Decision ID: ab5a9c84-1c97-5119-8b2b-0243525b0873
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 9. Juli 2019 erteilte der Gemeinderat X R. B. die bau-
rechtliche Bewilligung für den Neubau eines Milchviehstalles mit Futtersilos
und Jauchegrube auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an der A.-Strasse in X.
Integrierter Bestandteil der Bewilligung bildet die Verfügung der Baudirekti-
on Kanton Zürich vom 24. Juni 2019, mit der das Bauvorhaben in Bezug
auf seine Lage in der Landwirtschaftszone, im Waldabstandsbereich und im
Uferstreifen eines Oberflächengewässers sowie in lärmrechtlicher Hinsicht
bewilligt wurde.
B.
Gegen diese Entscheide wandten sich W. K., H. F., F. und B. Z., D., N. und
S. S. sowie M. S. (Rekurrentschaft 1) mit gemeinsamer Rekurseingabe
vom 12. August 2019 wie auch die F. AG (Rekurrentschaft 2) mit separater
Rekursschrift vom 14. August 2019 an das Baurekursgericht des Kantons
Zürich und beantragten die Aufhebung der angefochtenen Entscheide, un-
ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Rekursgegnerschaft.
C.
Mit Verfügungen vom 13. August 2019 bzw. vom 19. August 2019 wurde
von den Rekurseingängen Vormerk genommen und es wurden die Ver-
nehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
Der private Rekursgegner beantragte mit Rekursantworten vom
11. September 2019 die Abweisung der Rekurse, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zulasten der Rekurrierenden.
Der Gemeinderat X schloss mit Vernehmlassungen vom 12. September
2019 ebenfalls auf Abweisung der Rekurse.
R3.2019.00118 Seite 3
Auch die Baudirektion Kanton Zürich schloss mit Stellungnahmen vom
10. und 13. September 2019 auf Abweisung der Rekurse.
E.
Mit Repliken vom 8. Oktober 2019 hielten die Rekurrentschaften an ihren
Anträgen fest. Der private Rekursgegner wie auch die Baudirektion Kanton
Zürich blieben mit Dupliken vom 29. und 25. Oktober 2019 bei ihren Anträ-
gen. Der Gemeinderat X verzichtete auf eine Duplik.
Die Rekurrentschaft 1 nahm mit Triplik vom 18. November 2019 erneut
Stellung und blieb weiterhin bei ihren Anträgen. Ebenso die Rekurrentin 2
mit Eingabe vom 7. Januar 2020.

Es kommt in Betracht:
1.
Die Rekurse richten sich gegen die nämliche Baubewilligung für den Neu-
bau eines Milchviehstalles und weisen mehrheitlich die gleichen Rügen auf.
Die Rekursverfahren sind entsprechend zu vereinigen.
2.
Das streitbetroffene Bauvorhaben umfasst den Neubau eines Milch-
viehlaufstalls auf dem noch unüberbauten, in der Landwirtschaftszone ge-
legenen Baugrundstück Kat. Nr. 1. Der Stall mit einer Länge von 60,19 m,
einer Breite von 27,90 m und einer Höhe von 10,80 m soll 86 Liegeboxen
für Milchkühe, zehn Tiefstreuliegeplätze für zwei- bis dreijährige Rinder so-
wie Tiefstreuliegebereiche für kalbernde und frischlaktierende Kühe oder
kranke Tiere, zwei Melkroboter sowie ein Strohlager umfassen. Nordseitig
soll ein Futterhaus mit einem zweiten Strohlager und Befüllern an den Stall
angeschlossen werden, welches eine Länge von 21 m, eine Breite von
12,70 m und eine Höhe von rund 8,30 m umfassen soll. An der Nordfassa-
R3.2019.00118 Seite 4
de des Futterhauses sind zudem zwei Harvestore-Silos mit einem Durch-
messer von je 5,20 m und einer Höhe von 18 m zur Futterlagerung geplant.
Ein Melkhaus mit Technikraum, Büro, Nasszelle und Aufenthaltsraum soll
an die Westseite des Stalles angebaut werden (Länge 12 m, Breite 10,45
m, Höhe rund 8,30 m). Schliesslich beinhaltet das Bauvorhaben eine nörd-
lich der Silos situierte, gedeckte und teilweise im Terrain versenkte Jau-
chegrube mit einem Durchmesser von 18 m und eine südlich des Stallneu-
baus konzipierte Mistplatte mit einer Fläche von 120 m2.
Mit dem Neubau soll der bestehende Betrieb des Bauherrn, für welchen
das bisherige Betriebszentrum am C.-Weg 1 in X (Kat.-Nr. 2) die notwendi-
gen Voraussetzungen zur Anpassung an die tierschutzrechtlichen Anforde-
rungen oder zur Erweiterung des Betriebes nicht mehr bietet, an einem
neuen Standort weitergeführt werden. Im bisherigen Stall Assek.-Nr. 1 m
C.-Weg 1 sollen weiterhin die Kälber und das kleinere Jungvieh unterge-
bracht werden.
3.
Gemäss § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) ist zum Rekurs be-
rechtigt, wer durch die angefochtene Anordnung berührt ist und ein schutz-
würdiges Interesse an ihrer Aufhebung oder Änderung hat. Der Nachbar
eines Bauvorhabens ist dann zum Rekurs berechtigt, wenn er über eine
hinreichend nahe räumliche Beziehung zum Baugrundstück verfügt und
wenn er darüber hinaus durch die Erteilung der Baubewilligung mehr als
die Allgemeinheit in eigenen Interessen berührt ist (BGE 103 Ib 149 f. Erw.
4; 104 Ib 256 Erw. 7 d).
Die Rekurrierenden sind Eigentümer der östlich und nördlich des Bau-
grundstücks gelegenen Grundstücke. Als Nachbarn sind sie somit ange-
sichts der gerügten Beeinträchtigungen (insbesondere Geruchsimmissio-
nen und Einordnung) mehr als beliebige Dritte vom Bauvorhaben betroffen
und damit grundsätzlich zum Rekurs legitimiert.
Da auch die übrigen formellrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf
die Rekurse einzutreten.
R3.2019.00118 Seite 5
4.
Das nämliche Bauvorhaben wurde bereits mit Beschluss des Gemeinderats
X vom 10. Juli 2018 und Verfügung der Baudirektion Kanton Zürich vom 4.
Juli 2018 bewilligt. Die Entscheide wurden von den gleichen Rekurrieren-
den beim Baurekursgericht des Kantons Zürich angefochten. Die Rekurse
wurden mit Entscheid BRGE Nr. 0017 und 0018/2019 vom 6. Februar 2019
teilweise gutgeheissen und die Sache wurde zur weiteren Abklärung, basie-
rend auf einem durch die Bauherrschaft einzureichenden, detaillierten Be-
triebskonzept und zum Neuentscheid an die Vorinstanzen zurückgewiesen.
Als ungenügend hatten sich insbesondere die zur Klärung der Bodenab-
hängigkeit der geplanten Tierhaltung notwenigen Angaben erwiesen.
Die entsprechenden Akten wurden in die neuen Rekursverfahren beigezo-
gen (act. 36 im Dossier R3.2019.00118 und act. 33 im Dossier
R3.2019.00120).
Nachdem die 3. Abteilung des Baurekursgerichts des Kantons Zürich be-
reits am 29. November 2018 im Beisein der Parteien einen Augenschein
auf dem Lokal durchgeführt hatte und sich die entscheidrelevanten Verhält-
nisse vor Ort nicht massgeblich verändert haben, war kein weiterer Augen-
schein durchzuführen.
5.
Das ergänzte Betriebskonzept vom 8. Mai 2019 sieht mit 86 Milchkühen,
insgesamt 40 Aufzuchtrindern und 21 Stück Jungvieh einen Gesamtbe-
stand von 108 Grossvieheinheiten (GVE) vor, verteilt auf die bisherigen
Stallungen am C.-Weg und den Neubau. Es wird eine durchschnittliche
Milchleistung von 9'000 kg pro Kuh und Jahr angestrebt.
Die zur Verfügung stehende landwirtschaftliche Nutzfläche soll nach dem
Neubau rund 50 ha umfassen und soll ausschliesslich für die Futterproduk-
tion für den Milchviehbestand genutzt werden. Hierfür sollen auf 12 ha Si-
lomais angebaut werden, während 30,86 ha intensiv genutzte Wiesen und
Weiden, 3,02 ha extensive Wiesen und 4,15 ha Hecken, Feldgehölze und
Streue ausmachen sollen. Der mithilfe der dem Betriebskonzept beigeleg-
ten Suisse-Bilanz vom 3. Mai 2019 errechnete Raufutterbedarf der
108 GVE von 6'982 dt Trockensubstanz (TS) könne damit im Umfang von
R3.2019.00118 Seite 6
6'482 dt TS abgedeckt werden. Die fehlenden 500 dt TS würden dazuge-
kauft.
6.1.
Die Rekurrierenden machen geltend, der zu erbringende Nachweis der Bo-
denabhängigkeit der geplanten Tierhaltung sei mit diesem Betriebskonzept
nach wie vor nicht erfolgt.
Die Rekurrierenden 1 bringen dazu vor, die eingereichte Suisse-Bilanz sei
das falsche Instrument zur Klärung der Frage der bodenabhängigen Pro-
duktion. Die Suisse-Bilanz diene bloss dazu, die Nährstoffbelastung der
Böden und Gewässer zu bestimmen und zu begrenzen und sage nichts
darüber aus, wie viele Tiere mit dem Futter der eigenen landwirtschaftli-
chen Nutzflächen (LN) ernährt werden könnten.
Zudem seien die Futter-Bedarfswerte falsch eingesetzt worden. So werde
die Milchleistung pro Kuh mit 9'000 kg/Jahr zu tief angesetzt. Die Leistung
sei schon im Kontrolljahr 2016/2017 höher gewesen (9'717 kg) und würde
über die nächsten Jahre auf mindestens 12'000 kg pro Kuh steigen, zumal
Spitzenkühe diese Werte bereits heute erreichen würden. Es dürfe nicht auf
die heutige Milchleistung abgestellt werden, die schon in wenigen Jahren
überholt sein werde. Massgebend sei der Wert, wie er während des lang-
jährigen Betriebs in 20 oder 25 Jahren erwartet werden dürfe.
Falsch sei in diesem Zusammenhang auch die Berechnung der Anzahl
Milchkühe. Der Stall weise 88 Liegeboxen und sechs Tiefstreuplätze für
frischlaktierende Kühe, also 94 Plätze auf. Zudem handle es sich um einen
Laufstall, bei dem die Boxe keiner Kuh dauernd zugeteilt seien.
Betreffend das Futter sei der Kraftfutterverzehr mit 500 kg pro Tier und Jahr
zu tief veranschlagt. Gemäss Wegleitung zur Suisse-Bilanz sei bei Kühen
mit einer Milchleistung von 9'717 kg/Jahr mit 1'600 kg Kraftfutter zu rech-
nen. Zudem sei völlig unklar, woher der Bauherr das nötige Kraftfutter
nehmen und wie er damit die Fruchtfolge-Anforderungen und den ökologi-
schen Leistungsnachweis (ÖLN) der Direktzahlungsverordnung (DZV) er-
füllen wolle. Schliesslich sei nicht abgeklärt, wie die Bodenverhältnisse auf
den Parzellen des Betriebs seien. Entsprechend sei unklar, von welchem
R3.2019.00118 Seite 7
Ertrag bei den Wiesen auszugehen sei und es sei bekannt, dass 3,3 ha des
Pachtlandes in Kürze überbaut werden sollen und dementsprechend nicht
mehr zur Verfügung stünden.
Die Rekurrentin 2 macht ergänzend geltend, das Abstellen auf das Tro-
ckensubstanzpotenzial erwecke den Eindruck, dass es sich um eine innere
Aufstockung handle, was jedoch nicht der Fall sei. Zudem sei kein Standort
in der Landwirtschaftszone notwendig, wenn die Kühe fast ausschliesslich
mit Silagefutter versorgt würden, zumal dieses ortsunabhängig sei.
6.2.
Das Amt für Landschaft und Natur (ALN) der Baudirektion Kanton Zürich
führt dazu aus, das Betriebskonzept auf dessen Plausibilität überprüft zu
haben.
Bezüglich der Suisse-Bilanz räumt das ALN vernehmlassungsweise ein,
das Tool sei nicht in erster Linie dazu bestimmt, den Anteil des auf eigener
Fläche produzierten Futters darzustellen. Die nötigen Parameter (Felder-
träge für jede einzelne Kultur, Futterbedarf) könnten dennoch daraus bezo-
gen werden und würden selbst bei Einsetzung der rekurrentischen Parame-
ter im Resultat aufzeigen, dass auf dem geplanten Betrieb bodenabhängig
produziert werde.
Die Milchleistung liege als Stalldurchschnitt (effektiv realisierter Durch-
schnitt des gesamten Milchviehbestandes) aufgrund der kantonsinternen
Daten des ALN zum streitbetroffenen Betrieb im Jahre 2018 bei 9'246 kg
(332'858 kg bei 36 Kühen). Ein Betriebskonzept diene u.a. dazu, die Trag-
fähigkeit und Finanzierung eines Bauvorhabens aufzuzeigen, weshalb be-
wusst vorsichtig gerechnet werde und vorliegend von einer Milchleistung
von 9'000 kg ausgegangen worden sei. Für die Plausibiltätsberechnung sei
hingegen von der bisherigen Milchleistung von 9'717 kg auszugehen.
Für die Futterproduktion ging das ALN von einer landwirtschaftlichen Nutz-
fläche von 50,47 ha mit ca. 30 ha sehr fruchtbarem und intensiv bewirt-
schaftbarem Ackerland aus. Für die geplanten 12 ha Silomaisanbau sei un-
ter diesen Voraussetzungen von einem Ertragspotenzial von 185 dt/ha und
für das intensiv genutzte Wiesland von 125 dt/ha auszugehen. Beim stritti-
gen Betriebsmodell werde das nötige Kraftfutter vollumfänglich zugekauft,
R3.2019.00118 Seite 8
was legitim und nicht unüblich sei. Entscheidend sei, welcher Prozentanteil
am gesamten Futterbedarf (Grund- und Kraftfutter) selber produziert werde.
Der Kraftfutterbedarf hänge vom Fütterungsplan ab. Gemäss Planbilanz
werde mit einem gegenüber dem Basiswert der Suisse-Bilanz von 1'583 dt
reduzierten Kraftfuttereinsatz von 430 dt Kraftfutter pro Kuh und Jahr ge-
rechnet. Entsprechend werde in der Berechnung des Gesamtfutterbedarfs
von einem erhöhten Grundfutterbedarf von 6'982 dt pro Kuh und Jahr aus-
gegangen. Das Raufutter könne damit gemäss Suisse-Bilanz vom 3. Mai
2019 zu über 92 % auf dem eigenen Betrieb produziert werden (6'482 dt TS
von 6'982 dt TS). Bei einem zusätzlichen Kraftfutterbedarf von 430 dt decke
das Trockensubstanzpotenzial somit den TS-Bedarf des geplanten Tierbe-
standes zu ca. 87 % ab.
Das ALN hält zusätzlich fest, dass selbst bei einer Plausibiltätsberechnung
mit dem Basiswert der Suisse-Bilanz von 1'583 dt/Kuh/Jahr (bei einer
Milchleistung von 9'717 kg) und einem Verlust von 3,3 ha Pachtland in den
nächsten Jahren, wie er von den Rekurrierenden 1 behauptet werde, der
Anteil an selbstproduziertem Futter immer noch bei 80 % liege.
Die von den Rekurrierenden 1 vorgebrachte Milchleistung von 12'000 kg
treffe nur auf einzelne Spitzenleistungskühe zu und sei als Stalldurchschnitt
nicht plausibel, führe jedoch mit einem entsprechend höheren Kraftfutter-
bedarf von 2'640 dt/Kuh/Jahr immer noch zu einer Futterbedarfsdeckung
von 65 % aus dem eigenen Land.
6.3.
Der private Rekursgegner hält in seiner Rekursantwort fest, es bestehe
keine alternative Methode zur Ermittlung der Futterbasis. Die Suisse-Bilanz
sei durchaus geeignet, die Futtermenge und auch die Frage zu klären, ob
diese ausreicht, um die geplante Anzahl Tiere zu füttern.
Die erwarteten Ertragswerte für Wiesen und Weiden sowie für Silomais
seien bewusst vorsichtig gewählt worden. Es werde mit realistischen Erträ-
gen gerechnet und es würden nur Kulturen berücksichtigt, welche von den
auf dem Betrieb gehaltenen Tieren auch tatsächlich gefressen würden.
Der Bauherr weist darauf hin, dass die Milchleistung einer Kuh nicht linear
steige. Die Milchleistung auf seinem Betrieb sei in den letzten Jahren mehr
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oder weniger konstant geblieben (act. 31). Der angestrebte Durchschnitt
von 9'000 kg sei bei einer optimalen Milchleistung durchaus realistisch. Der
von der Rekurrentschaft 1 verlangte Wert von 12'000 kg sei nur mit einem
enormen Aufwand hinsichtlich Fütterung, Zucht und Auswahl möglich und
werde auf seinem Betrieb nicht angestrebt.
Die Kraftfuttermenge sei nicht starr, sondern könne gemäss Wegleitung zur
Suisse-Bilanz auch durch Erhöhung der Grundfuttermenge reduziert wer-
den. Die Anpassung erfolge durch das Rechnungs-Tool automatisch. Die
überwiegende Bodenabhängigkeit sei jedoch bei beiden Varianten deutlich
erreicht und werde auch bei einem allfälligen Verlust von Pachtflächen nicht
in Frage gestellt, wobei diese ohne Weiteres durch die Zupacht von Ersatz-
land kompensierbar wären.
Bezüglich der ÖLN verweisen der private Rekursgegner wie auch das ALN
auf die Regelung in Ziff. 4.1 und 4.2 des Anhangs 1 zur DZV, wonach
Kunstwiesen als Hauptkultur gelten, sofern sie mindestens 20 bzw. 30 %
der Ackerfläche ausmachen. Bei mehr als 30 % zählten sie dabei als drei
Kulturen, womit der streitbetroffene Betrieb inkl. Anbau von Silomais über
vier Kulturen verfüge und die nötigen Anforderungen zum Erhalt von Di-
rektzahlungen erfüllen werde.
6.4.
Die Suisse-Bilanz wird grundsätzlich als Vollzugs- und Planungsinstrument
zum Nachweis einer "ausgeglichenen Stickstoff- bzw. Phosphorbilanz" ge-
mäss der Direktzahlungsverordnung (DZV) zur Erfüllung des ökologischen
Leistungsnachweises (ÖLN) verwendet. Damit ist sie hauptsächlich darauf
ausgerichtet, den Nährstoffhaushalt eines Betriebes zu erfassen (vgl. Weg-
leitung Suisse-Bilanz, Auflage 1.15 vom 15. Mai 2018, Ziff. 1). Insofern be-
zieht sich auch die für den Betrieb errechenbare Tragbarkeit des Tierbesat-
zes in erster Linie auf die Beurteilung Nährstoffverwertung. Demgegenüber
ist die Bodenabhängigkeit einer Nutztierhaltung danach zu beurteilen, ob
das von den Tieren benötigte Futter auch tatsächlich zum überwiegenden
Teil auf dem Betrieb selbst produziert wird (vgl. Bundesamt für Raument-
wicklung [ARE], Neues Raumplanungsrecht, Erläuterungen zur Raumpla-
nungsverordnung und Empfehlungen für den Vollzug, Deckungsbeitrags-
und Trockensubstanzkriterium nach Artikel 36 RPV, Kap. IV, S. 10). Dazu
ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erforderlich, dass aufgrund
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der auf dem Betrieb herrschenden konkreten Verhältnisse ermittelt wird,
welcher Landanteil als Futterbasis für die Tierhaltung dient und wie viele
Tiere damit ernährt werden können. Dies setzt in der Regel voraus, dass
der Landwirtschaftsbetrieb über ein Betriebskonzept verfügt, aus welchem
der Umfang der verschiedenen Betriebszweige und die dafür jeweils zur
Verfügung stehenden Landflächen hervorgehen (BGE 133 II 370 E.4.4).
Dabei ist festzuhalten, dass die Suisse-Bilanz auch die nötigen Angaben
zur Beurteilung des für die Frage der Bodenabhängigkeit massgebenden
Abdeckungsgrades des Futterbedarfs durch Eigenproduktion enthält. Die
Entnahme dieser Werte aus der Suisse-Bilanz zur eigenständigen Berech-
nung ist somit nicht zu beanstanden.
Die Berechnung erfolgt aufgrund der Betriebszahlen. Bei geplanten Ände-
rungen liegen diese naturgemäss noch nicht in allen Belangen vor. Die ma-
ximale Tierzahl ergibt sich jedoch aus den baulichen Plänen, zumal entge-
gen der Annahme der Rekurrierenden 2 auch in einem Laufstall nicht mehr
Kühe gehalten werden dürfen, als Liegeboxen vorhanden sind (Tierschutz-
Kontrollhandbuch; https://www.blv.admin.ch › tsch-kontrollhandbuch-
rinder.pdf.download.pdf). Boxen für frischlaktierende Kühe sind hierbei
nicht mitzuzählen, da davon ausgegangen werden muss, dass sich nicht
ganzjährlich eine gewisse Anzahl Kühe in dieser Phase befindet. Im Rah-
men des Betriebskonzeptes sind die übrigen, realistischerweise zu erwar-
tenden Parameter darzulegen. Die landwirtschaftliche Nutzfläche wurde
vorliegend aufgrund der dem künftigen Betrieb zugehörigen Pachtflächen
bestimmt. Mit gewissen Änderungen ist jedoch immer zu rechnen. Die von
den Rekurrierenden 1 vorgebrachten möglichen Verluste sind von gerin-
gem Umfang und wirken sich – wie durch die Rekursgegnerschaft aufge-
zeigt – nicht massgeblich auf das Ergebnis aus. Die erwartete Milchleistung
wurde aufgrund der bisherigen Betriebszahlen eingesetzt, wenn auch in
eher vorsichtigem Umfang (9'000 kg statt 9'717 kg). Allerdings zeigt auch
diese Differenz - wie durch das ALN berechnet - keine wesentlichen Aus-
wirkungen auf das Ergebnis. Die von den Rekurrierenden 1 vorgebrachte
Milchleistung von 12'000 kg gilt als Spitzenleistung und kann nicht als
Durchschnitt herangezogen werden, jedenfalls nicht mit dem vorgelegten
Betriebskonzept, welches auf einer anteilsmässig hohen Fütterung mit
Grundfutter und mit nur wenig Kraftfutter basiert.
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Bezüglich der Bodenverhältnisse zeigt ein Vergleich der im Betriebskonzept
aufgezeigten Landflächen mit der Bodenkarte der Landwirtschaftsflächen
im GIS-Browser des Kantons Zürich (besucht am 9. Dezember 2019), dass
die dem Betrieb zugehörigen Flächen grösstenteils eben oder leicht geneigt
(bis zu 10 %) und mässig bis sehr tiefgründig sind. Die Mehrheit entspricht
dem Bodentyp B (Braunerde). In Bezug auf die landwirtschaftliche Nut-
zungseignung sind die Flächen grossmehrheitlich den Nutzungseignungs-
klassen (NEK) 2 bis 5 (uneingeschränkte Fruchtfolge 2. Güte, getreidebe-
tonte Fruchtfolgen und futterbaubetonte Fruchtfolgen) zugewiesen. Nur ei-
ne Minderheit gehört der NEK 6 oder 7 an (Futterbau bevorzugt, Ackerbau
stark eingeschränkt / gutes bis mässig gutes Wies- und Weideland). Insge-
samt ist somit von für den Betriebszweck gutem bis sehr gutem Boden mit
dem entsprechend zu erzielenden Ertrag auszugehen. Dieser liegt gemäss
Anhang 1.15 zur Wegleitung Suisse-Bilanz bei intensiver Nutzung der unter
600 m.ü.M. gelegenen Flächen bei Wiesen und Mähweiden bei 135 dt/ha
und bei ausschliesslicher Weidenutzung bei 110 dt/ha. Der angenommene
Ertrag von 125 dt/ha für das intensiv genutzte Wiesland ist somit nicht zu
beanstanden. Ebenso wenig der für den Silomais eingesetzte Ertrag von
185 dt/ha, der ebenfalls den Werten der Wegleitung Suisse-Bilanz ent-
spricht und bei dem kein Grund für eine massgebliche Abweichung auszu-
machen ist.
Die eingesetzten Parameter sind auf einander abgestimmt und zeigen auf,
dass bei dem Betriebskonzept entsprechendem Futteranbau ohne Weiteres
von einer bodenabhängigen Tierhaltung ausgegangen werden kann. Die
von den Rekurrierenden 1 geforderten Berechnungsanpassungen erweisen
sich als nicht begründet. Ebenso wenig kann aufgrund der Fütterung mit Si-
lage davon ausgegangen werden, dass eine Tierhaltung nicht zonenkon-
form sei. Einerseits kann die Frage der Bodenabhängigkeit nicht davon ab-
hängen, in welcher Form das produzierte Futter gelagert und verfüttert wird
und andererseits könnte dann immer argumentiert werden, dass das Futter
transportiert werden könne. Das Vorbringen erweist sich als nicht stichhal-
tig.
In Bezug auf die ÖLN kann auf die Ausführungen der Rekursgegnerschaft
und die DZV mit Anhang 1 verwiesen werden, zumal diese Frage die Di-
rektzahlungen und nicht die Zonenkonformität betrifft.
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7.
Voraussetzung für die Erteilung der Baubewilligung ist gemäss Art. 34
Abs. 4 der Raumplanungsverordnung (RPV) weiter, dass die Baute oder
Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung nötig ist (lit. a), der Baute
oder Anlage am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen (lit. b) und der Betrieb voraussichtlich längerfristig beste-
hen kann (lit. c).
Die Rekurrentschaften zweifeln sowohl die betriebliche Notwendigkeit der
Neubaute als auch die Sicherung des längerfristigen Bestandes des Betrie-
bes an. Zudem machen sie geltend, dem Vorhaben stünden als überwie-
gende Interessen diejenigen des Landschaftsschutzes sowie des Umwelt-
schutzes entgegen, welcher aufgrund der Geruchs-, Lärm- und Ammoni-
akemissionen des Bauvorhabens tangiert werde.
8.
Die Rekurrierenden 2 machen diesbezüglich wie im ersten Rechtsgang gel-
tend, es seien nicht ernsthaft Alternativstandorte geprüft worden und es sei
nicht belegt, dass eine Weiterentwicklung am bestehenden Standort nicht
möglich sei. Im Rahmen des ersten Rechtsgangs wurde hierzu Folgendes
ausgeführt, an dem weiterhin festzuhalten ist:
Bei der Standortwahl für Bauten in der Landwirtschaftszone ist der Bauherr
im Hinblick auf Art. 34 Abs. 4 lit. b RPV nicht frei, sondern er muss nach-
weisen, dass die geplante Baute am vorgesehenen Standort objektiv not-
wendig ist (BGE 125 II 278 E. 3a S. 281), d.h. ein schutzwürdiges Interesse
daran besteht, sie am gewählten Ort zu errichten und, nach Abwägung aller
Interessen, kein anderer, besser geeigneter Standort in Betracht kommt
(BGr 1C_429/2015 vom 28. September 2016 E. 5.1 mit Hinweisen).
Die erforderliche Interessenabwägung hat sich an den Zielen und Grundsä-
tzen der Raumplanung zu orientieren (Art. 1 und 3 RPG; BGr 1C_397/2015
vom 9. August 2016, E. 4.2 mit Hinweis). Dabei ist auf die rationelle Bewirt-
schaftung des Bodens, insbesondere die Einfügung in die bestehende Be-
triebsstruktur, die vorhandene Erschliessung, den raumplanerisch gebote-
nen Schutz des Orts- und Landschaftsbilds, die Erhaltung genügender
Fruchtfolgeflächen, die Belange des Natur- und Heimatschutzes sowie al-
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lenfalls den Immissionsschutz Rücksicht zu nehmen (BGr 1C_567/2015
vom 29. August 2016, E. 6.1 mit Hinweisen).
Der Einreichung des Baugesuchs am geplanten Standort gingen mehrjähri-
ge Abklärungen voraus. Neben dem nachgesuchten Standort wurden fol-
gende Alternativstandorte in Betracht gezogen und überprüft:
 Standort J.: abgelehnt aufgrund der Lage in der Zone IIIA der  P.;
 Standort S./W.: abgelehnt mit Entscheid des Baurekursgerichts vom 18. Dezember 2013 aufgrund der Nichteinhaltung des ;
 Standort G.: nicht möglich wegen Terrain und Starkstromleitung der SBB;
 Standorte L. und B.: nicht möglich, da Landabtausch nicht zustande kam.
Dass ein Standort auf dem Grundstück des bestehenden Betriebszentrums
nicht weiter evaluiert wurde, ist nicht zu beanstanden, zumal auf dem
Grundstück Kat.-Nr. 2 aufgrund der Nähe zu Wohnbauten und des einzu-
haltenden Waldabstandes keine baulichen Erweiterungen der Stallungen
realisierbar sind.
Der nun streitbetroffene Standort wurde wie auch die übrigen von der Kan-
tonalen Siedlungskommission (KSK) begutachtet und in ihrem Bericht vom
11. Oktober 2017 grundsätzlich befürwortet. Die KSK wies dabei auf die
umfangreichen Vorabklärungen und Bemühungen für diese Standortwahl
sowie die daraus resultierende Notwendigkeit des gewählten Standorts hin.
Allerdings wurde er als ortsbaulich heikel erachtet, weshalb der Bauherr-
schaft eine bessere Gliederung der Baute nahegelegt wurde. Die Anlage
müsse neben ihrer Funktionalität in ihrem äusseren Erscheinungsbild so
gestaltet werden, dass sie gut in die Umgebung eingebunden werden kön-
ne.
Ob die durch die KSK empfohlene Anpassung des Erscheinungsbilds ge-
nügend umgesetzt wurde, wird im Rahmen der Einordnungsfrage zu klären
sein. An dieser Stelle kann jedoch festgehalten werden, dass eine sehr
aufwändige und fundierte Abklärung aller in Frage kommenden Standorte
R3.2019.00118 Seite 14
vorgenommen wurde, der beantragte Standort nicht leichtfertig gewählt und
damit dem Gebot einer sorgfältigen Standortwahl im Sinne von Art. 34
Abs. 3 lit. b RPV nachgekommen wurde. Da aufgrund dieser Abklärungen
kein zweiter Standort mehr in Frage kommt, erübrigt sich eine Interessen-
abwägung zwischen verbleibenden Alternativen.
9.
Betreffend den durch die Rekurrierenden in Frage gestellten Nachweis der
längerfristigen Überlebensfähigkeit des Betriebes kann mit der Baudirektion
Kanton Zürich festgehalten werden, dass aufgrund der persönlichen Situa-
tion des Baugesuchstellers mit bereits gesicherter Nachfolge sowie der ver-
traglichen Situation mit der Grundeigentümerin von einem längerfristigen
Bestand des Betriebes im Sinne von Art. 34 Abs. 3 lit. c RPV ausgegangen
werden kann, zumal auch der Sohn des Bauherrn bereits im Betrieb mitar-
beitet und im Sommer 2019 seine Ausbildung zum Meisterlandwirt ab-
schliessen konnte. Betreffend die Landsicherung bestätigt die Grundeigen-
tümerin mit Schreiben vom 29. August 2018, dass das Grundstück dem
Bauherrn nach Erteilung der Baubewilligung für 40 Jahre im Baurecht ab-
gegeben werde. Ebenso werde der Pachtvertrag für das bisher gepachtete
Land auf dieselbe Laufzeit von 40 Jahren festgelegt (act. 21.8 im Dossier
G.-Nr. R3.2018.00120). Diese Baurechts- und Pachtverträge (für je mindes-
tens 30 Jahre) sind der kommunalen Vorinstanz gemäss Dispositiv-Ziff. 1.8
des Gemeinderatsbeschlusses vor Baufreigabe einzureichen. Damit ist
entgegen den Vorbringen der Rekurrierenden genügend gewährleistet,
dass die Betriebserweiterung nicht ohne die Sicherung der nötigen Landflä-
chen realisiert werden kann. Diese Vorgehensweise ist nicht zu beanstan-
den, zumal von den Pachtparteien nicht verlangt werden kann, dass sie
derart bindende Verträge abschliessen, solange die Bewilligung des Projek-
tes noch nicht feststeht. Ob und gegebenenfalls inwieweit den Nachbarre-
kurrenten Einsicht in die Pachtverträge zu geben sein wird, wird dannzumal
von der Vorinstanz zu entscheiden sein (vgl. § 9 des Verwaltungsrechts-
pflegegesetzes [VRG] i.V.m. § 23 Abs. 1 des Gesetzes über Information
und Datenschutz [IDG]). Diese Forderung der Rekurrierenden 2 erweist
sich mithin als verfrüht.
R3.2019.00118 Seite 15
10.1.
Die Rekurrierenden 2 monieren zudem wie im ersten Rechtsgang eine un-
genügende Einordnung des Bauvorhabens in die Landschaft. Es habe kei-
ne genügende Auseinandersetzung mit der Einordnung stattgefunden, an-
sonsten hätte festgestellt werden müssen, dass Bauten der vorgesehenen
Dimension weder in das ansonsten kleinkörnig bebaute Umfeld noch in die
landschaftliche Umgebung passen würden. Aufgrund der Nähe zu zahlrei-
chen grossräumigen Schutzobjekten seien die erhöhten Anforderungen
gemäss § 238 Abs. 2 PBG zu verlangen. So figuriere die Umgebung um
den [...]see im Bundesinventar für Landschaften und Naturdenkmäler von
nationaler Bedeutung und gelte zugleich als archäologische Zone. Weiter
sei U als Teil des Industrielehrpfades des Zürcher Oberlandes durch zeit-
historische Zeugen mit siedlungsmässig bedeutsamer Struktur geprägt und
die bestehenden Gebäude auf den östlich und nordöstlich benachbarten
Grundstücken Kat.-Nrn. 3 und 4 seien inventarisiert.
Die inventarisierten Gebäude würden durch das überdimensionierte Projekt
in ihrer äusseren Erscheinung verdeckt und beeinträchtigt. Der Neubau sei
massiv und unförmig und wirke wie ein Fremdkörper in der Landschaft. Mit
dem projektierten Standort erfolge eine weitere Zersiedelung der Land-
schaft und ein optisches Zusammenschmelzen der Ortschaften Y und Z.
Insbesondere sprenge der Bau die im ganzen Gemeindegebiet maximale
Körnung. Selbst die Kantonale Siedlungskommission (KSK) bezeichne den
Standort als "ortsbaulich heikel" und empfehle eine bessere Gliederung und
Einbindung der Baute in die Landschaft.
10.2.
Gemäss § 238 Abs. 1 PBG sind Bauten, Anlagen und Umschwung für sich
und in ihrem Zusammenhang mit der baulichen und landschaftlichen Um-
gebung im Ganzen und in ihren einzelnen Teilen so zu gestalten, dass eine
befriedigende Gesamtwirkung erreicht wird; diese Anforderung gilt auch für
Materialien und Farben.
Diese Vorschrift enthält eine Grundanforderung an Bauten, Anlagen und
Umschwung. Verlangt wird sowohl eine gewisse Qualität der Gestaltung in
sich als auch der Einordnung in die bauliche und landschaftliche Umge-
bung. Dabei erfasst die Norm über den Wortlaut ihres Randtitels ("Gestal-
tung") hinaus nicht nur die Gestaltungselemente wie beispielsweise die
R3.2019.00118 Seite 16
Dach- oder die Fassadengestaltung, sondern auch ortsbauliche Aspekte
wie etwa die Stellung der Baukörper, soweit jene nicht durch speziellere
Bauvorschriften geregelt sind. Die Frage, ob eine befriedigende Gesamt-
wirkung erreicht wird, ist gestützt auf objektive, nachvollziehbare Kriterien
zu beantworten. Blosses Empfinden rechtfertigt keinen Eingriff in das Ei-
gentum.
Nach § 238 Abs. 2 PBG ist auf Objekte des Natur- und Heimatschutzes be-
sondere Rücksicht zu nehmen. In der Nachbarschaft von Schutzobjekten
bzw. bei Änderungen an solchen ist demnach mehr als eine bloss befriedi-
gende Gesamtwirkung zu verlangen. Was als Objekt des Natur- und Hei-
matschutzes zu betrachten ist, ergibt sich aus der Aufzählung in § 203
Abs. 1 PBG. Eine förmliche Unterschutzstellung wird für die Anwendung
von § 238 Abs. 2 PBG nicht vorausgesetzt. Vielmehr genügt es, dass sich
die Schutzwürdigkeit aus der Aufnahme des Objektes in ein Inventar im
Sinne von § 203 Abs. 2 PBG ergibt.
Das Bauvorhaben besteht zur Hauptsache aus dem langgezogenen Stall-
trakt mit versetztem Giebeldach. Das Futterhaus, das Melkhaus wie auch
das Strohlager sind dazu in der Höhe abgestuft, was zu einer optischen
Aufgliederung führt. Die beiden Silos sind nebeneinander nahe der Stirnsei-
te des Futterhauses vorgesehen. Die Fassaden der Gebäude sollen, soweit
nicht offen bzw. mit sogenannten Curtains versehen, mit sägerohem Holz
verkleidet werden, die Dachflächen mit Sandwichpaneelen. Die Fassaden-
öffnungen sind sorgfältig gestaltet. Die Hochsilos sind in der Verlängerung
der Baute geplant und in Bezug auf die von der Rekurrentschaft 1 befürch-
teten ästhetischen Einschränkung durch eine wilde Platzierung der Silobal-
len ist auf die Anforderungen der Baudirektion Kanton Zürich zu verweisen,
welche die Umgebung von beliebig angelegten Siloballenlagern bewahrt
(act. 15 im Dossier R3.2019.00120). Insgesamt kann nicht beanstandet
werden, wenn dieser an und für sich funktionalen Baute eine gute Gestal-
tung im Sinne von § 238 Abs. 2 PBG attestiert wird.
Was die Einordnung in die Umgebung betrifft, so ist einzuräumen, dass es
sich um eine voluminöse Baute handelt. Allerdings hebt sich diese grös-
senmässig nicht von den das U prägenden Industriebauten ab. Das Projekt
sieht zudem mit Hilfe einer Geländeanpassung eine Einbettung der Haupt-
baute in den Fussbereich des zur Kernzone hin ansteigenden Hangs vor.
R3.2019.00118 Seite 17
Das Bauvorhaben wird so in das Terrain der Umgebung eingepasst. Dass
es, wie die Rekurrentschaft 2 geltend macht, mitten in der grünen Wiese zu
stehen kommen, liegt bei landwirtschaftlichen Stallungen einerseits daran,
dass die Tiere direkten Zugang zu Weideflächen haben sollten und ande-
rerseits am Erfordernis, die Mindestabstände zu Wohnzonen bzw. Wohn-
bauten einzuhalten. Ein direkter Anschluss an eine bestehende Siedlung ist
damit ausgeschlossen. Der geplante Standort befindet sich zwischen dem
erhöht gelegenen Weiler V und U. Der durch Industriebauten geprägte Ort
U beginnt im Südosten optisch rund 130 m nach der Gemeindegrenze mit
ersten, der Z.-Strasse entlang erstellten Bauten. Das Bauvorhaben wird in
etwa in gleicher Distanz zur Grenze, jedoch von der Strasse zurückversetzt
geplant. Mit Ausnahme zweier im Bereich der Gemeindegrenze bestehen-
der Bauten endet auch das Siedlungsgebiet von Y rund 300 m vor der
Grenze. Weshalb nun der Neubau die optische Trennung der beiden Ge-
meinden massgeblich schmälern oder gar aufheben soll, ist deshalb nicht
ersichtlich.
Die inventarisierten Gebäude befinden sich in erhöhter Lage eingangs des
Weilers U bzw. nordwestlich davon ausserhalb der Bauzone. Sie sind
grundsätzlich von der Z.-Strasse aus zu sehen und können von dort aus mit
dem Neubau zusammen wahrgenommen werden. Allerdings werden sie
von diesem nicht oder nur marginal verdeckt. Von der ansteigenden A.-
Strasse wie auch aus der Kernzone heraus gesehen bleibt eine unversehr-
te Situation rund um die Inventarobjekte ohne Weiteres erhalten, zumal das
Bauvorhaben tiefer liegen wird. Ein Anspruch darauf, dass ein inventarisier-
tes Objekt zwingend von jeder Position aus ungeschmälert gesehen wer-
den können muss, besteht nicht. Bei der Z.-Strasse handelt es sich um eine
hochfrequentierte Durchgangsstrasse, gesäumt von diversen grossen (und
nicht nur historischen) Industriebauten. Die inventarisierten Bauten befin-
den sich von hier aus für den Betrachter in einiger Entfernung, während
sich die Objekte von der A.-Strasse oder vom Weiler aus deutlich stärker
positionieren. Da sie hingegen in diesem Rahmen nicht tangiert werden, ist
nicht zu beanstanden, wenn die Vorinstanzen die Situation von der Durch-
gangsstrasse, die nicht zum Verweilen einlädt, weniger stark gewichten und
insgesamt dem Projekt auch in Bezug auf die Einordnung den Inventarob-
jekten gegenüber nichts entgegenhalten.
R3.2019.00118 Seite 18
11.1.
Wie im ersten Rechtsgang bringen die Rekurrierenden weiter vor, das Pro-
jekt halte den aufgrund der Geruchsbelastungen notwenigen Mindestab-
stand nicht ein. Die von der Baudirektion Kanton Zürich herangezogenen
FAT-Richtlinien seien veraltet und nicht mehr anwendbar. Insbesondere sei
die Stallmitte als Ausgangspunkt der Messung bei den heutigen Stallsys-
temen überholt. Vielmehr sei im Sinne einer Emissionslinie von den äusse-
ren Gebäudeteilen auszugehen. Die Rekurrierenden stützen sich dabei auf
den revidierten, jedoch aufgrund der starken Opposition im Vernehmlas-
sungsverfahren zurückgezogenen Entwurf des FAT-Berichts Nr. 476 aus
dem Jahre 2005 sowie auf eine Publikation des Eidgenössischen Departe-
ments für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) zu den "Grundlagen zu
Geruch und dessen Ausbreitung für die Bestimmung von Abständen bei
Tierhaltungsanlagen" vom März 2018.
Der effektiv kürzeste Abstand zwischen dieser Emissionslinie und der Zo-
nengrenze betrage somit nur 57 m, womit der von der Baudirektion berech-
nete Mindestabstand von 64 m nicht eingehalten werde. Weiter sei auch
die Berechnung des Mindestabstandes in Bezug auf die Korrekturfaktoren
unrichtig erfolgt. Der umstrittene Standort befinde sich im Talkessel [...]
bzw. am Rande eines Hangs mit einem Gefälle von 15 % rund 24 m tiefer
als die Wohnzone. Es sei diesbezüglich ein Korrekturfaktor von 1,2 anstatt
1,0 einzusetzen, da Aufwinde die Gerüche zu ihren Liegenschaften trans-
portieren würden. Die Rekurrentschaft 1 liess diesbezüglich ein Parteigut-
achten erstellen, welches sich mit der Rechtsprechung zu anderen Projek-
ten und der Komplexität von klimatischen Verhältnissen auseinandersetzt
(act. 26 im Dossier G.-Nr. R3.2019.00118). Der Gutachter komme dabei
zum Schluss, dass der Korrekturfaktor für Geländeform nicht im Zusam-
menhang mit Kaltluftabflüssen stehe und der Korrekturfaktor von 1,2 des-
halb bei Hanglagen und Talkesseln grundsätzlich einzusetzen sei. Dabei
sei beim umstrittenen Standort ohne Weiteres von einer Hanglage und ei-
nem kleinen Talkessel auszugehen.
Ebenfalls im Rahmen der Korrekturfaktoren sei zu berücksichtigen, dass
am vorgesehenen Standort sehr häufig ausgeprägte Westwindlagen aufträ-
ten. Regelmässige Messungen des Rekurrenten H. F. im Zeitraum vom
25. März bis zum 18. Juli 2018 hätten ergeben, dass 53,3 % der Winder-
eignisse aus den Richtungen West-Nord-West, West, West-Süd-West,
R3.2019.00118 Seite 19
Süd-West oder Süd-Süd-West erfolgten und damit üble Gerüche vom neu-
en Stall zu den Rekurrierenden verfrachten würden. Diese Strömung werde
dann aufgrund der Aufwärtsbewegung im Bereich der höher gelegenen
Wohnbauten der Rekurrierenden gestaut. Entsprechend erwiesen sich eine
Sonderbeurteilung durch einen unabhängigen Experten und ein weiterer
Korrekturfaktor von mindestens 1,8 als zwingend.
Weiter würden auch die zwei Silos, die Jauchegrube und der Miststock zu
Emissionen führen und hätten entsprechend dem revidierten Entwurf des
FAT-Berichts NR. 476 aus dem Jahre 2005 mit einem Korrekturfaktor von
1,1 in die Berechnung einzufliessen.
Ebenso sei gemäss den Rekurrierenden 2 mit einem Korrekturfaktor von
mindestens 1,2 zu berücksichtigen, dass Silage gefüttert werde und Silofut-
ter bekanntlich geruchsintensiver sei. Dies werde in der Berechnungstabel-
le der Mindestabstände fälschlicherweise ausser Acht gelassen.
Schliesslich monieren die Rekurrierenden 1, es sei auf eine Reduktion des
Mindestabstandes auf 70 % aufgrund der Zuteilung der benachbarten
Wohngebiete zur Kernzone zu verzichten, da die Kernzone U keinen einzi-
gen Gewerbe- oder anderen Betrieb mehr aufweise und die Zonierung le-
diglich zum Schutz des Ortsbildes erfolgt sei. Die Kernzone U sei deshalb
einer reinen Wohnzone gleichzusetzen.
11.2.
Die Baudirektion Kanton Zürich brachte im ersten Verfahren dazu vor, der
FAT-Bericht Nr. 476 habe nach wie vor Gültigkeit. Dementsprechend habe
die Berechnung des Mindestabstandes vom Stallmittelpunkt resp. vom
Emissionspunkt der Abluft (vorliegend der gegenüber der Fassade um
11 m Richtung Westen zurückversetzten Firstentlüftung) bis zu den beste-
henden Bauten bzw. zum Standort, an dem gemäss der heutigen Bau- und
Zonenordnung ein Wohngebäude erstellt werden könnte, zu erfolgen. Ein
Korrekturfaktor für die Geländeform sei in Bezug auf die höher gelegenen
rekurrentischen Grundstücke nicht anzubringen, da diese von abendlichen
Kaltluftabflüssen, vor welchen dieser Korrekturfaktor schützen solle, nicht
betroffen sein könnten. Ebenso wenig sei der Korrekturfaktor für Flüssig-
mist anzuwenden, wenn dieser wie hier vorgesehen ohne Umspülsystem
und im geschlossenen Behälter gelagert werde. Die Silos würden aufgrund
R3.2019.00118 Seite 20
der Untenentnahmefräse nicht zu Geruchsimmissionen führen. Der Mist-
stock sei nicht zu berücksichtigen, da er weiter von den Liegenschaften der
Rekurrierenden entfernt liegen werde als der Emissionspunkt des Stalles.
Die Windrichtungsmessungen des Rekurrenten H. F. seien dahingehend zu
relativieren, dass für die rekurrentischen Liegenschaften nur Luftbewegun-
gen aus West und aus Westnordwest massgebend sein könnten und diese
gemäss den Messungen nur 13 % ausmachen würden. Eine diesbezügli-
che Sonderbeurteilung sei somit nicht nötig. Eine Korrektur aufgrund von
Schutzobjekten im Nahbereich sei standardmässig als eine gewisse "Si-
cherheitsreserve" eingesetzt worden. Allerdings hätte auf diesen Korrek-
turfaktor auch verzichtet werden können. Dieser werde eingesetzt, wenn
sich Orte, an denen sich Personen regelmässig während längerer Zeit auf-
hielten, nämlich Wohn-, Schlaf- und Arbeitsräume, im Umkreis von 120 %
des Mindestabstandes um die Tierhaltungsanlage befänden. Vorliegend
stehe das nächstgelegene rekurrentische Wohnhaus 92 m entfernt und
somit ausserhalb der massgeblichen Distanz von 91,7 m. Entsprechend
könne maximal von einem Mindestabstand von 91,7 m (mit einer Korrektur)
wenn nicht gar von 76,4 m (ohne Korrekturen) ausgegangen werden.
Die Kernzonenkorrektur um 30 % sei entsprechend den Bestimmungen der
Bau- und Zonenordnung anzuwenden. Der Minimalabstand von 64,2 m zur
Kernzone (70 % von 91,7 m) werde vom Bauvorhaben eingehalten.
Im vorliegenden Verfahren werden diesbezüglich keine weiterführenden
oder abweichenden Ausführungen gemacht.
11.3.
Beim geplanten Vorhaben handelt es sich um eine Tierhaltungsanlage und
damit eine stationäre Anlage im Sinne von Art. 2 Abs. 1 der Luftreinhalte-
Verordnung des Bundes (LRV). Ihr Betrieb erzeugt unter anderem Ge-
ruchsstoff-Emissionen. Die von der Anlage verursachten Emissionen sind
zunächst so weit zu begrenzen, als dies technisch und betrieblich möglich
sowie wirtschaftlich tragbar ist (Art. 11 Abs. 2 des Umweltschutzgesetzes
[USG]). Neue stationäre Anlagen müssen so ausgerüstet und betrieben
werden, dass sie die im Anhang 1 LRV und allenfalls die in den Anhän-
gen 2 bis 4 LRV festgelegten Emissionsbegrenzungen einhalten (Art. 3
LRV). Emissionen, für welche die Luftreinhalte-Verordnung keine Emissi-
R3.2019.00118 Seite 21
onsbegrenzung festlegt oder eine bestimmte Begrenzung als nicht an-
wendbar erklärt, sind von der Behörde vorsorglich so weit zu begrenzen,
als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist
(Art. 4 Abs. 1 LRV).
Für Tierhaltungsanlagen gelten die speziellen Anforderungen nach An-
hang 2 Ziff. 512 LRV (Art. 3 Abs. 2 lit. a LRV). Bei der Errichtung derartiger
Anlagen müssen die nach den anerkannten Regeln der Tierhaltung erfor-
derlichen Mindestabstände zu bewohnten Zonen eingehalten werden. Als
solche gelten nach Anhang 2 Ziff. 512 Abs. 1 LRV insbesondere die ge-
mäss den Empfehlungen der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Be-
triebswirtschaft und Landtechnik (FAT, neu bezeichnet als Forschungsan-
stalt Agroscope Reckenholz-Tänikon ART) berechneten Abstände. Die
FAT-Richtlinien befassen sich mit der vorsorglichen Emissionsbegrenzung,
dienen aber auch als Hilfsmittel zur Beurteilung, ob die Tierhaltungsanlage
übermässige Immissionen verursacht (BGE 126 II 43, E. 4a S. 45; Urteil
des Bundesgerichts 1A.58/2001 vom 12. November 2001, publ. in: URP
2002 S. 97 ff., E. 2d).
In den letzten Jahren hat sich die Bauweise der Tierhaltungsanlagen stark
verändert. Die Veränderungen sind eine Folge der Forderungen nach tier-
gerechter Haltung, der geltenden Tierschutzbestimmungen sowie diverser
diesbezüglicher Label- und Bundesprogramme. Am 7. März 2005 publizier-
te Agroscope/FAT Tänikon zusammen mit dem Bundesamt für Umwelt
(damals BUWAL) einen Vernehmlassungsentwurf zur Revision des FAT-
Berichts Nr. 476 (nachfolgend: Entwurf 2005). Dieser wurde im Frühsom-
mer 2005 den interessierten Kreisen zur Stellungnahme unterbreitet und
aufgrund der starken Opposition im Vernehmlassungsverfahren zurückge-
zogen. Aufgrund dieser Stellungnahmen wurde im Jahre 2005 entschieden,
in einer weiteren Gesprächsrunde gemeinsam mit den betroffenen Kreisen
abzuklären, in welchem Umfang und in welcher Weise der bestehende
FAT-Bericht tatsächlich geändert werden soll. Der Bundesrat hielt hierzu in
seiner Stellungnahme vom 23. November 2005 fest, der FAT-Bericht von
1995 bleibe gültig, bis diese Arbeiten abgeschlossen seien. Zwischenzeit-
lich hat Agroscope im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) und
des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) einen neuen Bericht erarbeitet
und im März 2018 teilweise publiziert (Beat Steiner/Margret Keck/Matthias
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Frei, Grundlagen zu Geruch und dessen Ausbereitung für die Bestimmung
von Abständen bei Tierhaltungsanlagen).
Nach wie vor nicht erstellt ist hingegen eine für die Behörden verbindliche
Vollzugshilfe. Diese soll gemäss telefonischer Auskunft der Verfasserin des
Berichts, Margret Keck, vom 26. November 2018 nicht durch Agroscope
ausgearbeitet werden (vgl. Protokoll S. 2 in den Rekursverfahren
R3.2018.00120 und R3.2018.00131). Ebenso wenig ist bislang eine Ver-
nehmlassung durch die betroffenen Kreise erfolgt. Entsprechend ist nicht
zu beanstanden, wenn die kantonalen Behörden mit der Anwendung der
neu publizierten Erkenntnisse bis zum Vorliegen einer Vollzughilfe abwar-
ten und diese somit auch noch nicht als Grundlage für den angefochtenen
Entscheid verwendet haben. Dies zumal auch bereits das Verwaltungsge-
richt des Kantons Zürich im Zusammenhang mit der nicht in Kraft getrete-
nen Revisionsvorlage aus dem Jahr 2005 festhielt, dass es nicht Aufgabe
des Richters, sondern vielmehr des Gesetzgebers sei, die Interessen der
Landwirtschaft und der Wohnnutzung gegeneinander abzuwägen und ent-
sprechend zu normieren (VB.2015.00408, E. 5.3). Entsprechend ist bis zum
Vorliegen einer verbindlichen neuen Richtlinie nach wie vor auf den FAT-
Bericht Nr. 476 aus dem Jahre 1995 abzustellen.
11.4.1.
Der Mindestabstand wird in einem dreistufigen Verfahren berechnet. In ei-
nem ersten Schritt wird die Geruchsbelastung nach der jeweiligen Tierart
bestimmt. Danach wird basierend auf dieser Geruchsbelastung der Norm-
abstand errechnet. Schliesslich wird der Normabstand durch Einflussfakto-
ren des Haltungssystems, der Lüftung, des Standorts und der Geruchsre-
duktion im Bereich der Stallluft korrigiert und auf diese Weise der Mindest-
abstand ermittelt. Gegenüber bewohnten Zonen, die neben der Wohnnut-
zung mässig störende Gewerbebetriebe zulassen, kann der Mindestab-
stand schliesslich um weitere 30 % herabgesetzt werden (vgl. FAT-Bericht
1995, Ziff. 2.1 - 2.3).
Der Emissionspunkt bildet den Ausgangspunkt für die Messung des Min-
destabstandes. Dieser befindet sich gemäss FAT-Bericht Nr. 476 im Stall-
mittelpunkt (Schnittpunkt der Stallgrundflächendiagonalen, FAT-Bericht
Nr. 476, Ziff. 2.2). Eine Verlagerung an die den benachbarten Wohnbauten
nächstgelegenen Austrittsöffnungen der Stallabluft ist nur bei Stallungen
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mit umbauten Raum und mit weniger als 50 m Abstand zwischen der Tier-
anlage und dem nächstgelegenen Gebäude vorgesehen (Ziff. 2.2). Beim
geplanten Stall handelt es sich weder um einen umbauten Raum – entlang
der gesamten Ostseite des Stallteils wie auch entlang eines Grossteils der
Westseite sind keine geschlossenen Fassaden geplant – noch bestehen
Bauten im Umkreis von 50 m. Die Berechnung hat dementsprechend ge-
mäss der geltenden Richtlinie vom Stallmittelpunkt aus zu erfolgen.
Der hier geplante Tierhaltungsbetrieb soll in der Landwirtschaftszone, d.h.
ausserhalb einer bewohnten Zone zu liegen kommen. Diesfalls ist der Min-
destabstand zur Grenze von bewohnten Zonen einzuhalten, wie sich be-
reits aus Ziff. 512 Anh. 2 LRV und auch aus den Begriffserläuterungen des
FAT-Berichts Nr. 476 (S. 16) ergibt (vgl. auch BGr 1C_260/2016). Danach
ist der Mindestabstand der von der Geruchsquelle einer Anlage zu bewohn-
ten Zonen einzuhaltende Abstand.
Aufgrund der aus den Karten und Plänen sowie den anlässlich des Augen-
scheins gewonnenen Eindrücken ist nicht zu beanstanden, wenn die kan-
tonale Vorinstanz bei der Berechnung des Mindestabstandes gegenüber
den rekurrentischen Grundstücken keinen Korrekturfaktor aufgrund einer
Lage in einem Talkessel vorgenommen hat. Zum einen erweist sich U an
der streitbetroffenen Stelle aufgrund des Verhältnisses der Breite der Ebe-
ne (rund 1 km) zu den flankierenden Erhebungen (mit Höhen von rund
30 m) als nicht besonders eng. Allerdings wurde dem Tal und der Hanglage
bei den Mindestabstandberechnungen Rechnung getragen, indem gegen-
über den tiefer liegenden Liegenschaften ein Korrekturfaktor von 1,2 ange-
wandt wurde, ebenso gegenüber einem am Kanal in Fliessrichtung des
Gewässers gelegenen Grundstück. Praxisgemäss wurde demgegenüber
auf eine Korrektur für die Grundstücke der Rekurrierenden verzichtet, da
diese aufgrund ihrer höheren Lage nicht von den Abwinden und den im Tal
liegenbleibenden Luftmassen betroffen sind, welche die Immissionen ver-
stärken und zu einem erhöhten Schutzbedürfnis hangabwärts oder eben-
falls im Tal gelegener Liegenschaften führen könnten. Diese Praxis erweist
sich als nachvollziehbar und im Ermessen der Vorinstanz gelegen, zumal
aufwärtsfliessende Hangwinde nicht zum Phänomen eines Kaltluftsees füh-
ren, da die Luft entweichen und sich grossflächig verteilen kann.
R3.2019.00118 Seite 24
Ein weitergehender Einbezug der Windrichtungen ist bei den Berechnun-
gen der Mindestabstände gemäss FAT-Bericht Nr. 476 nicht vorgesehen.
Bei besonderen Windverhältnissen kann jedoch eine Sonderbeurteilung mit
einer fachlichen Standortanalyse und/oder mit Windmessungen von Wet-
terstationen der Schweizerischen Meteorologischen Anstalt (SMA) erfolgen,
welche zu einer Anpassung des Mindestabstandes führen kann. Die Wind-
messungen des Rekurrenten H. F. auf seinem östlich des Bauvorhabens
auf der Anhöhe gelegenen Grundstück Kat.-Nr. 5 haben ergeben, dass von
insgesamt 9407 Messungen deren 213 aus Westnordwesten kamen, 1015
aus Westen, 1062 aus Westsüdwesten, 2069 aus Südwesten und 657 aus
Südsüdwesten. Daraus schliesst die Rekurrentschaft 1, ihre Liegenschaften
wären an 5016 der gemessenen 9407 Windereignisse oder in 53,3 % der
Windereignisse von Windzufuhren aus der Stallrichtung betroffen. Dabei
verkennen sie, dass selbst diese knapp über 50 % liegende und ohne Mit-
einbezug der topographischen Verhältnisse entstandene Zahl bei genaue-
rer Betrachtung bei keiner der rekurrentischen Liegenschaften erreicht wür-
de. So zeigt selbst die rekurrentische Darstellung (act. 2 S. 15 im Dossier
G.-Nr. R3.2018.00120), dass beispielsweise die Liegenschaft des Rekur-
renten H. F. (oder auch der Rekurrierenden W. K. und F. und B. Z.) bei
Winden aus den Richtungen Südsüdwest, Südwest und Westsüdwest nicht
betroffen wären. Demgegenüber können höchstens südsüdwestliche und
südwestliche Winde über den Stall zur Liegenschaft der rekurrierenden
Familie S. gelangen. Insgesamt legen diese Ergebnisse somit keine Situa-
tion nahe, bei welcher die Windverhältnisse im Rahmen einer Sonderbeur-
teilung tiefer abzuklären gewesen wären.
Der FAT-Bericht führt Korrekturfaktoren für die wesentlichen örtlichen und
betrieblichen Gegebenheiten auf, die zu aussergewöhnlichen Auswirkun-
gen führen können. Die übrigen Geruchsquellen, wie sie im Wesentlichen
in jedem Betrieb vorkommen, wie Silos, Jauchegrube und Miststöcke oder
auch für die Fütterung von Silage, stellen keine solchen Besonderheiten
dar und wurden entsprechend nicht mit Korrekturfaktoren belegt. Ein Aus-
nahmegrund für eine zusätzliche Berücksichtigung ist nicht ersichtlich.
11.4.2.
Schliesslich stellt sich aufgrund der rekurrentischen Rügen die Frage, ob
die kantonale Vorinstanz gegenüber der benachbarten Kernzone ohne Wei-
teres auf den minimalen Sicherheitszuschlag von 30 % gegenüber Wohn-
R3.2019.00118 Seite 25
zonen, in denen mässig störende Gewerbebetriebe zulässig sind, verzich-
ten darf. Grundsätzlich machen die Richtlinien des FAT-Berichts Nr. 476
diesen Verzicht nicht davon abhängig, ob aktuell tatsächlich solche Betrie-
be dort bestehen. In Ziff. 2.3 des Berichts wird festgehalten, dass bewohn-
ten Zonen, welche nebst der Wohnnutzung mässig störende Gewerbebe-
triebe zulassen, ein höheres Mass an Geruchsimmissionen zumutbar sei.
Diese Formulierung stellt auf die Zonierung und nicht auf die tatsächlichen
aktuellen Verhältnisse ab und ist insofern zweckmässig, als sich eine allen-
falls momentane Situation ohne mässig störende Betriebe jederzeit (mit ei-
nem aufgrund der Kernzonenvorschriften zulässigen Baugesuch) ändern
könnte. Allerdings hält der Bericht auch fest, dass auf den Sicherheitszu-
schlag "in der Regel" verzichtet werden könne. Es sind somit Konstellatio-
nen denkbar, in denen ausnahmsweise ein Verzicht nicht statthaft wäre. So
allenfalls, wenn in einer Zone mässig störende Betriebe zwar zonenkon-
form wären, eine Ansiedlung eines solchen Betriebes jedoch aus anderen
Gründen faktisch ausgeschlossen werden müsste. Die diesbezüglichen
Ausführungen der Gemeinde X halten fest, dass aktuell keine mässig stö-
renden Betriebe in der Kernzone U ansässig seien. Es seien jedoch noch
freie Bauparzellen vorhanden und ein faktischer Ausschluss bestehe nicht.
Vernehmlassungsweise hält sie unter Auflistung der konkreten Verhältnisse
fest, dass der Weiler durchaus noch Möglichkeiten für Nutzungen durch
höchstens mässig störende Betriebe biete. Gemäss dem von den Rekurrie-
renden 1 im Rahmen ihrer Rekursschrift eingereichten Bericht zum Ge-
samtplan aus dem Jahre 1983 (act. 2 S. 23 im Dossier G.-Nr.
R3.2019.00118) stand im Vordergrund der ortspflegerischen Bemühungen
die Erhaltung der gewachsenen Dorfkerne. Dazu wurde Folgendes festge-
halten: "Der Schutz der baulichen Struktur kann jedoch nicht unabhängig
von der Funktion sichergestellt werden. Es ist deshalb von grosser Bedeu-
tung, die Voraussetzungen für die Erhaltung der gemischten Nutzung die-
ser Zonen zu schaffen (Landwirtschaft, Kleingewerbe, Wohnen, Dienstlei-
tungen, etc.)". Das Ortsbild von U wurde sodann auf kommunaler Ebene
als schutzwürdig bezeichnet, wobei festgehalten wurde, dass "eine bauli-
che Verdichtung (insbesondere in U und S.) und eine nutzungsmässige Mi-
schung (...) anzustreben" sei. Dass der Ortsbildschutz damit rein optischer
Natur sein solle und die Gewerbeerleichterung nur Mittel zum Zweck gewe-
sen sein soll, die gewachsenen Ortskerne zu erhalten, wie es die Rekurrie-
renden 1 auslegen, erscheint aufgrund dieser Unterlagen nicht als offen-
sichtlich. Vielmehr wird die Nutzungsdurchmischung als wesentliches Ziel
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des Charaktererhalts der Ortskerne dargelegt. Auch wenn in U derzeit kein
Gewerbe angesiedelt sein soll, so bietet jedenfalls diese Entstehungsge-
schichte keinen Anlass zur Beanstandung, wenn die Baudirektion Kanton
Zürich in dieser Tatsache keinen Sondergrund für einen Reduktionsverzicht
und eine Gleichstellung mit Bauvorhaben im Grenzbereich zu Wohnzonen
ohne Gewerbeerleichterung erblickt. Ein tatsächliches Ausbleiben solchen
Gewerbes dürfte in vielen Kernzonen vorkommen. Die Argumente der Re-
kurrentschaft 1 lassen entsprechend keine unsachgemässe Ausübung des
Ermessens erkennen.