Decision ID: f07313c0-5793-4635-b72c-99326090f323
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1965
, zuletzt bis
ins
Jahr 2010 in verschiedenen
Temporär
anstellungen
als
Lagerist,
Magaziner
,
Hilfsarbeite
r
, Staplerfahrer etc.
tätig
(Lebenslauf,
Urk.
7/47)
, meldete sich
unter
Angabe von Beeinträchtigung
en
nach einer Rückenoperation
und Depressionen
erstmals am
7.
Dezember 2011
bei der Eidgenössischen Invalidenversicheru
ng zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/5
Ziff.
6 und
Urk.
7/9
).
D
ie
zuständige
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte
beruflich-erwerbliche
und
medizinische
Abklärungen und veranlasste dazu
ein
bidisziplinäre
s
rheumatologisch/psychiatrisches Gut
achten
(
Urk.
7/43 ff.)
.
Mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2014
wies
sie
das
Leis
tungsbegehren
des
V
ersicherten ab (
Urk.
7/64
).
1.2
Am
2.
August 2016 meldete sich der
Versicherte
über die Sozialen Dienste der Stadt Zürich
mit dem Hinweis auf
eine Verschlechterung des Gesundheitszustan
des
erne
ut
zum Leistun
gsbezug an (
Urk.
7/73 und
Urk.
7
/74
).
Die IV-Stelle klärte den Sachverhalt ab und veranlasste
wiederum
eine
bidisziplinäre
Begutachtung (Gutachten vom 3
0.
Mai 2018 [
Urk.
7/122]).
Mit Vorbescheid vom
3.
Juli 2018
stellte
sie
die Abweisung
de
s Leist
ungsbegehren
s
in Aussicht (
Urk.
7
/
126
).
Daran hielt sie n
ach
erhobenem Einwand
(
Urk.
7/135 und
Urk.
7
/
138
)
mit Verfügung vom 1
9.
März 2019
fest und verneinte
einen Anspruch auf IV-Leistungen
(
Urk.
2)
.
2.
Dagegen
erhob
der Versicherte am 2
9.
April 2019
Beschwerde und beantragte (
Urk.
1 S. 2), es sei die Verfügung vom 1
9.
März 2019 aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. In prozessualer Hin
sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
. Die IV
-
Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
5.
Juni 2019 (
Urk.
6) auf Abwei
sung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
6.
Juni 2019
zur Kenntnis gebracht
wurde (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozial
versicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Dabei hat
das Bundesgericht
mit
BGE 141 V 281 die Überwindbarkeits
vermutung aufgegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch
einen strukturierten normativen Prüfungsraster
ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardin
dikatoren das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und sym
metrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534
/2015 vom
1.
März 2016 E. 2.2).
In Weiterent
wicklung dieser Rechtsprechung
entschied das Bundesgericht, dass
grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem
strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen
sind
(BGE 143 V 409 E. 4.5.1)
.
Indes gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsscha
den nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1).
Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Kon
stellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor. Eine solche Ausgangslage ist etwa gegeben, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisie
rung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in An
spruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverstän
digen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichen
des Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
1.3
Für die Bejahung eines Rentenanspruches im Rahmen einer Neuanmeldung nach vorausgegangener rechtskräftiger Verneinung wird analog zur Rentenrevision gemäss
Art.
17
Abs.
1 ATSG eine erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades ver
langt (BGE 130 V 71, 117 V 198 E. 3a mit Hinweis; vgl. auch BGE 133 V 108 E.
5.2 mit Hinweisen). Die Frage, ob eine solche Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes im Zeitpunkt der letzten materiellen rentenverweigernden rechtskräftigen Verfügung mit demjenigen zur Zeit des auf die Neuanmeldung hin ergangenen Entscheids (BGE 130 V 64 E. 2 mit Hinweis, 130 V 71 E. 3.1 mit Hinweisen). Dabei ist zu beachten, dass Anlass zur Renten
revision jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen gibt, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Dagegen stellt eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes keine revisionsbegründende Tats
achenänderung im Sinne von Art.
17
Abs.
1 ATSG dar (BGE 112 V 371 E. 2b; vgl. auch BGE 133 V 545 E. 6.1, 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE
135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019 E. 2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete
ihren
ablehnenden Entscheid (
Urk.
2)
damit, dass gestützt
auf das von ihr eingeholte Gutachten
dem Beschwerdeführer sämt
liche körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten in einem Pensum von 100
%
zumutbar seien. Er sei seit längere
r
Zeit nicht mehr erwerbstätig gewesen und als Hilfsarbeiter einzustufen. Tätigkeiten in diesem Sektor könne er weiterhin mehrheitlich ausführen und damit sei keine gesundheitsbedingte Erwerbseinbusse ausgewiesen. Stellen
, die die
Voraussetzungen erfüllten
,
seien
auf dem
ausgegli
chenen ersten Arbeitsmarkt
viele
vorhanden.
Im Verfahren führte sie aus
(
Urk.
6)
, i
n somatischer Hin
sicht bestehe gemäss dem zweiten
bidisziplinären
Gutachten vom 3
0.
Mai 2018 eine Limitierung der bio
mechanischen Funktion der Lendenwirbelsäule. Bereits im ersten
bidisziplinären
Gutachten v
om
3.
Februar 2014 sei eine 100
%
ige
Arbeitsfähigkeit in einer an die Lendenwirbelsäule angepassten Tätigkeit attestiert worden und diesbezüglich sei keine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszusta
ndes ausgewiesen. In psychiatrischer
Hinsicht sei im Erstgutachten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode diagnostiziert worden. Aktuell habe der psychiatrische Gutachter lediglich eine leichte depressive Ver
stimmung feststellen können
. Die
Kriterien für eine pos
ttraumatische Belastungs
störung könnten
gemäss
dem zweiten
Gutachten
jedoch
nicht durch obj
ektive Befunde gestützt werden, und es stünden
psychosoziale Be
lastungsfaktoren im Vordergrund. Eine Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
sei deshalb
auch aus psychiatrischer
Sicht nicht ausgewiesen
.
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer
vor (
Urk.
1
S.
7
f.),
es sei
vorliegend
nicht nur so, dass eine Tätigkeit mit dem attestierten Belastungsprofil nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers möglich wäre
,
sondern
es existiere
eine solche Tätigkeit gar nicht.
Die Schonkriterien, wie sie der
Gutachter
nenne
,
würden j
egliche Tätigkeiten aus
schliessen. Die Beschwerdegegnerin habe es auch unterlassen
Stellen zu nennen,
die
mit dem attestierten Belastungsprofil ve
reinbar seien
.
Der behand
elnde Arzt
Dr.
med.
Z._
habe ausführlich und umfassend zum psy
chiatrischen Teilgutachten Stellung genommen und
ausgeführt,
das
s
auf dieses
nicht abgestellt werden
könne
.
So
fehle
es an
eine
r
Auseinandersetzung
mit der
PTB
S,
die
von
diversen Ärzten diagnostiziert worden sei
(S. 8 f.)
.
Auch nehme d
er
(psychiatrische)
Teilgutachter die geklagten Beschwerden
nicht ernst und
impo
niere mehrmals mit wertenden Textpassagen und weiche von der Einschätzung anderslautender Arztberichte lediglich mit der Begründung ab, diese hätten
sich
auf subjektive Angaben des Beschwerdeführers
ab
gestützt.
Es handle sich um eine sehr komplexe
Traumafolgestörung
, welche zur medizinischen Begutachtung auch eine
r
Gutachterperson bedürfe, die auf
traumaspezifische
Diagnosen spezialisiert sei. Sollte auf die
Einschätzung der behandelnden Ä
rzte nicht abge
stellt werden, so sei eine derart spezialisierte Person zur Begutachtung zu beauf
tragen
(S. 12).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich die tatsächlichen Verhältnisse, namentlich der Gesundheitszustand bzw. dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, seit der rechtskräftigen Leistungsverweigerung vom
14. Oktober 2014
(
Urk.
7/64
) bis zum Erlass der vorliegend angefochtenen Ver
fügung vom
1
9.
März
2019
(
Urk.
2) dergestalt verändert ha
ben, dass dem Beschwerdeführer
nun eine Invalidenrente zusteht.
Dabei stellte der
abschlägige Entscheid vom
14. Oktober 2014
(
Urk.
7/64
)
insbesondere
auf
das
b
idisziplinäre
Gutachte
n vom 3.
Februar 2014 (
Urk.
7/
46 und
Urk.
7/44)
ab, welches
in den Fachbereichen Rheumatologie und Psychiatrie
erstellt wurde.
3.2
3.2.1
Im
bidisziplinären
Gutachten vom 3. Februar 2014
nannten die
zuständigen Ärzte
Dr.
med.
A._
, Innere Medizin FMH spez. Rheumaerkrankungen
,
und PD
Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH
,
die
folgende
n
Diagnosen
(
Urk.
7/44
):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.0/1)
-
Posttraumatische Belastungsstörung
PTBS
(ICD-10 F43.1)
-
Verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der LWS bei
-
kongenitaler
Spondylolyse
L5 beidseits mit
Anterolisthesis
L5/S1 von
etwa 10 mm mit
lumbaler Operation am
7.
April
2005 mit Repositions-
Spondylodese
L5/S
1 und
Dekompressi
on
slaminektomie
L5/
S1
beidseits mit:
-
Segment L5/
S1: guter Lag
e der Implantate im Segment L5/
S1 ohne Re-Stenose, ohne Kompression und nicht eingeengten
Foramina
und
-
Segment L4/
L5: leicht progrediente medial betonte
breitbasige
Diskusprotrusion
mit leichter zentraler Spinalkanalstenose und leicht eingeengten
Foramina
ohne Kompression (MRI 01/
2014)
-
ohne
radikuläre
Zeichen mit
-
symmetrischen Wadenumfängen
3.2.2
Zu den Untersuchungsbefunden aus rheumatologischer Sicht hielt
die
Sachver
ständige
fest (
Urk.
7/46/36 f.), beim Beschwerdeführer handle es sich um einen kräftigen 48-jähriger Mann. Er sei mit einer beidseitigen
Spondylolyse
L5 zur Welt
gekommen und
habe sich
zunehmend
über
lumbale Schmerzen mit Aus
strahlung vor allem in das linke
Bein
beklagt. Am
7.
April
2005
sei
er lumbal operiert
worden
,
wobei eine
Spondylodese
im Segment L5/S1 implantiert worden sei.
Er
be
klage
sich
nun über belastungsabhängige lumbale Schmerzen mit Aus
strahlung in beide
Beine
,
links mehr als rechts. Ausserdem berichte er über Schmerzen in beiden
Schultern und beiden Knien.
In der klinischen Untersuchung
seien dabei
Diskrepanzen auf
gefallen
. Der intermittierend hinkende
Gang norma
lisiere
sich unter Ablenkung. Die Beweglichkeit der LWS
(Lendenwirbelsäule)
sei
in allen
Richtungen leicht eingeschränkt. Die BWS
(Brustwirbelsäule)
und die HWS
(Halswirbelsäule)
seien normal beweglich und
r
adikuläre
Zeichen
seien
nicht vorhanden. Alle grossen peripheren Gelenke
seien
normal
beweglich und weder
Gelenksergüsse,
Synovitiden
oder überwärmte Gelenke vorhanden.
Die ganze Muskulatur
sei nirgends verspannt und d
ie Bioimpedanz-Analyse zeige
eine erfreulich grosse Muskelmasse von 56
%
, welche den Normwert von 40
%
weit
übertr
effe.
Eine lang andauernde körperliche Schonung
könne
daraus nicht abgeleitet
werden und auch die
beiden Wadenumfänge
seien
symmetrisch. Ein lang andauernder Mindergebrauch
des linken Beines gegenüber dem rechten Bein
könne
daraus
auch
nicht abgeleitet
werden.
Die Röntgenuntersuchungen der rechten Schulter
und des rechten Knies im September 2008
zeig
t
en normale Befunde. Die bildgebenden Befunde der LWS
sei
en
weiterhin gut.
Es bestünden im Bereich der LWS strukturelle Befunde, die die Leistungsfähigkeit verm
inder
te
n
, wobei die
vorhandenen Befunde das Ausmass
der Beschwerden nicht erklär
ten. E
ine angepasste Tätigkeit
könne
der Beschwerdeführer
zu 100
%
ausüben
,
bezogen auf ein Pensum von 100
%
.
Zur Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht führte die Sachverständige aus
(
Urk.
47/46/38
f.
), der Beschwerdeführer sei durch die eingeschränkte Funktion der LWS limitiert. Dies könnte sich je nach Art und Ausmass unterschiedlich auf die Fähigkeit
,
häufig Lasten ohne Hilfsmittel zu heben und zu tragen
,
auswirken
. Das längere Verharren in vornüber geneigter Haltung, ob stehend oder sitzend
,
sei zu vermeiden. Ebenso seien unerwartete, asymmetrische Lasteinwirkungen auszuschliessen. Eher günstig seien wechselbelastende Tätigkeiten. Er könne Las
ten bis zu 10 kg heben oder tragen (leichtes Belastungsniveau). Tätigkeiten, die diesem Profil entsprechen, könne er zu 100
%
bzw. ganztags ausüben und au
ch als Staplerfahrer,
Magaziner
,
Lagerist
könne er
zu 100
%
arbeiten, sofern dabei k
eine Lasten über 10 kg hantiert werden
müss
t
e
n
.
3.2.3
Der psychiatrische Sachverständige führte aus (
Urk.
7/43/8),
der Beschwerdefüh
rer gebe an
,
sich depressiv und niedergeschlagen zu fühlen und hin und wieder Suizidideen zu haben. Er habe schon 1990, als er nach Basel gekommen sei, Depressionen gehabt. Eine stationäre psychiatrische Behandlung sei jedoch nicht notwendig gewesen. Er sei in einer schwierigen finanziellen Situation gewesen, auch seine Beziehungssituation mit seiner zweiten Gattin sei schwierig gewesen, zudem habe er neu unter den lumbalen Rückenschmerzen gelitten. Es sei ihm aber in all den letzten Jahren nicht konst
ant psychisch schlecht gegangen und
er habe einzelne depressive Episoden gehabt, dann aber wieder längere Phasen, wo es ihm recht gut gegangen se
i. Er habe ja auch immer wieder
viel Sport treiben können. Allerdings sei es für ihn s
ehr schwierig geworden
,
mit den
anhaltenden Rücken- und linksseitigen B
einschmerzen zurecht zu kommen und
er fühle sich nutzlos, wertlos und
hadere oft mit dem Sinn seines
Lebens. Aktuell habe
er keinerlei Freude, Lust und Interessen im Leben. Er fühle sich immer m
üde, weil er viel an
seine Situation denke. Sein innerer Antrieb sei unterschiedlich, gele
gentlich fühle sich dieser
vermindert an. Auf konkrete
s
Nachfragen gebe er an, da
ss er etwa dreimal pro Woche Alb
träume habe über seine traumatisierenden Erfahrungen in Gambia in seiner Kindheit und Jugendzeit. Er sei ja damals als 8-Jähriger von einem Onkel sexuell missbraucht worden und als Jugendlicher sei er durch das Militär unter Androhung vo
n Waffengewal
t gezwungen worden
die Leichen ermordeter Zivilisten auf Lastwagen aufzuladen. Hin und wieder habe er auch Flashbacks, wo er dann szenisch an diese Ereignisse zurückerinnert werde. Er habe in den letzten Monaten manchmal Angst, nach draussen zu gehen, weil er dann fürchte, bewaffnete Polizisten zu sehen, die ihn dann an diese frühen Traumata erinnern würden.
Zum Tagesablauf gebe er an, er esse nic
ht viel, weil er wenig Appetit und
auch wenig Durst habe, und so bereite er sich nur selten eine Mahlzeit zu. Den Haushalt könne er einigermassen in Ordnung halten, es sei aber eine sehr kleine Wohnung, und oft könne er sich nicht richtig bücken
,
weg
en seiner
Rückenschmerzen. Er gehe viel nach draussen spazieren, so in öffentlichen Parkanlagen, wo er dann Leute ansprechen wolle, um Kontakte zu knüpfen, oder er gehe
in den Wald oder in die Stadt. D
abei höre er oft Musik über seinen Kopfhörer. Wenn er unterwegs sei, habe er Rückenschmerzen, wenn es bergauf oder bergab gehe. Arbeitsstellen müsse er keine suchen, dies sei ihm von der Sozialhilfe so mitgeteilt worden. Er lese gelegentlich in Büchern.
Er sei zur
Untersuchung mit den öffentlichen Ver
kehrsmitteln
an
gereist. Sei
n Bekanntenkreis sei sehr klein.
Er habe zwar schon Kollegen in Zürich, diese treffe er
manchmal, wenn er nach draussen gehe, er unterhalte sich dann kurz mit diesen
(
Urk.
7/43/9 f.)
.
Zu den Untersuchungsbefunden führte der Sachverständige aus, d
er Beschwerde
führer sei allseits orientiert und bewusstseinsklar. Er sei von athletischem, kräfti
gem, ansonsten unauffälligem Körperbau. Der Gang ins Sprechstundenzimmer sei vollständig unauffällig und ebenso die Körperposition während der gesamten Untersuchungsdauer. Psychomotorisch wirke er oftmals weder angespannt noch verlangsamt. Befragt zu seinen von ihm als traumatisch erlebten Lebensereignis
sen in Gambia
zeige
er eine psychomotorische Anspannung
,
wobei Mimik und Gestik nicht reduziert
wirkten.
Der Blickkontakt
sei adäquat,
die Untersuchung
könne
problemlos in deutscher Sprache durchgeführt werden
. W
ährend
der gesamten Untersuchungsdauer hätten sich weder sprachliche Störungen, Auffas
sungsstörungen und im klinischen Eindruck
auch
keinerlei Hinweise für kogni
tive oder intellektuelle Defizite
gezeigt
. Im formalen Denken
ergebe
sich immer wieder eine Einengung um die schwierige gesundheitlich
e
und psychosoziale Situation. Ansonsten sei das formale Denken unauffällig und er sei weder ver
langsamt noch hätten sich Gedankensperrungen gezeigt. Er sei jederzeit gut ver
ständlich, kohärent und unauffällig organisiert. Im inhaltlichen Denken hätten sich keinerlei Hinweise für wahnhafte, bizarre oder akute suizidale Ideen ergeben.
Er wirk
e zwar
fortzu
leicht a
ffektverarmt
, nie aber in erheblichem Masse und
eine
Affektverflachung oder gar eine
Affektstarre fehlten vollständig. Die Grundstim
mung
habe sich
nur währe
nd den affektlabilen Einbrüchen
stärker depressiv beeinträchtigt
gezeigt,
ansonsten
habe
au
s objektiver Sicht eine leichte
depres
sive, nie aber eine
euthyme
Grundstimmung
bestanden
(
Urk.
7/43/10
f.
)
.
Würde einzig den subjektiven Angaben des Beschwerdeführer
s
ge
folgt
bzw. einzig diese Beurteilu
ngsdimension gewürdigt, so könn
e man zum Schluss kommen, dass hier allenfalls gar eine schwere Depression vorliege. Wenn aber die objektiven Unte
r
suchungsbefunde herangezogen wü
rden
,
fielen zu den subjektiven Angaben einige Diskrepanzen auf. Diese resultiert
en
wohl zu einem nicht unwesentlichen Teil aus der schwierigen psychosozialen Situation. So bestünden immer noch hohe Schulden beim Betreibungsamt, er blicke auf zwei gescheiterte Ehen zurück, auf wenig Kontinuität im Berufsleben, und in seinem Alter von nun 48 Jahren dürfte er sich dessen bewusster geworden sein,
dass sein initialer «Lebensplan»
nicht ausgereicht habe
, um eine erforderliche stabile psychosoziale Situation zu ermöglichen. Hier sei auch zu diskutieren, dass eine fragilere innerpsychische Struktur vorliege, da auch die Kriterien gemäss ICD-10 für eine
posttraumatische Belastungsstörung erfüllt seien,
sofern
man
betreffend die
psyc
hotraumatisieren
den Ereignisse
den Angaben des Beschwerdeführer
s
aus seiner Kindheit
und Jugendzeit
folge.
Es
müsse
aber auch
betont werden, dass
trotz
der
Angaben traumatisierender Erfahrungen, er nach seiner Einreise in die Schweiz 1990
fortzu
habe arbeiten und
auch
immer wieder in neue Beziehungen habe investieren kön
nen.
Die depressiven Episoden seien ohne Zweifel auch eine Folge der innerpsy
chischen Struktur
und v
erfügte der Beschwerdeführer über eine stärkere, robus
tere innerpsychische Struktur, wäre es möglicherweise nicht zu rezidivierenden depressiven Episoden gekommen. Die qualitativen Funktionseinbussen hätten sich somit nach der depressiven Störung zu richten und die subjektiv als sehr
stark beschriebenen Rücken- und
Beinschmerzen
seien ebenfalls als Teil der depressiven Störung bzw. d
er Schwierigkeit
des Beschwerdeführers
mit dieser Lebenssituation besser zurecht zu kommen
,
zu betrachten (S. 1
4
f
f
.).
Bezüglich Funktionsfähigkeiten aus psychiatrischer Sicht seien
damit
allfällige Auswirkungen der posttraumatischen Belastungsstörungen bereits in der depres
siven Störung berücksichtigt und beim Vorliegen einer leichten depressiven Episode könne eine qualitative Funktionseinbusse in der Höhe von 20
%
attestiert werden, beim Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode solche in der Höhe von 50
%
und der Mittelwert betrage
35
%
.
Die Prognose aufgrund der Erfahrungen
,
die
im Rahmen der stationären bzw. teilstationären Behandlung
habe gestellt werden können
,
sei
günstig und bei einer
anhaltenden, genügend regelmässigen psychiatris
chen bzw. psychotherapeutischen
Begleitung
erfahre er
eine gute Stabilisierung
der
Affektlabilität
und eine Remission seiner
depressiven Symptome.
In der angestammten Tätigkeit und in einer Verweistätigkeit be
stehe aus psychiatrischer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von 65
%
(
Urk.
7/43/16 ff.).
3.2.4
Zur Arbeitsfähigkeit aus
bidisziplinärer
Sicht fassten die Experten zusammen (
Urk.
7/44), aus psychiatrischer Sicht bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 35
%
in jeglicher Tätigkeit. Aus rheumatologischer Sicht könne der Beschwerdeführer eine angepasste LWS-schonende Tätigkeit zu 100
%
ausüben. Dabei könne er Lasten bis zu 10 kg hantieren. Aus
bidisziplinärer
Sicht könne er eine angepasste Tätigkeit zu 65
%
ausüben bezogen auf ein Pensum von 100
%
.
3.3
Im
Zusammenhang mit der Neuanmeldung vom
2.
August 2016 (
Urk.
7/73)
liegen im Wesentlichen
die folgenden Arztberichte
vor
:
3.3.1
Im Bericht der
C._
vom
1.
September 2015 (
Urk.
7/72/3-4) über ein
«
Vor
ges
präch»
vom 2
4.
August 2015 nannten
die zuständigen
Fachpersonen die Diagnosen anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), rezidivie
rende depressive Störung gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symp
tome (ICD-10 F33.2)
und eine
PTBS Symptomatik.
Auslöser der psychophysischen Dekompensation sei ein Sturz im Jahr 2004 gewesen
.
Der Beschwerdeführer biete
das Bild eines aktuell
schwer
gradigen
psychophysi
schen Erschöpfungszustandes mit im Vordergrund bestehenden somatischen Zeichen bei stattgehabtem Sturz im Jahr 2014
(gemeint wohl 2004)
und sekundär sich darauf aufbauenden depressiven und ängstlichen Symptomen. Im Hinter
grund wirke die lebensgeschichtlich nachvollziehbar belastende Familien
situation mit traumatisierenden Ereignissen, die
die Krankheit aufrecht erhalte
.
I
n Zusammenschau der aktuellen sowie
der
Hintergrundsfaktoren
stelle
eine
Auf
nahme
in
die
C._
mit
einem
mul
timodalen spezifisch
en Angebot sowie die damit
verbundenen strukturellen Rahmenbedingungen sowohl für den
Beschwerdeführer
als auch für
die Klinik
eine Überforderung dar.
Der Beschwer
deführer benötige
einen n
iedriger
en
strukturierten Aufbau,
so wie er in rein psy
chotherapeutisch orie
ntierten Kliniken angeboten
werde
, mit Anschluss an eine
traumatherapeutische
Behandlung.
3.3.2
Im Bericht des
D._
vom 9. November 2015 (
Urk.
7/72/5-7) führten die Ärzte aus, die Zuweisung sei bei anhaltendem Rückenbeinschmerzsyndrom links,
aggraviert
nach
Spondylodese
L5/S1 im Jahr 2005 bei isthmischer
Spondylolisthese
und seither anhaltend
,
erfolgt. Es sei eine diagnostische M
BB
(medial
branch
Blockade)
bei Verdacht auf ein
lumb
ospondylogenes
Schmerzsyndrom
p
ostinterventionell
durchgeführt wor
den
, wobei es n
icht zu einer Schmerzreduktion gekommen sei.
Ein diagnostischer Sak
ralblock und ebenso
eine TENS
(transkutane elektrische Nervenstimulation)
Austestung
seien negativ geblieben. G
rundsätzlich
sei
die Indikation für eine rückenmarksnahe Teststimulation gegeben (
Failed
Back
Surgery
Syndrome mit vorwiegend neuropathischer Komponente). Aufgrund der schweren depressiven Symptomatik sei die Indikation jedoch kritisch zu überprüfen und der Beschwer
deführe könne sich zum aktuellen Zeitpunkt nicht für diese Therapie entscheiden. Der 50-jährige zeige
dabei ein Schonhinken links, wobei der
Zehengang
links
fast nicht und
der
Fersengang links gar nicht möglich
seien. B
ei diffuser Minderin
nervation des linken Beins
sei die Motorik
schwierig
eruierbar
und
es bestehe
auch
keine
Beinumfangsdifferenz.
3.3.3
Dr.
med.
Z._
, leitender Arzt an der
E._
antwortete
im Bericht vom 2
7.
Mai 2016 (
Urk.
7/72/1-2)
auf Fragen
der Sozia
len Dienste der Stadt Zürich
und hielt fest
,
der Beschwerdeführer stehe
seit dem 2
8.
November
2014
bei ihm
in ambulanter psychiatrischer Behandlung
. Die Behandlung finde in zweiwöchentlichen Abständen statt und dazwischen hätten auch Kriseninterventionen stattgefunden
. Der Beschwerdefüh
rer wirke erschöpft, gebrochen, verzweifelt und präsentiere sich häufig in Tränen und
klagsam
. Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung seien mittelgradig einge
schränkt, insbesondere die Konzentration und Merkfähigkeit. Im formalen Denken sei er grübelnd, eingeengt und perseverierend auf seine derzeitige hoffnungs
lose Situation und darin kaum auslenkbar. Im Affekt sei er mittel- bis
schwergra
dig
beeinträchtigt und in den Bereichen Vitalgefühle, Insuffizienzgefühle, Schu
ldgefühle affektlabil
(Tränen, Aggressionen). Im
Antrieb
sei er eher gehemmt. Es bestehe ein starker sozialer Rückzug, ein
grosses Ruhebedürfnis und latente Suizidalität (Pulsadern aufsc
hneiden, Tablettenübergebrauch)
von denen er
sic
h jedoch im Gespräch glaubhaft un
d bündnisfähig distanzieren könne (Sohn). Als Diagnosen nannte er:
-
PTBS (ICD-10 F43.1) und auf dieser Grundlage rezidivierende depressive Störung gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
-
Chronisch
lumboradikuläres
Reizsyndrom L5 links, DD:
lumbospondylo
gen
-
Epifusionelle
Segmen
t
degeneration L4/5 mit
breitbasiger
Diskushernie mit Bandscheibenkontakt zur Wurzel L4/L5
-
Status nach
Repositionsspondylodese
L5/S1 und Einbringen eines
inter
korporalen
Harms-Cages sowie
Dekompressionslaminektomie
L5/S1 beid
seit
s
bei isthmischer
Spondylolisthese
Grad l L5/S1 04/05
Die Prognose sei
als schlecht zu bewerten, da
ohne nennenswerten Erfolg jegliche medizinische Massnahme psychiatrisch-
psychotherapeutischer Art bisher weitestgehend ausgeschöpft worden
sei. E
ine Tätigkeit
sei dem Beschwerdeführer
nicht mehr zumutbar
.
3.3.4
Im Austrittsbericht des
F._
vom 1
0.
Mai 2017 (
Urk.
7/93) über den stationären Aufenthalt vom 2
2.
März bis
3.
Mai 2017
wiesen
die Behandler
darauf hin, die Zuweisung sei zur Krisenintervention und Stabilisierung für eine anschliessende stationäre Traumatherapie in der
G._
erfolgt. Es wur
den
folgende Diagnosen
genannt
:
Hauptdiagnose
-
Komplexe Pos
ttraumatische Belastungsstörung
Nebendiagnosen
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenw
ärtig mittelgradige bis schwere
Episode ohne psychotische Symptome
-
Psychische und Verhalte
nsstörungen durch
Cannabinoide
:
Schädlicher Gebrauch
-
Angststörung
-
Anhaltende Persönlichkeitsstörung nach Extrembelastung
Bei Eintritt zeige sich eine komplexe Posttraumatische Belastungsstörung in Kombination mit einem mittel- bis
schwergradigen
depressiven Störungsbild mit r
eduzierte
r
Schwingungsfähigkeit und
Deprimiertheit
, Ängstlichkeit, innere
r
Unruhe, persistierende
n
Schuldgefühle
n
, leichte
r
Ambivalenz, beeinträchtigte
n
Vitalgefühle
n
, Affektlabilität, teilweise
r
Gereizth
eit, ausgeprägtem sozialen
R
ück
zug, Grübeln und vermindertem
Antrieb. Der Beschwerdeführer
berichte
über immer wieder auftretende aggressive Impulse.
Es würden durch verschiedene all
tägliche Situationen eine i
nnerlich erlebte Aggression, Rückzug und kurze disso
ziative Reaktionen im Alltag herbeigeführt. Die vielen traumatischen Erlebnisse in
der
Kindheit und Jugendzeit würden ständig aktiviert (Flashbacks) und lösten bei ihm emotionale Reaktionen wie Wut und Traurigkeit aus. Er berichte
,
sich hoffnungsloser und aggressiver zu fühlen, da körperliche Kompensationsstrate
gien (Sport) aufgrund
der
somatischen Erkrankungen nicht mehr nutzbar seien
und er
berichte
über
einen
sozialen Rückzug
. S
eine derzeitigen Strategien seien
Spa
ziergänge und lautes Musikhören.
3.3.5
Im Austrittsbericht der
G._
vom 2
9.
November 2017
(
Urk.
7/105)
über
den Aufenthalt
vom 2
6.
Oktober bis 1
4.
November 201
7 führte
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Innere Medizin
FMH
aus,
der Beschwerdeführer berichte
,
seit seinem Unfall im Jahr 2005 mit seinem Leben nicht mehr zurecht zu kommen und so nicht
mehr weiterleben
zu
könne
n
. Er wol
le deswegen eine stationäre Behandlung machen. Er habe immer versucht für sich selber zu sorgen, jetzt gelinge ihm das nicht mehr und das sei für ihn eine Katastrophe. Er komme mit seinen Schmerzen nicht zurecht, ebenso wenig mit den Intrusionen, der Angst vor Menschen und seinen dissoziativen Problemen. Zudem leide er immer wieder an Atemnot, vor allem in emotionalen Belastungssituationen
(S. 1)
.
Der Beschwerdeführer sei zur stationären Traumatherapie eingetreten. Ziel der Probetherapie sei es gewesen
,
Kontakte in einem zwischenmenschlichen Setting aufzunehmen sowie seine Reizbarkeit und Aggressivität kontrollieren und sich
orientieren zu können. Dabei sei rasch deutlich geworden, dass er ganz erhebliche Sprachschwierigkeiten habe, wenn es um die Beschreibung psychischer Vorgänge gehe,
was
z
u seiner inneren Einsamkeit und
Reizbarkeit bei
trage
.
Es sei für ihn schwierig gewesen
,
das ständige Switchen in den inneren Anteil des Kindersol
daten, der sich dann voller Wut, Hass und Aggressivität zeige, und auch tätlich zu werden drohe. Aufgrund der zunehmenden Reizüberflutung sei der stationäre Aufenthalt nach zwei Wochen in gegenseitigem Einvernehmen beendet worden (S. 4).
Es liege eine schwere komplexe Posttraumatische Belastungsstörung mit disso
ziativer Komorbidität und dissoziativer
Anteilestörung
vor. Kompliziert werde das Krankheitsbild durch die ausgeprägte somatische Einschränkung, was ihm seine einzige Ressource (Sport) wegnehme. Während des stationären Aufenthaltes habe sich seine deutliche Reizoffenheit und die ständigen Switches in einem hoch aggressiven Kindersoldaten Anteil
als sehr problematisch gezeigt.
Während des Aufenthaltes habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden
. E
ine Arbeitsfä
higkeit sei beim Beschwerdeführer über Jahre als nicht gegeben zu sehen
(S. 5)
.
3.4
3.4.1
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten
b
idisziplinären
Gutachten beim
I._
vom 3
0.
Mai 2018 (
Urk.
7/122
), beruhend
auf
orthopädischen und psych
iatrischen Untersuchungen vom 1
7.
April 2018
,
stellten die zuständigen Ärzte, Prof.
Dr.
med.
J._
, FMH Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
K._
, Orthopädische Chirur
gie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH,
folgende Diagnosen
(
Urk.
7/122/9
):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
Chronisches
lumbosakrales
Schmerzsyndrom mit
Radikulopathie
der Ner
venwurzel L4 links bei:
-
fortgeschrittener
epifusionaler
Osteochondrose
im Segment L4/L5 mit subtotaler Höhenminderung des Zwischenwirbelfaches und moderater Kompression der Nervenwurzeln L4 beidseits im
foraminalen
Verlauf
-
Begleitspondylose mit
breitbasiger
Bulging
Disc bei L4/L5
-
Knöchern reizlos konsolidierter
Spondylodese
im Segment L5/S1 ohne Neurokompression mit
orthograd
einliegendem Cage ohne jedwede Lockerungs- /
Lysezeichen
Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
Status nach im Jahre 2008 erlittenem linksseitigem
Hämatopneumothorax
mit Rippenfrakturen 7/8 links; gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag so
wie ohne Funktionseinschränkung
Status nach
Cannabisabhängigkeit;
gegenwärtig abstinent, ICD-10 F12.
20
Multiple psychosozialen Probleme mit dep
ressiver Verstimmung mit/
bei:
-
Probleme
n
in Verb
indung mit Ausbildung, ICD-10 Z
55
-
Probleme
n
in Verbindung mit Beruf
stätigkeit und Arbeitslosigkeit, ICD-10 Z
56
-
Probleme in Verbindung mit ökonomischen Verhältnissen (Schulden; Abhängigkeit vom Sozialamt), ICD-10 Z59
-
Alleinleben, ICD-10 Z60.2
-
Probleme durch negative Kindheitserlebnisse, ICD-10 Z61
-
Probleme in der Lebensführung, ICD-10 Z72
3.4.2
Der orthopädische Sachverständige
führte aus
(
Urk.
7/122/
114-172
), der Beschwerdeführer gebe an
,
seit vielen Jahren permanent
und anhaltend
Schmer
zen im Rücken zu haben. Er habe
da
acht Schrauben drin und
seit der
Operation im Jahre 2005
anhaltende Schmerzen mit
Schmerzfortleitung in das linke
Bein
.
Er gebe an
,
d
urch lokale Wärmeanwendungen sowie Dehnungsübungen und Ruhe eine leichte Schmerzlinderung
zu
erfahre
n, wobei kein Schmerzmedikament seine Beschwerden lindern könne und er seit Jahren einen konstant anhaltenden Schmerz von VAS 8-9 verspüre (S. 10 f
f
.).
Beschwerdearm stehen könne für ca. zwei Minuten, gehen bis zu 20 Minuten, jedoch nur, wenn er sich hierbei auf seinen Gehstock abstützen könne. Sitzen könne er nur für ca. fünf bis zehn Minuten (S. 12).
Der Sachverständige erörterte, im Rahmen der klinischen Unter
suchung weise der Beschwerdeführer auf orthopädisch-chirurgischem Fachgebiet in den einzelnen durchgeführten Testverfahren eine mehrfach zu beobachtende Inkonsistenz der Untersuchungsbefunde auf. So zeige er sich vor der Untersu
chung im Wartebereich entspannt auf dem Wartestuhl in leicht rechtsgedrehter Körperhaltung mit unauffälliger Mimik. Dabei erhebe er sich zunächst zügig aus dem Sessel, folge dann aber laut stöhnend mit links hinkendem Gangbild langsam über den Flur ins Untersuchungszimmer. Der jeweilige sitzende, stehende sowie gehende Positionswechsel erfolge dann a
ber frei und in zügigem Tempo. I
m Rah
men der darauffolgenden ca. 60-minütigen Anamneseerhebung nehme er dann eine deutliche verkrümmte, rechtsgedrehte, halbsitzende Körperposition ein, grimassiere hierbei unentwegt und schlage sich alle zwei bis drei Minuten mit der flachen Hand mehrfach
gegen die Stirn. Danach richte
er den Blick or
ientierungs
suchend in den Raum.
Er
k
önne während
dessen die
gest
ellten Fragen jedoch im Kontext
frei und zügig mit uneingeschränkter Auffassungsgabe beantworten.
Dabei mache
er
insgesamt einen sehr
müden, lethargischen Eindruck, wirke indes im
Untersuchungsgespräch be
müht mit
,
jedoch vermehrt
mit
verbal
d
emonstra
tiver Schmerzäusserung.
Eine s
chmerzbedingte Entlastung der Si
tzposition sowie ein
U
mhergehen im Raum werde
dabei nicht demonstriert.
Gefragt, warum
er
bei linksseitiger Beschwerdesymptomatik die G
ehstütze nicht rechts anwende
, werde damit erwidert, dass die Schmerzen auf der linken Seite lokalis
i
ert
seien
und
er
daher die Gehstütze immer links anwende. Dabei weise die Unterarmgehstütze nahezu keine Gebrauchsspuren
auf
und
zeige am
Fussstück ein nahezu neuwer
tiges Pr
ofil ohne vermehrten Abrieb
(S. 49 f.).
Es bestünden b
eim
Beschwerde
füh
rer
eine anhaltende
lumbosakrale
Schmerzsymptomatik bei fortgeschrittener
epifusionaler
Osteochondrose
im Segment L4/5 sowie
foraminaler
Stenose mit
Radikulopathie
der Nervenwurzel L4 links. Ein somatischer Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige, sei dahingehend ausgewiesen
(S. 53)
.
Aufgrund der klinischen und bildtechnischen Befunde sei der Beschwerdeführer in der biomechanischen Funktion seiner Lendenwirbelsäule limitiert mit einer daraus unweigerlich resultierenden Einschränkung der Steh-
und Gehfähigkeit.
D
ies
bedinge qualitative
Leistungseinschränkungen
für
:
-
Schwerst- und Schwerarbeiten
-
Ständige mittelschwere Arbeiten
-
Heben und Tragen von Lasten körperfern über 5 kg ohne technische Hilfs
mittel
-
Heben und Tragen von Lasten körpernah über 10 kg ohne technische Hilfsmittel
-
Re
petitive stereotype Bewegungsabl
äufe
-
Tätigkeiten mit repetitivem Bücken, Kauern und Hocken
-
Das mehr als gelegentliche Arbeiten in Zwangshaltungen
-
Tätigkeiten mit vermehrter Vibrationsbelastung
-
Tätigkeiten mit Pressen oder Stemmen, welche zu einer intraspinalen Druckerhöhung führen
-
Das mehr als gelegentliche Heben von Las
ten über die Horizontale (
Hype
rl
ordosierung
der LWS)
-
Das Besteigen von Leitern, Gerüsten und schrägen Ebenen
-
Tätigkeiten auf unebenem Untergrund
-
Tätigkeiten mit länger währender Einnahme nur einer Körperposition
-
Tätigkeiten, welche kniend sowie im
Hocksitz
durchgeführt werden
-
Tätigkeiten im Freien, ohne Schutz vor Kälte, Zugluft, Nässe sowie Tätig
keiten auf regen- und eisglattem Untergrund
Dabei seien für das Heben und Tragen von Lasten über 5 kg körperfern, respektive 10 kg körpernah technische Hilfsmittel erforderlich.
U
nter Berücksichtigung der qualitativen Schonkriterien
sei der Beschwerdeführer
in einer leidensadaptierten, körperlich leichten wechselnd belastenden, überwiegend sitzend ausgeführten Tätigkeit aus orthopädisch versicherungsmedizinischer Sicht rein quantitativ zu 100
%
arbeitsfähig
(S. 54 f.).
3.4.3
Aus psychiatrischer Sicht berichtete
der
Sachverständige (
Urk.
7/122/16-113),
es werde vom Beschwerdeführer angegeben, dass er
die deutsche Sprache nicht
ver
stehe und spreche
, jedoch gut Englisch
könne
, weshalb die Exploration in engli
scher Sprache erfolgt sei. Beim Abholen sei er im Wartebereich gesessen und
habe sich
auf einen Gehstock gestützt
und unter
stöhnenden Lauten
sich rezidivierend mit der Faust auf die Stirn geschlagen.
Die übrigen Mitpatienten
seien hierdurch sichtlich verstört gewesen
und deutlich vom
Beschwerdeführer
abgerückt
(S. 67)
.
Zur Familien und Sozialanamnese berichte er, er sei
in Gambia als
Sohn eines Richters und einer Lehrerin
geboren worden. B
eide Elternteile stammten aus wohlhabenden Familien und hätten dah
er hochstehende Positionen inne
gehabt. Der Vater sei
im Mai
2009 verstorben und er sei zu seiner Beerdigung n
ach Gambia gereist. Ab
seinem siebten Lebensjahr
habe er
auf der Strasse gelebt, könne sich
aber
an keine Einzelheiten aus dieser Zeit mehr erinnern. Zur Frage, warum er als Sohn einer wohlhabenden Familie auf der Strasse
habe leben müssen
, habe er geantwortet, dass sich seine Eltern, als er ca. zwei Jahre alt gewesen
sei
, hätten scheiden lassen und er dann längere Zeit bei der Grossmutter väterlicherseits gelebt habe. Dort sei er mit zahlreichen Geschwistern und
Halb
geschwistern aufgewachsen. S
o habe er insgesamt 15 Geschwister, die seine leib
lichen Eltern aus mehreren Ehen miteinander und mit anderen Partnern zeugten. Nach dem Tod der Urgrossmutter sei er zu einer Tante und einem Onkel gekom
men. Der Onkel sei Alkoholiker gewesen und habe ihn sexuell missbraucht, wes
halb er geflüchtet sei und ab seinem achten Lebensjahr auf der Strasse gelebt habe. Zunächst sei er bei der Grossmutter mütterlicherseits gewesen, die ihn jedoch häufig geschlagen und sich ihm gegenüber emotional kühl verha
lten habe. Er habe
dort nicht bleiben können. Er habe da
nn auf der Strasse
gelebt und
in
Leichenhäusern auf Friedhöfen und in Hühne
rställen geschlafen. Es sei ihm aber
trotz
dieser ausgesprochen widrigen Umstä
nde dennoch geglückt
,
die Schule
zu besuchen und die Matura zu machen.
1982 sei es dann zu einem Militärputsch in Gambia g
ekommen und er sei vom Militär rekrutiert worden
und habe Leichen auf Lastwagen werfen müssen. Schliesslich sei er nach Europa geflüchtet, habe von 1982 bis 1986 in Dänemark und hernach bis 1990 in Deutschland gelebt und habe Fussballprofi werden wollen. 1990 sei er im Alter von 25 Jahren in die Schweiz eingereist und habe im Jahr 2000 das Schweizer Bürgerrecht erhalten. Er habe vielfach Probleme mit dem Gesetz gehabt und sei in Deutschland mehr
fach inhaftiert worden, wobei
er
als Grund «
fight
»
ange
ge
be
n habe
. In der Schweiz sei er wegen Aggressionen verhaftet worden. Betreffend Partnerschaf
ten/Kinder gebe er an, dass er 1990 eine Schweizerin kennengelernt und gehei
ratet habe. So sei er in die Schweiz nach Basel gekommen. Die Ehe sei 1997 g
eschieden worden. Der Grund
sei
eine
«
ausserhäusige
»
Beziehung
gewesen, wobei er
mit dieser Frau einen unehel
ichen Sohn gezeugt habe. Dieser sei im Jahre 1995 geboren worden
. Er habe jedoch zu
m
Sohn und der Kindsmutter keinen Kontakt mehr.
Später (Juli 2000) habe er wieder geheiratet, wobei diese Ehe im Januar 2005 geschieden worden sei. Er wohne alleine in einer Einraum
wohnung und sei seit Februar 2016 beim Sozialamt angemeldet. Seine Schulden lägen bei ca.
Fr.
80'
000
.--
und er werde betrieben. Das Geld sei sehr knapp
. Soziale Kontakte habe er keine. Er sei vollständig vereinsamt und sein Psychiater sei der einzige Mensch
,
mit welchem er sprechen könne. Er habe auch
kein spe
zielles Hobby (S. 68 f.
).
Befragt zu den aktuellen Beschwerden gebe er an (S. 71), dass er Albträume mit Inhalten zu den Ereignissen als «Kindersoldat» habe, die erst in der Schweiz begonnen hätten
,
wobei der Beschwerdeführer
aber
auch
die Nachfrage, ob er während der Zeit in Dänemark und in Deutschland keine Träum
e darüber gehabt habe
,
auch
mit „Doch" beantworte
. Zu Symptomen befragt, führe er aus, dass er Panik bekomme, wenn er bewaffnete Polizisten s
e
he. Das mache ihm starke Ängste und es
komme
dann zu Flashbacks zu den Ereignissen als «Kindersoldat».
Dabei würden szenische Abläufe mit Inhalten zu den vorbenannten Ereignissen von ihm zwar angegeben, jedoch trotz Bitten nicht präzise geschildert. Nach dem Ansprechen der vermeintlich traumatisierenden Ereignisse,
habe
sich der B
eschwerdeführer
immer
wieder und nun
immer heftiger
mit der Faust auf sein
e
Stirn geschlagen.
Zum Tagesablauf berichte er (S. 73), er könne in der Nacht nicht schlafen. Daher habe er keine feste Zeit, wann er aufstehe. Er mache sich nach dem Aufstehen einen Kaffee. Dann gehe er zum Rauchen ausserhalb der Wohnung. Er ziehe sich dann tagsüber meist in die Wohnung zurück. Da sitze er den ganzen Tag ab. Freunde würden ihm
etwas zum Essen bringen und ihm auch seine Tabletten geben. Dann sitze er wieder in der Wohnung ab. Sonst passiere nichts.
Zum Befund führte der Sachverständige aus
(S. 76)
, zum Untersuch
erschein
e
ein körperlich kräftiger
altersentsprechend wirkender 53-jähriger, afrikanisch-stämmige
r
Mann, welcher alleine und pünktlich zur Untersuchung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sei und keine Schwierigkeiten gehabt habe
,
das Institut aufzufinden. Er nutzte einen Gehstock (Unterarmgehstütze).
In der Untersuchung verhalte sich der Beschwerdeführer stark auffällig, habe sich mit der geballten Faust gegen die Stirn unter stöhnenden Laute
n geschlagen und
zu Beginn grim
a
s
siert. Dabei sei
er
in der Lage
,
Blickkontakt zum Berichterstatter aufzunehmen, welchen er bei direkter Ansprache auch gut und durchgehend halten könne.
Objektiv liege keine quantitative oder qualitative Bewusstseins
störung vor.
Der Beschwerdeführer sei wach und zeitlich auf den Tag und auf das Jahr orien
tiert. Die Frage nach der örtlichen Orientier
ung könne er korrekt beantworten
und er sei auch situativ orientiert, d.h. er könne benennen, dass er sich in einer Untersuchungssituation befinde und sich in einem Gespräch mit einem Arzt auf
halte
. Auch z
ur Person
sei er orientiert und könne
sein Geburts
datum sowie seinen Vornamen und
Nachnamen benennen.
Er beklage keine Gedächtnis
störungen und in der Untersuchungssituation sei das Alt-
bzw. Langzeitgedächt
nis intakt, ohne Hinweise auf Amnesie, Konfabulationen,
Paramnesien
oder
Zeit
gitterstörungen
. Die Aufmerksamkeit und die Konzentration sei
en
nicht herabge
setzt und im zeitlichen Verlauf der insgesamt gut vierstündigen
bidisziplinären
Untersuchung komme es zu keinem Abfall der kognitiven Parameter. Der Beschwerdeführer könne dem Untersuchungsverlauf jederzeit folgen. Der formale Gedankengang sei im Tempo regelrecht, ohne verlängerte
Antwortlatenzen
und in Kohärenz und Stringenz sei das Denken unauffällig. Es
seien
Angabe
n
von subjektiver Angespanntheit und Flashbacks
erfolgt
,
wobei eine Angespanntheit oder aversive emotionale Beteiligung des Beschwerdeführers
beim Berichten
nicht nachvollziehbar
gewesen
sei
.
Hinweise für Wahn
sowie Ich-Störung im Sinne von
Gedankeneingebung, -ausbreitung oder -b
eeinflussung,
Derealisation
und
Deper
sonalisationen
hätten
sich nicht erui
eren
lassen
und Zwänge und Rituale seien
verneint
worden und
nicht zu beobachten
gewesen
.
D
ie kognitive Begabung
liege soweit feststellbar
im Normbereich.
Affektiv sei der Beschwerdeführer gut spür
bar, die Grundstimmung indifferent ohne Affektinkontinenz. Er beklage eine schwierige psychosoziale Situation mit beruflicher Perspektivlosigkeit, familiä
re
m
Scheitern, finanziellen Problemen mit hohen Schulden
und subjektiv empfundener Auswegs- und Hoffnungslosigkeit auf ein besseres Leben. Die Schwingungsfähigkeit sei erhalten und die Vitalgefühle würden als leicht gemin
dert angegeben. Die Freudfähigkeit und die Interessen seien nicht eingeschränkt, die Psychomotorik unauffällig und der Antrieb nicht reduziert. Das Selbstwert
empfinden sei leicht gemindert und es bestünden Angaben eines sozialen Rück
zugsverhaltens. Suizidale Ideationen habe der Beschwerdeführer nicht angegeben und
passive
Todeswünsche
oder eine
akute Suizidalität
bestünden nicht. In der Persönlichkeit sei er ohne Auffälligkeiten
und
ohne Hinweise auf eine nachhaltige Störung der Ich-Strukturen. Die Selbst- und Fremdwahrnehmung sei intakt, ohne Störung der Realitätsbeurteilung und die affektive Steuerung und die Impulskon
trolle seien im Untersuch unauffällig gewesen (S. 77 ff
.
).
Unter Würdigung von Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen erläuterte der Sachverständige, aus gutachterlicher Sicht stünden multiple und gravierende psychosoziale Belastungen ganz im Vordergrund und dominierten die Psychopa
thologie des Beschwerdeführers. Auf der
Grundlage der ICD-10 Kriterien
sei in Bewertung des Eingangskriteriums und des Verhaltens des
Beschwerdeführers
in der Untersuchung sowie der multiplen Diskrepanzen und
Unplausibilitäten
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung nach ICD-10 F43.1 nicht
zu
stellen. Aufgrund des psychopathologischen Befundes und den Feststellungen im Vorgutachten könne auch nicht von einer chronischen Depression ausgegangen werden. Zudem ergäben sich Zweifel an der medikamentösen antidepressiven Compliance, so dass
daraus
keine anhaltende mittel- und langfristige Arbeitsun
fähigkeit
resultiere (S. 94 f.)
.
3.4.4
Im Konsens
hielten die Experten
zur Arbeitsfähigkeit in adaptierter Täti
gkeit
fest (
Urk.
7/122/13 f.),
aus psychiatrischer Sicht
stünden multiple und gravierende psychosoziale Belastungen ganz im Vordergrund und dominier
t
en die Psychopa
thologie.
Aus orthopädischer Sicht sei in «Würdigung» genannter Schonkriterien in einer körperlich leichten wechselnd belastenden, überwiegend sitzend ausge
führten Tätigkeit der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsfähig.
A
us interdiszipli
närer
Sicht bestünden dabei bezüglich
Gesamt-Arbeitsunfähigkei
t
keine nen
nenswerten Interferenzen.
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
(Verlaufs-)
Gutachten des
I._
vom 3
0.
Mai 2018
erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E.
1.5), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers auseinander, berücksichtigt auch die medizinischen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Ein
klang steht. Insgesamt reiht sich das Gutachten
auch mit Blick auf das
etwas mehr als vier Jahre zuvor erstellte G
utachten
der
Dr
e
s
.
med.
A._
und
B._
nach
vollziehbar in die medizinische Aktenlage ein.
Dabei zeigten sich bereit
s
anläss
lich der Erstbegutachtung
erhebliche
Diskrepanzen
zwischen dem subjektiven
Beschwerdevortrag
,
der
das Störungsbild einer schweren Depression vermuten
liess
,
gegenüber
den
o
bjektiven Untersuchungsbefunden
, die lediglich
ein
leichtes depressives Geschehen
ausgewiesen haben
.
E
rheblich mitprägende
p
sychosoziale Belastungsfaktoren
wurden bereits damals aufgeführt
,
indem auf
hohe Schulden,
zwe
i gescheiterte Ehen,
wenig Kontinuität im Be
rufsleben und
die Erkenntnis
, dass
der
bisherige
«Lebensplan»
nicht ausgereicht hat, um eine
stabile psychoso
ziale Situation zu ermöglichen
, hingewiesen
wurde
.
Kritisch
äusserte sich der psychiatrische Vorgutachter
auch zur diagnostizierten
posttraumatische
n
Belas
tungsstörung
,
insofern
überhaupt den
Angaben des Beschwerdeführers
betreffend
traumatisierende Erfahrungen
gefolgt werden konnte
und ungeachtet dessen
, dass
dieser
nach seiner Einreise in die Schweiz
im Jahr
1990
stetig ha
t
arbeiten und immer wieder
auch
in neue Beziehungen
hat
investieren können.
Eine
q
ualitative Funktionseinbusse
aufgrund der diagnostizie
rten P
osttraumatischen Belastungsstörung
wurde
folglich nicht gesehen und Einschränkungen lediglich im Rahmen des
depressiven
Geschehens berücksichtigt
. Sodann wurde davon ausgegangen, dass bei entsprechender Behandlung von einer Remission der depressiven Symptomatik auszugehen
ist
(vgl.
Urk.
7/43/15 f
f
.).
N
ur unwesentlich anders zeigt
sich die
psychiatrische
Befundlage
auch
im Verlaufsgutachten
. Nach wie
vor
beklag
t der Beschwerdeführer
eine schwierige psychosoziale Situation mit beruflicher
Perspektivlosigkeit, familiärem
Scheitern, finanziellen Problemen mit hohen Schulden und subjektiv empfundener Auswegs- und Hoffnungslosig
keit auf ein besseres Leben
(vgl.
Urk.
7/122/93)
.
Zur vordiagnostizierten
Post
traumatischen
Belastungsstörung zeigte der Gutachter
dabei
plausibel a
uf, dass
aufgrund der erhobenen Untersuchungsbefunde
eine entsprechende Diagnose unter den Kriterien gemäss
Klassifikation psychischer Störungen nach ICD-10
nicht zu stellen ist.
Daran vermag auch
der Hinweis auf eine andere Definition der PTSD (
p
ost
traumatic
stress
disorder
)
des
behandelnden Arzt
Dr.
Z._
in seiner Stellung
nahme
zum Gutachten
vom
1
3.
November 2018 (
Urk.
7/135)
nichts zu ändern.
Insofern er
vermutet
, eine Depression
sei vom Gutachter
lediglich
deshalb akzep
tiert worden
,
da
diese
nicht leistungsrelevant
sei und
eine
(leistungsauslösende)
PTSD
deshalb
verneint
worden
und auch der Vorwurf eines «detektivischen Herausarbeiten
s
von Problemen mit der Konsistenz und Plausibilität»
(S. 1 f.)
,
vermag dies
in verschiedener Hinsicht
nicht zu überzeugen
. Denn in Bezug auf den
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
ist
neben der
einwand
frei festgestellte
n
psychische
n Erkrankung nach einem anerkannten Klassifi
kationssystem im
Einzelfall
entscheidend,
ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen
, wobei das
Leistungsvermögen
grundsätz
lich anhand von
Standardindikatoren
zu prüfen ist (
vgl.
E. 1.2 hiervor).
Dabei
kann
der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt
(
BGE 141 V 281
)
.
Der Konsistenz und Plausibilität kommt damit besondere Bedeutung zu und deren Herausarbei
tung wird im Rahmen der fachpsychiatrischen Untersuchung
durch
den s
achver
ständigen
Facharzt
zur versicherungsm
edizinischen Beurteilung
geradezu
gefor
dert
und kann ihm
folglich auch
nicht entgegengehalten werden
.
A
bweichende
Erkenntnisse ergeben sich diesbezüglich
auch aus
dem Bericht der
C._
(E.
3.3.1),
dem Austrittsbericht des
F._
(E. 3.3.4) und dem
Austrittsbericht der
G._
(
E.
3.3.5)
nicht,
zu welchen der psychiatrische Sachverständige ausführlich Stellung genommen hat (vgl.
Urk.
7/122/101 ff.).
Die
se
Berichterstattung
en
setzt
en
sich
namentlich
nicht
näher
mit
dem
bidis
ziplinären
Vorgutachten
und einer seither eingetretenen Veränderung des Gesundheitszustandes
auseinander und es werden einzig das bereits bekannte Verhalten des Beschwerdeführers in der medizinischen Untersuchungssituation und die geklagten Beschwerden zum (medizinischen) Befund erhoben, ohne diese kritisch zu hinterfragen
. Mangels neuer Erkenntnisse geben diese
Bericht auch keinen Anlass für weitere Abklärungen (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
4.2
In
orthopädische
r
Hinsicht zeigte sich
die
Befundlage anlässlich der
Verlaufs
be
gutachtung
im Vergleich zum Vorgutachten
ebenfalls nur unwesentlich verän
dert
.
D
ie
Rückenproblematik
nach lumbaler Operation m
it Repositions-
Spondylodese
und
Dekompressionslaminektomie
L5/S1 sowie eine progrediente
Diskusprotrusion
L4/L5
wurde
n
bereits
im Vorgutachten
beschrieben
und den
Limitierungen
insofern Rechnung
getragen
,
als das Belastungsprofil
auf
wechsel
belastende Tätigkeiten
mit Heben oder Tragen von Gewichten
bis zu
10
kg
beschränkt wurde
(vgl. E. 3.2.1 f.).
Die aktuelle Bildgebung der LWS mittel
s
MRI zeigt
e
zwar
eine
fortgeschrittene
epifusionale
Osteochondrose
im Segment L4/L5
sowie
nunmehr
eine moderate
Kompression der Nervenwurzeln L
4.
Der Sachver
ständige s
ah sich deshalb veranlasst
,
Schonkriterien für
wirbelsäulenbelastenden Tätigkeiten
zu formulieren
. A
nsonsten
war aus orthopä
discher Sicht weiterhin
in einer
körperlich leichten wechselnd belastenden, über
wiegend sitzend ausgeführten Tätigkeit
eine
100%ige Arbeits
fähigkeit zu attes
tieren
.
Dies erscheint
nachvollziehbar
und in somatischer Hinsicht ergeben sich diesbezüglich auch keine konträren Ansichten.
4.3
Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, nicht auf das
bidisziplinäre
Gut
achten des
I._
abzustellen. Es legt einleuchtend dar, dass einzig
auf
orthopädischem Fachgebiet Einschränkungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu attestieren waren. Nachvollziehbar sind auch die Beschränkungen im Belastungsprofil.
4.4
Soweit der Beschwerdeführer
vorbringt
, es sei unrealistisch,
dass er angesichts des
Belastungsprofil
s
und der
Schonkriterien
eine Tätigkeit finden könne
(
vgl.
Urk.
1
S. 7 f.), ist dem entgegenzuhalten, dass auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt
im
breiten
Sektor von Hilfsarbeitertätigkeiten, wie sie der Beschwerdefüh
rer auch als Lagerist
,
Magaziner
, Allrounder,
Staplerfahrer
ausgeübt hatte
(vgl.
Urk.
7/47),
genügend realistische
Betätigungsmöglichkeiten
offen stehen
.
So sind ihm g
emäss dem medizinischen Belastungsprofil
grundsätzlich alle eher leichte
ren
wechselbelastende
n
Tätigkeiten
in einem Vollzeitpensum
zumutbar. Die zu
sätzlichen als Schonkriterien
formulierten Einschränkungen
sind zwar
zahlreich,
beschränken sich aber im Wesentlichen auf spezifische Arbeiten
wie solche
mit
stereotype
n
Bewegungsabläufe
n
,
repetitivem
Bücken, Kauern und Hocken, Vibrationsbelastung
en,
Pressen oder Stemmen,
Besteigen von Leitern und Arbei
ten, die
ohne Schutz vor Kälte, Zugluft und
Nässe
im Freien durchgeführt werden müssen.
Daraus kann
jedoch nicht
abgeleitet
werden, dass
die
verblei
ben
d
e Arbeitskraft bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage wirtschaftlich
nicht mehr ver
wertbar ist. Weitere
Gründe, die zu einer anderen Betrachtungsweise Anlass geben
könnten
, werden keine vorgebracht. Damit ist auch die
Schlussfolgerung
der Beschwerdegegnerin, dass
der Beschwerdeführer
die verbliebene Arbeitskraft bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage wirtschaftlich
weiterhin verwerten kann
,
nicht zu beanstanden und es ist ihr auch
nicht vorzuhalten
,
konkrete
Arbeitsge
legenheiten und Verdienstaussichten
nicht weiter präzisiert respektive präsentiert zu haben
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2008 vom
4.
August
2008 E.
5.1
.).
4.5
Zusammenfassend steht fest, dass
nach
wie vor
keine Arbeitsunfähigkeit vorliegt, aus der sich ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ergibt. Dies führt zu Abwei
sung der Beschwerde.
5.
Das Verfahren ist kostenpflichtig und die Gerichtskosten sind dabei nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und vorliegend auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Die Voraussetzungen zur Gewährung der unentg
eltlichen Rechtspflege gemäss §
16
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind vor
liegend erfüllt (vgl.
Urk.
1 S. 2 und
Urk.
3), weshalb dem Beschwerdeführer an
tragsgemäss die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen ist. Zufolge Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung sind die ihm auferlegten Gerichtskosten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Prozesskosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.