgen könne. Zudem äussere sie ihm gegenüber häufig einen Todeswunsch (Urk. 8/17/11-12). In mehreren Familiengesprächen und mit einmaliger Unterstützung eines persisch sprechenden Dolmetschers sei sowohl bei der Beschwerdeführerin als auch bei ihrem Partner eine fehlende Behandlungseinsicht deutlich geworden. In telefoni
schen Kontakten mit der Asylkoordinatorin habe diese beschrieben, dass die Beschwerdeführerin bisher sämtliche Angebote zu Integrationsprogrammen aus
geschlagen habe (Urk. 8/17/13).
2.3.5
Im Bericht vom 12. März 2016 führte Dr. Z._ die Diagnosen 1) schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen, ICD-10 F32.3, 2) anhaltende somatoforme Schmerzstörung, ICD-10 F45.4, und 3) generalisierte Angststörung, ICD-10 F41.1, auf, wobei er zu den Diagnosen anmerkte, diese bestünden seit sechs Jahren. In Behandlung bei ihm befinde sich die Beschwerdeführerin seit dem 19. Mai 2015. Aufgrund der schweren psychologischen Probleme könne die Beschwerdeführerin keine berufliche Tätigkeit ausüben (Urk. 8/17/1-4).
2.3.6
Dr. C._ gab in ihrem Bericht vom 19. April 2016 an, die psychiatrische Erkrankung sei bei der Beschwerdeführerin die deutlich hindernde Störung (Urk. 8/20).
2.3.7
Im Bericht vom 15. November 2016 (Urk. 8/32) wiederholte Dr. Z._ die von ihm im Bericht vom 12. März 2016 bereits gestellten Diagnosen, unter der erneu
ten Angabe, dass diese seit sechs Jahren bestünden (E. 2.3.5).
2.4
Angesichts der vorliegenden Berichte kann der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Beantwortung der Frage, wann eine allfällige Invalidität eingetreten ist, nicht beigepflichtet werden (vgl. deren Vorbringen in E. 2.2). Die Beschwerdeführerin gab im Rahmen des Anmeldeverfahrens bei der IV-Stelle Ende des Jahres 2015 beziehungsweise Anfang des Jahres 2016 mehrmals an, ihre psychischen Beschwerden bestünden seit etwa fünf Jahren beziehungsweise seien circa im Jahr 2010 aufgetreten (E. 2.3.1). Ab dem Jahr 2011 ist dokumentiert, dass die Beschwerdeführerin mehrere Aufenthalte in psychiatrischen Kliniken hatte, wo entsprechende psychiatrische Diagnosen gestellt wurden. Die zu beurteilende gesundheitliche Beeinträchtigung besteht demnach mit überwiegender Wahr
schein
lichkeit seit dem Jahr 2011.
Wäre die zu beurteilende gesundheitliche Beeinträchtigung rentenanspruchs
be
gründend invalidisierend, wäre nach Ablauf des einjährigen Wartejahres vom
Eintritt einer Invalidität
zu Beginn des Jahres 2012
auszugehen. Damit erfüllte die Beschwerdeführerin die beitragsrechtlichen Voraussetzungen für einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung nicht, denn eine nach
trägli
che Erfüllung der Beitragspflicht ist aufgrund der Verwirkungsfristen (vgl. E. 2.1) nicht mehr möglich.
Auch kann die Beschwerdeführerin als nicht verheiratete Frau (vgl. das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon, Einzelgericht im vereinfachten Verfahren, vom 21. Mai 2012 betreffend Vaterschaft und Unterhalt [Urk. 8/18]) die Beitragspflicht nicht über die Beiträge eines erwerbstätigen Ehemannes erfüllen. Sodann könnten Erziehungsgutschriften erst ab dem Jahr 2010 angerechnet werden (Art. 29
sexies
AHVG und Art. 52f Abs. 1 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenen
versicherung
[AHVV]), nachdem das erste Kind im Jahr 2009 geboren worden ist (Urk. 8/6/1).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Stellungnahme vom 24. September 2018 geltend, die Anwendung von Art. 14 Abs. 2
bis
lit. c AHVG stelle in ihrem Fall eine Verletzung der bundesverfassungsrechtlichen Rechtsgleichheit gemäss Art. 8 der Bundesverfassung (BV) dar (Urk. 15 S. 3 f.).
3.2
In der
Botschaft zur Änderung des Asylgese
tzes, zur Änderung des Bundes
ge
setzes über die Krankenversicherung sowie zur Änderung des Bundesgesetzes über die Alters- und Hi
nterlassenenversicherung vom 4.
September 2002 (02.060)
wurde Folgendes zu Art. 14 Absatz
2
bis
AHVG festgehalten (BBl 2002 6845 ff., 6923):
«Der neue Absatz 2
bis
führt eine Sistierung des Beitragsbezuges ein für Asyl
su
chende, humanitär und provisorisch Aufgenommene sowie Schutzbedürftige ohne Aufenthaltsbewilligung (nachstehend Asylsuchende), die keiner Erwerbs
tä
tigkeit nachgehen. Bei Eintritt eines Versicherungsfalles oder bei Regelung der Anwesenheit der betreffenden Person in der Schweiz wird diese Sistierung auf
gehoben und die Beiträge werden innerhalb der Grenzen der Verjährung rück
wirkend erhoben. Damit soll die Erfassung und die Beitragserhebung für nichter
werbstätige Asylsuchende vermieden werden, ohne jedoch grundsätzlich die betreffenden Personengruppen von der Versicherungsunterstellung auszu
nehmen. Bei Eintritt eines Versicherungsfalles entsteht ein Anspruch auf Leistun
gen, sofern die ordentlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Allfällige Leistungen bemessen sich auf Grund der rückwirkend erhobenen Beiträge. Erhält die betref
fende Person ein Anwesenheitsrecht in der Schweiz (Erteilung einer Aufenthalts
bewilligung, Anerkennung als Flüchtling), wird ihre Stellung gegenüber den Sozialversicherungen normalisiert und die Beiträge werden rückwirkend erhoben. Da sich der rückwirkende Beitragbezug auf höchstens fünf Jahre beschränkt, können bei längeren Aufenthalten (was insbesondere bei der humanitären oder provisorischen Aufnahme vorkommt), Beitragslücken und damit verbundene Leistungseinbussen auftreten. In solchen Fällen ist eine vollkommene Gleich
stellung mit den übrigen Versicherten nicht möglich. Personen, die die Schweiz wieder verlassen, werden mangels Beitragsbezug von der Versicherung überhaupt nicht erfasst.»
3.3
Gemäss dem vorstehend wiedergegebenen Text war dem Gesetzgeber bewusst, dass durch die neue Bestimmung in Art. 14 Absatz
2
bis
AHVG
in gewissen Fällen eine vollkommene Gleichstellung mit den übrigen Versicherten nicht möglich sein würde. Nach Art. 190 BV sind Bundesgesetze und Völkerrecht für das Bun
desgericht und die anderen rechtsanwendenden Behörden massgebend, weshalb nicht zu prüfen ist, ob eine Verletzung von Art. 8 BV vorliegt.
4.
Dass die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine ausserordentliche Rente
der Invalidenversicherung erworben hätte, ist sodann auch nicht ersichtlich (vgl. E. 1.2.2).
5.
Nach dem Gesagten erfüllt die Beschwerdeführerin – würde eine rentenbe
grün
dende Invalidität vorliegen – die versicherungsmässigen Voraussetzungen für eine Invalidenrente nicht, weshalb ihre Beschwerde abzuweisen ist.
6.
6.1
Die Kos
ten des Beschwerdeverfahrens sind auf Fr. 800.-- festzulegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in der Verfügung vom 3. August 2018 jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse
zu nehmen.
6.2
Rechtsanwalt Thomas Grossen, welcher mit Verfügung vom 3. August 2018 als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt wurde,
macht
e mit seiner
Honorarnote vom
12. Juni 2017 (Urk. 10) bis zu diesem Zeitpunkt einen Aufwand von 4 Stun
den und 25
Minuten
sowie Barauslagen von Fr. 20.80 geltend (Urk. 10), was durchaus angemessen erscheint. Allerdings beträgt der zu entschädigende Stun
denansatz für Anwälte Fr. 220.-- (und nicht Fr. 240.--), weshalb ein Aufwand im Betrag von Fr.
9
71.75 (4.417 Stunden à je Fr. 220.--) zu entschädigen ist. Zuzüg
lich Barauslagen von Fr. 20.80 sowie einer Mehrwertsteuer von 8 % auf Fr.
992.55
(= Fr. 79.40) ergibt sich somit eine Entschädigung bis Ende 2017 von Fr.
1
’
071.95
(inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen).
Für das Verfassen der Stellungnahme vom 24. September 2018 (Urk. 15) sowie das Studium der Eingabe der Beschwerdegegnerin vom 15. August 2018 (Urk. 13) ist Rechtsanwalt Thomas Grossen zusätzlich mit Fr. 700.-- (inklusive Mehrwert
steuer von 7.7 % und Barauslagen) zu entschädigen.
Insgesamt ist Rechtsanwalt Thomas Grossen mit Fr. 1'771.95 (inklusive Mehr
wertsteuer und Barauslagen) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
6.3
Die Beschwerdeführerin ist
auf d
ie Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hin
zuweisen
.