Decision ID: 05597c4c-0530-43e0-b844-b34085758e6b
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am 31. Dezember 2018 wandte sich das Ministry of Finance von In-
dien (nachstehend: MoF oder ersuchende Behörde) an die Eidgenössische
Steuerverwaltung (nachstehend: ESTV oder Vorinstanz). Es verwies auf
das Urteil des Bundesgerichts 2C_664/2017 vom 17. Juli 2018, welches
das Leisten von Amtshilfe in Steuersachen auch «in so-called stolen data
cases» – konkret die [Bank] B._, betreffend – zulasse. Das MoF
liess der ESTV eine Liste vergleichbarer Fälle zukommen, in denen Ersu-
chen des MoF abgewiesen worden waren, darunter zwei (seitens des MoF
unter einheitlicher Verfahrensnummer geführte) Amtshilfeersuchen betref-
fend A._ (nachfolgend: betroffene Person oder Beschwerdeführer),
nämlich eines vom (...) 2012 bezüglich Informationen mit Relevanz für die
Einkommenssteuer für den Zeitraum (...) und eines vom (...) 2012 bezüg-
lich des Zeitraums (...) mit der Begründung, die zu erhebenden Informati-
onen dienten der Festsetzung der Einkommenssteuer sowie der Durchfüh-
rung einer Steuerstrafuntersuchung. Die Ersuchen waren durch die ESTV
am (...) 2012 respektive am (...) 2014 abgelehnt worden.
A.b Die ESTV richtete am 19. Dezember 2018 eine Editionsverfügung an
die genannte Bank und forderte diese auf, spezifizierte Informationen zur
betroffenen Person für den Zeitraum vom 1. April 2011 bis zum 31. März
2012 zu übermitteln. Die Bank kam der Aufforderung nach.
A.c Die betroffene Person erklärte keine Zustimmung zur beabsichtigten
Informationsübermittlung und liess sich gegenüber der ESTV am 23. Au-
gust 2019 und am 24. Januar 2020 vernehmen.
A.d Mit Schlussverfügung vom 18. Februar 2020 entschied die ESTV im
Hauptpunkt, dem MoF in Bezug auf die betroffene Person Amtshilfe zu leis-
ten und regelte Detailfragen.
B.
B.a Gegen diese Schlussverfügung der ESTV respektive Vorinstanz liess
die betroffene Person respektive der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
20. März 2020 beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben. Er
beantragt zusammengefasst im Hauptpunkt, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und es sei keine Amtshilfe zu leisten. Eventualiter sei die
Schlussverfügung aufzuheben und die Sache mit konkreten Anweisungen
zur neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Subeventualiter
– für den Fall, dass Amtshilfe geleistet würde – seien konkret benannte
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Stellen zu schwärzen. Schliesslich seien die im Rahmen der Akteneinsicht
vor Vorinstanz am 2. August 2019 offengelegten Informationen und Unter-
lagen zu vernichten oder an ihn, den Beschwerdeführer, auszuhändigen.
B.b In ihrer Vernehmlassung vom 2. Juni 2020 schliesst die Vorinstanz auf
die kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
B.c In seiner Replik vom 15. Juni 2020 hält der Beschwerdeführer an den
Beschwerdeanträgen fest.
B.d Unter Verweis auf eine hängige Klarstellungs-Anfrage an das MoF be-
antragte die Vorinstanz am 29. Juni 2020 respektive am 1. Juli 2020 die
Sistierung des Verfahrens. Der Beschwerdeführer beantragte am 13. Juli
2020 die Abweisung des Sistierungsantrags. In der Folge kam es zu wei-
teren Eingaben, namentlich der Vorinstanz, zu dieser Frage.
B.e Mit Zwischenverfügung vom 31. Januar 2022 wies der Instruktions-
richter das Sistierungsgesuch ab.
B.f In der Folge ergänzte die Vorinstanz am 16. Februar 2022 ihre Anträge
auf Beschwerdeebene um Verfahrensanträge, gemäss denen sinngemäss
das Bundesverwaltungsgericht die entsprechende Rückfrage an das MoF
zu stellen und die Antwort abzuwarten habe oder sie, die Vorinstanz, ent-
sprechend anzuweisen sei.
C.
C.a Am 10. März 2022 orientierte die Vorinstanz das Bundesverwaltungs-
gericht über die am selben Tag ergangene Wiedererwägungsverfügung.
Nachdem das MoF am 3. März 2022 den Rückzug des Amtshilfeersuchens
erklärt hatte, widerrief die Vorinstanz in der erwähnten Verfügung die
Schlussverfügung vom 18. Februar 2020 vollumfänglich, erklärte, es werde
in der Sache keine Amtshilfe geleistet und regelte die Kostenfolgen.
Die Vorinstanz beantragt, das Verfahren sei als gegenstandslos geworden
abzuschreiben. Im Hinblick auf die Frage der Kostenverlegung stellt sie
den Verfahrensantrag, das Bundesverwaltungsgericht möge beim MoF
nach den Gründen des Rückzugs nachfragen (oder sie, die Vorinstanz,
entsprechend anweisen).
C.b In seiner Stellungnahme vom 29. März 2022 stellt der Beschwerde-
führer ebenfalls den Antrag auf Abschreibung des Verfahrens infolge Ge-
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genstandslosigkeit. Rückfragen beim MoF seien keine zu stellen. Dem Be-
schwerdeführer seien – unter Rückerstattung des geleisteten Kostenvor-
schusses – keine Verfahrenskosten aufzuerlegen, dagegen sei ihm eine
Parteientschädigung von Fr. 80'033.55 zuzusprechen.
C.c In ihrer Stellungnahme vom 14. April 2022 erneuert die Vorinstanz die
Anträge auf Abschreibung des Verfahrens und Einholen einer Auskunft
beim MoF. Eventualiter sei die geltend gemachte Parteientschädigung hin-
sichtlich Stundensatz und Zeitaufwand angemessen zu kürzen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt
(Art. 31 VGG). Eine solche Ausnahme liegt im Fall eines Entscheides der
ESTV – die als Behörde gemäss Art. 33 VGG grundsätzlich Vorinstanz des
Bundesverwaltungsgerichts ist – im Bereich der Steueramtshilfe nicht vor.
Die Beschwerde ist somit zulässig. Der Beschwerdeführer hat sich am vo-
rinstanzlichen Verfahren beteiligt, ist durch die angefochtene Verfügung
besonders betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhe-
bung oder Änderung, er ist folglich zur Beschwerde legitimiert (Art. 48
Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht,
der Gerichtskostenvorschuss fristgerecht beglichen (Art. 50 Abs. 1 VwVG,
Art. 52 Abs. 1 VwVG, Art. 63 Abs. 4 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
2.1 Die Vorinstanz kann die ursprüngliche Verfügung gemäss Art. 58
VwVG bis zu ihrer Vernehmlassung respektive gemäss ständiger Praxis
bis zu ihrer letzten Stellungnahme (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Pro-
zessieren vor dem Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 3.44) in
Wiedererwägung ziehen. Die Beschwerdeinstanz setzt die Behandlung der
Beschwerde nur fort, soweit sie durch die neue Verfügung der Vorinstanz
nicht gegenstandslos geworden ist (Art. 58 Abs. 3 1. Teilsatz VwVG).
2.2 Mit der Wiedererwägung vom 10 März 2020 hob die Vorinstanz die an-
gefochtene Verfügung vom 18. Februar 2020 in der Gänze auf. Der mit der
Beschwerde im Rahmen der Verfügung umschriebene Streitgegenstand ist
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damit dahingefallen, das Beschwerdeverfahren ist als gegenstandslos ge-
worden im einzelrichterlichen Verfahren abzuschreiben (Art. 23 Abs. 1
Bst. a VGG).
3.
3.1
3.1.1 Die Verfahrenskosten – bestehend aus Spruchgebühr, Schreibge-
bühren und Barauslagen – sind in der Regel der unterliegenden Partei auf-
zuerlegen. Unterliegt diese teilweise, so werden die Verfahrenskosten er-
mässigt. Vorinstanzen oder beschwerdeführenden und unterliegenden
Bundesbehörden werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art. 63 Abs. 1
und 2 VwVG). Wird ein Verfahren gegenstandslos, so werden die Verfah-
renskosten in der Regel jener Partei auferlegt, deren Verhalten die Gegen-
standslosigkeit bewirkt hat. Ist das Verfahren ohne Zutun der Parteien ge-
genstandslos geworden, so werden die Kosten aufgrund der Sachlage vor
Eintritt des Erledigungsgrundes festgelegt (Art. 5 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
3.1.2 Dabei kommt es nicht auf den formellen, sondern auf den materiellen
Gehalt der konkreten Verfahrenshandlung an (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEU-
BÜHLER, a.a.O., Rz. 4.56). Eine Vorinstanz, die ihren Entscheid in Wieder-
erwägung gezogen hat, gilt dann als Verursacherin der Gegenstandslosig-
keit im Sinne von Art. 5 Satz 1 VGKE, wenn sie ihren Entscheid aus bes-
serer eigener Erkenntnis abgeändert hat (etwa weil sie erkennt, dass die-
ser von Anbeginn fehlerhaft war), nicht jedoch dann, wenn sie die Wieder-
erwägung vornimmt, weil der Umstand, welcher Anlass zum Einschreiten
gegeben hat, durch die Gegenpartei beseitigt worden ist (vgl. Urteil des
BGer 8C_60/2010 vom 4. Mai 2010 E. 4.2.1; Urteil des BVGer A-5666/2016
vom 13. Februar 2017 E. 10; Abschreibungsentscheid des BVGer A-
1368/2018 des BVGer vom 3. Januar 2019 E. 1.4.1).
3.2
3.2.1 Art. 26 Abs. 1 des Abkommens vom 2. November 1994 zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Republik Indien zur Vermei-
dung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen
(DBA CH-IN, SR 0.672.942.31) bestimmt, dass die zuständigen Behörden
der Vertragsstaaten jene Informationen austauschen, die zur Durchführung
dieses Abkommens oder zur Anwendung oder Durchsetzung des inner-
staatlichen Rechts betreffend die unter das Abkommen fallenden Steuern
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voraussichtlich erheblich sind, soweit die diesem Recht entsprechende Be-
steuerung nicht dem Abkommen widerspricht.
3.2.2 Zieht eine ausländische Behörde das Amtshilfeersuchen während
des laufenden Verfahrens zurück, tut sie damit grundsätzlich ihre Ansicht
kund, dass die Informationen, um die ersucht wurde, nicht (mehr) voraus-
sichtlich erheblich sind. Überdies mangelt es gegebenenfalls bereits an ei-
ner Voraussetzung für die Leistung von Amtshilfe gestützt auf ein Ersuchen
(vgl. Urteil des BVGer A-5743/2016 vom 29. März 2017 E. 2.2; Abschrei-
bungsentscheide des BVGer A-2701/2017 vom 11. Oktober 2017 E. 2.3
und A-1368/2018 vom 3. Januar 2019 E. 2.2).
3.3
3.3.1 Die Vorinstanz stellt auf Beschwerdeebene fest, dass die ersuchende
Behörde das Gesuch ohne Angaben von Gründen zurückgezogen habe.
Es sei zu klären, ob der Rückzug des Gesuchs im Verhalten des Beschwer-
deführers liege. Infolge der Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts
in der Zwischenverfügung vom 31. Januar 2022 sei es bei hängiger Be-
schwerde indessen nicht an ihr, der Vorinstanz, solche Rückfragen an die
ersuchende Behörde zu stellen, jedenfalls nicht ohne entsprechende An-
weisung des Gerichts.
3.3.2 Der Beschwerdeführer demgegenüber ist der Auffassung, eine Rück-
frage bei der ersuchenden Behörde sei nicht geboten. Die Vorinstanz hätte
im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes die Gründe für den Rückzug
des Ersuchens abzuklären gehabt. Sie habe sich das Verhalten der ersu-
chenden Behörde anrechnen zu lassen. Er, der Beschwerdeführer, habe
jedenfalls keine Mitwirkungspflichten verletzt und nicht durch sein Zutun
die Gegenstandslosigkeit verursacht.
3.4 Grundsätzlich ist das Verhalten der ersuchenden Behörde – die ihrer-
seits nicht Partei dieses Verfahrens ist – der Vorinstanz zuzurechnen. Zieht
diese ihr Ersuchen zurück, ohne dass die betroffene Person respektive der
Beschwerdeführer dazu Anlass gegeben hätte, so hat dies zur Folge, dass
in Anwendung der skizzierten Grundsätze keine Verfahrenskosten zu spre-
chen sind (Art. 5 VGKE, vorne, E. 3.1.1; vgl. Abschreibungsentscheide des
BVGer A-5064/2019 vom 29. Mai 2020 E. 3.5, A-5246/2020 vom 15. Ja-
nuar 2021 E. 3 a.E., je m.w.H.).
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3.5 Die Vorinstanz insinuiert in ihren Mitteilungen vom 10. März 2022 und
14. April 2022, der Rückzug des Ersuchens gründe im Verhalten des Be-
schwerdeführers, was bei der ersuchenden Behörde zu erfragen sei. Der-
gleichen Instruktionsmassnahmen sprengen indessen den Rahmen eines
Amtshilfeverfahrens, das sich infolge Gegenstandslosigkeit im Stadium der
Abschreibung befindet. Beim gegebenen Aktenstand ist nicht ersichtlich,
ob der Rückzug des Ersuchens im Verhalten des Beschwerdeführers oder
in besserer (oder zumindest anderer) Erkenntnis der ersuchenden Be-
hörde, etwa als Folge der bereits seit dem vorinstanzlichen Verfahren an-
hängigen Rückfrage der Vorinstanz bei dieser, gründet. Anhaltspunkte für
eine frühere (und aufgegebene) Verletzung der Mitwirkungspflicht, wie
etwa entsprechende Entscheide oder Sanktionierungen, bestehen keine.
In anderen Worten ist nicht erstellt, dass die Gegenstandslosigkeit durch
das Zutun des Beschwerdeführers eingetreten wäre. Im Übrigen könnte
das Bundesverwaltungsgericht ohnehin nicht prüfen, ob der Beschwerde-
führer nach indischem Recht Mitwirkungspflichten verletzt hat. Die Vor-
instanz hat sich demgegenüber den von der ersuchenden Behörde ohne
Begründung getätigten Rückzug des Ersuchens als ihr eigenes Zutun zur
Gegenstandslosigkeit zurechnen zu lassen (vgl. Abschreibungsentscheid
des BVGer A-5246/2020 vom 15. Januar 2021 E. 4 Abs. 8 f.).
3.6 Es sind folglich keine Verfahrenskosten zu erheben. Der vom Be-
schwerdeführer geleistete Gerichtskostenvorschuss ist nach Eintritt der
Rechtskraft zurückzuerstatten.
4.
4.1
4.1.1 Das Gericht kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von
Amtes wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene
und notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen. Im Falle
des teilweisen Obsiegens ist die Parteientschädigung entsprechend zu
kürzen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 2 VGKE). Für den Fall der
Gegenstandslosigkeit gelten die Überlegungen zu den Verfahrenskosten
sinngemäss (Art. 15 VGKE, siehe vorstehend, E. 3.1).
4.1.2 Ersatzfähig sind Parteikosten nur, wenn und soweit sie notwendig
und verhältnismässig sind. Notwendig sind sie, wenn sie zur sachgerech-
ten und wirksamen Rechtsverfolgung oder Rechtsverteidigung unerlässlich
erscheinen; zu beurteilen ist dies nach der Prozesslage wie sie sich der
Betroffenen im Zeitpunkt der Kostenaufwendung darbot. Die Festsetzung
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der Parteientschädigung erfolgt auf der Grundlage der eingereichten Kos-
tennote. Diese wird indessen nicht unbesehen übernommen; selbst bei er-
wiesener Notwendigkeit einer Vertretung sind nur die notwendigen Kosten
respektive der notwendige Zeitaufwand zu ersetzen und wird unnötiger
Aufwand nicht entschädigt (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 8 Abs. 2 und Art. 10
Abs. 1 VGKE; vgl. Urteile des BGer 8C_329/2011 vom 29. Juli 2011 E. 2.2;
2C_445/2009 vom 23. Februar 2010 E. 5.3, je m.w.H.). Zu einer Reduktion
führen etwa Wiederholungen in Rechtsschriften und Eingaben, in denen
gegenüber den vorher eingereichten Rechtsschriften materiell nicht Neues
vorgebracht wird. Zu einer Kürzung kann gemäss der Rechtsprechung
auch der vermeidbare Koordinationsaufwand, der durch den Beizug meh-
rerer Anwältinnen oder Anwälte entstanden ist, führen (Urteile des BVGer
A-1498/2019 vom 17. Juni 2020 E. 4.2.1, A-7010/2015 vom 19. Mai 2016
E. 11.2.4, A-4556/2011 vom 27. März 2012 E. 2.2.2 und 2.5, A-7976/2010
vom 20. Oktober 2011 E. 8.2.4.2).
4.1.3 Der Stundenansatz für Anwälte und Anwältinnen beträgt mindestens
Fr. 200.-- und höchstens Fr. 400.-- (Art. 10 Abs. 2 VGKE). Auslagen wer-
den aufgrund der tatsächlichen Kosten ausbezahlt (Art. 11 VGKE).
4.1.4 Kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Ergebnis, dass die Kos-
tennote zu reduzieren ist, kürzt es sie in pauschaler Weise und ohne ein-
lässliche Berechnung (Urteile des BVGer A-1498/2019 vom 17. Juni 2020
E. 4.2.2, A-7010/2015 vom 19. Mai 2016 E. 11.2.4, A-3290/2013 vom
6. Juni 2014 E. 10.4, A-4556/2011 vom 27. März 2012 E. 2.5).
4.2
4.2.1 Der Beschwerdeführer legt Honorarnoten vom 29. April 2020, 8. März
2022 und 30. März 2022 ins Recht. Aus diesen ergibt sich, dass seit Erge-
hen der angefochtenen Schlussverfügung durch das mit der Sache be-
traute, zweiköpfige Anwaltsteam 163.3 Honorarstunden verbucht wurden.
Angewandt wurden Stundensätze von Fr. 450.–, Fr. 600 und Fr. 650.–, die
Auslagen wurden pauschal mit 3 % der Honorarsumme verbucht (je unter
Vernachlässigung des in der Rechnung vom 29. April 2020 aufgeführten
Rabattes). Insgesamt ergibt sich so die beantragte Entschädigung von
Fr. 80'033.55. Dieser Betrag kann aus mehreren Gründen so nicht über-
nommen werden.
4.2.2 Von vornherein können die teils deutlich über dem reglementarisch
maximal zulässigen Stundensatz liegenden Honorarstundensätze von
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Fr. 450.– bis Fr. 650.– der Berechnung der Parteientschädigung nicht zu-
grunde gelegt werden. Selbst wenn man den maximal zulässigen Satz von
Fr. 400.– zugrunde legte, ergäbe sich mit den geltend gemachten Honorar-
stunden ein Gesamthonorar (ohne Auslagen) von Fr. 65'320.–, was noch
immer wesentlich höher ist, als was in vergleichbaren Fällen zugesprochen
wurde.
4.2.3 Das Zugrundelegen des maximalen Honorarstundensatzes impliziert
eine qualifizierte Spezialisierung, die mit der Erwartung auf eine spürbare
Effizienz korrespondiert. Während die Qualifikation der Rechtsvertretung
ausser Frage steht, wird die daraus folgende Erwartung mit dem geltend
gemachten Gesamtaufwand, aber auch in einzelnen Positionen nicht er-
füllt. So wird etwa in der letzten Eingabe vom 29. März 2022 geltend ge-
macht (und mit Detailnachweis auch belegt), die letzte Honorarnote vom
30. März 2022 beschlage die Aufwendungen der nämlichen Eingabe. Es
ist nicht nachvollziehbar, dass die Ausarbeitung einer Stellungnahme zu
den in der Sache überschaubaren Folgen der (in der Sache nicht strittigen)
Abschreibung infolge Gegenstandslosigkeit eines Aufwandes durch einen
Anwalt und eine Anwältin im Umfang von 30.8 Stunden bedürfen kann.
Auch mit grossem Verständnis für die Komplexität der Sachlage scheint
insgesamt ein gegenüber der Tragweite des Falles übermässiger Aufwand
geleistet worden zu sein.
4.2.4 Zu bedenken ist weiter, dass die Vertretung durch mehrere Anwältin-
nen und Anwälte unweigerlich einen Koordinationsbedarf mit sich bringt.
Gerade im Zusammenhang mit der soeben angesprochenen Rechnung
fällt auf, dass auch die Koordination mit einer weiteren Anwaltskanzlei ver-
bucht wird.
4.2.5 Zu beachten ist sodann, dass der konkrete Fall zwar Besonderheiten
aufweisen mag, indessen waren die mandatierten Rechtsvertreter bereits
vor der Vorinstanz involviert. Die Sach- und Rechtslage war ihnen bekannt.
Die Beschwerde vom 20. März 2020 etwa nimmt zwar die Argumentation
der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung auf, folgt aber in Struktur
und Leitlinien der Argumentation weitgehend der einlässlichen Stellung-
nahme vom 23. August 2019. Es wurde offensichtlich – und zu Recht – auf
dem Vorwissen aus dem erstinstanzlichen Verfahren aufgebaut. Gleichzei-
tig bedeutet dies, dass der Aufwand für die erste Informationsbeschaffung,
Sichtung und rechtliche Recherche im erstinstanzlichen Verfahren anfiel.
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Diese Bemühungen können nicht über die Parteikosten im Beschwerde-
verfahren reguliert werden (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz.
4.87).
4.2.6 Nicht mit dem System der Berechnung der Parteientschädigung des
VGKE einher geht ferner die prozentuale Berechnung der Auslagen (vorne,
E. 4.1.3). Dieser Berechnungsansatz mag bei tieferen Honorarrechnungen
einen sachgemässen Schematismus darstellen, bei hohen Honorarsum-
men – wie vorliegend – ergeben sich dagegen Beträge, die nicht in realis-
tischer Weise mit den tatsächlichen Auslagen korrespondieren können.
4.3 Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass in vergleichbaren Fällen
Parteientschädigungen meist in der Höhe von Fr. 7'500.– zugesprochen
wurden und des Umstandes, dass im vorliegenden Fall eine Erhöhung die-
ses Betrages angemessen erscheint, ist dem Beschwerdeführer eine er-
messensweise festgesetzte Parteientschädigung von Fr. 15'000.– (pau-
schal festgesetzt) zuzusprechen.
5.
Dieser Entscheid auf dem Gebiet der internationalen Amtshilfe in Steuer-
sachen kann gemäss Art. 83 Bst. h des Bundesgerichtsgesetzes vom
17. Juni 2005 (BGG, SR 173.110) innerhalb von 10 Tagen nur dann mit
Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesge-
richt weitergezogen werden, wenn sich eine Rechtsfrage von grundsätzli-
cher Bedeutung stellt oder wenn es sich aus anderen Gründen um einen
besonders bedeutenden Fall im Sinne von Art. 84 Abs. 2 BGG handelt
(Art. 84a und Art. 100 Abs. 2 Bst. b BGG). Ob dies der Fall ist, entscheidet
im Anfechtungsfall das Bundesgericht.
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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Demnach verfügt das Bundesverwaltungsgericht:
1.
Der Antrag auf Anordnung von Instruktionsmassnahmen wird abgewiesen.
2.
Die Beschwerde wird als infolge Wiedererwägung gegenstandslos gewor-
den abgeschrieben.
3.
Es werden keine Verfahrenskosten erhoben. Der vom Beschwerdeführer
geleistete Gerichtskostenvorschuss von Fr. 5'000.– wird ihm nach Eintritt
der Rechtskraft des vorliegenden Entscheids zurückerstattet.
4.
Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer für das Verfahren vor Bundes-
verwaltungsgericht mit Fr. 15'000.– zu entschädigen.
5.
Dieser Entscheid geht an den Beschwerdeführer und die Vorinstanz.
Für die Rechtsmittelbelehrung wird auf die nächste Seite verwiesen.
Der Einzelrichter: Der Gerichtsschreiber:
Jürg Steiger Thomas Bischof
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