Decision ID: dcd0b84c-9fe4-42ba-bf06-1c5e9f87fc3a
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Verwaltungsgericht entnimmt den Akten:
A.
1.
Die A. AG mit Sitz in R. und Domizil in J. bezweckt gemäss
Handelsregisterauszug die Bewirtschaftung eines Gemüsebaubetriebes
sowie die Durchführung aller damit direkt oder indirekt
zusammenhängenden Geschäfte. Sie bewirtschaftet unter anderem
Parzellen in den Gebieten N. (Nr. aaa S.), M. (Nr. bbb R.), P. (Nr. ccc, ddd
und eee U.) und O. (Nr. fff S.). Diese Flächen, auf denen einjährige
Freiland- oder Konservengemüse (M.) und Kartoffeln (O., N., P.) kultiviert
werden, sind für Beiträge für die biologische Landwirtschaft (BIO)
angemeldet.
2.
Aufgrund einer anonymen Meldung, wonach auf einer Parzelle (Nr. fff S.)
Herbizide eingesetzt worden sein könnten, liess die Abteilung
Landwirtschaft Aargau am 21. Mai 2021 auf den obgenannten Parzellen
"N.", "M.", "P." und "O." Bodenproben (je 1 kg Erde pro Parzelle/n)
entnehmen und die daraus gewonnene Mischprobe mit einem Gewicht von
4 kg durch das Labor T., W., auf das Vorkommen von
Pflanzenschutzmitteln analysieren. Dabei konnte ein Anteil von 0.37 mg/kg
Aclonifen und ein solcher von 0.011 mg/kg Pendimethalin, beides selektive
Vorlaufherbizide, die in der biologischen Landwirtschaft nicht zugelassen
sind, nachgewiesen werden.
3.
Mit Schreiben vom 11. Juni 2021 räumte die Abteilung Landwirtschaft der
A. AG Gelegenheit ein, zu diesen Analyseresultaten bzw. der Verwendung
von Herbiziden Stellung zu nehmen. Gleichzeitig forderte sie die A. AG zur
Einreichung ergänzender Unterlagen auf.
4.
Die A. AG respektive deren Verwaltungsratspräsident, B., nahm mit
Eingabe an die Abteilung Landwirtschaft vom 24. Juni 2021 ein erstes Mal
zum Vorwurf des Herbizid-Einsatzes Stellung und hielt fest, er könne sich
die für sie ungünstigen Analyse-Ergebnisse nicht erklären und bitte um
Übermittlung der vollständigen Akten.
5.
Mit Eingabe an die Abteilung Landwirtschaft vom 23. August 2021 nahm B.
ein weiteres Mal zum Vorwurf des Herbizid-Einsatzes Stellung, den er sich
nach einer Überprüfung der internen Prozesse und Abläufe weiterhin nicht
erklären könne. Mittlerweile habe die J. AG (Zertifizierungsstelle für ein Bio-
Label) auf Meldung der Abteilung Landwirtschaft eine Zusatzkontrolle
- 3 -
durchgeführt, eigene Bodenproben entnommen und zur Analyse an ein
wissenschaftliches Institut übergeben. Das Resultat liege aber noch nicht
vor. Die Abteilung Landwirtschaft werde deshalb ersucht, entweder das
Verfahren zur Beurteilung der Direktzahlung zu sistieren oder eine
beschwerdefähige Verfügung betreffend die in Aussicht gestellte
Beitragskürzung zu erlassen.
B.
Am 27. Oktober 2021 verfügte das Departement Finanzen und Ressourcen
(DFR), Abteilung Landwirtschaft Aargau, Sektion Direktzahlungen & Beiträ-
ge, gegenüber der A. AG eine Beitragskürzung im Umfang von gesamthaft
Fr. 98'526.00, wovon Fr. 98'326.00 auf die Verletzung der Vorgaben für die
biologische Landwirtschaft durch den Einsatz von Herbiziden und
Fr. 200.00 auf einen Mangel beim ökologischen Leistungsnachweis (ÖLN)
(nicht korrekt geführter Feldkalender) entfallen. Die Beitragskürzung im
Umfang von Fr. 98'526.00 wurde mit den Direktzahlungen des
Beitragsjahres 2021 verrechnet.
C.
1.
Dagegen erhob die A. AG am 28. November 2021 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht, mit den Anträgen:
1. Die Verfügung vom 27. Oktober 2021 des Departements Finanzen und Ressourcen, Landwirtschaft Aargau, Direktzahlungen & Beiträge, sei .
2. Es sei festzustellen, dass die A. AG wie bis anhin Anspruch auf Beiträge für die biologische Landwirtschaft hat.
3. Es seien die Beiträge für die biologische Landwirtschaft an die A. AG im vollen Betrag unverändert auszuzahlen.
4. Das vorliegende Beschwerdeverfahren sei bis zur rechtskräftigen  des Verfahrens der J. AG zu sistieren.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MWST) zulasten des  Aargau.
2.
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Februar 2022 beantragte die Abteilung
Landwirtschaft die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
trotz mangelnder Begründung eingetreten werde.
- 4 -
3.
Mit Verfügung vom 25. März 2022 lud der instruierende Verwaltungsrichter
die Parteien zu einer mündlichen Verhandlung mit Partei- und Zeugenbe-
fragung auf den 29. Juni 2022 vor. Darin äusserte er sich auch zur Beweis-
lastverteilung.
D.
An der Verhandlung vor Verwaltungsgericht vom 29. Juni 2022 befragte
das Verwaltungsgericht die anwesenden Parteivertreter (für die Beschwer-
deführerin B. und C., beide Mitglieder des Verwaltungsrates, und für die
Abteilung Landwirtschaft D., Sektionsleiter Direktzahlungen & Beiträge,
sowie E., zuständiger Sachbearbeiter) und die Zeugen F.,
Landwirtschaftliches Zentrum Liebegg, Leiter Feldbau und
Pflanzenschutzdienst, G., vormals Kontrolleur der J. AG, sowie H. vom
Forschungsinstitut für biologischen Landbau, FIBL, Departement für
Nutzpflanzenwissenschaften. Im Anschluss an die Befragung erhielten die
Parteien Gelegenheit zur Stellungnahme zum Beweisergebnis. Darauf hat
das Verwaltungsgericht den Fall beraten und entschieden.

Das Verwaltungsgericht zieht in Erwägung:
I.
1.
Gegen Verfügungen in Anwendung der Landwirtschaftsgesetzgebung
kann innert 30 Tagen seit Eröffnung beim Verwaltungsgericht Beschwerde
geführt werden (§ 59 Abs. 1 des Landwirtschaftsgesetzes des Kantons
Aargau vom 13. Dezember 2011 [LwG AG; SAR 910.200]). Das Verwal-
tungsgericht ist somit für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu-
ständig.
2.
2.1.
Die Abteilung Landwirtschaft beantragt, auf die ungenügend begründete
Beschwerde sei nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin äussere sich in
der Beschwerdeschrift praktisch nur zum bisherigen Verfahren (auch der J.
AG) und beschränke sich ansonsten darauf, den Tatbestand zu bestreiten,
ohne eigene Behauptungen zum relevanten Sachverhalt zu machen und
zum Beweis zu verstellen. Damit genüge sie den Substanziierungs- und
Begründungsanforderungen von § 43 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege vom 4. Dezember 2007 (Verwaltungs-
rechtspflegegesetz, VRPG; SAR 271.200) nicht. Auch der Sistierungsan-
trag werde in keiner Weise begründet.
- 5 -
2.2.
Gemäss § 43 Abs. 2 VRPG (i.V.m. § 4 Abs. 1 BauG) muss die Beschwer-
deschrift einen Antrag sowie eine Begründung enthalten; auf Beschwer-
den, die diesen Anforderungen nicht entsprechen, ist nicht einzutreten. Mit
der Formulierung dieser Bestimmung wurde faktisch die unter Geltung des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege vom 9. Juli 1968 (aVRPG) gel-
tende Praxis kodifiziert (Botschaft des Regierungsrats des Kantons Aargau
an den Grossen Rat vom 14. Februar 2007, 07.27, S. 56 f.). Fehlt Antrag
oder Begründung oder beides (trotz vollständiger Rechtsmittelbelehrung)
vollständig und ergibt sich der Antrag bei Laienbeschwerden auch nicht aus
der Begründung, ist ohne Nachfrist auf Nichteintreten zu erkennen (vgl.
Botschaft des Regierungsrats des Kantons Aargau an den Grossen Rat
vom 14. Februar 2007, 07.27, S. 56 f.). Mit der Begründung ist darzulegen,
in welchen Punkten nach Auffassung des Beschwerdeführers der ange-
fochtene Entscheid Mängel aufweist.
Aus den Ausführungen der Beschwerdeführerin auf Seite 2 f., Ziff. 2 der
Beschwerde ist ohne weiteres erkennbar, inwiefern der angefochtene Ent-
scheid der Abteilung Landwirtschaft Aargau als mangelhaft erachtet wird.
Die Beschwerdeführerin rügt sinngemäss eine falsche Sachverhaltsfest-
stellung der Vorinstanz, indem sie den ihr von dieser zur Last gelegten Ein-
satz von Herbiziden auf ihren biologisch bewirtschafteten Feldern bestrei-
tet. Sie macht geltend, sie könne sich die (mittels Laboranalysen in Boden-
proben von ihren Parzellen gefundenen) Herbizid-Rückstände nicht erklä-
ren. Sie halte sich an das Verwendungsverbot. Wären effektiv Herbizide
eingesetzt worden, hätten ohnehin höhere Rückstände resultiert. Sie führt
zu ihrer Verteidigung ferner an, die Rückstände könnten auch aus einem
früheren Herbizid-Einsatz, vor der Anmeldung ihrer Felder zur biologischen
Bewirtschaftung stammen oder durch Dritteinwirkung entstanden sein.
Viel mehr, als den ihr angelasteten Herbizideinsatz zu bestreiten und alter-
native Erklärungsversuche für die gefundenen Herbizid-Rückstände zu bie-
ten, kann die Beschwerdeführerin in ihrer Position nicht tun. Weil das vor-
liegende Verfahren von der Untersuchungsmaxime beherrscht wird und die
Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen haben (vgl. § 17
Abs. 1 VRPG), kann es der Beschwerdeführerin auch nicht zum Nachteil
gereichen, dass sie für ihre Behauptungen bzw. Bestreitung keine Beweise
anbietet. Direkt lässt sich ein Nichteinsatz von verbotenen Pflanzenschutz-
mitteln ohnehin nicht nachweisen, sondern nur indirekt, über eine (kaum
oder schwierig zu erbringende) Entkräftung der Laboranalyseergebnisse
zu den Bodenprobeentnahmen vom 21. Mai 2021 oder den Nachweis eines
alternativen Erklärungsansatzes für die gefundenen Rückstände. Immerhin
verweist die Beschwerdeführerin in diesem Kontext auf das parallele (Kon-
troll-)Verfahren der Zertifizierungsstelle J. AG, die aufgrund der
Laboranalyseresultate der eigenen Bodenprobeentnahmen vom 10. Au-
- 6 -
gust 2021 zu gegenteiligen Schlüssen gelangte als die Abteilung Landwirt-
schaft Aargau und einen nach November 2018 erfolgten Herbizid-Einsatz
auf den untersuchten Feldern der Beschwerdeführerin nicht als zweifelsfrei
bewiesen erachtet (siehe dazu den [Re-]Zertifizierungsentscheid vom
6. Oktober 2021 [Vorakten, act. 172–175]).
Den Sistierungsantrag begründet die Beschwerdeführerin auf S. 3, Ziff. 3
der Beschwerde mit der Notwendigkeit der Koordination zwischen dem vor-
liegenden Verfahren und demjenigen der J. AG, in der Meinung, die
ungleiche Behandlung des gleichen Sachverhalts durch zwei verschiedene
Stellen sei nicht rechtens. Ungeachtet dessen, ob diese Einschätzung
zutrifft (vgl. dazu Erw. 4 nachfolgend), ist ohne weiteres klar, worum es der
Beschwerdeführerin mit ihrem Sistierungsantrag geht bzw. ging, nämlich
um die Vermeidung von widersprüchlichen Entscheiden. Auch in dieser
Hinsicht hält die Begründung der von der Beschwerdeführerin gestellten
Anträge den Anforderungen von § 43 Abs. 2 VRPG stand.
3.
Auf die frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist demnach einzutre-
ten.
4.
Wird von einem Verfahrensbeteiligten ein Sistierungsgesuch gestellt, so
hat die Behörde, bei der das Verfahren hängig ist, darüber zu befinden, in
der Regel in Form einer Zwischenverfügung oder eines Zwischenent-
scheids, gegebenenfalls auch – wie vorliegend – gleichzeitig mit dem End-
entscheid (vgl. AGVE 1999, S. 144, Erw. 2b). Für eine Sistierung können
vor allem verfahrensökonomische Gründe sprechen; sie kann sich nament-
lich dann aufdrängen, wenn der Entscheid vom Ergebnis eines anderen
hängigen Verfahrens abhängt. Gegen eine Sistierung lässt sich regelmäs-
sig die damit verbundene Verlängerung der Verfahrensdauer anführen, die
privaten oder öffentlichen Interessen zuwiderlaufen kann (vgl. AGVE 1999,
S. 144, Erw. 2a; Entscheide des Verwaltungsgerichts WBE.2020.236 vom
9. Dezember 2020, Erw. I/2.3, und WBE.2011.156 vom 30. März 2012,
Erw. I/5.2).
Das Verwaltungsgericht verzichtete auf eine Sistierung des vorliegenden
Verfahrens, weil der Entscheid im vorliegenden Verfahren entgegen der
Auffassung der Beschwerdeführerin nicht vom Entscheid in einem anderen
Verfahren abhängt. Dem Entscheid der J. AG über die Rezertifizierung des
Betriebs der Beschwerdeführerin als Bio-Betrieb kommt für die im
vorliegenden Verfahren vorzunehmende Beurteilung der Ausrichtung von
Beiträgen (für die biologische Landwirtschaft) gemäss der Verordnung über
die Direktzahlungen an die Landwirtschaft vom 23. Oktober 2013 (Di-
rektzahlungsverordnung, DZV; SR 910.13) keine präjudizielle Bedeutung
zu, auch wenn es letztlich in beiden Verfahren um die Klärung der gleichen
- 7 -
Sachumstände (Herbizideinsatz auf biologisch bewirtschafteten Feldern)
geht. An den Entscheid der Zertifizierungsstelle, die nicht mit dem Vollzug
der DZV betraut ist, sind die staatlichen Behörden (hier: Abteilung Landwirt-
schaft Aargau samt Rechtsmittelinstanzen) nicht gebunden, zumal der Ent-
scheid der Zertifizierungsstelle auf anderen Laboranalyseresultaten beruht
und sich die J. AG bei ihrem Entscheid vom 6. Oktober 2021 (Vorakten,
act. 172–175) nicht auf die vor Ort gewonnenen Wahrnehmungen und
Erkenntnisse des von der Abteilung Landwirtschaft Aargau für die
Bodenprobenentnahme vom 20. Mai 2021 eingesetzten Kontrolleurs stütz-
te. Zwischenzeitlich scheint das Verfahren vor der Zertifizierungsstelle J.
AG ohnehin rechtskräftig abgeschlossen zu sein (vgl. dazu das Protokoll
der Verhandlung vor Verwaltungsgericht [nachfolgend: Protokoll], S. 4).
5.
Mit der Beschwerde können unrichtige und unvollständige Feststellungen
des Sachverhalts und Rechtsverletzungen geltend gemacht sowie die
Handhabung des Ermessens gerügt werden (§ 59 Abs. 2 LwG AG).
II.
1.
Die Voraussetzungen und das Verfahren für die Ausrichtung von Direkt-
zahlungen sowie die Festlegung der Höhe der Beitragszahlungen werden
in der DZV geregelt.
Nach Art. 105 DZV kürzen oder verweigern die Kantone die Beiträge ge-
mäss Anhang 8 zu dieser Verordnung. Eine Kürzung der Direktzahlungen,
hier konkret der Beiträge für die biologische Landwirtschaft ist namentlich
für den Fall vorgesehen, dass nicht der gesamte Betrieb biologisch bewirt-
schaftet wird (Anhang 8 Ziff. 2.8.2 lit. a DZV) und beim Pflanzenbau Her-
bizide, Wachstumsregulatoren oder Welkemittel eingesetzt werden (An-
hang 8 Ziff. 2.8.3 lit. m). Beim Einsatz von Herbiziden beläuft sich die Kür-
zung auf 110 Punkte. Die Punkte für Mängel nach den Ziff. 2.8.2–2.8.5 wer-
den folgendermassen in Kürzungen umgerechnet: Summe der Punkte mi-
nus 10 Punkte (Toleranzabzug), dividiert durch 100 und dann multipliziert
mit den gesamten Beiträgen für die biologische Landwirtschaft. Liegt die
Summe im Biobereich bei 110 Punkten oder mehr, so werden, keine Bei-
träge für die biologische Landwirtschaft im Beitragsjahr ausgerichtet. Es
können in jedem Fall maximal die Beiträge für die biologische Landwirt-
schaft gekürzt werden (Anhang 8 Ziff. 2.8.1 DZV).
Gestützt auf diese Bestimmungen kürzte die Abteilung Landwirtschaft Aar-
gau der Beschwerdeführerin die Beiträge für die biologische Landwirtschaft
für das Jahr 2021 von total Fr. 108'158.60 auf Fr. 98'326.00 (Fr. 108'158.60
/ 110 x 100) und verrechnete diesen Betrag zusammen mit der hier nicht
- 8 -
umstrittenen Kürzung von Fr. 200.00 wegen eines Mangels beim Ökologi-
schen Leistungsnachweis (ÖLN) (nicht korrekt geführter Feldkalender) mit
den Direktzahlungen des Beitragsjahrs 2021.
2.
2.1.
Die Beschwerdeführerin bestreitet, seit der Umstellung ihres Betriebs auf
biologische Landwirtschaft per 1. Januar 2019 auf den von der Abteilung
Landwirtschaft im Mai 2021 untersuchten Parzellen in den Gebieten N.
(Nr. aaa S.), M. (Nr. bbb R.), P. (Nr. ccc, ddd und eee U.) und O. (Nr. fff S.)
Herbizide eingesetzt zu haben.
Die Abteilung Landwirtschaft geht hingegen mit Bezug auf die genannten
Parzellen von einem Herbizid-Einsatz im Beitragsjahr 2021 aus und führt
dafür verschiedene Beweise und Indizien an (Laboranalysen von Boden-
proben, die Herbizidrückstände ausweisen; Plausibilitätsberechnungen an-
hand der angenommenen Ausgangswerte bei einer Anwendung, Abbaura-
ten [Halbwertszeit] und gemessene Rückstandswerte; Fotos der unter-
suchten Felder und von Vergleichsobjekten mit und ohne Herbizid-Einsatz;
Zeugenaussagen des Kontrolleurs [F.], der am 21. Mai 2021 die von der
Abteilung Landwirtschaft veranlassten Bodenproben auf den Feldern der
Beschwerdeführerin entnommen und Fotos vom damaligen Zustand der
Felder gemacht hat).
Nach dem allgemeinen Grundsatz von Art. 8 des Schweizerischen Zivil-
gesetzbuches vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210), der auch im öffent-
lichen Recht (analog) gilt (vgl. dazu statt vieler das Urteil des Bundesge-
richts 8C_283/2013 vom 8. November 2013, Erw. 5.2 mit weiteren Hinwei-
sen; KASPAR PLÜSS, in: ALAIN GRIFFEL [HRSG.], Kommentar zum Verwal-
tungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Auflage, Zürich/
Basel/Genf 2014, § 7 N 159), liegt die objektive Beweislast bei derjenigen
Partei respektive trägt diejenige Partei die Folgen einer allfälligen Beweis-
losigkeit, die aus einer unbewiesenen Tatsache hätte Rechte ableiten kön-
nen. In der vorliegenden Konstellation würden die Folgen der Beweislosig-
keit somit grundsätzlich die Abteilung Landwirtschaft treffen, welche aus
dem von ihr behaupteten Herbizid-Einsatz einen Anspruch auf Beitragskür-
zung gegenüber der Beschwerdeführerin ableitet. Ob der gegenteiligen
Auffassung der Abteilung Landwirtschaft, wonach Art. 101 DZV eine (ge-
nerelle) Beweislastumkehr zu Lasten der Ansprecher von Direktzahlungen
bewirke und die objektive Beweislast für den Nicht-Einsatz von Herbiziden
daher bei der Beschwerdeführerin liege, in dieser Absolutheit zugestimmt
werden kann, ist fraglich. Zwar wird gestützt auf Art. 101 DZV in der
Rechtsprechung und Lehre angenommen, dass die Bewirtschafterinnen
und Bewirtschafter grundsätzlich die Folgen einer allfälligen Beweislosig-
keit zu tragen haben, wenn sie gegenüber den Vollzugsbehörden nicht
- 9 -
nachweisen können, dass sie die Anforderungen der betreffenden Direkt-
zahlungsart (z.B. Beiträge für die biologische Bewirtschaftung) erfüllen
(Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-1014/2019 vom 24. Juli 2020,
Erw. 6.4 mit Hinweisen). Diese Beweislastverteilung mag durchaus seine
Berechtigung haben, wenn es um den Nachweis von positiven Anforderun-
gen geht. Bei einem geforderten Anwendungsverzicht (beispielsweise von
Pflanzenschutzmitteln) könnte es jedoch für Bewirtschafter/innen je nach
den Umständen schwierig bis unmöglich sein, überhaupt einen Nachweis
für den Nicht-Einsatz leisten zu können. Auf jeden Fall muss die Vollzugs-
behörde aufgrund ihrer Untersuchungspflicht (vgl. dazu hier § 17 Abs. 1
VRPG) von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechts-
erheblichen Sachverhalts besorgt sein und anhand aller zur Verfügung ste-
henden geeigneten Beweismittel die materielle Wahrheit erforschen. Dabei
hat sie nicht nur für den Antragsteller auf Direktzahlungen belastende, son-
dern auch begünstigende Tatsachen zu ermitteln. Es geht daher nicht an,
den einem Bewirtschafter oder einer Bewirtschafterin gestützt auf Art. 101
DZV obliegenden Nachweis für das Vorliegen der betreffenden Direktzah-
lungsarten ohne Weiteres gestützt auf die Feststellungen in einem Kontroll-
bericht als gescheitert zu bezeichnen, ohne dass die gegen die Vollstän-
digkeit oder Qualität dieser Feststellungen vorgebrachten Einwände mit
den im Einzelfall gebotenen zusätzlichen Abklärungen überprüft worden
sind (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-1014/2019 vom 24. Juli
2020, Erw. 7).
2.2.
2.2.1.
Die Abteilung Landwirtschaft liess den Betrieb der Beschwerdeführerin auf
eine anonyme Verdachtsmeldung hin auf den Einsatz von Herbiziden auf
den Parzellen N. (Nr. aaa S.), M. (Nr. bbb R.), P. (Nr. ccc, ddd und eee U.)
und O. (Nr. fff S.) kontrollieren. Nach Darstellung von E., zuständiger
Sachbearbeiter, lag bei ihm Mitte Mai 2021 ein Foto (Vorakten, act. 2) im
Postfach, das die Parzelle Nr. fff S. (O.) zeigen und auf einen Herbizid-Ein-
satz schliessen lassen soll. Ob das Foto tatsächlich die fragliche Parzelle
der Beschwerdeführerin abbildet und wann es aufgenommen wurde, konn-
te an der Partei- und Zeugenbefragung vor Verwaltungsgericht nicht zwei-
felsfrei geklärt werden (Protokoll, S. 9 f.). Das Verwaltungsgericht neigt
eher zur Sichtweise von C., Mitglied des Verwaltungsrates der
Beschwerdeführerin und Produktionsleiter, wonach sich der Aufnahmeort
nicht eindeutig feststellen lasse. Dazu fehlt es an Anhaltspunkten in der
Umgebung des aufgenommenen Kartoffelfeldes. Es ist insofern auch nicht
ersichtlich, wie sich der Aufnahmeort zweifelsfrei durch einen Abgleich mit
späteren Fotoaufnahmen der Parzelle Nr. fff (Vorakten, act. 41–47 sowie
101 und 102) oder mit Luftbildaufnahmen oder anderen Daten auf dem
Geoportal des Aargauischen Geographischen Informationssystems (AGIS)
eruieren liesse. Dieses der Abteilung Landwirtschaft anonym zugespielte
- 10 -
Foto ist somit an sich kein Beweis oder genügendes Indiz für einen Herbi-
zid-Einsatz auf biologisch bewirtschafteten Feldern der Beschwerdeführe-
rin, zumal es nach Ansicht von E. und dem vom Verwaltungsgericht als
Zeugen befragten Kontrolleur F. (Leiter Feldbau und Pflanzenschutzdienst
des Landwirtschaftlichen Zentrums Liebegg) einen sich im Frühstadium
befindlichen Unkrautbewuchs ("grüner Flaum") auf den darauf
abgebildeten Kartoffeldämmen zeigt. Daraus schliesst F., dass das Feld im
Aufnahmezeitpunkt noch herbizidlos war und zwischen dem
Aufnahmezeitpunkt (angeblich am 11. Mai 2021) und seinen
Bodenprobeentnahmen vom 21. Mai 2021, als auf den Kartoffeldämmen
kein "grüner Flaum" mehr sichtbar gewesen sei, mit Herbiziden behandelt
wurde (Protokoll, S. 10).
2.2.2.
F. fertigte bei seinen Bodenprobeentnahmen vom 21. Mai 2021 diverse
Fotos von den beprobten Parzellen N. (Vorakten, act. 13–19), M. (Nr. 20–
32), P. (Vorakten, act. 33–40) und O. (Vorakten, act. 41–47) an (Protokoll,
S. 11 und 15). Auf einigen Bildern der Parzellen N. (Vorakten, act. 15 [=
act. 81 und 105], 18 und 19) und P. (Vorakten, act. 34) fällt auf, dass es auf
den Kartoffeldämmen praktisch keinen Unkrautbewuchs hat.
Detailaufnahmen der Parzellen M. (Vorakten, act. 21–32), P. (Vorakten,
act. 33, 35 und 37–40) und O. (Vorakten, act. 41–44) zeigen wiederum
gelblich verfärbte, sog. "chlorotische" Unkräuter und einzelne an den
Rändern gelblich verfärbte Kartoffelstauden. Für F. lassen diese
Verfärbungen auf einen kürzlich erfolgten Herbizid-Einsatz schliessen.
Demgegenüber vertritt C. den Standpunkt, der chlorotische Zustand der
Unkräuter lasse sich auch mit dem Einsatz eines Abflammgeräts
(Abflammen mit Gas) erklären. Dem hielt E. entgegen, das Abflammen
hinterlasse andere Spuren an den Pflanzen, namentlich an den
Kartoffelstauden, und in den Aufzeichnungen der Beschwerdeführerin über
die Bearbeitung der Parzelle O. (Vorakten, act. 60–64) sei für das Frühjahr
2021 (Vorakten, act. 64) kein Abflammen verzeichnet (Protokoll, S. 11).
Der Einwand von C., der Einsatz des Abflammgeräts sei nicht aufge-
zeichnet worden (Protokoll, S. 12), könnte zwar zutreffen, weil die Be-
schwerdeführerin diesen Arbeitsvorgang zumindest mit Bezug auf die Par-
zelle Nr. fff und den Zeitraum 2020/21 ganz allgemein nie aufzuzeichnen
schien. An anderer Stelle erklärte jedoch C., dass auf den Kartoffelfeldern
kein Abflammgerät zum Einsatz komme, nur auf den Zwiebelfeldern habe
er dieses verwendet (Protokoll, S. 14). Die Verfärbungen der Unkräuter auf
den Parzellen N., O. und P., wo im Betriebsjahr 2021 Kartoffeln angesetzt
wurden (Vorakten, act. 8 und 10), gleichen nun aber aufs Haar denjenigen
auf der Parzelle M., auf der im selben Betriebsjahr Zwiebeln kultiviert
wurden. Ein Unterschied im Erscheinungsbild des chlorotischen Unkrauts
ist diesbezüglich nicht auszumachen.
- 11 -
Neben dem Abflammgerät will C. zur Unkrautbekämpfung ein
Sternhackgerät eingesetzt und (mit seinen Mitarbeitern) von Hand gejätet
haben (Protokoll, S. 12). Auf den Kartoffelfeldern auf den Parzellen N. und
P., deren Dämme am 21. Mai 2021 praktisch keinen Unkrautbewuchs
aufwiesen (Vorakten, act. 15 [= act. 81 und 105], 18, 19 und 34), fehlen
allerdings – wie von E. (Protokoll, S. 12) und D., Leiter Sektion
Direktzahlungen und Beiträge (Protokoll, S. 14) an der Partei- und
Zeugenbefragung vor Verwaltungsgericht eindrücklich beschrieben – auch
Spuren für den Einsatz eines Sternhackgeräts. Das zeigt ein Vergleich mit
einem Foto einer Versuchsparzelle des Landwirtschaftlichen Zentrums
Liebegg (Vorakten, act. 68), aufgenommen von F. am 22. Mai 2021
(Protokoll, S. 14), auf dem sich die Dämme nicht so glattgewalzt wie auf
den Parzellen N. und P. präsentierten, sondern eine wesentlich porösere
Erdoberfläche aufwiesen und – vor allem – mit ausgezerrtem Unkraut
übersät waren. Auch F., der persönlich vor Ort war, befand, dass es auf
den Feldern der Beschwerdeführerin zu wenige Spuren für den (kürzlichen)
Einsatz eines Hackgeräts gehabt habe. Er habe zudem keine Hinweise für
den Einsatz von anderen mechanischen Unkrautbekämpfungsmethoden
gehabt (Protokoll, S. 13). Das deckt sich im Übrigen mit den
Aufzeichnungen der Beschwerdeführerin für die Parzelle O. (Nr. fff), für die
im Frühjahr 2021 kein Hackvorgang oder andere
Unkrautbekämpfungsmassnahmen eingetragen wurden (Vorakten,
act. 64). Zuletzt gehäufelt wurde diese Parzelle gemäss diesen Aufzeich-
nungen offenbar am 9. Mai 2021. Also erscheint es auch ausgeschlossen,
dass die Dämme nach dem Einsatz eines Sternhackgeräts, der kurz vor
den Bodenprobeentnahmen vom 21. Mai 2021 stattgefunden haben müss-
te, damit die Dämme an diesem Tag dermassen sauber (von Unkrautbe-
wuchs) – wie vom Kontrolleur F. festgestellt – waren, (mit einem
Dammformer) noch einmal frisch nachgezogen worden sein könnten (vgl.
dazu Protokoll, S. 14 unten). Abgesehen davon hinterlassen weder das
Sternhackgerät noch das Jäten von Hand gelblich verfärbte Unkräuter. Die
gelbliche Verfärbung deutet auch nach der Einschätzung der beiden
landwirtschaftlichen Fachrichter im Spruchkörper des Verwaltungsgerichts
auf einen langsamen Zelltod hin, wie er für den Einsatz von Herbiziden ty-
pisch ist.
2.2.3.
Der durch die optischen Wahrnehmungen von F. bei seinen
Bodenprobeentnahmen vom 21. Mai 2021 entstandene und durch Fotoauf-
nahmen belegte Eindruck, dass auf den beprobten, biologisch bewirtschaf-
teten Kartoffeln- und Zwiebelfeldern der Beschwerdeführerin Herbizide
zum Einsatz gekommen sein könnten, wurde durch die anschliessende
chemische Laboranalyse der von F. eingesandten Mischprobe der vier
Parzellen N., M., P. und O. bestätigt. Gemäss Prüfbericht des Labors T.,
W., vom 9. Juni 2021 (Vorakten, act. 49–51) wurden in dieser 4 kg Erde
- 12 -
umfassenden Mischprobe ein Anteil von 0.37 mg/kg Aclonifen und 0.011
mg/kg Pendimethalin, beides selektive Vorlaufherbizide, nachgewiesen.
Während der nachgewiesene Anteil Pendimethalin nahe der Nachweis-
grenze (von 0.01 mg/kg) liegt und sich theoretisch auch anders als mit
einem Einsatz durch die Beschwerdeführerin im Betriebsjahr 2021 erklären
liesse, etwa mit einer früheren (erlaubten) Anwendung (vor November
2018, bevor die Beschwerdeführerin die Parzellen N., M., P. und O.
biologisch bewirtschaftete; sog. "Altlast") oder einem Abdrift von
Spritzeinsätzen auf den Nachbarparzellen, waren sich die an der
Verhandlung vor Verwaltungsgericht anwesenden Fachleute mehr oder
weniger darüber einig, dass sich der relativ hohe Anteil an Aclonifen in der
Mischprobe weder mit einer Altlast noch mit einem Abdrift erklären lässt
(Protokoll, S. 17–19 und 21).
Der vom Verwaltungsgericht als Zeuge befragte H. vom Forschungsinstitut
für biologischen Landbau (FIBL), Departement für Nutz-
pflanzenwissenschaften, der den Bericht "Ursachenabklärungen bei Rück-
standsfällen" vom 2. September 2021 (Vorakten, act. 167–171) zuhanden
der J. AG verfasste, hält zwar den in der Mischprobe nachgewiesenen
Aclonifen-Wert von 0.37 mg/kg für erklärungsbedürftig. Grund dafür ist,
dass im Rahmen der Nachkontrolle durch die J. AG, die am 10. August
2021 von den Parzellen N., M., P. und O. je eine Einzelprobe entnommen
und einem Analyselabor eingesandt hat, der Wirkstoff Aclonifen nunmehr
in einer sehr viel niedrigeren Konzentration von 0,012 mg/kg und lediglich
in der Probe der Parzelle P. (Nr. ccc U.) nachgewiesen werden konnte,
wogegen sich in den Proben der übrigen Parzellen keine Aclonifen-
Rückstände finden liessen (vgl. dazu die Prüfberichte der K. AG vom
20. August 2021 [Vorakten, act. 107–150]). Seiner Meinung nach könnte
sich der Wert in der kurzen Zeit zwischen den beiden
Bodenprobenentnahmen vom 21. Mai 2021 und 10. August 2021 selbst bei
einer sehr kurzen Halbwertszeit höchstens (von 0.37 mg/kg auf ca. 0.185
mg/kg) halbiert haben. Stattdessen sei mit 0.012 mg/kg bei der zweiten
Probe ein rund 30 Mal tieferer Wert nachgewiesen worden, und dies auch
nur in der Probe einer Parzelle, wodurch der Wert eigentlich vier Mal höher
als in einer (verdünnten) Mischprobe von vier, davon drei nicht
kontaminierten Parzellen hätte zu Buche schlagen müssen. Er (H.) könne
sich die Divergenzen eigentlich nur durch eine ungleiche, nicht homogene
Verteilung des nachgewiesenen Wirkstoffs auf den beprobten Ackerflächen
erklären. Die Ursache für eine ungleiche Verteilung könnte darin liegen,
dass ein Unfall passiert sei, beispielsweise, indem sich beim Spritzen ein
Schlauch gelöst habe, oder dass das Herbizid nur lokal zur Bekämpfung
einzelner Unkrautherde eingesetzt worden sei, obwohl für eine
systematische Unkrautbekämpfung die ganze Fläche gleichmässig
behandelt werden müsste (Protokoll, S. 7 f., 17 f. und 19).
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Einen anderen Erklärungsansatz hat die Abteilung Landwirtschaft, deren
Vertreter D. und E. an der Parteibefragung vor Verwaltungsgericht
ausführten, die stark unterschiedlichen Aclonifen-Werte in den
Bodenproben vom 21. Mai 2021 und 10. August 2021 könnten zum einen
daher rühren, dass die beprobte Erde bei den ersten Bodenproben – wie
von F. beschrieben (vgl. dazu Protokoll, S. 5) – eher an der Erdoberfläche
(in 3 bis 5 cm Tiefe) und bei den zweiten Bodenproben – wie vom
Kontrolleur der J. AG, G., beschrieben (vgl. dazu Protokoll, S. 5) – in etwas
tieferen Bodenschichten (bis 10 cm Tiefe) entnommen worden sei. Als
Vorlaufherbizid habe Aclonifen die Eigenschaft, an der Erdoberfläche zu
haften, weshalb dort die Konzentration höher sei als in tieferen
Bodenschichten. Zwar verteile es sich mit der Zeit und dringe ein Stück weit
auch in den Boden vor. Es werde jedoch nicht weggeschwemmt und könnte
höchstens durch einen mechanischen Vorgang wie Umpflügen in tiefere
Bodenschichten verfrachtet werden. Hingegen baue sich der Wirkstoff, der
alles Pflanzliche abtöte, zielgerichtet sehr schnell ab, damit im Herbst
anzubauende Folgekulturen nicht am Wachstum gehindert würden
(Protokoll, S. 6 und 20).
Für das Verwaltungsgericht ist die Vergleichbarkeit der beiden Bodenpro-
beentnahmen vom 21. Mai 2021 und 10. August 2021 und der aus der
Analyse der Proben resultierenden, stark divergierenden Aclonifen-Werte
in Übereinstimmung mit der Einschätzung von G. (Protokoll, S. 7) nicht nur,
aber auch wegen der von den Zeugen F. und G. geschilderten
Unterschiede bei der Methodik der Probeentnahmen nicht gewährleistet.
Zudem wird das Analyseergebnis der ersten Bodenproben, die zeitnaher
zu einem möglichen Einsatz eines Vorlaufherbizids entnommen wurden,
grundsätzlich als verlässlicher eingestuft; dies nicht zuletzt deshalb, weil
das Resultat der neuesten, von F. am 25. Mai 2022 entnommenen Misch-
Bodenproben von den vier Parzellen N., M., P. und O., in welcher gemäss
Prüfbericht des Labors T. vom 24. Juni 2022 (eingereicht von der Abteilung
Landwirtschaft an der Verhandlung vom 29. Juni 2022) keine Aclonifen-
Rückstände mehr nachgewiesen werden konnten, dafür spricht, dass das
Aclonifen offenbar tatsächlich sehr schnell abgebaut wird. Ferner liegt es
für das Verwaltungsgericht auch absolut im Bereich des Möglichen, dass
mindestens ein Teil des Wirkstoffs durch Umpflügen in tiefere
Bodenschichten, bis zu denen auch die Kontrolleure der J. AG bei ihren
Probeentnahmen vom 10. August 2021 nicht vorstiessen, verfrachtet
worden sein könnte (vgl. dazu auch den Parteivortrag von E., Protokoll,
S. 23). Immerhin bestätigte G., dass bei seinen Probeentnahmen vom
August 2021 die Kartoffeln auf einem der Felder entgegen der
anderslautenden Darstellung von C. (Protokoll, S. 23) bereits abgeerntet
(und die Stauden abgeflammt) waren (Protokoll, S. 9; vgl. dazu auch das
von G. gemäss seinen Angaben [Protokoll, S. 12] am 10. August
aufgenommene Foto der Parzelle N. [Vorakten, act. 103] mit deutlich
sichtbaren Brandspuren an den Kartoffelstauden). Zumindest dort war
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somit die Erde in grösserem Stil (bis auf eine Tiefe von 30 cm) umgepflügt
worden.
Abgesehen davon wäre auch bei der von H. vermuteten ungleichmässigen
flächenmässigen Verteilung des Wirkstoffs von einer gezielten Anwendung
durch die Beschwerdeführerin auszugehen. Der von H. im Sinne einer
Hypothese ins Spiel gebrachte, von den landwirtschaftlichen Fachrichtern
aber als eher unwahrscheinlich erachtete Unfall mit einem beim Spritzen
gelösten Schlauch könnte ja in der Annahme, dass die Beschwerdeführerin
selber diesen Wirkstoff nicht verwendete, nur durch die Behandlung eines
nicht biologisch bewirtschafteten Nachbarfelds mit dem Herbizid Aclonifen
(durch einen anderen Bewirtschafter) passiert sein. Das würde aber
indizieren, dass der Wirkstoff nur auf einem der beprobten Felder und auch
dort nur sehr lokal vorhanden gewesen wäre. F. hat jedoch seine am
Schluss zu einer Mischprobe vermengten Bodenproben quer über alle vier
Felder entnommen (Protokoll, S. 5). Ein Sabotageakt durch einen anderen
(benachbarten) Landwirt erscheint dem Verwaltungsgericht in
Übereinstimmung mit der insoweit einhelligen Einschätzung der an der
Verhandlung vor Verwaltungsgericht anwesenden Fachleute (vgl. dazu
Protokoll, S. 21) ebenfalls ausgeschlossen. Eine grundsätzlich denkbare,
lokal sehr begrenzte Anwendung hätte kaum zur in den Bodenproben vom
Mai 2021 nachgewiesenen Wirkstoffkonzentration geführt und eine flächige
Ausbringung durch einen Dritten hätte den Inhabern der
Beschwerdeführerin oder ihren Mitarbeitenden auffallen müssen. Selbst C.
und sein Vater B., Geschäftsführer der Beschwerdeführerin, mochten ihren
Parteiaussagen vor Verwaltungsgericht zufolge nicht so richtig an einen
(gezielten) Sabotageakt glauben (vgl. Protokoll, S. 20 f.).
2.2.4.
Eine Gesamtwürdigung der dem Verwaltungsgericht vorliegenden Beweise
führt das Gericht somit zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin im Be-
triebsjahr 2021 auf biologisch bewirtschafteten Feldern Herbizide (bzw. den
Wirkstoff Aclonifen) verbotenerweise eingesetzt hat. An der Überzeugung
des Verwaltungsgerichts, dass von der Beschwerdeführerin Herbizide an-
gewandt wurden, ändert auch der Umstand nichts, dass die Zertifizierungs-
stelle J. AG bei der ebenfalls am 21. Mai 2021 auf dem Betrieb der
Beschwerdeführerin durchgeführten Hauptkontrolle keine Auffälligkeiten
feststellte, etwa einen chlorotischen Zustand des Unkrauts auf den bio-
logisch bewirtschafteten Kartoffeln- und Zwiebelfeldern. G. konnte an der
Zeugenbefragung vor Verwaltungsgericht keine Angaben dazu machen, ob
die Kontrolleure der J. AG damals überhaupt auf den (in Frage stehenden)
Feldern der Beschwerdeführerin waren (Protokoll, S. 9). Und selbst wenn
sie – wie von C. geltend gemacht (Protokoll, S. 22) – an den Kartoffelfeldern
auf der Parzelle N. vorbeigefahren sein sollten, könnten sie die gelbliche
Verfärbung des wenigen auf den Kartoffeldämmen vorhandenen Unkrauts,
die lediglich aus den Detailaufnahmen der Felder (Vorakten, act. 21–32,
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33, 35 und 37–44) gut ersichtlich ist, (auf einige Distanz) durchaus
übersehen haben. Schliesslich kann darin, dass der von der Abteilung
Landwirtschaft für die Bodenprobenentnahmen vom 21. Mai 2021
eingesetzte Kontrolleur F. das Pflanzenschutzmittellager der
Beschwerdeführerin nicht inspiziert und die Feldspritze nicht beprobt hat
(Protokoll, S. 6), keine Verletzung der behördlichen Untersuchungspflicht
erblickt werden. Die Abteilung Landwirtschaft weist zu Recht darauf hin,
dass sich aus dem Fehlen von Herbizid-Wirkstoffen im
Pflanzenschutzmittellager und aus einer Feldspritze, die keine Spuren
eines Herbizid-Einsatzes ausweist, nicht zwingend der Schluss ziehen
lässt, dass ein Bewirtschafter tatsächlich kein Herbizid eingesetzt hat. Die
Feldspritze könnte zwischenzeitlich gereinigt worden sein. Die (offene) La-
gerung von Pflanzenschutzmitteln, deren Gebrauch einem untersagt ist,
empfiehlt sich für einen Bewirtschafter nicht (vgl. Protokoll, S. 22).
3.
Zusammenfassend ist der Abteilung Landwirtschaft aus Sicht des Verwal-
tungsgerichts, dessen Spruchkörper – wie erwähnt – zwei landwirtschaftli-
che Fachrichter angehören, der Beweis gelungen, dass die Beschwerde-
führerin ihre Kartoffeln- und Zwiebelfelder in den Bereichen der Parzellen
N. (Nr. aaa S.), M. (Nr. bbb R.), P. (Nr. ccc, ddd und eee U.) und O. (Nr. fff
S.) im Betriebsjahr 2021 zumindest teilweise mit dem Herbizid Aclonifen
behandelt hat, sei es durch ein flächiges Ausbringen (Spritzen) des
Pflanzenschutzmittels oder eine nicht homogene Anwendung zur
Bekämpfung von lokalen Unkrautherden. Eine Anwendung von Herbiziden
war der Beschwerdeführerin gemäss Art. 11 Abs. 4 der Verordnung über
die biologische Landwirtschaft und die Kennzeichnung biologisch
produzierter Erzeugnisse und Lebensmittel vom 22. September 1997 (Bio-
Verordnung; SR 910.18) so oder so in jeder Form strikte untersagt und ist
nach Anhang 8 Ziff. 2.8.1 und 2.8.3 lit. m DZV mit der von der Abteilung
Landwirtschaft angeordneten Beitragskürzung (für die biologische
Landwirtschaft) im Umfang von 100 Punkten, was hier den Betrag von
Fr. 98'326.00 ausmacht, zu ahnden. Das führt zur Abweisung der
vorliegenden Beschwerde.
Bei dieser für das Verwaltungsgericht eindeutigen Beweislage braucht nicht
abschliessend entschieden zu werden, von welcher Partei die Folgen der
Beweislosigkeit im Zweifelsfall zu tragen wären, von der Abteilung Land-
wirtschaft mangels Nachweis eines Herbizid-Einsatzes oder umgekehrt
von der Beschwerdeführerin mangels Nachweis des für die Ausrichtung
von Beiträgen für die biologische Landwirtschaft erforderlichen Anwen-
dungsverzichts (siehe dazu Erw. 2.1 vorne). Anders als die J. AG bei ihrem
(Re-)Zertifizierungsentscheid vom 6. Oktober 2021 (Vorakten, act. 172–
175), die im Wesentlichen nur den FIBL-Bericht "Ursachenabklärung bei
Rückstandsfällen" von H. vom 2. September 2021 (Vorakten, act. 167–
171) würdigte und daraus den definitiven Schluss zog, es liessen sich keine
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eindeutigen Ursachen für die gefundenen Herbizid-Rückstände
identifizieren, kann sich das Verwaltungsgericht für seine Schlussfolgerung
einer nachgewiesenen Herbizid-Anwendung im Betriebsjahr 2021 auf
diverse Beweise und Indizien abstützen, darunter die glaubhaften,
schlüssigen und mit Bildmaterial untermauerten Zeugenaussagen des
Kontrolleurs F. zum von ihm bei den Bodenprobeentnahmen vom 21. Mai
2021 festgestellten Zustand der beprobten Felder. Letztlich wurden auch
im besagten FIBL-Bericht weitere Abklärungen empfohlen. Dazu hätte aus
Sicht des Verfassers H. – wenig überraschend – in erster Linie eine
Befragung des Kontrolleurs gehört, der den Betrieb am 21. Mai 2021
besucht hat, und zwar mit Fragen zum Unkrautbefall respektive zur
Unkrautfreiheit der Felder und ob sich diese mit etwas anderem als einem
Herbizid-Einsatz (spezielle Kulturmassnahmen) erklären lässt. An der
Verhandlung vor Verwaltungsgericht betonte H. ebenfalls, dass die
Beurteilung dessen, ob der (fehlende) Unkrautbewuchs von Feldern in
einem konkreten Einzelfall für oder gegen einen Herbizid-Einsatz spreche,
primär den Kontrolleuren vor Ort (bzw. deren Fachkunde) zu überlassen
sei (Protokoll, S. 13).
Im Übrigen sind die Abteilung Landwirtschaft als Vollzugsbehörde und das
Verwaltungsgericht ohnehin ganz grundsätzlich nicht daran gebunden, von
welchem Sachverhalt die nicht mit dem Vollzug der DZV betraute Zertifizie-
rungsstelle J. AG beim Zertifizierungsentscheid ausging und wie sie diesen
rechtlich würdigte (siehe dazu schon Erw. I/4 vorne). Daran ändern auch
die in Art. 30e Bio-Verordnung geregelten Meldepflicht und der darin
vorgesehene gegenseitige Informationsaustausch zwischen den Zer-
tifizierungsstellen und den kantonalen Vollzugsbehörden (sowie dem Bun-
desamt für Landwirtschaft [BLW]) nichts. Ein Anspruch auf rechtsgleiche
Behandlung gemäss dem Rechtsgleichheitsgebot in Art. 8 der Bundesver-
fassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV;
SR 101) ergibt sich nur in Bezug auf die gleichen (staatlichen) Behörden
(ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 8. Auflage, Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 588). Der Grundsatz
der Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung greift hier
wegen der unterschiedlichen Vollzugsaufgaben der staatlichen Behörden
und der Zertifizierungsstellen nicht. Es könnte im Gegenteil als stossend
empfunden werden, wenn sich ein landwirtschaftlicher Betrieb wegen sei-
ner Zertifizierung als Bio-Betrieb automatisch auch staatliche Beitragszah-
lungen für die biologische Landwirtschaft sichern könnte, obwohl nach-
weislich nicht alle diesbezüglichen Vorgaben eingehalten wurden.
III.
Im Beschwerdeverfahren werden die Verfahrens- und Parteikosten in der
Regel nach Massgabe des Unterliegens und Obsiegens (sog. Unterlieger-
prinzip) auf die Parteien verlegt (§§ 31 Abs. 2 Satz 1 und 32 Abs. 2 VRPG),
wobei staatliche Behörden – wie die Abteilung Landwirtschaft Aargau – nur
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mit Verfahrenskosten belegt werden dürfen, wenn sie entweder einen
schwerwiegenden Verfahrensfehler gegangen oder in der Sache willkürlich
entschieden haben (§ 31 Abs. 2 Satz 1 VRPG).
Als vollständig unterliegende Partei hat die Beschwerdeführerin die Kosten
des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens zu tragen und keinen Anspruch
auf Parteikostenersatz. Auch der Abteilung Landwirtschaft sind trotz ihres
Obsiegens keine Parteikosten zu ersetzen, weil sie vor Verwaltungsgericht
nicht anwaltlich vertreten war (vgl. § 29 VRPG).