Decision ID: 2e55883c-7347-452f-855b-65450da10ca6
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, bezieht seit Juni 2011 eine ganze Rente der Invalidenversicherung (vgl. Urk. 8/A1). Am 21. Mai 2012 meldete sie sich bei der Stadt
Z._
, Amt für Zusatzleistungen (nachfolgend: AZL), zum Bezug von Zusatzleistungen zu ihrer Invalidenrente an (Urk. 8/6). Anlässlich eines Vorsprachetermins am 26. März 2013, zu welchem auch der Ehemann der Versicherten,
Y._
, geladen wurde (Urk. 8/22), teilte das AZL in einem Merkblatt mit, dass Ehegatten, für welche die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zumutbar sei, eine Frist von sechs Monaten ab Gesuchstellung gewährt werde, um eine geeignete Arbeitsstelle zu finden (Urk. 8/27).
Mit Verfügung vom 5. August 2013 erfolgte die Berechnung des Anspruchs auf Zusatzleistungen mit Wirkung ab 1. Juni 2011, wobei ab 1. September 2013 ein hypothetisches Erwerbseinkommen des Ehemannes von jährlich Fr. 42‘000.-- angerechnet wurde (Urk. 8/49/1). Gegen diese Verfügung erhoben die Versi
cherten am 4. September 2013 Einsprache (Urk. 8/33a), wobei sie die Anrech
nung eines hypothetischen Erwerbseinkommens des Ehemannes rügten. Die Einsprache wies das AZL mit
Einspracheentscheid
vom 26. November 2013 ab (Urk. 8/49/3 = Urk. 2/1).
Mit Verfügung vom 12. Dezember 2013 wurde der Anspruch auf Zusatzleistun
gen ab Januar 2014 auf Fr. 872.-- pro Monat festgelegt (Urk. 8/49/4 = Urk. 2/2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 26. November 2013 (Urk. 2/1) und die Verfü
gung vom 12. Dezember 2013 (Urk. 2/2) erhoben die Versicherten mit Eingabe vom 13. Januar 2014 Beschwerde (Urk. 1) und beantragten, die Ent
scheide seien aufzuheben (S. 1 Ziff. 1), und es seien die bis August 2013 ausge
richteten Zusatzleistungen von monatlich Fr. 2‘928.-- weiterhin bis Januar 2014 zu erbringen (S. 1 f. Ziff. 2), eventuell seien Zusatzleistungen im Betrag von mindestens Fr. 1‘750.-- pro Monat bis Januar 2014 auszurichten (S. 2 Ziff. 3).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. Februar 2014 beantragte das AZL die Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 7), was den Beschwerdeführenden am 20. Februar 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.1
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Gesetzmässigkeit der Verwaltungsverfügungen beziehungsweise der
Einsprache
entscheide
in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen
Verwaltungs
verfügung
sein (BGE 121 V 362 E. 1b S. 366). Ausnahmsweise kann das Gericht aus prozessökonomischen Gründen auch die Verhältnisse nach Erlass der Ver
fügung beziehungsweise des
Einspracheentscheids
in die richterliche Beurtei
lung miteinbeziehen und zu deren Rechtswirkungen über den
Entscheidzeit
punkt
hinaus verbindlich Stellung beziehen, mithin den das Prozessthema bildenden Streitgegenstand in zeitlicher Hinsicht ausdehnen. Eine solche Aus
dehnung des richterlichen Beurteilungszeitraums ist indessen - analog zu den Voraussetzungen einer sachlichen Ausdehnung des Verfahrens auf eine spruchreife Frage, die ausserhalb des durch die Verfügung beziehungsweise den
Einspracheentscheid
bestimmten Rechtsverhältnisses liegt (BGE 122 V 34 E. 2a S. 36; zum Begriff des Anfechtungsgegenstandes vgl. BGE 125 V 413 E. 1a S.
414
)
- nur zulässig, wenn der nach Erlass des Entscheids eingetretene, zu einer neuen rechtlichen Beurteilung der Streitsache ab jenem Zeitpunkt füh
rende Sachverhalt hinreichend genau abgeklärt ist und die Verfahrensrechte der Parteien, insbesondere deren Anspruch auf rechtliches Gehör, respektiert wor
den sind (BGE 130 V 138 E. 2.1 S. 140).
1.2
Der angefochtene
Einspracheentscheid
(Urk. 2/1) beschlägt die Zusatzleistungen und setzt die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens des Beschwerdeführers 2 ab September 2013 fest. Aus der Einsprache vom 4. September 2013 (Urk. 8/33a) und auch aus der Beschwerde vom 13. Januar 2014 (Urk. 1) ist zu entnehmen, dass der streitige Punkt die Frage der Anrech
nung eines hypothetischen Erwerbseinkommens des Beschwerdeführers 2 be
trifft. Mit der mitangefochtenen Leistungsverfügung vom 12. Dezember 2013 (Urk. 2/2) wurden die Leistungen per 1. Januar 2014 angepasst, wobei lediglich die anerkannten Ausgaben für die obligatorische Krankenversicherung von jährlich Fr. 10‘224.-- im Jahr 2013 auf Fr. 10‘464.-- für das Jahr 2014 angeho
ben wurden. Namentlich erfolgte keine erneute Beurteilung der Anrechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens des Beschwerdeführers
2.
Dieses basierte immer noch auf dem Wert gemäss der angefochtenen Verfügung vom 5. August 2013 (Urk. 8/49/1). Damit wurde der ursprünglich mit Einsprache angefochtene Sachverhalt noch nicht rechtskräftig entschieden, weshalb die Verfügung vom
13. Dezember 2013 ebenfalls durch die Einsprache vom 4. September 2013 und den entsprechenden
Einspracheentscheid
vom 26. November 2013 miterfasst wird. Somit handelt es sich bei dieser Verfügung um das gleiche Prozessthema wie bei der angefochtenen, weshalb es sich rechtfertigt, diese vorliegend in die richterliche Beurteilung miteinzubeziehen beziehungsweise den Streitgegen
stand auch auf diese Verfügung auszudehnen, zumal auch beide Parteien mit diesem Vorgehen einverstanden sind (vgl. Urk. 1 S. 2, Urk. 7 S. 2 oben).
2.
2.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzl
ichen Voraus
setzungen nach Art.
4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tungen zur Deckung ihres Exi
stenzbedarfs (Art.
2 Abs.
1 ELG; §§ 1, 13, 15 und
20 Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ZLG).
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten Ausgaben die anrechenba
ren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs.
1 ELG), wobei die anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen von Ehegatt
en zusammenzurechnen sind (Art. 9 Abs.
2 ELG).
2.2
Die anrechenb
aren Einnahmen werden nach Art.
11 ELG ermittelt. Als Einnah
m
en angerechnet werden nach Art. 11 Abs.
1 ELG unter anderem zwei Drittel der Erwerbseinkünfte in Geld oder Naturalien, sowe
it sie einen Freibetrag von Fr.
1'000.-- (Alleinst
ehende) beziehungsweise von Fr.
1'500.-- (Ehepaare und Personen mit Kindern)
übersteigen (
lit
.
a), ein
Prozentsatz des Vermögens (
lit
. c), die Renten (
lit
.
d) sowie auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf
die verzichtet worden ist (
lit
.
g).
2.3
Unter dem Titel des Verzichtseinkommens ist auch ein hypothetisches Einkom
men des Ehegatten eines EL-Ansprechers anzurechnen, sofern dieser auf eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder auf deren zumutbare Ausdehnung verzichtet. Bei der Ermittlung der zumutbaren Erwerbstätigkeit ist auf das Alter, den Ge
sundheitszustand, die Sprachkenntnisse, die Ausbildung, die bisherige Tätigkeit, die konkrete Arbeitsmarktlage sowie gegebenenfalls auf die Dauer der Abwe
senheit vom Berufsleben abzustellen (BGE 117 V 290 E. 3a, 115 II 11 E. 5a, 114 II 302 E. 3a; ZAK 1989 S. 72 E. 3c; vgl. auch
Art.
125 des Zivilgesetzbuchs, ZGB).
Ferner ist bei der Festlegung eines hypothetischen Einkommens zu berücksichti
gen, dass für die Aufnahme und Ausdehnung der Erwerbstätigkeit eine gewisse
Anpassungsperiode erforderlich und nach einer langen Abwesenheit vom Berufsleben die volle Integration in den Arbeitsmarkt in einem gewissen Alter nicht mehr möglich ist. Die auch bei der Festsetzung von nachehelich
en Unter
haltsansprüchen in Art. 125 Abs. 2 Ziff.
7
ZGB
vorgesehene (Wieder-)
Einglie
derungsfrist
ins Berufsleben findet im Rahmen der EL-Berechnung in der Weise Berücksichtigung, dass der betreffenden Person eine gewisse realistische
Über
gangsfrist
für die Aufnahme oder Erhöhung des Arbeitspensums zugestanden wird, bevor ein hypothetisches Einkommen angerechnet wird (AHI 2001 S. 132 mit Hinweisen).
Von der Anrechnung eines Verzichtseinkommens kann unter anderem abgese
hen werden, wenn der nichtrentenberechtigte Ehegatte nachweisen kann, dass er trotz intensiver Bemühungen keine Arbeitsstelle gefunden hat (Erwin
Cari
giet
/Uwe Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV,
2.
Auflage, S. 159
; BGE 134 V 61 E. 4.1
).
2.4
Die Pflicht des im gemeinsamen Haushalt lebenden Ehepartners der
Ergän
zungs
leistungen
beziehenden Person, die ihm verbleibenden
Einkunftsmöglich
keiten
tatsächlich zu realisieren, ist auch Ausdruck der bei der
Leistungsfest
setzung
im Sozialversicherungsrecht regelmässig und zwingend zu beachtenden Schadenminderungspflicht (Urteile des Bundesgerichts 8C_380/
2008 vom 1
7.
September 2008, E.
3.2, sowie P 6/04 vom
4.
April 2005, E. 2, je mit Hin
weisen).
Bemüht sich
der Ehegatte
trotz
zumutbarerweise
verwertbarer Arbeitsfähigkeit nicht um eine Stelle, verletzt
er
dadurch die ih
m
obliegende
Schadenminde
rungspflicht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_
717/2010 vom 2
6.
Januar 2011 E.
3.1 mit Hinweisen).
3.
3.1
Im angefochtenen Entscheid rechnete die Beschwerdegegnerin dem Beschwerde
führer 2 ab September 2013 ein hypothetisches Erwerbseinkommen im Betrag von jährlich Fr. 42‘000.-- beziehungsweise monatlich Fr. 3‘500.-- an (Urk. 2/1). Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, weder familiäre Verpflichtungen noch das Alter von 40 Jahren oder körperliche Einschränkungen des Beschwerdefüh
rers 2 stünden einer Aufnahme einer geeigneten Hilfsarbeitertätigkeit entgegen. Ferner seien unzureichende konkrete und adäquate Arbeitsbemühungen einge
reicht worden, welche ernsthafte Anstrengungen, eine zumutbare Arbeit zu suchen, beweisen könnten. Ausgehend von der Lohnstrukturerhebung des Bun
desamtes für Statistik (LSE), welche mit den Voraussetzungen des Beschwerde
führers 2 ein monatliches Einkommen von durchschnittlich Fr. 4‘500.-- mit Untergrenze Fr. 4‘000.-- angebe, erweise sich die Anrechnung eines monatlich erzielbaren Einkommens von Fr. 3‘500.-- sogar als vorteilhaft (S. 3).
3.2
Demgegenüber stellten sich die Beschwerdeführenden auf den Standpunkt (Urk. 1), der Beschwerdeführer 2 habe trotz seiner Bemühungen noch keine Stelle finden können. Ausserdem hätten sie auf die Integrationsempfehlung der Basisbeschäftigung hingewiesen, wonach die Integration in den Arbeitsmarkt im vorliegenden Fall wohl länger als sechs Monate dauern werde, da der Be
schwerdeführer 2 vor allem Hilfe bei der Stellensuche benötige und einen Deutschkurs besuchen müsse (S. 3 f.).
3.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob dem Beschwerdeführer 2 ab 1. September 2013 ein hypothetisches Einkommen von Fr. 42‘000.-- jährlich anzurechnen ist.
4.
4.1
Der 1972 in der
A._
geborene Beschwerdeführer 2 heira
tete am 17. Februar 2012 die Beschwerdeführerin 1 und zog am 15. Februar 2013 zur Ehefrau in die Schweiz (Urk. 8/2c, Urk. 8/3a-b), wo er sich am 25. Februar 2013 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
B._
zur Arbeitsvermittlung meldete. Dabei wurde von einer
vollzeiti
gen
Vermittlungsfähigkeit (ganztags, 100 %) ausgegangen (Urk. 8/25). Ferner sind den Akten zwei Stellenbemühungen für den Monat März 2013 als Vollzeit-Mitarbeiter in der Reinigungsbranche (Urk. 8/26) sowie für die Monate August bis Oktober 2013 weitere 22 als Maler (Urk. 8/37a) zu entnehmen. Sodann geht aus der Einsprache der Beschwerdeführenden vom 4. November 2013 (Urk. 37) hervor, dass er vom 17. Juni bis 12. Juli 2013 im Rahmen der
Basisbeschäfti
gung
der Sozialen Dienste gearbeitet hat (vgl. Urk. 8/37b). Dementsprechend ist mangels anderweitiger Angaben aus den Akten oder Vorbringen der Parteien unter medizinischen Aspekten von einem anrechenbaren hypothetischen
Er
werbseinkommen
des Beschwerdeführers 2 im Umfang von 100 % auszugehen. Dies ist auch von den Parteien unbestritten.
4.2
Nach der allgemeinen Lebenserfahrung ist zu vermuten, dass eine arbeitswillige und einsatzfreudige Person im Allgemeinen eine Arbeitsstelle finden kann. Diese Vermutung kann durch ernsthafte, aber erfolglose Bewerbungen widerlegt werden (
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 159)
. Solche Stellenbemühungen sind sodann auch Ausdruck der Pflicht, soweit als möglich aus eigener Kraft den
Existenz
bedarf
zu sichern
(vgl. vorstehend E. 2.4)
.
Der Beschwerdeführer 2 stellt in Abrede, dass seine Arbeitsbemühungen unge
nügend waren. Er bringt vor, dass er nur
C._
isch
spreche und kein Geld für einen Sprachkurs habe. Sodann habe er alles Zumutbare getan, so Zeitungen beschafft und diese nach Stellen durchforstet sowie bei den entsprechenden Be
trieben vorgesprochen (Urk. 1 S. 4).
Diese Vorbringen können aus mehreren Gründen nicht gehört werden. Insbe
sondere belegt er nur zwei Bewerbungen in der Reinigungsbranche für den Mo
nat März 2013 (Urk. 8/26) und dann acht Bewerbungen als Maler im August 2013 sowie jeweils sieben Bewerbungen als Maler im September und Oktober 2013, wobei in mehreren Fällen dieselben Betriebe auf der Liste der persön
lichen Arbeitsbemühungen aufgeführt wurden (Urk. 8/37a), was die Ernsthaf
tigkeit der Stellensuche erheblich schmälert. Ebenso gegen eine adäquate Arbeitsbemühung spricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer 2 alle Be
werbungen mit dem Vermerk „keine Antwort“ abschloss, mithin kein
Absage
schreiben
auf die erfolgten Bewerbungen einreichte, womit seine Bewerbungen in qualitativer Hinsicht ungenügend zu taxieren sind. Denn es entspricht dem allgemein üblichen Vorgehen bei der Stellensuche, sich in schriftlicher Form korrekt zu bewerben. In der Regel tritt daher die Stellensuche dadurch deutli
cher zu Tage als durch Vorsprechen in den Betrieben. Es wäre dem Beschwer
deführer durchaus zumutbar gewesen, entsprechende Unterstützung etwa durch gemeinnützige Organisationen oder beim RAV einzuholen, weshalb Sprache, Berufserfahrung oder Bildung auch keine Hinderungsgründe für schriftliche Bewerbungen bei geeigneten Betrieben darstellen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_946/2011 vom 1
6.
April 2012 E.
4.4)
.
Des Weiteren vermag der Beschwerdeführer
2
auch in quantitativer Hinsicht keine intensiven Stellenbemühungen nachzuweisen: Die Beschwerdegegnerin forderte
im abgegebenen Merkblatt (Urk. 8/27) mindestens
zehn Bewerbungen pro Monat
beziehungsweise mit Schreiben vom 20. September 2013 deren 14 (Urk. 8/36)
. Mit
zwei, acht und zwei Mal sieben
Bewerbungen pro Monat ist dieses Erfordernis bei Weitem nicht erfüllt. Damit hat er in diesem Zeitraum so
wohl die von der Beschwerdegegnerin geforderte Anzahl an Stellenbemühungen als auch die praxisgemäss von der Arbeitslosenversicherung geforderten quan
titativen Arbeitsbemühungen von mindestens zehn bis zwölf pro Monat (vgl. Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz, Band I, Bern/Stutt
gart 1987, N 15 zu
Art.
17) nicht eingehalten.
Zwar gilt in diesem Zusammen
hang zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer 2 vom 1
7.
Juni bis 1
2.
Juli 2013 in einem 75%-Pensum
an einem Beschäftigungsprogramm
der Stadt
Z._
teilgenommen hat (
Urk.
8/37b), dies befreite ihn aber nicht davo
n
, sich um
eine Arbeitsstelle zu bemühen, wie die Beschwerdegegnerin richtig aus
geführt hat
(vgl. Urk. 7 S. 3 oben). Ausserdem ist nach Lage der Akten nicht er
sichtlich, ob er für die vorangegangenen Monate April und Mai 2013 überhaupt
Bewer
bungsanstrengungen
unternommen hatte.
Ferner ist aufgrund des Berichts der Integrationsempfehlung (vgl. Urk. 8/27) ersichtlich, dass er über Erfahrungen in handwerklichen Berufen (
Automechani
ker
, Spengler, Maler, Zimmermann, Schreiner) in seinem Heimatland verfügt, weshalb er sich auch in anderen Tätigkeitsbereichen hätte bewerben können. Ausserdem wäre es dem Beschwerdeführer 2 – wie bereits ausgeführt - zumut
bar gewesen, Hilfe bei der Stellensuche zu holen. Ebenfalls sind auch seine mangelhaften Deutschkenntnisse kein Hinderungsgrund für die Stellensuche, weil das
Sprachkriterium bei den meisten Hilfsarbeiten nich
t ausschlaggebend sein dürfte, da
in der Regel
ein eher
geringer Kommunikationsbedarf besteht und sich die ausländischen Hilfsarbeiter
z
umindest zum Teil in ihrer Mutter
sprache verständigen können. Auch Analphabetismus beeinträchtigt einen Hilfsarbeiter in der Regel nicht, da die Instruktion grösstenteils mündlich erfolgt (Ralph
Jöhl
, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV, Soziale Sicher
heit,
2.
Aufl., Basel 2007, S. 1761
Rz
. 182).
Nach der Würdigung sämtlicher relevanter Umstände konnte der Beschwerde
führer
2
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dar
legen, dass es ihm nicht möglich gewesen wäre, eine passende Anstellung zu finden. Demgemäss ist grundsätzlich von einem Verzichtseinkommen auszuge
hen.
4.3
Zu prüfen bleibt somit die Höhe des anrechenbaren hypothetischen Ei
nkom
mens des Beschwerdeführers 2
.
Die Beschwerdegegnerin ging von einem jährlichen realisierbaren Einkommen von
Fr.
42'000.-- aus (Urk. 2/1
,
Urk. 8/49/1
).
Das Bundesgericht hat festgehalten, dass bei der Ermittlung des hypothetischen
Ver
zichtseinkommens
nicht auf schematische Werte, sondern auf die konkreten
persönlichen Verhältnisse und die Arbeitsmarktsituation im fraglichen Zeit
punkt
in der Region des Wohnortes der betreffenden Person abzustellen ist (Urteil des Bundesgerichts P 6/04 vom
4.
April 2005 E. 3.2.2, sowie AHI 2001 S.
133 und 136). Dabei sind neben allfälligen gesundheitsbedingten Einschrän
kungen einer
seits das Angebot an offenen und geeigneten Stellen für Personen, welche die persönlichen und beruflichen Voraussetzungen der betreffenden Per
son aufweisen, und andererseits die Zahl der Arbeit suchenden Personen zu berück
sichtigen (Urteil des Bundesgerichts vom
9.
Februar 2010 9C_539/2009 E.
5.1.1). Weiter darf auch eine bereits länger dauernde Arbeitsabstinenz nicht ausser Acht gelassen werden. Vom hypothetisch ermittelten Einkommen sind – eben
so
wie bei den hypothetischen Einkommen nach
Art.
14a und 14b ELV – gemäss
Art.
11
Abs.
1
lit
. a ELG bei Ehepaaren jährlich insgesamt
Fr.
1'500.-- abzuzie
hen und vom Rest zwei Drittel anzurechnen. Insofern sind hypothetische Ein
künfte in gleicher Weise zu privilegieren wie tatsächlich erzielte (AHI 2001 S.
134 f. mit Hinweis auf BGE 117 V 292 E. 3c).
Da
der Beschwerdeführer 2
nur über sehr wenig Berufserfahrung
in der Schweiz, dafür aber über Berufserfahrung in seinem Heimatland in diversen handwerklichen Berufen verfügt (vgl. Urk. 8/37b S. 1 unten) und damit vielsei
tig einsetzbar ist
,
nach Lage der Akten
körperlich gesund
,
mit Jahrgang 197
2
auch noch verhältnismässig jung und voll einsatzfähig im Sinne eines 100%-Pensums ist
(vgl. vorstehend E. 4.1)
, kann bei der Bemessung eines zumutbaren Erwerbseinkommens auf die Durchschnittslöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abge
stellt werden (
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 159). Demnach beläuft sich der monatli
che Bruttolohn (im privaten Sektor) aufgrund der LSE 2010 für
Männer
bei einfachen und repetitiven Tätigke
iten (Hilfsarbeiten) auf Fr. 4‘901
.-- im Total aller Wirtschaftszweige (TA 1), was ein
em jährlichen Einkommen von Fr. 58‘812
.-- entspricht.
Berücksichtigt man weiter, dass diese Einkommen auf einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden basieren, die betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit im Total aller Wirtschaftszweige im Jahr 201
3
aber 41.7 Wochenstunden betragen hat, ergibt sich ein jährliches Einkommen von Fr.
61‘311.--
. Unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung
(Die Volks
wirtschaft 7/8-2014 S. 93 Tabelle B 10.3
) resultiert ein mögliches Einkommen von rund
Fr. 62‘850
.--. Selbst bei Gewährung eines Abzuges von 20
%
auf
grund von Konkurrenznachteilen (Arbeitserfahrung, Sprachkenntnisse) ergäbe dies immer noch ein Einkommen von
Fr. 50‘280.--
.
Das von der Beschwerdegegnerin in der Berechnung zugrunde gelegte
Erwerbs
einkommen
von Fr. 42‘000.-- erscheint demnach auch im Lichte des vorstehend ermittelten Tabellenlohns für ungelernte Hilfsarbeiten von Fr. 50‘280.-- als für den Beschwerdeführer 2 sehr vorteilhaft.
Der von der Beschwerdegegnerin ermittelte Betrag von jährlich
Fr. 42‘000
.-- kann nach dem Gesagten bestätigt werden und ihr Entscheid ist daher auch in dieser Hinsicht nicht zu beanstanden.
4.4
Zu berücksichtigen ist, dass für die Aufnahme beziehungsweise den Ausbau der Erwerbstätigkeit eine gewisse Anpassungsperiode notwendig ist. Die Rücksicht
nahme kann bei der Berechnung der Zusatzleistungen dadurch erfolgen, dass der betreffenden Person eine gewisse realistische Übergangsfrist für die Auf
nahme eines Arbeitspensums zugestanden wird (AHI 2001 S. 134 und Urteil des
Bundesgerichts P 38/03 vom
2.
Dezember 2003 E. 4.2), wobei es für Ehegatten keine analoge Regelung zu
Art.
25
Abs.
4 ELV gibt, wonach die
Herabsetzungs
verfügung
wegen Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens erst nach 6 Monaten wirksam wird (
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 160). Allerdings erach
tete das Bundesgericht im Urteil P 40/03 vom
9.
Februar 2005 eine Frist von 6
Monaten als oberste Grenze für eine Ehefrau, der ein hypothetisches
Erwerbs
einkommen
von nur
Fr.
1‘500.-- angerechnet wurde und auch
Carigiet
/Koch halten für einen kürzlich zugezogenen ausländischen Ehegatten eine Frist von maximal 6 Monaten für angemessen, innerhalb welcher er seine Vermittelbar
keit, insbesondere mit Sprachkursen, erhöhen könne und sich beim RAV anzu
melden habe (
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 159).
Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdegegnerin den Beschwerdefüh
renden anlässlich der Vorsprache am 2
6.
März 2013 betreffend Anspruch auf Zusatzleistungen das Merkblatt „Berechnung der Zusatzleistungen für Ehegatten ohne eigenen AHV/IV-Rentenanspruch“ (
Urk.
8/27) zur Kenntnis gebracht hat. Darin wurde darauf hingewiesen, dass Ehegatten ohne eigenen Rentenanspruch, für die eine Erwerbstätigkeit zumutbar sei, alles Zumutbare zu unternehmen hätten, um so rasch als möglich eine geeignete Arbeitsstelle zu finden. Personen ohne oder mit ungenügenden Deutschkenntnissen seien verpflichtet, sich für die geeigneten Arbeitsstellen notwendige Deutschkenntnisse anzueignen. Ehegatten, denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zumutbar sei, werde eine Frist von sechs Monaten ab Gesuchstellung gewährt, um eine geeignete Arbeitsstelle zu finden und sich allenfalls die notwendigen Sprachkenntnisse anzueignen, wobei in diesen sechs Monaten von der Anrechnung eines hypothetischen Einkom
mens abgesehen werde (S. 1).
Der Beschwerdeführer 2 musste sich somit schon seit März 2013 im Klaren sein, dass er sich um eine zumutbare Anstellung zu bemühen hatte. Weiter hatte er in Bezug auf die Arbeitsbemühungen eine Vorgabe, an welcher er sich hätte ori
entieren können (mindestens 10 Bewerbungen pro Monat, vgl. Urk. 8/27). Damit ist auch sein beschwerdeweise geltend gemachte
r
Einwand unbegründet, wonach der Vorwurf der Beschwerdegegnerin, er hätte zu wenig schriftliche Stellengesuche gemacht, zu spät gekommen sei (Urk. 1 S. 4).
Folglich ist die von der Beschwerdegegnerin eingeräumte Übergangsfrist bis Ende
August
2013 nicht zu beanstanden, da dem Beschwerdeführer
2
seit spätestens
März 2013
die Rechtslage bekannt war und ihm somit genügend Zeit zur Verfügung stand, eine zumutbare Anstellung zu finden oder seine Arbeitsbemühungen
rechts
genüglich
nachzuweisen.
Schliesslich ist auch der Verweis der Beschwerdefüh
renden auf die im Bericht des Beschäftigungsprogramms der Sozialen Dienste geäusserte Einschätzung, wonach die Integration in den ersten Arbeitsmarkt
länger als sechs Monate daure (vgl. Urk. 8/37b),
unbehelflich
, da es sich ledig
lich um eine Empfehlung der sozialen Dienste handelt, welche keine Bindungs
wirkung auf das Handeln der Beschwerdegegnerin entfaltet, mithin daraus keine Rechtsansprüche abgeleitet werden können.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwer
deführer
2
zu Recht ab
September 2013
ein hypothetisches Einkommen in der Höhe von jährlich
Fr. 42‘000.--
angerechnet hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.