Decision ID: f721f3f2-8805-4983-ab29-a18fa7363942
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb den Führerausweis der Kategorie B am 30. Januar 2004. Wegen
Nichteinhaltens eines ungenügenden Abstands wurde ihm der Ausweis mit Verfügung
des Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamts des Kantons St. Gallen (nachfolgend:
Strassenverkehrsamt) vom 29. März 2012 für einen Monat entzogen (mittelschwere
Widerhandlung). Am 12. Juni 2014 wurde ein Führerausweisentzug für sechs Monate
ausgesprochen, da X am 22. April 2014 ein Fahrzeug unter Drogeneinfluss (Cannabis)
gelenkt hatte (schwere Widerhandlung). Am 17. Mai 2016 war er erneut in
fahrunfähigem Zustand (Cannabis) unterwegs, worauf die Fahreignung
verkehrsmedizinisch abgeklärt wurde. Mit Verfügung vom 14. März 2017 wurden der
Führerausweis für zwölf Monate entzogen (schwere Widerhandlung) und
Abstinenzauflagen angeordnet. Am 1. Oktober 2018 wurde die
Cannabisabstinenzauflage wieder aufgehoben.
B.- Am Samstag, 22. Juni 2019, um 20.40 Uhr, war X mit einem Personenwagen auf
der Autobahn A7 von Winterthur in Richtung Frauenfeld unterwegs. Es regnete und die
Fahrbahn war nass. Gemäss eigenen Angaben fuhr er plötzlich in eine Regenwand
hinein, das Fahrzeug brach aus und kollidierte mit der rechten Leitplanke. Am Fahrzeug
und an der Leitplanke entstand erheblicher Sachschaden.
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Am 15. August 2019 gewährte das Strassenverkehrsamt X das rechtliche Gehör zum in
Aussicht gestellten Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit, mindestens aber für
24 Monate, und entzog ihm gleichzeitig den Führerausweis vorsorglich ab sofort. Mit
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 1. November
2019 wurde das Strafverfahren gegen X wegen einfacher Verkehrsregelverletzung
eingestellt. Das Strassenverkehrsamt zog in der Folge die vollständigen Strafakten bei,
verfügte anschliessend am 15. Januar 2020 gegenüber X einen Führerausweisentzug
auf unbestimmte Zeit (mindestens aber für zwei Jahre ab dem 15. August 2019) und
entzog einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung.
C.- Dagegen erhob X am 24. Januar 2020 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er stellte die Anträge, die
vorinstanzliche Verfügung vom 15. Januar 2020 sei aufzuheben, dem Rekurs die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und es sei eine mündliche Verhandlung
durchzuführen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt
verzichtete mit Schreiben vom 10. Februar 2020 auf eine Vernehmlassung.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 19. März 2020 reichte der Rekurrent eine
Stellungnahme sowie Akten zur persönlichen Betroffenheit durch den Selbstunfall vom
22. Juni 2019 ein. Mit Verfügung vom 23. März 2020 wies der Verfahrensleiter das
Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab. Die Kosten von Fr. 200.–
verblieben bei der Hauptsache (Verfahren ZV-2020/13). Auf die Ausführungen im
Rekurs und in der Stellungnahme vom 19. März 2020 wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 24. Januar 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
bis
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b) Nicht näher einzugehen ist auf die Ausführungen des Rekurrenten, wonach die Vor
instanz ihm den Führerausweis vorsorglich entzogen habe, ohne den Abschluss des
Strafverfahrens abzuwarten. Der Rekurrent hatte die Möglichkeit, den mit Verfügung
vom 15. August 2019 ausgesprochenen vorsorglichen Führerausweisentzug
anzufechten, was er jedoch nicht getan hat. Die Rechtmässigkeit jener Verfügung ist
daher nicht weiter zu prüfen.
2.- a) Der Rekurrent beantragt eine mündliche Verhandlung. Eine solche sei zur
Wahrung seiner Parteirechte nötig. Das Gericht könne sich durch eine persönliche
Befragung eine bessere Vorstellung vom Sachverhalt, insbesondere vom
Unfallhergang, machen.
b) Nach der Rechtsprechung verleiht der Sicherungsentzug grundsätzlich keinen
Anspruch auf eine öffentliche mündliche Verhandlung, ausser wenn der Führerausweis
unbedingt zur Berufsausübung notwendig ist und somit zivilrechtliche Ansprüche und
Verpflichtungen im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der
Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt: EMRK) zur Disposition
stehen (Urteil des Bundesgerichts [BGer] 1C_520/2016 vom 16. Februar 2017 E. 3.2
mit Hinweis auf BGE 122 II 464 E. 3b und c). Der Sicherungsentzug ist – anders als der
Warnungsentzug – kein Entscheid über die Stichhaltigkeit einer strafrechtlichen
Anklage im Sinn von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (vgl. BGE 133 II 331 E. 4.2 mit Hinweisen zur
Rechtsprechung).
c) Da es sich beim Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit gestützt auf Art. 16b
Abs. 2 lit. e des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) um einen
Sicherungsentzug handelt (vgl. E. 6b) und der Rekurrent nicht Berufschauffeur ist,
besteht kein Anspruch auf eine mündliche Verhandlung. Hinzu kommt, dass die
Durchführung einer solchen zur Wahrung der Parteirechte weder notwendig noch
zweckmässig erscheint (vgl. Art. 55 Abs. 1 VRP). Namentlich wurden der Selbstunfall
von der Polizei dokumentiert und der Rekurrent sowie sein Bruder polizeilich befragt.
Es ist nicht ersichtlich, welche zusätzlichen Erkenntnisse die beantragte Befragung des
Polizisten und der beiden Brüder sich ergeben sollten. Die entsprechenden
Beweisanträge sind dementsprechend abzuweisen.
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3.- a) In formeller Hinsicht rügt der Rekurrent, die Vorinstanz habe gegen seine
Verfahrensrechte verstossen, indem sie im Schreiben vom 18. September 2019 zuerst
ausdrücklich festgehalten habe, sie werde auf den Strafentscheid abstellen,
anschliessend jedoch trotz rechtskräftiger Einstellungsverfügung eine
Administrativmassnahme verfügt habe. Nach dem voreilig verfügten vorsorglichen
Führerausweisentzug sei sie von ihrer vorgefassten Meinung nicht mehr abgerückt.
b) Die Verwaltungsbehörden dürfen sich gegenüber Privaten nicht widersprüchlich
verhalten. Sie dürfen insbesondere nicht einen in einer bestimmten Angelegenheit
eingenommenen Standpunkt ohne sachlichen Grund wechseln. Widersprüchliches
Verhalten der Verwaltungsbehörden verstösst gegen den in Art. 5 Abs. 3 der
Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) verankerten Grundsatz von Treu und
Glauben (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016,
Rz 1071). Der in Art. 29 Abs. 2 BV verankerte Anspruch auf rechtliches Gehör ist das
Recht des Privaten, in einem vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten
Verfahren mit seinen Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten
und zu den für die Entscheidfindung wesentlichen Punkten vorgängig Stellung nehmen
zu können.
c) Nach Erhalt des Polizeirapports eröffnete die Vorinstanz gegenüber dem
Rekurrenten ein Administrativmassnahmeverfahren. Mit Schreiben vom 15. August
2019 gewährte sie ihm das rechtliche Gehör im Hinblick auf den Entzug des
Führerausweises auf unbestimmte Zeit, mindestens aber für 24 Monate, und entzog
ihm den Führerausweis zudem vorsorglich ab sofort. Nach Eingang der Stellungnahme
der Rechtsschutzversicherung, worin eine Verwarnung und die sofortige Aushändigung
des Führerausweises beantragt wurden, teilte die Vorinstanz mit Schreiben vom
18. September 2019 mit, sie werde den rechtskräftigen Ausgang des Strafverfahrens
abwarten und anschliessend über das weitere Vorgehen informieren. Dabei werde
wesentlich auf diesen Entscheid abgestellt, da dem Rekurrenten im Strafverfahren
umfassende Verteidigungsrechte zur Verfügung stünden (act. 8/108). Nachdem die
Einstellungsverfügung am 1. November 2019 ergangen und rechtskräftig geworden
war, ersuchte die Rechtsschutzversicherung im Namen des Rekurrenten um Verzicht
auf jegliche Administrativmassnahme sowie sofortige Herausgabe des
Führerausweises. Mit Schreiben vom 18. November 2019 setzte die Vorinstanz den
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Rekurrenten davon in Kenntnis, dass beabsichtigt sei, auf den erstellten Sachverhalt
zum Vorfall vom 22. Juni 2019, nicht aber auf die rechtliche Würdigung abzustellen. Es
würden die Strafakten beigezogen. Dem Antrag auf Aufhebung des vorsorglichen
Führerausweisentzugs wurde nicht entsprochen (act. 8/114). Nach Eingang und
Prüfung der Strafakten verfügte die Vorinstanz, wie zu Beginn des
Massnahmeverfahrens in Aussicht gestellt, den Entzug des Führerausweises auf
unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre.
Die Mitteilung der Vorinstanz vom 18. September 2019, dass sie wesentlich auf den
rechtskräftigen Strafentscheid abstellen werde, stellte keine verbindliche Zusage an
den Rekurrenten dar. Mit einer Einstellung des Strafverfahrens musste sie aufgrund des
Polizeirapports im Übrigen nicht rechnen. Diese stellte deshalb einen sachlichen Grund
für den Wechsel ihrer mit Schreiben vom 18. September 2019 geäusserten Absicht dar.
Ein widersprüchliches Verhalten der Vorinstanz liegt nicht vor, zumal der letztlich
verfügte Ausweisentzug der ursprünglich angedrohten Massnahme entsprach und die
Vorinstanz den Rekurrenten nach Sichtung der Strafakten wissen liess, dass auf die
rechtliche Würdigung gemäss Strafbefehl nicht abgestellt werde.
4.- a) Vorerst ist zu klären, von welchem Sachverhalt auszugehen ist. Nach ständiger
Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen Feststellungen im
Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde
legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie
zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, oder
wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar
widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen Beweise erhoben, hat sie sich
grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu halten) oder schliesslich wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c). Die Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf
die Tatsachen im Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren
ergangen ist. Die Bindungswirkung an die Sachverhaltsdarstellung besteht aber auch
dann, wenn die Strafsache mit einem Strafbefehl erledigt wurde, welcher sich
ausschliesslich auf den Polizeirapport stützt, sofern der Betroffene wusste oder
angesichts der Schwere der ihm angelasteten Übertretung voraussehen musste, dass
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gegen ihn auch ein Verfahren wegen Führerausweisentzugs eingeleitet wird oder er
darüber informiert worden ist, und er es im Rahmen des summarischen Strafverfahrens
unterlassen hat, seine Verteidigungsrechte wahrzunehmen. Unter diesen Umständen
darf er nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und
Beweisanträge zu stellen (BGer 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015 E. 2.3; BGE 123 II 97
E. 3c/aa).
b) Gemäss rechtskräftiger Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/
Unterland vom 1. November 2019 konnte der genaue Ablauf des Unfalls vom 22. Juni
2019 mangels feststellbarer Spuren infolge starken Gewitterregens nicht mehr erstellt
werden. Es wurde ausgeführt, die Aussagen des Rekurrenten, wonach er mit stark
reduzierter Geschwindigkeit auf der rechten Fahrspur der Autobahn A7 unterwegs
gewesen, durch die plötzliche Regenwand extrem überrascht worden und wegen der
wassergefüllten Spurrinnen ins Schlingern geraten sei, hätten nicht widerlegt werden
können. Es sei zwar nicht auszuschliessen, dass der Rekurrent sein Fahrzeug mit nicht
an die damaligen Strassenverhältnisse angepasster Geschwindigkeit gelenkt habe, es
könne aber auch von einer überraschungsbedingten Überreaktion mit möglicher
Fehlmanipulation bei anscheinend angepasster Geschwindigkeit ausgegangen werden.
Die Assistenz-Staatsanwältin ging somit von einem Nichtbeherrschen des Fahrzeugs
aus (act. 8/121 f.).
c) Der Rekurrent bestreitet diese Sachverhaltsfeststellung nicht. Im Rekurs führte er
aus, er habe bei angepasster Geschwindigkeit überraschungsbedingt nicht mehr
reagieren können. Von diesem Sachverhalt ist im Folgenden auszugehen.
5.- a) Der Rekurrent bestreitet indessen die rechtliche Würdigung der Vorinstanz,
wonach eine mittelschwere Verkehrsregelverletzung vorliege. Er macht im
Wesentlichen geltend, die Strafbehörde habe ihm höchstens ein leicht fahrlässiges
Verhalten und ein geringes Verschulden vorgeworfen. Nach Prüfung der Sach- und
Rechtslage sei das Verschulden als so gering eingestuft worden, dass eine Bestrafung
nicht angebracht gewesen sei. Er habe sich nicht strafbar gemacht und auch keine
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften begangen. Die Vorinstanz sei
an die rechtliche Würdigung durch den Strafrichter gebunden, da die
Staatsanwaltschaft im Gegensatz zur Administrativmassnahmebehörde mit der
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Befragung des Rekurrenten und des Beifahrers Beweise abgenommen habe. Die
Auffassung der Vorinstanz, wonach das Nichtbeherrschen eines Fahrzeugs auf der
Autobahn immer eine ernstliche Gefahr und damit eine mittelschwere
Verkehrsregelverletzung darstelle, treffe nicht zu. Massgebend seien stets die
Verhältnisse des Einzelfalls. Der Rekurrent habe seine Geschwindigkeit den Umständen
angepasst. Das Fahrzeug sei wenige Meter nach dem ersten Kontakt mit der
Leitplanke zum Stehen gekommen. Dies zeige, dass die gefahrene Geschwindigkeit
moderat gewesen sei, ansonsten das Strafverfahren nicht eingestellt worden wäre.
b) Bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich nicht an das Strafurteil gebunden. Dies gilt unabhängig davon, dass bei
einer Einstellung des Strafverfahrens während dem Vorverfahren die
Unschuldsvermutung gilt (vgl. BSK StGB-Riklin, Vor Art. 52-55, N 37; BSK StPO-
Domeisen, Art. 426 N 8). Eine Ausnahme besteht dann, wenn die rechtliche Beurteilung
sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die der Strafrichter besser kennt
als die Verwaltung, etwa, wenn er den Beschuldigten persönlich einvernommen hat
(BGE 119 Ib 158 E. 3c und 136 II 447 E. 3.1). Die Verwaltungsbehörde hat aber auch
dabei den Grundsatz der Vermeidung widersprüchlicher Urteile gebührend zu
berücksichtigen (BGer 1C_413/2014 vom 30. März 2015 E. 2.2 mit Hinweis auf
1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.3 sowie 1C_746/2013 vom 12. Dezember 2013
E. 3.4; vgl. auch Entscheid der VRK [VRKE] IV-2016/2 vom 4. Juli 2016 E. 3b, im
Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter Rechtsprechung).
Im Strafverfahren wurde erwogen, dass den Rekurrenten der Vorwurf einer einfachen
Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG
(Nichtbeherrschen des Fahrzeugs) treffe, wobei von einem vergleichsweise geringen
Verschulden und einer fahrlässigen Tatbegehung auszugehen sei. Damit ging die
Staatsanwaltschaft von einem strafbaren Verhalten des Rekurrenten aus. Sie stützte
sich dabei auf den Polizeirapport und die polizeilichen Befragungen der Beteiligten im
Anschluss an den Unfall. Eine Einvernahme des Rekurrenten oder seines Beifahrers
durch die Staatsanwaltschaft oder anderweitige Untersuchungshandlungen fanden
entgegen der Auffassung des Rekurrenten nicht statt. Die Vorinstanz stützte ihre
rechtliche Würdigung folglich auf die gleichen Grundlagen wie die
Strafverfolgungsbehörde. Unter diesen Umständen ist die Verwaltungsbehörde und
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somit auch die VRK nicht an die rechtliche Würdigung der Strafverfolgungsbehörde
gebunden.
c) Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b
SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a
SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung
begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG).
Die einfache Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 1 SVG umfasst
administrativmassnahmerechtlich die leichte und die mittelschwere Widerhandlung
gemäss Art. 16a und 16b SVG. Das straf- und das administrativmassnahmerechtliche
Sanktionssystem sind insoweit nicht deckungsgleich. Von der strafrechtlichen Sanktion
kann deshalb nicht immer und ohne Weiteres auf die anzuordnende
Verwaltungsmassnahme geschlossen werden (vgl. VRKE IV-2013/48 vom 29. August
2013 E. 2c; BGer 1C_259/2011 vom 27. September 2011 E. 3.4 und 1C_282/2011 vom
27. September 2011 E. 2.4).
Eine Verkehrsgefährdung liegt vor, wenn die körperliche Integrität einer Person
entweder konkret oder abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird zwischen der einfachen und der erhöhten abstrakten
Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahmen nach sich
(vgl. Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann auszugehen,
wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten betroffen werden
können. Führte hingegen die Missachtung einer Verkehrsregel zur Verletzung eines
Rechtsguts oder einer konkreten beziehungsweise einer erhöhten abstrakten
Gefährdung der körperlichen Integrität, hat dies eine Administrativmassnahme zur
Folge (R. Schaffhauser, Die neuen Administrativmassnahmen des
Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen
2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe
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der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je näher die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder Verletzung liegt, umso schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr
(vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten,
tatsächlich daherkommenden Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die
Gefahr einer Körperverletzung oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe
Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12). Zudem ist das Ausmass der
üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der Rechtsgutverletzung zu
berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November 2011 E. 3b).
d) Gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung
(SR 741.11, abgekürzt: VRV) muss der Führer das Fahrzeug ständig so beherrschen,
dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann. Er muss seine Aufmerksamkeit
der Strasse und dem Verkehr zuwenden und darf beim Fahren keine Verrichtung
vornehmen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert. Ferner hat er dafür zu
sorgen, dass seine Aufmerksamkeit nicht beeinträchtigt wird.
Der Rekurrent verlor auf der Autobahn A7 infolge Aquaplanings die Herrschaft über
seinen Personenwagen. Ein vom Lenker nicht mehr beherrschter Wagen auf
Autobahnen, wo ausschliesslich mit relativ hohen Geschwindigkeiten gefahren wird,
bedeutet immer eine ernstliche Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer. Es besteht vor
allem das Risiko von Auffahrunfällen mit erheblichen Folgen für die Beteiligten (BGer
1C_249/2012 vom 27. März 2013 E. 2.2.4; BGE 120 Ib 312 E. 4c S. 316). Im
vorliegenden Fall verhält es sich nicht anders. Der Verlust der Herrschaft über das nicht
mehr steuerbare Fahrzeug infolge Aquaplanings führte zu einer konkreten Gefährdung
anderer Verkehrsteilnehmer, namentlich des Beifahrers des Rekurrenten. Da das Auto
gemäss eigenen Angaben ins Schlingern geriet und die Sichtverhältnisse wegen des
Regens und der Dämmerung erschwert waren, bestand für nachfolgende Fahrzeuge
zudem eine erhöhte abstrakte Gefährdung. Der hohe Sachschaden am Fahrzeug und
die Beschädigung der Leitplanke zeigen, dass die Kollision erheblich war und durchaus
das Potenzial für Körperverletzungen barg. Mithin lag eine ernstliche Gefahr für die
Sicherheit anderer vor. Dass es zu keinen gravierenderen Unfallfolgen kam, ist
glücklichen Umständen zu verdanken.
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e) Die Gefahr beim Selbstunfall vom 22. Juni 2019 war dementsprechend nicht mehr
gering. Eine leichte Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG liegt somit nicht
vor, da diese kumulativ eine geringe Gefahr und ein leichtes Verschulden voraussetzt
(vgl. BGer 1C_218/2009 vom 26. November 2009 E. 7). Der Grad des Verschuldens
kann unter diesen Umständen offenbleiben. Der Rekurrent beging folglich eine
mittelschwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften gemäss Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG.
6.- a) Zu prüfen bleibt die verfügte Dauer des Führerausweisentzugs. Der Rekurrent
bringt zur Hauptsache vor, der verfassungsmässig garantierte Grundsatz der
Verhältnismässigkeit müsse beachtet werden. Vorliegend gehe es nicht um ein
Raserdelikt, dem eine grobfahrlässige und rücksichtslose Verhaltensweise zugrunde
liege, sondern um einen allenfalls leicht fahrlässigen Selbstunfall aufgrund einer
unerwarteten, massiven Regenwand. Es sei nicht statthaft, sich bei diesem sehr, sehr
leichten Verschulden auf die Kaskade von Art. 16b Abs. 2 SVG zu berufen und einen
mindestens zweijährigen Entzug mit zwingender psychologischer Untersuchung
anzuordnen. Die Vorereignisse liessen keine Rückschlüsse auf eine fehlende
Fahreignung aus charakterlichen Gründen zu. Dabei handle es sich um einen
unbedeutenden Auffahrunfall aus dem Jahr 2012 sowie Fahren unter Cannabiseinfluss
in den Jahren 2014 und 2016 ohne effektive Beeinträchtigung der Fahreignung. Die
Staatsanwaltschaft habe den Rekurrenten für den aktuellen Vorfall freigesprochen.
Daran sei die Vorinstanz gebunden. Die finanziellen Folgen des Selbstunfalls seien für
den Rekurrenten enorm. Im Jahr 2017 habe er sich einen lang ersehnten Wunsch erfüllt
und sich sein Traumauto gekauft. Dazu habe er einen Privatkredit über Fr. 50'000.–
aufgenommen. Der Kaufpreis habe Fr. 69'000.– betragen. Das Fahrzeug sei lediglich
teilkaskoversichert gewesen. Gemäss Schätzungen des Garagisten habe der Schaden
ca. Fr. 40'000.– bis Fr. 45'000.– betragen. Aufgrund des laufenden Kredits mit
monatlichen Raten von Fr. 822.75 sei diese Reparatur für ihn zu teuer gewesen. In
Dubai habe er daher für $ 10'000.– Ersatzteile gekauft und diese in die Schweiz
transportieren lassen, was zwischen Fr. 6'000.– und Fr. 8'000.– koste. In derselben
Höhe würden sich die Kosten für Reparatur, Montage und Lackierung belaufen. Den
Kredit habe er für all diese Kosten im November 2019 um Fr. 25'000.– erhöhen
müssen. Aktuell würden die Kreditschulden Fr. 56'000.– und die monatlichen Raten
Fr. 921.50 betragen, dies bei einem Einkommen von Fr. 78'362.– pro Jahr. Zudem
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unterstütze der Rekurrent seine invalide Mutter seit mehreren Jahren mit Fr. 800.– bis
Fr. 1'000.– pro Monat, da diese hohe Kosten wegen ihres in Kroatien hängigen
Scheidungsverfahrens habe. Der Rekurrent könne folglich die anfallenden Kosten kaum
decken. Die Staatsanwaltschaft sei zu Recht von einer grossen finanziellen
Betroffenheit des Rekurrenten ausgegangen und habe deswegen das Strafverfahren
eingestellt.
b) Motorfahrzeugführer müssen über Fahreignung und Fahrkompetenz verfügen
(Art. 14 Abs. 1 SVG). Über Fahreignung verfügt, wer das Mindestalter erreicht hat
(Art. 14 Abs. 2 lit. a SVG), die erforderliche körperliche und psychische
Leistungsfähigkeit zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen hat (lit. b), frei von einer
Sucht ist, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt (lit. c) und nach
seinem bisherigen Verhalten Gewähr bietet, als Motorfahrzeugführer die Vorschriften zu
beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht zu nehmen (lit. d). Ausweise und
Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Nach einer mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis auf unbestimmte
Zeit, mindestens aber für zwei Jahre, entzogen, wenn in den vorangegangenen zehn
Jahren der Ausweis dreimal wegen mindestens mittelschweren Widerhandlungen
entzogen war; auf diese Massnahme wird verzichtet, wenn die betroffene Person
während mindestens fünf Jahren nach Ablauf eines Ausweisentzugs keine
Widerhandlung, für die eine Administrativmassnahme ausgesprochen wurde, begangen
hat (Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung handelt
es sich beim Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit bei wiederholtem Rückfall
nach Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG oder Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG um einen
Sicherungsentzug, da dieser auf einer unwiderlegbaren gesetzlichen Vermutung der
fehlenden Fahreignung nach Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG beruht (BGE 141 II 220 E. 3.2;
139 II E. 3.4.2). Nach Art. 16 Abs. 3 Satz 2 SVG dürfen die Mindestentzugsdauern nicht
unterschritten werden (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG, 2. Aufl. 2015, Art. 16 N 28
und 32). Dies gilt auch für die infolge mehrfacher Widerhandlungen anzuordnenden
Sicherungsentzüge (BSK SVG-Rütsche, Basel 2014, Art. 16 N 91). Das Gesetz lässt
keinen Spielraum offen; massgebend ist einzig die administrativrechtliche Qualifikation
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der früheren Widerhandlungen, unabhängig von der Art der Vorereignisse und den
damaligen konkreten Umständen.
c) Dem Rekurrenten war der Ausweis in den vergangenen zehn Jahren einmal wegen
einer mittelschweren (Verfügung vom 29. März 2012 [Vollzug: 10. Oktober bis
9. November 2012]) und zweimal wegen einer schweren Widerhandlung (Verfügungen
vom 12. Juni 2014 [Vollzug: 22. April bis 21. Oktober 2014] und 14. März 2017 [Vollzug:
17. Mai 2016 bis 16. Mai 2017]) entzogen. Die aktuelle Verkehrsregelverletzung stellt
eine mittelschwere Widerhandlung dar und ereignete sich etwas mehr als zwei Jahre
nach Ablauf des letzten Ausweisentzugs, womit die Voraussetzungen von Art. 16b
Abs. 2 lit. e SVG für einen Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit (mindestens aber
zwei Jahre) erfüllt sind. Die gemäss Art. 16a bis 16c SVG starren Vorgaben hinsichtlich
der Entzugsmindestdauern dürfen nach der Rechtsprechung nicht unterschritten
werden. Die Verfügung einer milderen Massnahme aus Gründen der
Verhältnismässigkeit kommt daher nicht in Frage.
d) aa) Das Strafverfahren gegen den Rekurrenten wegen einfacher Verletzung der
Verkehrsregeln wurde gestützt auf Art. 54 des Strafgesetzbuchs (SR 311.0, abgekürzt:
StGB) eingestellt. Zur Begründung führte die Staatsanwaltschaft aus, dass angesichts
des geringen Verschuldens, der fahrlässigen Tatbegehung sowie der unmittelbaren
Betroffenheit des Rekurrenten aufgrund des durch sein eigenes Fehlverhalten
entstandenen Sachschadens (gemäss Polizeirapport am Fahrzeug ca. Fr. 40'000.– und
an der Leitplanke Fr. 10'000.–) unangemessen erscheine, den erwähnten Vorwurf
(gemeint ist jener des Nichtbeherrschens des Fahrzeugs) weiterzuverfolgen respektive
ihn wegen seiner Verkehrsregelverletzung zusätzlich zu bestrafen, zumal unter diesen
Umständen die Ausgleichsfunktion der Strafe bereits erfüllt sei. Die Strafbehörde
bejahte ein strafbares Verhalten des Rekurrenten, stellte das Verfahren aber wegen
schwerer Betroffenheit ein. Sie auferlegte die Kosten des Strafverfahrens dem
Rekurrenten, weil er durch sein rechtswidriges und schuldhaftes Verhalten die
Einleitung des Verfahrens bewirkt habe (act. 8/111).
bb) Nach Art. 54 StGB sieht die zuständige Behörde von einer Strafverfolgung, einer
Überweisung an das Gericht oder einer Bestrafung ab, wenn der Täter durch die
unmittelbaren Folgen seiner Tat so schwer betroffen ist, dass eine Strafe
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unangemessen wäre. Unter der Geltung des alten Rechts wendete das Bundesgericht
die schwere Betroffenheit analog der strafgesetzlichen Bestimmung auch auf den
Führerausweisentzug an. Dabei ging es in erster Linie um Fälle, in denen der fehlbare
Lenker infolge einer Widerhandlung selber einen schweren Unfall erlitten oder nahe
Angehörige schwer verletzt hatte. Ob die besagte Rechtsprechung unter dem heute
geltenden Massnahmerecht ebenfalls Gültigkeit hat und damit zu einem Verzicht führen
kann, ist unklar. Immerhin hat das Bundesgericht in einem Urteil aus dem Jahr 2008
ausgeführt, eine analoge Anwendung von Art. 54 StGB sei unter Umständen in
Betracht zu ziehen; dies allerdings nur beiläufig und ohne Konsequenzen auf jenen
Entscheid (BGer 1C_328/2008 vom 25. November 2008 E. 2.5 mit Hinweisen). In der
Lehre wird ein Verzicht auf eine Administrativmassnahme in Ausnahmefällen
befürwortet, wenn die schwere Betroffenheit des fehlbaren Lenkers gewissermassen
die mit einem Warnungsentzug angestrebte erzieherische Funktion übernimmt
(Rütsche, a.a.O., Art. 16 N 95; Weissenberger, a.a.O., Art. 16c N 8). Grädel/Heiniger
(BSK StPO, Art. 319 N 17) sprechen sich mit Hinweis auf Art. 100 Ziff. 1 Abs. 2 SVG
ebenfalls für die Möglichkeiten der Einstellung des Nebenstrafverfahrens und der
Strafbefreiung aus.
cc) Aufgrund der unwiderlegbaren gesetzlichen Vermutung von Art. 16b Abs. 2 lit. e
SVG mangelt es dem Rekurrenten an der charakterlichen Fahreignung, weshalb ihm
gegenüber ein Sicherungs- und kein Warnungsentzug zu verfügen ist. Ein Verzicht auf
die Massnahme kommt daher selbst bei schwerer persönlicher Betroffenheit nicht in
Frage. Aus demselben Grund ist auch eine allfällige berufliche Angewiesenheit auf den
Führerausweis nicht zu berücksichtigen. Von der beantragten Befragung der
Arbeitgeberin ist deshalb abzusehen. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
dd) Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Voraussetzungen von
Art. 54 StGB nach Auffassung der VRK beim Rekurrenten ohnehin nicht gegeben
wären. In Literatur und Rechtsprechung wird kontrovers diskutiert, ob eine
Strafbefreiung bei einem Vermögensschaden überhaupt in Frage komme. Für
diejenigen Autoren, die sich gegen eine Anwendung von Art. 54 StGB bei
Vermögensschäden und Ersatzforderungen aussprechen, sollen nur Wirkungen der Tat
in Frage kommen, die die Persönlichkeit des Täters betroffen haben (BSK StGB-Riklin,
Art. 54 N 33 mit Hinweisen). Die andere, befürwortende Meinung setzt für die
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Anwendbarkeit von Art. 54 StGB voraus, dass der als unmittelbare Folge der Tat
entstandene Vermögensschaden mindestens Fr. 50'000.– betragen und sich derart
auswirken muss, dass dem Täter dadurch langfristig die Finanzkraft abgeschöpft wird
(BSK StGB-Riklin, Art. 54 N 31). Gemäss Polizeirapport betrug der Schaden an der
Leitplanke Fr. 10'000.–. Dieser war durch die Haftpflichtversicherung gedeckt und
belastete den Rekurrenten somit nicht. Den Schaden am Fahrzeug bezifferte die
Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland fälschlicherweise mit Fr. 40'000.–.
Im Polizeirapport, auf den im Strafbefehl verwiesen wird, ist die Höhe des Schadens
am Fahrzeug mit Fr. 30'000.– angegeben (vgl. act. 8/85). In seiner Stellungnahme im
Administrativverfahren bezeichnete der Rekurrent den Schaden am Fahrzeug noch als
geringfügig (act. 8/105). In der Eingabe vom 19. März 2020 wurde davon abweichend
ausgeführt, dass Garagisten den Schaden auf Fr. 40'000.– bis Fr. 45'000.– geschätzt
hätten. Entsprechende Belege dazu wurden nicht eingereicht. Der Nachweis, dass der
Schaden die erforderliche Grenze von mindestens Fr. 50'000.– erreicht hatte, ist damit
nicht erbracht. Im Weiteren fällt auf, dass die geltend gemachte Unterstützung der
Mutter von monatlich rund Fr. 1'000.– weder bei der Berechnung der Kreditfähigkeit
vom 23. Februar 2017 (act. 10/4) noch bei jener vom 5. November 2019 (act. 10/7)
aufgeführt wurde; dies, obwohl der Rekurrent gemäss eigenen Angaben diese
Unterstützung seit ungefähr dreieinhalb Jahren erbringe. Schliesslich ist zu
berücksichtigen, dass der erlittene Vermögensschaden im Strafverfahren einer für die
einfache Verkehrsregelverletzung auszusprechenden geringen, höchstens ein paar
Hundert Franken betragenden Busse gegenüberstand, während es im vorliegenden
Verfahren um eine viel einschneidernde Massnahme geht, die erfahrungsgemäss
ohnehin die höhere erzieherische Wirkung im Hinblick auf die Begehung künftiger
Verkehrsdelikte entfaltet als Bussen im Strafverfahren. Dass sich die Vorinstanz nicht
an der Einstellung des Strafverfahrens orientierte und einen Führerausweisentzug auf
unbestimmte Zeit, mindestens aber für zwei Jahre aussprach, ist somit auch aus
diesem Grund nicht zu beanstanden.
7.- Mit dem Entzug des Führerausweises auf unbestimmte Zeit soll sichergestellt
werden, dass der Rekurrent zum Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer
keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn er während eines
Beschwerdeverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
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würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die gesetzlich vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 und 51 VRP).
8.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.– (darin
eingeschlossen die Gebühr von Fr. 200.– für die Verfügung zur aufschiebenden
Wirkung vom 23. März 2020, Verfahren ZV-2020/13) erscheint angemessen (vgl. Art. 7
Ziffn. 112 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss
von Fr. 1'500.– ist damit zu verrechnen.