Decision ID: 902ca5d9-c186-4e98-8f0e-07d8b79450f5
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision (Einstellung)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 19. Januar 1998 zum Bezug von IV-Leistungen an (act.
G 5.3). Mit Verfügung vom 30. Juni 1998 wurde das Rentengesuch abgewiesen (act.
G 5.25). Noch während des hängigen Rechtsmittelverfahrens stellte der Versicherte am
28. November 2000 ein "Revisionsgesuch/Neuanmeldung" (act. G 5.38).
Letztinstanzlich bestätigte das damalige Eidgenössische Versicherungsgericht die
Verfügung vom 30. Juni 1998 (Entscheid vom 30. April 2001, I 74/01; act. G 5.45).
A.b In Behandlung der Wiederanmeldung vom 28. November 2000 beauftragte die IV-
Stelle die MEDAS Basel mit einer medizinischen Begutachtung des Versicherten. Diese
fand am 5., 6. und 7. November 2001 statt. Im Gutachten vom 6. Mai 2002
diagnostizierten die MEDAS-Experten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein
lumboradikuläres sensibles Ausfall- und Schmerzsyndrom S1 links, eine gegenwärtig
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom sowie ein linksseitiges
zervikobrachiales Syndrom. In der angestammten Tätigkeit als "Arbeiter und
Magaziner" sei der Versicherte gegenwärtig nicht arbeitsfähig. Für leichte körperliche
Arbeiten bestehe gegenwärtig eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 5.63). Gestützt auf
diese medizinische Einschätzung wurde dem Versicherten mit Verfügung vom 20.
Dezember 2002 bei einem Invaliditätsgrad von 56% mit Wirkung ab 1. November 2001
eine halbe Rente zugesprochen (act. G 5.85).
A.c Im Revisionsgesuch vom 13. April 2004 machte der Versicherte eine
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend (act. G 5.97). Dem Gesuch
legte er einen Verlaufsbericht des Hausarztes Dr. med. B._, Facharzt für Innere
Medizin FMH, vom 20. März 2004 bei. Darin hielt der Hausarzt fest, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich wesentlich verschlechtert. Für eine
leidensangepasste Tätigkeit bestehe lediglich eine 10%ige Restarbeitsfähigkeit (act.
G 5.96).
A.d Am 21. Januar 2005 fand im Auftrag der IV-Stelle eine Verlaufsbegutachtung in
der ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH statt. Die ABI-Gutachter
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diagnostizierten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F32.0), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und ein chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Symptomatik (ICD-10: M54.5). Aus psychiatrischer
Sicht habe sich der depressive Zustand des Versicherten deutlich gebessert, was zu
einer Verringerung der Leistungseinschränkung führe. Für körperlich leichte bis
mittelschwere leidensangepasste Tätigkeiten bestehe eine 80%ige Restarbeitsfähigkeit
(act. G 5.113).
A.e Die IV-Stelle ermittelte gestützt auf die Einschätzung der ABI einen
Invaliditätsgrad von 23% und verfügte am 24. Januar 2006 die Einstellung der
Rentenleistungen (act. G 5.123).
A.f Dagegen erhob der Versicherte am 22. Februar 2006 Einsprache (act. G 5.127).
Mit der Einspracheergänzung vom 15. Juni 2006 reichte der Versicherte eine
Stellungnahme des behandelnden Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, vom 14. Juni 2006 ein, worin dieser eine gesundheitliche
Verbesserung verneinte und eine "volle Berentung für gerechtfertigt und notwendig"
hielt (act. G 5.143).
A.g Die IV-Stelle wies die Einsprache mit Entscheid vom 16. August 2006 ab (act.
G 5.146). Dagegen erhob der Versicherte am 18. September 2006 Beschwerde (act.
G 5.148) und reichte im Verlauf des Beschwerdeverfahrens den Bericht der
Psychiatrischen Klinik D._ vom 2. November 2006 ein, wo er vom 11. Juli 2006 bis
2. November 2006 hospitalisiert war. Die dort behandelnden Psychiaterinnen
diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.1), eine somatoforme anhaltende
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und eine Benzodiazepinabhängigkeit. Bei Austritt
wurde dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (act. G 5.155).
Das Versicherungsgericht wies im Entscheid vom 2. November 2007, IV 2006/169, die
Beschwerde ab (act. G 5.163). Die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten
vom 21. Januar 2008 hiess das Bundesgericht gut und wies die Sache zu weiteren
Abklärungen an die IV-Stelle zurück. Es kam zum Schluss, aufgrund der Tatsache des
Eintritts und Aufenthalts in der Psychiatrischen Klinik D._ und der damit verbundenen
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100%igen Arbeitsunfähigkeit sei nicht auszuschliessen, dass noch vor Erlass des
Einspracheentscheids wieder ein Rentenanspruch entstanden sei (Urteil vom 21. Mai
2008, 9C_73/2008, act. G 5.171).
A.h Im Auftrag der IV-Stelle fand am 18. Februar 2009 eine weitere
Verlaufsbegutachtung in der ABI statt. Im Verlaufsgutachten vom 30. März 2009
berichteten die ABI-Experten, dass sich der Gesundheitszustand seit der letzten
Exploration vom 5. September 2005 verschlechtert habe. Sie diagnostizierten mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4) sowie ein chronifiziertes lumbal- und zervikalbetontes
Panvertebralsyndrom mit Tendenz zu Schmerzgeneralisierung und mit
Symptomausweitung (ICD-10: M53.8). Aufgrund der derzeit mittelgradig ausgeprägten
rezidivierenden depressiven Störung bestehe seit dem Datum des Klinikeintritts im Juli
2006 eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50% für leidensangepasste
Tätigkeiten (act. G 5.178).
A.i Im Vorbescheid vom 24. November 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab Juli 2006 in Aussicht (act. G 5.189).
Dagegen erhob der Versicherte am 11. Januar 2010 Einwand und machte geltend,
dass bei der Bestimmung des Invalideneinkommens ein 20%iger Abzug vom
Tabellenlohn gerechtfertigt sei (act. G 5.190).
A.j Nach einer Rücksprache mit dem Rechtsdienst (vgl. zur Stellungnahme des
Rechtsdienstes vom 9. Februar 2010 act. G 5.191) erliess die IV-Stelle einen neuen
Vorbescheid, worin sie das Bestehen eines Rentenanspruchs ab März 2006 verneinte,
da die vorliegende psychiatrische Diagnose keine Komorbidität zur somatoformen
Schmerzstörung begründe, die eine anspruchsbegründende Leistungseinschränkung
annehmen liesse. Es sei daher in psychischer Hinsicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Aus somatischen Gründen sei eine Arbeitsfähigkeit von 80% gegeben.
Die Renteneinstellung per Ende Februar 2006 sei daher zu Recht erfolgt (act. G 5.203).
Dagegen erhob der Versicherte am 20. Oktober 2010 Einwand (act. G 5.204). Die IV-
Stelle verfügte am 25. Oktober 2010 die Einstellung der Rente per Ende Februar 2006
(act. G 5.205).
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B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
25. November 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer Invalidenrente. Er
bringt unter Hinweis auf die medizinische Aktenlage im Wesentlichen vor, dass das
depressive Leidensbild ein eigenständiges sei und nicht bloss eine Folgeerscheinung
der somatoformen Schmerzstörung (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 19. Januar
2011 die Abweisung der Beschwerde. Sie hält daran fest, dass die depressive
Problematik des Beschwerdeführers kein eigenständiges Leiden darstelle und auch die
übrigen Voraussetzungen für die Annahme einer ausnahmsweisen invalidisierenden
Wirkung der somatoformen Schmerzstörung nicht erfüllt seien. Ferner sei die
depressive Symptomatik durch psychosoziale Faktoren geprägt. Der
Beschwerdeführer "regt sich vor allem darüber auf, dass er nicht genug Geld hat". Da
es sich bei der Feststellung einer Komorbidität um eine Rechtsfrage handle, könne von
den medizinischen Einschätzungen abgewichen werden (act. G 5).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 20. Januar 2011 wurde dem Gesuch des
Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 6).
B.d In der Replik vom 15. April 2011 hält der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
fest und bringt vor, dass sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert habe (act.
G 12). Mit der Replik reicht er weitere medizinische Berichte ein (Bericht der Abteilung
Pneumologie des KSSG vom 25. Oktober 2010 mit der Diagnose einer akuten
Exazerbation einer chronischen depressiven Verstimmung und einer mittelschweren
obstruktiven Ventilationsstörung, act. G 12.3; Bericht des Hausarztes vom 10. Februar
2011, worin dieser den aktuellen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
beschreibt, act. G 12.4). Im Bericht vom 21. Februar 2011 führt der behandelnde
Psychiater aus, dass sich die depressive Störung des Beschwerdeführers über viele
Jahre und durch verschiedene traumatische Ereignisse entwickelt habe. Aktuell sei die
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depressive Symptomatik als schwer zu bezeichnen (act. G 12.1). Ergänzend berichtete
er in der beigelegten Stellungnahme vom 23. März 2011, dass sich die Depressionen
über einen langen Zeitraum vor den körperlichen Beschwerden entwickelt hätten (act.
G 12.2).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen:
1.
Das Bundesgericht bestätigte die Rentenaufhebung per Ende Februar 2006 im
Entscheid vom 21. Mai 2008, 9C_73/2008, und wies die Angelegenheit lediglich zur
Prüfung eines allfälligen Wiederauflebens der Rentenleistungen mit Blick auf den
Klinikeintritt vom 11. Juli 2006 an die Beschwerdegegnerin zurück (E. 5.1 f., act.
G 5.1.171-6 f.). Die in der angefochtenen Verfügung vorgenommene Renteneinstellung
per Ende Februar 2006 ist daher nicht zu beanstanden, zumal diese vom
Beschwerdeführer nicht bestritten wird (vgl. act. G 1 sowie act. G 5.1.190). Zu prüfen
ist vorliegend indessen ein allfälliges Wiederaufleben des Rentenanspruchs im
Zusammenhang mit dem Eintritt in die Psychiatrische Klinik D._ vom 11. Juli 2006.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) sowie des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die im Zeitpunkt gegolten
haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht
hat (vgl. BGE 130 V 445; BGE 127 V 466 E. 1; BGE 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Daher ist der vorliegend zu beurteilende Rentenanspruch für die Zeit bis zum
31. Dezember 2007 auf Grund der bisherigen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen
Normen zu prüfen. Sofern nicht ausdrücklich anders erwähnt, werden nachfolgend die
seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben.
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1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet
sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
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Zwischen den Parteien ist umstritten, ob Anhaltspunkte bestehen, die ein Abweichen
von der versicherungsmedizinischen Bescheinigung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit
durch die ABI-Experten (Verlaufsgutachten vom 30. März 2009, act. G 5.178)
rechtfertigen.
2.1 Grundsätzlich bedarf es für die Annahme eines invalidisierenden
Gesundheitsschadens einer fachärztlichen, lege artis auf die Vorgaben eines
Klassifikationssystems abgestützten Diagnose. Im Rahmen der freien
Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht - weder
über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizinischen
Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschätzungen und
Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Die
rechtsanwendenden Behörden haben mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die
ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte
(insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt,
die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus unbeachtlich sind. Wo
psychosoziale Einflüsse das Bild prägen, ist bei der Annahme einer
rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (Urteil des Bundesgerichts vom
30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.1 mit Hinweisen). Nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung kann auch die Diagnose einer mittelschweren depressiven Episode
eine Invalidität begründen (Urteile des Bundesgerichts vom 30. März 2011,
9C_1041/2010, E. 5.2, und vom 20. Juni 2011, 9C_980/2010, E. 5.3).
2.2 Die ABI-Experten begründeten die 50%ige Arbeitsunfähigkeit einzig mit der
Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD-10: F33.1) und nicht mit der ebenfalls gestellten Diagnose einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45.4; Verlaufsgutachten vom
30. März 2009, act. G 5.178-14 ff.). Deshalb kann die Frage offen gelassen werden, ob
das depressive Leiden eine Komorbidität der somatoformen Schmerzstörung darstellt,
denn es ist einzig die Erheblichkeit des depressiven Leidens (vgl. hierzu vorstehende
E. 2.1) zu prüfen. Der Vollständigkeit halber ist zu bemerken, dass allein schon mit Blick
auf die Reihenfolge der Diagnosen (an erster Stelle wird das depressive Leiden
genannt, act. G 5.178-20) und die Begründung der Arbeitsunfähigkeit ausschliesslich
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unter Hinweis auf die depressive Problematik (act. G 5.178-16) nicht von einer blossen
Begleiterscheinung zum Schmerzleiden gesprochen werden kann. Im Übrigen hielt der
RAD in der Stellungnahme vom 5. Juli 2010 fest, dass eine mittelgradige Depression
die Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht - unabhängig von einer somatoformen
Schmerzstörung - um 50% mindern könne (act. G 5.193).
2.3 Zunächst ist zu präzisieren, dass der Beschwerdeführer nicht bloss an einer
mittelgradigen depressiven Episode leidet, sondern primär an einer rezidivierenden
depressiven Störung, die zurzeit mittelgradig ausgeprägt ist (act. G 5.193). Der
psychiatrische ABI-Verlaufsgutachter spricht denn auch bei der Beurteilung wiederholt
von "einer depressiven Störung" und nicht von einer Episode (act. G 5.178-15). Damit
geht einher, dass auch die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vom
19. Januar 2011 den Begriff einer mittelgradigen depressiven "Störung" verwendet (act.
G 5, Rz 2.2, S. 3). Es ist daher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
mittelschweren depressiven Störung und nicht bloss von einer Episode auszugehen.
Mit anderen Worten besteht keine lediglich vorübergehende depressive Problematik,
was durch das langjährige depressive Leiden des Beschwerdeführers (bereits im
MEDAS-Gutachten vom 6. Mai 2002 wurde mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
depressive Erkrankung diagnostiziert, act. G 5.63-9) bestätigt wird.
2.4 Zwar sind psychosoziale Faktoren (finanzielle Schwierigkeit und geografische
Distanz zur Familie, act. G 5.178-15) vorhanden, hingegen schliesst dies für sich allein
einen invalidisierenden Befund nicht aus. Gemäss Rechtsprechung trifft dies nur dann
zu, wenn die festgestellte psychische Krankheit ihre hinreichende Erklärung in
psychosozialen und soziokulturellen Umständen findet und gleichsam in ihnen aufgeht
(Urteil des Bundesgerichts vom 30. März 2011, 9C_1041/2010, E. 5.2 mit Hinweis).
Dies ist vorliegend indessen nicht der Fall. Der Beschwerdeführer war Opfer mehrerer
negativer Erlebnisse (zu deren nachvollziehbarer psychiatrischer Würdigung vgl. den
Bericht des behandelnden Psychiaters vom 21. Februar 2011, act. G 12.1). Zunächst
konnte er nach Absolvierung der Primarschule wegen geringer finanzieller Verhältnisse
des Vaters keine weitere Schulausbildung absolvieren, obschon er dies gerne getan
hätte (act. G 5.63-19). Des Weiteren sei er 1987 vom damaligen Arbeitgeber zu Unrecht
einer fahrlässigen Brandstiftung beschuldigt und es sei ihm gegenüber eine
beträchtliche Schadenersatzforderung geltend gemacht worden (act. G 12.1, G 5.113-8
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sowie G 5.178-12). 1989 erlitt er einen Spontanpneumothorax (act. G 12.1 und
G 5.178-11). Ferner erlitt er einen Autounfall 1992 und hatte danach schwere
Albträume (act. G 12.1; zum Unfall vgl. auch act. G 5.178-11). An seiner letzten
Arbeitsstelle wurde der Beschwerdeführer nach seinen Angaben vom Vorgesetzten
schikaniert. Schliesslich wurde dem Beschwerdeführer aufgrund des - von ihm
bestrittenen - Vorwurfs der Kassenmanipulation gekündigt (act. G 12.1 und
G 5.178-12). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass es ohne weiteres nachvollziehbar
ist, wenn Personen, die bereits an depressiv bedingten Beeinträchtigungen ihrer
psychischen Ressourcen leiden, durch einschneidende psychosoziale Umstände sich
zusätzlich belastet fühlen. Es erscheint daher der Sache nicht angemessen, jegliche
invalidisierende Wirkung zu verneinen, sobald auch psychosoziale oder soziokulturelle
Belastungsfaktoren vorhanden sind. Vorliegend fällt weiter ins Gewicht, dass die
depressive Störung bereits seit Jahren besteht (act. G 5.178-15), mithin nicht bloss
einem vorübergehend ausgeprägten Verstimmungszustand gleichkommt. Vor diesem
Hintergrund besteht kein Anlass, von der Einschätzung im Verlaufsgutachten vom
30. März 2009 abzuweichen, zumal es unbestrittenermassen sämtliche Anforderungen
an beweiskräftige Gutachten erfüllt und auch der RAD die ABI-Beurteilung
"versicherungsmedizinisch" bestätigte (Stellungnahme vom 28. Mai 2009, act.
G 5.179-2). Insbesondere hielt dieser am 5. Juli 2010 ergänzend fest, dass eine
mittelgradige Depression die Arbeitsfähigkeit aus medizinischer Sicht - unabhängig von
einer somatoformen Schmerzstörung - um 50% mindern könne. Zudem passe es
durchaus ins Bild einer Depression, wenn der Beschwerdeführer temperamentvoll über
seine finanzielle Situation klage (act. G 5.193).
3.
Ausgehend von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit verbleibt damit die Bestimmung
des Invaliditätsgrads. Wie das Versicherungsgericht bereits im Entscheid vom
2. November 2007 zum Schluss kam und von den Parteien nicht bestritten ist, ist mit
Blick auf die fehlende aussagekräftige konkrete Grundlage für die Bestimmung des
Valideneinkommens wie beim Invalideneinkommen auf die Tabellenlöhne abzustellen
(E. 3c des Entscheids IV 2006/169, act. G 5.162-19 f.). In derartigen Fällen, wo zur
Bestimmung des Validen- und Invalideneinkommens dieselbe Vergleichsgrösse
herangezogen wird, kann ein sogenannter Prozentvergleich vorgenommen werden.
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Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter
Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom
9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit Hinweis). Mangels veränderter Umstände besteht
kein Anlass, von dem im Entscheid IV 2006/169 E. 3c (act. G 5.162-19) gewährten
Tabellenlohnabzug von 15% abzuweichen. Unter Berücksichtigung eines 15%igen
Abzugs resultiert bei einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit ein Invaliditätsgrad von
aufgerundet 58% (50% + [50% x 0,15]). Damit hat der Beschwerdeführer einen
Anspruch auf eine halbe Rente.
4.
Was den Beginn der Rente anbelangt, so gilt es aArt. 29 IVV (in der bis 31. Dezember
2007 gültigen Fassung) zu berücksichtigen. Gemäss dieser Bestimmung werden bei
der Berechnung der einjährigen Wartezeit nach aArt. 29 Abs. 1 IVG (in der bis 31.
Dezember 2007 gültigen Fassung) früher zurückgelegte Zeiten angerechnet, wenn eine
Rente nach Verminderung des Invaliditätsgrades aufgehoben wurde, aber in den drei
darauf folgenden Jahren die auf dasselbe Leiden zurückzuführende Arbeitsunfähigkeit
erneut ein rentenbegründendes Ausmass erreicht. aArt. 29 IVV zielt darauf ab, dass
beim Wiederaufleben der Invalidität nach Aufhebung der Rente eine versicherte Person
unter bestimmten Voraussetzungen (zeitlicher Konnex zwischen Aufhebung der Rente
und Wiederanmeldung; Arbeitsunfähigkeit in rentenbegründendem Ausmass bedingt
durch gleiches Leiden) die im Rahmen der erstmaligen Rentenzusprechung bereits
bestandene Wartezeit nicht ein zweites Mal erfüllen muss (BGE 117 V 24 f. E. 3a; vgl.
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 22. August 2001, I 11/00, E. 3c-
d mit Hinweisen). Die ABI-Gutachter bescheinigten dem Beschwerdeführer - nach einer
vorübergehenden gesundheitlichen Verbesserung - mit dem Eintritt in die
Psychiatrische Klinik D._ ab Juli 2006 eine Verschlechterung des
Gesundheitszustands (act. G 5.178-22). Der Beginn der wiederaufgelebten Rente (zum
unbestrittenen Zeitraum eines nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrads ab
September 2005 vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 21. Mai 2008, 9C_73/2008, E. 5.1,
act. G 5.171-6) ist damit mit den Parteien auf Juli 2006 festzusetzen (Vorbescheid vom
24. November 2009, act. G 5.189; vgl. auch Einwand vom 11. Januar 2010, act.
G 5.190). Zu beachten ist, dass der Beschwerdeführer vom 11. Juli bis 2. November
bis
bis
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2006 stationär in der Psychiatrischen Klinik D._ behandelt wurde und während dieser
Zeit deshalb keine verwertbare Resterwerbsfähigkeit bestand (vgl. Austrittsbericht der
Psychiatrischen Klinik D._ vom 2. November 2006, act. G 5.155). Somit hat der
Beschwerdeführer für die Zeit ab Juli 2006 einen Anspruch auf eine ganze Rente. Da
mit dem Austritt aus der stationären Behandlung am 2. November 2006 eine
Verwertbarkeit der gutachterlich bescheinigten Resterwerbsfähigkeit wieder zumutbar
war, ist unter Berücksichtigung der dreimonatigen Frist von Art. 88a Abs. 1 IVV die
Rente per 1. März 2007 auf eine halbe Rente herabzusetzen.
5.
5.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 25. Oktober
2010 insoweit aufzuheben, als dem Beschwerdeführer mit Wirkung ab 1. Juli 2006 eine
ganze und ab 1. März 2007 eine halbe Rente zuzusprechen ist. Die Sache ist zur
Festsetzung der Rentenhöhe sowie zur Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Bei diesem Ausgang erübrigt sich
die Festlegung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen
Rechstverbeiständung.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP