Decision ID: d4e62c46-39a2-48ee-86fa-01f62a7d64e4
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Kläger,
gegen
Personalfürsorgestiftung der A._,
Beklagte,
Stiftung Auffangeinrichtung BVG, Geschäftsstelle, Birmensdorferstrasse 198,
8003 Zürich,
Beigeladene,
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betreffend
Invalidenrente
Sachverhalt:
A.
A.a R._, Jahrgang 1949, war von 1996 bis zum 31. Januar 2004 bei der A._ als
Werkzeugkonstrukteur beschäftigt. Die Arbeitsstelle wurde ihm aufgrund von
Restrukturierungen von der Arbeitgeberin gekündigt (IV-act. 16-1; 16-4). Ab 2. Februar
2004 bezog er Arbeitslosentaggelder. Am 20. August 2005 meldete er sich bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an. Er machte geltend, an Diabetes,
(hohem) Blutdruck, Leberzirrhose und Sehschwäche zu leiden und über zu wenig
Natrium zu verfügen. Die Behinderung bestehe seit Dezember 2003 (IV-act. 1). Ein von
der IV-Stelle bei Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin, in Auftrag
gegebenes Gutachten vom 19. Dezember 2005 nennt mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit die Diagnosen Diabetes mellitus Typ II, seit zwei Jahren diätetisch
eingestellt mit diabetischer Retinopathie und zunehmender Amblyopie und
zunehmendem Verlust der Stereopsis, ausgeprägte periphere Polyneuropathie und
autonome Neuropathie mit beeinträchtigenden sensomotorischen und sensorischen
Ausfallserscheinungen im Bereich der unteren Extremitäten und beider Hände,
Neuropathie, Status nach Malum perforans im Bereich der rechten Ferse mit
chronischem Ulkus sowie periphere arterielle Verschlusskrankheit Stadium IIb beidseits
bei Nikotinabusus. Beim Versicherten seien weder Tätigkeiten im angestammten Beruf
noch irgendwelche anderen Tätigkeiten, die durch die Wirtschaft angeboten werden
könnten, möglich (IV-act. 21). Auf Anfrage der IV-Stelle gab der Hausarzt med. pract.
C._ am 6. Februar 2006 an, der Versicherte sei seit dem 13. November 2003 zu
mindestens 20% arbeitsunfähig (IV-act. 27). Mit Verfügungen vom 4. April 2006 sprach
die IV-Stelle dem Versicherten vom 1. Juli 2005 bis 30. September 2005 bei einem
Invaliditätsgrad von 40% eine Viertelsrente und ab 1. Oktober 2005 bei einem
Invaliditätsgrad von 100% eine ganze Rente zu (IV-act. 36, 37).
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A.b Auf Anfrage der kantonalen Arbeitslosenkasse vom 24. März 2006 hielt die D._
als Beraterin der A._ im Schreiben vom 5. Mai 2006 fest, die Personalfürsorgestiftung
der A._ bezahle dem Versicherten keine Leistungen aus, weil er im Zeitpunkt seiner
Arbeitsunfähigkeit nicht mehr dort versichert gewesen sei. Seine einjährige Wartefrist
für die Invalidenrente habe erst am 1. Juli 2004 begonnen. In den letzten zwei Jahren
seiner Anstellung habe er keine Krankheits- oder Unfallabsenzen gehabt (act. G 5.2).
A.c Die Stiftung Auffangeinrichtung BVG bezog sich in einem Schreiben vom
15. September 2006 auf einen vom Versicherten am 31. Juli 2006 gestellten Antrag auf
Ausrichtung von Invalidenleistungen aus beruflicher Vorsorge. Den eingeholten IV-
Unterlagen sei zu entnehmen, dass der Versicherte seit dem 13. November 2003 20%
arbeitsunfähig gewesen sei. Die Hauptursachen der späteren Invalidität seien seit
September 2003 aktenkundig. Damit sei der sachliche und zeitliche Zusammenhang
zur Vorsorgeeinrichtung des letzten Arbeitgebers gegeben. Deshalb bestehe kein
Anspruch auf Leistungen gegenüber der Stiftung Auffangeinrichtung BVG (act. G 1.2).
A.d In Vertretung der letzten Arbeitgeberin führte die D._ gegenüber dem
Versicherten mit Schreiben vom 5. Juli 2007 aus, im Juli 2004 sei an seinen Augen eine
erste Laseroperation durchgeführt worden, die wegen eines Diabetes mellitus Typ II
notwendig geworden sei. Die Arbeitsunfähigkeit, die schliesslich am 1. Juli 2005 zur
Invalidität geführt habe, sei somit erst nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit
der letzten Arbeitgeberin aufgetreten. Während der Anstellungsdauer habe es keine
massgebliche Arbeitsunfähigkeit von 20% gegeben (act. G 5.3). Mit einem weiteren
Schreiben vom 19. Oktober 2007 wiederholte die D._ unter Hinweis auf eine
Stellungnahme der Rückversicherung Schweizerische Mobiliar vom 17. Oktober 2007,
die Personalfürsorgestiftung der A._ halte sich nicht für leistungspflichtig (act. G 1.3).
B.
B.a Der Versicherte erhob am 17. November 2006 Klage gegen die
Personalfürsorgestiftung der A._. Er beantragt sinngemäss die Verpflichtung der
Beklagten zur Ausrichtung einer Invalidenrente. Die Ursache seiner Invalidität habe
schon während seiner Anstellung bestanden. Damals habe er noch nicht geahnt, dass
die zunehmende Sehschwäche und das schlechte Heilen von Wunden an Füssen und
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Beinen zu einer Invalidität führen würden. Im November 2003 sei er zu 20%
arbeitsunfähig geschrieben worden. Trotzdem sei er täglich zur Arbeit gegangen, da er
nach wie vor habe arbeiten wollen. Dies sei möglich gewesen, weil er bei seiner
Tätigkeit als Formenkonstrukteur nicht habe stehen müssen. Mehr Mühe habe ihm die
Sehschwäche gemacht, die ihn in der Arbeit sicher behindert habe. Er sei aber der
Meinung gewesen, dies könne man mit entsprechenden Brillen korrigieren. Die sich
häufenden Arztbesuche habe er alle während seiner Gleitzeit wahrnehmen können,
weshalb er nie krankheitsbedingte Absenzen gehabt habe. Auch als er sich im
Dezember 2003 per Februar 2004 bei der Arbeitslosenkasse gemeldet habe, habe er
sich nach wie vor arbeitsfähig gefühlt. Von Frühling bis Herbst 2005 habe er in einem
Beschäftigungsprogramm der Arbeitslosenkasse arbeiten können, was ihm immer
wieder Aufwind gegeben habe. Trotzdem sei die IV-Anmeldung im Sommer 2005
unumgänglich gewesen (act. G 1).
B.b Die Beklagte beantragt in der Klageantwort vom 31. Januar 2008 die Abweisung
der Klage, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Aus den Akten gehe eindeutig
hervor, dass der Kläger mindestens in der Zeit vom 1. Januar 2002 bis 31. Januar 2004
keine krankheits- oder unfallbedingten Absenzen gehabt habe. Ihm sei nicht gekündigt
worden, weil seine Leistungen ungenügend gewesen seien, sondern vielmehr wegen
Restrukturierung des Betriebs. Bei der Arbeitslosenversicherung habe er sich ab
2. Januar 2004 als voll vermittlungsfähig angemeldet. Erst im Oktober 2004 sei
erstmals von einer Arbeitsunfähigkeit die Rede gewesen. Bis zu diesem Zeitpunkt sei
somit auch der Kläger davon ausgegangen, dass er in seiner Arbeitsfähigkeit nicht
eingeschränkt sei. Somit sei davon auszugehen, dass sich die von med. pract. C._
am 6. Februar 2006 attestierte Arbeitsunfähigkeit weder auf die Arbeit bei der letzten
Arbeitgeberin noch auf die Vermittelbarkeit bei der Arbeitslosenversicherung
ausgewirkt habe und die relevante Arbeitsunfähigkeit demzufolge nicht während der
Versicherungsdauer bei der Beklagten eingetreten sei. Die Ausführungen von Dr. B._
vom 19. Dezember 2005 und von med. pract. C._ vom 6. Februar 2006 könnten nicht
zur Ermittlung des Beginns der Arbeitsunfähigkeit herangezogen werden, weil es sich
dabei sowohl um rückwirkende als auch um spekulative Annahmen des Beginns der
Arbeitsunfähigkeit handle. In den Akten fänden sich keine echtzeitlichen Bestätigungen
über eine Arbeitsunfähigkeit ab dem 13. November 2003. Im Übrigen fehle es am
sachlichen Zusammenhang zwischen der relevanten Arbeitsunfähigkeit und der
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nachfolgenden Invalidität. Med. pract. C._ habe die attestierte Arbeitsunfähigkeit von
20% mit dem Beginn der erschwerten Wundheilung an der Ferse links begründet. Für
die invalidisierende Arbeitsunfähigkeit sei aber vor allem die Einschränkung der
Sehfähigkeit verantwortlich. Die auf die erschwerte Wundheilung allenfalls
zurückzuführende Arbeitsunfähigkeit habe sich in jedem Fall nicht invalidisierend
ausgewirkt. Sei die Invalidität auf eine andere Ursache als die erschwerte Wundheilung
zurückzuführen, sei aber die Beklagte mangels sachlichem Zusammenhang nicht
leistungspflichtig. Auch der zeitliche Zusammenhang sei nicht gegeben, zumal die in
der Arbeitswelt nach aussen in Erscheinung tretenden Verhältnisse den Schluss
zuliessen, dass der Kläger nach der Entlassung voll arbeitsfähig gewesen sei. Eine volle
Vermittelbarkeit während über eines Jahres nach dem Arbeitsende vermöge den
zeitlichen Zusammenhang zu unterbrechen (act. G 5).
B.c In der Replik vom 22. Februar 2008 hielt der Kläger sinngemäss an seinem Antrag
fest. Seine gesundheitlichen Störungen seien seinen Vorgesetzten bei der letzten
Arbeitgeberin bekannt gewesen. Sie hätten vom Diabetes, dem offenen Fuss, den
Sehschwierigkeiten und den Arztterminen gewusst. Als er sich bei der
Arbeitslosenkasse als voll vermittlungsfähig gemeldet habe, habe er nie im Leben
daran gedacht, dass er nicht mehr arbeiten könne. Im Beschäftigungsprogramm der
Arbeitslosenkasse habe man auf seine gesundheitlichen Probleme Rücksicht
genommen, indem ihm Arbeiten zugeteilt worden seien, bei denen seine Sehschwäche
nicht allzu stark zum Tragen gekommen sei. Die Invalidität sei eindeutig auf den
Diabetes zurückzuführen, und dieser habe bereits 2003 bestanden (act. G 7).
B.d Die Beklagte hält in der Duplik vom 25. März 2008 an ihrem Antrag fest. Nicht
entscheidend sei, ob die Beschwerden des Klägers der ehemaligen Arbeitgeberin
bekannt gewesen seien, sondern ob sich diese auf das Arbeitsverhältnis ausgewirkt
hätten. Dass dies nicht der Fall gewesen sei, bestätige der Kläger selber. Die Tatsache,
dass der Diabetes bereits im September 2003 bekannt gewesen sei, sei unerheblich,
da sich diese Diagnose nicht auf das Arbeitsverhältnis ausgewirkt habe (act. G 9).
B.e Das Gericht zog am 31. März 2008 bzw. 2. April 2008 die Akten der IV-Stelle und
der Arbeitslosenkasse bei (act. G 12). Auf Antrag wurden der Beklagten am 18. April
2008 die Akten der Arbeitslosenkasse zur Einsicht und allfälligen Stellungnahme
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zugesandt (act. G 15). Im Schreiben vom 30. April 2008 ergänzte die Beklagte, der
Kläger habe nicht nur im Mai 2004, sondern auch im August 2004 während zweier
Wochen einen Kurs besucht. Dabei handle es sich um einen PC-Grundkurs, den der
Kläger ohne krankheitsbedingte Ausfälle habe absolvieren können. Hätte er bereits zu
dieser Zeit an sich auf Computerarbeit auswirkenden Sehbeschwerden gelitten, hätte
dies im Zeitpunkt des Kursbesuchs zum Ausdruck kommen müssen. Zudem habe er
beim Einsatzprogramm in der Zeit vom 21. Februar 2005 bis zum 11. August 2005
keine krankheitsbedingten Ausfälle gehabt (act. G 16).
B.f Zu dieser Stellungnahme liess sich der Kläger am 24. Mai 2008 vernehmen.
Während der Computerkurse habe er feststellen müssen, dass ihn die immer stärkere
Sehbehinderung stark eingeschränkt habe. Schliesslich habe er den Kurs nicht
bestanden, da er durch die Sehschwierigkeiten viel zu lange zum Lesen der Fragen
gebraucht habe und so infolge Zeitmangels nicht alle Fragen habe beantworten können
(act. G 18).
C.
Mit Schreiben vom 14. Juli 2008 lud der zuständige Abteilungspräsident des Gerichts
die Stiftung Auffangeinrichtung BVG zum Verfahren bei und gewährte ihr die
Gelegenheit zur Stellungnahme (act. G 20). Von diesem Recht machte die Beigeladene
mit Schreiben vom 22. Juli 2008 Gebrauch und beantragte, die Beklagte habe die
anfallenden Versicherungsleistungen zu übernehmen. Die Hauptursachen der Invalidität
seien seit September 2003 aktenkundig gewesen. Seit dem 13. November 2003 sei der
Kläger mindestens 20% arbeitsunfähig gewesen. Kurz darauf sei er entlassen worden.
Bei der Arbeitslosenversicherung habe er sich, wie die meisten Personen in
vergleichbarer Lage, aus nachvollziehbaren Gründen 100% arbeitsfähig gemeldet. Der
sachliche und zeitliche Zusammenhang zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität sei
nach den IV-Akten zu urteilen im vorliegenden Fall offensichtlich gegeben. Damit sei
die Beklagte zur Ausrichtung der Invalidenleistungen zuständig (act. G 21).

Erwägungen:
1.
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Die vorliegende Streitigkeit fällt gemäss Art. 73 des Bundesgesetzes über die berufliche
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40) in Verbindung mit
Art. 15 Abs. 2 der st. gallischen Verordnung über die Aufsicht über
Vorsorgeeinrichtungen und Stiftungen (sGS 355.1, in Kraft bis Ende 2007; ab 1. Januar
2008 Art. 15 Abs. 2 der Verfahrensrechtlichen Bestimmungen betreffend die Aufsicht
über Vorsorgeeinrichtungen und Stiftungen [AVS; sGS 355.11]) in die sachliche
Zuständigkeit des kantonalen Versicherungsgerichts (BGE 122 V 323 Erw. 2b; 120 V 18
Erw. 1a, je mit Hinweisen). Für die Frage, ob die invalidisierende Arbeitsunfähigkeit des
Klägers während des Arbeitsverhältnisses mit der A._ mit Sitz in Degersheim
eingetreten ist, ist nach Art. 73 Abs. 3 BVG das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen auch örtlich zuständig, zumal die Beklagte ihren Sitz ebenfalls in Degersheim
hat. Auf die Klage ist somit einzutreten.
2.
2.1 Gemäss Art. 23 BVG, in Kraft gestanden bis 31. Dezember 2004, haben Anspruch
auf Invalidenleistungen Personen, die im Sinne der IV zu mindestens 50 Prozent invalid
sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat,
versichert waren. Nach dem am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Art. 23 lit. a BVG
besteht bereits bei einer Invalidität von mindestens 40 Prozent Anspruch auf
Invalidenleistungen. Nach der Rechtsprechung werden die Invalidenleistungen nach
BVG von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, der die ansprechende Person bei
Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen ist. Dieser Zeitpunkt fällt mit dem
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat. Die
Versicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein,
dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der
Verschlimmerung der Invalidität. Für eine einmal aus – während der
Versicherungsdauer aufgetretenen – Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung
bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach
Beendigung des Vorsorgeverhältnisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet
dann auch der Wegfall der Versicherteneigenschaft keinen Erlöschungsgrund (BGE 118
V 35 Erw. 5; BGE 123 V 262 Erw. 1a). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung
getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der
Arbeitsunfähigkeit invalid wird. Damit kommt der Schutz der zweiten Säule zum
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Tragen, wonach das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein muss, wenn es rechtlich
gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während der die leistungsbegehrende
Person unter Umständen dem Obligatorium nicht mehr unterstanden hat (BGE 118 V
35 Erw. 2a/bb; BGE 120 V 113 Erw. 2b).
2.2 Damit die frühere Vorsorgeeinrichtung leistungspflichtig bleibt, ist allerdings nicht
nur erforderlich, dass die Arbeitsunfähigkeit zu einer Zeit einsetzte, als die versicherte
Person ihr angeschlossen war, sondern auch, dass zwischen dieser Arbeitsunfähigkeit
und der Invalidität sowohl ein sachlicher als auch ein zeitlicher Zusammenhang
besteht. Der sachliche Zusammenhang ist gegeben, wenn der invalidisierende
Gesundheitsschaden der gleiche ist, wie er sich bereits während der Zugehörigkeit zur
früheren Vorsorgeeinrichtung manifestierte. Die zeitliche Konnexität setzt voraus, dass
zwischen der früheren Arbeitsunfähigkeit und der späteren Invalidität keine längere
Periode der Arbeitsfähigkeit liegt. Der zeitliche Zusammenhang ist unterbrochen, wenn
erst nach mehreren Jahren Arbeitsfähigkeit plötzlich ein gesundheitlicher Rückfall
eintritt, nicht aber, wenn eine Periode vorübergehender Arbeitsfähigkeit nur gerade
einige Monate betrug (BGE 120 V 112 Erw. 2b und c; 134 V 20, Erw. 3.2). Als
massgeblichen Zeitraum bezeichnet das Bundesgericht mit Blick auf Art. 88a Abs. 1
IVV drei Monate als Richtschnur (so etwa Urteil 9C_249/2007 vom 6. Dezember 2007,
Erw. 3.2.1).
2.3 Eine berufsvorsorgerechtlich relevante Einbusse an funktionellem
Leistungsvermögen muss nach der Rechtsprechung arbeitsrechtlich in Erscheinung
treten, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder
gar Ermahnung von Seiten des Arbeitgebers oder durch gehäufte, aus dem Rahmen
fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Eine erst nach Jahren rückwirkend
festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit, ohne dass der frühere
Arbeitgeber die Leistungseinbusse bemerkt hätte, genügt nicht. Die vertraglich
festgesetzte Pflicht zur Erbringung von Arbeit und die dafür vorgesehene Entlöhnung
sowie weitere im Rahmen des Arbeitsverhältnisses getroffene Vereinbarungen sind in
der Regel als den realen Gegebenheiten entsprechend zu werten. Nur beim Vorliegen
besonderer Umstände darf die Möglichkeit einer von der arbeitsrechtlich zu Tage
tretenden Situation in Wirklichkeit abweichenden Lage – etwa in dem Sinn, dass ein
Arbeitnehmer zwar zur Erbringung einer vollen Arbeitsleistung verpflichtet war und
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auch entsprechend entlöhnt wurde, tatsächlich aber doch keine volle Arbeitsleistung
hat erbringen können – in Betracht gezogen werden (Bundesgerichtsurteile 9C_182/07
vom 7. Dezember 2007, Erw. 4.1.3 mit Hinweisen; 9C_339/07 vom 5. März 2008,
Erw. 5.2). Derartige besondere Umstände sind mit äusserster Zurückhaltung
anzunehmen, da sonst die Gefahr bestünde, in Spekulationen zu verfallen mit der
Folge, dass der Versicherungsschutz des Arbeitnehmers vereitelt werden könnte,
indem dieser jeweils an die Vorsorgeeinrichtung des früheren Arbeitgebers verwiesen
würde. In diesem Zusammenhang gilt ebenfalls, dass die Leistungseinbusse auch und
vor allem dem Arbeitgeber aufgefallen sein muss (Urteil B 95/06 vom 4. Februar 2008,
Erw. 3.3).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall ist unbestritten, dass der Kläger in den letzten zwei Jahren
der Anstellung bei der A._ keine krankheits- oder unfallbedingten Absenzen hatte.
Die ehemalige Arbeitgeberin gab gegenüber der IV im Fragebogen vom 27. September
2005 an, das Arbeitsverhältnis mit dem Kläger sei wegen Restrukturierung aufgelöst
worden (IV-act. 16-1). Am 27. November 2003 hatte der Kläger unterschriftlich den
Empfang der gleichentags erstellten Kündigung per 31. Januar 2004 bestätigt. Der
Grund für die Kündigung liege einerseits in der Restrukturierung des Unternehmens
und dem damit verbundenen Personalabbau und andererseits in den gestiegenen
Anforderungen an die Stellen in den einzelnen Bereichen. Leider sei davon auch der
Arbeitsplatz des Klägers betroffen (IV-act. 16-4). Der Kläger macht in der Replik vom
22. Februar 2008 geltend, als Grund für die Kündigung sei die Restrukturierung des
Betriebs angegeben worden. Er habe ein sehr gutes Arbeitszeugnis erhalten (act. G 7).
Dies ist zutreffend. Das Zeugnis vom 31. Januar 2004 beschreibt den Kläger als
zuverlässigen und pflichtbewussten Mitarbeiter, der seine Aufgaben genau und
termingetreu erledigt habe und stets darauf bedacht gewesen sei, eine konstruktive
Lösung zu finden. Er sei jederzeit bereit gewesen, Mehrarbeit zu leisten. Mit seinen
Arbeitsleistungen sei man stets zufrieden gewesen. Das Arbeitsverhältnis müsse
aufgrund einer Reorganisation, von der leider auch der Arbeitsplatz des Klägers
betroffen sei, aufgelöst werden (IV-act. 3-3). Die Angaben der ehemaligen
Arbeitgeberin lassen also nicht darauf schliessen, dass die Leistungen des Klägers im
Zeitraum um die Diagnostizierung des Diabetes zu wünschen übrig gelassen hätten.
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Solches macht auch der Kläger nicht geltend. Weiter ist zu beachten, dass er auch
nach Erhalt der Kündigung Ende November 2003 keine krankheitsbedingten Absenzen
aufwies, sodass nicht etwa eine arbeitsrechtliche Sperrfrist zum Tragen kam und sich
das Datum der Beendigung des Arbeitsverhältnisses hinausgezögert hätte (vgl.
Art. 336c Abs. 1 lit. b des Obligationenrechts [OR; SR 220]).
3.2 Das Bundesgericht hielt wie erläutert explizit fest, dass besondere Umstände, die
auf eine von der arbeitsrechtlich zu Tage tretenden Situation abweichende Lage
schliessen lassen, nur mit äusserster Zurückhaltung anzunehmen sind. Solche
Umstände sind vorliegend nicht ersichtlich. Der Kläger macht geltend, er sei auch nach
November 2003 noch täglich zur Arbeit erschienen, weil er nach wie vor habe arbeiten
wollen. Dies sei möglich gewesen, weil er bei seiner Tätigkeit als Formenkonstrukteur
nicht habe stehen müssen (act. G 1). In seiner am 6. Februar 2006 rückwirkend
vorgenommenen Arbeitsfähigkeitsschätzung hatte med. pract. C._ den Beginn der
Arbeitsunfähigkeit auf den 13. November 2003 gelegt und angegeben, dies sei der
Beginn der erschwerten Wundheilung, initial an der Ferse links, gewesen (IV-act. 27).
Im Arztbericht vom 13. September 2005 hatte der Hausarzt für die Zeit der Anstellung
bei der ehemaligen Arbeitgeberin jedoch keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (IV-
act. 14-1). Es ist davon auszugehen, dass sich die ab November 2003 offenbar
bestehenden Beschwerden an der linken Ferse auf die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit bei der ehemaligen Arbeitgeberin nicht auswirkten, machte der
Kläger doch selbst geltend, er sei an jenem Arbeitsplatz nicht eingeschränkt gewesen,
weil er dort habe sitzen können. Nicht anzunehmen ist, dass er aufgrund seiner
eingeschränkten Sehfähigkeit bereits damals in seiner Leistungsfähigkeit relevant
eingeschränkt gewesen wäre, zumal Dr. B._ in seinem Gutachten vom 19. Dezember
2005 festgehalten hatte, die Sehstörungen seien seit dem Frühjahr 2004 (also nach
Beendigung des Arbeitsverhältnisses) zusehends aufgetreten (IV-act. 21-3). Dass der
Kläger gemäss seinen Angaben in der Replik bei Computerkursen, die er bei seiner
letzten Arbeitgeberin absolviert hatte, wegen seiner Augen immer ganz vorne sitzen
musste, lässt nicht auf eine relevante Einbusse in der Leistungsfähigkeit schliessen. Er
selbst hielt in der Replik fest, er nehme an, dass auch seine damaligen Vorgesetzten
nicht geahnt hätten, dass er einmal nicht mehr arbeiten könne (act. G 7). Insgesamt ist
davon auszugehen, dass während des Anstellungsverhältnisses bei der ehemaligen
Arbeitgeberin keine berufsvorsorgerechtlich relevante Einbusse an funktionellem
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Leistungsvermögen gegeben war. Somit ist die alte Vorsorgeeinrichtung nicht
leistungspflichtig.
3.3 Da während der Dauer des Anstellungsverhältnisses bei der ehemaligen
Arbeitgeberin in der angestammten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit bestanden hat,
erübrigt sich die Prüfung des sachlichen und zeitlichen Zusammenhangs. Am Rande ist
jedoch darauf hinzuweisen, dass aufgrund der langen Dauer der vollen
Vermittlungsfähigkeit bei der Arbeitslosenkasse der zeitliche Zusammenhang wohl
unterbrochen wäre. Darauf lässt auch die von Februar 2005 bis November 2005 mit
vollem Pensum ausgeführte Tätigkeit des Klägers im Rahmen eines Einsatzprogramms
bei der E._ schliessen; vom 21. Februar 2005 bis Mitte August 2005 hatte er dabei
gemäss den Akten der Arbeitslosenkasse keine krankheitsbedingten Absenzen.
4.
Die Leistungsverweigerung der Beklagten erscheint im übrigen auch unter dem Aspekt
der Bindungswirkung als gerechtfertigt. Die IV-Stelle hat der Beklagten die
Rentenverfügungen vom 4. April 2006 eröffnet (IV-act. 36, 37). Da die Verfügungen
unangefochten in Rechtskraft erwachsen sind, ist die Beklagte gemäss der
höchstrichterlichen Rechtsprechung grundsätzlich an die Feststellungen der IV-Stelle
gebunden, wenn diese sich nicht als offensichtlich unhaltbar erweisen (BGE 126 V 308
Erw. 1; 129 V 73 Erw. 4). Die IV-Stelle setzte den Beginn der einjährigen Wartefrist auf
Juli 2004 fest. Da in jenem Monat die erste Augenoperation des Klägers erfolgt war (IV-
act. 21-3, 3. Absatz), erscheint dieses Datum jedenfalls nicht als offensichtlich
unhaltbar. Die Beklagte durfte und musste grundsätzlich davon ausgehen, dass erst
seit Juli 2004 eine relevante Einbusse in der Arbeitsfähigkeit bestanden hat.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen. Die Beklagte
ist nicht leistungspflichtig, da eine leistungsrelevante Arbeitsunfähigkeit während des
mit ihr bestehenden Versicherungsverhältnisses nicht ausgewiesen ist.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).
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5.3 Die Beklagte beantragt in der Klageantwort Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Als Vorsorgeeinrichtung hat sie jedoch praxisgemäss von Vornherein keinen
diesbezüglichen Anspruch, soweit – wie vorliegend – die Prozessführung der
Gegenpartei nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen ist (BGE 112 V 356;
SZS 1995, 114; BGE 128 V 323; 126 V 143). Im Übrigen hat sie keinen Rechtsanwalt
beigezogen. Der Antrag auf Ausrichtung einer Parteientschädigung ist abzuweisen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG