Decision ID: 691d149a-2a4f-4efb-8454-f87c6f921be2
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962, verheiratet und Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Töchtern (geboren 1987 und 1988), hat in der eh
emaligen DDR eine Ausbildung zur
Wirtschaftskauf
frau («Wirtschaftskaufmann»)
absolviert, in wel
chem Beruf sie bis zur Geburt ihres ersten Kindes tät
ig war. D
anach war sie
nicht mehr erwerbstätig;
seit 1999
ging sie
einer ehrenamtlichen Tätigkeit in einer
Ludothek
nach
(Urk. 7/17)
.
Mit Gesuch vom 21.
August 2014 meldete sie sich unter Hinweis auf einen seit
ihrer
Geburt bestehenden Gesundheitsschaden (Feh
len der linken Hand
bzw.
des linken Unterarmes bis zum Ellenbogen) sowie
auf
daraus resultierende Beschwerden bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stel
le, zum Leistungsbezug an (Urk.
7/3).
Ab 1.
November 2014 arbei
tete sie im Umfang von ca. 40
% im Lager eines Spielwarengeschäfts
(Urk. 7/19)
. Die IV-Stelle holte e
ine
n
hausärztlichen Bericht
ein
(Urk.
7
/7)
und führte am
25.
November 2014 eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in
Beruf und Haushalt durch (Urk.
7/12)
; ebenfalls
tätigte
sie
Abklärungen
bezüglich des Vorliegens einer allfälligen
Hilflos
igk
e
i
t
(Urk. 7/13).
Mit Verfügung vom 24.
Februar 2015 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf ei
ne
Hilflosenent
schädigung
(Urk.
7/15)
.
Am 1. April 2015
teilte
sie
der Versicherten
mit, dass –
da sie angemessen
eingegliedert sei
– weder Anspr
uch auf
beru
f
liche Massnah
me
n noch eine Rente bestehe (Urk.
7/20)
.
Nachdem der Versicherten ihre Anstellung
im Spielwarengeschäft
infolge Geschäftsaufgabe
p
e
r 3
1.
März 2017 gekündigt
worden war
und sie die IV-Stelle um Unterstützung
bei der Stellensuche gebeten
hatte (Urk. 7/24), gewährte die IV-Stelle Frühinterventionsmassnahmen in Form von Computerkursen (Urk. 7/28 und
Urk.
7/35) sowie
ab April/Mai 2017
in Form von Arbeitsvermittlung (Urk. 7/3
0
) durch Beratung und Unterstützung bei der
Stellen
suche durch
Y._
(Urk.
7/30);
letzte
re Massnahme
wurde
im Januar 2018
ver
längert (Urk.
7/39).
Am 23.
Juli 2018 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass es ihr nic
ht gelungen sei, sie
innert angemessener Zeit in den Arbeitsmarkt einzugliedern, weshalb die Arbeitsvermittlung abg
e
schlossen
und die Versicherte
betreffend Rente eine separate
Verfügung erhalten werde (Urk.
7/44). In der Folge h
olte die IV-Stelle beim Hausarzt
einen
aktuellen
Bericht ein (Urk.
7/48)
. Nach Vorlage der Akten an ihren Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD;
Urk. 7/49) erliess die IV-Stelle am 29. Oktober 2018 einen Vorbescheid, mit welchem sie
einen
Anspruch
der Versicherte
n
(als Teilerwerbstätige)
auf eine
Invalidenrente ver
neinte (Urk.
7/50). Dagegen erhob die Versicherte
mit Eingaben vom
28. Novem
ber
2018
und
3
1.
Januar 2019 Einwand (Urk.
7/53
und Urk.
7/56). Mit Verfügung vom
15.
April 2019 hielt die IV-Stelle daran fest, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwalt Adrian
Zogg
,
hier
orts mit Eingabe vom
2
8.
Mai 2019 Beschwerde mit den Anträgen, es sei die Verfügung vom 1
5.
April 2019 aufzuheben
(1.)
und es
sei
die Beschwerdegegne
rin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen L
eistungen auszu
richten; insbesondere sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
der Beschwer
deführerin eine ganze Rente auszurichten (2.),
alles
unter Kosten- und Entschä
digungsfolge
(zzgl. MWSt)
zulasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensmäs
siger Hinsicht liess
sie
alsdann die Anordnung eines zweiten Schriftenwechsel
s
beantragen (Urk. 1 S.
2). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 2
3.
J
uli 2019 unter Hinweis auf die
Akten
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was der Beschwerd
eführerin mit Verfügung vom 25.
Juli 2019 zur Kenntnis gebracht wurde, unter Hinweis darauf, dass die Anordnung eines zweiten Schrif
tenwechsels nicht als erforderlich
erachtet werde (Urk. 8). Am 31.
Juli 2019 ersuchte die Beschwerdeführerin um Einsicht in die Akten, welche ihr zugestellt und
von ihr
am 2.
September 2019
wieder retourniert wurden (Urk.
9 -12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mens
vergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung
(IVG) in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekann
ten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinan
der zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbe
dingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
1.3
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgelt
lichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146; vgl.
Art.
27 und 27
bis
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betäti
gungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 IVV per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berech
nungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstä
tigen
Ver
sicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invali
ditätsgrad in Bezug auf die Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich – weiterhin – summiert (
Art.
27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätig
keit richtet sich nach
Art.
16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3 lit. a IVV) und die prozentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäfti
gungsgrads,
den
die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3 lit. b IVV). Für die Berechnung des Invali
ditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäfti
gungsgrad nach Absatz 3 lit. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (
Art.
27
bis
Abs. 4 IVV).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung im Wesentli
chen damit
,
dass
die medizini
s
chen Abklärungen ergeben
hätten
,
dass der Ver
sicherten eine körperlich sehr leichte bis leichte, sitzende oder wechselbelastende
,
einarmig rechts auszuführende Tätigkeit ohne Zwangshaltung in einem Pensum von 100
% zumutbar sei. Es sei davon auszugehen, dass die Tätigkeit als Lage
ristin keine
r
angepasste
n
Tätigkeit
entspreche
, die angestammte Tätigkeit als Bürokauffrau
jedoch
zu 100
% zumutbar sei.
Im
Haushalt
resultiere
eine Ein
schränkung von 0.75 %.
Die im Einwand geltend gemachten Überlastungs
symp
tome der rechten Schulter seien aus arbeitsmedizinischer Sicht auf das nicht vollständige Einhalten
des Belastungsprofils
zurückzuführen. Unter Einhaltung des Belastungsprofils seien auch das verlangsamte Arbeitstempo und der leicht erhöhte Pausenbedarf ohne wesentliche Einschränkungen auf die Arbeitsfähig
keit. Auch wenn diese Einschränkungen im Einkommen in einer angepassten Tätigkeit berücksichtigt würden, resultierte kein Invaliditätsgrad von 40
%
(
Urk.
2).
2.2
Die Be
schwerde
führerin
lässt dagegen
zur Hauptsache vorbringen, aus der
der angefochtenen Verfügung zugrundeliegenden
Beurte
i
lung des
zuständigen
RAD
-Arztes
sei
ersichtlich
, dass in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit U
nklarheiten
und U
nsicherheiten bestünden
. Zudem fokussiere der RAD-
Arzt auf
die
Einarmigkeit
und unterlasse es
,
die aufgrund der
Einarmigkeit
verursachten
starken
körper
lichen Beschwerden miteinzubeziehe
n
.
Auf seine Beurteilung sei daher nicht abzustellen. Dass
die
Einschätzung
des RAD
falsch sei
,
zeige
auch
die medizini
sche Be
u
r
teilung
des Rheumatologen
Dr.
Z._
.
Zudem liessen auch
die Berichte von
Y._
sowie des Hausarztes darauf schliessen
, dass die Versicherte nicht mehr in den
ersten
Arbeitsmarkt eingliederbar sei.
Alsdann
sei falsch, dass die Versicherte als Bürokauffrau zu 100 % arbeitsfähig sei, handle
es
sich
dabei
doch
nicht um eine leidensangepasste Tätigkeit
(
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH
und Hausarzt der Versicherten
, führte in seinem Bericht
vom 2
2.
August 2018
an die IV-Stelle aus, es bestehe eine Amelie des linken Vorderarmes. In den letzten Jahren habe es vermehrt Überlastungssymptome
cervikal
rechts und in der Schulter rechts gegeben
. Im Juli 2018 sei eine rheuma
tol
o
gische Abklärung sowie eine Therapie der P
H
S rechts erfolgt. Zeitweise Einnahme von
Algifor
und
Dic
l
ofenac
. Die Patientin berichte von einem Computerkurs, bei dem sie nach 1 1⁄2 Stunden Nacken- und Kopfschmerzen bekommen habe. Die häusl
iche Arbeit gehe, weil sie die
Tätigkeiten abwechseln und auch Pausen einlegen könne. Weiterhin seien regelmässige Physiotherapiesitzungen verordnet. Er könne sich nicht vorstellen, da
ss die Patientin mit ihrem Handi
cap und den Beschwerden noch vermittelbar sei (
Urk.
7/48)
.
3.2
RAD-
Arzt med. pract.
B._
, Facharzt für Arbeitsmedizin,
ging
in seiner Stel
lungnahme
vom
8.
Oktober 2018 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit von einer Amelie des linken Vorderarmes sowie
-
ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
-
von Überlastungssymptomen (HWS, Schulter) aus. Er führte aus, die genaue Funkti
onseinschränkung der linken ob
er
e
n Extremität sei nicht bekannt
bzw
. es
bleibe aufgrund der Berichterstattung unklar, welche Restfunktion mit der linken oberen Extremität möglich sei;
im Rahmen der erfolgten Abklärungen (Haushalt,
Hilflosen
en
tschädigung
) sei die Versicherte jeweils als funktionell einarmig beschrieben worden. Zum Anforderungsprofil in der bisherigen Tätig
keit als Lagerist
i
n l
ä
gen
auch
keine detaillierten Angaben vor, jedoch erscheine aus arbeitsmedizinischer Sicht eine Tätigkeit
als Lageristin als Einarmige
eher nicht geeignet. Die im Arztberi
cht von
Dr.
A._
vom 22.
August 2018 erwähnten Überlastungssymptome (
cervikal
, Schulter rechts) seien aus arbeits
medizinischer Sicht
auf eine falsche Belastung zurückzuführen (z
.B.
nicht vollständiges E
inhal
ten des Belastungsprofils). Es
sei davon ausz
u
gehen, dass die Tä
t
igkeit
als Lage
ristin keine angepasste
Tätigkeit gewesen sei. Das Belastungs
profil
(Darlegung der funktionellen Ressourcen anhand objektiver Befunde)
ergebe sich wie folgt: körperlich sehr leichte bis leichte Tätigkeiten, sitzend oder wechselbelastend,
ein
armig rechts auszuführen (ob der linke Arm als
Hilfsarm
eing
e
setzt werden könne
, könne aufgrund der Akten nicht beurteilt werden, bei rein einarmiger Tätigkeit
en
sei dies nicht
weiter
relevant), keine Tätigkeit
en
mit Zwangshaltungen. In einer sol
chen an
gepassten Täti
g
k
eit gemäss Belastungspro
fil sei seit jeher eine 100
%
ige Arbeitsfähigkeit gegeben, aufgrund der angebore
nen Behinderung sei je nach Aufgabengebiet
gegebenenfalls
eine zusätzliche zeitliche Leistungsein
schränkung nachvollziehbar (verlangsamtes Arbeitstempo, leicht erhöhter Pau
senbedarf). Bei vollständiger Umsetzung
de
s
Anforderungs
p
rofils
sollte dies
jedoch
keine weiteren Einschränkungen nach sich ziehen. Weiter
bemerkte RAD-
Arzt
med. pract.
B._
, i
nwieweit die
se
Arbeitsfähig
keit im ersten Arbeits
markt umsetzbar sei, sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht zu entschei
den. Es sei jedoch davon auszugehen
,
dass die Versicherte für eine berufliche Eingliederung
einen
deutlichen Unterstützungsbedarf habe
(
aufgrund der gesund
heitlichen E
inschränkungen). Die bisherigen beruflichen Massnahmen seien nicht erfolgreich gewesen (
Urk.
7/49 S. 3 f.)
.
3.3
In seinem Schreiben vom 14.
Dezember 2018 an die IV-Stelle ergänzte
Dr.
A._
vor dem Hintergrund des zwischenzeitlich ergangenen Vorbe
scheids, es sei sehr befremdend, dass man davon ausgehe, im Büro einhändig arbeiten zu können. Eine Bedienung
des PC sei heute unumgänglich, davon abgesehen, dass die einhändige Arbeit zunehmend schwierig werde (vergleiche Computerkurs und häusliche Arbeit mit vermehrten Pausen). Er empfehle der Patientin daher dringend, eine Revision der Beurteilung zu veranlassen (
Urk.
7/55).
3.4
In dem im vorliegenden Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH, an den zuweisenden Hausarzt
Dr.
A._
,
diagnostizierte Ersterer
am 24. März 2019
ein
exazer
biertes
chronisches
cervikot
horakospondylogenes
Syn
drom bei Wirbelsäulenfehl
form und –
haltung
, degen
er
a
t
iven Veränderungen, muskulärer
Dysbalance
, chro
nischer Fehlhaltung und Überlastung wegen Agenesie des linken Unterarmes sowie eine
c
hronisch
-
rezidivierende
Schulterper
i
arthropathie
mit
Impingement
rechts. Gestützt auf
die
klinischen und bildgebenden Untersuch
ungen
gab er zusammenfassend an, es handle sich um eine Kombination
von
überlastungsbe
dingten und degen
erativ verursachten Beschwerden. Diese seien
im Wesentlichen dur
c
h die kongenitale Be
hinderung ver
u
rsacht nach jahrzehntelanger Fehl
h
a
l
tung und Feh
l
bela
s
tung der rechten Schulter, der HWS
und BWS. Bezüglich Arbeitsfähigkeit sei sicher eine bleibend und zunehmend relevante Einschrän
kung di
skussionslos, indem die Patienti
n
ja de facto einarmig sei und auch die Belastbarkeit des rechten Armes aus den genannten Gründen erheblich einge
schränkt sei und bleiben werde
(Urk. 3)
.
3.5
Im Schl
ussbericht der
Y._
führte die verantwortli
c
he Beraterin
C._
am 20.
Juli 2018
im vorliegen
d
interessierenden Zusammen
hang aus
, die Versicherte habe trotz anspruchsvoller Stellensuche eine hohe Motivation, eine Arbeitsstelle zu finden. Sie zeige eine vorzügliche Arbeits
hal
tung und habe die vereinbarten Aktivitäten vorbildlich erledigt. Ihr
gesund
heit
liche
r
Zustand habe sich im Stellensuchprozess deutlich verschlechtert. Sie habe in den letzten Beratungen erschöpft gewirkt und über starke Nacken- und Schu
l
terschmerzen geklagt, welche au
ch die Ausübung von tägl
i
chen Haushalts
a
rbei
ten einschränkten.
Aufgrund ihrer Beeinträchtigung müsse sie stetig mit der Körper
haltung kompensieren, was zu verschiedenen Beschwerden und der Not
wendigkeit der Einnahme/Injektion von Medikamenten führe.
Weiter gab sie an, die Versicherte sei äussert motiviert und leistungsbereit in Bezug auf eine Stelle im
1.
Arbeitsmarkt. Sie neige
jedoch dabei stark dazu, sich
körperlich zu überfor
dern. Gehe sie über ihre Grenzen hinaus, räche sich dies in Form von Verschlech
terung ihres Gesundheitszustandes. Aus diesen Gründen sei eine Integration in den
1.
Arbeitsmarkt nicht sinnvoll und daraus schliessend würde sich keine Nach
haltigkeit ergeben (
Urk.
7/45).
3.6
Im
Verlaufsprotokoll
Eingliederungsb
eratung
hielt die verantwortliche
Fachper
son der Eingliederungsberatung
der IV-Stelle
am
2
3.
Juli 2018
fest, es sei nicht gelungen, die Versicherte trotz 12 Monaten Begleitung bei der Stellensuche in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln. Man habe eine Stelle für 50 % gesucht, gemäss der Kundin und von Frau
C._
sei rückwirkend ein Pensum von 50 % ein eher zu
hohes Pensum
. Die Kundin habe in der letzten Anstellung im Durch
schnitt ein Pensum von 10-30 % geleistet (
D._
) und nebenbei Freiwilligenar
beit in der
Ludothek
(3 Stunden pro Woche). Mit dem Haushalt sei dies rückwir
kend aber eher immer ein Grenzpensum gewesen. Die Kundin sei aufgrund des fehlenden Unterarmes immer
verspannt. Die Belastungssituation habe sich in den letzten Jahren eher verschlechtert. Zu den künftigen Arbeitsmarktaussichten bemerkte
sie
, eine Bürotätigkeit sei nicht möglich aufgrund der Verspannungs
situation und
den eher dürftigen PC
Ke
n
ntnissen. Allenfalls falle eine Tätigkeit
im Verkauf (ohne schweres Tragen und Heben von Gewichten) und allenfalls wieder Tätigkeit in einem Lager (Spielwarenartikel, leichte Gegenstände) in Betracht (
Urk.
7/46).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist soweit ersichtlich unstreitig und
es
geht aus den Akten hervor, dass die Versicherte sowohl im Haushalt wie –
vor allem - auch im e
rwerblichen B
e
rei
c
h
aus somatischen Gründen
(insbesondere
durch die
fehlende Anlage des linken Unterarmes
und
die daraus result
ierenden
ü
berlastungsbeding
ten
Beschwerden
)
eingeschränkt ist. Streitig ist hingegen
das Ausmass der Ein
schränkung im erwerblichen Bereich.
4.2
Wenn die IV-Stelle in
der angefochtenen Verfügung
davon ausgeht
,
dass
die Versicherte
in der
ursprünglich
erlernten Tätigk
eit als Bürokauffrau
zu 100
% arbeitsfähig
sei,
findet
dies
in den Akten keine Stütze
.
So machte Hausarzt
Dr.
A._
in seinem Bericht vom 2
2.
August 2018
keine konkreten Angaben zur Arbeitsfähigkeit
.
M
it dem Hinweis auf die subjektiven Angaben der Ver
sicherten, wonach diese nach 1 1⁄2 Stunden Computerarbeit über Nacken- und Kopfschmerzen klage
,
und
dass
eine solche Tätigkeit einarmig nicht möglich sei,
stellte
er
die Arbeitsfähigkeit als Bürokauffrau sowie
die
«
Vermittelbarkeit
»
viel
mehr
in Frage
(E. 3.1
und E. 3.3
)
. Ebenso
wenig lässt
sich
der Stellungnahme des RAD-Arzt
es
med. pract.
B._
E
ntsprechendes
entnehme
n, hielt
dieser
doch
lediglich fest, er gehe
in einer leidensangepassten Tätigkeit
(«
unter
vollständig
er Berücksichtigung des
obigen
Belastungsprofils
»)
aus medizinisch-theoretischer Sicht
von einer vol
lständigen Arbeitsfähigkeit aus
(E.
3.2)
. Dass die Tätigkeit als Bürokauffrau
dem umschriebenen Belastungsp
rofil
vollumfänglich
entspricht
,
führte e
r
hingegen
nicht aus.
Dies erscheint
denn
auch
sehr
fraglich,
hielt doch
selbst die
zuständige Fach
person
der IV-
St
elle mit Blick auf die im
Rahmen der durchgeführten Eingliederungsmassnahmen
gemachten Erfahrungen
fest
,
dass
eine Bürotätigkeit
– unter anderem
- aufgrund der Verspannungssituation nicht möglich
sei
(
E. 3.6
)
.
Aber auch s
oweit
med. pract.
B._
generell von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit ausgeht
,
ist
diese Beurteilung
nicht
fundiert
.
So
untersuchte
med. pract.
B._
die Ver
sicherte selber
nicht
und
als
aktuelle
medizinische
Beurteilungsgrundlage
lag ihm
lediglich
der Bericht
von
Dr.
A._
vom 22.
August 2018
vor
.
Dieser enthält jedoch
kaum
objektive Befunde
oder konkrete Angaben über Funktions
e
i
n
schrä
nkungen
(
namentlich des linken Armes
), wie med. pract.
B._
in seiner Stellungnahme denn auch selber festhält (E.
3.2
)
. Vor diesem
Hintergrund
ist
offensichtlich,
dass allein
gestützt auf
den
Bericht
von med. pract.
B._
(bzw.
Dr.
A._
)
eine zuverlässige Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
und des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin nicht
erfolgen
kann. Dies gilt umso mehr, als
der Rheumatologe
Dr.
Z._
gestützt auf seine
klinische und bildge
bende
Untersuchung
vom 2
1.
März 2019
Befunde
erhob
u
nd
Diagn
o
sen stellte
(
E. 3.4
)
,
welche im Bericht vo
n
Dr.
A._
nicht aufgeführt sind (vgl. etwa
Impingement
Schulter rechts
oder
Osteochondrosen
C 5/6 und C
6/7
)
,
und von einer relevant eingeschränkten Arbeitsfähigkeit a
usging. Auch daraus
erhellt, dass
die
Aktenbeurteilung
von med.
pract.
B._
unvollständig und
im Lichte
der
rechtsprechungsgemäs
s
en Anforderungen an einen beweiskräftigen medizi
nischen Bericht (vgl. E.
1.4
hievor
) nicht
genügend
ist
.
Entgegen der Auffassung der IV-Stelle bildet d
iese
Stellungnah
m
e
von med. pract.
B._
daher
keine h
i
nreichende Grundlage für die Beurte
i
lung
des Leistungsanspruch
s
, weshalb
darauf
nicht abgestellt werden
kann
.
Aber auch
dem Vorbringen
der Beschwerdeführerin
,
wonach auf
dem ersten
Arbeitsma
r
k
t
keine
Arbeitsfäh
i
gkeit gegeben sei,
ist
mit Blick
auf
die
derzeitige Aktenlage
nicht ohne W
eiteres
zu folgen
. So war
bzw
.
ist
die Versicherte
seit 1999
im Rahmen
eines 10-
bis 15
%igen Pensum
s
in
einer ehre
namtlichen Tä
t
ig
k
eit in einer
Ludothek
tätig
,
wo sie
-
mit
A
usnahme gewisser
Arbeiten
(so
etwa
am PC
oder beim Tragen schwerer Lasten
)
-
mit anderen Mitarbeitern vergleichbar gute Leistungen
erbrachte bzw
. erbringt
(vgl.
Urk.
7/17 sowie
Asses
s
ment
b
ericht der
Y._
, Urk.
7/33 S. 2)
. Alsdann
ar
b
eitete
die Versicherte
über drei Jahre teilzeitlich in einem Spielwarengeschäft, welche Anstellung ihr
im Jahr 2017
- soweit ersichtlich -
a
llein infolge Ges
c
häftsaufgabe gekündigt wurde
(Urk.
7/24
)
.
Daher
und da die Versicherte
grundsätzlich
in der Lage ist, den Haushalt weitgehend selbständig zu bewältigen (vgl.
Haushaltabklärungsbericht vom 1
3.
Januar 2015 [Urk. 7/12] sowie aktueller
:
Verlaufsprotokoll Eingliede
rung vom
2
3.
Juli 2018
,
Urk.
7/46 S. 12
Ziff.
5
)
,
spricht
einiges dafür
bzw
.
kann jedenfalls nicht ausgeschlossen werden,
das
s
aus medizinischer Sicht
in einer lei
dens
angepassten Täti
g
kei
t
zumindest
eine
teilweise
Arbeit
s
fähigkeit
besteht
.
So
geht
denn
auch
der R
h
e
umatologe
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom 24. März 2019 zwar von einer relevant eingeschränkten, jedoch
nicht
von einer gänzlich aufgehobenen Arbeits
- bzw. Erwerbs
fähigk
e
i
t
aus
(E. 3.4)
.
Zu berücksichtigen ist alsdann, dass
– entgegen der
offenbaren
Auffassung der Beschwerdeführerin, wonach sie mit Blick auf ihre
gesundheitsbedingten
Einschränkungen nicht mehr in den ersten Arbeitsmarkt eingliederbar sei -
gemäss gefestigter Rechtsprechung genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten selbst für Personen bestehen, die funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur noch leichte Arbeit verrichten können (vgl. statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_31/2017 vom 3
0.
März 2017 E. 6.2 mit Hinweisen).
4.3
Zusammenfassend ergibt sich daher
,
dass
die der angefochtenen Verfügung zugrundeliegende Stellungnahme des RAD
-Arztes med. pract.
B._
vom 8. Oktober 2018
für die Beurt
e
i
lung
des Gesundheits
zustandes und der
Arbeits
fähig
k
eit der Versicherten
unzureichend
ist und auch im Ü
brigen
keine genü
gende
medizinische
Grundlage
für die Beurteilung des Leistungsanspruchs
besteht. Die Sache ist daher
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie
den medizinischen Sachverhalt
- unter Berücksichtigung der aus der
Eingliederungsberatung gewonnenen Erkenntnisse -
recht
s
genüglich
abkläre
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
4.4
Nach erfolgten
Abklärungen
in medizinischer Hinsicht
wird d
ie Verwaltung den
I
nva
lidi
tät
sgrad
zu ermitteln haben.
Diesen wird
sie
nach Massgabe der gemisch
ten Methode (E.
1.3
)
rechtskonform
zu berechnen und
diesmal
im erwerblichen B
ereich einen
rechtsgenüglichen
und nachvollziehbaren
Einkommensvergleich vorzunehmen haben
, was im angefochtenen Entscheid
fälschlicher
weise
nicht
geschehen ist
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzu
legen (Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Die Rückweisung
der
Sache kommt einem Obsiegen de
r
Beschwerdeführer
in
gleich. Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegne
rin demnach zu verpflichten, der
Beschwerdeführer
in
eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichti
gung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
,
auf Fr.
2'000.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.