Decision ID: 4a4ce62b-7d3c-5a90-88b7-dbc154871122
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 02.11.2015 Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG.Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens bei einer in die Anspruchsberechnung mit einbezogenen Person (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. November 2015, EL 2014/4).Entscheid vom 2. November 2015BesetzungVizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiber Tobias BoltGeschäftsnr.EL 2014/4ParteienA._,Beschwerdeführer,gegenSozialversicherungsanstalt des KantonsSt. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,GegenstandErgänzungsleistung zur IVSachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im August 2009 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
einer Rente der Invalidenversicherung an, die ihm im Juni 2009 mit Wirkung ab
Dezember 2004 zugesprochen worden war (EL-act. 80). Im Oktober 2009 wies die EL-
Durchführungsstelle den Versicherten darauf hin (EL-act. 76), dass seiner Ehefrau
allenfalls ein hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet werden müsse. Um
prüfen zu können, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt waren, forderte sie ihn auf,
Fragen zur Berufskarriere seiner Ehefrau zu beantworten. Der Versicherte antwortete im
Oktober 2009 (EL-act. 74), dass seine Ehefrau eine Ausbildung zur Papeteristin
abgeschlossen habe und anschliessend an verschiedenen Arbeitsstellen erwerbstätig
gewesen sei. Aufgrund von gesundheitlichen Problemen sei sie bloss noch im Haushalt
tätig, auch dies allerdings mit Einschränkungen. Seine Angaben belegte der Versicherte
mit einem Bericht des Hausarztes Dr. med. B._. Dieser hatte festgehalten, die
Ehefrau des Versicherten leide an einer anhaltenden und rezidivierenden
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mittelschweren depressiven Episode, an einem Status nach einer Borderline-Störung,
an einer binge eating disorder, an einer Adipositas, an rezidivierenden Panikattacken
bei einer Angst- und Panikstörung sowie an einer Anpassungsstörung. Sie sei schon
seit längerer Zeit nicht mehr in der Lage, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Zurzeit
kümmere sie sich um ihre an Krebs im Terminalstadium erkrankte Schwester, was ihre
psychische Gesundheit zusätzlich beeinträchtige. Ein Sachbearbeiter der EL-
Durchführungsstelle notierte am 6. November 2009 (EL-act. 74), dass der Ehefrau des
Versicherten kein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen, diese aber darauf
hinzuweisen sei, dass sie sich gezielt um eine Teilzeitstelle bemühen müsse. Dem
Versicherten selbst müsse ein hypothetisches Erwerbseinkommen im Sinne des
Art. 14a ELV angerechnet werden. Im November 2009 sprach die EL-
Durchführungsstelle dem Versicherten rückwirkend ab Dezember 2004 eine
Ergänzungsleistung zu (EL-act. 61 ff.).
A.b Die Ergänzungsleistung betrug gemäss der Verfügung vom 27. Dezember 2012
ab Januar 2013 866 Franken pro Monat (EL-act. 28). Mit einer Verfügung vom
8. Februar 2013 passte die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung
rückwirkend per 1. Januar 2012 an die Ergebnisse der im Jahr 2012 eingeleiteten
periodischen Überprüfung an (EL-act. 22). Die Ergänzungsleistung wurde ab Januar
2012 auf 678 Franken pro Monat und ab Januar 2013 auf 708 Franken pro Monat
festgesetzt. Der Ehefrau des Versicherten war bei der Berechnung kein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet worden (EL-act. 19 f.).
A.c Bereits im Januar 2013 hatte die EL-Durchführungsstelle den Versicherten
darauf hingewiesen, dass sie (erneut) die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens für seine Ehefrau überprüfe (EL-act. 25). Der Versicherte hatte
ebenfalls noch im Januar 2013 mitgeteilt, dass seine Ehefrau nach wie vor
gesundheitsbedingt nicht in der Lage sei, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, was er
mit ärztlichen Zeugnissen von Dr. B._ und des Psychiatrie-Zentrums C._ belegte;
in seiner Antwort erwähnte er unter anderem, dass seine Ehefrau einen Kurs des
Schweizer Roten Kreuzes zur Pflegehelferin absolviert habe (EL-act. 23). Im Juli 2013
notierte ein Sachbearbeiter der EL-Durchführungsstelle (EL-act. 17), dass die Ehefrau
des Versicherten eine Rente der Invalidenversicherung beantragt habe und dass dieses
Gesuch mangels eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades abgewiesen worden sei.
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Die Ehefrau sei gemäss den IV-Akten zu mindestens 80 Prozent arbeitsfähig. Ihr müsse
deshalb ein hypothetisches Erwerbseinkommen von 39’930 Franken angerechnet
werden. Dieser Betrag entspreche dem Durchschnitt der statistischen Löhne für eine
Papeteristin und eine Pflegehelferin, gekürzt um 25 Prozent („Gesundheit“) und nach
Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen von 6,25 Prozent. Am 18. Juli 2013 teilte die
EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit (EL-act. 16), dass sie seiner Ehefrau ab
dem 1. November 2013 ein hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen werde. Er
werde im Oktober 2013 eine entsprechende Anpassungsverfügung erhalten. Bis zum
23. Oktober 2013 könne er Nachweise über Stellenbemühungen einreichen, um die
Vermutung zu widerlegen, seine Ehefrau könne ein Erwerbseinkommen erzielen.
Monatlich gälten 15 persönliche, telefonische und Bewerbungen via E-Mail oder
Kurzbrief als zumutbar. Am 15. August 2013 wandte der Versicherte ein (EL-act. 15), er
kenne seine Ehefrau besser als irgendjemand. Auch die behandelnden Ärzte wüssten
bestens über ihren Gesundheitszustand Bescheid. Sie sei nicht in der Lage, einer
Arbeit nachzugehen. Er könne nicht nachvollziehen, weshalb die Invalidenversicherung
sie nicht unterstütze. Der Grund für die ablehnende Haltung dürfte wohl der Sparkurs
sein. Er bitte darum, dass er nun nicht auch noch hinsichtlich der
Ergänzungsleistungen mit Einschränkungen bestraft werde. Am 19. August 2013
antwortete ihm die EL-Durchführungsstelle, dass sie aufgrund der Abweisung des
Rentenbegehrens von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgehen müsse (EL-
act. 14). Mit einer Verfügung vom 31. Oktober 2013 stellte die EL-Durchführungsstelle
die Ergänzungsleistung per dato ein (EL-act. 9).
A.d Dagegen erhob der Versicherte am 6. November 2013 eine Einsprache (EL-
act. 6). Er machte geltend, dass seine Ehefrau nicht arbeitsfähig und damit nicht in der
Lage sei, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, was die behandelnden Ärzte bestätigten.
Im Übrigen habe er es versäumt, darauf hinzuweisen, dass er seit dem 1. August 2013
nur noch mit seiner Ehefrau zusammen lebe; die Tochter sei ausgezogen. Die
Sachbearbeiterin der EL-Durchführungsstelle notierte am 28. November 2013 (EL-
act. 4), dass die Veränderung der Wohnsituation ab dem Meldemonat berücksichtigt
werden könne, sie aber am Ergebnis nichts ändere. Die Anrechnung des
hypothetischen Erwerbseinkommens für die Ehefrau sei rechtens und führe zu einem
erheblichen Einnahmenüberschuss. Die Einsprache müsse deshalb abgewiesen
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werden. Mit einem Entscheid vom 6. Januar 2014 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL act. 3).
B.
B.a Am 4. Februar 2014 (Datum der Postaufgabe) erhob der Versicherte
(nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 6. Januar 2014 (act. G 1). Er beantragte sinngemäss die
Weiterausrichtung der Ergänzungsleistung über den 31. Oktober 2013 hinaus. Zur
Begründung führte er aus, dass seine Ehefrau nicht arbeitsfähig sei. Sie könne kein
Erwerbseinkommen erzielen. Er selbst beziehe eine Rente bei einem Invaliditätsgrad
von 68 Prozent und arbeite zu 30 Prozent. Daneben unterstütze er seine Ehefrau im
Haushalt so gut es gehe. Sie seien auf die Ergänzungsleistungen angewiesen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 3. März 2014 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 3).
B.c Das Gericht forderte am 30. Juli 2015 die IV-Akten betreffend die Ehefrau des
Beschwerdeführers an (act. G 5). Dieser wies am 4. August 2015 darauf hin (act. G 6),
dass sich seine Frau schon zweimal zum Bezug einer Rente der Invalidenversicherung
angemeldet habe. Im Rahmen des ersten Verfahrens sei sie in Basel medizinisch
begutachtet worden. Der Sachverständige sei während der Befragung eingeschlafen.
Gestützt auf seinen Bericht sei das Gesuch abgewiesen worden. Im zweiten Verfahren
sei eine medizinische Begutachtung in St. Gallen erfolgt. Der psychiatrische
Sachverständige habe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent attestiert. Dennoch habe
die IV-Stelle das Rentenbegehren abgewiesen. Sie habe das zweite Gutachten ignoriert
und wiederum auf das erste Gutachten abgestellt. Seiner Frau gehe es aber psychisch
und körperlich „nicht besonders gut“. Nach dem Eingang der Akten beim Gericht nahm
der Beschwerdeführer in diese Einsicht. Anschliessend hielt er in einem Schreiben vom
27. August 2015 fest (act. G 9), dass er erstaunt sei, wie einfach es sich die IV-Stelle
mit ihrem Entscheid gemacht habe. Der Psychiater habe klar eine Arbeitsunfähigkeit
von 50 Prozent bestätigt. Das sei wohl nicht im Sinne der IV-Stelle gewesen, denn
diese habe für ihren Entscheid dann einfach auf das erste Gutachten abgestellt. Nur
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weil die IV-Stelle seiner Frau einen negativen Bescheid gegeben habe, sei diese aber
nicht arbeitsfähig.

Erwägungen
1.
1.1 Bei der Verfügung vom 31. Oktober 2013 hat es sich um eine
Revisionsverfügung im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG gehandelt. Inhaltlich hat sich das
mit dieser Verfügung abgeschlossene Revisionsverfahren auf die Frage der erstmaligen
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens für die Ehefrau des
Beschwerdeführers beschränkt (vgl. EL-act. 10 mit EL-act. 19). Im Ergebnis hat die
Revision zur Aufhebung der laufenden Ergänzungsleistung per 31. Oktober 2013
geführt. Das Einspracheverfahren, das mit dem angefochtenen Einspracheentscheid
vom 6. Januar 2014 abgeschlossen worden ist, hat sich naturgemäss ebenfalls auf das
hypothetische Erwerbseinkommen der Ehefrau als neue Einnahmenposition
beschränkt. Folglich bildet die Frage, ob die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens für die Ehefrau des Beschwerdeführers ab dem 1. November
2013 rechtmässig gewesen ist, den ausschliesslichen Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens (vgl. Ralph Jöhl, Die Revision nach Art. 17 ATSG, in: JaSo 2012,
S. 162 f.).
1.2 Die Anpassung einer laufenden, formell rechtskräftig zugesprochenen
Dauerleistung setzt gemäss dem Art. 17 Abs. 2 ATSG eine relevante Veränderung des
leistungserheblichen Sachverhaltes voraus. Die Beschwerdegegnerin hat der Ehefrau
des Beschwerdeführers also nicht ohne weiteres neu ein hypothetisches
Erwerbseinkommen anrechnen dürfen. Da die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zufolge einer Arbeitsunfähigkeit unterblieben war, kann nur die –
ganze oder teilweise – Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit einen hinreichenden
Grund für die Neuanrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ab November
2013 bilden. Die Frage, ob dies tatsächlich der Fall gewesen ist, ist anhand eines
Vergleichs zwischen dem Gesundheitszustand der Ehefrau des Beschwerdeführers
respektive der Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der Zusprache der Ergänzungsleistung im
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November 2009 und dem Gesundheitszustand respektive der Arbeitsfähigkeit im
Zeitpunkt des Erlasses des angefochtenen Einspracheentscheides zu beantworten.
2.
2.1 Die Ehefrau des Beschwerdeführers erhält mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades keine Rente der Invalidenversicherung. Der durch die IV-Stelle
ermittelte Invaliditätsgrad kann aber weder die Beschwerdegegnerin noch das Gericht
binden, denn der massgebende Sachverhalt besteht nicht im IV-spezifischen
Invaliditätsgrad der Ehefrau, sondern in deren Fähigkeit, ein bestimmtes
Erwerbseinkommen zu erzielen. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin
kann der im vorliegenden Fall EL-rechtlich massgebende Sachverhalt also nicht darin
bestehen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers zu mindestens 80 Prozent
erwerbsfähig wäre. Vielmehr sind die von der IV-Stelle produzierten Akten betreffend
die Arbeitsfähigkeit der Ehefrau im vorliegenden Beschwerdeverfahren beizuziehen und
selbständig zu würdigen.
2.2 Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat sich im Oktober 2005 erstmals zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet. In einem Gutachten der
ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH vom Juli 2007 ist ihr für leidensadaptierte
Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 80 Prozent attestiert worden, weshalb
die IV-Stelle das Rentenbegehren mangels eines rentenbegründenden
Invaliditätsgrades mit einer Verfügung vom 29. November 2007 abgewiesen hat. Im
November 2009 hat sich die Ehefrau des Beschwerdeführers erneut zum
Leistungsbezug bei der IV-Stelle angemeldet. Im Oktober 2011 ist sie durch die Ärzte
der medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz begutachtet worden. Deren
Sachverständige haben in ihrem Gutachten vom 27. Januar 2012 gestützt auf eine
persönliche Untersuchung und eine eingehende Auseinandersetzung mit den
medizinischen Akten eine nachvollziehbare und überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben. Somit steht mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers
leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten ohne repetitive, stereotype
Bewegungsabläufe, ohne das Einnehmen von Zwangshaltungen, ohne das Arbeiten
über die Armhorizontale hinaus, ohne das körperferne Tragen und Heben von Lasten,
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ohne direkten Kundenkontakt, ohne Teamarbeit und ohne Tätigkeiten mit
Verantwortung zu 50 Prozent verrichten kann. Angesichts dieser qualitativen
Einschränkungen können der Ehefrau des Beschwerdeführers weder die Tätigkeit als
Papeteristin, die nach der allgemeinen Lebenserfahrung mit einem regelmässigen
direkten Kundenkontakt und einer Zusammenarbeit in einem Team verbunden ist, noch
die Tätigkeit als Pflegehelferin, die ebenfalls einen direkten Kundenkontakt und die
Zusammenarbeit mit Kollegen erfordert, zugemutet werden. Mangels einer weiteren
Ausbildung fallen also nur leidensadaptierte Hilfsarbeiten und diese nur in einem
Umfang von 50 Prozent in Betracht.
2.3 Der psychiatrische Sachverständige der MEDAS Ostschweiz hat im Gutachten
vom 27. Januar 2012 zwar ausgeführt, dass gestützt auf die anamnestischen Angaben
sowie in Anbetracht der Natur der Erkrankung davon auszugehen sei, dass die
massgebenden Einschränkungen schon seit Jahren bestünden. Er hat aber auch
darauf hingewiesen, dass ein retrospektiver Längsschnitt aus psychiatrischer Sicht
schwer falle. Zudem finden sich in seinen Ausführungen keine Hinweise auf den von
Dr. B._ erwähnten belastenden Zustand der Schwester der Ehefrau des
Beschwerdeführers im Herbst 2009, die damals an einer Krebserkrankung im
Terminalstadium gelitten hat. Im Gutachten vom 27. Januar 2012 wird lediglich
nebenbei erwähnt, dass sich die Ehefrau des Beschwerdeführers um die Tochter der –
mittlerweile – verstorbenen Schwester kümmere. Wird diese Zusatzbelastung in der
zweiten Jahreshälfte 2009 ausser Acht gelassen, dürfte die Ehefrau des
Beschwerdeführers gemäss dem Gutachten der MEDAS Ostschweiz bereits damals im
aktuellen Umfang von 50 Prozent arbeitsfähig gewesen sein. Die zusätzliche Belastung
durch das Schicksal der Schwester hat damals aber überwiegend wahrscheinlich die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit aus psychiatrischen Gründen vorübergehend
verunmöglicht, wie Dr. B._ überzeugend dargelegt hat. Die Kombination der
„Grunderkrankung“ und der vorübergehenden Zusatzbelastung dürfte denn auch der
Grund dafür gewesen sein, dass die Beschwerdegegnerin im November 2009 von der
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens abgesehen hat. Diese
Zusatzbelastung ist mittlerweile weggefallen, weshalb sich der massgebende
Sachverhalt diesbezüglich verändert hat. Grundsätzlich ist es deshalb zulässig
gewesen, auf die Frage nach der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens zurückzukommen. Rückblickend hätte eine entsprechende
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Revision der Ergänzungsleistung zwar schon wesentlich früher geprüft werden müssen,
doch hat die Beschwerdegegnerin dies versäumt. Da sie diese Frage erst im Januar
2013 wieder aufgeworfen hat und da sie aufgrund des Art. 25 Abs. 4 ELV ab diesem
Zeitpunkt noch mehrere Monate mit der Anpassung hat zuwarten müssen, ist auch der
Zeitpunkt, auf den sie diese Anpassung vorgenommen hat, nicht zu beanstanden.
3.
3.1 Gestützt auf den Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG sind
Erwerbseinkünfte, auf die verzichtet worden ist, bei der Berechnung der
Ergänzungsleistung als Einnahmen zu berücksichtigen. Liegt ein Verzicht im Sinne des
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG vor, hat die EL-Durchführungsstelle also bezüglich der
betroffenen Einnahmenposition vom realen Sachverhalt abzuweichen und auf einen
fiktiven Sachverhalt abzustellen, das heisst zu fingieren, es sei nicht auf diese
Einnahme verzichtet worden respektive sie werde erzielt. Die Ehefrau des
Beschwerdeführers erzielt kein Erwerbseinkommen. Die Anwendung des Art. 11 Abs. 1
lit. a ELG auf diesen realen Sachverhalt hätte zur Folge, dass ihr – weiterhin, das heisst
über den 31. Oktober 2013 hinaus – kein Erwerbseinkommen anzurechnen wäre. Wenn
es ihr nun aber möglich und zumutbar wäre, ein Erwerbseinkommen zu erzielen, sie
von dieser Möglichkeit aber keinen Gebrauch machen und damit auf die Erzielung
dieses Erwerbseinkommens verzichten würde, müssten ihr gestützt auf den Art. 11
Abs. 1 lit. g ELG i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG zwei Drittel des 1’500 Franken
übersteigenden Betrages dieses Erwerbseinkommens angerechnet werden, wie wenn
sie nicht darauf verzichten respektive dieses Erwerbseinkommen erzielen würde.
Massgebend für die Beantwortung der Frage, ob es der Ehefrau des
Beschwerdeführers möglich und zumutbar gewesen wäre, ein Erwerbseinkommen zu
erzielen, sind nicht nur ihre Erwerbsfähigkeit, sondern auch das Stellenangebot auf
dem tatsächlichen Arbeitsmarkt und allfällige Hindernisse, wie Betreuungspflichten
gegenüber minderjährigen Kindern.
3.2 Die von den Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz attestierten qualitativen
Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit sprechen für sich allein nicht gegen eine
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt. Die Annahme,
die Ehefrau des Beschwerdeführers hätte eine geeignete Arbeitsstelle finden können,
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wenn sie sich ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemüht hätte, hätte nur durch den
Nachweis entsprechender, erfolgloser Arbeitsbemühungen widerlegt werden können.
Diesen Nachweis hat die Ehefrau des Beschwerdeführers nicht erbracht, obwohl die
Beschwerdegegnerin sie darauf hingewiesen hatte. Da weder sonstige persönliche
Aspekte noch Betreuungspflichten oder dergleichen gegen eine Verwertung der
Restarbeitsfähigkeit auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt sprechen, ist davon
auszugehen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers eine leidensadaptierte
Hilfsarbeit im Umfang von 50 Prozent hätte verrichten können, wenn sie sich um eine
entsprechende Arbeitsstelle bemüht hätte. Der Ehefrau des Beschwerdeführers bleibt
es unbenommen, für die Zukunft die Nichtüberwindbarkeit der Arbeitslosigkeit zu
beweisen, indem sie Nachweise von ausreichenden und ernsthaften, aber erfolglosen
Stellenbemühungen einreicht.
3.3 Laut den Ergebnissen der vom Bundesamt für Statistik regelmässig
durchgeführten Lohnstrukturerhebung haben Hilfsarbeiterinnen in der Grossregion
Ostschweiz im Jahr 2010 einen standardisierten Medianmonatslohn von 4’079 Franken
erhalten, was angepasst an die im Jahr 2010 übliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,6
Stunden und umgerechnet auf ein Jahr einem Jahreslohn von 50’906 Franken
entspricht. Angepasst an die Nominallohnentwicklung 2010–2013 (Indexstand 2010:
2579 Punkte; Indexstand 2013: 2648 Punkte) ergibt sich ein im Verfügungszeitpunkt
aktueller Lohn von 52’268 Franken. Unter Berücksichtigung der Arbeitsunfähigkeit von
50 Prozent reduziert sich dieser Lohn um die Hälfte auf 26’134 Franken. Da die Ehefrau
des Beschwerdeführers sich mit einem Pensum von 50 Prozent bereits an der
Belastungsgrenze bewegt und demzufolge weder flexibel eingesetzt noch zur Leistung
von Überzeit verpflichtet werden kann und da sie ihre Arbeitsleistung nicht zuverlässig
erbringen kann, sondern in unregelmässigen Abständen krankheitsbedingt ausfallen
wird, wird sie nicht in der Lage sein, den Medianlohn zu erreichen. Ein wirtschaftlich
denkender potentieller Arbeitgeber wird ihr einen tieferen Lohn als einer gesunden,
ebenfalls in einem Pensum von 50 Prozent angestellten Mitbewerberin anbieten, um
diese ökonomischen Nachteile auszugleichen. Dies rechtfertigt einen Abzug vom
Medianlohn von 15 Prozent (vgl. BGE 126 V 75). Das zumutbarerweise erzielbare
(fiktive) Erwerbseinkommen beläuft sich folglich auf 22’214 Franken. Davon sind 6,25
Prozent für (fiktive) Sozialversicherungsbeiträge abzuziehen, womit sich ein
hypothetisches Erwerbseinkommen von 20’826 Franken ergibt.
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4. Die Rentenleistungen haben total 29’907 Franken betragen. Der Beschwerdeführer
selbst hat ein Nettoeinkommen von 16’485 Franken erzielt. Zusammen mit dem
hypothetischen Erwerbseinkommen der Ehefrau haben sich die Erwerbseinnahmen des
Ehepaares auf 37’311 Franken belaufen. Damit hat sich ein anrechenbares
Erwerbseinkommen von 23’874 Franken (zwei Drittel von 37’311 – 1’500 Franken)
ergeben. Zusammen mit den Rentenleistungen haben die anrechenbaren Einnahmen
also 53’781 Franken betragen. Die anerkannten Ausgaben haben sich im
massgebenden Zeitpunkt auf 48’931 Franken belaufen (vgl. EL-act. 10). Aus der
Anspruchsberechnung hat folglich ein Einnahmenüberschuss resultiert, was die
Weiterausrichtung einer Ergänzungsleistung ausgeschlossen hat. Im Ergebnis hat die
Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistung deshalb zu Recht per 31. Oktober 2013
aufgehoben.