Decision ID: ed6d7536-a260-5361-bf82-5956d90e4d05
Year: 2019
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die (...) 1977 geborene schweizerische Staatsangehörige A._
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) leidet seit Geburt an einer Sehbehin-
derung (Strabismus) und bezog daher ab 1978 Hilfsmittel der schweizeri-
schen Invalidenversicherung (IV; act. 1-13 ff.). Im Zeitraum von 1984 bis
1993 besuchte die Beschwerdeführerin die Primar- und Sekundarschule
sowie anschliessend die Berufswahlschule (act. 21). Ihre Kindheit und Ju-
gend waren problembefrachtet. Eine Lehre als Coiffeuse wurde nach sechs
Monaten abgebrochen (act. 18-2). Danach arbeitete sie bis Ende August
2002 bei verschiedenen Arbeitgebern (act. 21, 176; vgl. zudem BVGer act.
1).
A.b Medizinische Massnahmen wegen der Sehbehinderung wurden von
der IV-Kommission des Kantons B._ mit Verfügung vom 29. Feb-
ruar 1988 abgelehnt (act. 1-13). Demgegenüber wurde ihr mit Verfügung
vom 6. April 1988 wegen einer psychischen Erkrankung («schwere neuro-
tische Störung»; vgl. act 1-12) eine Psychotherapie als medizinische Mass-
nahme zugesprochen, welche mit Mitteilung vom 4. Januar 1990 bis Ende
1992 verlängert wurde (act. 1-4, 1-6).
A.c Die Beschwerdeführerin ist heute geschieden und Mutter eines Sohns
mit Jahrgang 1997, mit dem sie sich aktuell – soweit ersichtlich – eine Drei-
einhalbzimmerwohnung in C._ teilt (BVGer act. 7). Davor lebte sie
mit einem Partner, mit dem sie ab 2009 eine Beziehung führte, in einem
Reihenhaus in Frankreich (act. 221-4 ff.).
B.
B.a Am 3. Dezember 2003 meldete sich die Beschwerdeführerin bei der
IV-Stelle B._ zum Bezug von IV-Leistungen für Erwachsene an
(act. 2-1 ff.). Im Leistungsgesuch führte sie (sinngemäss) aus, es sei ihr
wegen einer seit 1991 bestehenden psychischen Erkrankung und Sucht-
problemen nicht möglich gewesen, eine Ausbildung zu machen, was sie
jetzt nachholen möchte. Sie fühle sich im Moment in der Lage, dieses Ziel
anzugehen (act. 2-5 f.). In der Folge tätigte die IV-Stelle B._ medi-
zinische Abklärungen (act. 9 ff.). Insbesondere veranlasste sie eine Begut-
achtung bei der Gutachtenstelle D._ (act. 18-1 ff.). Im psychiatri-
schen Gutachten vom 28. Juli 2004 wurden folgende Diagnosen genannt
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(act. 18-7): (mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) (1.) kombinierte Per-
sönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) «mit selbstunsicheren, dependenten,
depressiven, Borderline, antisozialen Zügen»; (2.) leichte Intelligenzminde-
rung (ICD-10 F70); (ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) (3.) Opiatab-
hängigkeit, derzeit substituiert (ICD-10 F11.22); (4.) Cannabisabhängig-
keitssyndrom (ICD-10 F12.25); (5.) Nikotinabhängigkeitssyndrom (ICD-10
F17.25). Die Gutachter führten aus, die Beschwerdeführerin sei «aufgrund
ihrer Persönlichkeitsstörung derzeit zu 50 % arbeitsfähig, in verständnis-
vollem, aber auch festem, strukturiertem Rahmen» (act. 18-9). Es könne
davon ausgegangen werden, dass die Arbeitsfähigkeit bisher immer 50 %
betragen habe. Die Gutachter empfahlen eine berufliche Abklärung und
Hilfe bei der Stellensuche sowie die Weiterführung der Psychotherapie und
des Methadonprogramms (act. 18-9 f.).
B.b Mit Verfügung vom 16. Dezember 2004 bejahte die IV-Stelle
B._ den Anspruch auf berufliche Massnahmen und erteilte eine
Kostengutsprache für eine Abklärung der Eingliederungs- und Arbeitsfähig-
keit vom 8. Dezember 2004 bis zum 7. März 2005 (act. 23). Dazu wurde
der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 21. März 2005 ein 6-monatiges
Arbeitstraining mit Unterstützung bei der Stellensuche zugesprochen (act.
38). Die Beschwerdeführerin konnte per 26. September 2005 eine Teilzeit-
tätigkeit (60 %) als Verkäuferin (...) antreten (act. 41-1 ff.), sodass die be-
ruflichen Massnahmen mit Verfügung vom 10. Oktober 2005 abgeschlos-
sen wurden (act. 43).
B.c Mit Schreiben vom 13. Oktober 2005 gelangte die Beschwerdeführerin
an die IV-Stelle B._ und teilte mit, dass es «mit der Eingliederung
in die freie Wirtschaft nicht geklappt» habe. Sie habe nach zwei Tagen zum
Arzt gehen müssen, was die Kündigung zur Folge gehabt habe. Deshalb
sehe sie sich gezwungen, das IV-Verfahren wieder aufzunehmen (act. 45-
1 ff.). Am 18. Oktober 2005 stellte sie ein erneutes Leistungsgesuch
(act. 46-1 ff.). Mit Bericht vom 12. Dezember 2005 attestierte ihr die Psy-
chiatrische Klinik E._ eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (act. 55-1
ff.). Demgegenüber wurde im Gutachten der Gutachtenstelle D._
vom 19. Juni 2006 angegeben, dass sich seit der Vorbegutachtung im Jahr
2004 (vgl. act. 18) keine Änderung hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit ergeben
habe. Diese liege weiterhin bei 50 % (act. 60-9). Mit Mitteilung vom 16. Mai
2007 erteilte die IV-Stelle B._ im Rahmen einer beruflichen Mass-
nahme eine Kostengutsprache für den «Kurs Pflegehelferin SRK» (act. 71-
1 f.), den die Beschwerdeführerin nicht erfolgreich beendete (act. 83, 90-
1).
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B.d Mit Verfügung vom 30. Juli 2007 (act. 78) sprach ihr die IV-Stelle
B._ bei einem Invaliditätsgrad von 60 % eine Dreiviertelsrente samt
einer Kinderrente für ihren Sohn zu. Dabei wurde - in einem «hälftigen Pen-
sum» - von der Zumutbarkeit einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen und
ein leidensbedingter Abzug von 20 % gewährt (act. 78-8).
C.
C.a Ab dem 1. Januar 2008 lebte die Beschwerdeführerin in Frankreich
und nahm ab diesem Datum eine Stelle als Unterhaltsreinigerin (...) mit
einem Pensum von sechs Stunden pro Woche an (act. 89, 90, 91). Per 5.
Mai 2008 wechselte sie zur Firma F._, wo sie zu 40 % als «Opera-
tor» arbeitete (act. 93). Diese Stelle wurde durch den Arbeitgeber per 31.
Juli 2008 gekündigt (act. 96).
C.b Am 2. September 2008 beantragte die Beschwerdeführerin erneut be-
rufliche Massnahmen (act. 98 ff.). Die Berufsberaterin empfahl «Unterstüt-
zung bei der Suche nach einem geschützten Arbeitsplatz und zwar im Büro
oder Nähbereich» (act. 102). Ab 19. Dezember 2008 wurde die Beschwer-
deführerin (über einen Stellenvermittler temporär) beim Reinigungsperso-
nal der Firma G._ eingesetzt (act. 101). Mit Verfügung vom 18. Juni
2009 stellte die IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend:
Vorinstanz) die berufliche Massnahme mit der Begründung ein, die Be-
schwerdeführerin habe einen Arbeitsplatz in der freien Wirtschaft gefunden
und sei daher angemessen eingegliedert (act. 110).
C.c Mit Schreiben vom 26. Juni 2009 teilte die Beschwerdeführerin mit,
dass der Versuch, in den freien Arbeitsmarkt einzutreten, gescheitert sei.
Da sie nicht belastbar sei, habe sie einen psychischen Rückfall erlitten (act.
111).
C.d Nachdem sie ihren Wohnsitz zurück in die Schweiz verlegt hatte, be-
antragte die Beschwerdeführerin am 17. August 2009 bei der IV-Stelle
B._ erneut berufliche Massnahmen (act. 113). Mit Bericht vom
1. Februar 2010 attestierte die Psychiatrische Klinik E._ der Be-
schwerdeführerin eine Arbeitsunfähigkeit (als Reinigungskraft) von «60 %
seit ca. 2004 bis heute» (act. 124-3). Es wurde eine schrittweise Wieder-
eingliederung im geschützten Rahmen mit zunächst 30 bis 40 % und im
Verlauf eventuell eine Steigerung auf 50 % vorgeschlagen (act. 124-4).
C.e Mit Mitteilung vom 1. Juli 2010 erteilte die IV-Stelle B._ Kosten-
gutsprache für die Vorbereitung auf eine erstmalige berufliche Ausbildung
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in der Institution H._ (act. 129). Gemäss Schlussbericht vom 25.
Oktober 2010 erfolgte der Eintritt am 8. Juni 2010 mit einem Pensum von
50 %, das anschliessend auf 100 % gesteigert werden konnte. Nach einem
«Zusammenbruch» erfolgte per 16. September 2010 der Austritt (act. 132-
1 f.). Nachdem die Beschwerdeführerin eine Teilzeitstelle («bis 50 %»; act.
133) als Unterhaltsreinigerin finden konnte (act. 133 ff.), wurde die berufli-
che Massnahme mit Verfügung vom 6. April 2011 abgeschlossen (act.
139).
C.f Das am 1. März 2011 (act. 137) eingeleitete Revisionsverfahren der
Invalidenrente wurde mit Mitteilung vom 19. Juli 2011 gestützt auf den Arzt-
bericht der Psychiatrischen Klinik E._ vom 15. Juni 2011 bei einem
unveränderten Invaliditätsgrad von 60 % abgeschlossen (act. 141-1 ff.,
144-1 f.).
C.g Nach dem erneuten Wegzug nach Frankreich (act. 146) teilte die Be-
schwerdeführerin der Vorinstanz mit Schreiben vom 27. Februar 2012 mit,
dass sie ab 1. März 2012 versuchen wolle, «wieder 100 %» zu arbeiten
(act. 150-3). Das am 23. Mai 2012 eingeleitete Revisionsverfahren der In-
validenrente ergab - nach eigenen Angaben der Versicherten - einen ver-
besserten Gesundheitszustand (act. 153-1 ff.). Des Weiteren reichte die
Beschwerdeführerin ihren Arbeitsvertrag für eine Vollzeitstelle als Kontrol-
leurin (...) (ab 1. Februar 2012) ein (act. 153-4 ff.). Mit Verfügung vom 7.
November 2012 stellte die Vorinstanz die bisherige Dreiviertelsrente bei
einem Invaliditätsgrad von 10 % ein (act. 160-2 ff.).
D.
D.a Nachdem der Beschwerdeführerin das Arbeitsverhältnis bei der Firma
I._ per 31. Oktober 2015 gekündigt worden war, erfolgte durch die
Krankentaggeldversicherung eine Meldung zur Früherfassung bei der IV-
Stelle B._ (act. 161-1 f., act. 165-1 ff.). Nach medizinischen und
beruflich-erwerblichen Abklärungen sprach die Vorinstanz der Beschwer-
deführerin mit Verfügung vom 18. Mai 2016 die früher ausgerichtete Drei-
viertelsrente ab 1. April 2015 als Übergangsleistung zu (act. 195, 198-1 ff.).
D.b Nach der Sichtung der medizinischen Akten empfahl der Regionale
Ärztlichen Dienst (RAD) am 18. Oktober 2016 eine medizinische Begut-
achtung (act. 214-2, 215-1 f.). Im psychiatrischen Gutachten vom 13. April
2017 kam Dr. med. K._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, zum
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Schluss, dass in der (bisherigen) Tätigkeit als Einsatzleiterin in einem Rei-
nigungsunternehmen seit März 2015 eine volle Arbeitsunfähigkeit vorliege.
Eine angepasste Tätigkeit (ohne Verantwortung, aber mit klaren Struktu-
ren) sei hingegen – wie bereits 2006 attestiert – halbtags möglich (act. 221-
11).
D.c Mit Vorbescheid vom 27. Juni 2017 wurde der Beschwerdeführerin an-
gekündigt, dass die als Übergangsleistung ausgerichtete Dreiviertelsrente
durch eine halbe Invalidenrente abgelöst werde (act. 226-1 ff.). Am 25. Au-
gust 2017 liess die Beschwerdeführerin (...) Einwand erheben (act. 233).
Am 20. / 21. September 2017 nahm die Psychiatrische Klinik E._
zum Gutachten von Dr. med. K._ Stellung (act. 235, 238). Mit Ein-
gabe vom 6. Oktober 2017 wurde der Einwand näher begründet und zur
Ergänzung zwei Arztberichte aus dem Jahr 1989 eingereicht (act. 245). Am
15. November 2017 nahm Dr. med. K._ zum Einwand und den Arzt-
berichten Stellung (act. 249). Mit Stellungnahme vom 20. November 2017
hielt der RAD fest, dass das Antwortschreiben von Dr. med. K._
nachvollziehbar sei (act. 250-2).
D.d Mit Verfügung vom 1. Dezember 2017 ersetzte die Vorinstanz die bis-
her als Übergangsleistung ausgerichtete Dreiviertelsrente wie angekündigt
durch eine halbe Rente (act. 255-2 ff.).
E.
E.a Gegen die Verfügung vom 1. Dezember 2017 liess die Beschwerde-
führerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Stephan Müller (...), am
22. Januar 2018 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht erheben
(BVGer act. 1). Sie beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuhe-
ben und ihr sei mit Wirkung ab 1. März 2016 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen. Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung sowie
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Zur Begründung machte sie im We-
sentlichen geltend, aus den Akten gehe hervor, dass sie wegen ihrer psy-
chischen Erkrankung keine Ausbildung habe absolvieren können. Die In-
validitätsbemessung habe daher nach Art. 26 Abs. 1 der Verordnung über
die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 (IVV, SR 831.201) zu er-
folgen. Hinsichtlich des Valideneinkommens (recte: Invalideneinkommens)
seien sich die Fachärzte weitgehend einig, dass in einer angepassten Tä-
tigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % auszugehen sei. Angesichts der
erheblichen Einschränkungen sei ein Leidensabzug vom Invalideneinkom-
men vorzunehmen. Im Jahr 2007 sei ein Abzug von 20 % gewährt worden.
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Heute rechtfertige sich ein leidensbedingter Abzug von 25 %. Ausgehend
vom statistischen Einkommen gemäss LSE von Fr. 27‘031.- für das Jahr
2015 gemäss der angefochtenen Verfügung resultiere bei einem Abzug
von 25 % ein massgebliches Invalideneinkommen von Fr. 20‘273.-. Im Ver-
gleich zum Valideneinkommen nach Art. 26 Abs. 1 IVV von Fr. 74‘250.- im
Jahr 2015 ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 73 % und somit Anspruch
auf eine ganze Invalidenrente. Die Neuanmeldung sei im September 2015
erfolgt. Der Rentenanspruch sei somit per 1. März 2016 entstanden. Bei
diesem Ergebnis könnten die im Einwand aufgeworfenen Fragen hinsicht-
lich des Beweiswertes des Gutachtens von Dr. med. K._ offen ge-
lassen werden. Es müsse somit auch nicht näher darauf eingegangen wer-
den, dass sich die Anamnese dieses Gutachtens nicht mit dem Verlauf der
Erkrankung bis zum Jahr 2004 befasse.
E.b Mit richterlicher Verfügung vom 26. Januar 2018 erhielt die Vorinstanz
mit Verweis auf BGE 143 V 418, wonach sämtliche psychische Erkrankun-
gen einem strukturierten Beweisverfahren zu unterziehen sind, Gelegen-
heit, in Zusammenarbeit mit dem RAD eine Stellungnahme im Rahmen der
Vernehmlassung einzureichen (BVGer act. 6).
E.c Nachdem dem Bundesverwaltungsgericht das Formular "Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege" samt Beweismittel am 26. Februar 2018 ein-
gereicht worden war, hiess der Instruktionsrichter das Gesuch um unent-
geltliche Rechtspflege mit Zwischenverfügung vom 22. März 2018 gut. Der
Beschwerdeführerin wurde Rechtsanwalt lic. iur. Stephan Müller (...) als
amtlich bestellter Anwalt beigeordnet (BVGer act. 7, 8).
E.d Mit Vernehmlassung vom 27. März 2018 beantragte die Vorinstanz mit
Verweis auf die Stellungnahme der IV-Stelle B._ vom 26. März 2018
die Abweisung der Beschwerde (BVGer act. 10). Die IV-Stelle B._
führte aus, dass Dr. med. K._ in seinem Gutachten bereits eine
Prüfung der Standardindikatoren gemäss der neuen Rechtsprechung vor-
genommen habe. Des Weiteren sei festzuhalten, dass die von Dr. med.
K._ festgestellte Arbeitsfähigkeit von 50 % in einer angepassten Tä-
tigkeit nicht bestritten werde. Die Vergleichseinkommen seien anhand der
LSE-Tabelle 2014, TA1, Total Frauen, Kompetenzniveau 1, mit Umrech-
nung von 40 auf 41.7 Wochenstunden und unter Berücksichtigung der
Nominallohnentwicklung 2014-2015 ermittelt worden. Eine Berücksichti-
gung der Löhne gemäss Art. 26 Abs. 1 IVV erscheine nicht angezeigt. In
den Gutachten aus den Jahren 2004 und 2006 sei von der Gutachtenstelle
D._ zwar eine kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert
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worden. Dies habe aber nicht zur Folge gehabt, dass die Beschwerdefüh-
rerin keine zureichenden beruflichen Kenntnisse habe erwerben können.
So sei die angefangene Lehre als Coiffeuse nicht aus invaliditätsbedingten
Gründen, sondern aufgrund einer auftretenden Allergie abgebrochen wor-
den. Die Beschwerdeführerin sei bereits im Alter von 20 Jahren Mutter ge-
worden. Im Alter von 23 Jahren sei sie in die Drogenszene geraten und
habe während vier Jahren weiche und auch harte Drogen konsumiert. Da-
nach seien verschiedene berufliche Massnahmen durchgeführt worden.
Diese seien jedoch jeweils nicht aus invaliditätsbedingten Gründen ge-
scheitert, sondern weil die Beschwerdeführerin immer wieder eine Arbeits-
stelle im ersten Arbeitsmarkt gesucht und gefunden und sich mit den dort
erzielten tiefen Löhnen begnügt habe. Es sei daher nicht sachgerecht, auf
die Löhne nach Art. 26 Abs. 1 IVV abzustellen. Was den geltend gemach-
ten Leidensabzug betreffe, so treffe es zu, dass bei der Invaliditätsbemes-
sung in der Verfügung vom 30. Juli 2007 ein Abzug von 20 % gewährt wor-
den sei. Vorliegend handle es sich jedoch um eine Wiederanmeldung nach
einer zwischenzeitlichen Aufhebung der Rente, sodass der Invaliditätsgrad
ohne Bindungswirkung an frühere Entscheide neu ermittelt werden könne.
Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände sei kein Leidensabzug
angezeigt.
E.e Mit der Replik vom 9. Mai 2018 hielt die Beschwerdeführerin an den
Rechtsbegehren und den Ausführungen in der Beschwerde fest (BVGer
act. 12). Ergänzend führte sie aus, dass die Prüfung der Standardindikato-
ren den Anforderungen der Rechtsprechung nicht genüge. Diverse Fragen,
die ausführliche oder detaillierte Beschreibungen bzw. Vergleiche verlan-
gen würden, habe der Gutachter mit 1-2 Sätzen oder nur mit der pauscha-
len Bemerkung "siehe oben" abgehandelt. Es bedürfe folglich einer neuen,
umfassenden Begutachtung. Des Weiteren sei nicht erstellt, ob die Allergie
der alleinige Grund für den Abbruch der Ausbildung als Coiffeuse gewesen
sei oder ob die Persönlichkeitsstörung dafür nicht (mit-)verantwortlich ge-
wesen sei. Diesbezüglich fehle eine fachärztliche Beurteilung. Da sich Per-
sönlichkeitsstörungen typischerweise in der Jugend manifestieren würden,
sei der Einfluss dieser Erkrankung auf den Ausbildungsabbruch plausibel,
zumal der Hinweis (im Gutachten der Gutachtenstelle D._ von
2004) auf das (Schwangerschaftserstehungsfähigkeit-)Gutachten von
1995 auch erwähne, dass die obligatorische Schulzeit nur mit grosser
Mühe habe absolviert werden können. Selbst wenn der Abbruch dieser
Ausbildung tatsächlich nur Folge der Allergie gewesen sein sollte, stelle
sich die Frage, warum nicht eine andere Ausbildung absolviert worden sei.
Es stelle sich sodann die Frage, warum es die damals zuständige IV-Stelle
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nach Abschluss der medizinischen Massnahmen Ende 1992 unterlassen
habe, die Beschwerdeführerin bei ihrer Erstausbildung zu unterstützen. Es
könne davon ausgegangen werden, dass dieser Umstand für das Schei-
tern der erst im Jahr 2007 im Alter von 30 Jahren aufgenommenen Bemü-
hungen (berufliche Massnahmen) im Hinblick auf eine Erstausbildung mit-
verantwortlich gewesen sei. Hinzu komme, dass wohl die Persönlichkeits-
störung mit der sekundären Suchtkarriere die Fähigkeit, eine Ausbildung
konsequent durchzuführen, bereits damals deutlich reduziert haben dürfte.
Schliesslich könne die im Gutachten der Gutachtenstelle D._ von
2004 angegebene Adoleszenzproblematik nicht der einzige Grund für das
Fehlen der Berufsausbildung gewesen sein. Unbeantwortet sei sodann die
Frage, warum die Beschwerdeführerin nach überstandener Adoleszenz
nicht noch eine Ausbildung begonnen habe. Es sei weiter festzuhalten,
dass der Drogenkonsum – worauf die Vorinstanz verweise – nachweislich
sekundär gewesen sei. Wenn die primäre Persönlichkeitsstörung zum se-
kundären Drogenkonsum geführt und dieser wiederum eine Berufsausbil-
dung verhindert habe, sei der Nachweis erbracht, dass behinderungsbe-
dingt keine Ausbildung möglich gewesen sei. Hinsichtlich des leidensbe-
dingten Abzugs sei auf die Ausführungen in der Beschwerde zu verweisen.
Die Auffassung der Vorinstanz, dass die krankheitsbedingt unstete Er-
werbskarriere nicht zu einem unterdurchschnittlichen Invalideneinkommen
führe, sei nicht nachvollziehbar.
E.f Mit Duplik vom 8. Juni 2018 hielt die Vorinstanz mit Verweis auf die
Stellungnahme der IV-Stelle B._ vom 4. Juni 2018 an ihrem Antrag
auf Abweisung der Beschwerde fest (BVGer act. 14). Die IV-Stelle
B._ führte im Wesentlichen aus, dass in der Beschwerdeschrift
erwähnt worden sei, es bestehe hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit von 50 %
in einer angepassten Tätigkeit weitgehende Einigkeit zwischen Dr. med.
K._ und den behandelnden Ärzten. Die beantragte Ausrichtung ei-
ner ganzen Rente beruhe einzig auf der Berücksichtigung von Art. 26 Abs.
1 IVV beim Valideneinkommen sowie auf der Gewährung des maximal zu-
lässigen leidensbedingten Einkommens beim Invalideneinkommen. In der
Replik werde nun geltend gemacht, die Prüfung der Standardindikatoren
sei im Gutachten von Dr. med. K._ ungenügend erfolgt. Dies treffe
jedoch nicht zu. Die Standardindikatoren seien im Gutachten ausreichend
geprüft worden. Überdies habe der Gutachter zur diagnostischen Diskre-
panz und der unterschiedlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zwischen
der Psychiatrischen Klinik E._ und ihm Stellung genommen (BVGer
act. 14, Beilage).
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Seite 10
E.g Ein Doppel der Stellungnahme der Vorinstanz vom 8. Juni 2018 wurde
der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 13. Juni 2018 zugestellt. Der
Schriftenwechsel wurde unter Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen
per 25. Juni 2018 abgeschlossen (BVGer act. 15).
F.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird
– soweit für die Entscheidfindung erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen näher eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der vorliegenden Be-
schwerde zuständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b
IVG [SR 831.20]). Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland hat die Verfü-
gung vom 1. Dezember 2017 zu einem Zeitpunkt erlassen, als die Be-
schwerdeführerin ihren Wohnsitz in Frankreich hatte. Der aktuelle Wohn-
sitz im schweizerischen C._ ist für das vorliegende Verfahren un-
beachtlich. Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin der angefochtenen
Verfügung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb sie zur Erhebung
der Beschwerde legitimiert ist (Art. 59 ATSG [SR 830.1]; Art. 48 Abs. 1
VwVG). Nachdem ihr die unentgeltliche Prozessführung gewährt wurde
(BVGer act. 8), ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.2 Es ist gemäss dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes we-
gen nicht an die Begründung der Begehren der Parteien gebunden (Art. 62
Abs. 4 VwVG). Im Rahmen seiner Kognition kann es die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
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Seite 11
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Auflage, Bern 1983, S. 212; vgl. BGE 128 II 145 E. 1.2.2;
BGE 127 II 264 E. 1b).
2.3 Nach ständiger Rechtsprechung beschränkt sich die Prüfung des So-
zialversicherungsgerichts auf die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass
der angefochtenen Verwaltungsverfügung entwickelt haben (vgl. Urteil des
BGer 8C_489/2016 vom 29. November 2016 E. 5.2 m.H. auf BGE 132 V
215 E. 3.1.1; 130 V 138 E. 2.1; 121 V 362 E. 1b). Tatsachen, die jenen
Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand ei-
ner neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
2.4 Die Beschwerdeführerin ist Schweizer Staatsbürgerin. Im massgeben-
den Zeitpunkt des Verfügungserlasses (am 1. Dezember 2017) hatte sie
ihren Wohnsitz noch in Frankreich. Es besteht daher in räumlicher Hinsicht
ein internationaler Sachverhalt mit Bezug zur EU, weshalb das am 1. Juni
2002 in Kraft getretene Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Ge-
meinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit
(FZA; SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Gemeinschaft zur Koor-
dinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II des FZA,
insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in Kraft getretenen Ver-
ordnungen (EG) Nr. 883/ 2004 (SR 0.831.109.268.1) und Nr. 987/2009
(SR 0.831.109.268.11), zu beachten sind. Seit dem 1. Januar 2015 sind
auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010, Nr. 465/2012 und
Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen zwischen der
Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das Vorliegen einer an-
spruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch im Anwendungsbe-
reich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach schweizerischem
Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer 9C_573/2012 vom
16. Januar 2013 E. 4).
2.5 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
gebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes
Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1), weshalb jene Vorschriften An-
wendung finden, die spätestens beim Erlass der Verfügung vom 1. Dezem-
ber 2017 in Kraft standen, weiter aber auch Vorschriften, die zu jenem Zeit-
punkt bereits ausser Kraft getreten waren, die aber für die Beurteilung al-
lenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von Belang sind.
C-465/2018
Seite 12
3.
3.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
3.2 Anspruch auf eine Invalidenrente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG
Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgaben-
bereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a), während ei-
nes Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind (Bst. b) und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. c). Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens
60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei mindestens 70 % auf eine ganze
Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.3 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommens-
vergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die ver-
sicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der me-
dizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch
eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkom-
men, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Vali-
deneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise
C-465/2018
Seite 13
zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffern-
mässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden,
worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen
lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343
E. 3.4.2; Urteil des BGer 8C_536/2017 vom 5. März 2018 E. 5.1).
3.4 Für Versicherte ohne Ausbildung sieht Art. 26 IVV zur Bestimmung des
Valideneinkommens Folgendes vor:
Konnte die versicherte Person wegen der Invalidität keine zureichenden
beruflichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen,
das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, den folgenden nach Alter abge-
stuften Prozentsätzen des jährlich aktualisierten Medianwertes gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE; Art. 26 Abs. 1
IVV):
- vor dem 21. Geburtstag 70 %
- ab dem 21. bis zum 25. Geburtstag 80 %
- ab dem 25. bis zum 30. Geburtstag 90 %
- ab dem 30. Geburtstag 100 %
Konnte der Versicherte wegen der Invalidität eine begonnene berufliche
Ausbildung nicht abschliessen, so entspricht das Erwerbseinkommen, das
er als Nichtinvalider erzielen könnte, dem durchschnittlichen Einkommen
eines Erwerbstätigen im Beruf, für den die Ausbildung begonnen wurde
(Art. 26 Abs. 2 IVV).
3.5 Geburts- und Frühinvalide im Sinne von Art. 26 Abs. 1 IVV sind gemäss
dem Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversi-
cherung (KSIH) Versicherte, die seit ihrer Geburt oder Kindheit einen Ge-
sundheitsschaden aufweisen und deshalb keine zureichenden beruflichen
Kenntnisse erwerben konnten. Darunter fallen all jene Personen, welche
infolge ihrer Invalidität überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren kön-
nen. Ebenso gehören dazu Versicherte, welche zwar eine Berufsausbil-
dung beginnen und allenfalls auch abschliessen, zu Beginn der Ausbildung
jedoch bereits invalid sind und mit dieser Ausbildung nicht dieselben Ver-
dienstmöglichkeiten realisieren können wie eine nichtbehinderte Person
mit derselben Ausbildung (vgl. Rz 3035 KSIH; Stand: 1. Januar 2018).
3.6 Bei der Beurteilung der Arbeits(un)fähigkeit stützen sich die Verwaltung
und – im Beschwerdefall – das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen
und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen
C-465/2018
Seite 14
sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tä-
tigkeiten die versicherte Person arbeitsfähig ist. Hinsichtlich des Beweis-
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Be-
lange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge-
klagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammen-
hänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss-
folgerungen der Expertinnen und Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Eine begutachtende medizinische Fachperson
muss über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen (Urteil des
BGer 9C_555/2017 vom 22. November 2017 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.7 Geht es um psychische Erkrankungen (vgl. BGE 143 V 418 E.) oder
depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409),
sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren be-
achtlich, die – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas-
tungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) an-
derseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu-
schätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.).
Ausgangspunkt der Prüfung und damit erste Voraussetzung bildet eine
psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1;
143 V 418 E. 6 und E. 8.1). Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit er-
wähnten Indikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE
141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit
den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (Ausprägung der diagnosere-
levanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg
oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlich-
keitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen
[E. 4.3.2]) und «sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz»
(Gesichtspunkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige
Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbe-
reichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus-
gewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
4.
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Die
Vorinstanz hat mit der angefochtenen Verfügung die ab 1. April 2015 als
Übergangsleistung ausgerichtete Dreiviertelsrente durch eine halbe Rente
ersetzt. Die Beschwerdeführerin beantragt demgegenüber die Ausrichtung
einer ganzen Rente ab 1. März 2016.
C-465/2018
Seite 15
4.1 Im Rahmen des Vorbescheidverfahrens machte die Beschwerde-
führerin geltend, im psychiatrischen Administrativgutachten von Dr. med.
K._ vom 13. April 2017 seien weder in der Aktenlage noch in der
Anamnese die Jugendjahre angemessen berücksichtigt worden. Die Ak-
tenlage sei sehr knapp gehalten. Es sei nicht ersichtlich, dass die Arztbe-
richte von Dr. med. L._ vom 4. Dezember 1987 sowie vom 4. De-
zember 1989 gewürdigt worden seien. Als Aktenergänzung wurden sodann
die Arztberichte von Dr. med. M._ vom 27. Juli 1989 und von Dr.
med. N._ vom 3. August 1989 sowie die Stellungnahme der Psy-
chiatrischen Klinik E._ vom 21. September 2017 zum Administra-
tivgutachten eingereicht (act. 233, 238-1 ff., 245-1 ff.). In der Beschwerde-
schrift machte die Beschwerdeführerin insbesondere geltend, dass bei ei-
ner korrekten Invaliditätsbemessung ein Invaliditätsgrad von 73 % und so-
mit ein Anspruch auf eine ganze Rente resultiere. Hinsichtlich des Admi-
nistrativgutachtens führte er aus, bei diesem Ergebnis könnten die im Ein-
wand aufgeworfenen Fragen nach dessen Beweiswert – insbesondere das
Fehlen des Verlaufs der Erkrankung bis zum Jahr 2004 – offen gelassen
werden (BVGer act. 1-11). Im Rahmen der Replik wurde das Administrativ-
gutachten dennoch bemängelt. Die Prüfung der Standardindikatoren ge-
nüge den Anforderungen der Rechtsprechung nicht. Diverse Fragen, die
ausführliche oder detaillierte Beschreibungen bzw. Vergleiche verlangen
würden, habe der Gutachter mit 1-2 Sätzen oder gar nur mit der pauscha-
len Bemerkung "siehe oben" abgehandelt. Es bedürfe folglich einer neuen,
umfassenden Begutachtung (BVGer act. 12).
Es ist somit zu prüfen, ob das Administrativgutachten vom 13. April 2017
eine rechtskonforme Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin zulässt. Zunächst ist zu beurteilen, ob das Administ-
rativgutachten hinsichtlich der Frage der Frühinvalidität bzw. nach der An-
wendbarkeit von Art. 26 Abs. 1 IVV bei der Invaliditätsbemessung ausrei-
chend ist. In einem zweiten Schritt stellt sich die Frage, ob der aktuelle
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin rechtsgenüglich abgeklärt
wurde.
4.2
4.2.1 Die Beschwerdeführerin wurde am 6. April 2017 von Dr. med.
K._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, SIM-zertifizierter Gut-
achter, untersucht und begutachtet. Im Gutachten vom 13. April 2017
wurde folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt
C-465/2018
Seite 16
(act. 221-9): Kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61). An Diagno-
sen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestehen demnach Zwangs-
gedanken und –handlungen gemischt in unterschiedlichem Ausmass (ICD-
10 F42.2) sowie ein Status nach einem multiplen Substanzgebrauch, ge-
genwärtig abstinent (ICD-10 F19.20). Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit
führte der Gutachter aus, die Beschwerdeführerin befinde sich dauerhaft in
einem labilen Gleichgewicht. Sie sei nicht in der Lage komplexe Tätigkeiten
durchzuführen, sie solle auch nicht dauerhaft wechselhaften Bedingungen
ausgesetzt sein, sie könne nicht Verantwortung übernehmen. Es sei mit
Stimmungsschwankungen zu rechnen, teilweise auch unberechenbaren
Reaktionsweisen. Die Arbeit müsse daher klar strukturiert und vorgegeben
sein. Es sei deshalb in der (zuletzt ausgeübten) Tätigkeit als Einsatzleiterin
in einem Reinigungsunternehmen von einer vollen Arbeitsunfähigkeit seit
März 2015 auszugehen. Eine Tätigkeit aber, in der die Beschwerdeführerin
keine Verantwortung übernehmen müsse, die klar vorgegeben und in der
sie nicht wechselhaften Bedingungen ausgesetzt sei, sollte halbtags mög-
lich sein. Dies entspreche der Arbeitsfähigkeit, wie sie bereits 2006 attes-
tiert worden sei.
4.2.2 Die Rechtsprechung hat die "Qualitätsleitlinien für psychiatrische
Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung" der Schweizeri-
schen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP; nachfol-
gend auch: Leitlinien) vom Februar 2012 als anerkannten Standard für eine
sachgerechte und rechtsgleiche (versicherungs-)psychiatrische Begutach-
tung bezeichnet (Urteile 8C_51/ 2012 vom 29. Januar 2013 E. 3.3.3.1 und
8C_945/2009 vom 23. September 2010 E. 5). Die Qualitätsleitlinien wur-
den am 16. Juni 2016 mit einer dritten, vollständig überarbeiteten und er-
gänzten Auflage aktualisiert (zugänglich unter http://www.psychiatrie.ch).
Im Zeitraum der Leitlinienerstellung erfolgte das Leiturteil des Bundesge-
richtes BGE 141 V 281 zum strukturierten Beweisverfahren, welches im
Gegensatz zu früheren Urteilen eine ergebnisoffene Prüfung der Arbeitsfä-
higkeit vorsieht und die Bedeutung der vorgestellten Methodik zur Begut-
achtung unterstützt (vgl. die Fussnote 1 der Leitlinie vom 16. Juni 2016).
Die Qualitätsleitlinien verstehen sich als Empfehlung, von welcher im be-
gründeten Einzelfall abgewichen werden kann; dem Rechtsanwender sol-
len sie bei der Beurteilung der Gutachtensqualität nützlich sein. Das BSV
hat die Leitlinien für alle zuhanden der Invalidenversicherung erstellten
Gutachten als verbindlich erklärt. Die IV-Stellen (resp. deren Regionale
Ärztliche Dienste) sind aufsichtsbehördlich angewiesen, die Leitlinien bei
eigenen klinischen Untersuchungen und bei der Dossieranalyse und für
C-465/2018
Seite 17
Aktengutachten sowie bei externen psychiatrischen Administrativgutach-
ten als Raster für die Qualitätssicherung einzusetzen (BGE 141 V 260 E.
3.2.2; IV-Rundschreiben Nr. 313 vom 6. Juni 2012; vgl. zur Bedeutung von
Verwaltungsweisungen BGE 133 V 587 E. 6.1 S. 591).
4.2.3 Der IV-Stelle B._ musste aufgrund der Aktenlage klar gewe-
sen sein, dass bei der Beschwerdeführerin die Frage einer Frühinvalidität
und damit die Anwendung von Art. 26 Abs. 1 IVV im Raum steht. Darum
wäre es angezeigt gewesen, dem Gutachter explizit die Frage zu stellen,
ob die Beschwerdeführerin aus medizinischen Gründen keine zureichen-
den beruflichen Kenntnisse erwerben konnte. Andererseits ist festzuhalten,
dass die Leitlinien die Erfassung von Themen, die über diese Frage Auf-
schluss geben können, bereits enthalten. So hat gemäss Ziffer 3.2 der Leit-
linien anlässlich der Untersuchung unter anderem ein vertieftes Interview
zu folgenden Themen zu erfolgen: "Systematische, psychiatrische und
somatische Anamnese (Ziff. 3.2.2)", "Familienanamnese / Heredität (Ziff.
3.2.3)", "Besonderheiten bei der Geburt, frühkindliche Entwicklung, Bezie-
hungen innerhalb der Primärfamilie, Verhaltensauffälligkeiten in Vorschul-
zeit und Schulzeit (Ziff. 3.2.4)", "Schulischer und beruflicher Werdegang,
Ehrenämter, Militär (Ziff. 3.2.5)", "Berufliche Tätigkeiten und Stellungen im
Beruf, Datum und Umstände der Arbeitsaufgabe, Erfahrungen mit Einglie-
derungsmassnahmen oder Arbeitsversuchen (Ziff. 3.2.6)".
4.2.4 Die Beschwerdeführerin macht zu Recht geltend, dass im Administ-
rativgutachten eine eigene systematische psychiatrische Anamnese der
Erkrankung bis ins Jahr 2004 fehlt. Der Gutachter hat sich im Wesentlichen
darauf beschränkt, den Verlauf seit der letzten Begutachtung im Jahr 2006
zu beurteilen (vgl. act. 221-6: "Es geht darum, den Verlauf seit 2006 zu
beurteilen, als die Expl. letztmals gutachterlich beurteilt wurde"). Auch wei-
tere Themenkreise, die für die Beantwortung der Frage wesentlich sind, ob
vorliegend von einer Frühinvalidität im Sinn von Art. 26 Abs. 1 IVV auszu-
gehen ist, blieben offen oder nur unvollständig beantwortet. Insbesondere
ist nicht ersichtlich, dass sich der Gutachter mit den in den Vorakten befin-
denden Informationen zur Entwicklung der Beschwerdeführerin hinsichtlich
einer allfälligen Frühinvalidität auseinandergesetzt hat. Die Gutachten der
Gutachtenstelle D._ vom 28. Juli 2004 (act. 18-1 ff.) und vom 19.
Juni 2006 (act. 60-1 ff.) enthalten umfangreiche Informationen zum medi-
zinischen Verlauf der Erkrankung sowie zu den Beziehungen innerhalb der
Primärfamilie, den Verhaltensauffälligkeiten in Vorschulzeit und Schulzeit,
dem beruflichen Werdegang, den zahlreichen beruflichen Tätigkeiten und
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=IV+Leitlinien+psychiatrie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-V-587%3Ade&number_of_ranks=0#page587
C-465/2018
Seite 18
den Umständen der Arbeitsaufgabe sowie den Erfahrungen mit Eingliede-
rungsmassnahmen oder Arbeitsversuchen (vgl. unter anderem act. 18-4 f.,
60-4 f.: "Vorgeschichte der aktuellen Beschwerden"; act. 18-6 f., 60-6:
"Psychiatrische Familienanamnese"; act. 18-5 f.: "Persönliche Anamnese";
act. 18-7 ff., 60-8 f.: "Beurteilung"). Nach dem Gesagten erweist sich das
Administrativgutachten vom 13. April 2017 (act. 221) betreffend die Frage,
ob die Beschwerdeführerin aus medizinischen Gründen keine zureichen-
den beruflichen Kenntnisse erwerben konnte, als unvollständig.
4.3
4.3.1 Die Beschwerdeführerin bemängelt die Beurteilung ihres aktuellen
Gesundheitszustandes im Administrativgutachten vom 13. April 2017. Im
Rahmen des Vorbescheidverfahrens hat sie die Stellungnahme der Psy-
chiatrischen Klinik E._ vom 21. September 2017, wo sie sich seit
17. Februar 2017 in Behandlung befand, zum Administrativgutachten vom
13. April 2017 eingereicht (act. 238-1 ff.). In der Stellungnahme der Psychi-
atrischen Klinik E._ wurden folgende Diagnosen genannt (act. 238-
3):
– Emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ (ICD-10 F60.31)
– Schizoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.1)
– Zwanghafte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5)
– Ängstlich (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5)
– Abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
– Zwangsgedanken und –handlungen, gemischt (ICD-10 F60.6)
– Rezidivierende depressive Störung, ggw. mittelgradige Episode ohne psycho-
tische Symptome (ICD-10 F33.1)
– St. n. Störungen durch Opioide / Abhängigkeitssyndrom / seit 2008 abstinent
(ICD-10 F11.202), zuvor Teilnahme an einem Ersatzdrogenprogramm
– St. n. Störungen durch Cannabinoide / Abhängigkeitssyndrom / seit 2009 abs-
tinent (ICD-10 F12.201)
– Störungen durch Tabak / Abhängigkeitssyndrom / ggw. abstinent seit März
2017 (ICD-10 F17.201)
– Chronische Virushepatitis C, ggw. in Behandlung mit Zepatier (ICD-10 B18.2)
– Vd. a. Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (ICD-10 F90.1)
– St. n. Anorexia Nervosa, ED 1989 (ICD-10 F50.0)
– Anamnestisch St. n. Bulimia nervosa (ICD-10 F50.2)
– Anamnestisch leichte Interlligenzminderung
– St. n. Virushepatitis A ohne Coma hepaticum (ICD-10 B15.9)
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Seite 19
In der Stellungnahme kamen die behandelnden Fachpersonen der Psychi-
atrischen Klinik E._ zusammenfassend zum Schluss, dass das Ad-
ministrativgutachten vom 13. April 2017 unvollständig sei und die daraus
abgeleiteten Schlussfolgerungen bezüglich Arbeitsfähigkeit die Situation
der Beschwerdeführerin nicht angemessen wiedergäben (act. 238-2). Ins-
besondere wurde auf zwei Störungsbilder (Zwangsstörung; rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne psychotische
Symptome) näher eingegangen, die - nach Einschätzung der Psychiatri-
schen Klinik E._ - nachhaltige Auswirkungen auf die Arbeitsfähig-
keit der Beschwerdeführerin hätten, aber im Administrativgutachten als un-
erheblich eingestuft oder als Diagnose gar nicht erwähnt worden seien.
Ebenfalls sei die psychische Entwicklung der Beschwerdeführerin schon
früh sehr auffällig verlaufen, was unter anderem Ausdruck und Folge von
frühkindlichen, emotionalen, pathogenen Mangelzuständen zu sein
scheine (act. 238-3). Hinsichtlich der Zwangsstörung kamen die Behandler
zum Schluss, dass die Zwangshandlungen und -gedanken bei der Be-
schwerdeführerin ein Ausmass und eine Intensität angenommen hätten,
die sie sowohl in ihrer sozialen als auch individuellen Leistungsfähigkeit
stark behindern und eine geregelte Arbeitsfähigkeit ausser Haus verun-
möglichen würden (act. 238-4). Des Weiteren erfülle die Beschwerdefüh-
rerin die Kriterien einer rezidivierenden depressiven Störung, die im Admi-
nistrativgutachten nicht aufgeführt worden sei, obwohl die Diagnose bei-
spielsweise bereits im Bericht der Psychiatrischen Klinik E._ vom
1. Februar 2010 erwähnt worden und hinsichtlich der Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit als relevant eingestuft worden sei. Aktuell leide die Be-
schwerdeführerin trotz engmaschiger psychotherapeutischer und medika-
mentöser Therapie an einer mittelgradig depressiven Episode. Die Be-
schwerdeführerin berichte von täglicher Schlaflosigkeit mit Einschlafprob-
lemen, häufigem Erwachen und Albträumen, innerlicher Unruhe, Energie-
losigkeit, Gefühl der Wertlosigkeit, verminderter Konzentrations- und Denk-
fähigkeit und wiederholten Suizidgedanken. Sie fühle sich fast jeden Tag
direkt nach dem Aufwachen traurig und dies halte lange an. Die Symptome
würden bei der Beschwerdeführerin klinisch ein bedeutsames Leiden und
Beeinträchtigungen im sozialen und anderen Lebensbereichen verursa-
chen (act. 238-4 f.). Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass
bei der Beschwerdeführerin infolge verschiedener Faktoren, insbesondere
aber aufgrund einer frühen Bindungsstörung, wie aus den CTQ-Ergebnis-
sen und früheren Berichten hervorgehe, eine Persönlichkeitsentwicklung
vorliege, die bereits früh zu einem maladaptiven, dysfunktionalen Konglo-
merat aus verschiedenen Persönlichkeitsstörungen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit geführt habe (act. 238-7). Dieses Konglomerat werde
C-465/2018
Seite 20
heute zusätzlich verkompliziert durch eine rezidivierende depressive Stö-
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne psychotische Symptome
unter engmaschiger psychotherapeutischer und medikamentöser Thera-
pie, sowie Zwangsgedanken und –handlungen, gemischt, die beide eben-
falls schwere Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten (act. 238-7). Die
Beschwerdeführerin sei aufgrund der vorgenannten Diagnosen und der
schwerwiegenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zur Zeit 100 % ar-
beitsunfähig. Perspektivisch sei bei dem langjährigen Krankheitsverlauf,
der Schwere und deutlichen Chronifizierung des genannten Störungskom-
plexes von einer ungünstigen Prognose auszugehen. Therapeutisch stün-
den primär die Erhaltung des aktuell vorhandenen, aber deutlich einge-
schränkten Funktionsniveaus sowie die Entlastung der Beschwerden im
Vordergrund. Auch über mehrere Jahre hinaus gesehen, scheine eine we-
sentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes eher unwahrschein-
lich, weswegen eine Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit auszuschlies-
sen sei. Bei der Aufnahme einer Arbeitstätigkeit im Pensum von 50 %
würde es aufgrund der vorhandenen schweren Störungen und der damit
verbundenen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mittelbar gezwun-
genermassen wieder zu einer schwerwiegenden Verschlechterung der
Symptomatik mit schweren Anspannungs- und Angstzuständen, Erschöp-
fung und schliesslich suizidalen und selbstverletzendem Verhalten kom-
men, wie dies aus der Vergangenheit bereits bekannt sei (act. 238-8).
4.3.2 Die Stellungnahme der Psychiatrischen Klinik E._ vom
21. September 2017 wurde dem Gutachter Dr. med. K._ vorgelegt.
Dieser führte in seiner Stellungnahme vom 15. November 2017 zusam-
menfassend aus (act. 249-4), die Ausführungen der Psychiatrischen Klinik
E._ seien sicher interessant, jedoch zu den Fragen betreffend die
Arbeitsfähigkeit nicht schlüssig und nachvollziehbar. Auch werde die Zwi-
schenanamnese seit 2006 nicht berücksichtigt. Es werde ausgeblendet,
dass die Beschwerdeführerin längere Zeit berufstätig gewesen sei. Eben-
falls werde unbegründet angenommen, dass eine Therapieresistenz be-
stehe, obwohl eine Besserung des Zustandes habe erzielt werden können.
Es müsse daher an den Schlussfolgerungen, wie sie im Gutachten vom
13. April 2017 (act. 221) gemacht worden seien, festgehalten werde, da
keine einleuchtenden und nachvollziehbaren Gründe dargelegt worden
seien, weswegen eine dauerhafte Verschlechterung des Zustandes seit
2006 vorliege.
4.3.3 Zwischen den behandelnden Fachpersonen und dem Gutachter
Dr. med. K._ bestehen sowohl in diagnostischer Hinsicht als auch
C-465/2018
Seite 21
bezüglich der Auswirkungen der Diagnosen auf die Arbeitsfähigkeit Diskre-
panzen. Übereinstimmend diagnostizieren die Fachpersonen eine Persön-
lichkeitsstörung. Die Psychiatrische Klinik E._ geht zudem von ei-
ner rezidivierenden depressiven Störung (gegenwärtig mittelgradige Epi-
sode ohne psychotische Symptome) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig-
keit aus. Der Gutachter verneinte diese Diagnose, führte in seiner Beurtei-
lung jedoch trotzdem aus, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der
Persönlichkeitsstörung immer wieder unter depressiven Zuständen leide,
die vorübergehend und nicht dauerhaft seien, allerdings in störendem Aus-
mass aufträten (act. 221-7). Des Weiteren gehen die behandelnden Fach-
personen der Psychiatrischen Klinik E._ davon aus, dass die Be-
schwerdeführerin unter Zwangsgedanken und –handlungen mit schweren
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit leide (act. 238-8). Der Gutachter
Dr. med. K._ hält diesbezüglich fest, dass gewisse Zwänge die Be-
schwerdeführerin immer noch beeinflussen würden, was im Alltag aller-
dings nicht zu einer wesentlichen Beeinträchtigung führe. Es sei denkbar,
dass diese Zwänge vor allem in emotional belastenden Situationen ver-
stärkt aufträten (act. 221-7).
4.3.4 Wie bereits erwähnt, sind bei psychischen Erkrankungen oder de-
pressiven Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich (vgl. BGE 143 V 418
und BGE 143 V 409). Gemäss BGE 141 V 281 haben sich sowohl die me-
dizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung
bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorga-
ben zu orientieren – die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend
formulierten Fragestellung. Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen
Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die massgeben-
den normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in wel-
chem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen
Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen. Sind die funktionellen Aus-
wirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und wider-
spruchsfrei festgestellt worden, sind die normativen Vorgaben erfüllt (vgl.
ELISABETH BERGER GÖTZ, Invalidität bei psychischen Leiden, SZS 2/2019,
S. 97-99).
4.3.5 Bezüglich der Indikatorenprüfung im psychiatrischen Gutachten vom
13. April 2017 (act. 221-8 ff.) fällt zunächst auf, dass diese – wie von der
Beschwerdeführerin geltend macht – eher rudimentär ausgefallen ist. Nicht
nachvollziehbar ist sodann, dass der Gutachter sich bei der Schilderung
C-465/2018
Seite 22
der Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde nicht mit der Persön-
lichkeitsstörung auseinandergesetzt hat. Vielmehr führte Dr. med.
K._ an dieser Stelle einzig aus, objektiv fände sich eine subdepres-
siv verstimmte Explorandin, die teilweise Mühe habe, ihren Zustand zu er-
klären. Ansonsten sei sie psychopathologisch weitgehend unauffällig. Hin-
sichtlich der konkreten Erscheinungsformen der Gesundheitsschädigung
geht der Gutachter davon aus, dass die Beschwerdeführerin unter starken
Stimmungsschwankungen mit Verunsicherung und teilweise inadäquaten
Verhaltensweisen mit Rückzugstendenz leide (act. 221-8). Es erscheint wi-
dersprüchlich, dass der Gutachter die Diagnose Depression verneint, bei
der Indikatorenprüfung jedoch von einer subdepressiv verstimmten Explo-
randin mit starken Stimmungsschwankungen ausgeht. Insbesondere kön-
nen anhand der Indikatoren weder Ausprägung und Schwere der objekti-
ven Befunde noch die konkreten Erscheinungsformen der Gesundheits-
schädigung beurteilt werden. Des Weiteren hält der Gutachter fest, es be-
stehe bei der Beschwerdeführerin «eine wechselhafte Persönlichkeit mit
wiederholten Schwierigkeiten im zwischenmenschlichen Bereich und auch
bei der Gestaltung ihres Lebens mit teilweisen Inkonstanzen und Schwie-
rigkeiten, sich beruflich längerfristig zu integrieren» (act. 221-8). Hinzu
kommt, dass der Gutachter die Beschwerdeführerin für nicht genügend in
der Lage hält, auf die vorhandenen Ressourcen zurückzugreifen. Vorhan-
dene Ressourcen werden im Gutachten jedoch nicht aufgeführt. Insgesamt
können die funktionellen Auswirkungen der psychischen Erkrankung an-
hand der Indikatoren nicht medizinisch schlüssig und widerspruchsfrei fest-
gestellt werden, sodass die normativen Vorgaben der Indikatorenprüfung
nicht erfüllt sind.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Frage der Frühinvalidität
bzw. nach der Anwendbarkeit von Art. 26 Abs. 1 IVV bei der Invaliditätsbe-
messung aus dem Gutachten vom 13. April 2017 nicht ausreichend beant-
worten lässt. Des Weiteren erweist sich die Beurteilung des aktuellen Ge-
sundheitszustandes der Beschwerdeführerin nicht als schlüssig und wider-
spruchsfrei. Die Sache ist daher – wie von der Beschwerdeführerin repli-
cando beantragt (vgl. BVGer act. 12-3) – zur rechtsgenüglichen Sachver-
haltsabklärung bzw. zur erneuten Begutachtung in das Verwaltungsverfah-
ren zurückzuweisen. Die Rückweisung der Sache in Nachachtung des Un-
tersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) an die Vorinstanz zur wei-
teren Abklärung ist unter den gegebenen Umständen möglich, da sich die
Notwendigkeit weiterer Abklärungen unter anderem daraus ergibt, dass
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eine massgebliche Frage – jene der Frühinvalidität – völlig ungeklärt blie-
ben (BGE 137 V 210 E. 4.2). Im Rahmen der erneuten psychiatrischen
Begutachtung wird aufgrund der vorhandenen Akten sowie anhand der Be-
fragung der Beschwerdeführerin auch die Frage zu beantworten sein, ob
sie aus medizinischen Gründen keine zureichenden beruflichen Kennt-
nisse erwerben konnte (sogenannte Frühinvalidität im Sinne von Art. 26
Abs. 1 IVV). Des Weiteren wird die aktuelle Arbeits- und Leistungsfähigkeit
festzustellen zu sein. Es ist ein strukturiertes Beweisverfahren unter Be-
achtung der für die Indikatorenprüfung relevanten Informationen durchzu-
führen. Die Begutachtung hat durch einen nicht vorbefassten Psychiater in
der Schweiz zu erfolgen. Ob daneben noch Spezialisten anderer Fachdis-
ziplinen beigezogen werden müssen, hat der begutachtende Psychiater
nach pflichtgemässem Ermessen zu entscheiden. Auf der Grundlage des
neuen Gutachtens hat die Vorinstanz über den Rentenanspruch der Be-
schwerdeführerin erneut mittels einer Verfügung zu befinden.
Die Beschwerde vom 22. Januar 2018 wird insoweit gutgeheissen, als die
angefochtene Verfügung vom 1. Dezember 2017 aufgehoben und die Sa-
che zur weiteren Abklärung und anschliessenden Neuverfügung an die
Vorinstanz zurückgewiesen wird. Die Beschwerdeführerin hat somit ge-
mäss der vorinstanzlichen Verfügung vom 18. Mai 2016 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente als Übergangsleistung (act. 198-1 ff.).
6.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
6.1 Die Verfahrenskosten sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-
zuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zu ergänzenden Abklärungen gilt praxisgemäss als Obsiegen;
der Beschwerdeführerin sind deshalb keine Verfahrenskosten aufzuerle-
gen. Der Vorinstanz als unterliegende Partei werden keine Verfahrenskos-
ten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
6.2 Die obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat gemäss
Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 ff. des Reglements vom 21.
Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesver-
waltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der Vorinstanz. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist
die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2
VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen
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und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der
Schwierigkeit des vorliegenden Verfahrens erscheint - inklusive Auslagen
- eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 2'800.– angemessen.