Decision ID: 6841ebd8-b06d-46d3-a0a1-2a9865e07ef7
Year: 2017
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

dass eine Abklärung des Sachverhalts dahingehend zu erfolgen habe, ob
die Voraussetzungen für eine Bevorschussung überhaupt erfüllt seien.
Zum Beweis seiner Zahlungen legte er einige Kontoauszüge und
Quittungen seiner Zahlungen ab dem 1. Januar 2017 bei.
7. Mit Duplik vom 14. Juli 2017 hielt die Beschwerdegegnerin an ihren
Anträgen fest und vertiefte ihre Argumentation. Insbesondere führte sie
aus, dass der Beschwerdeführer nie im Namen seiner Kinder, sondern
bisher allein als solcher aufgetreten sei, wozu er aber nicht legitimiert sei.
Nachdem die Gemeinde auf Antrag der Mutter für die Kinder die maximal
zulässige Alimentenbevorschussung beschlossen habe, käme eine
- 5 -
Anfechtung der Verfügung durch sie einem widersprüchlichen Verhalten
gleich. Eröffnungsmängel der Verfügung seien auch keine auszumachen.
8. Am 26. September 2017 stellte der Beschwerdeführer dem Gericht den
aktuellen, von den Parteien unterschriebenen, von der KESB
genehmigten und rückwirkend ab dem 1. Januar 2017 gültigen
Unterhaltsvertrag zu.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften
sowie auf die angefochtene Verfügung wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet die Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 24. März 2017, mit welchem sie den beiden
Kindern die Alimentenbevorschussung gewährte. Gemäss Art. 49 Abs. 1
lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100)
beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von
Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten
werden können oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht
endgültig sind. Da vorliegend keine derartige Ausnahmekonstellation
gegeben ist, fällt die Beurteilung dieser Beschwerde in die Zuständigkeit
des streitberufenen Gerichts.
2. Gemäss Art. 50 VRG ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
seiner Aufhebung oder Änderung hat oder wer durch besondere
Vorschrift dazu ermächtigt ist. Berührt ist die beschwerdeführende
Person, wenn sie stärker als beliebige Dritte oder die Allgemeinheit
- 6 -
betroffen ist und in einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung
zum Streitgegenstand steht (vgl. BGE 139 II 279 E.2.3). Ein
schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche
Situation des Beschwerdeführers durch den Ausgang des Verfahrens
beeinflusst werden kann (BGE 137 II 30 E.2.2.2, vgl. auch 139 II 279
E.2.2). Es besteht im praktischen Nutzen, den die erfolgreiche
Beschwerde dem Beschwerdeführer eintragen würde, das heisst in der
Abwendung eines materiellen, ideellen, wirtschaftlichen oder
anderweitigen Nachteils, den der angefochtene Entscheid für ihn zur
Folge hätte (BERTSCHI, in: GRIFFEL [Hrsg.], Kommentar VRG, 3. Aufl.,
Zürich 2014, § 21 N 15 m.H.). Sodann muss die beschwerdeberechtigte
Partei zusätzlich zum schutzwürdigen Interesse ein aktuelles, eigenes
und persönliches praktisches Interesse an der Beschwerdeführung dartun
(vgl. BERTSCHI, a.a.O., § § 21 N 16 und 24 f.).
3. Gemäss Art. 1 Abs. 1 der kantonalen Verordnung über die
Bevorschussung von Unterhaltsbeiträgen für unterhaltsberechtigte Kinder
(BR 215.050) leistet die Gemeinde des zivilrechtlichen Wohnsitzes
unterhaltsberechtigten Kindern längstens bis zum vollendeten 25.
Altersjahr Vorschüsse, wenn die Eltern ihrer Unterhaltspflicht nicht oder
nicht rechtzeitig nachkommen. Gegenstand der Bevorschussung sind die
Unterhaltsbeiträge des Vaters oder der Mutter, die in einem richterlichen
Entscheid
oder in einem Unterhaltsvertrag im Sinne von Art. 287 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) festgelegt sind (Art. 2
Abs. 1 der genannten Verordnung). Gesuche um Vorschüsse von
Unterhaltsbeiträgen sind vom unterhaltsberechtigten Kind oder seinem
gesetzlichen Vertreter bei der für die Bevorschussung zuständigen
Gemeindebehörde einzureichen (Art. 8 Abs. 1 der genannten
Verordnung). Im Umfang der ausgerichteten Vorschüsse geht der
- 7 -
Unterhaltsanspruch gegen den Elternteil, der seine Unterhaltspflicht nicht
erfüllt, auf die Gemeinde über (Art. 10 der genannten Verordnung).
4. a) Das hier zur Diskussion stehende Gesuch um Alimentenbevorschussung
vom 26. Februar 2017 (Bg-act. 19), wurde im Namen der Kinder des
Beschwerdeführers, von ihrer Mutter, der Beigeladenen, bei der
Beschwerdegegnerin eingereicht. Mit der hier angefochtenen Verfügung
vom 24. März 2017 stimmte die Beschwerdegegnerin diesem Gesuch mit
Wirkung ab dem 1. Januar 2017 zu und gewährte den Kindern den
gemäss Art. 3 der kantonalen Verordnung über die Bevorschussung von
Unterhaltsbeiträgen für unterhaltsberechtigte Kinder maximal möglichen
monatlichen Betrag von je Fr. 724.--. Die Beschwerdegegnerin stützte
diese Bevorschussung auf die im Gesuch angegebene Vereinbarung
betreffend elterliche Sorge zwischen dem Beschwerdeführer und der
Beigeladenen vom 1. Oktober 2012 (Bg-act. 20), wonach der
Beschwerdeführer bei Auflösung der Hausgemeinschaft dem Alter der
Kinder entsprechend Unterhaltsbeiträge von monatlich fr. 1'170.-- pro
Kind zu bezahlen habe.
b) Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt, regelt die vorliegend
angefochtene Verfügung betreffend Alimentenbevorschussung nur das
Rechtsverhältnis zwischen der bevorschussenden Gemeinde und den
unterhaltsberechtigten Kindern. Durch die Bevorschussung entsteht keine
neue Forderung gegenüber dem Unterhaltspflichtigen. Es findet lediglich
ein Gläubigerwechsel statt, da die Beschwerdegegnerin im Umfang der
Bevorschussung kraft der in Art. 289 Abs. 2 ZGB statuierten Legalzession
von Gesetzes wegen Gläubigerin der Unterhaltsbeiträge wird, was vom
unterhaltspflichtigen Elternteil nicht mit Beschwerde angefochten werden
kann. Zwar wurde in der hier angefochtenen Verfügung in einer
Nebenbemerkung noch erwähnt, dass der zahlungspflichtige Elternteil
- 8 -
verpflichtet sei, die Alimente an die Beschwerdegegnerin zu entrichten.
Damit wollte die Beschwerdegegnerin jedoch offensichtlich lediglich
darauf hinweisen, dass der Beschwerdeführer infolge der Zession nun der
Beschwerdegegnerin die von ihr bevorschussten Alimente schulde.
Dieser Anweisung ist jedoch kein Verfügungscharakter zuzumessen,
weshalb die vorliegend strittige Verfügung insgesamt nicht mit
Beschwerde anfechtbar ist.
c) Kraft der erwähnten Legalzession in Art. 289 Abs. 2 ZGB kann die
Beschwerdegegnerin für die von ihr bevorschussten Unterhaltsbeiträge
zivilrechtlich gegen den Beschwerdeführer vorgehen. Einwände über
Bestand und Höhe der bevorschussten Unterhaltsbeiträge kann der
Beschwerdeführer in einem allfälligen, zivilrechtlichen (Rück-
)Forderungsverfahren bzw. Betreibungsverfahren vorbringen. Hingegen
ist er dazu im vorliegenden verwaltungsgerichtlichen
Beschwerdeverfahren nicht befugt. Die vorliegende Beschwerde wurde im
Übrigen auch nicht im Namen der Kinder des Beschwerdeführers –
welche die einzigen Adressaten der angefochtenen Verfügung sind –
rechtzeitig erhoben und selbst wenn es so wäre, dann wäre die formelle
Beschwer zu verneinen, zumal dem Gesuch der Kinder durch
Zusprechung des höchstmöglichen Bevorschussungsbetrags in der
angefochtenen Verfügung entsprochen wurde. Aus dem Gesagten ist zu
folgern, dass der Beschwerdeführer nicht zur Erhebung der vorliegenden
Beschwerde legitimiert ist (vgl. dazu auch das Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons Aargau vom 30. Oktober 2009, AGVE
2009-056, S. 291 ff.).
Auf die vorliegende Beschwerde ist mangels Legitimation des
Beschwerdeführers somit nicht einzutreten.
- 9 -
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) dem Beschwerdeführer auferlegt. Eine aussergerichtliche
Entschädigung steht der Beschwerdegegnerin gemäss der Regel in
Art. 78 Abs. 2 VRG nicht zu, da sie lediglich in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegte.