Decision ID: 22a78d1c-d7dd-469e-bd55-7b993d8cf4a0
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
a. Der A.-kanal in X. verläuft von der ehemaligen Äquadukt-Querung des S.-bachs bei
Grundstück Nr. 000, Grundbuch X., über eine Länge von ca. 440 m zur Einmündung in
den S.-bach nördlich des Grundstücks Nr. 001. Eigentümerin des letzteren ist B.Y. Der
A.-kanal wird mit einer Wasserfassung am S.-bach gespiesen und verläuft dann auf
einer Länge von ca. 360 m eingedolt. Anschliessend fliesst er auf Grundstück Nr. 001
rund 40 m in einem offenen Graben mit stark verwachsenen, relativ steilen
Böschungen. Die weiteren 40 m bis zur Mündung in den S.-bach ist der A.-kanal
wieder eingedolt. Mit Verfügung vom 19. März 2013 löschte das Amt für Umwelt und
Energie (AfU) das zufolge Verzichts untergegangene Wasserrecht der Q. & Co. im
kantonalen Wasserrechtsverzeichnis. Gleichzeitig verfügte das Amt, dass die Fassung
am S.-bach dicht zu verschliessen, die Leitung aufzufüllen und zu verschliessen sowie
im Bereich der ehemaligen Marmorsäge vollständig zurückzubauen sei. Im Nachgang
zu dem von B.Y. gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs widerrief das AfU am 28.
November 2013 Ziff. 2 der Verfügung, wonach die Fassung im S.-bach zu schliessen
und die Leitung vollständig zurückzubauen sei. Darauf zog B.Y., vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. Alex Keller, St. Gallen, den Rekurs zurück. Die Löschung des
Wasserrechts erwuchs in Rechtskraft.
b. Am 11. Februar 2013 hatte die Q. & Co. ein Baugesuch für die Aufhebung des A.-
kanals, die Stilllegung der Leitung, den Rückbau der Einläufe und Schächte bis 1 m
unter Oberkante Terrain, für die Auffüllung der Leitung mit Sand sowie für den Neubau
einer Meteorwasserleitung eingereicht. Dagegen erhob B.Y. am 7. Mai 2013
Einsprache. Aufgrund weiterer Abklärungen im Zusammenhang mit dem
Wasserrechtsverfahren beschloss der Stadtrat X. am 7. Januar 2014, für die Aufhebung
des A.-kanals und den Rückbau ein Planverfahren nach Wasserbaugesetz
durchzuführen. Die Fassung im S.-bach sei dicht zu verschliessen, die Leitung sei
aufzufüllen und zu verschliessen sowie im Bereich der ehemaligen Marmorsäge
vollständig zurückzubauen (act. G 11/12). Gegen das im Nachgang zum
Stadtratsbeschluss vom 7. Januar 2014 aufgelegte Projekt erhob Rechtsanwalt Keller
für B.Y. mit Eingabe vom 5. März 2014 Einsprache (act. G 11/14 f.). Die Q. & Co.,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Bereuter, St. Gallen, nahm hierzu am 16.
April 2014 Stellung und zog gleichzeitig das Baugesuch zurück (act. G 11/16). Der
Stadtrat X. schrieb das Baugesuch am 22. April 2014 ab (act. G 11/17). Mit
Einspracheentscheid vom 6. Mai 2014 wies er die Einsprache gegen das Projekt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vollumfänglich ab (act. G 11/18). Den hiergegen von Rechtsanwalt Keller für B.Y. am
22. Mai 2014 erhobenen Rekurs (act. G 11/19 f.) wies das Baudepartement des
Kantons St. Gallen, nachdem es mit den Verfahrensbeteiligten am 11. November 2014
einen Augenschein durchgeführt (act. G 11/26) und eine naturschutzrechtliche
Stellungnahme des Amtes für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) vom 28. November
2014 eingeholt hatte (act. G 11/27), mit Rekursentscheid vom 19. Juni 2015 ab (act. G
2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Keller für B.Y. mit Eingabe vom 6. Juli
2015 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 10. September 2015
beantragte der Rechtsvertreter, der Rekursentscheid vom 19. Juni 2015 und das
Wasserbauprojekt „Aufhebung und Stilllegung A.-bachkanal“ seien aufzuheben (Ziff. 1
und 2), unter Kostenfolge (Ziff. 3; act. G 7).
b. In der Vernehmlassung vom 5. Oktober 2015 beantragte die Vorinstanz Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid und
nahm zu den Vorbringen in der Beschwerde ergänzend Stellung (act. G 10). Die
Beschwerdebeteiligte verwies in ihrem Beschluss (Vernehmlassung) vom 13. Oktober
2015 unter Verzicht auf eine zusätzliche Stellungnahme auf den Stadtratsbeschluss
vom 6. Mai 2014 sowie auf den angefochtenen Rekursentscheid (act. G 13). Die durch
Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Bereuter vertretene Beschwerdegegnerin beantragte in der
Vernehmlassung vom 27. Oktober 2015 Abweisung der Beschwerde, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge (act. G 14).
c. Mit Eingabe vom 18. November 2015 äusserte sich der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin zu den Vernehmlassungen der Vorinstanz und der
Beschwerdegegnerin (act. G 16). Nach Einsichtnahme in die Akten ergänzte er seine
Stellungnahme am 27. November 2015 (act. G 19). Die Beschwerdebeteiligte (act. G
26), die Vorinstanz (act. G 27) und die Beschwerdegegnerin (act. G 31) nahmen mit
Eingaben vom 8. und 14. Dezember 2015 sowie 4. Januar 2016 Stellung.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden

Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2.
2.1.
2.1.1. Öffentliche Gewässer sind unter anderem Seen, Flüsse und Bäche (Art. 2 Abs. 1
Ziff. 1 des Gesetzes über die Gewässernutzung, sGS 751.1, GNG; vgl. auch BG über
die Nutzbarmachung der Wasserkräfte, SR 721.80), und das zuständige Departement
(Baudepartement, vgl. Art. 18 Abs. 1 der Vollzugsverordnung zum GNG, sGS 751.11)
entscheidet, ob ein öffentliches Gewässer vorliegt (Art. 2 Abs. 2 GNG). Das Gesetz
umschreibt den Begriff des öffentlichen Bachs nicht. Was unter einem öffentlichen
Bach im Sinn von Art. 2 Abs. 1 Ziff. 1 GNG zu verstehen ist, ist daher durch Auslegung
zu ermitteln. Massgebend sind Funktion, Bedeutung und Ausdehnung des Gewässers
(GVP 1978 Nr. 62, GVP 1987 Nr. 88). Der Wasserlauf muss eine gewisse mittlere
Ergiebigkeit aufweisen, damit er zu den öffentlichen Gewässern zählt. Dies schliesst
indessen nicht aus, dass ein Bach auch dann zu den öffentlichen Gewässern gehört,
wenn das Gerinne nicht während 365 Tagen im Jahr Wasser führt, weil die
Wasserführung von der Jahreszeit bzw. von den Niederschlägen abhängt. Ein
öffentliches Gewässer liegt jedenfalls dann nicht vor, wenn ein Gerinne oder ein Kanal
nur eine sehr geringe mittlere Ergiebigkeit aufweist (GVP 1987 Nr. 88 E. 4d).
2.1.2. Das Wasserbaugesetz (sGS 734.1; WBG) wird angewendet auf die stehenden
und fliessenden Oberflächengewässer einschliesslich der in den Boden verlegten
Abschnitte. Meteorwasserleitungen gelten nicht als Gewässer nach diesem Gesetz (Art.
1 Abs. 2 WBG). Art. 13 WBG enthält eine nicht abschliessende Aufzählung
(„insbesondere“) von wasserbaulichen Massnahmen. Gewässer werden gemäss Art. 15
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
WBG ausgebaut oder offen gelegt, wenn der Schutz von Menschen und Tieren oder
von erheblichen Sachwerten es erfordert (Abs. 1). Gewässer können zu Verbesserung,
Aufbau und Wiederherstellung von Lebensräumen von einheimischen Tieren und
Pflanzen ausgebaut oder offen gelegt werden (Abs. 2). Nach Art. 21 WBG wird für
wasserbauliche Massnahmen an Gewässern das Planverfahren durchgeführt. Nach Art.
37 des Gewässerschutzgesetzes (SR 814.20, GSchG) dürfen Fliessgewässer nur
verbaut oder korrigiert werden, wenn unter anderem der Schutz von Menschen oder
erheblichen Sachwerten es erfordert (Abs. 1 lit. a) oder dadurch der Zustand eines
bereits verbauten oder korrigierten Gewässers im Sinn dieses Gesetzes verbessert
werden kann (Abs. 1 lit. c). Dabei muss der natürliche Verlauf des Gewässers möglichst
beibehalten oder wiederhergestellt werden. Gewässer und Gewässerraum müssen so
gestaltet werden, dass sie einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum
dienen können (Abs. 2 lit. a), die Wechselwirkungen zwischen ober- und unterirdischem
Gewässer weitgehend erhalten bleiben (Abs. 2 lit. b) und eine standortgerechte
Ufervegetation gedeihen kann (Abs. 2 lit. c). In überbauten Gebieten kann die Behörde
Ausnahmen von Absatz 2 bewilligen (Abs. 3). Nach Art. 38 GSchG dürfen
Fliessgewässer nicht überdeckt oder eingedolt werden (Abs. 1). Die Behörde kann
Ausnahmen unter anderem für den Ersatz bestehender Eindolungen und
Überdeckungen bewilligen, sofern eine offene Wasserführung nicht möglich ist oder für
die landwirtschaftliche Nutzung erhebliche Nachteile mit sich bringt (Art. 38 Abs. 2 lit. e
GSchG).
Nach Art. 6 des Fischereigesetzes (FiG; sGS 854.1) sind die Lebensräume von
Wassertieren, deren Struktur und ökologische Funktionsfähigkeit beeinträchtigt ist,
aufzuwerten. Der natürliche Zustand ist nach Möglichkeit wieder herzustellen. Nach Art.
98 Abs. 1 lit. a und d des Baugesetzes (BauG, sGS 731.1) sind unter anderen Bäche
und ihre Ufer sowie Lebensräume für schutzwürdige Tiere und Pflanzen zu erhaltende
Schutzgegenstände. Deren Beseitigung oder Beeiträchtigung darf nur bewilligt werden,
wenn sich ein das Interesse an der Erhaltung überwiegendes („gewichtiges“) Bedürfnis
nachweisen lässt. Für Lebensräume schutzwürdiger Tiere oder Pflanzen ist in der Regel
Realersatz zu leisten (Art. 98 Abs. 2 BauG). Die Aufzählung der Schutzgegenstände in
Art. 98 BauG ist auf Art. 17 des Raumplanungsgesetzes (SR 700; RPG) abgestimmt.
Für die Auslegung des Begriffs der Schutzgegenstände kann dementsprechend auf
Literatur und Rechtsprechung zu Art. 17 RPG abgestellt werden (VerwGE B 2011/4
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 21. Juni 2011, E. 3). Das BauG allein bildet (wie das Bundesrecht) keine
zureichende Grundlage, um ein einzelnes Objekt unmittelbar als geschützt zu
qualifizieren. Art. 98 Abs. 1 BauG gewährleistet nur dann einen individuellen
Rechtsschutz, wenn das Schutzobjekt bezeichnet und über die Schutzwürdigkeit des
Sachverhalts befunden wurde (VerwGE 2010/246 u.a vom 15. Dezember 2011, E.
3.1.3). Gemäss Art. 18 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz (SR
451, NHG) ist dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflanzenarten durch die
Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und andere geeignete
Massnahmen entgegenzuwirken (Abs. 1). Besonders zu schützen sind Uferbereiche,
Riedgebiete und Moore, seltene Waldgesellschaften, Hecken, Feldgehölze,
Trockenrasen und weitere Standorte, die eine ausgleichende Funktion im
Naturhaushalt erfüllen oder besonders günstige Voraussetzungen für
Lebensgemeinschaften aufweisen (Abs. 1bis).
2.2.
2.2.1. Das AfU stellte im Bericht vom 22. August 2014 fest, dass das Wasserrecht Nr.
003 (vgl. Wasserrechtskataster von 1907, act. G 11/1 Beilage S. 2) mit Verfügung vom
19. März 2013 gelöscht worden sei und diese Löschung vom Teil-Widerruf der
Verfügung nicht betroffen gewesen sei. Zudem sei am rechten Ufer des S.-bachs eine
Wasserfassung zu einem unbekannten Zeitpunkt für die Alimentierung des A.-kanals
installiert worden. Ausser dem Kanal seien keine Nutzungsanlagen mehr vorhanden.
Die gegenwärtige Wasserentnahme aus dem S.-bach zugunsten des A.-kanals sei
wasserrechtlich nicht anerkannt und somit fachmännisch aufzuheben. Weiter werde im
S.-bach nach Aufhebung der Wasserentnahme auf einer Strecke von rund 350 m eine
zusätzliche Nutzwassermenge von 465 l/s fliessen. Daher überwiege unter fischerei-
und gewässerökologischen Gesichtspunkten das öffentliche Interesse gegenüber einer
weiteren Speisung des A.-kanals mit Wasser aus dem S.-bach (act. G 11/23). Im
Bericht vom 29. August 2014 verwies das Tiefbauamt, Sektion Gewässer, auf die
kantonale Praxis, wonach auch künstlich angelegte Kanäle als Gewässer gelten
würden, sofern sie von einem öffentlichen Gewässer gespiesen würden. Der A.-kanal
sei demzufolge als öffentliches Gewässer zu betrachten. Er sei im Geoportal und im
Gemeindegewässerplan der Stadt X. entsprechend vermerkt. Bei dem künstlich
angelegten A.-kanal handle es sich jedoch um einen Sonderfall. Für künstlich angelegte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gewässer könne auf einen Gewässerraum verzichtet werden, da es sich meist um
technische Anlagen handle und nicht um Fliessgewässer im Sinn der Gesetzgebung.
Der ökologische Wert des weitgehend eingedolten A.-kanals dürfte eher klein sein und
der Kanal habe auch keine Funktion im Bereich des Hochwasserschutzes. Von daher
bestehe kein öffentliches Interesse am Erhalt des Kanals (act. G 11/24).
2.2.2. Das ANJF hielt am 29. August 2014 fest, dass die Ableitung in den A.-kanal je
nach Wasserstand zwischen 400 und 500 l/s betrage. Dies bewirke, dass im
Hauptgerinne eine Restwasserstrecke von rund 350 m bestehe. Da der S.-bach ein
Seeforellenlaichgewässer sei, werde bei tiefen Wasserständen eine Wanderung im
Bereich der Restwasserstrecke stark eingeschränkt oder verunmöglicht. Mit der
Aufhebung des Kanals werde dieser Engpass entfernt. Die im Rahmen der
Revitalisierungsplanung aufgenommene Gewässerökomorphologie habe gezeigt, dass
der S.-bach in diesem Abschnitt heute stark beeinträchtigt sei. Da die stark gefährdete
Seeforelle hier beheimatet sei, habe die Revitalisierung dieses Abschnitts erhöhte
Priorität. Weiter biete der im Verhältnis zur Eindolung kurze offene Teil des A.-kanals
aus Sicht der Fischerei kein Ersatzpotential für eine Kompensation der langen
Restwasserstrecke des S.-bachs. Schliesslich seien bei einem Augenschein im offenen
Teil des A.-kanals keine schutzwürdigen aquatischen Lebewesen festgestellt worden
(act. G 11/25). In der weiteren Stellungnahme vom 28. November 2014 führte das ANJF
aus, dass im Bereich des Grundstücks der Beschwerdeführerin in der amtsinternen
Amphibien- und Reptiliendatenbank zwei Fundmeldungen eingetragen seien. Es handle
sich dabei nicht um einen Standort im Sinn eines Biotops, sondern um eine
Beobachtungsmeldung betreffend Blindschleiche und Ringelnatter. Im Geoportal seien
diese Beobachtungen als Reptilienvorkommen benannt und nicht mehr wie früher als
Amphibien- und Reptilienstandort. Auf dem Grundstück bestehe daher kein erfasster
Biotopstandort. Die vorhandenen Strukturen würden mit den angrenzenden Gärten
dennoch einen Lebensraum für die Ringelnatter im dicht überbauten Gebiet darstellen.
Der Kanal biete in diesem Bereich einen gewissen Lebensraum; dies jedoch weniger im
schnell fliessenden Wasser, wo sich kaum Beutetiere der Ringelnatter aufhalten
könnten. Es werde daher vorgeschlagen, die Wasserführung im A.-kanal im Sinn der
Rückführung des genutzten Wassers in den S.-bach einzustellen, den offenen Graben
als Biotopstruktur zu belassen und das Gewässer mit allenfalls vorhandenem
Meteorwasser aus der Umgebung zu dotieren (act. G 11/27).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
3.1. Das mit Regierungsbeschluss vom 24. Dezember 1907 verliehene Wasserrecht Nr.
003 auf dem Grundstück der Beschwerdeführerin (act. G 11/1), dessen
Nutzungsanlagen (Wasserrad, Wasserzuleitung über den A.-kanal) mit Ausnahme des
A.-kanals schon seit langem nicht mehr vorhanden sind, wurde mit Verfügung vom 19.
März 2013 rechtskräftig gelöscht (act. G 11/3). Seither verfügt der A.-kanal über keinen
rechtlich gesicherten Zufluss mehr, zumal die aktuell noch vorhandene Wasserfassung
nie bewilligt worden war. Im Grundbuch ist das Durchleitungsrecht zu Gunsten des
Grundstücks der Beschwerdegegnerin und zu Lasten des Grundstücks der
Beschwerdeführerin unbestritten als „Gewerbewasserleitungsrecht (A.-kanal)“
eingetragen. Der Eintrag erfolgte 1964, als Grundstück Nr. 001 durch Abparzellierung
vom Grundstück Nr. 002 gebildet und dem (zwischenzeitlich verstorbenen) Ehemann
der Beschwerdeführerin verkauft worden war (vgl. act. G 11/22 S. 5).
3.2. Im angefochtenen Entscheid hielt die Vorinstanz fest, der Umstand, dass gemäss
der Siegfriedkarte von 1888 (act. G 8/3) die Linienführungen des S.-bachs und des A.-
kanals dem heutigen Verlauf entsprechen würden, bedeute nicht, dass beide gleich zu
beurteilen seien. Der S.-bach weise eine Länge von rund 10 km auf und habe ein
Einzugsgebiet von 19.4 km , während der A.-kanal eine Länge von 440 m und kein
natürliches Einzugsgebiet habe. Es treffe zwar zu, dass die Regierung einst einen
künstlich geschaffenen Kanal, der von einem öffentlichen Gewässer (Bach) gespiesen
worden sei, selbst als öffentliches Gewässer im Sinn des GNG bezeichnet habe (GVP
1971 Nr. 67). Damit sei aber nicht gemeint gewesen, dass der künstlich erstellte Kanal
selbst als Fliessgewässer im Sinn des WBG oder des BauG betrachtet würde. Einzig
das durch den Kanal fliessende, aus einem öffentlichen Bach stammende Wasser sollte
damit als unter der Hoheit des Kantons stehend (und nicht durch Ableitung privat
werdend) beurteilt werden. Jeder Bach sei zwar ein öffentliches Gewässer im Sinn des
GNG, aber nicht jedes öffentliche Gewässer sei ein Bach/Fliessgewässer im Sinn des
WBG bzw. des BauG. Dem erwähnten GVP-Entscheid habe zudem (im Gegensatz zum
vorliegenden Fall) ein noch bestehendes Wasserrecht zugrunde gelegen. Die
Bezeichnung „Gewerbewasserleitungsrecht“ im Grundbuch lasse darauf schliessen,
dass diese Dienstbarkeit zwingend mit dem Betrieb des Gewerbes der
Beschwerdegegnerin verbunden gewesen sei. Somit habe der Beschwerdeführerin
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bewusst sein müssen, dass es sich um einen künstlich geschaffenen Kanal gehandelt
habe, der einzig dazu gedient habe, vom Wasserrecht der Beschwerdegegnerin
Gebrauch zu machen. Die Wasserführung im A.-kanal sei ausschliesslich von der
Nutzung des Wasserrechts durch die Beschwerdegegnerin abhängig gewesen. Somit
könne die Beschwerdeführerin (abgesehen davon, dass es sich beim A.-kanal um kein
öffentliches Gewässer handle) auch aufgrund des Grundbucheintrags keinen Anspruch
auf Beibehaltung eines Kanalabschnitts auf ihrem Grundstück geltend machen (act. G
2 S. 12-14).
Es gehe sodann weder um ein Hochwasserschutz- noch um ein Renaturierungsprojekt
im Sinn von Art. 15 WBG. Aufgrund der nicht abschliessenden Aufzählung in Art. 13
WBG sei es nachvollziehbar, dass auch für die Stilllegung eines künstlich geschaffenen
Kanals, der das Wasser aufgrund eines früheren Wasserrechts aus einem öffentlichen
Gewässer bezogen habe, das Planverfahren (Art. 21 WBG) Anwendung finde. Denn
diese Massnahme habe unmittelbaren Einfluss auf den S.-bach, indem diesem dadurch
mehr Wasser (465 l/s gemäss Eintrag im Wasserrechtskataster) zufliesse. Die
wandernden Seeforellen würden nicht im verbauten Restwasserbereich des S.-bachs,
sondern weiter bachaufwärts laichen. Mit der Aufhebung des A.-kanals werde diese
Einschränkung für die Fischwanderung beseitigt, wodurch sich eine Verbesserung von
Lebensräumen für einheimische Tiere im Sinn Art. 15 Abs. 2 WBG ergebe. Mit dem
Projekt werde auch die widerrechtlich erstellte Fassung am S.-bach dicht
verschlossen, was ebenfalls als wasserbauliche Massnahme beurteilt werden könne.
Daher sei die Durchführung eines Planverfahrens nach WBG korrekt gewesen. Im
Übrigen habe die Beschwerdeführerin im Rekurs gegen das ursprüngliche
Baubewilligungsverfahren (Rückbau A.-kanal) ein Planverfahren nach WBG verlangt,
wobei sie davon ausgegangen sei, dass es sich beim A.-kanal um ein öffentliches
Gewässer handle (act. G 2 S. 15 f.).
Im Rahmen der vom Kanton aufgenommenen Gewässermorphologie sei der Abschnitt
des S.-bachs als „künstlich/naturfremd“ bezeichnet worden, während der offene
Abschnitt des A.-kanals als „wenig beeinträchtigt“ eingeschätzt worden sei. Aus der
Sicht des ANJF und des AfU überwiege unter fischerei- und gewässerökologischen
Gesichtspunkten das öffentliche Interesse an der zusätzlichen Nutzwassermenge im
S.-bachkanal die weitere Speisung des A.-kanals mit Wasser aus dem S.-bach. Es sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kein öffentliches Interesse am Erhalt des künstlich angelegten und weitgehend
eingedolten A.-kanals erkennbar. Sodann seien auf dem Grundstück der
Beschwerdeführerin keine baulichen Massnahmen vorgesehen und das fehlende
Wasser könnte künftig allenfalls mit Meteorwasser kompensiert werden (act. G 2
S. 17-19).
3.3. Die Beschwerdeführerin wendet ein, die Eschmannkarte von 1850 zeige das in X.
bestehende weitverzweigte Gewässersystem. Der A.-bach sei seit dem 17. Jahrhundert
für den Betrieb der „A.-mühle“ genutzt und - neben dem S.-bach - über einen von
Norden kommenden, namenlosen Bach gespeist worden. Vor allem der Hauptarm,
aber auch der Nebenarm (= A.-bach) des S.-bachs hätten ursprünglich deutlich
südlicher gelegen als heute. Die Veränderungen bei den Zuflüssen des A.-kanals aus
dem nördlich zuführenden Bach und dem S.-bachkanal (vgl. Karte Siegfried aus den
Jahren 1888, 1916, 1928 und 1937 sowie Luftbilder aus den Jahren 1935 und 1945;
act. G 8/3 bis 8/9) seien auf das Wasserrecht Nr. 003 zurückzuführen. Erstens sei
(vermutlich zwischen 1888 und 1916) der ursprünglich offen in den S.-bachkanal
fliessende nördliche Bach über ein Äquadukt dem A.-kanal zugeführt worden. Zweitens
sei (vermutlich zwischen 1937 und 1945) der offene Zufluss des A.-kanals aus dem S.-
bachkanal geschlossen und an dessen Stelle ausschliesslich die in der zweiten Hälfte
des 19. Jahrhunderts erstellte unterirdische Wasserzuführung genutzt worden. Die
historischen Karten und die tatsächlichen Verhältnisse mit Wasserzuführung über das
Viadukt bis 2002 und fortbestehender Wasserfassung beim S.-bachkanal würden
deutlich machen, dass dem A.-kanal seit jeher eine doppelte Funktion zugekommen
sei: Einerseits sei er ein verlegter Nebenarm des S.-bachs, anderseits habe er der
Wasserkraftnutzung gedient. Er müsse seiner ursprünglichen und fortbestehenden
Funktion entsprechend als Teil des weitverzweigten Gewässersystems und damit als
Oberflächengewässer im Sinn des WBG eingestuft werden. Die Vorinstanz sei von
einem falschen Sachverhalt ausgegangen, indem sie die historischen Karten von 1888
bis 1937 falsch gedeutet und die seit 1888 bestehende und zwischen 1937 und 1945
nur verlegte Wasserfassung im S.-bachkanal als illegal bezeichnet sowie die Funktion
des A.-kanals ausschliesslich auf die Wasserkraftnutzung beschränkt habe (act. G 7 S.
3-5).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sodann sei die Aufhebung/Stilllegung eines Gewässers im WBG nicht vorgesehen und
damit auch nicht zulässig. Die Auffassung, wonach die Stilllegung des A.-kanals einen
unmittelbaren Einfluss auf den S.-bachkanal habe, stimme mit den tatsächlichen
Gegebenheiten nicht überein. Aus den Aufzeichnungen der Abflussmengen ab 2011
ergebe sich, dass der S.-bachkanal im Mittel eine Abflussmenge von 0.878 m /s bzw.
878 l/s aufweise (act. G 8/11). Die Annahme, dass der A.-kanal eine Wassermenge von
465 m/s mit sich führe, würde bedeuten, dass auf der doppelt geführten Strecke der
A.-kanal mehr Wasser mit sich führt als der S.-bachkanal (413 l/s). Diese Annahme sei
offensichtlich falsch, zumal der Abfluss und der Zufluss des A.-kanals anhand der
Wassermenge im S.-bachkanal nicht wahrgenommen würden. Die geringen
Wassermengen von S.-bachkanal und A.-kanal und die schwerwiegenden
ökomorphologischen Defizite des S.-bachkanals (act. G 8/12 f.) würden belegen, dass
die Stilllegung des A.-kanals nicht zu einer ökologischen Aufwertung des S.-
bachkanals führen könne und sich deshalb das Wasserbauprojekt nicht rechtfertigen
lasse. Selbst wenn ein Wasserbauverfahren für die Aufhebung eines Fliessgewässers
durchgeführt werden dürfte, wäre das angefochtene Wasserbauprojekt aufzuheben.
Wäre der A.-kanal nicht als Fliessgewässer im Sinn des WBG einzustufen, fände das
Wasserbauverfahren keine Anwendung und es müsste ein Baugesuchsverfahren
durchgeführt werden (act. 7 S. 6-8).
Im Gegensatz zum S.-bachkanal zeichne sich der offen fliessende Bereich des A.-
kanals durch einen hohen Natürlichkeitsgrad und einen naturnahen Uferbereich aus
(act. G 8/12 f.). Die Stilllegung des A.-kanals würde zu einer verpönten Veränderung
des Ökosystems und zu einem dauerhaften Verlust eines Biotops führen. Weil im
Wasserbauverfahren auch ökologische Aspekte zu berücksichtigen seien, sei damit
auch dem Schutzgedanken von Art. 98 Abs. 1 BauG Rechnung zu tragen. Die beim
offen fliessenden Bereich des A.-kanals vorhandene Ufervegetation sei sowohl nach
der kantonalen als auch der eidgenössischen Gesetzgebung unbedingt zu erhalten. Es
sei von einem Lebensraum der Ringelnatter im Bereich des offen fliessenden A.-kanals
auszugehen, weshalb sich das angefochtene Wasserbauprojekt aus einem weiteren
Grund als unzulässig erweise (act. G 7 S. 8 f.).
3.4.
3
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.4.1. Auf der von der Beschwerdeführerin nachgereichten Eschmannkarte von 1850
(act. G 8/1, G 32/1) verläuft der S.-bach unbegradigt und praktisch unverbaut mit
einem Nebengerinne sowie deutlich südlicher als heute. Die Dufourkarte von 1885 (act.
G 8/2) zeigt den Stand im Nachgang zu grossräumigen Wasserbauarbeiten in der
zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zu erkennen ist ein geradliniger Kanal, dessen
Verlauf dem heutigen S.-bach entspricht. Auf der Siegfriedkarte von 1888 (act. G 8/3,
G 32/2) befinden sich der nunmehr begradigte S.-bach sowie der A.-kanal unbestritten
an ihrer heutigen Lage. Letztere ist mit dem bei den Akten befindlichen Luftbild (act. G
32/3) dokumentiert. Wie erwähnt war im Kaufvertrag vom 13. Oktober 1964 betreffend
Verkauf Teilstück A.-kanal durch die Beschwerdegegnerin an die Beschwerdeführerin
bzw. ihren (zwischenzeitlich verstorbenen) Ehemann ein Gewerbewasserleitungsrecht
als Last auf dem Grundstück der Beschwerdeführerin zugunsten des vormaligen
Grundstücks Nr. 002 vereinbart worden (vgl. act. G 26; act. G 11/22 S. 5). Der von der
Beschwerdegegnerin eingereichte Grundbuchbeleg 1927/Tagebuch Nr. 23 (act. G
32/4) zeigt ebenfalls die privatrechtliche Sicherung des (künstlichen)
Wasserkanalsystems im Gebiet Z./X. mit Grunddienstbarkeiten (Durchleitungsrechte,
Wasserleitungsrechte, Kanalunterhaltsverpflichtungen).
Die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass der A.-kanal zusammen mit der - nach Lage
der erwähnten Akten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgten - Verlegung
des S.-bachs erstellt wurde und bereits damals der Wasserkraftnutzung diente, ist vor
dem geschilderten Hintergrund nachvollziehbar, zumal mit dem Regierungsbeschluss
vom 24. Dezember 1907 (act. G 11/1) die „vor 1860 errichteten Wasserwerke“ im
Nachhinein anerkannt worden waren. Als zuführende Gewässer wurden für das
konkrete Wasserrecht genannt: „Steinli. S.- u. M.-bach“ (vgl. Wasserrechtskataster,
act. G 11/1 Beilage S. 2). Zureichende Anhaltspunkte dafür, dass der „M.-bach“
identisch mit einem (vorbestehenden bzw. natürlich entstandenen) A.-bach sein
könnte, bestehen nicht. Der A.-kanal, der nach 1850 zur Wasserkraftnutzung erstellt
worden sein dürfte, konnte somit nur gestützt auf das Wasserrecht Nr. 003 genutzt
werden und verfügt seit der Löschung dieses Rechts über keinen (rechtlich
gesicherten) Zufluss mehr. Allein hieraus lässt sich jedoch entgegen der Auffassung der
Vorinstanz nicht der Schluss ziehen, dass es sich beim A.-kanal selber nicht um ein
Gewässer im Sinn des WBG handle (vgl. vorstehende E. 3.2 erster Abschnitt). Vielmehr
ist nach Art. 1 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 2 lit. b WBG von einem dem WBG
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unterstellten und zu unterhaltenden (naturnahen) Oberflächengewässer auszugehen
(vgl. auch Werner Ritter, Kommentar zum Wasserbaugesetz, Widnau 2012, S. 40-45).
3.4.2. Die Anwendung des Planverfahrens nach WBG für die Stilllegung des A.-kanals
begründete die Vorinstanz wie erwähnt damit, dass die Stilllegung unmittelbare
Auswirkungen auf den - dem WBG unterstehenden - S.-bach zeitigt (insbesondere
Erhöhung Fliesswassermenge im betroffenen Abschnitt von rund 350 m Länge und
Auswirkungen auf die Qualität als Fischgewässer; vgl. vorstehende E. 3.2 zweiter
Abschnitt). Das WBG sieht jedoch, wie die Beschwerdeführerin zu Recht festhält, die
Stilllegung von Oberflächengewässern nicht vor (vgl. Art. 13 WBG). Zweck des WBG
sind der Hochwasserschutz und die Erhaltung naturnaher Gewässer bzw. die
Renaturierung von Gewässern (vgl. Art. 2 WBG und Art. 38a GSchG; Ritter, a.a.O., S.
46-49), nicht deren Stilllegung. Sodann regelt Art. 15 WBG die Voraussetzungen, unter
denen Gewässer ausgebaut oder offengelegt werden. Der Umstand, dass die
Stilllegung des A.-kanals dem S.-bach dienen soll bzw. dessen Wassermenge erhöht
werden soll, stellt mit Blick auf Art. 15 WBG keinen zureichenden Anlass für die
geplante Wasserbaumassnahme dar.
Das vom Tiefbauamt vorgebrachte Argument, wonach der ökologische Wert des
weitgehend eingedolten A.-kanals eher klein sein dürfte und der Kanal auch keine
Funktion im Bereich des Hochwasserschutzes habe (act. G 11/24), reicht angesichts
der tatsächlichen Verhältnisse nicht aus, um eine Zuschüttung des Kanals zu
rechtfertigen. Art. 38 GSchG verbietet gerade zur Verbesserung des ökologischen
Werts die Überdeckung oder Eindolung von Gewässern (vgl. auch Art. 38a GSchG). Ein
„wenig beeinträchtigter“ offener Abschnitt (vgl. vorstehende E. 3.2 dritter Absatz) des
A.-kanals darf nicht durch Schliessung des Zuflusses aufgehoben werden, um dadurch
einem als „künstlich/naturfremd“ eingeschätzten Gewässer (S.-bach) mehr Wasser
zuzuführen. Wird die bestehende harte Verbauung des S.-bachs berücksichtigt (vgl.
vorstehende E. 2.2.2 und 3.2 dritter Absatz), vermag eine blosse - vom Ausmass her
überdies unklare - Erhöhung der Wassermenge im S.-bach nicht zu einer ökologischen
Aufwertung desselben zu führen. Weitere Massnahmen für eine ökologische
Aufwertung des S.-bachs sind nach Lage der Akten nicht vorgesehen. Auch von daher
erweist sich die Stilllegung des A.-kanals als unzulässig.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.4.3. Der Vorschlag des ANJF, den offenen Graben als Biotopstruktur zu belassen und
das Gewässer mit allenfalls vorhandenem Meteorwasser aus der Umgebung zu
dotieren (act. G 11/27), erscheint grundsätzlich sinnvoll. Jedoch dürfte die Stilllegung
des A.-kanals, wie die Beschwerdeführerin zu Recht vermerkt (act. G 7 S. 8 f. Ziff. 26.4
und 27), trotz Meteorwasser zumindest zeitweise zu einer gänzlichen Trockenlegung
des offenen Bereichs führen. Dementsprechend wären Art. 18 NHG bzw. das auf dem
Grundstück vorhandene Reptilienvorkommen (vgl. act. G 8/14 bis 8/16 und
vorstehende E. 2.2.2) tangiert. Eine Stilllegung des A.-kanals erscheint auch aus
diesem Grund nicht gerechtfertigt.
4.
4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und der
angefochtene Entscheid aufzuheben. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdegegnerin
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 3'500.-- (Art.
7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Beschwerdeführerin wird
der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 3‘500.-- zurückerstattet.
Die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von Fr. 3‘500.-- sind dementsprechend
ebenfalls von der Beschwerdegegnerin zu tragen.
Der Beschwerdeführerin wird der von ihr im Rekursverfahren geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1‘000.-- zurückerstattet.
4.2. Die Beschwerdeführerin hat obsiegt, weshalb die Beschwerdegegnerin sie
ausseramtlich zu entschädigen hat (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98bis
VRP). Ohne Kostennote wird die Entschädigung ermessensweise festgesetzt (Art. 6
und 19 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75,
HonO). Angemessen erscheint eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- zuzüglich
Barauslagen (4%) von Fr. 80.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). Die Mehrwertsteuer wird
dazu gerechnet (Art. 29 HonO).
Für das Rekursverfahren ist die Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin mit
Fr. 3‘250.-- zuzüglich Mehrwertsteuer (vgl. act. G 2 S. 19) zu entschädigen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte