Decision ID: 2a6a3c93-b35c-4988-8daf-9480169386ee
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966
, war
in
verschiedenen
Teilzeitpen
sen
als Reini
gungsmitarbeiterin
tätig
(
vgl.
Urk.
10/10-12
), als sie sich am 2
7.
Februar 2013 unter Hinweis auf seit 2004 bestehende
Magenschmerzen nach einer
Magenbypassoperation
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
meldete
(
Urk.
10/2
Ziff.
6.2-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog
die
Akten der
Krankentaggeldversicherung
en
bei (
Urk.
10/
18-
19
,
Urk.
10/24
)
und
stellte der Versicherten m
it Vorbescheid vom 2
8.
September 2013 (
Urk.
10/28) in Aussicht, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe. Dagegen erhob die Versicherte am 1
6.
Oktober 2013 Einwände (
Urk.
10/30).
Daraufhin
holte
die IV-Stelle
bei
der MEDAS
Y._
ein interdisziplinäres
Gutachten ein, das am
2
5.
Juli 2014
erstattet wurde (
Urk.
10/49
).
Nachdem die Versicherte am 1
9.
August 2014 geltend machte, dass noch weitere Untersuchungen ausstehend seien und sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessert habe (vgl.
Urk.
10/54)
,
nahm die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen vor und veranlasste
bei der MEDAS
Y._
ein interdisziplinäres Verlaufsgutachten, welches am 2
5.
Oktober 2017 erstattet wurde (
Urk.
10/124).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
10/128
;
Urk.
10/143
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
Juli 2018
einen Rentenanspruch (
Urk.
10/147
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
7.
September 2018
Beschwerde gegen die Verfügung vom
5.
Juli 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr ab dem frühest
möglichen Zeitpunkt eine Invalidenrente
zuzusprechen, eventuell sei
die Sache zur erneuten Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
5.
Oktober 2018
(
Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
8.
Januar 2019
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S.
2
) die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsvertretung bewilligt und
der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerun
gen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass die medizinischen Abklärungen ergeben hätten, dass die Beschwerdeführerin ihre angestammte Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin nicht mehr ausüben könne. Eine behinderungsangepasste leichte Tätigkeit in Wechselbelastung, ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg und ohne Verharren in Zwangs
haltungen und mit der Möglichkeit zum stetigen Toilettengang
,
sei in einem Pensum von 70
%
zumutbar.
Gemäss Angaben der Arbeitgeber würde die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche Einschränkung ein Einkommen von
rund
Fr.
50'
610
.
--
erzielen. Bei einem gestützt auf die Lohnangaben des Bundes
amtes für Statistik (LSE) und unter Berücks
ichtigung des noch möglichen 70
%-Pensums sowie eines Abzuges von 10
%
resultierendem
Invalideneinkommen
von
rund
Fr.
32'63
5.--
ergebe sich
ein
rentenanspruchsauschliessender
Invaliditäts
grad
von 36
%
.
Eine Parallelisierung sei nicht vorzunehmen (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sich
ihre gesundheitliche Situation nach einer Magenbypass-Operation im Jahr 2004 zunehmend verschlechtert
habe
, so
dass sie nach weiteren zahlreichen Operationen und Therapieversuchen schliesslich ab
dem
1
8.
Januar 2013
dauer
haft a
rbeitsunfähig
sei.
Bis zu diese
m Zeitpunkt habe sie als Raumpflegerin ein Pensum von insgesamt 108
%
bei
drei Arbeitgebern absolviert, welche Anstel
lungen sie aufgrund der Erkrankung schliesslich verloren habe (S. 3
Ziff.
1.1).
Auf das MEDAS
Y._
-
Gutachte
n könne nicht abgestellt werden, da diese
s
Wider
sprüche aufweise und die seit dem Gutachten im Jahr 2014 eingetretene Verschlechterung in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung unberücksichtigt geblieben sei. So sei in psychiatrischer Hinsicht die Einschränkung der Arbeits
fähigkeit zu kumulieren und andernfalls zu begründen. Auch lägen Widersprüche hinsichtlich der
Gewichtslimite
vor (S. 6 f.
Ziff.
2).
Sie könn
e bei den bestehenden Einschränkungen die ihr verbleibende Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten
(S. 7 f.
Ziff.
3)
.
Weiter
sei
von dem geleisteten 108
%
-
Pensum
(60
%
, 24
%
und 24
%
)
und
von
einem
Valideneinkommen
von
rund
Fr.
54'659
.
--
auszugehen,
sowie
ein leidensbedingter Abzug im Umfang von 20
%
zu
berücksichtigen, was einen Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
ergebe (S. 8 ff.
Ziff.
4.1-3)
.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
9)
führte
die Beschwerdegegnerin
aus
, wie die Beschwerdeführerin geltend gemacht habe, sei sie bei drei Arbeitgebern tätig gewesen. Damit habe sie im Jahr 2013 ein Einkommen von rund 45'839.-- erzielt. Da die Beschwerdeführerin jedoch mehrere gleichwertige Tätigkeiten ausgeübt habe, werde das aus dem «Über-100
%
-Pensum» stammende Einkommen gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung auf ein 100
%
-Pensum gekürzt (Urteil des Bundesgerichts I 433/06 vom 2
3.
Juli 2007 E. 4.1.2). Damit resultiere für das Jahr 2013 ein Einkommen von
Fr.
42'444.-- bezogen auf ein 100
%
-Pensum
(S. 1 f.
Ziff.
1). Für eine Parallelisierung bestünden keine Anhaltspunkte (S. 2
Ziff.
2). Gestützt auf die LSE 2012 resultiere im Jahr 2013 ein Einkommen
von rund
Fr.
36'261.-- in dem zumutbaren 70
%
-Pensum. Am leidensbedingten Abzug von 10
%
sei festzuhalten (S. 2
Ziff.
4).
2.4
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
stellte in ihrem Bericht vom
8.
April 2013 (
Urk.
10/13)
folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Status nach Magenbypass-Operation mit
common
channel
von 1 m, 2004
-
Status nach laparoskopischer
Cholezystektomie
,
Januar 2006
-
Status nach
Mesolückenverschluss
, Oktober 2007
-
Status nach Fettschürzenplastik, März 2011
-
Status nach laparoskopischer
Sigmaresektion
bei
Sigmavolvulus
, Septem
ber 2011
-
Status nach infiziertem Hämatom und VAC-Verband, September 2011
-
Status nach TAPP bei
Femoralhernie
rechts, Oktober 2012
-
Status nach Enteritis mit
Chlostridium
difficile
, Februar 2013
-
Mangel an Vitamin A, B6, B12, D3, Selen, Magnesium, Calcium, Protein sowie Eisen
-
chronische
Abdominalschmerzen
mit häufigen Stuhlentleerungen (5-10 Mal)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
Z._
eine substituierte Hypothyreose (
Ziff.
1.1).
Dr.
Z._
führte aus, die Beschwerdefüh
rerin sei seit Mai 2001 bei ihr in Behandlung, und die letzte Kontrolle sei am 2
5.
März 2013 erfolgt (
Ziff.
1.2). In der angestammten Tätigkeit habe
unter anderem vom 2
7.
Oktober bis
1
8.
Dezember 2012, vom 1
8.
bis 2
6.
Januar 2013 und ab dem 1
6.
Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (
Ziff.
1.6). Die Beschwerdeführerin leide an rezidivierenden
Abdominalschmer
zen
, rezidivierenden Stuhlentleerungen und daneben an abdominalen Schmerzen beim Heben von Lasten. Es sei eine häufi
ge Nahrungsaufnahme notwendig bei kleiner Kapazität und raschem Sättigungsgefühl im Oberbauch. Die Beschwer
de
führerin habe Schwierigkeiten
in der Pflege bei Patienten z
u arbeiten, da sie
die Arbeit wegen der Toilettengänge beziehungsweise der Schmerzattacken immer wieder unterbrechen müsse. Zudem sei das Heben oder Tragen von schweren Sachen mit Schmerzen verbunden
. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumut
bar. Denkbar wäre eine leichte körperliche Tätigkeit mit der Möglichkeit, diese jederzeit zu unterbrechen
.
Eine rein sitzende oder wechselbelastende Tätigkeit mit einer
Gewichtslimite
für Heben und Tragen von maximal 5 kg sowie dem unein
geschränkt möglichen Toilettengang und der Möglichkeit zu Zwischenmahlzeiten sei uneingeschränkt zumutbar
(
Ziff.
1.7 und
Ziff.
3).
3.2
Dr.
med.
A._
, Co-Chefarzt,
B._
,
führte in seinem Bericht vom
2
8.
Oktober 2013 (
Urk.
10/32)
aus, er habe die Beschwerdeführerin in den letzten Jahren als Gastroenterologe be
treut. Bei ihr sei im Jahr 2004 bei morbider Adipositas eine laparoskopische
Magenbypassoperation
durchgeführt worden. Wegen einem
Sigmavolvulus
habe im September 2011 zusätzlich eine
Sigmare
sekt
ion
durchgeführt werden müssen.
Im Februar 2013 sei eine Clostridium
difficile-Enterocolitis
diagnostiziert worden, welche mit
Flagyl
behandelt worden sei. Die Beschwerden seien durch diese Therapie nicht beeinflusst worden.
Dr.
A._
führte aus, dass die Patientin in den letzten Jahren an ausgeprägten
Abdominalschmerzen
und an einer einschränkenden Diarrhoe gelitten habe. Es sei keine Ursache für die Bauchschmerzen gefunden worden. Er sei der Ansicht, dass die Beschwerdeführerin durch die Beschwerden deutlich eingeschränkt und
weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig sei
, welche Situation klar für eine ganze Invalidenrente berechtige.
3.3
Prof.
Dr.
med. C._
, Leitender Arzt, Klinik für
Gastroenterologie und Hepatologie,
D._
, führte in seinem Bericht vom
2
9.
November 2013 (
Urk.
10/73/2-3) aus,
dass sich
in der MRI-
Defäkographie
bei der Patientin eine unvollständige Stuhlentleerung
zeige
. Dies sei vergesellschaftet mit einem Descensus des Rektums. Es liege also in der Tat eine anatomisch-funktionelle Störung der Defäkation vor (S. 1
Ziff.
3
).
Prof.
C._
führte aus, die Beschwerden
seien
zumindest teilweise durch die erhobenen radiologischen Befunde erklärbar. Dass die unvollständige Defäkation schmerzhaft sei, könne durchaus im MRI nachvollzogen werden. Es müsse abge
klärt werden, ob eine operative Sanierung des Problems möglich sei (S. 1
Ziff.
4). In wie weit der geschilderte Befund die Aufnahme einer Tätigkeit verhindere, könne nicht beurteilt werden. Es komme sicherlich auf die Schmerzen an, die die Patientin empfinde. Die aktuelle Arbeitsfähigkeit sei bei der Patientin sicherlich aufgrund der körperlichen aber auch der seelischen Belastung eingeschränkt. Prinzipiell halte
er sie jedoch für arbeitsfähig (S. 2
Ziff.
9-10).
3.4
Am 2
5.
Juli 2014 erstatteten die Gutachter
der
MEDAS
Y._
das von der Beschwerdegegnerin veranlasste interdisziplinäre Gutachten (
Urk.
10/49).
Die Gutachter nannten zusammenfassend folgende Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (Reinigungskraft, S. 21
lit
. E.):
-
generalisierte abdominelle Schmerzbeschwerden mit Stuhlunregelmässig
keiten und Defäkationsstörungen bei/mit
:
-
Status nach VVLL Roux-en-Y-Magenbypass
mit
Seit-zu-
End-Gastr
o
enterostomie
und Seit-zu-Seit-
Enterostomie
und
Dü
nndarmsegmentre
sektion,
August
2004
-
laparos
kopischer
Cholezystektomie
,
Januar
2006
-
Status
nach
Mesolückenverschluss
bei kompletter
Mesolücke
,
Oktober
2007
-
Status nach
Abdominoplastik
und
mit Nabelneupositionierung
bei ausg
eprägter
postoperativer abdomineller Dermatochalasis
,
März 2011
-
Status
nach
Rektosigmoi
dresektion
bei
Sigmaelongation
mit intermit
tierendem
Sigmavolvulus
,
September 2011
-
Status
nach
Femoralhern
ie
nresektion
mit
TAPP
sowie Korrektur einer
hypertrophen
Narbenbildung mit N
arbeneinziehungen
periumbilikal
-
fortlaufende Vitamin-Substitutionsbehandlung nach der Bypassopera
tion
Als Diagnosen ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter psychische und Verhaltenseinflüsse bei andernorts klassifizierten körperlichen Erkrankungen (ICD-10 F54), einen Status nach
Ösophagogastroskopie
am 1
9.
September 2011 mit Nachweis einer 4 cm axialen Hiatushernie, einen Status nach TAPP rechts,
eine
Narbenrevision abdominal bei rechtsseitiger
Femoralher
nie
am 1
7.
Oktober 2012, aktuell mit Rezidiv, Differenzialdiagnose
Inguinalher
nie
, eine anamnestische Mangelernährung und eine mögliche
Passagestörung
durch Adhäsionen, ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
sowie eine muskuläre Dysbalance der langen Rückenmuskulatur, einen Verdacht auf eine obstruktive Defäk
a
tions
stö
rung bei höhergradiger Beckenbodeninsuffizienz mit anteriorer
Rektozele
sowie intrarektaler
mukosaler
Intussuszeption (MR-
Defäkographie
am
6.
Novem
ber 2013), eine substituierte Hypothyreose sowie einen Status nach Appendekto
mie als Kind (S. 22 oben).
Die Gutachter führten aus
, aus gastroenterologischer Sicht bestehe
in der ange
stammten Reinigungstätigkeit
für leichte Arbeiten ohne Notwendigkeit von Heben schwerer Lasten e
ine mindestens 70%
ige Arbeitsfähigkeit. Auch in einer Verweistätigkeit bes
tehe aus gastroenterologischer S
ich
t
mindestens eine 70%ige Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung des Fähigkeitsprofils. Aus internistischer, chirurgischer und psychiatrischer Sicht ergäben sich keine Einschränkungen
(S. 22 Mitte). Möglich seien zumindest leichte Arbeiten (10 kg, vereinzelt 15 kg) ohne Notwendigkeit von Heben schwerer Lasten mit schnellem Zugang zur Toilette. Die Gehstrecke sei mit einer Stunde nicht wesentlich eingeschränkt, ebenso die Sitzdauer (S. 22 unten).
Während der häufigen Spitalaufenthalte und n
ach den
abdominalen Operationen
während jeweils vier Wochen
sei die Versicherte
aus chirurgischer Sicht
sicher
arbeitsunfähig gewesen (S. 22 unten f.).
3.5
Die Ärzte der
Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie,
D._
, stellten in ihrem Bericht vom 2
6.
Januar 2016 (
Urk.
10/101/6-7) in der Hauptsache folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach laparoskopischem distalem
, nun
proximalisiertem
Magen
bypass initial 2004
-
Mangelerscheinungen nach Magenbypass-Operation
-
chronisches
lumbovertebrales
, intermittierend
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont
-
Eisenmangelanämie
-
Status nach
Rektosigmoidresektion
bei
Sigmavolvulus
bei
Sigmaelonga
tion
(2011)
-
Status nach laparoskopischer
Cholezytektomie
(2006)
-
TAPP rechts bei
Femoralhernie
, Narbenrevision 1
7.
Oktober 2012
-
Verdacht aus
Urolithiasis
links (
6.
Oktober 2014)
-
primäre Lactoseintoleranz
-
Hypothyreose, substituiert seit Jahren
-
Nebennierenadenom rechts
-
Verdacht auf Uterusmyom
Die Ärzte führten aus, die Patientin sei durch ihre Beschwerden im Allt
ag
sehr eingeschränkt und weitgehend ans häusliche Umfeld gebunden. Sie benötige für den Haushalt Unterstützung durch die Familie. Ihre
r
frühere
n
Tätigkeit als Küchenhilfe und Reinigungsk
raft in einem Altersheim könne d
ie anamnestisch seit 2012 krankgeschriebene Patientin nicht mehr nachgehen. Sie könne keine längeren körperlichen Arbeiten mehr verrichten und nicht länger als 30 Minuten am Stück gehen oder Stehen und habe zudem beschwerdebedingt Konzentra
tionsschwierigkeiten (S. Mitte).
Die Ärzte führten aus, gut ein halbes Jahr nach Umwandlung des distalen Magenbypasses in einen proximalen Bypass bei Malabsorption und chronisch diffus abdominalen Schmerzen zeige sich eine Reduktion der invalidisierenden Stuhlgänge. Die abdominalen Schmerzen nach multiplen abdominalen Eingriffen sowie die Lymphödeme der Beine seien leider weiterhin persistent. Chirurgisch seien vorerst keine Optimierungen möglich (S. 3 oben)
3.6
Dr.
Z._
führte in ihrem Bericht vom 1
1.
März 2016 (
Urk.
10/100/2) aus, dass die Beschwerdeführerin seit 2011 an chronischen
Abdominalbeschwerden
mit Bauchkrämpfen und Durchfällen als Folge einer Magenbypass-Operation im Jahr 2004 sowie in der Folge weiteren fünf Operationen leide
. Dies habe Anfang 2013 zur 100%igen Arbeitsunfähigkeit geführt
. Im Juni 2015 sei im
D._
nach diversen Abklärungen nochmals eine Operation durchgeführt worden, wobei die ursprüngliche Magenbypass-Operation angepasst worden sei, um die schlechte Aufnahme von Nahrungsstoffen sowie auch wenn möglich die Schmerzen zu beeinflussen. Die Operation habe bezüglich der Schmerzen keine Besserung gebracht. Insgesamt habe der Beschwerdeführerin trotz verschiedenster Spezia
listen nur bezüglich der Stuhlganghäufigkeit geholfen werden
können. Ihre rest
lichen Probleme seien nicht behandelbar. Eine Wiederaufnahme der Berufstätig
keit bei diesen verschiedenen chronischen Problemen sei nicht möglich.
3.7
Die Ärzte
der
Klinik für Rheumatologie
,
D._
, stellten in ihrem Austrittsbericht vom
1
2.
Januar 2017 (
Urk.
10/124/109-113)
nach
Hospitalisation
der Beschwer
deführerin vom 2
7.
Dezember 2016 bis 1
1.
Januar 2017 in der Hauptsache folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
chronisches
lumbovertebrales
, intermittierend
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom linksbetont
-
chronisches
cervikoverte
b
rales
Schmerzsyndrom
-
beginnende Fingerpolyarthrose
-
temporomandibuläre
Dysfunktion
-
Fibromyalgie, Erstmanifestation etwa 2012
-
milde
Hypalbuminämie
-
Magenbypass
-
Mangelerscheinung nach Magenbypass-Operation
-
primäre Lactoseintoleranz
-
Hypothyreose
-
Nebennierenadenom rechts
-
Novalgin
-Allergie
Die Ärzte führten aus, dass während der
Hospitalisation
eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit bestanden habe. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit halbtags für leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangs
haltung oder hochrepetitive Tätigkeiten
. Eine Steigerung auf 100
%
sei innert drei Monaten nach weiterer
Rekonditionierung
zu erwarten
(S. 3 unten).
Die Ärzte führten
weiter
aus, es sei eine stationäre Aufnahme zur multimodalen rheumatologischen Komplextherapie bei seit 2012 mehr oder weniger stabil ausgeprägtem Mischbild mit Schmerzen im Bereich des Nackens, der Arme, des Kiefers linksbetont, der Finge
r, der LWS und des Unterbauches
erfolgt.
In Zusammenschau der bildgebenden Untersuchungen hätten sich abgesehen von leichten degenerativen Veränderungen im Bereich der LWS sowie der Finger- und Fussgelenke keine schwerwiegenden Befunde und insbesondere keine Hinweise auf eine entzündliche Erkrankung gefunden,
so dass eine Schmerzverarbeitungs
störung neben den beschriebenen mechanisch bedingten Beschwerden im Vordergrund gestanden
habe
(S. 2 Mitte)
. Formal seien die Kriterien für ein
F
ibromyalgiesyndrom
erfüllt. Im Übrigen habe sich neben einer gewissen Fehl
haltung eine ausgeprägte globale
Dekonditionierung
sowie eine verminderte Rumpfstabilität bei Status nach diversen Operationen im Rumpfbereich gefunden. Eine psychiatrische Beurteilung habe eine chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren ergeben
(S. 2 unten)
.
3
.8
Dr.
Z._
führte in ihrem Schreiben vom
2
2.
Februar 2017
(
Urk.
10/114) aus, bei der Beschwerdeführerin seien sieben Bauchoperationen erfolgt
,
und sie leide an chronischen Bauchschmerzen. Die letzte Operation zur Behebung der Resorptionsstörung habe zu besseren Werten bezüglich Vitaminen und Eiweiss geführt
,
und die Anzahl Stuhlgänge pro Tag seien auf fünf vermindert worden. Die Schmerzen seien jedoch geblieben. Daneben bestünden muskuläre und dege
nerativ bedingte Schmerzen im Rücken,
in den Knien sowie
an Händen und Füssen. Daneben sei eine
Fibromyalgie
diagnostiziert worden, und es bestünden Beinschmerzen.
Zudem bestehe wegen der sich seit gut zwölf Jahren hinziehen
den Erkrankung und der Schmerzsituation mit unklarer Zukunftssituation eine
zunehmende depressive Entwicklung
.
Dr.
Z._
führte aus, die Summe dieser Krankheiten mache
ihres Erachtens
einen Wiedereinstieg ins Berufsleben unmöglich, umso mehr, da die Beschwer
deführer
in
alles unternehme
,
um wieder gesund zu werden und schon im
Haus
halt ohne Hilfe nicht auskomme
. So müsse sie nach einer Stunde leichter Haus
arbeit bereits eine Pause einlegen.
3.9
Am
2
5.
Oktober 2017 erstatten die Gutachter der MEDAS
Y._
das von der Beschwerdegegnerin veranlasste Folgegutachten (
Urk.
10/124).
Die Gutachter stellten zusammenfassend folgende Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähig
keit (angestammte Tätigkeit; S. 33
lit
. E.):
-
p
ersistierende Bauchbeschwerden bei möglichen Adhäsionen
-
bei Status nach
Roux-Y-Magenbypass mit
Seit-zu-
End-Gastr
o
enterostomie
und Seit-zu-Seit-
Enterostomie sowie Dü
nndarmseg
mentresektion 2004
-
Status nach laparos
kopischer
Cholezystektomie
2006
-
Status
nach
Mesolückenverschluss
2007
-
Status nach
Abdominoplastik
und Neupositionierung des Nabels bei ausgedehnter postoperativer abdomineller Dermatochalasis
März 2011
-
Status
nach
Rektosigmoi
dresektion
bei
Sigmaelongation
mit intermit
tierendem
Sigmavolvulus
September 2011
-
Status
nach Versorgung einer
Femoralhern
ie
mittels TAPP (laparosko
pisch) 2012, gleichzeitig Korrektur von hypertropher Narbenbildung mit
Narbeneinziehungen
periumbilikal
,
Proximalisierung
der Fuss
punktanastomose 2
9.
Juni
2015
-
g
eneralisie
rt
e abdominelle Schmerzbeschwerden bei/mit:
-
fortlaufender
Vitamin-Substitution nach den ba
riatrischen Eingriffen
-
labormässig geringgradig
er
Hypoal
buminämie
und
Hypoproteinämie
-
l
umbospondylogenes
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Zeichen
-
Heberden
- und
Bouchardarthrosen
beidseits linksbetont
-
Fibromyalgiesyndrom
(auf Grund der Diagnoseste
llung der Rheumaklinik des
D._
)
-
im Sinne einer u
ndifferenzierten Somatisierungsstörung
,
ICD-10
F45.1
Als Diagnosen ohne Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine
MR-
defäkographisch
nachgewiesene Beckenbodeninsuffizienz mit/bei mittel
grosser anteriorer
Rektozele
und intrarektaler
mukosaler
Intussuszeption mit Verdacht auf leichtgradige obstruktive Defäkationsstörungen
, einen
Status nach Appendektomie als Kind
, einen
Verdacht auf
eine
Urolithiasis
links im Oktober
2014
, einen
Verdacht auf
ein
Uterusmyom
, ein
Nebennierenadenom r
echts, grössenkonstant seit 2011, eine primäre Laktoseintoleranz, eine s
ubstituierte Hypothyreose
,
Zervikalgien
,
eine
t
emporomandibuläre
Dysfunktion
,
eine beidsei
tige beginnende Grosszehengrundgel
enksarthrosen
sowie ein
Binge Eating
und eine
Persönlichkeitsakzentuierung
(S. 34 oben).
Die Gutachter führten aus, die Beschwerdeführerin sei aus orthopädischen Grün
den in der angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin nicht mehr arbeitsfähig. In einer ideal angepassten Tätigkeit könne von einer mindestens 70%ige Arbeits
fähigkeit ohne Einschränkungen ausgegangen werden. Es bestehe einzig eine
Gewichtslimite
(S. 34 Mitte).
Im Rahmen der Beschreibung des positiven und negativen Fähigkeitsprofils und der Ressourcen führten die Gutachter aus, dass
die Versicherte
Gewichte bis maximal passager 10 kg heben
könne. W
egen der schmerzhaften abdominalen Narbe
seien keine Zwangshaltungen möglich. Es müsse sich zudem um wechsel
belastende Tätigkeiten handeln und der stetige
Gang zur Toilette m
üsse
möglich sein.
Im Rahmen der
Störung
sei
nicht von einer reduzierten psychischen Stabi
lität oder nachlassender Zuverlässigkeit auszugeben.
Es bestünden weder eine reduzierte Daueraufmerksamkeit noch
Veränderungen der höheren kognitiven Funktionen. Die Versicherte
sei
in der Lage
,
Neues zu lernen, Problem
e
zu lösen, mit Stress und Krisensituationen umzugehen und die tägliche Routine
zu planen und durchzuführen. Die Tagesstrukturierung
sei
gut erhalten, dies g
elte
auch für die Kommunikation. Es best
ünden
keine Beeinträch
tigungen der Körperpflege und der Selbstversorgung. Die Versicherte
sei
in der Lage
,
Beziehungen aufrechtzuerhalten und Kontakte
zu Dritten aufzunehmen.
Die Flexibilität und die Durchhaltefähigkeit ersch
ienen
jedoch leicht reduziert. In diesem Zustand
sei sie
unter Berücksichtigung der günstigen Prognose in der Lage, erwerbstätig und dauerhaft unabhängig sowie wirtschaftlich eigenständig zu sein
(S. 34 Mitte)
.
Die jetzt gültige Arbeitsfähigkeit von mindestens 70
%
in einer ideal angepassten Tätigkeit könne ab 2011 mit dem Beginn der
Abdominalsymptomatik
nach diversen Baucheingriffen
postuliert werden
. Diese Bewertung gelte bis aktuell. Längere Arbeitsunfähigkeit hätten nur im Zusammenh
ang
mit den zahlreichen Operationen be
standen, zuletzt nach der
Proximalisierung
der Fusspunktanasto
mose am 2
9.
Juni 2015 von maximal zwei Monaten (S. 34 unten f.).
Die Gutachter führten aus, die
Divergenz zur Beurteilung im Gutachten vom Jahr 2014 liege aus orthopädischer Sicht in einer etwas tieferen zumutbaren Gewichts
belastung des Rückens und der Fibromyalgie, welche erneut durch das
D._
bestätigt worden sei
,
sowie in einer neu beginnenden Fingerpolyarthrose, sodass damit die angestammte Tätigkeit nicht mehr in das neue Zumutungsprofil passe (S. 35 oben)
.
3.10
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, R
egionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
, führte in seiner Stellungnahme vom
1
6.
J
anuar 2018 (
Urk.
10/127/10-12) aus, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht empfohlen werde, den Beurtei
lungen des vorliegenden MEDAS-Gutachtens vom 2
5.
Oktober 2017 zu folgen. Die formalen Aspekte könnten als erfüllt beurteilt werden.
Die bisherige Tätigkeit als Putzfrau mit dem Heben und Tragen von Gewichten über 10 kg sowie Tätig
keiten mit Zwangshaltungen und ohne Möglichkeit für einen stetigen Toiletten
gang seien nicht mehr zumutbar. In einer behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe seit 2011 mindestens eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
.
Das Belastungspro
fil bestehe in leichten angepassten Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg, ohne Verharren in Zwangshal
tungen und mit der Möglichkeit zum stetigen Toilettengang. Der Endzustand scheine erreicht.
3.11
Dr.
med.
F._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und
für
Kardiologie
,
stellte
in ihrem Bericht vom 1
1.
Juni 2018
(
Urk.
10/141/1-2)
in der Hauptsache folgende Diagnosen (S. 2):
-
generalisiertes Schmerzbild mit Müdigkeit, Fibromyalgie
-
chronische, unklare krampfartige
Abdominalbeschwerden
, Differenzial
diagnose adhäsionsbedingt
-
Malabsorption, Laktoseintoleranz
-
Status nach
laparos
kop
ischem distalen Magenbypass
im Jahr 2004
-
Status
nach laparoskopischem
Mesolückenverschluss
2007
-
Status
nach
Abdominoplastik
mit Nabelneupositionierung im Jahr 2011
-
Status
nach
Rektosigmoidresektion
bei
Sigmavolvulus
bei
Sigmaelonga
tion
im Jahr
-
Status nach laparos
kopischer
Cholezystektomie
2006
-
TAPP
rechts bei
Femoralhernie
, Narbenrevision 1
7.
Oktober 2012
-
Verdacht auf
Urolithiasis
links im Oktober 2014
-
mittelgrossse
an
t
eriore
Rektozele
sowie intrarektale
mukosale
Intuss
us
zeption, MRI
Defäkographie
November 2013
-
höhergradi
g
e Beckenbodenin
s
uffi
zienz, das hintere Kompartiment
betref
fend
-
Zustand
nach Verdacht
auf
small
intestinal
bacte
r
ial
overgrowth
(SIBO)
nach multiplen Operationen und Antibiotikatherapie
-
primäre Laktoseintoleranz
-
seit Jahren substituierte Hyperthyreose
-
Nebennierenadenom rechts, grössenkonstant
-
Verdacht auf Uterusmyom
-
Lipom-Operation am Rücken
Dr.
F._
führte
aus, sie betreue die Beschwerdeführerin seit der Praxisübernahme von
Dr.
Z._
seit dem
1.
Mai 201
7.
Die
Summe dieser Erkrankungen erlaube es der Beschwerdeführerin kaum
,
den eigenen Haushalt aufrechtzuerhalten. Die Ausübung einer regelmässigen beruflichen Tätigkeit sei
ihres Erachtens
unmög
lich.
So könnten nach Bauchoperationen keine Lasten getragen werden
, womit einfachere körperliche Belastungen au
ssch
ieden
. Weiter
erlaubten
die wechseln
den Schmerzbilder und die psychische Beeinträchtigung das Ausüben anderer Tätigkeiten aufgrund der
instabilen Belastbarkeit nicht
(S. 1 unten f.).
3.
12
Dr.
E._
, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom
2.
Juli 2018 (
Urk.
10/146/3) aus, dass aus dem ärztlichen Attest von
Dr.
F._
keine neuen, bisher nicht beachteten Veränderungen des Gesundheitszustandes sowie der bestehenden gesundheitlichen Einschränkungen hervorgingen. Es werde daher empfohlen, an der letzten Stellungnahme des RAD vom 1
6.
Januar 2018 festzu
halten.
4.
4.1
Vorliegend unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin
zu
100
%
arbeitsunfähig ist. Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätig
keit verhält.
Die Beschwerdegegnerin ging
den Stellungnahmen des RAD-Arztes
Dr.
E._
vom 1
6.
Januar und vom
2.
Juli 2018 (vgl. vorstehend E. 3.10 und E. 3.12) folgend
gestützt auf d
as
MEDAS
Y._
-Gutachten vom
2
5.
Oktober 2017
(vgl. vorstehend E. 3.9)
davon aus, dass der Beschwerdeführerin
seit dem Jahr 2011
eine behinderungsangepasste Tätigkeit in ein
em Pensum vom 70
%
zumutbar sei (vgl. vorstehend E. 2.1). Dagegen machte die Beschwerdeführerin geltend,
dass
auf d
as
MEDAS
Y._
-Gutachten nicht abgestellt werden
könne
und sie auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit nicht arbeitsfähig
sei
(vgl. vorstehend E. 2.2).
4.2
Das
MEDAS
Y._
-Gutachten
vom 2
5.
Okto
ber 2017 (vgl. vorstehend E. 3.9
)
erfüllt die formalen Beweiswert-
Anforderungen (vorstehend E. 1.6
) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchun
gen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben.
Darüber hinaus leuchtet es auch in der
Darlegung der medizinischen Zu
sammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und enthält nach
vollziehbar begründete Schlussfolgerungen.
Entgegen der Kritik der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S.
6
Ziff.
2
) setzten sich die Gutachter der MEDAS
Y._
ausführlich mit ihrer Anamnese und den
Vorakten
auseinander (vgl.
Urk.
10/124 S. 3-21
).
I
n Würdigung der
seit dem MEDAS
Y._
-Gutachten vom 2
5.
Juli 2014 (vgl. vorstehend E. 3.4) neu
hinzugetretenen
respektive neu ausgewiesenen
Diagnosen
wurde
aus orthopädischer Sicht
in der angestammten Reinigungstätigkeit
von einer vollständige
n Arbeitsunfähigkeit ausgegangen.
Die Gutachter umschrieben
sodann
das Zumutbarkeitsprofil einer angepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Beschwerden.
Überdies fand eine rechtsprechungsgemässe Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit
(vgl. vorstehend E. 1.2-3)
der Beschwerdeführerin unter Berücksichtigung der Standardindikatoren statt (vgl.
Urk.
10/124/
35-38). Die Gutachter hielten aus gesamtgutachterlicher Sicht fest, dass die Beschwerdefüh
rerin in einer ideal
angepassten Tätigkeit mindestens 70
%
arbeitsfähig sei. Für eine wie von der Beschwerdeführerin geforderte Addierung der aus psychiat
rischer Sicht festgestellten Einschränkung von 10
%
(vgl. vorstehend E. 2.2)
besteht vorliegend kein Raum.
Insbesondere wurde die psychische Einschränkung der Beschwerdeführerin im Rahmen der Ausführungen zur Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde
bereits
miteinbezogen (vgl.
Urk.
10/124 S. 35
Ziff.
1.1).
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob sich
die Gutachter
an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren einge
schätzt haben
(BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist
demnach
klar zu bejahen.
Generell zu beachten ist auch, dass die gastroenterologischen Beschwerden bei der Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2004 dokumentiert sind, sie aber dennoch abgesehen von den Unterbrüchen im Zusammenhang mit den zahlreichen Operationen, bis ins Jahr 2012 fähig war, ein Pensum bis zu 108
%
(vgl. vorste
hend E. 2.2 und nachfolgend E. 5.2)
in einer
leichten bis
mittelschweren Tätigkeit zu absolvieren.
Aus gastroenterologischer Sicht erachtete bereits Prof.
C._
die Beschwerdeführerin
in seinem Bericht vom 2
9.
November 2013 (vgl. vorstehend E. 3.3)
,
abgesehen von gewissen Einschränkungen
,
grundsätzlich für arbeitsfähig,
was
auch die Gutachter der MEDAS
Y._
in ihrem Gutachten vom 2
5.
Juli 2014 (vgl. vorstehend E. 3.4) bestätigten und eine Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit von 70
%
festhielten.
Die nicht weiter begründeten Ausführungen
von
Dr.
A._
vom 2
8.
Oktober 2013 (
vgl. vorstehend E. 3.2), welcher
von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit sprach,
lassen sich demnach
nicht nachvollziehen.
Der
dann
zusätzlich im Juni 2015 erfolgte Eingriff ergab sodann
, wie aus dem Bericht der Ärzte der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie vom 2
6.
Januar 2016 (vgl. vorstehend E. 3.5) hervorgeht,
zumindest hinsichtlich der Stuhlfrequenz eine verbesserte Sit
uation.
Die Ärzte äusserten sich nur zur angestammten Tätigkeit und verneinten eine längere Arbeitsfähigkeit in körperlichen Tätigkeiten.
Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
die langjährige Hau
s
ärztin
Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.1, E. 3.6 und E. 3.8)
und
durch
ihre
Nachfolgerin
Dr.
F._
(vgl. vorstehend E. 3.11)
ist zu beachten, dass das Gericht in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen hat, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrecht
liche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Dr.
Z._
ging in ihrem Bericht vom
8.
April 2013
(vgl. vorstehend E. 3.1)
fälschlicherweise davon aus, dass die angestammte Tätigkeit der Beschwerdefüh
rerin in der Patientenpflege bestehe.
Weiter
beschrieb
Dr.
Z._
in ihrem Bericht vom April 2013
eine behinderungsangepasste leichte Tätigkeit weitge
hend entsprechend dem von den MEDAS
Y._
-Gutachtern
in ihrem Gutachten vom 2
5.
Oktober 2017
formulierten Belastungsprofil und nannte hinsichtlich des noch möglichen Pensums keine Einschränkungen.
Obwohl die im Jahr 2015 am
D._
dur
chgeführte O
peration (vgl. vorstehend E. 3.5
) zumindest hinsichtlich der Stuhlfrequenz teilweise erfolgreich war und ansonsten eine unveränderte Situa
tion beschrieben wurde,
und auch von Seiten der Rheumatologen des
D._
in einer behinderungsang
epasst
en Tätigkeit
längerfristig von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
wurde und schwerwiegende Befunde verneint
wurde
n
(vgl. vorstehend E. 3.7)
,
bestätigte
Dr.
Z._
dann in
ihren
Berich
t
en
vom 1
1.
M
ärz 2016 (vgl. vorstehend E. 3.6
)
und vom 2
2.
Februar 2017 (vgl. vorstehend E. 3.8)
seit Anfang 2013 eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit.
Ohne eigens erhobene Befunde zu nennen, gab
Dr.
Z._
sodann im Wesentlichen die subjektiven Beschwerdeäusserungen der Beschwerdeführerin wieder. Das Gleiche gilt es hinsichtlich der Praxisnachfolgerin
Dr.
F._
(vgl. vor
stehend E. 3.11) zu bemängeln.
Dr.
F._
nannte keine Diagnosen, welche nicht bereits durch die MEDAS
Y._
-Gutachter hinreichend berücksichtigt worden wären.
4.3
Aufgrund des Gesagten ist damit gestützt auf das MEDAS
Y._
-Gutachten vom 2
5.
Oktober 2017 davon auszugehen, dass die angestammte Tätigkeit der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar ist, jedoch in einer behinderungsange
passten Tätigkeit seit dem Jahr 2011 eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
besteht.
5.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1; 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5.2
Für die Vornahme des Einkommensvergleichs ist grundsätzlich auf die Gegeben
heiten im Zeitpunkt des (hypothetischen) Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 2013, abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Gemäss
den Angaben im Arbeitgeberfragebogen war die Beschwerdeführerin seit dem 3
0.
März 2005 bei der
G._
in
H._
in einem Pensum von
rund 60
%
als Raumpflegerin
angestellt (
Urk.
10/11
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7 und
Ziff.
2.9). Damit erzielte sie
gemäss
dem Jahreslohnkonto 2011 (
Urk.
10/11/10) sowie den
Angaben im IK-Auszug (
Urk.
10/10
) im Jahr 2011 ein Einkommen von rund
Fr.
30‘157.--.
Des Weiteren war die Beschwerdeführerin bei der
I._
seit dem
1.
Dezember 2000 als Objektleiterin in einem Pensum von rund 24
%
ange
stellt (vgl.
Urk.
10/12
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7 und
Ziff.
2.9), womit sie
gemäss
Lohn
konto 2011 (
Urk.
10/12/19
-20
) und
gemäss
IK-Auszug (
Urk.
10/10) ein Einkom
men von
rund
Fr.
5‘313.--
erzielte
. Zudem erwirtschaftete sie
gemäss
IK-Auszug
mit einer
gemäss
ihren Angaben ebenfalls in einem Pensum von 24
%
(vgl. vor
stehend E. 2.2)
ausgeübten
Reinigungstätigkeit
bei
der
J._
ein Einkommen
von
Fr.
5‘329.--.
Demnach erzielte sie insgesamt mit ihren drei
als Reinigungsangestellte ausge
übten
Teilzeitpensen
in einem
Gesamtumfang von 108
%
ein Einkommen
im Jahr 2011 von
Fr.
40‘799.--,
was angepasst auf ein 100
%
-Pensum einem Einkommen von
rund
Fr.
37‘777.--
entspricht und unter
Berücksichtigung der Nominallohn
entwicklung von
1.8
%
im Jahr 2012
und 0.0
%
im Jahr 2013 (vgl. Nominallohn
index, Frauen, 2011-2016, Tabelle T1.2.10,
lit
.
R, S
)
Fr.
38‘
457
.--
im Jahr 2013 (
Fr.
37‘777.-- x 1.01
8
)
.
5
.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der
LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statis
tischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth,
Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung,
3.
Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.4
Vorliegend setz
te
die Beschwerdeführerin ihre seit dem Jahr 2011 bestehende 70%ige Arbeitsfähigkeit in eine
r behinderungsange
passten Tätigkeit
(vgl. vorste
hend E. 4.3)
nicht um
. Es rechtfertigt sich daher, für die Ermittlung des Invalideneinkommens auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszwei
gen des privaten Sektors
gemäss
LSE
abzustellen.
Das im Jahr
2012
von Frauen im Durchschnitt für einfache Tätigkeiten körper
licher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen erzielte Einkommen betrug pro Monat Fr. 4‘112.-- (
LSE
2012
, Tabelle TA1, Total
Frauen
, Kompetenzniveau 1
).
Unter Berücksichtigung der Normalarbeitszeit von 41.7 Stunden (
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche, Total; vgl.
www.bfs.admin.ch
, Statistiken, Arbeit und Erwerb
), der Nomi
nallohnentw
icklung von 0.7 % im Jahr 2013
(vgl. Nominallohnindex,
Frauen,
2011-2016
, Tabelle T1.2.10
, Total) sowie des noch möglichen 70
%-Pensums
ergibt sich ein
massgebendes
hypothetisches Invalideneinkommen von rund
Fr.
36‘261
.-- für das Jahr 2013
(Fr. 4‘112.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.007 x 0.7).
5.5
Bezog eine versicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen (z.B. geringe Schulbildung, fehlende berufliche Ausbildung, mangelnde Deutschkenntnisse, beschränkte Anstellungsmöglichkeiten wegen
Saisonnierstatus
) ein deutlich unterdurchschnittliches Einkommen, ist diesem Umstand bei der Invaliditätsbe
messung nach
Art.
16 ATSG Rechnung zu tragen,
sofern keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass sie sich aus freien Stücken mit einem bescheideneren Ein
kommensniveau begnügen wollte.
Nur dadurch ist der Grundsatz gewahrt, dass die auf invaliditätsfremde Gesichtspunkte zurückzuführenden Lohneinbussen entweder überhaupt nicht oder aber bei beiden Vergleichseinkommen gleichmäs
sig zu berücksichtigen sind. Diese Parallelisierung der Einkommen kann praxis
gemäss entweder auf Seiten des
Valideneinkommens
durch eine entsprechende Heraufsetzung des effektiv erzielten Einkommens oder aber auf Seiten des Invalideneinkommens durch eine entsprechende Herabsetzung des statistischen Wertes erfolgen (BGE 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen). Eine Parallelisierung ist indessen nur vorzunehmen, wenn die Differenz zum massge
benden Durchschnitt deutlich ist. Deutlich unterdurchschnittlich im Sinne von
BGE 134 V 322
E. 4 ist der tatsächlich erzielte Verdienst,
wenn er mindestens 5
%
vom branchenüblichen LSE-Tabellenlohn abweicht
(vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.2).
Die Parallelisierung der Einkommen trägt somit dem Umstand Rechnung, dass die versicherte Person
als Invalide
realistischerweise nicht den Tabellenlohn erzielen kann, weshalb ein entsprechend tieferes
Invalideneinkommen
anzuneh
men ist (BGE 135 V 58 E. 3.4.3, Urteil des Bundesgerichts 9C_488/2008 vom
5.
September 2008 E. 6.4, zusammengefasst in: SZS 2008 S. 570; Urteile des Bundesgerichts I 428/04 vom
7.
Juni 2006 E. 7.2.2; I 630/02 vom 5. Dezember 2003 E. 2.2.2). Kann tatsächlich oder
zumutbarerweise
ein durchschnittliches Invalideneinkommen erzielt werden, dann besteht kein Grund, ein aus wirtschaft
lichen Gründen unterdurchschnittliches
Valideneinkommen
auf ein durchschnitt
liches hochzurechnen. Denn mit einer solchen Vorgehensweise würden in gesetz
widriger Weise Einkommenseinbussen berücksichtigt, die nicht gesundheitlich bedingt sind. Entsprechend der gesetzlichen Regelung ist somit das (zumutbare) Invalideneinkommen nicht demjenigen Einkommen gegenüberzustellen, das ohne Gesundheitsbeeinträchtigung bei vollständiger Ausschöpfung des wirt
schaftlichen Potenzials
zumutbarerweise
hätte erzielt werden können, sondern demjenigen, das konkret erzielt worden wäre (BGE 135 V 58 E. 3.4.3 in
fine
).
Sind die Voraussetzungen der
Einkommensparallelisierung
erfüllt, weil die ver
sicherte Person aus invaliditätsfremden Gründen infolge fehlender Berufsausbil
dung und mangelhafter Sprachkenntnisse ein unterdurchschnittliches
Validen
einkommen
erzielt hatte, welches um mindestens 5
%
unter dem branchenüb
lichen LSE-Tabellenlohn liegt, so vermögen dieselben Faktoren praxisgemäss nicht zusätzlich auch noch einen Leidensabzug zu begründen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.2).
Bei der Durchführung der Parallelisierung ist mit Blick auf eine dem Grundsatz der Rechtsgleichheit genügende Invaliditätsgradermittlung zu vermeiden, dass diese – bei einer kontinuierlich ansteigenden Differenz zwischen tatsächlich erzieltem Lohn und branchenüblichem Durchschnittseinkommen – ab Erreichen des
Erheblichkeitsgrenzwertes
von mindestens 5
%
gegebenenfalls eine sprung
hafte Erhöhung des Invaliditätsgrades zur Folge hat. Es ist daher nur in dem Umfang zu parallelisieren, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheb
lichkeitsgrenzwert
von 5
%
übersteigt, bezweckt doch die Parallelisierung praxis
gemäss nur die Ausgleichung einer deutlichen – also nicht jeder kleinsten – Abweichung des tatsächlich erzielten Verdienstes vom tabellarisch bestimmten branchenüblichen Referenzeinkommen (vgl. BGE 135 V 297 E. 6.1.3).
5.6
Wie au
sgeführt (vgl. vorstehend E. 5.2
)
,
hätte die Beschwerdeführerin
im Jahr 2013
ohne Gesundheitsschaden
mit einem 100
%
-Pensum
ein Einkommen von
rund
Fr.
38‘457
.--
erzielen können.
Im Vergleich hierzu
belief sich
das
durch
schnittliche Einkommen
im Kompetenzniveau 1 bei
„
sonstige persönliche Dienst
leistungen
“ für
Frauen
gemäss
LSE 2012
auf
Fr.
3‘610.--
(
LSE
2012
, Tabelle TA1,
Ziff.
96, Kompetenzniveau 1)
.
Unter Berücksichtigung der Normalar
beitszeit von 41.9
Stunden (
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stun
den pro Woche,
Ziff.
94-96
; vgl.
www.bfs.admin.ch
, Statistiken, Arbeit und Erwerb
)
und
der Nominallohnentw
icklung von
1.8
% im Jahr 2013
(vgl. Nomi
nallohnindex,
Frauen,
2011-2016
, Tabelle T1.2.10
,
Ziff.
90-96
)
ergibt sich ein
Einkommen
von rund
Fr.
46‘194
.--
für das Jahr 2013
(Fr.
3‘610.-- x 12: 40 x 41.9 x 1.018
).
Das tatsächlich erzielte Einkommen der Beschwerdeführerin in einem 100
%-Pensum
von rund
Fr.
38‘457.--
liegt damit um rund 17
%
unter dem Durchschnitt.
Anhaltspunkte dafür, dass sie sich aus freien Stücken mit dem tiefen Lohnniveau begnügen wollte, liege keine vor.
Demzufolge ist das In
valideneinkommen
im Jahr 2
013 von
Fr. 36‘261.--
(vgl. vorstehend E. 5.4)
um 12
%
(17
%
minus 5
%
) auf rund
Fr.
31‘910.--
zu kürzen.
5.7
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten (BGE 126 V 75 E. 5b/
aa
). Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25
%
nicht übersteigen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
bb
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbeding
ten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichts
punkts führen dürfen (Urteil 9C_846/2014 vom 22. Januar 2015 E. 4.1.1 mit Hinweisen; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.1).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bun
desgerichtes
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2 und
8C_808/2013 vom 14. Februar 2014 E. 7.1.1 mit Hinweisen).
5.8
Vorliegend gewährte die Beschwerdegegnerin einen leidensbedingten Abzug von 10
%
, was den konkreten Umständen der Beschwerdeführerin angemessen
Rech
nung trägt
, zumal die vorhandenen Einschränkungen bereits im Rahmen des zumutbaren Teilzeitpensums berücksichtigt wurden
.
Bei einem
Valideneinkom
men
von
Fr.
38‘457
.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr.
28‘719.-- (
Fr.
31‘910.--
x 0.9) resultiert eine
Einkommenseinbusse
von
Fr.
9‘738.--,
was
einem
rentenanspruchausschliessenden
Invaliditätsgrad von 25
%
entspricht.
Vor dem Hintergrund des vorliegend unterdurchschnittlichen
Valideneinkom
mens
braucht die Frage, ob von dem mit dem 108
%
-Pensum erzielten Einkommen von
Fr.
40‘799.-- auszugehen ist, nicht weiter e
rläutert werden, zumal ohne vorgenommene Parallel
isierung (vgl. vorstehend E. 5.6
) der Invalidi
tätsgrad geringer ausfallen würde.
Da vorliegend selbst bei einem maximalen leidensbedingten Abzug von 25
%
kein Anspruch auf eine Invalidenrente resultieren würde, erübrigen sich auch weitere Ausführungen dazu, ob ein höherer als der von der Beschwerdegegnerin
vorgenommene
Abzug von 10
%
zu gewähren wäre.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6
.
6
.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem
Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerde
führer
in aufzuerlegen,
zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Mit Kostennote vom
2
1.
J
anuar 2019
(
Urk.
13
) machte d
ie
unentgeltliche Rechts
vertreter
in
der Beschwerdeführerin
einen Aufwand von insgesamt
8
.
8
Stunden und Barauslagen von
Fr.
73
.-- geltend, was als angemessen erscheint (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Demgemäss ist Rechtsanw
ältin
Nadja
D’Amico
mit
Fr.
1'832.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.