Decision ID: 75484d21-d8ad-4eb2-aa6e-fc28074dd46c
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ litt an der Augenkrankheit Retinitis pigmentosa (vgl. IV-act. 18, 24-5).
Infolgedessen meldete sie sich im September 2005 bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug einer Hilflosenentschädigung an. Dabei gab sie an, bei der
Fortbewegung Hilfe zu benötigen. Zudem sei sie auf eine lebenspraktische Begleitung
bei ausserhäuslichen Verrichtungen und Kontakten angewiesen (IV-act. 41). Der
Augenarzt der Versicherten, Dr. med. B._, teilte der IV-Stelle am 10. November 2005
mit, dass die Sehschärfe bei der letztmaligen Untersuchung im Juli 2005 bei 0.4 bis 0.5
beidseits gelegen habe. Die Gesichtsfeldprüfung habe gewisse Einschränkungen, aber
keine Einschränkung auf 10° Abstand vom Zentrum ergeben. Im Moment könne die
Versicherte deshalb noch nicht als hilflos eingestuft werden. Allerdings sei mit einer
Verschlechterung zu rechnen (IV-act. 58). Gestützt darauf wies die IV-Stelle den Antrag
auf eine Hilflosenentschädigung mit Verfügung vom 18. Januar 2006 ab (IV-act. 62).
A.b Im März 2006 berichtete Dr. B._ der IV-Stelle, dass die Sehschärfe der
Versicherten nunmehr bei 0.2 liege. Im Gesichtsfeld erkenne die Versicherte keine
Optotypen (Sehzeichen) mehr und es liege eine Einschränkung auf 10° Abstand vom
Zentrum beidseits vor (IV-act. 71). Auf Empfehlung von Dr. B._ wurde die Versicherte
am 19. Juni 2006 zusätzlich in der Augenklinik des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG)
untersucht (vgl. IV-act. 75). Im Bericht vom 17. August 2006 wurde bei einem Fernvisus
von rechts 0.08 und links 0.1 ein verschlechterter Gesundheitszustand festgehalten (IV-
act. 81). Am 27. November 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass gemäss
den vorhandenen Unterlagen seit März 2006 eine langdauernde Hilflosigkeit vorliege
(IV-act. 91). Mit Verfügung vom 24. Mai 2007 sprach die IV-Stelle der Versicherten
rückwirkend ab 1. März 2007 eine Entschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten
Grades zu (IV-act. 112, 127).
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A.c Im Rahmen der Prüfung einer Revision der Hilflosenentschädigung teilte die IV-
Stelle der Versicherten am 9. Juni 2010 mit, dass weiterhin Anspruch auf die bisherige
Hilflosenentschädigung wegen leichter Hilflosigkeit bestehe (IV-act. 214, vgl. IV-act.
208 f., 212 f.).
A.d Im Jahr 2015 prüfte die IV-Stelle erneut die Revision der Hilflosenentschädigung.
Im entsprechenden Fragebogen gab die Versicherte am 27. Mai 2015 an, dass sich ihr
Gesundheitszustand aufgrund der stetigen Verschlechterung der Sehstärke seit 2011
verschlechtert habe. Sie benötige Hilfe bei der Körperpflege und bei der
Fortbewegung. Ausserdem sei sie tagsüber und nachts auf eine dauernde Pflege und
auf eine persönliche Überwachung angewiesen. Im Beiblatt zum Fragebogen kreuzte
sie an, beim Verrichten der Notdurft ebenfalls auf Hilfe angewiesen zu sein. Hinsichtlich
der Lebensverrichtung Essen machte die Beschwerdeführerin widersprüchliche
Angaben (vgl. IV-act. 280-2, 280-4 f.). Der die Versicherte seit 2008 behandelnde
Augenarzt Dr. med. C._ bestätigte der IV-Stelle am 17. Juli 2015, dass sich der
Gesundheitszustand der Versicherten verschlechtert habe. Er berichtete, dass die
Prognose sehr schlecht sei. Das Gesichtsfeld sei massivst konzentrisch auf weniger als
10° eingeschränkt. Die Visuswerte lägen bei Fingerzählen in 15cm (rechts 0.006 partiell)
und 25cm (links 0.006). Bei der Versicherten bestehe eine Blindheit nach WHO Grad 4.
Dies entspreche einer praktisch totalen Erblindung (IV-act. 285).
A.e In einem internen Feststellungsblatt vom 22. Juli 2015 verwies die zuständige
Sachbearbeiterin der IV-Stelle auf den Arztbericht von Dr. C._ und notierte, dass die
Anspruchsvoraussetzungen für eine Hilflosenentschädigung leichten Grades im
Sonderfall weiterhin erfüllt seien. Gestützt darauf teilte die IV-Stelle der Versicherten
gleichentags mit, dass unverändert ein Anspruch auf die bisherige
Hilflosenentschädigung bestehe (IV-act. 286 f.). Nachdem die Versicherte eine
beschwerdefähige Verfügung verlangt hatte, erliess die IV-Stelle am 7. September 2015
einen Vorbescheid über die unveränderte Zusprache der Hilflosenentschädigung (IV-
act. 288 f.). Am 26. Oktober 2015 verfügte die IV-Stelle gemäss ihrem Vorbescheid,
dass weiterhin ein Anspruch auf die bisherige Entschädigung wegen einer leichten
Hilflosigkeit im Sonderfall bestehe (IV-act. 294).
B.
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B.a Dagegen erhob die Versicherte am 26. November 2015 Beschwerde (act. G 1). Sie
beantragte, dass die angefochtene Verfügung aufzuheben und festzustellen sei, dass
ab 1. April 2015 ein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung wegen einer Hilflosigkeit
schweren Grades, eventualiter mittleren Grades bestehe. Subeventualiter sei die
Angelegenheit zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In
prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Gewährung der unentgeltliche
Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte sie im
Wesentlichen geltend, dass sich die Beschwerdegegnerin mit ihren Angaben zur
Hilflosigkeit offensichtlich überhaupt nicht auseinandergesetzt habe. Im
Feststellungsblatt vom 22. Juli 2015 sei einzig auf den medizinischen Befund (praktisch
totale Erblindung) Bezug genommen worden. Eine Auseinandersetzung mit den im
Fragebogen geltend gemachten Bedürfnissen zur Unterstützung in alltäglichen
Lebensverrichtungen sei nicht erfolgt. Damit sei die Offizialmaxime sowie der Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt worden. Daher sei auf ihre Angaben abzustellen und eine
Hilflosigkeit schweren, eventualiter mittleren Grades anzuerkennen (act. G 1 S. 7 f.).
B.b Am 22. Dezember 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, dass die knappe Begründung in
der angefochtenen Verfügung gerade noch rechtsgenüglich sei, weshalb keine
Verletzung der Begründungspflicht vorliege. Selbst wenn eine solche gegeben wäre,
würde diese nicht derart schwer wiegen, dass im Beschwerdeverfahren keine Heilung
erfolgen könnte. Im Übrigen habe der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einer
materiellen Behandlung den Vorzug gegeben (act. G 4 S. 3). Bei der
Beschwerdeführerin sei im Vergleich zur Situation bei der Zusprechung der
Hilflosenentschädigung im Mai 2007 eine deutliche Verschlechterung des
Sehvermögens in dem Sinne eingetreten, dass sie nun fast vollständig erblindet sei.
Rechtsprechungsgemäss würden jedoch auch blinde Personen als leicht hilflos gelten
und grundsätzlich Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades haben.
Bei Blinden und bei Versicherten mit hochgradiger Sehschwäre sei von einem
Sonderfall gemäss Rz 8057 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in
der Invalidenversicherung (KSIH, ab 1. Januar 2014 gültige Fassung) auszugehen und
gemäss Rz 8144 KSIH hätten nur dann weitere Abklärungen zu erfolgen, wenn wegen
zusätzlicher Gebrechen eine höhere Hilflosigkeit als möglich erscheine. Im Falle der
Beschwerdeführerin hätten die im Revisionsverfahren eingeholten Unterlagen keinerlei
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Hinweise auf zusätzliche Gebrechen psychischer oder somatischer Art enthalten,
sodass keine zusätzlichen Abklärungen erforderlich gewesen seien. Damit habe die
Beschwerdeführerin trotz der eingetretenen Verschlechterung des Sehvermögens
weiterhin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung leichten Grades (act. G 4 S. 4 f).
B.c Mit Replik vom 11. April 2016 hielt die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerdeschrift gestellten Rechtsbegehren fest. Ergänzend machte sie geltend,
dass es sich beim KSIH um eine Verwaltungsweisung handle, an welche das Gericht
nicht gebunden sein. Es entspreche der allgemeinen Lebenserfahrung, dass die
Unterstützungs- und die Pflegebedürftigkeit mit zunehmender Verschlechterung des
Sehvermögens zunehme (act. G 12).
B.d Am 12. April 2016 teilte das Gericht der Beschwerdeführerin mit, dass dem
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mangels Prozessarmut nicht entsprochen
werden könne. Ohne einen ausdrücklichen Gegenbericht bis am 26. April 2016 werde
davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin mit der formlosen Erledigung des
Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege einverstanden sei (act. G 11). Die
Beschwerdeführerin liess sich nicht vernehmen.
B.e Am 29. April 2016 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer
Duplik
(vgl. act. G 14).

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 49 Abs. 3 ATSG sind Verfügungen, wenn sie den Begehren der Parteien
nicht voll entsprechen, zu begründen. Die Begründungspflicht folgt aus dem Grundsatz
des rechtlichen Gehörs nach Art. 42 ATSG. Sinn und Zweck der Begründungspflicht ist
es, dem Adressaten der Verfügung offen zu legen, welche Überlegungen im
Wesentlichen zum getroffenen Entscheid geführt haben. Der Verfügungsadressat soll
anhand der Begründung entscheiden können, ob er ein Rechtsmittel gegen die
Verfügung einlegen will oder nicht. Dazu muss ihm bekannt sein, von welchen
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Überlegungen sich die verfügende Behörde hat leiten lassen und worauf sie ihren
Entscheid stützt. Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung lediglich ausgeführt, dass keine Änderung vorliege, welche den Anspruch
der Beschwerdeführerin beeinflusse, und dass deshalb weiterhin ein Anspruch auf die
bisherige Hilflosenentschädigung bestehe (IV-act. 294). Eine Begründung mit Bezug
auf die konkrete Aktenlage ist der Verfügung nicht zu entnehmen. Mit Blick auf den
Verfügungstext bleibt vielmehr vollständig unklar, welche Akten beim Entscheid, dass
weiterhin Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung wegen einer Hilflosigkeit leichten
Grades bestehe, berücksichtigt worden sind. Die angefochtene Verfügung hält deshalb
den Erfordernissen an eine rechtsgenügliche Begründung nicht stand. Sie erweist sich
somit als gesetzeswidrig. Eine sog. "Heilung“, also ein Ignorieren dieser
Gesetzwidrigkeit, käme nur dann in Frage, wenn die Beschwerdeführerin dies verlangt
hätte, weil sie der beförderlichen Behandlung ihres (materiellen) Gesuches um
Erhöhung der Hilflosenentschädigung den Vorrang vor der Rückweisung der
Streitsache an die Beschwerdegegnerin zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs
eingeräumt hätte. Der vorliegenden Beschwerdeschrift lässt sich jedoch nicht
entnehmen, dass die Beschwerdeführerin zugunsten einer solchen Beschleunigung des
Verfahrens auf die Geltendmachung der formellen Fehlerhaftigkeit der Verfügung
verzichtet hätte (vgl. act. G 1). Damit kann die Gehörsverletzung vorliegend nicht
ignoriert werden.
2.
2.1 Die Sache ist damit aufgrund der Verletzung der Begründungspflicht an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, welche erneut eine – nun ausreichend
begründete - Verfügung zu erlassen hat. Dabei ist davon auszugehen, dass das
Dispositiv dieser neuen Verfügung demjenigen der vorliegend angefochtenen
Verfügung entsprechen wird. Damit besteht die erhöhte „Gefahr“ eines zweiten
Beschwerdeverfahrens, denn es liegt auf der Hand, dass die Beschwerdeführerin auch
mit der neuen, begründeten Verfügung in materieller Hinsicht nicht einverstanden sein
wird. In einem solchen Fall hätte sich das Gericht erneut mit der vorliegenden Sachlage
auseinanderzusetzen. Um der Verfahrensökonomie Rechnung zu tragen, erscheint es
deshalb unausweichlich, im Sinne eines umfangreicheren obiter dictums eine vorläufige
Prüfung der materiellen Aktenlage vorzunehmen (vgl. nachfolgend E. 2 ff.).
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2.2 Die Beschwerdeführerin bezieht seit 1. März 2007 eine Hilflosenentschädigung
wegen einer Hilflosigkeit leichten Grades (vgl. IV-act. 112, 127). Dabei ist aktenkundig
und überdies unbestritten, dass die Beschwerdeführerin fast vollständig blind ist bzw.
an einer hochgradigen Sehschwäche leidet. Unbestritten ist im Weiteren, dass die
Beschwerdeführerin als hochgradig sehschwache Person den Tatbestand des Art. 37
Abs. 3 lit. d IVV erfüllt, also (mindestens) leichtgradig hilflos ist. Eine leichte Hilflosigkeit
liegt vor, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens
zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe
Dritter angewiesen ist, einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf, einer durch
das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf, wegen
einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur
dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte
pflegen kann oder dauernd auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art.
37 Abs. 3 IVV, vgl. auch Rz 8064 f. KSIH).
2.3 Streitig ist, ob die Beschwerdeführerin infolge einer Verschlechterung ihrer
Sehfähigkeit einen Anspruch auf eine höhere Hilflosenentschädigung wegen einer
Hilflosigkeit mittleren oder gar schweren Grades hat. Eine mittelschwere Hilflosigkeit
liegt vor, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten
alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter
angewiesen ist, in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden
persönlichen Überwachung bedarf oder in mindestens zwei alltäglichen
Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter und
überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (Art. 37 Abs. 2 IVV).
Eine schwere Hilflosigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist.
Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden
Pflege oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 37 Abs. 1 IVV). Praxisgemäss
werden folgende sechs alltägliche Lebensverrichtungen unterschieden: An- und
Auskleiden, Aufstehen, Absitzen und Abliegen, Essen, Körperpflege, Verrichten der
Notdurft und Fortbewegung (vgl. Rz 8010 KSIH).
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2.4 Ebenfalls als hilflos gilt gemäss Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG, wer wegen der
Beeinträchtigung der Gesundheit dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen
ist. Ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung liegt vor, wenn eine versicherte Person
ausserhalb eines Heimes lebt und infolge der Beeinträchtigung ohne Begleitung einer
Drittperson nicht selbständig wohnen kann, für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb
der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist oder ernsthaft gefährdet
ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (Art. 38 Abs. 1 IVV). Die
lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte noch indirekte) Dritthilfe bei
den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege oder Überwachung,
sondern stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar. Ziel
der lebenspraktischen Begleitung muss es sein, zu verhindern, dass Personen schwer
verwahrlosen und/oder in ein Heim oder eine Klinik eingewiesen werden müssen (vgl.
Rz 8040 KSIH). Die betroffene Person muss auf Hilfe bei der Tagesstrukturierung oder
auf Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagssituationen angewiesen sein (vgl. Rz.
8050 KSIH).
2.5 Die Beschwerdeführerin hat im Revisionsfragebogen betreffend Hilflosigkeit
angegeben, dass sich ihre Sehstärke stetig verschlechtert habe (vgl. IV-act. 280-1).
Diese Verschlechterung ist von Augenarzt Dr. C._ fachärztlich bestätigt und darüber
hinaus auch von der Beschwerdegegnerin anerkannt worden (IV-act. 285, act. G 4 S.
4). Hinsichtlich ihrer Hilflosigkeit hat die Beschwerdeführerin angegeben, dass sie u.a.
bei der Körperpflege, bei der Fortbewegung und beim Verrichten der Notdurft Hilfe
benötige. Ausserdem sei sie tagsüber und nachts auf eine dauernde Pflege und auf
eine persönliche Überwachung angewiesen (IV-act. 280). Bezüglich einer
Hilfsbedürftigkeit beim Essen sind dem Fragebogen keine eindeutigen Angaben zu
entnehmen (vgl. IV-act. 280-2, 280-4 f.). Die Beschwerdeführerin hat also im Vergleich
zu ihrer Anmeldung im Jahr 2007 mindestens zwei zusätzliche Lebensverrichtungen
genannt, in welchen sie seit der Verschlechterung der Sehstärke auf Hilfe angewiesen
sei (vgl. IV-act. 41-3). Damit haben Hinweise darauf vorgelegen, dass die
Beschwerdeführerin in mehr Lebensverrichtungen hilflos sein könnte, als sie es bei der
Zusprache der Hilflosenentschädigung im Mai 2007 gewesen ist. Auch ist es durchaus
denkbar, dass bei hochgradig sehschwachen Personen wie der Beschwerdeführerin
ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung bestehen könnte. Trotz dieser Hinweise hat
die Beschwerdegegnerin entsprechende Abklärungen unterlassen. Sie hat dies im
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Rahmen des Beschwerdeverfahrens insbesondere damit begründet, dass gemäss Rz
8144 KSIH bei Vorliegen einer Hilflosigkeit im Sonderfall nur dann weitere Abklärungen
zu erfolgen hätten, wenn wegen zusätzlicher Gebrechen eine höhere Hilflosigkeit
möglich erscheine. Da der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer praktisch totalen
Erblindung eine solche Hilflosenentschädigung leichten Grades bzw. „im Sonderfall“
zugesprochen worden sei und unbestrittenermassen kein zusätzliches Gebrechen
vorliege, erübrigten sich weitere Abklärungen (act. G 4, vgl. IV-act. 299).
2.6 Nachdem die Beschwerdegegnerin das Vorliegen einer allfälligen Verschlechterung
also mit Verweis auf die Bestimmung Rz. 8144 KSIH gar nicht weiter abgeklärt hat, ist
zu prüfen, ob diese Vorgehensweise als gesetzmässig zu qualifizieren ist.
2.6.1 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass das Kreisschreiben - wie die
Beschwerdeführerin zu Recht angeführt hat (act. G 12 S. 2) - eine
Verwaltungsanweisung darstellt und keine verbindlichen Gesetzesbestimmungen, d.h.
keine Bestimmungen mit Gesetzesrang, beinhaltet. Entsprechend sind die
Bestimmungen des KSIH für das Gericht auch nicht bindend (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes vom 11. Dezember 2004, 9C_691/2014 E. 4). Im
Sozialversicherungsprozess gelten darüber hinaus die Grundsätze der
Untersuchungspflicht und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Das
bedeutet, dass die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht den Sachverhalt
von Amtes wegen abzuklären hat, ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu
sein. Rechtsprechungsgemäss haben Verwaltungsbehörden und
Sozialversicherungsgerichte zusätzliche Abklärungen insbesondere stets dann
vorzunehmen, wenn aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten
ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass hierzu besteht (BGE 110 V 53 E. 4a).
2.6.2 Rz 8144 KSIH beschränkt nun jedoch den gesetzlich verankerten und von der
Rechtsprechung präzisierten Untersuchungsgrundsatz. Die Verwaltung wird nämlich
angewiesen, bei Blinden bzw. Personen mit starker Sehschwäche weitere Abklärungen
nur bei Vorliegen einer zusätzlichen, von der Sinnesschädigung unabhängigen
Gesundheitseinschränkung zu tätigen. Liegt somit keine weitere Beeinträchtigung vor,
ist eine Person mit anderen Worten „nur“ blind, schliesst Rz 8144 weitere Abklärungen
von vornherein aus. Die Bestimmung impliziert somit, dass der Grad der Sehfähigkeit
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keinen Einfluss auf andere alltägliche Lebensverrichtungen oder auf die Fähigkeit,
alleine zu leben, haben könne. Dies hätte zur Folge, dass Personen, die nur an einer
Seheinschränkung leiden, aufgrund dieser Erkrankung nie eine höhergradige als eine
Hilflosenentschädigung leichten Grades erhalten könnten. Entsprechend wäre in Bezug
auf eine Erblindung nie ein Revisionsgrund gegeben und ein Revisionsverfahren auch
bei Verschlechterung der Sehfähigkeit bis zur totalen Erblindung generell
ausgeschlossen. Dies ist nicht überzeugend begründbar. Fest steht jedenfalls, dass
eine derartige Beschränkung des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund der
aufgezeigten weitreichenden Rechtsfolgen keinesfalls auf der Stufe einer
Verwaltungsanweisung geregelt werden kann: Wie der Untersuchungsgrundsatz selbst
bedarf auch dessen Beschränkung einer gesetzlichen Grundlage. Rz 8144 KSIH
erweist sich damit als gesetzeswidrig, weshalb sie nicht angewendet werden darf.
2.7 Zusammenfassend ist nach dem Gesagten nicht ausgeschlossen, dass das
Gericht in einem neuen Beschwerdeverfahren zum Schluss kommen könnte, dass die
Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz verletzt haben könnte, indem sie
auf diese gesetzeswidrige Bestimmung abgestellt und keine weiteren Abklärungen
getätigt hat. Bei einem solchen Ergebnis wäre die Sache ein zweites Mal an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, was dem Beschleunigungsgebot zuwiderliefe.
3.
3.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 400.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
3.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege
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beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS
963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Vertretungsaufwand ist angesichts
der wenigen relevanten Akten und der Beschränkung auf eine klare Rechtsfrage als
unterdurchschnittlich zu qualifizieren, weshalb die Entschädigung auf eine leicht
unterdurchschnittliche Pauschale von Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.