Decision ID: f4f531cf-6b06-5bd6-919d-0768a82ba41a
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war durch seine Tätigkeit als Geschäftsführer
und Bodenleger der Firma B._ bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit
Schadenmeldung UVG vom 12. Dezember 2014 meldete die Arbeitgeberin der Suva
einen Unfall. Der Versicherte habe an selbigem Tag beim Hinuntersteigen einer Treppe
einen Fehltritt gemacht und dabei einen Zwick im Rücken verspürt. Die Schmerzen
seien so stark gewesen, dass er kaum mehr habe gehen können, worauf ihn sein Vater
in die Klinik C._ gebracht habe (Suva-act. 1). Der diensthabende Arzt in der
Notfallaufnahme hatte eine akute Lumbalgie diagnostiziert. Eine intravenöse Analgesie
hatte eine deutliche Besserung der Schmerzen gebracht, so dass der Versicherte unter
Abgabe von Medikamenten am Nachmittag nach Hause hatte entlassen werden
können (Suva-act. 30). Noch am gleichen Abend wurde der Versicherte erneut wegen
starker Rückenschmerzen in der Notfallaufnahme der Klinik C._ vorstellig. Wegen
Magenkrämpfen und Erbrechen hatte er die Medikamente nicht mehr eingenommen.
Nachdem die Laboruntersuchungen bis auf eine Ketonurie bzw. auf einen erhöhten
Kreatininwert unauffällig gewesen waren, wurden die Beschwerden des Versicherten
weiterhin als Lumbago gewertet. Unter einer teilweise neuen analgetischen Therapie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gingen die Schmerzen deutlich zurück und der Versicherte konnte selbigen Abends
wieder nach Hause entlassen werden (Suva-act. 9-4 f.). Stärkste Schmerzen im Bereich
der rechten Flanke und des Unterbauchs sowie Übelkeit machten am 13. Dezember
2014 erneut eine Konsultation in der Notfallaufnahme der Klinik C._ erforderlich. Eine
CT-Untersuchung des Abdomens in der Radiologie der Klinik C._ zeigte einen
partiellen Niereninfarkt rechts bei Nierenarteriendissektion bei einer doppelten
Nierenarterie rechts, worauf der Versicherte gleichentags in die Klinik für Nephrologie
des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG) verlegt wurde (Suva-act. 9-1 ff.), wo
er bis 19. Dezember 2014 hospitalisiert war (Suva-act. 13).
A.b Anlässlich eines Telefongesprächs vom 9. Januar 2015 erzählte der Versicherte
der Suva, er sei am 12. Dezember 2014 während der Arbeit ausgerutscht (ca. 3 Stufen
hinunter). Er habe einen Sturz vermeiden können, weil er vorwärts an der Wand
aufgeprallt sei (Suva-act. 10).
A.c Am 18. Februar 2015 wurde der Versicherte von der Suva zum Hergang des
Ereignisses vom 12. Dezember 2014 und zum Heilverlauf der Nierenproblematik
befragt. Der Versicherte äusserte ausserdem, während des Spitalaufenthalts
zunehmend belastungsabhängige Beschwerden im Bereich des rechten Ellbogens
verspürt zu haben. Diesbezüglich werde er noch heute durch Dr. med. D._,
Orthopädie E._, abgeklärt (Suva-act. 19). Am 4. März 2015 berichtete Dr. D._
hinsichtlich der Ellbogenproblematik. Er habe den Versicherten am 18. Februar 2015 in
seiner Sprechstunde gesehen. Dieser sei am 12. Dezember 2014 bei der Arbeit auf
einer Treppe gestürzt und mit der Schulter und vor allem mit dem Ellbogen an eine
Wand geprallt. Als Diagnose hielt Dr. D._ eine posttraumatische Epikondylitis humeri
radialis fest (Suva-act. 27). Zur Behandlung derselben hatte er dem Versicherten eine
Physiotherapie verordnet (Suva-act. 54).
A.d Am 17. März 2015 nahm die Kreisärztin der Suva, med. pract. F._, Fachärztin für
Chirurgie FMH, in einer ärztlichen Beurteilung zur Unfallkausalität der gesundheitlichen
Störungen bei der Niere und am Ellbogen Stellung (Suva-act. 32). Gestützt auf die
kreisärztlichen Ausführungen eröffnete die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom
18. März 2015, dass die Nierenbeschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich auf den
Unfall vom 12. Dezember 2014 zurückzuführen seien. Die Suva sei demzufolge
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hinsichtlich der Nierenproblematik nicht leistungspflichtig. Für die seit 12. Dezember
2014 andauernden Ellbogenbeschwerden könnten hingegen die vollumfänglichen
Versicherungsleistungen entrichtet werden (Suva-act. 33).
A.e Am 30. März 2015 konsultierte der Versicherte wegen zunehmender
Ellbogenschmerzen, vor allem beim Kraftanwenden, Dr. D._, der eine Verlängerung
der Physiotherapie vorschlug und dem Versicherten vom 12. Dezember 2014 bis 31.
März 2015 eine 100%-ige und vom 1. April 2015 bis zur nächsten Konsultation vom 24.
April 2015 eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (Suva-act. 45, 57, vgl. auch
Suva-act. 49). Anlässlich der Konsultation vom 24. April 2015 berichtete der
Versicherte über stärker gewordene Beschwerden. Dr. D._ erhob als Befunde eine
deutliche Druckdolenz über dem Epikondylus humeri radialis, diffus auch auf die
Extensorenursprungsregion und den Trizepsansatz übergreiffend, sowie ein positives
Schmerzphänomen beim Anspannen der Extensoren. Im Untersuchungsbericht vom
29. April 2015 bezeichnete er die Situation als derart verstärkt, dass weitere
Massnahmen nötig seien. Davor seien aber noch eine MRI-Abklärung sowie eine
Besprechung der Situation mit ihrer Handchirurgin, Dr. med. G._, Fachärztin FMH für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, Fachärztin für
Handchirurgie, Orthopädie E._, angezeigt. Den Arbeitsfähigkeitsgrad des
Versicherten reduzierte Dr. D._ ab 1. April 2015 wieder auf 20% (Suva-act. 58, 63,
vgl. auch Suva-act. 60).
A.f Die MRI-Untersuchung des rechten Ellbogens war am 28. April 2015 in der
Radiologie H._ durchgeführt worden und hatte eine mässige Epikondylitis humeri
radialis, jedoch keine traumaassoziierte Fraktur oder Bone bruise respektive
Chondropathie, gezeigt (Suva-act. 62).
A.g Am 5. Mai 2015 folgte die Konsultation bei Dr. G._, welche die Diagnosen einer
Epikondylitis humeri radialis rechts und eines leichten Supinatorlogen-Syndroms rechts
stellte und im Bereich der Hauptschmerzpunkte, d.h. des Epikondylus humeri radialis
und der Supinatorloge, eine Infiltration mit Kenacort 40 durchführte (Suva-act. 69). Dr.
G._ attestierte dem Versicherten vom 5. bis 10. Mai 2015 eine Arbeitsunfähigkeit zu
80% und vom 11. bis 31. Mai 2015 eine solche zu 50% (Suva-act. 64, 69). Am 18. Mai
2015 teilte der Versicherte der Suva mit, dass es mit der 50%-igen Arbeitsfähigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sehr gut klappe. Er besuche noch die Physiotherapie und habe bereits drei
Infiltrationen erhalten, die ihm sehr geholfen hätten (Suva-act. 70). Anlässlich einer
weiteren Konsultation bei Dr. G._ vom 29. Mai 2015 gab der Versicherte an, dass
seine Beschwerden nur noch 5 % der gehabten 100% betragen würden. Die
Physiotherapie und die Arbeitsfähigkeitsreduktion hätten ihm sehr gut getan. Dr. G._
erhob als Befund nur noch eine minime Druckdolenz über dem Epikondylus humeri
radialis, erklärte den Behandlungsabschluss per 29. Mai 2015 und attestierte dem
Versicherten ab dem folgenden Tag wieder eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit (Suva-act.
73). Den Versicherten informierte die Suva am 29. Mai 2015 entsprechend (Suva-act.
71). Am 19. Juni 2015 teilte der Versicherte der Suva mit, seit der vollen
Arbeitsaufnahme im Mai 2015 wieder eine Zunahme der Ellbogenbeschwerden rechts
zu verspüren (Suva-act. 74).
A.h Nachdem die Suva mittlerweile mit Einspracheentscheid vom 1. Juni 2015 die
Verfügung vom 18. März 2015 bestätigt hatte (Suva-act. 72), focht der Versicherte die
Leistungsablehnung der Suva betreffend die Nierenproblematik mit Beschwerde vom
2. Juli 2015 beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen an (Suva-act. 77).
A.i Am 26. August 2015 konsultierte der Versicherte erneut Dr. G._, wobei sich
klinisch eine Verdickung und deutliche Druckdolenz über dem Epikondylus humeri
radialis zeigte. Dr. G._ führte eine weitere Infiltration durch, empfahl Abwarten über
die nächsten drei Wochen und bestätigte eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit (Suva-act.
88). Am 13. November 2015 setzte der Versicherte die Suva telefonisch darüber in
Kenntnis, nun wieder vermehrt Beschwerden mit dem Ellbogen zu haben (Suva-act.
94). Am 30. November 2015 wurde er abermals durch Dr. G._ untersucht, die ihm
eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 23. November 2015 attestierte und mit ihm
verschiedene Therapiemöglichkeiten besprach (Suva-act. 105 f.). Am 7. Januar 2016
teilte der Versicherte der Suva telefonisch mit, dass der Heilverlauf nur langsam
vorwärts gehe und bei wiederholtem Heben von Lasten von 1 bis 2 kg die
Beschwerden rasch zunehmen würden. Dr. G._ und die Physiotherapeutin meinten,
er dürfe nicht forcieren, ansonsten es wieder zu einer Verschlimmerung kommen
könne. Vorderhand sei keine Operation geplant und es bestehe nach wie vor eine 50%-
ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 107, vgl. auch Suva-act. 109).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.j Am 12. Januar 2016 kam Suva-Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, in seiner
Beurteilung zum Schluss, dass es sich bei den Beschwerden des Versicherten um
Beschwerden infolge einer Prellung des rechten Ellbogengelenks bei Vorzustand einer
Enthesiopathie im Sinne einer Epikondylopathia radialis rechts handle. Die
vorbestehende Enthesiopathie sei durch die Prellung vorübergehend verschlimmert
worden, doch sei der Status quo sine spätestens zum Zeitpunkt der Erstellung des
MRT am 28. April 2015 erreicht gewesen. Die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit betrage
seit diesem Datum 0%, die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit 50% (Suva-act. 108).
A.k Mit Verfügung vom 14. Januar 2016 stellte die Suva ihre bis anhin erbrachten
Leistungen per sofort mit der Begründung ein, dass die Ellbogenbeschwerden rechts
nicht mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankheitsbedingt seien. Auf eine
Rückforderung der bereits erbrachten Versicherungsleistungen ab 28. April 2015 werde
entgegenkommenderweise verzichtet (Suva-act. 110).
A.l Am 22. Januar 2016 erfolgte eine klinische Kontrolluntersuchung durch Dr. G._.
Im Untersuchungsbericht vom 25. Januar 2016 hielt diese fest, dass aus medizinischer
Sicht ein Zusammenhang zwischen der entstandenen Epikondylitis und dem
Unfallereignis vom 12. Dezember 2014 mit Prellung des Ellbogengelenks bestehe. Sie
bestätigte dem Versicherten vom 1. bis 31. Januar 2016 eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 112 f.). Mit Hinweis auf diesen Bericht wurde Dr. I._ am
28. Januar 2016 von der Suva um Überprüfung seiner Stellungnahme vom 12. Januar
2016 gebeten. Dr. I._ lehnte am 23. Februar 2016 eine Neubewertung des
versicherungsmedizinischen Sachverhalts ab (Suva-act. 114).
B.
B.a Mit Eingabe vom 15. Februar 2016 erhob der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt lic. iur. F. Dahinden, St. Gallen, gegen die Verfügung vom 14. Januar
2016 Einsprache (Suva-act. 116) und reichte eine Stellungnahme von Dr. G._ vom
25. Januar 2016 ein (Suva-act. 116-2 ff., 116-14).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.b Am 19. Februar 2016 legte die Suva den Schadenfall nochmals Dr. I._ zur
Stellungnahme vor (Suva-act. 118). Dessen kreisärztliche Beurteilung datiert vom 9.
März 2016 (Suva-act. 119).
B.c Mit Schreiben vom 18. April 2016 teilte Rechtsanwalt Dahinden der Suva mit, dass
beim Versicherten seit dem 1. März 2016 ein Arbeitsversuch auf der Basis einer 100%-
igen Arbeitsfähigkeit stattgefunden habe. Der Versuch sei positiv verlaufen, weshalb er
nun in ein ordentliches Arbeitspensum habe überführt werden können. Gemäss
Beurteilung von Dr. G._ sei der medizinische Endzustand damit erreicht. Dies
gemäss der zuletzt erfolgten Verlaufskontrolle vom 8. April 2016. Zur Diskussion
stünden also nur noch Taggeldansprüche bis zum 29. Februar 2016 sowie
Heilbehandlungskosten bis zum 8. April 2016 (Suva-act. 121, vgl. auch Suva-act. 122-2
und 128).
B.d Mit Einspracheentscheid vom 13. Juni 2016 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab, bestätigte die Ablehnung ihrer Leistungspflicht ab Verfügungsdatum
vom 14. Januar 2016 sowie den Verzicht auf eine Rückforderung der seit dem 28. April
2015 erbrachten Leistungen (Suva-act. 124).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 13. Juli 2016 Beschwerde erheben
und beantragen, der Einspracheentscheid vom 13. Juni 2016 sei aufzuheben und es sei
die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, dem Beschwerdeführer
für die Folgen der Ellbogenbeschwerden rechts die gesetzlichen
Versicherungsleistungen zu erbringen. Eventuell sei die Streitsache zur Durchführung
einer versicherungsexternen medizinischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuwiesen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 14. September 2016 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 24. November 2016 hielt der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers an den in der Beschwerde gestellten Anträgen fest (act. G 9).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.d Mit Duplik bestätigte auch die Beschwerdegegnerin ihren Antrag auf
Beschwerdeabweisung (act. G 11).
C.e Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid
vom 13. Juni 2016 (Suva-act.124). Diesem liegt die Verfügung vom 14. Januar 2016 zu
Grunde (Suva-act. 110), mit welcher die Beschwerdegegnerin ihre bezüglich der
Ellbogenbeschwerden rechts erbrachten Versicherungsleistungen per
Verfügungsdatum einstellte. Strittig ist, ob der Beschwerdeführer über dieses Datum
hinaus weiterhin Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung
hat. Aktenkundig ist, dass beim Beschwerdeführer seit 1. März 2016 wieder eine
100%-ige Arbeitsfähigkeit besteht (vgl. Suva-act. 128) und die Heilbehandlung am 8.
April 2016 abgeschlossen wurde (Suva-act. 128). Zu prüfen ist damit nur noch ein
(weiterer) Anspruch des Beschwerdeführers auf Taggeldleistungen vom 15. Januar bis
29. Februar 2016 und auf Heilkostenvergütungen vom 15. Januar bis 8. April 2016.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher
die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden die Versicherungsleistungen, soweit das Gesetz
nichts anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten gewährt. Gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) gilt als Unfall die plötzliche, nicht
beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG hat der
Unfallversicherer sodann bei Vorliegen eines Unfalls für einen Gesundheitsschaden nur
insoweit Leistungen zu erbringen, als dieser in einem natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang zum versicherten Ereignis steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit
Hinweisen; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung
des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung
der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der
Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen
angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber
eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis entwickelten
Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181 E. 3.1, 123 III 110, 112 V 30; PVG 1984 Nr. 82,
174). Bei physischen Unfallfolgen spielt indessen die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung
des Unfallversicherers praktisch keine Rolle (BGE 118 V 291 f. E. 3a, 117 V 365 mit
Hinweisen).
3.2 Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht im Grundfall einmal anerkannt, so
entfällt seine Leistungspflicht erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und
adäquate Ursache der fortdauernd geklagten Beschwerden darstellt, d.h. wenn die
Beschwerden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Im
Rahmen der Prüfung des Dahinfallens der Leistungspflicht des Unfallversicherers
genügt es mithin für die Bejahung des fortbestehenden natürlichen
Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche gesundheitliche Störung
immer noch eine Teilursache darstellt. Gemäss Art. 36 Abs.1 UVG werden
Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie Taggelder und
Hilfslosenentschädigungen nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur
teilweise Folge eines Unfalls ist. Diese Bestimmung beinhaltet eine Durchbrechung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kausalitätprinzips für Fälle, in denen ein Gesundheitsschaden durch das
Zusammenwirken konkurrierender, teils unfallbedingter, teils unfallfremder Ursachen
bewirkt worden ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1.
Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 18. Februar 2003,
U 287/02, E. 4.4). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender Auswirkungen
des Unfalls genügt nicht (RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 4; THOMAS LOCHER/
THOMAS GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, §
70 N. 58; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich 2015, N 46 ff. zu Art. 43
ATSG). Die Leistungspflicht des Unfallversicherers bei einem durch den Unfall
verschlimmerten oder überhaupt erst manifest gewordenen krankhaften Vorzustand
entfällt erst, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand erreicht ist, wie er
unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige
Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine; vgl.
zum Ganzen RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 1. Juni 2007, U 290/06, E. 3.3).
3.3 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten oder der Expertin begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert
eines ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels
noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V 352 E. 3a mit Hinweis). Den
Berichten versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann rechtsprechungsgemäss
gleichfalls Beweiswert beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien
gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (RKUV 1991 Nr. U 133 S. 312 f. E. 1b). Auch eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ärztliche Beurteilung aufgrund der Akten, wie sie vorliegend von Dr. I._ erstellt wurde
(vgl. Suva-act. 119), ist nicht an sich unzuverlässig, wenn die Akten ein vollständiges
Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten
unbestritten sind. Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der
Experte oder die Expertin imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein
lückenloses Bild zu verschaffen (PVG 1996, 265 E. 3b; RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371).
Die Kreisärzte und Kreisärztinnen der Beschwerdegegnerin sind nach ihrer Funktion
und beruflichen Stellung Fachärzte im Bereich der Unfallmedizin. Da sie ausschliesslich
Unfallpatienten, unfallähnliche Körperschädigungen und Berufskrankheiten
diagnostisch beurteilen und therapeutisch begleiten, verfügen sie über besonders
ausgeprägte traumatologische Kenntnisse und Erfahrungen. Im Verhältnis zu den
Allgemeinpraktikern kommt ihnen eine spezialärztliche Stellung zu. Auch ihre
Beurteilungen sind jedoch nach den vorgenannten allgemeinen Grundsätzen der
Schlüssigkeit, Nachvollziehbarkeit, Widerspruchsfreiheit sowie des Fehlens von
Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit der spezialärztlichen Beurteilung sprechen,
zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts vom 3. Oktober 2008, 8C_510/2007, E. 7.5.4;
BGE 135 469 E. 4.4, 122 V 162 f. E. 1d; RKUV 1991 Nr. U 133 S. 311 ff.). Die
Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte und Ärztinnen aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Stellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten und
Patientinnen aussagen, steht in denjenigen Fällen nicht im Vordergrund, in denen ein
Arzt oder eine Ärztin einen Patienten oder eine Patientin nicht als Hausarzt oder
Hausärztin, sondern als Facharzt bzw. Fachärztin behandelte. Im Übrigen sind in jeder
ärztlichen Konstellation Anhaltspunkte zu beachten, die die Feststellungen der
versicherungsinternen Fachpersonen als nicht schlüssig erscheinen lassen (vgl. BGE
135 V 470 E. 4.5 f.; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts vom 1. Oktober 2013,
4A_172/2013, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen, vom 12. Februar 2010, 8C_907/2009, E.
1.1, und vom 27. Mai 2008, 9C_24/2008, E. 2.3.2).
4.
4.1 Mit Schadenmeldung vom 12. Dezember 2014 liess der Beschwerdeführer durch
seine Arbeitgeberin einen Unfall vom 12. Dezember 2014 melden, dem zunächst die
Heilbehandlung eines Niereninfarkts rechts bei Nierenarteriendissektion folgte (Suva-
act. 9, 13, 18, 41, 46). Am 18. Februar 2015 sprach der Beschwerdeführer bei einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Besprechung mit der Beschwerdegegnerin über Beschwerden im Bereich des rechten
Ellbogens (Suva-act. 19). Eine diesbezügliche Heilbehandlung begann an selbigem Tag
(Suva-act. 27). Mit Verfügung vom 18. März 2015 (Suva-act. 33) verneinte die
Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht hinsichtlich der Nierenproblematik mangels
kausalem Zusammenhang zum Unfall vom 12. Dezember 2014, anerkannte hingegen
mit gleicher Verfügung ihre Leistungspflicht für die Ellbogenbeschwerden und
bestätigte diese mit Einspracheentscheid vom 1. Juni 2015 (Suva-act. 72). Mit
Verfügung vom 14. Januar 2016 stellte sie ihre Leistungen per Datum des
Verfügungserlasses ein (Suva-act. 110) und bestätigte die Leistungseinstellung
wiederum mit dem hier angefochtenen Einspracheentscheid vom 13. Juni 2016 (Suva-
act. 124). Im vorliegenden Fall steht damit ein anspruchsaufhebender Sachverhalt zur
Diskussion, für welchen die Beweislast bei der Beschwerdegegnerin liegt, d.h. dass
diese die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat (vgl. dazu BGE 138 V 222 E. 6 und
BGE 117 V 264 E. 3b, je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 27. März 2008,
8C_540/2007, E. 4.3.2; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b; RUMO-JUNGO/HOLZER,
a.a.O., S. 54 f.).
4.2 Der Umstand, dass die Leistungseinstellung von der Beschwerdegegnerin in der
Beschwerdeantwort vom 14. September 2016 anders als zuvor damit begründet wird,
in Bezug auf den rechten Ellbogen des Beschwerdeführers sei eigentlich gar kein
Unfallgeschehen im Sinne von Art. 4 ATSG mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, (act. G 3, Ziff. 5.2) und sie damit aussagt, es habe eigentlich
zu keiner Zeit ein Unfallgeschehen in Bezug auf den rechten Ellbogen stattgefunden
und damit auch nie eine Leistungspflicht bestanden, ändert an obgenannter
Beweislastverteilung nichts. Im vorliegenden Verfahren ist - wie erwähnt - die Frage der
Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung zu prüfen. Gemäss BGE 130 V 380 hat der
Unfallversicherer - wie von der Beschwerdegegnerin dargelegt und getätigt - bei
Leistungseinstellungen die Möglichkeit, die durch Ausrichtung von Heilbehandlungen
und Taggeld anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex nunc et pro futuro ohne
Berufung auf den Rückkommenstitel der Wiedererwägung oder der prozessualen
Revision (vgl. dazu Art. 53 ATSG) einzustellen, da eine solche Leistungseinstellung kein
Zurückkommen auf die bisher gewährten Versicherungsleistungen bedeutet.
5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.1 Bei der materiell-rechtlichen Beurteilung einer über das Datum der
Leistungseinstellung hinausgehenden Leistungspflicht bildet die Frage, ob beim
Treppenunfall vom 12. Dezember 2014 überhaupt eine Einwirkung auf den rechten
Ellbogen des Beschwerdeführers stattgefunden hat, zweifellos einen massgebenden
Ausgangspunkt. Entsprechend äusserte sich auch Dr. I._ in seiner ärztlichen
Beurteilung vom 9. März 2016 zu dieser Sachverhaltsfrage (vgl. Suva-act. 119-4 ff.).
Von Bedeutung sind dabei der Unfallmechanismus bzw. die Art und Weise der
Einwirkung auf den rechten Ellbogen (vgl. Erwägungen 5.2 und 5.3.1), die echtzeitlich
gestellte Unfalldiagnose (siehe dazu Erwägungen 5.5.3 und 6) und der zeitliche Ablauf
(vgl. Erwägung 5.3.2). Dies in dem Sinne, als es offensichtlich erscheint, dass in der
Regel nur ein vom Unfall betroffener Körperteil eine Verletzung mit nachfolgenden
Beschwerden zeitigen kann, eine erlittene Verletzung im Regelfall zu Schmerzen führt
und unmittelbar im Anschluss an den Unfall oder zumindest unfallnah auch
wahrgenommen sowie im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung beschrieben wird. Je
grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der
gesundheitlichen Beschwerden ist, desto strengere Anforderungen sind an den
Wahrscheinlichkeitsbeweis des natürlichen Kausalzusammenhangs zu stellen (RKUV
1997 Nr. 275 S. 191 E. 1c).
5.2 Laut Schadenmeldung UVG vom 12. Dezember 2014 hatte der Beschwerdeführer
gleichentags beim Hinuntergehen einer Treppe einen Fehltritt gemacht und dabei einen
Zwick im Rücken verspürt (Suva-act. 1). Am 13. Dezember 2014 wurde von den Ärzten
der Klinik für Nephrologie des KSSG ein akuter Niereninfarkt rechts bei
Nierenarteriendissektion diagnostiziert (Suva-act. 13, vgl. auch Suva-act. 9). Anlässlich
eines Telefongesprächs mit der Beschwerdegegnerin vom 9. Januar 2015 erklärte der
Beschwerdeführer, während der Arbeit ausgerutscht zu sein (ca. 3 Stufen hinunter). Er
habe einen Sturz vermeiden können, weil er an der Wand vorwärts aufgeprallt sei
(Suva-act. 10). Erstmals am 18. Februar 2015, d.h. rund zwei Monate nach dem Unfall,
bei einer Besprechung mit der Beschwerdegegnerin, schilderte der Beschwerdeführer
einen auf eine Beteiligung des rechten Ellbogens zugeschnittenen Unfallmechanismus.
Er sei während der Arbeit eine Treppe hinuntergegangen und dabei aus unerklärlichen
Gründen irgendwie ins Straucheln geraten, wodurch die Gefahr entstanden sei, 2-3
Treppenstufen hinunterzustürzen. Er habe einen Sturz gerade noch verhindern können,
indem er sich unterhalb der Treppe an einer Wand seitlich abgefangen habe. Er sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dabei mit angelegtem rechten Arm seitlich gegen die Wand geprallt (= Körper nach
links abgedreht und mit rechtem Arm und rechter Flanke gegen die Wand). Anlässlich
der vorgenannten Besprechung erzählte der Beschwerdeführer auch das erste Mal von
Ellbogenbeschwerden. Im Rahmen der Spitalbehandlung seien an seinem rechten Arm
- im Bereich des Ellbogens - diverse Nadelstiche gesetzt worden, meist um
Blutentnahmen durchzuführen. Im Laufe der Zeit habe er dann belastungsabhängige
Beschwerden im Bereich des rechten Ellbogens gespürt. Die Beschwerden am rechten
Ellbogen seien nach wie vor vorhanden, wenn sie sich auch etwas gebessert hätten
(Suva-act. 19). Am 18. Februar 2015 erfolgte zudem eine erste ärztliche Untersuchung
bzw. Behandlung des rechten Ellbogens durch Dr. D._. Laut Anamnese des
entsprechenden Untersuchungsberichts vom 4. März 2015 war der Beschwerdeführer
bei der Arbeit auf der Treppe gestürzt und mit der rechten Schulter und vor allem mit
dem rechten Ellbogen an eine Wand geprallt. Er habe Schmerzen im Oberarm gespürt
(Suva-act. 27). In der Einspracheergänzung vom 30. April 2015 (Suva-act. 66) zur
Anfechtung der leistungsablehnenden Verfügung betreffend Nierenproblematik vom 18.
März 2015 (Suva-act. 33) beschrieb der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
ausserdem einen Mauerknick unterhalb der Treppe, an dem der Beschwerdeführer
aufgeprallt sei. Der Aufprall sei rechtsseitig erfolgt (Suva-act. 66). Ein erhebliches
Anpralltrauma an einem (scharfen) Mauerknick führte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auch in der Beschwerdeeingabe vom 13. Juli 2016 (act. G 1) und
der Replik vom 24. November 2016 (act. G 9) an.
5.3
5.3.1 Die vorgenannten Unfallschilderungen verändern sich zwar von einem blossen
Fehltritt beim Hinuntergehen einer Treppe über einen Aufprall vorwärts in eine Wand zu
einem rechtsseitigen, offenbar die rechte Schulter, den rechten Ellbogen und die rechte
Flanke tangierenden Anprall an einem Mauerknick. Kommt man jedoch auf einer
Treppe ins Straucheln, erscheint insgesamt ein Unfallmechanismus mit Anpralltrauma
des rechten Ellbogens, sei es rechtsseitig an der Treppenwand oder erst an dem von
der Treppe entfernt liegenden Mauerknick (vgl. Suva-act. 68-6 f.), plausibel. Die
Schadenmeldung UVG vom 12. Dezember 2014 wurde von der Arbeitgeberin bzw. vom
Vater des Beschwerdeführers ausgefüllt (Suva-act. 1). Eine eigene
Sachverhaltsdarstellung gab der Beschwerdeführer erstmals am 9. Januar 2015 ab,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wobei er zumindest einen Anprall - wohl seines Körpers - erwähnte. Seiner
Formulierung "an der Wand vorwärts" ist dabei nicht zu viel Gewicht beizumessen,
zumal vorne keine Wand, sondern der Mauerknick stand, und damit ohne weiteres die
Richtung der Schwerkraftwirkung (der Beschwerdeführer strauchelte beim
Hinuntergehen einer Treppe) gemeint sein konnte.
5.3.2 Die rund zweimonatige Latenzzeit bis zur erstmaligen Erwähnung von
Ellbogenbeschwerden und einer ausdrücklichen Ellbogentangierung gilt es ebenfalls zu
relativieren. Der Beschwerdeführer litt - unabhängig davon, ob es sich bei den
Ellbogenbeschwerden um eine Unfallfolge handelte oder nicht - zeitgleich mit dem
Unfall vom 12. Dezember 2014 akut unter einer schwerwiegenden, d.h. gefährlichen
und schmerzhaften, Gesundheitsstörung an der Niere, weswegen er hospitalisiert und
operativ behandelt werden musste. Dass bei einem Nierenschaden dieser Art eine
gesundheitliche Störung am Ellbogen ohne strukturelle Verletzung nicht im
Vordergrund steht bzw. ihr keine Beachtung geschenkt wird, ist nachvollziehbar.
Zudem ist davon auszugehen, dass die eingenommenen Schmerzmittel verhindert
haben, dass er die Verletzung am Ellbogen überhaupt verspürte. Im Übrigen hat der
Beschwerdeführer am 18. Februar 2015 angegeben, nach der Spitalbehandlung im
Laufe der Zeit belastungsabhängige Beschwerden im Bereich des rechten Ellbogens
gespürt zu haben. Nach dem Spitalaustritt bis zum Besprechungstermin mit der
Beschwerdegegnerin verging nur ein Monat. Der Beschwerdeführer hatte zudem für
den Tag der Besprechung bereits einen Sprechstundentermin bei Dr. D._ vereinbart
(Suva-act. 19). Angesichts des dargelegten Sachverhalts darf insgesamt von einem
zusammenhängenden, zumindest nicht gegen einen Unfall mit Tangierung des rechten
Ellbogens sprechenden zeitlichen Ablauf ausgegangen werden.
5.3.3 Wie von Dr. I._ in seiner ärztlichen Beurteilung vom 9. März 2016 zutreffend
festgestellt, sind im Austrittsbericht der Klinik für Nephrologie des KSSG vom 22.
Dezember 2014 neben den Hauptdiagnosen akuter Niereninfarkt rechts am 12.
Dezember 2014 bei Nierenarteriendissektion und Niereninsuffizienz einige
Nebendiagnosen - sporadischer Herpes Zoster, Hypercholesterinämie, Katarakt links -
aufgeführt (Suva-act. 13). Die kreisärztliche Schlussfolgerung, die Nebendiagnosen
würden darauf schliessen lassen, dass der Beschwerdeführer umfassend und
ganzheitlich untersucht und beurteilt worden sei und nicht nur die internistische
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Problematik mit Niereninfarkt im Vordergrund gestanden habe, kann hingegen vom
Gericht nicht ohne Weiteres nachvollzogen werden. Die Nebendiagnosen sind sehr
ausgewählt und zumindest der Herpes Zoster sowie die Hypercholesterinämie lassen
darauf schliessen, dass sich die Abklärungen und Behandlungen in der Klinik für
Nephrologie des KSSG auf Erkrankungen der Inneren Medizin fokussierten (vgl. dazu
https://de.wikipedia.org/wiki/Innere_Medizin, abgerufen am 7. Juli 2017). Jedenfalls
lässt sich aus den Nebendiagnosen in keiner Weise der Schluss ziehen, dass der
Bewegungsapparat des Beschwerdeführers bzw. die Extremitäten Inhalt der
Untersuchungen gewesen wären, was bei einer Hospitalisation in der Klinik für
Nephrologie auch nicht zu erwarten war. Zu erwähnen bleibt, dass der
Beschwerdeführer nicht behauptet, Ellbogenbeschwerden in der Notfallaufnahme der
Klinik C._ oder während der Hospitalisation in der Klinik für Nephrologie des KSSG
erwähnt zu haben, diese jedoch nicht dokumentiert worden seien (vgl. dazu Suva-act.
119-4).
5.4
5.4.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass entgegen den Überlegungen der
Beschwerdegegnerin und von Dr. I._ nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden kann, der rechte Ellbogen des
Beschwerdeführers sei vom Unfall vom 12. Dezember 2014 nicht betroffen gewesen.
Das Fehlen einer echtzeitlichen Dokumentation von Ellbogenbeschwerden rechts lässt
zumindest keine überzeugenden Zweifel an einem solchen Geschehen aufkommen.
5.4.2 Der Einwand der Beschwerdegegnerin, klinisch hätten echtzeitlich keinerlei
Anzeichen einer äusseren Einwirkung auf den rechten Ellbogen - wie Prellmarken,
Schwellungen, Blutergüsse, Schürfwunden, Ödeme - objektiviert werden können (act.
G 3 Ziff. 5.2, act. G 11 Ziff. 1), vermag an dieser Beurteilung nichts zu ändern. Bei einer
schmerzhaften Weichteil- bzw. Kontusionsverletzung, die nicht von einer strukturellen
Läsion begleitet ist, sind die Unfallfolgen nicht immer sichtbar. So beschrieb Dr. D._
den rechten Ellbogen mit Bericht vom 4. März 2015 äusserlich unauffällig ohne
sichtbare Schwellung, leitete jedoch aus den weiteren Befunden (Druckdolenz über
dem Epikondylus lateralis und über dem Extensorenursprung, Anspannen der
Extensoren gegen Widerstand deutlich schmerzhaft) die Diagnose einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
posttraumatischen Epicondylitis humeri radialis ab (Suva-act. 27). Med. pract. F._
bezeichnete diese in ihrer ärztlichen Beurteilung vom 17. März 2015 basierend auf der
Schilderung des Beschwerdeführers eines Anpralltraumas und im Wissen, dass initial
keine Behandlung erfolgt und in den echtzeitlichen medizinischen Akten auch keine
Hämatome, Schwellungen etc. beschrieben worden waren, als unfallkausal. Sie
betrachtete die Beschwerdegegnerin für die Behandlung der Epicondylitis humeri
radialis im damaligen Zeitpunkt als leistungspflichtig, ohne die Stärke der Prellung
weiter zu besprechen. Ebenso bejahte Dr. G._ im Untersuchungsbericht vom 25.
Januar 2016 eine Unfallkausalität zwischen der Epicondylitis humeri radialis und dem
Unfallereignis vom 12. Dezember 2014 mit Prellungen des Ellbogengelenks (Suva-act.
113).
6.
Die Verfahrensparteien sind sich darin uneinig, ob es sich bei der Epicondylitis humeri
radialis um einen neuen unfallbedingten Schaden handelt oder ob die Epicondylitis
humeri radialis im Zeitpunkt des Unfalls vom 12. Dezember 2014 bereits als
Vorschädigung bestanden hat.
6.1 Am 28. April 2015 wurde in der H._ eine radiologische Untersuchung des
rechten Ellbogens des Beschwerdeführers durchgeführt, wobei sich die Epicondylitis
humeri radialis mit Reizzustand der myxoid imponierenden gemeinsamen
Extensorensehnenaponeurose bestätigte (Suva-act. 62). Unter den Ärzten ist
unbestritten, dass die Epicondylitis humeri radialis als Ursache der vom
Beschwerdeführer geklagten Ellbogenbeschwerden zu betrachten ist. Auch von der
Beschwerdegegnerin wird nichts anderes vorgebracht.
6.2 Bei der Epicondylitis humeri radialis handelt es sich laut medizinischer Literatur um
einen Entzündungszustand im Bereich der Sehnenansätze der Hand- und
Fingerstreckmuskulatur am Epicondylus radialis (lateralis), dessen Natur nicht ganz
geklärt ist (vgl. dazu ALFRED M. DEBRUNNER, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie,
4. Aufl. Bern 2005, S. 740 f.; LEITLINIE DER ORTHOPÄDIE, Hrsg. von der Deutschen
Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und dem Berufsverband der
Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte Aufl. Köln 2002, S. 35; PSCHYREMBEL, Klinisches
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Wörterbuch, 266. Aufl. Berlin 2014, S. 612; ROCHE LEXIKON, Medizin, 5. Aufl.
München 2003, S. 541). Grundsätzlich ist es jedoch medizinisch möglich, dass ein
Unfallereignis, insbesondere eine Kontusion, eine posttraumatische Epicondylitis
auslösen kann (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 11.
Juli 2011, UV 2010/80; Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 19. Juli 2012,
725 12 28/194, E. 6.2; http://flexikon. doccheck.com/de/Epicondylitis_humeri_lateralis;
http://tennisarm.ch/index. htm?/unfall.htm; http://www.symptomeundbehandlung.com/
schmerzen-im-ellenbogen/ tennisarm-tennis ellenbogen-epicondylitis/, alle abgerufen
am 7. Juli 2017).
6.3 Ist es durch den Unfall zu keinen neuen unfallbedingten Schäden gekommen, trifft
er aber auf einen vorgeschädigten Körper, kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende oder richtunggebende
Verschlimmerung des Vorzustandes in Betracht. Eine richtunggebende
Verschlimmerung liegt nach der Rechtsprechung vor, wenn medizinischerseits
feststeht, dass weder der Status quo ante noch der Status quo sine wieder erreicht
werden könnten (RUMO-JUNGO/HOLZER, a.a.O., S. 54). In Bezug auf die Epicondylitis
humeri radialis des Beschwerdeführers steht bereits fest, dass eine richtunggebende
Verschlimmerung nicht in Betracht kommt, nachdem per 8. April 2016 der medizinische
Endzustand erreicht werden konnte (vgl. Suva-act. 128, 146). Die lediglich
vorübergehende unfallbedingte Verschlimmerung eines Vorzustandes basiert auf dem
Wissen, dass es im Unfallversicherungsrecht Fälle gibt, bei denen die Unfallfolgen bzw.
deren Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des posttraumatischen
Verlaufs nicht immer konkret beschrieben werden können. Dennoch wird bei einem
geeigneten bzw. adäquaten Ereignis in einer ersten Phase von einer schädigenden
Wirkung des Ereignisses (Unfall) auf den Körper ausgegangen, die in der Folge
aufgetretenen bzw. ausgelösten Beschwerden werden nach einem bestimmten
Zeitraum - trotz ihres möglichen Fortdauerns - aufgrund einer medizinischen
Erfahrungstatsache aber nicht mehr dem Unfall angelastet. Die Unfallversicherung
übernimmt in diesen Fällen nur den durch das Unfallereignis ausgelösten
Beschwerdeschub, d.h. sie hat bis zum Erreichen des Status quo sine vel ante
Leistungen für die unmittelbar im Zusammenhang stehenden Beeinträchtigungen zu
erbringen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3,
vom 9. Januar 2012, 8C_601/2011, E. 3.2, und vom 24. Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und 4; Urteil des EVG vom 14. März 2000, U 266/99, E. 1; vgl. auch RUMO-JUNGO/
HOLZER, a.a.O., S. 55 f.).
6.4 Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 14. Januar 2016 (Suva-act.
110) bzw. im angefochtenen Einspracheentscheid (Suva-act. 124) in Bezug auf die
Epicondylitis humeri radialis des Beschwerdeführers von einer vorbestandenen
Gesundheitsschädigung aus und nahm per 28. April 2015 (Zeitpunkt der Erstellung des
MRT; Suva-act. 62) einen Status quo sine an. Dabei stützte sie sich auf die ärztliche
Beurteilung von Dr. I._ vom 9. März 2016 (Suva-act. 119). Die tatsächliche
Leistungseinstellung erfolgte jedoch "entgegenkommenderweise" erst per
Verfügungsdatum vom 14. Januar 2016 (Suva-act. 110). Im Sinne der Erwägung 6.3
argumentierte Dr. I._ in seiner ärztlichen Beurteilung, dass die vom
Beschwerdeführer angegebene Beschwerdesymptomatik des rechten Ellbogengelenks
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf eine vorübergehende Verschlimmerung
eines unfallunabhängig vorbestehenden Verschleisszustandes der
Strecksehnenaponeurose im Sinne einer Epikondylopathie humero radialis rechts
durch Prellung zurückzuführen sei, die Epikondylopathie humero radialis rechts also
nicht einem am 12. Dezember 2014 erlittenen Prelltrauma entstamme.
6.5 Für die Abgrenzung Vorzustand bzw. neue unfallbedingte Schädigung stellt der
Vergleich radiologischer Untersuchungsergebnisse aus der Zeit vor und nach dem
Unfall eine bedeutende Beweisgrundlage dar. Im konkreten Fall liegen keine
prätraumatischen radiologischen Untersuchungsergebnisse des rechten Ellbogens des
Beschwerdeführers vor, welche einen eindeutigen Beweis für das Vorliegen eines
Vorzustandes liefern könnten. Das Vorhandensein eines solchen erklärte Dr. I._ (nur)
mit dem MRT-Untersuchungsergebnis vom 28. April 2015, worin die Radiologin der
H._, Dr. med. J._, Fachärztin für Radiologie FMH, die bildgebenden Befunde des
rechten Ellbogens mit typischen Zeichen einer verschleissbedingten Veränderung der
Strecksehnenaponeurose, einem verschleissbedingten entzündlichen Reizzustand des
Ligamentum collaterale radii, der Plica und des vor dem Olecranon gelegenen
Schleimbeutelgewebes beschrieb. Wortwörtlich formulierte Dr. J._: " [...] als
mögliches Korrelat einer abgelaufenen aktuell nicht floriden entzündlich veränderten
Bursitis olecrani bei diskreten Insertionstendinosen der Sehne des Musculus trizeps
bachii. Minimale Insertionstendinose, auch der Sehne des Musculus bizeps brachii."
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Radiologin interpretierte demnach die sich darstellenden Echoalterationen als
morphologischen Ausdruck einer reaktiven Entzündung mit verschleissbedingten
Veränderungen des Ellbogengelenks. Von einer traumatisch bedingten strukturellen
Veränderung könne genauso wenig die Rede sein wie von einer traumatisch bedingten
Rissbildung oder anderweitigen unfallspezifischen Folgen (Suva-act. 119).
6.6 Die Überzeugung von Dr. I._, die Radiologin interpretiere die sich darstellenden
Echoalterationen als morphologischen Ausdruck einer reaktiven Entzündung mit
verschleissbedingten Veränderungen des Ellbogengelenks ist in den Ausführungen des
MRT-Untersuchungsberichts nicht erkennbar. Insbesondere die Formulierung
"verschleissbedingte Veränderung" als eindeutige Beschreibung eines degenerativen
Zustandes ist im Untersuchungsbericht von Dr. J._ nicht explizit zu lesen. Der Befund
der mässigen Epicondylitis humeri radialis mit Reizzustand der myxoid imponierenden
gemeinsamen Extensorenaponeurose und Reizzustand des Ligamentum collaterale
radii und der angrenzenden Plica wurde von ihr im MRT-Untersuchungsbericht neutral,
d.h. ohne Zusatz eines Hinweises auf eine degenerative oder traumatische Genese,
angeführt. Auch wenn ein Reizzustand in der Regel einen krankheitsbedingten bzw.
degenerativ bedingten Zustand darstellt, kann eine Epicondylitis humeri radialis - wie
gesagt - grundsätzlich die Folge eines Prelltraumas sein (vgl. Erwägung 6.2). Aus dem
genannten Befund kann mithin nicht nur der Schluss einer Degeneration gezogen
werden. Was die weiter genannten Insertionstendinosen angeht, betreffen diese die
Sehnen des Musculus triceps brachii und des Musculus biceps brachii und damit der
Muskeln des Oberarms, während am Epicondylus humeri radialis die
Unterarmextensoren entspringen. Zwar könnte eine umfassendere
Entzündungsproblematik im Bereich eines Körperteils auf einen krankhaften bzw.
degenerativen Zustand hinweisen. Mit ihrer Formulierung "als mögliches Korrelat einer
abgelaufenen aktuell nicht floride entzündlich veränderten Bursitis olecrani" bringt
jedoch Dr. J._ nur eine Vermutung zum Ausdruck, welche den im
Sozialversicherungsrecht geltenden Anforderungen an den Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht zu genügen vermag (vgl. LOCHER/GÄCHTER,
a.a.O., § 70 N. 58 f.).
6.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass anhand der ärztlichen Beurteilung von Dr.
I._ nicht nachvollzogen werden kann, inwiefern in den Befunden des MRT-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Untersuchungsberichts ein Beweis für eine degenerativ bedingte Epicondylitis humeri
radialis bzw. einen Vorzustand im rechten Ellbogen in Form einer Epicondylitis humeri
radialis im Zeitpunkt des Unfalls vom 12. Dezember 2014 zu sehen ist. Daran vermag
auch der Umstand nichts zu ändern, dass das Ellbogengelenk bei der MRT-
Untersuchung insbesondere keine traumaassoziierte Fraktur/Bone bruise respektive
Chondropathie zeigte (Suva-act. 62). Eine Epicondyitis humeri radialis kann sich
offenbar aus einem blossen Kontusionstrauma heraus entwickeln und bedarf keiner
strukturellen Ursprungsverletzung (vgl. Erwägung 6.2). Gegen den Beweis eines
überwiegend wahrscheinlichen degenerativen Vorzustandes spricht auch die - wenn
auch nicht begründete, so doch uneingeschränkte - Verneinung eines Vorzustandes
und/oder einer degenerativen Erkrankung am Ellbogen durch Dr. G._ in ihrem
Schreiben vom 25. Januar 2016 und weiter ihre Bejahung der Unfallkausalität der noch
bestehenden Restbeschwerden im damaligen Zeitpunkt (Suva-act. 116). Dr. G._ gab
ihre Antworten offensichtlich in Kenntnis des MRT-Untersuchungsergebnisses ab
(Suva-act. 69). Es ist kaum anzunehmen, dass sie als Fachärztin einen Vorzustand
ohne Weiterungen verneint hätte, wäre dem MRT-Untersuchungsbericht ein solcher
eindeutig zu entnehmen gewesen. Die Beweiswertigkeit der Feststellung von Dr. I._
in seiner ärztlichen Beurteilung, die beim Beschwerdeführer am 28. April 2015
radiologisch erhobene Epicondyitis humeri radialis habe bereits vorbestanden, ist
angesichts des Gesagten in Frage gestellt bzw. ein Vorzustand nicht überwiegend
wahrscheinlich nachgewiesen.
7.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob bei dieser Sachlage im Zeitpunkt der MRT-Untersuchung
vom 28. April 2015 oder der Leistungseinstellung per Datum des Verfügungserlasses
(14. Januar 2016) vom Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten
Ursachen der fortdauernden Ellbogenbeschwerden auszugehen ist.
7.1 Von einer Heilung der unfallbedingten Ellbogenbeschwerden ist auszugehen, wenn
sich die unfallkausalen Befunde gänzlich zurückgebildet haben (vgl. dazu Erwägung
3.2). Dr. I._ geht in seiner ärztlichen Beurteilung vom 9. März 2016 von einer
dreimonatigen Heilungsdauer aus (vgl. Suva-act. 119-6), was ihn im konkreten Fall von
einer Heilung der Kontusionsfolgen spätestens im Zeitpunkt der MRT-Untersuchung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgehen liess. Mit Blick auf die Erwägung 6.3 ist jedoch - wie vom Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers in der Replik vom 24. November 2016 (act. G 9 Ziff. 6)
zutreffend dargelegt - nur in dem von Dr. I._ angenommenen Fall einer leichten
Prellung mit vorübergehender Verschlimmerung eines vorbestehenden,
überlastungsbedingten Verschleisszustandes der Strecksehnenansätze die Annahme
eines Status quo sine vel ante allgemein und konkret per Datum der MRT-
Untersuchung möglich (vgl. dazu medizinische Erfahrungsmedizin gemäss
DEBRUNNER, a.a.O., S. 412). Stellt hingegen die Epicondylitis humeri radialis keinen
überwiegend wahrscheinlichen Vorzustand, sondern für sich eine Unfallfolge dar, kann
nicht gesagt werden, es würden nur noch die Auswirkungen des vorbestandenen
Grundleidens wirksam sein und die Unfallfolgen seien vollständig abgeklungen. Im
Zeitpunkt der MRT-Untersuchung konnte im Ellbogen des Beschwerdeführers noch
eine Epicondylitis humeri radialis ausgemacht werden, womit eine Heilung der
Unfallfolgen zu diesem Zeitpunkt mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit ausser Betracht fällt.
7.2 Erst mit der Heilung der Epicondylitis humeri radialis kann mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ein Dahinfallen der Unfallfolgen angenommen
werden. Die Tatsache, dass in der medizinischen Literatur als Ursache einer
krankheits- bzw. degenerativ bedingten Epicondylitis humeri radialis eine lokale,
funktionelle Überlastung beschrieben wird, lässt annehmen, dass eine Überlastung
auch die Heilung einer Epicondylitis humeri radialis verhindern bzw. erschweren kann.
Die Heilung einer Epicondylitis humeri radialis wird in der medizinischen Literatur
ausserdem als langwierig beschrieben (vgl. DEBRUNNER, a.a.O., S. 740; LEITLINIE
DER ORTHOPÄDIE, a.a.O., S. 35; PSCHYREMBEL, a.a.O., S. 612; ROCHE LEXIKON,
a.a.O., S. 541). Der Beschwerdeführer ist Geschäftsführer der Firma B._. Da es sich
dabei jedoch um ein kleines Unternehmen handelt, muss er auch handwerklich
mitarbeiten. Der Beschwerdeführer verrichtet angeblich zu 10% Bürotätigkeiten
(Aquisition, Auftragsentgegennahme usw.). Ca. 90% übt er auf den Baustellen
eigentliche Bodenlegerarbeiten wie Abbrucharbeiten, Transport von Arbeitsmaterial,
Tragen von Bodenbelägen, Bearbeiten und Schneiden derselben sowie eigentliches
Verlegen von Böden, aus (Suva-act. 19). Nach einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit
hatte der Beschwerdeführer seine Tätigkeit ab dem 1. April 2015 wieder zu 50%
aufgenommen (Suva-act. 45, 49, 57). Durch die berufsbedingte Mehrbelastung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
rechten Arms nahmen die Schmerzen wieder zu und der Beschwerdeführer reduzierte
das Pensum, ärztlich bestätigt, auf 20%. Ausserdem wurde beim Beschwerdeführer
eine Infiltration mit Kenacort 40 durchgeführt (Suva-act. 60, 63, 64, 69). Ab dem 11.
Mai 2015 attestierte ihm Dr. G._ wieder eine 50%-ige und damit immer noch
massgebend reduzierte Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 64, 69). Mit dieser fand sich der
Beschwerdeführer gut zurecht (Suva-act. 70). Anlässlich der Untersuchung vom 29.
Mai 2015 gab der Beschwerdeführer Dr. G._ an, dass ihm die
Arbeitsfähigkeitsreduktion gut getan habe. Die klinischen Befunde zeigten sich zudem
als befriedigend, worauf Dr. G._ beim Beschwerdeführer ab 30. Mai 2015 wieder von
einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit ausging (Suva-act. 73). Erneut trat eine Zunahme der
Ellbogenbeschwerden auf (Suva-act. 74). Die nächste Untersuchung bei Dr. G._
datiert vom 30. November 2015, anlässlich welcher der Beschwerdeführer angab, dass
die Infiltration nur kurzfristig eine Besserung gebracht habe (Suva-act. 105). Dr. G._
bestätigte darauf erneut eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit seit 23. November 2015,
verordnete dem Beschwerdeführer eine Physiotherapie (Suva-act. 109, 111) und
verlängerte die Arbeitsunfähigkeit letztlich bis 29. Februar 2016 (Suva-act. 122).
Entsprechend hatte der Beschwerdeführer am 7. Januar 2016 telefonisch berichtet,
dass der Heilverlauf nur langsam vorwärts gehe. Es brauche einfach seine Zeit. Wenn
er wiederholt 1 bis 2 kg anhebe, würden die Beschwerden rasch zunehmen. Dr. G._
sowie die Physiotherapeutin meinten, dass er aktuell nicht forcieren dürfe, andernfalls
es wieder zu einer Verschlimmerung kommen könne (Suva-act. 107). Erst ab 1. März
2016 bestätigte Dr. G._ dem Beschwerdeführer wieder eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit (Suva-act. 122). Am 8. April 2016 ist die Abschlusskontrolle bei Dr.
G._ dokumentiert (Suva-act. 128).
7.3 Angesichts der in Erwägung 7.2 dargelegten Sachlage ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung am 14. Januar 2016 in seiner beruflichen Tätigkeit
als Bodenleger immer noch beschränkt einsatzfähig war, keine Beschwerdefreiheit
besass und das Beschwerdebild unbestrittenermassen mit der unfallkausalen
Epicondylitis humeri radialis in Zusammenhang stand. Erst ab dem 8. April 2016 ist von
einer Heilung derselben bzw. vom Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung des Unfalls
vom 12. Dezember 2014 für den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
auszugehen. Die Beschwerdegegnerin wird mithin über den 14. Januar 2016 hinaus bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/25
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zum 8. April 2016 die Heil¬behandlungskosten betreffend die Ellbogenbeschwerden
rechts zu vergüten und bis 29. Februar 2016 Taggeldleistungen für eine 50%-ige
Arbeitsunfähigkeit zu erbringen haben.
8.
8.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 13. Juli 2016 unter
Aufhebung des Einspracheentscheids vom 13. Juni 2016 gutzuheissen. Die
Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, dem Beschwerdeführer vom 15. Januar bis 29.
Februar 2016 Taggelder entsprechend einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50% und
vom 15. Januar bis 8. April 2016 Heilkostenleistungen für die Ellbogenbeschwerden
rechts auszurichten.
8.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung ist vom Gericht
ermessensweise festzusetzen, wobei insbesondere der Bedeutung der Streitsache und
dem Aufwand Rechnung zu tragen ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. Art. 98 ff. des st.
gallischen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]). Der
Bedeutung und dem Aufwand der Streitsache entsprechend erscheint vorliegend eine
Parteientschädigung von pauschal Fr. 4'000.-- (inklusive Barausalgen und
Mehrwertsteuer) angemessen.