Decision ID: 9f290352-8bb9-5495-b8fc-7f42be9fc5eb
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2004 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Nach einer Würdigung der Berichte der
behandelnden Ärzte hielt Dr. med. B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst
(RAD) fest (IV-act. 19), angesichts eines im Vordergrund stehenden fibromyalgiformen
Schmerzsyndroms sei für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit von mindestens 40 Prozent zu attestieren, die sich wohl noch weiter
steigern lassen werde. Ein Eingliederungsberater der IV-Stelle notierte im März 2005,
eine Vermittlung der Versicherten sei wohl nicht möglich (IV-act. 24). Mit einer
Verfügung vom 10. Juni 2005 sprach die IV-Stelle der Versicherten rückwirkend ab
dem 1. Februar 2005 eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 64 Prozent zu
(IV-act. 41).
A.a.
Im März 2013 eröffnete die IV-Stelle ein Verfahren zur Überprüfung des
Rentenanspruchs. Im Mai 2013 notierte der RAD-Arzt Dr. med. C._, es liege ein
syndromales Leiden im Sinne der Schlussbestimmungen zum ersten
Massnahmenpaket der sechsten IVG-Revision („IVG-Revision 6a“) vor; die der
ursprünglichen Rentenzusprache zugrunde gelegte Arbeitsfähigkeitsschätzung könne
nicht nachvollzogen werden (IV-act. 65). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete das Zentrum
für medizinische Begutachtung (ZMB) im Januar 2015 ein polydisziplinäres Gutachten
(IV-act. 144). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an einem
chronifizierten, generalisierten Schmerzsyndrom, das mit einem Fibromyalgie-Syndrom
vereinbar sei. Bezüglich der Frage nach der Zumutbarkeit einer Willensanstrengung zur
Überwindung eines psychosomatischen Leidens respektive bezüglich der sogenannten
Foerster’schen Kriterien oder den „critères de Mosimann“ sei festzuhalten, dass eine
A.b.
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chronische somatische Begleiterkrankung vorliege, nämlich ein Fibromyalgiesyndrom.
Aus rein medizinischer Sicht sei die Versicherte aufgrund ihrer chronischen und als
sehr schwer erlebten Schmerzsymptomatik als zu 60 Prozent in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt zu qualifizieren. Die Sachverständigen des ZMB weigerten sich im
Februar 2015, eine Rückfrage des RAD zu beantworten (IV-act. 147). Sie hielten fest,
hinter der Rückfrage stehe offensichtlich „die Intention einer Diskussion über unsere
Beurteilung“; sie beinhalte den Versuch, „nachträglich auf unser medizinisches Urteil im
vorliegenden umstrittenen Sachverhalt Einfluss zu nehmen“. Dem RAD müsse doch
bekannt sein, dass es gerade keine ärztliche Aufgabe sei, die Foerster’schen Kriterien
zu „gewichten“. Das behalte sich die Rechtsprechung vor, worauf ja bereits deren
„Vater“ Hans-Jakob Mosimann hingewiesen habe. Die IV-Stelle beauftragte in der
Folge die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz mit einer
polydisziplinären Begutachtung der Versicherten (IV-act. 162). Das entsprechende
Gutachten wurde am 13. Juni 2016 erstellt (IV-act. 170). Die Sachverständigen führten
darin aus, in rheumatologischer Hinsicht habe keine relevante
Gesundheitsbeeinträchtigung objektiviert werden können, weshalb aus
rheumatologischer Sicht auch keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden könne. Der
psychiatrische Sachverständige habe das Vorliegen einer Depression eindeutig
ausschliessen können. Angesichts der somatisch nicht objektivierbaren Schmerzen
und der aktuell eher etwas übersteigert wirkenden Angst vor einem Tumorrezidiv beim
Ehemann seien die Kriterien für die Diagnose einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung erfüllt. Diese Störung sei nicht stark ausgeprägt, aber sie schränke die
Durchhaltefähigkeit der Versicherten mittelgradig ein. Die vorhandenen Ressourcen der
Versicherten genügten nicht für eine Realisierung der aus rein rheumatologischer Sicht
attestierten uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit. Körperlich leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten seien der Versicherten zu 50 Prozent zumutbar. Im eigenen
Zweipersonenhaushalt sei die Versicherte zu 80 Prozent arbeitsfähig. Der RAD-Arzt Dr.
C._ qualifizierte das rheumatologische Teilgutachten als überzeugend (IV-act. 171–1).
Der RAD-Psychiater Dr. med. D._ hielt fest (IV-act. 171–2), der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz habe den objektiven Befund ausführlich
und anschaulich geschildert. Seine Diagnosestellung sei aber nicht lege artis, denn das
Hauptkriterium für die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung –
ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz – sei gemäss seinen Ausführungen
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B.
nicht erfüllt. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung beruhe teilweise auf den subjektiven
Angaben der Versicherten und nicht allein auf objektiven klinischen Befunden, weshalb
auch sie nicht überzeuge. Eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes notierte am 5. Juli
2016, aus juristischer Sicht sei von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
auszugehen (IV-act. 172). Mit einer Verfügung vom 18. Oktober 2016 hob die IV-Stelle
die laufende Dreiviertelsrente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden
Monats auf (IV-act. 185).
Mit einem Entscheid vom 8. April 2019 (IV 2016/403) wies das
Versicherungsgericht die gegen die Verfügung vom 18. Oktober 2016 erhobene
Beschwerde – nach einer Rückfrage an den psychiatrischen Sachverständigen der
MEDAS Zentralschweiz – ab. Zur Begründung führte es aus, das psychiatrische
Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz enthalte eine aus der Sicht eines
medizinischen Laien überzeugend begründete Diagnosestellung. Der RAD-Arzt Dr.
D._ habe zwar die Diagnose als nicht lege artis bezeichnet, aber der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz habe die Argumente von Dr. D._ in
seiner Stellungnahme zuhanden des Versicherungsgerichtes mit einer schlüssigen
Begründung widerlegt. Zwar verblieben insgesamt noch leichte Zweifel bezüglich der
Frage, ob die Beschwerdeführerin nun tatsächlich an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung oder aber – gemäss der Diagnose im Gutachten des ZMB – an einem
chronifizierten, generalisierten Schmerzsyndrom leide. Diese Frage müsse im
vorliegenden Verfahren aber nicht abschliessend beantwortet werden, denn die
Arbeitsfähigkeit ergebe sich nicht direkt aus der (exakten) Diagnose. Die massgebende
Arbeitsfähigkeit als Teilelement der (Rest-) Erwerbsfähigkeit sei nämlich ein juristischer
Begriff, der im Art. 7 Abs. 1 ATSG definiert sei. Die Beantwortung der Frage nach der
Arbeitsfähigkeit setze folglich eine Subsumtion voraus, die nicht vom Mediziner,
sondern vom Rechtsanwender vorzunehmen sei, wobei jedoch in aller Regel die
medizinischen Sachverständigen fast sämtliche Angaben lieferten, die für diesen
Subsumtionsvorgang erforderlich seien. Diese Angaben fehlten im (ansonsten
überzeugenden) Gutachten des ZMB, denn die Sachverständigen hätten keine
konkreten medizinisch begründeten Einschränkungen genannt, die ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung hätten erklären können. Auch das Gutachten der MEDAS
B.a.
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Zentralschweiz enthalte keine überzeugende Begründung für das Attest einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent selbst für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten. Bei
einem eingehenden Studium des Gutachtens zeige sich allerdings, dass dieses all jene
Angaben enthalte, die für eine überzeugend begründete Arbeitsfähigkeitsschätzung
erforderlich seien: Im „Mini-ICF-APP Ratingbogen“ habe der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz angegeben, dass die Versicherte
(nachfolgend: die Beschwerdeführerin) uneingeschränkt zur Anpassung an Regeln und
Routinen sowie zur Planung und Strukturierung von Aufgaben fähig sei; die Flexibilität
und die Umstellungsfähigkeit seien mittelgradig beeinträchtigt; die Fähigkeit zur
Anwendung fachlicher Kompetenzen sei leichtgradig eingeschränkt; bezüglich der
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, der Selbstbehauptungsfähigkeit, der
Kontaktfähigkeit, der Gruppenfähigkeit, der familiären und intimen Beziehungen, der
Selbstpflege und der Verkehrsfähigkeit lägen keine Beeinträchtigungen vor; die
Durchhaltefähigkeit sei mittelgradig eingeschränkt; auch bezüglich der Spontan-
Aktivitäten ausserhalb beruflicher oder sozialer Pflichten bestehe eine mittelgradige
Einschränkung. Für die Arbeitsfähigkeit im Vordergrund stünden die mittelgradigen
Beeinträchtigungen der Flexibilität, der Umstellungsfähigkeit und der
Durchhaltefähigkeit. Eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit dürfe keine hohen
Anforderungen an die Flexibilität und an die Umstellungsfähigkeit stellen. Die
Einschränkung der Durchhaltefähigkeit wirke sich dagegen selbst in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus, denn
die Anforderungen an die Durchhaltefähigkeit hingen nicht nur von der Art der zu
verrichtenden Arbeit, sondern vor allem auch vom Pensum ab. Die Beeinträchtigung
der Durchhaltefähigkeit müsse deshalb sogar in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken. Da die Durchhaltefähigkeit aber
„nur“ mittelgradig beeinträchtigt sei und da keine weiteren Einschränkungen belegt
seien, die die Arbeitsfähigkeit in einer – auch in psychischer Hinsicht – ideal
leidensadaptierten Tätigkeit wesentlich beeinflussen könnten, könne der
Arbeitsunfähigkeitsgrad für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten nicht allzu hoch sein.
Tatsächlich hätten die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz denn auch für die
Führung des eigenen Zweipersonenhaushaltes eine Arbeitsfähigkeit von 80 Prozent
attestiert, obwohl diese Tätigkeit wohl nicht als ideal leidensadaptiert qualifiziert
werden könne, weil sie ein gewisses Mass an Flexibilität erfordere. Diese
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Erwägungen
1.
Das Bundesgericht hat die Sache ausschliesslich für eine Beweiswürdigung an das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen zurückgewiesen, die es trotz der
gesetzlich eingeschränkten Kognition problemlos selbst hätte vornehmen können. Eine
Erklärung dafür, weshalb es die Beweiswürdigung nicht gleich selbst vorgenommen
hat, ist im Urteil des Bundesgerichtes 9C_344/2019 vom 8. August 2019 nicht zu
finden. Jenes Urteil vermag aber auch in einem anderen Punkt nicht zu überzeugen: Im
BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht einen „ergebnisoffenen Indikatorenkatalog“ zur
Beantwortung der Frage aufgestellt, ob und inwiefern eine
Gesundheitsbeeinträchtigung eine Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise eine Invalidität
zur Folge haben kann. Dabei hat es festgehalten, dass für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeuge aber, weil sich weder im Gutachten der MEDAS
Zentralschweiz noch in den übrigen medizinischen Berichten ein Hinweis auf eine
Gesundheitsbeeinträchtigung finden lasse, der einen höheren Grad an
Arbeitsunfähigkeit im eigenen Haushalt begründen könnte. Für eine Arbeit, die tiefere
Anforderungen an die Flexibilität stelle, dürfte der Arbeitsfähigkeitsgrad wohl sogar
eher höher sein. Jedenfalls rechtfertige es sich nicht, von einer Arbeitsunfähigkeit von
mehr als 20 Prozent für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen. Unter
Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzuges von zehn Prozent resultiere ein
Invaliditätsgrad von 28 Prozent, weshalb sich die angefochtene Verfügung respektive
die Aufhebung der laufenden Rente durch die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) im Ergebnis als rechtmässig erweise.
Mit einem Urteil vom 8. August 2019 (9C_344/2019) hob das Bundesgericht den
Entscheid IV 2016/403 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 8. April 2019 auf. Es
hielt fest, dass das Versicherungsgericht gestützt auf die von der MEDAS
Zentralschweiz gemäss dem Mini-ICF-APP Ratingbogen erhobenen funktionellen
Einschränkungen eine eigene Arbeitsfähigkeitsschätzung ohne eine Berücksichtigung
der „rechtserheblichen Indikatoren“ vorgenommen habe, gehe nicht an. Dass das
Versicherungsgericht ohne eine Begründung von der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung abweiche, verletze Bundesrecht. Die Sache sei zur Prüfung anhand
der Indikatoren an das Versicherungsgericht zurückzuweisen.
B.b.
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Arbeitsfähigkeitsschätzung letztlich der „Saldo aller wesentlichen Belastungen und
Ressourcen“ ausschlaggebend sei (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1 S. 293). Dem habe die
bisherige Überwindbarkeitsvermutung entgegen gestanden. Jene Vermutung habe
auch dazu geführt, dass die Rechtsanwender den Sachverhalt bloss noch
„kriterienorientiert“ abgeklärt und gewürdigt hätten, was sich mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung nicht habe vereinbaren lassen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.2 S.
294). Beim neu formulierten Kriterienkatalog handle es sich deshalb nicht um eine
„abhakbare Checkliste“ (BGE 141 V 281 E. 4.1.1 S. 297). In seinem Urteil 9C_344/2019
vom 8. August 2019 hat es dem Versicherungsgericht dann aber sinngemäss
vorgeworfen, dass dieses den Indikatorenkatalog nicht „abgearbeitet“ habe; die
Aufgabe des Versicherungsgerichtes nach der Rückweisung besteht nun allein darin,
die entsprechende „Checkliste abzuhaken“, was sich weder mit der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung noch mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung vereinbaren lässt. Dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
bleibt allerdings angesichts des Urteils des Bundesgerichtes 9C_344/2019 vom 8.
August 2019 nichts anderes übrig, als dem Rückweisungsurteil gemäss zu
entscheiden, das heisst den „Standardindikatoren-Katalog“ abzuarbeiten.
2.
Der Indikatorenkatalog des Bundesgerichtes enthält die folgenden Elemente: (a)
„funktioneller Schweregrad“, (aa) „Gesundheitsschädigung“, (aaa) Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde, (aab) Behandlungs- und Eingliederungserfolg, (aac)
Komorbiditäten, (ab) „Persönlichkeit“, (ac) „sozialer Kontext“, (b) „Konsistenz“, (ba)
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen, (bb) behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Leidensdruck (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 S. 297 f.).
3. („funktioneller Schweregrad“)
(„Gesundheitsschädigung“)3.1.
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde: Der psychiatrische
Sachverständige der MEDAS Zentralschweiz hat überzeugend begründet aufgezeigt,
dass angesichts der von ihm erhobenen objektiven klinischen Befunde die Kriterien für
die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung erfüllt gewesen sind, wie sich der
diesbezüglichen (ausführlichen) Würdigung in der E. 2.2 des Entscheides IV 2016/403
(ungefähr in der Mitte der Seite 10) entnehmen lässt.
3.1.1.
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4. („Konsistenz“)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg: Die somatoforme Schmerzstörung der
Beschwerdeführerin ist gemäss den diesbezüglich überzeugenden Ausführungen
sowohl des psychiatrischen Sachverständigen des ZMB als auch des psychiatrischen
Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz so verfestigt und chronifiziert, dass sie
als therapeutisch nicht mehr angehbar qualifiziert werden muss, weshalb auch beide
Sachverständigen eine negative Prognose gestellt haben (vgl. IV-act. 144–32 und IV-
act. 170–65).
3.1.2.
Komorbiditäten: Diesem Kriterium kommt gemäss BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3
S. 300 f. keine ausschlaggebende Bedeutung mehr zu. Die von den Sachverständigen
der MEDAS Zentralschweiz beschriebenen Komorbiditäten sind nicht sonderlich
ausgeprägt.
3.1.3.
„Persönlichkeit“: Die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin ist unauffällig, wie sich
aus dem psychiatrischen Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz ergibt (IV-act. 170–
65). In der E. 2.2 des Entscheides IV 2016/403 ist eingehend auf die Ressourcen der
Beschwerdeführerin eingegangen worden (etwa in der Mitte der Seite 11).
3.2.
„Sozialer Kontext“: Das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin ist im Zeitpunkt
der Eröffnung der angefochtenen Verfügung zu einem wesentlichen Teil durch die
Angst beeinflusst gewesen, dass der Ehemann erneut an einem Hirntumor erkranken
könnte. Die damit im Zusammenhang stehenden Sorgen und Ängste der
Beschwerdeführerin sind keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf
belastende Lebensumstände, die bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss dem BGE
141 V 281 E. 4.3.3 S. 303 ausgeblendet werden muss.
3.3.
Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen: Gemäss den Schilderungen der Beschwerdeführerin gegenüber dem
psychiatrischen Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz wirkt sich das beklagte
Leiden konsistent in allen vergleichbaren Lebensbereichen aus. Der psychiatrische
Sachverständige hat explizit festgehalten, dass er vom Bestehen der geltend
gemachten Behinderungen überzeugt gewesen sei. Trotzdem hat er für die Führung
des eigenen Zwei Personen-Haushaltes eine deutlich höhere Arbeitsfähigkeit als für
ideal leidensadaptierte ausserhäusliche Tätigkeiten attestiert, ohne diese Differenz zu
begründen. Die Tätigkeit im eigenen Haushalt ist nicht leidensadaptiert, weil sie eine
erhöhte Flexibilität erfordert, wie bereits im Urteil IV 2016/403, E. 2.2, S. 12, oben,
festgehalten worden ist. Zur Haushaltsführung gehört nämlich auch die freie Planung
und Organisation der einzelnen Verrichtungen, wobei verschiedene Entscheidungen
4.1.
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5.
Zusammenfassend lässt sich anhand des „Standard-Indikatorenkatalogs“ eine
Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin bestätigen. Der von den Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz attestierte Arbeitsfähigkeitsgrad lässt sich allerdings anhand der
Standardindikatoren nicht rechtfertigen, da einerseits anhand eines Vergleichs der
Arbeitsfähigkeit im eigenen – nicht leidensadaptierten – Haushalt und der
Arbeitsfähigkeit in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit ein höheres Pensum von
mindestens 80 Prozent zumutbar sein muss und da andererseits ein nicht
unerheblicher Teil des Beschwerdebildes auf krankheitsfremde Sorgen und Ängste im
Zusammenhang mit einer durchgestandenen Hirntumorerkrankung des Ehemannes
zurückzuführen ist, der keine Arbeitsunfähigkeit bewirken kann, weil er nicht auf eine
Krankheit zurückzuführen ist. Bei einer überwiegend wahrscheinlichen Arbeitsfähigkeit
von mindestens 80 Prozent resultiert ein nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad, wie
sich aus der Invaliditätsbemessung im Entscheid IV 2016/403 (E. 2.3) ergibt. Im
Ergebnis erweist sich die angefochtene Verfügung daher als rechtmässig, weshalb die
Beschwerde abzuweisen ist.
6.
Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken
gedeckt. Die Kosten für die ergänzende Stellungnahme der MEDAS Zentralschweiz von
525 Franken sind dagegen der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen, denn es handelt
jeweils spontan unter Berücksichtigung der konkreten Umstände getroffen werden
müssen. Ein Haushalt kann nicht immer strikt nach einer festen Vorgabe geführt
werden. Wenn es der Beschwerdeführerin trotz ihrer Gesundheitsbeeinträchtigung
zumutbar ist, im eigenen Haushalt in einem Pensum von 80 Prozent tätig zu sein, muss
ihr in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit ein Pensum von mindestens 80 Prozent
zumutbar sein. Klammert man den nicht krankheitsbedingten Anteil (vgl. oben, E. 3.3,
„sozialer Kontext“) konsequent aus, dürfte die Arbeitsfähigkeit sogar noch höher
ausfallen.
Behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck: In
den aktuellen Akten finden sich keine Hinweise auf eine Malcompliance. Die
Beschwerdeführerin befindet sich seit Jahren in medizinischer Behandlung, womit ein
Leidensdruck ausgewiesen ist, der auch von den Sachverständigen der MEDAS
Zentralschweiz bestätigt worden ist.
4.2.
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sich dabei um Sachverhaltsabklärungskosten, das heisst um Kosten, die nur deshalb
im Beschwerdeverfahren angefallen sind, weil die Beschwerdegegnerin ihre
Untersuchungspflicht im Verwaltungsverfahren nicht ausreichend erfüllt hat. Die
unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.