Decision ID: f5faf503-1e9e-4136-ac31-8f8772437c54
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1967 und Mutter dreier in den Jahren 1989, 1991 und 1994 geborener Kinder, war
seit
1997/1998
als
Verpackerin
und Aushilfe im Ver
kauf mit einem Pensum von 60
%
bei der Firma
Y._
und als Rei
nigungskraft und
Verpackerin
bei der Firma
Z._
AG
mit einem Pensum von 40
%
tätig. Am
9.
Juni 2015 (Eingangsdatum) meldete sie sich bei der Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf eine psy
chische Beeinträchtigung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1).
In der Folge tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen. M
it Schreiben vom
8.
September 20
15 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Dienstleis
tungen zwecks Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung Richtung ersten Arbeitsmarkt
a
bgeschlossen
seien
(
Urk.
7/12).
Die IV-Stelle veranlasste am
9.
Dezember 2015 ein
bidisziplinäres
Gutachten (psychiatrisch-rheumatologisch)
durch
Dr.
A._
und
Dr.
B._
, welche die Gutachten am 1
3.
Februar 2016 respektive am
2.
April 2016 erstatte
ten (
Urk.
7/17 und
Urk.
7/20).
Schliesslich kündigte die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
7.
Mai 2016 an, ihr eine Rente zuzusprechen (
Urk.
7/29)
, worauf die
Vor
sorgeeinrichtung
Einwand erhob (
Urk.
7/36). Mit erneutem Vorbescheid vom 1
0.
Oktober 2016
stellte
die IV-Stelle
daraufhin in Aussicht,
das L
eistungsbegeh
ren ab
zuweisen
(
Urk.
7/41), worauf die Versicherte mit Schreiben vom
1.
Dezem
ber 2016 Einwand erhob (
Urk.
7/52).
Am 2
0.
September 2018 ergänzte die Versi
cherte den Einwand (
Urk.
7/68). Mit Verfügung vom 1
4.
November 2018 ver
neinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf Leistung
en der Invali
denversicherung
(
Urk.
2 [=7/70]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
4.
Dezember 2018 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die Verfügung
der
IV-Stelle
vom
1
4.
November 2018
sei abzuändern und der Versicherten sei eine Rente zuzusprechen (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
1.
Februar 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Versicherten mit Verfügung vom
5.
Februar 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Mit
Replik vom
2.
April 2019 hielt die
Versicherte
an ihren Anträgen fest (
Urk.
11). Die IV-Stelle verzichtete
mit
Eingabe vom
3.
Mai 2019 auf die Erstattung einer Duplik (
Urk.
13
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130
V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145
V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle führte aus, dass bei der Beschwerdeführerin die Diagnose Angst und depressive Störung gemischt vorliege. Diese Diagnose sei jedoch gemäss Recht
sprechung nicht in einem solchen Mass einschränkend, dass sie eine Arbeitsun
fähigkeit beg
ründen würde. Ebenfalls be
gründ
e
die Diagnose erst einen Anspruch auf eine Invalidenrente, wenn sie sich als behandlungsresistent herausgestellt habe. Dieser Fall liege nicht vor, denn die Beschwerdeführerin gehe nur unregel
mässig in die Therapie und sie nehme die Medikamente nicht regelmässig. Somit könne nicht davon ausgegangen werden, dass jegliche Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft seien
. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei nicht nachvoll
ziehbar. Gemäss den Kriterien müsse eine Persönlichkeitsstörung bereits in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter erkennbar sein
. Somit sei nicht nach
vollziehbar, wieso die Persönlichkeitsstörung nun auf einmal eine Einschränkung verursachen solle. Aufgrund der vorhandenen medizinisch
en Unterlagen gehe man
weiterhin davon aus, dass die Beschwerde
führerin genügend Ressourcen habe
, um eine Tätigkeit auszuüben, da sie weiterhin in die Ferien verreise, regel
mässigen Kontakt mit Familienangehörigen habe und auch weiterhin selber Auto fahre
(
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte dagegen geltend, sie habe in ihren Jugendjahren viel
Gewalt durch den Vater erlebt
.
Dadurch habe sie an Depressionen und Sui
zidgedanken gelitten. Im November 2012 habe sie einen Nervenzusammenbruch erlitten und ihre Anstellungsverhältnisse gekündigt
(
Urk.
1 S. 3)
. Aufgrund des von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Gutachtens sei ihr eine 70-80%ige Arbeitsunfähigkeit
attestiert
worden. Mit Vorbescheid vom 2
7.
Mai 2016 sei ihr eine ganze Rente
in Aussicht gestellt
worden. Die
Vorsorgeeinrichtung
habe dagegen Einwand erhoben. Schliesslich habe die IV-Stelle eine rentenabweisende Verfügung
erlassen. Im Gutachten von
Dr
.
A._
vom 1
3.
Februar 2016 sei festgestellt worden, dass die Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich seit November 2012 an Angst und depressiver Störung gemischt leide, gegenwärtig m
ittelgradig bis schwer nach ICD-
10 F 41.2 DD: DESNOS (komplexe posttrauma
tische Belastungsstörung –
Disorders
of
extreme Stress not
otherwise
specified
) GSM
-V-DR nebst einer ängstlichen Persö
nlichkeit. Gemäss dem Gutachten von
Dr
.
A._
hätten diese Diagnosen Auswirkungen auf die mittel- und lang
fristige Arbeitsfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht bestehe seit November 2012 eine anhaltende 70-80%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
(
Urk.
1 S. 4)
.
Des Weiteren seien
die Ausführungen der IV-Stelle,
dass gemäss Rechtsprechung erst bei einem stabilen Gesundheitszustand eine Rente gesprochen werden könne,
nicht zutreffend
. Bei der IV gebe es nur das «Wartejahr» von einem Jahr,
anschliessend sei der Rentenanspruch zu prüfen, insbesondere bei psychischen Gesundheitsschäden, da die Krankheitsbilder oftmals nicht stabil seien. Unterdes
sen habe die Beschwerdeführerin einen stationären und teilstationären Aufenthalt
in
der
i
ntegrierten Psychiatrie
C._
absolviert
. Die Beschwerdefüh
rerin sei somit ihrer Schadensminderungspflicht nachgekommen. Der Gesund
heitszustand der Beschwerdeführerin habe sich le
ider bis heute nicht verbessert (
Urk.
1
S. 6
).
In der Replik führte die Beschwerdeführerin aus, dass
durch den Bericht der
C._
widerlegt werden könne, dass die Schmerzmedikation unzureichend eingenom
men worden sei. Allenfalls habe die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutach
tung extra auf Schmerzmittel verzichtet oder die einmalige Messu
ng habe ein falsches Ergebnis er
geben
(
Urk.
11 S. 4)
. G
emäss Gutachten
habe
die Beschwer
deführerin keine
Hobbys und keine Haustiere
. Wo die von der Kundenberaterin aufgespürten Ressourcen lägen, sei ihr schleierhaft
(
Urk.
11 S. 5)
. Die Konsistenz sei gegeben. Sowohl die behandelnden Ärzte während de
s
stationären Aufent
halt
s
wie auch der Gutachter hätten keine Inkonsistenzen festgestellt. Einzig die rheumatologische Gutachterin sei der Ansicht gewesen, dass teilweise eine Ver
deutlichung des Schmerzgeschehens gezeigt worden sei. Dies sei jedoch nicht gleichb
edeutend
mit einer Inkonsistenz und belege nicht,
dass keine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit vorliege
(
Urk.
11
S. 6
).
3.
3.1
Dr
.
A._
führte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 1
3.
Februar 2016 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an
(
Urk.
7/17
S. 26
)
:
-
Angst und depressive Störung gemischt; gegenwärtig mittelgradig bis schwer; ICD-10 F 41.2 / DD: DESNOS (komplexe posttraumatische Belas
tungsstörung –
disorders
of
extreme stress
not
otherwise
specified
);
DSM-V-DR
-
Ängstliche Persönlichkeitsstörung; ICD-10 F 60.6
Aus psychiatrisch-versicherungsmedizinischer Sicht sei seit zumindest Anfang 2015 von psychiatrischen Störungen mit mittelgradigen bis schweren
handica
pierenden
Fähigkeitsstörungen und
mit
Auswirkung auf die mittel- und langfris
tige Arbeitsfähigkeit bei der Beschwerdeführerin auszugehen.
Es
bestehe seither und anhaltend eine 70-80%ige Arbeitsunfähigkeit in zuletzt ausgeübter und adaptierter Tätigkeit. Das Störungsbild sei unzureichend behandelt. Unter adä
quater Therapie (störungsspezifische stationäre Behandlung mit nachfolgender hochfrequenter ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung in
einem spezialisierten Zentrum) könne binnen eines Jahres eine teilweise Verbes
serung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden, die dann zu einer beruflichen Wie
dereingliederung führen sollte.
Der Gutachter führte weiter aus, dass zum Untersuchungszeitpunkt keine quanti
tative oder qualitative Bewusstseinsstörung vorliege. Die Beschwerdeführerin beklage keine Gedächtnisstörungen. Während des Untersuchs seien keine Störun
gen des Kurz- oder Langzeitgedächtnisses objektivierbar,
ebenso wenig
fänden sich Hinweise auf Zeitgitterstörungen. Die Beschwerdeführerin beklage Konzent
rationsstörungen.
Ein Abfall der Konzentr
ation und der Aufmerksamkeit sei
mit zunehmender Dauer der Exploration nicht bestehend.
Der formale Gedankengang sei in Kohärenz und Stringenz ungestört, im Tempo sei das Denken leicht verzö
gert. Das inhaltliche Denken sei auf wiederkehrende
Grübelgedanken
eingeengt.
Hinweise für Wahn, Sinnestäuschung (Illusion und/oder Pseudohalluzinationen) sowie Ich-Störung im
Sinne von Gedankeneingebung, -ausbreitung oder -
beein
flussung seien nicht
eruierbar
. Die kognitive Begabung liege im Normbereich (
Urk.
7/17 S. 16). Die Beschwerdeführerin wirke während der Exploration deutlich angespannt. Die Schwingungsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt. Die Freudfä
higkeit und die Interessen seien reduziert. Es bestehe ein sozialer Rückzug und der Antrieb sei reduziert
. Die Beschwerdeführerin leide unter einem Morgentief. Es lägen keine Hinweise auf Suizidalität vor. Klinisch fänden sich Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-unsicheren Anteilen (
Urk.
7/17 S.
24
).
Es lägen keine Verdeutlichungstendenzen und keine Aggravation oder eine Simulation vor
(
Urk.
7/17 S. 24)
. Wesentliche Inkonsistenzen zwischen den geschilderten Symptomen und dem gezeigten Verhalten in der Begutachtungssi
tuation und dem geschilderten Tagesablau
f seien gutachterlich nicht zu beschrei
ben
(
Urk.
7/17 S. 26).
3.2
Dr.
B._
führ
t
e in ihrem rheumatologischen Gutachten vom
2.
April 2016 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit an
(
Urk.
7/20 S. 29)
:
-
Verminderte Belastbarkeit und intermittierende linksbetonte Beschwerden der HWS bei
-
k
ongenital engem
cervikalen
Spinalkanal und flache rechtsbetonte Dis
kushernie C4/C5 rechts mit leichter Deformierung des
Myelons
bei mit
telschwerer Spinalkanalstenose sowie flacher rechtsbetonter
Protrusion
C5/C6 mit leichter bis mässiger Spinalkanalstenose mit normalen Facettengelenken und kräftiger Nackenmuskulatur (MRI 03/2016)
-
ohne
radiku
l
äre
Zeichen
-
aktuell beschwerdefrei
-
Verminderte Belastbarkeit und intermittierende linksbetonte Beschwerden der LWS bei
-
kongenital engem lumbalen Spinalkanal mit kleiner medianer Dis
kushernie L5/S1 mit knappem Kontakt zu den Nervenwurzeln beidseits ohne Kompression, leichte bis mässige Spinalkanalstenose L4 bis S1 sowie sehr leichte
Spondylarthrosen
L4 bis S1 mit kräftiger autochtho
ner Rückenmuskulatur (MRI 03/2016)
-
ohne
radikuläre
Zeichen
-
aktuell beschwerdefrei
Die Gutachterin führte aus, dass bei HWS-Problemen oft zusätzlich Überkopfar
beiten sowie Vibrationen zu meiden seien. Das längere Verharren in vornüber geneigter Haltung – ob stehend oder sitzend – sei zu vermeiden. Ebenso seien unerwartete, asymmetrische Lasteneinwirkungen auszuschliessen. Eher günstig seien wechselbelastende Tätigkeiten. Die Beschwerdeführerin könne Lasten bis zu 12.5 kg hantieren. Tätigkeiten, die diesem Profil entsprächen, könne sie zu 100
%
ausüben
(
Urk.
7/20 S. 33)
.
Es bestünden teilweise angeborene, teilweise erwor
bene strukturelle Befunde im Bereich der HWS und der LWS, die die Leistungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin verminder
te
n. Die strukturellen Befunde seien nicht besonders gravierend und würden ihre Beschwerden nur teilweise erklären (
Urk.
7/20 S. 36).
3.3
Die Psychiaterin de
r
C._
führte in ihrem Bericht vom
9.
November 2016 aus, dass eine rezidivierende depressive Störung mit aktuell mittelgradiger Episode und eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen vorl
ägen
(
Urk.
7/49)
.
3.4
Im Aus
trittsbericht der
C._
vom
9.
November 2016 wurden folgende Diagnosen festgehalten:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1)
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen (F61)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41)
Die Beschwerdeführerin sei vom 3
0.
August 2016 bis z
um 2
5.
Oktober 2016 sta
tionär in der
C._
gewesen. Einzeltherapeutisch seien
Psychoedukation, Bedürf
niswahrnehmung und
-durchsetzung sowie Emotionswahrnehmung und
-
regula
tion im Vordergrund gestanden, wobei die Beschwerdeführerin leichte Fort
schritte
habe erzielen können
(
Urk.
7/56).
3.5
Im Bericht von
Dr.
D._
, Fachärztin Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH,
vom 1
9.
März 2018 wurden folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit angeführt (
Urk.
7/62 S. 1-3)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1),
chronifizierter
Verlauf seit Februar 2015
-
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden und abhängigen Zügen (F61)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41
-
Panikstörungen (F41.0), Diagnose gestellt im Mai 2015
Die
Beschwerdeführerin
– so die behandelnde Fachärztin – sei
in angestammter und angepasster Tätigkeit zu 100
%
a
rbeitsunfähig. Bei diesem mehrjährigen schwer
chronifizierten
Krankheitsverlauf sei die Prognose schlecht. Mit einer ver
wertbaren Arbeitsfähigkeit sei kaum noch zu rechnen.
4.
4.1
Das psychiatrische Gutachten von
Dr
.
A._
vom 13. Februar 2019 vermag nicht zu überzeugen. Die von ihm zunächst diagnostizierte psychische Störung kodifizierte er unter dem ICD-10 Code F41.2; nach den klinisch-diagnostischen Leitlinien soll diese Kategorie bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und Depres
sion Verwendung finden, allerdings nur dann, wenn keine der beiden Störungen ein Ausmass erreicht, welches eine entsprechende Einzeldiagnose rechtfertigen würde (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Weltgesundheitsorganisation [WHO],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Kli
nisch-diagnostische Leitlinien, 10. Auflage, Bern 2015, S. 199). Weiter wird in den Leitlinien darauf hingewiesen, dass Patienten mit dieser Kombination ver
hältnismässig milder Symptome in der Primärversorgung häufig gesehen werden; noch viel häufiger liessen sie sich in der Bevölkerung finden, ohne je in medizi
nische oder psychiatrische Behandlung zu gelangen (WHO, a.a.O., S. 199). Vor dem Hintergrund des bis auf die Aspekte der Affektivität und Persönlichkeit un
auffälligen Psychostatus (Urk. 7/17 S. 15-17) ist es daher nicht nachvollziehbar, wie der Gutachter auf einen Arbeitsunfähigkeitsgrad von 70
80 % schloss. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit lässt sich auch mit der ebenfalls diagnosti
zierten ängstlichen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6) nicht begründen: Nach den Leitlinien beginnen Persönlichkeitsstörungen in der Kindheit oder der Ado
leszenz und dauern bis ins Erwachsenenalter (WHO, a.a.O., S. 274 f.). Die angeb
lich bestehende Persönlichkeitsstörung hat die Beschwerdeführerin allerdings während Jahrzehnten nicht an einer Erwerbstätigkeit gehindert. Es ist daher nicht
einsichtig, weshalb sie nun trotz unveränderter Persönlichkeitsmerkmale aus die
sem Grund nicht mehr in der Lage sein sollte, uneingeschränkt einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Die Einschätzung des begutachtenden Psychiaters korres
pondiert auch nicht mit den von der Beschwerdeführerin selbst gemachten An
gaben zu ihrer Alltagsgestaltung und ihrem Aktivitätsniveau. So ist sie in der Lage, ihren Alltag weitgehend alleine zu meistern, führt die im Haushalt anfal
lenden Reinigungsarbeiten selbständig aus, macht mit ihrer Schwägerin Spazier
gänge und bereitet gemeinsam mit ihren Angehörigen das Abendessen zu (Urk. 7/17 S. 13). Unverständlich ist schliesslich, weshalb der Gutachter das Be
stehen von Inkonsistenzen verneinte: Wenn ein Abfall der Konzentration wäh
rend der Exploration trotz geklagter diesbezüglicher Störungen nicht festgestellt werden kann (Urk. 7/17 S. 16) oder die angegebene Schmerzmedikation bei der Blutspiegelkontrolle trotz einer geklagten Schmerzintensität von durchschnittlich acht bis neun auf einer zehnstufigen visuellen Analogskala unterhalb des Mess
bereichs lag (Urk. 7/17 S. 12 und 26), kann die Konsistenz nicht ohne weiteres bejaht werden.
4.2
Mangels anderen beweiskräftigen fachärztlichen Einschätzungen kann der medi
zinische Sachverhalt aufgrund des aktuellen Aktenstandes nicht erstellt werden. Die Beschwerde ist daher in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Ver
fügung aufzuheben und die Sache an die IV
Stelle zur weiteren Abklärung und neuerlichen Verfügung zurückzuweisen ist.
5.
5.1
Die Kosten d
es Verfahrens sind auf
Fr.
600.--
festzulegen und ausgangsgemäss der IV-Stelle aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb Anspruch auf Prozessentschädigung besteht. Entsprechend der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses ist diese auf
Fr. 1’600
.--
(inklusive
MwSt
) festzusetzen.