Decision ID: 9f183e2d-06dd-4e3c-bcc0-c9ec5ca82cb6
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
X. wird vorgeworfen, am 3. September 2014 in seinem "Facebook"-Profil in einem
Kommentar zu einem Artikel der Zeitung A. über die Enthauptung eines amerikanischen
Journalisten durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" geschrieben zu haben: "mir
kommt gleich das kotzen....wann wird diese religion endlich ausgerottet?!?"
Ausserdem soll er am 1. Oktober 2014 in seinem "Facebook"-Profil ein Bild mit
folgendem Textinhalt veröffentlicht haben: "Weisheit des Tages: Hast du Allah in der
Birne, ist kein Platz mehr fürs Gehirne." Vorgeworfen wird ihm zudem, dass er am 9.
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September 2013 bei einem auf einer islamfeindlichen "Facebook"-Seite durch
Anklicken des "gefällt mir"-Buttons folgenden Kommentar unterstützt habe:
"Mohammedaner sind perverse und kriminelle Vergewaltiger und Kinderschänder,
sonst nichts! Der Schizlam ist keine 'Religion', sondern eine gemeingefährliche
orientalische Gehirnerkrankung!!! Der Schizlam und seine Anhänger müssen endlich
allesamt weg aus Europa!!!". Das Kantonsgericht spricht den Beschuldigten von der
Anklage der Rassendiskriminierung hinsichtlich der "gefällt mir"-Kommentierung frei.
Im Übrigen erklärt ihn das Kantonsgericht der mehrfachen Rassendiskriminierung
schuldig und verurteilt ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 55 Tagessätzen zu je Fr.
140.00.

Aus den Erwägungen:
III.
1. a) Gemäss Art. 261 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer öffentlich gegen eine
Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion zu
Hass oder Diskriminierung aufruft.
Die Bestimmung richtet sich gegen die rassistische Hetze (BSK StGB II-Schleiminger
Mettler, 3. Aufl., Art. 261 N 33). Das "Aufrufen" bzw. "Aufreizen" ("inciter" und
"incitare" in den lateinischen Gesetzestexten) bezeichnet das nachhaltige und
eindringliche Einwirken auf Menschen mit dem Ziel oder der Wirkung, eine feindselige
Haltung – sei diese nun intellektuell oder emotional begründet – gegenüber einer
bestimmten Person oder Personengruppe aufgrund ihrer rassischen, ethnischen oder
religiösen Zugehörigkeit zu vermitteln oder ein entsprechend feindseliges Klima für die
Betroffenen zu schaffen oder zu verstärken (Niggli, Rassendiskriminierung, 2. Aufl., Rz
1069). Massgebend ist, dass der Eindruck geschaffen werden soll, die betroffenen
Personen oder Gruppen seien minderwertige Wesen. Im Extremfall wird ihnen jegliche
Menschenwürde, sogar das Existenzrecht, abgesprochen (BGE 124 IV 121 E. 2.b).
b) Gemäss Art. 261 Abs. 4 erste Hälfte StGB wird bestraft, wer öffentlich durch Wort,
Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine
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Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die
Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert.
Der Tatbestand schützt die angeborene Würde und Gleichheit aller Menschen. Im
Lichte dieser Zielsetzung erscheinen als Herabsetzung oder Diskriminierung im Sinne
des Tatbestandes alle Verhaltensweisen, durch welche den Angehörigen einer
Bevölkerungsgruppe aufgrund ihrer Rasse, Ethnie oder Religion die Gleichwertigkeit als
menschliche Wesen oder die Gleichberechtigung in Bezug auf die Menschenrechte
abgesprochen oder zumindest in Frage gestellt wird (BGE 131 IV 23 E. 3). In der
politischen Auseinandersetzung ist eine Herabsetzung oder Diskriminierung nicht
leichthin zu bejahen. Jedenfalls erfüllt den Tatbestand nicht bereits, wer über eine von
dieser Norm geschützte Gruppe etwas Unvorteilhaftes äussert, solange die Kritik
insgesamt sachlich bleibt und sich auf objektive Gründe stützt (BGE 131 IV 23 E. 3.1
mit Hinweisen).
c) Die beiden Tatbestandsvarianten nach Art. 261 Abs. 1 und Abs. 4 erste Hälfte
StGB unterscheiden sich durch ihre grundsätzliche Ausrichtung. Die Variante nach
Absatz 1 lässt sich als rassistische Hetze qualifizieren. Sie richtet sich an die
Öffentlichkeit, ist eine Form der Verbreitung rassendiskriminierender Ideen, weshalb ihr
ein gewisses werbendes Element innewohnt. Soll hingegen die Tathandlung nur selbst
diskriminieren oder herabsetzen, ohne dass damit über das Diskriminieren bzw.
Herabsetzen hinaus eine weitere Öffentlichkeit im gleichen Sinne beeinflusst werden
soll, so ist Absatz 4 anzuwenden (Niggli, a.a.O., Rz 1089 ff. mit Hinweisen).
d) Subjektiv ist bei beiden Tatbestandsvarianten nach Art. 261 Abs. 1 bzw. Abs. 4
erste Hälfte StGB vorsätzliches Handeln erforderlich, wobei Eventualvorsatz genügt
(BGE 124 IV 121 E. 2.b; 123 IV 202 E. 4.c; Weder, in: Donatsch/Flachsmann/Hug/Mau
rer/Riesen-Kupper/Weder, StGB Kommentar, 19. Aufl., Art. 261 N 17; differenzierend,
indem sie bei Absatz 1 für das Tatbestandsmerkmal der Öffentlichkeit [als Adressat] ein
zielgerichtetes Handeln im Sinne eines direkten Vorsatzes verlangen: BSK StGB II-
Schleiminger Mettler, Art. 261 N 37, und Niggli, a.a.O., Rz 1667).
e) Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261 StGB ist – mit Ausnahme der
Leistungsverweigerung gemäss Absatz 5 – nur strafbar, wenn sie öffentlich begangen
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wird. Öffentlich sind Äusserungen und Verhaltensweisen nach allgemeiner Auffassung,
wenn sie von unbestimmt vielen Personen oder von einem grösseren, nicht durch
persönliche Beziehungen zusammenhängenden Personenkreis wahrgenommen
werden können. In Bezug auf den Tatbestand der Rassendiskriminierung im
Besonderen geht die neuere Rechtsprechung mit Rücksicht auf das geschützte
Rechtsgut der Menschenwürde von einem etwas weiteren Begriff der Öffentlichkeit
aus. Öffentlich sind danach Äusserungen und Verhaltensweisen, die nicht im privaten
Rahmen erfolgen. Privat sind Äusserungen und Verhaltensweisen im Familien- und
Freundeskreis oder sonst in einem durch persönliche Beziehungen oder besonderes
Vertrauen geprägten Umfeld (BGE 133 IV 308 E. 8.3).
f) Eine Äusserung oder Verhaltensweise kann den Tatbestand von Art. 261 Abs. 1
bzw. Abs. 4 erste Hälfte StGB nur erfüllen, wenn sie vom unbefangenen
durchschnittlichen Dritten aufgrund der gesamten konkreten Umstände als
rassendiskriminierender Akt erkannt wird. Dies ergibt sich auch aus dem Erfordernis
der Öffentlichkeit, denn öffentlich ist eine Rassendiskriminierung nur, wenn sie von der
Öffentlichkeit als solche wahrgenommen wird (BGE 133 IV 308 E. 8.4).
Mündliche und schriftliche Äusserungen können mehrdeutig sein. Für die
strafrechtliche Beurteilung einer Äusserung ist nach der ständigen Rechtsprechung des
Bundesgerichts grundsätzlich der Sinn massgebend, welchen ihr der unbefangene
durchschnittliche Dritte unter den gesamten konkreten Umständen beilegt. Erfüllt die in
diesem Sinne verstandene Äusserung einen bestimmten objektiven Straftatbestand, so
ist zu prüfen, ob ihr Urheber auch den erforderlichen subjektiven Tatbestand erfüllt.
Genügt insoweit Eventualvorsatz, so ist der subjektive Tatbestand erfüllt, wenn der
Urheber der Äusserung eine Interpretation in dem Sinne, in welchem sie vom
unbefangenen durchschnittlichen Dritten verstanden wird, in Kauf genommen hat. Dies
gilt etwa bei der üblen Nachrede (BGE 131 IV 160 E. 3.3.3) und bei unlauteren Angaben
(vgl. BGE 124 IV 162 E. 3, 123 IV 211).
Diese Grundsätze gelten auch bei Äusserungen, die unter dem Gesichtspunkt der
Rassendiskriminierung relevant sein können (BGE 131 IV 23). Eine Äusserung in der
Öffentlichkeit erfüllt mithin den Tatbestand der Rassendiskriminierung im Sinne von Art.
261 Abs. 1 oder Abs. 4 erste Hälfte StGB, wenn sie von einem unbefangenen
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durchschnittlichen Dritten unter den gesamten konkreten Umständen in einem
rassendiskriminierenden Sinne verstanden wird und der Beschuldigte eine
Interpretation seiner Äusserung in diesem Sinne in Kauf genommen hat (BGE 133 IV
308 E. 8.5.1).
2. a) Am 3. September 2014 um 12.34 Uhr veröffentlichte ("postete") der Beschuldigte
in seinem "Facebook"-Profil einen Artikel der Zeitung A. über die vor laufender Kamera
ausgeführte Enthauptung eines amerikanischen Journalisten durch die Terrormiliz
"Islamischer Staat". Er schrieb dazu den Kommentar "mir kommt gleich das
kotzen....wann wird diese religion endlich ausgerottet?!?" und löste damit eine rege
Diskussion aus. Um 12.41 Uhr wies ein Kommentator darauf hin, dass der "Islamische
Staat" keine Religion im Sinne einer islamischen Glaubensrichtung sei, sondern eine
politische Ideologie. Der Beschuldigte antwortete darauf um 13.08 Uhr: "Der Islam ist
eben politisch und somit wird er nie in eine Demokratie passen. Wo sind denn nun die
gemässigten muslimischen Verbände? Das absolute Minimum wäre doch eine klare
Distanzierung von dieser Terrormiliz und eine Verurteilung all dieser Gräueltaten.
Vielleicht ist es zwar doch besser zu schweigen als uns eine Distanzierung
vorzugaukeln...". Auf weitere Kommentare, welche die Ausrottung einer Religion als
nicht akzeptabel bezeichneten bzw. dem Beschuldigten eine Mässigung seiner
Wortwahl empfahlen, antwortete dieser um 14.35 Uhr, dass der Islam – im Gegensatz
zum Christentum, welches sich seit den Kreuzzügen reformiert habe – "nicht
reformierbar" sei. Im weiteren Verlauf der Diskussion hielt er ausserdem um 15.12 Uhr
fest, dass man "dem Islam nicht noch Jahrhunderte Reformrückstand zugestehen"
dürfe.
Die Anklageschrift nennt in diesem Zusammenhang zwei weitere Äusserungen, die der
Beschuldigte auf seiner "Facebook"-Seite machte. Am 8. September 2014 schlug er
ein gesetzliches Verbot des Islam vor, den er als Sekte bezeichnete. Am 24. September
2014 veröffentlichte er Bilder, auf denen angeblich ein nicht muslimisches Baby von
einem Moslem zu Tode getreten wird, und schrieb dazu, er komme immer mehr zum
Schluss, dass diese "Satansreligion" gesetzlich verboten gehöre.
b) Nach dem Anklagegrundsatz kann eine Straftat nur gerichtlich beurteilt werden,
wenn die Staatsanwaltschaft gegen eine bestimmte Person wegen eines genau
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umschriebenen Sachverhalts beim zuständigen Gericht Anklage erhoben hat (Art. 9
Abs. 1 StPO). Die Anklageschrift bezeichnet "möglichst kurz, aber genau: die der
beschuldigten Person vorgeworfenen Taten, mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit,
Art und Folgen der Tatausführung" (Art. 325 Abs. 1 lit. f. StPO). Die Anklageschrift
bestimmt den Gegenstand des Gerichtsverfahrens und bezweckt den Schutz der
Verteidigungsrechte. Zu beurteilen ist jeweils die konkrete Anklageschrift. Solange für
die beschuldigte Person klar ist, welcher Sachverhalt ihr vorgeworfen wird, kann auch
eine fehlerhafte und unpräzise Anklage nicht dazu führen, dass es zu keinem
Schuldspruch kommen darf; entscheidend ist, dass für die beschuldigte Person keine
Zweifel darüber bestehen, welches Verhalten ihr vorgeworfen wird. Die nähere
Begründung der Anklage erfolgt erst an Schranken. Letztlich ist es Sache des Gerichts,
den Sachverhalt verbindlich festzustellen (BGer 6B_4/2016 E. 2.2 mit Hinweisen).
Aus der Anklageschrift erschliesst sich vorliegend nicht mit der nötigen Klarheit, was
dem Beschuldigten genau vorgeworfen wird. Im Abschnitt "Sachverhalt" werden, wie
vorstehend dargelegt (E. III.2.a), nicht weniger als sechs Äusserungen genannt, die der
Beschuldigte innerhalb eines Zeitraums von drei Wochen auf seiner "Facebook"-Seite
gemacht hatte. Im Abschnitt "Tatbestand" wird dann lediglich ausgeführt, dass der
Beschuldigte sich "mit diesem Verhalten" der Rassendiskriminierung gemäss Art.
261 Abs. 1 StGB schuldig gemacht habe. Da keine Äusserungen speziell genannt
wird, könnte daraus geschlossen werden, dass sämtliche Äusserungen Gegenstand
der Anklage bilden. Andererseits wird dem Beschuldigten in diesem Anklagepunkt
nicht eine mehrfache Rassendiskriminierung vorgeworfen, und Tateinheit kann
angesichts des langen Zeitraums, in welchem die Äusserungen gemacht wurden,
ebenfalls nicht angenommen werden. Für sich allein betrachtet erscheint die Anklage
daher mangelhaft, denn der Beschuldigte kann ihr nicht entnehmen, mit welcher der
genannten Äusserungen er den Tatbestand erfüllt haben soll. Die Anklageschrift hätte
deshalb von der Vorinstanz richtigerweise zur Ergänzung bzw. Präzisierung
zurückgewiesen werden müssen (Art. 329 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 StPO; BGer
6B_710/2015 E. 1).
Aus den vorinstanzlichen Akten ist nun allerdings ersichtlich, dass nicht nur die Vor
instanz, sondern auch die Parteien offenkundig lediglich einer der fraglichen
Äusserungen rassendiskriminierenden Charakter beigemessen haben. So befasste sich
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bereits das erstinstanzliche Plädoyer des Staatsanwalts zur Tatbestandsmässigkeit in
diesem Anklagepunkt auschliesslich mit der ersten vom Beschuldigten gemachten
Äusserung ("mir kommt gleich das kotzen....wann wird diese religion endlich
ausgerottet?!?"). Soweit der Vertreter der Anklage andere Äusserungen des
Beschuldigten aus diesem Anklagesachverhalt erwähnte, ging es ihm lediglich darum,
die persönliche Einstellung und damit Indizien für den Vorsatz des Beschuldigten
aufzuzeigen. Insofern liegt durchaus eine Präzisierung der Anklage vor, wobei auch zu
berücksichtigen ist, dass die genannte Äusserung als einzige für eine Qualifikation als
rassistische Hetze im Sinne von Art. 261 Abs. 1 StGB in Betracht fällt. In diesem
Sinne hat der Beschuldigte bzw. sein Verteidiger die Anklage auch verstanden, denn in
seinem vorinstanzlichen Plädoyer befasste er sich im Wesentlichen ebenfalls nur mit
der erwähnten Äusserung. Schliesslich hat auch die Vorinstanz den angeklagten
Tatbestand ausschliesslich durch diese Äusserung als erfüllt angesehen. Nur diese
kann deshalb Gegenstand des Berufungsverfahrens bilden. Unter diesen Umständen
erscheint die Anklage trotz der ursprünglichen Mangelhaftigkeit ausreichend bestimmt.
Dem Beschuldigten war es möglich, sich gegen den von der Anklage erhobenen
Vorwurf zu verteidigen.
c/aa) Die umstrittene Äusserung ("mir kommt gleich das kotzen....wann wird diese
religion endlich ausgerottet?!?") richtet sich gegen den Islam bzw. die Angehörigen
dieses Glaubensbekenntnisses. Der Islam wird in der Äusserung zwar nicht direkt
erwähnt. Dass nur diese Religion gemeint sein kann, ergibt sich jedoch durch die
Verknüpfung mit dem Bericht über eine Gräueltat der Terrormiliz "Islamischer Staat",
ebenso durch die nachfolgende Diskussion.
bb) Der Beschuldigte macht geltend, dass er mit seiner Äusserung nicht den Islam als
Ganzes gemeint, sondern lediglich zur Bekämpfung des terroristischen "Islamischen
Staats" aufgefordert habe. Diese Argumentation kann nicht überzeugen. Ein
unbefangener durchschnittlicher Leser muss aus der erwähnten Äusserung schliessen,
dass der Beschuldigte sich nicht nur gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat", sondern
auch gegen den Islam als solchen stellt. Dies ergibt sich bereits aus dem Wortlaut des
inkriminierten Satzes, der explizit die "religion" und nicht die Terrormiliz nennt. Aber
auch der weitere Verlauf der Diskussion (vgl. oben E. III. 2.a) macht deutlich, dass der
Beschuldigte den Islam selbst meint. Daran ändert auch nichts, dass der Auslöser für
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den Kommentar des Beschuldigten ein grausames Enthauptungsvideo des „IS“ war.
Denn obwohl der Beschuldigte darauf hingewiesen wird, zwischen der Terrormiliz als
politischer Ideologie und dem Islam als Religion zu differenzieren, stellt er beide auf die
gleiche Ebene und bezeichnet den Islam als mit der Demokratie nicht vereinbar. Zur
Differenzierung war er selbst dann nicht bereit, als Kommentatoren die Ausrottung
einer Religion als inakzeptabel bezeichneten und ihm eine Mässigung seiner Wortwahl
empfahlen. Dies unterstreicht, dass der Beschuldigte seine Äusserung durchaus (auch)
auf den Islam bezog. In einer staatsanwaltschaftlichen Einvernahme erklärte er denn
auch ausdrücklich, dass für ihn eine strikte Trennung zwischen Islam und Terroristen
nicht möglich sei.
cc) Nicht gefolgt werden kann der Verteidigung ferner, wenn sie geltend macht, dass
die Äusserung des Beschuldigten sich höchstens auf den Islam als Religion bezogen
habe, dass Art. 261 StGB jedoch nicht eine Religion als solche, sondern nur ihre
Angehörigen vor Diskriminierung schütze. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend
festhielt, hat "ausrotten" die Bedeutung von "vollständig, bis zum letzten Exemplar
vernichten, vertilgen". Verwendet wird das Verb typischerweise mit Objekten wie
"Ungeziefer", "Unkraut" oder "Feinden" (vgl. Duden, Deutsches Universalwörterbuch,
Mannheim/Wien/Zürich 1989, S. 188). Es ist somit negativ konnotiert. Hätte der
Beschuldigte sich nur gegen den Islam als Religion aussprechen wollen, hätte er
diesen ablehnen oder allenfalls auch dessen Verbot fordern können. Mit der
drastischen Forderung der Ausrottung zielte er indessen auch auf die Angehörigen
dieses Glaubensbekenntnisses. Auch wenn man ihm nicht unterstellen mag, dass er
deren gewaltsame physische Vernichtung postulierte (ein Kommentator bezeichnet es
allerdings als "Genozid", den der Beschuldigte fordere), so spricht er ihnen dennoch
das Existenzrecht ab. Damit werden die betreffenden Religionsangehörigen in ihrer
Würde und in ihrem Anspruch auf Gleichwertigkeit herabgesetzt. Zu Recht nimmt die
Vorinstanz aber auch an, dass die Forderung der Ausrottung ein werbendes, ja
hetzerisches Element enthält, weshalb die Äusserung unter die Tatbestandsvariante
von Art. 261 Abs. 1 StGB fällt (vgl. oben E. III.1.a und c).
dd) Auch seitens der Verteidigung ist anerkannt, dass eine öffentliche Äusserung
vorliegt. Das "Facebook"-Profil des Beschuldigten war für alle Personen, die ein
"Facebook"-Konto besitzen, sichtbar. Auf den betreffenden Beitrag hat der
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Beschuldigte nach eigenen Angaben auch mehr als 500 Rückmeldungen erhalten. Die
Äusserung erfolgte damit nicht im Familien- oder Freundeskreis oder sonst in einem
durch persönliche Beziehungen oder besonderes Vertrauen begründeten Umfeld. Mit
Rücksicht auf den erweiterten Öffentlichkeitsbegriff gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung (oben E. III.1.e) ist deshalb von einer öffentlichen Äusserung
auszugehen.
ee) Der Beschuldigte hat seine Äusserung mit Wissen und Willen in sein "Facebook"-
Profil gestellt und damit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Er musste sich auch
bewusst gewesen sein, dass die Äusserung Angehörige des islamischen
Glaubensbekenntnisses herabsetzte und geeignet war, Ressentiments diesen
gegenüber zu schüren. Der Tatbestand von Art. 261 Abs. 1 StGB ist damit auch
subjektiv erfüllt.
ff) Da keine Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe erkennbar sind, ist der
Beschuldigte der Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261 Abs. 1 StGB schuldig
zu erklären.
3. a) Am 1. Oktober 2014 um 17.40 Uhr veröffentlichte der Beschuldigte auf seinem
"Facebook"-Profil ein Textbild mit folgendem Inhalt: "Weisheit der Tages: 'Hast Du
Allah in der Birne, ist kein Platz mehr für's Gehirne.' ". Der Sachverhalt ist vom
Beschuldigten anerkannt.
b) Nach Auffassung der Anklage werden mit der fraglichen Äusserung alle an Allah
glaubenden Personen als "hirnlos" bezeichnet. Muslimen werde damit pauschal
unterstellt, nicht rational denken und handeln zu können. Mit der Äusserung werde die
generelle Minderwertigkeit dieser Menschen zum Ausdruck gebracht. Der Beschuldigte
habe sich deshalb der Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261 Abs. 4 StGB
schuldig gemacht.
Die Verteidigung macht geltend, dass nicht jede Bemerkung, die unangebracht oder
vielleicht gar verletzend ist, den Tatbestand erfüllen könne. Dieser setze voraus, dass
die Herabsetzung krass, in einer gegen die Menschenwürde verstossenden und
verabscheuungswürdigen Weise erfolge. Der Text sei humoristisch bzw. satirisch
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gemeint gewesen, was bereits die Überschrift “Weisheit des Tages“ impliziere, und
habe den Punkt aufgreifen sollen, dass radikal Gläubige dazu neigen können, die
angeblichen Gebote ihrer Religion nicht mehr verstandesmässig zu hinterfragen.
Solche “Sprüche“ oder “Weisheiten“ seien auf „Facebook“ beliebt. Der
Durchschnittsadressat fasse diesen „Spruch“ als (vielleicht schlechten) Witz auf.
Niemand verstehe diesen Reim so, dass Muslime weniger intelligent, minderwertig oder
nicht gleichwertig zu Nicht-Muslimen seien. Der Beschuldigte habe – wenn schon –
gemeint, dass jemand „dumm“ sei, der nur Allah im Kopfe habe. Und selbst wenn er,
wortwörtlich genommen, Muslime als „hirnlos“ und damit als „nicht intelligent“
bezeichnen hätte wollen, wäre es nicht rassendiskriminierend bzw. strafbar. Jemanden
als „dumm“ zu bezeichnen sei nicht gleichbedeutend damit, ihm die Eigenschaft als
gleichwertiges, menschliches Wesen abzusprechen. Bei extensiver Auslegung der
Strafnorm würden auch unzählige (schlechte) Witze über Juden und Christen
darunterfallen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass der Beschuldigten diesen „Spruch“
auch als Reaktion auf die grausamen Anschläge in Paris „gepostet“ habe. Dieser sei
gegen den „IS“ gerichtet gewesen und habe verdeutlichen sollen, dass dessen
Anhänger blind die angeblichen Gebote ihres Glaubens befolgen und unglaublich
brutale Taten verüben würden.
c) Die Vorinstanz hat sich auch in diesem Punkt zu Recht der Auffassung der Anklage
angeschlossen. Die Äusserung des Beschuldigten kann nur dahin interpretiert werden,
dass er Muslime pauschal als "hirnlos" abqualifizieren möchte. Die Fähigkeit,
eigenständig zu denken, wird ihnen damit abgesprochen. Dies impliziert, wie die
Vorinstanz zutreffend festhält, die Minderwertigkeit der ganzen Gruppe der Muslime
und setzt diese auf eine Weise herab, welche ihre Würde als Menschen verletzt. Die
Vorinstanz hat richtigerweise auch berücksichtigt, in welchem Kontext die Äusserung
gemacht wurde. So war sie nicht Bestandteil einer sachlichen Auseinandersetzung,
innerhalb derer sie allenfalls als (verunglückte) humoristische Zuspitzung betrachtet
werden könnte. Vielmehr ordnet sie sich ein in eine Reihe anderer islamfeindlicher
Äusserungen, die der Beschuldigte auf seiner "Facebook"-Seite veröffentlicht hat
(siehe oben E. III.2.a). Für einen unbefangenen durchschnittlichen Dritten erschöpft sich
der Inhalt der fraglichen Äusserung, die der Beschuldigte als "Weisheit des Tages"
ausgegeben hat, in einer reinen Herabsetzung. Dies war ganz offensichtlich auch die
Intention des Beschuldigten. Der Tatbestand der Rassendiskriminierung im Sinne von
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Art. 261 Abs. 4 erste Hälfte StGB ist damit objektiv wie subjektiv erfüllt. Anders beim
vorstehend (E. III.2) behandelten Sachverhalt geht die Äusserung nicht über das
Diskriminieren bzw. Herabsetzen hinaus, beinhaltet also keine eigentliche Hetze,
weshalb sie nicht unter Abs. 1 der genannten Bestimmung fällt (siehe oben E. III.1.c).
d) Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind auch hier nicht erkennbar.
Insbesondere geht die sinngemässe Berufung des Beschuldigten auf die
Meinungsäusserungsfreiheit fehl, da er die Äusserung wie dargelegt nicht im Rahmen
einer sachlichen Diskussion gemacht hat. Der Äusserung kann aber auch kein
satirischer Charakter beigemessen werden, welcher unter Umständen – dies im
Rahmen der Meinungsäusserungsfreiheit – einen Rechtfertigungsgrund liefern könnte
(vgl. BGer 5A_376/2013 E. 5.2 zur Abgrenzung der Satire und des Humors von der
blossen Schmähkritik). Sie erschöpft sich vielmehr, wie dargelegt, in der Herabsetzung.
Der Beschuldigte ist deshalb der Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261 Abs. 4
erste Hälfte StGB schuldig zu erklären.
4. a) Der dritte Anklagesachverhalt wird in der Anklageschrift vom 24. Februar 2015 wie
folgt umschrieben:
Am 9. September 2013 verlinkte die islamfeindliche Facebook-Seite B. einen Artikel der
Zeitung C. und kommentierte dazu: "Mohammedaner sind perverse und kriminelle
Vergewaltiger und Kinderschänder, sonst nichts! Der Schizlam ist keine "Religion",
sondern eine gemeingefährliche orientalische Gehirnerkrankung!!! Der Schizlam und
seine Anhänger müssen endlich allesamt weg aus Europa!!!" Der Beschuldigte klickte
diesen Kommentar mit "gefällt mir" an.
Diese Facebookseite war zu diesem Zeitpunkt aber auch danach öffentlich zugänglich
für jede Person, welche über einen Facebook-Account verfügte. In gleicher Weise war
mindestens bis 21. November 2014 öffentlich ersichtlich, dass der Beschuldigte den
erwähnten Beitrag auf dieser Facebookseite mit "gefällt mir" angeklickt hatte, was der
Beschuldigte wusste und wollte.
Indem der Beschuldigte diesen Kommentar, welcher pauschal alle Muslime als
Kriminelle und "Gehirnkranke" abstempelt und deren Vertreibung aus Europa fordert,
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mit "gefällt mir" anklickte, unterstützte er die darin zum Ausdruck gebrachte
moslemfeindliche Haltung. Er setzte damit selber die Gemeinschaft der Muslime und
Muslima herab und trug bewusst zur Stimmungsmache gegen diese
Religionsangehörigen bei.
Die Anklage hält dafür, dass der Beschuldigte sich damit der Rassendiskriminierung
gemäss Art. 261 Abs. 1 StGB schuldig gemacht habe.
b) Der auf der erwähnten "Facebook"-Seite veröffentlichte und in der Anklageschrift
wörtlich wiedergegebene Kommentar ist als solcher fraglos tatbestandsmässig:
Muslime werden darin pauschal als Vergewaltiger und Kinderschänder tituliert. Der
Islam wird durchwegs "Schizlam" genannt und als "gemeingefährliche orientalische
Hirnerkrankung" bezeichnet. Der Kommentar beschränkt sich aber nicht auf diese
abwertenden Äusserungen. Mit der Forderung, alle Muslime müssten "allesamt weg
aus Europa!!!", hat er auch einen werbenden, ja hetzerischen Inhalt und ist damit
tatbestandsmässig im Sinne von Art. 261 Abs. 1 StGB (siehe oben E. III.1.c).
c) Zu prüfen ist allerdings, welches Verhalten dem Beschuldigten in diesem
Zusammenhang vorzuwerfen ist. Der in der Anklage genannte Kommentar wurde nicht
von ihm selbst geschrieben. Er ist nicht dessen Urheber und hat ihn auch nicht
ursprünglich öffentlich gemacht.
aa) Die Anklage sieht das tatbestandsmässige Verhalten darin, dass der Beschuldigte
den von einem Dritten verfassten Text mit "gefällt mir" markiert hatte. Auf der
"Facebook"-Seite, auf welcher der Kommentar veröffentlicht worden war, sei dies
öffentlich ersichtlich gewesen. Der Beschuldigte habe damit die im Kommentar zum
Ausdruck gebrachte moslemfeindliche Haltung unterstützt und zur Stimmungsmache
gegen diese Religionsangehörigen beigetragen. Die Anklage wirft dem Beschuldigten
somit vor, dass er seine den rassendiskriminierenden Text unterstützende Haltung auf
der fremden "Facebook"-Seite öffentlich bekanntgab.
bb) Die Vorinstanz hat ihren Schuldspruch damit begründet, dass es an verschiedenen
Orten sichtbar sei, wenn ein Beitrag von einem Nutzer mit "gefällt mir" markiert werde.
Zum einen könne beim Beitrag selbst eine Liste der Nutzer abgerufen werden, welche
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diese Markierung angebracht hätten. Ausserdem gebe es auf der Profilseite des
markierenden Nutzers im Bereich "Info" einen Abschnitt, in welchem sämtliche "gefällt
mir"-Markierungen angezeigt werden könnten. Schliesslich werde auch bei bestimmten
Freunden des Nutzers und bei Personen, welche dem Benutzer folgen (sog. "Follower",
die ihn "abonniert" haben), im Newsfeed ("Neuigkeiten") eine Benachrichtigung
angezeigt, dass und wo der Nutzer "gefällt mir" geklickt habe. Mit jedem "gefällt mir"
steige zudem die Relevanz eines Beitrags innerhalb des Bewertungssystems von
"Facebook", womit sich die Wahrscheinlichkeit erhöhe, dass der Beitrag bei einem
Dritten angezeigt werde. Das Markieren eines Beitrags mit "gefällt mir" löse somit
unmittelbar eine Weiterverbreitung des markierten Inhalts aus (siehe zur sog. "Like-
Kommentierung" auch Schulte/Kanz, Daumen hoch?! – Die Like-Funktion im sozialen
Netzwerk Facebook aus strafrechtlicher Perspektive, Zeitschrift für das Juristische
Studium 2013/1, S. 24 ff.).
cc) Mit dieser Begründung des Schuldspruchs geht die Vorinstanz nun allerdings weit
über den in der Anklageschrift umschriebenen Sachverhalt hinaus. In der
Anklageschrift wird dem Beschuldigten wie erwähnt lediglich vorgeworfen, dass er auf
der Seite, auf welcher der rassendiskriminierende Text veröffentlicht worden war, seine
Unterstützung für diesen kundtat. Die Anklage wirft dem Beschuldigten aber nicht vor,
dass sein Verhalten in irgendeiner Weise zur Weiterverbreitung des Textes geführt
hätte, sei dies nun durch Einträge auf seiner eigenen "Facebook"-Seite, durch
Benachrichtigung seiner "Follower" oder durch Einflussnahme auf das
Bewertungssystem von "Facebook". Indem die Vorinstanz für ihren Schuldspruch den
zur Anklage gebrachten Sachverhalt durch eigene Überlegungen zur technischen
Funktionsweise von "Facebook" deutlich erweitert, verstösst sie gegen den
Anklagegrundsatz (Art. 9 Abs. 1 StPO; zum Anklagegrundsatz siehe oben E. III.2.b).
Demzufolge kann auch offenbleiben, ob die „gefällt mir“-Kommentierung ein „Aufrufen“
im Sinne von Art. 261 Abs. 1 StGB bzw. unmittelbar eine Weiterverbreitung des
markierten Inhalts ausgelöst hat oder nicht bzw. ob sie hierzu im damaligen Zeitpunkt
(technisch) überhaupt geeignet gewesen wäre.
d) Zu untersuchen ist deshalb nur, ob das Betätigen der "gefällt mir"-Funktion, mit
welchem die Unterstützung für einen rassendiskriminierenden Beitrag auf "Facebook"
kundgetan wird, den Tatbestand der Rassendiskriminierung erfüllt.
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aa) Im Zusammenhang mit dem sog. "Hitlergruss" und mit Blick auf die
Tatbestandsvariante von Art. 261 Abs. 2 StGB (Verbreitung von
rassendiskriminierenden Ideologien) hat das Bundesgericht festgehalten, dass den
Tatbestand nicht schon erfüllt, wer sich öffentlich zu einer rassendiskriminierenden
Ideologie bekennt. Die genannte Tatbestandsvariante setzt voraus, dass der Täter die
rassendiskriminierende Ideologie "verbreitet". Mit der Tathandlung des "Verbreitens" ist
ein "Werben", ein "Propagieren" gemeint. Die Absätze 1 bis 3 von Art. 261 StGB
erfassen die rassendiskriminierende Propaganda in einem weiteren Sinne. Durch die
Propaganda sollen andere Menschen für die geäusserten Gedanken gewonnen oder in
ihrer Überzeugung gefestigt und bestärkt werden (BGE 140 IV 102 E. 2.2.2). Das für die
Erfüllung des Merkmals des "Verbreitens" erforderliche Element der werbenden
Einflussnahme ist nicht schon ohne weiteres gegeben, wenn und weil sich die Gebärde
("Hitlergruss") an unbeteiligte Dritte richtet. Auch in diesem Fall kann sich der Gruss in
einem eigenen Bekenntnis zur damit gekennzeichneten rassendiskriminierenden
Ideologie erschöpfen, denn auch das eigene Bekenntnis in der Öffentlichkeit zeichnet
sich dadurch aus, dass es auf eine Kenntnisnahme durch Dritte gerichtet ist. Ob die
Verwendung des sog. "Hitlergrusses" objektiv und subjektiv lediglich eine Bekundung
eines eigenen Bekenntnisses oder ein tatbestandsmässiges Propagieren und damit
Verbreiten der durch das Symbol gekennzeichneten rassendiskriminierenden Ideologie
ist, hängt von den konkreten Umständen des einzelnen Falles ab (BGE 140 IV 102 E.
2.2.5).
bb) Diese Überlegungen sind auch im vorliegenden Fall massgebend. Die zur Anklage
gebrachte Tatbestandsvariante von Art. 261 Abs. 1 StGB stellt
rassendiskriminierende "Aufrufe" unter Strafe. Sie erfasst, wie das Bundesgericht im
erwähnten Entscheid festhält, ebenfalls rassendiskriminierende Propaganda in einem
weiteren Sinne, weshalb ein blosses Bekenntnis für die Strafbarkeit nicht genügt. Die
Tathandlung des Beschuldigten beschränkte sich darauf, dass er einen auf einer
fremden "Facebook"-Seite veröffentlichten Text mit "gefällt mir" markierte. Er erschien
dadurch mit Namen und Bild in einer bei diesem Text abrufbaren Aufklappliste,
zusammen mit 20 weiteren Personen, die den Text in gleicher Weise kommentiert
hatten. Eine allfällige mit dieser "Like-Kommentierung" verbundene Weiterverbreitung
des rassendiskriminierenden Textes bildet wie dargelegt nicht Gegenstand der Anklage
(siehe oben E. III.4.c). Es kann nun offen bleiben, was der Beschuldigte mit dieser
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
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Kommentierung genau zum Ausdruck bringen wollte. An Schranken der Vorinstanz
behauptete er sinngemäss, dass die Kommentierung nicht als Zustimmung zum Inhalt
des Textes interpretiert werden dürfe, sondern dass er lediglich den Mut des
Verfassers, sich so deutlich zu äussern, habe loben wollen. Selbst wenn man davon
ausgeht, dass der Beschuldigte seine Zustimmung zum Inhalt ausdrücken wollte,
erschöpft sich die Äusserung in einem blossen Bekenntnis, welches – gestützt auf die
obigen Überlegungen – straflos bleiben muss.
5. Zusammengefasst ergibt sich, dass der Beschuldigte mit Bezug auf den
Anklagesachverhalt 1.3 ("gefällt mir"-Kommentierung) freizusprechen ist. Er ist jedoch
mit Bezug auf die beiden andern Anklagesachverhalte der mehrfachen
Rassendiskriminierung schuldig zu erklären.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 13.04.2017 Art. 261bis Abs. 1 und 4 StGB (SR 311); Art. 9 Abs. 1, Art. 325 Abs. 1 lit. f., Art. 329 Abs. 1 lit. a und Abs. 2 StPO (SR 312).Tatbestand der Rassendiskriminierung (E. III.1). Keine Verletzung des Anklageprinzips, wenn offenkundig lediglich einer von mehreren in der Anklageschrift aufgeführten Äusserungen rassendiskriminierenden Charakter beigemessen wird (E. III.2.b). Der Kommentar "mir kommt gleich das kotzen....wann wird diese religion endlich ausgerottet?!?") zu einem Artikel der Zeitung A. über die vor laufender Kamera ausgeführte Enthauptung eines amerikanischen Journalisten durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" auf einem öffentlichen "Facebook"-Profil ist rassendiskriminierend im Sinne von Art. 261bis Abs. 1 StGB (E. III.2.c). Ein Textbild mit dem Inhalt "Weisheit der Tages: 'Hast Du Allah in der Birne, ist kein Platz mehr für's Gehirne.' " auf einem öffentlichen "Facebook"-Profil ist rassendiskriminierend im Sinne von Art. 261bis Abs. 4 StGB und nicht durch die Meinungsäusserungsfreiheit gedeckt (E. III.3.b und c). Das Betätigen der "gefällt mir"-Funktion, mit welchem die Unterstützung für einen rassendiskriminierenden Beitrag auf öffentlichen "Facebook"-Profil kundgetan wird, ist nicht rassendiskriminierend nach Art. 261bis Abs. 1 StGB (E. III.4.d) (Kantonsgericht, Strafkammer, 13. April 2017, ST.2015.104).
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2021-08-06T06:35:38+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen