Decision ID: 0bc58f29-dd37-55d0-ae4a-43862b8d1161
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer hat seinen Heimatstaat Nigeria eigenen Angaben
zufolge im März 2016 verlassen und ist im November 2016 nach Italien
gelangt. Von dort aus ist er am 30. März 2021 in die Schweiz gereist und
stellte gleichentags im Bundesasylzentrum Basel ein Asylgesuch. An-
schliessend wurde er ins Bundesasylzentrum nach Zürich transferiert, wo
am 15. April 2021 die Personalienaufnahme stattfand und man ihn am
19. April 2021 im Rahmen eines Dublin-Gesprächs befragte.
B.
Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (eurodac)
ergab, dass er am (...) November 2016 in Italien ein Asylgesuch einge-
reicht hatte. Das SEM ersuchte daraufhin am 19. April 2021 die italieni-
schen Behörden um Rückübernahme des Beschwerdeführers. Die italieni-
schen Behörden nahmen innerhalb der festgelegten Frist zum Übernah-
meersuchen des SEM keine Stellung. In der Folge trat das SEM mit Verfü-
gung vom 4. Mai 2021 in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG
(SR 142.31) nicht auf das Asylgesuch ein und wies ihn nach Italien weg.
C.
Am 6. Mai 2021 reichte der Beschwerdeführer dem SEM eine Kopie seines
italienischen Aufenthaltstitels ein, aus welchem hervorgeht, dass er in Ita-
lien als Flüchtling anerkannt ist. Das SEM hob am 6. Mai 2021 die Verfü-
gung vom 4. Mai 2021 auf. Mit Schreiben vom 7. Mai 2021 teilte das SEM
dem Beschwerdeführer mit, es beabsichtige gestützt auf Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG nicht auf sein Asylgesuch einzutreten und ihn nach Italien
wegzuweisen. Hierzu gab es ihm die Möglichkeit, sich innert Frist schriftlich
zu äussern.
D.
In der Stellungnahme vom 11. Mai 2021 machte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen geltend, er wolle keinesfalls nach Italien zurückkehren. Er sei
dort obdachlos gewesen und habe insbesondere bezüglich seiner psychi-
schen Beschwerden keine akkurate Behandlung erhalten. Er habe dem
medizinischen Personal nicht trauen können und Injektionen sowie Medi-
kamente verweigert. Er befürchte, bei einer Rückkehr nach Italien wieder
in derselben prekären Lage zu enden. Die Rechtsvertretung verwies da-
rauf, dass die Befürchtungen des Beschwerdeführers sich mit den Erkennt-
nissen der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) deckten und verwies
auf drei Berichte der SFH aus den Jahren 2016 und 2020. Die Rechte der
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Antragssteller würden in Bezug auf die Unterbringung systematisch ver-
letzt werden. Die mangelnde Unterstützung könne zu einer Verletzung von
Art. 3 EMRK führen und Schutzberechtigte seien schlechter gestellt als
Einheimische. Personen mit Schutzstatus würden gar deutlich weniger ma-
terielle Unterstützung erhalten als Asylsuchende. Die Erneuerung einer
Aufenthaltsbewilligung könne bis zu einem Jahr und der Zugang zu einer
Sozialwohnung könne mehrere Jahre dauern. Es bestünden in Italien ins-
besondere für Personen mit Schutzstatus Probleme beim Zugang zu psy-
chiatrischer Versorgung. Der medizinische Sachverhalt sei nicht als erstellt
zu erachten und sie fordere das SEM erneut auf, vertiefte medizinische
Abklärungen in Auftrag zu geben. Es sei nicht geklärt, welche Konsequen-
zen er erleiden würde, falls er in Italien eine psychische Krise im Rahmen
seiner Psychose haben sollte und ihm keine sofortige Behandlung zur Ver-
fügung stünde. Die Berichte der SFH würden darauf schliessen lassen,
dass er im Falle einer Wegweisung nach Italien Schwierigkeiten hätte, me-
dizinische Behandlung zu erhalten. Eine Wegweisung sei aufgrund seines
Gesundheitszustandes als unzulässig oder zumindest als unzumutbar ein-
zustufen, weshalb von einem Vollzug der Wegweisung nach Italien abzu-
sehen sei.
E.
Am 7. Mai 2021 ersuchte das SEM die italienischen Behörden um Rück-
übernahme des Beschwerdeführers. Diese stimmten dem Ersuchen am
14. Mai 2021 zu.
F.
Am 18. Mai 2021 übermittelte das SEM der Rechtsvertretung den Entwurf
des Entscheids betreffend Nichteintreten auf das Asylgesuch und Drittstaa-
tenwegweisung des Beschwerdeführers nach Italien zur Stellungnahme.
Im Rahmen der Stellungnahme vom 19. Mai 2021 verzichtete die Rechts-
vertretung auf weitere Ausführungen und verwies auf die bereits aktenkun-
digen Stellungnahmen.
G.
Mit Verfügung vom 19. Mai 2021 – eröffnet am 20. Mai 2021 – trat das SEM
in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des
Beschwerdeführers nicht ein und ordnete die Wegweisung aus der
Schweiz nach Italien sowie den Vollzug an.
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Seite 4
H.
Mit Eingabe vom 27. Mai 2021 (Poststempel) erhob der Beschwerdeführer
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und
beantragte, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben,
auf das Asylgesuch sei einzutreten und es sei ein nationales Verfahren
durchzuführen, eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei
Asyl zu gewähren, subeventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nach Italien festzustellen und
er sei vorläufig aufzunehmen, subsubeventualiter sei die Sache zur weite-
ren Abklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen, subsubsubeventualiter
sei die Vorinstanz anzuweisen, individuelle Garantien betreffend adäquater
Unterbringung und dem Zugang zu fachärztlicher Betreuung einzuholen.
In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sowie den Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Sodann sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde nach
Art. 107a Abs. 2 und 3 AsylG zu erteilen.
I.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
31. Mai 2021 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerde-
führer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
– vorbehältlich Ziff. 1.2 und 3.2 nachstehend – einzutreten (Art. 108 Abs. 3
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
kommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese nicht entzogen hat,
ist auf den Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu er-
teilen, nicht einzutreten.
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Seite 5
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
3.2 Die Fragen der Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft und der Ge-
währung von Asyl bilden demgegenüber nicht Gegenstand des angefoch-
tenen Nichteintretensentscheides und damit auch nicht des vorliegenden
Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerdeanträge ist deshalb nicht
einzutreten.
3.3 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft.
4.
4.1 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Die Vorinstanz stellte fest, der Bundesrat habe Italien als sicheren Dritt-
staat bezeichnet. Abklärungen hätten ergeben, dass der Beschwerdeführer
in Italien als Flüchtling anerkannt sei und die italienischen Behörden hätten
sich am 14. Mai 2021 bereit erklärt, ihn zurückzunehmen. Es bestünden
zwar Anzeichen, dass er die Flüchtlingseigenschaft nach Art. 3 AsylG er-
fülle, da er in Italien als Flüchtling anerkannt worden sei. Einem Begehren
um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft in der Schweiz sei nur dann zu
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entsprechen, wenn ein schutzwürdiges Interesse nachgewiesen werde.
Dieser Nachweis könne offensichtlich nicht gelingen, wenn bereits ein Dritt-
staat die Flüchtlingseigenschaft festgestellt und Schutz vor Verfolgung ge-
währt habe. Der Beschwerdeführer könne nach Italien zurückkehren, ohne
eine Rückschiebung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips zu be-
fürchten. Auf das Asylgesuch sei nicht einzutreten.
5.2 Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs hielt die Vorinstanz fest, indem
er Schutz vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finde, sei
das Non-Refoulment-Gebot bezüglich des Heimat- oder Herkunftsstaates
nicht zu prüfen. Den medizinischen Sachverhalt erachte sie anhand seiner
Ausführungen und den vorliegenden Arztberichten als ausreichend erstellt,
um die Zulässigkeit und Verhältnismässigkeit der Wegweisung nach Italien
beurteilen zu können. Aus dem psychiatrischen Konsilium vom (...) April
2021 gehe klar hervor, dass aktuell keine Symptome einer psychotischen
Erkrankung vorlägen. Er sei seit Monaten beschwerdefrei und die Medika-
mente seien abgesetzt worden. Der umfassende psychiatrische Bericht
würde die zuvor gestellten Diagnosen des Allgemeinarztes nicht bestäti-
gen. Sollte er künftig wieder medizinische Behandlung benötigen, so könne
er diese auch in Italien erhalten. Italien habe die Richtlinie 2011/95/EU
(sog. Qualifikationsrichtlinie) umgesetzt. Diese regle namentlich Ansprüche
von Personen mit internationalem Schutzstatus hinsichtlich Sozialleistun-
gen sowie deren Zugang zu Wohnraum, Beschäftigung und angemessener
medizinischer Versorgung, wie ihren eigenen Staatsangehörigen, wozu
auch die erforderliche Behandlung von psychischen Störungen gehöre.
Entsprechend habe er notfalls einklagbare Ansprüche in Bezug auf Sozial-
leistungen, Wohnraum und medizinische Versorgung. Neben staatlichen
Strukturen beständen private und internationale Organisationen, an die er
sich in Italien wenden könne. Die in Italien im Allgemeinen schwierigen
ökonomischen Lebensbedingungen sowie die herrschende Wohnungsnot
würden die ganze Bevölkerung treffen und würden die Zulässigkeit und die
Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung nach Italien nicht zu widerle-
gen vermögen. Die von der Rechtsvertretung zitierten Berichte seien allge-
meiner Natur und liessen keine Rückschlüsse auf die individuelle Situation
des Beschwerdeführers zu. Es liege zudem nicht an den Schweizer Behör-
den, sicherzustellen, dass Personen mit Schutzstatus in Italien über aus-
reichende Lebensgrundlagen verfügen würden, sobald sie dorthin über-
stellt worden seien.
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Seite 7
6.
6.1 In der Beschwerde werden verschiedene formelle Rügen erhoben, die
vorab zu beurteilen sind, da sie allenfalls geeignet sein könnten, eine Kas-
sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
6.2 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der unter Buchstaben a–e aufge-
listeten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze an
der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Dazu gehört unter anderem, an der Feststellung des Sachverhaltes mitzu-
wirken und in der Anhörung die Asylgründe darzulegen (vgl. BVGE 2011/28
E. 3.4).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
Eng damit zusammen hängt die Pflicht der Behörde, ihren Entscheid zu
begründen (Art. 35 Abs. 1 VwVG). Aus der Begründungspflicht als Teilge-
halt des rechtlichen Gehörs ergibt sich, dass die Abfassung der Begrün-
dung dem Betroffenen ermöglichen soll, den Entscheid sachgerecht anzu-
fechten, was nur der Fall ist, wenn sich sowohl der Betroffene als auch die
Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen
können. Die Begründungsdichte richtet sich dabei nach dem Verfügungs-
gegenstand, den Verfahrensumständen und den Interessen des Betroffe-
nen, wobei bei schwerwiegenden Eingriffen in die rechtlich geschützten In-
teressen des Betroffenen – und um solche geht es bei Verfahren betreffend
Asyl und Wegweisung – eine sorgfältige Begründung verlangt wird (vgl.
BVGE 2011/37 E. 5.4.1; BVGE 2008/47 E. 3.2).
6.3 In der Beschwerde wird moniert, dass die Regelvermutung, wonach
der Grundsatz des Rückschiebungsverbotes bei Staaten, welche als si-
chere Drittstaaten gemäss Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG gelten, eingehalten
werde, umgestossen werden könne, wenn geeignete Berichte vorlägen.
Die Vorinstanz und das Bundesverwaltungsgericht würden dann den Ein-
zelfall vertieft prüfen müssen. Zu prüfen wäre zudem, ob systemische, all-
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gemeine oder aber bestimmte Personengruppen betreffende Schwachstel-
len vorlägen, die gegen das Verbot unmenschlicher oder erniedrigender
Behandlung verstossen würden.
Der Beschwerdeführer verkennt, dass es der betroffenen Person obliegt,
diese Legalvermutung umzustossen (siehe E. 9.2). Entgegen der Auffas-
sung des Beschwerdeführers wurde der Sachverhalt diesbezüglich genü-
gend erstellt.
6.4 Der Beschwerdeführer rügt, dass gerade bei besonders verletzlichen
Personen eine Einzelfallprüfung im Hinblick auf die Zulässigkeit der Weg-
weisung vorgenommen werden müsse. Der Gesundheitszustand sei nur in
Bezug auf die aktuell benötigte medizinische Versorgung in der Schweiz
abgeklärt worden, nicht aber in Bezug auf eine allfällige Wegweisung nach
Italien. Da er in Italien auf der Strasse und unter sehr schlechten Umstän-
den habe leben müssen, sei das Risiko, wieder Depressionen und psycho-
tische Symptome zu bekommen, sehr hoch.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers handelt es sich bei ihm um
keine besonders verletzliche Person. So ist dem psychiatrischen Bericht
vom (...) April 2021 zu entnehmen, dass aktuell keine Symptome einer psy-
chotischen Erkrankung vorliegen, der Beschwerdeführer seit Monaten be-
schwerdefrei ist und die verschriebenen Medikamente abgesetzt worden
sind. Es bestand kein Anlass für die Vorinstanz, weitere Arztberichte einzu-
fordern und der Sachverhalt wurde genügend abgeklärt. Im Übrigen ist
auch auf die dem Beschwerdeführer obliegende Mitwirkungspflicht bezüg-
lich Erstellung des Sachverhalts (Art. 8 AsylG) hinzuweisen.
6.5 Der Beschwerdeführer bemängelt, die Vorinstanz äussere sich im ab-
lehnenden Entscheid nur textbausteinartig zur Gesundheitsversorgung in
Italien und lasse damit die dortigen allgemein bekannten schlechten Ver-
hältnisse vollkommen ausser Acht.
Die Vorinstanz hat sich genügend ausführlich zu den Ansprüchen von Per-
sonen mit internationalem Schutzstatus in Italien geäussert und festge-
stellt, dass es dem Beschwerdeführer offenstehe, den Rechtsweg zu be-
schreiten, würde Italien seinen Verpflichtungen nicht nachkommen. Sie hat
damit den rechtserheblichen Sachverhalt vollständig und richtig festgestellt
und in der Folge mit rechtsgenüglicher Begründung dargelegt. Die Vor-
instanz hat ihre Verfügung so begründet, dass der Beschwerdeführer sich
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über die Tragweite des Entscheides ein Bild machen und diesen sachge-
recht anfechten konnte. Dass ihm dies ohne Weiteres möglich war, ergibt
sich im Übrigen bereits aus seiner Eingabe an das Bundesverwaltungsge-
richt. Die Begründungspflicht ist damit nicht verletzt.
6.6 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, die Vorinstanz
äussere sich auch mit keinem Wort dazu, wie sich seine Aufnahme und
Unterbringung in Italien im Lichte der aktuellen Covid-19 Situation gestal-
ten würde.
Die Vorinstanz hat sich in ihrer Verfügung ausführlich zur aktuellen Situa-
tion in Italien geäussert und damit implizit die aktuelle Lage aufgrund der
Pandemie miteinbezogen. Sie hat den Sachverhalt damit vollständig fest-
gestellt.
6.7 Die formellen Rügen erweisen sich angesichts dieser Sachlage als un-
begründet, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache aus formellen
Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die diesbe-
züglichen Rechtsbegehren sind somit abzuweisen.
7.
7.1 Gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG wird auf ein Asylgesuch nicht ein-
getreten, wenn die asylsuchende Person in einen nach Art. 6a Abs. 2 Bst. b
AsylG als sicher bezeichneten Drittstaat zurückkehren kann, in welchem
sie sich zuvor aufgehalten hat.
7.2 Die Vorinstanz stellt in der angefochtenen Verfügung zutreffend fest,
dass es sich bei Italien, als Mitglied der Europäischen Union (EU), um ei-
nen verfolgungssicheren Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG
handelt und er nach Italien zurückkehren könne, ohne eine Rückschiebung
in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips zu befürchten. Aus den Akten
geht hervor, dass der Beschwerdeführer in Italien als Flüchtling anerkannt
ist und die italienischen Behörden seiner Rückübernahme am 14. Mai 2021
ausdrücklich zustimmten.
7.3 Das SEM ist bei dieser Sachlage zu Recht in Anwendung von Art. 31a
Abs. 1 Bst. a AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein-
getreten.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
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Seite 10
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2
9.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der
Ausländerin oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder ei-
nen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AIG).
9.2.2 Keine Person darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK).
9.2.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten die
Vermutung, dass diese ihre völkerrechtlichen Verpflichtungen, darunter im
Wesentlichen das Refoulement-Verbot und grundlegende menschenrecht-
liche Garantien, einhalten (vgl. FANNY MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh
Son Nguyen, Code annoté de droit des migrations, Bern 2015, Art. 6a
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AsylG N 12 S. 68). Ferner hält Art. 83 Abs. 5 AIG die Vermutung fest, dass
eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist.
Es obliegt der betroffenen Person, diese zwei Legalvermutungen umzu-
stossen. Dazu muss sie ernsthafte Anhaltspunkte dafür vorbringen, dass
die Behörden des in Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völ-
kerrecht verletzen, ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie
menschenunwürdigen Lebensumständen aussetzen würden respektive,
dass sie dort aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirtschaftli-
cher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten würde
(vgl. statt vieler das Urteil BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 4).
9.2.4 Es ist in Italien nicht von einer Situation auszugehen, in der jeder
Person mit Schutzstatus dort eine unangemessene und erniedrigende Be-
handlung im Sinne einer Verletzung von Art. 3 EMRK drohen würde. Un-
terstützungsleistungen und weitere Rechte können direkt bei den zustän-
digen Behörden eingefordert werden, falls notwendig auf dem Rechtsweg.
Nicht zuletzt können Schutzberechtigte sich auch auf die Garantien in der
Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU berufen, auf die sich Italien als EU-Mit-
gliedstaat behaften lassen muss.
9.2.5 Die Vorinstanz stellt zu Recht fest, dass aus dem psychiatrischen
Konsilium vom (...) April 2021 klar hervorgeht, dass aktuell keine Symp-
tome einer psychotischen Erkrankung vorliegen, der Beschwerdeführer
seit Monaten beschwerdefrei ist und die verschriebenen Medikamente ab-
gesetzt worden sind. Eine schwere psychische Erkrankung liegt gemäss
diesem Bericht jedenfalls zum aktuellen Zeitpunkt nicht vor. Es ist deshalb
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers auch nicht davon auszuge-
hen, dass eine ernsthafte Gefahr besteht, im Falle seiner Rückschaffung
nach Italien einer schwerwiegenden, rapiden und irreversiblen Verschlech-
terung seines Gesundheitszustandes, verbunden mit übermässigem Lei-
den oder einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, ausgesetzt
zu sein. Dies gilt namentlich vor dem Hintergrund dessen, dass in Italien
die medizinische Versorgung gewährleistet ist (vgl. etwa Urteil BVGer E-
683/2021 vom 2. März 2021 E. 8.6). Dementsprechend führte der Be-
schwerdeführer auch aus, dass er wegen seiner damaligen psychischen
Probleme in Italien in Spitalpflege gewesen sei. Eine Verletzung von Art. 3
EMRK im Falle einer Rückkehr nach Italien ist nicht zu erkennen. Die Aus-
führungen in der Beschwerde vermögen zu keiner anderen Einschätzung
zu gelangen.
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-2617/2016
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Seite 12
9.2.6 Der Beschwerdeführer kann in den sicheren Drittstaat Italien ausrei-
sen, wo er als Flüchtling anerkannt wurde und zu gegebener Zeit die Ver-
längerung seiner Aufenthaltsbewilligung wird beantragen können. Es be-
steht daher kein Anlass zur Annahme, es drohe ihm eine Verletzung des in
Art. 33 Abs. 1 FK verankerten Grundsatzes der Nichtrückschiebung. Es lie-
gen auch keine konkreten Hinweise vor, dass der Beschwerdeführer im
Falle seiner Rückkehr nach Italien einer unmenschlichen oder erniedrigen-
den Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt wäre. Der Vollzug
der Wegweisung erweist sich somit sowohl im Sinne der asyl- als auch der
völkerrechtlichen Bestimmungen als zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Die Vorinstanz hat den Vollzug der Wegweisung zu Recht als zumutbar
eingeschätzt. Entgegen seiner Ansicht, wird der Beschwerdeführer nach
der Rückkehr nach Italien nicht in eine medizinische Notlage geraten, sollte
er auf eine Behandlung angewiesen sein. Italien ist an die Richtlinie
2011/95/EU gebunden. Im Kapitel VII werden die den Flüchtlingen und Per-
sonen mit subsidiärem Schutzstatus zu gewährenden Rechte geregelt
(Art. 26 [Zugang zu Beschäftigung], Art. 29 Abs. 2 [Sozial- und Nothilfe]
und Art. 30 Abs. 2 [medizinische Versorgung]). Es bestehen keine Hin-
weise darauf, Italien würde dem Beschwerdeführer dauerhaft die ihm ge-
mäss der Richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorent-
halten und ihn einer existenziellen Notlage aussetzen. Daran ändert auch
der zitierte Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe nichts (SFH, Auf-
nahmebedingungen in Italien, Januar 2020).
Anzumerken bleibt, dass sich die Erwägungen im Urteil des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) in Sachen Tarakhel gegen die
Schweiz (Urteil vom 4. November 2014, 29217/12) betreffend die Einho-
lung von Garantien für bestimmte Personengruppen nur auf die Durchfüh-
rung des Asylverfahrens in Italien beziehen. Dem Beschwerdeführer wurde
in Italien die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt. Die Vorinstanz war damit
nicht gehalten, von den italienischen Behörden konkrete Garantien einzu-
holen, weshalb auch dieser Beschwerdeantrag abzuweisen ist.
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Seite 13
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers spricht auch die Covid-19-
Pandemie und die damit verbundenen möglichen Quarantänen nicht ge-
gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Insgesamt erweist sich
nach dem Gesagten der Vollzug der Wegweisung demnach auch als zu-
mutbar.
9.4 Schliesslich ist der Vollzug der Wegweisung auch als möglich im Sinne
von Art. 83 Abs. 2 AIG zu qualifizieren, zumal die italienischen Behörden
einer Rückübernahme des Beschwerdeführers ausdrücklich zugestimmt
haben.
9.5 Zusammengefasst hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (vgl. Art. 83 Abs. 1–4
AIG), weshalb dieser Beschwerdeantrag abzuweisen ist.
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und auch sonst nicht zu
beanstanden ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf eingetre-
ten wird.
11.
Das mit der Beschwerde gestellte Begehren um Verzicht auf die Erhebung
eines Kostenvorschusses ist mit dem vorliegenden Entscheid gegen-
standslos geworden.
12.
12.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde als von
vornherein aussichtslos zu erachten, weshalb das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen ist (Art. 65 Abs. 1 VwVG).
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 14