Decision ID: ab9e2b26-45ae-44fc-b324-93812ce475b1
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1990,
ist seit dem
1. Juli 2006
bei der
Y._
als Berufsfussballer angestellt und war
bis am
1. Juli 2018
bei der
Lloyd’s
London, Zweigniederlassung Zürich (nachfolgend:
Lloyd’s
)
,
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Gemäss undatierter Schadenmeldung
an
die
Lloyd’s
wurde der Versicherte a
m 1. Juli 2017 im Zwei
kampf während
eines
Freundschaftsspiels vom Gegenspieler gefoult. Dabei ver
drehte er sich das rechte Knie
(Urk. 11/C1.34).
Der behandelnde Dr. med. Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellver
treten
der Chefarzt Sportmedizin der
A._
, diagnostizierte am 4. Juli 2017 ein Kniege
lenksdistorsionstrauma rechts mit einer
Vorderen
kreuzband
-Ruptur
, einem traumatisch bedingten vertikalen Riss im medialen
Meniskus
hinterhorn
und eine Ruptur des medialen
femoropatellären
Retinaculums
mit dem Hinweis auf eine Kapselruptur dorsal, lateral mit deutlichem Ödem beziehungsweise Hämatom dorsal lateral bis
subcutan
reichend (Urk. 11/MC3). Der Versicherte war im Anschluss an den Unfall zu 100 % arbeitsunfähig und unterzog sich am 12. Juli sowie 17. August 2017 einer Operation
am vorderen Kreuzband
und
am
Meniskus
(Urk. 11/MC1
3
, Urk. 11/MC6, Urk. 11/MC9).
Die
Lloyd’s
erbrachte in der Folge die gesetzlichen Leistungen (Taggelder und Heilbehandlung
;
Urk. 11/C1.35 ff., Urk. 11/C1.28).
Ab dem 17. März 2018 war der Versicherte wieder voll arbeits
fähig (Urk. 11/MC13).
Am 11. April 2018 erhielt er
wiederum
im Zweikampf von einem Gegenspieler einen Schlag gegen die Innenseite seines rechten Knies (Urk. 11/C1.8). Er klagte wiederholt über innenseitige Kniegelenkbeschwerden, welche zur Abklärung bei
Dr.
Z._
in der
A._
und
zu
physio
therapeutischer Behandlung
führten (Urk. 11/C1.3-C1.7).
Die
Lloyd’s
erbrachte wiederum die gesetzlichen Leistungen (Urk.
11/
C1).
1.2
Seit dem 1. Juli 2018 fungierte neu die
Helvetia Schweizerische Unfallver
siche
rungsgesellschaft AG (nachfolgend: Helvetia)
als obligatorischer Unfallversiche
rer (
Urk. 2
/1
S. 2).
Gemäss
Schadenmeldung vom 23. November 2018 wurde der
Versicherte am 15. November 2018 im Zweikampf bei der Schussabgabe vom Gegenspieler gefoult und verdrehte sich dabei das rechte Knie (Urk. 11/K24.6)
. Dr.
Z._
diagnostizierte am 16. November 2018 ein Kniegelenksdistorsions
trauma (Urk. 11/K21.7). Der Versicherte war in der Folge vom 1
9.
bis 2
6.
Novem
ber 2018 zu 100 % arbeitsunfähig und unte
rzog sich ärztliche
r
Behandlung,
Physiotherapie und
Rehatraining
(Urk. 11/K21.8, Urk. 11/K15.1
, Urk. 11/K16.3
)
.
Nachdem
die
Helvetia
im Wesentlichen
mehrere Berichte von Dr.
Z._
zu den Akten genommen hatte
(Urk. 11/M1 ff.)
, teilte sie dem Versicherten mit Ver
fügung vom 9. April 2019
mit
, dass sie ihre Leistungspflicht ablehne
, da es sich be
im Ereignis vom 15. November 2018 weder um einen Unfall gehandelt habe
,
noch eine unfallähnliche Körperschädigung gegeben sei (Urk. 11/K27.1 S. 2). Diese Verfügung eröffnete sie auch
der
Lloyd’s
als Vorversicherer
(Urk. 11/K27.1 S. 3)
und
am
22. Juli 2019
nachträglich dem Krankenversicherer (Urk. 11/K27)
.
Die
Lloyd’s
erhob
am 10. April, ergänzt am 21.
Mai 2019
,
Einsprache
gegen die ablehnende Verfügung
(Urk. 11/K22, Urk. 11/K26).
Am
1
6.
November 2019 holte
die
Helvetia ausserdem eine versicherungsmedizinische Stellungnahme ihres bera
tenden Arztes, Dr. med. B._
, Facharzt für Chirurgie, vom 16. November 2019 ein (Urk. 11/M12).
Mit
Einspracheentscheid
vom 13. Januar 2020 wies
die
Helvetia die Einsprache
der
Lloyd’s
ab (Urk. 11/K35.2 = Urk. 2
/1
).
2.
Am 14. Februar 2020 erhob
die
Lloyd’s
Beschwerde und beantragte, der
Ein
sprache
entscheid
vom 13. Januar 2020 sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten, dem Versicherten,
X._
, bezüglich des Ereignisses vom 15. November 2018 die gesetzlichen Leistungen
auszurichten (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
8.
Mai 2020 auf Abweisung
der Beschwerde
(Urk. 9). Mit Verfügung vom 4. Juni 2020 wurde
der Versicherte
zum vorliegenden Verfahren beigeladen (
Urk.
12). Dieser liess sich innert Frist nicht vernehmen (Urk. 13). Mit Replik vom 14. Dezember 2020 erneuerte die Beschwerdeführerin ihren Antrag auf Gut
heissung der Beschwerde (Urk. 18 S. 2) und legte einen Bericht über die MR
tomographische Untersuchung vom 16. November 2018 bei (Urk. 19). Am 29. Januar 2021 erstattete die Beschwerdegegnerin die Duplik, hielt an ihren Rechtsbegehren fest und reichte eine versicherungsmedizinische
Stellungnahme von Dr. med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 6. Januar 2021 ein (Urk. 23 S. 2, Urk. 24).
Die
Beschwerdeführerin
nahm dazu
am 8. Februar 2021 Stellung (Urk. 28). Dies wurde der Beschwerdegegnerin sowie dem Versicherten am 15. Februar 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 29).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein unge
wöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 mit Hinweisen). Ohne besonderes Vor
kommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vorliegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hin
weis).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
de
m
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Urs
achen
im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm
obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungs
begründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten ver
siche
rungs
interner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Ver
siche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen
Einspracheentscheid
,
nach Lage der Akten sei nicht erstellt, dass ein besonderes Vorkommnis zu der erlitte
nen Sportverletzung vom 15. November 2018 geführt habe. Der Unfall
begriff im Sinne von Art. 4 ATSG sei nicht erfüllt (Urk. 2/1 S. 8 f.).
Wäre der Unfallbegriff erfüllt, so stellte sich die Frage, ob die ab November 2018 erfolgten Behandlungen der Beschwerden im rechten Knie in einem überwiegend wahrscheinlichen Zusammenhang mit dem Ereignis vom 1
5
. November 2018 stünden (Urk. 2/1 S 10).
Dr.
B._
führe die gesamte Symptomatik und die pathologischen Verän
derungen im rechten Kniegelenk auf die vordere Kreuzbandruptur vom 1. Juli 2017 zurück. Dies überzeuge. Eine leichte Prellung angenommen, sei der Status quo sine nach fünf Tagen erreicht
gewesen
. Ihre Leistungspflicht bestünde ledig
lich bis und mit 20. November 2018 (Urk. 2/1 S. 13).
Daran hielt die Beschwer
de
gegnerin auch in ihrer Beschwerdeantwort fest (Urk. 9 S. 6).
Ergänzend fügte sie in ihrer Duplik an
, sie habe die Akten im Beschwerdeverfahren ihrem bera
tenden Arzt
,
Dr.
C._
,
unterbreitet (Urk. 23 S. 2).
Wie dieser ausführe, über
zeuge die Beurteilung von Dr.
B._
.
Der Einschätzung von Dr.
B._
komme voller Beweiswert zu (Urk. 23 S. 4).
2.2
Die Beschwerde
führerin
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, das Ereignis vom 1
5.
November 2018 stelle klarerweise einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG dar. Die heutigen Beschwerden stünden überwiegend wahrscheinlich
i
n
einem
Zusammenhang mit jenem Ereignis. Es liege weder ein Status quo sine noch ein Status quo ante vor (Urk. 1 S. 4). Sodann stünden die heutigen Beschwerden in keinerlei Zusammenhang mit einem früheren Ereignis, insbeson
dere nicht mit dem Ereignis vom 1. Juli 201
7.
Ein entsprechender Rückfall werde
somit
ebenfalls bestritten. Demnach habe die Beschwerdegegnerin die gesetzli
chen Leistungen für das Ereignis vom 15. November 2018 auszurichten (Urk. 1 S. 5).
Dies
e Ausführungen
bestätigte
die Beschwerdeführerin
in ihrer Replik (Urk. 18 S. 4) und hielt fest, das Gutachten von Dr.
B._
müsse in der Gesamt
schau als mangelhaft und damit als nicht verwertbar bezeichnet werden (Urk. 18 S. 7).
In ihrer Stellungnahme vom 8. Februar 2021 fügte die Beschwerdeführerin
sodann
an, es könne nicht auf die nachgereichte Beurteilung von Dr.
C._
abgestellt werden (Urk. 28 S. 2).
Sowohl der neu
e
Knorpeldefekt als auch die im Anschluss an das Unfallereignis aufgetretene Bursitis seien klar unfallkausal.
Die Beurteilung von Dr.
Z._
sei nicht zu beanstanden (Urk. 28 S. 3).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist zunächst, ob es sich beim Ereignis vom 15. November 2018 um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG handelt. Die Beschwerde
gegnerin
verneinte das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors mit der
Begründung, es
habe kein
besonderes Vorkommnis zu der erlittenen Sport
ver
letzung geführt (Urk. 2/1 S. 9).
3.2
Betreffend den
Ereignishergang ist
von der Schilderung in
der Unfallmeldung vom 23. November 2018
auszugehen
,
wonach
der Versicherte im Zweikampf bei der Schussabgabe vom Gegenspieler gefoult
wurde und
sich
dabei
das rechte Knie verdreht
e
(Urk.
11/
UM1)
. Dem entspricht auch der Bericht von Dr.
Z._
vom 16. November 201
8.
Dieser
sprach von einem Foul des Gegenspielers bei der Schussabgabe und sofort ein
ge
tretenen, starken Schmerzen im Kniegelenk, woraufhin der Versicherte das Spiel habe abbrechen müssen (Urk. 11/M1).
Dass Dr.
Z._
in einem weiteren Bericht vom 16. November 2018 festhielt, der Versicherte habe nach 30 Minuten über eine Muskulatur am Oberschenkel g
eklagt, welche «zugemacht» habe,
in der Folge vollständig verhärtet gewesen sei
und er das Spiel habe abbrechen müssen
(Urk. 11/M2), ändert daran nichts. Diese
Aussage ist vielmehr als Ergänzung zu der am selben
Tag getätigten Beschreibung zu werten
und
schildert
ein
en zusätzlich aufgetretene
n
Vorgang
anlässlich des Fussballspiels am 1
5.
November 2018
,
zu dem im Übrigen keine Schadenmeldung erfolgte
. Der
Ereignishergang
, wie er in der Unfallmeldung
vom
23. November 2018
beschrieben ist, wird im Übrigen auch von der Beschwerdegegnerin nicht
in Abrede gestellt. Sie geht jedoch davon aus, dass diese
Darstellung
kein
en
Unfall im Rechtssinne
beschreibe
(Urk. 2/1 S. 8). Dies ist im Folgenden zu prüfen.
3.2
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist das Merkmal der
Ungewöhn
lich
keit des äusseren Faktors ohne besonderes Vorkommnis auch bei einer Sport
verletzung zu verneinen (vgl. E. 1.
1
). Der äussere Faktor ist nur dann ungewöhn
lich, wenn er - nach objektivem Massstab - nicht mehr im Rahmen dessen liegt, was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich oder üblich ist, nicht aber, wenn ein Geschehen in die gewöhnliche Bandbreite der Bewegungsmuster des betreffenden Sports fällt (Urteile
des Bundesgerichts 8C_186/2011 vom 26. Juli 2011 E. 5 und 8C_189/2010 vom 9. Juli 2010 E. 5.1; BGE 130 V 117 E. 2.2).
3.3
Der Beschwerdegegnerin kann nicht gefolgt werden, wenn sie
argumentiert, der Versicherte habe nichts geschildert, was den Bewegungsablauf beim Fussballspiel in irgendeiner Art so beeinflusst hätte, dass der Bereich des Alltäglichen oder Üblichen überschritten wäre
(Urk. 2/1 S. 9).
Insbesondere ist
die von ihr zitierte Rechtsprechung nicht einschlägig, da es dort nicht um Sportverletzungen ging
, sondern um grundsätzlich alltägliche Bewegungsabläufe
(Urk. 2/1 S.
9 oben
).
Sie übersieht weiter, dass
Sportunfälle
gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
infolge mechanischer Einwirkung eines äusseren Faktors auf den Körper - wie beispielsweise
bei
ein
em
Sturz oder Zusammenstoss - in der Regel den
Unfallbe
griff
erfüllen
(Urteil des Bundesgerichts U 505/05 vom 19. September 2006 E. 1.3 mit Hinweis).
Weiter
wurde das Vorliegen eines Unfalles bei einem Fussball
spieler
bejaht, dessen Knie verdreht wurde, als ihm ein Gegenspieler in die Beine grätschte
(BGE 130 V 117 E. 2.2.2).
Ähnlich
verhält es sich im vorliegenden Fall. Der Versicherte
wurde im Zweikampf
bei der Schussabgabe
vom Gegenspieler gefoult
. Damit liegt ein in der Aussenwelt begründeter Umstand –
nämlich
das Foul des Gegenspielers – vor
, wodurch der
Bewegungsablauf des Versicherten
bei der Schussabgabe
programmwidrig gestört
wurde
und er sich in der Folge das Knie verdrehte
.
In diesem Sinne
lieg
t
eine unvorhersehbare, unkoordinier
te
Bewegung und
damit
ein ungewöhnlicher äusserer Faktor vor (BGE 130 V 117 E. 2.2.2).
Zusammenfassend steht
damit
fest, dass es sich beim Ereignis vom 15. November 2018 um einen Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG handelt.
4.
4.1
Zu prüfen ist
weiter
,
ob der Versicherte
aufgrund des Unfalles
vom 15. November 2018
Anspruch auf
die
gesetzliche
n
Leistungen durch die Beschwerdegegnerin hat. Konkret ist zu beurteilen,
ob die im Nachgang zum Unfall vom 15. November
2018 beklagten Beschwerden am rechten Knie in einem Kausalzusammenhang zu diesem Ereignis stehen.
Diesbezüglich
sind
die
folgende
n
medizinische
n
Unterla
gen aktenkundig:
4.2
Am 1. Juli 2017 wurde der Versicherte während eines Freundschaftsspiels im Zweikampf gefoult (Urk. 11 C1.34). Dabei erlitt er eine Distorsion am rechten Knie mit einer
Ruptur des vorderen Kreuzbandes sowie
eine
posteromediale
und
posterolaterale
Meniskusläsion rechts (
Urk.
11/C1.17 S. 1 und
Urk.
11/C1.18 S. 1)
. Am 12. Juli 2017 erfolgte eine vordere Kreuzbandersatzplastik mit einer Meniskus
naht medial und lateral
(Urk. 11/C1.17 S. 1).
Am 17. August 2017
wurde
aufgrund des Verdachts auf eine septische Arthritis sodann eine Bilanz
arthroskopie und eine
arthroskopische
Spülung sowie eine
Synovektomie
am rechten Kniegelenk
vorgenommen
(Urk. 11/C1.14).
Nach Abschluss der Behand
lung erhielt d
er Versicherte
ferner
am 11. April 2018 im Zweikampf von seinem Gegenspieler einen Schlag gegen die Innenseite seine
s rechten Knies (Urk. 11/C1.8) und klagte wiederholt über innenseitige Kniegelenkbeschwerden, welche zur Abklärung bei
Dr.
Z._
in der
A._
führten (Urk. 11/C1.3-C1.7).
4.
3
Im Nachgang zum
– hier relevanten –
Unfall vom 15. November 2018 diagno
stizierte
Dr.
Z._
mit Bericht vom 16. November 2018 ein Knie
gelenks
distorsionstrauma rechts bei Status nach VKB-Rekonstruktion
im Juli 201
7.
Dazu ergänzte er, aufgrund der fraglich positiven Meniskuszeichen und der Verhärtung der Oberschenkelmuskulatur, welche schwierig nachvollziehbar sei, aber auf eine Instabilität im Knie zurückzuführen sein könn
t
e, erfolge eine MRI-Untersuchung (Urk. 11/M1).
4.
4
Mit gleichentags erstellte
m
Bericht vom 16. November 2018 nannte Dr.
Z._
folgende Diagnosen (Urk. 11/M2 S. 1):
-
Verdacht auf
mediodorsale
Belastungsschmerzen bei
Overuse
Pes
anserinus
rechts
-
Differentialdiagnostisch: MR-tomographisch fraglich kleine, wahr
scheinlich asymptomatische Meniskusläsion medial bei Status nach VKB-Rekonstruktion mit fünffach
Semitendinosus
/
Gracilisplastik
sowie medialer wie auch lateraler,
posteriorer
Meniskusnaht am 12. Juli 2017, Status nach Bilanzarthroskopie und
arthroskopischer
Spülung /
Synovektomie
bei postoperativem Effekt am 18. September 2017
-
Aktuell: muskulärer Hypertonus mit Schmerzen in der Kniekehle und in niedriger Intensität anhaltend mediales Kompartiment
Weiter führte Dr.
Z._
aus, im Wesentlichen ergäben sich unveränderte Befunde zur Voruntersuchung. Das Kniegelenk sei reizlos und ohne Erguss. Die Patella sei im Gleitlager zentriert und gut mobilisierbar. Das Kniegelenk sei stabil und es
bestehe ein regelrechter Anschlag des VKB
.
Der Pivot-
Shift
-Test sei nega
tiv.
Die
Oberschenkelmuskulatur
sei kräftig
, jedoch seien die
Hamstrings
- und die Wadenmuskulatur
im
Kniekehlenbereich
verhärtet. Die Verhärtung de
s
Ober
schenkel
s
sei schwierig nachzuvollziehen. Sie könne aber auf eine anhaltende Instabilität im Kniegelenk zurück zu führen sein, obwohl der Versicherte diese anamnestisch nicht angebe. Um keine strukturelle Läsion zu verpassen, erfolge eine Verlaufs-MRI-Untersuchung (Urk. 11/M2 S. 1)
.
4.
5
Dem MRI-Bericht vom 16. November 2018 lässt sich entnehmen, dass im Ver
gleich zur Bildgebung vom 16. April 2018 neu ein ausgestanzter Knorpeldefekt (18 x 10 mm) an der
Trochlea
vorliege. Zudem
seien
Knorpelfragmente im medial
en
parapatellären
Gelenk
rezessus
vorhanden und es bestünden
leicht potente Kno
rpelschäden medial
femorotibial
. Wie bereits in der Voruntersuchung bestehe
ein komplexer Riss im verkürzten medialen
Meniskushinterhorn
. Ferner seien
eine geringe Degeneration des VKB
Transplantates ohne R
uptur, ein mittelgrosser
Gelenk
erguss
sowie ein ausgeprägtes Ödem
popliteal
, möglicher
weise im Rahmen einer Baker-Zystenruptur
, vorhanden
(Urk. 19).
4.
6
Am 19. November 2018 bestätigte
Dr.
Z._
seine
zuletzt genannten Diagnosen (E. 4.
4
, Urk. 11/M4 S. 1). Er
fügte an
, in der Sonographie der Weich
teile vom 19. November 2018 habe sich
popliteal
ein ödematös verändertes Gewebe bestätigt. Dort werde auch der Schmerz lokalisiert. Er gehe vordergründig davon aus, dass das Ödem
popliteal
zu einem Volumenplus und dadurch zur Irritation mit Verhärtung der
Hamstringmuskulatur
führe. Zum vorliegenden Knorpelschaden
trochlear
sowie zum
Meniskushinterhorn
medial bestehe aktuell klinisch kein Korrelat (Urk. 11/M4 S. 2).
4.
7
Am
26. November 2018 stellte Dr.
Z._
die Diagnosen eines Kniegelenks
distorsionstraumas rechts
vom
15. November 2018 mit ausgestanztem
Knorpel
defekt
trochlear
und
eine
s
komplexen
Riss
es
des medialen
Meniskushinterhorns
bei
Status nach VKB-Rekonstruktion im Juli 201
7.
Im Rahmen der Weichteil
sonographie vom 26. November 2018 habe sich neu eine grosse, mehrfach
gekammerte
Bursa
um die
Semimem
branosussehne
gezeigt, welche möglicher
weise zu einer Irritation des Muskels führe. Die Sehne selbst und der
muskulo
tendinöse
Übergang seien unauffällig. Es sei
en
eine
sonographisch
gesteuerte Punktion und Infiltration der Bursa
tendinea
des
musculus
semimembranosus
am 26. November 2018 erfolgt (Urk. 11/M5 S. 1)
.
4.
8
Im Nachgang zur leistungsablehnenden Verfügung (Urk. 11/K27.1)
wandte
sich Dr.
Z._
am 29. April 2019
an die
Beschwerdegegnerin. Er führte aus, in der
MRI-Untersuchung vom 16. November 2018 habe sich ein neuer, tiefer und aus
gestanzter 18 x 10 mm grosser
Knorpeldefekt
an der
Trochlea
mit mehreren Knorpelfragmenten im medialen
parapatellären
Gelenkrezessus
gezeigt. Daneben habe sich ein komplexer Riss im medialen
Meniskushinterhorn
dargestellt, welcher allerdings gemäss Radiologe bereits in der Voruntersuchung vorhanden gewesen sei. Zusätzlich habe sich ein ausgeprägtes
popliteales
Ödem
gefunden
, welches zunächst nicht habe zugeordnet werden können. Der Radiologe habe den Verdacht auf eine
Bakerzysten
-Ruptur gestellt. Der Schmerz sei vom Versicherten vor allem in der Kniekehle lokalisiert worden, weshalb ja auch die Differential
diagnose einer Meniskusläsion gestellt worden sei. Anlässlich einer ergänzenden Weichteilsonographie vom 26. November 2018 habe die Raumforderung in der Kniekehle als eine grosse, mehrfach
gekammerte
Bursa im Sinne einer B
ursitis um die
Semimembranosuss
ehne
präzisiert werden können. Die
sonographisch
gesteuerte Punktion und Infiltration der Bursa in der gleichen Sitzung
hätten
zur Schmerzfreiheit geführt und der Versicherte sei in der Folge wieder einsatzfähig gewesen. Zusammenfassend gehe er – Dr.
Z._
– nach der Kniegelenks
distorsion von einer traumatisch bedingten Schwellung der Bursa
tendinea
(Bursitis) aus, welche schliesslich über die Infiltration problemlos habe therapiert werden können. Die Bursitis sei nicht aus dem Nichts aufgetreten, sondern habe eine traumatische Einwirkung benötigt, weshalb der Entscheid der Beschwerde
gegnerin nicht nachvollziehbar sei. Daneben könne zusätzlich noch eine trauma
tisch bedingte Knorpelläsion vorliegen. Allerdings hätten in der Region des Knorpelschadens
bereits vorgängig Hinweise
für eine Knorpeldegeneration bestanden. Bezüglich des Knorpelschadens sei keine weitere Therapie erfolgt (Urk. 11/M7 S. 1).
4.
9
Am 16. November 2019 erstattete
Dr.
B._
seine versicherungsmedizinische Beurteilung (Urk. 11/M12). Dabei nannte er folgende Diagnosen (Urk. 11/M12 S. 5):
-
Status nach VKB-Plastik
-
Status nach
transarthroskopischer
VKB-Rekonstruktion sowie medialer und lateraler Meniskusnaht rechts am 12. Juli 2017
-
Status nach bakteriell bedingter Arthritis mit nachfolgender Spülung und Biopsie
-
Status nach Knieprellung rechts am 11. April 2018 ohne Kniebinnenge
lenksschädigung
-
Status nach fraglicher Knieprellung am 15. November 2018
-
Knorpeldefekt mediale
Trochlea
rechtes Kniegelenk
-
Bursitis
tendinea
und Status nach Punktion
-
komplexe
Innenmeniskushinterhornläsion
Dr.
B._
erklärte,
k
eine
r
der
Befunde stünde mit dem geforderten Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit in kausalem Zusammenhang mit dem Ereignis vom 15. November 201
8.
Der Knorpelschaden sei vorbestehend, ebenso wie die
Innenmeniskushinterhornläsion
.
Dies werde vom Radiologen so beschrieben. Auch die Bursitis sei vorbestehend, jedoch nicht derart ausgeprägt wie zuletzt. Es dürfe deshalb von einer chronischen Reizung und somit sukzessi
ven Füllung der Bursa ausgegangen werden. Eine traumatische Bursitis
,
wie vom behandelnden Orthopäden gefordert, könne nicht gesehen werden, da einerseits keine Prellmarken, Hämatome oder Hautabschürfungen beschrieben worden seien und vom Versicherten gar kein Trauma angegeben worden sei. Er beschreibe das
«Zumachen» der Muskulatur
. Die gesamte Symptomatik/Problematik und die pathologischen Veränderungen im rechten Kniegelenk seien auf die vordere Kreuzbandruptur vom 1. Juli 2017 zurückzuführen. Eine leichte Prellung ange
nommen, sei der Status quo sine spätestens nach fünf Tagen wieder erreicht gewesen, da es mit dem geforderten Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit auch ohne das Trauma vom 15. November 2018 zu den Beschwerden im heutigen Ausmass gekommen wäre (Urk. 11/M12 S. 5). Von einer weiteren Behandlung könne – bezogen auf das Unfallereignis vom 15. November 2018 – keine namhafte Besserung erreicht werden. Die Prellung sei längst abgeheilt (Urk. 11/M12 S. 6).
4.
10
Dr.
C._
schloss sich in diagnostischer Hinsicht der Beurteilung von
Dr.
B._
an und präzisierte, die Bursitis
tendinea
sei überlastungsbedingt (Urk. 24 S. 6).
A
ufgrund der objektivierbaren strukturellen traumatischen Läsion einer Kreuz
bandruptur und
einer
Meniskusläsion
resultierte
ein Dauerschaden mit richtung
gebender Verschlechterung. Auch mit operativer Versorgung werde der Vorzu
stand nicht mehr erreicht. Es resultiere ein Dauerschaden als Vorzustand mit deutlich erhöhtem
Arthroserisiko
, also das Risiko einer vorzeitigen Degeneration. Zudem müsse beachtet werden, dass der Versicherte einer kniebelastenden Tätig
keit als Profifussballer nachgehe. Sowohl der Knorpeldefekt als auch die Bursitis seien keine spezifisch traumatischen Befunde. Lediglich mit dem Nachweis einer Bursitis oder einem Knorpeldefekt an der
Trochlea
lasse sich der traumatische Schaden nicht beweisen (Urk. 24 S. 3).
Zum Knorpelschaden führte Dr.
C._
aus, eine direkte Krafteinwirkung ver
lange zwingend äussere Verletzungszeichen im Bereich der Haut und des Unter
hautfettgewebes. Erforderlich seien also ein Bluterguss, eine Prellmarke und/oder Schürf-/Platzwunden. Aus den vorliegenden Ereignisbeschrieben gehe eine direkte Krafteinwirkung nicht hervor. Zudem fehle sowohl in der klinischen
Untersuchung als auch bildgebend ein Weichteilschaden an vorgelagerten Strukturen wie ein Hämatom, eine Schürf- oder Platzwunde oder eine Prellmarke (Urk. 24 S. 4).
Zu prüfen sei weiter eine indirekte Krafteinwirkung, welche zum Knorpelschaden geführt haben könnte. Von den indirekten Krafteinwirkungen würden rein axiale Einwirkungen als Ursache von isolierten Knorpelschäden in der Regel aus
scheiden. Dies folge aus dem Belastbarkeitsgefälle zwischen Gelenkknorpel und darunterliegendem Knochen. Der Gelenkknorpel sei elastischer als der
sub
chondrale
Knochen. Somit müsse vor Eintreten einer Verletzung der Knorpel
decke zwingend der darunterliegende Knochen mitgeschädigt werden.
Dem sei aber nicht so
. Zwar erwähne der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin einen Knochendefekt, zu diskutieren sei aber unbestrittenermassen ein Knorpeldefekt. Eine verwindende Krafteinwirkung (zum Beispiel eine Rotationskraft) und eine Scherkraft führten in aller Regel nicht nur im Bereich des Gelenkknorpels zu einem Schadensbild. Betroffen sei primär der Kapselbandapparat und erst sekun
där der Gelenkknorpel. Eine Läsion im Bereich des Kapselbandapparates habe aber klinisch und bildgebend nicht nachgewiesen werden können
(Urk. 24 S. 4)
.
Zwar könne eine indirekte Krafteinwirkung tatsächlich Knorpelschäden zur Folge haben. Dann müsse aber zwingend – wie erwähnt – eine Begleitverletzung vor
liegen, da sonst die für eine Verletzung des Gelenkknorpels unverzichtbare
unphysiologische
Bewegung der Gelenkkörper gegeneinander nicht erklärt werden könne. Somit seien
Verletzungszeichen an zwei korrespondierenden Gelenkflächen, die aneinanderstossen und sich dadurch verletzten,
Voraus
setzungen für Knorpelschäden.
Erforderlich
sei zudem eine unfallbedingte Instabilität des Kapselbandapparats. Beim Versicherten liege ein isolierter Knorpelschaden
trochlear
vor. An der gegenüberliegenden Gelenkfläche sei kein Knorpelschaden vorhanden und es habe auch kein Schaden am Bandapparat vor
gelegen (Urk. 24 S. 4). Auffallend sei ausserdem, dass der elastische Knorpel Schäden aufweise, jedoch der darunterliegende Knochen keine Fraktur aufweise, auch keinen
Bone
Bruise
. Dies spreche gegen eine traumatische Knorpel
schädigung (Urk. 24 S. 4 f.).
Die Beurteilung von
Dr.
B._
sei korrekt. Der Knorpelschaden sei als Vorscha
den zu klassifizieren.
Dr.
Z._
beurteile nach dem Prinzip
post
hoc ergo
propter
hoc, jedoch reiche dies als Beweis eines traumatischen Knorpelschadens nicht aus (Urk. 24 S. 5).
Auch die Bursitis müsse als unfallfremd klassifiziert werden.
Es handle sich um keinen spezifisch traumatischen Befund. Ebenfalls sei zu beachten, dass der Ver
sicherte vor dem Ereignis vom 15. November 2018 wiederholt rezidivierende Kniebeschwerden, vor allem auf der Knieinnenseite, beklagt habe. Es sei zudem nicht nachvollziehbar, dass eine mehrfach
gekammerte
Bursa zeitnahe zum Ereignis vom 15. November 2018
vorgelegen haben
soll. Wahrscheinlicher sei also, dass die Bursitis überlastungsbedingt sei, insbesondere, da an vorgelagerten Strukturen ebenfalls keine strukturellen traumatischen Läsionen als Hinweis für eine traumatische Ursache vorlägen. Die Beurteilung von Dr.
B._
sei korrekt (Urk. 24 S. 5).
Die neu nachgewiesenen Befunde nach dem Ereignis vom 15. November 2018 seien nur möglich
erweise
traumatisch bedingt.
Sie
seien überwiegend wahr
scheinlich als
unfallfremd zu klassifizieren
(Urk. 24 S. 5).
Sämtliche Befunde und Beschwerden des Versicherten seien überwiegend wahrscheinlich eine Unfallfolge der Kreuzbandruptur vom 1. Juli 2017 am rechten Knie.
Sofern der Unfallbegriff als erfüllt zu betrachten sei, könne maximal von einer richtunggebenden Ver
schlimmerung ausgegangen werden, wobei spätestens nach wenigen Tagen der
Status quo sine erreicht
worden sei
(Urk. 24 S. 7).
5.
5.1
Vorab ist
festzuhalten, dass der angefochtene
Einspracheentscheid
vom
13. Januar 2020
,
dessen Inhalt
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfech
tungs
gegenstand bestimmt,
nebst der Diskussion um den Unfallbegriff
auch eine Beurteilung des
Kausalzusammenhang
s
zwischen
dem Unfallereignis vom 15. November 2018 und den im Anschluss daran aufgetretenen Kniebeschwerden
enthält
(Urk. 2
/1
S.
13
)
.
E
in
allfälliger
Kausalzusammenhang
dieser Beschwerden
mit
dem früheren Unfall
vom 1. Juli 2017
– im Rahmen dessen eine Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin
im Sinne eines Rückfalles
zu prüfen wäre –
ist hingegen
nicht Anfechtungs- und Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens.
Darüber wurde im
Einspracheentscheid
nicht befunden. Zu beurteilen ist damit nur
, ob
der
Knorpeldefekt und die Bursitis
in einem Kausalzusammenhang zum Unfall vom 1
5.
November 2018 stehen
(Urk. 23 S. 4, Urk. 28 S. 3)
.
5.
2
Dr.
B._
legte überzeugend dar, dass
der Knorpeldefekt an der
Trochlea
sowie die Bursitis
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kausal auf den Unfall vom 15. November 2018 zurückzuführen
sind
, sondern
einem Vorzustand
ent
sprechen
(Urk. 11/M12 S. 5)
.
Er
wies ausserdem darauf hin
, dass – ausgegangen von einer leichten Prellung – der Status quo sine spätestens nach fünf Tagen
wieder erreicht war
und es mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch ohne das Trauma vom 15. November 2018 zu den Beschwerden im heutigen Ausmass gekommen wäre
(Urk. 11/M12 S. 5). Diese Einschätzung wurde auch von
Dr.
C._
bestätigt (Urk. 24 S.
6 f.
).
Dr.
B._
verwies zunächst auf die fehlenden Verletzungszeichen wie Prell
marken, Hämatome oder Hautabschürfungen (Urk. 11/M12 S. 5).
Dr.
C._
führte
dazu
na
chvollziehbar aus, dass zufolge
dieser fehlenden
Verletzungs
zeichen an
den
dem Knorpel vorgelagerten Strukturen
überwiegend wahrschein
lich
keine direkte Krafteinwirkung
erfolgt sei
(Urk. 24 S. 4)
.
Daran ändert auch der Bericht von Dr.
Z._
vom
16. November 2018 nichts. Dieser hielt dort zwar fest, das Kniegelenk präsentiere sich mit leichtem Erguss (Urk. 11/M1). In einem weiteren – gleichentags erstellten Bericht – notierte er dann aber
im Widerspruch dazu
, das Knie sei reizlos und ohne Erguss (Urk. 11/M2 S. 1).
Auch in seinem Bericht vom 19. November 2018 erwähnte er keinen Gelenkerguss mehr (Urk. 11/M3). Aus dem MRI-Bericht vom 16. November 2018 geht
sodann
nicht hervor, ob der festgestellte mittelgrosse Gelenkerguss vorbestehend oder neu auf
getreten war (Urk. 19).
Mit Bezug auf das Fehlen einer indirekten Krafteinwirkung legte Dr.
C._
in
Bestätigung der
Einschätzung von Dr.
B._
im Weiteren
schlüssig dar, dass rein axiale Einwirkungen als Ursache von isolierten Knorpel
schäden in aller Regel ausscheiden und vorliegend auch der unter der Knorpel
decke liegende Knochen nicht geschädigt wurde (Urk. 24 S. 4). Dies ergibt sich auch aus der Bildgebung
vom 16. November 2018, aus welcher keine knöchernen Verletzungen
hervorgehen (Urk. 19). Zudem legte Dr.
C._
einleuchtend dar, dass beim Versicherten ein isolierter Knorpel
schaden
trochleär
vorliegt, ohne Knorpelschaden an der gegenüber
liegenden Gelenkfläche und ohne Schaden am Bandapparat. Eine indirekte Krafteinwirkung
kann
aber
gemäss seiner – unwider
sprochenen – Einschätzung
lediglich dann einen Knorpelschaden verursachen, wenn Verletzungszeichen an zwei korrespondierenden Gelenkflächen und eine Instabilität des Kapselband
apparates vorlieg
en
(Urk. 24 S. 4).
Dem steht auch die Einschätzung von Dr.
Z._
gemäss seinem Schreiben vom 29. April 2019 nicht entgegen
. Dort führte er aus,
zusätzlich
(zur Bursitis)
könnte
auch noch eine traumatisch bedingte Knorpelläsion vorliegen, allerdings
hätten
in der Region des Knorpelschadens bereits vorgängig Hinweise auf eine Knorpeldegeneration bestanden (Urk. 11/M7 S. 1)
. O
b die Beschwerdegegnerin diese
Feststellung
von Dr.
Z._
tatsächlich
falsch interpretiert haben sollte, wie es die Beschwerdeführerin vorbringt (Urk. 18 S. 6)
, kann dahingestellt bleiben. Denn
indem Dr.
Z._
lediglich von der Möglichkeit («könnte») einer zusätzlichen
Knorpelläsion sprach
(Urk. 11/M7 S. 1)
, lassen
sich
aus
seine
n
Darlegungen
letztlich keine
eindeutigen Rückschlüsse
zur Frage der Unfall
kausalität
ziehen
.
Auch die Bursitis klassifizierte
Dr.
B._
in nachvollziehbarer Weise als
über
lastungsbedingt beziehungsweise
unfallfremd
. Er
verneinte eine traumatische Bursitis mit dem Hinweis auf die fehlenden Verletzungszeichen und legte dar, dass
von einer chronischen Reizung und somit sukzessiven Füllung der Bursa auszugehen ist (Urk. 11/M12 S. 5)
. Dr.
C._
folgte der Ansicht von Dr.
B._
. Er wies ebenfalls auf die fehlenden strukturellen traumatischen Läsionen an den dem Knorpel vorgelagerten Strukturen hin und ergänzte, dass es sich bei einer Bursitis
nicht um einen spezifisch traumatischen Befund handelt
(Urk. 24 S. 5).
Diese Ansicht überzeugt.
Insbesondere konnten – wie bereits dargelegt – keine Verletzungszeichen wie Blutergüsse, Prellmarken, Schürf- oder Platzwunden fest
gestellt werden (
Urk.
11/M12 S. 5
,
Urk. 24 S. 4).
Dem gegenüber steht die Einschätzung von Dr.
Z._
, wonach die Bursitis nicht einfach aus dem Nichts aufgetreten sei, sondern eine traumatische Ein
wirkung benötigt habe (Urk. 11/M7). Seine
Begründung der Unfallkausalität
scheint aber
auf der
alleinigen
Argumentation
«
post
hoc ergo
propter
hoc»
zu beruhen,
welcher praxisgemäss beweisrechtlich keine Aussagekraft zukommt (vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgericht
s
8C_13/2016 vom 13. Mai 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
Daran ändert auch nichts, dass Dr.
Z._
unbestrittener
massen Experte mit langjähriger Erfahrung auf dem Gebiet der Sportmedizin ist (Urk. 28 S. 3).
Sofern die Beschwerdeführerin im Weiteren moniert,
Dr.
B._
habe
keine klinische Untersuchung durchgeführt
(Urk. 18 S. 7)
, so ist darauf hinzuweisen, dass auch r
eine Aktengutachten beweiskräftig sind, sofern
– wie hier –
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E. 3 mit weiteren Hinweisen).
Dr.
B._
verfügt als Facharzt für Chirurgie über die nötige Qualifi
kation für die Beurteilung der vorliegenden medizinischen Fragestellungen.
Zudem war
en
ihm
die bildgebenden Befunde vom 16. November 2018 bekannt (Urk. 11/M12 S. 3).
Seine Beurteilung wurde denn auch von Dr.
C._
bestätigt (Urk. 24 S.
5).
Dieser
ist
als Facharzt für Innere Medizin zwar nicht
auf die Behandlung von
Gelenkschäden
s
pezialisiert,
indessen beschränkte sich auch seine Aufgabe darauf,
d
as Abklärungsergebnis
zu beurteilen
. Dabei
gelangte er
zu Schlussfolgerungen, die sich
mit denjenigen von
Dr.
B._
decken.
Die fach
liche Eignung stellte die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom
8.
Februar 2021
im Übrigen
nicht in Frage, sondern sie
nahm
Bezug auf inhaltli
che Aspekte seiner Darlegungen. Diese Einwände sind jedoch, wie dargelegt wurde, nicht begründet.
Insgesamt ist daher von einem schlüssigen Beweis
ergebnis auszugehen ist.
5.
3
Zusammenfassend
ist gestützt auf die beweiskräftige Aktenbeurteilung
von
Dr.
B._
, welche
von Dr.
C._
be
kräftigt
wurde,
erstellt
,
dass das Ereignis vom 15. November 2018 mit einer leichten Prellung lediglich zu einer vorüber
gehenden Verschlimmerung eines vorbestehenden Zustands geführt hat, wobei der Status quo sine spätestens fünf Tage später, also am 20. November 2018, erreicht war. Weiter ist davon auszugehen,
dass weder der Knorpelschaden an der
Trochlea
noch die Bursitis mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem Kausalzusammenhang zum Unfall vom 15. November 2018 stehen.
Sofern Dr.
C._
von einer richtunggebenden Verschlimmerung sprach, bezog er diese Aussage auf den Unfall im Jahr 2017, der zu einem Dauerschaden geführt habe (
Urk.
24 S. 6). An anderer Stelle hielt er präzisierend fest,
mit Bezug auf das Ereignis vom 15. November 2018
könne maximal eine vorübergehende Ver
schlimmerung akzeptiert werden (Urk. 24 S. 7)
.
O
b die Befunde und Beschwerden des Versicherten
auf den Unfall vom 1. Juli 2017 zurückzuführen sind, wie
Dr.
B._
angab (Urk.
11/M12 S. 5
), braucht – wie bereits erwähnt – nicht geprüft zu werden. Es steht dem Versicherten frei, diesbezüglich einen Rückfall bei der Beschwerde
führerin
anzumelden.
Demzufolge ist ein Anspruch des Versicherten auf vorübergehende Leistungen (Taggeld, Pflegeleistungen und Kostenvergütungen) bis zum 20. November 2018 ausgewiesen. Weitere Leistungen schuldet die Beschwerdegegnerin
– entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin -
im Zusammenhang mit dem Unfall vom 15. November 2018 nicht.
In der Verfügung vom 9. April 2019
, bestätigt im angefochtenen
Einspracheentscheid
,
hatte sie demgegenüber ihre Leistungspflicht gänzlich verneint (Urk. 11
/
K27.1 S. 2).
Daher
ist die Beschwerde teilweise gutzu
heissen.
6.
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darf obsiegenden Behörden oder mit
öffent
lichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. In Anwendung dieser Bestimmung hat das Bundesgericht der S
uva
und den privaten UVG-Versicherern keine Parteientschädigungen zugesprochen, weil sie als Organisationen mit
öffentlichrechtlichen
Aufgaben zu qualifizieren sind (BGE 112 V 356 E. 6 mit Hinweisen).
Eine Abweichung von diesem Grundsatz ist vorliegend nicht angezeigt, weshalb der Beschwerdeführerin keine Parteientschädigung zuzu
sprechen ist.