Decision ID: 6f4243d9-40ad-5624-a68e-fb6cfb523a1a
Year: 2011
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die ehemalige Kiesgrube D._ liegt zwischen der nordwestlich gelegenen
Anhöhe des E._ und der F._. Sie befindet sich grösstenteils auf dem
Gemeindegebiet von G._. Der nördliche Teil liegt in der Gemeinde H._.
Das Areal der ehemaligen Kiesgrube grenzt im Norden an den Fussballplatz, im Osten an
die I._ Strasse, im Süden an die J._ Strasse und im Westen an das
K._ Gässli. Es wird von Ost nach West durch die Umfahrungsstrasse von
2
G._ zweigeteilt.1 Auf dem Areal baute die Kollektivgesellschaft L._ von
circa 1954 bis 1969 Kies ab. Die Auffüllung der ehemaligen Kiesgrube erfolgte sukzessive
zwischen 1960 und 1973.
Anfang 1975 trat ein neuer Gesellschafter ein und die Firma wurde in M._
umbenannt. Die Künti Transporte AG übernahm die Aktiven und Passiven der weiter
bestehenden Kollektivgesellschaft M._ gemäss Übernahmebilanz per 31.
Dezember 1974 und Sacheinlageverträgen vom 28. April 1975. Gleichzeitig wurde der
Firmenname der Aktiengesellschaft in A._ (heutige Beschwerdeführerin) geändert.
Am 14. Januar 1976 wurde die Kollektivgesellschaft M._ aufgelöst und gelöscht.2
Im Jahr 1995 wurde die ehemalige Kiesgrube in den nicht öffentlich zugänglichen Altlasten-
und Verdachtsflächenkataster des Kantons Bern aufgenommen. Am 12. Februar 2003
wurde sie unter der Nr. 03630007 als Ablagerungsstandort D._/K._ Gässli
in den öffentlichen Kataster der belasteten Standorte aufgenommen und als
sanierungsbedürftig qualifiziert. Die in den bisherigen Untersuchungen festgestellten
altlastenrelevanten Emissionen stammen vom Deponieteil nördlich der Umfahrungsstrasse
G._. Betroffen ist die Parzelle G._ Grundbuchblatt Nr. N._.
Grundeigentümer ist der Kanton Bern (Beschwerdegegner).
2. Mit Verfügung vom 6. März 2003 verpflichtete das Amt für Gewässerschutz und
Abfallwirtschaft (GSA)3 den Beschwerdegegner als Standortinhaber zur Durchführung der
technischen Voruntersuchung. Die damit beauftragte O._ AG wertete die
vorhandenen Akten und Untersuchungen aus und legte am 27. Januar 2004 ein
Pflichtenheft für die technische Altlasten-Voruntersuchung der Deponie D._ vor.
Sie empfahl, die Voruntersuchung in Etappen durchzuführen, damit nötigenfalls das
Untersuchungsprogramm jeweils dem letzten Kenntnisstand angepasst werden könne.
In einer ersten Etappe der technischen Voruntersuchung wurden Ausdehnung und Inhalt
der Deponie untersucht. In einigen Feststoffproben wurde eine gewisse Belastung durch
1 vgl. O._ AG, G._ Deponie „D._“, Technische Untersuchung 2. Etappe, Bericht Nr. 03216.5 vom 10. August 2006, S. 4, Beilage 6 der Vorinstanz (nachfolgend: Technische Untersuchung 2. Etappe) 2 vgl. dazu Handelsregisterauszug betreffend L._ bzw. M._ (beglaubigt am 28. Mai 2002), Handelsregisterauszüge betreffend A._ (Internet-Vollauszug vom 11.12.2006, Handelsregisterauszug Stand 20. April 1998) 3 seit 1.1.2009 Amt für Wasser und Abfall (AWA)
3
Schwermetalle gemessen. Zudem wurde eine bedeutsame Belastung des Sickerwassers
festgestellt. Verschiedene Parameter, die typischerweise auf einen Deponieinhalt mit
Bauschutz, Siedlungs- und Gewerbeabfällen hinweisen (unter anderem chlorierte
Kohlenwasserstoffe [CKW]), waren zum Teil stark erhöht. Zur genaueren Abklärung der
Ausdehnung der Sickerwasser-Belastung durch CKW sowie zur besseren Lokalisierung
des Verschmutzungsherdes wurden weitere Untersuchungen gemacht. Zudem wurde die
Trinkwasserfassung D._ beprobt und analysiert sowie im Zentrum der Deponie
eine weitere Bohrung vorgenommen.4
In der zweiten Etappe der technischen Voruntersuchung wurde das Gefährdungspotential
für das Grundwasser untersucht und beurteilt. Aufgrund des Nachweises von cis-1.2-
Dichlorethen in der Grundwasserfassung D._ kam die O._ AG in ihrem
Bericht zum Schluss, dass es sich beim Standort Deponie D._ um einen
sanierungsbedürftigen Standort handle.5 Das GSA teilte dem Beschwerdegegner am 19.
Januar 2007 mit, dass es den Standort ebenfalls als sanierungsbedürftig beurteile. Es
müsse innert angemessener Frist eine Detailuntersuchung durchgeführt werden. Der
Standort müsse bis zum Abschluss der Sanierung überwacht werden.
In der dritten Etappe der technischen Voruntersuchung wurden weitere Boden-,
Grundwasser- und Sickerwasserproben entnommen und ausgewertet.6 In den
Oberbodenproben konnten keine Richtwertüberschreitungen festgestellt werden. Das
Sickerwasser zeigte eine Belastung, die eindeutig auf den Deponieinhalt zurückzuführen
war. In der Grundwasserfassung D._ wurde in 3 von 6 Proben cis-1.2-
Dichlorethen nachgewiesen. In den Abstrombohrungen wurde eine
Grenzwertüberschreitung gemessen. Im Sickerwasser der Deponie waren die Grenzwerte
für Vinylchlorid massiv überschritten. Die O._ AG kam daher in ihrem Bericht zum
Schluss, dass es sich beim Standort Deponie D._ um einen sanierungs- und
überwachungsbedürftigen Standort handle.7
4 vgl. Technische Untersuchung 2. Etappe, S. 5 5 vgl. Technische Untersuchung 2. Etappe, S. 26 6 vgl. O._ AG, G._ Deponie „D._“, Technische Untersuchung 3. Etappe, Bericht Nr. 03216.6 vom 22. Oktober 2007, S. 5 f., Beilage 9 der Vorinstanz (nachfolgend: Technische Untersuchung 3. Etappe) 7 vgl. Technische Untersuchung 3. Etappe, S. 18 f.
4
3. Mit Schreiben vom 6. Februar 2007 informierte das GSA die Beschwerdeführerin,
dass sie als Rechtsnachfolgerin der ursprünglichen Deponiebetreiber in Frage komme und
lud sie zu einem Gespräch ein. Anlässlich dieses Gespräches orientierte das GSA die
Beschwerdeführerin über den aktuellen Stand der Untersuchungen, den ausgewiesenen
Sanierungsbedarf, das geplante weitere Vorgehen sowie die Kostenverteilung.8 Anlässlich
einer Sitzung vom 17. November 2007, an der Vertreter der Beschwerdeführerin, der
Beschwerdegegner, des GSA und der O._ AG teilnahmen, wurden die
Untersuchungsergebnisse präsentiert und das weitere Vorgehen besprochen. Die Vertreter
der Beschwerdeführerin wiesen darauf hin, dass sie kein Interesse daran hätten, als
Auftraggeber für die Untersuchungen aufzutreten.9
Am 14. Januar 2008 stellte das GSA der Beschwerdeführerin und dem Beschwerdegegner
den Entwurf einer Kostenverteilungsverfügung zur Stellungnahme zu. Am 18. Januar 2008
nahm die nun anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin Stellung zur Aktennotiz und teilte
mit, sie wolle die Detailuntersuchung doch selber in Auftrag geben. Am 23. Januar 2008
erklärte sich das GSA nach Rücksprache mit dem Beschwerdegegner damit
einverstanden, dass die Beschwerdeführerin die Federführung übernahm. Es gab ihr
Gelegenheit, bis Mitte März ein Untersuchungsprogramm vorzulegen. Am 10. März 2008
stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um Fristverlängerung bis 10. April 2008. Das
GSA gab diesem Gesuch statt.
Mit Schreiben vom 10. April 2008 stellte die Beschwerdeführerin die
Sanierungsbedürftigkeit des Standortes D._ in Frage. Auf ihren Wunsch fand am
2. Juni 2008 ein Gespräch statt. Das GSA bestätigte, dass nach wie vor Sanierungsbedarf
bestehe und dass eine Detailuntersuchung durchgeführt werden müsse. Die
Beschwerdeführerin stellte in Aussicht, dass sie dem GSA bis Ende Juli einen eigenen
Vorschlag zur Kostenverteilung unterbreiten und bis Ende August 2008 ein
Untersuchungsprogramm zustellen werde.10 Am 4. September 2008 machte das GSA die
Beschwerdeführerin auf die ausstehenden Unterlagen aufmerksam und kündigte den
Erlass entsprechender Verfügungen an.
8 vgl. Mitbericht der Abteilung Grundwasser und Altlasten vom 19. November 2008, Beschwerdeakten pag. 31 und 35 9 vgl. Aktennotiz vom 17. Dezember 2007, Vorakten Beilage 10 10 vgl. Aktennotiz vom 2. Juni 2008, Vorakten Beilage 16
5
4. Das GSA erliess am 6. Oktober 2008 auf Antrag des Beschwerdegegners eine
Verfügung über die Kostenverteilung für sämtliche Massnahmen zur Untersuchung und
Sanierung des Standortes Deponie D._. Darin verpflichtete es die
Beschwerdeführerin als Verhaltensstörerin, 80% der bisher angefallenen
Untersuchungskosten sowie 80% der Kosten für sämtliche noch notwendigen
Massnahmen zu tragen. Den Beschwerdegegner als Inhaber des Standortes verpflichtete
es, 20% der bisher angefallenen Untersuchungskosten sowie 20% der Kosten für
sämtliche noch notwendigen Massnahmen zu tragen.
Am 10. Oktober 2008 erliess das GSA eine Verfügung über die Durchführung einer
Detailuntersuchung gemäss Altlastenverordnung. Darin verpflichtete es die
Beschwerdeführerin, durch ein auf Altlasten spezialisiertes Büro eine Detailuntersuchung
des Standortes Deponie D._ durchführen zu lassen. Das
Untersuchungsprogramm für diese Detailuntersuchung müsse dem GSA bis am 30.
November 2008 zur Stellungnahme unterbreitet werden. Danach müsse das
Untersuchungsprogramm innerhalb von sechs Monaten realisiert werden. Falls das
Untersuchungsprogramm nicht bis zum oben erwähnten Termin vorliege, werde das GSA
die Abklärungen auf dem Weg der Ersatzvornahme auf Kosten der Beschwerdeführerin
durchführen.
5. Gegen die Kostenverteilungs-Verfügung des GSA vom 6. Oktober 2008 hat die
Beschwerdeführerin am 3. November 2008 Beschwerde bei der Bau-,13 Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) erhoben. Sie stellt folgende Rechtsbegehren:
«1. Die Verfügung vom 6. Oktober 2008 des Amts für Gewässerschutz und Abfallwirtschaft betreffend Kostenverteilung für sämtliche Massnahmen zur Untersuchung und Sanierung der Deponie D._ (Stao-Nr. P._), Gemeinde G._ gemäss AltlV sei aufzuheben.
2. Die bisher angefallenen Untersuchungskosten seien dem Kanton aufzuerlegen.
3. 25% der Kosten für sämtliche, allfällig künftig notwendigen Massnahmen seien der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
4. Die übrigen 75% der Kosten für sämtliche, allfällig künftig notwendigen Massnahmen seien dem Kanton aufzuerlegen.»
Zur Begründung führt sie insbesondere aus, der Sachverhalt sei unvollständig und
unrichtig festgestellt worden, da nicht untersucht worden sei, wann der allfällige Abfall
6
abgelagert worden sei. Die historische Untersuchung sei nicht ausreichend durchgeführt
worden. Die Trinkwasserfassung D._ werde auf Ende 2008 stillgelegt. Es liege
kein sanierungsbedürftiger Standort vor und es bestehe keine konkrete Gefahr einer
Verunreinigung des Grundwassers. Es fehle der Beweis, dass die Beschwerdeführerin
Verhaltensstörerin sei. Ihr könnten keine Kosten auferlegt werden. Zudem rügt sie eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs, u.a. weil sie vor dem Eintrag in den Altlasten- und
Verdachtsflächenkataster nicht angehört worden ist. Als sie endlich kontaktiert worden sei,
sei die technische Voruntersuchung bereits praktisch abgeschlossen gewesen. Zudem rügt
sie Fehler bei der Ermessensausübung.
Gegen die Verfügung vom 10. Oktober 2008 betreffend die Durchführung einer
Detailuntersuchung erhob die Beschwerdeführerin keine Beschwerde.
6. In seiner Stellungnahme vom 26. November 2008 beantragt das GSA die Abweisung
der Beschwerde. Es weist insbesondere darauf hin, dass Gegenstand des Verfahrens
ausschliesslich die Frage der Kostenverteilung sei. Die Beschwerdeführerin sei
Rechtsnachfolgerin der früheren Deponiebetreiberin und damit Verhaltensstörerin. Die
Sanierungsbedürftigkeit des Standorts bleibe bestehen, selbst wenn die Nutzung der
Trinkwasserfassung Ende 2008 aufgegeben werde.
7. In seiner Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2008 stellt der Beschwerdegegner
folgende Rechtsbegehren:
«1. Die Beschwerde vom 3. November 2008 sei abzuweisen.
2. Ziffer 1 und 2 der Kostenverfügung der Vorinstanz vom 6. Oktober 2008 seien teilweise aufzuheben und es seien der Beschwerdeführerin als Verhaltensstörerin 100% der bisher angefallenen Untersuchungskosten sowie 100% der Kosten für sämtliche noch notwendigen Massnahmen, wie zum Beispiel die Detailuntersuchung oder zukünftige Überwachung, aufzuerlegen.»
Zur Begründung macht er insbesondere geltend, die Rechtsvorgängerin der
Beschwerdeführerin sei ihren vertraglichen und behördlichen Verpflichtungen oftmals nicht
nachgekommen. Die Kiesabbaubewilligung von 1954 gelte ausdrücklich auch für allfällige
Rechtsnachfolger. Die Vorinstanz habe die rechtlichen Vorgaben bei der Festlegung der
Kostenanteile nicht korrekt umgesetzt.
7
8. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet11, holte die
Vorakten ein und führte einen doppelten Schriftenwechsel durch. Anschliessend holte es
beim Amt für Wasser und Abfall (AWA), das seit dem 1. Januar 2009 für den
Aufgabenbereich des bisherigen GSA zuständig ist, zusätzliche Unterlagen und Akten ein.
Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen.
Auf die Rechtsschriften und die Akten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Verfügungen des AWA können mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden
(Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG12).
b) Die Beschwerdeführerin ist Adressatin der angefochtenen Verfügung. Sie ist dadurch
besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung. Sie ist daher befugt, Beschwerde zu führen (Art. 65 Abs. 1 VRPG).
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 67 VRPG).
Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Die BVE tritt deshalb
auf die Beschwerde ein.
2. Gegenstand des Verfahrens
11 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 12 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
8
a) In der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege sind sowohl das Verfahren als auch
der Entscheid in der Sache grundsätzlich auf den Streitgegenstand begrenzt. Die
angefochtene Verfügung bildet nicht nur den Ausgangspunkt des Beschwerdeverfahrens,
sondern zugleich den Rahmen und die Begrenzung des Streitgegenstandes. Innerhalb
dieses Rahmens bestimmen die Parteien mit ihren Begehren auf Änderung oder
Aufhebung der angefochtenen Verfügung den Streitgegenstand. Rechtsbegehren, die
ausserhalb des in der Verfügung geregelten Rechtsverhältnisses liegen, sind grundsätzlich
unzulässig. Die Parteien können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens nicht
erweitern, sondern nur einschränken.13 Es ist daher vorab zu prüfen, was Streitgegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist.
b) Anfechtungsobjekt ist eine altlastenrechtliche Kostenverteilungsverfügung. Im
Beschwerdeverfahren zu prüfen ist daher vorab die Frage, ob und wenn ja, in welchem
Umfang die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 32d USG14 Kosten zu tragen hat. Die
Vorinstanz hat am 10. Oktober 2008 eine weitere Verfügung erlassen, mit der sie die
Beschwerdeführerin verpflichtet hat, eine Detailuntersuchung durchzuführen. Die
Beschwerdeführerin hat diese Verfügung nicht angefochten. Sie ist daher in Rechtskraft
erwachsen. Soweit sich die Beschwerde inhaltlich gegen diese Verfügung richtet, kann
nicht darauf eingetreten werden.
c) Die bernische Verwaltungsrechtspflege kennt die Anschlussbeschwerde nicht. Auf
eine erst nach Fristablauf als Antwort auf ein Rechtsmittel der Gegenpartei eingereichte
Beschwerde ist nicht einzutreten.15 Der Beschwerdegegner erhebt allerdings keine
Anschlussbeschwerde, sondern er beantragt in seiner Beschwerdeantwort gestützt auf Art.
73 Abs. 1 VRPG eine Schlechterstellung der Beschwerdeführerin. Ein solcher Antrag ist
zulässig.16 Im Streit liegt die Frage, welchen Kostenanteil die Verhaltensstörerin zu tragen
hat. Da das VRPG ausdrücklich vorsieht, dass die angefochtene Verfügung bei
Rechtsverletzungen zuungunsten der beschwerdeführenden Partei geändert werden darf,
gehört zum Gegenstand des Streits in quantitativer Hinsicht grundsätzlich auch die
13 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6-8; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 44 ff. 14 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 15 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a. a. O., Art. 60 N. 6 16 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a. a. O., Art. 73 N. 9
9
Möglichkeit, der Beschwerdeführerin mehr als 80 % der bisher angefallenen und künftigen
Kosten aufzuerlegen.17 Das wird von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
3. Verletzung des rechtlichen Gehörs
a) Die Beschwerdeführerin bemängelt, dass sie vor dem Eintrag in den Altlasten- und
Verdachtsflächenkataster nicht angehört worden ist. Als sie endlich kontaktiert worden sei,
sei die technische Voruntersuchung bereits praktisch abgeschlossen gewesen. Sie habe
sich am 18. Januar 2008 bereit erklärt, die Detailuntersuchung selbst in Auftrag zu geben.
Im Verlaufe des Jahres hätten Verhandlungen bezüglich der Kostentragung und der
Planung der Untersuchung stattgefunden. Es habe daher kein Anlass bestanden, die
Verfügungen im Oktober ohne nochmalige Kontaktaufnahme zu erlassen. In ihrem
Schreiben vom 10. April 2008 habe sie sich eingehend mit dem Entwurf der angefochtenen
Verfügung auseinandergesetzt. Die Vorinstanz sei in der angefochtenen Verfügung nicht
auf die vorgebrachten Einwände eingegangen.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet unter anderem das Recht der
Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten Verfahren mit
ihrem Begehren angehört zu werden (Art. 21 VRPG), Einblick in die Akten zu erhalten (Art.
23 VRPG) und zu den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu
können (Art. 24 VRPG).
Das GSA erstellte zwischen 1990 und 1995 einen Altlasten- und Verdachtsflächenkataster
für das ganze Kantonsgebiet. Der Kataster war nicht öffentlich zugänglich, sondern diente
vorab den Behörden als Planungsinstrument. Dieser Vorgang war nach der damals
massgebenden Rechtslage ein verwaltungsinterner Vorgang, dem kein
Verwaltungsverfahren im Sinne des VRPG voranging.18 Die ehemalige Deponie
D._ wurde wegen der Auffüllung mit Bauschutt und Aushub in diesen Kataster
aufgenommen. Der Altlasten- und Verdachtsflächenkataster bildete die Grundlage für den
öffentlich zugänglichen Kataster der belasteten Standorte im Sinne von Art. 32c Abs. 2
USG.
17 Christoph Auer, Streitgegenstand und Rügeprinzip im Spannungsfeld der verwaltungsrechtlichen Prozessmaximen, Bern 1997, S. 56 ff., 107 f.
18 VGE 21787 vom 13. Dezember 2004, E. 3.4.1
10
Gemäss Art. 5 Abs. 1 AltlV19 ermittelt die Behörde die belasteten Standorte, indem sie
vorhandene Angaben wie Karten, Verzeichnisse und Meldungen auswertet. Sie kann von
den Inhabern oder Inhaberinnen der Standorte oder von Dritten Auskünfte verlangen. Der
für die Feststellung der Eintragungspflicht massgebliche Sachverhalt ergibt sich somit aus
vorhandenen und gegebenenfalls verfügbar gemachten weiteren Angaben. Diese sind
auszuwerten. Dagegen ist die Behörde nicht verpflichtet, weitergehende
Untersuchungshandlungen vorzunehmen. Der Kataster kann somit grundsätzlich allein auf
der Grundlage solcher Informationen erstellt werden. Bei der Auswertung dieser
Informationen hat die Behörde zu entscheiden, ob der Standort als belastet einzustufen ist
oder nicht. Es handelt sich dabei um eine Erstbewertung.20 Da die ehemalige Deponie
D._ als Ablagerungsstandort bekannt war, war in jenem Stadium keine Befragung
der Beschwerdeführerin erforderlich.
Gemäss Art. 5 Abs. 2 AltlV teilt die Behörde den Inhaberinnen und Inhabern die zur
Eintragung in den Kataster vorgesehenen Angaben mit und gibt ihnen Gelegenheit,
Stellung zu nehmen und Abklärungen durchzuführen. Diese Bestimmung konkretisiert den
verfassungsrechtlich garantierten Gehörsanspruch in Bezug auf das
Katastereintragungsverfahren der AltlV.21 Am 13. September 2002 orientierte die
Vorinstanz die betroffenen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, dass die
Deponie D._ in den öffentlichen Kataster eingetragen werden solle. Da die
Beschwerdeführerin nicht (mehr) Inhaberin des Standortes war, hatte der Katastereintrag
für sie keine unmittelbaren Auswirkungen. Sie musste daher nicht dazu angehört werden.
Im Rahmen der Erstellung des Pflichtenhefts für die technische Untersuchung wurden
verschiedene historische Abklärungen getroffen. Dabei wurden unter anderem die
ehemaligen Deponiebetreiberinnen befragt.22 Diese gaben an, es sei nur sauberer Aushub
und inertes Material deponiert worden. Als die Vorinstanz erkannte, dass die
Beschwerdeführerin als Rechtsnachfolgerin der Deponiebetreiber in Frage kam, orientierte
sie diese umfassend und gab ihr Akteneinsicht. Die Beschwerdeführerin konnte vor Erlass
19 Verordnung vom 26. August 1998 über die Sanierung von belasteten Standorten (Altlasten-Verordnung, AltlV; SR 814.680) 20 VGE 21787 vom 13. Dezember 2004, E. 2.3 21 VGE 21787 vom 13. Dezember 2004, E. 3.4.2 22 vgl. angefochtene Verfügung vom 6. Oktober 2008, Sachverhalt 3. Absatz, mit Hinweis auf den Bericht Geotest AG vom 27. Januar 2004, Pflichtenheft für die technische Altlasten-Voruntersuchung
11
der Verfügung mehrmals mündlich und schriftlich Stellung nehmen. Das rechtliche Gehör
wurde daher nicht verletzt.
c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör beinhaltet auch die Pflicht der Behörden, ihre
Verfügungen und Entscheide zu begründen. Die Begründung muss so abgefasst sein,
dass die Betroffenen den Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten können. Es
müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde
hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Das bedeutet nicht, dass sich die
Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung, mit jedem rechtlichen
Einwand und mit jedem Beweismittel auseinandersetzen muss. Sie kann sich auf die für
den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.23
In ihrem Schreiben vom 10. April 2008 stellte die Beschwerdeführerin die
Sanierungsbedürftigkeit der Deponie in Frage. Sie hielt es zudem für wahrscheinlich, dass
die in einer Bohrung festgestellte Grenzwertüberschreitung nicht aus der Auffüllung der
ehemaligen Kiesgrube D._ stamme. Sie wünschte daher eine Besprechung zur
Klärung der Frage, ob die Sanierungsbedürftigkeit trotz ihrer Einwände und
Richtigstellungen gegeben sei. Wie der Aktennotiz der Besprechung vom 2. Juni 2008
entnommen werden kann, wurde das Schreiben der Beschwerdeführerin vom 10. April
2008 eingehend diskutiert und anschliessend das weitere Vorgehen bezüglich der Deponie
D._ festgelegt. Die Vorinstanz hielt dazu fest, dass die bereits vorliegenden
Untersuchungen aus verschiedenen Gründen zeigten, dass der Standort
sanierungsbedürftig sei. Deshalb müsse eine Detailuntersuchung durchgeführt werden. Zur
Frage, ob die Schadstoffe auch von ausserhalb der Grube stammen könnten, nahm die
Vorinstanz zudem bereits mit Schreiben vom 23. Januar 2008 Stellung.24 Sie hielt fest,
dass es ihrer Auffassung nach sehr unwahrscheinlich sei, dass die Schadstoffe von
ausserhalb der Deponie stammten. Zur Prüfung dieser Hypothese sei in der dritten Etappe
der technischen Untersuchung die Bohrung Kb 07/7 erstellt worden, die im Zustrom der
festgestellten Grundwasserverunreinigung liege. In dieser Bohrung seien nur sehr geringe
Konzentrationen der in Frage stehenden Schadstoffe festgestellt worden. In den beiden
Verfügungen vom 6. und vom 10. Oktober 2008 begründete die Vorinstanz noch einmal
kurz, warum die Deponie D._ ein sanierungsbedürftiger Standort sei.
23 BGE 134 I 83 E. 4.1, mit weiteren Hinweisen; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a. a. O., 1997, Art. 52 N. 5 f. 24 Vorakten Beilage 13
12
Der Beschwerdeführerin war also bekannt, aus welchen Gründen die Vorinstanz zu ihren
Schlüssen kam. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt nicht vor.
d) Anlässlich der Besprechung vom 2. Juni 2008 stellte die Beschwerdeführerin der
Vorinstanz in Aussicht, sie werde bis Ende Juli 2008 zum Entwurf der
Kostenverteilungsverfügung Stellung nehmen und bis Ende August 2008 ein
Untersuchungsprogramm zur Stellungnahme einreichen25. Mit E-Mail vom 4. September
2008 teilte die Vorinstanz dem Anwalt der Beschwerdeführerin mit, da bisher weder eine
Stellungnahme zum Verfügungsentwurf noch der Vorschlag für das
Untersuchungsprogramm eingegangen seien, sehe sie sich gezwungen, die notwendigen
Massnahmen per Verfügung anzuordnen.26 Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die
Vorinstanz habe die Verfügungen im Oktober ohne nochmalige Kontaktaufnahme erlassen,
ist somit aktenwidrig.
4. Unvollständige und unrichtige Sachverhaltsfeststellung
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, es sei nicht untersucht worden, wann der
allfällige Abfall, von welchem die Schadstoffe stammen sollen, abgelagert worden sei. Sie
könne nicht für angebliche Altlasten der Deponie, die vor dem Jahr 1975 verursacht
worden seien, belangt werden. Der Vorinstanz sei der Nachweis, dass die
Beschwerdeführerin Verhaltensstörerin sei, nicht gelungen. Abklärungen, die ein
Verschulden der Beschwerdeführerin belegen würden, seien nicht vorhanden. Schliesslich
habe die Vorinstanz die geplante Stilllegung der Trinkwasserfassung D._ nicht
berücksichtigt.
b) Mit Beschwerde kann unter anderem die unrichtige und unvollständige Feststellung
des Sachverhalts gerügt werden (Art. 66 Bst. a VRPG). Die Sachverhaltsfeststellung
umfasst das Zusammentragen, Nachprüfen und Bewerten der Sachumstände, die für die
Rechtsanwendung massgebend sind. Der rechtserhebliche Sachverhalt muss richtig und
vollständig festgestellt werden. Das heisst, dass die Behörde das in Erfahrung bringen
muss, was im Hinblick auf die Regelung des Rechtsverhältnisses bedeutsam ist.
Umstände, die keinen Einfluss auf den Verfahrensausgang haben, müssen demgegenüber
25 vgl. Aktennotiz der Besprechung vom 2. Juni 2008, Vorakten Beilage 16 26 vgl. Vorakten Beilage 17
13
nicht weiter abgeklärt werden. Die Behörde hat den entscheidwesentlichen Sachverhalt
von Amtes wegen zu erheben. Ihre Abklärungspflicht wird aber durch die Mitwirkungspflicht
der Parteien gemildert.27 Unvollständig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn die Behörde
nicht alle für den Entscheid wesentlichen Sachumstände oder Beweismittel erhoben hat.
Unrichtig ist sie, wenn die Behörde die Beweismittel falsch gewürdigt oder einen
rechtserheblichen Sachumstand nicht in das Beweisverfahren einbezogen hat.28 Im
Verwaltungsverfahren ist der rechtserhebliche Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären,
hier gilt der Untersuchungsgrundsatz (Art. 18 VRPG).29 Zu diesem Zweck erhebt die
zuständige Behörde Beweise (Art. 19 VRPG). Im Rahmen der von der Behörde
vorzunehmenden Sachverhaltsfeststellungen kann eine Tatsache dann als bewiesen
gelten, wenn die Behörde aufgrund der erhobenen Beweise zur Überzeugung gelangt ist,
dass die betreffende Tatsache so wie behauptet besteht. Die Überzeugung der Behörde
muss auf konkreten Gründen, der allgemeinen Lebenserfahrung und der praktischen
Vernunft beruhen. Absolute Gewissheit ist nicht erforderlich. Es genügt ein so hoher Grad
an Wahrscheinlichkeit, dass keine vernünftigen Zweifel mehr bestehen. Der Beweis gilt als
erbracht, wenn die Behörde zur vollen Überzeugung gelangt, dass die beweiserhebliche
Tatsache so wie behauptet oder angenommen besteht.30
c) Im vorliegenden Fall wurden historische und technische Voruntersuchungen im Sinne
von Art. 7 AltlV durchgeführt. Zudem gibt es Akten über die Kiesausbeutung und die
Rekultivierung im Bereich des Areals der Deponie D._. Diesen Unterlagen lässt
sich in etwa entnehmen, wann in welchem Bereich die Materialausbeutung und die
Auffüllung der Deponie stattfanden. Aktenkundig ist zudem, dass auf dem Areal
unerlaubterweise Abfälle deponiert wurden und dass zum Auffüllen unerlaubtes Material
verwendet wurde.31 Das Areal wurde in mehreren Etappen untersucht und beprobt, die
Ergebnisse in Berichten dargestellt und ausgewertet. Die für den Entscheid wesentlichen
Sachumstände wurden abgeklärt und die erforderlichen Beweise erhoben. Die Frage,
wann genau die vorgefundenen, belasteten Ablagerungen in die Deponie D._
gelangt sind, spielt für die Beurteilung letztlich keine Rolle. Die Beschwerdeführerin wurde
27 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 66 N. 7; Gygi, a.a.O., S. 273 28 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 66 N. 8 29 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a. a. O., Art. 18 N. 1 30 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a. a. O., Art. 19 N. 6 31 vgl. dazu Vorakten betreffend Gemeinde G._, Q._, Parzellen Nrn. N._ und R._ und Vorakten betreffend Gemeinde G._, Q._, K._ Gässli, Parz. N._ und S._, „Schlammabsetzbecken“
14
vor allem als Rechtsnachfolgerin der ursprünglichen Deponiebetreiberin zur Kostentragung
verpflichtet.
d) Ob die Vorinstanz die Beweismittel falsch gewürdigt hat oder einen rechtserheblichen
Sachumstand nicht in das Beweisverfahren einbezogen hat, wird in den nachfolgenden
Erwägungen geprüft.
5. Sanierungsbedürftigkeit
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, es liege kein sanierungsbedürftiger Standort
vor. Die angefochtene Verfügung berufe sich auf die durchgeführten Untersuchungen und
zitiere mehr oder weniger den Bericht über die dritte Etappe der technischen
Untersuchung. Die Vorinstanz habe somit die rechtliche Subsumtion der O._ AG
überlassen. Da die Trinkwasserfassung D._ per Ende 2008 endgültig stillgelegt
werde, entfalle deren Schutzbedürftigkeit. Zu berücksichtigen sei auch, dass das Wasser
der Trinkwasserfassung D._ immer alle Anforderungen an die Trinkwasserqualität
erfüllt habe. Die Voraussetzungen von Art. 32c Abs. 1 USG zur Sanierungspflicht seien
nicht gegeben. Es bestehe keine konkrete Gefahr für das Trinkwasser, weder für die Zeit in
der die Fassung noch betrieben wurde noch für die Zeit nach der Stilllegung. Da
angesichts der geringen Wassermenge der Trinkwasserfassung D._ entschieden
worden sei, diese stillzulegen, handle es sich um kein nutzbares unterirdisches Gewässer
im Sinne der Gewässerschutzgesetzgebung. Ab dem 1. Januar 2009 bestehe materiell
kein Gewässerschutzbereich mehr. Die Grundwasserfassung liege nicht mehr im
öffentlichen Interesse. Es bestehe keine konkrete Gefahr einer Verunreinigung des
Grundwassers.
b) Laut Art. 32c Abs. 1 USG sorgen die Kantone dafür, dass Deponien und andere
durch Abfälle belastete Standorte saniert werden, wenn sie zu schädlichen oder lästigen
Einwirkungen führen oder die konkrete Gefahr besteht, dass solche Einwirkungen
entstehen. Belastete Standorte können unter anderem zu Gewässerverunreinigungen
führen, wenn umweltgefährdende Stoffe versickern und in das Grundwasser gelangen oder
15
wenn solche Stoffe unmittelbar in oberirdische Gewässer abfliessen.32 Zur Beurteilung der
Sanierungsbedürftigkeit sind einerseits die am Standort vorhandenen Schadstoffe und die
Wahrscheinlichkeit ihrer Ausbreitung oder Freisetzung in Betracht zu ziehen, andererseits
die Bedeutung der dadurch gefährdeten Schutzgüter und der Grad der Gefährdung zu
berücksichtigen.33 Eine konkrete Gefahr, dass ein belasteter Standort schädliche oder
lästige Einwirkungen hervorruft, liegt dann vor, wenn der Standort bei ungehindertem,
durch Massnahmen nicht beeinflusstem Ablauf des zu erwartenden Geschehens mit
hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einer Schädigung der Umwelt führt.34
Ob und in wie weit eine Sanierungsbedürftigkeit besteht, wird in einem mehrstufigen
Verfahren festgestellt. Die Behörde teilt die belasteten Standorte nach den Angaben im
Kataster ein in solche, bei denen keine schädlichen oder lästigen Einwirkungen zu
erwarten sind, und in solche, bei denen untersucht werden muss, ob sie überwachungs-
und sanierungsbedürftig sind (Art. 5 Abs. 4 AltlV). Für die Durchführung der
Untersuchungen erstellt sie eine Prioritätenordnung (Art. 5 Abs. 5 AltlV). Gestützt darauf
verlangt sie innert angemessener Frist die Durchführung einer Voruntersuchung. Diese
besteht in der Regel aus einer historischen und einer technischen Untersuchung. Damit
werden die für die Beurteilung der Überwachungs- und Sanierungsbedürftigkeit
erforderlichen Angaben ermittelt und bewertet (Art. 7 Abs. 1 AltlV). Mit der technischen
Untersuchung werden Art und Menge der Stoffe am Standort, deren
Freisetzungsmöglichkeiten und die Bedeutung der betroffenen Umweltbereiche ermittelt
(Art. 7 Abs. 4 AltlV). Die Untersuchungs-, Überwachungs- und Sanierungsmassnahmen
sind vom Inhaber oder von der Inhaberin eines belasteten Standortes durchzuführen (Art.
20 Abs. 1 AltlV). Die Behörde beurteilt auf Grund der Voruntersuchung, ob der belastete
Standort überwachungs- oder sanierungsbedürftig ist (Art. 8 Abs. 1 AltlV). Die technische
Untersuchung hat zum Ziel, die bereits vorliegenden Angaben mit Messungen so weit zu
ergänzen, dass die Behörde beurteilen kann, ob der Standort saniert oder überwacht
werden muss oder ob eine weitere Bearbeitung nicht sogar ganz entfallen kann. Sie soll
allerdings nicht mit grossem technischem und finanziellem Aufwand eine detaillierte
Gefährdungsabschätzung des Standortes vornehmen; dies wird Aufgabe der allenfalls
nachfolgenden Detailuntersuchung sein.35 Es ist daher nicht zu beanstanden, sondern es
entspricht den gesetzlichen Bestimmungen, dass sich die Vorinstanz bei ihrer Beurteilung
32 Pierre Tschannen, in Kommentar USG, Mai 2000, Art. 32c N. 12 33 Pierre Tschannen, a. a. O, Art. 32c N. 10 34 Pierre Tschannen, a. a. O, Art. 32c N. 15 35 Bundesamt für Umwelt (BAFU), Altlasten, Voruntersuchung, Technische Untersuchung, abrufbar unter http://www.bafu.admin.ch/altlasten/01611/01614
http://www.bafu.admin.ch/altlasten/01611/01614
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auf die Berichte der mit der technischen Voruntersuchung beauftragten O._ AG
gestützt hat. Aufgrund der technischen Untersuchung steht fest, dass der belastete
Standort einzig hinsichtlich des Grundwasserschutzes problematisch ist.
c) Laut Art. 9 Abs. 2 Bst. a AltlV ist ein belasteter Standort hinsichtlich des Schutzes des
Grundwassers sanierungsbedürftig, wenn bei Grundwasserfassungen, die im öffentlichen
Interesse liegen, vom Standort stammende Stoffe festgestellt werden, die Gewässer
verunreinigen können. Laut den technischen Untersuchungen wurden in zwei von drei (2.
Etappe)36 bzw. drei von sechs Proben (3. Etappe)37 aus der Grundwasserfassung
D._ cis-1.2-Dichlorethen in Konzentrationen zwischen 0.41 und 2.0 μg/l
nachgewiesen. Auch die Grundwasserproben aus den Kleinfilterbrunnen und insbesondere
diejenige aus dem Zuströmbereich der Fassung (Messstelle Kb 06/01) wiesen cis-1.2-
Dichlorethen auf.38 Die Beurteilung der O._ AG und der Vorinstanz, diese
Belastung stamme aus der Deponie, überzeugt daher. Solange die Trinkwasserfassung
D._ in Betrieb ist, ergibt sich die Sanierungspflicht bereits aus diesem Umstand.
d) Laut Art. 9 Abs. 2 Bst. b AltlV ist ein belasteter Standort hinsichtlich des Schutzes des
Grundwassers sanierungsbedürftig, wenn bei Grundwasser im Gewässerschutzbereich Au im Abstrombereich unmittelbar beim Standort die Konzentration von Stoffen, die vom
Standort stammen, die Hälfte eines Konzentrationswerts nach Anhang 1 AltlV
überschreitet.
Die Vorinstanz führt in ihrer Vernehmlassung aus, nach der Ausserbetriebnahme der
Trinkwasserfassung D._ würden zwar die Grundwasserschutzzonen aufgehoben.
Der Gewässerschutzbereich Au, der zurzeit noch teilweise von den Gewässerschutzzonen überlagert werde, bleibe aber nach wie vor bestehen. Laut Gewässerschutzkarte des
Kantons Bern39 (Stand 1. August 2010) wurden die Grundwasserschutzzonen in der
Zwischenzeit aufgehoben. Das Areal und die Umgebung der Deponie D._
befinden sich hingegen nach wie vor im Gewässerschutzbereich Au.
Der Konzentrationswert für 1.2 Dichlorethen beträgt gemäss Anhang 1 AltlV 0.05 mg/l, der
halbe Konzentrationswert somit 0.025 mg/l bzw. 0.25 μg/l. Bei der im Abstrombereich
36 Technische Untersuchung 2. Etappe, S. 24 37 Technische Untersuchung 3. Etappe, S. 14, 17 und 18
38 Technische Untersuchung 2. Etappe, S. 19 und 28 39 abrufbar auf dem Geoportal des Kantons Bern (http://www.bve.be.ch/site/geo)
http://www.bve.be.ch/site/geo
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liegenden Messstelle Kb 07/6 wurde cis-1.2-Dichlorethen in einer Konzentration von 46.1
μg/l und 56.0 μg/l nachgewiesen.40 Der halbe Konzentrationswert gemäss Anhang 1 AltlV
wird also deutlich überschritten. Selbst wenn die Trinkwasserfassung in der Zwischenzeit
ausser Betrieb genommen worden ist, besteht eine Sanierungspflicht gemäss Art. 9 Abs. 2
Bst. b AltlV.
e) Laut Art. 9 Abs. 2 Bst. d AltlV ist ein belasteter Standort hinsichtlich des Schutzes des
Grundwassers sanierungsbedürftig, wenn er überwachungsbedürftig ist und wenn wegen
eines ungenügenden Rückhalts oder Abbaus von Stoffen, die vom Standort stammen, eine
konkrete Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers besteht. Verschiedene Proben,
die dem Sickerwasser der Deponie entnommen wurden, weisen Konzentrationen von
Vinylchlorid von 1000 μg/l bis 1579 μg/l sowie von cis-1.2-Dichlorethen von 4000 μg/l bis
9100 μg/l auf.41 Die Konzentrationswerte gemäss Anhang 1 AltlV werden massiv
überschritten. Der Standort gilt daher nach Art. 9 Abs. 1 Bst. a AltlV als
überwachungsbedürftig. Da die Schadstoffe auch im Grundwasser nachgewiesen werden
konnten, ist davon auszugehen, dass diese zu wenig zurückgehalten werden. Es besteht
folglich eine konkrete Gefahr einer Verunreinigung des Grundwassers. Die
Sanierungspflicht ergibt sich daher auch aus Art. 9 Abs. 2 Bst. d AltlV.
f) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Schadstoffe würden nicht aus der
Deponie stammen. Ihrer Auffassung nach könnte die Verschmutzung von den unter der
Deponie durchführenden Kanalisationsleitungen aus Schleuderbeton und PVC herrühren.
Abwässer würden oft chlorierte Kohlenwasserstoffe enthalten, welche aus den
Betonleitungen austreten könnten. Zudem seien PVC-Leitungen eingesetzt worden, welche
eine Belastung von Vinylchlorid auslösen könnten. Die Beschwerdeführerin belegt und
begründet jedoch nicht näher, worauf sie ihre Behauptungen stützt.
Es ist nicht bekannt, aus welchem Material die erwähnten Kanalisationsleitungen bestehen.
Gemäss den einschlägigen technischen Normen und Richtlinien dürfen für Kanalisationen
sowohl Beton- als auch PVC-Rohre verwendet werden.42 Industrieabwässer, die gestützt
auf Art. 7 GSchV43 in die öffentliche Kanalisation eingeleitet werden, dürfen nur äusserst
40 Technische Untersuchung 3. Etappe, S. 14, 15, 17, 19 41 Technische Untersuchung 2. Etappe, Anhang 17 42 SIA-Norm 190 Kanalisationen, Schweizer Norm SN 592 000 Planung und Erstellung von Anlagen für die Liegenschaftsentwässerung (VSA/SSIV, 2002), VSA-Richtlinie Dichtheitsprüfungen an Abwasseranlagen (2002) 43 Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201)
18
geringe Mengen an leichtflüchtigen chlorierten Kohlewasserstoffen enthalten (vgl. GSchV
Anhang 3.2 Ziff. 2). Es bestehen daher keine Anhaltspunkte, dass die im Grundwasser
gefundenen chemischen Stoffe aus der Kanalisation stammen könnten.
Aufgrund der bisherigen Abklärungen kommen sowohl die O._ AG als auch die
Vorinstanz zum Schluss, dass die Belastung von der Deponie selber stammt. Im Zustrom
des Verschmutzungsherdes, der als „Hot spot“ bezeichnet wird, sind nur sehr geringe
Konzentrationen von Schadstoffen festgestellt worden. Das belegt, dass die Schadstoffe
nicht von aussen zugeführt werden, sondern aus der Deponie selber stammen.
Insbesondere wurde Vinylchlorid nur im Bereich des „Hot spots“ nachgewiesen. Diese
Fachmeinung überzeugt die BVE. Die extrem erhöhten Werte für halogenierte
Kohlenwasserstoffe im Bereich des „Hot spots“ deuten auf Gewerbe- und Industrieabfälle
hin. Aufgrund der qualitativen Vielfalt der chemischen Stoffe, die in den
Grundwasserproben gefunden worden sind, erscheint der Schluss der Fachleute, diese
könnten von Gewerbe- und Industrieabfällen stammen, als plausibel.
6. Rechtsnachfolge
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Ablagerung habe unter der
Verantwortlichkeit der Kollektivgesellschaft L._ stattgefunden. Da sie die Aktiven
und Passiven der damals bestehenden Bilanz übernommen habe, sei ihr eine Schuld, von
welcher sie im Übernahmezeitpunkt keine Kenntnis hatte, nicht zurechenbar. Wenn nicht
nachgewiesen sei, dass die Beschwerdeführerin ein Verschulden an den Schadstoffen im
Grundwasser D._ treffe, könnten ihr auch keine Kosten für die diesbezügliche
Untersuchung auferlegt werden.
Demgegenüber sind die Vorinstanz und der Beschwerdegegner der Auffassung, die
Beschwerdeführerin sei Rechtsnachfolgerin der ursprünglichen Betreiberin der Deponie.
Sollte dies zutreffen, so würde der Zeitpunkt bzw. die Zeitspanne, in der allfällige Abfälle in
der Deponie D._ abgelagert wurden, für die Beurteilung der Angelegenheit keine
Rolle spielen. Diese Frage ist daher nachfolgend zu prüfen.
b) Gemäss Art. 32d Abs. 1 USG trägt der Verursacher die Kosten für notwendige
Massnahmen zur Untersuchung, Überwachung und Sanierung belasteter Standorte.
19
Art. 32d Abs. 1 USG wiederholt somit, was nach dem allgemeinen Verursacherprinzip von
Art. 2 USG gilt. Demzufolge trägt diejenige Person die Kosten, die die gesetzlich
gebotenen Massnahmen verursacht hat.44 Zur Umschreibung des Verursacherkreises stellt
sowohl das Bundesgericht als auch die überwiegende Mehrheit der Lehre auf den
Störerbegriff ab.45 Es gibt zwei Arten von Störern, den Verhaltensstörer einerseits, und den
Zustandsstörer andererseits. Als Verhaltensstörer sind diejenigen Personen zu betrachten,
die durch ihr eigenes Verhalten oder durch das unter ihrer Verantwortung erfolgte
Verhalten Dritter unmittelbar eine polizeiwidrige Gefahr oder Störung schaffen. Als
Zustandsstörer gilt diejenige Person, die die tatsächliche oder rechtliche Sachherrschaft
über die Sache hat, welche den polizeiwidrigen Zustand verursacht. Der
Zustandsverursacher dürfte daher regelmässig der Eigentümer der Sache sein. Neben ihm
kann die Zustandsverantwortlichkeit aber auch den Pächter, Mieter oder Verwalter einer
Sache treffen.46
c) Die Belastung des Standorts ist mutmasslich zum grössten Teil auf das Verhalten der
ursprünglichen Betreiberin zurückzuführen. Der Schadensherd (sogenannter „hot spot“),
der bisher gefunden worden ist, befindet sich in dem Bereich der früheren Deponie, der
spätestens bis 1961 aufgefüllt wurde.47 Es trifft somit zu, dass die Beschwerdeführerin
diese Belastung nicht durch eigenes Handeln verursacht hat. Eigentliche
Verhaltensstörerin dürfte daher vorab die ursprüngliche Deponiebetreiberin gewesen sein.
Es stellt sich aber die Frage, ob die Beschwerdeführerin wegen der Geschäftsübernahme
auch für das Handeln der ursprünglichen Deponiebetreiberin einstehen muss. Zudem kann
nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Bereiche des Deponieareals, die später unter
der Verantwortung der Beschwerdeführerin aufgefüllt und rekultiviert worden sind,
ebenfalls eine Belastung aufweisen.48
d) Das Bundesgericht hat in einem Urteil vom 29. April 1988 erkannt, dass die
Kostentragungspflicht nach Art. 8 aGSchG49 bei einer Übernahme eines Vermögens oder
44 Pierre Tschannen/Martin Frick, Der Verursacherbegriff nach Artikel 32d USG, Gutachten zuhanden des Bundesamtes für Umwelt, Wald und Landschaft (BUWAL), Bern, 11. September 2002 (nachfolgend Gutachten Tschannen/Frick), S. 3, Ziff. II. 1 45 Gutachten Tschannen/Frick, S. 5, Ziff. II. 3, mit Hinweisen 46 Gutachten Tschannen/Frick, S. 7, Ziff. III. 2, mit Hinweisen 47 vgl. Stellungnahme der Vorinstanz vom 6. April 2009, S. 2 48 vgl. Stellungnahme der Vorinstanz vom 6. April 2009, S. 2 49 Bundesgesetz vom 8. Oktober 1971 über den Schutz der Gewässer gegen Verunreinigung (Gewässerschutzgesetz, aGSchG; AS 1972 S. 950)
20
eines Geschäfts nach Art. 181 OR auf den Erwerber oder die Erwerberin übergeht.50 Die
Kostentragungspflicht nach Art. 32d USG knüpft an die frühere Regelung von Art. 8
aGSchG an.51 Sie ist daher gleich zu behandeln.52
Dass öffentlichrechtliche Forderungen im Rahmen einer Geschäftsübernahme kraft
analoger Anwendung von Art. 181 OR übertragbar sind, hat das Bundesgericht im Übrigen
auch im Zusammenhang mit AHV-Beitragsschulden entschieden.53 In einem neueren
Entscheid54 hat es die Frage, ob die altlastenrechtliche Verhaltensstörereigenschaft bei
einer Geschäftsübernahme im Sinne von Art. 181 OR auf den Übernehmer übergeht, offen
gelassen und zur Beurteilung an das kantonale Verwaltungsgericht zurückgewiesen,
welches die Frage bejaht hat.55
Auch der überwiegende Teil der neueren Lehre bejaht grundsätzlich den Übergang der
Kostentragungspflicht nach Art. 32d USG bei Übernahme eines Geschäftes.56 Die analoge
Anwendung von Art. 181 OR hat für altlastenrechtliche Kostenersatzansprüche zur Folge,
dass die mit dem übertragenen Geschäft verbundenen und vor dem Zeitpunkt der
Schuldübernahme begründeten Schulden auf den Übernehmer übergehen. Die
Kostentragungspflicht des ursprünglichen Verhaltensstörers geht also auf den
Rechtsnachfolger über.57 Anders ausgedrückt bleibt die Verhaltensstörereigenschaft am
Betriebsteil, der die Belastung „verursacht“ hat, haften. Durch die Geschäftsübernahme
wechselt der Betrieb den Eigentümer, wobei die Verhaltensstörereigenschaft mit dem
Betrieb verbunden bleibt.58 Übertragen werden dabei nicht nur die fälligen, sondern alle
bereits entstandenen Forderungen. Sind die die Kostentragungspflicht begründenden
Sachverhaltselemente im Zeitpunkt der Geschäftsübernahme erfüllt, so geht diese auf die
übernehmende Gesellschaft über.59 Ob die haftungsbegründenden Sachverhaltselemente
50 BVR 1988 S. 406 E. 3; Hansjörg Seiler, in Kommentar USG, 2001, Art. 2 N. 67 51 Pierre Tschannen, a. a. O., Art. 32d N. 4 und 7 52 BVR 2010 S. 411 E. 3.4.3 53 BGE 119 V 389 E. 6b 54 BGer 1A.273/2005/1A.274/2005/1P.669/2005 vom 25. September 2006 55 Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Genf Nr. 175/2008 vom 15. April 2008 56 vgl. etwa Hans U. Liniger/Curdin Conrad, Altlastenrechtliche Störerhaftung und Rechtsnachfolge bei Unternehmenstransaktionen – Quid iuris?, in: M&A, Recht und Wirtschaft in der Praxis, Liber amicorum für Rudolf Tschäni, hrsg. v. Matthias Oertle et al., Zürich 2010, S. 238 ff.; Isabelle Romy, Sort des responsabilités environnementales dans le transfert d’entreprises, in David Sifonios (Hrsg.), Les entreprises et le droit de l’environnement: défis, enjeux, opportunités, 2009, S. 50 ff.; Gudrun Bürgi-Schneider, Belastete Standorte und die Änderung des Umweltschutzgesetzes mit Einfügung des Art. 32bbis und der Revision der Art. 32c-32e, in ZBGR 89 (2008) S. 129 ff., 138; vgl. auch Hansjörg Seiler, a. a. O., Art. 2 N. 67 57 Hans U. Liniger/Curdin Conrad, a .a. O., S. 239 58 Hans U. Liniger/Curdin Conrad, a .a. O., S. 240 59 Beatrice Wagner Pfeifer, Kostentragungspflichten bei der Sanierung und Überwachung von Altlasten im Zusammenhang mit Deponien, in ZBl 2004, S. 117 ff., 140
21
im Zeitpunkt der Schuldübernahme erfüllt waren, beurteilt sich rückwirkend ausschliesslich
aufgrund der heute geltenden Umweltschutzgesetzgebung.60
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei altlastenrechtlichen
Kostenersatzansprüchen und der Verhaltensstörereigenschaft um öffentlichrechtliche
Pflichten handelt. Diese stehen den Parteien nicht zur privatrechtlichen Disposition,
sondern haften am Betriebsteil, dem die Belastung zugerechnet werden kann.61 Die
privatrechtlichen Modalitäten einer Unternehmensübertragung sind daher im
altlastenrechtlichen Kontext von untergeordneter Bedeutung.
e) Es ist nicht bestritten, dass die Beschwerdeführerin die Aktiven und Passiven der
früheren Betreiberin der Deponie übernommen hat. Es ist zudem aktenkundig, dass sie
den Betrieb anschliessend weiterführte und insbesondere die Kiesausbeutungsbewilligung
vom 9. Februar 1962 als Rechtsnachfolgerin übernahm.62 Des Weiteren schlossen die
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner am 24. November 1977 eine
Vereinbarung zur Errichtung bzw. Belassung und Betrieb eines Schlammabsetzbeckens
ab.63 Aus Ziffer 8 dieser Vereinbarung geht ebenfalls hervor, dass die Beschwerdeführerin
Rechtsnachfolgerin der ursprünglichen Betreiberin ist. Mit der Übernahme der Deponie
D._ hat sie auch die damit verbundene Verhaltensstörereigenschaft übernommen.
Die Beschwerdeführerin hat daher nicht nur für ihre eigene Kostenpflicht, sondern auch für
diejenige ihrer Rechtsvorgängerin einzustehen.64
7. Kostenverteilung
a) Die Beschwerdeführerin rügt, die Vorinstanz habe bei der Kostenverteilung ihr
Ermessen rechtsfehlerhaft ausgeübt. Sie habe die übliche Praxis angewandt, ohne die
speziellen Umstände zu berücksichtigen. So sei nicht berücksichtigt worden, dass die
Beschwerdeführerin die ihr vom Standortinhaber auferlegten Pflichten vollumfänglich erfüllt
habe. Das eigentliche Schutzgut, die Trinkwasserfassung D._, werde aufgehoben.
60 Hans U. Liniger/Curdin Conrad, a .a. O., S. 244 61 Hans U. Liniger/Curdin Conrad, a. a. O., S. 240
62 vgl. Brief des Wasser- und Energiewirtschaftsamts des Kantons Bern vom 3. August 1976 an die A._ in den Vorakten betreffend Gemeinde G._, Q._, K._ Gässli, Parz. Nrn. N._ und S._, „Schlammabsetzbecken“ 63 Beilage Nr. 6 zur Beschwerdeantwort 64 vgl. dazu auch BVR 1988 S. 406 E. 3a
22
Die umfangreichen Untersuchungen seien daher unverhältnismässig. Es sei nicht
zumutbar, dass die Beschwerdeführerin Kosten für rein prophylaktische Untersuchungen
und Sanierungen übernehme. Der Beschwerdegegner sei seinen Aufsichtspflichten nicht
nachgekommen. Zudem habe er von der Kiesgrube finanziell profitiert. Die Vorinstanz
hätte die Verletzung des rechtlichen Gehörs berücksichtigen müssen.
Der Beschwerdegegner macht demgegenüber geltend, dass der Entscheid zu Ungunsten
der Beschwerdeführerin abgeändert werden müsse. Die Beschwerdeführerin sei von den
Behörden dazu verpflichtet worden, illegale Deponien zu verhindern und allfällig deponierte
Abfälle zu entfernen. Als Deponiebetreiberin treffe die Beschwerdeführerin von vornherein
die Hauptverantwortung für die Entstehung der Altlast. Zudem habe sie die geltenden
Rechtsnormen sowie Auflagen und Bedingungen der Deponiebewilligung nicht
eingehalten. Der Beschwerdegegner habe die gebotene Sorgfalt eingehalten und darüber
hinaus auf vertraglicher Ebene Bedingungen aufgestellt, um das unerlaubte Deponieren
von Abfällen aller Art zu erschweren. Er habe dies auch kontrolliert. Die Vorinstanz habe
das Mass der Verantwortung bei der Festlegung der einzelnen Kostenanteile nicht
berücksichtigt. Der Beschwerdeführerin müssten 100 % der Kosten auferlegt werden.
b) Sind mehrere Verursacher beteiligt, so tragen sie die Kosten entsprechend ihren
Anteilen an der Verursachung.65 In erster Linie trägt die Kosten, wer die Massnahmen
durch sein Verhalten verursacht hat. Wer lediglich als Inhaber des Standortes beteiligt ist,
trägt keine Kosten, wenn er bei Anwendung der gebotenen Sorgfalt von der Belastung
keine Kenntnis haben konnte (Art. 32d Abs. 2 USG). Daher ist grundsätzlich der
Verhaltensstörer stärker zu belasten als der Zustandsstörer und der schuldhafte Störer
stärker als der schuldlose. Zuerst haftet deshalb der schuldhafte Verhaltensstörer und
zuletzt der schuldlose Zustandsstörer.66 Neben der Art der Verursachung ist auch das
Gewicht der Verursachung bei der Ermittlung der Verursachungsquoten einzubeziehen.
Wer im adäquaten Kausalverlauf (d. h. nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge) eine
Hauptursache für die Notwendigkeit der Massnahmen setzt, trägt den Hauptteil von deren
Kosten. Setzt er nur eine Teilursache neben andern, so vermindert sich sein Kostenanteil
proportional.67 Höhere Gewalt oder grobes Drittverschulden können auch zur Reduktion
65 vgl. dazu und zum Folgenden: Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.), VASA-Modul "Realleistungs- und Kostentragungspflichten nach dem Altlastenrecht", verfügbar unter: http://www.bafu.admin.ch/realleistungs_kostentragungspflichten 66 URP 1998 S. 152 ff., E. 4b und 4 d; Karin Scherrer, Handlungs- und Kostentragungspflichten bei der Altlastensanierung, Störer- versus Verursacherprinzip, S. 124 f.; Pierre Tschannen, a. a. O., Art. 32d N. 22 67 ZBl 1991 S. 212 ff., E.6a; Karin Scherrer, a. a. O., S. 125; Pierre Tschannen, a. a. O., Art. 32d N. 22
23
der Verursachungsquote herangezogen werden oder sogar zur Kostenbefreiung führen.
Dies dann, wenn sie den Kausalzusammenhang gänzlich unterbrechen.68
Nach der bisherigen Rechtssprechung zur Kostenverteilung von Massnahmen bei
belasteten Standorten wird für Zustandsstörer von einer Verursachungsquote von 10 bis
30 % und für Verhaltensstörer von einer Quote von 60 bis 90 % ausgegangen.69 Die
Vorinstanz hat sich an diesem Rahmen orientiert. Sie hat den Fall als durchschnittlich
beurteilt. Aus diesem Grund hat sie der Verhaltensstörerin (Beschwerdeführerin) 80 % und
dem Zustandsstörer (Beschwerdegegner) 20 % der Kosten auferlegt.
c) Mit Dienstbarkeitsvertrag vom 15. November 1954 räumte der Beschwerdegegner
der Firma L._ (Rechtsvorgängerin der Beschwerdeführerin) ein
Materialausbeutungsrecht auf den Parzellen Nrn. N._ und S._ ein, und
zwar auf einem Streifen von maximal 120 m Tiefe längs des K._ Gässli im
Ausmass von total rund 50'000 m2. Damit ermöglichte er den Deponiebetrieb, weshalb ihm
eine Mitverantwortung für die Nutzung des Grundstückes zukommt. Eine Entlassung aus
der Kostentragungspflicht gemäss Art. 32d Abs. 2 Satz 3 USG kommt daher nicht in
Betracht.70 Der Beschwerdegegner ist zweifellos als Zustandsstörer zu qualifizieren und hat
als solcher einen Teil der Kosten zu tragen, auch wenn er keine Schuld an der
Verschmutzung trägt.
Hingegen ist der Beschwerdegegner nicht auch noch Verhaltensstörer. Es trifft nach den
Akten nicht zu, dass er unzulässiges Material hat ablagern lassen. Er hat sich im Rahmen
des neuen Vertrages lediglich ausbedungen, dass er Aushubmaterial vom T._
entschädigungslos in der offenen Grube ablagern darf.71 Die Ablagerung dieses Materials
war laut Kiesausbeutungsbewilligung vom 14. Juni 1962 zulässig. Dass der
Beschwerdegegner Kies bezogen und Aushubmaterial ablagern liess, macht ihn daher
nicht zum Verhaltensstörer.
68 ZBl 1987 S. 301 ff., E.3; Karin Scherrer, a. a. O., S. 126 f.; Pierre Tschannen, a. a. O., Art. 32d N. 22 69 vgl. dazu Bundesamt für Umwelt (BAFU) (Hrsg.), VASA-Modul "Realleistungs- und Kostentragungspflichten nach dem Altlastenrecht", verfügbar unter: http://www.bafu.admin.ch/realleistungs_kostentragungspflichten
70 Beatrice Wagner Pfeiffer, a. a. O., S. 130 f. 71 vgl. dazu Schreiben der Liegenschaftsverwaltung des Kantons Bern vom 8. Februar 1962 in den Vorakten betreffend Gemeinde G._, Q._, Parzellen Nrn. N._ und U._
24
Die Behauptung der Beschwerdeführerin, der Beschwerdegegner sei seinen
Aufsichtspflichten nicht nachgekommen, findet keine Stütze in den Akten. Aktenkundig sind
insbesondere folgende Vorfälle:
 Am 20. Juni 1955 schrieb die zuständige Stelle der Baudirektion der Firma L._,
die Behörden von G._ hätten mitgeteilt, dass sie die Kiesgrube mit verbotenem
Material auffüllen und die Parzelle Nr. N._ über die Baulinie bis an den
Strassenrand ausbeuten würden. Dies seien gröbliche Verletzungen der Bedingungen.
In Anbetracht der Gefährdung des Grundwassers müsse die unverzügliche Entfernung
des verbotenen Füllmaterials verlangt werden. Die Baudirektion setzte dafür eine Frist
bis Ende Juni 1955 an. Anlässlich einer Besichtigung vom 28. Juni 1955 konnte
festgestellt werden, dass das Auffüllmaterial mit Ausnahme von Strassenbelag den
Vorschriften entsprach.
 Am 29. Januar 1962 teilte die zuständige Stelle der Baudirektion der Firma L._
mit, veranlasst durch verschiedene Mitteilungen habe sie einen Augenschein
vorgenommen und festgestellt, dass ein wesentlich grösseres Areal als im Eingabeplan
vom 22. April 1954 angegeben, ausgebeutet und dass circa 8 m bis 10 m tief unter den
gegenwärtigen Grundwasserspiegel abgegraben werde. Die Bewilligung enthalte zwar
keine konkrete Beschränkung der Ausbeutungstiefe in Bezug auf den
Grundwasserspiegel, sie sei jedoch gestützt auf die Bestimmungen der VTA72 erteilt
worden. § 4 VTA bestimme ausdrücklich, dass in Kiesgruben die Ausbeutung eine
bestimmte Höhe über dem Grundwasserspiegel nicht unterschreiten dürfe. Die
Unterlassung der zahlenmässigen Angabe der Ausbeutungshöhe über dem
Grundwasserspiegel könne nicht so ausgelegt werden, dass die Baudirektion auf eine
Begrenzung verzichten wollte. Die Ausbeutung unter den Grundwasserspiegel sei
unverzüglich einzustellen.
 Aufgrund verschiedener Beanstandungen lud das Büro für Wassernutzung und
Abwasserreinigung des Kantons Bern mit Schreiben vom 7. Februar 1966 zu einer
Besprechung der Angelegenheit ein. Mit Verfügung vom 24. Februar 1966 stellte die
Baudirektion fest, dass die zur Entnahme aus dem Grundwasser bewilligten 15'000 m3
ausgebeutet seien. Eine Bewilligung zur weiteren Entnahme von Kies aus dem
Grundwasser könne nicht erteilt werden. Dagegen könne auf den beiden Parzellen unter
Einhaltung der in der Bewilligung vom 14. Juni 1962 festgesetzten Bedingungen
weiterhin Kies abgebaut werden. Die offenen Wasserflächen seien mit Schroppen und
72 Verordnung vom 4. Januar 1952 über die Erstellung von Trinkwasserversorgungen und Abwasseranlagen (VTA)
25
Aushubmaterial von der Baustelle Einstellhalle Rathaus bis zum 15. April 1966
aufzufüllen.
 Am 3. August 1976 teilte das Wasser- und Energiewirtschaftsamt des Kantons Bern der
A._ (d. h. der heutigen Beschwerdeführerin) mit, es habe am 2. August 1976
das Schlammabsetzbecken an der Nordwestecke der Parzelle Nr. N._
besichtigt. An verschiedenen Stellen würden fäulnisfähige Abfälle sowie Altwaren aller
Art ins Absetzbecken abgelagert. Die Beschwerdeführerin habe dafür zu sorgen, dass
keine solchen Ablagerungen stattfänden.
Unter Berücksichtigung dieser Umstände erscheint eine Kostenbeteiligung des
Beschwerdegegners als Zustandsstörer im mittleren Bereich der üblichen Kostenteilung als
angemessen. Gründe für eine Anpassung aus Billigkeitsgründen sind keine ersichtlich.
d) Einzige nachweisliche Verhaltensstörerin ist die Beschwerdeführerin bzw. ihre
Rechtsvorgängerin. Sie trägt als ehemalige Inhaberin der Kiesausbeutungsbewilligung und
Betreiberin der Deponie D._ die Hauptverantwortung für das Entstehen der Altlast.
Ihr Kostenanteil ist entsprechend hoch anzusetzen. Entlastend könnte sich für die
Deponiebetreiberin allenfalls auswirken, dass sie die damals geltenden Rechtsnormen
sowie die in der Deponiebewilligung umschriebenen Auflagen ausnahmslos eingehalten
hat. In diesem Fall würde sie als schuldlose Verhaltensstörerin gelten.73 Diese
Voraussetzungen sind jedoch vorliegend nicht erfüllt. Für die Auffüllung der Kiesgrube
nach der Ausbeutung durfte die Beschwerdeführerin nur erdiges und kiesiges Material
sowie Bauschutt verwenden. Die Ablagerung von Kehricht, Papier, Metallen und allen
fäulnisfähigen Stoffen wurde ausdrücklich untersagt. Es ist aktenkundig, dass sich die
Beschwerdeführerin bzw. ihre Rechtsvorgängerin nicht immer daran gehalten hat. Sie gilt
daher nicht als schuldlose Verhaltensstörerin. Eine Entlastung unter diesem Titel kommt
daher nicht in Frage.
Eine Reduktion der Kostenquote kann auch aufgrund der mangelnden Erkennbarkeit der
Gefährlichkeit der Abfallablagerung geboten sein.74 Es ist bekannt, dass früher während
Jahrzehnten ein sorgloser Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen und Abfällen gepflegt
wurde. Praktisch jedes Dorf betrieb seine Gemeindedeponie. So landeten brennbare
Abfälle und teils giftige Produktionsrückstände legal und ungestraft in ausgebeuteten
73 Beatrice Wagner Pfeiffer, a. a. O., S. 132 f.; Gutachten Tschannen/Frick, S. 20 f., Ziff. VI 74 Gutachten Tschannen/Frick, S. 20 f., Ziff. VI
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Kiesgruben oder an ähnlichen Orten. Es ist daher nicht aussergewöhnlich, wenn in der
ehemaligen Deponie D._ Reste von Siedlungs-, Gewerbe- oder Industrieabfällen
enthalten sind. Es handelt sich dabei um ein typisches Beispiel einer Kiesgrube, die in den
50er und 60er Jahren ausgebeutet und aufgefüllt wurde.
Die Beschwerdeführerin gilt daher nicht als schuldlos, ihr Verschulden wiegt aber nicht
besonders schwer. Unter Berücksichtigung dieser Umstände erscheint eine
Kostenbeteiligung der Beschwerdeführerin als Verhaltensstörerin im mittleren Bereich der
üblichen Kostenteilung als angemessen. Gründe für eine Anpassung aus Billigkeitsgründen
sind keine ersichtlich. Zum einen dürfte die Beschwerdeführerin von der Belastung des
Grundstückes profitiert haben. Zum andern macht sie weder geltend, noch ist ersichtlich,
dass die Auferlegung von 80 % der bisher entstandenen Kosten die wirtschaftliche
Tragbarkeit übersteigen würde.
e) Zusammenfassend steht fest, dass die Vorinstanz bei der Festlegung der
Verursacherquoten weder Rechts- noch Ermessensfehler begangen hat. Der gewählte
Verteilschlüssel von 20 % für den Beschwerdegegner als Zustandsstörer und von 80 % für
die Beschwerdeführerin als Verhaltensstörerin ist nicht zu beanstanden. Bei den bisher
entstanden Kosten sind zudem keine Gründe für eine Anpassung aus Billigkeitsgründen
ersichtlich. Die angefochtene Verfügung ist daher zu bestätigen.
Der Verteilschlüssel gilt nicht nur für die bisher entstandenen, sondern dem Grundsatz
nach auch für die künftigen Kosten. Hingegen kann im heutigen Zeitpunkt noch nicht
beurteilt werden, ob bei der Verteilung der künftigen Kosten, die im Zusammenhang mit der
Detailuntersuchung und einer allfälligen Sanierung entstehen werden, Gründe für eine
Anpassung aus Billigkeitsgründen vorliegen werden. Die Vorinstanz wird daher zu
gegebener Zeit zu prüfen haben, ob die an sich korrekt festgesetzte Verursacherquote der
Beschwerdeführerin aus Billigkeitsgründen herabgesetzt werden muss. Allfällige
Ausfallkosten hätte gestützt auf Art. 32d Abs. 3 USG das Gemeinwesen zu tragen.
8. Verjährung
a) In ihrer Replik macht die Beschwerdeführerin geltend, die Ansprüche seien verjährt.
Die Kiesgrube sei seit 1954 betrieben worden. Im Bereich des „Hot spots“ sei bis circa
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1961 gearbeitet worden. Im Jahr 1980 habe die Beschwerdeführerin die Grube dem
Beschwerdegegner zurückgegeben. Die Beschwerdeführerin sei erst 2007 über die
Belastung des Standorts informiert und im Jahr 2008 ins Recht gefasst worden. Somit
seien zwischen der schädigenden Handlung und dem Tätigwerden des Gemeinwesens
über 45 Jahre vergangen. Ein allfälliger vermögensrechtlicher Anspruch des
Gemeinwesens auf Kostenübernahme wäre daher durch Zeitablauf untergegangen.
b) Das Umweltrecht regelt die Verjährung umweltrechtlicher Forderungen nicht. Das
Bundesgericht hat entschieden, dass auch hier die für öffentlichrechtliche Forderungen
übliche fünfjährige Verjährungsfrist gilt.75 Die Verjährungsfrist beginnt allerdings erst zu
laufen, wenn die Massnahmen durchgeführt und die Kosten bekannt sind.76 Solange der
polizeiwidrige Zustand andauert und ein Anspruch auf dessen Beseitigung besteht, beginnt
die Verjährung nicht.77 Die Ansprüche sind daher nicht verjährt.
9. Beweisanträge
a) Die Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegner stellen verschiedene
Beweisanträge. So wird unter anderem ein Parteiverhör, die Einvernahme eines
Ingenieurgeologen und die Edition verschiedener Unterlagen beantragt.
b) Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 21 VRPG). Zum Anspruch
auf rechtliches Gehör gehört das Recht des Betroffenen auf Abnahme der rechtzeitig und
formrichtig angebotenen rechtserheblichen Beweismittel. Indessen steht diese
Verfassungsgarantie einer vorweggenommenen Beweiswürdigung nicht entgegen. Die
Behörde kann auf die Abnahme von Beweisen verzichten, wenn sie aufgrund bereits
abgenommener Beweise ihre Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür annehmen kann,
diese Überzeugung werde durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert.78
c) Die entscheidrelevanten Umstände ergeben sich mit hinreichender Klarheit aus den
Akten. Von den beantragten zusätzlichen Beweismassnahmen sind keine
75 ZBl 1981 S. 370 E. 2; BGE 122 II 26 E. 5 76 BGE 126 II 54 E. 7, 122 II 26 E. 5 77 Hansjörg Seiler, a. a. O., Art. 2 N. 96, mit Hinweisen
78 BGE 134 I 140 E. 5.3
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entscheidwesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten. Aus diesem Grund werden die
Beweisanträge abgewiesen.
10. Kosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen vorliegend einzig aus einer
Pauschalgebühr (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Diese wird festgesetzt auf Fr. 3’000.00 (Art. 103
Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV79).
Laut Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Im vorliegenden Fall obsiegt keine Partei vollständig. Die Beschwerdeführerin
dringt mit ihren Anträgen nicht durch. Der Beschwerdegegner obsiegt zwar mit seinem
Antrag auf Abweisung der Beschwerde, unterliegt aber mit dem Antrag, die Kosten seien
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Unter Berücksichtigung des
jeweiligen Masses des Obsiegens bzw. des Unterliegens gelten die Beschwerdeführerin
als zu zwei Dritteln, der Beschwerdegegner als zu einem Drittel unterliegend. Die
Verfahrenskosten werden entsprechend aufgeteilt.
b) Laut Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei
grundsätzlich die Parteikosten zu ersetzen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV80 beträgt das Honorar in
verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz.
Sind bedeutende vermögensrechtliche Interessen zu wahren, wird auf dem Honorar ein
Zuschlag von bis zu 200 Prozent gewährt (Art. 11 Abs. 2 PKV). Streitig ist in erster Linie
die Bemessung der Verursacherquoten und in zweiter Linie die Verteilung der bisher
entstandenen Untersuchungskosten von Fr. 131'324.10. Es sind zwar
Vermögensinteressen streitig, diese sind aber nicht derart bedeutend, dass sich ein
79 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 80 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811)
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Zuschlag im Sinne von Art. 11 Abs. 2 PKV rechtfertigen würde. Innerhalb des Rahmens
von Art. 11 Abs. 2 PKV bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache
gebotenen Zeitaufwand und der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG81). Den Parteien ist darin zuzustimmen, dass es sich beim
vorliegenden Verfahren unter Berücksichtigung des gebotenen Aufwandes um ein
Verfahren handelt, das viel Zeit und Arbeit beansprucht hat. Insbesondere wurde ein
doppelter Schriftenwechsel durchgeführt, zusätzliche Akten eingeholt und Gelegenheit zu
Schlussbemerkungen gegeben. Zudem erscheinen die Bedeutung und die Schwierigkeit
der Sache als überdurchschnittlich. Die Ausschöpfung des Rahmens von Art. 11 Abs. 1
PKV erscheint daher als angemessen. Demnach wird der Parteikostenersatz für beide
Anwälte festgesetzt auf je Fr. 12'000.00 (inklusive Auslagen und Mehrwertsteuer).
Die Parteikosten werden analog zu den Verfahrenskosten verteilt, das heisst, die
Beschwerdeführerin hat zwei Drittel und der Beschwerdegegner einen Drittel der
Parteikosten zu tragen. Die Beschwerdeführerin hat daher dem Beschwerdegegner einen
Parteikostenersatz in der Höhe von Fr. 4'000.00 zu bezahlen.