Decision ID: abcfbf46-6ee7-5984-aa8b-35e4069bd673
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die damals sieben Beschwerdeführenden suchten am 19. März 2018
in der Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung ihrer Asylgesuche machten
sie im Wesentlichen geltend, sie seien mazedonische Staatsangehörige
der Ethnie der Roma und zuletzt in I._ wohnhaft gewesen, wo sie
in verschiedener Hinsicht gegenüber der albanischen Bevölkerung be-
nachteiligt gewesen und von dieser auch nicht respektiert worden seien.
Sie hätten ihr Heimatland verlassen, da ihre gemietete und ohnehin man-
gelhafte Unterkunft nach Überschwemmungen nicht mehr nutzbar gewe-
sen sei und sie keine andere Unterkunft hätten finden können. Zudem sei
ihnen die medizinische Behandlung des Kindes E._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer 5) im Spital verweigert worden sei, obwohl dieser unter
anderem einen (...) habe, der operiert werden müsse, und an (...) leide.
A.b Mit Verfügung vom 30. April 2018 stellte das SEM fest, dass die Be-
schwerdeführenden die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllten. Es lehnte die
Asylgesuche ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an.
Zur Begründung führte es insbesondere aus, gemäss den Aussagen der
Eltern und den eingereichten Unterlagen aus Mazedonien verfüge die Fa-
milie über eine Krankenversicherung und seien die Kinder, auch der Be-
schwerdeführer 5, im Heimatland immer wieder untersucht worden bezie-
hungsweise hätten medizinische Behandlung erhalten. Gemäss den Er-
kenntnissen des Bundesverwaltungsgerichts decke die Krankenversiche-
rung alle Bürger ab, auch nicht versicherte Kinder, und sei die medizinische
Versorgung flächendeckend in ganz Mazedonien zugänglich. Somit könne
davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer 5 dort die ent-
sprechende Behandlung erhalten könne.
A.c Gegen diese Verfügung erhoben die Beschwerdeführenden am 8. Mai
2018 den Vollzug der Wegweisung betreffend Beschwerde beim Bundes-
verwaltungsgericht, welche mit Urteil D-2693/2018 vom 25. Mai 2018 ab-
gewiesen wurde.
Das Gericht führte in Bestätigung der Vorinstanz insbesondere aus, dass
die medizinischen Probleme des Beschwerdeführers 5 kein Wegweisungs-
vollzugshindernis darstellten. Namentlich könnten nach Kenntnis des Ge-
richts grundsätzlich auch kardiologische Kontrolluntersuchungen in staatli-
chen oder privaten Kliniken der Hauptstadt Skopje durchgeführt werden.
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Hinsichtlich der angeführten und durch die medizinischen Informationen
belegten Beeinträchtigungen des Gesundheitszustands des Beschwerde-
führers 5 seien den Akten keine stichhaltigen Anhaltspunkte für das Vorlie-
gen einer medizinischen Notlage in Mazedonien im Sinne von Art. 83
Abs. 4 AIG (Ausländer- und Integrationsgesetz; SR 142.20) zu entnehmen.
A.d Am 4. September 2018 wurde das Kind H._ geboren.
B.
Mit Wiedererwägungsgesuch vom 20. Dezember 2018 beantragten die Be-
schwerdeführenden durch ihre Rechtsvertretung beim SEM, es sei in Wie-
dererwägung der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs von dessen Verfügung
vom 30. April 2018 die Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung fest-
zustellen und ihnen die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
Sie bezogen sich auf die (...) des Beschwerdeführers 5 und führten, unter
Bezugnahme auf ein ärztliches Schreiben des (...) vom 23. November
2018, zusätzlich aus, dieser benötige wegen eines angeborenen (...) eine
(...) medikamentöse Therapie mit dem Medikament (...). Es handle sich
um eine chronische Erkrankung, die lebenslanger Behandlung mit entspre-
chender Medikation bedürfe, wobei eine engmaschige (...) Betreuung not-
wendig sei. Da noch weitergehende Abklärungen im Gange seien, ersuch-
ten sie um Gewährung einer Frist zur Gesuchsergänzung. Mit Eingabe vom
17. Januar 2019 führten sie unter Bezugnahme auf die Auskunft "Mazedo-
nien: Behandlung von (...)" der Länderanalyse der Schweizerischen
Flüchtlingshilfe (SFH) vom 11. Januar 2019 aus, dass das benötigte Medi-
kament (...) in Nordmazedonien zwar erhältlich sei, aber nicht in der Dosie-
rung von 20 mg, welche der Beschwerdeführer 5 voraussichtlich bis zum
18. Lebensjahr benötige. Da (...) nicht im nordmazedonischen Medikamen-
tenregister aufgeführt sei, könne es auch nicht im Ausland bestellt werden.
Eine Teilung oder Veränderung der Filmtabletten, um die benötigte Dosie-
rung zu erreichen, werde nicht empfohlen. Zudem wurden die Preise des
Medikaments und von (...) Untersuchungen sowie die Kostenübernahmen
aufgeführt. Gemäss dem SFH-Bericht sei eine engmaschige und regel-
mässige (...) Betreuung in Nordmazedonien verfügbar. Im Januar 2019 sei
zudem ein neues Zentrum für pädiatrische (...) in Nordmazedonien eröffnet
worden.
C.
Mit Verfügung vom 17. September 2019 – eröffnet am 18. September 2019
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Seite 4
– wies das SEM das Wiedererwägungsgesuch ab. Es erklärte die Verfü-
gung vom 30. April 2018 als rechtskräftig und vollstreckbar, erhob eine Ge-
bühr von Fr. 600.– und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde keine
aufschiebende Wirkung zukomme.
D.
Mit Eingabe vom 17. Oktober 2019 erhoben die Beschwerdeführenden
durch ihre Rechtsvertretung beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde.
Sie beantragten die Aufhebung der Verfügung vom 17. September 2019
sowie der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung vom 30. April 2018,
die Feststellung der Unzumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung und die
Anordnung der vorläufigen Aufnahme; eventualiter sei die Sache zur voll-
ständigen Erhebung des Sachverhalts und erneuter Prüfung an die Vo-
rinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung und um Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses; der Beschwerde sei die aufschiebende
Wirkung zu gewähren und das Migrationsamt des Kantons J._ sei
im Sinne einer vorsorglichen Massnahme anzuweisen, den Vollzug wäh-
rend der Behandlung des Beschwerdeverfahrens auszusetzen.
E.
Das Gericht setzte den Vollzug der Wegweisung am 21. Oktober 2019 ge-
stützt auf Art. 56 VwVG per sofort einstweilen aus.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 23. Oktober 2019 erteilte die Instruktionsrich-
terin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung, verzichtete einstweilen
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und setzte den Beschwerde-
führenden Frist zur Nachreichung einer Fürsorgebestätigung an, ansons-
ten das Gericht von ihrer fehlenden prozessualen Bedürftigkeit ausgehe.
Gleichzeitig lud sie Vorinstanz zur Vernehmlassung zur Beschwerde ein.
G.
Das SEM hielt in seiner Vernehmlassung vom 6. November 2019 vollum-
fänglich an seiner Verfügung fest.
H.
Mit Eingabe vom 7. November 2019 reichten die Beschwerdeführenden
eine Nothilfebestätigung nach.
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Seite 5
I.
Mit Instruktionsverfügung vom 13. November 2019 hiess die Instruktions-
richterin das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gut und verzichtete (definitiv) auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Gleichzeitig liess sie den Beschwerdeführenden die Vernehmlassung zu-
kommen und räumte ihnen Gelegenheit ein, bis zum 28. November 2019
eine Replik einzureichen.
J.
Am 27. November 2019 ersuchten die Beschwerdeführenden um Frister-
streckung. Innert erstreckter Frist hielten sie in ihrer Replik vom 12. De-
zember 2020 an ihren Anträgen fest.
K.
Am 14. Februar 2020 reichte die Rechtsvertretung eine Kostennote ein.
L.
Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 wurde je ein Austrittsbericht des (...)
J._ vom 3. März 2020 und vom 2. April 2020 betreffend das Kind
F._ eingereicht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM ist eine Be-
hörde im Sinne von Art. 33 VGG und damit eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Nachdem gemäss Lehre und Praxis Wie-
dererwägungsentscheide grundsätzlich wie die ursprüngliche Verfügung
auf dem ordentlichen Rechtsmittelweg weitergezogen werden können, ist
das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig. Es entscheidet auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und so auch vorliegend – endgültig (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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Seite 6
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, sind
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist mithin einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl.
BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der
Vorinstanz innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrun-
des schriftlich und begründet einzureichen. Im Übrigen richtet sich das Ver-
fahren nach den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG
(Art. 111b Abs. 1 AsylG).
3.2 In seiner praktisch relevantesten Konstellation bezweckt das Wieder-
erwägungsgesuch die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien Asyl- und
Wegweisungsverfügung an nachträglich eingetretene Wegweisungsvoll-
zugshindernisse (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuän-
dernde Verfügung unangefochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwer-
deverfahren mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde –
können auch Revisionsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung be-
gründen (zum sogenannten «qualifizierten Wiedererwägungsgesuch» vgl.
BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.). Ebenfalls im Rahmen einer Wiedererwä-
gung zu prüfen sind Beweismittel, die erst nach einem materiellen Be-
schwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts entstanden sind und
daher revisionsrechtlich nicht von Relevanz sein können (vgl.
BVGE 2013/22 E. 12 und 13).
4.
4.1 Das SEM führte zur Begründung seines Entscheides aus, bezüglich
des Beschwerdeführers 5 gehe aus dem SFH-Bericht vom 11. Januar 2019
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hervor, dass eine engmaschige und regelmässige (...) Betreuung in Nord-
mazedonien verfügbar sei. Zusätzlich sei im Januar 2019 ein neues Zent-
rum für pädiatrische (...) eröffnet worden. Der Einwand, der Wegweisungs-
vollzug sei dennoch ausgeschlossen, weil das Medikament (...) in der be-
nötigten Dosierung von 20 mg in Nordmazedonien nicht erhältlich sei, auch
nicht aus dem Ausland bezogen werden könne und eine Teilung der
Filmtabletten nicht zu empfehlen sei, überzeuge nicht. So könne nicht
nachvollzogen werden, warum gestützt auf die ärztliche Ethik, einem Pati-
enten die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen, bei entspre-
chenden Bemühungen ein ansonsten leicht erhältliches Medikament nicht
in der entsprechenden Dosierung beschafft werden könne. Zudem sei nicht
einzusehen, weswegen eine Tablette nicht geteilt werden sollte, um die
entsprechende Dosierung zu erreichen. Bei Unsicherheit der Teilung könne
auch ein Medikamentenschneider verwendet werden, welcher für geringes
Geld in jeder Apotheke bezogen werden könne. Gemäss dem zu den Akten
gereichten Dosierungsblatt für (...) könne die Dosierung des Medikaments
ohnehin je nach Alter und Gewicht des Patienten innerhalb einer gewissen
Bandbreite erfolgen. Im Übrigen sei bereits im Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts vom 25. Mai 2018 festgehalten worden, dass die Beschwer-
deführenden in Nordmazedonien über eine Krankenversicherung verfügt
hätten, weshalb davon ausgegangen werden könne, dass die Behand-
lungskosten gedeckt sein würden.
Abschliessend hielt das SEM fest, dass sowohl die Behandlung gewähr-
leistet sei als auch das benötigte Medikament in der notwendigen Dosie-
rung mit geringem Einsatz erhältlich gemacht werden könne.
4.2 In der Beschwerde wurde unter Bezugnahme auf einen gleichzeitig ins
Recht gelegen ärztlichen Bericht des (...) J._ vom 3. Oktober 2019
im Wesentlichen vorgebracht, der Gesundheitszustand des Beschwerde-
führers 5 habe sich seit Erlass der Verfügung des SEM vom 17. September
2019 weiter verschlechtert beziehungsweise dessen Behandlung habe in-
tensiviert werden müssen. So habe sich ergeben, dass die (...) Therapie
ausgebaut werden müsse. Neben (...) müsse ihm nun auch das Medika-
ment (...) (Wirkstoff: [...]) regelmässig verabreicht werden. Daher stelle
sich die Frage, ob (...) in der benötigten Dosierung ([...] täglich) vorhanden
sei oder sich das gleiche Problem wie bei (...) stelle. Eine zweite entspre-
chende Schnellrecherche der SFH werde gegebenenfalls nachgereicht.
Gemäss dem erwähnten Arztbericht sei das Teilen von Filmtabletten mittels
eines Medikamentenschneiders nicht zulässig und würde den gesundheit-
lichen Zustand des Patienten zusätzlich sehr gefährden. Aufgrund der neu
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notwendigen Medikation mit (...) sei überdies eine regelmässige laborche-
mische Kontrolle der Leberwerte (1- bis 3-monatlich) notwendig.
Im Pharmaindex "Gelbe Liste" werde die Filmtablette (...) in der Dosierung
von 20 mg explizit als nicht teilbar aufgeführt, während die anderen verfüg-
baren Dosierungen, namentlich 25 mg, 50 mg und 100 mg nicht oder nur
bedingt zur Einnahme teilbar seien, es aber aus medizinischer Sicht nicht
zulässig sei, diese Dosierungen so zu zerkleinern, dass man eine 20 mg-
Dosierung erhalte. Dies heisse im Fall des Beschwerdeführers 5, dass er
für eine angemessene Therapie auf (...) 20 mg oder ein anderes (...)-Prä-
parat in dieser Dosierung angewiesen sei. Ein solches sei aber, wie dem
SFH-Bericht zu entnehmen sei, in Nordmazedonien zurzeit explizit nicht
verfügbar.
Gemäss dem Bericht des Kinderspitals sei für den 7. Oktober 2019 eine
weitere Operation geplant. Sobald ein entsprechender Operationsbericht
vorliege, werde dieser umgehend nachgereicht.
Die Ausführungen der Vorinstanz bezüglich Erhältlichkeit von (...) in der
Dosierung von 20 mg in Nordmazedonien und Teilbarkeit des Medikaments
würden durch kein medizinisches Fachwissen belegt. Falls sie daran fest-
halte, müsste sie sich auf eigene fachmedizinische Abklärungen stützen.
Der Umstand, dass dem SEM nicht nachvollziehbar erscheine, dass das
Medikament in der entsprechenden Dosierung in Nordmazedonien nicht
verfügbar sei soll, sei keine Begründung.
Bei den Angaben im Dosierungsblatt für (...) handle es sich um Minimal-
und Maximalwerte, welche nicht unter- oder überschritten werden dürften.
Die Bemessung der nötigen Dosierung innerhalb dieser Werte könne sich
nicht nach der Verfügbarkeit des entsprechenden Präparats richten.
Unabhängig davon verkenne die Vorinstanz, dass für den Beschwerdefüh-
rer 5 20 mg (...) angesichts seines Körpergewichts den momentanen
Höchstwert darstelle. Eine Abweichung von 5 mg möge nach einem gerin-
gen Unterschied aussehen, jedoch handle es sich um eine Erhöhung um
25 Prozent von der durch die behandelnden Ärzte festgelegten Dosis und
bei (...) um einen hochpotenten Wirkstoff.
Zudem stelle sich die Frage, ob der Beschwerdeführer 5 Zugang zur rest-
lichen nötigen medizinischen Behandlung hätte. Zum Zeitpunkt des Urteils
des Bundesverwaltungsgerichts vom 25. Mai 2018 habe man zwar von (...)
des Beschwerdeführers 5 gewusst, aber nicht von der Schwere und Dauer;
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die Diagnose des angeborenen (...) und die daraus folgende chronische
Erkrankung sowie die dafür nötige Behandlung seien damals nicht bekannt
gewesen. Es bestehe also eine neue Situation. Die nötige Behandlung sei
ungleich teurer und der Beschwerdeführer 5 sei voraussichtlich lebenslang
auf eine medikamentöse Therapie angewiesen. Angesichts der Komplexi-
tät der Beschwerden des Beschwerdeführers 5 bestünden trotz des neuen
Zentrums für pädiatrische (...) in Nordmazedonien berechtigte Zweifel da-
ran, dass die nötige Behandlung überhaupt möglich sei. So habe dessen
Operation vom 7. Oktober 2019 zwingend an einem Zentrum für (...) durch-
geführt werden müssen. Aufgrund der Komplexität der erwähnten Erkran-
kung sei anzumerken, dass eine Behandlung unterhalb des Schweizer
Standards bereits lebensgefährliche Folgen haben könnte, wobei auch ein
kurzer Unterbruch der Einnahme von (...) in der richtigen Dosierung
schwere Schäden für die Gesundheit haben könnte.
Schliesslich habe die Vorinstanz den Untersuchungsgrundsatz verletzt. Mit
den eingereichten Berichten sei der rechtserhebliche Sachverhalt zumin-
dest glaubhaft gemacht (im medizinischen Bericht sogar bewiesen) wor-
den. Den Beschwerdeführenden stünde auch keine Möglichkeit mehr of-
fen, dies auf andere Weise weiter zu beweisen. Daher greife der Untersu-
chungsgrundsatz. Gemessen an den gesundheitlichen Folgen obliege der
Vorinstanz die Pflicht, spezifische Abklärungen zur für den Beschwerdefüh-
rer 5 relevanten medizinischen Versorgung in Nordmazedonien zu treffen,
insbesondere, wenn sie die Vorbringen nicht als glaubhaft erachte. Zudem
würdige das SEM die Einschätzung der behandelnden Ärzte, dieser müsse
in der Schweiz behandelt werden, nicht. Die Sache sei daher im Sinne des
Eventualbegehrens zur vollständigen Erhebung des Sachverhalts an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
Als Fazit hielten die Beschwerdeführenden fest, die Wegweisung nach
Nordmazedonien im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG sei unzumutbar und die
Beschwerdeführenden seien gemäss Art. 83 Abs. 1 AIG in der Schweiz
vorläufig aufzunehmen.
4.3 In seiner Vernehmlassung führte das SEM hinsichtlich des erneuten
Vorbringens in der Beschwerde, wonach (...) in Mazedonien in der Darrei-
chungsform 20 mg nicht erhältlich sei, aus, dass dies auch in der Schweiz
nicht der Fall sei. Gemäss www.compendium.ch sei (...) in galenischer
Form in den Dosierungen 25 mg, 50 mg und 100 mg erhältlich. Laut dem
Arztbericht werde beim Beschwerdeführer 5 aber gar nicht (...), sondern
(...) 20 mg angewendet, welches jedoch den Wirkstoff (...) enthalte. Die
http://www.compendium.ch/
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Seite 10
Beschwerdeführenden äusserten sich nicht dazu, ob (...) 20 mg in Maze-
donien erhältlich sei. Anzufügen sei aber, dass die Teilung beziehungs-
weise Addition von Medikamenten zum Erhalt der gewünschten Dosierung
Bestandteil des Fachangebots einer Apotheke bilde und daher eine solche
beziehungsweise ein Spital die benötigte Dosierung erstellen können
sollte. Dies vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass in Mazedonien
gemäss dem SFH-Bericht explizit im Januar 2019 ein Zentrum für pädiatri-
sche (...) eröffnet worden sei. Warum unter diesen klar begünstigenden
Umständen eine Rückkehr und eine Behandlung dort dennoch nicht zu-
mutbar sein sollten, erschliesse sich dem SEM nicht.
4.4 Mit ihrer Replik vom 12. Dezember 2019 reichten die Beschwerdefüh-
renden eine weitere Auskunft der SFH-Länderanalyse ("Nordmazedonien:
Behandlung von [...] II", vom 14. November 2019) ein. Sie führten im We-
sentlichen aus, eine erneute Abklärung sei angezeigt gewesen, da sich die
Behandlung des Beschwerdeführers 5 erneut geändert habe. Wie dem
medizinischen Bericht des (...) J._ vom 3. Oktober 2019 zu entneh-
men sei, gehöre eine Medikation mit (...) (Substanz [...]) und eine damit
verbundene regelmässige Kontrolle der Leberwerte zur Behandlung. Zu-
dem werde festgehalten, dass eine Operation für den Patienten geplant
gewesen sei und ein erhöhtes Narkoserisiko bestehe, weshalb eine solche
Operation zwingend in einem Zentrum für (...) durchzuführen sei. Gemäss
SFH-Länderanalyse sei der Wirkstoff (...) unter dem Handelsnamen (...) in
der Dosierung von 125 mg erhältlich. Informationen zur Teilbarkeit, um die
verschiedene Dosierung von (...) mg zu erhalten, hätten nicht in Erfahrung
gebracht werden können. Zudem zitiere die SFH-Auskunft Medienartikel,
wonach Patienten mit (...) – darunter auch Kinder – auf eine Behandlung
mit (...) hätten warten müssen. Die Medikamente würden deshalb auch ver-
mehrt illegal im Ausland bezogen. Weiter halte eine spezialisierte ärztliche
Fachperson der University Clinic for Children's Diseases in Skopje auf An-
frage der SFH fest, dass dieses Spital eine Operation unter Narkose an
einem Kind mit (...) nicht durchführen könnte. Bezüglich (...) in der Dosie-
rung von 20 mg verkenne die Vorinstanz, dass es sich bei "(...)" um den
Handels- oder Markennamen des Präparats handle. (...) sei der darin ent-
haltene Wirkstoff (bzw. Substanz). So schreibe die SFH in ihrem Bericht
vom 11. Januar 2019 auch durchwegs von der Verfügbarkeit des Wirkstoffs
(...). Die Ausführungen der Vorinstanz seien in keiner Weise geeignet, die
Vermutung umzustossen, dass der Wirkstoff (...) in der benötigten Dosie-
rung von 20 mg in Nordmazedonien nicht erhältlich sei. Dass die in Nord-
mazedonien erhältlichen (...)-Filmtabletten laut dem SEM teilbar seien, be-
ruhe erneut auf einer Einschätzung der Vorinstanz und stütze sich nicht auf
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Seite 11
pharmazeutisches Fachwissen. Die Beschwerdeschrift enthalte eine bei-
spielhafte Aufzählung an (...)-Präparaten in grösserer Dosierung als 20 mg.
Im dort ebenfalls zitierten Index "Gelbe Liste" sei klar ersichtlich, dass diese
Präparate nicht oder nur zur leichteren Einnahme geteilt werden dürften.
Auch die behandelnden Ärzte des (...) J._ hielten in ihrem Bericht
explizit fest, dass eine Filmtablette nicht halbiert werden dürfe, um eine
halbe Dosis zu erhalten. Zudem habe eine Auskunftsperson der Apotheke
(...) in Skopje in der ersten Auskunft der SFH vom 11. Januar 2019 davon
abgeraten, die erhältlichen (...)-Präparate zu teilen. Somit handle es sich
um eine durch Fachwissen belegte Tatsache, dass (...)-Filmtabletten nicht
zum Erhalt kleinerer Dosen geteilt werden dürften. Schliesslich halte das
Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic in seinem als Beilage zur
Replik zu den Akten gereichten offiziellen Merkblatt zum Teilen von Medi-
kamenten fest, dass Tabletten, welche den Hinweis führen, dass sie nicht
geteilt werden sollen, unter keinen Umständen geteilt werden sollten. Ge-
mäss "Gelber Liste" dürften alle in diesem Pharmaindex aufgeführten (...)-
Präparate nicht geteilt werden. Damit werde auch die Ausführung der Vo-
rinstanz entkräftet, wonach der Beschwerdeführer 5 im erwähnten Zentrum
für (...) in Nordmazedonien behandelt werden könne. Eine engmaschige
(...) Betreuung möge dort bis zu einem gewissen Punkt möglich sei, jedoch
fehle dazu immer noch die lebensnotwendige Medikation mit dem Wirkstoff
(...) in der korrekten, verschriebenen Dosierung. Ferner müsse gemäss
dem zweiten SFH-Bericht davon ausgegangen werden, dass der Be-
schwerdeführer 5 ebenfalls kein (...) erhalten werde. Weiter sei auch anzu-
zweifeln, dass die notwendige Behandlung tatsächlich komplett durch die
nordmazedonische allgemeine Krankenkasse übernommen würde.
Schliesslich sei gemäss dem SFH-Bericht auch zu befürchten, dass eine
allfällige weitere Operation aufgrund des (...) in Nordmazedonien nicht oder
verglichen mit der Schweiz nur unter erhöhter Lebensgefahr durchgeführt
werden könnte. Der ohne Zweifel tiefere medizinische Standard in Nord-
mazedonien würde bereits eine lebensbedrohliche Situation für den Be-
schwerdeführer 5 zur Folge haben. Abschliessend wurde nochmals hervor-
gehoben, dass die Vorinstanz ihre Abklärungspflicht in grober Weise wie-
derholt verletzt habe, während die Beschwerdeführenden ihrer Mitwir-
kungspflicht gemäss ihren Möglichkeiten voll und ganz nachgekommen
seien, um darzulegen, dass die medizinische Versorgung in Nordmazedo-
nien der komplexen Erkrankung des Beschwerdeführers 5 nicht gerecht
werden würde. Die einzige von der Vorinstanz angesichts der von ihnen
eingereichten Berichten getätigte Abklärung sei eine kurze Recherche auf
dem Pharmaindex www.compendium.ch, wobei sie es unterlassen habe,
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Seite 12
die konkrete Stelle zu zitieren, und eine offensichtlich falsche Schlussfol-
gerung daraus gezogen habe. Angesichts der Möglichkeit schwerer ge-
sundheitlicher Folgen für den Beschwerdeführer 5 wäre daher eventualiter
eine Rückweisung an die Vorinstanz zur erneuten und vollständigen Abklä-
rung des Sachverhalts besonders angezeigt.
5.
5.1 Vorab ist auf die in der Beschwerde erhobene formelle Rüge, wonach
das SEM den rechtserheblichen Sachverhalt unvollständig erhoben bezie-
hungsweise seine Abklärungspflicht verletzt habe, einzugehen.
5.2 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG). Demnach hat die
Behörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung dann, wenn der Verfügung ein falscher und ak-
tenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird, etwa weil die Rechtserheb-
lichkeit einer Tatsache zu Unrecht verneint wird und folglich nicht alle ent-
scheidwesentlichen Gesichtspunkte des Sachverhalts geprüft werden,
oder weil Beweise falsch gewürdigt wurden. Unvollständig ist die Sachver-
haltsfeststellung, wenn nicht alle für den Entscheid rechtsrelevanten Sach-
umstände berücksichtigt wurden. Die Behörde ist allerdings nicht verpflich-
tet, zu jedem Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzu-
stellen. Zusätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen,
wenn sie aufgrund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu
CHRISTOPH AUER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bun-
desgesetz über das Verwaltungsverfahren [VwVG], 2008, Rz. 15 zu Art.
12; BENJAMIN SCHINDLER, in Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], a.a.O., Rz. 28
zu Art. 49). Gemäss Art. 8 AsylG hat die asylsuchende Person demgegen-
über die Pflicht, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken (vgl.
BVGE 2015/10 E. 3.2).
5.3
5.3.1 Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer 5 im Zusam-
menhang mit seinem angeborenen (...) wegen seiner im Wiedererwä-
gungsverfahren diagnostizierten chronischen Erkrankung an (...) auf eine
langfristige beziehungsweise soweit absehbar lebenslange (...) medika-
mentöse Therapie mit dem Wirkstoff (...) angewiesen ist. Die aktuelle Me-
dikation beträgt 3 x 20 mg pro Tag (vgl. ärztliche Schreiben des (...)
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Seite 13
J._ vom 23. November 2018 und vom 3. Oktober 2019). Die von
ihm benötigte Dosierung von 20 mg ist gemäss den von ihm eingereichten
Unterlagen in Nordmazedonien nicht erhältlich. Entgegen den Ausführun-
gen der Vorinstanz dürfen (...)-Filmtabletten anderer Dosierungen nicht ge-
teilt werden, um die vom Beschwerdeführer 5 benötigte Dosierung zu er-
halten, und ist gemäss den behandelnden Ärzten insbesondere das Teilen
auch mit einem Medikamentenschneider nicht zulässig, da vorliegend die
erwähnte Medikation unbedingt unverändert fortgeführt werden muss und
ein Teilen zu einer ungenauen Medikation führen könnte, welche den ge-
sundheitlichen Zustand des Patienten sehr gefährden würde (vgl. ärztli-
ches Schreiben vom 3. Oktober 2019). Letzteres leuchtet umso mehr ein,
als es sich bei (...) um einen hochpotenten Wirkstoff handelt, dessen
exakte Dosierung für den Beschwerdeführer 5 mittels dem zu den Akten
gereichten Dosierungsblatt aufgezeigt wurde. Daraus ergibt sich, dass die
Vorinstanz ihrer Abklärungspflicht bezüglich der Erhältlichkeit des Wirk-
stoffs (...) in der vom Beschwerdeführer 5 benötigen Dosierung von 20 mg
in Nordmazedonien ungenügend nachgekommen ist und den Sachverhalt
unvollständig abgeklärt hat.
5.3.2 Dem Schreiben der behandelnden Ärzte vom 3. Oktober 2019 ist zu-
dem zu entnehmen, dass die (...) Therapie des Beschwerdeführers 5 habe
ausgebaut werden müssen und zusätzlich zu (...) das Medikament (...)
(Wirkstoff: [...]) etabliert worden sei. Die aktuelle Medikation sei (...) 2 x 62.5
mg pro Tag. In Zukunft werde die Medikation mit (...) in der Dosierung von
3 x 20 mg pro Tag weitergeführt ab einem Körpergewicht von mehr als 40
kg müsse die Dosierung von (...) auf (...) mg pro Tag erhöht werden. Aus
medizinischer Sicht müsse gewährleistet sein, dass der Patient kontinuier-
lichen und lebenslang ununterbrochenen Zugang zu diesen Medikamenten
habe. Des Weiteren sei neben der sowieso notwendigen regelmässigen
pädiatrischen und (...) Kontrolle des Gesundheitszustands des Patienten
auch eine regelmässige (1- bis 3-monatliche) laborchemische Kontrolle
insbesondere der Leberwerte unter der etablierten Medikation zwingend
notwendig (vgl. ärztliches Schreiben vom 3. Oktober 2019).
Die Vorinstanz äusserte sich in ihrer Vernehmlassung nicht zur Erhältlich-
keit des Wirkstoffs (...) in Nordmazedonien. Zwar ist dieser dort gemäss
SFH-Länderanalyse in der Dosierung von 125 mg erhältlich. Den Be-
schwerdeführenden gelang es aber nicht, Informationen zur Teilbarkeit, um
die benötigte Dosierung von (...) mg zu erhalten, in Erfahrung zu bringen.
Gemäss der SFH-Auskunft vom 14. November 2019 erhalten nur Patien-
ten, die unter dem "Programme for Rare Diseases" registriert sind, offiziell
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Zugang zum Medikament (...) 125 mg, und würden die Kosten dafür nur
im Rahmen dieses Programms von der öffentlichen Krankenversicherung
übernommen. Laut I.A. von der Association of Patients with (...) "Moment
Plus", welche in einem in der SFH-Auskunft erwähnten Medienportal zitiert
wird, und einem weiteren Medienportal sei die Aufnahme in das "Pro-
gramme for Rare Diseases" und der Zugang zum Wirkstoff (...) aufgrund
von Wartezeiten und Mangel an Anfragen durch Universitätsspitäler in der
Praxis schwierig, wobei mehrere bei der Association of Patients with (...)
"Moment Plus" registrierte Patienten, darunter Kinder, auf eine Behandlung
oder zusätzliche Behandlungen einschliesslich solcher mit dem Wirkstoff
(...) warteten.
Daraus ergibt sich, dass sich auch bezüglich der Erhältlichkeit des Wirk-
stoffs (...) in der vom Beschwerdeführer 5 benötigten Dosierung von (...)
mg, allenfalls über den Zugang zum "Programme for Rare Diseases", wei-
tere Abklärungen aufdrängen und damit der Sachverhalt unvollständig er-
stellt ist.
5.4 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, in: Praxiskommentar
VwVG, 2. Aufl. 2016, Art. 61 N. 16). Die in diesen Fällen fehlende Entschei-
dungsreife kann grundsätzlich zwar auch durch die Beschwerdeinstanz
selbst hergestellt werden, wenn dies im Einzelfall aus prozessökonomi-
schen Gründen angebracht erscheint; sie muss dies aber nicht.
5.5 Die Entscheidreife lässt sich im vorliegenden Verfahren nicht mit gerin-
gem Aufwand herstellen. Es ist daher angezeigt, die angefochtene Verfü-
gung gestützt auf Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG aufzuheben und die Sache
zwecks vollständiger Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts be-
züglich der benötigten medizinischen Behandlung und medikamentösen
Therapie des Beschwerdeführers 5 in Nordmazedonien und Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Im Übrigen bleibt auf diese Weise
der Instanzenzug erhalten, was umso wichtiger ist, als das Bundesverwal-
tungsgericht letztinstanzlich entscheidet.
6.
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Nach dem Gesagten ist die Beschwerde soweit gutzuheissen, als die an-
gefochtene Verfügung aufzuheben und das Verfahren zur vollständigen
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes und zur Neubeurteilung im
Sinne der Erwägungen an das SEM zurückzuweisen ist.
Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinanderset-
zung mit den weiteren Einwänden in der Beschwerde. Dasselbe gilt bezüg-
lich der in der Eingabe vom 4. Mai 2020 vorgebrachten gesundheitlichen
Probleme des Kindes F._. Diese Einwände und Vorbringen bilden
Prozessstoff im vom SEM wiederaufzunehmenden erstinstanzlichen Ver-
fahren.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
7.2 Den vertretenen Beschwerdeführenden ist angesichts ihres Obsiegens
in Anwendung von Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) eine Entschädigung für die
ihnen notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzusprechen.
Der Rechtsvertreter reichte am 14. Februar 2020 eine Kostennote zu den
Akten. Darin werden ein Aufwand von 8.00 Stunden bei einem Stundenan-
satz von Fr. 200.–, eine Rechnung der SFH für ihre Auskunft vom 14. No-
vember 2019 von Fr. 450.– und Auslagen von Fr. 15.–, total Fr. 2'165.–
(recte: Fr. 2'065.–) ausgewiesen. Diese Kostennote erscheint angemes-
sen. Darin nicht berücksichtigt ist der Aufwand für die Eingabe vom 4. Mai
2020, der vom Gericht auf 0.25 Stunden veranschlagt wird. Es ergibt sich
demnach ein Gesamtaufwand von 8.25 Stunden. Die Auslagen erhöhen
sich um Fr. 10.– auf insgesamt Fr. 25.–. Der ausgewiesene Stundenansatz
von Fr. 200.– bewegt sich im Rahmen von Art. 10 Abs. 2 VGKE. Daraus
ergeben sich ein Honorar von Fr. 2'100.– und Auslagen von Fr. 25.–. Dem-
nach ist das SEM anzuweisen, den Beschwerdeführenden für das Verfah-
ren vor dem Bundesverwaltungsgericht eine Parteientschädigung von
Fr. 2'125.– auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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