Decision ID: 16057cd4-61f8-56c5-aa5d-e3ab4d1584ad
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer verliess seinen Heimatstaat eigenen Angaben
zufolge im Laufe des Jahres 2016 und gelangte über B._,
C._, D._ und E._ nach Italien. Dort suchte er am
13. April 2017 um Asyl nach, woraufhin die italienischen Behörden am
30. Oktober 2017 ein Aufnahmeersuchen an die zuständige Schweizer Be-
hörde (SEM, Dublin-Unit Italien) stellten. Zur Begründung wurde angeführt,
dass der Vater des minderjährigen Beschwerdeführers (F._) ge-
mäss den beiliegenden Akten über eine Aufenthaltsbewilligung in der
Schweiz verfüge. Nach einem Remonstrationsverfahren teilte die Dublin-
Unit des SEM den italienischen Behörden am 21. Februar 2018 mit, dem
Aufnahmeersuchen des Beschwerdeführers werde zugestimmt.
A.b Der Beschwerdeführer reiste daraufhin am 20. März 2018 legal auf
dem Luftweg in die Schweiz, wo er gleichentags im Empfangs- und Verfah-
renszentrum des SEM in G._ um Asyl nachsuchte. Dort wurde er
am 5. April 2018 zu seiner Person, zu seinem Reiseweg und summarisch
zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur Person [BzP]). Dabei gab er
– unter Einreichung einer Kopie seines Geburtsscheins – unter anderem
an, am (...) geboren und damit noch minderjährig zu sein. Im Rahmen der
vorfrageweisen Überprüfung der Altersangabe befand das SEM die Min-
derjährigkeit des Beschwerdeführers für glaubhaft und informierte dessen
Vater (N [...]) am 11. April 2018 über den bevorstehenden Anhörungster-
min, wobei das per A-Post versandte Schreiben dem SEM mit dem Ver-
merk «Empfänger konnte unter angegebener Adresse nicht ermittelt wer-
den» retourniert wurde (Eingang beim SEM am 25. April 2018). In der Zwi-
schenzeit hörte das SEM den Beschwerdeführer am 24. April 2018 – im
Beisein einer Hilfswerksvertretung – ausführlich zu seinen Asylgründen an
(Anhörung).
A.c Mit Verfügung vom 25. Oktober 2018 trat das SEM – in Anwendung
von Art. 31a Abs. 3 AsylG (SR 142.31) – auf das Asylgesuch des Be-
schwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an.
A.d Die dagegen am 2. November 2018 erhobene Beschwerde hiess das
Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-6269/2018 vom 12. Dezember
2018 insofern gut, als es die angefochtene Verfügung zur Neubeurteilung
an das SEM zurückwies. Im Wesentlichen wurde darauf erkannt, dass die
Vorinstanz verpflichtet gewesen wäre, die aktuelle Adresse des Vaters des
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Beschwerdeführers zu ermitteln, die Anhörung des Beschwerdeführers zu
wiederholen und dessen Vater erneut zur Teilnahme einzuladen bezie-
hungsweise anderweitig sicherzustellen, dass der Beschwerdeführer im
Verfahren entsprechend den gesetzlichen Vorschriften für minderjährige
Asylsuchende vertreten beziehungsweise begleitet wird.
B.
In der Folge nahm das SEM das erstinstanzliche Verfahren wieder auf und
wiederholte am 19. Februar 2019 – im Beisein des Vaters des Beschwer-
deführers – die Anhörung zu den Asylgründen.
Zu seinem persönlichen Hintergrund und zur Begründung seines Asylge-
suchs brachte er im Wesentlichen vor, er sei senegalesischer Staatsange-
höriger und stamme aus H._ (Region I._). Seine Eltern hät-
ten sich in seiner frühen Kindheit scheiden lassen, woraufhin er und seine
(...) Schwester bei der (Verwandten) in D._ aufgewachsen seien,
wo er die Primarschule besucht habe. Ungefähr im Alter von zehn Jahren
sei er zu seiner (Verwandten) nach J._ (Region K._) umge-
zogen, wo er dank der finanziellen Unterstützung seines in der Schweiz
lebenden Vaters eine Privatschule habe besuchen können. Als er etwa
fünfzehn Jahre alt gewesen sei, sei er zu seiner (Verwandten) zurückge-
kehrt, welche in der Zwischenzeit nach L._ (Region I._)
umgezogen sei. Ausser der Schwester hätten danach auch seine (Ver-
wandten) im selben Haushalt gelebt. Seine Mutter sei inzwischen mit ei-
nem anderen Mann verheiratet, mit dem sie ein gemeinsames Kind habe
und in H._ lebe. Er habe Senegal verlassen, weil er ein Motorrad
entwendet und damit einen Verkehrsunfall verursacht habe, bei dem eine
Person ums Leben gekommen sei. In der Folge sei er von der Polizei zum
Unfallhergang befragt worden, wobei ihm mitgeteilt worden sei, dass es
eine Gerichtsverhandlung geben werde und ihm im Falle einer Verurteilung
eine Haftstrafe drohe. Aus Angst vor den Konsequenzen seines Handelns
habe er das Eigentum seines (Verwandten) ([...] sowie [...]) verkauft und
sei mit dem Ertrag daraus aus seinem Heimatland ausgereist. Vor diesem
Hintergrund befürchte er bei einer Rückkehr sowohl Probleme seitens der
heimatlichen Behörden als auch seitens seines (Verwandten).
C.
Am (...) erreichte der Beschwerdeführer die Volljährigkeit.
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D.
Mit Verfügung vom 30. September 2020 – am darauffolgenden Tag eröffnet
– verneinte das SEM die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers,
lehnte sein Asylgesuch ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug an.
Zur Begründung führte das SEM im Wesentlichen an, die Vorbringen des
Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand. Bei einer allfälligen Haftstrafe we-
gen eines von ihm verursachten Unfalls mit Todesfolge handle es sich nicht
um eine staatliche Verfolgung, sondern um eine rechtsstaatlich legitime
Massnahme. Sodann knüpfe die (befürchtete) Verfolgung durch den (Ver-
wandten) an kein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv im Sinne von Art. 3
Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer be-
stimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) an. Im Übrigen
könnten ihm die erst im Rahmen der wiederholten Anhörung geltend ge-
machten Ereignisse auch nicht geglaubt werden, zumal er davor vorge-
bracht habe, in seinem Heimatstaat weder mit den Behörden noch mit Dritt-
personen Probleme gehabt zu haben. Schliesslich beurteilte es den Weg-
weisungsvollzug in den Senegal als zulässig, zumutbar und möglich.
E.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe der
rubrizierten Rechtsvertreterin vom 30. Oktober 2020 (Datum des Post-
stempels) beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihm unter Zuerkennung
der Flüchtlingseigenschaft Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzuläs-
sigkeit respektive Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen
und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrecht-
licher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh-
rung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie
um Beiordnung seiner Rechtsvertreterin als amtlichen Rechtsbeistand.
Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, das SEM habe weder
den Asyl- noch den Wegweisungspunkt rechtsgenüglich abgeklärt, son-
dern in pauschaler Weise festgehalten, die Anforderungen an die Flücht-
lingseigenschaft seien nicht erfüllt und der Wegweisungsvollzug sei zuläs-
sig und zumutbar. Ausserdem nehme das SEM in der angefochtenen Ver-
fügung wiederholt Bezug auf die nicht ordnungsgemäss durchgeführte An-
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hörung vom 24. April 2018 und stütze die Verfügung teilweise darauf, ob-
wohl diese Angaben gerade nicht verwertbar seien. Sollte die angefoch-
tene Verfügung nach dem zuvor Dargelegten wider Erwarten nicht aufge-
hoben werden, sei festzuhalten, dass in Senegal ein faires Verfahren nicht
gewährleistet sei und ihm bei einer allfälligen Haftstrafe unverhältnismäs-
sige Gewalt und unmenschliche Haftbedingungen drohten. Hinsichtlich der
entsprechenden Gefährdungslage verweise er auf den Bericht des U.S.
Department of State (Senegal: Human Rights Report 2019) sowie die Rei-
sehinweise für Senegal des eidgenössischen Departements für auswärtige
Angelegenheiten (EDA). Folglich habe er im Falle einer Rückkehr in den
Senegal ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten,
weshalb er die Flüchtlingseigenschaft erfülle und ihm in der Schweiz Asyl
zu gewähren sei. Ferner sei das SEM zu Unrecht davon ausgegangen,
dass der Wegweisungsvollzug in den Senegal zulässig und zumutbar sei.
Aufgrund der zuvor dargelegten Haftbedingungen drohe ihm auch eine un-
menschliche oder erniedrigende Strafe oder Behandlung gemäss Art. 3
EMRK. Abgesehen davon bestehe zwischen seinem Vater und ihm eine
enge, nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung, weshalb
die Wegweisung auch gegen Art. 8 EMRK verstosse. Sodann müsste er
bei einer Rückkehr in seinen Heimatstaat auf der Strasse leben, nachdem
er die Beziehungen zu seinen dortigen Familienangehörigen abgebrochen
habe und dort weder über eine Ausbildung noch über Arbeitserfahrungen
verfüge. Im Übrigen lebe er mittlerweile rund drei Jahre in der Schweiz,
spreche fliessend Deutsch und habe mehrere Integrationskurse besucht.
Seine Integration sei so weit fortgeschritten, dass er am 1. September 2020
eine Lehre als (...) bei der (...) in M._ habe beginnen können.
Der Beschwerde lagen – nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung
und einer Vollmacht vom 29. Oktober 2018 – eine Notiz der senegalesi-
schen Polizei vom 25. August 2016 sowie ein Lehrvertrag vom 2. Septem-
ber 2020 (jeweils in Kopie) bei.
F.
Am 23. November 2020 reichte das Amt für soziale Sicherheit des Kantons
N._ eine Fürsorgeabhängigkeitsbestätigung zu den Akten.
G.
Am 24. November 2020 liess der Beschwerdeführer diverse Unterlagen
betreffend seine Integrationsbemühungen (Semesterbericht Attest-Lehre
sowie mehrere Kursbestätigungen und Referenzschreiben) ins Recht le-
gen.
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H.
Mit Zwischenverfügung vom 16. April 2021 stellte der Instruktionsrichter
fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des Verfahrens in der
Schweiz abwarten. Gleichzeitig wies er die Gesuche um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung und amtlichen Rechtsverbeiständung ab
und forderte den Beschwerdeführer unter Androhung des Nichteintretens
im Säumnisfall auf, bis zum 3. Mai 2021 einen Kostenvorschuss von
Fr. 750.– zu leisten.
I.
Am 27. April 2021 ging der Kostenvorschuss fristgerecht beim Bundesver-
waltungsgericht ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (vgl. Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 VwVG).
1.4 Die Vorinstanz hat ihre Verfügung vom 30. September 2020 mit einer
fehlerhaften Rechtsmittelbelehrung versehen (30-tägige anstatt 5-tägige
Frist, vgl. aArt. 108 Abs. 2 AsylG). Dem Beschwerdeführer darf hieraus
aber kein Rechtsnachteil erwachsen, da er in guten Treuen von der richti-
gen Mitteilung der Behörde ausgehen durfte. Demnach ist auf die Eingabe
als frist- und formgerecht (Art. 52 VwVG) eingereichte Beschwerde einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachfolgend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG),
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, welche vorab zu
beurteilen sind, da sie gegebenenfalls geeignet sind, eine Kassation der
vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer rügt (teil-
weise sinngemäss) eine Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richti-
gen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes und des Anspruchs
auf rechtliches Gehör.
4.2 Die Rüge der Verletzung der Pflicht zur vollständigen und richtigen Ab-
klärung des rechtserheblichen Sachverhaltes ist unbegründet. Der Be-
schwerdeführer vermengt dabei die sich aus dem Untersuchungsgrund-
satz ergebende Frage der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhal-
tes mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, welche die mate-
rielle Entscheidung über die vorgebrachten Asyl- und Wegweisungsgründe
betrifft. Alleine der Umstand, dass der Beschwerdeführer die Auffassung
und Schlussfolgerungen der Vorinstanz nicht teilt, stellt mithin keine unrich-
tige beziehungsweise unvollständige Sachverhaltsfeststellung dar.
4.3 Ebenso unbegründet ist auch die sinngemässe Rüge der Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör. Dem Beschwerdeführer ist zwar da-
rin zuzustimmen, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung zu
Unrecht auf die nicht ordnungsgemäss durchgeführte Anhörung vom
24. April 2018 Bezug genommen hat. Allerdings hat die Vorinstanz seine
Flüchtlingseigenschaft nicht infolge fehlender Glaubhaftigkeit seiner Vor-
bringen, sondern aufgrund deren mangelnder Asylrelevanz abgelehnt,
weshalb sie sich im Ergebnis nicht auf die obgenannte Anhörung stützte
und keine Verletzung des rechtlichen Gehörs vorliegt.
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4.4 Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, die angefochtene
Verfügung aus formellen Gründen aufzuheben und die Sache an die Vor-
instanz zurückzuweisen. Der entsprechende Subeventualantrag ist abzu-
weisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten in ma-
terieller Hinsicht zum Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgehalten
hat, die Vorbringen des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen
an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht. Auf die
grösstenteils zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz kann mit den nach-
folgenden Ergänzungen verwiesen werden. Die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene und das eingereichte Beweismittel führen zu keiner ande-
ren Betrachtungsweise.
6.2 Der Bundesrat hat Senegal als verfolgungssicheren Staat im Sinne von
Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG bezeichnet (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeichnung ei-
nes Staates als "Safe Country" beinhaltet die Regelvermutung, dass eine
flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht stattfindet und
der behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung gewährleistet ist. Es
handelt sich dabei um eine relative Verfolgungssicherheit. Im Einzelfall
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Seite 9
kann die besagte Regelvermutung somit aufgrund konkreter und substan-
ziierter Hinweise umgestossen werden, wobei die Beweislast des Gegen-
teils der asylsuchenden Person obliegt (vgl. BVGE 2013/10 E. 7.4.3).
Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Vorbringen die vorgenannte Re-
gelvermutung (Fehlen staatlicher Verfolgung und Gewährleistung von
Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung in Senegal) nicht umzustossen. Die
Vorinstanz hat die vom Beschwerdeführer geltend gemachte staatliche
Verfolgung infolge Begehung eines gemeinrechtlichen Delikts zu Recht
und mit zutreffender Begründung als asylunbeachtlich eingestuft. Folglich
kann der Beschwerdeführer aus dem auf Beschwerdeebene neu einge-
reichten Beweismittel (Notiz der senegalesischen Polizei vom 25. August
2016) in flüchtlingsrechtlicher Hinsicht nichts zu seinen Gunsten ableiten.
Was eine allfällige Haftstrafe und die damit einhergehenden Haftbedingun-
gen anbelangt, ist festzuhalten, dass diese im Rahmen eines Wegwei-
sungsvollzugshindernisses zu prüfen sind, weshalb diesbezüglich auf die
nachfolgenden Erwägungen zu verweisen ist. Darüber hinaus liegen hin-
sichtlich der (befürchteten) Verfolgung durch den (Verwandten) keine kon-
kreten Hinweise für eine Schutzverweigerung oder Schutzunfähigkeit der
senegalesischen Behörden vor. Mithin kann er sich in diesem Zusammen-
hang bei allfälligen Verfolgungsmassnahmen jederzeit an die heimatlichen
Behörden wenden.
6.3 Die Vorinstanz hat demzufolge die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch folgerichtig abge-
lehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2
7.2.1 Die Wegweisung wird unter anderem dann nicht verfügt, wenn die
asylsuchende Person im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlas-
sungsbewilligung ist (Art. 32 Bst. a AsylV 1) oder ein grundsätzlicher An-
spruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung besteht, wobei die kanto-
nale Ausländerbehörde zuständig ist, über den Anspruch konkret zu befin-
den (vgl. auch BVGE 2013/37 E. 4.4; EMARK 2006 Nr. 23 E. 3.2; EMARK
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2001 Nr. 21 E. 9). Soweit nicht das Gesetz oder das Freizügigkeitsabkom-
men einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung vermittelt,
kommt als Anspruchsgrundlage Art. 8 EMRK in Betracht (vgl. EMARK 2001
Nr. 21 E. 8a und b sowie E. 9). Hat die kantonale Ausländerbehörde bereits
über das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung entschieden
und dabei das Bestehen eines Anspruchs verneint, haben sich die Asylbe-
hörden nicht mehr mit Art. 8 EMRK zu befassen (vgl. EMARK 2001 Nr. 21
E. 12b und c sowie 14a).
7.2.2 Vorliegend hat der Vater des Beschwerdeführers am 3. Oktober 2017
ein Gesuch um Familiennachzug für seinen Sohn eingereicht, welches vom
Departement des Innern des Kantons N._ mit Verfügung vom 5. Juli
2018 abgewiesen wurde. Zur Begründung wurde unter anderem festgehal-
ten, dass sich der Vater des Beschwerdeführers, welcher über eine Aufent-
haltsbewilligung infolge seiner Ehe mit einer Schweizer Staatsangehörigen
verfüge, für den Nachzug nicht auf Art. 8 EMRK berufen könne, da er von
seiner Schweizer Ehefrau gerichtlich getrennt lebe und sich diese auch
keine gemeinsame Zukunft mehr vorstellen könne (vgl. a.a.O. Ziff. 3). Die-
ser Entscheid ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Nach dem zu-
vor Dargelegten ist auf die in der Beschwerde gemachten Ausführungen
zu Art. 8 EMRK deshalb nicht weiter einzugehen. Die Wegweisung wurde
demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
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8.2.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
– wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche
Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5
AsylG nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich viel-
mehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestim-
mungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezem-
ber 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder ernied-
rigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
8.2.2 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerde-
führers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Ausschaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit
einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Damit eine Strafe als unmenschlich oder erniedri-
gend zu bezeichnen ist, muss das Leiden oder die Erniedrigung, die mit
der Strafe einhergehen, über das Ausmass hinausgehen, mit dem straf-
rechtlich legitime Bestrafungen zwangsläufig einhergehen (Urteil des
EGMR Soering gegen das Vereinigte Königreich vom 7. Juli 1989,
14038/88, § 101). Entgegen der auf Beschwerdeebene vertretenen Ansicht
ergibt sich aus dem in der Beschwerde angeführten Bericht des U.S. De-
partment of State (Senegal: Human Rights Report 2019) und den Reise-
hinweisen des EDA nicht, dass eine in Senegal inhaftierte Person regel-
mässig einer solch konkreten Gefahr einer unmenschlichen oder erniedri-
genden Strafe ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssitu-
ation in Senegal als einem verfolgungssicheren Staat lässt den Wegwei-
sungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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Seite 12
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 Zusammen mit der Einstufung als «Safe Country» bezeichnete der
Bundesrat Senegal auch als Heimat- oder Herkunftsstaat, in den eine
Rückkehr in der Regel zumutbar ist (vgl. Art. 83 Abs. 5 AIG; Anhang 2 der
Verordnung über den Vollzug der Weg- und Ausweisung sowie der Lan-
desverweisung von ausländischen Personen [VVWAL, SR 142.281]). Die
Bezeichnung von Staaten, in welche die Wegweisung prinzipiell zumutbar
ist, setzt unter anderem politische Stabilität (namentlich das Fehlen von
Krieg, Bürgerkrieg oder einer Situation allgemeiner Gewalt) voraus (Art. 18
Abs. 1 Bst. a VVWAL). Auch diese Regelvermutung kann aufgrund konkre-
ter und substanziierter Hinweise im Einzelfall umgestossen werden, was
dem Beschwerdeführer indes nicht gelingt.
8.3.2 Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, sind auch keine indivi-
duellen Vollzugshindernisse gegeben. An dieser Einschätzung vermag
auch das auf Beschwerdeebene geltend gemachte fehlende Beziehungs-
netz nichts zu ändern. Nach wie vor leben mehrere Verwandte im Heimat-
land (Mutter, Geschwister, [...] sowie [...]), zu denen der Beschwerdeführer
gemäss Aktenlage nach wie vor in Kontakt steht (vgl. B30 F46-48, F66-67,
F100; B37). Sein Vorbringen, dass er den Kontakt zu sämtlichen Verwand-
ten abgebrochen habe, erscheint als blosse Schutzbehauptung. Insofern
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr auf
die Unterstützung seines verwandtschaftlichen Beziehungsnetzes zurück-
greifen kann. Weiter hat er in seinem Heimatland mehrere Jahre die Schule
besucht (vgl. B30 F206-212) und die von ihm in der Schweiz gewonnenen
Arbeitserfahrungen können ihm dabei helfen, schneller in die Berufswelt
seines Heimatstaates einzusteigen. Sodann konnte der Beschwerdeführer
vor seiner Ausreise von der finanziellen Unterstützung seines Vaters leben
(vgl. B7 Ziff. 1.17.05). Bei einer Rückkehr ist davon auszugehen, dass dies
auch weiterhin der Fall sein dürfte. Ausserdem leidet der Beschwerdefüh-
rer den Akten zufolge an keinen gesundheitlichen Problemen (vgl. B7
Ziff. 8.02). Etwas anderes wird auch auf Beschwerdeebene nicht vorge-
bracht. Besondere Umstände, aufgrund derer von einer Existenzbedro-
hung ausgegangen werden müsste, sind vorliegend keine ersichtlich.
8.3.3 Schliesslich ist festzuhalten, dass der Grad der Integration in der
Schweiz grundsätzlich kein Kriterium für die Beurteilung der Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG darstellt (vgl.
BVGE 2009/52 E. 10.3; EMARK 2006 Nr. 13 E. 3.5). Die Beurteilung einer
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Härtefallsituation infolge fortgeschrittener Integration im Sinne von Art. 14
Abs. 2 Bst. c AsylG fällt in die Zuständigkeit der kantonalen Migrationsbe-
hörden (vgl. BVGE 2009/52 E. 10.3). Auf die vom Beschwerdeführer gel-
tend gemachten Integrationsbemühungen und die hierzu eingereichten Be-
weismittel (vgl. Prozessgeschichte, Bstn. E. und G.) ist deshalb nicht näher
einzugehen.
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung
der Verfahrenskosten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
D-5357/2020
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