Decision ID: 6682d895-d89e-432e-aae5-57e5b71533a8
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
X._
, geboren 1970, Mutter von drei Kindern (Jahrgang 1994, 2001 und 20
15
), war
seit
Juli 2011
als Reinigungsmitarbeiterin für die
Y._
und
von
Juli
2007
bis 3
1.
Dezember 2012 für
die
Z._
AG tätig (
Urk.
7/12-13)
.
Unter Hinweis auf
eine Diskushernie
meldete sich
die Versicherte
am
2
1.
September 2013
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und zog Akten der Krankentaggeldversicherung bei (
Urk.
7/14,
Urk.
7/31)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/42
;
Urk.
7/48,
Urk.
7/60
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
8.
Juni 2015 (
Urk.
7/68 =
Urk.
2)
einen Rentenanspruch
.
2.
Die Versicherte erhob am
2
0.
August 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1
8.
Juni 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
ihre Leistungsfähigkeit durch das Gericht abzuklären
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
4.
September 2015
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 2
8.
September 2015
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Mit Eingabe vom 1
0.
August 2016 (
Urk.
13/1) reichte die Beschwerdeführerin einen weiteren Arztbericht (
Urk.
13/2) ein, wovon die Beschwerdegegnerin am 1
5.
August 2016 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
14).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist
im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen
Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei ps
ychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolg
erungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Expert
e oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten
und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.2
Die Rechtsprechung, wonach das Gericht "nicht ohne zwingende Gründe" von der Einschätzung der medizinischen Experten abweicht, hat den Beweiswert von Gerichtsgutachten zum Gegenstand und findet auf versicherungsinterne ärztli
che Beurteilungen nicht Anwendung. Berichte und Gutachten
versicherungs
interner
Ärztinnen und Ärzte unterliegen wie andere Beweismittel der freien richterlichen Beweiswürdigung. Es kann ihnen Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Im Übrigen ist richtig, dass an die Unparteilichkeit auch der
versicherungsinter
nen
Gutachterinnen und Gutachter ein strenger Massstab anzulegen ist.
1.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommens
entwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 S. 224 mit Hinweisen). Bezog eine ver
sicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurch
schnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbemessung nach
Art.
16 ATSG Rechnung zu tragen, sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren
Einkom
mensniveau
begnügen
wollte
(BGE 125 V 146 E. 5c/
bb
S. 157 mit Hinweisen).
Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmässig zu berücksichtigen sind (BGE 129 V 222 E. 4.4 S. 225). Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxisgemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entspre
chende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder durch Abstellen auf die statistischen Werte (vgl. SVR 2008 IV Nr. 2 S. 3, I
697/05 und Urteil des Bundesgerichts I 750/04 vom
5.
April 2006 E. 5.5) oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 454/05 vom
6.
September 2006 E. 6.3.3 mit Hinweisen) erfolgen (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin vertrat
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
die Auffassung, dass die Beschwerdeführerin seit
Oktober
2012 in ihrer Arbeitsfä
higkeit erheblich eingeschränkt
sei
, wobei aufgrund der verspäteten Anmeldung der Leistungsanspruch frühestens ab März 2014 entstehen könne.
Bei einer vollen Leistungsfähigkeit erziele
die Beschwerdeführerin mit einem Pensum von 150
%
als Reinigungsmitarbeiterin ein jährliches
Validene
inkommen
von
Fr.
86‘450.--. Aufgrund der medizinischen Beurteilung sei ihr eine
behinde
rungsangepasste
Tätigkeit zu 75% zumutbar
,
gerechnet von einem 150%-Pen
sum.
Ausgehend von einem Lohn für Hilfsarbeiten gemäss
Lohnstrukturerhe
bung
(LSE)
2012
ergebe
sich ein Invalideneinkommen
von
Fr.
58‘684.-- und ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 32
%
.
Sei die Beschwerdeführerin als Gesunde in einem insgesamt überdurchschnittlich hohen Beschäftigungsgrad erwerbstätig
gewesen
und habe sie auch ein entsprechend höheres Einkommen erzielt, das beim
Valideneinkommen
berücksichtigt werde, so sei ihr, wenn keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit attestiert werde, auch weiterhin ein gleiches überdurchschnittliches Pensum, allenfalls auch in einer angepassten Tätigkeit, zumutbar (
Urteil des Bundesgerichtes
9C_883/2007
vom 1
8.
Februar 2008
).
2.2
Die Besc
hwerdeführerin wandte ein, die Leistungsfähigkeit sei ungenügend abgeklärt und die Einschätzung des RAD mangels ausreichender Grundlage nicht beweiskräftig. Weiter betrage d
as
Valideneinkommen
für das Jahr 2014
Fr.
87‘038.-- und d
as Invalideneinkommen sei g
estützt auf die LSE 2012 und nicht die LSE
2010 zu bestimmen.
Sodann sei
davon auszugehen, dass sich die Leistungsfähigkeit von 75
%
gemäss Bericht von
Dr.
A._
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD
)
auf ein reguläres Pensum von 100
%
beziehe. Es handle sich um eine Tatsachenfrage, die im Zweifelsfall abzuklären sei
. Unter Berücksichtigung aller
genannten Umstände sei sodann ein Abzug von 25
%
vom statistischen Durchsch
nittslohn gerechtfertigt
.
Damit ergebe sich ausge
hend von einem
Validenlohn
von
Fr.
87‘038
.--
und einem Invalidenlohn von
Fr.
18‘762.-- ein Invaliditätsgrad von 78.4
%
und damit ein Anspruch auf eine ganze Rente (
Urk.
1 S. 5 ff.). Zudem
habe sich
ihr
Gesundheitszustand ver
schlechtert (
Urk.
13/1).
2.
3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie
, hielt in seinem Bericht vom 1
2.
September 2013 (
Urk.
7/14/11) unter Hinweis auf den
Operations
bericht
vom 1
9.
April 2013 (
Urk.
7/14/13) als Diagnose eine therapieresistente invalidisierende
Lumboischialgie
S1 links seit Oktober 2012
fest,
wo
bei
sich
im MRI der Lendenwirbelsäule vom 2
9.
Oktober 2012
eine
Diskushernie L5/S1 links mit
radikulärer
Ausfallsymptomatik
zeige
. Daher sei bei Nichtansprechen auf konservative Massnahmen am 1
9.
April 2013 eine
Diskushernienoperation
L5/S1 links durchgeführt worden. Die Beschwerdeführerin habe auf die
Behandlung
gut angesprochen, und es sei auch wieder eine Gehfähigkeit ohne Stöcke erzielt worden. Der Arbeitsversuch mit einer Wiederaufnahme der Arbeit im Umfang von 50
%
im angestammten Beruf als Reinigungsmitarbeiterin am 2
2.
August 2013 habe wieder abgebrochen werden müssen, und die Beschwerdeführerin sei vom 2
8.
August bis zum 1
1.
September 2013 erneut zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Die Beurteilung der weiteren Arbeitsfähigkeit erfolge durch den Hausarzt. Es bestehe eine leichte Einschränkung der Belastbarkeit der Wirbelsäule, und monotones Stehen oder Sitzen sollte gemieden werden, ebenso das Tragen von Gewichten über 10 kg. Im Reinigungsdienst sollten vorgeneigte Haltungen gemieden werden wie bei
spielsweise beim Bodenwischen. Eine verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule werde vermutlich bestehen bleiben,
Restdysästhesien
ebenfalls, da mehrere Monate verstrichen seien seit der klaren Diskushernien-Diagnose und der Ope
ration zur Entlastung.
3.2
Mit Berichten vom 2
0.
Januar 2014 (
Urk.
7/16/4-6,
Urk.
7/31/15) hielt
Dr.
med.
C._
,
Fach
ä
rzt
in
für
Allgemeine
Innere Medizin
, im Befund ein sensomotorisches
radikuläres
Reizsyndrom S1 links fest, welches nach der Operation persistiere. Es werde eine regelmässige physiotherapeutische Behandlung mit gutem Erfolg durchgeführt. Ein Arbeitsversuch im Umfang von 50
%
vom 1
1.
bis 1
3.
November 2013 habe wegen vermehrte
r
Rückenbeschwer
den
abgebrochen werden müssen. Weiter vermerkte sie, dass der Beschwerde
führerin rein sitzende und rein stehende Tätigkeiten, Bücken, Heben und Tragen über 1-2 kg, auf Leitern und Gerüste steigen nicht zumutbar sei
en
.
3.3
Mit Bericht vom 2
0.
März 2014 (
Urk.
7/21/4-7) hielt
Dr.
B._
fest, dass die Beschwerdeführerin vom 1
8.
April bis zum 2
1.
August 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig, danach vom 2
2.
August bis
8.
September 2013 zu 50
%
arbeits
unfähig und vom 2
8.
August bis 1
1.
September 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei. In angepasster Tätigkeit könne sie eigentlich ab Oktober 2013 wieder tätig sein, im Reinigungsdienst werde sie vermutlich noch eingeschränkt sein. Prognostisch werde vermutlich eine restliche verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule bestehen, monotones Stehen und Sitzen und Tragen von Gewichten
über 10 kg sollten gemieden werden. In angepasster Tätigkeit wäre die Be
schwerdeführerin wohl wieder in den Arbeitsprozess
reintegrierbar
.
3.4
Mit Arztbericht vom
3.
Juni 2014 (
Urk.
7/29) beschrieb
Dr.
C._
ein
per
sistierendes
sensomotorisches
radikuläres
Reizsyndrom S1 links und
führte aus
, dass die Beschwerdeführerin seit der Operation am 1
9.
April 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Weiter verwies sie auf den Bericht des
D._
vom 1
6.
Mai 2014, welches in der Beurteilung einen konventionell-radiologisch normalen Befund des Schultergelenks und des Schultergelenkskelettes rechts feststellte
und
insbesondere kein
en
Nachweis von
periartikulären
Verkalkungen
fand
.
3.5
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie, hielt mit Bericht vom
2.
Juli 2014 (
Urk.
7/34) in der Beurteilung einen normalen neurologischen Status mit Ausnahme eines fehlenden ASR links fest, was als Residuum einer
lumbosacra
len
Radikulopathie
S1 links zu interpretieren sei. Weiter führte er aus, dass die Prüfung der Motorik am linken Bein Hinweise auf eine nicht-organische Pathologie ergebe, es seien keine echten Paresen nachweisbar. Die
elektroneu
rographisch
en
Parameter des
Nervus
medianu
s
und des
Nervus
ulnaris
rechts seien normal. Ein von der Klinik her vermutetes Carpaltunnelsyndrom oder eine
Ulnarisneuropathie
lasse sich nicht objektivieren. Auf der neurologischen Ebene bestehe aktuell eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
.
3.6
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Regionalärztlicher Dienst (RAD), hielt mit Stellungnahme vom
2.
September 2014 (
Urk.
7/41 S. 5 f.) in der Beurteilung fest, dass die seit seiner letzten Stellungnahme eingeholten Arztbericht
e
keine wesentlichen neuen Informationen enthielten, weder bezüglich der bestehenden Diagnose noch hin
sichtlich der sich daraus ergebenden Arbeitsunfähigkeit. Für die zuletzt ausge
übte berufliche Tätigkeit als Reinigungskraft sei auch die ab 2
2.
Oktober 2012 nahezu durchgehend bis zumindest 3
0.
Juni 2014 attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
plausibel, welche medizintheoretisch mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit auch weiterhin unbefristet bestehen w
e
rd
e
. Für eine angepasste Tätigkeit liege, wie meistens, weiterhin aktenkundig keine konkrete Angabe zur Arbeitsfähigkeit vor, weshalb der entsprechende Verlauf medizintheoretisch unter Berücksichtigung sowohl der aktenkundigen Befunde als auch einer über 20-jährigen orthopädischen Berufserfahrung festgelegt werde. Mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit habe anfangs ab Oktober 2012 noch mindestens eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
(Präsenz 100
%
, Leistungsminderung 25
%
) bis zur Operation am 1
9.
April 2013 bestanden, ab diesem Tag ebenfalls eine Arbeitsfä
higkeit von 0
%
(= Arbeitsunfähigkeit 100
%
) bis 3
1.
Oktober 201
3.
Danach habe ab
1.
November 2013 wieder mindestens eine Arbeitsfähigkeit von 75
%
(Präsenz 100
%
, Leistungsminderung 25
%
)
bestanden
unter Abstützung auf die Angabe von
Dr.
B._
, bestätigt durch den aktuellen neurologischen Bericht von
Dr.
E._
. Folgendes Belastungsprofil sei dabei zu beachten: Körperlich leichte Arbeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 6-8 kg, ohne häufiges Bücken, ohne Verharren in Zwangshaltung des Rumpfes oder Arbeit über Kopf.
3.7
Im Bericht vom 2
2.
Januar 2015 (
Urk.
7/52) hielt
Dr.
C._
eine unerwartete Schwangerschaft der Beschwerdeführerin
fest
, welche sich in der 2
5.
Schwangerschaftswoche befinde und
das Kind
austragen
wolle
.
3.8
Dr.
med.
F._
,
Facharzt
für
Orthopädische Chirurgie, hielt in seinem Schreiben vom 1
7.
August 2015 (
Urk.
7/73/22-23 =
Urk.
3/3) fest, dass
er klinisch Ei
nschränkungen festgestellt habe
,
die effektiv als Teillähmungen bezeichnet werden könnten und die man nicht wie in der eher kursorischen neurologischen Untersuchung von 2014 als „keine somatischen Paresen“ abtun könne und die einer weiteren Abklärung bedürften. Nach seinem Dafürhalten müsste jetzt nochmals ein Neurologe mit EMPG alle Kennmuskeln und die untere Extremität untersuchen. Je nach Ergebnis habe eine nochmalige Bildgebung zu erfolgen, das letzte MRI sei zwei Jahre alt. Die Arbeitsfähigkeit sei multifaktoriell eingeschränkt. Aufgrund seiner Untersuchung vom 1
1.
August 2015 sei die Beschwerdeführerin auch für weniger anspruchsvolle, wechselbelastende Tätigkeit zu weniger als 75
%
arbeitsfähig, aktuell schätze er sie auf 50
%
ein. Zwei Jahre nach der Operation sei eine spontane Verbesserung nicht zu erwarten.
3.9
PD
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurochirurgie
,
diagnostizierte mit Bericht vom 2
0.
Juli 2016 (
Urk.
13/2) unter Hinweis auf seine Untersuchung sowie das MRI vom 2
3.
Juni 2016 eine rechtsbetonte
Zervikobrachialgie
, eine
foraminale
Diskushernie HWK 6/7 mit
foraminaler
Stenose sowie eine
breitbasige
Dis
kushernie
HWK 5/6 ohne relevante
foraminale
Stenose. Weiter führte er aus, dass
sich
in der neurologischen Untersuchung rechts streifenförmig (C7) am dorsalen Oberarm eine Hypästhesie
zeige
, ansonsten
bestünden
keine sensomo
torischen Defizite. Eine Indik
a
tion zur neurochirurgischen Intervention bestehe gegenwärtig nicht.
4.
4.1
Unbestritten und aufgrund der aktenkundigen Arztberichte belegt ist die
volle
Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin
in angestammter Tätigkeit.
Weiter
wurden zwar in verschiedenen Arztberichten Einschränkungen im
Belas
tungsprofil
beschrieben (E. 3.1-3.3)
, doch eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
in leidensangepasster Tätigkeit fehlt gänzlich
.
So gab
Dr.
B._
mehr als ein Jahr
vor Verfügungserlass le
diglich eine Prognose ab
, ohne den Umfang der zur erwartenden Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit festzulegen (E.
3.3), und
Dr.
C._
äusserte sich
lediglich zur
Arbeitsunfähigkeit in angestammte
r
Tätigkeit
(E. 3.4).
Dr.
E._
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit umfasst
e
sodann
nur die Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht
,
erfolgte ohne Kenntnis der Aktenlage
und steht im Widerspruch zur
späteren
Einschätzung von
Dr.
F._
(E. 3.9), der Teillähmungen feststellte und eine einge
hende neurologische Abklärung unter Veranlassung eines aktuellen MRI für angezeigt hielt
. Der Bericht von
PD
Dr.
G._
(E. 3.9)
stellt
dafür trotz
eingeholtem
MRI
keinen hinreichenden Ersatz dar
,
denn er
beurteilte die
Arbeitsfähigkeit nicht.
Dr.
A._
schliesslich
führte nie eine eigene Untersuchung der Beschwerdeführerin durch
. In
seiner ersten Stellungnahme vom 2
4.
Mai 2014
vermerkte er
noch,
es fehlten aktuelle
Angaben hinsichtlich
Befund und Arbeitsunfähigkeit
ab März 2014 und ausserdem jegliche konkrete Angabe
n
zu einer angepassten Tätigkeit
, weshalb
der aktuelle Gesundheitszustand
versiche
rungsmedizinisch
nicht abschliessend beurteilbar
sei
und es
eine
weitere medi
zinische Abklärung
brauche
(
Urk.
7/41/4).
Nicht nachvollziehbar ist, inwiefern
sich daran
im Zeitpunkt der zweiten
Stellungnahme vom
2.
September
2014
(E.
3.6)
etwas geändert haben soll,
anlässlich welcher
Dr.
A._
konstatiert
e
, dass die beiden neu eingegangenen Arztberichte keine wesentlichen neuen Informationen - weder bezüglich der bestehenden Diagnose noch der sich daraus ergebenden Arbeitsunfähigkeit - enthielten.
In der Folge legte
Dr.
A._
dennoch die Arbeitsfähigkeit und deren
Verlauf medizintheoretisch
und
lediglich unter Berücksichtigung der aktenkundigen Befunde und einer über 20-jährigen Berufserfahrung fest,
was d
en Anforderungen an einen beweiswertigen Arztbericht (E. 1.1) nicht
genügt
.
Zusammenfassend
l
agen im Verfügungszeitpunkt keine aktuellen Arztberichte vor, die sich schlüssig zur relevanten Frage der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit äusserten.
Hinzu
kommt, dass sich
kein Arzt
- auch nicht
Dr.
A._
-
ausdrücklich
dazu äussert
e
,
wie hoch die Arbeitsfähigkeit in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit in einem 150
%
-Pensum sei
.
D
er Verweis der
Beschwerdegegnerin
auf die
bundes
gerichtliche
Rechtsprechung
erweist sich in diesem Zusammenhang als
un
be
helflich
, da vorliegend - anders als im
zitierten
Urteil des Bundesgerichts 9C_883/2007 vom 1
8.
Februar 2008 -
keine Anhaltspunkte dafür bestehen
, dass den Ärzten bekannt war, dass die Beschwerdeführerin
vor Eintritt des
Gesund
heitsschadens
in einem Pensum von 150
%
arbeitete.
Unter zusätzlicher Berücksichtigung des Umstands, dass
Dr.
F._
die Arbeitsfä
higkeit
der Beschwerdeführerin
in angepassten Tätigkeiten eher nur auf 50
%
schätzt
e, ist d
ie Sache
d
aher zu
r weiteren
orthopädisch-rheumatologischen und neurologischen
Abklärung
an die Beschwerdegegnerin
zurückweisen
, wobei insbesondere die Frage der Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit, deren Verlauf und das
insgesamt
zumutbare Pensum festzustellen sein wird
.
4.2
Für die Festsetzung des
Valideneinkommen
s
ist massgebend, was die Beschwer
deführerin als Gesunde nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit verdient hätte (vorstehend E. 1.3).
Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführerin
gleichzeitig
bei der
Y._
einer vollzeitlichen und bei der
Z._
AG einer teilzeitlichen Tätigkeit
nachging, Letzteres
im Umfang von 1‘280 Arbeitsstunden im Jahr 2011 beziehungsweise von 1‘230
Arbeitsstunden
im Jahr 2012 (
Urk.
7/12-13).
Erst seit Juli 2011 bestritt die Beschwerdeführerin
gesamthaft
ein
deutlich über 100
%
liegendes
P
ensu
m
, während sie
in den Jahren davor immer deutlich geringere Einkommen ab
gerechnet hatte
(
Urk.
7/10). Bereits im Oktober 2012 wurde sie aufgrund
ihre
s Gesundheitsschadens vollständig arbeitsunfähig geschrieben (
Urk.
7/12/33). Angesichts
des kurzen Zeitraums eines
Pensums von über
100
%
,
der in früheren Jahren deutlich
tieferen
Einkommen
sowie
der Geburt ihres dritten Kindes im Jahr 2015
(
Urk.
7/52)
erscheint
es
nicht über
wiegend wahrscheinlich, dass
d
ie
Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall
ein 100
%
übersteigende
s
Pensum
fortgeführt
und weiterhin
ein entsprechend
ho
hes
Einkommen erzielt
hätte.
Anzumerken
bleib
t, dass
im Übrigen die
Annahme
der Beschwerdegegnerin
,
das im Jahr 2012
bei der
Z._
AG
erzielte E
inkommen von rund
Fr.
26‘904
.--
entspreche
bei 1230 Arbeitsstunden
einem Pensum von 50
%
, nicht nachvollziehbar ist
(
Urk.
7/13/3,
Urk.
7/40)
.
Die Sache ist daher auch in diesem Punkt
an die Beschwerdegegnerin
zurückzu
weisen, damit diese, unter Berücksichtigung
der
vorstehende
n
Erwägungen und gegebenenfalls nach Durchführung weiterer Abklärungen, das
Valideneinkom
men
neu festlege.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2
)
.
5.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1bis IVG), ermessensweise auf Fr. 600.-- anzusetzen und
aus
gangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.3
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mit Ei
ngabe vom
3.
Dezember 2015 (Urk. 11
) hat der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen Aufwand von
20.
8 Stunden und Barauslagen von Fr.
7
6.-- geltend gemacht.
Die
geltend gemachte
Honorierung mit
insgesamt
Fr.
5‘616.--
ist jedoch
mit Blick auf die Kriterien von
§ 34 Abs. 3
GSVGer
deut
lich
zu hoch.
Da § 34
GSVGer
lediglich den Aufwand im kantonalen
Rechts
pflegeverfahren
, nicht aber denjenigen im Verwaltungsverfahren
umfasst
, sind die vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 18. Juni 2015 entstande
nen Aufwände
(vgl. Positionen 1-6 der Honorarnote vom 3. Dezember 2015; Urk. 11) von vornherein nicht entschädigungspflichtig. Inwiefern es sich bei den geltend gemachten Positionen ab dem 21. August 2015 - insbesondere im Zusammenhang mit der Helsana - um notwendigen Aufwand im aktuellen Beschwerdeverfahren handelt, ist ebenso wenig ersichtlich, muss aber nicht abschliessend geklärt werden, wie die folgenden Ausführungen zeigen.
Materiell-rechtlich war der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
umstritten. Die Rechtsfragen, die sich stellten, können nicht als besonders schwierig oder komplex bezeichnet werden. Es ging im Wesentlichen um die prozentuale Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit und die Höhe der Vergleichseinkommen
. Die Akten waren nicht besonders umfangreich. Mithin stellte das Verfahren
einen erfahrenen Anwalt nicht vor b
esondere Schwierigkeiten.
Insgesamt kann - insbesondere auch für das Verfassen der rund 10 Seiten umfassenden materiellen Begründung in der Beschwerdeschrift -
höchstens von einem durchschnittlichen Aufwand ausgegangen werden.
Nach dem Gesagten ist die Prozessentschädigung unter Berücksichtigung des notwendigen Aufwan
des und der Schwierigkeit des Prozesses mit Blick auf
ähnlich gelagerte Fälle
sowie bei einem gerichtsüblichen Stundenansatz von Fr. 220.-- auf total Fr. 2‘400.-- (inklusive Barauslagen und
MWSt
) festzulegen
.