Decision ID: 05424216-ba91-427d-acf8-6829b2216f98
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 21. Juni 2012 (DG120025)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 15. März
2012 (Urk. 27) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 aBetmG, teilweise in Verbindung mit
Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 aBetmG und in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a
aBetmG,
- der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 33 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
82 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 23 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf zwei Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10 Monate,
abzüglich 82 Tage, die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe
vollzogen.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
4. Oktober 2011 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 4'000.– wird – soweit
ausreichend – zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
5. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 4'820.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 31'218.80 Kosten Kantonspolizei
Fr. amtl. Verteidigungskosten (ausstehend)
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Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden. Die Dol-
metscherkosten der Telefonkontrolle von Fr. 31'218.80 werden auf die Ge-
richtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 60 S. 1)
1. Die Ziff. 2 des erstinstanzlichen Urteils sei aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu be-
strafen, unter Anrechnung der bereits erstandenen Haft von 83 Tagen.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei bedingt auszusprechen, unter An-
setzung einer Probezeit von 2 Jahren.
4. Die zweitinstanzlichen Kosten seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(schriftlich; Urk. 55)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit Urteil vom 21. Juni 2012 sprach das Bezirksgericht Bülach den Beschuldig-
ten der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne
von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 aBetmG, teilweise in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6
aBetmG und in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG sowie der Geldwä-
scherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB schuldig und bestrafte ihn mit
33 Monaten Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 82 Tagen Untersuchungshaft.
Der Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 23 Monaten aufgeschoben,
unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.
2. Gegen das Urteil, das ihm am gleichen Tag mündlich eröffnet wurde (Prot. I
S. 14), liess der Beschuldigte am 29. Juni 2012 Berufung anmelden (Urk. 44).
Nach Erhalt des begründeten Urteils am 27. August 2012 (Urk. 47) folgte mit Ein-
gabe vom 17. September 2012 seine Berufungserklärung (Urk. 52). Die Staats-
anwaltschaft verzichtete auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 55). Beweisanträge wurden keine gestellt.
3. Der Beschuldigte beschränkte seine Berufung auf das Strafmass und den Voll-
zug. Er verlangt eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, bedingt aufgeschoben unter
Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren (Urk. 52). Das Urteil der Vorinstanz ist
demnach hinsichtlich Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 4 (Einziehung) sowie 5
und 6 (Kostendispositiv) nicht angefochten und damit rechtskräftig geworden.
Dies ist vorab festzustellen.
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II. Strafzumessung
1. Verbrechen gegen Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 in Verbindung mit Ziff. 2 lit. a aBetmG
als schwerste Delikte werden mit Freiheitsstrafe von einem bis zu 20 Jahren be-
straft, womit eine Geldstrafe verbunden werden kann. Hat der Täter durch eine
oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen
erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zur Strafe der schwersten Straftat und erhöht
sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht
um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei ist das Gericht an das gesetzliche
Höchstmass der Strafe gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Wie die Vorinstanz zu-
treffend ausführte (Urk. 50 S. 11), reicht der ordentliche Strafrahmen vorliegend
demnach von einem bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe, wobei zusätzlich eine Geld-
strafe ausgesprochen werden kann.
2. Die Vorinstanz hat die besonderen Regeln für die Strafzumessung bei Betäu-
bungsmitteldelikten nachvollziehbar wiedergegeben und auf den vorliegenden Fall
zur Anwendung gebracht (Urk. 50 S. 11-15).
Aufgrund der von der Vorinstanz angeführten statistischen Vergleichsdaten und
insbesondere der gerichtsnotorisch hohen Reinheit der mit Fingerlingen transpor-
tierten Betäubungsmittel ist die von der Vorinstanz getroffene Annahme eines
Reinheitsgrades von 50 % für die vom Beschuldigten übernommenen und ver-
kauften Mengen Kokain im Hinblick auf die Unschuldsvermutung nicht zu bean-
standen (Urk. 50 S. 12 ff.).
3. Zur objektiven Tatschwere der BetmG-Delikte ist festzuhalten, dass der Be-
schuldigte insgesamt 1,1 Kilogramm Kokaingemisch verkaufte respektive vermit-
telte. Eine solche Menge war ohne Weiteres geeignet, das Leben unzähliger
Menschen zu gefährden, und mit ca. 550 Gramm reinem Kokain überschritt sie
die Schwelle zum schweren Fall um ein Zigfaches. Dass er sich an sechs Trans-
aktionen innert sechs Monaten beteiligte, zeigt eine nicht unerhebliche kriminelle
Energie. Dass er aus den verschiedenen Drogengeschäften nur einen geringen
Gewinn erzielte, ist nur darauf zurückzuführen, dass ein Teil der Drogen gestoh-
len oder nicht vollständig bezahlt wurde oder kein Käufer gefunden werden konn-
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te, und jedenfalls nicht auf das Verhalten des Beschuldigten. Insgesamt ist von
einem erheblichen objektiven Tatverschulden auszugehen.
Subjektiv fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte aus rein finanziellen Interessen
handelte. Er war weder selbst drogenabhängig, noch in einer eigentlichen Notla-
ge, auch nicht finanziell, da er mit seiner Frau ein Einkommen erzielte, das es ihm
erlaubte, ein Vermögen von ca. Fr. 60'000.-- zu bilden. Der Beschuldigte machte
zwar geltend, er sei von den Mittätern und Hintermännern wegen vermeintlicher,
auf einen misslungenen Drogendeal zurückzuführender Schulden unter Druck ge-
setzt worden. Eingestandenermassen vermittelte er die ersten 500 Gramm Koka-
ingemisch aber völlig freiwillig. Der Beschuldigte stand zwar nicht auf der unters-
ten Hierarchiestufe im organisierten Drogenhandel, hatte jedoch eine eher unter-
geordnete Rolle. Obwohl eine gewisse Drucksituation gegeben war, ist die sub-
jektive Tatschwere daher ebenfalls als erheblich zu qualifizieren.
Angesichts der Gewichtung der Tatkomponenten hinsichtlich der Betäubungsmit-
teldelikte erweist sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 36 Monaten als an-
gemessen.
4. Bezüglich der Geldwäscherei ist für die objektive Tatschwere massgebend,
dass durch den Beschuldigten innert acht Monaten ca. Fr. 26'500.--, welche aus
dem Drogenhandel stammten, in sechs Tranchen aus der Schweiz nach B._
und in die C._ ausgeführt wurden. Auch wenn dies nach den Massstäben
des internationalen Drogenhandels keine grosse Summe darstellt, wurde so doch
ein nicht unerheblicher Betrag dem Zugriff der Behörden entzogen. Diese Tat-
handlungen sind keine logisch folgenden Nachtaten eines Drogendeals und wer-
den nicht bereits vom Unrechtsgehalt der eigentlichen Drogendelikte umfasst.
Subjektiv kann auf die obigen Ausführungen zu den Betäubungsmitteldelikten
verwiesen werden. Dementsprechend ist das objektive und subjektive Tatver-
schulden bezüglich der Geldwäscherei als noch eher leicht einzustufen und die
hypothetische Einsatzstrafe entsprechend zu erhöhen.
5. Sowohl die persönlichen Verhältnisse als auch das Vorleben des Beschuldigten
wurden von der Vorinstanz richtig wiedergegeben (Urk. 50 S. 18 f.). Anlässlich der
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Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte, er verfüge nun über eine Nie-
derlassungsbewilligung (Urk. 59 S. 1).
Auf das Strafmass haben die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten keine
Auswirkungen.
6. Der Beschuldigte war von Beginn der Untersuchung an geständig, wobei die
gewichtigsten Zugaben allerdings regelmässig erst nach Vorhalt von einschlägi-
gen Telefonkontrollen erfolgten. Sein Geständnis ist daher leicht strafmindernd zu
gewichten. Ebenso ist eine gewisse Strafempfindlichkeit aufgrund der unheilbaren
Krankheit der Ehefrau des Beschuldigten, die in zunehmendem Mass auf seine
Unterstützung angewiesen sein wird (Urk. 37 S. 8; Urk. 40/3+4; Urk. 39 S. 9), an-
zunehmen und entsprechend leicht strafmindernd zu berücksichtigen. Weitere
Strafzumessungsgründe liegen nicht vor.
7. Aufgrund der dargelegten Strafzumessungsgründe erweist sich eine Freiheits-
strafe von 30 Monaten, unter Anrechnung von 82 Tagen Polizei- und Untersu-
chungshaft, als angemessen.
8. Bereits aufgrund des Verschlechterungsverbotes ist dem Beschuldigten der
teilbedingte Strafvollzug zu gewähren. Dementsprechend ist der Vollzug der Frei-
heitsstrafe im Umfang von 22 Monaten aufzuschieben und die Probezeit auf
zwei Jahre festzusetzen. Im Übrigen (8 Monate, abzüglich 82 Tage, die durch
Haft erstanden sind) ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
III. Kosten
Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten, der über ein Vermögen von ca.
Fr. 60'000.-- verfügt, die Kosten des Berufungsverfahrens einschliesslich derjeni-
gen der amtlichen Verteidigung zu zwei Dritteln aufzuerlegen und im Restbetrag
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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