Decision ID: 057411c5-6bf6-439c-bcad-3f1a9722b16d
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ hatte sich am 11. Februar 2002 zum Bezug einer Rente der
Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 2). Zur Abklärung des medizinischen
Sachverhaltes war Dr. med. B._, Facharzt für Rheumatologie, mit der Erstellung eines
Gutachtens beauftragt worden. In seinem Gutachten vom 25. Oktober 2002 stellte er
die Diagnosen:
„ - Fibromyalgie-Syndrom seit ca. 1992
- Chron. Panvertebralsyndrom seit ca. 1992 bei
muskulären Dysbalancen
segmentalen Dysfunktionen
leichter Haltungsschwäche
Osteochondrose L5/S1
lumbosacraler Übergangsanomalie mit Teilsacralisation von L5 links (Nearthros des
Processus transversus mit dem Sacrum)
- Chron. Sensibilitätstörungen beider Hände seit ca. 3 Jahren (regredient)
wahrscheinlich im Rahmen eines muskulären Thoracic outlet -Syndroms
evtl. kombiniert mit einem leichten Carpaltunnelsyndrom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
- Chron. Parästhesien beider Fusssohlen unklarer Ätiologie (seit ca. 2 Jahren)“ (IV-
act. 14-5).
Dr. B._ erachtete die Versicherte für eine leichte Arbeit in Wechselbelastung und
ohne stereotype Haltungen und Belastungen aus rheumatologischer Sicht als zu 50%
arbeitsfähig. Er hielt darüber hinaus fest, die Versicherte habe seit 14. Mai 2001 nicht
mehr voll gearbeitet. Er habe sie anlässlich seiner Untersuchung vom 16. August 2001
als zu 100% arbeitsfähig beurteilt. Die Beschwerden und Beeinträchtigungen hätten
aber in der Folge anscheinend zugenommen, so dass eine Wiederaufnahme der Arbeit
nicht mehr möglich gewesen sei (IV-act. 14-7).
A.b Aufgrund der Empfehlung von Dr. B._ (IV-act. 14-8) wurde die Versicherte durch
Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, psychiatrisch abgeklärt.
Dr. C._ hielt in ihrem Gutachten vom 21. März 2003 fest, die Versicherte leide an
einer mittelgradig depressiven Episode bestehend seit mindestens 3 Jahren. Sie
schätzte die Versicherte als in einem zeitlichen Rahmen von ca. 2 Stunden täglich, am
Nachmittag, als arbeitsfähig ein (IV-act. 21-5 f.).
A.c Die IV-Stelle sprach der Versicherten daraufhin mit Verfügung vom 11. August
2003 (mit Wirkung ab 1. Mai 2002) eine ganze Rente zu (IV-act. 31).
B.
B.a Im Fragebogen zur Revision der Invalidenrente gab die Versicherte am 29. Mai
2006 an, ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verändert (IV-act. 32). Ihr Hausarzt,
Dr. med. D._, Facharzt für Innere Medizin, bestätigte am 19. Juni 2006, dass die
Befunde unverändert und der Gesundheitszustand stationär sei. Mit einer
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sei nicht zu rechnen (IV-act. 36-1 ff.). Daraufhin
wurde der Versicherten am 27. Juni 2006 mitgeteilt, sie habe unverändert Anspruch auf
eine Rente (IV-act. 38).
B.b Im Rahmen der nächsten Rentenrevision gab die Versicherte am 10. August 2011
an, ihr Gesundheitszustand habe sich seit Dezember 2010 verschlechtert. Als Grund
gab sie „Füsse“ an (IV-act. 43). Dr. D._ gab in seinem Bericht vom 29. September
2011 an, der Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär. Sie leide an einem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
chronischen, therapieresistenten Fibromyalgie-Syndrom, so dass nicht mit einer
Steigerung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei (IV-act. 62-1 ff.)
B.c Im August 2012 leitete die IV-Stelle zusätzlich eine Rentenüberprüfung im Rahmen
der 6a-Revision des IVG ein (IV-act. 48). Am 6. September 2012 berichtete Dr. D._,
die Versicherte habe unverändert Tag für Tag Schmerzen. Aufgrund ihrer Schmerzen
könne sie z.B. nicht Fensterputzen, Bügeln, Staubsaugen, Betten anziehen, keine
grossen Einkäufe machen und keine Gartenarbeiten durchführen. Seines Erachtens sei
die Versicherte nicht eingliederungsfähig (IV-act. 51).
B.d Der RAD hielt am 7. Februar 2013 fest, dass die Arbeitsunfähigkeit der Versicherten
nicht überwiegend durch ein Leiden gemäss den Schlussbestimmungen zur 6a-
Revision begründet sei (IV-act. 55-2).
B.e Zur Klärung ihres Rentenanspruches wurde die Versicherte am 18. Juni sowie am
1. und 8. Juli 2013 in der BEGAZ GmbH Begutachtungszentrum BL (nachfolgend
BEGAZ) polydisziplinär (allgemein-internistisch, rheumatologisch, neurologisch und
psychiatrisch) untersucht und begutachtet. Das Gutachten datiert vom 15. August 2013
(IV-act. 59). Der psychiatrische Gutachter hielt fest, so wie sich die Versicherte aktuell
präsentiere, könne keine relevante depressive Störung mehr festgestellt werden. Eine
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit sollte ihr möglich sein; eine
Einschränkung lasse sich aufgrund des psychischen Zustandes nicht mehr begründen
(IV-act. 59-26 f.). Der neurologische Sachverständige hielt fest, aufgrund der unter
Belastung bzw. im Stehen und Gehen zunehmenden brennenden Schmerzen im
Bereich der Fusssohlen, verbunden mit Parästhesien, sollten Arbeiten, die eine
dauerndes Stehen oder Gehen erfordern, vermieden werden. Einfache körperliche
Tätigkeiten, vorwiegend im Sitzen, könnten der Versicherten jedoch ganztags
zugemutet werden. Arbeiten über Kopf sollten aufgrund des
Schultergürtelkompressionssyndroms vermieden werden. Aufgrund der chronischen
Schmerzsymptomatik sei von einem erhöhten Pausenbedarf auszugehen. In einer
entsprechend adaptierten Tätigkeit bestehe aus neurologischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von 90% (IV-act. 59-32). Der Rheumatologe führte an, es könnten
keine relevanten anderen Angaben gegenüber dem rheumatologischen Gutachten von
Dr. B._ gemacht werden. Die Greifkraft sei inzwischen wieder fast normal (die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherte habe zu Hause mit zwei Bällen trainiert). Ansonsten fänden sich weiterhin
die 18 positiven Fibromyalgie Tender points, welche die früher gemachte Diagnose im
Zusammenhang mit den übrigen anamnestischen Angaben und dem
zwischenzeitlichen Verlauf bestätigten. In den Alltagsbewegungen und bei der
Anamneseerhebung sei kein eigentliches Schmerzerleben sichtbar gewesen.
Insbesondere habe die Versicherte problemlos den Einbeinstand einnehmen, sich beim
Aus- und Anziehen der Kleider zügig bücken, reklinieren und die Arme heben können.
Aus diesem Grunde würden die beschriebenen Beschwerden im Rahmen des
Fibromyalgie-Syndroms aus aktueller gutachterlicher Sicht nicht als die Arbeitsfähigkeit
einschränkend beurteilt. Der rheumatologische Sachverständige wies darauf hin, dass
diese Beurteilung nicht auf einer grundlegend veränderten Klinik oder neuen
Erkenntnissen basiere, sondern es sich um eine andere Beurteilung des praktisch
gleichen klinischen Bildes handle, wie es Dr. B._ in seinem Gutachten beschrieben
habe. Dabei sei darauf hinzuweisen, dass dieser die Versicherte in seinem
Konsiliarbericht vom 18.08.2001 noch als vollständig arbeitsfähig für eine körperlich
leichte Tätigkeit beurteilt habe. Seine geänderte Meinung auf eine Arbeitsfähigkeit von
50% (in seinem Gutachten vom 25.10.2002) habe er dadurch begründet, dass die
Beschwerden und Beeinträchtigungen der Versicherten zugenommen hätten. Damit
habe er sich auf subjektive Angaben der Versicherten gestützt. Abschliessend hielt der
Rheumatologe fest, aus rheumatologischer Sicht könne keine relevante Verbesserung
des Gesundheitszustandes begründet werden, obwohl punktuell gewisse
Verbesserungen vorhanden seien (dies allerdings auch unter dem Aspekt, dass die
Versicherte keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehe) (IV-act. 59-36 ff.).
B.f Zusammenfassend hielten die Gutachter fest, gesamtmedizinisch kämen sie zum
Schluss, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten vorwiegend aus
psychiatrischer Sicht in der Zwischenzeit gebessert habe. Aus somatischer Sicht könne
keine wesentliche Verschlechterung oder Verbesserung festgestellt werden. Für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten müsse ab Gutachtensdatum eine
Arbeitsfähigkeit von 90% angenommen werden. Tätigkeiten mit dauerndem Stehen
oder Gehen oder mit Arbeiten Überkopf sollten dabei vermieden werden.
B.g Der RAD hielt in seiner Stellungnahme vom 19. September 2013 fest, das
Gutachten sei umfassend, beruhe auf eigenen Untersuchungen der Gutachter,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
berücksichtige die Aktenlage und die geltend gemachten Beschwerden der
Versicherten hinreichend. Die bei der Rentenzusprache im Jahr 2006 massgebliche
psychische Situation habe sich seitdem wesentlich und anhaltend verbessert. Aus
rheumatologischer Sicht werde von einem im Wesentlichen unveränderten
Gesundheitszustand ausgegangen. 2002/03 sei in einer körperlich leichten Tätigkeit
noch eine 50%ige Einschränkung angenommen worden. Im aktuellen Gutachten seien
die vorliegenden Beschwerden dahingehend eingeschätzt worden, dass in einer
leichten bis mittelschweren Tätigkeit keine relevante Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit mehr vorliege (IV-act. 61).
B.h Mit Vorbescheid vom 22. November 2013 kündigte die IV-Stelle an, sie
beabsichtige die Rente auf das Ende des der Verfügung folgenden Monates
aufzuheben. Die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten relevant verbessert habe. Die gutachterlich
festgestellten Diagnosen vermöchten in einer adaptierten Tätigkeit nur noch eine
Einschränkung von 10% zu begründen. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 90% und einem
daraus resultierenden IV-Grad von 22% sei kein Anspruch auf Rentenleistungen der IV
mehr ausgewiesen (IV-act. 67).
B.i Am 12. Februar 2014 liess die Versicherte durch ihre Rechtsvertreterin Einwand
erheben und die Zusprache (weiterhin) mindestens einer Dreiviertelsrente basierend auf
einem IV-Grad von 61% verlangen (IV-act. 71).
B.j Am 13. März 2014 verfügte die IV-Stelle die Einstellung der Invalidenrente (IV-
act. 73). Zu den Einwänden der Versicherten hielt sie fest, die Voraussetzungen für eine
Revision der Rente im Rahmen der IVG-Revision 6a seien tatsächlich nicht gegeben.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) habe aufgezeigt, dass bei der Rentenzusprache
die psychische Einschränkung als der führende Gesundheitsschaden angesehen
worden sei. Durch die erhebliche Verbesserung des psychischen Zustandsbildes sei
ein klarer Revisionsgrund nach Art. 17 ATSG ausgewiesen, der es erlaube, auch die
übrigen medizinischen Einschränkungen (rheumatologisch/neurologisch) nach den
heutigen Massstäben zu beurteilen. Mit der medizinischen Begutachtung habe die IV-
Stelle ihre Abklärungspflicht hinreichend erfüllt.
C.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.a Dagegen richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 7. April 2014, worin die
Versicherte durch ihren (neuen) Rechtsvertreter die Aufhebung der Verfügung und die
Ausrichtung (weiterhin) einer ganzen Rente verlangt (act. G 1). Der Rechtsvertreter
beantragt eventualiter die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zu
weiteren medizinischen Abklärungen. Er teile die Auffassung nicht, dass das veränderte
psychische Zustandsbild es erlaube, auch die übrigen medizinischen Einschränkungen
nach den heutigen Massstäben zu beurteilen. Insbesondere sei bezüglich der
rheumatologischen Beschwerden keine Verbesserung des Gesundheitszustandes
eingetreten und es seien neue Beschwerden hinzugekommen. Zeitliche Vergleichsbasis
für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilde
die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 11. August 2003, gemäss welcher der
Beschwerdeführerin basierend auf einem IV-Grad von 73% eine ganze Rente
zugesprochen worden sei. Dieser Verfügung hätten die Gutachten von Dr. B._ und
Dr. C._ zugrunde gelegen. Dr. B._ habe die Beschwerdeführerin aus
rheumatologischer Sicht als zu 50% (halbtags) arbeitsfähig erklärt. Gemäss Dr. C._
sei die Beschwerdeführerin aufgrund einer seit mindestens 3 Jahren bestehenden
mittelgradigen depressiven Episode nur noch zu 2 Stunden pro Tag arbeitsfähig
gewesen. Gemäss dem aktuellen Gutachten des BEGAZ sei der Beschwerdeführerin
aus spezialärztlicher Sicht eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit möglich.
Eine Einschränkung lasse sich aus psychiatrischer Sicht nicht mehr begründen. Mithin
sei in Bezug auf die psychischen Leiden der Beschwerdeführerin tatsächlich von einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes auszugehen. Entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin könne indessen aus rheumatologischer Sicht nicht von einer
Verbesserung des Gesundheitszustandes ausgegangen werden. Die BEGAZ-Gutachter
hätten mehrfach festgehalten, dass im rheumatologischen Bereich keine Änderung des
Gesundheitszustandes vorliege, sondern lediglich eine andere Beurteilung desselben
Sachverhaltes erfolgt sei. Die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen
eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die
Arbeitsfähigkeit stelle aber keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
dar. Damit sei bei der Beschwerdeführerin weiterhin von einer 50%igen
Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischen Gründen auszugehen. Sollten Zweifel
darüber bestehen, ob aus rheumatologischer Sicht ein praktisch gleiches
Krankheitsbild und insbesondere keine relevante Verbesserung bejaht werden könne,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
müsse ein Obergutachten in Auftrag gegeben werden. Gemäss BEGAZ-Gutachten sei
die Beschwerdeführerin neu auch aus neurologischen Gründen in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt. Aus den neurologischen Beschwerden resultiere eine Arbeitsunfähigkeit
von 10%, die im Vergleich zum früheren Gesundheitszustand (Verfügung vom
11.08.2003) neu hinzugekommen sei. Mit dieser Verschlechterung des
Gesundheitszustandes bestehe bei der Beschwerdeführerin eine
Gesamtarbeitsunfähigkeit, die gegen die 60% gehe. Die neurologische
Arbeitsunfähigkeit sei nämlich nicht in der rheumatologischen bereits enthalten,
sondern es seien die Wechselwirkungen dieser Beschwerden zu berücksichtigen.
Sowohl das Valideneinkommen- als auch das Invalideneinkommen seien unter
Berücksichtigung sämtlicher persönlicher und beruflicher Umstände des Einzelfalles
festzusetzen. In der angefochtenen Verfügung habe die Beschwerdegegnerin die
konkrete Situation der Beschwerdeführerin nicht genügend berücksichtigt. Denn
aufgrund der rheumatologischen Leiden und der neurologischen Beschwerden sei
davon auszugehen, dass die Chancen der Beschwerdeführerin auf dem Arbeitsmarkt
grundsätzlich und auch ihre Chancen auf Erreichen eines Tabellenlohnes beträchtlich
eingeschränkt seien. Da sie in jedem Fall Einbussen zu gewärtigen habe, sei ein Abzug
auf dem Tabellenlohn vorzunehmen. Ferner sei ein Teilzeitabzug zu berücksichtigen.
Gesamthaft sei ein Abzug von 25% mindestens aber 20% vorzunehmen, womit die
Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe. Bei einem
Abzug von 20% oder 15% ergebe sich ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente. In
Bezug auf eine allfällige Wiedererwägung der ursprünglichen Verfügung gemäss Art. 53
Abs. 2 ATSG sei festzuhalten, dass keine Rede davon sein könne, diese wäre von
Anfang an unrichtig gewesen. Für die Beurteilung seien der damals herrschende
Rechtszustand und die damalige Rechtspraxis zu berücksichtigen. Die BEGAZ-
Gutachter hätten denn auch festgehalten, dass es sich lediglich um eine andere
Beurteilung des praktisch gleichen klinischen Bildes handle. Zudem seien in den
Jahren 2002/03 regelmässig Renten bei der Diagnose eines Fibromyalgie-Syndroms
gesprochen worden. Die Voraussetzungen für eine wiedererwägungsweise Aufhebung
der Rente seien dementsprechend ebenfalls zu verneinen.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 4. Juni 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führt sie an, aus dem
psychiatrischen Gutachten vom 21. März 2003 von Dr. C._ habe sich eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 2 Stunden pro Tag (nachmittags) ergeben.
Gestützt darauf habe sie [die Beschwerdegegnerin] den Einkommensvergleich
vorgenommen. Bezogen auf das Jahr 2003 habe ein Invalideneinkommen von
Fr. 13‘732.00 resultiert. Für die Rentenzusprache sei es daher nicht massgeblich
gewesen, dass Dr. B._ der Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% bescheinigt habe. Liege ein Revisionsgrund vor, habe eine
umfassende Prüfung des Rentenanspruchs zu erfolgen, mithin auch eine erneute
ärztliche Beurteilung der gesundheitlichen Situation und der Arbeitsfähigkeit. Aus der
polydisziplinären Begutachtung des BEGAZ gehe eine massgebliche Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustandes hervor. Der rheumatologische Experte habe im
Vergleich zum Gutachten von Dr. B._ ein kaum verändertes Zustandsbild festgestellt.
Im Unterschied zu Dr. B._ sei er mit überzeugender Begründung zum Schluss
gekommen, dass sich das Fibromyalgie-Syndrom nicht einschränkend auf die
Arbeitsfähigkeit auswirke. Den harmlosen objektivierbaren Befunden in Form von
degenerativen oder statischen LWS-Veränderungen (Osteochondrose LWK5/S1,
lumbo-sacrale Übergangsanomalie mit Teilsakralisation LW5 links, aktuell ohne
klinisches Korrelat) habe er nachvollziehbar keine quantitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit beigemessen. Der neurologische Experte habe eine
belastungsabhängige Schmerzsymptomatik in der Fusssohle, mit Ameisenlaufen,
vereinbar mit einer neuropathischen Schmerzsymptomatik unklarer Ätiologie erkannt.
Aufgrund der chronischen Schmerzsymptomatik sei von einem erhöhten Pausenbedarf
auszugehen. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe aus neurologischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von 90%. In rechtlicher Hinsicht stelle die neuropathische
Schmerzsymptomatik unklarer Ätiologie ein pathogenetisch-ätiologisch unklares
syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage dar, dem
keine invalidisierende Wirkung beizumessen sei. In diesem Punkt sei vom Gutachten
abzuweichen und von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
auszugehen. Die für die Zusprechung einer ganzen Rente massgebliche
Psychopathologie in Form einer mittelgradig depressiven Episode, die sich im Jahr
2003 in einer rund 75%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgewirkt habe, sei im
Revisionszeitpunkt nicht mehr vorhanden gewesen. Angesichts des Wegfalls dieses
psychischen Leidens, welches den Anspruch auf eine ganze Rente begründet habe, sei
das Vorliegen eines medizinisch begründeten Revisionsgrundes zu bejahen, auch wenn
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich somatisch-rheumatologisch keine Veränderung ergeben habe. Für die Bemessung
des Valideneinkommens werde der zuletzt erzielte Lohn als Montagearbeiterin
angepasst an die Nominallohnentwicklung herangezogen, wobei damit von einem
Valideneinkommen von Fr. 63‘829.00 auszugehen sei. Das Invalideneinkommen sei
aufgrund von LSE-Tabellenwerten zu bestimmen, woraus sich ein Wert von
Fr. 53‘834.00 ergebe. In Bezug auf einen allfälligen Abzug vom Tabellenlohn sei
festzuhalten, dass die Beschäftigungsmöglichkeiten der Beschwerdeführerin verglichen
mit einer gesunden Person in vergleichbarer Lage zwar behinderungsbedingt
eingeschränkt seien, ihr aber immer noch ein genügend grosses Arbeitsmarktsegment
offen stehe. Allein aufgrund der im BEGAZ-Gutachten definierten Anforderungen an
eine adaptierte Erwerbstätigkeit lasse sich kein Abzug vom Tabellenlohn begründen.
Die Gegenüberstellung des Invalideneinkommens mit dem Valideneinkommen ergebe
eine Erwerbseinbusse von Fr. 9‘995.00, entsprechend einem rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von 15.6%.
C.c Mit Replik vom 10. Juni 2014 führt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin an,
aufgrund der Akten ergäben sich zahlreiche Hinweise dafür, dass die von Dr. B._
gestellte Diagnose und die von ihm festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 50% aus
rheumatologischer Sicht ebenfalls massgebend für die Zusprache der Rente gemäss
Verfügung vom 11. August 2003 gewesen sei. Aus der Verfügung vom 13. März 2014
ergebe sich denn auch, dass die Beschwerdegegnerin selbst diese Auffassung
vertreten habe. In der Verfügung sei nämlich ausgeführt worden, dass durch die
erhebliche Verbesserung des psychischen Zustandsbildes „nach Art. 17 ATSG ein
klarer medizinischer Revisionsgrund ausgewiesen sei, der es erlaube, auch die übrigen
medizinischen Einschränkungen (rheumatologisch/neurologisch) nach den heutigen
Massstäben zu beurteilen.“ Diese Formulierung lasse einzig den Schluss zu, dass eben
auch seinerzeit bzw. im Jahr 2003 rheumatologische Einschränkungen vorhanden
gewesen seien. Übrige medizinische Einschränkungen liessen sich nur dann nach
heutigen Massstäben beurteilen, wenn sie bereits früher bestanden hätten und beurteilt
worden seien. Ferner habe die Beschwerdegegnerin die Stellungnahme des RAD
erwähnt, der ebenfalls ausgeführt habe, dass aus rheumatologischer Sicht im
Wesentlichen von einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen werde.
Damit bringe die Beschwerdegegnerin durch den RAD zum Ausdruck, dass im
Zeitpunkt der Rentenzusprache aus rheumatologischer Sicht noch eine 50%ige
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einschränkung angenommen worden sei. Angesichts dieser Feststellungen des RAD-
Arztes sei es nur schwer verständlich, dass die Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort behaupten könne, die aus rheumatologischer Sicht bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit von 50% sei für die Zusprache der ganzen Rente nicht massgebend
gewesen. Dass die Beschwerdegegnerin selbst davon ausgehe, dass im Zeitpunkt der
Rentenzusprache auch die rheumatologischen Diagnosen für den Rentenentscheid
massgebend gewesen seien, ergebe sich auch aus dem Gutachtensauftrag an das
BEGAZ, nach welchem auch ein rheumatologisches Gutachten erstellt werden sollte.
Wäre die Beschwerdegegnerin tatsächlich davon ausgegangen, dass seinerzeit einzig
das Gutachten von Dr. C._ mit einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 2 Stunden pro Tag
massgebend gewesen sei, hätte sie sich im Revisionsverfahren darauf beschränken
können, abzuklären, ob das psychische Leiden eine Veränderung erfahren habe und
hätte dann lediglich ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag geben müssen. In der
Verfügung vom 11. August 2003 sei das Abklärungsergebnis lediglich auf 11⁄2 Zeilen
zusammenfassend festgehalten worden, so dass es nicht erstaune, wenn in diesen
wenigen Worten die 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischen Gründen nicht
ausdrücklich aufgeführt worden sei. Jede sachgerechte Würdigung der seinerzeitigen
medizinischen Akten könne nur zum Ergebnis haben, dass für die Rentenzusprache
wohl zwar die psychische Krankheit (mit lediglich noch einer Arbeitsfähigkeit von
2 Stunden am Tag) im Vordergrund gestanden habe, dass aber die 50%ige
Arbeitsunfähigkeit aus rheumatologischen Gründen ebenfalls wesentlich gewesen sei
und invalidisierend gewirkt habe. Davon seien denn auch die BEGAZ-Gutachter
ausgegangen, denn sie hätten wiederholt auf das rheumatologische Gutachten von
Dr. B._ Bezug genommen. Damit bleibe es dabei, dass die bloss unterschiedliche
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art. 17 ATSG darstelle. Deshalb sei weiterhin von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus
rheumatologischen Gründen auszugehen. Bei Berücksichtigung auch der
neurologischen Leiden resultiere ein IV-Grad, welcher weiterhin Anspruch auf eine
ganze Rente gebe.
C.d Die Beschwerdegegnerin hat am 17. Juni 2014 an ihren Ausführungen festgehalten
und auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 9).

Erwägungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.
Zwischen den Parteien ist umstritten, ob die verfügte revisionsweise Renteneinstellung
zu Recht erfolgt ist.
1.1 Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG;
SR 831.20) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens
zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein
Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein
Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.2 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität im Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG).
1.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt
jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist
somit nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern
auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E.
3.5). Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten bleibt die
Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.4). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im
Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustands auf die Arbeitsfähigkeit
für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar
(Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/08, E. 2.1).
1.4 Um beurteilen zu können, ob eine Rentenrevision begründet ist, sind Verwaltung
und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist
es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
Vorliegend ist demnach zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit August 2003 derart verändert hat, dass eine Anpassung der
Rentenleistung vorgenommen werden muss.
2.1 Die Verfügung vom 11. August 2003, mit welcher der Beschwerdeführerin ab
1. Mai 2002 eine ganze Rente zugesprochen worden ist, beruht in medizinischer
Hinsicht auf den gutachterlichen Einschätzungen von Dr. B._ und Dr. C._. Dr. B._
beurteilte die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht, aufgrund eines
Fibromyalgie-Syndroms und eines Panvertebralsyndroms, ab September 2001 als in
einer leichten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig. Dr. C._ hielt fest, die
Beschwerdeführerin sei durch die anhaltenden Dauerschmerzen in ihrem Alltag
erheblich beeinträchtigt und leide an einer mittelgradig depressiven Episode. Der
somatische und der psychiatrische Problemkreis beeinflussten sich gegenseitig
ungünstig. Abschliessend schätzte sie die Beschwerdeführerin in einem zeitlichen
Rahmen von ca. 2 Stunden täglich (nachmittags) als arbeitsfähig ein.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2 Die angefochtene Verfügung vom 13. März 2014 beruht auf dem BEGAZ-
Gutachten vom 15. August 2013. Die medizinische Beurteilung ist nachvollziehbar, das
Gutachten beruht auf eigenständigen Abklärungen und Untersuchungen der Gutachter
und ist für die streitigen Belange umfassend. Die medizinischen Vorakten wurden
gewürdigt und die Gutachter haben klar aufgezeigt, woraus sich die Abweichungen in
ihren Einschätzungen ergeben. Auf das BEGAZ-Gutachten kann damit grundsätzlich
abgestellt werden. Eine zusätzliche Begutachtung erweist sich nicht als notwendig.
Auch der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin vermag keine Gründe aufzuzeigen,
die eine solche als notwendig erscheinen liessen. Der medizinische Sachverhalt erweist
sich dementsprechend als ausreichend abgeklärt. Die zu beantwortenden Fragen sind
rechtlicher Art.
3.
3.1 Die Gutachter hielten fest, aus psychiatrischer Sicht lasse sich zum aktuellen
Zeitpunkt keine Einschränkung mehr annehmen. Vorliegend ist unbestritten, dass
bezüglich der psychischen Beschwerden von einer Verbesserung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin auszugehen ist. Zu prüfen ist nun,
welche Auswirkungen sich aus der Verbesserung des psychischen Zustands für den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ergeben.
3.1.1 Die Beschwerdegegnerin stellt sich auf den Standpunkt, dass durch die
erhebliche Verbesserung des psychischen Zustandsbildes ein klarer medizinischer
Revisionsgrund gemäss Art. 17 ATSG ausgewiesen sei, der es erlaube auch die
übrigen medizinischen Einschränkungen (rheumatologisch/neurologisch) nach den
heutigen Massstäben zu beurteilen. Damit könne auf die aktuellste medizinische
Begutachtung abgestellt werden.
3.1.2 Die Beschwerdeführerin hingegen vertritt die Ansicht, dass die Verbesserung des
psychischen Gesundheitszustandes es nicht gestatte, die rheumatologische Situation
neu zu beurteilen, da aus rheumatologischer Sicht keine Verbesserung des
Gesundheitszustandes eingetreten sei und die Gutachter festgehalten hätten, dass es
sich bei ihrer Beurteilung lediglich um eine andere Einschätzung des gleichen
medizinischen Sachverhaltes handle. Da bezüglich der rheumatologischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerden keine Verbesserung eingetreten sei, müsse weiterhin von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischen Gründen ausgegangen werden.
3.2 Es steht zweifelsfrei fest, dass der Beschwerdeführerin im Jahr 2003 aufgrund ihrer
psychischen Beschwerden eine ganze Rente zugesprochen wurde. Die BEGAZ-
Gutachter haben unbestrittenermassen nachvollziehbar dargestellt, dass die
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht mehr
eingeschränkt ist. Durch diese Veränderung des medizinischen Sachverhalts ist ein
Revisionsgrund gemäss Art. 17 ATSG gegeben und die Verfügung vom 11. August
2003 muss den veränderten Verhältnissen angepasst werden. Liegt ein Revisionsgrund
vor, hat gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine umfassende Prüfung des
Rentenanspruches zu erfolgen. Im vorliegenden Fall drängt sich eine solche
umfassende Beurteilung insbesondere auf, da sich mit Verbesserung der
psychiatrischen Beschwerden der gesamte Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin verändert haben könnte. Denn Dr. C._ hatte in ihrer Beurteilung
im Jahr 2003 festgehalten, bei der Beschwerdeführerin bestehe eine gegenseitige
ungünstige Beeinflussung der verschiedenen Problemkreise. Einerseits löse das
Ausbleiben der körperlichen Leistungsfähigkeit die depressive Störung aus und diese
wiederum erzeuge eine Verstärkung der körperlichen Beschwerden. Besteht eine solch
enge Verknüpfung der verschiedenen Beschwerden, drängt sich bei einer
Verbesserung eines Teils dieser Beschwerden eine neue ganzheitliche Untersuchung
der einzelnen Beschwerden mitsamt einer Beurteilung des
Gesamtgesundheitszustandes auf. Eine Beurteilung der einzelnen Beschwerdekreise
für sich alleine, würde der Situation nicht gerecht. Die Beschwerdegegnerin hat
dementsprechend zu Recht eine polydisziplinäre Begutachtung in Auftrag gegeben.
4.
4.1 Fallen die Beschwerden aus psychiatrischer Sicht weg, verbleiben die
rheumatologischen Beschwerden. Aus rheumatologischer Sicht wurde die
Beschwerdeführerin durch Dr. B._ am 16. August 2001 als 100% arbeitsfähig
beurteilt. In seiner Beurteilung vom 25. Oktober 2002 änderte er die
Arbeitsfähigkeitsschätzung und beurteilte die Beschwerdeführerin als zu 50%
arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit. Er begründete seine Einschätzung mit den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Angaben der Beschwerdeführerin, dass sie in der Zwischenzeit nicht mehr voll
gearbeitet habe. Anscheinend hätten die Beschwerden und Beeinträchtigungen
zugenommen, so dass eine Wiederaufnahme der Arbeit nicht möglich gewesen sei. Bei
der Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von 50% stützte sich Dr. B._ also
massgeblich auf die Angaben der Beschwerdeführerin. Auf diesen Umstand hatte denn
auch der rheumatologische Gutachter hingewiesen.
4.2
4.2.1 Bei der BEGAZ-Beurteilung im Juli 2013 hielt der rheumatologische Gutachter
fest, die Beschwerdeführerin habe ausgeführt, sie habe seit der letzten Begutachtung
im Jahr 2002 immer, Tag und Nacht, Schmerzen gehabt. Zusammenfassend gehe es
ihr etwas besser als vor zehn Jahren, da sie nicht mehr arbeite. Bei nur geringsten
Belastungen komme es aber zu einer verstärkten Schmerzsituation. Er berichtete, es
fänden sich weiterhin die 18 positiven Fibromylagie Tender points, welche die früher
gemachte Diagnose bestätigten. In der klinischen Untersuchung sei auffallend, dass
die Greifkraft wieder fast normal sei. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, zu
Hause regelmässig mit zwei Bällen trainiert zu haben. In den Alltagsbewegungen und
bei der Anamneseerhebung sei kein eigentliches Schmerzerleben sichtbar gewesen.
Insbesondere habe die Beschwerdeführerin auch problemlos den Einbeinstand
einnehmen, sich beim Aus- und Anziehen der Kleider bücken, reklinieren und die Arme
heben können. Aus diesem Grunde würden die beschriebenen Beschwerden im
Rahmen des Fibromyalgie-Syndroms aus aktueller gutachterlicher Sicht nicht als die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigend beurteilt. Diese Beurteilung basiere nicht auf einer
grundlegend veränderten Klinik oder neuen Erkenntnissen, sondern es handle sich um
eine andere Beurteilung des praktisch gleichen klinischen Bildes. Diese Beurteilung
differiere zur Einschätzung im rheumatologischen Gutachten aus dem Jahre 2002,
stimme jedoch praktisch überein mit der Beurteilung von Dr. B._ in seinem Konsilium
im Jahre 2001. Punktuell seien gewisse Verbesserungen vorhanden, dies allerdings
auch unter dem Aspekt, dass die Beschwerdeführerin keiner beruflichen Belastung
mehr nachgehe, was früher zeitweise noch der Fall gewesen sei. Aus rein
rheumatologischer Sicht könne keine relevante Verbesserung des
Gesundheitszustandes begründet werden (vgl. IV-act. 59-71 ff.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2.2 Der neurologische Experte führte aus, aufgrund der unter Belastung
zunehmenden brennenden Schmerzen im Bereich der Fusssohlen, verbunden mit
Parästhesien, sollten Arbeiten, die dauerndes Stehen oder Gehen erforderten,
vermieden werden. Einfache Tätigkeiten vorwiegend im Sitzen, könnten der
Beschwerdeführerin aber ganztags zugemutet werden. Arbeiten über Kopf sollten
angesichts des Schultergürtelkompressionssyndroms vermieden werden. Aufgrund der
chronischen Schmerzsymptomatik sei von einem erhöhten Pausenbedarf auszugehen.
In einer entsprechenden Tätigkeit bestehe aus neurologischer Sicht eine
Arbeitsfähigkeit von 90%.
4.3 Zusammenfassend hielten die BEGAZ-Gutachter fest, ihre Beurteilung aus
somatischer Sicht differiere zur früheren gutachterlichen Meinung aus dem Jahr 2002,
wobei es sich um eine andere Beurteilung des praktisch gleichen Krankheitsbildes
handle. Weiter zeigten sie auf, dass sich gewisse Verbesserungen im
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin – auch bezüglich des somatischen Teils
der Beschwerden – ergeben haben.
4.4 Insgesamt folgt daraus, dass sich seit den Beurteilungen durch Dr. B._ im
Oktober 2002 und Dr. C._ im März 2003 eine Veränderung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ergeben hat, die sich auf den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin auswirkt. Im Jahr 2003 wurde der
Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 76% eine ganze Rente zugesprochen. Der
errechnete Invaliditätsgrad ergab sich aus dem psychiatrischen Gutachten von
Dr. C._, wonach der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit lediglich noch während
2 Stunden pro Tag als zumutbar erachtet worden war. Die psychiatrischen
Beschwerden überlagerten die bereits damals diagnostizierte Fibromyalgie. Einerseits
hat sich die psychiatrische Situation der Beschwerdeführerin in der Zwischenzeit
soweit verbessert, dass sie aus psychiatrischen Gründen nicht mehr beeinträchtigt ist
und ihr von daher keine Rente mehr zusteht. Andererseits leidet die
Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht weiterhin an der bereits im Jahr 2001
diagnostizierten Fibromyalgie, obwohl sich auch in diesem Bereich einzelne
Verbesserungen ergeben haben. Die BEGAZ-Gutachter beurteilten die Fibromyalgie im
Zeitpunkt der Begutachtung als die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigend. Dabei
handelt es sich um eine aktuelle, die Situation im Zeitpunkt der Begutachtung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wiederspiegelnde Beurteilung. Einzig aus neurologischer Sicht ergebe sich eine
Verringerung der Arbeitsfähigkeit um 10%; bedingt durch den vermehrten
Pausenbedarf. Wie bereits dargestellt ist die Einschätzung der Gutachter fundiert
begründet und nachvollziehbar. Daher ist für die Festlegung des Invaliditätsgrades der
Beschwerdeführerin auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von 90% abzustellen.
4.5 Selbst wenn der Ansicht der Beschwerdeführerin, dass es sich allein um eine
andere Beurteilung des medizinisch gleichen Sachverhaltes handle – was vorliegend
nicht eindeutig ist, da sich doch einige Verbesserungen ergeben haben – gefolgt
würde, sähe die Situation im Ergebnis nicht anders aus. Zwar könnte in somatischer
Sicht nicht auf die aktuelle Beurteilung der BEGAZ-Gutachter abgestellt werden, aber
da die ganze Rente mit Verfügung vom 11. August 2003 aus psychiatrischen Gründen
gesprochen wurde, müsste diese aufgrund der aktuellen Begutachtung aufgehoben
werden. Im somatischen Teil bestünde dann lediglich noch das Fibromyalgie-Syndrom.
Wenn gestützt auf diese Beschwerden (im August 2003) eine (halbe) Rente gesprochen
worden wäre, hätte diese im Rahmen der (im August 2012 eingeleiteten) 6a-Revison
aufgehoben werden können. Die Beschwerdegegnerin hat die Rente bei der damaligen
Revision nicht aufgehoben, da der somatische Teil durch den psychiatrischen Teil
vollständig überlagert worden war.
4.6 Zum Zeitpunkt der BEGAZ-Begutachtung ergibt sich aber nun die neue Situation,
dass die psychiatrischen Beschwerden weggefallen sind. Der verbesserte
psychiatrische Gesundheitszustand hat sich auch auf die somatischen Beschwerden
ausgewirkt, wodurch sich teilweise auch objektivierbare Verbesserungen des
somatischen Gesundheitszustandes ergeben haben. Dementsprechend rechtfertigt es
sich nicht, weiterhin auf die Beurteilung des Gesundheitszustandes durch Dr. B._ im
Jahr 2002 abzustellen.
4.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
BEGAZ-Gutachter von 90% abzustellen ist.
5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.1 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad in der Regel aufgrund eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen
Annäherungswerte miteinander zu vergleichen.
5.2 Die Beschwerdeführerin hat seit dem Jahr 2001 nicht mehr gearbeitet.
Dementsprechend fehlen aussagekräftige Zahlen für einen Einkommensvergleich. In
dieser Situation rechtfertigt sich die Vornahme eines Prozentvergleichs (vgl. BGE 114 V
312 E. 3a). Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts vom
9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit Hinweis). Bei einer Arbeitsfähigkeit von 90% würde
selbst bei einem maximalen Tabellenlohnabzug von 25% kein rentenbegründender IV-
Grad von mindestens 40% resultieren. Die Frage, ob überhaupt und gegebenenfalls in
welcher Höhe sich vorliegend ein Tabellenlohnabzug rechtfertigen würde, kann daher
offen gelassen werden. Die Beschwerdeführerin hat demzufolge keinen Anspruch mehr
auf eine Rente der Invalidenversicherung.
6.
6.1 Nachdem festgestellt wurde, dass sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin verbessert hat und sie aufgrund dessen keinen Rentenanspruch
mehr hat, ist nachfolgend zu prüfen, auf welchen Zeitpunkt hin die Rente
herabzusetzen ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.2 Für die Berentung massgebend war die von Dr. C._ gestellte Diagnose einer
mittelgradig depressiven Episode. Dr. C._ hatte eine psychiatrische Behandlung
empfohlen. Die Beschwerdeführerin hat sich allerdings nie in psychiatrische
Behandlung begeben (dies hat die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung
ausgeführt und auch den Akten lässt sich nichts Gegenteiliges entnehmen). Der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin hat sich aber offenbar auch
ohne Behandlung verbessert, denn bereits in seinem Verlaufsbericht vom 19. Juni 2006
hielt der Hausarzt fest, die depressive Grundstimmung habe sich etwas verbessert, sei
aber in Folge des ausgeprägten Fibromyalgie-Syndromes dauernd vorhanden (IV-
act. 36-1). Im Fragebogen zur Überprüfung des medizinischen Sachverhaltes führte der
Hausarzt am 6. September 2012 dann nur noch die Diagnose einer leichten Depression
„wegen Schmerzen“ auf (IV-act. 51-1). Der psychiatrische Gutachter beschreibt die
Beschwerdeführerin als nicht eigentlich depressiv. So wie sie sich präsentiere, könne
keine relevante depressive Störung mehr festgestellt werden. Aufgrund ihrer
Beschreibung könne einzig angenommen werden, dass sie im Rahmen ihrer
Beschwerden zeitweise unter Verstimmungszuständen leide. Seit wann dieser Zustand
andauere, sei unklar, die Verbesserung müsse aber zumindest ab Datum seines
Untersuchs gelten (IV-act. 59-25 ff.).
6.3 Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist gemäss Art. 88a der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen,
in dem angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird.
Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung
drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Die
Untersuchung durch den psychiatrischen Gutachter fand am 1. Juli 2013 statt. Unter
Würdigung der Hausarztberichte (insbesondere vom 6.9.2012) ist davon auszugehen,
dass die Verbesserung zum Zeitpunkt der Begutachtung schon mindestens drei
Monate andauerte. Gemäss Art. 88 Abs. 2 lit. a IVV erfolgt die Herabsetzung oder
Aufhebung der Rente indessen frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung
der Verfügung folgenden Monats an. Wie in der angefochtenen Verfügung festgehalten,
war damit die Rente per 1. Mai 2014 aufzuheben.
7.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nach dem Gesagten ist die die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung vom
13. März 2014 zu bestätigen.
7.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird daran angerechnet.