Decision ID: d8f9548e-14c0-46bf-85eb-a1dc0447bd5a
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Mit Baugesuch vom 8. März 2019 reichten M._ (nachfolgend:
Bauherrschaft) ein erstes Baugesuch betreffend Neubau einer
Gewerbehalle zur Holzverarbeitung auf Parzelle N._ in der Wohn-
und Gewerbezone 3 in L._ ein. Dieses Baugesuch wurde zufolge
Überarbeitung – namentlich betreffend die Lärmfrage – zurückgezogen
und von der Gemeinde L._ als gegenstandslos abgeschrieben.
2. Das zweite, überarbeitete Baugesuch ging am 13. Januar 2020 bei der
Gemeinde L._ ein und wurde am 17. Januar 2020 als Baugesuch
Nr. 2020/1 publiziert.
3. Am 5. Februar 2020 erhob die «Einsprechergemeinschaft A._»,
bestehend aus B._, C._ und D._, E._, G._
H._, I._ sowie J._ und K._ dagegen Einsprache. Sie
beantragten, die Bauausschreibung Nr. 2020/1 sei zu annullieren und
tatsachengerecht nochmals zu publizieren. Die Einsprache sei
gutzuheissen und die Baubewilligung betreffend Parzelle N._,
Gemeinde L._, sei zu verweigern. Eventualiter sei die Baubewilligung
betreffend Parzelle N._, L._, mit Auflagen zu versehen, alles
unter gesetzlicher Kostenfolge.
4. Die Bauherrschaft nahm zur Einsprache am 17. Februar 2020 Stellung.
Diese Stellungnahme wurde den Einsprechern am selben Tag zur
Kenntnisnahme mit der Möglichkeit zur Einreichung einer freigestellten
Vernehmlassung zugestellt. Die Einsprecher liessen sich dazu nicht
vernehmen.
5. Nachdem die Gemeinde das von der Bauherrschaft mit dem Baugesuch
eingereichte Lärmgutachten nachgeprüft und ein erneuter
- 4 -
Schriftenwechsel zwischen der Bauherrschaft und der Gemeinde
stattgefunden hatte, wies die Gemeinde mit Bau- und
Einspracheentscheid vom 9. Juni 2020 die Einsprache ab und bewilligte
das Baugesuch mit diversen Auflagen. Als Lärmschutzauflagen verfügte
die Gemeinde, dass der vorgesehene Holzverarbeitungsbetrieb
ausschliesslich als Kleinbetrieb geführt werden dürfe. Die Betriebszeiten
für die beiden Sägen dürften nicht länger als durchschnittlich 2
Stunden/Betriebstag betragen. Die An- und Auslieferung der
Rohmaterialien/Endprodukte dürfe ausschliesslich in der Gewerbehalle
bei geschlossenen Fenstern, Toren und Türen erfolgen. Während der
Betriebszeiten müsse die Gewerbehalle immer geschlossen sein, die
Lüftung dürfe nur während der Pausen oder über Mittag erfolgen. Des
Weiteren verfügte die Gemeinde, dass die Gewerbehalle weder mit festen
noch mit mobilen Heizungen beheizt werden dürfe.
6. Gegen diesen Entscheid erhob die nun anwaltlich vertretene
«Interessengemeinschaft A._» bestehend aus B._, C._ und
D._, E._, F._ und G._, H._, I._ sowie
J._ und K._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 13. Juli 2020
Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie
beantragten was folgt:
1. Der angefochtene Entscheid sie aufzuheben und die nachgesuchte
Baubewilligung für das Baugesuch Nr. 2020/1 – Neubau
Gewerbehalle zur Holzverarbeitung auf der Parzelle N._,
Gemeinde L._, sei zu verweigern.
2. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die
Beschwerdegegner II seien anzuweisen, die Profile stehen zu
lassen bzw. bis zu einem rechtskräftigen Entscheid wieder
aufzustellen.
- 5 -
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge, diese zuzüglich 7.7 %
Mehrwertsteuer, zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Zur Begründung führten die Beschwerdeführer aus, dass mit der
Gutheissung des Baugesuches die Quartierplanvorschriften (QPV) nicht
eingehalten würden. Die Parzelle befinde sich in der Wohn- und
Gewerbezone 3 im Quartier «O._», für welches spezielle QPV gälten.
Gemäss Art. 7 der Quartierplanvorschriften sollten – nach Möglichkeit –
arbeitsintensive Nutzungen angesiedelt werden (Abs. 1). Demgegenüber
seien Nutzungen mit hohem Güterverkehr und Flächenbedarf (wie bspw.
ausschliessliche Lagerhaltung, Grosshandel, Transportbetrieb etc.) nicht
zulässig. Diese Vorschriften seien mit der beabsichtigten Gewerbehalle
und dem damit verbundenen «Ein-Mann-Betrieb» nicht vereinbar. Die
Beschwerdegegnerin habe im angefochtenen Entscheid eine vertiefte
Auseinandersetzung mit der Vereinbarkeit des Baugesuches und Art. 7
QPV vermissen lassen. Sowohl nach dem Wortlaut, der
Gesetzessystematik sowie nach dessen Sinn und Zweck müsse
festgehalten werden, dass das Baugesuch mit den
Quartierplanvorschriften «O._», im Speziellen Art. 7, nicht vereinbar
sei. Zudem würden die lärmschutzspezifischen Vorgaben nicht
eingehalten, da die beabsichtigte Sägerei die Lärmschutzbestimmungen
verletze. Auch die von der Gemeinde verfügten Auflagen reichten nicht
aus, da sie weder umsetzbar noch kontrollierbar seien. Das gelte auch für
die Auflage der Nutzungsbeschränkung, welche es der Bauherrschaft
verbiete, die Gewerbehalle zu heizen. Es sei leicht möglich, die Räume zu
heizen, ohne dass dies kontrollierbar sei. Da die Baugesuchsteller sich
gegen diese Auflage in ihrer Stellungnahme gewehrt hätten, sei damit zu
rechnen, dass sie sich nicht an die Auflage halten würden. Schliesslich
seien die vorgesehenen 14 Pflichtparkplätze für einen «Ein-Mann-Betrieb»
unverhältnismässig. Insgesamt leide die Baubewilligung an einer
- 6 -
Vereinbarkeit mit der kommunalen Baugesetzgebung und die verfügten
Auflagen seien rechtswidrig, weshalb die Baubewilligung nicht
bewilligungsfähig und die Beschwerde entsprechend gutzuheissen sei.
7. Mit Vernehmlassung vom 25. August 2020 beantragte die Gemeinde
L._ (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung führte sie zunächst aus, dass der Gemeinde bei der
Beurteilung von Baugesuchen praxisgemäss ein hoher
Ermessensspielraum zustehe. Das Verwaltungsgericht dürfe nur
einschreiten, wenn der Entscheid sachlich nicht mehr vertretbar und damit
willkürlich sei oder die Gemeinde sich von unsachlichen, dem Zweck der
Regelung fremden Erwägungen leiten lasse oder die Grundsätze der
Rechtsgleichheit und Verhältnismässigkeit verletze. Eine Auslegung der
strittigen Quartierplanvorschrift von Art. 7 ergebe, dass keine Verletzung
der Vorschrift vorliege und das übergeordnete Recht korrekt berücksichtigt
worden sei. Die Kritik der Beschwerdeführer sei rein appellatorischer
Natur. Die Auffassung der Gemeinde sei sachgerecht und damit sicherlich
nicht willkürlich. Vielmehr habe die Gemeinde bei der Prüfung das
Verhältnismässigkeitsprinzip beachtet, wonach der Quartierplan seine
Wirkung nur im Rahmen der Grundordnung gemäss Art. 51 Abs. 1 Satz 1
KRG entfalte. Es könne aufgrund des raumplanungsrechtlichen
Stufenbaus nicht sein, dass die Quartierplanvorschriften strenger als die
Artikel des kommunalen Baugesetzes seien. Was die Rüge der
Beschwerdeführer betreffe, die Auflagen könnten nicht eingehalten
werden und seien nicht wirksam, so sei diese unbegründet. Es bestünden
keine Anhaltspunkte, dass die Bauherrschaft die verfügten Massnahmen
nicht umsetzen werde. Was die 14 Pflichtparkplätze betreffe, so ergebe
sich diese Zahl aus dem Baugesetz. Gemäss Art. 52 Abs. 2 BauG sei pro
30 m2 Gewerbefläche ein Pflichtparkplatz bereitzustellen. Bei einer
- 7 -
Gewerbefläche von 408.89 m2 müssten vorliegend die im Projekt
vorgesehenen 14 Parkplätze bereitgestellt werden.
8. Die Bauherrschaft liess sich innert der gesetzten Frist nicht vernehmen.
9. Mit Verfügung vom 26. August 2020 erkannte das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden gestützt auf Art. 53 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) der Beschwerde ohne
Weiteres die aufschiebende Wirkung zu.
10. In der Replik vom 12. Oktober 2020 hielten die Beschwerdeführer an ihren
Anträgen fest und vertieften ihre Argumentation. Die Gemeinde habe
Art. 7 QPV nicht im Rahmen ihres Ermessens, sondern im Gegenteil nicht
sachgerecht und somit willkürlich ausgelegt und damit ihren
Ermessensspielraum überschritten. Was die verfügten Auflagen betreffe,
so seien diese so streng und weitreichend, dass mit der Nichteinhaltung
durch die Bauherrschaft sehr wohl gerechnet werden müsse.
11. Duplizierend hielt die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 3. November
2020 ebenfalls an ihren Anträgen fest. Sie hob hervor, dass die Baufreiheit
der Bauherrschaft als Ausfluss der Eigentumsgarantie gelte. Allfällige
diesbezügliche Beschränkungen müssten als Grundrechtseingriff die
Voraussetzungen von Art. 36 BV erfüllen. Im Zusammenhang mit Art. 7
QPV sei dabei insbesondere das Bestimmtheitserfordernis der
gesetzlichen Grundlage zu beachten. Da es sich bei Art. 7 QPV um eine
Sollvorschrift handle, sei das Bestimmtheitserfordernis nicht ansatzweise
erfüllt. Im Übrigen verwies sie vollumfänglich auf die Ausführungen in der
Vernehmlassung.
- 8 -
12. Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien in den
Rechtsschriften und die weiteren Akten wird – soweit erforderlich – im
Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Bau- und Einspracheentscheid vom
9., mitgeteilt am 10. Juni 2020, worin die Beschwerdegegnerin das
Baugesuch Nr. 2020/1 betreffend Parzelle N._ unter Auflagen
bewilligte und die dagegen erhobene Einsprache der Beschwerdeführer
Einsprache der Beschwerdeführer abwies.
1.1. Nach Art. 49 Abs. 1 lit. a VRG beurteilt das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Der
vorliegend angefochtene kommunale Entscheid vom 9. Juni 2020 ist
weder endgültig noch kann er bei einer anderen Instanz angefochten
werden und bildet damit ein taugliches Anfechtungsobjekt im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 lit. a VRG.
1.2. Als formelle und materielle Adressaten des angefochtenen Entscheids
sind die unmittelbar benachbarten Beschwerdeführer durch den Entscheid
besonders berührt und haben ein schutzwürdiges Interesse an dessen
Aufhebung oder Änderung, weshalb sie zur Beschwerde legitimiert sind
(Art. 50 Abs. 1 VRG). Die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
gibt zu keinen weiteren formellen Bemerkungen Anlass, sodass darauf
einzutreten ist (Art. 52 Abs. 1 VRG).
- 9 -
1.3. Die Durchführung eines Augenscheins gemäss Art. 12 Abs. 1 lit. e VRG
zur weiteren Beweismittelerhebung ist nicht notwendig, da sich die
tatsächlichen Verhältnisse und der Sachverhalt hinreichend aus den Akten
ergeben und ausschliesslich Rechtsfragen zu beantworten sind.
1.4. Dem prozessualen Antrag der Beschwerdeführer, wonach der
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen sei, hat der
Instruktionsrichter mit prozessleitender Verfügung vom 26. August 2021
gestützt auf Art. 53 Abs. 2 VRG stattgegeben und somit vorliegend nicht
Beschwerdethema.
2. In materieller Hinsicht gilt es, im Einzelnen die Rügen der
Beschwerdeführer betreffend Verletzung der Quartierplanvorschriften, der
Lärmimmissionen, der Nutzungsbeschränkungen sowie der Parkierung zu
prüfen.
3. Die Beschwerdeführer rügen, dass die Quartierplanvorschriften
«O._», im Speziellen Art. 7, nicht eingehalten seien, weshalb die
Baubewilligung gar nicht hätte erteilt werden dürfen.
3.1. Zunächst ist daher die strittige Quartierplanvorschrift genauer zu
untersuchen. Ausgangspunkt jeder Auslegung ist der Wortlaut. Ist der Text
nicht klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, muss nach
seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller
Auslegungselemente. Abzustellen ist dabei namentlich auf die
Entstehungsgeschichte, auf den Zweck der Norm, die ihr zugrunde
liegenden Wertungen und ihre Bedeutung im Kontext mit anderen
Bestimmungen (BGE 143 II 268 E. 4.3.1, 141 V 191 E.3, 138 V 17 E.4.2).
- 10 -
3.2. Dabei ist zu beachten, dass das öffentliche Baurecht im Kanton
Graubünden grundsätzlich in den Autonomiebereich der Gemeinden fällt.
In Bezug auf all jene Fragen, die im kantonalen Gesetz keine
abschliessende Regelung gefunden haben und bei denen den Gemeinden
eine relativ erhebliche Gestaltungsfreiheit zustehet, stellen die
Vorschriften der kommunalen Bauordnungen autonomes Gemeinderecht
dar. Die Gemeindeautonomie bezieht sich dabei nicht nur auf die
Rechtssetzung, sondern insbesondere auch auf die Rechtsanwendung
und Rechtsauslegung, wenn die anwendbare Bestimmung – wie hier Art.
7 QPV - dem selbständigen Gemeinderecht angehört. Das
Verwaltungsgericht hat sich dann bei der Anwendung und Auslegung
solcher Normen Zurückhaltung aufzuerlegen, wenn ein Zweifelsfall
vorliegt, die Auslegung schwierig ist oder in besonderem Masse örtliche
Verhältnisse zu würdigen sind. Den Gemeinden steht in solchen Fällen ein
geschützter Beurteilungs- und Ermessensspielraum zu, in welchen das
Verwaltungsgericht nur eingreifen kann, sofern die Gemeinde diesen
Bereich missbraucht oder überschritten hat. Die Kognition des
Verwaltungsgerichts beschränkt sich damit praktisch auf eine
Willkürprüfung, d.h. das Verwaltungsgericht kann nur eingreifen, wenn
sich der gestützt auf autonomes Gemeinderecht erlassene Entscheid als
sachlich unvertretbar erweist oder gegen allgemeine Rechtsgrundsätze
verstösst (Urteil des Verwaltungsgericht R 17 90 vom 2. Dezember 2019,
E. 3.3.; Urteil des Verwaltungsgerichts R 13 142 vom 8. Januar 2019, E.
4.1.; Urteil des Verwaltungsgerichts R 09 85 vom 19. Januar 2010, E.1.).
3.3. Art. 7 QPV des Quartierplans «O._» lautet wie folgt: 1. Im Quartierplan O._ sollen – nach Möglichkeit – arbeitsplatzintensive
Nutzungen (wie bspw. Büros, kundenorientierte Dienstleistungen usw.)
angesiedelt werden.
- 11 -
2. Nutzungen mit hohem Güterverkehr und Flächenbedarf (wie bspw.
ausschliessliche Lagerhaltung, Grosshandel, Transportbetriebe etc.) sind
nicht zulässig.
3.4. Die Beschwerdegegnerin legt im angefochtenen Bau- und
Einspracheentscheid bezüglich der Auslegung des Wortlautes von Art. 7
QPV ausführlich dar, wie sie diesen verstanden haben will, nämlich, dass
die Formulierung «nach Möglichkeit» «gemäss allgemeinem
Sprachgebrauch nur eine Absichtserklärung definiere, nicht aber ein
zwingend einzuhaltendes Gebot» (beschwerdegegnerische Akten [bg-
act.] 2, S. 4). Der Wortlaut von Art. 7 QPV stehe der Realisierung des
geplanten Holzverarbeitungsbetriebes somit nicht entgegen. In ihren
Rechtschriften hält sie ergänzend fest, dass die von den
Beschwerdeführern gewünschte Auslegung einer strengeren
Formulierung bedürfe. Schliesslich stelle eine strengere Auslegung einen
Eingriff in die Eigentumsgarantie dar und müsse folglich
unmissverständlich formuliert sein.
Diese Auslegung des Wortlautes ist unter Berücksichtigung der
eingeschränkten Kognition des Verwaltungsgerichts nicht zu
beanstanden. Die Beschwerdeführer rügen allerdings auch nicht eine
Verletzung des Wortlautes per se, sondern dass die Auslegung des
Wortlautes Sinn und Zweck der Quartierplanvorschriften verletze.
Schliesslich habe sich der Gesetzgeber bei der Formulierung der
Quartierplanvorschriften vom Grundgedanken leiten lassen, dass gerade
in der erweiterten Dorfkernzone eine arbeitsplatzintensive Nutzung
erforderlich sei.
3.5. Die Beschwerdegegnerin führt in Bezug auf Sinn und Zweck der
Quartierplanvorschriften aus, dass eine Ansiedlung von arbeitsplatz- und
- 12 -
wertschöpfungsintensiven Betrieben selbstverständlich erstrebenswert
sei. Allerdings sei einerseits die Konkurrenz durch die betreffend Verkehr
und Energie bestmöglich erschlossene Industriezone P._ in Q._
hoch, andererseits die bestehende Wohn- und Gewerbezone auch für
Klein- und Kleinstbetriebe gedacht, welche auch ihre Berechtigung hätten.
Auch hier ist eine willkürliche oder sachfremde Auslegung nicht erkennbar.
Es mag zwar sein, dass der kommunale Gesetzgeber beim Erlass der
Quartierplanvorschriften von anderen Bauten als der vorliegend strittigen
Sägerei ausgegangen ist. Allerding ist der Beschwerdegegnerin
zuzustimmen, dass sie unter Beachtung der Eigentumsgarantie der
Bauherrschaft hier keine allzu strengen Massstäbe ansetzt.
3.6. Was die Gesetzessystematik von Art. 7 QPV betrifft, hält die
Beschwerdegegnerin fest, dass sich die Parzelle N._ vorliegend in
der Wohn- und Gewerbezone befinde, die gemäss Baugesetz sowohl
Wohnbauten wie Produktions- und Dienstleitungsbetriebe erlaubt (Art. 19
BauG). Eine Verschärfung wie von den Beschwerdeführern gewünscht
wäre mit dem übergeordneten Recht nicht vereinbar, sprich, es müsste
zunächst eine Zonenänderung erfolgen, damit Art. 7 QPV eine strengere
Anpassung erfahren könnte.
3.7. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführer
hauptsächlich die zu oberflächliche Auseinandersetzung und Auslegung
des Baugesuchs mit den Quartierplanvorschriften rügen. Damit dringen
sie jedoch nicht durch. Die Beschwerdegegnerin legt sowohl im Entscheid
als auch in ihren Rechtsschriften ausdrücklich und ausführlich dar,
weshalb nach ihrer Ansicht das vorliegende Baugesuch mit Art. 7 QPV
vereinbar sei. Sie tut das im Rahmen des ihr zustehenden Ermessens,
jedenfalls ist für das streitberufene Gericht nicht erkennbar, inwieweit sich
die Beschwerdegegnerin hierbei von sachfremden Erwägungen hätte
- 13 -
leiten lassen oder in willkürlicher Art und Weise ihr Ermessen überschritten
hätte.
3.8. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang auch, dass nach ständiger
Rechtsprechung Willkür in der Rechtsanwendung dann vorliegt, wenn der
angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist, mit der tatsächlichen
Situation in klarem Widerspruch steht, eine Norm oder einen
unumstrittenen Rechtsgrundsatz krass verletzt oder in stossender Weise
zuwiderläuft. Das Bundesgericht hebt einen solchen Entscheid jedoch nur
auf, wenn nicht bloss die Begründung, sondern auch das Ergebnis
unhaltbar ist. Dass eine andere Lösung ebenfalls als vertretbar oder gar
zutreffender erscheint, genügt nicht (BGE 140 II 167 E.2.1, mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind vorliegend allesamt nicht erfüllt.
4. Die Beschwerdeführer rügen des Weiteren, dass die von der Gemeinde
verfügten Auflagen nicht ausreichen würden, da sie weder umsetzbar
noch kontrollierbar seien.
4.1. Als Lärmschutzauflagen verfügte die Gemeinde, dass der vorgesehene
Holzverarbeitungsbetrieb ausschliesslich als Kleinbetrieb geführt werden
dürfe. Die Betriebszeiten für die beiden Sägen dürften nicht länger als
durchschnittlich 2 Stunden/Betriebstag betragen. Die An- und Auslieferung
der Rohmaterialien/Endprodukte dürfe ausschliesslich in der
Gewerbehalle bei geschlossenen Fenstern, Toren und Türen erfolgen.
Während den Betriebszeiten müsse die Gewerbehalle immer geschlossen
sein, die Lüftung dürfe nur während der Pausen oder über Mittag erfolgen.
Des Weiteren verfügte die Gemeinde, dass die Gewerbehalle weder mit
festen noch mit mobilen Heizungen beheizt werden dürfe (Bg-act. 2, S. 11
ff.).
- 14 -
Für das streitberufene Gericht ist vorliegend nicht erkennbar, dass die
verfügten Auflagen weder umsetzbar noch kontrollierbar seien. Der
Beschwerdegegnerin ist beizupflichten, wenn sie unter Zitierung der
verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (PVG 2007 Nr. 29) festhält,
dass « die Verwaltung dem Bürger nicht von vornherein misstrauisch
gegenübertreten und in ihm gar einen potentiellen Rechtsbrecher sehen,
sondern von der grundsätzlichen Rechtstreue der Bürger ausgehen soll.».
4.2. Schliesslich ist in Bezug auf die hohe Anzahl Pflichtparkplätze
festzuhalten, dass Art. 52 Abs. 2 BauG festhält, dass pro 30 m2
Gewerbefläche ein Pflichtparkplatz bereitzustellen ist. Das ergibt bei einer
Gewerbefläche von 408.89 m2 (aufgerundet) die verfügten 14
Pflichtparkplätze. Dem Baugesetz lassen sich diesbezüglich keine
abweichenden Regelungen entnehmen, die es der Beschwerdegegnerin
erlauben würden, von der vorgesehenen Anzahl Pflichtparkplätze
abzuweichen. Die Anzahl der Parkplätze ist somit ebenfalls nicht zu
beanstanden.
5. Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist
somit in allen Punkten abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
hat die unterliegende Partei die Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG).
Die Staatsgebühr wird vorliegend auf Fr. 2'500.- - festgesetzt. Diese ist
zusammen mit den Kanzleiauslagen unter solidarischer Haftung den
Beschwerdeführern, nämlich B._, C._, D._, E._,
F._, G._, H._, I._, J._ und K._ aufzuerlegen.
Bund, Kantone und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel
keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen, besteht vorliegend
bezüglich der Beschwerdegegnerin 1 kein Anlass.
- 15 -
Da die nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdegegner 2 keine
Stellungnahmen eingereicht und auch keine Entschädigungsansprüche
geltend gemacht haben, haben sie keinen Anspruch auf
Parteientschädigung.