Decision ID: 039bb734-bda1-4350-94d3-43445e9216f1
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, erwarb nach dem Abschluss der Schulzeit das Dip
lom einer Bürofachschule
,
absolvierte danach von 1989 bis
1993 eine Lehre als Druckerin und verrichtete in der Folge ver
schiedenste andere Tätigkeiten, so als Haushalthilfe und Kindererzieherin, als Servicemitarbeiterin, als Mitarbeiterin eines Telefonmarketing-Unternehmens und als Lager- und Fabrikarbeiterin
(vgl. den Lebenslauf und die Ausbildungs- und Arbeitszeugnisse in
Urk.
6/1).
1.2
Nachdem
X._
am 1. August 2001 eine Stelle als Landwirtschafts
-
mitarbeite
rin
angetreten hatte, stürzte
sie am 15. August 2001 von einem Heuwagen und erlitt einen Bruch des Lendenwirbelkörpers (LWK) 1 (vgl. die Unfallmeldung UVG an die Helsana Unfall AG vom 1. Oktober 2001,
Urk.
6/6
S. 19
). Die Fraktur wurde im
Y._
operativ behan
delt (Operationsberichte vom 20. und v
om 24. August 2001,
Urk.
6/6 S.
17
und
Urk.
6/6 S. 16; Austrittsbericht vom 4. Se
ptember 2001,
Urk.
6/6 S.
15)
, und
X._
hielt
sich anschliessend zur Rehabilitation
in der
Z._
auf
(Bericht
vom
4. Oktober 2001,
Urk.
6/6 S. 13
14).
Am 5. November 2002 meldete
sich
X._
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/2). Die Sozialversicherungsansta
lt des Kantons Zürich (SVA), IV
Stelle,
holte den Bericht des Hausarztes
Dr.
med.
A._
, Facharzt für All
gemeine Medizin, vom 15./21. November 2002 ein (
Urk.
6/8 S. 1-7) und nahm die Berichte der weiteren behandelnden Ärzte zum Verlauf zu den Akten (
Urk.
6/6 und
Urk.
6/8 S. 8-19).
Im November 2002 wurde im
Y._
nochmals eine Operation durchgeführt (Entfernung des Fixateur interne; vgl. den Bericht des
Y._
vom 6. Februar 2003,
Urk.
6/11 S. 1-4, und den
Austrittsbe
richt
vom
27. November 2002,
Urk.
6/11 S. 6)
, und im Januar/Februar 2003 unterzog sich die Versicherte
eine
r
kombinierte
n
Psychotrauma-Schmerzthera
pie
(vgl. die Berichte in
Urk.
6/16 S. 4-9).
Danach fanden verschiedene berufli
che Abklärungen statt (Verlaufsprotokoll der Berufsberatungsstelle der IV-Stelle vom 17. Juni 2003,
Urk
6/22; Bericht des Beruflichen Trainingszentrums BTZ vom 21. Juli 2003,
Urk.
6/29)
, und am 23.
Oktober 2003 erstattete
Dr.
med.
B._
, Spezialärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, im Auftrag der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
6/40). Gestützt auf die Stellung
nahme von
Dr.
med.
C._
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 3. Februar 2004 (
Urk.
6/46) sprach die IV-Stelle der Versicherten
mit Verfügung vom
1
2.
März 2004
für die Zeit ab dem 1. August 2002 eine ganze Rente auf
grund eines Invaliditätsg
rades von 100
%
zu (
Urk.
6/50).
1.3
Im März/April 2004 wurde die Versicherte in der Rheumaklinik des
Y._
zuhanden der Helsana Unfall AG begutachtet (Bericht über die Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit vom
2.
April 2004 und Gutachten vom 21. Oktober 2
004,
Urk.
6/64 S. 17-23
und
Urk.
6/64 S. 2-16
).
Die Helsana Unfall AG stellte daraufhin ihre Leistungen per Ende Februar 2005 unter Zusprechung einer Integritätsentschädigung von 30
%
ein (Verfügung
vom 25. Januar 2005,
Urk.
6/
67;
Einspracheentscheid
vom 23.
Mai 2005,
Urk.
6/70 S. 2-9)
, und das Sozialversicherungsgericht bestätigte diesen Entscheid mit Urteil vom 30. August 2006 (Prozess Nr. UV.2005.000261).
1.4
Anfang 2007 leitete die IV-Stelle ein Rentenrevisionsverfahren in die Wege. Die Versicherte füllte am 16. Februar 2007 das e
ntsprechende Formular aus (Urk.
6/79), und die neue Hausärztin
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für All
gemeine Medizin, erstattete am 1
2.
Mai 2
007 einen Verlaufsbericht (Urk.
6/84). Des Weiteren
wurde die Versicherte im Frühjahr 2008 im
E._
polydisziplinär begutachtet, unter Mitwirkung von Ärz
tinnen und Ärzten der Fachrichtungen Innere Medizin, Rheumatologie und Psy
chiatrie/Psychotherapie (Gutachten vom 25. März 2008,
Urk.
6/91).
Am
2.
April 2008 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie
bei gleichge
bliebenem Invaliditätsgrad
weiterhin Anspruch auf die bisherige Invalidenrente habe (
Urk.
6/94). Ausserdem hielt die IV-Stelle die Versicherte mit einem wei
teren Schreiben gleichen Datums dazu an, sich e
i
ner regelmässigen psychothe
rapeutischen Behandlung zu unterziehen, ansonsten der Rentenanspruch bei der nächsten Revision per 1. April 2009 so beurteilt werde, wie wenn die Behand
lung durchgeführt worden wäre, was zu einer Einstellung oder Kürzung der Rente führen könne (
Urk.
6/93).
1.5
In der Folge
wies die IV-Stelle die Versicherte mit Schreiben vom 9. Oktober 2009 darauf hin, dass sie den Fragebogen für die
Rentenrevision, der ihr am 23.
April 2009 zugestellt worden sei, trotz Mahnungen noch nicht ausgefüllt und retourniert habe, und forderte sie dazu a
uf, dies bis spätestens am 22.
Oktober 2009 zu tun. Andernfalls sei die IV-Stelle dazu gezwungen, auf
grund der vorliegenden Akten zu entscheiden, und dies könnte die Aufhebung der Rente zur Folge haben (
Urk.
6/103).
Mit Vorbescheid vom 3. November 2009 eröffnete die IV-Stelle der Versicher
ten, dass sie
die
Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats hin aufzuheben gedenke, weil sie
- die Versicherte -
den
Rentenrevisi
onsfragebogen
nach wie vor nicht eingereicht habe (
Urk.
6/106). Am 7. Dezem
ber 2009 verfügte die IV-Stelle die Rentenaufhebung im angekündigten Sinn (
Urk.
6/107). Diese Verfügung blieb unangefochten.
1.6
Im Januar 2011 und im Februar 2012 nahm die Versicherte Einsicht in die Akten (vgl.
Urk.
6/110 und
Urk.
6/111 sowie
Urk.
6/115 und
Urk.
6/116), und
am 16. Mai 2012 füllte sie den Fragebogen für die Rentenrevision aus, den ihr die IV-Stelle mit Datum des 23. April 2009 zugestellt hatte, und liess diesen der IV-Stelle zukommen (
Urk.
6/117 S. 1-4 mit dem Begleitschreiben in
Urk.
6/117 S. 5-8). Im Anschluss daran
richtete die Versic
herten mehrere Briefe an die IV
Stelle und verlangte insbesondere, die ganze Rente sei ihr rückwirkend ab Februar 2010 nachzuzahlen (vgl.
Urk.
6/11
9,
Urk.
6/122,
Urk.
6/124, Urk.
6/127).
Am 13. August 2012 informierte die IV-Stelle die Versicherte über ihre
Absicht, sie durch
med.
pract
.
F._
psychiatrisch begutachten zu lassen, und gab ihr Gelegenheit zum Vorbringen von Einwendungen (
Urk.
6/129). Die Versi
cherte teilte mit Brief vom 27. August 2012 mit, dass sie die Begutachtung ab
lehne (
Urk.
6/131), worauf die IV-Stelle mit Schreiben vom 31. August 2012 entgegnete
, sie halte am Begutachtungsauftrag fest (
Urk.
6/132).
Nach weiteren schriftlichen Anfragen der Versicherten (
Urk.
6/133,
Urk.
6/134,
Urk.
6/136) gewährte ihr
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 27. September 2012 für die Zeit ab dem 1. Mai 2012 wieder die ganze Rente (
Urk.
2 =
Urk.
6/137).
2.
Gege
n die Verfügung
vom 27. September 2012
erhob
X._
mit Eingabe vom 29. Oktober 2012 Beschwerde
(
Urk.
1)
und beantragte, ihr Invaliditätsgrad sei auf mindestens 90
%
festzulegen, es sei ihr rückwirkend ab der ersten
Ren
tenzusprechung
vom 1
2.
März 2004 und rückwirkend ab dem 1. August 2002 eine höhere Invalidenrente zu gewähren und nachzuzahlen und es sei ihr ein Schadenersatz von acht Millionen zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle be
antra
gte in der Beschwerdeantwort vo
m 13. Dezember 2012, die Beschwerde sei abzuweisen, und vertrat insbesondere den Standpunkt, die Versicherte habe für die Zeit der Renteneinstellung von Februar 2010 bis April 2012 keinen An
spruch auf Nachzahlung dieser Rente (
Urk.
5
und das damit eingereichte Dos
sier,
Urk.
6/1-142
). Auf die A
nordnung eine
s zweiten Schriftenwechsels hin
(Verfügung vom 14. Dezember 2012,
Urk.
8) reichte die Versicherte
mit den Eingabe
n
vom 1
2.
Februar 2013 und vom 15. April 2013 (
Urk.
12 und
Urk.
15)
zunächst verschiedene
Unterlagen
ein (
Urk.
13 und
Urk.
16/1-5) und hielt an
schliessend in der Replik vom 18. April 2013 an ihren Anträgen in der Be
schwerdeschrift fest (
Urk.
17
; vgl. auch den Nachtrag vom 19. April 2013,
Urk.
19
). Die IV-Stelle blieb in der Duplik vom 14. Mai 2013 ebenfalls bei ihrem
Standpunkt (
Urk.
22) un
d informierte überdies über eine geplante erneute
Leis
tungseinstellung
, weil die Versicherte sich der Begutachtung durch med.
pract
.
F._
nicht unterziehen wolle (vgl. die Unterlagen in
Urk.
23/1-6). Die Dup
lik und die
damit eingereichten Unterlagen
wurden der Versicherten am 17.
Mai 2013 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
24).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2004, am 1. Januar 2008 und am 1. Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 4, 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversi
cherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am 27. September 2012 ergangen.
Zur Diskus
sion steht jedoch eine Dauerleistung, nämlich ein Rentenanspruch, der im August 2002 begonnen hat
te
, und die Anträge der Beschwerdeführerin betreffen auch die zurückliegende Zeit. E
ntsprechend der dargelegten
in
tertemporalrecht
lichen
Regelung
ist daher
für die Zeit bis Ende 2003 auf die damals gül
tig gewesenen Bestimmungen und für die Zeiten ab dem 1. Januar 2004, ab dem 1. Januar 2008 und ab dem 1. Januar 2012 auf die je
weils neuen Normen der Revisionen 4, 5 und 6a abzustellen (vgl. zur 4. IV-Re
vision:
BGE 130 V 445
; Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006, E. 1).
Soweit jedoch diese Revisionen keine
substanziellen Änderungen gegen
über der früheren Rechtslage gebracht haben, ist die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 19. Mai 2009, E. 2).
2.
2.1
2.1.1
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG (ab dem 1. Januar 2008: Abs. 2) haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Drei
viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind. Bis Ende 2003 war der Anspruch auf eine ganze Rente bereits bei einem Invaliditätsgrad von 66
2
/
3
% und der Anspruch auf eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad zwischen 50 % und 66
2
/
3
% gegeben, wogegen die
Drei
viertelsrente
noch nicht eingeführt gewesen war.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird nach Art. 16 ATSG das
Er
werbs
einkommen
, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliede
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Ar
beitsmarktlage
erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein
-
kommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
2.1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Art. 87 IVV sieht vor, dass im Hinblick auf mögliche erhebliche Änderungen
des Invaliditätsgrades auf bestimmte
Termin
e
hin eine Revision von Amtes wegen durchgeführt wird.
2.1.
3
Für die Berechnung der ordentlichen Renten sind nach Art. 36
Abs.
2 IVG die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversi
cherung
(AHVG) sinngemäss anwendbar. Nach Art. 29
bis
Abs.
1 AHVG
werden für die Rentenberechnung Beitragsjahre, Erwerbseinkommen sowie Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten Person zwischen dem 1.
Januar nach Vollendung des 20.
Altersjahres und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalles berücksichtigt.
2.2
2.2.1
Nach
Art.
43
Abs.
1
ATSG
prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzuhalten sind.
Ferner trifft die Versicherten in Ergänzung zur Untersuchungspflicht der Verwal
tung eine Pflicht zur Mitwirkung bei der Sachverhaltsabklärung: Gemäss
Art. 28 Abs. 1 ATSG haben die Versicherten und ihre Arbeitgeber beim Vollzug der Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken. Wer Versicherungs
leistungen beansprucht, muss nach Art. 28 Abs. 2 ATSG unentgeltlich alle Aus
künfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Ver
sicherungsleistungen erforderlich sind. Nach Art. 28 Abs. 3 ATSG haben Perso
nen, die Versicherungsleistungen beanspruchen, alle Personen und Stellen, na
mentlich Arbeitgeber, Ärztinnen und Ärzte, Versicherungen sowie Amtsstellen im Einzelfall zu ermächtigen, die Auskünfte zu erteilen, die für die Abklärung von Leistungsansprüchen erforderlich sind, und diese Personen und Stellen sind zur Auskunft verpflichtet.
2.2.2
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger nach Art. 43 Abs. 3 ATSG auf
grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen (Satz 1). Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen, wobei ihnen eine angemessene Bedenkzeit einzu
räumen ist (Satz 2).
In Art. 43 Abs. 3 ATSG sind als Sanktionen der Mitwirkungspflichtverletzung lediglich der materielle Entscheid aufgrund der Akten und der formelle Ent
scheid des Nichteintretens explizit genannt. Die Rechtsprechung erachtet aller
dings im Verfahren der Überprüfung laufender (Dauer-)Leistungen auch die Einstellung der Leistungen als zulässige Sanktion, unter der Voraussetzung,
dass die in schuldhafter Verletzung der Mitwirkungspflicht
verweigerten
Infor
mationen
entscheidrelevant
sind und nicht ohne übermässigen Aufwand an
derswo erhältlich gemacht werden können (Urteil
des Bundesgerichts
9C_345/2007
vom 26. März 2008, E. 4 mit Hinweisen). Das Bundesgericht spricht hierbei von einem allge
meinen prozessualen Grundsatz in der
Bundesso
zialversicherung
(a.a.O.); er er
gänzt die Sanktionen nach Art. 43 Abs. 3 ATSG, die im Falle von laufenden Leistungen nicht wirksam werden könnten (Nicht
eintreten) oder gegebenenfalls zu Gunsten des Leistungsbezügers ausfallen wür
den (Entscheid aufgrund der Akten)
(vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_733/2010 vom 10. Dezember 2010, E. 3.2 mit Hinweisen).
Die Leistungsverweigerung
oder -einstellung wegen
unterlassener Mitwirkung
im Sinne von Art. 43 Abs. 3 ATSG ist in dem Sinne als
resolutiv
bedingter
En
dentscheid
zu verstehen, als die Leistungen ab demjenigen Zeit
punkt wieder zu erbringen sind, ab dem die Mitwirkung nachträglich geleistet wird, sofern sich die Anspruchsvoraussetzungen alsdann als erfüllt erweisen (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2.
Aufl
age
,
Zürich
2009,
N 56 zu Art. 43
ATSG
; Urteil des Bundes
gerichts 8C_733/2010 vom 10. Dezember 2010, E. 5.6 mit Hinweisen
,
Urteil des Bundesgerichts 9C_994/2009
vom 2
2.
März 2010,
E. 5.2
).
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin beantragt zum einen die Zusprechung einer
betraglich
höheren Rente, als sie ihr mit der Verfüg
ung vom 1
2.
März 2004 (
Urk.
6/50) ab dem 1.
August 2002 zugesprochen und mit der Mitteilung vom
2.
April 2008 (
Urk.
6/94) sowie mit der angefochtenen Verfügung vom 27. August 2012
(Urk. 2)
weitergewährt worden ist. Zum andern stell
t
sie sinngemäss den Antrag, die Rente sei ihr auch
rückwirkend
für den Zeitraum der Leistungseinstellung von Februar 2010 bis April 2012 nachzuzahlen (
Urk.
1 S. 2 und S. 9).
3.2
Was den Antrag auf Zusprechung einer
betraglich
höheren Rente betrifft, so basiert die Rente, die der Beschwerdeführerin für die Zeit ab dem 1. August 2002 zugesprochen worden ist, bereits auf dem maximal möglichen
Inval
idi
tätsgrad
im Sinne von Art. 16 ATSG
von 100
%
. Die Zusprechung einer Rente aufgrund eines noch höheren Invaliditätsgrades
beziehungsweise die Zuspre
chung einer höheren als einer ganzen Rente
ist daher nicht möglich. Des Wei
teren
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass der Betrag der ganzen Rente, wie ihn die Beschwerdegegnerin anhand von Art. 29
bis
Abs.
1 AHVG in Verbin
dung mit Art. 36
Abs.
2 IVG festgelegt hat, unrichtig berechnet worden ist. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin einen derartigen Berechnungsfehler bereits mit Anfechtung der ersten rentenzusprechenden Verfügung vom 1
2.
März 2004
hätte
rügen müssen und der verspäteten Rüge somit grundsätz
lich die Rechtskraft dieser ersten Verfügung entgegensteht.
In Bezug auf den Antrag auf Zusprechung einer
betraglich
höhere
n
Rente, rück
wirkend ab dem
1.
August 2002
,
ist die Beschwerde damit abzuweisen, soweit darauf überhaupt einzutreten ist.
3.3
Wenn die Beschwerdeführerin
im
Weiteren vorbringt, sie sei nicht aufgrund eines psychischen, sondern aufgrund eines körperlichen Leidens zu mindestens 90
%
erwerbsunfähig (vgl.
Urk.
1 S. 8)
, so hat sie kein Rechtsschutzinteresse daran, diese Frage im vorliegenden Verfahren klären zu lassen. Denn die Frage nach der Ursache für den festgelegten Invaliditätsgrad hat keinen Einfluss auf die Leistungshöhe, sondern betrifft lediglich die Begründung der
Leistungsver
fügung
. Anfechtbar ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung jedoch grundsätzlich lediglich die im Verfügungsdispositiv zugesprochene Höhe der Leistung (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 460/06 vom
4.
April 2007, E.
4.1).
In Bezug auf den Grund der Leistungszusprechung kann daher auf die Be
schwerde (ebenfalls) nicht eingetreten werden.
3.4
Zu prüfen bleibt der nachträgliche Anspruch der Beschwerdeführerin auf die ganze Invalidenrente im Zeitraum von Februar 2010 bis April 2012, während dem die Beschwerdegegnerin die Leistungen
wegen
Mitwirkungspflichtverlet
zung
eingestellt hatte.
Die Leistungseinstellung als solche war
Gegenstand der Verfügung vom 7.
Dezember 2009 (
Urk.
6/107),
die unangefochten blieb
und damit in Rechts
kraft erwuchs
.
Die Rechtmässigkeit dieser Einstellung
kann daher im
vorliegen
den Verfahren
nicht mehr
umfassend
beurteilt werden. Immerhin
ist im Sinne einer Vorfrage relevant, ob die Beschwerdeführerin damals tatsächlich eine Mitwirkungspflichtverletzung begangen hatte. Denn
bei
einer
Leistungseinstel
lung
wegen einer
nicht entschuldbaren
Mitwirkungspflichtverletzung
besteht aufgrund der vorstehend zitierten Rechtsprechung (E.
2.2.2) erst ab demjenigen Zeitpunkt wieder Anspruch auf die Leistungen, zu dem die Mitwirkung nach
träglich geleistet wird, und nicht rückwirkend ab dem Zeitpunkt der Einstellung.
Die
Beschwerdeführerin
räumte
in d
er Beschwerdeschrift selber ein, sie habe den Fr
agebogen für die
Rentenrevision, den ihr die Beschwerdegegnerin im Ap
ril 2009 zugestellt habe, nicht ausgefüllt und zurückgesendet, sondern ihn erst am 1
6.
Mai 2012 „schlussendlich doch noch“ eingereicht (
Urk.
1 S. 8). Dass die
entsprechende
Unterlassung eine Mitwirkungspflichtverletzung
darstellt
, ist of
fenkundig
, denn die
im
Fragebogen
verlangten Angaben
, wie etwa diejenigen zu den letzten ärztlichen Behandlungen und zu einer allfälligen Erwerbstätig
keit
,
sind für die Überprüfung des Rentenanspruchs zwingend erforderlich und können, insbesondere was zwischenzeitlich neu konsultierte Ärzte und eine neu aufgenommene Erwerbstätigkeit betrifft, nur von der versicherten Person selbst geliefert werden.
Die Beschwerdeführerin nennt auch keine Umstände, die sie daran gehindert hätten, den Fragebogen rechtzeitig auszufüllen, wie sie dies im vorangegangenen Revisionsverfahren vom Februar 2007 ordnungsgemäss getan hatte (vgl.
Urk.
6/79).
Zwar leidet sie
an gesundheitlichen Problemen, sie hat je
doch
gemäss der zutreffenden Sichtweise der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
5
S. 2)
immer wieder gezeigt, so auch im vorli
e
genden Verfahren, dass sie dazu in der Lage ist, den Schriftverkehr zur Wahrung ihrer
Sozialversicherungsan
-
sprüche
zu führen und im Besonderen auch die Fristen einzuhalten.
Unter diesen Umständen
ist die Mitwirkungspflichtverletzung nicht als entsc
huldbar zu be
urteilen.
Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin somit die Rente zu Recht erst ab Mai 2012 wieder zugesprochen, dem Monat, in dem die Beschwerde
führerin ihr Versäumnis nachgeholt und den Fragebogen eingereicht hat. In
Be
zug auf den Rentenanspruch für den
Zeitraum von Februar 2010 bis April 2012 ist die Beschwerde somit abzuweisen.
3.5
Nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die geplante erneute
Leistungs
einstellung
wegen Ablehnung einer psychiatrischen Begutachtung, auf welche die Beschwerdegegnerin in der Duplik und den damit eingereichten Un
terlagen hinwies (
Urk.
22 und
Urk.
23/1-6).
Zur Vermeidung von unnötigen Weiterungen sei an dieser Stelle
jedoch
auf die aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts hingewiesen, wonach nicht nur bei polydisziplinären, sondern auch bei bi- und monodisziplinären Gutachten - und zwar auch bei solchen, die nicht bei einer MEDAS in Auftrag gegeben werden - die Verfahrensrechte
zu wahren sind, die im Grundsatzurteil vom 2
8.
Juni 2011 (BGE 137 V 210) auf
gestellt worden sind (BGE 139 V 349 E. 5.1 und E. 5.4). Dies bedeutet, dass eine Begutachtung bei Uneinigkeit mit anfechtbarer Zwischenverfügung anzuordnen ist (BGE 139 V 349 E. 5.1).
3.6
Ebenfalls nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist ein Schaden
-
ersatzan
spruch
der Beschwerdeführerin gegenüber der
B
eschwerdegeg
nerin
. Auf den entsprechenden Antrag kann daher nicht eingetreten werden.
4.
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Be
schwerdeführerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr. 500.-- festzulegen.