Decision ID: 31ed6702-b36b-427e-ab1b-680271ccf921
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975,
arbeitete seit Oktober 2013 als Mitarbeiter Reini
gung/Verfahrenstechnik bei
der Stadt Y._
,
Z._
(
Z._
;
Urk. 13/16). Am 29. August 2015 erlitt er einen Unfall und zog sich dabei eine intraartikuläre Unterschenkelfraktur zu, welche am 30. August 2015 mit einem Fixateur externe operativ versorgt
wurde (Urk. 13/7/25-27). Am 14.
Sep
tember 2015 wurde der Fixateur externe durch eine Plattenosteosynthese ersetzt (Urk. 13/7/31). Am
17. Februar 2016
meldete sich der Versicherte
bei der
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (Urk. 13/5).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin
medizinische und erwerbliche Abklä
rungen (Urk. 13/7-33).
Nach misslungener Reintegration an seinem angestamm
ten Ar
beitsplatz (Urk. 13/45/2),
durchgeführten
erfolglosen
beruflichen Mass
nahmen (Arbeitsvermittlung
vom 5. Januar bis 4. Juni 2017 bei
der A._
[Urk. 13/34];
vorzeitig abgebrochenes
Arbeitstraining
vom 16. Mai bis
1
8.
Mai
2017
bei der B._
AG
[Urk. 13/49
, 55, 60
])
sowie Auflösung de
s Arbeitsverhältnis
ses
mit der Z._
per
Ende
Oktober 2017 (Urk. 13/11
5
/68
und Urk. 13/148
)
, stellte die IV-Stelle dem Versicherten m
it Vorbescheid vom 29. November 2017
die
Zusprache
einer befristeten
Viertelsrente
von Mai 2017 bis Januar 2018 in Aussicht (Urk. 13/88). Nach durch den Versicherten dagegen erhobenem Einwand (Urk. 7/93, 104), gab die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Orthopädie und Psychi
atrie in Auftrag (Urk. 13/106-107), welches am 1. Juni 2018 erstattet wurde (Urk.
13/115
). Mit Verfügung vom 29. Oktober 2018 verneinte die IV-Stelle einen
Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk.
13/122
). Mit Urteil IV.2018.01034 vom
6.
November 2019 hiess das hiesige Sozialversicherungsgericht die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten
(Urk. 13/123)
teilweise gut und hob die angefochtene Verfügung insoweit auf, als
festgestellt wurde, dass der Versicherte vom 1. August 2016 bis am 30. November 2016 Anspruch auf eine ganze Rente und vom 1. bis 31. Dezember 2016 Anspruch auf eine halbe befristete Rente der Invalidenversicherung hat (Urk. 13/
127/13-14
).
1.2
Am
2. April 2020 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (Urk. 13/136) und legte
nach entsprechender Aufforderung durch die IV-Stelle (Urk. 13/138)
ei
nen Bericht von Dr. med. C._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 13. Februar 2020 (Urk. 13/141) sowie einen
Bericht des
D._
vom 19. Mai 2020 auf (Urk. 13/145).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin
medizinische Abklärungen (Urk. 13/149, 154-156) und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 6. Oktober 2020 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 13/160). Dagegen erhob der Versicherte am 21. Oktober 2020 Einwand (Urk. 13/163
, 166
), woraufhin die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 19. November 2020 abwies (Urk. 2 = Urk. 13/168).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
18. Dezember 2020 (Posteingang) Beschwerde bei der IV-Stelle (Urk.
13/169
= Urk. 1
), welche diese mit Schreiben
vom 27. Januar 2021 an das hiesige Sozialversicherungsgericht weiterleitete (Urk. 4).
Er beantragte sinngemäss die
Zusprache
einer ganzen Rente (Urk. 1) und legte einen Bericht der
E._
AG
vom
7.
Dezember 2020 auf (Urk. 3/1-3).
Am 3. März 2021 reichte er diverse weitere Arztberichte ein (Urk. 11).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 8. März 2021 (Urk. 12) unter Hinweis auf ihr Schreiben vom 25. Januar 2021 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Versicherten am 18. März 2021 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 14). Mit Schreiben vom 12. Mai 2021 teilte die IG Treu
hand & Beratungen GmbH unter Beilage einer Vollmacht mit, die Interessen des Versicherten zu
v
ertreten und ersuchte um Einsicht in die Prozessakten (Urk. 15 und 16). Am 25. Mai 2021
beantragte sie unter Beilage eines Be
richts von Dr. med. F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothe
rapie, vom 17. Mai 2021 die Anordnung einer spezialärztlichen Begutachtung des Beschwerdeführers (Urk. 17 und 18).
Mit Schreiben vom 19. Januar 2022 erkun
digte sich der Beschwerdeführer nach dem Verfahrensstand (Urk. 20 und 21).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des
rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
I
st die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Eine solche Änderung kann insbesondere in einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes mit entsprechend ver
min
derter Arbeitsfähigkeit oder, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesund
heitszustand, in veränderten Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgaben
bereich liegen. Demgegenüber stellt die bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes keine relevante Änderung dar (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, die medizi
nischen Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer in seiner bishe
rigen Arbeitstätigkeit als Reinigungskraft zu 100
% arbeitsunfähig, in einer angepassten T
ätigkeit
(
überwiegend sitzend und ohne Belastung des rechten Fusses
)
demgegenüber zu 100
% arbeitsfähig sei.
Mit der gesundheitlichen Ein
schränkung könne ein gleichwertiges Einkommen wie vor der gesundheitlichen Beeinträchtigung erzielt werden, weshalb kein Anspruch auf eine IV-Rente bestehe (Urk. 2). Der vom Beschwerdeführer eingereichte Bericht der
E._
AG ändere daran nichts, zumal die Behandler von einer Arbeitsun
fähigkeit im Umfang von 0 % ausgehen und ebenfalls eine Tätigkeit mit wech
selnder sitzender oder stehender Position empfehlen würden (Urk. 5).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, seine Arbeits
unfähigkeit betrage 100 %. Er habe seit der Operation ständig Schmerzen, wobei sich diese immer mehr verstärken würden. Zudem sei er seit zwei Jahren auch in psychiatrischer Behandlung (Urk. 1)
.
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist am 15. Juni 2020 materiell auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers eingetreten (Urk. 13/159/2), womit eine gerichtliche Über
prüfung der
Eintretensfrage
unterbleibt (Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.
3.1
Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditäts
grad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich durch Gegenüberstel
lung des Sachverhaltes im Zeitpunkt der strittigen Verfügung mit demjenigen, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung bestanden hatte (BGE 130 V 71 E. 3.1). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchs
erheblichen Änderung bildet folglich die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechtskonformer Sach
verhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleiches beruht (BGE 134 V 131 E. 3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 3.2).
Vorliegend wurde der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers letztmals mit Urteil des hiesigen Sozialversicherungsgerichts vom 6. November 2019 materiell beurteilt. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das Sozialversicherungsgericht bei seiner Beurteilung auf den bis zum Zeitpunkt der damals streitigen Verfügung vom 29. Oktober 2018 eingetretenen Sachverhalt abgestellt hat. Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob sich der massgebliche Sachverhalt zwischen dem 29. Oktober 2018 und der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 19. November 2020 (Urk. 2) in für den Rentenanspruch erheblicher Weise geändert hat (E. 1.
4
).
3.2
D
as Urteil
des hiesigen Sozialversicherungsgerichts
vom 6. November 2019 respek
tive die Verfügung
der Beschwerdegegnerin
vom 29. Oktober 2018 basierte
im Wesentlichen auf dem Gut
achten der G._
AG vom 1. Juni 2018 (Urk. 13/115). Darin stellten die Gutachter folgende Diagnose mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 13/115/4):
-
Funktionsstörung des rechten Beines nach operativ versorgtem Mehr
stückbruch von Schienbein und Wadenbein mit verbliebener Einschrän
kung der Fusshebung und Reduktion der Beweglichkeit im unteren Sprung
gelenk rechts
Zudem wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 13/115/4):
-
Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung anderer Gefühle (ICD-10 F 43.23)
-
Möglicherweise leicht- bis mittelgradig ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.1)
Auf orthopädischem Fachgebiet wurden folgende relevanten objektiven Befunde erhoben: Beim Barfussgang falle ein erheblich variables Schonhinken auf. Bei der ersten Schrittfolge sei der Gang noch raumgreifend und
hinkfrei
. Bei der zweiten geprüften Schrittfolge werde der rechte Fuss, der vormals ein regelrechtes Abroll
verhalten gezeigt habe, nur noch plan aufgesetzt und ohne Bewegung im oberen Sprunggelenk angehoben und wieder nach vorne gesetzt. Bei Betrachtung von hinten bestehe Beckengeradstand und Schultergeradstand. Zehenspitzen- und Fersenstand seien dem Beschwerdeführer möglich. Hierbei würden Beschwerden im rechten Unterschenkel und im rechten oberen Sprunggelenk angegeben. Im Weiteren gebe der Beschwerdeführer an, er könne rechts doch nicht auf den Zehen
spitzen gehen. Er könne schon gar nicht auf dem rechten Fuss wippen oder hüpfen. Bei der erneuten Gegenprüfung des Zehenspitzenstandes werde dieser als
nicht mehr durchführbar angegeben. Das tiefe Abhocken und Hochkommen aus der tiefen Hocke sei problemlos vorführbar.
Inspektorisch
bestehe keine sichtbare Muskelminderung am rechten Bein. Knapp oberhalb des Sprunggelenks am rechten Bein bestünde eine
keloidartige
Verdickung und eine schlechte
Ver
schieb
lichkeit
der Narbe.
An dieser Stelle sei die Wunde schlecht geheilt. Im Übri
gen sei die Wunde reizlos und ohne fortgeleitete Entzündungszeichen und abge
sehen vom Narbenkeloid im unteren Anteil nicht druckschmerzhaft. Das obere Sprunggelenk sei für die Fusshebung bewegungseingeschränkt (Fusshe
bung bis 10°) bei frei möglicher Fusssenkung. Das untere Sprunggelenk sei für die Inver
sion, also für die Fussbewegung nach innen, gering gemindert. Das Anheben des äusseren Fussrandes sei im Seitenvergleich nicht reduziert. Das aktive Fussheben und Fusssenken sei gegen Widerstandsgabe kräftig möglich, ohne fühlbare Kraft
minderung im Seitenvergleich zu links. Es bestünden keine Überwärmung und keine tastbare Schwellung von oberem und unterem Sprung
gelenk. Knapp ober
halb des Innenknöchels zeige sich eine etwa 5x5 cm bräun
liche Hautinduration nach dort stattgehabter
Hautdurchspiessung
im Rahmen des offenen Unter
schenkelbruches. Es sei keine Achsfehlstellung erkennbar gewesen. Es bestehe eine beidseits seitengleiche
Fusssohlenbeschwielung
. Die Fussmusku
latur sei beid
seits gleich entwickelt (Urk. 13/115/43-44).
Auf psychiatrischem Fachgebiet wurden im Wesentlichen folgende Untersu
chungsbefunde nach AMDP festgehalten: Der Beschwerdeführer sei wach und bewusstseinsklar sowie zeitlich, örtlich, situativ und zur Person orientiert. Er könne Lebensdaten sicher rekonstruieren und im Zeitgitter einordnen. Das Lang- und Kurzzeitgedächtnis seien intakt. Die Konzentration und Aufmerksamkeit seien nicht eingeschränkt. Der Subtraktionstest werde zunächst fehlerfrei durch
geführt. Dann setze eine Verlangsamung ein, der Beschwerdeführer verrechne sich um eine Zahl, bei der nächsten Rechenoperation um zehn Zahlen, und bestä
tige auf Nachfrage, dass dies Ausdruck verminderter Konzentration sei, was dis
krepant zu seinem sonst gut konzentrierten Antwortverhalten sei. Der formale Gedankenlauf sei geordnet, auf das Wesentliche beschränkt bei angemessener Denk
geschwindigkeit. Eine
Grübelneigung
werde nicht berichtet. Der Beschwer
de
führer deute an, Angst wegen des Herzstolperns zu haben. Darüberhinaus
gehende Ängste oder Phobien und ein Vermeidungsverhalten seien nicht zu eruieren. Es bestünden keine
Zwangsgedanken, -impulse oder
h
andlungen
. Hin
weise für inhaltliche Denkstörungen würden nicht vorliegen und es würden sich keine Hinweise für das Vorliegen von akustischen, optischen, gustatorischen, olfak
torischen, taktilen oder
zönästhetischen
Halluzinationen ergeben. Ich-Stö
rungen seien nicht
eruierbar
. Der Beschwerdeführer sei zunächst, als er das Thema
Krieg erwähne, gereizt, wirke
weitstreckig
unterschwellig gereizt bei einem Bemü
hen um eine adäquate Interaktionsgestaltung. Er sei moduliert und auslenk
bar.
Es würden keine Schuld- und Insuffizienzgefühle bestehen. Einmalig, während der Beschwerdeführer das zweite Mal über Kriegserlebnisse spreche, sei er neben der gereizten Haltung auch
affektinkontinent
und breche in Tränen aus. Der gerichtete
m
otorische Handlungsantrieb sei adäquat. Psychomotorische Auf
fäl
ligkeiten würden sich nicht zeigen. Es bestünde kein Anhalt für Suizid
gedanken oder –
pläne
(Urk. 13/115/71-73).
Aus orthopädischer Sicht sei die Fraktur mit der Funktionseinschränkung der ver
minderten Belastbarkeit des Sprunggelenks stabil und belastbar verheilt. Es habe gutachterlich anhand objektiver Befunde nachgewiesen werden können, dass der Beschwerdeführer, entgegen seinen Behauptungen, das verunfallte Bein praktisch voll belaste, Zeichen einer Minderbelastung lägen nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht sei ausgeführt worden, dass unter Berücksichtigung der Aktenlage und der
Befunde trotz der Möglichkeit einer leicht- bis mittelgradig ausgeprägten post
traumatischen Belastungsstörung ein – entsprech
end der Einschätzung in H._
– bewusst dysfunktionales Verhalten mit einer auch hier beobachteten demonstrativen Symptompräsentation
ohne psychische Einschränkungen vor
liege
. Es könne eine Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung anderer Gefühle (ICD-10 F 43.23) diagnostiziert werden (Urk. 13/115/3-4). Aus psy
chiatrischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 13/115/5).
Es falle im Aktenverlauf auf, dass der Beschwerdeführer zwar durchaus Initiative und Bereitschaft zur Wiederaufnahme einer Arbeit markiert
habe
,
eine solche
dann aber trotz weitgehenden Entlastungen umgehend – jeweils zum Erstaunen der Betreuer –
habe scheitern lassen
. Das von ihm selber vermittelte
und teilweise von den behandelnden Chirurgen laut Angaben des Beschwerdeführers übernom
mene Leistungsprofil sei aufgrund des Lokalbefundes in seiner funktionellen Enge an sich nicht plausibel und stehe im krassen Gegensatz zu den objektiven Befun
den. Das geklagte Missverstanden-Sein und die hier teilweise deutlich gezeigte Ungehaltenheit seien demonstrativ. Der Beschwerdeführer wäre auch durchaus in der Lage, die vorsichtige und das Vorgehen lange offenlassende Haltung der Ärzte bezüglich Metallentfernung zu verstehen. Er mache aber lieber Schuldzuweisun
gen, halte systematisch alle hin und sei der Auffassung, dass zunächst eine Ent
schädigung fällig sei (Urk. 13/115/4-5).
Die Gutachter hielten zusammenfassend fest, e
s bestehe eine behandlungs
bedingte Arbeitsfähigkeit von 0 % vom 29. August 2015 bis am 25. September 201
6.
Anschliessend liege vom 26. September 2016 bis am 16. Oktober 2016 eine
Arbeitsfähigkeit von 50 % und vom 17. Oktober 2016 bis am 6. November 2016 eine solche von 75 % vor. In der bisherigen Tätigkeit liege eine uneingeschränkte Leistungsfähigkeit in einem reduzierten Pensum von 6 Stunden täglich, entspre
chend gesamthaft einer Arbeitsfähigkeit von 70 % seit dem 7. November 2016 vor. In einer angepassten Tätigkeit bestehe seit dem 7. November 2016 eine volle
Arbeitsfähigkeit in Tätigkeiten bei Wechsel zwischen Gehen, Stehen und teil
weise, nicht überwiegend, im Sitzen und ohne häufiges Treppen- oder Lei
ternsteigen. Die zeitliche Einschränkung des Tagespensums in der bisherigen Tätigkeit bestehe wegen verminderter Belastbarkeit des rechten Sprunggelenks (Urk. 13/115/5).
3.3
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung vom 2. April 2020 liegen insbeson
dere folgende Berichte bei den Akten
:
3.3
.1
Dem Beri
cht von Dr. med. I._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 10. Januar 2019 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer vor allem über Beschwerden am distalen Unterschenkel ventral betont und ansonsten unverändert etwas diffuse Beschwerden berichte. Im SPECT-CT des Unterschenkels respektive Fusses rechts vom 21. Dezember 2018 zeigten sich
ossäre
Aktivitäten an der Tibia ventral im Bereich des
Osteosynthesematerials
sowie teilweise auch entlang der Sch
r
auben sowie proximal innerhalb von zwei alten
fixateurexternen
Kanälen. An der Fibula zeige sich noch eine Aktivität im ehemaligen Frakturbereich. Es seien keine klaren Hinweise auf einen Low-Grade-Infekt oder eine Osteomyelitis zu finden. Sowohl am oberen als auch am unteren Sprunggelenk zeige sich nur eine minimale Anreicherung. Eine
Arthrodese
oder Intervention werde deshalb nicht empfohlen, insbesondere auch deshalb nicht, da im klinischen Untersuch diese Gelenke eigentlich schmerzfrei und praktisch regelrecht beweglich seien. Auch klage der Patient hier nicht über klare Beschwerden im Alltag (Urk. 13/154/18).
3.3.2
Dr.
C._
führte in seinem Bericht vom 13. Februar 2019 folgende Haupt
diagnose an:
-
Störendes
Osteosynthesematerial
rechts und beginnende OSG-Arthrose rechts bei
-
Status nach ORIF distale Tibia und Fibula 14.09.2015
-
Status nach Unfallereignis am 29. August 2015 mit 3° W
eichteilscha
den, multifragmentäre, distale
Tibiafraktur
links infolge Motorradun
fall
Als Nebendiagnosen nannte er eine arterielle Hypertonie sowie eine posttrauma
tische Belastungsstörung seit 201
5.
Der Beschwerdeführer sei aktuell
gehfähig
mit morgendlichen Anlaufbeschwerden und belastungsabhängigen Schmerzen
im
Rückfuss
rechts. Zu den Befunden führte
Dr.
C._
aus, die Narben seien
inspektorisch
reizlos und dunkel verfärbt aber ohne Schmerzen. Im oberen Sprunggelenk
(OSG)
sei die Dorsalflexion 10° und die
Plantarflexion
30° möglich.
Es sei keine Krepitation hörbar. Die Sensibilität im Fussrücken sei vermindert, ansonsten sei die Sensomotorik aber normal. Es gebe keine Krafteinbussen und keine Instabilität. Die
Arteria
dorsalis
pedis
und
tibialis
posterior
seien frei. Subtalare Bewegung,
Chopart
- und
Lisfrancbewegung
seien frei möglich. Über dem
anteromedialen
OSG bestehe eine
Druckdolenz
.
Die Frakturen seien abge
heilt, d
ie Platte stehe
anterolateral
etwas ab. Medial bestehe eine Defektzone im OSG
, ventral ein beginnender
Osteophyt
(Urk. 13/141).
3.3.3
Die Ärzte des Universitätssp
itals J._
, Klinik für Traumatologie, hielten in ihrem Bericht vom 29. November 2019 fest, der Beschwerdeführer berichte von einem unveränderten Befinden. Er habe weiterhin bei längerer Belastung Schmer
zen im Unterschenkel. Zum Befund führten sie an, es bestünden reizlose Narben
verhältnisse, keine Rötung, keine Schwellung und keine Überwärmung. Es seien keine
Durckdolenzen
auslösbar. Die Dorsalextension und die
Plantarflexion
seien 50/0/40° möglich. Gemäss Computertomographie (CT) des Unterschenkels rechts vom 18. November 2019 bestünden stationäre Stellungsverhältnisse mit abge
schlossener
ossärer
Konsolidierung der distalen Fibula- und
Tibiafraktur
sowie der Fraktur des
talus
, des Os
cudoideum
und des Os
cuneiforme
laterale. Zudem bestehe eine stationäre Stufenbildung
medialseits
an der
tibialen
Gelenks
fläche mit diskreter Progredienz der
subchrondralen
Mehrsklerosierung
im OSG, am ehesten im Rahmen degenerativer Veränderungen. Das
Osteosynsthesemate
rial
sei intakt, in situ und ohne Lockerungszeichen. Insgesamt zeige sich ein pro
longierter Heilungsverlauf nach einem schweren Unterschenkeltrauma rechts. Aus
traumatologischer
Sicht zeige sich ein erfreuliches Ergebnis in Anbetracht der Schwere des Traum
a
s des Unterschenkels. Es bestehe keine Arbeitsunfähigkeit und werde dringend empfohlen, weiterhin eine passende Arbeitsstelle für den Patienten mit wechselnd sitzender und stehender Tätigkeit zu finden (Urk. 13/154/52).
3.3.
4
Am 17. Januar 2020 berichtete Dr.
C._
, der Beschwerdeführer habe weiter
hin Beschwerden im oberen Sprunggelenk.
Neue Befunde gäbe es nicht. Zur Abklärung einer Arthrose im oberen Sprunggelenk rechts werde ein SPECT-CT
in der Klinik K._
durchgeführt
(Urk. 13/154/15)
.
3.3
.5
Aus dem
Bericht der Klinik
K._
, Nuklearmedizin, vom 21. Januar 2020 über ein SPECT-CT vom 2
0.
Januar 2020
ergibt sich, dass
eine
ossäre
Stressreak
tion mit Zeichen eines unvollständigen
ossären
Durchbaus 12 cm proximal des
Malleolus
lateralis
in der Diaphyse der Fibula nachzuweisen
sei
. Eine vermehrte
Nuklidaufnahme zeige auch der
anteriore
, distale,
tibiale
Frakturbereich 4 cm proximal der distalen
tibialen
Gelenksfläche mit ebenfalls nur partiellem
ossäre
m
Durchbau
. Zudem zeige sich ein Aktivierungszeichen an der Spitze des
Processus
anterior
des Talus mit hier liegenden separiert liegenden
Ossikeln
/Fragmenten (Urk. 13/154/26).
3.3.6
Am
23. Januar 2020
hielten die Ärzte des
J._
, Klinik für Traumatologie,
zur gleichentags erfolgten Konsultation
fest, dass der Beschwerdeführer immer noch
über
intermittierend
e
Schmerzen im rechten Sprunggelenk
und daraus folgende Einschränkungen berichte
. Zum Befund führten sie aus, dass das Integument intakt sei. Die Operationsnarben seien reizlos und es zeige sich keine wesentliche Schwellung, Überwärmung oder Rötung. Zudem sei keine
Druckdolenz
bei Palpa
tion feststellbar. Dorsalextension und
Plantarflexion
seien 20/0/50° möglich. Es zeige sich ein flüssiges, leicht hinkendes Gangbild sowie eine symmetrische Ober- und Unterschenkelmuskulatur. Zudem sei eine regelrechte
Vorfussbeschwielung
beidseits sichtbar.
Dem Beschwerdeführer wurde eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert und weiterhin empfohlen,
eine Arbeitsstelle mit wechselnd sitzend und stehender Tätigkeit zu suchen (Urk. 13/154/50).
3.
3
.7
Dr.
med. L._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und T
rauma
tologie des Bewegungsapparates, führte in seinem Bericht vom 19. Mai 2020 folgende Diagnosen an
(Urk. 13/145/1)
:
-
Verdacht auf beginnende posttraumatische Arthrose oberes Sprunggelenk bei
-
Status nach Weichteiltrauma Unterschenkel 29.08.2015 mit
-
Mehrfragmentärer distaler
Fibuladiaphysenfraktur
(Status nach offener Reposition und
Orif
)
-
Mehrfragmentäre Intraartikuläre
Mehrfragmentfraktur
distale Tibia (
Orif
15.09.2015)
-
Abscherfraktur
Tuberculum
medial und laterale
Processus
posterior
tali
-
Mehrfragmentäre intraartikuläre
Abscherfraktur
des dorsalen Os
cuboideum
-
Mehrfragmentäre
Abscherfraktur
des Os
cuneiforme
laterale
-
Subkapitale, gering dislozierte Fraktur
Metatarsale
II und III
-
Lappenbildende Riss-Quetsch-Wunde plantar MTP I
-
Posttraumatische USG-A
r
t
hrose im Rahmen
der
Diagnose 1
Dr.
L._
führte aus, der Beschwerdeführer
berichte
über eine Belastungsinto
leranz und nach 1-2 Stunden auftretende Schmerzen, wobei er diese am ehesten in der Tiefe des oberen Sprunggelenkes aber auch
anterior
und lateral lokalisiere.
Zudem
hielt
Dr.
L._
folgende Befunde fest
: Es bestehe ein leicht hinkendes
Gangbild. Die Operationszugänge seien trocken und reizlos verheilt mit unauf
fäl
ligem Alignement. Es sei ein unauffälliges Längsgewölbe und ein physiolo
gischer
Rückfuss
mit
Nachvarisierung
der Ferse im Zehenstand beobachtbar. Der Fersenstand sei vorführbar. Das obere Sprunggelenk sei passiv sehr gut beweglich mit
Plantarflexion
und Dorsalextension 30/0/20°.
Subtalar
bestehe eine leichte Bewegungseinschränkung, dies ab
er ohne Schmerzauslösung. Beim D
urchbe
we
gen des oberen Sprunggelenks sei keine Krepitation hörbar.
Chopart
und
Lisfranc
seien frei.
Dorsalis
pedis
und
Tibialis
posterior
Pulse seien tastbar.
Das Gelenk sei
ligamentär
stabil. Über dem
anterioren
Gelenksspalt des oberen Sprunggelenks zeige sich eine deutliche
Druckdolenz
. Schliesslich berichtete Dr.
L._
über eine erfolgte diagnostisch therapeutische Infiltration des Sprunggelenkes durch den
antero
medialen
Softspot
mit
Triamcort
und
Ropivacain
unter sterilen Kaute
len. Im Anschluss habe sich eine deutliche Rück
läufigkeit der Beschwerden auf der Höhe des oberen Sprunggelenkes gezeigt (Urk. 13/145/2).
3.3
.
8
Mit
Bericht vom 3. Juli 2020 verwies Dr.
F._
auf seinen Bericht vom 20. November 2017, welcher immer noch gültig sei. Das unfallbedingte postope
rative Schmerzsyndrom des rechten Sprunggelenks sowie das konsekutive fehl
belastungsbedingte Rückenleiden hätten sich vertieft und seien auf intensiverer Stufe
chronifiziert
. Die ärztliche Irrfahrt, Verleugnung und Abschiebung in Bezug auf die Heilung des Unterschenkels bei trotz alltäglicher Selbstdisziplin mit quälender körperlicher Alltagsbelastung im Haushalt sich verschlimmerndem Schmerz
syndrom bedinge beim Beschwerdeführer eine sich stetig vertiefende posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F 43.23), welche sich bei der letzten Untersuchung am 2. Juli 2020 in höchster Erregung durch Verzweiflung, Suizid
impulse, unerträgliches Demütigungserleben, blinde Wut, Scham vor allem vor seinen Kindern, Ohnmacht und Verstrickung in
Komp
l
ottphantasien
geäussert habe und angesichts der unterdessen eingetretenen objektiven Verarmung der jetzt noch sechsköpfigen Familie bedrohliche Züge angenommen habe, wobei der Beschwerdeführer kaum zu besänftigen gewesen sei
. Der Beschwerdeführer brauche institutionelle Hilfe durch die IV und die Anerkennung seiner seit fünf Jahren andauernden und derzeitigen 100%igen Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
(Urk. 13/149/1-2).
3.3
.9
Gemä
ss Bericht von Dr. med. M._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin sowie Nephro
logie, vom 31. Juli 2020 besteht
beim Beschwerde
führer ein unfallbedingtes chronisches Schmerzsyndrom seit dem 28. August 201
5.
Bis heute klage er über selbst belastungsunabhängige Schmerzen im rechten Fuss. Die Wiederaufnahme der Arbeit sei zurzeit undenkbar.
Es seien viel
fach Infiltrationstherapien durchgeführt worden, jeweils ohne klinische Verbes
serung.
Die letzte Infiltration habe Mitte Juli 2019 stattgefunden. Mittlerweile sei der Beschwerdeführer auch psychisch erkrankt mit depressivem Zustandsbild und Aggressivität. Der Beschwerdeführer klage nach zwei Stunden körperlicher Betä
tigung über ganztä
g
ige Schmerzen, weshalb ihm die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als Reinigungskraft nicht zumutbar sei. Auch in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit sei er nicht arbeitsfähig
(Urk. 13/154/3-5).
3.3
.
10
Dr.
med. N._
, Facharzt FMH für Physikalische Medizin und Rehabili
tation, führte in seinem Bericht vom 12. August 2020 die Diagnose eines chro
nisch unbeeinflussbaren Schmerzes im Fuss recht
s
bei ursprünglichem Status nach Weichteiltrauma des Unterschenkels vom 29.08.2015 mit meh
r
fragmentärer distaler
Fibula
diaphysenfraktur
sowie Status nach chirurgischen Versorgungen (ICD-10 R 52.1) an. Er habe den Beschwerdeführer am 16. Juni 2020 erstmals gesehen und kurzzeitig bis am 6. Juli 2020 betreut (Urk. 13/155/7). Am 16. Juni 2020
hielt er folgende Befunde fest
: Das Gangbild
imponiere
teils fliessend und dynamisch, teils leicht rechtsentlastend mit frühem
toe
off, dabei teils auch noch
mit schläfrigem, entspanntem Gangbild.
Es bestehe keine Überwärmung des Gewebes am Unterschenkel und Fuss des rechten Beines. Die Dorsalextension des oberen Sprunggelenks sei gegenüber links um 10° reduziert, die
Plantarflexion
um 15° gegenüber links limitiert. Bei
endgradiger
Plantarflexion
und Dorsal
extension gebe der Beschwerdeführer Schmerzen an. Demgegenüber erfolge keine Schmerzangabe bei der Prüfung der groben
S
upinationsbewegung
und die durch
geführte
Plantarflexion
in der Supination sowie die durchgeführte Dorsalexten
sion bei der Pronation
würden
ohne wesentliche Schmerzangabe toleriert.
Die Prü
fung der Nervenbahnen proximal und distal würden nicht schmerzauslösend und in der orientierenden neurologischen Untersuchung auch nicht relevant gestört im Sinne einer peripheren Schädigung mit
Dermatomausfall
erscheinen. In der Sonografie des Unterschenkels und des Fusses rechts zeige sich in der Durch
sicht des Weichteilgewebes des Unterschenkels und in der Region kein Gelenkserguss. Die Knochenleitlinien der Fibula würden distal eine kleinere Usur zeigen
, jedoch ohne Anzeichen einer Vaskularisation. Die Narbenstrukturen seien entsprechend dem äusseren Erscheinungsbild im Bereich der distalen breitflächi
geren Narbenanteile deutlich eingezogen und hier auch imponierend mit Anhaf
tung an das Periost. Es bestehe eine komplexe Gewebeschädigung des Unter
schenkels insbesondere
prätibial
. Anzeichen einer aktiven Entzündungsreaktion oder trophischen Störung fänden sich aber nicht. Es bestünden Residuen der
Fibulafraktur
ohne dynamische Hinweise für eine
Pseudarthrosenbildung
(Urk. 13/155/15 f.). Am 22. Juni 2020
sei
zur Behandlung der neuropathischen Schmerzkomponente eine Glucose-Infiltration durchgeführt
worden
, wobei sich
initial deutlich weniger Druckschmerz am Fuss gezeigt und sich die Abrollbewe
gung gebessert habe, demgegenüber aber ein vermehrtes Ziehen in der Wade sowie an den
Hamstrings
aufgetreten sei. Nach 20 Minuten sei sodann ein massi
ver ziehender Schmerz in der rechten Ferse aufgetreten (Urk. 13/155/13 f.)
. Am 29. Juni 2020 habe der Beschwerdeführer über eine Verbesserung berichtet. So sei das Spannungsgefühl um das Sprunggelenk am Morgen verschwunden und die Wade habe sich insbesondere im äusseren Wadenbereich etwas leichter ange
fühlt. Unter Belastung und auch bei kühlerem Wetter habe er aber weiterhin eine Schmerzsymptomatik (Urk. 13/155/11). Im Rahmen der erneuten Verlaufs
kon
trolle vom 6. Juli 2020 habe der Beschwerdeführer die Wartezone mit beschwer
defreiem und symmetrischem Gangbild betreten. Beim Betreten des Untersu
chungs
raumes sei dann eine leichte Entlastung des rechten Beines erfolgt, wobei zeitweise auch ein symmetrisches Gangbild bestanden habe
. Der Beschwer
de
führer berichte, dass er keinerlei Verbesserung erlebe. Die Symptome seien unbe
einflusst. Auf Nachfrage zur am 29. Juni 2020 berichteten Verbesserung gebe er an, dass es ihm zwischenzeitlich bessergegangen sei. Die Schmerzen seien durcheinander, er verstehe es nicht. Er wolle sich nun in eine naturheil-medizi
nische Betreuung begeben
(Urk. 13/155/9
f.
)
.
Insgesamt attestierte
Dr.
N._
dem Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit und
erachtete
die Prognose zur Arbeitsfähigkeit als gut (Urk. 13/155/2-3).
4.
4.1
Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand de
s
Besc
hwerde
führer
s
im
entscheidrele
vanten
Referenzzeitraum seit der Verfügung vom 29. Oktober 2018 in anspruchsbegründender Weise verschlechtert hat.
4.2
4.2.1
In Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte Verschlechterung der Fussbeschwerden ist aus den Akten ersichtlich
, dass
Dr.
C._
im Februar 2019 erstmals eine beginnende OSG-Arthrose rechts diagnostizierte
(E. 3.3
.2
).
Auch Dr.
L._
führte im Mai 2020 in seiner
Diagnoseliste den Verdacht auf eine beginnende Arthrose im oberen Sprunggelenk auf (E. 3.
3
.7
).
Diesbezüglich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass für
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht in erster Linie die Diagnosen, sondern die daraus resultierenden funktionell
en Einschränkungen entscheidend
sind
(vgl. etwa das Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2017 vom 13. Februar 2018 E. 3.3 mit Hinweis).
Hinweise auf eine inva
lidenversicherungsrechtlich relevante
Veränderung
der funktionalen Leistungs
fähigkeit des Beschwerdeführers
aus somatischer Sicht
im massgeblichen Zeit
raum (E. 4.1)
lassen sich den vorliegenden medizinischen Akten allerdings nicht entnehmen.
So waren sowohl das obere als auch das untere Sprunggelenk rechts im Januar 2019 schmerzfrei und regelrecht beweglich und der Beschwerdeführer
beklagte keine
klare
n
Beschwerden im Alltag (E. 3.3.1).
Wenngleich sich der Heilungsverlauf in der Folge prolongiert zeigte, erachteten die Ärzte des
J._
im November 2019 das Ergebnis als erfreulich, verneinten das Vorliegen einer Arbeits
unfähigkeit und hielten die Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle für vordringlich (E. 3.3.3). Im Januar 2020 berichteten sie über
ein flüssiges, leicht hinkendes Gangbild, eine symmetrische Ober- und Unterschenkelmuskulatur
sowie eine regelrech
te
Vorfussbeschwielung
beidseits,
attestierten dem Beschwer
deführer eine 100%ige Arbeitsfäh
igkeit
und empfahlen
unverändert die Suche
eine
r
wechselbelastende
n
Tätigkeit
(E. 3.3.6
)
.
Alsdann ergeben
sich auch
aus
dem
Bericht von Dr.
L._
keine Anhaltspunkte, welche auf eine massgebliche Ver
schlechterung schliessen lassen würden
(
E. 3.3.7
).
Über
eine gute und weitgehend schmerzfreie
Beweglichkeit des oberen Sprunggelenkes ber
ichtete sodann auch Dr.
N._
und
wies
darauf hin, dass der Beschwerdeführer am 6. Juli 2020 die Wartezone mit beschwerdefreiem und symm
etrischem Gangbild betreten hat
. Insgesamt
attestierte er dem Beschwerdeführer keine Arbeitsunfähigkeit und
erach
tete die Prognose zur Arbeitsfähigkeit als gut
(E. 3.3.10).
Schliesslich
ergibt sich auch aus dem
vom Beschwerdeführer mit der Beschwerde eingereichten
Bericht der
E._
AG vom 7. Dezember 2020
, dass
deren
Ärzte das Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit ausdrücklich verneint
en
und ihm eine wechselbelastende Tätigkeit empf
ahlen
(Urk. 3/2).
Soweit Dr.
F._
sowie Dr.
M._
demgegenüber auf eine
Verschlechterung
des Gesundheits
zustands
mit
vollständige
r
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
in jeglicher Tätigkeit
schliessen wollen,
vermag der Beschwerdeführer hieraus nichts zu seinen Gunsten abzuleiten
. So nannten
weder Dr.
F._
noch Dr.
M._
neue oder andere objektive Befunde
,
welche auf eine Verschlechterung der funk
tionalen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers hinweisen würden
. Vielmehr verwies Dr.
F._
ausdrücklich auf seine bisherige Einschätzung vom 20. No
vember 2017 (E.
3.3.8
)
und
Dr.
M._
nahm Bezug auf vom Beschwer
deführer seit August 2015 geklagte Beschwerden (E. 3.3.
9
).
Hieraus auf eine Ver
schlechte
rung zu schliessen verbietet sich bereits aus diesem Grund. Im Übrigen erfolgten sowohl die Ausführungen des behandelnden Psychiaters (E. 3.3.8) als auch dieje
nigen des Hausarztes (E. 3.3.9) weitgehend fachfremd, weshalb sie ohnehin nicht geeignet sind, eine relevante Verschlechterung zu belegen.
4.2
.2
Soweit der Beschwerdeführer alsdann geltend macht, bereits seit zwei Jahren in psychiatrischer Behandlung zu
stehen
(E. 2.2)
,
ist darin noch keine Verschlechte
rung seines psychischen Gesundheitszustands zu erblicken.
Wie erwähnt
,
verw
ies
sein
behandelnder Psychiater, Dr.
F._
,
in seinem Bericht vom 3. Juli 2020 ausdrücklich auf seinen Bericht vom 2
0.
November 2017 und
mass
diesem diag
nostisch nach wie vor Gültigkeit zu. Neue objektive Befunde, welche seine Diag
nose
einer sich stetig vertiefenden posttraumatischen Belastungsstörung zu begrün
den vermögen, führt
e
er hingegen nicht an. Vielmehr verw
ies
er auf eine unterdessen eingetretene objektive Verarmung der sechsköpfigen Familie des Beschwerdeführers (
E. 3.3.5
).
Auch
in seinem Bericht vom 1
5.
Mai 2021 führt
e
Dr.
F._
zur Begründung des sich verschlechternden psychischen Gesund
heitszustands des Beschwerdeführers insbesondere ablehnende Entscheide des Sozialamtes nach Sozialhilfe für die Familie und dadurch erfahrene soziale Kränkungen an
(Urk. 18)
.
Diesbezüglich ist allerdings darauf hinzuweisen, dass es zur Annahme einer Invalidität ein medizinisches Substrat braucht, das
fachärzt
licherseits
schlüssig festgestellt wird. Psychosoziale und soziokulturelle Fak
toren sind nur mittelbar invaliditätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungs
grad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen beste
henden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Wo im Wesentlichen nur Befunde erhoben werden, die in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinrei
chende Erklärung finden, ist kein invalidisierender psychi
scher Gesundheits
schaden gegeben (Urteil des Bundesgerichts 8C_71
7/2018 vom 22. März 2019 E. 3).
Im Übrigen ist mit Blick auf die von Dr.
F._
geforderte Anerkennung der seit fünf Jahren andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit des Beschwerde
führers
daran zu erinnern
,
dass
im Rahmen des Gutachtens vom 1. Juni 2018
auf
ein
bewusst dysfunktionales Verhalten
des Beschwerdeführers
sowie ein demonstrativ
geklagtes
Missverstanden-Sein
geschlossen
wurde und diese Umstände
auch
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit Berücksichtigung fanden
(E. 3.2)
.
4.3
Nach dem Gesagten sind weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht Hinweise aktenkundig, welche auf eine Unzumutbarkeit einer
–
wie der Verfü
gung vom 2
9.
Oktober 2018 zugrunde gelegt
–
vollständigen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (Anforderungsprofil: E. 3.2) schliessen lassen würden. An einer für einen Rentenanspruch relevanten Änderung des Invaliditätsgrades (E.
1.4) fehlt es demzufolge. Hieran
vermag auch der vom Beschwerdeführer mit Ein
gabe vom 3. März 2021 eingereichte Bericht von Dr.
M._
vom 24. Feb
ruar 2021 nichts zu ändern,
enthält dieser doch lediglich eine Auflistung von Diagno
sen
,
welche keinen Rückschluss auf eine Verschlechterung
der funktio
nellen
Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers zulassen
(Urk. 11/3).
Dasselbe gilt für den Beric
ht des
J._
vom 9. Dezember 2020;
gegenteils
wurde erneut bekräftigt, es bestehe
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
.
Ferner wurde
von den Ärzten
abermals festgehalten
, dass sie klinisch-radiologisch in Anbetracht der schweren Verlet
zung mit dem Operationsergebnis sehr zufrieden seien und aktuell keine akute Indikation zur Entfernung des
Osteosynthesematerials
bestehe
(Urk. 11/18).
Von
weiteren Abklärungen – insbesondere der beantragten spezial
ärztlichen Begut
achtung (vgl.
Sachverhalt E. 2
) – ist in antizipierter Beweiswürdi
gung (vgl. BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157) abzusehen, zumal sich anhand der aufgelegten Berichte keine Anhaltspunkte für eine seit der letzten Begutachtung stattgehabte erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwer
de
führers ergeben.
5.
Zusammenfassend hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht in anspruchsbegründender Weise verschlechtert. Die
Beschwerdegegenerin
hat den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung mit der angefochtenen Verfügung vom 19. November 2020 (Urk. 2) folglich zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.