Decision ID: ddeab1da-bf5d-59b4-a29e-777b8b469f17
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin reiste am 14. September 2017 im Rahmen des
Relocation-Programms von Italien in die Schweiz ein und ersuchte glei-
chentags um Asyl. Am 6. Oktober 2017 wurde sie summarisch befragt und
am 30. April 2018 vertieft zu ihren Asylgründen angehört.
Zu ihrem persönlichen Hintergrund gab sie an, sie sei eritreische Staats-
angehörige tigrinischer Ethnie. Sie sei in C._ geboren und habe dort
die erste bis dritte Klasse besucht. Danach seien ihre Eltern nach
D._ gezogen, wo sie die Schule bis zur zehnten Klasse absolviert
und bis kurz vor ihrer Ausreise gelebt habe. Sie habe eine Schwester und
(...) Brüder. Ein Bruder lebe in E._, ein weiterer im F._. Die
Mutter und weitere Geschwister seien nach ihrer Ausreise nach G._
ausgereist. Nur noch ein Bruder sowie der Vater lebten in Eritrea, wobei
Ersterer beim Militär und Letzterer in Haft sei. Sie sei mittlerweile schwan-
ger.
Zur Begründung ihres Gesuchs machte sie im Wesentlichen geltend, ihre
Eltern hätten sie in der zehnten Klasse mit einem älteren, ihr unbekannten
Mann verheiraten wollen, damit sie nicht nach Sawa gehen müsse. Sie
habe jedoch die Schule beenden und die Heirat nicht eingehen wollen,
weshalb sie mit 16 Jahren illegal ausgereist sei. Zudem seien die Lebens-
bedingungen in Eritrea schwierig.
Zum Beleg ihrer Identität reichte sie Kopien von Identitätspapieren ihrer
Eltern zu den Akten.
B.
Am (...) wurde ihr Kind B._ geboren. Am 18. November 2019 aner-
kannte H._ (N [...], D-2484/2020), ein eritreischer Staatsangehöri-
ger, der ebenfalls ein Asylgesuch in der Schweiz eingereicht hat, die Vater-
schaft für das Kind.
C.
Mit Verfügung vom 15. April 2020 verneinte das SEM ihre Flüchtlingseigen-
schaft, lehnte das Asylgesuch der Beschwerdeführenden ab, und ordnete
die Wegweisung sowie deren Vollzug aus der Schweiz an. Der Entscheid
wurde von der Beschwerdeführerin aufgrund Hospitalisierung nicht abge-
holt.
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D.
Mit Verfügung ebenfalls vom 15. April 2020 lehnte das SEM auch das Asyl-
gesuch von H._ ab. Auf seine dagegen erhobene Beschwerde vom
13. Mai 2020 trat das Bundesverwaltungsgericht nach entsprechender Auf-
forderung (mit Zwischenverfügung vom 17. Juni 2020), aber Nichtzahlung
des Kostenvorschusses innert Frist mit Urteil D-2484/2020 vom 13. Juli
2020 nicht ein.
E.
Am 27. April 2020 trafen beim SEM ärztliche Berichte ein, demgemäss die
Beschwerdeführerin an einer (...) leide und sich vom (...). bis (...). April
2020 in spitalärztlicher Behandlung befand. Mit Schreiben vom (...). April
2020 informierte sie ihrerseits das SEM über ihren Spitalaufenthalt und
reichte ein medizinisches Dokument ein.
F.
Mit erneuter, den Entscheid vom 15. April 2020 ersetzender Verfügung vom
6. Mai 2020 – eröffnet am 8. Mai 2020 – verneinte das SEM abermals die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihr Asylgesuch
vom 14. September 2017 ab und ordnete ihre Wegweisung aus der
Schweiz sowie deren Vollzug an. Zugleich setzte sie eine längere Ausrei-
sefrist an (31. Oktober 2020) und stellte es ihnen unter Hinweis auf die
ausserordentliche Lage aufgrund des Coronavirus sowie der Erkrankung
der Beschwerdeführerin frei, vor Ablauf der Frist um Fristerstreckung zu
ersuchen.
G.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 8. Juni 2020 erhoben die Be-
schwerdeführenden Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht gegen
die Verfügung vom 6. Mai 2020 und beantragten, ihre Flüchtlingseigen-
schaft sei festzustellen, weiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise Un-
zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige
Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchten sie um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses und Beiordnung des rubrizierten Rechts-
vertreters als amtlicher Rechtsbeistand. Mit der Beschwerdeschrift reichten
sie einen ärztlichen Bericht vom 5. Mai 2020, ein Ländergutachten des Ger-
man Institut of Global and Area Studies, einen Artikel des Online-Magazins
Republik und eine Unterstützungsbestätigung ein.
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H.
Mit Zwischenverfügung vom 17. Juni 2020 lehnte die Instruktionsrichterin
die Gesuche der Beschwerdeführenden um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechtsbei-
stands ab und forderte sie zur Leistung eines Kostenvorschusses bis zum
2. Juli 2020 auf. Zugleich hielt sie fest, das vorliegende Verfahren werde
mit dem Beschwerdeverfahren von H._ (D-2484/2020) koordiniert
behandelt.
I.
Mit Schreiben vom 2. Juli 2020 ersuchte der Rechtsvertreter der Beschwer-
deführenden um Wiedererwägung der Zwischenverfügung vom 17. Juni
2020 und machte geltend, der Kindsvater und die Beschwerdeführerin leb-
ten nicht zusammen und seien auch nicht in einer Beziehung. Dazu reichte
er eine Bescheinigung des zuständigen kantonalen Sozialdienstes über
ihre wirtschaftliche Sozialhilfe sowie ihre Wohnsituation (getrennt vom
Kindsvater) und in Kopie einen Entscheid des UNO-Ausschusses gegen
Folter CAT vom 7. Dezember 2018 zu den Akten. Der einverlangte Kosten-
vorschuss wurde innert Frist nicht gezahlt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist zuständig für Beschwerden gegen
Verfügungen auf dem Gebiet des Asyls und entscheidet regelmässig – so
auch hier – endgültig (Art. 5 VwVG, Art. 31 ff. VGG, Art. 105 AsylG [SR
142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden und die
Beschwerdeführenden sind beschwerdelegitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
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schwerde ist einzutreten. Daran vermag die Nichtbegleichung des einver-
langten Kostenvorschusses nichts zu ändern, zumal diesbezüglich ein
Wiedererwägungsgesuch gestellt wurde, das mit neuen Sachverhaltsele-
menten begründet wurde und welches mit dem vorliegenden Endurteil zu
beurteilen ist (vgl. E. 12).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
Angesichts der Erledigung des Beschwerdeverfahrens von H._ mit
Urteil D-2484/2020 vom 13. Juli 2020 aufgrund Nichtzahlung des Kosten-
vorschusses und im Sinne nachfolgender Erwägungen erübrigt sich eine
koordinierte Behandlung mit dem Verfahren des Kindsvaters.
5.
Die – rechtlich vertretenen – Beschwerdeführenden beantragen in materi-
eller Hinsicht die Aufhebung der angefochtenen Verfügung des SEM vom
6. Mai 2020 sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft. Im vorlie-
genden Fall beschränkt sich der Prozessgegenstand – entsprechend der
vorgebrachten Rechtsbegehren – auf die Feststellung der Flüchtlingsei-
genschaft (illegale Ausreise) sowie auf die Aufhebung der Wegweisung
und den Verzicht auf den Vollzug derselben, mithin auf die Dispositivziffern
1 sowie 3 bis 6 der angefochtenen Verfügung. Damit ist die Dispositivziffer
2 – die Ablehnung des Asylgesuchs – unangefochten in Rechtskraft er-
wachsen.
6.
6.1 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht subjektive Nachfluchtgründe geltend. Diese be-
gründen zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen
jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls. Daher werden
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Personen bei Nachweis oder Glaubhaftmachung von subjektiven Nach-
fluchtgründen gemäss Art. 7 AsylG als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen
(vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
6.2 Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG sind Personen, die in ih-
rem Heimatstaat oder im Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer
Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen
Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauungen ernsthaften Nachtei-
len ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen
ausgesetzt zu werden. Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Ge-
fährdung des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen,
die einen unerträglichen psychischen Druck bewirken.
6.3 Glaubhaftmachung im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet – im Ge-
gensatz zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt
durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des
Beschwerdeführers. Es reicht jedoch nicht aus, wenn der Inhalt der Vor-
bringen zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte we-
sentliche und überwiegende Umstände gegen die Vorbringen sprechen
(vgl. ausführlich BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2.3).
7.
7.1 Die Vorinstanz begründete ihren ablehnenden Entscheid im Hinblick
auf die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft wegen subjektiver Nach-
fluchtgründe damit, die illegale Ausreise sei vorliegend nicht als asylrele-
vant zu erachten, da keine Gründe ersichtlich seien, die die Beschwerde-
führerin in den Augen des Regimes als unliebsame Person erscheinen las-
sen könnten. Bezüglich der Angaben zur Familie hielt das SEM fest, die
Beschwerdeführerin habe sich im Laufe ihres Asylverfahrens mehrfach in
Widersprüche verstrickt, so zum Aufenthaltsort ihrer Kernfamilie (Anhö-
rung: nur noch Bruder in Eritrea, später: auch Vater, in Haft) sowie den
beruflichen Tätigkeiten ihrer Eltern und deren Lebensunterhalt (BzP: Vater
Inhaber eines Lebensmittelgeschäfts; Anhörung: Unterstützung der Eltern
durch Bruder in E._, Mutter Hausfrau, Vater Soldat, ansonsten
keine beruflichen Aktivitäten). Ihre zentralen Vorbringen seien zudem im
offensichtlichen Kontrast zu ihren Angaben über ihre Flucht nicht substan-
tiiert worden und vermittelten keinen Eindruck von tatsächlich Erlebtem. So
habe sie nicht wissen wollen, warum ihre Familienangehörigen nach
G._ gegangen seien, wo ihr Vater als Soldat stationiert gewesen
und wo er inhaftiert sei, ebenso, welche Tätigkeit ihr Bruder als Soldat aus-
geübt habe.
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7.2 In ihrer Beschwerdeschrift wies die Beschwerdeführerin zunächst da-
rauf hin, ihr sehr junges Alter, ihre Sozialisierung, ihr Erzählstil sowie ihre
Schwangerschaft im Zeitpunkt der Anhörung, die daraus resultierende Be-
lastung und psychische Schwierigkeiten hätten einen negativen Einfluss
auf die Qualität ihrer Aussagen gehabt. Dies sei gebührend zu berücksich-
tigen. Die angeblichen Widersprüche zur familiären Situation habe sie in
der Anhörung nachvollziehbar erläutern können (so zur späten Erwähnung
des Vaters, mit Hinweis auf A13 F94, F95). Weiter seien diese auf eine
unpräzise Übersetzung der dolmetschenden Person zurückzuführen, was
Letztere selbst bestätigt habe (mit Hinweis auf A13 F44). Das Verhältnis
zur Familie sei auch nach der Flucht sehr abgekühlt, wie sie in der Anhö-
rung bereits dargelegt habe (mit Hinweis auf A13 F75 f.). Es erstaune dem-
nach nicht, dass sie keine detaillierteren Angaben zur Situation der Fami-
lienangehörigen habe machen können. Sie sei aber bemüht, erneut Kon-
takt zu ihnen herzustellen und einen Nachweis über den Aufenthalt der Fa-
milienangehörigen in G._ zu beschaffen. Die neuere Rechtspre-
chung des Gerichts zur illegalen Ausreise sei vor dem Hintergrund der ver-
wendeten wie auch neuerer Länderinformationen und internationaler
Rechtsprechung – welche näher erläutert wurden – nicht nachvollziehbar.
Es sei vielmehr weiter davon auszugehen, dass sie aufgrund ihrer illegalen
Ausreise bei einer Rückkehr unter Zwang willkürlich bestraft würde. Ange-
sichts der Inhaftierung des Vaters und der Flucht ihrer Mutter sowie meh-
rerer Geschwister nach G._ aus Angst vor Reflexverfolgung sei fer-
ner davon auszugehen, dass die gesamte Familie und so auch sie als po-
litische Gegner des Regimes angesehen würden. Der eingereichte Bericht
der Zeitschrift Republik belege weiter, dass abgewiesene Asylsuchende
bei ihrer Rückkehr nach Eritrea eine unmenschliche Behandlung, wenn
nicht gar Tod, erwarte und sie systematisch abgefangen und überwacht
würden.
8.
8.1 Die Beschwerdeführerin stellt sich auf den Standpunkt, aufgrund ihrer
illegalen Ausreise und der Inhaftierung des Vaters erfülle sie bei einer
Rückkehr nach Eritrea die Voraussetzungen für die Feststellung subjekti-
ver Nachfluchtgründe.
8.2 Mit Urteil D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 (als Referenzurteil publi-
ziert) hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, dass eine illegale Ausreise
allein zur Begründung der Flüchtlingseigenschaft nicht ausreicht. Von der
begründeten Furcht vor intensiven und flüchtlingsrechtlich begründeten
Nachteilen ist nur dann auszugehen, wenn zur illegalen Ausreise weitere
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Seite 8
Faktoren hinzukommen, welche die asylsuchende Person in den Augen
der eritreischen Behörden als missliebige Person erscheinen lassen
(vgl. a.a.O. E. 4.1 und 5.1 f.). Auch unter Berücksichtigung der dargelegten
neueren Länderinformationen und der internationalen Rechtsprechung –
welche zudem stets nur Einzelfälle zum Gegenstand hat – besteht aktuell
kein Anlass, von dieser Praxis abzuweichen.
8.3 Vorliegend sind keine zusätzlichen Anknüpfungspunkte im Sinne der
geschilderten Rechtsprechung ersichtlich, welche die Beschwerdeführerin
als missliebige Person erscheinen lassen könnten. Mangels vorhergehen-
der Hinweise in den Akten sind die erst auf Beschwerdeebene geltend ge-
machten Vorbringen zur drohenden Reflexverfolgung aufgrund der Inhaf-
tierung des Vaters, welche die Mutter und mehrere Geschwister zur Flucht
nach G._ veranlasst haben soll, als offensichtlich nachgeschoben
zu erachten.
8.3.1 Hinsichtlich der generellen Einwände der Vorinstanz gegen die
Glaubhaftmachung der Angaben zu den Familienangehörigen stellt das
Gericht zwar nicht per se in Abrede, dass das junge Alter der Beschwerde-
führerin, ihr kultureller Hintergrund sowie ihre Schwangerschaft im Zeit-
punkt der Anhörung sie in gewissem Masse forderten. Weiter kann es kei-
nen erheblichen Widerspruch darin erblicken, dass die Beschwerdeführe-
rin Aussagen zu ihrem Vater erst zu einem späteren Zeitpunkt der Anhö-
rung tätigte, zumal die dolmetschende Person selbst auf die Verwendung
eines Synonyms für Eltern und Familie bei vorhergehenden Fragen hinwies
(vgl. A13 F44), was die späteren Angaben erklären könnte.
8.3.2 Augenfällig ist dagegen auch für das Gericht, dass die Schilderungen
der Beschwerdeführerin namentlich zum Aufenthaltsort und den Beschäf-
tigungen der Familienangehörigen selbst auf Nachfrage äusserst vage und
detailarm ausfielen und insbesondere Realkennzeichen vermissen lassen,
welche den Eindruck vermitteln könnten, sie habe das Erzählte tatsächlich
erlebt. Auch in der Beschwerdeschrift substantiierte sie ihre Behauptungen
in keiner Weise, etwa warum der Vater überhaupt verhaftet wurde. Dieses
Aussageverhalten steht – wie von der Vorinstanz zu Recht festgehalten –
in starkem Kontrast zu den substantiierten und von persönlichem Erleben
geprägten Angaben zur illegalen Ausreise aus Eritrea. Zur Vermeidung von
Wiederholungen kann dazu auf die zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden. Die in der Beschwerde erwähnten schwierigen
Umstände im Asylverfahren und namentlich bei der Anhörung vermögen
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die allgemeinen Angaben und auch das teilweise ausweichende Antwort-
verhalten nicht hinreichend zu begründen. Ebenso wenig kann das angeb-
lich abgekühlte Verhältnis zur Familie für die behaupteten Wissenslücken
angeführt werden, zumal die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben
mit ihr Kontakt hatte und über diverse Aspekte ihres Lebens, die sich nach
ihrer Ausreise ereignet haben sollen, durchaus zu berichten wusste (etwa
Ausreise der Mutter und Geschwister nach G._, Bruder in Eritrea,
Vater in Haft). Dies spricht für einen engeren Austausch, als von ihr geltend
gemacht.
8.3.3 Soweit sie in der Beschwerde ankündigte, wieder mehr Kontakt zur
Familie herzustellen, um weitere Informationen und allenfalls Beweismittel
beizubringen, ist sie dem bis dato offensichtlich nicht nachgekommen be-
ziehungsweise hat das Ergebnis ihrer Bemühungen nicht näher dargelegt.
Dies, obwohl sie im Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) gehal-
ten war und ist sowie vorliegend in zeitlicher Hinsicht auch die Gelegenheit
hatte, in ihrem Einflussbereich liegende Informationen von sich aus beizu-
bringen oder zumindest entsprechende Bemühungen glaubhaft darzule-
gen. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die Beschwerdeführerin nicht
alles erzählte, was sie über ihre Familie weiss. Eine drohende Reflexver-
folgung ist danach nicht als glaubhaft gemacht zu erachten.
8.4 In Anbetracht vorstehender Erwägungen sind im konkreten Fall auch
keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, die Beschwerdeführerin würde als
abgewiesene Asylsuchende bei einer Rückkehr nach Eritrea einer asylre-
levanten Verfolgung ausgesetzt. Allfällige Befragungen oder Überwachun-
gen von Rückkehrenden stellen für sich genommen keine asylrelevanten
Massnahmen dar. Der in der Beschwerde erwähnte Artikel der Online-Zeit-
schrift Republik weist zudem keinen Bezug zum vorliegenden Fall auf.
8.5 Nach dem Gesagten hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft der
Beschwerdeführenden im Hinblick auf subjektive Nachfluchtgründe zu
Recht verneint.
9.
9.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
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Seite 10
9.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Bei der Geltendmachung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2
10.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
10.2.2 Da es den Beschwerdeführenden – gemäss dem in Rechtskraft er-
wachsenen Entscheid vom 6. Mai 2020 – nicht gelungen ist, eine asylrecht-
lich erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann
der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorlie-
genden Verfahren keine Anwendung finden. Ihre Rückkehr in den Heimat-
staat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Die Zu-
lässigkeit des Vollzugs beurteilt sich im Weiteren nach den allgemeinen
verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen.
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Seite 11
10.2.3 Die Beschwerdeführerin macht auf Beschwerdeebene geltend, ihr
drohe bei einer Rückkehr nach Eritrea der Einzug in den Nationaldienst.
Dazu ist festzuhalten, dass sie mittlerweile Mutter eines Kleinkindes ist und
als solche in Eritrea heute weitgehend vom Militärdienst befreit werden
dürfte (vgl. Urteile des BVGer D-7898/2015 vom 30. Januar 2017 E. 4.8.3;
D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 12.4 [beide als Referenzurteil publi-
ziert]). Ob sie gleichwohl aufgrund ihres heutigen Alters in den National-
dienst eingezogen würde (zur eritreischen Musterungspraxis Urteil des
BVGer D-2311/2016 E. 13.2–13.4), kann mit Verweis auf die nachfolgenden
Erwägungen offenbleiben.
10.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat in seinem Grundsatzurteil
BVGE 2018 VI/4 vom 10. Juli 2018 die Frage der Zulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs bei drohender Einziehung in den eritreischen National-
dienst unter den Aspekten des Zwangsarbeitsverbots (Art. 4 Abs. 2
EMRK), des Folterverbots und der unmenschlichen und erniedrigenden
Behandlung (Art. 3 EMRK) geklärt. Nach eingehender Quellenanalyse kam
es zum Schluss, die Bedingungen im Nationaldienst seien grundsätzlich
als Zwangsarbeit im Sinn von Art. 4 Abs. 2 EMRK zu qualifizieren; durch
die Einziehung in den eritreischen Nationaldienst bestünde gleichwohl
nicht das ernsthafte Risiko einer schwerwiegenden Verletzung von Art. 4
Abs. 2 EMRK. Zudem sei nicht erstellt, dass die berichteten Misshandlun-
gen und sexuellen Übergriffe derart systematisch stattfänden, dass jede
Nationaldienstleistende und jeder Nationaldienstleistende dem ernsthaften
Risiko ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden (vgl. BVGE
2018 IV/4 E. 6.1, insbes. 6.1.5). Weiter verneinte es das ernsthafte Risiko
einer Verletzung von Art. 3 EMRK im Falle einer Einziehung in den eritrei-
schen Nationaldienst (vgl. BVGE 2018 IV/4 E. 6.1.6), da keine hinreichen-
den Belege dafür existierten, wonach Misshandlungen und sexuelle Über-
griffe im Nationaldienst derart flächendeckend stattfinden würden, so dass
jede Dienstleistende und jeder Dienstleistende dem ernsthaften Risiko
ausgesetzt wäre, selbst solche Übergriffe zu erleiden.
10.2.5 Die diesbezüglichen Beschwerdevorbringen und namentlich die er-
wähnten Länderberichte, das Gutachten sowie der Zeitschriftenartikel ver-
mögen an der vorstehenden Einschätzung nichts zu ändern, zumal sie sich
in einer Kritik an der Praxis des Gerichts erschöpfen, welche auch unter
Berücksichtigung der Ausführungen in der Beschwerdeschrift gefestigt
wurde, und keinen konkreten Bezug zum vorliegenden Fall darlegen.
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Seite 12
10.2.6 Soweit in der Beschwerde bei der Frage der Zulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs auf die Beachtung des Kindeswohls nach Art. 3 des
Übereinkommens vom 20. November 1989 über die Rechte des Kindes
(KRK, SR 0.107) rekurriert wird, ist festzuhalten, dass das Kind der Be-
schwerdeführerin gemäss den beim SEM eingegangenen Arztberichten
negativ auf (...) untersucht wurde. Diese sowie die weiteren Vorbringen
zum Kindeswohl sind praxisgemäss zudem unter dem Gesichtspunkt der
Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs zu prüfen (vgl. E. 10.3).
10.2.7 Aus den Akten ergeben sich keine weiteren Gründe für die An-
nahme der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs. Dieser erweist sich
damit im Falle einer freiwilligen Rückkehr sowohl im Sinn der asyl- als auch
der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
10.3
10.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.3.2 Gemäss dem zitierten Grundsatzurteil BVGE 2018 IV/4 (vgl. E. 6.2)
vermag eine bevorstehende Einziehung in den eritreischen Nationaldienst
allein nicht zur Annahme einer existenziellen Gefährdung zu führen. Das
Bundesverwaltungsgericht hat sich im ebenfalls bereits erwähnten Urteil
D-2311/2016 ausführlich mit der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
nach Eritrea beschäftigt. Es kam dabei zum Schluss, dass die frühere Pra-
xis, wonach eine Rückkehr nur bei begünstigenden individuellen Umstän-
den zumutbar sei (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der vormaligen
Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2005 Nr. 12), nicht län-
ger berechtigt sei. Angesichts der schwierigen allgemeinen – und insbe-
sondere wirtschaftlichen – Lage des Landes bei Vorliegen besonderer in-
dividueller Umstände müsse aber nach wie vor von einer Existenzbedro-
hung ausgegangen werden und bleibe die Frage der Zumutbarkeit daher
im Einzelfall zu beurteilen (vgl. Urteil D-2311/2016 E. 17.2).
10.3.3 Die Beschwerdevorbringen zur Frage der generellen Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs nach Eritrea stellen wiederum lediglich eine Kri-
tik an der vorstehend dargelegten Praxis des Gerichts dar (vgl. bereits zur
Zulässigkeit E. 10.2.5). Den Akten sind vorliegend auch keine individuellen
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Seite 13
Gründe zu entnehmen, welche die Rückkehr der Beschwerdeführenden
nach Eritrea als unzumutbar erscheinen liessen.
10.3.4 Angesichts der vagen, ausweichenden Angaben zur Situation ihrer
Familienangehörigen (vgl. insbesondere E. 8.3.2), welche trotz entspre-
chender Ankündigung auch auf Beschwerdeebene nicht näher substanti-
iert wurden, ist mit dem SEM davon auszugehen, dass die Beschwerde-
führerin in Verletzung ihrer Mitwirkungspflicht (Art. 8 AsylG) nicht alle rele-
vanten individuellen Umstände offengelegt hat und damit eine abschlies-
sende Prüfung der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs verunmöglicht.
Namentlich ist nicht als glaubhaft zu erachten, dass ihre Mutter mit weite-
ren Geschwistern aus Eritrea ausgereist ist, ihr Bruder beim Militär und der
Vater in Haft ist. Mithin ist anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin wei-
terhin über ein familiäres Netzwerk in Eritrea verfügt. Insoweit kann sie
auch nichts aus dem erwähnten Urteil E-4519/2019 vom 23. Dezember
2019 ableiten, dem ein anderer Sachverhalt zugrunde lag. Selbst bei Wahr-
unterstellung der Ausreise der Mutter und Geschwister ist aber anzuneh-
men, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem Bruder und Vater über ein
familiäres Netzwerk vor Ort verfügt und sich zumindest auf Ersteren bei
ihrer Reintegration stützen kann. Abgesehen davon leben weitere Fami-
lienangehörige in Eritrea. Zwar gibt die Beschwerdeführerin an, schon vor
Ort wenig Kontakt zu ihnen gehabt haben. In Anbetracht der insgesamt
wenig glaubhaften Angaben zur Familie ist aber nicht ausgeschlossen,
dass es sich dabei um eine Schutzbehauptung handelt. Noch dazu dürfte
es ihr zumutbar und auch möglich sein, Onkel, Tanten, Cousins und Cou-
sinen gerade am Anfang um Hilfe zu bitten. Weiter lebt ein Bruder in
E._ und hat die Familie nach Angaben der Beschwerdeführerin be-
reits zuvor finanziell unterstützt. Im Bedarfsfall könnte sie ihn ihrerseits um
Hilfe bitten. Sodann ist zu berücksichtigen, dass der Kindsvater H._
nach rechtskräftigem ablehnenden Asylentscheid ebenfalls zur Ausreise
verpflichtet ist und unter Achtung seiner Pflichten als Vater die Beschwer-
deführerin oder zumindest ihr Kind unterstützen kann und sollte. Hinzu-
kommt, dass die Beschwerdeführerin noch jung ist und immerhin eine
zehnjährige Schulbildung absolviert hat. Es ist ihr danach auch zuzumuten,
eine Arbeit zu suchen beziehungsweise einen Beruf zu erlernen, dies – mit
Blick auf den familiären Hintergrund – selbst als alleinstehende Mutter mit
Kind.
10.3.5 Entgegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift ist weiter nicht
davon auszugehen, die Geburt eines unehelichen Kindes führe in der Ge-
sellschaft Eritreas generell zu einer derartigen Stigmatisierung, dass die
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betroffenen Personen zwangsläufig in eine existenzbedrohende Situation
geraten. Einerseits dürften in den Städten, wie etwa D._ als letztem
Wohnort der Beschwerdeführerin, diesbezüglich tendenziell weniger
strenge moralische Ansichten herrschen, als in ländlichen Gebieten. Ande-
rerseits spielt auch das Bildungsniveau der Familien sowie deren allge-
meine Toleranz gegenüber abweichendem Sozialverhalten eine Rolle. Im
Falle der Rückkehr der Beschwerdeführerin mit ihrem Kind nach Eritrea
wird unter diesem Gesichtspunkt massgeblich sein, ob ihr Verhalten inner-
halb der eigenen Familie stigmatisiert würde, was sie lediglich behauptet,
aber in casu nicht näher dargelegt hat. Vor diesem Hintergrund und ange-
sichts ihres familiären Beziehungsnetzes in Eritrea ist nicht ersichtlich,
weshalb die Beschwerdeführerin mit ihrem (unehelichen) Kleinkind in eine
existenzielle Notlage geraten könnte.
10.3.6 Dies gilt ebenso unter Berücksichtigung des Kindeswohls nach
Art. 3 KRK, welches zusammen mit den weiteren aus der KRK fliessenden
Rechten als gewichtiger Aspekt im Rahmen der Zumutbarkeitsprüfung zu
berücksichtigen ist. Namentlich können dabei folgende Kriterien im Rah-
men einer Gesamtbeurteilung von Bedeutung sein: Alter des Kindes, Reife,
Abhängigkeiten, Art (Nähe, Intensität, Tragfähigkeit) seiner Beziehungen,
Eigenschaften seiner Bezugspersonen (insbesondere Unterstützungsbe-
reitschaft und -fähigkeit), Stand und Prognose bezüglich Entwicklung be-
ziehungsweise Ausbildung sowie der Grad der erfolgten Integration bei ei-
nem längeren Aufenthalt in der Schweiz (vgl. BVGE 2014/20 E. 8.3.6;
2009/51 E. 5.6, je m.w.H.).
Das Kind ist aktuell über (...) Jahre alt. Obschon es in der Schweiz geboren
ist, kann nach diesem Zeitraum noch nicht von einer sozialen Verwurzelung
vor Ort gesprochen werden, welche eine Rückkehr unzumutbar machen
würde. Zudem besteht in diesem Alter der Bezug der Kinder noch vorwie-
gend zu den Eltern. Hinzukommt, dass auch der Kindsvater nach rechts-
kräftigem ablehnenden Asylentscheid zur Ausreise verpflichtet ist. Eine un-
zumutbare Trennung von einem Elternteil wäre demnach ebenfalls nicht
anzunehmen.
10.3.7 Sodann spricht der geltend gemachte Gesundheitszustand der Be-
schwerdeführerin nicht gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
Die enormen psychischen Probleme, unter denen sie bereits während ihrer
Schwangerschaft gelitten haben soll, wurden erst auf Beschwerdeebene
erwähnt und sind insoweit als nachgeschoben zu erachten. Weiter wurden
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trotz Hinweis auf den Beginn einer Psychotherapie und entsprechender
Ankündigung keine Nachweise dafür erbracht, dass sie tatsächlich psy-
chisch krank und in der Schweiz in medikamentöser oder sonstiger Be-
handlung sei. Mithin ist nicht ersichtlich, warum sie bei einer Rückkehr The-
rapien und Medikamente in Anspruch nehmen müsste. Insoweit erübrigen
sich weitere Ausführungen zur Behandelbarkeit psychischer Erkrankungen
in Eritrea.
Bezüglich der (...)erkrankung der Beschwerdeführerin ergibt sich aus den
Arztberichten, dass sie mit der begonnenen Behandlung in der Schweiz
voraussichtlich geheilt werden kann. Der notwendigen Behandlungs- und
Heilungsdauer hat das SEM durch Ansetzung einer langen Ausreisefrist zu
diesem Zweck angemessen Rechnung getragen. Soweit sich aus dem mit
der Beschwerdeschrift eingereichten Arztbericht ergibt, die Genesungs-
dauer könnte sich aufgrund von Resistenzen auf 9 bis 12 Monate verlän-
gern, ist weiterhin nicht von einem Reisehindernis von mehr als einem Jahr
auszugehen. Zudem wurden bis dato keine weiteren medizinischen Doku-
mente vorgelegt, die einen anderen Schluss nahelegen könnten. Es bleibt
der Beschwerdeführerin – wie auch von der Vorinstanz bereits festgehalten
– unbenommen, einen Antrag um Verlängerung der Ausreisefrist zu stellen,
sollte ihre Genesung länger dauern.
10.3.8 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
10.4 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass eine zwangsweise Rückfüh-
rung nach Eritrea derzeit generell nicht möglich ist. Die Möglichkeit der frei-
willigen Rückkehr steht jedoch praxisgemäss der Feststellung der Unmög-
lichkeit des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 2 AIG entge-
gen. Es obliegt daher den Beschwerdeführenden, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfü-
gung vom 17. Juni 2020 lehnte die Instruktionsrichterin zudem das Gesuch
um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss Art. 65 Abs. 1
VwVG ab und forderte die Beschwerdeführenden zur Zahlung eines Kos-
tenvorschusses auf. Dabei stützte sie sich namentlich im Wegweisungs-
vollzugspunkt auf das Fortbestehen der Beziehung zwischen der Be-
schwerdeführerin und dem Kindsvater H._. In Bezug auf das Ge-
such der Beschwerdeführerin vom 2. Juli 2020 um Wiedererwägung der
erwähnten Zwischenverfügung gelangt das Gericht nach eingehender Prü-
fung der Akten zum Schluss, dass der Zwischenverfügung damit ein fal-
scher Sachverhalt zugrunde gelegt wurde, weshalb es sie wiedererwä-
gungsweise aufhebt. Vor diesem Hintergrund war die Beschwerde nicht
von vornherein als aussichtslos zu bezeichnen. Nachdem gemäss Akten-
lage auch weiterhin von der Bedürftigkeit der Beschwerdeführenden aus-
zugehen ist, wird das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechts-
pflege gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gutgeheissen. Mit vorliegendem Urteil
wird das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
sodann gegenstandslos. Die Beschwerdeführenden haben vorliegend
keine Verfahrenskosten zu tragen.
12.2 Gestützt auf vorstehende Erwägungen ist die Zwischenverfügung
auch in Bezug auf die Abweisung des Gesuchs um amtliche Rechtsverbei-
ständung wiedererwägungsweise aufzuheben. Das Gesuch ist in Anwen-
dung von aArt. 110a Abs. 1 und 3 AsylG gutzuheissen und der rubrizierte
Rechtsvertreter als amtlicher Rechtsbeistand beizuordnen. Folglich ist er
unbesehen des Ausgangs des Verfahrens für seinen Aufwand zu entschä-
digen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 8
VGKE). Eine Kostennote wurde nicht eingereicht. Der entstandene Auf-
wand lässt sich aufgrund der Aktenlage jedoch zuverlässig abschätzen
(Art. 14 Abs. 2 in fine VKGE). Gestützt auf die in Betracht zu ziehenden
Bemessungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9–11 VGKE) ist zulasten der Ge-
richtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 1’400.– (inklusive Auslagen und
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Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzu-
setzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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