Decision ID: ff82814e-13a9-474d-b9bf-6db6746271b6
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Insolvenzentschädigung
Sachverhalt:
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A.
A.a Im Oktober 2007 wurde über die A._ der Konkurs eröffnet. S._ meldete am
3. November 2007 im Konkursverfahren für ausstehende Löhne der Monate Juli bis
Oktober 2007 eine Gesamtforderung von Fr. 18'400.-- an (act. G 3.2). Am selben Tag
stellte sie bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse für diesen Betrag Antrag auf
Insolvenzentschädigung (act. G 3.3).
A.b Die Kantonale Arbeitslosenkasse lehnte mit Verfügung vom 12. Dezember 2007
den Antrag der Versicherten auf Insolvenzentschädigung ab. Sie begründete die
Ablehnung damit, es gehe zwar aus den eingereichten Schreiben der Versicherten vom
17. August, 13. September sowie 5. Oktober 2007 (act. G 3.5) hervor, dass sie die
ausstehenden Löhne eingefordert habe. Allerdings sei der Versand dieser Schreiben
nicht belegt. Es müsse daher davon ausgegangen werden, dass die Versicherte der
Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen sei (act. G 3.4).
B.
B.a S._ wandte sich mit einer als "Rekurs" bezeichneten Eingabe vom 12. Januar
2008 gegen diese Verfügung. Sie brachte vor, die fraglichen Schreiben verschickt,
mithin sinngemäss ihrer Schadenminderungspflicht Genüge getan zu haben. Die
Quittung der Einschreibesendung vom 5. Oktober 2007 habe sie nicht aufbewahrt (act.
G 3.7).
B.b Die Kantonale Arbeitslosenkasse wies die Einsprache mit Entscheid vom
27. Februar 2008 ab. Sie stellte sich auf den Standpunkt, "es mache stutzig, dass keine
Belege zu den eingeschriebenen Mahnungen mehr vorhanden seien". Damit sei unklar,
ob die fraglichen Schreiben nachträglich erstellt und von der Arbeitgeberin als
Gefälligkeit akzeptiert worden seien. Die Einsprecherin könne damit nicht nachweisen,
dass sie ihrer Arbeitgeberin in eindeutiger und unmissverständlicher Weise ihre
Lohnforderung kundgetan habe. Damit sei die Schadenminderungspflicht verletzt
worden. Ferner seien die Unterlagen aus dem Arbeitsverhältnis "dürftig". Die
Lohnzahlung für die gesamte Dauer sei aufgrund der Umstände (Barzahlung durch die
Arbeitgeberin ohne Unterschrift) nicht nachgewiesen (act. G 3.8).
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C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegend zu beurteilende
Beschwerde vom 26. März 2008. Die Beschwerdeführerin beantragt darin sinngemäss
dessen Aufhebung sowie die Zusprache von Insolvenzentschädigung (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 29. April 2008
die Beschwerdeabweisung. Sie weist darauf hin, dass der Ex-Ehegatte der
Beschwerdeführerin Gesellschafter und Geschäftsführer der A._ gewesen sei. Im
Übrigen lautet die Begründung im Wesentlichen gleich wie diejenige des
Einspracheentscheids (act. G 3).
C.c Auf die Einreichung einer Replik hat die Beschwerdeführerin verzichtet (act. G 5).
C.d Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts hat mit Schreiben vom 22. August
2008 die Beschwerdegegnerin zur Einreichung ihrer vollständigen Originalakten
aufgefordert (act. G 6). Die Beschwerdeführerin hat auf deren Einsichtnahme verzichtet
(act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) haben
beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstre-ckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihre Arbeitgeber der Konkurs
eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen zustehen. Die
Insolvenzentschädigung deckt nach Art. 52 Abs. 1 AVIG Lohnforderungen für die
letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum
Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 1 AVIG.
1.2 Nach Art. 55 Abs. 1 AVIG müssen Arbeitnehmende im Konkurs- oder
Pfändungsverfahren alles unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber dem
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Arbeitgeber zu wahren, bis die Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das
Verfahren eingetreten ist. Danach müssen sie die Kasse bei der Verfolgung ihres
Anspruchs in jeder zweckdienlichen Weise unterstützen. Diese Bestimmung bezieht
sich dem Wortlaut nach auf das Konkurs- und Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch
Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift,
wenn das Arbeitsverhältnis vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird (Urteil des
Bundesgerichts vom 31. Juli 2008 i.S. S., 8C_329/08, E. 2.2 mit Hinweisen). Sie obliegt
der versicherten Person in reduziertem Umfang bereits vor der Auflösung des
Arbeitsverhältnisses, wenn der Arbeitgeber der Lohnzahlungspflicht nicht oder nur
teilweise nachkommt und mit einem Lohnverlust zu rechnen ist (ARV 2002 Nr. 30
S. 190). Die Schadenminderungspflicht setzt nicht notwendigerweise voraus, dass die
Lohnforderung auf dem Betreibungs- oder Klageweg geltend gemacht wird.
Praxisgemäss genügt es, wenn die Arbeitnehmenden unmissverständliche Zeichen
setzen, aus denen die Ernsthaftigkeit ihrer Lohnforderungen zu erkennen ist (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 15. Oktober 2001 i.S. N., C 194/01, E. 2b). Zu
weitergehenden Schritten ist die versicherte Person dann gehalten, wenn es sich um
erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen
muss. Denn es geht auch für die Zeit vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht an,
dass die versicherte Person ohne hinreichenden Grund während längerer Zeit keine
rechtlichen Schritte zur Realisierung erheblicher Lohnausstände unternimmt, obschon
sie konkret mit dem Verlust der geschuldeten Gehälter rechnen muss (Urteil des EVG
vom 6. Februar 2006 i.S. F., C 270/05, E. 3.1 mit Hinweisen).
2.
2.1 Im Streit liegt die Frage, ob der Beschwerdeführerin ein Anspruch auf
Insolvenzentschädigung zusteht und dabei insbesondere, ob sie der ihr obliegenden
Schadenminderungspflicht in genügendem Ausmass nachgekommen ist. Die
Beschwerdegegnerin verneint diese Frage, da die von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Einforderungsbemühungen (Schreiben vom 17. August 2007 betreffend
Zahlungsaufforderung des ausstehenden Juli-Lohnes [act. G 3.5]; Schreiben vom 13.
September 2007 betreffend der ausstehenden Juli- und August-Löhne; mit
"Einschreiben" versehene schriftliche Mitteilung vom 5. Oktober 2007, worin die
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Beschwerdeführerin für den Fall der Nichtbezahlung mindestens der Hälfte der
ausstehenden Lohnforderung die Arbeitsniederlegung und Klageerhebung androht [act.
G 3.5]) sowie behauptete Lohnzahlungen (März bis Juni 2007) nicht nachgewiesen
seien (act. G 3.8).
2.2 Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinn der
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es grundsätzlich Sache des
Sozialversicherungsgerichts oder der Verwaltungsstelle ist, für die Zusammentragung
des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 113 E. 3d/bb). Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur
insofern, als im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei
ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE
115 V 142 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b).
2.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe ihre ehemalige Arbeitgeberin
dreimal schriftlich zur Zahlung aufgefordert (Schreiben vom 17. August, 13. September
und 5. Oktober 2007 [act. G 3.5]). Das Schreiben vom 5. Oktober 2007 habe sie
eingeschrieben versandt. Die entsprechende Quittung habe sie indes nicht aufbewahrt
(act. G 3.7). Fest steht somit, dass die Beschwerdeführerin den ihr obliegenden Beweis
für die Zustellung der genannten Schreiben nicht erbracht hat. Den Akten lassen sich
keine nachweisbaren Reaktionen der ehemaligen Arbeitgeberin auf die von der
Beschwerdeführerin behaupteten Schreiben oder sonstige Nachweise für die korrekte
Zustellung entnehmen. Vor diesem Hintergrund ist mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die genannten Mahnschreiben der
ehemaligen Arbeitgeberin nicht zur Kenntnis gebracht worden sind. Für einen
entsprechenden Nachweis wären angesichts der konkreten Verhältnisse (die
Beschwerdeführerin ist die Ex-Gattin eines Gesellschafters und Geschäftsführers der
ehemaligen Arbeitgeberin; zweifelhaftes Arbeitsverhältnis aufgrund fehlenden
Arbeitsvertrages, nicht belegter Lohnzahlungen und fraglicher Funktion innerhalb des
Betriebs) vielmehr einschlägige Belege erforderlich gewesen. Auf die Durchführung
weiterer Abklärungen kann verzichtet werden, weil von ihnen keine neuen
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entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten sind (BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 162
E. 1d, je mit Hinweisen).
2.4 Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass die Mahnschreiben der
ehemaligen Arbeitgeberin nicht zur Kenntnis gebracht wurden. Die Beschwerdeführerin
tat demnach der ehemaligen Arbeitgeberin die von ihr behaupteten Lohnforderungen
nicht unmissverständlich kund. Sie hat darüber hinaus keine weiteren zur Realisierung
der Lohnansprüche erforderlichen Schritte in die Wege geleitet. Vor dem Hintergrund,
dass die Beschwerdeführerin über mehrere Monate hinweg keine Lohnzahlungen
erhielt, ihr die finanziellen Schwierigkeiten bekannt sein mussten und die ehemalige
Arbeitgeberin keine ernsthafte Garantie für die ausstehenden Lohnforderungen
gegeben hatte, kam sie der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht nicht genügend
nach. Da sie die Ernsthaftigkeit ihrer Durchsetzungsbemühungen nicht hinreichend
dargetan und nachgewiesen hat, erfolgte die Ablehnung des Anspruchs auf
Insolvenzentschädigung durch die Beschwerdegegnerin zu Recht.
3.
Bei diesem Ergebnis kann offen bleiben, ob die dem Antrag auf
Insolvenzentschädigung zugrunde liegende Lohnforderung überhaupt besteht bzw.
wenigstens glaubhaft gemacht worden ist (vgl. Art. 74 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV;
SR 837.02]). In diesem Zusammenhang kann darauf hingewiesen werden, dass das
Gericht zwei weitere Fälle von Insolvenzentschädigung dieselbe konkursite GmbH
betreffend zu beurteilen hat (AVI 2008/16 und AVI 2008/18). Auch in jenen Verfahren
bestehen Indizien für Gefälligkeitsbescheinigungen der Arbeitgeberin. Die Beschwerde
ist damit abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG;
SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG