Decision ID: 55a549cb-40e5-4113-8dab-8d04b8709603
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juli 2014 unter Hinweis auf eine Multiple Sklerose (MS) bei der
Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1 und 4;
vgl. auch IV-act. 2). Mit Mitteilungen vom 11. Februar und 28. Mai 2015 verneinte die
IV-Stelle einen Anspruch auf berufliche Massnahmen des Versicherten (IV-act. 28 und
44). Im Auftrag der zuständigen IV-Stelle des Kantons St. Gallen erstattete die
Medizinische Abklärungsstelle Bern ZVMB GmbH am 27. Juli 2016 ein
interdisziplinäres (psychiatrisches, neurologisches, internistisches, orthopädisches und
neuropsychologisches) Gutachten (IV-act. 86) und am 11. September 2017 ein
bidisziplinäres (neurologisches und psychiatrisches) Verlaufsgutachten (IV-act. 105).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (IV-act. 109 und 111) verneinte die IV-
Stelle einen Rentenanspruch des Versicherten (Verfügung vom 9. Januar 2018, IV-
act. 114). Die dagegen gerichtete Beschwerde vom 26. Januar 2018 (IV-act. 115-2)
wies das Versicherungsgericht ab (siehe hierzu sowie zum bis dahin eingetretenen
relevanten Sachverhalt den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 14. Februar
2020, IV 2018/40, IV-act. 127).
B.
Mit Schreiben vom 12. März 2020 machte der Versicherte mit Unterstützung
seines Hausarztes Dr. med. B._ eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes
geltend (IV-act. 129).
B.a.
Am 24. März 2020 wurde der Versicherte in der Klinik für Rheumatologie, Kantons
spital St. Gallen (KSSG), vorstellig wegen einer diffusen Beckengürtelsymptomatik mit
einer Kombination aus Schmerz und Schwäche (IV-act. 142-17 und 142-21, unten). Im
Bericht vom 27. März 2020 verwiesen die zuständigen Ärzte unter Berücksichtigung
von am 22. Januar 2020 erstellten MRI der HWS und LWS auf die erstmals im Jahr
2018 gestellte Diagnose eines zervikovertebralen und lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms und beschrieben einen klinisch schwierig zu trennenden Overlap
zwischen der MS, der lumboradikulären Komponente (bei klinisch pseudoradikulärem
Schmerzsyndrom) und der behandelten Depression (IV-act. 142-17).
B.b.
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Auf Aufforderung der IV-Stelle hin reichte der Versicherte am 1. April 2020 eine
Anmeldung für berufliche Massnahmen/Rentenleistungen ein (IV-act. 130 f.). Mit
Schreiben vom 3. April 2020 forderte die IV-Stelle ihn auf, eine Veränderung seines
Gesundheitszustandes und seiner Arbeitsfähigkeit oder seiner Erwerbstätigkeit
aufzuzeigen (IV-act. 138). Am 21. April 2020 erklärte der Versicherte unter Einreichung
diverser Arztberichte aus der Zeit von März 2017 bis März 2020, insbesondere die
kognitiven Defizite hätten zugenommen und es sei eine neurogene
Blasenentleerungsstörung diagnostiziert worden (IV-act. 141 f.). Die zuständige Ärztin
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) kam am 5. Mai 2020 unter Berücksichtigung
der eingereichten medizinischen Akten zum Schluss, dass keine relevante Veränderung
des Gesundheitszustandes ausgewiesen sei (IV-act. 144-6).
B.c.
Mittels Vorbescheids eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten am 7. Mai 2020,
nicht auf sein neues Leistungsbegehren einzutreten (IV-act. 147).
B.d.
Am 17. Juni 2020 wurde der Versicherte in der Klinik für Neurologie, KSSG, neuro
psychologisch untersucht. Die Expertinnen berichteten am 23. Juni 2020, dass beim
Versicherten von einer mittelgradigen neuropsychologischen Störung auszugehen sei
(IV-act. 158-2 unten), dies bei der Diagnose organische Persönlichkeits- und
Verhaltensstörungen aufgrund einer Krankheit, Schädigung oder Funktionsstörung des
Gehirns (organisches Psychosyndrom) bei MS, vaskulären Risikofaktoren/vaskulären
Pathologien, Schlafapnoe-Syndrom und Restless-legs-Syndrom (vgl. IV-act. 165-4, IV-
Bericht vom 2. September 2020 betreffend die Untersuchung vom 17. Juni 2020).
Aufgrund der klinisch relevanten neuropsychologischen Störung bei Hinweisen auf
Verschlechterungen seit Januar 2019 mit Zunahme der Läsionslast und somit stetig
verminderter Reservekapazität des Gehirns sei die Prognose im kognitiven Bereich als
eher schlecht einzustufen. Es sei im kognitiven Bereich von pathologischen deutlich
über das Altersmass hinausgehenden Prozessen auszugehen (IV-act. 165-4, IV-Bericht
vom 2. September 2020 betreffend die Untersuchung vom 17. Juni 2020). Aus
neuropsychologischer Sicht ergaben sich Hinweise für eine auffällige
Symptomvalidierung, die am ehesten im Rahmen einer reaktiv psychischen bzw. auch
komorbid zu einer depressiven Störung zu erklären sei. Der Versicherte zeige einen
dekonditionierten Zustand mit seit vier Jahren Aufgabe von Hobbies, keiner
strukturierten beruflichen Tätigkeit mehr und vor allem auch im Alltag zunehmender
B.e.
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Passivität. Es wäre wichtig, eine allenfalls komorbide depressive Störung zu behandeln
sowie die Alltagsfunktionalität einzuüben (IV-act. 165-6, IV-Bericht vom 2. September
2020 betreffend die Untersuchung vom 17. Juni 2020).
Am 26. Juni 2020 wandte der Versicherte gegen den Vorbescheid vom 7. Mai 2020
ein, dass sich sein Gesundheitszustand seit Januar 2018 weiter verschlechtert habe. Es
seien eine Störung der Blase sowie eine Diskushernie dazugekommen. Auch habe sich
seine kognitive Leistungsfähigkeit verschlechtert (IV-act. 154-1).
B.f.
Am 10. Juli 2020 unterzog sich der Versicherte in der Klinik für Urologie, KSSG,
bei neurogener Blasenentleerungsstörung und urodynamisch hypokapazitiver,
hypersensitiver Harnblase und frustranem Anticholinergika sowie Betmiga-Versuch
einer Botox-Injektion 100 E (IV-act. 157; für den Sprechstundenbericht vom 22. Juni
2020 vgl. IV-act. 159).
B.g.
Einem Kurzaustrittsbericht der E._, Klinik für Neurologie und Rheumatologie,
vom 3. August 2020 zufolge war der Versicherte dort vom 14. Juli bis 3. August 2020
stationär behandelt worden (IV-act. 156). Laut Austrittsbericht konnte im Rahmen der
neurologischen Rehabilitation in einem ressourcenorientierten intensiven
Rehabilitationsprogramm durch Training der Alltagsaktivitäten, aktive und passive
Bewegungstherapie, Koordinationstraining, funktionelles Üben und allgemein
aktivierende Pflegemassnahmen eine deutliche Verbesserung der Mobilität, der Kraft
und Ausdauer, der Beweglichkeit sowie des Allgemeinbefindens erreicht werden (IV-
act. 169-3 f.).
B.h.
Am 19. August 2020 notierte die zuständige Ärztin vom RAD nach Würdigung der
neu eingegangenen medizinischen Berichte, es lägen Hinweise für eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes vor (IV-act. 160-4). Gestützt darauf teilte
die IV-Stelle dem Versicherten am 21. August 2020 mit, dass sein Einwand
gutgeheissen werde und weitere Abklärungen vorgenommen würden (IV-act. 161).
B.i.
Am 15. September 2020 berichtete Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Klinik D._, die psychische Verfassung des weiterhin bei ihm in
psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung stehenden Versicherten habe sich in
den letzten Jahren leider stets verschlechtert. Dieser leide an einer rezidivierenden
B.j.
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depressiven Störung mit anhaltender mittelgradiger bis schwerer Symptomatik (IV-act.
166).
Am 8. Oktober 2020 meldete die IV-Stelle dem Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, dass aus medizinischen Gründen Zweifel an
der Fahrtauglichkeit des Versicherten bestünden (IV-act. 173).
B.k.
Am 12. Oktober 2020 fand ein Gespräch zwischen dem Versicherten und der
zuständigen IV-Eingliederungsverantwortlichen statt (IV-act. 177; für das
Verlaufsprotokoll der beruflichen Massnahmen vgl. IV-act. 176).
B.l.
Am 20. Oktober 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass keine
beruflichen Massnahmen angezeigt seien, da er sich nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsbemühungen mitzuwirken (IV-act. 180).
B.m.
Ende Oktober 2020 verzichtete der Versicherte auf seinen Führerausweis, weshalb
von Seiten des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamtes auf eine verkehrsmedizinische
Untersuchung verzichtet wurde (IV-act. 184).
B.n.
Nachdem der Versicherte am 19. April und 11. Mai 2021 untersucht worden war,
erstattete die ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel, am 3. Juni 2021 im
Auftrag der IV ein interdisziplinäres (internistisches, psychiatrisches, rheumatologisches
und neurologisches) Gutachten (IV-act. 206). Die Gutachter nannten als Diagnosen mit
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Encephalomyelitis disseminata und ein
chronisches zerviko- und lumbospondylogenes, panvertebrales Schmerzsyndrom (IV-
act. 206-10). Für die angestammte Arbeitstätigkeit als Schweisser attestierten sie dem
Versicherten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und für angepasste Tätigkeiten
schätzten sie die Arbeitsfähigkeit bis Februar 2020 mit 100 %, ab März 2020 mit 80 %
und ab April 2021 mit 70 % ein (IV-act. 206-12).
B.o.
Am 8. Juni 2021 notierte die zuständige RAD-Ärztin, aus
versicherungsmedizinischer Sicht könne auf dieses Gutachten abgestellt werden (IV-
act. 209).
B.p.
Am 9. Juni 2021 eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten mittels Vorbescheids,
dass sie bei einem Invaliditätsgrad von 27 % die Verneinung eines Rentenanspruchs
B.q.
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C.

Erwägungen
1.
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente.
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
vorsehe (IV-act. 213). Am 7. Juli 2021 wandte der Versicherte ein, er beantrage
mindestens eine Viertelsrente. Das von der IV-Stelle angenommene
Invalideneinkommen könne er nicht erreichen. Aufgrund des stark eingeschränkten
Arbeitsprofils sei vom Invalideneinkommen ein Abzug von 20 % zu gewähren (IV-
act. 216-1).
Unter Berücksichtigung dieses Einwands gewährte die IV-Stelle einen
leidensbedingten Abzug von 10 %, errechnete einen Invaliditätsgrad von 34 % und
verfügte am 26. August 2021, der Versicherte habe keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente (IV-act. 218).
B.r.
Gegen diese Verfügung wandte sich der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) mit Beschwerde vom 2. September 2021 und beantragte die
Zusprache einer Viertelsrente. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, der
leidensbedingte Abzug vom Tabellenlohn sei von 10 auf 20 % zu erhöhen (act. G1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2021 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G7).
C.b.
Am 6. Dezember 2021 gewährte das Gericht dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtspflege (act. G8).
C.c.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G9).C.d.
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mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis Ende 2021 in Kraft gestandenen,
vorliegend noch anwendbaren Fassung) besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 % invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50 % vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auf eine Viertelsrente.
3.
Mit Verfügung vom 9. Januar 2018, bestätigt durch einen Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 14. Februar 2020, wies die Beschwerdegegnerin das erste
Leistungsgesuch des Beschwerdeführers ab (IV-act. 114 und 127). Auf sein neues
Gesuch vom Frühjahr 2020 ist sie zu Recht eingetreten, weshalb auf die
entsprechenden Voraussetzungen gemäss Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Abs. 2 der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) nicht mehr einzugehen, sondern nun
zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand seit dem Ergehen des abweisenden
Entscheids rentenwirksam verändert hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 3.
September 2019, 8C_467/2019, E. 3.2). Mit der Neuanmeldung des Beschwerdeführers
im Frühjahr 2020 und der bereits anlässlich der ersten Anmeldung festgestellten
Arbeitsunfähigkeit in seiner letzten Tätigkeit als Schweisser könnte ein allfälliger
Rentenanspruch frühestens im Herbst 2020 entstanden sein (Ablauf des sogenannten
Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und der sechsmonatigen Karenzfrist
gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG). Zu prüfen ist somit, ob der Beschwerdeführer ab diesem
Zeitpunkt Anspruch auf Rentenleistungen hat.
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4.
Aus medizinischer Sicht gehen die Parteien darin einig, dass der Beschwerdeführer
seine angestammte Tätigkeit als Schweisser nicht mehr ausüben kann. Im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens gingen sie sodann übereinstimmend davon aus, dass gestützt
auf das Gutachten des ABI vom 3. Juni 2021 ab März 2020 eine 20%ige und ab April
2021 eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit auch in angepassten Tätigkeiten bestand. Diese
Einschätzung lässt sich aufgrund der medizinischen Aktenlage nachvollziehen (vgl.
vorstehenden Sachverhalt B sowie IV-act. 206-11). Dies insbesondere auch vor dem
Hintergrund, dass die im Juni 2020 am KSSG festgestellte mittelschwere kognitive
Einschränkung (vgl. IV-act. 158 und 165) sich nicht zusätzlich zu den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens anerkannten 30 % an Einschränkung auswirken dürfte, zumal
für den Beschwerdeführer angesichts seines erwerblichen Hintergrunds und des ihm
zumutbaren Leistungsprofils insbesondere körperlich leichte Hilfsarbeitertätigkeiten in
Frage kommen (vgl. Würdigung der Berichte des KSSG durch den psychiatrischen
Teilgutachter in IV-act. 206-37 und den neurologischen Teilgutachter in IV-act. 206-60
und 62 f.). Die Beschwerdegegnerin vertritt im Rahmen des Beschwerdeverfahrens
zwar neu den Standpunkt, es sei auch nach März 2021 von einer 80%igen
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten auszugehen, da es sich bei der für die
70%ige Arbeitsfähigkeit entscheidenden neurologischen Teilbeurteilung des ABI um
eine wohlwollendere Einschätzung desselben medizinischen Sachverhalts, wie er
bereits im Rahmen der Erstanmeldung beurteilt worden sei, handle (act. G7 und 7.1).
Ob diese Auffassung zutrifft, kann jedoch angesichts der fehlenden Relevanz offen
bleiben, zumal selbst unter Berücksichtigung der 30%igen Arbeitsunfähigkeit die
rentenwirksame Schwelle eines Invaliditätsgrades von 40 % nicht erreicht wird (vgl.
nachfolgend E. 5).
5.
Ausgehend von einer 20%igen respektive 30%igen Arbeitsunfähigkeit (vgl. vor
stehend E. 4) in adaptierten Tätigkeiten bleiben die erwerblichen Auswirkungen der
Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad
unbestrittenermassen anhand eines Einkommensvergleichs zu ermitteln (vgl. E. 2). Da
der frühestmögliche Rentenbeginn im Jahr 2020 liegt (vgl. vorstehend E. 3), ist jenes
Jahr für die Festlegung der Vergleichseinkommen massgebend.
5.1.
Das Valideneinkommen wurde im in Rechtskraft erwachsenen Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 14. Februar 2020 für das Jahr 2015 mit Fr. 61'841.--
veranschlagt (IV 2018/40, E. 3.1 in IV-act. 127-12). Unter Berücksichtigung der
5.2.
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Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2020 (Index Männer 2015: 2226, 2020: 2298) ist
vorliegend von einem Valideneinkommen von Fr. 63'841.-- auszugehen.
Der Beschwerdeführer war zuletzt im Jahr 2014 erwerbstätig (vgl. z.B. IV-
act. 206-36). Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist deshalb
unbestrittenermassen nach wie vor vom statistischen Durchschnittseinkommen von
männlichen Hilfsarbeitern (Lohnstrukturerhebung LSE) auszugehen. Dieses betrug im
Jahr 2020 Fr. 68'906.-- (vgl. Anhang 2 der IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle
AHV/IV, Ausgabe 2022). Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden
Gründen ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung durch Heraufsetzung des Valideneinkommens
oder durch eine entsprechende Herabsetzung des Invalideneinkommens Rechnung zu
tragen (Parallelisierung der Einkommen; BGE 135 V 300 E. 5.1 mit weiteren Verweisen).
Gemäss dieser Rechtsprechung ist zu parallelisieren, wenn das tatsächliche
Einkommen mindestens 5 % unter dem Durchschnittswert liegt (BGE 135 V 303 f.
E. 6.1.2), und die Anpassung ist in dem Masse vorzunehmen, als die Differenz zum
Durchschnittseinkommen 5 % überschreitet (BGE 135 V 304 E. 6.1.3). Die
Gegenüberstellung mit dem vorerwähnten Einkommen ergibt eine Differenz von rund
7.35 % ([Fr. 68'906.-- - Fr. 63'841.--] x 100 : Fr. 68'906.--), weshalb eine
Parallelisierung im Umfang von 2.35 % zu erfolgen hat (BGE 135 V 302 ff. E. 6.1.2 f.)
und ein Invalideneinkommen von Fr. 67'286.70 (97.65 % von Fr. 68'906.--) resultiert.
5.3.
Der Beschwerdeführer vertritt angesichts der seiner Ansicht nach erschwerten
Verwertbarkeit der ihm verbliebenen Arbeitsfähigkeit den Standpunkt, dass der von der
IV-Stelle angenommene 10%ige Abzug vom Invalideneinkommen auf 20 % zu erhöhen
sei.
5.4.
Mit dem Abzug vom Tabellenlohn soll der Tatsache Rechnung getragen werden,
dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können und je nach
Ausprägung die versicherte Person nur deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch
auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen
Erfolg verwerten kann (BGE 146 V 19 f. E. 4.1 mit Hinweisen). Bereits in der Beurteilung
der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen dürfen
nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu
einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen. Der Einfluss sämtlicher
Merkmale auf das Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen
5.4.1.
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gesamthaft zu schätzen, d.h. dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug
zu quantifizieren und die einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Der Abzug ist auf
höchstens 25 % begrenzt (Urteil des Bundesgerichts vom 20. April 2018,
9C_833/2017, E. 2.2; BGE 134 V 327 E. 5.2). Ob ein Abzug vom Tabellenlohn
vorzunehmen ist und dessen Höhe stellt eine vom kantonalen Gericht frei überprüfbare
Rechtsfrage dar und erstreckt sich auch auf die Beurteilung der Angemessenheit der
Verwaltungsverfügung (Urteil des Bundesgerichtes vom 31. August 2018,
8C_327/2018, E. 3.3). Bei der Angemessenheit geht es um die Frage, ob der zu
überprüfende Entscheid, den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im
Einklang mit den allgemeinen Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat,
nicht zweckmässigerweise anders hätte ausfallen sollen. Allerdings darf das kantonale
Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der
Verwaltung setzen, es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen können, die seine
abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (Urteil des
Bundesgerichtes vom 31. August 2018, 8C_327/2018, E. 3.4).
Medizinisch gesehen sind dem Beschwerdeführer gemäss dem einschlägigen
ABI-Gutachten vom 3. Juni 2021 körperlich leichte (IV-act. 206-11), rein sitzende
Tätigkeiten an einem ergonomisch gut eingestellten Arbeitsplatz mit der Möglichkeit
des regelmässigen Positionswechsels im Umfang von 80 % (ab März 2020) resp. 70 %
(ab April 2021) zumutbar. Vermieden werden sollten Arbeiten mit stereotypen
Rotationsbewegungen von HWS und LWS und Arbeiten in anhaltender
Oberkörpervorneige- oder Rückhalteposition. Das Heben und Tragen von Lasten darf
bis zur Taille maximal 10 Kilogramm (kg), über Taille maximal 5-7.5 kg betragen. Auch
sollte die Möglichkeit bestehen, jederzeit eine Toilette aufsuchen zu können, und die
Tätigkeit sollte keine zu hohen Ansprüche an die Feinmotorik stellen. Die mögliche
Präsenz betrage 7 bis 8 Stunden pro Tag, wobei eine Leistungseinschränkung mit
erhöhtem Pausenbedarf vorliege (IV-act. 206-12). Den medizinischen Einschränkungen
des Beschwerdeführers wurde von den Gutachtern also durch eine Rendement-
Reduktion und das definierte Adaptionsprofil Rechnung getragen. Zusätzlich hat die IV-
Stelle laut angefochtener Verfügung angesichts der Einschränkungen einen Abzug von
10 % berücksichtigt (vgl. IV-act. 218).
5.4.2.
Hilfsarbeiten werden auf dem hypothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts altersunabhängig nachgefragt, sodass das
Alter des Beschwerdeführers keinen weitergehenden Tabellenlohnabzug rechtfertigt.
Fachwissen oder Berufserfahrung sind dafür grundsätzlich ebenfalls nicht erforderlich
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. Juni 2018, 9C_862/2017, E. 3.3). Das
5.4.3.
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6.