Decision ID: bf5369a7-9367-5ecc-b570-4ec741810a4a
Year: 2005
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. a) Am 27. Oktober 2004 schrieb das AGG verschiedene Arbeitsgattungen im
Zusammenhang mit dem Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum (INO) des
Inselspitals Bern – darunter auch Lüftungsanlagen – im offenen Verfahren öffentlich aus.
Die Zuschlagskriterien wurden in der Ausschreibung wie folgt definiert:
- Produktequalität gemäss Leistungsbeschrieb
- Preisangebot Das Angebot muss die in den Ausschreibungsunterlagen geforderte Ausführungsqualität erfüllen. Der Preis wird mit 100% gewichtet.
In den Ausschreibungsunterlagen wurde darauf hingewiesen, dass bei den
Lüftungsgeräten jeweils das Fabrikat „Seven-Air“ der Planung zugrunde gelegt worden
sei1. Dieses Fabrikat sei für die Anbietenden nicht verbindlich. In den Offertunterlagen
wurde bei den einzelnen Komponenten der Lüftungsgeräte jeweils der einzuhaltende
maximale Luftwiderstand in Pascal (Pa) fest vorgegeben. Diese Grenzwerte basierten
dabei auf dem Fabrikat „Seven-Air“.
Für den Auftrag betreffend die Lüftungsanlagen reichten die Beschwerdeführerinnen 1
und 2, die Beschwerdeführerinnen 3 und 4 sowie die Beschwerdegegnerinnen je ein
Angebot ein. Am 2. Februar 2005 endete die Frist für die Abgabe der Offerten.
b) Mit Schreiben vom 16. Februar 2005 forderte das Ingenieurbüro J._,
welches das AGG vor und während des Beschaffungsverfahrens für die Lüftungsanlagen
beraten und die Angebote geprüft und bewertet hatte, die Beschwerdeführerin 2 auf, Mehr-
und Minderpreise für andere Fabrikate als die in der Offerte eingesetzten Fabrikate
einzureichen. Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 reichten daraufhin mehrere Varianten
ein.
Mit Schreiben vom 7. April 2005 teilte das AGG den Anbieterinnen mit, die nach der
Abgabe der Angebote eingeholten Mehr- und Minderpreise seien nichtig und würden bei
der Vergabe nicht berücksichtigt.
1 vgl. Ausschreibungsunterlagen, Position 6000 (Lüftungsanlagen), S. 335
3
c) Mit Verfügung vom 13. April 2005 erteilte das AGG den Zuschlag den
Beschwerdegegnerinnen. Deren Angebot war mit einem Nettobetrag von Fr. 7'097'403.85
zwar das teuerste, erfüllte aber nach Auffassung des AGG die Anforderungen an die
Produktequalität, das heisst den Leistungsbeschrieb, durch Einreichen einer
Unternehmervariante als einziges vollumfänglich. Als Begründung lag der
Zuschlagsverfügung ein Schreiben des Ingenieurbüros J._ vom 12. April 2005 bei.
In diesem Schreiben wird unter anderem Folgendes ausgeführt:
„In der Submission wurden für die Lüftungsgeräte Druckverlustvorgaben formuliert. Für diverse Komponenten der Lüftungsgeräte ist der Wert Luftwiderstand max. in Pa vorgegeben. Diese Grenzwerte wurden bei den Wärmetauschern sowie bei den Befeuchtern definiert. Die vorgegebenen Grenzwerte wurden in den Angeboten der ARGE Zellweger/Luwa/Badertscher und der ARGE Wirz Paul/Axima überschritten. Die eingesetzten Gerätekomponenten halten die maximal vorgegebenen Druckverluste nicht ein. Diese Angebote erfüllen die energetischen Vorgaben der Submission nicht. Wir empfehlen die ARGE Kalt/Klimag/Stoffel mit den Arbeiten zu beauftragen. Nur das Angebot der ARGE Kalt/Klimag/Stoffel mit der Variante SevenAir-Monoblocs sowie Konvekta-WRG erfüllt die Anforderungen der Submission.“
2. Gegen die Zuschlagsverfügung des AGG erhoben die Beschwerdeführerinnen 1 und
2 sowie die Beschwerdeführerinnen 3 und 4 in getrennten Eingaben vom 22. April 2005
und 25. April 2005 Beschwerde bei der kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion
(BVE).
Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und die
Sache sei zur Wiederholung des Vergabeverfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Ausserdem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Die Beschwerdeführerinnen 3 und 4 beantragen, die Verfügung sei zu „widerrufen“ und
„das Verfahren mit dem Inhaber des ursprünglichen Zuschlags und mit den
beschwerdeführenden Anbietern neu aufzunehmen“. Auch sie beantragen, dass ihrer
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei.
Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, das Angebot der Beschwerdegegnerinnen
sei nicht das wirtschaftlich günstigste. Es sei erst aus der Zuschlagsbegründung ersichtlich
gewesen, dass es sich bei den festgelegten Druckverlustvorgaben für die Lüftungsgeräte
4
um ein für den Zuschlag massgebendes Kriterium handle. Dieses Kriterium sei für den
Zuschlag untauglich. Das AGG habe sich während des Beschaffungsverfahrens
widersprüchlich verhalten und das Verfahren nicht transparent durchgeführt. Im Übrigen sei
zu vermuten, dass die Beschwerdegegnerinnen ein Unterangebot eingereicht hätten. Ein
formeller Ausschluss der Beschwerdeführerinnen aus dem Beschaffungsverfahren sei nicht
erfolgt.
3. Die Beschwerdegegnerinnen beantragen, die Beschwerden seien abzuweisen. Die
Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerden seien ebenfalls
abzuweisen. Eventualiter seien die Beschwerdeführerinnen zur Leistung von Sicherheiten
für die Verfahrenskosten und für eine allfällige Parteientschädigung zu verpflichten.
Die Beschwerdegegnerinnen machen geltend, es sei nicht das AGG, sondern das
Ingenieurbüro J._ gewesen, welches die Anbietenden aufgefordert habe, Mehr-
und Minderpreise für alle Lüftungsfabrikate mitzuteilen. Dem beauftragten Ingenieurbüro
sei es einzig darum gegangen, Erläuterungen zu den Angeboten der
Beschwerdeführerinnen einzuholen. Eine nachträgliche Änderung der Preise oder des
Leistungsinhalts sei ohnehin unzulässig und dürfe im Beschaffungsverfahren nicht
berücksichtigt werden. Der Preis als Zuschlagskriterium sei nur dann entscheidend, wenn
sämtliche Anforderungen an die Produktequalität erfüllt würden. Dies sei bei den
Angeboten der Beschwerdeführerinnen, welche die technischen Vorgaben missachteten,
nicht der Fall. Das AGG habe sich im Verfahren keineswegs widersprüchlich verhalten. Die
Schlussfolgerung der Beschwerdeführerinnen, wonach auch die „Seven-Air“-Fabrikate,
welche der Ausschreibung zugrunde lagen, die geforderten Druckverlustvorgaben nicht
erfüllten, sei eine unhaltbare Behauptung. Für die Beschwerdeführerinnen habe kein
Anspruch bestanden, vor dem Zuschlag mit separater Verfügung vom
Beschaffungsverfahren ausgeschlossen zu werden.
Das AGG beantragt, die Beschwerden seien abzuweisen und die angefochtene Verfügung
sei zu bestätigen. Die Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerden seien ebenfalls abzuweisen. Für den Fall, dass die aufschiebende Wirkung
erteilt werde, seien die Beschwerdeführerinnen zur Leistung von Sicherheiten für die
Verfahrenskosten sowie für eine Parteientschädigung und weiteren Schadenersatz zu
verpflichten.
Das AGG führt aus, bei der Umschreibung „Produktequalität gemäss Leistungsbeschrieb“
5
handle es sich nicht um ein Zuschlagskriterium, sondern um eine Vorbedingung im Sinne
eines Pflichtenhefts bzw. einer technischen Spezifikation, die vollumfänglich einzuhalten
sei. Die Angebote der Beschwerdeführerinnen hätten diesen Anforderungen nicht genügt.
Der Luftwiderstand bei den einzelnen Komponenten der Lüftungsanlagen sei kostenmässig
von zentraler Bedeutung. Das AGG und seine Planer hätten die Grenzwerte der einzelnen
Komponenten so berechnet, dass eine optimale Lösung für die gesamte Anlage erreicht
werde. Das Vorgehen des beratenden Ingenieurbüros J._, die Anbieterinnen
aufzufordern, Mehr- und Minderpreise für andere Lüftungsfabrikate einzureichen,
widerspreche den beschaffungsrechtlichen Vorschriften. Das AGG habe diesem Vorgehen
daher nicht zugestimmt und den Anbieterinnen schriftlich mitgeteilt, dass die nachträglich
eingereichten Angebote ungültig seien. Die Zuschlagsempfängerinnen hätten im
Begleitschreiben zu ihrem Angebot als einzige den Alternativvorschlag gemacht, für die
Lüftungsgeräte das Fabrikat „Seven-Air“ einzusetzen. Bei dieser Variante der
Zuschlagsempfängerinnen handelte es sich um das einzige Angebot, bei dem die fest
vorgegebenen Grenzwerte betreffend den Luftwiderstand eingehalten würden. Das
Beschaffungsverfahren sei transparent durchgeführt worden. Ein Anspruch, vor dem
Zuschlag mit einer separaten Verfügung vom Verfahren ausgeschlossen zu werden,
bestehe nicht.
4. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2,
vereinigte die Beschwerdeverfahren gegen die angefochtene Zuschlagsverfügung, führte
den Schriftenwechsel durch, liess die mangelhaft unterzeichnete Beschwerde der
Beschwerdeführerinnen 3 und 4 verbessern und edierte die massgebenden Vorakten. Es
verzichtete auf die Durchführung eines Beweisverfahrens.
Auf die einzelnen Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den
Erwägungen zurückzukommen sein.

II. Erwägungen
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE, BSG 155.221.191)
6
1. Nach Art. 12 Abs. 1 ÖBG3 können Verfügungen kantonaler Auftraggeberinnen und
Auftraggeber mit Beschwerde bei der in der Sache zuständigen Direktion des
Regierungsrates angefochten werden. Die BVE ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig, da die angefochtene Zuschlagsverfügung vom AGG erlassen
wurde. Die Beschwerdeführerinnen sind durch die angefochtene Verfügung beschwert und
somit unbestritten zur Beschwerde befugt. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichten
Beschwerden ist somit einzutreten.
2. Änderung des Angebots
a) Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 machen geltend, das AGG habe sie nach
Einreichung ihres Angebots aufgefordert, sämtliche Mehr- und Minderpreise für alle
Kühlgeräte-Fabrikate mitzuteilen. In der Zuschlagsbegründung werde demgegenüber
festgehalten, dass nur die „Seven-Air“-Fabrikate tauglich seien. Das AGG habe sich
widersprüchlich verhalten und die Anbietenden durch sein Vorgehen in die Irre geführt.
b) Gemäss Art. 19 ÖBV4 dürfen Angebote nach ihrer Einreichung nicht mehr geändert
werden. Vorbehalten bleiben offensichtliche Rechnungs- und Schreibfehler, welche
berichtigt werden können (Art. 25 Abs. 2 ÖBV). Die Auftraggebenden können von den
Anbietenden Erläuterungen in Bezug auf ihre Eignung und ihr Angebot verlangen (Art. 26
Abs. 1 ÖBV). Diese Erläuterungen dürfen jedoch nicht dazu dienen, den Inhalt des
Angebots nachträglich zu ändern. Zur Bereinigung von Detailfragen sind auch
Präzisierungen zulässig, soweit sie nicht auf eine massgebliche Änderung des Auftrags
bzw. des Angebots hinauslaufen5. Der Zuschlag muss auf Angebote erfolgen, wie sie sich
bei der Offertöffnung präsentieren.
Es ist unbestritten, dass die Anbietenden nicht vom AGG, sondern vom Ingenieurbüro
J._ aufgefordert wurden, Mehr- und Minderpreise für alle Fabrikate bekannt zu
geben. Aus der Ausschreibung geht hervor, dass die Angebote beim damaligen
Hochbauamt des Kantons Bern einzureichen waren. Schriftliche Fragen im
3 Gesetz vom 11. Juni 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBG, BSG 731.2) 4 Verordnung vom 16. Oktober 2002 über das öffentliche Beschaffungswesen (ÖBV, BSG 731.21) 5 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, Schulthess 2003, N.
340 mit Hinweisen
7
Zusammenhang mit der Beschaffung waren ebenfalls an das Hochbauamt zu richten.
Offizielle Ansprechstelle war somit das Hochbauamt. Aus der Ausschreibung und den
Ausschreibungsunterlagen geht nirgends hervor, dass das Ingenieurbüro J._ vom
AGG beauftragt worden wäre, gegenüber den Anbietenden im Namen des AGG zu
handeln. Das Vorgehen des Ingenieurbüros kann somit nicht dem AGG zugerechnet
werden. Die Anbietenden hätten sich vorgängig beim AGG erkundigen müssen, ob es dem
Vorgehen des Ingenieurbüros, abgeänderte Angebote einzufordern, zustimmt. Das AGG
hat sich denn auch vom Vorgehen des Ingenieurbüros vor der Zuschlagsverfügung
schriftlich distanziert. Das Vorgehen des Planungsbüros führte dazu, dass die
Anbieterinnen ihre Angebote nach der Offerteinreichung inhaltlich abgeändert haben. Dies
widerspricht der zwingenden Vorschrift von Art. 19 ÖBV. Derart abgeänderte Angebote
dürfen von der Beschaffungsstelle beim Zuschlag nicht berücksichtigt werden. Das AGG
hat die nachträglich abgeänderten Angebote der Beschwerdeführerinnen bei der
Zuschlagserteilung somit zu Recht nicht berücksichtigt.
3. Technische Spezifikation und Zuschlagskriterien
Die Beschwerdeführerinnen machen geltend, im vorliegenden Fall sei das
Zuschlagskriterium Preis mit 100 % gewichtet worden. Das Angebot der
Beschwerdegegnerinnen sei preislich teurer als die Angebote der Beschwerdeführerinnen.
Es handle sich somit nicht um das wirtschaftlich günstigste Angebot.
Nach Art. 30 Abs. 2 ÖBV sind die Zuschlagskriterien in den Ausschreibungsunterlagen mit
ihrer Gewichtung aufzuführen. In der Ausschreibung sind unter dem Titel
„Zuschlagskriterien“ die beiden Kriterien „Produktequalität gemäss Leistungsbeschrieb“
und „Preis“ aufgeführt. Die Gewichtung der beiden Kriterien wurde bereits in der
Ausschreibung vorgenommen: Währenddem der Preis mit 100 % gewichtet wurde, fehlte
beim Kriterium der Produktequalität eine Angabe über die Gewichtung. In den
Ausschreibungsunterlagen wurde auf die Gewichtung der Zuschlagskriterien nicht näher
hingewiesen. Der Wortlaut der Ausschreibung ist damit unklar und widerspricht Art. 30 Abs.
2 ÖBV. Wäre die Produktequalität ein Zuschlagskriterium gewesen, so hätte es gewichtet
werden müssen. Sinngemäss kann die Ausschreibung allerdings nicht anders verstanden
werden, als dass die Produktequalität definierte technische Spezifikationen (im Sinne von
Art. 12 ÖBV) darstellen, die jede Offerte einhalten muss. Der Preis war somit das einzige
Zuschlagskriterium. Das Nichteinhalten der verlangten Produktequalität stellt einen
8
Ausschlussgrund dar (Art. 24 Abs. 1 Bst. b ÖBV).
9
4. Technische Spezifikation: Grenzwerte für den maximalen Luftwiderstand
a) Die Beschwerdeführerinnen beanstanden, aus den Ausschreibungsunterlagen sei
nicht ersichtlich gewesen, dass es sich bei den Grenzwerten für den maximalen
Luftwiderstand bei den einzelnen Komponenten der Kühlgeräte um ein massgebendes
Kriterium der Produktequalität gehandelt habe. Zwischen dem Grenzwert für den
maximalen Druckverlust und dem Kriterium „Produktequalität“ bestehe kein
Zusammenhang. Der Wert des maximalen Druckverlustes sei nicht absolut bestimmbar,
sondern sei von bestimmten Berechnungen abhängig, welche in den
Ausschreibungsunterlagen nicht offen gelegt worden seien. Die vom AGG in den
Offertunterlagen fest vorgegebenen Gerätekomponenten („Seven-Air“, „Axair“) würden die
Druckverlustvorgaben ebenfalls nicht einhalten und hätten zudem einen höheren
Energieverbrauch als andere Fabrikate. Dies gehe aus einer Offerte hervor, welche die
Beschwerdeführerinnen während der Ausarbeitung ihres Angebots bei der Firma „Seven-
Air“ eingeholt hätten. Es liege somit kein Angebot vor, welches die Anforderungen an die
Produktequalität vollumfänglich erfülle. Das Beschaffungsverfahren sei daher zu
wiederholen.
b) Bei den im Leistungsverzeichnis angegebenen Höchstwerten über Druckverluste
handelt es sich um technische Spezifikationen, die die Produktequalität definieren (E.3).
Die technischen Spezifikationen werden in der Regel im Leistungsbeschrieb bzw. im
Pflichtenheft einer Auftragsvergabe aufgeführt. Es handelt sich dabei wie gesagt nicht um
Zuschlagskriterien, sondern um technische Vorgaben bzw. Normen, die aus Sicht der
Beschaffungsstelle zwingend zu erfüllen sind, damit überhaupt geprüft wird, inwieweit das
Angebot die gewichteten Zuschlagskriterien erfüllt. Der Beschaffungsstelle steht es dabei
grundsätzlich frei, zu bestimmen, welchen technischen Anforderungen bzw. Normen ein
Produkt zu entsprechen hat. Weichen Anbietende von diesen Normen ab, so haben sie die
Gleichwertigkeit ihrer technischen Spezifikationen nachzuweisen (Art. 12 Abs. 3 ÖBV).
c) In den Offertunterlagen des AGG wurde bei den einzelnen Komponenten der
Lüftungsgeräte jeweils der einzuhaltende maximale Luftwiderstand in Pascal (Pa) fest
vorgegeben. Diese technischen Grenzwerte basierten dabei auf dem Fabrikat „Seven-Air“
und bildeten Bestandteil des Leistungsbeschriebs bzw. des Pflichtenhefts. Den
Anbietenden stand es offen, andere Fabrikate zu offerieren. Die Beschwerdeführer
10
behaupten, wie sie angeben nach Rücksprache mit dem Hersteller, dass die Fabrikate
„Seven-Air“ die Höchstwerte über Druckverluste auch nicht einhalten. Dies ist für den
Zuschlag nicht massgebend. Für die Richtigkeit dieser Angaben ist die Beschaffungsstelle
verantwortlich, allfällige Unklarheiten wären Gegenstand der Vertragsauslegung zwischen
ihr und der Zuschlagsempfängerin, mit der sie den Ausführungsvertrag abschliesst.
Ebenso ist es Sache der Beschaffungsstelle, ob sie weitere Kriterien wie den
Energieverbrauch der Fabrikate zu Zuschlagskriterien machen will. Das AGG hat sich für
ein einziges Kriterium, das des Preises, entschieden. Die Rüge der
Beschwerdeführerinnen, wonach sich das AGG beim Zuschlag auf ein nicht vorgängig
bekannt gegebenes Zuschlagskriterium abgestützt habe, ist somit unbegründet.
5. Ausschluss vom Verfahren, Zuschlag an die Beschwerdegegnerinnen
a) Nach Art. 24 Abs. 1 Bst. b ÖBV schliessen die Auftraggebenden Anbieterinnen oder
Anbieter von der Teilnahme am Verfahren aus, welche ein Angebot einreichen, das der
Ausschreibung, den Ausschreibungsunterlagen oder wesentlichen Formerfordernissen
nicht entspricht.
Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass die Angebote der Beschwerdeführerinnen auf
Fabrikaten basierten, welche die vorgegebenen Grenzwerte für den maximalen
Luftwiderstand bei den Lüftungsanlagen nicht einhielten. Diese Angebote entsprachen
somit den technischen Vorgaben nicht (vollumfänglich). Die Beschwerdeführerinnen
vermochten die Gleichwertigkeit der von ihnen eingesetzten Fabrikate nicht genügend
nachzuweisen. Damit lag ein Ausschlussgrund nach Art. 24 Abs. 1 Bst. b ÖBV vor. Das
AGG hat die Beschwerdeführerinnen nicht mit einer förmlichen Ausschlussverfügung,
vorgängig zur Zuschlagsverfügung, vom Verfahren ausgeschlossen. Sie hat stattdessen
direkt die Zuschlagsverfügung eröffnet und darin die Beschwerdeführerinnen nicht
berücksichtigt. Durch dieses Vorgehen ist den Beschwerdeführerinnen kein Nachteil
erwachsen. Der Ausschluss einer Anbieterin oder eines Anbieters vom
Beschaffungsverfahren kann durch gesonderte Verfügung, aber auch bloss implizit durch
die Zuschlagserteilung an einen anderen Submittenten erfolgen6. Ein Anspruch auf einen
separaten Ausschluss vom Beschaffungsverfahren besteht somit nicht.
6 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang, a.a.O., N. 223 mit Hinweisen
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b) Aus den Vorakten geht hervor, dass der Hauptofferte der Beschwerdegegnerinnen
das Fabrikat „Mountair“ zugrunde lag. Dieses hielt die im Leistungsbeschrieb
vorgegebenen Grenzwerte nicht ein. Die Beschwerdegegnerinnen hatten jedoch im
Begleitschreiben zu ihrem Angebot erklärt, sie seien bereit, bei der Ausführung des
Auftrags das Fabrikat „Seven-Air“ einzusetzen. Sie reichten damit als einzige
Anbieterinnen eine Variante ein, die der Ausschreibung entsprach. Das Einreichen von
Unternehmervarianten war gemäss den Ausschreibungsunterlagen zulässig7. Der Zuschlag
erfolgte somit zu Recht an die Beschwerdegegnerinnen.
6. Falsche Preisberechnung
Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 machen geltend, es sei nicht nachvollziehbar, wie der
Preis von Fr. 7'404'257.50, zu welchem der Zuschlag an die Beschwerdegegnerinnen
erfolgte, zustande gekommen sei. Gemäss Beilage zur Zuschlagsverfügung habe der
ursprüngliche Eingabepreis der Beschwerdegegnerinnen Fr. 7'097'403.85 betragen. Zähle
man die Mehrwertsteuer von 7,6 % hinzu, führe dies zu einem Preis von Fr. 7'636'806.50
und nicht zu Fr. 7'404'257.60. Es liege eine „Unstimmigkeit“ vor, die auf ein Unterangebot
der Beschwerdegegnerinnen schliessen lasse.
Aus den Vorakten8 geht hervor, dass das Angebot der Beschwerdegegnerinnen in Bezug
auf die Variante, das heisst den Einsatz von „Seven-Air“-Geräten, brutto Fr. 7'238'881
betrug. Von diesem Betrag wurde ein Rabatt von 3% abgezogen und es wurde die
Mehrwertsteuer von 7,6 % hinzugerechnet. Abschliessend wurde ein Skonto von 2 %
abgezogen. Es resultierte schliesslich ein Endbetrag von Fr. 7'404'257.60. Dieser Preis
entspricht dem in der Zuschlagsverfügung ausgewiesenen Betrag und wurde korrekt
berechnet.
7. Gesuche um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
Mit dem vorliegenden Entscheid in der Hauptsache werden die Gesuche um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerden gegenstandslos.
7 vgl. Ausschreibungsunterlagen, Submissionsbedingungen (Position 1200), Ziffer 3.5., S. 11 8 vgl. Vergabeantrag/Offertvergleich vom 7.4.2005, Beilage 10 zur Stellungnahme des AGG vom 18. Mai 2005
12
8. Zusammenfassung
Aus diesen Erwägungen folgt zusammenfassend, dass das AGG die nach der
Offerteinreichung abgeänderten Angebote der Beschwerdeführerinnen bei der
Zuschlagserteilung richtigerweise nicht berücksichtigt hat. Die im Leistungsbeschrieb fest
vorgegebenen Höchstwerte für den Luftwiderstand bei den einzelnen Komponenten der
Lüftungsanlagen stellten zwingende technische Vorgaben dar, welche vollumfänglich
einzuhalten waren. Sie sind kein Zuschlagskriterium. Das Angebot der
Beschwerdegegnerinnen war das einzige, welches diese Anforderungen erfüllte. Der
Zuschlag wurde somit zu Recht den Beschwerdegegnerinnen erteilt. Die Berechnung des
Netto-Offertpreises der Beschwerdegegnerinnen ist aus den Vorakten genügend ersichtlich
und erfolgte korrekt. Ein Anspruch auf separaten Ausschluss vom Beschaffungsverfahren
bestand nicht.
Die Beschwerden sind somit abzuweisen und die Zuschlagsverfügung des AGG vom
13. April 2005 ist zu bestätigen.
9. Kosten
a) Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG9 werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Die Beschwerdeführerinnen sind im vorliegenden Verfahren mit ihren
Rechtsbegehren nicht durchgedrungen. Sie bezahlen deshalb die Verfahrenskosten. Diese
werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'800.00. Von diesem Betrag haben die
Beschwerdeführerinnen 1 und 2 sowie die Beschwerdeführerinnen 3 und 4 je die Hälfte zu
tragen. Die Beschwerdeführerinnen haften solidarisch für den gesamten Betrag (Art. 106
VRPG).
b) Nach Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
9 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, BSG 155.21)
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Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der
Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint. Die Kostennote des
Anwalts der Beschwerdegegnerinnen beträgt 5'013.20 Franken. Sie ist nicht zu
beanstanden. Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 und die Beschwerdeführerinnen 3 und 4
tragen davon je die Hälfte.