Decision ID: 0bc94e3e-01d5-5fb6-8a8d-425d9de3dd91
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am 14. September 2020 in der Schweiz
um Asyl nach und wurde in der Folge dem Bundesasylzentrum (BAZ) der
Region B._ zugewiesen, wo er am 1. Oktober 2020 die ihm zuge-
wiesene Rechtsvertretung bevollmächtigte. Gleichentags fand die
Personalienaufnahme (PA) und am 25. November 2020 die Anhörung
(nach Art. 29 AsylG [SR 142.31]) statt.
A.b Zu seinem persönlichen Hintergrund und zur Begründung seines Asyl-
gesuchs brachte er im Wesentlichen vor, er sei marokkanischer Staatsan-
gehöriger und stamme aus der Stadt C._ (Provinz D._), wo
er bei seinen Eltern und mit (...) Geschwistern aufgewachsen sei und (mit
Ausnahme von Aufenthalten in E._, F._, G._ oder
H._) bis zu seiner Ausreise gelebt habe. Während seiner Schulzeit
und darüber hinaus habe er im Auftrag Dritter Waren (namentlich [...], [...]
sowie [...]) illegal nach I._ transportiert, um diese entweder zu ver-
kaufen oder gegen andere Waren einzutauschen. Infolge dessen, dass er
von einigen (...) Kunden eines Tages kein Geld erhalten habe, sei er den
marokkanischen Auftraggebern (insgesamt [...] Personen) umgerechnet
(...) Euro schuldig geblieben, welche er nicht habe zurückzahlen können.
Aus Angst vor Vergeltungsmassnahmen seitens der marokkanischen Auf-
traggeber sei er deshalb noch vor Ablauf der angesetzten Zahlungsfrist aus
seinem Heimatstaat ausgereist. Ausserdem habe er eine Aufforderung für
den Militärdienst erhalten, welcher er keine Folge geleistet habe. Schliess-
lich habe er familiäre Probleme gehabt; sein Vater sei gegenüber seiner
Mutter gewalttätig geworden, was ihn belastet habe und weshalb er oft auf
der Strasse gewesen sei. Vor diesem Hintergrund und der ohnehin
schlechten Wirtschaftslage in Marokko, habe er seinen Heimatstaat Ende
2008 auf dem Landweg verlassen und sei via I._ und J._
nach Europa gelangt, wo er sich in verschiedenen Staaten illegal aufgehal-
ten habe, bevor er im September 2020 in die Schweiz weitergereist sei.
Nach der Ausreise habe er von seinen (Verwandten) erfahren, dass ihn die
marokkanischen Auftraggeber mit dem Tod bedroht hätten und nach wie
vor nach ihm suchten. Darüber hinaus habe er sich in der Schweiz auf-
grund verschiedener medizinischer Probleme behandeln lassen müssen;
unter anderem auch aufgrund tätlicher Angriffe seitens des (...) respektive
der (...).
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A.c Im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens reichte er diverse medizini-
sche Unterlagen aus der Schweiz (einen ärztlichen Bericht vom 25. Sep-
tember 2020 [von Dr. K._; {...}], einen weiteren ärztlichen Bericht
vom 25. September 2020 [von Dr. L._; {...}], zwei Formulare «Zu-
weisung zur medizinischen Abklärung (F2)» vom 27. September 2020 und
9. Oktober 2020 mitsamt Behandlungseinträgen durch das [...] vom
30. September 2020 und 14. Oktober 2020, ein «Medizinisches Datenblatt
für interne Arztbesuche im BAZ M._» mit Behandlungseintrag vom
8. Oktober 2020 sowie einen ärztlichen Bericht vom 12. Oktober 2020 [von
Dr. med. N._; {...}]) zu den Akten.
B.
Am 30. November 2020 wurde der Beschwerdeführer – aufgrund der Be-
legungssituation im BAZ wegen der Covid-19-Pandemie – dem erweiterten
Verfahren zugewiesen, was einen Wechsel der Rechtsvertretung zur Folge
hatte.
C.
Mit Verfügung vom 11. Dezember 2020 (eröffnet am 17. Dezember 2020)
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der
Schweiz und ordnete den Vollzug an.
D.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
18. Januar 2021 (Datum des Poststempels) – handelnd durch seine am
24. Dezember 2020 neu mandatierte Rechtsvertreterin – beim Bundesver-
waltungsgericht Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung
sei aufzuheben und ihm unter Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft
Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit beziehungsweise
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige
Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um
Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung inklusive Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung seiner Rechtsvertre-
terin als amtlichen Rechtsbeistand. Zudem ersuchte er um Sistierung des
Asylverfahrens bis zum Abschluss des hängigen Strafverfahrens bezie-
hungsweise um Gewährung einer Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewil-
ligung zur Teilnahme am selben.
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Der Beschwerde beigelegt war – nebst einer Kopie der angefochtenen Ver-
fügung, einer Vollmacht vom 24. Dezember 2020 sowie einer Kostennote
vom 18. Januar 2021 – die Strafanzeige des Beschwerdeführers gegen
(...) wegen Gefährdung des Lebens, (schwerer) Körperverletzung, Nöti-
gung und Sachbeschädigung vom 24. Dezember 2020.
E.
Mit Schreiben vom 19. Januar 2021 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
F.
Mit Eingabe vom 9. März 2021 liess der Beschwerdeführer den Bericht
(...) ins Recht legen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfü-
gungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist – unter Vorbehalt der
E. 1.3 – einzutreten (Art. 108 Abs. 2 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.2 Soweit in der Rechtsmitteleingabe die Feststellung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde beantragt wird, kann festgehalten werden, dass
dieser von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zukommt (vgl. Art. 6
AsylG i.V.m. Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz sie vorliegend nicht
entzogen hat.
1.3 Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung des SEM vom 11. De-
zember 2020 (Asylentscheid). Mithin stellt der Antrag um Gewährung einer
Kurzaufenthalts- oder Aufenthaltsbewilligung im Sinne von Art. 32 Abs. 1
Bst. d der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
(VZAE, SR 142.201) eine unzulässige Erweiterung des Streitgegenstan-
des dar, weshalb darauf nicht einzutreten ist. Auf die entsprechende Dar-
legung in der Beschwerde und die in diesem Zusammenhang eingereich-
ten Beweismittel (vgl. Prozessgeschichte, Bst. D. und F.) ist deshalb nicht
weiter einzugehen.
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1.4 Im Übrigen ist die Frage nach einer allfälligen strafrechtlichen Prüfung
der Auseinandersetzung für das vorliegende Asylbeschwerdeverfahren
ohne Belang, weshalb das Begehren um Sistierung des vorliegenden Ver-
fahrens abzuweisen ist.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die vorliegende Beschwerde erweist sich – wie nachstehend aufgezeigt –
als offensichtlich unbegründet und ist im Verfahren einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG),
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG).
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
5.
5.1 Die Vorinstanz gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die
Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
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Im Einzelnen hält sie fest, dass die (befürchtete) Verfolgung durch die ma-
rokkanischen Auftraggeber an kein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv im
Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG (Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit
zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder politische Anschauungen) an-
knüpfe. Darüber hinaus sei es ihm möglich und zumutbar, sich in diesem
Zusammenhang an die heimatlichen Behörden zu wenden, selbst wenn
dies bedeuten würde, dass er für allfällige eigene Straftaten zur Rechen-
schaft gezogen würde. Im Übrigen sei darauf hinzuweisen, dass er sich
allfälligen lokal bedingten Schwierigkeiten durch einen Wohnortwechsel in-
nerhalb seines Heimatstaates hätte entziehen können beziehungsweise
auch nach seiner Rückkehr entziehen könnte. Von dieser Möglichkeit habe
er seinen Angaben zufolge schon vor seiner Ausreise Gebrauch gemacht,
indem er in verschiedenen Städten Marokkos gelebt habe, so beispiels-
weise in E._, F._, G._ oder H._.
Die Befürchtung, wegen Militärdienstverweigerung bestraft zu werden, sei
ebenso wenig asylrelevant. Diesbezüglich sei festzuhalten, dass eine asyl-
relevante Verfolgungsmotivation im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG nicht vor-
liege, wenn staatliche Massnahmen der Durchsetzung staatsbürgerlicher
Pflichten dienten.
Schliesslich beruhten auch die vorgebrachten familiären und wirtschaftli-
chen Probleme nicht auf einem der von Art. 3 Abs. 1 AsylG erfassten Ver-
folgungsmotive.
5.2 Dem hält der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe – unter
Wiederholung des Sachverhaltes – im Wesentlichen entgegen, es sei ihm
gerade nicht möglich und zumutbar, sich hinsichtlich der Verfolgung seitens
der marokkanischen Auftraggeber an die heimatlichen Behörden zu wen-
den, zumal jene über gute Beziehungen bis in die staatlichen Strukturen
hinein verfügten. Der Verweis der Vorinstanz, dass er sich auch in anderen
Städten aufgehalten habe, genüge ferner nicht, um von einer innerstaatli-
chen Fluchtalternative ausgehen zu können. Er sei in seinem Heimatland
an Leib und Leben gefährdet und habe sich dieser Gefahr nur durch Flucht
ins Ausland entziehen können.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Prüfung der Akten zum
Schluss, dass die Vorinstanz zutreffend festgehalten hat, die Vorbringen
des Beschwerdeführers genügten den Anforderungen an die Flüchtlingsei-
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genschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht. Auf die betreffenden Ausführun-
gen in der angefochtenen Verfügung (vgl. die Zusammenfassung der ent-
sprechenden Erwägungen in E. 5.1 des vorliegenden Urteils) kann mit den
nachfolgenden Ergänzungen verwiesen werden. Die Ausführungen auf Be-
schwerdeebene halten dem nichts Stichhaltiges entgegen.
6.2 Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft voraus, dass die betroffene Per-
son in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichenden Schutz vor
nichtstaatlicher Verfolgung finden kann. Der Schutz gilt als ausreichend,
wenn eine funktionierende Schutzinfrastruktur zur Verfügung steht und
diese dem Betroffenen zugänglich ist, wobei von einem Staat nicht erwartet
werden kann, dass er jederzeit präventiv in alle Lebensbereiche seiner Bür-
ger eingreifen kann (vgl. zu dieser sogenannten Schutztheorie BVGE
2011/51 E. 7.1-7.4, 2008/12 E. 7.2.6.2, 2008/4 E. 5.2).
Ungeachtet der Frage der Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwer-
deführers und des Fehlens von Hinweisen auf ein Verfolgungsmotiv ge-
mäss Art. 3 Abs. 1 AsylG, hat das SEM zutreffend festgestellt, dass Ma-
rokko über eine funktionierende Infrastruktur zur Ahndung von Verfol-
gungshandlungen verfügt und grundsätzlich von der Schutzfähigkeit und
dem Schutzwillen der dortigen Behörden im Sinne der obgenannten
Schutztheorie auszugehen ist (vgl. statt vieler Urteil des BVGer E-1324/
2021 vom 21. April 2021 E. 8.4.2). Mit dem pauschalen Einwand auf Be-
schwerdeebene, dass die marokkanischen Auftraggeber über gute Bezie-
hungen bis in die staatlichen Strukturen hinein verfügten, vermag der Be-
schwerdeführer die Schutzfähigkeit und -willigkeit der heimatlichen Behör-
den nicht generell in Frage zu stellen. Den Akten lassen sich keine konkre-
ten Hinweise für die Annahme entnehmen, die heimatlichen Behörden wür-
den dem Beschwerdeführer bei Bedarf den erforderlichen Schutz verwei-
gern, zumal auch keine Hinweise vorliegen, dass ihm die Hilfe aus einem
der in Art. 3 Abs. 1 AsylG genannten Gründe verweigert würde. Der geltend
gemachten Gefahr von Nachstellungen seitens privater Drittpersonen ist
daher – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz – keine asylrechtliche Re-
levanz zuzuerkennen.
6.3 Sodann hat die Vorinstanz hinsichtlich der restlichen Fluchtvorbringen
in ihrer Verfügung eingehend dargelegt, welche Gründe auf die fehlende
Asylrelevanz schliessen lassen. Diesbezüglich findet auf Beschwerde-
ebene keine argumentative Auseinandersetzung mit den Überlegungen
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der Vorinstanz statt, weshalb die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführun-
gen in diesen Punkten ohne weiteres vollumfänglich zu bestätigen sind.
6.4 Die Vorinstanz hat demzufolge die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch folgerichtig abge-
lehnt.
7.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; BVGE 2009/50 E. 9, je m.w.H.). Die Wegweisung
wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet.
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
8.2.1 Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist
– wie von der Vorinstanz zutreffend festgehalten – das flüchtlingsrechtliche
Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli
1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5
AsylG vorliegend nicht anwendbar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt
sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs- und völkerrechtlichen
Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
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Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Dies ist dem Beschwerdeführer unter Hinweis auf die
vorstehenden Erwägungen zum Asylpunkt nicht gelungen. Auch die allge-
meine Menschenrechtssituation im Heimatstaat lässt den Wegweisungs-
vollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen.
8.2.2 Was die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers betrifft,
ergibt sich aus den eingereichten medizinischen Unterlagen (vgl. Prozess-
geschichte, Bst. A.c), dass er an (...), (...), (...), (...) sowie (...) leidet. So-
dann bekam er laut Behandlungseintrag vom 8. Oktober 2020 im «Medizi-
nischen Datenblatt für interne Arztbesuche im BAZ M._» die Medi-
kamente (...), (...) sowie (...) verordnet. Aktuellere ärztliche Berichte wur-
den vom Beschwerdeführer nicht eingereicht, woraus zu schliessen ist,
dass eine weitergehende Behandlung bislang offenbar nicht indiziert ist.
Eine zwangsweise Rückweisung von Personen mit gesundheitlichen Prob-
lemen stellt nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen Art. 3 EMRK
dar und die belegten gesundheitlichen Probleme des Beschwerdeführers
vermögen die von der Rechtsprechung geforderte hohe Schwelle nicht zu
erreichen (zu den Anforderungen vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf
die damalige Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte
[EGMR] sowie zur neueren Praxis des EGMR das Urteil Paposhvili gegen
Belgien vom 13. Dezember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180–193
m.H.).
8.2.3 Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im
Sinne der landes- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.1 In Marokko herrscht weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine Situation all-
gemeiner Gewalt, aufgrund derer die Zivilbevölkerung als konkret gefähr-
det bezeichnet werden müsste. Der Wegweisungsvollzug ist daher grund-
sätzlich zumutbar (vgl. statt vieler Urteil des BVGer D-2305/2021 vom
25. Mai 2021 E. 8.3.1).
8.3.2 Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche
die Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. Beim Beschwerde-
führer handelt es sich um einen (...)-jährigen Mann, der in Marokko mit
seiner (Verwandten) und seinen (Verwandten) auf ein tragfähiges Bezie-
hungsnetz und eine gesicherte Wohnsituation zurückgreifen kann (vgl.
SEM-Akten 1075384-27/17 [nachfolgend A27] F27-29). Sodann besuchte
er laut eigenen Angaben (...) Jahre lang die Schule (vgl. A27 F37), was
ihm beim Aufbau einer neuen wirtschaftlichen Existenz entgegenkommen
wird. Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass allfällige wirtschaftli-
che Reintegrationsschwierigkeiten dem Vollzug nicht entgegenstehen, da
blosse soziale oder wirtschaftliche Schwierigkeiten, von denen die ansäs-
sige Bevölkerung betroffen ist, für sich gesehen keine existenzbedrohende
Situation zu begründen vermögen (vgl. BVGE 2010/41 E. 8.3.6).
8.3.3 Auch die belegten gesundheitlichen Probleme des Beschwerdefüh-
rers (vgl. oben E. 8.2.2) lassen den Wegweisungsvollzug – wie die Vo-
rinstanz zu Recht feststellte – nicht als unzumutbar erscheinen.
Bei medizinischen Problemen kann nur dann auf Unzumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs erkannt werden, wenn eine notwendige medizinische
Behandlung im Heimatland nicht zur Verfügung steht und die Rückkehr zu
einer raschen und lebensgefährdenden Beeinträchtigung des Gesund-
heitszustands der betroffenen Person führen würde. Dabei wird als wesent-
lich die allgemeine und dringende medizinische Behandlung erachtet, wel-
che zur Gewährleistung einer menschenwürdigen Existenz absolut not-
wendig ist. Unzumutbarkeit liegt jedenfalls dann noch nicht vor, wenn im
Heimat- oder Herkunftsstaat eine nicht dem schweizerischen Standard ent-
sprechende medizinische Behandlung möglich ist (vgl. etwa BVGE
2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je m.w.H.).
Nach dem Gesagten ergibt sich, dass angesichts der belegten gesundheit-
lichen Probleme des Beschwerdeführers nicht von einer medizinischen
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Notlage im Sinne der vorstehend dargelegten Rechtsprechung auszuge-
hen ist. Marokko verfügt über ein gut entwickeltes Gesundheitssystem und
es darf davon ausgegangen werden, dass – sofern notwendig – eine adä-
quate medizinische (Weiter-)Behandlung aller gesundheitlichen Probleme
des Beschwerdeführers dort gewährleistet ist. Die in der Rechtsmittelein-
gabe geltend gemachte Bedürftigkeit des Beschwerdeführers vermag an
dieser Einschätzung nichts zu ändern. Mit den Leistungen der staatlichen
Gesundheitsversorgung für Bedürftige (RAMED; Régime d'Assistance
Médicale) ist ein Mittel zur Sicherung der medizinischen Grundversorgung
gegeben, mit dem auch wirtschaftlich bedürftigen Personen der Zugang
zum Gesundheitssystem gewährt wird (vgl. hierzu Urteile des BVGer
D-2305/2021 vom 25. Mai 2021 E. 8.3.2, E-1324/2021 vom 16. April 2021
E. 9.3.3 und D-4062/2020 vom 10. Februar 2021 E. 7.3.2). Ausserdem
steht es ihm im Rahmen der Rückkehr offen, vor der Ausreise bei der Vo-
rinstanz einen Antrag auf individuelle medizinische Rückkehrhilfe zu stel-
len, die unter anderem in der Mitgabe von Medikamenten bestehen kann
(vgl. Art. 93 Abs.1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom
11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]).
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch
als zumutbar.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Die Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten ist.
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10.
10.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und der amtlichen Rechtsverbeiständung (Art. 65 Abs. 1
VwVG und Art. 102m Abs. 1 lit. a AsylG). Aufgrund der vorstehenden Er-
wägungen ergibt sich, dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten ha-
ben. Damit ist eine der kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen nicht ge-
geben, weshalb die Gesuche ungeachtet der geltend gemachten Mittello-
sigkeit abzuweisen sind.
10.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses ist mit vorliegendem Direktentscheid gegenstandslos
geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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