Decision ID: 4b0743ae-d42a-452e-ab0b-481ae1fab408
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983, ist Mutter von zwei Kindern (geboren 2006 und 2011; Urk. 10/7, 10/57). Am 22. April 1995 reiste die aus Bosnien stammende Versicherte als Asylsuchende in die Schweiz ein (Urk. 10/11/1). Hier absolvierte sie eine Ausbildung zur Pflegeassistentin (Urk. 10/10) und arbeitete in dieser Funktion vom 1. April 2012 bis zum 31. Oktober 2014 in einem 80%-Pensum für das
Y._
(Urk. 10/11/4, 10/39). Am 30. Oktober 2014 meldete sie sich wegen Depressionen und Ängsten bei der Eidgenössischen Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an, nachdem sie ab 12. Juni 2014 gänz
lich arbeitsunfähig geschrieben worden war (Urk. 10/11, 10/20/4). Zwecks Klärung der aktuellen Situation fand am 2.
Dezember 2014
bei der
Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
ein persönliches Gespräch statt (Urk. 10/24). Nebst dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 10/26) zog die IV-Stelle die Akten des Krankentaggeldversicherers AXA Winterthur (Urk. 10/20) sowie der Pensionskasse, der BVK Person
al
vorsorge des Kantons Zürich (Urk. 10/32-33), bei und holte Berichte der behandelnden Ärztin Dr. med.
Z._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein (Urk. 10/27, 10/28, 10/30, 10/35). Mit Schreiben vom 3. Juni 2015 teilte sie der Versicherten mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien und der Rentenanspruch geprüft werde (Urk. 10/29). Nachdem
dipl.
med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) Stellung genommen hatte (Urk. 10/42/4 f.) und ein Einkommensvergleich vorge
nommen worden war (Urk. 10/41, 10/42/5 f.), sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. April 2016 mit Wirkung ab dem 1. Juni 2015 und ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 80 % eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (Urk.
10/46,
10/53).
1.2
Am 25. Januar 2017 wurde die Ehe von
X._
geschieden (Urk. 10/57), was zur Neuberechnung ihrer ganzen Rente ab dem 1. März 2017 führte (Verfü
gung vom 7. April 2017, Urk. 10/60).
1.3
Im Juli 2017 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen ein Revisionsverfahren ein (vgl. Urk. 10/64). Sie stellte der Versicherten einen Revisionsfragebogen zu und holte einen aktuellen IK-Auszug (Urk. 10/65) sowie einen Verlaufsbericht von Dr.
Z._
(Urk. 10/66) ein. Gestützt darauf stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 5. September 2017 die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 6. April 2016 sowie die Aufhebung der Invalidenrente per Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (Urk. 10/68), wogegen die Versicherte am 15. September 2017 beziehungsweise am 25. Oktober 2017 Einwand erhob (Urk. 10/72, 10/75). Am 15. November 2017 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne, wobei sie einer allfällig dagegen erhobenen Beschwerde die aufschiebende Wirkung entzog (Urk. 10/78 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 18. Dezember 2017 Beschwerde und bean
tragte, die Verfügung der IV-Stelle vom 15. November 2017 sei aufzuheben. Eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuwei
sen. Gleichzeitig stellte sie ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person von Rechtsanwalt Tomas Kempf (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2018 die Abweisung der Beschwerde (
Urk. 9). Am 7. Februar 2018 stellte das Gericht die
Beschwerdeantwort
der Versicherten zu und gewährte die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsver
tretung (Urk. 11). Am 26. Juli 2018 reichte die Versicherte einen neuropsycholo
gischen
Bericht der
B._
vom 12. Juli 2018 ein (Urk. 13 und 14), welcher der Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 2. August 2018 zugestellt wurde (Urk. 15).
Auf
die
Vorbringen
der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitge
hend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Aus
übung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychischen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG),
als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizini
sches Substrat unabdingbar, das
(fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in
den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf,
sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungs
zuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokultu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisieren
der psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit
Hin
weisen).
1.4
1.4.1
Unabhängig von einem materiellen Revisionsgrund kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn – was auf periodische Dauerleistungen regelmässig zutrifft (BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen) – ihre Berichtigung von erheblicher Bedeu
tung ist (Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_819/2017 vom 13. Februar 2017 E. 2.2). Die Wiedererwägung im Sinne von Art. 53 Abs. 2 ATSG dient der Korrektur einer anfänglich unrichtigen Rechtsanwendung einschliesslich unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhaltes (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_121/2017 vom 5. Juli 2018 E. 8.2).
Die Wiedererwägung nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG setzt voraus, dass kein vernünf
tiger Zweifel an der Unrichtigkeit der Verfügung möglich, folglich nur dieser einzige Schluss denkbar ist. In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine Verfü
gung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln beziehungsweise ohne oder in unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE 141 V 405 E. 5.2, 140 V 77 E. 3.1 mit Hinweis). Gleiches gilt bei einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes, insbesondere wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (vgl. Art. 43 ATSG; BGE 141 V 405 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2017 vom
2.
August 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4.2
Soweit ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung
(Invaliditäts
bemessung, Arbeits
un
fähigkeits
schätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeits
fragen) vor dem Hin
tergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräf
tigen
Leistungs
zusprechung darboten, als vertretbar
erscheinen
, scheidet die Annahme zweifelloser Un
richtigkeit aus. Eine voraussetzungslose Neubeurteilung der invaliditätsmässigen
Voraus
setzungen genügt nach ständiger Rechtsprechung nicht für eine wiedererwä
gungsweise Herabsetzung oder Auf
hebung der Invali
denrente (Urteil des Bun
desgerichts 8C_347/2011 vom 11. Au
gust 2011 E. 2.2 mit Hinweisen;
BGE 141 V 405 E. 5.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_766/2016 vom 3. April 2017 E. 1.1.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 15. November 2017 zog die Beschwerde
gegnerin zusammengefasst in Erwägung, dass bei der erstmaligen Rentenzuspre
chung die geltende Rechtsprechung betreffend psychische Belastungsfaktoren nicht angewendet worden sei. Es würden weiterhin psychische
Belastungssitua
tionen und keine eigenständige psychische Erkrankung vorliegen. Es sei keine dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung ausgewiesen, welche eine Ein
schränkung der bisherigen Tätigkeit als Pflegehelferin begründen würde. Da im Zeitpunkt der Rentenverfügung vom 6. April 2016 keine Ressourcenprüfung gemäss geltender Rechtsprechung angewendet worden sei, bestehe ein Wiederer
wägungsgrund (Urk. 2 S. 2).
2.2
Dieser Argumentation hielt die Versicherte in ihrer Beschwerdeschrift vom 18. Dezember 2017 im Wesentlichen entgegen, die Rente sei damals einzig gestützt auf die Diagnose einer anhaltend mittelschweren bis schweren depres
siven Episode, nicht aber wegen einer post
traumatischen Belastungsstörung
zugesprochen worden.
Ebensowenig
sei die Rente wegen psychischen Belastungs
faktoren wie der negativen Kindheit sowie der erheblichen familiären Probleme zugesprochen worden. Deshalb sei im Rahmen der Rentenzusprechung im Jahr 2016 die Anwendung der damaligen Rechtsprechung betreffend psychische Belastungsfaktoren gar nicht notwendig gewesen, weshalb auch nicht zu bean
standen sei, dass die Rentenprüfung im Januar 2016 ohne Prüfung der Standar
dindikatoren erfolgt
sei. Mit der Diagnose einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode habe eine eigenständige Erkrankung vorgelegen; eine offen
sichtliche Unrichtigkeit der rentenzusprechenden Verfügung sei damit nicht gegeben (
Urk. 1 S. 6 f.).
2.3
Der von der Beschwerdegegnerin herangezogene Wiedererwägungsgrund betrifft die damalige Diagnostik und die Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit und liegt somit im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen, deren Beurteilung not
wendigerweise Ermessenszüge aufweist. Die Leistungszusprechung am 6. April 2016 erfolgte basierend auf dem vertrauensärztlichen Gutachten von
Dr.
C._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
für die BVK (Urk. 10/23) sowie den Berichten von Dr.
Z._
(Urk. 10/20/3-6, 10/27, 10/28, 10/30, 10/35), welche alle durch den RAD-Arzt
dipl.
med.
A._
gesichtet und durch ihn beurteilt
w
o
rden
waren
. Zu prüfen ist nun, ob die damalige Schluss
folgerung, dass ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorlag mit einer gänz
lichen Arbeitsunfähigkeit unter der damaligen Sach- und Rechtslage vertretbar war.
Die Wiedererwägungsvoraus
setzung der er
heb
lichen Bedeu
tung einer Be
richti
gung ist mit Blick auf den Charakter der zuge
sproche
nen Invali
denrente als periodische Dauerleis
tung rechtsprechungsgemäss ohne Weiteres zu bejahen (vgl. BGE 119 V 475 E. 1c mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2.1).
3
.
3.1
Dr. med.
C._
stellte in ihrem vertrauensärztlichen Gutachten für die BVK vom 23. November 2014 die Diagnosen einer mittelschweren depressiven Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.11) und einer posttraumatischen Belastungsstörung (
PTBS
;
ICD-10: F43.1) sowie als Zusatzfaktoren Probleme durch negative Kindheitserlebnisse (ICD-10: Z61) und erhebliche familiäre Prob
leme (ICD-10: Z63; Urk. 10/23/6 f.). Sie legte dar, die mittelschwere depressive Episode mit somatischen Symptomen habe sich infolge
von
erheblichen psycho
sozialen Belastungen entwickelt
:
e
inerseits zu Hause im Zusammenhang mit dem destruktiven Verhalten des psychisch schwer angeschlagenen Ehemannes, ande
rerseits wegen zunehmendem Stress am Arbeitsplatz. Erst mit der Depression sei zudem neu eine posttraumatische Symptomatik in Form von typischen Flash
backs aufgetreten. Ausserdem spiele die Persönlichkeit der Versicherten eine nicht unwesentliche Rolle. Als Kind sei sie
parentifiziert
sowie überfordert und in ent
scheidenden Momenten – wie
als Achtjährige
bei einem
Unfall des kleinen Brud
ers
– im Stich gelassen oder sogar beschuldigt worden. Hinzu kämen körperliche Misshandlungen durch den alkoholisierten Vater und Traumatisie
rungen im Krieg
, wo sie als junges Mädchen auf der Flucht die Vergewaltigungen von jungen Mädchen, darunter ihrer Cousine, miterlebt habe und selber nur deshalb diesem Schicksal entkommen sei, weil sich eine Tante auf sie gesetzt und sie so beschützt habe.
Gewohnt, zu funktionieren ohne Rücksicht auf eigene Bedürfnisse und ohne die Möglichkeit und Fähigkeit sich zu wehren, und in der Hoffnung auf Anerkennung und Liebe sich übergrosse Leistungen zumutend, sei sie erneut in eine sie überfordernde und schädigende Lebenssituation geraten. Es beste
he zwar keine Berufsunfähigkeit
jedoch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund der vielschichtigen Problematik sei nicht von einer raschen Genesung auszugehen. Die Trennung vom Ehemann sei eine wichtige Voraussetzung für eine längerfristige Besserung. Eine Wiederaufnahme der Pflegetätigkeit, begin
nend mit einem kleinen Pensum, sei wohl frühestens ab Frühling 2015 realistisch, wobei ihr letzter Arbeitsplatz ungeeignet und nicht wieder in Betracht zu ziehen sei. Eine längerfristige Psychotherapie sei nebst der Weiterführung einer suffi
zienten medikamentösen Behandlung indiziert (Urk. 10/23/7 ff.).
3.2
Die
die Versicherte
ab Juni
2014
behandelnde Psychiaterin Dr.
Z._
stellte in ihrem Bericht vom 26. Oktober 2014 die Diagnosen einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode (ICD-10: F32.3)
mit somatischem
Syndrom und fraglichen psychotischen Symptomen und einer posttraumatischen Belastungs
störung (ICD-10: F43.1).
Sie berichtete von einer tieftraurigen Versicherten mit massiven
Ängsten und grosser Verunsicherung,
ohne Freude und Hoffnung. Diese leide unter Gedankenkreisen, an einem Ausmass an Schuldgefühlen, das an ein wahnhaftes Schulderleben grenze, weiter an massiven Konzentrationsstörungen und kognitiven Einschränkungen sowie an Gewichtsverlu
st. Sie erlebe unkon
trollierbar
einschiessende Bilder vom Unfall des Bruders und von Kriegsereig
nissen.
Die Ärztin
verschrieb verschiedene Medikamente und installierte eine wöchentliche Psychotherapie, die die Versicherte zuverlässig wahrnehme.
Die Versicherte habe im Leben sehr gut funktioniert und das Fehlverhalten des Ehe
mannes in der Familie kompensiert. Im Mai 2014
sei alles zusammengebrochen.
Der Versicherten sei es gegenwärtig nicht möglich, den Haushalt zu machen und zu den Kindern zu schauen, auch die Körperpflege falle ihr schwer. Aufgrund der Schwere der Depression attestierte die Psychiaterin eine gänzliche Arbeitsun
fähigkeit
ab Juni 201
4.
Hinsichtlich der Prognose hielt sie fest, dass diese eher schlecht sei, da die Beschwerdeführerin jahrelang zu viel geleistet und zu viel geschluckt habe (Urk. 10/20/5).
Auch im Bericht vom 9. Februar 2015 attestierte sie noch immer eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit und stellte
die Diagnosen einer schwe
ren depressiven Episode (ICD-10
:
F32.2) sowie einer posttraumatischen B
elastungsstörung (ICD-10
:
F43.1
). Die Versicherte leide
immer noch unter starken Einschränkungen ihrer kognitiven Fähigkeiten (Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Konzentration und Frisch
zeitgedächtnis), Gedankenkreisen, Schuldgefühlen, Zukunftsängsten, Trauer und Verzweiflung, Angstanfällen, Anspannung und einschiessenden Erinnerungen von früher. Sie habe dank der Medikation wieder etwas zugenom
men, sei aber immer noch untergewichtig, es gebe viele Kriseninterventionen
. Die Versicherte nehme die Medikamente zuverlässig und komme auch zuverlässig in die Therapie
. Sie habe sich nun entscheiden können, sich vom Ehemann zu tren
nen und wohne ab
1.
März 2015 getrennt von ihm.
Mit
eine
r
Arbeitsaufnahme im Rahmen einer Tagesklinik oder in einem Integrationsprogramm sei frühestens ab Mai 2015 zu rechnen
(
Urk. 10/27
)
.
Im
Bericht vom
11
. Mai 2015
ging die Ärztin
hinsichtlich
der depressiven Symp
tomatik
noch von einer mittelgradigen Episode aus (Urk. 10/28/1). Die Versicherte habe durch die regelmässigen Psychotherapien an Persönlichkeit und Sicherheit gewonnen und sei nach der Trennung ihres Ehemannes psychisch stärker und auch bestimmter geworden
, aber es bestehe noch keine psychische Stabilität. Die Versicherte wünsche keine Hilfe der Invalidenversicherung, sie möchte wieder zu 30
%
arbeiten, was die Psychiaterin als zu optimistisch erachtete, weil die Versicherte immer wieder psychische Einbrüche habe
(Urk. 10/28/5 f.).
Im Bericht vom
26. Juli 2015
an die
D._
änderte
Dr.
Z._
die Diagnose wieder dahingehend, dass sie die depressive Störung nicht mehr als mittelgradig,
sondern wieder als mittel-
bis
schwergradig
charakterisierte (Urk. 10/30/2).
Obwohl die Versicherte sich vom Ehemann getrennt habe und viel Unterstützung von ihrer
Mutter und den Brüdern erfahre
, habe sich ihr Zustand wieder verschlechtert. Die
Versicherte sei wieder in einem so schlechten Zustand, dass sie selber den Wunsch geäussert habe, mehr Thera
pien zu besuchen. Vor allem die kognitiven Fähigkeiten seien wieder stark eingeschränkt, sie könne sich nicht konzentrieren, vergesse Dinge
,
und ihre Merkfähigkeit sei so weit eingeschränkt, dass sie auch einfache, schriftliche Texte nicht erfassen könne
. Die Ärztin erachtete einen Klinikaufenthalt als notwendig, dieser sei wegen der fehlenden Kinderbetreuung jedoch nicht
ganztägig
möglich, sie meldete die Versicherte jedoch zu einer teilstationären Therapie an
(Urk. 10/30/2).
Schliesslich stellte Dr.
Z._
in ih
rem Bericht vom 5. Oktober 2015
die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelschwere depressive Episode, sowie einer posttraumatischen Belastungs
störung (Urk. 10/35/4). Die Beschwerdeführerin leide unter einer klaren depressiven Verstimmung,
Unruhe,
Freudlosigkeit, Interessenlosigkeit und einem mangelnden Antrieb. Daneben bestünden wahnhafte Schuldvorstellungen, welche die Ver
sichert
e vollständig blockieren würden und sie verliere wieder Gewicht.
Ausser
dem sei der Selbstwert gering, der Schlaf gestört und es bestünden fast durchge
hend Erinnerungen und Wiedererleben von belastenden Kriegssituationen sowie von Gewalterlebnissen durch den Vater.
Sie sei über
haupt nicht belastbar.
Die Versicherte vermeide Menschenansammlungen und ziehe sich alleine in die Woh
nung zurück.
Der Verlauf seit Frühjahr 2015 zeige klar, dass die Symptomatik durch geringe Belastungen wieder vol
l aktiviert werden könne.
Eigentlich wäre eine mehrmonatige stationäre T
herapie nötig, doch sei dies aus
finanziellen und familiären Gründen nicht möglich.
Die V
ersicherte sei,
vor allem
da alle kogniti
ven Fähigkeiten stark eingeschränkt seien,
eine dauernde Müdigkeit und ein Antriebsmangel
bestünden
,
100
%
arbeitsunfähig. Aufgrund der Schwere der Diagnosen sei keine rasche Besserung möglich. Längerfristig sei jedoch geplant, dass sie wieder in den ersten Arbeitsmarkt einsteigen könne, weil dies als Aus
gleich neben den Kindern und für ihr Selbstwertgefühl gut sei (Urk. 10/35/5 f.).
3.3
In seiner Stellungnahme vom 15. Januar 2016 stellte RAD-Arzt
dipl.
med.
A._
gestützt auf die medizinischen Berichte von Dr.
Z._
sowie auf das vertrauensärztliche Gutachten von Dr.
C._
als
Diagnosen mit
dauerhafter
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine anhaltend mittelschwere bis schwere depressive
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10:
F32.11/2) sowie eine
posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1), wobei bei letzterer die Kriterien für die Störung nach ICD-10 nur teilweise erfüllt seien und diese Diag
nose
deshalb in Frage zu stellen sei;
die verschiedenen stattgefundenen Trauma
tisierungen
seien jedoch nachvollziehbar
. Probleme durch die negative Kindheit (ICD-10: Z61) sowie erhebliche familiäre Probleme (ICD-10: Z63) nannte er als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/42/5).
Einschrän
kend seien die reduzierte psychische und kognitive Leistungsfähigkeit, die Antriebs- und Schlafstörungen, die Freudl
osigkeit, der Interessen- und
Gewichts
verlust und die psychosomatischen Störungen (Schwindel, Durchfall).
Die Ver
sicherte sei
deshalb
in ihrer bisherigen Tätigkeit als Pflegeassistentin
und
auch in einer angepassten Tätigkeit seit dem 12. Juni 2014 vollständig arbeitsunfähig (Urk. 10/42/5).
4.
4.1
Die dargestellte damalige Sachlage zeigt auf, dass sich sämtliche involvierten Ärztinnen und Ärzte in der Diagnostik
und in deren Einschätzung für die Arbeitsfähigkeit im Wesent
lichen einig waren
.
D
ie Beschwerdeführerin
litt
ab Frühjahr 2014
während der meisten Zeit
an einer mindestens mittelgradigen
bis
schwergradigen
depressiven
Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10
F32.11, F32.2)
, welche
die Versicherte
aufgrund der fachärztlich erhobene
n
, typischen
Symptome und Befunde bereits in ihrer üblichen Alltagsgestaltung, bestehend in der Haushaltsführung und der Kinderbetreuung und in der ausserhäuslichen Arbeitsfähigkeit
erheblich
einschränkte, wobei die Fachärzte alle vo
n einer gänz
lichen Arbeitsunfähigkeit
ausgingen.
Wenn daneben noch Varia
n
ten erwähnt wurden, wie durch die behandelnde Ärztin
Dr.
Z._
mit dem
anfäng
lichen
Hinweis auf
ein fragliches
psychotisches Geschehen
aufgrund einer irreal anmutenden Schuldzusprechung
durch die Versicherte
an sich selber (ICD-10 F32.3,
Urk.
10/20/5), so ist das nicht relevant und
vermag
die einheitliche Diag
nostik nicht
in Zweifel zu ziehen
.
Auch die unterschiedliche
Einschätzung
einer ebenfalls vorhandenen PTBS nach ICD-10 (F43.1)
braucht hier nicht abschlies
send geklärt zu werden
(vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom
7.
Juli 2016 E. 5, 9C_195/2015 vom 2
4.
November 2015 E. 3.3.3)
,
gehen doch
die damit verbundenen Symptome
wie Flashbacks, Alpträume
und Angstzustände
nachts in der unbestrittenen und objektivierten Tatsache der massiven Schlaf
störungen und der damit verbundenen übermässigen Tagesmüdigkeit im Wesent
lichen auf und sind daher auch Teil der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der
D
epressi
on
.
4.2
Gemäss der
hier zu beachtenden,
damals
geltenden
Rechtsprechung des Bundes
gerichts war eine invalidisierende Wirkung einer mi
ttelgradigen
depressiven Störung nicht einfach auszuschliessen, vor allem dann nicht, wenn es sich
dabei
nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit, son
dern um ein selbständiges, von einem
psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt
e
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen). Bei
mittelschweren depressiven Episoden (ICD-10 F32.1) verneint
e
dies das Bundesgericht
allerdings
regelmässig (etwa Urteile 8C_98/2013 vom
4.
Juli 2013 E. 3.3.1 f.; 9C_784/2012 vom
7.
Dezember 2012 E. 2 f.; 8C_381/2012 vom 2
0.
Juni 2012 E. 4.2.2; 8C_183/2012 vom
5.
Juni 2012 E. 7, je mit Hinweisen).
Vorliegend ist in diesem Zusammenhang festzustellen, dass die Versicherte während des fraglichen Zeitraumes bis zur Verfügung am
6.
April 2016 hauptsächlich an einer mittel- bis
schwergradigen
und nicht nur an einer mittelgradigen depressiven
Episode
und mit dieser an einer eigenständigen und nicht an einer, eine Schmerzkrankheit begleitend
en Krankheit litt. Eine Schmerz
störung
wurde nie diagnostiziert.
Mangels einer solchen Diagnose war es somit auch unter der damaligen Rechtsprechung nicht angezeigt und notwendig, die invalidisierende Wirkung der rein
depressiven Symptomatik
unter Standard-Indikatoren gemäss BGE 141 V 281 zu prüfen, solche war
en
für Schmerzleiden vorgesehen (vgl.
Eva
Slavik
, Invalidenrentenanspruch bei depressiven Erkran
kungen, in:
Jusletter
4.
September 2017, S. 10).
Damit entfällt dieser von der Beschwerdegegnerin angerufene Wiedererwägungsgrund.
Und obwohl
in den Diagnosen
jeweils nur von einer
Episode
gesprochen wurde, ist dazu festzuhalten, dass als
mittlere bis schwere depressive Episode
im Sinne von ICD-
10
:
F32.11/21 grundsätzlich eine vorübergehende Störung (vgl. Daniel Hell und Andere, Kurzes Lehrbuch der Psychiatrie,
3.
Aufl. 2011, S. 117 unten)
bezeichnet wird
. Län
ger (mehr als sechs, selten zwölf Monate) dauernde Störun
gen werden unter ICD-10
:
F33 (rezidivierende depressive Störung) oder ICD-10
:
F34 (anhaltende affektive Störung) erfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_80/2011 vom 1
4.
Juni 2011 E. 6.3.2 mit Hinweis).
Vorliegend wurde fachärztlich während weit mehr als einem Jahr die gleiche Diagnose gestellt
mit grossen
Einschrän
kung
en
in der Arbeitsfähigkei
t und in der Alltagsbewältigung,
so dass geradezu von einer mittel- bis
schwergradigen
depressiven Störung gesprochen werden kann, welcher die invalidisierende Wirkung
auch
bei
der damaligen Rechtslage
nicht einfach
abgesprochen wu
rde
.
4.3
Aufgrund der Darstellung der Zusammenhänge durch die
Fachärztinnen
ist davon auszugehen, dass in der Tat psychosoziale Belastungsfaktoren hauptursächlich für den Ausbruch der Krankheit
im Jahr
2014 verantwortlich waren, indem die Versicherte, die eigentlich nur zu
80
%
angestellt war und die daneben noch den Haushalt mach
te
, durch (erneute) Straftaten des Ehemannes und weil sie gleich
zeitig am Arbeitsplatz
wegen Personalmangels
häufig 100
%
arbeiten musste, in eine Überlastung mit grosser Erschöpfung
und in die Depression
geriet (
Urk.
10/27, 10/20)
.
Trotz des Verlassens der belastenden Arbeitsplatzsituation mit einem schwierigen Vorgesetzten Ende 2014 und der
Trennung vom Ehemann und dem Ein
zug in eine andere Wohnung, womit auch eine Unterstützung der Beschwerdeführerin durch die Mutter und Brüder
verbunden war
, verbesserte sich die gesundheitliche Situation nicht wesentlich und nachhaltig. Im Gegenteil verselbständigte sich die Krankheit und sie verfestigte sich, so dass sogar Mitte 2015 ein mehrmonatiger stationärer Klinikaufenthalt angezeigt gewesen wäre, der jedoch aufgrund äusserer Umstände nicht zustande kommen konnte.
Damit kann nicht gesagt werden, dass invaliditätsfremde, psychosoziale Belastungsfak
toren die Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit begründeten, vielmehr lagen diese in der selbständigen fachärztlich eindeutig gestellten Depressions-Diagnose; psychosoziale Belastungen waren höchstens
als
unterhaltend
e
und verschlim
mernd
e
Faktoren
vorhanden,
was somit
nicht gegen eine invalidisierende Krank
heit spr
icht
(vgl.
oben
E. 1.3.2).
4.4
Gemäss der damaligen Rechtsprechung war bei
depressiven Störungen im mittel
gradigen Bereich die invalidisierende Wirkung besonders sorgfältig zu prüfen.
Das Bundesgericht stellte fest, es dü
rf
e
nicht unbesehen darauf geschlossen wer
den, eine solche Störung vermöchte eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde (teilweise) Erwerbsunfähigkeit zu bewirken (Urteile
des Bundesge
richts
8C_14/2017 vom 1
5.
März 2017 E. 4.2, 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 7.2.1, 9C_484/2012 vom 2
6.
April 2013 E. 4.3.2.2). Bei leichten bis mittelschweren Störungen aus dem depressiven Formenkreis, seien sie im Auftre
ten rezidivierend oder episodisch,
werde
praxisgemäss angenommen, dass
- auf
grund der nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung regelmässig guten Thera
pierbarkeit - hieraus keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschrän
kung
der Arbeitsfähigkeit resultiere
(statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; SVR 2016 IV Nr. 52 S. 176, 9C_13/2016). Den leichten bis mittelschwere
n depressiven Erkrankungen fehle
es, solange sie therapeutisch
angehbar
seien
, an einem hin
reichenden Schweregrad der Störung, um diese als invalidisierend anzusehen. Nur in der - seltenen, gesetzlich verlangten Konstellation mit Therapieresistenz -
sei
den normativen Anforderungen des
Art.
7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (BGE 141 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3 S. 295
f.). Ein solcher Sachverhalt mü
ss
e
überwiegend wahr
scheinlich
sein und dü
rf
e
nicht lediglich nich
t auszuschliessen sein. Zudem mü
ss
e
die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein, als die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmög
lichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft worden
seien
(BGE 140 V 193 E. 3.3, 137 V 64 E. 5.2; vgl. BGE 14
1 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3
; Urteil des Bundesgerichts 8C_753/2016 vom 1
5.
Mai 2017 E. 4.6).
Vorliegend bestand nicht eine leichte bis mittelschwere
, sondern eine mittel
schwere bis
schwere depressive Störung mit somatischem Syndrom, welche die Ärztinnen und auch der RAD-Arzt als eigenständige Krankheit diagnostizierten und überzeugend und detailliert in ihrer Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit schilderten
, weshalb die erwähnte Rechtsprechung nicht einfach so übernommen werden kann.
Die Beschwerdeführerin
hatte sich von Anfang
an in
eine
wöchent
liche, konsequente psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung zur psychiatrischen Fachärztin
begeben und war sehr kooperativ.
Diese
Ärztin
erach
tete
zwar
die Erfolgsaussichten als
gegeben, stellte sie
jedoch pessimistisch dar, dies aufgrund der vorangegangenen langen Überforderungssituation der Beschwerdeführerin, die sich nicht von den vielen an sie gestellten Ansprüchen
habe
abgrenzen
können, zu viel geleistet und geschluckt und sich zu viel zuge
mutet habe (
Urk.
10/20/5).
Dr.
C._
war gleicher Meinung. Diese
Einschät
zung bewahrheitete sich in der Folge,
indem während über einem Jahr die gleiche Diagnose mit der gleichen gänzlichen Arbeitsunfähigkeit
attestiert wurde
.
Bei dieser Sachlage
galt schon damals
BGE 127 V 294
, wonach
von der Behan
delbarkeit einer psychischen Störung für sich betrachtet, nichts über deren invalidisierenden Charakter gesagt werden kann. Vielmehr ist für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat
(
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
und eine anspruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit weiterhin besteht.
Dass
die Beschwerdegegnerin diese anspruchsbegründende Invalidität
im
Zeit
pun
kt der strittigen Verfügung am
6.
April 2016 aufgrund der gestellten
selb
ständigen Diagnose und aufgrund
der
wegen
der Schwere des Beschwerde
bildes ermessensweise
einheitlich
attestierten gänzlichen Arbeitsunfähigkeit seit Juni 2014
in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit
und bei einer hypo
thetischen Erwerbstätigkeit von 80
%
als gegeben erachtete
, ist
nachvoll
ziehbar
. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin lag gemäss der damaligen Rechts- und Sachlage
damit
ein vertretbarer Entscheid vor, weshalb
heute
kein Wieder
erwägungsgrund vorhanden ist, der z
ur Aufhebung der Verfügung vom
6.
April 2016 berechtigen würde.
Die
Einstellung
der ganzen Rente in der angefochtenen Verfügung vom 1
5.
November 2017
mit der Begründung einer Wiedererwägung kann
nicht geschützt werden.
5.
Dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der ursprünglichen Rentenzusprechung anspruchserheblich verbessert hätte und die Rente unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten herabzusetzen oder aufzuheben wäre (
Art.
17
Abs.
1 ATSG), ist nicht ausgewiesen und wird auch von der Beschwerde
gegnerin nicht angenommen. Zwar führte die Beschwerdegegnerin in der ange
fochtenen Verfügung vom 1
5.
November 2017 aus, dass bei der Rentenzu
sprechung vom
6.
April 2016 die damals geltende Rechtsprechung betreffend psychischen Belastungsfaktoren nicht angewendet worden sei und daher ein «Revisionsgrund respektive Wiedererwägungsgrund» vorliege (
Urk.
2 S. 2), doch nimmt sie in keinem Satz Bezug auf einen möglichen Revisionsgrund. Auch dem Feststellungsblatt vor Erlass des Vorbescheides lassen sich keine Anhaltspunkte entnehmen, welche für eine im Vergleich zum Zeitpunkt der Rentenzusprechung relevante Veränderung des Gesundheitszustandes sprechen (vgl.
Urk.
10/67),
es liegt einzig ein Verlaufsbericht der behandelnden Psychiaterin
Dr.
Z._
vom 2
6.
August 2017 vor, worin allerdings sogar von einer Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin mit erneutem Gewichts
verlust, vermehrten Alpträumen
Todeswünschen,
Suizidgedanken
und Panik
attacken
gesprochen wird
(
Urk.
10/66/5).
Auch aus d
em im Verfahren
ein
gereichten Bericht der
B._
vom 1
2.
Juli 2018 (
Urk.
14) ergibt sich
in dieser Hinsicht
nichts zu Gunsten der Beschwerdegegnerin für den mass
gebenden Zeitpunkt.
6.
Die angefochtene Verfügung vom 1
5.
November 2017 ist nach dem Gesagten in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente hat.
7.
7.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung. Das Verfahren ist daher kostenpflich
tig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Überdies hat die obsiegende Beschwerdeführerin Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich festzu
setzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Vorliegend ist eine
von Amtes wegen festzusetzende
Prozessentschädigung
(vgl. dazu
Urk.
11 Dispositiv-Ziffer 3)
von
Fr.
2‘7
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) angemessen.
Diese ist
dem unen
tgelt
lichen Rechtsvert
re
ter der Beschwerdeführerin
zu bezahlen.