Decision ID: 74334e58-8b45-5730-b9e4-0bdc697eb3b3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein sri-lanki-
scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, aus B._, Provinz
Jaffna, stammend, am 21. März 2016 legal sein Heimatland. Am 30. März
2016 reiste er in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asylgesuch.
Am 6. April 2016 wurde er im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) in
Basel zu seinem Reiseweg und summarisch zu seinen Asylgründen
befragt (Befragung zur Person [BzP]). Am 5. Juli 2018 fand die
Bundesanhörung zu den Asylgründen statt.
B.
Der Beschwerdeführer brachte hinsichtlich seines Lebenslaufs vor, er habe
bis zu seinem 15. Lebensjahr in B._ gelebt. Nachdem die sri-
lankische Armee Jaffna angegriffen habe, sei er ins Vanni-Gebiet gezogen
und habe während zwei Jahren von 1996 bis 1998 dort gelebt. Nach seiner
Rückkehr aus dem Vanni-Gebiet sei er einmal in einem Militärcamp
festgehalten und erst nach zwei Tagen wieder freigelassen worden.
Danach habe er in C._ und D._ gelebt, wo er zwar die
Schule besucht, jedoch weder seinen A-Level-Abschluss beendet noch
eine Ausbildung absolviert habe. Schliesslich sei er erneut nach
B._ gezogen und habe dort mit seiner Ehefrau und den (...) Kindern
bis zu seiner Ausreise gelebt. In der Nähe seines Hauses habe er eine
kleine (...) eröffnet und rund zehn Angestellte beschäftigt. Im Januar 2015
habe er seine (...), welche sich unmittelbar neben einem Militärcamp
befunden habe, vergrössert und zwei weitere Mitarbeiter, welche entfernte
Verwandte seiner Ehefrau gewesen seien, angestellt. Diese seien
Mitglieder der LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) gewesen, bevor sie
ein Rehabilitationsprogramm durchlaufen hätten.
Zur Begründung seines Asylgesuches brachte er im Wesentlichen vor,
dass ihn im Frühling 2015 Angehörige des gegenüberliegenden Militär-
Camps für den (...) auf dem Hof der Militäranlage angefragt hätten. Es sei
ihm nahegelegt worden, er solle diese Arbeit unentgeltlich ausführen. Als
er sich geweigert habe, sei er von ihnen beschuldigt worden, Verbindungen
zu Mitgliedern der LTTE zu pflegen und diese finanziell zu unterstützen. In
Folge sei seine (...) regelmässig durch die Behörden kontrolliert worden,
indem Angehörige des Militärs fast täglich vorwiegend die beiden neu ein-
gestellten Mitarbeiter befragt hätten. Auch seien sie regelmässig zu ihm
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nach Hause gekommen, um ihm verschiedene Fragen zu stellen. Schliess-
lich sei er sechs oder sieben Mal für Befragungen ins Militärcamp vorgela-
den und von Mitarbeitern des CID (Criminal Investigation Departement) be-
fragt worden. Auch seine Ehefrau habe man drei bis vier Male vorgeladen,
wobei sie während einer Befragung im Juni 2015 sexuell belästigt worden
sei. Deshalb habe er diesen beiden Mitarbeitern, welche ehemalige Mit-
glieder der LTTE gewesen seien, gekündigt sowie schliesslich den Auftrag
für den (...) ausgeführt. Danach sei seine Ehefrau von den sri-lankischen
Behörden in Ruhe gelassen worden.
Er sei jedoch weitere Male vorgeladen worden, wobei ihm gedroht worden
sei, ihn verschwinden zu lassen oder ihn zu erschiessen. Es sei ihm wie-
derholt vorgeworfen worden, die LTTE finanziell zu unterstützen. Zudem
sei er zum Sinn und Zweck seines damaligen Aufenthalts im Vanni-Gebiet
befragt und es sei ihm verboten worden, sich ausserhalb des Dorfes zu
begeben. Ab Ende Oktober 2015 habe er den Vorladungen keine Folge
mehr geleistet. Daraufhin sei er praktisch täglich von Mitarbeitern des CID
zu Hause aufgesucht sowie auf der Strasse beobachtet und kontrolliert
worden. Nachdem ihm ein ehemaliger Bekannter, welcher im Militärcamp
von B._ als Armeeangehöriger gearbeitet habe, geraten habe, aus-
zureisen, habe er die noch offenen Aufträge an seinen Onkel weitergege-
ben und gleichzeitig vergeblich versucht, die (...) zu verkaufen. Er habe
seine Ehefrau mit den Kindern zu ihren Eltern nach D._ geschickt,
um sie vor weiteren Belästigungen durch die sri-lankischen Behörden zu
schützen.
Eine Woche nach seiner Ausreise im Frühling 2016 sei von Mitarbeitern
des CID eine hohe Geldforderung an seinen Onkel eingegangen, welche
dieser in der Folge bezahlt habe. Weiter sei auch dieser Onkel von Mitar-
beitern des CID verhört worden. Schliesslich sei dieser aufgrund des von
den Verhören verursachten Stresses verstorben.
Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Beschwerdeführer legte seine Identitätskarte, eine Kopie seiner
Identitätskarte der Armee, eine Wohnsitzbestätigung, die Lizenz zur
Berechtigung, selbständig eine (...) zu führen, ein Bestätigungsschreiben
eines Parlamentsmitglieds – datiert vom 2. Februar 2017 –, seine
Geburtsurkunde, diejenige seiner Ehefrau sowie die der vier Kinder, ein
Reintegrationsschreiben eines ehemaligen Mitarbeiters, verschiedene
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Fotos und Zeitungsartikel sowie die Todesanzeige seines verstorbenen
Onkels zu den Akten. Weiter reichte er einen Arztbericht vom 26. Februar
2018 des Universitätsspitals E._ sowie eine Einladung zu einem
Gesprächstermin beim Psychosozialen Dienst PSD vom 19. Januar 2018
ein.
C.
Mit Verfügung vom 16. Juli 2018 – eröffnet am 17. Juli 2018 – stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
sowie den Vollzug.
D.
Der Beschwerdeführer – handelnd durch seine Rechtsvertreterin – focht
mit Eingabe vom 15. August 2018 die Verfügung des SEM beim Bundes-
verwaltungsgericht an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei
aufzuheben, er sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu ge-
währen. Als Eventualantrag stellte er das Begehren, ihm sei wegen Unzu-
lässigkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Aufnahme zu gewäh-
ren. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvor-
schusses. Weiter beantragte er die Beiordnung rubrizierter Rechtsvertre-
terin als amtliche Rechtsbeiständin.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 22. August 2018 wurde der Beschwerdeführer
aufgefordert, innert der ihm gesetzten Frist eine Fürsorgebestätigung ein-
zureichen oder einen Kostenvorschuss zu leisten.
F.
Mit Schreiben vom 24. August 2018 reichte der Beschwerdeführer eine
Fürsorgebestätigung sowie einen USB-Stick mit einem Film betreffend die
Wohn- und Arbeitsverhältnisse in seinem Haus respektive seiner (...) in
B._ sowie einige Fotos nach.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2018 wurde Frau Cora Dubach an-
tragsgemäss als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Gleichzeitig
wurde die Vorinstanz eingeladen, eine Vernehmlassung einzureichen.
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H.
Die Vorinstanz nahm mit ihrer Vernehmlassung vom 31. August 2018, wel-
che dem Beschwerdeführer am 4. September 2018 zur Kenntnis gebracht
wurde, Stellung zu den Widersprüchen bezüglich der Verhöre des Be-
schwerdeführers. Der erst auf Beschwerdeebene eingereichte USB-Stick
mit verschiedenen Fotos sowie einer Videoaufnahme würden über keinen
Beweiswert verfügen und seine dargelegte Verfolgung nicht belegen. Wei-
ter hielt sie an ihren Erwägungen fest.
I.
In der Replik vom 28. September 2018 verwies der Beschwerdeführer hin-
sichtlich der Interpretation von Widersprüchen auf die Rechtsprechung des
Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) hin und hielt er-
gänzend fest, dass der Verkauf seiner zwischenzeitlich stillgelegten (...)
durch die Angehörigen der Armee verhindert werde. Auch würden die An-
gehörigen seiner Familie nach wie vor regelmässig schikaniert und befragt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
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1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden
(aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 52
Abs. 1 VwVG). Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz
teilgenommen, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungs-
weise Änderung. Er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert
(Art. 105 i.V.m. Art. 37 VGG sowie Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz begründete ihren Entscheid im Wesentlichen damit, die
Vorbringen in Bezug auf das Interesse der sri-lankischen Behörden am Be-
schwerdeführer seien nicht überzeugend dargelegt worden und seine
Schilderungen würden stereotyp sowie nicht selbst erlebt wirken. Deshalb
halte seine geltend gemachte Verfolgung den Anforderungen an die Glaub-
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haftigkeit nicht stand. Gleichzeitig würden seine vorgebrachten Verfolgun-
gen den Kriterien an die Flüchtlingseigenschaft nicht genügen, da sie keine
genügende Intensität im Sinne des Asylgesetzes aufweisen würden.
Es sei zwar davon auszugehen, dass die Zivilbevölkerung in Norden und
Osten von Sri Lanka nach wie vor überwacht werde, jedoch erscheine das
geltend gemachte Interesse des CID an seiner Person sowie der damit
verbundene, enorme Aufwand in Bezug auf die regelmässigen Kontrollen
und Überwachungen als zweifelhaft, zumal es nicht einleuchte, warum ihm
täglich die gleichen Fragen hätten gestellt werden sollen. Den Behörden
hätte anhand seiner Aussagen logischerweise schnell bewusst werden
müssen, dass er weder über relevante Information zu den LTTE verfüge
noch selber eine Verbindung zu ihnen aufweise. Wäre tatsächlich ein sol-
cher Verdacht vorhanden gewesen, wäre er festgenommen worden. Auch
erscheine das Interesse an den beiden ehemaligen und rehabilitierten Mit-
arbeitern übertrieben, denn wären sie tatsächlich der Mithilfe des Wieder-
aufbaus der LTTE verdächtigt worden, wären auch sie mit Sicherheit von
den Behörden festgenommen worden. Seine Schilderungen der Verhöre
seien wenig detailreich ausgefallen. Auch auf Nachfrage habe er keine prä-
ziseren Auskünfte zu den Geschehnissen wiedergeben können, sondern
habe nur ausweichend geantwortet, er könne sich nicht mehr an alles er-
innern, da er viele schlimme Sachen erlebt habe. Ebenfalls habe er die
Kontrollen in seinem Haus durch die sri-lankischen Behörden nicht lebens-
nah schildern können. Zudem sei es zu widersprüchlichen Angaben hin-
sichtlich der Dauer und Anzahl seiner Befragungen und zu deren seiner
Ehefrau gekommen, welche nicht haben aufgelöst werden können. Seine
Vorbringen, man habe nach seiner Ausreise von seinem Onkel eine hohe
Geldforderung verlangt, wirke nachgeschoben, weil er diesen Umstand
nicht bereits anlässlich der BzP erwähnt habe. Weiter habe es wider-
sprüchliche Angaben im Zusammenhang mit seiner Ausreise sowie seinem
Reisepass respektive den darin erhaltenen Visa gegeben. Diese voneinan-
der abweichenden Aussagen würden den Schluss zulassen, er sei auf an-
dere als die von ihm angegebene Weise in die Schweiz gelangt.
Ferner würden auch die eingereichten Unterlagen weder über einen Be-
weiswert verfügen noch seien sie dazu geeignet, eine Verfolgung zu bele-
gen. Zudem weise das vom 2. Februar 2017 datierte Schreiben des Parla-
mentsmitglieds Widersprüche zu seinen eigenen Aussagen auf und sei le-
diglich als reines Gefälligkeitsschreiben zu werten.
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Seine geltend gemachten Verfolgungen und Schikanen durch die sri-lanki-
schen Behörden würden keine asylrelevanten Verfolgungshandlungen dar-
stellen. Er weise kein Risikoprofil auf, da er bis auf eine zweitägige Inhaf-
tierung im Jahr 1998 bis zu den Ereignissen im Frühling 2015 nie übermäs-
sig von den Behörden behelligt worden sei. Auch sei aufgrund seiner Schil-
derungen nicht ersichtlich, dass seine Familienangehörigen eine Verbin-
dung zu den LTTE gehabt hätten, wobei auch die Tatsache, dass einer sei-
ner Cousins den Heldentod gestorben sei, für die heimatlichen Behörden
nicht relevant gewesen sei.
Schliesslich stehe auch einem Wegweisungsvollzug nichts im Weg, da er
über kein erhöhtes Risikoprofil verfüge und keine individuellen Wegwei-
sungshindernisse vorhanden seien. Er verfüge über langjährige Arbeitser-
fahrung, über eine gesicherte Wohnsituation und über gute finanzielle Ver-
hältnisse sowie über ein umfassendes familiäres Beziehungsnetz im Hei-
matland. Auch sei seine (...) Behandlung gemäss dem Arztbericht vom
26. Februar 2018 abgeschlossen und die empfohlenen alljährlichen Kon-
trollen könnten ebenso im Heimatland durchgeführt werden.
4.2 Der Beschwerdeführer machte bezüglich seiner angeblich wider-
sprüchlich Aussagen zwischen der BzP und der Anhörung zu den Asylgrün-
den geltend, es sei nicht legitim, diese Widersprüche so bedeutend wie
vorliegend zu gewichten, da Widersprüche in der BzP nur dann relevant
seien, wenn sie zur Abklärung der Flüchtlingseigenschaft dienen würden
und dies auch nur dann, wenn diese Aussagen diametral voneinander ab-
weichen würden, was jedoch vorliegend nicht der Fall sei. Auch habe ein
Entscheid des EGMR dargelegt, dass aufgrund der speziellen verfahrens-
rechtlichen Situation im Asylverfahren auftretenden Widersprüchen im
Zweifel nicht zu viel Gewicht beigemessen werden dürfe. Deshalb seien
seine Schilderungen glaubhaft. Ausserdem seien zwischen der BzP und
der Anhörung zu den Asylgründen mehr als zwei Jahre vergangenen, was
das Vorhandensein gewisser Unklarheiten in seinen Aussagen verständ-
lich und nachvollziehbar mache. Zudem sei es in zeitlicher und quantitati-
ver Hinsicht in Bezug auf die Verhöre nicht zu widersprüchlichen Aussagen
gekommen, da die Vorinstanz es unterlassen habe, zwischen «informel-
len», kürzeren, in der (...) durchgeführten und zu Hause sowie «formellen»,
längeren Befragungen im Militärcamp zu differenzieren. Dasselbe gelte
auch für die angeblich widersprüchlichen Angaben in Bezug auf die Ver-
höre seiner Ehefrau. Diesen unterschiedlichen Arten von Verhören habe
die Vorinstanz nicht Rechnung getragen, weshalb seine diesbezüglichen
Erläuterungen den Anschein von widersprüchlichen Angaben erwecken
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würden. Zudem dürfe ihm nicht zur Last gelegt werden, dass die Schilde-
rungen zu den Verhören nicht detailreicher ausgefallen seien, da ihm die
heimatlichen Behörden immer wieder die gleichen Fragen gestellt hätten.
Gerade dieser Umstand zeuge von einer glaubhaften Darstellung, denn
mithilfe dieser repetitiven Fragen würden die Behörden eine Drucksituation
erzeugen wollen. Zudem sei zu berücksichtigen, dass er sich während die-
ser Verhöre in einer Extremsituation befunden habe, weshalb es auch
nachvollziehbar sei, sich nicht mehr an alle Details erinnern zu können.
Hinsichtlich der Zweifel der Vorinstanz am Interesse der sri-lankischen Be-
hörden am Beschwerdeführer sei entgegenzuhalten, dass er einerseits
aufgrund der Einstellung der beiden ehemaligen LTTE-Mitglieder, ander-
seits wegen des (...) in den direkten Fokus der Behörden gelangt sei. Zu-
sammen mit seiner Verhaftung nach seiner Rückkehr aus dem Vanni-Ge-
biet liege der Schluss der heimatlichen Behörden nahe, dass er Verbindun-
gen zu den LTTE aufweise und seine (...) ein Treffpunkt für weitere ehe-
malige LTTE-Mitglieder sei. Als Inhaber des Geschäfts habe er diese Be-
suche toleriert, weswegen ihm die Behörden eine Verbindung zu den LTTE
unterstellen würden. Ein weiteres diesbezügliches Indiz, dass er verdächtig
erscheine, sei, dass ihm immer dieselben Fragen gestellt worden seien,
wobei man ihm nicht geglaubt habe, nicht mit den LTTE in Verbindung zu
stehen. Die Vorinstanz verkenne ausserdem, dass die beiden neu einge-
stellten Mitarbeiter ehemalige ranghohe Mitglieder der LTTE gewesen
seien und dass diese weiterhin eine Gefahr für den Staat darstellen wür-
den. Auch wenn er de facto kein Interesse an einem Wiederaufbau der
LTTE aufweise, so sei ihm durch die sri-lankischen Behörden gerade die-
ses Interesse unterstellt worden.
Weiter würden zwar die eingereichten Beweismittel seine Verfolgung nicht
direkt belegen, jedoch seine Glaubwürdigkeit untermauern. Hinsichtlich
des eingereichten Schreibens des Parlamentsmitgliedes sei klarzustellen,
dass dieses Schreiben auf Wunsch seiner Ehefrau verfasst worden sei und
dementsprechend nicht seine persönliche Situation darstelle.
Schliesslich seien seine Vorbringen nicht nur glaubhaft, sondern auch asyl-
relevant, da er und seine Familienangehörigen von den sri-lankischen Be-
hörden während Monaten beobachtet, kontrolliert und befragt worden
seien und ihm zudem vorgeworfen worden sei, eine direkte Verbindung zu
den LTTE zu haben. Ausserdem sei ihm anlässlich seines letzten Verhörs
mit weiteren Konsequenzen sowie mit dem Tod gedroht worden. Auch
wenn die einzelnen Eingriffe für sich alleine keine genügende Intensität
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aufwiesen, so würden sie in ihrer Gesamtheit dennoch zu einem flücht-
lingsrechtlich relevanten psychischen Druck führen. Da er aufgrund seiner
ethnischen Zugehörigkeit und wegen seiner angeblichen politischen Ein-
stellung gezielt bis zu seiner Ausreise einer Verfolgung ausgesetzt gewe-
sen sei, erfülle er die Flüchtlingseigenschaft.
Ferner verfüge er über ein erhöhtes Risikoprofil, indem er sich zu den be-
reits erfolgten behördlichen Verfolgungen durch seine Ausreise verdächtig
gemacht habe. Zudem sei zu beachten, dass auch nach seiner Flucht
seine Familienangehörigen dem Druck der Behörden ausgesetzt seien und
regelmässig von ihnen befragt würden. Bei einer Rückkehr ins Heimatland
sei er mit hoher Wahrscheinlichkeit einer asylrelevanten Verfolgung ausge-
setzt, weshalb ein Wegweisungsvollzug unzulässig wäre.
4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, die Argumentation
des Beschwerdeführers im Zusammenhang mit den in der Beschwerde
vorgebrachten Unterschieden zwischen «informellen» und «formellen»
Verhören als Erklärung zur Auflösung der Widersprüche sei nicht überzeu-
gend. Dasselbe gelte auch für die widersprüchlichen Angaben zu den Ver-
hören seiner Ehefrau. Überdies würden die auf einem USB-Stick einge-
reichten Fotos sowie die Videoaufnahme keinen Beweiswert für seine Ver-
folgung aufweisen.
4.4 Der Beschwerdeführer entgegnete in seiner Replik zu den angeblichen
Widersprüchen, seine minimal abweichenden Aussagen (vier bis fünf Ver-
höre anlässlich der BzP und sechs bis sieben Verhöre in der Befragung zu
den Asylgründen) dürften nicht zu einer Begründung der Unglaubhaftigkeit
führen. Er verwies erneut auf ein Leiturteil des EGMR, aus welchem her-
vorgehe, dass sich das Berufen auf kleine Widersprüche als menschen-
rechtswidrig erweise.
Ferner versuche seine Familie in Sri Lanka, die (...) zu verkaufen, was je-
doch bisher verhindert worden sei, nämlich, indem seine Mutter, welche als
einzige noch im Haus in B._ wohnhaft sei, durch die sri-lankische
Armee schikaniert und regelmässig nach seinem Verbleib befragt werde.
Diese Umstände würden potentielle Käufer abschrecken.
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5.
5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz
zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.2 In ihrem Entscheid zweifelte die Vorinstanz an der Glaubhaftigkeit der
Schilderungen des Beschwerdeführers. Insbesondere seien die von ihm
beschriebenen Verhöre durch die sri-lankischen Behörden in vielerlei Hin-
sicht stereotyp und wenig lebensnah ausgefallen. Dieser Einschätzung
kann sich das Bundesverwaltungsgericht nicht anschliessen. So fällt auf,
dass er in der freien Erzählung anlässlich der Anhörung zu den Asylgrün-
den sehr ausführlich und mit Realkennzeichen versehen seine Erlebnisse
respektive seine Verhöre darlegte. Er gab neben präzisen Zeitangaben ge-
naue Daten zu den relevanten Ereignissen wieder, korrigierte sich bezüg-
lich des letzten Verhöres seiner Ehefrau nach einer kurzen Überlegpause
hinsichtlich seiner gemachten Zeitangabe und setzte diese gleichzeitig in
den Kontext mit dem täglichen Schulschluss seiner Kinder (vgl. act.
A18/25, F49). Besonders realitätsnah und dementsprechend erwähnens-
wert ist, dass er sich in seinen Erzählungen zu keinen Übertreibungen hin-
reissen liess, sondern vielmehr die Subtilität, mit welcher die betreffenden
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Seite 12
Behörden Druck gegen ihn ausgeübt haben, beschrieb. So legte er dar,
wiederholt und fast täglich von den sri-lankischen Behörden befragt oder
beobachtet worden zu sein. Obwohl diese ihm drohten, ihn zu schlagen,
sei es nie dazu gekommen (vgl. act. A18/25, F49). Ferner schilderte er die
regelmässigen Kontrollen in seinem Haus und in der (...) als übliche sowie
unproblematische Behördenmassnahmen. Weiter überzeugt seine lebens-
nahe Überlegung, warum er nicht umgehend nach der ersten Befragung
seiner Ehefrau diese und die Kinder weggeschickt habe, sondern davon
ausgegangen sei, dass solche Befragungen in Sri Lanka üblich seien,
ebenso wie die Schilderung bezüglich den Befragungen seiner beiden neu
eingestellten Mitarbeiter, welche er als «eher normal» beschrieben hat (vgl.
act. A18/25, F62, F65, F121; F71). Weiter erläuterte er in nachvollziehbarer
Weise, wie sich diese regelmässigen Befragungen und Kontrollen der Be-
hörden zugetragen haben. Obwohl eine gewisse Knappheit in seinen Aus-
sagen zu erkennen ist, ist insgesamt dennoch von deren Glaubhaftigkeit
auszugehen und festzuhalten, dass er, wenn er die Ereignisse, insbeson-
dere die Befragungen, nicht selbst erlebt hätte, kaum auch erwähnt hätte,
dass die Behörden teilweise freundlich und nett mit ihm umgegangen
seien. Schliesslich kann auch seine Darstellung der letzten Befragung sei-
ner Ehefrau – von ihm als schlimmstes Ereignis bezeichnet – als ausführ-
lich und emotional beschrieben werden (vgl. act. A18/25, F100; F49; F95;
F100 - 103; F116 - 121). Dass er sich nach den sexuellen Belästigungen
seiner Ehefrau dazu entschlossen hat, den Auftrag für das Militärcamp aus-
zuführen, um seine Ehefrau vor weiteren Übergriffen zu schützen, wirkt
nachvollziehbar und schlüssig.
Hinsichtlich der von der Vorinstanz angeführten Widersprüche zur Anzahl
der Verhöre ist zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer zwar zuerst er-
klärt hat, drei oder vier Mal im Militärcamp befragt worden zu sein, um spä-
ter jedoch – unaufgefordert – zu berichtigen, man habe ihn sechs oder sie-
ben Mal befragt. Zu der auch als unbedeutend zu qualifizierenden Abwei-
chung in Bezug auf die zeitliche und quantitative Angabe der Verhöre sei-
ner Ehefrau ist zu erwähnen, dass er sich diesbezüglich bereits während
der BzP selbst korrigierte (vgl. act. 6/13, F7.01). Zudem ist festzustellen,
dass, obwohl zwischen der BzP und der Anhörung zu den Asylgründen
eine Zeitspanne von mehr als zwei Jahren liegt, er die wesentlichen Sach-
verhaltselemente sowie die Details dennoch übereinstimmend wiederge-
geben hat.
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Schliesslich ist es – entgegen der Argumentation der Vorinstanz – nach-
vollziehbar, dass es zu so vielen Befragungen, Kontrollen und Observie-
rungen gekommen ist, zumal sich das Camp gerade gegenüber der (...)
befindet und sich die Möglichkeit einer wiederkehrenden Kontrolle bei die-
ser Lage geradezu aufdrängt. Hingegen ist der Vorinstanz in Bezug auf die
eingereichten Beweismittel zuzustimmen. So vermögen die Unterlagen be-
treffend die (...), die Todesanzeige seines Onkels, die Zeitungsausschnitte
über verschiedene getötete Personen sowie die Videoaufnahmen kein Ver-
folgungsinteresse der heimatlichen Behörden am Beschwerdeführer zu be-
legen. Schliesslich ist das Schreiben des Parlamentsmitgliedes vom
2. Februar 2017 als nicht sachdienlich zu qualifizieren, zumal es auf
Wunsch seiner Ehefrau ausgestellt worden war und über keinen hohen Be-
weiswert verfügt.
5.3 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Vorbringen des Be-
schwerdeführers als insgesamt glaubhaft zu qualifizieren sind.
6.
6.1 In einem weiteren Schritt ist zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Nachstellungen durch die verschiedenen sri-lanki-
schen Behörden Nachteile im Sinne des Asylgesetzes respektive einen un-
erträglichen psychischen Druck zu begründen vermögen.
6.2 Entsprechend der Lehre und Praxis ist für die Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft erforderlich, dass die asylsuchende Person ernsthafte
Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche
befürchten muss. Die Nachteile müssen der asylsuchenden Person gezielt
und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen oder zugefügt worden
sein. Eine Verfolgungshandlung im Sinne von Art. 3 AsylG kann von staat-
lichen oder nichtstaatlichen Akteuren ausgehen. Die Anerkennung der
Flüchtlingseigenschaft setzt zudem voraus, dass die betroffene Person ei-
ner landesweiten Verfolgung ausgesetzt ist und sich nicht in einem ande-
ren Teil ihres Heimatstaates in Schutz bringen kann. Ausgangspunkt für die
Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt
der Ausreise bestehenden Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer
solchen. Die Situation zum Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im
Rahmen der Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls
wesentlich. Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwi-
schen Ausreise und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten
der ein Asylgesuch stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE
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2013/11 E. 5.1.1, 2010/28 E. 3.3.1.1, 2010/57 E. 2, 2008/12 E. 5, jeweils
mit weiteren Hinweisen).
6.3 Begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG liegt
vor, wenn ein konkreter Anlass zur Annahme besteht, Letztere hätte sich –
aus der Sicht im Zeitpunkt der Ausreise – mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit und in absehbarer Zeit verwirklicht oder werde sich – auch aus heutiger
Sicht – mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirk-
lichen. Es müssen damit hinreichende Anhaltspunkte für eine konkrete Be-
drohung vorhanden sein, die bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage
Furcht vor Verfolgung und damit den Entschluss zur Flucht hervorrufen
würden. Dabei hat die Beurteilung einerseits aufgrund einer objektivierten
Betrachtungsweise zu erfolgen, und sie ist andererseits durch das von der
betroffenen Person bereits Erlebte und das Wissen um Konsequenzen in
vergleichbaren Fällen zu ergänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt war, hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere
(subjektive) Furcht (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 mit weiteren Hinweisen).
6.4 Hinsichtlich der Kontrollen und Befragungen, welchen der Beschwer-
deführer während eines Zeitraumes von rund zehn Monaten und bis zu
seiner Ausreise gegen Ende März 2015 ausgesetzt war, ist festzustellen,
dass diese keine Verfolgungshandlungen im Sinne des Asylgesetzes dar-
stellen, wie nachfolgend zu zeigen ist. Die regelmässigen Kontrollen in sei-
ner (...) betrafen in einer ersten Periode vorwiegend seine beiden Mitar-
beiter, welche ehemalige LTTE-Mitglieder waren. Gemäss den Aussagen
des Beschwerdeführers seien diese Kontrollen normal und nicht besorg-
niserregend gewesen, insbesondere, weil es bereits zuvor, seit der Eröff-
nung seiner (...), zu regelmässigen Kontrollen gekommen sei (vgl. act.
A18/25, F49, 66, 70, 74, 82), was mit grosser Wahrscheinlichkeit auf die
Lage der (...) neben dem Militärcamp zurückzuführen ist. Hierzu ist anzu-
fügen, dass es verschiedenen Quellen zufolge im Norden und im Osten
von Sri Lanka aus Sicherheitsgründen zu regelmässigen Registrierungen
von rehabilitierten LTTE-Mitgliedern kommen kann, wobei die registrierten
Personen und teilweise auch deren Arbeitgeber in Folge Kontrollen und
Überwachungen durch die zivilen und militärischen Behörden ausgesetzt
sind (Landinfo, Human rights and security issues concerning the Tamil po-
pulation in Colombo and the Northern Province, 07.12.2012, https://land-
info.no/asset/2321/1/2321_1.pdf, S.21ff., abgerufen am 8. Juni 2020). Vor-
liegend ist nicht ersichtlich, inwiefern dem Beschwerdeführer
oder den beiden Mitarbeitern aufgrund dieser Kontrollen Nachteile entstan-
https://landinfo.no/asset/2321/1/2321_1.pdf https://landinfo.no/asset/2321/1/2321_1.pdf
D-4673/2018
Seite 15
den sind. Wären die sri-lankischen Behörden tatsächlich der Ansicht gewe-
sen, dass er und seine Angestellten – wie in der Beschwerde dargelegt –
aufgrund von Verbindungen zu den LTTE und deren finanzielle Unterstüt-
zung eine Gefahr für den Staat darstellen würden, hätte er sich nicht un-
problematisch noch so lange in seinem Heimatdorf aufhalten können. Es
blieb bei gleichbleibenden Kontrollen und kam zu keinen weiteren nachtei-
ligen Handlungen durch die sri-lankischen Behörden. So ist auch festzu-
stellen, dass einer der beiden ehemaligen Mitarbeiter weiterhin unbehelligt,
ausser einer Meldepflicht unterstehend, im Heimatdorf des Beschwerde-
führers lebt (vgl. act. A18/25, F182-184).
Weiter ist festzuhalten, dass er in einer nächsten Periode, nämlich erst
durch die Weigerung, unentgeltlich für das seiner (...) gegenüberliegende
Militär-Camp den ihm angebotenen Bauauftrag auszuführen, beschuldigt
wurde, mit den LTTE in Verbindung zu stehen (vgl. act. A18/25, F75, 80).
In derselben Zeitspanne haben – gemäss der Aktenlage – die behördlichen
Belästigungen seiner Ehefrau begonnen, welche jedoch nach der Anhand-
nahme des Bauauftrages aufgehört haben, und diese nicht mehr aufgebo-
ten wurde, sich den Behörden zur Verfügung zu stellen. Schliesslich ist
festzuhalten, dass er weder aufgrund der sechs- bis siebenmaligen Befra-
gungen im Militär-Camp (vgl. act. A18/25, F93) noch durch das Verweigern
an der Teilnahme von weiteren Befragungen (ab Ende Oktober 2015)
schwerwiegenden Nachteilen ausgesetzt war, zumal er trotz seiner Weige-
rung, sich für weitere Verhöre im Militärcamp zu melden, unbehelligt noch
rund fünf Monate bis zur Ausreise im März 2016 in seinem Heimatdorf ge-
lebt hatte (vgl. act. A18/25, F130-139). Letztendlich basiert seine Motiva-
tion zur Ausreise auf seiner Vermutung, dass etwas gegen ihn im Gange
sei sowie auf dem Ratschlag seines ehemaligen Schulkollegen, welcher im
gegenüberliegenden Militär-Camp arbeitete, auszureisen (vgl. act. A18/25,
F136).
Es erscheint zwar durchaus nachvollziehbar, dass sich der Beschwerde-
führer aus subjektiver Sicht vor weiteren unangenehmen Kontrollen oder
Überwachungsaktionen gefürchtet hat und es ihm widerstrebt haben muss,
über Kunden und neue Besucher Auskunft geben zu müssen (vgl. act.
A18/25, F143-145). Aus objektiver Sicht ist jedoch nicht zu erkennen, in-
wiefern er deshalb einer reellen Gefahr oder einem unerträglichen psychi-
schen Druck ausgesetzt gewesen sein soll.
Obwohl die regelmässigen Kontrollen und die Überwachung durch das sri-
lankische Militär sowie die Schwierigkeit, die (...) zum jetzigen Zeitpunkt zu
D-4673/2018
Seite 16
verkaufen, äusserst unangenehm sind, ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der Lage seiner (....) den Schikanen von (kor-
rupten) Behördenangehörigen ausgesetzt gewesen war, welche mittels
Druck versucht haben, günstig oder gar unentgeltlich zum Bau ihres (...)
zu gelangen. Wie auch aus der Beschwerdeschrift hervorgeht, handelte es
sich beim Bauauftrag und den darauffolgenden Problemen um Erpressung
durch die Angehörigen des Armeecamps. Es entsteht insgesamt der Ein-
druck, dass die Behörden eine Anschuldigung konstruiert haben, um ihn
wegen des Bauauftrags unter Druck zu setzen, was auf die Lage seiner
(...) zurückzuführen ist. Hätten die Behörden ihn tatsächlich der Verbin-
dung zu den LTTE verdächtigt, hätte er nicht noch rund fünf Monate nach
dem Ignorieren weiterer Vorladungen unbehelligt in seinem Heimatdorf le-
ben können. Eine fehlende Verfolgung wird zudem durch die Tatsache ver-
stärkt, als dass er problemlos mit seinem Reisepass aus Sri Lanka ausrei-
sen konnte, weshalb auch nicht davon auszugehen ist, dass er über ein
erhöhtes Risikoprofil verfügt.
6.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein konkreter Anlass ersicht-
lich ist, der Beschwerdeführer wäre zum Zeitpunkt der Ausreise Verfol-
gungsmassnahmen im Sinne des Asylgesetzes ausgesetzt gewesen.
7.
7.1 Weiter ist zu prüfen, ob Nachfluchtgründe vorliegen und dem Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr ins Heimaltland mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG drohen.
7.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der
Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Risikos von
Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und
Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei handelt es sich
um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintlichen, aktuellen
oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teilnahme an exilpoli-
tischen regimekritischen Handlungen und um das Vorliegen früherer Ver-
haftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicherweise im Zusam-
menhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbindung zu den LTTE
(sogenannte stark risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.1–
8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und überprüft zu werden,
D-4673/2018
Seite 17
unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderlichen Identitätspa-
piere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise zurückgeführt wer-
den oder die über die Internationale Organisation für Migration (IOM) nach
Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut sichtbaren Narben (soge-
nannte schwach risikobegründende Faktoren, vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und
8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die konkret glaubhaft gemach-
ten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante Gefährdung der betreffen-
den Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht, dass insbesondere jene
Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im
Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden
zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den tamilischen Separatis-
mus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
7.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi-
denten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka
kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019;
https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-
candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März
2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema-
ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht
war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge-
gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben.
Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und
Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun-
gen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri Lanka, 14.1.2020).
Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bruder Mahinda
zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Chamal Rajapaksa,
in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda und Chamal Raja-
paksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusammen zahlreiche
Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl. https://www.ani-
news.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-cha-
mal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753/, abgerufen
am 4. März 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minderheiten be-
fürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Überwachung
von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen und
Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state
D-4673/2018
Seite 18
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen besteht.
7.4 Der Beschwerdeführer weist keine stark risikobegründenden Faktoren
auf, welche eine Wegweisung als unzulässig erscheinen lassen würden.
Wie bereits dargelegt (vgl. Erwägung 6.4), lassen sich die mehrmaligen
Befragungen durch den CID keinen flüchtlingsrelevanten Verfolgungs-
massnahmen zuordnen, sondern dienten vor allem zur Kontrolle seiner bei-
den neu eingestellten Mitarbeiter mit einer LTTE-Vergangenheit. Auch die
Unterstellung, er selber weise Nähe zu den LTTE auf, hörte mit dem Beginn
des Tempelbaus auf und es sind ihm nach der Verweigerung, weiteren Ver-
hören Folge zu leisten, während der letzten fünf Monate vor seiner Aus-
reise keine Nachteile entstanden. Deshalb ist nicht davon auszugehen,
dass er durch die sri-lankischen Behörden tatsächlich verdächtigt wird, den
LTTE nahe zu stehen. Ferner geht aus den Akten nicht hervor, dass er in
Sri Lanka strafrechtlich verfolgt wäre oder ein Haftbefehl gegen ihn ausge-
stellt ist und er deshalb auf der sog. «Stoplist» figurieren würde. Weiter sind
auch keine schwach risikobegründenden Faktoren erkennbar, zumal er le-
gal mit eigenem Pass ausgereist ist (vgl. act. A6/13, F5.01), keinen exilpo-
litischen Aktivitäten nachgeht und über keine offensichtlichen Narben ver-
fügt.
7.5 Vorliegend sind keine Gründe ersichtlich, dass der Beschwerdeführer
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einem erhöhten Verfolgungsrisiko aus-
gesetzt wäre und ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG be-
fürchten müsste. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
verneint und sein Asylgesuch abgelehnt.
D-4673/2018
Seite 19
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
D-4673/2018
Seite 20
9.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in seinen
Heimatstaat Sri Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG
rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des EGMR sowie jener des UN-Anti-Fol-
terausschusses müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real
risk") nachweisen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rück-
schiebung Folter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Ur-
teil des EGMR Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer
37201/06, § 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssitua-
tion in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt
nicht als unzulässig erscheinen.
9.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde
Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08;
T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P.K. gegen Däne-
mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien vom
17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in
genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und
Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung
müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge-
gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung
zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus
den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann-
ten „Background Check“ (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im
In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
D-4673/2018
Seite 21
9.5 Dem Beschwerdeführer ist es nicht gelungen, glaubhaft darzulegen, er
werde bei einer Rückkehr nach Sri Lanka einer flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Verfolgung ausgesetzt. Der Vollzug der Wegweisung ist im Sinne der
asyl- und völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.6 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.7 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge-
walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzur-
teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der
Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei-
sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie-
gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den
individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan-
densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so-
wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation.
9.8 Der Beschwerdeführer stammt aus der Nordprovinz und verfügt über
mehrjährige Berufserfahrung als selbstständig erwerbender (...) welcher
im Besitz einer eigenen (...) im Heimatland ist. Auch wenn er aufgrund der
ungünstigen Lage neben einem Militärcamp Schwierigkeiten mit seinem
Betrieb gehabt hat, so ist es ihm dennoch möglich, an einem anderen Ort
mit seinen noch vorhandenen Maschinen aus der alten (...) ein neues Ge-
schäft aufzubauen. Auch die Einnahmen der eigenen Grundstücke mit Ko-
kosplantagen ermöglichen es ihm, allfällige finanzielle Engpässe zu über-
brücken. Ausserdem verfügt er über ein breites familiäres Netz. Seine Ehe-
frau und die vier gemeinsamen Kinder sowie zwei Brüder und die Mutter
können ihn bei einer Reintegration unterstützen. Auch aus medizinischer
Sicht sind keine Gründe ersichtlich, welche gegen einen Wegweisungsvoll-
zug sprechen. Gemäss dem (...) Bericht vom 26. Februar 2018 ist die Be-
handlung abgeschlossen. Seine sechs Monate dauernde Gesprächsthera-
pie beim Psychosozialen Dienst (...) in E._ sei abgeschlossen, da
er keine weiteren Termine mehr erhalten habe und es ihm bessergehe (vgl.
D-4673/2018
Seite 22
act. A18/25, F5-6). Weitere gesundheitliche Probleme macht er nicht gel-
tend, zumal keine weiteren medizinischen Unterlagen eingereicht worden
sind.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.9 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.10 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der
Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege mit Verfügung vom 22. August 2018 gutgeheissen wurde,
werden keine Verfahrenskosten auferlegt.
12.
Mit Eingabe vom 15. August 2018 reichte die Rechtsbeiständin eine Kos-
tennote in der Höhe von Fr. 2’918.– ein, welche eine Eröffnungspauschale
beinhaltet. Sie ging von einem Aufwand von 13,5 Stunden (ohne Replik)
von einem Stundenansatz von Fr. 200.– sowie zwei Stunden für Dolmet-
scherdienste aus. Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2018 war darauf
aufmerksam gemacht worden, dass bei einer nicht-anwaltlichen Vertretung
bei einer amtlichen Rechtsvertretung in der Regel von einem Stundenan-
satz von Fr. 100.– bis Fr. 150.– ausgegangen werde (vgl. Art. 12 i.V.m.
Art. 10 Abs. 2 VGKE). Die Eröffnungspauschale wird praxisgemäss nicht
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Seite 23
vergütet. Das Honorar ist entsprechend anzupassen, der Stundenansatz
auf Fr. 150.– herabzusetzen und der amtlichen Rechtsbeiständin ein Ho-
norar von Fr. 2’343.– (inklusive Auslagen, nicht mehrwertsteuerpflichtig)
auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 24