Decision ID: c6d32f96-1795-4152-b6cf-d4892553072e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt (Zusammenfassung):
1.a) Am 23. Dezember 1997 schlossen die Ehegatten A. und B. sowie deren drei
Söhne C. (Kläger), D. (Beklagter 1) und E. (Beklagter 2) einen Erb- und
Erbverzichtsvertrag. Darin erklärten der Kläger und die Beklagten, beim Tode des einen
Elternteils i.S.v. Art. 495 ZGB zugunsten des überlebenden Elternteils auf ihr
gesetzliches Erbrecht zu verzichten. Weiter hielten die Vertragsparteien in Ziffer 2 des
Vertrags Vereinbarungen zur Teilung des Nachlasses des zweitversterbenden
Elternteils fest. Dabei wurde namentlich geregelt, dass das Grundstück Nr. X. an der
L.-strasse in Z. dem Beklagten 2 zuzuweisen sei, wobei als Anrechnungswert der um
10% aufzuwertende amtliche Verkehrswert zum Zeitpunkt des Todes des
zweitversterbenden Elternteils abzüglich allfälliger Grundpfandschulden gelte und den
übrigen Söhnen zudem ein (befristetes) Gewinnanteils- und Vorkaufsrecht einzuräumen
sei (lit. c). Betreffend das Grundstück Nr. Y. am M.-platz in Z. wurde die Übertragung
an die drei Nachkommen zu je 1/3 Miteigentum zu dem am Todestag des
zweitversterbenden Elternteils massgebenden amtlichen Verkehrswert vorgesehen
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(lit. d). Sodann enthält der Erb- und Erbverzichtsvertrag unter Ziffer 2 lit. e und f die
folgenden Bestimmungen:
e) Die Teilungsvereinbarungen gemäss vorstehenden lit. b-d erfolgen unter dem
ausdrücklichen Vorbehalt, dass der überlebende Ehegatte nicht letztwillig eine
abweichende Teilungsvorschrift bezüglich seines Nachlasses erlässt. Die Erblasser
sind ausserdem befugt, zu ihren Lebzeiten frei und in Abweichung von den
Bestimmungen dieses Erbvertrages über ihr Eigentum zu verfügen.
f) Das verbleibende Nachlassvermögen steht den Nachkommen von [A.] und [B.] zu
gleichen Teilen zu. Die Kinder sind ausserdem von jedwelcher Ausgleichungspflicht
nach Art. 626 Abs. 2 ZGB befreit.
b) Nachdem A. verstorben war, schloss B. am 28. November 2003 mit dem
Beklagten 2 einen "Abtretungsvertrag mit Erbvorbezug" betreffend das Grundstück
Nr. X. Es wurde vereinbart, der Anrechnungswert des Grundstücks betrage
Fr. 360'000.00 und werde im Umfang von Fr. 144'000.00 durch Anrechnung des
kapitalisierten Wertes eines B. neu eingeräumten Wohnrechts sowie im Umfang von
Fr. 216'000.00 durch Anrechnung als Erbvorbezug mit Ausgleichungspflicht bei einer
späteren Erbteilung getilgt, wobei nur dieser Betrag von Fr. 216'000.00 im Rahmen der
Erbteilung gegenüber den Miterben auszugleichen sei. Mit "Kaufvertrag mit
Erbvorbezug" vom 4. März 2005 übertrug B. alsdann die Liegenschaft Nr. Y. zu je
hälftigem Miteigentum an die beiden Beklagten. Der Kaufpreis in Höhe von
Fr. 974'000.00 wurde gemäss vertraglicher Vereinbarung durch Übernahme der
bestehenden Grundpfandschulden von Fr. 200'000.00, durch Anrechnung des
kapitalisierten Wertes eines zugunsten von B. neu begründeten Nutzniessungsrechts
von Fr. 493'000.00 sowie durch Anrechnung als Erbvorbezug der Beklagten zu
gleichen Teilen mit Ausgleichungspflicht bei einer späteren Erbteilung im Betrag von
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Fr. 281'000.00 beglichen. Ferner wurde wiederum ausdrücklich festgehalten, es sei nur
jener Betrag von Fr. 281'000.00 gegenüber den Miterben auszugleichen.
c) Am 22. März 2005 liess B. eine öffentliche letztwillige Verfügung errichten, in welcher
sie nach einleitendem Hinweis auf die Bestimmungen des Erb- und
Erbverzichtsvertrags vom 23. Dezember 1997 hinsichtlich des Abtretungsvertrags vom
28. November 2003 bzw. des Kaufvertrags vom 4. März 2005 festhielt, sie habe "Im
Sinne von Ziffer 2 lit. e des Erbvertrages [...] mit Rücksicht auf meine Gesundheit und
im Sinne des Familienfriedens über mein Grundeigentum" verfügt. Nach ihrem Ableben
hätten daher "meine Söhne [D.] und [E.] die ihnen gewährten Erbvorbezüge zur
Ausgleichung zu bringen, [D.] im Betrag von Fr. 140'500.-- und [E.] im Betrag von
insgesamt Fr. 356'500.--". Sie bestätigte sodann "Im Sinne von Ziffer 2 lit. f des
Erbvertrages", dass ihr verbleibendes Nachlassvermögen den Nachkommen je zu
gleichen Teilen zustehen solle und ausserdem ihre Söhne, abgesehen von den im
Zusammenhang mit den Grundstücksübertragungen "gemäss vorstehender Ziffer 2"
gewährten Erbvorbezügen, "von jedwelcher weiteren Ausgleichungspflicht nach
Art. 626 Abs. 2 ZGB befreit" seien.
d) Am 26. Juni 2013 verstarb B. (nachfolgend: Erblasserin) in Z.

Aus den Erwägungen:
III.2. Die Vorinstanz prüfte aufgrund der klägerischen Vorbringen zunächst, ob die
Erblasserin erbvertragswidrige und damit i.S.v. Art. 494 Abs. 3 ZGB der Anfechtung
unterliegende Anordnungen getroffen habe. Sie kam dabei zum Ergebnis, der Erb- und
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Erbverzichtsvertrag sei nicht verletzt worden, da die Erblasserin insbesondere aufgrund
von Ziff. 2 lit. e desselben zu Lebzeiten berechtigt gewesen sei, frei über ihr Vermögen
zu verfügen, ohne ihre Söhne gleichbehandeln oder sich an die Bestimmungen gemäss
Vertragsziffer 2 lit. a-d halten zu müssen. Folglich habe die Erblasserin die beiden
Grundstücke Nr. X. und Nr. Y. rechtmässig an die Beklagten übertragen und sei auch
zur Bezahlung der Unterhaltskosten für das Grundstück Nr. X. in den Jahren 2004 und
2005 berechtigt gewesen.
a) Die Grundlagen der erbvertraglichen Bindung und der Anfechtungsklage nach
Art. 494 Abs. 3 ZGB wurden von der Vorinstanz zutreffend dargestellt; es kann vorab
auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden. Insbesondere ist es dem
Erblasser trotz Abschlusses eines Erbvertrags – da dieser als Verfügung von Todes
wegen seine Wirkungen grundsätzlich erst mit dem Ableben des Erblassers entfaltet –
möglich, zu Lebzeiten frei über sein Vermögen zu verfügen (Art. 494 Abs. 2 ZGB). Im
Grundsatz kann somit der Erblasser Nachlassgegenstände veräussern, verbrauchen
oder auch verkommen lassen; es trifft ihn keine Vermögensbewahrungspflicht (BGE 70
II 255 E. 2; Wolf/ Hrubesch-Millauer, Grundriss des schweizerischen Erbrechts, 2017,
N 877; PraxKomm Erbrecht-Grundmann, 3. Aufl., Art. 494 N 10 f.; Wolf/Genna,
Erbrecht, SPR IV/1, S. 377; BSK ZGB II-Breitschmid, 5. Aufl., Art. 494 N 3).
Verfügungen von Todes wegen oder Schenkungen, die mit den Verpflichtungen des
Erblassers aus dem Erbvertrag nicht vereinbar sind, unterliegen jedoch der Anfechtung
(Art. 494 Abs. 3 ZGB). Dabei fallen nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
Schenkungen grundsätzlich unter die gemäss Art. 494 Abs. 2 ZGB lebzeitig weiterhin
bestehende Verfügungsfreiheit des Erblassers, sie sind mithin nicht generell
erbvertragswidrig. Gemäss Bundesgericht sind Schenkungen im Prinzip mit dem
Erbvertrag vereinbar, soweit dieser nicht implizit oder explizit das Gegenteil vorsieht.
Fehlt es an einer Abrede, wonach sich der Erblasser verpflichtet, keine Schenkungen
auszurichten, kann Art. 494 Abs. 3 ZGB allerdings dennoch zur Anwendung gelangen,
wenn der Erblasser mit seinen Schenkungen offensichtlich beabsichtigt, seine
Verpflichtungen aus dem Erbvertrag auszuhöhlen, was einem Rechtsmissbrauch
gleichkommt, oder den Erbvertragspartner zu schädigen (BGE 140 III 193 E. 2; BGE 70
II 255 E. 2; BGer 5C.71/2001 E. 3; Wolf/ Genna, Erbrecht, SPR IV/1, S. 380 f.; BSK ZGB
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II-Breitschmid, Art. 494 N 11; Brückner/Weibel, Die erbrechtlichen Klagen, N 99e; Wolf/
Hrubesch-Millauer, a.a.O., N 891; PraxKomm Erbrecht-Grundmann, Art. 494 N 22; a.M.
und für ein grundsätzliches Schenkungsverbot [mit Ausnahme gewöhnlicher
Gelegenheitsgeschenke] bei positivem Erbvertrag namentlich Hrubesch-Millauer, Die
(Un )Vereinbarkeit von Schenkungen mit einem positiven Erbvertrag – eine
methodische Betrachtung, successio 2008, S. 205 ff.; Dies., Die Vereinbarkeit von
Schenkungen mit einem abgeschlossenen Erbvertrag, successio 2015, S. 55 ff.).
b) Strittig ist zunächst die Auslegung des Erb- und Erbverzichtsvertrags vom 23. De
zember 1997 bezüglich des darin unter Ziffer 2 lit. e (2. Satz) enthaltenen Vorbehalts,
welcher wie folgt lautet:
"Die Erblasser sind ausserdem befugt, zu ihren Lebzeiten frei und in Abweichung von
den Bestimmungen dieses Erbvertrages über ihr Eigentum zu verfügen."
aa) Die Vorinstanz erwog dazu im Wesentlichen, die nach dem Vertrauensprinzip
auszulegende Klausel räume den Eltern der Parteien nach ihrem klaren Wortlaut die
Befugnis ein, frei und in Abweichung von den Bestimmungen des Erb- und
Erbverzichtsvertrags über ihr Eigentum zu verfügen. Dass diese freie
Verfügungsbefugnis nicht nur im Hinblick auf die vereinbarten Teilungsvorschriften
gegolten habe, sondern "umfassender Natur" gewesen sei, ergebe sich insbesondere
aus dem Wort "ausserdem", das die Befugnis zum Erlass abweichender
Teilungsvorschriften mit der Befugnis, zu Lebzeiten frei und in Abweichung von den
erbvertraglichen Bestimmungen über sein Eigentum verfügen zu können, verbinde. Die
freie Verfügungsbefugnis in Ziffer 2 lit. e habe sich weder auf eine bestimmte
Personengruppe beschränkt noch sei diese an die Bedingung einer Gleichbehandlung
der Söhne geknüpft gewesen; im Gegenteil sei eine Gleichbehandlung der Söhne im
Erb- und Erbverzichtsvertrag gerade nicht ausdrücklich bzw. nur betreffend das
verbleibende Nachlassvermögen statuiert worden, wobei aber darauf verzichtet worden
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sei, die Eltern der Parteien zum Erhalt bestimmter Vermögenswerte zu verpflichten,
was namentlich auch für die beiden zur Diskussion stehenden Grundstücke gelte.
Selbst wenn man aus den Bestimmungen von Ziffer 2 lit. a-d des Erb- und
Erbverzichtsvertrags ein (stillschweigendes) Gleichbehandlungsgebot der Söhne
herleitete, wäre eine ungleiche Behandlung durch lebzeitige Vermögensverschiebungen
zulässig gewesen, da die nachfolgende Ziffer 2 lit. e ausdrücklich die freie
Verfügungsbefugnis "in Abweichung von den Bestimmungen dieses Erbvertrages"
festhalte. In Anbetracht des klaren Wortlauts hätten demzufolge die Söhne, mithin auch
der Kläger, damit rechnen müssen, dass der überlebende Ehegatte sein dannzumal
bestehendes Vermögen unter Einbezug des Nachlasses des erstversterbenden
Elternteils völlig frei verwenden und veräussern und dadurch – unter Vorbehalt des
Pflichtteilsschutzes – insbesondere auch den einen oder anderen Sohn habe
bevorzugen können.
bb) Im Berufungsverfahren wirft der Kläger der Vorinstanz vor, den Erb- und
Erbverzichtsvertrag nicht richtig ausgelegt zu haben. Entgegen ihrer Meinung lasse sich
der Vertrag nur so interpretieren, dass es zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses der
ausdrückliche Wille aller Vertragsparteien, insbesondere der beiden Eltern, gewesen
sei, dass er, der Kläger, im Nachlass des überlebenden Elternteils wertmässig gleich
viel erhalte wie die beiden Beklagten. Der Vertrag manifestiere den klaren Willen aller
Vertragsparteien, dass die Parteien als Nachkommen im Nachlass des
zweitversterbenden Elternteils gleich zu behandeln seien. Bei ihrer Auslegung von
Ziffer 2 lit. e des Erb- und Erbverzichtsvertrags übersehe die Vorinstanz, dass sich der
Vorbehalt zunächst nur auf abweichende Teilungsvorschriften beziehe. Im zweiten Satz
von Ziffer 2 lit. e werde sodann nichts anderes wiederholt, als schon gesetzlich in
Art. 494 Abs. 2 ZGB verankert sei. Richtig sei, dass die Erblasserin keine
Vermögensbewahrungspflicht getroffen habe, nicht jedoch, dass sie "völlig frei"
gewesen sei, die Beklagten zu seinen (klägerischen) Lasten zu bevorzugen. Er, der
Kläger, habe damit rechnen dürfen, dass die Erblasserin dereinst nicht ihr gesamtes
Vermögen den Beklagten schenke, um ihn zu schädigen. Vielmehr habe er gestützt auf
den Erb- und Erbverzichtsvertrag berechtigterweise darauf vertrauen können, dass die
Erblasserin ihre lebzeitige Verfügungsfreiheit nicht dazu missbrauchen würde, ihm sein
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Erbe soweit als möglich zu entziehen. Die lebzeitigen und letztwilligen Verfügungen der
Erblasserin stünden Sinn und Zweck des Erbvertrags diametral entgegen.
cc) Wie bereits die Vorinstanz zutreffend festhielt, gelten die obligationenrechtlichen
Regeln der Vertragsauslegung nach der Rechtsprechung auch für Erbverträge. Zur
Auslegung eines Vertrags ist in erster Linie auf den übereinstimmenden wirklichen
Willen der Parteien im Zeitpunkt des Vertragsschlusses abzustellen (empirische oder
subjektive Vertragsauslegung gemäss Art. 18 Abs. 1 OR). Wenn allerdings – wie hier –
eine tatsächliche Willensübereinstimmung unbewiesen bleibt, sind zur Ermittlung des
mutmasslichen Parteiwillens die Erklärungen der Parteien auf Grund des
Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang
sowie nach den gesamten Umständen verstanden werden durften und mussten
(objektivierte Auslegung). Dabei hat der Wortlaut Vorrang vor weiteren
Auslegungsmitteln, es sei denn, er erweise sich auf Grund anderer
Vertragsbedingungen, des von den Parteien verfolgten Zwecks oder weiterer
Umstände als nur scheinbar klar. Den wahren Sinn einer Vertragsklausel erschliesst
zudem erst der Gesamtzusammenhang, in dem sie steht. Die Begleitumstände des
Vertragsabschlusses oder die Interessenlage der Parteien in jenem Zeitpunkt dürfen
ergänzend berücksichtigt werden (BGE 133 III 406 E. 2.2; BGer 5A_84/2017 E. 3.1;
PraxKomm Erbrecht-Zeiter/Schröder, Vorbem. zu Art. 467 ff. N 9 ff. m.w.H.).
dd) Die fragliche Erbvertragsklausel räumt nach ihrem Wortlaut den Erblassern, d.h. A.
und B., ausdrücklich die Befugnis ein, zu ihren Lebzeiten frei über ihr Eigentum zu
verfügen und dabei auch von den erbvertraglichen Bestimmungen abzuweichen. Mit
dem Begriff "frei" und insbesondere der Ergänzung "in Abweichung von den
Bestimmungen dieses Erbvertrages" wird mithin betont, dass der lebzeitigen
Verfügungsfreiheit der Eltern der Parteien bzw. des überlebenden Elternteils ein hoher
Stellenwert zukommt. Aus der zusammenhängenden Betrachtung mit dem 1. Satz von
Ziffer 2 lit. e des Erb- und Erbverzichtsvertrags, welcher einen – inhaltlich im Grundsatz
unumstrittenen – Vorbehalt betreffend letztwillig vom überlebenden Ehegatten verfügte
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und von den erbvertraglichen Teilungsvereinbarungen gemäss Ziffer 2 lit. b d
abweichende Teilungsvorschriften enthält, erschliesst sich zudem, dass diese
Verfügungsfreiheit zu Lebzeiten der Erblasser sich nicht in der Anordnung
abweichender Teilungsvorschriften erschöpft, sondern in einem umfassenden Sinn zu
verstehen ist. Zu diesem Schluss führt nicht zuletzt auch das Wort "ausserdem",
welches die beiden Klauseln innerhalb von Ziffer 2 lit. e zueinander in Beziehung setzt
und seiner Bedeutung dem gewöhnlichen Sprachgebrauch nach auf zusätzliche bzw.
weitergehende Befugnisse hinweist. Sodann wird in Vertragsziffer 2 lit. e nicht
vorgesehen, dass der freien Verfügungsbefugnis des überlebenden Elternteils in
bestimmter Hinsicht, etwa bezüglich der Ausrichtung von Schenkungen an die drei
Nachkommen, spezifische Grenzen gesetzt sind. Insbesondere wird in der
Vertragsbestimmung kein explizites Schenkungsverbot oder eine Bewahrungspflicht
bezüglich gewisser Vermögenswerte – namentlich der beiden Liegenschaften –
festgehalten. Aus objektivierter Sicht erlaubt der 2. Satz in Ziffer 2 lit. e dem
überlebenden Elternteil demzufolge, zu Lebzeiten frei und ohne Bindung an die
erbvertraglichen Vorgaben in Ziffer 2 lit. b-d über sein dannzumaliges Vermögen
(einschliesslich des Nachlasses des zuerst verstorbenen Ehegatten) zu verfügen und
dieses zu verbrauchen oder – unter Vorbehalt des Pflichtteilsschutzes der
Nachkommen – auch Dritten oder einzelnen Söhnen zuzuwenden. Dass die
Verfügungsfreiheit des überlebenden Elternteils dabei insofern durch ein
Gleichbehandlungsgebot bedingt ist, als dessen lebzeitige Verfügungen zu keiner
betragsmässig ungleichen Beteiligung der drei Söhne am – den Nachlass des
erstversterbenden Ehegatten mitumfassenden – dereinstigen Vermögen des
zweitversterbenden Ehegatten führen darf, lässt sich Ziffer 2 lit. e dagegen nicht
entnehmen. Auch im Zusammenhang mit den übrigen Bestimmungen des Erb- und
Erbverzichtsvertrags ergibt sich keine Verpflichtung der Erblasser, ihre Nachkommen in
der vom Kläger geltend gemachten Art und Weise gleich zu behandeln: Was die in
Ziffer 2 lit. f 1. Satz statuierte gleiche Beteiligung der Nachkommen betrifft, so bezieht
sich diese ausdrücklich auf das verbleibende Nachlassvermögen. Der Wortlaut dieser
Bestimmung sowie deren systematische Stellung im Erb- und Erbverzichtsvertrag –
hinter dem Vorbehalt in Ziffer 2 lit. e am Ende von Ziffer 2 – sprechen klar dafür, dass
eine Gleichbehandlung der Nachkommen nur in dem Sinn gilt, dass das beim Tod des
zweitversterbenden Elternteils – der zu Lebzeiten eine freie Verfügungsbefugnis hat –
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noch vorhandene Vermögen gleichmässig zu verteilen ist. Hingegen kann daraus nach
Treu und Glauben nicht abgeleitet werden, dass es den Erblassern verwehrt bleiben
sollte, durch lebzeitige Verfügungen ihre Nachkommen oder Dritte zu begünstigen und
dadurch allenfalls auch eine Ungleichbehandlung der Söhne zu bewirken. Mithin
vermittelt auch diese Klausel dem Kläger keinen Anspruch darauf, vom Vermögen des
überlebenden Ehegatten wertmässig gleich viel zu erhalten wie seine Brüder. Sofern
der Kläger sodann aus den Teilungsvorschriften in Ziffer 2 lit. b-d des Erb- und
Erbverzichtsvertrags ein (implizites) Gleichbehandlungsgebot der Söhne ableitet, ist
ihm mit der Vorinstanz entgegenzuhalten, dass es dem überlebenden Elternteil diesfalls
gleichwohl zugestanden hätte, zu Lebzeiten in Abweichung vom Erbvertrag – und
damit auch von einer (implizit) darin vorgesehenen Gleichbehandlung der Nachkommen
– zu verfügen. Darüber hinaus zeigt sich auch an der vereinbarten Befreiung der
Nachkommen von der Ausgleichungspflicht nach Art. 626 Abs. 2 ZGB, durch welche
vom Grundsatz der Gleichbehandlung der gesetzlichen Erben abgewichen wird (s.
PraxKomm Erbrecht-Burckhardt Bertossa, Vorbem. zu Art. 626 ff. N 8; Brückner/
Weibel, a.a.O., N 142), dass aufgrund der Bestimmungen des Erb- und
Erbverzichtsvertrags mit der Zulässigkeit einer gewissen Ungleichbehandlung der
Söhne gerechnet werden musste.
ee) Durch Auslegung der erbvertraglichen Bestimmungen lässt sich nach dem
Gesagten weder ein explizites noch ein implizites Schenkungsverbot herleiten. Im
Lichte der vorstehend dargestellten bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist deshalb
davon auszugehen, dass die lebzeitigen Zuwendungen der Erblasserin dem Grundsatz
nach im Einklang mit dem Erb- und Erbverzichtsvertrag stehen (BGE 140 III 193 E. 2;
vgl. lit. a hiervor). Soweit der Kläger sodann vorbringt, die lebzeitigen Verfügungen der
Erblasserin seien bewusst darauf ausgerichtet gewesen, ihm sein Erbe zu entziehen
bzw. ihn zu schädigen, scheint er andeuten zu wollen, die Schenkungen seien im Sinne
der Rechtsprechung rechtsmissbräuchlich bzw. in nachweisbarer Schädigungsabsicht
erfolgt. Diesbezüglich ist dem Kläger allerdings entgegenzuhalten, dass er gemeinsam
mit den übrigen Erbvertragsparteien in Ziffer 2 lit. e des Erb- und Erbverzichtsvertrags
dem überlebenden Elternteil ausdrücklich die Befugnis erteilte, zu Lebzeiten von den
erbvertraglichen Bestimmungen – worunter namentlich diejenigen in Ziffer 2 lit. b-d
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fallen – abweichende Verfügungen zu treffen. So wie der Erbvertrag angelegt war,
mussten die Vertragsparteien mithin damit rechnen, dass der eine Elternteil – Mutter
oder Vater – nach dem Tod des andern durch lebzeitige Verfügungen allenfalls in die
erbvertraglich vorgesehene Regelung eingreifen würde. Wenn dem zweitversterbenden
Elternteil aber eine solche umfassende Verfügungsfreiheit zugesprochen wird, kann es
nicht als erbvertragswidrig erachtet werden, wenn die Erblasserin von dieser freien
Verfügungsbefugnis in dem Sinne Gebrauch machte, dass sie zu Lebzeiten
unentgeltliche Zuwendungen an die beiden Beklagten tätigte und diesen namentlich
die beiden Grundstücke übertrug. Entgegen der Auffassung des Klägers konnte er –
wie auch seine zwei Brüder – sich daher nicht darauf verlassen, dass sich die Teilung
des Nachlasses des zweitversterbenden Elternteils dereinst nach Ziffer 2 lit. a-d des
Erb- und Erbverzichtsvertrags vollzöge und alle drei Nachkommen vom überlebenden
Elternteil wertmässig den gleichen Betrag erhielten, zumal auch das vom Kläger
behauptete Prinzip der Gleichbehandlung aller Nachkommen in den erbvertraglichen
Bestimmungen keine Stütze findet. Vielmehr war dem Erb- und Erbverzichtsvertrag
angesichts der Bestimmung in Ziffer 2 lit. e immanent, dass die Nachkommen von
allfälligen lebzeitigen Schenkungen des überlebenden Ehegatten an Dritte, aber auch
an einzelne Söhne, ausgehen mussten. Dass der Kläger nicht auch im Nachlass des
zweitversterbenden Elternteils den Verzicht auf sein Erbe erklärt hat, vermag daran
nichts zu ändern.
[...]
c) Der Kläger stellt sich weiter auf den Standpunkt, der Ausgleichungsdispens in
Ziffer 5 der letztwilligen Verfügung vom 22. März 2005 verletze insofern den Erb- und
Erbverzichtsvertrag, als sich der in Ziffer 2 lit. f des Letzteren vereinbarte
Ausgleichungsdispens lediglich auf vergangene, d.h. vor dem 23. Dezember 1997
erfolgte, nicht aber auf künftige, d.h. nach Abschluss des Erbvertrags ausgerichtete
Zuwendungen beziehe.
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aa) In Ziffer 2 lit. f des Erb- und Erbverzichtsvertrags vom 23. Dezember 1997 wird
Folgendes bestimmt:
"Das verbleibende Nachlassvermögen steht den Nachkommen von [A.] und [B.] zu
gleichen Teilen zu. Die Kinder sind ausserdem von jedwelcher Ausgleichungspflicht
nach Art. 626 Abs. 2 ZGB befreit."
In Ziffer 5 ihrer letztwilligen Verfügung vom 22. März 2005 sodann hielt die Erblasserin
fest:
"Im Sinne von Ziffer 2 lit. f des Erbvertrages bestätige ich, dass mein verbleibendes
Nachlassvermögen den Nachkommen zu je gleichen Teilen zustehen soll. Ausserdem
sind meine Söhne, von den Erbvorbezügen gemäss vorstehender Ziffer 2 abgesehen,
von jedwelcher weiteren Ausgleichungspflicht nach Art. 626 Abs. 2 ZGB befreit."
bb) Entgegen der Auffassung des Klägers vermag zunächst der Umstand, dass die
Erblasserin im Abtretungsvertrag vom 28. November 2003 bzw. dem Kaufvertrag vom
4. März 2005 mit den Beklagten eine Ausgleichungspflicht vereinbarte und sie später in
ihrer letztwilligen Verfügung ausdrücklich darauf hinwies, einen tatsächlichen Konsens,
lediglich die bei Abschluss des Erb- und Erbverzichtsvertrags bereits erfolgten
Zuwendungen in Ziffer 2 lit. f von der Ausgleichung auszunehmen, nicht zu beweisen.
Denn wären die Erbvertragsparteien tatsächlich übereinstimmend davon ausgegangen,
dass künftige Zuwendungen nicht von der Ausgleichungspflicht befreit sein sollten,
hätte es diesfalls aufgrund der Vermutung in Art. 626 Abs. 2 ZGB bei den späteren
Grundstücksübertragungen grundsätzlich keiner entsprechenden Vereinbarung
zwischen der Erblasserin und den Beklagten mehr bedurft. Insofern können die im
Zusammenhang mit den Grundstückübertragungen erfolgten Vereinbarungen zur
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Ausgleichung mindestens gleichermassen auch so gedeutet werden, dass der
Ausgleichungsdispens in Ziffer 2 lit. f des Erb- und Erbverzichtsvertrags tatsächlich
umfassend verstanden wurde. Da der wirkliche Wille der Vertragsparteien vor diesem
Hintergrund nicht festgestellt werden kann, hat die Auslegung des Erb- und
Erbverzichtsvertrags wiederum nach dem Vertrauensprinzip zu erfolgen. Dabei ist vom
Wortlaut der Bestimmung auszugehen, welcher insbesondere aufgrund des Begriffs
"jedwelcher" deutlich für eine umfassende, d.h. sowohl bisherige als auch künftige
Zuwendungen einschliessende, pauschale Befreiung von der Ausgleichungspflicht
spricht. Andernfalls, d.h. sofern der Ausgleichungsdispens nur für die bei Abschluss
des Erbvertrags bereits erfolgten Zuwendungen vereinbart werden wollte, wäre ein
entsprechender ausdrücklicher Vorbehalt im Vertragstext umso mehr zu erwarten
gewesen, als die vergangenen Zuwendungen grundsätzlich bekannt gewesen sein
dürften und damit auch hätten konkret aufgeführt werden können. Aufgrund der
gewählten, sowohl in zeitlicher als auch quantitativer Hinsicht offenen Formulierung
darf und muss der Ausgleichungsdispens indessen nach dem Vertrauensprinzip so
verstanden werden, dass sämtliche der Ausgleichung nach Art. 626 Abs. 2 ZGB
unterliegende Zuwendungen ohne zeitliche Beschränkung erfasst sein sollten. Derselbe
Schluss ergibt sich auch aufgrund der systematischen Stellung der fraglichen Klausel,
zumal sich die vorstehenden Ziffer 2 lit. e sowie Ziffer 2 lit. f (1. Satz) auf die nach
Ableben des einen Elternteils – und damit nach Abschluss des Erb- und
Erbverzichtsvertrags – erfolgten lebzeitigen Verfügungen des überlebenden Elternteils
beziehen, worunter auch (grundsätzlich) der Ausgleichung nach Art. 626 Abs. 2 ZGB
unterliegende Zuwendungen an die Söhne zu zählen sind.
cc) Dem Kläger ist im Übrigen zwar insofern beizupflichten, als nach Lehre und Praxis
ein vertraglich zwischen Erblasser und empfangendem Erben vereinbarter
Ausgleichungsdispens für Ersteren bindend ist und nicht durch spätere einseitige
Anordnung widerrufen werden kann (vgl. PraxKomm Erbrecht-Burckhardt Bertossa,
Art. 626 N 76; Wolf, Erbrecht, SPR IV/2, S. 355 ff.; je mit Hinweisen auf BGE 118 II 282
und BGer 5C.202/ 2006). Vorliegend wurde die Ausgleichungspflicht im Zusammenhang
mit den Grundstücksübertragungen indessen nicht von der Erblasserin (letztwillig)
einseitig angeordnet, sondern bereits in den jeweiligen Verträgen vom 28. November
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2003 bzw. vom 4. März 2005 ausdrücklich mit den Beklagten vereinbart, worauf in der
letztwilligen Verfügung vom 22. März 2005 lediglich erneut hingewiesen wurde. Mithin
stimmten die Beklagten als Ausgleichungsschuldner dem nachträglichen (teilweisen)
Widerruf der im Erb- und Erbverzichtsvertrag festgehaltenen Befreiung von der
Ausgleichungspflicht im Zuwendungsgeschäft vertraglich zu. Angesichts dessen, dass
diese spätere Ausgleichungsanordnung im Interesse des – ebenfalls als Vertragspartei
am Erb- und Erbverzichtsvertrag beteiligten – Klägers liegt, ist ohne weiteres von deren
Zulässigkeit auszugehen. Ob die Erblasserin – wie von den Beklagten vorgebracht wird
– aufgrund ihrer Befugnis gemäss Ziffer 2 lit. e, zu Lebzeiten frei und abweichend von
Bestimmungen des Erb- und Erbverzichtsvertrags über ihr Eigentum zu verfügen, auch
frei war, von der erbvertraglich geregelten Befreiung von der Ausgleichungspflicht für
lebzeitige Zuwendungen abzuweichen, kann demnach offenbleiben.
dd) Nach dem Gesagten bezieht sich der Ausgleichungsdispens in Ziffer 2 lit. f des
Erb- und Erbverzichtsvertrag vom 23. Dezember 1997 auf sämtliche, d.h. auch nach
Vertragsabschluss erfolgte Zuwendungen der Erblasser an einzelne ihrer Söhne.
Ziffer 5 der letztwilligen Verfügung vom 22. März 2005 enthält somit keine über die
erbvertraglichen Vereinbarungen hinausgehende Befreiung von der
Ausgleichungspflicht, sondern deckt sich inhaltlich mit dem bereits in Ziffer 2 lit. f des
Erb- und Erbverzichtsvertrags vom 23. Dezember 1997 festgehaltenen
Ausgleichungsdispens und ist demzufolge nicht erbvertragswidrig.
d) Als Zwischenergebnis ist demnach festzuhalten, dass die von der Erblasserin zu
Lebzeiten vorgenommenen Schenkungen an die Beklagten sowie die letztwillige
Verfügung vom 22. März 2005 mit dem Erb- und Erbverzichtsvertrag vom
23. Dezember 1997 kompatibel und daher nicht i.S.v. Art. 494 Abs. 3 ZGB anfechtbar
sind.
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4. Nachdem der Kläger auch im Berufungsverfahren mit seinem gestützt auf die
Anfechtungsklage gemäss Art. 494 Abs. 3 ZGB gestellten Hauptbegehren nicht
durchdringt, ist nachfolgend im Sinne des klägerischen Eventualantrages zu prüfen, ob
bzw. inwieweit lebzeitige Zuwendungen der Erblasserin an die Beklagten den
Pflichtteilsanspruch des Klägers verletzen und somit herabzusetzen sind.
a/aa) Grundlage für die Ermittlung des Werts der Pflichtteile und damit der verfügbaren
Quote im konkreten Einzelfall ist die sog. Pflichtteilsberechnungsmasse, deren
Zusammensetzung in Art. 474 ff. ZGB geregelt wird. Die Pflichtteilsberechnungsmasse
ist eine fiktive, rein rechnerische Grösse, die – wie im vorliegenden Fall – nicht dem im
Zeitpunkt des Todes des Erblassers vorhandenen Nachlassvermögen entsprechen
muss und auch nicht notwendigerweise mit der Teilungsmasse (bzw. in der Diktion der
Vorinstanz: dem Nettonachlass) identisch ist. Für die Bestimmung der
Pflichtteilsberechnungsmasse ist vom Wert der Nachlassaktiven zum Todeszeitpunkt
des Erblassers auszugehen (Art. 474 Abs. 1 ZGB). Davon sind die Nachlasspassiven,
d.h. die Erbschafts- und Erbgangsschulden, in Abzug zu bringen (Art. 474 Abs. 2 ZGB).
Hinzuzurechnen sind sodann die lebzeitigen Zuwendungen, welche der Ausgleichung
unterliegen oder welche der Herabsetzungsklage unterstellt sind (Art. 475 i.V.m.
Art. 527 ZGB) sowie bestimmte – hier nicht relevante – Versicherungsansprüche
(Art. 476 ZGB). Die Hinzurechnung gemäss Art. 475 ist zwingend und erfolgt
unabhängig vom Willen des Erblassers (BSK ZGB II-Staehelin, Art. 474 N 4 und
Art. 475 N 1; Wolf/ Genna, Erbrecht, SPR IV/1, S. 453 ff.; PraxKomm Erbrecht-Nertz,
Art. 474 N 4 und Art. 475 N 2 f.; Wolf/Hrubesch-Millauer, a.a.O., N 1033 ff.;
Breitschmid/Eitel/ Fankhauser/ Geiser/ Jungo, Erbrecht, 2016, S. 41 ff.; Tuor/ Schnyder/
Jungo, Das Schweizerische Zivilgesetzbuch, 14. Aufl., S. 826 ff.).
bb) Hat der Erblasser seine Verfügungsbefugnis überschritten, so können die Erben,
die nicht dem Werte nach ihren Pflichtteil erhalten, die Herabsetzung der Verfügung auf
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das erlaubte Mass verlangen (Art. 522 Abs. 1 ZGB). Gemäss Art. 527 Ziff. 1 ZGB
unterliegen der Herabsetzung wie die Verfügungen von Todes wegen die
Zuwendungen auf Anrechnung an den Erbteil, als Heiratsgut, Ausstattung oder
Vermögensabtretung, wenn sie nicht der Ausgleichung unterworfen sind. Von dieser
Bestimmung erfasst sind mithin (ganz oder teilweise) unentgeltliche Zuwendungen an
einen gesetzlichen Erben, welche der Existenzbegründung, -sicherung oder -
verbesserung beim Empfänger dienen (sog. Ausstattungscharakter, der im Falle von
Grundstückszuwendungen mit erheblichem Wert von der Rechtsprechung
grundsätzlich bejaht wird [BGE 131 III 49 E. 4.1.2; BGer 5A_338/ 2010 E. 9.1 m.w.H.]),
sofern sie der Ausgleichung entgehen. Dies ist zunächst dann der Fall, wenn der
Zuwendungsempfänger nicht Erbe geworden ist, weil er die Erbschaft ausschlägt,
erbunwürdig oder enterbt ist, vorverstirbt oder auf die Erbschaft verzichtet und er bei
der Erbschaft nicht gemäss Art. 627 ZGB vertreten ist. Darüber hinaus sind nach
herrschender Lehre und Rechtsprechung insbesondere auch diejenigen Zuwendungen
i.S.v. Art. 527 Ziff. 1 ZGB herabsetzbar, die ihrer Natur nach der Ausgleichung gemäss
Art. 626 Abs. 2 ZGB unterstünden, dieser jedoch durch eine gegenteilige Verfügung
(Ausgleichungsdispens) des Erblassers entzogen wurden (sog. objektive Theorie;
BGE 126 III 171 E. 3; BGE 116 II 667 E. 2 = Pra 80 [1991] Nr. 159; BGer 5A_587/2010
E. 2; PraxKomm Erbrecht-Hrubesch-Millauer, Art. 527 N 10 ff.; Wolf/Genna, Erbrecht,
SPR IV/1, S. 476 f.; BSK ZGB II-Forni/ Piatti, Art. 527 N 4; Tuor/ Schnyder/Jungo, a.a.O.,
S. 831 f. je auch mit Hinweisen auf die Vertreter der restriktiveren subjektiven Theorie,
vgl. dazu etwa Piotet, SPR IV/1, S. 449 ff. und Eitel, Die erbrechtliche Berücksichtigung
lebzeitiger Zuwendungen im Spannungsfeld zwischen Ausgleichung und
Herabsetzung, in: ZBJV 142/2006, S. 457 ff., S. 470 f.). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung setzt die Herabsetzbarkeit in objektiver Hinsicht voraus, dass eine
(ganz oder teilweise) unentgeltliche Zuwendung vorliegt, und in subjektiver Hinsicht,
dass der Erblasser einen Zuwendungswillen (animus donandi) hat. Eine der
Herabsetzung unterliegende Zuwendung i.S.v. Art. 527 Ziff. 1 ZGB liegt demnach nur
vor, wenn das Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung im Zeitpunkt des
Vertragsabschlusses vom Erblasser tatsächlich erkannt worden ist, mithin muss dem
Erblasser die (teilweise) unentgeltliche Zuwendung bewusst bzw. diese von ihm
beabsichtigt sein. Die blosse Erkennbarkeit des Missverhältnisses zwischen Leistung
und Gegenleistung genügt gemäss Bundesgericht nicht zur Annahme eines
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Schenkungswillens (BGer 5A_404/2018 [zur Publikation vorgesehen] E. 3 mit Hinweis
auf BGE 126 III 171 E. 3a und E. 3b/cc; BGE 98 II 352 E. 3b; s. auch Wolf/Genna,
Erbrecht, SPR IV/1, S. 478 ff.). Ob und inwieweit eine Zuwendung als unentgeltlich zu
qualifizieren ist, beurteilt sich aufgrund der Verhältnisse im Zeitpunkt ihrer Vornahme
(BGE 120 II 417 E. 3a m.w.H.). Für die Höhe des herabsetzungspflichtigen Betrags ist
hingegen der Verkehrswert der Zuwendung im Zeitpunkt des Todes des Erblassers
massgebend (BGE 110 II 228 E. 7b; PraxKomm Erbrecht-Hrubesch-Millauer, Art. 527
N 8; Tuor/ Schnyder/Jungo, a.a.O, S. 835; Wolf/ Genna, Erbrecht, SPR IV/1, S. 480).
[...]
c) Bereits vor Vorinstanz war grundsätzlich unumstritten, dass die Übertragungen der
beiden Liegenschaften Nr. X. und Nr. Y. an die Beklagten zumindest teilweise
unentgeltlich erfolgten und diese lebzeitigen Zuwendungen bei der
Pflichtteilsberechnung zu berücksichtigen sind, da sie jedenfalls aufgrund
erblasserischer Anordnung der (teilweisen) Ausgleichung unterworfen sind und darüber
hinaus – sollte die von der Erblasserin ziffernmässig festgesetzte Ausgleichungspflicht
unter dem Verkehrswert liegen und damit einen teilweisen Ausgleichungsdispens
beinhalten – nach Art. 527 Ziff. 1 ZGB der Herabsetzung unterliegen. Abgesehen davon
ist die Festsetzung der herabsetzungspflichtigen bzw. in die
Pflichtteilsberechnungsmasse einzubeziehenden Beträge für die unter dem Titel
Liegenschaftsübertragungen erfolgten Zuwendungen im Einzelnen jedoch streitig
geblieben. Darauf ist im Folgenden einzugehen.
[...]
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bb) Die Parteien sind sich im Weiteren darüber uneinig, ob die Einräumung eines
Nutzniessungs- oder Wohnrechts durch den Erwerber eines Grundstücks an den
Veräusserer desselben eine entgeltliche Leistung darstellt oder nicht. Die Vorinstanz
kam zum Schluss, es sei trotz der nicht grundsätzlich von der Hand zu weisenden
gegenläufigen Argumente in der (vor allem jüngeren) Lehre mit der geltenden
(zivilrechtlichen) Rechtsprechung des Bundesgerichts von einer gemischten
Schenkung auszugehen, wenn bei einer Übertragung eines Grundstückes dem
Veräusserer vom Übernehmer ein Wohn- oder Nutzniessungsrecht eingeräumt werde.
Dementsprechend brachte sie bei der Berechnung der herabsetzbaren Beträge für die
teils unentgeltlichen Zuwendungen der Grundstücke Nr. X. und Nr. Y. die sog.
Quotenmethode zur Anwendung, wonach sich die massgebenden Beträge auf
Fr. 258'000.00 (Grundstück Nr. X.) bzw. Fr. 285'616.00 (Grundstück Nr. Y.) beliefen.
Der Kläger hält in seiner Berufung dafür, dass der neueren Lehrmeinung der Vorzug zu
geben sei und entsprechend die Zuwendung der Grundstücke als reine Schenkungen
der Erblasserin an die Beklagten zu qualifizieren und deren Wert per Todestag der
Erblasserin im vollen Umfang der Herabsetzung zu unterstellen sei. Die
Quotenmethode gelange nicht zur Anwendung.
aaa) Im (öffentlich beurkundeten) Abtretungsvertrag vom 28. November 2003
betreffend das Grundstück Nr. X. räumte der Beklagte 2 der (späteren) Erblasserin das
lebenslängliche und unentgeltliche Wohnrecht ein, dessen kapitalisierter Wert
vertraglich auf Fr. 144'000.00 festgesetzt wurde. Weiter wurde vereinbart, dass der
Beklagte 2 Fr. 216'000.00, d.h. den Differenzbetrag zum gesamten
"Anrechnungswert" (Übernahmewert) des Grundstücks von Fr. 360'000.00, als
Erbvorbezug bei einer späteren Erbteilung auszugleichen habe. Für das im
"Kaufvertrag mit Erbvorbezug" vom 4. März 2005 von den beiden Beklagten
eingeräumte lebenslängliche Nutzniessungsrecht der Erblasserin am Grundstück Nr. Y.
wurde sodann ein Kapitalwert von Fr. 493'000.00 bestimmt. Dieser Wert wurde zur
Begleichung des Kaufpreises von Fr. 974'000.00 angerechnet, ebenso wie die
Übernahme der bestehenden Grundpfandschulden in Höhe von Fr. 200'000.00 und der
als ausgleichungspflichtig erklärte Erbvorbezug zu gleichen Teilen von total
Fr. 281'000.00.
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bbb) Gemäss der (zivilrechtlichen) Rechtsprechung des Bundesgerichts werden
Liegenschaftsabtretungen mit Nutzniessungsvorbehalt zugunsten des Veräusserers als
gemischte Schenkungen qualifiziert, wobei der kapitalisierte Wert der Nutzniessung als
Gegenleistung des Erwerbers betrachtet wird. Dies geht insbesondere aus dem
Entscheid BGE 120 II 417 hervor, in dem es um die Herabsetzung in einem Fall ging, in
welchem die Erblasserin mittels Abtretungsvertrags einem Nachkommen eine
Liegenschaft übertragen hatte, wobei sie sich die lebenslängliche unentgeltliche
Nutzniessung vorbehielt und ferner einen (unter Berücksichtigung der Nutzniessung im
Erbgang dereinst zur Ausgleichung zu bringenden) Anrechnungswert festlegte. Nach
der Auffassung des Bundesgerichts lag dabei "im Umfang der von der Erblasserin
vorbehaltenen lebenslänglichen und unentgeltlichen Nutzniessung" ein Entgelt für die
Übernahme der Liegenschaft vor, während die Zuwendung im Umfang des als
ausgleichungspflichtig deklarierten Betrags unentgeltlich gewesen sei (BGE 120 II 417
E. 3b und 4a). Zuvor hatte das Bundesgericht bereits in früheren Entscheiden den
kapitalisierten Wert der vom Schenker vorbehaltenen Nutzniessung bzw. ein
vorbehaltenes Wohnrecht als Gegenleistung des Begünstigten betrachtet (vgl. BGE
116 II 667 E. 3.b/cc = Pra 80 [1991] Nr. 159; BGE 54 II 93, S. 97; anders noch BGE 50 II
450 E. 4; s. auch BGE 84 II 338 E. 3 f.). Auf diese Rechtsprechung wurde zuletzt in
einem unlängst ergangenen Entscheid vom Bundesgericht verwiesen (BGer
5A_404/2018 [zur Publikation vorgesehen] E. 4.2. m.w.H.). In einem weiteren Entscheid
aus dem Jahr 2010 hielt das Bundesgericht fest, die Übertragung einer mit einem
Wohnrecht oder mit einer Nutzniessung belasteten Liegenschaft stelle einen
besonderen Fall der gemischten Schenkung ("un cas particulier de donation mixte") dar
(BGer 5A_338/2010 E. 9.1.2 und E. 13).
ccc/aaaa) Die vorgenannte Rechtsprechung des Bundesgerichts ist in den
vergangenen Jahren zunehmend auf Kritik aus der Lehre gestossen. Seit dem Erlass
des Entscheids BGE 120 II 417 hat insbesondere Eitel wiederholt die Ansicht vertreten,
dass Liegenschaftsabtretungen mit Nutzniessungs- bzw. Wohnrechtsvorbehalt als
reine Schenkungen zu qualifizieren seien, da der Beschenkte bei solchen
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Rechtsgeschäften keinerlei Gegenleistung erbringe (Eitel, Erbrechtliche Tragweite einer
Liegenschaftsabtretung mit Nutzniessungsvorbehalt, in: recht 1996, S. 34 ff.; Eitel,
Lebzeitige Zuwendungen, Ausgleichung und Herabsetzung – eine Auslegeordnung, in:
ZBJV 134/1998, S. 729 ff., S. 741 f.; Eitel, Eine Grundstückschenkung mit
Nutzniessungsvorbehalt [Ausgleichung und Herabsetzung], successio 2013, S. 68 ff.;
BK-Eitel, Art. 626 ZGB N 115; je mit weiteren Hinweisen). Inzwischen haben sich –
besonders in jüngerer Zeit – verschiedene weitere Autoren ebenfalls dafür
ausgesprochen, dass entgegen der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bei
Grundstücksübertragungen mit vorbehaltenem Nutzniessungs- bzw. Wohnrecht eine
reine Schenkung anzunehmen sei (Zoller, Schenkungen und Vorempfänge als
herabsetzungspflichtige Zuwendungen, unter besonderer Berücksichtigung des
Umgehungstatbestands, Diss. Zürich 1998, S. 110; Wolf/Genna, Erbrecht, SPR IV/1, S.
347; BK-Weimar, Art. 475 ZGB N 30; Rumo-Jungo, Nutzniessung in der Erbteilung,
successio 2011, S. 5 ff., S. 15 f.; Bianchi, Rapport et réduction d'une donation avec
réserve d'un usufruit ou d'un droit d'habitation, not@lex 2011, S. 85 ff., S. 90 f.; Sticher,
Erbrechtliche Aspekte der vorbehaltenen Nutzniessung bei
Liegenschaftsübertagungen, in: SJZ 109/2013, S. 437 ff.; PraxKomm Erbrecht-
Burckhardt Bertossa, Art. 626 N 41; PraxKomm Erbrecht-Nertz, Art. 475 N 22; Horat,
Grundstückschenkungen mit Nutzniessungs- oder Wohnrechtsvorbehalt, Diss. Luzern
2018, insb. S. 139 ff., S. 343 ff. mit weiteren Hinweisen). Ein Teil der Lehre ist dagegen
der gleichen Auffassung wie das Bundesgericht und betrachtet (allerdings meist ohne
eingehende Begründung) Liegenschaftsabtretungen, bei denen sich der Erblasser das
Nutzniessungs- oder Wohnrecht vorbehalten hat, als gemischte Schenkungen
(Steinauer, Le droit des successions, N 180a; BSK ZGB II-Staehelin, Art. 475 N 8; BSK
ZGB II-Forni/Piatti, Art. 626 N 9; Moser, Die erbrechtliche Ausgleichung gemischter
Schenkungen, Diss. Bern 1973, 2. Aufl., S. 2 f.; Benn, Rechtsgeschäftliche Gestaltung
der erbrechtlichen Ausgleichung, Diss. Zürich 2000, S. 26 f.; Rosenthaler, Abtretung
von Liegenschaften unter Nutzniessungsvorbehalt, in: Anwaltsrevue 2016, S. 410 ff.). In
Anbetracht dessen, dass das Bundesgericht in den vorerwähnten Entscheiden jeweils
nicht näher begründet hat, weshalb das vorbehaltene Nutzniessungs- bzw. Wohnrecht
als Gegenleistung des Erben zu qualifizieren sei, und sich auch mit den gegenteiligen
Lehrmeinungen bisher noch nicht vertieft auseinandergesetzt hat, ist eine Prüfung
dieser Rechtsprechung im vorliegenden Fall angezeigt.
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bbbb) Hinsichtlich der Frage nach dem Vorliegen einer Gegenleistung fällt zunächst in
Betracht, dass bei Liegenschaftsabtretungen unter Nutzniessungs- oder
Wohnrechtsvorbehalt – im Unterschied zu "normalen" Fällen der gemischten
Schenkung – der Empfänger dem Veräusserer zwar noch einen Teil der aus dem
Eigentum am übertragenen Grundstück fliessenden Rechte überlässt, sein eigenes
Vermögen (vor Abtretung) dadurch indessen nicht vermindert wird. Erfolgten die
Übertragung des Grundstückeigentums an den (künftigen) Erben und die Errichtung
der Nutzniessung bzw. des Wohnrechts zugunsten der (späteren) Erblasserin – wie hier
– in einer einzigen öffentlichen Urkunde, fragt sich mit Blick auf die Rechtsnatur des
gesamten Rechtsgeschäfts sodann, ob davon auszugehen ist, dass der Erbe das noch
unbelastete Grundstück erwirbt und daraufhin im Sinne einer (teilweisen)
Gegenleistung die Dienstbarkeit errichtet oder ob das bereits nutzniessungs- bzw.
wohnrechtsbelastete Grundstück auf ihn übergeht (und somit die Erbringung einer
entsprechenden Gegenleistung ausser Frage steht). Diesbezüglich ist mit der Lehre
festzuhalten, dass erstere Vorstellung, wonach zunächst das Grundstück ohne
Dienstbarkeit übereignet werde, woraufhin der Erbe dem Erblasser das Nutzniessungs-
oder Wohnrecht im Sinne einer Gegenleistung "zurücküberträgt", praxisfremd ist.
Vielmehr werden (auch) nach der Vorstellung und dem Willen der Parteien nicht alle
Rechte am Grundstück übertragen, sondern der Erblasser behält sich gewisse
(Nutzungs )Rechte zurück (vgl. Rumo-Jungo, a.a.O., S. 16; Eitel, Erbrechtliche
Tragweite einer Liegenschaftsabtretung mit Nutzniessungsvorbehalt, recht 1996, S. 40;
Horat, a.a.O., S. 175 ff., nach dessen Auffassung das vorbehaltene Nutzniessungs-
oder Wohnrecht [eine logische Sekunde] vor der Eigentumsübertragung als
Eigentümerdienstbarkeit errichtet und das Grundstück demnach bereits mit der
dinglichen Belastung übertragen wird). Eigentumsübertragung und
Dienstbarkeitserrichtung bedingen sich – jedenfalls aus Sicht der Parteien –
gegenseitig und sind untrennbar miteinander verbunden; das vorbehaltene
Nutzniessungs- bzw. Wohnrecht soll nicht in den Verfügungsbereich des Erwerbers
gelangen. Entsprechend kann dieses nicht als Gegenleistung des Empfängers
betrachtet werden. Weiter ist zu bedenken, dass der Erblasser – gemäss herrschender
Lehre – auch die Möglichkeit hätte, vorgängig zur Liegenschaftsabtretung zu seinen
Gunsten eine Nutzniessung oder ein Wohnrecht als Eigentümerdienstbarkeit zu
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errichten und das Grundstück erst anschliessend zu übertragen. Diesfalls erscheint
klar, dass bereits belastetes Eigentum am Grundstück übertragen wird und das schon
bestehende Nutzniessungs- bzw. Wohnrecht nicht als Gegenleistung des Beschenkten
angesehen werden kann (vgl. Bianchi, a.a.O., S. 91; Horat, a.a.O., S. 163 f.). Es ist nun
aber nicht einzusehen, weshalb in der einen Konstellation (Errichtung einer
Eigentümerdienstbarkeit und anschliessende Übertragung) keine Gegenleistung
anzunehmen wäre und in der anderen (Dienstbarkeitserrichtung und Abtretung in ein
und derselben Urkunde) doch, wenn beide zum Ergebnis haben, dass der Erbe nacktes
bzw. belastetes Grundstückeigentum erhält, während dem Erblasser das
Nutzniessungs- oder Wohnrecht bleibt. Darüber hinaus wurde – worauf bereits die Vor
instanz hingewiesen hat – in der steuerrechtlichen Rechtsprechung des
Bundesgerichts (wo dieselbe Frage aus der Perspektive des Veräusserers zu beurteilen
ist) konstant von der Unentgeltlichkeit des dem Veräusserer vorbehaltenen
Nutzniessungs- bzw. Wohnrechts ausgegangen (BGer 2A.415/1998 E. 3c/bb; BGer 2A.
73/2004 E. 3; s. auch Horat, a.a.O., S. 153 f. mit weiteren Hinweisen auf die
Rechtsprechung).
cccc) Aus den genannten Gründen ist deshalb in Übereinstimmung mit der Mehrheit
der (jüngeren) Lehre davon auszugehen, dass in der Bestellung einer Nutzniessung
oder eines Wohnrechts an der vom Erblasser zu Lebzeiten an den Erben übertragenen
Liegenschaft keine Gegenleistung des Erben erblickt werden kann. Die Nutzniessung
bzw. das Wohnrecht wurde von Anfang an vorbehalten und minderte den Wert des
Grundstücks von Beginn an. Ein allenfalls abweichender Wortlaut in der dem
Rechtsgeschäft zugrundeliegenden öffentlichen Urkunde vermag daran grundsätzlich
nichts zu ändern (vgl. Art. 18 Abs. 1 OR; Horat, a.a.O., S. 178 ff.).
Liegenschaftsabtretungen unter gleichzeitiger Einräumung einer Nutzniessung oder
eines Wohnrechts an den Erblasser sind demnach – sofern der Erbe nicht anderweitig,
z.B. durch Übernahme der Grundpfandschuld, eine Leistung an den Erblasser erbringt
– in objektiver Hinsicht als (ganz) unentgeltliche Zuwendungen zu betrachten. Insofern
kann der – nicht näher begründeten – bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach
die Errichtung einer Nutzniessung oder eines Wohnrechts als Gegenleistung des Erben
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für die Eigentumsübertragung am erblasserischen Grundstück zu betrachten ist, nicht
gefolgt werden.
ddd) Neben dem Vorliegen einer (teilweise) unentgeltlichen Zuwendung setzt die
Herabsetzung – wie erwähnt – in subjektiver Hinsicht voraus, dass der Erblasser einen
Zuwendungswillen hatte. Aus den Bestimmungen des Abtretungsvertrags vom 28.
November 2003 bzw. des Kaufvertrags vom 4. März 2005 ergibt sich dabei zweifelsfrei,
dass bezüglich der ausgleichungspflichtig erklärten Erbvorbezüge im Betrag von
Fr. 216'000.00 und Fr. 281'000.00 ein solcher Zuwendungswille der Erblasserin
vorhanden war, was unter den Prozessparteien grundsätzlich unumstritten ist. Es fragt
sich indessen, ob auch eine weitergehende tatsächliche Zuwendungsabsicht der
Erblasserin im betragsmässigen Umfang des Kapitalwerts der errichteten Nutzniessung
bzw. des Wohnrechts erwiesen ist. Was dies betrifft, stellte der Kläger in seinen
Rechtsschriften zwar keine ausdrücklichen Behauptungen auf; aufgrund der von ihm –
insbesondere auch hinsichtlich der Grundstücksübertragungen – geltend gemachten
systematischen Begünstigung der Beklagten zu seinen Lasten hat aber als (implizit)
mitbehauptet zu gelten, dass sich die Zuwendungsabsicht der Erblasserin auf den
gesamten vertraglichen Verkehrswert der übertragenen Grundstücke bezog.
Demgegenüber ist auf Seiten der Beklagten, gemäss denen das Nutzniessungs- bzw.
Wohnrecht den entgeltlichen Teil einer (insgesamt) gemischten Zuwendung darstellt,
von der (impliziten) Bestreitung eines entsprechenden erblasserischen
Zuwendungswillens auszugehen. Die Beweislast für einen tatsächlichen
Schenkungswillen der Erblasserin im behaupteten Umfang obliegt dem Kläger (Art. 8
ZGB). Dabei fällt Folgendes in Betracht:
Ausgangspunkt ist der Wortlaut der beiden öffentlich beurkundeten Verträge vom 28.
November 2003 und 4. März 2005. Danach wurde jeweils vereinbart, dass der
Kapitalwert des zugunsten der Erblasserin errichteten Nutzniessungs- bzw.
Wohnrechts im vertraglich bezifferten Betrag auf den für die Grundstücke festgelegten
Anrechnungswert bzw. Kaufpreis angerechnet werde. Im Gegensatz zu den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/24
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ausdrücklich als ausgleichungspflichtige Erbvorbezüge bezeichneten Beträgen lässt
sich dem Vertragstext demnach nicht entnehmen, dass die Erblasserin auch
hinsichtlich der für die Nutzniessung bzw. das Wohnrecht eingesetzten Werte eine
Zuwendung an die Beklagten beabsichtigte. Vielmehr muss aufgrund der konkreten
Vertragsbestimmungen darauf geschlossen werden, dass die Vertragsparteien die
Belastung der übertragenen Grundstücke mit den neu begründeten Dienstbarkeiten im
Umfang von deren Kapitalwert als anrechenbare Position betrachteten. Bedeutung
kommt in diesem Zusammenhang dem Umstand zu, dass die Verträge öffentlich
beurkundet wurden, weshalb davon auszugehen ist, dass die Vertragsparteien (auch)
von der beurkundenden Person über die Rechtslage in Kenntnis gesetzt wurden (BGer
5A_404/2018 E. 4.2 m.w.H.). Wie gezeigt, wurde im Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse
das vorbehaltene Nutzniessungs- bzw. Wohnrecht in der Rechtsprechung in objektiver
Hinsicht als Gegenleistung des übernehmenden Erben behandelt. Diese – hier nicht
geteilte – Rechtsauffassung spiegelt sich denn auch in den Vertragsbestimmungen
wider. Es muss daher angenommen werden, dass die Vertragsparteien die Verträge mit
der Vorstellung schlossen, dass der kapitalisierte Wert der Nutzniessung bzw. des
Wohnrechts keine unentgeltliche Zuwendung an die Beklagten darstelle. Wenn es
somit aber diesbezüglich an einem Nachweis fehlt, dass die Erblasserin das
Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung bei Vertragsschluss tatsächlich
erkannte, lässt sich in subjektiver Hinsicht kein entsprechender Zuwendungswille
feststellen. Zwar mögen aufgrund der in (zulässiger) Abweichung von den
erbvertraglich vereinbarten Modalitäten erfolgten lebzeitigen
Grundstücksübertragungen sowie der weiteren von der Erblasserin zu Lebzeiten an die
Beklagten ausgerichteten Zuwendungen gewisse Indizien dafür bestehen, dass die
Erblasserin die Beklagten bewusst begünstigen wollte. Mit Blick auf die vertragliche
Regelung in den Verträgen vom 28. November 2003 und 4. März 2005 kann eine über
die der Ausgleichungspflicht unterstellten Erbvorbezüge hinausgehende tatsächliche
Zuwendungsabsicht im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses jedoch nicht als bewiesen
betrachtet werden. Aus diesem Grund und weil für die Grundstücksübertragungen –
trotz des erbvertraglichen Ausgleichungsdispenses – eine teilweise
Ausgleichungspflicht bezüglich der gewährten Erbvorbezüge vereinbart wurde, hat im
Übrigen auch der Nachweis einer Umgehungsabsicht i.S.v. Art. 527 Ziff. 4 ZGB nicht
als erbracht zu gelten.
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[...]
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 19.02.2019 Art. 494 Abs. 3 ZGB (SR 210): Anfechtungsklage; Vereinbarkeit lebzeitiger Schenkungen mit einem Erbvertrag; Vertragsauslegung; Ausgleichungsdispens. Art. 527 Ziff. 1 ZGB (SR 210): Herabsetzung; Qualifikation von Grundstücksübertragungen mit Nutzniessungs- bzw. Wohnrechtsvorbehalt zugunsten der (späteren) Erblasserin; Be-weis des Zuwendungswillens der Erblasserin (Kantonsgericht, I. Zivilkammer, 19. Februar 2019, BO.2017.36).
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