Decision ID: c6314c30-3ae1-4b15-9ad1-29dde282622c
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 10. November 2010 erstmals zum Bezug von IV-Leistungen
an (IV-act. 1). Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 24./29. November 2010 (IV-
act. 13), der Versicherte leide an einem chronischen lumbo-spondylogenen
Schmerzsyndrom, an Durchblutungsstörungen im linken Arm durch TOS bei Halsrippe
links, an einer generalisierten Angststörung, an einer Anpassungsstörung (Angst und
Depression gemischt) und an funktionellen Herzbeschwerden bei
Sternocostalsyndrom. Gegenwärtig sei der Versicherte zu 100% arbeitsunfähig
(eingeschränkte Belastbarkeit der Wirbelsäule und des linken Arms sowie verminderte
psychische Belastbarkeit). Der Erfolg der geplanten Operation müsse abgewartet
werden. Die C._ AG teilte am 18. Januar 2011 mit (IV-act. 20), sie beschäftige den
Versicherten als Produktionsmitarbeiter. Der Jahreslohn 2009 habe sich auf Fr.
59‘796.-- belaufen. Am 10. Mai 2011 (IV-act. 24-1) teilte Dr. B._ mit, das
Nebeneinander von lumbalen Beschwerden, dem TOS und der psychiatrischen
Problematik habe dazu geführt, dass der Versicherte in einer Opferrolle verharrt habe.
Zunehmend stehe die psychiatrische Problematik im Vordergrund. D._ von der Klinik
E._ berichtete am 7. Oktober 2011 (IV-act. 38), der Versicherte leide an einer leichten
depressiven Episode mit somatischen Symptomen und an einer generalisierten
Angststörung. Ein Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung habe sich
nicht bestätigen lassen. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte nie zu mehr als
40% arbeitsunfähig gewesen. Am 18. Oktober 2011 erfolgte eine transaxilläre
Resektion der ersten Rippe links (IV-act. 43). Gemäss einem Sprechstundenbericht der
Klinik für Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 47) lag beim Versicherten ein
ausgeprägtes Schmerzsyndrom mit einer depressiven Komponente vor. Die
thoraxchirurgische Behandlung war erfolgreich abgeschlossen worden. Dr. med. F._
vom RAD untersuchte den Versicherten am 6. Februar 2012. Er berichtete (IV-act. 56),
er habe ein chronisches zervikales und lumbovertebrales spondylogenes
Schmerzsyndrom mit einer depressiven Komponente und einem St. n. transaxillärer
Resektion der ersten Rippe links bei TOC (folgenlos verheilt) diagnostiziert. Bei der
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Untersuchung hätten sich deutliche Inkonsistenzen gezeigt. Der Versicherte habe den
schmerzhaften Arm beim An- und Auskleiden problemlos einsetzen können. Die vom
Versicherten demonstrierten hochgradigen Bewegungseinschränkungen der
Wirbelsäule seien organisch nicht erklärbar gewesen. Sie seien Zeichen einer
Symptomausweitung. Er empfahl eine polydisziplinäre Begutachtung. Mit einer
Verfügung vom 4. Juni 2012 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche
Massnahmen (IV-act. 66). Das mit der polydisziplinären Abklärung betraute asim in
Basel führte in seinem Gutachten vom 13. August 2013 aus (IV-act. 82), die
Sachverständigen hätten folgende Diagnosen erhoben: Rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (bei
Anpassungsstörung und akzentuierter Persönlichkeit, DD: kombinierte
Persönlichkeitsstörung), anhaltende somatoforme Störung (DD: Verdacht auf
Schmerzausweitung und Schmerzverarbeitungsstörung), chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, chronisches zervikothorakales Schmerzsyndrom und – ohne Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit – chronische Spannungskopfschmerzen und Störungen durch
Tabak. Hinweise auf ein TOS hätten gefehlt; man habe auch keine venöse
Kompression im Bereich der ersten Rippe links mehr eruieren können. Der vom
Versicherten beschriebene blaue Arm sei nicht objektivierbar gewesen. Massgebend
für die Arbeitsfähigkeit sei die psychiatrische Untersuchung. Die für eine dissoziative
Störung notwendigen Kriterien hätten nicht vorgelegen. Der Versicherte habe in der
Adoleszenz mitansehen müssen, wie sein Kamerad durch eine Granate getötet worden
sei. Danach habe wohl eine schwere Anpassungsstörung mit einer nachhaltigen
Änderung der Persönlichkeit vorgelegen. Aber die aktuellen Symptome seien nicht
geeignet, eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
anzunehmen. Die Beschwerden seien vom Versicherten katastrophisiert beschrieben
worden, so dass eine Verdeutlichungstendenz angenommen werden könne. In einer
körperlich leichten Verweistätigkeit ohne Zwangshaltung und der Möglichkeit einer
wechselnden Körperhaltung sei der Versicherte aus somatischer Sicht zu 100%, aus
psychiatrischer Sicht zu 60% arbeitsfähig. Die IV-Stelle notierte am 3. September 2013,
sämtliche Foersterkriterien seien zu verneinen, so dass die psychischen
Einschränkungen als überwindbar zu gelten hätten. Es sei dem Versicherten zumutbar,
einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen (IV-act. 85-2). Mit einem Vorbescheid vom 6.
September 2013 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung seines
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Rentenbegehrens an (IV-act. 87). Der Versicherte reichte am 26. September 2013
diverse Röntgen-CDs ein (IV-act. 89). Mit einer Verfügung vom 24. Oktober 2013 wies
die IV-Stelle wie angekündigt das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 94). Sie
wies darauf hin, dass alle Einwände somatische Beschwerden beträfen. Diese
bewirkten aber keine Arbeitsunfähigkeit. Diese Abweisungsverfügung erwuchs
unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.b Am 10. Februar 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 99). Dabei gab er an, er sei laufend in somatischer und
psychotherapeutischer Behandlung. Gemäss einem Austrittsbericht der Klinik G._
vom 12. Januar 2015 (IV-act. 100) litt er an einer somatoformen Schmerzstörung mit
Anzeichen einer dissoziativen Komponente, an einer rezidivierenden depressiven
Störung, an einem zervikalen Schmerzsyndrom, an einem rezidivierenden
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom, an einer Obstipationsneigung bei
rezidivierenden Schmerzen am Colon ascendens rechts, an einer ISG-Dysfunktion
rechts und an einem Tinnitus. Im Austrittsbericht war weiter ausgeführt worden, der
Versicherte habe trotz einer Anpassung der Schmerzmedikation und trotz der
Physiotherapie keine dauerhafte Schmerzlinderung erfahren. Auch die
psychotherapeutische Behandlung (ausgehend von der Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung) habe keine Besserung bewirkt. Dr. med. H._
vom RAD hielt am 25. Februar 2015 fest (IV-act. 105-2), an der Arbeitsfähigkeit habe
sich nichts geändert. Mit einer Verfügung vom 7. Juli 2015 trat die IV-Stelle nicht auf
die Neuanmeldung ein, da keine anspruchserhebliche Sachverhaltsveränderung
glaubhaft gemacht worden sei (IV-act. 110).
A.c Am 19. Januar 2017 meldete sich der Versicherte zum dritten Mal zum Bezug von
IV-Leistungen an (IV-act. 115). Er legte wieder den Austrittsbericht der Klinik G._ vom
12. Januar 2015 bei (IV-act. 116). Die IV-Stelle wies ihn am 25. Januar 2017 darauf hin,
dass sie auf seine Neuanmeldung nur eintreten könne, wenn er eine
anspruchsrelevante Sachverhaltsveränderung glaubhaft mache (IV-act. 117). Das sei
angesichts der eingereichten Unterlagen noch nicht der Fall. Sie gab dem Versicherten
die Gelegenheit, bis 8. Februar 2017 entsprechende Unterlagen nachzureichen. D._
und Dr. med. I._ von der Klinik E._ teilten der IV-Stelle am 31. Januar 2017 mit (IV-
act. 119), der Versicherte stehe seit dem 6. September 2010 in regelmässiger
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ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung. Er leide an einer
andauernden Persönlichkeitsänderung. Aufgrund der schweren Regression sei eine
erneute psychiatrische Abklärung dringend indiziert. Am 2. Februar 2017 berichtete Dr.
B._ (IV-act. 120), im Vordergrund stehe ein chronisches lumbospondylogenes
Syndrom mit intermittierenden radikulären Reizzeichen und einer Fazettenproblematik.
Die Beschwerden seien an sich behandelbar, aber der psychische Zustand des
Versicherten verbiete interventionelle Massnahmen. Insgesamt sei trotz fehlender neuer
Diagnosen von einer Zustandsverschlechterung auszugehen. Dr. H._ vom RAD
notierte am 16. März 2017 (IV-act. 122), es gebe keine neuen medizinischen Fakten, die
nicht schon bei der Begutachtung berücksichtigt worden wären. Auf die Beurteilung
der psychologischen Psychotherapeutin an der Klinik G._ könne nicht abgestellt
werden. Mit einem Vorbescheid vom 17. März 2017 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit (IV-act. 125), dass sie beabsichtige, nicht auf die Neuanmeldung
einzutreten. Der Versicherte wandte am 25. April 2017 ein (IV-act. 128), Dr. I._ habe
2013 noch nicht die Diagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung gestellt.
Aktuell gehe er gestützt auf diese Diagnose von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit
aus. Aufgrund der damaligen Rechtsprechung sei bei einer rezidivierenden depressiven
Störung mittelgradiger Ausprägung und bei einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung von einer Arbeitsfähigkeit von 100% ausgegangen worden. Die
dahinter stehende Rechtsprechung des Bundesgerichts sei aber inzwischen geändert
worden. Es dürfe nicht mehr von einer grundsätzlichen Überwindbarkeit ausgegangen
werden. Stattdessen sei das Leistungsvermögen im Einzelfall abzuklären. Dr. H._
vom RAD notierte am 4. Mai 2017 (IV-act. 130-3), insgesamt seien keine neuen
medizinischen Erkenntnisse vorgetragen worden. Gemäss dem Gutachten des asim
liege weder eine posttraumatische Belastungsstörung noch eine
Persönlichkeitsveränderung vor. Das zur Diagnose einer Persönlichkeitsveränderung
geschilderte Zustandsbild habe bereits anlässlich der Begutachtung durch das asim
vorgelegen. Eine neue Diagnose mache noch keine Verschlechterung aus, wenn kein
grundsätzlicher Unterschied zum medizinischen Referenzpunkt dargelegt sei. Demnach
sei keine erhebliche Veränderung seit dem 24. Oktober 2013 glaubhaft gemacht. Mit
einer fälschlicherweise als Vorbescheid betitelten Verfügung vom 9. August 2017 trat
die IV-Stelle nicht auf die Neuanmeldung ein (IV-act. 131).
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A.d Der Versicherte erhob am 29. August 2017 Beschwerde gegen diese
Nichteintretensverfügung (IV-act. 135). Er führte aus, Dr. I._ sei im August 2013 von
einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit, der psychiatrische Sachverständige des asim von
einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen. Das sei damals mit einer
rezidivierenden depressiven Störung mittelgradiger Ausprägung und mit einer
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung begründet worden. Aufgrund der
damaligen Rechtsprechung sei die IV-Stelle von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Inzwischen habe sich der Gesundheitszustand
verschlechtert. Dr. I._ gehe jetzt von einer andauernden Persönlichkeitsänderung und
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus. Aufgrund der Aufgabe der früheren
höchstrichterlichen Rechtsprechung habe er nun einen Anspruch auf eine seinem
konkreten Fall gerecht werdende Abklärung seines Leistungsvermögens. Die IV-Stelle
widerrief ihre Verfügung vom 9. August 2017 am 13. September 2017 (IV-act. 139), weil
ihr damals ein Formfehler unterlaufen sei. Sie führte gleichzeitig aus, es seien weiterhin
keine neuen medizinischen Erkenntnisse bekannt gemacht worden, so dass nach wie
vor keine Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht sei. Mit einer
Verfügung vom gleichen Tag trat sie nicht auf die Neuanmeldung ein (IV-act. 140). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen schrieb die gegen die Verfügung vom 9.
August 2017 erhobene Beschwerde am 27. September 2017 als gegenstandslos ab (IV
2017/304; IV-act. 142).
B.
B.a Der Versicherte (im Folgenden der Beschwerdeführer) erhob am 29. September
2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 13. September 2017 (act. G 1). Der Antrag
und die Begründung entsprachen der ersten Beschwerde vom 29. August 2017. Der
Beschwerdeführer ersuchte darum, ihm für die Gerichtskosten die unentgeltliche
Prozessführung zu bewilligen.
B.b Die IV-Stelle (im Folgenden die Beschwerdegegnerin) beantragte am 17.
November 2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie
insbesondere aus, Dr. I._ habe bereits zum Zeitpunkt der Begutachtung eine andere
Diagnose, nämlich diejenige einer Belastungsstörung, gestellt. Der psychiatrische
Sachverständige des asim habe nachvollziehbar dargelegt, dass die Voraussetzungen
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einer Belastungsstörung nicht erfüllt seien und dass eine solche Störung nach zwei
Jahren in eine andauernde Persönlichkeitsveränderung nach Extrembelastung
umcodiert werden müsste. Dr. I._ habe also am 31. Januar 2017 ausschliesslich
dieser Umcodierung Rechnung getragen. Das könne nur eine andere medizinische
Beurteilung des unveränderten Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
gewesen sein, so dass keine Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft
gemacht worden sei. Die mit der Änderung der höchstrichterlichen Rechtsprechung
verbundene Aufgabe der Überwindbarkeitsvermutung ändere nichts daran, dass
medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und -limitierungen
nicht als invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigungen anerkannt werden könnten.
Diese Praxisänderung bilde per se keinen Grund, auf formell rechtskräftig entschiedene
Fälle zurückzukommen.
B.c Am 21. November 2017 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 5).
B.d Der Beschwerdeführer verzichtete am 15. Dezember 2017 auf eine Stellungnahme
zur Beschwerdeantwort (act. G 7).

Erwägungen
1.
1.1 In somatischer Hinsicht sind im Gutachten der asim folgende Diagnosen (mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) genannt worden: Chronisches lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (Diskopathie, leichtgradige Protrusionen ohne Neurokompression)
und chronisches zervikothorakales Schmerzsyndrom (vgl. IV-act. 82-25 f.). Die
Gutachter haben dazu angegeben, im aktuellen MRT der LWS von 2013 sei eine
Diskushernie in Höhe L5/S1 mit leichter Kompression der Nervenwurzel S1 links zu
sehen gewesen. Der Beschwerdeführer habe aus Angst vor Schmerzen einen Grossteil
der Untersuchungen und Provokationsmanöver verweigert. Das Ausmass der
angegebenen Schmerzen habe sich mit der bildgebenden Untersuchung nicht erklären
lassen. Auch die Kraftminderung im linken Bizeps und im linken Trizeps sowie beim
Handschluss links habe sich nicht nachvollziehen lassen. Aus neurologischer Sicht
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habe es keine Hinweise für ein zervikales oder lumbales radikuläres Ausfallsyndrom
gegeben. All das deute auf eine somatoforme Schmerzstörung hin. Die Gutachter der
asim sind also davon ausgegangen, dass sie den somatischen Zustand des
Beschwerdeführers (und die daraus resultierende Arbeitsfähigkeit) mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit haben erheben
können, auch wenn der Beschwerdeführer die klinische Untersuchung in weiten Teilen
nicht zugelassen habe. Sie haben einen Arbeitsfähigkeitsgrad adaptiert von 100%
angegeben. Mit der Neuanmeldung hat der Beschwerdeführer einen Bericht über eine
MRT-Untersuchung von 2016 eingereicht (vgl. IV-act. 120-2). Laut diesem Bericht ist
die Osteochondrose LWK 4/5 und LWK 5/SWK 1 gegenüber 2013 progredient
gewesen. Die Diskushernie LWK 5/SWK 1 mit der möglichen Affektion der Wurzel S1
links ist hingegen stationär geblieben. Die MRT-Untersuchung hat keine neu
aufgetretene Diskushernie gezeigt. Dr. B._ hat daraus zwar auf eine
Zustandsverschlechterung geschlossen (vgl. IV-act. 120-1), aber Dr. H._ vom RAD
hat zu Recht darauf hingewiesen, dass aus einer solchen möglichen Verschlechterung
nicht auf eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit adaptiert geschlossen werden könne (vgl.
IV-act. 122-2). Dazu hätte es insbesondere einer erheblichen Zunahme der Schmerzen
bedurft, was von Dr. B._ nicht angegeben worden ist. Auch Dr. B._ dürfte aufgrund
einer durch die Angst vor Schmerzen ausgelösten, weitgehenden
Mitwirkungsverweigerung des Beschwerdeführers nicht in der Lage gewesen sein, eine
umfassende und detaillierte klinische Untersuchung durchzuführen. Dasselbe gilt
sicherlich für die Ärzte der Klinik G._. Trotzdem erwecken die entsprechenden
Passagen im Austrittsbericht vom 12. Januar 2015 (vgl. IV-act. 116) den Eindruck, dass
die Therapeuten die Schmerzschilderungen des Beschwerdeführers als objektiv
gerechtfertigt akzeptiert hätten, dass also kein Versuch erfolgt sei, hinter der
somatoformen Schmerzstörung das rein somatisch bedingte Ausmass der Schmerzen
zu eruieren. Da gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV eine anspruchsrelevante Veränderung des
IV-Grades glaubhaft gemacht sein muss, genügt es offensichtlich nicht, eine
Verschlechterung des somatischen Zustandes glaubhaft zu machen, wenn sich daraus
nicht mit ausreichender Plausibilität eine erhebliche Reduktion der Arbeitsfähigkeit
adaptiert ableiten lässt. In Bezug auf den somatischen Zustand des Beschwerdeführers
ist die Beschwerdegegnerin also zu Recht davon ausgegangen, dass keine relevante
Veränderung glaubhaft gemacht sei.
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1.2 Das Ergebnis der Exploration durch den psychiatrischen Sachverständigen der
asim ist ausschlaggebend gewesen für die Annahme einer um 40% eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit. Der psychiatrische Sachverständige hat eine mittelgradige Episode bei
einer rezidivierenden Depression mit somatischem Syndrom bei einer akzentuierten
Persönlichkeit (DD: kombinierte Persönlichkeitsstörung) als Folge negativer Erlebnisse
in der Adoleszenz und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (DD: Verdacht
auf Schmerzausweitung und Schmerzverarbeitungsstörung) mit Anzeichen einer
dissoziativen Komponente bei psychosozialen Belastungen diagnostiziert (vgl. IV-act.
82-25). Er hat dazu ausgeführt, dass die Symptome nicht geeignet seien, um eine
posttraumatische Belastungsstörung (bzw. eine andauernde Persönlichkeitsänderung
nach Extrembelastung) in Betracht zu ziehen. Auffällig sei die katastrophisierende
Beschreibung der körperlichen Beschwerden gewesen, wobei aber von einer
Verdeutlichungstendenz auszugehen gewesen sei. Es habe eine kontextbezogene und
spontane Aufhellbarkeit bestanden, die auch während der Exploration habe beobachtet
werden können. Zwar sei eine Rückzugstendenz erkennbar gewesen, aber der
Beschwerdeführer habe angegeben, er lese die Zeitung, mache Rückengymnastik,
gehe spazieren, bekomme Besuch und sitze abends mit seiner Familien zusammen.
Die Psychologin der Klinik G._ ist demgegenüber davon ausgegangen, dass die
chronifizierte Schmerzsymptomatik auf der psychischen Ebene ganz wesentlich von
den traumatischen Folgeerscheinungen der sehr belastenden Kriegserlebnisse
beeinflusst sei (vgl. IV-act. 100-3). Der Verdacht auf eine posttraumatische
Belastungsstörung (PTSD) mit einerseits typischen wiederkehrenden Erinnerungen und
stark emotional geprägtem Wiedererleben und andererseits dissoziativem Erleben und
deutlichem Vermeidungsverhalten habe Anlass geboten, in der Therapie die möglichen
Zusammenhänge zwischen der Fokussierung auf die somatischen Beschwerden und
den andauernden Stresserfahrungen aufzuzeigen. Der Erfolg dieser Therapie ist
minimal gewesen. Die Psychologin hat zwar eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
angegeben, diese aber nur mit der Liste der psychiatrischen Diagnosen begründet.
Daraus lässt sich nicht ableiten, dass sich der Gesundheitszustand und damit die
Arbeitsunfähigkeit in einem relevanten Ausmass verändert hätten. Dementsprechend
ist die Beschwerdegegnerin auch auf das erste Revisionsgesuch, das mit diesem
Austrittsbericht „begründet“ war, nicht eingetreten (IV 110-1). D._ und Dr. med. I._
von der Klinik E._ haben später festgehalten, dass der bisherige Verlauf der
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therapeutischen Bemühungen unbefriedigend sei (IV-119-1). Der Beschwerdeführer
zeige eine äusserst starke Chronifizierungstendenz. In den vergangenen zwei Jahren
hätten schwere Selbstwahrnehmungsstörungen, eine Fixierung auf die
muskuloskelettalen Schmerzen und anhaltende Gefühle, den Schmerzen hilflos
ausgeliefert zu sein, eine starke Affektlabilität, eine erhöhte Reizbarkeit, eine
gravierende Beeinträchtigung der Alltagsaktivitäten und der Verlust der sozialen
Integration im Vordergrund gestanden. Deshalb müsse von einer andauernden
Persönlichkeitsveränderung ausgegangen werden. Die beiden Therapeuten der Klinik
E._ sind also offensichtlich von einer erheblichen Verschlechterung seit der vier Jahre
zurückliegenden Begutachtung durch die asim ausgegangen. Bei der Würdigung des
entsprechenden Berichts ist aber dem Umstand Rechnung zu tragen, dass beim
Beschwerdeführer anlässlich der Begutachtung durch die asim eine eindeutige
Aggravationstendenz festgestellt worden ist. Nichts spricht dagegen, dass diese
Tendenz auch gegenüber den Therapeuten aufrechterhalten oder sogar verstärkt
worden ist. Diese Aggravationstendenz muss sich natürlich nicht auf die somatische
Seite der Gesundheitsbeeinträchtigung beschränken, wenn eine versicherte Person
feststellt, dass ihre psychischen Beschwerdeschilderungen uneingeschränkt akzeptiert
und zur Grundlage der Therapie gemacht werden. Im Übrigen deckt sich der
katastrophisierende Grundton des Berichts der beiden Therapeuten nicht mit der
Aufforderung, dem Beschwerdeführer eine berufliche Eingliederung im Sinne eines
Belastbarkeitstrainings mit anschliessendem Arbeitstraining in einem geschützten
Rahmen zu gewähren. Wäre der Beschwerdeführer tatsächlich im geschilderten
Ausmass psychisch krank, wäre vorab ein erheblicher therapeutischer Fortschritt
notwendig, damit die vorgeschlagene Eingliederung auch nur eine bescheidene
Aussicht auf Erfolg hätte. Die beiden Therapeuten müssen also davon ausgegangen
sein, dass der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers grundsätzlich
eine Rückkehr in den Arbeitsprozess zulasse. Berücksichtigt man die
Aggravationstendenz und die notorisch pessimistische Einstellung der behandelnden
Ärzte in Bezug auf die Schwere der Erkrankung bzw. der aus dieser Erkrankung
resultierenden Arbeitsunfähigkeit, so muss davon ausgegangen werden, dass der RAD-
Arzt zu Recht kein ausreichend überzeugungskräftiges Indiz für eine psychische
Beeinträchtigung gesehen hat, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als 40% bewirken
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würde. Auch in Bezug auf die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit ist also
keine leistungserhebliche Veränderung glaubhaft gemacht.
2.
2.1 Bei der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Beschwerdegegnerin nicht von einer Arbeitsunfähigkeit von 40%, wie sie von den
Sachverständigen der asim ermittelt worden war, sondern von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Sie hat dies sinngemäss damit begründet, dass der
Beschwerdeführer auch nach der Auffassung der Sachverständigen der asim rein
körperlich in einer behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit nicht in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei und dass die sogenannten Foersterkriterien nicht
erfüllt seien, womit die psychischen Einschränkungen aus IV-rechtlicher Sicht als
überwindbar zu gelten hätten. Nach der zum Zeitpunkt des Erlasses der
Abweisungsverfügung (24. Oktober 2013) vorherrschenden Rechtsprechung des
Bundesgerichtes war nämlich davon auszugehen, dass mit einer Schmerzstörung in
der Regel keine lang andauernde, zu einer Invalidität führende Einschränkung
verbunden sei, weil die Schmerzen durch eine zumutbare Willensanstrengung
überwunden werden könnten (genauer: weil die versicherte Person mit einer
zumutbaren Willensanstrengung trotz der Schmerzen vollumfänglich einer
Erwerbstätigkeit nachgehen könne). Von einer Unzumutbarkeit der willentlichen
„Schmerzüberwindung“ sollte nur dann ausgegangen werden können, wenn die
sogenannten Foersterkriterien erfüllt waren (psychisch ausgewiesene Komorbidität von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer, chronische körperliche
Begleiterscheinungen bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne
Remission, ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens, primärer
Krankheitsgewinn und unbefriedigendes Behandlungsergebnis trotz konsequent
durchgeführter Behandlung; vgl. dazu Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, bearbeitet von
Ulrich Meyer und Marco Reichmuth, 3. A. 2014, S. 27 ff.). Die Beschwerdegegnerin
hatte bei der Abweisung im Jahr 2013 also offenbar angenommen, dass der
Beschwerdeführer die empfundenen Schmerzen willentlich überwinden könne, weil die
Foersterkriterien nicht erfüllt seien, um so die erhebliche Abweichung von der
Arbeitsunfähigkeitsschätzung der asim zu begründen. Inzwischen hat das
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Bundesgericht diese Rechtsprechung aber aufgegeben. In seinem Urteil BGE 141 V
281 ff. hat es festgehalten, an die Stelle der Überwindungsvermutung (nach dem
Regel/Ausnahme-Modell) trete ein strukturiertes Beweisverfahren anhand von
Standardindikatoren (vgl. E. 6). Nach der aktuellen Rechtsprechung hätte der
Beschwerdeführer also gute Aussichten darauf, dass bei der Ermittlung seines
zumutbaren Invalideneinkommens und damit bei der Berechnung seines
Invaliditätsgrades auf die von den Sachverständigen der asim ermittelte
Arbeitsunfähigkeit von 40% (oder sogar, wider Erwarten, auf eine höhere
Arbeitsunfähigkeit) abgestellt würde. Allerdings könnte dem grundsätzlich noch eine
andere höchstrichterliche Rechtsprechung im Weg stehen, laut welcher depressive
Störungen leichten oder mittleren Grades als Begleiterscheinungen oder Bestandteile
von Gesundheitsbeeinträchtigungen aus dem psychosomatischen Formenkreis als
überwindbar zu gelten hätten, weil sie bei einer lege artis durchgeführten
Psychotherapie im Allgemeinen rasch abklängen, wenn ihre Ursache verschwinde, und
weil es den betroffenen Personen durch die Aufbietung allen guten Willens zumutbar
sei, Arbeit in einem ausreichenden Ausmass zu verrichten (vgl. Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, bearbeitet von Ulrich Meyer und Marco Reichmuth, 3. A. 2014,
S. 35 f.). Die asim hatte nämlich nur eine mittelgradige depressive Störung
diagnostiziert. Aber auch diese höchstrichterliche Rechtsprechung ist inzwischen
geändert worden. In seinem Urteil vom 30. November 2017 (8C_841/2016) hat das
Bundesgericht sinngemäss ausgeführt, die Frage, ob bei einer Erkrankung aus dem
depressiven Formenkreis eine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere,
könne nicht allein anhand des Kriteriums der Behandelbarkeit beurteilt werden, denn
damit würden wesentliche medizinische Aspekte ausgeblendet (vgl. E. 4.4). Demnach
wäre es bei einer erneuten Beurteilung des Falles des Beschwerdeführers durchaus
möglich, dass die Kombination aus der rezidivierenden depressiven Störung, aus der
anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und aus den übrigen
Gesundheitsbeeinträchtigungen eine Arbeitsunfähigkeit von 40% (oder inzwischen,
wider Erwarten, sogar von mehr als 40%) zur Folge hat.
2.2 Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV wird eine nach der rechtskräftigen Verweigerung einer
Rente eingereichte neue Anmeldung zum Rentenbezug nur geprüft, wenn die
Voraussetzungen nach Art. 87 Abs. 2 IVV erfüllt sind. Auf ein Rentenrevisionsgesuch
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wird nur eingetreten, wenn darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der
Invalidität in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise geändert habe. Damit
wird es den IV-Stellen ermöglicht, repetitive Neuanmeldungen mit wenig
Abklärungsaufwand durch einen Nichteintretensentscheid zu erledigen. Der Art. 87
Abs. 2 IVV ist eine Ausführungsbestimmung zu Art. 17 Abs. 1 ATSG: Da der Zweck der
Rentenrevision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG ausschliesslich darin besteht, eine früher
formell rechtskräftig zugesprochene, laufende Invalidenrente einer nachträglichen
Sachverhaltsveränderung anzupassen, zwingt eine korrekte systematische
Interpretation des Art. 87 Abs. 2 IVV dazu, nur auf jene Neuanmeldungen einzutreten,
die auf einer glaubhaft gemachten seitherigen Veränderung des Sachverhalts beruhen.
Der Wortlaut des Art. 87 Abs. 2 IVV deckt zwar auch eine leistungserhebliche
Veränderung des Invaliditätsgrades, die ausschliesslich auf eine seitherige
Rechtsänderung zurückzuführen ist, ab. Die Systematik und der Sinn und Zweck des
Art. 87 Abs. 2 IVV lassen aber keine Ausdehnung zu. Das muss notwendigerweise auch
für den Art. 87 Abs. 3 IVV gelten. Dieser regelt also nur das Eintreten auf
Neuanmeldungen nach einer vorausgegangenen Sachverhaltsveränderung. Er erstreckt
sich nicht auf Neuanmeldungen nach einer vorausgegangenen Rechtsänderung. Diese
müssen also keine Glaubhaftmachungshürde überwinden, damit auf sie eingetreten
werden kann. Die Begutachtung durch das asim im Jahr 2013 hat einen
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 40% ergeben. Dieser Arbeitsunfähigkeitsgrad hat damals
nur deshalb nicht zu einem Rentenanspruch geführt, weil die sogenannte Päusbonog-
Praxis bzw. die Depressionspraxis die Beschwerdegegnerin dazu gezwungen hat zu
fingieren, dass der Beschwerdeführer mit einer zumutbaren Willensanstrengung trotz
der Symptome u.a. der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und der
rezidivierenden mittelgradigen Depression in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu
100% arbeitsfähig sei. Mit den beiden oben dargestellten Praxisänderungen hat das
Bundesgericht nach der rechtskräftigen Gesuchsabweisung vom 24. Oktober 2013
eingeräumt, dass für diese Fiktion gar nie eine ausreichende gesetzliche Grundlage
bestanden hat. Da die Neuanmeldung vom 19. Januar 2017 nach einer Praxisänderung
erfolgt ist, hätte die Beschwerdegegnerin nach dem oben Ausgeführten
voraussetzungslos auf sie eintreten müssen.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
Zusammenfassend erweist sich die angefochtene Nichteintretensverfügung vom 13.
September 2017 als gesetzwidrig. Sie ist deshalb aufzuheben und durch den
verfahrensleitenden Entscheid zu ersetzen, dass auf die Neuanmeldung vom 19.
Januar 2017 eingetreten wird. Die Sache wird zur Durchführung des
Verwaltungsverfahrens zur Prüfung eines Rentenanspruchs des Beschwerdeführers an
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen. Bei diesem Verfahrensausgang trägt die
Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 600.-- (Art. 69 Abs. 1bis IVG).