Decision ID: e8b1d4a8-d948-514b-8c4a-12337ab80d6f
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog Ergänzungsleistungen zu einer Viertelsrente der Invalidenversicherung
(act. G 4.1.74). Nachdem sie im Dezember 2013 um eine Neuberechnung der jährlichen
Ergänzungsleistung ohne Berücksichtigung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
ersucht (act. G 4.1.66) und mittels erfolgloser Stellenbemühungen nachgewiesen hatte,
dass sie unverschuldet arbeitslos war (vgl. act. G 4.1.51), wurde die
Ergänzungsleistung mit einer Verfügung vom 28. April 2014 rückwirkend per 1.
Dezember 2013 entsprechend erhöht (act. G 4.1.38).
A.b Im Oktober 2014 forderte die EL-Durchführungsstelle die EL-Bezügerin auf,
Nachweise ihrer Arbeitsbemühungen im Zeitraum von Juli bis September 2014
einzureichen (act. G 4.1.13). Am 5. November 2014 antwortete die EL-Bezügerin (act. G
4.1.10–1), sie sei altersbedingt nicht mehr in der Lage, im Gastgewerbe oder als
Putzfrau zu arbeiten. Sie habe sich für einen Kurs als Lebensberaterin angemeldet,
doch sei noch ungewiss, ob dieser Kurs stattfinden werde. Ihr Hausarzt Dr. med. B._
hatte ihr am 22. Oktober 2014 ein ärztliches Zeugnis ausgestellt, wonach sie infolge
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einer instabilen kardialen Problematik seit April 2014 nicht mehr in der Lage gewesen
sei, nach Arbeit zu suchen; seit Juli 2014 sei sie arbeitsunfähig gewesen (act. G 4.1.10–
2). Nachdem die EL-Durchführungsstelle bei der IV-Stelle einen Bericht eingeholt hatte,
verfügte sie am 10. Januar 2015 eine Herabsetzung der Ergänzungsleistung per 1.
Februar 2015 infolge der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens (act.
G 4.1.2).
A.c Gegen diese Verfügung liess die nun anwaltlich vertretene EL-Bezügerin am 16.
Februar 2015 eine Einsprache erheben (act. G 4.2.81). Ihr Rechtsvertreter machte
geltend, der Bericht der IV-Stelle sei nicht mehr aktuell gewesen und ohnehin nicht
massgebend, da im EL-Verfahren nicht der im IV-Verfahren massgebende allgemeine
und ausgeglichene, sondern vielmehr der tatsächliche Arbeitsmarkt relevant sei. Die
EL-Bezügerin sei gesundheitlich stark angeschlagen, 59 Jahre alt, Ausländerin mit
schlechten Deutschkenntnissen, schlechter Schulbildung, ohne Berufsausbildung, mit
einer einseitigen Berufserfahrung und seit Jahren arbeitslos. Realistischerweise werde
sie keine Arbeitsstelle mehr finden. Der Rechtsvertreter ersuchte nicht nur um die
Aufhebung der angefochtenen Verfügung, sondern auch um die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung. Am 19. Mai 2015 forderte die EL-
Durchführungsstelle ihn auf, einen Bericht betreffend die vom Hausarzt erwähnte
invasive Abklärung und einen Verlaufsbericht für die Zeit von April 2014 bis April 2015
einzureichen (act. G 4.2.75). Am 24. Juni 2015 erstattete Dr. B._ einen
entsprechenden Bericht, dem er einen Bericht der Klinik für Allgemeine Innere Medizin
des Kantonsspitals St. Gallen vom 15. Oktober 2014 und einen Bericht der
Kardiologiepraxis C._ vom 2. April 2014 beilegte (act. G 4.2.62). Er wies darauf hin,
dass die dringend empfohlene invasive Abklärung noch nicht stattgefunden habe, weil
nur schon der Gedanke daran bei der EL-Bezügerin panikartige Angstzustände
verursacht habe. Ausserdem habe diese zu Beginn des Jahres 2015 den Hausarzt
gewechselt. Der Rechtsvertreter der EL-Bezügerin forderte den neuen Hausarzt Dr.
med. D._ Ende Juni 2015 auf, einen Bericht zu erstatten (vgl. act. G 4.2.61–1). Dieser
kam der Aufforderung am 11. September 2015 nach (act. G 4.2.52).
A.d Im Dezember 2015 vollendete die EL-Bezügerin ihr 60. Altersjahr, womit die
Voraussetzungen des Art. 14a ELV für die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens nicht mehr erfüllt waren. Mit einer Verfügung vom 3. Dezember
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2015 erhöhte die EL-Durchführungsstelle deshalb die Ergänzungsleistung per 1. Januar
2016 entsprechend (act. G 4.2.36). Mit einer weiteren Verfügung vom 11. Dezember
2015 berechnete sie die Ergänzungsleistung für die Zeit vom 1. Februar 2015 bis zum
31. Dezember 2015 ebenfalls ohne die Berücksichtigung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens neu (act. G 4.2.29). Am 11. Januar 2016 teilte die EL-
Durchführungsstelle der EL-Bezügerin mit (act. G 4.2.22), dass sie angesichts der
Verfügungen vom 3. und 11. Dezember 2015 von einer Gegenstandslosigkeit des
Einspracheverfahrens ausgehe. Bezüglich der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung
für das Einspracheverfahren werde sie einen Einspracheentscheid erlassen. Die EL-
Bezügerin erklärte sich am 13. Januar 2016 mit diesem Vorgehen grundsätzlich
einverstanden, liess aber darauf hinweisen, dass sie keinen Anspruch auf eine
unentgeltliche Rechtsverbeiständung, sondern vielmehr einen Anspruch auf eine
Parteientschädigung habe (act. G 4.2.18). Mit einem Entscheid vom 2. Februar 2016
wies die EL-Durchführungsstelle das Gesuch um eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung respektive um eine Parteientschädigung für das
Einspracheverfahren ab, indem sie die Einsprache abwies, soweit diese nicht bereits
gegenstandslos geworden war (act. G 4.2.12). Zur Begründung führte sie aus, eine
anwaltliche Vertretung im Einspracheverfahren sei nicht notwendig gewesen, da sich
keine schwierigen rechtlichen oder tatsächlichen Fragen gestellt hätten.
B.
B.a Dagegen liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) am 7. März
2016 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Zusprache einer Parteientschädigung für das Einspracheverfahren. Zur Begründung
führte er aus, die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe
sich im Einspracheverfahren völlig passiv verhalten. Sie habe versucht, ihre
Untersuchungspflicht auf die Beschwerdeführerin abzuwälzen, indem sie diese
aufgefordert habe, medizinische Berichte einzureichen. Die Einholung jener Berichte sei
aufwendig gewesen, weil die Ärzte mehrfach zur Berichterstattung hätten aufgefordert
werden müssen. „Plötzlich und unerwartet“ seien dann im Dezember 2015 zwei
Verfügungen eingetroffen, mit denen die Beschwerdegegnerin dann doch wieder von
der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens abgesehen habe. Die
einspracheweise angefochtene Verfügung habe keine nachvollziehbare Begründung für
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die Anrechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens erhalten. Die Procap habe
eine Vertretung der Beschwerdeführerin aus Kapazitätsgründen ablehnen müssen. Das
Bundesgericht habe in einem Urteil vom Februar 2008 festgehalten, dass die
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens vertiefte juristische Kenntnisse
erfordere, weil die Thematik im Gesetz nicht abschliessend geregelt sei. Das belege die
Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 16. März 2016 unter Hinweis auf den
angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 25. April 2016 an ihrem Antrag festhalten (act. G
7). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).
B.d Am 7. Juni 2016 bewilligte die verfahrensleitende Richterin das Gesuch der
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren (act.
G 10 und 11).

Erwägungen
1.
Da sich die vorliegende Beschwerde nur gegen die Verweigerung einer
Parteientschädigung für das Einspracheverfahren und nicht auch gegen die
Abschreibung des Einspracheverfahrens wegen einer Gegenstandslosigkeit im
Hauptpunkt richtet, beschränkt sich der Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens auf
die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine Parteientschädigung für
das Einspracheverfahren hat.
2.
2.1 Für das Einspracheverfahren werden gemäss dem Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG in
der Regel keine Parteientschädigungen ausgerichtet. Der Grundsatz lautet also, dass
im Einspracheverfahren kein Anspruch auf eine Parteientschädigung entsteht. Mit der
einschränkenden Wendung „in der Regel“ hat der Gesetzgeber diesen Grundsatz aber
relativiert, denn diese lässt Ausnahmen von der Regel zu. Dem Wortlaut des Art. 52
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Abs. 3 Satz 2 ATSG lässt sich zwar nicht entnehmen, wann eine solche Ausnahme
vorliegt. Aus den Materialien geht allerdings hervor, dass der Gesetzgeber einen ganz
bestimmten Ausnahmefall vor Augen gehabt hat: Die Kommission des Nationalrates für
soziale Sicherheit und Gesundheit hat nämlich in ihrem Bericht vom 26. März 1999
festgehalten (Sonderdruck, S. 90), wenn einer versicherten Person eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung (vgl. Art. 37 Abs. 4 ATSG) bewilligt worden sei und wenn diese
dann im Einspracheverfahren obsiege, müsse anstelle der Entschädigung für die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung eine Parteientschädigung ausgerichtet werden.
Offenbar ist die Kommission des Nationalrates für soziale Sicherheit und Gesundheit
davon ausgegangen, dass eine Entschädigung für eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung dahinfalle, wenn die versicherte Person im Einspracheverfahren
obsiege, weshalb sie es als notwendig erachtet hat, der versicherten Person einen
Entschädigungsanspruch zu verschaffen, der an die Stelle der dahinfallenden
Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung treten könne. Allerdings ist
nicht einzusehen, weshalb ein Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung
bei einem Obsiegen im Einspracheverfahren dahinfallen sollte, denn er hängt nicht vom
Ausgang des Einspracheverfahrens ab. Auch eine obsiegende versicherte Person kann
also einen Anspruch auf eine Entschädigung für eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung haben. Im Zivilprozess wird der obsiegenden Partei, der die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung bewilligt worden war, sogar in der Regel jene
Entschädigung statt einer Parteientschädigung ausgerichtet, wenn davon auszugehen
ist, dass eine Parteientschädigung uneinbringlich sein könnte (vgl. Art. 122 Abs. 2
ZPO). Die Annahme des historischen Gesetzgebers, die Ausnahme von der Regel,
wonach keine Parteientschädigungen für das Einspracheverfahren ausgerichtet
würden, werde benötigt, um eine dahinfallende Entschädigung für eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung zu ersetzen, erweist sich insofern als ein Irrtum.
2.2 Damit stellt sich die Frage, ob es die Ausnahme von der Regel, wonach im
Einspracheverfahren keine Parteientschädigungen ausgerichtet werden, überhaupt
braucht. Schliesslich könnte der versicherten Person auch im Falle eines Obsiegens
einfach die Entschädigung für die unentgeltliche Rechtsverbeiständung ausgerichtet
werden. Nun setzt der Anspruch auf eine unentgeltliche Rechtsverbeiständung aber
nicht nur voraus, dass die versicherte Person bedürftig, das heisst nicht in der Lage ist,
die Kosten für einen Rechtsvertreter aus den eigenen Mitteln zu bezahlen, und dass die
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Einsprache nicht aussichtslos ist (Art. 55 Abs. 1 ATSG i.V.m. Art. 65 Abs. 1 VwVG).
Darüber hinaus muss die Rechtsverbeiständung auch erforderlich sein (Art. 37 Abs. 4
ATSG), was der Fall ist, wenn sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen
stellen, die es der versicherten Person verunmöglichen, ihre Rechte ohne die Hilfe
eines Rechtsanwaltes zu wahren (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015,
Art. 37 N 35 ff., mit zahlreichen Hinweisen). Bei der Prüfung der Erforderlichkeit der
anwaltlichen Vertretung wird ein strenger Massstab angelegt (vgl. KIESER, a.a.O., mit
Hinweisen auf die Materialien). Nach der Konzeption des Gesetzgebers bildet die
Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung die Ausnahme. In der Regel ist eine
anwaltliche Vertretung nach Ansicht des Gesetzgebers also nicht erforderlich. Das
erklärt auch die Regel des Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG, wonach für das
Einspracheverfahren grundsätzlich keine Parteientschädigungen auszurichten seien.
Wenn nämlich eine anwaltliche Vertretung in der Regel nicht erforderlich ist, dann sind
die Kosten für eine trotzdem beigezogene anwaltliche Vertretung „unnötig“, weshalb
sie nicht vom Versicherungsträger übernommen werden sollen. Auch im kantonalen
Beschwerdeverfahren, in dem – anders als im Einspracheverfahren – in aller Regel eine
Parteientschädigung zuzusprechen ist, darf bei der Bemessung der
Parteientschädigung nur der notwendige Vertretungsaufwand berücksichtigt werden.
Der Grundsatz des Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG besagt also nichts anderes, als dass im
Einspracheverfahren in aller Regel keine anwaltliche Vertretung notwendig sei. Dieser
Grundsatz kann aber nicht zutreffen, wenn eine anwaltliche Vertretung im Sinne des
Art. 37 Abs. 4 ATSG erforderlich ist, denn es wäre widersprüchlich, die Erforderlichkeit
einer anwaltlichen Vertretung zu bejahen, diese aber gleichzeitig als nicht notwendig zu
qualifizieren. Wann immer die Voraussetzung des Art. 37 Abs. 4 ATSG erfüllt ist, muss
also ein Ausnahmefall im Sinne des Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG vorliegen. Die
Beurteilung der Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung mit zweierlei Mass wäre
verfassungswidrig, weil sie das Gleichbehandlungsgebot verletzen würde. Bei der
Anwendung des Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG darf also kein strengerer Massstab als bei
der Anwendung des Art. 37 Abs. 4 ATSG angelegt werden. Folglich muss für die
Beantwortung der Frage, ob ein Ausnahmefall im Sinne des Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG
vorliege, geprüft werden, ob eine anwaltliche Vertretung im Sinne des Art. 37 Abs. 4
ATSG erforderlich sei. Die Bedürftigkeit der versicherten Person spielt dabei keine
Rolle, denn sie ist kein sachliches Kriterium zur Beantwortung dieser Frage. Würde die
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bedürftige Person diesbezüglich anders als die nicht bedürftige Person behandelt,
würde das Rechtsgleichheitsgebot verletzt, weil Gleiches nicht nach Massgabe seiner
Gleichheit gleich, sondern aufgrund eines nicht massgebenden Kriteriums ungleich
behandelt würde. Daraus folgt, dass eine nicht bedürftige Person, die trotz der
Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung im Sinne des Art. 37 Abs. 4 ATSG
mangels einer Bedürftigkeit keinen Anspruch auf eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung hat, im Falle eines Obsiegens eine Parteientschädigung erhalten
muss. Auch wenn der Gesetzgeber offenbar nicht daran gedacht hat und auch wenn
das Bundesgericht bislang die Zulässigkeit der Zusprache einer Parteientschädigung
ohne eine vorgängige Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung bislang
nicht definitiv bejaht hat (vgl. BGE 130 V 570), zwingt eine verfassungskonforme
Auslegung des Art. 52 Abs. 3 Satz 2 ATSG dazu, einer nicht bedürftigen Person im
Falle der Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung im Sinne des Art. 37 Abs. 4
ATSG eine Parteientschädigung auszurichten. Damit erweist sich die Ausnahme im Art.
52 Abs. 3 Satz 2 ATSG als unverzichtbar.
2.3 Die Verfügung vom 10. Januar 2015, mit der die Beschwerdegegnerin die
Ergänzungsleistung per 1. Februar 2015 zufolge der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens herabgesetzt hat, hat eine detaillierte Begründung enthalten.
Dieser hat sich für jedermann verständlich entnehmen lassen, dass die
Beschwerdegegnerin davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdeführerin die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit ausserhalb des Bereichs zumutbar sei, in dem sie
bislang tätig gewesen war respektive nach Arbeitsstellen Ausschau gehalten hatte.
Entgegen der Behauptung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin kann diese
Verfügung die Beschwerdeführerin nicht „plötzlich und unerwartet“ oder
„überraschend“ getroffen haben, denn die Beschwerdegegnerin hatte sich bereits im
Herbst 2014 nach den Arbeitsbemühungen der Beschwerdeführerin erkundigt,
woraufhin diese sich von ihrem Hausarzt ein Attest hatte ausstellen lassen und in einer
handschriftlich verfassten Stellungnahme zusätzlich dargelegt hatte, sie sei
altersbedingt nicht mehr in der Lage, eine Arbeitsstelle im Gastgewerbe oder als
Putzfrau anzunehmen. Der Beschwerdeführerin muss also bewusst gewesen sein, dass
die Anrechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens die Reaktion darauf gewesen
ist, dass sie keine Arbeitsbemühungen hatte nachweisen können. Da eine Einsprache
nur minimalsten formalen Anforderungen genügen muss (vgl. etwa den Entscheid EL
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2015/14 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 21. September 2016, E. 3.3, mit
zahlreichen Hinweisen), wäre die Beschwerdeführerin ohne weiteres in der Lage
gewesen, ohne die Hilfe eines Rechtsanwaltes eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 10. Januar 2015 zu erheben. Auch im Einspracheverfahren selbst wäre die
Beschwerdeführerin nicht auf eine anwaltliche Vertretung angewiesen gewesen, denn
entweder hätte sie erfolglose Arbeitsbemühungen einreichen müssen, wozu sie selbst
in der Lage gewesen wäre, oder sie hätte mittels medizinischen Berichten nachweisen
müssen, dass sie gar nicht arbeitsfähig gewesen ist. Auch diese Berichte hätte sie
selbst besorgen können, wie ja auch ihre Eingabe vom 5. November 2014 beweist. Ihr
Rechtsvertreter hat jedoch völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass die
Beschwerdegegnerin ihre Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) nicht auf die
Beschwerdeführerin hätte abwälzen dürfen. Die Sachverhaltsabklärung ist im
Sozialversicherungsverfahren nämlich die Aufgabe der Verwaltung. Daran lässt der Art.
43 Abs. 1 ATSG keinen Zweifel. Auch wenn das ATSG neben dieser
Untersuchungspflicht eine Mitwirkungspflicht der versicherten Person vorsieht (Art. 28
ATSG), bedeutet dies nicht, dass sich die Verwaltung einfach ohne weiteres ihrer
Pflicht entledigen könnte, wie sie dies vorliegend getan hat. Die Mitwirkungspflicht
ergänzt nämlich die Untersuchungspflicht nur und ersetzt sie nicht. Sie wird nur für die
Tatsachen benötigt, die ausschliesslich die versicherte Person belegen kann. Mit
anderen Worten kann die versicherte Person nur dort in die Pflicht genommen werden,
wo ein Beweis ohne ihre Mitwirkung nicht erbracht werden kann. Alle Beweise, die die
Verwaltung ohne die Mithilfe der versicherten Person erheben kann, hat sie in Erfüllung
ihrer Untersuchungspflicht auch selbst zu erheben. Nun verhindert zwar das
Arztgeheimnis die Einholung von medizinischen Berichten ohne eine
Entbindungserklärung der versicherten Person, was die Verwaltung zur Auffassung
verleiten könnte, die versicherte Person zur Einreichung von Arztberichten anzuhalten.
Der Art. 28 Abs. 3 ATSG sieht aber eine andere Vorgehensweise vor, nämlich die
Entbindung der behandelnden Ärzte gegenüber der Verwaltung. Die
Beschwerdegegnerin hätte vorliegend also nicht die Beschwerdeführerin damit
beauftragen dürfen, die Berichte der behandelnden Ärzte einzureichen. Vielmehr hätte
sie die Beschwerdeführerin auffordern müssen, eine Entbindungserklärung zu
unterzeichnen. Anschliessend hätte sie selbst die benötigten medizinischen Berichte
einholen müssen. Insofern erweist sich das Vorgehen der Beschwerdegegnerin im
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Einspracheverfahren als rechtswidrig. Daraus kann aber nicht ohne Weiteres die
Notwendigkeit einer anwaltlichen Vertretung abgeleitet werden. Es besteht nämlich
kein Anlass zur Annahme, dass die Beschwerdeführerin zur Erfüllung der
unzulässigerweise auf sie abgewälzten Sachverhaltsabklärungspflicht auf die Hilfe
eines Rechtsanwaltes angewiesen gewesen wäre. Sie hatte ja bereits vor der
Beauftragung ihres Rechtsvertreters und vor dem Erlass der dann einspracheweise
angefochtenen Verfügung versucht, mit einem ärztlichen Attest eine Arbeitsunfähigkeit
zu belegen, was zeigt, dass sie in der Lage gewesen ist, sich selbst zu wehren.
Gestützt auf die Angaben im Arztzeugnis hat die Beschwerdegegnerin dann zusätzlich
ganz gezielt weitere Berichte anfordern können. Weshalb die Beschwerdeführerin nicht
in der Lage gewesen sein sollte, diese spezifisch angeforderten Berichte ohne die Hilfe
eines Anwaltes einzureichen, ist weder ersichtlich noch von ihrem Rechtsvertreter
überzeugend dargelegt worden. Zusammenfassend ist also kein Grund ersichtlich,
weshalb die Beschwerdeführerin zur Erhebung einer Einsprache gegen die Verfügung
vom 10. Januar 2015 oder zum Einreichen der medizinischen Berichte auf eine
anwaltliche Vertretung angewiesen gewesen sein sollte. Schliesslich belegen auch die
internen Notizen vom November und Dezember 2014 (act. G 4.1.4), dass der
Beschwerdegegnerin die übrigen Gesichtspunkte (fortgeschrittenes Alter und längere
Arbeitslosigkeit) bereits bekannt gewesen sind, bevor die Beschwerdeführerin einen
Rechtsanwalt beigezogen hat. Das St. Galler Versicherungsgericht hat bereits in
ähnlich gelagerten Fällen entschieden, dass ein Streit um die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens noch nicht per se eine anwaltliche Vertretung als
notwendig erscheinen lasse. In einem Fall, in dem sich keine besonderen Probleme
gestellt hatten, ist eine Beschwerde gegen die Verweigerung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren abgewiesen worden (EL 2014/53
vom 26. September 2016). Im Entscheid EL 2014/39 vom 29. Januar 2016 ist die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung für das Einspracheverfahren bewilligt worden,
weil die EL-Durchführungsstelle ihre Abklärungspflicht in grober Weise verletzt hatte. In
einem anderen Fall ist die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für
das Einspracheverfahren nicht allein mit der Komplexität der Frage nach der
Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens, sondern primär wegen einer
ungewöhnlich komplexen Verfahrenssituation begründet worden (EL 2014/2 vom 29.
Juli 2015). Hier liegen keine solche erschwerenden Umstände vor. Gesamthaft ist die
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Erforderlichkeit einer anwaltlichen Vertretung im Sinne des Art. 37 Abs. 4 ATSG
vorliegend also zu verneinen, weshalb die Beschwerdeführerin weder einen Anspruch
auf eine Parteientschädigung noch auf eine Entschädigung für eine unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren haben kann.
3.
3.1 Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Eine Verfahrenskonstellation, die das
Bundesgericht veranlassen könnte, dieses Urteil als einen nicht selbständig
anfechtbaren Zwischenentscheid zu qualifizieren (vgl. zur Problematik TOBIAS BOLT,
Unentgeltliche Rechtsverbeiständung im kantonalen Verfahren, in:
Sozialversicherungsrechtstagung 2015, S. 43 ff.), liegt hier nicht vor, da die
Beschwerdegegnerin mit dem angefochtenen Einspracheentscheid auch das
Hauptverfahren abgeschlossen hat. Ein Hinweis, dass das Bundesgericht allenfalls auf
eine Beschwerde gegen dieses Urteil nicht eintreten würde, erübrigt sich daher.
3.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Die unterliegende
Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Zufolge der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren
hat der Staat aber ihrem Rechtsvertreter eine Entschädigung auszurichten, die 80
Prozent des notwendigen Vertretungsaufwandes entspricht (Art. 31 Abs. 3 AnwG).
Angesichts der isolierten Rechtsfrage und des Umstandes, dass in diesem
Zusammenhang nur verhältnismässig wenige Akten zu studieren gewesen sind, ist von
einem deutlich unterdurchschnittlichen Vertretungsaufwand auszugehen, weshalb die
Entschädigung auf 80 Prozent von 1’000 Franken, also auf 800 Franken, festgesetzt
wird. Sollten es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse dereinst gestatten, wird die
Beschwerdeführerin zur Rückerstattung dieser Entschädigung verpflichtet werden
können (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 123 ZPO).