Decision ID: 81befc1f-8e17-43a1-9e15-6f3a5d318e2b
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._ AG, als Hilfsarbeiter angestellt
und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) unfallversichert
(vgl. Suva-act. 1). Am ._ April 2020 erstattete die Arbeitgeberin eine UVG-
Schadenmeldung, wonach sich der Versicherte am 23. April 2020 den Rücken bei einer
Ausweichbewegung verdreht habe (Suva-act. 1). Eine Erstbehandlung hatte noch am
Tag des Schadenereignisses bei Dr. med. C._, Facharzt FMH für Innere Medizin und
Endokrinologie/Diabetologie, stattgefunden. Im dazu ergangenen
Sprechstundenbericht hatte Dr. C._ anamnestisch festgehalten, dass der Versicherte
als Z._ arbeite und Y._ [...] habe. Ein Arbeitskollege sei (...) mit (...) Y._
gestolpert. Dabei sei der Versicherte ausgewichen, habe sich den Rücken verdreht und
vor allem am rechten Unterschenkel heisse Y._spritzer abbekommen. Als Befunde
hatte er Schmerzen bei HWS- und BWS-Bewegungen, kursorisch keine neurologischen
Symptome, am rechten Unterschenkel kleine Y._spritzer sowie einen grossen
Spritzer am medialen Unterschenkel, eine - abgesehen von kleinen Blasen - intakte
Haut in diesem Hautareal und eine Hyposensibilität erhoben. Als Diagnosen hatte er
oberflächliche Verbrühungen am Unterschenkel links sowie eine HWS- und BWS-
Distorsion genannt (Suva-act. 9). Am Tag der Unfallmeldung wurde der Versicherte
sodann bei Dr. med. D._, Allgemeine Innere Medizin, vorstellig. Dieser hielt im
entsprechenden Untersuchungsbericht fest, der Versicherte habe angegeben, dass ein
A.a.
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Arbeitskollege (...) mit (...) Y._ gestolpert sei, der Versicherte ausgewichen sei und
sich dabei den Rücken verdreht sowie heisse Y._spritzer, vor allem an den rechten
Unterschenkel und an das linke Knie, bekommen habe. Als objektive Befunde erhob
Dr. D._ Verbrennungswunden am rechten Unterschenkel und am linken Knie, eine
Schürfwunde am rechten Ellbogen, eine Hyposensibilität des rechten Arms im Areal C4
sowie eine verspannte HWS ohne Myogelosen und ohne lokalisierte Druckdolenz. Als
Diagnosen nannte Dr. D._ eine Zerrung der HWS und BWS sowie Schürfungen am
Arm (Suva-act. 8). Auf Zuweisung von Dr. D._ wurde am 28. April 2020 eine MRT-
Untersuchung der HWS durchgeführt. Es zeigte sich ein normales Kernspintomogramm
der HWS ohne Nachweis von posttraumatischen Veränderungen, ohne
Spinalkanalstenose und ohne Neurokompression (Suva-act. 11).
In einer kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 11. Mai 2020 kam Dr. med. E._, FA
Orthopädische Chirurgie, zum Schluss, dass vorübergehend für sechs Wochen
aufgrund einer Verdrehung des Rückens die Beschwerden mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 23. April 2020 zurückzuführen seien. Allfällige
Veränderungen an der HWS seien jedoch nicht unfallkausal und die Verbrühungen
bereits verheilt. Spätestens Ende Mai 2020 sei aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht
wieder von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (Suva-act. 12). Mit einem am
gleichen Tag verfassten Schreiben teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie für
die Folgen des Unfalls vom 23. April 2020 längstens bis zum 31. Mai 2020 die
gesetzlichen Versicherungsleistungen erbringe. Aufgrund der Beurteilung des
Kreisarztes seien die Beschwerden an der HWS nicht auf den Unfall zurückzuführen
und die Verbrennungen seien bereits verheilt. Für die Rückenbeschwerden könne die
Suva längstens bis zum 31. Mai 2020 aufkommen. Auch sei aufgrund der
kreisärztlichen Beurteilung davon auszugehen, dass spätestens ab Ende Mai 2020
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit zu erwarten sei, weshalb die Suva spätestens per 31.
Mai 2020 von einem Fallabschluss ausgehe (Suva-act. 14). Mit Schreiben vom 12. Mai
2020 sprach die Suva dem Versicherten unter Hinweis auf das Schreiben vom 11. Mai
2020 Taggeldleistungen zu (Suva-act. 17).
A.b.
Ein Arthro-MRT der linken Schulter nativ und mit Kontrastmitteln vom 20. Mai
2020 brachte eine Impingement-Konstellation (Os akromiale mit aktivierter
Synchondrose, Akromion Typ Bigliani 3, relativer Humeruskopfhochstand), eine
A.c.
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leichtgradige Reizung der Supraspinatussehne bursaseitig und ansonsten ein normales
MR-Arthrogramm des linken Schultergelenkes zur Darstellung. Eine gleichentags
durchgeführte MRT-Untersuchung der BWS und LWS nativ und mit Kontrastmitteln
zeigte einen Reizzustand der Kostovertebralgelenke BWK 7-9 beidseits mit Punctum
maximum BWK 7/8 rechts bei möglicherweise traumatisch bedingter Aktivierung, eine
mässige Osteochondrose LWK 2/3 mit ventral betontem Discusbulging sowie einen bei
habituell engem Spinalkanal angedeuteten spinalstenotischen Aspekt auf gleicher
Höhe mit Teilobliteration des Liquorraums. Ansonsten lag eine normale thorakale und
lumbale vertebrospinale MRT vor (Suva-act. 24-3; vgl. ferner Suva-act. 21).
In einem Telefonat vom 27. Mai 2020 erklärte der Versicherte gegenüber der Suva,
dass er nicht ganz verstehe, weshalb sie ihre Leistungen per 31. Mai 2020 einstellen
werde. Er sei aktuell bei med. pract. F._, Arzt für Neurologie, in Behandlung. Vor dem
Unfall habe er nie Rückenprobleme gehabt. Da der Kollege mit der (...) voll Y._
gestolpert sei und (...) an den (...) geschlagen habe, sei er zum (...) hin ausgewichen
und habe abrupt stoppen müssen, damit er nicht gestürzt sei. Dabei habe er sich den
Rücken nach rechts verdreht. Seither habe er vor allem linksseitige Rückenschmerzen,
die bis in den linken Arm und die Schulter ausstrahlten. Die Suva erklärte, dass sie den
Fall nach Eingang der Berichte von med. pract. F._ nochmals mit dem Kreisarzt
anschauen und gegebenenfalls eine einsprachefähige Verfügung erlassen werde (Suva-
act. 19).
A.d.
Am 29. Mai 2020 berichtete med. pract. F._ der Suva über die Konsultationen
des Versicherten vom 19. und 25. Mai 2020. Dieser leide nach einem Torsionstrauma
mit Schwerpunkt untere BWS/obere BWS (gemeint wohl: LWS) an dort quälenden
Schmerzen mit Ausstrahlung thorakal linksbetont und bis in die linke Schulter mit einer
Schmerzzunahme nachts, die kaum Schlaf zulasse. Eine vom Hausarzt veranlasste
MRT-Untersuchung der HWS habe offenbar keinen signifikanten unfallbedingten
Befund gezeigt. Weiter erklärte med. pract. F._, dass er im Anschluss an seine
neurologische Untersuchung eine MRT-Untersuchung der BWS/LWS sowie der linken
Schulter initiiert habe. In seiner Beurteilung kam er sodann zum Schluss, dass die
beschriebenen, ausgeprägten Schmerzen mit einer Bewegungseinschränkung im
Bereich der unteren BWS und oberen LWS sowie der linken Schulter eindeutig und
ausschliesslich seit dem Unfall vom 23. April 2020 bestünden. In der MRT-
A.e.
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Untersuchung habe sich dies mit einem Reizzustand der Kostovertebralgelenke BWK
7-9 mit Punctum maximum BWK 7/8 bestätigt. Ausserdem bestehe auf der Höhe LWK
2/3 ein bei habituell engem Spinalkanal angedeutet spinalstenotischer Aspekt mit
Teilobliteration des Liquorraums. Zusätzlich liege ein Impingement im Bereich der
linken Schulter vor. Er habe eine adäquate Physiotherapie und eine
Schmerzbehandlung organsiert. Aufgrund der beschriebenen Situation, insbesondere
der traumatisch bedingten Schmerzen und der Bewegungseinschränkung der unteren
BWS und oberen LWS sowie der linken Schulter bestehe als Z._ auch über den 31.
Mai 2020 hinaus eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 24; vgl. dazu ferner Suva-
act. 35).
In einer Aktenbeurteilung vom 10. Juni 2020 kam Dr. E._ zum Schluss, dass
aufgrund der beschriebenen Ausweichbewegung ohne Nachweis irgendwelcher
muskulärer Veränderungen der Status quo ante bezüglich des Rückens spätestens
nach Ablauf von vier bis sechs Wochen erreicht sei. Insofern sei von einer vollen
Arbeitsfähigkeit ab Anfang Juni 2020 auszugehen (Suva-act. 29).
A.f.
Am 6. Juli 2020 berichtete med. pract. F._ über eine Vorstellung des
Versicherten vom 30. Juni 2020, anlässlich welcher dieser ein neues Unfallereignis vom
23. Juni 2020 geschildert habe, bei dem er morgens zu Hause die Treppe
hinuntergestürzt sei. Der Versicherte habe über starke Schmerzen und eine
Bewegungseinschränkung im Bereich des linken Ellbogens, weniger auch im linken
Thoraxbereich berichtet. Er, med. pract. F._, habe den Versicherten für eine MRT-
Untersuchung des linken Ellbogens angemeldet und den Hausarzt Dr. D._ um
Weiterbehandlung gebeten, da es sich nicht um eine neurologische Problematik
handle. Hinsichtlich des Unfallereignisses vom 23. April 2020 habe der Versicherte
noch immer eine erhebliche Schmerzsymptomatik mit Schwerpunkt
Kostovertebralgelenke BWK 7-9 angegeben, jedoch könne er dank der Medikation
nachts nun schlafen (Suva-act. 34). Am 1. September 2020 bescheinigte med. pract.
F._ dem Versicherten aufgrund der Folgen des Unfalls vom 23. April 2020 vorläufig
bis 30. September 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 51). Am _
September 2020 folgte eine Untersuchung in der Klinik für Orthopädische Chirurgie
und Traumatologie des Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG),
anlässlich welcher der Versicherte sowohl von einer Ellbogenverletzung links infolge
A.g.
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des Treppensturzes vom 23. Juni 2020 als auch über den Arbeitsunfall vom April 2020
mit seither anhaltenden Beschwerden im Bereich der HWS und BWS berichtete.
Zusätzlich erwähnte er neu auch diffuse Arthralgien an den Knien beidseits sowie in
den MCP-Gelenken der Hände beidseits mit deutlichen Nachtschmerzen und
insgesamt reduziertem Allgemeinzustand mit Fieberschüben. Auf direktes Nachfragen
berichtete der Versicherte über einen Insektenstich bzw. -biss im Bereich der Brust
rechts mit anschliessend deutlich umgebender Rötung, die sich im Verlauf wieder
zurückgebildet habe. Von Seiten des linken Ellbogens konnten die Ärzte keine
wesentliche Traumafolge eruieren. Sie erhoben jedoch den Verdacht auf eine
Borreliose und leiteten daher eine medikamentöse Therapie ein mit der Bitte um
Zuweisung in das infektiologische Ambulatorium im Falle von anhaltenden
Beschwerden (Suva-act. 53).
Mit Verfügung vom 22. September 2020 stellte die Suva ihre
Versicherungsleistungen per 31. Mai 2020 ein, da die HWS-Beschwerden gemäss der
kreisärztlichen Beurteilung nicht auf den Unfall zurückzuführen und die Verbrennungen
verheilt seien. Für die Rückenbeschwerden könnten längstens bis zum 31. Mai 2020
Leistungen erbracht werden, da spätestens dann der Zustand erreicht gewesen sei,
wie er sich auch ohne Unfall eingestellt hätte (Suva-act. 56). In einem gleichentags
verfassten Bericht stellte sich med. pract. F._ auf den Standpunkt, dass der Status
quo ante bis zum heutigen Tag nicht annähernd erreicht sei. Es sei davon auszugehen,
dass der MRT-Befund "Reizzustand der Kostovertebralgelenke BWK 7-9 ... bei
möglicherweise traumatisch bedingter Aktivierung" in Zusammenhang mit den genau in
dieser Region seit dem Unfall vom 23. April 2020 persistierenden Schmerzen einen
hinreichenden Hinweis auf strukturelle Verletzungen dokumentiere. Der habituell enge
Spinalkanal sei demgegenüber sicher vorbestehend gewesen. Es müsse aber
angenommen werden, dass das erhebliche Torsionstrauma der unteren BWS und
oberen LWS beim Unfall vom 23. April 2020 den angedeutet spinalstenotischen Aspekt
mit Teilobliteration des Liquorraums auf der Höhe der mässigen Osteochondrose LWK
2/3 mit ventral betontem Discusbulging zumindest verstärkt habe, da vor dem Unfall
keinerlei Beschwerden an der BWS/LWS bestanden hätten. Beweisende MRT-
Voraufnahmen lägen allerdings nicht vor (Suva-act. 84).
A.h.
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B.
Am 28. September 2020 attestierte med. pract. F._ dem Versicherten infolge der
Unfälle vom 23. April und 23. Juni 2020 weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit,
vorläufig bis 31. Oktober 2020 (Suva-act. 65-2; zu den weiteren attestierten
Arbeitsunfähigkeiten vgl. ferner Suva-act. 77 und 86). Am 12. November 2020
berichtete med. pract. F._ gegenüber der Suva, dass die Schmerzproblematik an der
unteren BWS und oberen LWS weitgehend unverändert sei. Noch immer bestehe eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit als Mitarbeiter in einer (...). Bezüglich des Unfalls vom 23.
Juni 2020 seien die Beschwerden am linken Ellbogen weitgehend abgeklungen.
Schliesslich sei im Bericht des KSSG neu ein Zeckenbiss vom April 2020 gemeldet
worden. Einen solchen habe der Versicherte in den vorhergehenden Untersuchungen
nicht erwähnt (Suva-act. 82).
A.i.
Gegen die Verfügung vom 22. September 2020 liess der Versicherte, vertreten
durch Advokatin lic. iur. G. Salamone, Orion Rechtsschutzversicherung, am 23.
Oktober 2020 Einsprache erheben (Suva-act. 70, zur nachgereichten
Einsprachebegründung vom 27. November 2020 vgl. Suva-act. 84).
B.a.
Per ._ 2020 kündigte die B._ AG das Anstellungsverhältnis mit dem
Versicherten (vgl. Suva-act. 75 f.).
B.b.
In einer Aktenbeurteilung vom 26. Januar 2021 erläuterte Dr. E._, dass die
gestellte Verdachtsdiagnose einer Borreliose anhand von Laboruntersuchungen
ausgeschlossen habe werden können. Es sei jedoch überwiegend wahrscheinlich
davon auszugehen, dass die multiplen vom Versicherten beklagten Beschwerden im
Bereich der HWS, BWS und LWS sowie beider Knie- und Ellbogengelenke einer
entzündlichen Erkrankung, möglicherweise aus dem rheumatologischen oder
infektiologischen Formenkreis geschuldet seien. Eine unfallbedingte Genese der
Reizung der Kostovertebralgelenke schloss Dr. E._ überwiegend wahrscheinlich aus
und hielt daran fest, dass die Distorsion des HWS- und BWS-Abschnittes ohne äussere
Verletzungszeichen mit einem maximalen Behandlungszeitraum von vier bis sechs
Wochen behaftet sei, sodass der Schadenfall vom 23. April 2020 bei innerhalb
kürzester Zeit erfolgter Ausheilung der Hautverbrennungen am rechten Unterschenkel
und linken Kniegelenk auf Ende Mai 2020 abgeschlossen werden könne. Bezüglich der
B.c.
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C.

Erwägungen
1.
HWS und BWS sei spätestens Ende Mai 2020 der Status quo ante vel sine erreicht
gewesen (Suva-act. 87).
Mit Einspracheentscheid vom 13. April 2021 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten ab (Suva-act. 93).
B.d.
Gegen den Einspracheentscheid liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Marco Büchel, Oberuzwil, am 11.
Mai 2021 Beschwerde erheben (act. G 1). Er beantragte, die Verfügung vom 22.
September 2020 und der Einspracheentscheid vom 13. April 2021 seien aufzuheben
und die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu verpflichten, auch über den
Zeitpunkt vom 31. Mai 2020 hinaus die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer medizinischer
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1 S. 2).
C.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei,
und der Einspracheentscheid vom 13. April 2021 sei zu bestätigen (act. G 3).
C.b.
In seiner Replik vom 2. Juli 2021 liess der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen festhalten (act. G 5).
C.c.
Mit Eingabe vom 20. Juli 2021 erneuerte die Beschwerdegegnerin ihren Antrag auf
Abweisung der Beschwerde und verzichtete auf die Erstattung einer ausführlichen
Duplik (act. G 7).
C.d.
Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren bildet der Einspracheentscheid vom
13. April 2021. Der Beschwerdegegnerin ist daher darin zuzustimmen (vgl. act. G 3 S.
2), dass bei einer streng formalistischen Betrachtungsweise auf die Beschwerde
insoweit nicht eingetreten werden könnte, als mit ihr die Aufhebung der Verfügung vom
1.1.
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2.
22. September 2020 beantragt wird (zum entsprechenden Antrag in der Beschwerde
vgl. act. G 1 S. 2). Es wäre jedoch überspitzt formalistisch, wegen der Miterwähnung
der dem Einspracheentscheid zu Grunde liegenden Verfügung auf die Beschwerde
teilweise nicht einzutreten. Aus den Rechtsschriften des Beschwerdeführers wird
hinreichend klar, dass mit der Beschwerde die Weiterausrichtung von
Versicherungsleistungen angestrebt wird und die Verfügung vom 22. September 2020
in den Anträgen lediglich deshalb erwähnt ist, weil die Leistungen bereits mit ihr
eingestellt worden sind. Anfechtungsobjekt der Beschwerde kann jedoch einzig der
Einspracheentscheid sein (vgl. Art. 56 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 13. April 2021 hat die
Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen in Bezug auf das Schadenereignis
vom 23. April 2020 eingestellt und weitere Leistungen hinsichtlich dieses Ereignisses
abgelehnt (vgl. Suva-act. 93). Der in den Akten erwähnte Treppensturz, der ohne
wesentliche Traumafolge geblieben zu sein scheint (vgl. Suva-act. 82-1, 82-5 und
84-6), sowie der Insektenstich in die rechte Brust vom April 2020 (vgl. Suva-act. 82-4)
und eine damit allfällig einhergehende Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin bilden
nicht Gegenstand des angefochtenen Einspracheentscheides und der erhobenen
Beschwerde. Folglich sind diese Ereignisse auch nicht Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens. Vorliegend strittig und zu prüfen ist einzig, ob die
Beschwerdegegnerin ihre Versicherungsleistungen für das Ereignis vom 23. April 2020
zu Recht per 31. Mai 2020 eingestellt hat.
1.2.
Die Beschwerdegegnerin hat das Ereignis vom 23. April 2020 zunächst als Unfall
anerkannt und Versicherungsleistungen ausgerichtet. Auch im Einspracheentscheid
vom 13. April 2021 bestreitet sie nicht, dass es sich beim Ereignis in Bezug auf die
Y._spritzer am rechten Unterschenkel bzw. die dadurch erlittenen Verbrennungen um
ein Unfallereignis im Rechtssinne handelt. Die Y._spritzer hat sie als ungewöhnlichen
äusseren Faktor qualifiziert. Sie hat sich im Einspracheentscheid jedoch erstmals auf
den Standpunkt gestellt, dass es dem Ereignis vom 23. April 2020 in Bezug auf die
Rücken- und Schulterbeschwerden am Erfordernis des ungewöhnlichen äusseren
Faktors mangle. Das für diese Beschwerden relevante Ereignis beschränke sich auf
eine Ausweichbewegung, mithin auf eine körpereigene Bewegung, bei welcher ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand, der den natürlichen Ablauf der Körperbewegung
programmwidrig beeinflusst habe, fehle. In der Schilderung des Hergangs des
Ereignisses habe der Beschwerdeführer kein ausserhalb des Körpers liegendes
2.1.
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Ausgleiten, Stürzen oder dergleichen erwähnt. Ebenso wenig habe er beschrieben,
dass der natürliche Ablauf der Ausweichbewegung durch einen äusseren Faktor abrupt
und programmwidrig beeinflusst worden wäre. Auch wenn die Bewegung reflexartig
erfolgt sein möge, liege sie jedenfalls nicht ausserhalb des Bereichs einer physiologisch
normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers (vgl. Suva-act.
93 S. 4 f.).
Demgegenüber ist der Beschwerdeführer der Ansicht, dass das reflexartige
Ausweichen sowohl gegenüber dem Arbeitskollegen mit der Y._(...) als auch
gegenüber dem (...), als er abrupt habe stoppen müssen, um nicht vom (...) zu stürzen,
das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderungen der Körperlage
erfülle (act. G 1 S. 3). Das Stolpern des Arbeitskollegen mit der Y._(...) bzw. das
reflexartige Ausweichmanöver fielen nicht mehr unter einen alltäglichen Vorgang,
sondern seien klar als ungewöhnlich zu qualifizieren. Ein in der Aussenwelt begründeter
Umstand habe den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam
programmwidrig beeinflusst. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin erfülle das
Ereignis vom 23. April 2020 den Unfallbegriff auch in Bezug auf die Rücken- bzw.
Schulterbeschwerden (vgl. act. G 5 S. 3).
2.2.
Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die
eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit oder den Tod zur
Folge hat. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er - nach einem objektiven
Massstab - den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen
überschreitet (BGE 134 V 76 E. 4.1 und 129 V 404 E. 2.1; je mit Hinweisen). Das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit ist entwickelt worden, um die "tausendfältigen
kleinen und kleinsten Insulte des täglichen Lebens, die als solche gänzlich
unkontrollierbar sind und deshalb nur beim Hinzutreten von etwas Besonderem
Berücksichtigung finden sollen", aus dem Unfallbegriff auszuscheiden. Das Merkmal
des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen Vorfall (BGE 134
V 77 E. 4.1.1 mit Hinweisen). Gemäss der Rechtsprechung kann das Merkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen.
Bei Körperbewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit bzw. des äusseren
Faktors erfüllt, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen
Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst hat (BGE 130 V
118 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 4.2; je mit
Hinweisen). Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn die versicherte Person stolpert,
ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn sie, um ein Ausgleiten zu
2.3.
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verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt oder auszuführen versucht
(Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 4.2 mit Hinweis). Bei
einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu
bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper und Aussenwelt - ist
wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE
130 V 118 E. 2.1).
Unstreitig handelt es sich bei den Y._spritzern, die den Beschwerdeführer
getroffen haben, um einen ungewöhnlichen äusseren Faktor und beim Ereignis als
Ganzes um einen nicht alltäglichen, sondern ungewöhnlichen Vorfall. Sodann ist
aufgrund der Ereignisschilderungen anzunehmen, dass das Ausweichmanöver des
Beschwerdeführers in direktem Zusammenhang mit den Y._spritzern gestanden hat,
sodass von einer Handlungseinheit auszugehen ist. Die von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene künstliche Aufteilung des Schadenereignisses in zwei Vorfälle
"Spritzer" und "Ausweichmanöver" ist nicht nachvollziehbar. Vielmehr ist - unabhängig
davon, ob der Beschwerdeführer auch noch wegen des (...) hat stoppen müssen oder
einfach nur den Y._spritzern ausgewichen ist - von einem durch einen äusseren
Faktor (Stolpern des Arbeitskollegen und dadurch verschüttete Y._spritzer)
ausgelösten ungewöhnlichen Vorfall mit Ausweichbewegung auszugehen, wobei auch
die unkoordinierte Ausweichbewegung zur Ungewöhnlichkeit des Ereignisses beiträgt
(vgl. dazu auch E. 2.3, wonach eine Ausweichbewegung für sich alleine bereits das
Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllen kann). Da das Ereignis vom 23. April 2020 als
eine Handlungseinheit zu betrachten ist, können auch die Beschwerden, welche sich
der Beschwerdeführer bei diesem zugezogen hat, nicht künstlich auf mehrere
Bewegungsabläufe aufgeteilt werden. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
ist es somit nicht möglich, dem Ereignis vom 23. April 2020 in Bezug auf gewisse
Leiden Unfallqualität zuzuerkennen und in Bezug auf andere nicht. Vielmehr handelt es
sich nach dem Gesagten beim Ereignis vom 23. April 2020 als Ganzes um einen Unfall
im Rechtssinne.
2.4.
Laut den diesbezüglich übereinstimmenden medizinischen Akten hat sich der
Beschwerdeführer beim Ereignis vom 23. April 2020 neben den Hautverbrennungen
auch eine Zerrung bzw. Verdrehung der Wirbelsäule zugezogen und leidet seither an
Rückenbeschwerden (vgl. z.B. Suva-act. 8 f. und 12). Die Beschwerdegegnerin hat die
Rückenbeschwerden bis zum 31. Mai 2020 als unfallkausal anerkannt und
Versicherungsleistungen ausgerichtet. In der Verfügung vom 22. September 2020
(Suva-ct. 56) bzw. dem Einspracheentscheid vom 13. April 2021 (Suva-act. 93) hat sie
ihre Leistungen jedoch per Ende Mai 2021 eingestellt, da es am natürlichen
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/19
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3.
Kausalzusammenhang zwischen den noch geklagten Beschwerden und dem Ereignis
vom 23. April 2020 mangle (vgl. Suva-act. 93-27).
Zu prüfen ist nun, ob die Beschwerdegegnerin eine über den 31. Mai 2020
hinausgehende Leistungspflicht zu Recht mangels Kausalzusammenhangs abgelehnt
hat.
3.1.
3.2.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
[UVG; SR 832.20]; BGE 129 V 181 E. 3; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012,
S. 53 ff.). Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle
Umstände, ohne deren Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht oder
nicht in gleicher Weise oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die Bejahung
des natürlichen Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die
alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass
das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung
verantwortlich, d.h. zumindest teilkausal ist, der Unfall mit anderen Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele (BGE 129 V 181 E. 3.1 und 117 V 376 E. 3a; SVR 2007 UV Nr. 28 S. 94, U
413/05, E. 4.1 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53). Pflegeleistungen und
Kostenvergütungen sowie die Taggelder und Hilflosenentschädigungen werden nicht
gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise Folge eines Unfalls ist (Art. 36
Abs. 1 UVG). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten und Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 55 und 58; Urteil des Bundesgerichts vom 1. September 2008,
8C_522/2007, E. 4.3.2; BGE 112 V 32 f. E. 1). Bei physischen Unfallfolgen spielt
indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle (BGE 117 V 365 E. 5d/bb und 118 V 291 E. 3a; je mit Hinweisen).
3.2.1.
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Hat der Unfallversicherer seine Leistungspflicht im Grundfall anerkannt, so
entfällt diese erst dann, wenn der Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate
Ursache der fortdauernd geklagten Beschwerden darstellt, d.h. wenn die Beschwerden
nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruhen. Dies trifft zu, wenn
entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall
bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem
schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher
oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Trifft ein Unfall auf einen
vorgeschädigten Körper und steht medizinischerseits fest, dass weder der Status quo
sine noch der Status quo ante je wieder erreicht werden können, liegt eine
richtungsgebende Verschlimmerung vor. Sind die Beschwerden Folge einer durch den
Unfall lediglich aktivierten (zuvor stummen) vorbestehenden Gesundheitsschädigung,
hat die Unfallversicherung Leistungen für das unmittelbar im Zusammenhang mit dem
Unfall bestehende Schmerzsyndrom bis zum Erreichen des Status quo sine oder ante
zu erbringen (RKUV 1994 Nr. U206 S. 328 f. E. 3, mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 54; SVR 2010 UV Nr. 31 S. 125, 8C_816/2009, E. 4.3). Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit gänzlich fehlender
Auswirkungen des Unfalls genügt nicht (zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts vom 6.
August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2 mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b
mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O. S. 54; André Nabold, N 54 zu Art. 6, in Marc
Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar
zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018). Da es sich um eine
anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage,
ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei
der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (BGE 117 V 264 E. 3b; Urteil
des Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 54 f.). Die Beweislast liegt jedoch nur bezüglich derjenigen Verletzungen und
Symptome beim Unfallversicherer, welche thematisiert worden waren und somit
Gegenstand der Anerkennung bildeten (Urteil des Bundesgerichts vom 20. August
2009, 8C_363/2009, E. 1). Auch tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der
Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt
Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz, wenn es sich als unmöglich
erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung
3.2.2.
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einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der
Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 4, 55).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Auch Berichte und
Gutachten, welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren
eigenen bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen einholen, beweistauglich (BGE 125 V
353 f. E. 3 und 135 V 469 f.). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines
externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4 und 122 V 162 f. E. 1d).
3.2.3.
Dass die vom Beschwerdeführer erlittenen Hautverbrennungen abgeheilt sind, ist
nicht strittig. Im Vordergrund der über den Leistungseinstellungszeitpunkt hinaus
geklagten Beschwerden steht das Wirbelsäulenleiden. Wie bereits erwähnt, hat die
Beschwerdegegnerin die Rückenbeschwerden bis zum 31. Mai 2020 als unfallkausal
anerkannt (vgl. E. 2.5). Sie trägt damit die Beweislast für den Wegfall der
Unfallkausalität der über den 31. Mai 2020 hinaus geklagten Rückenleiden (vgl. E.
3.2.2). Zu prüfen gilt es somit, ob überwiegend wahrscheinlich feststeht, dass der
Unfall nach dem 31. Mai 2020 jede kausale Bedeutung für das Rückenleiden verloren
hat.
3.3.
Die Beschwerdegegnerin stützt sich zur Rechtfertigung der Einstellung ihrer
Versicherungsleistungen im Wesentlichen auf die kreisärztliche Aktenbeurteilung von
Dr. E._ vom 26. Januar 2021 (Suva-act. 87). Dr. E._ ist zusammenfassend zum
Schluss gekommen, dass der Beschwerdeführer einen Arbeitsunfall mit oberflächlichen
Verbrennungen im Bereich des rechten Unterschenkels und linken Kniegelenks sowie
3.4.
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eine Verdrehung im Bereich der HWS und BWS erlitten habe. Die oberflächlichen
Hautverletzungen seien innerhalb kurzer Zeit ausgeheilt. Bezüglich der unfallbedingten
Distorsion der HWS und BWS hätten strukturelle Schäden kernspintomographisch
ausgeschlossen werden können. Die sich im Bereich der Kostovertebralgelenke der
unteren BWS darstellenden synovitischen Reizzustände stünden - auch unter
Berücksichtigung der klinischen Erstbefundung - überwiegend wahrscheinlich nicht in
kausalem Zusammenhang mit dem geltend gemachten Unfallereignis. Unter
Berücksichtigung der Leitlinien des Reintegrationsleitfadens Unfall des
Schweizerischen Versicherungsverbandes sei eine Distorsion des HWS- oder BWS-
Abschnittes ohne äussere Verletzungszeichen mit einem maximalen
Behandlungszeitraum von vier bis sechs Wochen behaftet. Dementsprechend sei der
Status quo ante vel sine bezüglich der HWS und BWS spätestens Ende Mai 2020
erreicht gewesen (Suva-act. 87-5).
Demgegenüber beruft sich der Beschwerdeführer in erster Linie auf med. pract.
F._, der in seinem Bericht vom 22. September 2020 festgehalten hatte, dass der
Status quo ante nicht annähernd erreicht sei. Es sei davon auszugehen, dass der MRT-
Befund "Reizzustand der Kostovertebralgelenke BWK 7-9 ... bei möglicherweise
traumatisch bedingter Aktivierung" in Zusammenhang mit den genau in dieser Region
seit dem Unfall vom 23. April 2020 persistierenden Schmerzen einen hinreichenden
Hinweis auf strukturelle Verletzungen dokumentiere. Der habituell enge Spinalkanal sei
demgegenüber sicher vorbestehend gewesen. Es müsse aber angenommen werden,
dass das erhebliche Torsionstrauma der unteren BWS und oberen LWS beim Unfall
vom 23. April 2020 den angedeutet spinalstenotischen Aspekt mit Teilobliteration des
Liquorraums auf der Höhe der mässigen Osteochondrose LWK 2/3 mit ventral
betontem Discus-bulging zumindest verstärkt habe, da vor dem Unfall keinerlei
Beschwerden an der BWS/LWS bestanden hätten (Suva-act. 84-5 f.). Bereits im
Bericht vom 29. Mai 2020 hatte med. pract. F._ ausgeführt, dass die ausgeprägten
Schmerzen mit einer Bewegungseinschränkung im Bereich der unteren BWS und
oberen LWS sowie der linken Schulter eindeutig und ausschliesslich seit dem Unfall
vom 23. April 2020 bestünden, wobei sich dies im MRI mit einem Reizzustand der
Kostovertebralgelenke BWK 7-9 mit Punctum maximum BWK 7-8 bestätigt habe
(Suva-act. 24).
3.5.
Vorliegend finden sich in den Akten also zwei gegensätzliche ärztliche
Einschätzungen. Während Dr. E._ von einem durch den Unfall ausgelösten
vorübergehenden Beschwerdeschub ausgeht, der spätestens Ende Mai 2020 abgeheilt
3.6.
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gewesen ist, geht med. pract. F._ von einer allfälligen strukturellen Verschlechterung
aus und sieht den Status quo sine vel ante jedenfalls noch nicht als erreicht an.
Uneinigkeit besteht zwischen den Ärzten namentlich hinsichtlich der Beurteilung
des in der MRT-Untersuchung vom 20. Mai 2020 sichtbaren Reizzustandes der
Kostovertebralgelenke BWK 7-9 (vgl. Suva-act. 24-3 f.). Med. pract. F._ hat die
Übereinstimmung der seit dem Unfall geklagten Beschwerden (Schmerzen bei BWS-
Bewegungen; Suva-act. 9) mit dem im MRT abgebildeten Befund der Reizung der
Kostovertebralgelenke als starkes Zeichen für eine Unfallkausalität gewertet (vgl. Suva-
act. 84-6), was grundsätzlich nachvollziehbar ist. Demgegenüber hat Dr. E._ als
Erklärung, weshalb die Reizung der Kostovertebralgelenke überwiegend wahrscheinlich
nicht einer unfallbedingten Genese zuzuordnen sei, vorgebracht, dass bei einer
unfallbedingten Ursache überwiegend wahrscheinlich Signalsteigerungen im Bereich
der die Wirbelsäule umfassenden Weichteile als sogenannte Kollateralschäden zu
erwarten wären, was vorliegend nicht der Fall sei (vgl. Suva-act. 87-5). Auch diese
Einschätzung wirkt grundsätzlich plausibel. Welche der beiden
Kausalitätsbeurteilungen der MRT-Befunde schlüssiger ist, vermag das aus
medizinischen Laien bestehende Gericht nicht zu beurteilen. Angesichts der
gegenteiligen Auffassungen von med. pract. F._ und Dr. E._ sowie des Umstandes,
dass auch der untersuchende Radiologe eine traumatisch bedingte Aktivierung des
Reizzustandes für möglich hielt (vgl. Suva-act. 24-3), ist anzunehmen, dass sich die
Unfallkausalität des bildgebend objektivierbaren Reizzustandes auch von Medizinern
nicht abschliessend beurteilen lässt. Von weiteren diesbezüglichen Abklärungen sind
somit keine besseren Erkenntnisse mehr zu erwarten. Vielmehr bleibt die Frage nach
der Unfallkausalität der bildgebend dargestellten Reizzustände beweislos. Angesichts
dessen, dass die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 22. September 2020
lediglich die Unfallkausalität der HWS-Beschwerden verneint, ansonsten jedoch ihre
Leistungspflicht für die Rückenbeschwerden, also auch der BWS-Beschwerden, in
Kenntnis des MRT-Befundes vom 20. Mai 2020 mit den sichtbaren BWS-
Reizzuständen (Suva-act. 24-3) bis zum 31. Mai 2020 bejaht hatte (Suva-act. 56), trägt
sie die Folgen der Beweislosigkeit. Da die potentiell unfallkausalen Reizzustände
gerade eine Ursache der über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus geklagten
Wirbelsäulenbeschwerden sein können (vgl. dazu die Ausführungen von med. pract.
F._ z.B. in Suva-act. 24-2 und 84-5 f.), steht jedenfalls nicht überwiegend
wahrscheinlich fest, dass der Unfall im Zeitpunkt der Leistungseinstellung jede kausale
Bedeutung für das Wirbelsäulenleiden verloren hatte. Die Vermutung von Dr. E._,
wonach auch eine Infektion oder eine rheumatologische Erkrankung Ursache der
multiplen Beschwerden sein könnte (vgl. Suva-act. 87-5), ist nicht belegt und lässt die
3.7.
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Unfallkausalität des über den Leistungseinstellungszeitpunkt andauernden
Rückenleidens somit ebenfalls nicht ausschliessen. Nachdem die Beschwerdegegnerin
für den Wegfall der Unfallkausalität beweisbelastet ist (vgl. E. 3.3), hat sie ihre
Leistungen verfrüht eingestellt, weshalb der angefochtene Einspracheentscheid in
Gutheissung der die Beschwerde aufzuheben ist.
Inwieweit es neben dem Reizzustand allenfalls auch noch zu anderen Verletzungen
gekommen sein könnte, geht aus der Aktenlage ebenfalls nicht klar hervor. Med. pract.
F._ hat den Befund des Reizzustandes in Zusammenhang mit den genau in dieser
Region seit dem Unfall vom 23. April 2020 persistierenden Schmerzen als Hinweis auf
strukturelle Verletzungen gesehen (vgl. Suva-act. 84-6). Was genau er mit strukturellen
Verletzungen gemeint hat, bleibt aber unklar. Möglicherweise hat er den bildgebend
dargestellten Reizzustand als strukturell angesehen und ist wie Dr. E._ nur von einer
durch den Unfall ausgelösten vorübergehenden Verschlimmerung ausgegangen.
3.8.
Jedenfalls hat med. pract. F._ schliesslich noch erwähnt, dass sich der
vorbestehende angedeutet spinalstenotische Aspekt mit Teilobliteration des
Liquorraums auf der Höhe der mässigen Osteochondrose LWK 2/3 mit ventral
betonten Discusbulging durch das erhebliche Torsionstrauma zumindest verstärkt habe
(vgl. Suva-act. 84-6). Eine nachvollziehbare Begründung, weshalb dies nicht der Fall
sein könnte, lässt sich der kreisärztlichen Aktenbeurteilung von Dr. E._ vom 26.
Januar 2021 nicht entnehmen (vgl. Suva-act. 87). In diesem Zusammenhang hat der
Beschwerdeführer überdies auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hingewiesen,
wonach das Erreichen des Status quo sine bei posttraumatischen Lumbalgien und
Lumboischialgien nach drei bis vier Monaten erwartet werden könne und eine
traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerativen Vorzustandes an
der Wirbelsäule in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach
einem Jahr als abgeschlossen zu betrachten sei (vgl. act. G 1 S. 4; Urteil des
Bundesgerichts vom 14. Oktober 2015, 8C_571/2015, E. 2.2.3). Zwar können die
ärztlichen Einzelfallbeurteilungen von den vom Bundesgericht genannten
Erfahrungswerten abweichen, jedoch bedarf es dazu einer überzeugenden
Begründung. Vorliegend lässt die kreisärztliche Beurteilung von Dr. E._ eine
eingehende Auseinandersetzung mit der Frage nach der Wirkung einer durch den
Unfall bedingten allfälligen Verschlimmerung bzw. Aktivierung eines vorbestehenden
degenerativen Wirbelsäulenleidens gerade vermissen. Er verweist im Wesentlichen auf
den Reintegrationsleitfaden Unfall des Schweizerischen Versicherungsverbandes,
wonach eine Distorsion des HWS- oder BWS-Abschnittes ohne äussere
Verletzungszeichen mit einem maximalen Behandlungszeitraum von vier bis sechs
3.9.
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