Decision ID: 5f0b0af1-176c-5b17-a4f8-f61f3113d2b2
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend Versicherter), gelernter Offsetdrucker, arbeitete als
Inlinedrucker am Standort B._ für die C._ AG, Jona (IV-act. 1, 15). Ab dem 20.
Februar 2014 war der Versicherte wegen psychischer Leiden bei Dr. med. D._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, in Behandlung (IV-act. 9-5, 25). Ab
dem 1. September 2014 bestand eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 2, KV-
Fremdakten, 1, 7). Vom 11. bis 15. September und vom 27. September bis 20. Oktober
2014 wurde er stationär im Kriseninterventionszentrum und danach im Ambulatorium
des Psychiatrischen Zentrums E._ behandelt (IV-act. 24). Am 17. Oktober 2014
kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten per 30.
November 2014 (IV-act. 15-6).
A.a.
Am 22. Oktober 2014 meldete sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen
(berufliche Integration/Rente) an (IV-act. 9).
A.b.
Im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums E._ vom 29. Oktober 2014
diagnostizierten med. prakt. F._ und med. prakt. G._ eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11). Sie gingen weiterhin von einer
100%igen Arbeitsunfähigkeit aus (IV-act. 24).
A.c.
Am 9. Januar 2015 untersuchte Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, Facharzt für Pharmazeutische Medizin FMH, im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung (nachfolgend: Versicherung) den Versicherten. Im
Untersuchungsbericht vom 16. Februar 2015 erklärte Dr. H._, dass diagnostisch
nach Vorgeschichte, Beschwerdeschilderung, bisherigem Krankheitsverlauf und
aktuellem Befund eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) vorgelegen
A.d.
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habe, die inzwischen am Abklingen und aktuell nur noch leichtgradig ausgeprägt sei. Er
vermutete, dass sich die Symptomatik vollständig zurückbilden werde. Zum damaligen
Zeitpunkt erachtete er eine ärztliche bzw. psychotherapeutische Behandlung vorläufig,
d.h. bis zur vollständigen Depressionslösung, noch als erforderlich, jedoch nicht
darüber hinausgehende psychiatrische Behandlungsmassnahmen. Angesichts des
deutlich rückläufigen klinischen Befunds ging Dr. H._ nur noch bis Ende Februar
2015 von einer vollständigen und für die Monate März und April 2015 noch von einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit aus. Ab Mai 2015 erachtete er eine vollständige
Arbeitsfähigkeit als umsetzbar. Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. H._ aus, dass eine
fortgesetzte Attestierung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit keinen Vorteil bieten
würde, denn eine längerfristige Arbeitsdispensation würde der Dekonditionierung und
dem Vermeidungsverhalten geradezu Vorschub leisten und womöglich eine Spirale in
Gang setzen, die über ängstliche Zurückhaltung vor neuen Herausforderungen zu einer
Verstärkung dieser Vermeidungshaltung und somit zu einem weiteren Rückzug führen
würde (KV-Fremdakten, 2-4ff.).
Im Austrittsbericht des Psychiatrischen Zentrums E._ vom 3. Juli 2015
(teilstationärer Aufenthalt in der Tagesklinik vom 9. März bis 26. Juni 2015,
Abschlussgespräch am 1. Juli 2015) diagnostizierten Dr. med. I._, Oberarzt, und lic.
phil. J._, Psychologin, in psychiatrischer Hinsicht eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11) und eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Im Weiteren wurde ausgeführt, dass die Zuweisung
zur teilstationären Behandlung aufgrund einer erneuten Verschlechterung der
depressiven Symptomatik und einer fehlenden Tagesstruktur erfolgt sei. Beim Austritt
sei der Psychostatus im Vergleich zum Eintritt im Wesentlichen unverändert gewesen.
Die von Dr. H._ am 16. Februar 2015 gestellte Arbeitsfähigkeitsprognose (50 % ab
März 2015, 100 % ab Mai 2015) habe sich aufgrund der Beobachtungen als nicht
realistisch herausgestellt. Auszugehen sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab
Beginn der tagesklinischen Behandlung am 9. März 2015 bis zum ersten Termin im
Ambulatorium am 8. Juli 2015. Danach schätzten sie die Arbeitsfähigkeit in einer der
Behinderung angepassten Tätigkeit auf 40 %, mit der Prognose einer Erreichung einer
50%igen Arbeitsfähigkeit innerhalb von sechs Monaten (IV-act. 37).
A.e.
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Daraufhin bat die Versicherung Dr. H._ um eine erneute Beurteilung der
gesundheitlichen Situation des Versicherten anhand der Aktenlage. Dem Arzt wurden
die Arztberichte des Psychiatrischen Zentrums E._ vom 9. März und 3. Juli 2015
vorgelegt. In der Stellungnahme vom 20. August 2015 erklärte Dr. H._, dass die
Einschätzung durch die Ärzte des Psychiatriezentrums E._ für ihn überraschend sei.
Erklären liesse sich diese nur, wenn nach seiner Beurteilung eine unvorhergesehene
Verschlechterung des Krankheitsbildes eingetreten sei. Er empfahl der Versicherung
eine nochmalige Begutachtung des Versicherten (KV-Fremdakten, 5-5ff.).
A.f.
In einer auf den Akten basierenden Stellungnahme vom 27. August 2015 erklärte
RAD-Ärztin K._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, dass auf die
Begutachtung von Dr. H._ und seine Arbeitsfähigkeitseinschätzung nicht mehr
abgestellt werden könne. Die RAD-Ärztin ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
für alle Tätigkeiten vom 3. März bis 8. Juli 2015 aus. Danach ging sie von einer
Präsenzzeit von 3 bis 4 Stunden pro Tag aus mit dem Ziel, innerhalb von sechs
Monaten eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit aufzubauen (IV-
act. 42).
A.g.
Im Arztbericht des Ambulatoriums des Psychiatrischen Zentrums E._ vom 11.
September 2015 diagnostizierten Dr. med. L._, Oberärztin, und med. prakt. M._,
Assistenzärztin, eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F32.11) und Störungen durch Sedativa oder Hypnotika, schädlicher Gebrauch
(ICD-10: F13.1). Aufgrund des psychischen Zustands des Versicherten wurden die
Medikation erhöht und die Konsultationsintervalle verkürzt. Die Arbeitsfähigkeit
schätzten sie derzeit und bis 31. Oktober 2015 auf 20 % (KV-Fremdakten, 5-3f.).
A.h.
Der Aufforderung der Versicherung, sich von Dr. H._ am 16. September 2015
erneut untersuchen zu lassen, kam der Versicherte nicht nach (KV-Fremdakten, 4, 5-2).
A.i.
Am 12. November 2015 wurde dem Versicherten vom Psychiatrischen Zentrum
E._ eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende November 2015 attestiert (IV-act. 48).
Zirka Mitte November 2015 wurde die Behandlung im Psychiatrischen Zentrum E._
im gegenseitigen Einverständnis abgebrochen (IV-act. 50).
A.j.
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Im Dezember 2015 konsultierte der Versicherte zweimal Dr. med. N._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie. Im Arztbericht vom 15. Dezember 2015 schilderte
Dr. N._ eine hochkomplexe Situation mit Auseinandersetzungen mit Behandlern und
Institutionen (u.a. Krankentaggeldversicherungen, RAV, IV, Migrationsamt, Arbeitgeber,
Sozialamt) sowie einer schwierigen psychosozialen Situation (erneut verheiratet, das
Ehepaar erwarte im Frühjahr 2016 ein gemeinsames Kind, familiäre Belastungen,
Kinder im KJPD St. Gallen). Wegen der genannten Faktoren ging er von einer
ungünstigen Prognose aus. Ob auch noch posttraumatische Symptome massgeblich
seien, konnte er noch nicht abschliessend beurteilen. Im Weiteren erwähnte er, dass
gemäss Auskunft der Vorbehandler aus dem Ambulatorium die Zusammenarbeit mit
dem Versicherten sehr schwierig gewesen sei. Es sei unmöglich gewesen, mit ihm
einen roten Faden zu verfolgen. Dr. N._ erachtete die Voraussetzungen für eine
erfolgreiche therapeutische Arbeit mit dem Versicherten als nicht gegeben (IV-act.
51-2ff., vgl. auch IV-act. 63).
A.k.
Am 26. Januar 2016 begab sich der Versicherte in Behandlung bei Dr. med. O._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH (IV-act. 68, 71). Mit ärztlichem
Zeugnis vom 1. März 2016 attestierte Dr. med. P._, Allgemeine Medizin FMH, dem
Versicherten "überbrückend" eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Januar bis 29.
Februar 2016 (IV-act. 58, 72-4).
A.l.
In der Stellungnahme vom 14. März 2016 erklärte RAD-Ärztin Dr. K._, dass in
absehbarer Zeit kein Eingliederungspotential erkennbar sei und eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten bestehe (IV-act. 59). Mit Schreiben vom 22. März
2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens um
berufliche Massnahmen mit (IV-act. 61).
A.m.
Im Arztbericht vom 1. Juni 2016 diagnostizierte Dr. O._ eine schizotype Störung
(ICD-10: F21) und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit paranoiden, schizoiden
und emotional instabilen Anteilen (ICD-10: F61.0). Erste Symptome seien nach dem
Tod der ersten Ehefrau am 22. März 2013 (vgl. IV-act. 10-1f.) aufgetreten. Die Ärztin
ging von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit seit dem 1. September 2014 bis auf
weiteres aus (IV-act. 70f.).
A.n.
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B.
Im Arztbericht vom 2. Juni 2016 erklärte Dr. P._, dass ihm die Details zu den
psychischen Leiden, deren Behandlung und den daraus resultierenden
Einschränkungen nicht bekannt seien. Er verwies die IV-Stelle deshalb an die
behandelnden Psychiater (IV-act. 72-2ff.).
A.o.
Auf Empfehlung des RAD-Arztes Dr. med. Q._, welcher die gestellten Diagnosen
als zunehmend vielfältiger, aber auch als widersprüchlicher erachtete (IV-act. 74),
erteilte die IV-Stelle am 29. Juli 2016 den Auftrag für eine psychiatrische Begutachtung
an Dr. R._, Facharzt für Neurologie, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (IV-
act. 77).
A.p.
Im psychiatrischen Gutachten vom 27. Februar 2017 diagnostizierte Dr. R._
gestützt auf die Aktenlage und die persönlichen Untersuchungen des Versicherten am
2. und 8. September 2016 eine neurotische Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10:
F48.9). Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, dass die bisherige Tätigkeit als der
Gesundheitsstörung angepasst gelten könne. Medizinisch-theoretisch betrage die
störungsbedingte Leistungsminderung derzeit schätzungsweise 10 % (IV-act. 93). In
der Stellungnahme vom 23. März 2017 erklärte RAD-Arzt Dr. Q._, dass das
Gutachten von Dr. R._ den versicherungsmedizinischen Anforderungen entspreche
und auf das Gutachtenergebnis abgestellt werden könne (IV-act. 96).
A.q.
Mit Vorbescheid vom 3. April 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Abweisung des Leistungsbegehrens auf eine Invalidenrente in Aussicht. Zur
Begründung wurde angeführt, dass er ohne Behinderung ein Einkommen von
Fr. 64'018.- (Valideneinkommen) und in einer leidensadaptierten Tätigkeit bei einer
90%igen Arbeitsfähigkeit ein solches von Fr. 59'808.- (Invalideneinkommen) erzielen
könne. Die Erwerbseinbusse betrage Fr. 4'210.- und der Invaliditätsgrad 7 %. Es liege
somit kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vor (IV-act. 99).
A.r.
Am 19. Mai 2017 erhob der Rechtsvertreter des Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur.
Laurent Häusermann, St. Gallen, Einwand gegen den Vorbescheid vom 3. April 2017
(IV-act. 104). Verlangt wurde die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen. Zur
Begründung wurde insbesondere angeführt, dass die Befunde, Diagnosen und
B.a.
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C.
Arbeitsfähigkeitsschätzungen der behandelnden Ärzte gegenüber den begutachtenden
Ärzten Dr. H._ und Dr. R._ überzeugender seien. Die von Dr. R._ im Gutachten
gestellte Diagnose einer nichtinvalidisierenden neurotischen Störung sei nicht
nachvollziehbar.
Am 23. Mai 2017 forderte die IV-Stelle Gutachter Dr. R._ auf, zu den Einwänden
des Versicherten aus medizinischer Sicht Stellung zu nehmen (IV-act. 105). Im
Nachtrag zum Gutachten vom 23. Oktober 2017 führte Dr. R._ insbesondere aus,
dass sich der Versicherte – ohne Vorliegen von Krankheitsgründen – mit seinem
Lebensstil selbst limitiere. Im Weiteren begründete er ausführlich seine
Diagnosestellung (IV-act. 111). In der Stellungnahme vom 30. Oktober 2017 erklärte
RAD-Arzt Dr. med. S._, dass weiterhin auf das Ergebnis des Gutachtens abgestellt
werden könne (IV-act. 112).
B.b.
Mit Verfügung vom 30. Oktober 2017 verneinte die IV-Stelle den erhobenen
Anspruch auf eine Invalidenrente. Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt,
dass mit dem Einwand keine neuen medizinischen Tatsachen vorgebracht worden
seien, weshalb weiterhin auf das Gutachten von Dr. R._ abgestellt werde. Dem
Versicherten sei eine adaptierte Tätigkeit seit Mai 2015 zu 90 % zumutbar. Der
Invaliditätsgrad betrage lediglich 7 % (IV-act. 113).
B.c.
Dagegen gelangte der Rechtsvertreter des Versicherten am 1. Dezember 2017 mit
Beschwerde ans Versicherungsgericht. Beantragt wurde: 1. Es sei die Verfügung vom
30. Oktober 2017 aufzuheben und es seien dem Versicherten die gesetzlichen
Leistungen zu erbringen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich
Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdegegnerin. In verfahrensrechtlicher Hinsicht
wurde beantragt, die Akten im Verfahren vor dem Versicherungsgericht St. Gallen
betreffend Taggeldleistungen (KV-Z 2017/3) beizuziehen, das Verfahren formlos bis
zum Abschluss des Verfahrens KV-Z 2017/3 zu sistieren und die Kosten bei der
Hauptsache zu belassen. In materiellrechtlicher Hinsicht wurde insbesondere
ausgeführt, dass es dem Gutachten von Dr. R._ an der erforderlichen Schlüssigkeit
fehle, weshalb nicht darauf abgestellt werden dürfe (act. G 1).
C.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
Mit Schreiben vom 24. Januar 2018 teilte das Versicherungsgericht den Parteien
die Sistierung des Verfahrens – bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids im
Klageverfahren KV-Z 2017/3 – mit (act. G 4). Am 19. März 2019 erging der Entscheid in
der Taggeldstreitigkeit KV-Z 2017/3. Nach Eintritt der Rechtskraft wurde die Sistierung
des vorliegenden Verfahrens aufgehoben (act. G 6).
C.b.
Am 30. September 2019 liess der Beschwerdeführer, neu vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, St. Gallen (vgl. act. G 5, G 5.1), eine ergänzende
Beschwerdebegründung einreichen (act. G 13).
C.c.
In der Beschwerdeantwort vom 13. November 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und eventualiter die Einholung
eines Gerichtsgutachtens. Begründet wurde der Abweisungsantrag insbesondere
damit, dass auf das Gutachten von Dr. R._ abgestellt werden könne, denn der
Gutachter habe die Akten angemessen gewürdigt, sei auf abweichende Diagnosen
eingegangen und habe die Herleitung seiner Diagnosen begründet (act. G 15).
C.d.
In der Replik vom 20. April 2020 hielt der Beschwerdeführer an den
Rechtsbegehren gemäss Beschwerde vom 1. Dezember 2017 fest. Gerügt wurde
insbesondere, dass der Gutachter es unterlassen habe, die funktionellen Auswirkungen
der erhobenen Beschwerden zu beurteilen. Ausserdem habe eine schlüssige
Beurteilung in Lichte der massgeblichen Indikatoren nicht stattgefunden (act. G 23).
C.e.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik innert der
angesetzten Frist (vgl. dazu act. G 24).
C.f.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
1.1.
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während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1), jedoch frühestens im Monat der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt
(Art. 29 Abs. 1 IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats ausbezahlt, in dem der
Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen, 115 V 134 E. 2).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).
1.3.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG und
Art. 28a Abs. 1 IVG).
1.4.
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu beantworten, ob der
medizinische Sachverhalt rechtsgenüglich abgeklärt worden ist.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 % invalid ist.
1.5.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Abweisung des Rentenanspruchs im
Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von Dr. R._ vom 27. Februar 2017
und den Nachtrag dazu vom 23. Oktober 2017 (IV-act. 93 und 111; IV-act. 113, 132,
act. G 15-2f.). Der Beschwerdeführer bestreitet dagegen dessen Beweiskraft und
verweist auf die abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte (act. G 13-3ff.,
G 23-2ff.).
2.1.
Vorweg ist zu beachten, dass ein den Beweisanforderungen grundsätzlich
genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a und b) nicht in Frage
gestellt werden und Anlass zu weiteren Abklärungen bieten kann, wenn und sobald die
behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen
Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen
festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte
vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und
die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts
vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner kann eine
psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen.
Sie eröffnet einer psychiatrischen Fachperson – sei sie nun in therapeutischer oder in
begutachtender Funktion – daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb
dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig
und zu respektieren sind, sofern die Beurteilung des Experten oder der Expertin die
Beweisanforderungen erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009,
8C_694/2008, E. 5.1.1).
2.2.
Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann zunächst nur relevant sein, wenn
sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung
ist (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017; BGE 130 V 396). Da
die diagnostische Einordnung einer psychischen Störung allein das objektiv
bestehende tatsächliche Leistungsvermögen nicht festlegt, sind die funktionellen
2.3.
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Folgen der Gesundheitsschädigung qualitativ zu erfassen und quantitativ
einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.1, 143 V 418 E. 4.1.2). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1f.) sind grundsätzlich
(bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche psychischen
Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind - unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits - gemäss BGE 141 V 281 also in
der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich. Diese hat das Bundesgericht wie
folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie "funktioneller Schweregrad" (E.
4.3) mit den Komplexen "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg
oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung
und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und "sozialer
Kontext" (E. 4.3.3) sowie Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens [E.
4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
Das der angefochtenen Verfügung vom 30. Oktober 2017 (IV-act. 113)
zugrundeliegende psychiatrische Gutachten von Dr. R._ vom 27. Februar 2017 und
der Nachtrag dazu vom 23. Oktober 2017 (IV-act. 93 und 111) wurden vor dem BGE
143 V 418 (vom 30. November 2017) erstellt, welcher die Anwendbarkeit des
strukturierten Beweisverfahrens gemäss BGE 141 V 281 auf sämtliche psychische
Erkrankungen ausdehnte. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlieren
vor BGE 141 V 281 (bzw. vor BGE 143 V 418) erstattete medizinische (psychiatrische)
Gutachten ihren Beweiswert nicht per se. Vielmehr ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen,
ob die Sachverständigengutachten, gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten, eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (vgl. BGE 141 V 281 E. 8; vgl. Bundesgerichtsentscheid
vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016). Der psychiatrische Gutachter Dr. R._ hat sich -
wenn auch (da noch) in Unkenntnis der heute geltenden bundesgerichtlichen
Terminologie nur sinngemäss - mit dem funktionellen Schweregrad der
Beeinträchtigung und der Konsistenz auseinandergesetzt.
2.4.
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2.5.
Festzustellen ist, dass Dr. R._ im Gutachten (IV-act. 93-2ff.) eine ausführliche
Anamnese und Befunderhebung wiedergab (u.a. in Anlehnung an das AMDP System;
IV-act. 93-8ff./15f.), die Ergebnisse der neuropsychologischen/
verhaltensneurologischen Testdiagnostik sowie der Blutuntersuchung (IV-act. 93-17f.)
berücksichtigte und die Diagnose neurotische Störung, nicht näher bezeichnet (ICD-10:
F48.9), stellte (IV-act. 93-24). Erläuternd führte er aus, dass er aufgrund des leicht
niedergeschlagenen, unzufriedenen und dysphorischen Affekts, der Klagen über
Reizbarkeit, Wut und Ärger, der Klagen über Abnahme der Hedonie und der Hinweise
auf latente Minderwertigkeitsgefühle und Probleme im Bereich des Selbstwertes, vom
Vorliegen eines leichten affektiven Syndroms ausgegangen sei. Die Klagen über
Müdigkeit, Schwäche, körperliche Beschwerden würden zu einem neurasthenischen
(asthenischen) Syndrom passen. Weitere erhobene Symptome habe er nicht einer
spezifischen psychiatrischen Gesundheitsstörung zuordnen können. Er erachte daher
die eher allgemeine, unspezifische Diagnose der neurotischen Störung als am
passendsten. Er habe nur eine leichte, jedoch weder eine rezidivierende depressive
Störung noch eine Persönlichkeitsstörung erheben können, obwohl einzelne
Diagnosekriterien erfüllt erschienen seien. Die Auffälligkeiten im Verhalten seien durch
krankheitsfremde Faktoren erklärbar, am ehesten durch die Religion/Kultur und
soziales Aussenseitertum. Dass es nach dem Tod der ersten Ehefrau (22. März 2013,
IV-act. 10-1f.) und des ungeborenen Kindes im Mutterleid der zweiten Ehefrau
(September 2014, IV-act. 24-2) zu einer Trauerreaktion im Sinne einer gehemmten oder
prolongierten Trauer gekommen sei, sei plausibel. Die Kriterien für eine depressive
Episode infolge von Schicksalsschlägen seien damals möglicherweise erfüllt gewesen.
Eine posttraumatische Belastungsstörung sei jedoch nicht nachgewiesen. Es fehle
insbesondere an einer anschaulichen Wiedergabe von Beschwerdeschilderungen, die
eine solche ergeben würde. Zu den früheren ärztlichen Einschätzungen führte Dr. R._
aus, dass der Einfluss der sozialen Faktoren nur ungenügend gewürdigt worden sei. Es
fehle eine Abgrenzung der Auswirkungen medizinisch-psychiatrischer von
krankheitsfernen sozialen Faktoren. Deshalb sei er auch nicht zu den gleichen
diagnostischen Einschätzungen wie der behandelnde Psychiater Dr. N._ und die
Psychiaterin Dr. O._ gekommen (IV-act. 93-24f./30ff.). Im Nachtrag zum Gutachten
vom 23. Oktober 2017 begründete Dr. R._ nochmals seine Diagnosestellung und
wies darauf hin, dass selbst wenn bei einer Depression vorkommende Symptome
vorlägen, dies noch nicht bedeute, dass eine depressive Episode oder eine affektive
2.5.1.
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Störung gemäss ICD-10 gegeben sei, denn solche Symptome kämen bei vielen
psychischen Erkrankungen vor (IV-act. 111).
Dr. R._ äusserte sich auch zur Ausprägung der Gesundheitsschädigung (vgl.
BGE 141 V 281 E. 4.3.1.1). So führte er zum funktionellen Schweregrad aus, dass er
zum Untersuchungszeitpunkt nur leichte Befunde habe feststellen können. Die
Gesundheitsstörung trete hauptsächlich dadurch in Erscheinung, dass der
Beschwerdeführer über Müdigkeit, körperliche Beschwerden und Auffälligkeiten im
Gefühlsbereich sowie über Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit klage. Der
Beschwerdeführer habe zwar auch über sozialen Rückzug und die Abnahme von
Aktivitäten geklagt. Dies stehe jedoch im Kontrast zu den relativ vielen Aktivitäten und
sozialen Kontakten, die der Beschwerdeführer pflege (IV-act. 93-18/24f.).
2.5.2.
2.6.
Unbestritten ist, dass zeitnah zu den erlittenen Schicksalsschlägen (Tod der
ersten Ehefrau am 22. März 2013 und des ungeborenen Kindes der zweiten Ehefrau im
September 2014) behandlungsbedürftige psychische Leiden aufgetreten sind (IV-act.
10-1f., 24-2, 93-11f./23/32). So begab sich der Beschwerdeführer im Februar 2014 in
psychiatrische Behandlung. Ab September 2014 bis November 2015 erfolgten
ambulante, teilstationäre und stationäre Behandlungen im Psychiatrischen Zentrum
E._. Gestützt auf die jeweils zeitnah erstellten Arztberichte des Psychiatrischen
Zentrums E._ (vgl. IV-act. 37, 50, 53, KV-Fremdakten, 5-3f., 7-13ff.) muss mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit vom Vorliegen einer zumindest mittelschweren
Depression bis November 2015 ausgegangen werden. Die abweichenden
Einschätzungen von Dr. H._ (Gutachten vom 16. Februar 2015, KV-Fremdakten,
2-4ff.) und von Dr. R._ (Gutachten vom 27. Februar 2017, IV-act. 93), in welchen
bereits ab dem Frühjahr 2015 von einer wesentlichen gesundheitlichen Verbesserung
und damit nicht mehr von einem erheblichen psychischen Leiden ausgegangen wird,
vermögen bezüglich des Zeitraumes bis November 2015 nicht zu überzeugen. So
äusserte sich Dr. H._ im Februar 2015 rein prognostisch und in der Stellungnahme
vom 20. August 2015 empfahl er eine erneute Begutachtung (KV-Fremdakten, 5-5ff.).
Die Einschätzungen von Dr. R._ beruhen auf den Untersuchungen des
Beschwerdeführers, welche erst im September 2016 stattfanden. Es fehlt auch an einer
überzeugenden Begründung, weshalb die zeitnahen Einschätzungen der Ärzte des
Psychiatrischen Zentrums E._ falsch sein sollen. In der Stellungnahme vom 20.
August 2015 ging die RAD-Ärztin Dr. K._ ebenfalls von einer eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus. Von einer wesentlichen Verbesserung der
2.6.1.
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psychischen Leiden ist ab Dezember 2015 auszugehen, wurde doch die Behandlung
im Psychiatrischen Zentrum E._ Mitte November 2015 im gegenseitigen
Einverständnis abgebrochen (IV-act. 50, 53: Die Klinikärzte attestiert dem
Beschwerdeführer noch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende November 2015).
Ab Dezember 2015 dürften versicherungsrechtlich nicht relevante Problematiken in den
Vordergrund getreten sein, erwähnte doch Dr. R._ im Gutachten, dass
krankheitsferne Faktoren beim Beschwerdeführer zu einer Selbstlimitierung geführt
hätten. Genannt wurden familiäre Probleme und Konflikte, verursacht insbesondere
durch unterschiedliche Lebensanschauungen und Wertvorstellungen der
Familienmitglieder (vgl. IV-act. 93-11/23/28f./33), sowie finanzielle Probleme, infolge
des Arbeitsplatzverlustes und der Einstellung der Krankentaggeldleistungen (vgl. IV-act.
93-14/28f.). Dr. N._ erwähnte in seinem Arztbericht vom Dezember 2015 ebenfalls
verschiedene krankheitsferne Faktoren (IV-act. 51-2ff.). Da die behandelnden Ärzte Dr.
N._ und Dr. O._ bei ihren Einschätzungen auch krankheitsferne Beeinträchtigungen
berücksichtigt haben (IV-act. 51-2ff., 71-2), kann in Übereinstimmung mit Dr. R._
(IV-93-24f., 111) zumindest für die Zeit ab Dezember 2015 nicht unbesehen auf deren
Atteste abgestellt werden.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in der
Beschwerdebegründung vom 30. September 2019 hinsichtlich der Diagnosestellung
geltend, dass die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden von Dr. R._ nur
mangelhaft berücksichtigt worden seien (act. G 13-3ff.). Insbesondere habe der Arzt
eine depressive Episode nicht in Erwägung gezogen, obwohl zumindest vier der
angegebenen Symptome bei einer Depression gegeben seien. Dazu ist festzustellen,
dass Dr. R._ die geklagten Beschwerden sehr wohl gewürdigt, jedoch auch weitere
Erkenntnisse (wie das Verhalten und die Alltagsaktivitäten des Beschwerdeführers) bei
der Diagnosestellung mitberücksichtigt hat. Auch führte er im Gutachten aus, dass er
zum Untersuchungszeitpunkt kein schweres depressives Syndrom habe feststellen
können (IV-act. 93-18/24/32), wobei er den erhobenen Psychostatus dokumentierte (IV-
act. 93-15ff.). Zudem setzte sich Dr. R._ mit den Diagnosen der behandelnden
Psychiater Dr. N._ und Dr. O._ auseinander, wies dabei auf Inkonsistenzen sowie
die Berücksichtigung krankheitsferner Faktoren hin (IV-act. 93-30ff.) und erwähnte,
dass Dr. H._ bereits im Gutachten vom 16. Februar 2015 von einer vorübergehenden
depressiven Episode ausgegangen war (IV-act. 93-29f., KV-Fremdakten, 2-4ff.).
2.6.2.
Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass hinsichtlich der Zeit ab Dezember
2015 die diagnostische Einschätzung von Dr. R._ nachvollziehbar und schlüssig ist.
Ab Dezember 2015 ist folglich vom Vorliegen einer neurotischen Störung, nicht näher
2.6.3.
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bezeichnet (ICD-10: F48.9), in einer nicht besonders schweren Ausprägung
auszugehen. Bis und mit November 2015 ist dagegen auf die Diagnosestellung des
Psychiatrischen Zentrums E._ abzustellen und damit vom Vorliegen eines
erheblichen psychischen Leidens (mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom, ICD-10: F32.11) auszugehen.
2.7.
Nachfolgend ist auf den Behandlungs- und Eingliederungserfolg bzw. die
Therapieresistenz einzugehen (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2). Der Beschwerdeführer
begab sich im Februar 2014 wegen eines depressiven Leidens in fachärztliche
Behandlung (IV-act. 9-5, 25-2). Das depressive Krankheitsbild dürfte sich bis Ende
November 2015 wesentlich verbessert haben, wurde doch die Behandlung im
Psychiatrischen Zentrum E._ Mitte November 2015 beendet. Der Beschwerdeführer
konsultierte zwar im Dezember 2015 zweimal den Psychiater Dr. N._, es erfolgte
jedoch keine Behandlung (IV-act. 51-2ff., 63). Am 26. Januar 2016 konsultierte der
Beschwerdeführer die Psychiaterin Dr. O._ (IV-act. 71-1). Der eigentliche
Behandlungsbeginn erfolgte gemäss den Angaben des Beschwerdeführers jedoch erst
später, wahrscheinlich im Februar oder März 2016 (IV-act. 93-11). Dies erklärt auch,
weshalb nicht Dr. O._, sondern der Hausarzt Dr. P._ am 1. März 2016 dem
Beschwerdeführer rückwirkend für die Monate Januar und Februar 2016 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestierte (IV-act. 58, 72-4). Diese Arztbesuche ändern jedoch
nichts daran, dass ab Dezember 2015 keine plausible Begründung für eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr ersichtlich ist. Anlässlich der Untersuchung im
September 2016 konnte Dr. R._ denn auch nur wenige versicherungsrechtlich
relevante Funktionsdefizite feststellen, welche zudem nach seiner Einschätzung durch
guten Willen und zumutbare Aktivierung von Ressourcen fast vollständig
kompensierbar wären. Ausserdem war im Blutspiegel das verordnete
Psychopharmakon Venlafaxin nicht nachweisbar, was auf eine Nichteinnahme des
Medikaments hinweist und die Angewiesenheit auf dieses Medikament in Frage stellt.
Falls sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verschlechtern sollte,
könnte die Medikamententherapie neu aufgesetzt werden (vgl. IV-act. 93-26f.). In
Anbetracht des Gesagten ist davon auszugehen, dass mit Abschluss der Behandlung
im Psychiatrischen Zentrum E._ im November 2016 auch keine krankheitsbedingte
Behandlungsbedürftigkeit mehr gegeben war. Eine Behandlungsresistenz ist damit
jedenfalls nicht ausgewiesen.
2.7.1.
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Als rechtlich bedeutsame Komorbiditäten fallen – nebst Begleiterkrankungen mit
eigenständiger invalidisierender Bedeutung (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3) –
Beschwerden in Betracht, welchen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung
beizumessen ist (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Dr. R._ stellte gestützt auf die
Untersuchung im September 2016 nur eine Diagnose (neurotische Störung in einer
nicht besonders schweren Ausprägung). Selbst wenn vom Vorliegen weiterer
Diagnosen ausgegangen würde, erscheint es in Anbetracht der nur geringen
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde als unwahrscheinlich, dass diesen eine
ressourcenhemmende Wechselwirkung zukäme (vgl. IV-act. 93-24f.).
2.7.2.
In Bezug auf die im Komplex Persönlichkeit zu prüfenden Merkmale
(Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen) ist
dem Gutachten zu entnehmen, dass vor der Erkrankung im Jahr 2014 eine normale
Sozialisation und eine volle Leistungsfähigkeit bestand. Auffällig war lediglich die
zunehmende Verhaltensausrichtung des Beschwerdeführers nach der Religion und
dabei insbesondere sein missionarisches Auftreten gegenüber Arbeitskollegen (vgl. IV-
act. 93-13f./23/33). Die gezeigten Verhaltensweisen dürften jedoch noch in einem
akzeptablen Rahmen gewesen sein, ansonsten hätte die Arbeitgeberin dem
Beschwerdeführer nach erfolgter Kündigung nicht wieder einen neuen Arbeitsvertrag
per 1. September 2014 angeboten (IV-act. 1, 15-2, 93-13). Im Gutachten beschrieb Dr.
R._ den Beschwerdeführer – in Anlehnung an die dimensionalen
Persönlichkeitsmerkmale von Costa ("big five") – als eine wahrscheinlich eher
durchschnittlich gesellige, eher leicht irritierbare, durchschnittlich gutmütig verträgliche,
durchschnittlich gründlich gewissenhafte und durchschnittlich neugierige
Persönlichkeit. Es gebe Hinweise auf eine Empfindlichkeit auf Kritik und auf eine
gewisse Verletzbarkeit. Eine Persönlichkeitsakzentuierung habe sich aber nicht mit
hinreichender Sicherheit belegen lassen und eine Persönlichkeitsstörung schon gar
nicht (IV-act. 93-17/19). Festzuhalten ist, dass die gutachterlichen Einschätzungen zur
Persönlichkeit nachvollziehbar sind und nach der Aktenlage auch zutreffend sein
dürften. Relevante Abweichungen sind nicht ersichtlich.
2.7.3.
Umstritten ist, ob der Beschwerdeführer über verwertbare Ressourcen verfügt.
Der Beschwerdeführer verneint dies. Aus den Akten ergeben sich jedoch verschiedene
Ressourcen. So verfügt der Beschwerdeführer über eine Ausbildung als Drucker und
mehrjährige Berufserfahrung (IV-act. 15-1, 19, 93-13; KV-Fremdakten, 9-11f.). Ein
berufliches Beziehungsnetzwerk dürfte daher vorhanden sein. Aus den vom
Beschwerdeführer geschilderten Tagesabläufen sind ausserdem verschiedene
Aktivitäten ersichtlich. So geht er regelmässig ins Thaibox-Training, erledigt Einkäufe,
2.7.4.
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geht ein- oder zweimal pro Tag in die Moschee, hilft im Haushalt und betreut seine
Kinder. Zudem nimmt er an den Elternabenden in der Schule teil. In den Ferien
besuchte er alleine seine Familie in T._ (IV-act. 93-10f./23/31). Siebeneinhalb Monate
nach dem Tod seiner ersten Ehefrau am 22. März 2013 heiratete er am 5. November
2013 erneut (IV-act. 9-1f., 10-1f.). Es ist daher Dr. R._ zuzustimmen, dass der
Beschwerdeführer über verwertbare bzw. nutzbare Ressourcen verfügt.
Zum sozialen Kontext (BGE 141 V 281 E. 4.3.2) ist festzustellen, dass der
Beschwerdeführer zusammen mit seiner zweiten Ehefrau sowie seien fünf Kindern aus
erster und zweiter Ehe zusammenlebt. Der Beschwerdeführer dürfte daneben auch
Kontakte zu weiteren Personen haben, wie den Trainingskollegen vom Thaiboxen
sowie Gläubigen, welche wie er mehrmals täglich die Moschee besuchen. Gemäss Dr.
R._ ist weder die Selbstbehauptungsfähigkeit noch die Kontaktfähigkeit zu Dritten
und auch nicht die Gruppenfähigkeit krankheitsbedingt beeinträchtigt (IV-act. 93-10f./
22f./31). Es ist folglich nicht von krankheitsbedingten sozialen Beeinträchtigungen
auszugehen.
2.7.5.
Der Beschwerdeführer macht eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätsniveaus in allen Lebensbereichen geltend (BGE 141 V 281 E. 4.4.1). Dr. R._
hält es für möglich, dass das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers vor Auftreten der
Erkrankung höher gewesen sei. Nicht plausibel sei dagegen, dass die
krankheitsbedingten Beschwerden dem Beschwerdeführer eine Arbeit verunmöglichen
würden, wenn er im Alltag durchaus in der Lage sei, Leistungen zu erbringen (bspw.
Einkaufen, Haushaltsarbeiten, Kinderbetreuung, Moscheebesuche; IV-act. 93-31).
Aufgrund der aktenkundigen Alltagsaktivitäten kann nicht von einer
krankheitsbedingten gleichmässigen Reduktion des Aktivitätsniveaus in allen
Lebensbelangen (berufliche und persönliche Aktivitäten) ausgegangen werden.
2.7.6.
Was den behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen
Leidensdruck (BGE 141 V 281 E. 4.4.2) angeht, ist festzustellen, dass der
Beschwerdeführer sich im September 2015 weigerte, sich im Auftrag der Versicherung
erneut von Dr. H._ untersuchen zu lassen. Auch nahm er trotz Aufforderung seine
Arbeit nicht wieder auf (IV-act. 52-1; KV-Fremdakten, 5-2). Die Behandlung im
Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums E._ brach er im November 2015 ab (IV-
act. 50). In der Folge kam es zu mehrwöchigen Behandlungsunterbrüchen. Wohl erst
im März 2016 nahm der Beschwerdeführer die Behandlung bei Dr. O._ effektiv auf
(vgl. Ausführungen in Erwägung 2.7.1). Bereits kurze Zeit später teilte der
Beschwerdeführer seinem Hausarzt Dr. P._ am 6. April 2016 mit, dass er sich bei Dr.
2.7.7.
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U._ zur psychiatrischen Behandlung anmelden werde (IV-act. 72-4). Dies weist auf
erneute Unstimmigkeiten hinsichtlich der Behandlungszielsetzung hin (vgl. IV-act.
51-2f.). Gemäss Arztbericht vom 1. Juni 2016 verschrieb Dr. O._ dem
Beschwerdeführer die Medikamente Quetiapin 150 mg und Venlafaxin 2 x 150 mg. Die
von Dr. R._ im September 2016 veranlasste Blutuntersuchung ergab, dass der
gemessene Quetiapin-Spiegel (das Medikament wurde primär zur Schlafregulation
verschrieben, IV-act. 93-27) zu den Angaben des Beschwerdeführers zur
Medikamenteneinnahme passte, dagegen lag die Konzentration von Venlafaxin und
seiner Abbauprodukte unterhalb der Nachweisgrenze. Dieses Resultat widerspricht der
Aussage des Beschwerdeführers, dass er das Medikament täglich in therapeutisch
wirksamer Dosis zu sich nehme (IV-act. 93-17f./27). Ist die therapeutische Einnahme
eines Medikaments im Blutserum nicht nachweisbar, stellt dies immerhin ein Indiz für
die Nichteinnahme dar. Festzuhalten ist somit, dass sich ein ausgewiesener
Leidensdruck ab Dezember 2015 nicht (mehr) erhärten lässt. Dies trifft selbst dann zu,
wenn wie vom Beschwerdeführer gefordert (vgl. act. G 13-7f., G 23-3) die
Nichtnachweisbarkeit des Antidepressivums ausseracht gelassen wird.
2.8.
Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. R._ im Gutachten aus, es sei plausibel, dass
nach dem Tod der Ehefrau im Jahr 2013, den Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und
Belastungen durch die Sorge für die Kinder eine psychische Störung mit depressiven
Symptomen eingetreten sei. Er ging jedoch nicht davon aus, dass die weitreichenden
Beschwerden und Erscheinungsbilder auch noch über den Februar 2015 hinaus
nachweisbar als überwiegend wahrscheinlich rein gesundheitsbedingt angesehen
werden könnten. Dagegen mass er krankheitsfernen Faktoren eine wesentliche Rolle
für das Erleben und Verhalten des Beschwerdeführers zu (IV-act. 93-33). Die wenigen
Funktionsdefizite des Beschwerdeführers erachtete er durch guten Willen und
zumutbare Aktivierung von Ressourcen als fast vollständig kompensierbar.
Dementsprechend ging Dr. R._ ab Mai 2015 von einer Leistungsminderung von
maximal 10 % aus und erachtete eine 90%ige Arbeitsfähigkeit (realisierbar in einem
vollzeitlichen Pensum) dem Beschwerdeführer als zumutbar (IV-act. 93-33ff.).
2.8.1.
Der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. R._ kann in Anbetracht der bei der
Würdigung der Diagnosen gewonnenen Erkenntnisse (vgl. voranstehende Erwägung
2.6) nicht unbesehen gefolgt werden, sondern es bedarf ebenfalls einer zeitlichen
Differenzierung. Für die Zeit ab 1. Dezember 2015 ist gestützt auf die Erkenntnisse aus
dem strukturierten Beweisverfahren (nicht erheblicher Schweregrad der
2.8.2.
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3.
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen.
diagnostizierten Gesundheitsschädigung, vorhandene persönliche und soziale
Ressourcen, keine Behandlungsresistenz und kein erheblicher Leidensdruck) auf die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. R._ von 90 % abzustellen. Hinsichtlich des
Zeitraums ab 1. September 2015 (frühester Rentenbeginn, vgl. nachfolgende Erwägung
3.1) bis 30. November 2015 ist auf die Einschätzungen der Ärzte des Psychiatrischen
Zentrums E._ abzustellen, welche dazumal von einer 80%igen bzw. 100%igen
Arbeitsunfähigkeit ausgingen (vgl. KV-Fremdakten 7-13ff.).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Gutachten von Dr. R._ die nach
neuer Rechtsprechung für sämtliche psychiatrische Diagnosen erforderlichen
Indikatoren des strukturierten Beweisverfahrens ausreichend berücksichtigt. In den
Stellungnahmen vom 23. März und 30. Oktober 2017 erklärte der RAD gleichfalls, dass
auf das Gutachten abgestellt werden könne (IV-act. 96, 112). Für eine abweichende
rechtliche Beurteilung hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz der
psychiatrischen Diagnosen bleibt für die Zeit ab dem 1. Dezember 2015 somit kein
Raum, zumal das Gutachten entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers die
geklagten Beschwerden und die vorhandenen medizinischen Akten sehr wohl
berücksichtigt. Insbesondere erscheint die abweichende gutachterliche Beurteilung
gegenüber den früheren Arztberichten von Dr. N._ und Dr. O._ mit Blick auf die
erhobenen Befunde, Diagnosen und Belastungsfaktoren, aber auch mit Blick auf die
Tatsache, dass sich die Schätzung auf die bisherige und zugleich auch adaptierte
Tätigkeit bezieht, als nachvollziehbar. Daher ist für die Zeit ab dem 1. Dezember 2015
auf die gutachterliche Arbeitsfähigkeitseinschätzung von 90 % abzustellen. Dabei ist
dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit als Drucker weiterhin zumutbar. Für
den Zeitraum vom 1. September bis 30. November 2015 ist dagegen gestützt auf die
Einschätzungen der Ärzte des Psychiatrischen Zentrums E._ von einer
Arbeitsunfähigkeit von zumindest 80 % auszugehen.
2.9.
Bei dieser Ausgangslage erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen wie
die vom Beschwerdeführer geforderte Einholung eines Gerichtsgutachtens (vgl. act. G
13, G 23).
2.10.
Der Beschwerdeführer meldete sich am 22. Oktober 2014 zum Leistungsbezug an
(IV-act. 9). Die behandelnden Ärzte attestieren ihm in der angestammten Tätigkeit ab
dem 1. September 2014 im Schnitt eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40 % (KV-
3.1.
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4.
Fremdakten, 7-1ff.), womit das Wartejahr am 1. September 2015 erfüllt war. In
Nachachtung von Art. 28 Abs. 1 lit. b und Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG kann ein
Rentenanspruch frühestens am 1. September 2015 entstehen.
Für die Zeit ab dem 1. Dezember 2015 ist dem Beschwerdeführer sowohl die
angestammte Tätigkeit als (Inline-/Offset) Drucker als auch eine angepasste Tätigkeit in
einem 90%-Pensum zumutbar. Im Jahr vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielte
er gemäss IK-Auszug einen Lohn von Fr. 63'510.- (vgl. IV-act. 13-1). Gemäss dem
neuen Arbeitsvertrag wurde der bisherige Monatslohn per 1. September 2014 um Fr.
358.- auf Fr. 4'500.- plus Zulagen erhöht (IV-act. 15-2). Damit entsprach der Lohn des
Beschwerdeführers in etwa dem durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn gemäss der
Lohnstrukturerhebung 2014 des Bundesamtes für Statistik (Fr. 65'654.-,
Kompetenzniveau 1, Männer, angepasst an die betriebsübliche Arbeitszeit). Der
Invaliditätsgrad ist folglich im Rahmen eines Prozentvergleichs zu ermitteln (siehe zum
Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts vom 6. April 2016, 8C_628/2015, E.
5.3.1 mit Hinweisen). Ausgehend von einer 90%igen Restarbeitsfähigkeit beträgt der
Invaliditätsgrad im Rahmen des Prozentvergleichs 10 %. Die Höhe eines
Tabellenlohnabzugs kann vorliegend offengelassen werden, denn selbst bei
Gewährung des nach der Rechtsprechung höchstzulässigen Abzugs von 25 % (vgl.
BGE 126 V 75), welcher vorliegend aufgrund der konkreten Umstände auf jeden Fall zu
hoch ist, würde ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von gerundet 33 %
(10 % + [90 % x 25]) resultieren.
3.2.
Für die Zeit vom 1. September 2015 bis 30. November 2015 ergibt sich basierend
auf einer 80%igen bzw. 100%igen Arbeitsunfähigkeit ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von zumindest 80 %. Die per 1. Dezember 2015 eingetretene und
dauerhafte gesundheitliche Verbesserung führt unter Berücksichtigung der bei der
Rentenanpassung gemäss Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) geltenden dreimonatigen Frist für die Dauer ab
1. September 2015 bis 29. Februar 2016 zu einem befristeten Anspruch auf eine ganze
Rente.
3.3.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 30. Oktober 2017
aufzuheben und dem Beschwerdeführer befristet für die Zeit vom 1. September 2015
bis 29. Februar 2016 eine ganze Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung und
Ausrichtung der Rentenleistung ist die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.1.
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5.
Da der Gerichtsschreiber verhindert ist, wird der Entscheid für diesen stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art 39ter Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).