Decision ID: f7e07320-7c9c-5380-b4a9-71b4155046a2
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
L._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Dr. iur. Claudia Oesch, c/o Schwager Mätzler Schneider,
Poststrasse 23, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
Die 1949 geborene als selbständigerwerbende Kosmetikerin tätige L._ meldete sich
am 9. Januar 2004 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an. Dr. med.
A._, Spezialarzt FMH für Chirurgie, speziell Wirbelsäulenleiden, bestätigte am 2.
Februar 2004 bei der Versicherten ein lumbovertebrales Syndrom sowie eine Psoriasis.
Die Patientin sei seit 27. Februar 2003 zu 60 % arbeitsunfähig (IV-act. 13). Nach
Durchführung von medizinischen und erwerblichen Abklärungen kündigte die IV-Stelle
St. Gallen der Versicherten mit Vorbescheid vom 6. November 2007 an, dass sie bei
einem IV-Grad von 25 % (Valideneinkommen von Fr. 32'119.-- und
Invalideneinkommen von Fr. 24'018.--) keinen Rentenanspruch habe. Vor Eintritt der
gesundheitlichen Einschränkung habe sie in der Tätigkeit als selbstständige
Kosmetikerin ein Jahreseinkommen von Fr. 30'000.-- erzielen können. Aus der
Buchhaltung und dem Auszug aus dem individuellen Konto sei ersichtlich, dass sich ab
2003 das Einkommen aufgrund der gesundheitlichen Einschränkung verringert habe. In
einer dem Gesundheitsschaden angepassten Tätigkeit sei eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit ausgewiesen (IV-act. 71). Nachdem die Versicherte hiegegen am 10.
November 2007 Einwendungen erhoben hatte (IV-act. 72), verfügte die IV-Stelle am 21.
November 2007 im Sinn des Vorbescheids (IV-act. 73).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte am 29. November 2007 durch ihren
damaligen Rechtsvertreter Beschwerde erheben mit den Anträgen, die Verfügung sei
aufzuheben, und es seien der Beschwerdeführerin die ihr zustehenden gesetzlichen
Leistungen der Invalidenversicherung zuzusprechen. Zur Begründung legte der
Rechtsvertreter unter anderem dar, die Beschwerdegegnerin habe keine
nachvollziehbare Zumutbarkeitsbeurteilung vorgenommen. Sie vermöge auch keine
leidensangepasste Verweisungstätigkeit zu benennen. Die involvierten Ärzte würden
die Zumutbarkeit eines Stellenwechsels aus medizinischer Sicht verneinen. Sodann sei
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allein schon aufgrund des fortgeschrittenen Alters ein Stellenwechsel unzumutbar. Die
Beschwerdeführerin sei beinahe seit 30 Jahren selbstständig erwerbstätig. Die
selbstständige Tätigkeit als Kosmetikerin sei prägender Bestandteil ihrer Biographie
und gebe ihr die notwendige Lebenskraft. Die Aufgabe dieser Tätigkeit und der
Kundenbeziehungen sei namentlich aus psychischer Sicht für die Beschwerdeführerin
nicht verkraftbar. Eine bessere Verwertung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit nach
einer allfälligen Aufgabe der selbstständigen Tätigkeit sei ausgeschlossen. Der
Abklärungsbericht Selbstständigerwerbende vom 7. Juli 2005 sei veraltet, beruhe auf
unrichtigen Tatsachen und berücksichtige nicht das Beschwerdebild der
Beschwerdeführerin. Infolge der medizinisch festgestellten Einschränkungen weise die
Beschwerdeführerin bei ihrer Tätigkeit eine Beeinträchtigung von mindestens 70 % auf.
Werde der in den Jahren 2004 bis 2006 erzielte durchschnittliche Gewinn von ungefähr
7'400.-- Franken (Invalideneinkommen) dem Valideneinkommen von Fr. 32'119.--
gegenübergestellt, ergebe sich ein IV-Grad von 77 %. Selbst wenn unzutreffend die
Auffassung der Beschwerdegegnerin geteilt und die Zumutbarkeit eines
Stellenwechsels bejaht würde, hätte die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze
Rente, weil die Verwertung der Resterwerbsfähigkeit nicht realisierbar sei. Selbst wenn
von einer Verwertbarkeit ausgegangen werde, ergebe sich ein Anspruch auf
Rentenleistungen. Das Invalideneinkommen betrage unter Anwendung einer 70 %igen
Arbeitsunfähigkeit Fr. 14'410.80 (Fr. 48'036.-- x 0.3). Es sei ein Leidensabzug von 25 %
zu berücksichtigen.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 7. Februar 2008 beantragte die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie unter
anderem aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht sei gemäss Beurteilung des RAD
in leichten wechselbelastenden Tätigkeiten ohne Zwangs- und verspannte Haltungen
sowie ohne Belastungen der Daumengrundgelenke von einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Von medizinischer Seite seien keine Gründe erkennbar, welche der
Beschwerdeführerin die Verwertung der attestierten Restarbeitsfähigkeit
verunmögliche. Ihr seien in Konkretisierung der Schadenminderungspflicht die Aufgabe
der selbstständigen Tätigkeit und die Aufnahme einer leidensangepassten
unselbstständigen Erwerbstätigkeit zumutbar. Die Tätigkeit als selbstständige
Kosmetikerin sei nicht als eine so gehobene Stellung anzusehen, welche die Ausübung
einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin zum vornherein als unzumutbar erscheinen lasse.
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Auch spreche die lange Dauer der selbstständigen Erwerbstätigkeit grundsätzlich nicht
gegen einen Wechsel in eine unselbstständige Tätigkeit. Da die Beschwerdeführerin als
Selbstständigerwerbende vor Eintritt des Gesundheitsschadens keine hohen
Einkommen erzielt habe, komme der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einer
unselbstständigen Tätigkeit erhöhtes Gewicht zu. Dass sie im Zeitpunkt der
Rentenabweisung fast das 58. Altersjahr erreicht habe, stehe einem Berufswechsel
grundsätzlich nicht entgegen. Beim Valideneinkommen sei von dem im Jahr 2002
erzielten Verdienst als Selbstständigerwerbende auszugehen. Die gesundheitlich
bedingte verminderte Belastbarkeit vermöge höchstens einen 10 %-Abzug vom LSE-
Tabellenlohn (Invalideneinkommen) zu begründen. Einem Valideneinkommen von
Fr. 30'908.-- sei ein Invalideneinkommen von Fr. 21'864.-- gegenüberzustellen.
B.c Mit Replik vom 26. Februar 2008 hielt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an seinen Anträgen und Ausführungen fest. Er reichte ein ärztliches Zeugnis vom
19. Februar 2008 ein mit dem Hinweis, dass intermittierend sich die gesundheitlichen
Beschwerden verstärken würden und die Beschwerdeführerin in solchen Phasen
vollständig arbeitsunfähig sei. Im Schreiben vom 4. März 2008 bestätigte auch die
Beschwerdegegnerin ihren Standpunkt.

Erwägungen:
1.
1.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007 gültig
gewesenen, hier anwendbaren Fassung besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die
Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
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könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht
genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten
Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu
vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommmen nicht
zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für
Nichterwerbstätige (Art. 27 IVV) ein Betätigungsvergleich anzustellen und der
Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der verminderten
Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen. Der
grundsätzliche Unterschied des ausserordentlichen Bemessungsverfahrens zur
spezifischen Methode besteht darin, dass die Invalidität nicht unmittelbar nach
Massgabe des Betätigungsvergleichs als solchem bemessen wird. Vielmehr ist
zunächst anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung
festzustellen; sodann ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung zu
gewichten. Eine bestimmte Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines
Erwerbstätigen kann zwar, braucht aber nicht notwendigerweise eine Erwerbseinbusse
gleichen Umfanges zur Folge zu haben (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG; BGE 104 V 135; AHI
1998, 119; BGE 128 V 29).
1.2 Dr. med. B._, Spezialärztin FMH für physikalische Medizin und Rehabilitation,
Klinik Hirslanden, Zürich, diagnostizierte bei der Beschwerdeführerin am 17. Januar
2003 ein panvertebrales Schmerzsyndrom bei leichter Skoliose und Status nach
thorakolumbalem Morbus Scheuermann sowie eine PHS calcarea links (IV-act.
14-9/11). Dr. med. C._, pract. Arzt für Allgemeine Medizin und
Komplementärmedizin, bescheinigte am 4. Februar 2004 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
% seit 27. Januar 2003 in der Tätigkeit als Kosmetikerin. Bei dieser während sieben
Stunden pro Tag zumutbaren Arbeit bestehe eine um 30 % verminderte
Leistungsfähigkeit. Eine andere, wechselnd sitzend und stehend ausgeübte Tätigkeit
ohne repetitive Bewegungen wäre ihr während sieben Stunden pro Tag zumutbar. Die
attestierte Arbeitsfähigkeit sei realisierbar sowohl ganztags mit reduzierter Leistung
oder in Teilzeit bis zu fünf Stunden mit voller Leistung (IV-act. 14-1/11ff). Dr. A._
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bestätigte am 6. April 2004, dass sowohl in der Tätigkeit als Kosmetikerin als auch in
einer anderen, der Behinderung angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vorliege. Die Patientin wolle ihre angestammte Tätigkeit beibehalten und nicht auf eine
andere Arbeit umgeschult werden (IV-act. 20). Die Ärzte der Rehaklinik Rheinfelden
bescheinigten am 20. Oktober 2004 ebenfalls eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act.
23-18/18). Eine medizinische Abklärung bei Dr. med. D._, Physikal. Medizin FMH,
ergab gemäss Bericht vom 26. November 2004 die Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eines chronischen generalisierten myofascialen Schmerzsyndroms mit
Symptomausweitung mit Panvertebralsyndrom, erosiver Osteochondrose L5/S1 mit
Diskusprotrusion, beginnender Chondrose L4/5 und tiefreichender
Brustwirbelsäulenkyphose bei Status nach Morbus Scheuermann sowie eine cervikale
Kyhose über C5/6 und geringe Spondylose C5/6. Die von Dr. C._ gestellte Diagnose
der chronisch rezidivierenden Arhritiden, möglicherweise bei Psoriasis, habe weder von
Frau Dr. B._ im Januar 2003 noch von der Rehaklinik Rheinfelden im Oktober 2004
und auch von ihm (Dr. D._) nicht bestätigt werden können. Auf der psychisch-
geistigen Ebene sei die Patientin einerseits durch chronische Schmerzen, anderseits
durch eine depressive Entwicklung im Rahmen dieser Schmerzen, aber auch der
psychosozialen Spannungen durch gesundheitliche und emotionale Störungen des
Ehemannes zuhause beeinträchtigt. Eine gewisse Konzentrationsschwäche werde im
Sinn einer Symptomausweitung angegeben. Auf körperlicher Ebene würden die
Patientin die Schmerzen im Nacken und im Kreuz bei ihrer Arbeit als Kosmetikerin
beeinträchtigen, die sie sitzend und stehend in Vorneigehaltung vornehme. Die
bisherige Tätigkeit sei noch zu vier bis viereinhalb Stunden pro Tag, an einem Halbtag
ausgeführt, zumutbar. Dabei bestehe durch vermehrt notwendige Pausen oder
Reduktion des Arbeitstempos eine um ca. 10 % verminderte Leistungsfähigkeit. Der
Grad der Arbeitsunfähigkeit sei seit Anfang 2003 mit 50% gleich geblieben und werde
dies mittelfristig auch so bleiben (IV-act. 23).
1.3 Am 7. Juli 2005 führte die Beschwerdegegnerin eine Abklärung an Ort durch. Im
Bericht vom 3. Januar 2006 ermittelten die mit der Abklärung betrauten Personen
aufgrund eines Betätigungsvergleichs einen IV-Grad von 32 %. Sie hielten unter
anderem fest, der Bericht sei mit vielen Änderungen ununterschrieben zurückgeschickt
worden (IV-act. 35). Dr. med. E._, Psychiatrie und Psychotherapie, RAD Ostschweiz,
berichtete am 22. Mai 2006 im Nachgang zu einer psychiatrischen Untersuchung der
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Beschwerdeführerin, in der Tätigkeit als selbstständige Kosmetikerin bestehe aus
psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Sie stellte die Diagnosen einer
mittelgradigen depressiven Episode sowie eines Verdachts auf somatoforme
Schmerzstörung (IV-act. 39). Im Nachgang zu einer stationären Rehabilitation
bestätigte Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Klinik Gais im Bericht
vom 5. September 2006 eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 46). In den Berichten
vom 16. Januar und 6. August 2007 attestierte Dr. C._ bzw. dessen Nachfolger Dr.
med. G._, Facharzt Innere Medizin FMH, Akupunktur-TCM (ASA), einen stationär
gebliebenen Gesundheitszustand. Als Kosmetikerin sei die Beschwerdeführerin
zweimal zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig (IV-act. 52 und 65).
2.
Grundlage der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist die
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Während die Dres. C._, G._ und A._ sowie die Ärzte
der Rehaklinik Rheinfelden der Beschwerdeführerin sowohl in der Tätigkeit als
Kosmetikerin als auch in einer anderen adaptierten Arbeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
bescheinigten (IV-act. 14-1/11ff, 20, 23-18/18, 52, 65), erachtete Dr. D._ im
Verlaufsgutachten vom 26. November 2004 die bisherige Tätigkeit zwar ebenfalls noch
zu vier bis viereinhalb Stunden pro Tag zumutbar; er bestätigte jedoch zusätzlich eine
10%ige Leistungsreduktion aufgrund der Pausennotwendigkeit und der Reduktion des
Arbeitstempos (IV-act. 23). Diese zusätzliche Reduktion begründete Dr. D._ in
nachvollziehbarer Weise. Der Beurteilung dieses Arztes schloss sich der RAD-Arzt Dr.
med. H._ im Bericht vom 29. Januar 2007 an, indem er die Arbeitsfähigkeit in der
Kosmetikerintätigkeit im Ergebnis auf 40% festlegte. In einer adaptierten anderen
Arbeit ging er von einer hälftigen Einschränkung aus (IV-act. 53). Aus psychiatrischer
Sicht wurde von den Dres. E._ und F._ sodann eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
bescheinigt (IV-act. 39 und 46). Dabei ist zu beachten, dass bei Zusammentreffen
verschiedener Gesundheitsbeeinträchtigungen sich deren erwerblichen Auswirkungen
in der Regel überschneiden, weshalb der Grad der Arbeitsfähigkeit diesfalls aufgrund
einer sämtliche Behinderungen umfassenden ärztlichen Gesamtbeurteilung zu
bestimmen ist. Eine blosse Addition der mit Bezug auf einzelne Funktionsstörungen
und Beschwerdebilder geschätzten Arbeitsunfähigkeitsgrade ist nicht zulässig (Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
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Abteilungen des Bundesgerichts] vom 3. März 2003 i/S E. [U 850/02] Erw. 6.4.1). Mit
Blick auf diese Beurteilungen erscheint ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin ihre
angestammte Tätigkeit noch zu 40% und eine adaptierte andere Arbeit zu 50%
auszuüben in der Lage ist.
3.
3.1 Zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin - im Sinn des Standpunktes der
Beschwerdegegnerin - aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht die Aufgabe des
Geschäfts zugemutet werden kann. Die Rechtsprechung leitet die Pflicht der
versicherten Person zur beruflichen Neueingliederung aus dem Gebot der
Schadenminderung ab; die versicherte Person soll alles ihr Zumutbare unternehmen,
um die erwerblichen Folgen ihres Gesundheitsschadens bestmöglich zu mindern, denn
die Sozialversicherung soll nicht Schäden ausgleichen müssen, die die versicherte
Person durch zumutbare geeignete Vorkehren selbst beheben oder vermindern kann.
Die Frage, ob und gegebenenfalls welche berufliche Neueingliederung von einer
versicherten Person im Rahmen ihrer Pflicht zur Schadenminderung verlangt werden
kann, beantwortet sich nach dem Grundsatz der Zumutbarkeit, der als Teilgehalt im
verfassungsmässigen Grundsatz der Verhältnismässigkeit (Art. 5 Abs. 2 BV) enthalten
ist (Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl., Bern 2003, § 4
Rz 26 ff.). Von der versicherten Person kann daher nur eine berufliche Umstellung
verlangt werden, die ihr unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und
subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar ist, d.h. es darf sich nicht um
realitätsfremde und in diesem Sinne unmögliche oder unverhältnismassige Vorkehren
handeln. Für die Beurteilung der Zumutbarkeit eines Berufswechsels sind insbesondere
das Alter der versicherten Person, die Art und Dauer ihrer bisherigen Berufstätigkeit,
deren selbstständige oder unselbstständige Ausübung, die mit einer beruflichen
Neueingliederung verbundene Veränderung der sozialen Stellung der versicherten
Person, ihre persönlichen und familiären Verhältnisse sowie die entsprechend grössere
oder geringere Flexibilität hinsichtlich ihres Wohn- und Arbeitsortes massgebend. Ins
Gewicht fällt auch die Art und Dauer der beanspruchten Versicherungsleistungen sowie
deren Kosten. Denn die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht sind
zulässigerweise dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der
Sozialversicherung in Frage steht, wie dies beispielsweise bei Rentenleistungen an
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relativ junge Versicherte der Fall ist, denen in einer neuen beruflichen Tätigkeit noch
eine lange Aktivitätsperiode verbleibt (vgl. m.w.H. das Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 23. Dezember 2004 [I 316/04], Erw. 2.2).
3.2 Die Beschwerdeführerin war seit Abschluss einer Verkaufslehre in der Gastronomie
und im Verkauf an der Kasse tätig. Nach Absolvierung der Kosmetikfachschule
(1979-1980) arbeitete sie seit 1980 als selbstständigerwerbende Kosmetikerin (IV-act.
39-3/8). Diese Tätigkeit übte sie bei Beginn der gesundheitlich bedingten
Einschränkungen im Jahr 2003 somit während 23 Jahren aus. In anderen, körperlich
leichten Tätigkeiten verfügt sie über wenig Berufserfahrung. Eine Umschulung und ein
Einstieg in ein anderes Berufsfeld, in dem die Beschwerdeführerin mit Jahrgang 1949
und ohne Berufserfahrung wenig Chancen hätte, einen höheren Verdienst zu erzielen
wie als Selbstständigerwerbende, ergäbe voraussichtlich eine schlechte Kosten-
Nutzen-Bilanz. Unter Würdigung der Gesamtsituation ist es der heute 59 Jahre alten
Beschwerdeführerin nicht zumutbar, ihre angestammte Tätigkeit aufzugeben zugunsten
einer beruflichen Neuorientierung oder Umschulung, deren Erfolg bei den vorliegenden
Gegebenheiten zweifelhaft wäre. Dies umso weniger, als Dr. D._ festgehalten hatte,
andere Tätigkeiten als die selbstständige Ausübung des Kosmetikerinberufes würden
die gleiche Belastung der Wirbelsäule bedeuten. Es könnten in der jetzigen Tätigkeit in
idealer Weise geforderte Wechselpositionen eingehalten werde. Ebenso könne die
Patientin ihr Arbeitstempo bestimmen. Bei Arbeitszuweisung durch eine Fremdperson
in einem Angestelltenverhältnis könnte die Rückenergonomie nicht in demselben Mass
umgesetzt werden (IV-act. 23). Bei dieser Sachlage ist zu prüfen, inwiefern von einer
Invalidität auszugehen ist.
4.
4.1 Zunächst ist anhand des Betätigungsvergleichs die leidensbedingte Behinderung
festzustellen; sodann ist diese im Hinblick auf ihre erwerbliche Auswirkung besonders
zu gewichten (vgl. Urteil des EVG vom 15. Januar 2003 i/S W. [I 152/02], Erw. 2.1;
BGE 128 V 30 f. Erw. 1; AHI 1998 S. 119; BGE 104 V 136 Erw. 2c; vgl. auch
Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], in
der ab 1. Januar 2008 gültigen Fassung, Rz 3104-3106). Dabei kann eine bestimmte
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Einschränkung im funktionellen Leistungsvermögen eines Erwerbstätigen eine
Erwerbseinbusse gleichen Umfangs zur Folge haben. Das ist aber nicht zwingend. Die
ausserordentliche Methode lehnt sich an die spezifische Methode an. Für die
wirtschaftliche Gewichtung des Betätigungsvergleichsergebnisses bietet sich an, den
Wert der verschiedenen Betätigungen im Verhältnis zueinander festzustellen und mit
der Einschränkung im jeweiligen Tätigkeitsbereich in Beziehung zu setzen. Dabei darf
nicht auf die Betriebsergebnisse abgestellt werden (vgl. BGE 128 V 29 Erw. 4a). Es ist
eine einzelfallbezogene Bewertung gefragt. Deshalb sind nach der Rechtsprechung
zwar statistische Werte heranzuziehen, doch ist dabei auf branchenübliche
Einkommenswerte abzustellen, nicht auf LSE-Tabellen. Der Invaliditätsgrad soll unter
Berücksichtigung der einzelfallbezogenen Kriterien wie Betriebsgrösse, Branche,
Erfahrung des Betriebsinhabers usw. ermittelt werden (vgl. Urteil des EVG vom 7. April
2004 i/S A. [I 202/03], Erw. 5.5).
4.2 Die Beschwerdeführerin lässt den von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen
Betätigungsvergleich beanstanden und ausführen, dieser sei veraltet, beruhe auf
unrichtigen Tatsachen und berücksichtige nicht ihr Beschwerdebild (act. G 1 S. 7). Die
von ihr eingereichten Korrekturen vom 11. August 2005 betreffen jedoch vorderhand
formelle sowie medizinische Aspekte und stellen das Ergebnis als solches nicht
grundsätzlich in Frage (vgl. IV-act. 35). Im weiteren kann aus dem Umstand allein, dass
die Umsatzzahlen in den Jahren 2000 bis 2002 sich in etwa in gleichem Rahmen
bewegten, dann jedoch im Jahr 2003 um rund 30% sanken (IV-act. 35-7/12), insofern
nicht ohne weiteres eine gesundheitlich begründete erwerbliche Einschränkung
abgeleitet werden, als die Ursachen von Umsatzentwicklungen bzw. Rückgängen in
der Regel vielschichtig sind. Die Höhe des reinen Betriebseinkommens lässt sich nicht
ohne weiteres zu den jeweiligen Umsatzzahlen in eine aussagekräftige Beziehung
setzen. So lag das reine Betriebseinkommen im Jahr 2001 bei noch nicht
gesundheitlich beeinflusstem Umsatz nur unwesentlich über demjenigen des Jahres
2003 (IV-act. 35-7/12). Die Buchhaltungsunterlagen (IV-act. 2 und 32) belegen
höchstens, dass der Umsatz zurückging; die Ursachen des Rückgangs lassen sich
nicht einwandfrei herleiten.
Im RAD-Bericht vom 22. Mai 2006 wurde festgehalten, die Einschränkung von 40% für
die "reine Tätigkeit am Kunden" erscheine (mit Blick auf die psychischen Probleme) zu
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gering angesetzt (IV-act. 39-7f/8). Die Beschwerdegegnerin war beim
Betätigungsvergleich bei der eigentlichen Tätigkeit als Kosmetikerin (Anteil 80%) von
einer Einschränkung von 40% ausgegangen und so auf eine (anteilmässige)
Arbeitsfähigkeit von 48% (Anteil von 80% x 0.6) gekommen. Weder die Einschränkung
von 40%, wie sie die Beschwerdegegnerin zugrunde legte, noch die vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers geltend gemachte 70%-Einschränkung (act. G
1 S. 8) sind durch ärztliche Akten bestätigt. Wird die von Dr. D._ postulierte
Einschränkung von 60% als Basis des Betätigungsvergleichs genommen, so ergibt
sich für die eigentliche Kosmetikerintätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 32% (Anteil von
80% x 0.4). Für den Bereich der Betriebsführung ist von einer psychiatrischerseits
attestierten Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen. Insgesamt resultiert - auf der
Grundlage der medizinischen Arbeitsfähigkeitsschätzung, die auch der RAD für
nachvollziehbar erachtet hat (vgl. IV-act. 53) - eine Restarbeitsfähigkeit von 42%.
4.3 Die Beschwerdegegnerin nahm den Einkommensvergleich in der Weise vor, dass
sie dem auf der Basis des Einkommens aus selbstständiger Erwerbstätigkeit
bemessenen Valideneinkommen (Fr. 32'119.-- für das Jahr 2007) einem Tabellen-
Invalideneinkommen (LSE Ostschweiz, TA1, Durchschnittslohn privater Sektor, Niveau
4, von Fr. 24'018.-- (50% von Fr. 48'036.--) gegenüberstellte (IV-act. 67). Vorderhand
erscheint es nicht sachgerecht, die Festlegung des Valideneinkommens auf der Basis
des als Selbstständigerwerbende verdienten, offensichtlich unterdurchschnittlichen
Lohnes vorzunehmen. Dies umso weniger, als die Einkommenszahlen auch in den
Jahren ohne gesundheitliche Einschränkung (bis 2002) relativ starke Schwankungen
aufwiesen (IV-act. 2-2/2, 8, 28) und auch durch weitere, nicht im einzelnen eruierbare
Faktoren (z.B. Kosten- und Abschreibungsstruktur) beeinflusst gewesen sein dürften.
Auch beim Valideneinkommen handelt es sich - wie beim Invalideneinkommen - um
einen hypothetischen Wert (A. Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. A., 122). Das von der Beschwerdegegnerin verwendete
Valideneinkommen kann aus den erwähnten Gründen nicht als Ausdruck der
erwerblichen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin als Gesunde gelten. Für die
Festlegung des Einkommens, das die Beschwerdeführerin als Gesunde ohne Eintritt
des Gesundheitsschadens (hypothetisch) erzielt hätte, wäre in Anbetracht der
bestehenden Unwägbarkeiten die branchenübliche Entlöhnung im Kosmetikbereich
zugrunde zu legen gewesen. Eine erwerbliche Gewichtung der leidensbedingten
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Behinderungen nahm die Beschwerdegegnerin nicht vor. Da der von ihr angestellte
Einkommensvergleich somit keine zuverlässige Grundlage für die Bemessung des
Invaliditätsgrades bildet und auch nicht ohne weiteres ein Prozentvergleich
vorgenommen werden kann (vgl. BGE 128 V 29 Erw. 4d), hätte die Sache an sich an
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden müssen, damit sie die
branchenüblichen Einkommenswerte abkläre und mit Bezug auf die Einschränkungen
der Beschwerdeführerin in ihrem Betrieb den Invaliditätsgrad neu ermittle. Auf eine
Rückweisung kann jedoch verzichtet werden, wie nachfolgend zu zeigen ist.
4.4 Der Bereich der Betriebsführung (Administration, Einkauf, Verkauf, Telefon,
Kundenwerbung) hat im Fall eines Einpersonen-Betriebs wie demjenigen der
Beschwerdeführerin keine Wertschöpfungsfunktion, sondern verursacht vielmehr einen
Aufwand in dem Sinn, dass eine angestellte Drittperson hiefür zu entschädigen wäre.
Hiebei würde es sich um eine stundenweise ausgeübte Hilfstätigkeit handeln, welche
jedenfalls erheblich tiefer zu entschädigen wäre als die eigentliche Tätigkeit als
Kosmetikerin. Dabei ist auch zu beachten, dass die Beschwerdeführerin die
Buchführung nicht selber erledigt, sondern eine Drittperson damit betraut (vgl. IV-act.
64). Es erscheint im Sinn einer annäherungsweisen Festlegung richtig, für den
Administrationsbereich im oben erwähnten Sinn von einer Netto-Entschädigung von
Fr. 25.-- pro Stunde und für den Kosmetikerin-Bereich von einer solchen von Fr. 40.--
pro Stunde auszugehen. Die Anwendung der in BGE 128 V 32 erläuterten Formel
Invaliditätsgrad = T1xB1xS1 + T2xB2xS2
T1xS1 + T2xS2
T: Tätigkeitsbereich (in %)
B: Behinderung in diesem Tätigkeitsbereich (in %)
S: Ansatz in Franken pro Stunde für diesen Tätigkeitsbereich
ergäbe folgende Berechnung
20 x 50 x 25 + 80 x 60 x 40
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20 x 25 + 80 x 40
einen Invaliditätsgrad von 58%. Platz für einen Abzug (vgl. BGE 126 V 75) gibt es nicht,
da Bezugspunkt die bisher ausgeübte Tätigkeit bildet. Der so genannte Leidensabzug
wird nur nötig, wenn für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf Tabellenlöhne
zurückgegriffen wird, welche auf den statistischen Lohnerhebungen von gesunden
Arbeitnehmenden basieren. Schliesslich wurde vorliegend mit der von Dr. D._
bestätigten zusätzlichen 10 %igen Einschränkung eine erhöhte Pausenbedürftigkeit
sowie Verlangsamung bereits berücksichtigt. Ein Teilzeitabzug ist ebenfalls nicht
vorzusehen (Urteil des EVG vom 18. Juli 2005 i/S A.P.-G. [I 104/05] Erw. 3 mit
Hinweisen). Die Beschwerdeführerin hat somit Anspruch auf eine halbe Rente. Gemäss
Gutachten von Dr. D._ besteht eine hälftige Arbeitsunfähigkeit seit 27. Januar 2003
(IV-act. 23-11/18). Der Rentenbeginn ist damit unter Berücksichtigung des Wartejahres
auf den 1. Januar 2004 festzulegen (Art. 29 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 IVG).
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen. Die
Beschwerdeführerin hat seit 1. Januar 2004 Anspruch auf eine halbe Rente. Die
unterliegende Beschwerdegegnerin hat die Gerichtskosten zu tragen. Diese bemessen
sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dementsprechend erscheint
eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- als angemessen. Der Beschwerdeführerin ist der
Kostenvorschuss zurückzuerstatten. Sie hat bei diesem Verfahrensausgang Anspruch
auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Es rechtfertigt sich, diese in Anbetracht
der Umstände auf pauschal Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG