Decision ID: 80ffb4d9-b866-4095-8f1e-95c2a36c0c42
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
(geborene
Z._
)
, geboren 1989,
wurde
im
Jahr
1998 von einem Bus angefahren
und erlitt eine Rückenkontusion (vgl.
Urk.
7/6/11)
.
Die Ver
sicherte
erlernte nach der
obligatorische
n
Schulzeit
keinen Beruf
(
vgl.
Lebenslauf;
Urk.
7/
174
).
Am
1
0.
November 2006
(Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte
bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf
seit dem Unfall bestehende
Rückenprobleme
sowie chronische Nierenschmerzen
zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung
an (
Urk.
7
/1
).
Die IV-Stelle wies
den Anspruch auf berufliche Massnahmen
bei nicht ausgewiesenem iv-rele
vantem Gesundheits
schaden
mit Verfügung vom 3
1.
Januar 2007 ab (
Urk.
7/11).
Die Versicherte meldete sich a
m
1
8.
Juni 2008 (Eingangsdatum)
erneut bei der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an
, diesmal unter Hinweis auf ein psychisches Leiden
(
Urk.
7/19).
Nach Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen (vgl.
Urk.
7/31 und
Urk.
7/40) sprach ihr die IV
Stelle gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % mit Verfügung vom
5.
Oktober 2009 (
Urk.
7/55) eine ganze ausserordentliche Invalidenrente ab
1.
Juni 2007 zu
un
d verknüpfte dies mit der Auflage einer Schaden
minderungs
pflicht im Sinne einer mindestens einmal pro Monat stattzufindenden Psycho
therapie (
Urk.
7/43).
Im Februar 2011 gebar die Versicherte einen Sohn (
Urk.
7/72), weshalb ihr ab diesem Zeitpunkt eine akzessorische Kinderrente zugesprochen wurde (Verfügung vom 2
8.
März 2011,
Urk.
7/74).
Im Rahmen eines amtlichen Revisionsverfahrens veranlasste die IV-Stelle eine psychiatrische Begutachtung (vgl. Gutachten vom 1
0.
Juli 2011;
Urk.
7/79
/5-34
)
und führte eine Abklärung der Beeinträchtigung in Beruf und Haushalt durch (Bericht vom
6.
Januar 2012,
Urk.
7/81). Gestützt auf diese Aktenlage und unter Hinweis, dass die Versicherte der auferlegten Schadenminderungspflicht nicht nachgekommen sei, berechnete die IV-Stelle weiterhin ausschliesslich nach der Erwerbsvergleichsmethode neu einen Invali
ditäts
grad von 57
%
und reduzierte die Invalidenrente mit Verfügung vom 2
5.
April 2012 ab
1.
Juni 2012 auf eine halbe Rente (
Urk.
7/96), wobei sie die Auferlegung der Schadenminderungspflicht (regelmässige psychiatrische The
rapie) erneuerte (Schreiben vom
6.
Januar 2012,
Urk.
7/91). Mit Mitteilung vom 2
5.
Mai 2012 (
Urk.
7/108) gewährte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining vom
2.
Juli bis 2
8.
September 2012, welches per
8.
August 2012 wegen gesundheitlich
begründeter Absenzen abgebrochen wurde (Urk. 7/119ff.). Die Eingliederungsberatung wurde beendet und erneut eine Rentenprüfung veranlasst (
Urk.
7/122/7,
Urk.
7/124ff.), die mit Mitteilung vom 3
1.
Oktober 2012 (
Urk.
7/132) unter Bestätigung des Anspruchs auf eine halbe Invalidenrente schloss.
1.2
Im Januar 2015 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein weiteres
R
evisions
verfahren ein (
Urk.
7/133) und nahm Abklärungen in erwerblicher und medi
zi
nischer Hinsicht vor.
Sie holte Berichte der behandelnden Ärzte (Urk.
7/134, Urk.
7/135,
Urk.
7/142 und
Urk.
7/155) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug; Urk. 7/136) ein und veranlasste eine poly
dis
ziplinäre Begutachtung am
A._
, über welche am 21.
Juni 2016 berichtet wurde (
Urk.
7/170). Zur Klärung beruflicher Ein
gliederungs
massnahmen fand am
3
0.
August 2016
bei
der IV-Stelle ein per
sönliches Gespräch statt (
Urk.
7/
171
und
Urk.
7/208 S. 4
).
Die IV-Stelle gewährte der Ver
sicherten Kostengut
sprache für
«
Arbeitsvermittlung plus
»
ab dem 1. No
vember 2016 bis 27. März 2017 bei der
B._
(Mitteilung vom 26.
Oktober 2016; Urk. 7/177).
Nach erfolg
reicher Suche eines Trainingsplatzes
übernahm
die IV-Stelle
die Kosten
für ein Arbeitstraining bei der
C._
vom
4.
Januar bis
3.
Juli 2017
unter Fortführung des Coachings
(Mitteilung vom
4.
Januar 2017;
Urk.
7/183).
Im Rahmen der Arbeits
vermittlung begann die Versicherte ab Juni 2017 wieder mit der Stellensuche und erhielt eine befristete Anstellung bei der
D._
vom
1.
Juli bis 30.
September 2017 in einem 50%-Pensum (vgl.
Arbeitsvertrag vom 2
9.
Juni 2017;
Urk.
7/1
9
4). In diesem Zusammenhang übernahm die IV-Stelle
weiterhin
die Kosten für das Job Coaching (Mit
teilung vom 1
0.
Juli 2017; Urk.
7/195).
Zufolge
einer Festanstellung bei der
E._
ab dem
4.
September 2017 in einem 80%-Pensum (vgl.
Arbeits
vertrag vom 22.
August 2017;
Urk.
7/199) gewährte die IV-Stelle Kosten
gutsprache für einen Ein
arbeitungs
zuschuss bis 28. Februar 2018 (Mit
te
ilung vom 2
9.
August 2017; Urk.
7/200).
Infolge eine
s Schwangerschafts
induzierten anhal
ten
den schweren Übelkeitssyndroms
wurde das Arbeitsver
hältnis
während der Probezeit
per 25. September 2017
aufgelöst und die Nach
betreuung durch die
B._
beendet (vgl. Abschlussbericht Nachbetreuung vom 1
8.
September 2017; Urk.
7/205).
Nach einem Abschlussgespräch am 1
4.
November 2017 teilte die IV
Stelle mit Schreiben vom 1
4.
November 2017 mit, da die Versicherte zurzeit schlecht vermittelbar sei und gemäss eigenen Angaben im Verlauf der Schwanger
schaft mit Komplikationen gerechnet werden müsse, werde die Arbeits
vermittlung sowie das Coaching durch die
B._
abgeschlossen (Urk. 7/207).
Ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 28 % stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom
8.
Januar 2018 die Aufhebung der Invalidenrenten in Aussicht (
Urk.
7/211).
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 14. Februar 2018 (
Urk.
7/212) sowie ergänzend am
8.
März 2018 (
Urk.
7/
225
) Einwand.
Am 1
7.
April 2018 gebar die Versicherte eine Tochter (
Urk.
7/229; Verfügung für Kinderrente vom 1
5.
Mai 2018,
Urk.
7/236).
Mit Verfügung vom
8.
Mai 2018 hob die IV-Stelle wie vorbeschieden die bisherige halbe Invaliden
rente per Ende Juni 2018 auf (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 2
5.
Mai 2018 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin zu verpflichten, ihr weiterhin Eingliederungsmassnahmen zu gewähren und hernach über die Renteneinstellung zu entscheiden. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Prozess
führung zu gewähren (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Juni 2018 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
2.
Juli 2018 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort
zur Kenntnisnahme
zugestellt (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburtsge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über
die Invaliden
versicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
-
wirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher
der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegeben
enfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegeben
en
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
8.
Mai 2018 (
Urk.
2) hielt die Beschwerde
gegnerin fest,
die medizinische Abklärung habe ergeben, dass sich der Gesund
heits
zustand der Beschwerdeführerin massiv verbessert
habe und
ab Mai 2016 eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit
bestehe.
Aufgrund der im Rahmen der durch
ge
führten Eingliederungsmassnahmen gefundenen Festanstellung habe die Beschwerde
führerin das Eingliederungsziel erreicht. Dass sie die Festanstellung wieder verloren habe, sei nicht auf eine dauerhafte gesundheitliche
Beeinträchti
gung
zurückzuführen, sondern auf die schwangerschaftsbedingten Fehltage.
In der Folge seien die
Eingliederungsmassnahmen seitens der Invalidenversicherung im Einverständnis mit der Beschwerdeführerin abgeschlossen worden.
Wünsche die Beschwerdeführerin nach Beendigung des Mutterschutzes erneut berufliche Massnahmen, könne sie sich wieder melden.
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 2
5.
Mai 2018 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
v
or dem Hintergrund, dass die Beschwerde
gegnerin Einarbeitungszuschüsse während sechs Monaten (bis Ende Februar 2018) gewährt habe, wäre das Eingliederungsziel frühestens sechs Monate nach Arbeitsbeginn erfüllt gewesen. Dass sie ihre Arbeitsstelle aufgrund der Schwangerschaft verloren habe, heisse ferner nicht, dass sie die gefundene Arbeitsstelle ohne Schwangerschaft hätte behalten können. Es könne ent
sprechend nicht von einem Erreichen des Eingliederung
s
ziels die Rede sein. Angesichts dessen, dass die Beschwerdegegnerin ihr
empfohlen habe
, sich nach Ende des Mutterschutzes wieder zu melden und Eingliederungsmassnahmen gel
tend zu machen, könne nicht von einer erfolgreichen Eingliederung ausge
gangen werden, weshalb diese auch nicht als Grund für die Renteneinstellung herangezogen werden könne.
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die der Beschwerdeführerin zugesprochene halbe Rente zu Recht aufgehoben wurde.
Zeitliche Vergleichs
ba
sis für die Beurteilung einer Änderung des Invaliditätsgrades im Sinne von Art.
17
Abs.
1 ATSG (vgl.
E.
1.4
) bildet
die auf eingehender medizinischer Abklä
rung fussende
Verfügung
der Beschwerdegegnerin vom
2
5.
April 2012 (Urk. 7/
9
6
), mit welcher
ein
Invaliditäts
grad von
57 %
und damit der Anspruch auf eine
halbe
Invaliden
rente im Rahmen des
im August 2010
ange
hobenen amtli
chen Revisions
verfahrens
festgestellt
wurde.
3.
3.1
Grundlage für die ursprüngliche
Rentenzusprache
im August 2009 bildete einer
seits die Einschätzung von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Innere Medizin FMH,
der
eine seit 2007 bestehende atypische
Bulimia
nervos
a
(ICD-10: F50.3) bei mittelgradig depressiver Episode und einem chronischen
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom
diagnostizierte
und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestierte
(vgl. Arztbericht vom
9.
Juli 2008;
Urk.
7/26/7-12).
Andererseits die Beurteilung der
behandelnde
n
Psychiaterin
,
Dr.
med.
G._
, Kinder- und Jugend
psychiatrie FMH,
die
eine längere depressive Reaktion (ICD-10: F43.21) sowie Erbrechen und Appetitverlust
diagnostizierte
und ebenfalls eine voll
ständige Arbeitsunfähigkeit
attestierte
(vgl.
Arztbericht vom 2
0.
August 2008; Urk. 7/27).
Im Rahmen des ersten amtlichen Revisionsverfahrens hielt
Dr.
F._
in seinem Verlaufsbericht vom 13. August 2010 (
Urk.
7/57) fest, der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin habe sich verbessert. Es gebe keine Hinweise für Depression oder Sucht mehr und auch keine Anhaltspunkte für Phasen von (selbstindiziertem) Erbrechen.
3.2
Der Renten
herabsetzung
vom 2
5.
April 2012 (
Urk.
7/9
6
) lag in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen das durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene Gutachten von
Dr.
med. H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
0.
Juli 2011 (
Urk.
7/79/5-34) zugrunde.
3.2.1
Dr.
H._
konstatierte, die Beschwerdeführerin sei wach, bewusst
seins
klar und allseits orientiert. Die Auffassung sei intakt, ebenso die Auf
merksamkeit. Hin
weise auf Gedächtniseinbussen gebe es keine. Die Konzentration sei im Ver
lauf der Exploration leicht gemindert.
Das formale Denken sei unauffällig und kohärent.
Die Beschwerdeführerin habe Ängste angegeben, die am Abend oder in Träumen auftreten würden, wobei insbesondere die
belastenden
Situationen aus der Vergangenheit repetiert werden würden.
Ferner habe die Beschwerdeführerin über ein als
ichdyston
erlebtes Gedankenkreisen berichtet, wobei sie sich immer wiederkehrend mit ihrer Situation, der Langeweile und der Perspektivlosigkeit beschäftige. Anhaltspunkte für Wahn, Sinnes
täuschungen und Ich-Störungen, insgesamt für eine (produktive) psychotische Symptomatik würden sich
dagegen
weder für die Vergangenheit noch in der Untersuchungssituation ermitteln lassen. Die Stimmung sei leicht bedrückt, abhängig von einzelnen Themen auch ängstlich-zurückhaltend getönt, nicht jedoch eigentlich depressiv. Der Antrieb sei leicht angehoben, psychomotorisch sei sie unruhig, etwas zappelig, und mache fahrige Bewegungen. Verschiedentlich komme es zu passiven Todeswünschen, eine Suizidalität finde sich
hingegen
keine.
Die Beschwerdeführerin habe auto
aggressives Verhalten verneint, gleichwohl angegeben, sich im Alltag sehr angespannt, nervös und ungeduldig zu fühlen, wobei sie gelegentlich, aus der Not ihrer Situation heraus, Gegenstände kaputt mache. Ein sozialer Rückzug sei nicht zu verzeichnen. Die Beschwerde
führerin habe über ausreichende Kontakte mit Freundinnen und Kolleginnen
berichtet
, mit denen sie sich treffe, um aus dem von ihr als reizlos und langweilig erlebten häuslichen Milieu entfliehen zu können. Anhalte für Dissimulation (ausgenommen eine gewisse Selbstüber
schätzung eigener, objektiv doch mehr begrenzter Möglichkeiten) oder umgekehrt für Simulation oder Aggravation würden sich nicht aufzeigen lassen. Es
würden allenfalls leichte Verdeutlichungs
tendenzen bestehen.
Das persönliche Krank
heits
konzept sei wenig differenziert, vorzugs
weise stelle sie auf die in der Vergangen
heit stattgehabten belastenden sozialen Situationen ab. Die Compliance für eine psychiatrisch-psychothera
peutische Fachbehandlung sei reduziert. Eine solche sei, abgesehen von einem kurzen Aufenthalt im
I._
(März 2008)
sowie einer kürzeren Behandlung bei einer
Kinder- und Jugendp
sychiaterin
und offen
sichtlich nur sporadischen Kontakten über den
J._
, nicht durchgeführt worden
(
Urk.
7/79/20f.)
.
3.2.2
Dr.
H._
diagnostizierte eine Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typ (ICD-10: F60.3).
Unabhängig von wahrscheinlichen biologischen und anderen Dispositionen sei zu beachten, dass die Beschwerdeführerin in einem kaum vorbildhaften und affektiv haltgebenden, sondern gewalt- und angst
besetzten familiären Rahmen aufgewachsen sei. Auch in ihrer späteren Ent
wicklung habe es an korrigierenden Einflüssen gefehlt. Ein Schulabschluss habe, bei geringer Motivation und unterdurchschnittlichen Leistungen, zwar noch erreicht werden können, die Beschwerdeführer
in
habe aber keine Lehre beginnen und erfolgreich beenden können. Die Beziehungsgestaltungen würden sich mit wiederkehrenden maladaptiven Mustern (gewalttätiger Vater und
gewalttätiger
Ehemann) nahezu pathog
n
o
mon
isch zeigen. Durchgängig sei eine stark schwankende, im Allgemeinen aber unzureichende Eigeninitiative bezüglich beruflicher oder ähnlicher Ziele
(
Urk.
7/79/22)
.
Im Rahmen der Exploration
sei
von einem anhaltenden Gefühl der Leere und ständiger Langeweile
die Rede gewesen, wobei e
ine richtige Tagesstruktur nicht etabliert worden
sei
.
Dr.
H._
führte aus, der psychische Binnen
raum erscheine hierbei eingeengt, die psychischen Substrukturen einschliesslich der Ich- und Verhaltenssteuerung wenig differenziert und in ihrer Kontinuität brüchig, Konflikte und Spannungen würden interpersonell und über eine Somatisierung sowie durch malignes Agieren ausgedrückt und partiell abgeführt werden.
Selbstverletzungen eigentlicher Art würden sich zwar nicht zeigen, es sei aber anzumerken, dass ein rezidivierendes selbstinduziertes Erbrechen (im Rahmen einer inadäquaten Konfliktlösung) nicht ein pfleglicher Umfang mit sich selbst sei, sondern eine Form der (Auto-)Aggression darstelle. Das Selbstkonzept sei vage, entsprechend auch das Selbstwerterleben. Hier zeige sich denn auch der Zusammenhang zu den festzustellenden verschiedenen dep
ressiven Reaktions
weisen, welch
e
bei der
B
eschwerdeführerin als rezidivierende depressive Störung zu kennzeichnen seien, bei
derzeit
remittierter depressiver Symptomatik
(Urk. 7/79/23)
.
Der psychiatrische Gutachter fasste folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zusammen (
Urk.
7/79/25):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstruktur (ICD-10: F60.
3
)
mit Somati
sierung und posttraumatischen Anteilen
-
Chronisches
Lumbovertebralsyndrom
(ICD-10: M54.06), seit 2003, bei
Hyperlordosierung
der Lendenwirbelsäule und
dekonditionierter
Rumpf
muskulatur
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien eine anamnestisch festgestellte atypische
Bulimia
nervosa
(ICD-10: F50.3),
bestehend
seit 200
7 bei
derzeit sehr abgeschwächte
r
Symptomatik einschliesslich des rez
idivierenden (selbst
indu
zierten
) Erbrechens.
Ferner würden auch die rezidivierende
n
Harnwegs
infekte
sowie die psychosozialen Belastungsfaktoren (Vater alkoholkrank und arbeitslos, Mutter ebenfalls nicht mehr erwerbstätig, Bruder wegen Drogendelikten in der Schweiz inhaftiert und anschliessend nach Bosnien ausgeschafft) keine Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit haben
(
Urk.
7/79/26)
.
3.2.3
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
H._
fest,
in Bezug auf die körper
lich funktionell bedingten Einschränkungen (
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom) könne er keine Stellung beziehen und wiederhole die Einschätzung der behan
delnden Ärzte. Demnach seien der Beschwerdeführerin leichte Tätigkeiten in Wechsel
belastung ohne Heben und Tragen von Gewichten über 10 kg zumut
bar. Aus psychiatrischer Sicht seien
das Umstellungs- und Anpassungsvermögen sowie die Belastbarkeit um 50 % eingeschränkt, wobei diese Defizite stark mit der Persönlichkeitsstruktur zusammenhängen würden.
Auch
das Durchhalte
ver
mögen
sei
in hohem Masse mit der Motivation und der inneren Einstellung zusammen
hängend.
Um 20 % reduziert seien d
as
Kon
zentrations
- und Auffassungs
vermögen,
wobei auch diese
in erheblichem Masse von der subjektiven Einstellung (also von Persönlichkeitskomponenten)
der Beschwerde
führerin
abhängig
seien (
Urk.
7/79/29)
.
Es könne eine Präsenzzeit von 60 % ab Dezember 2010 und eine Restarbeitsfähigkeit von 40 % ange
nommen werden (
Urk.
7/79/30).
Dr.
H._
sah eine fachpsycho
therapeutische Behandlung angezeigt. Es könne davon ausgegangen werden, dass eine solche zu einer Konservierung und sukzessive auch zu einer Verbesserung der angegebenen Arbeitsfähigkeit führen könne (
Urk.
7/79/31).
Dr.
H._
bemerkte ausserdem, wäre die Beschwerdeführerin ihrer Schadenmin
derungs
pflicht bereits früher nach
gekommen, hätte ihre
aktuell
festgestellte
Leistungsfähigkeit
(40 %)
deutlich gesteigert werden können (
Urk.
7/79/34).
4.
4.1
Der rentenaufhebenden Verfügung vom
8.
Mai 2018 (
Urk.
2) lag im Wesentlichen das durch die Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene poly
disziplinäre Gutachten
vom 2
1.
Juni 2016 (
Urk.
7/170)
zugrunde.
Die Untersuchungen
(Innere Medizin, Psychiatrie und Urologie)
fanden am
2.
und
4.
Mai 2016 statt.
4.2
4.2.1
Die Gutachter stellten aus interdisziplinärer Sicht folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/170/5):
-
Chronisches
Lumbovertebralsyndrom
-
Ausgeprägte
Hyperlordosierung
der Lendenwirbelsäule
-
Dekonditionierte
Rumpfmuskulatur
-
Verdacht auf
pseudoradikuläre
Ausstrahlung ins rechte Bein
-
Probleme mit Bezug auf die Familie (ICD-10: Z63)
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4)
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
seien
:
-
Nephrolithiasis
rechts mit/bei:
-
Status nach obstruktiver
Pyelonephritis
in der 2
9.
Schwangerschafts
woche mit Multiorganversagen (Januar 2011)
-
Status nach
Ureterorenoskopie
und Steinextraktion mit inter
mittierender Doppel-J-Einlage (2011)
-
Angiomyolipom
der rechten Niere 20 x 29 mm im Ultraschall (September 2014)
-
Bekannte Nierenzysten der rechten Niere
-
Rezidivierende Harnwegsinfekte zwei- bis dreimal pro Jahr ohne Nieren
becken
kelchsystementzündung oder Fieber
-
Anamnestisch Asthma bronchiale, aktuell völlig asymptomatisch
-
Leichte
Hyponatriämie
unklarer Ätiologie (Differentialdiagnose
am ehesten
bei rezidivierender NSAR-Einnahme)
4.2.2
Prof.
Dr.
med.
K._
, Innere Medizin FMH,
konstatierte,
die Beschwerde
führerin beschreibe bereits seit Jahren belastungs
abhängige, lumbale Rücken
beschwerden, zudem verkrampfungsartige Beschwer
den im Bereich des rechten Beines begleitet von
einem Taubheitsgefühl im gesamten rechten Bein. Im internistischen Status würden sich jedoch
- so Prof.
Dr.
K._
-
keine Hin
weise für eine
radikuläre
Reiz- oder Ausfalls
symptomatik finden lassen. Die Untersuchung der Wirbelsäule sei bis auf eine
Druckdolenz
bei Palpation der
Processi
spinosi
im unteren Lendenwirbelsäulen
bereich sowie panvertebral rechts unauffällig. Es sei am ehesten von einer
pseudo
radikulären
Ausstrahlung der Schmerzen ins rechte Bein bei chronischem
Lumbovertebralsyndrom
auszugehen.
Dieses werde durch eine Wirbelsäulen
fehlform begünstigt (
Urk.
7/170/33).
Trotz der Beschwerden sei es der Beschwerdeführerin möglich, ihre Rolle als Mutter und Hausfrau zu erfüllen. Für diese Tätigkeiten resultiere aus dem chronischen
Lumbovertebralsyndrom
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Lediglich körperlich anhaltend mittelschwere und schwere Tätigkeiten seien ihr nicht zumutbar. Die leichte
Hyponatriämie
, die bei
Isovolämie
am ehesten auf die
rezidivierende
Einnahme eines NSAR zurückzuführen sei, führe ebenfalls nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
In Bezug auf das anamnestisch beschriebene Asthma bronchiale habe die Beschwerdeführerin keinerlei pulmonale
Symptome
ohne Therapie
beklagt
, sodass das Asthma bronchiale bezüglich Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit
ebenfalls keine Rolle spiele
(Urk. 7/170/33f.)
.
4.2.
3
Die psychiatrische Gutachterin,
Dr.
med.
L._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt in ihrem Fachgutachten fest, die Beschwer
de
führerin sei wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Im Gesprächs
verlauf und bei der groborientierenden kognitiven Prüfung erscheine die Konzentration nicht eingeschränkt, ebenso wenig die Merkfähigkeit. Die Auf
fassung sei gut, das formale Denken unauffällig. Es gebe keinen Anhalt für inhaltliche Denk
störungen, Wahrnehmungsstörungen oder Ich-Störungen. Die Stimmung sei ausgeglichen,
euthym
, gut schwingungsfähig.
Ängste, Phobien oder hypo
chondrische Befürchtungen würden glaubhaft verneint werden und es gebe auch keine Hinweise für Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen. Vegetative Auf
fälligkeiten, insbesondere Auffälligkeiten beim Essverhalten
,
würden nicht beschrieben werden. Anhaltspunkte für
Lebensüberdrussgedanken
gebe es keine und es bestehe auch keine Eigen- oder Fremdgefährdung
(Urk. 7/170/43)
.
Die Beschwerdeführerin wirke nicht depressiv und habe glaub
haft verneint unter einer depressiven Stimmung oder Stimmungsschwankungen zu leiden. Die ursprünglich diagnostizierte mittelgradige depressive Störung sei daher remittiert (
Urk.
7/170/45). In Bezug auf die von
Dr.
H._
aufgrund
eines anhaltenden Gefühls de
r
Leere und ständiger Lang
e
weile
diagnostizierte e
motional insta
bile Persönlichkeitsstörung (ICD
-10: F60.3)
führte
Dr.
L._
aus, durch die veränderten Lebensumstände
(eigene Wohnung mit Kindern
, Familienbegleitung
)
habe die Beschwerde
führerin ein Selbstwertgefühl entwickelt
und sich stabilisiert
(
Urk.
7/170/45). Während der Exploration habe die Beschwerde
führerin den Eindruck eines angepassten und konfliktscheuen Menschen vermittelt. Hinweise, dass diese Persönlich
keitszüge bei der Beschwerde
führerin so stark ausgeprägt seien, dass sie die Diagnosekriterien für eine Persönlich
keitsstörung oder Akzentuie
rung nach ICD-10 erfüllen würden
, gebe es hingegen keine (Urk. 7/170/43). Vor diesem Hintergrund seien die Diagnose
kriterien für eine spezifische Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 zurzeit nicht erfüllt. Angesichts dessen, dass die Beschwerdeführerin in der Ver
gangen
heit die Tendenz gehabt habe, psychische Konflikte und Spannungen über eine Somati
sierung bzw. ein gestörtes Essverhalten auszudrücken, sei bei ihr von einer erheb
lichen Vulnerabilität für solche Störungen auszugehen. Deshalb liege trotz der remittierten depressiven Störung eine leichte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit vor (
Urk.
7/170/46).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit führte
Dr.
L._
aus, als Mutter und Hausfrau sei die Beschwerdeführerin nicht eingeschränkt. Sie sei in der Lage, ihren 5
jährigen Sohn pünktlich zum Kindergarten zu bringen und ihn abzuholen sowie dabei den Säugling fertigzumachen und mitzunehmen. Ebenso habe sie einen strukturierten Tagesablauf, könne eigenständig Kinderarzttermine absprechen und wahrnehmen, führe ihren Haushalt, plane die Versorgung der Kinder und strukturiere ihre Aufgaben (
Urk.
7/170/47). In einer beruflichen Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt sei die Beschwerdeführerin durch die deutlich erhöhte Vulnerabilität für affektive Störungen als auch für somatoforme Störungen sowie ihre geringen schulischen Fähigkeiten in ihrer Leistungs
fähigkeit um 10 % eingeschränkt.
Die attestierte 90%ige Arbeits
fähigkeit gelte ab dem Zeitpunkt der Begutachtung.
Eine Fortführung der psychotherapeutischen Behandlung sowie eine Beibehaltung der Familien
hilfe sei zu empfehlen (Urk.
7/170/48f.).
4.2.
4
Aufgrund der
bestehenden
Nierenproblematik
erfolgte ausserdem eine uro
logische Untersuchung bei
PD
Dr.
med.
M._
, Facharzt Urologie FMH,
der aus urologischer Sicht jedoch keine Arbeitsunfähigkeit attestierte. Die diversen urologischen Diagnosen - so
Dr.
M._
- hätten keinen Einfluss auf die Schmerzsymptomatik der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/170/53).
4.2.5
Im Rahmen der interdisziplinären Beurteilung
stellten
die Gutachter
fest, während sich der somatische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem Zeit
punkt der
letzten Verfügung nicht verändert habe (abgesehen von einer leichten
Hyponatriämie
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit und einem Verkrampfungs
gefühl im rechten Bein mit intermittierend auftretender Taubheitssymptomatik, welches aber inkonstant vorhanden sei und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin nicht einschränke), habe sich der psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verbessert. So sei die rezidivierende depressive Störung als remittiert anzusehen und die Beschwerdeführerin erfülle auch keine Diagnose
kriterien für eine spezifische Persönlichkeitsstörung. I
n Bezug auf die Arbeits
fähigkeit
hielten die Gutachter
zusammenfassend fest, aufgrund der Wirbel
säulen
fehlform mit verminderter Belastbarkeit des unteren Achsenskelettes bestehe einzig eine Unzumutbarkeit für mittelschwere und schwere körperliche Tätig
keiten.
Es könne von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit mit einer initialen Leistungseinschränkung von 10 % während der ersten drei Monate aufgrund der bei der Beschwerde
führerin bestehenden erhöhten Vulnerabilität für eine affektive Störung ausgegangen w
erden. Diese Angaben würden mit Sicherheit ab dem Zeitpunkt der Begutachtung gelten (Urk.
7/170/6
f.
).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 8. Mai 2018 (
Urk.
2) in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der
A._
vom 2
1.
Juni 2016 (vgl. vorstehend E. 4.2;
Urk.
7/170) und ging im Rahmen der Rentenaufhebung davon aus, dass der Beschwerdeführerin eine Tätigkeit auf dem regulären Arbeitsmarkt seit Mai 2016 vollständig zumutbar sei.
5.2
Das polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
7/170
) beruht
a
uf einer umfassen
den
insbesondere internistischen und psychiatrischen -
Untersuchung
. Die Gut
achter
berücksichtigten die geklagten Beschwerden und
das
Verhalten der Beschwerde
führerin (
Urk.
7/170/30,
Urk.
7/170/39-41
) und erstellten ihren jeweili
gen Teil des Gutachtens in Kenntnis der
Vorakten
(
Urk.
7/170/12-21
). Die gestellten Diagnosen als auch die Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit werden im Gutachten begründet und sind nachvollziehbar. Hier
bei setzten sich die Gutachter insbesondere mit ihren ausführlichen Befunden (
Urk.
7/170/
32f., Urk.
7/170/42-44,
Urk.
7/170/52f.)
und den medizinischen
Vorakten
auseinander. Damit erfüllt das Gutachten die bundesgerichtlichen Anforderungen an ein medi
zinisches Gutachten (vgl. vorstehend E.
1.5
) vollumfänglich, so dass für die
Entscheid
findung
grundsätzlich darauf abzustellen ist.
5.3
Es steht aufgrund der Akten fest, dass insbesondere eine
emotional instabile Persönlichkeits
struktur (ICD-10: F60.3) sowie ein chronisches
Lumbovertebral
syndrom
(ICD-10: M54.06)
zur Begründung (Verfügung vom
2
3.
April 2012
; Urk.
7/
93
) und Bestätigung des Anspruchs auf eine halbe Rente (
Mitteilung
vom
3
1.
Oktober 2012;
Urk.
7/
132
) führten
. Ebenfalls mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit wurde eine rezidivierende
depressive Störung,
gegen
wärtig
remittiert
,
genannt
(vgl. vorstehend
E. 3.2
.2
).
Im Rahmen der Rentenrevision stellte die
A._
-Gutachter
in
Dr.
L._
keine psychische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (mehr
) fest. Die rezidivierende depressive Störung sei nach wie vor remittiert
(vgl. vorstehend E.
4.2.
3
)
.
Die Beschwerdeführerin befindet sich seit zwei Jahre
n
in kontinuierli
cher psychotherapeutischer Behandlung, worunter es nach Einschätzung der psychiatri
schen Gutachterin zu einer Stabilisierung und Remission der depressiven Episoden in den letzten Jahren gekommen ist (
Urk.
7/170/8f.), was bereits der Vorgutachter
Dr.
H._
prognostiziert hatte (E. 3.2.3).
Ein
schränkend wirkt einzig das
unveränderte
chronische
Lumbovertebral
syndrom
, welches von
A._
-Gutachter Prof.
Dr.
K._
im Rahmen eines Zumutbar
keits
profils
bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
berücksichtigt wurde (vgl.
E.
4.2.2
). Eine Verbesserung des Gesundheitszustands der Beschwerde
führerin im Sinne eines Revisions
grundes nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG ist aufgrund der vor
liegenden Akten entsprechend aus
gewiesen. Die
A._
-Gutachter gingen medizinisch-theoretisch ab Mai 2016 von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit nach dreimonatiger Leistungs
einbusse im Umfang von 10 % aus (E.
4.2.5
), was im Übrigen von der Beschwerde
führerin nicht bestritten wird.
Nach dem Gesagten i
st davon auszugehen, dass
die
Beschwerdeführer
in
in einer leidensangepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung des
vo
n Prof.
Dr.
K._
umschriebene
n
Zumutbarkeit
s
profils
(
E.
4.2.2
)
ab Mai 2016 zu 90 % und ab August 2016
vollständig arbeitsfähig ist.
Da von weiteren medizinischen Abklärungen keine neuen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten wären, kann davon in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 124 V 90 E. 4b) abgesehen werden.
5.
4
Zu prüfen bleibt, wie
sich die 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt
.
5.4.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invalidi
täts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.4.2
Der in der angefochtenen Verfügung vom
8.
Mai 2018 (
Urk.
2) dargelegte Einkommensvergleich wurde von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet, und der von
der Beschwerdegegnerin für den massgeblichen Zeitpunkt errechnete Invaliditätsgrad erscheint angemessen. Es ist darauf abzustellen und von einem Invaliditätsgrad in der Höhe von 28 % auszugehen.
5.4.3
Strittig und
zu prüfen
bleibt, ob
die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit in einem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt (vgl.
Art.
7
Abs.
1 und
Art.
16 ATSG)
auf dem Weg der Selbsteingliederung
erwerblich verwerten kann.
6.
6.1
Im Regelfall ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Rentenbezug können ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leistungs
entfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vor
gängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigen
anstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder wiedererwägungsweise) Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat. Die Übernahme der beiden Abgrenzungs
kriterien (vgl.
lit
. a
Abs.
4 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 [
6.
IV-Revision, erstes Massnahmenpaket]) bedeutet nicht, dass die darunter fallenden Rentnerinnen und Rentner im jeweiligen revisions- (Art. 17 Abs. 1
ATSG) beziehungsweise gegebenenfalls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestanden, dass – von Ausnahmen abgesehen – aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbstein
gliederung nicht mehr zumutbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.4 und 9C_412/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 3.1).
6.2
Die am 2
9.
März 1989 geborene Beschwerdeführerin war im relevanten Zeitpunkt (Vorliegen des Gutachtens vom 2
1.
Juni 2016; vgl.
BGE 138 V 457 E. 3.3
) 27
Jahre alt und hat während rund 11 Jahren eine Rente bezogen. Damit fällt sie nicht unter die erwähnte Rechtsprechung (
vgl. vorstehend
E. 6.1).
Vor dem Hintergrund der massgeblichen Aktenlage kann im Übrigen
auch
nicht gesagt werden, es falle beim gegebenen medizinisch-theoretischen Zumutbar
keitsprofil auf dem als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt eine Anstellung nur mehr unter erschwerten Bedingungen in Betracht. So ist in erster Linie darauf hinzu
weisen,
dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht nicht derart eingeschränkt ist, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt eine zumutbare Tätigkeit praktisch nicht kennt oder eine solche nur unter nicht realistischem Entgegen
kommen eines durch
schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre. Ferner wurde bereits
im Gutachten im
Juli 2011
eine
40
%ige Restarbeits
fähigkeit
bei einer Präsenzzeit von 60 %
festgestellt (vgl. E.
3.
2.3
), wobei die Beschwerde
führerin diese jedoch nie ausgeschöpft hat.
Es sind keine iv-relevanten Gründe ersichtlich, weshalb die Arbeitsfähigkeit nicht verwertet
werden könnte, zumal die Beschwerdeführerin in der Lage war,
nach längeren Arbeitstraining
eine Festan
stellung bei der
E._
zu finden
(vgl.
Urk.
7/199)
.
Die Aus
führungen zur (allenfalls) geschlechterdiskriminierenden bzw. rechtsmiss
bräuchlichen Kündigung zielen – da ohne Bezug zu einem invaliden
ver
siche
rungs
rechtlich relevanten Gesundheitsschaden – ins Leere.
Der Beschwerdeführerin steht es indes frei, sich bei der Beschwerdegegnerin für Unterstützungshilfe hinsichtlich Eingliederung zu melden, was von der Beschwerde
gegnerin auch entsprechend mitgeteilt wurde (vgl. E. 2.1).
6.3
Eingliederungs
massnahmen wurden von der Beschwerdegegnerin geprüft, durch
geführt und mit Mitteilung vom 1
4.
November 2017 in gegenseitigem Ein
verständnis abgeschlossen (
Urk.
7/207).
Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde Eingliederungsmassnahmen verlangte, ist darauf hinzuweisen, dass diese nicht Teil
der angefochtenen Verfügung sind und im Rahmen der Mitteilung im November 2017 hätten beanstandet werden können.
Über
den Anspruch auf weitere Eingliederungsmassnahmen
ist vorliegend nicht zu befinden.
Dies
bezüglich ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
6.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin zu Recht eine revisionsrelevante Sachverhaltsänderung angenommen und beim neu be
stimmten Invaliditätsgrad von 28 % eine Rentenaufhebung verfügt hat. Die Beschwerdegegnerin hat in Übereinstimmung mit Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. a IVV die Renten
aufhebung auf
Ende des
der Zustellung der angefochtenen Verfügung vom 8. Mai 2018 folgenden Monats verfügt.
Die angefochtene Verfügung vom
8
.
Mai 2018
(Urk. 2) erweist sich deshalb als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als bedürftig gilt eine Person, wenn sie ohne Beeinträchtigung des für sie und ihre Familie nötigen Lebensunterhalts nicht in der Lage ist, die Prozesskosten zu bestreiten (Urteil des Bundesgerichts 9C_617/2009 vom 1
5.
Januar 2010 E. 6.2.1 mit Hin
weisen).
Die Beschwerdeführerin ersuchte mit Beschwerde vom 2
5.
Mai 2018 um Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2). Die Voraus
setzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss § 16 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind erfüllt (vgl.
Urk.
3), weshalb dem Gesuch stattzugeben ist.
7.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der
unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen
,
zufolge Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
,
dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
, wonach eine Partei, der die unent
geltliche
Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.