Decision ID: a938ae07-9407-47c5-b5e7-2a28c5621fa0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, ist als Versicherungsmaklerin tätig und der
Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, Ausgleichs
kasse, als
Selb
stän
dig
er
wer
ben
de
ange
schlossen
.
Am 5. Juli 2020
(Ein
gangs
datum) meldete
sie
sich
bei der Aus
gleichskasse zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung für die Zeit
ab
18. Sep
tember 2020 gestützt auf die Ver
ord
nung über Massnahmen bei Erwerbs
ausfall im Zusam
men
hang mit dem
Corona
virus
(Covid-19-Verordnung Erwerbs
au
sfall) an
(
Urk. 6/46
).
Mit Ab
rechnung
en
vom
9.
u
nd 24.
Juli
,
1.
August
sowie
1.
und 16. September
2020
teilte die Ausgleichs
kasse mit, dass
die
Ver
sicherte in der Periode vom 1
7. März
bis
16. September
2020
infolge Härtefalls
Anspruch auf Corona-Erwerbs
er
satz
entschä
di
gung bei einem Tages
an
satz von
Fr.
121
.
6
0 habe (Urk. 6/
47
,
Urk.
6/57-58,
Urk.
6/63,
Urk.
6/65
).
1.2
Mit weiteren Anmeldungen vom 1
1.
November 2020, 3
1.
Januar
,
1.
Februar, 6. März,
1.
April,
1.
Mai,
3.
Juni,
1.
Juli,
5.
und 3
1.
August, 3
0.
September,
31. Ok
to
ber,
5.
Dezember
2021
sowie
1.
Januar 2022
machte
X._
insgesamt einen Anspruch auf eine Co
rona-Erwerbsaus
fallent
schä
digung für die
Zeit
vom 17.
September 2020 bis
Dezember
2021
gel
tend
(Urk. 6/68,
Urk. 6/72-74, Urk. 6/
80
, Urk. 6/
8
2, Urk. 6/
84
, Urk.
6/94
, Urk.
6/97
, Urk. 6/
99
,
Urk. 6/102
, Urk.
6/105,
Urk.
6/107
,
Urk.
6/118
, Urk. 6/125
)
.
In den Anmeldefor
mularen gab sie an
,
aufgrund behördlicher Anordnungen eine Umsatz
einbusse von 100 % zu haben.
Nach der Prüfung des Anspruches richtete die Aus
gleichs
kasse ih
r
für die Zeitperiode vom 1
7.
September
2020
bis
3
1.
Sep
tem
ber
202
1
eine Corona-Er
werbs
ausfallentschädigung
infolge erheblicher Umsatz
einbussen
aus (
Urk.
6/70
,
Urk.
6/75,
Urk.
6/77
,
Urk.
6/81,
Urk.
6/83,
Urk.
6/85, Urk.
6/96,
Urk.
6/98, U
rk.
6/100,
Urk.
6/103,
Urk.
6/106
).
Für die Monate
Oktober
bis
Dezember
2021 verneinte die Ausgleichs
kasse
einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz
ent
schä
di
gung, da
Personen, deren Erwerbs
tätig
keit nicht von
der Zertifikatspflicht
ein
geschränkt werde, ab 1
.
September 2021
keinen An
spruch auf diese Leistungen mehr hätten (Verfügungen
vom
10. Novem
ber [Urk. 6/114],
2
3
. Dezember
2021
[Urk. 6/
123
]
, 1
0.
Januar 2022 [
Urk.
6/126]
).
Die da
gegen vo
n der
Versicherten am
1
0.
Dezember 2021
sowie
1
8.
und
19. Ja
nuar 2022
erhobene
n
Ein
sprache
n
(
Urk.
6/121
, Urk. 6/
127
,
Urk.
6/129
) wies die Ausgleichs
kasse mit
Einsprache
ent
scheid
vom
7.
März 2022
ab
(Urk. 6/134 = Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am
7.
April
2022 Beschwerde und bean
tragte sinngemäss die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und die
Zuspra
che
einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung für die Monate Oktober
bis Dezember
2021 (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
8.
April
2022 schlos
s die Beschwerdegegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der Kassenakten [Urk. 6/1
137
]), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom
2
9.
April
2022 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit er
for
der
lich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen Anspruch auf Corona-Erwerbsaus
fall
entschädigung mit der Begründung, dass nur
selbständigerwerbende
Personen anspruchsberechtigt seien, die aufgrund kantonaler oder auf Bundesebene beschlossener Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
ihre Erwerbstätig
keit erheblich einschränken müssten und deshalb einen Erwerbs- oder Lohn
aus
fall erlitten hätten (
Urk.
2). Der Zusammenhang zwischen der geltend gemachten Ein
schränkung in der Tätigkeit der Beschwerdeführerin mit den behörd
lichen Mass
nahmen (Homeoffice-Pflicht) sei nicht erwiesen (Urk. 5).
1.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber zusammengefasst geltend (Urk. 1), sie sei als
Versicherungsmaklerin
von den auf Bundesebene beschlos
se
nen Massnahmen direkt betroffen.
Die Homeoffice-Pflicht verunmögliche Hausbesuche bei ihren Kunden, weshalb sie in den Monaten Oktober bis Dezember 2021 eine Umsatzeinbusse erlitten habe und deshalb Anspruch auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung habe.
2.
2.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Ver
ordnun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar dro
hen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf
[maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat
–
nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützten
–
am 2
0.
März 2020 die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall. Die Verordnung wurde rückwirkend per 1
7.
März 2020 in Kraft gesetzt (
Art.
11
Abs.
1 und 2 der Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom 2
0.
März 2020). Mit dem Bundesgesetz über die gesetzlichen Grund
lagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie vom 2
5.
September 2020 (Covid-19-Gesetz) wurde rückwirkend per 1
7.
Sep
tem
ber 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall geschaffen (
Art.
15 in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
3 Covid-19-Gesetz). Seit ihrem Inkrafttreten per 1
7.
März 2020 wurde die Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall vom Bundesrat mehrfach geändert.
2.2
Gestützt auf Art. 7 des
Epidemiengesetzes
erliess der Bundesrat unter anderem die Covid-19-Verordnung 2, welche vom 13. März bis 22. Juni 2020 in Kraft war. Sie ordnete Massnahmen gegenüber der Bevölkerung, Organisationen und Insti
tutionen sowie den Kantonen zur Verminderung des Übertragungsrisikos und zur Bekämpfung des
Coronavirus
(Covid-19) an (Art. 1 Abs. 1 dieser Verordnung). Gemäss Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung 2 in der ab 17. März 2020 gültig gewesenen Version war es verboten, öffentliche oder private Veranstaltungen durchzuführen. Ferner empfahl der Bundesrat den Arbeitenden, wo möglich, Homeoffice zu machen (vgl. die Medienmitteilung des Bundesrates vom 13. März 2020). In der Folge beschloss der Bundesrat am 27. Mai 2020
eine weit
gehende Lock
er
ung der noch geltenden Massnahmen zur Bekämpfung de
s
Corona
virus
per 6. Juni 2020.
Unter der Bedingung, dass für alle Einrichtungen und Ver
an
stal
tungen Schutz
konzepte vorhanden sind (Art. 6d
Abs.
1 Covid-19-Ver
ordnung 2 in der ab
6.
Juni 2020 gültig gewesenen Version),
waren Veran
stal
tungen mit bis zu 300 Personen wieder erlaubt. Die Homeoffice-Empfehlung blieb bestehen
(vgl. die Medien
mitteilung des Bundesrates vom 2
7.
Mai 2020).
Nach einer Zunahme der Ansteckungen mit dem
Coronavirus
im Herbst und Winter 2020 wurden weitere Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
beschlossen. Mit der Änderung der Verordnung über Massnahmen in der be
son
deren Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Verordnung besondere Lage) vom
19. Oktober
2020 (
aufgehoben mit
Art.
30 Covid-19-Verord
nung besondere Lage vom 2
3.
Juni 2021
)
wurde die Empfehlung, die
Arbeits
pflichten von zu Hause aus zu erfüllen, in Art. 10 Abs. 3 dieser Veror
dnung aufgenommen. Bei Veranstaltungen mit bis zu 1000 Personen hatte neben der Erhe
bung der Kontaktdaten eine Unterteilung in Sektoren mit höchstens 100 Per
sonen zu erfolgen (Art. 6 Abs. 1 der Covid-19-Verordnung besondere Lage). Ab 18. Januar 2021 galt eine Homeoffice-Pflicht (Art.
10
Abs.
3 der Covid-19-Ver
ordnung besondere Lage in der
ab
1
8.
Januar 2021
gültig
gewesenen
Version
, vgl.
auch
Medienmitteilung des Bundes
rates vom 1
3.
Januar 2021).
Ausserdem wur
den mit Art. 6
Abs. 1
der Covid-19-Verordnung beson
dere Lage die Durch
führung von Veranstaltungen mit wenigen Ausnahmen wieder
verbo
ten. Erst per 19. April 2021 konnten Veran
stal
tungen mit Publikum mit Einschränkungen wieder statt
finden. Die maximale Besucherzahl wurde draussen auf 100 Personen und drin
nen auf 50 Personen beschränkt (Art. 6 Abs. 1
bis
lit
. a der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 19. April 2021
gültig
gewesenen
Ver
sion). Am 31. Mai 2021 erfolgte ein weiterer Öffnungsschritt und die Homeoffice-Pflicht wurde für jene Betriebe, die wieder
holt testeten, in eine Homeoffice-Emp
fehlung umgewandelt (Art. 10 Abs. 3
bis
der Covid-19-Verord
nung besondere Lage in der ab 31. Mai 2021
gültig
gewesenen
Fassung; vgl. auch Medien
mit
tei
lung des Bun
desrates vom 26. Mai 2021).
Weiter beschloss der Bundesrat in seiner Sitzung vom 2
6.
Mai 2021 wann und in welcher Form Gross
veran
stal
tungen wieder statt
finden
konnten.
Demnach
waren mit einer Bewilli
gung der zuständigen kan
tonalen Behörde
ab
1.
Juli 2021 Grossveran
staltungen mit bis zu 1000 Per
sonen
wieder zulässig (Art. 6a Abs. 1 Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 27. Mai 2021 gültig gewesenen Version). Per 26. Juni 2021 wurde sodann die Pflicht eingeführt, ein Schutz
kon
zept zu erarbeiten und um
zusetzen. Zusätz
lich bestand ab diesem Zeitpunkt bei Gross
veranstaltungen die Zerti
fi
kats
pflicht für alle Per
so
nen ab 16 Jahren (Art. 17 der Covid-19-Verord
nung beson
dere Lage in der ab 26. Juni 2021 gültig gewesenen Version). Hingegen wurde die Home
office-Pflicht aufgehoben (vgl. Art. 10 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 26. Juni 2021
gültig
gewesenen
Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates vom 23. Juni 2021). Die Zertifikats
pflicht wurde per 13. September 2021 auf alle Veranstaltungen in
Innenräumen ausge
weitet (vgl. Medienmittei
lung des Bundesrates vom 8. September 2021). Ab 20. Dezember 2021 wurden die Mass
nahmen abermals verschärft. Zu
Veranstal
tungen im Innern
hatten
nur noch geimpfte und genesene Personen (2G
-Regel
)
Zugang
. Ausserdem wurde die Homeoffice-Pflicht
wieder eingeführt
(Art. 14 und Art. 25 Abs. 5 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 20. Dezember 2021
gültig
gewesenen
Fassung, vgl. auch Medien
mitteilung vom 17. De
zember 2021). Schliesslich wurden die Homeoffice-Pflicht per 3. Februar 2022 (vgl. Art. 25 Abs. 5 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 3. Februar
2022
gültig gewesenen
Fassung; vgl. auch Medienmitteilung des Bundesrates vom 2. Februar 2022) und die Zertifikatspflicht per 17. Februar 2022 (vgl. Medienmitteilung des Bundesrats vom 16. Februar 2022) wieder aufgehoben.
2.3
I
n zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 130 V 445 E. 1.2.1).
Weiter stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
Vorliegend streitig ist die Höhe des Anspruchs de
r Beschwerdeführerin
auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung
für die
Monat
e
Oktober
bis
Dezember
202
1.
Entsprechend sind die in diesen
Monat
en
gültigen Bestimmungen anwend
bar.
2.4
Laut
Art.
1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassun
gen) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf die Entschädigungen gemäss dieser Verordnung anwendbar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht ausdrück
lich eine Abweichung vom ATSG vorsehen. Nach
Art.
8
Abs.
5 der Covid-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassungen) wird die Ent
schä
di
gung im formlosen Verfahren nach Artikel 51 ATSG festgesetzt.
Dies gilt in Abweichung von Artikel 49 Absatz 1 ATSG auch für erhebliche Entschä
digungen
.
2.5
2.5.1
Nach Art. 2 Abs. 3 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 20. Septem
ber 2021) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Artikel 12 ATSG und Perso
nen nach Artikel 31 Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obliga
to
rische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) unter der Voraussetzung von Absatz 1
bis
Buchstabe c anspruchsberechtigt, wenn sie:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie unterbrechen müssen; und
b. einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden.
2.5.2
G
emäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand:
20. Septem
ber 2021
) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von
Art.
12 ATSG, die nicht
unter Absatz 3 fallen
, anspruchsberechtigt wenn:
a. ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b. sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c. sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt sinn
ge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Voraus
setzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt gemäss
Art.
2
Abs.
3
ter
Satz 1 Cov
id-19-Verordnung Erwerbsausfall
als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine
Umsatz
ein
busse von mindestens 3
0 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monat
lichen Um
satz der Jahre 2015–2019 vorliegt.
Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durchschnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufge
nom
men haben, müssen nachweisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von mindes
tens drei Monaten vorliegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Monate mit den höchsten Umsätzen (
Art.
2
Abs.
3
ter
).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin ist bei der Beschwerdegegnerin als selbständig Erwerbs
tätige im Bereich Treuhand gemeldet. Im Rah
men der Ab
rech
nungen richtete die Beschwerdegegnerin die Corona-Erwerbs
aus
fall
entschä
di
gung vom 17. Septem
ber 2020 bis 30. September 2021 aufgrund erheblicher Um
satz
einbussen
in
folge
verunmöglichter Kundenbesuche
aus (vgl.
Urk.
6/70
,
Urk.
6/75,
Urk.
6/77
, Urk.
6/81,
Urk.
6/83,
Urk.
6/85, Urk. 6/96,
Urk.
6/9
8, Urk. 6/100,
Urk.
6/103, Urk.
6/106
), implizit also gestützt auf Art. 2 Abs. 3
bis
und Abs. 3
ter
der Covid-19-Verordnung Erwerbs
aus
fall
(vgl. E. 2.5.2 hiervor)
. Dass die Beschwerdeführerin in den Monaten Oktober bis Dezember 2021 eine Umsatz
ein
busse von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum durch
schnitt
lichen monat
li
chen Umsatz der Jahre 2015 bis 2019 erlitten hat, ist
un
bestritten (vgl.
Urk.
6/107,
Urk.
6/118, Urk. 6/125). In den Verfügungen vom 10.
No
vember 2021, 2
3.
Dezember 2021 und 1
0.
Januar 2022 sowie im
Ein
spra
che
entscheid
vom
7.
März 2022 äusserte sich die Beschwerde
gegnerin einzig zu den behördlich an
ge
ordneten Massnah
men und dass die Be
schwer
de
führerin von solchen seit 1. Sep
tember 2021 nicht mehr betroffen sei, mithin die Kausalität der Umsatz
ein
busse mit den gel
tenden Massnahmen nicht mehr gegeben sei.
3.2
Die Beschwerdegegnerin verweist im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf
Rz
. 1040
.2 des Kreisschreibens über die Entschädigung zur Bekämpfung des
Corona
virus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE). Darin wird ausgeführt, dass ab dem 1. September 2021, in Anbetracht der Aufhebung des generellen Veranstaltungs
verbotes und des Fehlens des erforderlichen Nachweises nach
Rz
. 1037 ff. (welche Randziffern den Anspruch infolge eines geltenden Veranstaltungsverbotes oder infolge Nichtgenehmigung der Veranstaltung aufgrund von Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
betreffen),
Selbständigerwerbende
und Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung sowie deren mitarbeitende Ehegatten oder einge
tragene Partner, die aufgrund von Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
einen Erwerbsausfall erlitten, Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz infolge mass
gebender Einschränkung der Erwerbstätigkeit geltend machen könnten. Diese Randziffer wurde mit der Version 19 des KS
CE (gültig ab 17. September 2021
, vgl. dazu das Vorwort zur Version 19) eingefügt, nachdem im Vorwort zur Version 18 festgehalten worden war, dass es aktuell kaum noch behördliche Einschränkungen gebe. Deshalb müssten die Ausgleichskassen ihr Augenmerk be
sonders auf die Gründe richten, die die Versicherten für eine erhebliche Einschränkung geltend machten. Diese Gründe müssten im Zusammenhang mit den Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
stehen. Es ist der Beschwer
degeg
nerin somit beizupflichten, dass eine Umsatzeinbusse, die (alleine) darauf zurück
zuführen ist, dass sich das ökonomische Umfeld aufgrund der Pandemie ändert, nicht durch die Corona-Erwerbsersatzentschädigung abgedeckt wird.
3.3
Massgebend ist, ob und inwiefern die Erwerbseinbusse der Beschwerdeführerin in den Monaten Oktober bis Dezember 2021 auf die staatlich verordneten
Mass
nah
men gegen das Corona-V
irus zurückzuführen war. Seit 13. September 2021
galt
insofern eine Einschränkung, als
für Veranstaltungen in Innenräumen
eine Zertifikatspflicht für alle Personen ab 16 Jahren
bestand (vgl. vorstehend E. 2.2).
Einzig diese Mass
nahme interessiert in Bezug auf den zu prüfenden Entschädi
gungs
anspruch.
Von der Zertifikatspflicht an Veranstaltungen war die Beschwer
de
führerin nicht betroffen, insofern ist eine Einschränkung ihrer erwerblichen Tätig
keit
im vorliegend strittigen Zeitraum
nicht ausgewiesen. Die Beschwerde
führerin verwies im Wesentlichen darauf, dass sie ihre Kunden nicht habe besuchen können, da Homeoffice-Pflicht bestand
en habe
. Telefonverkauf funktioniere bei Versicherungsmaklern nicht, gehe es doch um komplizierte Sachverhalte und könnten die Formulare über Telefon nicht ausgefüllt und unterzeichnet werden (
Urk.
1).
Soweit die Beschwerdeführe
r
in den geltend gemachten Anspruch mit Massnahmen begründet, die im re
le
vanten Zeitraum
bereits nicht mehr in Kraft waren, kann ihr nicht gefolgt werden. Mit der Aufhe
bung einer Massnahme endet ihr zeit
licher Geltungsbereich und sie kann nicht mehr Grund
lage eines (weiteren) Ent
schädigungsanspruchs bilden. Ähnlich verhält es sich mit dem Umstand, dass sich im Herbst 2021 die epi
de
miologische Lage verschlech
terte und deshalb wieder eine Verschärfung der Mass
nahmen zu erwarten war. Eine Vor
wirkung kommt ihnen nicht zu, womit sie vorliegend ausser Betracht zu bleiben haben.
Entgegen der Auffassung der Beschwerde
führerin be
stand im vorliegend in
te
ressierenden Zeitraum
bis 2
0.
Dezember 2021
keine Homeoffice-Pflicht mehr. D
iese wurde erst
ab diesem Zeitpunkt
wieder einge
führt (vgl. E
.
2.2 hiervor)
. Die Arbeitgeber waren also verpflichtet sicher
zustellen, dass die Arbeit
nehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Arbeits
verpflichtungen von zu Hause erfüllen, wo dies aufgrund der Art der Aktivität möglich und mit verhältnis
mässigem Aufwand umsetzbar war (
Art.
25
Abs.
5 der Covid-19-Verordnung besondere Lage in der ab 2
0.
D
ezember 2021 gültig
gewesenen
Fassung). Dazu geht
aus
der Medien
mitteilung des Bundesrates vom 17. De
zem
ber 2021 hervor, dass
im Falle
, dass Arbeiten vor Ort notwendig seien, in Räumlichkeiten, in denen sich mehrere Personen aufhielten, Masken
pflicht gelte. Angesichts dessen und vor dem Hinter
grund, dass die Beschwerde
führerin angab, ihre Tätigkeit über das Telefon nicht ausüben zu können, hätte die Beschwerdeführerin
ab Wiederein
führung der Homeoffice-Pflicht per
2
0.
Dezember 2021 (sofern in Anbetracht der bevorstehenden F
eier
tage überhaupt relevant)
unter Einhaltung der Masken
pflicht ihre Tätigkeit als Versicherungs
maklerin auch bei Kunden vor Ort aus
führen können.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.