Decision ID: 10dc9d46-3412-4de2-acbe-a475323ae56d
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1969 geborene
X._
absolvierte nach der Lehre zum Elektroplaner eine Weiterbildung zum Technischen Kaufmann
(
Urk.
1 S. 3,
Urk.
7/6/4).
In den Jahren 1995 bis 2011
war
er
im Verkaufs- und Projektmanag
e
ment in der IT
Branche
tätig, ab 2012 arbeitete er
als Bauleiter
und Funktechniker
(
Urk.
7/5
,
Urk.
7/9/188,
Urk.
7/32,
Urk.
7/34
,
Urk.
7/99/38
)
.
A
b dem
1.
November 2012
war er
arbeitslos
(
Urk.
7/8/201
,
Urk.
7/89/3
)
. A
m 10. Oktober 2013
verdrehte er sich
beim Abstieg von einem Surfbrett ins Wasser den rechten Fuss (
Urk.
7/9/219) und
zog
sich proximale Querfrakturen an den Mittelfussknochen II, III und IV ohne wesentliche Fehlstellungen zu, welche konservativ behandelt
wurden
(
Urk.
7/9/170-171,
Urk.
7/9/201)
. Am
4. Juli 2014 rollte sein Auto über seinen rechten Fuss, wobei er sich Distorsionen des Vorfusses und des Grosszehen
grund
gelenks rechts und
eine Kontusion
am Rücken zuzog (
Urk.
7/9/
100,
Urk.
7/9/11
6
).
Ab dem
1.
Februar 2015 war
er als Projektleiter/Fachbauleiter tätig. Diese Stelle wurde ihm, nachdem
rückwirkend ab
1.
Februar 2015 wieder einer Arbeitsun
fähigkeit von 50
%
angenommen worden war
, per Ende April 2015 gekündigt (
Urk.
7/8/201-202
,
Urk.
7/9/1
; vgl. auch
Urk.
7/9/85
)
. Am
2.
Juni 2015 erlitt
er einen weiteren Unfall, als er beim
Rollerbladesfahren
stürzte
(
Urk.
7/8/157
).
Dab
ei zog er sich eine Handgelenks
kontusion links sowie eine Brustwirbelsäulen
kontusion zu (
Urk.
7/8/149
).
Die Suva als
zuständiger Unfallversicherer schloss die drei Versicherungsfälle mit Verfügung vom 1
6.
Dezember 2015
und diese bestätigendem
Einsprache
ent
scheid
vom
6.
April 2017
auf Ende Januar 2016 ab und verneinte das Bestehen eines Rentenanspruchs
mit der Begründung, der
Versicherte
sei in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig
(
Urk.
7/53/2-3
; vgl. auch
Urk.
7/72/2
).
Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich hiess die vom Versicherten dage
gen erhobene Beschwerde mit dem Urteil UV.2017.00123 vom 2
2.
November 2019 in dem Sinne gut, dass es die Sache an die Suva zur
weiteren
Abklärung
der Frage, von welchen Beeinträchtigungen am rechten Fuss bei Erlass des ange
fochtenen
Einspracheentscheids
auszugehen war,
zurückwies
(vgl.
Urk.
1 S.
4)
.
1.2
A
m
1
4.
Dezember 2015
hatte sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet
(
Urk.
7/6)
. Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf berufliche Abklärungen
(
Urk.
7/5,
Urk.
7/16,
Urk.
7/32-34)
und holte
nebst Berichten der behandelnden Ärzte
das polydis
ziplinäre Gutachten
der
Y._
vom 2
8.
November 2016
ein
(
Urk.
7/52)
. Gestützt darauf
(
Urk.
7/54/5-6)
stellte sie dem Versicherten mit Vorbescheid vom
1
8.
Januar 2017
die Verneinung eines Anspruchs auf IV-Leistungen
in Aussicht
(
Urk.
7/55)
.
Dagegen erhob
der
Versi
cherte
unter Beilage eines mit «Second Opinion» betitelten Berichts von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie, vom
8.
Mai 2017 (
Urk.
7/72) sowie des Berichts des behandelnden
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vom 1
5.
November 2017 (
Urk.
7/80)
Einwände
(
Urk.
7/61,
Urk.
7/66,
Urk.
7/73,
Urk.
7/107/6-7; vgl. auch
Urk.
7/77
,
Urk.
7/79,
Urk.
7/81
)
. Daraufhin
holte die
IV-Stelle das weitere polydisziplinäre Gutachten
des
B._
vom
5.
Juli 2018 ein (
Urk.
7/99). Aufgrund von Rückfragen der IV-Stelle vom 1
9.
Juli 2018 (
Urk.
7/10
0) ergänzten die Gutachter ihre
Aus
führungen am 1
9.
September 2018 (
Urk.
7/104)
.
Da
im
B._
Gutachten
psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit
gestellt worden waren,
nahm die IV-Stelle
eine Ressourcen
prüfung vor (
Urk.
7/107/10-11)
.
Mit Verfügung vom 2
8.
November 2019
sprach
sie
dem
Versicherten
– nach Durchführung des
Vorbescheid
verfahrens
(
Urk.
7/109,
Urk.
7/
130
,
Urk.
7/143
,
Urk.
7/150
), in
dessen
Rahmen sich die
B._
Gutachter am 1
7.
Juni 2019 erneut zu Ergänzungsfragen der IV-Stelle vom 2
8.
März 2019 (
Urk.
7/133) äusserten (
Urk.
7/139)
–
ab
1.
Juni 2016 eine halbe Rente zu
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
André
Largier
, mit Eingabe vom 1
4.
Januar 2020 Beschwerde und beantragte die Zusprechung einer ganzen Rente ab Juni 2016 (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
7.
Februar 2020 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer am 2
4.
Februar 2020 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht nahm von Amtes wegen das Urteil
UV.2017.00123 vom 22.
Novem
ber 2019 als
Urk.
9
zu den Akten.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialv
ersicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderer
seits
-
er
lauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrund
lage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchs
frei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
ti
schen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
ver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Zusprechung der halben Rente ab
1.
Juni 2016 in der angefochtenen Verfügung damit, das von ihr in Auftrag gegebene Gutachten vom
5.
Juli 2018 habe ergeben, dass der Beschwerdeführer seit Februar 2015 noch
zu 50
%
arbeitsfähig sei
.
Im Rahmen der Begutachtung sei eine allgemeininter
nistische Untersuchung erfolgt,
die
unter Berücksichtigung der Fremdbefunde in den
Vorakten
keinen Hinweis auf eine Gesundheitsstörung des Herz-Kreislauf-Systems ergeben habe, welche die funktionelle Leistungsfähigkeit einschränke. Wegen der aktenkundigen Diagnose eines CRPS sei nebst der orthop
ä
dischen
auch
eine neurologische Untersuchung durchgeführt worden.
Die Gutachter hätten, entsprechend der ihnen gestellten Frage, diese Thematik unter Berück
sichtigung der vorliegenden Fremdbefunde mitbeurteilt.
Der Versiche
rungs
fall sei ein Jahr nach dem ersten Unfall vom 1
0.
Oktober 2013 eingetreten. Da sich der Beschwerdeführer erst am 1
5.
Dezember 2015 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet habe, werde die Rente ab Juni 2016
ausgerichtet
. Im Zeitpunkt des
Unfalls sei der Beschwerdeführer arbeitslos gewesen. Zuvor sei er im Verkaufs- und Projektmanagement im IT
Bereich tätig gewesen. Von den ein
geholten Arbeitgeberfragebögen sei nur derjenige der
C._
aussagekräftig.
Die vom Beschwerdeführer zur Veranschaulichung der Tätigkeit
Sales
Manager eingereichten Stelleninserate seien nicht massgeblich.
Eine Arbeit gemäss dem
im Arbeitgeberfragebogen
beschriebenen Tätigkeitsprofil sollte aus medizinischer Sicht im Rahmen eines 50
%
-Pensums umsetzbar sein.
Die Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit entspreche deshalb dem Invaliditätsgrad (
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
6)
.
2.2
Der Beschwerdeführer
stellt s
ich demgegenüber auf den Standpunkt, er habe Anspruch auf eine ganze Rente ab Juni 2016 (
Urk.
1 S. 2).
Bei der Berechnung des
Valideneinkommens
sei zu berücksichtigen, dass
er
für die
C._
von August bis November 2011 gearbeitet und gemäss Arbeitge
berfragebogen und Arbeitsvertrag ein Einkommen von brutto
Fr.
50'548.-- erzielt habe, was auf ein Jahr hochgerechnet einem Einkommen von
Fr.
151'644.-- ent
spreche.
In den Jahren 2002 bis 2012 habe er nicht durch
gehend gearbeitet, sondern sei zwisch
endurch arbeitslos
gewesen. Aus
gehend von den im IK-Auszug deklarierten, teils auf ein Jahr hochgerechneten Jahresein
kommen habe er in den Jahren 2002 bis 2012 durchschnittlich
Fr.
154'919.80 verdient. Dieser Betrag ent
spreche dem
Valideneinkommen
(
Urk.
1 S. 5 f.). Zur Ermittlung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit könne nicht auf das Gutachten des
B._
vom
5.
Juli 2018
abge
stellt werden, weil die Gutachter es versäumt hätten, ihn kardiologisch zu unter
suchen, und das im Vordergrund stehende CRPS nicht sachgerecht abgeklärt
hätten
. Der neurologische Gutachter habe die Budapest-Kriterien im Rahmen seiner klinischen Untersuchung derart oberflächlich und diffus geprüft, dass seine zusammenfassende Behauptung, die Kriterien seien nicht erfüllt, durch nichts belegt sei. Seine Kritik an den früheren Beurteilungen
durch
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Chirurgie, vom 8. Mai 2017
und
durch
Dr.
med.
A._
, Fach
arzt für
Orthopädische Chirurgie
, vom
1
5.
November 2017 überzeuge nicht.
Dr.
Z._
habe den klinischen Befund sehr differenziert und ausführlich beschrieben.
Zudem berufe sich
der neurologische
B._
Gutachter
auf Ergebnisse der apparativen Diagnostik (Skelettszintigraphie und MRT), welche erst Jahre n
ach dem erstmaligen Auftre
ten des CRPS erfolgt sei und deshalb keinen Aussa
gewert habe. Schliesslich
würden
im
B._
-Gutachten die von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
beschriebene Atrophie des rechten Fusses, die Instabilität des
Lisfranc’schen
Gelenkspalts und des Grosszehengrundgelenks rechts, das
Plica-Impingement
des Grosszehengrundgelenks rechts und die Überlastungssituation der
Musculus
tibialis
posterior
-Sehne rechts nicht thematisiert. Deshalb
sei
auf die Berichte von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
abzustellen (
Urk.
1 S. 6 ff.).
Die bisherige, sehr anspruchsvolle Tätigkeit als
Sales
Manager/Projektmanager setze eine grosse Stresstoleranz, Flexibilität, Präsenz und Reisefähigkeit voraus
.
Diese Eigenschaften weise er laut dem Gutachten des
B._
und der Stellungnahme des Regionalen Ärztliche
n Dienstes nicht mehr auf
(
Urk.
1 S. 8 f.)
.
Ein
Sales
Manager könne seine Zeit nicht frei einteilen und die Arbeit wahlweise teils im Innen-, teils im Aussendienst verrichten, wie das von der psychiatrischen
B._
Gut
achterin in ihrer Gutachtensergänzung vom
1
7.
Juni 2019
definierte Anforde
rungs
profil einer leidensangepassten Tätigkeit vorsehe. Schon gar nicht könne eine solche Tätig
keit
in einem Teilzeitpensum von 50
%
ver
s
ehen werden
(
Urk.
7/143/2-3).
Gerade auch d
eshalb sei der
von Februar bis April 2015 unter
nommene
Arbeitsversuch
gescheitert.
Da zudem mehr als fraglich sei, ob er medizinisch-theoretisch wegen der fehlenden Belastbar
keit und seine
r
Fussbe
schwerden
noch als Elektroplaner arbeiten könne
, sei für die Bemessung des Invalideneinkommens auf das als Hilfsarbeiter erzielbare Einkommen gemäss LSE
2016 abzustellen, was einem Jahreslohn von
Fr.
66'803.40 entspreche (Fr.
5'340
.--
x
12 :
40 x 41,7). Multipliziert mit dem zumutbaren Beschäftigungs
grad von 50
%
resultiere ein
Valideneinkommen
von
Fr.
33'401.7
0.
Gemessen am
Validen
einkommen
von
Fr.
154'919.80
ergebe sich
, ohne Berücksichtigung eines Leidensabzugs, ein Invaliditätsgrad von 78
%
. Selbst wenn das von der IV-Stelle gemäss Feststellungsblatt vom 3
1.
Oktober 2019 ermittelte
Valideneinkommen
von
Fr.
116'330.50 herangezogen werde, resultiere
ein Invaliditätsgrad von 71
%
. Somit stehe ihm eine ganze Rente zu (
Urk.
1 S. 8 ff.
; vgl. auch
Urk.
7/130,
Urk.
7/143
).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer wurde
am 2
8.
September und 2
5.
Oktober 2015 in der Gut
achtenstelle
Y._
orthopädisch, psychiatrisch, neurologisch und internistisch
begutachtet (
Urk.
7/52/1)
. Die beteiligten Fachärzte und Fachärztinnen hielten im Gutachten vom 28. November 2016 fest, es bestünden keine Diagnosen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/52/13)
:
-
Restbeschwerdesymptomatik rechter
Vorfuss
nach Mittelfussfrakturen II bis IV, nach regelrechter Konsolidierung und mittelgradiger Funktionseinschrän
kung der Zehengrund- und Mittelgelenke;
-
chronisch-rezidivierendes thorakales Schmerzsyndrom nach Kontusion;
-
Dysthymia
(ICD-10 F34.1);
-
Angststörung (ICD-10 F41.1);
-
Migräne ohne Aura;
-
K
oronare 2-Gefässerkrankung
;
-
arterielle
Hypertonie mit
hypertensiven
Entgleisungen;
-
Adipositas (BMI 28,3 kg/m2);
-
Zystitis, chronische Prostatitis 05/2015;
-
a
llergische Schockreaktion auf
Xarelto
10/2013;
-
Allergie/Unverträglichkeiten auf Penicillin, Acetylsalicylsäure etc.
Der Versicherte leide nach verschiedenen Traumata unter Schmerzen vor allem im rechten Fuss und im Bereich des linken Thorax. Im Rahmen der neurologi
schen Untersuchungen hätten keine Hinweise für eine
Radikulopathie
oder für eine
Myopathie
bestanden. Auch eine typische Morton-
Metatarsalgie
im rechten Fuss sei nicht nachweisbar, ein neurologisches Defizit liege nicht vor
(
Urk.
7/52/14
; vgl. auch
Urk.
7/52/51-52
).
Bei der orthopädischen Untersuchung des Ganges habe keine wesentliche Ein
schränkung der Abwicklung/Abrollung des Fusses festgestellt werden können. Die Beweglichkeit in den Grundgelenken der Zehen des rechten Fusses und in den Mittelgelenken sei etwa auf 50 % eingeschränkt, was jedoch die Abwicklung/Abrollung des Fusses beim Gehen nicht wesentlich beeinträchtige. Sekundär
arthrotische
Veränderungen hätten radiologisch ausgeschlossen werden können. Sodann bestünden gemäss der konventionellen radiologischen Untersuchung beidseits normale
ossäre
Strukturen und keine Anhaltspunkte für einen persistierenden Morbus
Sudeck
. Klinische Zeichen einer trophischen Störung, die pathognomonisch für ein persistierendes CRPS seien, liessen sich ebenfalls nicht objektivieren. Die Messung der Beinumfänge könne eine Schonung des rechten Beines ausschliessen (
Urk.
7/52/14-15;
vgl. auch
Urk.
7/52/
29-31
). Die beklagten Beschwerden liessen sich orthopädisch nicht begründen (
Urk.
7/52/32
).
Psychopathologisch bestünden eine milde, anhaltende
Dysthymia
sowie anamnestisch auch Hinweise für Angstgefühle und Panikattacken, die jetzt offenbar nicht mehr im Vordergrund stünden.
Durch die multiplen körperlichen Beschwerden und Einschränkungen sowie das Scheitern der beruflichen Aktivität sei es zu einem Gefühl der Hilflosigkeit gekommen, wobei der Versicherte ein ausgeprägtes kartesianisches
Krankheitsmodell pflege und verschiedene musku
läre und statische Probleme und Verletzungsfolgen als Ursache des Beschwerde
komplexes ansehe (
Urk.
7/52/15
).
Hinweise für Aggravation oder Simulation hätten nicht bestanden (
Urk.
7/
52/
18).
3.2
Der Chirurg
Dr.
Z._
hielt
in seinem mit «Second Opinion» betitelten
Gutach
ten
vom
8.
Mai 2017 (
Urk.
7/72/1) fest, d
ie Diagnose
n
im
Y._
-
Gutachten müss
t
e
n
ergänzt werden, da darin die Fraktur an der
Metatarsale
I nicht erwähnt worden sei (
Urk.
7/72/9
).
Aufgrund der im Verlauf aufgetretenen und bei der Untersuchung i
m
Y._
festgehaltenen Symptome seien die für die klinische CRPS-Diagnostik massgeblichen sogenannten «Budapest-Kriterien» (
Urk.
7/72/6
7) erfüllt.
Der
Beschwerdeführer
gebe an, an Dauerschmerzen im rechten Fuss,
die als brennend und bisweilen ziehend empfunden würden, zu leiden
(
Urk.
7/72/16). Die klinische Untersuchung
habe
Sensibilitäts
-
(
Urk.
7/72/17
) und Temperaturstörungen
ergeben
(
Urk.
7/72/18
), ferner
Störung
en
der Hautfarbe (
Urk.
7/72/18-19) und
der Schweisssekretion (
Urk.
7/72/19) sowie
motorische und trophische Störungen und eine Atrophie (
Urk.
7/72/19-21
).
Deshalb hätte auch ein CRPS I in der Diagnoseliste der Ärzte de
s
Y._
aufgeführt werden müssen (
Urk.
7/72/13).
Es gebe keine bildgebenden, apparativen oder laborchemischen Nachweise, die ein CRPS I objektivieren könnten. Die im Krankheitsverlauf mehr
fach wiederholte bildgebende Diagnostik mit durchwegs negativen Befunden sei für CRPS I-Erkrankungen kennzeichnend. Je länger die Erkrankung andauere und je ausgedehnter «ergebnislos» abgeklärt worden sei, desto sicherer sei die einmal gestellte Diagnose CRPS I. Diese Diagnose werde auch in den verschiedenen Aus
trittsberichten der Notfallstation des
D._
aufgeführt (
Urk.
7/72/11-12). Das CRPS I
sei unfallbedingt und
bestehe bis zum heutigen Zeitpunkt
mit wellenförmigem Verlauf
(
Urk.
7/72/26
). Aufgrund des CRPS I sei der Versicherte zu 100 % arbeitsunfähig im angestammten und zuletzt durchge
führ
ten Beruf (
Urk.
7/72/27).
Der Orthopädische Chirurg
Dr.
A._
hielt in seinem Bericht vom 1
5.
No
vember 2017 mit Blick auf
den
Befu
nd der MRI-Untersuchung des rechten
Vor
und Rückfusses nativ vom
5.
September 2017 fest,
der Morbus
Sudeck
verlaufe
stadienhaft
. Aktuell seien keine entzündlichen Veränderungen fassbar, allenfalls wäre die Phase der Dystrophie zu diskutieren (laut Patient Grössen
abnahme des Fusses, leichte
Atrophiezeichen
im Bereich der Knochen [
Urk.
7/80/3]). Damit sei die Phase der Dystrophie des rechten Fusses bei CRPS objektiv nachweisbar. Sodann bestehe eine Instabilität im Bereich des
Lisfranc’schen
Gelenkspalts und des Grosszehengrundgelenks, wodurch es zur Ausbildung
Plica
-artiger Struk
turen mit intermittierenden Einklemmungen am MTP-I-Gelenk komme. Als Folge des unfallbedingten CRPS verbleibe der Beschwerdeführer in seinem zuletzt ausge
übten Beruf zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/80/4).
3.3
3.3.1
Am
9.
und 1
0.
Juli 2018 wurde der Beschwerdeführer in der Gutachtenstelle
B._
orthopädisch, psychiatrisch, neurologisch und allgemeinmedizinisch begutachtet (
Urk.
7/99/1).
Die Expertise vom
5.
Juli 2018 wird durch ergänzende Aus
führungen der psychiatrischen Gutachterin vom 1
9.
September 2018 (
Urk.
7/104) und 1
7.
Juni 2019 (
Urk.
7/139) komplettiert.
Die
B._
-Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisierte Angststörung sowie eine somatofo
rme
Schmerzstörung im Sinne einer undifferenzierten Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.4)
.
Ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit seien die folgenden Diagnosen
(
Urk.
7/99/10)
:
-
c
hronisches belastungsabhängiges Schmerzsyndrom Mittelfuss und Gross
zehengrundgelenk
rechts ohne objektiv fassbare Befunde im Sinne einer segmentalen, einer peripher-neurogenen Läsion bzw. eines Dystro
p
hie-Syn
droms
nach
F
raktu
r
M
etatarsalia
II bis IV rechts,
nach Überrolltrauma Fuss rechts am
4.
Juli 2014,
nach regelrechter
Konsolidierung
der Frakturen (MRI 2
1.
Oktober 2014)
und
ohne Arthrosen/
Pseudarthrosen
;
-
Thoracic
-outlet-Phänomen der
Arteria
subclavia
links ohne Hinweis für strukturelle
Arteriopathie
;
-
c
hronisch
es
z
erviko
thorakales
Schmerzsyndrom
mit
Brachialgi
e
links ohne objektiv fassbare B
efunde im Sinne einer spinalen, einer
radikulären
bzw. einer peripher-neurogenen Läsion
;
-
Status nach Kontusion
von Handgelenk und Schulter links, HWS und BWS (
2.
Juni 2015) mit altersentsprechender HWS und BWS (MRI vom
6.
Januar 2016) sowie einem Reizsyndrom des
Ramus
superficialis
nervus
radialis
im Narbenbereich am linken Handgelenk radial (Verdacht auf iatrogene Läsion)
-
Status nach NSTEMI am 1
1.
Juni 2014, Stent-Einlage
;
-
Arterielle
Hypertonie;
-
Status nach Distorsion Grosszehengrundgelenk links am
8.
Mai 2002
;
-
chronische Prostatitis
laut Akten
;
-
Allergie
n
/Unverträglichkeiten auf
verschiedene Medikamente
3.3.2
Die allgemeinärztliche Untersuchung habe mit Ausnahme einer arteriellen Hypertonie keine fachspezifischen somatischen Befunde
erbracht
(
Urk.
7/99/9
).
Die orthopädische Untersuchung habe bei der Gangprüfung ein sehr diskretes Hinken bei flottem Gang ergeben. Der rechte Fuss habe eine normale Form auf
gewiesen, Längs- und Quergewölbe seien erhalten gewesen und es hätten sich keine umschriebenen
Druckdolenzen
im Mittelfussbereich gefunden. Es habe keine Farbauffälligkeit, keine Temperaturdifferenz, keine vermehrte Schweiss
sekretion erhoben werden können; zudem seien kräftige Fusspulse getastet wor
den. Anlässlich der Untersuchung hätten sich keine Anhaltspunkte für einen Mor
bus
Sudeck
/
ein
CRPS ergeben. Auch hinsichtlich der Wirbelsäule seien keine Pathologien feststellbar gewesen. Die Wirbelsäule sei gut beweglich gewesen, ohne paravertebralen thorakalen Hartspann sowie ohne umschriebene Klopf- und
Druckdolenzen
. Es habe eine erhebliche Diskrepanz zwischen den subjektiv geklagten Beschwerden im Bereich des rechten Fusses und der Wirbelsäule sowie den klinischen und radiologischen Befunden bestanden (
Urk.
7/99/8-90).
Aus neurologischer Sicht seien keine zentralnervösen, spinalen oder
radikulären
Läsionen fassbar gewesen, und ebenfalls keine Symptome für ein Dystrophie-Syndrom im Sinne eines CRPS
am rechten Fuss (
Urk.
7/99/9).
Dr.
Z._
habe in seiner Stellungnahme vom
8.
Mai 2017 im Gegensatz zum neurologischen
B._
-Gutachter und zu den neurologischen Voruntersuchern die Budapest-Krite
rien als erfüllt betrachtet. Seine Beurteilung
und seine Argumentation
sei
en
wenig überzeugend.
Auch die vom Chirurg
en
Dr.
A._
im Bericht vom 1
5.
November 2017 gestellte Diagnose eines «CRPS Fuss rechts (dystrophe
Phase)»
sei anhand der von diesem Arzt dokumentierten
uneindeutigen
klinischen und unauffälligen radiologischen Befunde schwer nachvollziehbar (
Urk.
7/99/62
,
Urk.
7/99/64
).
Aufgrund von Charakter und Vielfalt der geklagten Beschwerden bestehe ein starker Verdacht auf eine wesentliche psychische Komponente des
Schmerzsyndroms. Unverkennbar seien die Einengung des Beschwerdeführers auf seine weitgehend therapieresistenten Schmerzen sowie der starke Leidensdruck (
Urk.
7/99/64).
3.3.3
Der Versicherte leide seit mindestens sechs Monaten unter einer Anspannung, Besorgnis und Befürchtung in Bezug auf alltägliche Ereignisse und Probleme
. In der Vergangenheit seien w
iederholt Episoden mit vegetativen Symptomen
aufge
treten (
Palpitationen
, Her
z
klopfen, erhöhte Herzfrequenz, Schweiss
ausbrüche, Zittern, Atembeschwerden, Beklemmungsgefühl,
Thorax
schmerzen
und Miss
empfindungen, abdominale Missempfindungen und Übelkeit, Schwäche und
Benommenheit, Schwindel, Unsicherheit, Ängste, Hitzegefühle, Kribbelempfin
dungen
, Muskelverspannungen, Schmerzen, Ruhelosigkeit, Unfähigkeit zu ent
spannen, Nervosität und psychische Anspannung, Klossgefühl im Hals, Schlaf
störungen). Aufgrund dieser Symptomatik seien
aus psychiatrischer Sicht
die diagnostischen Kriterien einer generalisierten Angststörung erfüllt
(
Urk.
7/99/5,
Urk.
7/99/78-79)
.
Der Beschwerdeführer habe den im Juni 2014 erl
ittenen Nicht-ST-Hebungsinfarkt
(NSTEMI)
, bei welchem es an sich um ein
sehr kleines Infarkt
geschehen gehe,
fehlverarbeitet. Er habe
danach
Angst vor einem erneuten Herz
infarkt gehabt und immer wieder einen drohenden Herzinfarkt phantasiert, was zu wiederholten Vorstellungen auf der Notfallstation geführt habe. In diesem Zusammenhang sei es zur Entwicklung der Angststörung gekommen, die für den Beschwerdeführer ein hoch akutes, bedr
ohliches Zustandsbild darstelle (
Urk.
7/99/
5-7).
Es
sei aktenmässig dokumentiert, dass der Heilungsverlauf nach den diversen Unfällen ab Oktober 2013 schwierig
g
ewesen
und den Ärzten
dabei
aufgefallen sei
, dass der Beschwerdeführer mit Angst reagiert
hab
e. Als weiterer Ausdruck der Fehlverarbeitung sei es zu einer Schmerzstörung gekommen, welche nicht das klassische Bild einer anhaltenden somatoformen Schmerzstö
rung zeige. Der Beschwerdeführer
klage
über andauernde Schmerzen im rechten Fuss seit dem ersten Unfall. Zu diesem Zeitpunkt sei er in einer psychosozial angespannten Situation
mit verschiedenen finanziellen und familiären Belastun
gen
gewesen
, welche sich auf die Entwicklung
der
Schmerzstörung ausgewirkt hätten (
Urk.
7/99/7).
Selbst wenn anfänglich ein Morbus
Sudeck
(CRPS I) bestan
den habe, sei ein solcher sicher nicht mehr vorhanden und stehe daher als Erklä
rung f
ür das Ausmass der berichteten S
chmerzen und Funktionseinschrän
k
ungen im rechten Fuss nicht zur Verfügung (
Urk.
7/99/8).
Bei allen Untersuchern habe der Beschwerdeführer im Rahmen der bis zu drei Stunden dauernden Abklärun
gen keine Einschränkung der kognitiven Funktionen gezeigt (
Urk.
7/99/8).
Der Beschwerdeführer
sei stressintolerant, ängstlich und auf seine somatischen Veränderungen fixiert. Er
könne seine Symptome nicht konkret erfassen,
sei nicht in der Lage, sich nach aussen zu orientieren, zeige deutliche dysfunktionale
Denk- und
Verhaltensweisen und
bezüglich
seiner psychischen Probleme eine deutliche Abwehr. Er sei nicht flexibel, könne sich nicht auf neue Situationen einstellen, reagiere bei Beanspruchung mit vermehrtem Stress und mit
Angstattacken
beziehungsweise mit einer deutlichen Schmerzzunahme. Diese Symptome verar
beite er fehl, was zu einem Teufelskreis führe
(
Urk.
7/99/11,
Urk.
7/99/78,
Urk.
7/99/80
,
Urk.
7/139/2
; vgl. auch
Urk.
7/99/5)
.
Hinweise für eine Persönlich
keitsstörung bestünden nicht.
Die
(finanzielle)
Abhängigkeit
von der Ehefrau
, die Stellenlosigkeit sowie die fehlenden finanziellen Mittel und Schulden belasteten
den Beschwerdeführer stark. Durch die lange Nicht-Erwerbstätigkeit bestehe auch eine Orientierungslosigkeit bezüglich zukünftiger Erwerbsmöglichkeiten
(
Urk.
7/99/11,
Urk.
7/99/
79-
80)
.
Auch wenn die
Klagen des Beschwerdeführers konsistent seien, zeige sich eine ausgeprägte Diskrepanz zwischen Chronizität und Ausmass der Beschwerden und spärlichen objektiv fassbaren Befunden. Auch ergäben sich in der Anamnese Widersprüche, wobei insbesondere die Benutzung von Rollerblades, welche am
2.
Juni 2015 zum erneuten Unfall geführt habe, angesichts der angegebenen erheblichen Geh
behinderung
durch die rechts
seitigen Fussbeschwerden schwer verständlich sei.
Unter Berücksichtigung der psychischen Beeinträchtigungen
sei
der Beschwerdeführer
sowohl in der ange
stammten Tätigkeit als Elektroplaner als a
uch in jeder anderen Tätigkeit
nur noch zu 50
%
arbeitsfähig (
Urk.
7/99/12).
D
ie gesundheitliche Gesamtsituation
habe sich
nach der
Y._
-Begutachtung verschlechtert
und das psychische Leiden
sei
zunehmend in den Vordergrund
getreten
. Zudem
sei
die (psychische) Fehlverar
beitung der somatischen Beeinträchtigungen im Verlauf deutlicher und deshalb
im
B._
-
Guta
c
hten
anders gewichtet
geworden. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit bestehe s
eit Februar 2015
, als der Beschwerdeführer seinen Arbeitsversuch als Projektleiter gestartet habe
(
Urk.
7/104).
Ihm
sei schon in der Vergangenheit
eine
psychosomatische Konsultation empfohlen worden (
Urk.
7/99/6). Bezüglich der Notwendigkeit einer psychiatrischen Therapie bestehe eine grosse Abwehr, da er sich als psychisch gesund betrachte und seine Symptome rein auf die
Somatik
zurückführe (
Urk.
7/99/6). Die psychische Symptomatik sei
deshalb noch
nie adäquat behandelt worden
(
Urk.
7/99/7,
Urk.
7/139/2).
Es werde empfohlen, dem
Beschwerdeführer
den
Besuch einer Psychotherapie im Rahmen der Mitwirkungspflicht
aufzuerlegen
(
Urk.
7/99/81
;
vgl. auch
Urk.
7/106,
Urk.
7/125,
Urk.
7/
142,
Urk.
7/146,
Urk.
7/149,
Urk.
7/155
).
Eine Verbesserung
der Symptome sei möglich, wenn
er
in
einer ambulanten Therapie
da
mit konfrontiert werde.
Er habe mit seinem Einsatz im Jahr 2015 gezeigt, dass er es schaffe, eine neue Arbeitsstelle anzutreten. Hingegen sei ein Pensum von 100
%
für ihn schwierig zu realisieren. Die Gewöhnung an die neue Situation sei mit einem gewissen Stress verbunden, er müsse sich zudem mit den eigenen Grenzen und den innerpsychischen Konflikten auseinandersetzen
. Auch müsse er gebremst werden, damit er sich nicht selbst überfordere (
Urk.
7/99
/
12-13,
Urk.
7/139)
. Die therapiebegleitete Konfrontation an einem Arbeitsplatz –
auch im früheren Tätigkeitsbereich als
Sales
Manager - sei für den weiteren Verlauf
aber
prognos
tisch günstig. Der Beschwerdeführer könne mit einem Teilzeitpensum seinen Tag gestalten und eigenständig Pausen einlegen, er könne Home-Office-Zeiten
einplanen, könne im Innen- und Aussendienst arbeiten. Nach der Einarbeitungs
zeit sei er mit den Aufgaben betraut
,
die Angst gehe zurück und die Stresstoleranz erhöhe sich (
Urk.
7/139).
4.
4.1
Zwischen den Parteien besteht zu Recht Einigkeit, dass zur Ermittlung des Invaliditätsgrades im hier interessierenden Zeitraum nicht auf das
Y._
Gut
achten vom 2
8.
November 2016 (
Urk.
7/52) abzustellen ist. Die
Y._
-Gutachter waren zum Ergebnis gekommen, dass der Beschwerdeführer zwar unter einer
Dysthymia
(ICD-10 F34.1) und einer generalisierten Angststörung (ICD-10 F41.1) leide, dass unter Berücksichtigung seiner körperlichen Beeinträchtigungen aber keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könnten (
Urk.
7/52/13-16,
Urk.
7/52/43). Aufgrund der ergänzenden Stellung
nahme der
B._
–Psychiaterin vom 1
9.
September 2018 kann
aber
davon ausge
gangen werden, dass sich die
gesundheitliche Gesamts
ituation nach der
Y._
Begut
achtung verschlechterte
und
das psychische Leiden
zunehmend in den Vor
dergrund trat. Zudem wurde
d
ie (psychische) Fehlverarbeitung der
somatischen Beeinträchtigungen im Verlauf deutlicher und deshalb von der
B._
Psychiaterin anders gewichtet (
Urk.
7/104).
Dieser Einschätzung folgte auch
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
,
vom Regionalen Är
ztlichen Dienst RAD in seinen
Stellungnahme
n vom 1
7.
Januar und
3.
Oktober 2018 (
Urk.
7/107/5-7,
Urk.
7/107/9-10)
.
4.2
Unbestritten ist auch, dass
die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s
in der angestammten Tätigkeit sowie in behinderungsangepassten Verweisungs
tätig
keiten
aufgrund der von den
B._
-Gutachtern gestellten
psychiatrischen
Diagno
sen
seit
Februar 2015
zu 50
%
eingeschränkt
ist
(
Urk.
2 S. 4)
. Die
IV-Stelle hat zur Überprüfung der Plausibilität dieser Einschätzung sowohl die Stellungnahme ihres RAD-Arztes
Dr.
E._
vom 3./
4.
Oktober 2018 eingeholt (
Urk.
7/107/10) als auch
am 1
5.
Oktober 2018 eine Ressourcenprüfung
aus Rechtsanwendersicht vor
nehmen lassen
, welche zur Anerkennung eines massgebenden Gesundheitsscha
dens führte
(
Urk.
7/107/10-11).
Es besteht kein Grund, von
dieser Beurteilung abzuweichen:
Die
B._
Psychiaterin hat dargelegt, dass der Beschwerdeführer
keine Einsicht in seine psychische Erkrankung hat, auf das somatische Denken fixiert ist und über eine eingeschränkte Flexibilität, Umstellungsfähigkeit und Stresstoleranz verfügt. Er ist nicht in der Lage, sich auf neue Situationen einzustellen und ist bei Stress
rasch überfordert, woraufhin er vermehrte Schmerzen beziehungsweise Angst
attacken erlebt. Die Fehlverarbeitung dieser Symptome führt zu einem Teufels
kreis
. Es bestehen zahlreiche dysfunktionale Denk- und Verhaltensweisen
(
Urk.
7/99/80).
Diese Krankheitsd
ynamik
ist nachvollziehbar.
Die psychiatrische Gutachterin erhob eine Liste
zahlreicher
vegetativer Symp
tome, die beim Beschwerdeführer episodenhaft auftreten und als körperlich unangenehm sowie subjektiv bedrohlich wahrgenommen werden (
Urk.
7/99/5-6). D
er neurologische
B._
-Gutachter
wies
darauf hin,
dass
die Einengung des Beschwerdeführers
auf seine Schmerzen sowie der starke Leidensdruck unver
kennbar seien (
Urk.
7/99/64). Damit
ist eine erhebliche Ausprägung der diagnose
relevanten Befunde erstellt. Die bisherigen Behandlungs- und Eingliederungsver
suche verliefen erfolglos, und es bestehen körperliche Komorbiditäten (allerdings ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit).
Der Beschwerdeführer wird zwar nicht durch eine Persönlichkeitsstörung beeinträchtigt, es bestehen aber Belastungs
faktoren wie die
fehlende Einsicht in
die
psychische Erkrankung
und die Unfähigkeit,
die
Symptome konkret zu erfassen (
Urk.
7/99/78,
Urk.
7/99/80)
,
den im
Y._
-Gutachten erwähnten Hang zu vermehrter Eigenbeobachtung (
Urk.
7/52/18),
die
Abhängigkeit
von der Ehefrau, die Stellenlosigkeit sowie die fehlenden finanziellen Mittel und Schulden
(
Urk.
7/99/80)
.
Die Klagen des Versi
cherten wer
den von den
B._
-Gutachtern als k
onsistent eingestuft (
Urk.
7/99/11
,
Urk.
7/99/65
)
, lediglich das Ausmass der geklagten Folgen seiner Beeinträchti
gungen sei inkonsistent (
Urk.
7/99/80).
A
uch die
Y._
-Gutachter hielten fest, es bestünden keine
Anhaltspunkte für Aggravation oder Simulation (
Urk.
7/52/18).
Der Beschwerdeführer
ist – auch nach Auffassung der
Y._
-Gutachter
(
Urk.
7/52/22,
Urk.
7/52/44)
– in allen Lebensbereichen
annähernd
gleicher
massen eingeschränkt (
Urk.
7/99/64,
Urk.
7/
99/76
) und die bisherigen
–
aller
dings nur somatisch-fachärztlichen – therapeutischen Bemühungen weisen einen erheblichen Leidensdruck aus
(
Urk.
7/52/45)
.
Schliesslich hat die
B._
-Psychia
terin in ihrer Gutachtens
ergänzung vom
1
7.
Juni 2019 überzeugend d
ar
gelegt, dass der Beschwerdeführer beim Antreten einer neuen Stelle
(
auch mit
begleitender Psychot
herapie
) Zeit brauch
e
, um sich an eine
höhergradige
Erwerbstätigkeit zu gewöhnen. Er werde am Anfang Angst haben und es müsse ihm die notwendige Zeit eingeräumt werden, um sich bei der Einarbeitung mit den eigenen Grenzen und den innerpsychischen Konflikten auseinandersetzen zu können
(
Urk.
7/139)
.
Die aus psychiatrischer Sicht bescheinigte Arbeitsunfähig
keit von 50
%
in sämtlichen Tätigkeiten erscheint
somit
im Lichte der
rechtspre
chungsgemäss
massgeblichen
Standardindikatoren
sc
hlüssig (vorstehend E. 1.2).
4.3
4.3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob auch auf die Beurteilung der somatischen Teilgut
achter des
B._
abgestellt werden kann.
4.3.2
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, im
B._
hätte auch eine kardiologi
sche Untersuchung durchgeführt werden müssen (
Urk.
1 S.
6), ist ihm zu entgeg
nen, dass die allgemeinmedizinische
Begutachtung
unter Berück
sichtigung der kardiologischen Vorberichte keine Anhaltspunkte für relevante funktionelle Aus
wirkungen des Herz-Kreislauf-Systems auf die Arbeitsfähigkeit ergab (
Urk.
7/99/37-43
; vgl. auch
Urk.
7/150/3-4). Da keine kardiologischen Berichte vorliegen,
aus
denen etwas
anderes
hervorgeht
, besteht kein Anlass, an dieser Einschätzung zu zweifeln.
4.3.3
Bereits im Urteil
des Sozialversicherungsgerichts UV.2017.00123 in Sachen des Beschwerdeführers
(
Urk.
9
)
-
bei dessen Erlass dem Gericht das
B._
-Gutachten vom
5.
Juli 2018
noch nicht vorlag -
wurde festgehalten, dass auf die Beurteilung von
Dr.
Z._
vom
8. Mai 2017
, dass ein CRPS I vorliege,
nicht abgestellt werden
könne
;
sie
widerspreche
den Einsch
ätzungen sämtlicher behandelnder
Fachärzt
e
und
sei
im Auftrag des Beschwerdeführers erstellt worden.
D
er Beur
teilung von
Dr.
A._
vom 1
5.
November 2017
m
angle
es an einer genügenden Auseinandersetzung mit dem Krankheitsverlauf
, weshalb diese
als Beurteilungsgrundlage ebenfalls nicht geeignet sei
(E. 5.3 und 5.5).
Mit diesen beiden Berichten hat sich i
nsbesondere der neurologische Gutach
ter des
B._
eingehend
auseinandergesetzt.
Er
hat
ebenfalls darauf hin
gewiesen
, dass die von
Dr.
Z._
bejahten Budapest-Kriterien nach Ausweis der Untersu
chungsbefunde der neurologischen Voruntersucher nicht erfüllt
waren
.
A
ufgrund eigener ausführlicher
klinischer
Untersuchungen
ist er
zum
gleichen
Ergebnis gelangt
.
Ferner
hat er
aufgezeigt
, dass eine weitere wichtige Voraussetzung für die Diagnose eines CRPS,
nämlich
dass eine andere, die Schmerzen hinreichend erklärende Diagnose nicht vorliegt, beim Beschwerdeführer aufgrund der Hin
weise für eine psychische Schmerzkomponente kritisch hinterfragt werden
muss
. Hinsichtlich des Berichts von
Dr.
A._
hat der neurologische
B._
-Sach
verständige
erklärt
, dass die von jenem Arzt dokumentierten klinischen Befunde allein für die Diagnose eines CRPS
nicht ausreichen und die 3-Phasen Skelett
szinti
graphie vom 1
9.
August 2016 sowie das native MRI des rechten Fusses vom 1
0.
März 2017
keinerlei Hinweise auf einen Morbus
Sudeck
beziehungsweise ein CRPS enthalten, weshalb die
durch
Dr.
A._
gestellte
Diagnose eines «CRPS Fuss rechts» schwer nachvollziehbar sei (
Urk.
7/99/60-62).
D
iese Ausführungen
im
B._
-Gutachten
überzeugen.
De
m
Einwand des Beschwerdeführers,
die vom
B._
-Neurologen angeführte apparative Diagnostik (Skelettszintigraphie
vom 1
9.
August 2016
und MRT
des rechten Fusses vom 1
0.
März 2017
)
sei erst Jahre nach dem erstmaligen Auftreten des CRPS erfolgt und habe deshalb keinen Aussagewert (
Urk.
1 S. 7 f.), ist nicht
zu folgen
,
ging es doch darum, die Diagnose eines CRPS im gesamten Verlauf bis zur Erstellung des
B._
-Gutachtens zu überprüfen. Zudem ergibt sich gerade auch aus dem vom Beschwerdeführer eingereich
ten wissenschaftlichen Aufsatz
(
Urk.
3/4)
, dass apparative Methoden nebst dem klinischen Befund unterstützend zum Einsatz kommen können und sowohl die 3-Phasen-Knochenszintigraphie als auch die Kernspintomographie in verschiedenen Phasen eines CRPS auffällige Befunde ergeben können (Christian
Maihöfner
, Apparative Diagnostik, in: CRPS
Complex
regional
pain
syndrome
, Suva-Publikation 2771.d, Ausgabe Februar 2013, S. 79 f.). Solche bestanden beim Beschwerdeführer jedoch nicht (
Urk.
7/
99/62).
D
er diskrete Grössenunterschied zwischen dem rechten und linken Fuss wurde im (orthopädischen)
B._
-Gutachten
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
berücksichtigt
(
Urk.
7/99/49), ebenso wie
die Beurteilung des
MRI-Befund
s
vom
5.
September 2017
durch den Radiologen
(
Instabilität des
Lisfranc’schen
Gelenk
spalts und des Grosszehengrundgelenks rechts,
Plica-Impingement
des Gross
zehengrundgelenks rechts und verstärkte Belastung der
Plantarfaszie
mit akuter Reizung am
Tuber
calcanei
[
Urk.
7/99/50-51]).
Für die Beurteilung entscheidend war aber
, dass der
B._
-Orthopäde im Bereich des rechten Fusses weder Druck- und Bewegungsschmerzen noch wesentliche funktionelle Einschränkungen erhob (auch im Bereich
des
Lisfranc’schen
Gelenkes)
und
die
Frakturen auch aufgrund des radiologischen Befunds als
durchgebaut
erachtete (
Urk.
7/99/49,
Urk.
7/99/53-54
).
Aufgrund des Gesagten vermögen die Berichte von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
die Einschätzung der
B._
-Gutachter, dass kein CRPS I diagnosti
ziert werden
kann
, nicht zu erschüttern.
Es ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle darauf abgestellt hat.
4.4
Damit steht gestützt auf das
B._
-Gutachten vom
5.
Juli 2018 fest
, dass der Beschwerdeführer ab Februar 2015 wegen seiner psychischen Einschränkungen in jeder Tätigkeit zu 50
%
arbeitsunfähig ist.
5.
5.1
Strittig und zu überprüfen ist auch die Berechnung des Invaliditätsgrades
mittels eines Einkommensvergleichs (vgl. vorstehend E. 1.4)
.
5.2
5.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE
139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versiche
rung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwen
den (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
5.2.2
Die in den IK-Auszügen aufgeführten Jahreslöhne weisen keine kontinuierliche Entwicklung auf. Während
d
er
Beschwerdeführer
ab 1999
als Verkaufs
/
Aussen
dienstmitarbeiter
in der IT-Branche
zunehmend höhere
Jahreseinkommen von bis zu knapp über
Fr.
150‘000.-- in den Jahren 2003 und 2004 erzielte, ging das Einkommen in den Folgejahren wieder zurück
und schwankte stark
(
Urk.
7/89/2
3
; vgl. auch
Urk.
1 S. 5 f.
).
2005 und 2006
erwirtschaftete
er in der IT-Branche noch Jahreseinkommen von
Fr.
95‘575.-- und
Fr.
136‘340.--. In den Folgejahren erzielte er bei wechselnden Arbeitgebern als Verkaufs-/
Aussen
dienstmitarbeiter
in der IT-Branche (
Urk.
7/5), immer wieder unterbrochen
durch
mehrmonatige Phasen von Arbeitslosigkeit, Einkünfte von
Fr.
6‘712.-- im
Januar
2007,
Fr.
32‘499.--
von April bis Juni
2008,
Fr.
75‘950.--
von März bis Dezember
2009,
Fr.
27‘015.-- im Jahr 2010 und
Fr.
50‘546.--
von August bis November
2011 (
Urk.
7/89/2-3). Das
ab
1.
August 2011 bestehende
Arbeitsverhältnis im
Aussendienst
/Verkauf
mit
der
C._
wurde ihm nach fünf Monaten wegen seiner
Performance
gekündigt (
Urk.
7/34
/1
,
Urk.
7/34/8
)
und die Arbeitgeberin deklarierte nicht, dass der Lohn der Arbeitsleistung entsprochen hätte
(Urk. 7/34/4)
.
Zuletzt
kehrte
er als gelernter Elektroplaner wieder zu seinen beruflichen Ursprüngen
in die Baubranche zurück
. Ab 3
0.
Januar 2012 arbeitete er für fünf Monate als Bauleiter (
Urk.
7/32), danach als Funktechniker (
Urk.
7/9/188,
Urk.
7/99/38).
I
m Zeitpunkt seines ersten Unfalls
am
1
0.
Oktober 2013
(
Urk.
7/9/219)
war er
arbeitslos
(
Urk.
7/8/201
,
Urk.
7/89/3
)
und
versah
danach – mit
A
usnahme
des
erfolglosen
Arbeitsversuchs
als Fachbauleiter
während
einiger
Monate
ab Februar 2015 –
keine Erwerbstätigkeit
mehr
(
Urk.
7/8/201-202,
Urk.
7/9/1
,
Urk.
7/9/188
,
7/52/39,
Urk.
7/89/3
,
Urk.
7/99/38
)
. Im
massgeblichen
Zeitpunkt des
frühestmöglichen
Rentenbeginns im Juni 2016 – sechs Monate nach der Anmeldung zum Leistungsbezug am
1
4.
Dezember 2015
(
Urk.
7/6
;
Art.
29
Abs.
1
IVG
) – hatte er
während knapp
drei Jahren
keine längerdauernde Anstellung mehr
gehabt
(
Urk.
7/89/3)
.
Angesichts dieser
unstetigen
Erwerbslaufbahn
vor Eintritt des Gesundheits
schadens
hilft die
empirische Erfahrung, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre,
zur Ermittlung des
Validenein
kommens
nich
t
weiter
.
Es kann nicht auf das letzte im IK-Auszug ausgewiesene Einkommen abgestellt werden.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers geht es auch nicht an, während den Zeiten, in
denen er arbeitslos war,
einfach anzu
nehmen, er hätte weiterhin den am letzten Arbeitsplatz erzielten Lohn
erhalten
, und die letzten Jahreseinkommen
gemäss
IK-Auszug entsprechend hochzurech
nen
(
Urk.
1 S. 5 f.
)
; denn auf diese Weise würde
ein effektiv nicht erzieltes Ein
kommen bei der Ermittlung des
Valideneinkommens
berücksichtigt.
Im Übrigen darf die
bezogene Arbeitslosenentschädigung
, welche nicht Ausdruck
d
er erwerb
lichen Leistungsfähigkeit bildet,
bei der Bestimmung des
Validenlohns
nicht berücksichtigt werden (
Art.
25
Abs.
1
lit
. c
der Verordnung über
die Invaliden
versicherung (IVV)
sowie
Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Art.
28a
Rz
19
).
Das
Valideneinkommen
ist deshalb gestützt auf die Tabellenlöhne der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (
LSE
)
festzusetzen.
5.2.3
D
ie
IV-Stelle
ist
gemäss
Feststellungsblatt
vom 3
1.
Oktober 2019 zur Ermittlung des
Val
i
deneinkommens
(wie auch des Invalideneinkommens)
vom
standardisier
ten Monatslohn (
Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeits
stunden
) für Männer im Bereich Informationstechnologie und Informations
dienstleistungen gemäss der LSE 2016 TA 1_tirage_skill_level,
Ziff.
62-63, Total, von
Fr.
9'299.-- ausgegangen
(
Urk.
7/150/6; vgl. auch
Urk.
1 S. 9
,
Urk.
2 S. 4 f.
)
. Das Abstellen auf die Löhne der IT-Branche erscheint indes nicht gerechtfertigt.
Für diesen
Bereich verfügt der Beschwerdeführer
zwar über Berufserfahrung vor
allem im Verkauf, aber
über keine fundierte Ausbildung
(
Urk.
7/5/2-5)
. Gleich
zeitig befinden sich seit einigen Jahren mehr Fachleute mit spezifischer Ausbil
dung für die IT-Branche auf dem Arbeitsmarkt.
Der starke
, kontinuierliche
Ein
kommensrückgang
als
Aussendienst
mitarbeiter in
der IT-Branche
in den Jahren 2005
bis 2011
, die wiederholten längeren Arbeitslosigkeiten,
sowie
die Rückkehr
in die angestammte Baubranche im Jahr 2012 lassen es als überwiegend w
ahr
scheinlich erscheinen, dass
er als Gesunder
im Jahr 2016
in der Baubranche
tätig wäre in Funktionen,
in die er seine
Ausbildung
und
mehrjährige
Berufserfahrung
als Elektroplaner
(
Urk.
7/4/1,
Urk.
7/5/5)
und
die
Weiterbildung als Technischer Kaufmann
einbringen kann
. Deshalb ist das
Valideneinkommen
gestützt auf
den
standardisierten Monatslohn
für Männer im Baugewerbe (LSE 2
016
TA 1_tirage_skill_level,
Ziff.
41-43)
mit dem Kompetenzniveau 3 (=Komplexe p
rak
tische Tätigkeiten welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen)
in Höhe von
Fr.
7'356.--
zu bestimmen.
Ein Abstellen auf den Tabellenlohn für das höchste Kompetenzniveau
4 vermag die Aus- und Weiterbildung des Beschwerdeführers, welche kein (Fach
)Hochschulstudium
umfasste, nicht zu begründen.
Hochgerechnet auf ein Jahr
und
die betriebsübliche Arbeitszeit in der Baubranche von 41,4 Stunden im Jahr 2016 resultiert ein
Valideneinkommen
von
Fr.
91'361.50
(=
Fr.
7'356.-- x
12 :
40 x 41,4)
.
Zwar ergäbe eine Hoch
rechnung des Lohns gemäss IK-Auszug in den letzten drei mehrmonatigen Arbeitsverhältnissen in der Baubranche,
wo
der Beschwerdeführer meist eine leitende Funktion hatte (
Urk.
7/89/3)
,
auf ein ganzes Jahr
einen höheren
Lo
hn
(vgl.
auch
Urk.
1 S. 6)
. Allerdings zeigen die Angaben im IK-Auszug, dass der Beschwerdeführer auch als Gesunder in der Vergangenheit solch hochbezahlte
(teilweise leitende)
Positionen nicht über längere Zeit zu halten vermochte
und deshalb immer wieder während mehreren Monaten arbeitslos war
(
Urk.
7/89/2
3).
Die IV-Stelle hat denn auch darauf hingewiesen, dass er
in den Jahren 2011 bis 2013 inklusive Arbeitslosenentschädigung durchschnittlich
Fr.
81'809.65 ver
diente
(
Urk.
7/107/11; vgl. auch
Urk.
7/89/3).
Mithin
bestehen
keine hinreichen
den Gründe zur Annahme,
er würde heute im Gesundheitsfall mehr als
Fr.
91'361.50 verdienen.
5.3
Unter Berücksichtigung
der psychischen Beeinträchtigungen ist der Beschwerde
führer sowohl in der angestammten Tätigkeit als Elektroplaner als auch in jeder anderen Tätigkeit noch zu 50
%
arbeitsfähig.
Da
er
nicht mehr erwerbstätig ist, ist das Invalideneinkommen ebenfalls anhand der LSE-Tabellenlöhne zu bestimmen.
Aufgrund seiner
psychischen
Leiden
ist
d
er
Beschwerdeführer
stress
intolerant, ängstlich
,
auf seine somatischen Veränderungen fixiert
und unflexi
bel
.
Diesen Einschränkungen hat die
B._
-Psychiaterin durch die Anerkennung
einer quantitativen Verminderung des beruflichen Leistungspotentials um 50
%
Rechnung getragen
, weil der Beschwerdeführer seinen Tag gestalten, eigenstän
dige Pausen einlegen, Home-Office-Zeiten einplanen sowie im Innen- und Aus
sendienst arbeiten können muss (
Urk.
7/139/2).
Hingegen
wird
d
er
Beschwerde
führer
laut
den
B._
-Gutachte
r
n durch
das psychische
Leiden nicht kognitiv eingeschränkt
(
Urk.
7/99/8
)
;
er
kann
die erworbenen Fachkenntnisse als Elektroplaner und Technischer Kaufmann
somit
grundsätzlich uneingeschränkt anwenden. Deshalb ist auch beim Invalideneinkommen auf den Tabellenlohn für Tätigkeiten in der Baubranche mit dem Kompetenzniveau 3 abzustellen
.
D
amit ist, gleich wie beim
Valideneinkommen
, zunächst von einem Jahreslohn von
Fr.
91'361.50
auszugehen. Wird dieses Einkommen auf das gesundheitlich noch zumutbare 50%ige Beschäftigungspensum umgerechnet und zusätzlich
berück
sichtigt, dass
d
er
Beschwerdeführer
gesundheitsbedingt
nicht mehr in der Lage ist
, gewisse qualitativ anspruchsvollere (Führungs-)
Funktionen
mit hoher emotionaler Belastung und zeitlichem
Druck
zu versehen
,
und
dass nur noch Teilzeitarbeit
möglich ist
,
rechtfertigt sich
ein
l
eidensbedingter Abzug von höchstens 15
%
(vgl.
zum Ganzen Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bun
desgerichts zum Sozial
versicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversi
cherung,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Art.
28a
Rz
100 ff., insbesondere
Rz
102 und 106 f.
mit Hinweisen
)
. Somit
resultiert ein Invalideneinkommen von mindestens
Fr.
38'828.65
(=
Fr.
91'361.50
x 50
%
x 85
%
)
.
5.4
Wird das
Valideneinkommen
von
Fr.
91'361.50 mit dem Invalideneinkommen von
Fr.
38'828.65
verglichen,
ergibt sich
bei einem invaliditätsbedingten Minder
verdienst von
Fr.
5
2'532.85
ein Invaliditätsgrad von
gerundet 57
%
. Dieser
begründet den Anspruch auf die
mit der angefochtenen Verfügung ab
Juni 2016
zugesprochene halbe Rente
(vorstehend E. 1.3)
. Die Beschwerde ist folglich abzu
weisen.
6.
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
800.
--
zulasten des unter
liegenden Beschwerdeführers (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).