Decision ID: 7f08b389-4525-4dfd-a96f-e015430f8132
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15. Januar 2020 bei der IV-Stelle wegen chronischer
Ellbogenschmerzen rechts bei Zustand nach diversen Operationen und Infiltrationen
zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 1). Der RAD-Arzt Dr. med. B._, Facharzt für
Neurochirurgie, würdigte am 6. Februar 2020 die im unfallversicherungsrechtlichen
Verfahren von der Suva eingeholten medizinischen Akten, insbesondere den Bericht
der ergonomicsystems ag, vom 16. Dezember 2019 über die am 5. und 6. Dezember
2019 durchgeführte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL; fremd-
act. 145) und das Gutachten von Dr. med. C._, Facharzt für Rheumatologie sowie
Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom 17. Dezember 2019 (fremd-act. 147). Er
führte gestützt darauf aus, der Versicherte leide an folgenden
arbeitsfähigkeitsrelevanten Diagnosen: 1. einem chronischen vorwiegend nozizeptiven
Schmerzsyndrom rechter Ellbogen mit/bei: stationärer humeroradioulnarer Arthrose,
Status nach modifizierter Operation nach Hohmann Ellbogen rechts am 22. Januar
2013, Status nach LUCL-Rekonstruktion mit Palmaris longus Autograft Ellbogen rechts
am 27. Dezember 2017 bei postero-lateraler Rotationsinstabilität Ellbogen rechts nach
LUCL-Ruptur nach Trauma im Juli 2012, Status nach radio-humeraler Infiltration
Ellbogen rechts am 19. Dezember 2018, Verdacht auf SLAC-Wrist, miofaszialem
Syndrom der Schulter rechts und aktuell: persistierenden Ellbogenschmerzen rechts
mit intermittierend auftretend Schmerzausweitung in Ober- und Unterarm; 2. einem
Status nach distaler mehrfragmentärer intraartikulärer Processus styloideus radii
Fraktur links vom 19. Februar 2018. In der angestammten Tätigkeit als Maurer bestehe
A.a.
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eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für eine leidensangepasste Tätigkeit sei der
Versicherte zu 100 % arbeitsfähig («0 % AUF», IV-act. 10).
Der behandelnde Dr. med. D._, Facharzt für Allgemeinmedizin, berichtete am
11. Februar 2020, dass die Schmerzen am rechten Ellbogen die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten einschränken würden. Auf dem Bau sei der Versicherte sicher nicht mehr
einsetzbar. Die anstehende Abklärung in der Rehaklinik E._ werde zeigen, welche
konkreten Tätigkeiten dem Versicherten noch zumutbar seien (IV-act. 14-3 f.). Mit
seinem Bericht reichte Dr. D._ noch weitere medizinische Unterlagen ein, u.a. die
psychologische Beurteilung des Schmerzzentrums am Kantonsspital St. Gallen (KSSG)
vom 29. März 2019. Darin wird die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) erwähnt. Die medizinischen
Fachpersonen des Schmerzzentrums führten aus, eine berufliche Neuorientierung
komme für den Versicherten nicht in Frage. Es bestehe derzeit bei ihm keine
Motivation, sich mit dem bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell und den
dysfunktionalen Coping-Strategien auseinanderzusetzen und eigene Verhaltensweisen
zu verändern. Auch den Einsatz schmerzmodulierender Antidepressiva lehne der
Versicherte derzeit ab (IV-act. 14-20 f.).
A.b.
Vom 28. April bis 20. Mai 2020 befand sich der Versicherte zur stationären
Therapie in der Rehaklinik E._. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen
beurteilten ihn für eine Tätigkeit als Bauarbeiter vollständig arbeitsunfähig. Eine leichte
leidensangepasste Tätigkeit hielten sie für ihn ganztags zumutbar. Der Versicherte
habe sich von Beginn an sehr schmerzfokussiert gezeigt. Das Training habe er
durchzuführen versucht, sich jedoch unter Schmerzangaben selbst limitiert.
Physiotherapeutische Inputs seien nur wenig oder nicht umgesetzt worden. Die
Rehabilitation sei wegen verminderten Therapiezugangs frühzeitig beendet worden
(Austrittsbericht vom 17. Juni 2020, fremd-act. 179).
A.c.
Die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren um berufliche Massnahmen in der
Mitteilung vom 1. September 2020 mit der Begründung ab, dass solche nicht angezeigt
seien (IV-act. 19).
A.d.
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B.
Auf der Grundlage einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten ermittelte die IV-Stelle im Rahmen eines Einkommensvergleichs einen
Invaliditätsgrad von 20 % und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom
10. November 2020 die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 24). Die
Frist für einen Einwand blieb unbenutzt, sodass die IV-Stelle am 5. Januar 2021 die
Abweisung des Rentengesuchs verfügte (IV-act. 25).
A.e.
Gegen die Verfügung vom 5. Januar 2021 erhob der Beschwerdeführer am
5. Februar 2021 Beschwerde. Darin beantragte er deren Aufhebung und die Zusprache
einer Viertelsrente; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachte er
im Wesentlichen vor, dass die Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten um
20 % vermindert sei. Falls die Beschwerdegegnerin dieser Einschätzung nicht folgen
wolle, werde eine neutrale bidisziplinäre (orthopädische und neurologische)
Begutachtung beantragt. Zudem rügte der Beschwerdeführer die Höhe der von der
Beschwerdegegnerin ermittelten Vergleichseinkommen (act. G 1). In der ergänzenden
Eingabe vom 24. Februar 2021 machte der Beschwerdeführer geltend, er verfüge über
eine Ausbildung zum Kleinbaggerführer, und er reichte weitere Unterlagen ein (act.
G 3), u.a. eine Stellungnahme von Dr. D._ vom 23. Februar 2021. Darin vertrat der
behandelnde Arzt sinngemäss die Auffassung, der Beschwerdeführer verfüge bezogen
auf leidensangepasste Tätigkeiten nicht über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Wie hoch
die Leistungseinschränkung tatsächlich sei, müsste seines Erachtens gutachterlich
festgelegt werden (act. G 3.1.2).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 15. April
2021 die Abweisung der Beschwerde. Sie vertrat den Standpunkt, dass der
Sachverhalt spruchreif erstellt sei und sie die dem Invaliditätsgrad zugrunde gelegten
Vergleichseinkommen korrekt ermittelt habe. Diesbezüglich sei zu berücksichtigen,
dass dem Beschwerdeführer durch die Übernahme des von der Suva ermittelten
Invalideneinkommens bereits ein Tabellenlohnabzug von 5 % gewährt worden sei,
obwohl die Voraussetzungen hierfür nicht zwingend gegeben seien (act. G 5).
B.b.
In der Replik vom 28. Juni 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Beschwerdeanträgen unverändert fest. Ergänzend machte er geltend, sein
B.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
Gesundheitszustand bedürfe einer neurologischen und psychiatrischen Beurteilung
(act. G 9).
Die Beschwerdegegnerin teilte am 3. August 2021 den Verzicht auf eine Duplik mit
(act. G 11).
B.d.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG i.V.m.
Art. 28a Abs. 1 IVG).
1.2.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob der
Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif abgeklärt wurde. Die
Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer Entscheidfindung (IV-act. 23-2) auf die
Beurteilung des RAD-Arztes Dr. B._ vom 6. Februar 2020 (IV-act. 10), die wiederum
auf dem Gutachten von Dr. C._ vom 17. Dezember 2019 (fremd-act. 147) sowie auf
dem Austrittsbericht der Rehaklinik E._ vom 17. Juni 2020 gründet (fremd-act. 179).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die medizinische und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der
medizinischen Fachpersonen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des
Beweiswerts eines medizinischen Berichts ist entscheidend, ob er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a). Anzufügen ist, dass die Rechtsprechung auch den Berichten
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkennt, sofern
keine auch nur geringen Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit bestehen (BGE 139 V 225
E. 5.2).
1.4.
Der Beschwerdeführer vertritt den Standpunkt, aufgrund der Parästhesien Dig IV
und V an der rechten Hand und der damit verbundenen Leistungseinschränkungen, die
sogar bei feinmotorischen Bewegungen bestehen würden und die durch zusätzliche
Pausen nicht verbessert werden könnten, sei bezogen auf leidensangepasste
Tätigkeiten von einer 20%igen Leistungseinbusse auszugehen (act. G 1, Rz 32 ff.,
insbesondere Rz 36). Der Beschwerdeführer legte weder dar noch ist erkennbar,
weshalb die von ihm beklagten Beschwerden an der rechten Hand für sich allein zu
einer 20%igen Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste
2.1.
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Tätigkeiten führen sollen. Von Bedeutung ist weiter, dass diese intermittierend
auftretenden Beschwerden sowohl bei der Beurteilung von Dr. C._ (fremd-act. 147-6)
als auch derjenigen der medizinischen Sachverständigen der Rehaklinik E._ (fremd-
act. 179-2, fremd-act. 179-3 Mitte und fremd-act. 179-7 unten) Berücksichtigung
fanden. Hinzu kommt, dass sich im Rahmen der EFL weder bei der Kraft noch bei der
Koordination relevante Defizite an der rechten Hand zeigten (fremd-act. 145-4, fremd-
act. 145-10 und fremd-act. 145-11 unten; zu den schwankenden, durch die
Ellbogenschmerzen geprägten Ergebnissen der Kraftprüfung während der Abklärung in
der Rehaklinik E._ siehe fremd-act. 179-11 oben). Die Beweglichkeit des
Handgelenks ist im Übrigen nicht eingeschränkt (fremd-act. 179-9 oben) und die
Handbeschwielung zeigte sich nicht auffällig («beidseits vorhanden», fremd-act. 179-8
unten). Anzufügen bleibt, dass die medizinischen Fachpersonen der Rehaklinik E._
die von der damaligen Arbeitgeberin angebotene Tätigkeit als Kranführer hauptsächlich
deshalb nicht für zumutbar hielten, da der Beschwerdeführer hierfür einen Hochkran
hätte besteigen und somit den auch in seiner Beweglichkeit eingeschränkten Ellbogen
rechts immer wieder hätte belasten müssen; Parästhesien an Fingern der rechten Hand
wurden diesbezüglich nicht als einschränkend erwähnt. Vielmehr wurde jedoch auch
auf den Sicherheitsaspekt extra hingewiesen (fremd-act. 179-3). Gegen eine Tätigkeit
als Hochkranführer sprachen überdies offenkundig zentral auch die Höhenangst des
Beschwerdeführers und seine Bedenken bezüglich der grossen Verantwortung (siehe
hierzu die in den E-Mails des Case Managers vom 21. April 2020 wiedergegebenen
Aussagen des Beschwerdeführers in fremd-act. 164 und fremd-act. 165). Insgesamt
dürften also weder Parästhesien an Fingern der rechten Hand noch Beeinträchtigungen
des rechten Ellbogens für sich ausschlaggebend gewesen sein, dass die Tätigkeit als
Hochkranführer nicht versucht wurde. Selbst wenn dies jedoch so wäre, liessen sich
daraus keine Rückschlüsse auf eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für
ideal adaptierte Tätigkeiten ziehen.
Aus der Sicht des Beschwerdeführers ist es «schlicht falsch», wie der RAD-Arzt
Dr. B._ in der Stellungnahme vom 6. Februar 2020 auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
schliesse. Dies zeige sich allein schon in der Formulierung (act. G 9, Rz 4). Der Kritik
des Beschwerdeführers ist nicht zu folgen. Die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr. B._ vom 6. Februar 2020 (IV-act. 10) stützt sich auf die Beurteilung von Dr. C._
und die Ergebnisse der EFL. Darüber hinaus steht sie – abgesehen von der qualitativen
Einschränkung auf «bis mittelschwere Tätigkeiten» – im Einklang mit der Einschätzung
der medizinischen Sachverständigen der Rehaklinik E._. Dabei gilt es zu
berücksichtigen, dass die Reduktion im Zumutbarkeitsprofil auf nur noch leichte Arbeit
ausdrücklich «prospektiv für die noch verbleibende Lebensarbeitszeit» erfolgte, da eher
2.2.
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mit einer Akzentuierung der Probleme zu rechnen sei und «man dieser
Verschlechterung nicht Vorschub leisten sollte». Hierzu wurde sogar das Handgelenk
links berücksichtigt, obschon dieses bezüglich Schmerzen «nicht im Fokus
steht» (fremd-act. 179-3). Diese vorsichtig formulierte Arbeitsfähigkeitsschätzung zieht
die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. B._ bzw. von Dr. C._ folglich nicht in Zweifel,
sondern trägt lediglich vermehrt präventiven Überlegungen Rechnung. Unter dem Titel
der versicherungsmedizinischen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hielt der RAD-Arzt
fest, «adaptiert ist der Versicherte 0 % AUF» (IV-act. 10-3 Mitte). Diese Formulierung ist
frei von Vagheiten und Widersprüchen. Daran vermag nichts zu ändern, dass der RAD-
Arzt Dr. B._ im Abschnitt der Adaptionskriterien ausführte, adaptiert «müsste» der
Beschwerdeführer für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit aber einsatzfähig sein.
Die Verwendung des Konjunktivs 2 ist ausserdem insoweit nachvollziehbar, da er im
Rahmen eines Konditionalsatzes verwendet bzw. die entsprechende Aussage unter
dem Vorbehalt der im unmittelbar folgenden Satz zusätzlich umschriebenen
qualitativen Anforderungen gemacht wurde («Dies aber unter der Voraussetzung des
Vermeidens von repetitiven/längerdauernden Tätigkeiten mit dem rechten Arm unter
Krafteinsatz, [...]», IV-act. 10-3). Ein Widerspruch oder eine die Überzeugungskraft der
RAD-Stellungnahme schmälernde Formulierung ist jedenfalls nicht zu erkennen.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 9, Rz 4) bekräftigt die als
offen beurteilte Prognose des RAD-Arztes Dr. B._ gerade die Sorgfältigkeit seiner
Einschätzung, da angesichts der von ihm in diesem Zusammenhang erwähnten
degenerativen Gelenkserkrankung («Ellenbogenarthrose») die Ungewissheit über den
zukünftigen Verlauf der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten einleuchtet.
Ausserdem bemängelt der Beschwerdeführer am Gutachten von Dr. C._, es
stelle keine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit dar. So ergebe sich aus
der Vorbemerkung (fremd-act. 147-1), dass die gutachterliche Untersuchung eine
ausführliche medizinische Begutachtung nicht ersetzen könne (act. G 9, Rz 14). Dieser
Vorbehalt schmälert die Aussagekraft des Gutachtens von Dr. C._ nicht, denn weder
aus den Akten noch aus den Ausführungen des Beschwerdeführers ergeben sich
konkrete objektiv relevante Gesichtspunkte, die im Rahmen der gutachterlichen
Beurteilung ausser Acht geblieben wären. Der Beschwerdeführer legt auch nicht –
jedenfalls nicht substanziiert – dar und es ist auch nicht ersichtlich, dass die
Untersuchungen von Dr. C._ unvollständig gewesen wären. Hinzu kommt, dass sich
das Gutachten u.a. auf die schlüssigen Ergebnisse einer EFL stützt und von den
medizinischen Fachpersonen der Rehaklinik E._ im Wesentlichen bestätigt wurde.
2.3.
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Betreffend die Beurteilung der Rehaklinik E._ bringt der Beschwerdeführer vor,
diese stelle kein Gutachten dar. Zudem stehe die Leistungsbeurteilung im Widerspruch
zum Inhalt betreffend Schmerzen (act. G 9, Rz 15). Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
im Austrittsbericht der Rehaklinik E._ vom 17. Juni 2020 beruht auf einem
mehrwöchigen stationären Aufenthalt sowie klinischen und zusätzlichen bildgebenden
Untersuchungen (siehe den radiologischen Bericht vom 30. April 2020, fremd-
act. 179-12). Die relevanten medizinischen Vorakten wurden berücksichtigt. Die
Beurteilung ist ausführlich und überzeugend begründet worden. Sie enthält zudem die
Erkenntnisse von zahlreichen Leistungstests (fremd-act. 179) und erfüllt demnach die
Voraussetzungen für eine beweiskräftige medizinische Expertise (siehe vorstehende
E. 1.4). Entgegen der Sichtweise des Beschwerdeführers erscheint es auch nicht
widersprüchlich, dass die medizinischen Fachpersonen zur Auffassung gelangten, die
konstant vorhandenen Schmerzen würden sich bei Belastung verstärken (fremd-
act. 179-7). Vielmehr erscheint es nachvollziehbar, dass die Schmerzen zunehmen,
wenn die betroffenen Körperteile unter Belastung stehen. Zudem deckt sich diese
Beurteilung mit den Schmerzangaben des Beschwerdeführers (siehe hierzu etwa
dessen ausführliche Auskunft gegenüber dem Suva-Aussendienstmitarbeiter vom
23. Oktober 2018, fremd-act. 104-1; zum belastunsabhängigen Charakter der
Schmerzen siehe etwa auch den Bericht von Dr. D._ vom 29. November 2019,
fremd-act. 144-2). Ein Widerspruch ist nicht erkennbar. Im Übrigen erfordern die vom
Beschwerdeführer beklagten konstanten Schmerzen lediglich eine analgetische
Bedarfsmedikation (siehe fremd-act. 179-2 und fremd-act. 179-8 je Mitte). Dies bzw.
der damit anzunehmende begrenzte Leidensdruck vermag eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten nicht in Zweifel zu ziehen.
2.4.
Aus den Beurteilungen von Dr. D._, namentlich aus derjenigen vom 23. Februar
2021 (act. G 3.1.2), gehen keine objektiven, für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten relevanten Gesichtspunkte hervor, welche
Dr. C._ oder die medizinischen Fachpersonen der Rehaklinik E._ ausser Acht
gelassen hätten. Seine Berichte enthalten ausserdem keine näher begründete
Arbeitsfähigkeitsschätzung für leidensangepasste Tätigkeiten (vgl. act. G 3.1.2 oder IV-
act. 14-3). Nichts anderes gilt bezüglich des (psychologischen) Berichts des
Schmerzzentrums am KSSG vom 29. März 2019 (IV-act. 14-20 f.), auf den Dr. D._
verweist. Dieser Bericht über eine psychologische Abklärung enthält denn auch keine
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, äussert sich im Wesentlichen zur Stimmungslage des
Beschwerdeführers, ohne dass daraus relevante Beeinträchtigungen der
Arbeitsfähigkeit hervorgehen. Vielmehr ergeben sich mehrere Hinweise darauf, dass
einer erfolgreichen Verwertung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten
2.5.
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Tätigkeit hauptsächlich sozioökonomische Überlegungen (Verdienstreduktion, IV-
act. 14-21 oben), motivationale Aspekte und dysfunktionale Coping-Strategien (IV-
act. 14-21) entgegenstehen (vgl. auch die Angaben im Rahmen der beruflichen
Standortbestimmung in der Rehaklinik E._ vom 26. Mai 2020, fremd-act. 177-4).
Weder die Berichte von Dr. D._ noch der Bericht des Schmerzzentrums am KSSG
sind demnach geeignet, die gutachterliche Einschätzung und die Beurteilung im
Austrittsbericht der Rehaklinik E._ vom 17. Juni 2020 in Zweifel zu ziehen.
Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer, es fehle an einer fachneurologischen
und fachpsychiatrischen Beurteilung des Gesundheitsschadens (act. G 9, Rz 7 ff.). Für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erscheint eine zusätzliche fachneurologische
Abklärung nicht erforderlich. Die neurologischen Sachverständigen des
Muskelzentrums am KSSG führten bereits im Bericht vom 6. Juli 2018 aus, dass sich
an der rechten Hand weder klinisch noch elektrophysiologisch Hinweise auf eine
Schädigung fänden (fremd-act. 85; zur Berücksichtigung dieser Erkenntnisse durch
Dr. C._ siehe fremd-act. 147-2 und fremd-act. 147-6, worin er klare Hinweise auf
eine neuropathische Genese verneinte). Der Beschwerdeführer legt denn auch gar
nicht dar, welcher zusätzlichen fachneurologischen Abklärungen es noch bedurft hätte.
Vorliegend kommt hinzu, dass der RAD-Arzt Dr. B._ über eine neurochirurgische
Fachausbildung verfügt und deshalb als Sachverständiger für das medizinische Feld
zwischen den Fachbereichen Chirurgie und Neurologie zu betrachten ist. Aus seiner
Stellungnahme geht ebenfalls kein fachneurologischer Abklärungsbedarf hervor. Gegen
einen psychiatrischen Abklärungsbedarf spricht, dass der Beschwerdeführer –
jedenfalls bis zum für die gerichtliche Beurteilung massgebenden Zeitpunkt des
Verfügungserlasses (siehe hierzu das Urteil des Bundesgerichts vom 11. Juli 2018,
9C_135/2018, E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 132 V 220 E. 3.1.1) – keiner
fachpsychiatrischen Behandlung bedurfte. Vielmehr äusserte er gegenüber den
medizinischen Fachpersonen der Rehaklinik E._, es gehe ihm aktuell psychisch
weitgehend gut (fremd-act. 179-7 unten mit Hinweis auf eine im März 2019 erfolgte
einmalige Behandlung bei einem Psychologen). Zu ergänzen ist, dass erstmals mit der
Replik (lediglich) eine psychologische Behandlung in Portugal, die aktuell via Skype
erfolge, erwähnt wird, bei der im Übrigen eine emotionale Reaktion auf den
Arbeitsplatzverlust im Vordergrund steht und die damit der Verarbeitung
psychosozialer bzw. sozioökonomischer Belastungen dient (act. G 9, Rz 10). Ein davon
unabhängiges krankheitswertiges Leiden mit dauerhafter Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ist nicht erkennbar. Ins Gewicht fällt zudem, dass auch die
medizinischen Fachpersonen des Schmerzzentrums am KSSG weder neurologische
noch psychiatrische Abklärungen für erforderlich hielten (IV-act. 14-20 f.).
2.6.
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3.
Zu bestimmen bleiben die zwischen den Parteien umstrittenen Validen- und
Invalideneinkommen im Sinn von Art. 16 ATSG (siehe hierzu vorstehende E. 1.2).
Im Licht der vorstehend dargestellten Umstände ist gestützt auf die
Einschätzungen des RAD-Arztes Dr. B._ vom 6. Februar 2020 (IV-act. 10), das
Gutachten von Dr. C._ vom 17. Dezember 2019 (fremd-act. 147) sowie den
Austrittsbericht der Rehaklinik E._ vom 17. Juni 2020 (fremd-act. 179) mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfügt.
2.7.
Als Erwerbseinkommen im Sinn von Art. 16 ATSG gelten mutmassliche jährliche
Erwerbseinkommen, von denen Beiträge gemäss dem Bundesgesetz über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) erhoben würden (Art. 25 Abs. 1
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Massgebend für den
Einkommensvergleich sind die Einkommen im Zeitpunkt des frühest möglichen
Rentenbeginns (siehe anstatt vieler etwa das Urteil des Bundesgerichts vom 13. März
2019, 8C_491/2018, E. 3.2). Nachdem die IV-Anmeldung am 15. Januar 2020 erfolgte,
fällt ein Rentenanspruch frühestens sechs Monate danach in Betracht (Art. 29 Abs. 1
IVG).
3.1.
Soweit der Beschwerdeführer für die Bemessung des Valideneinkommens die Be
stimmungen von Art. 24 Abs. 1 und 2 der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) ins Feld führt (act. G 1, Rz 42 und Rz 46 f.), vermag er daraus für die
invalidenversicherungsrechtliche Rentenprüfung nichts zu seinen Gunsten abzuleiten.
Denn einerseits beschlagen die genannten Verordnungsbestimmungen nicht das
Valideneinkommen bzw. den Invaliditätsgrad, sondern die Bemessung des versicherten
Verdienstes, welcher ausschliesslich der betragsmässigen Festsetzung der
Rentenleistung für eine Invalidität dient. Andererseits legt der Beschwerdeführer weder
dar noch ist erkennbar, dass das Invalidenversicherungsrecht eine Lücke enthalten
würde, die einen Analogieschluss auf die unfallversicherungsrechtlichen Bestimmungen
zuliesse. Allein schon deshalb kann nicht auf die vom Beschwerdeführer unter Hinweis
auf den von der Suva für das Jahr 2020 ermittelten versicherten Verdienst von
Fr. 88'509.-- bzw. für das Jahr 2021 von Fr. 89'262.-- (act. G 1.14) abgestellt werden.
Hinzu kommt, dass diese Beträge auch die Kinderzulagen von jährlich Fr. 4'800.--
enthalten. Hierauf werden jedoch keine AHV-Beiträge erhoben, weshalb die
Kinderzulagen bei der Ermittlung des Valideneinkommens ausser Acht zu bleiben
haben (Art. 25 Abs. 1 IVV i.V.m. mit Art. 6 Abs. 1 lit. f der Verordnung über die Alters-
3.2.
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4.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Gerichtskosten von Fr. 600.-- erscheinen
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der vollständig
unterliegende Beschwerdeführer hat die gesamten Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu
tragen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihm daran angerechnet.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.