Decision ID: 385c79a8-2a11-4409-9bca-c4a5960f902a
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Der Tibeter A._ (Jahrgang B._) flüchtete nach eigenen Angaben
im Frühjahr 2010 aus seiner Heimat, weil er an verschiedenen
regierungskritischen Demonstrationen teilgenommen habe. Seine Ehefrau
und die gemeinsame Tochter habe er zurücklassen müssen. Nach
mehreren Zwischenstationen mit längeren Aufenthalten habe er anfangs
2011 illegal die Grenze nach Nepal überquert. Einen Monat später habe
ihn ein Schlepper im Flugzeug nach Europa gebracht. Wo genau er
landete, wisse er nicht mehr. Am nächsten Tag habe ihn der Schlepper in
einer ca. dreistündigen Autofahrt nach C._ gefahren, wo er am 25.
Januar 2011 im Bundesasylzentrum ein Asylgesuch stellte.
2. Das Bundesamt für Migration (BFM; heute Staatssekretariat für Migration,
SEM) lehnte mit Verfügung vom 22. Februar 2011 das Gesuch ab und wies
A._ aus der Schweiz weg; den Vollzug der Wegweisung schob es zu
Gunsten einer vorläufigen Aufnahme auf.
3. Am 8. Mai 2017 ersuchte A._ das Amt für Migration (AFM) des
Kantons Graubünden um Erteilung einer Aufenthalts-/Härtefallbewilligung.
Das Gesuch wurde vom AFM am 17. Mai 2017 aufgrund der fehlenden
beruflichen Integration abgelehnt. Am 8. Dezember 2017 reichte A._
erneut ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthalts-/Härtefallbewilligung ein;
ausserdem stellte er das Gesuch für einen Familiennachzug für seine
inzwischen nach Indien geflüchtete Ehefrau und Tochter. Das AFM sistierte
die Verfahren am 20. Dezember 2017, weil gleichzeitig das SEM in einem
neuen Verfahren auf eine Denunziation hin die Flüchtlingseigenschaft von
A._ überprüfte.
4. Mit Entscheid vom 31. Mai 2018 aberkannte das SEM A._ die
Flüchtlingseigenschaft und hob die 2011 angeordnete vorläufige Aufnahme
auf. Grund für die Aufhebung war die Erkenntnis, dass A._ bei den
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exiltibetischen Behörden in Indien registriert war, dort seit über 20 Jahren
als anerkannter Flüchtling gelebt hatte und über ein gefestigtes
Aufenthaltsrecht verfügte. Weitere Abklärungen in Indien haben zudem
ergeben, dass A._ vom 9. März 1987 bis am 20. Juni 2000 die
D._ School in E._ besucht habe; die Schule bestätigte zudem,
dass A._ zwar in F._, Tibet bzw. China geboren worden sei,
jedoch seit dem Alter von dreieinhalb Jahren in Indien gewohnt habe.
A._ habe während rund 20 Jahren in der indischen Armee als
Lastwagenfahrer gearbeitet. Mit dem Aufhebungsentscheid wurde A._
eine Frist zur Ausreise aus der Schweiz gesetzt und der Kanton
Graubünden mit dem Vollzug beauftragt.
5. Mit Urteil vom 27. August 2018 wies das Bundesverwaltungsgericht die
gegen die Verfügung des SEM erhobene Beschwerde ab.
6. Das von A._ beim AFM gestellte Gesuch um Gewährung einer
Härtefallbewilligung wurde mit Verfügung am 26. November 2018
abgelehnt. Das AFM begründet seine Verfügung im Wesentlichen damit,
dass A._ die neu aufgetauchten Informationen betreffend dessen
Herkunft nicht habe widerlegen können. Die ursprünglichen, falschen
Angaben zu seiner Person und seiner Herkunft seien aber von zentraler
Bedeutung für den ursprünglichen Entscheid im Asylverfahren gewesen.
Mit den nachträglich bekannt gewordenen Informationen hätte ihm das
SEM weder die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt noch ihn wegen
Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufgenommen.
Vielmehr wäre das SEM auf das Asylgesuch nicht eingetreten, da er in den
Drittstaat Indien hätte zurückkehren können.
7. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Departement für Justiz,
Sicherheit und Gesundheit (DJSG) mit Entscheid vom I._ ab, soweit
es darauf eintrat. Es argumentierte, dass mit dem Wegfall der vorläufigen
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Aufnahme eine zwingende Voraussetzung für die Erteilung einer
Härtefallbewilligung fehle; für die Folge fehlender Parteistellung seien
zudem die Voraussetzungen für die Erteilung einer Härtefallbewilligung
gestützt auf das Asylrecht nicht gegeben. Das DJSG verzichtete darauf,
A._ Verfahrenskosten aufzuerlegen.
8. Dagegen erhob der nicht anwaltlich vertretene A._
(Beschwerdeführer) am 20. März 2019 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und beantragte die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Erteilung einer
Härtefallbewilligung (Jahresaufenthaltsbewilligung aus humanitären
Gründen) mit Unterbreitung seines diesbezüglichen Gesuchs dem
Staatssekretariat für Migration; eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Weiter sei ihm die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Er argumentierte, dass er von
einer Drittperson zu Unrecht denunziert worden sei; es sei ihm nicht
möglich gewesen, zu widerlegen, dass er identisch mit einer bestimmten,
in Indien lebenden Person gleichen Namens sei. Die
Flüchtlingseigenschaft sei ihm zu Unrecht aberkannt worden. Er könne
weder nach China (Tibet) noch nach Indien zurückkehren. Er erfülle
sämtliche Härtefallkriterien.
9. Parallel dazu beantragte der Beschwerdeführer mit Datum vom 15. März
2019 beim DJSG ein Gesuch um Erteilung einer Härtefallbewilligung im
Sinne von Art. 14 AsylG, welches das Departement zuständigkeitshalber
an das AFM weiterleitete. Dieses behandelte das Gesuch und lehnte es mit
Schreiben vom 4. April 2019 formlos ab.
10. Am 5. April 2019 beantragte das Departement die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, unter Kostenfolge zu Lasten
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des Beschwerdeführers und verwies im Wesentlichen auf seine
Argumentation im angefochtenen Entscheid.
11. In seiner Replik vom 10. September 2019 vertiefte der Beschwerdeführer
seine Argumente. Das Departement verzichtete am 17. September 2019
auf eine Duplik.
12. Mit Schreiben vom 19. Januar 2021 zeigt Rechtsanwalt Ebnöther dem
Gericht an, in diesem Verfahren die Interessen des Beschwerdeführers zu
vertreten. Zudem zeigte der Rechtsvertreter dem Gericht an, dass beim
Bundesverwaltungsgericht ein Revisionsverfahren hängig sei hinsichtlich
der Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers und der Aufhebung von
dessen vorläufiger Aufnahme. Zur Untermauerung dieses Vorbringens
legte er in Kopie die Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts ein, mit
welcher dieses den Wegweisungsvollzug für die Dauer der Behandlung
des Revisionsgesuchs aussetzte.
13. Am 28. Januar 2021 sistierte der Instruktionsrichter das
Beschwerdeverfahren bis zum 30. Juni 2021 und forderte den
Beschwerdeführer auf, das Gericht vor Ablauf dieser Frist über den
Revisionsentscheid zu orientieren.
14. Mit Schreiben vom 16. April 2021 sandte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers dem Gericht das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
zu. Dieses wies das Revisionsgesuch mit Urteil vom 31. März 2021 ab. Das
Bundesverwaltungsgericht begründete seinen Entscheid im Wesentlichen
damit, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen sei, glaubhaft zu
machen, dass es sich bei ihm nicht um die gemäss Informationen der
Botschaft in Indien registrierte Person handle und er bis zu seiner Ausreise
in die Schweiz im Jahr 2011 in Tibet gelebt habe. Ganz im Gegenteil
erscheine es als sehr unwahrscheinlich, dass in Indien eine Person mit fast
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gleichem Namen und identischem Geburtsdatum existiere, deren Eltern
auch noch gleich hiessen wie jene des Gesuchstellers. Mit dem Urteil
reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine Arbeitszusage des
G._ Restaurants Bahnhof in H._ ein, wonach er dort in einem
Pensum von 80% arbeiten könne, sobald er über eine entsprechende
Bewilligung verfüge; als Brutto-Monatslohn werden CHF 3'200.-- in
Aussicht gestellt.
15. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers liess dem Gericht mit Hinweis
auf die Sistierungsverfügung das Revisionsurteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 31. März 2021 nochmals zukommen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 49 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide der kantonalen Departemente, soweit diese nicht nach
kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind oder bei einer
anderen Instanz angefochten werden können. Die vorliegend
angefochtene Departementsverfügung vom I._ ist weder endgültig
noch kann sie bei einer anderen Instanz angefochten werden. Damit stellt
sie ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Als Adressat der
angefochtenen Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 50
Abs. 1 VRG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 52 Abs. 1 sowie Art. 38 Abs. 1 und 2 VRG) ist somit
einzutreten.
2. In materieller Hinsicht ist vorliegend zu klären und zu entscheiden, ob der
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Jahresaufenthaltsbewilligung aus
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humanitären Gründen (Härtefallbewilligung) nach Art. 84 Abs. 5 des
Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG; SR 142.20) oder sonst allenfalls nach Art. 14 Abs. 2 des
Asylgesetzes (AsylG; SR 142.31) gehabt hätte. Es geht folglich um die
Rechtmässigkeit und die Rechtsverbindlichkeit des angefochtenen
Entscheids (Verfügung).
2.1. Der Beschwerdeführer rügt, dass die Vorinstanz die gemäss Art. 84 Abs. 5
AIG massgeblichen Kriterien der Integration und Zumutbarkeit einer
Rückkehr in seinen Herkunftsstaat nicht richtig berücksichtigt habe und
dabei unter Verletzung der Bundesverfassung in Willkür verfallen sei.
Ausserdem habe die Vorinstanz sein aus Art. 13 BV und Art. 8 EMRK
fliessende Recht auf Achtung seines Privat- und Familienlebens
missachtet, weil er ohne Härtefallbewilligung im Ergebnis jegliche
berufliche Tätigkeit, die Teilhabe am sozialen Leben und den
Familiennachzug verloren habe. Dies führe auch zu einer Diskriminierung
aufgrund seines Status nach Art. 14 EMRK.
2.2. Das Departement (hiernach Beschwerdegegner) ist der Ansicht, dass
infolge der rechtkräftigen Aufhebung der vorläufigen Aufnahme eine
gemäss Art. 84 Abs. 5 AIG zwingende Voraussetzung für die Erteilung
einer Härtefallbewilligung weggefallen sei. Ob die übrigen Härtefallkriterien
erfüllt seien, müsse deshalb nicht weiter geprüft werden.
2.3. Nach Kenntnis des Gerichts regelt Art. 84 AIG die Beendigung des Status
'vorläufig aufgenommen'. Die Bestimmung befasst sich mit der
umgangssprachlich sogenannten «Umwandlung F in B». Sie ist für die
zahlreichen dauerhaft in der Schweiz anwesenden vorläufig
Aufgenommenen von grosser praktischer Bedeutung und stellt einen
wichtigen Teil dar im Normengefüge, mit welchem insgesamt die Stellung
dieser Personengruppe verbessert und deren Integration gefördert werden
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soll (siehe BOLZLI PETER, Migrationsrecht Kommentar, 5. Aufl., Zürich 2019,
Art. 84 N 1).
Die Bundesvorschrift nach Art. 84 AIG Abs. 1-5 gibt konkret was folgt vor:
1 Das SEM überprüft periodisch, ob die Voraussetzungen für die vorläufige Aufnahme noch gegeben sind. 2 Das SEM hebt die vorläufige Aufnahme auf und ordnet den Vollzug der Weg- oder Ausweisung an, wenn die Voraussetzungen nicht mehr gegeben sind.
3 Auf Antrag der kantonalen Behörden, von fedpol oder des NDB kann das SEM die vorläufige Aufnahme wegen Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit des Vollzugs (Art. 83 Abs. 2 und 4) aufheben und den Vollzug der Wegweisung anordnen, wenn Gründe nach Artikel 83 Absatz 7 gegeben sind.
4 Die vorläufige Aufnahme erlischt mit der definitiven Ausreise, bei einem nicht bewilligten Auslandaufenthalt von mehr als zwei Monaten oder bei Erhalt einer Aufenthaltsbewilligung.
5 Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, werden unter Berücksichtigung der Integration, der familiären Verhältnisse und der Zumutbarkeit einer Rückkehr in den Herkunftsstaat vertieft geprüft.
Im Lichte dieser gesetzlichen Vorgaben ist auch vorliegend zu entscheiden.
2.4. Wird einer Person der Status der vorläufigen Aufnahme entzogen, wie etwa
im vorliegenden Fall wegen falscher Angaben im Asylverfahren, kann die
Härtefallprüfung nach Art. 84 AIG gar nicht mehr zur Anwendung kommen,
weil die Grundvoraussetzung für dieses Prozedere, nämlich der Status der
vorläufigen Aufnahme, nicht mehr gegeben ist. Mit anderen Worten regelt
Art. 84 die Beendigung der vorläufigen Aufnahme, welche u.a. mit der
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung nach Prüfung sämtlicher
Härtefallkriterien erreicht werden kann; ist die vorläufige Aufnahme bereits
vorgängig weggefallen, im vorliegenden Fall eben durch Aberkennung der
Flüchtlingseigenschaft und der vorläufigen Aufnahme nach Art. 84 Abs. 1
und 2 AIG kann sich der Beschwerdeführer gar nicht mehr auf Art. 84 Abs.
5 AIG berufen. Die Vorinstanz hat somit zu Recht angenommen, dass keine
Härtefallprüfung nach Art. 84 AIG vorzunehmen ist. Sicher nicht zu prüfen
ist im kantonalen Verfahren und somit auch nicht in diesem
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Beschwerdeverfahren, ob der Status der vorläufigen Aufnahme zu Recht
entzogen worden ist. Immerhin ist das Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts vom 27. August 2018 in dieser Angelegenheit
in Rechtskraft erwachsen und auch das Revisionsverfahren brachte keine
Änderung. Vor diesem Hintergrund ist auch das Vorbringen des
Beschwerdeführers in seiner Replik unbehelflich, wonach die Denunziantin
einen gefälschten indischen Führerausweis von ihm eingereicht habe.
2.5. Auch die Rügen der Konventionsverletzung sind nicht im Rahmen dieses
Verfahrens bzw. waren nicht im Rahmen des Härtefallgesuchs nach Art. 84
Abs. 5 zu prüfen; wie der Beschwerdegegner hierzu korrekt ausführt, kann
die Härtefallbewilligung in der Situation des Beschwerdeführers (Entzug
der vorläufigen Aufnahme) nur im Rahmen des Asylrechts geprüft werden.
3. Zur Härtefallprüfung nach Art. 14 Asyl ist auf dessen Wortlaut abzustellen:
1 Ab Einreichung des Asylgesuches bis zur Ausreise nach einer rechtskräftig angeordneten Wegweisung, nach einem Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung einer Ersatzmassnahme bei nicht durchführbarem Vollzug kann eine asylsuchende Person kein Verfahren um Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung einleiten, ausser es bestehe ein Anspruch auf deren Erteilung.
2 Der Kanton kann mit Zustimmung des SEM einer ihm nach diesem Gesetz zugewiesenen Person eine Aufenthaltsbewilligung erteilen, wenn: a) Die betroffene Person sich seit Einreichung des Asylgesuchs mindestens fünf Jahre
in der Schweiz aufhält; b) der Aufenthaltsort der betroffenen Person den Behörden immer bekannt war; c) wegen der fortgeschrittenen Integration ein schwerwiegender persönlicher Härtefall
vorliegt; und d) keine Widerrufsgründe nach Artikel 62 Absatz 1 des Ausländer- und
Integrationsgesetzes vom 16. Dezember 2005 vorliegen.
3 Will der Kanton von dieser Möglichkeit Gebrauch machen, so meldet er dies dem SEM unverzüglich.
4 Die betroffene Person hat nur beim Zustimmungsverfahren des SEM Parteistellung.
5 Hängige Verfahren um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung werden mit dem Einreichen eines Asylgesuchs gegenstandslos.
6 Erteilte Aufenthaltsbewilligungen bleiben gültig und können gemäss den ausländerrechtlichen Bestimmungen verlängert werden.
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Diese bundesgesetzlichen Vorgaben sind allseits gültig, rechtsverbindlich
und von Behörden gleichermassen wie Gerichten immer zu beachten.
3.1. Der Beschwerdeführer beschränkt sich dazu bloss auf den Hinweis, dass
sein Härtefallgesuch eben unter dem Asylrecht zu beurteilen und mit Blick
auf die Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK; SR 0.101)
gutzuheissen sei, wenn Art. 84 Abs. 5 AIG nicht zur Anwendung gelangen
könne.
3.2. Der Beschwerdegegner wiederholt, dass aufgrund der Ausschliesslichkeit
des Asylverfahrens eine Härtefallbewilligung für den Beschwerdeführer
einzig im Rahmen von Art. 14 AsylG geprüft werden könne. Im
angefochtenen Entscheid führt der Beschwerdegegner aus, dass dem
Ausländer im Prüfverfahren nach Art. 14 Abs. 2 AsylG keine Parteistellung
zukomme; es fehle beim Beschwerdeführer somit eine objektive
Prozessvoraussetzung, um diese Frage überhaupt prüfen zu können;
ausserdem habe der Beschwerdeführer auch gar kein solches Gesuch
eingereicht.
3.3. Seither hat sich der Sachverhalt insofern entwickelt, als der
Beschwerdeführer während hängigem Beschwerdeverfahren vor
Verwaltungsgericht ein solches Gesuch gestellt hat, welches aber im April
2019 formlos abgewiesen worden ist. An der fehlenden Parteistellung
gemäss Art. 14 Abs. 4 AsylG im kantonalen Verfahren ändert dies jedoch
nichts. Der Beschwerdegegner schildert im angefochtenen Entscheid in
E.2a Abs. 3 den Verfahrensablauf korrekt. Demnach ist ein
entsprechendes Gesuch bei der kantonalen Behörde einzureichen; kommt
diese zum Schluss, dass ein Härtefall vorliegt, leitet sie das Gesuch an das
SEM zur Zustimmung weiter; (erst) im Rahmen des
Zustimmungsverfahrens kommt dem Gesuchsteller Parteistellung zu; ein
negativer Entscheid des SEM kann beim Bundesverwaltungsgericht
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angefochten werden. Verneint die kantonale Behörde aber den Härtefall,
entfällt das Zustimmungsverfahren beim SEM und das Verfahren wird i.d.R.
in der Form einer blossen Mitteilung an den Gesuchsteller und ohne
Beschwerdemöglichkeit abgeschlossen. Das für diese Situation fehlende
Rechtsmittel hat auch schon das Bundesgericht beschäftigt.
3.4. In BGE 137 I 128 (Regeste) (= Praxis 2011 Nr. 72 S. 513 ff.) kam das
Bundesgericht zum Schluss: Das fehlende Rechtsmittel gegen kantonale
Entscheide, die ein Aufenthaltsbewilligungsverfahren laut Art. 14 Abs. 4
AsylG verweigern, verstösst gegen die Rechtsweggarantie nach Art. 29a
BV. Das Bundesgericht kann dies Art. 190 BV zufolge nur feststellen (E.
4.3). Demgegenüber wird damit weder Art. 6 (zivilrechtliche Ansprüche),
Art. 8 (Verletzung des Privatlebens) und 13 (Recht auf wirksame
Beschwerde) EMRK noch Art. 2 Abs. 3 lit. a und Art. 14 Abs. 1 Uno-Pakt II
verletzt (E. 4.4).
In Erwägung 4.3.2. hält das Bundesgericht fest, dass Art. 14 Abs. 4 AsylG
aufgrund der Massgeblichkeit von Bundesgesetzen vom Bundesgericht
anzuwenden sei. Damit ist diese Gesetzesregelung selbstredend auch von
kantonalen Gerichten und Behörden anzuwenden. Der Beschwerdegegner
führt weiter korrekt aus, dass der Gesetzgeber mit der Einschränkung der
Parteistellung verhindern wollte, dass durch die Einreichung unbegründeter
Gesuche und mit der Ausschöpfung des Rechtsmittelwegs auf kantonaler
Ebene der Vollzug von Wegweisungen ungebührlich in die Länge gezogen
werden könnte. Auf Bundesebene lehnte man dann nach der Kritik des
Bundesgerichts eine Änderung von Art. 14 Abs. 4 AsylG ausdrücklich ab
(Motion 10.4107 NR und Stellungnahme Bundesrat vom 11. März 2011).
Art. 14 Abs. 4 AsylG ist somit unverändert in Kraft und ist von den Behörden
und Gerichten anzuwenden.
Folgerichtig dringt der Beschwerdeführer auch mit dieser Rüge nicht durch.
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4.1. Der Beschwerdeführer hat überdies ein Gesuch auf unentgeltliche
Rechtspflege (URP) im Sinne von Art. 76 VRG gestellt. Eine solche
Rechtswohltat wird unter den kumulativ erforderlichen Voraussetzungen
der Bedürftigkeit (Mittellosigkeit Gesuchsteller), der (fehlenden)
Aussichtslosigkeit des Beschwerdeverfahrens und der Verneinung von
Mutwilligkeit am Prozess gewährt; wo es die Verhältnisse rechtfertigen, ist
zudem ein Rechtsbeistand auf Kosten des Staates zu bestellen. Im
konkreten Fall ist das Gesuch um URP bereits aufgrund der klaren
Aussichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen. Der angefochtene
Entscheid hat unmissverständlich aufgezeigt, dass wegen des Entzugs der
vorläufigen Aufnahme ein Härtefallgesuch nach dem Bundesgesetz über
die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (AIG) gar nicht
möglich ist und dass es eine klare Rechtslage zu den Härtefallgesuchen
nach dem Asylgesetz (AsylG) gibt. Einer Beschwerde war deshalb
offensichtlich von Beginn weg keine Aussicht auf Erfolg beschieden.
4.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG dem (unterliegenden) Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Praxisgemäss wird für solche Verfahren eine Staatsgebühr in der Höhe von
CHF 1'500.-- erhoben (statt vieler: Urteil des Verwaltungsgerichts [VGU] U
19 73 vom 16. August 2021 [Ziff. 2 Urteilsdispositiv] oder VGU U 20 95 vom
16. Juni 2021 [Ziff. 2.1. Urteilsdispositiv]).
4.3. Dem Beschwerdegegner steht keine aussergerichtliche Entschädigung zu,
da er lediglich im Rahmen seines amtlichen Wirkungskreises obsiegt hat
(Art. 78 Abs. 2 VRG).