Decision ID: 5b157af3-4dde-4cb6-a1dd-e9f4d22e41a9
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ (nachfolgend: Versicherte) absolvierte vom 1. August 2012 bis 31. Juli 2014
im C._ eine Lehre zur Fachfrau Hauswirtschaft und war im Anschluss noch bis 31.
Dezember 2014 im C._ befristet angestellt (IV-act. 15-2 und 15-11). Per 1. März 2015
nahm sie bei der D._ ein Arbeitsverhältnis als Betriebsassistentin auf (IV-act. 10-3).
Am 22. Mai 2015 trat sie "aufgrund von Mobbing am Arbeitsplatz" ins
Kriseninterventionszentrum (KIZ) des Psychiatrischen Zentrums E._ ein, wo sie in der
Folge bis 2. Juli 2015 stationär behandelt wurde. An diesem Tag trat sie in die
Psychiatrische Klinik F._ über, wo sie noch bis 8. Oktober 2015 stationär behandelt
wurde (vgl. IV-act. 31-7). Dem diesbezüglichen Austrittsbericht vom 26. Oktober 2015
sind die Diagnosen mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom
(ICD-10: F32.10) sowie Anpassungsstörung im Sinne einer protrahierten
adoleszentären Krise (ICD-10: F43.25) zu entnehmen (IV-act. 31-6).
A.a.
Am 30. Oktober 2015 meldete die Versicherte sich unter Hinweis auf eine seit 22.
Mai 2015 bestehende und zu vollständiger Arbeitsunfähigkeit führende psychische
A.b.
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Erkrankung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an
(IV-act. 1).
Am 16. November 2015 berichteten Dr. med. G._ und Dr. med. H._, E._, die
Versicherte stehe in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung und
nehme an der Skills-Gruppe teil (IV-act. 17-2). Das Erstgespräch habe am 26. Oktober
2015 stattgefunden. Es bestehe der Verdacht auf eine emotional-instabile
Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ (ICD-10: F60.31; IV-act. 17-1 f.).
A.c.
Am 9. Februar 2016 wurde die Versicherte von Dr. med. I._, Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD) abgeklärt. Diese kam zum Schluss, dass seit Mai 2015 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten auf dem 1. Arbeitsmarkt bestehe. Wie lange diese
Arbeitsunfähigkeit andauere, lasse sich momentan noch nicht abschätzen. Es wäre
sinnvoll, nach Beendigung der Skillsgruppe einen Arztbericht einzuholen und dann
erneut eine versicherungsmedizinische Beurteilung vorzunehmen. Je nach Stabilität
des Gesundheitszustandes wäre dann auch an eine Arbeitsabklärung zu denken (IV-
act. 22-1 und 4).
A.d.
Mit Mitteilung vom 17. Februar 2016 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der
Versicherten auf berufliche Massnahmen, da solche aufgrund ihres
Gesundheitszustandes nicht möglich seien (IV-act. 25).
A.e.
Die Dres. G._ und H._ erhoben mit Arztbericht vom 16. März 2016 die
Diagnosen einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ (ICD-10:
F60.31), sowie Störungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch (ICD-10: F10.1). Die
Ärzte erklärten, die genaue Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei im Moment schwer zu
prognostizieren, vorerst würden sie weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
ausgehen. Es gebe eine teilweise Rückbildung der depressiven Symptomatik bei
weiterhin bestehender Grundproblematik. Für den Sommer 2016 werde evtl. eine
langsame berufliche Integration geplant (IV-act. 33).
A.f.
Dr. med. J._, Fachärztin für Innere Medizin, K._, erklärte mit Bericht vom 3.
Juni 2016, die Arbeitsunfähigkeit werde seit November 2015 regelmässig vom
Psychiater beurteilt. Bei weiterer Stabilisierung sei im Verlauf eine schrittweise
A.g.
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Steigerung der Arbeitsfähigkeit in stressfreier Atmosphäre anzustreben (IV-act. 31-5).
Am 6. Juni 2016 berichteten die Dres. G._ und H._ aufgrund der emotional-
instabilen Persönlichkeitsstruktur bestehe immer ein Restrisiko einer eventuellen
Dekompensation. Zurzeit sei eine Arbeitsintegration von ca. 20-30% auf dem 2.
Arbeitsmarkt denkbar. Man empfehle eine langsame Wiedereingliederung, um die
Versicherte nicht zu überfordern, und eine Potentialabklärung. Momentan nehme die
Versicherte ca. dreimal pro Monat die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung in Anspruch und nehme an der Skillsgruppe teil. Zusätzlich besuche sie
das Tageszentrum der L._ an zwei halben Tagen (IV-act. 37-3 f.).
Ende Oktober 2016 (Eingang des Berichts bei der IV-Stelle: 26. Oktober 2016)
berichtete Dr. H._, welcher sich zwischenzeitlich mit eigener Praxis für Psychiatrie in
M._ selbständig gemacht hatte, ab November 2016 sei eine Arbeitsintegration von
20% auf dem 1. Arbeitsmarkt denkbar. Es werde eine langsame Wiedereingliederung
empfohlen, um eine weitere Stabilisierung zu gewährleisten. Aktuell besuche die
Versicherte das Tageszentrum der L._ an drei halben Tagen pro Woche (IV-act.
40-2).
A.h.
Am 24. Januar 2017 informierte die Versicherte die IV-Stelle darüber, dass sie ab
Februar 2017 wieder zu 100% arbeitsunfähig sein werde (IV-act. 42).
Dementsprechend attestierte Dr. H._ der Versicherten mit Zeugnis vom 23. Januar
2017 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 1. Februar bis 31. März 2017 (IV-act. 43).
A.i.
Am 24. Februar 2017 bat Dr. I._ vom RAD um Einholung eines aktuellen Arzt
berichts beim behandelnden Psychiater sowie um eine laborchemische Kontrolle von
Alkohol (IV-act. 44). Dr. H._ berichtete am 6. März 2017, in den vergangenen Wochen
habe sich der Allgemeinzustand der Versicherten leider verschlechtert. Die
Stimmungsschwankungen und der Drang, sich selbst zu verletzen, seien stärker
geworden. Das oberste Ziel sei eine deutliche Stabilisierung der Stimmungs- und
Antriebslage der Versicherten, so dass sie in der Lage sei, einer Arbeit nachzugehen.
Momentan seien sie noch weit entfernt von diesem Ziel. Ob es je erreicht werden
könne, sei noch nicht vorauszusagen (IV-act. 46-1). Unter psychiatrisch-
psychotherapeutischer Behandlung sowie dem Besuch der Skillsgruppe habe die
Versicherte ihren Alkoholkonsum reduzieren können. Früher habe sie bis zu drei Liter
A.j.
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Bier am Tag getrunken, seit mehr als sechs Monaten trinke sie nicht mehr regelmässig,
d.h. nicht mehr jeden Tag. Wenn sie trinke, dann ca. einen halben Liter Bier (IV-act.
46-2). Dr. J._ liess der IV-Stelle am 21. März 2017 Laborresultate der Versicherten
vom 27. Januar 2017 zukommen (IV-act. 48-6) und erklärte, bezüglich Alkoholkonsum
der Versicherten sei ihr nichts bekannt (IV-act. 48-2).
Am 27. März resp. 4. April 2017 informierte die Versicherte die IV-Stelle darüber,
dass sie am 3. April 2017 in die Psychotherapeutische Tagesklinik N._ eingetreten sei
(vgl. IV-act. 51, 52 und act. G 27.1.2 S. 1 oben).
A.k.
Dr. I._ vom RAD hielt am 24. Mai 2017 in einer Aktenbeurteilung fest, es liege
kein stabiler Gesundheitszustand vor. Seit Mai 2015 sei eine durchgehende
Krankschreibung durch den behandelnden Facharzt erfolgt. Die Versicherte befinde
sich seit Mai 2015 in psychiatrischer Behandlung (ambulant, stationär, teilstationär). Sie
unternehme alle zumutbaren möglichen Massnahmen, um eine Verbesserung des
Gesundheitszustandes bzw. der Arbeitsfähigkeit zu erreichen (IV-act. 57).
A.l.
Mit Vorbescheid vom 6. Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Ausrichtung einer ganzen Rente ab 1. Mai 2016 in Aussicht (IV-act. 61).
A.m.
Am 9. und 16. August 2017 fand im O._ der E._ eine testpsychologische
Untersuchung der Versicherten statt (IV-act. 80-3). Gemäss PD Dr. med. Dr. phil. P._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und lic. phil. Q._, Psychologe FSP,
waren aufgrund der Untersuchung die Kriterien für das Vorliegen einer Borderline-
Persönlichkeitsstörung erfüllt. Vor diesem Hintergrund würden sich zudem
selbstunsichere und paranoide Persönlichkeitszüge zeigen. Für eine abschliessende
Vergabe einer entsprechenden Diagnose sollten, insbesondere wegen des Alters der
Versicherten, unbedingt der Verlauf über einen längeren Zeitraum sowie umfangreiche
fremdanamnestische Informationen berücksichtigt werden (Bericht vom 18. August
2017; IV-act. 80-8).
A.n.
Gegen den Vorbescheid vom 6. Juli 2017 liess die Sammelstiftung A._ am 29.
August 2017 durch ihren Rechtsvertreter Einwände anbringen (IV-act. 64).
A.o.
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B.
Am 26. September 2017 ging bei der IV-Stelle ein Arbeitsvertrag zwischen der
Versicherten und dem R._ ein, gemäss welchem die Versicherte per 1. November
2017 eine 50%-Tätigkeit als Mitarbeiterin im Bereich Hauswirtschaft aufnehmen werde,
sofern sie Anspruch auf eine Rente von mindestens 50% habe (IV-act. 67).
A.p.
Der Rechtsvertreter der Versicherten nahm am 7. November 2017 zum Einwand
der A._ Stellung (IV-act. 80). Dr. I._ vom RAD hielt am 19. Dezember 2017 fest, es
würden keine neuen medizinischen Informationen vorliegen (IV-act. 81). Am 16. Januar
2018 machte der Rechtsvertreter der A._ von der ihm eingeräumten Möglichkeit zur
Stellungnahme (IV-act. 82) Gebrauch (IV-act. 83). Mit Verfügung vom 22. Mai 2018
sprach die IV-Stelle der Versicherten ab 1. Mai 2016 eine ganze Rente zu (IV-act. 100).
A.q.
Gegen diese Verfügung liess die A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 19.
Juni 2018 durch ihren Rechtsvertreter die vorliegend zu beurteilende Beschwerde
erheben und unter Kosten- und Entschädigungsfolgen beantragen, die angefochtene
Verfügung aufzuheben und die Sache an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen mit dem Auftrag, ein Eingliederungsverfahren an
die Hand und weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen. Zur Begründung wurde
vorgebracht, die Beschwerdegegnerin habe den Heilungsverlauf und insbesondere die
Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Versicherten gar nicht abzuklären versucht. Eine
eingehende Abklärung und nach Möglichkeit eine baldmögliche Wiedereingliederung
habe bei einer noch sehr jungen Versicherten so bald als möglich stattzufinden. Die
stetige Besserung des Gesundheitszustandes der Versicherten sei von der
Beschwerdegegnerin sowohl bis zum (vorübergehenden) gesundheitlichen Einbruch im
Januar bzw. Februar 2017 als auch danach unberücksichtigt geblieben. Von einem
instabilen Gesundheitszustand könne nicht die Rede sein. Eine Erwerbsunfähigkeit im
Sinne des Gesetzes könnte erst nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
festgestellt werden. Hinsichtlich der IV-Berentung von Jugendlichen unter 30 Jahren
sei aus gesetzgeberischer Sicht in jüngster Vergangenheit diskutiert worden, Menschen
unter 30 Jahren sei grundsätzlich keine Rente zu gewähren. Die Ablehnung dieser
Altersgrenze sei namentlich damit gerechtfertigt worden, die Verwaltung habe
aufzeigen können, dass die IV darauf hinarbeite, möglichst wenige Renten an unter 30-
B.a.
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Jährige auszurichten. Dies sei vorliegend nicht geschehen. Aus den von der
Beschwerdegegnerin eingeholten medizinischen Abklärungen ergäben sich zahlreiche
Widersprüche und offene Fragen. Eine diagnostische Herleitung des psychischen
Krankheitsbildes der Versicherten sei weder nachvollziehbar noch schlüssig belegt
worden. Die Diagnosen der Hausärztin Dr. J._ und der behandelnden Ärzte der
psychiatrischen Klinik F._ würden nicht mit den Diagnosen des aktuell behandelnden
Psychiaters Dr. H._ übereinstimmen. Die von den Ärzten empfohlene
Potentialabklärung sei nicht an die Hand genommen worden. Schliesslich sei die durch
die psychischen Leiden bedingte Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Versicherten nicht
in einem strukturierten Beweisverfahren anhand von Indikatoren ermittelt worden.
Darüber hinaus sei von der Beschwerdegegnerin nicht abgeklärt worden, ob der
Versicherten eine Reduktion des schädlichen Alkoholkonsums zumutbar sei respektive
ob eine solche Reduktion tatsächlich stattgefunden habe (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin
unter Hinweis auf ein Urteil des hiesigen Gerichts vom 23. August 2017 (IV 2015/154)
das Nichteintreten auf die Beschwerde, da die Beschwerdeführerin nicht zur
Beschwerdeerhebung legitimiert sei (act. G 6).
B.b.
Mit Replik vom 16. November 2018 liess die Beschwerdeführerin durch ihren
Rechtsvertreter an ihren Anträgen festhalten und ausführen, dass sie sehr wohl zur
Beschwerde legitimiert sei, da sie an den Entscheid der Beschwerdegegnerin
gebunden sei (act. G 13).
B.c.
Mit Schreiben vom 21. Januar 2019 lud das Versicherungsgericht die Versicherte
zum Prozess zwischen der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin bei
(act. G 15).
B.d.
Am 8. März 2019 liess sich die Beigeladene durch ihren Rechtsvertreter
vernehmen und unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. Mehrwertsteuer zu
Lasten der Beschwerdeführerin das Nichteintreten, eventualiter die Abweisung der
Beschwerde beantragen (act. G 18). Gleichzeitig wurde dem Gericht eine E-Mail vom
R._ betreffend das Arbeitsverhältnis mit der Beigeladenen vom 8. März 2019
eingereicht. Diesem zufolge war die Beigeladene vom 1. November 2017 bis 7. Februar
B.e.
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Erwägungen
1.
Umstritten und vorab von Amtes wegen zu prüfen ist die Frage, ob die
Voraussetzungen für ein Eintreten auf die Beschwerde erfüllt sind.
2018 in einer 50%-Anstellung im 2. Arbeitsmarkt tätig gewesen und hatte dieses
Arbeitsverhältnis nach zunehmend häufigeren gesundheitsbedingten Absenzen
beendet (act. G 18.1).
Mit Schreiben vom 18. April 2019 äusserte sich der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin unter Erneuerung seiner Begehren gemäss Beschwerde zur
Eingabe der Beigeladenen (act. G 22). Zu dieser Stellungnahme äusserte sich der
Rechtsvertreter der Beigeladenen am 20. Mai 2019 (act. G 24).
B.f.
Am 4. Februar 2020 reichte der Rechtsvertreter der Beigeladenen einen Bericht
der Praxis für Neuropsychologie, MSc S._, M._, vom 23. Januar 2020 betreffend
eine neuropsychologische Untersuchung der Beigeladenen vom 20. Januar 2020 (act.
G 27.1.1) und einen Bericht von Dr. H._ vom 3. Februar 2020 (act. G 27.1.2) zu den
Akten.
B.g.
Am 4. Juni 2020 liess der Rechtsvertreter der Beigeladenen dem Gericht einen
Austrittsbericht der E._ vom 1. April 2020 betreffend einen stationären Aufenthalt der
Beigeladenen vom 24. Februar bis 18. März 2020 zukommen (act. G 29 und 29.1).
B.h.
Erlässt ein Versicherungsträger eine Verfügung, welche die Leistungspflicht eines
anderen Trägers berührt, so hat er auch ihm die Verfügung zu eröffnen. Dieser kann die
gleichen Rechtsmittel ergreifen wie die versicherte Person (Art. 49 Abs. 4 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Gemäss Art. 59 ATSG ist zur Beschwerde berechtigt, wer durch die angefochtene Ver
fügung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder
Änderung hat.
1.1.
Vorsorgeeinrichtungen haben nach der Rechtsprechung ein schutzwürdiges
Interesse an der gerichtlichen Überprüfung einer rentenzusprechenden Verfügung der
IV-Stelle, sofern und soweit diese für ihren Entscheid Bindungswirkung entfaltet (vgl.
dazu Ulrich Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 87 zu Art. 49 und N 47 f. zu
1.2.
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2.
In materieller Hinsicht ist der Rentenanspruch der Beigeladenen umstritten.
Art. 59 sowie BSK ATSG-Susanne Genner, N 62 zu Art. 49 mit Hinweis). Das
Bundesgericht hat die gemäss seiner Rechtsprechung bestehende grundsätzliche
Bindungswirkung des von einer IV-Stelle festgelegten Invaliditätsgrades und des
Beginns der einjährigen Wartezeit nach Art. 29 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) gestützt auf Art. 23 f. und 26 des
Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(BVG; SR 831.40) trotz vom hiesigen Gericht zuweilen vertretener gegenteiliger Ansicht
(vgl. beispielsweise Entscheide vom 23. August 2017, IV 2015/154, und vom 27. April
2018, IV 2016/52) bestätigt (BGE 133 V 69 E. 4.3.2; Urteil vom 16. November 2018,
9C_431/2018, E. 3.2; vgl. auch Kieser, ATSG-Kommentar, N 49 zu Art. 59). Nachdem
die Beschwerdegegnerin den Beginn des Wartejahres auf den 22. Mai 2015 legte und
der Beigeladenen ab 1. Mai 2016 eine IV-Rente zusprach und diese ab dem 1. März
2015 bis Ende des Jahres 2015 bei der Beschwerdeführerin versichert war (vgl. IV-act.
10-5 sowie Art. 10 BVG), ist Letztere durch die angefochtene Verfügung direkt
betroffen und an diese gebunden. Sie beantragt der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zufolge eine Abänderung des Dispositivs der angefochtenen
Verfügung bezüglich des Rentenanspruchs. Es ist deshalb in Anwendung der
referenzierten Bundesgerichtspraxis auf die Beschwerde einzutreten.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
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3.
Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, die Beschwerdegegnerin habe
der Beigeladenen gestützt auf eine unvollständige medizinische Aktenlage und in
Verletzung des Grundsatzes "Eingliederung vor Rente" ab 1. Mai 2016 eine ganze
Rente zugesprochen (act. G 1 IV.).
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).
2.3.
Rechtsprechungsgemäss bildet das Datum der streitigen Verfügung bzw. des
streitigen Einspracheentscheids die zeitliche Grenze der richterlichen
Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 169 E. 1; Kieser, ATSG-Kommentar, N 109 zu
Art. 61). Spätere Arztberichte (und andere einschlägige Dokumente) sind allerdings in
die Beurteilung miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des
Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben (BGE 121 V 366
E. 1b, Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2009, 8C_447/2009 E. 3.5).
2.4.
Die Beigeladene stand erstmals in psychiatrischer Behandlung, als sie sich vom
22. Mai bis 8. Oktober 2015 stationär im KIZ und in der psychiatrischen Klinik F._
aufhielt (vgl. IV-act. 31-6 f.). Beim Austritt wurden die Diagnosen einer mittelgradigen
depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10: F32.10) sowie einer
Anpassungsstörung im Sinne einer protrahierten adoleszentären Krise (ICD-10: F43.25)
3.1.
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gestellt (IV-act. 31-6). Nach dieser stationären Behandlung begab sich die Versicherte
am 26. Oktober 2015 in ambulante psychiatrische Behandlung bei Dr. H._, welcher
am 16. November 2015 zusammen mit Dr. G._ die Verdachtsdiagnose einer
emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ (ICD-10: F60.31)
stellte (IV-act. 17-2 sowie 17-1). Dr. I._ vom RAD erhob diese Diagnose nach ihrer
Untersuchung der Beigeladenen vom 9. Februar 2016 (IV-act. 22-3). Und auch die
Dres. H._ und G._ erachteten diese Diagnose ab spätestens 16. März 2016 als
feststehend (IV-act. 33). Sie wichen in keinem späteren Bericht von dieser ab (vgl. IV-
act. 37-2, 40-1 und 46-1) und Dr. H._ erklärte am 3. Februar 2020, nach mehr als vier
Jahren ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung der Beigeladenen
könne er bestätigen, dass es sich bei ihr um eine Borderline-Persönlichkeitsstörung
handle (act. G 27.1.2). Bestätigt wurde diese Diagnose sodann durch eine
testpsychologische Untersuchung vom 9. und 16. August 2017 vom Psychologen lic.
phil. Q._ und vom Psychiater und Psychologen Dr. Dr. P._ (IV-act. 80) sowie im
Rahmen einer neuropsychologischen Untersuchung vom 20. Januar 2020 durch die
Fachpsychologin MSc S._ (act. G 27.1.1). Auch im Austrittsbericht der E._ vom 1.
April 2020 betreffend die stationäre Behandlung der Beigeladenen vom 24. Februar bis
18. März 2020 bestätigten die beiden berichtenden Ärzte diese Diagnose (act. G 29.1).
Soweit der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hinsichtlich der abweichenden
Diagnosestellung auf den Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik F._ vom 26.
Oktober 2015 und die Hausärztin Dr. J._ verweist, welche eine Anpassungsstörung
im Sinne einer protrahierten adoleszenträren Krise nennen, vermag dies die später
durch fünf psychiatrische Fachärzte und zwei Psychologen erhobene resp. bestätigte
Diagnose der Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typ nicht in Zweifel zu ziehen.
Einerseits nannte Dr. J._ diese Diagnosen am 3. Juni 2016 und 21. März 2017 wohl
gestützt auf den ganz am Anfang der psychiatrischen Behandlung der Beigeladenen
stehenden und daher im Verfügungszeitpunkt nur noch begrenzt aussagekräftigen
Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik F._ vom 26. Oktober 2015 (vgl. IV-act. 31
sowie 48). Andererseits kann gemäss den ICD-Kriterien ohnehin nur bis zu einer Dauer
von sechs Monaten die Diagnose einer Anpassungsstörung gestellt werden, da die
Symptome definitionsgemäss nicht länger als sechs Monate nach Ende der Belastung
oder ihrer Folgen andauern (Horst Dilling/Harald J. Freyberger, Taschenführer zur
ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, 7. Aufl., Bern 2014, S. 177 f.) bzw. bei
längerem Verlauf eine neue Diagnosestellung zu erfolgen hat. Nach dem Gesagten ist
es plausibel und nachvollziehbar, dass die Beschwerdegegnerin bei der Beigeladenen
im Verfügungszeitpunkt von der Diagnose Persönlichkeitsstörung vom Typ Borderline
ausging. Hieran vermag auch der Umstand nichts zu ändern, dass lic. phil. Q._ und
Dr. Dr. P._ nach der testpsychologischen Untersuchung vom 18. August 2017
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festhielten, für eine abschliessende Vergabe einer entsprechenden Diagnose sollten
insbesondere wegen des Alters der Patientin der Verlauf sowie umfangreiche
fremdanamnestische
Informationen berücksichtigt werden (IV-act. 80-8). Denn einerseits hielten die beiden
klar fest, dass die Kriterien für das Vorliegen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung
erfüllt seien (IV-act. 80-8), und andererseits wurde die Diagnose - unter anderem -
durch eine gut zwei Jahre später am 20. Januar 2020 erfolgte neuropsychologische
Untersuchung bestätigt (act. G 27.1.1).
Hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin ins Feld geführten Alkoholkonsums
der Beigeladenen hat Dr. I._ am 24. Mai 2017 festgehalten, Menschen mit der
Diagnose einer Persönlichkeitsstörung würden oftmals ein Suchtverhalten aufweisen,
im IV-Kontext sei somit von einem sekundären Suchtgeschehen auszugehen (IV-act.
57-1). Die Beschwerdegegnerin hat am 5. Juli 2017 zusammenfassend festgestellt, der
Alkoholkonsum stelle kein primäres Krankheitsgeschehen dar, sondern sei im Bereich
des Krankheitsbildes entstanden. Auch mit einer vollständigen Abstinenz würde auf
dem freien Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit bestehen, weshalb keine
diesbezüglichen Auflagen angezeigt seien. Die Beigeladene befinde sich in adäquater
Behandlung (IV-act. 58-3). MSc S._ beschrieb den Alkoholkonsum der Beigeladenen
als "im Sinne einer Selbsttherapie interpretierbar", was vor dem Hintergrund, dass die
Beigeladene den Alkoholkonsum als die Stimmungsschwankungen etwas beruhigend
angab (vgl. act. G 27.1.1 S. 2 Mitte und S. 5 unten), nachvollziehbar ist. Dass die der
Beschwerdegegnerin von Dr. J._ am 21. März 2017 eingereichten Laborresultate der
Beigeladenen vom 27. Januar 2017 in Bezug auf die Kontrolle des Alkoholkonsums
allenfalls nicht relevant sind - wie dies die Beschwerdeführerin vorbringen lässt (act. G
1 II. Ziff. 9) -, ist möglich. Dies kann vom Gericht nicht beurteilt werden. Aus dem
Hinweis in Dr. J._s Bericht vom 21. März 2017, ihr sei nichts bekannt in
Zusammenhang mit einem allfälligen Alkoholkonsum der Beigeladenen, ist immerhin zu
schliessen, dass allfällige Marker für Alkohol in dieser Laboruntersuchung unauffällig
waren. Vor dem Hintergrund, dass aufgrund der Akten davon auszugehen ist, dass der
Alkoholkonsum mit der Persönlichkeitsstörung der Beigeladenen zusammenhing und
mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen ist, dass auch mit einer vollständigen
Abstinenz auf dem freien Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit der Beigeladenen
bestanden hätte (vgl. nachstehend Erwägung 3.3 und 3.4), ist es nicht zu beanstanden,
dass die laborchemische Kontrolle von der Beschwerdegegnerin nicht weiterverfolgt
worden ist.
3.2.
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Bezüglich der der Beigeladenen attestierten Arbeits(un)fähigkeit macht der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend, Dr. I._ sei in ihrer RAD-
Stellungnahme vom 24. Mai 2017 aktenwidrig von einer durchgehenden 100%igen
Arbeitsunfähigkeit seit 22. Mai 2015 ausgegangen (act. G 1 II. Ziff. 10). Es ist korrekt,
dass der behandelnde Psychiater Dr. H._ am 6. Juni 2016 über eine ca. 20-30%ige
Arbeitsfähigkeit auf dem 2. Arbeitsmarkt der Beigeladenen berichtete (IV-act. 37-4) und
ihr ab 1. November 2016 eine 20%ige Arbeitsfähigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt
attestierte (IV-act. 40-2). Jedoch musste Dr. H._ der Beigeladenen bereits ab 1.
Februar 2017 wieder eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestieren (IV-act. 43), weil
sich ihr Allgemeinzustand verschlechtert habe. Die Stimmungsschwankungen und der
Drang, sich selber zu verletzen, seien stärker geworden (IV-act. 46). Entgegen den
Vorbringen der Beschwerdeführerin stabilisierte sich der Gesundheitszustand der
Beigeladenen in der Folge nicht (vgl. act. G 1 II. Ziff. 9), vielmehr musste sie sich vom 3.
April bis 7. Juli 2017 teilstationär behandeln lassen (vgl. act. G 27.1.2). Bei diesem
kurzen Zeitfenster einer 20%igen Arbeitsfähigkeit im 1. Arbeitsmarkt ist nicht
ersichtlich, inwiefern die Beschwerdegegnerin eine Eingliederung hätte vornehmen
sollen respektive können. Selbiges gilt für die von der Beschwerdeführerin verlangte
Potentialabklärung (vgl. act. G 1 III. Ziff. 2.4), welche von verschiedenen Ärzten
empfohlen wurde für den Zeitpunkt, in welchem sich der Gesundheitszustand der
Beigeladenen stabilisiert hat. Dies war bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen
Verfügung nicht der Fall. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass auch
eine länger andauernde Arbeitsfähigkeit im Bereich von 20% nichts am Anspruch auf
eine ganze Rente zu ändern vermocht hätte (vgl. auch nachstehend Erwägung 3.4).
3.3.
Nach dem Gesagten gilt es zu prüfen, ob die medizinische Aktenlage eine
schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren (Schweregrad:
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome, Behandlungserfolg oder
-resistenz, Komorbidität, Komplex der Persönlichkeit und sozialer Kontext; Konsistenz:
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen) erlaubt (vgl. BGE 141 V 309 E. 8).
Hinsichtlich der genannten Indikatoren kam der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin
zum Schluss, dass das Krankheitsbild bei der Beigeladenen ausgewiesen und nicht zu
hinterfragen sei. Die Persönlichkeitsstörung sei ausgeprägt. Die wenigen Ressourcen
könnten von der Beigeladenen nicht umgesetzt werden. Auch in geschütztem Rahmen
könnte keine relevante Leistung umgesetzt werden, weshalb berufliche Massnahmen
keinen weiteren Sinn machen würden (IV-act. 58-2). Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin macht demgegenüber gestützt auf die Schilderungen der
Beigeladenen anlässlich der RAD-Untersuchung vom 9. Februar 2016 geltend, die
3.4.
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4.
Angesichts der vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beigeladenen in der angestammten
und in angepassten Tätigkeiten ab 22. Mai 2015 besteht nach Ablauf des Wartejahres
ab 1. Mai 2016 (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG) Anspruch auf eine ganze Rente der
Invalidenversicherung.
5.
Beigeladene verfüge angesichts des Aktivitätsniveaus und der sozialen Kontakte über
massgebliche Ressourcen, mit dem - nicht abschliessend geprüften -
Krankheitsgeschehen umzugehen (act. G 1 III. Ziff. 2.5 i.V.m. II. Ziff. 4). Die
medizinische Aktenlage belegt jedoch hinreichend, dass dem nicht so ist. Die
Beigeladene hatte sich vom 22. Mai bis 8. Oktober 2015 stationär behandeln lassen
und stand seither durchgehend (bis mindestens 3. Februar 2020, vgl. act. G 27.1.2) in
ambulanter Behandlung bei Dr. H._. Vom 3. April bis 7. Juli 2017 liess sie sich
zusätzlich in der psychotherapeutischen Tagesklinik N._ behandeln (act. G 27.1.2)
und zuletzt war sie bei akuter Suizidalität vom 24. Februar bis 18. März 2020 auf der
akutpsychiatrischen Abteilung der Psychiatrie F._ mit Übertritt ins KIZ stationiert (act.
G 29.1). Dr. I._ erklärte nach ihrer Exploration der Beigeladenen nachvollziehbar und
überzeugend, der psychische Gesundheitszustand der Beigeladenen sei jahrelang
schleichend verlaufen, bis es im Mai 2015 zu einem Zusammenbruch gekommen sei.
Seitdem zeige sich die Symptomatik der Borderline-Erkrankung mit einem massiven
Ausprägungsgrad. Die Beigeladene halte eine Tagesstruktur ein und sei motiviert,
wieder zu arbeiten, was als positive Faktoren zu werten sei. Auf der anderen Seite
stünden aktuell die Instabilität und selbstverletzendes Verhalten (IV-act. 22-3). Letztere
beiden Faktoren sind bis zum vorliegend zu prüfenden Verfügungserlass durchgehend
dokumentiert (vgl. insbesondere IV-act. 33, 37, 46, act. G 27.1.2). Hinsichtlich der
Bestrebungen der Beigeladenen, alle zumutbaren möglichen Massnahmen zu
unternehmen, um eine Verbesserung ihres Gesundheitszustandes und ihrer
Arbeitsfähigkeit zu erreichen (vgl. hierzu IV-act. 57), gehen aus den Akten keinerlei
Zweifel hervor. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin von einer hohen Ausprägung der diagnostizierten
Persönlichkeitsstörung und von einer fehlenden Möglichkeit der Umsetzung der
vorhandenen Ressourcen und damit von einer fehlenden Arbeitsfähigkeit ausging.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.5.1.
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