Decision ID: a8911d8c-c26f-4f9a-b0d1-9a52d3b1fc22
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Eidgenössische Spielbankenkommission (nachfolgend „ESBK“) führt unter anderem gegen die A. AG eine Strafuntersuchung „Crazy Changer“ wegen Widerhandlung gegen das Spielbankengesetz (act. 2.1). In diesem Zusammenhang verfügte sie am 14. Februar 2006 unter Androhung der Straffolgen des Art. 292 StGB die Beschlagnahme der beiden Geräte „ Changer“ mit den Identifikationsnummern A. CC0004 und CC0005 im Eigentum der A. AG. Am 1. Februar 2006 waren diese durch die  des Kantons Wallis sowie den Inspektor der Dienststelle für , Handel und Arbeit des Kantons Wallis auf Anweisung der  des Untersuchungsrichteramtes Oberwallis sowie des  Untersuchungsbeamten der ESBK im Billiardcenter B. und im  C., beide in Z./VS und beide betrieben von D., sichergestellt  (act. 2.1).
B. Gegen diese Verfügung gelangte die A. AG mit Beschwerde vom 15.  2006 an den Direktor der ESBK und verlangt, die besagten Automaten seien sofort aus der Beschlagnahme freizugeben (act. 1).
Der Direktor der ESBK leitete die Beschwerde am 22. Februar 2006  an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts weiter und beantragt, die Beschwerde sei kostenfällig abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei (act. 2).
Nach Leistung des Kostenvorschusses (act. 3 und 4) konnte der A. AG  erste Einladung zur Einreichung der Replik nicht zugestellt werden (act. 5 und 6), da sie unter der auf ihrem Briefpapier figurierenden Adresse nach Auskunft der Post nicht ermittelt werden konnte. Die zweite Zustellung an die vollständige Firmenadresse mit der Einladung zur Einreichung der  bis 24. März 2006 verlief erfolgreich (act. 7 und 8).
Mit Eingabe vom 23. März 2006 beantragt die A. AG unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ESBK, die Beschwerde sei unter  der Verfügung vom 14. Februar 2006 gutzuheissen; überdies seien die Automaten unverzüglich an den Geschäftssitz der A. AG  und sämtliche mit der Beschlagnahme zusammenhängenden Kosten sowie die entgangenen Einnahmen seien der A. AG zu erstatten (act. 9).
Diese Eingabe wurde der ESBK am 24. März 2006 zur Kenntnisnahme . Zugleich wurde sie aufgefordert, der Beschwerdekammer sämtli-
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che Akten des Falles unverzüglich einzureichen (act. 11). Dieser  leistete die ESBK am 30. März 2006 Folge (act. 13), was der A. AG am 31. März 2006 mitgeteilt wurde (act. 14).
Die A. AG ihrerseits wurde am 24. März 2006 ebenfalls aufgefordert, einen Handelsregisterauszug ihrer Unternehmung einzureichen und allenfalls  Vollmacht an die vor der Beschwerdekammer auftretende Person  (act. 10). Die A. AG gab am 29. März 2006 ihren  zu den Akten (act. 12). Am 3. April 2006 reichte sie spontan den aktuellsten Auszug mit der zwischenzeitlich geänderten Firmenadresse nach (act. 15).
Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird,  erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gegen Zwangsmassnahmen im Sinne von Art. 45 ff. VStrR und damit zu-
sammenhängende Amtshandlungen kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 26 Abs. 1 VStrR). Ist die Beschwerde nicht gegen den Direktor oder Chef der beteiligten  gerichtet, ist sie bei diesem einzureichen (Art. 26 Abs. 2 lit. b VStrR). Berichtigt derselbe die angefochtene Amtshandlung nicht, hat er die  mit seiner Äusserung spätestens am dritten Werktag nach ihrem Eingang an die Beschwerdekammer weiterzuleiten (Art. 26 Abs. 3 VStrR). Zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die angefochtene Amtshandlung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder  hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). Die Beschwerde ist innert drei Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von der Amtshandlung Kenntnis hat, bei der zuständigen Behörde schriftlich mit Antrag und kurzer Begründung  (Art. 28 Abs. 3 VStR). Allerdings wahrt auch die rechtzeitige  der Beschwerde bei einer unzuständigen Behörde die  (Art. 28 Abs. 4 VStrR).
1.2 Die angefochtene Beschlagnahmeverfügung datiert vom 14. Februar 2006
und wurde der Beschwerdeführerin gleichentags zugestellt (act. 2 und 2.2). Die Verfügung ging anscheinend am 15. Februar 2006 bei der  ein (act. 1). Mit Postaufgabe der Beschwerde – unterschrieben von der für die Beschwerdeführerin einzelzeichnungsberechtigten Person
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(act. 12.2 und 15.1) – am 15. Februar 2006 an den Direktor der  wurde die dreitägige Beschwerdefrist gewahrt. Die  ist überdies als unbestrittene Eigentümerin der Geräte von deren Beschlagnahme berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung; sie ist mithin diesbezüglich zur Beschwerde . Der Direktor der Beschwerdegegnerin berichtigte die  Amtshandlung nicht und leitete die Beschwerde form- und fristgerecht an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts weiter. Auf die  ist somit betreffend die Beschlagnahme einzutreten.
1.3 Mangels Beschwerdeobjekts ist demgegenüber auf das Begehren der Be-
schwerdeführerin nach Entschädigung ihrer entgangenen Einnahmen nicht einzutreten. Nach allfälliger Einstellung des Verfahrens oder bei Bestrafung wegen einer blossen Ordnungswidrigkeit wird die Verwaltungsbehörde auf neuerliches Gesuch hin über ein entsprechendes Begehren zu befinden haben.
2. 2.1 Glücksspiele sind Spiele, bei denen gegen Leistung eines Einsatzes ein
Geldgewinn oder ein anderer geldwerter Vorteil in Aussicht steht, der ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt (Art. 3 des Bundesgesetzes vom 18. Dezember 1998 über Glücksspiele und Spielbanken; , SBG, SR 935.52). Glücksspiele dürfen nur in konzessionierten  angeboten werden (Art. 4 SBG). Wer Glücksspiele ausserhalb  Spielbanken organisiert oder gewerbsmässig betreibt, wird mit Haft oder mit Busse bis zu 500’000 Franken bestraft (Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG). Es handelt sich demnach nicht um eine reine  im Sinne von Art. 3 VStrR, weshalb sich in diesem Zusammenhang Zwangsmassnahmen als zulässig erweisen (Art. 45 Abs. 2 VStrR e ). Die rechtliche Grundlage für die Beschlagnahme findet sich in Art. 46 ff. VStrR.
2.2 Die Beschlagnahme gemäss Art. 46 Abs. 1 lit. a und b VStrR ist eine provi-
sorische (konservatorische) prozessuale Massnahme zur vorläufigen  von Gegenständen, die als Beweismittel von Bedeutung sein können bzw. von Gegenständen und anderen Vermögenswerten, die  der Einziehung unterliegen (BGE 120 IV 365, 366 f. E. 1c). Der Einziehung unterliegen insbesondere Gegenstände, die zur Begehung  strafbaren Handlung gedient haben oder bestimmt waren, oder durch eine strafbare Handlung hervorgebracht worden sind, wenn diese  die Sicherheit von Menschen, die Sittlichkeit oder die öffentliche
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Ordnung gefährden (Art. 58 Ziff. 1 StGB). Zudem verfügt der Richter die Einziehung von Vermögenswerten, die durch eine strafbare Handlung  worden sind oder dazu bestimmt waren, eine strafbare Handlung zu veranlassen oder zu belohnen (Art. 59 Ziff. 1 StGB). Voraussetzung für die Beschlagnahme ist ein hinreichender, objektiv begründeter Tatverdacht gegenüber dem Inhaber des Gegenstandes bzw. Vermögenswertes oder einem Dritten. Dabei sind an die Verdachtsgründe zu Beginn der  keine hohen Anforderungen zu stellen (BGE 125 IV 222,  E. 2c). Im Gegensatz zum erkennenden Sachrichter hat die Beschwerdekammer bei der Überprüfung des Tatverdachts keine  Abwägung der in Betracht fallenden Tat- und Rechtsfragen  (BGE 124 IV 313, 316 E. 4). Weiter muss die Beschlagnahme wie jedes Zwangsmittel verhältnismässig sein (vgl. zum Ganzen: Entscheid des Bundesstrafgerichts BV.2005.1 vom 24. März 2005 E. 2).
2.3 Im vorliegenden Fall tragen die beschlagnahmten Geräte den nachfolgen-
den Textaufdruck (act. 2.7):
„Bei diesem Automaten handelt es sich um einen Geldwechselautomaten. Für die Be-
nuetzung wird durchschnittlich eine Benuetzungsgebühr von 10% einbehalten. Diese
Gebuehr kann jedoch von Wechselvorgang zu Wechselvorgang variieren und ist vor
der Geldleistung erkennbar. Beim vorliegenden Gerät handelt es sich ausdruecklich
weder um ein Gluecks-, noch um ein Geschicklichkeitsspiel.“
Allein schon dieser Text begründet den Verdacht, dass es sich bei den  Geräten nicht um reine Geldwechselautomaten handelt, da die Wechselgebühr von 10% als ungewöhnlich hoch bezeichnet werden muss, und ein einfacher Wechselautomat wohl kaum variierende Gebühren , die überdies ausschliesslich vom Zufall abzuhängen scheinen. Laut Ausführungen der Beschwerdeführerin sollen die beschlagnahmten Geräte einerseits als Geldwechselautomaten dienen, indem Noten mit der  Fr. 10, 20, 50 und 100 sowie Münzen mit der Wertigkeit Fr. 0.10, 0.20, 0.50, 1, 2 und 5 durch Drücken der Taste „Collect“ in Einfrankenstücke  werden und der Restbetrag in Zehnrappenmünzen ausbezahlt wird. Andererseits soll der Automat jedem Benutzer vor der Leistung eines Einsatzes ein Angebot auf Wechsel in einen höheren oder tieferen  machen. Der Benutzer entscheide alsdann frei und ohne Kostenfolge, ob er das Angebot annehmen wolle oder nicht. Durch Drücken der Taste „Collect“ könne der Benutzer das Angebot ausschlagen, und er erhalte sein aktuelles Guthaben vollständig ausbezahlt. Indem der Benutzer die Taste „Start“ drücke, verändere sich sein Guthaben entsprechend dem Angebot des Automaten und das Gerät mache in der Folge ein weiteres Angebot.
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Dies könne wiederum in der umschriebenen Art und Weise angenommen oder ausgeschlagen werden (act. 9 und 9.2). Aus dem Beschrieb der  muss geschlossen werden, dass in diesem Zeitpunkt nicht mehr der ursprünglich eingeworfene Betrag, sondern lediglich das letzte Angebot herausverlangt werden kann. Gestützt auf den erwähnten Textaufruck und die geschilderte Funktionsweise bestehen somit im jetzigen Zeitpunkt des Verfahrens Anhaltspunkte, dass es sich hierbei insgesamt um ein  im Sinne des Gesetzes handelt. Gegen Leistung eines Einsatzes – Einwurf des Wechselgelds – wird nämlich ein Gewinn – der über den  hinausgehende Gegenwert – in Aussicht gestellt, der ausschliesslich vom Zufall abhängt. Die vertiefte Klärung der Frage, ob und inwiefern der Automat tatsächlich als Glücksspielautomat zu qualifizieren ist, wird dem Sachrichter obliegen. Da weder das Restaurant C. noch das Billardcenter B. über eine Spielkonzession verfügen, besteht somit aufgrund der  Aktenlage der hinreichende, objektive Verdacht, der Betreiber habe ausserhalb einer konzessionierten Spielbank Glücksspiele organisiert oder gewerbsmässig betrieben und mithin gegen Art. 56 Abs. 1 lit. a SBG .
Ob und inwiefern ein Tatverdacht gegen die Beschwerdeführerin besteht, kann an dieser Stelle offen bleiben, da für die Beschlagnahme eines  auch der hinreichende Tatverdacht für ein strafbares Verhalten gegenüber einem Dritten zu genügen vermag.
2.4 Die beschlagnahmten Gegenstände können im Rahmen des  als Beweismittel von Bedeutung sein. Überdies unterlägen sie im Falle des Vorliegens einer Widerhandlung gegen die  nach dem sub Ziffer 2.2 hiervor Gesagten voraussichtlich der Einziehung, ungeachtet der zivilrechtlichen Eigentumsverhältnisse an den beschlagnahmten Vermögenswerten.
Die Beschlagnahme sprengt im Übrigen den Rahmen der  nicht, da sie für die Erreichung des angestrebten  – die Sicherstellung von Beweismitteln sowie von allenfalls der  unterliegenden Vermögenswerten – sowohl erforderlich als auch notwendig ist und überdies das öffentliche Interesse – die Durchsetzung des Spielbankengesetzes – überwiegt.
2.5 Damit sind die Voraussetzungen für eine Beschlagnahme der Geräte . Die Beschwerde ist folglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
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3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin die  desselben zu tragen (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 245 BStP und Art. 156 Abs. 1 OG). Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 1’500.-- anzusetzen (Art. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Gerichtsgebühren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32), unter Anrechnung des  Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 1’000.--.
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