Decision ID: 5debdd62-a12b-52b8-a4f3-cde3225468e2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer − ein Tamile mit letztem Wohnsitz in B._,
Ostprovinz − reiste am 17. Juli 2017 in die Schweiz ein und stellte am glei-
chen Tag im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) C._ ein Asyl-
gesuch. Am 20. Juli 2017 fand seine summarische Befragung zur Person
(BzP) im EVZ und am 20. Januar 2020 die Anhörung zu den Asylgründen
gemäss Art. 29 Abs. 1 AsylG (SR 142.31) statt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer brachte zur Begründung seines Asylgesuchs im
Wesentlichen vor, seine Familie habe bereits im Jahr 1990 die Liberation
Tigers of Tamil Eelam (LTTE) finanziell unterstützt, und seine Eltern seien
deswegen verhaftet worden. Er selber sei am (...) September 1998 vom
Army-Geheimdienst ins (...) in B._ gerufen und dort geschlagen,
aber noch am gleichen Tag wieder entlassen worden. Danach hätten Geld-
Erpressungen durch den singhalesischen Geheimdienst eingesetzt. We-
gen seiner guten Stimme sei er auch veranlasst worden, für den Parlamen-
tarier D._ von der TNA (Tamil National Alliance) Wahlkampfreden
zu halten, woraus ihm aber keine Nachteile entstanden seien. Von 1998
bis 2006 habe er die LTTE unterstützt, indem er mit dem Traktor Material
wie Stacheldraht, Generatoren und Chemikalien transportiert sowie seine
Traktoren für Transporte zur Verfügung gestellt habe. Er sei zu diesen Hilfs-
leistungen gezwungen gewesen, weil sein Landbesitz in dem von den
LTTE kontrollierten Gebiet gelegen habe. Im Gegensatz zu seinen Eltern
habe er aber nie etwas mit Geldzahlungen an die LTTE zu tun gehabt. Am
(...) Dezember 2006 sei das Gebiet, auf dem sich seine Felder befänden,
unter die Kontrolle der Armee gelangt. Am gleichen Tag sei er nach einem
Knall von seinem Motorrad gestürzt und erst im Spital wieder zu sich ge-
kommen. Er habe bei diesem Vorfall eine Schussverletzung (...) erlitten,
aufgrund welcher er in den Spitälern von B._ und E._ ins-
gesamt ein Jahr und elf Monate lang habe behandelt werden müssen. In
E._ sei er nicht korrekt behandelt worden. Er vermute, dass er von
Angehörigen der "Special Task Forces" angeschossen worden sei; die Po-
lizei habe den Vorfall hingegen nach einer Untersuchung als Unfall einge-
stuft. Nach seiner Rückkehr nach B._ im Jahr 2009 sei er erneut
mit Geldforderungen konfrontiert gewesen. Im April 2010 hätten Karuna-
Anhänger ihn in Begleitung von Mitarbeitern des Criminal Investigation De-
partments (CID) aufgesucht, ihm vorgeworfen, die LTTE unterstützt zu ha-
ben, und von ihm verlangt, die Namen von LTTE-Mitgliedern preiszugeben
E-2921/2020
Seite 3
oder eine Geldsumme zu bezahlen. Daraufhin habe er diesen Leuten ins-
gesamt – anstelle der von ihnen geforderten Summe von (...) Lakhs –
(...) Lakhs ([...] Rupien) zukommen lassen, ihnen danach aber nichts mehr
bezahlt. Er sei bis zu seiner Ausreise immer wieder eingeschüchtert wor-
den (vgl. Protokoll BzP A7 S. 10). Respektive hätten in den Jahren 2011
und 2012 und auch nach seiner Eheschliessung im (...) diese Leute wei-
tere Geldforderungen an ihn gerichtet; namentlich habe er für sie mehrfach
die Kosten alkoholischer Getränke für Feierlichkeiten übernehmen müs-
sen. Nach seiner Hochzeit habe er ihnen Geldbeträge in der Höhe von ins-
gesamt (...) Lakhs ([...] Rupien) ausgehändigt (vgl. Protokoll Anhörung
A13 S. 11 f. F77 ff.). Zudem hätten sie wiederholt auf seinen Festnetzan-
schluss angerufen und seine Ehefrau beschimpft. Wegen dieser Probleme
seien er und seine Ehefrau vor dem tamilischen Neujahrsfest im Jahr 2013
zur Human Rights Commission gegangen; dort habe man ihnen aber ge-
sagt, sie sollten zunächst bei der Polizei Anzeige erstatten. Dies habe er
nicht gemacht, weil 99 Prozent der Beamten Singhalesen seien, und er be-
fürchtet habe, dass sie im Falle einer Anzeige die Täter informieren wür-
den. Im April 2016 (vgl. Protokoll Anhörung A13 S. 8) oder 2017 (vgl. Pro-
tokoll BzP A7 S. 10) sei von ihm erneut ein sehr grosser Geldbetrag gefor-
dert worden, den er nicht habe bezahlen können. Er habe zugesagt, diesen
Betrag nach der Erntezeit zu bezahlen, habe diese Vereinbarung aber nicht
eingehalten. Aus diesem Grund hätten ihn diese Leute im Zeitraum von
April bis Juni 2017 telefonisch bedroht. Auch seine Frau habe Anrufe er-
halten, in denen sie bedroht und belästigt worden sei. Nach dem Beginn
dieser Probleme habe er sich nur noch selten zu Hause, sondern zumeist
auf seinen Feldern aufgehalten. Im Übrigen sei er im Jahr 2017 mehrmals
nach E._ gereist, weil sein Vater sich dort einer (...)operation habe
unterziehen müssen. Im März 2017 sei er in E._ von einem Polizei-
beamten unter dem Vorwurf, den LTTE anzugehören und diese unterstützt
zu haben, festgenommen und auf einem Polizeiposten festgehalten wor-
den. Am nächsten Tag sei er einem Richter vorgeführt und dank der Inter-
vention seines Geschäftspartners F._ gegen Bezahlung einer Kau-
tion freigelassen worden. Sein Vater habe für ihn gebürgt. Zudem sei ihm
eine wöchentliche Meldepflicht in E._ auferlegt worden. Er vermute,
dass jemand ihn bei der Polizei denunziert habe. Das gegen ihn eingelei-
tete Gerichtsverfahren sei nach wie vor hängig. Er sei der Meldepflicht nicht
nachgekommen, weil dies aufgrund der grossen Distanz gar nicht möglich
gewesen wäre, sondern habe sich in seinen Reisfeldern versteckt. Er habe
etwa zwei Wochen vor seiner Ausreise einen Reisepass beantragt, und
F._ habe seine Ausreise organisiert. Am (...) 2017 sei er legal, mit
seinem eigenen Reisepass auf dem Luftweg von E._ via
E-2921/2020
Seite 4
G._ in die Türkei gereist, von wo er von einem Schlepper durch ihm
unbekannte Drittstaaten in die Schweiz gebracht worden sei.
B.b Nach seiner Ausreise habe das CID sich bei seiner Ehefrau nach sei-
nem Aufenthaltsort erkundigt. Nachdem er am (...) in H._ an einer
Protestkundgebung teilgenommen habe, sei ein Haftbefehl gegen seinen
Vater erlassen worden. Dieser sei aber nicht festgenommen worden, weil
(...). Er vermute, dass die sri-lankischen Sicherheitskräfte aufgrund von auf
Facebook publizierten Fotos Kenntnis seiner Teilnahme an dem genannten
Anlass erhalten hätten und nun wüssten, dass er sich im Ausland aufhalte.
Er habe auch an drei weiteren Veranstaltungen teilgenommen, bei welchen
er über die Menschenrechtssituation in Sri Lanka berichtet habe. Es seien
aber keine Fotoaufnahmen von ihm gemacht worden. Im Weiteren habe
der CID im Zusammenhang mit den letzten Wahlen von seiner Schwägerin
seine Telefonnummer sowie einen finanziellen Beitrag für den Wahlkampf
verlangt. Er befürchte, im Falle einer Wiedereinreise in Sri Lanka verhaftet
und betraft zu werden, weil er seine Verfolger getäuscht habe.
B.c Zum Beleg seiner Vorbringen wurden folgende Beweismittel einge-
reicht:
− Identitätskarte des Beschwerdeführers in Kopie
− beglaubigte Kopien der Geburtsscheine des Beschwerdeführers, seiner
Ehefrau und (...)
− beglaubigte Kopie des Ehescheins
− Führerschein (Original und Kopie)
− Haftbefehl (warrant of arrest) eines Gerichts in E._ vom (...) (Ori-
ginal)
− handschriftlicher Brief der Ehefrau
− Schreiben von Rechtsanwalt I._, E._, vom 18. Mai 2018
− Unterstützungsschreiben des Bischofs der B._ Diocese vom
31. Mai 2013
− Unterstützungsschreiben des Reverend der (...) vom 16. August 2017
− 3 Fotos von Röntgenbildern (...)
− 10 Fotos einer Kundgebung in H._
− 5 Fotos der (...)verletzung des Beschwerdeführers inklusive Begleit-
schreiben vom 8. Februar 2020
E-2921/2020
Seite 5
C.
Mit Verfügung vom 30. April 2020 (eröffnet am 5. Mai 2020) stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies
sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie
den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe seiner Rechtsvertretung an das Bundesverwaltungsgericht
vom 4. Juni 2020 erhob der Beschwerdeführer Beschwerde gegen die Ver-
fügung der Vorinstanz und beantragte, dieser Entscheid sei aufzuheben
und es sei ihm Asyl zu gewähren. In einem Eventualbegehren wurde be-
antragt, es sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs festzustellen und als Folge davon seine vorläufige Auf-
nahme in der Schweiz anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht bean-
tragte der Beschwerdeführer die Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung, die Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als unentgeltliche
Rechtsbeiständin sowie die Befreiung von der Kostenvorschusspflicht.
Als Beilage zur Beschwerde wurde der Bericht "Gotabaya Rajapaksa’s
Präsidentschaft – Menschenrechte unter Beschuss", aktualisiert am
16. Januar 2020, eingereicht.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 hiess der Instruktionsrichter die
Gesuche um unentgeltliche Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG
sowie um unentgeltliche Verbeiständung gemäss aArt. 110a AsylG gut,
setzte MLaw Cora Dubach als unentgeltliche Rechtsbeiständin ein und ver-
zichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Ferner wurde die Vor-
instanz zur Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 24. Juni 2020 hielt die Vorinstanz an ihrer
Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Die Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer am 25. Juni 2020 zur
Kenntnis gebracht.
G.
Mit Eingaben vom 28. Juli 2020 und 7. August 2020 wurden Unterlagen zur
ärztlichen Behandlung des Beschwerdeführers sowie seines Vaters in Sri
Lanka (Bestätigungsschreiben von [...] Clinic, Diagnosis Ticket) zu den Ak-
ten gereicht.
E-2921/2020
Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.5 Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
E-2921/2020
Seite 7
3.
3.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung ihrer Verfügung Folgendes aus:
3.1.1 Der vom Beschwerdeführer genannten Festnahme im Jahr 1998 sei
angesichts der grossen zeitlichen Distanz zu seiner Ausreise und des feh-
lenden asylrelevanten Motivs keine Asylrelevanz beizumessen. Dass es
sich bei den Tätern um Angehörige des Geheimdiensts gehandelt habe,
sei nicht gesichert. Auch dem Engagement des Beschwerdeführers für die
TNA sowie der durch Schüsse im Jahr 2006 erlittenen Verletzung komme
mangels Aktualität keine asylrechtliche Relevanz zu. Die Personen, die ins-
besondere ab 2010 Geldforderungen gegen ihn erhoben und ihn und seine
Ehefrau beschimpft und bedroht hätten, hätten offensichtlich aus kriminel-
len und damit nicht asylrelevanten Motiven gehandelt. Zudem sei zweifel-
haft, dass diese Verfolgungsmassnahmen von staatlicher Seite ausgegan-
gen seien. Bei einer Verfolgung durch Dritte wäre der Beschwerdeführer
indessen gehalten gewesen, die Behörden seines Heimatstaats einzu-
schalten. Diese Vorbringen seien demnach in mehrfacher Hinsicht als asyl-
rechtlich irrelevant einzustufen. Nach seiner Festnahme im März 2017 sei
der Beschwerdeführer bereits nach einem Tag freigelassen worden, wobei
die Freilassung nur an eine – letztlich wirkungslose – Bürgschaft durch sei-
nen Vater und eine Meldepflicht geknüpft gewesen sei. Ferner seien nach
seiner Ausreise weder seine Ehefrau noch der Vater oder sonst jemand in
nennenswerter Weise belangt worden. Aus diesen Gründen sei davon aus-
zugehen, dass die sri-lankischen Behörden kein nennenswertes Verfol-
gungsinteresse am Beschwerdeführer gehabt hätten. Diesen Vorbringen
fehle es somit an der asylrechtlich relevanten Intensität.
3.1.2 Darüber hinaus seien die Asylvorbringen des Beschwerdeführers
auch als unglaubhaft zu erachten. Seine angebliche Verhaftung im Jahr
2017 habe er erst anlässlich der Anhörung vorgebracht. In der BzP habe
er vielmehr zu Protokoll gegeben, nie in Haft oder vor Gericht gewesen zu
sein. Sein Verweis auf seine schlechte Verfassung bei der BzP vermöge
nicht zu überzeugen. Dieses Vorbringen sei somit als nachgeschoben zu
bezeichnen. Es sei nicht nachvollziehbar, dass der Haftbefehl gegen sei-
nen Vater nach der Teilnahme des Beschwerdeführers an einer Demonst-
ration in der Schweiz erlassen worden sei. Vielmehr wäre es naheliegender
gewesen, ihn nach der Missachtung der Meldepflicht zu verhaften. Ferner
laute der Haftbefehl auf den Namen des Beschwerdeführers. Diesen
Widerspruch habe der Beschwerdeführer nicht aufzulösen vermocht. Über-
dies würden Verhaftungen dieser Art üblicherweise gestützt auf das
Antiterror-Gesetz PTA ohne richterlichen Haftbefehl vorgenommen.
E-2921/2020
Seite 8
Im Weiteren seien die Angaben des Beschwerdeführers zu seiner letzten
Wohnadresse widersprüchlich, und er habe generell vage Aussagen zu
seinen Aufenthaltsorten ab 2016 gemacht. Angesichts seiner guten finan-
ziellen Verhältnisse und der angeblichen Gefährdung seiner Ehefrau sei
nicht nachvollziehbar, dass er nicht zusammen mit dieser ausgereist sei.
Widersprüchliche Angaben habe der Beschwerdeführer ferner auch betref-
fend die Zahlungen an die von ihm genannten Personen gemacht. In der
BzP habe er angegeben, ihnen letztmals im Jahr 2010 Geld bezahlt zu
haben, während er bei der Anhörung wiederholte finanzielle Zuwendungen
in den Jahren 2013 bis 2016 erwähnt habe. Seine Begründung für die un-
terlassene Erwähnung dieser Zahlungen bei der BzP überzeuge nicht. Die
eingereichten Beweismittel vermöchten an dieser Einschätzung nichts zu
ändern. Die Bilder seiner (...)verletzung würden nichts über deren Ursache
aussagen. Bei den Schreiben eines Rechtsanwalts sowie von zwei Pasto-
ren dürfte es sich um Gefälligkeitsschreiben handeln, die zudem inhaltliche
Widersprüche zu den Vorbringen des Beschwerdeführers enthalten wür-
den. Da auch das Schreiben seiner Ehefrau Gefälligkeitscharakter und so-
mit keinen Beweiswert haben dürfte, könne auf eine Übersetzung verzich-
tet werden.
Dass die sri-lankischen Behörden von der Teilnahme des Beschwerdefüh-
rers an einer Kundgebung in der Schweiz erfahren hätten, sei ebenso eine
reine Vermutung, wie dass der Haftbefehl eine Folge hiervon sei. Es sei
nicht davon auszugehen, dass die Behörden von der Teilnahme des Be-
schwerdeführers an weiteren Versammlungen Kenntnis erhalten hätten,
beziehungsweise dieser Umstand ein Verfolgungsinteresse auszulösen
vermöchte. Zudem reiche praxisgemäss die Mitwirkung an einer Demonst-
ration als einfacher Teilnehmer für die Zuerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft nicht aus. Es sei davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behör-
den in der Lage seien, blosse Mitläufer als solche zu identifizieren. Dem-
nach sei aus den exilpolitischen Aktivitäten des Beschwerdeführers keine
begründete Furcht vor Verfolgung abzuleiten. Die bei der Wiedereinreise
zu erwartenden Befragungen sowie allfällige Überwachungsmassnahmen
würden keine asylrelevante Verfolgungsmassnahme darstellen. Allfällige
im Zeitpunkt der Ausreise des Beschwerdeführers bestehenden Risikofak-
toren hätten kein Verfolgungsinteresse auszulösen vermocht. Dies zeige
sich auch darin, dass er trotz der angeblichen Verfolgung durch das CID
legal und mit seinem eigenen Pass habe ausreisen können. Es sei nicht
ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nunmehr in den Fokus der Be-
hörden geraten sollte. Namentlich vermöge auch der Sieg von Gotabaya
Rajapaksa bei den Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 an
E-2921/2020
Seite 9
dieser Einschätzung nichts zu ändern. Es gebe keinen Anlass zur An-
nahme, dass ganze Volksgruppen unter seiner Präsidentschaft kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt seien. Ein persönlicher Bezug des Be-
schwerdeführers zu der genannten Wahl und ihren Konsequenzen sei nicht
dargetan worden.
3.1.3 Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) habe
mehrfach festgestellt, es sei nicht generell davon auszugehen, dass zu-
rückkehrenden Tamilinnen und Tamilen in Sri Lanka eine unmenschliche
Behandlung drohe. Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten würden sich Anhaltspunkte dafür ergeben, dass ihm
eine durch Art. 3 EMRK verbotene Bestrafung oder Behandlung drohe.
Schliesslich würden auch keine Gründe gegen die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs sprechen. Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen
von 2019 vermöge nichts daran zu ändern, dass in Sri Lanka keine
Situation allgemeiner Unruhe herrsche, die zu einer Gefährdung aller
Rückkehrenden unabhängig von deren individuellem Hintergrund führen
würde. Somit sei in Sri Lanka aktuell nicht von einer Situation allgemeiner
Gewalt auszugehen. Ferner würden auch keine individuellen Gründe vor-
liegen, welche der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs entgegen-
stehen würden. Der Beschwerdeführer habe eine gute Schuldbildung und
verfüge über grossen Landbesitz und die Mittel, diesen zu bewirtschaften.
Seine Ehefrau und (...) würden ihren Lebensunterhalt weiterhin aus dem
Vermögen bestreiten. Es könne demnach von einer gesicherten Wohnsitu-
ation sowie dem Vorhandensein einer ausgezeichneten wirtschaftlichen
Lebensgrundlage ausgegangen werden. Eine allfällige Weiterbehandlung
der vorgebrachten gesundheitlichen Beschwerden wäre auch in Sri Lanka
ohne Weiteres möglich, sei der Beschwerdeführer doch in der Lage gewe-
sen, sich schon vor der Ausreise behandeln zu lassen.
3.2
3.2.1 Zur Begründung seiner Beschwerde brachte der Beschwerdeführer
zunächst vor, seine Ehefrau sei im Mai 2020 von den Erpressern erneut
aufgesucht und bedroht worden, weshalb sie aus Sicherheitsgründen ihren
Wohnort gewechselt habe. In Bezug auf die Frage der Glaubhaftigkeit der
Asylvorbringen sei es nicht legitim, Widersprüche zwischen den Aussagen
in der BzP und der vertieften Anhörung derart stark zu gewichten, wie dies
das SEM getan habe. Durch die eingereichten Dokumente (Haftbefehl,
Anwaltsschreiben) sei belegt, dass er im Jahr 2017 in E._ verhaftet
und ein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet worden sei. Dieses Sach-
verhaltselement sei bei der BzP untergegangen, wobei zu berücksichtigen
E-2921/2020
Seite 10
sei, dass er angehalten worden sei, sich kurz zu fassen und in diesem Zeit-
punkt in instabiler Verfassung gewesen sei. Der Haftbefehl gegen seinen
Vater sei ausgestellt worden, weil dieser für ihn gebürgt habe und er selber
seiner Meldepflicht nicht nachgekommen sei, sondern das Land verlassen
habe. Sein Vater sei zwar aufgrund seines Alters und (...) nicht festgenom-
men worden, er sei aber vom CID aufgesucht, geschlagen und befragt wor-
den. Er sei in der BzP sehr aufgewühlt gewesen, weshalb nicht überra-
schend sei, dass er seine letzte Wohnadresse verwechselt habe. Seine
letzte Adresse sei "(...)" gewesen. An der "(...)" habe er sich ab März 2016
für eine kurze Zeit aufgehalten. Seine Angaben zu den Aufenthaltsorten ab
2016 seien vage, weil er sich in diesem Zeitraum mehrheitlich versteckt
habe. Er sei ohne seine Ehefrau und ihr gemeinsames Kind geflüchtet, weil
die Ausreise für die ganze Familie zu teuer gewesen wäre. Seine Ehefrau
sei bei verschiedenen Verwandten und Bekannten untergetaucht. Er habe
die wiederholten Geldzuwendungen von 2013 bis 2016 anlässlich der BzP
nicht erwähnt, weil er gedacht habe, er solle nur die grossen und wichtigen
Beträge erwähnen. Durch seine Aussage, dass die Probleme weitergegan-
gen seien, habe er weitere Zahlungen zumindest angedeutet. Im Weiteren
sei es nicht angebracht, die eingereichten Schreiben als Gefälligkeits-
schreiben zu bewerten, da so die Möglichkeit untergraben werde, mithilfe
von schriftlichen Belegen Beweis zu erbringen. Die Röntgenbilder ver-
möchten die erlittene Verletzung und damit die von ihm geschilderten Er-
eignisse zu belegen. Insgesamt sei es ihm durchaus gelungen, eine Ver-
folgung glaubhaft darzulegen. Seine Aussagen würden ein glaubhaftes und
nachvollziehbares Gesamtbild ergeben.
3.2.2 Die Festnahme im Jahre 1998 zeige, dass der sri-lankische Staat
schon damals einen Grundverdacht gegen ihn gehegt habe. Von einem
solchen könne man sich in Sri Lanka nie wirklich befreien. Er sei über Jahr-
zehnte hinweg immer wieder behelligt, erpresst und mit den LTTE in Ver-
bindung gebracht worden. Dass seine (...)verletzung von den Polizei-
behörden als Unfall behandelt worden sei, zeige, dass er sich nicht auf den
Schutz des Staats verlassen könne. Er habe die Leute, welche ihn um Geld
erpresst hätten, anhand verschiedener Merkmale als CID-Mitarbeiter
identifizieren können. Dass die Erpresser offensichtlich an seinen finanzi-
ellen Mitteln interessiert gewesen seien und damit kriminell gehandelt hät-
ten, ändere nichts an der asylrechtlichen Relevanz dieser Repressalien.
Bei seinen Verfolgern habe es sich um Mitarbeiter des Staats und parami-
litärische Gruppen gehandelt, und sie hätten ihm gedroht, ihn ins Gefäng-
nis zu stecken. Zudem habe er um die Gefahr gewusst, wegen seines
Engagements für die LTTE mit den Behörden Probleme zu bekommen.
E-2921/2020
Seite 11
Dass ehemalige LTTE-Unterstützer und deren Angehörige durch die
Sicherheitskräfte erpresst und bedroht würden, sei eine gängige Praxis.
Oft würden sich kriminelle und staatliche Verfolgung vermischen. Der Ein-
schätzung der Vorinstanz, wonach die geschilderten Ereignisse im Jahr
2017 nicht asylrelevant seien, könne nicht gefolgt werden. Nach seiner
Flucht seien sowohl seine Ehefrau, als auch die Schwägerin und sein Vater
vom CID behelligt worden. Namentlich sei sein Vater befragt und geschla-
gen und es sei ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden. Mit der Fest-
nahme und Auferlegung einer Meldepflicht sowie den regelmässigen
Erpressungen und Drohungen von staatlicher und paramilitärischer Seite
hätten die Ereignisse sich im März/April 2017 zu einer unerträglichen
Intensität gesteigert, weshalb er es in Sri Lanka nicht mehr ausgehalten
habe. Die Vorverfolgung sei somit aktuell und kausal für seine Flucht ge-
wesen.
3.2.3 Bei der Prüfung einer Gefährdung gemäss den im Referenzurteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Kriterien sei zu berücksichtigen,
dass nicht nur besonders exponierte Personen von ernsthaften Nachteilen
betroffen seien. Die sri-lankische Regierung verfolge jeglichen Verdacht
von Bestrebungen zu einem Wiederaufleben der LTTE mit grösster Auf-
merksamkeit. Ein genereller Ausschluss einer Verfolgungsgefahr aufgrund
seines angeblich geringen politischen Profils sei nicht zulässig, da bereits
ein Verdacht, Handlungen zugunsten der LTTE vorgenommen zu haben,
für die Annahme eines Gefährdungsprofils ausreiche. Nachdem das CID
seine Schwägerin nach seiner Telefonnummer in der Schweiz gefragt und
auch seinen Vater behelligt habe, sowie in Anbetracht des hoch entwickel-
ten Nachrichtendiensts, sei es erstellt, dass die sri-lankischen Behörden
Kenntnis von seinem Aufenthalt und seinen Tätigkeiten in der Schweiz
hätten. Zumindest den Karuna-Anhängern und dem CID sei bekannt, dass
er in der Vergangenheit die LTTE unterstützt habe. Zudem sei er auch un-
abhängig von deren Erpressungen von staatlicher Seite verdächtigt wor-
den, den LTTE zu helfen. In Kombination mit diesem bereits bestehenden
Verdacht vermöge der Umstand, dass die sri-lankische Regierung Kennt-
nis habe, dass er sich aktiv gegen die Zustände in Sri Lanka wehre, sehr
wohl die Flüchtlingseigenschaft zu begründen. Wegen seiner Unterstüt-
zungstätigkeiten für die LTTE im Zeitraum von 1998 bis 2006 könnte er
jederzeit festgenommen werden. Angesichts der hohen Präsenz der
Sicherheitskräfte und der Überwachung der tamilischen Bevölkerung im
Norden und Osten Sri Lankas wäre die Wahrscheinlichkeit, dass er nach
einer allfälligen Rückkehr aufgespürt würde, sehr hoch. Es liege aufgrund
der ihm unterstellten Involvierung in die Pläne der LTTE, seiner illegalen
E-2921/2020
Seite 12
Ausreise, sowie einer allfälligen Rückreise ohne ordentliche Reisepapiere
nahe, dass er auf der "Watch List" oder der "Stop List" eingetragen sei.
3.2.4 Im Weiteren sei die Einschätzung der Vorinstanz betreffend die
aktuelle Lage in Sri Lanka nicht zutreffend. Der Rajapaksa-Clan werde die
ethnische Polarisierung vorantreiben und verstärken. Die Lage in Sri Lan-
kas spitze sich zu, und die politischen Gegner des Rajapaksa-Clans fühlten
sich zunehmend in Gefahr. Das dreiste und rechtswidrige Vorgehen gegen
jegliche Gegner lasse vermuten, dass dieses Regime auch gegen zurück-
geschaffte abgewiesene Asylbewerber vermehrt vorgehen werde. Es kön-
ne zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden, dass diesen
Folter, Inhaftierung oder andere unmenschliche Behandlungen drohen
würden. Demnach sei von einem künftigen Verfolgungsrisiko auszugehen.
Er habe CID-Mitarbeiter und Karuna-Anhänger getäuscht und schon
Probleme gehabt, als Mahendra Rajapaksa an der Macht gewesen sei.
Da jetzt dessen Bruder an der Macht sei, befinde er sich erneut in Gefahr.
Falls der Rajapaksa-Clan bei den anstehenden Parlamentswahlen eine
2⁄3-Mehrheit erringe, müsse mit einer drastischen Verschlimmerung der Si-
tuation in Sri Lanka gerechnet werden. Er erfülle mehrere wichtige Risiko-
faktoren, da er bereits einmal festgenommen worden sei, der Unterstüt-
zung der LTTE verdächtigt werde, der ihm auferlegten Meldepflicht nicht
nachgekommen sei und von CID-Mitarbeitern und Karuna-Anhängern be-
droht worden sei. Demnach sei sein Leben in Gefahr, oder es drohe ihm
zumindest Folter und Haft. Somit sei davon auszugehen, dass ihm jeden-
falls zukünftig eine asylrelevante Verfolgung drohe. Im Weiteren sei die
Vorverfolgung im Zeitpunkt seiner Ausreise angesichts der unerträglichen
Probleme aktuell gewesen. Sie sei gezielt gegen ihn gerichtet gewesen,
und habe auf seiner ethnischen Zugehörigkeit und politischen Gesinnung
beruht. Es könne von einem fehlenden Schutzwillen der sri-lankischen Be-
hörden ausgegangen werden. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz
seien somit sämtliche Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erfüllt.
3.2.5 Im Falle einer Rückkehr nach Sri Lanka drohe ihm eine Festnahme
unter unmenschlichen Bedingungen, bei welcher die Anwendung von Ge-
walt, Einschüchterungsmassnahmen und Folter als höchst wahrscheinlich
einzustufen seien. Aus diesen Gründen sei der Wegweisungsvollzug als
menschenrechtswidrig und damit unzulässig einzustufen. In Bezug auf die
Frage der Zumutbarkeit sei zu berücksichtigen, dass er die Schul-
abschlussprüfung nicht bestanden habe. Zudem sei er wiederholt mittels
Erpressungen zu Geldzahlungen gezwungen worden, und werde auch in
E-2921/2020
Seite 13
Zukunft mit solchen Forderungen konfrontiert sein. Schliesslich werde er
wegen der Verletzung der Meldepflicht aktiv gesucht. Unter diesen
Umständen sei zumindest der Wegweisungsvollzug als unzumutbar zu
qualifizieren.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
Keine Flüchtlinge sind Personen, die Gründe geltend machen, die wegen
ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden sind und weder Ausdruck
noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat bestehen-
den Überzeugung oder Ausrichtung sind, wobei die Einhaltung des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 4 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft gemacht, wenn sie ge-
nügend substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind. Sie dürfen sich
nicht in vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten nicht
widersprüchlich sein, der inneren Logik entbehren oder den Tatsachen
oder der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Vorbringen sind substan-
ziiert, wenn sie sich auf detaillierte, präzise und konkrete Schilderungen
stützen. Als schlüssig gelten Vorbringen, wenn sie innerhalb einer Anhö-
rung, zwischen Anhörungen oder im Vergleich zu Aussagen Dritter keine
Widersprüche aufweisen. Allerdings sollten kleine, marginale Widersprü-
che sowie solche, die nicht die zentralen Asylvorbringen betreffen, zwar in
E-2921/2020
Seite 14
die Gesamtbetrachtung einfliessen, jedoch nicht die alleinige Begründung
für die Verneinung der Glaubhaftigkeit darstellen. Darüber hinaus muss die
gesuchstellende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbe-
sondere dann nicht der Fall ist, wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt
oder bewusst falsch darstellt, im Laufe des Verfahrens Vorbringen aus-
wechselt, steigert oder unbegründet nachschiebt oder die nötige Mit-
wirkung am Verfahren verweigert. Glaubhaftmachen bedeutet ferner – im
Gegensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen der
gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, welche für die
Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen, überwiegen oder nicht.
Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustellen (vgl. BVGE 2012/5
E. 2.2, BVGE 2010/57 E. 2.2 und 2.3; Entscheidungen und Mitteilungen
der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 21 E. 6.1
S. 190 f.; ANNE KNEER und LINUS SONDEREGGER, Glaubhaftigkeitsprüfung
im Asylverfahren – Ein Überblick über die Rechtsprechung des Bundesver-
waltungsgerichts, in: ASYL 2015/2 S. 5).
5.2
5.2.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person
die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, so-
fern ihr die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1
AsylG aufgezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive
zugefügt zu werden drohen, und vor denen sie keinen ausreichenden staat-
lichen Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f. und 2008/4 E. 5.2,
je m.w.H.). Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne dieser Bestim-
mung liegt vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere
hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich
– auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in abseh-
barer Zukunft verwirklichen. Es müssen demnach hinreichende Anhalts-
punkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem
Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-
schluss zur Flucht hervorrufen würden. Aufgrund der Subsidiarität des
flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die Anerkennung der Flüchtlings-
eigenschaft ausserdem voraus, dass die betroffene Person in ihrem
Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz finden kann
(vgl. BVGE 2011/51 E. 6, 2008/12 E. 7.2.6.2 und 2008/4 E. 5.2).
E-2921/2020
Seite 15
5.2.2 Ausgangspunkt für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die
Frage nach der im Zeitpunkt der Ausreise vorhandenen Verfolgung oder
der begründeten Furcht vor einer solchen. Die Situation im Zeitpunkt des
Asylentscheids ist jedoch im Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der
Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich. Veränderungen der objektiven Si-
tuation im Heimatstaat zwischen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb
zugunsten und zulasten der das Asylgesuch stellenden Person zu berück-
sichtigen (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 6, 2011/50 E. 3.1.1 und
3.1.2, 2010/57 E. 2, 2008/34 E. 7.1, 2008/12 E. 5.2 und 2008/4 E. 5.2, je-
weils m.w.H.; WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax / Rudin / Hugi Yar /
Geiser [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., 2009, Rz. 11.17 und 11.18).
5.3
5.3.1 Das Gericht teilt die Auffassung der Vorinstanz, dass sich erhebliche
Zweifel an der Glaubhaftigkeit der vom Beschwerdeführer behaupteten Er-
öffnung eines Strafverfahrens gegen ihn im (...) 2017 (unter dem Vorwurf
der Unterstützung der LTTE) rechtfertigen. Vorab fällt auf, dass er dieses
zentrale Element seiner Asylvorbringen erst im Rahmen der Anhörung vor-
brachte, wobei er dieses in der BzP nicht nur unerwähnt liess, sondern die
gezielte Frage, ob er je in Haft oder vor Gericht gewesen sei, explizit ver-
neinte (vgl. Protokoll BzP A7 S. 11). Der Verweis in der Beschwerdeschrift
auf seine schlechte psychische Verfassung sowie den summarischen
Charakter der BzP vermag diese erhebliche Diskrepanz nicht überzeugend
auszuräumen. Ferner erscheint wenig plausibel, dass die Missachtung der
dem Beschwerdeführer angeblich auferlegten Meldepflicht bis zu seiner
Ausreise keine Konsequenzen für ihn nach sich gezogen haben soll und er
ungeachtet des hängigen Verfahrens ohne Probleme legal über den streng
kontrollierten Flughafen E._ ausreisen konnte. Es ist unter den ge-
gebenen Umständen davon auszugehen, dass die sri-lankischen Behör-
den von der Ausreise des Beschwerdeführers umgehend erfahren hätten,
falls sie sich tatsächlich für ihn interessiert hätten, zumal solche Ausreisen
über den Flughafen elektronisch registriert werden (vgl. etwa Urteile des
BVGer D-5759/2019 vom 27. November 2020 E. 6.2.2 und D-5848/2016
vom 4. September 2017 E. 6.4.2). Zu Recht weist die Vorinstanz schliess-
lich darauf hin, dass die Einleitung eines Strafverfahrens gegen den Be-
schwerdeführer wegen Unterstützung der LTTE im Jahr 2017 wenig plau-
sibel erscheint, nachdem die ihm angeblich vorgeworfenen Handlungen in
jenem Zeitpunkt mehr als zehn Jahre zurücklagen und er sich auch nach
dem Ende des Bürgerkriegs noch jahrelang in seinem Herkunftsort aufhielt,
E-2921/2020
Seite 16
ohne von den Regierungsbehörden behelligt worden zu sein. Dass die Ver-
fahrenseinleitung auf eine Denunziation zurückzuführen sei, ist bloss eine
durch nichts erhärtete Vermutung.
5.3.2 Der vom Beschwerdeführer eingereichte Haftbefehl, welcher gemäss
seinen Angaben im Zusammenhang mit dem genannten Gerichtsverfahren
stehe, weist verschiedene Ungereimtheiten auf. Zunächst ist festzustellen,
dass gemäss gesicherten Erkenntnissen des Gerichts Haftbefehle im Ori-
ginal nie den betroffenen Personen selber ausgehändigt, sondern vielmehr
in den Gerichtsakten abgelegt werden (vgl. z.B. UK HOME OFFICE, Report
of a Home Office fact-finding mission to Sri Lanka, Conducted between
28 September and 5 October 2019, 20 Januar 2020, S. 22, Rz 7.2.1).
Demnach ist nicht nachvollziehbar, wie der Beschwerdeführer in den Besitz
des eingereichten Originaldokuments gelangte. Weiter weist dieses auch
inhaltliche Unstimmigkeiten auf. Nach Angaben des Beschwerdeführers
wurde der Haftbefehl gegen seinen Vater ausgestellt; im Dokument ist je-
doch als Adressat ("name and address of person in respect of whom
warrant is issued") der Beschwerdeführer selber genannt. Im Weiteren fällt
auf, dass die zwei letzten Ziffern der Fallnummer, welche das Jahr des
Verfahrensbeginns bezeichnen ("15"), im Widerspruch zu der Darstellung
des Beschwerdeführers stehen, wonach das Verfahren gegen ihn im Jahr
2017 eingeleitet worden sei. Schliesslich ist auf der Rückseite des Haft-
befehls ein Verhaftungsdatum vermerkt ([...]). Dieses steht einerseits im
Widerspruch dazu, dass der Haftbefehl gemäss Angaben des Beschwer-
deführers erst nach seiner Ausreise ergangen ist und das Ausstelldatum
(...) trägt. Zudem ist es nicht damit zu vereinbaren, dass sein Vater gemäss
seinen Angaben gar nicht festgenommen wurde. Diese Unstimmigkeiten
legen die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem Dokument um eine
Fälschung handelt, weshalb diesem kein Beweiswert beigemessen werden
kann. Angesichts dieser Feststellung kann sodann auch dem Begleitschrei-
ben eines sri-lankischen Rechtsanwalts, in welchem die Einleitung eines
Gerichtsverfahrens gegen den Beschwerdeführer sowie die Ausstellung ei-
nes Haftbefehls bestätigt wird, keine wesentliche Beweiskraft zuerkannt
werden.
5.3.3 Angesichts dieser zahlreichen Ungereimtheiten ist die vom Be-
schwerdeführer behauptete Eröffnung eines Strafverfahrens gegen ihn we-
gen Unterstützung der LTTE im März 2017 insgesamt als unglaubhaft zu
qualifizieren. Die Frage, ob es diesen Vorbringen auch an der asylrechtli-
chen Relevanz fehlt, kann bei diesem Ergebnis offengelassen werden.
E-2921/2020
Seite 17
5.4
5.4.1 Die Schilderungen des Beschwerdeführers betreffend die Nötigun-
gen zu Geldleistungen durch CID-Beamte und Karuna-Anhänger erschei-
nen zwar insgesamt von zu erwartender Substanziiertheit. Andererseits
enthalten seine Angaben zum Zeitraum, in welchem er Zahlungen an diese
Personen geleistet habe, aber erhebliche Widersprüche. An der BzP gab
er ausdrücklich zu Protokoll, er habe 2010 letztmals eine Zahlung geleistet.
Danach habe es zwar noch Einschüchterungen gegeben, er habe aber
nichts mehr bezahlt (vgl. Protokoll BzP A7 S.10). In klarem Gegensatz dazu
steht seine Darstellung anlässlich der Anhörung, wonach er auch nach sei-
ner Heirat im Jahr 2013 noch Zahlungen in der Höhe von insgesamt
5 Lakhs geleistet habe (vgl. Protokoll Anhörung A13 S. 12 F81 f.). Das
Argument des Beschwerdeführers, er sei bei der BzP davon ausgegangen,
er solle nur grössere und wichtige bezahlte Beträge nennen, vermag an-
gesichts der unmissverständlich gestellten Frage nach Geldforderungen in
diesem Zeitraum, diesen erheblichen Widerspruch nicht überzeugend zu
erklären. Demzufolge rechtfertigen sich auch Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit dieser Vorbringen. In Anbetracht der folgenden Ausführungen kann
aber auf eine abschliessende Beurteilung dieser Frage letztlich verzichtet
werden.
5.4.2 Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit ist nämlich jedenfalls fest-
zustellen, dass die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Nötigungen und
Drohungen durch Beamte des CID sowie Karuna-Angehörige die Anforde-
rungen an die asylrechtliche Relevanz nicht zu erfüllen vermögen.
Die Ausführungen des Beschwerdeführers betreffend das Vorgehen der
Urheber dieser Repressalien lassen darauf schliessen, dass es diesen al-
lein um die Erpressung von Geld ging und sie somit aus rein kriminellen
Motiven handelten. Falls CID-Beamte daran beteiligt gewesen sein sollten,
bestünde kein Grund zur Annahme, dass diese im Auftrag oder mit der Ein-
willigung des CID handelten und dadurch eine ethnisch oder politisch
motivierte Verfolgung im Sinne des Gesetzes verübt hätten. Dieser Schluss
wird dadurch erhärtet, dass der Beschwerdeführer ohne Probleme legal
über den Flughafen E._ ausreisen konnte. Vor diesem Hintergrund
wäre es ihm möglich und zumutbar gewesen, gegen die Aggressoren
Anzeige bei der zuständigen Polizei zu erstatten und den Schutz der staat-
lichen Behörden zu beanspruchen, was er jedoch unterlassen hat. Seinem
Einwand, er habe befürchtet, dass die mehrheitlich singhalesischen Poli-
zeibehörden seine Verfolger über die Anzeige informieren würden, ist keine
relevante Bedeutung beizumessen. Das Bundesverwaltungsgericht geht
E-2921/2020
Seite 18
davon aus, dass der sri-lankische Staat auch der tamilischen Bevölkerung
gegenüber als schutzfähig und -willig gilt und ein entsprechendes kriminel-
les Verhalten selbst von CID-Angehörigen vom sri-lankischen Staat weder
geduldet noch gebilligt wird (vgl. Urteile des BVGer D-5759/2019 vom
27. November 2020 E. 6.2.3, D-2475/2018 vom 24. Juli 2018 E. 6.2.2).
Im Übrigen ist die Einschätzung der Vorinstanz zu bestätigen, dass diesen
Repressalien auch die erforderliche Intensität fehlt, um als ernsthafte
Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG eingestuft zu werden. Namentlich ist
darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer gemäss seinen Aussagen
im Jahr 2010 nicht den vollen von ihm geforderten Betrag aushändigte und
im Jahr 2017 die verlangten Zahlungen verweigerte, ohne dass dies au-
genscheinlich über die geschilderten Einschüchterungen hinausgehende
Konsequenzen gehabt hätte. Die von ihm geltend gemachten Behelligun-
gen seiner Ehefrau auch nach seiner Ausreise vermögen diesbezüglich
keine andere Einschätzung zu rechtfertigen.
5.5 Im Weiteren vermochte der Beschwerdeführer keine stichhaltigen An-
gaben zu den Urhebern des Vorfalls vom (...) Dezember 2006, bei wel-
chem er eine Schussverletzung erlitt, sowie zu deren Motiv zu machen. Es
ergeben sich aus den Akten keine stichhaltigen Hinweise dafür, dass es
sich dabei um einen gezielt gegen ihn gerichteten Angriff handelte. Die vom
Beschwerdeführer eingereichten Beweismittel (Fotos der von diesem Vor-
fall herrührenden Narben, medizinische Unterlagen) vermögen zwar die er-
littenen Verletzungen zu belegen, nicht aber, dass diese Folge eines asyl-
rechtlich relevanten Übergriffs waren. Demzufolge rechtfertigt es sich nicht,
dieses Ereignis als asylrelevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu
qualifizieren.
5.6 Auch den vom Beschwerdeführer geschilderten Ereignissen im Zeit-
raum bis 2006 ist keine asylrechtliche Relevanz beizumessen, da kein hin-
reichender zeitlicher und sachlicher Kausalzusammenhang zwischen die-
sen und seiner Ausreise im Jahr 2017 erkennbar ist.
5.7 Eine begründete Verfolgungsfurcht des Beschwerdeführers lässt sich
im Weiteren auch nicht aus den vom Bundesverwaltungsgericht im Refe-
renzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 definierten Risikofaktoren ablei-
ten:
E-2921/2020
Seite 19
5.7.1 Das Gericht orientiert sich gemäss diesem Urteil bei der Beurteilung
des Risikos von Rückkehrenden, in Sri Lanka Opfer ernsthafter Nachteile
in Form von Verhaftung und Folter zu werden, an verschiedenen Risiko-
faktoren. Dabei handelt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen
oder vermeintlichen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE,
um die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen, und um
das Vorliegen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden,
üblicherweise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten
Verbindung zu den LTTE (sog. stark risikobegründende Faktoren, vgl.
a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und
überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor-
derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs-
weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation
für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut
sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O.,
E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaub-
haft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der
betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbeson-
dere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachtei-
len im Sinn von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Be-
hörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den tamilischen Sepa-
ratismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
5.7.2 Der Beschwerdeführer ist keiner dieser Risikogruppen zuzurechnen.
Gestützt auf die vorangehenden Erwägungen besteht kein Grund zur An-
nahme, dass er im Zeitpunkt seiner Ausreise unter dem Verdacht stand,
massgebliche Kontakte zu den LTTE gehabt zu haben. Demnach sind
keine stichhaltigen und glaubhaften Hinweise dafür ersichtlich, dass er auf-
grund seiner Vorgeschichte ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten
könnte und diese ein asylrechtlich relevantes Verfolgungsinteresse an ihm
haben. Insbesondere ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerde-
führer befürchten muss, die sri-lankischen Behörden könnten ihm aufgrund
der von ihm geltend gemachten früheren, niederschwelligen Hilfsleistun-
gen für die LTTE im Zeitraum von 1998 bis 2006 sowie der Verhaftung im
Jahre 1998 im heutigen Zeitpunkt eine Verbindung zu den LTTE unterstel-
len. Seine Vorbringen lassen weder auf eine relevante Vorverfolgung noch
auf ein massgebliches exilpolitisches Engagement schliessen. Dass ihm
keine Verfolgung durch die heimatlichen Behörden droht, wird auch
dadurch untermauert, dass er in der Lage war, einen sri-lankischen Reise-
pass zu beschaffen, und mit diesem legal über den Flughafen E._
ausreiste. Unter Würdigung aller Umstände ist somit anzunehmen, dass
E-2921/2020
Seite 20
der Beschwerdeführer von der sri-lankischen Regierung nicht zu jener
Gruppe von Personen gezählt wird, die bestrebt ist, den tamilischen
Separatismus wiederaufleben zu lassen, und so eine Gefahr für den sri-
lankischen Einheitsstaat darstellt. Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass
er auf der "Stop List" aufgeführt wird. Somit liegen in seinem Fall keine
stark risikobegründenden Faktoren im Sinne des erwähnten Urteils vor.
5.7.3 Die (ohnehin nur leicht risikobegründende) Narbe des Beschwerde-
führers (...) lässt sich ohne Weiteres verdecken. Schliesslich besteht kein
Grund zur Annahme eines aktuellen relevanten Verfolgungsrisikos wegen
seiner Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie, aufgrund seiner mehrjährigen
Landesabwesenheit sowie des Fehlens ordentlicher Identitätspapiere.
5.8
5.8.1 Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers lässt schliesslich
auch die aktuelle allgemeine Situation in seinem Heimatstaat nicht auf eine
asylrelevante Gefährdung schliessen. Seit Einreichung des Asylgesuchs
durch den Beschwerdeführer war die Lage in Sri Lanka verschiedenen Ver-
änderungen unterworfen, wobei namentlich politische Spannungen, die
verheerenden Terroranschläge an Ostern 2019 sowie zuletzt die Wahl von
Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind.
5.8.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Veränderungen der letz-
ten Zeit in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerksam
und berücksichtigt sie bei der Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen
Kenntnisstand durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefähr-
dungslage für Personen, die bestimmte Risikofaktoren erfüllen, auszuge-
hen (vgl. Referenzurteil E‐1866/2015, a.a.O.; HUMAN RIGHTS WATCH, Sri
Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht.
5.8.3 Ein solcher Bezug ist, wie sich aus den vorstehenden Erwägungen
ergibt, vorliegend nicht ersichtlich.
E-2921/2020
Seite 21
5.9 Gesamthaft ist daher für den Zeitpunkt der Ausreise nicht von einer
asylrelevanten Vorverfolgung des Beschwerdeführers auszugehen, wel-
che die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG begründen und zur
Asylgewährung führen könnte.
5.10 In Bezug auf die Frage, ob dem Beschwerdeführer aufgrund des von
ihm geltend gemachten exilpolitischen Engagements subjektive Nach-
fluchtgründe zuzuerkennen sind, ist Folgendes festzustellen:
5.10.1 Eine Person, die subjektive Nachfluchtgründe geltend macht, hat
begründeten Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung, wenn der Heimat-
oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit von den Aktivitäten
im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei einer Rückkehr in
flüchtlingsrechtlich relevanter Weise im Sinn von Art. 3 AsylG verfolgt
würde (vgl. BVGE 2009/29 E. 5.1 S. 376 f.; BVGE 2009/28 E. 7.1 S. 352;
EMARK 2006 Nr. 1 E. 6.1). Die Anforderungen an den Nachweis
einer begründeten Furcht bleiben dabei grundsätzlich massgeblich (Art. 3
und Art. 7 AsylG). Wesentlich ist, ob die heimatlichen Behörden das Ver-
halten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und dieser deswe-
gen bei einer Rückkehr eine Verfolgung im Sinn von Art. 3 AsylG befürch-
ten muss.
5.10.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in seiner aktuellen Praxis da-
von aus, dass geltend gemachte exilpolitische Aktivitäten nur dann eine
relevante Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG
durch die sri-lankischen Behörden zu begründen vermögen, wenn diese
der betroffenen Person infolge ihres Engagements im Ausland einen über-
zeugten Aktivismus mit dem Ziel der Wiederbelebung des tamilischen
Separatismus zuschreiben. Dass sich eine Person in besonderem Masse
exilpolitisch exponiert, ist dafür zwar nicht erforderlich. Angesichts des gut
aufgestellten Nachrichtendiensts ist aber davon auszugehen, dass die sri-
lankischen Behörden blosse "Mitläufer" von Massenveranstaltungen als
solche identifizieren können und diese in Sri Lanka mithin nicht als Gefahr
wahrgenommen werden (vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 E. 8.5.4).
5.10.3 Der Beschwerdeführer brachte vor, er habe nach der Einreise in die
Schweiz am (...) 2017 an einer Kundgebung in H._ teilgenommen.
Weder seine Aussagen noch die im Beschwerdeverfahren eingereichten
Fotos lassen indessen erkennen, dass er sich bei dieser Gelegenheit
besonders exponiert hätte. Nachdem der eingereichte Haftbefehl als nicht
E-2921/2020
Seite 22
beweistauglich zu erachten ist, ist auch der Behauptung des Beschwerde-
führers, wonach in der Folge seiner Teilnahme an dieser Veranstaltung sein
Vater von den sri-lankischen Sicherheitskräften behelligt worden sei, die
Glaubhaftigkeitsgrundlage entzogen. Die von ihm vorgebrachte Teilnahme
an drei weiteren Veranstaltungen wurde von ihm weder detailliert dargetan
noch mit Beweismitteln dokumentiert. Im Übrigen gab er ausdrücklich zu
Protokoll, er habe bei diesen darauf geachtet, dass keine Fotoaufnahmen
von ihm gemacht worden seien (vgl. Protokoll Anhörung A13 S. 9 F58).
Demnach ist nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich in
der Schweiz in erhöhtem Masse exilpolitisch betätigt und sich dabei als
besonders engagierter und ernstzunehmender Regimegegner profiliert
hat. Es erscheint äusserst unwahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer
durch sein Verhalten nach der Ausreise ins Visier der sri-lankischen Behör-
den geraten ist, zumal aufgrund seiner Asylvorbringen nicht davon auszu-
gehen ist, dass er vor der Ausreise aus Sri Lanka von den heimatlichen
Sicherheitsbehörden als ernsthafter Regimegegner registriert worden war.
Die heimatlichen Behörden dürften die marginale exilpolitische Tätigkeit
des Beschwerdeführers – sollten sie davon überhaupt Kenntnis erlangen –
kaum als ernsthafte Bedrohung erachten.
5.10.4 Unter Berücksichtigung dieser Umstände ergibt sich, dass der Be-
schwerdeführer auch die Voraussetzungen für die Anerkennung von sub-
jektiven Nachfluchtgründen im Sinn von Art. 54 AsylG nicht erfüllt.
6.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer weder
Vor- noch Nachfluchtgründe nachgewiesen oder zumindest glaubhaft ge-
macht hat. Das SEM hat somit zu Recht sein Asylgesuch abgelehnt und
seine Flüchtlingseigenschaft verneint.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
E-2921/2020
Seite 23
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
E-2921/2020
Seite 24
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug nicht als unzulässig erscheinen (vgl. Refe-
renzurteil E-1866/2015, a.a.O., E. 12.2). Auch der EGMR hat sich wieder-
holt mit der Gefährdungssituation von Tamilen befasst, die aus einem eu-
ropäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen (vgl. EGMR, R.J.
gegen Frankreich, Urteil vom 19. September 2013, Beschwerde
Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien, a.a.O.; T.N. gegen Dänemark,
Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 20594/08; P.K. gegen Däne-
mark, Urteil vom 20. Januar 2011, Beschwerde Nr. 54705/08; Rechtspre-
chung bestätigt in J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017, Be-
schwerde Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht
generell davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un-
menschliche Behandlung. Den Akten lassen sich keine stichhaltigen Hin-
weise dafür entnehmen, dass diese Einschätzung nicht mehr zutreffend
wäre.
8.2.4 Es ergeben sich aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beacht-
licher Wahrscheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen
"Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
8.2.5 Der Vollzug erweist sich damit als zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen, und in Sri Lanka herrscht
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt (vgl. BVGE 2011/24
E-2921/2020
Seite 25
E. 13.2.1). Gemäss Rechtsprechung ist der Vollzug von Wegweisungen
in die Nord- und Ostprovinz zumutbar, wenn das Vorliegen der individuellen
Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz eines tragfähigen familiä-
ren oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussichten auf eine gesicherte
Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann (vgl. Referenzurteil
E-1866/2015, a.a.O., E. 13.2). An dieser Einschätzung vermögen auch die
vom Beschwerdeführer erwähnten Ereignisse (Präsidentschaftswahl im
Jahr 2019, diplomatische Krise zwischen der Schweiz und Sri Lanka Ende
2019) nichts zu ändern und sie bleibt weiterhin aktuell (vgl. dazu etwa die
Urteile des BVGer D-2635/2020 vom 1. März 2021 E. 8.2 oder
E-5504/2019 vom 25. Februar 2021 E.10.3.2).
8.3.2 Die Vorinstanz hat das Bestehen individueller Wegweisungshinder-
nisse zu Recht verneint: Der Beschwerdeführer verfügt gemäss Aktenlage
in seinem Heimatstaat mit seinem Landwirtschaftsbetrieb über eine sehr
gute wirtschaftliche Existenzgrundlage sowie über ein tragfähiges soziales
Beziehungsnetz, auf dessen Unterstützung er mutmasslich zählen kann.
Es besteht kein Grund zur Annahme, dass er bei einer Rückkehr nach Sri
Lanka in eine existenzielle Notlage geraten wird.
8.3.3 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
E-2921/2020
Seite 26
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da indessen mit Zwischenver-
fügung vom 11. Juni 2020 sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen wurde und keine Anhalts-
punkte dafür vorliegen, dass sich seine finanzielle Lage seither entscheid-
relevant verändert hat, ist von der Auflage von Verfahrenskosten abzuse-
hen.
11.
Mit der Zwischenverfügung vom 11. Juni 2020 wurde auch das Gesuch des
Beschwerdeführers um amtliche Verbeiständung gutgeheissen (aArt. 110a
Abs. 1 AsylG) und seine Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin
eingesetzt. Demnach ist dieser durch das Gericht ein Honorar für ihre not-
wendigen Aufwendungen im Beschwerdeverfahren auszurichten. Die
Rechtsbeiständin hat in der mit der Beschwerdeschrift eingereichten
Kostennote einen Arbeitsaufwand von – bis dahin – insgesamt 23 Stunden
à Fr. 150.– sowie Auslagen von Fr. 172.– (2 Stunden Dolmetscherin à
Fr. 80.– und Portospesen von Fr. 12.–) ausgewiesen. Mit Blick auf Umfang
und Komplexität des vorliegenden Falles erweist sich der geltend ge-
machte zeitliche Aufwand als überhöht, weshalb er – unter Berücksichti-
gung der Eingaben vom 28. Juli 2020 und 7. August 2020 – auf ein als
angemessen zu erachtendes Mass von insgesamt 18 Honorarstunden zu
kürzen ist. Demzufolge ist das amtliche Honorar in Anwendung des in der
Zwischenverfügung kommunizierten Stundenansatzes von maximal
150 Franken auf insgesamt Fr. 2950.– (inkl. Auslagen) festzusetzen und
durch die Gerichtskasse zu vergüten.
(Dispositiv nächste Seite)
E-2921/2020
Seite 27