Decision ID: fcf4cc24-82f5-403c-a4fa-089a6c7ec3bf
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 199
5 geborene X._
litt an diversen Geburtsgebrechen
(
Hernia
inguinalis
lateralis
[Ziff. 303],
l
eichte
cerebrale
Bewegungsstörungen [Ziff. 395], Neugeborene mit
einem Geburtsgewicht unter 2000
g [
Z
iff.
494],
s
chwere respiratorische Adaptationsstörungen [Ziff. 497],
s
chwere
neonatale
metabolische Störungen
[
Z
iff.
498] gemäss Anhang zur Verord
nung über Geburtsgebrechen
in Kraft bis 3
1.
Dezember 2021
)
respektive leidet
in Form einer rechtsbetonten spastischen Diplegie (vgl. Urk. 10/247
, Urk. 10/432/6-9 S. 1
)
weiterhin
daran
(a
ngeborene
cerebrale
Lähmungen
[Ziff. 390]
)
, weshalb die Invalidenversicherung
(IV)
seit 1995 wiederholt Kostengutsprachen
für medizinische Massnahmen
,
für
Hilfsmittel,
für
Pflege
b
eiträ
ge
respektive für
Hilf
losenentschädigung
en
und für Sonderschulmassnahmen
erte
ilte
sowie Assistenz
beiträge
(
Urk.
10/370)
zusprach
(
vgl.
Urk.
10/
1-479)
.
Die Versicherte absolvierte
vom 20. August 2012 bis 31. Juli 2015
eine
Aus
bildung zur Medizinischen Praxisassistentin
(MPA)
mit begleitender Berufs
maturität
(
vgl. Urk. 10/318, Urk. 10/423
,
Urk.
10/464
)
. Für
ein dafür notwendiges Praktikum erteilte
die
I
V-Stelle eine Kostengutsprache für einen Einarbeitungs
zuschuss
(vgl. Urk. 10/318, Urk. 10/
321
, Urk. 10/325
)
.
Nach erfolgreicher Ein
arbeitung in diesem Praktikum schloss die IV
-Stelle
mit
Mitteilung vom 30. Juli 2014 (Urk. 10/346)
die Arbeitsvermittlung ab.
Am 1. September 2015 nahm die Versicherte ein Theologiestudium auf (vgl.
Urk. 10/
424
S. 5).
1.2
Die Versicherte meldete sich m
it
formlosem
,
auf den 31. August 2017 datiertem
Schreiben (Urk. 10/416)
u
nter Hinweis auf
ihre Behinderung bei der IV zum Rentenbezug an.
Dieses
ging am 5. September 2017 bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ein (vgl. Urk. 10/
417
). Nach Aufforderung durch die IV-Stelle (Urk. 10/417) reichte die Versicherte das am 13. September 2017 ausgefüllte Formular «Anmeldung für Erwachsene: Berufliche Integration/Rente»
(Urk. 10/424)
nach
, worin sie auf die seit Geburt bestehende
cerebrale
Parese hinwies (S. 6)
.
Das Formular
ging bei der IV-Stelle am 30. Oktober 2017 ein (vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 10/1-523 Nr. 4
24
).
Am 21. Februar 2018 (Urk. 10/440) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen
angezeigt seien
.
Die Versicherte trat am
1. Oktober 2018
- neben der Weiterführung des Theologiestudiums -
eine Stelle bei
der
Arztpraxis
von Dr. med.
Y._
als MPA im Umfang eines 25 %-Pensums an (vgl. Urk. 10/460, Urk. 10/464/1-3). Am 16. Januar 2019
bat
sie die IV-Stelle um Unterstützung beim Arbeitsplatzerhalt
(Urk. 10/461).
Der Versicherten
wurde
die Stelle
auf den 30. Juni 2019 gekündigt, woraufhin die IV-Stelle ihr am 29. Mai 2019 (Urk. 10/474) den Abschluss des
Arbeitsplatzerhaltes
mitteilte und sie darauf hinwies, dass sie betreffend Rente eine separate Verfügung erhalten werde.
Die
IV-Stelle
klärte
die medizinisc
he und
erwerbliche Situation ab
und holte
bei
der
Z._ AG
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
15. September 2020
erstattet wurde (Urk.
10/505).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
10/509, Urk. 10/514
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
25. Februar 2021
einen Rentenanspruch
(
Urk.
2)
.
Dabei stützte sie sich auf einen errechneten Invaliditätsgrad von 37 % (
vgl. den versicherungsinternen Einkommensvergleich vom 10. November 2020 [
Urk. 10/507
] sowie die versicherungsinternen Feststellungsblätter vom 10. November 2020 [Urk. 10/508 S.
14
]
und vom 24. Februar 2021 [Urk. 10/516 S.
4
]
).
2.
Die Versicherte erhob am 12. April 2021 (Urk. 1) Beschwerde gegen die Ver
fügung vom 25. Februar 2021 und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr mit Wirkung ab 1. März 2018 eine
Dreiviertelsrente
der IV auszurichten; even
tualiter sei die Angelegenheit zwecks Durchführung weiterer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
Zudem beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und die Bestellung von Rechtsanwalt
Silvan Meier Rhein
, Zürich,
als
ihre
n
unent
geltlichen Rechtsvertreter
(S. 2).
Am 20. Mai 2021 (Urk. 7) zog die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf unent
geltliche Rechtspflege zurück.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
24. Juni 2021
(Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde
, was der
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 25. Juni 2021
zur Kenntnis gebracht
wurde
(Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie n
icht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenüberge
stellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad be
stimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.
5
Konnte die versicherte Person wegen der Inval
idität keine zureichenden beruf
lichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwe
rbseinkommen, das sie als Nicht
invalide erzielen könnte
(
Valideneinkommen
)
,
gemäss
Art.
26
Abs.
1 IVV
den folgenden nach Alter abgestuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
:
Nach Vollendung
von
...
Altersjahren
Vor Vollendung
von ... Altersjahren
Prozentsatz
21
70
21
25
80
25
30
90
30
100
Geburts- und Frühinvalide im Sinne von
Art.
26
Abs.
1 IVV sind Versicherte, die seit ihrer Geburt oder Kindheit an einem
Gesundheitsschaden leiden und deshalb keine zureichenden beruflichen Kenntnisse erwerben konnten. Darunter fallen all jene Personen, die wegen ihrer Invalidität überhaupt keine Berufsausbildung ab
solvieren können. Ebenso dazu gehören indes Versicherte, die zwar eine Berufs
ausbildung abschliessen, zu deren Beginn jedoch bereits invalid waren und die absolvierte Ausbildung wegen ihrer Invalidität auf dem ausgeglichenen Arbeit
s
markt nicht in gleicher Weise «ummünzen»
können wie nichtbehinderte Personen mit derselben (ordentlichen) Ausbildung
(Urteil des Bundesgerichts 9C_233/201
8
vom
1
1.
April
2019
E. 1.2
; vgl. auch 8C_121/2021 27. Mai 2021 E. 5.3
)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete die
angefochtene Verfügung vom
25
.
Februar
2021
(Urk. 2)
gestützt auf das
Z._
-
Gutachten und die
Beurteilung des regional
en
ärztlichen Dienstes
(RAD)
damit, dass die Beschwerdeführerin zwar ihren erlernten Beruf als
MPA
gesundheitsbedingt nicht mehr
weiterführen
könne, ihr jedoch eine angepasste Tätigkeit, wie zum Beispiel als Arztsekretärin, in einem 80 %-Pensum zumutbar sei. Mit der Aufnahme einer solchen Tätigkeit sei es ihr möglich, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen, weshalb kein Anspruch auf eine Rente bestehe (S. 1 f.)
.
Aus dem versicherungsinternen
Einkommensv
ergleich vom 10. November 2020 (
Urk. 10/507
)
sowie den
versicherungsinternen Feststellungsblätter
n
vom
10. November 2020 (
Urk. 10/508 S. 14
)
und vom 24. Februar 2021 (
Urk. 10/516 S. 4)
ist ersichtlich, dass sich die Beschwerdegegnerin dabei
auf einen errechneten Invaliditätsgrad von
37 % stützte.
Dabei stellte sie für das
Validenei
nkommen
auf die Tabelle TA
17 Ziff.
32 (Lohn für Assistenzberufe im Gesundheitswesen, Frauen, Zentralwert)
der
vom Bundesamt für Statistik
(BFS)
herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
für das Jahr 2018 ab
und dies
mit der Begründung, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Ein
schränkungen als MPA arbeiten würde
. Für das Invalideneinkommen zog
die Beschwerdegegnerin
die LSE-Tabelle TA 17 Ziff. 33 (Nicht akademische betriebs
wirtschaftliche und kaufmännische Fachkräfte, Frauen, Zentralwert) bei, berück
sichtigte dabei das zumutbare Pensum von 80
%
in angepasster Tätigkeit
und gewährte zusätzlich einen leidensbedingten Abzug von 20 % aufgrund der Ein
schränkungen
und
des Belastungsprofils (
Urk.
10/507 S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte in ihrer Beschwerde vom 12. April 2021 (Urk. 1) dagegen vor,
im
erlernten Beruf als MPA sei sie nur - wenn überhaupt - zu 50 % arbeitsfähig.
Bei einer Tätigkeit als Arztsekretärin, welche weitgehend an der Computertastatur durchzuführen sei und hohe Anforderungen an die Feinmotorik stelle, handle es sich nach objektiven Gesichtspunkten nicht um eine angepasste Verweistätigkeit. Das Invalideneinkommen könne deshalb nicht anhand der Löhne für Arztsekretärinnen ermittelt werden (S. 4-9).
Da sie über eine Aus
bildung als MPA, nicht jedoch über eine andere Ausbildung verfüge und auch nicht umgeschult worden sei, sei für eine leidensangepasste Tätigkeit von 80
%
höchstens auf den Durchschnittlohn einer ungelernten Hilfstätigkeit ohne Berufs
erfahrung und damit auf die LSE-Tabelle TA 1 abzustellen
; zusätzlich sei der von der IV gewährte Leidensabzug von 20
%
zu berücksichtigen (S. 9, S. 12)
.
Sei es bei einer optimal leidensangepassten ungelernten Tätigkeit oder sei es bei einem Teilzeitpensum von maximal 50 % im
erlernten
Beruf als MPA, in beiden Fällen
erleide sie eine Erwerbseinbusse von mindestens 60 %, weshalb sie Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
habe (S. 12).
Das
Z._
-Gutachten datiere vom 15. September 202
0.
Bezüglich des rückwirkenden Zeitraums hätten die Gut
achter die echtzeitlich vorgenommenen
medizinischen
Befunde und Diagnosen sowie Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit als im Wesentlichen nachvollziehbar erachtet. Die behandel
nd
e Psychiaterin habe eine Arbeitsunfähigkeit
von 100 % ab 2. Februar bis 31.
August 2017 sowie von 50 % ab 1. September 2017 bis auf Weiteres attestiert gehabt. Damit dürf
t
e nach Ablauf des Wartejahres und sechs Monate nach
der
Anmeldung, mithin ab dem 1. März 2018
,
ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
bestanden haben (S. 12).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente
hat.
Bei der Festlegung des I
nvaliditätsgrades erach
ten beide Parteien die allgemeine Methode des Einkommensvergleichs als massgeblich (vgl. E. 1.4).
Umstritten
dagegen sind
insbesondere der
psychische
Gesundheitszustand vor der Begutachtung respektive der vorgängige Verlauf der Arbeitsfähigkeit sowie
der
errechnete Invaliditätsgrad (
Einkommensvergleich
)
. Diese Aspekte gilt es nach
folgend zu prüfen.
Wie von der Beschwerdeführerin korrekt
vorgebracht
(Urk. 1 Ziff. 6)
,
erfolgte ihre Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin
im September 201
7.
Dafür ist
der Ein
gang am 5. September 2017
(vgl. Urk. 10/
417
)
des von der Beschwerdeführerin auf den 31. August 2017 datierten
formlosen
Schreibens
massgeblich und nicht etwa das n
a
ch Fristansetzung erst im Oktober 2017 bei der
Beschwerdegegnerin eingegangene amtliche
Formular
(
Art. 29 Abs.
3 ATSG
)
. Demnach konnte bei im September 2017 erfolgter Anmeldung frühestens im März 2018 ein Renten
anspruch entstehen
(Art.
29
IVG).
Wesentlich ist daher der Gesundheitszustand beziehungsweise die Arbeitsfähigkeit und
folglich
der Invaliditätsgrad
für eine
n
Rentenanspruch
ab diesem Zeitpunkt.
3.
3.1
3.1.1
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, welche die Beschwerdeführerin seit
dem
2. Februar 2017 behandel
te
,
nannte i
n ihrem Bericht vom 10. April 2018 (Urk. 10/450) folgende Diagnosen mit aktuell Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
Anpassungsstörung mit Angst, Depression, Sorgen, Anspannung,
Ärger (ICD-10 F43
.
23
)
bei
:
-
Problemen in Verbindung mit Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) und neuropathischem Schmerzsyndrom L5/S2 mit konsekutiver Schlaf
störung (ICD-10 Z86.6)
-
Akzentuierte
n
Persönlichkeitszüge
n
(ängstlich
und abhängig
; ICD-10 Z73.1)
-
Status nach mittelgradiger depressiver Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11; 2017) bei neuropathischem Schmerzsyndrom L5/S2 mit konsekutiver
Schlafstörung (ICD-10 Z86.6)
und Problemen in Verbindung mit Ausbildung und Bildung (ICD-10 Z55)
-
Status nach Probleme
n
in der Kindheit, die den Verlust des Selbst
wertgefühls zur Folge haben (ICD-10 Z61.3)
-
Rechtsbetonte spastische Diplegie bei Status nach Frühgeburt in der 29. Schwangerschaftswoche
Dr.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin
vom 1. Februar bis 31. August 2017 eine 100%ige und ab dem
1. September 2017
eine
bis auf Weiteres
bestehende
ca. 50%ige
Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.3). Zum
Befund
hielt sie
fest,
es bestehe ein
guter Allgemeinzustand. Die Beschwerdeführerin sei wach, allseits orientiert. Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis seien gut. An
trieb und Psychomotorik seien regelrec
ht. Es bestünden keine formalen und
keine inhaltlichen
Denkstörungen sowie kein Anhalt für Wahn oder Zwänge. Die St
immung sei derzeit ausgeglichen und
adäquat
sowie
es bestehe eine gute Schwingungsfähigkeit.
Es seien deutliche Zukunftsängste, die vor allem ihre zu
künftige berufliche Situation beträfen, feststellbar. Es bestehe kein Anhalt für Eigen- oder Fremdgefährdung
(
Ziff. 2.4
).
Weiter führte Dr.
A._
zu den Funktionseinschränkungen
aus, derzeit bestünden aus körperlicher Sicht eine deutliche Gehbehinderung als auch eine leichte Behinderung im Bereich der Hände. Aus psychischer Sicht
bestünden
eine deutlich verminderte Belastbarkeit, eine Selbstunsicherheit und Ängstlichkeit, vor allem in Bezug auf ihre zukünftige berufliche Tätigkeit (
Ziff. 3.4
). Sowohl die bisherige als auch eine angepasste Tätigkeit sei derzeit zu ca. vier Stunden zumutbar (Ziff. 4.1-2). Die
Prognose zur Eingliederung sei aus psychischer Sicht als gut zu bezeichnen, wenn die Beschwerdeführerin eine Stelle als MPA oder in einem anderen Bereich finden könne, bei der auf ihre doch ausgeprägte Körperbehinderung Rücksicht genommen werde (Ziff. 4.3).
3.1.
2
Im Wesentlichen
gestützt auf einen neuropsychologischen Bericht der Klinik
B._
vom 3. September 2019 (Urk. 10/484) berichtete Dr.
A._
am 15. September 2019 (Urk. 10/485/2-19)
,
der Gesundheitszustand sei insgesamt stationär, jedoch nun viel differenzierter beschreibbar (Ziff. 1.1).
Zum
Befund
hielt sie
fest,
die
Beschwerdeführerin sei wach, allseits orientiert. Aufmerk
samkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnis seien
während des
Gesprächs grob unauffällig
. Antrieb und Psychomotorik seien regelrecht. Es bestünden keine formalen und keine inhaltlichen Denkstörungen sowie kein An
halt für Wahn oder Zwänge. Die St
immung sei derzeit ausgeglichen und
adäquat
sowie
es bestehe eine gute Schwingungsfähigkeit.
Es seien deutliche Zukunft
sängste, die vor allem ihre zukünftige berufliche Situation beträfen, feststellbar. Es bestehe kein Anhalt für Eigen- oder Fremdgefährdung (
Ziff.
1.3 S. 4 oben).
Es bestehe eine deutliche Verminderung der Leistungsfähigkeit aufgrund der neuro
logischen und körperlichen Beeinträchtigung durch
den
Status nach Frühgeburt. Die Einschränkung der Leistungsfähigkeit liege derzeit bei mindestens 80 % (Ziff. 2.2). Am gekündigten Arbeitsplatz hätten Faktoren bestanden, die das seelische Befinden der Beschwerdeführerin noch zusätzlich zu ihren Geburts
gebrechen deutlich verschlechtert hätten und eine Krise mit Anpassungsstörung ausgelöst hätten (Ziff. 4.4)
.
3.2
Dr. med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Prof. Dr. med.
D._
, Facharzt für Neurologi
e, Dr. med. Dipl. Psych. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
und
MSc
F._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP/SVNP
,
von der
Z._
nannten in der interdisziplinären
Konsensbeurteilung
ihres Gutachtens vom
15.
September
2020 (Urk. 10
/
505
)
als Diagnose
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rechts- und beinbetonte
Tetraparese
bei Status nach Frühgeburt. Daneben nannten sie
folgende Diagnosen ohne Aus
wirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit (S.
11
):
-
Status nach Anpassungsstörung mit Angst, Depression, Sorgen, Anspannung, Ärger (ICD-10 F43.23)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ängstlich und abhängig; ICD-10 Z73.1)
-
Status nach mittelgradiger depressiver Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32
.
1
1)
-
Status nach Problemen in der Kindheit, die den Verlust des Selbstwert
gefühls zur Folge haben (ICD-10 Z61.3)
Die Gutachter führten aus,
aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich eine Arbeits
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als MPA von 50 % und in einer Ver
weistätigkeit von 20 % (internistisch und psychiatrisch: 0%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit; neurologisch: 50%ige Arbeitsunfähigkeit als MPA und 20%ige in einer Verweistätigkeit; neuropsychologisch: 10%ige Arbeits
unfähigkeit in jeglicher Tätigkeit). Dabei gelte das seitens des neurologischen und
des
neuropsychologischen Teilgutachten
s
geäusserte Fähigkeitsprofil. Es ergebe sich keine additive Arbeitsunfähigkeit
(S. 13 Ziff. 4.7)
. Die
Arbeitsunfähigkeit sei
durch das Geburtsgebrechen bedingt
(S.
13
Ziff. 4.9
).
Die attestierte Arbeits
unfähigkeit sei seit dem Eintritt ins Erwerbsleben anzunehmen. Dies gelte sowohl für die bisherige als auch für die Verweistätigkeit (S. 14 Ziff. 4.11).
Prof. Dr.
D._
hielt in seinem neurologischen Teilgutachten (Urk. 10/505/69-87) fest,
aus neurologischer Sicht könne die Beschwerdeführerin als MPA voll
schichtig anwesend sein. Während dieser Anwesenheitszeit bestehe aufgrund der Stand- und Gangunsicherheit und der rechtsbetonten
Feinmotorikstörung
eine Einschränkung der Leistung um 50 % (Ziff. 8.1.1-2). E
ine optimal angepasste Tätigkeit müsse ebenerdig und überwiegend im Sitzen ausführbar sein und geringe Anforderungen an die Feinmotorik der Hände stellen. Fahrtätigkeiten seien nur in einem entsprechend umgerüsteten PKW und daher am ehesten nur im eigenen, umgerüsteten Fahrzeug möglich (Ziff. 8.2.1). In einer solchen Tätig
keit sei eine maximale Präsenz vollschichtig möglich (Ziff. 8.2.2). Während der Anwesenheitszeit bestehe aus neurologischer Sicht eine Einschränkung der Leistung um 20 %, bedingt durch die starke Beeinträchtigung im Gehen, das sich auch in einer überwiegend sitzenden Tätigkeit nicht gänzlich vermeiden lasse, sowie durch die rechtsbetonte Ungeschicklichkeit der Hände (Ziff. 8.2.3).
M.Sc
.
F._
erklärte in ihrem neuropsychologischen Teil
gutachten (Urk. 10/505/88-113), in Zusammenschau aller vorliegenden Informationen sei das aktuelle klinische Bild gemäss Leitlinien als minimale neuropsychologische Störung zu beschreiben. Die Kriterien einer ICD-10 Diagnose würden nicht erfüllt. Die deutlich verminderte Belastbarkeit trete im Rahmen der infantilen Zerebral
parese und hierunter erhöhter Beanspruchung kognitiver Ressourcen auf.
In einer der körperlichen Beeinträchtigung optimal angepassten Tätigkeit/Arbeitsumfeld sei aus rein neuropsychologischer Sicht die Arbeitsfähigkeit aktuell 90 %
(S. 21
oben
).
Da die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Parese rechts zusätzliche kognitive Ressourcen
-
insbesondere Konzentration
-
für die motorische Planung,
die
Koordination der Feinmotorik und
für
motorische Bewegungsabläufe ins
gesamt benötige, sei die Einschränkung der Leistungsfähigkeit 10 % (
S. 24
Ziff. 8.1.2).
Damit die Beschwerdeführerin adäquat von gut vorhandenen kognitiven Ressourcen profitieren könne, sei eine vorwiegend sitzende Tätigkeit optimal (Beurteilung
unterlieg
e aber den medizinischen Fachgutachten). Tätig
keiten
,
die wenig Zeitdruck
, Mobilität/Flexibilität forderten
,
seien möglich. Ein
fache Sekretariatsarbeiten (Datenerfassung, Bericht schreiben ab Diktaphon oder Vorlage, einfache Korrespondenz) seien ebenfalls möglich und könnten im Ver
lauf, bei zunehmender Vertrautheit und Selbstsicherheit, auch in komplexere Aufgaben ausgebaut werden. Das von der Beschwerdeführerin angesteuerte Berufsziel (Beratung) mit dem Theologieabschluss sei aus rein
neuropsychologischer Sicht ebenfalls der Behinderung optimal angepasst (
S. 25
Ziff. 8.2.1). Aus rein neuropsychologischer Sicht sei als maximale Präsenz in einer angepassten Tätigkeit die vom Betrieb vorgegebene Tagessollzeit möglich (
S. 25
Ziff. 8.2.2). Aufgrund der stark verminderten Belastbarkeit mit erhöhter Ermüdbarkeit, sei die Einschränkung der Leistungsfähigkeit 10 % (Ziff. 8.2.3).
4.
4.1
Das polydisziplinäre Gutachten der Fachärzte der
Z._
vom
15
.
September
2020
(E. 3.
2
) ist
hinsichtlich der zu beurteilenden Leiden
der Beschwerdeführerin
umfassend. Es beinhaltet internistische, neurologische, neuropsychologische
und
psychiatrische Untersuchungen und beruht auf den
erforderlichen allseitigen klinischen Explorationen sowie den n
otwendigen Laborerhebungen (Urk. 10/505/
49-68 S. 12 f., Urk. 10/505/69-87 S. 12 f., Urk. 10/
505/88-113 S. 17-
21
, Urk. 10/505/114-144 S.
20-23
; Urk. 10/505/145-146
). Das Gutachten wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung
mit den
Vorakten
- ins
besondere auch der Bericht
e
von Dr.
A._
-
erstattet (Urk. 10/505/1-16 S. 7, S. 9 f., Urk. 10/505/17-32, Urk.
10/505/49-68 S.
6
, Urk. 10/505
/88-113 S. 6-11 und S. 19 f.,
Urk. 10/505/114-144 S. 7-13
und S. 24 f.
, S. 27 oben, S. 29 f.
), berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen sowie
mit
dem Verhalten
der
Beschwerdeführer
in auseinander (Urk. 10/505/1-6 S. 10
,
Urk. 10/505/49-68 S. 7
, Urk. 10/505/69-87 S.
6-11
, Urk. 10/505/88-113 S. 12 f.
, Urk. 10/505/114-144 S.
14 f.
).
Die Gutachter haben die medizinischen Zust
ände und Zusammenhänge ein
leuch
tend dargelegt und ihre Schlussfolgerung nach erfolgter Konsens
besprechung
nachvollziehbar begründet (Urk. 10
/
505
/
1-16 S. 9-14
).
Sie zeigten schlüssig auf,
dass
keine psychischen Beschwerden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehen,
die
Beschwerdeführer
in
jedoch
aufgrund ihres Geburtsgebrechens in Form einer
rechts- und beinbetonte
n
Tetraparese
aus neurologischer
Sicht wegen der
Stand- und Gangunsicherheit
sowie
der rechts
betonten
Feinmotorikstörung
und
aus
neuropsychologischer
Sicht
wegen erhöhter Beanspruchung der kognitiven Ressourcen (Konzentration für die motorische Planung, Koordination der Feinmotorik und Bewegungsabläufe) in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist
, sodass sie seit dem Eintritt ins Erwerbs
leben als MPA noch zu 50 % und in einer angepassten Tätigkeit unter Beachtung des durch die Gutachter formulierten Belastungsprofils zu 80 %
leistungs- beziehungsweise
arbeitsfähig ist
.
Damit entspricht die
Z._
-Expertise den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein beweiskräftiges Gutachten
,
was denn auch von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht bestritten worden ist (vgl. Urk. 1 S. 3-12)
. Es ist darauf abzustellen
.
4.2
Mit
dem Hinweis, die Gutachter hätten die Einschätzungen der behandelnden Ärzte
zur Arbeitsfähigkeit
als nachvollziehbar bezeichnet, macht
e
die Beschwerdeführerin mit
Verweis auf die von
Dr.
A._
attestierten Arbeits
unfähigkeiten geltend, dass vor der Begutachtung zeitweise eine höhere Arbeits
unfähigkeit bestanden habe (vgl. E. 2.2).
Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden.
Die Gutachter äusserten sich dahin
gehend, dass
sie
die wesentlich
en
Beurteilungen der behandelnden Ärzte als «teil
weise» nachvollziehbar bezeichneten (Urk. 10/505
/
13). Gerade was die Beurteilung durch Dr.
A._
angeht,
wies
der psychi
atrische
Z._
-Gutachter
auf die Ungereimtheiten in deren Berichten hin. So zeigte er auf, dass
die
Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit
durch
Dr.
A._
auch auf körperlichen Faktoren beruhte und die von ihr aufgeführten psychischen Störungen als überwunden (Status nach) oder als nicht krankheitswertig (Z-Diagnosen) beschrieben wurden (Urk. 10/505/114-144 S.
29 f.
).
Die Gutachter stellten denn auch eindeutig klar, dass die von ihnen attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen als auch einer angepassten Tätigkeit unter Beachtung des von ihnen formulierten Belastungs
profils seit Eintritt ins Erwerbsleben gilt (E. 3.2).
Bei genauer Betrachtung der von Dr.
A._
verfassten Bericht
e
fällt auf, dass
sie
als Fachärztin für Psychiatrie
die von ihr
postulierten Arbeitsunfähigkeiten im Wesentlichen
mit den
somatischen Beschwerden
erklärte ohne
diese jedoch her
geleitet z
u haben
.
So ist der von ihr beschriebene psychiatrische Befund sowohl im Bericht vom 10. April 2018 als auch im Bericht vom 15. September 2019 völlig unauffällig
(E. 3.1.1-2)
. Im Bericht vom 10. April 2018 führt
e
sie als Funktions
einschränkungen in erster Linie die körperlichen Gebrechen an, verw
ies
zumindest noch auf
eine
verminderte Belastbarkeit, eine Selbstunsicherheit und Ängstlichkeit
in
Bezug auf die zukünftige Tätigkeit, was jedoch keiner psychischen Erkrankung mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und damit
k
einer
eigenständigen sozialversicherungsrechtlich
relevanten psychischen
Erkrankung
entsprechen würde. Im Bericht vom 15. September 2019 bezeichnete
Dr.
A._
den Gesundheitszustand im Vergleich zum April 2018 als unverändert (
«
stationär
»
). Mit Verweis auf die neuro
psycho
logische Untersuchung durch
die Klinik
B._
erachtete sie den Gesundheitszustand nun als viel differenzierter beschreibbar und führte nun als Begründung der verminderten Leistungsfähigkeit nur für sie fachfremde Gründe, nämlich die neurologischen
und körperlichen Beeinträchtigungen
,
an, welche gemäss ihr
zu einer Leistungs
einschränkung von 80 % führten
, ohne diese jedoch im Detail herzuleiten
(E. 3.1.2). Dies steht jedoch im Widerspruch zur von den
Z._
-Gutachtern nachvollziehbar und begründet hergeleiteten Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin gemäss Belastungsprofil, welches
seit
ihrem
Eintritt ins Erwerbsleben
gilt
(E. 4.1 vorstehend).
Eine
vom
Z._
-
Gutachte
n
abweichende weitergehende Arbeitsunfäh
igkeit - insbesondere auch etwa
aus psychischen Gründen - bestand nicht.
4.3
Damit
steht der relevante medizinische Sachverhalt fest.
In Anbetracht dessen sind von zusätzlichen medizinischen Abklärungen
k
eine
entscheidwesentlichen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweis
würdigung; BGE 122 V 157 E. 1d).
Gestützt auf das beweiskräftige
Z._
-Gut
achten ist
daher
davon auszugehen, dass d
ie
Beschwerdeführerin seit
Eintritt ins Erwerbsleben
unter Beachtung des formulierten Belastungsprofils zu 80 %
arbeitsfähig
ist
.
Dabei
zu beachten ist, dass für eine optimal angepasste Tätigkeit nur
ebenerdig und ü
berwiegend im Sitzen ausführbare
Tätigkeiten mit geringen Anforderungen
an die Feinmotorik der Hände und allfällige Fahrtätigkeiten mit entsprechend umgerüsteten PKW in Frage kommen
. Zudem sind nur Tätigkeiten möglich
,
die wenig Zeitdruck, Mobilität und
Flexibilität
erforder
n (vgl. E. 3.2).
Im Folgenden sind die wirtschaftlichen Auswirkungen der festgestellten funktionellen Einschränkungen zu prüfen.
5.
5.1
5.1.1
Entgegen de
m
von der Beschwerdegegnerin
-
in Anknüpfung
an
die von der
Beschwerdeführerin absolvierte
Ausbildung zur MPA
und
gestützt auf die
L
SE
-
errechnete
n
Valideneinkommen
(vgl. Urk. 10/507)
ist
nach der
in E.
1.
5
hie
r
vor
dargelegten Geric
hts- und Verwaltungspraxis Art. 26 Abs.
1 IVV heranzuziehen. Dies,
weil die
seit Geburt
an einem Gesundheitsschaden leidende Beschwerde
führerin die Berufslehre zur MPA zwar abschliessen, die damit erworbenen (an sich zweifellos zureichenden) Fachkenntnisse aber wegen ihres Geburts
gebrechens wirtschaftlich nie gleichermassen verwerten konnte
oder kann
wie ihre Berufskollegen
und Berufskolleginnen
. Dies entspricht auch der
mass
geblichen
Weisung des B
undesamtes für Sozialversicherungen
(
Rz
. 3035
des Kreisschreibens über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung gültig ab
1.
Januar 2015,
KS
IH
) sowie der bereits im Verfahren I 320/73 vor dem
Eidgenössischen Versicherungsgericht (Urteil vom 8. April 1974) vertretenen Haltung, wonach es für die Versicherten nicht ausschlaggebend sei, ob sie sich berufliche Kenntnisse aneigneten, sondern ob sie diese auch wirtschaftlich ver
werten könnten
(
vgl.
Urteil des Bundesgeri
chts 9C_233/2018 vom 1
1.
April 2019 E. 3.1)
.
5.1.2
Demnach gilt i
m
Hinblick auf die Festlegung des
Valideneinkommen
s
Folgendes
:
Im März 2018, dem frühest
en
möglichen Zeitpunkt, in welchem ein Renten
anspruch hätte entstehen können (E. 2.3), war die am 24. November 1995 geborene Beschwerdeführerin 22 Jahre alt
(vgl.
Urk.
10/424
S.
1
). Im Jahr 2018 lag
der aktualisierte Medianwert gemäss
der
LSE
bei Fr. 82'000
.--
(vgl. IV-Rundschreiben Nr. 369
vom 1
9.
Dezember 2017
).
Bei
einem Prozentsatz von
80 %
gemäss Art.
26 Abs.
1 IVV
lag
somit
das
dem Einkommensvergleich zu Grunde zu
legende massgebliche
Valideneinkommen
bei Fr.
65'600.
--.
Am 24. November 2020 vollendete die Beschwerdeführerin das 25.
Lebensjahr.
Nach
Art. 26 Abs.
1 IVV ist daher ab diesem Zeitpunkt der Prozentsatz von 90 % des im Jahr 2020 geltenden Medianwert
s
gemäss der L
SE
von Fr. 83'500.--
massgeblich
, was einem
Valideneinkommen
von Fr. 75'150.-- entspricht
(vgl. IV-Rundschreiben Nr.
393
vom 1
5.
November 2019
).
5.2
5.2.1
Die Beschwerdeführerin ging - abgesehen von der
kurzzeitigen Teilzeit
b
eschäftigung als MPA
bei Dr.
Y._
, welche gesundheitlich
als Vollzeit
beschäftigung
unzumutbar
ist (vgl. Sachverhalt Ziff. 1.2 und E. 3.2)
- keiner Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nach, weshalb zur Ermittlung des Invaliden
einkommens auf die LSE-Tabellenlöhne abzustellen ist
. Dies ist denn
auch
von den Parteien grundsätzlich
zu Recht
un
umstritten (vgl. Urk. 1 S. 9 f. und Urk.
10/507 S. 1 unten
)
.
S
trittig
ist jedoch, welcher Tabellenlohn dem Invaliden
einkommen zugrunde zu legen ist.
Nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung
sind
in der Regel die Monatslöhne gemäss LSE-Tabelle TA1, Zeile «Total Privater Sektor», an
zuwenden
. Nur aus
nahmsweise hat das Bundesgericht bei Personen, die vor der Gesundheits
schädigung lange Zeit in diesem Bereich tätig gewesen sind und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt, auf das statistische Durch
schnittseinkommen einzelner Branchen abgestellt, wenn dies als sachgerecht erschien, um der im Einzelfall zumutbaren erwerblichen Verwertung der ver
bleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 8C_458/2017 vom 6.
August 2018 E. 6.2.3; vgl. auch in BGE 133 V 545 nicht publizierte E. 5.1
des Urteils 9C_237/2007 vom 24.
A
ugust 2007; 8C_457/2017
vom 11.
Oktober 2017, E. 6.2).
Auch kann es sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalls rechtfertigen, anstatt auf die Tabelle TA1 (
«
Privater Sektor
»
) auf die Tabelle T
17 (früher TA7;
«
Privater Sektor und öffentlicher Sektor [Bund] zu
sammen
»
) abzustellen, wenn dies eine genauere Festsetzung des Invaliden
einkommens erlaubt und dem Versicherten der entsp
rechende Sektor offen
steht und zumutbar ist (in BGE 133 V 545 nicht publizierte E. 5.1 des Urteils 9C_237/2007 vom 2
4.
August 2007).
Da die Beschwerdeführerin - abgesehen von kurzen Praktika während ihrer Ausbildung zur MPA
und
der kurzzeitigen An
stellung bei Dr.
Y._
(vgl. Sachverhalt Ziff.
1.2
)
- über keine Berufs
erfahrung verfügt und zugleich eine berufliche Karriere in einem anderen Bereich als dem Gesundheitswesen anstrebt (Theologiestudium), kann schwerlich von einer Ausnahme im Sinne der vorzitierten Rechtsprechung ausgegangen werden.
Zudem verbietet sich das Abstellen auf den Lohn für
«
n
icht akadem
ische betriebs
wirtschaftliche und
kaufmännische Fachkräfte
»
,
Ziff.
33, gemäss der Tabelle T17 auch deshalb, weil die Beschwerdeführer
in
zwar über gewisse, für die Arbeit in einer Arztpraxis notwendige kaufmännische Grundkenntnisse verfügt,
aber weder über eine fundierte kaufmännische Grundausbildung noch über eine Zusatzausbildung zur Arztsekretärin (vgl. dazu
beispielsweise
:
https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/2886?id=1298
; besucht am 1
7.
März 2022
).
Nach einer
dreijährigen Ausbildung zur MPA und
bei fehlender
Berufs
erfahrung
kann
klarerweise nicht
von einer qualifizierten kaufmännischen Fach
kraft ausgegangen werden
.
Es ist daher für das Invalideneinkommen - entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin (E.
2
.
1
) und entsprechend
dem Vor
bringen
der Beschwerdeführerin (E.
2
.2) - auf die
LSE-Tabelle TA1
abzustellen.
Damit kann auch offenbleiben, ob eine Tätigkeit als Arztsekretärin gesundheitlich überhaupt zumutbar wäre.
5.2.2
Was die Festlegung des Kompetenzniveaus in der Tabelle TA1 angeht, ist zu bemerken, dass sich
die Anwendung von LSE-Kompetenzniveau 2 nach der bundesgerichtlichen Praxis nur dann
rechtfertigt
, wenn
die versicherte Person
über besondere Fertigkeiten und Kenntnisse verfügt (Urteil
des Bundesgerichts 8C_276/2021 vom 2. November 2021 E. 5.4.1 mit Hinweisen
).
Das Bundesgericht erachtete etwa im Fall eines ehemaligen Spitzensportlers, der eine Maturaprüfung vorweisen konnte und zum Zeitpunkt seines invalidisierenden Unfalls erst 30-jährig gewesen war, die Voraussetzungen für die Anwendung des Kompetenz
niveaus 2 (damals
Anforderungs
niveau 3
, Berufs- und Fachkenntnisse voraus
gesetzt
) als gegeben an (
Urteil des Bundesgerichts
I 779/
03 vom 22.
Juni 2004 E. 4.3.4).
Diese
Konstellation
ist
mit dem
vorliegenden
Fall vergleichbar
.
Die
Beschwerdeführerin
schloss
neben der
MPA-
Lehre
erfolgreich
die
Berufsmatura
ab
(vgl. Urk. 10/
464/7-8
)
,
was
bei der MPA-Lehre
grundsätzlich
nur
Personen mit
sehr guten schulischen Leistungen
vorbehalten ist
(vgl. Profil zur Ausbildung MPA [
https://www.berufsberatung.ch/dyn/show/1900?id=2899
; besucht am
1
7. März 2022])
.
Sie erlangte das C
ambr
i
d
ge First
Certificate
in English (Urk. 10/464/14), was Sprachkenntnisse in der englischen Sprache auf dem inter
national anerkannten Level B2 ausweist.
Damit verfügt die Beschwerdeführerin
über
besondere Fähigkeiten und Kenntnisse, die zweifellos auch ausserhalb
der Tätigkeit als MPA
nutzbar sind.
Aufgrund ihres Bildungsniveaus und des relativ jungen Alters wäre die Beschwerdeführerin in
d
er Lage gewesen, sich innert nütz
licher Frist die erforderlichen Fertigkeiten und Kenntnisse
anzueignen
.
Dies recht
fertigt die
Anwendung des Kompetenzniveaus
2.
Insbesondere wird
von
der Beschwerdeführerin
auch nichts Konkretes vorgebracht, was gegen diese Ein
stufung spräche.
5.2.3
Aufgrund der Einschränkungen und des Belastungsprofils gewährte die Beschwerdegegnerin
einen
leidensbedingte
n
Tabellenlohn
abzug
von 20 %
(vgl. Urk. 10/507 S. 1 unten).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf Gegebenheiten ab
stützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6).
Solch
e
triftige
n
Gründe sind vorliegend nicht ersichtlich. So wurden von den Gutachtern neben der
Leistungsreduktion
zahlreiche
erhebliche
Einschränkungen
für eine an
gepasste Tätigkeit
formuliert
, wie die Notwendigkeit einer mehrheitlich sitzenden Tätigkeit, die gleichzeitig nur geringe Anforderungen an die Feinmotorik der Hände stellen und wenig Zeitdruck und geringe Anforderungen an die Flexibilität beinhalten darf
(E. 3.2).
Der
von der Beschwerdegegnerin veranschlagte leidens
bedingte Abzug von 20 %
ist damit zu belassen
.
5.2.4
Demnach resultiert so - angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2018 (vgl.
B
FS,
Tabelle T 03.02.03.01.04.01 Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) und unter Berücksichtigung der reduzierten Arbeitsfähigkeit von
80
% in angepasster Tätigkeit
sowie dem leidensbedingten Abzug von 20 %
für
März
2018
(frühestmöglicher Renten
beginn;
vgl.
E. 2.3 vorstehend)
-
ein Invalideneinkommen von Fr. 38'823.-- (Fr. 4'849.-- [Tabelle TA1 LSE 2018, Einkommen, Total Frauen, Kompetenzniveau 2]
x 12
Monate
/ 40 x 41.7 x 0.
8
[reduzierte Arbeitsfähigkeit]
x 0.8
[leidens
bedingter Abzug]
).
Für
November
2020
(
E
rreichen des 25.
Altersjahres; vgl. E. 5.1 vorstehend)
resultiert
ein
an die Nominallohnentwicklung (
BFS,
T 39) angepasstes
Invaliden
einkommen von Fr.
39'562.--
(Fr. 4'849.-- [Tabelle TA1 LSE 2018, Einkommen, Total Frauen, Kompetenzniveau 2] x 12 Monate / 40 x 41.7 x 0.8 [reduzierte Arbeitsfähigkeit] x 0.8 [leidensbedingter Abzug]
/ 2732 [Nominallohnindex 2018] x 2784 [Nominallohnindex 2020]
).
5.3
Bei der Gegenüberstellung des
Validen
einkommens
mit
dem Invaliden
einkommen
resultiert für die Zeit ab
März
2018 bei
einer Erwerbseinbusse von Fr. 26
'
777
.
--
(
Fr.
65'600.
--
–
Fr. 38'823.--)
ein gerundeter
Invaliditätsgrad von
41
%
, was
einem
Anspruch auf
eine
Viertelsr
ente
entspricht
.
Für
die Zeit ab
November 2020
resultiert bei
der Gegenüberstellung des
Validen
einkommens
mit dem Invalideneinkommen
bei
einer Erwerbseinbusse von Fr.
35’588
.
--
(
Fr.
75’150
.
--
–
Fr.
39
'
562
.--) ein gerundeter
Invaliditätsgrad von
47
%
, was
ebenfalls
einem Anspruch auf eine
Viertelsrente
entspricht.
Die Beschwerde ist demnach
bei einem Anspruch auf eine
Viertelsrente
ab
1.
März 2018
teilweise
gutzuheissen
.
Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Art. 69 Abs. 1
bis
IVG enthält (anders als Art. 61
lit
. g ATSG) keine Kostenverteilungsregeln, also keine An
weisungen an die kantonalen Versicherungsgerichte, nach welchen Grundsätzen sie die Verfahrenskosten auf die Parteien aufzuteilen haben (BGE 137 V 57 E. 2.2). Massgebend für die Kostenverteilung im kantonalen Prozess ist aus
schliesslich kantonales Recht (Urteile des Bundesgerichts 8C_176/2020 vom 9. April 2021 E. 3, 9C_254/2018 vom 6. Dezember 2018 E. 2.1). Gemäss § 28
lit
. a
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
finden unter anderem Art. 104 ff.
der Zivilprozessordnung (
ZPO
)
sinngemäss Anwendung (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_304/2018 vom 6. Juli 2018 E. 4.2.2). Demnach werden die Prozesskosten grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt beziehungsweise nach dem Ausgang des Verfahrens verteilt, wenn keine Partei vollständig obsiegt (Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO).
Die Beschwerdeführerin beantragte mit ihrem Rechtsbegehren die vollum
fängliche Aufhebung der Verfügung und die
Zusprache
einer
Dreiviertelsrente
(Urk. 1 S. 2).
Mit heutigem Urteil wird ihr jedoch lediglich eine
Viertelsrente
für
die Zeit
ab März 2018
zugesprochen. Damit obsiegt sie nur teilweise. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Beschwerde
führerin und der Beschwerdegegnerin
je zur Hälfte
aufzuerlegen.
6.2
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende Beschwerde führende Person, die erhebliche Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (vgl.
Art.
61
lit
. g ATSG). Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Da das ziffernmässig bestimmte Rechts
begehren den Prozessaufwand nicht massgeblich beeinflusst hat, rechtfertigt
es sich nicht die Prozessentschädigung
wegen des nur teilweisen Obsiegens
zu kürzen
(BGE 117 V 401 E. 2c; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_449/2016 vom
2.
November 2016 E. 3.1.1 und 8C_500/2020 vom
9.
Dezember 2020 E. 4.4).
Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht.
Die Entschädigung ist daher unter Berücksichtigung der genannte
n
weiteren
Kriterien nach Ermessen
auf
F.
2'600
.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Die Beschwerdegegnerin ist in der Folge zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigun
g in diesem Umfang zu bezahlen.