Decision ID: 13635cdd-215a-4b87-8ea7-ea74292c09f0
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 4. Abteilung, vom 24. Februar 2014 (DG130319)
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Antrag:
Der Antrag der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 27. September
2013 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 17).
Urteil der Vorinstanz:
1. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ den objektiven
Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art.
122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB erfüllt hat.
2. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte für die festgestellte Straftat im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB schuldunfähig und nicht strafbar ist.
3. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von
Art. 59 Abs. 1 und Abs. 3 StGB (Behandlung von psychischen Störungen in
einer geschlossenen Einrichtung) angeordnet.
4. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
23. September 2013 beschlagnahmte Klappmesser (SK ...) wird eingezogen
und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
5. Der amtliche Verteidiger RA lic. iur. X1._ wird mit Fr. 9'079.95 (inkl.
Mehrwertsteuer) entschädigt.
6. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.– Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 18'244.90 Auslagen Untersuchung,
Fr. 12'760.75 amtliche Verteidigung (RA lic. iur. X2._)
Fr. 9'079.95 amtliche Verteidigung (RA lic. iur. X1._)
7. Die Kosten der Untersuchung und die Kosten der amtlichen Verteidigung
werden auf die Gerichtskasse genommen.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten
(Prot. II S. 24)
Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
Es sei keine Massnahme anzuordnen.
Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Prot. II S. 26)
Abweisung der Berufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 24. Februar 2014,
wurde festgestellt, dass der Beschuldigte A._ den objektiven Tatbestand der
versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. StGB erfüllt hat. Es wurde sodann festgestellt, dass
der Beschuldigte für die festgestellte Straftat im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB
schuldunfähig und nicht strafbar ist. Sodann wurde eine stationäre therapeutische
Massnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 1 und Abs. 3 StGB (Behandlung von
psychischen Störungen in einer geschlossenen Einrichtung) angeordnet und das
mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. September
2013 beschlagnahmte Klappmesser (SK ...) eingezogen und der Lagerbehörde
zur Vernichtung überlassen (Urk. 47 S. 27 f.).
Das vorinstanzliche Urteil wurde dem Beschuldigten, der Staatsanwaltschaft und
dem Privatkläger B._ anlässlich der Hauptverhandlung vom 24. Februar
2014 mündlich eröffnet und im Dispositiv übergeben (Prot. I S. 18 ff.). Der
Beschuldigte meldete vor Schranken Berufung an (Prot. I S. 20). Das begründete
Urteil wurde dem Beschuldigten am 17. März 2014 (Urk. 46/2) zugesandt.
Mit Eingabe vom 3. April 2014 reichte nach einem Verteidigerwechsel der neue
amtliche Verteidiger des Beschuldigten fristgerecht die Berufungserklärung ein
(Urk. 60). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung und
beantragte Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 63). Der Privatkläger
liess sich innert Frist nicht vernehmen.
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402
StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechtskraft
(Schmid, StPO Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO).
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Der Beschuldigte beantragte in seiner Berufungserklärung einen vollumfänglichen
Freispruch und damit eine Abänderung der Dispositivziffern 1 (Feststellung der
objektiven Erfüllung des Tatbestandes), 2 (Feststellung der Schuldunfähigkeit)
und 3 (Anordnung einer stationären Massnahme) des vorinstanzlichen Urteils
vom 24. Februar 2014. Dispositivziffer 4 (Beschlagnahmung und Vernichtung
Klappmesser) wurde nicht ausdrücklich erwähnt. Da das Urteil vollumfänglich
angefochten wird, ist auch dieser Punkt angefochten. Das Kostendispositiv (Ziffer
6 und 7) ist nicht angefochten. Damit ist festzustellen, dass das Urteil des
Bezirksgerichts Zürich, 4. Abteilung, vom 24. Februar 2014 einzig bezüglich der
Dispositivziffer 6 und 7 (Kostenaufstellung und -auflage) in Rechtskraft erwachsen
ist.
3. Beweisanträge wurden keine gestellt.
4. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die
eingangs erwähnten Anträge stellen.
II. Sachverhalt
1. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Anordnung einer Massnahme für eine
schuldunfähige Person liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Am 21. März 2013,
ca. 10.30 Uhr näherte sich A._ (Beschuldigter) vor dem Restaurant
"C._" am ...platz in Zürich-... dem dort an einem Tischchen sitzenden
B._ (Privatkläger), den er als Nachbarn kannte. Er habe vom Privatkläger
(ohne Grund) eine Zahlung von Fr. 20'000.– verlangt. Dieser sei aufgestanden
und habe den Beschuldigten zum Weggehen aufgefordert. Daraufhin habe der
Beschuldigte unvermittelt mit einem mitgeführten Klappmesser (Klingenlänge ca.
7 cm) den Privatkläger in den Bauch gestochen, wodurch dieser unterhalb des
Bauchnabels eine ca. 5 cm tiefe Stichverletzung erlitt. Diese Schnittverletzung
war nicht lebensgefährlich, doch hätte bei einem etwas anderen Verlauf des
Stichkanals eine schwere oder gar tödliche Verletzung resultieren können (Urk.
17).
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2. Der Beschuldigte gestand in der Untersuchung, vor Vorinstanz und auch
anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung, sich dem Privatkläger am 21.
März 2013 mit einem geöffneten Messer in der Hand genähert zu haben und dass
dieser von diesem Messer verletzt wurde. Er bestreitet aber, den Geschädigten in
den Bauch gestochen zu haben, und macht geltend, der Privatkläger habe ihn
weggestossen bzw. sei auf ihn losgegangen und sei dabei ins offene Messer
gelaufen. Er bestreitet sodann, vom Privatkläger (unberechtigt) die Bezahlung von
Fr. 20'000.– verlangt zu haben.
Insoweit der Beschuldigte den Sachverhalt bestreitet, ist nachfolgend zu prüfen,
ob die vorliegenden Beweismittel genügen, um den Sachverhalt rechtsgenügend
zu erstellen.
3. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der Sachverhalt gemäss Antrag der
Staatsanwaltschaft erstellt sei. Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen kann
vorab auf diese zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 47 S. 6 ff.).
4. Der eingeklagte Sachverhalt bzw. die Erkenntnisse der Vorinstanz beruhen
insbesondere auf den Aussagen des Beschuldigten (Urk. 5/1-6), des Privatklägers
(Urk. 6/1-2) sowie des Zeugen D._ (Urk. 7/1-2). Weiter liegt eine
Fotodokumentation des Tatorts, der Tatwaffe und der Verletzung des
Privatklägers (Urk. 3) sowie ein Wahrnehmungsbericht der Stadtpolizei vor (Urk.
4). Weitere Beweismittel sind die Gutachten des Instituts für Rechtmedizin der
Universität Zürich betreffend die körperliche und pharmakologisch-toxikologische
Untersuchung des Privatklägers und des Beschuldigten (Urk. 8/4-7), ebenso die
ärztlichen Befunde des Hausarztes Dr.med. E._ zum Beschuldigten (Urk.
9/2) sowie des Stadtspital Triemli Zürich betreffend den Privatkläger (Urk. 9/3). Mit
Datum vom 30. Juli 2013 wurde sodann das psychiatrische Gutachten über den
Beschuldigten von F._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
erstattet (Urk. 10/3). Zusammenfassend und teilweise ergänzend kann Folgendes
festgehalten werden:
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4.1. Was die Verwertbarkeit der Aussagen betrifft, so hat die Vorinstanz die
Aussagen der polizeilich befragten Auskunftspersonen G._, H._ und
I._ (Urk. 7/3-5) nicht weiter gewürdigt, da sie über den Vorfall selbst nichts
hätten berichten können (Urk. 47 S. 7). Indessen finden sich darin Angaben zum
Umfeld und den Beziehungen des Beschuldigten zum Privatkläger. Diese
Aussagen sind indessen aus prozessualen Gründen (mangels Konfrontation mit
dem Beschuldigten) nur zugunsten des Beschuldigten verwertbar.
4.2. Betreffend die Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen kann auf die
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 47 S. 8 f.). Entsprechend
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung hat die Vorinstanz bei der Würdigung
der Aussagen nicht das Gewicht auf die allgemeine Glaubwürdigkeit des
Einvernommenen im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft, sondern
auf die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage gelegt, welche durch methodische
Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen
bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen
(BGE 133 I 33 E. 4.3).
4.3. Der Privatkläger hat in der polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme den Sachverhalt gleichbleibend und nachvollziehbar geschildert.
Seine Aussagen zum eigentlichen Vorfall fügen sich nahtlos in die von ihm
aufgezeigte Vorgeschichte dieser langjährigen Bekanntschaft zum Beschuldigten.
Er kennt den Beschuldigten, welcher im gleichen Haus unter ihm wohnt, seit 13
Jahren. Die Begegnungen hätten sich auf Smalltalk beschränkt. Sie hätten sich
auch ab und zu beim "C._ Take Away" getroffen. Probleme hätten sie nie
gehabt (Urk. 6/1 S. 2 und Urk. 6/2 S. 3). Eine Schlüsselstelle in der Schilderung
des Privatklägers ist die Veränderung im Verhalten des Beschuldigten nach
Durchführung der Herzoperation. Er sei nicht mehr so fröhlich und anständig
gewesen (Urk. 6/1 S. 2 und Urk. 6/2 S. 5). Der Beschuldigte habe ca. drei
Wochen vor dem Vorfall unter Vorhalt eines pornographischen Bildes, welches
eine Frau und einen Mann beim Geschlechtsverkehr zeigten, behauptet, der
Privatkläger habe hinter dem Rücken des Beschuldigten Kontakt mit dieser Frau.
Er (der Beschuldigte) habe dieser Fr. 20'000.– gegeben, weshalb er jetzt von ihm
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die Übernahme der Schulden verlange (Urk. 6/1 S. 2). Im Unterschied dazu führte
der Privatkläger in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme aus, dass der
Beschuldigte verlangt habe, er solle die Schulden übernehmen, welche er (der
Beschuldigte) bei dieser Frau habe (Urk. 6/2 S. 5). Diese Differenz in der
Schuldenfrage ist indessen letztlich nicht entscheidend, da in beiden Fällen der
Beschuldigte vom Privatkläger die Übernahme der Schulden von Fr. 20'000.–
verlangte.
Diese Forderung stand dann auch am Anfang der Auseinandersetzung vor dem
"C._ Take Away". Er sei vor dem Lokal auf einem Stuhl gesessen, als der
Beschuldigte plötzlich vor ihm gestanden sei und die Bezahlung von Fr. 20'000.–
verlangte. Er habe ihm gesagt, dass er weggehen müsse, er (der Beschuldigte)
sei vor ihm stehen geblieben. Er sei dann aufgestanden und da habe der
Beschuldigte ihm sofort das Messer in den Bauch gestossen, wobei er ihn noch –
gemäss Aussagen bei der Polizei – beschimpft haben soll (Urk. 6/1 S. 2; 6/2 S. 6).
Es habe vorher kein Wortgefecht gegeben (Urk. 6/2 S. 6).
4.4. Der Zeuge D._ arbeitet im Lokal "C._ Take Away". Er kennt beide
Kontrahenten als Kunden. Zunächst habe er dem Privatkläger vor dem Lokal
einen Espresso serviert und habe dann im Geschäft hinter der Theke Salat
gerüstet, als der Beschuldigte gekommen sei. Er habe sich dem Privatkläger
zugewandt, mit ihm gesprochen, sich aber nicht hingesetzt. Plötzlich habe er aber
bemerkt, dass die Beiden grob miteinander umgegangen seien, als ob sie streiten
würden. Sie hätten zwar nicht geschrien, aber er habe dies trotzdem feststellen
können und habe dann schlichten wollen. Eigentlich habe er herausfinden wollen,
ob die beiden überhaupt streiten würden. Als er bei den beiden angekommen sei,
sei der Privatkläger am telefonieren gewesen und habe mit der anderen Hand den
Bauch gehalten, der geblutet habe (Urk. 7/1 S. 2). Auf Vorhalt verneinte er
ausdrücklich eine körperliche Auseinandersetzung (Urk. 7/1 S. 4). Beim
Staatsanwalt bestätigte er diese Aussagen. Er hätte gesehen, wie sie sich
aufeinander zubewegt hätten und er habe das Gefühl gehabt, als ob sie sich
streiten würden. Er habe aber nichts gehört (Urk. 7/2 S. 4).
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4.5. Diese Aussagen des Privatklägers und des Zeugen D._ stützen jene des
Beschuldigten nur teilweise. Der Beschuldigte bestätigt zwar, dass es nicht zu
einem Gespräch gekommen sei, es habe aber keinen Streit gegeben. Er habe
den Privatkläger gesehen und sei auf ihn zugegangen. Der Privatkläger sei in
Panik gewesen und habe Angst gehabt (Urk. 5/4 S. 3). Er habe mit ihm sprechen
wollen, aber der Privatkläger sei aufgestanden und habe ihn weggestossen mit
seinen beiden Händen. Er sei etwas retour gegangen, weil er sieben Monate
zuvor eine Bypass-Operation gehabt und nicht gewollt habe, dass ihm nochmals
die Brust hätte aufgemacht werden müssen, was bei harten Schlägen passieren
könne (Urk. 5/3 S. 2; 5/4 S. 3). Der Privatkläger habe ihn beim zweiten Mal, als er
erneut versucht habe, mit ihm zu sprechen, wieder weggestossen und sei dann
mit dem Messer verletzt worden. Der Privatkläger habe sich so gefährlich
verhalten. Er sei auf ihn losgegangen. In dem Moment sei er mit dem Messer
verletzt worden. Er (der Beschuldigte) habe auch Angst gehabt, er habe nicht
gewollt, dass er ihn nochmals stosse. Im Übrigen habe er auch keine
Geldforderung an den Privatkläger gestellt (Urk. 5/3 S. 2 f.; Urk. 5/4 S. 2).
Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte er, er sei mit offenem Messer auf
den Privatkläger zugegangen, ohne ein Wort zu sagen, worauf dieser wortlos auf
ihn losgegangen sei (Prot. II S. 19 f.).
Aus Sicht des Beschuldigten war die Beziehung zum Privatkläger ebenfalls
konfliktiv. Der Privatkläger wohne (an der ...gasse ...) oberhalb von ihm. Dessen
Freundin sei immer vor seiner Türe und beobachte ihn, wenn er mit Prostituierten
nach Hause komme. Dies geschehe ungefähr ein- bis zweimal pro Woche. Am
18. März 2013 (d.h. drei Tage vor dem Vorfall) sei er auch beim Arzt gewesen
und habe ihm seine paranoiden Verdächte mitgeteilt. Er habe immer das Gefühl,
dass man ihn beobachte und verfolge. Er höre immer Stimmen vor der Türe oder
wenn das Licht auf dem Balkon scheine (Urk. 5/4 S. 2). Der Privatkläger habe
zusammen mit seiner Freundin monatelang an seiner Eingangstür gelauscht. Die
Freundin habe vom Balkon aus mit einer Taschenlampe seine Balkontür
beleuchtet. Insbesondere sie habe ihn terrorisiert. Weil dies auch der Privatkläger
wisse, habe ihn dieser in Angst und Panik angegriffen. Dass der Privatkläger ein
aggressiver Mensch sei, würden zwei der drei Personen (G._ und H._),
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die dieser selbst genannt habe, beweisen. Deshalb sei er auch zu seinem
Hausarzt und habe von seinem Seelenzustand erzählt. Sein eigenes Verhalten
nach dem Vorfall, wie es vom Zeugen D._ und Privatkläger geschildert
worden sei, sei ein klarer Beweis für seine eigene Überraschung (auf das
Vorgefallene) und das nicht vorsätzliche Handeln. Der Vorfall habe sich wegen
der Aggressivität des Privatklägers ereignet (Urk. 29).
Übereinstimmend mit dem Privatkläger schildert er die Übergabe des Pornobildes
am 23. Februar 2013, wobei er den Privatkläger nach der Frau auf dem Bild
gefragt habe bzw. ihn aufgefordert habe, im Internet nachzuschauen. Sodann
bestätigt er auch den SMS-Verkehr in der Nacht mit dem Privatkläger (Urk. 5/4 S.
2). Er lässt indessen die vom Privatkläger geschilderten Frauengeschichten
bestreiten (Urk. 28 S. 2).
4.6. Ein Abgleich dieser Aussagen führt zu folgendem Resultat: Der Beschuldigte
fühlte sich seit Längerem vom Privatkläger und seiner Freundin verfolgt. Er
äusserte solche Ängste auch gegenüber seinem Hausarzt. Brüche in seiner
Darstellung der Ereignisse ergeben sich zunächst beim "Pornobild". Der
Beschuldigte bleibt eine Erklärung schuldig, weshalb er dem Privatkläger das Bild
einer Frau aus dem Internet beim Geschlechtsverkehr mit der Aufforderung
übergab, dieses Bild im Internet zu suchen. Die Erklärung des Privatklägers
demgegenüber, wonach der Beschuldigte ihn verdächtigte, dass er diese Frau
kennen würde (wohl die Ex-Freundin des Beschuldigten ["Er sagte auch, dass
alles, was er mit dieser Frau gesprochen habe, im Internet sei"; Urk. 6/2 S. 4]), er
eine Beziehung zu ihr habe und aus diesem Grund die ihr vom Beschuldigten
geschuldeten Fr. 20'000.– übernehmen solle, erscheinen hingegen plausibel.
Nicht nachvollziehbar ist sodann, weshalb er mit einem offenen Klappmesser in
der Hand auf den Privatkläger zugegangen ist: falls er sich - wie er ausgesagt hat
- im Tram die Fingernägel geputzt hat, dann hätte er wohl spätestens beim
Aussteigen das Messer zusammengeklappt; dies wäre umso mehr zu erwarten
gewesen, als er im Tabakgeschäft am ...platz Zigaretten kaufen wollte und er erst
dann den Privatkläger gesehen habe. Ein versehentliches Mitführen des offenen
Klappmessers erscheint vor diesem Hintergrund unwahrscheinlich; damit gebricht
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es aber auch einer glaubhaften Grundlage für die Unfallversion des
Beschuldigten. Dass der Privatkläger – wofür keine Anhaltspunkte vorhanden sind
– besonders aggressiv gewesen sein soll, ändert an dieser Einschätzung nichts,
da bereits das versehentliche Herumführen des offenen Klappmessers nicht
überzeugt. Dass es unter diesen Umständen ohne vorhergehenden Wortwechsel,
ja vollkommen wortlos, zu einem Angriff seitens des Privatklägers gekommen sei,
ist abwegig und widerspricht den Zeugenaussagen. Die Glaubhaftigkeit der
Aussagen des Beschuldigten erweist sich daher als klar beeinträchtigt.
Die Darstellung des Beschuldigten, wonach er am 21. März 2013 nur mit dem
Privatkläger habe sprechen und ihn auffordern wollen, ihn in Ruhe zu lassen,
vermag nicht zu überzeugen. Vielmehr ist die Version des Privatklägers stimmig,
wonach der Beschuldigte Fr. 20'000.– von ihm forderte. Dass die kurze
Auseinandersetzung v.a. verbal geführt wurde, unterstreicht die Zeugenaussage
von D._. Nicht auszuschliessen ist, dass der Privatkläger den Beschuldigten
beim Aufstehen allenfalls mit den Händen auf Distanz halten wollte und ihn dabei
im Bereich des Oberkörpers berührte. Dass sich der Beschuldigte dadurch wegen
seiner kürzlich erfolgten Herzoperation bedroht gefühlt haben soll (Urk. 5/4 S. 3),
erscheint wie eine nachgeschobene Erklärung zur Rechtfertigung des
Messerstichs. Allerdings will der Beschuldigte – wie erwähnt – das Messer nicht
aktiv eingesetzt haben, sondern der Privatkläger soll vielmehr in das offene
Messer hineingelaufen sein (Urk. 5/3 S. 2). Zu Recht behauptet der Beschuldigte
nicht das Vorliegen einer Notwehrsituation. Insgesamt ist die Version des
Beschuldigten – wie die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat (Urk. 47 S. 11 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO) – zu widersprüchlich und nicht nachvollziehbar, was letztlich
auch mit seinem Krankheitsbild zusammenhängt (vgl. dazu psychiatrisches Kurz-
Gutachten, Urk. 10/2 S. 4 und nachfolgend Erw. III.B.2.). Die Aussagen des
Privatklägers dagegen erweisen sich als stimmig, insbesondere auch die
Vorgeschichte. Sie ergänzen die Auslassungen des Beschuldigten, insbesondere
was die "Frauengeschichte" angeht. Der eigentliche Vorfall liest sich als
konsequente Fortsetzung der Eskalation des Konflikts, welcher vom in seiner
Paranoia gefangenen Beschuldigten angetrieben wurde. Aufgrund der
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glaubhaften Aussagen des Privatklägers ist deshalb erstellt, dass der
Beschuldigte ihm unvermittelt das Messer in den Bauch stiess.
Sein Argument für die Unfallversion, wonach er nach dem ersten Stich den
Privatkläger nicht noch weiter verletzt habe, obwohl dieser nachher verwirrt und
schutzlos auf einem Stuhl gesessen habe (Urk. 29 S. 1), verfängt nicht, da ihm
die Staatsanwaltschaft keinen entsprechenden Willen unterstellt (vgl.
nachfolgende Ausführungen zur Schuldunfähigkeit). Im Übrigen verkennt der
Beschuldigte, dass ihm die Staatsanwaltschaft nicht vorwirft, er habe dem
Privatkläger noch weitere und grössere Verletzungen zufügen wollen, weshalb
sein Argument auch deshalb nicht sticht.
4.7. Was die Verletzung angeht, so ist diese im Bericht des Stadtspitals Triemli
dokumentiert (Urk. 9/3 S. 1 f) und von der Vorinstanz zutreffend wiedergegeben
worden (Urk. 47 S. 18). Es handelt sich dabei um eine Stichverletzung mit einer
Eindringtiefe von 5 cm.
III. Rechtliche Würdigung
A. Objektiver und subjektiver Tatbestand
1. Die Vorinstanz hat die rechtliche Würdigung unter Hinweis auf das Urteil des
Bundesgerichts vom 27. November 2012 (6B_475/2012), was den objektiven
Tatbestand angeht, zutreffend vorgenommen. Darauf ist zu verweisen (Urk. 47 S.
19, Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Der Beschuldigte bringt vor, es liege nur ein kleiner Kratzer vor, gemäss
Spitalbericht sei (der Messerstich) nicht einmal als Verletzung zu betrachten (Urk.
29 S. 2 ff.). Dieser Ansicht kann nicht gefolgt werden, wenn der Bericht des
Stadtspitals Triemli, welcher die Verletzung dokumentiert (Urk. 9/3 S. 1 f), als
Ganzes gelesen wird. Eindeutig wird bei der Beantwortung der Frage 5
festgehalten, das mit dem Messer (1 cm breite, 10 cm lange Klinge) eine
lebensgefährliche Verletzung der grossen Gefässe hätte entstehen können.
Aufgrund der geringen Eindringtiefe (5 cm) sei aber die Abdominalhöhle nicht
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verletzt worden, so dass keine unmittelbare Lebensgefahr bestanden habe.
Dadurch ist belegt, wie auch die Vorinstanz festgehalten hat (Urk. 47 S. 19), dass
eine lebensgefährliche Verletzung zufolge der unmittelbaren Nähe der
lebenswichtigen Organe (zwischen 3 und 15 cm [Beantwortung Frage 2a.]
möglich gewesen wäre.
Da eine solche Verletzung bzw. der Erfolg nicht eingetreten ist, liegt lediglich ein
Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vor.
3. Im Gegensatz zur Vorinstanz ist noch Folgendes festzuhalten: Die Vorinstanz
hat - wie nachfolgend noch erläutert wird - festgestellt, dass der Beschuldigte die
Tat in vollständiger Schuldunfähigkeit begangen hat. Diese Frage ist indessen zu
unterscheiden von der Frage, ob der Beschuldigte mit Wissen und Willen (i.S. Art.
12 Abs. 2 StGB) gehandelt hat. Schuldunfähigkeit bedeutet nicht, dass der Täter
keinen tatbestandsmässigen Vorsatz bilden könnte; vielmehr kann auch der völlig
Schuldunfähige vorsätzlich handeln. Beim Vorsatz geht es um die Umsetzung
eines Handlungsentschlusses in die Wirklichkeit auf der Grundlage von sinnlich
wahrgenommenen oder vorgestellten Tatumständen, was grundsätzlich auch bei
fehlender Einsicht in das Unrecht möglich ist, weil es dazu des entsprechenden
Wertungsaktes nicht bedarf (BSK StGB-Felix Bommer/Volker Dittmann, 3. Aufl.,
2013, Art. 19 N 19). Wer – wie vorliegend der Beschuldigte – das offene Messer
mit einer 10 cm langen Klinge in den Bauch seines Opfers stösst, nimmt
zumindest in Kauf, dass er damit lebensgefährliche Verletzungen bewirken kann.
Insofern hat der Beschuldigte auch eventualvorsätzlich den Tatbestand erfüllt.
4. Mit seinem Verhalten hat deshalb der Beschuldigte den objektiven und
subjektiven Tatbestand von Art.122 Abs.1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB erfüllt .
B. Schuldfähigkeit
1. War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen
oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar (Art. 19 Abs. 1
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StGB). Art. 19 Abs. 3 StGB stellt ausdrücklich fest, dass Massnahmen nach Art.
59-61, 63 f., 67 und 67b StGB angeordnet werden können.
2. Mit Datum vom 30. Juli 2013 erstattete F._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, ein forensisch-psychiatrisches Sachverständigengutachten
(Urk. 10/3). Bereits mit Datum vom 11. Juli 2013 reichte er eine kurze
gutachterliche Stellungnahme u.a. betreffend Schuldfähigkeit ein (Urk. 10/2).
Der Gutachter kommt dabei im Vorgutachten zum Schluss, dass die
nachweisbaren Symptome geeignet seien, eine ausgeprägte Wahnsymptomatik
zu erkennen. Die Tat stelle eine überschiessende Reaktion bei wahnhaft
begründeten Realitätsverkennungen dar und seine Ausführungen zum Tatablauf
seien als wahnhaft begründete Erinnerungsverfälschungen einzustufen. Unter der
hypothetischen Annahme der Berechtigung des Tatvorwurfes und unter der
Annahme, dass der Explorand von der Richtigkeit seiner wahnhaften Denkinhalte
überzeugt sei und er sein Handeln danach ausgerichtet habe, könne nicht
angenommen werden, dass ihm Handlungsalternativen zur Verfügung gestanden
hätten. Da durch die ausgeprägte Wahnsymptomatik über eine schwere Störung
der Realitätsbezüge die Einsichtsfähigkeit des Exploranden aufgehoben gewesen
sei, sei aus psychiatrischer Sicht von einer aufgehobenen Schuldfähigkeit
auszugehen (Urk. 10/2 S. 4).
Im Hauptgutachten kommt der Gutachter zum Schluss, dass das Tatverhalten
und die gesamte Psychopathologie durch eine anhaltende wahnhafte Störung
(ICD-10; F 22.0) gekennzeichnet sei. Kennzeichnend dafür sei ein
systematisierter, aber nicht bizarrer Wahn, wobei der Explorand nicht imstande
sei, sich kritisch zu seinen Denkstörungen, die er inhaltlich als berechtigt erlebt,
zu distanzieren (Urk. 10/3 S. 45). Das Gutachten hält weiter fest, dass, wie für
eine wahnhafte Störung üblich, der Explorand unter gestörten Realitätsbezügen
leide, die eine eigenweltliche Sichtweise bedingten. In diesem Rahmen sei der
Explorand unkorrigierbar überzeugt gewesen, dass er vom Privatkläger und
dessen Freundin terrorisiert würde. Er würde beobachtet, verfolgt, beeinträchtigt
und abgehört und in seinem Verhalten beeinflusst. Durch seine ungerechtfertigte
Inhaftierung und Begutachtung würde er nun vom Staat terrorisiert. Dieses
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wahrhafte Erleben werde unbeeinflussbar von ihm festgehalten und zeige dabei
eine hohe Dynamik und Systematisierung (Urk. 10/3 S. 46). Der Wahn, so der
Gutachter weiter, sei nicht bizarr, sondern er sei mit seiner durch Verfolgung
gekennzeichneten Lebensgeschichte in Zusammenhang zu bringen (Urk. 10/3 S.
47). Eine Suchterkrankung, mit Ausnahme von Nikotin, verneint der Gutachter. Er
kommt zum Schluss, dass die wahnhafte Störung des Exploranden zum
Tatzeitpunkt bestanden habe und in engem Zusammenhang mit der
vorgeworfenen Körperverletzung stehe. Zentrales Thema sei dabei der
Beeinträchtigungswahn, mit der Überzeugung des Exploranden, andere hätten
sich gegen ihn verschworen, um ihm Nachteiliges zuzufügen. Insgesamt sei
davon auszugehen, dass es beim Exploranden auf der Symptomebene im
Rahmen des wahnhaften Erlebens zu krankheitsbedingten Fehlinterpretationen
der Realität, krankhaft veränderten Bewertungen des Selbst und zu einer
Verzerrung der persönlichen Grundlagen in der Entscheidungsbildung gekommen
sei. Dem Exploranden sei es zum Tatzeitpunkt wie auch aktuell nicht möglich, sei-
nen Willen frei und unbeeinflusst vom Beeinträchtigungswahn zu bilden und
alternative Sichtweisen zu prüfen (Urk. 10/3 S. 48). Selbst wenn der Explorand
"gewusst" hätte, das Gewalthandlungen verboten seien, hätten ihm zum Zeitpunkt
der inkriminierten Taten die Fähigkeit, ein solches Wissen und die Bedeutung
seines wahnhaften Erlebens in eine Beziehung zu setzen, gefehlt. Es sei also
nicht zu erkennen, dass sich der Explorand auf ein rein intellektuelles Wissen
noch (sonst) irgend (wie) habe besinnen können. Damit sei aus forensisch-
psychiatrischer Sicht die Voraussetzung für die Annahme einer tatzeitaktuellen
aufgehobenen Einsichtsfähigkeit erfüllt gewesen, weshalb die Frage nach der
Steuerungsfähigkeit nicht mehr zu diskutieren sei und beim Exploranden von
Schuldunfähigkeit auszugehen sei (Urk. 10/3 S. 52, 58).
Diesen schlüssigen Ausführungen des Gutachters ist zuzustimmen. Die
Ausführungen des Beschuldigten in seinen vor Vorinstanz eingereichten Notizen
(Urk. 33/1-2; übersetzt in Urk. 75/1-2) und im Berufungsverfahren (Prot. II S. 20-
24), beschränken sich auf mehrmals wiederholte Behauptungen, es liege eine
fünfköpfige Verschwörung des Staates gegen den Beschuldigten vor, der
Staatsanwalt übe wegen nationalistisch-rassistischen Fantasien Terror und
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psychische Folter gegen den Beschuldigten aus und Gutachter würden Richter
und Gericht spielen. Der Gutachter F._ habe Vorurteile gehabt und sei vom
Staatsanwalt gekauft und gelenkt worden. Sein Gutachten sei voller
Rachegefühlen, Hass und Widersprüchen. Substantielle Einwände, die geeignet
wären, das Vertrauen in das vorliegende Gutachten, das auch vom amtlichen
Verteidiger als de lege artis verfasst anerkannt wird (Prot. II S. 25), zu schmälern,
bringt der Beschuldigte keine vor. Entsprechend steht vorliegend ausser Frage,
dass der Beschuldigte die ihm vorgeworfene Straftat in einem Zustand völliger
Schuldunfähigkeit begangen hat.
C. Schlussfolgerung
Im Ergebnis ist somit festzustellen, dass der Beschuldigte den Tatbestand der
versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art.122 Abs.1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB in einem Zustand völliger Schuldunfähigkeit
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB erfüllt hat.
IV. Massnahme
1. Die amtliche Verteidigung machte vor Vorinstanz sinngemäss
zusammengefasst geltend, die Anordnung einer stationären Massnahme bzw. die
Einweisung des Beschuldigten in eine geschlossene Anstalt sei angesichts der
geringfügigen Verletzung unverhältnismässig bzw. wegen der Therapieresistenz
des Beschuldigten nutzlos. Um den Bedürfnissen des Beschuldigten gerecht zu
werden, würden Massnahmen des Erwachsenenschutzrechts genügen.
Entsprechend sei von der Anordnung einer strafrechtlichen Massnahme
abzusehen, das Verfahren einzustellen und bei der Kinder- und
Erwachsenenschutzbehörde der Stadt Zürich (KESB) entsprechende Mitteilung
zu machen, dass Massnahmen zum Schutz des Beschuldigten angezeigt seien
(Urk. 28 S. 3 f.). In der Berufungsverhandlung beantragte die Verteidigung, auf die
Anordnung einer Massnahme sei zu verzichten, und verwies auf die
entsprechende Begründung vor Vorinstanz (Prot. II S. 24 und S. 26). Auf die
Einwände des Beschuldigten gegen das Gutachten (Urk. 22/1-2 und 75/1-2; Prot.
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II S. 20-24) wurde bereits oben im Rahmen der Beurteilung der Schuldfähigkeit
eingegangen.
2. Die Vorinstanz hat sich umfassend mit der Massnahmenthematik
auseinandergesetzt, die Voraussetzungen für die Anordnung einer Massnahme
eingehend geprüft und mit nachvollziehbarer und plausibler Begründung eine
stationäre Massnahme angeordnet. Auf die entsprechenden Erwägungen ist
vorab zu verweisen (Urk. 47, S. 20 ff.).
3. Die amtliche Verteidigung bringt zunächst vor, die Einweisung des
Beschuldigten in eine geschlossene Anstalt gegen seinen immer wieder klar und
deutlich geäusserten Willen verstosse gegen das auch in der EMRK verankerte
Verhältnismässigkeitsprinzip. Die Freiheit dürfe jemandem immer nur soweit
entzogen werden, als es unumgänglich und gesetzlich vorgesehen sei. Über
jedem Freiheitsentzug wache überdies Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung,
wonach staatliches Handeln im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig
sein müsse. Der Beschuldigte stelle als Ersttäter keine Gefahr für die Gesellschaft
dar. Die von ihm als beabsichtigt bestrittene, zugleich aber auch geringfügige
Verletzung des Privatklägers könne nicht dazu führen, ihn seiner Freiheit auf
unbestimmte Zeit in einer geschlossenen Klinik zu berauben. Die stationäre
Massnahme sei zu Recht gefürchtet: Sie stelle praktisch eine Unterart der
Verwahrung dar. Sie sei eine Internierung. Sie sei unbestimmt und könne
jahrelang dauern. Es sei die neben der Verwahrung schlimmste Form des
Freiheitsentzugs (Urk. 28 S. 4 f.).
Der Beschuldigte scheint zu verkennen, dass nicht der glimpflich verlaufene
Ausgang der Stichverletzung ("kleiner Kratzer; Urk. 29 S. 6) als Anlasstat für die
Anordnung einer stationären Behandlung steht, sondern seine Vorgehensweise,
nämlich ein unerwarteter Stich mit einer 10 cm langen Messerklinge in den Bauch
des Privatklägers, welche - wie erwähnt - ohne Weiteres zu einer Verletzung
lebenswichtiger Organe hätte führen können. Diese Gefährlichkeit für Dritte ist in
die Waagschale der Verhältnismässigkeitsprüfung zu werfen. Dazu kommt, dass -
wie der Gutachter nachvollziehbar festhält - von einem deutlich erhöhten Risiko
für weiteres gewalttätiges Verhalten auszugehen ist. Er führt dies auf die
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diagnostizierte Wahnsymptomatik zurück, welche andaure und von welcher sich
der Beschuldigte nicht zu distanzieren vermöge (Urk. 10/3 S. 55 f.). Das
Argument, als Ersttäter stelle der Beschuldigte keine Gefahr für die Gesellschaft
dar, ist mit dieser Prognose entkräftet. Das Gutachten bejaht auch einen engen
kausalen Zusammenhang zwischen dieser psychischen Erkrankung und der
vorliegenden Tathandlung (Urk. 10/3 S. 56). Damit ist die
Massnahmebedürftigkeit gegeben.
4. Der amtliche Verteidiger bringt weiter vor, es stehe dem Staat nicht zu, den
Beschuldigten durch die Einweisung in eine Klinik einer Zwangsbehandlung zu
unterziehen (Urk. 28 S. 5).
Der Beschuldigte ist nicht behandlungswillig (Urk. 28 S. 3; Prot. I S. 8). Diese
mangelnde Bereitschaft, sich einer Massnahme zu unterziehen, ist auf die
fehlende Krankheitseinsicht zurückzuführen (Urk. 10/3 S. 56). Indessen steht dies
– wie die Vorinstanz mit Hinweis auf Lehre und Rechtsprechung - zutreffend
festgehalten hat (Urk. 47 S. 22 f.) – einer Anordnung einer solchen Massnahme
nicht entgegen. Ebenso geht auch der Gutachter davon aus, dass eine solche
Behandlung auch gegen den Willen des Beschuldigten erfolgsversprechend
durchzuführen sei (Urk. 10/3 S. 56). Zu beachten ist sodann, dass der
Beschuldigte durchaus die intellektuellen Fähigkeiten für eine Therapie mitbringt,
so er dann einmal die Notwendigkeit dafür einsieht. Ziel der Massnahme ist es
nicht, seine grundsätzlich kritische Haltung gegenüber den herrschenden
gesellschaftlichen Bedingungen zu ändern; vielmehr ist sein zunehmend
paranoider Wahn zu therapieren mittels psycho- und sozialtherapeutischen
Massnahmen und einer medikamentösen Behandlung, um das Risiko erneuter
Straftaten zu beseitigen. Das Gutachten hält auch klar fest, dass eine
Massnahme erforderlich ist, da nicht zu erwarten ist, dass der Beschuldigte
selbständig zu einer Verhaltensänderung im Stande sein wird.
5. Der amtliche Verteidiger beantragte vor Vorinstanz statt einer stationären
Massnahme eine solche unter dem zivilrechtlichen Regime des
Erwachsenenschutzrechts. Diese gehe weniger weit als die strafrechtliche. Von
einem Beistand betreut, würde der Beschuldigte einigermassen stabilisiert und
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könnte ein normales Leben führen. Es sei nicht anzunehmen, dass er von der
KESB betreut wieder straffällig werde (Urk. 28 S. 5). Die Vorinstanz hat mit
zutreffenden Argumenten dargelegt, weshalb eine solche Massnahme nach ZGB
ungeeignet ist, der Rückfallgefahr zu begegnen (Urk. 47 S. 24). Darauf kann
vollumfänglich verwiesen werden. Die Verteidigung hat dagegen keine neuen
Argumente ins Feld geführt (Prot. II S. 24 ff.). Solange zudem die
Krankheitseinsicht fehlt, ist ein solcher Weg nicht gangbar.
6. Für eine gesicherte therapeutische Massnahme nach Art. 59 Abs. 3 StGB sind
nebst den vorstehend erwähnten Einweisungsvoraussetzungen eine besondere
künftige Gefährlichkeit des Betroffenen gefordert, mit der in einer therapeutischen
Institution schlechthin nicht umgegangen werden kann. Es muss sich nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts um eine konkrete und
höchstwahrscheinliche Gefährlichkeit handeln. Diese muss sich aus einer Serie
von Umständen ergeben und mit Blick auf den Grundsatz der
Verhältnismässigkeit mit der Befürchtung einer schwerwiegenden Gefährdung der
Sicherheit und oder der internen Ordnung einer offenen Anstalt gerechtfertigt
werden können (BSK StGB-Marianne Heer, 3. Aufl., 2013, Art. 59 N 105).
Der Gutachter stuft die Rückfallgefahr als hoch ein (Urk. 10/2 S. 4, Urk. 10/3 S. 56
und S. 59). Der Beschuldigte weise zwar nur eine Vorstrafe auf: Er wurde mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat am 10. November 2008 wegen
fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB mit einer Geldstrafe
von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.–, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 2
Jahren und einer Busse von Fr. 1'000.– verurteilt (Urk. 15/1). Der Gutachter
bezieht sich indessen für seine Prognose auf einen Arztbericht der
Psychiatrischen Klinik Königsfelden vom 2. Oktober 1997, die Äusserungen des
Beschuldigten zu selbst- und fremdgefährdenden Verhaltensbereitschaften
enthielten. Im damaligen Bericht wurde festgehalten, dass sich der Patient in
einer Scheidungssituation befinde und das Gefühl habe, alle seien gegen ihn. Er
habe Morddrohungen gegen seine Ehefrau und Selbstmorddrohungen geäussert.
Gleichzeitig wurde auch seine damalige Stellungnahme dazu angeführt, wonach
er dies bestritt (Urk. 10/4 Beilage datiert mit 2. Oktober 1997). Weiter verweist der
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Gutachter auf das fremdgefährdende Verhalten des Beschuldigten nach der
Herzoperation vom 20. Juli 2012. Gemäss dem Arztbericht des Universitätsspitals
vom 31. Juli 2012 habe der Beschuldigte bereits in der Nacht vom 26. Juli 2012
ein aggressives Verhalten gegenüber dem betreuenden Pflegepersonal gezeigt
und am darauffolgenden Tag Morddrohungen gegen das betreuende Pflege- und
Ärzteteam ausgesprochen. Der Beschuldigte sei nach erneuter Äusserung von
Morddrohungen mit einem Messer auf einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes
los, wobei er habe entwaffnet und in Handschellen fixiert werden können (Urk.
10/4 Beilage vom 31. Juli 2012). Dem Bericht der PUK vom 24. August 2012 kann
entnommen werden, dass der Beschuldigte den Mitarbeiter des
Sicherheitsdienstes mit einem Klappmesser, welches er unter dem Kopfkissen
versteckt gehabt habe, angegriffen habe. Als Grund gab der Beschuldigte an, er
habe sich schlecht behandelt gefühlt, von oben herab, auch habe er das Gefühl
gehabt, die Pflegenden würden ihm falsche (bzw. vergiftete) Medikamente
abgeben (Urk. 10/4 Bericht vom 24. August 2012). Dieses Verhalten, so der
Gutachter, sei gepaart mit einer völlig fehlenden Einsicht in seine
Handlungsbereitschaften sowie einer fehlenden Behandlungsbereitschaft. Das
Risiko für die Begehung ähnlich gelagerter Straftaten bei weiterhin bestehenden
Wahnvorstellungen sei hoch (Kurze Gutachterliche Stellungnahme vom 13. Juli
2013; Urk. 10/2 S. 4). An dieser Einschätzung hält der Gutachter auch im
Gutachten vom 30. Juli 2013 fest. Insgesamt sei von einem deutlich erhöhten
Risiko für weiteres gewalttätiges Verhalten auszugehen. Dabei sei vor allem die
zugrundeliegende Wahnsymptomatik, von der sich der Beschuldigte nicht zu
distanzieren vermöge, frühere Gewaltandrohungen, die wahnhaft begründete
Bereitschaft, sich gegen andere zu wehren, sich gegen andere verteidigen zu
müssen und seine Therapieunwilligkeit als prognostisch ungünstig zu werten. Auf
der Grundlage der Befunde sowie unter Berücksichtigung der Aktenlage ergebe
sich als Schlussfolgerung ein hohes Risiko für erneute, ähnlich gelagerter
Straftaten, mit dann auch ungewissem Ausgang (Urk. 10/3 S. 55 f.).
Diese Beurteilung ist schlüssig. Auch wenn sich das Gutachten teilweise auf weit
zurückliegende Arztberichte bezieht, so weisen sie auf eine gleiche
Grundkonstellation im Verhalten des Beschuldigten hin. Zusammen mit den
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neueren Berichten von 2012 und dem nun vorliegenden Vorfall vom 21. März
2013 zeigt sich eine zunehmende Gefährlichkeit im Verhalten des Beschuldigten.
Dass er sich während des Aufenthaltes in der PUK vom 26. Juli 2012 bis 2.
August 2012 , wie sich dem Bericht der PUK vom 24. August 2013 ergibt, stets
freundlich und kooperativ verhalten habe und es zu keinen
Auseinandersetzungen mit dem Personal oder Mitpatienten gekommen sei, und
es auch keine Anhaltspunkte für selbst- oder fremdgefährdendes Verhalten
gegeben habe (Urk. 10/4 Beilage vom 24. August 2012), vermag an diesem
gutachterlichen Befund nichts zu ändern. Der Aufenthalt beschränkte sich auf
eine kurze Zeit und seinem Wunsch nach sofortigem Austritt aus der PUK wurde
umgehend stattgegeben. Der Vorfall vom 21. März 2013 zeigt indessen mit aller
Deutlichkeit die Gefährlichkeit des Beschuldigten.
Im Ergebnis ist die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 59
Abs. 1 in Verbindung mit Abs. 3 StGB somit zu bestätigen.
V. Beschlagnahmungen
Dazu kann vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden
(Urk. 47 S. 25).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Wie erwähnt, ist das vorinstanzliche Kostendispositiv in Rechtkraft erwachsen.
2. Was die Kosten des Berufungsverfahrens angeht, so kann mutatis mutandis
auf die Erwägungen der Vorinstanz zum erstinstanzlichen Verfahren verwiesen
werden (Urk. 47 S. 26 f.). Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass beim
vorliegenden Verfahrensausgang die Kosten grundsätzlich dem Beschuldigten
aufzuerlegen wären, mit Blick auf Art. 419 StPO eine Kostenauflage bei
Schuldunfähigen indes nur in Frage käme, wenn dies billig erscheinen bzw. die
Antragsgegnerin über genügende finanzielle Mittel verfügen würde, was in casu
nicht der Fall sei, weshalb die Kosten auf die Gerichtskasse zu nehmen seien
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(Urk. 47, S. 26 f.). Entsprechend sind auch die Kosten des Berufungsverfahrens,
einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen.