Decision ID: 37dce8f1-e296-5b2c-903b-c45cbed3309b
Year: 2018
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin ist Eigentümerin eines grossen, bisher nicht vollständig
erschlossenen Grundstücks in der Sonderbauzone „E._“ in Bannwil (Parzelle
Bannwil Grundbuchblatt Nr. F._). Sie beabsichtigt, das Grundstück in mehrere
kleinere Parzellen aufzuteilen und in einem ersten Schritt ein Mehrfamilienhaus mit
Einstellhalle sowie Erschliessungsanlagen zu erstellen. Zu diesem Zweck will sie den
K._weg, der als Sackgasse ausgestaltet ist und bis zur südlichen Ecke ihres
Grundstücks führt, verlängern und darin Werkleitungen verlegen. Gleichzeitig sollen
entlang des verlängerten K._weges Parkplätze entstehen. Ein Teil dieses
Erschliessungsprojekts soll auf der Parzelle Bannwil Grundbuchblatt Nr. G._, die
der Gemeinde Bannwil gehört, realisiert werden.
Die Beschwerdegegnerin reichte für das Mehrfamilienhaus mit Einstellhalle am 14.
November 2016 bei der Gemeinde Bannwil ein Baugesuch ein. Dieses Gesuch ist im
Zeitpunkt des Erlasses des vorliegenden Entscheides noch beim Regierungsstatthalteramt
Oberaargau hängig (bbew 185/2016).
Ebenfalls am 14. November 2016 reichte die Beschwerdegegnerin ein weiteres Baugesuch
ein für den Neubau einer Erschliessungsstrasse, den Neubau von Werkleitungen und einer
Mischwasserableitung sowie den Neubau einer Versickerungsmulde und die Erstellung von
Parkplätzen auf den Parzellen Bannwil Grundbuchblatt Nr. G._ und
Nr. F._ (Verfahren bbew 187/2016). In beiden Verfahren reichte die
Beschwerdegegnerin zudem Ausnahmegesuche für Eingriffe in Hecken und Feldgehölze
ein. Der Beschwerdeführer erhob gegen beide Bauvorhaben Einsprache.
Am 27. Februar 2017 reichte die Beschwerdegegnerin im Verfahren bbew 187/2016
(Erschliessungsanlagen) bei der Gemeinde revidierte Pläne mit Datum vom 24. Januar
2017 ein. Die Gemeinde leitete diese am 8. März 2017 an das Regierungsstatthalteramt
weiter. Mit Amtsbericht vom 10. April 2017 stimmte die Abteilung Naturförderung (ANF) des
Amtes für Landwirtschaft und Natur des Kantons Bern im Verfahren bbew 187/2016 der
Ausnahmebewilligung für Eingriffe in Hecken und Feldgehölze zu.1 Mit
Gesamtbauentscheid vom 9. Juni 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Oberaargau
1 Vorakten, p. 103
RA Nr. 110/2017/67 3
dem geplanten Neubau der Erschliessungsstrasse, der Werkleitungen, der Parkplätze und
der Versickerungsmulde die Baubewilligung sowie die Ausnahmebewilligung für Eingriffe in
Hecken und Feldgehölze.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 3. Juli 2017 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung
des Gesamtbauentscheides vom 9. Juni 2017 und die Erteilung des Bauabschlags.
Eventualiter beantragt er, der Gesamtbauentscheid sei aufzuheben und die
Beschwerdesache sei zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Er macht
insbesondere geltend, die Vorinstanz habe zu Unrecht eine Ausnahmebewilligung für
Eingriffe in Hecken und Feldgehölze erteilt. Zudem habe sie seinen Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt, indem sie die Ausnahmeerteilung ungenügend begründet und
ihm den Plan "Ersatz Feldhecke" vom 4. November 2016, auf den sich der Amtsbericht
Naturschutz abstützte, nicht zugestellt habe. Schliesslich verletze das Vorhaben auch
Zonenvorschriften. Die Baugrundstücke befänden sich in der Sonderbauzone
"E._". Gemäss Baureglement der Gemeinde sei in dieser Sonderbauzone die
Gesamtanlage der Überbauung als bauliche Einheit zu gestalten. Dies sei durch die
Trennung des Verfahrens betreffend den Bau des Mehrfamilienhauses (bbew 185/2016)
und des Verfahrens über dessen Erschliessung (bbew 187/2016) gefährdet; es müsse
zuerst ein gesamtheitliches Überbauungskonzept vorliegen.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die Akten
der Verfahren bbew 185/2016 und bbew 187/2016 ein und führte den Schriftenwechsel
durch. Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 11. Juli 2017 auf die
Einreichung einer Beschwerdeantwort. Das Regierungsstatthalteramt und die Gemeinde
beantragen die Abweisung der Beschwerde.
4. Das Rechtsamt stellte dem Beschwerdeführer den Plan "Ersatz Feldhecke" vom
4. November 2016 sowie die revidierten Pläne vom 24. Januar 2017 zur Einsicht zu und
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2017/67 4
gab ihm Gelegenheit zur Stellungnahme. Der Beschwerdeführer hielt in seiner
Stellungnahme vollumfänglich an seinen Rechtsbegehren fest.
5. Mit Verfügung vom 17. Oktober 2017 hielt das Rechtsamt in einer summarischen
Beurteilung fest, ein Teil des neu geplanten Strassenstücks, ein Teil eines Parkplatzes und
ein Teil der Sickermulde befänden sich innerhalb der Pufferzone einer schützenswerten
Hecke. Eingriffe, die ein schützenswertes Biotop beeinträchtigen könnten, dürften nur
bewilligt werden, wenn sie standortgebunden seien und einem überwiegenden Bedürfnis
entsprächen. Das Rechtsamt gab der Beschwerdegegnerin Gelegenheit, dazu eine
Stellungnahme einzureichen. Daraufhin reichte die Beschwerdegegnerin am 1. Dezember
2017 eine Projektänderung ein. Das Rechtsamt gab den Verfahrensbeteiligten
Gelegenheit, sich zur Projektänderung zu äussern und holte bei der ANF einen Bericht ein.
Anschliessend gab das Rechtsamt den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur Einreichung
von Schlussbemerkungen. Der Beschwerdeführer beantragt, die Beschwerde sei
gutzuheissen und dem Baugesuch bzw. der Projektänderung sei der Bauabschlag zu
erteilen. Die Beschwerdegegnerin, das Regierungsstatthalteramt und die Gemeinde
beantragen, die Projektänderung zu bewilligen.
6. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
RA Nr. 110/2017/67 5
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde
zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache abgewiesen
wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdegegnerin hat zusammen mit dem Baugesuch ein Ausnahmegesuch
für Eingriffe in Hecken und Feldgehölze eingereicht. Das Regierungsstatthalteramt holte
dazu einen Bericht der ANF ein. Diese hält in ihrem Amtsbericht vom 10. April 2017 fest,
der Ausgangszustand der Bestockung sowie die Wiederherstellungs- und
Ersatzmassnahmen seien in dem von der Beschwerdegegnerin eingereichten Plan "Ersatz
Feldhecke" vom 4. November 2016 dargestellt. Auch das Regierungsstatthalteramt
verweist in seiner Entscheidbegründung auf diesen Plan und führt ihn auf der Titelseite
seines Entscheides unter den massgebenden Projektplänen auf.
Der Beschwerdeführer rügt, ihm sei der genannte Plan nie zugestellt worden. Er habe dies
dem Regierungsstatthalteramt bereits in einem Schreiben vom 17. April 2017 mitgeteilt. Als
er später um Einsicht in diesen Plan ersucht habe, habe ihm das Regierungsstatthalteramt
mitgeteilt, der Plan befinde sich nicht mehr in seinen Akten. Dadurch sei sein Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt worden. Eine weitere Gehörsverletzung sei darin zu sehen, dass
die Vorinstanz ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen sei. Sie habe bei der
Beurteilung des Ausnahmegesuchs ohne eigene Begründung nur auf den Bericht der ANF
verwiesen. Aber auch der Bericht der ANF enthalte keine nachvollziehbare Begründung.
Der Bericht bejahe zwar die Standortgebundenheit des Vorhabens und ein überwiegendes
Interesse des Vorhabens, begründe dies aber nicht. Der Bericht enthalte auch keine
Begründung, wieso die Voraussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung
RA Nr. 110/2017/67 6
gemäss Art. 18 NHG5 gegeben sein sollen, ob die geplanten Ersatzmassnahmen
flächenmässig in gleichem Umfang vorgesehen sind wie die zu rodenden Flächen und ob
die Bauabstände gemäss Art. 18 NHG bzw. Art. 14 NHV6 eingehalten werden.
Das Regierungsstatthalteramt macht geltend, der Beschwerdeführer habe erst nach Erlass
des Bauentscheides um Akteneinsicht ersucht. Ihm sei mitgeteilt worden, dass gemäss
ständiger Praxis mit dem Bauentscheid sämtliche Pläne an die Gemeinde gesandt worden
seien und er dort anzufragen habe. Da das Regierungsstatthalteramt im Zeitpunkt der
Anfrage des Beschwerdeführers nicht mehr im Besitz des fraglichen Plans gewesen sei,
habe es auch keine Verletzung des Akteneinsichtsrechts begehen können.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 26 Abs. 2 KV7 und Art. 21 ff. VRPG8
gibt den Parteien das Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an
der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern. Er umfasst insbesondere auch das Recht der Parteien, von
jedem eingereichten Aktenstück Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können,
und zwar unabhängig davon, ob dieses Aktenstück neue Tatsachen oder Argumente
enthält.9 Den Parteien im Baubewilligungsverfahren sind die verfahrensleitenden
Verfügungen, die Amts- und Fachberichte sowie die Stellungnahmen der Gegenpartei
zuzustellen, so dass diese Gelegenheit haben, sich dazu zu äussern, sofern sie dies als
erforderlich erachten.10 Reicht die Bauherrschaft eine Projektänderung ein, sind die
Verfahrensbeteiligten dazu anzuhören (Art. 43 Abs. 2 BewD11). Der Anspruch auf
rechtliches Gehör verlangt zudem, dass die Behörde die Vorbringen der in ihrer
Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig prüft und beim Entscheid berücksichtigt. Daraus folgt
die Verpflichtung der Behörde, ihre Verfügung zu begründen (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG).
Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
5 Bundesgesetz vom 1. Juli 1966 über den Natur- und Heimatschutz (NHG; SR 451) 6 Verordnung des Bundesrates vom 16. Januar 1991 über den Natur- und Heimatschutz (NHV; SR 451.1) 7 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1). 8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 9 BGE 133 I 100, Regeste und E. 4.3 ff. 10 BVR 2009 S. 328 E. 2.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 38/39 N. 9b; Urs Eymann, Das rechtliche Gehör im erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahren, KPG-Bulletin 2/2006 S. 47 ff 11 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2017/67 7
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde
muss jedoch nicht auf jedes Argument der Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit
den wesentlichen Gesichtspunkten auseinandergesetzt hat.12
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist ein formeller Anspruch; die Verletzung des
rechtlichen Gehörs führt deshalb grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids. Eine Gehörsverletzung kann aber dann geheilt werden, wenn die
Rechtsmittelinstanz dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz und der
beschwerdeführenden Person aus der Heilung kein Nachteil erwächst. Bei besonders
schwerwiegenden Gehörsverletzungen schliesst die Rechtsprechung jedoch eine Heilung
grundsätzlich aus.13 Die Heilung des rechtlichen Gehörs ist allenfalls bei der
Kostenverlegung zu berücksichtigen.14
c) Das Regierungsstatthalteramt verweist in seiner Entscheidbegründung auf den
zustimmenden Amtsbericht Naturschutz der ANF vom 10. April 2017 und hält fest, gemäss
ANF seien die Standortgebundenheit und das überwiegende Interesse begründet. Das
Regierungsstatthalteramt schliesse sich der Beurteilung der Fachstelle an. Ein solches
Vorgehen ist grundsätzlich zulässig. Die Entscheidbehörde darf anstelle einer eigenen
ausführlichen Begründung im Entscheid auch auf ein anderes Dokument verweisen,
beispielsweise auf ein Sitzungsprotokoll oder auf einen Bericht.15 Dies genügt allerdings
den Anforderungen an die Begründungspflicht nur dann, wenn das Dokument, auf das
verwiesen wird, eine Begründung enthält, die den Entscheid nachvollziehbar macht und
den Betroffenen erlaubt, die Verfügung sachgerecht anzufechten. Der Bericht der ANF, auf
den das Regierungsstatthalteramt verweist, hält hinsichtlich der Voraussetzung für die
Erteilung einer Ausnahmebewilligung einzig fest, die Standortgebundenheit und das
überwiegende Interesse des Vorhabens seien begründet. Wieso dies der Fall sein soll,
erläutert der Bericht der ANF nicht. Das Regierungsstatthalteramt hat somit für die
Entscheidbegründung auf einen Bericht verwiesen, der selbst keine Begründung zu den
umstrittenen Themen Standortgebundenheit und überwiegendes Interesse enthält. Es war
für die Adressaten des Entscheides daher nicht nachvollziehbar, aus welchen
12 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5 f. 13 BVR 2012 S. 28 E. 2.3.5; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 16 14 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 9 15 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N 5 am Schluss; Entscheide der BVE vom 21. August 2013 (RA Nr. 110/2013/270) E. 2.c und vom 3. Dezember 2014 (RA Nr. 110/2014/89) E. 2.d
RA Nr. 110/2017/67 8
Überlegungen das Regierungsstatthalteramt die Standortgebundenheit und ein
überwiegende Interesse an der Realisierung des Vorhabens bejaht hat. Das
Regierungsstatthalteramt hat daher die Begründungspflicht und damit das rechtliche Gehör
des Beschwerdeführers verletzt.
Da sich das Regierungsstatthalteramt in seiner Stellungnahme zur Beschwerde ausführlich
zu den genannten Themen äusserte, der Beschwerdeführer dazu Stellung nehmen konnte
und die BVE dieselbe Kognition hat wie die Vorinstanz, wurde die Verletzung des
rechtlichen Gehörs im Beschwerdeverfahren geheilt. Die Verletzung des rechtlichen
Gehörs ist allerdings bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
d) Was den Plan "Ersatz Feldhecke" vom 4. November 2016 betrifft, ist unklar, wann
und in welchem Verfahren die Beschwerdegegnerin ihn einreichte und wo die Vorinstanz
ihn ablegte. Die in den Verfahren bbew 185/2016 und bbew 187/2016 eingereichten
Ausnahmegesuche betreffend Eingriffe in Hecken und Feldgehölze nennen ihn nicht als
Beilage. Der Plan war in den Akten, die das Regierungsstatthalteramt der BVE zustellte,
nicht enthalten, weder in den Akten und Plänen des Verfahrens bbew 185/2016 noch in
den Akten des Verfahrens bbew 187/2016. Erst nach mehrmaligem Nachfragen fand das
Regierungsstatthalteramt den fehlenden Plan und stellte ihn der BVE nachträglich zu. Der
Plan „Ersatz Feldhecke“ vom 4. November 2016 fehlte auch in den Originalplansätzen zum
Verfahren bbew 187/2016, welche die Gemeinde dem Rechtsamt einreichte. Es handelt
sich dabei um die ursprünglich aufgelegten Pläne zum Baugesuch vom 14. November
2016 sowie die von der Vorinstanz bewilligten und gestempelten Projektänderungspläne
vom 24. Januar 2017. Es ist daher davon auszugehen, dass der Plan in beiden Verfahren
nicht in den Auflageakten enthalten war. So kritisierten denn auch der Beschwerdeführer
sowie der Verein Pro Natura Oberaargau in ihren Einsprachen, es könne den Bauakten
bzw. den Plänen nicht entnommen werden, wo und in welchem Umfang Ersatzpflanzungen
geplant seien. Pro Natura hielt zudem in beiden Verfahren ausdrücklich fest, es müsse
eine Aufnahme des Ausgangszustandes der Hecke erfolgen und eine solche Aufnahme sei
nicht aufgelegt worden.16 Nach Zustellung des Amtsberichts der ANF kritisiert der
Beschwerdeführer mit Schreiben vom 17. April 2017 erneut, es liege ihm nach wie vor
keine konkrete Zeichnung vor, wo die Ersatzhecke geplant sei.17 Trotz diesen Hinweisen
16 Akten des Verfahrens bbew 185/2016, p. 47 und p. 60, sowie Akten des Verfahrens bbew 187/2016, p. 67 und p. 68 17 Akten des Verfahrens bbew 187/2016, p.47
RA Nr. 110/2017/67 9
stellte das Regierungsstatthalteramt den Einsprechenden den fraglichen Plan nie zu. Als
der Beschwerdeführer nach Erhalt des angefochtenen Entscheides beim
Regierungsstatthalteramt um Akteneinsicht ersuchte, teilte ihm dieses fälschlicherweise
mit, der Plan befände sich nicht mehr beim Regierungsstatthalteramt.
Indem das Regierungsstatthalteramt den für die Beurteilung der Heckeneingriffe
massgeblichen Projektplan "Ersatz Feldhecke" vom 4. November 2016 während der
Einsprachefrist nicht auflegen liess und ihn dem Beschwerdeführer auch später nie
zustellte, verletzte es den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör. Hinzu
kommt, dass das Regierungsstatthalteramt die Projektänderungspläne vom 24. Januar
2017 zwar der Gemeinde und einzelnen Fachstellen zur Stellungnahme weiterleitete, dem
Beschwerdeführer aber nicht zustellte und ihm auch keine Gelegenheit gab, sich dazu zu
äussern.18 Auch dies stellt eine Gehörsverletzung dar.
Das Rechtsamt der BVE hat dem Beschwerdeführer die revidierten Pläne vom 24. Januar
2017 sowie den Plan "Ersatz Feldhecke" vom 4. November 2016 zur Einsicht und
Stellungnahme zugestellt. Die Gehörsverletzung wurde damit im Beschwerdeverfahren
geheilt. Sie ist allerdings bei der Kostenverlegung zu berücksichtigen.
3. Projektänderung
a) Die Beschwerdegegnerin reichte im Beschwerdeverfahren eine Projektänderung ein
(Eingabe vom 1. Dezember 2017; Projektplan Nr. 836/25 „Erschliessungsstrasse /
Parkplatzanlage“, Situation 1:200 vom 1. Dezember 2017, mit Stempel der BVE vom 4.
Dezember 2017). Mit dieser Projektänderung verkürzt die Beschwerdegegnerin den
Wendehammer im nordöstlichen Teil der Parzelle Nr. G._, verzichtet in diesem
Bereich auf einen Parkplatz, verändert die Lage und Form der Versickerungsmulde und
ändert teilweise den Verlauf der Leitung „Regenwasser“ sowie die Lage der
Schlammsammler Regenwasser.
b) Laut Art. 43 BewD kann die Baugesuchstellerin oder der Baugesuchsteller während
eines Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der
18 Verfügungen vom 14. März 2017 und 10. April 2017, Akten des Verfahrens bbew 187/2016, p. 50 sowie p. 53
RA Nr. 110/2017/67 10
BVE eine Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Eine Projektänderung liegt vor, wenn
das Bauvorhaben in seinen Grundzügen gleich bleibt. Erfolgt die Projektänderung im
Beschwerdeverfahren, sind die Gemeinde, die Gegenpartei und die von der
Projektänderung zusätzlich berührten Dritten anzuhören. Die Beschwerdeinstanz ist befugt,
die Sache zur Weiterbehandlung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 43 Abs. 3 BewD),
kann aber auch selbst über die Projektänderung entscheiden. Das geänderte Projekt tritt
an die Stelle des ursprünglichen Bauvorhabens.19
c) Das Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin bleibt in den Grundzügen gleich; nur die
Grösse des Wendehammers und der Parkplatzanlage auf der Parzelle Nr. G._
wird geringfügig reduziert sowie die Lage und Form der Sickermulde verändert. Diese
Anpassungen sind geringfügig und können als Projektänderung behandelt werden. Die
Projektänderung berührt keine öffentlichen oder wesentlichen nachbarlichen Interessen
zusätzlich. Die Verfahrensbeteiligten wurden angehört. Auf eine Publikation oder eine
Anhörung Dritter konnte die BVE daher verzichten. Gegenstand des Verfahrens ist nur
noch das Projekt gemäss der Projektänderung vom 1. Dezember 2017.
4. Hecke
a) Am nordöstlichen Rand der Parzellen Nrn. G._ und F._ befindet
sich eine Bestockung mit Büschen, Bäumen und Krautsaum, die von der ANF als
schützenswerte Hecke qualifiziert wird.20 Diese Qualifikation wird von den
Verfahrensbeteiligten nicht bestritten. Umstritten sind dagegen die genaue Ausdehnung
der schützenswerten Hecke und die Frage, ob das Bauvorhaben zu einem Eingriff in die
Hecke führt, der eine Ausnahmebewilligung erfordert, und falls ja, ob die Voraussetzungen
für eine Ausnahme erfüllt sind.
b) Dem Aussterben einheimischer Tier- und Pflanzenarten ist laut Art. 18 Abs. 1 NHG
durch die Erhaltung genügend grosser Lebensräume (Biotope) und andere geeignete
Massnahmen entgegenzuwirken. Als Biotope besonders zu schützen sind unter anderem
Hecken (Art. 18 Abs. 1bis NHG). Der Kanton Bern hat gestützt auf diese bundesrechtlichen
19 Vgl. BVR 2012 S. 463 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen 20 Berichte der ANF vom 30. Dezember 2014, 10. April 2017 und 28. Januar 2018
RA Nr. 110/2017/67 11
Vorschriften und den Vollzugsauftrag von Art. 18b Abs. 1 NHG in Art. 27 Abs. 1 NSchG
festgelegt, dass Hecken und Feldgehölze, welche die Begriffsumschreibung von Art. 28
NSchG erfüllen, in ihrem Bestand geschützt sind. Gemäss dieser Definition sind Hecken
linienförmige Bestockungen mit einheimischen Sträuchern, allenfalls mit Krautsaum und
Bäumen. Der Bestandesschutz nach Art. 27 NSchG gilt generell und ist unabhängig davon,
ob eine Hecke oder Gehölz inventarisiert oder in einem Schutzplan verzeichnet ist.21 Eine
schützenswerte Hecke darf grundsätzlich nicht beseitigt werden (zu den Ausnahmen siehe
Art. 13 Naturschutzverordnung Bern).
Bewirkt ein Vorhaben einen technischen Eingriff in eine schützenswerte Hecke, der die
Hecke beeinträchtigen könnte, erfordert dies eine Ausnahmebewilligung. Diese darf nur
erteilt werden, sofern der Eingriff standortgebunden ist und einem überwiegenden
Bedürfnis entspricht (Art. 14 Abs. 6 NHV). Der Verursacher des Eingriffs ist zudem zu
bestmöglichen Schutz-, Wiederherstellungs- oder sonst angemessen Ersatzmassnahmen
zu verpflichten (Art. 14 Abs. 7 NHV, Art. 18 Abs. 1ter NHG).
Art. 14 Abs. 2 Bst. c und Bst. d NHV verlangen zudem, dass zum Schutz von Biotopen wie
schützenswerten Hecken, ökologisch ausreichend breit bemessene Pufferzonen
ausgeschieden werden. Diese Pufferzonen sollen sicherstellen, dass der Lebensraum
Hecke und die darin lebenden Tiere und Pflanzen vor Schäden und Beeinträchtigungen
durch Beschattungen, Störungen, Chemikalien etc. geschützt werden (vgl. dazu auch die
Verbote in der ChemRRV22 zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Düngern). Um
die Pufferzonen bzw. deren Zweck zu gewährleisten, haben nach der Praxis der
kantonalen Behörden Hochbauten einen Abstand von mindestens 6 m zu Hecken und
Feldgehölzen einzuhalten. Für Anlagen wie Wege, Strassen oder Abstellplätze gilt ein
Abstand von mindestens 3 m ab der Heckengrenze.23 Da zu einer Hecke nicht nur die
vorhandenen Sträucher und Bäume gehören, sondern auch der in Art. 28 NSchG erwähnte
Krautsaum, verläuft die massgebende Heckengrenze entlang der äusseren Begrenzung
des Krautsaums. In diesem befinden sich unter anderem die Strauch- und Baumkronen
sowie ausragende Äste und der Wurzelbereich der Bäume und Sträucher. Die genaue
21 BVR 2002 S. 400 ff. E. 2.d 22 Verordnung zur Reduktion von Risiken beim Umgang mit bestimmten besonders gefährlichen Stoffen, Zubereitungen und Gegenständen vom 18. Mai 2005 (Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung, ChemRRV; SR 814.81), Anhang 2.5, Ziff. 1 Bst. b und Anhang 2.6, Ziff. 3.3.1 / 1 Bst. c 23 Siehe dazu auch das Musterbaureglement, Anhang 1, Ziff. A126, abrufbar unter www.jgk.be.ch, Rubriken "Baubewilligungen/Publikationen/Musterbaureglement"
http://www.jgk.be.ch
RA Nr. 110/2017/67 12
Ausdehnung des Krautsaums bzw. des Kronen- und Wurzelbereichs wird üblicherweise
nicht exakt kartiert, sondern in der Praxis seit vielen Jahren gestützt auf ein
Erfahrungsmass auf einen bestimmten Bereich festgelegt, der ab den bestehenden
Stöcken der Sträucher und Bäume gemessen wird. Dieser Bereich ist bei Hecken mit
Bäumen 3 m breit, bei Hecken, die nur aus Sträuchern bestehen, 2 m breit.24 Sofern keine
genaue Kartierung des Krautsaums vorliegt, verläuft die Grenze einer Hecke mit Bäumen
somit entlang einer Linie mit einem Abstand von 3 m zu den Stöcken der äussersten
Bäume und Sträucher, die Grenze einer Hecke ohne Bäume 2 m ab den Stöcken der
äussersten Sträucher.
c) Die Beschwerdegegnerin hat im Projektänderungsplan vom 1. Dezember 2017 die
Ausdehnung der bestehenden schützenswerten Hecke und den Verlauf der Heckengrenze
(Rand Krautsaum) auf den Parzellen Nr. G._ und Nr. F._ (künftig
Parzellen Nrn. H._ und I._) eingezeichnet. Der Beschwerdeführer zweifelt
die Richtigkeit der Einzeichnung des Heckenbereiches an. Er macht geltend, es gehe nicht
an, dass ein von der Bauherrschaft beauftragtes Ingenieur- und Planungsbüro mit der
Feststellung der Heckenlinie beauftragt werde und dessen Feststellung für die
Bewilligungs- bzw. Beschwerdebehörde massgeblich sein soll. Es sei eine Feststellung von
unabhängiger Seite erforderlich. Die Bauherrschaft gehe offensichtlich von einer zu
geringen Heckenfläche aus. Laut Unterlagen zum Amtsbericht der ANF vom 30. Dezember
2014 besteht allein im Bereich B auf der Parzelle Nr. F._ eine Heckenfläche von
rund 900 m2. Mit dem neuen Plan „Ersatz Feldhecke“ vom 4. November 2016 werde zwar
auch eine Heckenfläche von rund 900 m2 ausgeschieden. Diese Fläche beinhalte aber
nicht nur die Heckenfläche im Bereich B der Parzelle Nr. F._, sondern auch jene
auf der Parzelle Nr. G._. Die Heckenfläche sei daher insgesamt grösser, als die
Bauherrschaft zu suggerieren versuche. Die ANF sei auf die Feststellung in ihrem
Amtsbericht vom Dezember 2014 zu behaften.
Den vom Beschwerdeführer erwähnte Amtsbericht aus dem Jahr 2014 erstellte die ANF im
Zusammenhang mit einem früheren Bauprojekt der Beschwerdegegnerin, das bewilligt
aber nie realisiert wurde (bbew 136/2014). Die ANF hielt damals fest, am nordöstlichen
Rand der Parzelle Nr. F._ bestehe eine schützenswerte Hecke, im südlichen
Bereich sei dagegen keine schützenswerte Hecke vorhanden. Die Ausdehnung der
24 Kommentar zu A126 des Anhangs 1 des Musterbaureglementes, zur Fundstelle siehe Fn 23
RA Nr. 110/2017/67 13
Laubgehölze sei in den aktuellen Luftbildern im Geoportal aber kaum abschätzbar, da es
sich um Winterbilder handle. Auf früheren Luftbildern aus den Jahren 2000 bis 2008 seien
auf der Parzelle Laubgehölze sichtbar. Deren Ausdehnung sei circa 15 m breit und 60 m
lang, es handle sich also um eine bestockte Fläche von rund 900 m2. Dazu komme ein 3 m
breiter Krautsaum (486 m2). Die Heckenfläche betrage somit rund 1’386 m2. Die ANF
forderte, der Ausgangszustand der geschützten Hecke sei durch eine Fachperson mit
ökologischer Ausbildung in Absprache mit der ANF aufzunehmen und in den Plänen
einzutragen. Ihrem Amtsbericht legte die ANF ein Luftbild im Massstab 1:1'000 bei. Auf
diesem ist auf der Parzelle Nr. F._ mit groben, handschriftlichen Strichen ein
Rechteck eingezeichnet, in dem sich die schützenswerte Hecke befindet. Diese
Ausführungen der ANF zeigen klar auf, dass sie 2014 keine genaue Bestandesaufnahme
der geschützten Hecke machte, sondern in einem ersten Schritt nur beurteilte, in welchem
Teilbereich der Parzelle Nr. F._ eine schützenswerte Bestockung vorhanden ist.
Zudem nahm sie gestützt auf veraltete Luftbilder eine grobe Schätzung der Ausdehnung
der Hecke vor. Die damaligen Flächenangaben der ANF sind daher weder genau noch
verbindlich. Darauf wies die ANF auch deutlich hin und verlangte, der Ausgangszustand
der geschützten Hecke sei durch eine Fachperson mit ökologischer Ausbildung genauer
aufzunehmen und in den Plänen einzutragen. Dieses Vorgehen ist üblich und nicht zu
beanstanden. Es ist nicht Sache der ANF, bei Bauprojekten detaillierte
Bestandesaufnahmen von Hecken zu machen und planerisch festzuhalten; dies ist
Aufgabe der Bauherrschaft.
Die Beschwerdegegnerin liess durch einen Landschaftsarchitekten in Absprache mit der
ANF eine Bestandesaufnahme der Hecke erstellen. Diese hielt der Landschaftsarchitekt
zusammen mit den für das auf der Parzelle Nr. F._ geplante Bauvorhaben
erforderlichen Eingriffen und den geplanten Ersatzmassnahmen in einem Plan fest (Plan
„Ersatz Feldhecke“ vom 4. März 2015 mit Änderungen vom 31. August und 9. September
2015). Dieser Plan zeigt nicht nur die Ausdehnung der geschützten Hecken auf der
Parzelle Nr. F._, sondern auch den Teil der Hecke, der sich auf der Parzelle
Nr. G._ befindet. Für die später eingereichten Baugesuche für ein
Mehrfamilienhaus (bbew 185/2016) sowie die hier umstrittenen Erschliessungsanlagen
(bbew 187/2016) liess die Beschwerdegegnerin einen neuen Plan „Ersatz Feldhecke“
ausarbeiten. Dieser Plan vom 4. November 2016 stimmt hinsichtlich der
Bestandesaufnahme der bestehenden Hecke mit dem ersten Plan aus dem Jahr 2015
überein. Analog zu dieser Bestandesaufnahme hat die Beschwerdegegnerin die
RA Nr. 110/2017/67 14
Heckengrenze in den Baugesuchsplänen für die Erschliessungsanlagen dargestellt. Bei
der Ausarbeitung der im Beschwerdeverfahren eingereichten Projektänderung hat die
Beschwerdegegnerin den Verlauf der Hecke nochmals überprüft und im
Projektänderungsplan vom 1. Dezember 2017 detailliert eingetragen. Die Eintragungen im
Projektänderungsplan stimmen in weiten Teilen mit der im Plan "Ersatz Feldhecke" vom
4. November 2016 eingezeichneten Hecke überein. Nur in einem Bereich östlich der
geplanten Sickermulde ist im Projektänderungsplan eine etwas grössere Heckenfläche
eingezeichnet (grössere Ausdehnung in südöstlicher Richtung). Im Verlauf der
Ausarbeitung des Projektänderungsplanes fand eine Besprechung zwischen den
Projektverfassern und einem Vertreter der ANF statt; dieser nahm im November 2017 auch
einen Augenschein vor.25 Gestützt darauf hat die Beschwerdegegnerin den Verlauf der
Heckengrenze im Projektänderungsplan eingetragen bzw. korrigiert. Die aktuelle
Bestandesaufnahme der Hecke erfolgte somit in Absprache mit der ANF und wurde von
dieser überprüft. Die BVE sieht daher keinen Anlass, an der Richtigkeit der im
Projektänderungsplan eingetragenen Heckengrenze zu zweifeln. Eine weitere
Bestandesaufnahme ist nicht erforderlich.
d) Mit der Projektänderung hat die Beschwerdegegnerin die Grösse des
Wendehammers sowie der Parkplatzanlage auf der Parzelle Nr. G._ reduziert und
die Lage und Form der Sickermulde verändert. Nach dieser Projektänderung befinden sich
der neue Strassenteil bzw. der Wendehammer und die Parkplätze in einer Distanz von 3 m
und mehr zur Heckengrenze (Rand Krautsaum). Sie halten damit den für solche Anlagen
erforderlichen Heckenabstand ein. Hinsichtlich dieser Anlagen liegt somit kein Eingriff in
die Hecke vor. Eine Ausnahmebewilligung nach Art. 14 Abs. 6 NHV für Eingriffe in eine
Hecke ist nicht erforderlich.
Die Versickerungsmulde, die ursprünglich in der Hecke geplant war, soll ebenfalls
ausserhalb der Hecke erstellt werden. Ihr Abstand zum Rand des Krautsaums beträgt
allerdings teilweise nur 0.3 m bis 0.4 m. Sie befindet sich damit teilweise in der Pufferzone
der Hecke. Die ANF kam aber in ihrem Bericht vom 28. Januar 2018 zum Schluss, eine
Ausnahmebewilligung für einen Eingriff in die Hecke sei nicht erforderlich, da kein
technischer Eingriff in die eigentliche Heckenfläche erfolge. Bei der Versickerungsanlage
handle es sich zwar um eine technische Anlage zur Versickerung von Meteorwasser. Da
25 Vgl. Amtsbericht der ANF vom 28. Januar 2018, S. 2 (Beurteilungsgrundlagen)
RA Nr. 110/2017/67 15
diese Anlage jedoch mit einer Rasen-/Krautmischung begrünt werde und damit weder eine
dauerhafte Versiegelung noch regelmässige Störungen der Hecke und des Krautsaums zur
Folge haben dürfte, könne aus Sicht der Naturförderung einem Bauabstand von bis zu 0 m
aus Gründen der Verhältnismässigkeit und Angemessenheit ohne Ersatzpflanzungen
zugestimmt werden. Die ANF stimmte daher dem Vorhaben mit Auflagen zur Bauphase zu
und fordert als Ersatzmassnahme für die nur leichten Beeinträchtigungen zwei Asthaufen
als Unterschlupf für Kleintiere (Igel, Blindschleichen etc.) innerhalb des Krautsaums.
Diese Beurteilung der ANF überzeugt: Die Versickerungsmulde wird sich nicht in der
Hecke selbst befinden, sondern in der Pufferzone. Die Pufferzone soll sicherstellen, dass
der Lebensraum Hecke und die darin lebenden Tiere und Pflanzen vor Schäden und
Beeinträchtigungen durch Beschattungen, Störungen, Chemikalien etc. geschützt werden.
Die geplante Versickerungsmulde wird nicht zu solchen Beeinträchtigungen führen. Sie
muss gemäss einer Auflage des Amts für Wasser und Abfall (AWA) eine begrünte
Humusschicht von mindestens 0.3 m aufweisen.26 Es erfolgt daher keine
Bodenversiegelung. Beschattungen durch die Mulde sind nicht möglich, da es sich nicht
um eine Hochbaute handelt und auch Störungen sind grundsätzlich nicht zu befürchten, da
die Mulde nicht der Nutzung durch Personen dient. Es kann höchstens zu seltenen
geringfügigen Störungen bei Wartungsarbeiten kommen. Schliesslich wird eine
Versickerungsmulde auch nicht als Kulturland genutzt, weshalb keine Dünger oder
Chemikalien ausgebracht werden. Eine begrünte Versickerungsmulde gehört daher nicht
zu den Anlagen, die zwingend einen Heckenabstand einzuhalten haben. Eine
Ausnahmebewilligung für einen technischen Eingriff in eine Hecke ist vorliegend nicht
notwendig.
Das hier umstrittene Bauvorhaben kann somit ohne die Erteilung einer Ausnahme bewilligt
werden. Die Prüfung der Standortgebundenheit sowie der überwiegenden Interessen
erübrigt sich. Da es allerdings während der Bauphase zu Störungen und
Beeinträchtigungen durch Bauarbeiten kommen könnte, sind mittels Auflagen die
erforderlichen Schutzmassnahmen während der Bauphase sowie die von der ANF
geforderte Ausgleichsmassnahmen (Asthaufen) anzuordnen. Nicht erforderlich sind
dagegen die mit dem angefochtenen Entscheid angeordneten Ersatzmassnahmen bzw.
26 Vgl. Anhang 4 des angefochtenen Entscheides vom 9. Juni 2017, der die Auflagen gemäss dem Amtsbericht des AWA vom 12. Dezember 2016 enthält
RA Nr. 110/2017/67 16
Ersatzpflanzungen, da das Vorhaben nach der Projektänderung nicht mehr in die Hecke
eingreift.
e) Der Beschwerdeführer macht geltend, die beiden Bauvorhaben "Mehrfamilienhaus"
und "Erschliessungsanlagen" dürften nicht separat beurteilt werden, da sonst die
Naturschutzgesetzgebung unterlaufen würde. Aufgrund der willkürlich festgelegten
Örtlichkeit der Erschliessungsanlagen sei bereits heute klar, dass die künftige nördlich der
neuen Erschliessungsstrasse geplante Wohnbaute in massiver Weise und ohne
Standortgebundenheit in die Feldhecke eingreifen werde. Wenn die Erschliessungsanlagen
zusammen mit den Wohnbauten beurteilt würden, müsste der Eingriff wegen fehlender
Standortgebundenheit verneint werden. Die separaten Baubewilligungsverfahren dürften
zu keinem anderen Ergebnis führen. Der Beschwerdeführer macht zudem geltend, es sei
keine genügende Ersatzfläche für die auf den Parzellen Nrn. H._ und J._
für das Mehrfamilienhaus zu rodenden Flächen vorgesehen und der Standort der
Ersatzflächen sei ungeeignet.
Im vorliegenden Verfahren ist nur das Bauvorhaben "Erschliessungsanlagen" (bbew
187/2016) zu beurteilen. Ob das im Verfahren bbew 185/2016 zu beurteilende
Bauvorhaben zu einem Eingriff in die geschützte Hecke führt und ob dafür eine
Ausnahmebewilligung erteilt werden könnte, ist nicht Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist eine
gleichzeitige Beurteilung der Erschliessung und der Wohnbauten auch nicht erforderlich.
Es ist zwar richtig, dass die Lage der Erschliessungsstrasse einen gewissen Einfluss auf
die Lage künftiger Gebäude hat. Die heutige Parzelle Nr. F._ ist aber gross und es
sind auch nach der Realisierung der hier zu beurteilenden Erschliessung noch
verschiedene Varianten der Bebauung denkbar.
5. Sonderbauzone / Bauliche Einheit
a) Die Parzelle Nr. F._, auf der ein Teil der umstrittenen Erschliessungsanlagen
erstellt werden soll, befindet sich in der Sonderbauzone „E._“. Laut Art. 33a GBR27
dient diese Sonderbauzone primär der Wohnnutzung mit verschiedenen Wohntypen.
27 Baureglement der Einwohnergemeinde Bannwil vom 19. April 1996, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 18. März 1997
RA Nr. 110/2017/67 17
Zugelassen sind zudem Räume/Ateliers für Kleingewerbe und Dienstleistungen/Aus-
stellungsräume sofern kein überdurchschnittlicher quartierfremder Verkehr entsteht. Ferner
dürfen in dieser Zone Bauten für Senioren, gehbehinderte Personen oder für das betreute
Wohnen wie Heime etc. erstellt werden. Art. 33a GBR regelt weiter die zulässigen
baupolizeilichen Masse, ordnet die Zone der Lärmempfindlichkeitsstufe II zu und enthält
Vorschriften für die Gestaltung. Zur Gestaltung hält Art. 33a Abs. 2 Folgendes fest:
"Für die Gestaltung der Bauten gelten folgende Bedingungen:
- Die Hauptbauten müssen mit Sattel- oder Pultdächern versehen werden. Dacheinschnitte, Dachaufbauten
sowie Dachterrassen sind gestattet.
- Die Dachneigung muss mindestens 10° und darf maximum 36° a.T. betragen.
- Kein First darf die Kote von 460.00 m. ü M. überschreiten.
- Die Gesamtanlage der Überbauung ist als bauliche Einheit zu gestalten.“
b) Der Beschwerdeführer macht geltend, der angefochtene Entscheid erläutere nicht,
inwieweit durch die geplante Erschliessung sichergestellt sei, dass die Sonderbauzone als
Gesamtanlage bzw. bauliche Einheit gestaltet werde. Es müsse ein gesamtheitliches
Überbauungskonzept vorliegen, bevor die Erschliessung vorgenommen werden könne.
Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin sei eine „Salamitaktik“ und umgehe die
Gemeindevorschriften. Die im Zusammenhang mit der geplanten Erschliessung erfolgte
Parzellierung des Baufeldes stelle bereits entscheidende Weichen für die spätere
Überbauung. So sei aufgrund der Grösse der Parzellen sowie der bereits bekannten
Planung klar, dass Parzelle Nr. H._ mit einem Mehrfamilienhaus und die übrigen
Parzellen mit Ein- oder Zweifamilienhäusern überbaut werden sollen. Es sei unklar, wie
trotzdem die bauliche Einheit sichergestellt werden könne. Die Gemeinde hält dem
entgegen, Art. 33a Abs. 2 GBR enthalte nur gestalterische Vorgaben und konkretisiere die
generelle Ästhetikbestimmung von Art. 19 GBR. Aus Art. 33a GBR lasse sich aber keine
Verpflichtung zur Überbauung als Gesamtanlage oder eine Forderung nach einem
Überbauungskonzept ableiten.
c) Die Auffassung der Gemeinde, der bei der Auslegung ihrer eigenen Normen
Autonomie zukommt28, überzeugt. Art. 33a Abs. 2 GBR enthält, wie der einleitende Titel
dieses Absatzes aussagt, gestalterische Vorgaben. Mit Vorschriften zur Dachgestaltung
und der Festlegung einer Maximalkote für die Firsthöhen soll offensichtlich eine gewisse
einheitliche bauliche Gestaltung erzielt werden. Auch die Vorgabe, die "Gesamtanlage der
28 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 65 N. 3
RA Nr. 110/2017/67 18
Überbauung" sei als "bauliche Einheit zu gestalten", kann aufgrund der Systematik der
Vorschrift nur als Gestaltungsvorschrift verstanden werden. Das Ziel von Art. 33a Abs. 2
GBR, eine gewisse Einheitlichkeit der Gebäude in der Sonderbauzone zu bewirken,
bedingt nicht zwingend eine Gesamtplanung oder ein Überbauungskonzept. Auch wenn
die Bebauung des Gebiets gestaffelt erfolgt, kann die Baubewilligungsbehörde eine
gewisse Einheitlichkeit der baulichen Gestaltung durchsetzen und beispielsweise
Bauvorhaben, die den Vorgaben von Art. 33a GBR nicht entsprechen und mit den bereits
bestehenden Bauten gestalterisch keine bauliche Einheit bilden, den Bauabschlag erteilen.
Dies wird durch eine vorgängige Erstellung der Erschliessungsanlagen nicht
verunmöglicht. Die Erschliessungsstrasse kann zwar einen gewissen Einfluss auf die
Anordnung der Gebäude auf der Parzelle Nr. F._ haben. Dies allein verhindert
aber eine baulich einheitliche Gestaltung der künftigen Gebäude in der Sonderbauzone
nicht. Die Rüge des Beschwerdeführers ist unbegründet.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Die Projektänderung vom 1. Dezember 2017 kann mit Auflagen bewilligt werden. Die
Beschwerde ist abzuweisen.
b) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'600.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV29).
Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Behördliche Fehlleistungen wie die Verletzung des rechtlichen Gehörs stellen
besondere Umstände im Sinn von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar.30 Wer ein Rechtsmittel
zurückzieht, den Abstand erklärt oder auf andere Weise dafür sorgt, dass das Verfahren
gegenstandslos wird, gilt als unterliegende Partei (Art. 110 Abs. 1 VRPG). Als unterliegend
29 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 30 VGE 21682 vom 3. September 2003, E. 3.2, in BVR 2004 S. 133 E. 3.2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 7 und 9
RA Nr. 110/2017/67 19
gilt auch, wer den Einwänden der Behörden oder der Gegenpartei durch eine
Projektänderung Rechnung trägt.31
Im vorliegenden Verfahren ist der Beschwerdeführer mit seinen Anträgen, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben und dem Bauvorhaben bzw. der Projektänderung
sei der Bauabschlag zu erteilen, nicht durchgedrungen. Gleiches gilt für seinen
Eventualantrag, mit dem er die Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz
verlangte. Aber auch die Beschwerdegegnerin ist teilweise unterlegen, da sie den
Einwänden betreffend Heckenschutz durch eine Projektänderung Rechnung getragen hat.
Insoweit gilt sie als unterliegend. Es rechtfertigt sich daher, dem Beschwerdeführer und der
Beschwerdegegnerin je die Hälfte der Verfahrenskosten, ausmachend je Fr. 800.–
aufzuerlegen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass vorliegend auch ein
Verfahrensmangel, nämlich die Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör durch das Regierungsstatthalteramt, geheilt werden musste. Dieser
Verfahrensfehler stellt einen besonderen Umstand im Sinne von Art. 108 Abs. 1 VRPG dar,
der es rechtfertigt auf die Erhebung eines Viertels der Verfahrenskosten bzw. Fr. 400.– zu
verzichten. Gemäss Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts ist dieser Betrag jedoch
einzig dem von der Gehörsverletzung betroffenen Beschwerdeführer zugute zu halten bzw.
von den auf ihn entfallenden Verfahrenskosten in Abzug zu bringen.32 Im Ergebnis sind
damit dem Beschwerdeführer Fr. 400.– und der Beschwerdegegnerin Fr. 800.–
aufzuerlegen.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Bei den besonderen Umständen stehen
wie bei Art. 108 Abs. 1 VRPG behördliche Fehlleistungen im Vordergrund, die für die
Parteien mit einem Mehraufwand verbunden gewesen sind.
Die Beschwerdegegnerin, die zur Hälfte unterliegt, hat dem Beschwerdeführer die Hälfte
seiner Parteikosten zu entschädigen. Aufgrund der Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehörs hat zudem das Regierungsstatthalteramt dem Beschwerdeführer einen
Viertel der Parteikosten zu bezahlen.
31 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 2; Art. 110 N. 5 32 VGE 2014/198 vom 6.8.2015, E. 4.3
RA Nr. 110/2017/67 20
Der Rechtsanwalt des Beschwerdeführers macht ein Honorar von Fr. 8 '250.–, Auslagen
von Fr. 150.– und Mehrwertsteuern von Fr. 592.– ( 8 %) für das Jahr 2017 sowie Fr. 77.–
(7.7 %) für das Jahr 2018 geltend. Das geltend gemachte Honorar entspricht einer
Ausschöpfung des Gebührenrahmens von rund 69 %. Die Parteikosten umfassen den
durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
Nach Art. 11 Abs. 1 PKV33 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG34). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als überdurchschnittlich zu
werten. Die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses sind dagegen
als eher unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint eine Ausschöpfung des
Gebührenrahmens von 50 % und damit ein Honorar von Fr. 6'100.– als angemessen. Bei
der Berechnung der Mehrwertsteuern ist zu berücksichtigen, dass sich der
Mehrwertsteuersatz per 1. Januar 2018 von 8 % auf 7.7 % reduziert hat. Aus der
Kostennote des Anwalts des Beschwerdeführers ergibt sich, dass rund 88 % der
anwaltlichen Tätigkeit im Jahr 2017 und rund 12 % der Tätigkeit 2018 erbracht wurde; dies
ergibt einen Honoraranteil von rund Fr. 5'370.– im Jahr 2017 und einen Anteil von Fr. 730.–
im Jahr 2018. Die Parteikostenentschädigung des Beschwerdeführers wird daher
festgelegt auf Fr. 6'747.80 (2017: Honorar Fr. 5'370.– plus Auslagen Fr. 150.– und
Mehrwertsteuern von Fr. 441.60 / 2018: Honorar Fr. 730.– zuzüglich Mehrwertsteuern von
Fr. 56.20). Davon hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Hälfte,
ausmachend Fr. 3'373.90, und das Regierungsstatthalteramt Oberaargau dem
Beschwerdeführer ein Viertel, ausmachend Fr. 1'686.95, zu bezahlen.
d) Die Beschwerdegegnerin war nicht anwaltlich vertreten und hat keinen Anspruch auf
Parteikostenersatz. Die Gemeinde Bannwil macht hinsichtlich der Parteikosten geltend, sie
sei als Grundeigentümerin ähnlich wie eine Privatperson betroffen. Der Gemeinde sind
zwar Parteikosten im Sinne des Gesetzes entstanden, da sie anwaltlich vertreten war (vgl.
Art. 104 Abs. 1 VRPG). Behörden im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG haben aber in
der Regel keinen Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 4 VRPG). Praxisgemäss
33 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 34 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
RA Nr. 110/2017/67 21
werden dem Gemeinwesen die Parteikosten ausnahmsweise ersetzt, wenn es nicht in
erster Linie hoheitliche Interessen wahrt, sondern wie eine Privatperson betroffen ist. Dies
ist beispielsweise der Fall, wenn eine Gemeinde als Bauherrin auftritt oder als
Eigentümerin eines Grundstücks im Finanzvermögen berührt ist.35 Vorliegend liegt keine
dieser Konstellationen vor. Die geplanten Erschliessungsanlagen sollen zwar nach der
Erstellung ins Eigentum der Gemeinde übergehen. Die Gemeinde ist aber nicht als
Bauherrin aufgetreten und die Parzelle Nr. G._ (Gemeindeverwaltung und
Schulanlage) befindet sich im Verwaltungsvermögen. Im Übrigen ist gemäss
verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung eine Gemeinde nicht wie eine Privatperson
betroffen, wenn es um ein Strassenbauvorhaben geht.36 Aus diesen Gründen hat die
Gemeinde Bannwil keinen Anspruch auf Parteikostenersatz.