Decision ID: 41449a97-e978-4667-a54d-47f89f5942d3
Year: 2021
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 19. Dezember 1984. Am
Freitag, 5. Juli 2019, fuhr sie um 19.05 Uhr in Winterthur nach der Verzweigung
Wülflinger-/Neuwiesenstrasse auf der Neuwiesenstrasse in Richtung Schaffhausen.
Nach wenigen Metern bog sie links ab, überquerte die an der dortigen Stelle
zweispurige Gegenfahrbahn und fuhr in die Einfahrt zur Liegenschaft Neuwiesenstrasse
77. Dort hielt sie an, legte den Rückwärtsgang ein und fuhr über das Trottoir auf die
Neuwiesenstrasse zurück. Beim Rückwärtsfahren kollidierte sie mit einem Fahrzeug,
das in die gleiche Einfahrt fahren wollte, dann aber auf der Neuwiesenstrasse
stehenblieb und X mit Hupzeichen warnte. Die Polizei bezifferte den Sachschaden pro
Fahrzeug auf rund 3'000 Franken. Beim Fahrzeug von X hatte die Heckklappe eine
kleine Delle; zudem war die Heckstossstange zerkratzt. Beim Fahrzeug des
Unfallgegners waren der linke Kotflügel und die Fahrertüre sowie der linke
Seitenspiegel beschädigt. Der Unfall wurde von einer an der Neuwiesenstrasse 77
wohnhaften Person, die am Küchenfenster eine Zigarette rauchte, beobachtet.
B.- Mit Strafbefehl des Stadtrichteramts Winterthur vom 25. Mai 2020 wurde X im
Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall vom 5. Juli 2019 wegen einfacher
Verkehrsregelverletzung durch unvorsichtiges Rückwärtsfahren zu einer Busse von
Fr. 250.– verurteilt. Der Strafbefehl ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Am 16.
Juli 2020 eröffnete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen
ein Administrativmassnahmeverfahren, wobei es X mitteilte, dass ein
Führerausweisentzug wegen einer mittelschweren Widerhandlung beabsichtigt sei;
gleichzeitig gewährte es das rechtliche Gehör. Mit Eingabe vom 1. September 2020
nahm der Rechtsvertreter von X zum Verfahren Stellung und beantragte im
Hauptpunkt, dass eine Verwarnung wegen leichter Widerhandlung auszusprechen sei.
Daraufhin verfügte das Strassenverkehrsamt am 4. September 2020 einen
einmonatigen Führerausweisentzug wegen einer mittelschweren Widerhandlung.
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C.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom
22. September 2020 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission des Kantons St.
Gallen (VRK) mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und eine
Verwarnung wegen einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften auszusprechen; eventualiter sei die Angelegenheit zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Auf die Ausführungen der Rekurrentin zur Begründung ihrer Anträge wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 22. September 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- a) Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt:
SVG) wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen
das Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen
ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen.
Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b
SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden Bestandteile einer schweren
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Widerhandlung erfüllt sind (vgl. Botschaft zur Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4487).
b) In tatsächlicher Hinsicht bestreitet die Rekurrentin nicht, am 5. Juli 2019 durch
unvorsichtiges Rückwärtsfahren auf die Neuwiesenstrasse einen Unfall verursacht zu
haben. Von diesem Sachverhalt ist deshalb auszugehen. Umstritten ist, ob die
Verkehrsregelverletzung als mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG oder als leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zu
qualifizieren ist.
Die Vorinstanz stufte das Verhalten der Rekurrentin als mittelschwere Widerhandlung
im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG ein. Zur Begründung wird in der angefochtenen
Verfügung ausgeführt, die Rekurrentin habe durch ihr unvorsichtiges Rückwärtsfahren
– trotz Hupzeichen des Unfallbeteiligten – einen Verkehrsunfall mit grösserem
Sachschaden verursacht und dadurch den anderen Lenker konkret gefährdet. Damit
liege unabhängig vom Grad des Verschuldens ein mittelschwerer Fall vor.
Gegen die Qualifikation als mittelschwere Widerhandlung wird im Rekurs im
Wesentlichen vorgebracht, dass sich von der Höhe des Sachschadens nicht auf die
Schwere des Verschuldens sowie die Gefährdung schliessen lasse und die
Qualifikation der Vorinstanz ohne den Einbezug weiterer Elemente, wie
Geschwindigkeit (und damit kinetische Energie), Übersichtlichkeit der
Strassenverkehrssituation und Verkehrsaufkommen, als willkürlich einzustufen sei.
c) Strafrechtlich wurde die Rekurrentin wegen einfacher Verletzung der Verkehrsregeln
im Sinn von Art. 90 Abs. 1 SVG verurteilt. Vom Strafurteil geht hinsichtlich der
Rechtsanwendung jedoch keine Bindungswirkung für die verwaltungsrechtliche
Beurteilung aus, auch wenn die Behörden vom gleichen Sachverhalt ausgehen (Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 1C_564/2019 vom 28. Mai 2020 E. 3.2). Dies betrifft
insbesondere die Würdigung des Verschuldens und der Gefährdung. Das straf- und
das administrativrechtliche Sanktionensystem sind sodann nicht deckungsgleich (BGer
1C_259/2011 vom 27. September 2011 E. 3.4 und 1C_282/2011 vom 27. September
2011 E. 2.4). Aus der Anwendung von Art. 90 Abs. 1 SVG darf deshalb nicht
automatisch auf ein geringes Verschulden geschlossen werden. Auch einer
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strafrechtlich einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Abs. 1 SVG kann
administrativrechtlich ein schweres Verschulden zugrunde liegen (BGE 135 II 138
E. 2.4; Entscheide der Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2011/105 vom
29. März 2012 E. 4 c/cc und IV-2012/11 vom 28. Juni 2012 E. 5 c/cc).
3.- Zu prüfen bleibt, ob es sich vorliegend um eine leichte Widerhandlung (Art. 16a
SVG) oder um eine mittelschwere Widerhandlung (Art. 16b SVG) handelt.
a) Die Anordnung von Warnungsmassnahmen setzt eine vom Lenker schuldhaft
begangene Verkehrsregelverletzung voraus (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und
OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Vorbemerkungen zu Art. 16a-c SVG N1). Eine
Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 16a bis c SVG ist bei einer konkreten
oder auch bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung zu bejahen. Eine erhöhte
abstrakte Gefahr besteht, wenn die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung naheliegt (BGer 1C_364/2019 vom 4. Februar 2020 E. 2.3 mit Hinweis auf
1C_634/2017 vom 10. April 2018 E. 5.1). Innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung
ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit
einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte
abstrakte Gefahr (vgl. BGE 131 IV 133 E. 3.2 und 118 IV 285 E. 3a).
b) Es ist unbestritten und belegt, dass die Rekurrentin am 5. Juli 2019 in Winterthur
innerorts durch unvorsichtiges Rückwärtsfahren eine Kollision mit einem hinter ihr
stillstehenden Taxi verursachte. Daraus resultierte an beiden Fahrzeugen ein
Sachschaden. Der Unfallgegner und die Rekurrentin blieben unverletzt. Die Vorinstanz
ging davon aus, dass der Verkehrsunfall vom 5. Juli 2019 im Vergleich zum vom
Rechtsvertreter zitierten Fall, den das Bundesgericht im Entscheid 1C_406/2010 vom
29. November 2010 zu beurteilen hatte, zu einem grösseren Sachschaden geführt habe
und der Unfallgegner konkret gefährdet worden sei. Zwar kann das Schadensbild an
den Fahrzeugen Rückschlüsse auf die Heftigkeit der Kollision zulassen. Dies ändert
indessen nichts daran, dass das Schutzobjekt der Art. 16a bis 16c SVG Leib und
Leben Dritter ist. Tatbestände, die zu einem Warnungsentzug führen, dienen in erster
Linie dem Schutz des Lebens und der Gesundheit der Verkehrsteilnehmer; das
Eigentum als solches ist hingegen nicht geschützt (BSK SVG-B. Rütsche, 1. Aufl. 2014,
Vor Art. 16 SVG N 34). Zu prüfen ist deshalb, ob das Verhalten der Rekurrentin
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geeignet war, eine Gefährdung hervorzurufen, die eine Administrativmassnahme zur
Folge hat.
Der Unfall ereignete sich freitags auf einer Hauptstrasse innerorts um 19.05 Uhr. Im
Polizeirapport der Stadt Winterthur vom 17. Juli 2019 wurde festgehalten, das
Verkehrsaufkommen sei normal gewesen und es hätten gute Sichtverhältnisse (Unfall
bei Tag, Sonnenschein) geherrscht (act. 9/6 und 8). Die Rekurrentin fuhr zunächst
stadtauswärts und bog dann links in eine Einfahrt auf der gegenüberliegenden
Strassenseite ab, um nachher von dort wieder rückwärts auf die Neuwiesenstrasse zu
gelangen und stadteinwärts, wo sie hergekommen war, zu fahren. Sie setzte im
Rahmen dieses Wendemanövers rückwärts auf die Hauptstrasse zurück und musste
dabei zuerst das Trottoir überqueren. Gegenüber der Polizei machte sie geltend, mit
Schrittgeschwindigkeit, sicher nicht schneller, rückwärts gefahren zu sein. Das
Schadensbild an den beiden Fahrzeugen stimmt damit überein; es lässt auf eine
geringe Geschwindigkeit schliessen. Aus den Aussagen des Unfallgegners (act. 9/7)
und der Auskunftsperson (act. 9/8) ergibt sich ebenfalls nichts Anderes. Namentlich
führte Letztere aus, dass es vom Zeitpunkt der Hupzeichen bis zur Kollision rund fünf
bis zehn Sekunden gedauert habe. Zu berücksichtigen ist im Weiteren, dass die
Rekurrentin gegen ein stillstehendes Fahrzeug gefahren war, was den eher geringen
Sachschaden ebenfalls erklärt und weshalb nur von einer geringen Gefahr für die
Sicherheit anderer auszugehen ist. Dafür spricht auch, dass der Unfallgegner die
Kollision kommen sah, davon nicht überrascht wurde und sich darauf vorbereiten
konnte. Er sprach auch nicht davon, sich gefährdet gefühlt zu haben. Der blosse
Hinweis in der Verfügung auf eine konkrete Gefährdung genügt nicht. Die Gefährdung
ist auch in einem solchen Fall einer Abstufung zugänglich.
c) Der Rückwärtsfahrer ist immer vortrittsbelastet und es gelten besonders hohe
Sorgfaltspflichten – gleich wie beim Wenden (BGE 117 IV 498 E. 6; vgl. auch BGer
6B_165/2012 vom 18. Mai 2012). Der Fahrzeugführer, der wenden oder
rückwärtsfahren will, hat nach Art. 36 Abs. 4 SVG allen auf der Strasse verkehrenden
Fahrzeugen, ob sie von rechts oder von links kommen, den Vortritt zu gewähren und
zwar auf der ganzen Strassenbreite. Es liegt daher an ihm, die nach den Umständen
gebotenen Massnahmen zu treffen, um eine Gefährdung herannahender
Vortrittsberechtigter zu verhindern (BGE 89 IV 142 und 102 IV 261 und 106 IV 60 E. 2).
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Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG hat der Lenker sein Fahrzeug ständig so zu beherrschen,
dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Er muss jederzeit in der Lage
sein, auf die jeweils erforderliche Weise auf das Fahrzeug einzuwirken und auf jede
Gefahr ohne Zeitverlust zweckmässig zu reagieren. Es ist somit ein Grundmass an
Aufmerksamkeit geschuldet (vgl. BGer 6B_443/2007 vom 10. Oktober 2007 E. 2).
Die Vorinstanz äusserte sich nicht zum Verschulden. Die Rekurrentin führte gegenüber
der Polizei aus, dass sie beim Rückwärtsfahren auf die Bilder der Rückfahrkamera und
in alle Spiegel geschaut, den Unfallgegner aber nicht gesehen habe (act. 9/7). Dessen
Hupzeichen veranlassten sie nicht, das Fahrzeug anzuhalten. Dass von einer
Sorgfaltspflichtverletzung auszugehen ist, wird auch von der Rekurrentin nicht
bestritten. Zu berücksichtigen ist, dass sie im Schritttempo rückwärtsfuhr, dabei die
Aufmerksamkeit insbesondere auf sich allenfalls von rechts nähernde
Verkehrsteilnehmer und das zu überquerende Trottoir und allenfalls vorbeigehende
Fussgänger richten musste und das Fahrzeug des Unfallgegners im Unfallzeitpunkt
stillstand. Dass sie das Fahrzeug des Taxifahrers übersah, kann unter den gegebenen
Umständen verschuldensmässig gerade noch als leicht eingestuft werden.
d) Damit ergibt sich, dass der Rekurrentin eine geringe Gefährdung und ein leichtes
Verschulden vorzuwerfen sind. Dementsprechend handelt es sich nicht um eine
mittelschwere, sondern um eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG und die angefochtene Verfügung ist aufzuheben.
4.- Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zieht eine Verwarnung
nach sich, wenn der fehlbaren Person in den vorangegangenen zwei Jahren der
Ausweis nicht entzogen war und keine andere Administrativmassnahme verfügt wurde
(Art. 16a Abs. 3 SVG). Dies ist bei der Rekurrentin der Fall, weshalb sie zu verwarnen
ist.
5.- Der Verkehrsgebührentarif (sGS 718.1) sieht gemäss Ziff. 206.02.1 im Fall eines
Ausweisentzugs einen Gebührenrahmen von Fr. 150.– bis Fr. 1'000.– vor. Für eine
Verwarnung liegt dieser bei Fr. 100.– bis Fr. 350.– (Ziff. 206.01). Die Vorinstanz
bezifferte die Verfahrenskosten auf Fr. 400.– und bewegte sich damit in der für den
Entzug von Führerausweisen vorgesehene Bandbreite. Nachdem nun aber feststeht,
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dass gegen die Rekurrentin lediglich eine Verwarnung auszusprechen ist, müssen auch
die Verfahrenskosten entsprechend reduziert werden. Bestehen für die Gebühr ein
Mindest- und ein Höchstsatz, so ist sie innerhalb dieses Rahmens nach dem Wert und
der Bedeutung der Amtshandlung, dem Zeit- und Arbeitsaufwand und der
erforderlichen Sachkenntnis zu bemessen (Art. 11 der Verordnung über Kosten und
Entschädigungen im Verwaltungsverfahren, sGS 821.1). Es erscheint angemessen, die
von der Rekurrentin zu bezahlende Gebühr für das vorinstanzliche Verfahren auf
Fr. 150.– festzulegen.
6.- a) Die Rekurrentin dringt mit ihrem Antrag durch. Dies entspricht einer vollständigen
Gutheissung des Rekurses. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten
dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.–
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist der Rekurrentin zurückzuerstatten.
b) Entsprechend der Verlegung der amtlichen Kosten hat die Rekurrentin gemäss
Art. 98 Abs. 2 und Art. 98 VRP Anspruch auf die vollständige Entschädigung ihrer
ausseramtlichen Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Im
Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Im Verfahren vor der
VRK wird das Honorar als Pauschale und nicht nach Zeitaufwand ausgerichtet, wobei
der Rahmen zwischen Fr. 1'500.– und Fr. 15'000.– liegt (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung, sGS 963.75, abgekürzt HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Der Rechtsvertreter reichte am 29. Oktober 2020
eine Kostennote in der Höhe von Fr. 4'474.65 ein. Darin enthalten sind auch die
Aufwendungen für das vorinstanzliche Verfahren von knapp fünfeinhalb Stunden.
Ausseramtliche Kosten werden in erstinstanzlichen und in Einspracheverfahren in der
Regel jedoch nicht zugesprochen (Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP); entsprechend sind diese
im Rekursverfahren nicht zu entschädigen. Im Weiteren hat der Rechtsvertreter bei
seiner Kostenberechnung mit einem Stundenhonorar von Fr. 280.– gerechnet, und
zwar für sämtliche Tätigkeiten, also auch für diejenigen des Substituten. Abgesehen
davon, dass die ausseramtliche Entschädigung im Kanton St. Gallen nicht nach
Stundenaufwand – sondern als Pauschale – bemessen wird, beträgt das mittlere
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Stundenhonorar im Kanton St. Gallen Fr. 250.– (Art. 24 Abs. 1 HonO). Auch hier
bestünde kein Anlass, in diesem Fall einen höheren Wert zu veranschlagen. Namentlich
stellten sich weder schwierige tatsächliche noch rechtliche Fragen. Der Aktenumfang
ist zudem durchschnittlich. Heikel erscheint im Übrigen, wenn für einen Substituten die
gleiche Berechnungsgrundlage gilt wie für den Rechtsanwalt. Massstab für die
Bemessung der ausseramtlichen Entschädigung ist der erfahrene Rechtsvertreter, der
ein Mandat zielgerichtet führt. Es besteht keine Veranlassung, von dieser Regel
abzuweichen. Unter den gegebenen Umständen erscheint ein Honorar von Fr. 2'000.–
als angemessen. Hinzuzuzählen sind die geltend gemachten Barauslagen von Fr. 68.70
(Art. 28 Abs. 1 und 2 HonO) und die Mehrwertsteuer von Fr. 159.30 (7,7 % von
Fr. 2'068.70, Art. 29 HonO), so dass der Staat zu verpflichten ist, die Rekurrentin
ausseramtlich mit Fr. 2'228.– zu entschädigen.