Decision ID: 0db91930-f16e-4e36-ab48-fca89c89bd4b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 31. März 2010 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zur
AHV an (EL-act. 88). Sie sei an einer unverteilten Erbschaft im Wert von netto
Fr. 65'617.-- beteiligt. In der beigelegten Zusammenstellung (EL-act. 92) war als
Ausgangspunkt zur Berechnung dieses Betrags ein Wert von Fr. 74'750.-- an
Liegenschaftenvermögen eingesetzt gewesen (nämlich einerseits ein "Steuerwert" im
Betrag eines [Bruchteils] von Fr. _.--, also von Fr. 71'750.--, und anderseits ein
"Fremdmietwert" von Fr. 3'000.--); davon war ein [Bruchteil] der Hypothekarschulden,
nämlich ein Betrag von Fr. 12'500.--, in Abzug gebracht worden. Steuerlich veranlagt
hat der Kanton St. Gallen bei ihr im Februar 2010 für das Jahr 2008 ein
Liegenschaftenvermögen von Fr. 67'265.-- (vgl. EL-act. 91). Der Kopie der
ausserkantonalen Grundstücksschätzung vom _ 2008 (EL-act. 84-3) war zu
entnehmen, dass die EL-Ansprecherin (mit _ weiteren Personen zusammen)
Miteigentümerin eines Grundstücks im betreffenden Kanton mit einem Steuerwert von
total Fr. _.-- war. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen/EL-
Durchführungsstelle sprach ihr mit Verfügung vom 8. Juli 2010 (EL-act. 82) ab März
2010 eine (ordentliche) Ergänzungsleistung zu, bei deren Berechnung sie
Grundeigentum im Wert eines [Bruchteils] dieses ausserkantonalen
Grundstückschätzwerts, also von Fr. 71'829.--, berücksichtigte.
A.a.
In einem Formular zur periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistung vom
19. November 2012 (EL-act. 64) gab die EL-Bezügerin einen Wert der unverteilten
Erbschaft von Fr. 74'750.-- an (also den oben erwähnten, von ihr berechneten
"Vermögens"-Wert; die Hypothekarschuld setzte sie diesmal ins EL-Formularfeld für
Schulden). Den Betrag von Fr. 74'750.-- hatte sie auch in der Steuererklärung 2011 als
A.b.
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Steuerwert der Liegenschaft deklariert (EL-act. 67-3); veranlagt worden waren
wiederum lediglich Fr. 67'265.-- an Grundeigentum (EL-act. 59-5). - Rückwirkend ab
November 2012 setzte die Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung mit Verfügung vom 22. Mai 2013 (EL-act. 56) herauf. Gemäss der
zugrunde liegenden Berechnung rechnete sie tiefere Hypothekarzinsen und ein höheres
Sparguthaben an. Daneben übernahm sie nun den st. gallischen Steuerwert der
Liegenschaft von Fr. 67'265.62 (berechnet gemäss den Ansätzen zur Festlegung des
Repartitionswerts der beiden Kantone von 75 % im Lagekanton und von 80 % im
Kanton St. Gallen).
Am 27. Dezember 2013 (EL-act. 54 f.) wurde der EL-Anspruch der Bezügerin ab
Januar 2014 festgelegt, am 22. Dezember 2014 (EL-act. 52, 50) jener ab Januar 2015
und am 21. Dezember 2015 (EL-act. 49, 47) jener ab Januar 2016. Dabei blieb es
jeweils bei der Anrechnung eines Liegenschaftenwerts von Fr. 67'265.--.
A.c.
Am 8. Dezember 2016 (EL-act. 36) füllte die EL-Bezügerin auf Aufforderung vom
29. November 2016 (EL-act. 46) hin ein weiteres Formular zur periodischen
Überprüfung aus. Sie gab darin an, die unverteilte Erbschaft habe einen Wert von
Fr. 109'200.--. Der beigelegten Zusammenstellung (EL-act. 40) war unter Hinweis auf
eine Schätzungsverfügung vom _ 2014 dieser Betrag für 2014 zu entnehmen (im
Einzelnen als "Steuerwert" Fr. 105'000.--, "Fremdmietwert" Fr. 1'800.--, "Mietwert
Zweitwohnung" Fr. 2'400.--). Für das Jahr 2015 war gemäss der st. gallischen
Steuerveranlagungsberechnung vom 8. Juni 2016 - entgegen dem von der EL-
Bezügerin deklarierten höheren Betrag von Fr. 109'200.-- - ein
Liegenschaftenvermögen von Fr. 98'438.-- steuerbar.
A.d.
Die Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle des Kantons St. Gallen
forderte daraufhin von der EL-Bezügerin mit Schreiben vom 3. Mai 2017 (EL-act. 33)
unter anderem ein aktuelles Schätzungskataster und die Steuerveranlagungen der
Jahre 2012 bis 2016.
A.e.
Am 26. Juni 2017 (EL-act. 32) stellte die Wohnsitzgemeinde der EL-Bezügerin der
Sozialversicherungsanstalt die Steuer-Veranlagungsberechnungen der genannten
Jahre zu. Die für den Kanton St. Gallen massgeblichen Grundstückswerte hatten
A.f.
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danach in den Jahren 2012 und 2013 bei Fr. 70'077.-- und von 2014 bis 2016 bei
Fr. 98'438.-- gelegen, die Eigenmietwerte bei Fr. 2'375.-- (2012 und 2013), Fr. 3'820.--
(2014 und 2015) und Fr. 4'775.-- (2016).
Mit Verfügung vom 25. Juli 2017 (EL-act. 25 ff.) hob die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung der
Bezügerin aufgrund einer rückwirkenden Neuberechnung ab 1. September 2014 auf
und stellte eine Rückforderung von Fr. 7'595.-- an (in der Zeit vom 1. September 2014
bis 31. Juli 2017) zu viel bezahlten Ergänzungsleistungen. Der Ausgabenüberschuss lag
neu für den ganzen Zeitraum unter dem Pauschalbetrag an die Krankenkasse, der
dieser direkt ausgerichtet werde. Bei den rückwirkenden Berechnungen waren höhere
Vermögenswerte und Eigenmietwerte sowie höhere Liegenschaftsaufwände
berücksichtigt worden. Ab August 2017 (EL-act. 29) waren ausserdem die Mietkosten
gekürzt worden.
A.g.
Die Betroffene stellte am 30. August 2017 (EL-act. 23) ein Erlassgesuch. Sie habe
die Ergänzungsleistungen in gutem Glauben bezogen, denn sie habe nicht abschätzen
können, dass eine Neueinschätzung der Liegenschaft der Erbengemeinschaft einen
Einfluss auf die Anrechnung der Einnahmen bei deren (d.h. der EL-) Berechnung habe.
Allein mit der AHV-Rente, ohne EL und ohne liquides Vermögen sei sie nicht in der
Lage, den geforderten Betrag zurückzuzahlen. Müsste sie ihn in monatlichen Raten
begleichen, wäre das eine grosse Härte. Diesfalls hätte sie zu wenig Einkommen zum
Leben. Mit Fr. 1'755.-- pro Monat vermöge sie knapp den Lebensunterhalt zu
bestreiten, aber unmöglich noch die Forderung abzuzahlen.
A.h.
Mit Verfügung vom 24. Oktober 2017 (EL-act. 21) wies die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle das Erlassgesuch ab.
A.i.
Die Betroffene brachte in ihrer Einsprache vom 8. November 2017 (EL-act. 10) vor,
sie sei dringend auf die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen angewiesen und habe
eine Kürzung wegen der Neuschätzung nicht abschätzen können. Der Wegfall der
Leistungen sei eine grosse Härte. Sie könne nicht monatlich Geld für die Rückzahlung
aufwenden. Mit dem Einkommen von Fr. 1'755.-- [AHV-Rente] müsse sie für alle
Fixkosten aufkommen. Sie habe diese schon auf ein Minimum reduzieren müssen, um
A.j.
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zu überleben und keine Schulden zu machen. Für den Lebensunterhalt verblieben ihr
monatlich noch etwa Fr. 400.--. Sie frage, wie es bei solchen finanziellen Verhältnissen
möglich sein sollte, eine Rückforderung von Fr. 7'595.-- zu begleichen. Sie ersuche um
Erlass und Abschreibung der Schuld.
Mit Entscheid vom 1. Februar 2018 (EL-act. 4) wies die
Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle des Kantons St. Gallen die
Einsprache ab. Bei der Beurteilung des guten Glaubens sei ein strenger Massstab
anzusetzen (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
17. April 2015, EL 2013/61 E. 2.1). Es dürfe zum einen generell nicht sein, dass
Versicherte Leistungen bekämen, auf die sie keinen gesetzlichen Anspruch hätten. Das
sei gemäss einem Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
17. April 2015, EL 2013/61 E. 2.1, schwer mit dem Gleichbehandlungsgebot vereinbar,
weil andere Versicherte nur die gesetzlichen Leistungen erhalten würden. Zum andern
dürften die Versicherten gemäss der Rechtsprechung des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen (Entscheid vom 15. August 2016, EL 2014/55 E. 2.1) aufgrund ihrer
Sorgfaltspflichtverletzung nicht "belohnt" werden, was nämlich nicht der Sinn und
Zweck des Art. 25 Abs. 1 zweiter Satz ATSG sein könnte. Deshalb schliesse eine
Verletzung der zumutbaren Kontrollpflicht einen Erlass der Rückforderung aus. Die EL-
Bezüger müssten die Berechnungsblätter auf offensichtliche Fehler hin überprüfen. Die
Einsprecherin habe mit Schreiben vom _ 2014 von der Steuerverwaltung [des
Lagekantons] von der höheren Veranlagung (d.h. der höheren Grundstückschätzung)
der Liegenschaft erfahren. Sie (die Sozialversicherungsanstalt/EL-Durchführungsstelle)
habe sie in den Verfügungen regelmässig über ihre Meldepflichten informiert. Dabei sei
ausdrücklich auf die Meldepflicht bei der Neueinschätzung von Grundeigentum
hingewiesen worden. Ihrer Meldepflicht sei die Einsprecherin von sich aus allerdings
nie nachgekommen. Der gute Glaube könne daher nicht bejaht werden. Ausserdem
hätte ihr bei einer Kontrolle der jährlichen Berechnungsblätter auch auffallen müssen,
dass die Steuerdaten des Grundeigentums nicht mehr aktuell und nicht mehr korrekt
gewesen seien. Für Rückfragen oder bei Verständnisschwierigkeiten hätte sie sich
jederzeit an die Gemeinde bzw. die EL-Durchführungsstelle wenden können. Sie habe
die Sorgfaltspflicht verletzt, deshalb könne der gute Glaube nicht bejaht werden.
A.k.
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B.
Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 26. Februar 2018
(Poststempel: 27. Februar 2018). Die Beschwerdeführerin beantragt einen Erlass des
zurückgeforderten Betrags. Sie habe die für Steuern und Ergänzungsleistungen
relevanten Dokumente stets ihrem Treuhänder übergeben. Dieser habe ihr jeweils
mitgeteilt, welche Unterlagen sie noch wo hin senden oder bringen müsse.
Entsprechend habe sie sich jeweils fristgerecht verhalten. Sie selber habe
diesbezüglich leider keine Ahnung. Ihre finanzielle Lage erlaube eine Rückzahlung
nicht. Ihren [Bruchteil] an der Liegenschaft könne sie nicht veräussern und nicht liquid
machen.
C.
Die Beschwerdegegnerin hat am 7. März 2018 unter Hinweis auf den angefochtenen
Entscheid die Abweisung der Beschwerde beantragt. - Die Beschwerdeführerin hat am
23. März 2018 unter anderem die Steuererklärung 2016 und ein Schreiben ihres
Treuhänders vom 3. Mai 2017 eingereicht, wonach sie es ihm mitteilen könne, wenn er
weiterhin die Steuererklärung für sie ausfüllen solle. - Die Beschwerdegegnerin hat
keine Stellung genommen.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt der Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 1. Februar 2018, mit
welchem sie die Einsprache gegen die den Erlass verweigernde Verfügung vom
24. Oktober 2017 abgewiesen hat. Die Rückforderung als solche ist rechtskräftig
geworden und bildet nicht Streitgegenstand.
2.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten. Wer Leistungen in
gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse
Härte vorliegt (Art. 25 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Hinsichtlich der Erlassvoraussetzung des guten Glaubens ist zu unterscheiden
zwischen dem guten Glauben als fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob
sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann,
2.2.
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d.h. ob er den bestehenden Rechtsmangel bei zumutbarer Aufmerksamkeit hätte
erkennen sollen (vgl. BGE 122 V 223 E. 3; vgl. auch Art. 3 Abs. 2 ZGB). Blosse
Unkenntnis des Rechtsmangels genügt zur Erfüllung der Erlassvoraussetzung des
guten Glaubens nicht. Der Leistungsempfänger darf sich nicht nur keiner böswilligen
Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Vielmehr
ist massgeblich, ob jemand bei zumutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden
Rechtsmangel hätte erkennen sollen und ob das Nichterkennen grob oder nur leicht
nachlässig war. Auf ihren guten Glauben berufen kann sich die
rückerstattungspflichtige Person, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig
war (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 12. Juli 2017, 9C_463/2016; BGE 110 V 176 = ZAK
1985 S. 63; BGE 102 V 245). Grobe Fahrlässigkeit ist nach der Rechtsprechung
gegeben, wenn jemand das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in
gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen
(vgl. BGE 110 V 176; Bundesgerichtsurteil vom 9. April 2014, 9C_720/2013). Wie in
anderen Bereichen beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt also nach einem
objektiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität
(Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) Mögliche und Zumutbare
nicht ausgeblendet werden darf (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 12. Juli 2017,
9C_463/2016; BGE 138 V 218 E. 4).
Der Bezüger einer Leistung muss dem Versicherungsträger jede wesentliche
Änderung in den für die Leistung massgebenden Verhältnissen melden (vgl. Art. 31
Abs. 1 ATSG). Nach Art. 24 ELV hat der (EL-) Anspruchsberechtigte der kantonalen
Durchführungsstelle von jeder Änderung der persönlichen und von jeder ins Gewicht
fallenden Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse unverzüglich Mitteilung zu
machen. Gemäss den Hinweisen in den der Beschwerdeführerin zugestellten jeweiligen
EL-Verfügungen besteht eine Meldepflicht unter anderem namentlich bei
"Neuschätzung Grundeigentum" (vgl. etwa EL-act. 55-2). Die EL-Behörden sind
zwingend darauf angewiesen, dass die Bezüger ihnen Änderungen in ihren
Verhältnissen melden, und zwar unabhängig von einer Prüfung der möglichen
Auswirkungen auf die Ergänzungsleistungsberechnung (vgl. SVR 1995 EL Nr. 9, 21;
ZAK 1988 S. 478; ZAK 1990 S. 148).
2.3.
Von einem Bezugsberechtigten kann zudem nach der Rechtsprechung zwar in der
Regel nicht erwartet werden, dass er die Ergänzungsleistungsberechnung vollständig
nachzuvollziehen vermag, doch hat er, um sich nicht dem Vorwurf einer
Sorgfaltspflichtverletzung auszusetzen, die Berechnungsblätter, welche den
Verfügungen über Ergänzungsleistungen beigelegt sind, im Rahmen seiner
2.4.
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3.
Die Beschwerdegegnerin beruft sich darauf, dass es einerseits generell nicht sein
könne, dass EL-Bezüger Leistungen bekämen, auf die sie keinen gesetzlichen
Anspruch hätten, und dass anderseits eine Sorgfaltspflichtverletzung nicht belohnt
werden dürfe. Zur Rechtslage gehört allerdings das gesetzlich in Art. 25 Abs. 1 zweiter
Satz ATSG verankerte Institut des Erlasses der Rückforderung von unrechtmässig
bezogenen Leistungen bei gegebenen Voraussetzungen. Die Rechtsfolge von Art. 25
Abs. 1 zweiter Satz ATSG hat ausserdem nicht eine Belohnung für eine Pflichtwidrigkeit
zum Zweck, hingegen den Schutz der Gutgläubigkeit beim Bezug der unrechtmässigen
Leistungen bei höchstens leichter Fahrlässigkeit (vgl. etwa auch Art. 3 Abs. 2 ZGB e
contrario, vgl. Art. 64 f. OR). Das Prinzip des Vertrauensschutzes steht grundsätzlich
der Rückforderung einer erbrachten Leistung entgegen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar,
3. A. 2015, N 41 zu Art. 25).
4.
individuellen Möglichkeiten auf offensichtliche Fehler hin zu kontrollieren (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 19. Januar 2011 9C_921/2010 E. 3; vgl. auch
Bundesgerichtsurteil vom 20. August 2014, 9C_53/2014 E. 4.2.1).
Die Beschwerdeführerin war als EL-Bezügerin zur massgeblichen Zeit an einem
Nachlass beteiligt, der zur Hauptsache aus einer Liegenschaft bestand. Obwohl ihr eine
neue Grundstückschätzung (Schätzungsverfügung; mit angehobener Bewertung) vom
_ 2014 (EL-act. 32-8) zugestellt worden war, hat sie diese Tatsache der
Beschwerdegegnerin nicht von sich aus unverzüglich gemeldet (sondern erst bei
Einreichen des ihr zugestellten Formulars zur periodischen Überprüfung der
Ergänzungsleistungen am 21. Dezember 2016). Darin liegt nach dem oben Dargelegten
objektiv eine Meldepflichtverletzung.
4.1.
Nach der Aktenlage ist nicht anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin darum
gewusst hat, dass sie eine zu hohe Ergänzungsleistung bezog. Ihr guter Glaube ist
auch zu vermuten (vgl. Art. 3 Abs. 1 ZGB). Bei der EL-Anmeldung hat sie einen
Nettoanteil an einer unverteilten Erbschaft angegeben, bei dessen Berechnung sie
gemäss einer Zusammenstellung nicht nur ihren Anteil am ausserkantonalen amtlichen
Verkehrswert der Liegenschaft gemäss der Schätzung des Grundstücks vom _
2008 von Fr. 71'750.--, sondern auch einen Mietwertanteil von Fr. 3'000.-- zum
Vermögen geschlagen und davon den Anteil an der Hypothekarschuld abgezogen
hatte. Diese Vermögensangabe war (nebst dem steuerrechtlichen Aspekt, vgl.
4.2.
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5.
nachfolgend) insbesondere, was den Einschluss des Mietwerts ins Vermögen betrifft,
zu ihren Ungunsten unzutreffend. Dank der beigelegten Zusammenstellung wurde dies
ersichtlich und von der Beschwerdegegnerin berücksichtigt. Bei der erstmaligen
Zusprache von Ergänzungsleistungen durch Verfügung vom 8. Juli 2010 hat die
Beschwerdegegnerin ihrerseits allerdings - unzutreffend - den ausserkantonalen
amtlichen Verkehrswert von Fr. 71'750.-- in die EL-Berechnung eingesetzt, während
steuerrechtlich im Kanton St. Gallen ein tieferer Wert von lediglich Fr. 67'265.--
massgeblich gewesen wäre (für den Kanton St. Gallen korrigierter Repartitionswert des
andern Kantons). Die Beschwerdeführerin reagierte darauf nicht. - Obwohl sie den von
der Beschwerdegegnerin in die EL-Berechnung eingesetzten Wert nach der ersten EL-
Verfügung kennen konnte, deklarierte sie bei der ersten periodischen Revision
wiederum den um den Mietwert von Fr. 3'000.-- zu hohen (selbst den
ausserkantonalen amtlichen Schätzungswert übersteigenden) Vermögensbetrag von
Fr. 74'750.--. - In der Folge dieser ersten periodischen Überprüfung wich die
Beschwerdegegnerin ihrerseits dann von der Anrechnung von Fr. 71'750.-- ab und
übernahm ab November 2012 den für den Kanton St. Gallen richtigerweise
massgebenden tieferen steuerrechtlichen Grundstückswert von Fr. 67'265.-- in die EL-
Berechnung der Beschwerdeführerin. Sie verzichtete jedoch darauf, diesbezüglich
wiedererwägungsweise auf ihre ursprüngliche unzutreffende Verfügung (also weiter
zurück als bis November 2012, das Datum einer Anpassung an veränderte Verhältnisse
gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. d ELV bei periodischer Revision) zurückzukommen. Die
Beschwerdeführerin erkundigte sich auch hier nicht danach, weshalb bei
unveränderten Verhältnissen ehemals ein höherer Betrag angerechnet worden sei, und
vertraute offensichtlich auf die Richtigkeit der von der sachkundigen
Beschwerdegegnerin erlassenen Verfügungen. - Bei der periodischen Überprüfung
2016 schliesslich gab sie erneut zu hohe Vermögenswerte an, und zwar wiederum
wegen Einschlusses von Mietwerten und wegen Angabe des ausserkantonalen
Schätzwerts.
Ein fehlendes Unrechtsbewusstsein, wie es bei der Beschwerdeführerin
anzunehmen ist, genügt jedoch für einen Anspruch auf Erlass - wie in E. 2.2 dargelegt -
nicht. Auf ihren guten Glauben rechtlich berufen kann sich eine
rückerstattungspflichtige Person vielmehr nur, wenn das Nichterkennen des Mangels
nicht grob nachlässig war.
5.1.
Die Beschwerdeführerin bringt vor, nicht abschätzen gekonnt zu haben, dass die
Neuschätzung der Liegenschaft zu einer Kürzung der Ergänzungsleistungen führen
5.2.
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werde. Sie macht zu ihrer Entlastung geltend, in Steuer- und
Ergänzungsleistungssachen kenne sie selbst sich überhaupt nicht aus und habe
deswegen einen Treuhänder beauftragt. Allfällige Fehler eines Vertreters oder einer
Hilfsperson, deren Dienste der Betroffene für die Erfüllung seiner Auskunfts- oder
Meldepflicht in Anspruch nimmt, hat er sich grundsätzlich anrechnen zu lassen (vgl.
ARV 1992 Nr. 7 S. 100 ff., 103; vgl. BGE 112 V 97 E. 3b, BGE 110 V 176 E. 3d;
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [nunmehr Schweizerisches
Bundesgericht] vom 15. Mai 2000, P 49/99). Der Einwand entlastet die
Beschwerdeführerin demnach als solcher nicht. Gemäss einem allgemeinen
Rechtsgrundsatz kann ausserdem niemand aus seiner eigenen Rechtsunkenntnis
Vorteile ableiten (vgl. BGE 124 V 220 E. 2b/aa, Bundesgerichtsurteil vom 5. Februar
2018, 8C_496/2017 E. 5.3.2), weshalb Nichtwissen nicht bereits zur Bejahung des
guten Glaubens [bzw. zur Feststellung, dass jemand sich auf seinen guten Glauben
auch berufen kann] führt. Indes darf die Annahme, dass Nachlässigkeit die Vermutung
des guten Glaubens aufhebe, nur mit Zurückhaltung getroffen werden (vgl. Entscheid
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 6. Juli 2001, I 361/00 E. 4c, BGE 110
V 176 E. 3c).
Wie erwähnt war in den an die Beschwerdeführerin gerichteten EL-Verfügungen
jeweils auf die Meldepflicht bei "Neuschätzung Grundeigentum" hingewiesen worden.
Die Aktenlage enthält zwar Hinweise darauf, dass sie sich nicht (bzw. nicht konsequent)
als Liegenschafts-Miteigentümerin begriff, sondern lediglich als Teilhaberin an einer
unverteilten Erbschaft. Denn sie verneinte den Besitz von Grundeigentum im zweiten
Revisionsformular wie schon in der EL-Anmeldung, während sie die Frage bei der
ersten periodischen Überprüfung unter Hinweis auf die unverteilte Erbschaft bejahte.
Statt einer Deklaration des Grundeigentumswerts setzte sie jeweils den ganzen
Wertanteil der Erbschaft bei der Position der Beteiligung an einer unverteilten Erbschaft
ein (EL-act. 36-4, vgl. EL-act. 88-3). Ihre Deklarationen des Vermögenswerts erfolgten
nach dem oben (E. 4.2) Dargelegten mehrfach auch zu eigenen Ungunsten, was
erkennen lässt, dass ihr (und den allfälligen Hilfspersonen) die massgeblichen
finanziellen Belange nicht ausreichend klar waren.
5.3.
Indessen ist darauf hinzuweisen, dass der Nachlass zur Hauptsache aus der
Liegenschaft bestand. Die Beschwerdegegnerin hatte die Beschwerdeführerin zudem
bereits in ihrer Verfügung vom 22. März 2013 (EL-act. 56-1) ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass die Liegenschaft in die Vermögensberechnung für ihren EL-
Anspruch einbezogen worden ist. Ein Zusammenhang von Liegenschaftsschätzung
5.4.
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und Ergänzungsleistungsanspruch hätte deshalb bei zumutbarer Sorgfalt erkannt
werden müssen.
Bei der konkreten Sachlage ist zwar einerseits einzuräumen, dass das Erkennen
der Meldepflicht erschwert war. Zunächst änderte sich durch die Neuschätzung der
Liegenschaft von 2014 an der spürbaren engen finanziellen Lage der
Beschwerdeführerin nichts, jedenfalls nicht im Sinn einer Erhöhung der ihr zur
Verfügung stehenden Mittel. Im Gegenteil war später ab jenem Zeitpunkt mehr - real
nicht vorhandenes - Einkommen (höherer Eigenmietwert) zu versteuern. - Hinzu kommt
als Erschwernis für das Verständnis und die Nachvollziehbarkeit der konkreten EL-
rechtlichen Anrechnungen die oben (E. 4.2) erwähnte Änderung des bei den
Ergänzungsleistungen durch die Beschwerdegegnerin angerechneten Werts des
Grundstücks ab November 2012 ohne damalige neue Schätzung der Liegenschaft oder
anderweitige Änderung im Sachverhalt. - Des Weiteren war die Bewertung des
Liegenschaftenvermögens in der Schätzung, im Steuerrecht und in der EL-Berechnung
aufgrund der interkantonalen Verhältnisse schwieriger zu begreifen.
5.5.
Anderseits ist aber darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin in der Verfügung vom 22. März 2013 (EL-act. 56-1) ausdrücklich
(auch) die Berechnung des damals neu in die EL-Berechnung eingesetzten
Vermögenswerts von Fr. 67'265.62 erklärt hat, also im Einzelnen dargelegt hat, wie der
für den Kanton St. Gallen massgebliche Steuerwert (und damit der EL-relevante Wert)
des in einem andern Kanton liegenden Grundstücks im Nachlass, an dem sie beteiligt
war, berechnet wird.
5.6.
Die Beschwerdeführerin hätte erkennen müssen, dass das
Liegenschaftenvermögen in der ihr (zur gleichen Zeit wie die ausserkantonale
Neuschätzung vom _ 2014) eröffneten st. gallischen Steuer-
Veranlagungsberechnung für das Jahr 2013 mit einem Betrag von Fr. 70'077.-- den
zuletzt bei ihren Ergänzungsleistungen berücksichtigten Wert von Fr. 67'265.--
überschritt. - Ausserdem war die Beschwerdeführerin durch Eröffnung der Steuer-
Veranlagungsberechnung für das Jahr 2014 am 1. Juli 2015 darüber in Kenntnis
gesetzt worden, dass ein nochmals deutlich höheres Liegenschaftsvermögen - von
Fr. 98'438.-- - steuerbar sei. Dennoch machte die Beschwerdeführerin auch zu jenem
Zeitpunkt keine Meldung bei der Beschwerdegegnerin. Erst bei der periodischen
Überprüfung am 8. Dezember 2016 (EL-act. 36) reichte sie wie erwähnt die betreffende
Grundstückschätzung ein (sie deklarierte allerdings trotz Erklärung in der Verfügung
vom 22. Mai 2013 wie erwähnt auch damals bei den Ergänzungsleistungen erneut zu
5.7.
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6.
7.