Decision ID: 94eabd82-1ea0-5906-98db-050cd1ece7ac
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am (...) unter Einreichung seines chinesischen
Familienbüchleins («Hukou») in der Schweiz um Asyl nachsuchte und dem
Bundesasylzentrum (BAZ) Bern zugewiesen wurde,
dass er anlässlich der Personalienaufnahme (PA) vom 10. Oktober 2019
angab, chinesischer Staatsangehöriger tibetischer Herkunft zu sein und
seinen Heimatstaat am 10. August 2019 Richtung B._ verlassen zu
haben,
dass er über Thailand, Saudi-Arabien und die Türkei am 5. Oktober 2019
in die Schweiz gelangt sei,
dass ein Abgleich mit dem zentralen Visa-Informationssystem (C-VIS)
ergab, dass der Beschwerdeführer am 26. April 2019 bei der französischen
Botschaft in Mumbai, Indien, unter der Identität C._ und der Vorwei-
sung eines am (...) ausgestellten, zehn Jahre gültigen indischen Reisepas-
ses erfolglos ein Schengen-Visum beantragt hatte,
dass Abklärungen bei den französischen Behörden ergaben, dass das im
Rahmen des Visumsantrags vom Beschwerdeführer eingereichte Doku-
ment versehentlich als «Pass» statt «Identity Certificate» (IC) bezeichnet
worden sei,
dass der Beschwerdeführer am 31. Oktober 2019 summarisch zu seiner
Person, dem Reiseweg und den Asylgründen angehört wurde und am
21. November 2019 eine Anhörung nach Art. 29 AsylG (SR 142.31) statt-
fand, wobei ihm auch das rechtliche Gehör zu einer allfälligen Rückkehr
nach Indien gewährt wurde,
dass der Beschwerdeführer angab, aufgrund der Teilnahme an Protest-
kundgebungen ausgereist zu sein und sich von 2009 bis ungefähr im Au-
gust 2019 als Mönch illegal in Indien aufgehalten zu haben,
dass er sich danach wieder in seinen Heimatstaat begeben habe, bevor er
im August 2019, von den chinesischen Sicherheitsbehörden entdeckt, er-
neut ausgereist sei,
dass das SEM in seinem Schreiben vom 22. November an die indische
Botschaft in Bern mitteilte, dass C._ alias D._. über ein am
(...) ausgestelltes, bis am (...) gültiges indisches IC verfüge, und diese um
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die grundsätzliche Zusicherung der Rückkehrmöglichkeit des Beschwerde-
führers nach Indien ersuchte,
dass dieses Ersuchen unbeantwortet blieb und der Beschwerdeführer glei-
chentags dem erweiterten Verfahren zugewiesen wurde,
dass das SEM mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 25. Februar
2020 in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c AsylG auf das Asylgesuch
des Beschwerdeführers nicht eintrat und seine Wegweisung nach Indien
anordnete, wobei es den Vollzug in die Volksrepublik China ausschloss,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. März 2020 beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde erhob,
dass die Akten der Vorinstanz dem Bundesverwaltungsgericht am 4. März
2020 in elektronischer Form vorlagen (Art. 109 Abs. 3 AsylG),

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls über Be-
schwerden gegen Verfügungen (Art. 5 VwVG) des SEM in der Regel – so
auch vorliegend – endgültig entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33
VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist (Art. 105
AsylG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 VwVG),
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass es sich vorliegend, wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche
handelt, weshalb der Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen
ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
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dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG vorliegend auf einen Schriften-
wechsel verzichtet wurde,
dass das SEM gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf ein Asylgesuch
nicht eintritt, wenn die asylsuchende Person in einen sicheren Drittstaat
nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren kann, in welchem sie sich
vorher aufgehalten hat,
dass das SEM in der angefochtenen Verfügung feststellte, dass sich der
Beschwerdeführer nach eigenen Angaben kurz vor der Einreise in die
Schweiz und nachweislich ungefähr zehn Jahre lang von 2009 bis unge-
fähr August 2019 in Indien aufgehalten habe,
dass er im Weiteren nach dem Auszug der Visa-Datenbank am (...) bei der
französischen Botschaft in E._ unter der Identität C._ mit
einem IC erfolglos ein Schengen-Visum beantragt habe,
dass die Angaben des Beschwerdeführers im Rahmen des rechtlichen Ge-
hörs, wonach er in Indien illegal gelebt habe, ihm das IC 2019 im Rahmen
der Losziehung im Kloster ausgestellt worden sei und der Schlepper das
Visum für ihn auf der französischen Botschaft beantragt und das IC danach
verloren habe, unglaubhaft seien,
dass vielmehr davon auszugehen sei, dass der Beschwerdeführer weiter-
hin im Besitz eines gültigen IC sei, welches die Funktion eines indischen
Fremdenpasses habe, welche es Exiltibetern wie dem Beschwerdeführer
erlaube, ins Ausland zu reisen und nach Indien zurückzukehren,
dass der Beschwerdeführer aufgrund des Fremdenpasses im Weiteren
über einen rechtlichen Status in Indien verfüge, der ihm als in China ge-
fährdeten Tibeter effektiven Schutz vor einer Rückschiebung biete, zumal
der Bundesrat Indien als sicheren Drittstaat bezeichnet habe, weshalb der
Wegweisungsvollzug nach Indien zulässig sei,
dass schliesslich weder allgemeine noch individuelle Gründe gegen die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des jungen, laut Aktenlage gesun-
den Beschwerdeführers mit Beziehungsnetz in Indien (exilpolitische
Mönchsgemeinschaft des F._ in Südindien) sprechen würden,
dass der Wegweisungsvollzug auch als möglich zu erachten sei, da der
Bundesrat in seiner Botschaft zur Änderung des Asylgesetzes vom 4. Sep-
tember 2002 (02.060) bei einer Wegweisung in einen Drittstaat zwar die
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Rückübernahmezusicherung des Drittstaates als Voraussetzung vorgese-
hen habe, indessen aufgrund der unglaubhaften Angaben des Beschwer-
deführers bezüglich des Aufenthaltsstatus in Indien sowie der Ausweisdo-
kumente davon ausgegangen werden könne, dass dieser weiterhin im Be-
sitz des IC sei und daher auch nach Indien zurückkehren könne,
dass die Tatsache, dass die entsprechende Anfrage des SEM an die indi-
sche Botschaft in Bern unbeantwortet geblieben sei, an dieser Einschät-
zung nichts ändere,
dass das SEM zwar vorliegend nicht prüfen könne, ob das IC des Be-
schwerdeführers mit dem entsprechenden Stempel «No objection to return
to India» (NORI-Stempel) versehen sei und der Beschwerdeführer damit
über ein Rückreisevisum verfüge, indessen ein fehlender Stempeleintrag
die Durchführung des Wegweisungsvollzugs zwar erschweren, aber kei-
neswegs verunmöglichen würde (vgl. BVGE 2008/34 E.12),
dass das Bundesverwaltungsgericht in Übereinstimmung mit dem SEM
zum Schluss gelangt, dass der Beschwerdeführer unwahre Angaben zu
seiner Identität und zu seinem Aufenthalt vor seiner Einreise in die Schweiz
gemacht hat,
dass vielmehr davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer weiterhin
im Besitz eines gültigen IC ist, welches die Funktion eines indischen Frem-
denpasses hat, welche es Exiltibetern wie dem Beschwerdeführer erlaubt,
ins Ausland zu reisen und nach Indien zurückzukehren, unabhängig davon,
ob bereits ein Rückreisevisum vorliegt, ist es doch dem Beschwerdeführer
zuzumuten, sich bei der zuständigen Vertretung die allenfalls benötigten
Rückkehrbestätigungen zu beschaffen,
dass der Beschwerdeführer somit nach Indien zurückkehren kann, wo er
sich nachweislich ungefähr zehn Jahre von 2009 bis ungefähr im August
2019 in Indien aufgehalten hat,
dass es sich bei Indien um einen Drittstaat handelt, der effektiven Schutz
vor Rückschiebung bietet und die Ausnahmeklausel von Art. 31a Abs. 2
AsylG deshalb vorliegend nicht zur Anwendung gelangt,
dass im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden kann, welche durch die Argumentation in der Beschwerde, wel-
che sich in einer Wiederholung der bereits im Rahmen des vorinstanzlichen
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Verfahrens geltend gemachten Vorbringen erschöpft, nicht entkräftet wer-
den können,
dass das SEM somit zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. c
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist,
dass die Ablehnung eines Asylgesuchs oder das Nichteintreten auf ein
Asylgesuch in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz zur Folge hat
(Art. 44 AsylG), vorliegend der Kanton keine Aufenthaltsbewilligung erteilt
hat und zudem kein Anspruch auf Erteilung einer solchen besteht (vgl.
BVGE 2013/37 E 4.4, 2009/50 E. 9, je m.w.H.), weshalb die verfügte Weg-
weisung im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen steht und dem-
nach vom Staatssekretariat zu Recht angeordnet wurde,
dass das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen Bestim-
mungen über die vorläufige Aufnahme regelt, wenn der Vollzug der Weg-
weisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht möglich ist (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration [AIG, SR 142.20]),
dass auch bezüglich der Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des
Wegweisungsvollzugs auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
verwiesen werden kann, welche in der Beschwerde durch die blossen Be-
hauptungen und allgemeinen Ausführungen nicht entkräftet werden,
dass nach dem Gesagten die Anordnung einer vorläufigen Aufnahme in
der Schweiz ausser Betracht fällt, womit die Anordnung des Wegweisungs-
vollzuges zu bestätigen ist,
dass die angefochtene Verfügung Bundesrecht nicht verletzt, den rechts-
erheblichen Sachverhalt richtig oder vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1
AsylG) und – soweit überprüfbar – angemessen ist, weshalb die Be-
schwerde abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
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