Decision ID: b6f7cd38-8de7-5294-a741-813044358b74
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Schweizer Wort-/Bildmarke Nr. 726354 "Nusr-Et (fig.)" des Erdal
Asarav (nachfolgend: Widerspruchsgegner) wurde am 10. August 2018
hinterlegt und am 22. Januar 2019 ins schweizerische Markenregister ein-
getragen (vgl. Veröffentlichung vom 22. Januar 2019 auf Swissreg). Die
Marke, welche die Farben rot, schwarz und weiss beansprucht, sieht wie
folgt aus:
Ihr Waren- und Dienstleistungsverzeichnis lautet:
Klasse 29: Fleisch, Fisch, Geflügel und Wild; Fleischextrakte; konserviertes,
tiefgekühltes, getrocknetes und gekochtes Obst und Gemüse; Gallerten
(Gelees), Konfitüren, Kompotte; Eier; Milch und Milchprodukte; Speiseöle
und -fette.
Klasse 30: Kaffee, Tee, Kakao und Kaffee-Ersatzmittel; Reis; Tapioka und
Sago; Mehle und Getreidepräparate, Brot, feine Backwaren und Konditorwa-
ren; Speiseeis; Zucker, Honig, Melassesirup; Hefe, Backpulver; Salz; Senf;
Essig, Saucen (Würzmittel); Gewürze; Eis (gefrorenes Wasser).
Klasse 43: Dienstleistungen zur Verpflegung von Gästen; Dienstleistungen
zur Beherbergung von Gästen.
A.b Gestützt auf ihre nach ihren Angaben in der Schweiz notorisch
bekannte Marke "NUSRET" erhob die D ET VE ET ÜRÜNLERI GIDA
PAZARLAMA TICARET ANONIM SIRKETI (nachfolgend: Wider-
sprechende) vollumfänglich Widerspruch gegen die Eintragung der
schweizerischen Marke Nr. 726354. Sie weist in diesem Zusammenhang
zunächst auf die türkische Markenregistrierung 201707632 vom 27. Januar
2017 hin. Insgesamt bestünden über 55 derartige ältere ausländische Re-
gistrierungen, mit welchen Schutz für die Klassen 29 und/oder 43 bean-
sprucht werde. Zur Begründung führte die Widersprechende aus, die an-
gefochtene Marke übernehme die Widerspruchsmarke vollständig, sodass
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unter Berücksichtigung der Bekanntheit derselben und der Gleichartigkeit
bzw. Identität der betroffenen Waren und Dienstleistungen eine Verwechs-
lungsgefahr zwischen beiden Marken zu bejahen sei.
A.c Mit Verfügung vom 7. Juni 2019 beendete das Eidg. Institut für
Geistiges Eigentum (nachfolgend: IGE) die Instruktion im Widerspruchs-
verfahren, nachdem der Widerspruchsgegner die ihm angesetzte Frist zur
Erstattung einer Widerspruchsantwort unbenutzt hatte verstreichen lassen.
A.d Das IGE wies den Widerspruch mit Verfügung vom 13. September
2019 vollständig ab. Zur Begründung führte es zunächst aus, dass die Wi-
dersprechende verschiedene Marken mit dem (Haupt)Element «NUSRET»
registriert habe, insbesondere zwei Marken in der Türkei, welche unter an-
derem für Dienstleistungen der Klasse 43 registriert seien. Indessen hielt
es fest, dass es der Widersprechenden nicht gelungen sei, die notorische
Bekanntheit der Widerspruchsmarke in der Schweiz glaubhaft zu machen.
Entsprechend könne sich die Widersprechende nicht auf diese Marke
berufen, weshalb der Widerspruch ohne Zeichenvergleich abzuweisen sei.
B.
Gegen diese Verfügung erhob die Widersprechende (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 17. Oktober 2019 beim Bundesverwaltungs-
gericht Beschwerde mit den folgenden Rechtsbegehren:
" 1. Es sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben, der Widerspruch gutzu-
heissen und die Registrierung der angegriffenen Marke zu widerrufen.
2. Es sei dem Beschwerdegegner die Amtsgebühr in der Höhe von CHF 800
und eine Parteientschädigung in der Höhe von CHF 1'200 für das Wider-
spruchsverfahren aufzuerlegen.
3. Es seien die gesamten Verfahrenskosten und eine Parteientschädigung
zugunsten der Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner, wenn sich
dieser am Verfahren nicht beteiligt der Vorinstanz, aufzuerlegen."
Weiter stellte die Beschwerdeführerin den prozessualen Antrag, es seien
die gesamten bei der Vorinstanz befindlichen Akten zum Verfahren heran-
zuziehen.
Zur Begründung der Beschwerde führt sie aus, bei der angefochtenen
Marke handle es sich um die Kopie der Widerspruchsmarke. Sowohl das
Wortelement wie auch dessen Gestaltung sei vollständig übernommen und
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für identische Waren und Dienstleistungen hinterlegt worden. Entspre-
chend sei eine Verwechslungsgefahr zu bejahen. Zur notorischen Bekannt-
heit der Widerspruchsmarke führt die Beschwerdeführerin aus, sie sei die
Betreibergesellschaft der von Nusret Gökçe geführten und gleichnamigen
Restaurantkette Nusr-Et. Die Kette führe derzeit 15 Lokale in Istanbul,
Ankara, Bodrum, Marmaris, Abu Dhabi, Dubai, Doha, New York, Miami und
Mykonos. Die Restaurantkette Nusr-Et habe rasch enorme internationale
Bekanntheit erlangt. Dies einerseits wegen der Qualität, welche zu interna-
tionalen Auszeichnungen geführt habe (Beschwerde, Rz. 14). Andererseits
habe auch Nusret Gökçe selber wegen seiner Videos über das Tranchieren
und Salzen von Steaks als Internetphänomen weltweite Berühmtheit er-
langt. Der charakteristischen Geste, wie er ein Gericht salzt, sei gar ein
Emoji gewidmet (Beschwerde, Rz. 15). Der Instagram-Account von Nusret
Gökçe habe vor Eingabe der Widerspruchsfrist 21.1 Mio. Follower ausge-
wiesen. Auch seien bereits verschiedene internationale Stars wie Roger
Federer, David Beckham, Lionel Messi, Luka Modric, Cristiano Ronaldo
und Frank Ribéry in den Restaurants Nusr-Et zu Gast gewesen. Über diese
Besuche sei in der Presse berichtet worden. Die weltweite Bekanntheit der
Restaurantkette Nusr-Et und damit der Widerspruchsmarke ergebe sich
aus den diversen Berichten der internationalen und nationalen Presse über
das Angebot der Restaurants und den Gastgeber Nusret Gökçe. Es seien
in diesem Zusammenhang auch acht Presseberichte aus der Schweiz ab-
rufbar (Beschwerde, Rz. 16 ff.).
C.
Unter Einreichung aller Vorakten und ohne weitere Ausführungen bean-
tragt das IGE (hiernach: Vorinstanz) mit Schreiben vom 13. Dezember
2019 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde.
D.
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2019 teilte das Bundesverwaltungsge-
richt den Verfahrensbeteiligten mit, dass – nachdem der Beschwerdegeg-
ner die ihm angesetzte Frist zur Erstattung einer Beschwerdeantwort un-
benutzt hat verstreichen lassen – kein weiterer Schriftenwechsel vorgese-
hen sei.
E.
Soweit erforderlich wird auf weitere Vorbringen der Verfahrensbeteiligten
im Rahmen der folgenden Urteilserwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist für die Beurteilung von Beschwerden
gegen Verfügungen der Vorinstanz in Widerspruchssachen zuständig
(Art. 31, 32 und 33 Bst. e des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni
2005 [VGG, SR 173.32]). Die Beschwerde wurde innert der gesetzlichen
Frist des Art. 50 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. De-
zember 1968 (VwVG, SR 172.021) erhoben und der verlangte Kostenvor-
schuss rechtzeitig geleistet. Als Widersprechende ist die Beschwerde-
führerin durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und
beschwert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Zudem hat sich der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin rechtsgenüglich ausgewiesen (Art. 11 Abs. 2 VwVG).
Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
2.1 Mit ihrem Rechtsbegehren, die vorinstanzliche Verfügung vom
13. September 2019 sei aufzuheben und der Widerspruch gutzuheissen,
beantragt die Beschwerdeführerin, das Bundesverwaltungsgericht solle die
Verwechslungsgefahr ohne Rückweisung an die Vorinstanz prüfen. Dies-
bezüglich ist indessen darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz den Wider-
spruch bereits mangels notorischer Bekanntheit der in der Schweiz nicht
eingetragenen Widerspruchsmarke – und damit ohne Prüfung der Ver-
wechslungsgefahr – abgewiesen hat. Demnach würde das Bundesverwal-
tungsgericht die Sache für den Fall, dass eine notorische Bekanntheit der
Widerspruchsmarke zu bejahen ist, praxisgemäss zur weiteren Prüfung an
die Vorinstanz zurückweisen (Urteil des BVGer B-5334/2016 vom 15. März
2019 E. 2 mit Hinweisen "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]" [Urteil
zur Publikation vorgesehen]).
2.2 Dies gilt im Übrigen auch in Bezug auf die weiteren Rügen der Be-
schwerdeführerin, wonach es sich bei der angefochtenen Marke vorliegend
um eine doppelidentische Marke im Sinne von Art. 3 lit. a MSchG handelt
(Beschwerde, Rz. 37 und 39) und sich der Widerspruchsgegner die Wider-
spruchsmarke missbräuchlich angeeignet habe (Beschwerde, Rz. 38 f.).
Inwiefern diese Tatbestände vorliegend erfüllt sind, bzw. ob auf die entspre-
chende Rüge überhaupt einzutreten wäre (Urteil des BVGer B-3012/2012
vom 5. Februar 2014 E. 6.4.2.1 m.H. "Pallas/Pallas Seminare [fig.]";
GREGOR WILD, in: Noth/Bühler/ Thouvenin [Hrsg.], Kommentar zum Mar-
kenschutzgesetz, 2. Aufl. 2017, Art. 31 Rz. 18 mit Hinweisen), kann mit
Blick auf den Umstand, dass auch diesbezüglich eine entsprechende
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vorinstanzliche Prüfung bis anhin noch nicht stattgefunden hat (vgl. E. 2.1
hiervor), offen gelassen werden.
2.3 Demnach ist im Folgenden nur auf die Rügen betreffend die notorische
Bekanntheit der Widerspruchsmarke einzugehen.
3.
3.1 Nach der Legaldefinition von Art. 1 Abs. 1 des Markenschutzgesetzes
vom 28. August 1992 (MSchG, SR 232.11) ist die Marke ein Zeichen zur
Unterscheidung von Waren oder Dienstleistungen verschiedener Unter-
nehmen voneinander. Das Markenrecht entsteht mit der Eintragung ins
Register und steht demjenigen zu, der die Marke zuerst hinterlegt (Art. 5 f.
MSchG). Dem Inhaber verleiht es das ausschliessliche Recht, die Marke
zur Kennzeichnung der Waren und Dienstleistungen, für die sie bean-
sprucht wird, zu gebrauchen und darüber zu verfügen (Art. 13 Abs. 1
MSchG).
3.2 Gestützt auf Art. 3 Abs. 1 MSchG kann der Inhaber der älteren Marke
gegen eine jüngere Markeneintragung innerhalb von drei Monaten nach
der Veröffentlichung deren Eintragung Widerspruch erheben (Art. 31
MSchG). Als ältere Marke gilt nicht nur die zum Zeitpunkt der Hinterlegung
der jüngeren Marke bereits im Markenregister eingetragene Marke, son-
dern auch jene Marke, die im Sinne von Art. 6bis der Pariser Verbands-
übereinkunft vom 20. März 1831 zum Schutz des gewerblichen Eigentums
(Pariser Verbandsübereinkunft [PVÜ]; SR 0.232.04) in der Schweiz
notorisch bekannt ist (Art. 3 Abs. 2 lit. b MSchG; Urteile des BVGer
B-622/2018 vom 8. Juni 2020 E. 3.2 "Sunday [fig.]/Kolid Sunday [fig.]"
[Urteil zur Publikation vorgesehen] und B-5334/2016 vom 15. März 2019
E. 3.2 m. H. "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"). Die notorische Be-
kanntheit der Widerspruchsmarke muss demnach bereits zum Zeitpunkt
der Eintragung der jüngeren Marke bestehen (Art. 3 Abs. 2 lit b MSchG;
Urteil des BGer 4P.291/2000 vom 19. Februar 2001 E. 3c "Central Perk";
Urteil des BVGer B-5334/2016 E. 3.2 "THINK DIFFERENT/Tick different
[fig.]"; NATHALIE TISSOT/STEVE REUSSER, in: Tissot/Kraus/Salvadé [Hrsg.],
Propriété intellectuelle – Marques, brevets, droit d'auteur, 2019, Rz. 358;
RALPH SCHLOSSER/CLAUDIA MARADAN, in: de Werra/Gilliéron [éd.],
Propriété intellectuelle, Commentaire romand, 2013, art. 3 LPM N. 189).
Angesichts dessen, dass es sich hierbei um eine Ausnahme vom Eintra-
gungsprinzip handelt, sind sich Lehre und Rechtsprechung einig, dass
Art. 3 Abs. 2 lit. b MSchG äusserst restriktiv anzuwenden ist (BGE 130
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III 267 E. 4.4 f. "Tripp Trapp"; Urteil des BGer 4P.291/2000 vom 19. Feb-
ruar 2001 E. 3c "Central Perk"; Urteile des BVGer B-622/2018 E. 3.2
"Sunday [fig.]/Kolid Sunday [fig.]", B-5177/2017 vom 19. November 2019
E. 2.3 und 4.5.2 "RITZ/RITZCOFFIER", B-5334/2016 E. 3.2 m. H. "THINK
DIFFERENT/Tick different [fig.]"; GALLUS JOLLER, in: Noth/Bühler/Thouve-
nin [Hrsg.], Kommentar zum Markenschutzgesetz, 2. Aufl. 2017, Art. 3
Rz. 353; MATTHIAS STÄDELI/SIMONE BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, in:
David/Frick [Hrsg.], Markenschutzgesetz/Wappenschutzgesetz Basler
Kommentar, 3. Aufl. 2017, Art. 3 N. 180; SCHLOSSER/MARADAN, a.a.O.,
art. 3 LPM N. 173 f.).
3.3 Um sich auf Art. 3 Abs. 2 lit. b MSchG stützen zu können, muss es sich
bei der notorisch bekannten Widerspruchsmarke um eine im Ausland
geschützte Marke handeln (BGE 130 III 267 E. 4.2 "Tripp Trapp"; Urteile
des BVGer B-5177/2017 E. 2.4 "RITZ/RITZCOFFIER", B-5334/2016 E. 3.2
"THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]", B-1752/2009 vom 26. August
2009 E. 3.3.6 "Swatch Group [fig.]/watch ag [fig.]"; JOLLER, a.a.O., Art. 3
Rz. 370; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 183, 185;
SCHLOSSER/MARADAN, a.a.O., art. 3 LPM N. 180 und 182; anderer
Meinung: PHILIPPE GILLIÉRON, L'appropriation de marques abandonnées
par des tiers ["Reviving brands"], sic! 2019/245, S. 246 [mit Hinweisen in
Fn. 6]). In Anbetracht des Umstands, dass Mitgliedstaaten der PVÜ
Marken auch ohne Registrierung schützen, ist es nicht zwingend notwen-
dig, dass die ausländische Widerspruchsmarke in einem Register einge-
tragen ist. Soweit Markenrechte im Ausland auch auf ihren blossen
Gebrauch hin erworben werden können, genügt ein entsprechender Nach-
weis bezüglich Praxis und Gebrauch (Urteil des BVGer B-5334/2016 E. 3.3
m. H. "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"; JOLLER, a.a.O., Art. 3
Rz. 373; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 186). Dabei
gilt es allerdings zu beachten, dass einer Marke, gegen welche ein
absoluter Ausschlussgrund i.S.v. Art. 2 MSchG vorliegt, in der Schweiz kein
Schutz als notorisch bekannte Marke zukommen kann (JOLLER, a.a.O.,
Art. 3 Rz. 375; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 182) –
ausser der Markeninhaberin gelingt der Nachweis der Verkehrsdurch-
setzung in der Schweiz und der übrigen Voraussetzungen für den Schutz
als notorisch bekannte Marke (JOLLER, a.a.O., Art. 3 Rz. 376;
STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 182).
3.4 Das im Ausland als Marke geschützte und gebrauchte Zeichen muss
in der Schweiz notorisch bekannt sein (Art. 3 Abs. 2 lit. b MSchG; SCHLOS-
SER/MARADAN, a.a.O., art. 3 LPM N. 184). Dies setzt zwar keinen
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Gebrauch der Marke in der Schweiz voraus (BGE 130 III 267 E. 4.4 "Tripp
Trapp"; Urteile des BVGer B-5177/2017 E. 2.6.2 "RITZ/RITZCOFFIER",
B-5334/2016 E. 3.4 "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"; JOLLER,
a.a.O., Art. 3 Rz. 378; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3
N. 189), bedeutet aber immerhin, dass die Marke in der Schweiz in einem
der betroffenen Verkehrskreise als Marke für die damit gekennzeichneten
Waren und/oder Dienstleistungen notorisch bekannt ist (BGE 130 III 267
E. 4.7.2 "Tripp Trapp"; Urteile des BVGer B-622/2018 E. 3.4 "Sunday
[fig.]/Kolid Sunday [fig.], B-5177/2017 E. 2.5 und 2.8.2 "RITZ/RITZ-
COFFIER", B-5334/2016 E. 3.4 "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]";
STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 190 f.; RAPHAEL
NUSSER, Die massgeblichen Verkehrskreise im schweizerischen Marken-
recht, 2015, S. 149). Die Marke muss in der Schweiz über eine gesteigerte,
offenkundige Bekanntheit verfügen (BGE 130 III 267 E. 4.7.3 "Tripp
Trapp"; Urteile des BVGer B-5177/2017 E. 2.7.1 "RITZ/RITZCOFFIER",
B-5334/2016 E. 3.4 "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"). Eine bloss
vage Kenntnis der Marke in der Schweiz genügt nicht (STÄDELI/BRAUCHBAR
BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 192). Zum Mass dieser Bekanntheit führt das
Bundesgericht aus, im Regelfall erscheine ein Richtwert von über 50% als
angemessen (BGE 130 III 267 E. 4.7.3 "Tripp Trapp"; Urteil des BVGer
B-5177/2017 E. 2.8.3 "RITZ/RITZCOFFIER"). STÄDELI und BRAUCHBAR
BIRKHÄUSER formulieren als Faustregel, dass das Mindestmass der
Bekanntheit zur Bejahung der Notorietät zwischen derjenigen einer be-
kannten Marke mit erhöhtem Schutzumfang und derjenigen einer berühm-
ten Marke i.S.v. Art. 15 MSchG liegt (STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER,
a.a.O., Art. 3 N. 192). Notorisch bekannt kann ausserdem – so das
Bundesgericht – in Bezug auf die Dauer des Gebrauchs nur eine etablierte
Marke sein (BGE 130 III 267 E. 4.7.4 "Tripp Trapp"). Dennoch bleibt zu be-
achten, dass die notorisch bekannte Marke im Sinne von Art. 6bis PVÜ von
der berühmten Marke abzugrenzen ist: Anders als bei einer im Sinne von
Art. 15 MSchG berühmten Marke beschränkt sich der Schutz der notorisch
bekannten Marke auf bestimmte Waren und Dienstleistungen (Urteil des
BGer 4P.291/2000 vom 19. Februar 2001 E. 3c "Central Perk"; Urteile des
BVGer B-5334/2016 E. 3.4 "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]",
B-2630/2012 vom 4. Juli 2013 E. 5.1.1 "LA CASA DEL HABANO/CLUB
PASSION HABANOS"; JOLLER, a.a.O., Art. 3 Rz. 355; CHRISTIAN ROHNER,
Die notorisch bekannte Marke in der Schweiz, 2002, S. 4). Es ist demnach
festzustellen, für welche Waren oder Dienstleistungen die Widerspruchs-
marke die erforderliche Notorietät erlangt hat (Urteil des BGer 4P.291/2000
vom 19. Februar 2001 E. 3c "Central Perk"; JOLLER, a.a.O., Art. 3 Rz. 268).
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4.
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob sich die Beschwerdeführerin auf
ein älteres, ausländisches Markenrecht beruft (Urteile des BVGer
B-622/2018 E. 4 "sunday [fig.]/Kolid sunday" und B-5334/2016 E. 6.3
"THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"). Die Beschwerdeführerin belegt
mittels einer Auflistung sowie den entsprechenden Eintragungsurkunden
(vgl. Beschwerdebeilagen 3), dass sie Inhaberin diverser, weltweit einge-
tragener Marken ist, die alle mindestens den Bestandteil "Nusr-et" beinhal-
ten. Damit belegt die Beschwerdeführerin unter anderem, dass sie
Inhaberin der am 20. Oktober 2014 beim EUIPO angemeldeten und am
3. März 2015 eingetragenen Europäischen Marke Nr. 013381231 ist. Die
Wort-/Bildmarke ist für Waren der Klasse 29 sowie diverse Restaurations-
dienstleistungen der Klasse 43 hinterlegt. Sie beansprucht die Farben rot,
weiss und schwarz und ist wie folgt gestaltet:
Damit ergibt sich bereits aus dieser Eintragung, dass die Beschwerdefüh-
rerin ihren Widerspruch – wie von der Rechtsprechung und Lehre gefordert
(BGE 130 III 267 E. 4.2 "Tripp Trapp"; Urteile des BVGer B-5177/2017
E. 2.4 "RITZ/RITZCOFFIER" und B-5334/2016 E. 3.3 m. H. "THINK DIF-
FERENT/Tick different [fig.]"; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O.,
Art. 3 N. 183, 185; SCHLOSSER/MARADAN, a.a.O., art. 3 LPM N. 180 und
182) – auf eine im Ausland geschützte, ältere Marke stützt. Demnach
erübrigt es sich im vorliegenden Zusammenhang, auf die von der
Beschwerdeführerin besonders hervorgehobenen türkischen Marken ein-
zugehen.
5.
In einem weiteren Schritt sind die massgeblichen Verkehrskreise für die im
Widerspruch stehenden Waren und Dienstleistungen der Widersprechen-
den zu bestimmen (EUGEN MARBACH, Die Verkehrskreise im Markenrecht,
sic! 2007, S. 1, 6 f. und 11). Die Beschwerdeführerin stützt sich in erster
Linie auf Marken, welche für Restaurationsdienstleistungen der Klasse 43
sowie für diverse Lebensmitteln, insbesondere Fleischwaren in Klasse 29,
eingetragen sind. Diese Waren und Dienstleistungen richten sich an ein
breites Publikum und werden gleichermassen von Fachkreisen (z.B. der
Gastronomie, Lebensmittelhandels, Hotellerie) wie vom Endabnehmer in
Anspruch genommen. Dies trifft zu sowohl auf die Produkte der Klasse 29
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Seite 10
(Urteile des BVGer B-3199/2013 vom 12. Juni 2014 E. 3 "SWISSPRIM-
BEEF/Appenzeller Prim[e] Beef [fig.]", B-8240/2010 vom 27. Februar 2012
E. 5 "Aus der Region. Für die Region") als auch für die in Klasse 43 bean-
spruchten Dienstleistungen (Urteile des BVGer B-151/2018 vom 4. Feb-
ruar 2020 E. 9.1 "BVLGARI VAULT, BVLGARI" [Urteil zur Publikation vor-
gesehen], B-107/2018 vom 25. Oktober 2019 E. 5 "ALOFT", B-5177/2017
E. 4.4 "RITZ/RITZCOFFIER", B-4772/2012 vom 12. August 2013 E. 3
"Mc/MC2 [fig.]").
6.
6.1 Schliesslich ist die notorische Bekanntheit der Widerspruchsmarke in
der Schweiz zu prüfen. Wohl kann die notorische Bekanntheit eines Zei-
chens wiederum behörden- oder gerichtsnotorisch sein (Entscheid der
RKGE vom 12. Dezember 2005, in: sic! 2006/177, S. 179 "Médecins sans
frontières"; STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 198). Unter
diesen Voraussetzungen erledigt sich die diesbezügliche Abnahme von
Beweisen. Allerdings handelt es sich bei den Begriffen "gerichts- bzw.
behördennotorisch" und "notorische Bekanntheit" einer Marke nicht um
Synonyme (Urteil des BVGer B-5334/2016 E. 6.5.1 "THINK DIFFERENT/
Tick different [fig.]"). Aus der Lehre und Rechtsprechung geht klar hervor,
dass die notorische Bekanntheit einer in der Schweiz nicht-registrierten
Marke nicht leichthin anzunehmen ist (vgl. E. 3.2 hiervor). Für das
Erreichen der notorischen Bekanntheit sind höhere Anforderungen anzu-
setzen, als bei einer eingetragenen Marke, der aufgrund erreichter Markt-
durchdringung der Schutzumfang einer bekannten Marke zuerkannt
werden soll (BGE 130 III 267 E. 4.7.2 "Tripp Trapp"; Urteil des BGer
4P.291/2000 vom 19. Februar 2001 E. 3c "Central Perk"; STÄDELI/BRAUCH-
BAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 190 f.). Die Notorietät kann sich im
Rahmen der Spezialität des Markenrechts einzig auf jene Waren und
Dienstleistungen beziehen, für welche die Marke tatsächlich gebraucht
oder beworben wird (Urteil des BGer 4P.291/2000 vom 19. Februar 2001
E. 3c "Central Perk"; Urteil des BVGer B-5334/2016 E. 3.4 m. H. "THINK
DIFFERENT/Tick different fig.]").
6.2 Die Beschwerdeführerin macht richtigerweise nicht geltend, die notori-
sche Bekanntheit ihrer Marke sei wiederum gerichtsnotorisch. Vielmehr
legt sie zur Glaubhaftmachung der notorischen Bekanntheit der Wider-
spruchsmarke in der Schweiz folgende Belege ins Recht:
– Beilage 61: "Terms of Use and Cookie Policy" der Website <http://www.nusr-et.com.tr>
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Seite 11
– Beilage 62: "Personal Data Protection Policy" der Website <http://www.nusr-et.com.tr>
– Beilage 63: Screenshot der Website http://www.nusr-et.com.tr
– Beilage 64: Eintrag zu Nusret Gökçe auf http://www.wikipedia.de
– Beilage 65: "Who Is #SaltBae, And Why Should You Care? Let Us Recap the Viral Phenom... Who's Got Some News", https://www.bravotv.co.nz, Artikel vom 25. September 2017
– Beilage 66: "From butcher's apprentice to successful restaurateur: How 'Salt Bae? Turned a sprinkle of salt into worldwide fame", http://www.cnbc.com, Artikel vom 27. Januar 2018
– Beilage 67: "The Steaks are high! David Beckham is fed meat from a VERY sharp knife by 'Salt Bae'... while Harper and Cruz pull their best impression of the viral chef during family trip to his NYC ", https://www.dailymail.co.uk, Artikel vom 12. Februar 2018
– Beilage 68: "Temasek and GIC in talks to buy chunk of Salt bae steakhouse", http://www.ft.com, Artikel vom 7. März 2018
– Beilage 69: "Salt Bae restaurant Nusr-Et may violate New York City Health Codes", http://www.independent.co.uk, Artikel vom 30.  2018
– Beilage 70: "How Salt Bae, Restaurateur, Spends His Sundays", http://www.nytimes.com, Artikel vom 16. Februar 2018
– Beilage 71: "Turkish Chef Known as Salt Bae Opens Midtown ", http://www.nytimes.com, Artikel vom 12. Januar 2018
– Beilage 72: "'Public Rip-off No 1': what it's like to dine at  New York steakhouse Nusr-et", http://www.scmp.com, Artikel vom 7. Februar 2018
– Beilage 73: "People Are Pretty 'Salty' About the Food at Salt Bae's NYC Steakhouse", http://www.thedailymeal.com, Artikel vom 26. Januar 2018
– Beilage 74: "Salt Bae serves Maradona in Dubai – and nearly brings him to tears", http://www.thenational.ae, Artikel vom 29. März 2018
– Beilage 75: "What is 'Salt Bae' and why are sports stars doing it when they celebrate", http://www.telegraph.co.uk, Artikel vom 11. Februar 2017
– Beilage 76: "10 best sports Snaps of the week: 'Salt Bae' cut meat for Rickie Fowler", http://www.usatoday.com, Artikel vom 20. Januar 2017
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– Beilage 77: "Odell Beckham Jr. enjoyed sprinkling salt with Salt Bae", http://www.usatoday.com, Artikel vom 25. Januar 2018
– Beilage 78: "Forget about dabbing – Everyone is doing the Salt Bae", http://www.wsj.com, Artikel vom 16. Februar 2017
– Beilage 79: "This is how to vote: Salt Bae casts ballot in Turkish referendum, and yes, it was amazing", http://www..com, Artikel vom 16. April 2017
– Beilage 80: "Zu Gast beim schärfsten Fleisch-Salzer der Welt", 20min.ch, Artikel vom 28. März 2017
– Beilage 81: "Ribéry und sein vergoldetes Steak – FC Bayern droht mit hoher Busse", NZZ.ch, Artikel vom 6. Januar 2019
– Beilage 82: "Diese 6 Speisen sind teurer als Ribérys vergoldetes Steak", watson.ch, Artikel vom 8. Januar 2019
– Beilage 83: "Fleischwerfer Nusret", in: Salz & Pfeffer 4/2018, Artikel vom 12. Juni 2018
– Beilage 84: "Auch Federer und Messi lieben Ribérys Steak-Koch", Bazonline.ch, Artikel vom 7. Januar 2019
– Beilage 85: "Seine Prise Salz macht ihn weltberühmt", Tagi.ch, Artikel vom 10. September 2019
– Beilage 86: "Dieser Metzger servierte Ribéry das goldene Steak – im Internet ist er ein Star", NZZ.ch, Artikel vom 7. Januar 2019
– Beilage 87: "Ich will auch! – Oder warum Fussballer sich wie Herdentiere verhalten", NZZas.ch, Artikel vom 12. Januar 2019
– Beilage 88: Wemf Total Audience 2019-2 Studie
6.3 Als notorisch bekannte Marke muss die Widerspruchsmarke in der
Schweiz mehr als bloss bekannt sein und über eine gesteigerte, offenkun-
dige Bekanntheit verfügen (BGE 130 III 267 E. 4.7.2 f. "Tripp Trapp";
Urteile des BVGer B-622/2018 E. 6.4 "sunday [fig.]/Kolid sunday",
B-5177/2017 E. 2.7.1 m. H. "RITZ/RITZCOFFIER"; STÄDELI/BRAUCHBAR
BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 N. 192). Weiter – so das Bundesgericht – bedarf
es eines dauerhaften Gebrauchs des Zeichens, was in der Regel nur auf
eine etablierte Marke zutrifft (BGE 130 III 267 E. 4.7.4 "Tripp Trapp"). Wie
die Beschwerdeführerin selber festhält, wird keine ihrer Marken in der
Schweiz effektiv gebraucht oder beworben (Beschwerde, Rz. 21).
Obschon weder das eine noch das andere eine zwingende Voraussetzung
ist um eine notorische Bekanntheit in der Schweiz bejahen zu können
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(BGE 130 III 267 E. 4.4 "Tripp Trapp"; Urteil des BGer 4A_371/2010 vom
29. Oktober 2010 E. 5.1 "G/G"; Urteil des BVGer B-5177/2017 E. 2.6.2
m. H. "RITZ/RITZCOFFIER"), ist davon auszugehen, dass eine Marke,
welche in der Schweiz weder beworben noch gebraucht wird, bereits aus
praktischen Gründen in der Regel in der Schweiz kaum notorisch bekannt
sein kann (Urteil des BGer 4A_371/2010 vom 29. Oktober 2010 E. 5.1
"G/G"; Urteile des BVGer B-5334/2016 E. 7.3.5 "THINK DIFFERENT/Tick
different [fig.]" B-5177/2017 E. 2.6.2 "RITZ/RITZCOFFIER"). Daher soll
aus den Belegen ein Bezug zur Wahrnehmung der Marke in der Schweiz
hergestellt werden können (Urteil des BVGer B-5334/2016 E. 7.3.3 m. H.
"THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"). Jedenfalls muss sich mittels der
eingereichten Belege glaubhaft ergeben, dass das Zeichen "Nusr-Et (fig.)"
in der Schweiz als Marke für, in casu, Fleischwaren und Gastronomie-
dienstleistungen bei mindestens einem Verkehrskreis notorisch bekannt ist
(BGE 130 II 267 E. 4.7.2 "Tripp Trapp"; Urteile des BVGer B-622/2018
E. 6.4 "sunday [fig.]/ Kolid sunday", B-5177/2017 E. 2.5 m. H. "RITZ/RITZ-
COFFIER"). Als mögliche Belege kommen unter anderem Preislisten,
Rechnungen, Kataloge und Werbungen in Frage (Urteile des BVGer
B-5177/2017 E. 2.5 "RITZ/RITZCOFFIER", B-5334/2016 E. 6.5.1 m. H.
"THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"). Dem direkten Nachweis kann
insbesondere auch ein demoskopisches Gutachten dienen (Urteile des
BVGer B-622/2018 E. 6.4 "sunday [fig.]/Kolid sunday", B-5177/2017
E. 2.9.1 m. H. "RITZ/RITZCOFFIER"). Da die notorische Bekanntheit der
Widerspruchsmarke bereits zum Zeitpunkt der Eintragung der jüngeren
Marke bestehen muss (Urteil des BGer 4P.291/2000 vom 19. Februar 2001
E. 3c "Central Perk"; Urteil des BVGer B-5334/2016 E. 3.2 "THINK DIFFE-
RENT/Tick different [fig.]"; Art. 3 Abs. 2 lit b MSchG; SCHLOSSER/MARADAN,
a.a.O., art. 3 LPM N. 189), müssen sich die eingereichten Notorietäts-
belege zudem auf den massgeblichen Zeitraum beziehen (Urteil des
BVGer B-5334/2016 E. 6.5.1 m.H. "THINK DIFFERENT/Tick different
[fig.]"). Vorliegend hat die notorische Bekanntheit der Widerspruchsmarke
ab dem 10. August 2018 zu bestehen. Damit sind die Beilagen 81, 82 so-
wie 84 bis 88 nicht zu beachten. Dies hat zur Folge, dass bezüglich jener
Belege, welche effektiv die Schweiz betreffen, einzig der Artikel vom
28. März 2017 auf 20min.ch (Beilage 80) und der Artikel vom 12. Juni 2018
im Magazin Salz & Pfeffer (Beilage 83) zu berücksichtigen sind. Alle weite-
ren Belege der schweizerischen Presse sind jüngeren Datums und dem-
nach unbeachtlich.
6.4 Die Beschwerdeführerin führt aus, dass Nusret Gökçe Mitinhaber der
nach ihm benannten, seit 2010 betriebenen, Restaurantkette "Nusr-Et" ist,
B-5462/2019
Seite 14
welche Lokale in der Türkei (Ankara, Bodrum, Marmaris und Istanbul), in
den USA (New York, Miami), auf Mykonos, in Katar und in den Vereinigten
Arabischen Emiraten (Dubai, Abu Dhabi) betreibt (Beschwerde, Rz. 14).
Ganz generell zeigt sich aus den eingereichten Unterlagen, dass die
Person Nusret Gökçe für die Vermarktung der Restaurantkette zentral ist.
So sind sämtliche Social-Media-Kanäle der Restaurants nicht separate
Konten, sondern jene von Herrn Gökçe selber (vgl. Beilage 63; Be-
schwerde, Rz. 10). Auf diesen Kanälen ist er sehr aktiv. Es ist denn auch
das von ihm im Januar 2017 auf Instagram, Twitter und Youtube gepostete
Video namens "Ottoman Steak", mit welchem er auf diesen Kanälen erst-
mals für weltweite Aufmerksamkeit sorgte (vgl. Beilagen 64 und 66; Be-
schwerde, Rz. 15). Das Video wurde seither millionenfach aufgerufen und
zeigt wie Herr Gökçe ein Steak – in der nunmehr für ihn charakteristischen
Weise – tranchiert und salzt (Beschwerde, Rz. 15 f.; Beilagen 64 und 66).
Nicht nur hat ihm diese Bekanntheit in den Social-Media-Kanälen zum Zeit-
punkt der Widerspruchserhebung eine beachtliche Anzahl an Followers be-
schert (z.B. auf Instagram 21 Mio Followers; Beschwerde, Rz. 16). Die in
diesem Video gezeigte Geste wurde zu seinem Markenzeichen und be-
scherte ihm den Spitznamen "Salt Bae" (Beschwerde, Rz. 9; Beilagen 66,
71). Ausserdem wurde sie von einigen Sportlern als Jubelpose verwendet
(vgl. Beilagen 75 und 78), und es ist ihr ein Emoji gewidmet worden (Be-
schwerde, Rz. 15). Ebenfalls belegt ist, dass die Restaurants Nusr-Et von
diversen Prominenten, namentlich von vielen Sportlern, besucht werden
(vgl. Beilagen 67, 74, 76 und 77).
6.5 Weiter legt die Beschwerde diverse Zeitungsartikel bzw. Onlinenews
vor. Diese lassen sich in drei Kategorien aufteilen: Jene, in welchen "Nusr-
Et" für Restaurants zumindest erwähnt wird (Beilagen 65-74, 76, 80), dann
die Kategorie "Nusret Gökçe" (Beilage 83) und schliesslich jene Artikel, in
welchen weder von Nusr-Et, noch von Nusret Gökçe, sondern einzig von
Salt Bae die Rede ist (Beilagen 75, 77-79). Während in der ersten
Kategorie tatsächlich die Restaurantkette "Nusr-Et" genannt wird, bezie-
hen sich die zwei anderen Kategorien einzig auf die Person Nusret Gökçe
aka Salt Bae. Die Berichterstattung in welcher die Widerspruchsmarke er-
wähnt wird, hat zum einen die New Yorker Filiale (Eröffnung: Beilagen 66,
70, 71; Höhe der Speisepreise: Beilagen 72, 73; Hygienestandards: Bei-
lage 69; Gäste: 67; Finanzierung: Beilage 68), dann Berichte über Restau-
rantbesuche diverser Sportler (Beilagen: 67, 74, 76, 77) sowie Restaurant-
kritiken (Beilagen 72, 80) zum Inhalt. Mit Ausnahme des 20min-Artikels
(Beilage 80) stammen sämtliche Berichte mit der Widerspruchsmarke aus
der angelsächsischen Presse (USA, Grossbritannien und Neuseeland)
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Seite 15
bzw. von englischsprachigen Newsportalen (Vereinigte Arabische Emirate,
China). Gleiches gilt auch für die Artikel und News zur Person Nusret
Gökçe aka Salt Bae, welche mehrheitlich von amerikanischen und
britischen Newsportalen stammen. Einzig das Portrait zu Herrn Gökçe in
der Zeitschrift "Salz&Pfeffer" (Beilage 83) stammt aus der Schweiz. Jeden-
falls zeigt sich damit, dass die Widerspruchsmarke überwiegend in jenen
Ländern Erwähnung findet, in denen sich auch ein Restaurant befindet. Die
Berichterstattung kann daher – mit Ausnahme der Beilagen 80 und 83 –
als in Bezug auf die Restaurantstandorte "lokal" bezeichnet werden. So
berichtete das britische Boulevardblatt "The Daily Mail" über den Restau-
rantbesuch der britischen Familie Beckham (Beilage 67), die amerikani-
schen Entertainment-Sites NBC.com und USATODAY.com über die Besu-
che der beiden amerikanischen Sportler Odell Beckham Jr. (Beilage 77)
und Rickie Fowler (Beilage 76), sowie die englischsprachige Newssite der
Vereinigten Arabischen Emirate über den Restaurantbesuch Maradonas in
Dubai (vgl. Beilage 74). Einzig der ausserhalb des massgebenden Zeit-
raums (vgl. E. 6.3 hiervor) erfolgten Restaurantbesuchs des französischen
Fussballers Frank Ribéry in Dubai anfangs Januar 2019 hat international –
auch in der Schweiz (vgl. Beilagen 81, 82 und 84) – für Schlagzeilen ge-
sorgt.
6.6 Die vorgelegten Presseberichte, in welchen der Restaurantname
"Nusr-Et" genannt werden, zeigen die Widerspruchsmarke nicht wie hinter-
legt. Der Begriff "Nusr-Et" wird im Fliesstext erwähnt. Streng genommen
wird die Widerspruchsmarke, welche eine Wort-/Bildmarke ist, in keinem
der vorgelegten Presseberichten verwendet. Auch ist selbst bezüglich je-
ner Artikelkategorie im Einklang mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die
vorgelegten Belege in erster Linie die Mediatisierung der Person Nusret
Gökçe und nicht jene der Widerspruchsmarke "Nusr-Et (fig.)" für Fleisch
und Restaurantionsdienstleistungen zum Inhalt haben. Selbst in jenen
Artikeln, in denen der Restaurantname – nicht die Widerspruchsmarke –
erwähnt wird, steht Nusret Gökçe thematisch im Vordergrund. Nun mag er
die Personifizierung der Restaurations- und Fleischmarke "Nusr-Et" sein,
doch geht aus keinem der vorgelegten Belege eine tatsächliche Bekannt-
heit der Restaurations- oder Fleischmarke "Nusr-Et (fig.)" hervor. Der –
marketingtechnisch gesprochene – Brand "Nusr-Et" steht in erster Linie für
die Person, und nicht die Fleischware oder die Gastronomiedienstleistung.
Inwiefern die Abnehmer in Nusret Gökçe überhaupt die Widerspruchs-
marke "Nusr-Et (fig.)" für Fleischwaren und Restaurationsdienstleistungen
erkennen, lässt sich aus den vorgelegten Belegen jedenfalls nicht nach-
vollziehen.
B-5462/2019
Seite 16
6.7 Die mediale Präsenz des Nusret Gökçe und indirekt der Widerspruchs-
marke fokussiert sich im Grunde auf die Social-Media-Kanäle. Die beacht-
liche Anzahl Followers der Person Nusret Gökçe ist zumindest ein Indiz
dafür, dass er bei einem Teil der Weltbevölkerung nicht unbekannt ist. Auch
ist nicht auszuschliessen (siehe in diesem Sinne auch Beilage 83), dass
unter diesen Followers ebenso Schweizer sind. Daher attestiert die Vor-
instanz Herrn Gökçe zu Recht in der Schweiz zumindest bei einem Teil der
Abnehmer Bekanntheit. Gleichwohl ist im Einklang mit der Vorinstanz fest-
zustellen, dass aus keinem der vorgelegten Belege ersichtlich ist, inwiefern
diese Anzahl Follower bzw. der Bekanntheitsgrad der Person in den Social-
Media überhaupt auf die Schweiz zutrifft. Dies wird denn auch im vorgeleg-
ten Artikel der Gastronomiezeitschrift "Salz & Pfeffer" thematisiert: Wer
nicht auf Instagram, Twitter oder Youtube seinen Kanal abonniert hat, hört
in der Schweiz wenig von "Nusr-Et" oder Nusret Gökçe bzw. Salt Bae (Bei-
lage 83). Kommt hinzu, dass die Bekanntheit der Person – unabhängig da-
von wie berühmt sie ist – nicht mit der Bekanntheit und schon gar nicht als
notorische Bekanntheit der Widerspruchsmarke gleichgesetzt werden
kann: Selbst wenn der Person Nusret Gökçe in der Schweiz notorische
Bekanntheit attestiert würde, liesse sich diese nicht ohne Weiteres auf die
Bekanntheit der Widerspruchsmarke übertragen (Urteil des BVGer
B-5334/2016 E. 5 "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]"). Der Schutz
der notorisch bekannten Marke beschränkt sich – anders als bei der Beur-
teilung einer berühmten Marke – nämlich einzig auf bestimmte Waren und
Dienstleistung (vgl. E. 3.4 hiervor; JOLLER, a.a.O., Art. 3 Rz. 355). Vorlie-
gend steht schliesslich nicht die notorische Bekanntheit der Person, son-
dern der Widerspruchsmarke im Zusammenhang mit Gastronomiedienst-
leistungen bzw. Lebensmitteln zur Debatte: Letztere hat sich direkt zu er-
geben (Urteil des BVGer B-5334/2016 E. 5 "THINK DIFFERENT/Tick
different [fig.]"). Das strittige Zeichen "Nusr-Et (fig.)" muss beim massge-
benden Verkehrskreise tatsächlich als Marke und nicht bloss als Personen-
name oder Firma für die beanspruchten Waren und Dienstleistungen be-
kannt sein (STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3 Rz. 190).
6.8 Zusammenfassend zeigt sich, dass im massgebenden Zeitraum in der
Schweiz zur Widerspruchsmarke eine Restaurantkritik (Beilage 80) sowie
ein Porträt zur Person Nusret Gökçe (Beilage 83) erschienen sind. Damit
ist in der Schweiz zumindest aus den vorgelegten Presseartikeln nicht auf
eine stetige, dauerhafte Kenntnis über die Marke zu schliessen, was aber
von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung gefordert wird: Eine seltene
bzw. sporadische Berichterstattung wie die vorliegende entspricht dem je-
denfalls nicht (BGE 130 III 267 E. 4.7.4 "Tripp Trapp"; Urteil des BVGer
B-5462/2019
Seite 17
B-5334/2016 E. 7.3.5 m.H. "THINK DIFFERENT/Tick different [fig.]").
Kommt hinzu, dass die ausländischen Artikel zur Widerspruchsmarke
ebenso sporadisch und lokal erscheinen. Damit ist auch im Ausland nicht
auf eine überragende Bekanntheit, welche in der Schweiz zumindest als
Indiz gelten könnte (STÄDELI/BRAUCHBAR BIRKHÄUSER, a.a.O., Art. 3
Rz. 188), zu schliessen. Es ist denn auch anzunehmen, dass die schwei-
zerischen Abnehmer People-News zwar teilweise in angelsächsischen
Newsportalen, wohl aber seltener in chinesischen und arabischen in dem
Ausmass lesen, dass die vorgelegten Belege als Ganzes auf eine notori-
sche Bekanntheit in der Schweiz schliessen lassen. Sie zeigen vor allem,
dass in jenen Ländern, in denen Restaurants von der Beschwerdeführerin
betrieben werden, People-News über die Person Nusret Gökçe erscheinen
und das Restaurant mit Namen Erwähnung findet. Weltweit Beachtung fin-
den zwar durchaus Prominente als Gäste, aber die insoweit mit Blick auf
das Schweizer Publikum aussagekräftigsten Belege betreffend etwa
Franck Ribéry, Lionel Messi und Roger Federer fallen nicht in den rechtlich
relevanten Zeitraum (vgl. E. 6.3 hiervor). So oder anders ist entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin (Beschwerde, Rz. 19), festzustellen, dass
die vorliegend zu beurteilende Widerspruchsmarke in den vorgelegten
Pressebelegen inhaltlich sehr selten im Fokus steht: Die Marke wird kaum
je wie hinterlegt erwähnt. Der Restaurantname hingegen wird, wenn über-
haupt, stets nebenbei angeführt. Auch mag Nusret Gökçe marketingtech-
nisch für die Widerspruchsmarke "Nusr-Et (fig.)" stehen, doch in Anbe-
tracht, dass eine notorische Bekanntheit nicht ohne Weiteres zu bejahen
ist, kann selbst unter Berücksichtigung seiner allfälligen persönlichen Be-
kanntheit aus den vorgelegten Belegen nicht auf die notorische Bekannt-
heit der Restaurations- oder Fleischmarke "Nusr-Et (fig.)" geschlossen
werden. Es gelingt der Beschwerdeführerin daher nicht, zum massgeben-
den Zeitpunkt eine gesteigerte, offenkundige Bekanntheit der Wider-
spruchsmarke in der Schweiz im Zusammenhang mit Waren der Klasse 29
und Dienstleistungen der Klasse 43 zu belegen.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der vorinstanzlichen Beurteilung zu-
zustimmen ist. Die Unterlagen der Beschwerdeführerin beziehen sich
einerseits grossenteils auf den Gründer der Restaurantkette statt auf die
Restaurants und vor allem kaum je auf die Widerspruchsmarke selbst.
Diesbezüglich fehlt es, soweit eine gewisse mediale Aufmerksamkeit fest-
gestellt werden kann, jedenfalls zum massgebenden Zeitpunkt an der nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlangten Etabliertheit der
Widerspruchsmarke. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
B-5462/2019
Seite 18
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Beschwerdeführerin kosten-
und entschädigungspflichtig (Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG).
8.1 Die Gerichtsgebühr ist nach Umfang und Schwierigkeit der Streitsache,
Art der Prozessführung und der finanziellen Lage der Parteien festzulegen
(Art. 63 Abs. 4bis VwVG, Art. 2 Abs. 1 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht ist dafür ein Streitwert zu veranschlagen (Art. 4 VGKE), wobei
dafür im Widerspruchsbeschwerdeverfahren das Interesse der Widerspre-
chenden an der Löschung beziehungsweise der Widerspruchsgegnerin am
Bestand der angefochtenen Marke zu veranschlagen ist. Bei eher unbe-
deutenden Zeichen ist praxisgemäss ein Streitwert zwischen Fr. 50'000.–
und Fr. 100'000.– anzunehmen (BGE 133 III 490 E. 3.3). Von diesem Er-
fahrungswert ist auch vorliegend auszugehen. Es rechtfertigt sich daher,
die Verfahrenskosten auf Fr. 4'500.– festzulegen. Als unterliegende Partei
sind diese Kosten der Beschwerdeführerin gänzlich aufzuerlegen (Art. 63
Abs. 4 VwVG) und dem von ihr in dieser Höhe geleisteten Kostenvorschuss
zu entnehmen.
8.2 Vorliegend hat sich der Beschwerdegegner am Beschwerdeverfahren
nicht beteiligt. Es sind ihm demnach keine zu vergütenden Kosten entstan-
den, weshalb von der Zusprechung einer Parteientschädigung im Be-
schwerdeverfahren abgesehen werden kann (Art. 7 Abs. 4 VGKE; MICHAEL
BEUSCH, in: Auer/Müller/Schindler (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz
über das Verwaltungsverfahren (VwVG), 2019, Rz. 19 zu Art. 64).
9.
Gegen dieses Urteil steht keine Beschwerde an das Bundesgericht offen
(Art. 73 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Es
erwächst daher bei Zustellung in Rechtskraft.
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