Decision ID: 5abf640e-bc32-5c6d-adec-d67067961b69
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
+
Y._
,
geboren 1953 und
verstorben am
3.
April 2018
,
erhielt ab Februar 2012 eine halbe Invalidenrente ausgerichtet (Urk. 14/
45/30). Am 10.
Juni 2013 stellten er
und
seine
Ehefrau
X._
, geboren 1954, ein Gesuch um Ausrichtung von Zusatzleistungen zur
Invalidenrente
von
+
Y._
und legten dem Gesuch verschiedene Unterlagen zur Darlegung ihrer finanziellen Verhältnisse bei (Urk. 14/45/
1-
2,
Urk.
14/45/4 ff.).
Mit Verfügung vom 2
6.
Juni 2013 sprach die
Stadt Winterthur, Zusatzleistungen zur
AHV
/IV (nachfolgend: Durchführungsstelle), den Gesuchstellern mit Wirkung ab Mai 2013 monatliche Zusatzleistungen in der Höhe von
Fr.
766.-- zu (Urk. 14/44).
Am
9.
Juli 2013
informierten
+
Y._
und
X._
die Durchführungs
stelle über
eine Änderung ihrer finanziellen Verhältnisse
(
Wegfall bislang bezo
gener
Taggelde
r der Arbeitslosenversicherung;
vgl.
Urk. 14/41/1-6). Mit Verfü
gung vom 1
1.
Juli 2013 erhöhte die Durchführungsstelle den Leistungsanspruch per Juli 2013 auf
Fr.
2'489.-- monatlich (Urk. 1
4/40).
Per April 2014
sodann
setzte die Durchführungsstelle den Anspruch auf
Fr.
2'542.-- monatlich fest (Urk.
14/36/1) und ab Januar 2015 betrug der monatliche Anspruch auf Zusatz
leistungen
Fr.
2'584.-- (Urk. 14/31).
1.2
Am 2
6.
Januar
2015
forderte
die Durchführungsstelle
das Ehepaar
auf, zwecks Neuberechnung der Zusatzleistungen verschiedene Unterlagen ein
zureichen (
Urk.
14/28/44). Gestützt auf die von
+
Y._
und
X._
eingereichten Unterlagen zu ihren aktuellen finanziellen Verhältnissen (Urk. 14/28/2 ff.) stellte die Durchführungsstelle mit Verfügung vom 2
4.
April 2015 fest, ab April 2014 betrage der laufende monatliche Anspruch
Fr.
2'644.-- (Urk. 14/27).
Ab Januar 2016 errechnete die Durchführungsstelle sodann einen monatlichen Anspruch von
Fr.
2'669.-- (Urk. 14/26) und ab Januar 2017 einen solchen von
Fr.
2'701.-- (Urk. 14/23).
1.3
Im März 2017 leitete die Durchführungsstelle eine periodische Überprüfung des Zusatzleistungsanspruchs ein (Urk. 14/22/39).
+
Y._
und
X._
reichten daraufhin
wiederum
Unterlagen zu ihren finanziellen Verhältnissen ein (Urk. 14/22/2 ff.). Mit
zwei
Verfügung
en
vom
1
4.
März 2017 setzte die Durch
führungsstelle den monatlichen Anspruch auf Zusatzleistungen ab Januar 2017 neu auf
Fr.
1'903.--
fest und forderte für die Zeit
von
Mai 2013 bis März 2017
zuviel
bezogene Leistungen in der Höhe von
Fr.
36'158.-- zurück (Urk. 14/20-21).
Am 1
0.
April 2017 erhoben
+
Y._
und
X._
Einsprac
he und stellten den Antrag, der Entscheid der
Durchführungsstelle sei bezüglich und im Umfang der Rückerstattung in der Höhe von
Fr.
36'158.-- teilweise aufzuheben (Urk. 14/18).
Mit
Einspracheentscheid
vom
6.
Oktober 2017
hiess die Durchfüh
rungsstelle die Einsprache unter Verweis
ung
auf zwei gleichzeitig erlassene Ver
fügungen teilweise gut.
Den laufenden monatlichen
Anspruch
ab Januar 2017 setzte sie auf
Fr.
1'937
.--
fest und
reduzierte
die Rückforderung auf Fr.
34'403.-- (Urk. 2 =
Urk.
14/13,
Urk.
3/4-5 =
Urk.
14/11/2-3).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
6.
Oktober
2017, unter Einschluss der Ver
fügung
en
gleichen Datums,
erhoben
+
Y._
und
X._
, vertreten durch
Rechtsanwalt
Dr.
Christian
Rioult
,
Meilen
,
mit Eingabe vom
6.
November 2017 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren,
die Entscheide seien aufzuheben und es sei
die
Rückerstattung von Mai 2013 bis März 2017
im Betrag
von
Fr.
34'403.-- teilweise aufzuheben. In prozessualer Hinsicht beantragten
+
Y._
und
X._
die Widerherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde, die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und die Bestellung eines unentgeltlichen Recht
s
vertreters (Urk. 1). Die Durchführungs
stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 2
0.
März 2018 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 10).
Am 1
9.
April 2018 teilte der Vertreter der Beschwerdeführenden mit,
+
Y._
sei am
3.
April 2018 verstorben (Urk. 15). Mi
t
Verfügung vom 1
7.
Mai 2018
stellte das Gericht die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder her. Das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters wies es ab. Ferner sistierte es den Prozess bis zum Entscheid über den Antritt der Erb
schaft von
+
Y._
(Urk. 17).
Am 2
7.
Juli 2018 liess
X._
unter Beilegung des Erbscheines des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelrichter in Erbschaftssachen, vom 1
1.
Juli 2018
mitteilen,
sie sei
Alleinerbin von +
Y._
und der
Prozess
sei mit Rücksicht auf sie als Beschwerdeführerin
weit
erzuführen (Urk. 19 f.). Am 16.
August 2018 hob das Gericht die Sistierung auf (Urk. 21).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Das Ehepaar
+
Y._
und
X._
erhob
gegen den
Einspracheentscheid
vom
6.
Oktober 2017
am
6.
November 2017
gemeinsam Beschwerde (Urk.
1). Am 3.
April 2018 verstarb +
Y._
(Urk.
16
)
, woraufhin der Prozess bis zum Entscheid über den Antritt
der Erbschaft von +
Y._
sistiert wurde (Urk. 17)
.
Gemäss
Erbschein des Einzelgerichts in Erbschaftssachen des Bezirksgerichts Winterthur vom 1
1.
Juli 2018 ist
X._
Alleinerbin von +
Y._
(Urk.
20).
Den Erbschein
reichte sie a
m 2
7.
Juli 2018
ein und beantragte
, die Sistierung
des Prozesses sei
aufzuheben und mit Rücksicht auf sie als verbleibende Beschwerdeführerin weiterzuführen (Urk. 19). Am 1
6.
August 2018 hob das Gericht die Sistierung auf (Urk. 21)
.
Einzige verbleibende Beschwer
deführerin ist
X._
.
2
.
2
.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheides
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (
BGE
131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Gemäss
Art.
52
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
)
kann gegen Verfügungen innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrensleitende Verfügungen. Gegen
Einspracheentscheide
oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache ausgeschlossen ist, kann beim kan
tonalen Versicherungsgericht Beschwerde eingereicht werden (
Art.
56
Abs.
1 und
Art.
57
ATSG
). Die Beschwerde kann daher grundsätzlich erst gegen einen
Ein
spracheentscheid
erhoben werden (vgl.
Kieser
,
ATSG
-Kommentar,
3.
Auflage, Zürich 2015,
Art.
56 N 12).
2
.2
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind gestützt auf
Art.
25
Abs.
1 Satz 1
ATSG
in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (
ELG
)
zurückzuerstatten.
Der Rückforderungsanspruch erlischt
gemäss
Art.
25
Abs.
2
ATSG
mit dem Ab
lauf eines Jahres, nachdem die
Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrich
tung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer straf
baren Handlung
hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungs
frist vorsieht, so ist diese Frist massgebend.
Bei den genannten Fristen handelt
es sich um Verwirkungsfristen.
Unter der Wendung "nachdem die Versicherungs
einrichtung davon Kenntnis erhalten hat", ist der Zeitpunkt zu verstehen, in dem die Verwaltung bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erken
nen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen, oder mit andern Worten, in welchem sich der Versicherungsträger hätte Rechenschaft geben müssen über Grundsatz, Ausmass und Adressat des Rückforderungsan
spru
chs (
BGE
140 V 121 E. 2.1
, Urteil des Bundesgerichts 9C_559/2017 vom 1
7.
Oktober
2017
, E. 2).
Geht der unrechtmässige Leistungsbezug auf einen Fehler des Versicherungs
trägers zurück, beginnt die einjährige Frist nicht mit der Leistungsausrichtung zu laufen. Massgebend ist vielmehr der (spätere) Zeitpunkt, in welchem der Ver
sicherungsträger anlässli
ch einer Ko
ntrolle
zumutbarerweise
den Fehler hätte ent
decken können.
Im Bereich der Ergänzungsleistungen ist im Besonderen zu beachten, dass eine unrechtmässige Leistungsausrichtung spätesten
s
im Rahmen der periodischen, mindestens alle vier Jahre vorzunehmenden Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse
im Sinne von
Art.
30 der
Verordnung über Ergän
zungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV)
als erkennbar gilt.
Die relative einjährige Verwirkungsfrist beginnt demnach zu laufen, sobald der Rückforderungsanspruch als solcher sowie deren Betrag fest
steht (
Kieser
,
ATSG
-Kommentar,
3.
A., Zürich 2015,
Art.
25
Rz
58 mit weiteren Hinweisen).
3
.
Gleichentags mit dem
Einspracheentscheid
vom
6.
Oktober 2017
(Urk. 2) hat die Beschwerdegegnerin
zwei Verfügungen erlassen. Die eine enthält die Neuberech
nung des Zusatzleistungsanspruchs per Mai 2013 (Urk. 3/5) und die andere die Berechnung der Rückforderungssumme (Urk. 3/6). Im Dispositiv des
Einsprache
entscheides
(Dispositiv
Ziff.
II) verwies die Beschwerdegegnerin auf diese beiden Verfügungen (Urk. 2 S. 4).
Die
Beschwerdeführerin
stellt
sich auf den Standpunkt, gegen die beiden mit dem
Einspracheentscheid
erlassenen Verfügungen vom
6.
Oktober 2017 sei
nicht zunächst wiederum Einsprache zu erheben, sondern die darin getroffenen Anordnungen
seien
ebenfalls im
Beschwerdeverfahren über
prüfbar
(Urk. 1 S.
3
f
.). Dieser Auffassung ist beizupflichten.
Die beiden Verfü
gungen, das heisst deren Inhalt, sind gemäss Dispositiv
Ziff.
II explizit integrie
render Bestandteil des
Einspracheentscheides
(Urk. 2 S. 4). Eine eigenständige Anfechtung derselben
ist
damit nicht erforderlich
. Deren Regelungsgegenstand ist unmittelbar Teil des mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
bestimmten Rechtsverhältnisses.
4
.
4
.1
Strittig ist
der Umfang der
Rückforderung im Zusammenhang mit der rückwir
kenden Berücksichtigung des Freizügigkeitsguthabens von +
Y._
in der Berechnung des Zusatzleistungsanspruchs
. Die übrigen Aspekte
d
er Neu
berechnung respektive der
Rückforderung
(Erbschaft von +
Y._
,
Einmalzahlung der Pensionskasse von +
Y._
,
Reduktion von
AHV
-Beiträge
n
von
X._
;
Urk.
2 S. 2,
Urk.
14/22/1)
bemängelte
die
Beschwerdeführerin
nicht. Dies ergibt sich
einerseits
eindeutig aus der Beschwer
de
schrift
(Urk. 1 S. 4 f. u. S. 7), andererseits aber
auch
aus den Ausführungen in der Einsprache
vom 1
0.
April 2017
(Urk. 14/18 S. 2 f.).
4
.2
Z
ur rückwirkenden Neuberechnung
und zur Rückforderung
im Zusammenhang mit dem Freizügigkeitsguthaben von +
Y._
führte die Beschwerde
gegnerin aus, am 1
0.
Mai 2013
habe das Ehepaar
um Ausrichtung von Zusatzleistungen ersucht und unter anderem auch
einen Beleg zum Freizü
gigkeitskonto
von +
Y._
bei der Raiffeisen Freizügigkeitsstiftung mit
dem
seinerzeitigen Wert
von
Fr.
113'750.15 eingereicht. Im Gesuchformular sei der Wert des Freizügigkeitskontos jedoch
nur
mit
Fr.
1.-- angege
ben
worden
. Gestützt auf die Angaben
im
Gesuch seien den Beschwerdeführenden mit Verfü
gung vom 2
6.
Juni 2013 Zusatzleistungen zugesprochen worden.
Im April 2015 hätten die Beschwerdeführenden
erneut
B
elege zu ihren finanziellen Verhältnis
sen eingereicht, unter anderem ein
en aktuellen
Auszug
zum Freizügigkeitskonto bei der R
aiffeisen Freizügigkeitsstiftung
. Mit Verfügung vom 2
4.
April 2015 seien die eingereichten Belege verarbeitet worden. Das Freizügigkeitsguthaben
bei der Freizügigkeitsstiftung sei
aber
wiederum
unberücksichtigt geblieben. Mit der Revision der Zusatzleistungen mit
tel
s
Verfügung vom 1
4.
März 2017
sei schliess
lich
das Freizügigkeitsguthaben bei der Raiffeisen Freiz
ügigkeitsstiftung
rückwir
kend
in seiner effektiven Höhe
in die Berechnung miteinbezogen
worden (Urk. 2 S. 2).
4
.3
Die
Beschwerdeführerin macht
geltend, der Rückforderungsanspruch im Zusam
menhang mit der Anrechnung des Freizügigkeitsguthabens sei verwirkt. Die Ein
kommens- und Vermögenslage sei anlässlich des Gesuchs im Juni 2013 vollstän
dig deklariert worden, namentlich auch das Freizügigkeitsguthaben. Bei der ersten periodischen Überprüfung, die mi
t Verfügung vom 2
4.
April 2015
abge
schlossen
worden sei, seien erneut umfassend die finanziellen Verhältnisse dar
gelegt worden. Dies habe die Beschwerdegegnerin im Übrigen auch anerkannt. Die einjährige Verwirkungsfrist habe spätestens mit dem Erlass der Verfügung vom 2
4.
April 2015, der
eine
Überprüfung des Leistungsanspruchs vorausgegan
gen sei, zu laufen begonnen. Mit dem zumutbaren Einsatz wäre es der Beschwer
degegnerin möglich gewesen, die
bis dahin
unvollständige Berücksichtigung des Freizügigkeitsguthabens zu korrigieren. Effektiv sei dies erst mit der Verfügung vom 1
4.
März 2017 gesc
hehen. Zu diesem Zeitpunkt aber
sei der Anspruch auf Rückforderung
bereits
verwirkt gewesen (Urk.
1 S. 6
f.).
5
.
5
.1
Korrekt ist, dass
+
Y._
und
X._
im Rahmen des Erstgesuchs (Urk. 14/45/1)
die zur Darlegung ihrer finanziellen Verhältnisse relevanten Unterlagen eingereicht haben
(Urk. 14/45/5 ff.)
, darunter auch de
n
Beleg zum Freizügigkeitsguthaben von +
Y._
bei der Raiffeisen Freizügig
keitsstiftung
. Dieses bel
ief sich seinerzeit
auf Fr.
113'750.15
(
Valuta 6. März 2013;
Urk.
14/45/10
)
.
Beim
Übertrag
der Angaben
in
den Unterlagen
ins
schrift
liche Gesuch
kam
es zu einem Fehler. Die Höh
e des
Freizügigkeitsg
uthabens
wurde fälschlicherweise
mit
Fr.
1.-- angegeben.
Das
formularartig redigierte
Ges
uch
wurde
nicht
vom Ehepaar
, sondern
am
5.
Juni 2013
vom zuständigen Sachbearbeiter
der Durchführungsstelle
(
Z._
) aufgesetzt
. Dies ist explizit so vermerkt
.
Das Ehepaar
unterzeichnete
dieses in der Folge am 1
0.
Juni 2013
(Urk.
3/8
S. 4)
. Ob der Fehler von ihnen erkannt wurde, ist offen
und
liesse sich nachträglich
auch nicht
mehr klären. Eine Missachtung der Meldepflicht
macht
die Beschwerdegegnerin
aufgrund der Sachlage
zu Recht nicht
geltend
.
5
.2
D
ie Beschwerdegegnerin
erkannt
e
den Fehler nicht, stützte
sich auf die Angaben im Gesuch (vgl.
Urk.
3/8 S. 2)
und
errechnete
demgemäss
ein
zu geringes
Rein
vermögen
. In der der Leistungsverfügung vom 2
6.
Juni 2013
beigefügten
Berech
nung der Zusatzleistung ab dem Mai 2013
(vgl.
Urk.
14/44 S.
3
) ist
insgesamt nur
ein
Reinv
ermögen von
Fr.
73'385.-- aufgeführt.
Auch im Rahmen der Neuberech
nung per April 2015
ging die Beschwerdegegnerin von einem Reinvermögen ohne das Freizügigkeitsguthaben von +
Y._
aus (Urk
. 14/27 S. 4 ff.). Zuv
or hatte das Ehepaar
allerdings
einen aktuellen Beleg zum Frei
zügigkeitsguthaben von +
Y._
bei der Raiffeisen Freizügigkeitsstif
tung eingereicht. Dieses hatte per 3
1.
Dezember 2014 einen Wert von
Fr.
115'546.45
aufgewiesen
(Urk. 14/28/5).
Auch den Stand des
Guthabens per Ende Dezember 2016 teilten
+
Y._
und
X._
der Beschwerdegegne
rin aufforderungsgemäss mit (
Fr.
116'289.05;
v
gl.
Urk.
14/22/6, Urk. 14/22/38
f.). Beim Erlass
der Verfügung vom 1
4.
März 2017
korrigierte die
Beschwerdegegne
rin
indessen
den Fehler
rückwirkend per Anspruchsbeginn und berechnete das Reinvermögen
nunmehr
unter Einschluss des Freizügigkeitsguthabens
(Urk.
14/2
1
S.
4
ff.,
Urk.
14/22/1
).
Dies hatte die strittige Rückforderung zur Folge.
6
.
6
.1
Nach Ansicht der
Beschwerdeführerin
fällt der Beginn der einjährigen Verwir
kungsfrist gemäss
Art.
25
Abs.
2 Satz 1
ATSG
auf den Zeitpunkt des Erlasses der
Verfügung vom 2
4.
April 201
5.
Sie geh
t
davon aus, 2015 habe die Beschwerde
gegnerin eine periodische Überprüfung im Sinne des Leistungsanspruchs durch
geführt
(Urk. 1 S. 7). Dieser
Standpunkt
war
bereits im
Einspracheverfahren
vertreten
worden
(Urk. 14/18 S. 2 f.). Die Beschwerdegegnerin hat sich nur zum Aspekt der absoluten Verwirkung der Rückforderung innert fünf Jahren
geäus
sert
, nicht aber zur Frage der relativen Verwirkung des Rückerstattungsanspruchs innert Jahresfrist (vgl.
Urk.
2 S. 3).
6
.2
Eine periodische Überprüfung des Leistungsanspruchs im formellen Sinne führt die Durchführungsstelle gemäss
Art.
30 ELV
mindestens
alle vier Jahre durch.
Eine solche lag der Verfügung vom 2
4.
April 2015 (Urk. 14/27) nicht zu Grunde. Im Januar 2015 teilte die Durchführungsstelle den Beschwerdeführenden mit, sie führe eine Neuberechnung des Zusatzleistungsanspruchs durch (Urk. 14/28/44). Da zu diesem Zeitpunkt noch kein mindestens vierjähriger Leistungsanspruch vorlag, ist dies nicht zu beanstanden. Eine periodische Überprüfung des Leis
tungsanspruchs im formellen Sinne kündigte die Beschwerdegegnerin de
r
Beschwerdeführe
rin und deren verstorbenem Ehemann
erst am
3.
März 2017
an (Urk. 14/22/39), das heisst
im
Hinblick auf die nachfolgend am 1
4.
März 2017 erlassene Verfügung
(Urk. 14/21).
6
.3
Im Bereich der Ergänzungsleistungen gilt eine unrechtmässige Leistungsausrich
tung spätestens im Rahmen der periodischen, mindestens alle vier Jahre vorzu
nehmenden Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Sinne von
Art.
30 ELV als erkennbar.
Allerdings gilt auch
hier der Grundsatz, dass
effektiv
der Zeit
punkt massgebend ist, in welchem der Versicherungsträger anlässlich einer Kon
trolle
zumutbarerweise
den Fehler hätte entdecken können (vgl. vorstehende E. 1.2).
Am 3
1.
März 2015 reichten die Beschwerdeführe
rin
und deren verstobener Ehemann
nebst
anderem einen aktuellen Auszug über d
essen
Freizügigkeitsgut
haben bei der Raiffeisen Freizügigkeitsstiftung ein (
Urk.
7/28/5, Urk. 14/28/40). Hatte dieses per
7.
März 2013
noch einen Wert von
Fr.
113'750.15
(Urk. 14/
45/10)
, betrug
dieser
per Ende
Dezember 2014 neu
Fr.
115'546.4
5.
Gemäss
Art.
25
Abs.
1
lit
. c ELV ist eine voraus
sichtlich längere Zeit dauernde
Verminderung oder Erhöhung der anerkannten Ausgaben oder der anrechenbaren Einnahmen sowie des Vermögens bei der jährlichen Berechnung der Ergänzungs
leistungen und nicht erst bei der periodischen Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu berücksichtigen.
Aufgrund des eingereichten Belegs zum Freizü
gigkeitsguthaben hätte sich für die Durchführungsstelle die Prüfung aufgedrängt, ob
sich
eine Veränderung zur früheren Berechnung
sgrundlage ergeben hat
. Dies umso mehr, als der
ursprünglichen
Berechnung ein Freizügigkeitsguthaben von
Fr.
1.-- zu Grunde
gelegt worden war
und nunmehr ein solches von
Fr.
115'546.25 mitgeteilt wurde.
Mithin bestand eine auffällige Differenz.
Ein kurzer Vergleich der neu eingereichten Unterlagen mit den Zahlen anlässlich der Erstberechnung
hätte die Beschwerdegegnerin ohne Weiteres den Irrtum
erken
nen lassen
. Tatsächlich aber unterblieb eine
solche Prüfung, was die
Beschwer
degegnerin
einzig sich selber
zu
zuschreiben hat
. Es rechtfertigt sich
somit
,
p
er Erlass der Verfügung vom 24.
April 2015 vom Beginn der einjährigen Verwir
kungsfrist auszugehen. Bei der Korrektur des Berechnungsfehlers mit Verfügung vom 1
4.
März 2017 w
ar die Frist verstrichen und der
Rückforderung
sanspruch demnach
verwirkt.
6
.4
Eine Rückforderung im Zusammenhang mit der anfänglich fehlerhaften und der später rückwirkend korrigierten Anrechnung des Freizügigkeitsguthabens von +
Y._
ist nach dem Gesagten nicht
mehr
möglich.
D
ie Beschwerde
ist
begründet. D
er am 1
4.
März 2017
verfügten
und im
Einspracheverfahren
teil
weise angepasste
n
Rückforderung
liegen
allerdings
nicht nur der geprüfte
Aspekt
, sondern weitere, im Besch
werdeverfahren nicht bemängelte
Betreffnisse
zur Grunde
(
Erbschaft und BVG-Rente von +
Y._
,
AHV
-Beiträge
X._
;
vgl.
Urk.
14/22/1)
.
Die Beschwerdegegnerin hat diese im Quantitativ aber nicht genauer dargelegt.
Nicht
aufgeführt
ist auch, in welchem Umfang bei der Berechnung der Rückforderung voraussichtlich fällige Steuern auf Kapital
zahlungen berück
sichtigt wurden (vgl.
Urk.
2 S. 3 f.). Es
rechtfertigt sich
somit,
die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(
§
26
des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
)
, damit diese
im Sinne der Erwägungen
unter Ausscheidung der
Betreffnisse
im
Zusammenhang mit dem
Freizügigkeits
guthaben von +
Y._
bei der Raiffeisen Freizügigkeitsstiftung
über die Rückforderung
erneut
entscheide
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
7
.
D
ie
anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin
hat
gestützt auf
Art.
61
lit
. g
ATSG
Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gemäss
§
34
Abs.
1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwie
rigkeit des Prozesses festzusetzen. Unter Berücksichtigung der genannten Aspekte erweist sich e
ine Entschädigung von Fr. 2’0
00
.-- als angemessen (inkl. Mehrwert
steuer und Barauslagen).