Decision ID: 82762812-d847-4779-9781-4bdcd2476701
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._, meldete sich via Krankentaggeldversicherung am 21. Januar 2010 wegen
eines im Oktober 2009 aufgetretenen Darmtumors zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1 f.). Bereits
vorher, ab dem 30. Juli 2009, wurde der Versicherten nach einer notfallmässigen
Hospitalisation in der Neurologischen Klinik am Klinikum Rosenheim in München, wo
der Verdacht auf einen kleinen Hirnschlag gestellt wurde, eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. Fremdakten). Die Versicherte arbeitete seit 1. Oktober
2002 als visuelle Prüferin bei der B._. Aus gesundheitlichen Gründen sprach die
Arbeitgeberin per 29. Februar 2012 die Kündigung aus (IV-act. 40 und 42).
A.b Im Arztbericht vom 22. Oktober 2009 zuhanden des Krankenversicherers
diagnostizierte Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, eine Migräne mit
Aura, den Verdacht auf eine Anpassungsstörung, ein persistierendes Foramen ovale
und Vorhofseptumaneurysma sowie ein stenosierendes Kolonkarzinom. Er attestierte
der Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 30. Juli 2009 (Fremdakten). Im
Arztbericht vom 18. Februar 2010 von Dr. C._ wurde als Diagnose ein
Adenokarzinom des Kolon descendens bei Status nach erweiterter Hemikolektomie
links und Lymphknotenexzision, aktuell Chemotherapie mit Folox, festgestellt. Die
Versicherte sei ab 14. Oktober 2009 zu 100% arbeitsunfähig. Nach Abschluss der
Chemotherapie könne davon ausgegangen werden, dass sie in ihrer angestammten
Tätigkeit wieder arbeitsfähig sei (IV-act. 12). Im Verlaufsbericht vom 30. Juni 2010 gab
Dr. C._ eine chemotherapiebedingte Polyneuropathie der Finger, weniger der Zehen,
als neue zusätzliche Diagnose an. Die Chemotherapie sei abgeschlossen, die
Versicherte sei aktuell aber noch zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 17). Im
Verlaufsbericht vom 29. August 2011 wies Dr. C._ auf eine Verbesserung des
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Gesundheitszustandes hin. Ab Oktober 2010 habe die Versicherte die Arbeit über
wenige Stunden bis zu 50% (halbtags) ab 8. März 2011 steigern können. Neu bestehe
jedoch eine angstbetonte depressive Symptomatik (IV-act. 37). Dr. med. D._, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte mit Arztbericht vom 11. Oktober 2011
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11). Er
attestierte seit Behandlungsbeginn am 5. Mai 2011 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-
act. 38). Im Arztbericht vom 3. April 2012 hielt Dr. D._ einen stationären
Gesundheitszustand fest. Er hielt aber eine angepasste Tätigkeit nur noch während 2
bis 3 Stunden pro Tag für zumutbar (IV-act. 56). Im Verlaufsbericht vom 17. April 2012
machte Dr. C._ eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend. Er
diagnostizierte eine Lumboischialgie mit Diskushernie L4/L5 mit foraminaler Einengung
und Nervenwurzelirritation beidseits, ein chronisches thorakovertebrales
Schmerzsyndrom, rezidivierende Nausea und Vomitus bei unauffälliger Oesophago-
Gasto-Duodenoskopie sowie eine angstbetonte Depression. Seit dem 14. Dezember
2011 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 58).
A.c Die Versicherte wurde am 18. Juni 2012 von Dr. med. E._, Spezialarzt FMH für
Innere Medizin speziell Rheumaerkrankungen, internistisch/rheumatologisch und am
26. Juni 2012 von med. pract. F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, psychiatrisch untersucht. Im Gutachten vom 4. Oktober 2012 wurden ein
Adenokarzinom des Colon descendens (ED 10/2009), eine akute Lumboischialgie (ab
Mitte Dezember 2011), ein panvertebrales Schmerzsyndrom bei muskulärer
Dysbalance, extremem Schonungsverhalten, sowie eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom diagnostiziert. Aus interdisziplinärer Sicht sei die
Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit zu 50% arbeitsfähig (IV-act. 69).
A.d Mit Vorbescheid vom 18. Februar 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer halben Rente ab 1. Oktober 2010 in Aussicht. Aus medizinischer Sicht
sei der Versicherten eine adaptierte Tätigkeit zu 50% weiterhin zumutbar. Mittels
Einkommensvergleichs wurde ein Invaliditätsgrad von 59% ermittelt (IV-act. 73).
A.e Mit Einwand vom 19. März 2013 beantragte die Versicherte die Zusprache der
ihr gesetzlich zustehenden Leistungen bzw. einer ganzen Invalidenrente (IV-act. 75). Mit
Einwandbegründung vom 16. April 2013 machte die Versicherte unter anderem
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geltend, dass ein Tabellenlohnabzug von 25% (20% Leidensabzug plus 5%
Teilzeitabzug) vorzunehmen sei (IV-act. 78, S. 6).
A.f Mit Verfügung vom 2. Mai 2013 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine halbe
Rente ab 1. Juni 2013 zu. Es werde am Invalideneinkommen festgehalten, da kein
Teilzeitabzug und auch kein Leidensabzug gewährt werden könnten (IV-act. 82).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
vom 4. Juni 2013. Die Beschwerdeführerin beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolge die Zusprache mindestens einer Dreiviertelsrente. Eventualiter sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, weitere Abklärungen vorzunehmen. Das
Beschwerdeverfahren sei zu sistieren, bis die Beschwerdegegnerin über das
Wiedererwägungsgesuch vom 4. Juni 2013 entschieden habe. Es gehe aus dem
Gutachten nicht hervor, ob während der festgelegten Arbeitsfähigkeit von 50% (täglich
4 Stunden) eine 100%ige Leistungsfähigkeit bestehe oder ob hier einzig von
Präsenzstunden gesprochen werde. Trotz des Abstellens auf eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit könne das berechnete Invalideneinkommen nicht nachvollzogen
werden. Aufgrund des hohen Ausfallrisikos, der verminderten geistigen Flexibilität und
Anpassungsfähigkeit, der raschen Ermüdbarkeit und der zusätzlich notwendigen
Pausen sowie den Gefühlsstörungen in den Händen und Füssen, sei ein Leidensabzug
von mindestens 15% zu gewähren, womit sich ein Invaliditätsgrad von 63% ergeben
würde (act. G 1).
B.b Mit Schreiben des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 10. Juni 2013 wurde
das Verfahren vorläufig sistiert (act. G 2). Mit Schreiben vom 18. Juni 2013 teilte die
Beschwerdeführerin dem Versicherungsgericht mit, dass die Beschwerdegegnerin
nicht auf das Gesuch eingetreten sei und das Wiedererwägungsverfahren damit
abgeschlossen sei (act. G 3).
B.c Mit Schreiben vom 24. Juni 2013 sandte die Beschwerdeführerin dem
Versicherungsgericht die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 14. Juni 2013 (act.
G 4.1), mit der der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 1. Oktober 2010 bis 31. Mai
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2013 eine halbe Rente zugesprochen wurde. Diese sei ebenfalls angefochten, soweit
die Verfügung der Versicherten keine Dreiviertelsrente gewähre (act. G 4).
B.d Mit Schreiben vom 25. Juni 2013 teilte das Versicherungsgericht der
Beschwerdeführerin mit, dass die Sistierung aufgehoben und das
Beschwerdeverfahren fortgesetzt werde. Es bestätigte, dass die Verfügung vom 4. Juni
(richtig: 14. Juni) 2013 ebenfalls als mitangefochten gelte (act. G 5).
B.e Mit Beschwerdeantwort vom 6. September 2013 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Sie stellt sich auf den
Standpunkt, dass bei Frauen ein Teilzeitabzug in aller Regel nicht in Betracht falle. Die
Gefahr überdurchschnittlicher Krankheitsabsenzen, der schwankenden
Leistungsfähigkeit sowie des Bedarfs nach besonderer Rücksichtnahme berechtige
nicht zu einem Tabellenlohnabzug. Auch die Nebenwirkungen der Chemotherapie seien
den Gutachtern bekannt gewesen und bei der Bestimmung der Arbeitsfähigkeit
berücksichtigt worden. Auch aus diesem Grund könne kein Abzug gewährt werden
(act. G 7).
B.f Mit Replik vom 9. Oktober 2013 führt die Beschwerdeführerin aus, dass nicht
nur das Invalideneinkommen bestritten werde, sondern auch die Einschätzung
betreffend Arbeitsfähigkeit kritisiert und diesbezüglich Unklarheiten im Rahmen der
Abklärung angemerkt würden. Eine Arbeitsfähigkeit von 50% mit einer
Leistungsfähigkeit von 100% sei nicht realistisch, wie aus den vom Gutachter
bestätigten Ausführungen von Dr. C._ zu schliessen sei. Weiter habe die
Beschwerdeführerin keinen Teilzeitabzug beantragt, die entsprechenden Ausführungen
der Beschwerdegegnerin seien irrelevant. Es sei jedoch nachvollziehbar, dass jemand
mit Bedarf nach längeren Erholungszeiten und Kurzpausen, einer verminderten
geistigen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit mit rascher Ermüdbarkeit sowie höherer
Fehleranfälligkeit nicht den Durchschnittslohn erzielen könne (act. G 10).
B.g Mit Duplik vom 8. November 2013 hält die Beschwerdegegnerin unverändert an
der Beschwerdeantwort fest (act. G 12).

Erwägungen:
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1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Die Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
2.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsgericht
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die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
2.4 Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft,
solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
125 V 351 E. 3b/bb)
3.
3.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die angefochtene Verfügung vom 2. Mai
2013/14. Juni 2013 (IV-act. 82 und 90) auf das Gutachten von Dr. E._ und med.
pract. F._ vom 4. Oktober 2012 (IV-act. 69), worin der Beschwerdeführerin eine
Arbeitsfähigkeit von 50% (4 Stunden täglich) in einer adaptierten Tätigkeit attestiert
wird (IV-act. 69-18). Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, dass nicht erläutert
worden sei, ob während dieser vier Stunden eine Leistungsfähigkeit von 100% bestehe
oder ob einzig von Präsenzstunden gesprochen werde. Aufgrund der dargelegten
gesundheitlichen Einschränkungen könne wohl kaum von einer 100%igen
Leistungsfähigkeit ausgegangen werden (act. G 1, S. 5 f).
3.2 Die Psychiaterin führt explizit aus, dass eine Tätigkeit ohne Anspruch an
Konzentration und Flexibilität im Umfang von 4 Stunden täglich (50% Pensum ohne
verminderte Leistungsfähigkeit) als zumutbar erachtet werde (IV-act. 69-14). Aus rein
somatischer Sicht wird der Beschwerdeführerin ebenfalls eine 50%ige Verweistätigkeit
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zugemutet; gleichzeitig wird auf eine extreme Schonhaltung und erhebliche
Inkonsistenzen verwiesen (IV-act. 69-11). Somit ergeben sich aus dem Gutachten keine
Anzeichen, dass medizinisch-theoretisch eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe,
welche die attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit weiter einschränken würde.
3.3 Auch sonst bestehen keine Zweifel an dem auf umfassenden Untersuchungen
beruhenden, in Kenntnis der vollständigen Aktenlage und in Berücksichtigung des
gesamten Leidensbildes ergangenen, nachvollziehbaren Gutachten von Dr. E._ und
med. pract. F._ vom 4. Oktober 2012. Es besteht kein Bedarf für die Vornahme
weiterer medizinischer Abklärungen. Bezüglich des Verlaufs wird im Gutachten im
Wesentlichen auf die Atteste der behandelnden Ärzte abgestellt (IV-act. 69-18). In
psychiatrischer Hinsicht wird demgegenüber die erhebliche Selbstlimitierung
berücksichtigt und bereits ab September 2010 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen (IV-act. 69-14). Entsprechend dieser Beurteilung und der Einschätzung
des RAD-Arztes G._ (IV-act. 70) ist demnach von folgendem Verlauf der
Arbeitsunfähigkeit (AUF) auszugehen:
100% AUF vom 30.07.2009 bis 30.09.2010
80% AUF vom 01.10.2010 bis 31.10.2010
75% AUF vom 01.11.2010 bis 28.11.2010
50% AUF vom 29.11.2010 bis 28.02.2011
25% AUF vom 01.03.2011 bis 07.03.2011
50% AUF vom 08.03.2011 bis 14. 12.2011
100% AUF vom 15.12.2011 bis 29.02.2012
50% AUF ab 01.03.2012
Die Beschwerdegegnerin stellte bei der Bestimmung des Valideneinkommens auf die
Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin ab, wonach diese im
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Jahr 2011 Fr. 64'910.-- verdienen würde (IV-act. 42-3). Dies ist nicht zu beanstanden
und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten.
4.
4.1 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung angemessen und
nicht als Soziallohn erscheint. Ist kein solches tatsächliches erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich unzumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der
versicherten Person (nach zumutbarer Behandlung und allfälliger Eingliederung)
angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung
zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 475 f. E. 4.2.1).
4.2 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in
welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen
und beruflichen Umständen – auch von invaliditätsfremden Faktoren – des konkreten
Einzelfalls ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem
Ermessen gesamthaft zu schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25%
festzusetzen ist. Eine schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig
(BGE 126 V 79 E. 5b und 129 V 281 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
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4.3 Die Gutachter geben als Adaptationskriterien eine leichte Tätigkeit,
rückenadaptiert, vorwiegend sitzend, wenig stehend/gehend, nicht vorgebeugt, in
Wechselhaltung, ohne Lasten heben über 4 kg, maximal 5 kg, mit Möglichkeit
eingestreuter Kurzpausen an (IV-act. 69-18). Im psychiatrischen Gutachten wird zudem
festgehalten, dass eine Tätigkeit ohne Anspruch an Konzentration und Flexibilität als
zumutbar erachtet werde (IV-act. 68-22).
4.4 Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich
leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75
E. 5a/bb). Dies ist vorliegend mit den oben geschilderten leidensbedingten
Einschränkungen erfüllt. Bereits aufgrund dieser Einschränkungen erscheint ein
Tabellenlohnabzug von 10% als angemessen. Ob noch weitere Faktoren zu einem
höheren Tabellenlohnabzug führen, kann vorliegend – wie nachfolgend zu zeigen ist –
offen bleiben.
4.5 Gemäss LSE 2010, TA 1, Total, Anforderungsniveau 4, Frauen, betrug das
durchschnittliche Einkommen Fr. 4'225.--. Aufgerechnet auf die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2011 resultiert ein
Jahreseinkommen von Fr. 52'855.-- (Fr. 4'225.-- / 40 x 41.7 x 12). Angepasst an die
Nominallohnentwicklung (Index 2010: 2579; 2011: 2604) resultiert ein
Jahreseinkommen für das Jahr 2011 von Fr. 53'367.--. Bei einer Arbeitsfähigkeit in
einer adaptierten Tätigkeit von 50% und einem Tabellenlohnabzug von 10% ergibt dies
ein Invalideneinkommen von Fr. 24'015.-- (Fr. 53'367.-- x 0.5 x 0.9).
4.6 Ausgehend von diesem Invalideneinkommen resultiert eine Erwerbseinbusse von
Fr. 40'895.-- (Fr. 64'910.-- – Fr. 24'015.--) und ein Invaliditätsgrad von 63% ([Fr.
40'895.-- / Fr. 64'910.--] x 100). Die Beschwerdeführerin hat damit Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente. Selbst bei einem maximalen Tabellenlohnabzug von 25% würde ein
Invaliditätsgrad von 69% und somit kein höherer Rentenanspruch entstehen.
4.7 Bei einer Arbeitsfähigkeit von 25% und einem Tabellenlohnabzug von 10% beträgt
das Invalideneinkommen Fr. 12'008.-- (Fr. 53'367 x 0.25 x 0.9). Daraus resultiert eine
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Erwerbseinbusse von Fr. 52'902.-- (Fr. 64'910.-- – Fr. 12'008.--) und ein
Invaliditätsgrad von 82% ([Fr. 52'902.-- / Fr. 64'910.--] x 100). Damit hat die
Beschwerdeführerin bei einer Arbeitsunfähigkeit von 75% und mehr Anspruch auf eine
ganze Rente.
5.
5.1 Gemäss Gutachten bestand ein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bereits ab 30. Juli 2009 (vgl. E. 3.3). Ab diesem Zeitpunkt war die
Beschwerdeführerin durchgehend über 40% arbeitsunfähig, womit die einjährige
Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG ausgelöst wurde. Bis Juli 2010 war die
Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit durchgehend 100% arbeitsunfähig.
Nachdem die IV-Anmeldung am 21. Januar 2010 (IV-act. 1) und somit nicht verspätet
(vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) erfolgt war, hat die Beschwerdeführerin – abweichend von der
angefochtenen Verfügung (ab 1. Oktober 2010) – bereits ab 1. Juli 2010 Anspruch auf
eine Invalidenrente.
5.2 Bis zum 28. November 2010 ist bei der Beschwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit
von 75% und mehr ausgewiesen (vgl. E. 3.3). Somit ist unter Berücksichtigung von Art.
88a IVV ein Anspruch auf eine ganze Rente (vgl. E. 5.5) bis 28. Februar 2011 gegeben.
5.3 Die Arbeitsunfähigkeit von 25% vom 1. bis 7 März 2011 sowie auch die
Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 15. Dezember 2011 bis 29. Februar 2012 (vgl. E.3.3)
dauerten jeweils weniger als drei Monate, weshalb sie keine Änderung des
Rentenanspruchs zu begründen vermögen. Somit hat die Beschwerdeführerin ab dem
1. März 2011 bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente
(vgl. E. 5.4).
6.
6.1 Nach dem Gesagten sind in Gutheissung der Beschwerde die Verfügungen vom
2. Mai 2013 und vom 14. Juni 2013 aufzuheben. Unter Berücksichtigung von Art. 88a
IVV ist der Beschwerdeführerin vom 1. Juli 2009 bis 28. Februar 2011 eine ganze Rente
und ab 1. März 2011 eine Dreiviertelsrente zuzusprechen. Zur Festsetzung der
Rentenhöhe ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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6.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.