Decision ID: 9b3577b9-e335-470b-95ed-4e1f927a7f17
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 29.05.2012 Art. 14 Abs. 1 und 2 AVIG. Befreiung von der Beitragszeit. Eine Beitragszeitbefreiung kann vorliegend weder unter dem Titel von Trennung/ Scheidung, noch unter denjenigen von Krankheit oder Weiterbildung bejaht werden (Entscheid des Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 29. Mai 2012, AVI 2011/68).Präsidentin Lisbeth Mattle Frei, Versicherungsrichterin Marie Löhrer, Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiberin Jeannine BodmerEntscheid vom 29. Mai 2012in SachenA._,Beschwerdeführerin,gegenKantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendArbeitslosenentschädigung (Beitragszeitbefreiung)Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 29. Juni 2011 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum
(RAV) Heerbrugg zur Arbeitsvermittlung an (act. G 3.1/7) und stellte ab gleichem Datum
bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (act.
G 3.1/13). Sie gab an, infolge der im Mai 2011 erfolgten Ehescheidung nach 32
Ehejahren eine Stelle im Umfang von 100% zu suchen (act. G 3.1/13).
A.b Mit Verfügung vom 22. Juli 2011 lehnte die Kantonale Arbeitslosenkasse den
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 29. Juni 2011 ab, da die Versicherte
weder während der Rahmenfrist für die Beitragszeit eine Arbeitnehmertätigkeit
nachweisen noch einen Beitragszeitbefreiungsgrund geltend machen könne.
Insbesondere sei auf Grund der Scheidung keine Notwendigkeit entstanden, auf eine
veränderte Situation reagieren zu müssen. Vielmehr sei sie bereits seit dem 29. Juli
2009 gerichtlich getrennt, weshalb das Ereignis, welches sie zur Aufnahme oder
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Erweiterung einer unselbständigen Erwerbstätigkeit gezwungen hätte, somit vor mehr
als einem Jahr stattgefunden habe (act. G 3.1/19).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am 27. Juli 2011 Einsprache. Sie
begründete diese damit, dass sie im Jahr 2006 aus gesundheitlichen Gründen aus dem
Arbeitsprozess ausgestiegen sei. Nachdem es auf Grund der Alkoholkrankheit ihres
Ehemannes zur Trennung gekommen sei, habe sie Hilfe im Psychiatriezentrum
erhalten, worauf sie sich auch zum IV-Bezug angemeldet habe. Weiter habe sie sich
beim RAV gemeldet, welches sie massiv unter Druck gesetzt habe, sofort eine 100%-
Stelle anzunehmen. Dies sei ihr jedoch aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich
gewesen. Infolge der Frühintervention der IV habe sie eine Umschulung zur Arzt- und
Spitalsekretärin besuchen können, welche sie im Frühjahr 2011 mit Erfolg
abgeschlossen habe. Während dieser Zeit habe sie weiterhin als (selbständige)
Fusspflegerin zu Hause sowie im Heim gearbeitet. Sie habe sich weiter privat um
Stellen beworben, jedoch sei der Erfolg leider ausgeblieben. Eine RAV-Anmeldung
habe sie in Absprache mit dem IV-Berater zurückgezogen, da sie aus gesundheitlichen
Gründen nicht noch weiter belastbar gewesen sei. Im Mai 2011 sei es zur Scheidung
gekommen. Sie sei weiterhin bei der IV in Abklärung, in psychiatrischer Behandlung
und habe sich erneut beim RAV angemeldet. Die Zeit seit der Trennung habe sie für die
Wiedereingliederung optimal und der Gesundheit entsprechend genutzt. Falls die
Unterhaltszahlungen ihres Exmannes ausfallen würden, sei sie sofort von der Sozialhilfe
abhängig. Es sei ihr nicht möglich, ihren Lebensunterhalt von der Fusspflege zu
finanzieren, weshalb ihr Antrag nochmals überprüft werden möge (act. G 3.1/20).
B.b Die Kantonale Arbeitslosenkasse wies die Einsprache mit Entscheid vom 1.
September 2011 ab. Aus dem Urteil des Kreisgerichts vom 3. August 2009 betreffend
Eheschutzmassnahmen gehe hervor, dass ihr Exmann zu monatlichen
Unterhaltsleistungen von Fr. 3'000.-- samt der Hälfte allfälliger Boni und
Gewinnbeteiligungen verpflichtet worden sei. Gemäss dem Ehescheidungsurteil vom 6.
Mai 2011 sei an der Unterhaltsverpflichtung von Fr. 3'000.-- festgehalten, jedoch auf
Anteilsrechte an Boni und Gewinnbeteiligungen verzichtet worden. Daher habe eine
erhebliche Änderung in den persönlichen und finanziellen Verhältnissen mit der
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Trennung im August 2009 stattgefunden, nicht mehr jedoch auf Grund der Scheidung.
Folglich könne im Zeitpunkt der Anmeldung nicht mehr von einer plötzlich
entstandenen Notsituation ausgegangen werden, deren Eintritt nicht länger als ein Jahr
zurückliege. Zudem habe es sich bei der Umschulung zur Arzt- und Spitalsekretärin
nicht um einen Vollzeitlehrgang gehandelt. Daher wäre es der Versicherten möglich
gewesen, daneben eine Teilzeitstelle anzunehmen und somit die minimale Beitragszeit
von zwölf Monaten zu generieren (act. G 3.1/21).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 10.
September 2011 (Datum Postaufgabe) mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung
des Entscheids und Zusprechung von Arbeitslosenentschädigung. Zur Begründung
machte die Beschwerdeführerin geltend, dass ihr Exmann sie während der
Trennungszeit zusätzlich unterstützt habe, was seit der Scheidung nicht mehr der Fall
sei. Sie sei daher gezwungen, neben ihrer Tätigkeit in der Fusspflege eine sofortige
unselbständige Arbeit aufzunehmen. Da ihr Exmann alkoholkrank sei, sei bei ihm
finanziell nichts zu holen. Sollte er seine Stelle verlieren und dekompensieren, werde
sie auch mitgezogen. Ausserdem habe sie sich auch während ihres Kursbesuchs um
Stellen beworben, jedoch nur Absagen erhalten, weshalb sie in der Fusspflege zu
Hause und im Pflegeheim gearbeitet und ihre ganze Freizeit fürs Lernen aufgewendet
habe (act. G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte unter Verweis auf den Einspracheentscheid
vom 1. September 2011 die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.c Mit Schreiben vom 17. Januar 2012 zog das Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen die IV-Akten bei (act. G 5).
C.d Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (act. G 8).

Erwägungen:
1.
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1.1 Nach Art. 8 Abs. 1 lit. e des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) hat
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wer unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat
oder von der Erfüllung der Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit erfüllt hat laut Art. 13
Abs. 1 AVIG, wer innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG)
während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt
hat.
1.2 Die Rahmenfrist für den Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den
sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit
beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 2 und 3 AVIG).
1.3 Gemäss Art. 14 Abs. 1 AVIG sind von der Erfüllung der Beitragszeit u.a. Personen
befreit, die innerhalb der Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während insgesamt mehr als
zwölf Monaten nicht in einem Arbeitsverhältnis standen und die Beitragszeit nicht
erfüllen konnten wegen einer Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung, sofern
sie während mindestens zehn Jahren in der Schweiz Wohnsitz hatten (lit. a), wegen
Krankheit (Art. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), Unfall (Art. 4 ATSG) oder Mutterschaft
(Art. 5 ATSG), sofern sie während dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten (lit. b).
1.4 Von der Erfüllung der Beitragspflicht ebenfalls befreit sind gemäss Art. 14 Abs. 2
AVIG Personen, die wegen Trennung oder Scheidung der Ehe, wegen Invalidität oder
Todes des Ehegatten oder aus ähnlichen Gründen oder wegen Wegfalls einer
Invalidenrente gezwungen sind, eine unselbstständige Tätigkeit aufzunehmen oder zu
erweitern. Diese Regel gilt nur dann, wenn das betreffende Ereignis nicht mehr als ein
Jahr zurückliegt und die betroffene Person beim Eintritt dieses Ereignisses ihren
Wohnsitz in der Schweiz hatte. Die Bestimmung von Art. 14 Abs. 2 AVIG ist in erster
Linie für jene Fälle vorgesehen, in denen plötzlich die Person, welche durch
Geldzahlungen an den Unterhalt der Familie beiträgt, oder die Erwerbsquelle aus- oder
weggefallen ist (BGE 125 V 124 E. 2a). Gemäss geltender Rechtsprechung ist eine
Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit nach Art. 14 Abs. 2 AVIG nur möglich,
wenn zwischen dem geltend gemachten Grund und der Notwendigkeit der Aufnahme
oder Erweiterung einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit ein Kausalzusammenhang
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gegeben ist. Dabei ist kein strikter Kausalitätsnachweis im naturwissenschaftlichen
Sinn zu verlangen. Der erforderliche Kausalzusammenhang ist vernünftigerweise
bereits zu bejahen, wenn es glaubwürdig und nachvollziehbar erscheint, dass der
Entschluss der versicherten Person, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit
aufzunehmen, in dem als Befreiungsgrund in Frage kommenden Ereignis mitbegründet
liegt (BGE 125 V 125 E. 2a, 121 V 344 E. 5c/bb, 119 V 55 E. 3b und ARV 2002 Nr. 25
S. 176 E. 2; vgl. auch ARV 2012 Nr. 4 E. 7.1.1).
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten und geht im Übrigen aus den Akten hervor, dass die
Beschwerdeführerin keine Beitragszeit vorzuweisen vermag. Nachfolgend wird daher
zu prüfen sein, ob ein Grund für die Befreiung von der Beitragszeit vorliegt.
2.2 Die Beschwerdeführerin macht als Befreiungsgrund ihre Scheidung und die damit
verbundene Reduktion der Unterhaltsbeiträge geltend, durch welche sie gezwungen
worden sei, eine unselbstständige Erwerbstätigkeit zu suchen. Sie habe sich durch die
Ausbildung zur Arzt- und Spitalsekretärin auf den Arbeitsmarkt vorbereiten wollen und
sei bis zur Ehescheidung von ihrem Exmann finanziell zusätzlich unterstützt worden.
Nach der Scheidung sei diese Unterstützung weggefallen.
2.3 Zu prüfen ist daher, ob sich im Jahr vor der Anmeldung zum Bezug von Arbeits
losenentschädigung auf Grund der Trennung resp. Scheidung eine Änderung in den
wirtschaftlichen Verhältnissen der Beschwerdeführerin verwirklicht hat, die sie zur
Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstätigkeit gezwungen hat. Aus dem Entscheid
des Einzelrichters des Kreisgerichts Rheintal vom 3. August 2009 betreffend
Eheschutzmassnahmen geht hervor, dass die Unterhaltsleistungen des Ehemanns für
den Unterhalt der Beschwerdeführerin infolge der per 9. Juni 2009 erfolgten Trennung
der Eheleute monatlich Fr. 3'000.-- betrugen und er ihr im Weiteren die Hälfte allfälliger
Boni und Gewinnbeteiligungen zu bezahlen hatte (act. G 3.1/17). Mit Scheidungsurteil
vom 6. Mai 2011 wurde die Ehe geschieden und die Vereinbarung der Eheleute vom 1.
März 2011 über die Scheidungsfolgen genehmigt. Gestützt darauf verpflichtete sich der
Ehegatte, an den Unterhalt der Beschwerdeführerin bis zu deren Pensionierung
monatlich Fr. 3'000.-- zu zahlen sowie auch weiterhin sämtliche Boni und
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Gewinnbeteiligungen mit der Ehefrau hälftig zu teilen (act. G 3.1/17). Die somit seit der
Ehetrennung geltende und nach der Scheidung unverändert weiterbestehende
Unterhaltsverpflichtung ging gestützt auf die Bedarfsrechnung im Eheschutzverfahren
(vgl. Urteil des Einzelrichters vom 3. August 2009, act. G 3.1/17) davon aus, dass das
durch den Ehemann erzielte Einkommen der Eheleute von Fr. 6'300.-- einem
Gesamtbedarf der Eheleute von Fr. 6'860.-- bzw. pro Ehepartner von je Fr. 3'430.--
gegenüberstand. Auf Grund dieser Bedarfsrechnung war folglich bereits im Zeitpunkt
der Regelung der Trennungsfolgen mit Entscheid vom 3. August 2009 ausgewiesen,
dass der Bedarf der Beschwerdeführerin von Fr. 3'430.-- durch die Unterhaltszahlung
ihres Ehemannes nicht mehr (voll) gedeckt werden konnte und sie gezwungen war,
eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Dass sie die Hypothekarlast erst mit der
Scheidung übernommen habe, mag formell zwar den Tatsachen entsprechen.
Praktisch blieb die Beschwerdeführerin jedoch bereits nach der Trennung in der
Eigentumswohnung wohnen, wogegen ihr Ehemann aus dieser auszog, weshalb
infolge fehlender anderslautender gerichtlicher Regelung davon auszugehen ist, dass
sie bereits ab jenem Zeitpunkt die Zahlung der Hypothekarzinsen alleine übernahm.
Selbst wenn, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, ihr Exmann ihr noch bis zur
Scheidung freiwillig eine zusätzliche finanzielle Unterstützung bot, war bereits im
Zeitpunkt der gerichtlichen Trennungsregelung klar, dass ihre wirtschaftliche Situation
eine Arbeitsaufnahme dringlich machte, weil sie auf Grund der Trennungsvereinbarung
nicht auf diese Zusatzleistungen vertrauen konnte.
2.4 Massgebend ist grundsätzlich derjenige Zeitpunkt, ab welchem die
wirtschaftliche Unterstützung des Ehegatten dahinfällt bzw. reduziert wird, und nicht
generell derjenige des Eintritts der Rechtskraft des Scheidungs- oder Trennungsurteils
(vgl. Urteil vom 4. August 2004 i/S L. [C 369/01] E. 3.3). Vorliegend ist daher gemäss
dem Entscheid vom 3. August 2009 auf den 1. Juli 2009 (vgl. Ziff. 2.3.:"ab dem ersten
vollen Monat der Trennung") abzustellen. Nachdem die Anmeldung bei der
Arbeitslosenversicherung vom 29. Juni 2011 (act. G 3.1/13) somit mehr als ein Jahr
später und damit offensichtlich zu spät erfolgte, ist ein Befreiungsgrund von der
Beitragszeit gestützt auf Art. 14 Abs. 2 AVIG nicht gegeben.
2.5 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass lediglich die Möglichkeit eines Ausfalls
von Unterhaltsleistungen durch den Exmann keine Befreiung von der Beitragszeit
begründet.
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3.
3.1 Zu prüfen bleibt damit, ob allenfalls ein Befreiungsgrund im Sinn von Art. 14
Abs. 1 AVIG vorliegt.
3.2 Die Beschwerdeführerin hatte am 28. Mai 2009 bei der IV-Stelle ein Gesuch um
berufliche Eingliederung gestellt (act. G 6/4). Zudem stellte sie erstmals bereits am 10.
September 2009 beim RAV Heerbrugg Antrag auf Arbeitslosenentschädigung (vgl. act.
G 3.1/19). In der Einsprache vom 27. Juli 2011 machte sie geltend, vom RAV massiv
unter Druck gesetzt worden zu sein, sofort eine 100%-Stelle anzunehmen. Aus
gesundheitlichen Gründen sei ihr dies aber gar nicht möglich gewesen. Während ihrer
Umschulung zur Arzt- und Spitalsekretärin habe sie weiter als Fusspflegerin gearbeitet
und sich privat um Stellen beworben. Die RAV-Anmeldung habe sie nach Absprache
mit dem IV-Berater zurückgezogen, weil sie aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter
belastbar gewesen sei.
3.3 Nach Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG gilt als Voraussetzung zur Befreiung von der
Beitragszeit das Vorliegen einer innerhalb der Rahmenfrist insgesamt mehr als zwölf
Monate dauernden Krankheit. Aus den IV-Akten geht zwar hervor, dass die
Beschwerdeführerin medizinisch verschiedentlich abgeklärt wurde und sie vom 25.
März 2008 bis 28. Juli 2010 in ambulanter psychiatrischer Behandlung war (vgl. act.
G 6/15, G 6/46). Demgegenüber sind den ärztlichen Berichten keine
Arbeitsunfähigkeiten im fraglichen Zeitraum von 2009 bis 2011 zu entnehmen (vgl. act.
G 6/15, G 6/46). Vielmehr wurden solche in den Stellungnahmen des Regionalen
Ärztlichen Dienstes explizit verneint (vgl. Stellungnahmen des RAD-Arztes Dr. med.
A._ vom 16. Juni 2009 [act. G 6/8, G 6/7] und 12. Juli 2011 [act. G 6/44, G 6/45]).
Zudem bestätigten auch der Hausarzt Dr. med. B._, FMH für Innere Medizin und die
Psychologin C._ eine volle Arbeitsfähigkeit (act. G 6/16-2, G 6/20-2, G 6/47-2 und
G 6/49). Obgleich die Beschwerdeführerin somit offensichtlich unter gesundheitlichen
Beschwerden litt, hätten diese sie auf Grund ihres Ausmasses nicht an der Aufnahme
einer unselbständigen Tätigkeit gehindert. Folglich entfällt vorliegend auch eine
Befreiung gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG auf Grund von Krankheit.
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3.4 Wie die Beschwerdegegnerin bereits ausgeführt hat, wäre es der
Beschwerdeführerin trotz Ausbildung zur Arzt- und Spitalsekretärin möglich gewesen,
einer Teilzeiterwerbstätigkeit nachzugehen. Laut Offerte der Z._-Schule dauerte die
Ausbildung ein Jahr ab 22. Februar 2010 und beinhaltete 40 Unterrichtswochen mit je
einem Kurstag, der vorliegend auf Montag angesetzt war. Selbst wenn die
Beschwerdeführerin genügend Zeit zum Selbststudium aufwenden wollte, wäre ihr eine
Teilzeitarbeit somit offen gestanden. Zudem hätte sie die Möglichkeit gehabt, anstelle
ihrer selbständigen Tätigkeit als Fusspflegerin eine beitragspflichtige Beschäftigung
auszuüben, um so allenfalls auch ein grösseres aneinanderhängendes Arbeitspensum
annehmen zu können. Damit ist auch der Befreiungsgrund nach Art. 14 Abs. 1 lit. a
AVIG infolge Schulausbildung, Umschulung oder Weiterbildung zu verneinen.
4.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP