Decision ID: c59a0670-d83f-4e1d-9b38-7b4923276fb8
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ arbeitete von 1988 bis 2003 als Küchenhilfe im B._ und war danach bis
und mit Februar 2008 als Raumpflegerin in einer Reinigungsfirma angestellt. Vom 1.
März 2008 bis zum 20. Juni 2008 arbeitete sie in einem Pensum von 80% als
Küchenhilfe im Alterszentrum C._ (IV-act. 2). Nach einem Sturz auf die rechte
Schulter am 17. Mai 2008 fand am 16. Juni 2008 eine Refixation der
Supraspinatussehne der rechten Schulter am Kantonsspital St. Gallen statt (IV-act. 13,
57). Da die Versicherte nach dem Unfall nicht mehr in der Lage gewesen war, ihre
Arbeit wieder aufzunehmen, wurde das Arbeitsverhältnis seitens der Arbeitgeberin
noch während der Probezeit per 20. Juni 2008 gekündigt (IV-act. 2). Am 21. Oktober
2008 meldete sich die Versicherte für Massnahmen zur beruflichen Eingliederung an
(IV-act. 2). Der Hausarzt Dr. med. D._ meldete dem Regionalärztlichen Dienst der IV-
Stelle (RAD) am 24. November 2008 eine erneute Sehnenruptur (IV-act. 21).
A.b Im Auftrag der Unfallversicherung wurde die Versicherte am 5. Dezember 2008 im
Kantonsspital E._ von Dr. med. F._, Leitender Arzt Allgemeine- und Unfallchirurgie,
Zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, begutachtet (Fremdakten). Im Gutachten
vom 5. Dezember 2008 stellte Dr. F._ folgende Diagnosen: Posttraumatische,
ausgedehnte Ruptur der Supraspinatussehne Schulter rechts und Zustand nach
Arthroskopie und partiell arthroskopisch geführter Rotatorenmanschettenrefixation am
16. Juni 2008; kleine Re-Ruptur der Supraspinatussehne; anhaltende diffuse
Schmerzsymptomatik an der rechten Schulter, der Halswirbelsäule und des
Schultergürtels mit Ausstrahlung in die gesamte Wirbelsäule und das linke Bein, DD:
Symptomausweitung im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung,
Algodystrophie, Fibromyalgie. In der bisherigen Arbeitstätigkeit als Küchengehilfin sei
die Versicherte aktuell zu 100% arbeitsunfähig. Unter Berücksichtigung der reduzierten
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Belastbarkeit des rechten Armes könne sie medizinisch-theoretisch im Rahmen von
80% eine Leistung erbringen. Mit Verfügung vom 12. Januar 2009 stellte die
Unfallversicherung spätestens per 31. März 2009 die Taggeldleistungen ein
(Fremdakten). Mit Mitteilung vom 2. März 2009 lehnte die IV-Stelle berufliche
Eingliederungsmassnahmen ab (IV-act. 45).
A.c Es folgten verschiedene Nachkontrollen in der Klinik für orthopädische Chirurgie
des Kantonsspitals St. Gallen. Am 24. Juli 2009 wurde die Indikation für eine
Schulterarthroskopie rechts mit anschliessender offener AC-Gelenksresektion,
subacromialem Débridement und Refixation der Supraspinatussehne gestellt
(Fremdakten; IV-act. 62).
A.d Mit Vorbescheid vom 29. Juli 2009 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, sie
gedenke, den Anspruch auf eine Invalidenrente abzulehnen. Aufgrund der Unterlagen
bestehe in einer der Behinderung angepassten Tätigkeit eine 80%-ige Arbeitsfähigkeit.
Es sei der Versicherten deshalb möglich, weiterhin mindestens dasselbe
Jahreseinkommen zu erzielen wie bisher (IV-act. 60, 61). Mit Verfügung vom 18.
September 2009 lehnte die IV-Stelle den Rentenanspruch gemäss Vorbescheid ab (IV-
act. 64). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
B.a Am 5. August 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug an
(IV-act. 68). In der Folge teilte die IV-Stelle der Versicherten am 25. August 2010 mit,
sie benötige weitere Unterlagen, damit sie das neue Rentengesuch prüfen könne (IV-
act. 71). Am 31. August 2010 reichte der Hausarzt der Versicherten, Dr. med. G._,
Innere Medizin FMH spez. Blutkrankheiten, der IV-Stelle ein ärztliches Zeugnis nach:
Der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit Behandlungs¬beginn (18.
März 2010) in keiner Art und Weise gebessert. Die Beschwerden im Bereich der
Schulter rechts hätten in der Zwischenzeit noch zugenommen. Die Versicherte sei
deshalb im Kantonsspital St. Gallen und im Swica Gesundheitszentrum in H._
(richtig: I._) kontrolliert worden. Aufgrund der Beschwerden sei sie seit dem 1. April
2010 zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 72). Dem Arztzeugnis legte er die Berichte des
Kantonsspitals St. Gallen vom 7. Juni 2010 und 9. Juli 2010 bei. Diverse weitere
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Berichte des Kantonsspitals St. Gallen gingen bei der IV-Stelle vor dem 8. November
2010 ein (IV-act. 73).
B.b Nach Sichtung der Akten verneinte der RAD eine seit der Verfügung vom 18.
September 2009 eingetretene relevante Veränderung des rechtserheblichen
Sachverhalts (IV-act. 74, 84) und die IV-Stelle trat mit Verfügung vom 6. April 2011
nicht auf das neue Leistungsbegehren ein (IV-act. 85).
B.c In Gutheissung der gegen die Verfügung vom 6. April 2011 erhobenen
Beschwerde hob das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Verfügung mit
Entscheid IV 2011/178 vom 6. Dezember 2012 auf und wies die IV-Stelle an, das
Gesuch der Beschwerdeführerin vom 5. August 2010 materiell zu prüfen (IV-act. 109).
C.
C.a In dem von der IV-Stelle in der Folge eingeholten Arztbericht vom 15. April 2013
hielt Dr. G._ als Diagnosen eine depressive Phase, einen Status nach Schultertrauma
rechts OS/2008 mit zweimaliger Operation 2008 und 2009 sowie ein chronisches
Ekzem an den Händen beidseits fest und attestierte der Versicherten eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit seit dem 1. April 2010 (IV-act. 115). Dr. med. J._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gab in seinem Bericht vom 12. Juni 2013 als
Diagnosen eine Anpassungsstörung mit Depressivität und Angst (F43.22) bei
Schmerzen im Bereich der rechten Schulter und psychosozialer Belastungssituation
an. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit führte Dr. J._ aus, dass die Versicherte nur
zweimal bei ihm gewesen sei, so dass er zur Arbeitsfähigkeit nicht Stellung nehmen
könne (IV-act. 120).
C.b Am 4. und 5. November 2013 fand eine polydisziplinäre Begutachtung durch die
medas Ostschweiz statt (IV-act. 130). Aus polydiszipläner Sicht stellten die Gutachter
als Diagnosen mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit chronische
Schulterschmerzen rechts (ICD-10), eine Impingementsymptomatik bei
Supraspinatussehnenruptur (M75.4;S46.0), eine AC-Gelenksreizung rechts bei
leichtgradiger ACG-Arthrose (ICD-10:19.91), einen Status nach arthroskopischer
Refixation der Supraspinatussehne rechts (16. Juni 2008), einen Status nach Infiltration
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subacromial, einen Status nach Rotatorenmanschettenrekonstruktion Bicepstenodese
rechts (7. August 2009), eine Hyperthyreose m/b M. Basedow sowie eine
Hypoglykämie, DD iR. des M. Basedow, alimentär, diabetogen fest. Bezogen auf ein
100%-Pensum bestehe aus allgemein-internistischer Sicht, aufgrund des neu
entdeckten M. Basedow, eine 0%-ige Arbeitsfähigkeit. Die Beurteilung der mittel- und
langfristigen Arbeitsfähigkeit habe nach der Behandlung dieser internistischen Störung
zu erfolgen. Aus allgemein-internistischer Sicht handle es sich um einen instabilen
Gesundheitszustand. Aus orthopädischer Sicht sei die Versicherte in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Küchenhilfe aufgrund der aktuellen Beschwerden und der
objektivierten Sehnenteilruptur zu 100% arbeitsunfähig. Sie sei nicht in der Lage, den
rechten Arm ständig einzusetzen, und sie könne nicht über der Horizontalen arbeiten.
Infolge der geplanten Operation sei auch hier von einem instabilen Zustand
auszugehen. In einer angepassten Tätigkeit wurde der Versicherten aus rein
orthopädischer Sicht eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Die orthopädischen
Gutachter stützten sich in ihrer Beurteilung auf die durch den Hauptgutachter erstellten
Aktenauszüge sowie die ausführliche Befragung und klinisch-orthopädische
Untersuchung der Versicherten am 5. November 2013. Im psychischen Bereich seien
keine Einschränkungen des Leistungsbildes, welche die Arbeitsfähigkeit der
Versicherten handicapieren würden, gefunden worden. Polydisziplinär seien die
somatischen Disziplinen führend. Es bestehe bezogen auf ein 100%-Pensum aktuell
eine 0%-ige Arbeitsfähigkeit, dies aufgrund der Akutsituation eines nicht therapierten
M. Basedow und einer erneuten Sehnenteilruptur mit geplanter Re-Operation.
Insgesamt sei der Gesundheitszustand der Versicherten in versicherungsmedizinischer
Hinsicht als instabil einzustufen. Die Festlegung der mittel- und langfristigen
Arbeitsfähigkeit habe nach Abschluss der Therapiemassnahmen und nach einer
entsprechenden Rekonvaleszenzzeit zu erfolgen. Aufgrund der Akutsituation bestehe
polydisziplinär betrachtet auch in einer adaptierten Tätigkeit aus somatischer Sicht eine
0%-ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 130–47).
C.c Im zu Handen der IV-Stelle erstellten Verlaufsbericht vom 15. Mai 2014 gab Dr.
G._ einen verschlechterten Gesundheitszustand an. Die Versicherte mache
zunehmende psychische Probleme und eine Schlaflosigkeit geltend. Sie führe an,
grosse Schwierigkeiten mit ihrem Ehemann zu haben. In Bezug auf den im November
2013 neu diagnostizierten M. Basedow habe die Versicherte bislang eine Therapie mit
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Neo-Mercazol sowie auch eine mögliche Radio-Jod-Behandlung abgelehnt. Bezüglich
der chronifizierten Schulterschmerzen rechts sei die Versicherte in der
Schmerzsprechstunde gewesen. Sie stehe einer aktiven Teilnahme an einem
Schmerzprogramm jedoch weiterhin ablehnend gegenüber. Es sei einfühlbar, dass die
Versicherte im Sinne einer zeitweiligen Frozen Shoulder lokal mehr Schmerzen
verspüre (IV-act. 140/1-2). Mit Schreiben vom 18. Juli 2014 orientierte Dr. G._ die IV-
Stelle dahingehend, dass sich die Versicherte seit dem 18. Juli 2014 einer Behandlung
ihres M. Basedow mit Neo-Mercazole unterziehe (IV-act. 148).
C.d Am 28. Januar 2015 gab die IV-Stelle eine polydisziplinäre Abklärung bei der
medexperts AG in Auftrag (IV-act. 170). Die Gutachter hielten fest, dass polydisziplinär
die orthopädischen Befunde führend seien. Die Leistungsfähigkeit sei aufgrund der
Frozen Shoulder vermindert. In Bezug auf die Selbsteinschätzung der Versicherten
führten die Gutachter aus, dass diese sich selbst für keinerlei Arbeitstätigkeit mehr
fähig sehe. Diese Einschätzung komme auch im PACT Test zum Ausdruck, der
keinerlei verwertbare Arbeitsleistung ergeben habe. Die Selbsteinschätzung der
Versicherten bezüglich ihrer Arbeitsfähigkeit könne aufgrund der anhaltenden
Schmerzen und der Funktionsbeeinträchtigung des rechten Schultergelenks aus
orthopädischer Sicht nur teilweise nachvollzogen werden. Sie scheine psychisch
überlagert zu sein. Polydisziplinär bestehe für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit bezogen
auf ein 100% Pensum aufgrund der somatischen Einschränkungen eine 0%-ige
Arbeitsfähigkeit. In Bezug auf eine adaptierte Tätigkeit stellten die Gutachter fest, aus
orthopädischer Sicht sei die Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit ausgehend von
einem Vollpensum zu 50% arbeitsfähig. Durch die starke Funktionsbeeinträchtigung
der rechten Schulter, den therapierefraktären chronifizierten Schulterschmerzen bei
Frozen-Shoulder-Symptomatik und der Cervikobrachialgie rechts bei im MRI
verifizierter Diskushernie DH HWK 5/6 rechts, akuell ohne radikuläre Defizite, bestehe
eine dauerhafte Leistungsminderung. Es sei allerdings fraglich, ob bei der fehlenden
Motivation der Versicherten und der psychischen Überlagerung der
Schmerzsymptomatik sowie der ängstlichen Selbstlimitierung eine Wiedereingliederung
in den Arbeitsprozess möglich sei. Aus allgemein-internistischer und neurologischer
Sicht hätten sich keine Einschränkungen des Leistungsbildes, die die berufliche
Leistungsfähigkeit der Versicherten in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit handicapieren
würden, ergeben. Aus psychiatrischer Sicht bestehe bezogen auf ein 100% Pensum
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eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit. Die Gutachter umschrieben die adaptierte Tätigkeit als
leichte, wechselbelastende Tätigkeit ohne regelmässigen Einsatz des rechten Armes,
ohne ständiges über Tisch- und Schulterhöhe Arbeiten, ohne schweres Heben und
Tragen von Lasten von maximal 10 kg sowie ohne einseitige Zwangshaltungen der
Wirbelsäule. Weiter führten die Gutachter aus, dass bei der Versicherten
möglicherweise eine Anpassungsstörung mit einer längeren depressiven Reaktion
bestehe, bei der aber keines der Förster-Kriterien erfüllt sei, weshalb diese Erkrankung
aus versicherungsmedizinischer Sicht alleine mittels einer Willensanstrengung
überwindbar sei. Das Abhängigkeitssyndrom von Stilnox und von Halcion könne nicht
alleine mittels einer Willensanstrengung überwunden werden. Ein ärztlich begleiteter
Entzug dieser Medikamente sei aber möglich. Auf die Zusatzfrage, ob falls aus
gutachterlicher Sicht eine somatoforme Schmerzstörung oder ein sonstiger
vergleichbarer syndromaler Zustand diagnostiziert werde, eine psychisch
ausgewiesene Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und
Dauer vorliege oder andere Kriterien gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
gegeben seien, die aus medizinischer Sicht eine anhaltende Arbeitsunfähigkeit
begründen würden, antwortete die Hauptgutachterin, Dr. med. K._, Fachärztin
Allgemeine Innere Medizin, dass sie die mögliche Diagnose einer Anpassungsstörung
mit längerer depressiver Reaktion stellen könne. Die leicht ausgeprägten depressiven
Symptome könnten durch eine solche Erkrankung verursacht sein. Es sei keines der
Förster-Kriterien erfüllt, weshalb sie aus versicherungsmedizinischer Sicht alleine
mittels einer Willensanstrengung überwunden werden könne (IV-act. 175).
C.e Auf Rückfrage der IV-Stelle hin führten Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie
FMH sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und Dr. med. M._,
Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie FMH, am 9. Juni 2015 aus, dass aus
orthopädischer Sicht keine Symptomausweitung vorliege. Die Beschwerden seien
somatisch erklärbar. Es liege eine „schmerzhafte Schultersteife“, eine sogenannte
„Frozen Shoulder“, vor. Die Funktionsstörung der rechten Schulter sei durch die
vorhandenen Pathologien erklärbar. Es bestehe eine anhaltende Kapsel- und
Weichteilentzündung (IV-act. 179).
C.f Der RAD notierte am 30. Juli 2015, auf das Gutachten der medas (gemeint wohl:
medexperts AG) vom 20. Mai 2015 und das Antwortschreiben vom 9. Juni 2015 könne
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nicht vollumfänglich abgestellt werden. Insbesondere seien die Angaben im
orthopädischen Teilgutachten nicht schlüssig und nachvollziehbar. Im Aktenauszug sei
nicht die gesamte Aktenlage berücksichtigt worden. Auch die Schlussfolgerungen
hinsichtlich der Höhe der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit seien nicht
plausibel und die Angaben zum zeitlichen Verlauf im neuen Gutachten seien nicht
konsistent. Aufgrund der inkonsistenten Befunde seien auch die Diagnose der
schmerzhaften Schultersteife rechts bei Verdacht auf Kapsulitis und die empfohlenen
Therapiemassnahmen wenig nachvollziehbar, werde doch im Schreiben vom 9. Juni
2015 dezidiert festgestellt, dass eine „anhaltende Kapsel- und Weichteilentzündung“
vorliege. Auf welcher Grundlage nun die Gewissheit dieser Diagnose bestehe, sei nicht
nachvollziehbar. Es erstaune, dass bei angeblich langjährigem Einsatz nur als Hilfshand
keine Muskelatrophie entstanden sei. Die Diagnose der Frozen Shoulder sei von den
orthopädischen Chirurgen bereits im Juni 2010 gestellt worden und gemäss dem
natürlichen Krankheitsverlauf wäre zumindest eine deutliche Schmerzregredienz zu
erwarten gewesen. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung könne eine unveränderte
Schmerzsymptomatik bestätigt werden. Die Schulterbeweglichkeit habe sich leicht
gebessert. Zudem lägen ein M. Basedow mit aktuell unter Neomercazol normalen
Schilddrüsenwerten, welcher sich längerfristig nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
werde, eine Störung durch Sedativa oder Hypnotika und ein Verdacht auf eine
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, welche gemäss Psychiater die
Arbeitsfähigkeit nicht beeinflusse, vor. In einer adaptierten Tätigkeit bestehe seit dem 5.
Dezember 2008 eine zumutbare Arbeitsfähigkeit von 80% (IV-act. 180).
C.g Ausgehend von einer 80%-igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit stellte
die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 14. August 2015 die Abweisung
des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 183).
C.h Am 14. September 2015 attestierte Dr. G._ der Versicherten weiterhin eine
100%-ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit als Küchenhilfe als
auch in einer adaptierten Tätigkeit. Zur Begründung führte er aus, der
Gesundheitszustand sei im Zeitverlauf schlechter geworden. Die Versicherte habe
aufgrund von psychosozialen Problemen eine weitere Verschlechterung ihrer
Stimmungslage erfahren. Die psychosozialen Probleme seien auf ein zerrüttetes
Eheverhältnis zurückzuführen; der Ehemann befinde sich seit längerer Zeit in der
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Psychiatrischen Klinik N._ (IV-act. 187). Dr. J._ hielt in einem Bericht vom 21.
September 2015 als Diagnosen eine Anpassungsstörung mit Angst und Depressivität
(F 43.22) bei Schmerzen infolge fachärztlich-orthopädischer Befunde im Bereich der
rechten Schulter und der Halswirbelsäule und bei psychosozialer Belastungssituation
sowie einen Status post Hypnotika-Missbrauch fest (IV-act. 190–6).
C.i Am 2. November 2015 (IV-act. 190–1 ff.) begründete die Versicherte ihren bereits
mit Eingabe vom 18. September 2015 (IV-act. 188) erhobenen Einwand auf den
Vorbescheid der IV-Stelle und beantragte, ihr sei eine Invalidenrente basierend auf
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70% zuzusprechen. In ihrer Begründung
verwies die Versicherte auf den neu eingereichten Bericht von Dr. J._ vom 21.
September 2015. Sie führte aus, die Ausführungen zum Gutachten der medexperts AG
vom 29. April 2015 seien zu berücksichtigen. Dr. J._ habe festgehalten, dass durch
die Wirkung der Hypnotika, die die Versicherte im Untersuchungszeitpunkt
eingenommen habe, die psychiatrische Beurteilung des psychischen Zustandes wenn
nicht verunmöglicht, so doch in hohem Mass beeinträchtigt gewesen sei. Dr. G._
habe in seinem Bericht vom 14. September 2015 aufgrund des langjährigen schlechten
Verlaufs nach Schultertrauma und konsekutiven Operationen, aber auch wegen der
psychischen Verfassung, eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit festgehalten. Aus den
Unterlagen gehe eindeutig hervor, dass sich die psychische Situation der Versicherten
weiter verschlechtert habe bzw. dass auch aus psychiatrischer Sicht ohne weiteres von
einer Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden müsse. Die Versicherte sei in ihrer
Arbeitsfähigkeit zu 100%, mindestens aber zu 50% eingeschränkt, und zwar für
jegliche Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt. Auch die Gutachter der medexperts
AG seien von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50% alleine aus
orthopädischer Sicht ausgegangen. Dabei seien die Einschränkungen aus
psychiatrischer Sicht noch nicht einmal berücksichtigt worden, sodass insgesamt und
polydisziplinär von einer 100%-igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden müsse.
C.j In einer erneuten Stellungnahme hielt der RAD am 18. November 2015 fest, der
psychiatrische Gutachter habe sich ausführlich mit dem Zustandsbild der Versicherten
unter Hypnotikaeinfluss auseinandergesetzt und dies plausibel in die
Gesamtwürdigung mit Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit einbezogen. Die
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Begründung der gesundheitlichen Verschlechterung durch psychosoziale Probleme
aufgrund von Eheproblemen sei nun nach dem Tod des Ehemannes nicht mehr gültig
und wenn man der Argumentation des Psychiaters folgen würde, so müsste nun gar
von einer Besserung des psychischen Gesundheitszustandes ausgegangen werden.
Die geltend gemachten psychischen Probleme sowie auch die Schulterproblematik
seien im Gutachten gewürdigt worden. Deshalb liege hier eine andere Einschätzung
desselben medizinischen Sachverhalts vor. Die Ausführungen der Rechtsvertreterin der
Versicherten sowie die Schreiben von Dr. G._ und Dr. J._ würden nichts an den
Ausführungen in der RAD Stellungnahme vom 30. Juli 2015 ändern, sodass weiterhin
darauf abgestützt werden könne (IV-act. 192).
C.k Mit Verfügung vom 18. November 2015 wies die IV-Stelle gestützt auf einen
festgestellten Invaliditätsgrad von 11% den Rentenanspruch der Versicherten ab (IV-
act. 193).
D.
D.a Gegen die Verfügung vom 18. November 2015 liess die Versicherte (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 5. Januar 2015 (recte: 2016) Beschwerde erheben und
beantragen, die Verfügung der IV-Stelle vom 18. November 2015 sei aufzuheben, der
Beschwerdeführerin sei eine Invalidenrente basierend auf einem Invaliditätsgrad von
70% auszurichten und die Beschwerdegegnerin sei eventualiter zu verpflichten, ein
polydisziplinäres Gutachten in Auftrag zu geben. Zudem sei die unentgeltliche
Prozessführung zu gewähren und die Kosten des Verfahrens seien der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Zur Begründung liess die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vorbringen, die Gutachter der medexperts AG seien zum Schluss
gekommen, dass in einer adaptierten Tätigkeit aus orthopädischer Sicht, ausgehend
von einem Vollpensum eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit gegeben sei. Die begutachtende
Orthopädin habe das Gutachten aus dem Jahre 2014 in ihre Beurteilung miteinbezogen
und insbesondere festgehalten, dass im damaligen Zeitpunkt – zumindest aus
orthopädischer Sicht – noch kein stabiler Gesundheitszustand vorgelegen habe und
sich zudem die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin seit der
Begutachtung im Jahre 2014 weiter verschlechtert habe. Dr. J._ habe in seinem
Bericht vom 21. September 2015 eine Anpassungsstörung mit Angst und Depressivität,
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bei Schmerzen infolge fachärztlich-orthopädischer Befunde im Bereich der rechten
Schulter und der Halswirbelsäule und bei psychosozialer Belastungssituation
diagnostiziert. Weiter habe Dr. J._ festgehalten, dass durch die Wirkung der
Hypnotika die psychiatrische Beurteilung des psychischen Zustandes zumindest in
hohem Mass beeinträchtigt gewesen sei. Inzwischen habe die Beschwerdeführerin den
missbräuchlichen Hypnotika-Konsum aber eingestellt, sodass sich ihr psychischer
Zustand beurteilen lasse (act. G 1).
D.b Am 21. Januar 2016 (act. G 4) beantragte die IV-Stelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung brachte sie im
Wesentlichen vor, zwischen dem ersten und dem zweiten medas Gutachten gebe es
einzig bezüglich der Arbeitsfähigkeitsschätzung in den orthopädischen Teilgutachten
eine Abweichung. Im ersten Gutachten habe Dr. M._ der Beschwerdeführerin in einer
angepassten Tätigkeit eine volle, im zweiten Gutachten hingegen lediglich noch eine
50%-ige Arbeitsfähigkeit attestiert. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung im zweiten
Gutachten sei nicht überzeugend. Dr. M._ stütze ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung
schwergewichtig auf die Schilderungen der Beschwerdeführerin ab. Die orthopädische
Befundlage sei relativ harmlos, weshalb eine 50%-ige Einschränkung selbst in einer
schulteradaptierten Tätigkeit nicht schlüssig sei. Dr. M._ begründe nicht
nachvollziehbar, weshalb sich die Arbeits¬fähigkeit der Beschwerdeführerin seit der
ersten medas Begutachtung aus orthopädischer Sicht derart verschlechtert haben
sollte. Da Dr. J._ in seinem Bericht ebenfalls schwergewichtig auf die „dramatischen“
Schilderungen der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer rechten Schulter abgestellt
habe, bilde seine Arbeitsfähigkeitsschätzung keine taugliche Grundlage für die
Invaliditätsbemessung. Hinzu komme, dass die von Dr. J._ diagnostizierte
Anpassungsstörung nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kein
invalidisierendes Leiden darstelle. Die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit von 50%
erscheine nach dem Gesagten nicht als überwiegend wahrscheinlich. Gestützt auf das
erste und das zweite medas Gutachten sei von einer vollen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit auszugehen. Weitere medizinische
Abklärungen seien entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin nicht angezeigt (act.
G 4).
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D.c Gestützt auf die durch die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 10. Februar 2016
(act. G 7) eingereichten Unterlagen (act. G 7.1), bewilligte das Gericht das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung (act. G 8).
D.d Mit Replik vom 18. April 2016 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Rechtsbegehren und deren Begründung vollumfänglich fest (act. G 12).
D.e Nachdem die Frist zur Einreichung einer allfälligen Duplik unbenutzt verstrichen
war, stellte das Gericht den Verzicht auf die Einreichung einer Duplik fest und erklärte
den Schriftenwechsel mit Schreiben vom 10. Juni 2016 als beendet (act. G 14).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
2.
2.1 Eine versicherte Person hat gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, wenn sie
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
einer erwerbstätigen versicherten Person wird das Erwerbseinkommen, das diese nach
dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.2 Bei der Beurteilung eines Rentenanspruches sind die rechtsanwendenden
Behörden auf die Einschätzung der medizinischen Lage durch Fachpersonen
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angewiesen, die den Gesundheitszustand beurteilen und dazu Stellung nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Aufgabe der IV-Stelle und der
Sozialversicherungsgerichte ist es, zu würdigen, ob die ärztlichen Aussagen und
Einschätzungen eine zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben. Eine
allfällige Arbeitsunfähigkeit muss dabei mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Ist dies der Fall, so ist gestützt auf diese
medizinischen Feststellungen und, in der Regel, anhand eines Einkommensvergleichs
(Art. 16 ATSG) der Invaliditätsgrad zu bemessen.
2.3 Der Sozialversicherungsträger hat den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären
(Art. 43 Abs. 1 ATSG). Mit welchen Mitteln die Sachverhaltsabklärung erfolgt, liegt im
Ermessen des Versicherungsträgers. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein
grosser Ermessenspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit
von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen
Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt
soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann.
3.
3.1 Zu beurteilen gilt es vorliegend in erster Linie, welche Schlüsse aus den
vorhandenen ärztlichen Unterlagen zu ziehen sind bzw. ob die Sache medizinisch
ausreichend abgeklärt ist.
3.2 Im Gutachten der medas Ostschweiz vom 3. Februar 2014 haben die Gutachter
festgehalten, dass polydisziplinär die somatischen Disziplinen führend seien und dass
bezogen auf ein 100%-Pensum aufgrund der Akutsituation eines nicht therapierten M.
Basedow und einer erneuten Sehnenteilruptur mit geplanter Re-Operation eine 0%-ige
Arbeitsfähigkeit bestehe. Weiter haben die Gutachter ausgeführt, dass die Festlegung
der mittel- bis langfristigen Arbeitsfähigkeit nach Abschluss der Therapiemassnahmen
und entsprechender Rekonvaleszenzzeit zu erfolgen habe. Aus psychiatrischer Sicht
wurde von den Gutachtern keine die Arbeitsfähigkeit betreffende Diagnose gestellt. Da
im Begutachtungszeitpunkt ein noch unbehandelter Morbus Basedow vorlag und die
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Therapiemassnahmen im Zusammenhang mit der Schulterproblematik noch nicht
abgeschlossen waren, insbesondere noch eine Operation der erneut aufgetretenen
Sehnenteilruptur bevorstand, ist von einem im Beurteilungszeitpunkt noch instabilen
Gesundheitszustand auszugehen. Aus diesem Grund kann dem Gutachten vom 3.
Februar 2014 noch keine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustandes
entnommen werden.
3.3 Im Zeitpunkt der Begutachtung durch die medexperts AG am 17., 18. und 19.
März 2018 war der Morbus Basedow zufriedenstellend therapiert. Laut den Gutachtern
standen zu diesem Zeitpunkt aus somatischer Sicht die orthopädischen Befunde im
Vordergrund. Im orthopädischen Teilgutachten hat Dr. M._ ausgeführt, die
Versicherte sei vor allem durch die Schulterproblematik handicapiert. Als Küchenhilfe
mit ständigem Einsatz des rechten Armes sowie dem Heben und Tragen von Lasten sei
sie daher nicht mehr einsetzbar. Leichte, wechselbelastende Tätigkeiten ohne
repetitiven Einsatz des rechten Armes seien möglich, jedoch bei der vorliegenden
Krankheitsüberzeugung und der mangelnden Motivation nur schwer umzusetzen. Da
sie als Rechtshänderin überwiegend die rechte Hand bei fast allen Tätigkeiten
einsetzen müsse, sei sie erheblich handicapiert und werde daher auch in adaptierten
Tätigkeiten in Bezug auf ihre Leistungsfähigkeit als zu 50% eingeschränkt beurteilt. Bei
ihrer Beurteilung hat sich Dr. M._ massgeblich auf die Ausführungen der
Beschwerdeführerin gestützt, denn weder radiologisch noch klinisch haben sich die
Befunde verifizieren lassen. So hat Dr. M._ ausgeführt, dass eindeutige
Hinweiszeichen für eine Reruptur wegen den berührungs- und bewegungsabhängigen
Schulterschmerzen klinisch nicht hätten verifiziert werden können. Ebenfalls liessen
sich radiologisch keine Ossifikationen nachweisen. Gleichzeitig hat Dr. M._ jedoch
auch ausgeführt, dass die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin bezüglich ihrer
Arbeitsfähigkeit aufgrund der anhaltenden Schmerzen und der
Funktionsbeeinträchtigung des rechten Schultergelenkes aus orthopädischer Sicht nur
teilweise nachvollzogen werden könne und psychisch überlagert zu sein scheine (IV-
act. 175 S. 36 ff.). Diese Ausführungen im Gutachten vom 29. April 2015 stehen im
Widerspruch zu den Ausführungen der Dres. L._ und M._ im Schreiben vom 9. Juni
2015, in welchem sie ausgeführt haben, dass aus orthopädischer Sicht keine
Symptomausweitung vorliege. Die vorliegenden Beschwerden seien somatisch
erklärbar. Es liege eine „schmerzhafte Schultersteife“, eine sogenannte „frozen
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Shoulder“, vor. Die Funktionsstörung der rechten Schulter sei durch die vorhandenen
Pathologien erklärbar, denn es bestehe eine anhaltende Kapsel- und
Weichteilentzündung (IV-act. 179). Worauf sich die Gutachter bei dieser
Diagnosestellung stützten, wird jedoch nicht klar. Die Diagnose steht auch in einem
Widerspruch zu den im Gutachten getätigten Ausführungen, wonach sich die
anhaltenden Schmerzen und die Funktionsbeeinträchtigung der rechten Schulter weder
radiologisch noch klinisch verifizieren liessen und aus orthopädischer Sicht nur
teilweise nachvollziehbar seien. Auch ist die von Dr. M._ im Gutachten vom 29. April
2015 gezogene Schlussfolgerung, dass aufgrund der Bewegungseinschränkungen des
rechten Armes eine adaptierte Tätigkeit lediglich noch zu 50% ausgeübt werden könne,
nicht nachvollziehbar und wird auch nicht näher begründet. So sind durchaus
Tätigkeiten denkbar, in denen die rechte Hand lediglich als Hilfshand fungieren kann
und trotzdem eine volle Leistung erbracht wird. Zusammenfassend ist festzustellen,
dass der Einschätzung des RAD vom 30. Juli 2015 dahingehend gefolgt werden kann,
dass das orthopädische Teilgutachten von Dr. M._ nicht schlüssig und
nachvollziehbar begründet ist, so dass aus orthopädischer Sicht nicht darauf abgestellt
werden kann.
3.4 Im psychiatrischen Teilgutachten hat med. pract. N._, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, ausgeführt, die Beschwerdeführerin habe über verschiedene
psychosoziale Belastungsfaktoren wie vor allem finanzielle Probleme sowie gewisse
Eheprobleme, die als Folge der finanziellen Situation aufgetreten seien, berichtet (IV-
act. 175-29/5). Weiter hat er festgestellt, die Beschwerdeführerin nehme regelmässig
Stilnox ein und dies auch am Tag. Dadurch könnten gewisse Gedächtnisfunktionen
verlangsamt sein. Das Abhängigkeitssyndrom von Stilnox und Halcion könne nicht
alleine mittels einer Willensanstrengung überwunden werden. So lange die
Beschwerdeführerin Stillnox auch am Tag und gleichzeitig das Halcion einnehme und
von diesen Medikamenten abhängig sei, könne sie keine nicht angepassten Tätigkeiten
durchführen (IV-act. 175-32/59). Med. pract. N._ hat sich jedoch nicht dazu
geäussert, ob eine angepasste Tätigkeit trotz der Abhängigkeit und Einnahme von
Stillnox und Halcion möglich wäre und wie eine solche Tätigkeit aussehen würde.
3.5 Im Schreiben vom 21. September 2015 hat Dr. J._ eingehend zum psychischen
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin Stellung genommen. Aus den
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Ausführungen von Dr. J._ geht hervor, dass die durch die Ehegemeinschaft
bestehende Belastungssituation stärker ausgeprägt war, als dies den Gutachtern
bekannt gewesen war. So hatte der Ehemann bereits seit vier Jahren vor den Kindern
im Haus exhibitioniert und er war gegenüber der Gesuchstellerin aggressiv gewesen.
Dies war so weit gegangen, dass er sie mit dem Messer bedroht hatte. Wie Dr. J._
ebenfalls ausgeführt hat, hatte die Beschwerdeführerin diese Probleme lange Zeit
verschwiegen. Deshalb kann der Einschätzung von Dr. J._ gefolgt werden, dass ohne
diese Informationen eine Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und eine
Diagnosestellung nicht möglich sind. In Bezug auf die belastende Familiensituation ist
zudem unerheblich, dass der Ehemann der Gesuchstellerin mittlerweile verstorben ist.
Denn die über einen längeren Zeitraum bestandene Belastungssituation kann durchaus
auch nach Wegfall der Belastungsfaktoren Auswirkungen auf den psychiatrischen
Gesundheitszustand einer Person haben. Hinzu kommen die durch Dr. J._ ebenfalls
erwähnten Auswirkungen des Hypnotikamissbrauchs, der unter Umständen einen
Einfluss auf den psychischen Zustand der Beschwerdeführerin im
Beurteilungszeitpunkt gehabt haben konnte. Es erscheint aus Laiensicht zumindest
fraglich, ob eine psychiatrische Beurteilung trotz der Einnahme von Hypnotika möglich
war.
3.6 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass die eingeholten Gutachten sowohl
aus orthopädischer wie auch psychiatrischer Sicht nicht zu überzeugen vermögen.
Dies hat auch der RAD in seiner Stellungnahme vom 30. Juli 2015 festgestellt (IV-act.
180). Die Ausführungen des RAD haben sich jedoch lediglich darauf bezogen, weshalb
den vorliegenden Gutachten nicht gefolgt werden kann. Die eigene
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 80% in einer adaptierten Tätigkeit hat der RAD jedoch
nicht überzeugend begründet. Der medizinische Sachverhalt erweist sich damit als
nicht genügend abgeklärt, sodass keine Aussage zur Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Erwerbstätigkeit gemacht werden
kann.
4.
4.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht eine erneute
Begutachtung in Auftrag geben muss, d.h. ob die Sache an die Beschwerdegegnerin
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zurückzuweisen oder ein Gerichtsgutachten zu veranlassen ist. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung holt ein kantonales Versicherungsgericht in der
Regel dann ein Gerichtsgutachten ein, wenn es im Rahmen der Beweiswürdigung zum
Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt
oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine
Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine
Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer
bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem
Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung,
Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V
210 E. 4.4.1.4). Diese bundesgerichtliche Praxis vermag aus den folgenden Gründen
nicht zu überzeugen: Die IV-Stellen sind gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG verpflichtet,
die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Sie haben somit unter
anderem den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären, dass die
Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Beschwerdegegnerin hat die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin nur ungenügend abgeklärt. Würde das Versicherungsgericht nun
ein Gerichtsgutachten in Auftrag geben, würde es die der Beschwerdegegnerin
obliegende Aufgabe der Sachverhaltsermittlung „übernehmen“. Dies wäre
gesetzwidrig, da der Gesetzgeber diese Aufgabe, d.h. die rechtsgenügliche Ermittlung
des Sachverhalts, der Beschwerdegegnerin zugewiesen hat. Eine solche
Rechtsverletzung kann durch die vom Bundesgericht angeführten Vorteile von
Gerichtsgutachten, namentlich der Straffung des Gesamtverfahrens und der
beschleunigten Rechtsgewährung (siehe BGE 137 V 210 E. 4.4.1.2), nicht „geheilt“
werden. Hinzu kommt, dass in einem Gerichtsgutachten nur der Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung zu beurteilen
sind, während eine Rückweisung der Beschwerdegegnerin die Möglichkeit gibt, den
gesamten Verlauf der Arbeitsfähigkeit bis zu einer neuen Verfügung zu berücksichtigen.
Zu beachten ist auch, dass einer versicherten Person durch die Einholung eines
Gerichtsgutachtens die Möglichkeit genommen wird, den Rentenentscheid von zwei
Instanzen überprüfen zu lassen. Dies ist insbesondere auch deshalb problematisch,
weil das Bundesgericht nur über eine eingeschränkte Kognition verfügt, d.h. es kann
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den vom kantonalen Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur eingeschränkt
überprüfen (siehe Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die Einholung
eines Gerichtsgutachtens ist deshalb nur in jenen Fällen angezeigt, in denen die
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt zwar rechtsgenüglich abgeklärt hat, für die
rechtliche Würdigung aber trotzdem die Einholung eines weiteren Gutachtens
notwendig ist, namentlich weil zwei (oder mehr) überzeugende, sich jedoch
widersprechende Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht liegen. In der vorliegenden
Angelegenheit liegt jedoch noch überhaupt kein den Beweisanforderungen
genügendes Gutachten vor, womit die Beschwerdegegnerin ihrer Pflicht zur
Sachverhaltsermittlung nicht rechtsgenüglich nachgekommen ist. Das
Versicherungsgericht hält trotz der unbegründeten und unhaltbaren Kritik des
Bundesgerichts in dessen Urteil 8C_580/2017 vom 9. Februar 2018, E. 5.3, an seiner
diesbezüglichen Rechtsprechung fest.
4.2 Die angefochtene Verfügung ist daher in teilweiser Gutheissung der Beschwerde
aufgrund einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG
aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung auszurichten. Diese ist angesichts des
durchschnittlichen Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf 3'500 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
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5.2 Wenn der Gerichtsschreiber verhindert ist, muss gemäss Art. 39ter Abs. 2 VRP an
seiner Stelle ein mitsitzender Richter das Urteil unterzeichnen. Da der an diesem
Beschwerdeverfahren beteiligte Gerichtsschreiber verhindert ist, wird das Urteil vom
vorsitzenden Richter und von einer mitsitzenden Richterin unterzeichnet.