Decision ID: 19a4fc22-fd28-491b-a0de-5003a781531e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Der Gesundheitsrat des Kantons St. Gallen erteilte Dr. med. dent. A._ am
19. September 1996 eine für den ganzen Kanton gültige unbefristete Bewilligung zur
selbständigen Berufsausübung als Zahnarzt. Nachdem ihm das
Gesundheitsdepartement (GD) im Rahmen eines Disziplinarverfahrens die
Berufsausübungsbewilligung mit Verfügung vom 27. November 2012 vorsorglich
entzogen hatte, wies es am 11. November 2013 sein Gesuch um Erteilung einer (neuen)
Berufsausübungsbewilligung mangels Vertrauenswürdigkeit ab und trat auf das
Begehren um Wiedererwägung des vorsorglichen Bewilligungsentzugs nicht ein. Diese
Verfügung erwuchs in Rechtskraft. Mit Verfügung vom 10. November 2015 wies das
GD ein Ausstandbegehren von A._ gegen den Verfahrensleiter B._ (Ziff. 1) sowie ein
Gesuch um Einsicht in die nicht zu den Akten genommenen Patientenbeschwerden ab
(Ziff. 2). Es stellte ferner fest, dass die Vertrauenswürdigkeit von A._ nicht gegeben
und seine berufliche Eignung nachhaltig in Frage gestellt sei (Ziff. 3). Im Weiteren trat
es auf die Gesuche um Wiedererwägung der Verfügungen vom 27. November 2012
und vom 11. November 2013 nicht ein (Ziff. 4 f.) und büsste A._ disziplinarisch mit
CHF 10‘000 (act. G 9/369). Hiergegen erhob A._ durch seinen Rechtsvertreter,
Rechtsanwalt PD Dr. Peter Reetz, Küsnacht, Beschwerde beim Verwaltungsgericht
(Verfahren B 2015/307). Mit Entscheid vom 24. August 2017 hiess das
Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2015/307 gut, soweit darauf einzutreten oder
das Verfahren nicht gegenstandslos geworden war.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b. Am 1. Dezember 2015 hatte der Rechtsvertreter von A._ bei der Anklagekammer
des Kantons St. Gallen Strafanzeige gegen C._, ehemaliger Generalsekretär des GD,
und D._, ehemaliger Leiter Rechtsdienst des GD, mit jeweils der Begründung erhoben,
diese hätten in einem Interview gegenüber der Zeitung E._ schützenswerte
Personendaten von A._ offenbart und damit das Amtsgeheimnis verletzt (act. G
9/378.1). Gestützt auf diese Strafanzeige beantragte der Rechtsvertreter von A._ im
Rahmen eines Wiederaufnahmegesuchs vom 29. April 2016 die Aufhebung der
Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 (Ziff. 1 und 2) und
Gutheissung des Gesuchs um Erteilung einer Berufsausübungsbewilligung als Zahnarzt
(Ziff. 3; act. G 9/406). Die Departementsvorsteherin des GD bestätigte am 1. Juli 2016,
dass sie die beiden ehemaligen Mitarbeiter im Jahr 2012 mündlich ermächtigt habe,
sich gegenüber der Zeitung E._ zu der dem GD im Zusammenhang mit A._
vorgeworfenen Untätigkeit zu äussern. Auf die dagegen am 25. Juli 2016 erhobene
Beschwerde trat das Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2016/173 vom 18. April 2018
nicht ein.
c. Am 4. August 2016 hatte der Rechtsvertreter von A._ ein Ausstandsbegehren
gegen den amtierenden Leiter Rechtsdienst gestellt mit der Begründung, dass sich
dieser zu den Beweggründen von A._ betreffend dessen Verhalten gegenüber dem
ehemaligen Kantonszahnarzt in unangebrachter Weise geäussert habe (act. G 9/425).
Mit Verfügung vom 4. April 2017 wies das GD das Ausstandsbegehren gegen den
amtierenden Leiter Rechtsdienst ab (Ziff. 1) und sistierte das von A._ anhängig
gemachte Revisionsverfahren betreffend Berufsausübungsbewilligung (act. G 9/406)
bis zur Rechtskraft der Verfügung (Ziff. 2; act. G 9/463). Die gegen diese Verfügung
erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2017/93 vom
28. März 2018 ab; dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
d. Am 2. Juni 2017 hatte A._, unter Berufung auf das Datenschutzgesetz (DSG; sGS
142.1) ein Gesuch um vollständige Akteneinsicht und Auskunftserteilung mit Bezug auf
die Akten des Disziplinarverfahrens D-12 6012 gestellt. Mit Schreiben vom 7. Juni 2017
teilte ihm das GD mit, die Zuständigkeit betreffend das erwähnte Verfahren sei
aufgrund der Beschwerdeerhebung auf das Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen
(Verfahren B 2015/307) übergegangen. Für die strafrechtlichen Abklärungen sei die
Staatsanwaltschaft zuständig. Mit Beschwerde vom 3. Juli 2017 (B 2017/131) stellte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsanwalt Reetz für A._ das Rechtsbegehren, es sei das GD anzuweisen, das
Akteneinsichtsgesuch vom 2. Juni 2017 zu bearbeiten und dem Beschwerdeführer die
gewünschte Akteneinsicht zu erteilen. Mit Entscheid vom 6. November 2017 hiess das
Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2017/131 gut und wies die Sache zur Prüfung
und Verfügung der Akteneinsicht an die Vorinstanz zurück.
In einer weiteren Eingabe an das GD vom 4. September 2017 (act. G 9/512) hatte der
Rechtsvertreter von A._ (im Wesentlichen) beantragt, es sei unverzüglich zu
bestätigen, dass einer Berufsausübungsbewilligung von A._ als Zahnarzt im Kanton
St. Gallen nichts im Wege stehe und nie etwas im Wege gestanden habe (Ziff. 1). Es sei
A._ nachträglich Akteneinsicht in die bisher nicht edierten Patientenbeschwerden und
insbesondere in die act. 162 und 163 des Disziplinarverfahrens zu gewähren (Ziff. 2). Es
sei umgehend ein unabhängiger Untersuchungsbeauftragter einzusetzen, der die
Zustände im GD kritisch untersuche (Ziff. 3). Es seien die Mitarbeitenden B._
(Verfahrensleiter) und F._ (amtierender Leiter Rechtsdienst) anzuweisen, in Verfahren
im Zusammenhang mit A._ per sofort nicht mehr mitzuwirken (Ziff. 4). Es seien dem
Kantonszahnarzt Dr. med. dent. M._ (im Amt seit 1. Januar 2017, act. G 9/559.2) seine
Kompetenzen per sofort zu entziehen und es sei rückwirkend zu bestätigen, dass auch
der ehemalige Kantonszahnarzt nie über die entsprechenden Kompetenzen (Rechte
und Pflichten) eines Kantonszahnarztes verfügt habe (Ziff. 5). Mit Schreiben vom 2.
Oktober 2017 stellte A._ dem GD (im Wesentlichen) die Anträge, es sei festzustellen,
dass er mit Eintritt der Rechtskraft des Entscheids vom 24. August 2017 wieder über
eine Berufsausübungsbewilligung verfüge; eventuell sei die
Berufsausübungsbewilligung innert einer kurzen Bearbeitungsfrist zu erteilen (act. G
9/522). Mit Verfügung vom 6. November 2017 erteilte das GD A._ eine neue
Berufsausübungsbewilligung (act. G 9/532).
Am 7. Dezember 2017 verfügte das GD, auf das Gesuch von A._ vom 4. September
2017 um Feststellung des Bewilligungsstatus werde nicht eingetreten (Ziff. 1). Auf den
Antrag auf Edition der act. 162 f. des Disziplinarverfahrens werde infolge der Erw.
15.3.3. des Verwaltungsgerichtsentscheids vom 24. August 2017 (B 2015/307) im
Rahmen des Vollstreckungsverfahrens nicht eingetreten. Jedoch werde festgehalten,
dass aufgrund der E. 2.5 im Verwaltungsgerichtsentscheid vom 6. November 2017 (B
2017/131) die Sache der bisher nicht edierten Patientenbeschwerden im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zusammenhang mit der Erledigung des Gesuchs vom 2. Juni 2017 erneut zu prüfen
sein werde (Ziff. 2). Auf die Ausstandsbegehren gegen den amtierenden Leiter
Rechtsdienst und den Verfahrensleiter werde nicht eingetreten (Ziff. 3). Auf die
Gesuche um Feststellung betreffend die Rechtsgrundlagen für die Stellung des
Kantonszahnarztes sowie um Entbindung des amtierenden Kantonszahnarztes aus
seiner Funktion werde nicht eingetreten (Ziff. 4). Der Beschwerdeführer habe eine
Gebühr von CHF 1‘500 zu bezahlen (Ziff. 5). Die gegen die Verfügung vom 7. Dezember
2017 erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2018/8 vom
27. April 2018 ab, soweit es darauf eintrat.
e. Am 26. November 2018 stellte das GD dem Rechtsvertreter von A._ in Aussicht, die
in der Eingabe vom 29. Juli 2016 (act. G 9/422) enthaltenen vorsorglichen Anträge (auf
Erteilung einer Berufsausübungsbewilligung) ohne Kostenfolge als gegenstandslos
abzuschreiben (act. G 9/592). Hiermit erklärte sich der Rechtsvertreter mit Eingabe vom
6. Dezember 2018 einverstanden, beantragte jedoch die Zusprechung einer
Parteientschädigung, da A._ die Gegenstandslosigkeit nicht zu vertreten habe (act. G
9/593). Mit Verfügung vom 17. Januar 2019 trat das GD auf das Gesuch vom 29. April
2016 um Wiederaufnahme der Verfügungen vom 27. November 2012 und vom 11.
November 2013 (act. G 9/406) nicht ein (Ziff. 1). Das Gesuch vom 29. Juli 2016 um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung und einer vorsorglichen
Berufsausübungsbewilligung (act. G 9/422) werde zufolge Gegenstandslosigkeit
abgeschrieben (Ziff. 2). Der Antrag auf Parteientschädigung vom 6. Dezember 2018
werde abgewiesen (Ziff. 3). Die Gebühr von CHF 2'000 gehe zulasten von A._ (Ziff. 4;
act. G 2/2).
B.
a. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Reetz für A._ mit Eingabe vom 4.
Februar 2019 (act. G 1) Beschwerde mit den Rechtsbegehren, es seien die
Dispositivziffern 1, 3 und 4 der Verfügung aufzuheben und es sei die Sache zur neuen
Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Anweisung, auf das
Wiederaufnahmegesuch vom 29. April 2016 einzutreten und dieses materiell zu
behandeln (Ziff. 1). Eventualiter seien die Rechtsbegehren 1, 2 und 4 des
Wiederaufnahmegesuchs vom 29. April 2016 gutzuheissen (Ziff. 2). Das GD sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anzuweisen, die Patientenbeschwerden (act. G 9/146, 9/162, 9/163) sowie die Akten
gemäss Dispositivziffer 6 und E. 7.7-7.9 der Verfügung vom 19. Dezember 2018 zu den
Akten des Revisionsverfahrens zu nehmen (Ziff. 3). Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdegegners (Vorinstanz; Ziff. 4).
b. In der Vernehmlassung vom 20. März 2019 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge, soweit darauf einzutreten sei (act. G 8).
c. In der Eingabe vom 8. April 2019 bestätigte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers seinen Standpunkt (act. G 11).
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden

Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, VRP; sGS 951.1). Der
Beschwerdeführer ist zur Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 4. Februar 2019 entspricht zeitlich, formal
und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 47 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich - d.h. soweit in den nachstehenden
Erwägungen keine Einschränkung erfolgt - einzutreten.
2.
2.1. Gemäss Art. 81 Abs. 1 VRP kann gegen Verfügungen und Entscheide die
Wiederaufnahme des Verfahrens mit der Begründung verlangt werden, die Verfügung
oder der Entscheid sei durch Arglist oder strafbare Handlung beeinflusst gewesen (lit.
a), die Behörde habe sich in einem offenkundigen Irrtum über entscheidende
Tatsachen befunden (lit. b) oder die Behörde habe wesentliche Tatsachen oder
Beweismittel, die zur Zeit des Erlasses der Verfügung oder des Entscheids bestanden
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
hätten, nicht gekannt (lit. c). Nach Abs. 2 der gleichen Bestimmung wird auf
Wiederaufnahmebegehren nur eingetreten, wenn die Gründe mit einem ordentlichen
Rechtsmittel nicht geltend gemacht werden können und dies auch bei zumutbarer
Sorgfalt unmöglich war (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1182). Zuständig zum Entscheid über das
Wiederaufnahmegesuch ist gemäss Art. 82 Abs. 1 VRP diejenige Instanz, welche die
Verfügung oder den Entscheid getroffen hat. Das Wiederaufnahmebegehren kann
innert drei Monaten eingereicht werden, nachdem der Betroffene vom
Wiederaufnahmegrund Kenntnis erhalten hat, spätestens aber innert zehn Jahren seit
der Eröffnung der Verfügung oder des Entscheides (Art. 83 Abs. 1 VRP). Das
Wiederaufnahmebegehren, mit dem geltend gemacht wird, die Verfügung oder der
Entscheid sei durch Arglist oder strafbare Handlung beeinflusst gewesen, ist an keine
Frist gebunden (Art. 83 Abs. 2 VRP). Art. 83 Abs. 2 VRP hat zur Folge, dass die Person,
welche eine Beeinflussung einer Verfügung durch Arglist oder strafbare Handlung
geltend macht, lediglich an die absolute zehnjährige Frist zur Einreichung des
Revisionsgesuchs nicht gebunden ist. Hingegen hat sie ihr Gesuch auch in diesem Fall
- wenn nicht innerhalb von drei Monaten - innert nützlicher Frist ab Kenntnis des
Revisionsgrundes zu stellen. Unterlässt sie dies, läuft sie Gefahr, dass ihre
Rechtsmittelberechtigung wegen fehlenden Rechtsschutzinteresses verneint wird
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1186).
Im Weiteren statuiert Art. 27 VRP die Zulässigkeit von Wiedererwägungsgesuchen.
Solche Gesuche begründen grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Stellungnahme der
Behörde in der Sache und hemmen den Fristenlauf nicht. Ein Anspruch auf materielle
Wiedererwägung besteht, wenn sich die Verhältnisse (Sach- und Rechtslage) seit dem
Erlass der ursprünglichen Verfügung erheblich geändert haben oder wenn vom
Gesuchsteller wichtige Tatsachen oder Beweise geltend gemacht werden, die ihm zur
Zeit der ersten Entscheidung nicht bekannt waren oder von ihm nicht geltend gemacht
werden konnten (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 575 mit Hinweisen; GVP 2007 Nr. 67;
VerwGE B 2014/249 vom 28. April 2015, E. 2; VerwGE B 2016/17 vom 17. Januar
2018, E. 2.1, www.gerichte.sg.ch). Ausnahmsweise kann unrichtige Rechtsanwendung
ein Rückkommen auf urteilsähnliche Verfügungen rechtfertigen, sofern der Verfügung
schwerwiegende materielle Fehler anhaften und die unveränderte Weitergeltung der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügung zu einem stossenden und dem Gerechtigkeitsgefühl zuwiderlaufenden
Ergebnis führen würde (BGE 98 Ia 568 E. 5b).
2.2. Der Beschwerdeführer begründete das Revisionsgesuch vom 29. April 2016 im
Wesentlichen damit, dass der vorsorgliche Bewilligungsentzug vom 27. November
2012 (act. G 9/155) und die Nichterteilung der Berufsausübungsbewilligung vom 11.
November 2013 (act. G 9/220) durch Arglist und strafbare Handlungen sowie durch den
Umstand beeinflusst gewesen seien, dass dem GD damals ein unvollständiges Dossier
vorgelegen habe. Der damalige Generalsekretär und der damalige Leiter Rechtsdienst
des GD hätten im Interview vom 28. Juni 2012 gegenüber der Zeitung E._ eine
Vorverurteilung des Beschwerdeführers vorgenommen, Amtsgeheimnisse verletzt und
damit die Entscheide des GD präjudiziert. Der damalige Leiter Rechtsdienst habe
zudem diverse Akten unterschlagen und nicht im Dossier abgelegt, um Hinweise auf
Amtsgeheimnisverletzungen zu vertuschen. Dadurch seien der Beschwerdeführer, die
Departementsvorsteherin des GD sowie die Rechtsmittelinstanzen getäuscht worden;
diese hätten weder die falschen Angaben überprüfen noch die Unvollständigkeit der
Akten erkennen können. Mit dem von den Mitarbeitern des GD erzeugten medialen
Druck sei die Departementsvorsteherin davon überzeugt worden, dass tatsächlich
Patientenanzeigen vorlägen. Die Verfügungen vom 27. November 2012 und 11.
November 2013 seien auch wegen Verletzung von Verfahrensrechten des
Beschwerdeführers (unter anderem Gehörsverletzung) aufzuheben (act. G 9/406).
2.3. Das Verwaltungsgericht wies in VerwGE B 2017/93 a.a.O. E. 2.1, darauf hin, dass
mit Zwischenverfügung im Verfahren B 2015/307 vom 12. Juli 2016 ein im
Beschwerdeverfahren eingereichtes Gesuch um vorsorgliche Erteilung der
Berufsausübungsbewilligung abgewiesen worden sei (act. G 9/418). Die dagegen
erhobene Beschwerde habe das Bundesgericht mit Urteil vom 18. Januar 2017
abgewiesen (act. G 9/449). Mit (seinen zeitlich früher eingereichten) Eingaben vom 29.
April 2016 (act. G 9/406) und 29. Juli 2016 (act. G 9/422) habe der Beschwerdeführer
bei der Vorinstanz die Wiederaufnahme der Verfügung vom 27. November 2012
(vorsorglicher Entzug der Berufsausübungsbewilligung; act. G 9/155) sowie der
Verfügung vom 11. November 2013 (Nichterteilung der Berufsausübungsbewilligung;
act. G 9/220) beantragt. Mit unangefochten in Rechtskraft erwachsenem Entscheid
vom 24. August 2017 habe das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2015/307
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Disziplinarverfahren) gutgeheissen, soweit darauf einzutreten oder das Verfahren nicht
gegenstandslos geworden sei. Zur Begründung habe es unter anderem festgehalten,
die Frage, ob die Verfügung vom 11. November 2013 betreffend Nichterteilung der
Berufsausübungsbewilligung in Wiedererwägung zu ziehen sei, brauche angesichts der
Möglichkeit des Beschwerdeführers, jederzeit beim GD ein neues Gesuch um Erteilung
der Berufsausübungsbewilligung stellen zu können, nicht geklärt zu werden. Aus
demselben Grund fehle es auch an einem Interesse des Beschwerdeführers an der
Prüfung seines Wiedererwägungsgesuchs. Auf dieses sei daher mangels
Rechtsschutzinteresse nicht einzutreten (VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 12.3). Wenn es
aber dem Beschwerdeführer an einem Rechtsschutzinteresse an der Beurteilung des
Revisionsgesuchs fehle, habe er auch kein (aktuelles oder virtuelles)
Rechtsschutzinteresse an einem Entscheid über die Sistierung hängiger
Revisionsverfahren bis zur Rechtskraft der Beurteilung des Ausstandes des Leiters
Rechtsdienst (VerwGE B 2017/93 a.a.O., E. 2.1).
2.4. Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid dar, das Vorbringen des
Beschwerdeführers, dass er von den Revisionsgründen erst mit der Zustellung der
Ermächtigung zur Strafverfolgung durch die Anklagekammer vom 30. März 2016
erfahren habe (act. G 9/406 Rz. 24), verkenne, dass sich dieser Entscheid auf seine
Strafanzeige vom 1. Dezember 2015 bezogen habe, mit welcher er die am 28. Juni
2012 publizierten Interview-Aussagen von damaligen leitenden Angestellten des GD als
Straftaten bezeichnet habe. Der Beschwerdeführer hätte damals das ordentliche
Rechtsmittel gegen die Verfügung vom 27. November 2012 und 11. November 2013
ergreifen müssen. Dies habe er unterlassen. Daran vermöge nichts zu ändern, dass er
von einigen E-Mails, welche der ehemalige Leiter Rechtsdienst in einer Stellungnahme
vom 26. Januar 2016 zur Entlastung seines eigenen Verhaltens eingereicht habe, keine
Kenntnis gehabt habe (vgl. act. G 9/24). Soweit er diesbezüglich eine unvollständige
Aktenführung rüge, sei auf die Verfügung des GD vom 19. Dezember 2018 zu
verweisen (act. G 9/518, E. 5.3 am Schluss und E. 6.3). Die Art der Kommunikation der
damaligen leitenden Angestellten des GD gegenüber der Wochenzeitung sowie die in
diesem Zusammenhang behaupteten Verfehlungen seien nicht Gegenstand des
Disziplinarverfahrens gewesen; diesbezüglich könne daher nicht von unvollständiger
Aktenführung die Rede sein. Werde das publizierte Interview gegenüber der Zeitung
E._ vom Beschwerdeführer an sich als Vergehen bezeichnet, sei seine Behauptung,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
man habe die Beweise des Vergehens aus den Akten entfernt (act. G 9/406 Rz. 33),
nicht nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer hätte nicht nur das ordentliche
Rechtsmittel gegen die Verfügungen erheben können (Art. 81 Abs. 2 VRP), sondern er
habe auch die Frist nach Art. 83 Abs. 1 VRP verpasst. Halte der Beschwerdeführer
immer wieder fest, die damaligen leitenden Mitarbeiter des GD hätten im Jahr 2012 mit
ihren Aussagen gegenüber der Öffentlichkeit seine Persönlichkeitsrechte und das
Amtsgeheimnis verletzt, sei nicht nachvollziehbar, wieso er erst am 1. Dezember 2015
Strafanzeige erhoben habe. Mit dem Abschluss des Disziplinarverfahrens (Verfügung
vom 10. November 2015) sei der für die Dauer des Verfahrens verfügte
Bewilligungsentzug dahingefallen, so dass das Revisionsgesuch vom 29. April 2016 in
Bezug auf die Verfügung vom 27. November 2012 von Anfang an gegenstandslos
gewesen sei. In VerwGE B 2015/307 sei aus demselben Grund nicht auf das Begehren
um Aufhebung der vorsorglichen Massnahme eingetreten worden. Nachdem in
VerwGE B 2015/307 die Disziplinarmassnahme aufgehoben worden und dem
Beschwerdeführer am 6. November 2017 eine Berufsausübungsbewilligung erteilt
worden sei, dürfe von der Gegenstandslosigkeit des Antrags auf Aufhebung der
Verfügung vom 11. November 2013 ausgegangen werden (act. G 2/2 S. 2-4).
Der Abschreibung seiner Anträge vom 29. Juli 2016 um Erlass vorsorglicher
Massnahmen (act. G 9/422) habe der Beschwerdeführer nur unter der Voraussetzung
der Zusprechung einer Parteientschädigung von CHF 12'000 zugestimmt (act. G
9/593). Dem Vorbringen, die Vorinstanz habe infolge der Ausstandsbegehren vom 4.
August 2016 und 6. Januar 2017 (act. 9/425 und 441) das Revisionsverfahren sistiert
und damit eine Rechtsverweigerung begangen (act. G 9/563), stünden die Erwägungen
in VerwGE B 2017/93 a.a.O. (vorstehende E. 2.1) entgegen. Spätestens mit der
Abweisung des Ausstandsbegehrens gegen den Leiter Rechtsdienst sollte dem
Beschwerdeführer bewusst gewesen sein, dass das Beharren auf der Weiterführung
des Revisionsverfahrens nicht zielführend gewesen sei. Hinzu komme, dass die
Anträge vom 29. Juli 2016 um Erteilung der aufschiebenden Wirkung für das
Revisionsgesuch und um vorsorgliche Erteilung der Berufsausübungsbewilligung von
vornherein aussichtslos gewesen seien: Der Beschwerdeführer habe am 6. Dezember
2012 auf seine Berufsausübungsbewilligung verzichtet (act. G 9/159, 159.1 und 164)
und eine erneute Bewilligungserteilung sei am 11. November 2013 abgewiesen worden
(act. G 9/220). Sei eine Bewilligung verweigert worden (negative Verfügung), sei in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Regel nicht auf dem Weg der vorsorglichen Massnahme einstweilen die Bewilligung zu
erteilen, da dadurch der angestrebte Endzustand präjudiziert würde. Die aufschiebende
Wirkung greife im Zusammenhang mit negativen Verfügungen ebenfalls nicht, da nichts
aufgeschoben werden könne, wenn sich nichts ändere. Das Revisionsbegehren könne
nicht zur Folge haben, dass eine abgelehnte Bewilligung für die Dauer des Verfahrens
erteilt werde (Kiener, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, Rz. 11 zu § 6 VRG).
Sodann bestehe gemäss Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP ohnehin kein Anspruch auf
ausseramtliche Kosten im erstinstanzlichen Verfahren (R. Hirt, Die Regelung der Kosten
nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, 2004, S. 155 f.). Die Sistierung des
Revisionsbegehrens aufgrund des Ausstandsbegehrens gegen den Leiter Rechtsdienst
sei rechtens gewesen. Die Lehre bejahe die Frage, ob bei Anfechtung von
Zwischenverfügungen über Ausstandsbegehren das Verfahren in der Sache sistiert
werden müsse (Kiener a.a.O., § 25 Rz. 19, § 6 Rz. 32, §19a Abs. 2). Auch habe der
Beschwerdeführer sogar geltend gemacht, dass im Fall einer Gutheissung des
Ausstandsbegehrens die bisherigen Handlungen des Leiters Rechtsdienst nicht mehr
berücksichtigt werden dürften (act. G 9/441 Rz. 31). Das GD habe nicht willkürlich
gehandelt. Eine Parteientschädigung komme nur in Betracht, wenn dem Hauptantrag
entsprochen werde, was hier nicht der Fall sei (act. G 2/2 S. 5 f.).
Das Disziplinarverfahren sei rechtskräftig abgeschlossen und der Beschwerdeführer
verfüge wieder über eine Berufsausübungsbewilligung, weshalb sich eine Prüfung des
Gesuchs vom 29. April 2016 (act. G 9/406) erübrige. Die Sache könne aber nicht
kostenlos abgeschrieben werden, da der Beschwerdeführer auf der Fortsetzung des
Revisionsverfahrens bestehe. Aus Gründen der Verfahrensökonomie würden auch das
Gesuch vom 29. Juli 2016 (act. G 9/422) und der Antrag auf Parteientschädigung vom
6. Dezember 2018 (act. G 9/593) in der vorliegenden Verfügung erledigt. Auf das
Revisionsgesuch sei nicht einzutreten, weil der Beschwerdeführer es versäumt habe,
die ordentlichen Rechtsmittel gegen die beanstandeten Verfügungen zu erheben und
die Frist für das Revisionsgesuch nicht eingehalten sei. Das Gesuch um Erlass
vorsorglicher Massnahmen sei mit der Erledigung der Hauptsache abzuschreiben, und
der Antrag um Zusprechung einer Parteientschädigung sei abzuweisen. Soweit der
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 28. Dezember 2018 beantrage, dass die im
Disziplinarverfahren nicht verwendeten Patientenanzeigen zu den Akten zu nehmen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seien, verkenne er, dass über diese Akten bereits mit Verfügung vom 4. Mai 2018
entschieden worden sei (act. G 9/577). Der beantragte Aktenbeizug würde zudem dazu
führen, dass sie bearbeitet werden dürften und das Disziplinarverfahren wieder zu
eröffnen wäre, was nicht im Sinn des Beschwerdeführers sein könne (act. G 2/2 S. 6).
2.5. Der Beschwerdeführer stellt sich in der Beschwerde auf den Standpunkt, dass sein
Rechtsschutzinteresse an der Behandlung des Revisionsbegehrens vom 29. April 2016
durch die Aufhebung der Disziplinarverfügung vom 10. November 2015 (VerwGE B
2015/307 a.a.O.) und die Wiedererteilung der Berufsausübungsbewilligung vom
6. November 2017 nicht dahingefallen sei (act. G 1 Rz. 18-24). Das Gesuch um
Revision der Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 sei
rechtzeitig eingereicht worden, da er von den Revisionsgründen erst (nach Ablauf der
ordentlichen Rechtsmittelfrist) im Zeitraum von 1. Februar bis 30. März 2016 erfahren
habe. Von der Ermächtigung zur Eröffnung eines Strafverfahrens gegen den
ehemaligen Leiter Rechtsdienst und den ehemaligen Generalsekretär des GD habe er
erst mit Zustellung des Entscheids vom 30. März 2016 erfahren. Als er am 1. Februar
2016 die Stellungnahmen der ehemaligen Mitarbeiter vom 26. Januar 2016 gegenüber
der Anklagekammer zugestellt erhalten habe, sei ihm zur Kenntnis gelangt, dass eine
mündliche Anweisung der Departementsvorsteherin an die ehemaligen Mitarbeiter
betreffend das Interview gegenüber der Zeitung E._ erfolgt sei. Sodann habe der
ehemalige Leiter Rechtsdienst mit der Stellungnahme vom 26. Januar 2016 Akten
eingereicht, die im Dossier des Disziplinarverfahrens nicht zu finden gewesen seien. Im
Zeitpunkt des Erlasses der Verfügungen habe er keine Kenntnis von den E-Mails
gehabt, welche die ehemaligen Mitarbeiter im Jahr 2016 der Anklagekammer
eingereicht hätten. Mit dem Entscheid der Anklagekammer vom 30. März 2016 habe er
eine Begründung für seine Vermutung, dass die Verfügungen durch strafbare
Handlungen und Arglist beeinflusst gewesen seien, vorbringen können. Im Weiteren sei
das Vorliegen der Patientenbeschwerden das tragende Element für den Erlass der
Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 gewesen. Die Einsicht
in diese Akten sei bis heute nicht gewährt worden (act. G 1 Rz. 26-33). Sodann könne
der angefochtenen Verfügung keine Begründung entnommen werden, weshalb der
Beschwerdeführer die Frist nach Art. 83 VRP verpasst haben solle. Vom
Wiederaufnahmegrund habe er am 1. Februar 2016 Kenntnis erhalten und das Gesuch
am 29. April 2016 gestellt (act. G 1 Rz. 37-41). Der ehemalige Leiter Rechtsdienst und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der ehemalige Generalsekretär hätten mit ihrer Auskunftserteilung an eine Zeitung im
Jahr 2012 das Amtsgeheimnis (im Sinn von Art. 81 Abs. 1 lit. a VRP) verletzt. Mit dem
am 28. Juni 2012 publizierten Zeitungs-Interview sei eine Medienkampagne gegen den
Beschwerdeführer angeheizt worden. Mit ihren Interviewaussagen hätten die beiden
ehemaligen Mitarbeiter den Beschwerdeführer faktisch vorverurteilt. Die Presse habe
diese Vorverurteilung aufgenommen. Im Weiteren seien Akten arglistig (im Sinn von
Art. 81 Abs. 1 lit. a VRP) verheimlicht worden. Die gesamte Medienaktion bis hin zu den
angeblichen 50 Patientenbeschwerden (act. G 9/146) sei bewusst organisiert und
inszeniert worden, um einen grossen medialen Druck erzeugen zu können. Seit der
Stellungnahme des ehemaligen Leiters Rechtsdienst vom 26. Januar 2016 sei bekannt,
dass nur selektiv Dokumente in die Akten des Disziplinarverfahrens abgelegt oder
wieder entfernt worden seien. Mit diesem Vorgehen sei der Anspruch des
Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör unterlaufen worden. Es müsse angenommen
werden, dass nicht bekannte Dokumente einen Einfluss auf den Entscheid des GD
gehabt hätten. Die Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013
würden auf einer unvollständigen bzw. falschen Aktengrundlage fussen (act. G 1 Rz.
46-74). In die angeblichen Patientenbeschwerden sei dem Beschwerdeführer bis heute
keine Einsicht gewährt worden. Diese Akten befänden sich nach wie vor nicht im
Dossier des Disziplinarverfahrens. Damit werde der Anspruch auf vollständige
Aktenführung verletzt (act. G 1 Rz. 75-81).
3.
3.1. Der Beschwerdeführer rügt, dass die Vorinstanz ihren Nichteintretensentscheid
(act. G 2/2 Dispositiv-Ziffer 1) nicht begründet habe (act. G 1 Rz. 15-17). Aus dem
Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung; SR 101, BV)
wird in ständiger Rechtsprechung die Pflicht der Behörde abgeleitet, ihre Verfügungen
und Entscheide zu begründen (vgl. statt vieler BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 133 I 270 E.
3.1; BGE 129 I 236 E. 3.2; BGE 126 I 102 E. 2b; G. Steinmann, in: St. Galler
Kommentar, 3. Aufl. 2014, Rz. 49 zu Art. 29 BV). Die Begründung muss so abgefasst
sein, dass der Betroffene den Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls
sachgerecht anfechten kann (BGE 133 III 439 E. 3.3; BGE 129 I 232 E. 3.2). Dies ist nur
möglich, wenn sowohl der Betroffene als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die
Tragweite des Entscheids ein Bild machen können; in diesem Sinne müssen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt. Allerdings bedeutet dies nicht, dass sich
die Behörde ausdrücklich mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). - Die
Vorinstanz begründete die angefochtenen Verfügung im Wesentlichen mit dem Hinweis
auf die einschlägigen rechtlichen Grundlagen und den massgebenden Sachverhalt. Sie
zeigte die Überlegungen, von denen sie sich leiten liess, in zureichender Weise auf und
setzte sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten auseinander. Eine Verpflichtung,
sich mit jeder tatbeständlichen Behauptung oder jedem rechtlichen Einwand des
Beschwerdeführers zu befassen, besteht wie dargelegt nicht. Ein Begründungsmangel
ist somit nicht ersichtlich.
3.2. In VerwGE 2015/307 hob das Verwaltungsgericht die gegen den Beschwerdeführer
verfügte Disziplinarmassnahme auf und stellte fest, dass für eine Wiedererwägung der
Verfügung vom 11. November 2013 mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer
jederzeit ein neues Gesuch stellen könne, ein Rechtsschutzinteresse nicht gegeben sei
(VerwGE B 2015/307 a.a.O., E. 12.3). Hierauf erteilte ihm die Vorinstanz mit Verfügung
vom 6. November 2017 eine Berufsausübungsbewilligung (act. G 9/532).
Nachdem die Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 (auf
welche sich das streitige Revisionsgesuch vom 29. April 2016 bezieht) formell weiterhin
bestehen, ist für das vorliegende Beschwerdeverfahren B 2019/30 das
Rechtsschutzinteresse des Beschwerdeführers an der Beurteilung der Frage des
Eintretens auf sein Revisionsgesuch (Art. 45 Abs. 1 VRP) zu bejahen. Zu klären ist
somit im Rahmen der Prüfung der Rechtmässigkeit des Nichteintretensentscheids der
Vorinstanz (act. G 2/2 Dispositiv-Ziffer 1) in erster Linie, ob der Beschwerdeführer die
revisionsweise vorgebrachten Gründe nicht bereits mit dem ordentlichen Rechtsmittel
gegen die Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 hätte geltend
machen können (Art. 81 Abs. 2 VRP). Der Beschwerdeführer legt hierzu unter anderem
dar, mit dem am 28. Juni 2012 publizierten Zeitungsinterview sei eine
Medienkampagne mit faktischer Vorverurteilung ausgelöst worden, durch welche das
damals laufende Disziplinarverfahren und das Berufsausübungsbewilligungsverfahren
präjudiziert worden seien (act. G 1 Rz. 59-61). Dies bzw. den von ihm als rufschädigend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bezeichneten Charakter des Interviews (act. G 1 Rz. 46) sowie die von ihm - gestützt
auf die im Juni 2012 bestehende Aktenlage - geltend gemachten Tathandlungen der
ehemaligen GD-Mitarbeiter (act. G Rz. 49 f.) hätte er jedoch ohne Weiteres im Rahmen
des ordentlichen Rechtsmittels gegen die erwähnten Verfügungen geltend machen
können. Die Erteilung von Auskünften im Jahr 2012 an die Zeitung E._ (als Realakte;
vgl. Aufzählung in act. G 1 Rz. 49 f. und act. G 2/7 S. 3-8) war von Seiten des
Beschwerdeführers im Nachgang zur Publikation des Zeitungsartikels insofern
unbeanstandet geblieben, als er damals (im Sinn des nachträglichen Rechtsschutzes)
nicht den Erlass einer entsprechenden Verfügung verlangt hatte. Am 1. Dezember 2015
machte er in diesem Kontext ein Strafverfahren anhängig. Sein Einwand, dass der
Umstand, wann und aus welchen Gründen sich jemand für eine Strafanzeige
entscheide, nichts an dem den Beschuldigten zur Last gelegten Verhalten ändere (act.
G 11 Rz. 7), trifft als solcher zu. Nur vermochte der Beschwerdeführer - und dies ist
hier wesentlich - einen plausiblen Grund, auf das im Jahr 2012 publizierte Zeitungs-
Interview erst über drei Jahre später mit Strafanzeige wegen Verletzung von
Persönlichkeitsrechten und des Amtsgeheimnisses zu reagieren und am 29. April 2016
ein hiermit begründetes Gesuch um Revision der Verfügung von 2012 und 2013
einzureichen, nicht zu nennen. Nicht überzeugend erscheint insbesondere sein
Vorbringen, dass ein rechtswidriges Verhalten der ehemaligen Mitarbeiter der
Vorinstanz erst mit deren Stellungnahmen im Ermächtigungsverfahren ersichtlich
geworden sei. Der das Ermächtigungsverfahren abschliessende Entscheid der
Anklagekammer vom 30. März 2016 brachte keine neuen sachlichen Aspekte für die
Begründung eines Gesuchs um Wiederaufnahme der Verfügungen von 2012 und 2013
und überdies auch keinen Beleg für eine hohe Wahrscheinlichkeit des Vorliegens einer
Straftat, sondern lediglich eine Ermächtigung der Staatsanwaltschaft, die Vorwürfe in
der Strafanzeige vom 1. Dezember 2015 abzuklären und zu würdigen (vgl. act. G 2/4).
Es bedurfte m.a.W. nicht des Ermächtigungsentscheids vom 30. März 2016, um seine
Vermutung (Beeinflussung des Erlasses der Verfügungen vom 27. November 2012 und
11. November 2013 durch strafbares Handeln) vortragen und begründen zu können.
3.3. Der Beschwerdeführer wendet im Weiteren ein, die ehemaligen Mitarbeiter des GD
hätten Akten (E-Mails; Patientenbeschwerden) arglistig verheimlicht und dadurch das
GD als Behörde in der Weise getäuscht, dass die Verfügungen vom 27. November
2012 und 11. November 2013 auf einer unvollständigen Aktengrundlage erlassen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
worden seien (act. G 1 Rz. 31, 63-65, 72 und 75-80). Aus dem Umstand, dass der
Beschwerdeführer keine Kenntnis von den E-Mails hatte, welche der ehemalige Leiter
Rechtsdienst mit seiner Stellungnahme vom 26. Januar 2016 der Anklagekammer
einreichte (act. G 1 Rz. 29; vgl. Beilagen 12-22 zur Stellungnahme, act. G 9/404
Beilagen), lassen sich - im Vergleich zur Situation im Zeitpunkt der Publikation des
erwähnten Zeitungsartikels - keine veränderten sachlichen Gegebenheiten bzw. kein
Wiederaufnahmegrund im Sinn von Art. 81 Abs. 1 VRP ableiten. Dem
Beschwerdeführer wäre es wie dargelegt (E. 3.2) bereits gestützt auf den im Zeitpunkt
der Publikation des erwähnten Zeitungsartikels zu Tage liegenden Sachverhalt möglich
gewesen, das ordentliche Rechtsmittel gegen die Verfügungen vom 27. November
2012 und 11. November 2013 zu erheben. Im Umstand, dass nachträglich weitere,
augenscheinlich im Zusammenhang mit dem Disziplinarverfahren stehende Akten (act.
G 9/404 Beilagen) bekannt und ins Recht gelegt wurden, ist indes eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs und der Aktenführungspflicht zu erblicken. Das Vorbringen der
Vorinstanz, die Art der Kommunikation der damaligen leitenden Angestellten des GD
gegenüber der Wochenzeitung sowie die in diesem Zusammenhang behaupteten
Verfehlungen seien nicht Gegenstand des Disziplinarverfahrens gewesen, weshalb
nicht von unvollständiger Aktenführung die Rede sein könne (vgl. vorstehende E. 2.4),
ist nicht geeignet, den sachlichen Zusammenhang des nachträglich bekannt
gewordenen E-Mailverkehrs zum Disziplinarverfahren zu widerlegen. Der Verletzung
des rechtlichen Gehörs und der Aktenführungspflicht wird bei der Kostenverlegung
Rechnung zu tragen sein (nachstehende E. 4.1).
Was im Weiteren die Patientenanzeigen betrifft, nahm die Verfügung vom 27.
November 2012 zwar implizit in Aussicht, die Patientenbeschwerden gegebenenfalls
zum Gegenstand des Disziplinarverfahrens werden zu lassen (act. G 9/155). Allerdings
wurde dies in der Folge nicht Wirklichkeit. So hielt das Verwaltungsgericht in VerwGE B
2015/307 fest, im Beschwerdeverfahren (betreffend die Disziplinarverfügung von 2015)
stütze sich die Prüfung der streitigen Aspekte nicht auf die Patientenbeschwerden,
weshalb es sich rechtfertige, diese nicht der Akteneinsicht des Beschwerdeführers
persönlich zu unterstellen. Seinem Rechtsvertreter sei eine entsprechende
Einsichtsmöglichkeit eingeräumt worden, von welcher dieser jedoch keinen Gebrauch
gemacht habe (VerwGE B 2015/307 a.a.O., E. 15.3.3). Aus der Tatsache der
Nichtbearbeitung der Patientenbeschwerden konnten sich zum vornherein keine zuvor
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht bekannten (und zugunsten des Beschwerdeführers sprechenden) sachlichen
Aspekte ergeben, welche geeignet gewesen wären, für sich allein das Gesuch um
Wiederaufnahme der Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 zu
begründen. Ein Wiederaufnahmegrund im Sinn von Art. 81 Abs. 1 VRP ist auch hier
nicht ersichtlich.
3.4. Vor dem geschilderten Hintergrund lässt sich der auf Art. 81 Abs. 2 VRP gestützte
Nichteintretensentscheid der Vorinstanz (act. G 2/2 Dispositiv-Ziffer 1) nicht
beanstanden. Die Frage, ob die Frist nach Art. 83 VRP - wie der Beschwerdeführer
geltend macht (act. G 1 Rz. 37-41) - entgegen der vorinstanzlichen Auffassung als
eingehalten zu erachten und ob von einer strafbaren Handlung
(Amtsgeheimnisverletzung) und/oder Arglist im Sinn von Art. 81 Abs. 1 lit. a VRP
auszugehen wäre (act. G 1 Rz. 46-74), braucht nicht weiter geklärt zu werden, da auch
bei Vorliegen eines Tatbestands im Sinn von Art. 81 Abs. 1 VRP bzw. bei Einhaltung
der Frist von Art. 83 VRP die Beschwerde nicht gutgeheissen werden könnte. Der
weitere Standpunkt des Beschwerdeführers (act. G 1 Rz. 34-36), wonach sich die
Verfügungen vom 27. November 2012 und 11. November 2013 auf Beurteilungen des
Kantonszahnarztes gestützt hätten, ist im vorliegenden Verfahren nicht zu überprüfen,
nachdem das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2014/197 zufolge
Gegenstandslosigkeit abgeschrieben hatte und im vorliegenden Verfahren kein Anlass
gegeben ist, diese nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheids bildende Frage
materiell zu prüfen. Im Weiteren ging das Verwaltungsgericht in VerwGE B 2015/307,
a.a.O. E. 14.2 nach Aufhebung der Disziplinarmassnahme auch von der
Gegenstandslosigkeit der darin aufgeworfenen Frage der hinreichenden gesetzlichen
Grundlage für das Amt des Kantonszahnarztes aus. Auch diesbezüglich fehlt es an
einem Grund, auf diese Frage bzw. die entsprechenden Vorbringen des
Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren einzutreten (vgl. auch VerwGE B 2018/8
vom 27. April 2018 und BGer 2C_487/2018 vom 29. November 2018).
3.5. Der Beschwerdeführer beanstandet schliesslich, dass die Vorinstanz die
Abschreibung seines Gesuchs um Erlass vorsorglicher Massnahmen vom 29. Juli 2016
(vorsorgliche Erteilung der Berufsausübungsbewilligung) ohne Zusprechung einer
Parteientschädigung vorgenommen habe. Die Gegenstandslosigkeit sei nicht vom
Beschwerdeführer zu vertreten, sondern von der Vorinstanz. Den mit Eingabe vom 29.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Juli 2016 gestellten Begehren wäre stattzugeben gewesen, hätte die Vorinstanz das
Revisionsverfahren vorangetrieben und nicht grundlos eine Sistierung verfügt (vgl. act
G 9/422). Entsprechend sei für das Verfahren vor der Vorinstanz eine angemessene
Parteientschädigung zuzusprechen (act. G 1 Rz. 82-92).
Laut Art. 98 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98 VRP wird die ausseramtliche
Entschädigung den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt
(vgl. auch Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 1 lit. b und Art. 106 Abs. 1 Satz
1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO). Bei
einer Abschreibung infolge Gegenstandslosigkeit (Art. 242 ZPO) gilt die Grundregel,
dass derjenige als unterlegener Beteiligter zu betrachten ist, der die
Gegenstandslosigkeit verursacht hat, falls der Grund für das Gegenstandsloswerden
des Prozesses dem Verhalten einer Partei zuzuschreiben ist. Ansonsten ist auf den
mutmasslichen Prozessausgang abzustellen (vgl. Art. 98 VRP in Verbindung mit Art.
107 Abs. 1 lit. e ZPO, und VerwGE B 2015/309 vom 26. April 2017 E. 4.1 mit
Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP bestimmt, dass in
erstinstanzlichen Verwaltungsverfahren und im Einspracheverfahren in der Regel keine
ausseramtlichen Entschädigungen zugesprochen werden.
Vorliegend war die mit Verfügung vom 4. April 2017 (act. G 9/463) erfolgte Sistierung
des Revisionsverfahren bis zur Rechtskraft der Verfügung vom 4. April 2017 betreffend
Ausstandsbegehren gegen den Leiter Rechtsdienst insofern begründet, als die Art der
Erledigung des Ausstandsbegehrens für den weiteren Fortgang des
Revisionsverfahrens von erheblicher Bedeutung war, zumal der Beschwerdeführer für
den Fall der Gutheissung des Ausstandsbegehrens sich auf den Standpunkt gestellt
hatte, dass die bisherigen Handlungen des Leiters Rechtsdienst im Revisionsverfahren
nicht mehr berücksichtigt werden dürften (act. G 9/441 Rz. 31). Der Entscheid des
Verwaltungsgerichts B 2017/93 betreffend Ausstandsbegehren und Sistierung des
Revisionsverfahrens erging am 28. März 2018. Die im Nachgang zur
Verfahrenssistierung aufgrund der Wiedererteilung der Berufsausübungsbewilligung
vom 6. November 2017 (act. G 9/532) eingetretene Gegenstandslosigkeit des Gesuchs
vom 29. Juli 2016 um vorsorgliche Erteilung der Berufsausübungsbewilligung hat unter
diesen Umständen nicht die Vorinstanz zu vertreten. Sie lehnte dementsprechend die
bis
ter
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausrichtung einer Parteientschädigung für den Abschreibungsentscheid - auch mit
Blick auf Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP - zu Recht ab (act. G 2/2 Dispositiv-Ziffern 2 und 3).
4.
4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. In Streitigkeiten hat grundsätzlich jener Beteiligte die Kosten zu
tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Kosten, die ein Beteiligter, sein Rechtsbeistand oder sein Vertreter durch Trölerei oder
anderes ungehöriges Verhalten oder durch Verletzung wesentlicher
Verfahrensvorschriften veranlasst, gehen zu seinen Lasten (Art. 95 Abs. 2 Satz 1 VRP).
Der Umstand, dass im Februar 2016 nachträglich weitere zum Disziplinarverfahren
gehörende Akten bekannt wurden, belegt wie dargelegt eine Missachtung des
rechtlichen Gehörs und eine Verletzung der Aktenführungspflicht durch die Vorinstanz,
ohne dass diese Gegebenheiten am materiellen Ausgang dieses Verfahrens etwas zu
ändern vermöchten (vgl. vorstehende E. 3.3). Dieser Umstand rechtfertigt es, der
Vorinstanz die amtlichen Kosten dieses Verfahrens nach dem Verursacherprinzip zu
auferlegen. Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 (Art. 7 Ziff.
222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von CHF 2'000 wird ihm zurückerstattet.
4.2. Ausseramtliche Kosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer nicht zu
entschädigen. Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz 829); ihr
Antrag (act. G 8), soweit er auch ausseramtliche Kosten umfasst, ist abzuweisen.