Decision ID: de402557-35ef-4bd1-b258-bf8db78f3ab4
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im April 2006 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, seit dem Jahr 2001 an Knie-, Fuss-
und Rückenbeschwerden zu leiden. Zudem sei ihre Psyche beeinträchtigt. Weiter
erklärte sie, eine Ausbildung zur Hotelfachassistentin absolviert zu haben.
A.b Bereits im März 2002 war die Versicherte im Auftrag der Unfallversicherung von
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Chirurgie, begutachtet worden (Gutachten vom 9.
Mai 2002, Fremdakten). Er hatte die Arbeitsfähigkeit als selbständige Wirtin wegen
einer chronischen Instabilität und sekundären degenerativen Veränderungen im linken
Kniegelenk auf 50 % und als kaufmännische Angestellte (vorwiegend sitzende Tätigkeit
mit der Möglichkeit zu Unterbrüchen) auf 75 % geschätzt. Im Juli 2005 war die
Versicherte erneut von Dr. B._ begutachtet worden (Gutachten vom 11. Dezember
2005, IV-act. 14-3 ff.). Er war zum Schluss gekommen, dass aufgrund der
posttraumatischen Gonarthrose, die sich nach der Knieverletzung vom 12. Februar
2001 entwickelt habe, glaubhafte Restbeschwerden bestünden. Bei ungünstigen
statischen Bedingungen (X-Beine, unvollständige Streckbarkeit des linken Kniegelenks,
Übergewicht) müsse mit einer Zunahme der degenerativen Veränderungen gerechnet
werden. Als Wirtin sei die Versicherte zu mindestens 25-50 % (je nach Grösse des
Betriebs bzw. nach den Möglichkeiten, besonders ungünstige Belastungen delegieren
zu können) in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die Arbeitsunfähigkeit als
kaufmännische Angestellte betrage ca. 20 %.
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A.c Dr. med. C._, Innere Medizin FMH, berichtete am 2. Januar 2007 (IV-act. 14-1 f.
und 14-21 f.), dass es im Anschluss an ein Unfallereignis (vordere Kreuzbandruptur
links) zu chronischen Kniegelenksbeschwerden links und damit einhergehend zu einer
depressiven Entwicklung gekommen sei. Trotz mehrmaliger operativer und intensiver
physiotherapeutischer und medikamentöser Behandlung hätten erhebliche
Beschwerden persistiert. Vom 1. Januar 2005 bis 31. August 2006 sei die Versicherte
als kaufmännische Angestellte zu 100 % und ab dem 1. September 2006 zu 50 %
arbeitsunfähig gewesen. Die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums D._ berichteten am
2. Mai 2008 (IV-act. 62), dass sich die Versicherte seit dem 20. August 2007 in ihrer
Behandlung befinde. Sie leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F61.0) mit zwanghaften, abhängigen und dissozialen Zügen, die
differentialdiagnostisch und gegebenenfalls im Zusammenhang mit einer
Traumafolgestörung interpretiert werden könne. Neben den somatischen Beschwerden
bestünden Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Beeinträchtigungen im Umgang
mit Geld und Reinigungszwänge. Die bisherigen Tätigkeiten (Sekretärin/Telefonistin,
Wirtin) seien der Versicherten nicht mehr zumutbar. In einer körperlich leichten Tätigkeit
bestehe eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit.
A.d Im April 2008 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle vom Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH) bidisziplinär (rheumatologisch und
psychiatrisch) begutachtet (Gutachten vom 2. Juli 2008, IV-act. 68). Die Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Zunehmend lateral betonte Femorotibial- sowie Femoropatellararthrose und
Narbenhypertrophie am vorderen Kreuzband links
- Status nach lateraler Teilmeniskektomie am 22.10.2003
- Status nach vorderer Kreuzbandplastik linkes Knie am 08.07.2004
- degenerative Meniskusläsion medial und lateral
- Re-Arthroskopie am 15.11.2005 mit Entfernung von Narbenmaterial und
Gelenkstoilette
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• beginnende Femoropatellararthrose sowie Status nach Teilmeniskektomie lateral
rechts nach lateraler Meniskusruptur am 29.03.2004
• Genu valgum bds., etwas linksbetont
• leichte Periarthropathia humeroscapularis tendopathica vom Impingementtyp links
• leichte Epicondylopathia radialis links
- Auslöser/Ursache unbekannt
- DD: myofaszial, Über-/Fehlbelastung beim Führen der Hunde
• kombinierte Persönlichkeitszüge mit abhängigen, narzisstischen, emotional
instabilen und dissozialen Zügen (F61).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden angegeben:
• Adipositas per magna (BMI 39 kg/m2)
• anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
• Verdacht auf rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (F33.4).
Dr. med. E._, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation/Rheumatologie,
schätzte die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Gastwirtin, abhängig
von der Verfügbarkeit einer zusätzlichen Serviertochter, auf 25-40 %. In einer
körperlich leicht bis mittelschweren Tätigkeit (z.B. als Sekretärin) sei die Versicherte
ganztags arbeitsfähig, benötige aufgrund der nachvollziehbaren Schmerzproblematik
bei erheblich strukturellen Veränderungen aber vermehrte Pausen von 2 Stunden pro
Tag, was einer Arbeitsunfähigkeit von 25 % entspreche. Dr. med. F._, Psychiatrie/
Psychotherapie, erklärte, dass in psychiatrischer Hinsicht in der angestammten
Tätigkeit zurzeit höchstens eine 20 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe,
die im Laufe von sechs Monaten auf eine 100 %ige Arbeitsfähigkeit sollte gesteigert
werden können. In interdisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der relativ frischen, aktuell noch nicht
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behandelten myofaszialen Problematik im Bereich des linken Arms und der
psychiatrischen Komorbidität während der folgenden sechs Monate auf 50 %. Danach
betrage die Arbeitsfähigkeit 75 %.
A.e Mit Verfügung vom 16. Dezember 2008 (IV-act. 87) verneinte die IV-Stelle
ausgehend von einem IV-Grad von 25 % einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
Dagegen liess die Versicherte Beschwerde erheben und neue medizinische Berichte
einreichen (IV-act. 95). RAD-Ärztin Dr. med. G._ notierte am 3. Juli 2009 (IV-act. 103),
dass sich der psychische Gesundheitszustand seit der letzten Begutachtung
möglicherweise verschlechtert habe. Es sei eine Verlaufsbegutachtung notwendig. Am
20. Juli 2009 widerrief die IV-Stelle die angefochtene Rentenabweisungsverfügung (IV-
act. 113). Das Beschwerdeverfahren wurde in der Folge abgeschrieben (IV-act. 122).
A.f Im November 2009 wurde die Versicherte durch die ABI Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (allgemein-internistisch, psychiatrisch und
orthopädisch) begutachtet (Gutachten vom 1. Februar 2010, IV-act. 127). Die
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Mässige mediale und femoropatelläre Gonarthrose links
- radiologisch mässiggradige degenerative Veränderungen im medialen und
femoropatellären Kompartiment, Patellatiefstand und fehlende Abgrenzbarkeit des
vorderen Kreuzbandes (Röntgen und MRI 26.1.2009)
• chronische Knieschmerzen rechts
- geringgradige degenerative Veränderungen im medialen Kompartiment (Röntgen und
MRI 26.1.2009)
• chronische Instabilität OSG rechts
- Knick-Senk-Spreizfuss bei valgischer Beinachse beidseits
- Status nach rezidivierendem Supinationstrauma, letztmals vor wenigen Wochen
- deutlich vermehrter Talusvorschub
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• chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle
- freie Beweglichkeit sämtlicher Wirbelsäulenabschnitte.
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter an:
• Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und emotional instabilen Zügen
(F61.0)
• anhaltende somatoforme Schmerzstörung.
Der psychiatrische Gutachter Dr. med. H._ gab keine psychiatrische Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an. Er führte aus, dass die Versicherte über
übersinnliche Erlebnisse berichtet habe. Da sie aber durchaus eine Distanz zu ihren
Wahrnehmungen habe und ein kritisches Realitätsurteil erhalten sei, könne die
Diagnose einer psychotischen Störung nicht gestellt werden. Der Missbrauch durch
den Vater und die Platzierung in Pflegefamilien stellten frühe lebensgeschichtliche
Belastungen dar. Ihre zwei gescheiterten Ehen seien durch Abhängigkeit und
körperliche Gewalt geprägt gewesen. Die Versicherte sei rasch verstimmt und könne
launisch und impulsiv reagieren. Die Persönlichkeitsstörung sei nicht stark ausgeprägt,
sodass es ihr möglich gewesen sei, bis zum Unfall arbeitstätig zu sein. Die
psychosozialen und emotionalen Belastungen seien deutlich ausgeprägt und drückten
sich im Sinne der Abwehr auch in den somatisch nicht hinreichend objektivierbaren
Schmerzen aus. Aus psychiatrischer Sicht seien der Versicherten einfache Tätigkeiten
zumutbar. Der orthopädische Gutachter Dr. med. I._ hielt fest, dass sich die von der
Versicherten angegebenen Beschwerden im Bereich des linken Kniegelenks durch die
objektivierbaren Befunde, die Bilddokumente sowie die arthroskopischen Berichte
weitgehend begründen liessen. Es bestehe eine chronische ventrale Instabilität nach
VKB-Ersatzplastik vor fünf Jahren mit daraus resultierendem Reizzustand und
Bewegungseinschränkung, Patellatiefstand sowie femoropatellärer Überlastung bei
mässigen arthrotischen Veränderungen. Auch die Beschwerden im rechten Kniegelenk
seien gut nachvollziehbar. Weniger nachvollziehbar seien dagegen die Beschwerden an
der lumbalen Wirbelsäule bei freier Beweglichkeit im zervikalen und thorakalen
Abschnitt. Seitens der Kniegelenke bestehe überdies eine diffuse Ausbreitung der
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Schmerzen, die einen gewissen Hinweis für eine Ausweitung der Schmerzproblematik
darstellten. Aus orthopädischer Sicht bestehe, bei ganztägigem Pensum mit um 20 %
reduzierter Leistung aufgrund eines erhöhten Pausenbedarfs, für sämtliche körperlich
leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. In
polydisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die Arbeitsfähigkeit für sämtliche
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten auf 80 %. Die Arbeitsfähigkeit
retrospektiv zu beurteilen, sei schwierig. Aufgrund der Akten könne jedoch keine lang
andauernde, 20 % übersteigende Arbeitsunfähigkeit nachvollzogen werden.
A.g RAD-Ärztin Dr. med. J._ notierte am 13. Februar 2010 (IV-act. 129), dass auf das
ABI-Gutachten abgestellt werden könne. Mit Vorbescheid vom 26. März 2010 (IV-act.
135) stellte die IV-Stelle der Versicherten bei einem IV-Grad von 20 % die Abweisung
des Rentengesuchs in Aussicht. Dagegen liess die Versicherte u.a. einwenden, dass
den ABI-Gutachtern das vom Untersuchungsrichteramt K._ in Auftrag gegebene
forensisch-psychiatrische Gutachten des Psychiatriezentrums L._ vom 27.
September 2004 nicht vorgelegen habe (IV-act. 136-3). Dieses ging am 27. Juli 2010
bei der IV-Stelle ein (IV-act. 147). Die Gutachter hatten erklärt, dass die Versicherte an
einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, narzisstischen und
dissozialen Anteilen leide. Die Willensfähigkeit sei bei allen ihr zur Last gelegten Taten
(knapp) in leichtem Masse vermindert gewesen. Auf Rückfrage hin antwortete das ABI
am 2. September 2010 (IV-act. 159), dass das Psychiatriezentrum L._ ebenfalls die
Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung gestellt habe. Zum damaligen
Zeitpunkt habe mehr die Symptomatik einer emotional instabilen Persönlichkeit als
einer eigentlichen narzisstischen Persönlichkeit im Vordergrund gestanden. Für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit spiele dies aber keine Rolle, da die gleichen Kriterien
zur Einschätzung der psychischen Ressourcen angewendet werden müssten. Die
Versicherte sei trotz der kombinierten Persönlichkeitsstörung früher voll arbeitsfähig
gewesen. Daher könne ihr die notwendige Willensanstrengung durchaus zugemutet
werden, in einer körperlich angepassten Tätigkeit zu arbeiten. Unter Berücksichtigung
des forensisch-psychiatrischen Gutachtens ergebe sich keine Änderung der
Beurteilung.
A.h Die Uniklinik Balgrist erklärte in ihrem Bericht vom 1. März 2011 (IV-act. 168-3 f.),
dass die Versicherte in einer sitzenden Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig sei. RAD-Ärztin
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Dr. J._ notierte am 21. März 2011 (IV-act. 169), dass es sich bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Uniklinik Balgrist lediglich um eine andere Beurteilung
des grundsätzlich gleichen medizinischen Sachverhalts handle. Auch in psychiatrischer
Hinsicht resultiere durch die Berücksichtigung des forensisch-psychiatrischen
Gutachtens keine Änderung. An der Beurteilung des ABI könne festgehalten werden.
A.i Mit Vorbescheid vom 20. April 2011 (IV-act. 173) wurde der Versicherten bei einem
IV-Grad von 20 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht gestellt. Dr. med.
M._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates FMH, berichtete am 29. April 2011 (IV-act. 174), dass die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten weiterhin eingeschränkt sei. Es seien eine Zunahme
der Streckhemmung und eine beginnende Varusgonarthrose auf der rechten Seite zu
verzeichnen. Eine Neubeurteilung der Arbeitsfähigkeit wäre sinnvoll. Dr. J._ notierte
am 25. Mai 2011 (IV-act. 175), dass sich aus dem Bericht von Dr. M._ keine neuen,
die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden medizinischen Tatsachen ableiten liessen. Es
könne weiterhin auf das Gutachten des ABI abgestellt werden. Nachdem die
Versicherte gegen den Vorbescheid Einwendungen erheben liess, holte die IV-Stelle
einen weiteren Bericht bei Dr. M._ ein. Dieser berichtete am 18. August 2011 (IV-act.
186), dass die Einschränkung der Belastbarkeit seit Februar 2010 zugenommen habe.
Als Hotelfachassistentin bestehe aufgrund der schmerzhaften
Bewegungseinschränkung bei einem ganztägigen Pensum eine um 50 % reduzierte
Leistung. In einer sitzenden Tätigkeit sei sie zu 100 % arbeitsfähig. In Widerspruch
dazu gab Dr. M._ an anderer Stelle in seinem Bericht an, dass der Versicherten eine
sitzende Tätigkeit ohne schwere körperliche Belastung mit entsprechenden Hilfsmitteln
nur zu 50 % zumutbar sei. Die Arbeitsfähigkeit sei durch das chronische
Wirbelsäulensyndrom sowie die Knieschmerzen eingeschränkt.
A.j Die Ärzte des psychiatrischen Zentrums D._ berichteten am 21. März 2012 (IV-
act. 196), dass sich die Versicherte vom 26. Juni bis 30. August 2011 bei ihnen in
ambulanter Behandlung befunden habe. Sie leide an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften, abhängigen und dissozialen Zügen. Aufgrund
der kurzen Behandlungsdauer könne die Arbeitsfähigkeit nicht eingeschätzt werden.
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A.k Das Kantonsspital N._ gab in seinem Austrittsbericht vom 3. Juli 2012 an (IV-act.
213), dass die Versicherte vom 24. bis 28. Juni 2012 hospitalisiert gewesen sei. Sie sei
am 24. Juni 2012 vom Pferd gestürzt und habe dabei eine traumatische
Subarachnoidalblutung frontoparietal rechts (CD06/12), eine Riss-Quetschwunde
parieto-occipital, eine Kontusion der Hand links und eine Distorsion OSG links erlitten.
Die Versicherte sei vom 24. Juni bis 8. Juli 2012 voll arbeitsunfähig (IV-act. 214-11).
A.l Im Januar 2013 wurde die Versicherte im Auftrag der Unfallversicherung
orthopädisch und neurologisch begutachtet (Gutachten 31. Januar 2013, Fremdakten).
Dr. med. O._, Facharzt für Neurologie FMH, erklärte, dass weitere diagnostische
Massnahmen, namentlich eine zerebrale Magnetresonanztomographie (MRI) und eine
neuropsychologische Untersuchung notwendig seien, um das Ausmass einer allfälligen
strukturellen traumatischen Hirnverletzung festzustellen und die geklagten
neuropsychologischen Beschwerden, d.h. die Konzentrations- und
Gedächtnisprobleme, zu erklären. Ausserdem müssten die seit dem Unfall beklagten
Tinnitus- und Schwindelbeschwerden fachärztlich abgeklärt werden. Fokal-
neurologisch sei die Versicherte bei der aktuellen Untersuchung unauffällig gewesen.
Der angegebene Kopfschmerz erfülle die diagnostischen Kriterien eines
Kopfschmerzes bei Analgetikaübergebrauch als verselbständigte und die
Arbeitsfähigkeit nicht tangierende Kopfschmerzform. Dr. med. P._, Orthopädie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, kam zum Schluss, dass infolge des Unfalls
vom 24. Juni 2012 orthopädischerseits lediglich Prellungen nachvollziehbar seien, die
üblicherweise innerhalb von wenigen Wochen folgenlos ausheilten. Eine durch den
Unfall bedingte, heute noch bestehende Arbeitsunfähigkeit habe nicht festgestellt
werden können. Nach Ablauf von spätestens acht Wochen sei die Versicherte für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit (Tätigkeit in einem Hotel/Restaurant in Service und Küche,
100 %-Pensum) wieder arbeitsfähig gewesen. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass
bereits bei Antritt dieses Arbeitsplatzes im Mai 2012 eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit
von 20 % bestanden habe und diese Tätigkeit nicht adaptiert gewesen sei. Einer
angepassten, d.h. überwiegend sitzenden Tätigkeit könne die Versicherte ohne
Einschränkungen in vollem Umfang nachgehen.
A.m Im März/April 2013 wurde die Versicherte im Auftrag der Unfallversicherung von
der SMAB AG neuropsychologisch, psychiatrisch und otorhinolaryngologisch
begutachtet (Gut¬achten vom 10. Juni 2013, IV-act. 255). Die Diagnosen lauteten:
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• Restsymptome einer abklingenden depressiven Anpassungsstörung (vormals
wahrscheinlich mittelschwer) nach Reitunfall mit Schädelhirntrauma am 24.06.2012
• Status nach traumatischer Subarachnoidalblutung fronto-parietal rechts am
24.06.2012, klinisch-neurologisch ohne Ausfälle
• leichte authentische kognitive Funktionsstörung in Aufmerksamkeit, Gedächtnis und
exekutiven Funktionen bei vor allem subjektiv Erschöpfung und Beeinträchtigung in
gewohnten Aktivitäten (F06.7)
• chronischer Tinnitus
• unklare Schwindelbeschwerden, peripher-vestibulär keine fassbare Pathologie
• leichte pancochleäre Schwerhörigkeit beidseits
• persistierende Kniebeschwerden beidseits seit 2001
• chronisches Kopfweh vom Spannungstyp
• orthopädische Diagnosen siehe Gutachten vom 12.02.2013.
Dr. med. Q._, Facharzt für Neurologie FMH, erklärte, dass die von der Versicherten
geschilderten unspezifischen Beschwerden wie Schwindel, konstantes hohes Summen
in den Ohren, Nackenschmerzen durch Auflagedruck, bandförmiges Kopfweh bei
Anstrengung, Konzentrationsschwierigkeiten und Vergesslichkeit weder klinisch-
neurologisch noch mittels einer MRI des Gehirns hätten objektiviert werden können.
Aus neurologischer Sicht bestehe daher eine volle Arbeitsfähigkeit. Dr. med. R._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hielt fest, dass in psychiatrischer
Hinsicht anlässlich der aktuellen Untersuchung bei einer weitgehend normalen
Stimmungslage und Schwingungsfähigkeit nur noch geringe depressive Restsymptome
hätten erhoben werden können. Von Seiten der vormals in den Akten wiederholt
beschriebenen kombinierten Persönlichkeitsstörung sei nichts mehr eruierbar gewesen.
Trotz allen belastenden früheren Situationen habe die Versicherte ihr Leben gemeistert
und scheine einen starken Kern mit guten Ressourcen sowie starker intrinsischer Kraft,
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Energie und Motivationsfähigkeit zu haben. Differentialdiagnostisch könnte es sich bei
den Beschwerden der Versicherten, als Folge der traumatischen Hirnverletzungen als
auch der anschliessenden psychosozialen Belastungen in der konflikthaften
Auseinandersetzung mit der ehemaligen Arbeitgeberin und der Taggeldversicherung,
verbunden mit Existenzängsten, um eine repressive Anpassungsstörung im Anschluss
an den Unfall vom 24.06.2012 gehandelt haben. Die anhaltenden kognitiven
Funktionseinbussen (Konzentration und Vergesslichkeit) könnten zum Teil auch
depressionsbedingt gewesen sein. Die Versicherte sei willens und bereit, ab sofort zu
50 % eine körperlich leichte Bürotätigkeit auszuüben und ihr Arbeitspensum
entsprechend dem Rückgang der neuropsychologischen Beeinträchtigungen
schrittweise zu steigern. Auf keinen Fall sei ihr Ziel eine Berentung. Aus rein
psychiatrischen Gründen bestehe zurzeit aufgrund der noch geringen depressiven
Restsymptomatik eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von ca. 20 %, verbunden mit
den geklagten neuropsychologischen Einschränkungen (Konzentration, Gedächtnis,
Vergesslichkeit etc.) eine solche von maximal 50 %. Bei weiterer Remission in den
nächsten Wochen werde der depressive Anteil der reduzierten Arbeitsfähigkeit rasch
gegen Null sinken. Das neuropsychologische Teilgutachten war von Dr. phil S._,
Psychologin FSP/Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, von der Klinik für
Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen, erstellt worden (Fremdakten). Die
Gutachterin führte aus, dass die Symptomvalidierung in Bezug auf einfache
sensomotorische Reizreaktionszeiten sowie im sprachlich-episodischen Gedächtnis
deutlich auffällig gewesen sei. In Übereinstimmung dazu seien die
Anstrengungsbereitschaft und die Antriebs- und Selbstregulation in der
Verhaltensbeobachtung während der Testung immer wieder reduziert gewesen. Dies
bilde eine deutliche Diskrepanz zur schulischen und beruflichen Ausbildung. Die
Versicherte habe oft nicht versucht, eine Aufgabe selber zu bewältigen, obwohl keine
Hinweise vorhanden gewesen seien, dass sie dies von ihren Fähigkeiten her nicht
könnte. Aus neuropsychologischer Sicht seien der Versicherten in erster Linie alle
Tätigkeiten möglich, welche sie schon vor dem Trauma automatisiert und konstant mit
möglichst wenigen Störeinflüssen habe verrichten können. Dazu gehörten vor allem
Tätigkeiten als Büroangestellte. In diesen Tätigkeiten seien die Aufgaben in der Regel
vorstrukturiert, der Tagesablauf vorgegeben und die emotionalen und sozialen
Belastungen, wie sie in der Arbeit als Wirtin und/oder in der Arbeit als
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Hotelfachangestellte regelmässig vorkämen, wenig ausgeprägt. Die beiden
letztgenannten Tätigkeiten erforderten eine selbständige Antriebs- und
Verhaltensregulation. Eine selbständige Tätigkeit sei auch vom Persönlichkeitsaspekt
her eher ungeeignet. Aus neuropsychologischer Sicht sei die Versicherte in einer
einfachen Bürotätigkeit, je nach Anforderungen an die Verarbeitungskapazitäten, zu 80
% arbeitsfähig. Dr. med. T._, Fachärztin FMH für ORL, gab im
otorhinolaryngologischen Teilgutachten an, dass die Schwindelbeschwerden aus ORL-
Sicht nicht erklärt werden könnten. Der Tinnitus schränke die Arbeitsfähigkeit kaum ein.
Ungünstig seien Arbeiten in lärmiger Umgebung oder mit einer besonderen Hektik.
A.n RAD-Ärztin Dr. J._ notierte am 21. Oktober 2013 (IV-act. 240), dass sich der
Gesundheitszustand im Vergleich zur Beurteilung des ABI vom Februar 2010 durch die
zwei Stürze vom Pferd vorübergehend verschlechtert habe. Der psychiatrische
Teilgutachter habe die Arbeitsunfähigkeit vom 24. Juni 2012 bis März 2013 auf 100 %
geschätzt. Gemäss der Unfallversicherung bestehe spätestens ab dem
Begutachtungszeitpunkt (29. April 2013) kein Leistungsanspruch mehr. Spätestens ab
diesem Zeitpunkt sei daher wieder von der vom ABI festgelegten Arbeitsfähigkeit
adaptiert von 80 % auszugehen.
A.o Mit Vorbescheid vom 29. November 2013 (IV-act. 244) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 20 % die Abweisung des Rentengesuchs an.
Dagegen wendete die Versicherte am 21. Januar 2014 ein (IV-act. 247), dass die IV-
Stelle den Reitunfall vom Juni 2012 bei der Invaliditätsbemessung nicht berücksichtigt
habe. Ausserdem werde zurzeit abgeklärt, ob sie an einer
Aufmerksamkeitsdefizitstörung leide. Mit Verfügung vom 28. Januar 2014 (IV-act. 248)
wies die IV-Stelle das Rentengesuch aus den im Vorbescheid angegebenen Gründen
ab. Zum Einwand hielt sie fest, dass der RAD in seiner letzten Stellungnahme alle
Gutachten berücksichtigt habe. Im Übrigen habe die Versicherte keine neuen
Tatsachen geltend gemacht.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 27. Februar 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte
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die Zusprache einer Invalidenrente, wobei der Invaliditätsgrad aufgrund einer aktuellen
medizinischen Begutachtung festzulegen sei. Zudem stellte sie ein Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege. Zur Begründung machte sie geltend, dass sich die im
SMAB-Gutachten vom Juni 2013 gestellte positive Prognose nicht bewahrheitet habe.
Trotz hochfrequenter Psychotherapie sei die Beschwerdeführerin seit mehreren
Monaten zu 100 % arbeitsunfähig. Eine fachärztliche Abklärung habe ergeben, dass
die Beschwerdeführerin an einer ADHS leide. Diese Diagnose erkläre, weshalb sich die
prognostizierte Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes nie eingestellt
habe. Sie zeige auch auf, dass der Beschwerdeführerin zu Unrecht
Verdeutlichungstendenzen unterstellt worden seien. Wegen der ADHS sei die
Beschwerdeführerin nicht in der Lage, die körperlichen Beschwerden zu überwinden.
Die Schmerzen verunmöglichten es ihr wiederum, ihr Leben trotz der ADHS in den Griff
zu bekommen. Wegen des Verdachts auf Multiple Sklerose sei Ende Mai 2014 eine
weitere MRI-Untersuchung geplant. Die bisherigen Gutachten basierten auf
unvollständigen Sachverhalten, weshalb auf diese nicht abgestellt werden könne.
Hinzu komme, dass das SMAB-Gutachten im Auftrag der Unfallversicherung erstellt
worden sei und deshalb Fragen zur Kausalität des Unfallereignisses im Vordergrund
gestanden hätten. Des Weiteren enthalte das SMAB-Gutachten keine schlüssige
Erklärung für die Kopfschmerzen sowie die Konzentrations- und Gedächtnisprobleme.
Dr. med. U._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hatte in einem beiliegenden
Bericht vom 6. Februar 2014 angegeben, dass die Beschwerdeführerin an einer stark
ausgeprägten adulten ADHS vom Mischtyp (F90.0) und an histrionisch-dependenten
Persönlichkeitszügen leide. Aus psychiatrischer Sicht sei sie im angestammten Beruf
zu 100 % arbeitsunfähig. In einer adaptierten Tätigkeit (überschaubare Tätigkeit ohne
Zeit- und Termindruck, ruhige und reizarme Arbeitsatmosphäre) sei bei noch unsicherer
Prognose auf längere Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 30-50 % vorstellbar. Die
Beschwerdeführerin unterziehe sich einer medikamentösen Therapie (Ritalin/Focalin),
einem ADHS-Coaching sowie einer Psychotherapie.
B.b RAD-Ärztin Dr. J._ notierte am 15. April 2014 (act. G 6.1), dass die Kriterien einer
ADHS bereits in der Kindheit und Jugend erfüllt gewesen sein müssten. Die
Beschwerdeführerin sei mittlerweile viermal psychiatrisch begutachtet worden und
habe sich ausserdem bei mehreren Psychiatern in Abklärung und Behandlung
befunden. Nirgends fänden sich Hinweise darauf, dass in der Schule und während der
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Ausbildung erhebliche Beeinträchtigungen bestanden hätten. In drei psychiatrischen
Gutachten sei die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit abhängigen
und emotional instabilen Zügen gestellt worden. Die den Affekt betreffenden
Auffälligkeiten seien von den Gutachtern der emotionalen Instabilität im Rahmen der
Persönlichkeitsstörung zugeordnet worden. Dr. U._ habe bei der Ursachendiskussion
der postulierten Beeinträchtigungen weder die vordiagnostizierte
Persönlichkeitsstörung noch den Unfall vom 24. Juni 2012 mit Subarachnoidalblutung
und leichtem Schädel-Hirn-Trauma berücksichtigt. Über kognitive Einschränkungen
grösseren Ausmasses sei erst nach dem Unfall vom 24. Juni 2012 berichtet worden.
Zudem fehlten wesentliche, beim ADHS geforderte Symptome wie eine
Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität. Weiter stütze sich die Diagnose von Dr.
U._ in erster Linie auf die anamnestischen und subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin ab. Insgesamt könne die Diagnose einer ADHS nicht
nachvollzogen werden.
B.c Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 22. April 2014 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie aus, dass die SMAB
AG die Beschwerdeführerin umfassend untersucht habe. Mit Verweis auf die RAD-
Stellungnahme vom 15. April 2014 erklärte sie, dass an der bisherigen Einschätzung
der adaptierten Arbeitsfähigkeit von 80 % festgehalten werde. Zudem ersuchte sie die
Beschwerdeführerin, ihr die medizinischen Unterlagen betreffend die Multiple Sklerose
nachzureichen.
B.d Am 25. April 2014 bewilligte die Präsidentin der 2. Abteilung das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch Rechtsanwältin lic. iur. R. Walker, act. G
7).
B.e Am 27. Juni 2014 informierte die Rechtsvertreterin das Gericht darüber (act. G 12),
dass die Neurologin Dr. med. V._ aufgrund ihrer Untersuchung vom 17. Juni 2014
betreffend die Multiple Sklerose eine verhaltensneurologische Abklärung als notwendig
erachte. Diese finde am 21. August 2014 statt. Am 15. September 2014 teilte dieselbe
mit (act. G 14), dass die neurologische Abschlussuntersuchung am 26. September
stattfinden werde. Den dazugehörigen Bericht reichte die Rechtsvertreterin am 14.
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Oktober 2014 ein (act. G 16). Dr. med. W._, FMH Neurologie, hatte am 8. Oktober
2014 berichtet (act. G 16.1), dass im Vordergrund der aktuellen Befunde Defizite in der
geteilten Aufmerksamkeit imponiert hätten. Die Beschwerdeführerin sei ablenkbar,
angetrieben und chaotisch im Rapportieren, spreche jedoch gut auf Strukturhilfen an.
Im Weiteren bestehe eine diskrete Lernschwäche sowie eine sprachliche
Entwicklungsschwierigkeit mit unsicherer Orthographie und vermindertem sprachlichen
Konzeptdenken. Gemäss der Anamnese seien diese Befunde frühkindlich erworben
und möglicherweise durch den Reitunfall akzentuiert worden. Dr. W._ empfahl die
Weiterführung der Methylphenidat-Behandlung (evtl. mit Dosissteigerung) sowie der
psychologischen Therapie.
B.f Mit ihrer Replik vom 12. November 2014 (act. G 18) machte die Rechtsvertreterin
der Beschwerdeführerin ergänzend geltend, dass die Beschwerdeführerin trotz
intensiver Therapien nach wie vor in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Aus den
aktuellen ärztlichen Berichten gehe klar hervor, dass bei der Beschwerdeführerin nebst
der unfallkausalen Invalidität von 20 % infolge einer Knieverletzung eine chronische
neurologische und psychiatrische Erkrankung vorliege, deren Ätiologie immer noch
nicht ganz geklärt sei. Diese Begleiterkrankung habe sich zusehends verschlechtert.
Die Beschwerdeführerin sei bis heute zu 100 % arbeitsunfähig. In einem beigelegten
Bericht vom 30. September 2014 (act. G 18.1.3) hatte Dr. V._ erklärt, dass sie die von
der Beschwerdeführerin geschilderten Beschwerden noch nicht zuordnen könne. Der
neurologische Status vom 17. Juni 2014 sei unauffällig gewesen. Die weiteren
Untersuchungen habe die Beschwerdeführerin abgesagt. Differentialdiagnostisch stehe
ein vaskuläres Geschehen im Vordergrund. Eine demyelisierende Erkrankung könne
aber nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden. Weitere Abklärungen wie
neuropsychologische Untersuchungen, VEP, eventuell Lumbalpunktion und eventuell
muskuläre Abklärungen seien sicher sinnvoll. Dr. U._ hatte der Rechtsvertreterin am
14. Oktober 2014 berichtet (act. G 18.1.1), dass die Beschwerdeführerin neben einer
adulten ADHS an einer bipolaren Störung (F31.8) und an einer kombinierten
Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend narzisstisch-histrionischen Anteilen (F61.0)
leide. Sie habe Schwierigkeiten, den Alltag zu bewältigen und leide an
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, an einer inneren Unruhe, an
Desorganisiertheit und an ausgeprägten Stimmungsschwankungen. Sie habe zudem
über wiederkehrende depressive Phasen mit gedrückter Stimmung, Antriebslosigkeit,
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Wertlosigkeitsgefühlen und Ein- und Durchschlafschwierigkeiten berichtet. Im Verlauf
der Therapie hätten sich immer wieder Phasen von gesteigertem Antrieb, Ideenflucht,
überhöhtem Selbstwertgefühl sowie vermindertem Schlafbedürfnis gezeigt, welche als
hypomane Episoden qualifiziert worden seien. Ausserdem bestünden ausgeprägte
zwischenmenschliche Schwierigkeiten. Durch die Therapien sei es der
Beschwerdeführerin gelungen, ihr Leben mehr und mehr zu ordnen, den Tag zu
strukturieren, die Post zu öffnen, den Haushalt zu führen usw. Zudem gelinge es der
Beschwerdeführerin immer besser, interaktionelle Situationen zu reflektieren und ihr
Handeln sozialkompetent zu steuern. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer
Funktionsfähigkeit in der Arbeitswelt nach wie vor eingeschränkt. Mit Bezug auf die
Planung und Strukturierung von Aufgaben, aber auch bezüglich Flexibilität,
Umstellungsfähigkeit sowie Durchhaltefähigkeit bestehe eine schwere bzw.
mittelgradige Beeinträchtigung. Die ausgeprägten interaktionellen Defizite wirkten sich
massgeblich auf die Gruppenfähigkeit aus. Ab Mitte Oktober sei ein langsamer Aufbau
(Arbeitstraining 50 %) im geschützten Rahmen geplant, damit eine langfristige
Prognose für die Arbeitsfähigkeit gestellt werden könne. Im Weiteren lag der Replik
eine Kostennote der Rechtsvertreterin über den Betrag von Fr. 5'165.64 bei (act. G
18.2).
B.g Die Beschwerdegegnerin verwies für ihre Duplik auf die Stellungnahme des RAD
vom 27. November 2014 (act. G 20). RAD-Ärztin Dr. J._ hatte darin ausgeführt, dass
das Gutachten des SMAB vom Juni 2013 weiter Gültigkeit habe. Die SMAB-
Sachverständigen hätten zur Gesamtarbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der
Krankheits- und Unfallfolgen Stellung genommen. Die Diagnose eines ADHS könne
weiterhin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Auch eine
bipolare Störung liege nicht vor. Die erwähnten Auffälligkeiten seien im Rahmen der
Persönlichkeitsstörung erklärbar. Die Kernspintomographie des Schädels vom 26. März
2014 habe keine Multiple Sklerose-typischen Läsionen gezeigt. Die von Dr. V._ im
Bericht vom 30. September 2014 genannten neurologischen Symptome basierten
ausschliesslich auf den Angaben der Beschwerdeführerin.
B.h Am 3. Dezember 2014 (act. G 21) reichte die Beschwerdegegnerin den MRI-
Befund des Schädels vom 26. März 2014 nach. Dr. med. X._ gab an, dass analog zur
Voruntersuchung multiple unspezifische Marklagerläsionen zum Teil mit Balkenbezug
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nachgewiesen worden seien. Trotzdem müsse aufgrund der klinischen Symptomatik
der Verlaufsuntersuchung (ohne Hinweis auf Befundprogredienz) und des
Patientenalters eher von chronischen mikroangiopathischen Veränderungen
ausgegangen werden. Intrakranielle Verletzungsfolgen und eine Schrankenstörung
seien nicht nachgewiesen worden. Hinweise auf eine Liquorzirkulationsstörung oder
auf eine intrakranielle Raumforderung fehlten.
B.i Am 13. Januar 2015 nahm die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin zur Duplik
Stellung (act. G 23). Sie machte geltend, die SMAB-Gutachter hätten an mehreren
Stellen erwähnt, dass die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Beurteilungszeitpunkt noch eingeschränkt gewesen sei. Der weitere Krankheitsverlauf
habe gezeigt, dass die Prognose der Gutachter, wonach sich die Belastbarkeit im
Laufe der nächsten Wochen stabilisieren und die Beschwerdeführerin ihre volle
Arbeitsfähigkeit wiedererlangen dürfte, falsch gewesen sei. Die Beschwerdeführerin
habe wiederholt zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben würden müssen. Dr. U._ gehe
weiterhin von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus. Weitere Abklärungen seien
unerlässlich, da sowohl die Diagnosen als auch das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit
unklar seien. Des Weiteren habe die RAD-Ärztin nicht begründet, weshalb keine
bipolare Störung vorliege. Die Neurologin Dr. V._ habe weitere Abklärungen
empfohlen. Der Sachverhalt sei ungenügend abgeklärt. Der Stellungnahme zur Duplik
lag eine Honorarnote über den Betrag von Fr. 5'157.65 bei (act. G 23.1).
B.j Am 13. Januar 2015 (act. G 24) reichte die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin einen Bericht vom 12. Januar 2015 von Dr. med. Y._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Vertrauensarzt SGV, zuhanden der
Sozialberatung der Stadt Z._ ein (act. G 24.1). Die von Dr. U._ mehrmals erwähnte
Persönlichkeitsstörung stehe ausser Zweifel. Ob wirklich ein ADHS dazukomme, oder
ob die beschriebenen Symptome Folge der erwähnten Störung seien, sei gar nicht so
relevant (weshalb bezahle die Krankenversicherung das Ritalin nicht?). Da er das ABI-
Gutachten nicht kenne, könne er dieses nicht beurteilen. Sofern dies nicht schon
passiert sei, müsse durch einen Facharzt beurteilt werden, was für bleibende cerebrale
Funktionseinbussen die Subarachnoidal¬blutung zur Folge habe. Es zweifle niemand
daran, dass die Beschwerdeführerin an einem geschützten Arbeitsplatz arbeitsfähig
sei. Dazu müsse sie aber eingegliedert werden. Eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit erscheine
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ihm adäquat. Ob die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit (in einigen Jahren)
steigern könne, sei nicht auszuschliessen.
B.k Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme hierzu (vgl. act. G 25
f.).
B.l Am 16. November 2016 reichte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin einen
aktuellen Bericht von Dr. U._ ein (act. G 27). Dieser hatte am 14. November 2016
berichtet (act. G 27.1), dass die Beschwerdeführerin nach wie vor in ihrer
Funktionsfähigkeit in der Arbeitswelt eingeschränkt sei. Die unternommenen
Arbeitsversuche seien gescheitert.

Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 28. Januar 2014 hat die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint. Zu
prüfen ist somit, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Invalidenrente
hat.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
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1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.4 Die Beschwerdeführerin hat sich im April 2006 zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet und geltend gemacht, dass die gesundheitlichen Beschwerden seit dem
Jahr 2001 bestünden. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG könnte der Rentenanspruch
frühestens sechs Monate nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs
entstehen. Zu prüfen wäre demnach ein Rentenanspruch ab dem 1. Oktober 2006. Nun
ist aber nach dem (lückenfüllend geschaffenen) Übergangsrecht der 5. IV-Revision die
altrechtliche Regelung des Rentenbeginns weiter anzuwenden, sofern das Wartejahr
vor dem Zeitpunkt des Inkrafttretens (1. Januar 2008) zu laufen begonnen hat und die
Anmeldung bis spätestens Ende Juni 2008 erfolgt ist (vgl. das vom Bundesamt für
Sozialversicherungen herausgegebene IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember
2007 sowie die Modifikation in BGE 138 V 475). Nach aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht
der Rentenanspruch ‒ unabhängig vom Datum der Anmeldung ‒ unmittelbar mit der
Erfüllung des Wartejahres. Ein Anspruch auf Nachzahlung besteht grundsätzlich nur für
die zwölf der Anmeldung vorangehenden Monate (aArt. 48 Abs. 2 IVG). Ein
Rentenanspruch kann somit frühestens ab dem 1. April 2005 entstehen. Unter
Berücksichtigung des Wartejahres ist im vorliegenden Verfahren somit die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ab 1. April 2004 bis zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses, d.h. dem 28. Januar 2014, relevant.
2.
2.1 Damit der IV-Grad ermittelt werden kann, muss zunächst abgeklärt werden,
welches die angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin gewesen ist. Nach der
Handelsschule hat sie eine Ausbildung zur Hotelfachassistentin absolviert. Zuletzt hat
sie diesen Beruf allerdings in den Achtzigerjahren ausgeübt. Das Aufgabengebiet einer
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Hotelfachassistentin (heute Hotelfachmann/-frau genannt) umfasst die Reinigung und
Pflege der Gästezimmer und Aufenthaltsräume, die Betreuung der Gäste im Restaurant
und am Empfang, die Wäschepflege und die Materialverwaltung
(www.berufsberatung.ch/dyn/ show/1900?id=5603#, besucht am 30. August 2016).
Aus diesem aktuellen Tätigkeitsbeschrieb kann geschlossen werden, dass sich das
Aufgabengebiet einer Hotelfachfrau in den letzten Jahrzehnten nicht wesentlich
gewandelt hat. Hinzu kommt, dass mit einem Stellenwechsel immer eine gewisse
Einarbeitungszeit einhergeht, da sich die Hotelleriebetriebe in ihrer Organisation etc.
unterscheiden. Zwar hat die Beschwerdeführerin während ihrer beruflichen Laufbahn
auch andere Tätigkeiten ausgeübt. So ist sie unter anderem im Büro tätig gewesen, hat
telefonische Lebensberatungen angeboten, hat in einem Haustierbedarfsgeschäft
gearbeitet und hat selbständig ein Restaurant geführt. Für diese Tätigkeiten hat sie
aber nicht über eine qualifizierte Ausbildung verfügt. Als Validenkarriere ist somit die
Tätigkeit als Hotelfachassistentin zu betrachten.
2.2 Um das Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen. In orthopädischer Hinsicht leidet sie insbesondere an chronischen
Kniegelenksbeschwerden links und rechts und an einer chronischen Instabilität des
oberen Sprunggelenks rechts. Wie erwähnt, beinhaltet die Tätigkeit als Hotelfachfrau
insbesondere die Reinigung und Pflege der Gästezimmer und Aufenthaltsräume und
die Betreuung der Gäste im Restaurant und am Empfang. Der Chirurge Dr. B._ hat
erklärt, dass längerdauerndes Stehen, längerdauerndes Sitzen, Tragen von Lasten,
Gehen auf unebenen Böden und Bergab- und Treppenabgehen ungeeignete
Belastungen darstellten, die einerseits Beschwerden verursachten und andererseits
den degenerativen Prozess weiter fördern würden (IV-act. 14-12). Damit überein stimmt
die Angabe des ABI-Gutachters Dr. I._, gemäss welchem es sich bei einer
adaptierten Tätigkeit um eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit handle,
die kein wiederholtes Überwinden von Treppen beinhalte. Die Orthopädin Dr. P._ hat
eine überwiegend sitzende Tätigkeit als optimal adaptiert betrachtet. Auch die Uniklinik
Balgrist hat eine sitzende Tätigkeit empfohlen. Der Beruf der Hotelfachfrau beinhaltet
zu einem erheblichen Teil gehende und stehende Tätigkeiten. Es leuchtet ein, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Knie- und Sprunggelenksbeschwerden zumindest
zeitweise sitzende Tätigkeiten muss verrichten können. Zudem muss eine
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Hotelfachfrau nach der allgemeinen Lebenserfahrung in der Lage sein, regelmässig
Treppen hinauf- und hinabzusteigen. Bei der angestammten Tätigkeit als Hotelfachfrau
handelt es sich somit nicht um eine adaptierte Tätigkeit.
2.3 Als Nächstes ist zu prüfen, ob die Kniegelenksbeschwerden und die OSG-
Beschwerden links auch die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich adaptierten Tätigkeit
beeinträchtigen. Dr. B._ hat lediglich zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als
Wirtin und als kaufmännische Angestellte Stellung genommen. Diejenige als Wirtin hat
er auf 50-75 %, diejenige als kaufmännische Angestellte auf ca. 80 % geschätzt. Dr.
E._ vom AEH (Gutachten vom Juli 2008) hat die Arbeitsfähigkeit in einer optimal
adaptierten Tätigkeit (z.B. Sekretärin) auf 75 % geschätzt. Dr. I._ vom ABI ist von
einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen (Gutachten vom Februar 2010). Die
Reitunfälle vom Juni 2012 haben gemäss dem Gutachten vom Januar 2014 aus
orthopädischer Sicht keine längerdauernde höhere Arbeitsunfähigkeit zur Folge gehabt.
In orthopädischer Hinsicht sind die Gutachter also weitgehend übereinstimmend von
einer Arbeitsfähigkeit zwischen 75 und 80 % ausgegangen. Der orthopädische ABI-
Gutachter Dr. I._ hat dabei die ausführlichste Begründung geliefert: Die
Beschwerdeführerin müsse während etwa 10 Minuten stündlich die Möglichkeit dazu
haben, ein Lockerungs- und Entspannungsprogramm für die Muskulatur von Stamm
und Extremitäten durchzuführen. Diese Einschätzung überzeugt aufgrund der
nachgewiesenen Beschwerden im Bereich des linken und rechten Kniegelenks. Die
Einschätzung der Uniklinik Balgrist und des Orthopäden Dr. M._, wonach die
Beschwerdeführerin aus orthopädischer Sicht lediglich zu 50 % arbeitsfähig sei,
leuchtet demgegenüber nicht ein. Zum einen fehlt es an einer ausreichenden
Begründung der Arbeitsfähigkeitsschätzung. Zum anderen ist gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen,
dass Hausärzte und behandelnde Spezialärzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Namentlich in
umstrittenen Fällen kann nicht ohne weiteres auf die Angaben eines behandelnden
Haus- oder Spezialarztes abgestellt werden (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2). Hinzu kommt, dass
Gutachter in der Regel über mehr Erfahrung hinsichtlich der versicherungsmedizinisch
relevanten Arbeitsfähigkeit verfügen als Haus- und Spezialärzte. Und schliesslich
verfügen in der Regel nur die Gutachter über die umfassenden Vorakten, weshalb ihre
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Beurteilungen des Gesundheitszustandes umfassender ausfallen als jene der Haus-
und Spezialärzte. Die Hauptbeschwerden im linken Knie sind durch einen Unfall im
Jahr 2001 ausgelöst worden. Dr. I._ hat erklärt, dass aus gutachterlichcher Sicht
retrospektiv eine lang andauernde, höhergradige Arbeitsunfähigkeit als 20 % nicht
nachvollzogen werden könne. Die Beschwerdeführerin ist somit aus orthopädischer
Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit dem Jahr 2001 in einer körperlich
adaptierten Tätigkeit zu ca. 80 % arbeitsfähig.
2.4
2.4.1 Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat in der Beschwerdeschrift
geltend gemacht, es bestehe der Verdacht, dass die Beschwerdeführerin an Multipler
Sklerose leide. Eine Magnetresonanztomographie des Schädels vom 26. März 2014 hat
analog zur Voruntersuchung im Jahr 2012 multiple unspezifische Marklagerläsionen
zum Teil mit Balkenbezug gezeigt. Der untersuchende Neuroradiologe Dr. X._ hat
erklärt, dass aufgrund der klinischen Symptomatik, der Verlaufsuntersuchung (ohne
Hinweis auf Befundprogredienz) und des Patientenalters eher von chronischen
mikroangiopathischen Veränderungen ausgegangen werden müsse. Die Neurologin Dr.
V._ hat am 30. September 2014 berichtet, dass aus ihrer Sicht
differenzialdiagnostisch doch ein vaskuläres Geschehen im Vordergrund stehe. Eine
demyelisierende Erkrankung könne jedoch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen
werden. Weitere Abklärungen wie neuropsychologische Untersuchungen, VEP,
eventuell Lumbalpunktion und eventuell muskuläre Abklärungen seien sicher sinnvoll.
Da erstens der MRI-Befund multiple unspezifische Marklagerläsionen gezeigt hat, da
zweitens gemäss Dr. V._ weitere Untersuchungen indiziert sind und da drittens die
Beschwerdeführerin neurologische Symptome geltend macht, kann nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass aus
neurologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit besteht. Diesbezüglich
erweist sich die Sachverhaltsabklärung der Beschwerdegegnerin als ungenügend.
Deshalb sind weitere neurologische und radiologische Untersuchungen (resp. eine
neurologische Begutachtung) notwendig.
2.4.2 Zu prüfen bleibt die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Einem forensisch-
psychiatrischen Gutachten aus dem Jahr 2004 ist die Diagnose einer kombinierten
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Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, narzisstischen und dissozialen Anteilen zu
entnehmen. Der psychiatrische Gutachter Dr. F._ hat im Juni 2008 als Diagnose mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
abhängigen, narzisstischen, emotional instabilen und dissozialen Zügen angegeben.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat er eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung und einen Verdacht auf eine rezidivierende, depressive
Störung, gegenwärtig remittiert, genannt. Die Arbeitsfähigkeit hat er in einer dem
Leiden optimal angepassten Tätigkeit auf mindestens 80 % geschätzt, wobei diese im
Laufe von sechs Monaten voraussichtlich auf 100 % gesteigert werden könne. Der
psychiatrische Gutachter des ABI hat im Gutachten vom Februar 2010 keine
psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit angegeben. Als
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat er eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und emotional instabilen Zügen und eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung angegeben. Der Gutachter hat erklärt, dass
die Einschätzung von Dr. F._ streng genommen nicht bestätigt werden könne, da die
Beschwerdeführerin trotz der Persönlichkeitsstörung früher arbeitsfähig gewesen sei.
Der psychiatrische SMAB-Sachverständige hat im Gutachten vom Juni 2013 als
Diagnosen Restsymptome einer abklingenden depressiven Anpassungsstörung
(vormals wahrscheinlich mittelschwer) nach Reitunfall mit Schädelhirntrauma am 26.
Juni 2012 und leichte authentische kognitive Funktionsstörungen in Aufmerksamkeit,
Gedächtnis und exekutiven Funktionen bei vor allem subjektiv Erschöpfung und
Beeinträchtigung in gewohnten Aktivitäten seit dem Unfall angegeben und die
Arbeitsfähigkeit aus rein psychiatrischen Gründen in der bisherigen Tätigkeit als
Hotelfachangestellte und in einer Verweistätigkeit auf 80 % geschätzt, wobei die
Arbeitsfähigkeit in spätestens zwei Monaten auf 100 % gesteigert werden könne.
Verbunden mit den geklagten neuropsychologischen Einschränkungen (Konzentration,
Gedächtnis, Vergesslichkeit etc.) betrage die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aktuell
noch maximal 50 %. Letztere Einschätzung ist in der polydisziplinären Beurteilung nicht
übernommen worden. Vielmehr ist polydisziplinär von einer 80 %igen Arbeitsfähigkeit
mit Steigerungspotential auf 100 % bei entsprechenden therapeutischen Einsätzen
ausgegangen worden. Das Gutachten des psychiatrischen SMAB-Sachverständigen
überzeugt bereits hinsichtlich der gestellten Diagnosen nicht. Entgegen der fast
einhelligen Meinung der vor- und nachbehandelnden Ärzte und Gutachter hat er erklärt,
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dass die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung heute nicht mehr
nachvollzogen werden könne. Im Gegenteil zeige sich eher eine recht starke,
aufgestellte und willensstarke Persönlichkeit mit relativ guten Ressourcen trotz
widrigen Entwicklungsbedingungen. Diese Einschätzung leuchtet insbesondere vor
dem Hintergrund der familiären, beruflichen und sozialen Anamnese der
Beschwerdeführerin nicht ein. So deuten die frühen lebensgeschichtlichen Belastungen
(Missbrauch durch den Vater, Platzierung in Pflegefamilien), die gescheiterten Ehen mit
abhängigen Beziehungen zu den gewalttätigen Ehemännern, die häufigen
Arbeitsstellen- und Wohnortswechsel und die Probleme beim Aufbau längerfristiger
und tragfähiger Beziehungen auf eine Persönlichkeitsstörung hin. Bei der Durchsicht
des Gutachtens des psychiatrischen SMAB-Sachverständigen entsteht der Eindruck,
dass seine Einschätzung hauptsächlich auf den subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin basiert hat. So hat er beispielsweise erklärt, dass das Ziel der
Beschwerdeführerin keinesfalls eine Berentung sei, sondern dass sie ihre
Arbeitsfähigkeit und finanzielle Unabhängigkeit weiterhin bewahren wolle. Tatsächlich
ist die Beschwerdeführerin seit Jahren nicht mehr finanziell unabhängig und kämpft −
gemäss eigenen Aussagen − seit dem Jahr 2005 um eine IV-Rente (IV-act. 247-1). Des
Weiteren hat der psychiatrische SMAB-Sachverständige anlässlich der Untersuchung
nur noch geringe depressive Restsymptome bei einer weitgehend normalen
Stimmungslage und Schwingungsfähigkeit eruieren können. In der Hamilton-
Depressionsskala hat die Beschwerdeführerin gerade noch 10 Punkte erreicht, was
unter dem Cut-off für eine leichte Depression liegt (14 Punkte). Obwohl im Zeitpunkt
der Begutachtung also nicht einmal mehr eine leichte depressive Symptomatik
vorgelegen hat, hat der psychiatrische SMAB-Sachverständige der Beschwerdeführerin
eine 20 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Auf das Gutachten von Dr. R._ kann somit
nicht abgestellt werden.
2.4.3 In einem Bericht vom Februar 2014 hat der aktuelle psychiatrische Behandler Dr.
U._ erstmals die Diagnose eines stark ausgeprägten adulten ADHS vom Mischtyp
gestellt. Er hat der Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit eine 100 %ige
Arbeitsunfähigkeit und in einer adaptierten Tätigkeit bei noch unsicherer Prognose auf
längere Sicht eine 30-50 %ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt. In einem Bericht vom
Oktober 2014 hat er zusätzlich eine bipolare Störung als Diagnose angegeben. An
diesen Diagnosen hat er auch in seinem aktuellsten Bericht vom 16. November 2016
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festgehalten. Somit stehen zwei neue psychiatrische Diagnosen im Raum. Zwar hat die
RAD-Ärztin begründete Zweifel an der Diagnose einer ADHS geäussert: So fänden sich
keine Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin in der Schule oder in der
Ausbildung erhebliche Probleme gehabt hätte. Weiter könnten die den Affekt
betreffenden Auffälligkeiten der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung zugeordnet
werden. Auch fehlten wesentliche, beim ADHS geforderte Symptome wie eine
Aufmerksamkeitsstörung und Hyperaktivität. Ausserdem habe die Beschwerdeführerin
erst nach dem Unfall vom 24. Juni 2012 über kognitive Einschränkungen grösseren
Ausmasses geklagt. Und schliesslich entsteht beim Lesen der Berichte von Dr. U._
der Eindruck, dass er in erster Linie auf die anamnestischen und subjektiven Angaben
der Beschwerdeführerin abgestellt hat. Auch Dr. Y._ hat in seinem Bericht vom 12.
Januar 2015 gewisse Zweifel an der Diagnose einer ADHS gehegt. Mit Bezug auf die
Diagnose einer bipolaren Störung ist zu erwähnen, dass Dr. F._ das Vorliegen einer
solchen im Jahr 2008 noch eindeutig ausgeschlossen hat (IV-act. 64-10). Trotz allem
kann nicht ausser Acht gelassen werden, dass zwei neue, von einer Fachperson
gestellte psychiatrische Diagnosen im Raum stehen. Da aufgrund der Berichte von Dr.
U._ gewisse Zweifel an der Einschätzung der Vorgutachter bestehen, steht die
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Die Sache ist somit zu weiteren
neurologischen und radiologischen Untersuchungen (bzw. einer neurologischen
Begutachtung) mit eventuell auch neuropsychologischer Untersuchung und im
Anschluss zur psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
2.5 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung infolge
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben und
die Sache ist zur weiteren medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
3.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
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in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt sich
die Festsetzung einer Entschädigung aus der gewährten unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung.
3.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege
beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS
963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin hat eine
Kostennote im Betrag von Fr. 5'165.64 (act. G 18.2) resp. Fr. 5'157.65 (act. G 23.1)
eingereicht. Sie hat einen Aufwand von 23.50 Stunden geltend gemacht. Im von der
Rechtsvertreterin verrechneten Stundenansatz von Fr. 200.-- ist die von Gesetzes
wegen bei unentgeltlicher Rechtsverbeiständung vorgesehene Kürzung des Honorars
um einen Fünftel bereits berücksichtigt (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS
963.70). Da die Beschwerdeführerin im vorliegenden Fall obsiegt hat, hat sie jedoch
Anspruch auf ein ungekürztes Honorar. Das verlangte Honorar beläuft sich bei einem
mittleren Stundenansatz von Fr. 250.-- (Art. 24 Abs. 1 HonO) auf Fr. 5'875.--. Zuzüglich
Auslagen/Spesen von Fr. 209.-- und 8 % Mehrwertsteuer (Fr. 486.70) beträgt das
geltend gemachte Honorar somit Fr. 6'570.70. In einem durchschnittlich aufwändigen
Rentenfall spricht das Versicherungsgericht praxisgemäss eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Der Aufwand der Rechtsvertreterin ist im
vorliegenden Fall überdurchschnittlich gewesen. Das Aktendossier des
Verwaltungsverfahrens hat 256 Aktenstücke umfasst und das Dossier der
Unfallversicherungen ist beinahe ebenso umfangreich gewesen. Zwar haben sich keine
schwierigen rechtlichen Fragen gestellt, aber in medizinischer Sicht hat es sich um
einen komplexen Sachverhalt gehandelt. Ausserdem hat die Rechtsvertreterin im
Beschwerdeverfahren weitere medizinische Berichte eingeholt, die nachträglich
eingeholten RAD-Stellungnahmen studieren müssen und neben der Beschwerde und
der Replik auch noch eine Stellungnahme zur Duplik verfasst. Eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/27
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Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- wäre im vorliegenden Fall daher zu tief, eine fast
doppelt so hohe Parteientschädigung, wie sie die Rechtsvertreterin gefordert hat,
allerdings zu hoch. Unter Würdigung aller Umstände erscheint eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 4'500.-- als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat
der Beschwerdeführerin für das Beschwerdeverfahren somit eine Parteientschädigung
von Fr. 4'500.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.