Decision ID: 7db3a101-6533-4011-aa21-1d9b29142be8
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1960,
war seit
8.
April 2019 als Bauarbeiter bei der
B._
AG, Zürich, angestellt und dadurch bei der Suva obliga
torisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert (vgl.
Urk.
8/1).
Am 1
6.
September 2019 trat er bei einer Betonplatte auf die Kante und verstauchte sich dabei den Fuss (Schadenmeldung vom 1
8.
September 2019,
Urk.
8/1
; vgl. auch
Urk.
8/9
).
Im Rahmen der Erstbehandlung im
C._
wurde eine Distorsion des oberen Sprunggelenks (
OSG
) rechts Grad II-III diagnostiziert (
Arztzeugnis
vom 2
3.
Oktober 2019,
Urk.
8/18
/1
). Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen
für die attestierte Arbeitsunfähigkeit und die medizinische Behandlung
(vgl.
Urk.
8/20, 8/27).
Nach Eingang medizinischer Unterlagen (
Urk.
8/31, 8/33) gelangte die Suva an
d
en Kreisarzt Dr. med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates (Stellungnahme vom 1
7.
Januar 2020,
Urk.
8/38).
Nachdem weitere Berichte behandelnder Fachpe
rsonen vorge
legt worden waren,
darunter ein Bericht von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom
6.
Februar 2020 (Urk. 8/51/2 f.),
teilte die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 1
9.
Februar 2020 mit, dass sie den Fall per 29. Februar 2020 abschliesse und die Versicherungsleistungen auf diesen Zeitpunkt einstelle (
Urk.
8/53).
Dagegen opponierte der Versicherte mit Schreiben vom 3
0.
April 2020 unter Beilage eines weiteren Berichtes von
Dr.
E._
vom 2
8.
April 2020 (
Urk.
8/63).
Dieser nahm
sodann
am 1
2.
Mai 2020 einen operativen Eingriff am rechten Fuss des Versicherten vor (
Urk.
8/77/2 f.).
Nach Eingang einer weiteren kreisärztlichen Beurteilung von
Dr.
D._
vom 2
4.
August 2020 (Urk. 8/79) verfügte die Suva am 1
8.
September 2020
im Sinne ihres Schreibens vom 1
9.
Februar 2020 (
Urk.
8/83). Die dagegen vom Versicherten am 30. September 2020 erhobene Einsprache, welcher Berichte von
Dr.
E._
sowie
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Chirurgie und Handchirurgie, beigelegt waren (
Urk.
8/86), wies die Suva nach erneuter Rücksprache mit
Dr.
D._
(Stellungnahme vom 2
8.
Okto
ber 2020,
Urk.
8/89) mit Einspracheentscheid vom
6.
November 2020 ab (
Urk.
2
/1
=
Urk.
8/91/2-12).
2.
2.1
Dagegen erhob
X._
,
vertreten durch Rechtsanwältin
Dr.
Cristina
Schiavi
,
am 2
4.
November 2020 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der ange
fochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und ihm seien weiterhin und rückwirkend die gesetzlichen Leistungen zu erbringen, insbesondere Heilungs
kosten und Taggelder. Eventualiter sei durch das Gericht ein orthopädisch-chirurgisches Gutachten einzuholen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Januar 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), worüber der Versicherte mit Verfügung vom 1
3.
Januar 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 9).
2.2
Am 2
8.
Juni 2021 wurde das
Gericht telefonisch darüber orientiert, dass der V
ersicherte gleichentags
verstorben sei (
Urk.
10). Mit Verfügung vom 2
9.
Juni 2021
sistierte das Gericht das Verfahren mit dem Auftrag an die damalige Rechts
vertreterin, dem Gericht die Erben mitzuteilen und anzugeben, ob und allenfalls welche Erben den Prozess weiterführen woll
t
en (
Urk.
11).
Am 13. Oktober 2021 wurde dem Gericht ohne Kommentar die Erbbescheinigung
des Bezirksgerichts Horgen vom 2
7.
August 2021
zugestellt
, gemäss derer der Versicherte die Ehefrau
Y._
sowie die Nachkommen
Z._
und
A._
als gesetzliche Erben hinterlassen hat
(
Urk.
14).
Am 6. Januar 2022 wurde
n
dem Gericht die von den Erben an die neue Rechtsvertreterin Rechtsanwältin Astrid
Meienberg
erteilte
n
Vollmacht
en
eingereicht (
Urk.
21, 22/1-3).
Mit Verfügung vom 1
8.
Januar 2022 hob das Gericht die Sistierung des Verfahrens auf, nahm vom Eintritt der Erben in den Prozess
Vormerk
und setzte diesen eine Frist von 30 Tagen an, um mitzuteilen, ob sie den Prozess weiterführen woll
t
en. Bei Säumnis werde der Prozess fortgesetzt (
Urk.
23). Innert angesetzter Frist liessen sich die Erben nicht vernehmen
, weshalb
davon auszugehen ist, dass
sie
den Prozess fortsetzen wollen und
über die Sache materiell zu entscheiden ist.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre
Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b
, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E.
1b
, je mit Hinweisen).
1.3.2
Ist die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen, entfällt die deswegen anerkannte Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, wenn der Unfall nicht die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheits
schadens darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfall
fremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegrün
dende natürliche Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatsache handelt, liegt die entsprechende Beweis
last
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfall
versicherer. Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts
8C_669
/2019 vom 25. März 2020 E. 2.2 mit Hinwei
sen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch dieser Zustand noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG Leistungen zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts
8C_589
/2017 vom 21. Februar 2018 E. 3.2.3 mit Hinweisen).
1.4
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E.
3b
/ee). Trotz dieser grundsätzlichen
Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten
unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom
6.
November 2020 hielt die Beschwerdegegnerin zusammengefasst fest,
die Beurteilung des Kreisarztes Dr.
D._
vom 2
8.
Oktober 2020
erfülle sämtliche höchstrichterlichen Anfor
derungen an den Beweiswert ärztlicher Berichte.
Auf dieser Grundlage
sei davon auszugehen, dass zum Unfallzeitpunkt ein erheblicher Vorzustand im rechten
OSG
bestanden habe, welche
r
auf eine lange zurückliegende Weber-A-Fraktur
(mit Ruptur des lateralen Bandapparates als Bestandteil derselben) zurückzu
führen sei.
Durch den Unfall sei es lediglich zu einer vorübergehenden Verschlim
merung des Vorzustandes gekommen. Der Status quo sine
vel
ante sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit drei Monate nach dem Ereignis erreicht gewesen, womit eine unfallbedingte Teilursächlichkeit der weiterhin anhaltenden Beschwerden entfallen sei.
In Bezug auf den Bericht von
Dr.
F._
sei anzumer
ken, dass dessen Argumentation auf den beweisrechtlich unzulässigen Schluss «
post
hoc ergo
propter
hoc» hinauslaufe.
Die überzeugende Kausalitätsbeurteilung des erfahrenen Versicherungsmediziners und langjährigen Unfallarztes
Dr.
D._
sei derjenigen der behandelnden Ärzte vorzuziehen. Weitere medizinische Abklärungen
namentlich
in Form einer externen Begutach
tung
seien nicht notwendig.
Die Versicherungsleistungen seien zu Recht per verfügtem Datum [2
9.
Februar 2020] eingestellt worden
(
Urk.
2/1 S. 8 f.).
2.2
Demgegenüber machte der
Versicherte
in seiner Beschwerdeschrift vom 24. November 2020
im Wesentlichen geltend,
die involvierten Ärzte seien sich in diversen
wichtigen
Punkten uneinig (
Urk.
1 S. 9
und S. 14
).
Der Beschwerdegeg
nerin sei es nicht gelungen, das Vorliegen einer früheren Weber-A-Fraktur oder anderer Vorzustände wie der
aus ihrer Sicht vorbestehenden Ruptur des lateralen Bandapparates
zu beweisen.
Folglich sei auch das Erreichen des Status quo sine
vel
ante
nicht
belegt worden (
Urk.
1 S. 12).
Aufgrund der zahlreichen offenen Fragen bestehe keine hinreichende Klarheit über die relevanten Tatsachen
, weshalb weitere Abklärungen in Form eines Gerichtsgutachtens notwendig seien.
Von einer Rückweisung an die Vorinstanz sei abzusehen, da die konkreten Umstände
dafür sprächen
, dass die Abklärungen in diesem Fall nicht
,
respektive
nicht zeitnah erfolgen würden
oder ein Gutachter beauftragt würde, welcher die Ansicht des Kreisarztes bestätige (
Urk.
1 S. 14-16).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 1
2.
Januar 2021 betonte die Beschwerdegegne
rin
insbesondere
, dass auf die
widerspruchsfrei und nachvollziehbar begründeten
Beurteilungen
von
Dr.
D._
abgestellt werden könne. Weder die in der Beschwerde
erhobenen Einwände
noch
die
Stellungnahme von
Dr.
F._
seien geeignet, daran Zweifel zu erwecken.
Zum Unfallzeitpunkt habe ein erheblicher
Vorzustand im rechten
OSG
vorgelegen. Eine strukturelle, richtungsgebende Verschlimmerung des
OSG
-Schadens habe durch den
Misstritt
vom 1
6.
Septem
ber 2019 nicht stattgefunden; dabei sei es lediglich zu einer vorübergehenden Verschlimmerung des Vorzustandes gekommen. Die
OSG
-Distorsion habe im Beschwerdebild mit überwiegender Wahrscheinlichkeit drei Monate nach dem Ereignis keine Rolle mehr gespielt. Der Status quo sine
vel
ante sei zu diesem Zeitpunkt bereits erreicht gewesen
, weshalb d
ie Leistungseinstellung per 2
9.
Feb
ruar 2020 nicht zu beanstanden
sei
(Ur
k. 7 S.
8 f.).
3.
3.1
Im Arztzeugnis vom 1
7.
September 2019 stellte
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere M
edizin und L
eitende Ärztin am
C._
, die Diagnose einer
OSG
-Distorsion Grad II-III.
Bezugnehmend auf die Ergebnisse der gleichentags durchgeführten Röntgenuntersuchung
(vgl. Urk. 8/33/1)
führte sie aus, dass keine
ossäre
Läsion habe festgestellt werden können. Es bestehe der Verdacht auf eine
ligamentäre
Läsion (
Urk.
8/18/1).
Im Rahmen weiterer Konsultationen zwischen September und November 2019 äusserte
Dr.
G._
den Verdacht auf eine Bandruptur
retromalleolär
rechts.
Aus den Einträgen zu den einzelnen Konsultationen geht hervor, dass d
ie Schwellung am
OSG
im Verlauf
regredient
gewesen sei und auch die
Druckdolenz
nachgelassen habe. Am 2
8.
November 2019 habe der Versicherte berichtet, am
OSG
rechts nun praktisch schmerzfrei zu sein (Bericht vom
9.
Dezember 2019,
Urk.
8/31).
3.2
In seiner kreisärztlichen Stellungnahme vom 1
7.
Januar 2020 verneinte Dr.
D._
die Frage, ob die geltend gemachten Beschwerden/Befunde noch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem Kausalzusammenhang zum Ereignis vom 1
6.
September 2019 stünden. Anlässlich des Ereignisses sei es zu einer Distorsion gekommen; der Status quo sine sei nach spätestens drei Monaten erreicht gewesen.
Dr.
D._
wies zudem auf einen erheblichen degenerativen Vorzustand im Bereich des rechten Sprunggelenks hin (
Urk.
8/38/3).
3.3
Dr.
E._
stellte mit Bericht vom
6.
Februar 2020 folgende Diagnosen (Urk. 8/51/2):
-
Status nach
OSG
-Distorsion mit Ruptur lateraler Bandapparat rechts Sep
tember 2019
-
persistierend laterale
OSG
-Instabilität
-
wahrscheinlich frischere Läsion der lateralen
Talusschulter
-
Verdacht auf älteren
subfibulär
ossären Bandausriss
-
wahrscheinlich asymptomatisch ausgeprägte
Haglund-Exostose
mit ventraler Achillessehnen-Partialruptur.
Mehr als drei Monate posttraumatisch hätten beim zuvor schmerzfreien Versicherten erhebliche Restschmerzen und eine gewisse Instabilität lateral persistiert. Klinisch auffallend seien vor allem laterale Schmerzen mit deutlicher Aufklappbarkeit bei allerdings beidseits laxem lateralem Bandapparat.
Laterale
osteochondrale
Läsionen seien typischerweise traumatisch. Im MRI scheine die Läsion aber nur mässig aktiviert, sodass nicht sicher sei, ob diese für die Schmer
zen verantwortlich sei. Die Achillessehnenproblematik sei im Gegensatz zur Klinik eindrücklich, letztlich jedoch aktuell wohl nicht von Relevanz (Urk. 8/51/3).
3.4
Nach wirkungsloser Infiltration des
OSG
rechts am
6.
Februar 2020 (vgl. Urk. 8/63/3, 8/74/2) und radiologischen Untersuchungen vom
3.
April 2020 (vgl. Urk. 8/72/2)
hielt
Dr.
E._
mit Bericht vom 2
8.
April 2020 fest, die
osteo
chondrale
Läsion
sei
wie erwartet kaum aktiv. Eher überraschend sei auch die Weber-A-Fraktur inaktiv, was nicht für eine traumatische Aktivierung spreche. Dennoch stehe die laterale Instabilität im Vordergrund und
dem Versicherten werde eine Bandrekonstruktion vorgeschlagen (
Urk.
8/63/4).
Der operative Eingriff
wurde
in der Folge am 1
2.
Mai 2020
durchgeführt. Dabei erfolgten unter anderem eine
Synovektomie
,
Resektionen
des
anterioren
Tibiasporns
, eines freien Gelenkskörpers und eines
subfibulären
(Weber-A
-)
Ossikels
sowie eine laterale Bandrekonstruktion
(U
rk.
8/77/2 f.).
3.5
Mit kreisärztlicher Stellungnahme vom 2
4.
August 2020 hielt
Dr.
D._
an seiner früheren Beurteilung fest. Die im Verlauf bildgebend dargestellten Patho
logien
insbesondere die Verdickungen des Ligamentum
fibulotalare
anterius
sowie des Ligamentum
fibulocalcaneare
stünden nur möglicherweise im Zusam
menhang mit dem Ereignis vom September 201
9.
Die bildgebend dargestellten Vernarbungen seien die natürliche Folge von Reparationsprozessen und stünden im Einklang mit Ereignissen, welche länger als sechs Monate zurücklägen. Nach derzeitigem medizinischen Wissensstand würden übliche Vernarbungsvorgänge mindestens sechs Monate beanspruchen (
Urk.
8/79/6)
.
Auch unter Berücksichti
gung des Operationsberichtes müsse davon ausgegangen werden, dass es sich überwiegend wahrscheinlich um eine vorbestehende Gesundheitsschädigung handle, welche in zeitlichem Zusammenhang mit einer stattgehabten Weber-A-Fraktur stehe. Eine Ruptur des lateralen Innenbandapparates sei überwiegend wahrscheinlich Bestandteil einer solchen (
unfall
fremden) Fraktur
. Verschiedene intraoperativ objektivierte Befunde wie die schwere
Synovialitis
lateral und der
grosse
Tibiasporn
seien überwiegend wahrscheinlich auf eine in der fernen Vergangenheit zurückliegende Verletzung zurückzuführen (
Urk.
8/79/7).
3.6
In seinem Bericht vom
5.
August 2020 beurteilte
Dr.
E._
den postoperativen Verlauf drei Monate nach dem Eingriff als regelrecht. Der Versicherte habe eine gesamthaft viel bessere Schmerzsituation als präoperativ geschildert. Vor allem lateral
subfibuläre
Schmerzen lägen noch vor, wobei dort im Tagesverlauf eine noch recht ausgeprägte Schwellung auftrete (
Urk.
8/86/20 f. [=
Urk.
3/4]).
3.7
Mit Stellungnahme vom 2
3.
September 2020 widersprach
Dr.
F._
der kreis
ärztlichen Beurteilung in mehrfacher Hinsicht.
Die Annahme, beim
Versicher
ten
einem
60-jährigen übergewichtigen Bauarbeiter
seien vorbestehend degenerative Veränderungen im Sprunggelenk vorhanden, sei zwar plausibel. Er sei jedoch bis zum Unfall beschwerdefrei und trotz des körperlich stark belasten
den Berufes voll arbeitsfähig gewesen.
Es fehle an Anhaltspunkten, dass vorbe
stehend eine chronische
fibulare
Bandinstabilität vorhanden gewesen sei. Ebenso scheine ein Zustand nach früherer Weber-A-Fraktur unwahrscheinlich. Weit
gehend ausgeschlossen werden könne ausserdem, dass der anteriore
Tibiasporn
auf eine alte Fraktur in diesem Bereich zurückzuführen sei (
Urk.
8/86/19).
3.8
Am 2
8.
Oktober 2020 nahm
Dr.
D._
erneut
schriftlich
zur
Sache Stellung.
Dabei gelangte er zur Auffassung,
der Verlaufsbericht von
Dr.
E._
beinhalte keine neuen medizinischen Tatsachen.
Auch
unter Berücksichtigung des Berichtes von
Dr.
F._
sei an der
Beurteilung vom 24. August 2020
fest
zuhalten
(Urk.
8/89/8).
Bezugnehmend auf die von
Dr.
F._
geäusserte Kritik
führte
der Kreisarzt
insbesondere
aus
,
dass der Operationsbefund eine alte Verletzung bestätige. Mit Blick auf die am 1
7.
September 2019 erstellten Röntgenaufnahmen bestünden ebenfalls mehrere
pathologische
Hinweise auf eine lange zurück
liegende Verletzung im Sprunggelenksbereich
wie
Osteophyten
als Folge einer beginnenden Sprunggelenksarthrose
sowie ältere freie und abgerundete Gelenks
körper (
Urk.
8/89/4 f.).
Des Weiteren lasse der Schweregrad der lateralen
Synovitis
auf eine länger als ein Jahr zurückliegende Läsion schliessen.
Die Formulierung «
Tibiasporn
» beziehe sich im Übrigen auf eine
osteophytäre
Anla
gerung von Knochen im Gelenksbereich des oberen Sprunggelenks und es sei nicht postuliert worden, dass es sich um eine alte Fraktur handle. Der aufgetrie
bene Knorpel sei überwiegend wahrscheinlich einer der Schmerzgeneratoren im Beschwerdebild des Versicherten; die Ursache der Knorpelschädigung sei überwiegend wahrscheinlich eine Schädigung, welche vorbestehend gewesen sei (
Urk.
8/89/6).
4.
4.1
Es ist unbestritten, dass das Schadenereignis vom 1
6.
September 2019 einen Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG darstellt (vgl.
Urk.
1 S. 10
Ziff.
31,
Urk.
2
S. 8 E.
1.2
), weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen. Die Beschwerdegegnerin anerkannte denn auch ihre Leistungspflicht für einen begrenzten Zeitraum (vgl.
Urk.
8/20, 8/27
). Strittig und zu prüfen ist allerdings, ob sie ihre Leistungen mit der Begründung, der natürliche Kausalzusammenhang sei infolge Erreichens des Status quo sine
vel
ante
dahingefallen, zu Recht per
2
9.
Februar 2020
eingestellt
hat (vgl. vorstehende E. 2.1-2.3
).
In diese
m Zusammenhang
ist vorab festzuhalten, dass
der
Unfallversicherer die Möglichkeit
hat
, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung (und allenfalls Tag
geld) anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
ohne Berufung auf den Rückkommenstitel der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision einzustellen, etwa mit dem Argument, bei richtiger Betrachtung liege kein versichertes Ereignis vor (BGE 130 V 380 E. 2.3.1) oder der Kausalzusam
menhang zwischen Unfall und leistungsbegründendem Gesundheitsschaden habe gar nie bestanden oder sei dahingefallen. Eine solche Einstellung kann auch rückwirkend erfolgen, sofern der Unfallversicherer keine Leistungen zurückfor
dern will (nicht
publ
. E. 3 des Urteils BGE 146 V 51; Urteil des Bundesgerichts
8C_786
/2021 vom 11. Februar 2022 E. 2 mit Hinweisen).
4.2
4.2.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid in erster Linie auf die Ausfüh
rungen des Kreisarztes
Dr.
D._
vom
1
7.
Januar, 2
4.
August und 28.
Oktober 2020 (
Urk.
8/38/3, 8/79 und
8/89).
Dieser hatte den Versicherten nicht persönlich untersucht, sondern jeweils eine Aktenbeurteilung vorgenommen. Diesen
kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts
8C_750
/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
Anhand der ihm zur Verfügung gestellten Vorakten (vgl.
Urk.
8/79/1-6, 8/89/
1-3) konnte sich
Dr.
D._
, welcher über die konkret notwendige fachliche Qualifikation verfügt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
8C_480
/2021 vom 6. Dezember 2021 E. 4.2.1 mit Hinweis),
ein vollständiges Bild über die Anamnese sowie den Behandlungsverlauf verschaffen. Da es im konkreten Fall zudem nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sach
verhalts geht, ist nicht zu beanstanden, dass auf eine klinische Untersuchung des
Versicherten verzichtet wurde. Gegenteiliges wurde von dessen Seite denn auch nicht geltend gemacht.
4.2.2
Näher zu prüfen bleibt, ob die kreisärztliche
n
Stellungnahme
n
auch
inhaltlich überzeugen.
Dr.
D._
hat insbesondere in seiner letzten Beurteilung vom 28. Oktober 2020 detailliert und nachvollziehbar dargelegt, weshalb der Status quo sine unter Berücksichtigung des erheblichen degenerativen Vorzustandes im Bereich des rechten Sprunggelenks spätestens drei Monate nach dem Unfallereig
nis vom 1
6.
September 2019 erreicht war.
Die Berichte des behandelnden Arztes
Dr.
E._
(
Urk.
8/51, 8/63/3 f., 8/77/2 f. und 8/86/20 f.)
sind
von
v
ornherein
nicht geeignet, diese Einschätzung in Z
weifel zu ziehen, da sie keine substanti
ierten Ausführungen zur Kausalitätsfrage enthalten.
Darüber hinaus vermochte
Dr.
D._
die Kritik des vom Versicherten zu Rate gezogenen Facharztes
Dr.
F._
(vgl.
Urk.
8/86/14-19) in allen wesentlichen Punkten zu entkräften.
So zeigte er
einerseits auf,
weshalb
das Vorliegen einer chronischen
fibulären
Bandinstabilität entgegen der Auffassung von
Dr.
F._
nicht
bereits vor Eintritt des Unfallereignisses
per se eine Arbeitsunfähigkeit begründet
hätte
, da
sich eine Sprunggelenksinstabilität
insbesondere beim Tragen von Sicherheits
schuhen mit hohem S
chaft
funktionell nicht einschränkend auswirkt.
Dies verdeutlichte
Dr.
D._
mit dem Hinweis
auf den
von D
r.
E._
im Februar 2020 erhobenen Befund (vgl.
Urk.
8/51)
, wonach
linksseitig eine noch deutlichere Aufklappbarkeit am Sprunggelenk vorlag als auf der rechten
, von der
OSG
-Distorsion betroffenen
Seite (
Urk.
8/89/3 f.).
Der Beschwerdegegnerin ist ausser
dem beizupflichten, dass die
der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc» folgende
Argumentation von
Dr.
F._
beweisrechtlich nicht zulässig ist und zum Nach
weis der Unfallkausalität nicht zu genügen vermag (
BGE 119 V 335 E.
2b
/
bb
, Urteil des Bundesgerichts
8C_332
/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1).
Andererseits
legte
Dr.
D._
unter Einbezug der am Folgetag des Schadener
eignisses erstellten Röntgenbilder
einlässlich
dar,
welche Pathologien für eine vorbestehende Verletzung im Sprunggelenksbereich (Weber-A-Fraktur) sprechen. Es handelt sich dabei im Einzelnen um
Osteophyten
respektive natürliche Knochenanbaureaktionen als Folge einer beginnenden Sprunggelenksarthrose, Hinweise auf ältere freie und abgerundete Gelenkskörper
sowie Anhaltspunkte auf eine alte Bandverletzung im Aussenbandbereich
mit knöchernem Ausriss eines Bandes und abgerundetem Knochen als H
inweis auf ein abgeschlossenes
, länger als ein Jahr zurückliegendes
Remodelling
(Urk.
8/89/4 f., 8/89/8).
Soweit ersichtlich lagen
Dr.
F._
diese
ereignisnahen und daher
für die Beurteilung der natürlichen Kausalität
sehr
bedeutsamen
Röntgenbilder nicht vor (vgl.
Urk.
8/86/14-17)
. Jedenfalls hat er sich damit nicht
hinreichend
auseinander
gesetzt,
was der
Aussage
kraft seiner Stellungnahme
in erheblichem Masse
abträglich ist.
Darüber hinaus
hat
Dr.
D._
in nachvollziehbarer Weise ausgeführt,
weshalb auch d
ie
intraoperativ von Dr.
E._
festgestellte
schwere
laterale
S
ynovitis
,
der
zyklopsartig
aufgetriebene Knorpel
unter dem Knochen
sporn sowie das lose, am Ereignistag bereits abgerundete
Knorpelstück am
Talushals
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
von einer
länger zurückliegen
de
n
Verletzung
herrühren
(Urk. 8/89/6 f.)
.
Die detaillierten
fachkundigen
Ausführungen
des Kreisarztes
erweisen sich somit insgesamt als schlüssig und
wurden
nachvollziehbar begründet.
D
ie
erstmals mit Stellungnahme vom 1
7.
Januar 2020 (
Urk.
8/38/3) gezogene und in den späteren Beurteilungen bestätigte
Schlussfolgerung,
wonach der Status quo sine nach
OSG
-Distorsion
in Anbetracht des erheblichen degenerativen Vorzustandes
spätestens nach drei Monaten erreicht gewesen sei,
vermag ohne Weiteres zu überzeugen.
4.2.3
Nach dem Gesagten
bestehen keine auch nur geringen Zweifel an den
kreisärzt
lichen Beurteilungen von
Dr.
D._
. Diesen kommt
volle Beweiskraft zu, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf abgestellt hat.
Sie hat den Sach
verhalt soweit ermittelt, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden konnte (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_721
/2019 vom 2
7.
Mai 2020 E. 3 mit Hinwei
sen).
Entgegen der beschwerdeweise vertretenen Auffassung (
Urk.
1 S
.
13-15) liegt folglich keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes (
Art.
43
Abs.
1 ATSG) vor
.
Von weiteren Abklärungen medizinischer Art
wie namentlich dem
eventualiter
beantragten
orthopädisch-chirurgischen
Gerichtsgutachten
sind keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen werden kann
(antizipierte Be
weiswürdigung; BGE 144 V 361 E.
6.5, 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E.
4b
).
5.
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
ihre Leistungen auf der
Grundlage
der
kreisärztlichen Stellungnahmen per 2
9.
Februar 2020 eingestellt hat. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit war der Status quo sine
vel
ante
(spätestens)
zu diesem Zeitpunkt erreicht.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom
6.
November 2020 (
Urk.
2/1) erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.