Decision ID: be0cfc1e-5552-4195-8718-011fda33547e
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ arbeitete seit 11. Juli 2016 als Gipser / Trockenbauer bei der B._ AG
(nachfolgend: Arbeitgeberin; act. G3.1/S. 205 ff.). Mit Schreiben vom 3. September
2016 mahnte der Versicherte die Arbeitgeberin, Lohnabrechnung und Lohnzahlung für
Juli und August 2016 seien ausstehend (act. G3.1/163). Mit Nachtrag vom 4.
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September 2016 hielt der Versicherte ausserdem gegenüber der Arbeitgeberin fest, es
sei am 5. Juni 2016 besprochen worden, dass das Firmenfahrzeug sowie neues
Trockenbauwerkzeug kostenlos zur Verfügung gestellt würden, die Arbeitgeberin den
Antrag auf B-Genehmigung sofort unterschreibe und der Versicherte am Montag erst
gegen Mittag mit der Arbeit beginne und je nach Bedarf am Freitag gegen Mittag
aufhöre. Löhne seien mit Zinsen zu vergüten. Weitere Forderungen behalte er sich vor
(act. G3.1/S. 204). Am 11. September 2016 schrieb der Versicherte der Arbeitgeberin,
er habe bis heute weder Lohn noch Lohnabrechnungen erhalten. Auch sei er nicht für
einen weiteren Arbeitseinsatz aufgeboten worden. Schliesslich seien die € 300.--, für
die er Material und Werkzeug gekauft habe, noch nicht vergütet worden (act. G3.1/S.
65).
A.b Mit Schreiben vom 13. September und 7. Oktober 2016 forderte der
Rechtsvertreter des Versicherten von der Arbeitgeberin den Lohn und die Spesen für
den Zeitraum vom 11. Juli 2016 bis 31. August 2016 bzw. für den Monat September
2016 samt den entsprechenden Lohnabrechnungen, die Rückerstattung der für
Werkzeuge und Material vorgeschossenen € 300.-- und die Rückgabe von diversem,
zur Nutzung überlassenen Werkzeug und setzte hierfür eine Frist bis 19. September
bzw. bis 14. Oktober 2016. Für den Fall der Nichtbeachtung stellte er die Einleitung des
Betreibungs- bzw. Klageverfahrens in Aussicht (act. G3.1/S. 169 f. und S. 160).
A.c Am 21. September 2016 bzw. am 3. November 2016 stellte der Versicherte je ein
Betreibungsbegehren gegen die Arbeitgeberin für Lohnforderungen samt Spesen
betreffend die Monate Juli und August bzw. September und Oktober 2016 (act. G3.1/S.
203 und S. 44). Gegen die Zahlungsbefehle vom 23. September 2016 und 4. November
2016, welche beide am 15. November 2016 zugestellt wurden, erhob die Arbeitgeberin
am 16. November 2016 Rechtsvorschlag (act. G3.1/S. 189 ff.).
A.d Am 7. Dezember 2016 wurde über die Arbeitgeberin der Konkurs eröffnet (act.
G3.1/S. 150).
A.e Am 22. Dezember 2016 stellte der Versicherte bei der kantonalen
Arbeitslosenkasse das Begehren um Insolvenzentschädigung. Er machte Lohn und
Spesenpauschalen für den Zeitraum vom 11. Juli 2016 bis 30. November 2016 geltend
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(act. G3.1/S. 195 f.). Bereits am 3. November 2016 hatte der Versicherte
Insolvenzentschädigung beantragt, weil mangels Reaktion auf seine Mahnungen von
offensichtlicher Zahlungsunfähigkeit auszugehen sei (act. G3.1/S. 200 und S. 202).
A.f Mit Abrechnung vom 26./27. Januar 2017 zahlte die Arbeitslosenkasse dem
Versicherten Fr. 5'378.75 als Teilzahlung 60% der von ihr errechneten
Insolvenzentschädigung für die Zeit vom 11. Juli bis 2. September 2016 aus (act. G3.1/
S. 157).
B.
B.a Mit Schreiben vom 1. Februar 2017 erklärte sich der Rechtsvertreter des
Versicherten mit der Abrechnung der Insolvenzentschädigung nicht einverstanden und
verlangte eine anfechtbare Verfügung. Er machte geltend, der Versicherte sei von der
Arbeitgeberin ausdrücklich gebeten worden, nach dem 9. September 2016 zu Hause
zu bleiben, weil kein Baumaterial vorhanden sei. Er habe weiterhin keinen Lohn
erhalten. Die Arbeitgeberin habe immer wieder baldige Zahlungen angekündigt, so zum
Beispiel mit WhatsApp-Nachricht vom 6. September 2016. Gleichentags habe der
Versicherte der Arbeitgeberin via WhatsApp geschrieben, dass man noch die Baustelle
fertig machen müsse, dann komme wieder Geld rein. Am 11. September 2016 habe der
Versicherte die Arbeitgeberin schriftlich gemahnt. Am 14. September 2016 habe die
Arbeitgeberin dem Versicherten per Email Pläne für Bauvorhaben gesendet. Der
Versicherte habe die Arbeitgeberin in Annahmeverzug gesetzt, indem er immer wieder
seine Arbeitsleistung angeboten habe. Im Rahmen seiner vertraglichen Pflichten habe
er permanent damit gerechnet, wieder eingesetzt zu werden. Im Zeitraum zwischen
September und November 2016 sei er daher nicht vermittelbar gewesen. Der
Versicherte habe somit Anspruch auf Insolvenzentschädigung für den Zeitraum vom
11. Juli bis 10. November 2016. Bei der Lohnhöhe sei einzubeziehen, dass der
Versicherte nach dem GAV Maler- und Gipsergewerbe Anspruch habe auf einen 13.
Monatslohn, Ferienentschädigung, Spesen von monatlich Fr. 262.-- gemäss
Arbeitsvertrag, bezahlte Reisezeit ab 30 Minuten Fahrtzeit und 25%
Überstundenentschädigung. Für alles stehe C._ als Zeuge zur Verfügung, welcher
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von der Arbeitgeberin zusammen mit dem Versicherten als Zweierteam eingesetzt
worden sei (act. G3.1/S. 59 ff.).
B.b Mit Verfügung vom 19. Mai 2017 teilte die Arbeitslosenkasse mit, aufgrund der
Einwendungen vom 1. Februar 2017 habe sie den Anspruch neu vom 11. Juli bis 9.
September 2016 berechnet. Sie habe den Grundlohn, den 13. Monatslohn und den
Ferienanspruch im gleichen Zeitraum eingesetzt, sodass sich eine
Insolvenzentschädigung von total Fr. 11'710.30 ergebe. Spesen sowie Kosten für
Material und Werkzeuge seien nicht durch die Insolvenzentschädigung gedeckt. Die
geltend gemachten Überstunden seien nicht mit einer von der Arbeitgeberin
anerkannten Zeiterfassung belegt. Da die Reisezeit von D._ nach E._ unter einer
Fahrzeit von 30 Minuten liege, erfolge keine Entschädigung. Weil der Versicherte seit
Beginn seines Arbeitsverhältnisses keine Lohnzahlungen erhalten habe, habe er
spätestens ab dem 9. September 2016 davon ausgehen müssen, dass seine
Lohnzahlungen gefährdet seien und hätte sich somit der Vermittlung zur Verfügung
stellen müssen. Der Versicherte habe nie eine ernsthafte Garantie für die ausstehenden
Löhne verlangt oder erhalten (act. G3.1/S. 47 ff.).
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte am 31. Mai 2017 Einsprache erheben.
Der Arbeitsvertrag habe bis mindestens 7. Dezember 2016 bestanden. Der Versicherte
habe nur wegen Annahmeverzugs der Arbeitgeberin keine Arbeit mehr geleistet und sei
daher gleich zu behandeln wie ein Arbeitnehmer, der faktisch noch gearbeitet habe.
Noch am 14. September 2016 habe die Arbeitgeberin per Mail Pläne für Bauvorhaben
gesendet, aus denen sich die zu leistenden Arbeiten ergeben sollten. Der Versicherte
habe also davon ausgehen können, dass er wieder von seiner Arbeitgeberin eingesetzt
werden würde. Er habe zeitnah und fortlaufend alle in Frage kommenden Massnahmen
zur Sicherung und Durchsetzung seiner Lohnansprüche unternommen. Für die
Insolvenzentschädigung sei die Summe massgebend, auf die der Betroffene bei
regelmässiger Zahlung durch seinen Arbeitgeber habe vertrauen dürfen. Der
Versicherte habe gemäss GAV Anspruch auf mindestens 27 Ferientage im Jahr. Er
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habe keine Ferien bezogen. Er habe mindestens 86.5 Überstunden / Überzeit geleistet.
Die Stundenrapporte habe er immer der Arbeitgeberin zukommen lassen. Diese habe
der Leistung von Überstunden nie widersprochen. Die Reisezeit sei gemäss GAV zu
berücksichtigen, vorliegend im Umfang von 54 Stunden (act. G3.1/S. 8 ff.).
C.b Mit Entscheid vom 15. September 2017 wies die Arbeitslosenkasse die Einsprache
ab. Da bereits vor dem 9. September 2016 mehrfach keine finanziellen Mittel zur
Materialbeschaffung vorhanden gewesen seien, habe dem Versicherten klar sein
müssen, dass mit einem Lohnverlust gerechnet werden müsse. Die am 14. September
2016 per Mail erfolgte Zusendung eines Grundrisses für eine Baustelle sei als
Hinhalten, nicht als Zusicherung für eine Weiterbeschäftigung zu betrachten. Dafür,
dass der Versicherte durch die Arbeitgeberin ausdrücklich gebeten worden sei, zu
Hause zu bleiben, weil kein Baumaterial vorhanden gewesen sei, liege kein Beleg vor,
ebenso wenig dafür, dass der Versicherte der Arbeitgeberin immer wieder seine
Arbeitskraft angeboten habe. Es sei unerklärlich, weshalb der vom Versicherten
angegebene Zeuge, mit dem er nach eigenen Angaben im Zweierteam gearbeitet habe,
anders als der Versicherte bis 31. Oktober 2016 genügend Material für
Arbeitsleistungen gehabt haben soll. Der Zeuge habe sich für den Bezug von
Arbeitslosenentschädigung angemeldet und ab dem 1. November 2016 auch
bekommen. Dem Versicherten sei spätestens ab dem 9. September 2016 bewusst
gewesen, dass die Arbeitgeberin in argen finanziellen Schwierigkeiten sei und er mit
einem Totalverlust seiner Lohnforderung rechnen müsse. Da der Versicherte und der
Zeuge sich immer wieder gegenseitig als Zeugen angeben würden, sei davon
auszugehen, dass sie auch in regelmässigem Kontakt stehen und über den gleichen
Wissensstand verfügen würden. Ferien und 13. Monatslohn seien für den Zeitraum bis
9. September 2017 (recte: 2016) gutgeheissen worden. Spesen seien nicht AHV-
pflichtig und durch die Insolvenzentschädigung nicht gedeckt. Überstunden, die nur
vom Arbeitnehmer erfasst und nicht vom Arbeitgeber bestätigt worden seien, seien
nicht durch die Insolvenzentschädigung gedeckt. Der Arbeitsweg betrage weniger als
30 Minuten und sei somit keine nach GAV zu entschädigende Arbeitszeit (act. G3.1/S.
3 ff.).
D.
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D.a Gegen den Einspracheentscheid vom 15. September 2017 liess der Versicherte am
5. Oktober 2017 Beschwerde erheben und folgende Begehren stellen: Der
Einspracheentscheid sei insoweit aufzuheben, als eine Fr. 11'710.30 übersteigende
Insolvenzentschädigung nicht zugesprochen worden sei. Dem Beschwerdeführer sei
eine weitere Insolvenzentschädigung in Höhe von Fr. 19'119.10 zuzüglich Zinsen in
Höhe von 5% seit 22. Dezember 2016 zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zur
Neubeurteilung an die Arbeitslosenkasse zurückzuweisen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Zur Begründung lässt der Beschwerdeführer ausführen, das
Arbeitsverhältnis sei bis zur Eröffnung des Konkursverfahrens am 7. Dezember 2016
von keiner Seite gekündigt worden. Es seien keine anderen Gründe für das Entfallen
der Lohnzahlungspflicht der Arbeitgeberin ersichtlich. Es sei nicht entscheidend, ob
nach dem 9. September 2016 faktisch Arbeit geleistet worden sei. Ein Arbeitnehmer,
der nur wegen Annahmeverzugs des Arbeitsgebers keine Arbeit mehr leiste, sei zu
behandeln, wie wenn er faktisch gearbeitet habe. Der Beschwerdeführer habe nicht mit
dem Verlust seines Lohnanspruches rechnen müssen. Er sei in gutem Glauben
bezüglich einer Weiterbeschäftigung und auch Lohnzahlung gewesen. Er habe weder
vorsätzlich noch grob fahrlässig gehandelt und seine Schadenminderungspflicht nicht
verletzt. Er habe sich sehr zeitnah um die Durchsetzung seiner Forderungen
gekümmert. Die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zwischen dem Zeugen und der
Arbeitgeberin Ende Oktober 2016 habe die Einschätzung des Beschwerdeführers über
die Situation verändert. Bis zum 10. November 2016 als dem Ende der maximal
viermonatigen Bezugsdauer betreffend Insolvenzentschädigung seien es dann aber nur
noch zehn Tage gewesen. Die Arbeitgeberin habe keine Zeiterfassung zur Verfügung
gestellt. Der Beschwerdeführer habe die Mehr-Stunden aber geleistet und gegenüber
der Arbeitgeberin angegeben. Die Beschwerdegegnerin habe auch nicht ansatzweise
inhaltliche Zweifel an der Ableistung der Überstunden angemeldet. Es dürfe dem
Beschwerdeführer nicht zum Nachteil gereichen, dass die Arbeitgeberin auf eine
ordentliche Zeiterfassung verzichtet habe. Bei der massgeblichen Reisezeit sei die Hin-
und Rückfahrt zu berücksichtigen. Es handle sich um täglich mehr als 30 Minuten. Es
müsse auf die tatsächliche Reisezeit abgestellt werden. Im Weiteren lässt der
Beschwerdeführer auf frühere Eingaben und die Akten verweisen (act. G1).
D.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. November 2017 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und verweist betreffend
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Sachverhalt und Begründung auf die Verfügung vom 19. Mai 2017 und den
Einspracheentscheid vom 15. September 2017.

Erwägungen
1.
1.1 Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
Insolvenzentschädigung deckt die Lohnforderungen für höchstens die letzten vier
Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum Höchstbetrag
nach Art. 3 Abs. 2 AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen (Art. 52 Abs. 1
AVIG). Die Insolvenzentschädigung deckt Lohnforderungen für bereits geleistete Arbeit.
Ob Ansprüche für geleistete Arbeit im Sinne von Art. 51 ff. AVIG bestehen, beurteilt
sich nicht danach, ob qualitativ und quantitativ vertragsmässig gearbeitet wurde. Es
geht vielmehr um Lohnansprüche für effektive Arbeitszeit, während der der Versicherte
der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung stehen kann, weil er in dieser Zeit dem
Arbeitgeber zur Verfügung stehen muss (URS BURGHERR, Die
Insolvenzentschädigung, Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers als versichertes Risiko,
Zürich / Basel / Genf 2004, S. 89 f.). Deshalb hat die Rechtsprechung dem Tatbestand
der Lohnansprüche für geleistete Arbeit im Sinne von Art. 51 ff. AVIG diejenigen Fälle
gleichgestellt, in denen der Arbeitnehmer nur wegen Annahmeverzugs des
Arbeitgebers im Sinne von Art. 324 Abs. 1 des Bundesgesetzes betreffend die
Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR,
SR 220]) keine Arbeit mehr leisten konnte (BGE 111 V 269; Urteil des Bundesgerichts
vom 15. April 2005, C 218/04, E. 3.2). Dies gilt auch dann, wenn der Arbeitgeber den
Arbeitnehmer wegen Betriebsstörungen technischer, wirtschaftlicher oder behördlicher
Art nicht beschäftigen kann. Denn in einem solchen Fall steht der Arbeitnehmer
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weiterhin in einem Arbeitsverhältnis, ist damit nicht arbeitslos und hat demzufolge auch
keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, sondern kann
Insolvenzentschädigung beantragen (vgl. BGE 132 V 82 E. 3.1 f. mit Hinweisen; Urteile
des Bundesgerichts vom 15. April 2005, C 214/04, C 215/04, C 217/04 und C 2018/04,
je E. 3.3).
1.2 Um zu verhindern, dass der Arbeitnehmer beliebig lange ohne Lohn beim
bisherigen Arbeitgeber bleibt, hat der Gesetzgeber in Art. 52 Abs. 1 AVIG eine zeitliche
Limite für die Bezugsdauer der Insolvenzentschädigung gesetzt. Spätestens nach vier
Monaten ohne Lohn ist es dem Arbeitnehmer demnach aus
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht nicht mehr zumutbar, beim insolventen
Arbeitgeber zu verbleiben (Urteil des Bundesgerichts vom 16. August 2005, C 49/05, E.
4.3). Schon vor Ablauf der maximalen Bezugsdauer kann die Geltendmachung von
Insolvenzentschädigung rechtsmissbräuchlich im Sinne von Art. 2 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) sein. Dauert der Annahmeverzug an
und kann der Arbeitnehmer in guten Treuen nicht mehr mit einer Arbeitszuweisung
rechnen, liegt faktisch ein Fall von Arbeitslosigkeit vor (URS BURGHERR, a.a.O., S. 93
f.). Ab welchem Zeitpunkt die Geltendmachung einer Insolvenzentschädigung
missbräuchlich ist, richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls. Kündigt ein
Arbeitgeber allen oder zumindest den meisten Arbeitnehmern, so kann daraus
geschlossen werden, dass die wirtschaftliche Lage des Arbeitgebers hoffnungslos ist
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 15. April 2005, C 214/04, C 215/04, C 217/04 und
C 218/04, je E. 5.4).
2.
2.1 Vorliegend sind die Voraussetzungen für eine Insolvenzentschädigung
grundsätzlich gegeben. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch eine entsprechende
Berechnung gemacht und eine Teilzahlung an den Beschwerdeführer veranlasst.
Fraglich ist indes, für welchen Zeitraum der Beschwerdeführer Anspruch auf
Insolvenzentschädigung hat. Diesbezüglich will der Beschwerdeführer für die maximal
mögliche Dauer von vier Monaten entschädigt werden, während die
Beschwerdegegnerin ihm lediglich eine Entschädigung vom 11. Juli bis 9. September
2016 zugesteht.
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2.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Arbeitgeberin habe sich ab 10.
September 2016 in Verzug befunden. Er habe seine Arbeitsleistung immer wieder
angeboten, sei aber von der Arbeitgeberin nicht mehr eingesetzt worden. Weil er sich
der Arbeitgeberin zur Verfügung habe halten müssen, sei er auch nach dem 9.
September 2016 nicht vermittlungsfähig gewesen.
2.3 Dem Beschwerdeführer ist insofern Recht zu geben, als das Arbeitsverhältnis mit
der Arbeitgeberin mangels Kündigung über den 9. September 2016 hinaus fortbestand.
Unstreitig haben weder Arbeitgeberin noch Beschwerdeführer gekündigt. Der Zeuge
C._, der von der Arbeitgeberin gleichzeitig mit dem Beschwerdeführer angestellt
wurde, hat noch bis 31. Oktober 2016 Arbeiten verrichtet. Da der Beschwerdeführer
mit dem Zeugen offenbar in regelmässigem Austausch stand, durfte er bis zu jenem
Zeitpunkt auch davon ausgehen, selbst ebenfalls wieder beschäftigt zu werden. Auch
hegte er die Hoffnung, durch Fertigstellung einer Baustelle würden finanzielle Mittel an
die Arbeitgeberin fliessen, sodass diese wiederum ihren Verpflichtungen nachkommen
könnte (vgl. act. G3.1/S. 64). Damit beurteilte der Beschwerdeführer die Situation der
Arbeitgeberin Mitte September 2016 noch nicht als hoffnungslos. Er war deshalb bis zu
jenem Zeitpunkt auch nicht im Rahmen der Schadenminderungspflicht angehalten, das
Arbeitsverhältnis fristlos zu kündigen, hätte dies aus seiner Sicht doch Nachteile für ihn
bewirken können (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 15. April 2005, C 2014/04, E.
5.3).
2.4 Der vom Beschwerdeführer erwähnte Zeuge C._ kündigte das Arbeitsverhältnis
mit der Arbeitgeberin per 31. Oktober 2016 fristlos, weil auch er bis zu diesem
Zeitpunkt keinen Lohn erhalten hatte. Ab diesem Zeitpunkt musste der
Beschwerdeführer die finanzielle Situation der Arbeitgeberin als hoffnungslos erkennen,
zumal auch er bis dahin keine Lohnzahlungen erhalten hatte. Mit Schreiben und
Formular vom 3. November 2016 beantragte der Beschwerdeführer zudem erstmals
Insolvenzentschädigung. Somit war ihm zu diesem Zeitpunkt klar, dass er von der
Arbeitgeberin kein Geld mehr erhalten würde. Nachdem C._ rund eineinhalb Monate
länger gearbeitet und dennoch ebenfalls nie Lohn erhalten hatte, durfte der
Beschwerdeführer nicht mehr hoffen, weitere Arbeitseinsätze zu erhalten. Selbst wenn
er wieder zur Arbeit aufgeboten worden wäre, wäre damit die Lohnzahlung in keiner
Weise sichergestellt gewesen. Durfte der Beschwerdeführer ab November 2016 in
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guten Treuen nicht mehr mit einer Arbeitszuweisung rechnen, ist die Geltendmachung
von Insolvenzentschädigung ab jenem Zeitpunkt als rechtsmissbräuchlich zu
betrachten (Art. 2 Abs. 2 ZGB).
2.5 Folglich hat der Beschwerdeführer ab 1. November 2016 als vermittlungsfähig zu
gelten. Ein Anspruch auf Insolvenzentschädigung steht ihm nicht mehr zu.
3.
Als Lohn im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AVIG ist der massgebende Lohn aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit im Sinne der AHV-Gesetzgebung zu verstehen.
Leistungen ausserhalb des massgebenden Lohnes, für die kein Anspruch auf
Insolvenzentschädigung besteht, sind namentlich Unkostenentschädigungen (Spesen,
insbesondere Reisespesen, Verpflegungszuschläge, Auslagen für Arbeitsmaterial;
AVIG-Praxis Insolvenzentschädigung [IE], Rz B11 f.). Die Kasse darf eine
Insolvenzentschädigung nur ausrichten, wenn der Arbeitnehmer seine Lohnforderung
glaubhaft macht (Art. 74 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer legt betreffend Überstunden Arbeitsrapporte ins Recht (act.
G3.1/S. 173 ff.). Diese Arbeitsrapporte sind von der Arbeitgeberin nicht visiert. Weitere
Beweismittel liegen nicht vor, zumal die Arbeitgeberin gemäss den Angaben des
Beschwerdeführers keine eigene Zeiterfassung geführt hat.
4.2 Die vorhandenen Lohnabrechnungen datieren vom 31. Juli und 31. August 2016.
Sie wurden aber wohl erst viel später erstellt. Jedenfalls hatte der Beschwerdeführer
mit Brief vom 7. Oktober 2016 die Arbeitgeberin diesbezüglich noch in Verzug gesetzt
(act. G3.1/S. 160). Auf diesen Lohnabrechnungen werden (anders als auf den
Lohnabrechnungen von C._) keine Überstunden oder Überzeit aufgeführt, während
die Ferien vermerkt sind (vgl. act. G3.1/S. 193 f.). Weiter liegen keine Unterlagen im
Recht, aus denen die tatsächliche Leistung oder die Anerkennung der Überstunden
durch die Arbeitgeberin hervorgehen würde. Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers liegt darin, dass die (konkursite) Arbeitgeberin gegen die vom
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Beschwerdeführer erst im April 2017 in Betreibung gesetzten weiteren Lohnansprüche
keinen Rechtsvorschlag mehr erhoben hat (vgl. act. G1.10), keine Schuldanerkennung.
4.3 Es leuchtet sodann nicht ein, dass der Beschwerdeführer auch im August und
sogar September 2016 noch Überstunden geleistet haben soll, nachdem die
Arbeitgeberin ihm weder Lohn bezahlt noch eine verlässliche Sicherheit geleistet hatte.
In seinen diversen Schreiben an die Arbeitgeberin vom September 2016 erwähnt der
Beschwerdeführer nie die Kompensation von Überstunden. Gemäss Art. 8.4.1 Satz 1
des Gesamtarbeitsvertrags 2016-2019 für das Maler- und Gipsergewerbe (GAV) sind
angeordnete Überstunden und die Überstundenzuschläge grundsätzlich mit Freizeit
auszugleichen. Selbst wenn der Beschwerdeführer also Überstunden gemacht hätte,
wären diese grundsätzlich mit Freizeit zu kompensieren und nicht auszuzahlen
gewesen. Nachdem der Beschwerdeführer nach dem 9. September 2016 nicht mehr
gearbeitet hat, hätten allfällige Überstunden durch Freizeit ausgeglichen werden
können (vgl. BGE 137 V 102 E. 6.3.2). Die geltend gemachten Überstunden erscheinen
nicht mit dem notwendigen Beweisgrad der Glaubhaftmachung als geleistet, sondern
es bestehen erhebliche Zweifel. Die Beschwerdegegnerin hat eine
Insolvenzentschädigung für die geltend gemachten Überstunden demnach zu Recht
abgelehnt.
4.4 Gemäss Art. 8.2 in Verbindung mit Art. 8.8 GAV ist diejenige Reisezeit als
Arbeitszeit zu vergüten, die 30 Minuten Weg von der Werkstatt zur Baustelle und
zurück täglich übersteigt. Damit definiert der GAV die Reisezeit unter 30 Minuten als
(nicht zu entschädigenden) Arbeitsweg, jene über 30 Minuten als Arbeitszeit und grenzt
sie klar von den Wegspesen (Kilometerkosten etc.) ab. Der Beschwerdeführer macht
geltend, für die Reisezeit stehe ihm eine Entschädigung von zusätzlich 54 Stunden zu.
Wie er diese Anzahl Stunden genau berechnet hat, ist nicht ersichtlich. Da es sich aber
bei der 30 Minuten übersteigenden Reisezeit um Arbeitszeit handelt, ist davon
auszugehen, dass der Beschwerdeführer sie in seine Arbeitsrapporte inkludiert hat
oder das jedenfalls hätte tun sollen. Wie bereits in den vorangegangenen Erwägungen
dargelegt, erfüllen die Arbeitsrapporte alleine das Beweismass der Glaubhaftmachung
nicht, weshalb darauf auch nicht zugunsten des Beschwerdeführers abgestellt werden
kann. Wiederum wird auf den Lohnabrechnungen keine eigene Position für die
Reisezeit aufgeführt und wiederum hat der Beschwerdeführer die Reisezeiten in seiner
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Korrespondenz mit der Arbeitgeberin vom September 2016 nicht erwähnt. Das
Vorliegen von entschädigungspflichtigen Reisezeiten ist damit nicht glaubhaft gemacht.
4.5 Unklar bleibt, wie sich die von der Beschwerdegegnerin zugebilligte
Ferienentschädigung zur Rechtsprechung des Bundesgerichts verhält. Namentlich in
BGE 137 V 96 hat das Bundesgericht festgehalten, dass die Insolvenzentschädigung
Ansprüche infolge nicht bezogener Ferien nicht deckt, wenn die arbeitnehmende
Person während der Dauer des Arbeitsverhältnisses keine Ferienlohnzuschläge
erhalten hat, wobei diese Rechtsprechung in der Lehre kritisiert wird (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 8C_749/2016 vom 22. November 2017 mit Hinweis auf THOMAS
GÄCHTER, Keine Insolvenzentschädigung für nicht bezogene Ferien und geleistete
Überstunden?: Gedanken an einer Schnittstelle von Arbeits- und
Sozialversicherungsrecht, in: Festschrift zur Emeritierung von Jean-Fritz Stöckli, Zürich
2014, S. 211 bzw. S. 223 ff.). Nachdem die Angelegenheit ohnehin zur Neuberechnung
im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird, muss
darauf jedoch vorliegend nicht weiter eingegangen werden.
5.
Der Beschwerdeführer beantragt, es seien ihm auf der nachzuzahlenden
Insolvenzentschädigung Verzugszinsen von 5% zuzusprechen. Vorliegend konnte der
Anspruch auf Insolvenzentschädigung frühestens mit der Konkurseröffnung vom 7.
Dezember 2016 entstehen. Sofern die versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht
vollumfänglich nachgekommen ist, werden die Sozialversicherungen für ihre
Leistungen nach Ablauf von 24 Monaten nach der Entstehung des Anspruchs,
frühestens aber 12 Monate nach dessen Geltendmachung, verzugszinspflichtig (Art. 26
Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]). Im Zeitpunkt des angefochtenen Einspracheentscheids, dessen
Erlass zeitliche Überprüfungsgrenze im gerichtlichen Verfahren bildet, bestand somit
keine Verzugszinspflicht. Soweit Verzugszinsen im Zeitpunkt der Auszahlung von
Insolvenzentschädigung geschuldet sind, hat sich der Beschwerdeführer an die
Beschwerdegegnerin zu wenden.
6.
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Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Nachdem der
Beschwerdeführer teilweise obsiegt, schuldet die Beschwerdegegnerin ihm eine
Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten (HonO; sGS
963.75) pauschal Fr. 1'500.-- bis Fr. 15'000.--. Im vorliegenden Fall wäre bei
vollständigem Obsiegen eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Auf Grund des lediglich teilweisen
Obsiegens rechtfertigt sich eine Parteientschädigung von Fr. 1'500.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer).