Decision ID: 3df64457-4aa7-4725-bf99-d9ae021dbe1e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Andelfingen vom 11. Juli 2018 (DG170004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 6. November
2017 (Urk. 18) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der qualifizierten groben Verletzung
der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c Strassen-
verkehrsgesetz (SVG) in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a
Abs. 1 lit. b und Abs. 3 Verkehrsregelverordnung (VRV).
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 13 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer
Busse in Höhe von Fr. 2'000.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen.Die Entscheidgebühr wird angesetzt
auf:
Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.00 Gebühr Vorverfahren Fr. 7'339.90 Auslagen Untersuchung (Gutachten) Fr. 15'339.90 Total Verfahrenskosten
6. Die Kosten der Untersuchung in Höhe von Fr. 12'339.90 und des gerichtli-
chen Verfahrens in Höhe von Fr. 3'000.– werden dem Beschuldigten aufer-
legt.
7. Der Beschuldigte trägt die Kosten der erbetenen Verteidigung.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 57)
1. Es sei das Urteil vom 11. Juli 2018 vollumfänglich aufzuheben und Herr
A._ vom Vorwurf der qualifizierten groben Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 und 4 lit. c SVG freizuspre-
chen (Urteil Disp. Ziff. 1).
2. Es sei Herr A._ der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sin-
ne von Art. 90 Abs. 2 schuldig zu sprechen (Urteil Disp. Ziff. 1).
3. Es sei Herr A._ mit einer Geldstrafe von maximal 360 Tagessät-
zen zu Fr. 120.– sowie einer Busse von Fr. 8'640.– zu bestrafen (Urteil
Disp. Ziff. 2).
4. Der Vollzug der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von
zwei Jahren aufzuschieben (Urteil Disp. Ziff. 3 und 4).
5. Alles unter ausgangsgemässer Kosten- und Entschädigungsfolgen (Ur-
teil Disp. Ziff. 5-7).
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(schriftlich, Urk. 50)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Andelfingen vom 11. Juli 2018 wurde der Be-
schuldigte der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c Strassenverkehrsgesetz (SVG) in Verbindung mit
Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 lit. b und Abs. 3 Verkehrsregelverordnung
(VRV) schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten sowie
mit einer Busse von Fr. 2'000.– bestraft. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt (Urk. 43).
2. Mit Eingabe vom 13. Juli 2018 liess der Beschuldigte durch seinen Verteidi-
ger innert Frist die Berufung anmelden (Urk. 39). Das begründete Urteil wurde
diesem am 17. Januar 2019 zugestellt (Urk. 42/1). Mit Eingabe vom 4. Februar
2019 reichte der Verteidiger fristgemäss die Berufungserklärung ein (Urk. 44). Die
Staatsanwaltschaft reichte kein Rechtsmittel ein und beantragt die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 50).
3. An der Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigten persönlich in Be-
gleitung seines erbetenen Verteidigers (Prot. II S. 3). Er liess die eingangs er-
wähnten Anträge stellen. Die Staatsanwaltschaft wurde auf ihr Ersuchen hin und
mit dem Einverständnis des Verteidigers von der Berufungsverhandlung dispen-
siert (vgl. Urk. 50 und 52). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
II. Umfang der Berufung
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (Art. 437 StPO).
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2. Die Berufungserklärung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuld-
spruch im angefochtenen Urteil wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverlet-
zung (Dispositivziffer) und gegen die ausgefällte Freiheitsstrafe (Dispositivziffer
2). Der Beschuldigte beantragt einen Schuldspruch wegen (lediglich) grober Ver-
letzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG und die Bestrafung
mit einer Geldstrafe von maximal 360 Tagessätzen zu Fr. 120.– sowie einer Bus-
se von CHF 8'640.–. Der Vollzug der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 2 Jahren aufzuschieben (Urk. 44). Er beantragt die ausgangsgemässen
Kosten- und Entschädigungsfolgen und ficht damit – da ein Schuldspruch bean-
tragt wird – die Kosten- und Entschädigungsdispositivziffern 5 bis 7 nicht an (vgl.
auch Prot. II S. 4). In diesem Umfang ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft
erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist.
III. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkung
Mit seiner Berufung wendet sich der Beschuldigte gegen den vorinstanzlichen
Schuldspruch wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 und 4 SVG. Er ist der Ansicht, dass sein Verhalten lediglich den
Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG
erfüllt (Urk. 44; Urk. 35).
Wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko
eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch
besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsi-
ges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahr-
zeugen, macht sich der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung i.S.v.
Art. 90 Abs. 3 SVG strafbar. Nach Art. 90 Abs. 2 SVG wird bestraft, wer durch
grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit an-
derer hervorruft oder in Kauf nimmt. Die missverständliche Formulierung Inkauf-
nehmen hat dabei nicht den Sinn, den Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG zu ei-
nem Vorsatzdelikt (Eventualvorsatz) zu machen, vielmehr genügt grobfahrlässige
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Tatbegehung. Demgegenüber kann die qualifizierte grobe Verkehrsregelverlet-
zung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG – als Sonderregelung zu Art. 100 Ziff. 1
Satz 1 SVG – nur vorsätzlich begangen werden. Nach Art. 90 Abs. 4 lit. c SVG ist
Abs. 3 in jedem Fall erfüllt, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit um min-
destens 60 km/h, wo diese höchstens 80 km/h beträgt, überschritten wird. Vorlie-
gend macht der Beschuldigte geltend, nicht vorsätzlich gehandelt zu haben bzw.
nicht vorsätzlich das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todes-
opfern eingegangen zu sein.
2. Sachverhalt
2.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklage zusammengefasst vorgeworfen, am
7. April 2016, ca. 09.05 Uhr, in B._, auf der Hauptstrasse Richtung C._
den Personenwagen "Audi", TG..., mit 143 km/h (nach Abzug der Messtoleranz)
gelenkt zu haben und dabei die dort zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80
km/h ausserorts um mindestens 63 km/h (netto) überschritten zu haben. Er habe
dies bei seiner Fahrweise alles gewusst oder zumindest billigend als ernsthaft
möglich in Kauf genommen. Dabei wird dem Beschuldigten vorgeworfen, durch
seine verkehrsegelwidrige Fahrweise eine extrem hohe abstrakte Unfallgefahr mit
ernstlichen Folgen für Leib und Leben aller anderen Verkehrsteilnehmer geschaf-
fen und gewusst zu haben, dass als Folge seines Geschwindigkeitsexzesses –
aufgrund der Umstände – die Wahrscheinlichkeit eines Unfalles mit Schwerver-
letzten oder Toten sehr stark erhöht gewesen sei (Urk. 18).
2.2. Der Beschuldigte hat vor Vorinstanz anerkannt, dass er damals den Audi mit
der gemessenen Geschwindigkeit von 143 km/h (nach Abzug der Messtoleranz)
gelenkt habe. Sein diesbezügliches Geständnis deckt sich mit den Untersu-
chungsergebnis, insbesondere der Radarmessung, dem dazu erstellten Gutach-
ten des Eidgenössischen Instituts für Metrologie vom 13. Februar 2017 (Urk.
10/1/5 und 10/1/13) und dem morphologischen Gutachten des Forensischen Insti-
tuts Zürich vom 15. Juni 2017 Urk. 10/2/16). Es kann hierzu auf die Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 43 S. 5-6; Art. 82 Abs. 4 StPO). Auch an-
lässlich der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte den äusseren Sachver-
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halt anerkannt (Prot. II S. 6). Der Sachverhalt ist damit in objektiver Hinsicht er-
stellt.
2.3. Den subjektiven Sachverhalt hat der Beschuldigte bestritten. Er gab an,
dass es ihm völlig fern liege, Menschen zu gefährden bzw. an Leib und Leben zu
verletzten. Er sei immer aufmerksam und beobachte alles. Er sehe keine Gefähr-
dung und habe auch keine Absicht gehabt, Menschen zu gefährden oder zu ver-
letzen (Urk. 33 S. 7, vgl. Prot. II S. 6).
2.4. Art. 90 Abs. 3 SVG ist wie gesehen nur bei vorsätzlichem Handeln strafbar,
wobei Eventualvorsatz genügt. Der Täter muss wissen oder für möglich halten,
dass er elementare Verkehrsregeln verletzt und dadurch das hohe Risiko eines
Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht. Anderseits muss er die
Verletzung grundlegender Verkehrsregeln und die dadurch bedingte Eingehung
des Risikos eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern zumindest in
Kauf nehmen, d.h. sich damit abfinden, auch wenn er das nicht wünscht. Dabei
darf die Inkaufnahme eines Risikos nicht mit der Inkaufnahme eines Unfalls mit
dessen Folgen gleichgesetzt werden.
Aus der Formulierung des Gesetzes, wonach Art. 90 Abs. 3 SVG bei Errei-
chen der vorgesehenen Schwellenwerte in Abs. 4 in jedem Fall erfüllt sei, hat das
Bundesgericht zunächst gefolgert, dass die Erfüllung des objektiven Tatbestands
von Art. 90 Abs. 4 SVG die unwiderlegbare Vermutung des Tatvorsatzes begrün-
de, weshalb es weder nötig noch zulässig sei, darüber zu befinden, ob ein Lenker
vorsätzlich gehandelt und ob er das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletz-
ten oder Todesopfern eingegangen sei (Urteil des Bundesgerichts 1C_397/2014
vom 20. November 2014, E. 2.4.1). Demgegenüber hat das Bundesgericht in
BGE 142 IV 137 = Pra 106 (2017) Nr. 42 erkannt, dass gewisse Überschreitun-
gen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit die objektiven Voraussetzungen des
Rasertatbestandes erfüllen, ohne indessen einen Vorsatz zu beinhalten, und dass
das mit der Sache befasste Strafgericht demnach einen gewissen, wenn auch be-
schränkten Ermessensspielraum geniesse, der es ihm erlaube, unter besonderen
Umständen auch bei einer von Art. 90 Abs. 4 SVG erfassten Geschwindigkeits-
überschreitung die Erfüllung des subjektiven Tatbestandes dieser Bestimmung
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auszuschliessen. An dieser Rechtsprechung hat es seither festgehalten (Urteil
des Bundesgerichts 6B_700/2015 vom 14. September 2016, E. 2.2 = Pra 106
(2017) Nr. 86 und 6B_1215/2015 vom 23. November 2016; BGE 143 IV 508, vgl.
Urteil Obergericht des Kantons Zürich SB180040 vom 1. Juni 2018, sowie Urteil
Obergericht des Kantons Zürich SB170237 vom 26. September 2017). Nach den
Erwägungen des Bundesgerichts in BGE 142 IV 137 ist dabei zwar auch künftig
grundsätzlich davon auszugehen, dass der Fahrzeuglenker bei einer Überschrei-
tung der Geschwindigkeit um das im "Rasertatbestand" festgelegte Mass vorsätz-
lich gehandelt hat. Da jedoch besondere Fälle nicht gänzlich ausgeschlossen
werden können, wo zwar objektiv eine qualifizierte Geschwindigkeitsüberschrei-
tung vorliegt, diese aber vom Fahrzeuglenker nicht zwingend mit Vorsatz began-
gen wurde, kann es in speziellen Konstellationen angebracht erscheinen, ein vor-
sätzliches Handeln des Täters zu verneinen. In diesem Umfang verfügt der Rich-
ter daher wie erwähnt über einen gewissen, sehr beschränkten Beurteilungsspiel-
raum. In Erwägung zu ziehen ist dabei aber, dass das Erreichen einer der in Art.
90 Abs. 4 SVG vorgesehenen Schwellenwerte im Allgemeinen die Unmöglichkeit
in sich birgt, das grosse Risiko eines Unfalls im Falle eines Hindernisses oder ei-
nes Verlustes der Fahrzeugbeherrschung zu vermeiden.
Aus dem Gesagten folgt, dass nachfolgend zu prüfen ist, ob die Umstände
des vorliegenden Falles den an sich vermuteten Vorsatz zu widerlegen vermögen.
2.5. Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsa-
chen und ist damit eine Tatfrage. Eine Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der
festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz begründet ist (BGE 137
IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweis; Urteil des Bundesgericht 6B_1204/2016 vom 24. Mai
2017). Bei nicht geständigen Tätern sind diese inneren Tatsachen schwieriger zu
eruieren. Gemäss Rechtsprechung kann sich das Gericht in solchen Fällen des-
halb regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Umstände und auf Erfahrungs-
regeln stützen, welche Rückschlüsse auf die innere Einstellung des Täters erlau-
ben (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Das Gericht darf vom Wissen des
Täters auf den Willen schliessen, wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als
so wahrscheinlich aufdrängt, dass die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen,
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vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE
137 IV 1 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
2.5.1. Der Beschuldigte hat vorgebracht, dass er sich am fraglichen Morgen auf
dem Weg vom Pflegeheim seiner Mutter zu einer Verwaltungsratssitzung in
D._ befunden habe. Im Pflegeheim habe er ein belastendes Gespräch mit
der Heimleitung geführt über lebenserhaltende Massnahmen bezüglich der Be-
handlung seiner Mutter (weitere Infusionen oder „austrocknen lassen“), bei dem
über Leben und Tod gesprochen wurde. Auf der anschliessenden Fahrt nach Zü-
rich sei es unter psychischem Stress im Unterbewusstsein zu seinem Verhalten
gekommen. Im Unterbewusstsein sei auch der Gedanke gewesen, rechtzeitig
nach Zürich zu kommen. Er sei, auch wenn er gerne mal zügig fahre, ein voraus-
schauender, stets aufmerksamer Fahrer und habe in der langen Zeit seit dem Er-
werb des Fahrausweises 1979 keine Unfälle verursacht. Es sei auch so, dass
man mit so einem Auto die Geschwindigkeit nicht so wahrnehme. Es liege ihm
völlig fern, Menschen zu verletzen bzw. an Leib und Leben zu gefährden (vgl.
Urk. 33, Urk. 45 S. 13). Der Verteidiger hebt zusammengefasst zusätzlich hervor,
dass der Beschuldigte in der Folge auf der 1200 Meter langen Strecke (unbe-
wusst) auf die gemessene Geschwindigkeit beschleunigt habe und in die Laserfal-
le geraten sei. Es handle sich dabei um eine kerzengerade, völlig übersichtliche
Strecke, wo, ausser drei kleineren – jedoch gut sichtbaren – Feldwegen, nur
Wiesland vorhanden sei. Andere Verkehrsteilnehmer hätten nicht gefährdet wer-
den können. Insbesondere sei die Einmündung zum dortigen Anwesen E._
sehr gut einsehbar, wobei davon auszugehen sei, dass der Beschuldigte an die-
ser Stelle (100 Meter nach der Radarmessung) weit weniger schnell unterwegs
gewesen sei. Ferner sei der Beschuldigte durch das regelmässige Fahren in
Deutschland an höhere Geschwindigkeiten gewohnt und daher sei die Gefahr um
einiges grösser, unbewusst die Geschwindigkeit zu überschreiten. Der Audi S7
sei eine äusserst sichere Sportlimousine mit viel grösserer aktiver Sicherheit als in
anderen Fahrzeugen (u.a. Keramik-Bremsanlage mit massiv kürzerem Brems-
weg), was das Sicherheitsgefühl vergrössere und in dem man die Geschwindig-
keit nicht merke. Unter Berücksichtigung aller Umstände sei es glaubhaft und
nachvollziehbar, dass der Beschuldigte das Geschwindigkeitslimit in Gedanken
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vertieft und ohne jeglichen Vorsatz überschritten habe. Ein Gefährdungsvorsatz
sei ihm absolut fern gelegen. Es handle sich bei ihm definitiv nicht um jenen „Vor-
satz-Raser“, welchen man bei der Einführung des - zwischenzeitlich bereits über-
holten - Rasertatbestandes vor Augen gehabt habe (Urk. 35 S. 3-6, vgl. auch Urk.
57 und Prot. II S. 6 ff.).
2.5.2. Die Vorinstanz hat die relevanten Umstände sowie das Verhalten des Be-
schuldigten und dessen Aussagen, aus welchen auf den subjektiven Tatbestand
als inneren Vorgang geschlossen werden kann, äusserst sorgfältig, umfassend
und überzeugend gewürdigt. Auf diese Erwägungen kann weitgehend verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 45 S. 13-18). Die nachfolgenden Ausführungen
erfolgen im Wesentlichen im Sinne einer Rekapitulation und Hervorhebung der
zutreffenden und umfassenden vorinstanzlichen Erwägungen.
Die Vorinstanz hat zur Wissenskomponente hinsichtlich der Geschwindig-
keitsüberschreitung zutreffend erwogen, dass auch wenn man davon ausgehe,
dass im Audi S7 aufgrund der Fahrzeugbeschaffenheit und -ausstattung hohe
Geschwindigkeiten kaum wahrnehmbar seien, der Beschuldigte bei einer Ge-
schwindigkeit von 143 km/h aufgrund der Schnelligkeit, mit der sich seine Umge-
bung bei der Fahrt veränderte, erkennen musste, dass er mit einer derart hohen
Geschwindigkeit fährt (Urk. 45 S. 15). Dem ist ohne Weiteres zuzustimmen, zu-
mal es vorliegend nicht um eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 10 km/h
oder 20 km/h, sondern um eine solche von über mindestens 63 km/h geht, was
nebenbei bemerkt mehr als drei Viertel schneller ist als die erlaubte Geschwindig-
keit. Anzufügen ist, dass ein erfahrener Fahrzeuglenker regelmässig auf den Ta-
cho schaut und der Beschuldige auch eingeräumt hat, dies regelmässig immer
wieder zu tun (Urk. 4 S. 8). Auch von daher musste dem Beschuldigten klar sein,
wie schnell er unterwegs war. Als erfahrener Fahrzeuglenker dieser Sportlimousi-
ne mit starker Beschleunigung musste dem Beschuldigten denn auch bewusst
sein, dass schon mit kurzem Druck aufs Gaspedal derart hohe Geschwindigkeiten
erreicht werden. Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass der Be-
schuldigte seinen Führerausweis 1979 erwarb, eine Fahrpraxis von mehr als 35
Jahren aufweist, das fragliche Fahrzeug seit zweieinhalb Jahren besitzt und re-
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gelmässig benützt und damit jährlich 30‘000 bis 40‘000 Fahrkilometer absolviert.
Sie folgerte überzeugend, dass diese Umstände den Schluss zulassen, dass der
Beschuldigte angesichts des gefahrenen Tempos von 143 km/h, welches die er-
laubte Geschwindigkeit um 63 km/h überstieg, mindestens damit gerechnet haben
muss, dass er jedenfalls viel zu schnell gefahren ist, insbesondere da ihm eige-
nen Angaben zufolge bewusst gewesen war, dass er bezüglich Tempolimit von
der Historie her nicht „schweizkonform“ sei und er zudem angab, bei seinen Fahr-
ten immer regelmässig auf den Tacho zu schauen (Urk. 45 S. 14 f.). Weiter hat
der Beschuldigte selber eingeräumt, er habe damals rechtzeitig nach Zürich
kommen wollen, was ebenfalls dafür spricht, dass er bewusst schnell unterwegs
war. Es ist ihm sodann zwar ohne Weiteres zu glauben, dass er durch das belas-
tende Gespräch im Pflegeheim aufgewühlt war. Es erscheint aber als Schutzbe-
hauptung, dass er deswegen nicht realisiert haben soll, derart schnell unterwegs
gewesen zu sein. Es ist daher insgesamt aufgrund der Umstände als erstellt zu
betrachten, dass der Beschuldigte wusste bzw. es zumindest für möglich hielt,
dass er massiv zu schnell unterwegs war, bzw. dass er mit seinem Fahrverhalten
die Verkehrsregel, wonach er auf dem befahrenen Strassenabschnitt höchstens
mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h fahren durfte, krass verletzte.
Zur Wissenskomponente hinsichtlich der Schaffung eines hohen Unfallrisi-
kos mit Schwerverletzen oder Todesopfern ist vorab nochmals hervorzuheben,
dass eine Tempoüberschreitung von über 60 km/h bei einer Strecke, wo die
Höchstgeschwindigkeit 80 km/h beträgt wie vorliegend grundsätzlich ein hohes
Risiko für schwere Unfälle schafft. Diese Vermutung kann indessen wie erwogen
beim Vorliegen ausserordentlicher Umstände widerlegt werden. Bei der vom Be-
schuldigten mit mindestens 143 km/h befahrenen Strecke handelt es sich um eine
nicht richtungsgetrennte Strasse, wobei die Fahrstreifengrenzen lediglich mit einer
Leitlinie gekennzeichnet sind. Weiter befindet sich – wie den bei den Akten lie-
genden Fotos zu entnehmen ist – in Höhe der Radarmessung neben der Fahr-
bahn in Fahrtrichtung des Beschuldigten hohe Hecken aus Sträuchern und mün-
det ein Feldweg in die Strasse. Die Strasse an dieser Streckenstelle weist auf der
gegenüberliegenden Seite Felder und dahinter Waldrand auf (Urk. 7 Bild 1 und 2,
Urk. 10/1/5 Bild Nr. 1 und 2). Die Fahrbahn war sodann nicht durch Zäune oder
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andere Schranken von der Umgebung abgetrennt. Diese Strassenverhältnisse
vermögen das an sich bei derart hohen Geschwindigkeiten bestehende Unfallrisi-
ko eher zu erhöhen, was dem Beschuldigten, der die Strecke kannte, bewusst
sein musste. Es muss davon ausgegangen werden, dass wenn unter diesen Um-
ständen aus dem Feld oder dem Gebüsch bzw. der Hecke herkommend ein Tier
(Hund, Katze oder auch kleinere Tiere) auf die Strasse gelaufen oder plötzlich ein
sonstiges Hindernis aufgetreten wäre, es bei der hohen Geschwindigkeit mit wel-
cher der Beschuldigte unterwegs war mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Un-
fall mit schweren Folgen, allenfalls für ihn selbst, gekommen wäre. Diese hohe
Geschwindigkeit birgt wie erwähnt die Unmöglichkeit in sich, das grosse Risiko
eines Unfalls im Falle eines Hindernisses oder eines Verlusts der Fahrzeugbe-
herrschung zu vermeiden. An diesen Erwägungen ändern auch die grundsätzlich
zutreffenden Vorbringen der Verteidigung nichts, dass insbesondere der fragliche
Streckenabschnitt gerade war, die Witterungs- und Sichtverhältnisse gut waren
und die Einmündung des Feldweges zum E._ von der Fahrtrichtung des Be-
schuldigten her gut einsehbar war und somit ein Traktor oder ein anderes Gefährt
grundsätzlich gut sichtbar gewesen wäre. Dies spricht zwar in der Tat gegen ein
extrem hohes Unfallrisiko wie es beispielsweise bei kurvigen Strecken oder sol-
chen mit Strasseneinmündungen oder hoher Verkehrsdichte gegeben ist, was in-
dessen lediglich bei der Strafzumessung zu berücksichtigen sein wird. Bei einem
Tempo von 143 km/h besteht auch bei Strassenverhältnissen wie den vorliegen-
den ein hohes Risiko von schweren Unfällen. Jedenfalls sind vorliegend keine
ausserordentlichen Umstände im Sinne der oben erwähnten Bundesgerichts-
rechtsprechung gegeben, die gegen diese gesetzliche Vermutung sprechen, wie
etwa, dass eine Beschränkung der Geschwindigkeit zu einem anderen Zweck als
der Verkehrssicherheit – etwa bloss vorübergehend aus ökologischen Gründen -
angeordnet wurde (vgl. BGE 143 IV 508). Entgegen der Ansicht der Verteidigung
lag aufgrund der gegebenen bzw. geschaffenen Umstände der Eintritt einer kon-
kreten Gefährdung daher insgesamt doch besonders nahe, dass auch der Be-
schuldigte dieses Risiko zumindest ernsthaft für möglich gehalten haben muss.
Weiter ist davon auszugehen, dass er dieses hohe Unfallrisiko in Kauf ge-
nommen hat, was sich wie erwogen grundsätzlich schon daraus ergibt, dass er
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eine krasse Geschwindigkeitsüberschreitung und die hohe Unfallgefahr für mög-
lich hielt und dennoch derart schnell fuhr bzw. sein Fahrzeug nicht verlangsamte.
Die Strecke war ihm zudem bekannt – also auch dass die Fahrbahn nicht rich-
tungsgetrennt ist und es Hecken und Wegeinmündungen gibt – und weiter hat er
eingeräumt, dass "im Unterbewusstsein auch der Gedanke war, rechtzeitig nach
Zürich (zur Verwaltungsratssitzung) zu kommen" (Urk. 33 S. 3 und S. 5). Er ist
denn auch zu einem Vorabgespräch mit einem Verwaltungsrat vor der Sitzung zu
spät gekommen (a.a.O. S. 5). Auch dies deutet darauf hin, dass er bei seinem
Ziel, rechtzeitig in Zürich zu sein, das hohe Unfallrisiko in Kauf genommen hat
bzw. er sich aufgrund seiner massiv übersetzten Geschwindigkeit auf der ihm be-
kannten Strecke damit abgefunden hat, auch wenn er dieses hohe Unfallrisiko
nicht wünschte. Hervorzuheben ist dabei nochmals – der Beschuldigte gab an,
dass es ihm völlig fern liege, Menschen zu gefährden bzw. an Leib und Leben zu
verletzten – dass die Inkaufnahme eines Risikos nicht mit der Inkaufnahme eines
Unfalls mit dessen Folgen gleichgesetzt werden darf.
3. Rechtliche Würdigung
Durch die Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit von 80 km/h um netto
63 km/h hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Art. 90 Abs. 3 und
Abs. 4 lit. c SVG erfüllt. Gemäss erstelltem inneren Sachverhalt hat er dabei nebst
dieser Verkehrsregelverletzung auch ein hohes Unfallrisiko mit Schwerverletzten
oder Todesopfern zumindest für ernsthaft möglich gehalten und dieses in Kauf
genommen. Er muss sich deshalb eventualvorsätzliches Handeln vorwerfen las-
sen und hat damit auch den vom Gesetz her vermuteten subjektiven Tatbestand
von Art. 90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c SVG erfüllt. Es liegen im Ergebnis wie erwähnt
sodann keine besonderen, speziellen Umstände vor (vgl. dazu auch BGE 142 IV
137, E. 10.1), welche die gesetzliche Vermutung, dass ein Fahrzeuglenker bei ei-
ner Geschwindigkeitsüberschreitung der vorliegenden Art regelmässig vorsätzlich
handelt, widerlegen könnten. Der Beschuldigte ist somit der qualifiziert groben
Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 und 4 lit. c SVG in Verbin-
dung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b und Abs. 3 VRV schuldig zu
sprechen.
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Die Verteidigung hat in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, eine Verur-
teilung des Beschuldigten nach Art. 90 Abs. 3 und 4 lit. c SVG heute wäre stos-
send, zumal der entsprechende Absatz 4 demnächst aufgehoben werde. Die poli-
tische Diskussion zur Revision des Raser-Tatbestands sei bereits weit fortge-
schritten (Urk. 57 S. 10). Ob es tatsächlich zur entsprechenden Revision kommt,
ist trotz oder gerade wegen der laufenden politischen Diskussion noch ungewiss.
Es ist dessen ungeachtet auf die heute geltende Rechtlage abzustellen.
IV. Strafe
1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen zur Strafzumessung kor-
rekt wiedergegeben und auch den Strafrahmen richtig abgesteckt. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann vorab darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO, Urk. 45 S. 19 ff.).
2.1. Die objektive Tatschwere ist als leicht zu bewerten. Die in Art. 90 Abs. 4
SVG festgelegten Grenzwerte überschritt der Beschuldigte nur geringfügig. Zu
seinen Gunsten wirkt sich aus, dass es sich um eine gerade, relativ übersichtliche
Strecke handelte und keine anderen Verkehrsteilnehmer auf der Strecke waren,
die konkret gefährdet waren. Die Fahrt fand bei guter Witterung und somit guten
Strassen- und Sichtverhältnissen statt. Weiter ist zu seinen Gunsten davon aus-
zugehen, dass er diese krasse Geschwindigkeitsüberschreitung nur während ei-
ner kurzen Strecke aufrecht erhielt. Der Beschuldigte lenkte das Fahrzeug weder
unter Alkohol- noch Drogeneinfluss und er ging keine zusätzlichen Risiken wie
etwa ein waghalsiges Überholen ein. Es sind insgesamt keine erschwerenden
Umstände ersichtlich. Dass er sich gewohnt ist, in Deutschland auf solchen Stre-
cken höhere Geschwindigkeiten zu fahren und in Deutschland für solche Ver-
kehrsregelverletzungen weit tiefere Strafen vorgesehen sind, vermag sein Verhal-
ten entgegen der Ansicht der Verteidigung keineswegs zu entlasten, zumal der
Beschuldigte, wie die Vorinstanz zutreffend erwägt, seit rund 15 Jahren in der
Schweiz lebt. In subjektiver Hinsicht ist verschuldensreduzierend zu veranschla-
gen, dass der Beschuldigte nur eventualvorsätzlich handelte. Dass er die Fahrt
nach einem schwierigen, belastenden Gespräch und in aufgewühltem Zustand
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beging, vermag ihn entgegen der Ansicht der Verteidigung nicht wirklich zu ent-
schuldigen. Der Beschuldigte hat denn auch selber eingesehen, dass es vielleicht
auch gescheiter gewesen wäre, nach diesem Gespräch im Pflegeheim nicht in
das Auto zu steigen (Urk. 33 S. 5). Im Rahmen aller denkbaren Fälle eines quali-
fizierten Geschwindigkeitsexzesses ist das Verschulden des Beschuldigten insge-
samt noch im untersten Bereich anzusiedeln. Hierfür erweist sich eine Einsatz-
strafe von einem Jahr Freiheitsstrafe als angemessen.
2.2. Die Vorinstanz hat die Angaben zum Vorleben und den persönlichen Ver-
hältnissen des Beschuldigten im Rahmen der Täterkomponente zutreffend darge-
stellt und ist zutreffend zum Schluss gelangt, dass seine Lebensgeschichte, sein
Werdegang und die aktuellen Verhältnisse insgesamt einen guten Eindruck hin-
terlassen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz wirkt sich dies indessen straf-
zumessungsneutral aus und kann nicht zu einer Strafminderung führen.
2.3. Hervorzuheben ist, dass der Beschuldigten einen schon getrübten automobi-
listischen Leumund aufweist (Urk. 12/2-5). 2013 erhielt er in der Schweiz eine
Verwarnung wegen Geschwindigkeitsüberschreitung. 2015 wurde ihm aus dem
gleichen Grund der Führerausweis für die Dauer von einem Monat entzogen. In
Deutschland wurde der Beschuldigte ebenfalls wegen Geschwindigkeitsüber-
schreitung Ende 2013 gebüsst. Es scheint, dass ihn diese bisherigen Sanktionen
und Massnahmen nicht nachhaltig beeindruckt haben. Auf der anderen Seite ist
zu berücksichtigen, dass das heute zu beurteilende Geschehene vor über drei
Jahren vorgefallen ist und sich der Beschuldigte soweit bekannt seither wohl ver-
halten hat. Die Vorinstanz hat strafmindernd berücksichtigt, dass dem Beschuldig-
ten als Folge der Verurteilung ein Führerausweisentzug von mindestens 2 Jahren
droht, was ihn spürbar treffe, da er beruflich auf den Führerausweis angewiesen
sei (Urk. 45 S. 23). Der drohende Entzug des Führerausweises stellt jedoch die
logische und allseits bekannte administrative Konsequenz eines automobilisti-
schen Fehlverhaltens dar. Diese Sanktion trifft alle Automobilisten gleichermas-
sen und es ist nicht einzusehen, weshalb der Beschuldigte unter diesem Titel pri-
vilegiert behandelt werden sollte (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich
SB160367 vom 9. Januar 2017). Generell ist gemäss ständiger bundesgerichtli-
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cher Rechtsprechung nur bei Vorliegen aussergewöhnlicher Umstände und unter
grosser Zurückhaltung von einer Strafempfindlichkeit auszugehen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 31. März 2011 6B_1065/2010 E. 1.10). Von einer Strafmin-
derung aus diesem Grund ist daher abzusehen. Das (späte) Geständnis des Be-
schuldigten hinsichtlich des äusseren Sachverhaltes anlässlich der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung wirkt sich nur kaum merklich strafmindernd aus.
2.4. Insgesamt wirkt sich das Nachverhalten leicht straferhöhend aus.
2.5. Entgegen der Vorinstanz ist vorliegend von der Ausfällung einer Verbin-
dungsbusse abzusehen. Mit dieser soll in erster Linie im Rahmen der Massende-
linquenz die sog. Schnittstellenproblematik zwischen der stets unbedingten Busse
für Übertretungen und der bedingten Geldstrafen für Vergehen entschärft werden.
Die entsprechende Problematik ist vorliegend nicht gegeben und es ist davon
auszugehen, dass die Freiheitsstrafe an sich bereits genügt, damit sich der Be-
schuldigte in Zukunft rechtens verhalten wird. Zudem wird dem Verschulden mit
der Freiheitsstrafe allein bereits ausreichend Rechnung getragen.
2.6. Insgesamt erscheint demnach unter Berücksichtigung sämtlicher massge-
bender Strafzumessungsgründe eine Freiheitsstrafe von einem Jahr als ange-
messen.
V. Vollzug
Die Vorinstanz gewährte dem Beschuldigten den bedingten Strafvollzug unter An-
setzung einer Probezeit von zwei Jahren (Urk. 45 S. 24 f.). Dabei hat es zu blei-
ben, nachdem nur der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil anfocht und somit
das Verbot der reformatio in peius gilt (Art. 391 Abs. 2 StPO). Verweigert die
Rechtsmittelinstanz im Gegensatz zur ersten Instanz den bedingten Strafvollzug,
ist das Verschlechterungsverbot verletzt, auch wenn die Dauer der Strafe ge-
samthaft kürzer ist (BGE 142 IV 89). Anzufügen ist, dass die objektiven und sub-
jektiven Voraussetzungen zur Gewährung des bedingten Strafvollzuges vorlie-
gend klar erfüllt sind (vgl. Urk. 45 S. 25 f.).
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VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
mit seinen Anträgen weitgehend. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die
gesamten Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Eine Entschädigung ist
ausgangsgemäss nicht zuzusprechen.