Decision ID: 98aa029f-4adb-44a4-8b01-4c32ef068b69
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, war
ab dem
1
5.
N
ovember 2016
in einem Pensum von 60
% als Pflegehelferin SRK im Alters- und Pflege
heim
Y._
in
Z._
angestellt
, wobei sie
seit
dem 1
3.
August 2018 krankgeschrieben war (
Urk.
7/6,
Urk.
7/11)
. Am 2
9.
November 2018 meldete sie sich unter Hinweis auf eine Er
schöpfungsdepres
sion bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in
der Folge erwerbli
che (
Urk.
7/6
,
Urk.
7/11
)
und medizinische (
Urk.
7/12, Urk.
7/14
f.,
Urk.
7/18
,
Urk.
7/35 f
.
)
Abklärungen durch und holte die Akten des Krankentaggeldversi
cherers ein (
Urk.
7/16,
Urk.
7/28
,
Urk.
7/34
).
Mit Vorbescheid
vom 1
0.
Januar 2020 stellte sie der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbe
gehrens in Aus
sicht (
Urk.
7/38)
,
wogegen
diese
am
5.
Februar 2020 E
inwand erhob
(
Urk.
7/40)
und diesen am 1
2.
März 2020 begründete (
Urk.
7/45). Nachdem weite
r
e
Akten des Krankentaggeldversicherers eingegangen waren (
Urk.
7/43 f.,
Urk.
7/47
), darunter das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
7.
Februar 2020 (
Urk.
7/47/9 ff.)
,
setzte die IV-Stelle der Versicherten im Rahmen des rechtlichen Gehörs am
4.
Mai 2020 Frist zur Stel
lungnahme dazu an (
Urk.
7/51). Am 2
5.
Mai 2020 nahm die Versicherte Stellung zu den im
Einwandverfahren
eingegangenen Unterlagen (
Urk.
7/
53). Die IV-Stelle holte in der Folge
weitere
Unterlagen
des Kranken
taggeldversicherers ein (
Urk.
7/58) und setzte der Versicherten erneut
Frist zur Stellungnahme dazu an
(
Urk.
7/61), wovon die
Versicherte
mit Eingabe
n
vom
25.
Novem
ber
2020 (
Urk.
7/62)
und 2
6.
Januar 2021 (
Urk.
7/66)
Gebrauch machte
.
Mit Verfügung vom
3.
Februar 2021 wies die IV-Stelle schliesslich das Leis
tungs
begehren der Versi
cherten ab (
Urk.
7/68 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durc
h Rechtsanwältin Géraldine
Derendinger-
Hert
,
am
4.
März 2021 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, die Ver
fügung vom
3.
Februar
2021 sei aufzuheben und
die Beschwerdegegnerin
sei
zu verpflichten, ihr die gesetzlichen
Versicherungsleistungen
auszurichten. Ferner beantragte sie, es sei ein umfassendes medizinisches Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben, eventualiter sei die Streitsache zur Ergänzung des Sachverhalts (Gut
achten) und zur Neuverfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerde
geg
nerin zurückzuweisen (
Urk.
1
S. 2
).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
3.
April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vo
m
2
8.
April 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art.
4 Abs.
1 IVG sowie Art.
3 Abs.
1 und Art.
6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E.
5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396 E.
5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
li
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E.
5.3.2, 143 V 409 E.
4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 139 V 547 E.
5.2, 127 V 294 E.
4c; vgl. Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
cho
soziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E.
4.3.3; 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21.
November 2018 E.
2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invalidi
täts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den inva
liditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22.
März 2019 E.
3). In einer ver
si
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vor
ga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7.
Mai 2019 E.
5.2.1).
1.5
Gemäss BGE
143
V
418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE
143
V
409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE
141
V
281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE
143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerich
tspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E.
3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E.
4.
2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mit
telgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsve
rmögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E.
3.4-3.6 und
4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweis
würdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E.
4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE
141 V 281 E
.
6; vgl. BGE 144 V 50 E.
4.3).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
läs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erle
digen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe an
zuge
ben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE
134 V 231 E.
5.1; 125 V 351 E.
3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verneinung des Rentenanspruchs der Be
schwerdeführerin damit
, dass aufgrund der körperlichen
Beschwerden nur kurz
fristig eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bestanden habe und aktuell nur noch Schmerzen beim Bergabgehen bestünden, die nicht als einschränkend für die Ausübung ihrer Tätigkeit zu betrachten seien. Die körperlichen Schmerzen hätten
zudem zu einer psychischen Belastung geführt. Die Situation mit dem Arbeitgeber sowie der Krankentaggeldversicherung sei ebenfalls schwierig gewe
sen, was sich zusätzlich auf die gesundheitliche Situation ausgewirkt habe. Diese Gründe
seien zwar aus medizinischer Sicht nachvollziehbar,
würden
jedoch keinen Leistungsbezug
rechtfertigen. Mit entsprechender Behandlung sei davon
auszugehen
, dass die gesundheitliche Situation wes
entlich verbessert werden
könne. Die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit sei auf invaliditätsfremde Gründe
zurückzuführen
(
Urk.
2 S. 1 f.).
Der Beurteilung des behandelnden Psychiaters, dass das Gutachten zwar nach
vollziehbar erscheine, die Realität jedoch anders aussehe, könne nicht gefolgt werden. Der Gutachter habe keine akademisch-theoretische
Einschätzung
vorge
nom
men, sondern habe sich
direkt
auf die
Beschwerdeführerin
bezogen.
Die ge
mäss dem behandelnden Psychiater nicht berücksichtigten Traumatisierungen stellten keine psychiatrische Diagnose dar, die Anamnese sei vom Gutachter be
rücksichtigt worden.
Die durchgeführte neuropsychologische Untersuchung sei sodann nicht verwertbar
, da sie nicht von einem Neuropsychologen durchgeführt und keine Beschwerdevalidierung vorgenommen worden sei
. In der klinischen Untersuchung hätten sich
sodann
keine Hinweise für eine neurokognitive Stö
rung ergeben (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor,
sie leide an einer rezidivierenden depressiven Störung
. Zudem bestünden Knieschmerzen und
eine chronische Schmerzstörung bei
Gonarthrose
,
Coxarthrose
, einem subacromialen
Impinge
ment
der linken Schulter sowie degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen. Die gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit sei somit objektivierbar und die Be
schwerdegegnerin beurteile diese nicht korrekt
(
Urk.
1 S. 3 f.)
.
Dr.
A._
halte im Gutachten vom 1
7.
Februar 2020 fest, dass die Prognose für eine berufliche Eingliederung überwiegend wahrscheinlich schlecht sei, wobei er psychosoziale Belastungsfaktoren wie das Alter nenne, welche versicherungs
me
dizinisch nicht relevant seien.
Das fortgeschrittene Alter
könne
jedoch
dazu füh
ren, dass die verbliebene Resterwerbsfähigkeit auch in einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht mehr nachgefragt werde. Selbst wenn die
von
Dr.
A._
attestierte
Arbeitsfähigkeit
von 50
%
nachvollziehbar sein sollte, sei diese nicht mehr verwertbar. Die Wiedereingliederung
sei
krankheitsbedingt sehr schwierig und die Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf nicht mehr gegeben, so dass sich die Frage nach einer Umschulung stelle, welch
e vorliegend nicht mehr zu
mutbar sei (
Urk.
1 S. 4
).
D
er behandelnde Psychiater habe eine rezidivierende depressive Störung diagnos
tiziert. Es komme bei ihr unter Belastung immer wieder zu schweren depressiven Einbrüchen.
Die Ängste und
erlebten Traumata seien
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht ausreichend berücksichtigt
worden
. Sie könne im Alltag nicht mehr funktionieren, Belastungen könne sie nicht aushalten. Unter Berück
sichtig
ung sämtlicher Faktoren komme der behandelnde Psychiater
zum Schluss, dass sie eine deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit aufweise, die so gravierend sei, dass eine verwertbare Arbeitsleistung auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr erbracht werden könne. Ferner habe
mittels
Mini-ICF-APP
eine
psy
chiatrische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durchgeführt,
die
starke Beein
trächti
gungen in mehreren berufsrelevanten Fähigkeiten ergeben habe. Es sei somit nicht korrekt, dass die körperlichen Beschwerden zu einer psychischen Belastung geführt hätten, die rechtlich gesehen nicht zu einem
Leistungsanspruch führe
. Zudem sei die neuropsychologische Diagnostik verwertbar und bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigen (
Urk.
1 S. 4 f.).
Die K
rankentaggeldversicherung und die Invalidenversicherung würden die Inva
lidität nach unterschiedlichen Parametern beurteilen und festsetzen. Somit könne die Beschwerdegegnerin nicht ohne Weiteres auf die Beurteilung de
s
Vertra
uens
arztes
des Krankentaggeldver
sicherers abstellen. Indem die B
eschwerdegeg
n
erin dies dennoch getan habe, sei sie der Abklärungspflicht nicht in genügender Weise nachgekommen, womit sie den Untersuchungsgrundsatz nach
Art.
43 ATSG ver
letzt habe
(
Urk.
1 S. 6)
.
2.3
Die Beschwerdegegnerin ergänzte in der Beschwerdeantwort, gemäss der Stel
lung
nahme des
r
egionalärztlichen Dienstes vom 3
0.
April 2020 liege mit über
wie
gen
der Wahrscheinlichkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
in einer ange
passten Tätigkeit vor. Bei der Evaluierung der Arbeitsfähigkeit seien alle Beschwerden und die Anamnese berücksichtigt worden. Die Beurteilung sei schlüssig und es könne darauf abgestellt werden. Der Ursprung der Krankheit liege in psycho
so
zialen Belastungsfaktoren. Diese seien nicht invalidenversichert, weshalb sie nicht berücksichtigt werden könnten (
Urk.
6 S. 2).
Das Alter sei ein invaliditätsfremder Faktor, der grundsätzlich bei der Berechnung des Invaliditätsgrades
nicht
berücksichtigt werde. Die Beschwerdeführerin sei im Verfügungszeitpunkt 58 Jahre alt gewesen, bis zur Pensionierung habe es noch 8
Jahre gedauert. Es sei ihr zumutbar, innerhalb dieser Zeit ihre Res
terwerbs
fä
higkeit zu verwerten
(
Urk.
6 S. 2).
3.
3.1
Der behandelnde
p
ract
. med. Frank
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie, stellte in seinem Bericht vom
8.
Januar 2019 die Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode (IC
D-10 F32.1) und attestierte der Beschwer
defüh
rerin
für die bisherige sowie eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
(
Urk.
7/12/
4
und 6
)
.
In einem zuvor, am 1
0.
Dezember 2018 verfassten Bericht zu
Handen
der Krankentaggeldversicherung der Beschwerde
führerin hatte
Dr.
C._
zusätzlich eine Somatisierungsstörung
diagnosti
ziert
,
war aber gleicher
massen zum Schluss gekommen, in der Tätigkeit als Pflege
helferin sei leidensbe
dingt von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen (
Urk.
12/15/1 u. 3,
Urk.
12/16/3 u. 5).
3.2
Hausarzt
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, stellte in seinem Bericht vom 9.
/1
6.
Januar 2019 die Diagnosen einer aktivierten Gon
arth
rose beidseits (führend links), eines Schulter-Arm-Syndroms links sowie einer depressiven Episode (
Urk.
7/14/8). Er
hielt fest, er
habe der Beschwerdeführerin vom 1
1.
bis am 2
2.
April 2018 (aufgrund einer aktivierten
Rotatorenmanschet
ten
entzündung
links)
sowie vom 1
7.
August bis am
2
1.
Oktober 2018 eine Arbeits
unfähigkeit von 100
%
attestier
t
, hernach sei die Krankschreibung von
pract
.
med.
C._
übernommen worden (
Urk.
7/14/7). Bezüglich der Probleme des Bewegungsapparates sei er mässig optimistisch. Bei schwerer körperlicher Arbeit sei mit einer Reaktivierung der Arthrose zu rechnen. Im weiteren Verlauf sei gegebenenfalls eine Prothesenversorgung notwendig. Die Prognose richte sich auch nach der psychischen Erkrankung, wobei er auf
die Beurteilung von
pract
. med.
C._
verweise (
Urk.
7/14/9).
3.3
Die Beschwerdeführerin befand sich vom 2
1.
Januar bis am 1
6.
Februar 2019 in stationärer Behandlung in der Klinik
D._
AG. Die behandelnden Fachpersonen
nannten
im Wesentlichen
die folgenden, die Arbeitsunfähigkeit verursachenden, Diagnosen (
Urk.
7/18/1):
-
m
ittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1).
-
c
hronische Schmerzstörung bei Gonarthrose beidseits, rechts mehr als links und eine
m Gelenkserguss am rechten Knie
sowie
einer
Coxarthrose
, einem subacromialen
Impingement
der linken Schulter und einer degenerativen Wir
belsäulenerkrankung
-
Adipositas
Die Fachpersonen führten aus, die Beschwerdeführer
i
n habe bei Eintritt unter einer mittelgradigen depressiven Episode gelitten.
I
m Verlauf habe eine befrie
di
gende Stabilisierung des psychischen und physischen Zustandsbildes erreicht werden können. Trotz Verbesserung auf der Symptomebene bleibe sie auf der
Funktionsebene noch eingeschränkt und fragil (
Urk.
7/18/3)
.
Sie
sei vom 21.
Januar bis am
1.
März 2019 zu 100
%
arbeitsunfähig. Bezüglich der weiteren Krankschreibung sei mit dem ambulanten Behandler Kontakt aufzunehmen. Die Rückkehr an den angestammten Arbeitsplatz sei nicht möglich, da ihr gekündigt worden sei. Grundsätzlich würden sie im weiteren Verlauf einen langsamen, suk
zessiven Wiedereinstieg empfehlen (
Urk.
7/18/4).
3.4
Am 2
9.
April 2019 führte
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie sowie Psy
chiatrie und Psychotherapie
,
auf Veranlassung von
pract
. med.
C._
eine neuropsychologische
Untersuchung
durch (
Urk.
7/28/5),
die
eine reduzierte Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und eine leichte bis mittelgradige B
eeinträ
chtigung im Bereich des
L
angzeitgedächtnisses
ergab. Vor dem Hinter
grund der Anamne
se sei dies
im Sinne einer funktionellen Störung fronto
tem
po
raler Netzwerke im Rahmen eines depressiven Störungsbildes zu erklären (Urk.
7/28/9).
3.5
Vom
1.
Oktober bis am
4.
November 2019 war die Beschwerdeführerin wiederum in der Klinik
D._
hospitalisiert
. Die behandelnden Fachpersonen
diagnostizier
ten
im Austrittsbericht vom 2
6.
November 2019
neu eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1
) sowie eine chro
nische Schmerzstörung (
Urk.
7/44/4
)
. Im Verlauf konnte eine befriedigende Stabilisie
rung des psychophysischen Zustandsbildes erzielt werden
(
Urk.
7/44/6)
. Die Be
schwerdeführerin sei vom
1.
Oktober bis am 1
7.
November 2019 zu 100
%
arbeits
unfähig
gewesen und es sei damit zu rechnen, dass sie es auch weiterhin bleiben werde. Konkret zu beurteilen sei die Arbeitsfähigkeit im weiteren Verlauf aller
dings
durch den nachbehandelnden Arzt
(
Urk.
7/44/7
).
3.6
In seinem Verlaufsbericht vom
6.
Dezember 2019 diagnostizierte
pract
.
med.
C._
neu eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere de
pres
sive Episode (ICD-10 F33.2)
,
und führte aus, leider sei es auch nach dem zweiten Aufenthalt in der psychosomatischen Klinik
D._
aufgrund der nach wie vor angespannten
psychosozialen
Situation, insbesondere dem massiven Konflikt mit der Tag
geldversicherung
,
zu keiner
B
esserung des gesundheitlichen Zustan
des gekommen. Die Prognose
betreffend die
Arbeitsfähigkeit sei ungünstig (Urk.
7/35/4). Die Beschwerdeführerin sei für die bisherige sowie eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/35/6).
3.7
Dr.
B._
nannte
im Verlaufsbericht vom 2
3.
Dezember 2019
als Diagnosen rezi
divierende depressive Episoden mit einer Somatisierungsstörung sowie eine Gon
arthrose beidseits, aktuell rechts aktiviert, und hielt
fest, der Gesundheitszustand sei stationär.
D
ie Einschränkung sei hauptsächlich psychischer Natur
, wobei er
auf die Einschätzung von
pract
.
med.
C._
verwies
(
Urk.
7/36/1).
3.8
Am
4.
Februar 2020 führte
Dr.
E._
eine neuropsychologische Verlaufs
unter
su
chung
du
rch, die eine reduzierte Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit sowie eine leichte bis mittelgradige Beeinträchtigung im Bereich des Lang
zeit
ge
dächtnisses vor dem Hintergrund eines depressiven Störungsbildes ergab (Urk.
7/44/1)
.
Dr.
E._
führte aus,
daraus
lasse
sich eine Arbeitsunfähigkeit von 50-70
%
aus rein neuropsychologischer Sicht
ableiten
. Die kognitiven Beein
trächtigungen liessen sich gegenwärtig ausreichend durch das depressive Stö
rungsbild erklären.
Eine abschliessende Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit sei unter Berücksichtigung der weiteren Informationsebenen aus psychiatrischer Sicht erforderlich (
Urk.
7/44/3).
3.9
Im
zuhanden des Krankentaggeldversicherers verfassten
psychiatrischen Gutach
ten vom 1
7.
F
ebruar 2020 diagnostizierte
Dr.
A._
eine rezidivierende depres
sive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F33.1)
,
mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit. Den Diagnosen von Problemen, verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von
narzisstisch
und para
noid akzentuierten Persönli
chkeitszügen (ICD-10 Z73.1),
Problemen durch nega
tive Kindheitserlebnisse (ICD-10 Z61.6), sonstigen Problemen in der primären Bezugsgruppe einschliesslich familiärer Umstände (ICD-10 Z63.1) und Problemen in Verbindung mit Berufstätigkeit un
d Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56) mass er, ebenso wie der
psychische
n und Verhaltensstörung
durch Tabak, A
bhängi
g
kei
ts
syndrom, gegenwärtiger Substanzgebrach (ICD-10 F17.24)
,
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
7/47/44).
Dr.
A._
hielt fest, die Gründe für die Aufgabe der Tätigkeit beim letzten Arbeit
geber seien Probleme mit dem Knie und gleichzeitig Probleme am Arbeitsplatz
gewesen. Inzwischen habe die Beschwerdeführerin per 3
1.
Mai 2019 die Kündi
gu
ng vom Arbeitgeber erhalten, was zur
Entwicklung
einer depressiven Sympto
matik geführt habe. E
i
ne in dem Zusammenhang differentialdiagnostisch erwo
gene An
passungsstörung könne nicht gestellt werden, da es sich
hierbei
um eine leicht
gradige psychische Störung handle, was im Fall der Beschwerdeführerin mit Ver
weis auf die gegenwärtige Schwere und Dauer der Symptomatik nicht postu
liert werden könne
. Aus der Exploration und Dokumentation in der Versiche
rungsakte falle allerdings auf, dass die Beschwerdeführerin seit Erkrankungs
beginn 2018 aufgrund von belastenden, versicherungsmedizinisch
nicht
relevan
ten psychoso
zialen Belastungsfaktoren (zuvor
Probleme
am Arbeitsplatz, an
schliessend Kün
digung der Arbeitsstelle, Sistierung der Taggeldleistungen) zu wiederholten psy
chischen Dekompensationen mit Exazerbation der
depressiven
Symptomatik neige
,
was überwiegend wahrscheinlich auf ihre individuelle Prädisposition und Vulne
rabil
ität zurückgeführt werden müsse
(
Urk.
7/47/51). Im Rahmen der aktuellen Exploration
hätten sich Hinweis
e
auf narzisstisch
e
und paranoide Persönlich
keitszüge gezeigt, bei insgesamt sehr einfacher Persönlichkeit mit wenigen Ressourcen. Diese Z-Diagnosen würden aus versicherungsmedizinischer Sicht per se alleine keine
Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit begründen, seien jedoch sehr wohl für den protrahierten Verlauf einer Erkrankung mitverantwortlich. Eine Per
sönlichkeitsstörung liege demgegenüber nicht vor (
Urk.
7/47/52).
Der Schweregrad der depressiven Episoden sei seit Erkrankungsbeginn zwischen leicht bis
mittelgradig
fluktuierend. So werde in der Versicherungsakte immer wieder von einer
B
esserung der Symptomatik gesprochen und unter Einfluss von psychosozialen Belastungsfaktoren von einer erneuten Verschlechterung, was zu wiederholten stationären Behandlungen geführt habe.
Die letzte Verschlech
te
rung des Gesundheitszustandes führe die Beschwerdeführerin auf einen negativen B
eschei
d der IV-Stelle zurück, die Verschlechterungen zuvor seien auf die Prob
leme am Arbeitsplatz, später die Kündigung durch den
Arbeitgeber
und an
schlies
send den
ablehnenden
Entscheid des Taggeldversicherers zurückzuführen. Er weise darauf hin, dass eine affektive Störung, die sich alleine unter psy
cho
sozialen Belastungsfaktoren manifestiere, in der Literatur nicht bekannt sei. An dieser Stelle werde deutlich, dass
bei
der
Beschwerdeführerin
belastende, nicht relevante psychosoziale Belastungsfaktoren, möglicherweise
aufgrund
der Per
sön
lichkeitsakzentuierung, zu den rezidivierenden psychischen Dekompensatio
nen führen
würden
, wobei sich inzwischen ein
sekundärer
Krankheitsgewinn und eine ausgeprägte Selbstlimitierung eingestellt hätten, weswegen trotz intensiven leitliniengerechten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen bis dato keine
B
esserung habe erzielt werden können (
Urk.
7/47/54).
Dr.
A._
kam zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei in der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit beim letzten Arbeitgeber zu 100
%
arbeitsunfähig. Bei einem anderen Arbeitgeber
in einem konfliktarmen Umfeld und
mit der Möglichkeit, sich zurückzuziehen, sei
d
ie
Beschwerdeführerin
spätestens ab dem
1.
März 2020
zu 50
%
arbeitsfähig, bezogen auf das zul
etzt ausgeübte Arbeitspensum von
60
%
.
Eine weitere Steigerung sei innerhalb von vier Wochen möglich und auch zumut
bar. Auch in einer anderen, ihren beruflichen Ressourcen optimal angepassten Tätigkeit mit klar strukturierten Aufgaben und der Möglichkeit
,
sich zurück
zu
ziehen
,
sei sie spätestens ab dem
1.
März 2020 zu 50
%
arbeitsfähig (Urk.
7/47/57).
Bei der Beschwerdeführerin lägen die folgenden versicherungs
me
dizinisch
nicht
relevanten Belastungsfaktoren vor: Kündigung der Arbeits
stelle,
längere Abwesenheit vom Arbeitsmarkt, geringe ökonomische Stabilität und Alter
. Diese
seien bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit ausgeschlossen wor
den (
Urk.
7/47/57).
3.10
Nach Eingang der neuropsychologischen Untersuchung (vorstehend E.
3.8) ergänzte
Dr.
A._
i
n seiner Stellungnahme vom 2
8.
Februar
2020,
bei einem anderen Arbeitgeber
in konfliktarmer Umgebung und
mit der Möglichkeit
,
sich zurückzuziehen,
sei
die Beschwerdeführerin spätestens ab dem
1.
März 2020 zu 50
%
arbeitsfähig, bezogen auf das zuletzt ausgeübte Arbeitspensum von 60
%
. Eine weitere Steigerung auf das zuletzt ausgeübte Pensum sei innerhalb von vier Wochen möglich und auch zumutbar. In einer anderen, ihren beruflichen Res
sourcen optimal angepassten Tätigkeit mit klar strukturierten Aufgaben und der Möglichkeit, sich zurückzuziehen, sei die Beschwerdeführerin
spätestens
ab dem
1.
März 2020 zu 50
%
arbeitsfähig, bezogen auf ein 100%iges Arbeitspensum. Eine weitere Steigerung auf das zuletzt ausgeübte 60%ige Arbeitspensum sei innerhalb von vier Wochen möglich und auch zumutbar (
Urk.
7/47/4).
Die am
4.
Februar 2020 erfolgte neuropsychologische Diagnostik
von
Dr.
E._
sei nicht verwertbar, da keine Symptomvalidierungstests durchgeführt worden seien. Sollte weiterhin an den Ergebnissen festgehalten werden, sei eine neuro
psy
chologische Untersuchung im Rahmen
einer
Begutachtung durchzuführen. Im Rahmen der aktuellen gutachterlichen Untersuchung vom 2
7.
Januar 2020 hätten klinisch keine kognitiven Defizite festgestellt werden können. Ähnlich habe Dr.
E._
während der Untersuchung vom
4.
Februar 2020 klinisch keine kog
ni
tiven Beeinträchtigungen dokumentiert. Aus welchem Grund er eine 50-70%ige Arbeitsunfähigkeit aus rein neuropsychologischer Sicht in der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit - ohne anspruchsvolle kognitive Fertigkeiten bei den geste
llten Aufga
ben
- attestiere, sei
nicht nachvollziehbar. Auf die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit und die Untersuchungsergebnisse könne nicht abgestellt werden, die Ergeb
nisse der neuropsychologischen Untersuchung würden nichts an seiner Beurtei
lung ändern (
Urk.
7/47/5).
3.11
In seiner Stellungnahme zum psychiatrischen Gutachten vom 1
8.
März 2020 führte
pract
.
med.
C._
aus, übereinstimmend mit
Dr.
A._
gehe er von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin beim letzten Arbeit
geber aus. Die attestierte
Arbeitsfähigkeit
von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit sei aus ve
r
sicherungstheoretischer Sicht zwar
nachvollziehbar
,
d
ie Realität zeige jedoch ein anderes Bild, dies aus Gründen der immer wieder schwankenden de
pressiven Schweregrade bis hin zu
einer
schwere
n
Depression. Weiter bestünden deutliche kognitive Beeinträchtigungen. Ferner lägen schwere psychosoziale Fak
toren
mit Bezug zur
Vergangenheit vor, die versicherungsmedizinisch keine Wür
digung finden würden, was aus versicherungsmedizinischer Sicht ebenfalls nach
vollziehbar sei. Nicht unberücksichtigt bleiben dürfe, dass die Beschwerdeführe
rin einige Traumatisierungen erlebt habe, welche auch im Alltag immer wieder reak
tiviert
würden und eine deutliche Auswirkung auf den Gesundheitszustand und
die depressive Symptomatik der Beschwe
rdeführerin hätten
. Seines Erachtens zeige
sich ganz eindeutig, dass zwischen dem theoretischen Ansatz und dem tat
säch
lichen Krankheitsbild eine deutliche Diskrepanz vorliege und die Beschwer
de
führerin weiterhin
zu
100
%
a
rbeitsunfähig sei (
Urk.
7/52/1 f.).
3.12
Dr.
A._
f
ührte am
9.
Mai 2020 zur Stellungnahme
von
pract
.
med.
C._
vom 1
8.
März 2020 aus, dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der Begut
ach
tung nur sehr spärliche Angaben zu früheren traumatischen Belastungen habe machen wollen. Berichtet worden sei über Gewalt in der Kindheit und Ehe. Der Ehemann sei im Jahr 2011 gestorben und die Beschwerdeführerin sei anschlies
send in der Lage gewesen eine berufliche Tätigkeit auszuüben und sogar eine Umschulung zur Pflegehelferin SRK zu absolvieren sowie nachfolgend in diesem Beruf zu arbeiten. Es erscheine daher nicht nachvollziehbar, weshalb frühere trau
matische Belastungen jetzt einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben sollten. Darüber hinaus habe die Beschwerdeführerin in der Untersuchung angegeben, in ihrer jetzigen Beziehung gebe es keine Probleme. Wo unter diesen Umständen eine Reaktivierung der Traumatisierungen
habe
stattfinden
können
, sei nicht ersicht
lich (
Urk.
7/58/7 f.).
Eine Verschlechterung
der depressiven Symptomatik, wie sie von
pract
.
med.
C._
diagnostiziert werde, könne nicht ausgeschlossen werden, wobei aufgrund der seit August 2018 bestehenden depressiven Symptomatik (100%ige Arbeits
unfähigkeit seit dem 1
8.
August 2018) nahezu von einem chronischen Verlauf der depressiven Symptomatik ausgegangen werden müsse (
Urk.
7/58/9). Wie bereits am 2
8.
Februar 2020 empfohlen, werde aufgrund der weiterhin atte
stier
ten 100%igen Arbeitsunfähigkeit zu einer erneuten Begutachtung mit neuro
psy
chologischer Untersuchung und Durchführung von entsprechenden Validie
rungs
tests geraten (
Urk.
7/58/10).
3.13
RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie
,
empfahl in
seiner
Aktenbeurteilung
vom 3
0.
April 2020
,
auf das Gutachten vom 1
7.
Februar 2020 abzustellen. Zum Belastungsprofil hielt er fest, eine Tätigkeit mit Veran
twortungsübernahme für Personen und Anforderungen
an das Anpas
sungsvermögen und die Umstellungsfähigkeit solle vermieden werden
. Genau strukturierte Tätigkeiten und Aufgaben in ruhiger, wohlwollender, konflikt- u
nd reizarmer Atmosphäre seien
bei ausreichender Anleitung, Betreu
ung und Rück
zugsmöglichkeit zumutbar. Die Beschwerdeführerin sei ab dem 19.
Oktober 2018 in ihrer bisherigen Tätigkeit als Pflegehelferin zu 100
%
und ab d
em
1.
März 2020 zu 70
%
(50
%
Arbeitsfähigkeit x 60
%
-Pensum = 30
%
Arbeitsfähigkeit oder 70
%
Arbeitsunfähigkeit
) arbeitsunfähig. In einer ange
passten Tätigkeit
sei sie ab dem 1
9.
Oktober 2018
zu 0
%
, ab dem
1.
März 2020 zu 50
%
und mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit ab April 2020 zu 70
%
arbeitsfähig
. Eine
B
esserung des Gesundheitszustandes sei zu erwarten. Die
Prog
nose
im Hinblick auf die berufliche Eingliederung sei jedoch aufgrund von multi
plen, versicherungsmedi
zinisch
nicht
relevanten psychosozialen Belastungs
fak
to
ren (insbesondere das Alter) überwiegend wahrscheinlich schlecht (
Urk.
7/67/3).
Am 2
8.
Mai 2020 ergänzte
Dr.
F._
, der Gutachter habe eine rezidi
vierende depressive Störung diagnostiziert, was impliziere, dass er schwankende depres
sive Episoden mitberücksichtigt habe. Der Beurteilung von
pract
.
med.
C._
, dass die Realität anders sei, könne nicht gefolgt werden, zumal der Gutachter keine akademisch-theoretische Beurteilung
vorgenommen
habe, son
dern eine Beurtei
lung, welche sich auf die Beschwerdeführerin beziehe (
U
rk.
7/67/4)
. Die neuropsy
chologische Untersuchung durch
Dr.
E._
sei nicht verwertbar,
Dr.
E._
sei Facharzt für Neurologie und kein Neuropsychologe und habe in seiner Untersu
chung keine Beschwerdevalidierung durchgeführt.
Die gemäss
pract
.
med.
C._
nicht berücksichtigten Traumatisierungen stellten keine psychiatrische Diagnose dar, könnten aber als Risikofaktoren zu verschie
denen
psychiatrischen
Störungen führen. Vom Gutachter seien jedoch weder eine posttraumatische Belastungsstö
rung (ICD-10 F43.1) noch eine Persönlichkeits
stö
rung im Sinne einer F6-Diagnose diagnostiziert worden. Die Anamnese sei vom Gutachter berücksichtigt worden (
Urk.
7/67/5).
Am 2
8.
Oktober 2020 führte er sodann aus, der Gutachter beurteile in seiner
Stel
lungnahme
vom
9.
Mai 2020 die Arbeitsfähigkeit nicht neu, erwähne jedoch, dass eine Verschlechterung nicht ausgeschlossen werden könne. Eine Verschlech
te
rung könne jedoch nicht eindeutig bestätigt werden. In der Gesamtschau sei eine wesentliche Verschlechterung
unwahrscheinlich
, der Schweregrad sei über
wie
gend
wahrscheinlich
zwischen leicht und mittelgradig einzuschätzen und die sub
jektiv schlechtere Selbstbeurteilung sei objektiv nicht nachvollziehbar (Urk.
7/67/6).
3.14
In seiner an die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin gerichteten Stellung
nahme vom 2
4.
Februar 2021 hielt
pract
. med.
C._
fest, das Gutachten sei umfassend und seines Erachtens könne darauf abgestellt werden. Auch die ange
gebenen Arbeitsfähigkeiten seien prima
vista
nachvollziehbar und er wäre bei einer Begutachtung, ohne die Beschwerdeführerin und ihre Vorgeschichte zu ken
nen, wahrscheinlich zum gleichen Ergebnis gekommen. Im Alltag zeige sich jedoch, dass die Beschwerdeführerin nicht ausreichend stabil sei und es immer wieder zu schweren depressiven Einbrüchen komme. Dies sei seiner Meinung nach darauf zurückzuführen, dass es bei ihr bedingt durch die lange Leidens
ge
schichte und
durch
Traumata mit viel Gewalt in
der
Primärfamilie und später in der Ehe zu einem Zustand gekommen sei, in dem eine weitere
Stabilisierung
nicht mehr möglich sei. Die Ressourcen und Kompensationsmöglichkeiten der Beschwerdeführerin seien
ausgeschöpft
(
Urk.
3/5 S. 1). Die Beschwerdeführerin funktioniere unter hochdosierter Medikation auf niedrigem Funktionsniveau im Alltag. Belastungen könne sie leider keine mehr aushalten. Durch die Vielzahl von Schicksalsschlägen und
mit
dem Gefühl, nicht verstanden zu werden, sei zusätzlich eine Verbitterungsstörung aufgetreten, weshalb von einer schlechten Prognose auszugehen sei. Es sei hier eine G
es
a
m
twürdigung der Beschwerde
füh
rerin mit ihrer Erkrankung vorzunehmen, wobei eine deutliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit
bestehe
, die so gravierend sei, dass eine verwertbare Arbeitsleistung auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr erbracht werden könne (
Urk.
3/5 S. 2)
.
4.
4.1
4.1.1
In somatischer Hinsicht geht die Beschwerdegegnerin von einer vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit aus (
Urk.
2 S. 1). Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, sie leide unter chronischen Schmerz
en
bei Gonarthrose,
Coxarthrose
, einem sub
a
cromialen
Impingement
der linken Schulter sowie einer degenerativen Wirbel
säu
lenerkrankung (
Urk.
1 S. 3)
;
mithin macht
d
ie
Beschwerdeführerin ein
dauer
hafte
s
Leiden
geltend.
4.1.2
Den Berichten von Hausarzt
Dr.
B._
ist zu entnehmen, dass die
Beschwer
de
führerin
seit Juli 2018 unter Kniebeschwerden
leidet
, worauf eine MRI-Abklärung und eine chirurgische Konsultation den Befund einer
aktivierten Arthrose erga
b
en
. Im weiteren Verlauf konnte gemäss
Dr.
B._
unter konservativer Therapie eine Besserung der Kniebeschwerden erreicht werden und
er hielt
am
9.
Januar 2019 eine relativ ruhige Situation der Knie fest (
Urk.
7/14/8). Im November 2019 trat eine erneute Anschwellung des rechten Knies auf. Die Beschwerden konnten mittels einer Punktion zwar langsam wieder stabilisiert werden, wobei jedoch im Berichtszeitpunkt am 2
3.
Dezember 2019 weiterhin Schmerzen bestanden, vor allem beim Bergabgehen (
Urk.
7/36/1).
Andauernde Knieschmerzen ergeben sich sodann auch aus den Berichten der Kli
nik
D._
, wo die Beschwerdeführerin zwar hauptsächlich in psychosomatischer Hinsicht betreut wurde, jedoch aufgrund der Knieprobleme auch Physiotherapie in
Anspruch nahm (
Urk.
7
/18/3,
Urk.
7
/44/6). Somit ist aus somatischer Sicht bezüglich der Knie eine gesundheitliche Beeinträchtigung
dokumentiert
.
Neben den Kniebeschwerden
berichteten
die behandelnden Ärzte
auc
h
über
ein Schulter-Arm-Syndrom beziehungsweise ein
Impingement
der linken Schulter - gemäss
Dr.
B._
zumindest mit vorübergehendem Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit - sowie
über
eine
Coxarthrose
und eine degenerative Wirbelsäulener
kran
kung (
Urk.
7/18/1,
Urk.
7/14/8), wobei bei
m jetzigen
Akten
stand
das Ausmass der
funktionellen
Beeinträchtigung
nicht
abgeschätzt
werden kann.
4.1.3
Dr.
B._
erwähnte
zwar, dass die Haupteinschränkung psychischer Natur sei
,
und verwies bezüglich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf
den behandelnden Psychiater
pract
. med.
C._
(
Urk.
7/14/9,
Urk.
7/36/1). Daraus kann in
d
essen nicht geschlossen werden, dass die Beschwerdeführerin in somatischer Hin
sicht vollumfänglich arbeitsfähig ist, zumal es sich bei der bisherigen Tätigkeit als
Pfle
gehelferin
zumindest teilweise auch
um eine
körperlich
an
strenge
n
de
Tätig
keit mit starker Belastung der Knie und des Rückens handelt (vgl.
Urk.
7/11/3)
.
B
ei schwerer körperlicher Arbeit
rechnete
Dr.
B._
mit einer Reaktivierung der
Arth
rose und
ging
davon aus, dass allenfalls eine Prothesenversorgung notwen
dig
werde. Er stellte
dementsprechend
nur eine mässig optimistische Prognose
in Be
zug auf die
Arbeitsfähigkeit in körperlicher Hinsicht (
Urk.
7/14/9). Zu be
rück
sich
tigen ist ferner, dass die von
Dr.
B._
festgestellte zwischenzeitliche Besse
rung der Kniebeschwerden in einem Zeitraum eintrat, in dem die Beschwerde
füh
rerin nicht arbeitstätig war, weshalb daraus nicht ohne Weiteres ges
chlossen werden kann, dass der gebesserte Zustand
auch bei Wiederaufnahme der
bisherigen
kör
perlich
belastend
en Tätigkeit
anhält
.
Auch d
ie behandelnden Fachpersonen der Klinik
D._
äusserten sich nicht dazu, ob die Beschwerdeführerin durch die körperlichen Beschwerden dauerhaft in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist (
Urk.
7/18/4,
Urk.
7/44/7) und RAD-Arzt Dr.
F._
diskutierte einzig die psychischen Beschwerden der Beschwer
de
führerin (
Urk.
7/67/2 ff.).
Insgesamt
kann somit gestützt auf die aktuell vorlie
genden medizinischen Unterlagen nicht ohne Weiteres davon ausgegangen werden,
dass
aufgrund des somatischen Gesundheitszustandes
keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit besteht. Zur
Klärung
dieser Frage sind weitere medizi
nische Abklärungen erforderlich.
4.2
4.2.1
In psychischer Hinsicht begründete die Beschwerdegegnerin die Abweisung des Leistungsbegehrens damit, dass die körperlichen Schmerzen und die belastende Situation mit dem Arbeitgeber und der Krankentaggeldversicherung
eine
psy
chi
sche
Belastung
zur Folge gehabt
hätten (
Urk.
2 S. 1)
;
mithin
führte sie
psy
cho
so
ziale Faktoren als Grund für die psychischen Beschwerden der Beschwerde
füh
rerin
an
und verneinte gestützt darauf das Vorliegen einer invalidenversiche
rungs
rech
t
lich relevanten Gesundheitsbeeinträchtigung.
Es ist der Beschwerdegegnerin zwar dahingehend beizupflichten, dass
den
medi
zi
nischen Unterlagen
entnommen werden kann, dass
die geklagten
Beschwerden
von einer
Konfliktsituation am damaligen Arbeitsplatz der Beschwerdeführerin
und des Weiteren von der
Leistungseinstellung beziehungsweise -verweigerung durch die Krankentaggeldversicherung und die Beschwerdegegnerin
begleitet waren und
mithin eine psychosoziale Belastungssituation
bestand
(
Urk.
7/12/2 f.,
Urk.
7/18/3,
Urk.
7/44/5,
Urk.
7/47/51 und 54).
Das Bestehen belastender psychosozialer Faktoren schliesst jedoch einen invali
di
sierenden Gesundheitsschaden gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht per se aus, sondern nur, wenn die Befunde in den psychosozialen Umstän
den ihre hinreichende Erklärung finden. Dies ist dann nicht der Fall, wenn eine von der psychosozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selbständigte psychische Störung mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit vorliegt. Ausserdem können sich psychosoziale Belastungsfak
to
ren mittelbar invaliditätsbegründend auswirken, indem sie einen verselbstän
dig
ten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner Fol
gen ver
schlimmern (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteile des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen sowie 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2).
4.2.2
Dr.
A._
führte diesbezüglich im psychiatrischen Gutachten vom 1
7.
Februar 2020 aus, bei der Beschwerdeführerin hätten belastende, nicht relevante psycho
soziale Belastungsfaktoren, möglicherweise aufgrund der Persönlichkeitsakzen
tuierung, zu den rezidivierenden psychischen Dekompensationen geführt, wobei sich inzwischen ein sekundärer Krankheitsgewinn und eine ausgeprägte Selbst
li
mitierung eingestellt hätten
. D
eswegen
habe
trotz der intensiven, leitlinien
ge
rechten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungen bis dato keine Bes
serung der Symptomatik erzielt werden können (
Urk.
7/47/54). Mit anderen Wor
ten führte
Dr.
A._
die Entstehung sowie die mehrfach aufgetretenen Ver
schlechterungen der psychischen Verfassung der Beschwerdeführerin auf psycho
soziale Belastungssituationen zurück und ging davon aus, dass ohne diese - sowie ohne den Einfluss der ebenfalls nicht invaliditätsrelevanten Selbstlimitierung - eine Besserung des psychischen Zustandes eintreten würde.
Dass die psychische Störung jedoch ohne diese belastenden Faktoren
nicht be
stünde
, mithin keine unabhängig davon bestehende psychische Störung vorliegt,
lässt sich dem Gutachten von
Dr.
A._
nicht entnehmen. So diagnostizierte er - neben den als Z-Diagnosen kodifizierten Problemen in Verbindung mit Berufs
tä
tigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56), denen er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass
, was im Einklang mit der Rechtsprechung steht (
Urteil
des Bundesgerichts
9C_468/2015 vom 2
9.
Januar
2016 E. 3.2
)
- eine rezidi
vie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
,
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/47/44). Ferner
nannte
er zahl
reiche Befunde
,
unter anderem eine durchgehend gedrückte, zum depressiven Pol verschobene Stimmung, eine ausgeprägte emotionale Labilität, Zukunfts- und Existenzängste, eine Verminderung
der
affektiven Modulationsfähigkeit sowie des Antriebs und der Psychomotorik. Einzig die von der Beschwerdeführerin ge
klagten Konzentrationsstörungen konnte er nicht objektivieren (
Urk.
7/47/49). In seiner Ergänzung vom
9.
Mai 2020 hielt er sodann fest, aufgrund der seit August
2018 bestehenden depressiven Symptomatik müsse nahezu von einem chroni
schen
Verlauf ausgegangen werden (
Urk.
7/58/9).
Unter
Ausschluss der psychosozialen Belastungsfaktoren kam er schliesslich zum
Ergebnis
, dass zumindest eine vor
über
gehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50
%
bestand
en h
a
be
, da
rüber hinaus hielt er in qualitativer Hinsicht eine konfliktarme Arbeitsumgebung sowie die Möglichkeit sich zurückzuziehen für erforderlich, was immerhin die
problembelastete
Tätigkeit für den bisherigen Arbeitgeber - wenn auch nicht die bisherige Tätigkeit
im
Pflegebereich
insgesamt - ausschliesst (
Urk.
7/47/56 f.).
Dr.
A._
empfahl sodann wiederholt eine Begutachtung, auch zur Abklärung des Verlaufs und der von
ihm
thematisieren gesundheitlichen Verschlechterung.
4.2.
3
Auch in den Berichten der behandelnden psychiatrischen Fachpersonen finden sich Hinweise auf psychosoziale
Belastungsf
aktoren im Zusammenhang mit
der depressiven Erkrankung (
Urk.
7/12/2 f.,
Urk.
7/18/2) sowie auf Verschlechte
run
gen des psychischen Zustandsbildes durch äussere Ereignisse wie die Kündigung der Arbeitsstelle sowie Versicherungsstreitigkeiten (
Urk.
7/28/11,
Urk.
7/35/3,
Urk.
7/4
4/4).
A
uch die behandelnden Fachpersonen
stellten
die Diagnose einer mittel
- bis schwer
gradigen depressiven Episode
im Rahmen
einer rezidivierenden depressiven Störung nach ICD-10 mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit,
wobei ihren D
arlegungen keine Hinweise darauf zu entnehmen sind,
dass die psychische Problematik
ohne die
belastenden
Faktoren wegfallen
würde
.
Auf der Befundebene ist sodann insbesondere die anlässlich von neuro
psy
cho
lo
gischen Untersuchungen festgestellte
-
wohl auf das depressive Störungsbild zurückzuführende
-
reduzierte Informationsverarbe
itungsgeschwindigkeit sowie die
leichte bis mittelgradige Beeinträchtigung im Bereich des Langzeitgedächt
nisses
(
Urk.
7/28/9,
Urk.
7/44/1)
zu erwähnen. D
iese Resultate
wurden zwar - wie von
Dr.
A._
dargelegt -
nicht durch Symptomva
lidierungstests überprüft
(Urk.
7/47/5) und
sind
daher mit
gewissen Zweifeln behaftet
. Es ist zudem grund
sätzlich Aufgabe eines psychiatrischen Facharztes, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen (Urteil des Bundesgerichts 8C_11/2021 vom 1
6.
April 2021 E. 4.2 mit Hinweisen), was im konkreten Fall nicht
erfolgt ist. Indessen kann dennoch
nicht von
v
ornherein davon ausgegangen werden, dass keinerlei Einschränkungen der neuropsycholo
gischen F
unktion
en der Beschwerdeführerin
gegeben sind
.
Anhaltspunkt
e für
das Bestehen solcher Beeinträchtigungen
sind
jedenfalls
gegeben
.
4.2.
4
Insgesamt sind bei der Beschwerdeführerin durchaus psychosoziale Belastungs
faktoren vorhanden, die Entwicklung und Verlauf der psychischen Problematik be
e
i
n
flussten
. Daraus jedoch auf ein klinisches Beschwerdebild zu schliessen, das sich einzig in Beeinträchtigungen erschöpft, welche von belastenden psychoso
zialen oder soziokulturellen Faktoren herrühren (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2), ist nicht überzeugend. Davon ging im Übrigen auch RAD-Arzt
Dr.
F._
nicht aus,
postulierte
er doch in seiner Stellungnahme von 3
0.
April 2020 eine auch in angepasste
r
Tätigkeit eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, wobei er jedoch die psychosozialen Belastungen nicht näher diskutierte und
auch
nicht ersichtlich ist, ob er diese bei seiner Beur
teilung ausschloss (
Urk.
7/67/3). Somit
lässt sich
insgesamt ein krank
h
eitswerti
ges psychisches Leiden
nicht ohne Weiteres
ausschliessen
. Der Renten
anspruch der Beschwerdeführerin kann demnach gestützt auf die aktuelle Akten
lage nicht
von
v
ornherein
aufgrund des Fehlens eines verselbständigten psychi
schen Leidens verneint werden.
4.3
Ein psychiatrisches Gutachten muss dem Rechtsanwender eine Beurteilung des Nachweises einer funktionellen Leistungseinschränkung erlauben. Gefordert sind vorab Angaben zur Schwere des Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.3) und zu dessen Folgen für die Leistungsfähigkeit, die nach Massgabe der in BGE 141 V 281
definierten Standardindikatoren
einzuschätzen
beziehungsweise dementspre
chend
auch formal zu strukturieren sind. Zwar war nach dem am
3.
Juni 2015 ergan
ge
nen Urteil BGE 141 V 281 zunächst übergangsrechtlich auch einem nach altem Verfahrensstandard eingeholten Gutachten nicht ohne Weiteres der Beweiswert abzusprechen (BGE 141 V 281 E. 8). Hinsichtlich der für die Beweistauglichkeit vorausgesetzten formalen Gliederung sowie der Begründungsdichte gerade auch in Bezug auf die Plausibilität der Folgenabschätzung sind an
aktuelle
Expertisen indessen höhere Anforderungen zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_681/2020 vom 2
3.
Juli 2021
E. 5.2.2
).
Dr.
A._
, der sein psychiatrisches Gutachten
vom
1
7.
Februar 2020
zu
Handen
des Taggeldversicherers erstattete, mass der rezidivierenden depressiven Störung zwar Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu, nahm jedoch keinerlei Bezug zu den
im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens
massgeblichen Standardindikatoren. Seine Expertise erweist sich daher für die Beurteilung des Schweregrades des psy
chischen Leidens nach aktueller bundesgerichtlicher Rechtsprechung
a
ls unge
e
i
g
net
. Hinreichende Angaben zu den massgebenden Indikatoren - namentlich
zum beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4) - lassen sich
weder
dem Gutachten
noch den übrigen ärztlichen Beurteilungen,
insbe
son
dere
den
Berichten der behandelnden Ärzte
oder
der Stellungnahme von RAD-Arzt
Dr.
F._
(
Urk.
7/67/3)
,
entnehmen
.
E
ine Beurteilung der Ressourcen aufgrund der systematisierten Indikatoren erweist sich daher beim aktuellen Aktenstand nicht als möglich.
5.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§
26 Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
geh
ren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
ge
richts U
209/02 vom 10.
September 2003 E.
5.2).
Nach dem Gesagten fehlt es an einer beweiskräftigen medizinischen Grundlage, welche es ermöglichen würde, den allfälligen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung aus rechtlicher Sicht abschliessend zu beurteilen. Da sich der Sachverhalt somit als ungenügend abgeklärt erweist, wird die Beschwerdegegnerin angesichts des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) weitere medizinische Abklärungen vorzunehme
n haben
. Dabei drängt sich eine mindestens
bidisziplinäre
Begutachtung auf, da sowohl
mit Bezug auf den Bewegungsapparat als auch die Psyche
Beschwerdebilder vor
liegen und eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen zwischen den Stö
run
gen erforderlich ist. Das einzuholende Gutachten hat sich insbesondere auch zu den
bei psychischen Erkrankungen beachtlichen
Standardindikatoren zu äussern (vgl. BGE 143 V 409, 143 V 418).
Darüber hinaus wird die Beschwerdegegnerin allenfalls Abklärungen zur Quali
fi
kation der Beschwerdeführerin durchzuführen haben,
da aufgrund der
jetzigen
Aktenlage
offen
bleibt
,
ob die
Beschwerdeführerin
neben ihrer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit
im Rahmen
von 60
%
auch
im Haushalt
und damit in einem versicherungsrechtlich bedeutsamen Aufgabenbereich
tätig ist
(vgl.
Art.
6 und
Art.
8
Abs.
3 ATSG)
. Bejahendenfalls hätte die Beschwerdegegnerin zudem zu prüfen, inwiefern die Beschwerdeführerin durch die Gesundheitsbeeinträchtigung
im Aufgabenbereich
eingeschränkt ist.
6.
6.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewil
ligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Verfahren kos
tenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), ermessensweise auf Fr.
700.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Ausserdem hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung. Diese ist gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen ermessensweise auf
Fr.
2‘100.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.