Decision ID: 33d9c240-e933-45e8-b481-606a5c2b5b0f
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1964 geborene
X._
, Mutter einer im Jahr 1997 geborenen Tochter, war zuletzt seit Juli 1992 als Sachbearbeiterin bei der
Y._
tätig (Urk. 7/12). Am 16. Mai 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen. Mangels Erfüllung des Wartejahres wies die
IV-Stelle mit Verfügung vom 9.
November 2015 das Leistungsbegehren ab (
Urk.
7/21).
1.2
Am 5.
Januar 2016 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/24-25). Di
e IV-Stelle erteilte ihr am 25.
Februar 2016 im Rahmen der Frühintervention Kostengutspr
ache für ein Job Coaching (Urk. 7/37). Am 26.
Februar 2016 teilte die IV-Stelle mit,
keine weitergehenden Leistungen zu gewähren und ihre Unterstützung abzuschliessen (Urk.
7/39). Mit V
erfügung vom 20.
April 2016 (
Urk.
7/45) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
1.3
Die Versicherte meldete sich am 30.
Dezember 2019 unter Hinweis auf eine Rhizarthrose, Daumensattelgelenk, ern
eut zum Leistungsbezug an (Urk.
7/49).
Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und teilte der Ver
sicherten am 2.
April 2020 mit, es seien keine Einglie
derungsmassnahmen möglich (Urk.
7/68). Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/69, Urk.
7/70, Urk.
7/75) wies die
IV-Stelle mit Verfügung vom 24.
Juli 2020
das Leistungsbegehren ab (Urk.
7/77 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
8.
September 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
4.
Juli 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, und es sei ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. Eventuell seien weitere medizinisch
e Abklärungen vorzunehmen (Urk.
1 S.
2). Die IV-Stelle beantragt
e mit Beschwerdeantwort vom 16.
Oktobe
r 2020 (Urk.
6) die Abweisung der
Beschwerde. Mit Replik vom 12. Januar 2021 (Urk.
11) hielt die Beschwerde
führerin an ihren Anträgen fest. Die B
eschwerdegegnerin teilte am 22.
Februar 2021 mit, auf
eine Duplik zu verzichten (Urk.
15), was der Beschwerdeführerin am 2
3.
Februar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
18). Mit Eingabe vom
2.
März 2021 (
Urk.
16) reichte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen ein (
Urk.
17/1-9), welche der Beschwerdegegnerin am 1
9.
März 2021 zur Kenntnis gebracht wurden (Urk. 21).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl.
auch BGE 133 V 108
E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu han
deln. Ändert
sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
riellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Gemäss
Art.
43
Abs.
1 Satz 1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erfor
derlichen Auskünfte ein.
Auch unter der Herrschaft des ATSG fällt es der IV-Stelle zu, nach Eingang der Anmeldung zum Leistungsbezug die Verhältnisse abzuklären (
Art.
57 IVG in Ver
bindung mit
Art.
69 ff. IVV). In Ergänzung und Präzisierung zu
Art.
43 Abs.
1 ATSG hält
Art.
69
Abs.
2 IVV (in der seit
1.
Januar 2003 in Kraft stehenden Fassung in Verbindung mit
Art.
1 und
Art.
57
Abs.
2 IVG) fest, dass die IV-Stelle, wenn die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt sind, die erforderlichen Unterlagen, insbesondere über den Gesundheitszustand, die Tätigkeit, die Arbeits- und Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person sowie die Zweckmässigkeit bestimmter Eingliederungsmassnahmen, beschafft und zu diesem Zwecke Berichte und Auskünfte verlangen, Gutachten einholen, Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen sowie Spezialisten der öffentlichen oder privaten Invalidenhilfe beiziehen kann. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden (BGE 132 V 93 E. 4).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die
geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE
135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben
-
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) damit,
dass zurzeit keine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Die Beschwerdeführerin arbeite trotz Schmerzen weiter als Kassiererin/Betriebsmitarbeiterin. Somit erziele sie auch das gleich
e
Einkommen wie bis anhin. Dieses Einkommen müsse angerech
net werden. Es bestehe somit keine Erwerbseinbusse.
Es bestehe weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 100 % in einer angepassten Tätigkeit (S. 1). Die Qualifika
tion sei nie genauer abgeklärt worden, da
sie
keinen Einfluss auf den Entscheid gehabt habe. Da aktuell keine Arbeitsunfähigkeit bestehe müsse auch gestützt auf das aktuelle Gesuch die Qualifikation nicht genauer überprüft werden (S. 2).
Aus näher dargelegten Gründen sei keine Verschlechterung, die sich auf die Erwerbs
fähigkeit auswirke, ausgewiesen (Urk. 6 S. 2 f.
Rz
2 ff.).
2.2
Demgegenüber vertrat die Beschwerdeführerin den Standpunkt
(
Urk.
1)
,
dass vorab festzustellen sei, dass ihr psychische
r
Gesundheitszustand bereits zum Zeit
punkt des letzten Entscheids der Beschwerdegegnerin vo
m
April 2016 hätte abgeklärt werden müssen. Die psychischen Beschwerden bestünden nach wie vor. Aufgrund des frustranen Therapieverlaufs und der Kosten habe sie vorläufig jedoch die Therapie abgebrochen (S. 4 Rz1). Aufgrund einer neu aufgetretenen Rhizarthrose sei eine Verschlechterung der medizinischen Situation ausgewiesen (S. 5
Rz
3). Auch unter dem Gesichtspunkt der drohenden Invalidität hätte die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt abklären müssen (S. 5
Rz
4).
Sie würde bei guter Gesundheit zwischen 80 % und 100 % arbeiten. Auch in der früheren angestammten Tätigkeit bei der
Y._
habe sie in diesem Pensum gearbeitet. Sie habe damals rund 100 % gearbeitet unter Berücksichtigung der Überstunden. Heute könne sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen nur noch 50 % arbeiten (S. 5
f.
Rz
5).
Heute arbeite sie als Kassierin und im Service, weshalb die Beschwerdegegnerin zwingend die Qualifikation hätte überprüfen und ein
en
Einkommensvergleich machen müssen (S. 6
Rz
6).
D
ie Beschwerde
gegnerin
habe
den Untersuchungsgrundsatz und die Begründungspflicht verletzt (S. 6
Rz
7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin und in diesem Zusammenhang die Frage, ob sich ihre Arbeitsfähigkeit seit Erlass der Verfügung vom
20. April 2016 (Urk. 7/45)
in anspruchsrelevanter Weise verän
dert hat
(vgl. vorstehend E.
1.4).
3.
3.1
Zunächst ist - da formeller Natur (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1, 127 V 431 E. 3d/
aa
) - auf die Rüge der Beschwerdeführerin betreffend Verletzung des rechtlichen Gehörs (vgl.
Urk.
1 S. 6
Rz
8) einzugehen.
3.2
Gemäss
Art.
29
Abs.
2
der Bundesverfassung (
BV
)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.
3
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E.
5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheiden
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Ko
gnition zukommt (BGE 107
Ia
1).
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung
gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst beförderli
chen Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E.
2b, 116 V 182 E. 3c und d).
3.4
Die Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs hat insoweit grundsätzlich ihre Berechtigung, als
die Beschwerdegegnerin in der a
ngefochtene
n
Verfügung
vom 2
4.
Juli 2020 (Urk. 2) nur sehr knapp zu den Einwänden der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 7/75) Stellung nahm (vgl. Urk. 2 S. 2 oben).
Eine schwere, die Heilung des Verfahrensmangels ausschliessende Gehörsver
letzung, welche von Amtes wegen zur Aufhebung der mit dem Verfahrensfehler behafteten Verfügung führen würde (vgl. BGE 124 V 180 E. 4a mit Hinweisen), liegt
allerdings
nicht vor.
Die Beschwerdegegnerin
präzisierte die angefochtene Verfügung im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens
und setzte sich mit den Ein
wänden der Beschwerdeführerin auseinander
(Urk.
6), wozu
diese
in der Folge
in Kenntnis sämtlicher Aktenstücke
Stellung nehmen konnte (Urk. 11
f.
). Es war
ihr
möglich,
ihr
Anliegen sachge
recht vor dem hiesigen Gericht
, welches sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüft,
darzulegen.
Soweit überhaupt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bejaht werden kann, ist sie
somit
als geheilt zu betrachten
.
Von einer Rückweisung aus formellen Grün
den ist deshalb abzusehen.
4
.
4
.1
Im Zeitpunkt der letzten
leistungs
verneinenden
Verfügung
vom
20.
April 2016 (Urk.
7/45)
stellte sich der medizinische Sachverhalt wie folgt dar:
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte mit Bericht vom 23.
Dezember 2015 (Urk.
7/25) folgende Diagnosen mit Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit (S.
1):
-
mittelgradige depressive Episode bei rezidivierender depr
essiver Störung (ICD-10 F33.2)
-
Persönlichkeit mit selbstunsicheren, neurasthenischen und zwanghaften Zügen (ICD-10 F61.0),
D
ifferentialdiagnose (DD) ICD-10 Z73
Aktuell bestehe wieder eine mittelgradige depressive Symptomatik infolge erhöhter psychischer Belastung am Arbeitsplatz.
Eine erneute Krankschreibung sei notwendig geworden, um eine zunehmende Suizidalität zu verhindern
(S. 1)
. A
ls Sachbearbeiterin in der Administration
bestehe eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit seit
1.
Dezember 2015 bis auf weiteres, mindestens
bis Ende Juni 201
6.
In
einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Das Belastungs
profil
wurde wie folgt beschrieben: Ein
wohlwollend
es
Umfeld, ohne psychische und soziale Belastungen mit hohen Anforderungen an die soziale Abgrenzungsfähigkeit, kein Stress durch hektisches Arbeitsklima oder autoritäre Vorgesetzte über längere Zeit, keine Bedienung von gefährlichen Maschinen wegen Konzentrationsstörungen und latenter Suizidalität
. Nach aller klinischen Erfahrung liege ein schwieriger Weg vor der Beschwerdeführerin. Die bisherigen Umstellungsangebote des Arbeitgebers seien nicht erfolgreich gewesen. Es sei fraglich, ob sie die Depression dauerhaft werde überwinden und sich beruflich nach 23 Jahren an einer anderen Stelle werde integrieren können. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sie keine volle Arbeitsfähigkeit wiedererlangen werde. Sie sei auf Unterstützung und wohlwollende Begleitung angewiesen (S. 2).
4.2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ver
trauensarzt
der Pensionskasse
B._
,
nannte mit Bericht vom 1. Februar 2016 (Urk. 7/27) als
Diagnose mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, bei schwerem Arbeitskonflikt (ICD-10 F33.11, ICD-10 Z56), bestehend seit Frühling 201
4.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er akzentuierte Pers
önlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1,
S. 2).
Die Beschwerde
führerin leide seit längerem an einem depressiven Zustandsbild, das sich trotz intensiver ambulanter fa
chärztlicher Behandlung bei Dr.
Z._
sowie der anti
depressiven Dauermedikation im Verlauf nur wenig gebessert habe. Durch den gescheiterten Eingliederungsversuch am neuen Arbeitsplatz sei die Beschwerde
führerin erneut zurückgeworfen worden und habe eine Verschlechterung ihres psychischen Gesundheitszustandes erlebt. Vorläufig sollte via
Invalidenversiche
rung
eine Eingliederung angestrebt werden, allenfalls zuerst im geschützten Rahmen. Sollte sich die Arbeitsunfähigkeit bis dahin fortsetzen, würde allenfalls in vier bis fünf Monaten eine vertrauensärztliche Verlaufsuntersuchung indiziert sein. Zurzeit bestehe für alle Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit sei vorläufig noch nicht absehbar (S.
6 Ziff.
7.1).
4.3
Mi
t Verfügung vom 20. April 2016 (Urk.
7/45) wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren ab.
Zur Begründung führte die Beschwerdegegnerin aus,
die
psychische Beeinträchtigung
der Beschwerdeführerin
sei nachvollziehbar und auch gut begründet. Ihre Einschränkungen basierten im Wesentlichen auf einem Arbeits
platzkonflikt. Zudem seien auch Probleme im privaten Umfeld vorhanden (Betreuung der Mutter, die Erledigung von Haushalt und Erziehung der Tochter). Dies seien Umstände, die von der Invalidenversicherung nicht versichert seien.
5
.
5
.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
24. Juli 2020
(
Urk.
2) lagen im Wesentlichen die folgenden Berichte vor:
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Rheumatologie und f
ür Physikalische Medizin und Rehabilitation, nannte mit B
ericht vom 12. Dezember 2019 (Urk.
7/55/2) als Diagnose eine aktivierte Rhizarthrose rechtsbetont. Die Beschwerden hätten im Laufe des letzten halben Jahres deutlich zugenommen, dies auch im Zusammenhang mit ihrer neuen beruflichen Tätigkeit in der Gastronomie, wo sie viel hantieren müsse.
Ein o
peratives Vorgehen
sei
bespro
chen
worden
.
Zwei Infiltrationen durch einen handchirurgischen Kollegen hätten scheinbar zu keiner Verbesserung geführt. Eine nächtliche Daumenschiene trage die Beschwerdeführerin bereits, auch
seien
mehrere lokale Anwendungen
erfolgt
. Aktuell sei sie auf perorale Antirheumatika angewiesen.
Er habe der Beschwer
deführerin eine Anmeldung bei der Invalidenversicherung empfohlen, vor allem bezüglich berufliche Massnahmen.
5
.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates,
Leitender Arzt Handchirurgie, Klinik für Hand- und Plastische Chirurgie,
Kantonsspital
E._
,
beri
chtete am 16.
Januar 2020 (Urk.
7/55/3-4) über eine gleichentags stattgefundene Sprech
stunde und nannte als Diagnose eine symptomatische Rhizarthrose beidseits, rechts grösser links (Stad
ium III nach Eaton und
Litler
; S. 1).
Aufgrund der vor
liegenden Befunde sowie der bisher gescheiterten konservativen beziehungsweise interventionellen Therapie bestehe die Indikation zu
r
Resektionsarthroplastik
bei
der Daumensattelgelenke. Weitere Therapiealternativen würden eine
Daumen
sattelgelenksarthrodese
oder
aber
ein endoprothetischer Gelenkflächenersatz sein. Die Beschwerdeführerin lehne eine operative Intervention aber vehement ab,
da sie sich eine mehrwöchige beziehungsweise mehrmonatige Ausfallszeit nicht leisten könne. Als Therapiealternative sei eine Röntgenreizbestrahlung erörtert worden (S. 2).
5.3
Oberärztin Stellvertreterin
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für
Allge
meine Innere Medizin
, und Prof.
Dr.
med.
G._
, Facharzt
für
Radio-Onkologie / Strahlentherapie
,
Chefarzt des Instituts für Radio-Onkologie,
E._
,
berichteten am 13.
März 2020 (
Urk.
7/62/6-7)
über eine Zuweisung zur analgeti
sche
n
Radiotherapie des Da
u
mensattelgelenks rechts und nannten als Diagnose eine Rhizarthrose beidseits rechts mehr als links. Da die Beschwerdeführerin einer Operation gegenüber ablehnend eingestellt sei, werde sie zur analgetischen Bestrahlung zugewiesen.
Die Radiotherapie starte am 19.
März 2020 und
ende
voraussichtlich am 1.
April 2020 (S. 1).
5.4
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für
Radiologie
, berichtete
am 16. März 2020 (Urk.
7/61/7-8)
über ein gleichentags durchgeführtes MRT der Lendenwirbelsäule (LWS) und führte aus, es bestünden m
ultisegmentale Facettengelenksarthrosen
, betont in den beiden unteren Segmenten der LWS ohne wesentliche Änderung zur Voruntersuchung vom
1.
April 201
5.
Es liege eine u
nverändert geringe bis mässige,
osteodiskoligamentär
bedingte
rezessale
und foraminale Stenose L4/5
vor
.
Neu zur Voruntersuchung
bestehe eine
Bulging
-Disc beziehungsweise
Diskusprotrusion
L2/3 und L3/4 ohne Wurzelaffektion (S. 1 f.).
5
.5
Dr.
med.
I._
, Hausarzt,
Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, führte mit Bericht vom 23. März 2020 (Urk. 7/61/1-6) aus, die Beschwerde
führerin sei seit 2. März 2020
bei ihm in Behandlung, wo
bei die letzte Kontrolle am 17.
März 2020 stattgefunden habe (Ziff.
1.1 f.). Zum Verlauf der bisher attestierten Arbeitsunfähigkeit hielt er fest,
vom
16. bis 27.
März 2020
habe eine
100%
ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (Ziff.
1.3). Unter Potential für die Ein
gliederung hielt er fest, die bisherige Tätigkeit sei bis zum 1
7.
(März)
voll zumut
bar gewesen (Ziff.
4.1). Eine leidensangepasste Tätigkeit sei im Moment nicht möglich, nach der Therapie solle eine Neubeurteilung erfolgen (Ziff.
4.2).
5.6
Dr.
D._
(vorstehend E. 5.2) führte mit Bericht vom 23.
März 2020
(Urk.
7/62/1-3) aus,
die Beschwerdeführerin habe sich einmal in seiner Hand
sprechstunde befunden (Ziff. 1.2). E
r habe keine Arbeitsunfähigkeit attestiert. Diesbezüglich wären die weiterbehandelnden Kollegen zu befragen (Ziff. 1.3). Z
ur Prognose der Arbeitsfähigkeit könne zum aktuellen Zeitpunkt aus medizinischen Gründen keine Aussage getroffen werden (Ziff.
2.7)
.
5.7
In einem Eintrag im Feststellungsblatt vom
2. April 2020
(Urk.
7/
6
7 S. 4
) wurde unter dem Titel «Stellungnahme
KBE» (= Kundenberater) ausgeführt, e
s bestehe aktuell keine
Arbeitsunfähigkeit (AUF)
.
D
ie
Beschwerdeführerin
arbeite weiterhin, einfach unter Schmerzen
,
als Kassiererin in ihrem Pensum von 50
%
und verdiene somit auch dasselbe wie zuvor, selbst wenn diese Tätigkeit nicht angepasst sei. Es entstehe keine Erwerbseinbusse. Aufgrund fehlendem Wartejahr könne kein Rentenanspruch entstehen. In einer anderen Hilfsarbeitertätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit und somit könne ein rentenausschliessendes Ein
kommen erzielt werden.
In einem Eintrag im
Feststellungsblatt vom
24. Juli 2020
(
Urk. 7/76 S.
2
f.
) wurde unter dem Titel «Stellungnahme KB
E
» ausgeführt,
die Qualifikation sei nie fest
gelegt worden, da es bisher nicht notwendig gewesen sei. Das aktuelle Gesuch werde abgewiesen, da kein iv-relevanter Gesundheitsschaden bestehe, so müsse auch hier aktuell die Qualifikation nicht näher abgeklärt werden. Die Beschwer
deführerin
arbeite nach wie vor in ihrer Tätigkeit, es bestehe keine Arbeitsunfä
higkeit. Es werde davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin in einer optimal angepassten Tätigkeit ein volles Pensum ausüben könne.
5
.
8
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens wurden folgende Berichte eingereicht, welche den Zeitraum vor Erlass der angefochtenen Verfügung
vom
2
4.
Juli 2020 betreffen:
Dr. med.
J._
, Facharzt für Chirurgie und für Handchirurgie, nannte mit Bericht vom 6. November 2017 (Urk. 17/1) als Diagnose eine aktivierte Rhizarthrose rechts. Die Beschwerdeführerin wünsche eine Infiltration, sodass er am 2. November 2017
Depo-Medrol
und Lidocain infiltriert habe. Am 10. November 2017 müsse die Beschwerdeführerin ihre Arbeit in einem Restaurant antreten, wo Fondue und schwere Pfannen transportiert werden müssten. Ob dies mit diesem Daumen möglich sei, sei noch nicht klar. Die Beschwerdeführerin sei auf diese Stelle offenbar stark angewiesen und möchte auf keinen Fall eine Kündigung riskieren.
Dr.
J._
führte mit Bericht vom 2
5.
September 2018 (Urk. 17/2) aus, die Beschwerdeführerin sei nach der Infiltration vom
2.
November 2017 nie ganz beschwerdefrei gewesen, aber die Spritze habe doch eine gewisse Wirkung gezeigt. In letzter Zeit hätten die Schmerzen erneut zugenommen, dies vor allem an der rechten Hand. Die linke Hand sei weitaus weniger betroffen. Bei der Untersuchung habe er vor allem recht ausgeprägte schmerzhafte Krepitationen im Sattelgelenk gefunden. Es bestehe eine leichte Subluxationsstellung des MC I nach radial. Ein operatives Vorgehen oder eine erneute Infiltration wünsche die Beschwerdeführerin vorerst nicht.
Dr.
J._
führte mit Bericht vom 5. November 2018 (Urk. 17/4) aus, aktuell sei die Beschwerdeführerin beim RAV als arbeitslos gemeldet. Ein operatives Vorge
hen könne sie aus diesem Grund nicht planen. Auch Ergotherapie lehne die Beschwerdeführerin ab, da sie den Nutzen nicht sehe.
5.9
Dr.
med.
K._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, Ärztezentrum Dreispitz, nannte mit Bericht vom 23. März 2020 (Urk. 17/6) als Diagnosen eine
Iliosakralgelenk
(ISG) Reizung beidseits und eine Facettenreizung L3-S1 beidseits. Er führte aus, auf
grund der chronischen starken Schmerzen sei die Infiltration der Iliosakralgelenke sowie der medialen Äste der Facetten L3-S1 geplant (S. 1).
5.
10
Nach Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung vom
2
4.
Juli 2020
ergingen weitere Arztberichte.
Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen Verhältnisse zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens massgebend. Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind jedoch insoweit zu berück
sichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beein
flussen (BGE 121 V 362 E. 1b; 99 V 98).
Diese Voraussetzungen sind hinsichtlich der im Rahmen des Beschwerde
ver
fah
rens eingereichten Berichte erfüllt, weshalb dies
e vorliegend berücksichtigt wer
den können.
Dr.
I._
führte mit Bericht vom 16.
Oktober 2020 (Urk.
12/1) aus, m
it
der
Einschätzung der
Beschwerdegegnerin
, wonach
die
Beschwerdeführerin als Kassierin zu 100
% arbeitsfähig sei, sei er nicht einverstanden. So stünden der Wirbelsäulenbefund und das MRT einer 100%ige
n Arbeitsfähigkeit entgegen (S. 1 Ziff. 4
). Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei frag
lich, allenfalls betrage sie 70
%. Unter angepasste Tätigkeit führte er aus, diese müsse
wechsel
seitig sein und
körperliche
Schonung
und
Bewegung sollte
n
möglich sein
(S. 2 Ziff. 5)
. Eine drohende Invalidität sei nicht vorhanden und weitere Abklärungen seien nicht angezeigt (S. 2
Ziff. 6
).
5.11
Dr.
med.
L._
, Praktische Ä
rztin
,
führte mit Bericht vom
9.
November 2020 (Urk.
12/2)
aus,
mit der Einschätzung der Beschwerdegegnerin, wonach die Beschwerdeführerin als Kassierin zu 100
% arbeitsfähig sei, sei
sie
nicht einverstanden
. Die Beschwerdeführerin leide unter einem chronisch schmerzenden Daumengelenk rechts trotz Therapie, sie habe Schmerzen beim Trinken, Essen, Schlucken wegen nicht therapierbarer Pharyngitis/Laryngitis und sei psychisch instabil (S. 1 Ziff. 4). Unter
angepasste Tätigkeit
führte sie aus,
keine Computerarbeit (Tastatur) wegen Daumengelenk recht
s
, kein psychischer Druck (Stress, Arbeiten unter Zeitdruck, entspanntes T
e
am), Teilzeit, um Erholung und Entspannung zu generieren (
S. 2
Ziff.
5). Drohende Invalidität sei vorhanden,
ein
Burnout und
ein
psychischer Zusammenbruch
seien
wahrscheinlich
(S. 2 Ziff. 6)
. Es seien weitere Abklärungen, insbesondere eine psychosomatische und Burn-Out-Abklärung
,
notwendig
(S. 2 Ziff. 7)
.
6.
6.1
Bei der Anspruchsprüfung durch die Beschwerdegegnerin im
April 2016 stand der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Zentrum.
So diagnostizierten die
behandelnde Psychiaterin
Dr.
Z._
und der Vertrauensarzt
Dr.
A._
jeweils eine
mittelgradige depressive Episode bei rezidivierender depressiver Störung
sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge (vorstehend E. 4.1 f.).
Die Beschwerdegegnerin
verneinte
dazumal
einen Leistungsanspruch mit Verweis auf psychosoziale
Faktoren
(vorstehend E. 4.3).
6.2
Ein Vergleich des Gesundheitszustandes im Jahr 20
16
mit demjenigen im Jahr
20
20
zeigt
, dass
nun somatische Beschwerden im Vordergrund s
tehen
. So wurde
eine Rhizarthrose beidseits, rechts mehr als links, diagnostiziert (vorstehend E. 5.1 ff.).
Zudem wurden
multisegmentale Facettengelenksarthrosen, betont in den bei
den unteren Segmenten der LWS
, diagnostiziert, wobei diese offenbar schon 2015
, allenfalls in mässiggradiger Ausprägung,
bestanden
haben
(vorstehend E. 5.4)
.
In einem Bericht vo
m
März 2020, welcher erst im Beschwerdeverfahren eingereicht worden ist, wurde
n
a
ls Diagnosen eine Iliosakralgelenk (ISG) Reizung beidseits und eine
Facettenreizung L3-S1 beidseits genannt
(vorstehend E. 5.
9
)
.
Ein
aktueller
Bericht einer psychiatrischen Fachperson liegt nicht bei den Akten (vgl. vorstehend E. 5).
6.3
Zu den
Auswirkungen
der Rhizarthrose
und der Rückenbeschwerden
auf die Arbeitsfähigkeit
nahm
weder der
behandelnde
Facharzt
Dr.
C._
(
vorstehend
5.1)
noch der
behandelnde
Facharzt
Dr.
D._
(vorstehend E. 5.2)
Stellung.
Letzterer
hat die Beschwerdeführerin nur einmalig in einer Sprechstunde unter
sucht
(vgl. vorstehend E. 5.6)
und a
ufgrund der vorliegenden Befunde sowie der bisher gescheiterten konservativen beziehungsweise interventionellen Therapie die Indikation zu
r
Resektionsarthropla
stik
beider Daumensattelgelenke bejaht. Da die Beschwerdeführerin eine operative Intervention aber vehement abgelehnt habe,
habe
er als Therapiealternative
eine Röntgenreizbestrahlung
erörtert (vgl.
vorstehend E. 5.2)
. Über das Ergebnis dieser
Alternativtherapie
lässt sich den Akten nichts entnehmen. Es ist einzig ersichtlich, dass eine
analgetische Radio
therapie des Da
u
mensattelgelenks rechts
vom 1
9.
März 2020 bis voraussichtlich am
1.
April 2020 geplant war (vorstehend E. 5.3).
Der Hausarzt
der Beschwerdeführerin,
Dr.
I._
,
erachtet
e
im März 2020 eine leidensangepasste Tätigkeit nicht als möglich und
hielt
eine Neubeurteilung
nach der Therapie
für
sinnvoll
(vorstehend E. 5.
5
).
Im Oktober 2020 hielt er
die Annahme der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin sei i
n einer angepass
ten Tätigkeit
vollständig arbeitsfähig,
für nicht korrekt,
und
begründet
e
dies mit dem Wirbelsäulenbefund und einem MRT
und damit
eher mit den Rücken- als mit den Daumenproblemen.
Er äusserte die Vermutung, d
ie Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit betrage allenfalls 70
%
(vorstehend E. 5.
10
)
.
Die Frauenärztin der Beschwerdeführerin
,
Dr.
L._
,
hielt die Annahme der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin sei in einer angepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig, ebenfalls für nicht korrekt, äusserte sich aber nicht zum möglichen Pensum in einer angepass
ten Tätigkeit (vorstehend E. 5.11
).
6.4
Nach dem Gesagten liegt
keine fachärztliche Beurteilung
eines behandelnden Arztes
zu
den
Auswirkungen der Rhizarthrose
und den Rückenbeschwerden
auf die Arbeitsfähigkeit bei den Akten.
Insgesamt geht a
us den Berichten
aber hervor, dass die Ausprägung der Beschwerden derart schwer ist, dass weitere Abklärungen angezeigt gewesen wären. So
hätten
die
Beschwerden
bezüglich der Rhizarthrose
deutlich zugenommen, dies auch im Zusammenhang mit
der
neuen beruflich
en Tätigkeit in der Gastronomie (vorstehend E. 5.1
, E. 5.8
).
Es wurde
auch
eine
Resektionsarthroplastik
beider Daumensattelgelenke
als indiziert erachtet (vorstehend E. 5.2).
Hinzu kamen Rückenbeschwerden, welche offenbar immerhin so stark waren, dass eine Infiltration gep
lant war (vgl. vorstehend E. 5.9
).
Die Beschwerdegegnerin hat die Akten nicht ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt, was unve
rständlich
ist
. Es ist Aufgabe des RAD, nicht der Sach
bearbeitung, die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen (vorstehend E. 1.
6
), was insbeson
dere darin begründet ist, dass - wie hier - vorab medizinische Fragen und die dazu ergangenen fachlichen Stellungnahmen zu würdigen und gegebenenfalls weiterführende Abklärungen zu veranlassen sind.
Zudem geht aus den Akten hervor, dass die Beschwerdeführerin der Tätigkeit in der Gastronomie kaum längerfristig gewachsen ist und diese Tätigkeit eher nicht einer optimal angepass
ten Tätigkeit entspricht. Ein Belastungsprofil wäre durch den RAD festzulegen gewesen.
Dementsprechend
findet
die Begründung in der angefochtenen Verfügung, wonach
in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe, in den medizinischen Akten keine Stütze.
6.
5
Abklärungen zum psychischen Gesundheitszustand hat die Beschwerdegegnerin hingegen zu Recht n
icht getätigt. So stand dieser
nicht im Vordergrund der Neu
anmeldung
,
und
es
wurde weder im Revisionsverfahren noch im Rechtsmittelver
fahren ein Bericht einer behandelnden psychiatrischen Fachperson eingereicht.
6.6
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine seit Erlass der Verfügung vom
20. April 2016 (
Urk.
7/45)
eingetretene Verschlechterung anhand der vorhande
nen medizinischen Akten weder bestätigt noch ausgeschlossen werden kann. Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
6.
7
Was die
erwerbliche Situation
anbelangt, hat die Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung
den Status der Beschwerdeführerin nicht festgelegt und
keinen Einkommensvergleich vorgenommen.
In der Beschwerdeantwort (Urk. 6) qualifizierte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin sinngemäss als zu 60 % Erwerbstätige (vgl. S. 2
Rz
3). Zu diesem Pensum war sie nach Lage der Akten vor Eintritt des Gesundheitsschadens bei der
Y._
tätig (vgl.
Urk. 7/12 Ziff. 2.9, Urk. 7/1/1), auch nach
März 2015 (vgl. Urk. 7/12/10, U
rk. 7/18).
Die neue Stelle als Betriebsmitarbeiterin übt sie in einem Pensum von 50 % aus (Urk. 7/49/6). Wenn die Beschwerdeführerin
unter Hinweis auf den Arbeitgeberfragebogen vom
2.
Juli 2015 (Urk. 7/12)
geltend macht, sie habe ab
4.
März 2015 ein Pensum von 80 % ausgeübt (vgl. Urk. 11 S. 3)
,
trifft dies
eher
nicht zu. Dazumal erhielt die Beschwerdeführerin Krankentaggelder. Auch aus der entsprechenden Verfügung des Arbeitgebers betreffend Lohnfortzahlung geht hervor, dass der Beschäftigungsgrad 60 % betrug (vgl. Urk. 7/12/11).
Vieles weist somit darauf hin, dass d
ie beschwerdegegnerische Qualifikation eines 60%igen Erwerbspensums
nachvollziehbar ist
.
Diese Frage muss indes vorliegend nicht abschliessend beurteilt werden und ist weiteren diesbezüglichen Abklärungen seitens der Beschwerdegegnerin zugänglich.
7.
7.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
7.2
Der IV-Stelle obliegt die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz richtig und vollständig abzuklären (vgl. BGE 136 V 376 E. 4.1.1
, vorstehend E. 1.5
). Aus dem Gesagten erhellt, dass die Beschwerde
gegnerin mit ihrem Vorgehen dieser ihr obliegenden Abklärungspflicht nicht aus
reichend nachgekommen ist.
Die angefochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin, insbesondere eine allfällige Veränderung zur Situation
2016 und die Auswirkungen des Gesundheitszustandes auf eine ange
passte Arbeit,
als auch den erwerbli
chen Sachverhalt
in geeigneter Weise abkläre und über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu entscheide.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
8.
8.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die R
ückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). D
ie Verfahrenskosten gemäss Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen un
d ausgangsgemäss der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
8.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Mit Honorarnote vom
8.
März 2021 (Urk. 20
) machte die Rechtsvertreterin de
r
Beschwerdeführer
in
einen Aufwand von total
12
Stunden und 2
0
Minuten sowie Barauslagen von
Fr.
81.40
geltend. Dies erscheint unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
gerade noch
als angemessen, weshalb die Entschädigung unter Berück
sichtigung des massgebenden Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehr
wertsteuer)
wie beantragt auf insgesamt Fr. 3'009.95
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzulegen ist
.