Decision ID: d5e95b2d-3c6f-4033-8cd3-3ca1537abb21
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. Die 1967 geborene X._ bezog vom Dezember 2003 bis April 2004 eine ganze Rente der Invalidenversicherung, die ab Mai 2004 auf eine halbe Rente herabgesetzt wurde (Verfügung vom 13. Oktober 2005; Urk. 6/42). Im Rahmen einer im September 2007 eingeleiteten Rentenrevision (Urk. 6/45) beliess es die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, bei der bisher ausgerichteten halben Rente (Urk. 6/53).
Nach Verlust ihrer Teilzeitanstellung als Büglerin meldete sich die Versicherte am 13. März 2009 bei der Invalidenversicherung an und gab eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit an (Urk. 6/62). In der Folge führte die IV-Stelle Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht durch. Insbesondere liess sie die Versicherte von Dr. med. und Dr. sc. nat. Y._, Fachärztin FMH für Innere Medizin, insbesondere Rheumaerkrankungen, und zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, begutachten (Gutachten vom 26. Juli 2010 und Ergänzung vom 16. September 2010; Urk. 6/85, Urk. 6/91). Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens (Urk. 6/103 ff.) holte die IV-Stelle weitere ergänzende Auskünfte der Gutachterin Dr. Y._ ein (Ergänzung vom 17. April 2011; Urk. 6/112). Mit Verfügung vom 10. Mai 2011 hob sie schliesslich - wie im Vorbescheid vom 17. Februar 2011 angekündigt (Urk. 6/104) - die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk. 2).
2. Dagegen führt X._ Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um weitere Ausrichtung der halben Rente und Zusprechung einer ganzen Rente für die Zeit vom 1. Januar 2009 bis 31. Juli 2010. Daneben ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2011 schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Am 5. März 2013 dokumentierte die Beschwerdeführerin ihre wirtschaftliche Lage (Urk. 13-15/1-16).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a. ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b. während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG; bis 31. Dezember 2007: Art. 28 Abs. 1 IVG).
1.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hinweisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist eine Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durchgeführten Revision keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (Art. 74
ter
lit. f der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (Art. 74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechtskräftigen Verfügung gleichzustellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010, je E. 2.2, mit Hinweisen).
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1 Bei der Rentenzusprechung ging die Beschwerdegegnerin gestützt auf das Gutachten von Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Orthopädie, vom 14. Mai 2005 von folgenden Diagnosen aus (Urk. 6/31 S. 12, Urk. 6/33 S. 2 f.):
- Chronisches lumbospondylogenes Syndrom nach rechts bei
- anamnestisch möglichem Reizsyndrom L5 rechts und kurzfristigem Reizsyndrom L5 links
- magnetresonanztomographisch nachgewiesener breitbasiger medianer Diskushernie L4/5 mit rezessaler osteodiskaler Enge L4/5 beidseits
- fehlender Reizsymptomatik L5 mit erhaltenem Tibialis posterior-Reflex beidseits
- Myofasziales Schmerzsyndrom linker Nacken/Schulterblattaufhänge- und Schulterblattmuskulatur sowie Ellbogenansatz-Oberarm und Ellbogenansatzmuskulatur links, adominante Seite
- Nicht abgeklärte Magenbeschwerden nach chronischer NSAR-Einnahme
- Zeichen der Schmerzchronifizierung mit reflektorischem Schutz- und Schonverhalten
In der bisherigen Tätigkeit bestand eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 20. Dezember 2002. In angepasster Tätigkeit bestand im Grundsatz eine Arbeitsfähigkeit von 50 % ab dem 11. Januar 2004 bei stabilem Beschwerde- und Gesundheitszustand (Urk. 6/31 S. 14 f, Urk. 6/33 S. 3).
2.2 Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer allfälligen anspruchserheblichen Änderung bildet vorliegend die am 30. Januar 2008 erfolgte Mitteilung der weiteren Ausrichtung einer halben Rente (Urk. 6/53; vgl. Feststellungsblatt für den Beschluss [Urk. 6/52]). Diese beruhte auf den Auskünften des Hausarztes Dr. med. A._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, vom 14. November 2007, wonach die Beschwerdeführerin bei Vorliegen eines chronischen cervikospondylogenen Schmerzsyndroms links, einer starken myofaszialen Problematik im Trapeziusbereich und im Bereich des Musculus supraspinatus und infraspinatus sowie der Scapulae links und eines chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms rechts bei Diskushernie L4/5 und rezessaler osteodiskaler Enge L4/5 in angepasster Tätigkeit weiterhin zu 50 % arbeitsfähig war (Urk. 6/49) und den Angaben des derzeitigen Arbeitgebers der Versicherten (Urk. 6/52).
3. In der angefochtenen rentenaufhebenden Verfügung vom 10. Mai 2011 geht die Beschwerdegegnerin gestützt auf das rheumatologische Gutachten von Dr. Y._ vom 26. Juli 2010 (Urk. 6/85) von einer seit Juni 2006 eingetretenen gesundheitlichen Besserung aus (Urk. 2). Demgegenüber bemängelt die Beschwerdeführerin Dr. Y._s Gutachten in verschiedentlicher Hinsicht und macht einen unveränderten Gesundheitszustand, zeitweise sogar eine Verschlechterung geltend (Urk. 1).
4.
4.1 Den neueren medizinischen Akten lässt sich entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am 6. Juli 2008 wegen Schmerzen im Bereich der rechten Hand im Kantonsspital B._, Interdisziplinärer Notfall/Medizinische Klinik, notfallmässig behandelt wurde. Im ambulanten Bericht vom 6. Juli 2008 wurde die Verdachtsdiagnose eines Karpaltunnelsyndroms (ICD-10 G56.0) gestellt (Urk. 6/66 S. 3 f.).
4.2 Laut Bericht des Kantonsspitals B._, Rheumaklinik mit Institut für Physiotherapie und Poliklinik, vom 11. Juli 2008 bestand im damaligen Zeitpunkt ein leicht rückgängiges chronisches spondylogenes Schmerzsyndrom rechts. Die neuroradiologische Untersuchung habe keine Hinweise für eine Nervenwurzelkompression ergeben (Urk. 6/66 S. 7 f.; vgl. auch Bericht des Kantonsspitals B._, Institut für Radiologie, vom 23. Mai 2008 über die dort durchgeführte Magnetresonanztomographie der Halswirbelsäule; Urk. 6/66 S. 9).
Vom 18. September bis 6. Oktober 2008 war die Beschwerdeführerin in der gleichen Klinik des Kantonsspitals B._ hospitalisiert. Im Bericht vom 15. Oktober 2008 stellten die Spitalärzte folgende Diagnosen (Urk. 6/67 S. 11):
- Subakutes lumboradikuläres Schmerz- und leichtgradiges motorisches Ausfallsyndrom L5 rechts mit/bei
- grössenprogredienter, nach kaudal dislozierter Bandscheibenhernie L4/5 mit rezessaler osteodiskaler Enge L4/5 rechts (MRI LWS vom 19. September 2008 im Vergleich zum MRI LWS vom 18. März 2003)
- erfolgreicher CT-gesteuerter periduraler Infiltration L4/5 am 22. September 2008
- chronischem lumbospondylogenem Syndrom beidseits, rechts mehr als links
- Intermittierendes cervikospondylogenes Syndrom rechts
- ohne Hinweise für Nervenwurzelkompression (MRI HWS vom 23. Mai 2008)
Die Beschwerdeführerin sei wegen immobilisierender Schmerzausstrahlungen bei vordiagnostiziertem lumboradikulärem Schmerzsyndrom L5 rechts und rechtsseitigem cervikobrachialem Syndrom dem Spital zugewiesen worden. Klinisch habe eine Schwäche der Fussflexion und Extension M3-4 rechts bestanden. Es hätten keine sensiblen Ausfälle bestanden. Ursächlich für diese Beschwerden sei die Bandscheibenhernie L4/5 gewesen. Nach einer computertomographisch gesteuerten periduralen Infiltration L4/5 habe die Beschwerdeführerin eine Reduktion der Schmerzen von 8/10 auf 3/10 der visuell analogen Skala gezeigt, auch unter kontinuierlicher Reduktion der Analgetika. Bei Austritt habe eine diskrete Fussheberschwäche ohne radikuläre Reizkomponente bestanden. Während der Hospitalisation habe die Beschwerdeführerin keine cervikalen Beschwerden angegeben. Abschliessend attestierten die berichtenden Spitalärzte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 7. bis 21. Oktober 2008 mit anschliessend schrittweiser Reduktion gemäss den ärztlichen Nachkontrollen (Urk. 6/67 S. 11 f.).
Im Bericht des Kantonsspitals B._ vom 31. März 2009 wurde neu die Diagnose eines operationsbedürftigen fortgeschrittenen Karpaltunnelsyndroms rechts und eines leichten Karpaltunnelsyndroms links bei elektroneurographischem Nachweis (Elektroneurographie vom 3. März 2009; vgl. Urk. 6/84 S. 1 ff.) gestellt. Im Übrigen wiederholten die berichtenden Ärzte die bereits gestellten Diagnosen. Die Beschwerdeführerin klage seit längerer Zeit über Parästhesien in allen Fingern der rechten und auch der linken Hand. Vom 12. bis 28. Februar 2009 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, anschliessend bis 30. April 2009 eine solche von 50 % für leichte Arbeiten mit maximalen Gewichten von 5-10 kg (Urk. 6/66 S. 10 f.).
Im Bericht vom 23. April 2009 wiederholten die Spitalärzte ihre früheren Angaben und ergänzten sie mit der Empfehlung einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit zur genaueren Ermittlung der zumutbaren Tätigkeiten. Grundsätzlich sei die Beschwerdeführerin für leichte Tätigkeiten zu 50 % arbeitsfähig (Urk. 6/67 S. 21 ff.).
Laut Bericht vom 27. Mai 2009 habe die ambulante Physiotherapie die Schmerzen im Bein, im Trapezius rechts sowie im rechten Arm nur ungenügend beeinflussen können. Eine neurologische Kontrolle (vgl. Urk. 6/84 S. 1 f.) habe eine klare Operationsindikation des sensorisch und motorisch fortgeschrittenen Karpaltunnelsyndroms rechts ergeben. Die Handchirurgen hätten der Beschwerdeführerin das operative Vorgehen erklärt. Sie habe sich jedoch nicht dazu entscheiden können. Ab 1. März bis 31. Mai 2009 und auch längerfristig gelte eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten (Urk. 6/77 S. 6 f; vgl. auch Bericht vom 14. April 2010, Urk. 6/77 S. 8 ff.).
4.3 Am 12. März 2010 unterzog sich die Beschwerdeführerin im Kantonsspital B._, Departement Chirurgie, Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie, einer halboffenen Karpaltunnelspaltung rechts (Urk. 6/79 S. 4). Im Bericht vom 10. Mai 2010 wurde eine gute postoperative Prognose gestellt und hinsichtlich des Karpaltunnelsyndroms eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 12. März bis zum 25. April 2010 attestiert (Urk. 6/79 S. 1 f.).
4.4 Im Gutachten vom 26. Juli 2010 stellte Dr. Y._ folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/85 S. 37):
- Lumbospondylogenes Syndrom beidseits bis lumboradikuläres Syndrom rechts
- bei mediolateraler Diskushernie L4/5 mit rezessaler Einengung der Nervenwurzel L5 rechts (CT vom 15. Juni 2010)
- im Wesentlichen seit Jahren bildgebend unverändert oder sogar etwas gebessert (MRI März 2008 und Februar 2003)
- möglichen intermittierenden radikulären Zeichen rechts
- aktuell ohne radikuläre Zeichen
- Chronische venöse Insuffizienz Stadium I des rechten Beines mit
- Reflux der Vena poplitea rechts (Erstdiagnose April 2004)
Folgenden Diagnosen mass die Gutachterin keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (Urk. 6/85 S. 37):
- Ausgedehnte chronische Schmerzen
- Adipositas Grad I (BMI 31.6 kg/m2)
- leichter Vitamin D-Mangel (33 mmol/l)
- Hypercholesterinämie (5.9 mmol/l)
- Status nach Operation eines fortgeschrittenen Karpaltunnelsyndroms rechts am 12. März 2010 mit
- gutem postoperativem Verlauf
- leichtem Karpaltunnelsyndrom links (Neurographie vom 3. März 2009)
Laut Gutachten klagte die Beschwerdeführerin über Müdigkeit, Schwäche, Schwellungen und Schmerzen, welche vom Nacken in beide Arme und von dort in den Rücken und in die Beine rechts mehr als links ausstrahlen würden (Urk. 6/85 S. 29).
Weiter führte Dr. Y._ aus, die Beschwerdeführerin sei eine kräftige 42-jährige Frau. Aufgrund ihrer Klagen, der Anamnese, der klinischen Untersuchung sowie den Resultaten der bildgebenden und Laborabklärungen könne sie eine adaptierte Tätigkeit zu 100 % ausüben. Sie gebe ausgedehnte Schmerzen an. In der Dolometrie seien sämtliche Tenderpoints wie auch alle Kontrollpunkte pathologisch. Bereits sanfte Berührungen würden von der Beschwerdeführerin als schmerzhaft angegeben. Eine Fibromyalgie bestehe definitionsgemäss nicht, wenn die Mehrheit der Kontrollpunkte pathologisch sei. Die Klagen über Beschwerden vom Kopf bis Fuss seien hauptsächlich im Rahmen der ausgedehnten chronischen Schmerzen zu interpretieren. Die klinischen und bildgebenden Befunde seien gering. Die Beschwerdeführerin zeige eine Handkraft von knapp 19 % der Norm rechts und 21 % links. Diskrepant dazu seien die Gebrauchsspuren an den Fingerkuppen des Daumens und des Zeigfingers beidseits und der normale Handeinsatz beidseits in der Untersuchung. Die Gebrauchsspuren stammten gemäss ihren Angaben von Haushaltarbeiten. Dies sei eine plausible Erklärung. Dies zeige, dass die Beschwerdeführerin derartige Arbeiten oft mache. Die gezeigte geringe Handkraft dürfte einer Selbstlimitierung in der Untersuchungssituation entsprechen. Aus rheumatologischer Sicht gebe es keine Ursache für eine deutlich verminderte Handkraft beidseits. Das Carpaltunnelsyndrom rechts sei erfolgreich operiert worden (Urk. 6/85 S. 38).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin durch ihre eingeschränkte Funktion der Lendenwirbelsäule und durch die chronische venöse Insuffizienz Grad I des rechten Beins limitiert. Ungünstig seien ausschliesslich sitzende oder ausschliesslich stehende Tätigkeiten. Das Belastungsniveau liege im leichten bis mittelschweren Bereich. Die hauptsächlich stehende und nicht wechselbelastende Tätigkeit einer Büglerin könne von der Beschwerdeführerin nicht mehr ausgeübt werden. Bei der Tätigkeit als Näherin sollte sie jede Stunde wenige Minuten lang aufstehen und ein Paar Schritte laufen. Mit dieser Einschränkung könne die Beschwerdeführerin als Näherin zu 100 % arbeiten. Die Tätigkeit einer Reinigerin sei für sie gut geeignet. Sie könne zu 100 % ausgeübt werden. Auch als Küchenhilfe könne die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeiten. Dabei sollte sie keine Lasten über 15 kg heben oder tragen und abwechselnd stehend und sitzend arbeiten. Als Hausfrau sei sie uneingeschränkt arbeitsfähig. In einer adaptierten Tätigkeit gemäss dem obigen Profil sei die Beschwerdeführerin nie langfristig arbeitsunfähig gewesen. Die Tätigkeit einer Büglerin habe sie ab 30. November 2003 nicht mehr ausüben können. Allerdings habe sie diese Arbeit vom 14. November 2007 bis 15. September 2008 verrichtet, was sie jedoch überfordert habe (Urk. 6/85 S. 39 f.).
Zur Attestierung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit seitens des früheren orthopädischen Gutachters Dr. Z._ führte Dr. Y._ aus, diese Einschätzung erscheine ihr als zu restriktiv. Die objektiven Befunde seien damals wie auch heute gering gewesen. Der Orthopäde habe die Auswirkung der von ihm angesprochenen - IV-fremden - psychosozialen Faktoren überbewertet. Abschliessend gab Dr. Y._ an, es sei zu keiner wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes gekommen. Das Karpaltunnelsyndrom rechts habe die Beschwerdeführerin nur vorübergehend in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt jedoch nicht lang andauernd. Sinnvollerweise hätte es die Beschwerdeführerin bald nach der Diagnosestellung im März 2009 operieren lassen und nicht noch ein Jahr lang bis zur Operation am 13. März 2010 zuwarten sollen (Urk. 6/85 S. 41 f.).
5.
5.1 Gegen Dr. Y._s Gutachten vom 26. Juli 2010 wendet die Beschwerde- führerin in erster Linie ein, das Gutachten sei wegen des Abhängigkeitsverhältnisses zur beauftragenden IV-Stelle nicht verwertbar (Urk. 1 S. 4). Diese Einwendung geht ins Leere. So hielt das Bundesgericht in BGE 137 V 210 ausdrücklich fest, dass die wirtschaftliche Abhängigkeit von Begutachtungsstellen zwar zu einer Verbesserung des Zuteilungsmechanismus führen müsse, aber dass deshalb ein Gutachten nicht per se als untaugliche Beweisgrundlage zu qualifizieren sei (E. 3.4.2.7 mit Hinweis auf E. 2.1 bis 2.3).
Weiter ist der gegen Methode (insbesondere die Beilagen von Fotoaufnahmen) und Dauer der Untersuchung erhobenen Rüge (Urk. 1 S. 5) zu entgegnen, dass das ausführliche Gutachten über die Ergebnisse der eingehenden rheumatologischen Untersuchung detailliert Auskunft gibt und hinsichtlich der Beurteilung der Situation aus rheumatologischer Sicht zu überzeugen vermag. Daran ändert der Umstand nichts, dass der medizinische Laie aus den zur Dokumentation beigelegten Fotoaufnahmen keine sicheren Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zu ziehen vermag - was für eine grosse Zahl der den medizinischen Stellungnahmen gewöhnlich beigelegten Testergebnisse und Untersuchungsbilder gilt.
Auch im Übrigen erfüllt Dr. Y._s Gutachten vom 26. Juli 2010 die Anforderungen an eine beweistaugliche beziehungsweise beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage. Es beruht auf den vorliegend nötigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, setzt sich mit diesen auseinander und leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein. Es darf demzufolge insoweit darauf abgestellt werden.
5.2 Im Gegensatz zu den von der Beschwerdegegnerin aus Dr. Y._s Gutachten vom 26. Juli 2010 gezogenen Schlussfolgerungen weisen allerdings weder das Gutachten noch die übrigen aktuellen medizinischen Stellungnahmen auf eine seit 2008 eingetretene gesundheitliche Besserung hin. Vielmehr ergeben sich aus den zahlreichen medizinischen Stellungnahmen hinsichtlich der Rückenbeschwerden weitgehend stabile Verhältnisse, was Dr. Y._ ausdrücklich festgehalten hat (Urk. 6/85 S. 42). Die auf das Karpaltunnelsyndrom zurückzuführenden Einschränkungen wären bei rechtzeitiger Einwilligung der Beschwerdeführerin zu der im chirurgischen Alltag routinemässig durchgeführten Operation von begrenzter Dauer gewesen (Urk. 6/85 S. 42), weshalb entgegen der Meinung und dem entsprechenden Antrag der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 2 und 10) auch nicht von einer sich auf den Rentenanspruch auswirkenden Verschlechterung ausgegangen werden darf.
Die Arbeitsfähigkeitseinschätzung von Dr. Y._ differiert zwar von derjenigen, die der Rentenzusprechung beziehungsweise derjenigen, die dem ersten Revisionsverfahren zugrunde lagen. Dies ist jedoch nicht auf eine gesundheitliche Verbesserung zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine im Verlauf der letzten Jahre stark veränderte versicherungsmedizinische Praxis. Damit lässt sich auch Dr. Y._s Aussage erklären, in adaptierter Tätigkeit habe nie eine langfristig eingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestanden (Urk. 6/85 S. 40).
Demzufolge ist gestützt auf die vorliegenden medizinischen Akten von einem stationären Gesundheitszustand auszugehen. Eine massgebliche Änderung des wirtschaftlichen Sachverhaltes ist nicht ersichtlich und wird seitens der Parteien auch nicht geltend gemacht. Da aber die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG darstellt, erfolgte die Rentenaufhebung durch die IV-Stelle zu Unrecht.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung.
6. Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
7 Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend steht der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung zu; damit erweist sich ihr Antrag auf Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung als gegenstandslos. Die Prozessentschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3 GSVGer).
Vorliegend ist die Prozessentschädigung - ohne Einholung einer Kostennote der Rechtsvertreterin - nach Ermessen festzusetzen, weil der Antrag der Beschwerdeführerin auf Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung bei genauerer Prüfung mangels Erfüllung der in § 16 GSVGer genannten Voraussetzungen ohnehin abzuweisen gewesen wäre. So stünden den geltend gemachten Ausgaben von Fr. 5‘540.-- (inklusive die Rückstellung für die unbelegten Gesundheitskosten [Urk. 14 S. 6] und den gerichtsüblichen Freibetrag von Fr. 500.--), unter Berücksichtigung eines angemessenen Beitrages von Fr. 1‘300.-- des erwerbstätigen und noch im elterlichen Haushalt lebenden Sohnes Einnahmen in Höhe von insgesamt Fr. 7‘996.-- entgegen. Damit wären der Beschwerdeführerin und ihrer Familie pro Monat Fr. 2‘456.-- verblieben, um neben den - offenbar nicht zum Erwerb von Kompetenzstücken aufgenommenen - Privatdarlehen (Urk. 14 S. 2, Urk. 15/2-3) auch die Kosten für die Rechtsvertretung im vorliegenden Beschwerdeverfahren - durch Ratenzahlungen - zu begleichen.
Unter Berücksichtigung, der § 34 Abs. 3 GSVGer genannten Kriterien ist die Prozessentschädigung auf Fr. 2‘400.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.