Decision ID: 7348c3e7-35ca-46b7-80c2-65bbff9bf55a
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1960 geborene X._ besuchte in Persien das Gym
nasium und erwarb die Matura (Urk. 38 S. 15). Sie heiratete 1984 und ist Mutter dreier Kinder (1985, 1986, 1991; Urk. 10/9 S. 2). 1991 flüchtete sie mit der Fa
milie aus dem Iran in die Schweiz (Urk. 10/9 S. 3, Urk. 38 S. 16). Seit 2002 ist die Versicherte diplomierte Coiffeuse und war in der Folge selbständig er
werbstätig (Urk. 10/9 S. 4). Seit dem 28. Mai 2010 ist sie geschieden (Urk. 10/8). Aufgrund einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symptomen fand in der Zeit vom 7. Mai bis 4. Juni 2013 eine erste stationär-psychiatrische Behandlung im Y._ statt (Urk. 10/16/9). In der Folge musste die Versicherte ihren Coiffeur-Salon aufgeben (Urk. 38 S. 15) und meldete sich aufgrund der psychischen Beschwerden am 4. Februar 2014 bei der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 10/9).
Diese liess die Versicherte psychiatrisch begutachten (Gutachten von Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. Oktober 2014; Urk. 10/31). Mit Vorbescheid vom 27. Oktober 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 10/33). In der Zeit vom 15. Januar bis 3. März 2015 weilte die Versicherte zur teilstationären Behandlung an der A._, Urk. 10/46). Mit Verfügung vom 28. Mai 2015 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten nach durchgeführten Vorbescheidverfahren (Urk. 10/33, Urk. 10/43) ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 26. Juni 2015 Beschwerde und beantragte, es sei die Sache zur psychiatrischen Begutachtung und Neu
verfügung über den Anspruch auf eine IV-Rente an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventualiter sei diese zu verpflichten, berufliche Massnahmen in die Wege zu leiten; erst hernach sei über den Anspruch auf eine IV-Rente zu verfügen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
gegnerin. Weiter sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und ihr in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche Rechtsbeiständin zu bestellen; überdies sei ein zweiter Schriftenwechsel durch
zuführen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 7. September 2015 beantragte die Beschwer- degegne
rin unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Be
schwerde (Urk. 9). Mit Verfügung vom 16. September 2015 wurde der Be
schwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und ihr Rechtsan
wältin Christine Fleisch, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren bestellt; weiter wurden der Vertreterin die noch nicht eingesehenen IV-Akten zur Stellungnahme unterbreitet (Urk. 11). Mit Schreiben vom 22. Oktober 2015 nahm die Vertreterin der Beschwerdeführerin zu den nunmehr vollständig zugestellten IV-Akten Stellung, unter Hinweis auf eine weitere tagesklinische Behandlung in der A._ (Urk. 14 S. 3). Mit Schreiben vom 6. November 2015 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 17), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 10. November 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 18).
2.2
In der Zeit vom 7. Dezember 2015 bis 10. März 2016 fand in der A._ eine wei
tere teilstationäre Behandlung statt (Urk. 22 f., Urk. 28/1); in der Zeit vom 11. März bis 26. April 2016 weilte die Versicherte erneut stationär im Y._ (Urk. 27, Urk. 28/2). Von diesen Klinikaufenthalten wurde die Beschwerdegegnerin mit Verfügungen vom 8. Februar sowie 7. Juni 2016 in Kenntnis gesetzt; sie verzichtete in der Folge auf eine einlässliche Stellung
nahme und beantragte weiterhin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 26, Urk. 30).
2.3
Mit Beschluss vom 23. Januar 2017 (Urk. 36) holte das Gericht ein Gutachten bei Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie B._ ein. Mit Verfü
gung vom 24. März 2017 wurde das Gutachten vom 22. März 2017 (Urk. 38) den Parteien zur Stellungnahme unterbreitet (Urk. 40). Die Vertreterin der Be
schwerdeführerin äusserte sich mit Schreiben vom 23. Mai 2017 (Urk. 43), die Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfer
tigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine sol
che vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/aa).
2.
2.1
Dr. Z._ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 6. Oktober 2014 mit an
haltender Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Reaktion ab Mai 2013 (ICD-10 F43.21). Ohne anhaltende Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit würden ein Verdacht auf schädlichen Gebrauch von Temesta (ICD-10 F13.1), eine Dysthymie seit ca. 2008 (ICD-10 F34.1) sowie familiäre Schwierigkeiten bestehen (ICD-10 Z63; Urk. 10/31 S. 6).
Bei der Untersuchung liege ein leichtes bis teilweise mittelgradiges Ausmass der depressiven Reaktion vor. Ein Teil der Problematik sei krankheitsfremd, wobei hier an die familiären Schwierigkeiten zu denken sei. Vermutlich spiele auch der hohe Konsum von Temesta eine Rolle; auch sei die medikamentöse Compliance nicht befriedigend (S. 7 f.). Nach der Entlassung aus der ersten stationär-psy
chiatrische Behandlung im Y._ (7. Mai bis 4. Juni 2013) sei von einer 20%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen, sowohl in der angestammten als auch einer angepassten Tätigkeit. Die vorgesehene Be
handlung in der Tagesklinik sei wichtig und zumutbar und werde zu einem Anstieg der Arbeitsfähigkeit führen (S. 8 ff.).
2.2
Fachärztin B._ diagnostizierte in ihrem Gutachten vom 22. März 2017 eine rezidivierende depressive Störung, derzeit schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2) sowie eine posttraumatische Belas
tungsstörung (ICD-10 F43.1; Urk. 38 S. 23).
Im mindesten seit 2004 stehe die Beschwerdeführerin in sporadischer psy
chiatrisch/psychotherapeutischer Behandlung, seit 2008 finde eine regel
mässige integrative psychiatrisch/psychotherapeutische Behandlung bei Dr. C._ statt. Die Dekompensation ab Frühjahr 2013 sei auf unterschied
liche Faktoren zurückzuführen. In diesen Zeitraum falle die Scheidung vom ge
walttätigen Ehemann, weiter seien innerhalb von drei Monaten mehrere Famili
enmitglieder verstorben; daneben leide ein Sohn unter einer schweren psy
chiatrischen Erkrankung und habe mehrfach und monatelang psychiatrisch hospitalisiert werden müssen. Zwischen Mai 2013 und Januar 2017 sei es ins
gesamt zu drei zum Teil wochenlangen psychiatrischen Hospitalisationen ge
kommen, dazwischen zu mehreren, ebenfalls mehrwöchigen teilstationären Be
handlungen (S. 25 f.). Fachärztin B._ führte aus, i
m Rahmen der Ex
ploration
habe die Beschwerdeführerin
immer wieder heftig zu weinen
begon
nen
. Dabei
habe
sie aber gleichzeitig sehr um Haltung bemüht
gewirkt
. Die Ausführungen der Versicherten s
eien
nachvollziehbar und glaubhaft. Sie deck
t
en sich mit dem psychopathologischen Befund und es besteh
e
insgesamt kein Anhalt für Aggravation oder gar Simulation.
Die Beschwerdeführerin sei
be
wusstseinsklar und allseits voll orientiert. Es zeig
t
en sich Einschränkungen im Bereich der Auffassungsgabe. Auch einfache Fragen müss
t
en immer wieder wiederholt werden, dies ausserhalb sprachlicher Schwierigkeiten. Nach Ablauf der knapp zweistündigen Exploration
sei die Beschwerdeführerin
deutlich er
schöpft und es komm
e
zu einer Abnahme der ohnehin schon verminderten Konzentrationsfähigkeit. Das Gedächtnis
sei
sowohl subjektiv als auch objektiv deutlich beeinträchtigt.
Die Beschwerdeführerin habe
Mühe mit zeitlichen Ab
läufen, Jahreszahlen k
ö
nn
e
sie praktisch nicht benennen. So k
önne
sie auch keine Angaben über den genauen Zeitrahmen der letzten Hospitalisationen etc. machen. Vereinzelt ko
mme
es zu Wortfindungsstörungen. So f
a
ll
e
ihr
z
.B. das Wort Briefkasten nicht ein. Der formale Gedankengang
sei
deutlich verlang
samt, immer wieder stockend. Inhaltlich finde sich eine Einengung auf zurück
liegende Traumatisierungen, die permanent bestehende Angstsymptomatik und die depressiven Gedankeninhalte wie Schamgefühle, Versagensgefühle, Lebens
überdruss, praktisch völlig erloschenes Selbstvertrauen, negative und pessimis
tische Zukunftsperspektiven etc. Die Stimmung
sei
deutlich zum depressiven Pol hin verschoben mit praktisch erloschener affektiver Schwingungsfähigkeit. Mi
mik, Gestik und Psychomotorik
seien
rudimentär. Immer wieder auftretend s
e
i
e
n Gedanken von Lebensüberdruss, auch suizidale Ideen und Suizidversuche
in der Vergangenheit. Es bestehe
eine ausgeprägte Grundängstlichkeit und Vi
gilanzerhöhung mit den immer wieder bestehenden Gefühlen
,
in irgendeiner Weise bedroht zu sein. Angst
bestehe
vor der Nähe anderer Menschen, hier ins
besondere auch vor Männern. Immer wieder
träten
Flashbacks bezogen auf Verfolgungserlebnisse im Iran, die Gewalterlebnisse seitens des Ehemannes
(schlagen und sexuelle Übergriffe) auf
.
Es bestünden a
usgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen
,
nächtliche Albträume mit nächtlichem Aufschrecken
, eine p
ermanent
e
Müdigkeit und Antriebslosigkeit mit nur rudimentärem Tages
ablauf
und ein p
raktisch
vollständiger sozialer Rückzug (S. 20).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt Fachärztin B._ fest, sowohl für das selbstän
dige Führen eines Coiffeur-Salons als auch für die Tätigkeit als angestellte Coiffeuse sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Aufgrund des momentanen Zustandsbildes sei die Beschwerdeführerin auch nicht in der Lage für einen Einsatz im Rahmen einer geschützten Tätigkeit. Anhand der Anam
nese, der vorliegenden Berichte und auch der Angaben der aktuell behandeln
den Ärzte bestehe das Störungsbild in dieser Intensität im mindesten seit Mai 2013. Aus psychiatrischer Sicht seien die Behandlungsmassnahmen weitestge
hend erschöpft (S. 28).
Das Gutachten von Dr. Z._ sei in Anbetracht der Tragweite relativ kurz gehalten. Im Gutachten gebe es weder eine berufliche noch eine psychiatrische Anamnese im engeren Sinn. Die gesamte psychiatrische Vorgeschichte werde auf insgesamt neun Zeilen wiedergegeben, wodurch der langen Leidensge
schichte der Beschwerdeführerin in keiner Weise Rechnung getragen werde. Weiter finde keine Unterscheidung der subjektiven Angaben der Beschwerde
führerin und den sonstigen Angaben respektive der Aktenlage statt. Aus ihrer Sicht erfülle das Gutachten von Dr. Z._ damit schon aus formalen Grün
den nicht die Anforderungen, die an ein psychiatrisches Gutachten gestellt wür
den. Weiter sei die Anamnese sehr oberflächlich und rudimentär erhoben, ins
besondere seien die Kriegserlebnisse und die Gefühlswelt rund um die Miss
handlungen durch den Ehemann nicht exploriert oder erwähnt worden. Es wür
den sich im psychopathologischen Befund keine Angaben darüber finden las
sen, ob spezifische Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung vor
liegen würden oder nicht (S. 30). Weiter berücksichtige Dr. Z._ die medi
zinischen Akten nur ungenügend und die Diagnose sei falsch; so erwähne Dr. Z._ quer durch das eher unstrukturierte Gutachten immer wieder deut
liche depressive Symptome, die richtig schlussfolgernd auch als Depression (und nicht als Anpassungsstörung) hätten diagnostiziert werden müssen. Die Diag
nosestellung halte sich weder korrekt an die ICD-Kodierung, noch würden im Gutachten der langjährige Verlauf der Erkrankung und die früher gestellten Di
agnosen berücksichtigt (S. 31).
3.
3.1
Nachdem im vorliegenden Verfahren aufgrund der Ergebnisse der Begutachtung von Dr. Z._ sowie der Berichte der behandelnden Fachärzte wie auch der Austrittsberichte im Zusammenhang mit den erfolgten stationären und teilstatio
nären Aufenthalten keine abschliessende Einschätzung des medizini
schen Sachverhalts möglich war, wurde das nunmehr vorliegende Gerichtsgut
achten in Auftrag gegeben. Fachärztin B._ legt dabei den medizini
schen Sachverhalt in ihrem Gutachten vom 22. März 2017 in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar. So enthält das Gutachten neben einer detail
lierten Auseinandersetzung mit dem Gutachten von Dr. Z._ vom 6. Oktober 2014 (S. 30 ff.) auch eine angemessene Würdigung der mittlerweile umfangreichen Vorakten, insbesondere betreffend die Zeit ab dem ersten statio
nären Aufenthalt vom 7. Mai 2013 bis hin zur bislang letzten stationären Un
terbringung in der Zeit vom 20. bis 30. Januar 2017 (Urk. 38 S. 3-13, vgl. auch S. 29 ff.), und schloss daraus in schlüssiger Weise auch auf frühere Verhältnisse, namentlich im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung am 28. Mai 2015. Auch die versicherungsmedizinische Beurteilung sowie die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit ist aufgrund der nunmehr gründlich erhobenen psychiatri
schen Anamnese einleuchtend, so dass aufgrund der widerspruchsfreien gut
achterlichen Darlegung kein Anlass besteht, von der Einschätzung von Fach
ärztin B._ abzuweichen. Etwas anderes machte auch die Beschwerde
gegnerin nicht geltend.
Zusammenfassend ist somit ab Mai 2013 in sämtlichen Tätigkeiten von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
3.2
Der Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG
. Aufgrund der am 4. Februar 2014 erfolgten Anmeldung zum Leistungsbezug hat die Beschwerdeführerin ab 1. August 2014 Anspruch auf eine ganze Rente (vgl. Art. 29 Abs. 3 IVG).
4.
4.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 1‘000.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Was
die
Frage der Überbindung der Gutachtens
kosten
an
die
Beschwerdegegne
rin anbelangt
ist festzuhalten,
das
s
das Gericht
die
Einholung eines Gerichtsgut
achtens als notwendig erachte
te
, weil
die massgeblichen Fragen des Gesund
heitsschadens wie auch der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit aufgrund der Aktenlage unklar waren. Namentlich fand die einwandweise (Urk. 10/43 S. 6) erwähnte Behandlung in der A._ vom 15. Januar bis 3. März 2015 (Bericht vom 13. März 2015, Urk. 10/46) und die dabei erhobene, vom Verwaltungsgutachten abweichende begründete Ein
schätzung
keinen Eingang in die Beurteilung. Die Sachlage blieb demgemäss ungeklärt respektive blieb
ein offensichtlicher Widerspruch zwischen verschie
denen medizinischen Standpunkten stehen und
wurde
nicht durch objektiv be
gründete Erklärungen aufgelöst
.
Damit sind
die
vom Bundesgericht in BGE 137 V 210 E. 4.4.2 aufgestellten Kriterien, wie sie in BGE 139 V 496 präzisiert wur
den (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_301/2016 vom 7. Juli 2016 E. 2.2),
ausgewiesen
und
die
Voraussetzungen zur Überbindung der Gutachtens
kosten
an
die
Beschwerdegegnerin sind erfüllt.
Die
se hat demnach
die
Kosten
für
das
Gerichtsgutachten
von Fr.
5‘700.--
(vgl. Urk.
39
) zu tragen.
4.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Vertreterin der Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, wel
che in Anwendung von Art. 61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses sowie nach Einsicht in die Honorarnote vom 19. Juni 2017 (Urk. 44 f.) auf Fr. 4'201.20 (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.