Decision ID: 02e30072-56fb-5c75-abe8-077a794ab94b
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte erstmals am 19. August 2004 unter iraki-
scher Identität in der Schweiz um Asyl. Mit Verfügung vom 20. September
2004 trat das damalige Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute: SEM) ge-
stützt auf Art. 32 Abs. 2 Bst. b aAsylG (SR 142.31) auf das Asylgesuch
nicht ein. Eine gegen diese Verfügung am 22. September 2004 einge-
reichte Beschwerde wurde von der damaligen Schweizerischen Asylre-
kurskommission (ARK) mit Urteil vom 29. September 2004 abgewiesen.
Zur Begründung führte sowohl das BFF als auch die ARK die vorge-
täuschte irakische Staatsangehörigkeit des Beschwerdeführers an.
B.
Mit Eingabe vom 15. August 2011 reichte der Beschwerdeführer, nunmehr
als syrischer Staatsangehöriger, ein Wiedererwägungsgesuch beim dama-
ligen Bundesamt für Migration (BFM; heute SEM) ein, welches mit Verfü-
gung vom 12. September 2011 eine vorläufige Aufnahme wegen Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs anordnete.
C.
Am 12. Dezember 2017 hob das SEM die vorläufige Aufnahme gestützt auf
Art. 84 Abs. 3 i.V.m. Art. 83 Abs. 7 Bst. a AuG (heute: AIG; SR 142.20) auf
und ordnete den Wegweisungsvollzug an. Zur Begründung führte es das
rechtskräftige Urteil des Obergerichts des Kantons B._ vom (...)
Mai 2016 an, wonach der Beschwerdeführer wegen Vergewaltigung, sexu-
eller Nötigung und mehrfacher Tätlichkeiten zu einer Freiheitsstrafe von 41
Monaten sowie zu einer Busse von Fr. 500.– verurteilt wurde. Auf eine ge-
gen diese Verfügung am 11. Januar 2018 erhobene Beschwerde trat das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil E-278/2018 vom 28. Februar 2018
mangels Leistung des geforderten Kostenvorschusses nicht ein.
D.
Am 8. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer in Haft ein zweites Asyl-
gesuch ein. Am 28. Januar 2019 wurde er einlässlich zu seinen Asylgrün-
den angehört.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, seit zirka 1991 Sympathi-
sant der verbotenen kommunistischen Partei zu sein, welche gegen die
regierende Baath-Partei und den damaligen Präsidenten eingestellt gewe-
sen sei. Im November 1996 habe er zusammen mit einem Kollegen gegen
Bezahlung in Gebieten ohne Polizeipräsenz frühmorgens Werbeplakate
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der Partei gegen den damaligen Präsidenten Hafiz Al-Assad geklebt. Am
dritten Tag seien sie im Stadtzentrum gewesen, wobei ein Polizist seinen
Kollegen erwischt und geschlagen habe. Er, der Beschwerdeführer, sei
weggerannt und habe, obwohl er verfolgt worden sei, entkommen können.
Anschliessend habe er sich während etwa einer Woche bei Verwandten in
C._ aufgehalten und sei im November 1996 illegal über die Türkei
und weitere Länder nach Deutschland gereist. Er habe dort eine Duldung
erhalten. Im August 2004 habe er illegal die Schweizer Grenze überquert.
Via einen in Deutschland lebenden Bruder habe er erfahren, dass der sy-
rische Geheimdienst seine Angehörigen besucht und die Wohnung durch-
sucht habe, weil sein verhafteter Kollege ihn verraten habe. Anfänglich sei
dies alle zwei bis drei Tage vorgefallen. Ein anderer, mittlerweile ebenfalls
in der Schweiz lebender Bruder habe damals eine (...) in Syrien geführt.
Bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs seien auch bei ihm häufig Sicherheits-
leute vorbeigekommen und hätten sich nach ihm, dem Beschwerdeführer,
erkundigt. Bei einer Rückkehr würden ihm Haft und Folter drohen. Verwie-
sen wurde sodann auf die Bürgerkriegssituation in Syrien.
Zur Untermauerung seiner Identität reichte er eine Kopie seines im Jahre
2012 abgelaufenen syrischen Passes zu den Akten.
E.
Mit Verfügung vom 29. März 2019 (Datum auf Rückschein fehlt) verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte des-
sen Asylgesuch ab und ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz und
dessen Vollzug an.
F.
Gegen diese Verfügung erhob der Beschwerdeführer, handelnd durch sei-
nen mandatierten Rechtsvertreter, am 18. April 2019 Beschwerde beim
Bundesverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung
sei vollumfänglich aufzuheben und ihm sei unter Anerkennung seiner
Flüchtlingseigenschaft die vorläufige Aufnahme in der Schweiz zu gewäh-
ren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzu-
stellen und die Vorinstanz zu verpflichten, die vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen.
In formeller Hinsicht ersuchte er um Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses, um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um
Beiordnung seines mandatierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechts-
beistand.
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Seite 4
G.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Mai 2019 wies die Instruktionsrichterin die
Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Beiordnung eines amtlichen
Rechtsbeistands mit Verweis auf die Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab
und erhob einen Kostenvorschuss von Fr. 750. –.
H.
Der Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 29. Mai 2019 geleistet.
I.
Mit Eingabe vom 31. Mai 2019 ergänzte der Beschwerdeführer seine Be-
schwerde. Zusätzlich reichte er als Beilagen die Anfrage des SEM vom
18. September 2018 und das Antwortschreiben des syrischen Konsulats
vom 26. November 2018 betreffend seine Identität, ein Schreiben von Am-
nesty International vom 20. September 2018, ein Schreiben von ACCORD
(Austrian Centre for Country of Origin and Asylum Research and Docu-
mentation) vom 24. August 2018, eine Auskunft der SFH (Schweizerische
Flüchtlingshilfe) Länderanalyse vom 21. März 2017, diverse internationale
Zeitungsberichte sowie einen Bericht über das «Verschwinden» syrischer
Rückkehrer des Informationsverbunds Asyl & Migration ein.
J.
Bis zum 17. September 2018 befand sich der Beschwerdeführer aufgrund
des vorgenannten Urteils des Obergerichts des Kantons B._ in
Haft; am 17. September 2018 wurde er in Ausschaffungshaft versetzt, um
am 10. Dezember 2018 zufolge einer zu vollziehenden Freiheitsstrafe von
120 Tagen wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte wie-
derum in den Strafvollzug versetzt zu werden. Nach seiner Entlassung am
15. Januar 2019 wurde er erneut in Ausschaffungshaft genommen, aus
welcher er am 7. Juni 2019 entlassen wurde. Am 14. Mai 2020 wurde er
abermals in Untersuchungshaft genommen. Seit dem 5. November 2020
befindet er sich nicht mehr im Strafvollzug.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
1.4 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.5 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und Integrati-
onsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Gesetzesar-
tikel (insbesondere Art. 83) sind unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
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Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 mit Verweisen).
5.
5.1 Das SEM führte in seiner Verfügung vom 29. März 2019 aus, dass der
Beschwerdeführer seine Asylgründe nicht habe glaubhaft machen können.
So habe er in seinen früheren Gesuchen in den Jahren 2004 und 2011 nie
angegeben, in seinem Heimatstaat aus politischen Gründen verfolgt wor-
den zu sein. Als Erklärung hierfür habe er an der Anhörung vorgebracht, im
Jahre 2004 keine Beweismittel gehabt zu haben. Er habe sich davor ge-
fürchtet, dass ihm nicht geglaubt werde und dass er nach Syrien geschickt
werde. Aus diesem Grund habe er sich damals als Halb-Iraker ausgege-
ben. Im Rahmen seines Wiedererwägungsgesuchs im Jahre 2011 habe er
zudem bloss die allgemeine Lage in Syrien vorgebracht, da sein damaliger
Anwalt ihm zu diesem Vorgehen geraten habe. Diese Erklärungsversuche
seien aber nicht überzeugend. Ausserdem habe sein in der Schweiz leben-
der Bruder (N [...]) in dessen Verfahren nie erwähnt, dass nach ihm, dem
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Beschwerdeführer, gesucht werde. Insgesamt seien die Vorbringen als
nachgeschoben und mithin als unglaubhaft zu beurteilen. Des Weiteren sei
der allgemeine Verweis auf die Lage in Syrien mangels Gezieltheit nicht
asylrelevant.
5.2 In der Beschwerde hielt der Beschwerdeführer dem entgegen, dass er
bereits in Deutschland unter seiner wahren Identität erfolglos ein Asylver-
fahren durchlaufen habe und daher in der Schweiz aus Angst, nach Syrien
zurückgeschickt zu werden, unter falscher Identität ein Asylgesuch gestellt
habe und daher auch seine wahren Asylgründe nicht habe nennen können.
Im Rahmen des Wiedererwägungsgesuchs habe er zudem keine Möglich-
keit gehabt, seine Asylgründe vorzubringen, beziehungsweise habe er
nicht gewusst, dass er diese nochmals geltend machen dürfe. Ausserdem
habe ihm sein ehemaliger Rechtsvertreter zu diesem Vorgehen geraten.
Es sei ihm hauptsächlich um die Legalisierung seines Aufenthaltes in der
Schweiz gegangen, weswegen er sich mit dem vorgeschlagenen Vorgehen
seines Rechtsvertreters einverstanden erklärt habe. In Bezug auf seinen
Bruder sei festzuhalten, dass dieser keine weiteren Angaben über ihn ge-
macht habe, weil sie sich voneinander entfremdet hätten und sein Bruder
wegen seiner Straffälligkeit nicht mehr mit ihm in Verbindung gebracht
habe werden wollen. Ausserdem liege die polizeiliche Suche nach ihm
schon länger zurück, weswegen sich sein Bruder nicht veranlasst gesehen
habe, darüber zu berichten. Aufgrund dessen könne aber nicht der Schluss
gezogen werden, dass seine Vorbringen nachgeschoben und unglaubhaft
seien. Im Unterschied zum strikten Beweis sei bei der Glaubhaftmachung
ein gewisser Raum für Einwände und Zweifel an den Vorbringen möglich.
Die Vorinstanz müsse seine Fluchtgründe insbesondere sowohl bei der Be-
urteilung der Flüchtlingseigenschaft als auch bei der Zulässigkeit des Weg-
weisungsvollzugs berücksichtigen.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach der Prüfung der Akten
zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwerdeführers
mit zutreffender Begründung abgelehnt hat. Die Entgegnungen in der Be-
schwerdeeingabe und der Beschwerdeergänzung vermögen zu keiner an-
deren Betrachtungsweise zu führen. Zur Vermeidung von Wiederholungen
kann vorab vollumfänglich auf die entsprechenden Erwägungen in der an-
gefochtenen Verfügung verwiesen werden (S. 4 f.).
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Seite 8
6.2 Insbesondere ist die vorinstanzliche Einschätzung zu bestätigen, dass
die neu vorgebrachten Vorbringen nachgeschoben sind. Eine plausible Er-
klärung, wieso der Beschwerdeführer in den vorherigen beiden Verfahren
seine Fluchtgründe nicht hätte vorbringen können, ist entgegen den Aus-
führungen in der Beschwerde nicht ersichtlich. Insbesondere die Erklärung,
er habe sich beim ersten Asylverfahren unter falscher Identität ausgegeben
und habe daher seine wahren Fluchtgründe nicht ausführen können, las-
sen an der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen stark zweifeln. Auch dass es
ihm im Rahmen des Wiedererwägungsgesuchs bloss um die Legalisierung
seines Aufenthaltsstatus in der Schweiz gegangen sei und er aus diesem
Grund seine Fluchtgründe unerwähnt gelassen habe, überzeugt nicht.
6.3 Aufgrund der langjährigen Landesabwesenheit des Beschwerdefüh-
rers ist zwar damit zu rechnen, dass er bei einer Wiedereinreise nach Sy-
rien einer Befragung durch die heimatlichen Behörden unterzogen wird. Da
in seinem Fall aber, wie oben erwähnt, nicht von einer Vorverfolgung aus-
gegangen und somit ausgeschlossen werden kann, dass er vor dem Ver-
lassen Syriens als regimefeindliche Person ins Blickfeld der syrischen Be-
hörden geraten ist, ist insgesamt nicht davon auszugehen, dass er als
staatsgefährdend eingestuft wird und bei einer Rückkehr asylrelevante
Massnahmen zu befürchten hat (vgl. auch das Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts [BVGer] E-3152/2018 vom 22. Juni 2018 E. 6.3).
6.4 Nach dem Gesagten kann festgestellt werden, dass der Beschwerde-
führer keine Fluchtgründe hat glaubhaft machen können. Die Vorinstanz
hat deshalb zu Recht seine Flüchtlingseigenschaft verneint und sein Asyl-
gesuch abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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Seite 9
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar, nicht zulässig oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Massgeblich für die Beurteilung der Frage der
Durchführbarkeit des Wegweisungsvollzugs ist die Situation im Zeitpunkt
des Asyl- respektive des Beschwerdeentscheids.
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf grundsätzlich keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise
in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5
Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
8.2.1 Vorliegend hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass dem Be-
schwerdeführer keine Flüchtlingseigenschaft zukommt. Das flüchtlings-
rechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 AsylG ist
daher nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich nach
den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen
(Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984
gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende
Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
8.2.2 Das SEM erachtete den Vollzug der Wegweisung nach Syrien in der
angefochtenen Verfügung, unter Verweis auf die Stellungnahme der Fe-
derführung (FF) Syrien vom 6. Oktober 2017 und deren ergänzender Stel-
lungnahme vom 25. Februar 2019, als zulässig. Sowohl zum Zeitpunkt des
letzten Verfahrens betreffend Aufhebung der vorläufigen Aufnahme als
auch zum heutigen Zeitpunkt bestehe weder aufgrund individueller Fakto-
ren noch aufgrund der Situation in Aleppo, dem Herkunftsort des Be-
schwerdeführers, das Risiko einer unmenschlichen Behandlung gemäss
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Seite 10
Art. 3 EMRK. Seit der Wiedereinnahme Aleppos durch die syrischen Trup-
pen im Dezember 2016 sei die Situation in Aleppo zwar nach wie vor an-
gespannt und es komme weiterhin zu vereinzelten Kampfhandlungen und
Angriffen. Dennoch sei nicht von einer extremen Gewaltsituation im Sinne
der EGMR-Rechtsprechung zu Mogadischu (Urteil Sufi und Elmi gegen
das Vereinigte Königreich vom 28. Juni 2011, 8319/07, 11449/07) auszu-
gehen. So hätten die seit der Rückeroberung Aleppos vereinzelten und
punktuellen Sicherheitsvorfälle nicht zu einer hohen Anzahl getöteter oder
verletzter Zivilisten geführt. Aleppo befinde sich ausserdem im Wiederauf-
bau, auch wenn dieser schleppend vorangehe und von Korruption betrof-
fen sei. Des Weiteren stamme der Beschwerdeführer aus dem Viertel
D._, welches sich spätestens seit Januar 2015 unter der Kontrolle
der syrischen Armee befinde. Die Zerstörungen in jenem Viertel würden als
moderat eingeschätzt. Die Situation habe sich in Aleppo seit der letzten
Stellungnahme der FF Syrien vom 6. Oktober 2017 insbesondere auch
nicht verschlechtert. Ferner sei die Reise nach Aleppo, unter Berücksichti-
gung der sich ständig verändernden Reisemodalitäten, nicht per se un-
durchführbar. Der Wegweisungsvollzug sei demnach als zulässig einzustu-
fen.
8.2.3 Der Beschwerdeführer bringt hiergegen vor, ein Wegweisungsvollzug
nach Syrien sei unzulässig. Dafür sprächen die Ausführungen des EGMR
in seinem Urteil L.M. und andere gegen Russland. Das Bundeverwaltungs-
gericht, welches sich mit der Rechtsprechung des EGMR auseinanderge-
setzt habe, habe zwar im Urteil E-3152/2018 den Wegweisungsvollzug als
zulässig erachtet, im Urteil D-1105/2017 aber festgehalten, dass die Aus-
führungen zur Zulässigkeit lediglich für Damaskus gelten würden und nicht
für andere Gebiete Syriens. Ausserdem hätten diesen Entscheiden andere
individuelle Profile zugrunde gelegen. Sein Profil hingegen, als ethnischer
Araber sunnitischen Glaubens, der sich politisch gegen das syrische Re-
gime engagiert habe, sei anders zu beurteilen. Ausserdem verfüge er auf-
grund seiner langjährigen Landesabwesenheit über keine Verwandten
mehr im Heimatstaat. Bei einer Rückkehr sei damit zu rechnen, dass er
bereits am internationalen Flughafen von Damaskus verhaftet werde und
einer menschenrechtswidrigen Behandlung unterworfen werde, insbeson-
dere, weil auch ein willkürliches Vorgehen der Grenzbeamten zu befürch-
ten sei. Die illegale Ausreise aus Syrien sei weiterhin unter Strafe gestellt,
weswegen er sich bei der Rückkehr verschärften Kontrollen unterziehen
müsste. Selbst Personen mit einem niederschwelligen Profil seien ausser-
dem von solchen Kontrollen betroffen. In Anbetracht des brutalen und rück-
sichtslosen Vorgehens des syrischen Regimes könne eine unmenschliche
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Seite 11
Behandlung, Folter und gar das Verschwindenlassen nicht ausgeschlos-
sen werden, weswegen der Wegweisungsvollzug nach Syrien nicht zuläs-
sig sei. Wie von der Vorinstanz festgestellt, herrsche in Aleppo zwar keine
extreme Gewalt im Sinne der Rechtsprechung, aber Kriminalität und Ge-
walt durch Milizen sei weit verbreitet. So gehe auch das UNHCR davon
aus, dass in Syrien noch keine Bedingungen herrschen würden, die eine
Rückkehr von Flüchtlingen in Sicherheit und Würde ermöglichen würden.
Schliesslich sei der Reiseweg nach Aleppo aufgrund weiterhin anhaltender
Kämpfe unsicher und nicht zugänglich.
8.2.4 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz in ihrer angefochtenen Verfügung den Vollzug
der Wegweisung des Beschwerdeführers zu Recht als zulässig im Sinne
von Art. 3 EMRK beurteilt hat.
8.2.4.1 Der EGMR hat sich bereits mit der Zulässigkeit einer Rückführung
von Asylsuchenden nach Syrien auseinandergesetzt (vgl. EGMR, L.M. und
andere gegen Russland, a.a.O. sowie S.K. gegen Russland vom 17. Feb-
ruar 2017, 52722/15). Beiden Urteilsbegründungen kann nicht die Aussage
entnommen werden, der Gerichtshof erachte den Wegweisungsvollzug
nach Syrien in jedem Fall und in allgemeiner Weise als Verletzung von
Art. 2 und/oder Art. 3 EMRK. Es ist nicht von einer Situation «extremer all-
gemeiner und verbreiteter Gewalt» für das gesamte Territorium Syriens
auszugehen, die als dermassen intensiv einzustufen wäre, dass für jede in
diesem Land wohnhafte Person eine ernsthafte Gefahr unmenschlicher
Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK grundsätzlich als gegeben zu er-
achten ist (vgl. Urteil des BVGer E-6772/2016 vom 31. August 2018 E. 8.4
m.w.H). Vorliegend hat die Vorinstanz gestützt auf die genannte Rechtspre-
chung zur Zulässigkeit des Wegweisungsvollzugs eine einzelfallgerechte
Prüfung vorgenommen, indem sie dem individuellen Risikoprofil und der
Situation am Herkunftsort des Beschwerdeführers Rechnung getragen hat.
8.2.4.2 Wie bereits festgestellt, hat der Beschwerdeführer keine politische
Tätigkeit glaubhaft machen können, die ihn in den Fokus der syrischen Be-
hörden rücken könnte. Inwiefern ihm bei einer Rückkehr aufgrund perso-
nenbezogener Risikofaktoren ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
EMRK drohen könnten, ist mithin nicht ersichtlich.
8.2.4.3 Zur aktuellen Situation am Herkunftsort des Beschwerdeführers ist
festzuhalten, dass Aleppo seit dem 22. Dezember 2016 wieder vollständig
unter der Kontrolle der syrischen Regierung ist. Seither kann die Situation
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Seite 12
als relativ stabil und von grösseren Kriegshandlungen weitgehend ver-
schont bezeichnet werden. Von einer Situation «extremer allgemeiner und
verbreiteter Gewalt» in Sinne der obgenannten EGMR-Rechtsprechung
kann zum heutigen Zeitpunkt in Bezug auf die Stadt Aleppo daher nicht
gesprochen werden.
8.2.4.4 Zwar wird der Beschwerdeführer bei einer Wiedereinreise nach Sy-
rien aufgrund der Asylgesuchstellung und längeren Landesabwesenheit
eine Kontrolle durch die syrischen Behörden zu durchlaufen haben (vgl.
Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober 2015 E. 6.3 f. [als Refe-
renzurteil publiziert]). Umso mehr ist damit im Falle einer Zwangsrückfüh-
rung zu rechnen. Dies gilt im Speziellen für die Einreise via Flughafen, da
dort die Gelegenheit der Behörden die Einreisenden zu kontrollieren, be-
sonders günstig ist (vgl. Urteil des BVGer D-1105/2017 vom 31. Mai 2017
E. 10.3). Beim Beschwerdeführer liegen aber, wie erwähnt, keine Anhalts-
punkte vor, die ihn als staatsgefährdend erscheinen lassen würden so dass
nicht davon auszugehen, dass er bei einer solchen Befragung durch die
syrischen Behörden Massnahmen im Sinne von Art. 3 EMRK zu befürchten
hat (vgl. auch Urteil E-3152/2018 vom 22. Juni 2018 E. 10.4).
8.2.5 Nach dem Gesagten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zum
Schluss, dass der Vollzug der Wegweisung vorliegend sowohl im Sinne der
asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig zu qualifi-
zieren ist. Weder die allgemeine Situation in Aleppo noch die individuellen
Vorbringen des Beschwerdeführers weisen stichhaltige Anhaltspunkte auf,
dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Syrien mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe
oder Behandlung ausgesetzt wäre. Eine Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 AIG).
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Aufgrund der aktuellen Lage in Syrien wird ein Wegweisungsvollzug mo-
mentan aus humanitären Gründen in der Regel als nicht zumutbar im Sinne
von Art. 83 Abs. 4 AIG erachtet.
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8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 7 Bstn. a und b AIG wird eine vorläufige Auf-
nahme wegen Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit (Art. 83 Abs. 2 und 4
AIG) nicht verfügt, wenn die betreffende Person zu einer längerfristigen
Freiheitsstrafe im In- oder Ausland verurteilt wurde, wenn gegen sie eine
strafrechtliche Massnahme im Sinne von Art. 64 oder 61 StGB angeordnet
wurde oder wenn sie erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Si-
cherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder
diese gefährdet oder die innere oder äussere Sicherheit gefährdet. Das
Bundesgericht hat den Begriff der «längerfristigen Freiheitsstrafe» im
Sinne von Art. 62 Bst. b AIG (und damit auch den gleichlautenden Begriff
von Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG) dahingehend konkretisiert, dass darunter im
Sinne eines festen Grenzwertes eine Freiheitsstrafe von mehr als einem
Jahr zu verstehen ist (BGE 135 II 377 E. 4.2). Dieser Praxis folgt das Bun-
desverwaltungsgericht im Bereich seiner endgültigen Entscheidkompetenz
(vgl. u.a. Urteile des BVGer E-3152/2018 vom 22. Juni 2018 E. 8.3.2;
D-1105/2017 vom 31. Mai 2017 E. 4.2, m.w.H.).
8.3.2 Der Beschwerdeführer wurde vom Obergericht des Kantons
B._ unbestrittenermassen zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe
(41 Monate; vgl. Sachverhalt Bst. C.) in obgenanntem Sinne verurteilt
(Art. 83 Abs. 7 Bst. a AIG). Die Voraussetzung für den Ausschluss der vor-
läufigen Aufnahme im Falle einer Unzumutbarkeit oder Unmöglichkeit ist
damit grundsätzlich erfüllt.
8.3.3 Der Ausschluss von der vorläufigen Aufnahme erweist sich vorlie-
gend auch als verhältnismässig (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 96 Abs. 1 AIG).
8.3.3.1 Der Beschwerdeführer wurde wegen Vergewaltigung, sexueller Nö-
tigung und mehrfacher Tätlichkeiten rechtskräftig verurteilt. Mit diesen
Strafhandlungen hat er wertvolle Rechtsgüter wie Leib und Leben, die per-
sönliche Freiheit und die sexuelle Integrität gefährdet (vgl. Sachverhalt
Bst. C.; Art. 121 Abs. 3 Bst. a BV; Urteile des BGer 2C_22/2018 vom 5. Juli
2018 E. 4.3 und 2C_390/2017 vom 6. Juni 2017 E. 2.2). Diesbezüglich
wurde sowohl vom Obergericht des Kantons B._ als auch vom Be-
zirksgericht B._ das Tatverschulden des Beschwerdeführers als
nicht mehr leicht eingestuft. Ausserdem zeigte er sich im Strafverfahren
uneinsichtig, war erst im Berufungsverfahren geständig und hat sich selbst
im Rahmen des Strafvollzugs problematisch verhalten und ist durch erheb-
liche Disziplinarverstösse aufgefallen. Verschiedene psychiatrische Abklä-
rungen attestierten ihm eine leichte Reizbarkeit, ein hohes Aggressionspo-
tential und eine erhöhte Gewaltbereitschaft, wobei er ein patriarchalisches
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Denkmuster vertrete (s. act. C32/16, S. 4 f., 7). Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer nach Beendigung der Haft am 10. Dezember 2018 zu-
folge einer weiteren Freiheitsstrafe von 120 Tagen wegen Gewalt und Dro-
hung gegen Behörden und Beamte wiederum in den Strafvollzug versetzt
wurde; den Akten ist ausserdem zu entnehmen, dass er am 26. Mai 2020
erneut in Untersuchungshaft genommen wurde. Auch bereits vor seiner
Verurteilung durch das Obergericht des Kantons B._ ist der Be-
schwerdeführer im Übrigen strafrechtlich in Erscheinung getreten. So sind
drei Verurteilungen wegen rechtswidrigen Aufenthalts zu verzeichnen, wo-
bei das Strafmass jeweils eine Freiheitsstrafe von 90 Tagen betrug. Nach
dem Gesagten besteht somit ein nicht unerhebliches öffentliches Interesse
am Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers.
8.3.3.2 Dem festgestellten öffentlichen Interesse am Vollzug der Wegwei-
sung steht auch kein überwiegendes privates Interesse des Beschwerde-
führers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz gegenüber. Der Be-
schwerdeführer hält sich seit 2004 in der Schweiz auf, davon rund 5 Jahre
in Haft. Hinsichtlich seiner Integration in der Schweiz ist anzuführen, dass
er offenbar gut Deutsch spricht (act. C32/16). Wie sich den Akten entneh-
men lässt, hat er im Jahr 2013 während sechs Monaten im Rahmen einer
geschützten Arbeitsstelle als (...) gearbeitet. Darauffolgende Angebote hat
er aber entweder nicht angetreten oder nach kurzer Zeit wieder abgebro-
chen. Zuletzt hat er gemäss Bericht des Flughafengefängnisses
E._ vom 6. Juli 2017 dort während drei Wochen gearbeitet. Auf-
grund seiner Straffälligkeit ist in den letzten Jahren jedoch keine Erwerbs-
tätigkeit zu verzeichnen. Eine berufliche Integration ist dem Beschwerde-
führer trotz seines langen Aufenthalts in der Schweiz mithin nicht geglückt.
Eine soziale Integration und damit eine Verbundenheit mit der schweizeri-
schen Gesellschaft kann er, soweit aus den Akten ersichtlich, ebenso we-
nig aufweisen. Auch in der Beschwerde wird nichts Gegenteiliges geltend
gemacht. Ausser einer wohl sprachlichen Integration vermochte sich der
Beschwerdeführer daher nicht in der Schweiz einzufügen. Hingegen wird
er sich, unter Berücksichtigung dessen, dass er Syrien als 30- bis 34-Jäh-
riger verlassen hat, leicht in die dortige Kultur und Gesellschaft wiederin-
tegrieren können. Nach dem Gesagten sind die privaten Interessen des
Beschwerdeführers an einem weiteren Verbleib in der Schweiz als gering
einzustufen.
8.3.3.3 Insgesamt ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – das öf-
fentliche Interesse am Wegweisungsvollzug im vorliegenden Einzelfall hö-
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her zu gewichten als das private Interesse des Beschwerdeführers am wei-
teren Verbleib in der Schweiz. Die Anwendung der Ausschlussklausel ge-
mäss Art. 83 Abs. 7 AIG ist als verhältnismässig zu erachten.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Diese Kosten sind mit dem am 29. Mai 2019 ge-
leisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe gedeckt.
(Dispositiv nächste Seite)
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