Decision ID: c539e1e5-fc2d-5cba-a7cc-990aff159b67
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1979,
gelernte Verkäuferin,
arbeitete seit dem
1.
Januar 2012 als Praxis-Serviceangestellte bei der
Y._
AG in einem 57%-Pensum (Urk.
11/26).
Am 1
2.
Juni 2015 (Eingangsdatum) meldete sich die Versicherte bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression zum Bezug von Leistungen der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
11/7). In der Folge lud die IV-Stelle die Versicherte zu einem Gespräch betreffend ihre berufliche Situation ein, das am 2
7.
August 2015 stattfand
und anlässlich welchem die Versicherte eine Umschulung in den kaufmännischen Bereich beantragte
(Urk. 11/13). Die IV-Stelle holte einen Auszug aus dem Indi
viduellen Konto der Versicherten (IK-Auszug,
Urk.
11/11 und
Urk.
11/77) ein, ersuchte die Arbeitgeberin (vgl. Arbeitgeberfragebogen vom 1
3.
September 2016;
Urk.
11/40) und
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
um Auskünfte
(
Bericht vom
9.
Juni 2017
Urk.
11/50). Mit Mit
teilung vom 2
4.
August 2017 (
Urk.
11/53) gewährte die IV-Stelle der Versicherten Kostengutsprache für eine Potenzialabklärung vom
9.
Oktober bis 3. November 2017 bei der
A._
(vgl. Schlussbericht vom 2
7.
November 2017,
Urk.
11/64).
Zu dieser Aktenlage nahm
Dr.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) am 19. Oktober 2017 Stellung (vgl.
Urk.
11/62). In der Folge lud die IV-Stelle die Versicherte sowie ihren behandelnden Psychiater
für den
4.
Mai 2018
zu einem weiteren Standort
gespräch ein (
Urk.
11/63), welches seitens
Z._
mit Schreiben vom 2
4.
April 2018 (
Urk.
11/69) abgesagt wurde. Mit Verfügung vom
4.
Juli 2018
entsprechend ihrem Vorbescheid vom 2
5.
Mai 2018 -
verneinte die IV
Stelle einen Anspruch auf Integrationsmassnahmen (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 3
0.
August 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung vom
4.
Juli 2018 sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihr berufliche Massnahmen zum schrittweisen Wiederaufbau der Erwerbsfähigkeit zu gewähren. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Oktober 2018 (
Urk.
9) eine teilweise Gutheissung im Sinne einer Rückweisung der Beschwerde zur weiteren Abklärung. Mit Verfügung vom 1
6.
Oktober 2018 wurde der
Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort unter Beilage des Feststellungs
blatts (
Urk.
10) zugestellt und
die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt
(
Urk.
12), wobei innert angesetzter Frist keine Replik eingegangen ist. Hierüber wurde die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
4.
Dezember 2018 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburts
gebre
chen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
Bundesgesetz über
die Invaliden
versicherung [IVG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die beruf
liche
Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.
3
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % arbeitsun
fä
hig (Art. 6 ATSG) sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbe
reitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraussetzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (Art. 14a Abs. 1 IVG). Als Integrationsmass
nahmen gelten gemäss Abs. 2 gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (
lit
. a) und Beschäftigungs
massnahmen (
lit
. b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit verloren zu gehen droht, die Eingliederungsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten (
BBl
2005 4521 ff., 4564; Erwin
Murer
, Invalidenversicherung: Prävention, Früherfassung und Integration, Bern 2009, N. 4 und 31 zu Art. 14a IVG; Silvia Bucher, Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach Art. 14a IVG, in: Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit, Festschrift für Erwin
Murer
zum 65. Geburtstag, 2010, S. 111). Ist aber jemand in einer anderen zumutbaren Tätigkeit arbeitsfähig, so ist er (in dieser anderen Tätigkeit) bereits eingliederungsfähig; er braucht keine Integrationsmassnahmen mehr, um die Ein
gliederungsfähigkeit herzustellen. Es gibt keinen Grund, Massnahmen zur Ermög
lichung einer beruflichen Eingliederung durchzuführen, wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliederung bereits umgesetzt werden kann (BGE 137 V 1 E. 7.2.3).
1.
4
Gemäss
Art.
15 IVG haben Versicherte, die infolge Invalidität in der Berufswahl oder in der Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit behindert sind, Anspruch auf Berufsberatung. Der Leistungsanspruch setzt voraus, dass die versicherte Person an sich zur Berufswahl oder zur beruflichen Neuorientierung fähig ist, infolge ihres Gesundheitszustandes aber darin behindert ist, weil die Kenntnisse über Neigungen, berufliche Fähigkeiten und Möglichkeiten nicht ausreichen, um einen der Behinderung angepassten Beruf wählen zu können (ZAK 1977 S. 191 E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 431/99 vom 1
5.
Februar 2000). In Betracht fällt jede körperliche oder psychische Beeinträchtigung, die den Kreis der für die versi
cherte Person nach ihrer Eignung und Neigung möglichen Berufe oder Betäti
gungen einengt oder die Ausübung der bisherigen Aufgabe unzumutbar macht. Ausgeschlossen sind geringste Behinderungen, die keine nennenswerte Beein
trächtigung zur Folge haben und
deshalb die Inanspruchnahme der Invalidenver
sicherung nicht rechtfertigen (BGE 114 V 29 E. 1a mit Hinweisen).
1.
5
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der
Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbs
tätigkeit ohne vor
gängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutba
ren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsein
busse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 488 E. 4.2; AHI
2000 S. 27 E. 2b und S. 62 E. 1 je mit Hinweisen).
1.
6
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle ver
anlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
1.
7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
4.
Juli 2018 (
Urk.
2) hielt die Beschwerde
gegnerin fest, die Eingliederungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei vorhanden, sodass Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliede
rung nicht notwendig seien. Sie würde der Beschwerdeführerin aber Unter
stützung bei der Stellensuche, inklusive Arbeitstraining im ersten Arbeitsmarkt anbieten.
2.2
Demgegenüber
machte
die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 30. August 2018 (
Urk.
1) zusammengefasst geltend,
die Beschwerdegegnerin solle bei ihr berufliche Massnahmen durchführen. S
owohl aus dem Arztbericht des langjährig behandelnden Psychiaters als auch aus dem Schlussbericht der
A._
gehe hervor, dass berufliche Massnahmen zu empfehlen und begründet seien. Aufgrund langanhaltender gesundheitlicher Einschränkungen sei sie nicht in der Lage, auf direktem Wege mit Stellensuche wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu gelangen.
Eine berufliche Massnahme würde ihr den schrittweisen Wiederaufbau ihrer Erwerbsfähigkeit ermöglichen.
2.3
Im Rahmen der Beschwerdeantwort vom 1
0.
Oktober 2018 (
Urk.
9) führte die Beschwerdegegnerin aus, es gebe starke Hinweise darauf, dass die depressive Symptomatik der Beschwerdeführerin hauptsächlich durch psychosoziale Belastungsfaktoren beeinflusst sei, was gegen das Vorliegen eines Gesundheits
schadens im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn sprechen würde. Im Rahmen der eingeleiteten Rentenprüfung würden diesbezüglich weitere medizinische Abklärungen anstehen. Deshalb könne über den Anspruch auf berufliche Mass
nahmen noch nicht abschliessend entschieden werden, weshalb die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei.
3.
3.1
Z._
diagnostizierte mit Bericht vom
9.
Juni 2017 (
Urk.
11/50) rezidivierende depressive Episoden mit Erschöpfungszuständen, zurzeit mittel
schweren Ausmasses, (ICD-10 F33.10), und zahlreiche schwerere akute depressive Krisen von kurzer Dauer. Die Beschwerdeführerin habe nach der Schwangerschaft 2005 eine erste depressive Phase erfahren, damals jedoch keine therapeutische Hilfe aufgesucht. 2008 habe sie eine schwere depressive Phase mit Erschöpfungs
zuständen
erlitten, welche
eine
Hospitalisation
im
Z
entrum
C._
und in der Höhenkli
nik
D._
zur Folge gehabt habe. Seit November 2011
sei die Beschwerdeführerin in der Tagesklinik
E._
in psychologischer Behandlung, seit März 2015 bis heute mit Unter
brüchen bei ihm
(
Z._
). Zu den erhobenen Befunden
führte
er
aus, die Beschwerdeführerin sei gepflegt und wirke freundlich, allseits gut orien
tiert sowie offen. Das Gedächtnis sei intakt, das Denken kohärent und differen
ziert. Ihr Selbstwertgefühl sei jedoch deutlich vermindert, die Grundstimmung deprimiert und verzweifelt. Sie leide an ausgeprägten Verlassenheitsängste
n
und weise eine emotionale Instabilität auf. Bei vertiefter Auseinandersetzung über ihre innere Verfassung gerate sie rasch in grosse Verzweiflung und fange zu weinen an. Des Weiteren seien ausgeprägte Zukunftssorgen bezüglich der beruflichen Situation feststellbar. Mit der Aufgabe als Mutter einer pubertierenden Tochter sehe sie sich häufig an der Grenze ihrer Kräfte. Für den Arbeitsplatz zeige sie sich sehr dankbar, finde dort aber keine Besserung des Selbstwertgefühls. Fachlich sei sie da unterfordert, die Konfrontation mit den Schwerkranken belaste sie hinge
gen sehr. Ferner leide sie an Durchschlafstörungen. Psychotische Symptome seien keine ersichtlich. Eine Suizidalität könne verneint werden.
Seit April 2017 befinde sich die Beschwerdeführerin erneut in einer depressiven Phase, wobei sie sich wegen Erschöpfung nicht mehr in der Lage fühle, das Arbeitspensum von 60
%
durch
zuhalten. Er habe sie daher seit dem 1
6.
Mai (2017) teilweise arbeitsunfähig geschrieben. Zurzeit arbeite die Beschwerdeführerin noch zu 20
%
.
Z._
konstatierte, die zahlreichen akuten depressiven Krisen mit Erschöpfung seien Ausdruck der emotionalen Instabilitäten, welche der Beschwerdeführerin die inneren Kräfte rauben würden. Entsprechend wäre eine berufliche Tätigkeit mit geregelten Arbeitszeiten und emotional ruhiger Umgebung sinnvoll. Ein Ver
bleib in der derzeitigen beruflichen Situation sei auf weite Sicht für die Beschwer
deführerin nicht verkraftbar.
Z._
attestierte der Beschwerde
führerin seit Mitte Mai 2017 eine 20%ige Arbeitsfähigkeit und erachtete eine berufliche Massnahme durch die Beschwerdegegnerin als wirkungsvoll.
3.2
In ihrer Stellungnahme vom 1
9.
Oktober 2017 (vgl.
Urk.
11/62) beurteilte RAD
Ärztin
Dr.
B._
die depressive Symptomatik im Zusammenhang mit ver
schiedenen psychosozialen Belastungen (alleinerziehend, pubertierende Tochter, vom Sozialamt abhängig). Ausserdem stellte sie fest, die aktuelle Arbeitssituation scheine für die Beschwerdeführerin problematisch zu sein. Allerdings bedeute das nicht, dass sie nicht weiterhin in ihren angestammten Tätigkeiten (Service, Ver
kauf) verbleiben könne, seien diese doch nicht auf ein Umfeld mit kranken Menschen beschränkt. Eine - wie von
Z._
genannte - geregelte Tätigkeit in emotional ruhiger Umgebung (vgl. vorstehend E. 3.1) existiere auch in diesen Tätigkeitsfeldern. Eine erfolgreiche
Stellensuche bedürfe aber möglich
erweise der Unterstützung durch die Beschwerdegegnerin.
3.3
Vom
9.
Oktober bis
3.
November 2017 wurde im Rahmen der Potenzialabklärung die Arbeitsmarktfähigkeit der Beschwerdeführerin eruiert. In ihrem Schlussbericht vom 2
7.
November 2017 (
Urk.
11/64) hielten die Fachpersonen der
A._
fest, w
ährend der Potenzialerhebung habe sich eine deutliche psychische Insta
bilität verbunden mit einer ein
geschränkten Belastbarkeit, einer massiven Verunsiche
rung und permanentem Gedankenkreisen gezeigt.
Die Arbeits- und Leistungs
fä
higkeit der Beschwerdeführerin sei entsprechend beeinträchtigt. Zusätzlich würden sich auch ihre Verunsicherung, Leistungsblockaden und Verlangsamung einschränkend auswirken. Die Beschwerdeführerin verfüge jedoch über eine hohe Zuverlässigkeit und Genauigkeit sowie die Fähigkeit sowohl Aufgaben als auch andere Personen und sich selbst zu strukturieren.
Wie dem Schlussbericht der
A._
vom 2
7.
November 2017 (
Urk.
11/64) zu ent
nehmen ist, leistete die Beschwerdeführerin in der ersten Woche eine tägliche Präsenzzeit von drei Stunden, in der zweiten Woche an einem Tag und in den letzten beiden Wochen an zwei Tagen ein Pensum von sechs Stunden. Damit sei sie – so die Fachpersonen der
A._
– an ihre aktuelle Belastbarkeitsgrenze gekommen, was sich durch die Zunahme der Erschöpfung gezeigt habe. Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer aktuell eingeschränkten Belastbarkeit wie auch der beschriebenen Symptomatik (Verun
sicherung, Leistungsblockaden, Verlangsamung usw.) beeinträchtigt. Für das weitere Vorgehen wurde seitens der Berichterstatterinnen der
A._
eine lang
fristige Integration vorgeschlagen, beginnend mit einem drei
stündigen
Pensum in einem handwerklich-kreativen Bereich. Dies solle der Stabilisierung dienen und die Möglichkeit bieten, an Themen, wie hohen eigenen Leistungserwartungen und dadurch ausgelösten Blockierungen, wie auch Selbstabwertungsmechanis
men, Unsicherheit/Selbständigkeit und Geschwindigkeit/Genauigkeit, zu arbei
ten. Gleichzeitig sollten die Themen psychotherapeutisch bearbeitet und die Ver
änderungen der familiären Situation implementiert werden. In der Folge empfehle sich der Aufbau des Pensums in einer Institution mit verschiedenen Arbeitsberei
chen, damit sich die Beschwerdeführerin in verschiedenen Tätigkeiten erleben und geeignete Bereiche wie auch Bedingungen eruieren könne. Dabei könne eine begleitende Berufsberatung dienlich sein.
3.4
Dem Eingliederungsprotokoll (
Urk.
11/79) ist zu entnehmen, dass die Beschwer
deführerin nach Abschluss der Potenzialabklärung zu 100% arbeitsunfähig
geschrieben war und der behandelnde Psychiater
Z._
die Beschwerdeführerin nicht stabil genug für eine Eingliederungsmassnahme hielt; sie müsse zuerst die Situation zu Hause in Ordnung bringen und die Therapie intensivieren. Im Frühling solle geprüft werden, welche Eingliederungsmass
nahmen angezeigt seien (Telefon vom 16.
November 2017,
Urk.
11/79 S. 5). Mit Schreiben vom 2
7.
November 2017 (
Urk.
11/63)
teilte die IV-Stelle der Versicher
ten mit, gemäss Auswertung der Potentialerhebung lasse ihre aktuelle
Situation
vorers
t keine Eingliederungs
massnahme
zu, weshalb der Anspruch auf Arbeits
vermittlung später geprüft werde.
Sie hätten mit
Z._
telefonisch eine Zielvereinbarung getroffen, welche sie mit diesem besprechen und unter
schrieben zurücksenden möge (die erwähnte Zielvereinbarung findet sich nicht in den Akten). Die IV
Stelle werde
Beratung und Unterstützung bei der Stellen
suche gewähren, sobald die Arbeitsfähigkeit wieder teilweise gegeben sei. In der Zwischenzeit sei die Therapie zu intensivieren und die private Situation zu stabi
lisieren. Um dies zu prüfen, lud die IV-Stelle die Beschwerdeführerin sowie
Z._
auf den
4.
Mai 2018 zu einem Standortgespräch ein
. Mit Schrei
ben vom 27.
Februar 2018 ersuchte die Beschwerdeführerin um
Zusprache
einer beruflichen Massnahme im Sinne des Schlussberichtes der
A._, beispielsweise bei der F._
, begleitet durch eine Berufsberatung (
Urk.
11/68). Mit Schreiben vom 2
4.
April 2018
Z._
den Termin vom 4.
Mai 2018 ab mit der Begründung, ohne eine juristisch verbindliche Antwort auf den gestellten Antrag auf berufliche Massnahmen habe der Gesprächstermin keinen Sinn. Er habe seine Patientin in der
F._
für eine Massnahme angemeldet. Auf Nachfrage der Berufsberaterin antwortete
Z._
, eine Sitzung, die sich um die psychosozialen Umstände der Beschwerdeführerin sorge, bräuchten sie nicht und solches sei nicht Aufgabe der Beschwerdegegnerin, sowenig wie ein Behandlungsvertrag. Diesbezüglich liege die Verantwortung beim Arzt (vgl. Eingliederungsprotokoll,
Urk.
11/79, E-Mail vom
7.
Mai 2018).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verfügte am
4.
Juli 2018 (
Urk.
2) über den Anspruch auf Integrationsmassnahmen (vgl. vorstehend E. 1.3). Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde auf die Empfehlung zur Durchführung beruflicher Mass
nahmen seitens
Z._
sowie der
A._
verwies und entsprechende berufliche Massnahmen (vgl. vorstehend E. 1.4-1.6) beantragte, ist dem entge
genzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin über berufliche Massnahmen im Sinne der
Art.
15 ff. IVG nicht verfügt hat. Diesbezüglich fehlt der Anfechtungs
gegen
stand und ist auf die
Beschwerde nicht einzutreten. Indes kann der Antrag auf eine berufliche Massnahme zum schrittweisen Wiederaufbau der Erwerbs
fähig
keit sinngemäss als Antrag auf Fortsetzung von Integrations
massnahmen gemäss
Art.
14a IVG interpretiert werden, weshalb in Bezug darauf auf die Beschwerde eingetreten wird.
4.2
Dem Bericht des behandelnden Psychiaters
Z._
lässt sich eine durch objektive Befunde belegte psychiatrische Diagnose mit massgeblichem Ein
fluss auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit nicht schlüssig
entnehmen
. Er attestierte der Beschwerdeführerin eine 20%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Servicefachfrau im
Y._
(E. 3.1), er äusserte sich nicht dazu, ob und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin in ihrer erlernten Tätigkeit als Verkäuferin in – wie von ihm kurz geschildert – angepasster Umgebung gesundheitlich beeinträchtigt ist. Schlüssige Angaben über die Ein
gliederungs
fä
higkeit der Beschwerdeführerin, einschliesslich der Fähigkeit an Integrations
massnahmen
teilzunehmen, fehlen, hat doch
Z._
eine solche im Herbst 2017 noch verneint (E. 3.4). Unklar bleibt schliesslich, ob Integrations
massnahmen Voraussetzung bilden bzw. notwendig sind für die Durchführung von beruflichen Massnahmen und ob auf solche infolge einer psychischen Beein
trächtigung mit massgeblichem Einfluss auf die Erwerbsfähigkeit Anspruch b
estünde. In diesem Zusammenhang
bleibt darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin bis Mai 2017 im bisherigen Pensum von 57
%
, und danach zu 20
%
im
Y._
tätig war. Die (kurze) Einschätzung von RAD-Ärztin
Dr.
B._
(E. 3.2) stützt sich einzig auf den genannten Bericht des behandelnden Psychiaters vom
9.
Juni 2017 und erfolgte ohne eigene psychiatrische Untersu
chung.
Schlüssige medizinisch
e Aus
führungen, die eine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitsschadens erlauben würden, liegen demzufolge nicht vor. Solange aber Anhaltspunkte für psychische Ei
nschränkungen vorliegen und wei
tere Sach
verhaltsabklärungen möglich sind, dar
f im Rahmen des Untersuchungs
grund
satzes (
Art.
61
lit
. c ATSG) die Folge der B
eweislosigkeit für einen invali
denver
sicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden nicht greifen (vgl. BGE 138 V 218 E. 6 S. 221; 117 V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis).
Dem Antrag der Beschwerdegegnerin, die Anspruchsvoraussetzungen auf Integrations
mass
nahmen (zusammen mit dem hier nicht Gegenstand der Beschwerde bildenden Rentenanspruch bzw. gegebenenfalls Anspruch auf berufliche Massnahmen) nach Durchführung weiterer medizinischer Abklärungen zu prüfen und hierüber erneut zu entscheiden, ist daher stattzugeben. In diesem Sinne ist die Beschwerde gut
zuheissen, soweit auf sie eingetreten wird.
5
.
Das vorliegende Verfahren geht um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen, es ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind dabei nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Damit erweist sich das Gesuch um unent
geltliche Prozessführung als gegenstandslos.