Decision ID: 5215e3d8-bfef-54f1-9229-88471273e625
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X U und Y V U, wohnhaft in W, waren 2009 beide für die Beratungsstelle 2. Säule
AG in B tätig. Mit Mietvertrag vom 26. April 2005 mietete X U eine 1-Zimmer-Wohnung
an der H-Allee in B. Der Mietvertrag führt Küche sowie Dusche/WC als Nebenräume
auf.
Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 3. Februar 1988 erwarb X U Miteigentum
zu 2/3 am Grundstück Nr. 001 in W. Im Umfang von Fr. 402'696.-- entrichtete er den
Kaufpreis als monatliche, lebenslängliche Leibrente von Fr. 3'000.-- zu Gunsten des
Verkäufers und dessen Ehegattin. Entsprechend diesem Vertrag bezahlte er 2009
Fr. 36'000.-- an die überlebende Ehegattin des Verkäufers.
B.- X U und Y V U deklarierten 2009 ein steuerbares Einkommen von Fr. 177'154.--.
Die Veranlagungsbehörde liess unter anderem von den geltend gemachten Fr. 6'400.--
für Mehrkosten der Verpflegung bei Wochenaufenthalt aufgrund des Vorhandenseins
einer Küche nur den Betrag von Fr. 3'200.-- und vom Betrag von Fr. 36'000.-- für die
bezahlte Leibrente nur 40% bzw. Fr. 14'400.-- zum Abzug zu. X U und Y V U wurden
mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 192'300.-- veranlagt. Mit Eingabe
2. November 2010 erhoben sie gegen diese Veranlagung Einsprache, welche mit
Einsprache-Entscheid vom 22. November 2010 teilweise gutgeheissen wurde. Die
Beschwerdeführer wurden mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 187'600.--
veranlagt; an der Beurteilung der Abzüge für Mehrkosten der Verpflegung bei
Wochenaufenthalt sowie für die bezahlte Leibrente wurde jedoch festgehalten.
C.- Mit Eingabe vom 17. Dezember 2010 erhoben X U und Y V U durch ihren
Rechtsvertreter summarisch begründete Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, der angefochtene Einsprache-
Entscheid sei aufzuheben und für das Steuerjahr 2009 sei das steuerbare Einkommen
der Beschwerdeführer auf Fr. 162'800.-- festzusetzen, eventualiter sei der
angefochtene Einsprache-Entscheid aufzuheben und zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Vorinstanz. Nach Aufforderung zur Verbesserung vom 21. Dezember 2010 mit
Fristverlängerung vom 21. Januar 2011 reichten die Beschwerdeführer durch ihren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 15. Februar 2011 die verbesserte Beschwerde mit
gleichen Anträgen ein. Mit Vernehmlassung vom 21. März 2011 beantragte die
Vorinstanz die teilweise Gutheissung der Beschwerde, mit Kostenfolge für die
Beschwerdeführer. Die vorinstanzlichen Akten wurden dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer am 9. Mai 2011 übermittelt, die Frist zur Stellungnahme am
1. Juni 2011 erstreckt. Die Beschwerdeführer nahmen durch ihren Rechtsvertreter am
28. Juni 2011 Stellung zur Vernehmlassung. Die Beschwerdebeteiligte liess sich nicht
vernehmen. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer
Anträge wird, soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 17. Dezember 2010 ist
rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt zusammen mit der Verbesserung vom 15.
Februar 2011 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11,
abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.- Mit Vernehmlassung vom 21. März 2011 beantragte die Vorinstanz die Gutheissung
der Beschwerde bezüglich des Abzugs für Mehrkosten der Verpflegung bei
Wochenaufenthalt. Dies entspricht im Ergebnis der Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission (vgl. VRKE I/1 2011/6 vom 18. August 2011). Die
Beschwerde ist somit in diesem Punkt gutzuheissen und der Abzug für Mehrkosten der
Verpflegung bei Wochenaufenthalt im Umfang von Fr. 6'400.-- statt Fr. 3'200.-- zu
berücksichtigen.
3.- Streitig ist im vorliegenden Fall ausschliesslich die Höhe des Abzugs für bezahlte
Leibrenten. Die bezahlte Gesamtsumme von Fr. 36'000.-- ist unbestritten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG werden von den Einkünften 40 Prozent der bezahlten
Leibrenten abgezogen. Diese Fassung wurde durch das Bundesgesetz vom
19. März 1999 über das Stabiliserungsprogramm 1998 eingeführt und ist seit
1. Januar 2001 in Kraft. Unter altem Recht war der Abzug der vollen Rentenleistung
möglich, sobald der Gesamtbetrag der erbrachten Zahlungen den Wert der erhaltenen
Gegenleistung überstieg (sog. Stammschuldmodell, vgl. Zigerlig/Jud, in: Zweifel/
Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2a, 2. Aufl. 2008, N 14
zu Art. 33 DBG).
a) Die Beschwerdeführer bringen im Wesentlichen vor, dass die Leibrente mit
Kaufvertrag vom 3. Februar 1988, somit unter altem Recht, vereinbart worden sei.
Deshalb sei auch die Rentenzahlung nach altem Recht abziehbar, andernfalls eine
unzulässige echte Rückwirkung vorliege. Der Gesamtbetrag der erbrachten Zahlungen
übersteige seit 2000 den Wert der erhaltenen Gegenleistung und sie seien daher seit
damals auch vollumfänglich zum Abzug zugelassen worden. Es würde dem
Doppelbesteuerungsverbot und dem Korrespondenzprinzip widersprechen, wenn die
Renten nun erneut besteuert würden. Sollte von einer unechten Rückwirkung
ausgegangen werden, so ergäbe sich ein Anspruch auf Abzug der Leibrenten aus dem
Vertrauensschutz. Im Vertrauen auf den Bestand des damaligen Steuergesetzes hätten
die Beschwerdeführer nicht wieder rückgängig zu machende Dispositionen getroffen.
Sie seien an den Kaufvertrag gebunden und könnten diesen nicht rückgängig machen.
Im Einsprache-Entscheid vom 22. November 2010 sowie der Vernehmlassung vom
21. März 2011 führt die Vorinstanz aus, dass Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG die Leibrenten
nur zu 40% zum Abzug zulasse. Der Kaufvertrag sei zwar vor dem Inkrafttreten dieser
Bestimmung abgeschlossen worden, dennoch handle es sich um eine unechte
Rückwirkung, denn die Zahlungen der Leibrente würden einen Dauersachverhalt
darstellen. Der Zeitpunkt der vertraglichen Vereinbarung sei nicht massgebend. Die
neue Bestimmung würde nicht einen bis anhin nicht besteuerten Vorgang neu einer
Steuer unterwerfen, sondern nur die Modalitäten einer bisherigen Steuer anpassen.
b) Das Stabilisierungsprogramm 1998 senkte die steuerbare Zinskomponente von
erhaltenen Leibrenten von 60% auf 40% (Botschaft zum Stabilisierungsprogramm 1998
vom 28. September 1998, BBl 1999, S. 4 ff. [nachfolgend: Botschaft 1999], S. 97). Dies
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
stützte darauf ab, dass sich Leibrenten aus einer steuerfreien Kapitalrückzahlungs- und
einer steuerbaren Zinskomponente zusammensetzen. An der pauschalen Festsetzung
wurde aus Gründen der Praktikabilität festgehalten, da Leibrenten nicht nur bei
Versicherungsgesellschaften, sondern auch unter Privaten erworben werden können
(Botschaft 1999, S. 97). Der in Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG festgesetzte, anteilige Abzug
wurde spiegelbildlich zur Besteuerung der Leibrenten beim Empfänger verstanden, so
dass gleichviel abgezogen werden konnte, wie beim Empfänger besteuert wurde
(Botschaft 1999, S. 98). Dies bedeutete eine klare Absage an das bisherige
Stammschuldmodell. Auf eine Übergangsregelung wurde aus Praktikabilitätsgründen
bewusst verzichtet. Somit war der neue Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG ab seinem
Inkrafttreten auf alle privaten Rentenschuldner anwendbar, auch auf diejenigen, deren
Verpflichtung noch unter dem alten Recht begründet wurde. Somit ist der Abzug zu
40% anwendbar auch für denjenigen, der seine Stammschuld abgetragen hat und
deshalb die geleistete Rente vollumfänglich in Abzug bringen könnte (H.-J. Neuhaus,
Die steuerlichen Massnahmen im Stabilisierungsprogramm 1998, in: ASA 68, S. 295;
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 47 zu
Art. 33 DBG).
Die Beschwerdeführer können somit grundsätzlich nur 40% der 2009 ausgerichteten
Leibrente in Abzug bringen. Das Fehlen einer Übergangsregelung wird als
problematisch erachtet und kann dazu führen, dass in Fällen wie dem vorliegenden die
bezahlten Leibrenten auch nach Abgeltung der Stammschuld nur begrenzt abzugsfähig
sind (Zigerlig/Jud, a.a.O., N 15 zu Art. 33 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
N 47 zu Art. 33 DBG). Dennoch wurde bewusst keine Übergangsregelung vorgesehen,
womit der Abzug im Umfang von 40% ab seinem Inkrafttreten 2001 für alle
Rentenleistenden einschliesslich des Beschwerdeführers gilt.
c) Die Beschwerdeführer bringen vor, die Anwendung von Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG auf
die Rentenleistungen stelle einen Fall der unzulässigen echten Rückwirkung dar. Eine
echte Rückwirkung liegt vor, wenn neues Recht auf einen Sachverhalt angewendet
wird, der sich abschliessend vor Inkrafttreten dieses Rechts verwirklicht hat (Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N 329; BGE 101 Ia 82,
E. 2). Die echte Rückwirkung ist nur unter strengen Voraussetzungen zulässig, es sei
denn, es handle sich um einen begünstigenden Erlass (BGE 95 I 6, E. 3). Eine unechte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rückwirkung liegt hingegen vor einerseits bei der Anwendung neuen Rechts auf zeitlich
offene Dauersachverhalte und andererseits, wenn das neue Recht in einzelnen
Belangen auf Sachverhalte abstellt, die bereits vor Inkrafttreten vorlagen (sog.
Rückanknüpfung, Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 337, 341; BGE 114 V 140, E. 2.a).
Die unechte Rückwirkung ist grundsätzlich zulässig, sofern ihr nicht wohlerworbene
Rechte entgegenstehen (BGE 110 V 252, E. 3a; BGE 122 II 113, E. 3b/dd; Blumenstein/
Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl. 2002, S. 162).
Die Anwendung von Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG auf die Leibrenten, welche im Jahr 2009
vom Beschwerdeführer ausgerichtet wurden und auf dem Vertrag vom 3. Februar 1988
basieren, ist ein Fall der unechten Rückwirkung auf einen Dauersachverhalt. Die Steuer
stellt auf die Zahlungen unter der Leibrentenverpflichtung ab, welche seit
Vertragsabschluss bis ins Jahr 2009 andauerte und somit nicht vor Inkrafttreten des
neuen Rechts abgeschlossen war. Damit ist kein Fall einer unzulässigen echten
Rückwirkung gegeben.
d) Die Beschwerdeführer bringen vor, aufgrund des Vertrauensschutzes sei die unechte
Rückwirkung unzulässig. Der Grundsatz von Treu und Glauben verleiht dem Bürger
einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen
oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden
(BGE 122 II 113, E. 3b/cc). Vorausgesetzt wird eine Vertrauensgrundlage, d.h. ein
Verhalten eines staatlichen Organs, welches bei den betroffenen Privaten bestimmte
Erwartungen auslöst (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 631). Das Prinzip des
Vertrauensschutzes bindet auch den Gesetzgeber, gewährt aber grundsätzlich keinen
Schutz gegen eine Änderung der Rechtsordnung (BGE 123 II 385, E. 10). Ausnahmen
gelten namentlich, wenn in wohlerworbene Rechte eingegriffen wird oder sich der
Gesetzgeber über frühere eigene Zusicherungen hinwegsetzt, welche den Privaten zu
nicht wieder rückgängig zu machenden Dispositionen veranlasst haben
(BGE 122 II 113, E. 3b/cc).
Beim DBG handelt es sich um ein Gesetz, einen generell-abstrakten Erlass, in dessen
Weitergeltung grundsätzlich kein vom Grundsatz von Treu und Glauben geschütztes
Vertrauen gesetzt werden kann. Eine Verletzung des Vertrauensprinzips durch die
Änderung von Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG verneint auch P. Locher (Kommentar zum DBG,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
I. Teil, Therwil 2001, N 28 zu Art. 33 DBG). Auch haben die Beschwerdeführer nicht
geltend gemacht, dass ihnen bei Abschluss des Kaufvertrages vom 3. Februar 1988
seitens der Steuerbehörden eine Zusicherung in die künftige, unabänderliche
Abzugsfähigkeit der Leibrente gemacht worden sei. Im Übrigen wäre eine solche
Zusicherung über einen Zeitraum von 20 Jahren kaum als genügende Grundlage zu
erachten, ist doch die Steuerbehörde nicht Gesetzgeber und somit nicht zuständiges
Organ für eine solche Zusicherung.
Die Duldung des vollumfänglichen Abzugs in den Jahren 2001 bis 2008 stellt ebenso
wenig eine Vertrauensgrundlage dar. Die in einer früheren Steuerperiode getroffenen
Verfügungen entfalten grundsätzlich keine Verbindlichkeit für spätere Veranlagungen.
Die Steuerbehörde kann vielmehr im Rahmen jeder Neuveranlagung eines
Steuerpflichtigen sowohl die tatsächliche als auch die rechtliche Ausgangslage
vollumfänglich überprüfen und, soweit erforderlich, abweichend würdigen (VRKE I/
1 2010/67 vom 17. Februar 2011, in: www.gerichte.sg.ch, E. 3c; Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 6 zu Art. 131 DBG). Auch haben die Beschwerdeführer
nicht geltend gemacht, im Vertrauen auf die bisherigen Veranlagungen nicht
rückgängig zu machende Dispositionen getroffen zu haben. Solche sind aus den Akten
auch nicht ersichtlich. Gesamthaft ergibt sich somit aus dem Vertrauensschutz kein
Anspruch auf vollen Abzug der geleisteten Leibrenten entgegen der klaren Bestimmung
von Art. 33 Abs. 1 lit. b DBG.
e) Die Beschwerdeführer machen geltend, durch den reduzierten Abzug der geleisteten
Leibrenten würden das Doppelbesteuerungsverbot und das Korrespondenzprinzip
verletzt. Ein Verstoss gegen das Doppelbesteuerungsverbot liegt vor, "wenn eine
steuerpflichtige Person von zwei oder mehreren Kantonen für das gleiche Steuerobjekt
und für die gleiche Zeit zu Steuern herangezogen wird (aktuelle Doppelbesteuerung)
oder wenn ein Kanton in Verletzung der geltenden Kollisionsnormen seine Steuerhoheit
überschreitet und eine Steuer erhebt, die einem anderen Kanton zustehen würde
(virtuelle Doppelbesteuerung)" (BGE 137 I 145, E. 2.2). Verlangt werden Identität des
Steuersubjekts, des Steuerobjekts, der Steuerperiode und der Steuerart (Vallender/
Wiederkehr, in: Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender, Kommentar zur
Schweizerischen Bundesverfassung, 2. Aufl. 2008, N. 62 zu Art. 127 der
Schweizerischen Bundesverfassung [SR 101; abgekürzt: BV]). Das
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Doppelbesteuerungsverbot ist somit im vorliegenden Fall nicht tangiert, da nicht die
selben Leistungen des Beschwerdeführers unter der Leibrentenverpflichtung in der
selben Steuerperiode doppelt besteuert werden.
Dem Korrespondenzprinzip wird durch den anteiligen Abzug der Leibrente
entsprechend der korrespondierenden Besteuerung der Leibrente beim Empfänger im
selben Umfang Rechnung getragen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 39 zu
Art. 33 DBG). Somit stehen weder das Doppelbesteuerungsverbot noch das
Korrespondenzprinzip einem Abzug der bezahlten Leibrenten zu nur 40%
entsprechend der gesetzlichen Regelung entgegen.
f) Zusammenfassend entspricht die Reduktion des Abzugs für bezahlte Leibrenten der
Beschwerdeführer auf 40%, d.h. von Fr. 36'000.-- auf Fr. 14'400.--, den gesetzlichen
Bestimmungen, welche keine Übergangsregelung für unter altem Recht begründete
Verpflichtungen vorsehen. Es liegt ein Fall der unechten Rückwirkung vor, welche den
aus dem Prinzip von Treu und Glauben abgeleiteten Vertrauensschutz nicht verletzt.
Das Doppelbesteuerungsverbot wird dadurch nicht tangiert und das
Korrespondenzprinzip aufrecht erhalten. Abgesehen davon wäre die Regelung für den
Rechtsanwender trotz einer allfälligen verfassungsrechtlichen Fragwürdigkeit gemäss
Art. 190 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101)
massgebend, da der Gesetzgeber bewusst auf eine Übergangsregelung verzichtet hat.
Die Beschwerde ist somit in diesem Punkt abzuweisen.
4.- Gesamthaft ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, der Einsprache-Entscheid
der Vorinstanz vom 22. November 2010 aufzuheben und das steuerbare Einkommen
der Beschwerdeführer um Fr. 3'200.-- von Fr. 187'600.-- auf Fr. 184'400.-- zu
reduzieren.
5.- Wird die Beschwerde teilweise gutgeheissen, so sind die Kosten anteilmässig
aufzuteilen (Art. 140 Abs. 1 DBG). Dem obsiegenden Beschwerdeführer werden die
Kosten ganz oder teilweise auferlegt, wenn er bei pflichtgemässem Verhalten schon im
Veranlagungs- oder Einspracheverfahren zu seinem Recht gekommen wäre (Art. 140
Abs. 2 DBG). Die Vorinstanz macht geltend, dass sie den Abzug für Mehrkosten der
Verpflegung bei Wochenaufenthalt vollumfänglich berücksichtigt hätte, wenn die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführer die im Beschwerdeverfahren vorgebrachten Beweise, Fotos der
Kochgelegenheit, bereits im Einspracheverfahren eingereicht hätten. Eine Änderung der
Praxis der Veranlagungsbehörden, welche den Abzug für Mehrkosten der Verpflegung
bei Wochenaufenthalt bei Vorliegen einer Kochgelegenheit reduziert, ist frühestens für
das Jahr 2010 zu prüfen. Für das Jahr 2009 haben sich die Veranlagungsbehörden an
die Weisungen im Steuerbuch und die Wegleitung für Steuerpflichtige zu halten,
welche eine Reduktion nur bei Verbilligung durch den Arbeitgeber vorsehen (vgl.
VRKE I/1 2011/6 vom 18. August 2011). Die Vorinstanz hätte somit den Abzug für
Mehrkosten der Verpflegung bei Wochenaufenthalt unabhängig vom Vorliegen einer
Kochgelegenheit vollumfänglich berücksichtigen müssen. Die dadurch verursachten
Kosten sind ihr somit aufzuerlegen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens zu drei Vierteln
von den Beschwerdeführern zu tragen; einen Viertel trägt der Staat (Art. 144 Abs. 1 und
2 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist angemessen (vgl. Art. 144 Abs. 5 DBG
in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist zu verrechnen.