Decision ID: 8955ae34-e584-4bfc-989e-0103a7a3d266
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, war als Verkäuferin bei der
A._
AG tätig, als sie am 19. September 2005 mit ihrem Personenwagen einen Verkehrsunfall erlitt und sich Fussverletzungen sowie
eine Distorsi
on der Halswirbelsäule (HWS) zu
zog
(Urk. 13
/4
/125, Urk.
13
/4/
1
3
5, Urk.
13
/5
,
Urk.
13/279
).
Am 31. Oktober 2006 meldete sie sich
unter Hinweis auf die Unfall
folgen, welche ihre Arbeitsfähigkeit weiterhin einschränkten,
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 13
/7).
Am
17. Juni 2010 wurde die vom Unfallversicherer angeordnete medizinische Expertise der Gutachtenstelle
B._
fertiggestellt
(
Urk.
13
/96/1), wobei darin auch die Ergänzungsfragen der IV-Stelle hinsichtlich der zumutbaren Restarbeitsfähigkeit beantwortet wurden.
Am 2
6.
August 2010
nahmen
die Gutachter
zu
ergänzende
n
Fragen
Stellung
(
Urk.
13
/105/2-3).
Auf Basis der gutachterlichen Beurteilung, dass die Versicherte in einer leidensange
passten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig sei
(
Urk. 13
/96/93)
, ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 62
%
(vgl.
Urk.
13/113/8-15,
Urk.
13
/128)
und sprach
der Versicherten
mit
Verfügung
vom 8. November 2011
eine
Dreiviertelsrente
ab dem
1.
September 2006
zu
(Urk.
13
/130, Urk.
13
/140-145)
.
Mit Eingabe vom 8. Dezember 2011
erhob
die Versicherte
da
gegen
Beschwerde und beantrag
te
, es sei das Gutachten der
B._
aus dem Recht zu weisen und es sei ihr gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 70
%
eine
ganze
Rente zuzusprechen (
Urk.
13
/
150
/3-4
). Mit dem Urteil
IV.2011.01315 vom 1
3.
März 2015 hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die Beschwerde in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung vom
8.
November 2011 aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese den medizinischen Sach
verhalt und das Ausmass der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit weiter abkläre und hernach über den Rentenanspruch neu verfüge (
Urk.
13
/174).
Auf die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (Urk.
13
/179) trat das Bundesgericht nicht ein (Urteil des Bundesgerichts 8C_297/2015 vom 22. Juli 2015 [Urk.
13
/187]).
1.2
Ende August 2015 begann die IV-Stelle mit der Umsetzung des Rückweisungs
urteils des Sozialversicherungsgerichts (Urk.
13
/189
)
und
holte zunächst bei den behandelnden
Ärzten Verlaufsberichte ein
(
Urk.
13/205,
Urk.
13/207,
Urk.
13/209
,
Urk.
13/220
)
.
Da
nach
ordnete sie die allgemein-internistische, neu
rologische, orthopädische und psychiatrische Begutachtung der Beschwerdefüh
rerin durch die Gutachtenstelle
C._
an (
Urk.
13/222
-223
).
Die Gutach
ter der
C._
attestierten der Versicherten am 1
5.
August 2016 ebenfalls eine 50
%
ige Restarbeitsfähigkeit
in einer
leidensangepassten Tätigkeit
(
Urk.
13/256/99).
Nachdem die Gutachter ihre Expertise
auf Rückfrage der IV-Stelle am
4.
Oktober 2016
dahingehend präzisiert hatten, dass
die Aufnahme einer beh
inderungsangepassten Tätigkeit
frühestens im März 2008 möglich gewesen sei
(
Urk.
13/260; vgl. auch
Urk.
13/272/8
-9
), stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid
vom 2
4.
Januar 2017 die Zusprechung einer gan
zen Rente ab September 2006 sowie einer
Dreiviertelsrente
ab dem
1.
Juni 2008 in Aussicht (
Urk.
13/274).
Die Versicherte liess dagegen
Einwand erheben (
Urk.
13/281
,
Urk.
13/299
) und reichte zwei
Stellungnahme
n
ihres behandelnden Schmerzmediziners zum Gutachten der
C._
ein
(
Urk.
13/278
,
Urk.
13/298
).
Die Gutachter der
C._
ihrerseits beantworteten am 1
7.
März und 2
3.
Mai 2017 weitere Fragen der IV-Stelle (
Urk.
13/287,
Urk.
13/294
). Mit
zwei
Verfügung
en
vom
1
2.
September 2017
hielt die IV-Stelle an ihrer Beurteilung fest und
sprach
der
Versicherten
eine
ganze Rente ab
1.
Sep
tember 2006
(
Urk.
5/2)
und
eine
Dreiviertelsrente
ab
1.
Juni 2008
(
Urk.
2)
zu.
2.
Mit
zwei separaten
Eingabe
n
vom 1
3.
Oktober 2017 erhob die Versicherte, ver
treten durch Rechtsanwalt
Dr.
Massimo
Aliotta
,
gegen die beiden Verfügungen vom 1
2.
September 2017
Beschwerde und beantragte, es sei ihr auch ab dem
1.
Juni 2008 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen; eventualiter
habe das Gericht ein
neues polydisziplinäres Gutachten einzuholen,
subeventualiter
sei die Sache zur Einholung eines neuen Gutachtens an die IV-Stelle zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte die Versicherte die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels, die Durchführung einer öffentlichen Verhandlung gestützt auf
Art.
6 EMRK sowie die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessfüh
rung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person von Rechtsanwalt
Dr.
Massimo
Aliotta
(
Urk.
1 S. 2 f.
,
Urk.
5/1 S. 2 f.
).
Angesichts der zwei Beschwerdeschriften legte das Gericht zunächst zwei Beschwerdeverfahren (IV.2017.01110 und IV.2017.01111) an. Mit Verfügungen vom 2
4.
Oktober 2017 vereinigte es den zweiten Prozess Nr. IV.2017.01111 mit dem vorliegenden Ver
fahren IV.2017.01110 und schrieb den jüngeren Prozess als dadurch erledigt ab (
Urk.
5/5,
Urk.
6). Mit Beschwerd
e
antwort vom 1
5.
Januar 2018 beantragte die IV-Stelle, es sei der Beschwerdeführerin eine
reformatio
in
peius
anzud
rohen; das
I
nvalideneinkommen sei gestützt auf die Erhebungen des Bundesamtes für Statistik ermittelt worden, dabei sei aber fälschlicherweise ein leidensbedingter Abzug von 10
%
vorgenommen worden. Ohne diesen Abzug resultiere ein Inva
liditätsgrad von 57
%
, welcher lediglich Anspruch auf eine halbe Rente gebe (
Urk.
12). Am 1
7.
April 2018 zog die Beschwerdeführerin ihr Gesuch um Durch
führung einer öffentlichen
Verhandlung zurück (
Urk.
19). Mit Verfügung vom
9.
Mai 2018 gewährte ihr das Gericht die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihr
Rechtsanwalt
Dr.
Massimo
Aliotta
als unentgelt
lichen Rechtsvertreter (
Urk.
20).
In der Replik vom
5.
Juni 2018 beantragte die Beschwerdeführerin, es sei davon abzusehen, ihr eine
r
eformatio
in
p
eius
anzudrohen, und hielt im Übrigen an ihren Beschwerdeanträgen fest (
Urk.
21 S. 2).
Die IV-Stelle verzichtete auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
23).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2008 und am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenver
sicherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten.
In materiell-rechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefoch
tene Verfügung ist am
12. September 2017
– und somit nach Inkrafttreten der IV-Revision
en 5 und
6a – ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen
, ab
1.
Januar 2008 auf die neuen Normen der
5.
IV-Revision sowie
ab
1.
Januar 2012
auf die
revi
dierten Bestimmun
gen der Revision 6a
abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445
.; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
Im Folgenden
werden die massgeblichen Gesetzesbestimmungen – soweit nichts
anderes
vermerkt ist –
in der seit dem
1.
Januar 2012
geltenden Fassung zitiert.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen
psychischer Krankheiten,
nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichter bis mittelschwerer Depressionen,
sind Indikatoren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederung
sanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
2.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei au
s
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
3
.
3
.1
Im Prozess IV.2011.01315 war zu beurteilen, ob
der Beschwerdeführerin
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von mindestens 70
%
eine Rente zuzusprechen
sei.
Zur Feststellung des medizinischen Sachverhalts hatte die IV-Stelle auf das
inter
disziplinäre neurologische, rheumatologische, orthopädische
u
nd neuropsychiat
rische
Gutachten der
B._
vom 1
7.
Juni 2010
und den Nachtrag zum Gutachten vom
2
6.
August 2010
abgestellt
(
Urk. 13
/96,
13/105/2-3
).
Die
B._
diagnosti
zierte aus polydisziplinärer Sicht ein chronisches
Zervikovertebralsyndrom
links
betont, chronische
posttraumatische Kopfschmerzen, einen Status nach Com
motio cerebri am 1
9.
September 2005, eine
als Anpassungsstörung einzuord
nende
Affektstörung mit depress
iven und aggressiven Elementen
und ein chro
nisches Schmerzsyndrom beider Füsse als Folge der am 1
9.
September 2005
erlittenen Fussverletzungen (
Urk. 13/96/
72).
Die Gutachter
ging
en
davon aus, dass
die Nackenbeschwerden,
zumindest teilweise
die Kopfschmerzen, die Miss
empfindungen in der linken Hand sowie die Fussschmerzen
mit den festgestellten Veränderungen an der HWS, den
muskulären
Befunden im Nacken-/Schultergür
tel links und
den
neurologischen
Befunde
n
an den
unteren Extremitäten erklärbar seien. Auch die psychischen Beschwerden seien aufgrund des klinischen Befunds, des Psychostatus und des Ergebnisses der testpsychologischen Evaluation erklär
bar (Urk.
13/96/
74).
D
ie Arbeitsfähigkeit
sei
aufgrund der negativen Wechselwir
kung zwischen den
somatischen und den psychischen Beschwerden deutlich ein
geschränkt, da die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin dadurch erheblich leide
. In einer leidensangepassten Tätigkeit, die in ausschliesslich sitzender Position erfolge, sei die Versicherte
aktuell
zu 50 % arbeitsfähig.
Diese Beurteilung gelte seit dem Unfall vom 1
9.
September 200
5
(Urk.
13/96/76-78
und
13/96/
92-
93,
Urk.
13/105/
2
).
Im Rückweisungsentscheid IV.2011.01315 vom 1
3.
März 2015
gelangte
das
Sozialversicherungsgericht
zur Beurteilung, dem
B._
-Gutachten könne nicht eindeutig entnommen werden, in welchem Ausmass die Arbeitsfähigkeit durch die somatischen und die psychischen Unfallf
olgen sowie den gesamten Gesund
heits
schaden unter Berücksichtigung der negativen Wechselwirkungen zwischen psy
chischen und somatischen Beschwerden beeinträchtigt werde. Deshalb könne nicht abschliessend beurteilt werden, ob allfälli
ge psychisch bedingte Einschrän
kungen in der attestierten 50%ige
n
Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt worden seien. Ange
sichts dieser Unklarheiten und d
er Tatsache, dass das
B._
-Gut
achten primär auf die Beantwortung der unfallversicherungsrechtlichen Frage nach der Kausalität der Beschwerden ausgerichtet gewesen sei, habe die IV-Stelle ergänzende Abklärungen zu tätigen
(
Urk. 13
/174).
3
.2
In Nachachtung des Rückweisungsurteils des Sozialversicherungsgeri
chts holte die IV-Stelle das
allgemein-internistische, neurologische, orthopädische und psychi
atrische G
utachte
n der
C._
vom 1
5.
August 2016
ein
. Die Beschwer
deführerin gab den Gutachtern an, nach den diversen Operationen ihrer am 1
9.
September 2015
verletzten
Füsse sei eine stark eingeschränkte Gehfähigkeit verblieben. Sie habe bis heute Dauerschmerzen in beiden Füssen sowie anhaltende Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm. Weiter bestünden
Kon
zentrations
- und Schlafstörungen sowie rezidivierende Kopfschmerzen.
Zudem sei sie auch psychisch krank
(
Urk.
13/256/54,
Urk.
13/256/76,
Urk.
1
3/256
/94).
Die Gutachter diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung
, gegenwärtig mittelgradige Episode mit soma
tischem Syndrom, persistierende Fussschmerzen mit eingeschränkter Belastbarkeit nach dem Unfall vom 2
0.
September 2005 und mehreren Operationen, eine post
traumatische
Chopartgelenksarthrose
links eine leichtgradige
Interphalangealarth
rose
D1-5 beidseits, ein
en
Senk-Spreizfuss beidseits,
einen
Hallux
valgus
und
eine
n
Fersensporn links plantar, ein
subacromiales
Impingementsyndrom
der linken Schulter
bei
Rotatorenmanschettendegeneration
sowie eine chronische Lumbalgie bei degenerativen Veränderungen und einer Hyperlordose
(
Urk.
13/256/93)
.
Zusätzlich nannten die
Sachverständigen
folgende Nebendiagnosen ohne wesent
liche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
myofasziale
zervikozephale
und –brachiale Schmerzen bei Wirbelsäulenfehlhaltung; eine
Osteochondrose
C5/6,
Dis
kusprotrusion
C4/5 sowie Spondylose und
Unkarthrose
im Abschnitt C4/5;
femoro
patellare
Schmerzen links bei muskulärer
Dysbalance
; eine beginnende mediale Gonarthrose links; eine u
n
spezifisc
he neurokognitive Einschränkung
der Dauer
aufmerksamkeit, geteilten Aufmerksamkeit, Interferenz, Handlungs- und Planungsfunktion, vermutlich anlagebedingt; eine Sensibilitätsstörung des
Nervus
plantaris
lateralis
und des
Nervus
suralis
beidseits ohne neuropathisches Schmerzsyndrom; ein
Restless
-
legs
-Syndrom; eine sensible Irritation im linken Arm bei muskulärem
Thoracic
-Outlet-Syndrom,
welche
differentialdiagnostisch
als
zervikaler Wurzelreiz C7 links/
pseudoradikuläre
r
Schmerz aufzufassen sei
; chroni
sche Kopfschmerzen vom Spannungstyp und
Attackenkopfsch
merzen
,
die
diffe
rentialdiagnostisch
als
Migräne mit einfachen Attacken/
migränoide
n
Kopfschmer
zen bei Medikamentenübergebrauchs-Kopfschmerz
einzuordnen seien
; ein
Status
nach HWS-Distorsion und Schädel-Hirn-Trauma Grad I-II, eine substituierte Hypothyreose, aktuell
euthyreot
; eine Adipositas Grad II (
Urk.
13/256/93
f.
).
D
ie
Experten
gelangten nach polydisziplinären Besprechungen zur Beurteilung (
Urk.
13/256/9
4 ff.
)
, aus orthopädischer Sicht sei die
Belastbarkeit und Funktion beider Füsse erheblich eingeschränkt; die Beschwerdeführerin könne nicht abrollen und ke
ine Ausgleichsbewegungen durch K
ippen des Fusses nach lateral und medial durchführen. Im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule bestünden leichtgradige degenerative Veränderungen ohne wesentliche Funktionsbeeinträchtigung oder neurologische Defizite. Die ebenfalls geklagten Knie- und Handgelenksbeschwer
den seien
myotendinogener
beziehungsweise
myofaszialer
Natur.
Wegen dem Funktionsdefizit beider
unteren Sprunggelenke, den Dauerschmerzen bei posttrau
matischer
Chopart
-Arthrose, der eingeschränkten Belastbarkeit aufgrund des man
gelnden Abrollverhaltens
beider Füsse, dem
subacromialen
Impingement
bei
Rota
torenmanschettendegeneration
und der leichtgradig eingeschränkten Belastbarkeit der Wirbelsäule
s
e
i
die Beschwerdeführerin
auch in einer adaptierten Tätigkeit
mit
telgradig
eingeschränkt
: Schwere und mittelschwere Tätigkeiten, ständiges Gehen und Stehen, Treppensteigen und Gehen auf unebenem Gelände seien aus ortho
pä
discher Sicht nicht mehr zumutbar
.
Eine angepasste Tätigkeit sei der Beschwer
de
führerin im Rahmen ein
e
s 50%-Pensums zumutbar (
Urk.
13/256/95,
Urk.
13/256/99).
Aus neurologischer
und
allgemein-internistischer Sicht
hätten
keine Erkrankungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben werden
können
. Aus psychiat
rischer
Warte
sei aufgrund der objektivierbaren Befunde aktuell von einer rezidi
vierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig mittelgradigen Episode aus
zugehen.
Gestützt auf
die
Aktenlage sei davon auszugehen, dass
sich
wegen der langwierigen Rehabilitation nach dem Unfall und der anhaltenden Schmerzsymp
tomatik, der finanziellen Sorgen und Existenzängste sowie der Befürchtung, dass die Kinder ausziehen könnten, ab Februar 2008
zunehmend
eine affektive Störung entwickelt
hab
e.
Diese sei anfänglich als Anpassungsstörung interpretiert worden, müsse aber nach zweijähriger Dauer gemäss ICD-10 umcodiert werden.
Es könne n
icht ganz ausgeschlossen werden, dass früher eine durch den Unfall ausgelöste posttraumatische Belastungsstörung bestanden habe.
Anhaltspunkte für eine Somatisierungsstörung bestünden
nicht.
Aus psychiatrischer Sicht sei davon aus
zugehen, dass die Beschwerdeführerin seit der Begutachtung in der
B._
auch in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
13/256/95-98).
Abschliessend hielten die Gutachter fest, die Arbeitsfähigkeit werde
in erster Linie
durch die orthopädischen und psychischen Beeinträchtigungen eingeschränkt.
In den zuletzt aus
geübten Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin seit dem Unfall vom 2
0.
September 2005 zu 100
%
arbeitsunfähig.
Ab sofort sei sie in einer überwie
gend
sitzenden Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, ohne ein
seitige Zwangshaltungen, ohne Klettern und Leitersteigen, ohne ständiges Trep
pengehen und ohne ständigen Armeinsatz rechts über Schulterhöhe zu 50
%
arbeitsfähig
. Die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen nicht mehr arbeiten zu können, sei aus poly
disziplinärer Sicht teilweise nachvollziehbar
(
Urk.
13/256/98-99).
Am
4.
Oktober 2016 beantworteten die Gutachter der
C._
Ergänzungs
fragen der IV-Stelle
.
Sie
erklärten
,
nach dem Unfall vom 2
0.
Juni (richtig: Septem
ber)
2005 sei die Beschwerdeführerin wegen der Operationen und der nötigen Rehabilitation aus orthopädisch-chirurgischer Sicht zunächst für sämtliche Tätig
keiten zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. A
ufgrund der Aktenlage falle der November 2006 als Beginn der Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten nicht in Betracht. Medizinisch-theoretisch komme hierfür frühestens der März 2008 in Frage, also sechs bis acht Wochen nach der Operation des Sprunggelenks im Januar 200
8.
Spätestmöglicher
Beginn der Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätig
keiten sei der Begutachtungszeitpunkt (
Urk.
13/260).
3.3
Dr.
D._
, Facharzt für Innere Medizin vom Regionalen Ärztlichen Dienst, gelangte gestützt auf das Gutachten der
C._
am 1
7.
Oktober 2016 zur Beurteilung, dass die 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit frühestens ab März 2008 – sechs bis acht Wochen nach der Operation des Sprung
gelenkes im Januar 2008 - bestehe. Für die Zeit davor könne keine Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeit
en
angenommen werden (
Urk.
13/272/8-10).
3.4
Am
9.
Dezember 2016
nahm der behandelnde
Arzt
Dr.
E._
, Facharzt für
Chirurgie, Schmerzspezialist SGSS mit Fähigkeitsausweis für
interventionelle
Schmerzmedizin
SSIPM
(
Urk.
13/298/2)
und leitender Arzt der multidisziplinären Schmerzklinik des Spitals
F._
zum Gutachten Stellung. Zunächst kritisierte er, an der Begutachtung sei kein Facharzt mit einem Fähigkeitsausweis oder einem geschützten Titel im Bereich Schmerzmedizin beteiligt gewesen.
Bei chronischen Schmerzen handle es sich um ein eigenständiges Krankheitsbild, welches aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten 5-10 Jahre als solches unterdessen akzeptiert sei. Als Folge chronischer Schmerzen, welche häufig medikamentös nicht suffizient reduziert werden könnten, komme es durch Ausbil
d
ung
myofas
zialer
Triggerpr
oblematiken
und durch zentrale W
ind-
up
-Mechanism
en und sym
pathisch unterhaltene
Schmerzkomponenten zu Schmerzverstärkungen. Diese müssten den persistierenden Schmerzen zugeordnet werden. Deshalb sei für ihn nicht nachvollziehbar, weshalb im Gutachten die
myofaszialen
,
zervikozephalen
und brac
hialen Schmerzen, das
Thoracic
-o
utlet-Syndrom und die chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei den Diagnosen ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt würden.
Zudem seien neurokognitive Ein
schränkungen als Folge einer HWS-Distorsion, eines Schädelhirntraumas, von chronischen Schmerzen und depressiven Störungen durchaus üblich. Die Einschät
zung der Gutachter, die Einschränkungen seien anlagebedingt, sei abzulehnen
.
Auf dem ersten Arbeitsmarkt habe
die Beschwerdeführerin nach einer so langen Abwe
senheit mit ihren Einschränkungen absolut keine Chance auf eine Reintegration (
Urk.
13/278
).
Am 1
7.
März 2017 äusserten sich die Gutachter der
C._
zur Kritik von
Dr.
E._
. Sie hielten fest,
aus neurologischer und ortho
p
ädischer Sicht habe die Begutachtung
eine
Diskrepanz zwischen der
g
ek
l
a
gten Symptomatik und den verifizierbaren strukturellen und funktionellen Einschränkungen
ergeben
. Zu
sätz
lich hätten viele IV-fremde
Faktoren festgestellt werden können. Eine eigenstän
dige psychische Schmerzerkrankung
sei
vom begutachtenden Psychiater nicht
erhoben
worden
.
Eine gesonderte zusätzliche Begutachtung durch einen Schmerztherapeuten könne
im
Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung
kei
nen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen. Auch ein Schmerztherapeut sei nicht umfassend in der Lage, alle Schmerzzustände zu bewerten. Schmerz sei ein schwer zu fassendes Symptom, welches gerade bei komplexen Erkrankungsbildern nur polydisziplinär erfasst werden könne, so wie es auch in einer interdisziplinären Schmerzambulanz gehandhabt werde. Bei Schmerztherapeuten handle es sich zudem nicht um Diagnostiker, sondern Therapeuten, welche nachgeschaltet die spezielle Therapie der Schmerzen übernehmen würden.
Unzutreffend sei der Ein
wand von
Dr.
E._
, den Gutachtern fehle genügende Sachkenntnis im Bereich der Schm
erztherapie. Die begutachtende orthopädische Chirurgin
Dr.
G._
verfüge auf Grund i
hrer Aus- und Weiterbildung sow
i
e
einer über 30jährigen Praxis im Bereich der konservativen orthopädischen Therapie über eine breit gefächerte Erfahrung in der Diagnostik und Behandlung von chro
nischen Schmerzen am Bewegungsapparat
. Weiter besitze sie durch die Ärztekam
mer geprüfte Zusatzqualifikationen,
unter anderem da
s Curriculum «spezielle Schmerztherapie» (Deutschland), und habe die Ausbildung in manueller Medizin und psychosomatischer Grundversorgung abgeschlossen.
Bei der Festsetzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit sei d
ie chronische Schmerzsymptomatik in ihrer Komplexität durchaus berücksichtigt
worden (
Urk.
13/287
; vgl
. auch
Urk.
13/290,
Urk.
13/294
).
Dr.
E._
nahm am 2
2.
Juni 2017 erneut zu den Ausführungen der Gutachter der
C._
Stellung.
Die Behauptung der Gutachter, dass es sich bei einem Schmerzmediziner nicht um einen Diagnostiker, sondern um einen nachgeschalte
ten Therapeuten handle, treffe nicht zu.
Die
Schmerzmedizin
sei
ein fachübergrei
fendes Gebiet, welches in der Diagnostik, Behandlung und Reintegration der Pati
enten arbeite. Dies zeige
, dass die Experten der
C._
die Grundlagen der modernen Schm
erzmedizin nicht kennen würden
und deshalb die chronische Schmerzsymptomatik in ihrer Komplexität
nicht
erfasst hätten
(
Urk.
13/298).
4.
4.1
Die IV-Stelle begründete die Herabsetzung der ab September 2006 laufenden gan
zen Rente auf eine
Dreiviertelsrente
per
1.
Juni 2008 in der angefochtenen Ver
fügung im Wesentlichen damit, laut dem Gutachten der
C._
vom 1
5.
August 2016 könne die Beschwerdeführerin wegen der Folgen ihres Unfalls vom 1
9.
September 2005 in den angestammten Tätigkeiten als Verkäuferin und Reinigungsmitarbeiterin nicht mehr arbeiten. Wegen einer rezidivierenden depressiven Störung könne sie seit Februar
2008 in einer leidensangepassten Tätigkeit nur im Rahmen eines 50%-Pensums arbeiten. Spätestens seit März 2008 bestehe aus somatischer Sicht ebenfalls eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in leidens
angepassten Tätigkeiten. Im Gutachten würden die gestellten Fragen ausführlich und nachvollziehbar beantwortet. In den Teilgutachten werde spezifisch auf sämtliche Diagnosen eingegangen und dargelegt, welche sich auf die Arbeits
fähigkeit auswirkten. Die chronische Schmerzsymptomatik sei von den Gutach
tern in ihrer Komplexität erfasst und ihre Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden. Deshalb sei das Gutachten beweiskräftig. Mit den nach
gereichten medizinischen Unterlagen könne keine Verschlechterung der gesund
heitlichen Situation nachgewiesen werden. In den Stellungnahmen des behan
delnden Arztes
Dr.
E._
würden keine neuen Befunde dokumentiert, welche ein Abweichen von den gutachterlichen Schlussfolgerungen rechtfertig
ten. Weitere Abklärungen seien nicht nötig. Auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt bestünden durchaus berufliche Tätigkeiten, welche die Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung des von den Gutachtern definierten Belastungsprofils ausüben könne. Der Einkommensvergleich führe zu einem Invaliditätsgrad von 61
%
, welcher zum Bezug einer
Dreiviertelsrente
berechtige. Die gesundheitliche Verbesserung sei im März 2008 eingetreten; drei Monate später, also per
1.
Juni 2008, müsse die ab September 2006 laufende ganze Rente herabgesetzt werden (
Urk.
5/2 S. 4 ff.).
4.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, sie habe auch ab Juni 2008 Anspruch auf eine ganze Rente. Auf die Einschätzung der Gutachter der
C._
, dass sie ab März 2008 in leidensangepassten Tätig
keiten zu 50
%
arbeitsfähig sei, könne nicht abgestellt werden. Die gutachterliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit sei weder schlüssig noch nachvollziehbar begründet worden. Die Gutachter hätten ihre zahlreichen Beschwerden auf Seite 93 der Expertise in nicht schlüssiger Art und Weise in Hauptdiagnosen mit Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit und Nebendiagnosen ohne wesentliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit
unterteilt. Dem Gutachten sei nicht zu entneh
men, weshalb die unter Ziffer 8.2 des Gutachtens gestellten Nebendiagnosen keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge haben sollten.
Dr.
E._
vom Spital
F._
, welcher sie seit vielen Jahren
behandle,
habe in seinen
Bericht
en
vom
9.
Dezember 2016
und
2
2.
Juni 2017
klar nachge
wiesen, dass
die massive Schmerzproblematik von den Gutachtern ungenügend gewürdigt worden sei und
sie wegen der Schmerz
en
nicht in der Lage sei, auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 50
%
zu arbeiten.
Die IV-Stelle gehe von einem falschen Belastbarkeitsprofil aus. Bis dato
habe sie seit dem Unfallereignis absolut keiner Erwerbstätigkeit nachgehen kön
nen, so dass nachweislich keine auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verwertbare Restarbeitsfähigkeit bestehe. Im Übrigen müsse die Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum ausgeglichenen Arbeitsmarkt kritisiert werden. Es gebe für invalide Personen wie sie schlicht und ergreifend keinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
Des Weiteren ergebe sich aus den Akten, insbesondere dem Bericht von
Dr.
E._
vom 2
2.
Juni 2017, dass der im Gutachten der
C._
fest
gehaltene Sachverhalt bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
2.
Septem
ber 2017 nicht mehr aktuell gewesen sei, weil sich ihr Gesundheitszustand in der Zwischenzeit verschlechtert habe. Bereits im
Vorbescheidverfahren
habe sie gel
tend gemacht, dass die IV-Stelle zur Abklärung der gesundheitlichen Verschlech
terung einen Arztbericht beim Spital
F._
einzuholen habe. Dass die IV-Stelle dies nicht getan habe, stelle eine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes dar. Ihre Arbeitsunfähigkeit in behinderungsangepassten Tätigkeiten sei weit höher als die im Gutachten attestierten 50
%
. Es sei auch rückwirkend von einem Inva
liditätsgrad von mindestens 70
%
auszugehen, weshalb sie auch ab
1.
Juni 2008 Anspruch auf eine ganze Rente habe. Eventuell sei vom Gericht selbst ein neues polydisziplinäres Gutachten einzuholen, oder es habe die IV-Stelle anzuweisen, ein solches Guta
chten anzuordnen (
Urk.
1 S. 6-13
).
5
.
5
.1
Das Gutachte
n der
C._
vom 1
5.
August 2016
und dessen Ergänzungen vom
4.
Oktober 2016 sowie vom 1
7.
März 2017
behandeln
die
strittige Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in
umfassend
er Weise
,
beruhen
auf allseitigen Untersuchungen,
berücksichtigen
die geklagten Beschwerden,
sind
in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden,
leuchten
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge
sowie
in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
, und zwar in Auseinandersetzung mit abweichenden A
uffassungen anderer Fachärzte.
Auch
enth
alten
sie
nachvollziehbar begründete
Schlussfolge
rungen
.
Sie
sind
damit grundsätzlich beweiskräftig
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Da
der
Beschwerdeführerin im
psychiatrische
n
Teilgutachten
wegen der diagnosti
zierten rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Epi
sode eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestiert wurde, ist zusätzlich zu prüfen, ob die aus psychiatrischer Sicht bescheinigte Arbeitsunfähigkeit im Lichte der mas
sgeblichen
Indikatoren schl
üssig erscheint (vorstehend E. 2
.2 sowie Urteil des Bun
desgerichts 8C_309/2018 vom
2.
August 2018, E. 5.3 mit Hinweisen).
Der psychiatrische Sachverständige
berücksichtigte und diskutierte die massge
blichen Indikatoren
(vgl. vorstehende E. 2.2)
in seiner Beurteilung. Er
erhob eine deutlich
depressive Symptomatik
, welche
im Vordergrund
stand
.
Hinweise für eine Aggravation oder ähnliche Erscheinungen fand er nicht. Die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin werde durch die depressive Symptomatik deutlich einge
schränkt, sie sei verlangsamt und benötige vermehrt Pausen. Ferner
benötige
sie
Kraft, um mit den Schmerzen umzugehen, und zeige wenig Coping-Strategien, die ihr dabei helfen könnten. In sozialer Hinsicht werde sie
zusätzlich
durch die schwierige finanzielle Situation und die Angst, dass ihr Sohn ausziehen könnte, deutlich belastet. Soweit beurteilbar, kooperiere sie mit den behandelnden Ärzten und nehme die vorhandenen Therapieoptionen wahr. Da sie seit 2008 in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen in ihrem Aktivitätsniveau eingeschränkt sei, sei ihr Verhalten konsistent
(
Urk.
13/256/95-98).
In Anbetracht
der vom psychiatrischen Teilgutachter beschriebenen
deutlichen depressiven Symptomatik, der
dargelegten
weiteren
Belastungsfaktoren
und der geringen Ressourcen erscheint
die von ihm bescheinigte 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit s
chlüssig.
5
.3
5.3.1
In den neurologischen und orthopädischen Teilgutachten werden die funktionellen Einschränkungen, welche aus den objektivierbaren strukturellen Beeinträchtigun
gen resultieren, sowie der Charakter der Schmerzen und deren medizinische Einor
dung ausfü
hrlich und detailliert erörtert. G
estützt darauf
setzten die Gutachter
die zumutbare Restarbeitsfähigkeit in qualitativer und qu
antitativer Hinsicht fest
. Die orthopädische Teilgutachterin legte dar, die Beschwerdeführerin sei wegen des Funktionsdefizits beider unteren Sprunggelenke
, der Dauerschmerzen
bei posttrau
matischer
Chopart
-Arthrose, der eingeschränkten Belastbarkeit aufgrund des man
gelnden Abrollverhaltens beider Füsse, des
subacromialen
Impingements
bei
Rota
torenmanschettendegeneration
und der leichtgradig eingeschränkten Belastbarkeit der Wirbelsäule auch in einer adaptierten Tätigkeit mittelgradig eingeschränkt (
Urk.
13/256/95). Der neurologische Teilgutachter seinerseits erklärte, dass
die Diagnose eines neuropathischen Schmerzsyndroms aufgrund der aktuell geschil
derten Beschwerden nicht bestätigt werden könne. Im Bereich beider Füsse hätten keine motorischen Defizite erhoben werden können. Die Beschwerdeführerin habe zwar über ein leicht unangenehmes Gefühl bei Berührung der
sensibel gestörten Areale berichtet; sie habe aber keine stärkere Schmerzsymptomatik angegeben bei kräftiger Berührung oder Druck. Zudem habe sie Belastungsschmerzen in Gelenk
nähe angegeben, was untypisch sei. Eine neuropathische Schmerzsymptomatik zeichne sich durch ständige, in der Intensität schwankende Schmerzen mit unan
genehmen Missempfindungen aus. Zudem hielten sich die Schmerzen strikt an das sensibel gestörte Areal. Diese typische Symptomatik liege nicht vor. Der weit über
wiegende Teil
der Schmerzen sei deshalb nicht
neuropathischer Natur, sondern als weichteil- und
ossär
bedingt zu beurteilen. Die von der Beschwerdeführerin ange
gebenen
ruhebetonten sensomotorischen Irritationen der Beine mit Bewegungs
drang, welche sich bei Bewegung besserten, deuteten eher auf ein
Restless
-
legs
-Syndrom hin, welches einer Behandlung bedürfe. Die Arbeitsfähigkeit werde durch die daraus resultierenden Schlafstörungen aber nicht beeinträchtigt, da die psycho
physische Leistungsfähigkeit tagsüber nicht reduziert sei. Die in den
Vorakten
teils ebenfalls diskutierte Polyneuropathie habe in der aktuellen Untersuchung nicht belegt werden können, da keine deutliche Reflexabschwächung der Fussreflexe im Vergleich zu anderen Muskeleigenreflexen bestanden habe und auch keine strumpfförmig verteilte sensible Störung, keine motorischen Ausfälle und keine Reduktion des Vibrationsempfindens habe erhoben werden können. Auch die
B._
-Gutachter hätten weder ein neuropathisches Schmerzsyndrom noch eine Polyneuropathie diagnostiziert. Die Kopfschmerzsymptomatik sei ätiologisch hete
rogen: Aufgrund der Beschreibung der Schmerzen sei am ehesten von Spannungs
kopfschmerzen auszugehen, welche einen psychosomatischen Hintergrund haben dürften; da die Kopfschmerzen im Wesentlich
en
toleriert würden und gute medi
kamentöse Behandlungsoptionen bestünden, führten sie nicht zu einer Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit. Zusätzlich seien zwei- bis dreimal pro Monat
migrä
noide
Kopfschmerzen vorhanden, deren Einordnung als Migräne mit einfachen Attacken oder als Kopfschmerzen zufolge Medikamentenübergebrauch nicht sicher sei. Zudem bestünden gewisse neuropsychologische Auffälligkeiten; die kognitive Leis
tung liege im unteren Grenzbereich. Diese Auffälligkeiten hätten eher bereits vor dem Unfall vorgelegen und seien als anlagebedingt einzustufen. Dafür spräche die schulische Leistungsfähigkeit, woraus auf das mutmassliche prämorbide Leistungs
niveau geschlossen werden könne
. Aufgrund dieser Überlegungen bescheinigte der Teilgutachter
der Beschwerdeführerin aus rein neurologischer Sicht eine uneinge
schränkte Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
(
Urk.
13/256/82,
Urk.
13/256/86-89,
Urk.
13/256/
91-
92). Da der
psychiatrische Teilgutachter keine
Somatisierungs
- oder ähnliche Störung erheben konnte (
Urk.
13/256/67), wurde die
Diskrepanz zwischen der geklagten Symptomatik und den verifizierbaren Ein
schränkungen bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt, indem die nicht
verifizierbaren Einschränkungen ausgeklammert
wurden
, wie die Gutachter in ihrer ergänzenden Stellungnahme vom
9.
Dezember 2016 nochmals erklärten (
Urk.
13/287).
5
.3.2
I
n
seinen
Stellungnahmen vom
9.
Dezember
2016
und vom
2
2.
Juni
2017
gelangte
der behandelnde Schmerzmediziner
Dr.
E._
zu einer abweichenden Beurtei
lung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit und kritisierte das Gutachten der
C._
.
Dr.
E._
argumentierte
zunächst
, die Gutachter verfügten im Gegensatz zu ihm über keine
hinreichende
Weiterbildung
zur Beurteilung der Auswirkungen chronischer Schmerzen
.
Mit Fachärzten der Allgemeinen Inneren Medizin, Ortho
pädischen Chirurgie, Neurologie und Psychiatrie waren Spezialisten sämtlicher
Fachrichtungen, welche
bei
polydisziplinären Begutachtungen von Personen mit
ähnlichen Beschwerdebildern üblicherweise beigezogen
werd
en
,
an der Erstellung des Gutachtens beteiligt. Dass es keinen Facharzttitel in Schmerzmedizin gibt, räumt
Dr.
E._
selbst ein (
Urk.
13/298/2). Hingegen existieren in diesem Bereich Weiterbildungen. Die begutachtende Orthopädin
Dr.
G._
verfügt durchaus über Zusatzqualifikationen
im
Bereich
Schmerz
medizin
, unter anderem über das Curriculum «spezielle Schmerztherapie» (Deutsch
land) und Ausbildungsabschlüsse in manueller Medizin und psychosomatischer Grundversorgung.
Möglicherweise
sind die von ihr abgeschlossenen
Weiterbildun
g
en
im Vergleich zu den von
Dr.
E._
erworbenen Weiterbildungsabschlüssen (Schmerzspezialist
SGSS
, Fähigkeitsausweis für
interventionelle
Schmerzmedizin) weniger aktuell. Dies ist aber für die hier interessierenden Belange nicht entschei
dend:
Bei der Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit steht die Abschätzung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit und nicht die optimale Schmerztherapie im Vordergrund.
5.3.3
Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fach
me
dizinischen Experten anderseits lässt es nicht zu, ein Gutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandeln
den Arztpersonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil diese wich
tige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind
(
Urteil des Bun
desgerichts 8C_29/2018 vom
6.
Juli 2018, E. 3.2.2 mit Hinweisen
). Solche
Aspekte gehen aus
den
Stellungnahmen
des
Dr.
E._
nicht hervor
.
Dr.
E._
legte
in seinen Stellungnahmen im Wesentlichen
dar, dass die Schmerzen der Beschwerdeführerin stärker seien als von den Gutachtern angenom
men. Indessen bestritt er die gutachterlichen Ausführungen zum Schmerzcharakter nicht und zeigte auch
nicht konkret auf
, inwiefern sich die von ihm attestierten Schmerzen
stärker
auf die erwerbliche Funktionsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken
.
Entgegen dem Vorwurf von
Dr.
E._
berücksichtigten
die Gutach
ter
die Beschwerden in der Hals- und Lendenwirbelsäule
mit Ausstrahlung in den Arm im Sinne eines möglichen
Thoracic
-Outlet-Syndroms
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durchaus, erklärten diese wegen der fehlenden
sicheren
radikulä
ren
Zeichen aber hauptsächlich mit
den degenerativen Veränderungen. Wegen der erhobenen funktionellen Einschränkungen gingen sie davon aus, dass die Wirbel
säulen- und Armbeschwerden überwiegend zu qualitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit führen (
Urk.
13/256/77, 13/256/87-88).
Hinsichtlich der Kopf
schmerzsymptomatik stellten sie fest, dass die Beschwerdeführerin
diese im W
esentlichen tolerieren könne und keine spezielle Kopfschmerztherapie in Anspruch nehme, obwohl gute medikamentöse Behandlungsoptionen bestünden (
Urk.
13/256/88). Angesichts dieser Ausführungen erscheint es nachvollziehbar, dass die Gutachter dieser Symptomatik keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beimassen.
Dr.
E._
machte auch geltend
,
neurokognitive Einschränkungen wie diejeni
gen der Beschwerdeführerin
seien häufig Folge einer HWS-Distorsion, eines Schä
delhirntraumas, von chronischen Schmerzen und depressiven Störungen, weshalb diese entgegen den Gutachtern nicht als anlagebedingt eingestuft werden dürften. Dabei
liess
Dr.
E._
aber
im Gegensatz zu den Gutachtern die
schulische Leis
tungsfähigkeit beziehungsweise generell
das mutmassliche prämorbide Leistungs
niveau
der Beschwerdeführerin ausser
Acht
. Die gestützt darauf gezogene Schluss
folgerung der Gutachter, die neurokognitiven Einschränkungen seien vermutlich anlagebedingt (
Urk.
13/256/87-88), überzeugt.
Obwohl auch etwa die
B._
-Gutachter Diskrepanzen zwischen den verifizierbaren und den nicht verifizierbaren Einschränkungen erhoben
hatten
(
Urk.
13/96/74,
Urk.
13/256/87), thematisierte
Dr.
E._
diese Problematik in seinen Stellung
nahmen vom
9.
Dezember 2016
(
Urk.
13/278)
und 2
2.
Juni 2017
(
Urk.
13/298)
sowie auch im Verlaufsbericht vom 2
1.
September 2015
(
Urk.
13/205/6-7) nicht.
Er
begründete seine Einschätzung, die Beschwerdeführerin sei nicht mehr arbeits
fähig, unter anderem auch damit, sie habe nach so langer Abwesenheit vom Arbeitsmarkt mit ihren Einschränkungen absolut keine Chance auf Reintegration (
Urk.
13/278). Bei diesen
Überlegungen handelt es sich indessen um nicht beacht
liche in
validitätsfremde Gesichtspunkte.
F
ür die Beurteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente ist gemäss
Art. 7 Abs. 1 ATSG auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt
, welcher durch ein Gleichgewicht zwischen Angebot von Stellen und Nachfrage nach solchen gekennzeichnet ist (
vgl. vorstehend E. 2.1 und
Kieser
,
ATSG
-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Art.
7
Rz
41 ff.),
und nicht den reellen Arbeitsmarkt
abzustellen.
Die in diesem Zusammenhang von der Beschwerdeführerin geäusserte pauschale Kritik am
Begriff des
ausgeglichenen Arbeitsmarkt
s
widerspricht dem Wortlaut von
Art.
7
Abs.
1 ATSG und der lang
jährigen gefestigten Praxis
zu dieser Gesetzesbestimmung
, weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist.
Schliesslich ist
auch
die Erfahrungstatsache
zu berücksichtigen
, dass behandelnde Arztpersonen
(auch Spezialärzte)
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (
Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_29/2018 vom
6.
Juli 2018, E. 3.2.2
und 8C_609/2017 vom 2
7.
März 2018, E. 4.3.3
mit Hinweisen
).
Nach dem Gesagten kann die Beschwerdeführerin aus den Stellungnahmen des
Dr.
E._
nichts zu ihren Gunsten ableiten.
5.4
Die Beschwerdeführerin macht geltend, d
ie Gutachter hätten ihre zahlreichen Beschwerden auf Seite 93 der Expertise in nicht schlüssiger Art und Weise in Hauptdiagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
unterteilt, wobei dem Gut
achten nicht zu entnehmen sei, weshalb die unter Ziffer 8.
1.
2 gestellten Neben
diagnosen keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge haben sollten (
Urk.
1 S. 7). In den orthopädischen und neurologischen Teilgutachten wird indessen auf den Seiten 77 und 86 ff. eingehend dargelegt, weshalb sich die entsprechenden Diagnosen nach Ansicht der Gutachter nicht wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken (
Urk.
13/256/77,
Urk.
13/256/86-88
; vgl. auch die
vorstehende Erwägung
). Der pauschale
und nicht weiter begründete Einwand der Beschwerdeführerin ist deshalb nicht nachvollziehbar und vermag nicht zu über
zeugen.
5.5
D
ie
von der Beschwerdeführerin
unter Bezugnahme auf
den Bericht
von
Dr.
E._
vom
2
2.
Juni 2017
behauptete gesundheitliche Verschlechterung
im Zeitraum zwischen der Begutachtung und dem Erlass der angefochtenen Verfü
gungen
ist
nicht ausgewiesen.
Im genannten Bericht von
Dr.
E._
finden sich keine
Hin
weise auf eine Verschlechterung des G
esundheitszustandes (
Urk.
13/298), ebenso in seiner früheren
Stellungnahme vom
9.
Dezember 2016 (
Urk.
13/278).
Da
sich in den Akten k
ein ärztliches Attest
über eine gesundheitliche
Verschlechterung
im interessierenden Zeitraum
befindet
,
fehlen
genügende Anhaltspunkte dafür, dass die Behauptung der Beschwerdeführerin zutreffen könnte. Die IV-Stelle
durfte bei dieser Aktenlage auf
weitere medizinische Abklärungen
vor Erlass der ange
fochte
nen Verfügungen
verzichten
,
ohne
ihre Abklärungspflicht
zu
v
erletzen
.
5.6
Nach dem G
esagten
ist aufgrund des beweiskräftigen Gutachtens der
C._
vom 1
5.
August 2016 und dessen Ergänzungen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin
seit ihrem Unfall im
September 2005
bis Februar 2008 für sämtliche Tätigkeiten vollständig und ab März 2008 in leidensangepassten Tätigkeiten zu 50
%
arbeitsfähig war.
Bei dieser Aktenlage erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen.
6.
6.1
6.1.1
Strittig und zu prüfen ist, wie sich die medizinisch-theoretische Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt.
Die IV-Stelle ging bei Erlass der angefochtenen Verfügung
en
noch davon aus, im Jahr 2008, dem Zeit
punkt der gesundheitlichen Verbesserung, hätte das hypothetische
Validenein
kommen
ausgehend von den Angaben im Arbeitgeberfragebogen in der bisheri
gen Tätigkeit als Verkäuferin im Vollzeitpensum unter Berücksichtigung des Nebenverdienstes als Reinigungsmitarbeiterin
Fr.
59'649.-- betragen. In einer angepassten Tätigkeit hätte die Versicherte gemäss Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik im Rahmen eines 50%-Pensums ein Einkommen von
Fr.
25'648.-- verdienen können. Da die Beschwerdeführerin nur noch überwie
gend sitzende Arbeiten verrichten könne, sei ein leidensbedingter Abzug von 10
%
vorzunehmen. Damit werde ihren zusätzlichen Einschränkungen hin
reichend Rechnung getragen. Das Invalideneinkommen belaufe sich somit auf
Fr.
23'115.-- (
Urk.
5/2 S. 4 ff.).
In der Beschwerdeantwort beantragt die IV-Stelle neu,
es sei der Beschwerdefüh
rerin eine
refor
matio
in
peius
anzudrohen. Bei der Ermittlung des
Invalidenein
kommen
s
für das Jahr 2008
habe sie zu Unrecht einen leidensbedingten
Abzug vom herangezogenen statistischen Lohn für Hilfsarbeiten gewährt.
D
er Beschwer
deführerin seien nur noch überwiegend sitzende Tätigkeiten zumutbar
, was
eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
darstelle
und das Spektrum der erwerblichen
Tätigkeiten, welche noch in Frage kämen, ein
grenze
. Da aber immer noch von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätig
keiten ausgegangen werden könne
und
nicht davon auszugehen sei, dass in über
wiegend sitzenden Tätigkeiten zusätzliche lohnmindernde Faktoren bestünden, bestehe kein Raum für einen leidensbedingten Abzug
. Das Invalideneinkommen belaufe sich korrekterweise auf
Fr.
25'683.8
5.
Damit resultiere ein Invaliditäts
grad von gerundet 57
%
, welcher lediglich zum Bezug einer halben Rente berech
tige (
Urk.
12,
Urk.
23).
6.1.2
Die Beschwerdeführerin macht
demgegenüber
geltend, das
Valideneinkommen
sei von der IV-Stelle zu tief angesetzt worden. Es sei von einem
Valideneinkom
men
von mindestens
Fr.
61'758.40 auszugehen, unter Berücksichtigung der ent
gangenen Lohnerhöhungen bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung.
D
as von der IV-Stelle angenommene Invalideneinkommen von
Fr.
23'115.-- in der angefochtenen Verfügung beziehungsweise
Fr.
25'683.85 in der Beschwerdeantwort könne sie wegen ihrer gesundheitlichen Beschwerden
auch auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nicht erwirtschaften. Deshalb treffe auch der von der IV-Stelle in der Beschwerdeantwort neu vorgebrachte Invalidi
tätsgrad von 57
%
nicht zu, und es bestehe kein Anlass zu einer
reformatio
in
peius
(
Urk.
1 S. 10-13,
Urk.
21).
6.2
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Bei Beginn des Rentenanspruchs im September 2006 ist angesichts der damaligen vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin für sämtliche Tätigkei
ten unbestrittenermassen von einem Invaliditätsgrad von 100
%
auszugehen (vgl.
Urk.
13/272/9).
A
b März 2008
war die Beschwerdeführerin in
einer
leidensangepassten Tätigkeit wieder zu
50
%
arbeitsfähig.
Der ab dann gültige Invaliditätsgrad ist durch die Erhebung der hypothetischen Validen- und Invalideneinkommen in diesem Zeit
punkt zu ermitteln.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist die seithe
rige Lohnentwicklung nicht zu berücksichtigen, da danach bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen keine rentenwirksame Änderung eingetreten ist.
Laut den
Angaben
des
Arbeit
geber
s
im Arbeitgeberfragebogen
hätte
die
Beschwerdeführerin als Gesunde
im Jahr 2006
in der angestammten Tätigkeit als
Verkäuferin mit einem Beschäftigungsgrad von 100
%
ein Einkommen von
Fr.
53'083.35 verdienen können
.
Unter Berücksichtigung der seitherigen Nomi
nallohnentwicklung hat die IV-Stelle für das Jahr 2008 ein
en
Lohn
von
Fr.
54'849
.--
ermittelt
(
Urk.
13/17/7-9,
Urk.
13/271/1). Zusätzlich hätte
die Beschwerdeführerin
in ihrer Nebentätigkeit als Reinigungskraft ein Nebenein
kommen von
Fr.
4'800.-- pro Jahr
erzielen
können. Da dieses Einkommen seit Jahren gleich hoch war, hat die IV-Stelle diesbezüglich auf eine Teuerungsanpas
sung verzichtet
. Das auf diese Weise ermittelte
Valideneinkommen
von
Fr.
59'649.--
(
Urk.
13/109/4,
Urk.
13/271/1)
ist
nicht zu beanstanden.
6.3
Die IV-Stelle ermittelte das Inva
lideneinkommen gestützt auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) für das Jahr 2008 und zog den Frauenlohn für Hilfsarbeiten heran, angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden. Im noch zumutbaren 50%-Pensum
errechnete
sie ein Einkommen von
Fr.
25'684.--, was nicht zu beanstanden ist
(
Urk.
13/271/2)
.
Umstritten ist, ob der von der bei Erlass der angefochtenen Verfügung
en
berück
sichtigte leidensbedingte Abzug von 10
%
(
Urk.
5/2 S. 5) gerechtfertigt ist.
Mit Bezug auf den behinderungs- bzw. leidensbedingten Abzug ist zu beachten, dass das medizinische Anforderungs- und Belastungsprofil eine zum zeitlich zumutbaren Arbeitspensum tretende qualitative oder quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit darstellt, wodurch in erster Linie das Spektrum der erwerb
lichen Tätigkeiten (weiter) eingegrenzt wird, welche unter Berücksichtigung der Fähigkeiten, Ausbildung und Berufserfahrung der versicherten Person
realis
tischerweise
noch in Frage kommen. Davon zu unterscheiden ist die Gegenstand des Abzugs vom Tabellenlohn bildende Frage, ob mit Bezug auf eine konkret in Betracht fallende Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für eine Anstellung bestehen. Ist von einem genügend breiten Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, können unter dem Titel lei
densbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausse
rordentlich zu bezeichnen sind
(Urteil des Bundesgerichts 9C_826/2015 vom 1
3.
April 2016, E. 3.2.1 mit weiteren Hinweisen).
Gemäss Feststellung der Gutachter der
C._
ist die Beschwerdeführerin sowohl aufgrund ihrer körperlichen als auch der psychischen Beeinträchtigungen in leidensa
ngepassten Tätigkeiten zu 50
%
a
rbeitsunfähig. Dabei kann sie wegen der körperlichen Limitierungen nur noch
in einer
sitzenden Tätigkeit ohne Heben und
Tragen von Lasten über 5 kg, ohne einseitige Zwangshaltungen, ohne Klettern und Leitersteigen, ohne ständiges Treppengehen und ohne ständigen Armeinsatz rechts über Schulterhöhe
tätig sein (
Urk.
13/256/
99).
Sie verfügt ü
ber keinen Aus
bildungsabschluss
(
Urk.
13
/1,
Urk.
13/5/19,
Urk.
13/256/52)
.
L
aut den Gutachtern
liegt ihre
kognitiv
e Leistung im unteren Grenzbereich mit Einschränkungen in den Bereichen
Daueraufmerksamkeit, geteilte Aufmerksamkeit, Interferenz,
Hand
lungs
- und Planungsfunktion
. Da
die
Sachverständigen
die neurokognitiven Beeinträchtigungen als
anlagebedingt einstuften
,
bescheinigten sie der Beschwer
deführerin deswegen zu Recht keine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
13/256/89-90,
Urk.
13/256
/
92-93)
.
Allerdings
b
eeinflusst die geringe kog
nitive Leistungsfähigkeit
die Auswahl an möglichen Tätigkeiten auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt.
Damit ist bereits
von einem relativ engen
Spektrum an zumutbaren Verweisungstätigkeiten
auszugehen
(vgl. die Urteile des Bundesge
richts
8C_297/2018 vom
6.
Juli 2018, E. 4.3,
8C_91/2018 vom 1
4.
Juni 2018, E. 6.1 und 9C_264/2016 vom
7.
Juli 2016, E. 5.2.1)
.
Hinzu kommt
, dass das zeitlich
mögliche
Arbeitspensum nicht nur wegen der körperlichen Schmerzen, sondern auch wegen der
mittelgradigen
depressiven Störung
reduziert
ist.
Insbesondere die depressiv bedingte eingeschränkte Belastbarkeit dürfte dazu führen, dass die Beschwerdeführerin verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkauf
nahme einer Lohneinbusse reale Chancen auf eine Anstellung hat (vgl. das Urteil des Bundesgerichts
8C_297/2018
vom
6.
Juli 2018,
E. 4.3
).
Demzufolge ist der bei Erlass der angefoc
htenen Verfügungen angewendete l
eidensbedingte Abzug von 10
%
zu bestätigen.
Dies führt zu einem Invalideneinkommen ab März 2008 von
Fr.
23'115.-- und, vergleicht man dieses mit dem
Valideneinkommen
von
Fr.
59'649.--
,
bei einer Erwe
r
bseinbusse von
Fr.
36'534.--
zu einem Invaliditäts
grad von
61
%
(
Urk.
5/2 S. 5,
Urk.
13/271/2).
Entgegen der Ansicht der IV-Stelle besteht kein Grund für eine
reformatio
in
peius
.
7.
Abschliessend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin ab
1.
September 2006 bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
zunächst Anspruch auf eine ganze Rente und ab
1.
Juni 2008 – drei Monate nach der gesundheitlichen Verbesserung per März 2008 (
Art.
88a
Abs.
1 IVV) –
auf
eine
Dreiviertelsrente
auf
der
Basis eines Inva
liditätsgrades von 61
%
hat. Die angefochtenen Verfügungen sind zu bestätigen, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8.
8.1
Ausgangsgemäss
gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
1’000.-- zu
Lasten der Beschwerdeführerin
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
,
sind
zufolge gewährter
unentgelt
liche
r
Prozessführung (
Ur
k. 20) aber einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8.2
Rechtsanwalt
Dr.
Massimo
Aliotta
macht in
seiner
Honorarnote
vom 25
.
Juni 2018 (Urk. 2
5
) für
seine
Bemühungen als
unentgeltliche
r
Rechtsvertreter
unter Berücks
ichtigung eines Aufwandes von 10,69
Stunden und bei einem Stun
denansatz von Fr. 220.-- eine nicht mehrwertsteuerpflichtige Entschädigung von Fr.
2'613.85
geltend (inkl. Auslagenersatz).
F
ür die
Ausarbeitung
der Beschw
er
deschrift
wird in der Kostennote ein
Aufwand von 6
Stunden
aufgeführt
.
D
ie Beschwerdeschrift
weist
ohne das Deckblatt mit Briefkopf und Personalien (S. 1) einen Umfang von 13 Seiten
auf. Da darin zunächst auf über zwei Seiten der Sachverhalt wiedergegeben wird und dann im Wesentlichen die Ausführungen des
Einwandschreibens
vom 2
3.
Februar (
Urk.
3/4) übernommen werden (
Urk.
1 S. 6 ff.)
, erweist sich der geltend gemachte Bearbeitungsaufwand verglichen mit einer ermessensweisen Aufwandbeurteilung durch das Gericht als überhöht.
Anzuerkennen ist ein Aufwand von höchstens 4
Stunden. Dies ergibt für die
unentgeltliche
Rechtsvertretung eine angepasste Entschädigung von Fr.
2
‘
1
90
.
0
5
(ohne Mehrwertsteuer, jedoch einschliesslich Auslagenersatz).