Decision ID: dde1ca4f-fb2c-4def-9d04-4a05b2dde6ef
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer reichte am 15. Juni 2022 in der Schweiz ein Asyl-
gesuch ein. Ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der «Eurodac»-Daten-
bank ergab, dass er am 4. Juni 2022 in Italien aufgegriffen und am Folge-
tag daktyloskopisch erfasst worden war.
B.
Am 17. Juni 2022 fand die Personalienaufnahme (PA) des Beschwerde-
führers statt und am 4. Juli 2022 gewährte das SEM ihm – im Rahmen des
persönlichen Gesprächs gemäss Art. 5 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013
des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Fest-
legung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (nachfolgend: Dublin-III-VO) und im Beisein seiner Rechtsver-
tretung – das rechtliche Gehör zur Zuständigkeit Italiens für die Durchfüh-
rung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälligen Rückkehr
dorthin sowie zum medizinischen Sachverhalt.
Zur Untermauerung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer eine
Kopie des N-Ausweises seines Bruders (N [...]), eine Kopie seines (...)
Flüchtlingsausweises sowie eine Kopie seines syrischen Familienbüch-
leins zu den Akten.
C.
Ebenfalls am 4. Juli 2022 ersuchte die Vorinstanz die italienischen Behör-
den um Übernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-
III-VO. Dieses Gesuch blieb innert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vor-
gesehenen Frist unbeantwortet.
D.
Mit Verfügung vom 7. September 2022 (eröffnet am 12. September 2022)
trat die Vorinstanz in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR
142.31) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, verfügte
seine Überstellung nach Italien und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag
nach Ablauf der Beschwerdefrist zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte das
SEM den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung, händigte
dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenver-
zeichnis aus und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde gegen den
Entscheid keine aufschiebende Wirkung zukomme.
E-4131/2022
Seite 3
E.
Mit Schreiben vom 12. September 2022 teilte die damalige Rechtsvertre-
tung die Beendigung des Mandats mit dem Beschwerdeführer mit.
F.
Mit Eingabe vom 16. September 2022 erhob der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, er sei als Flücht-
ling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren, eventualiter sei er aus-
humanitären Gründen vorläufig aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses und um Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistands.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
19. September 2022 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3
AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für die Beurteilung von
Beschwerden gegen Verfügungen des SEM (Art. 105 AsylG, Art. 31 und 33
Bst. b VGG). Auf dem Gebiet des Asyls entscheidet es in der Regel – und
so auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
– unter Vorbehalt nachfolgender Erwägungen – einzutreten.
2.
2.1 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
E-4131/2022
Seite 4
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2.2 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz – wie vorliegend – grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob
die Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl.
BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Die Fragen der Anerken-
nung der Flüchtlingseigenschaft und der Gewährung von Asyl bilden dem-
gegenüber nicht Gegenstand des angefochtenen Nichteintretensentschei-
des und damit auch nicht des vorliegenden Verfahrens, weshalb auf diese
vom Beschwerdeführer gestellten Rechtsbegehren nicht einzutreten ist.
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters oder einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Durch-
führung eines Schriftenwechsels und mit summarischer Begründung, zu
behandeln (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2 Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge) – wie
vorliegend – sind die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kri-
E-4131/2022
Seite 5
terien in der dort aufgeführten Rangfolge (Prinzip der Hierarchie der Zu-
ständigkeitskriterien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden, und es
ist von der Situation im Zeitpunkt, in dem der Antragsteller erstmals einen
Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat, auszugehen (Art. 7 Abs. 2 Dub-
lin-III-VO). Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take
back) findet demgegenüber grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeits-
prüfung nach Kapitel III statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und
8.2.1 m.w.H.).
4.3 Wenn eine antragstellende Person, aus einem Drittstaat kommend, die
Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten hat,
ist dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prüfung
des Antrags auf internationalen Schutz zuständig. Die Zuständigkeit endet
gemäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag des illegalen Grenzüber-
tritts.
5.
5.1 Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der «Eu-
rodac»-Datenbank ergab, dass er am 4. Juni 2022 in Italien aufgegriffen
und tags darauf daktyloskopisch erfasst worden war (SEM-Akte 1175807-
5/1). Das SEM ersuchte die italienischen Behörden deshalb am 4. Juli
2022 um Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1
Dublin-III-VO (SEM-Akte 1175807-18/7). Diese liessen das Ersuchen in-
nert der in Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet,
womit sie ihre Zuständigkeit implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dublin-III-
VO).
5.2 Nachfolgend ist im Licht von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zu prüfen, ob
es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die
Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden und ob nach Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-
VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist.
6.
6.1 Italien ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens
vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
E-4131/2022
Seite 6
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht geht in ständiger Rechtsprechung da-
von aus, dass das italienische Asylsystem – trotz punktueller Schwachstel-
len – keine systemischen Mängel im Sinn von Art. 3 Abs. 2 zweiter Satz
Dublin-III-VO aufweist (vgl. statt vieler Referenzurteile des BVGer
D-4235/2021 vom 19. April 2022 E. 10; F-6330/2020 vom 18. Oktober
2021 E. 9 und E-962/2019 vom 17. Dezember 2019 E. 6.3). An dieser
Rechtsprechung ist festzuhalten, zumal der Beschwerdeführer nichts Ge-
genteiliges vorbringt. Für eine Übernahme der italienischen Zuständigkeit
gestützt auf Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO besteht daher kein Anlass.
7.
Abweichend von Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO kann jeder Mitgliedstaat be-
schliessen, einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staaten-
losen gestellten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er
nach den in dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung
zuständig ist (Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO). Dieses sogenannte Selbstein-
trittsrecht wird durch Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1 vom 11. August
1999 (AsylV 1, SR 142.311) konkretisiert. Gemäss dieser Bestimmung
kann das SEM das Asylgesuch aus humanitären Gründen auch dann be-
handeln, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat zuständig ist.
Liegen individuelle völkerrechtliche Überstellungshindernisse vor, ist der
Selbsteintritt zwingend (BVGE 2015/9 E. 8.2.1).
8.
8.1 Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerdeschrift grundsätz-
lich dasselbe wie bereits im vorinstanzlichen Verfahren geltend: Sein Ziel-
land sei die Schweiz gewesen. Er sei von B._ aus nach Italien ge-
reist und dort in einem Heim eingesperrt worden, ohne Möglichkeit, wieder
frei zu kommen. Die italienischen Behörden hätten ihm mitgeteilt, er könne
dieses Heim nur verlassen, wenn er seine Fingerabdrücke zu Registrie-
rungszwecken abgebe. Seine Fingerabdrücke seien ihm somit unter
E-4131/2022
Seite 7
Zwang abgenommen worden. Der Konsequenzen sei er sich nicht bewusst
gewesen. In Italien würde er niemanden kennen, sein Bruder befinde sich
aber in der Schweiz. Er habe seine Kinder und seine Frau B._ zu-
rückgelassen, damit er in der Schweiz ein menschenwürdiges Leben ha-
ben könne. Hinzu komme, dass er bei seinem Bruder bleiben wolle.
8.2 Der Beschwerdeführer wurde in Italien – wenn auch angeblich gegen
seinen Willen – daktyloskopisch erfasst. Klarzustellen gilt es an dieser
Stelle, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt,
den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. BVGE 2010/45
E. 8.3). Die Abnahme der Fingerabdrücke von illegal einreisenden auslän-
dischen Personen und Asylsuchenden stützt sich auf die Eurodac-Verord-
nung und erweist sich als legitim. Dem Beschwerdeführer steht es nach
erfolgter Überstellung nach Italien offen, dort um Asyl nachzusuchen und
damit Zugang zu den asylrechtlichen Aufnahmestrukturen zu erhalten. Er
hat in diesem Zusammenhang kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die italienischen Behörden würden sich weigern, ihn aufzunehmen
und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln
der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe
für die Annahme zu entnehmen, das Land werde in seinem Fall den Grund-
satz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land
zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.
8.3 Der Beschwerdeführer macht weder gesundheitliche Probleme geltend
noch lassen sich solche den Akten entnehmen. Er gilt dementsprechend
als gesund. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass Italien grundsätzlich
über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt (vgl. statt vieler:
Urteil des BVGer E-4930/2021 vom 18. November 2021 E. 6.3 m.w.H.). Es
darf davon ausgegangen werden, dass dieser Dublin-Mitgliedstaat die sich
aus der Aufnahmerichtlinie ergebenden Rechte nach Einreichung eines
Asylgesuches anerkennt und schützt. Es liegen keine Hinweise vor, wo-
nach Italien dem Beschwerdeführer eine allenfalls notwendig werdende
adäquate medizinische Behandlung verweigern würde. Der Zugang für
asylsuchende Personen zum italienischen Gesundheitssystem über die
Notversorgung hinaus ist derzeit grundsätzlich gewährleistet, auch wenn
es in der Praxis zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann (vgl. Urteil E-
962/2019 E. 6.2.7). Der Beschwerdeführer könnte sich im Übrigen nötigen-
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-962/2019 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-962/2019
E-4131/2022
Seite 8
falls an die italienischen Behörden wenden und die ihm zustehenden Auf-
nahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl. Art. 26 Aufnah-
merichtlinie).
8.4 Bezüglich des Vorbringens des Beschwerdeführers, in der Schweiz
lebe sein Bruder, vermag dieser nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Brü-
der gelten nicht als Familienangehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-
III-VO. Sodann macht der Beschwerdeführer kein besonderes Abhängig-
keitsverhältnis zwischen sich und seinem Bruder geltend. Ein solches lässt
sich den Akten denn auch nicht entnehmen. Der generelle Hinweis, er
kenne in Italien niemanden und sei auf sich allein gestellt, vermag offen-
sichtlich kein solches Abhängigkeitsverhältnis zu begründen.
8.5 Zusammenfassend liegt kein Grund für die Anwendung der Ermes-
sensklausel von Art. 17 Dublin-III-VO beziehungsweise Art. 29a Abs. 3
AsylV 1 vor. Weder ist die Schweiz verpflichtet, auf das Asylgesuch einzu-
treten, noch liegen humanitäre Gründe vor, welche einen Selbsteintritt na-
helegen würden. Das SEM ist daher zu Recht auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht eingetreten. Da er nicht im Besitz einer gültigen Auf-
enthalts- oder Niederlassungsbewilligung ist, wurde die Überstellung nach
Italien in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet
(Art. 32 Bst. a AsylV 1).
9.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzu-
treten ist, und die Verfügung des SEM zu bestätigen.
11.
Die mit der Beschwerde gestellte Gesuche um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistan-
des sind abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus den vorstehenden
Erwägungen ergibt – aussichtlos waren, weshalb die Voraussetzungen von
E-4131/2022
Seite 9
Art. 65 Abs. 1 und Abs. 2 VwVG nicht erfüllt sind. Das Gesuch um Befrei-
ung von der Kostenvorschusspflicht wird mit dem vorliegenden Entscheid
in der Sache gegenstandslos.
12.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
E-4131/2022
Seite 10