Decision ID: 7f78ecec-8779-4186-a0a7-04bbb88b275c
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) erhielt am 17. Januar 2017 von Dr. med. B._,
X._ AG, das Präparat Nebido als Injektionslösung verabreicht (act. G 5.3/2). Am 20.
Februar 2017 ersuchte Dr. B._ bei Dr. med. C._, Vertrauensarzt der ÖKK Kranken-
und Unfallversicherungen AG (nachfolgend: ÖKK), um Kostenübernahme für das
Medikament Nebido unter Verweis auf die Diagnosen primärer und sekundärer
Hypogonadismus sowie Diabetes mellitus. Dem Kostenübernahmegesuch legte Dr.
B._ die Resultate einer Laboruntersuchung vom 10. Januar 2017 bei, bei welcher
unter anderem die Testosteronwerte des Versicherten bestimmt worden waren (act. G
5.3/3). Mit Schreiben vom 28. Februar 2017 teilte Dr. C._ Dr. B._ mit, dass die
Diagnose eines primären oder sekundären Hypogonadismus ohne Erklärungen und
ohne Anamnese natürlich nicht ganz nachvollziehbar sei. Insbesondere liefere die
einmalige Laboruntersuchung vom 10. Januar 2017 zwar einen Hinweis, gebe jedoch
keine Sicherheit bezüglich des Vorliegens der Diagnose (act. G 5.3/4). Am 3. März 2017
informierte Dr. B._ Dr. C._ darüber, dass der Versicherte einen Diabetes indizierten
Hypogonadismus habe, der nach den neuesten Guidelines zu behandeln sei (act. G
5.3/5). Mit Schreiben vom 10. März 2017 teilte die ÖKK Dr. B._ mit, dass sie das
Gesuch um Kostenübernahme erneut sorgfältig geprüft habe, jedoch an ihrem
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Entscheid vom 28. Februar 2017 festhalte. Sie lehne die Kostenübernahme für eine
Testosteron-Therapie mit Nebido aus der obligatorischen Krankenpflegeversicherung
sowie aus der Zusatzversicherung ab (act. G 5.3/6).
A.b Am 5. Mai 2017 ersuchte der Versicherte die ÖKK um Erlass einer
einsprachefähigen Verfügung (act. G 5.3/7), woraufhin die ÖKK das Dossier erneut
ihrem vertrauensärztlichen Dienst für eine umfassende medizinische Beurteilung
vorlegte (act. G 5.3/8 und 9). Pract. med. D._, Vertrauensarzt SGV, führte am 26. Mai
2017 aus, dass das Medikament Nebido in der Spezialitätenliste (SL) des Bundesamtes
für Gesundheit (BAG) figuriere und in dieser mit einer sogenannten Limitatio belegt sei.
Diese besage, dass ein Hypogonadimus vorliegen müsse und eine vorgängige
Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers erfolgt sein
müsse. Die Limitatio sei vorliegend in zweierlei Hinsicht nicht erfüllt. Einerseits sei
nachweislich kein vorgängiges Kostengutsprachegesuch zur Vergütung des
Medikaments eingereicht worden. Andererseits sei ein Hypogonadimus unter
Berücksichtigung der in einem Übersichtsartikel im Swiss Medical Forum 2015
enthaltenen Ausführungen medizinisch wissenschaftlich nicht nachvollziehbar, da die
üblichen diagnostischen Schritte nicht objektiv ausgewiesen seien. Für die
Anerkennung der Diagnose benötige es als Mindestvoraussetzung einen objektiven
Nachweis, dass die Testosteronwerte im Serum erniedrigt seien. Lege artis werde die
Bestimmung des Testosterons in zwei unabhängigen Untersuchungen zum gleichen
Tageszeitpunkt in den frühen Morgenstunden durchgeführt. Beim Nachweis
erniedrigter Testosteronwerte seien weitere differentialdiagnostische Überlegungen
anzustellen respektive umfassendere Untersuchungen bei einem Endokrinologen in die
Wege zu leiten. Vorliegend könne die Diagnose vertrauensärztlich nicht bestätigt
werden. Eine Vergütungspflicht der obligatorischen Krankenversicherung bestehe nicht
(act. G 5.3/10). Am 24. November 2017 verfügte die ÖKK die Abweisung der
Kostenübernahme für das Medikament Nebido, da die in der SL enthaltene Limitatio
nicht erfüllt sei (act. G 5.3/12).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte durch Rechtsanwalt Dr. utr. iur. K.
Glavas, Muolen, am 20. Dezember 2017 Einsprache erheben mit der Begründung, er
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benötige gemäss der Beurteilung von Dr. B._ die Behandlung mit Nebido, da er
zuckerkrank sei und sich das Medikament am besten eigne, um die Behandlung
wirtschaftlich, zweckmässig und kostengünstig zu verfolgen (act. G 5.3/13). In einer
Ergänzung der Einsprachebegründung vom 18. Januar 2018 liess der Versicherte durch
seinen Rechtsvertreter ausführen, dass seit der Beurteilung von Dr. C._ fast ein Jahr
vergangen sei und er davon ausgehe, dass die umstrittene Diagnose habe verifiziert
werden können. Aus diesem Grund schlage er vor, Dr. med. E._, Urologie FMH, mit
der Beurteilung zu befassen. Zudem liess er der ÖKK von Dr. B._ erhaltene Literatur
weiterleiten (act. G 5.3/18).
B.b Am 31. Januar 2018 nahm pract. med. D._ zu den seitens des Versicherten
eingereichten Unterlagen Stellung. Er hielt fest, dass sich den neu eingebrachten
Dokumenten keine medizinischen Argumente dafür entnehmen liessen, dass die
Limitatio der SL erfüllt sei. Ob die Diagnose eines primären oder sekundären
Hypogonadismus gestellt werden könne, sei keine zeitlich bedingte Frage, sondern
eine Frage der üblicherweise durchgeführten medizinischen Stufendiagnostik. Die vom
Versicherten beigelegten Studien seien nicht zielführend, da die Wirksamkeit einer
externen Testosteron-Substitution nicht zur Diskussion stehe. Vielmehr stelle sich die
Frage, ob die vom BAG formulierte Limitatio erfüllt sei. Diese Limitatio sei als nicht
erfüllt zu beurteilen, da die Diagnose eines primären oder sekundären
Hypogonadismus beim Versicherten nicht mit der notwendigen medizinischen Sorgfalt
ausgewiesen sei (act. G 5.3/20).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 12. März 2018 lehnte die ÖKK die Einsprache unter
Verweis auf die vertrauensärztliche Beurteilung von pract. med. D._ ab (act. G
5.3/21).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 26. April 2018 Beschwerde
erheben mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene Einspracheentscheid sei
aufzuheben und die ÖKK (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, die
Kostengutsprache für die Testosteronbehandlung mit Nebido zu vergüten. Eventualiter
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sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Streitsache an die
Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie nach Abklärung der medizinischen
Voraussetzungen über die Kostengutsprache neu entscheide; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
C.b Am 9. Mai 2018 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter einen
Bericht von Dr. E._ vom 10. April 2018 (act. G 3.1) einreichen (act. G 3). Dieser hatte
darin festgehalten, dass aus den ihm zur Verfügung stehenden Unterlagen ein
sekundärer Hypogonadismus an sich bewiesen sei, wenn ihm allerdings auch nur eine
einmalige Bestimmung von Testosteron bzw. freiem Testosteron vorliege. Das ganze
klinische Bild mit Diabetes, Depression und Burnoutsymptomatik passe sehr wohl zu
einem Hypogonadismus, sodass die Testosteroninjektionen mit einer entsprechenden
Besserung der Symptomatik wohl lege artis sein dürften. Um dem seitens der
Krankenversicherung gewünschten Formalismus nachzukommen, empfehle er, die
Testosteronbestimmung mit den Gonadotropinen zwei Mal durchzuführen, wie es in
den Guidelines empfohlen sei (act. G 3.1).
C.c In ihrer Beschwerdeantwort vom 24. Mai 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher
Entschädigungsfolge (act. G 5).
C.d Am 9. August 2018 liess der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter
beantragen, das gerichtliche Verfahren sei zu sistieren bis eine zweite
Laboruntersuchung durchgeführt worden sei (act. G 9). Am 14. August 2018 teilte der
verfahrensleitende Richter den Parteien mit, dass er ohne Gegenbericht bis zum 24.
August 2018 dem Vorschlag des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers Folge geben
werde (act. G 10). Am 4. Dezember 2018 hob der verfahrensleitende Richter die
Verfahrenssistierung auf (act. G 11).
C.e In seiner Replik vom 17. Dezember 2018 liess der Beschwerdeführer die
Ergebnisse von zwei weiteren Laboruntersuchungen vom 26. März und 11. Dezember
2018 einreichen und sinngemäss an seinen bisherigen Anträgen festhalten. Neu liess er
beantragen, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die Untersuchungskosten,
welche die umstrittene Diagnose bestätigten, zu übernehmen (act. G 12).
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C.f In ihrer Duplik vom 25. Januar 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren in der
Beschwerdeantwort gestellten Anträgen fest (act. G 14). Weiter reichte sie
medizinische Fachliteratur (act. G 14.1 ff.) sowie eine versicherungsmedizinische
Beurteilung von Dr. C._ vom 14. Januar 2019 ein. Darin war dieser weiterhin davon
ausgegangen, dass die diagnostischen Kriterien für das Stellen der Diagnose
Hypogonadismus nicht eingehalten worden seien (act. G 14.4).
C.g Mit Schreiben vom 10. April 2019 (act. G 16) liess der Beschwerdeführer durch
seinen Rechtsvertreter die Resultate einer weiteren Laboruntersuchung vom 27. März
2019 einreichen (act. G 16.2). Überdies liess er dem Versicherungsgericht eine
Stellungnahme von Dr. B._ vom 5. April 2019 zukommen, wonach aus dem letzten
Laborbericht ersichtlich sei, dass sich der Beschwerdeführer in einem schweren
Hypogonadismus befinde (act. G 16.1).

Erwägungen
1.
Gegenstand dieses Verfahrens bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die
Übernahme der Kosten für die Testosteronbehandlung mit Nebido zu Recht abgelehnt
hat.
2.
Gemäss Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10) übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten für die
Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen
dienen. Für sämtliche Leistungen wird dabei vorausgesetzt, dass sie wirksam,
zweckmässig und wirtschaftlich sein müssen (Art. 32 Abs. 1 KVG). Die von der
Krankenversicherung zu übernehmenden Leistungen umfassen unter anderem auch die
ärztlich verordneten Arzneimittel (Art. 25 Abs. 2 lit. b KVG). Allerdings werden – von
einigen Ausnahmen abgesehen (vgl. insbesondere Art. 71b und 71c der Verordnung
über die Krankenversicherung [KVV, SR 832.102]) – grundsätzlich nur diejenigen
pharmazeutischen Spezialitäten und konfektionierten Arzneimittel vergütet, die in der
sogenannten Spezialitätenliste (SL) des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) aufgeführt
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sind (vgl. Art. 52 Abs. 1 lit. b KVG; BGE 139 V 377 E. 4.2; Gebhard Eugster,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum KVG, in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile
Cardinaux (Hrsg.), Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
2. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2018, N 33 zu Art. 25). Die SL kann für ein Produkt zusätzlich
eine Limitierung vorsehen, die sich insbesondere auf die Menge oder die medizinischen
Indikationen beziehen kann (vgl. Art. 73 KVV). Diesfalls sind die pharmazeutischen
Spezialitäten – wiederum von einigen Ausnahmen abgesehen (vgl. insbesondere Art.
71a KVV) – nur im Rahmen der in der SL enthaltenen Indikationen und
Anwendungsvorschriften kassenpflichtig (BGE 142 V 327 ff. mit Hinweis; Gebhard
Eugster, a.a.O., N 36 zu Art. 25).
3.
3.1 Das Präparat Nebido ist unbestrittenermassen in der SL enthalten und zwar mit
folgender Limitation: "Primärer und sekundärer Hypogonadismus. Vorgängige
Kostengutsprache durch den Vertrauensarzt des Krankenversicherers" (vgl. act. G
5.3/1). Weiter steht fest, dass Dr. B._ das Medikament dem Beschwerdeführer
bereits am 17. Januar 2017 (act. G 5.3/2) und somit noch vor der Einreichung des
Kostenübernahmegesuchs vom 20. Februar 2017 (act. G 5.3/3) verabreicht hat. Da im
vorliegenden Fall eine vorgängige Kostengutsprache durch einen Vertrauensarzt gefehlt
hat, ist die in der SL vorgesehene Limitation nicht vollumfänglich erfüllt. Folglich stellt
sich die Frage, ob der Beschwerdeführer das Recht auf die Vergütung des
Medikaments Nebido allein aus formellen Gründen verwirkt hat.
3.2 Das Bundesgericht hat diesbezüglich festgehalten, dass keine eigentliche
Limitierung i.S.v. Art. 73 KVV vorliege, wenn die SL für die Arzneimittelabgabe die
vorgängige Zustimmung des Vertrauensarztes verlange (BGE 129 V 42 f. E. 5.3.2;
Gebhard Eugster, a.a.O., N 39 zu Art. 25). In einem älteren Entscheid hat es implizit
zum Ausdruck gebracht, dass eine Vorschrift zur vorgängigen Einholung einer
Kostengutsprache zwar durchaus zweckmässig sei, indem sie den
Krankenversicherern die Möglichkeit zur Prüfung der medizinischen Indikation und der
Wirtschaftlichkeit einer Leistung einräume, sich ihr Zweck aber letztlich auch darin
erschöpfe. Das Bundesgericht hat in diesem Fall nämlich trotz fehlender vorgängiger
Kostengutsprache die medizinische Indikation der Behandlung sowie deren
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Wirtschaftlichkeit überprüft und die Kostenübernahmepflicht der Krankenversicherung
letztlich bejaht (RKUV 1984 Nr. K 566 S. 26 ff.). Demnach ist davon auszugehen, dass
ein verspätet eingereichtes Kostengutsprachegesuch nicht zur Verwirkung des
Anspruchs führt. Dies erscheint auch insofern richtig, als in einem Notfall eine
Behandlung ohne vorgängige Kostengutsprache möglich sein muss. Die
Beschwerdegegnerin kann die Übernahme der Kosten für die Testosteronbehandlung
des Beschwerdeführers somit nicht gestützt auf das fehlende
Kostengutsprachegesuch ablehnen.
4.
4.1 Weiter ist zu prüfen, ob die Verabreichung des Medikaments entsprechend der von
der SL festgelegten Indikation erfolgt ist. Mit anderen Worten stellt sich die Frage, ob
beim Beschwerdeführer die Diagnose Hypogonadismus vorliegt.
4.2 Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht
haben aufgrund des im Sozialversicherungsprozess herrschenden
Untersuchungsgrundsatzes von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung
des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Der Untersuchungsgrundsatz gilt
indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der
Parteien (Art. 43 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]; BGE 122 V 158 E. 1a, je mit Hinweisen).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen
mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der
Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn
es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund
einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Art. 61 lit. c ATSG;
BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen). Das Gericht darf eine Tatsache nur dann als
bewiesen annehmen, wenn es von ihrem Bestehen überzeugt ist. Es hat seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
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eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 130 III 324 f. E. 3.2 und
3.3 und 138 V 221 E. 6). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten (Art. 61 lit. c ATSG; BGE 125 V
352, E. 3a mit Hinweis; zum Ganzen Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 16. Mai 2018, KV 2016/8, E. 2.5 ff.). Um einen medizinischen
Sachverhalt beurteilen zu können, ist die Verwaltung – und im Beschwerdefall das
Gericht – auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (vgl. dazu BGE 125 V 261 E. 4; BGE 115 V
134 E. 2)
4.3 Während Dr. B._ schon gestützt auf die erste Laboruntersuchung vom 10. Januar
2017 die Ansicht vertreten hat, die Diagnose Hypogonadismus liege vor (vgl. act. G
5.3/3 und 5), haben die Vertrauensärzte Dr. C._ und pract. med. D._ sich auf den
Standpunkt gestellt, eine einzige Laboruntersuchung sei entsprechend den
einschlägigen Guidelines nicht ausreichend, um die Diagnose stellen zu können
(vgl. act. G 5.3/4 und 10). Auch Dr. E._ bringt im vom Beschwerdeführer
eingereichten Bericht vom 10. April 2018 zum Ausdruck, dass die medizinischen
Guidelines eine zweimalige Bestimmung normabweichender Testosteronwerte
vorsähen, um die Diagnose eines Hypogonadismus stellen zu können (act. G 3.1). Aus
diesem Grund hat sich der Beschwerdeführer im März und Dezember 2018 weiteren
Laboruntersuchungen unterzogen (act. G 12.1). Auch unter Berücksichtigung der
weiteren Laborergebnisse hat Dr. C._ in seiner Stellungnahme vom 14. Januar 2019
noch immer Zweifel am Vorliegen eines Hypogonadismus geäussert. So hat er
ausgeführt, dass der Testosterontotalwert objektiv gesehen, mit oder ohne Substitution
beim Beschwerdeführer im Normbereich liege. Es sei lediglich ein erniedrigter Wert des
freien Testosterons vorhanden, wobei diese Diskrepanz von den behandelnden Ärzten
nicht nachvollziehbar abgeklärt respektive erklärt worden sei. Dies sei insbesondere
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deswegen zu bemängeln, da sich der Wert auch unter der Substitutionstherapie nicht
normalisiert habe. Im Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass Laboruntersuchungen, die
unter einer Hormontherapie vorgenommen worden seien, eine Veränderung aufwiesen
und nicht als primär diagnostische Werte betrachtet werden könnten. Die Tatsache,
dass die Testosteronwerte mit und ohne Therapie praktisch normwertig seien, während
sich die freien Testosteronwerte mit und ohne Therapie im tiefen Bereich bewegten,
bleibe grundsätzlich erklärungsbedürftig. Diesbezüglich fehlten Untersuchungen zu den
Eiweissanteilen, welche Testosteron im Blut binden würden. Auch die vom
Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren nachgereichten Dokumente vermöchten
die damals eingeleitete Therapie nicht als korrekt und notwendig zu bestätigen (act. G
14.4). Diese Ausführungen von Dr. C._ lassen Zweifel am Bestehen der Diagnose
Hypogonadismus aufkommen. Dazu kommt, dass die Akten keine Anhaltpunkte dafür
liefern, dass neben Dr. B._ auch ein anderer Arzt die fragliche Diagnose beim
Beschwerdeführer gestellt hat. Namentlich kann nicht behauptet werden, Dr. E._
habe die Diagnose bestätigt, da dieser nach den weiteren Laboruntersuchungen keine
Stellungnahme mehr abgegeben hat (vgl. act. G 3.1). Das Gericht, bestehend aus
medizinischen Laien, vermag nicht gestützt auf die vorhandenen Laborwerte über das
Vorliegen der Diagnose zu befinden, zumal aus den medizinischen Berichten nicht klar
hervorgeht, welches die für die Diagnosestellung einschlägigen Parameter (z.B.
Gesamttestosteron oder freies Testosteron) sind und in den medizinischen Berichten
auf unterschiedliche Guidelines verwiesen wird. Vielmehr ist es Aufgabe der Ärztinnen
und Ärzte, die Laborwerte zu interpretieren und gestützt darauf über das Vorliegen
eines Hypogonadismus zu befinden (vgl. E. 4.2). Dr. C._ hat zu Recht darauf
hingewiesen, dass hierfür auch die laufende Testosteronbehandlung relevant sein
könnte (vgl.act. G 14.4). Den Akten lässt sich, soweit ersichtlich, nicht entnehmen, bis
wann die Testosteronbehandlung stattgefunden hat und wann sie allenfalls wieder
abgesetzt worden ist. Darüber wird Dr. B._ bzw. der Beschwerdeführer allenfalls
noch genauer zu befragen sein. Die Interpretation allfälliger Differenzen in den
Laborbefunden, auf welche Dr. C._ hingewiesen hat, fällt ebenfalls in den
Aufgabenbereich von Ärztinnen und Ärzten. Auch muss ärztlicherseits festgestellt
werden, welche weiteren Untersuchungen notwendig sind, um die Diagnose eines
Hypogonadismus bestätigen oder ausschliessen zu können (vgl. E. 4.2). Die
Beschwerdegegnerin kann ihre Leistungspflicht jedoch nicht einfach unter Hinweis auf
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ungenügende Abklärungen seitens des behandelnden Arztes bzw. aufgrund
ungeklärter Diskrepanzen in den Laborbefunden verneinen. Vielmehr ist sie gestützt auf
den Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, soweit möglich, einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (vgl. Art. 43 Abs. 1 ATSG; E. 4.2). Beweislosigkeit darf erst dann
angenommen werden, wenn es sich als unmöglich erweist, einen solchen Sachverhalt
festzustellen (vgl. E. 4.2). Ist die Beschwerdegegnerin gestützt auf die kreisärztlichen
Ausführungen vom Bestehen eines Hypogonadisums noch nicht überzeugt gewesen,
so hätte sie vor der Ablehnung des Leistungsgesuchs weitere medizinische
Abklärungen in Auftrag geben oder den Beschwerdeführer bzw. dessen behandelnden
Arzt zu weiteren Abklärungen anhalten müssen. Indem sie dies unterlassen hat, hat sie
den Einspracheentscheid in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes erlassen,
weshalb dieser als rechtswidrig aufzuheben ist. Die Sache ist zur weiteren Abklärung
und zur neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Bei der neuen Beurteilung wird die Beschwerdegegnerin auch die
Laboruntersuchung vom 27. März 2019 zu berücksichtigen haben, zu welcher sich,
soweit ersichtlich, noch kein Vertrauensarzt geäussert hat (vgl. act. G 16.2).
5.
5.1 Zusammenfassend ist die Beschwerde einzelrichterlich (Art. 17 Abs. 2 Satz 4 des
Gerichtsgesetzes des Kantons St. Gallen [sGS 941.1] i.V.m. Art. 10 Abs. 2 und Art. 18
des Reglements über die Organisation und den Geschäftsgang des
Versicherungsgerichts [OrgR; sGS 941.114]) insofern gutzuheissen, als der
angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung
und zur neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
5.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Eine Rückweisung zur weiteren Abklärung ist als
volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu betrachten (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
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auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (vgl. Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt
das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS 963.75; in der vorliegend
anwendbaren, seit 1. Januar 2019 gültigen Fassung, siehe Art. 30 HonO) pauschal
Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf die
zahlreichen Eingaben bei gleichzeitig eher geringem Aktenumfang eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat
den Beschwerdeführer deshalb mit Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Keine Entschädigungspflicht besteht hinsichtlich der
vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen Akten, da der Beschwerdeführer
keine Untersuchungen veranlasst hat, auf welche in diesem Verfahren
entscheidwesentlich hätte abgestellt werden können.