Decision ID: dbff07cf-6334-5045-be64-861c79938402
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Sie wurde in der Folge ins Bundesasylzentrum (BAZ) Region B._
überwiesen. Am 27. Dezember 2019 fand die Personalienaufnahme (PA)
statt.
A.b Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs gemäss Art. 5 der Ver-
ordnung (EU) Nr. 604/2013 vom 10. Januar 2020 führte die Beschwerde-
führerin an, sie sei nach der Rettung aus dem Meer zu einem Ort gebracht
worden, um daktyloskopiert zu werden. In C._ habe sie kein Asyl-
gesuch gestellt. Sie besitze kein 3-Blätter-Dokument, sondern habe ledig-
lich ein Dokument von der Polizei erhalten. Ihr Ehemann halte sich noch
immer in C._ auf, wo er kein Asylgesuch gestellt, aber ein 3-Blätter-
Dokument erhalten habe. Sie sei ohne ihren Ehemann weitergereist, weil
zu wenig Geld vorhanden gewesen sei. Sie sei damit einverstanden, dass
ihr Ehemann über die Dublin-Familienzusammenführung in die Schweiz
kommen könne. Für ihre Anhörung wünsche sie sich ein reines Frau-
enteam. Ferner fühle sie sich gestresst und ihr Herz schlage intensiv.
A.c Am 29. Januar 2020 wurde die Beschwerdeführerin vom SEM zu ihren
Asylgründen angehört. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen an, sie
gehöre der Ethnie der D._ an; ihr Vater und ihre Stiefmutter stamm-
ten aus der Provinz E._ und seien als Jugendliche von Afghanistan
in den Iran geflohen. Sie selbst sei in der iranischen (Nennung Stadt) zur
Welt gekommen und aufgewachsen. Nach Afghanistan sei sie nie zurück-
gekehrt. In F._ habe sie nebst ihrem Schulbesuch in einem (Nen-
nung Geschäft) gearbeitet. Im Jahr (...) habe sie als (...)-jährige ihren (Nen-
nung Verwandter) geheiratet. Am (...) sei sie von mehreren Männern, da-
runter der Freund einer ihrer Kolleginnen, entführt, geschlagen und sexuell
misshandelt worden. Da sie von den Männern mit dem Tod bedroht worden
sei, falls sie jemanden davon erzähle, habe sie aus Angst niemandem von
diesem Vorfall berichtet. Am (...) habe sich dieser Vorfall wiederholt. Sie sei
im (Nennung Geschäft) angerufen und aufgefordert worden, sich nach
draussen zu begeben. Dies habe sie jedoch nicht getan, sondern ein Taxi
gerufen und nach Hause fahren wollen. Unterwegs sei aber das Taxi ver-
folgt und sie letztlich von den gleichen Männern überfallen worden. Als sie
nach Hause gekommen sei, hätten ihre Eltern ob ihres Zustands geweint
und sie zur Polizei gebracht. Aufgrund ihrer Schilderung der Ereignisse
seien die Täter festgenommen und vor Gericht gestellt worden. Dieses
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habe nach insgesamt (Nennung Zeitraum) Verfahrensdauer sein Urteil ge-
fällt. (Nennung Anzahl) Verbrecher – welche gefunden worden seien –
seien zu (Nennung Strafe) und die anderen (Nennung Anzahl) Täter zu
(Nennung Strafe) verurteilt worden. In einem Zeitungsartikel vom (...) sei
über ihren Fall berichtet worden, wodurch der Ruf ihres Vaters und derje-
nige ihres ersten Ehemannes beschädigt worden seien. In der Folge seien
sie von Verwandten der festgenommenen Täter bedroht und belästigt wor-
den. So seien diese beispielsweise vor ihrem Haus erschienen und hätten
Lärm gemacht, oder hätten sie einmal im Gericht geschlagen oder ihre
(Nennung Verwandte) mit dem Motorrad angefahren oder sie einmal, als
sie in F._ ihre (...) habe verlängern lassen, mit dem Auto verfolgt.
Sie hätten die Belästigungen mehrheitlich der Polizei gemeldet, welche je-
doch nichts unternommen respektive zu einem Wechsel des Wohnortes
geraten habe.
Aufgrund dieser Belästigungen hätten ihre Angehörigen den Iran im Jahr
(...) verlassen; sie selber habe es damals nicht über die Grenze geschafft.
Danach sei sie nach G._ zu ihrer (Nennung Verwandte) gezogen,
wo sie die letzten (Nennung Dauer) vor Ihrer Ausreise gelebt habe. (Nen-
nung Zeitpunkt) nach ihrem Umzug habe sie sich von ihrem ersten Ehe-
mann scheiden lassen, weil er sich aufgrund der Übergriffe und der Be-
schimpfungen Sorgen um seinen Ruf gemacht, selber Angst gehabt und
sie nicht unterstützt habe. Aus diesem Grund habe sie sich im Jahr (...) von
ihm scheiden lassen. (Nennung Zeitpunkt) habe sie H._, einen ira-
nischen Staatsangehörigen, geheiratet. Sie habe H._ von den Vor-
fällen berichtet, der Verständnis für ihre Situation aufgebracht habe und sie
unterstütze. Während ihres Aufenthalts bei ihrer (Nennung Verwandte) in
G._ sei es zu keinerlei weiteren Vorkommnissen gekommen. Sie
habe jedoch aus Angst das Haus praktisch nie verlassen. Da sie sich ohne
ihren Vater im Iran nicht mehr sicher gefühlt habe, sei sie zusammen mit
Ihrem Ehemann (Nennung Zeitpunkt) illegal aus dem Iran ausgereist und
unter anderem über C._ in die Schweiz gelangt. Ihr Ehemann halte
sich noch immer in C._ auf.
Die Beschwerdeführerin reichte (Aufzählung Beweismittel) zu den Akten.
A.d Mit Entscheid vom 5. Februar 2020 wies das SEM die Behandlung des
Asylgesuchs der Beschwerdeführerin dem erweiterten Verfahren zu.
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B.
Mit Verfügung vom 25 Februar 2020 stellte das SEM fest, die Beschwer-
deführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch
ab und ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie deren Vollzug an,
wobei es einen Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan ausschloss.
Ferner händigte das SEM der Beschwerdeführerin die editionspflichtigen
Akten gemäss Aktenverzeichnis aus.
C.
Die Beschwerdeführerin focht diesen Entscheid mit Eingabe ihres Rechts-
vertreters vom 26. März 2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Sie be-
antragte, es seien die Dispositivziffern 3, 4 und 6 der angefochtenen Ver-
fügung aufzuheben und es sei die vorläufige Aufnahme infolge Unzumut-
barkeit des Wegweisungsvollzugs anzuordnen. Eventualiter sei die Sache
zur Ergänzung des Sachverhalts und zu neuem Entscheid an die Vor-
instanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Beizug
der Asylakten (Nennung Verwandte) (N_), um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung samt Verzicht auf die Erhebung eines Kos-
tenvorschusses und um Beiordnung eines unentgeltlichen Rechtsbei-
stands in der Person ihres Rechtsvertreters.
Der Beschwerde lagen (Nennung Beweismittel) bei.
D.
Die Beschwerdeführerin liess dem Bundesverwaltungsgericht sodann eine
persönlich verfasste Beschwerdeschrift vom 30. März 2020 – vorab per
Fax (Eingang Bundesverwaltungsgericht: 31. März 2020) – zukommen.
Darin beantragte sie die Aufhebung der Dispositivziffern 3, 4 und 6 der Ver-
fügung vom 25. Februar 2020, die Anordnung der vorläufigen Aufnahme
infolge Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs,
eventualiter die Rückweisung der Sache zur Sachverhaltsergänzung und
neuem Entscheid und ersuchte in prozessualer Hinsicht um Bewilligung
der unentgeltlichen Rechtspflege samt Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses und um Einräumung der Gelegenheit, einen unentgelt-
lichen Rechtsbeistand zu ernennen.
E.
Mit Verfügung vom 1. April 2020 nahm die Instruktionsrichterin die Eingabe
vom 30. März 2020 als Beschwerdeergänzung zu den Akten und forderte
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die Beschwerdeführerin auf, den in Aussicht gestellten (Nennung Beweis-
mittel) bis zum 16. April 2020 einzureichen, wobei bei ungenutzter Frist das
Verfahren aufgrund der Akten weitergeführt werde.
F.
Mit Eingabe vom 15. April 2020 reichte die Beschwerdeführerin (Nennung
Beweismittel) zu den Akten.
G.
In ihrer Verfügung vom 22. April 2020 hiess die Instruktionsrichterin die Ge-
suche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Erlass des
Kostenvorschusses und um Gewährung der amtlichen Verbeiständung gut,
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und bestellte der
Beschwerdeführerin einen amtlichen Rechtsbeistand in der Person von
Rechtsanwalt Donato Del Duca. Ferner ersuchte sie das SEM, bis zum
7. Mai 2020 eine Vernehmlassung einzureichen.
H.
In ihrer Vernehmlassung vom 6. Mai 2020 hielt die Vorinstanz – nach eini-
gen ergänzenden Bemerkungen – an ihren bisherigen Erwägungen voll-
umfänglich fest.
I.
In ihrer Instruktionsverfügung vom 11. Mai 2020 stellte die Instruktionsrich-
terin der Beschwerdeführerin ein Doppel der Vernehmlassung des SEM
vom 6. Mai 2020 zu und räumte ihr gleichzeitig die Möglichkeit ein, bis zum
26. Mai 2020 eine Replik und entsprechende Beweismittel einzureichen.
J.
Mit Verfügung vom 5. Juni 2020 wies die Instruktionsrichterin das mit Ein-
gabe vom am 25. Mai 2020 gestellte Gesuch der Beschwerdeführerin um
Zustellung der vorinstanzlichen Akten ab und erstreckte die Frist zur Ein-
reichung einer Replik bis zum 25. Juni 2020.
K.
Die Beschwerdeführerin replizierte mit Eingabe vom 24. Juni 2020.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist als Verfügungsadressatin zur Beschwerde-
führung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG)
ist einzutreten.
1.3 Vorliegend werden die Asylakten der nächsten Familienangehörigen
(N_) antragsgemäss beigezogen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Bereich des Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde richtet sich ausschliesslich gegen die Wegweisung sowie
den Vollzug der Wegweisung. Die Ziffern 1 (Verneinung der Flüchtlingsei-
genschaft) und 2 (Ablehnung des Asylgesuchs) des Dispositivs der Verfü-
gung vom 25. Februar 2020 sind mangels Anfechtung in Rechtskraft er-
wachsen.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin rügt in ihrer Beschwerdeergänzung vom
30. März 2020 (S. 7), das SEM habe den Sachverhalt unrichtig und unvoll-
ständig abgeklärt sowie (sinngemäss) die Begründungspflicht, mithin das
rechtliche Gehör, verletzt. Diese formellen Rügen sind vorab zu prüfen.
4.2 Das SEM hat einerseits die Pflicht, den rechtserheblichen Sachverhalt
richtig und vollständig abzuklären (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG) und
hierzu alle für das Verfahren rechtlich relevanten Umstände abzuklären so-
wie ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen. Dabei hat es alle sach-
und entscheidwesentlichen Tatsachen und Ereignisse in den Akten festzu-
halten (vgl. BVGE 2012/21 E. 5.1 m.w.H.). Andererseits ergibt sich aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 20 Abs. 2 BV) das Recht der Parteien
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auf vorgängige Äusserung und Anhörung, welches den Betroffenen Ein-
fluss auf die Ermittlung des wesentlichen Sachverhalts sichert, sowie die
Pflicht der Behörde, die Vorbringen sorgfältig und ernsthaft zu prüfen sowie
in der Entscheidfindung zu berücksichtigen. Unerlässliches Gegenstück
dazu bildet die Pflicht der Parteien, an der Feststellung des Sachverhalts
mitzuwirken (Art. 8 AsylG).
4.3 Konkret bemängelt die Beschwerdeführerin die Ausführungen des
SEM zur Prüfung des Wegweisungsvollzugs (Kapitel III des angefochtenen
Entscheids). So habe das SEM den als erstellt betrachteten Umstand, dass
sich ihr Ehemann derzeit und auf unabsehbare Zeit in C._ aufhalte,
nicht in ihre Erwägungen einbezogen.
Es ergeben sich nach Prüfung der Akten keine hinreichenden Anhalts-
punkte, welche den Schluss zulassen würden, das SEM habe den Sach-
verhalt unrichtig oder unvollständig abgeklärt. Die Vorinstanz hat bei der
Prüfung des Wegweisungsvollzugs zunächst den Anspruch der Beschwer-
deführerin auf die iranische Staatsangehörigkeit geprüft und bejaht. An-
schliessend berücksichtigte es die völkerrechtlichen Wegweisungsvoll-
zugshindernisse in Bezug auf ihren Heimatstaat Afghanistan und den Iran.
Sodann äusserste es sich zur Zumutbarkeit des Vollzugs, wobei es einen
Wegweisungsvollzug nach Afghanistan als unzumutbar erachtete und an-
schliessend eine zumutbare Aufenthaltsalternative in den Iran prüfte, die
bejaht wurde. Dabei orientierte sich das SEM insbesondere an den Äusse-
rungen der Beschwerdeführerin zu ihren persönlichen Verhältnissen, ihrem
Eheschluss mit einem iranischen Staatsangehörigen sowie den vorge-
brachten gesundheitlichen Beschwerden (vgl. angefochtener Entscheid,
S. 5 ff.). Dabei hat es auch explizit die Behandlungsmöglichkeiten im Iran
erläutert. Der Umstand, dass die Vorinstanz nach einer gesamtheitlichen
Würdigung der Parteivorbringen respektive der Situation im Iran zu einem
anderen Schluss als die Beschwerdeführerin gelangte, stellt keine unrich-
tige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts dar.
Ferner ist die vorinstanzliche Begründung hinreichend abgefasst. In der
angefochtenen Verfügung sind die wesentlichen Überlegungen vorhanden,
von denen sich das SEM – auch hinsichtlich der von der Beschwerdefüh-
rerin angeführten Herkunft und Biographie, so insbesondere dem Ehe-
schluss mit einem iranischen Staatsangehörigen und des sich für sie dar-
aus ergebenden Anspruchs auf die Verleihung der iranischen Staatsange-
hörigkeit – leiten liess und die zum Schluss der Bejahung des Wegwei-
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sungsvollzugs in den Iran führten. Nicht erforderlich ist, dass sich die Be-
gründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184
E. 2.2.1). Wie die vorliegende Beschwerde denn auch zeigt, war eine sach-
gerechte Anfechtung der Verfügung möglich.
4.4 Die formellen Rügen erweisen sich als unbegründet. Der Eventualan-
trag auf Rückweisung der Sache an das SEM ist demzufolge abzuweisen.
5.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Die Beschwerdeführerin verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetz-
lichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG; Art. 83
Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.
7.1
7.1.1 Die Vorinstanz führte zur Begründung des angeordneten Wegwei-
sungsvollzugs vorweg aus, die Beschwerdeführerin sei mit einem irani-
schen Staatsangehörigen verheiratet, wobei die Ehe unter notarieller Auf-
sicht erfolgt und eine Heiratsurkunde ausgestellt worden sei, welche sie zu
den Akten gereicht habe. Aufgrund des notariellen Eheabschlusses und
der Registrierungsnummer in der Heiratsurkunde sei von einem offiziellen
Eintrag dieser Ehe im iranischen Zivilregister auszugehen. Gemäss § 976
Nr. 6 des iranischen Zivilgesetzbuchs erhalte jede ausländische Frau in-
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folge ihrer Ehe mit einem Iraner automatisch die iranische Staatsangehö-
rigkeit. Es sei dementsprechend davon auszugehen, dass die Beschwer-
deführerin – obwohl sie in der Schweiz als afghanische Staatsangehörige
registriert sei – aufgrund des Eheschlusses mit einem Iraner über die ira-
nische Staatsangehörigkeit verfüge oder zumindest einen Anspruch darauf
habe und ihr demnach ein legaler Aufenthalt im Iran möglich sein sollte (mit
Verweis auf das Urteil des BVGer E-2055/2016 vom 19. September 2019).
Es liege in ihrer Verantwortung, allfällige konkrete administrative Schritte
zu unternehmen, um sich im Iran einbürgern respektive eine (Nennung Do-
kument) und einen iranischen Pass ausstellen zu lassen. Da die Beschwer-
deführerin ihren Angaben zufolge bislang keine Schritte in diese Richtung
unternommen habe, lägen keine Hinweise vor, dass ihr die iranische
Staatsangehörigkeit in irgendeiner Form verwehrt würde oder sie von die-
sem Anspruch keinen Gebrauch machen könnte.
7.1.2 Dementsprechend sei der Vollzug der Wegweisung nach Afghanistan
und in den Iran zu prüfen. Da die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigen-
schaft weder in Bezug auf Afghanistan noch auf den Iran erfülle, könne der
Grundsatz der Nichtrückschiebung nicht angewendet werden. Auch wür-
den keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ihr im Heimatstaat oder im
Iran eine durch Art. 3 EMRK verbotene Strafe oder Behandlung drohe.
7.1.3 Die Beschwerdeführerin stamme aus der Provinz E._ in Af-
ghanistan. Der Umzug an diesen Ort sei aufgrund der dort herrschenden
Sicherheitslage und humanitären Situation unzumutbar. Es bestehe indes-
sen eine zumutbare Aufenthaltsalternative im Iran. Die Beschwerdeführerin
habe von Geburt bis zur Reise in die Schweiz im Iran gelebt und verfüge
über einen Anspruch auf die iranische Staatsangehörigkeit. Weder die im
Iran herrschende Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumut-
barkeit der Wegweisung in diesen Staat sprechen. Bei der Beschwerde-
führerin handle es sich um eine junge, verheiratete Frau, die über eine gute
schulische Grundausbildung und Arbeitserfahrung als (Nennung Tätigkeit)
und im Iran über ein soziales Umfeld (Nennung Verwandte) in G._
verfüge. Sowohl ihre (Nennung Verwandte) als auch ihr Ehemann wüssten
über die sexuellen Misshandlungen Bescheid und würden sie unterstützen.
Während ihres (Nennung Dauer) Aufenthalts bei ihrer (Nennung Ver-
wandte) in G._ sei die Beschwerdeführerin dort nie bedroht worden.
Entsprechend sei es ihr zuzumuten, mit ihrem Ehemann nach G._
zurückzukehren. Angesichts der im Iran bestehenden medizinischen Struk-
turen, welche die Beschwerdeführerin vor ihrer Ausreise bereits in An-
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spruch genommen habe, sei es ihr zuzumuten, sich bei Bedarf für die all-
fällige Behandlung ihrer gesundheitlichen Probleme erneut an die entspre-
chenden Gesundheitseinrichtungen zu wenden. Entscheidend sei, dass
sie diesbezüglich mit der Unterstützung ihrer (Nennung Verwandte) und
ihres Ehemannes rechnen könne. Ausserdem sei der Vollzug der Wegwei-
sung technisch möglich und praktisch durchführbar.
7.2 Die Beschwerdeführerin entgegnete in der Rechtsmitteleingabe und in
der Beschwerdeergänzung, eine Rückkehr in den Iran sei für sie mit erheb-
lichen Schwierigkeiten verbunden. Sie habe angegeben, dass die Mutter
ihres (zweiten) Ehemannes Iranerin und dessen Vater (Nennung Staatsan-
gehörigkeit) seien. Sie habe selber nie erwähnt, dass ihr Ehemann irani-
scher Staatsbürger sei, sondern nur, dass er eine (Nennung Dokument)
habe. Die Registrierung ihrer Ehe sei schwierig gewesen, da es sich um
eine Mischehe handle respektive es sei eine rein spekulative Annahme der
Vorinstanz, dass ihre Ehe offiziell im iranischen Zivilregister eingetragen
worden sei, nur weil diese durch einen Notar geschlossen worden sei und
sich eine Registrierungsnummer in der Heiratsurkunde befände. Sie habe
in der Anhörung glaubhaft dargelegt, dass ihre Ehe nicht offiziell im Regis-
ter eingetragen worden sei. Zudem bestünden Hindernisse für eine Heirat
zwischen iranischen und afghanischen Staatsangehörigen und ihre Ehe
sei nicht in die (Nennung Dokument) ihres Ehemannes eingetragen wor-
den, was als Indiz dafür zu werten sei, dass die Ehe eben gerade nicht
offiziell anerkannt worden sei und sie daraus keinen Anspruch auf Erhalt
der iranischen Staatsbürgerschaft ableiten könne. Der Umstand, dass die
Eltern ihres Ehemannes nicht beide iranische Staatsangehörige seien, sei
im Iran höchst unüblich und nicht gerne gesehen. Sie habe keinen Antrag
zur Erlangung der iranischen Staatsbürgerschaft gestellt, weil bereits ihre
(Nennung Verwandte), welche mit dem (Nennung Verwandter) ihres Ehe-
mannes verheiratet sei, dies vergeblich versucht habe, was sie in der An-
hörung ebenfalls glaubhaft dargelegt habe. Die meisten ihrer Verwandten
würden in J._ leben. Der blosse Umstand, dass sie eine (Nennung
Verwandte) im Iran habe, zu welcher sie in Kontakt stehe, reiche zur Be-
gründung einer inländischen Fluchtalternative nicht aus. Ihre (Nennung
Verwandte) lebe zusammen mit ihrem (Nennung Verwandter), der vor eini-
gen Wochen zu Hause aufgesucht und bedroht worden sei. Seither würden
sich ihre (Nennung Verwandte) und der (Nennung Verwandter) verstecken
und der Kontakt zu ihnen sei abgebrochen. Sie gehe davon aus, dass es
sich bei den Aggressoren um die Verwandten der verurteilen Männer
handle. Zudem halte sich ihr Ehemann in der Zwischenzeit in C._
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Seite 11
auf und beabsichtige ebenfalls in die Schweiz zu reisen. Bei einer Wegwei-
sung in den Iran sei sie demzufolge ganz auf sich alleine gestellt. Nachdem
ihr Ehemann den Iran illegal verlassen und in Europa um Asyl ersucht
habe, sei anzunehmen, dass die iranischen Behörden einen Versuch, die
iranische Staatsbürgerschaft zu erhalten, umgehend blockieren und Ermitt-
lungen anstellen würden. Sie hätte als Frau ohne Ehemann keine Rechte
im Iran und auch keine Chance, ihren dortigen Aufenthalt zu legalisieren.
Besonders stossend sei der Umstand, dass (Nennung Verwandte) vom
SEM allesamt vorläufig aufgenommen worden seien, sie jedoch als Einzige
weggewiesen worden sei. Des Weiteren habe sie massive gesundheitliche
Probleme und sei aufgrund der Erlebnisse im Iran derzeit in (...) Behand-
lung. Zudem könne sie hierzulande auf den Rückhalt ihrer Familie zählen.
Ob die entsprechende Behandlung im Iran für eine alleinstehende Afghanin
möglich sei, die sich nur in einem beschränkten Gebiet in F._ auf-
halte, sei ungewiss und wohl zu verneinen. Ein Wegweisungsvollzug sei
deshalb auch aus gesundheitlichen Gründen unzumutbar. Weiter seien et-
was mehr als die Hälfte der afghanischen Rückkehrer aus dem Iran
zwangsweise zurückgeführt worden. Hinzu komme die aktuelle internatio-
nale Lage infolge der Corona-Krise. Der Iran sei eines der am stärksten
von der Pandemie betroffenen Länder weltweit, weshalb bereits auf diesem
Grund eine Wegweisung faktisch unmöglich sei.
7.3 Das SEM hielt in ihrer Vernehmlassung fest, die Beschwerdeführerin
habe in ihrer Beschwerdeergänzung vom 30. März 2020 – entgegen ihrer
Darstellung in der Rechtsmittelschrift – explizit festgehalten, dass ihr Ehe-
mann die iranische Staatsangehörigkeit besitze, und dass die Ehe – wenn
auch mit Schwierigkeiten – offiziell und mit Hilfe eines Notars durchgeführt
und registriert worden sei. Entsprechend sei von einer offiziellen Registrie-
rung der Ehe auszugehen, unabhängig davon, ob die Beschwerdeführerin
bereits in der (Nennung Dokument) des Ehemannes vermerkt sei oder
nicht. Die Aussage, dass ihre (Nennung Verwandte) die iranische Staats-
angehörigkeit trotz Ehe mit einem Iraner nicht erhalten habe, lasse keine
Rückschlüsse auf die Situation der Beschwerdeführerin zu, zumal sie dies-
bezüglich keine Bemühungen unternommen habe. Es lägen somit keine
Hinweise vor, dass die Beschwerdeführerin keinen Aufenthaltsstatus im
Iran erhalten werde, zumal das SEM stets von einer gemeinsamen Rück-
kehr mit dem Ehemann ausgehe, nachdem keine Hinweise vorlägen, dass
der Ehemann aus anderen als den von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Gründen aus dem Iran ausgereist sei. Bezüglich der angeführ-
ten Bedrohung der (Nennung Verwandte) durch mutmassliche Verwandte
der Straftäter, des in der Folge Versteckthaltens der (Nennung Verwandte)
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Seite 12
und ihrem Ehemann und des Kontaktabbruchs zur Beschwerdeführerin
seien zunächst Zweifel an der Glaubhaftigkeit dieser Bedrohung anzubrin-
gen, nachdem weder die Beschwerdeführerin noch ihre (Nennung Ver-
wandte) je in G._ bedroht worden seien. Es sei nicht einsichtig,
weshalb diese gerade jetzt – nach so vielen Jahren und nach der Ausreise
der Beschwerdeführerin – bedroht werden sollten. Zudem würden an kei-
ner Stelle die Umstände dieser geltend gemachten Bedrohung und die
Gründe für den derzeit fehlenden Kontakt zur (Nennung Verwandte) detail-
liert ausgeführt. Unbesehen davon könne die Beschwerdeführerin zusam-
men mit ihrem Ehemann in den Iran zurückkehren; zudem lebten in
G._ auch ihre Schwiegereltern. Ein soziales Umfeld sei damit auch
unabhängig von der (Nennung Verwandte) gewährleistet. Betreffend die
(...) Beschwerden sei auf die bisherigen Erwägungen zu verweisen. Soweit
in der Beschwerdeschrift auf die aktuelle internationale Lage infolge der
Corona-Krise hingewiesen werde, stehe die blosse Möglichkeit einer An-
steckung mit dem Virus für sich alleine der Zumutbarkeit des Wegwei-
sungsvollzugs nicht entgegen. Vielmehr müssten im Einzelfall konkrete
Hinweise bestehen, im Falle einer Rückkehr in den Heimatstaat in eine
medizinische Notlage oder in eine existenzbedrohende Situation zu gera-
ten. Solche konkreten Hinweise lägen aber nicht vor.
7.4 In der Replik bestritt die Beschwerdeführerin zunächst, in der Be-
schwerdeschrift ihren Ehemann als iranischen Staatsangehörigen bezeich-
net und angeführt zu haben, dass ihre Ehe registriert worden sei. Ferner
werde in der Beschwerdeschrift auch nicht erwähnt, dass ihre Ehe regis-
triert worden sei. Der Umstand, dass ihre (Nennung Verwandte) trotz er-
heblichen Bemühungen die iranische Staatsangehörigkeit nicht habe er-
langen können, lasse durchaus Schlüsse auf ihre Situation zu. So habe sie
nicht davon ausgehen können, dass sie eine iranische Staatsbürgerschaft
erhalte, nachdem ihre (Nennung Verwandte) sich vergeblich darum be-
müht habe. Unberücksichtigt sei der Umstand geblieben, dass sich ihr Ehe-
mann derzeit in C._ befinde. Die Eheschliessung habe im Iran auch
deshalb nicht registriert werden können, weil es sich bei der Ehe ihrer
Schwiegereltern (ebenfalls) um eine Mischehe handle. Aus diesem Grund
verfüge ihr (Nennung Verwandter) auch über keine Aufenthaltspapiere im
Iran. Die Vorinstanz gehe weiterhin von einer gemeinsamen Rückkehr zu-
sammen mit dem Ehemann aus, wofür jedoch derzeit keine Anhaltspunkte
vorlägen, zumal sich der Ehemann in C._ befinde. Soweit die Vor-
instanz die Ausführungen zur Bedrohung der (Nennung Verwandte) als
nicht glaubhaft erachte, sei aus dem in den Vorakten liegenden Urteil er-
sichtlich, dass gegen (Nennung Anzahl) Verurteilte (Nennung Strafe) und
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gegen (Nennung Anzahl) Verurteilte eine (Nennung Strafe) verhängt wor-
den sei. Ihr Name werde im Rubrum des Urteilsdispositivs als (...) und so-
mit als Partei aufgeführt. Sie habe erfahren, dass die (Nennung Strafe)
nicht vollstreckt werde, sondern ebenfalls in (Nennung Strafe) umgewan-
delt worden sei. In der Eingabe vom 15. April 2020 sei auf eine Reflexver-
folgung ihrer (Nennung Verwandte) hingewiesen worden. Ein Verwandter
von den (Nennung Anzahl) zu einer Freiheitsstrafe verurteilten Personen
habe ihre (Nennung Verwandte) aufgesucht und bedroht. Weitere Bedro-
hungen gegen sie und ihre Familienangehörigen habe sie in der Anhörung
ausgeführt. Das Strafurteil datiere vom (...), weshalb die Verurteilten bei
einer vollständigen Strafverbüssung spätestens am (...) auf freien Fuss kä-
men. Aufgrund dieser bevorstehenden Entlassung hätten sich die Bedro-
hungen wieder intensiviert. Im Weiteren habe das Bundesgericht in seinem
Urteil 2C_386/2020 vom 9. Juni 2020 anerkannt, dass die Covid-19 Pan-
demie je nach Einzelfall ein tatsächlicher Grund für die Undurchführbarkeit
eines Wegweisungsvollzuges darstellen könne. Der Wegweisungsvollzug
sei auch hier aufgrund der Akten und der aktuellen Pandemie nicht hinrei-
chend absehbar. Ausserdem bestehe derzeit keine Flugverbindung in den
Iran. Schliesslich werde im eingereichten (Nennung Beweismittel) ein Weg-
weisungsvollzug (...) als unzumutbar erachtet.
8.
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder
unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen
werden.
8.2 Vorliegend ist mit Blick auf die Prüfung eines Wegweisungsvollzugs der
Beschwerdeführerin in den Iran – ein Vollzug in den Heimatstaat Afghanis-
tan wurde vom SEM ausgeschlossen – die Frage von Bedeutung, ob sie
einen Anspruch auf die iranische Staatsangehörigkeit besitzt. In diesem
Zusammenhang ist auf Art. 976 Ziffer 6 des iranischen Zivilgesetzbuches
D-1748/2020
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zu verweisen. Nach dieser Bestimmung gelten ausländische Frauen, die
einen iranischen Staatsangehörigen heiraten, als iranische Staatsangehö-
rige (vgl. dazu auch BERGMANN/FERID/HENRICH, Internationales Ehe- und
Kindschaftsrecht mit Staatsangehörigkeitsrecht, Kapitel II, S. 13; The Iran
Data Portal, <http://irandataportal.syr.edu/nationality-law>, letztmals abge-
rufen am 22.03.2021). Damit möchte Art. 976 Ziffer 6 des iranischen Zivil-
gesetzbuches den einfachen und schnellen Erwerb der iranischen Staats-
bürgerschaft als Ausnahme vom Abstammungsprinzip einzig für den Fall
einer Mischehe festlegen, in dem ein iranischer Mann eine Ausländerin hei-
ratet. In einem solchen Fall bekommt die ausländische Frau automatisch
die iranische Staatsangehörigkeit (vgl. BERGMANN/FERID/HENRICH, a.a.O.
S. 13, 2. Abschnitt). Die Beschwerdeführerin erfüllt diese Voraussetzun-
gen. Ihren Angaben in der Anhörung zufolge verfügt ihr Ehemann über eine
iranische (Nennung Dokument) (Anhörungsprotokoll, F46). Bei der (Nen-
nung Dokument) handelt es sich um eine iranische Personenstandsur-
kunde, welche auch als Geburtsurkunde oder Identitäts- respektive Perso-
nalausweis bezeichnet wird (vgl. Canada: Immigration and Refugee Board
of Canada, Iran: The new format of the (Nennung Dokument) (birth certifi-
cate), including physical characteristics, security features, and period of va-
lidity; application procedures and requirements; whether citizens are requi-
red to replace their (Nennung Dokument) with the newer version (2012-
January 2015), 16 January 2015, IRN105037.E; https://www.refworld.org/
docid/550fd108adb.html, letztmals abgerufen am 22.03.2021). Die Be-
schwerdeführerin bestätigte dementsprechend in ihrer Beschwerdeergän-
zung vom 30. März 2020 (S. 3) explizit, dass es sich bei ihrem Ehemann
H._ um einen iranischen Staatsangehörigen handelt. Entsprechen-
des ergibt sich auch aus der eingereichten Heiratsurkunde. Gemäss der
bei den Akten liegenden Übersetzung wird H._ als iranischer
Staatsangehöriger aufgeführt. Unbehelflich bleibt vor diesem Hintergrund
der Hinweis auf die unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten der Eltern
von H._ (...). Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom
30. März 2020 einwendet, es bestünden grundsätzlich Hindernisse bei ei-
ner Heirat zwischen iranischen und afghanischen Staatsangehörigen,
weist sie zu Recht darauf hin, dass dabei die Staatsangehörigkeit der Ehe-
frau eine entscheidende Rolle spielt. Da es sich vorliegend um eine Heirat
zwischen einem Iraner und einer Afghanin handelt, und nicht umgekehrt,
greift die erwähnte gesetzliche Grundlage von Art. 976 Ziffer 6 des irani-
schen Zivilgesetzbuches, wonach die Beschwerdeführerin als iranische
Staatsangehörige gilt (und nicht bloss die iranische Staatsangehörigkeit er-
langen kann; vgl. dazu auch Art. 979 sowie Art. 986 e contrario des irani-
schen Zivilgesetzbuches). Das SEM ist demnach in zutreffender Weise von
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Seite 15
der iranischen Staatsangehörigkeit der Beschwerdeführerin ausgegangen.
Dabei ist festzuhalten, dass angesichts der geschilderten Umstände der
Eheschliessung (mittels Notar) und aufgrund der Registrierungsnummer in
der Heiratsurkunde respektive dem Vermerk eines Registerdatums durch-
aus von einem offiziellen Eintrag dieser Ehe im iranischen Zivilregister aus-
zugehen ist, selbst wenn die Beschwerdeführerin bislang in der (Nennung
Dokument) des Ehemannes noch nicht vermerkt worden sein sollte. Im Üb-
rigen muss die Ehe zu ihrer Gültigkeit nicht eingetragen werden. Zwar ist
gesetzlich ein solcher Eintrag zwingend vorgesehen, jedoch ist als Rechts-
folge bei Missachtung einer Eintragung nur eine strafrechtliche Ahndung
und keine zivilrechtliche Aufhebbarkeit vorgesehen (vgl. BERGMANN/FE-
RID/HENRICH, a.a.O. Kap. III, Ziff. 6, S. 38). Der Beschwerdeführerin ist es
daher möglich und zumutbar, die ihr in Art. 976 Ziffer 6 des iranischen Zi-
vilgesetzbuches zustehende iranische Staatsangehörigkeit beziehungs-
weise den Erhalt iranischer Identitätsdokumente, nötigenfalls mit Hilfe ei-
nes Rechtsbeistands, einzufordern. Der Einwand, genau dies habe ihre mit
(Nennung Verwandter) verheiratete (Nennung Verwandte) erfolglos ver-
sucht, stellt eine blosse Parteibehauptung dar und vermag insbesondere
angesichts des Umstands, dass sich die Beschwerdeführerin bislang of-
fenbar nicht darum bemüht hat, entsprechende Identitätsdokumente bei
den zuständigen Behörden erhältlich zu machen, zu keiner anderen Er-
kenntnis zu führen.
Die Beschwerdeführerin wendet ein, da ihr Ehemann den Iran illegal ver-
lassen habe und sich derzeit in C._ aufhalte, dürften die iranischen
Behörden allfällige Bemühungen, die iranische Staatsbürgerschaft zu er-
halten, blockieren und Ermittlungen anstellen. Sie wäre bei einer Rückkehr
auf sich alleine gestellt, hätte daher als Frau ohne Ehemann keine Rechte
im Iran und auch keine Chance, ihren dortigen Aufenthalt zu legalisieren.
Dieser Ansicht kann aufgrund obiger Erkenntnisse, wonach die Beschwer-
deführerin kraft Heirat über die iranische Staatsangehörigkeit verfügt, nicht
beigepflichtet werden. Unbestrittenermassen hält sich der Ehemann der-
zeit in C._ auf, weshalb die Beschwerdeführerin nach einer Rück-
kehr in den Iran vermutlich nur in begrenztem Umfang auf dessen Unter-
stützung zählen kann. Doch selbst wenn sie bei der Geltendmachung der
ihr zustehenden iranischen Identitätsdokumente auf behördliche Schwie-
rigkeiten stossen sollte, bestehen keine Anhaltspunkte, dass ihr deswegen
kein legaler Aufenthalt im Iran möglich wäre. So verfügte sie bereits als
afghanische Staatsangehörige im Iran seit ihrer dortigen Geburt über einen
Flüchtlingsausweis (...), der sie zum Aufenthalt im Iran berechtigte, welche
D-1748/2020
Seite 16
jedoch regelmässig erneuert werden musste (vgl. United States Depart-
ment of State [USDS], Country Report on Human Rights Practices for
2019, Iran, Section 2 Bst. f, S. 31, letztmals abgerufen am 22.03.2021).
Angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin ihren Aufent-
haltstitel – wie offenbar auch ihre übrigen Familienangehörigen – jahrelang
problemlos erneuern konnte, ist grundsätzlich davon auszugehen, dass sie
ihren Flüchtlingsausweis im Bedarfsfall respektive bis zur Durchsetzung ih-
res Anspruchs auf Erhalt iranischer Identitätspapiere wieder erneuern
könnte (vgl. dazu auch Urteil des BVGer E-2055/2016 vom 19. September
2019 E. 6.3.4).
Die Vorinstanz hat demnach den Vollzug der Beschwerdeführerin in den
Iran zu Recht geprüft. Eine entsprechende Prüfung des Vollzugs durch das
Gericht ergibt Folgendes:
8.3
8.3.1 Infolge der auf den Vollzugspunkt beschränkten Anfechtung ist die
Feststellung, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingseigenschaft nicht
erfüllt, in Rechtskraft erwachsen. Das Non-Refoulement-Prinzip im Sinne
der vorgenannten flüchtlingsrechtlichen Bestimmungen ist daher nicht tan-
giert. Eine Rückschaffung der Beschwerdeführerin in den Iran ist demnach
unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass ihr im Fall einer Ausschaf-
fung in den Iran dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit Folter oder eine
unmenschliche Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des
Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grau-
same, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK,
SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK drohen würde. Insbesondere
vermag die Beschwerdeführerin kein „real risk“ im Sinne der massgebli-
chen Rechtsprechung darzutun, zumal die blosse Möglichkeit einer men-
schenrechtswidrigen Behandlung nicht ausreicht (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124 ff. m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen.
8.3.2 Gesundheitliche Probleme stellen unter dem Blickwinkel von Art. 3
EMRK im Übrigen nur unter ganz aussergewöhnlichen Umständen ein völ-
kerrechtliches Wegweisungsvollzugshindernis dar (vgl. Urteil des EGMR
D-1748/2020
Seite 17
Paposhvili gegen Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer,
41738/10, § 183). Solche Umstände liegen nicht nur in Fällen vor, in denen
sich die von einer Ausschaffung betroffene Person in unmittelbarer Gefahr
befindet zu sterben, sondern auch dann, wenn Personen darunterfallen,
die angesichts fehlender Behandlungsmöglichkeiten im Zielstaat der Aus-
schaffung einem realen Risiko einer schwerwiegenden, raschen und irre-
versiblen Verschlechterung des Gesundheitszustands ausgesetzt werden,
die zu heftigen Leiden oder einer erheblichen Reduktion der Lebenserwar-
tung führen. Solche aussergewöhnlichen Umstände können aber hier hin-
länglich ausgeschlossen werden (vgl. BVGE 2011/9 E. 7.1 S. 117 f., BVGE
2009/2 E. 9.1.3). Der Vollzug erweist sich damit als zulässig.
8.3.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.4.1 Die allgemeine Situation im Heimatstaat der Beschwerdeführerin ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt. Die allgemein schwierigen Lebensbedingungen al-
lein vermögen ebenfalls keine konkrete Gefährdung zu begründen.
8.4.2 Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche
eine Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. Wie bereits in E. 8.2
dargelegt, ist es der Beschwerdeführerin selbst bei einer alleinigen Rück-
kehr (weiterhin) möglich, sich im Iran legal aufzuhalten. Sodann verfügt sie
über (Nennung Schulbildung und Berufserfahrungen) (vgl. Anhörungspro-
tokoll, F36 ff.). Auch wenn (Nennung Verwandte) (N_) in der
Schweiz vorläufig aufgenommen worden sind, verfügt die Beschwerdefüh-
rerin im Iran mit ihrer in G._ lebenden (Nennung Verwandte), deren
Ehemann und ihren (Nennung Verwandte) noch immer über ein familiäres
Beziehungsnetz, das ihr bei der Reintegration behilflich sein kann, sowie
über eine gesicherte Wohnsituation (vgl. Anhörungsprotokoll, F14, F20 ff.).
Die Beschwerdeführerin wendet diesbezüglich ein, ihre (Nennung Ver-
wandte) sei durch mutmassliche Verwandte der noch immer inhaftierten
Straftäter bedroht worden, und deshalb mit deren Ehemann untergetaucht;
D-1748/2020
Seite 18
es bestehe kein Kontakt mehr zu ihr. In diesem Zusammenhang hat die
Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung zu Recht Zweifel an der Glaubhaf-
tigkeit dieses Vorbringens geäussert. Zunächst handelt es sich dabei um
eine unbelegte und auch nicht weiter konkretisierte Parteibehauptung. So-
dann wurde weder die Beschwerdeführerin während ihres (Nennung
Dauer) Aufenthalts in G._ noch ihre (Nennung Verwandte) jemals
bedroht (vgl. Anhörungsprotokoll F78). Es erschliesst sich dem Gericht
nicht, weshalb unter diesen Umständen über (Nennung Zeitraum) nach
Ausfällung des Urteils beziehungsweise nahezu (Nennung Dauer) nach
der Tat Verwandte der Verurteilten die (Nennung Verwandte) der Be-
schwerdeführerin hätten aufsuchen sollen. Dies gilt umso mehr, als es sich
dabei – wie überdies auch beim Vorbringen, sie habe erfahren, dass ge-
genüber den zum Tode verurteilten Tätern die Todesstrafe nicht vollstreckt
werde – in Ermangelung irgendwelcher Belege oder konkreter Indizien um
eine blosse Mutmassung respektive unbelegte Parteibehauptung handelt.
Doch selbst bei Wahrunterstellung ist mit den in G._ lebenden
(Nennung Verwandte) ein soziales Beziehungsnetz nach wie vor gegeben.
Sodann lebte die Beschwerdeführerin bis zu ihrer Ausreise immer im Iran
und ist daher mit den dortigen Lebensumständen bestens vertraut. Es ist
davon auszugehen, dass ihr der Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz
möglich sein wird. Blosse soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten, von
denen die ansässige Bevölkerung im Allgemeinen betroffen ist, genügen
nicht, um eine konkrete Gefährdung im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG dar-
zustellen (vgl. BVGE 2008/34 E. 11.2.2).
8.4.3 Hinsichtlich der angeführten und durch den (Nennung Beweismittel)
belegten Beeinträchtigung des (...) Gesundheitszustandes der Beschwer-
deführerin ist Folgendes zu erwägen: Gründe ausschliesslich medizini-
scher Natur lassen den Wegweisungsvollzug im Allgemeinen nicht als un-
zumutbar erscheinen, es sei denn, die erforderliche Behandlung sei we-
sentlich und im Heimatland nicht erhältlich. Entsprechen ferner die Be-
handlungsmöglichkeiten im Herkunftsland nicht dem medizinischen Stan-
dard in der Schweiz, so bewirkt dies allein noch nicht die Unzumutbarkeit
des Vollzugs. Davon ist erst dann auszugehen, wenn die ungenügende
Möglichkeit der Weiterbehandlung eine drastische und lebensbedrohende
Verschlechterung des Gesundheitszustandes nach sich zieht (vgl. BVGE
2011/50 E. 8.3 S. 1003 f., BVGE 2009/2 E. 9.3.2 S. 21). Vorliegend sind
unter diesen Rahmenbedingungen aus den Akten keine stichhaltigen An-
haltspunkte für das Vorliegen einer medizinischen Notlage im Heimatstaat
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG ersichtlich. Der Beschwerdeführerin ist es
angesichts der im Iran bestehenden medizinischen Strukturen möglich und
D-1748/2020
Seite 19
zumutbar, sich in ihrer Heimat weiterbehandeln zu lassen respektive dort
die benötigte Medikation erhältlich zu machen. Es war ihr den Akten zu-
folge denn auch bereits vor ihrer Ausreise möglich, sich im Iran in entspre-
chende Behandlung zu begeben (vgl. Anhörungsprotokoll, F55). Im Be-
darfsfall könnte einer möglichen Verschlechterung ihres Gesundheitszu-
stands bei einem zwangsweisen Wegweisungsvollzug mit angemessener
Vorbereitung Rechnung getragen und durch geeignete medizinische Mas-
snahmen und Betreuung entgegengewirkt werden. Für eine benötigte Wei-
terbehandlung nach durchgeführtem Wegweisungsvollzug ist ferner auf die
Möglichkeiten flankierender Massnahmen und individueller medizinischer
Rückkehrhilfe, die beispielsweise in der Form der Mitgabe von Medikamen-
ten bestehen kann, zu verweisen (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG).
8.4.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.5 Es obliegt sodann der Beschwerdeführerin, sich bei der zuständigen
Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Reise-
dokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG), weshalb der Vollzug
der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.6 Schliesslich steht auch die Coronavirus-Pandemie dem Wegweisungs-
vollzug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich – wenn überhaupt – um
ein temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmo-
dalitäten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem
etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im Iran angepasst wird (vgl.
Urteil des BVGer D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.; Entschei-
dungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1995 Nr. 14 E. 8d und e). Soweit die Beschwerdeführerin in die-
sem Zusammenhang auf ein Urteil des Bundesgerichts (2C_386/2020 vom
9. Juni 2020) verweist, worin das Gericht anerkannt habe, dass die Covid-
19 Pandemie je nach Einzelfall ein effektiver Grund für die Undurchführ-
barkeit eines Wegweisungsvollzuges darzustellen vermöge, kann sie dar-
aus nichts zu ihren Gunsten ableiten, da sich der dort beurteilte Sachver-
halt zum vorliegenden sowohl in rechtlicher als auch in sachlicher Hinsicht
deutlich unterscheidet.
8.7 Die durch die Vorinstanz verfügte Wegweisung in den Iran und deren
Vollzug stehen somit in Übereinstimmung mit den zu beachtenden Bestim-
mungen und sind zu bestätigen, weshalb es sich erübrigt, auf die weiteren
D-1748/2020
Seite 20
Vorbringen und Beweismittel näher einzugehen. Die Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Indessen wurde mit In-
struktionsverfügung vom 22. April 2020 das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung gutgeheissen, womit auf die Erhebung von
Verfahrenskosten zu verzichten ist.
10.2 Mit derselben Verfügung wurde ausserdem das Gesuch um amtliche
Verbeiständung gutgeheissen (Art. 102m Abs. 1 AsylG) und der Beschwer-
deführerin ihr Rechtsvertreter als Rechtsbeistand bestellt. Demnach ist die-
sem ein amtliches Honorar für seine notwendigen Aufwendungen im Be-
schwerdeverfahren auszurichten. Mit der Beschwerdeschrift vom 26. März
2020 wurde eine Kostennote ins Recht gelegt, wonach sich die Bemühun-
gen des Rechtsvertreters auf 8.25 Stunden bei einem Stundenansatz von
Fr. 250.– belaufen. Zusätzlich werden Auslagen in der Höhe von Fr. 69.20
(inkl. einer "Kleinspesenpauschale in der Höhe von Fr. 61.90) aufgeführt.
Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts werden anwaltliche Vertrete-
rinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von Fr. 200.– bis 220.– ent-
schädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE), weshalb der in der Kos-
tennote angeführte Stundenansatz entsprechend anzupassen ist. Zudem
ist zu berücksichtigen, dass nach Einreichung der Kostennote weitere Ein-
gaben (15. April 2020: Einreichung Beweismittel; 26. Mai 2020: Fristerstre-
ckungsgesuch; 24. Juni 2020: Replik) ins Recht gelegt wurden, deren Auf-
wand von der Kostennote nicht erfasst ist. Der diesbezügliche Aufwand ist
auf 2.25 Stunden zu beziffern, womit der Aufwand auf 10.5 Stunden an-
wächst und sich die Auslagen um Fr. 13.60 auf insgesamt Fr. 75.50 erhö-
hen. Der Aufwand für die von der Beschwerdeführerin persönlich verfasste
Beschwerdeergänzung vom 30. März 2020 ist nicht zu entschädigen, da
ihr daraus keine verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind. Der ge-
samte Aufwand beziffert sich damit auf 10.5 Stunden und ist als angemes-
sen zu erachten. Das amtliche Honorar für den Rechtsvertreter ist somit
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Seite 21
auf gerundet auf insgesamt Fr. 2570.– (Aufwand: 2310.– [10.5x220.-], Aus-
lagen: Fr. 75.50, Mehrwertsteueranteil: 183.70) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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