Decision ID: 56ad0d88-ed7c-4921-82c0-e4a7cfda099c
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Selbstkündigung)
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 16. Juli 2013 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(nachfolgend: RAV) zur Arbeitsvermittlung an und beantragte per 1. August 2013
Arbeitslosenentschädigung (act. G 3.1.22; 3.1.24).
A.b Gemäss der Arbeitgeberbescheinigung vom 23. Mai 2013 war der Versicherte vom
18. April 2011 bis 31. Juli 2013 als Content Producer bei der B._ AG in einem 100%-
Arbeitspensum beschäftigt (act. G 3.1.38). Er kündigte das Arbeitsverhältnis am 2. April
2013 per 30. Juni 2013, wobei seine Kündigungsfrist in Absprache mit seinem
Vorgesetzten bis 31. Juli 2013 verlängert wurde (act. G 3.1.27; 3.1.34).
A.c In seiner Stellungnahme vom 26. Juli 2013 an die Kantonale Arbeitslosenkasse
führte der Beschwerdeführer aus, dass er während seiner Probezeit bei der B._ AG
unter der Woche in C._ gearbeitet und gewohnt habe und jeweils am Freitagabend
zu seiner Familie nach D._ gefahren sei, wo er bis am Sonntagabend geweilt habe.
Nach Bestehen seiner Probezeit habe er einen Mietvertrag für ein Reiheneckhaus in
E._, Kanton F._, unterzeichnet. Seine Kündigung bei der B._ AG begründete der
Beschwerdeführer damit, dass seine Lebensgefährtin sowie die Kinder in den
eineinhalb Jahren seit dem berufsbedingten Umzug von D._ nach E._, Kanton
F._, mehrfach Fremdenfeindlichkeiten erfahren hätten. So seien das Auto seiner aus
G._ stammenden Lebensgefährtin in der abgeschlossenen Tiefgarage zerkratzt und
die Jalousien an der Eingangstür verbogen worden. Im Weiteren sei der damals 15-
jährige Sohn seiner Lebensgefährtin in der Schule zu Beginn gemobbt und im Dorf als
"Scheiss G._, ...verpiss dich hier" beschimpft worden. Der Höhepunkt sei erreicht
worden, als er im Garten Glasscherben entdeckt habe, die um das Spielhaus ihres
damals 2-jährigen Sohnes drapiert worden seien. Für ihn und seine Lebensgefährtin als
treusorgende Eltern seien dies klare Zeichen dafür gewesen, die Zelte in dieser
feindseligen Gegend abzubrechen und die gute Arbeitsstelle zu kündigen (act.
G 3.1.39).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.d Mit Verfügung vom 7. August 2013 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse den
Versicherten aufgrund seiner Selbstkündigung ab 1. August 2013 für 31 Tage in der
Anspruchsberechtigung ein. Es sei verständlich, dass der Versicherte seine Familie
habe schützen wollen, dies rechtfertige jedoch nicht die Aufgabe einer zumutbaren
Stelle ohne Zusage einer Anschlussstelle. Somit sei ihm ein Verschulden an der
Arbeitslosigkeit anzulasten, welches jedoch unter Berücksichtigung der Umstände an
der untersten Grenze von schwer beurteilt werde (act. G 3.1.16).
A.e Dagegen erhob der Versicherte mit Schreiben vom 9. August 2013 Einsprache.
Man habe versucht, ihn und seine Familie in niederträchtigster Art und Weise und
mittels einer Straftat aus dem Dorf zu treiben, was seiner Meinung nach einen
ausserordentlich gewichtigen Grund darstelle, eine Arbeitsstelle sofort zu kündigen.
Aufgrund des Verhaltens gewisser Einwohner E._s habe er bereits seit Anfang 2013
ernsthafte Bestrebungen unternommen, eine neue Stelle in der Ostschweiz zu finden.
Im Oktober 2013 werde er eine neue Arbeitsstelle als Freelancer bei der H._ AG
antreten. Aufgrund von fehlenden Unterhaltszahlungen des Vaters müsse er für den 15-
jährigen Sohn seiner Partnerin aufkommen. Im Weiteren hätten er und seine
Lebenspartnerin den Zeitpunkt des Umzugs so gelegt, dass dem 15-jährigen Kind
keine schulischen Nachteile widerfahren und dieses am 12. August 2013 das neue
Schuljahr in D._ beginnen könne (act. G 3.1.12).
A.f Mit Einspracheentscheid vom 17. September 2013 wies die Kantonale Arbeits
losenkasse die Einsprache ab. Es sei verständlich, dass der Versicherte aufgrund der
von ihm erwähnten Vorfälle den Wohnort habe wechseln wollen. Der Wohnortswechsel
von E._, Kanton F._, nach I._, Kanton D._, sei jedoch seine eigene
Entscheidung gewesen, welche die Kündigung einer zumutbaren Stelle nicht
rechtfertige. Vielmehr hätte von ihm erwartet werden dürfen, eine angemessene
Unterkunft für seine Familie ausserhalb von E._ in der Nähe seiner Arbeitsstelle zu
finden. Mit seiner Kündigung habe der Versicherte eine Arbeitslosigkeit nach
Beendigung seines Arbeitsverhältnisses in Kauf genommen. Damit sei eine selbst
verschuldete Arbeitslosigkeit zu Recht festgestellt worden (act. G 3.1.8).
B.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.a Mit Beschwerde vom 18. September 2013 gelangt der Beschwerdeführer ans
Versicherungsgericht. Er verlangt sinngemäss die Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 17. September 2013. Zur Begründung führt er aus, dass er
während knapp 6 Monaten keine seinen Wünschen und Anforderungen entsprechende
Unterkunft in der unmittelbaren Umgebung seiner Arbeitsstelle gefunden habe. Im
Weiteren habe er bei 12 besichtigten Unterkünften 10-mal zu hören bekommen, dass
die Schweiz in dieser Gegend noch in Ordnung sei und es keine "G._" oder andere
Ausländer gäbe. Letztendlich sei ein Reiheneckhaus in E._ ihr neues Heim geworden.
Eine "angemessene Unterkunft" für die Familie bestimmten immer noch er und seine
Lebensgefährtin. Sie liessen sich nicht von einem Amt (gemeint: der
Beschwerdegegnerin) vorschreiben, inwieweit eine Unterkunft tragbar sei oder nicht.
Sie fühlten sich in ihrem Persönlichkeitsrecht angegriffen und widersprächen daher der
Beschwerdegegnerin vehement. Er frage sich, weshalb die Beschwerdegegnerin zu der
Annahme gelange, dass seine Kinder durch einen Umzug in eine andere J._er
Wohngegend nicht mit ähnlichen Repressalien konfrontiert worden wären. Seine
Lebensgefährtin und er seien zum Schluss gekommen, keine weiteren Experimente
einzugehen und zurück an den K._ zu ziehen, da seine Lebensgefährtin und die
beiden Kinder in der Stadt D._ geboren seien (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 21. Oktober 2013 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Sie macht unter anderem geltend, dass der
Beschwerdeführer offensichtlich übersehe, dass die Schadenminderungspflicht in der
Arbeitslosenversicherung eine Kernpflicht der Versicherten sei. Zwar sei es
verständlich, dass der Beschwerdeführer eine Änderung seiner Wohnsituation
angestrebt habe. Es hätte von ihm aber erwartet werden können, im Umkreis von rund
34 Kilometern (Fahrdistanz E._ – J._) bzw. innerhalb der zumutbaren maximalen 2
Stunden Arbeitsweg einen neuen Wohnort für sich und seine Familie zu finden. Die
Beschwerdegegnerin führt weiter aus, dass sie den gesamten Umständen Rechnung
getragen habe, indem sie die kleinstmögliche Einstelldauer im schweren
Verschuldensbereich verfügt habe. Es sei allerdings schwer nachvollziehbar, dass sich
auch seine Lebensgefährtin in eine selbst verschuldete Arbeitslosigkeit begeben habe.
Ein schrittweises Vorgehen, indem der eine Partner alsdann nachgezogen wäre, sobald
der andere Partner Arbeit und Wohnung am Wunschort gefunden hätte, wäre zumutbar
gewesen (act. G 3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.c Mit Replik vom 18. November 2013 bestätigt der Beschwerdeführer seinen
Standpunkt und hält unter anderem fest, dass er und seine Familie nach dem Erlebten
keine Experimente mehr hätten eingehen wollen und sie deshalb wieder zurück an den
K._ gezogen seien. Die Situation in E._ habe ihn, seine Lebensgefährtin und die
Kinder auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Ein Trennen der Familie hätte daher
negative Folgen gehabt, zumal sein 6 Monate anhaltendes Pendeln bei seinem kleinen
Sohn zuvor zu starken negativen Gefühlsausbrüchen geführt habe. Der
Beschwerdeführer legt ein (nicht unterzeichnetes) Schreiben vom 16. November 2013
eines ihm bekannten deutschen Ehepaares bei. Im Schreiben wird die
fremdenfeindliche Situation in E._ bestätigt. Weiter führt der Beschwerdeführer unter
anderem aus, dass eine Kündigung des Mietvertrages für das Haus nur quartalsweise
(per Ende September 2013) möglich gewesen sei. Mittels Absprache mit der
Vermieterin habe das Mietverhältnis jedoch per Anfang Juli 2013 aufgelöst werden
können. Die Beschwerdegegnerin übersehe, dass er in die Versicherung einbezahlt
habe und nun von seinem Recht Gebrauch mache. Er habe nicht mit einem solchen
Handeln seitens der Arbeitslosenkasse gerechnet (act. G 5; 5.1).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 7).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer zu Recht wegen selbst
verschuldeter Arbeitslosigkeit für 31 Tage in der Anspruchsberechtigung eingestellt
wurde.
2.
2.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Die Arbeitslosigkeit gilt unter anderem dann als
selbstverschuldet, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis von sich aus
aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei denn, dass ihr
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1 lit. b
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Im Bereich der freiwilligen Stellenaufgabe
findet demnach das sozialversicherungsrechtliche Schadenminderungsprinzip seine
Grenze in der Zumutbarkeit.
2.2 Im Weiteren ist bei der Prüfung der Frage, ob eine Sanktion wegen Selbstaufgabe
der Stelle im Sinn von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV zulässig ist, das Übereinkommen
Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend
Übereinkommen; SR 0.822.726.8) zu beachten, das für die Schweiz am 17. Oktober
1991 in Kraft getreten ist. Nach Art. 20 lit. c des Übereinkommens können Leistungen
der Arbeitslosenversicherung verweigert, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden,
wenn die zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person ihre
Beschäftigung freiwillig ("volontairement") ohne triftigen Grund ("sans motif légitime")
aufgegeben hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und klar ist, ist
sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht den nationalen Bestimmungen über den
Erlass einer Einstellungsverfügung vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Damit sind bei einer
völkerrechtskonformen Auslegung von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV bzw. bei der
Zumutbarkeitsprüfung die gesamten Umstände der versicherten Person zu
berücksichtigen (Boris Rubin, Commentaire de la loi sur l'assurance-chômage, Genf/
Zürich/Basel 2014, N 36 f. zu Art. 30; Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 80). Es kann nicht von einer freiwilligen
Beschäftigungsaufgabe im Sinn des Übereinkommens gesprochen werden, wenn eine
versicherte Person nicht von sich aus, sondern vom Arbeitgeber oder durch die
Entwicklung am Arbeitsplatz zur Kündigung gedrängt wird (BGE 124 V 238 E. 4b/aa).
2.3 Laut Art. 16 Abs. 2 lit. c AVIG ist eine Arbeit unzumutbar, die dem Alter, den
persönlichen Verhältnissen oder dem Gesundheitszustand der versicherten Person
nicht angemessen ist. Unter den Begriff der persönlichen Verhältnisse fallen die
Lebensbedingungen, die ganze Lebensorganisation, die familiäre Situation sowie
grundrechtsbezogene Aspekte wie beispielsweise die Religionsfreiheit. Rein
persönliche Gründe werden dabei nicht berücksichtigt (Rubin, a.a.O., N 33 zu Art. 16).
Ein Selbstverschulden im Sinne der Arbeitslosenversicherung liegt dann vor, wenn und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
soweit der Eintritt oder das Andauern der Arbeitslosigkeit nicht objektiven Faktoren
zuzuschreiben ist, sondern in einem nach den persönlichen Umständen und
Verhältnissen vermeidbaren Verhalten der versicherten Person liegt, für das die
Versicherung die Haftung nicht übernimmt (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Mai
2013, 8C_1021/2012, E. 2.2). Die Zumutbarkeit zum Verbleiben an einer Arbeitsstelle
wird strenger beurteilt als die Zumutbarkeit zum Antritt einer neuen Arbeitsstelle (BGE
124 V 238 E. 4b/bb).
3.
3.1 Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsstelle selbst
gekündigt hat. Zunächst ist zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer aufgeführten
Gründe, die ihn zu seiner Selbstkündigung veranlasst haben, im Licht des AVIG und
des Übereinkommens ein Selbstverschulden an der Arbeitslosigkeit ausschliessen.
3.2 In seiner Stellungnahme vom 26. Juli 2013 legte der Beschwerdeführer dar, dass
seiner Lebensgefährtin, ihrem aus erster Ehe hervorgegangenen Sohn sowie ihrem
gemeinsamen Sohn mehrfache fremdenfeindliche Akte an ihrem damaligen Wohnort
E._, Kanton F._ widerfahren seien (act. G 3.1.39). Sie hätten deshalb an den K._
zurückkehren wollen, da seine Lebensgefährtin und die beiden Kinder in D._ geboren
seien und ihnen deshalb die Gegend sehr vertraut sei (act. G 1). Die
Beschwerdegegnerin hingegen argumentierte, dass vom Beschwerdeführer hätte
erwartet werden dürfen, eine Unterkunft für seine Familie ausserhalb von E._, jedoch
in der Nähe seiner Arbeitsstelle zu suchen (act. G 3.1.8). Darauf erwiderte der
Beschwerdeführer, er habe vor der Wohnsitznahme in E._ knapp 6 Monate nach
einer Unterkunft in der unmittelbaren Umgebung seiner Arbeitsstelle gesucht und
nichts gefunden, das seinen Anforderungen und Wünschen entsprochen habe (act.
G 1). Der Beschwerdeführer stellt sich primär auf den Standpunkt, dass er wegen
seinem beabsichtigten Wohnsitzwechsel gezwungen gewesen sei, sein bestehendes
Arbeitsverhältnis schon in einem Zeitpunkt zu kündigen, als er noch nicht über eine
neue Stelle verfügte. Das Arbeitslosenversicherungsrecht verlangt jedoch zwecks
Vermeidung von Arbeitslosigkeit, dass die versicherte Person bei einem beabsichtigten
Stellenwechsel ein Arbeitsverhältnis aufrecht erhält, bis sie eine Anschlussstelle
gefunden hat. Dieser Grundsatz erfährt eine Ausnahme, wenn gemäss Art. 44 Abs. 1
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
lit. b AVIV die Aufrechterhaltung des Arbeitsverhältnisses unzumutbar ist, was im
Folgenden zu prüfen ist.
3.2.1 Der Beschwerdeführer führt aus, dass ihn die Fremdenfeindlichkeiten dazu
bewogen hätten, seine "gute Arbeitsstelle bei einem Marktführer" zu kündigen (act.
G 3.1.39). Im Weiteren ist dem Kündigungsschreiben zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer sich für die schöne Zeit bei der B._ AG bedankte (act. G 3.1.27).
Damit war die Arbeit des Beschwerdeführers als solche – unbestrittenermassen –
zumutbar. Aus den Akten geht jedoch hervor, dass für den Beschwerdeführer aufgrund
der massiven Angriffe gegen seine Familie schlechte Wohnverhältnisse herrschten.
Objektiv betrachtet lag zwar keine Situation vor, welche ein sofortiges Verlassen des
Wohnortes erforderte, zumal der Beschwerdeführer mit dem Wegzug zugewartet hatte,
bis das 15-jährige Kind sein Schuljahr in E._ beenden konnte (vgl. act. G 3.1.39).
Dennoch ist es nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer und seine Familie nicht
mehr in E._ wohnen konnten und wollten. Der Wunsch nach einem Wohnsitzwechsel
begründet jedoch im Allgemeinen keine Unzumutbarkeit des bestehenden
Arbeitsverhältnisses. Mindestens bis eine Anschlussstelle gefunden ist, gilt der Verbleib
am bisherigen Arbeitsplatz trotz unangenehmer Wohnsituation als zumutbar (Chopard,
a.a.O., S. 123 mit Hinweis auf ARV 1979 Nr. 24 S. 121; vgl. aber Urteil des
Bundesgerichts vom 30. April 2009, 8C_958/2008, E. 4.2). So ist die Unzumutbarkeit
einer Arbeitsstelle nach der Rechtsprechung nicht allein deswegen anzunehmen, weil
der Partner oder die Partnerin eine neue Stelle in einem anderen Kanton antritt und ein
gemeinsames Wohnen dadurch unmöglich wird. Vielmehr hat die versicherte Person in
einem solchen Fall zumindest für eine gewisse Zeit Übergangslösungen in Kauf zu
nehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Mai 2013, 8C_1021/2012, E. 5.4.2). Damit
ist dem Beschwerdeführer einerseits vorzuwerfen, keine Familienunterkunft in der
Umgebung seiner Arbeitsstelle gesucht zu haben. Andererseits wäre dem
Beschwerdeführer der Verbleib an seiner Arbeitsstelle zumutbar gewesen, bis er eine
Anschlussstelle gefunden hätte. Allenfalls hätte der Beschwerdeführer und seine
Familie dabei eine Übergangslösung in Kauf nehmen müssen, so wie dies während
seiner Probezeit bei der B._ AG der Fall war. Indem der Beschwerdeführer mit der
Kündigung nicht bis zur Zusicherung einer Anschlussstelle gewartet hat, hat er das
Risiko der Arbeitslosigkeit auf sich genommen und damit seine Arbeitslosigkeit im Sinn
von Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV selbst verschuldet.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.2 An diesem Ergebnis ändert auch die Argumentation des Beschwerdeführers
nichts, dass er und seine Familie die Rückkehr an den K._ eines Verbleibs in "dieser
feindseligen Gegend" vorgezogen hätten (act. G 3.1.39) und das Umfeld des K._s für
seine Familie bekanntes Terrain und nicht die sprichwörtliche "Katze im Sack" sei (act.
G 1). Anzeichen für das Vorfinden einer zumutbaren Wohnsituation ausserhalb E._s
und in der Gegend seiner Arbeitsstelle waren durchaus vorhanden. So führt der
Beschwerdeführer aus, dass sich das 15-jährige Kind im Fussballverein L._ mit
einigen Jungen befreundet hat (act. G 3.1.39). Im Weiteren ist dem Schreiben des
deutschen Ehepaares aus E._ zu entnehmen, dass sie "dieses rechts eingestellte
Dorf" aufgrund der Angriffe gegen seine Kinder ebenfalls verlassen werden (act. G 5.1).
Von einem Umzug in einen anderen Landesteil – wie vom Beschwerdeführer
vorgenommen – ist nicht die Rede. Zusammenfassend ist folglich von einer selbst
verschuldeten Arbeitslosigkeit im Sinne von Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m. Art. 44
Abs. 1 lit. b AVIV auszugehen. Die Einstellung des Beschwerdeführers in der
Anspruchsberechtigung ist demnach zu Recht erfolgt.
4.
4.1 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV).
Ein schweres Verschulden liegt namentlich dann vor, wenn eine versicherte Person
ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer
neuen aufgegeben oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (Art. 45 Abs. 4 AVIV). Bei
der individuellen Verschuldensbeurteilung sind alle Umstände des konkreten Einzelfalls
zu berücksichtigen, wozu unter anderem die Beweggründe gehören (vgl. AVIG-Praxis
ALE [Arbeitslosenentschädigung], Rz D64).
4.2 Die durch die Selbstkündigung per 31. Juli 2013 ausgelöste Arbeitslosigkeit des
Beschwerdeführers basiert an sich auf einem aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher
Sicht schweren Verschulden. Die Bestimmung von Art. 45 Abs. 4 AVIV lässt indes
Raum, bei Vorliegen entschuldbarer Gründe eine einzelfallgerechte Beurteilung
vorzunehmen bzw. den Verschuldensrahmen zu öffnen (Chopard, a.a.O., S. 168). Es ist
daher zu prüfen, ob im vorliegenden Fall Gründe vorliegen, welche das Verschulden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
reduzieren. Zwar hat der Beschwerdeführer mit der Kündigung nicht bis zur
Zusicherung einer Anschlussstelle gewartet und somit das Risiko der Arbeitslosigkeit
auf sich genommen. Daher kann als schuldmindernd lediglich die schwierige
persönliche Situation des Beschwerdeführers berücksichtigt werden. Die Familie des
Beschwerdeführers war in E._ mehrfach Fremdenfeindlichkeiten ausgesetzt. Dass er
deshalb zurück in die vertraute K._region wollte, statt Experimente einzugehen, ist
zumindest nachvollziehbar. In Würdigung der persönlichen Umstände ist von einem
mittelschweren Verschulden auszugehen und eine Sanktion im mittleren Bereich des
entsprechenden Einstellrahmens vorzunehmen. Eine
Einstellungsdauer von 25 Tagen erscheint angemessen.
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und
die Einstelltage sind von 31 auf 25 Tage zu reduzieren. Gemäss Art. 61 lit. a des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) sind keine Gerichtskosten zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP