Decision ID: 15e9297a-68df-42cb-9ad8-bf45d57836b3
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Die Beschwerdekammer entnimmt den Akten:
1. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm führt gegen den Beschwerdeführer eine Strafuntersuchung wegen einfacher Körperverletzung, Tätlichkeiten, Sachbeschädigung, Drohung, Nötigung und grober Verletzung der .
2. 2.1. Der Beschwerdeführer (vertreten durch seine amtliche Verteidigerin) stellte am 14. Juni 2022 bei der Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm ein Gesuch um Aufhebung sämtlicher, vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau mit Verfügung vom 20. Mai 2022 bis zum 20. November 2022  Ersatzmassnahmen.
Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm überwies dieses Gesuch,  mit dem Antrag auf Abweisung, am 22. Juni 2022 dem  des Kantons Aargau zum Entscheid. Mit Eingaben vom 27. und 28. Juni 2022 reichte sie dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau weitere Unterlagen ein.
Der Beschwerdeführer reichte am 1. Juli 2022 (vertreten durch seine  Verteidigerin) und mit E-Mail vom 4. Juli 2022 (persönlich)  beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau ein.
2.2. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau wies mit Verfügung vom 5. Juli 2022 das Gesuch um Aufhebung der Ersatzmassnahmen ab. Diese Verfügung wurde Rechtsanwalt B., Q., als freigewähltem Verteidiger am 6. Juli 2022 und der amtlichen Verteidigerin am 12. Juli 2022 zugestellt.
3. 3.1. Der Beschwerdeführer, vertreten durch seine amtliche Verteidigerin, erhob mit Eingabe vom 21. Juli 2022 Beschwerde gegen diese Verfügung. Er stellte folgende Anträge:
" 1. Die Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts Brugg vom 05.07.2022 sei aufzuheben.
2. Die vom Zwangsmassnahmengericht Brugg mit Verfügung vom 20.05.2022 erlassenen Ersatzmassnahmen seien allesamt aufzuheben.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates."
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3.2. Das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau teilte mit Eingabe vom 4. August 2022 mit, unter Hinweis auf die Begründung des  Entscheids, auf eine Vernehmlassung zu verzichten.
3.3. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm beantragte mit Beschwerdeantwort vom 5. August 2022 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1. Der angefochtenen Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts des  Aargau vom 5. Juli 2022 ist zu entnehmen, dass der  vor dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau sowohl durch seine amtliche Verteidigerin als auch (freigewählt) durch Rechtsanwalt B. vertreten war. Dass dem anders gewesen wäre, brachte der  weder vor dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau noch mit Beschwerde vor. Demnach ist für dieses Beschwerdeverfahren ohne Weiteres davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer vor dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau auch durch  B. vertreten war, was ohne Weiteres zulässig war (Art. 127 Abs. 2 Satz 1 StPO).
1.2. Weiter ist nicht ersichtlich, dass die amtliche Verteidigerin vor dem  des Kantons Aargau Hauptverteidigerin i.S.v. Art. 127 Abs. 2 Satz 2 StPO gewesen wäre. Weder wurden die beiden Verteidiger vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau aufgefordert, eine(n) Hauptverteidiger(in) zu bestimmen, noch gaben diese von sich aus eine entsprechende Erklärung gegenüber dem  des Kantons Aargau ab. Folgerichtig behandelte das  des Kantons Aargau die beiden Verteidiger gleichberechtigt und bediente beide mit der verfahrensleitenden Verfügung vom 23. Juni 2022 (act. 72 f.), mit welcher es sowohl dem freigewählten Verteidiger als auch der amtlichen Verteidigerin die Möglichkeit zu Stellungnahmen . Hätte sich die amtliche Verteidigerin als Hauptverteidigerin i.S.v. Art. 127 Abs. 2 Satz 2 StPO betrachtet, hätte sie spätestens diese Verfügung zum Anlass nehmen müssen, dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau eine entsprechende Mitteilung zu machen. Weil sie dies unterliess, erscheint es nichts als folgerichtig, dass das  des Kantons Aargau beide Verteidiger schlussendlich auch mit der (hier angefochtenen) Verfügung vom 5. Juli 2022 bediente, woran
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nichts ändert, dass sich der freigewählte Verteidiger – was vom  des Kantons Aargau in E. 5 seiner Verfügung vom 5. Juli 2022 ausdrücklich vermerkt wurde – vor dem  des Kantons Aargau gar nicht hatte vernehmen lassen (zu den  vgl. im Übrigen auch Schreiben der  Zofingen-Kulm vom 22. Juni 2022, Beilage 5 zum Antrag der  Zofingen-Kulm vom 22. Juni 2022, act. 18 f.).
1.3. Damit ist, nachdem vor dem Zwangsmassnahmengericht des Kantons  keine Hauptverteidigung i.S.v. Art. 127 Abs. 2 Satz 2 StPO vorlag und der angefochtene Entscheid zunächst am 6. Juli 2022 dem freigewählten Verteidiger zugestellt worden war (act. 124 f.), in Beachtung von Art. 90 Abs. 1 StPO dieses Datum für die Berechnung der 10-tägigen  nach Art. 396 Abs. 1 StPO massgeblich, zumal es auch bei  Verteidigern nur eine Beschwerdefrist geben kann. Dies gilt gerade auch dann, wenn (wie hier) keine Hauptverteidigung i.S.v. Art. 127 Abs. 2 Satz 2 StPO bezeichnet wurde. Diesfalls verhält es sich nämlich  so (und dürfte es sich auch vorliegend so verhalten haben), dass die mehreren Verteidiger einträchtig zusammenarbeiten (vgl. hierzu etwa Urteil des Bundesgerichts 1B_424/2020 vom 15. Dezember 2020 E. 2.7),  nicht einzusehen ist, warum nicht die Erstzustellung des  Entscheids an einen der Verteidiger für alle Verteidiger fristauslösend sein soll. Stellte man hingegen auf eine spätere Zustellung an einen der (einträchtig zusammenarbeitenden) Verteidiger ab, hätte dies de facto eine sachlich nicht zu rechtfertigende Verlängerung der gesetzlich geregelten Beschwerdefrist zur Folge.
1.4. Demnach lief die Beschwerdefrist in Beachtung von Art. 90 Abs. 1 und 2 StPO vom 7. bis zum Montag, dem 18. Juli 2022. Sie wurde mit der von der amtlichen Verteidigerin des Beschwerdeführers erst am 21. Juli 2022  Beschwerde nicht gewahrt, weshalb darauf nicht einzutreten ist (vgl. hierzu auch CHRISTOF RIEDO, in: Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 18 zu Art. 93 StPO, wonach das  einer gesetzlichen Eingabefrist, wie etwa der Beschwerdefrist nach Art. 396 Abs. 1 StPO, die Verwirkung des Beschwerderechts zur Folge hat).
1.5. Eine Minderheit der Beschwerdekammer in Strafsachen des Obergerichts wäre mit der Begründung auf die Beschwerde eingetreten, dass der  vom Zwangsmassnahmengericht des Kantons Aargau zur Bezeichnung eines Hauptverteidigers/einer Hauptverteidigerin hätte  werden müssen und dass, weil dies unterblieben sei und einzig die amtliche Verteidigerin das Verfahren vor dem Zwangsmassnahmengericht
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des Kantons Aargau geführt habe, diese als Hauptverteidigerin zu  sei.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel nicht eingetreten wird (Art. 428 Abs. 1 StPO),  die Kosten dieses Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer  sind. Die Entschädigung seiner amtlichen Verteidigerin ist am Ende des Strafverfahrens von der dannzumal zuständigen Instanz .