Decision ID: cf00d73e-ad70-40bb-85a1-c2451a5c13e9
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Der Personenwagen Volvo 850 GTL (Fahrgestell-Nr. Z) wurde erstmals am 1. Juli
1993 in Verkehr gesetzt. Die letztmalige Nachprüfung für die Zulassung zum Verkehr
erfolgte am 29. Juni 2006. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen setzte das Fahrzeug am 18. August 2008 ausser Verkehr. X, die das
Fahrzeug mittlerweile erworben hatte, liess es am 26. Mai 2009 durch Y im Service
Center St. Gallen des Touring Club Schweiz prüfen. Der Experte stellte verschiedene
Mängel fest und ordnete eine Nachkontrolle an. Nachdem eine solche Nachkontrolle
nicht vorgenommen worden war, stellte der Touring Club Schweiz auf dem
Fahrzeugausweis im Feld 14 "Verfügungen der Behörde" am 4. August 2009 mittels
Stempel und Kurzzeichen des Experten fest, das Fahrzeug müsse aufgrund
festgestellter Mängel vor Inverkehrsetzung zuerst vorgeführt werden. Der Ausweis
wurde X zugestellt.
B.- Mit Eingabe vom 19. August 2009 wandte sich X an die
Verwaltungsrekurskommission. Darin wird die Feststellung vom 4. August 2009 auf
dem Fahrzeugausweis als "Anordnung/Verfügung" bezeichnet und deren sofortige
Aufhebung unter Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie nach
Parteiverhandlung beantragt. Zur Ergänzung der Eingabe mit einer Nachbegründung
durch einen Rechtsanwalt wird um Ansetzung angemessener Fristen ersucht. Der
Präsident der Sektion St. Gallen-Appenzell Innerrhoden des Touring Club Schweiz, der
eine Kopie der Eingabe vom 19. August 2009 erhalten hatte, ersuchte die
Verwaltungsrekurskommission am 9. September 2009, ihm die weitere Korrespondenz
zuzustellen. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt nahm am 10. September 2009
Stellung. Zu dieser Stellungnahme liess sich der Touring Club Schweiz mit Eingabe
vom 8. Oktober 2009 vernehmen und beantragte, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei auf die Beschwerde nicht einzutreten, eventuell sei sie
abzuweisen. Zu den Eingaben des Strassenverkehrsamtes und des Touring Clubs
Schweiz sowie zum Ergebnis verschiedener Abklärungen bei der Abteilung Prüfungen
des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts nahm X am 12. Mai 2010 Stellung und
behielt weitere Ausführungen des zu bestellenden unentgeltlichen Rechtsbeistandes
vor. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge wird,

soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
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C.- Mit Verfügung vom 8. Juni 2010 befreite der Abteilungspräsident X von der
Leistung eines Kostenvorschusses und wies das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ab.
Erwägungen:
1.- Die Eingabe vom 19. August 2009 wird als "Beschwerde/Einsprache/Rekurs und/
oder wie das zulässige Rechtsmittel zu lauten vermag in Verbindung mit Aufsichts- und
Rechtsverweigerungsbeschwerde und allfälliger Verantwortlichkeitsklage" bezeichnet.
Zudem wird "jedes weitere Rechtsmittel ausdrücklich vorbehalten". Die Eingabe richtet
sich gegen einen vom Service Center St. Gallen des Touring Club Schweiz
(nachfolgend: TCS) auf dem Fahrzeugausweis des Personenwagens Volvo 850 GTL mit
dem Fahrgestell-Nr. Z und der Stamm-Nr. S im für Verfügungen der Behörde
vorgesehenen Feld 14 am 4. August 2009 angebrachten Stempel. Danach muss das
Fahrzeug aufgrund festgestellter Mängel vor Inverkehrsetzung vorgeführt werden.
2.- In der Eingabe vom 19. August 2009 wird die Durchführung einer Parteiverhandlung
beantragt. Nach Art. 55 VRP wird eine mündliche Verhandlung angeordnet, wenn sie
zur Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Nach Art. 6
Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt: EMRK) ist bei Streitigkeiten über Ansprüche
zivilrechtlicher Natur öffentlich zu verhandeln. Im Bereich des Strassenverkehrsrechts
hat das Bundesgericht festgestellt, dass über einen zivilrechtlichen Anspruch im Sinn
von Art. 6 Ziff. 1 EMRK dann zu befinden ist, wenn bei einem Entzug des
Führerausweises zu Sicherungszwecken der vom Betroffenen ausgeübte Beruf
unmittelbar den Besitz des Führerausweises voraussetzt; in allen übrigen Fällen hat der
Sicherungsentzug lediglich indirekte oder zufällige Auswirkungen auf die
zivilrechtlichen Ansprüche des Betroffenen ("des conséquences indirectes ou fortuites
sur les droits et obligations de nature civile de l'intéressé"; BGE 122 II 464 E. 3c). Wer
also sein Fahrzeug beispielsweise lediglich dazu benutzt, um sich an seinen Arbeitsort
zu begeben, kann sich nicht auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK berufen (Urteil des Bundesgerichts
6A.48/2002 vom 9. Oktober 2002, E. 7.4.2). Weder wird in der Eingabe vom 19. August
2009 geltend gemacht noch ist aus den Akten ersichtlich, dass die Rekurrentin zur
Berufsausübung unmittelbar auf ein Fahrzeug angewiesen ist. Die Bewegungsfreiheit
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im Sinn von Art. 10 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV) stellt nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung für sich allein genommen kein "civil right" im Sinn von Art. 6 Ziff. 1
EMRK dar (BGE 134 I 140 E. 5.2). Dementsprechend besteht jedenfalls kein Anlass, die
Streitigkeit über die Feststellung, das Fahrzeug der Rekurrentin müsse vor
Inverkehrsetzung vorgeführt werden, als zivilrechtlichen Anspruch im Sinn von Art. 6
Ziff. 1 EMRK zu behandeln. Art. 30 Abs. 3 BV, wonach Gerichtsverhandlung und
Urteilsverkündung öffentlich sind, vermittelt keinen weitergehenden Anspruch auf eine
öffentliche Verhandlung. Die Bestimmung verleiht kein Recht auf eine öffentliche
Verhandlung, sondern garantiert einzig, dass, wenn eine Verhandlung stattzufinden hat,
diese – abgesehen von den im Gesetz vorgesehenen Ausnahmen – öffentlich sein
muss (BGE 128 I 288 E. 2.3-2.6). Schliesslich erscheint die Durchführung einer
öffentlichen Verhandlung in der Angelegenheit auch nicht zweckmässig im Sinn von
Art. 55 VRP, da die für den Entscheid wesentlichen Argumente einer schriftlichen
Darstellung zugänglich sind und insbesondere die Rekurrentin sich ausführlich zum
Sachverhalt geäussert hat.
3.- Die Eingabe der Rekurrentin richtet sich gegen einen vom Service Center St. Gallen
des TCS auf einem Fahrzeugausweis angebrachten Stempel, wonach das Fahrzeug
aufgrund festgestellter Mängel vor Inverkehrsetzung zuerst vorgeführt werden müsse.
Als Grundlage für das Anbringen dieses Stempels kommt die Vereinbarung zwischen
dem TCS Schweiz, Sektion St. Gallen-Appenzell Innerrhoden, und dem
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen vom 20. März 2007 über
die Durchführung von periodischen Fahrzeugprüfungen in Frage.
a) Motorfahrzeuge und ihre Anhänger dürfen gemäss Art. 10 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) nur mit Fahrzeugausweis und
Kontrollschildern in Verkehr gebracht werden. Der Fahrzeugausweis darf nur erteilt
werden, wenn das Fahrzeug den Vorschriften entspricht, verkehrssicher ist und die
vorgeschriebene Haftpflichtversicherung besteht (Art. 11 Abs. 1 SVG). Das Fahrzeug ist
gemäss Art. 13 Abs. 1 SVG vor Erteilung des Ausweises amtlich zu prüfen (Abs. 1). Der
Bundesrat schreibt regelmässige Nachprüfungen vor (Abs. 4) und stellt nach Anhören
der Kantone Vorschriften über die Durchführung der Fahrzeugprüfungen auf (Art. 25
Abs. 3 lit. b SVG). Hinsichtlich der behördlichen Zuständigkeit gelten nach Art. 22 SVG
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für die Fahrzeugprüfungen die gleichen Regeln wie für die Ausweise (Abs. 2). Diese
werden von den Verwaltungsbehörden erteilt und entzogen, wobei für Fahrzeuge der
Standortkanton zuständig ist (Abs. 1). Alle mit Kontrollschildern zugelassenen
Fahrzeuge unterliegen der amtlichen, periodischen Nachprüfung. Die
Zulassungsbehörde kann diese Nachprüfungen Betrieben oder Organisationen
übertragen, welche für die vorschriftsgemässe Durchführung Gewähr bieten (Art. 33
Abs. 1 der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge; SR
741.41, abgekürzt: VTS).
Nach Art. 1 der Einführungsverordnung zum eidgenössischen Strassenverkehrsgesetz
(sGS 711.1, abgekürzt: EV zum SVG) übt im Kanton St. Gallen – vorbehältlich der
polizeilichen Überwachung des Strassenverkehrs – das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt die Befugnisse aus, welche die Bundesgesetzgebung über den
Strassenverkehr den Kantonen zuweist. Mittels Weisungen kann das Sicherheits- und
Justizdepartement (früher: Justiz- und Polizeidepartement) die periodische
Nachprüfung von Personenwagen Betrieben und Organisationen übertragen (Art. 6
EV zum SVG). Das Justiz- und Polizeidepartement des Kantons St. Gallen hat am
10. November 1993 unter anderem mit der Sektion St. Gallen-Appenzell Innerrhoden
des TCS eine Rahmenvereinbarung mit dem Zweck, Umfang und Modalitäten der
Übertragung von Nachprüfungen an private Betriebe und Organisationen in den
Grundzügen festzulegen, abgeschlossen. Die Vereinbarung zwischen dem
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt und der Sektion St. Gallen-Appenzell
Innerrhoden des TCS vom 20. März 2007 knüpft nicht ausdrücklich an dieser
Rahmenvereinbarung an, hebt sie allerdings auch nicht auf. Dies spricht für die
Kompetenzmässigkeit der Übertragung der periodischen Nachprüfungen auf Private.
b) Nach der Vereinbarung vom 20. März 2007 muss die Nachprüfung anhand des
Formulars "Prüfbericht" des Strassenverkehrsamtes durchgeführt werden und die
Vorgabezeiten dürfen nicht unterschritten werden. Während der Prüfung dürfen keine
Reparatur- und Wartungsarbeiten ausgeführt werden. Die Prüfung darf nicht durch den
gleichen Mitarbeiter durchgeführt werden, der am geprüften Fahrzeug mit Ausnahme
der Einstellung der Scheinwerfer die beanstandeten Mängel behebt. Der TCS hat den
Halter aufzufordern, die beanstandeten Mängel beheben zu lassen und innert 14 Tagen
das Fahrzeug zur Nachkontrolle beim TCS vorzuführen. Fahrzeuge, die innert dieser
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Frist nicht zur Nachkontrolle vorgeführt werden, sind dem Strassenverkehrsamt
unverzüglich nach Ablauf der Frist zu melden. Ebenso sind dem Strassenverkehrsamt
vorgeführte Fahrzeuge zu melden, die nicht mehr betriebssicher sind oder technische
Änderungen aufweisen; das Strassenverkehrsamt bietet solche Fahrzeuge unverzüglich
zu einer amtlichen Prüfung auf. Bei Uneinigkeit über beanstandete Mängel zwischen
dem Verkehrsexperten des TCS und dem Halter führt das Strassenverkehrsamt eine
amtliche Nachprüfung durch. Der TCS trägt das Datum der Nachprüfung mit dem
Stempel des Strassenverkehrsamtes St. Gallen im Fahrzeugausweis ein.
Die vom Service Center des TCS durchgeführte periodische Nachprüfung kann nach
der Vereinbarung vom 20. März 2007 nicht unmittelbar zur Nichtzulassung eines
Fahrzeugs führen. Wird ein Fahrzeug als nicht mehr betriebssicher beurteilt, hat das
Strassenverkehrsamt eine amtliche Nachprüfung durchzuführen (Ziff. 10). Dies gilt auch
dann, wenn – vor einer Nachkontrolle – Uneinigkeit zwischen dem Verkehrsexperten
des TCS und dem Halter über beanstandete Mängel bestehen (Ziff. 12). Nicht
fristgerecht zur Nachkontrolle vorgeführte Fahrzeuge sind vom TCS unverzüglich nach
Ablauf der Frist von 14 Tagen dem Strassenverkehrsamt zu melden (Ziff. 9 Abs. 2). Die
Ausserverkehrsetzung kann deshalb erst nach einer amtlichen Nachprüfung ergehen.
Eine Ausserverkehrsetzung durch den TCS ist nicht möglich.
c) Die Beleihung einer Person des privaten Rechts mit einer Verwaltungsaufgabe im
Sinn von Art. 178 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt: BV) verlangt eine genügende Grundlage in
einem formellen Gesetz (vgl. dazu G. Biaggini, in: St. Galler Kommentar zur BV, 2. Aufl.
2008, N 32 f. zu Art. 178 BV; vgl. auch Art. 25 Abs. 3 der Verfassung des Kantons St.
Gallen; sGS 111.1, abgekürzt: KV). Aufgrund der konkreten Sach- und Rechtslage im
Fall der Rekurrentin (vgl. dazu nachfolgend E. 4-6) kann offen bleiben, ob die
dargelegten Rechtsgrundlagen (vgl. dazu oben E. 3a) oder die generellen
Vollzugsaufträge an den Bundesrat und die Kantone in Art. 106 Abs. 1 und 2 SVG für
die in den Vereinbarungen vom 10. November 1993 und vom 20. März 2007
vorgesehene Aufgabenübertragung genügen. Dies gilt umso mehr, als nur beschränkte
hoheitliche Befugnisse auf die Service Center des TCS übertragen werden (vgl. dazu
oben E. 3b).
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4.- Nach Art. 41 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (SR 951.1,
abgekürzt: VRP) entscheidet die Verwaltungsrekurskommission über Rekurse gegen
Verfügungen der für den Vollzug der Vorschriften der Strassenverkehrsgesetzgebung
über Fahrzeuge und Fahrzeugführer zuständigen Behörden. Sollte es sich bei dem am
4. August 2009 auf dem Fahrzeugausweis angebrachten Stempel um eine Verfügung
handeln, erfüllt die Eingabe vom 19. August 2009 die gesetzlichen Anforderungen in
zeitlicher, formeller und inhaltlicher Hinsicht (vgl. Art. 47 und 48 VRP sowie Art. 90 lit. a
des Gerichtsgesetzes, sGS 941.1). Ob es sich beim TCS um eine für den Vollzug der
Strassenverkehrsgesetzgebung zuständige Behörde im Sinn von Art. 41 VRP handelt
und auf die Eingabe vom 19. August 2009 einzutreten ist, kann indessen offen bleiben,
wenn es am Rechtsschutzinteresse der Rekurrentin fehlt.
5.- Gemäss Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung des Rekurses berechtigt, wer an der
Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheides ein eigenes
schutzwürdiges Interesse dartut. Es genügt ein tatsächliches Interesse. Die
Beeinträchtigung der Interessenlage darf jedoch nicht nur subjektiv empfunden
werden, sondern muss insofern objektivierbar sein, als der Rekurrent stärker als
jedermann berührt und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur
Streitsache stehen muss. Die besondere Beziehungsnähe wird verneint, wenn der
Betroffene durch den angefochtenen Akt keinen persönlichen, unmittelbaren Nachteil
erleidet (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen
2003, Rz. 389 ff.).
Aus den Angaben der Abteilung Prüfungen des Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamtes ergibt sich, dass der Personenwagen Volvo 850 GLT mit der
Fahrgestell-Nr. Z und der Stamm-Nr. S am 18. August 2008 ausser Verkehr gesetzt
wurde. Da alle Motorfahrzeuge vor ihrer Zulassung zum Verkehr gemäss Art. 29 Abs. 1
der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (SR 741.41,
abgekürzt: VTS) einzeln amtlich geprüft werden müssen, setzt die erneute
Inverkehrsetzung des Personenwagens der Rekurrentin eine erneute amtliche Prüfung
voraus. Die Zulassungsprüfung erfolgt durch kantonale Sachverständige. Zuständig ist
die Zulassungsbehörde des Kantons, in dem das Fahrzeug zugelassen wird (Art. 29
Abs. 2 VTS). Bei den in Art. 30 Abs. 1 VTS genannten Fahrzeugen beschränkt sich die
Einzelprüfung auf eine Funktionskontrolle der wichtigsten Vorrichtungen (namentlich
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Lenkung, Bremsen, Beleuchtung). Die Zulassungsbehörde kann diese
Funktionskontrolle insbesondere für leichte Motorwagen (bis 3,5 Tonnen) auf Gesuch
hin an Personen delegieren, die zur Verwendung der Typengenehmigungen berechtigt
sind und für eine einwandfreie Auslieferung Gewähr bieten (vgl. Art. 32 VTS). Nachdem
der Personenwagen der Rekurrentin am 18. August 2008 ausser Verkehr gesetzt war,
ist fraglich, ob er am 26. Mai 2009 überhaupt Gegenstand einer periodischen
Nachprüfung im Sinn von Art. 33 VTS und der Vereinbarung zwischen dem TCS und
dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt vom 20. März 2007 sein konnte. Die Frage
kann indessen offen bleiben.
Mit der Ausserverkehrsetzung am 18. August 2008 wurde der bestehende
Fahrzeugausweis annulliert (act. 10). Aus dem vom Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt am 25. August 2008 ausgestellten Papier (act. 2, Beilage zur Eingabe
vom 19. August 2009) war ersichtlich, dass das Fahrzeug über keinen gültigen
Fahrzeugausweis mehr verfügte (ER 18.08.08 im Feld 14 "Verfügungen der Behörde").
Ohne neuen gültigen Fahrzeugausweis durfte der Personenwagen mithin nicht mehr in
Verkehr gebracht werden (vgl. Art. 10 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR
741.01, abgekürzt: SVG). Anders ist die Lage, wenn ein Fahrzeug mit noch gültigem
Fahrzeugausweis nachgeprüft wird. Werden dabei Mängel festgestellt, deren
Behebung in einer Nachkontrolle überprüft werden kann, bleibt der Fahrzeugausweis
bis dahin gültig und das Fahrzeug zum Verkehr zugelassen. Da der TCS jedenfalls nicht
zur Ausstellung von Fahrzeugausweisen befugt ist (vgl. Vereinbarung vom 20. März
2007, act. 6/2), konnte die Prüfung durch das Service Center am 26. Mai 2009 nicht
dazu führen, dass das Fahrzeug unmittelbar zum Verkehr zugelassen war.
Insbesondere führte der Vorbehalt einer "Nachkontrolle" nicht dazu, dass der
annullierte Fahrzeugausweis wieder gültig wurde. Deshalb wurde auf der ausgestellten
Mängelliste zu Recht festgehalten, dass das Fahrzeug für die Vorführung zur
Nachkontrolle über ein Tages- oder Händlerschild verfügen müsse (act. 2, Beilage zur
Eingabe vom 19. August 2009). Wie zu entscheiden wäre, wenn die Nachkontrolle
stattgefunden hätte und die Behebung der Mängel festgestellt worden wäre, kann offen
bleiben. Der vom TCS angebrachte Stempel hielt damit lediglich die ohnehin
bestehende Situation fest, nach welcher der Personenwagen der Rekurrentin ohne eine
amtliche Prüfung nicht in Verkehr gesetzt werden konnte.
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Da der Personenwagen der Rekurrentin auch ohne den beanstandeten Stempel nicht
hätte in Verkehr gesetzt werden können, fehlt es an einem schutzwürdigen Interesse
zur Feststellung, ob der TCS den Stempel überhaupt hätte anbringen dürfen. Deshalb
ist auf das Rechtsmittel, soweit es als "Beschwerde/Einsprache/Rekurs" bezeichnet
wird, nicht einzutreten.
6.- Die Verwaltungsrekurskommission kann die Eingabe vom 19. August 2009 auch
unter keinem anderen Titel behandeln. Die Rügen in Ziff. 1 der Kurzbegründung in der
Eingabe vom 19. August 2009 beziehen sich nicht auf die Durchführung der amtlichen
Nachprüfung durch das Service Center des TCS, sondern offenbar auf eine
Überprüfung des "Motorenblocks/Kompression" und sind deshalb von vornherein einer
öffentlich-rechtlichen Beurteilung entzogen. Der zwischen dem Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen und dem TCS am 20. März 2007
abgeschlossenen Vereinbarung können lediglich die periodischen Nachprüfungen im
Sinn von Art. 33 VTS unterliegen. Alle übrigen Rechtsbeziehungen zwischen dem TCS
und dem Kunden – allenfalls vorbehältlich der Funktionskontrolle vor der Zulassung im
Sinn von Art. 33 VTS und Art. 5 EV zum SVG – richten sich nach Privatrecht.
Soweit mit der Eingabe die Feststellung von Mängeln am Fahrzeug beanstandet wird,
besteht die Möglichkeit, eine amtliche Nachprüfung durch das Strassenverkehrsamt
vornehmen zu lassen. Darauf wird in Ziff. 5 der auf der Rückseite der Mängelliste
angebrachten Bemerkungen hingewiesen. Ein Rechtsmittel an die
Verwaltungsrekurskommission ist jedoch nicht vorgesehen. Bei der in der Eingabe vom
19. August 2009 in Ziff. 2 der summarischen Kurzbegründung dargelegten Uneinigkeit
mit dem Sachverständigen des TCS wäre es deshalb angezeigt gewesen, unmittelbar
eine amtliche Prüfung durch das Strassenverkehrsamt durchführen zu lassen.
Alternativ wäre es möglich gewesen, das Fahrzeug mit einem Tages- oder
Händlerschild nach Behebung der Mängel zur Nachkontrolle vorzuführen. Darauf wird –
im Zusammenhang mit der periodischen Nachprüfung – in Ziff. 2 der rückseitigen
Bemerkungen auf der Mängelliste hingewiesen. Unbestritten ist, dass die
Nachkontrolle, die "alsdann" hätte stattfinden sollen (vgl. Ziff. 2 der summarischen
Kurzbegründung und Bemerkung in Feld 91 der Mängelliste), nicht durchgeführt wurde.
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Die Verwaltungsrekurskommission ist auch nicht Aufsichtsbehörde des TCS. Die
Erfüllung einer Verwaltungsaufgabe durch Private muss zwar einer minimalen
staatlichen Aufsicht unterliegen (vgl. G. Biaggini, Rechtsstaatliche Anforderungen an
die Auslagerung und an den ausgelagerten Vollzug staatlicher Aufgaben sowie
Rechtsschutz, in: Auslagerung und Privatisierung von staatlichen und kommunalen
Einheiten: Rechtsformen und ihre Folgen, St. Gallen 2002, S. 151 f.). Die Aufsicht
obliegt jedoch in erster Linie dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt, das gemäss
Ziff. 16 zur stichprobenweisen und unangemeldeten Kontrolle der Prüfeinrichtungen
und der Durchführung der Nachprüfungen und gemäss Ziff. 17 Abs. 2 bei wiederholter
Verletzung der Vereinbarung, insbesondere bei ungenügender Prüfungsabnahme oder
Falscheintragungen auf dem Prüfbericht, zur fristlosen Kündigung der Vereinbarung
berechtigt ist. Eine gegen die Erfüllung von Verwaltungsaufgaben durch den TCS
gerichtete Aufsichtsbeschwerde wäre dementsprechend beim Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt zu erheben.
Gleiches gilt in sinngemässer Anwendung von Art. 89 Abs. 1 lit. a VRP für die
Rechtsverweigerungsbeschwerde. Öffentlich-rechtliche Entschädigungsansprüche
gegenüber dem Staat, öffentlich-rechtlichen Körperschaften oder Anstalten sind beim
Zivilrichter geltend zu machen (Art. 72 ff. VRP).
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend – das Nichteintreten mangels
Rechtsschutzinteresse hat die Rekurrentin zu vertreten – sind die amtlichen Kosten der
Rekurrentin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- ist
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Gemäss
Art. 97 VRP kann auf die Erhebung amtlicher Kosten verzichtet werden, wenn die
Umstände es rechtfertigen. Die weite Formulierung lässt einen dem Einzelfall
angepassten Verzicht nach pflichtgemässem Ermessen zu. Ein Verzicht kann
insbesondere aus Gründen der Billigkeit oder weil eine Rechtsfrage erstmals zu
entscheiden war, angezeigt sein (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.
gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 111 ff.). Da die Erfüllung
von Verwaltungsaufgaben durch den TCS im Bereich der Fahrzeugprüfungen bisher
noch nie Gegenstand eines Rechtsmittelverfahrens vor der
Verwaltungsrekurskommission war, ist es gerechtfertigt, auf die Erhebung der
amtlichen Kosten zu verzichten.
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Der Vertreter der Sektion St. Gallen – Appenzell Innerrhoden des TCS stellte den
Antrag, auf das Rechtsmittel sei nicht einzutreten, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission werden nach
Art. 98 Abs. 2 VRP ausseramtliche Kosten entschädigt, soweit sie aufgrund der Sach-
oder Rechtslage als notwendig und angemessen erscheinen. Die Eingabe vom
19. August 2009 betrifft die Erfüllung von Verwaltungsaufgaben durch den TCS.
Hinsichtlich der Frage des Anspruchs auf die Entschädigung ausseramtlicher Kosten
ist er deshalb wie das Gemeinwesen zu behandeln. Die Rechtsprechung verneint
grundsätzlich einen derartigen Anspruch. Er ist regelmässig zu verneinen, wenn das
Gemeinwesen als erstverfügende Instanz im Bereich des Normenvollzugs gehandelt
hat (vgl. Hirt, a.a.O., S. 176).