Decision ID: 2733c5d7-6391-4760-9914-79fd8ecbc7f9
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
X._
AG ist der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichs
kasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin angeschlossen.
Am
5.
November 2020 teilte die Suva der Ausgleichskasse mit, sie habe bei der Betriebsrevision für die Jahre 201
6
bis 2018 festgestellt, dass die
X._
AG in diesem Zeitraum über AHV-pflichtige Löhne in der Höhe von
Fr.
68'523.-- (2016),
Fr.
457'310.-- (2017) und
Fr.
1'106'615.-- (2018) nicht abgerechnet habe (
Urk.
5/337/2,
Urk. 5/337/7,
Urk.
5/337/8).
In der Folge stellte die
X._
AG der Ausgleichskasse mit Eingabe vom 2
0.
November 2020
unaufgefordert
eine Kopie ihrer Einsprache gegen die Ergebnisse der Suva
-Revision
zu (
Urk.
5/342-347).
Gestützt auf die Lohnangaben der Suva forderte die Ausgleichskasse von der
X._
AG mit Nachzahlungs
ver
fügungen vom 3
0.
Dezember 2020 für die Beitragsjahre 2016 und 2017 zusätzli
che Sozialver
sicherungsbeiträge und Verwaltungskosten in der Höhe von
Fr.
9'636.05 (
Urk.
5/358
) beziehungsweise
Fr.
64'766.50 (
Urk.
5/35
7
) sowie Ver
zugszinsen (
Urk.
5/
359-360
).
Für das Jahr 2018
stellte
sie
sodann
mit der Revisionsrechnung vom 1
3.
Januar 2021
Sozialversicherungsbeiträge und
Nebenkos
ten in der Höhe von
Fr.
156'724.35
in Rechnung
(
Urk.
5/361).
Mit ihrer Einsprache vom 2
8.
Januar 2021 beantragte die
X._
AG
, dass die «Revisionen für die Jahre 2017 und 2018» zu korrigieren seien
(
Urk.
5/375)
.
Die Ausgleichskasse
wies
die Einsprache
mit
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Juli 2021 ab (
Urk.
2)
.
2.
2.1
Dagegen erhob die
X._
AG am 13. September 2021 Beschwerde beim Sozialver
siche
rungsgericht (Urk. 1).
2.2
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerde
ant
wort vom
6
.
Oktober
2021 Abweisung der Beschwerde (Urk.
4
, unter Beilage der
Kassena
kten, Urk.
5
/1-
466
).
2.3
Mit Gerichtsverfügung vom
8
.
November
2021 wurde der Beschwerdeführerin eine Kopie der Beschwerde
ant
wort vom
6. Oktober 2021
(Urk. 4)
zur
Kenntnis
nahme zugestellt
.
Den Parteien wurde mitgeteilt, dass über allenfalls vom Gericht als nötig erachtete weitere Verfahrensschritte zu einem späteren Zeitpunkt ent
schieden werde. Falls das Gericht keine weiteren Verfahrensschritte anordne, werde der Endentscheid den Verfahrensbeteiligten zu gegebener Zeit schriftlich mitgeteilt (Urk. 6).
2.4
Hernach gelangte die Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 1
7.
November 2021 mit folgendem Begehren an das Gericht (
Urk.
7): «Wir haben Ihre Verfügung vom
08.11.2021 erhalten. Wir bitten diese zu sistieren, da wir parallel einen Fall mit der SUVA (UV2021.00079) offen
haben.»
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
4.
Zu ergänzen ist, dass
die
Suva nach Abschluss der Betriebsrevision für die Kon
troll
periode 2016 bis 2018 der Beschwerdeführerin am 6. November 2020 für die Jahre 2017 und 2018 zusätzliche Prämien in der Höhe von total Fr. 135'955.60 in Rechnung gestellt hat. Die von der Beschwerdeführerin dagegen am 20. November 2020 erhobene Einsprache wies die Suva mit
Ein
sprache
entscheid
vom 12. März 2021 ab.
Dagegen erhob die Beschwerdeführerin
am 15. April 2021 Beschwerde beim Sozialversiche
rungsgericht. Diese Beschwerde ist Gegenstand des Verfahrens Nr.
UV.2021.0007
9.
Sie wurde mit Urteil heutigen Datums abgewiesen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Juli 2021 führte die Beschwer
de
gegnerin im W
esentlichen aus, dass sie ihre Nachforderung von Sozialver
siche
rungsbeiträgen und Nebenkosten
auf den Kontrollbericht der Suva
vom
4.
November 2020 und deren Zusatzbericht vom
2.
November 2020
stützte
(
Urk.
2
S. 1-2)
. Im Juli 2017 seien mehrere Barzahlungen
von insgesamt
Fr.
41'050.-- an die
Y._
GmbH geflossen. Der Erhalt sei jeweils von
Z._
quittiert worden (
Urk.
2 S. 2).
Z._
sei jedoch nie ein ein
getragenes Organ der
Y._
GmbH gewesen. Die eingereichte Vollmacht datiere erst auf den 2
8.
November 201
7.
Somit habe
Z._
die
Y._
GmbH im Juli 2017 nicht vertreten und auch nicht verpflichten können (
Urk.
2 S. 3). An die
A._
GmbH seien in den Jahren 2017 und 2018 diverse Barzahlungen geleistet worden. Es seien insgesamt
Fr.
832'999.-- quittiert wor
den. Eine Vollmacht für
Z._
habe ab dem 2
5.
April 2017 bestan
den. Das Unternehmen habe ihr jedoch letztmals im Jahr 2016 eine Lohnsumme gemeldet. In den Jahren 2017 und 2018 seien keine Löhne gemeldet worden. Die Aufforderungen, Lohndeklarationen einzureichen, hätten von der Post weder an der Geschäftsadresse noch an der Adresse des
Geschäftsführers zugestellt werden können. Das Unternehmen sei im Handelsregister mangels Geschäftstätigkeit von Amtes wegen per 3
0.
September 2019 gelöscht worden
(
Urk.
2 S. 3)
.
Weiter wür
den Quittungen für Barzahlungen im Jahr 2018 an die
B._
GmbH über insgesamt
Fr.
689'876.-- vorliegen. Die Vollmacht für
Z._
sei am 2
5.
Juni 2017 von
C._
unterschrieben worden.
C._
sei jedoch erst ab dem
3.
April 2018 im Handelsregister eingetragen gewesen. Es sei somit fraglich, ob die Vollmacht überhaupt gültig sei. Gegenüber der Suva sei (von der
B._
GmbH) für das Jahr 2018 für zwei Arbeitnehmer eine Lohnsumme von
Fr.
60'000.-- deklariert worden. Es seien aber keine Prämien bezahlt worden. Ihr gegenüber habe das Unternehmen mit Schreiben vom 1
6.
April 2018 mitgeteilt, dass im Jahr 2018 keine Arbeit
nehmer beschäftigt worden seien (
Urk.
2 S. 3).
Somit sei nicht belegt, dass die Entschädigungen der Fremdarbeiten in bar, die jeweils von
Z._
entgegengenommen und quittiert worden seien, an juristische Personen geflossen seien, welche ihrerseits mit den Entschädigungen korrelierende Lohnzahlungen erbracht und hierauf die sozialversicherungsrechtlichen Beiträge entrichtet hätten. Bei Akkordanten bestehe rechtsprechungsgemäss
die Vermutung
, dass sie
Unselbständigerwerbende
seien. Die vorliegenden Unterlagen hätten diese Ver
mutung nicht widerlegen können. Es sei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit davon auszugehen, dass die Barzahlungen nicht den drei Gesellschaften zuge
gangen seien, sondern anderen Personen, welche für die Beschwerdeführerin unselbständige Akkordarbeiten ausgeführt hätten. Folglich würden die Bar
zahlungen als Lohnzahlungen an unselbständige Arbeitnehmer gelten. Diese seien beitragspflichtig. Die nachträgliche Einforderung dieser Beiträge sei somit rechtmässig (
Urk.
2 S. 3).
1.2
Die Beschwerdeführerin bringt demgegenüber vor, dass sie die Nachforderungen der Beschwerdegegnerin nach der Revision durch die Suva vollumfänglich bestreite.
Sämtliche Subunternehmer seien «im Werkvertragsverhältnis» beauf
tragt worden. Keiner der Subunternehmer beziehungsweise deren Angestellte seien bei ihr angestellt und auf arbeitsvertraglicher Basis
entlöhnt
worden. Es seien Quadratmeterpreise vereinbart und Abrechnungen am Ende der jeweiligen Bauten gemacht worden. Mittels Bezahlung sei «die Zusammenarbeit entweder fortgeführt oder ein anderes Unternehmen beauftragt» worden. Gemäss Aussagen der jeweiligen Subunternehmer seien entweder temporäre Arbeitskräfte von anderen Unternehmungen beauftragt oder die Aufträge, die sie den Subunter
nehmen «auf Werkvertragsbasis» vergeben hätten,
seien
weitervergeben worden. Den Ausführungen der Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Ein
sprache
entscheid
, wonach keine Arbeitnehmer bei den entsprechenden Unter
nehmen
registriert gewesen seien, sei entgegenzuhalten,
dass sie ihre Aufträge «in einem Werkvertragsverhältnis» an diese Unternehmungen weitergeben habe, ohne dass sie sich in die Tätigkeiten dieser Unternehmungen eingemischt habe. Die Trans
ak
tion habe zwischen zwei juristischen Personen stattgefunden (
Urk.
1).
2.
2.1
Vom Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit,
massgebender
Lohn genannt, werden paritätische Arbeit
nehmer- und Arbeitgeberbeiträge erhoben (
Art.
5 Abs. 1 und
Art.
13 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinter
lassenenversicherung
, AHVG). Als
massgebender
Lohn gilt jedes Entgelt für in unselbständiger Stellung auf bestimmte oder unbestimmte Zeit geleistete Arbeit (
Art.
5
Abs.
2 AHVG). Vom Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird demgegenüber ein Beitrag des
Selbständigerwerbenden
erhoben (
Art.
8 AHVG). Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ist jedes Erwerbseinkommen, das nicht Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit darstellt (
Art.
9 Abs. 1 AHVG).
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht auf Grund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen dabei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bieten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einer oder einem
Arbeitgebenden
in betriebswirtschaftlicher beziehungsweise arbeitsorganisatorischer Hinsicht
abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus diesen Grund
sätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwend
baren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffen
den Sachverhalte zwingt dazu, die beitragsrechtliche Stellung einer erwerbstäti
gen Person jeweils unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten, welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE 146 V 139 E. 3.1 mit Hinweis).
2.2
Akkordanten (Subunternehmer) werden gemäss Rechtsprechung und Verwal
tungspraxis in der Regel als Unselbständige
qualifiziert (
Urteil
des Bundesgerichts U 298/02 vom 8. Oktober E. 4.1.3 mit weiteren Hinweisen und
Urteil
8C_
645/2013 vom 5. Dezember 2013 E. 4.1
; Randziffer [
Rz
] 4045
der Wegleitung
des Bundesamtes für Sozialversicherungen über den massgebenden Lohn in der AHV, IV und EO,
WML, in der in Jahren 2017 und 2018 gültig gewesenen Versionen;
Rz
4022 in der ab 1. Januar 2019 gültigen Version der WML).
2
.
3
Zu berücksichtigen ist sodann, dass nach der gesetzlichen Regelung nur an
Unselbständigerwerbende
massgebender Lohn ausgerichtet werden kann. Ein Arbeitgeber kann dieselbe Arbeit durch eigene von ihm
entlöhnte
Angestellte ausführen
lassen oder damit einen
selbst
ändigerwerbenden
Dritten oder eine juristische Person beauftragen, welche
hiefür
allenfalls eigene Arbeitnehmer ein
setzt. Im zweiten Fall stellt die an den Dritten geleistete Entschädigung für diese Tätigkeit nicht massgebenden Lohn, sondern Einkommen aus selbstän
diger Erwerbstätigkeit beziehungsweise, im Falle einer juristischen Person, über
haupt kein beitragspflichtiges Einkommen dar (BGE 133 V 498 E. 5.1). Mit einer juris
tischen Person kann demnach kein Arbeitsverhältnis eingegangen werden, woraus massgeblicher Lohn aus unselbständiger Erwerbstätigkeit entrichtet wird. Wurde zum Beispiel Arbeit an eine GmbH vergeben, ist grundsätzlich nicht die Entschädigung hieraus der Beitragspflicht unterworfen, sondern der Lohn, den die GmbH an ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausrichtet (Urteil des
Bundesgerichts 8C_218/2019
vom 1
5.
Oktober 2019 E. 4.1.1).
2
.
4
S
chliesslich
ist zu beachten, dass
die Organe der AHV (und mit ihnen die anderen Organe der Sozialversicherung) nach der Rechtsprechung des Bundes
gerichts ebenso wenig wie die Steuerbehörden verpflichtet sind, die zivilrechtliche Form, in der ein Sachverhalt erscheint, unter allen Umständen als verbindlich anzu
sehen. Dies gilt namentlich dann, wenn ein Umgehungstatbestand vorliegt (BGE
133 V 92 E. 4b mit Hinweisen). Soll ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirk
lichung von Interessen verwendet werden, die dieses Institut nicht schützen will, so liegt Rechtsmissbrauch vor (BGE 127 II 49 E. 5a). In Analogie zu den in der steuerrechtlichen Praxis und Doktrin entwickelten Kriterien liegt eine (rechts
missbräuchliche) Beitragsumgehung vor, wenn - erstens - die von den Beteiligten gewählte Rechtsgestaltung als ungewöhnlich, sachwidrig oder abson
derlich, jedenfalls den wirtschaftlichen Gegebenheiten völlig unangemessen erscheint, wenn - zweitens - anzunehmen ist, dass diese Wahl missbräuchlich und lediglich deshalb getroffen worden ist, um Beiträge einzusparen, welche bei sachgemässer Ordnung der Verhältnisse geschuldet wären, und - drittens - wenn das gewählte Vorgehen, sofern es von den Organen der AHV hingenommen würde, tatsächlich zu einer erheblichen Beitragsersparnis führte (SVR 2002 AHV Nr. 1 S. 1 E. 4, H 20/00; AHI 1998 S. 103, H 116/97 E. 5a mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts 8C_218/2019
vom 1
5.
Oktober 2019 E. 4.2.1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützt ihre Nachforderung von Sozialversiche
rungs
beiträgen und Nebenkosten auf den Kontrollbericht der Suva vom
4.
November 2020 und deren Zusatzbericht vom
2.
November 2020 (E. 1.1). In seinem heutigen Urteil im Verfahren Nr. UV.2021.00079 in Sachen der Beschwerdeführerin gegen die Suva betreffend Prämienforderung erwog das Sozialversicherungsgericht, am 2. März 2016 (Tagesregister-Datum) sei in das Handelsregister aufgenommen worden, dass
Z._
sämtliche Stammanteile der
D._
GmbH
Gesellschaft
übernommen habe. Er sei danach als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer dieser Gesellschaft im Handelsregister eingetragen gewesen. Die von der Beschwerdeführerin für die
in der Zeitperioden 2
1.
Juli bis 2
3. Dezember 2014
, 1
5.
Januar bis 2
1.
Dezember 2015, 2
1.
Januar bis 2
0.
Dezember 2016 und 2
0.
Januar bis 2
7.
April 2017
aufgelegten
Quittungen für Barzahlungen an die
D._
GmbH
seien jeweils von
Z._
unterzeichnet worden. Am 25. April 2017 habe der Konkursrichter des Bezirks
gerichts Bülach den Konkurs über die
D._
GmbH eröffnet. Das Konkurs
verfahren sei in der Folge mit Urteil desselben Richters vom 31. Januar 2018 mangels Aktiven eingestellt
worden
. Unmittelbar nach der Konkurs
eröff
nung über
die
D._
GmbH
vom 25. April 2017
sei
Z._
erneut als «Bindeglied» der Beschwerde
führerin «zu seinen Unternehmungen oder befreundeten Unternehmen» aufge
treten (vgl. die Stellungnahme der Beschwer
de
führerin
gegenüber der Suva
vom 3.
September 2020
). Die Beschwerdeführerin
habe
der
Suva
mit ihren E-Mail-Nachrichten vom 5. Mai 2020 diverse Quittungen für Barzahlungen zugestellt. Die Quittungen
an die
A._
GmbH
,
die
Y._
GmbH
und die
B._
GmbH
wurden erst ab 5. Mai 2017 -
mithin
nach der Konkurseröffnung über die
D._
GmbH
vom 25. April 2017 - ausgestellt
.
Der Vergleich mit den übrigen Unter
schriften in den
Suva-
Akten zeig
e
, dass einzig die Quittungen der
A._
GmbH
vom 5., 12., 15. und 26. Mai 2017 sowie vom 8. und 17. Oktober 2018 nicht von
Z._
unterschrieben w
o
rden
seien
. Die übrigen von der Beschwerdeführerin aufgelegten Quit
tun
gen aus dem Zeitraum vom 5. Mai 2017 bis 31. Dezember 2018
seien
jedoch allesamt von
Z._
unterzeichnet
worden
. Dabei
habe
er bei der Unter
zeichnung für die
Y._
GmbH
einen Firmenstempel
verwendet
. Die Quittungen für die
A._
GmbH
seien
Doku
mente mit dem Brief
kopf der Beschwerdeführerin, auf welchen
Z._
als «Geschäfts
führer
A._
GmbH
» unterschrieb
en habe. Dieselbe Vorlage sei
für die Quittungen der
B._
GmbH
verwendet
worden
. Darauf
habe
Z._
jeweils als «Geschäfts
führer
B._
GmbH
»
unterschrieben.
Die Quittungen
seien
mit einem Firmenstempel der
B._
GmbH
versehen
worden
.
Weitere Unterlagen zu den geltend gemachten Geschäf
ten der Beschwerdeführerin mit den genannten drei
Unter
nehmen
seien
nicht vorhanden, weil - wie die Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 3. September 2020 aus
ge
führt
hab
e - sämtliche Korres
pondenz zwischen den Unternehmen mündlich geführt worden sei. Die zur Ver
fügung stehenden Unterlagen
würden
jedoch eindeutig
dafür
sprechen
, dass die Beschwerdeführerin und
Z._
nach dem Konkurs der Gesellschaft von
Z._
(der
D._
GmbH
)
am
25.
April 2017
ihre bishe
rigen gemeinsamen Tätigkeiten fort
ge
setz
t
hätten
, es aber aus unge
klärten Grün
den als notwendig an
ge
s
e
hen
hätten
, sich dafür Firmen zu bedienen, bei welchen
Z._
im Handelsregister nicht mehr als Organ oder Geschäftsführer geführt wurde. Mit ihrer Einsprache vom 20. November 2020
habe die Beschwer
deführerin gegenüber der Suva vorgebracht
, dass
Z._
ihr Ansprechpartner gewesen sei. Er sei für die Betreuung und
die
Organisation zuständig gewesen. Auf Anfrage hin habe ihr
Z._
zwei Vollmach
ten übergeben. Er verfüge noch über weitere Vollmachten, die weiter zurück
datiert seien.
Alsdann habe sich die
Beschwerde
führerin
im Verfahren vor dem Sozialversicherungsgericht
auf Quittungen
berufen
, welche den Nachweis dafür erbringen soll
t
en, dass
Z._
die von
der
Beschwerdeführerin ent
gegengenommen Gelder jeweils per Monatsende der
A._
GmbH übergeben habe. In ihrer Stellung
nahme vom 3. September 2020
habe
die Beschwerdeführerin aber noch aus
ge
führt
, dass «der Subunternehmer» schon während der Ausführung der Arbeiten Geld verlangt habe und sie nicht habe riskieren wollen, dass er die Arbeit nieder
lege. In ihrer Ein
sprache vom 20. November 2020
habe
die Beschwerde
führerin
betont, dass sie verpflichtet gewesen sei, die Zahlungen schnellstmöglich zu bewerk
stelligen. Aber wenn dies zutreffen sollte, so
würde
es keinen Sinn
er
geben
, dass die
A._
GmbH als «Sub
unternehmer» ihrem «Bevoll
mächtigen»
Z._
erlaubt haben soll, die für sie entgegen
genom
menen Gelder jeweils erst auf das Ende eines jeden Monats abzuliefern. Mit
ihren Vorbringen
im Gerichtsverfahren habe
sich die Beschwerdeführerin somit in einen unlösbaren Widerspruch zu ihren früheren Aussagen
gestellt
.
Die Gesamtschau
ergebe
ein Bild eines Firmen
konstrukts, bei welchem die Beschwerdeführerin mitbeteiligt
gewesen sei
.
Sie hätte durch eine Einsparung von Unfallver
sicherungsprämien profitieren können, wenn ihr Gebilde von der Suva nicht durchschaut worden wäre
(E.
2.2.1 jenes Urteils)
. Des Weiteren stellte das Sozialversiche
rungs
gericht fest, dass
die
B._
GmbH
und die
Y._
GmbH
ebenfalls zum Firmenkonstrukt gehörten (E.
2.2.2 f. jenes Urteils).
Daraus folgerte das Sozialversicherungsgericht, dass die Beschwerdeführerin die
fraglichen
Arbeiten
in den
Jahre 2017 bis 2018 zwar formell an andere juristische Personen vergeben
habe
.
Es habe jedoch
ein Firmenkonstrukt zum Zwecke der
Prämienumgehung
vorgelegen
. Dieses Firmenkonstrukt auf rein mündlicher Basis, mit der geltend gemachten Mehrfachverleihung von Personal, reinen Bar
zahlungen und der behaupteten Entgegennahme und Weiterleidung des Ent
geltes durch einen Bevollmächtigten
sei
für die Erbringung von Gipserarbeiten höchst
ungewöhnlich
und
den wirtschaftlichen Ge
gebenheiten völ
lig unangemessen.
Diese Umstände verbunden mit der Tatsache, dass die in diesem verworrenen Setting als Arbeitgeberinnen fungierenden juristischen Personen kaum zufällig jeweils Konkurs gegangen und selbige Verfahren mangels Aktiven eingestellt worden seien, zwängen zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin damit die Bezahlung von Prämien habe umgehen wollen.
Wie der Rechnung der
Suva
vom 6. Novem
ber 2020 sodann zu ent
neh
men
sei
, hätte die Beschwerdeführerin für die Jahre 2017 und 2018 zusätzliche Prämien in der Höhe von total Fr. 135'955.60 einsparen können
, wenn ihr Verhalten unentdeckt geblieben
wäre
.
Die
Suva
ha
be
diese Prämien somit zu Recht aufgerechnet.
3.2
Weil der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt derselbe ist
und sich die Ein
wen
dungen der Beschwerdeführerin decken, ist hier nicht anders zu entscheiden.
In
masslicher
Hinsicht wurden die
von der Beschwerdegegnerin
nachgeforderten Sozialversicherungsbeiträge und Nebenkosten nicht bestritten.
Wie bei den Prämien der Unfallversicherung, wäre auch hier die Einsparung an Sozialver
sicherungsbeträgen beträchtlich gewesen, wäre die Beschwerdeführerin mit ihrem Verhalten durchgekommen.
Die mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Juli 2021
(
Urk.
1)
bestätigten Nach
forderungen
mittels der
Nachzah
lungsverfügungen vom 3
0.
Dezember 2020
(
Urk.
5/357
-
358)
und
der
Revisions
rechnung vom 1
3.
Januar 2021
(
Urk.
5/361) sowie die Verzugszinsforderungen (
Urk.
5/359-360) sind
daher
rechtens.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
4.
Mit ihrer Eingabe vom 1
7.
November 2021 beantragte die Beschwerdeführerin, dass allfällige weitere Verfahrensschritte des vorliegenden Verfahrens bis zum Urteil im Verfahren Nr. UV.2021.00079 in Sachen der Beschwerdeführerin gegen die Suva betreffend Prämienforderung zu sistieren seien (
Urk.
7). Mit
Eingang
der Beschwerdeantwort (Urk. 4) und Kassenakten (Urk. 5/1-466) und der nachfolgen
den Zustellung der Beschwerdeant
wort an die Beschwerdeführerin
m
it Verfügung
vom
8.
November 2021 (
Urk.
6) war das vorliegende Verfahren spruchreif. Das Urteil im Verfahren Nr. UV.2021.00079 ist heute ergangen.
Demnach ist das Sistierungsbegehren der Beschwerdeführerin gegenstandslos geworden.