Decision ID: 484d794e-f570-4e3e-9087-741014fac1f4
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 29. November 2018 (EE180057-E)
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Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Hinwil vom 29. November 2018:
1. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Parteien seit dem 13. April
2018 getrennt leben.
2. Die Kinder C._, geb. tt.mm.2002, und D._, geb. tt.mm.2006, wer-
den für die Dauer der Trennung unter die Obhut der Gesuchstellerin gestellt.
3. Von einer Regelung des Rechts des Gesuchsgegners auf Kontakte mit
C._ wird abgesehen.
Der Gesuchsgegner wird berechtigt erklärt, D._ an einem Sonntag pro
Monat von 11.00 Uhr bis 18.00 Uhr auf seine Kosten zu sich oder mit sich
auf Besuch zu nehmen. Er ist verpflichtet, den Termin der Besuche jeweils
mindestens drei Wochen im Voraus schriftlich oder durch SMS oder per
WhatsApp der Gesuchstellerin bekannt zu geben. Kann der Termin durch
D._ nicht wahrgenommen werden, wird der Besuch am nächstmögli-
chen Sonntag nachgeholt.
Den Parteien steht es frei, unter Einbezug von D._ von Fall zu Fall Ab-
weichungen von dieser Regelung zu vereinbaren.
4. Für D._ wird eine Besuchsrechtsbeistandschaft im Sinne von Art. 308
Abs. 2 ZGB errichtet. Die mit der Beistandschaft betraute Person hat na-
mentlich folgende Aufgaben:
- die Parteien und D._ bei Fragen der Besuchsrechtsausübung zu
beraten
- bei Differenzen zwischen den Beteiligten betreffend die Ausübung des
Besuchsrechts und die Gestaltung der Besuche zu vermitteln
- soweit erforderlich auch die Modalitäten der Besuchsrechtsausübung
zu regeln.
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Die KESB Bezirk Hinwil wird ersucht, eine geeignete Person mit dieser Bei-
standschaft zu beauftragen.
5. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für die Kinder
rückwirkend ab 13. April 2018 folgende monatlichen Unterhaltsbeiträge zu
bezahlen:
an den Barunterhalt:
- Fr. 593.-- für C._
- Fr. 771.-- für D._
als Betreuungsunterhalt:
- Fr. 1'730.-- für D._
zahlbar inskünftig je monatlich im Voraus.
Vertragliche oder gesetzliche Kinder-, Familien- und Ausbildungszulagen
sind zusätzlich zu beziehen und der Gesuchstellerin zu überweisen.
6. Der Gesuchsgegner ist verpflichtet, der Gesuchstellerin persönlich rückwir-
kend ab 13. April 2018 monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 90.-- zu bezah-
len, zahlbar inskünftig je monatlich im Voraus.
7. Im Umfang der für die Zeit vom 13. April 2018 bereits geleisteten Beiträge
des Gesuchsgegners an den Unterhalt der Gesuchstellerin und der Kinder
gilt die Unterhaltspflicht gemäss Ziff. 5 und 6 hievor als getilgt.
8. Die Festsetzung der Unterhaltsbeiträge basiert auf folgendem monatlichen
Erwerbseinkommen:
Nettoeinkommen des Gesuchsgegners: Fr. 7'555.--
Nettoeinkommen der Gesuchstellerin: Fr. 1'778.--
Kinder- bzw. Ausbildungszulage pro Kind: Fr. 250.--
Lehrlingslohn von C._: Fr. 582.--
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9. Die Liegenschaft der Parteien an der E._-str. ... im F._ wird für die
Dauer des Getrenntlebens samt Hausrat und Mobiliar der Gesuchstellerin
und den Kindern zur ausschliesslichen Benützung zugewiesen.
Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner auf erstes Ver-
langen herauszugeben:
- seine Kleider und seine weiteren persönlichen Gegenstände
- die Winterräder seines Autos
- die Erbstücke seiner Mutter
- den Koffer.
10. Für die Parteien wird per 18. Juli 2018 die Gütertrennung angeordnet.
11. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 6'000.-- angesetzt.
12. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
13. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
14. Schriftliche Mitteilung an
- die Parteien, und
- die KESB Bezirk Hinwil, unter Hinweis auf Ziff. 3.3. der Erwägungen
und Ziff. 2 bis 4 des Dispositivs.
15. (Berufung)
Berufungsanträge:
des Gesuchsgegners und Berufungsklägers (Urk. 41):
"1. Es sei in teilweiser Abänderung von Dispositiv Ziffer 3 des angefochtenen
Entscheids der Berufungskläger zu berechtigen, die  für den Sohn D._ ab dem 1. Oktober 2019 einmal pro Monat  an seinem freien Wochenende von Samstagmorgen, 08.00 Uhr, bis Sonntagabend, 20.30 Uhr, sowie jeden zweiten Dienstagabend von 17.00 Uhr bis 20.30 auf eigene Kosten zu übernehmen, unter Ankündigung des
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freien Wochenendes gegenüber der Berufungsbeklagten drei Wochen im Voraus.
Es sei der Berufungskläger sodann zu berechtigen, den Sohn D._ ab
dem 1. Oktober 2019 während den Schulferien für die Dauer von zwei  pro Jahr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu , unter Einräumung des Entscheidungsrechts bei Uneinigkeit über die Aufteilung der Ferien in ungeraden Jahren.
Es sei der Berufungskläger sodann zu berechtigen, die Betreuungsverant-
wortung für den Sohn D._ ab dem 1. Oktober 2019 jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten und Neujahr zu übernehmen.
2. Es sei in Abänderung von Dispositiv Ziffer 5 des angefochtenen Entscheids
der Berufungskläger zu verpflichten, der Berufungsbeklagten für die Kinder rückwirkend ab 13. April 2018 folgende monatliche Unterhaltsbeiträge zu bezahlen:
an den Barunterhalt: - CHF 737.00 für C._ bis am 31. August 2019; ab dem 1. Septem-
ber 2019 CHF 677.00 für die weitere Dauer des Getrenntlebens
- CHF 915.00 für D._ bis am 31. August 2019; ab dem 1. Septem-
ber 2019 CHF 855.00 für die weitere Dauer des Getrenntlebens
als Betreuungsunterhalt - CHF 466.00 für D._ bis zum 31. August 2019
zahlbar inskünftig je monatlich im Voraus, zuzüglich vertraglicher oder ge-
setzlicher Kinder-, Familien- und Ausbildungszulagen.
3. Es sei in Abänderung von Dispositiv Ziffer 6 des angefochtenen Entscheids
der Berufungskläger zu verpflichten, der Berufungsbeklagten persönlich rückwirkend ab 13. April 2018 monatliche Unterhaltsbeiträge von CHF 318.00 bis am 31. August 2019 zu bezahlen und ab dem 1.  2019 CHF 183.00, zahlbar inskünftig je monatlich im Voraus.
4. Es seien in Abänderung von Dispositiv Ziffer 8 des angefochtenen Ent-
scheids die Unterhaltsbeiträge auf folgendem monatlichem  festzusetzen:
Nettoeinkommen des Berufungsklägers:
CHF 7'155.00
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Nettoeinkommen der Berufungsbeklagten: CHF 2'730.00 bis am 31. August 2019; CHF 4'800.00 ab dem 1. September 2019
Kinder- bzw. Ausbildungszulage pro Kind: CHF 250.00
Lehrlingslohn von C._: CHF 582.00
5. Es sei in teilweiser Abänderung von Dispositiv Ziffer 9 des angefochtenen Entscheids die Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Berufungskläger die Werkbank herauszugeben.
6. Es sei dieser Berufung bezüglich den Dispositiv Ziffern 5 und 6 des ange-
fochtenen Entscheids im Umfang des monatlich total CHF 2'436.00 (ohne Kinderzulagen) übersteigenden Betrages bis am 31. August 2019 und des monatlich total CHF 1'715.00 (ohne Kinderzulagen) übersteigenden  ab dem 1. September 2019 die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Eventualiter sei der Berufungskläger zu berechtigen, die gestützt auf Dispo-
sitiv Ziffern 5 und 6 des angefochtenen Entscheids zuviel bezahlen  mit den zukünftig fällig werdenden Unterhaltsbeiträgen zu .
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MWST zulasten der ."
der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten (Urk. 55):
"1. Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen;
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Berufungsklägers/ Gesuchsgegners, zuzüglich Mehrwertsteuer."
Prozessualer Antrag:
"1. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, der Gesuchsgegnerin (recte Ge-
suchstellerin) einen Prozesskostenvorschuss in Höhe von CHF 3'000 für das Berufungsverfahren zu leisten.
2. Eventualiter sei der Gesuchstellerin die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren und es sei ihr in der Person von RA Y._ ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen."
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Erwägungen:
I.
1. Die Parteien sind seit dem tt. Juli 2001 verheiratet. Sie haben zwei gemein-
same Söhne, C._, geboren am tt.mm.2002, und D._, geboren am
tt.mm.2006. Am 16. Juli 2018 machte die Gesuchstellerin bei der Vorinstanz ein
Eheschutzbegehren anhängig (Urk. 1). Der weitere Prozessverlauf kann dem
erstinstanzlichen Entscheid entnommen werden (Urk. 42 S. 4 f.). Am 29. Novem-
ber 2018 erliess die Vorinstanz den eingangs wiedergegebenen Entscheid
(Urk. 42 S. 23 ff.).
2. Der Gesuchsgegner und Berufungskläger (fortan Gesuchsgegner) erhob am
4. Februar 2019 fristgerecht Berufung mit den erwähnten Anträgen (Urk. 41). Mit
Verfügung vom 11. Februar 2019 wurde der Gesuchstellerin und Berufungsbe-
klagten (fortan Gesuchstellerin) Frist angesetzt, um sich zum Gesuch um Ertei-
lung der aufschiebenden Wirkung zu äussern (Urk. 46). Weiter wurde der Ge-
suchsgegner zur Leistung eines Kostenvorschusses verpflichtet, welcher innert
Frist einging (Urk. 50). Mit Verfügung vom 10. April 2019 wurde der Berufung des
Gesuchsgegners gegen die Unterhaltsverpflichtung für rückwirkend geschuldete
Unterhaltsbeiträge die aufschiebende Wirkung erteilt, im Übrigen indessen das
Gesuch abgewiesen (Urk. 53). Die Berufungsantwort datiert vom 24. April 2019
(Urk. 55) und wurde mit Verfügung vom 30. April 2019 der Gegenpartei zur
Kenntnisnahme bzw. zur Stellungnahme zum Prozesskostenvorschuss zugestellt
(Urk. 58). Die Stellungnahme ging unterm 17. Mai 2019 ein und wurde am 20. Mai
2019 der Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 59). Weitere Eingaben
sind nicht erfolgt. Mit Verfügung vom 14. Juni 2019 wurde den Parteien angezeigt,
dass sich das Berufungsverfahren in der Phase der Urteilsberatung befindet
(Urk. 63).
3. Das Berufungsverfahren stellt keine Fortsetzung des erstinstanzlichen Ver-
fahrens dar, sondern ist nach der gesetzlichen Konzeption als eigenständiges
Verfahren ausgestaltet (BGE 142 III 413 E. 2.2.1). Mit der Berufung kann eine un-
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richtige Rechtsanwendung und eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts gel-
tend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungsinstanz verfügt über unbe-
schränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der Frage
richtiger Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung; BGer 5A_184/2013
vom 26. April 2013, E. 3.1), welcher bei Entscheiden betreffend Unterhalt erhebli-
che Bedeutung zukommt (vgl. statt vieler BGer 5A_797/2012 vom 18. März 2013,
E. 3.2.3).
4. Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfahren
grundsätzlich nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berück-
sichtigt werden, das heisst, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und
trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konn-
ten (lit. b). Im Bereich des vorliegend anwendbaren strengen Untersuchungs-
grundsatzes gemäss Art. 296 ZPO (betreffend sämtliche Kinderbelange) können
die Parteien mit der Berufung jedoch Noven vortragen, auch wenn die Vorausset-
zungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind (BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
5. Gegenstand des vorliegenden Berufungsverfahrens ist die Betreuungsrege-
lung für D._, die Unterhaltspflicht der Parteien sowie die Herausgabe einer
Werkstatt. Die Dispositiv-Ziffern 1 (Getrenntleben), 2 (Obhut), 3 Abs. 1 (Betreu-
ungsregelung C._), 4 (Beistandschaft), 7 (bisherigeTilgung der Unterhaltsbei-
träge), 9 Abs. 1 (Zuweisung eheliche Liegenschaft) und 10 (Gütertrennung) blie-
ben unangefochten, weshalb sie in Rechtskraft erwachsen sind (Art. 315 Abs. 1
ZPO). Dies ist vorzumerken. Ebenfalls unangefochten blieben die Dispositiv-
Ziffern 11 bis 13 (erstinstanzliche Entscheidgebühr und Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen). Hinsichtlich der Kostenfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens er-
folgt indessen keine Vormerknahme der (Teil-) Rechtskraft (vgl. Art. 318 Abs. 3
ZPO).
6. Auf die Parteivorbringen ist insoweit einzugehen, als dies für die Entscheid-
findung erforderlich ist.
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II.
A. Betreuungsregelung
1. Für den älteren Sohn der Parteien, den mittlerweile 17jährigen C._,
wurde von einer Regelung des Besuchsrechts abgesehen (Urk. 42 S. 23, Dispo-
Ziff. 3). Dies blieb unangefochten. Umstritten ist das Besuchsrecht für den im Jahr
2006 geborenen D._. Die Parteien trennten sich im Frühling 2018. Die Vor-
instanz hielt dafür, es sei offensichtlich, dass die Söhne zur Zeit der Gesuchstelle-
rin wesentlich näher stehen würden als dem Gesuchsgegner. Es sei aber nicht
glaubhaft, dass dies hauptsächlich auf eine eigentliche Beeinflussung durch die
Gesuchstellerin zurückgehe. Dass Kinder, die nach der Trennung der Eltern mit
der Mutter zusammenlebten, dazu tendieren würden, sich mit der Mutter zu soli-
darisieren, sehe man häufig. Im vorliegenden Fall komme dazu, dass die Söhne
vom Verhalten des Gesuchsgegners schwer enttäuscht seien. Es sei anzuneh-
men, dass er sich ihnen gegenüber tatsächlich ungeschickt verhalten habe. Als
Beispiel könne sein völlig unnötiges und überraschendes Erscheinen im Korridor
des Gerichtsgebäudes anlässlich der Kinderanhörung erwähnt werden. Als prob-
lematisch erscheine auch der Umstand, dass er nun eine Arbeit als Aushilfshaus-
wart im Schulhaus angenommen habe, wo D._ zur Schule gehe. Die Söhne
würden unter der Situation leiden, und die Aussicht auf befohlene Kontakte mit ih-
rem Vater belaste sie. Diese Gefühle müssten erst [recte wohl: ernst] genommen
werden. Die Anordnung eines gerichtsüblichen Besuchsrechts würde das Kin-
deswohl ernsthaft gefährden. Sie könnte auch nicht mit dem Hinweis darauf legi-
timiert werden, dass zwischen dem Recht und seiner Durchsetzung zu unter-
scheiden sei. Recht dürfe nicht zu reiner Symbolik verkommen. Im Übrigen würde
mit der Anordnung von überfordernden und nicht durchsetzbaren Regeln ein
grosser Druck erzeugt, der bei den Söhnen zu Depressivität und zu Schuldgefüh-
len führen könnte. Ein auf D._ beschränktes gerichtsübliches Besuchsrecht
würde bei D._ im Übrigen ganz klar zum Gefühl führen, nicht ernst genom-
men und Opfer einer Ungerechtigkeit zu werden. Andererseits drohe langfristig
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eine Beeinträchtigung des Kindeswohls, aber auch eine zunehmende Entfrem-
dung zwischen dem Vater und dem Kind. Während bei C._ eine vorsichtige
Wiederaufnahme von Kontakten zum Vater erhofft werden könne, scheine es so,
dass die Beziehung zwischen D._ und dem Gesuchsgegner nur mit einem
kleinen Anstoss von aussen wiederbelebt werden könne. Es sei D._ sicher
zuzumuten, den Vater wenigstens an einem Sonntag pro Monat von 11.00 Uhr bis
18.00 Uhr zu besuchen. Die Tatsache, dass C._ erklärt habe, D._ bei
den Besuchen des Vaters zu begleiten, lasse erwarten, dass D._ durch sol-
che Kontakte nicht überfordert werde und sich zwischen den Söhnen und dem
Vater wieder ein gewisses Verständnis und Vertrauen aufbauen lasse. Dem Ge-
suchsgegner sei es umgekehrt zuzumuten, sich im Interesse einer Gesundung
seiner Beziehung zu den Söhnen vorläufig mit einem solchen Besuchsrecht zu-
friedenzugeben (Urk. 42 S. 10 f). Die Vorinstanz ordnete sodann eine Besuchs-
rechtsbeistandschaft an (Urk. 42 S. 11, S. 24).
2. Der Gesuchsgegner hält in der Berufung an seinem Antrag gemäss Vor-
instanz fest. Er möchte D._ an einem freien Wochenende pro Monat von
Samstagmorgen bis Sonntagabend sowie jeden zweiten Dienstagabend betreuen
dürfen (Urk. 41 S. 6). Er moniert, es handle sich nicht um ein ausgedehntes Be-
treuungsrecht. Im Wesentlichen macht er geltend, während des ehelichen Zu-
sammenlebens habe er eine sehr gute Beziehung zu beiden Kindern gehabt und
sie aufgrund seines unregelmässigen Dienstplans regelmässig unter der Woche
betreut. Die Kinder würden sich in einem Loyalitätskonflikt befinden und hätten
sich mit der Gesuchstellerin solidarisiert. Die Beteuerung der Gesuchstellerin,
wonach sie einen regelmässigen Kontakt zwischen den Söhnen und dem Ge-
suchsgegner befürworte, stehe im Widerspruch zu ihrem tatsächlichen Verhalten.
Bezeichnend sei, dass der Gesuchsgegner die Kinder bis zum heutigen Zeitpunkt
(Februar 2019) nicht habe sehen dürfen. Es sei davon auszugehen, dass die Ge-
suchstellerin einen Kontakt erst zulasse, wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliege
(Urk. 41 S. 7).
Dem Besuchsrecht der Vorinstanz sei für eine angemessene Übergangsfrist zu
entsprechen, um die Beziehung und das Vertrauensverhältnis zwischen Vater und
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Sohn wieder aufzubauen. Zu begrüssen sei auch die Beistandschaft. Die Vor-
instanz widerspreche sich allerdings selber, wenn sie einerseits behaupte, es
müsse langfristig einer Entfremdung zwischen Vater und Sohn entgegengewirkt
werden, und andrerseits nur ein beschränktes Besuchsrecht gewähre. Es gehe -
entgegen der Vorinstanz - auch nicht nur um eine vorläufige Regelung, sondern
um eine Anordnung für die Dauer des Getrenntlebens, die mehrere Jahre dauern
könne. Nach einer angemessenen Übergangsfrist sei für D._ ein gerichtsüb-
liches Besuchsrecht zu gewähren. Seit dem Auszug des Gesuchsgegners seien
neun Monate vergangen. Diese Frist sei für die gegenseitige Annäherung und
Vertrauensbildung zu gewähren, entsprechend sei ab Oktober 2019 ein gerichts-
übliches Besuchsrecht einzuräumen (Urk. 41 S. 8).
3. Die Gesuchstellerin akzeptiert die angefochtene Regelung. Sie macht gel-
tend, die Kinder würden den Kontakt zum Vater ablehnen. Dies habe die Kindes-
anhörung ergeben. Die Situation sei sehr belastend, sie würden dem Vater die
Schuld an der Trennung geben. D._ sei schon gestresst, weil am Montag
sein Vater in der Schule arbeite, die er besuche. Die Behauptung, dies sei auf ei-
ne Manipulation durch die Gesuchstellerin zurückzuführen, sei nicht nachvollzieh-
bar. Der Gesuchsgegner nenne keinerlei Gründe. C._ und D._ seien alt
und reif genug, um sich ein eigenes Bild vom Verhalten ihrer Eltern zu machen.
Selbstverständlich "dürfe" der Gesuchsgegner die Söhne sehen; seine Kontakt-
bestrebungen seien momentan aber minim. Die Gesuchstellerin stimme den Aus-
führungen der Vorinstanz zu, dass eine Betreuungsregelung für D._ im Urteil
enthalten sein sollte. Umgekehrt sei das beantragte Besuchsrecht illusorisch, so-
lange D._ den Kontakt ablehne. Namentlich Übernachtungen würden für ihn
nicht in Frage kommen. Der erstinstanzliche Richter habe beide Kinder befragt
und angehört und sei zum Schluss gekommen, dass diese Blockadehaltung aktu-
ell sehr intensiv sei. Der Vorinstanz sei beizustimmen, dass der Wille des 13-
jährigen D._ relevant sei (Urk. 55 S. 3).
4. In der Stellungnahme vom 16. Mai 2019 liess der Gesuchsgegner entgeg-
nen, es sei nun Mitte Mai 2019, ohne dass dieses Betreuungsrecht bisher habe
umgesetzt werden können, da sich die Gesuchstellerin partout weigere, einen
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Kontakt zwischen ihm und D._ zuzulassen. Wäre die Gesuchstellerin an ei-
nem Kontakt interessiert, würde ein solcher schon längst stattfinden. Momentan
sehe der Gesuchsgegner D._ nur ab und zu in der Schule, wenn er dort im
Rahmen seiner Tätigkeit als Materialwart für die Gemeinde O._ zu tun habe.
D._ sei letztens auf seinen Vater zugegangen, habe ihn umarmt und ihm ge-
sagt, dass er ihn gerne habe (Urk. 59 S. 6). Diese Ausführungen blieben unwider-
sprochen.
5.1 Gemäss Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Sorge oder
Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf ange-
messenen persönlichen Verkehr. Dabei handelt es sich um ein gegenseitiges
Pflichtrecht, das in erster Linie dem Interesse des Kindes dient. Oberste Richt-
schnur für die Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs ist das Kindeswohl. Ent-
sprechend hat sich das Gericht in erster Linie an den Bedürfnissen des Kindes zu
orientieren; die Interessen der Eltern haben hinter dem vorrangig massgebenden
Kindeswohl zurückzustehen. In diesem Sinn hat auch der persönliche Verkehr
zum Zweck, die positive Entwicklung des Kindes zu gewährleisten und zu fördern.
In der Entwicklung des Kindes sind seine Beziehungen zu beiden Elternteilen
wichtig, da sie bei seiner Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spielen kön-
nen (BGer 5A_530/2018 vom 20.02.2019, E. 4.1 m.Hinw.).
5.2 Die erste Instanz gewährte dem Gesuchsgegner ein Besuchsrecht an einem
Sonntag pro Monat von 11 bis 18 Uhr. Sie hat dabei dem Willen von D._, der
sich grundsätzlich weigert, seinen Vater zu sehen, viel Bedeutung beigemessen.
D._ scheint - mehr als sein älterer Bruder C._ - grosse Mühe mit der
Trennung der Eltern zu haben. Er ist sehr enttäuscht über das Verhalten seines
Vaters (Urk. 42 S. 10 f.). Der Gesuchsgegner selber führte vor Vorinstanz aus,
dass er D._ als distanziert erlebe, dass ihm D._ die Trennung vorwerfe
und dieser ihn nicht mehr regelmässig sehen wolle (Urk. 15 S. 3). Die Vorinstanz
hat D._s Wunsch respektiert und seine Aussagen nicht protokolliert (Prot. I
S. 24). Die eingetretene Entfremdung zwischen ihm und D._ und dessen ab-
lehnende Haltung zu Besuchen stellt der Gesuchsgegner mit der Berufung nicht
in Frage, auch wenn er dafür in erster Linie die Gesuchstellerin verantwortlich
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macht (Urk. 41 S. 7 f.). Dass D._ Besuche gegenwärtig ablehnt, ergibt sich
sodann aus seiner (an die Vorinstanz gerichteten) E-Mail vom 14. November
2018 (Urk. 57/1; vgl. auch Prot. I S. 30). Auch die Gesuchstellerin argumentiert in
erster Linie mit dem Umstand, dass die Trennung der Parteien die beiden Söhne
belaste und insbesondere D._ den Vater nicht sehen wolle (Urk. 1 S. 4;
Prot. I S. 26). Offenkundig stehen beide Kinder in einem Loyalitätskonflikt.
5.3 Der Wille des Kindes ist für die Regelung des Besuchsrechts von herausra-
gender Bedeutung (BSK ZGB I-Schwenzer/Cottier, Art. 273 N 10 f.). Ein Kinder-
wunsch kann aber nicht allein ausschlaggebend für die Regelung des Kontakt-
rechts sein. Der Wille des Kindes ist stets eines von mehreren und nicht einziges
Kriterium, da andernfalls der Kindeswille dem Kindeswohl gleichgesetzt würde.
Auch können Kinder nicht in Eigenregie bestimmen, ob und zu welchen Bedin-
gungen sie Umgang mit einem (nicht sorge- oder obhutsberechtigten) Elternteil
haben (vgl. Urteil 5A_656/2016 vom 14. März 2017 E. 4 mit Hinweis). Gestützt auf
die einschlägige kinderpsychologische Literatur geht die bundesgerichtliche
Rechtsprechung davon aus, dass die Voraussetzungen für eine autonome Wil-
lensbildung in der Regel ab ungefähr elf bis zwölf Jahren gegeben sind (BGer
5A_666/2017 vom 27. September 2017, E.5 m.H.a. BGE 133 III 146 E. 2.4.).
5.4 Da in der Entwicklung des Kindes die Beziehung zu beiden Elternteilen sehr
wichtig ist, hielt die Vorinstanz dafür, dass ein (minimales) Besuchsrecht anzu-
ordnen sei, um einer Kindswohlgefährdung aufgrund der Entfremdung zwischen
dem Gesuchsgegner und D._ entgegenzutreten (Urk. 42 S. 11).
5.5 Es ist unbestritten, dass der Gesuchsgegner zu seinen Kindern vor der
Trennung der Parteien ein gutes Verhältnis pflegte, sie regelmässig unter der
Woche betreute, wenn die Gesuchstellerin erwerbstätig war, oder mit ihnen die
Freizeit verbrachte. Schwerwiegende Vorwürfe werden denn von der Gesuchstel-
lerin keine erhoben. Sicher war es unsensibel vom Gesuchsgegner, am Tag der
Anhörung überraschend im Gerichtsgebäude zu erscheinen (Urk. 42 S. 10) oder
seine Söhne anlässlich einer zufälligen Begegnung an einem Fest im Zürcher
Oberland nicht zu grüssen, was die Enttäuschung der Kinder verstärkt haben soll
(Prot. I S. 12). Hingegen bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass sich der Ge-
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suchsgegner in der letzten Zeit grundlegend verändert hat, um plötzlich einen
schädigenden Einfluss auf die Kinder auszuüben. Auch hat sich der Gesuchsgeg-
ner nach seiner Trennung von der Familie offenbar um Kontakte mit den Kindern
bemüht, auch wenn das Bestreben meist erfolglos war (vgl. Urk. 27, Prot. I S. 27).
5.6 Im Vorfeld der Eheschutzverhandlung haben die Parteien eine Mediation
durchgeführt (so der Gesuchsgegner: Urk. 27 S. 4); die Gesuchstellerin spricht
von einer Beratung bei der kostenlosen Rechtsauskunftsstelle ... (Urk. 30 S. 4).
Der Gesuchsgegner machte vor Vorinstanz geltend, anlässlich dieser Zusam-
menkunft hätten die Parteien vereinbart, dass der Gesuchsgegner die Kinder je-
weils an seinem freien Wochenende sowie D._ zusätzlich jeden zweiten
Dienstagabend sehen dürfe (Urk. 27 S. 4). Die Gesuchstellerin entgegnete sei-
nerzeit im Oktober 2018, eine Abmachung habe nicht bestanden, wobei die Ge-
suchstellerin aber mit dieser Betreuungsregelung selbstverständlich einverstan-
den gewesen sei (Urk.30 S. 4).
5.7 Wie dargelegt, hat die Vorinstanz bei der Bemessung des Besuchsrechts in
hohem Masse auf den Willen des Kindes abgestellt. Sie schloss, dass die Ent-
fremdung der Söhne nicht auf eine Beeinflussung durch die Gesuchstellerin zu-
rückzuführen sei. Der Gesuchsgegner hält diese Annahme für willkürlich und
falsch (Urk. 41 S. 7). Er verweist dabei auf Ausführungen vor Vorinstanz und ge-
nügt damit seiner Rügepflicht nicht. In seiner Berufungsschrift setzt sich denn der
Gesuchsgegner mit dem Argument, dass die Anordnung eines gerichtsüblichen
Besuchsrechts das Kindswohl gefährden könnte, da ein zu grosser Druck auf
D._ ausgeübt werde, nicht konkret auseinander. Er setzt sich auch nicht mit
dem Argument auseinander, dass die Aussicht auf befohlene Kontakte die Kinder
belaste und zum Gefühl führe, nicht ernst genommen zu werden (Urk. 42 S. 11).
Die Vorinstanz hat D._ angehört. Bei der Anhörung war er knapp 13 Jahre
alt. Nach der zitierten Rechtsprechung ist ihm daher die Fähigkeit zuzuschreiben,
hinsichtlich des Besuchsrechts autonom einen Willen zu bilden (BGer
5A_875/2017 vom 6. November 2018 E. 3.3 m.H.). Bereits im Juni 2018 liess er
seinen Vater wissen, dass er die Dienstagabende nicht mehr bei ihm verbringen
möchte, anfangs Juli 2018 schrieb er ihm, dass er ihn im Juli an sämtlichen ab-
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gemachten Besuchsterminen nicht sehen wolle (Urk. 27 S. 5). Das Aussagever-
halten ist insoweit konstant. Auch wenn der Wille des Kindes nicht allein massge-
bend ist, hat die Vorinstanz weder den Sachverhalt unrichtig festgestellt noch das
Recht falsch angewendet, wenn sie die emotionalen Schwierigkeiten und die
Weigerungshaltung von D._ grundsätzlich respektierte und insbesondere
keine Übernachtungen anordnete.
5.8 Der Gesuchsgegner sieht die vorinstanzliche Regelung als Übergangslö-
sung bis Oktober 2019. Seinen Angaben zufolge hat bis im Mai 2019 noch kein
Besuch stattgefunden, obwohl - so jedenfalls die Gesuchstellerin - die Beiständin
bereits am 19. Februar 2019 bestellt worden ist (Urk. 55 S. 3). Es geht somit da-
rum, die vorinstanzliche Regelung überhaupt erst umzusetzen. Im zu beurteilen-
den Fall erscheint es mit Blick auf das Kindeswohl in der Tat angebracher, einer
realitätsbezogenen Lösung den Vorzug zu geben, als mit autoritativ verordnetem
Besuchsrecht weiter Druck auf D._ auszuüben. Mit einem Besuchsrecht von
einem guten halben Tag, das regelmässig gelebt wird, besteht die reale Möglich-
keit, eine behutsame Wiederannäherung zu ermöglichen und das Vertrauen zwi-
schen Vater und Sohn wieder aufzubauen. Denn für D._ gilt, dass er zuerst
lernen muss, mit dem tiefen Bruch innerhalb der Familie umzugehen. Zudem ist
zu berücksichtigen, dass er im Sommer 2019 in die Sekundarstufe wechselt
(Urk. 41 S. 19), was in der Regel ein neues schulisches Umfeld mit sich bringt,
und dass er in der Pubertät ist. Alle diese Ereignisse und Veränderungen erfor-
dern viel Kraft von einem 13-Jährigen, um sie zu bewältigen. Es ist deshalb
glaubhaft, dass D._ in dieser schwierigen Situation Mühe und Stress empfin-
det, weil der Gesuchsgegner exakt in "seinem" Schulhaus eine Aushilfsstelle an-
genommen hat (Prot. I. S. 27 ff.). Bereits die Vorinstanz erwog, im Interesse der
Gesundung der Beziehung zwischen Gesuchsgegner und Söhne sei das von ihr
eingeräumte Besuchsrecht zu rechtfertigen (Urk. 42 S. 11). Diese Erwägung blieb
vom Gesuchsgegner unangefochten.
5.9 Der Gesuchsgegner macht weiter geltend, die Vorinstanz verkenne, dass
die im Eheschutzverfahren getroffene Anordnung grundsätzlich für die ganze
Dauer des Getrenntlebens der Parteien gelte, was unter Umständen mehrere
- 16 -
Jahre dauern könne, und dass - gerade im Hinblick auf das Kindswohl - nicht von
einer vorläufigen Regelung gesprochen werden könne. In diesem Sinne sei bei
der Ausgestaltung des Betreuungsrechts nicht nur auf die momentane Situation
abzustellen, sondern mit Blick auf das Wohl von D._ in die Zukunft zu blicken
(Urk. 41 S. 8).
Im Eheschutzverfahren geht es in erster Linie darum, eine einstweilige Regelung
zu treffen, um die "Friedensordnung" zwischen den Parteien wieder herzustellen.
Wie lange diese Trennung andauern wird, muss heute offengelassen werden. Im
Zusammenhang mit der Erwerbstätigkeit der Gesuchstellerin trägt der Gesuchs-
gegner jedenfalls vor, dass mit der Wiederherstellung des gemeinsamen Haushal-
tes nicht mehr zu rechnen sei (Urk. 41 S. 18). So oder anders ist darauf hinzuwei-
sen, dass sich Eheschutzmassnahmen abändern lassen. Angesichts des vo-
rübergehenden Charakters des im summarischen Verfahren ergehenden Ehe-
schutzentscheids werden geringere Anforderungen an den Umfang, vor allem
aber an die Dauer der Veränderung gestellt, als für die Abänderung eines Schei-
dungsurteils. Dies gilt auch, wenn Eheschutz- durch vorsorgliche Massnahmen zu
ersetzen sind (Hausheer/Spycher, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl., Bern
2010, Rz 09.11, 09.90, 09.95). Der vorliegenden Regelung haftet daher nichts De-
finitives an. Lässt sich "die gegenseitige Annäherung und Vertrauensbildung"
nach der Vorstellung des Gesuchsgegners realisieren und "die gute Beziehung
wiederherstellen" (Urk. 41 S. 8), kann dannzumal eine Ausdehnung der Besuche
ins Auge gefasst werden.
5.10 Nach dem Gesagten hält die angefochtene Regelung einer Überprüfung
stand, und sie ist zu bestätigen. Die Berufung gegen Dispositiv Ziffer 3 Abs. 2 ist
abzuweisen. Der Klarheit halber zu bestätigen ist auch Dispositiv Ziff. 3 Abs. 3,
wonach es den Parteien frei steht, unter Einbezug von D._ von Fall zu Fall
Abweichungen von der Regelung zu vereinbaren.
- 17 -
B. Unterhalt
1. Der angefochtene Entscheid basiert auf den folgenden Eckwerten (Urk. 42
S. 13 ff.):
- Gesuchsgegner: Einkommen Fr. 7'555.–; Bedarf Fr. 4'283.–
- Gesuchstellerin: Einkommen Fr. 1'778.–; Bedarf Fr. 3'508.–
- C._: Anteil Lehrlingslohn Fr. 194.–, Ausbildungszulage Fr. 250.–;
Barbedarf Fr. 992.–
- D._: Ausbildungszulage Fr. 250.–; Barbedarf Fr. 976.–
2. Einkommen Gesuchsgegner
2.1 Die Vorinstanz errechnete ein Einkommen von Fr. 7'555.–. Dieses setzt sich
zusammen aus den folgenden drei Positionen: 90 %-Anstellung als Q._-
Buschauffeur: Fr. 6'233.–; Materialwart bei der Feuerwehr: Fr. 922.–; freiwillige
Übungen/Einsätze bei der Feuerwehr: Fr. 400.– (Urk. 42 S. 19).
2.2 Der Gesuchsgegner anerkennt ein Einkommen von Fr. 7'155.–, kritisiert al-
lerdings die Anrechnung der Einnahmen für seine freiwilligen Einsätze bei der
Feuerwehr (Urk. 41 S. 21). Die Vorinstanz führte dazu Folgendes aus: Der Ge-
suchsgegner anerkenne, dass es sich bei dieser Tätigkeit um eine Freizeitbe-
schäftigung handle, die zwar durchaus etwas abverlange, aber nicht als Last,
sondern als Ausgleich zu anderen Tätigkeiten empfunden werde. Dass daraus ein
erhebliches Einkommen resultiere, könne nicht wegdiskutiert werden. Dieses sei
zu berücksichtigen, zumal die finanziellen Verhältnisse, da zwei Haushalte finan-
ziert werden müssten, knapp seien. Der Tatsache, dass dieses Einkommen
Schwankungen unterworfen sein dürfte, sei insofern Rechnung zu tragen, als statt
Fr. 510.– Fr. 400.– anzurechnen seien (Urk. 42 S. 19 f.).
2.2 Der Gesuchsgegner moniert, es könne von einem Ehegatten grundsätzlich
nicht verlangt werden, dass er einem Pensum von mehr als 100 % nachgehe. Es
sei korrekt, dass es sich um ein Hobby handle. Die Vorinstanz beschneide ihn für
die gesamte Dauer des Getrenntlebens in seiner Wahl, ob er dieses Hobby wei-
terhin ausüben möchte oder nicht, und zwinge ihn faktisch dazu, ein überobligato-
risches Einkommen zu generieren. Gemäss Lohnausweis 2018 habe das Netto-
- 18 -
einkommen sodann nur Fr. 379.60 und somit weniger als im Jahr 2017 betragen.
Die finanziellen Verhältnisse seien nicht derart knapp, dass der erweiterte Bedarf
der Parteien ohne Anrechnung des Zusatzeinkommens nicht finanziert werden
könnte. Auch die Gesuchstellerin habe die Änderungen des Getrenntlebens zu
tragen. Indem die Vorinstanz auf Seiten des Gesuchsgegners ein überobligatori-
sches Einkommen und bei der Gesuchstellerin nur Fr. 1'778.– anrechne, behand-
le sie die Parteien ohne sachlichen Grund völlig unterschiedlich (Urk. 41 S. 21).
2.3 Bei der Festsetzung von Geldbeiträgen des einen Ehegatten an den ande-
ren gemäss Art. 176 Ziff. 1 ZGB geht das Gericht grundsätzlich von der bisheri-
gen, ausdrücklichen oder stillschweigenden Vereinbarung der Ehegatten über die
Aufgabenteilung und Geldleistungen aus, die der ehelichen Gemeinschaft eine
bestimmte Struktur gegeben haben. Anders als im Scheidungsurteil ist nicht eine
dauerhafte, sondern eine einstweilige Regelung für die Dauer des Getrenntlebens
zu treffen. Von Ausnahmen abgesehen ist von den tatsächlichen Verhältnissen
auszugehen und sind die effektiven Einkünfte und Auslagen zu berücksichtigen.
2.4 Der Gesuchsgegner argumentiert in erster Linie rechtlich, wonach die Frei-
zeittätigkeit nicht berücksichtigt werden könne. Gemäss Lehre und Praxis ist Ein-
kommen aus einem bisherigen Nebenerwerb so lange weiterhin zu berücksichti-
gen, als die Ausübung der Nebenerwerbstätigkeit trotz neu eingetretenen Gege-
benheiten noch als zumutbar erscheint (Hausheer/Spycher, a.a.O., Rz. 01.35
m.V.a. BGer 5P.469/2006 vom 4. Juli 2007, E. 3.2.1). Es entsprach den gelebten
Verhältnissen, dass der Gesuchsgegner neben seiner Anstellung als Chauffeur
und der Tätigkeit als Materialwart in der Freizeit Mitglied bei der freiwilligen Feu-
erwehr war und dass dieses seit Jahren ausgeübte Hobby entschädigt wurde
(Urk. 15 S. 4). Eine übermässige Belastung wird nicht konkret geltend gemacht.
Der Einwand vor Vorinstanz, aufgrund des getrennten Haushaltes habe der Ge-
suchsgegner zuhause wieder mehr zu tun (Prot. I S. 18), ist zu unsubstantiiert.
Auch behauptet er nicht, er habe mit seinem Hobby aufgehört. Schliesslich trägt
der Gesuchsgegner im Zusammenhang mit dem Einkommen der Gesuchstellerin
vor, aus dem Umstand, dass ein Überschuss resultiere, könne nicht darauf ge-
schlossen werden, dass mit den zur Verfügung stehenden Mitteln der gebührende
- 19 -
Unterhalt beider Ehegatten und der Kinder gedeckt werden könne (Urk. 41
S. 18f.). Deshalb und auch mit Blick auf die während des gemeinsamen Haus-
halts gelebte Lastenverteilung rechtfertigt es sich, auf die tatsächlich erzielten
Einnahmen abzustellen, und es ist die Entschädigung für die freiwillige Feuerwehr
einzubeziehen.
2.5 Betreffend die Höhe weist der Lohnausweis 2018 ein Nettoeinkommen von
Fr. 4'555.– aus (Urk. 44/2). Darauf ist abzustellen. Er erscheint angemessen, mo-
natlich Fr. 350.– zu berücksichtigen.
2.6 Das anrechenbare Einkommen beläuft sich demnach auf gerundet
Fr. 7'500.– (Fr. 6'233.– + Fr. 922.– + Fr. 350.–).
3. Einkommen Gesuchstellerin
3.1 Die Gesuchstellerin ist Musiklehrerin. Sie unterrichtet im Anstellungsverhält-
nis und als selbständige Musiklehrerin (Urk. 1 S. 4 ff.). Eigenen Angaben in der
Gesuchsbegründung zufolge hat sie während der Ehe rund einen Tag pro Woche
Musikunterricht erteilt und einen Zusatzverdienst an den ehelichen Haushalt er-
zielt (Urk. 1 S. 3). Demgegenüber liess sie an der Verhandlung vortragen, dass
das heutige Pensum aufgrund der verschiedenen Beschäftigungsorte und unter
Berücksichtigung der Vorbereitung 50 % übersteige (Prot. I S. 14). Die Vorinstanz
erwog, die Gesuchstellerin gehe aufgrund der im Recht liegenden Belege von
durchschnittlich Fr. 1'778.– pro Monat aus, wobei sie darauf hinweise, dass frag-
lich sei, ob sie die gegenwärtige Anzahl Musikschüler halten könne; umgekehrt
habe sie den Lohn einer einmaligen Stellvertretung während sechs oder sieben
Wochen von Fr. 3'300.– nicht eingerechnet. Auf den Betrag von Fr. 1'778.– sei
abzustellen. Der Gesuchsgegner verlange zwar die Anrechnung eines hypotheti-
schen Einkommens bei einem 50 %-Pensum in der Höhe von Fr. 3'000.–. Er habe
indes in keiner Weise glaubhaft gemacht, dass die Gesuchstellerin die Möglichkeit
habe, bei zusätzlichen Anstrengungen Fr. 3'000.– zu verdienen. Selbst wenn der
Gesuchstellerin die Ausdehnung der Erwerbstätigkeit zugemutet werden könnte
(was offenbleiben könne), müsse davon ausgegangen werden, dass ihr - jeden-
falls in der nächsten Zeit - die Erzielung eines wesentlich höheren Einkommens
- 20 -
nicht möglich sei. Angesichts des von der Gesuchstellerin gezeigten Einsatzes
könne Übrigens davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin - schon in
ihrem eigenen Interesse - gerne eine Arbeit mit einem Beschäftigungsgrad von
50 % und einem Nettolohn von Fr. 3'000.– annehmen würde (Urk. 42 S. 18).
3.2 Der Gesuchsgegner macht im Wesentlichen geltend, das von der Vorinstanz
angerechnete Einkommen von Fr. 1'778.– sei falsch. Aufgrund der diversen im
Recht liegenden Belege sei von einem monatlichen Einkommen von Fr. 2'729.82
auszugehen. Es sei nicht nachvollziehbar, wie die Gesuchstellerin und die Vor-
instanz Fr. 1'778.– errechnet hätten (Urk. 41 S. 16 f.). Auch habe die Gesuchstel-
lerin sowohl im Jahr 2017 wie im Jahr 2018 eine Stellvertretung an der Musik-
schule G._ innegehabt. Es gebe keinen Grund, warum sie dies nicht weiter-
hin tun könne. Es sei davon auszugehen, dass von den Schülern immer mal wie-
der einige dazu kommen und andere wegfallen würden. Es sei weiter nicht bestrit-
ten worden, dass bei einer Tätigkeit von 50 % ein monatliches Einkommen von
Fr. 3'000.– erzielbar sei. Diese Annahme basiere auf der Anstellung bei der Stadt
H._. Die Vorinstanz widerspreche sich im Übrigen selber, wenn sie der Ge-
suchstellerin einerseits Verpflegungskosten für ein 50 %-Pensum anrechne und
sich andererseits auf den Standpunkt stelle, die Gesuchstellerin würde gerne eine
Arbeit mit einem Beschäftigungsgrad von 50 % zu Fr. 3'000.– annehmen (Urk. 41
S. 16 f.).
Der Gesuchsgegner verweist überdies auf die Rechtsprechung zur Ausdehnung
der Erwerbstätigkeit bei getrennt lebenden Ehegatten und auf die Praxisänderung
des Bundesgerichts zur sog. 10/16-Regel betreffend Erwerbsumfang bei Kinder-
betreuung (Urk. 41 S. 18). Er trägt vor, dass mit der Wiederherstellung des ge-
meinsamen Haushaltes nicht mehr zu rechnen sei. Es könne weder auf eine
Sparquote noch auf Vermögen zurückgegriffen werden. Auch könne nicht darauf
geschlossen werden, dass der gebührende Unterhalt der Parteien und der Kinder
gedeckt werden könne. Die Gesuchstellerin sei im Zeitpunkt der Trennung 46
Jahre alt gewesen, sie sei studierte Musiklehrerin und seit über 24 Jahren in die-
sem Beruf tätig. Gesundheitliche Beeinträchtigungen würden keine bestehen. Die
Kinder seien 13 und 16 Jahre alt. Die Zumutbarkeit sei gegeben. Nach Änderung
- 21 -
der Rechtsprechung habe der Gesuchsgegner in einer Eingabe vom 1. Oktober
2018 das anrechenbare Einkommen auf Fr. 4'800.– veranschlagt, was einem
80 %-Pensum entspreche, und zwar ab Eintritt des jüngsten Sohnes in die Se-
kundarstufe I, d.h. ab Ende August 2019. Auf diese Eingabe sei die Vorinstanz
gar nicht eingegangen. Entgegen der Vorinstanz könne bei der Ermittlung eines
zu erzielenden Einkommens auf statistische Erhebungen abgestellt werden. Nach
ständiger Rechtsprechung genüge der Lohnrechner des Bundes diesen Anforde-
rungen. Auch habe die Gesuchstellerin keinerlei Unterlagen zu den Akten ge-
reicht, die allfällige Bewerbungsbemühungen zeigen würden. Insgesamt sei aktu-
ell von einem monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 2'730.– und ab 1. September
2019 von einem Einkommen von Fr. 4'800.– auszugehen (Urk. 41 S. 19 f.).
3.3 Die Gesuchstellerin widerspricht. Es sei klarerweise vom aktuellen Einkom-
men von Fr. 1'778.– auszugehen. Die Stellvertretung im Sommer 2018 sei eine
Ausnahme gewesen und werde sich nicht wiederholen. Inzwischen würden die
Lohnausweise der Musikschulen vorliegen. Aktuell habe die Gesuchstellerin in
I._ eine Musikstunde weniger, dafür in H._ 30 Minuten mehr. Sie gehe
davon aus, dass das Einkommen im Jahr 2019 dem Vorjahr entspreche (Urk. 55
S. 6 ff.). Ein hypothetisches Einkommen, wie vom Gesuchsgegner gefordert, sei
nach der Praxis nicht anzurechnen (Urk. 55 S. 9).
3.4 In der Klagebegründung vom 16. Juli 2018 bezifferte die Gesuchstellerin ihr
Einkommen mit Fr. 1'506.–, das sich zusammensetzte aus den Anstellungen bei
der Stadt H._ und dem Bildungsdepartement des Kanton Aargau (Fr. 168.–),
bei der Musikschule I._ (Fr. 650.–), aus selbständigem Musikunterricht
(Fr. 628.–) und aus der Tätigkeit als Hauswartin (Fr. 60.–; Urk. 1 S. 4 f.). In der
Verhandlung vom 24. September 2018 schätzte die Gesuchstellerin ihr aktuell er-
zielbares Nettoeinkommen auf Fr. 1'778.– (Prot. I S. 14). Der Gesuchsgegner hielt
dem entgegen, es sei weiterhin unklar, welches Pensum die Gesuchstellerin ver-
sehe. Die Gesuchstellerin habe sich darum zu bemühen, eine Arbeitstätigkeit von
mindestens 50 % auszuüben (Prot. I S. 18).
3.5 Die Vorinstanz erklärte nicht, wie sich das von ihr angerechnete Einkommen
von Fr. 1'778.– zusammensetzt, sondern meinte einzig: "Die Gesuchstellerin ver-
- 22 -
dient tatsächlich Fr. 1'778.– pro Monat" (Urk. 42 S. 18). Die Rüge des Gesuchs-
gegners ist berechtigt, da sich der Betrag nicht nachvollziehen lässt. Bei der Er-
mittlung des anrechenbaren Einkommens ist im Rahmen des Summarverfahrens
von den folgenden Teilbeträgen auszugehen:
a) Musikschule H._ + Bildungsdepartement Kanton Aargau
Gemäss Lohnausweis 2018:
Fr. 247.25 ([Fr. 1'074.– + Fr. 1'893.–] : 12; Urk. 57/6)
b) Musikschule I._
Gemäss Lohnausweis 2018:
Fr. 834.60 (Fr. 4'173.– : 5 [Beginn August 2018]; Urk. 57/8)
c) Musikschule G._
Die Gesuchstellerin konnte sowohl im Jahr 2017 als auch im Jahr 2018 eine
Stellvertretung zu Fr. 3'744.– brutto übernehmen (Prot. I S. 11). Es handelt sich
somit nicht um ein Einzelereignis. Daher erscheint es angemessen, diesen Betrag
zu berücksichtigen und monatlich Fr. 291.– netto aufzurechnen (vgl. dabei unten
lit. e). Dies rechtfertigt sich auch mit Blick auf das Gleichbehandlungsgebot. Wie
unter Ziff. 2.4 erwogen wurde, sind dem Gesuchsgegner seine Einnahmen aus
der freiwilligen Feuerwehr ebenso anzurechnen.
d) Musikschule J._ (selbständiger Unterricht)
Die Gesuchstellerin erläuterte an der Hauptverhandlung, dass es sich bei den
Einnahmen mit dem Titel "Musikschule J._" um den selbständig erteilten Un-
terricht handle, der mehrheitlich in J._ stattfinde (Prot. I S. 14). Bei Bruttoein-
nahmen von Fr. 13'218.– anerkennt die Gesuchstellerin einen Gewinn von
Fr. 9'368.95 bzw. von monatlich Fr. 780.70 (Urk. 14/1 = Urk. 57/7). Neben der
Miete und den Sozialabgaben bringt sie Autospesen im Betrag von Fr. 2'940.– in
Abzug. Erstens widerspricht sich die Gesuchstellerin dabei selber. Vor Vorinstanz
behauptete sie nämlich, dass sie die Fahrzeugkosten auch in ihrer Einzelfirma als
Aufwand absetzen könnte, was sie aber nicht tue (Urk. 1 S. 8). Zweitens wendet
der Gesuchsgegner zu Recht ein, dass die geltend gemachten Autospesen be-
- 23 -
reits im Bedarf der Gesuchstellerin veranschlagt seien (Urk. 42 S. 13). Schon die
Vorinstanz hielt fest, dass private Fahrten nicht berücksichtigt werden könnten
(Urk. 42 S. 15), weshalb es sich bei der Position im Bedarf unmissverständlich um
Gestehungskosten handelt. Es sind somit monatlich nicht Fr. 780.70, sondern
Fr. 920.– anzurechnen ([Umsatz Fr. 13'218.– ./. Miete Fr. 1'166.– ./. PK Fr. 375.–
./. AHV Fr. 626.20 = Fr. 11'050.80] : 12).
e) Weitere SchülerInnen
Der Gesuchsgegner bringt in der Berufung vor, dass die Gesuchstellerin neben
der Position "Musikschule J._" weitere Schüler privat unterrichte, und er ver-
langt die Aufrechnung von monatlich Fr. 168.–. Er anerkennt zwar, dass einige
der Schüler im Umsatztotal gemäss "Musikschule J._" enthalten seien, es
würden jedoch weitere Schüler, nämlich K._, L._ und M._ verblei-
ben, welche zu berücksichtigen seien (Urk. 41 S. 16). Die Gesuchstellerin ent-
gegnet, sie habe bereits an der Hauptverhandlung ausgeführt, dass sie eine Viel-
zahl der Schüler, für welche der Gesuchsgegner Rechnungen eingereicht habe,
nicht mehr unterrichte. Eine Doppelzählung sei nicht statthaft. Auch habe der Ge-
suchsgegner Rechnungen eingereicht, die nicht bezahlt worden seien (Urk. 55
S. 7). Sodann argumentiert die Gesuchstellerin mit prozessualen Versäumnissen.
Der Gesuchsgegner habe es schlichtwegs unterlassen, die im Rechtsmittelverfah-
ren aufgestellten Behauptungen im erstinstanzlichen Verfahren aufzustellen
(Urk. 55 S. 8).
Das Verfahren untersteht dem Untersuchungs- und Offizialgrundsatz (Art. 296
Abs. 1 ZPO). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung gelangt im Geltungsbe-
reich der uneingeschränkten Untersuchungsmaxime die Novenschranke von
Art. 317 ZPO nicht zur Anwendung, und das Gericht hat neue Tatsachen und Be-
weismittel bis zur Urteilsberatung zu berücksichtigen (BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
Der Einwand ist unbegründet.
Dem Gesuchsgegner ist insoweit zu folgen, als die Aufstellung betreffend "Musik-
schule J._" sehr pauschal gehalten ist und daraus nicht hervorgeht, welchen
Betrag der einzelne Schüler bezahlt (Urk. 57/7, letzte Seite). Was die Schüler
- 24 -
K._, L._ und M._ angeht, führte die Gesuchstellerin vor Vorinstanz
aus, dass L._ die Rechnung nicht bezahlt und M._ den Unterricht
krankheitshalber habe aufgeben müssen (Prot. I S. 14). Ob K._ in der
Urk. 57/7 erfasst ist, erscheint fraglich (Urk. 57/7, letzte Seite). Unter Hinweis da-
rauf, dass sowohl das Pensum bei den Anstellungen als auch die Anzahl der
SchülerInnen beim selbständig erteilten Musikunterricht variieren können, was
auch der Gesuchsgegner anerkennt (Urk. 41 S. 17), die Verdienstmöglichkeit da-
her nicht immer planbar ist und bereits die Stellvertretung in der Musikschule
I._ anzurechnen ist (oben lit. c), erscheint es angemessen, keine weitere
Aufrechnung vorzunehmen. Aus dem selbständig erteilten Unterricht sind somit
Fr. 920.– monatlich anzurechnen.
f) Hauswartung
Die Gesuchstellerin versieht zusätzlich eine Hauswartung, welche sie vor Vor-
instanz mit Fr. 60.– veranschlagte (Urk. 1 S. 5). Das anerkennt der Gesuchsgeg-
ner in der Berufungsschrift (Urk. 41 S. 16). In der Stellungnahme zur Berufungs-
antwort wendet er dennoch ein, es seien nicht Fr. 60.–, sondern Fr. 84.– anzu-
rechnen, was aus den neu eingereichten Rechnungen für die Hauswartung her-
vorgehe (Urk. 59 S. 9). Die Gesuchstellerin macht geltend, es sei der Anteil für
C._ abzuziehen, der ihr dabei helfe (Urk. 55 S. 8). Es erscheint glaubhaft,
dass C._ das Rasenmähen übernimmt (vgl. Urk. 57/10), weshalb es bei ei-
nem anrechenbaren Verdienst von Fr. 60.– bleibt.
g) N._
Der Gesuchsgegner macht in der genannten Stellungnahme weiter geltend, die
Gesuchstellerin erbringe offenbar neu auch Leistungen für die N._. Gemäss
Lohnausweis 2018 habe die Gesuchstellerin in den Monaten Januar bis März
2018 monatlich Fr. 41.65 erhalten (Urk. 59 S. 9). Der vom Gesuchsgegner ange-
sprochene Lohnausweis wurde mit den Abrechnungen für die Hauswartung ein-
gereicht (Urk. 57/10, letztes Blatt angeheftet). Gemäss Steuererklärung 2017
spricht einiges dafür, dass die Hauswartung durch die N._ abgerechnet wird
- 25 -
(vgl. Urk. 12/2 Blatt 9: Aufstellung über Einkünfte aus unselbständigem Nebener-
werb). Dabei hat es im Rahmen des Summarverfahrens sein Bewenden.
h) Zusammenfassung
Nach dem Ausgeführten ist der Gesuchstellerin der folgende Betrag pro Monat
anzurechnen: Fr. 247.25 + Fr. 834.60 + Fr. 291.– + Fr. 920.– + Fr. 60.– = Fr. 2'352.85, gerundet Fr. 2'350.–.
3.6 Der Gesuchsgegner hält daran fest, dass der Gesuchstellerin ein hypotheti-
sches Einkommen anzurechnen sei (Urk. 41 S. 17 ff.; oben Ziff. B.3.2).
Die Parteien führten eine lebensprägende Ehe, welche knapp 20 Jahre gelebt
wurde und aus welcher zwei heute 17- und 13-jährige Söhne hervorgingen. Es
wurde die klassische Rollenverteilung mit Zuverdienst der Gesuchstellerin prakti-
ziert. Die eheliche Beistands- und Treuepflicht dauert unverändert an und entfaltet
in unterhaltsrechtlicher Hinsicht weiterhin Wirkungen. Festzusetzen ist der eheli-
che Trennungsunterhalt, es geht ausschliesslich um Verbrauchsunterhalt. Mann
und Frau haben gleichermassen Anspruch auf Fortführung der bisherigen Le-
benshaltung bzw. bei beschränkten finanziellen Mitteln auf eine gleichwertige Le-
bensführung (BGE 140 III 337 E. 4.2.1). Auszugehen ist grundsätzlich von den
bisherigen ausdrücklichen oder stillschweigenden Vereinbarungen der Ehegatten
über Aufgabenteilung und Geldleistungen, die der ehelichen Gemeinschaft eine
bestimmte Struktur gegeben haben. Weiter hat das Eheschutzgericht zu berück-
sichtigen, dass der Zweck von Art. 163 Abs. 1 ZGB, für den gebührenden Unter-
halt der Familie zu sorgen, im Falle der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts
(Art. 175 f. ZGB) einen jeden Ehegatten dazu verpflichtet, nach seinen Kräften für
die zusätzlichen Kosten aufzukommen, welche die Führung zweier separater
Haushalte nach sich zieht (BGE 138 III 97 E. 2.2). Im Eheschutzverfahren ist eine
Pflicht zur Aufnahme oder Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit jedoch nur zu beja-
hen, wenn keine Möglichkeit besteht, auf eine während des gemeinsamen Haus-
halts gegebene Sparquote oder vorübergehend auf Vermögen zurückzugreifen,
wenn die vorhandenen finanziellen Mittel - allenfalls unter Rückgriff auf Vermögen
- trotz zumutbarer Einschränkungen für zwei getrennte Haushalte nicht ausrei-
- 26 -
chen und wenn die Aufnahme oder Ausdehnung der Erwerbstätigkeit unter den
Gesichtspunkten der persönlichen Verhältnisse des betroffenen Ehegatten (Alter,
Gesundheit, Ausbildung u.ä.) und des Arbeitsmarktes zumutbar ist. Diese Vo-
raussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein (BGE 130 III 537 E. 3.2).
Da die bisherige Lebenshaltung Ausgangspunkt bildet, ist insbesondere auch die
von den Ehegatten vereinbarte Lastenverteilung zu berücksichtigen. In den Steu-
ererklärungen 2016 und 2017 versteuerten die Parteien ein Jahreseinkommen der
Gesuchstellerin von Fr. 11'527.– bzw. von Fr. 15'764.–, während der Gesuchs-
gegner Fr. 96'539.– bzw. Fr. 99'525.– versteuerte (Urk. 12/1 und 12/2). Zur Zeit
des gemeinsamen Haushaltes machte das Einkommen der Gesuchstellerin
höchstens rund einen Siebtel des Haushaltsbudgets aus. Rechnet man das unter
Ziff. 3.5 lit. h ermittelte Einkommen 2018 auf ein Jahr um, resultieren neu
Fr. 28'200.–. Die Gesuchstellerin hat also ihren Verdienst im Jahr 2018, dem Jahr
der Trennung, erheblich gesteigert und quasi verdoppelt. Die Einkünfte der Par-
teien reichen aus, um beide Haushalte der fortan getrennt lebenden Eheleute zu
finanzieren. Das Prinzip des "clean break", wonach jeder Ehegatte im Rahmen
seiner Möglichkeiten nach der Scheidung für seinen Unterhalt selbst zu sorgen
hat (vgl. Art. 125 Abs. 1 ZGB), und die Frage der Eigenversorgungskapazität ste-
hen nicht in gleicher Weise im Vordergrund wie beim nachehelichen Unterhalt.
Hinzu tritt, dass die in F._/O._ lebende Gesuchstellerin ihren Musikun-
terricht vorwiegend im Kanton Aargau erteilt. Dies entsprach durchwegs den ge-
lebten Verhältnissen. Es bedingt aber, dass die Gesuchstellerin auch für ein klei-
nes Pensum einen relativ langen Arbeitsweg hat. Weiter kommen die Vor- und
Nachbereitungszeit für den Unterricht hinzu. All diese Komponenten wären bei
der allfälligen Beurteilung der Höhe des Arbeitspensums mitzuberücksichtigen.
Da es allerdings nicht darum geht, den Entscheid über den nachehelichen Unter-
halt im Eheschutzverfahren vorwegzunehmen, und die finanziellen Mittel wie dar-
gelegt ausreichend sind, ist von der Anrechnung eines hypothetischen Einkom-
mens der Gesuchstellerin im Rahmen dieses Eheschutzverfahrens abzusehen.
3.7 Nach dem Ausgeführten ist der Gesuchstellerin ein monatliches Einkommen
von Fr. 2'350.– anzurechnen.
- 27 -
4. Bedarf Gesuchstellerin und Kinder
4.1 Die Vorinstanz setzte den Bedarf wie folgt fest:
Gesuchstellerin Fr. 3'508.–; C._ Fr. 992.–; D._ Fr. 976.–; gesamt Fr. 5'476.–.
a) Wohnkosten
Die Gesuchstellerin und die Kinder sind in der ehelichen Liegenschaft geblieben.
Die Vorinstanz bezifferte die Wohnkosten mit Fr. 1'502.–, bestehend aus Hypo-
thekarzinsen (Fr. 732.–), Stockwerkeigentümerbeiträgen/Erneuerungsfonds
(Fr. 680.–) und Reparaturen/Erneuerungen (Fr. 100.–; Urk. 42 S. 13). Der Ge-
suchsgegner anerkennt insgesamt Fr. 1'412.– (Urk. 15 S. 10, Urk. 41 S. 10). Er
beanstandet insbesondere die Stockwerkeigentümerbeiträge und den zusätzli-
chen Betrag für Reparaturen. Er habe schon vor Vorinstanz ausgeführt, dass die
Budgetberechnung 2018 im Vergleich zum Vorjahr wegen einer Dach- und Fas-
sadensanierung sehr hoch ausfalle (Urk. 41 S. 9). Vor Vorinstanz berief sich der
Gesuchsgegner für die Höhe der Stockwerkeigentümerbeiträge u.a. auf die Pra-
xis, wonach die Nebenkosten für Stockwerkeigentum mit 0.7 % des Verkehrswer-
tes zu veranschlagen seien, was bei einem Verkehrswert von rund Fr. 900'000.–
monatlich Fr. 525.– ausmache (Urk. 15 S. 10). Die Budgetberechnung 2018 der
STWEG E._-strasse für die sechs Partien mit total Fr. 48'940.– liegt entge-
gen den Angaben des Gesuchsgegners nur unwesentlich über derjenigen des
Vorjahres mit Fr. 47'397.– (Urk. 2/11). Letztlich kann der genaue Betrag offenblei-
ben. Unter dem Gesichtspunkt der Gleichbehandlung sind die der Gesuchstellerin
und den Kindern zugestandenen Wohnkosten von Fr. 1'502.– jedenfalls zu bestä-
tigen, wurden doch dem Gesuchsgegner Wohnkosten samt Garage von
Fr. 1'600.– zugebilligt (Urk. 42 S. 15).
b) Auswärtige Verpflegung
Die Gesuchstellerin machte vor Vorinstanz in einer Aufstellung Verpflegungskos-
ten von Fr. 110.– geltend, ohne diese zu begründen (Urk. 1 S. 7). Der Gesuchs-
gegner äusserte sich dazu ebenfalls nicht. Die Vorinstanz erwog, die Gesuchstel-
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lerin sei bei ihrer Erwerbstätigkeit darauf angewiesen, sich auswärts verpflegen zu
können, was Mehrkosten verursache. Bei einem Pensum von rund 50 % sei pra-
xisgemäss mit Mehrkosten von rund Fr. 110.– zu rechnen (Urk. 42 S. 15). Der
Gesuchsgegner rügt in der Berufung, es seien keine Verpflegungskosten anzu-
rechnen. Weder das Arbeitspensum der Gesuchstellerin, noch wie sie ihre Arbeit
einteile, stünden fest. Gestützt auf die vorinstanzlichen Ausführungen erteile die
Gesuchstellerin einmal pro Woche Musikunterricht in H._, dann fahre sie
nach P._ und anschliessend nach J._ weiter. Dieser Tätigkeit sei sie
schon im Rahmen des ehelichen Zusammenlebens nachgekommen. Sie sei
höchstens einen Tag pro Woche darauf angewiesen, sich auswärtig zu verpflegen
(Urk. 44 S. 10 f.). Dem Sachgericht steht bei der Festsetzung der Unterhaltsbei-
träge ein weites Ermessen zu. Tatsache ist, dass die Gesuchstellerin an mehre-
ren Orten unterrichtet und sie auch längere Anfahrtswege in Kauf nehmen muss.
Und gegenüber dem Steueramt deklarierten im Jahr 2017 beide Parteien, dass
sich die Gesuchstellerin auswärts verpflege (Urk. 2/3 = Urk. 12/2: "Berufsausla-
gen"). Daher ist es vertretbar, Verpflegungskosten zuzusprechen und den Betrag
zu bestätigen.
c) Steuern
Die Vorinstanz schätzte die Steuern auf Fr. 200.– (Urk. 42 S. 13). Die Gesuchstel-
lerin kritisiert, aufgrund der Einnahmen wären Fr. 400.– anzurechnen gewesen,
wie sie das vor Vorinstanz geltend gemacht habe (Urk. 55 S. 5). In der Aufstellung
vor Vorinstanz führte sie lediglich Fr. 100.– auf, da es sich um ein Manko handle
(Urk. 1 S. 7), ergänzte jedoch, effektiv wären Fr. 300.– einzusetzen (Urk. 1 S. 10).
Auch der Gesuchsgegner reklamiert für sich Fr. 300.– unter Hinweis auf eine pro-
visorische Steuerrechnung 2018 (unten Ziff. 5.1 lit. b). Da nach dem Dargelegten
der Gesuchstellerin ein etwas höheres Einkommen anzurechnen ist, erscheint es
angemessen, im Rahmen des Summarverfahrens die Steuern auf Fr. 300.– fest-
zulegen.
4.2 Zusammengefasst ist der Bedarf der Gesuchstellerin um Fr. 100.– auf
Fr. 3'608.– anzuheben; derjenige der beiden Söhne ist zu bestätigen. Der Ge-
suchsgegner will zwar die Wohnkosten hälftig der Gesuchstellerin und hälftig den
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Kindern zuweisen (Urk. 41 S. 11). Das Vorgehen der Vorinstanz, welche den Be-
trag im Verhältnis 60:40 aufteilte, ist indessen vertretbar. Der Bedarf beträgt daher
Fr. 3'608.– für die Gesuchstellerin, Fr. 992.– für C._ und Fr. 976. – für
D._ (Urk. 42 S. 13), insgesamt Fr. 5'576.–.
5. Bedarf Gesuchsgegner
5.1 Die Vorinstanz bezifferte den Bedarf des Gesuchsgegners mit Fr. 4'283.–
(Urk. 42 S. 15 f.).
a) Auswärtige Verpflegung
Die Vorinstanz berücksichtigte einen Betrag von Fr. 198.–, entsprechend dem
90 %-Pensum bei der Q._ AG als Chauffeur (Urk. 42 S. 16 f.). Der Gesuchs-
gegner beanstandet, es seien ihm Fr. 210.– zu gewähren, da sein Arbeitspensum
100 % und nicht 90 % betrage (Urk. 41 S. 12). Da dem Gesuchsgegner seine drei
Einkommensbestandteile anzurechnen sind (oben Ziff. B.2), und mit Blick auf das
Gleichbehandlungsgebot der Parteien, erscheint es angemessen, die auswärtige
Verpflegung mit Fr. 210.– zu berücksichtigen.
b) Steuern
Die Vorinstanz setzte ebenfalls Fr. 200.– ein (Urk. 42 S. 16). Der Gesuchsgegner
moniert, es seien Fr. 300.– zu berücksichtigen. Er habe an der Eheschutzver-
handlung eine provisorische Steuerrechnung für die Staats- und Gemeindesteu-
ern 2018 mit einem Total von Fr. 3'484.05 eingereicht. Dazu würde die Bundes-
steuer kommen (Urk. 41 S. 12). Die Gesuchstellerin wendet ein, dass der Ge-
suchsgegner die zu leistenden Unterhaltsbeiträge werde abziehen können
(Urk. 55 S. 5). Das ist zwar richtig. Da dem Gesuchsgegner auch die aus dem
Hobby resultierenden Einnahmen anzurechnen sind, gegenüber der Vorinstanz
etwas tiefere Unterhaltsbeiträge resultieren und in Beachtung des Gleichbehand-
lungsgrundsatzes erscheint es dennoch angemessen, auch beim Gesuchsgegner
von einem Steuerbetreffnis von Fr. 300.– auszugehen.
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5.2 Der Bedarf des Gesuchsgegners ist daher um Fr. 12.– (auswärtige Verpfle-
gung) und um Fr. 100.– (Steuern) auf Fr. 4'395.– anzuheben.
6. Unterhaltsberechnung
6.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist von den folgenden Einkom-
mens- und Bedarfszahlen auszugehen. Unbestritten ist, dass C._ einen Drit-
tel seines Lehrlingslohnes von Fr. 582.– anzurechnen ist (Urk. 41 S. 22).
Einkommen GSin Fr. 2'350.– Einkommen C._ (Fr. 194.– + Fr. 250.–) Fr. 444.– Einkommen D._ Fr. 250.– Einkommen GG (exkl. Kinderzulagen) Fr. 7'500.– ./. Bedarf GSin Fr. 3'608.– ./. Barbedarf C._ Fr. 992.– ./. Barbedarf D._ Fr. 976.– ./. Bedarf GG Fr. 4'395.– Freibetrag Fr. 573.– 2/6 GSin, 1/6 C._, 1/6 D._, 2/6 GG 1/6 = Fr. 96.–
6.2 Barunterhalt C._ Fr. 992.– + Fr. 96.– ./. Fr. 444.– Fr. 644.–
6.3 Barunterhalt D._ Fr. 976.– + Fr. 96.– ./. Fr. 250.– Fr. 822.–
6.4 Betreuungsunterhalt Fr. 3'608.– ./. Fr. 2'350.– Fr. 1'258.–
6.5 GSin persönlich Fr. 3'608.– + Fr. 192.– ./. Fr. 2'350.– ./. Fr. 1'258.– = Fr. 192.–
6.6 Der persönliche Unterhaltsbeitrag untersteht der Dispositionsmaxime, wel-
che besagt, dass das Gericht einer Partei nicht mehr und nichts anderes zuspre-
chen darf, als sie verlangt, und nicht weniger, als die Gegenpartei anerkannt hat
(Art. 58 ZPO). Der Gesuchsgegner anerkennt für die Zeit vom 13. April 2018 bis
31. August 2019 einen persönlichen Unterhaltsbeitrag von Fr. 318.– (Urk. 41
S. 3). Aufgrund der speziellen Konstellation betreffend Betreuungsunterhalt, bei
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dem der betreuende Elternteil wirtschaftlich berechtigt ist, erscheint die Dispositi-
onsmaxime nicht verletzt, da der Gesuchsgegner lediglich einen Betreuungsun-
terhalt von Fr. 466.– anerkennt (Urk. 41 S. 3). Folglich wird der Gesuchstellerin
insgesamt nicht weniger zugesprochen, als der Gesuchsgegner anerkannt hat.
Das Gleiche gilt umgekehrt für die Gesuchstellerin. Gemäss angefochtenem Ent-
scheid beträgt der Betreuungsunterhalt Fr. 1'730.– und der persönliche Unterhalt
Fr. 90.–, total Fr. 1'820.–. Zugesprochen werden neu Fr. 1'260.– und Fr. 190.–, to-
tal Fr. 1'430.–. Somit wird der Gesuchstellerin nicht mehr zugesprochen, als sie
verlangt.
7. Der Gesuchsgegner ist daher zu verpflichten, der Gesuchstellerin für die
beiden Söhne rückwirkend ab 13. April 2018 folgende monatlichen Unterhaltbei-
träge (gerundet) zu bezahlen:
- an den Barunterhalt: Fr. 640.– für C._ Fr. 820.– für D._ - als Betreuungsunterhalt für D._: Fr. 1'260.– zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
Vertragliche oder gesetzliche Kinder- Familien- und Ausbildungszulagen sind zusätzlich zu beziehen und der Gesuchstellerin zu überweisen.
7.2 Der Gesuchsgegner ist weiter zu verpflichten, der Gesuchstellerin persönlich
rückwirkend ab 13. April 2018 monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 190.– zu be-
zahlen, zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monats.
8. Werkbank
8.1 Der Gesuchsgegner beantragte vor Vorinstanz, es seien ihm u.a. die Werk-
bank samt Werkzeugen auf erstes Verlangen herauszugeben (Urk. 15 S. 2). Die
Gesuchstellerin schloss auf Abweisung des Begehrens. Die Herausgabe der
Werkbank sei ohnehin nicht möglich, da dies den Ausbau des gesamten Kellers
zur Folge hätte und mit einem erheblichen, unverhältnismässigen Aufwand ver-
bunden wäre. Zudem würde die Werkbank von ihr und den Söhnen genutzt
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(Prot. I S. 11 f.). Die Vorinstanz wies das Begehren ab. Es erscheine nicht offen-
sichtlich, dass der Gesuchsgegner ein höheres sachlich bedingtes Interesse an
der Werkbank und den Werkzeugen habe als die drei anderen Familienmitglieder.
Die Gesuchstellerin sei für ihre Erwerbstätigkeit auf ein Auto angewiesen, die
Söhne auf ein Fahrrad oder ein Motorrad. Die Gesuchstellerin und die Söhne be-
wohnten die Liegenschaft der Parteien und seien damit selbst verantwortlich für
kleinere Reparaturen. Es dränge sich deshalb nicht auf, die Werkbank und das
Werkzeug dem Gesuchsgegner zuzuweisen (Urk. 42 S. 22).
8.2 Der Gesuchsgegner beanstandet insbesondere das Vorgehen der Vor-
instanz. Diese stütze sich auf die Behauptung der Gesuchstellerin. Dabei handle
es sich um eine reine Parteibehauptung, die weder substantiiert noch glaubhaft
gemacht worden sei. Die Vorinstanz habe den Gesuchsgegner nicht einmal be-
fragt. Im Weiteren handle es sich bei der Werkbank um ein in stundenlanger Ar-
beit selbst entworfenes und zusammengebautes Stück, welches exakt auf die
Bedürfnisse des Gesuchsgegners zugeschnitten und als persönliche Sache zu
qualifizieren sei (Urk. 41 S. 24).
8.3 Zum Thema der Werkbank wurden erstens weder die Gesuchstellerin noch
der Gesuchsgegner persönlich befragt. Insoweit wurden die Parteien gleich be-
handelt. Zweitens sind auch im Eheschutzverfahren die Anträge zu begründen.
Der rechtskundig vertretene Gesuchsgegner hat dies nur summarisch getan
(Urk. 15 S. 2). Zudem hat er den Einwand der Gesuchstellerin, der Ausbau wäre
mit unverhältnismässigem Aufwand verbunden, nicht in Abrede gestellt. Er hat
einzig an seinem Antrag auf Herausgabe der Werkbank festgehalten (Prot. I.
S. 17). Der Vorwurf an die Vorinstanz, sie kenne seinen Standpunkt nicht (Urk. 41
S. 24), hat sich der Gesuchsgegner also selbst zuzuschreiben. Drittens wohnt der
Gesuchsgegner heute in einer Zwei-Zimmer-Mietwohnung (Urk. 12/4), und er be-
hauptet nicht, über einen Hobbyraum oder ähnliches zu verfügen, wo er die
Werkbank platzieren könnte. Und schliesslich sind, wie die Vorinstanz festgehal-
ten hat, im Rahmen des Eheschutzverfahrens nur die Benützungsrechte zu re-
geln, unabhängig von den Eigentumsverhältnissen (Urk. 42 S. 21). Im Übrigen
handelt es sich bei der Behauptung, bei der Werkbank handle es sich um ein in
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stundenlanger Arbeit selbst entworfenes und zusammengebautes Stück, welches
exakt auf die Bedürfnisse des Gesuchsgegners zugeschnitten und als persönliche
Sache zu qualifizieren sei, um ein neues prozessual verspätetes Vorbringen, da
die Zuteilung von Hausrat der Verhandlungsmaxime untersteht. Der Gesuchs-
gegner legt nicht dar, weshalb es ihm nicht möglich gewesen sein soll, diese Be-
hauptung im erstinstanzlichen Verfahren einzubringen. Damit bleibt es bei der vo-
rinstanzlichen Regelung. Der entsprechende Antrag ist abzuweisen.
9. Die vorinstanzliche Entscheidgebühr sowie die Regelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen blieben unangefochten. Sie sind daher zu bestätigen.
III.
1. Die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens sind auf Fr. 5'500.– festzule-
gen (§ 5 Abs. 1, § 6 Abs. 2 lit. b, § 12 Abs. 1 und 2 GebV). Die volle Parteient-
schädigung ist gestützt auf § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 bis 3, § 11 Abs. 1 und 2, § 13
Abs. 1 und 2 AnwGebV auf Fr. 3'600.– (zuzüglich 7.7 % MwSt.) zu bemessen.
2. Unter Hinweis auf die Rechtsprechung zu den Kinderbelangen (vgl. ZR 84
Nr. 41) rechtfertigt es sich, die Kosten des Verfahrens – unabhängig vom Aus-
gang – den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und die Prozessentschädigungen
wettzuschlagen (Art. 107 Abs. 1 lit. b und c ZPO). Mit dem Antrag zum Unterhalt
unterliegt der Gesuchsgegner zu rund zwei Dritteln, und er unterliegt zudem mit
dem Herausgabebegehren. Es erscheint daher angemessen, die Kosten dem
Gesuchsgegner zu 2/3 und der Gesuchstellerin zu 1/3 aufzuerlegen. Darüber hin-
aus ist er zu verpflichten, der Gesuchstellerin entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens eine auf 1/3 reduzierte Parteientschädigung zu bezahlen.
3. Prozesskostenvorschuss
3.1 Die Gesuchstellerin ersucht im Berufungsverfahren um einen Prozesskos-
tenvorschuss von Fr. 3'000.–, eventualiter um unentgeltliche Rechtspflege. Sie
führt aus, dass sie mit ihrem Einkommen und den vorinstanzlich zugesprochenen
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Unterhaltszahlungen ihren Bedarf knapp decken könne. Mittel für die Gerichts-
und Anwaltskosten würden dagegen fehlen. Umgekehrt habe der Gesuchsgegner
noch ein Vermögen von rund Fr. 70'000.–, so dass er finanziell leistungsfähig sei
(Urk. 55 S. 11).
3.2 Der Gesuchsgegner lehnt das Begehren ab. Die Gesuchstellerin weise per
4. März 2019 gemäss Kontoübersicht Fr. 13'150.13 aus, während sie im Zeitpunkt
der Eheschutzverhandlung über Fr. 11'818.41 verfügt habe. Die Gesuchstellerin
habe in der Zwischenzeit sogar Vermögen bilden können. Weiter habe sie das
Konto bei Post Finance, das zur Zeit der Eheschutzverhandlung einen Saldo von
Fr. 7'705.– ausgewiesen habe, nicht eingereicht. Es sei anzunehmen, dass die-
ses Geld noch vorhanden sei und die Gesuchstellerin über insgesamt
Fr. 20'855.30 verfügen könne. Sodann habe der Gesuchsgegner für das erstin-
stanzliche Verfahren einen Prozesskostenvorschuss von Fr. 5'000.– geleistet
(Urk. 59 S. 3).
3.3 Ein Prozesskostenvorschuss bzw. -beitrag ist unter denselben Voraus-
setzungen wie die dazu subsidiäre unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren. Vo-
rausgesetzt ist demnach, dass die ersuchende Partei mittellos ist und ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint. Zusätzlich muss es dem angesprochenen
Ehegatten möglich sein, dem anderen die Kosten, die er zur Durchführung des
Prozesses benötigt, zu bevorschussen.
3.4 Die Gesuchstellerin hat den Vorbringen des Gesuchsgegners zu den liqui-
den Mitteln bei Bank und Post nicht widersprochen. Mit dem Gesuchsgegner ist
zu folgern, dass das Konto bei Post Finance weiterhin besteht und einen zumin-
dest ähnlichen Saldo wie im letzten Herbst ausweist. Selbst wenn der obhutsin-
nehabenden, teilzeiterwerbstätigen Gesuchstellerin ein Notgroschen von rund
Fr. 15'000.– zugestanden wird, erscheint sie in der Lage, die Prozesskosten des
vorliegenden Verfahrens zu begleichen. Daher ist das Gesuch um Leistung eines
Prozesskostenvorschusses bzw. -beitrags abzuweisen. Auf das Eventualbegeh-
ren betreffend Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung kann daher man-
gels Mittellosigkeit nicht eingegangen werden.
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