Decision ID: 17cae0c6-622b-5a2f-b000-c0c059bd9bdc
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Kantonales Steueramt, Davidstrasse 41, 9001 St. Gallen, nicht anwesend,
Anklagebehörde,
gegen
A.X., anwesend, Angeschuldigter,
betreffend
Steuerhinterziehung (Staats- und Gemeindesteuern 2004-2006)
Sachverhalt:
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A.- A. u. B. X.-Y. wurden für die Staats- und Gemeindesteuern mit steuerbaren
Einkommen von Fr. 53‘900.-- (2003), Fr. 50‘000.-- (2004), Fr. 41‘400.-- (2005) und
Fr. 44‘900.-- (2006) und jeweils ohne steuerbares Vermögen veranlagt. Die
Veranlagungen wurden unangefochten rechtskräftig.
B.- Im Veranlagungsverfahren für das Steuerjahr 2007 wurden A. u. B. X.-Y. am 9. Juli
2009 und ein zweites Mal am 5. August 2009 aufgefordert, Bescheinigungen aller Post-
und Bankkonti samt Postenauszügen mit Detailangaben zu den Ein- und Ausgängen
einzureichen. Aus den Auszügen wurden Gutschriften des FC V. zugunsten von A.X. in
der Höhe von Fr. 32‘590.-- (2004), Fr. 25‘476.-- (2005), Fr. 34‘130.-- (2006) und
Fr. 28‘680.-- (2007) ersichtlich. Am 29. Oktober 2009 eröffnete das kantonale
Steueramt für die Steuerjahre 2004 bis und mit 2006 ein Nachsteuerverfahren und hielt
fest, die Einkünfte aus der unselbständigen Nebenerwerbstätigkeit von A.X. beim FC V.
von Fr. 24‘700.-- (2004), Fr. 19‘800.-- (2005) und Fr. 28‘600.-- (2006) seien steuerlich
noch nicht erfasst worden. Nachdem sich A. u. B. X.-Y. nicht hatten vernehmen lassen,
wurden sie am 13. November 2009 für 2004 bis 2006 mit Nachsteuern von
Fr. 15‘635.30 (Kantons- und Gemeindesteuern 2004 bis 2006, davon Zins Fr. 865.15)
veranlagt. Die Verfügung wurde unangefochten rechtskräftig.
C.- Die Rechtsabteilung/Strafen des kantonalen Steueramtes leitete am 8. März 2010
gegenüber A.X. gestützt auf die Feststellungen in der Nachsteuerverfügung ein
Untersuchungsverfahren wegen nicht deklarierter Einkünfte aus unselbständigem
Nebenerwerb als Trainer beim FC V. ein und stellte Bussen in der Höhe von 200% der
Nachsteuer ohne Zins in Aussicht. Das Verfahren wurde für die Staats- und
Gemeindesteuern am 29. März 2010 mit einem Strafbescheid, mit welchem A.X. unter
Auferlegung von Verfahrenskosten von Fr. 500.-- mit Fr. 29‘540.-- gebüsst wurde,
erledigt. Gegen den Strafbescheid erhob A.X. mit Eingabe vom 27. April 2010
Einsprache beim kantonalen Steueramt.
D.- Am 3. Mai 2010 überwies das kantonale Steueramt die Strafsache der
Verwaltungsrekurskommission zur Beurteilung. Der Angeschuldigte nahm keine
Einsicht in die Akten und verzichtete auf eine Ergänzung der Einsprache.
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Am 30. November 2010 fand die öffentliche Verhandlung statt. Vor Gericht erklärte der
Angeschuldigte auf Befragen, er sei davon ausgegangen, die Einkünfte seien
Spesenersatz gewesen. Es habe keinen Lohnausweis und keine AHV- und andere
Sozialabzüge gegeben. Das Geld habe er zu einem grossen Teil für Spesen gebraucht.
Er habe 5 Mal wöchentlich nach V. fahren, andere Fussballspiele anschauen, das
Waschen des Tenüs bezahlen, Fussballschuhe kaufen, Weiterbildungskurse in
Magglingen bezahlen und zuhause ein Büro, in welchem er Wochen-, Trainings- und
Arbeitspläne erstellt habe, betreiben müssen. Oft sei ihm auch weniger als die
Pauschale ausbezahlt worden. Zur Frage, was denn mit dem Hinweis auf Prämien im
Vertrag vom 4. Januar 2006 gemeint sei, führte der Angeschuldigte aus, das sei mit
einem Bonus vergleichbar. Wie hoch die Punkteprämie gewesen sei, wisse er nicht
mehr. Es könnten etwa Fr. 20.-- pro Punkt gewesen sein. Im letzten Jahr habe er keine
Prämien mehr erhalten; vorher – als die Mannschaft aufgestiegen sei – schon. In V. sei
er stets Spielertrainer gewesen. Vorher habe er als professioneller Fussballer, zuletzt
beim FC U., wo er am Schluss auch Assistenztrainer gewesen sei, gearbeitet. Dort
habe es einen Lohnausweis gegeben. Im Amateurbereich gebe es oft keine Verträge,
sondern blosse Abmachungen mit dem Verein. Er sei im Besitz der zweithöchsten
Trainerlizenz und dürfe Mannschaften bis zur Challenge-League trainieren. In der
Trainerausbildung sei das Administrative kein Thema. In den oberen Ligen habe
sowieso jeder einen Berater. In den unteren Ligen mache es zwar jeder selber, aber im
Amateurbereich sollten lediglich die Spesen gedeckt sein. Vom Verein sei er nie darauf
hingewiesen worden, dass ein Teil der Spesen steuerbar sei. Er habe neben der
Tätigkeit beim FC V. immer zu 100% gearbeitet. Fussball habe er hobbymässig
betrieben und Trainings- und Arbeitspläne abends zuhause erstellt. Zur Frage, ob er
denn die Höhe der Einkünfte aus seiner Nebenerwerbstätigkeit nicht mit jenen der
Ehefrau, die ebenfalls im Nebenerwerb tätig gewesen sei und ihre Einkünfte versteuert
habe, verglichen habe, führte der Angeschuldigte aus, seine Frau habe im Gegensatz
zu ihm einen Arbeitsvertrag gehabt, einen Lohnausweis erhalten und AHV- und andere
Sozialbeiträge leisten müssen. Er sei ausgebildeter ... und habe sich nie mit Steuern
befasst. Im Nachhinein sei er schlauer. Aus seiner Tätigkeit als ... habe er in den letzten
3 Jahren im Jahresdurchschnitt etwa Fr. 100'000.--, monatlich rund Fr. 8'500.--,
verdient. Er habe 2 schulpflichtige Kinder und keine weiteren
Unterhaltsverpflichtungen. Das Haus in N. habe er verkauft und sei nach F. in ein neues
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Eigenheim gezogen. Im Schlusswort fügte der Angeschuldigte an, die Busse erscheine
ihm relativ hoch. Eine Reduktion auf die Hälfte sei angemessen, weil er schlecht
informiert gewesen sei.
E.- Das Urteil wurde am 30. November 2010 dem Angeschuldigten mit
Kurzbegründung mündlich verkündet und am folgenden Tag den Parteien schriftlich
ohne Begründung mitgeteilt. Die Anklagebehörde verlangte am 3. Dezember 2010
innert der gesetzlichen Frist von 10 Tagen eine ausführliche Begründung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Zu beurteilen ist
der Strafbescheid des kantonalen Steueramtes vom 29. März 2010 wegen
Steuerhinterziehung (Staats- und Gemeindesteuern). Die
Verwaltungsrekurskommission ist zur gerichtlichen Beurteilung zuständig. Der
Angeschuldigte ist zur Erhebung der Einsprache befugt. Die Einsprache ist rechtzeitig
erhoben worden. Die Eingabe vom 27. April 2010 erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen. Die Streitsache wurde dem Gericht am 3. Mai
2010 zusammen mit den Akten überwiesen. Der Strafbescheid gilt als Anklage (Art. 264
Abs. 1 und 2 und Art. 265 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 161
StG in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Nach Art. 262 Abs. 1 StG bezeichnet der Strafbescheid den Angeschuldigten, die
dem Angeschuldigten zur Last gelegte Handlung, die angewendeten
Gesetzesbestimmungen, die Beweismittel, die Strafe und weist auf die Möglichkeit der
Einsprache sowie die Folgen der Unterlassung hin. Er ist nach Art. 262 Abs. 2 StG
„kurz“ zu begründen, die Begründung muss aber ausreichend sein (vgl. Richner/Frei/
Kaufmann/Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, Zürich 2006,
N 3 zu § 251 StG-ZH). Als Anklageschrift kommt dem Strafbescheid im Wesentlichen
die Aufgabe zu, den der Anklage zugrunde liegenden Sachverhalt zu konkretisieren und
damit dem Angeschuldigten die für seine Verteidigung erforderlichen Informationen zu
vermitteln. Der als Sachverhalt umschriebene konkrete Lebensvorgang ist unter einen
der gesetzlichen Straftatbestände zu subsumieren. In die Anklageschrift aufzunehmen
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ist deshalb die rechtliche Beurteilung der dem Angeschuldigten zur Last gelegten
Handlung mitsamt den anwendbaren Gesetzesbestimmungen. Erscheint die
Rechtslage klar, bedarf es dazu keiner besonderen Erörterung. Sodann sind
Ausführungen zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen zu machen; erst damit
wird die Ausfällung einer dem Verschulden und der Persönlichkeit des Angeschuldigten
angemessenen Sanktion ermöglicht (N. Oberholzer, Grundzüge des
Strafprozessrechts, 2. Aufl. 2005, S. 592 ff.).
Der Strafbescheid vom 29. März 2010 bezeichnet den Angeschuldigten sowie seinen
damaligen Wohnort, die ihm zur Last gelegte Handlung der Steuerhinterziehung und