Decision ID: bf27c96a-4660-42dd-9019-8c8224e9a5a0
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Mit Verfügung vom 28. März 2012
sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
X._
, geboren 1951
, ausge
hend von einem Invaliditätsgrad von 50 % mit Wirkung ab 1.
Juni 2011
eine halbe Rente
zu (Urk. 2
). Gegen diese Verfügung
liess
die Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Pfau,
mit Eingabe vom 14. Mai 2012 Beschwerde
erheben und beantragen, es sei ihr eine ganze Invalidenrent
e zuzusprechen. Eventualiter sei
eine interdisziplinäre Begutachtung zur genaueren Einschätzung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsfähigkeit zu veranlassen.
In prozessualer Hinsicht beantragte sie eine öffentliche, mündliche Verhandlung sowie die Durchfüh
rung eines Beweisverfahrens. Weiter ersuchte
X._
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung von Rechts
anwalt
Dr.
Pfau
zu ihrem
unentgeltlichen Rechtsvertreter (
Urk.
1 S. 2)
.
2.
Die Beschwerdegegnerin ersuchte i
n ihrer Beschwerdeantwort vom 20. Juni 2012
um teilweise Gut
heissung der Beschwerde. Sie hielt dazu fest,
dass sie sich dem Antrag der Beschwerdeführerin anschliesse und eine polydisziplinäre Begutachtung als
angezeigt erachte. Entgegen
de
n
Vorbringen
der Beschwerde
führerin
sei
hingegen
nicht davon auszugehen, dass für
eine angepasste, k
ör
perlich leichte, rückenschonende Tätigkeit eine höhere als
eine
50%ige Arbeits
unfähigkeit vorliege. Die medizinische Aktenlage lasse jedoch keine ausreichend klare Beurteilung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zu (
Urk.
8).
3.
Nach Zustellung der Beschwerdeantwort am 2
3.
September 2013 (
Urk.
14) er
klärte Rechtsanwalt
Dr.
Pfau am 1
4.
Oktober 2013
für die Beschwerdeführerin
, aufgrund der von der IV-Stelle beantragten teilweisen Gutheissung der Be
schwerde in Bezug auf die Durchführung einer polydisziplinären Begut
achtung
,
verzichtete er
auf die beantragte öffentliche Verhandlung (
Urk.
15).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1
.
1.1
Gemäss Feststellungsblatt zum Beschluss (
Urk.
9/37 S. 3) ging die IV-Stelle ge
stützt auf die
medizinische Aktenlage und
die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
vom
9.
August 2011
(RAD
;
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie)
davon a
us, dass die Beschwerdeführerin
unter
einer depressiven Symptomatik leide, welche sich in Konzentrationsstörungen, formalen Denkstörungen, wie Denkverlangsamung
,
Einengung des Denkens, so
zialem Rückzug, vermindert
er affektiver Schwingungsfähigk
eit sowie Antriebs
losigkeit
äussere. Der RAD erachtete die Versicherte aus psychiatrischer Per
spektive sowohl in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Reinigungskraft
als auch
für angepasste Tätigkeiten als nachvollziehbar arbeitsunfähig und attestierte ihr vom
1.
Januar bis zum 3
1.
Juli 2009 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und ab dem
1.
August 2009 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit.
Dr.
Y._
stützte sich für ihre Beurteilung auf die Berichte von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 22. Juni und vom 1
7.
Juli 2011 (
Urk.
7/30 und
Urk.
7/32).
Weiter
e
medizinische Abklärungen
erachtete
der RAD als nicht
no
twendig
.
1.
2.
H
ingegen macht die Beschwerdeführerin ebenfalls gestützt auf die
Beurteilung
von
Dr.
Z._
geltend, dass sie aufgrund des aktuellen physischen und psy
chischen Zustandes weder in ihrem angestammten Beruf noch im Rahmen einer anderen Tätigkeit arbeiten könne. Gemäss Einschätzung von
Dr.
Z._
vom 2
5.
April 2012 habe sich
ihr
Zustand eher verschlechtert und
chronifiziert
(
Urk.
1 S. 3).
2.
2.1
Dr.
Z._
beschrieb in seinem Bericht vom 2
2.
Juni 2011 (
Urk.
7/30) einen Status nach schwerer depressiver Episode (ICD-10 F32.2; akut Anfang 2009), eine weiterhin bestehende depressive
Störung, eine reaktive Symptoma
tik, eine Anpassungsstörung
(
ICD-10 F43.21) im Rahmen chronischer Schmerzen sowie einen Dauerschmerz im Kopf-Nackenbereich
links seit dem Unfall
200
7. Dr.
Z._
hielt weiter fest, dass es bei der Beschwerdeführerin durch die de
pressive Störung, rasche Ermüdbarkeit, Gangunsicherheit sowie aufgrund von Ängsten und Schwindelgefühl zu einer Leistungseinbusse komme und sie sich nicht einmal an der Hausarbeit beteilige.
Dr.
Z._
ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des aktuellen physischen und psychischen Zu
standes weder in ihrem Beruf noch im Rahmen einer anderen Tätigkeit arbeiten könne
und auch nicht mit einer Wiederaufnahme gerechnet werden könne. Vom
1.
Januar bis zum 3
1.
Juli 2009 attestierte
Dr.
Z._
eine 100%ige
Arbeitsun
fä
higkeit und ab dem
1.
August 2009 erachtete er die Beschwerdeführerin auf
grund der psychischen Einschränkung
als
zu 50% arbeitsunfähig (
Urk.
7/30 S.
3).
2.2
Mit Schreiben vom 1
3.
Juli 2011 (
Urk.
7/31) forderte die IV-Stelle
Dr.
Z._
auf
,
Stellung zu nehmen
,
weshalb er einerseits ausführe, dass die Beschwerde
führerin aufgrund des aktuellen physischen
und psychischen
Zustandes weder in ihrem Beruf noch im Rahmen einer anderen Tätigkeit arbeiten könne, ande
rerseits ab dem
1.
August 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
attestier
e
(
Urk.
7/31).
2.3
Dr.
Z._
hielt in seiner Stellungnahme vom 1
7.
Juli 2011 fest, dass sich seine Einschätzung zur Arbeitsunfähigkeit auf den Anteil der psychischen Ein
schrän
kung beziehe, weshalb er aufgrund
d
er damals bestehenden schwer
en Episode vom
1.
Januar
bis zum 3
1.
Juli 2009
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% und aufgrund der anschliessend ab dem
1.
August 2009 anhaltend bestehenden Psy
chopathologie eine solche von 50
%
attestiert habe. Weiter führte
Dr.
Z._
aus, dass sich die vollständige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit aufgrund des
sich aktuell präsen
tierenden
gesundheitlichen Gesamtzustandes der Beschwerdeführerin unter Be
rücksichtigung der Einschränkung im psychischen (Anpassungsstörung- ICD-10 F43.21) und physischen (körperlichen) Bereich mit chronisch massiven Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel
,
unkontrollierbarer dauernde
n Kaubewegung und
schwerer Schlafstörung ergebe. Der Gesamtstatus lasse aus seiner Sicht im Berichtszeitpunkt keine Tätigkeit zu.
2.4
An dieser Einschätzung hielt
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom
2
5.
April 2012 fest und beschr
i
e
b, dass sich der gesundheitliche Gesamtzustand in der Zwi
schenzeit nicht verbessert
,
sondern tendenziell eher verschlechtert und
chronifi
ziert
habe (
Urk.
3/1).
3.
Obwohl
Dr.
Z._
in seiner Stellungnahme vom 1
7.
Juli 2011 festhielt, dass bei der Beschwerdeführerin sowohl psychische als auch physische Befunde vor
liegen, welche die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, nahm die IV-Stelle keine ergänzenden Abklärungen der somatischen Situation und des allfälligen Zu
sammenwirkens der psychischen und physischen Beschwerden vor. Der
medizi
nische Sachverhalt
erscheint daher
in der Tat
ergän
zungsbedürftig
. Die Sache ist
deshalb
antragsgemäss zur gründlichen
Abklärung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Danach hat sie über den Rentenanspruch der Beschwerdefüh
rerin neu zu verfügen.
In diesem Sinne is
t die Beschwerde gutzuheissen.
4
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfah
rens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis 1'000.--
festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und auf Fr. 500.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss hat
die Beschwerdeführerin
gestützt auf § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht in Verbindung mit § 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozial
versicherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist unter Berücksich
tigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses auf Fr.
2‘2
00.-- (inkl. Mehrwertsteuer
und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gesuch der Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
und um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters
erweist sich
damit
als gegenstandslos.