Decision ID: 1085d060-777a-4aa1-9f9c-d30ad26118e5
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1962, war
bei der Klinik
Y._
,
Z._
, als Krankenschwester in einem 100 %-Pensum angestellt und damit bei den Winterthur-Versicherungen (heute: AXA Winterthur AG; nachfolgend: AXA)
gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert
.
Am
13. Dezember 2005 liess sie durch ihren Arbeitgeber einen am 1
0.
August 2005 beim Baden am Strand in
A._
erlittenen Zeckenbiss melden, der sich an einem
Flecken am linken Bein gezeigt und
in den folgenden Tagen zu Übelkeit und Schwachheit und
als Folge davon zu
einer
Arbeitsunfähigkeit geführt habe (Urk.
11/A
1).
Der
erstbe
handelnde
Arzt,
Dr.
med.
B._
, Allgemein Medizin
FMH, den die Ver
sicherte am 17.
August 2005
aufsuchte
,
verordnete
eine Antibiotika-Therapie
und
schloss
die Behandlung am
2.
September 2005 bei attestierter voller Arbeitsfähigkeit ab
(Urk. 11/M2, vgl. auch
Urk. 11/
M4).
Seit dem
1
6
.
Oktober 2005 stand die Versicherte bei
Dr.
med.
C._
, Innere Medizin FMH, in Beha
ndlung, der
eine
Lyme
-Neuroborreliose II
diagnostizierte und
eine
Rocephin
-Therapie durchführte
.
Dr.
C._
attestierte
ab Beginn der Therapie am 1
0.
Januar 2006
eine Arbeitsunfähigkeit von 10
0 % und
anschliessend
ab März 2006
eine solche
von
50 % (Urk. 11/M
8,
Urk. 11/
M15-M16 und Urk. 11/A12
).
Zu einem anderen Schluss gelangte Prof.
Dr.
med.
D._
, Arzt für Mikro
biologie und Infektionskrankheiten (D) und Spezialist für medizinische Analytik FAMH
,
im Gutachten vom 1
2.
September 2006, indem er die klinische Annahme einer Neuroborreliose nicht bestätigen konnte (Urk. 11/M12). Auch der Vertrauensarzt der AXA,
Dr.
med.
E._
, Innere Medizin FMH, verneinte einen kausalen Zusammenhang zwischen den anhaltenden Beschwerden und einer überwiegend wahrscheinlichen
,
ursprünglich unkomplizierten
Borre
lieninfektio
n
(Bericht vom
2.
Oktober 2006,
Urk. 11/M13). Daraufhin stellte die AXA ihre Leistungen per
1.
September 2005 ein (
Verfügung vom 2
4.
November 2006,
Urk. 11/A
25). Mit Entscheid vom
8.
März 2007 (Urk. 11/A33) hob sie die Leistungseinstellung wieder auf, da sie verfrüht erfolgt sei.
In der Folge richtete die AXA weiter Taggeld bei einer Arbeits
un
fähigkeit von 50 % aus (vgl. Urk. 11/A108).
Bei anhaltender Arbeitsunfähigkeit veranlasste die AXA im Jahr 2010 eine
poly
disziplinäre
Begutachtung bei der
F._
(Urk. 11/A123). Die
se
kam in ihrem Gutachten am
6.
Juli 2011 (Urk. 11/M43) zum Ergebnis,
die aktuellen Beschwerden stünden nicht überwiegend wahr
scheinlich in einem kausalen Zusammenhang zum Ereignis vom 10.
August 2005 (Urk. 11/M43 S. 46
)
.
Daraufhin
verfügte die AXA
am 20. September 2011
die Einstellung s
ä
mtlicher Leistunge
n
per 3
1.
Juli 2011
(Urk. 11/A139). Daran hielt sie mit
Einspracheentscheid
vom 3
1.
Juli 2013
(Urk. 2)
fest, zumal auch das
zwischenzeitlich
zuhanden der IV-Stelle Zürich erstellte Gutachten der
G._
,
H._
,
vom 31.
Dezember 2012 ebenfalls zum Schluss
gekommen war
,
eine
Neuroborreliose habe
mit üb
erwiegender Wahrscheinlichkeit
früher nicht vorgelegen und liege auch im aktuellen Zeitpunkt nicht vor
(
vgl.
Urk. 11/M45 S. 49).
2.
Hiergegen erhob
X._
mit Eingabe vom 1
6.
September 2013 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, die Beschwerdegegnerin sei zu verpflich
ten, ihre Leistungen aus UVG ab
1.
Aug
ust 2011 auf der Basis einer 50
%igen Arbeitsunfähigkeit weiterhin zu entrichten; eventualiter sei die
Beschwerdegeg
nerin
anzuweisen, weitere medizinische Erhebungen zur Feststellung des Sach
verhaltes vorzunehmen (Urk. 2 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Januar 2014 (Urk. 10) ersuchte die
Beschwerde
gegnerin
um Abweisung der Beschwerde.
In einem zweiten Schriftenwechsel ergänzte die Beschwerdeführerin ihr
Eventual
be
gehren
(vgl. Urk. 2, Rechtsbegehren Ziffer 3) mit dem Zusatz, dabei sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
„
bis zum Erlass einer neuen Verfü
gung und den Beweis des Wegfalles der Kausalität der heutigen Beschwerden zum Unfallereignis die bis anhin anerkannte Rentenleistung im Umfang von 50 % Invalidität weiterhin zu erbringen
“
(Replik vom
2
8.
April 2014, Urk. 16). Mit Duplik vom
9.
September 2014 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag um Abweisung der Beschwerde fest, ebenso ersuchte sie um Abweisung des mit der Replik gestellten
Zusatzantrages (Urk. 23; der Beschwerdeführerin zugestellt am 1
0.
September 2014, Urk. 25).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
4.
Seitens der Invalidenversicherung wurde der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 7. August 2009 und Wirkung ab
1.
August 2006 eine halbe Rente zuge
sprochen. Diese Rente wurde mit Verfügung vom
2
8.
Januar 2014
wiedererwä
gungsweise
aufgehoben
. Die hiergegen erhobene Beschwerde ist Gegenstand des Verfahrens Prozess-Nr. IV.2014.00238 und wurde mit heutigem Urteil in abweisendem Sinn entschieden
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfall
ereignis
und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natür
licher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausal
zusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der einge
tretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittel
bare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Inte
grität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitli
che Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung erfüllt der Zeckenbiss sämtliche Merkmale des Unfall-begriffs gemäss
Art.
4 ATSG (BGE 122 V 230).
Dabei ist
nicht entscheidend, ob sich die versicherte Person an einen Zeckenstich erinnern kann. Massgebend ist, ob aufgrund der fachärztlichen Stellungnahmen darauf geschlossen werden kann, dass im Zeitpunkt der vorhandenen Versicherungsdeckung überwiegend wahrscheinlich von einem Zeckenstich auszugehen ist, der die
Ge
sundheits
schädigung
bewirkt hat.
Der erfolgte Kontakt mit dem Borreliose-Erreger kann mit serologischen Untersuchungen belegt werden; indessen genügen diese nicht für den Schluss auf eine daraus entstandene
Lyme
-Borreliose. Deren Diagnose
gleich
welchen Stadiums - setzt ein entsprechendes klinisches Beschwerdebild und den Ausschluss von Differentialdiagnosen voraus, wobei je nach
Krank
heitsstadium
ein pathologischer laborchemischer Test die
Wahrscheinlichkeit der Diagnose erhöhen kann. Ebenso hilfreich können bei rückblickender Ein
schätzung der Verlauf und die Ergebnisse einer Therapie sein. Weitere Indizien sind denkbar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_924/2011 vom
7.
März 2012 E. 3 mit Hinweisen auf weitere Rechtsprechung und Literatur).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die in den Akten enthaltenen Angaben zum Unfallereignis und d
essen unmittel
bare
gesundheitliche
Folgen
sind
nicht durchwegs konsistent
. In der am 13.
Dezember 2005 erfolgten Unfallmeldung ist von einem unbemerkten Zeckenbiss am 10.
August 2005 beim Baden am Strand
in
A._
die Rede, worauf sich ein Flecken am linken Bein gebildet
habe
und
an den folgenden Tagen Übelkeit und Schwachheit
aufgetreten seien
(Urk. 11/A1).
Dr.
B._
als erstbehandelnder Arzt bestätigte eine Läsion mit grösser werdender Rötung und Schmerzen am linken Fuss und ging von einem Zeckenbiss aus. Hinsicht
lich des Allgemeinzustandes führte er keine besonderen Wahrnehmungen an.
Dies erstaunt insofern, als sich die Beschwerdeführerin bei Behandlungsbeginn bei
Dr.
C._
nur wenige Wochen später laut diesem Arzt in "miserabelstem
All
gemeinzustand
"
befand und
am Rande ihrer Kräfte war (Bericht vom 11. De
zember 2006, Urk. 11/A28). Davon liess die Beschwerdeführerin indessen an der Besprechung vom
8.
November
2007 mit einer Vertreterin
der
Beschwer
degegnerin
und ihrem Anwalt nichts verlauten. Im Protokoll ist lediglich ver
merkt, sie habe im September 200
5
ihre Tätigkeit als Pflegefachfrau wieder auf
genommen und Weiterbildungen absolviert (Urk. 11/A62).
Laut
Dr.
C._
gründet seine
Diagnose
einer
Neuroborreliose auf dem deutlich erhöhten
Antikörper
-Index (vgl. Urk. 11/M8 und Urk. 11/M10)
, womit er die Neuroborreliose für eindeutig bewiesen erachtete (
vgl.
auch Urk. 11/M16 S. 2 oben). Demgegenüber konnten
Dr.
E._
und der beigezogene E
xperte Prof.
D._
die Annahme einer Neuroborreliose
aufgrund der Laborresultate
nicht bestätigen, weil im Liquor keine spezifischen
Lyme
-Borreliose Antikörper
nachgewiesen worden seien
und der PCR
zum Err
egernachweis negativ ausge
fallen sei. Insbesondere seien auch die Zellzahl und die Proteine im
Normbe
reich
gewesen. Zwar sei
oligoklonales
IgG
im Liquor nachgewiesen worden, doch stehe dieser Befund im Gegensatz zu den übrigen normalen
L
i
quorbefun
den
und dürfe deshalb ruhig angezweifelt werden, zumal die Methodik tech
nisch schwierig und nicht gut standardisiert sei. Einziges Element sei somit der im Grenzbereich liegende
IgG
-Index, der eine Neuroborreliose wohl möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich erscheinen lasse (Urk. 11/M11-M12).
Der von der Beschwerdegegnerin angesichts dieser kontroversen Beurteilungen zusätzlich beigezogene Experte PD
Dr.
med.
I._
, Innere Medizin und
Infektiologie
, gelangte im Gutachten vom 2
5.
Juni 2008 zum Schluss, es bestehe eine Neuroborreliose bei Status nach Erythema
migrans
im August 2005 und aktuell persistierender Residualsymptomatik unter
anderem
mit Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, rascher Ermüdbarkeit und Arthralgien (Urk. 11/M25).
Zum fehlenden Nachweis einer
intrathekalen
Produktion spezifischer Antikörper gegen
Borrelien
führte
PD
Dr.
I._
aus, wohl sei dieser Nachweis noch in den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für
Infektiologie
im Jahr 2005 als obligat erachtet worden, spätere Untersuchungen in Slowenien hätten aber gezeigt, dass die
intrathekale
Antikörperproduktion bei Infektionen gewisser
Borrelien
a
uch fehlen könne
.
PD
Dr.
I._
attestierte eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit als Pflegefachfrau, wobei auch in einer angepassten Tätigkeit sehr wahrscheinlich nicht mit einer besseren Arbeitsfähigkeit zu re
chnen sei (Urk. 11/M25 S. 5 f.).
Am 2
0.
Januar 2011 nahm d
er Leiter des medizinischen Dienstes der
Beschwer
de
gegnerin
,
Dr.
med.
J._
,
Stellung zum bisherigen Verlauf und gelangte
zum Schluss, eine Neuroborreliose könne weder
mit Sicherheit bewiesen noch
ausgeschlossen werden.
Wohl habe e
in
Borrelieninfekt
stattge
funden
und die vorliegenden Beschwerden seien zumindest teilkausal darauf zurückzuführen. Dass aber deswegen eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit auf die Dauer bestehen bleiben sollte, vermochte
Dr.
J._
nicht nachzuvoll
ziehen
, zumal an vorbestehenden Diagnosen degenerative
Halswirbelsäulenver
änderungen
und Migräne bekannt seien
. Er schlug deshalb vor, die Arbeitsfä
higkeit in zwei Jahren neu zu evaluieren, da auch nach mehreren Jahren noch mit einer Verbesserung des Zustandes und der Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei (Urk. 11/M31-32).
2.2
Bei dieser medizinischen Aktenlage ist mit der erforderlichen überwiegenden Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass eine durch Zeckenstich hervorgerufene
Borrelien
-Infektion stattgefunden hat. Fraglich ist, ob die seit
August 2005
auf
getretenen
und anhaltenden
Beschwerden (
schmerzhafte Nackenverspannungen, starke Kopfschmerzen, Schlaf- und Gleichgewichtsstörungen, wandernde
Gelenk
schmerzen sowie
Konzentrations
störungen, vgl. Urk. 11/M25
) Folge der
Borrelien
-Infektion sind.
2.3
I
m Gutachten der
F._
vom
6.
Juli 2011
(Urk. 11/M43)
wu
rden die
Haupt
diagno
sen
einer Neurasthenie (ICD-10 F48.0
; differenzialdiagnostisch
neura
sthenie
forme
Beschwerden bei affektiver Störung am ehesten aus dem
Formen
kreis
der Angststöru
n
gen
)
, einer vorbestehenden Migräne,
zervikogen
getriggerte
Spannungskopfschmerzen, eines chronischen
Zervikovertebralsyn
droms
und eines diskreten
Thorakovertebralsyndroms
erhoben. Dazu liess sich eine
Berührungshyp
-/Dysästhesie der Finger IV und V
und ein leichtes
Hyper
abduktionssyndrom
nachweisen
. Dies bei Zustand nach unklarer Hauti
nfektion (diagnostiziert am 17.
August 2005), welche möglicherweise eine
m
Erythema
chronicum
migrans
entsprach, differentialdiagnostisch Erysipel bzw. einer anderen Hautinfektion und bei positiver
Borrelienserologie
, überwiegend wahr
scheinlich nicht resultierend aus dem Ereignis vom 1
0.
August 200
5.
Alle Diag
nosen seien nicht überwiegend wahrscheinlich auf das Ereignis vom 10.
August 2005 zurückzuführen und begründeten keine unfallkausale Arbeitsunfähigkeit (S. 45).
Diese Einschätzung gründet im Wesentlichen auf dem
Teilgutachten
des
infek
tiologischen
Experten,
Prof.
Dr.
med.
K._
, Direktor der Klinik für Infek
tionskrankheiten und Spitalhygiene des
L._
(Anhang zu Urk. 11/M43).
Zu den einzelnen
infektiologisch
relevanten Elementen der Kran
kengeschichte
führte
Dr.
K._
u.a. aus, bei der initiale
n
Läsion am linken Unterschenkel könnte es sich wohl um ein Erythema
migrans
gehandelt haben, die Beschreibung passe aber auch gut zu einem Erysipel und sei nicht patho
gno
monisch
für ein Erythema
migrans
.
W
eitere
Differentialdiagnosen
seien zu erwägen, retrospektiv aber nicht mehr zu klären. Die von
Dr.
B._
durch
geführte antibiotische Therapie mit
Amoxicillin-Clavulansäure
sei
sowohl
für ein Erythema
migrans
wie für ein Erysipel
korrekt gewesen, auch nach Bekannt
werden des ersten positiven serologischen Laborresultats.
Weiter befasste sich der Experte ausführlich mit den zu verschieden
en
Zeitpunkten erhobenen Laborwerten (zusammengestellt im Anhang zum Gutachten) und interpretierte diese wie folgt: Die Liquor-Serologie vom 2
4.
November 2005 sei eindeutig und absolut negativ bezüglich Antikörper gegen
Borrelia
burgdorferi
. Es sei keine spezifische
intrathekale
Antikörperbildung vorhanden. Das Muster der Serologie-Resultate mache eine akute Infektion am 1
0.
August 2005 höchst unwahrscheinlich. Wäre die Beschwerdeführerin am 1
0.
August 2005 akut mit
Lyme-Borrelien
infiziert worden, dann wäre im Suchtest ein Anstieg und später Abfall der
IgM
sowie ein Anstieg der
IgG
im Verlauf gefunden worden. Das sei aber nicht der Fall gewesen, vielmehr hätten sich die
Titerstufen
im Verlauf
nicht wesentlich verändert, was eben darauf hinweise, dass keine
Immun
reaktion
auf eine im Unfallzeitpunkt ablaufende
Lyme
-Borreliose stattgefunden habe.
Anzunehmen sei indessen, dass die Beschwerdeführerin früher Kontakt mit
Lyme-Borrelien
gehabt habe und es sich somit um eine asymptomatische positive
Lyme
-Serologie handle. Insbesondere aber sprächen die Befunde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gegen eine Neuroborreliose oder einen Status nach Neuroborreliose. Der Experte wies zudem darauf hin, dass gewisse der heute geklagten Beschwerden (Migräne und Rückenbeschwerden) schon vor dem Ereignis vom 1
0.
August 2005 dokumentiert seien.
Auch
der
neurologische Gutachter,
Dr.
med.
M._
, Facharzt FMH Neurologie,
Psychosomatik APPM,
beurteilte die Laborbefunde ähnlich wie
Dr.
K._
(vgl. Urk. 11/M43 S
.
38 f.). Weiter führte der
Experte
aus, die nach dem 10.
August 2005 aufge
tretene Symptomatik sei unspezifisch und nicht verdächtig für eine frühe
Neu
ro
borreliose
. Es sei im Verlauf auch nicht zu Hirnnervenausfällen und zu eine
r
Polyradik
u
litis
gekommen.
Bei den heute von der Beschwerdeführerin geschil
derten Kopfschmerzen dürfte es sich um einen
chronifizierten
Spannungskopf
schmerz mit einer
zervikogenen
Komponente handeln, der im Gesamtkontext, insbesondere der vorbestehenden Migräne und Rückenproblematik, nicht auf eine Neuroborr
e
liose zurückgeführt werden könne. Aus neurologischer Sicht
bestü
nden aktuell keine objektivierbaren Schäden am zentralen oder peripheren Nervensystem
, welche allenfalls auf einen Zeckenstich im Jahr 2005 zurückge
führt werden könnten. Dementsprechend könne auch die Diagnose einer chro
nischen Neurobor
r
e
liose klinisch nicht gestellt werden.
2.4
Im Rahmen des
zuhanden der Invalidenversicherung erstellten Gutachten
s
der
G._
wurde ebenfalls eine
infektiologische
Beurteilung vorgenommen (
Teilgut
achten
vom 1
7.
Januar 2013, Urk. 11/M
4
5/89-93). Die
Infektiologie
-Experten der
G._
kamen im Wesentlichen zum gleichen Schluss wie
Dr.
K._
. Auch sie stellten fest, aufgrund der positiven
Borrelien
-Serologien sei ein früherer Infekt
als wahrscheinlich
anzunehmen
. Eine aktive oder
floride
Lyme
-Borrelios
e
aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen, weil keine Evidenz für eine persistierende Infektion mit
Borrelia
burgdorferi
existiere. Ebenso sei ein
e
chronische Neuroborreliose mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auszuschliessen. Die Experten begründen dies damit, dass
sich
in der drei Monate nach dem Unfallereignis durchgeführten Lumbalpunktion keine Anti
körperproduktion oberhalb der bekannten Normgrenzen
habe
feststellen lasse
n
. Eine völlig normale
Liquoranalyse
drei Monate nach dem vermuteten Ereignis mache eine
durchgemachte Neuroborreliose sehr unwahrscheinlich, da üblicher
weise die
IgM
-Produktion
intr
a
thekal
, auch nach Antibiotikatherapie, über Jahr
zehnte persistiere. Für eine chronische Neuroborreliose sei der Nach
weis
einer
intrathekalen
Antikörperproduktion im Liquor aber obligat.
Aus
infektiolo
gischer
Sicht handle es sich um einen
residuellen
, unspezifischen Beschwerdekomplex (Müdigkeit, Kopfsch
merzen,
Konzentrationsschwierig
kei
ten
), welcher im Anschluss an einen Haut-/Weichteilinfekt mit systemischer Entzündungsreaktion im August 2005 aufgetreten sei. Differentialdiagnostisch möglich sei ein Post-
Lyme
-
Disease
-Syndrom (PLDS) oder ein
Chronic
Fatigue
-Syndrom.
Die Experten äusserten sich
ferner
zu den Vorbeurteilungen von
Dr.
C._
und
PD
Dr.
I._
, welche beide eine Neuroborreliose diagnostiziert hatten (vgl. vorstehend E.
2.1).
Dr.
C._
begründe seine Diagnose mit dem Argument, im Liquor sei eindeutig eine
autochthone Antikörperproduktion nachgewiesen
worden. Er bezie
he sich dabei auf nachgewiesene
oligoklonale
Banden
(vgl.
dazu
etwa
den Bericht von
Dr.
C._
vom 1
1.
Dezember 2006, Urk. 11/A28)
, wel
che unspezifisch und in den Diagnoserichtlinien für eine Neuroborreliose nicht anzuwenden seien. Weiter argumentiere
Dr.
C._
, dass zur Diagnosestellung einer Neuroborreliose keine
Liquorantikörper
vorliegen müssten, was an sich fachlich korrekt
sei
, aber sehr selten auftrete (
< 4 %). Ins
gesamt gehe
Dr.
C._
in allen Bereichen (klinisch und
liquordiagnostisch
) von Ausnahmefällen aus.
PD
Dr.
I._
argumentiere ähnlich wie
Dr.
C._
und gehe davon aus, der fehlende Nachweis von spezifischen
Immunoglobinen
im Liquor sei für die
Diagnose
stellung
der Neuroborreliose nicht zwingend
. Wie erwähnt,
würden
diese Fälle aber Ausnahmen dar
stellen
.
3.
In den beiden polydisziplinären Gutachten der
F._
und der
G._
wird zur Frage der Unfallkausalität der bestehenden Beschwerden ausführlich Stellung genommen
. Die
infektiologischen
Experten kommen
weitgehend
übereinstim
mend zum Schluss,
der klinische Verlauf und vor allem die serologischen Befunde sowie der
Liquorbefund
sprächen überwiegend wahrscheinlich gegen einen Zusammenhang des heutigen Beschwerdebildes mit einer aktiven oder
floriden
Lyme
-Borreliose oder einer Neuroborreliose. Gleicher Meinung waren bereits früher der Laborexperte
Dr.
D._
und der Vertrauens
a
rzt der
Beschwer
degegnerin
,
Dr.
E._
,
(vgl. E. 2.1) wie auch
der beratende Arzt der
Beschwer
degegnerin
,
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Neurologie (vgl. Stellungnahme vom
5.
November 2008, Urk. 11/M29).
Die beiden dem entgegenstehenden Meinungen von
Dr.
C._
und
PD
Dr.
I._
vermögen diese Beurteilungen nicht
überzeugend
zu entkräften. Die
massgebli
che Frage, ob im Liquor eine autochthone Antikörperproduktion nachgewiesen werden konnte bzw. ob es für den Nachweis einer Neuroborreliose überhaupt
eines solchen bedarf, wurde von allen anderen E
xperten ausser Dr.
C._
und
PD
Dr.
I._
dahingehend beantworte
t
, dass ohne nachgewiesene
autoch
thone Antikörperproduktion im Liquor
keine chronische Neuroborreliose diagn
o
stiziert werden könne. Theo
retisch mögliche Ausnahmen seien äusserst selten.
Letztlich
handelt es sich
vorliegend
um einen Expertenstreit um die Frage der Zuver
lässigkeit und Interpretation von
Laborresultate
n.
Die
überwiegende Mehrheit der
infektiologischen
Experten
vertrat
mit plausiblen und nachvollziehbaren Gründen
die Auffassung, im vorliegenden Fall seien die heute noch geklagten Beschwerden nicht auf
eine Neuroborreliose
zurück
zuführen. Dieser Auffassung ist zu folgen, zumal bei
Dr.
C._
weitere Vorbehalte
anzubringen sind
. Seine Berichte fokussieren alle auf die se
iner
Auffassung
nach bewiesene
Diagnose Neuroborreliose und lassen allfällige Differentialdiagnosen
nicht
zu. Insbeson
dere
wehrte
er
sich gegen
einen Zusammenhang
der
vorbestehenden Kopf- und Rückenbeschwerden
mit dem aktuellen Beschwerdebild
unter Hinweis auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 11/M44). Nicht
ohne
Weiteres
nachvollziehbar sind auch die Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
C._
. Laut dessen Aussagen war die Beschwerdeführerin "in mise
rabelstem Allgemeinzustand"
, als sie ihn im Oktober 2005 aufsuchte (vgl. Bericht vom 1
1.
Dezember 2006, Urk. 11/A28).
Trotzdem
schrieb er sie ohne weitere Begründung
(prospektiv am
6.
Januar)
erst
ab Beginn der
Rocephin
-Therapie am
9.
Januar 2006 arbeits
unfähig (Urk. 11/M1), obwohl gemäss Dr.
D._
eine
Rocephin
-Therapie die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigt (Urk. 11/M12).
Es spricht auch nich
t für eine besonders sorgfältige
Anamnese, wenn
Dr.
C._
- entgegen der klaren Aussage der Beschwerdeführerin selber, sie habe am 10. August 2005 eine rote Stelle am linken Unterschenkel entdeckt (vgl. Urk. 11/A28) - plötzlich von eine
r
Erythema
migrans
in der Kniekehle spricht und damit das von andern Experten differentialdiagnostisch in Erwä
gung gezogene Ery
sipel
faktisch
ausschliessen konnte
(Urk. 11/M44 am Schluss).
4.
Gestützt auf diese Erwägungen
ist das heute noch geklagte Beschwerdebild mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf eine Neuroborreliose und damit nicht ursächlich auf das Ereignis vom 1
0.
August 2005 zurückzuführen. Die Beschwerdegegnerin hat ihre Leistungen zu Recht per 3
1.
Juli 2011 eingestellt. Die Beschwerde
erweist
sich somit
als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
Von weiteren Abklärungen zum Sachverhalt, wie von der Beschwerdeführerin verlangt (vgl. Rechtsbegehren Ziffer 3)
,
sind
keine neuen Erkenntnisse zu erwarten
, zumal bereits zwei polydisziplinäre Begutachtungen mit weitgehend
übereinstimmenden Beurteilungen
vorliegen
(antizipierte Beweiswürdigung: vgl. BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).