Decision ID: b8fae602-ddf4-4a1d-9d45-4992a15e2ce1
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2006 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 18). Er gab an, er habe im August 2005 ein Studium in
B._ begonnen. Im Februar 2006 habe er dieses Studium abgebrochen. Am 27. März
2006 berichtete Dr. med. C._ vom Psychiatrischen Zentrum D._ (IV-act. 22), der
Versicherte leide an einer paranoiden Schizophrenie. Er sei vollständig arbeitsunfähig.
Seine Mutter habe ihn zu einer psychiatrischen Behandlung gedrängt, da er sein
Studium wegen zunehmender Versagensängste und Schuldgefühlen nicht mehr habe
weiterführen können, da er keiner Tagesstruktur mehr nachgegangen sei, da er sich
boden- und orientierungslos gefühlt habe und da er keine Entscheidungen mehr habe
treffen können. Laut fremdanamnestischen Angaben habe sich das Verhalten des
Versicherten seit längerem verändert. Er sei leicht reizbar, ambivalent und nicht mehr
belastbar gewesen. Er habe deutliche Zeichen von Selbstüberschätzung erkennen
lassen. Die Eigenwahrnehmung des Versicherten habe nicht der ärztlichen und
pflegerischen Auffassung des Krankheitsbildes entsprochen. Der Versicherte habe
ratlos gewirkt. Er habe angegeben, dass er nicht mehr wisse, was er tun solle; er habe
den Faden verloren. Im formalen Denken habe sich der Versicherte verlangsamt und
vorbeiredend gezeigt. Man habe ein Gedankenabreissen und ein Gedankendrängen
beobachten können. Der Versicherte habe sich beobachtet gefühlt; er habe Aussagen
von Fernsehsprechern auf sich selbst bezogen und er habe die Ansicht vertreten, dass
andere Menschen seine Gedanken lesen könnten. Im Affekt habe er ratlos und
parathym gewirkt. In den neuropsychologischen Testungen habe sich ein deutlicher
Hinweis auf ein psychotisches Erleben gezeigt. Eine Berufsberaterin der IV-Stelle
notierte im September 2006 (IV-act. 31), der Versicherte habe den Wunsch geäussert,
das abgebrochene Studium oder ein ähnliches Studium zu absolvieren. Nach längeren
Gesprächen habe er aber eingesehen, dass im Moment ein Zwischenschritt angesagt
sei. Er habe beschlossen, eine Ausbildung im Bereich Informatik zu beginnen, was
A.a.
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angesichts der abgeschlossenen Wirtschaftsmatura durchaus realistisch sei. Mit einer
Mitteilung vom 4. Oktober 2006 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine
Kostengutsprache für einen knapp fünf Monate dauernden Berufsförderungskurs in
einem geschützten Rahmen (IV-act. 34). Im März 2007, kurz vor dem Abschluss des
Berufsförderungskurses, notierte die Berufsberaterin der IV-Stelle (IV-act. 37), der
Versicherte habe während seiner Zeit im Berufsförderungskurs die Medikamente
absetzen können, wodurch sich seine Konzentrationsfähigkeit deutlich verbessert
habe. In dieser Zeit habe er auch seinen Wunsch nach einer Ausbildung zum
Informatiker zielstrebig und sehr kompetent verfolgt. Er habe einen Ausbildungsplatz
gefunden, an dem die Ausbildung dank seiner Matura nur zwei Jahre dauere. Im
Schlussbericht vom 4. April 2007 betreffend den Berufsförderkurs hielt der
Einsatzbetrieb fest (IV-act. 39), der Versicherte habe Schwierigkeiten gehabt, seine
Motivation in der kleinen Kursgruppe aufrecht zu erhalten. Er sei vor allem in der letzten
Kursphase oft zu spät oder gar nicht in den Kurs gekommen, ohne sich abzumelden. Er
habe sich erklärtermassen unterfordert gefühlt und trotz entsprechenden Vorschlägen
und Aufforderungen nichts dagegen unternommen. Insgesamt habe der Versicherte
kaum Einschränkungen bezüglich seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit gezeigt. Er
habe exakt, selbständig und zuverlässig gearbeitet. Die Berufsberaterin der IV-Stelle
notierte im Dezember 2007 (IV-act. 41), bei der Ausbildung zum Informatiker
entstünden dem Versicherten keine invaliditätsbedingten Mehrkosten, weshalb er
„rentenausschliessend eingegliedert“ sei. Mit einer Verfügung vom 12. März 2008
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch des Versicherten auf eine Kostenvergütung im
Zusammenhang mit der erstmaligen beruflichen Ausbildung zum Informatiker (IV-act.
44).
Im Juni 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (IV-act.
45). Gemäss einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis hatte er die Ausbildung zum
Informatiker im Juli 2009 erfolgreich abgeschlossen (IV-act. 64). Am 15. Juni 2015 hatte
der Psychiater Dr. med. E._ einer Krankentaggeldversicherung berichtet (act. G
3.2.1–7 f.), der Versicherte leide anamnestisch an einer paranoiden Schizophrenie
sowie an einer Anpassungsstörung mit einer depressiven Reaktion; das Zustandsbild
entspreche jedoch einer rezidivierenden depressiven Störung mit schweren Episoden
und psychotischen Symptomen. Grundsätzlich könne mit einer Besserung des
A.b.
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Zustandes gerechnet werden, aber der bisherige Verlauf spreche für ein zyklisch
wiederkehrendes Leiden. Für geistig anspruchsvolle Arbeiten müsse langfristig mit
einer schwankenden Arbeitsfähigkeit gerechnet werden. Bei einem guten Verlauf sei
mit einer schwankenden Arbeitsfähigkeit im Bereich von 50–80 Prozent zu rechnen.
Vermutlich sei die Tätigkeit im Informatikbereich nicht günstig, da sich feine kognitive
Störungen massiv auswirken könnten. Die Arbeitgeberin des Versicherten teilte im
September 2015 mit (IV-act. 68), sie habe den Versicherten vom 1. Mai 2013 bis zum
31. August 2015 als ERP-Administrator beschäftigt. Sein Lohn habe sich auf 6’450
Franken pro Monat belaufen. Im November 2015 gab Dr. E._ an (IV-act. 70), der
Versicherte leide an einer bipolaren affektiven Störung („bipolar II“). Der Befund sei
schwankend zwischen unauffällig und autistisch, verlangsamt, kreisend perseverativ,
grüblerisch, affektstarr, monoton etc. Bislang sei es noch nicht gelungen, die optimale
Medikation zu finden. Zu einem späteren Zeitpunkt ging der IV-Stelle eine Kopie eines
Austrittsberichtes der Klinik F._ vom 6. August 2012 betreffend eine stationäre
Behandlung des Versicherten in der Zeit vom 18. Juni 2012 bis zum 13. Juli 2012 zu
(IV-act. 77). Die behandelnden Ärzte hatten eine Anpassungsstörung mit einer
depressiven Reaktion diagnostiziert und darauf hingewiesen, dass im Gespräch eine
leichte schizophrene Symptomatik feststellbar gewesen sei. In der Folge sei die
neuroleptische Medikation erhöht worden. Sie hatten festgehalten, dass der
Versicherte seinen eigenen Angaben zufolge Ende April 2012 massive Konzentrations-
und Antriebseinbussen am Arbeitsplatz festgestellt habe und dass sein Hausarzt dann
ein „Burnout“ diagnostiziert habe. Im Verlauf der stationären Behandlung habe sich der
Zustand des Versicherten verbessert. Zum Zeitpunkt des Austrittes habe aber eine
Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit noch nicht verantwortet werden können. Im
Verlauf der ambulanten Nachbetreuung sei eine weitere Verbesserung des
Gesundheitszustandes festgestellt worden, weshalb noch im August 2012 wieder eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit habe attestiert werden können. Im März 2016
berichtete Dr. E._ (IV-act. 80), der Versicherte leide an einer rezidivierenden
depressiven Störung bei einer Persönlichkeitsstörung beziehungsweise –
differentialdiagnostisch – an einer bipolaren affektiven Störung („bipolar II“). Seit dem
Beginn der Behandlung habe die Arbeitsfähigkeit des Versicherten zwischen einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit und einer Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent geschwankt.
Seit dem letzten Bericht sei der Versicherte dauernd depressiv gewesen. Er habe
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massiv an Gewicht verloren. Die langsame Aufdosierung auf das erste SSRI-
Medikament habe eine mässige Besserung des objektiven Befundes zur Folge gehabt.
Von dritter Seite sei von einem zweimaligen Kontrollverlust mit einer
Sachbeschädigung und einer leichten Selbstverletzung nach Alkoholexzessen berichtet
worden. Im Mai 2016 notierte Dr. med. G._ vom IV-internen regionalen ärztlichen
Dienst (RAD), der Versicherte sei bis auf weiteres vollständig arbeitsunfähig; er leide an
einer schweren psychiatrischen Erkrankung mit einer ungewissen Prognose (IV-act.
82). Im Juni 2016 berichtete Dr. E._ (IV-act. 84), der Versicherte leide an einer
undifferenzierten Schizophrenie. Er sei nach wie vor vollständig arbeitsunfähig.
Zwischenzeitlich sei er zwar weniger depressiv, aber dafür zeige er nun eine soziale
Störung sowie eindeutig paranoide Wahnvorstellungen. Unter anderem habe er seine
Wohnung verwüstet und die Elektronik zerstört. Die Angehörigen hätten zweimal eine
fürsorgerische Unterbringung wegen Verhaltensauffälligkeiten mit Aggressionen
beantragt, aber beide Male habe es den Amtsärzten nicht für eine Einweisung gereicht.
Bereits im April 2016 hatte Dr. med. H._ für die Krankentaggeldversicherung einen
psychiatrischen Untersuchungsbericht verfasst (act. G 3.2.3). Er hatte festgehalten, das
klinische Bild sei zusammengefasst mit einem mittelgradig ausgeprägten Residuum
einer schizophrenen Störung vereinbar. Diagnostisch handle es sich um einen
schizophrenen Residualzustand, der durch Defizite im mnestischen Bereich und durch
Störungen des Affekts sowie des Antriebs gekennzeichnet sei. Vorläufig sei weiterhin
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Die Prognose sei ungewiss.
Der RAD-Arzt Dr. med. I._ empfahl im Juli 2016 eine psychiatrische
Begutachtung des Versicherten (IV-act. 89). Der Versicherte nahm den
Untersuchungstermin unentschuldigt nicht wahr (IV-act. 94). Auf eine Nachfrage der IV-
Stelle hin gab er an, er habe sich wegen einer akuten Zustandsverschlechterung nicht
begutachten lassen können; weil es ihm so schlecht gegangen sei, habe er vergessen,
sich abzumelden (IV-act. 96). Im Dezember 2016 ging der IV-Stelle ein Austrittsbericht
der Psychiatrischen Klinik J._ vom 5. Dezember 2016 betreffend eine stationäre
Behandlung des Versicherten in der Zeit vom 3. Oktober 2016 bis zum 14. Oktober
2016 zu (IV-act. 101). Die Ärzte hatten ein Alkohol-Abhängigkeitssyndrom mit einem
ständigen Substanzgebrauch, eine akute Alkohol-Intoxikation, einen schädlichen
Gebrauch von Sedativa oder Hypnotika sowie eine rezidivierende depressive Störung
A.c.
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mit einer schweren Episode ohne psychotische Symptome diagnostiziert. Der
Versicherte habe angegeben, dass eine Psychose vor 15 Jahren vollständig
abgeklungen sei. Vor etwa fünf bis zehn Jahren habe er rezidivierende depressive
Episoden gehabt, die zu Beginn jeweils von psychotischen Symptomen begleitet
gewesen seien. Nach der Einnahme von Antidepressiva seien diese immer sehr schnell
verschwunden. Bei der Aufnahme zur aktuellen stationären Behandlung habe ein
Atemalkoholtest eine Alkoholkonzentration von 2,33 Promille gezeigt. Beim Austritt sei
der Versicherte bewusstseinsklar und gut orientiert gewesen. Er habe weder unter
Konzentrationsstörungen noch unter Aufmerksamkeitsstörungen gelitten. Der
formalgedankliche Zustand sei adäquat gewesen. Der Versicherte habe nicht unter
Sinnestäuschungen oder unter Halluzinationen gelitten. Er habe keine Wahngedanken
gehabt. Ich-Störungen seien nicht vorhanden gewesen. Der Versicherte habe nicht
unter Befürchtungen, Zwängen oder Ängsten gelitten. Im Affekt sei er noch leicht
depressiv gewesen. Der Antrieb sei unauffällig gewesen. Der RAD-Arzt Dr. I._ notierte
im Januar 2017, der Versicherte müsse verpflichtet werden, eine mindestens zwei
Monate dauernde Abstinenz von Alkohol und Sedativa beziehungsweise Hypnotika
nachzuweisen (IV-act. 102). Am 12. Februar 2017 teilte Dr. E._ mit (IV-act. 108), der
Versicherte habe nach dem Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik J._ den
Alkoholkonsum „gänzlich einsichtig und glaubhaft“ sistiert. Er habe auch akzeptiert,
dass Dr. E._ keine Benzodiazepine mehr abgebe. Unter einem neu verabreichten
sedierenden Atypikum habe sich eine Verbesserung der Anspannung und der
Reizbarkeit gezeigt, die die Ursache für den sekundären Alkoholkonsum gewesen
seien. Der Antrieb und das Denken hätten sich aber nicht gebessert. Im März 2017 hielt
Dr. I._ fest, dass nun eine psychiatrische Begutachtung in die Wege geleitet werden
könne (IV-act. 111).
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. K._ am 28. September 2017 ein
psychiatrisches Gutachten (IV-act. 118). Er hielt fest, das Verhalten des Versicherten
sei unauffällig gewesen, wobei allerdings der affektive Rapport nur leicht erschwert
habe hergestellt werden können. Im Rahmen der Untersuchung hätten sich keine
Beeinträchtigungen der Bewusstseinsklarheit oder der Bewusstseinshelligkeit gezeigt.
Der Versicherte sei zu allen Qualitäten orientiert gewesen. Die Aufmerksamkeit und die
Konzentration hätten für die Dauer des Gesprächs durchgehend aufrechterhalten
A.d.
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werden können. Die Auffassung sei ungestört gewesen. Das Langzeitgedächtnis habe
sich klinisch als unauffällig erwiesen. In der Untersuchung seien nur leichte
Merkfähigkeitsstörungen aufgefallen. Die Stimme und die Artikulation seien unauffällig
gewesen. Der Versicherte habe seine persönliche Geschichte gut nachvollziehbar zum
Ausdruck gebracht. Die Beschwerdeschilderung sei aber nicht sehr ausführlich
gewesen und insgesamt recht unklar geblieben. Der formale Gedankengang sei
vielleicht etwas verlangsamt gewesen. Es hätten sich keine Hinweise auf
Zwangsgedanken oder zwanghafte Handlungen feststellen lassen. Inhaltliche
Denkstörungen in der Form von wahnhaften Gedanken, Wahnwahrnehmungen oder
eines systematischen wahnhaften Denkens hätten sich nicht gezeigt. Hinweise auf
Sinnestäuschungen hätten nicht vorgelegen. Ich-Störungen seien ebenfalls nicht
vorhanden gewesen. Die Grundstimmung sei diskret zum depressiven Pol hin
verschoben gewesen. Die affektive Modulationsfähigkeit sei etwas eingeschränkt
gewesen. Teilweise sei der Versicherte etwas ambivalent gewesen. Insgesamt habe der
Versicherte vielleicht etwas hypomim gewirkt. Er habe angegeben, dass es ihm
rückblickend nie ganz gut gegangen sei, auch wenn sein Zustand zeitweise recht viel
besser gewesen sei. Die Einschränkungen seien dann halt aber auch durch das
Medikament bedingt. Aktuell gehe es ihm besser als noch vor einem halben Jahr. Er
denke weniger in der dritten Person. Früher habe er imitierende Stimmen gehabt. Jetzt
höre er keine Stimmen. Als er noch 5mg Aripiprazol genommen habe, sei es nicht ein
Stimmenhören gewesen, aber ein Denken in einer kommentierenden Form
beziehungsweise ein Denken, das ihn kommentiert habe. Er habe auch schon im
fliessenden Wasser Stimmen gehört oder er habe sonst eine Stimme im Kopf drin
gehört. Wenn ein Vogel vorbeigeflogen sei und gekrächzt habe, habe er darin wie einen
Satz gehört. Momentan habe er das aber nicht, seit er 10mg Aripiprazol nehme. Der
Sachverständige hielt beurteilend fest, dass er in der aktuellen Untersuchung keinerlei
Hinweise für das Vorliegen einer organischen oder einer symptomatischen psychischen
Störung gefunden habe. Weder aus den Angaben des Versicherten noch aus den
früheren Berichten gehe klar hervor, ob und inwieweit der Versicherte je an
psychotischen Symptomen gelitten habe. Aktuell hätten jedenfalls keine solche
Symptome festgestellt werden können. Im Schlussbericht des Berufsförderkurses, der
von November 2006 bis und mit März 2007 gedauert habe, sei festgehalten worden,
dass der Versicherte exakt, selbständig und zuverlässig gearbeitet habe, weshalb er
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damals nicht an einer arbeitsfähigkeitsrelevanten paranoiden Schizophrenie gelitten
haben könne. Anschliessend habe der Versicherte ja eine berufliche Ausbildung
absolvieren und für mehrere Jahre uneingeschränkt arbeiten können. Aktuell habe der
Versicherte psychopathologisch praktisch keinerlei Auffälligkeiten gezeigt. Seine
Beschwerdeschilderung sei insgesamt recht vage und unklar gewesen. Bei der
aktuellen neuropsychologischen Untersuchung hätten keine wesentlichen
Einschränkungen festgestellt werden können. Vor diesem Hintergrund könne keine
psychiatrische Diagnose gestellt werden, weshalb sich auch keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit begründen lasse. Der Neuropsychologe Dr. phil. L._ hatte am 9.
September 2017 berichtet (IV-act. 119), er habe den Versicherten am 8. September
2017 dreieinhalb Stunden lang neuropsychologisch untersucht. Das Verhalten des
Versicherten sei unauffällig gewesen. Die Tests hätten eine durchschnittliche
Intelligenzleistung, eine knapp durchschnittliche bis durchschnittliche
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistung, eine knapp durchschnittliche bis knapp
überdurchschnittliche Lern- und Gedächtnisleistung, sowie eine knapp
durchschnittliche bis durchschnittliche Leistung bezüglich der exekutiven Funktionen
ergeben. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit sei knapp durchschnittlich gewesen.
Zusammenfassend könne dem Versicherten aus neuropsychologischer Sicht ohne
weiteres die Ausübung einer lukrativen Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zugemutet
werden. Je nach Arbeitsplatzanforderung sei die Arbeitsleistung des Versicherten
allerdings um maximal 20 Prozent eingeschränkt, weil seine Arbeitsgeschwindigkeit
und auch seine Reaktionsfähigkeit nur knapp altersdurchschnittlich seien und weil der
Versicherte auch hinsichtlich der kognitiven Flexibilität, des verbalen
Arbeitsgedächtnisses und der verbalen Lernleistung nur knapp altersdurchschnittliche
Testergebnisse erzielt habe. Der RAD ersuchte Dr. K._ am 27. November 2017
anzugeben (IV-act. 120), ob es angesichts der Vorgeschichte nicht nahe liegen würde,
eine Erkrankung aus dem schizophrenen oder affektiven Formenkreis zu
diagnostizieren, die aktuell unter der medizinischen Therapie stabil sei, und wie Dr.
K._ die erhöhten Laborwerte des EtG, der Gamma-GT und des MCV interpretiere.
Der Sachverständige antwortete am 4. Dezember 2017 (IV-act. 121), es liege zwar
durchaus nahe, eine Erkrankung aus dem schizophrenen oder affektiven Formenkreis
zu diagnostizieren, die gegenwärtig unter Therapie asymptomatisch sei. Allerdings
könne er sich dazu nicht näher äussern, weil weder im Querschnitt noch im
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Längsschnitt genügend eindeutige Hinweise dafür vorlägen. Die Laborwerte könnten
allenfalls belegen, dass der Versicherte bei den Angaben zu seinem aktuellen
Alkoholkonsum etwas tiefgestapelt habe. Insgesamt hätten aber keine Hinweise für das
Vorliegen einer Alkoholabhängigkeit vorgelegen. Insbesondere sei das CDT nicht
erhöht gewesen. Die RAD-Ärztin Dr. G._ notierte am 23. Januar 2018 (IV-act. 122),
das Gutachten von Dr. K._ überzeuge, weshalb auf es abgestellt werden könne. Für
eine adaptierte Tätigkeit liege eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor, aber
gegebenenfalls sei es im Interesse einer nachhaltigen Wiedereingliederung sinnvoll,
den Versicherten beim Wiedereinstieg in das Erwerbsleben anfänglich zu begleiten.
Mit einem Vorbescheid vom 24. Januar 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit (IV-act. 125), dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens vorsehe. Zur
Begründung führte sie an, gemäss dem Gutachten von Dr. K._ liege kein
invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Dagegen liess der Versicherte am 29. März
2018 einwenden (IV-act. 132–1 ff.), der medizinische Sachverhalt sei noch nicht
ausreichend abgeklärt worden. Beim Einkommensvergleich habe die IV-Stelle ein zu
tiefes Valideneinkommen berücksichtigt. Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens
müsse ein Abzug von 20 Prozent berücksichtigt werden. Der Eingabe lag eine
Stellungnahme von Dr. E._ vom 28. März 2018 bei (IV-act. 132–7 ff.). Dieser hatte
geltend gemacht, der Sachverständige Dr. K._ habe sich auf eine redundante Kritik
der von Dr. E._ gestellten Diagnosen verlegt, ohne sich mit den offen gelegten
Bemühungen von Dr. E._ im Ringen um eine korrekte Diagnose
auseinanderzusetzen. Er sei auch nicht näher auf die von Dr. E._ geschilderten
Befunde eingegangen. Trotz der angeblichen Unklarheiten, die ihm ein Urteil erschwert
hätten, habe er es unterlassen, Angaben von Drittpersonen einzuholen. Aus dem
mangelnden Interesse, sich selbst ein Bild zu machen und für einen langjährigen
psychiatrischen Patienten Stellung zu beziehen, habe er schlicht behauptet, dass keine
Krankheit vorliege. Beim Studium des Gutachtens zeige sich mehrfach, dass Dr. K._
die Vorakten ungenügend beziehungsweise einseitig gewürdigt habe. Auch bei der
Würdigung der von ihm selbst erhobenen Befunde habe Dr. K._ eine einseitige
Haltung eingenommen. Obwohl der Versicherte laut Dr. K._ die Eigenanamnese
plausibel geschildert habe und obwohl keinerlei Anzeichen für eine Aggravation oder
für Inkonsistenzen vorgelegen hätten, habe Dr. K._ dann einfach behauptet, die
A.e.
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St.Galler Gerichte
B.
Angaben seien insgesamt vage und unklar. Im neuropsychologischen Teilgutachten sei
die höhere Schulbildung verschwiegen worden, was aber wichtig gewesen wäre, um
die Auffälligkeit von teilweise nur knapp durchschnittlichen Testergebnissen zu zeigen.
Der Versicherte hatte am 27. März 2018 persönlich darauf hingewiesen (IV-act. 132–14
f.), das Gutachten entspreche nicht der Realität. Er kämpfe seit dem Jahr 2004 gegen
seine Krankheit, müsse heute aber akzeptieren, dass sie sein Leben bestimme. Seit
dem Klinikaufenthalt in D._ im Jahr 2006 stehe er unter neuroleptischer Medikation.
Trotz der starken Medikamente habe die Krankheit in regelmässigen Abständen zu
neuen, sehr intensiven Krankheitsschüben geführt, die ihn immer wieder komplett aus
dem Leben geworfen hätten. Er habe diese Schübe jeweils als Ferienaufenthalte oder
als Burnout „verkauft“, um wieder eine neue Arbeitsstelle finden zu können. Sein
Lebenslauf sei mittlerweile trotzdem ein Desaster. Mit einer Verfügung vom 28. Mai
2018 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 135).
Bezugnehmend auf die Einwände des Versicherten verwies sie auf eine Stellungnahme
der RAD-Ärztin Dr. G._, die am 25. Mai 2018 notiert hatte (IV-act. 134), aus der
Stellungnahme von Dr. E._ ergäben sich keine wesentlichen neuen Erkenntnisse.
Am 28. Juni 2018 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 28. Mai 2018 erheben (act. G 1). Seine
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung, die
Ausrichtung einer Rente ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt und eventualiter die
Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führte sie aus, das Gutachten von Dr. K._
erfülle die formalen Qualitätskriterien nicht und es sei weder plausibel noch
nachvollziehbar. So habe der Sachverständige behauptet, dass trotz des auffälligen
Lebenslaufs des Beschwerdeführers und trotz des Fehlens von Diskrepanzen,
Widersprüchen, Aggravation oder Simulation nichts vorliege. Der behandelnde
Psychiater Dr. E._ habe eingehend aufgezeigt, weshalb diese Schlussfolgerung nicht
richtig sein könne. Bei einer Schizophrenie handle es sich um eine Schubkrankheit. Der
Sachverständige Dr. K._ habe den Beschwerdeführer aber nur einmal während einer
Stunde und 23 Minuten untersucht. Obwohl er zu völlig anderen Schlüssen als die
behandelnden Fachärzte gekommen sei, habe er keinen Kontakt mit diesen
B.a.
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aufgenommen. Deshalb hätten ihm keine ausreichenden Daten für eine zuverlässige
Längsschnitt-Beurteilung zur Verfügung gestanden. Der neuropsychologische
Sachverständige sei auf der Liste der Fachpsychologen für Neuropsychologie FSP mit
jährlicher kontrollierter Fortbildung nicht aufgeführt. Das Gutachten leide an zahlreichen
inhaltlichen Mängeln und Widersprüchen. Beim Einkommensvergleich sei zu beachten,
dass der Beschwerdeführer ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung ein
Universitätsstudium absolviert hätte.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. Juli 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie an, das Gutachten von Dr. K._ sei
in jeder Hinsicht überzeugend. Der neuropsychologische Sachverständige verfüge über
einen anerkannten Titel als Fachpsychologe FSP und zusätzlich über einen
anerkannten Titel als Neuropsychologe, weshalb er qualifiziert gewesen sei, ein
neuropsychologisches Gutachten zu erstatten.
B.b.
Am 20. August 2018 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 4).
B.c.
Am 18. September 2018 informierte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
das Versicherungsgericht darüber, dass sie die Beschwerdegegnerin gleichentags
ersucht hatte offenzulegen, wie viele Gutachten Dr. K._ seit dem 1. Januar 2017 für
sie erstellt habe und welchen Arbeitsunfähigkeitsgrad er jeweils attestiert habe (act. G 6
und G 6.1). Die Beschwerdegegnerin verwies am 25. September 2018 auf ein
Bundesgerichtsurteil, laut dem keine Befangenheit eines Sachverständigen vorliege,
nur weil dieser viele Aufträge von einer IV-Stelle erhalte (act. G 8).
B.d.
Am 21. November 2018 liess der Beschwerdeführer darauf hinweisen (act. G 10),
dass Dr. K._ in den vergangenen 21 Monaten allein für die Beschwerdegegnerin 95
psychiatrische Gutachten erstellt habe, was einem Gutachten pro Woche entspreche.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit von Dr. K._ sei offensichtlich. Zudem stelle sich die
Frage, ob er allein so viele Gutachten in der nötigen Qualität erstatten könne. Das
vorliegend zur Diskussion stehende Gutachten spreche dagegen. Bedauerlicherweise
habe sich die Beschwerdegegnerin nicht zu den von Dr. K._ attestierten
Arbeitsunfähigkeitsgraden geäussert. Der Eingabe lag ein Schreiben der
B.e.
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Beschwerdegegnerin vom 15. Oktober 2018 bei (act. G 10.1). Diese hatte ausgeführt,
sie könne in ihrem System nur die Anzahl der Begutachtungen und die jeweilige Anzahl
der beteiligten Disziplinen nachschlagen. Diesem Schreiben hatte die
Beschwerdegegnerin eine Liste beigelegt, der sich entnehmen liess, welche
Sachverständigen in der Zeit vom 1. Januar 2017 bis zum 30. Januar 2018 wie viele
Gutachten für die Beschwerdegegnerin erstellt hatten. Die Beschwerdegegnerin
beantragte am 17. Dezember 2018 nochmals die Abweisung der Beschwerde (act. G
12).
Bereits am 21. November 2018 hatte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
die Beschwerdegegnerin aufgefordert (act. G 14.1), ihr die verlangten Informationen zu
den von Dr. K._ attestierten Arbeitsunfähigkeitsgraden bekannt zu geben. Zudem
hatte sie die Beschwerdegegnerin ersucht, die Tonbandaufnahmen der Begutachtung
des Beschwerdeführers herauszugeben. Am 14. Februar 2019 beantragte sie beim
Versicherungsgericht (act. G 14), die Beschwerdegegnerin sei aufzufordern bekannt zu
geben, welche Arbeitsunfähigkeitsgrade Dr. K._ jeweils attestiert habe. Weiter sei die
Beschwerdegegnerin aufzufordern, die Tonbandaufnahmen herauszugeben. Am 7.
März 2019 teilte die Beschwerdegegnerin der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
mit (act. G 18.1), dass die Herausgabe der verlangten statistischen Angaben einen
immensen Arbeitsaufwand erfordern würde, der sich wohl auf bis zu 3’000 Franken
belaufen würde. Sofern der Beschwerdeführer bereit sei, die Kosten zu tragen und
einen Kostenvorschuss von 1’000 Franken zu leisten, werde sie die Daten
entsprechend aufarbeiten. Die Tonbandaufnahmen könne sie nicht herausgeben, da
diese vernichtet worden seien. Der Beschwerdeführer habe diesbezüglich sein
Einverständnis erklärt. Gestützt auf dieses Schreiben beantragte die
Beschwerdegegnerin dem Versicherungsgericht am 12. März 2019 die Abweisung der
am 14. Februar 2019 gestellten Beweisanträge (act. G 18).
B.f.
Der Beschwerdeführer liess am 3. Mai 2019 an seinen Beweisanträgen festhalten
(act. G 22). Er liess geltend machen, dass der Aufwand für die Herausgabe der Daten
nicht ausserordentlich hoch sei. Zudem liessen sich diese Daten wohl auch wesentlich
effizienter bereitstellen, wie eine Antwort der IV-Stelle Basel-Stadt auf ein ähnliches
Auskunftsbegehren zeige (vgl. act. G 22.2). Da sich die Beschwerdegegnerin nicht zum
Beweisantrag betreffend die Tonbandaufnahmen geäussert habe, sei davon
B.g.
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auszugehen, dass sie damit einverstanden sei. Die Beschwerdegegnerin nahm dazu
keine Stellung (vgl. act. G 23).
Am 15. Januar 2020 teilte das Versicherungsgericht den Parteien mit (act. G 28),
dass es vorsehe, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten bei Dr. med. M._ in Auftrag
zu geben. Es räumte den Parteien die Gelegenheit ein, Einwände bezüglich der Person
des Sachverständigen oder der vorgesehenen Fragen geltend zu machen. Der
Beschwerdeführer erklärte sich am 4. Februar 2020 einverstanden (act. G 29). Die
Beschwerdegegnerin nahm keine Stellung. Am 28. Februar 2020 erteilte das
Versicherungsgericht Dr. M._ den Gutachtensauftrag (act. G 31). Da Dr. M._ in der
Folge nicht reagierte und da auch der Beschwerdeführer nichts von ihm hörte,
erkundigte sich das Versicherungsgericht am 3. Juni 2020 nach dem Stand der
Begutachtung (act. G 32). Am 11. August 2020 wandte sich das Versicherungsgericht
erneut an Dr. M._ (act. G 33). Der Beschwerdeführer drängte am 1. September 2020
auf eine Stornierung des Auftrags und um eine Neuvergabe an einen anderen
Sachverständigen (act. G 34). Am 2. September 2020 stornierte das
Versicherungsgericht den Gutachtensauftrag, da Dr. M._ die eingeschriebenen
Sendungen nicht abgeholt und auf telefonische sowie elektronische Kontaktversuche
nicht reagiert hatte (act. G 35). Auf eine weitere Rückfrage des Beschwerdeführers hin
teilte das Versicherungsgericht diesem mit (act. G 38), dass es angesichts der
Komplexität des medizinischen Sachverhaltes vorsehe, Dr. med. N._ mit der
Begutachtung zu beauftragen. Die Abwicklung des Auftrages durch Dr. N._ werde
aber einige Zeit benötigen. Sollte der Beschwerdeführer weiterhin primär auf einer
möglichst raschen Erledigung des Beschwerdeverfahrens beharren, müsse der Auftrag
an eine andere Stelle vergeben werden. Als Abklärungsstelle, die eine Gewähr für eine
rasche Erledigung biete, kenne das Versicherungsgericht nur die ABI GmbH. Der
Beschwerdeführer erklärte sich am 13. Oktober 2020 mit einer Neuvergabe des
Gutachtensauftrages an Dr. N._ einverstanden (act. G 39). Am 6. November 2020
beauftragte das Versicherungsgericht Dr. N._ mit einer psychiatrischen
Begutachtung des Beschwerdeführers (act. G 42).
B.h.
Am 4. Oktober 2021 erstattete Dr. N._ das vom Versicherungsgericht in Auftrag
gegebene psychiatrische Gutachten (act. G 53). Er hielt fest, er habe die Vorakten
eingehend studiert, den Beschwerdeführer dreimal persönlich untersucht (Dauer der
B.i.
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Untersuchungen: drei Stunden und zehn Minuten, zwei Stunden und eineinhalb
Stunden), eine knappe halbe Stunde mit dem Beschwerdeführer telefoniert und eine
neuropsychologische Testung durchführen lassen, die insgesamt sechs Stunden und
45 Minuten gedauert habe; anschliessend habe er sich mit dem neuropsychologischen
Sachverständigen ausgetauscht. Der Beschwerdeführer habe bei der persönlichen
Befragung angegeben, dass ihm aktuell eine grosse Müdigkeit am meisten zu schaffen
mache; er habe keinen Antrieb, er benötige viele Pausen und er sei teilweise sogar zu
müde, um fern zu sehen. Zudem leide er an Kopfschmerzen und Nebenwirkungen der
Lithiumtherapie sowie an Konzentrationsstörungen. Er habe den Eindruck, dass er
„nicht mehr so gescheit sei wie auch schon“, könne aber nicht sagen, ob sich dies seit
der letzten neuropsychologischen Testung im Jahr 2017 verschlechtert habe. Die
Aufgaben, die er damals habe lösen müssen, seien relativ leicht gewesen. Er habe vor
kurzem ein Praktikum absolviert, das nur sehr geringe Anforderungen gestellt habe, sei
aber kaum in der Lage gewesen, dieses durchzustehen. Gegen Ende habe er die
typischen Warnzeichen für einen psychotischen Schub wahrgenommen. Der
Sachverständige führte aus, während der Exploration sei aufgefallen, dass der
Beschwerdeführer oft von sich aus gesprochen habe und nur schwer zu unterbrechen
gewesen sei. Im Untersuchungsverlauf habe er zunehmend den Fokus verloren. Ohne
die Hilfe des Sachverständigen hätte er jeweils nicht mehr zurück zum ursprünglichen
Thema gefunden. Im Verlauf des Gesprächs sei eine zunehmende Ermüdung
aufgefallen. Gegen Ende der Untersuchung habe der Sachverständige den Eindruck
gehabt, der Beschwerdeführer habe sogar Mühe gehabt, überhaupt noch wach zu
bleiben. Das Gedächtnis des Beschwerdeführers habe sich aber als sehr gut erwiesen.
So habe dieser bei der zweiten Untersuchung noch sehr genau gewusst, was während
der ersten Untersuchung besprochen worden sei. Affektiv habe der Beschwerdeführer
mittelgradig affektarm und mittelgradig affektstarr sowie leichtgradig deprimiert
gewirkt. Der Antrieb sei deutlich verarmt gewesen; insgesamt sei eine deutliche
Verlangsamung aufgefallen. Auch der neuropsychologische Sachverständige wies
darauf hin, dass ihm eine durchgängige leichte Verlangsamung, eine leichte Trübung
der Grundstimmung, eine Affektarmut sowie eine leichte Müdigkeit aufgefallen seien.
Die Testergebnisse hätten einer leichten bis mittelschweren neuropsychologischen
Störung entsprochen. Im Vergleich zur Voruntersuchung im September 2017 seien die
Ergebnisse schlechter ausgefallen. Allerdings seien die Schlussfolgerungen des im
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Auftrag von Dr. K._ tätig gewesenen neuropsychologischen Sachverständigen nicht
überzeugend. Die Einordnung der Befunde habe sich damals nicht an den
Empfehlungen des schweizerischen neuropsychologischen Dachverbandes orientiert.
Das Attest einer Einschränkung von höchstens 20 Prozent sei als unrealistisch zu
qualifizieren. Ätiologisch seien die aktuell erhobenen Befunde am ehesten im Rahmen
einer Schizophrenie mit einer schubförmigen psychotischen Symptomatik und einer
gegenwärtigen Negativsymptomatik einzuordnen. Ein Einfluss der langjährigen
Einnahme von Antipsychotika und von Lithium sei nicht auszuschliessen. Beeinträchtigt
seien vor allem die selektive Aufmerksamkeit, die verbalen episodischen
Gedächtnisfunktionen sowie verschiedene exekutive Teilfunktionen. Die
Funktionsfähigkeit sei unter den meisten beruflichen Anforderungen leicht
eingeschränkt. Bei Aufgaben mit hohen Anforderungen sei die Funktionsfähigkeit
mittelgradig eingeschränkt. Angesichts der deutlichen Verlangsamung, der deutlichen
Einschränkungen der Fähigkeit zur selektiven Aufmerksamkeit und zur Aufnahme von
verbalen Informationen, der reduzierten kognitiven Flexibilität, des erhöhten Zeitbedarfs
zur Interferenzunterdrückung, der Antriebsminderung, der wahrscheinlich reduzierten
Stressresistenz und der Gefahr eines erneuten psychotischen Schubes infolge von
Stresssituationen erscheine eine Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt aus
neuropsychologischer Sicht als eher unrealistisch. Der psychiatrische Sachverständige
Dr. N._ hielt fest, der Beschwerdeführer stamme aus einer über beide Seiten mit
psychischen, auch psychotischen, bipolaren Störungen und Abhängigkeitsstörungen
sowie mit Suizid schwerbelasteten Familie. Er habe sich schon früh mit hohen
psychosozialen Belastungen konfrontiert gesehen. Die Anamnese enthalte Hinweise
auf „kinderneurotische“ Symptome und weitere Auffälligkeiten. Der Beschwerdeführer
habe schon früh unter depressiven Symptomen und Suizidgedanken gelitten. Der erste
psychotische Schub habe sich wahrscheinlich auf einer Reise im Jahr 2003 durch
Beziehungsideen und einen religiösen Wahn gezeigt. In den Jahren 2006, 2011 und
2014 sei es zu weiteren psychotischen Schüben gekommen. Im Jahr 2014 habe der
Beschwerdeführer „groteske“ schizophreniforme psychotische Symptome gezeigt; er
habe sämtliche elektronischen Geräte im Holzofen verbrannt, Kampfübungen gemacht,
bei denen er Mobiliar zerstört habe, und sich in der Folge „fast zu Tode getrunken“. Im
Jahr 2015 habe er einen Suizidversuch mit Alkohol und Temesta unternommen. Im
Längsschnitt dieser langen Krankheitsgeschichte zeigten sich aus psychiatrischer Sicht
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keine Hinweise für eine Aggravation. Vielmehr sei es teilweise zu einer Dissimulation im
Sinne eines Verschweigens von Symptomen gekommen, was nicht untypisch für eine
psychotische Erkrankung sei. Im Rahmen der aktuellen Begutachtung hätten sich auch
im Querschnitt keine Hinweise auf eine nicht authentische Beschwerdeschilderung
oder Beschwerdepräsentation ergeben. Zusammenfassend sei von einer weit über 15
Jahre dauernden Krankheitsgeschichte mit einer frühen Inanspruchnahme von
ambulanten und mehreren stationären psychiatrischen Behandlungen auszugehen,
wobei schon bald nachvollziehbar eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden
sei. Diese habe nachweisbar früh zu Einschränkungen, zu einer bleibenden
Negativsymptomatik in Komorbidität mit einer depressiven Störung und einem
Alkoholmissbrauch geführt, obwohl der Beschwerdeführer durchgängig Neuroleptika
eingenommen habe. Die Argumentation von Dr. K._ in dessen Gutachten vom 28.
September 2017, die Situation bleibe unklar, weshalb keine psychiatrische Diagnose
gestellt werden könne, sei offensichtlich ohne die Berücksichtigung der damals bereits
zehn Jahre umfassenden, dokumentierten Krankheitsgeschichte erfolgt. Dr. K._ hätte
die vorangegangene Entwicklung zwingend würdigen müssen, was er aber nicht getan
habe. Die damalige neuropsychologische Testung habe keine beziehungsweise nur
geringe kognitive Einschränkungen ergeben, wobei zu betonen sei, dass diese nur die
kognitive Leistungsfähigkeit gemessen habe, die offenbar damals noch besser
gewesen sei; aus rein neuropsychologischer Sicht habe sich der Zustand des
Beschwerdeführers folglich verschlechtert. Diagnostisch liege eine schizoaffektive
Störung mit einer wahnbedingten Residualsymptomatik, einer Negativsymptomatik mit
einer mindestens leicht- bis mittelgradigen depressiven Symptomatik und einer leicht-
bis mittelgradigen neuropsychologischen Störung vor. Die Ausübung der ursprünglich
angestrebten Tätigkeit als Akademiker auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen
sei aus psychiatrischer Sicht auf Dauer ausgeschlossen. Dasselbe gelte auch für die
erlernte Tätigkeit als Informatiker. Dem Beschwerdeführer könne angesichts der
weitgehenden Beeinträchtigungen auch keine andere Tätigkeit in der freien Wirtschaft
zugemutet werden. Eine Eingliederung auf dem zweiten Arbeitsmarkt sollte dagegen
mittels einer geeigneten Unterstützung möglich sein. Zum Erhalt der aktuellen
Leistungsfähigkeit und zur Ermöglichung einer Eingliederung auf dem zweiten
Arbeitsmarkt müsse die aktuelle psychiatrische Behandlung fortgesetzt werden. Der
Beschwerdeführer sei bereits ab dem Jahr 2006 arbeitsunfähig gewesen. Ab November
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 28. Mai 2018 hat die Beschwerdegegnerin ein
Rentenbegehren des Beschwerdeführers vom Juni 2015 abgewiesen. Den Gegenstand
des Verwaltungsverfahrens hatte also die Prüfung eines Rentenanspruchs des
Beschwerdeführers gebildet, weshalb sich auch dieses Beschwerdeverfahren auf die
Frage beschränken muss, ob der Beschwerdeführer in der Zeit nach Juni 2015
respektive – unter Berücksichtigung des Art. 29 Abs. 1 IVG – ab dem 1. Dezember
2006 sei er in der Lage gewesen, eine berufliche Eingliederung einschliesslich einer
Ausbildung zum Informatiker zu absolvieren. Erst im Jahr 2012 seien wieder massive
Beschwerden aufgetreten, die aber nach wenigen Monaten so weit zurückgegangen
seien, dass der Beschwerdeführer seine Erwerbstätigkeit wieder habe aufnehmen
können. Ab Ende des Jahres 2014 hätten die gesundheitlichen Probleme wieder
zugenommen. Spätestens ab Ende Juli 2015 sei der Beschwerdeführer definitiv
bleibend nicht mehr arbeitsfähig gewesen.
Der Beschwerdeführer liess am 8. November 2021 Stellung zum Gutachten
nehmen (act. G 57). Seine Rechtsvertreterin beantragte, dass auf das Gutachten
abgestellt werde. Die Beschwerdegegnerin beantragte am 23. November 2021 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 58). Zur Begründung führte sie an, für den hier
massgebenden Zeitraum bis Ende Mai 2018 sei auf das Gutachten von Dr. K._
abzustellen. Der RAD habe nämlich aufgezeigt (vgl. act. G 58.1), dass gestützt auf die
beiden Gutachten von Dr. K._ und Dr. N._ von einer „Anfang 2020“ eingetretenen
Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen sei. Für die Zeit bis Ende
des Jahres 2019 sei deshalb gestützt auf das Gutachten von Dr. K._ von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführer liess am 16.
Dezember 2021 geltend machen (act. G 61), es sei „stossend und absolut
unverständlich“, dass der RAD das Gutachten von Dr. N._ zwar als nachvollziehbar
und plausibel qualifiziert, dann aber – davon abweichend – eine unerklärliche und
diagnosebedingt ausgeschlossene Verschlechterung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers konstruiert habe. Das Gutachten von Dr. N._ sei ja gerade
deshalb eingeholt worden, weil das Gutachten von Dr. K._ nicht überzeuge.
B.j.
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2015 einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung gehabt hat. Bei der
Anmeldung vom Juni 2015 hat es sich um eine sogenannte Neuanmeldung nach der
Abweisung eines früheren Rentenbegehrens gehandelt, weshalb das Eintreten darauf
die Erfüllung des im Art. 87 Abs. 3 IVV geforderten Kriteriums einer relevanten
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach der Abweisung des früheren
Rentenbegehrens vorausgesetzt hat. Das ist angesichts der aktenmässig
dokumentierten Verschlechterung und dem damit verbundenen Verlust der
Arbeitsfähigkeit, der von der RAD-Ärztin Dr. G._ im Mai 2016 bestätigt worden ist,
der Fall gewesen, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Neuanmeldung
eingetreten ist.
2.
Laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG hat eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder
verbessern kann, die während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem
Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität wird gemäss dem
Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach
der Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu jenem
Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben wäre.
3.
Der Beschwerdeführer hat im Herbstsemester 2005 ein Universitätsstudium begonnen,
aber er hat dieses – offenbar aus gesundheitlichen Gründen – noch im ersten Semester
abgebrochen. Allein aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer ein Studium
begonnen hat, lässt sich natürlich nicht mit hinreichender Plausibilität folgern, dass er
dieses Studium ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung auch erfolgreich abgeschlossen
hätte. Es kann also nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass die
Validenkarriere in der Ausübung einer Tätigkeit bestehe, die für Abgänger jenes
Studiums typisch sei. Die Akten enthalten keine weiteren Angaben, die die
Beantwortung der Frage, ob der Beschwerdeführer ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung das Studium erfolgreich hätte abschliessen können,
erlauben würden. Weil davon ausgegangen werden muss, dass die intellektuelle
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Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers durch eine Gesundheitsbeeinträchtigung
reduziert sein könnte, werden weitere Sachverhaltsabklärungen keine wesentlichen
neuen Erkenntnisse bezüglich der Frage liefern, ob der Beschwerdeführer ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung das Studium erfolgreich hätte abschliessen können.
Diesbezüglich liegt folglich eine objektive Beweislosigkeit vor. Diese wirkt sich in einer
lückenfüllenden analogen Anwendung des Art. 8 ZGB zulasten des Beschwerdeführers
aus, was bedeutet, dass für die Bestimmung der Validenkarriere (nur) die Matura
ausschlaggebend ist. Gemäss den Ergebnissen der Schweizer Lohnstrukturerhebung
(LSE) für das Jahr 2016 hat der Zentralwert der standardisierten Monatslöhne aller
Arbeitnehmer mit einer Matura 6’709 Franken betragen (LSE 2016, TA11). Dieser
Betrag liegt etwas unter dem Zentralwert der standardisierten Monatslöhne aller
Arbeitnehmer, die – unabhängig von ihrer Ausbildung – Tätigkeiten im
Kompetenzniveau 3 (komplexe praktische Tätigkeiten, die ein grosses Wissen in einem
Spezialgebiet voraussetzen) verrichten. Dieser hat sich nämlich auf 7’183 Franken
belaufen (LSE 2016, TA1). In der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zeigt sich eine
klare Tendenz zur fast ausnahmslosen Anwendung der TA1; eine Anwendung der TA11
kann lediglich bei qualifizierten Fachleuten mit Fach- und Hochschulabschluss in Frage
kommen (vgl. etwa das Urteil 9C_841/2013 vom 7. März 2014, E. 4.2 in fine, mit
Hinweisen), was beim Beschwerdeführer nicht der Fall ist. Für das Valideneinkommen
ist folglich auf den Zentralwert der Löhne aller Arbeitnehmer gemäss der TA1
abzustellen, die eine Tätigkeit im Kompetenzniveau 3 ausüben. Angesichts der
Anmeldung vom Juni 2015 kann ein allfälliger Rentenanspruch gemäss dem Art. 29
Abs. 1 IVG nicht vor dem Jahreswechsel 2015/2016 (frühestens per 1. Dezember 2015)
entstanden sein, weshalb auf die Ergebnisse der LSE 2016 abzustellen ist. Auszugehen
ist folglich von einem standardisierten Monatslohn von 7’183 Franken, was unter
Berücksichtigung einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden
einem Jahreslohn von 89’859 Franken entspricht.
4.
Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
zunächst die Invalidenkarriere zu definieren. Massgebend ist dafür, welche Tätigkeiten
dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht in welchem Umfang trotz der
Gesundheitsbeeinträchtigung zumutbar sind. An sich müssten dafür in freier
Beweiswürdigung sämtliche medizinische Akten ohne Rücksicht auf deren Herkunft
oder Art berücksichtigt werden, wobei jeweils deren Inhalt respektive deren „innere“
Überzeugungskraft ausschlaggebend sein müsste. Nach der bundesgerichtlichen
Auffassung lässt sich jedoch eine schematische Abstufung des Beweiswertes von
4.1.
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medizinischen Berichten anhand deren Herkunft mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung vereinbaren (statt vieler: BGE 125 V 351). Das Bundesgericht
unterscheidet vier „Klassen“ von medizinischen Berichten: Berichte von behandelnden
Ärzten („vierte Klasse“) verfügen generell nur über einen sehr eingeschränkten
Beweiswert, weil bei deren Würdigung der Erfahrungstatsache Rechnung getragen
werden muss, dass behandelnde Ärzte wegen ihrer auftragsrechtlichen Stellung in
Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten berichten (BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353
mit Hinweisen); auf Berichte von versicherungsinternen medizinischen
Sachverständigen („dritte Klasse“) kann dagegen generell abgestellt werden, sofern
nicht Zweifel an deren Überzeugungskraft bestehen, wobei allerdings bereits geringe
Zweifel genügen (BGE 135 V 465 E. 4.6 S. 471 mit Hinweisen); von einem
Administrativgutachten eines versicherungsexternen medizinischen Sachverständigen
(„zweite Klasse“) darf nach der bundesgerichtlichen Auffassung nur abgewichen
werden, wenn konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb S. 353 mit Hinweisen); von einem Gerichtsgutachten („erste
Klasse“) darf schliesslich nicht ohne zwingende Gründe abgewichen werden (Ueli
Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 43 N 64, mit Hinweisen; Urteil IV
2018/409 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 17. Juni 2020, E. 2.4 f.).
Beim Gutachten von Dr. N._ vom 4. Oktober 2021 handelt es sich um ein
Gerichtsgutachten und damit um ein Beweismittel, dem nach der bundesgerichtlichen
Auffassung per se ein sehr hoher Beweiswert zukommt („erste Klasse“) respektive von
dem nicht ohne einen zwingenden Grund abgewichen werden darf. Die Stellungnahme
der RAD-Ärztin Dr. G._ kann keinen solchen zwingenden Grund darstellen, da diese
Stellungnahme als ein Beweismittel „dritter Klasse“ qualifiziert werden muss, das nicht
mit einem Beweismittel „erster Klasse“ mithalten kann. Angesichts der Parteistellung
der Beschwerdegegnerin in diesem Beschwerdeverfahren könnte sogar die Frage
aufgeworfen werden, ob der Beweiswert der RAD-Stellungnahme nicht sogar mit
jenem eines Berichtes eines behandelnden Arztes verglichen und damit zu einem
Beweismittel „vierter Klasse“ zu degradieren wäre. Zudem erweist sich die
Stellungnahme von Dr. G._ als widersprüchlich, denn einerseits hat die RAD-Ärztin
das Gutachten von Dr. N._ als überzeugend qualifiziert, andererseits hat sie aber – im
Widerspruch zu den entsprechenden Ausführungen von Dr. N._ – dem Gutachten
von Dr. K._ doch einen relevanten Beweiswert zugemessen. Offenbar hat sie
verkannt, dass Dr. N._ dem seiner überzeugend begründeten Expertise nach nicht
lege artis erstellten Gutachten von Dr. K._ auch für die Vergangenheit keine
Überzeugungskraft zugebilligt hat. Die Behauptung von Dr. G._, der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers müsse sich „Anfang 2020“ verschlechtert
4.2.
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haben, ist wohl nur ein Versuch gewesen, die Widersprüchlichkeit zwischen den beiden
Gutachten von Dr. K._ und Dr. N._ zu beseitigen, ohne dem Gutachten von Dr.
K._ generell den Beweiswert absprechen zu müssen. Der Sachverständige Dr. N._
hat sich – anders als Dr. K._ – intensiv mit der Krankengeschichte des
Beschwerdeführers befasst und er hat diesen eingehend befragt und untersucht. Er hat
den für seine Beurteilung massgebenden medizinischen Sachverhalt sehr sorgfältig
und umfassend erhoben. Es besteht kein Anlass zur Annahme, dass er wesentliche
Tatsachen übersehen oder nicht gewürdigt hätte. In seinem Gerichtsgutachten hat er –
für medizinische Laien gut nachvollziehbar – zwischen den subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers und den für die Beurteilung ausschlaggebenden objektiven
klinischen Befunden unterschieden. Er hat die massgebenden Befunde (einschliesslich
der neuropsychologischen Testergebnisse) ausführlich dargestellt und gestützt darauf
überzeugend begründete Schlussfolgerungen hinsichtlich der Diagnosestellung und
der Arbeitsfähigkeitsschätzung gezogen. Das Gutachten enthält keine
Widersprüchlichkeiten. Weder im Gutachten selbst noch in den weiteren Akten finden
sich Anhaltspunkte, die Zweifel an der Überzeugungskraft der Schlussfolgerungen von
Dr. N._ bezüglich der Diagnosestellung oder der Arbeitsfähigkeitsschätzung wecken
würden, was aber nach der oben dargestellten bundesgerichtlichen Auffassung zu den
vier „Klassen“ von medizinischen Beweismitteln irrelevant ist, weil nur massgebend ist,
ob ein zwingender Grund gegen ein Abstellen auf das Gerichtsgutachten sprechen
würde, was eindeutig nicht der Fall ist. Das Gutachten von Dr. K._ ist als
Administrativgutachten nur ein Beweismittel „zweiter Klasse“. Zudem hat Dr. N._
ausführlich und überzeugend dargelegt, dass das Gutachten von Dr. K._ an
erheblichen fachlichen Mängeln leidet, da Dr. K._ die langjährige und in sich
konsistente Krankengeschichte des Beschwerdeführers aus nicht nachvollziehbaren
Gründen weitgehend ignoriert hatte. Dieser fachliche Mangel hatte das
Versicherungsgericht veranlasst, wesentliche Zweifel an der Überzeugungskraft des
Gutachtens von Dr. K._ zu hegen und deshalb ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu
geben. Das Gutachten von Dr. N._ beweist, dass die Einholung eines weiteren
Gutachtens zwingend erforderlich gewesen ist. Zusammenfassend steht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der
Beschwerdeführer spätestens seit Ende Juli 2015 nicht mehr in der Lage gewesen ist,
einer Erwerbstätigkeit in der freien Wirtschaft nachzugehen.
An sich müsste das vom Beschwerdeführer mit einer ideal leidensadaptierten
Tätigkeit in einem geschützten Rahmen zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen ausgehend von den Ausführungen des Sachverständigen Dr.
N._ genau ermittelt werden. Da der Beschwerdeführer aber überwiegend
4.3.
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5.
Dieser Verfahrensausgang ist als ein vollständiges Obsiegen des Beschwerdeführers zu
qualifizieren. Die angesichts des deutlich überdurchschnittlichen Verfahrensaufwandes
auf 1’000 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Diese hat auch die Kosten des Gerichtsgutachtens
von 22’875.90 Franken (vgl. act. G 53.1) zu bezahlen. Zudem hat sie dem
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung auszurichten. Der erforderliche
Vertretungsaufwand ist angesichts des langwierigen Schriftenwechsels im
Zusammenhang mit der Einholung des Gerichtsgutachtens und dem Zeitbedarf für das
Studium des Gerichtsgutachtens und die Stellungnahme dazu als deutlich
überdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Parteientschädigung auf 7’000
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.