Decision ID: 0b3de4ad-584c-4469-abf8-c4f9c006a66b
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
B._ meldete sich am 2. Januar 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an. Im
Gesuchsformular gab sie u.a. an, sie habe drei 1981, 1987 und 1989 geborene Kinder.
In ihrem Herkunftsland habe sie sieben Jahre die Grundschule besucht. Einen Beruf
habe sie nicht erlernt. Der IV-Stelle lag ein Bericht von Dr. med. A._ vom
11. November 2005 vor, laut dem die Versicherte an einem chronifizierten
lumbospondylogenen Syndrom rechts bei muskulären Dysbalancen, Fehlform der LWS
(Hyperlordose), degenerativen Veränderungen der unteren LWS (erosive
Osteochondrose L5/S1, Spondylarthrosen der unteren LWS), kleinen Diskushernien
foraminal links und paramedian bis foraminal rechts auf der Höhe L5/S1, radiologisch
keine Anhaltspunkte für eine Sacroiliitis, wesentlicher nichtorganischer
Schmerzkomponente und an Adipositas litt. Dr. med. A._ hatte dazu ausgeführt, die
Arbeitsfähigkeit sei durch das chronifizierte lumbospondylogene Syndrom mit
belastungsabhängigen Schmerzen beeinträchtigt. Eine Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit sei aufgrund des bisherigen Verlaufs und der klinischen Befunde nicht
zu erwarten. Eine leichte ausserhäusliche Tätigkeit sei zu mindestens 50% zumutbar.
Für eine sichere Festlegung im Hinblick auf eine Invalidenrente dürfte eine
multidisziplinäre Abklärung nötig sein. Ideal wäre eine leichtgradige, wechselbelastende
manuelle Tätigkeit ohne monotone Haltearbeiten während vier Stunden täglich. Auf die
Frage nach dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit antwortete Dr. med. A._ lediglich, sie
bestehe jedenfalls, seit er die Versicherte betreue (Oktober 2002).
B.
Die IV-Stelle nahm am 10. Mai 2006 eine Haushaltabklärung vor. Im entsprechenden,
von der Versicherten unterzeichneten Bericht hielt sie fest, die Versicherte habe zuletzt
an drei bis vier Tagen pro Woche während jeweils drei bis vier Stunden Heimarbeit
geleistet. Bei voller Gesundheit würde die Versicherte weiterhin im Rahmen der letzten
Tätigkeit einer Heimarbeit nachgehen. Der Ehemann sei Rentenbezüger und deshalb
sei ein zusätzliches Einkommen notwendig. Die Abklärungsperson ermittelte eine
Einschränkung im Haushalt von 21,6%, wobei sie in einem erheblichen Ausmass die
Mitwirkung der Familie bei der Erledigung des Haushalts berücksichtigte. Sie reduzierte
nämlich die effektiv bestehende Einschränkung der Versicherte in den einzelnen
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Bereichen des Haushalts um die Hälfte oder liess sie sogar völlig unberücksichtigt. Da
der Haushaltanteil mit 70% und der Erwerbsanteil mit 30% beziffert wurden, resultierte
für den Haushalt eine anteilsmässige Einschränkung von 15%. Für den Erwerbsanteil
wurde keine Einschränkung angenommen, d.h. die Abklärungsperson ging davon aus,
dass die Versicherte auf jeden Fall so weit arbeitsfähig sei, das sie sicher zu 30% einer
Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Die Abklärungsperson schlug vor, auf die von Dr.
med. A._ empfohlene multidisziplinäre Abklärung zu verzichten und das
Leistungsgesuch abzuweisen. Mit einem Vorbescheid vom 5. Juli 2006 teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit, dass sie das Leistungsgesuch abweisen werde.
C.
Die Versicherte wandte am 7. September 2006 ein, sie wäre ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung mindestens im früheren Ausmass (1992 bis 1994
Pensum mindestens 72%) einer Erwerbstätigkeit nachgegangen. Wegen der Invalidität
des Ehemannes (Invalidenrente seit 2003) hätte sie ihre Tätigkeit noch ausgeweitet. Bei
einer Arbeitsfähigkeit von 50%, einem weiteren Abzug von 15% und einer Gewichtung
der ausserhäuslichen Tätigkeit mit 72% würde ein Teilinvaliditätsgrad von 41,4%
resultieren. Im Haushalt betrage der Teilinvaliditätsgrad 12%. Das ergebe einen
Gesamtinvaliditätsgrad von 53,4%. Sie habe deshalb einen Anspruch auf wenigstens
eine halbe Invalidenrente. Würden die IK-Auszüge richtig interpretiert, so ergebe sich,
dass sie während 30 Std. wöchentlich ausser Haus gearbeitet habe. Hinzugekommen
sei eine Heimarbeit von 12 Std. wöchentlich. Bei einer Wochenarbeitszeit von 42 Std.
sei die häusliche Tätigkeit unbeachtlich. Mit einer Verfügung vom 16. Januar 2007 wies
die IV-Stelle das Leistungsgesuch der Versicherten ab. Zur Begründung führte sie aus,
die Versicherte sei von 1989 bis 1998 immer teilerwerbstätig gewesen. Aus
medizinischer Sicht wäre es ihr möglich gewesen, weiterhin im selben Rahmen einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die Erstaussage im Abklärungsbericht sei als
verbindlich zu betrachten. Die Versicherte habe angegeben, sie würde ihr Pensum von
12 Std. wöchentlich bei voller Gesundheit im selben Ausmass weiterführen. Dies sei
gut nachvollziehbar, da die Versicherte über all die Jahre keiner weiteren
Erwerbstätigkeit nachgegangen sei, obwohl ihr dies gesundheitlich möglich gewesen
wäre. Für invaliditätsfremde Faktoren sei kein Abzug vorzunehmen. Im Haushalt werde
der Versicherten eine Schadenminderungspflicht auferlegt.
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D.
Die Versicherte erhob am 16. Februar 2007 Beschwerde. Sie beantragte die Aufhebung
der Abweisungsverfügung, eventualiter die Zusprache einer halben Invalidenrente mit
Wirkung ab Januar 2005. Ausserdem ersuchte sie um die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung, was ihr am 17. April 2007 bewilligt
wurde. Zur Begründung führte sie aus, der Modus der Invaliditätsbemessung sei falsch.
Sie habe den Abklärungsbericht in bezug auf die Aufteilung Haushalt/Erwerb irrtümlich
unterzeichnet. Sie widerrufe diese Auskunft. Wegen der Berentung ihres Ehemannes
wäre ein zusätzliches Einkommen nötig. Sie hätte die Erwerbstätigkeit der Jahre 1991
bis 1995 beibehalten, wenn sie eine entsprechende Stelle gefunden hätte. Sie habe
damals bei der B. sechs Stunden täglich gearbeitet. Ab April 1995 habe sie eine
Tätigkeit bei der H. aufgenommen. Im Januar 1996 habe sie für die S. (Nachfolgerin der
B.) und die H. gearbeitet und ab Februar 1996 habe sie ausserdem ein
Arbeitslosentaggeld bezogen. Ab April 1996 habe sie nur noch ein Arbeitslosentaggeld
erhalten. Im Jahr 1997 habe sie für die H. gearbeitet, ab April 1997 für die V. und ab
Mai 1997 habe sie wieder ein Arbeitslosentaggeld bezogen. Die Tätigkeit für die H.
habe sie bedingt durch die Gesundheitsbeeinträchtigung im Februar 1998 einstellen
müssen. Dies zeige, dass sie immer einen Ausbau der Erwerbstätigkeit angestrebt
habe. Die Erwerbseinbusse des Ehemannes habe sich ab 1995 ausgewirkt. Damit
korrespondiere, dass sie ab April 1995 für die B. und für die H. erwerbstätig gewesen
sei. Dabei habe sie 42 Std. wöchentlich gearbeitet (einen Teil davon in Heimarbeit). Die
wegfallenden Verdienstkomponenten seien mit neuen Tätigkeiten respektive mit
Arbeitslosentaggeldern kompensiert worden. Wären die gesundheitlichen
Beschwerden ausgeblieben, hätte eine volle Erwerbstätigkeit weiterbestanden. Mit
50% leichter Arbeit und einem "Leidensabzug" von mindestens 15% werde ohne
weiteres ein Invaliditätsgrad von 50% erreicht.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 4. April 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie machte
geltend, im EL-Verfahren habe die Versicherte behauptet, sie habe im fortgeschrittenen
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Alter von 56 Jahren noch nie im Erwerbsleben gestanden. Im IV-Verfahren habe sie
dann aber behauptet, sie sei vollerwerbstätig gewesen. Offenbar behaupte die
Versicherte, was ihr gerade nütze. Aufgrund der mit der Ausgleichskasse
abgerechneten Einkommen könne mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden, dass die Versicherte je mehr als ein halbes Pensum geleistet
habe. Da das Gericht der Versicherten auch dann, wenn sie gesund wäre, im EL-
Verfahren keine volle Erwerbstätigkeit zumuten würde, sei von einem Teilerwerb (50%)
auszugehen. Demnach sei die gemischte Methode anwendbar. Im Haushalt bestehe
eine Einschränkung von 21% bzw. bei hälftiger Aufteilung von Erwerb und Haushalt
von 10,5%. Im Erwerb könnte die Versicherte aufgrund ihrer Arbeitsfähigkeit von
mindestens 50% uneingeschränkt einer 50%igen Beschäftigung nachgehen. Bei einem
"Leidensabzug" von höchstens 10% (bzw. bei einem hälftigen Erwerb 5%) resultiere so
ein Gesamtinvaliditätsgrad von höchstens 15%. Sollte das Gericht annehmen, die
Versicherte wäre als Gesunde zu mehr als 50% erwerbstätig, so würden die
vorliegenden medizinischen Unterlagen nicht ausreichen. Die Sache wäre zur weiteren
Abklärung zurückzuweisen.
F.
Die Versicherte wandte am 4. Mai 2007 ein, es bestehe kein Widerspruch zum EL-
Verfahren. Im IV-Verfahren gehe es ausschliesslich darum, "was die
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme noch arbeiten könnte
respektive wie die Aufteilung Haushalt/Erwerb vorzunehmen wäre". Bei der EL
hingegen stelle sich die Frage, ob ein Erwerb zumutbar sei bzw. in welchem Umfang er
zumutbar sei. Bei guter Gesundheit wäre sie umso eher erwerbstätig gewesen, als ihr
Ehemann ja habe berentet werden müssen und die beiden Töchter noch in Ausbildung
gewesen seien. Wenn sie nach etwa zehn Jahren darauf angesprochen werde, in
welchem Umfang sie damals gearbeitet habe, und sie möglicherweise eine etwas
unzutreffende Antwort gebe, dürfe sie darauf nicht behaftet werden. Sie sei in den
massgebenden Jahren (mit drei kleinen Kindern zuhause) in einem nicht unerheblichen
Ausmass erwerbstätig gewesen. Damit sei offensichtlich, dass sie bei guter Gesundheit
in späteren Jahren (grössere Kinder, kranker Ehemann) das Arbeitspensum nochmals
erhöht hätte.
G.
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Die IV-Stelle verzichtete am 15. Mai 2007 auf eine Duplik.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten im
Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen –
hingegen wird für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass
eine Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28
Abs. 2 IVG in der bis 31. Dez. 2007 gültigen Fassung). Als Aufgabenbereich der im
Haushalt tätigen versicherten Personen gilt unter anderem die übliche Tätigkeit im
Haushalt sowie die Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV). Bei einer versicherten Person,
die ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung nur zum Teil erwerbstätig wäre, wird die
Invalidität diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt. Wäre diese versicherte Person
daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dez. 2007 gültigen Fassung) festgelegt. In diesem
Falle sind die Anteile der Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im anderen
Aufgabenbereich festzustellen und der Invaliditätsgrad ist entsprechend der
Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28 Abs. 2 IVG in der bis 31. Dez.
2007 gültigen Fassung). Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als
gemischte Methode bezeichnet. Gemäss Art. 27 IVV ist nur der
Einkommensvergleich anzustellen, wenn anzunehmen ist, dass die versicherte Person
im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden
ganztägig erwerbstätig wäre. In ständiger Praxis prüft das Bundesgericht die Frage, ob
und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren
bis
bis
ter
bis
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berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei
auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum
massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält es trotz des Bundesgerichtsurteils
vom 6. August 2007 (I 126/07) für richtig, dass Art. 8 Abs. 3 ATSG eine
Invaliditätsbemessung anhand der behinderungsbedingten Einschränkung im
Aufgabenbereich (Haushalt) nur zulässt, wenn und soweit eine versicherte Person die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall" objektiv nicht
zumutbar ist (vgl. etwa das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 30. Nov. 2007, IV 2006/175). Im vorliegenden Fall kann die Frage, welche der
beiden Gesetzesauslegungen die richtige sei, allerdings offen bleiben, denn wie die
nachfolgenden Ausführungen zeigen, führen beide Varianten zum selben Ergebnis.
2.
2.1 Bei der vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vertretenen objektiven
Betrachtungsweise wäre es der Beschwerdeführerin ohne weiteres zumutbar, im
hypothetischen "Gesundheitsfall" vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die
Kinder sind nämlich praktisch selbständig und der Haushalt könnte, soweit er nicht von
den übrigen in der gemeinsamen Wohnung lebenden Personen selbst zu erledigen
wäre, von der - hypothetisch gesunden - Beschwerdeführerin abends oder am
Wochenende besorgt werden, so dass trotz einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit keine
unzumutbare Belastung resultieren würde. Die vom Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen als rechtmässig betrachtete Auslegungsvariante hätte also zur Folge, dass
der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin ausschliesslich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln wäre.
2.2 Entsprechend der vom Bundesgericht als richtig erachteten Gesetzesauslegung ist
zu prüfen, wie die tatsächlichen Verhältnisse im hypothetischen "Gesundheitsfall"
aussähen. Die Beschwerdegegnerin will dazu ausschliesslich auf die Aussage der
Beschwerdeführerin zu deren hypothetischem Beschäftigungsgrad abstellen. Dabei ist
die Beschwerdegegnerin allerdings mit dem Problem konfrontiert, dass die
Beschwerdeführerin im Laufe des Verfahrens widersprüchliche Aussagen gemacht hat.
Dieses Problem soll nach der in der Verfügung vom 16. Januar 2007 von der
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Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung mit dem Erfahrungssatz gelöst werden
können, dass die sogenannte Aussage der ersten Stunde "für die
Invalidenversicherung als verbindlich zu betrachten" sei. Gemeint hat die
Beschwerdegegnerin damit wohl, dass die Aussage der ersten Stunde überzeugender
sei als spätere Aussagen, da letztere in der Regel in Kenntnis der
sozialversicherungsrechtlichen Konsequenzen gemacht würden. Üblicherweise mag
die Aussage der ersten Stunde tatsächlich eine höhere Überzeugungskraft aufweisen
als die späteren Aussagen. Die Berufung auf diesen Erfahrungssatz setzt aber voraus,
dass die konkrete Aussage der ersten Stunde in umfassender Kenntnis des relevanten
Sachverhalts gemacht worden ist und dass sie, wie auch die entsprechende
Fragestellung, korrekt und vollständig protokolliert worden ist. In Fällen wie dem
vorliegenden besteht der relevante "Sachverhalt", d.h. der Hintergrund, vor dem die
Frage nach der hypothetischen Erwerbssituation bei voller Gesundheit zu beantworten
ist, aus einem hypothetischen und einem realen Teil. Hypothetisch ist die Annahme
einer vollständig erhaltenen Gesundheit/Leistungsfähigkeit der versicherten Person;
real sind die übrigen Sachumstände, im vorliegenden Fall also insbesondere das Alter
der Kinder und die Erwerbsunfähigkeit des Ehemannes der Beschwerdeführerin. Es ist
also die Frage gestellt worden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin bei fiktiver voller Gesundheit unter Berücksichtigung insbesondere
des effektiven Betreuungsbedarfs der Kinder und der effektiven Erwerbsunfähigkeit
ihres Ehemannes einer Erwerbstätigkeit nachginge. Dies hat nicht nur eine
ausserordentlich hohe Abstraktionsleistung der Beschwerdeführerin, sondern auch die
Fähigkeit vorausgesetzt, das Resultat der Abstraktionsleistung korrekt in einen im
übrigen real bleibenden Sachverhalt einzufügen. Die Beschwerdegegnerin hat die
Fragestellung im Bericht über die Haushaltabklärung vom 10. Mai 2006 nicht
protokolliert. Es steht deshalb nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass
die Beschwerdeführerin sich tatsächlich in jene hypothetische Situation hineinversetzt
hat, aus der heraus sie die Frage nach dem Ausmass der Erwerbstätigkeit hätte
beantworten müssen, nämlich dass sie gesund wäre, die übrigen Umstände aber der
Realität entsprächen. Es ist also durchaus möglich, dass die Beschwerdeführerin nicht
die eigentlich zu stellende Frage, in welchem Ausmass sie im hypothetischen
"Gesundheitsfall" einer Erwerbstätigkeit nachginge, beantwortet hat, sondern dass sie
die Frage falsch verstanden, sich also beispielsweise dazu geäussert hat, in welchem
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Ausmass sie einer Erwerbstätigkeit nachginge, wenn die Gesundheitsbeeinträchtigung
nicht ganz so stark wäre.
2.3 Im Bericht über die Haushaltabklärung fehlt aber nicht nur die unbedingt
notwendige Protokollierung der Fragestellung, sondern auch eine ausreichend präzise
Antwort. Die Beschwerdeführerin soll nämlich gesagt haben, sie würde weiterhin im
Rahmen der letzten Tätigkeit einer Heimarbeit nachgehen; da der Ehemann
Rentenbezüger sei, wäre ein zusätzliches Einkommen nötig. Das mag zwar durchaus
eine korrekte Wiedergabe der Aussage der Beschwerdeführerin sein, aber es ist eine
unbrauchbare Antwort. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann
daraus nämlich nicht der Schluss gezogen werden, dass die Beschwerdeführerin im
hypothetischen "Gesundheitsfall" genau zu 30% erwerbstätig wäre. Die
Beschwerdegegnerin hätte nachfragen und die Beschwerdeführerin dazu veranlassen
müssen, sich detailliert und sorgfältig mit der Situation im hypothetischen
"Gesundheitsfall" auseinanderzusetzen und dann eine präzise Aussage zum
hypothetischen Erwerbsgrad zu machen. Die Überzeugungskraft des entsprechenden
Teils des Berichts über die Haushaltabklärung vom 10. Mai 2006 erweist sich als so
gering, dass die Aussage der ersten Stunde nicht geeignet ist, einen Erwerbsanteil von
30% im hypothetischen "Gesundheitsfall" mit ausreichender Wahrscheinlichkeit zu
belegen. Den späteren Aussagen der Beschwerdeführerin könnte wohl zu Recht
entgegengehalten werden, dass sie beeinflusst seien durch die von der
Beschwerdeführerin erkannte Gefahr, in Anwendung der höchstrichterlichen
Rechtsprechung zur sogenannten gemischten Methode trotz einer möglicherweise
erheblichen Arbeitsunfähigkeit um einen Invalidenrentenanspruch gebracht zu werden.
Da auch eine nochmalige Befragung der Beschwerdeführerin aus demselben Grund
keine überzeugende Antwort liefern würde, kann die Befragung der
Beschwerdeführerin nicht wiederholt werden.
2.4 Die Frage, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin im hypothetischen
"Gesundheitsfall" einer Erwerbstätigkeit nachginge, kann deshalb nur anhand der
realen äusseren Umstände des hypothetischen "Gesundheitsfalles" beantwort werden,
wobei zu unterstellen ist, dass sich die Beschwerdeführerin rational verhalten würde.
Die Beschwerdeführerin ist zwar immer nur teilzeitlich erwerbstätig gewesen, aber dies
kann auf die reale gesundheitliche Situation und/oder auf die familiären Pflichten
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(Kinderbetreuung) zurückzuführen gewesen sein. Vom früheren Verhalten der
Beschwerdeführerin kann deshalb entgegen der Auffassung der Parteien nicht auf ein
aktuelles - hypothetisches - Verhalten im "Gesundheitsfall" geschlossen werden. Da
die Ausübung einer Erwerbstätigkeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts des
Ehepaares im hypothetischen "Gesundheitsfall" unerlässlich wäre, sind die
wirtschaftlichen Verhältnisse ausschlaggebend. Der Ehemann der Beschwerdeführerin
ist seit Jahren erwerbsunfähig. Es besteht ein Bedarf nach einer Ergänzungs- oder
allenfalls nach einer Sozialhilfeleistung. Da die Beschwerdeführerin im hypothetischen
"Gesundheitsfall" weder durch familiäre Pflichten noch durch andere Umstände daran
gehindert wäre, einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachzugehen, um den
Familienunterhalt zu finanzieren und einen EL-Bedarf oder eine Sozialhilfebedürftigkeit
zu verhindern, erscheint ein Beschäftigungsgrad von 100% als wahrscheinlichste und
gleichzeitig als ausreichend wahrscheinliche Variante des hypothetischen Verhaltens.
Die Beschwerdeführerin ist deshalb als rein erwerbstätig zu qualifizieren, d.h. ihr
Invaliditätsgrad ist ausschliesslich anhand eines Einkommensvergleiches zu ermitteln.
Irrelevant ist, von welchem hypothetischen Erwerbsgrad die EL-Durchführungsstelle
ausgeht, denn für sie ist nicht der hypothetische "Gesundheitsfall", sondern die reale
gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin massgebend, d.h. sie stellt darauf
ab, wie weit es der Beschwerdeführerin zumutbar ist, trotz der bestehenden
Gesundheitsbeeinträchtigung einer Erwerbstätigkeit nachzugehen.
3.
Ausschlaggebendes Element des Einkommensvergleiches (Art. 16 ATSG) ist in aller
Regel die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person in einer der Behinderung
angepassten Erwerbstätigkeit. In den dem Gericht vorliegenden Akten fehlt eine
medizinische Einschätzung, die einen bestimmten Arbeitsfähigkeitsgrad mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit belegen würde. Dr. med. A._ hat
zwar am 11. November 2005 eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von
mindestens 50% bzw. vier Stunden täglich in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
angegeben. Er hat aber ausdrücklich empfohlen, eine multidisziplinäre Abklärung
vorzunehmen, bevor über einen Invalidenrentenanspruch entschieden werde. Er ist
also davon ausgegangen, dass die Gesundheit der Beschwerdeführerin so
beeinträchtigt sein könnte, dass mehrere medizinische Fachgebiete betroffen wären.
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Unter diesen Umständen kann seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht als überzeugend
qualifiziert werden. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin gilt dies nicht
nur für das zumutbare Invalideneinkommen, das einem reinen Einkommensvergleich
zugrunde zu legen ist, sondern auch für jenes zumutbare Invalideneinkommen, das im
Rahmen einer Invaliditätsbemessung nach der sogenannten gemischten Methode
relevant wäre. Weshalb die Anwendung der gemischten Bemessungsmethode in bezug
auf die Arbeitsfähigkeit einen tieferen Beweisgrad rechtfertigen sollte, wie die
Beschwerdegegnerin sinngemäss unterstellt hat, ist nicht nachvollziehbar, es sei denn,
die Beschwerdegegnerin hätte angenommen, eine Arbeitsfähigkeit von mindestens
30% sei auf jeden Fall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, da Dr.
med. A._ ja eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von mindestens 50%
angegeben habe. Allerdings hätte die Beschwerdegegnerin dabei übersehen, dass eine
multidisziplinäre Abklärung mit den dabei zur Anwendung gelangenden medizinischen
Fachkenntnissen ergeben könnte, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med.
A._ völlig falsch wäre. Offenbar hat Dr. med. A._ selbst mit dieser Möglichkeit
gerechnet, denn andernfalls hätte er wohl keine multidisziplinäre Abklärung als
Grundlage der Prüfung eines Invalidenrentenanspruchs empfohlen. Selbst wenn also
die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung mit einem Erwerbsanteil von
lediglich 30% anwendbar gewesen wäre, hätte sich der Sachverhalt als unzureichend
abgeklärt erwiesen. Dasselbe gilt natürlich für den auf den vorliegenden Fall zur
Anwendung gelangenden reinen Einkommensvergleich. Die angefochtene Verfügung
ist somit in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen, weil die
Beschwerdegegnerin sich auf eine unzureichend abgeklärte Sachverhaltsgrundlage
gestützt hat. Die angefochtene Verfügung ist rechtswidrig und deshalb aufzuheben. Die
Beschwerdegegnerin wird die entsprechenden Sachverhaltsabklärungen nachzuholen,
den Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin mittels eines reinen
Einkommensvergleichs zu bemessen und dann neu über das Rentenbegehren zu
verfügen haben. Sollte sich dabei herausstellen, dass ein Invaliditätsgrad von
mindestens 40% droht, wird die Beschwerdegegnerin zu beachten haben, dass nach
dem Grundsatz der 'Eingliederung vor Rente' umfassend geprüft werden muss, ob eine
berufliche Eingliederungsmassnahme in Frage kommt. Nur wenn dies nicht der Fall ist,
kann über das Rentenbegehren entschieden werden. Andernfalls ist vorweg die
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berufliche Eingliederung, nötigenfalls unter Einsatz des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens, vorzunehmen.
4.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Verfügung vom 16. Januar 2007 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache ist zur weiteren
Abklärung des Sachverhalts, zur Prüfung/Durchführung beruflicher
Eingliederungsmassnahmen und zur anschliessenden neuen Verfügung über das
Rentenbegehren an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In bezug auf das
Begehren der Beschwerdeführerin um eine Parteientschädigung ist praxisgemäss (vgl.
etwa ZAK 1987 S. 266 Erw. 5a) von einem vollumfänglichen Obsiegen auszugehen. Die
Parteientschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser
Kriterien erweist sich die von der Beschwerdegegnerin beantragte Entschädigung von
Fr. 2723.45 (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Das
Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr beträgt Fr.
200.- bis Fr. 1000.-. Sie bemisst sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
IVG). Aufgrund des leicht unterdurchschnittlichen Aufwandes erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 500.- als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG