Decision ID: 6db92fef-6c31-51dc-a875-7f57684af470
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reiste am 16. Juli 2017 in die Schweiz ein und stellte
am 18. Juli 2017 ein Asylgesuch. Am 21. Juli 2017 führte die Vorinstanz mit
ihm die Befragung zur Person (BzP) durch. Dabei gab er an, er sei Kurde
aus B._, jesidischer Religion und habe vor seiner Ausreise zuletzt
in C._ gewohnt. Von (...) bis (...) habe er Militärdienst geleistet und
sei ordentlich entlassen worden. Verschiedene Leute hätten ihm zur Aus-
reise geraten, da er als Reservist aufgrund des Krieges erneut hätte ein-
berufen werden können. Ein Onkel väterlicherseits habe ihm – ungefähr
einen Monat vor seiner Ausreise – mitgeteilt, sein Name sei für den Reser-
vedienst ausgeschrieben. Er habe nicht in den Dienst einrücken wollen.
Zudem habe er als Kurde auch Angst gehabt, eines Tages vom IS (sog.
Islamischer Staat), der FSA (Freie Syrische Armee) oder der al-Nusra-
Front getötet zu werden. Er habe daher einen Schlepper organisiert und
sei in die Schweiz gekommen, weil seine Verlobte hier lebe. Nachdem er
in der Schweiz angekommen sei, habe er sich sofort zu seiner Freundin
begeben und einen Tag später hätten sie sich verlobt.
B.
B.a Am 18. September 2017 stellte die eidgenössische Zollverwaltung eine
aus der Türkei kommende Briefsendung an die Freundin des Beschwerde-
führers sicher. Darin enthalten waren die syrische Identitätskarte des Be-
schwerdeführers, sein Militärbüchlein und eine Militärdienstbescheinigung.
B.b Den Akten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer und seine
Freundin am (...) die Ehe geschlossen haben.
C.
Anlässlich der Anhörung vom 30. Januar 2019 gab der Beschwerdeführer
im Wesentlichen zu Protokoll, in seiner Familie seien früher alle Jesiden
gewesen. Auf der Identitätskarte stehe «Muslim»; sie hätten als Muslime
gelebt, aber keine Moschee besucht und nicht gebetet. Sein Grossvater
habe die Traditionen zunächst noch gelebt, nach und nach hätten aber die
Jüngeren damit aufgehört. Nach Ausbruch des Krieges habe er den Hass
gegen die Minderheiten stark zu spüren bekommen. Auch während seines
Militärdienstes sei er aufgrund seiner kurdischen Ethnie gequält worden.
Während seines Dienstes habe er sich deshalb entschlossen, das Land zu
verlassen, sobald er die Gelegenheit dazu habe. Er sei vor dem Krieg ge-
flüchtet. Zudem sei er Jeside und diese seien weder von den Muslimen
noch von den Alewiten akzeptiert. Ferner sei er wegen «Bashars-Regime»,
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welches nicht gut zu den Kurden gewesen sei, und weil sie keine Rechte
gehabt hätten, ausgereist. Persönliche Probleme mit dem Regime oder der
FSA habe er aber nicht gehabt. Zur Zeit seiner Ausreise sei die Lage in
C._ gar nicht gut gewesen. Er habe schon zuvor mehrmals versucht
auszureisen, dies sei ihm aber nicht gelungen. Ein Freund seines Onkels
habe nachgeschaut, ob seine Söhne auf der Liste für den Reservedienst
seien, dabei seinen Namen (denjenigen des Beschwerdeführers) entdeckt
und dies seinem Onkel mitgeteilt. Sein Onkel habe ihn daraufhin darüber
informiert und ihn bei der Ausreise unterstützt. Viele seiner Freunde seien
bei einer Kontrolle in den Reservedienst eingezogen worden. Bei einer
Rückkehr würde auch er sofort in den Reservedienst eingezogen werden.
D.
Am (...) wurde die Tochter des Beschwerdeführers und seiner Ehefrau ge-
boren. Am (...) wurden die Eheleute auf gemeinsames Begehren durch das
Bezirksgericht D._ geschieden.
E.
Mit Verfügung vom 15. Oktober 2019 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab
und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz an. Da der Vollzug der Weg-
weisung zurzeit nicht zumutbar sei, wurde eine vorläufige Aufnahme ange-
ordnet.
F.
Mit Eingabe vom 15. November 2019 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, der Entscheid
des SEM vom 15. Oktober 2019 sei aufzuheben und ihm Asyl zu gewähren.
Eventualiter sei die Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und er als Flücht-
ling vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht sei auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren.
G.
Mit Schreiben vom 20. November 2019 bestätigte das Bundesverwaltungs-
gericht den Eingang der Beschwerde.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 18. Dezember 2019 verzichtete die Instrukti-
onsrichterin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und hielt fest, über
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das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung werde zu
einem späteren Zeitpunkt befunden.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 4. Februar 2021 stellte die Instruktionsrichte-
rin fest, die Verfügung des SEM sei in französischer Sprache ergangen und
nur das Dispositiv auf Deutsch übersetzt worden. Der Beschwerdeführer
habe in der Beschwerde vorgebracht, dass er nur Deutsch verstehe, wes-
halb der Vorinstanz unter Hinweis auf das Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts D-1361/2020 vom 3. November 2020 Gelegenheit zur Vernehm-
lassung und insbesondere zur Stellungnahme zu allfälligen Korrektivmass-
nahmen gegeben werde.
J.
Die Vernehmlassung, worin die Vorinstanz vollumfänglich an ihren Erwä-
gungen festhielt, datiert vom 23. Februar 2021. Auf die ergänzenden Aus-
führungen ist in den Erwägungen näher einzugehen. Die Vernehmlassung
wird dem Beschwerdeführer mit vorliegendem Urteil zur Kenntnisnahme
zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
1.3 Das Beschwerdeverfahren wurde antragsgemäss in deutscher Spra-
che geführt.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
Im Urteil des BVGer D-1361/2020 vom 3. November 2020 (zur Publikation
vorgesehen) erfolgte eine Klärung der vorliegend unter anderem strittigen
Rechtslage. Mit der Klärung dieser Punkte erweist sich die vorliegende Be-
schwerde als offensichtlich begründet (vgl. E. 6.3), weshalb sie in einzel-
richterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters bezie-
hungsweise einer zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e
AsylG). Das Urteil ist nur summarisch zu begründen (Art. 111a Abs. 2
AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz kam in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers seien weder glaubhaft im Sinne von
Art. 7 AsylG noch genügten sie den Anforderungen zur Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG.
4.2 Die Ausführungen des Beschwerdeführers was seine Zugehörigkeit zur
jesidischen Gemeinschaft betreffe, seien vage, stereotyp und knapp gewe-
sen. Er habe keinerlei Details zur Ausübung des jesidischen Glaubens und
seinen Traditionen nennen können. Zudem habe er angegeben, auf den
Identitätskarten seiner Eltern sei die muslimische Religion vermerkt und die
Familie habe als Muslime gelebt. Gleiches gelte für seine Einberufung als
Reservist. Seine Angaben dazu seien ebenfalls nicht überzeugend gewe-
sen. Es obliege dem Beschwerdeführer, gestützt auf Indizien oder Beweise
glaubhaft zu machen, er sei im Heimatland gefährdet gewesen. Dies sei
ihm jedoch nicht gelungen.
Der Beschwerdeführer habe ebenfalls angegeben, er habe Syrien wegen
des Krieges und der generellen Unsicherheit wegen des IS, der FSA und
der al-Nusra-Front verlassen. Dabei handle es sich nicht um Verfolgungs-
massnahmen im Sinne von Art. 3 AsylG.
Er habe nie Probleme mit dem syrischen Regime gehabt und sei nie poli-
tisch tätig gewesen. Gleichermassen sei auch seine Familie nie aufgefallen
und er sei nicht exilpolitisch tätig. Es bestehe deshalb kein Grund anzu-
nehmen, er wäre bei einer Rückkehr nach Syrien Verfolgungsmassnahmen
im Sinne von Art. 3 AsylG ausgesetzt.
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Seite 6
5.
5.1 Der nicht vertretene Beschwerdeführer machte in seiner Rechtsmitte-
leingabe geltend, er lebe im Kanton Zürich und spreche und verstehe nur
Deutsch. Auch seine sozialen Kontakte sprächen kein Französisch und ei-
nen Französisch sprechenden Anwalt könne er sich nicht leisten. Er habe
seinen Asylentscheid deshalb online übersetzen lassen müssen. Eine sol-
che Übersetzung sei aber bekanntermassen nicht sehr genau und könne
sehr stark vom eigentlichen Kontext abweichen. Die Korrespondenz mit
dem Gericht habe daher in Deutsch zu erfolgen.
5.2 Im Folgenden ist vorab zu klären, ob die Abweichung des SEM vom
Grundsatz, Verfügungen in der am Wohnsitz des Beschwerdeführers ge-
sprochenen Sprache zu verfassen, vorliegend die Verfahrensrechte des
Beschwerdeführers verletzt hat.
6.
6.1 Eine Verfügung (oder Zwischenverfügung) des SEM ist grundsätzlich
in der Sprache zu eröffnen, die am Wohnort des Asylsuchenden Amtsspra-
che ist (aArt. 16 Abs. 2 AsylG, in der zum massgeblichen Zeitpunkt gültigen
Fassung Stand 1. Juni 2019). Davon kann das SEM gemäss Abs. 3 aus-
nahmsweise dann abweichen, wenn die asylsuchende Person oder deren
Rechtsvertreterin oder Rechtsvertreter einer anderen Amtssprache mäch-
tig ist (Bst. a), dies unter Berücksichtigung der Gesuchseingänge oder der
Personalsituation vorübergehend für eine effiziente und fristgerechte Ge-
suchserledigung erforderlich ist (Bst. b) oder die asylsuchende Person in
einem Empfangs- und Verfahrenszentrum direkt angehört und einem Kan-
ton mit einer anderen Amtssprache zugewiesen wird (Bst. c).
Bis zur Aufnahme ins Gesetz (mit der Asylgesetzrevision vom 1. Februar
2014) waren die Bestimmungen zu einer möglichen Abweichung der
Wohnsitzregel auf Verordnungsstufe (aArt. 4 der der Asylverordnung 1 vom
11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]) geregelt.
6.2 Die vormalige Schweizerische Asylrekurskommission (ARK) hat sich
mit dieser Verordnungsbestimmung zur Verfahrenssprache und deren
Rechtmässigkeit in einem Grundsatzentscheid (Entscheide und Mitteilun-
gen der ARK [EMARK 2004 Nr. 29]) auseinandergesetzt und hielt fest, es
sei in der Regel dem Grundsatz Rechnung zu tragen, dass die Verfügung
in der Sprache erlassen werde, die am Wohnsitz der asylsuchenden Per-
son Amtssprache sei. Die vom Gesetzgeber vorgesehenen Ausnahmen
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seien begrenzt durch das Recht auf wirksame Beschwerde und einen fai-
ren Prozess (Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 13 EMRK). Eine Verfügung könne
ausnahmsweise in einer anderen Amtssprache ergehen, wenn gleichzeitig
im Gegenzug geeignete Korrektivmassnahmen getroffen würden, die das
Recht auf eine wirksame Beschwerde und auf einen fairen Prozess ge-
währleisteten. Eine der möglichen Korrektivmassnahmen bestehe in der
mündlichen Übersetzung der ergangenen Verfügung durch die Vorinstanz
in eine der beschwerdeführenden Person verständliche Sprache. Soweit
die Vorinstanz keine geeigneten Korrektivmassnahmen ergriffen habe und
auch im Beschwerdeverfahren das Versäumnis nicht nachhole, obwohl aus
der Beschwerdeschrift ersichtlich sei, dass die Partei den Entscheid nicht
genügend verstanden habe, sei die angefochtene Verfügung grundsätzlich
zu kassieren, sofern der Beschwerdeführer nicht von einem professionel-
len Rechtvertreter vertreten werde. Die Kassation der angefochtenen Ver-
fügung einzig aus dem Grund, dass die Regeln betreffend die anzuwen-
dende Verfahrenssprache verletzt worden seien, komme demgegenüber
nicht in Frage, wenn die beschwerdeführende Person im Beschwerdever-
fahren von einem professionellen Rechtsvertreter vertreten werde. Die Vor-
instanz könne in einem solchen Fall zur Leistung einer Entschädigung ver-
pflichtet werden für allfällige nützliche Auslagen, die der unterliegenden
Partei entstünden, um diesen Mangel zu beheben (E. 7 ff.).
6.3 Im Urteil D-1361/2020 vom 3. November 2020 E. 6.3 (zur Publikation
vorgesehen) wurde eine Klärung der aktuellen Rechtslage vorgenommen
und festgehalten, die Anwendung der vorgenannten Rechtsprechung
rechtfertige sich nach wie vor, zumal die Verordnungsbestimmungen zum
1. Februar 2014 wortgetreu in den – auch im vorliegenden Fall – anwend-
baren aArt. 16 Abs. 2 Bst. b AsylG übernommen worden seien.
7.
7.1 Der Beschwerdeführer hat seinen Wohnsitz im Kanton E._ und
damit in einem Gebiet, welches der deutschen Amtssprache untersteht
(vgl. [...]). Es wäre mithin der Erlass einer Verfügung in deutscher Sprache
die Regel gewesen. Das SEM beruft sich in der Begründung seiner Verfü-
gung auf eine Situation, welche es in Anwendung von aArt. 16 Abs. 2 Bst.
b AsylG rechtfertige, die Verfügung ausnahmsweise in einer anderen als
der am Wohnort gesprochenen, vorliegend in der französischen Sprache,
zu erlassen. Weiter wurde festgehalten, dass es sich um eine vorüberge-
hende Massnahme handle, die dem zügigen Abbau der bei der Vorinstanz
noch pendenten altrechtlichen Verfahren diene. Als Korrektivmassnahme
wurde das Dispositiv der Verfügung in die deutsche Sprache übersetzt.
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Eine Übersetzung der Verfügung erfolgte nicht. Anlässlich der Vernehmlas-
sung führte die Vorinstanz aus, aus der Beschwerde gehe hervor, dass der
Beschwerdeführer die angefochtene Verfügung vollständig verstanden
habe und ihm aus der Tatsache, dass die Verfügung in Französisch ergan-
gen sei, keinerlei Nachteil erwachsen sei. Ferner sei aus dem Aufbau und
Inhalt der Beschwerde zu schliessen, dass diese nicht vom Beschwerde-
führer selbst, sondern von einem professionellen Rechtsvertreter verfasst
worden sei.
7.2 Aus der oben dargestellten Rechtsprechung (E. 6.2 f.) ergibt sich, dass
das Gericht die angefochtene Verfügung grundsätzlich zu kassieren hat,
wenn die Vorinstanz keine geeigneten Korrektivmassnahmen ergriffen hat,
das Versäumnis im Beschwerdeverfahren nicht nachholt, obwohl aus der
Beschwerdeschrift ersichtlich ist, dass die Partei den Entscheid nicht ge-
nügend verstanden hat, und die Partei nicht von einem professionellen
Rechtvertreter vertreten wird.
7.3
7.3.1 Zunächst gilt es daher zu prüfen, ob der Beschwerdeführer die Ver-
fügung, wie von der Vorinstanz angeführt, hinreichend verstanden hat.
Die Rechtsmitteleingabe des Beschwerdeführers im vorliegenden Fall er-
streckt sich zwar über 13 Seiten, bei näherer Betrachtung fällt aber auf,
dass es sich dabei in wesentlichen Teilen um eine Pauschalbegründung
handelt, die von einer anderen Beschwerde übernommen worden zu sein
scheint. Es kommen daher Zweifel auf, ob der Inhalt der Verfügung tat-
sächlich verstanden wurde, da insbesondere Ausführungen zum Argument
der Vorinstanz fehlen, der Beschwerdeführer habe kaum Auskunft über
seine angeblich jesidische Religion geben können. Der Beschwerdeführer
macht keinerlei konkretisierende Angaben zu seiner Religionszugehörig-
keit. Vielmehr führt er aus, im Irak seien viele jesidische Kurden getötet
worden und er habe auch in Syrien als Jeside ständig um sein Leben ban-
gen müssen. Da in der angefochtenen Verfügung nicht die grundsätzliche
Situation der Jesiden in Frage gestellt wurde, sondern das SEM dem Be-
schwerdeführer seine Zugehörigkeit zu dieser Religion nicht glaubte, ist
der Schluss zu ziehen, dass der Beschwerdeführer die Verfügung in die-
sem Punkt nicht hinreichend verstanden hat. Auch die weiteren Ausführun-
gen in der Beschwerde sind sehr allgemein gehalten und beziehen sich
nicht konkret auf den Beschwerdeführer.
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Nach dem Gesagten kann vorliegend nicht ausgeschlossen werden, dass
der Beschwerdeführer aufgrund der französischen Sprache der vorinstanz-
lichen Verfügung deren Begründung nicht genügend verstanden hat, um
sich effektiv dagegen zur Wehr zu setzen. Dabei ist seine Situation zu be-
rücksichtigen. Der Beschwerdeführer hielt sich zum Zeitpunkt der Verfü-
gung bereits seit mehr als zwei Jahren in der Schweiz auf, wobei er sich
immer im deutschsprachigen Gebiet (zunächst im Kanton F._ da-
nach in E._) aufhielt. Das Ergehen einer Verfügung in französischer
Sprache – nachdem das bisherige Verfahren durchgehend auf Deutsch ge-
führt worden war – kam für ihn unerwartet. Bereits in der Beschwerde
machte er geltend, kein Französisch zu verstehen, und bat um Führen des
Beschwerdeverfahrens in deutscher Sprache. Die Vorinstanz äusserte sich
hingegen auch in ihrer Vernehmlassung auf Französisch.
7.3.2 Entgegen der von der Vorinstanz vertretenen Ansicht wird der
Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht durch
einen professionellen Rechtsvertreter vertreten. Gegenüber dem Gericht
wurde kein Vertretungsverhältnis ausgewiesen. Der Beschwerdeführer hat
damit als in keinem Zeitpunkt juristisch vertreten zu gelten.
7.4 Vor diesem Hintergrund ist die von der Vorinstanz angewandte Korrek-
tivmassnahme – namentlich die Übersetzung des Dispositivs – im vorlie-
genden Fall eines nicht vertretenen Beschwerdeführers als nicht genügend
im Sinne der Rechtsprechung zu erkennen (vgl. Urteil des BVGer
D-1361/2020 vom 3. November 2020 und EMARK 2004 Nr. 29). Die Über-
setzung des Dispositivs in die deutsche Sprache ist vorliegend keine ge-
nügende Korrektivmassnahme, da das Dispositiv das Wesentliche der Ver-
fügung nicht in genügender Weise zusammenfasst. Das Dispositiv hat dem
Beschwerdeführer zwar die fristgerechte Beschwerdeerhebung unter Stel-
len der relevanten Rechtsbegehren ermöglicht. Die fehlende Übersetzung
der Begründung der Verfügung hat dem Beschwerdeführer aber eine in-
haltliche Erwiderung auf die Argumentation der Vorinstanz verunmöglicht
und ihm in unzulässiger Weise erschwert, seine Beschwerderechte in zu-
mutbarer Weise auszuüben. Die Vorinstanz hat von der Möglichkeit, im
Rahmen der Vernehmlassung geeignete Korrektivmassnahmen zu ergrei-
fen, nicht Gebrauch gemacht.
8.
Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsgericht
in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Das Bundesverwaltungsgericht stellt
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vorliegend fest, dass die Voraussetzungen für ein Abweichen von der Re-
gel, die Verfügung in der Amtssprache des Zuteilungskantons zu erlassen
(aArt. 16 AsylG), der unter E. 6.2 genannten und nach wie vor gültigen
EMARK-Rechtsprechung (vgl. Urteil des BVGer D-1361/2020 vom 3. No-
vember 2020) nicht erfüllt sind. Unter den vorliegenden Umständen und im
Hinblick darauf, dass aArt. 16 AsylG auf verfassungsrechtlichen Prinzipien
beruht, fällt eine Heilung durch das Gericht ausser Betracht. Das Verfahren
ist deshalb zur korrekten Bearbeitung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Angesichts der Rückweisung der Sache erübrigt sich eine Auseinanderset-
zung mit den weiteren Ausführungen in der Beschwerde.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht verletzt (Art. 106 AsylG). Die Beschwerde ist demzufolge im
Sinne der Erwägungen gutzuheissen. Die vorinstanzliche Verfügung ist
aufzuheben und die Sache zur korrekten Durchführung des Verfahrens und
neuer Entscheidung ans SEM zurückzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das in der Beschwerde gestellte Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird damit gegenstands-
los.
10.2 Aufgrund der Akten ist nicht davon auszugehen, dem nicht vertrete-
nen Beschwerdeführer seien verhältnismässig hohe Kosten entstanden,
weshalb keine Parteientschädigung zuzusprechen ist (Art. 7 Abs. 4 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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