Decision ID: 07847711-c193-4695-ac63-d3d3bd8c695c
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969
,
schloss im Jahr 1989
eine
Berufslehre als Tech
nischer
Zeichner
mit Fähigkeitszeugnis
ab
(
Urk.
9/7)
. Bereits
in den Jugendjahren
konsumierte er
Alkohol und Haschisch
,
später
Heroin und andere Drogen, was
verschiedene
Folgeerscheinungen wie
Kündigungen
der Arbeitsstellen
,
Krimina
lität mit Gefängnisaufenthalten,
diverse
Entzugsbehandlungen, Sozialhilfeabhän
gigkeit
etc.
nach sich zog
(vgl. Lebenslauf
Urk.
9/21
).
Unter Angabe einer chro
nischen Depression
,
Traumat
a in der Kindheit
mit der
Folge eine
r
Selbstmedika
tion
mit süchtig
machende
n
Stoffe
n
meldete er sich am 2
2.
Januar 2015
zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (
Urk.
9
/8
Ziff.
6.2). Die So
zialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
gewährte Eingliederungs
beratung (
vgl.
Urk.
9/23 und
Urk.
9/41).
Sodann
erteilte sie
Kostengutsprache für ein Aufbautraining
vom
1.
Februar
2016
mit
mehrfachen Verlängerungen
bis
5.
März 2017
zuzüglich Taggeld
er
(
Urk.
9/41, 9/45, 9/53, 9/56
, 9/61, 9/64, 9/73, 9/78
).
Mit Mitteilung
vom
7.
März
2017 (
Urk.
9/74)
gewährte sie
Eingliederungs
m
assnahmen im Sinne eines Arbeitsversuchs
zuzüglich Taggelder
bis
7.
Septem
ber 2017
(
Urk.
9/
74 und
Urk.
9/80
).
Am
1
2.
September 2017
teilte
sie
den Ab
schluss der Arbeitsvermittlung
und die separate Rentenprüfung
mit (
Urk.
9/91).
Im weiteren
Abklärungsverfahren gab sie beim Zentrum Y._
ein
bidisziplinäres
Gut
achten in Auftrag, wel
ches am
9.
April 2018 erstattet wurde (
Urk.
9
/
107). Mit Vorbescheid vom 1
2.
Sep
tember 2018 (
Urk.
9/119
) stellte sie bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von
20
%
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nachdem gegen den Vorbescheid Ei
nwand erhoben worden war (
Urk.
9/121 und
Urk.
9
/
124
), verneinte die IV
-Stelle mit Verfügung vom 2
9.
Oktober 2018
(
Urk.
2) den An
spruch auf eine Invalidenrente.
2.
Gegen die Verfügung vom
2
9.
Oktober 2018 erhob der Versicherte am 28. No
vember 2018 (
Urk.
1)
,
mit weiterer Begründung vom 1
2.
Dezember 2018 (
Urk.
5)
,
Beschwerde und beantragte (
Urk.
1
S. 2 f.), diese sei aufzuheben
und
eine Neuprü
fung des Anspruch
s
auf eine Invalidenrente vorzunehmen. In prozessualer Hin
sicht ersuchte er um unentgeltliche Rechtspflege.
Die IV-Stelle schloss
in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
5.
Januar 2019 (
Urk.
8
) auf Abweisung der Be
schwerde
, was dem Beschwerdeführer am 2
4.
Januar 2019
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12
).
Eine weiter
e
Eingabe des nunmehr rechtlich vertretenen Be
schwerdeführers vom 2
0.
Februar 2019 mit Beilage (
Urk.
13 und
Urk.
14) wurde der Beschwerdegegnerin am 2
2.
Februar 2019 zugestellt (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (
Urk.
2), dass
aufgrund der Prüfung der
medizinische
n Unterlagen und des
eingeholt
en
Gut
achten
s
weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
zumutbar
sei. Da
der Beschwer
deführer
vor Eintritt der gesundheitlichen Einschränkung lange
Zeit
nicht er
werbstätig gewesen sei, sei
für die Berechnung des Invaliditätsg
rades auf statis
tische Werte ab
zustellen
, woraus sich ein Invaliditätsgrad von 20
%
ermittle. Die für
die
Berechnung relevante Leistungsfähigkeit von 80
%
beziehe sich dabei auf eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit in Wechselbelastung an einem ruhigen Arbeitsplatz.
Dabei
sei
es
nicht relevant, dass
die
Eingliederungsmass
nahme
n
ohne
Anstellung abgeschlossen worden seien.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
5
),
e
r setze
s
eine
Arbeitsfähigkeit
in
angepasste
r
Tätigkeit
aktuell im zweiten
Arbeits
markt um und es
entspreche nicht der Realität
,
eine solche Arbeit im ersten
Ar
beitsmarkt zu finden und dabei
ein Jahresgehalt von
Fr.
53'162.50
erzielen
zu können
.
Das Gutachten
des
Y._
weise korrekterweise daraufhin, dass für eine leidensangepasste Tätigkei
t im ersten Arbeitsmarkt ein Ni
schenarbeitsplatz nötig sei
. Dieser sei aber
nicht auf dem ersten
,
sondern auf dem zweiten Arbeits
markt vorhanden.
Trotz hoher Motivation habe er im ersten Arbeitsmarkt auf
grund der Erkrankung keine Arbeitsstelle finden können und es scheine nach
vollziehbar, dass es ihm
auch
in naher Zukunft nicht gelinge
n werde
,
diesbezüg
lich
einen
Einstieg zu schaffen
.
Die gesundheitliche
n
Einschränkung
en
seien auch bereits
in
der Jugendzeit sichtbar geworden und hätten daz
u geführt, dass er
die Arbeitsstellen
längerfristig
nicht
habe aufrechterhalten können.
Im Verfahren führte er aus (
Urk.
13
S. 1
f.
), nach
Auffassung der Klinik
Z._
, Amb
u
l
atorium
A._
, welche
sich auf eine langjährige Therapieerfahrung mit ihm stütze
n könne
,
leide er an einer
Dysthymia
. Im Verlaufe der letzten Jahre habe eine deutliche Stabilisierung des psychischen Befindens erreicht werden können.
Die Aufrechterhaltung der Abstinenz sei mit
H
ilfe langjähriger und the
rapeutischer Behandlung erarbeitet
worden.
Auch gehe d
ie behandelnde Psycho
therapeutin
B._
davon aus, dass
bei ihm
bereits bei einem Arbeitspensum von 60 % eine Gefährdung der psychischen Stabilität bestehe und
damit
eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 50
%
in angepasster Tätigkeit zumutbar wäre.
3.
3.1
3.1.1
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten
bidisziplinären
Gutachten de
s
Y._
vom 9. April 2018 (Urk. 9/107
), beruhend auf
psychiatrischen und
neuro
psy
chologischen
Untersuchungen
vom
5.
März 2018
(S. 1)
,
wurden die folgenden Diagnose
n gestellt (S. 13
):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
-
Opiatabhängigkeit, gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwach
ten Ersatzdrogenprogramm (
ICD-
10 F11.22)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit)
-
Alkoho
labhängigkeit, gegenwärtig absti
nent (
ICD-10
F10.20)
-
Sonstige anhaltende affektive Störungen (
ICD-10
F34.8)
-
Selbstunsichere Persönlichkeitszüge im Sinne einer Pers
önlichkeits
-
ak
zentuierung (
ICD-10 Z
73)
Zu den Leiden und Einschränkungen in der
Alltagsbewältigung
berichte der Be
schwerdeführer
(S. 7)
, er leide an
einer Durchschlafstörung. Er wach
e nachts drei bis vier Mal auf
, schlafe recht bald wieder ein
und er denke
, dass er trotzdem
genug Schlaf b
ekomme. Er habe
aber auch
ein sehr ungewöhnliches Schlafver
halten
und gehe schon um 16 Uhr
zu Bett, schlafe bis
2 oder 3 Uhr nachts und stehe dann auf.
Von der Stimmung her gehe es ihm im Grossen und Ganzen nic
ht schlecht. Er sei
allerdings
nicht so glücklich wie vermutlich andere Menschen,
was aber schon immer so
gewesen
sei
. Auch die Motivation und der Antr
ieb seien immer etwas schwierig. Zum Beispiel
sei
es
für ihn
sehr
schwierig, den inneren Schweinehund zu ü
berwinden und Sport zu treiben. E
r sei an sich ei
n sehr kon
taktfreudiger Mensch und
Kontakt
e
mit anderen
t
äten
ihm jedes
Mal gut und
wirk
t
e
n
sich positiv auf seine Stimmungslage aus. Auf der an
deren Seite fühle er sich
im Kontakt mit anderen etwas unsicher, was
früher
aber ausgeprägter gewe
sen
sei. E
ine Suchtproblematik
bestehe
einerseits
zu
Alkohol und anderseits zu
Opiaten, wobei
er
betreffend Opiat
e
seit vielen Jahren im
Drogene
rsatzprogramm mit
Buprenorphin
s
tehe und hi
nsichtlich des Alkohols
dreimal in der Woche
eine Medikation mittels
Antabus
erhalte.
3.1.2
Zum Tagesablauf und
zu
r Freizeitgestaltung
gebe der Beschwerdeführer an (S. 7 f.)
, dass er zurzeit
über das
RAV bei der Integrationswerkstatt
C._
zu einem Pensum von
60
%
,
das heisse
jeden
Tag vier Stunden und 48 Minuten
,
beschäftigt sei
. Er beginne
um
7.45 Uhr und nach
eine
r Mittagspause
nachmittags arbeite er nochmal
s
eine Stunde.
Er gehe schon sehr früh, gegen 16
Uhr
,
zu Bett
und stehe
dann
zwischen 2 und 3
Uhr
nachts auf. I
n Schlafkleidung gehe er
dann
in die
«Stube» an seinen Laptop, schaue
sich
auf YouTube Dokus an, bis etwa 6
Uhr morgens. Dann ver
richte er seine Morgentoilette,
frühstücke
manchmal
,
aber nicht immer. Den
Arbeitsplatz erreiche er zu Fuss innerhalb von zehn
Minuten. Nach der Arbeit schaue er fern.
Es falle ihm schwer d
ie Hausarbeit regel
mässig zu machen
und er
müsse sich
dazu
jedes Mal überwinden. Er wohne in einem
begleiteten Wohnen und
einmal in
der Woche komme eine Betreuerin und schaue sich die Wohnung an. Spätestens an diesem Tag mache er dann die Wohnung zumindest soweit sauber, dass die Betreuerin zufrieden sei. Er habe guten Kontakt zu seinen Eltern, die er etwa alle zwei Wochen besuche. Er
habe
einen älteren Bruder zu
dem er keinen Kontakt mehr habe. Ausserhalb der Familie habe er aber vier bis fünf Kollegen und Bekannte, mit denen er recht guten Kontakt pflege.
3.1.3
Zu Krankheitsentwicklung
führ
t
e
er
aus
(S. 8), er
stehe
seit über 20 Jahren durch
gängig in einem Drogenersatzprogramm
,
habe
etw
a zehn Jahre Methadon und
in den letzten zehn bis
zwölf Jahren
Buprenorphin
bekommen
. Einen Rückfall habe er zuletzt im März/April 2017 gehabt, nach
d
em er zwei Wochen das
Antabus
weggelassen und dann während zwei bis drei Wochen sehr viel Alkohol getrun
ken habe. Nachdem eine Entgiftung durchgeführt worden
sei
, lebe er wieder voll
ständig abstinent von Alkohol und ohne
Beikonsum
illegaler Drogen.
E
inmal wö
chentlich
sei er
in psychiatrischer Behandlung
in
der Klinik
Z._
. D
reimal wöchentlich
erhalte er
Antabus
in der Apotheke
und
täglich
dreimal zwei Milli
gramm
vom
Opiat
Buprenorphin
im Rahmen
des
Drogenersatzprogramm
s.
3.1.4
Zum psychiatrischen Untersuchungsbefund hielt der Sachverständige fest (S. 10
ff.
), der Beschwerdeführer zeige sich
im Erstkontakt zugewandt und
situations
adäquat
. Er sei ohne Begleitperson mit
den
öffentlichen Verkehrsmitteln angereist und vermittle einen altersentsprechenden und gepflegten Eindruck. Ein tragfähi
ger Kontakt sei rasch herstellbar. Die Auffassung sei nicht erschwert, die Kon
zentration zeige sich nicht gröber gestört und
er
könne dem Untersuchungsge
spräch aufmerksam folgen und
verliere
dabei nie den Faden. Er sei b
ewusstseins
klar, zu allen Qualitäten (autopersonell, situativ, zeitlich, örtlich)
vollständig orientiert und
der formale Gedankengang sei
geordnet. E
s zeig
t
en sich keine Wahngedanken,
Halluzi
nationen oder illusionären Verkennung
en und a
uch anamnestisch hätten sich keine Hinweise für diesbezügliche psychopathologische Auffälligkeiten ergeben.
Die Merkfähigkeit und
das
Kurzzeit- und Langzeitge
dächtnis wirk
t
en im klinisch-psychopathologischen Befund nicht gröber
gestört
und e
s
hätten
sich
auch
keine Hinweise für Störungen des Ich-Bewusstseins
er
geben
.
Die Intelligenz liege
im klin
ischen Überblick im Normbereich und Hin
weise
für eine wesentliche Antriebsminderung
hätte
n
sich
weder in der
Untersu
chungssituation
noch
anamnestisch (Tagesaktivitäten)
gezeigt
.
Gestik und
Mimik seien überwiegend ruhig und d
ie Stimmung und der Affekt
würden
psychomoto
risch
synthym
unterstrichen
,
ohne dass der
Beschwerdeführer auffallend bedrückt oder traurig
wirke. A
uf Nachfrage beschreibe er allenfalls eine mässige Depressi
vität. Die affektive Schwingungsfäh
igkeit sei nicht beeinträchtigt und es bestün
den keine
Affektla
bilität,
Affektinkontinenz oder Interesselosigkeit
.
Es bestünden auch kein
ausgewiesener
Rückzug und k
eine
Anhedonie
,
Zwangssymptome oder phobische Ängste
.
Es
zeig
t
en sich leich
t unsichere Persönlichkeitszüge
im Sinne ein
er Persönlichkeitsakzentuierung mit erhaltener
Urteils- und Kritikfähigkeit
und
ohne Hinweise für paranoide Denkinhalte.
3.1.5
Aus neuropsychologischer Sicht wurde
ausgeführt
(S. 12), beim Beschwerdeführer bestehe insgesamt eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Störung im Rahmen von psychiatrischen Komorbiditäten vor dem Hintergrund eines einge
schätzt durchschnittlichen intellektuellen Leistungs
vermögens. Im Vordergrund stehe eine Problematik in der
Antriebs-, Aufmerksamkeits- und Handlungsregu
lation mit vor all
em in der Verhaltensbeobachtung
auffälliger Instabilität der Leistungsfähigkeit sowie ein reduzie
rtes Arbeitsgedächtnis. Es komme zu
Schwankungen im Arbeitstempo und
Instruktionsverständnis. Es werde
te
ilweise sehr rasch reagiert und
umg
esetzt, dann wiederum erscheine der Beschwerdefüh
rer
v
ereinzelt wie blockiert, müsse nachfragen und
Anweisungen müss
t
en
wie
derholt werden. Dabei scheine
aufgru
nd der übrigen sprachlichen und
intellektu
ellen Fähigkeit kein Problem im Sprachverständni
s vorzuliegen und die Ursache eher
ein
eingeschränktes Arbeitsgedächtnis und
eine
schwankende Aufmerk
sam
keit zu sein. Im
Arbeitsverhalten
sei
er zudem häufig unstrukturiert
im Vorgehe
n und vor allem bei komplexeren
Aufgaben mit wenig vorgegebener S
truktur ver
langsamt. Zudem lasse
sich i
n einer Aufgabe mit
sofortiger Rückmeldung von Fehlern beobachten, dass dies ei
ne Verunsicherung mit teilweise
überhastetem Reagieren
bewirke und
w
eitere Fehler als Folge habe
. Auf testpsychologischer Ebene
hätten sich
die beschriebenen, insgesamt als exekutiv zu wertenden
Auf
fälligkeiten, „nur" im Sinne
von vereinzelten leichten und leicht bis mittelschwe
ren Befunden im
mnestischen,
attentionalen
und
exekutiven Bereich nieder
ge
schlagen
. In den Bereichen Orientierung, Sprache un
d sprachassoziierte Funktio
nen,
visuelle Wahrnehmung und visu
elle räumliche Verarbeitung hätten sich normgerechte oder unauffällige Leistungen ge
zeigt
.
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten (S. 14), v
on neuropsychologischer Seite werde in einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
gesehen, in einer Tätigkeit im Verkaufsinnendienst
eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
. D
ies sei
auch aus psychiatrischer Sicht gut nachvollziehbar. Was die letzte Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt angehe, so sei der Beschwerdeführer zuletzt über längere Zeit, 1999, 2000 im Verkaufsinnendienst tätig gewesen, diesbezüglich
werde
von neu
ropsychologischer Seite eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
gesehe
n, aus psychiatri
scher Sicht sei dies
ebenfalls plausibel. Danach
sei
er no
chmals im Jahr 2002
zwei Monate als Hilfsarbeiter in einer Gärtnerei
tätig
gewesen
. W
ürde hinsichtlich der letzten Tätigkeit
darauf
Bezug genommenen
, ergebe sich eine
Arbeitsfähigkeit von 80
%
(S. 14)
.
3.1.6
Zum Belastungsprofil hielten die Sachverständigen fest (S. 16), aufgrund der
, wenn auch gering ausgeprägten
,
Depressivität und Selbstunsicherheit seien emo
tional belastende Tätigkeiten nicht geeignet sowie insbesondere Tätigkeiten, die eine erhöhte Konfliktfähigkeit voraussetz
t
en. Vor dem Hintergrund der neuropsy
chologischen Beeinträchtigungen seien gut strukturierte, kognitiv eher einfache Tätigkeiten sinnvoll.
3.2
In
einer
Stellungnahme vom 1
0.
Januar 2019
(
Urk.
14)
zum
Y._
Gutachten hielten die Psychotherapeutin
B._
und der leitende Arzt
Dr.
D._
an der Klinik
Z._
Ambulatorium
A._
fest,
beim Beschwerdeführer bestehe
eine lange psychiatrische Vorgeschichte mit
einer langjährigen und schweren
Ab
hängigkeitserkrankung (Alkoho
l, Opiate). I
m
Verlauf der letzten Jahre
habe sich eine
deutliche Stabilisierung
des psychischen Befindens unter anderem
bezüglich d
er Drogen- und Alkoholabstinenz
gezeigt,
wobei
die
Lebensumstände als wenig herausfordernd bzw. wenig belastend bezeichnet werden
könn
t
en. Die Aufrecht
erhaltung einer Abstinenz
sei
eine grosse Leistung und
mit
H
ilfe langjähriger und intensiver therapeutischer Behandlung hart erarbeitet
worden
.
Unter erhöhter Be
lastung
,
wie in der Zeit des IV-Aufbautrainings im Jahre 2017
,
seien
die
selbst
unsicheren Persönlichkeitszüge offensichtlich
geworden
und
hätten den Be
schwerdeführer auch bei der Arbeit
blockiert
,
was zu einer verminderten Leis
tungsfähigkeit und einem Rückfall ins alte Konsummuster (Alkohol)
ge
führt
hab
e. In der Folge
habe
der Beschwerdeführer
im
Sommer 2017 einen
Alkoholentzug machen
müssen
.
Zu viel Stress beziehungsweise
Druck bei der Arbeit, wie
sie
im ersten Arbeitsmarkt
realistischerweise
überall
anzutreffen
seien
, könn
t
en
die er
reichte Stabilität deutlich gefährden und
seien daher
psychiatrisch nicht vertret
bar. Bezogen auf die depressive Symptomatik
könne
nach ICD-10 davon ausge
gangen werden,
dass die depressive Versti
mmung bei einer
Dysthymia
niemals oder nur selten ausgeprägt
genug
sei
, um die Kriterien einer rezidivierenden leich
ten oder mittelgradigen depressiven Störung
anzunehmen
. In
Phasen dieser de
pressiven Verstimmungen
zeige der Beschwerdeführer
Symptome wie Antriebs
losigkeit,
Schlafstörungen, Freudlosigkeit, Gefühl der Sinnlosigkeit, Interessenlo
sigkeit, verminderte
Eigeninitiative und Gefühle der Unzulänglichkeit.
Im
Affekt
wirke er
flach und reduziert schwingungsfähig.
E
s
sei
daher nicht nachvollzieh
bar,
dass im Gutachten
die tiefgreifende und langjährige
Diagnose einer
Dysthy
mia
in Frage
gestellt werde.
Im Rahmen der Eingliederungsmassnahmen
habe die IV
das Aufbautraining bis zu einem
Arbeitspensum von 60
%
durchgeführt und dabei sei der Beschwerdeführer
deutlich an seine Grenzen
gestossen, was sich in einer
Destabilisierungstendenz des psychischen Befindens
gezeigt habe.
Es be
stehe deshalb aus
ihrer Sicht
höchstens eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in ange
passter Tätigkeit.
4.
4.1
Das
Y._
-Gutachten erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E. 1.4), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Be
schwerdeführers auseinander, berücksichtigt auch die medizinischen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht
im Ein
klang steht.
Insgesamt erweist sich das Gutachten als nachvollziehbar und ver
mag
zu überzeugen. Dabei legte der psychiatrische
Experte
auch dar, dass
beim Beschwerdeführer kein depressives Geschehen mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit
zu diagnostizieren ist und
die
Untersuchung
en
auch nicht
das Störungsbild
einer
Dysthymia
zeigte
n
, wie sie
von
der Klinik
Z._
diagnostiziert
worden war
(vgl.
Urk.
9/107/14).
Dabei
ist
auch
festzuhalten, dass
rechtsprechungsgemäss
eine
Dysthymie
wohl eine Einbusse an Leistungsfähigkeit mit sich bringen kann, aber für sich allein betrachtet
nicht einem
Gesundheitsschaden im Sinne des Ge
setzes gleich
kommt
. Diese Schlussfolgerung, die sich auf medizinische Empirie abstützt und damit eine Rechtsfrage darstellt, ist
zwar
nicht absolut zu setzen;
denn
eine
dysthyme
Störung kann die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall erheblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen Befunden - wie etwa einer ernsthaften Persönlichkeitsstörung - auftritt (Urteile des Bundesgerichts 8C_623/2013 vom 1
1.
März 2014 und 9C_146/2015 vom 1
9.
Januar 2016 E. 3.2, je mit Hinweisen).
Hinweise für eine solche
zusätzliche
gravierende
Störung
sind
aber weder
in
den
Untersuchungsbefunde
n anlässlich der Begutachtung noch
in den
Berichten der behandelnden Ärzte
dokumentiert
. Im Weiteren ist zu beachten, dass d
ie von der
Rechtsprechung
im Zusammenhang mit einer diagnostizierten
Dysthymie
entwickelten
Grundsätze
auch
nicht
durch
die
mit
BGE 141 V 281
eingeführte
Rechtsprechung massgebender Standardindikatoren
relativiert
wor
den ist
(Urteil des Bun
desgerichts 9C_146/2015 vom 19.
Januar 2016 E 3.2 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_162/2015 vom 3
0.
September 2015
E.
3.3.3
, vgl. E.
1.3.2
hie
r
vor
).
Auf eine
Arbeitsfähigkeit von höchstens
50
%
in an
gepasster
Tätigkeit
gestützt
auf
die diagnostizierte
Dysthymie
,
wie sie
von den Behandlern der Klinik
Z._
Ambulatorium
A._
attestiert wurde,
kann damit nicht abgestellt werden.
4.2
Demgegenüber setzten sich die
Sachverständigen des
Y._
im Hinblick
auf die vor
erwähnte Rechtsprechung zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychi
schen Erkrankungen
auch mit den
grundsätzlich
zu berücksichtigenden Stan
dardindikatoren (BGE 143 V 41 und E. 1.3.2 hiervor)
eingehend auseinander
(vgl.
Urk.
9/107/41 f.)
. U
nter der Kategorie «funktioneller Schweregrad»
wurde eine
mässig
e Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
festgehalten.
Das
depres
sive Geschehen
erreichte dabei
nicht einmal
den Schweregrad einer
Dysthymia
und
die Persönlichkeitsproblematik
konnte
lediglich im Sinne
einer selbstun
sicheren Persönlichkeitsakzentuierung
gesehen werden
.
Keine erheblichen Ein
schränkungen konnte der
Suchtproblematik
zugemessen werden, die sich
auf
grund der medikamentös unterstützten Abstinenz und Substitutionstherapie
weit
gehend
als
kompensiert und
sich
s
eit längerem als stabil zeigte.
Gravierende
re
Komorbiditäten
waren damit aus psychiatrischer Sicht nicht
zu verzeichnen.
D
er Beschwerdeführer
verfügt auch
über
eine
gute Ressource
im Sinne der Unterstüt
zung durch die Wohngruppe
und zeigt sich
im
sozialen Umfeld integriert. E
in ausgewiesener Rückzug aus allen Lebensbereichen liegt
damit
nicht vor. Unter der Kategorie «Konsistenz» konnte im Komplex gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen aufgezeigt werden, dass
sich der Beschwerdeführer auf dem ersten Arbeitsmarkt
zwar
lediglich zu 50 bis 60
%
tätig
s
ieht
und diese
Einschätzung sich auch
weitgehend mit dem tat
sächlichen Aktivitätsniveau im beruflichen Bereich, wenn auch im zweiten Ar
beitsmarkt, und dem Aktivitätsniveau im Haushaltsbereich und der Freizeit
deckt.
Auch wurde im Komplex Behandlungs- und
e
ingliederungsanamnestisch ausge
wiesener Leidensdruck auf einen spürbaren Leidensdruck hingewiesen.
Dass
die s
achverständige
n Gutachter
vor diesem Hintergrund insgesamt zur Auf
fassung gelangte
n
, der B
eschwerdeführer sei in der Lage
,
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt
einer angepassten
Tätigkeit
im Umfang von
80
%
auszuüben,
is
t damit
plausibel und erschein
t den Verhältnissen angemessen
. Nachvollziehbar ist auch, dass
aufgrund der neuropsychologischen und psychiatrischen Gegebenhei
ten
im Belastungsprofil auf
gut strukturi
erte, kognitiv eher einfache,
emotional
wenig
belastende Tätigkeiten
,
die
keine
erhöhte Konfliktfähigkeit
voraussetzen,
h
ingewiesen wurde.
4.3
Nach dem Gesagten besteht in Bezug auf die attestierte Arbeit
sunfähigkeit keine Veranlassung
,
nicht auf das
Y._
-Gutachten abzustellen. Es legt einleuchtend dar, dass
dem Beschwerdeführer aus gesamtmedizinischer Sicht
die Verwertung einer angepassten Tätigkeit zu 80
%
zumutbar ist.
Angesichts der klaren Akten
lage können auch von weiteren Beweismassnahmen (etwa der Einholung eines weiteren Gutachtens) keine neuen Erkenntnisse erwartet werden, weshalb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer ist somit in einer angepassten Tätigkeit unter Beachtung des ihm zumutbaren Belastungsprof
ils zu 80
%
arbeitsfähig (E. 4.2
)
und es
bleiben die erwerblichen Auswirkungen dieser Einschränkung zu prüfen.
Der Beschwerdeführer brachte
in diesem Zusammenhang
vor, dass
er auf einen Nischenarbeitsplatz angewiesen sei und ein solcher
im ersten Arbeitsmarkt
nicht
zu finden
sei.
5.2
5.2.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG
(
in Verbindung mit
Art.
28
Abs.
2 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
.2
Beim ausgeglichenen Arbeitsmarkt handelt es sich um eine theoretische Grösse, so dass nicht leichthin angenommen werden kann, die verbliebene Leistungsfä
higkeit sei unverwertbar.
Eine Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist in denjenigen Fällen anzunehmen, in denen die zumutbare Tätigkeit nur in so ein
geschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durch
schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesge
richts 9C_485/2014 vom 2
8.
November 2014 E. 3.3.1 mit Hinweisen
).
Dabei umfasst der
ausgeglichene Arbeitsmarkt auch sogenannte Nischenarbeits
plätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem so
zialen Entgegenkommen von Seiten
des Arbeitgebers rechnen können
. Eine Un
verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist erst anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entge
genkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom
8.
Oktober 2015 E. 5.11 mit Hin
weisen).
Damit führt g
rundsätzlich der Umstand allein, dass einer versicherten Person
nurmehr
ein Nischenarbeitsplatz zumutbar ist, nicht zur Verneinung der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
.
5.2.3
Sol
che Umstände liegen nicht vor und aus
dem
medizinische Belastungsprofil
ergeben sich
einzig
Einschränkungen
in der Hinsicht
,
als
dem
Beschwerdeführer
gut strukturierte, kognitiv eher einfache, emotional wenig belastende Tätigkeiten,
ohne
erhöhte
Anforderungen an die
Konfliktfähigkeit
empfohlen werden
respek
tive zumutbar sind
. Damit steht
jedenfalls
ein
breit
es Spektrum verschiedenster
(Hilfsarbeiter-)
Tätigkeiten
offen, sodass
nicht davon auszugehen ist, dass die
Restarbeitsfähigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt
nicht mehr verwertbar ist
.
5.3
5.3.1
D
er Beschwerdeführer
schöpft seine Restarbeitsfähigkeit lediglich im Rahmen eines 60%igen Arbeitspensum im geschützten Arbeitsmarkt aus.
D
as Invaliden
einkommen
ist daher
anhand stati
stischer Durchschnittswerte
zu ermitteln, wobei d
ie Beschwerdegegnerin
praxisgemäss
auf
die
Lohnstrukturerhebung
der
LSE ab
ge
stell
t hat
(vgl.
Urk.
9/117)
.
5.3.2
Hinsichtlich des
im Gesundheitsfall erzielbaren hypothetischen (
Validen
-) E
in
kommen
s ist festzustellen, dass
der
Beschwerdeführer zwar relativ früh
Suchtmit
tel
— Alkohol und Haschisch während der
Sekundarschulzeit
—
konsumierte
,
aber t
rotzdem
eine
Berufslehre
erfolgreich
abschliessen
konnte. Mit dem
Konsum von Heroin begann
er sodann
im Jahr 1990
während der Rekrutenschule
und rutschte in der Folge in die Sucht ab (vgl.
Urk.
9/21/2 f. und
Urk.
9/7).
Erwerbsbiog
ra
phisch konnte er in der Folge nie richtig Fuss fassen, was
sich auch
aus dem
Individuellen Konto (IK)
erschliesst, wurden doch nur sporadisch unterdurch
schnittliche Einkommen, oftmals Arbeitslosentaggelder oder Beiträge als Nicht
erwerbstätiger abgerechnet (
Urk.
9/1). Vor diesem Hintergrund legte die Be
schwerdegegnerin zu Recht auch das
Valideneinkommen
aufgrund statistischer Werte fest.
Dabei ist auch nicht zu beanstanden, dass
sie
die gleichen Tabellen
werte wie beim Invalideneinkommen
beigezogen
und damit faktisch ein
en
Pro
zentvergleich
(vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom
5.
Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114
V 310 E. 3a)
vorgenommen
hat
.
Denn der Beschwerdeführer hat zuletzt im Jahr 1992 und damit vor über 25 Jahren auf seinem erlernten Beruf gearbeitet, weshalb nicht davon ausgegangen werden kann, er würde heute - bei intakter Gesundheit - eine solche Tätigkeit ausüben. Die erwerbsbiographischen Unregelmässigkeiten haben als invaliditätsfremd zu gelten, ist doch keine seit Jahrzehnten bestehende invalidenversicherungsrecht
lich relevante Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen.
Zusammenfassend
ist
unter Berücksichtigun
g des zumutbaren Pensums von 80
%
von
einem rentenausschliessenden Inval
iditätsgrad von 20
%
auszugehen, was
z
ur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind vorliegend erfüllt (vgl.
Urk.
10-11
). Demzufolge ist dem Beschwerdeführer antragsgemäss (
Urk.
1,
Urk. 5.
S. 2 und
Urk.
13 S. 2) die unentgeltliche Prozess
führung zu bewilligen und Rechtsanwalt
Dr.
Kurt Pfau, Winterthur, als unent
geltliche
r
Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren zu bestellen.
6.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
800.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
6.3
Bei diesem Verfahrensausgang steht dem unentgeltlichen Rechtsvertreter des Be
schwerdeführers,
Rec
htsanwalt
Dr.
Kurt Pfau, Winterthur, eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu (
§
34
Abs.
3
GSVGer
in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 und
§
8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht,
GebV
SVGer
), welche auf
Fr.
1‘
4
00.-- (inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Prozesskosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
Das Gericht beschliesst
:
In Bewilligung des Gesuchs vom 28. November 2018 w
ird dem Beschwerdeführer die un
entgeltliche Prozessführung gewährt und Rechts
anwalt
Dr.
Kurt Pfau, Winterthur
,
als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren bestellt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von Fr. 800.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der
unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers,
Rechtsanwalt
Dr.
Kurt Pfau, Winterthur
wird mit Fr. 1’
4
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt
Dr.
Kurt Pfau
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
5.