Decision ID: 0ed22cdf-4db6-5bb4-ae8f-876de18dfa49
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 0001 (Grundbuch Schänis) in Schänis. Da der
Mühlebach, der Rappenbach, der Krüppelbach und der Hofbach in den vergangenen
Jahren (insbesondere 1999, 2000, 2005 und 2006) anlässlich von
Hochwasserereignissen mehrfach über die Ufer traten und in weiten Teilen des Dorfes
Schänis hohe Sachschäden anrichteten, wurde ein Ausbauprojekt für diese Bäche
erstellt. Ziel war die Gewährleistung eines ausreichenden Hochwasserschutzes für das
Siedlungsgebiet Schänis, indem die Bäche in natürliche Geländeabschnitte verlegt
werden und so auch bei Extremereignissen ein Rückfluss in das Bachgerinne möglich
ist. Die vier Bäche entspringen am Schänerberg, an der Westflanke des Vorderen
Federispitzes. Der Mühlebach fliesst bei der Verzweigung Chastli-/Ledistrasse in den
Rappenbach. Der Krüppelbach fliesst vom Quartier Oberbirg her teilweise eingedolt
durch das Dorf und anschliessend der Bahnlinie entlang, bis er ebenfalls in den
Rappenbach mündet. Der Hofbach fliesst nordöstlich am Quartier Eichehof vorbei und
teilt sich danach in zwei Äste auf, die beide in den Krüppelbach münden.
B.- Am 15. August 2006 wählte die Regierung des Kantons St. Gallen die
Perimeterschätzungskommission Dorfbäche Schänis und beauftragte diese, die
Perimeterumgrenzung und die Perimeterlasten festzulegen. Das kantonale Amt für
Wasserbau und der Gemeinderat Schänis kamen aufgrund eines erneuten
Hochwasserereignisses im August 2005 überein, eine erste Etappe, welche die
Sanierung und den Ausbau des Rappen-, Mühle- und Krüppelbaches beinhaltet,
vorzuziehen. In einer zweiten Etappe soll der Hofbach, der ein geringeres
Schadenpotenzial aufweist, saniert werden. Am 7. Juli 2006 verabschiedete der
Gemeinderat Schänis die 1. Etappe des Gewässerausbauprojektes (Sanierung
Rappenbach, Mühlebach und Krüppelbach). Das Baudepartement des Kantons St.
Gallen genehmigte das Projekt am 6. Oktober 2006. Nach Erledigung diverser
Einsprachen erwuchs es im Juni 2009 in Rechtskraft. Für den Mühlebach sind darin
eine teilweise Bachverlegung und eine Offenlegung im unteren Bereich sowie eine
generelle Sanierung (Sohlenabsenkung, Verbreiterung) samt Erneuerung der
Unterquerungen vorgesehen. Der Rappenbach wird ebenfalls saniert und nach der
Vereinigung mit dem Mühlebach verlegt. Der Krüppelbach soll neu nordöstlich des
Dorfes verlaufen und bereits bei der Verzweigung Unterdorfstrasse/Steinenweg in den
Rappenbach fliessen.
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Am 7. Mai 2007 erliess die Schätzungskommission den Beitragsplan für die Dorfbäche
Schänis. Das Grundstück Nr. 0001 von X war darin mit 147 von 14'0001 Punkten
erfasst, was 0,9812% entsprach. Mit persönlicher Mitteilung vom 15. Mai 2007 wurden
die betroffenen Grundeigentümer davon in Kenntnis gesetzt. Vom 23. Mai bis 21. Juni
2007 wurden Projekt und Perimeter öffentlich aufgelegt.
X erhob mit Schreiben vom 9. Juni 2007 Einsprache gegen die Zugehörigkeit seines
Grundstücks zum Bau- und Unterhaltsperimeter. Mit Entscheid der
Schätzungskommission Dorfbäche Schänis vom 20. Februar 2009 wurde die
Einsprache abgewiesen. Gleichzeitig wurde der Perimeter für das Gebiet Y, wo das
Grundstück von X liegt, und für einzelne Grundstücke entlang der Z-Strasse widerrufen
und eine Neuauflage des Perimeters mit veränderter Zuteilung der Gefahrenklassen
verfügt. Darin war das Grundstück Nr. 0001 von X neu mit 294 von 17'068 Punkten,
was 1,7225% entsprach, erfasst. Mit persönlicher Mitteilung vom 20. Februar 2009
wurde X davon in Kenntnis gesetzt. Vom 23. Februar bis 25. März 2009 wurde der
Perimeter öffentlich aufgelegt.
C.- Gegen die neue Perimeterbelastung erhob X mit Schreiben vom 17. März 2009
Einsprache mit dem sinngemässen Antrag, sein Grundstück sei aus dem Perimeter zu
entlassen. Mit Entscheid vom 2. Juni 2009 wies die Schätzungskommission Dorfbäche
Schänis die Einsprache ab.
D.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X mit Eingabe vom 8. Juni 2009 Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragt unverändert, dass sein Grundstück
aus dem Perimeter zu entlassen sei.
Mit Vernehmlassung vom 28. August 2009 beantragt die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses. Mit Auszug aus dem Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 8. März 2010
schloss sich der Rekursbeteiligte diesem Antrag sinngemäss an.
Auf die von den Beteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen
und die Akten wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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Für die Bearbeitung der Rekurssache wurden beim Bauamt der Politischen Gemeinde
Schänis zusätzliche Akten beigezogen und dem Rekurrenten am 28. Juli 2010 zur
Kenntnis gebracht.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 8. Juni 2009 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 71 des Wasserbaugesetzes vom 17. Mai 2009, sGS 734.1, abgekürzt: WBG, in
Verbindung mit Art. 21 Abs. 2 des bisherigen Wasserbaugesetzes vom 23. März 1969,
nGS 18 - 58, abgekürzt: aWBG, sowie mit Art. 41 lit. e Ziff. 2, Art. 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Am 1. Januar 2010 ist das neue Wasserbaugesetz (WBG) in Kraft getreten. Nach
Art. 71 WBG sind die bei Inkrafttreten am 1. Januar 2010 hängigen Verfahren nach dem
bisherigen Recht abzuschliessen.
3.- Der Beitragsplan und das vorinstanzliche Verfahren sind zunächst von Amtes
wegen auf ihre formelle Rechtsmässigkeit hin zu überprüfen.
Die Schätzungskommission Dorfbäche Schänis hat für den Ausbau und Unterhalt des
Mühlebaches, Rappenbaches, Krüppelbaches und Hofbaches in Schänis einen
Beitragsplan erlassen. Die Schätzungskommission wurde mit Beschluss vom 15.
August 2006 vom Regierungsrat ernannt (Art. 18 aWBG). Der Perimeter enthält einen
Umgrenzungsplan und die Anteile der Eigentümer der beitragspflichtigen Grundstücke
(Art. 16 Abs. 1 und Art. 19 aWBG). Für die bisher unterhaltspflichtigen Grundstücke
wird eine Auslösungssumme festgelegt (Art. 26 f. aWBG). Der Kostenvoranschlag für
das Bauprojekt und die Nennung der Beiträge von Gemeinde, Kanton und Bund sind
gemäss aWBG zwar nicht erforderlich, aber aufgrund der allgemeinen
Perimetergrundsätze dennoch notwendig, damit sich die Abgabepflichtigen über das
Ausmass der finanziellen Belastung ein Bild machen können. Der Beitragsplan wurde
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dem Rekurrenten mit persönlicher Anzeige eröffnet (Art. 20 Abs. 2 aWBG). Der
Rekurrent hat gegen die Zugehörigkeit seines Grundstücks zum Perimetergebiet und
damit gegen die Umgrenzung Einsprache erhoben. Die Einsprache wurde von der dafür
zuständigen Schätzungskommission abgewiesen (Art. 21 Abs. 1 aWBG). Erstellung und
Eröffnung des Beitragsplanes sowie das Einspracheverfahren entsprechen damit den
gesetzlichen Vorschriften.
4.- Zu prüfen ist sodann die materielle Richtigkeit des Beitragsplanes. Umstritten ist die
Umgrenzung des Perimetergebiets.
a) Der Rekurrent macht geltend, sein Grundstück befinde sich nicht im gefährdeten
Gebiet, wenn der Sammler im Chastli regelmässig gewartet werde. Dies gehöre zur
Unterhaltspflicht eines Baches. Seine Liegenschaft grenze nirgends an einen Dorfbach
und gehöre daher nicht zum Perimeter. Es sei bereits im Linthperimeter erfasst.
b) Nach Art. 15 aWBG ist ein Perimeter zu errichten, wenn Ausbau und Unterhalt die
Leistungsfähigkeit der Unterhaltspflichtigen übersteigen oder wenn auch Dritte durch
den Ausbau einen Vorteil erfahren. Der Perimeter umfasst dabei die Grundstücke und
Anlagen eines Gebietes, das durch den Ausbau des Gewässers einen Vorteil erfährt
(Art. 16 Abs. 1 aWBG). Abgestellt wird auf den Nutzen, den eine Liegenschaft erfährt.
Beitragspflichtig ist somit nicht der Verursacher, sondern der Nutzniesser (VerwGE vom
1. Dezember 1995 in Sachen A.H., S. 15). Die Perimeterbeiträge dienen dem Ausgleich
des Vorteils, den die Grundstücke und Anlagen durch den Bau und Unterhalt erfahren.
Der Vorteil wird nach Grösse und Wert der Grundstücke oder Anlagen, nach der
Grösse der abgewendeten Gefahr und nach dem besonderen, für einzelne
Grundstücke oder Anlagen zu erwartenden Nutzen bemessen (Art. 17 aWBG). Der
Begriff "Vorteil" oder "Sondervorteil" ist auslegungsbedürftig. Er kann etwa als
besonderer Nutzen bezeichnet werden, der durch den Ausbau, die Sanierung oder den
Unterhalt eines Gewässers für das Grundeigentum im Einflussbereich dieses
Gewässers bewirkt wird. Der Vorteil oder Nutzen von wasserbaulichen Massnahmen
und fortwährendem Unterhalt durch ein Perimeterunternehmen liegt für ein Grundstück
in der Abwehr der Gefahr von Überschwemmungen und Geschiebeablagerungen und
den damit verbundenen Schäden, in einem anderweitigen, für einzelne Grundstücke
oder Anlagen zu erwartenden besonderen Nutzen oder in der teilweisen bis gänzlichen
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Befreiung von der direkten Unterhaltspflicht (vgl. Art. 17 Abs. 2 sowie Art. 26 aWBG).
Der Sondervorteil muss dem Grundstück des Abgabepflichtigen als solchem
erwachsen; die subjektiven Verhältnisse des Eigentümers sind nicht zu berücksichtigen
(VRKE II/3 vom 12. Mai 1995 in Sachen A.H., S. 13; Imboden/Rhinow, Schweizerische
Verwaltungsrechtsprechung, 5. Aufl. 1976, Nr. 111, S. 786).
c) Das Perimetergebiet des angefochtenen Beitragsplanes umfasst mit wenigen
Ausnahmen das ganze Gebiet des Dorfes Schänis. Das Grundstück Nr. 0001 des
Rekurrenten liegt im Quartier Y. Es grenzt zwar nicht direkt an einen der zu sanierenden
Bäche. Trotzdem war das fragliche Gebiet in den vergangenen Jahren bei
Hochwasserereignissen jeweils sehr stark betroffen. Aus einem anderen Verfahren ist
der Verwaltungsrekurskommission bekannt, dass das Wasser des Rappenbaches
diese Grundstücke von Nordwesten her überschwemmte (vgl. Proz.Nr. II/2-2009/12).
Nicht ohne Grund sind am Haus des Rekurrenten daher auch Profileisen angebracht, in
die bei Hochwassergefahr Platten eingeschoben werden können (act. 10). In der
kantonalen Gefahrenkarte vom 13. Januar 2006 ist das Grundstück Nr. 0001 mit einer
mittleren Gefährdung eingestuft (act. 16). Deshalb wurde das Gebiet Y im
Einspracheverfahren der höchsten Gefahrenklasse 1 mit 100% zugeteilt.
Auch ohne Durchführung eines Augenscheins kann unter diesen Umständen kein
Zweifel bestehen, dass durch den Ausbau und die Sanierung der Dorfbäche Schänis
eine erhebliche Hochwassergefahr vom Grundstück Nr. 0001 des Rekurrenten
abgewendet wird und dieses dadurch einen Vorteil erfährt. Das Grundstück wurde
daher zu Recht in den Perimeter einbezogen. Die wiederholten Hochwasserereignisse
und der Umfang der notwendigen Sanierungsmassnahmen zeigen, dass eine
regelmässige Reinigung der Sammler entgegen der Annahme des Rekurrenten nicht
genügt, um Überschwemmungen bei grossen Ereignissen zu verhindern.
5.- Gegen die konkrete Bemessung des Perimeterbeitrages bringt der Rekurrent keine
Einwände vor. Das Grundstück des Rekurrenten wurde wie die daran angrenzenden
Grundstücke in die Gefahrenklasse 1 eingestuft. Aus den Akten ist nicht ersichtlich,
inwiefern beim Rekurrenten eine abweichende Erfassung angezeigt wäre. Die
Tatsache, dass das Grundstück Nr. 0001 auch vom Linthperimeter erfasst wird, hat
keinen Einfluss auf die Einstufung im Perimeter Dorfbäche Schänis.
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Der Rekurs ist somit abzuweisen.
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von Fr.
1'000.--. Der Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.