Decision ID: 7569c67d-a411-59f6-aad2-06c64cd68f5f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1
.1
X._
, geboren 1988, ist Mutter einer 2005 geborenen Tochter (
Urk.
8/6
Ziff.
3.1).
Bis
Ju
l
i 2012
war sie
als Verkäuferin bei der
Y._
angestellt
(
Urk.
8/11 S. 2
Ziff.
2
,
Urk.
8/14 S. 1
). Unter Hinweis auf eine Depression und Schlafstörungen meldete sie sich am 1
0.
Juli 2013 bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/6
Ziff.
6.5).
Mit Verfügung vom 2
4.
September 2013 (
Urk.
8/19) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Rentenanspruch.
1.2
Die Versicherte meldete sich am 2
8.
Januar 2017 erneut
bei der Invalidenversi
cherung
an (
Urk.
8/24)
. Mit Vorbescheid vom
6.
April 2017
(
Urk.
8/31)
stellte die IV-Stelle
in Aussicht, dass sie auf das Gesuch nicht eintreten werde
. Die IV-Stelle kam in der Folge auf
den
Vorbescheid zurück und holte
einen medizinischen Bericht
(
Urk.
8/47)
und ein
bidisziplinäres
Gutachten
(
Urk.
8/57)
ein.
Am
4.
Feb
ruar 2019 (
Urk.
8/64) erliess sie einen neuen Vorbescheid. Die Versicherte brachte dagegen Einwände (
Urk.
8/65) vor.
Mit Verfügung vom 1
5.
November 2019 (
Urk.
8/74 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle erneut einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 1
6.
Dezember 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
5.
November 2019
(
Urk.
2)
und beantragte
, diese sei aufzuheben und es sei ihr mit Wirkung ab
1.
Januar 2017 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventuell sei ihr ab
1.
Juli 2017 eine
ganze
Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben). Verfahrensrechtlich beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
Januar 2020 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
1.
Feb
ruar 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede
wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2)
fest,
e
ine anspruchserhebliche Veränderung sei seit dem Entscheid vo
m
September 2013
nicht
ausgewiesen
(S. 2 oben). Aus juristischer Sicht sei einzig erforderlich, dass eine Veränderung der gesundheitlichen Situation vorliege. Dies sei zu verneinen. Weiter treffe es nicht zu, dass in der Verfügung vom September 2013 von einer zeitnahen
Verbesserung des Gesundheitszustandes ausgegangen worden sei
.
Stattdessen sei eine
gesundheitliche Beeinträchtigung mit längerfristigen Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
verneint worden
. Vor Erlass der Verfügung
vom 2
4.
September 2013 habe
eine volle Arbeitsfähigkeit vorgelegen
(S. 2 unten).
2.2
Die
Beschwerdeführerin brachte vor
(
Urk.
1)
, nach Abschluss einer Lehre als Detailhandelsangestellte Fachrichtung Textil habe sie mit einem Pensum von 40 % bei
Y._
gearbeitet.
Sie habe
dann
unter
zunehmenden
Schlaf-, Antriebs- und Konzentrationsstörungen gelitten und
sich in psychotherapeuti
sche Behandlung begeben (S. 3 f.).
In einem vom Krankentaggeldversicherer eingeholten psychiatrischen Gutachten sei
2012
die Diagnose einer mittelgradi
gen depressiven Störung gestellt und
aktuell
eine volle Arbeitsunfähigkeit attes
tiert worden (S. 4 oben).
Die von der Beschwerdegegnerin neu vorgebrachte Begründung einer Arbeitsfä
higkeit von 100
%
im Zeitpunkt der ersten Rentenverfügung erkläre
ebenfalls nicht, weshalb die Revisionsvoraussetzungen nicht gegeben sein sollten. Gemäss dem Gutachten vom März 2018 liege eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
gestützt auf die neu gestellte Diagnose einer schweren Persönlichkeitsstörung
vor (S. 6 oben).
2.3
Die Beschwerdegegnerin verneinte m
it Verfügung vom 2
4.
September 2013
(
Urk.
8/19)
einen Rentenanspruch. Am 2
8.
Januar 2017 meldete sich die Beschwerdeführerin erneut bei der Invalidenversicherung an
(
Urk.
8/24)
.
Die Beschwerdegegnerin stellte
im
Vorbescheid
vom
6.
April 2017
(
Urk.
8/31) zunächst in Aussicht, dass sie auf das neue Leistungsgesuch nicht eintreten werde. In der Folge kam sie
darauf
zurück und trat auf die Neuanmeldung ein.
Streitig und zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren daher
, ob sich die Verhält
nisse verglichen mit dem Zeitpunkt der Verfügung vom September 20
13 massge
blich verändert haben und
ob neu ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin besteht.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin war seit Nove
mber 2011 bei med.
pract
. Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter
psychiatrischer
Behandlung (
Urk.
8/12 S. 1
Ziff.
1.2). Med.
pract
.
Z._
nannte im Bericht vom
2.
Februar 2012 (
Urk.
8/15/11-12) als Diagnose eine mit
telgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1, reaktiv nach Trennung vom lang
jährigen Lebenspartner,
Ziff.
1 a). Die Psychiaterin gab weiter an, es bestünden eine Schlafstörung und eine nachhaltige Antriebs- und
Konzentrationsstörung (
Ziff.
1 b). Die Wiederaufnahme der Arbeit sei in zwei bis vier Wochen probeweise geplant (
Ziff.
1 c). Die Patientin sei noch nicht vollends remittiert (
Ziff.
1 d).
3.2
3.
2
.1
Dr.
med. A._
,
praktischer Arzt und
Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie, erstattete am 2
4.
Februar 2012 (
Urk.
8/15/2-10) im Auftrag des Krankentaggeldversicherers ein psychiatrisches Gutachten.
Es beruht auf der Untersuchung vom 1
6.
Februar 2012, den dem Gutachter zur Verfügung gestell
ten Akten und einer Fremdauskunft
der behandelnden Ärztin
(S. 1).
Dr.
A._
führte zur Anamnese aus, es habe eine schwere
Polytoxikomanie
inklusive Opiat-Typ
von Seiten
der Mutter der Beschwerdeführerin bestanden. Die ältere Halbschwester sei von illegalen Drogen abhängig und leide an einer
anorektischen
Essstörung (S. 2
Ziff.
1.2). Die Mutter habe die Kinder infolge ihrer schweren Drogenabhängigkeit vernachlässigt (S. 2
Ziff.
2).
Mit 16 Jahren sei es zu einer ungewollten Schwangerschaft
der Beschwerdeführerin
gekommen. Seit Juni 2011 habe sie mit einem 40%-Pensum als Verkäuferin gearbeitet
. Anfang November 2011 hätten Schlafstörungen und «ps
ychische Probleme» begonnen (S.
3
Ziff.
2 oben).
Anamnestisch bestünden schwere Schlafstörungen mit zum Teil nur zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nach
t
(S. 3
Ziff.
4). Die Beschwer
deführerin habe ein Müdigkeitsgefühl am Tag entwickelt und es sei zu
Konzentra
tions
-, Merkfähigkeitsstörungen, einem Antriebsdefizit und Energielosigkeit gekommen (S. 3 f.
Ziff.
5). Die behandelnde Psychiaterin gehe von einem länge
ren Behand
lungsverlauf und der Notwendigkeit einer längerfristigen Aufar
bei
tung der Lebensgeschichte aus. Gemäss der Psychiaterin sei die Explorandin gegenwärtig absolut nicht arbeitsfähig (S. 4
Ziff.
7).
3.
2
.2
Die
in
der Hamilton Depressionsskala
erzielten
Punkte entsprächen einem mittel
gradigen depressiven Syndrom (S. 6
Ziff.
III). Die Beschwerdeführerin befinde sich wegen der Erstmanifestation einer depressiven Störung in geeigneter integrierter psychiatrischer Behandlung. Seit dem 3
0.
November 2011 sei sie zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben
. Im Verlauf der bisherigen Behandlung sei es zu einer
geringgradigen
Verbesserung gekommen (S. 6
Ziff.
IV Mitte). Die Kriterien für eine mittelgradige depressive Episode seien erfüllt. Für die differentialdiagnos
tisch zu erwägende Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion sei der Schwe
regrad zu ausgeprägt (S. 6
Ziff.
IV unten). Zudem liege eine Insomnie vor. Diese sei als
psychovegetatives Symptom im Rahmen der affektiven Hauptstörung zu interpretieren. Bezüglich der Insomnie bestehe eine gewisse Diskrepanz zwischen den anamnestischen Angaben
der Beschwerdeführerin
, wonach
sie
seit Monaten lediglich zwei bis drei Stunden schlafe, den Angaben zum Tagesablauf
und dem Eindruck in der aktuellen Untersuchung. So sei sie nach einem Arbeitsversuch immer noch in der Lage gewesen, gut zu kooperieren. Zudem seien keine gravie
renden kognitiven Defizite zu objektivieren. Er,
Dr.
A._
, gehe daher davon aus, dass die Schlafstörungen weniger ausgeprägt seien als von der Explorandin angegeben
(S. 7 oben).
Dr.
A._
nannte als Diagnose und Ursache
der Beschwerden
eine mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Als Einschränkungen bestünden schwere Einschlafstörungen, Tagesmüdig
keit und Konzentrations- und Auffassungs
störungen
. Weiter bestünden
eine psychomotorische Verlangsamung, eine mangelnde Belastbarkeit und eine unzureichende Stresstoleranz, insbesondere gegenüber sozialen Stressoren (S. 7
Ziff.
V.1).
Die Auswirkung seien eine
verlangsamte Arbeitsweise, vermehrte Fehle
r
,
ein
mangelndes Durchhaltevermö
gen und eine unzureichende Stresstoleranz, vor allem in sozialen Situationen. Die Explorandin sei daher derzeit nicht fähig, die Anforderungen an die Tätigkeit als Ver
käuferin in einem Modegeschäft zu erfüllen.
N
ach ausreichender Remission der Symptomatik
sei die bisherige Tätigkeit
aber
wieder zumutbar (S. 8
Ziff.
V.1
c-d). Es sei von einer schrittweisen Remission der depressiven Symptomatik aus
zugehen.
Ein gestufter Wiedereinstieg in die Arbeitstätigkeit sei indiziert (S. 8
Ziff.
V.1 e). Die psychiatrische Behandlung sollte bis zum vollständigen Abklin
gen der Symptomatik und sinnvollerweise darüber hinaus fortgesetzt werden (S. 8
Ziff.
V.2 a). Die Beschwerdeführerin sei gegenwärtig sowohl in der angestamm
ten als auch in einer störungsangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig
. Unter psychiatrisch-psychotherapeutische
r
Behandlung sei
aber
von einer voll
ständigen Remission der Symptomatik auszugehen
(S. 8
Ziff.
V.3 a).
Er
gehe davon aus, dass ab Mitte April 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 10
%
, ab Mai von 20
%
, ab Juni von 40
%
und ab Juli 2012 von 70
%
(von 100 %) beste
hen werde. Ab August 2012 werde eine volle Arbeitsfähigkeit
erreicht sein
(S. 9 oben).
3.3
Med.
pract
.
Z._
nannte im Bericht vom
4.
August 2013
(
Urk.
8/12)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Dysthymia
(anhaltende affektive Störung, ICD-10 F34.1), seit November 2011
,
und eine nichtorganische Störung des Schlaf-Wachrhythmus, seit November 2011
(ICD-10 F51.2).
Die Psychiaterin
führte zur Anamnese aus, die Beschwerdeführerin habe
mit 17 Ja
hren eine Tochter geboren. Danach
habe sie
erfolgreich eine Lehre als Verkäu
ferin abgeschlossen. Der Begi
nn der Symptomatik sei mit dem
i
n-die Brüche-Gehen der langjährigen Beziehung erfolgt. Es handle sich um schwere Schlafstö
rungen (zwei bis drei Stunden Schlaf pro Nacht plus nachholender Tagschlaf von zwei bis drei Stun
den), chronischen
Schlafmangel und Müdigkeit,
eine
Antriebs
störung, Lust- und Freudlosigkeit,
einen verarmten
Affekt, Konzentrationsstörun
gen sowie zeitweise Vernachlässigung der Körperpflege, der Ernährung und der Haushaltführung (S.
1 f.
Ziff.
1.4).
Zum Befund wurde angegeben, die Patientin sei bewusstseinsklar und allseits orientiert. Sie wirke oft
adynam
, antriebs
vermindert und gleichgültig. Das
Gedächtnis sei intakt. Die affektive Schwin
gungs
fähigkeit sei vermindert.
Vorherrschend seien
Hoffnungslosigkeit und Sinnlosig
keit (S. 2
Ziff.
1.4). Med.
pract
.
Z._
attestierte für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Verkäuferin seit dem 3
0.
November 2011 bis jetzt eine Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
(S. 2
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit sei im Moment noch nicht zumutbar. Langfristig bestehe theoretisch wieder eine Arbeitsfähigkeit, falls es zu Therapiefortschritten komme
(S. 3
Ziff.
1.7 oben).
3.4
Mit Verfügung vom 2
4.
September 2013
(
Urk.
8/19)
verneinte die Beschwerde
gegnerin einen
Leistungs
anspruch der Beschwerdeführerin.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin war
seit März 20
15 bei Dipl. Psychologin B._
in therapeutischer Behandlung. Frau
B._
stellte in einem psychologischen Kurzbericht vom 1
4.
Mai 2016 (
Urk.
8/47/8)
die Diagnose einer
mittelgradige
n
Depression (ICD-10 F32.11) mit regelmässiger massiver Schlafr
h
ythmusstörung. Sie führte aus, die Patientin leide an einer wiederkehrenden Wach/Schlafr
h
yth
musstörung mit massiven Migräneanfällen, die es ihr verunmöglichten
,
eine regelmässige Tätigkeit auszuüben und aufrecht zu erhalten. Weiter leide sie unter depressiven Verstimmungen (Mitte).
4.2
Dr.
med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, erstattete am 2
7.
April 2017 (
Urk.
8/35) ein ärztliches Attest. Er führte aus, die Beschwerdefüh
rerin habe die Therapie bei
der bisherigen Psychotherapeutin
im November letz
ten Jahres
beendet. Die Monate Dezember und Januar seien von starken Schlaf
störungen, Konzentrationsstörungen und einer depressiven Verstimmung geprägt gewesen. Eine Therapie mit Antidepressiva habe keine wesentliche Veränderung gezeigt oder nur
kurzfristig für eine Woche (Mitte). Es liege eine ausgesprochen schwer
zu therapierende Situation vor.
Dr.
C._
attestierte bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(unten).
4.3
Dr.
C._
nannte im Bericht vom
1.
September 2017 (
Urk.
8/47/1-
6)
als Diag
nosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
langgezogene depressive Erkrankung mit aktuell schwerer depressiver Episode (ICD-10 F32.2), seit mehreren Jahren mit somatischem Syndrom
-
Insomnie ausgeprägt mit intermittierender depressiver Verstimmung, sub
klinisch Hypothyreose (aktuell unter Substitutionseinstellung)
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.31),
Borderline
Typus
-
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
chronische rezidivierende Migräne
Dr.
C._
führte zur Anamnese aus,
die Trennung von ihrem Partner 2011 habe zum Zusammenbruch des schon labilen Gleichgewichtes der Beschwerdeführerin geführt. Seither leide sie unter massiven Schlafstörungen und starken stressbe
dingten körperlichen Unruhezuständen, die es ihr verunmöglichten
,
einer Arbeit nachzugehen und ihre Tochter zu betreuen. Diese
lebe
heute wieder in einer Pfle
gefamilie
(S. 2
Ziff.
1.4 Mitte). Ziel der psychotherapeutischen Behandlung bei med.
pract
.
Z._
seien die Stabilisierung des Zustandes der Beschwerde
führerin sowie die Reintegration in den Arbeitsprozess und die medikamentöse Einstellung gewesen.
Zum Befund wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe von einer stark erhöhten körperlichen Alarmbereitschaft berichtet, die mit massiven Schlafstö
rungen einhergehe. Vor zwei Uhr nachts könne sie nie einschlafen. Die chronische
Hypervigilanz
führe zu einer ausgeprägten chronischen Erschöpfung. Die Patien
tin habe
zudem
Depersonalisations- und
Derealisations
-Erlebnisse während ihrer früheren Therapiesitzungen beschrieben
. Heute komme es zu solchen Erlebnissen, wenn sie nicht gut geschlafen habe
(S. 2
Ziff.
1.4 unten).
Es bestünden eine starke Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit sowie
Schuld- und Versagensgefühle
. Weiter bestünden ein Interesseverlust und eine chronische Müdigkeit und Erschöpfung. Die Konzentration sei intermittierend reduziert und abhängig vom Schlaf. Suizi
dalität werde zurzeit verneint. Oft komme es auch zu Migräneanfällen, die Tage lang andauern könnten. Die Patientin sei im Gespräch emotional sehr zurück
genommen. Sie äussere grosse Ängste, von Int
rusionen überflutet zu werden. Von aussen seien
keine Dissoziationen wahrnehmbar. B
ezüglich ihres Beziehungsver
haltens zeige
sie
eine grosse Ambivalenz (S. 3
Ziff.
1.4 oben).
Die Patientin habe weiter eine schwere frühkindliche emotionale und körperliche Vernachlässigung erfahren. Diese habe zu einer posttraumatischen Belastungs
störung mit
Hypervigilanz
, Intrusionen und einem ausgeprägten Vermeidungs
verhalten mittels dissoziativer Symptomatik geführt. Die Intrusionen würden heute nur noch unter Stress auftreten.
Aufgrund der Schwere des Zustandsbildes und der starken Einschränkungen im Alltag, den sie kaum oder nur mit Unter
stützung des Partners bewältige
,
sowie aufgrund der Schlaf-Wach-Rhythmusstö
rung bestehe eine Arbeitsunfähigkeit vo
n 100
%
(S. 3
Ziff.
1.4 unten).
4.4
4.
4
.1
Die Beschwerdegegnerin holte
in der Folge
ein
bidisziplinäres
Gutachten ein, das am
9.
März 2018 (
Urk.
8/57) erstattet wurde. Es beruht auf der neurologischen Untersuchung durch
Dr.
med. D._
, Facharzt für Neurologie, und der psychiatrischen Untersuchung durch
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
5.
März 2018 (S
.
1).
Im neurologischen Teilgutachten wurde
zur Anamnese
ausgeführt, mit Sicherheit hätten nach der Geburt
der
Tochter
der Beschwerdeführerin
Kopfschmerzen bestanden.
In einer ersten Phase habe sie ausschliesslich Migräneattacken ohne vorangehende Symptome gehabt (S. 4
Ziff.
1 oben). Während der Tätigkeit als Verkäuferin habe sie weiterhin unter Migräne gelitten, meistens an den Wochen
enden oder nachts. Ab Anfang November 2011 sei sie in eine Depression geraten und habe unter Schlafstörungen gelitten (S. 4
Ziff.
1 Mitte).
Das Attest einer
Arbeitsunfähigkeit von 1
00
%
sei ausschliesslich wegen der
seelischen Probleme
der Beschwerdeführerin
erfolgt. In den Jahren 2014 und 2015 sei es eher häufiger zu Migräneattacken gekommen (S. 4
Ziff.
1 unten).
Es
bestehe eine Schlafstörung. Faktisch handle es sich immer um eine Einschlafstörung, ab und zu auch um eine Durchschlafstörung (S. 5 unten).
Dr.
D._
nannte als neurologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit Migräne ohne Aura und Spannungskopfschmerzen. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein
Restless
-
Legs
-Syndrom (S. 7
Ziff.
3). Nach den Angaben der Beschwerdeführerin seien die seelischen Probleme und die Schlafstörungen immer im Vordergrund gestanden.
Zur
eigentlichen Behandlung der Migräne sowie der anderen Kopfschmerzen sei es nicht gekom
men (S. 7 f.). Aus
neurologischer Sicht
bestünden eine Migräne ohne Aura sowie Kopfschmerzen vom Spannungstyp. Der Umstand, dass keine Migräne-Behand
lung erfolgt sei, spreche insgesamt für ein e
her niedriges Beschwerdeniveau.
Die Beeinträchtigung durch die Migräne sei als höchstens leicht bis intermittierend
mässig zu gewichten. Dies betreffe sowohl die Arbeitsfähigkeit als auch den Haus
halt und die Freizeitgestaltung. Die zusätzlich beschriebenen Kopfschmerzen vom Spannungstyp sowie die
Restless
-
Legs
-Symptomatik hätten keinen wesentlichen Einfluss auf das Wohlbefinden
(S. 8 unten)
. Unter der Annahme gelegentlicher Migräneanfälle werde von einer maximalen Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit von 15
%
ausgegangen. Bei adäquater Behandlung sei von einer maximalen Einschränkung von 5
%
auszugehen. Dies gelte für sämtliche Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt, der Tätigkeit als Detailhandelsangestellte sowie für andere
der körperlichen Konstitution und dem Ausbildungsniveau
angepasste Bereiche (S. 8 f.).
4.
4
.2
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin schlafe phasenweise erst gegen 3 oder 4 Uhr morgens oder noch später ein. Wenn sie sehr unter Druck komme
, zum Beispiel durch das Sozialamt
, bekomme sie heftige
Migräne (S. 10
Ziff.
1 oben).
Die Beschwerdeführerin lebe seit 2012 in einer 3.5-
Zimmerwohnung. Seit einem Jahr lebe sie mit dem Freund zusammen. Sie habe kein weites Beziehungsfeld und lebe zurückgezogen (S. 12
Ziff.
3 unten).
Sie
bekomme es nicht auf die Reihe, einen geregelten Tagesrhythmus zu finden. Die S
chlafstörungen seien zu heftig und sie sei deswegen auch nicht leistungsfähig (S. 15
Ziff.
6 oben).
Das Gedächtnis sei gut und
die Konzentration und Aufmerksamkeit ebenfalls.
Der Gedankengang sei geordnet.
Die Explorandin sei affektiv etwas angespannt, ein
ge
schränkt schwingungsfähig und eher
dysthym
. Eine durchgehende Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit zeige sie nicht. Die Angaben der Explorandin seien gesamthaft offen, ehrlich und konsistent
(S 15
Ziff.
7).
Die behandelnde Psychologin habe berichtet, dass die Behandlung 14-täglich erfolge, weil die Explorandin ansonsten schnell überflutet werde. Insgesamt habe sie den Eindruck, dass eventuell ein ADS vorliege. Sie habe beobachtet, dass die Beschwerdeführerin schnell von Reizen überflutet werde und sich dann schnell und andauernd zurückziehe
. Die Therapeutin habe den Eindruck gewonnen, dass die Beschwerdeführerin an einer schweren Persönlichkeitsstörung leide und Integrationsschritte sicherlich mit grossen Schwierigkeiten verbunden seien. Ziel der Behandlung sei mithin eine Stabilisierung und eine Wiedereingliederung
(S.
15
Ziff.
8 unten).
Dr.
E._
nannte als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Episode, derzeit remittiert (ICD-10 F33.4), eine Persön
lichkeitsstörung mit narzisstischen, emotional instabilen und
dysthymen
Fakto
ren (ICD-10 F61.0) und eine nicht organisch definierte Schlafstörung (ICD-10 F51.0, S. 16
Ziff.
9).
4.4.3
Dr.
A._
habe eine mittelgradige dep
ressive Störung diagnostiziert
. Ansons
ten habe er keine Störungen festgestellt
. Eine Persönlichkeitsstörung habe er auf
grund der Befunde nicht bestätigen können. Die Insomnie habe er als psycho
vegetatives Symptom im Rahmen einer affektiven Störung beurteilt. Auf die Persönlichkeitsentwicklung der Beschwerdeführerin sei
Dr.
A._
nicht weiter ein
gegangen. Frau
B._
habe in ihrem Bericht ebenfalls eine mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Die Schlafrhythmusstörung habe sie in Zusam
menhang mit der Depression gestellt (S. 16
Ziff.
10 Mitte). Med.
pract
.
Z._
habe
zuvor
im Bericht vom August 2013 eine
Dysthymie
und eine nicht organische Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus diagnostiziert. Es sei eine schwere Persönlichkeitsstörung von narzisstischen, emotionale instabilen und
dysthymen
Typ zu diagnostizieren. Ursache der Persönlichkeitsstörung sei das Aufwachsen der Explorandin in dysfunktionalen, physischen und psychischen, vor allem emotional deprivierenden familiären Verhältnissen (S. 16
Ziff.
10 unten). Die Exploranden habe sich eher um die Eltern kümmern müssen als umgekehrt. Dies betreffe insbesondere die drogenabhängige Mutter (S. 17 oben).
Die affektive Störung stehe in direktem Zusammenhang mit der Persönlichkeits
störung. Die Beschwerdeführerin habe erhebliche Schwierigkeiten, ihre Affekte zu regulieren, insbesondere Ängste, Aggression, Unsicherheit und allgemeine Erregtheit
. Die Symptomatik bestehe mit grosser Wahrscheinlichkeit seit der Kindheit, sei von Dritten aber nie beachtet worden
(S. 17 Mitte). Aktuell seien keine depressiven Symptome festzustellen. Die Depression sei remittiert. Es könne aber jederzeit wieder zu einer depressiven Phase komme (S. 17 f.). Weiter müsse eine organisch nicht erklärbare Insomnie festgestellt werden. Diese stehe in direktem Zusammenhang mit dem Strukturdefizit und den traumatischen Verhältnissen, in denen die Explorandin aufgewachsen sei. Dass die behandelnde Psychologin ein ADS vermute, sei aus psychody
namischer Sicht nachvollziehbar, da die Explorandin in einer Dauererregung lebe
(S. 18 oben).
Die von
Dr.
C._
gestellte Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstö
rung könne er
bezüglich der Diagnostik nicht
nachvollziehen
.
Es handle sich um eine in
ihrer Kindheit und Jugend über Jahre hinweg repetitiv traumatisierte Per
sönlichkeit. Die Symptomatik, die daraus resultiere, ähnle derjenigen einer post
traumatischen Belastungsstörung, wenngleich die Kriterien gemäss ICD-10 hier
für nicht erfüllt seien (S. 18 Mitte). Gravierend sei, dass die multiple Traumatisie
rung ein Strukturdefizit entwickle, das ein lebenslanges Leiden und Schwierig
keiten in allen Ebenen der Lebensführung mit sich bringe und bedinge (S. 18 unten).
Es liege eine erhebliche Persönlichkeitsstörung vor und die innere Ressourcenlage sei höchst eingeschränkt (S. 19 oben).
Die Beschwerdeführerin sei bisher bei zwei Therapeutinnen in Behandlung gewe
sen.
Die Behandlungen seien hinsichtlich eines fehlenden, nachhaltigen und sich positiv auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit auswirkenden Effekts als geschei
tert zu betrachten. Die Beschwerdeführerin habe trotzdem wieder e
ine Therapie begonnen, die 14-tä
glich stattfinde
.
Dies entspreche ihren Ressourcen.
Eine
höherfrequente
Therapie überfordere
sie
(S. 19
Ziff.
11 Mitte).
Die Fortsetzung der psychotherapeutischen Behandlung sei dringend indiziert (S. 19
Ziff.
11 unten). Die Beschwerdeführerin
habe infolge
des
Strukturdefizits Mühe, sich an Regeln und Routine anzupassen. Weiter habe sie Mühe
zu planen und zu strukturieren und es
bestehe keine gute Umstellungsfähigkeit und Flexibilität (S. 21 oben).
Im Längsschnitt habe sich gezeigt, dass die Explorandin zwar eine Berufslehre habe abschliessen können. Danach habe sie aber nie längere Zeit gearbeitet, wobei sie auch durch die Doppelfunktion als alleinerziehende Mutter und Angestellte über
fordert gewesen sei. Seit 2012
befinde sie sich nicht mehr
im Arbeitsprozess (S.
21 Mitte).
Aufgrund der Psychopathologie und des bisherigen Verlaufs, der in den Akten nachvollziehbar dokumentiert sei, könne die Explorandin nicht im ersten Arbeits
markt am Erwerbsleben teilnehmen. Im Beruf als Detailhandelsangestellte bestehe über viele Jahre hinweg eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Es sei nachvollzieh
bar, dass sie seit 2012 zu 100
%
krankgeschrieben worden sei (S. 22
Ziff.
14
lit
. A). In einem geschützten Rahmen sei ab August 2018
aber
ein Pensum von 50
%
zumutbar. Dies sei der erste Schritt zur Etablierung einer Tagesstruktur und der Regulierung des Tag-Nacht-Rhythmus. Allenfalls nach weiteren sechs bis zwölf Monaten sei im geschützten Rahmen eine S
teigerung der Tätigkeit bis 100
% zu avisieren
. Das Ziel sei sodann durch ein Arbeitstraining, die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf zu steigern. Dabei sei ein Pensum von 30
%
über 36 bis 48 Monate auf mindestens 50
%
schrittweise zu steigern
(S. 22
Ziff.
14
lit
. B).
In den nächsten vier Jahren sei das Ziel,
die Beschwerdeführerin mit einem Teilzeit
niveau
wieder
im ersten Arbeitsmarkt zu integrieren (S. 23 oben).
4.4.4
Aus psychiatrischer Sicht sollt
e die Explorandin ab August 2015 (richtig: 2018)
in einem geschützten Rahmen arbeiten. Das Ziel sei, dass sie in ihrem ange
stammten Beruf im ersten Arbeitsmarkt wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50
% erreiche
.
Die in diese Richtung führenden Schritte seien der Explorandin zumut
bar
(S. 23 Mitte). In der Konsensbesprechung sei die psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als massgebend erachtet worden (S. 24).
4.5
Dipl. med.
F._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte in der Stellungnahme vom 2
0.
März 2018 (
Urk.
8/63 S. 4 f.) aus, das Gutachten von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
erfülle die formalen Qualitätskriterien. Gemäss dem Gutachten bestünden als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, eine nichtorganische Schlafstörung, Migräne mit Aura und Spannungskopfschmerzen. Als Diagnose ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehe ein
Restless
-
legs
-Syndrom (S. 4 oben).
Für die bisherige Tätigkeit als Verkäuferin bestünden mittelschwere funktionelle Einschränkungen der Leistungsfähigkeit. Für diese Tätigkeit bestehe seit 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 4 Mitte). Seit Dezember 2017 bestehe im geschützten Rahmen eine Arbeitsfähigkeit von vier Stunden pro Tag (S. 4 unten).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht
ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V
215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
6.
6.1
Dr.
A._
nannte im Gutachten vom 2
4.
Februar 2012 als Diagnose eine mit
telgradige depressive Episode. Der Gutachter attestierte für den Zeitpunkt der Begutachtung eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Ab
April 2012
attestierte er
jedoch
eine Arbeitsfä
higkeit von 10
%
und ab August 2012
aufgrund
einer weiteren
Remission der depressiven Symptomatik
wieder eine volle Arbeits
fähigkeit
(E. 3.
2
.2 hiervor). Die
frühere
behandelnde Psychi
aterin med.
pract
.
Z._
stellte im Bericht vom
2.
Februar 2012 ebenfalls die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode. Im Bericht vom
4.
August 2013 nannte sie
als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Dysthymia
und eine nichtorganische Störung des Schlaf-Wachrhythmus. Im August 2013 attestierte sie für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Verkäuferin seit dem 3
0.
November 2011 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E. 3.1 und 3.3).
Dr.
C._
nannte
im Bericht vom
1.
September 2017
als Diagnosen
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
längere
depressive Erkrankung mit aktuell schwerer depressiver Episode, Insomnie, eine emotional instabile Persönlichkeits
störung, eine posttraumatische Belastungsstörung und
eine
chronische rezidivie
rende Migräne
.
Der Hausarzt
attestierte
für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% (E. 4.2 und 4.3 hiervor).
Dr.
D._
und
Dr.
E._
nannten im
bidisziplinären
Gutachten vom
9.
März 2018 als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Migräne ohne Aura, Spannungskopfschmerzen, eine rezidivierende depressive Störung, derzeit remittiert, eine Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, emotional instabilen und
dysthymen
Faktoren und eine nicht organisch definierte Schlafstörung. Als neurologische Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein
Restless
-
Legs
-Syndrom gestellt (E. 4.4.1
-4.4.3).
Dr.
E._
ging
im psychiatri
schen Teilgutachten
davon aus, dass in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestehe. Ab August 2018 sei der Beschwerdeführer eine Tätigkeit in einem geschützten Rahmen aber mit einem Pensum von
50
%
zumutbar.
Danach solle der Wiedereinstieg in der Tätigkeit als Verkäuferin erfol
gen mit Steigerung
der Arbeitsfähigkeit
auf ein Pensum von mindestens 50
%
(E.
4.4.3 hiervor).
Die Gutachter erachteten die psychiatrische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als ausschlaggebend (E. 4.4.4).
6.2
Das
bidiszplinäre
Gutachten von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
vom
9.
März 2018 erfüllt die Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens
(vgl. E. 5.1)
. Es
erweist sich als umfassend und erfolgte
in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
. Die Gutachter berücksichtigten die gel
tend gemachten Beschwerden
und trugen der
S
ituation
der Beschwerdeführerin
hinreichend
Rechnung
.
Das Gutachten leuchtet sodann in der Darlegung des medizinischen Sachverhaltes und in den Schlussfolgerungen der Gutachter ein. Auf das Gutachten kann daher abgestellt werden.
6.3
Die Beschwerdegegnerin
verneinte in der Verfügung vom 2
4.
September 2013 unter
Hinweis
auf die medizinischen Akten einen Gesundheitsschaden mit längerfristiger Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
8/19 S. 1)
.
Sie
berück
sichtige dabei
, dass gemäss dem Gutachten von
Dr.
A._
für die ange
stammte Tätigkeit als Verkäuferin
seit August 2012
wieder eine volle zumutbare Arbeitsfähigkeit bestand
und die depressive Symptomatik
zu diesem Zeitpunkt
abgeklungen war
(E. 3.2.2).
Med.
pract
.
Z._
diagnostizierte kurz vor Erlass der Verfügung vom 2
4.
September 2013
sodann
lediglich eine
Dysthymia
(E. 3.3 hiervor).
Dies lässt darauf schliessen
, dass auch
sie
den Schweregrad
einer depressiven Störung als nicht mehr
gegeben erachtete.
Dr.
C._
diagnostizierte
im
September 2017 eine depressive Störung mit schwerer depressiver Episode.
Gutachter
Dr.
E._
konnte eine depressive Störung
anlässlich der Begutachtung
im März 2018
jedoch
nicht
bestätigen.
Der Hausarzt der Beschwerdeführer
in
stellte zudem die Diagnose einer posttraumati
schen Belastungsstörung
(E. 4.3 hiervor).
Dr.
E._
legte dar,
weshalb
die
Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung
trotz vergleichbarer Symp
tomatik
nicht
erfüllt
sind
(E
.
4.4.3)
.
Bei der unterschiedlichen Beurteilung ist zu berücksichtigen
, dass es sich bei
Dr.
C._
nicht um einen
Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie
handelt. Es ist daher auf die Beurteilung durch
Dr.
E._
abzustellen.
Die von
Dr.
C._
und
Dr.
E._
übereinstimmend gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung besteh
e
seit Jahren.
Dr.
E._
bestätigte, dass die Symptomatik mit grosser Wahrscheinlichkeit seit der Kindheit bestehe (E. 4.4.3).
Gegenüber den Verhältnissen im September 2013 liegt daher keine
Veränderung, sondern eine abweichende
Beurteilung desselben Sachverhalte
s vor
.
Dr.
E._
ging
sodann
wie
zuvor
Dr.
A._
von der
Wiederaufnahme der zuletzt ausgeübten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aus,
wobei er
a
ls
ersten Schritt
zunächst eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
an einem geschützten Arbeits
platz attestierte (E. 4.4.3).
Ausschlaggeben
d
ist jedoch, dass er wie
Dr.
A._
die Wiederaufnahme der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als zumutbar erachtet
e
.
Die Prüfung der sogenannten Standardindikatoren anhand des Gutachtens von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
ergibt ebenfalls, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit wieder zugemutet werden kann. So wies
Dr.
E._
darauf hin, dass die Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft seien und eine Verbesserung noch möglich sei (
Urk.
8/57 S. 19
Ziff.
11).
Die diagnose
relevanten Befunde erweisen sich sodann als nicht derart schwer ausgeprägt, als dass der
Beschwerdeführer
in
die Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit nicht zugemutet werden könnte.
Nachdem die festgestellte depressive Störung zum Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
E._
remittiert war, ergibt sich gesamthaft im Vergleich mit den Verhältnissen zum Zeitpunkt der Verfügung vom September 2013 ein unverän
derter
medizinischer Sachverhalt.
6.4
Zusammenfassend hat sich der medizinische Sachverhalt verglichen
mit
den Verhältnissen zum
Zeitpunkt der Verfügung vom 2
4.
September 2013 nicht massgeblich verändert. Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch daher zu Recht verneint.
Die angefochtene Verfügung erweist sich nach dem Gesagten als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
7.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3). Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung sind vorliegend erfüllt.
7.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
700.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung sind die Kosten jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.3
D
ie Rechtsvertreterin reichte am
1
7.
September 2020 (
Urk.
11/1)
die Honorarnote in Höhe von
Fr.
1'622.80
ein
(
Urk.
11/2)
.
Der von ihr geltend gemachte Aufwand ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses angemes
sen, weshalb die Entschädigung der Rechtsvertreterin auf
Fr.
1'622.80 (inkl. Bar
auslagen und Mehrwertsteuer)
festzusetzen ist.
7.4
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
) hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichts
kosten und der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.
Das Gericht
beschliesst:
In Bewilligung des Gesuchs vom 16. Dezember 2019 wird der Beschwerdeführerin Rechtsanwältin Petra Oehmke, Affoltern am Albis, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt und es wird ihr die unentgeltliche Prozessführung gewährt.
und
erkennt
sodann
:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Petra Oehmke, Affoltern am Albis,
wird mit
Fr.
1'622.80
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungs
pflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin Petra
Oehmke
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.