Decision ID: 5d13ed53-1115-4054-8e07-88f35e810cb3
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
betreffend
Vermittlungsfähigkeit (Vermittlungsbereitschaft)
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Sachverhalt:
A.
A.a Mit Verfügung vom 14. November 2006 erklärte die Suva die 1961 geborene
M._, rückwirkend auf den 1. November 2006, als nicht geeignet für Arbeiten mit
Exposition zu Getreidemehlstaub. Entsprechende Arbeiten dürften weder beim
momentanen Arbeitgeber noch in anderen Betrieben von ihr ausgeübt werden (act.
G3.A9). Der damals bestehende Arbeitsvertrag mit der A._ Bäckerei wurde, auf
Anweisung der Suva Linth, vorzeitig auf den 31. Oktober 2006 aufgelöst (act. G3.A12).
Am 6. November 2006 stellte die Versicherte Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab
dem 30. November 2006 (act. G3.A10).
A.b Das ärztliche Zeugnis von Dr. med. B._ vom 11. Dezember 2006 bescheinigte
der Versicherten eine Arbeitsfähigkeit zu 100% für Arbeiten ohne Mehle. Für Arbeiten
mit Mehlen gelte die Nichteignungsverfügung ab 31. Oktober 2006 (act. G3.A16).
A.c Im Sinne einer arbeitsmarktlichen Massnahme forderte das RAV Rapperswil am
5. Februar 2007 die Versicherte auf, den Orientierungskurs vom 12. Februar bis 4. Mai
2007 zu besuchen (act. G3.A25).
A.d Am 16. April 2007 liess sich M._ Dr. med. C._ ein ärztliches Attest ausstellen,
welches ihr eine Arbeitsunfähigkeit vom 18. März bis 30. April 2007 wegen schwerer
Erkrankung ihres Ehegatten bescheinigt (act. G3.A32).
A.e Die Kantonale Arbeitslosenkasse überwies am 3. Mai 2007 die Akten mit Gesuch
um Entscheid über die Vermittlungsfähigkeit sowie den anrechenbaren Arbeitsausfall
für die Zeitspanne 18. März bis 30. April 2007 an das Amt für Arbeit (act. G3.A35). Mit
Verfügung vom 5. Juni 2007 verneinte das Amt für Arbeit die Vermittlungsfähigkeit der
Versicherten für die fragliche Zeitspanne, da sie mit der Pflege ihres erkrankten
Ehegatten beschäftigt und deshalb nicht in der Lage gewesen sei, dem verfügten Kurs
Folge zu leisten, sie aber in dieser Zeit auch der Arbeitsvermittlung nicht zur Verfügung
gestanden habe (act. G3.A41).
B.
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B.a Am 3. Juli 2007 erhob Hanspeter Bosshard als Rechtsvertreter von M._
Einsprache gegen die Verfügung vom 5. Juni 2007 mit dem Begehren, die Verfügung
sei aufzuheben und die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten sei für die Zeitspanne
vom 18. März 2007 bis 30. April 2007 festzustellen. Die Betreuung ihres Ehemannes
habe aufgrund familienrechtlicher Unterstützungspflichten und aus ethischen Gründen
absoluten Vorrang. Der Kurs sei in dieser Situation sekundär, lasse sich bei gegebener
Zeit auch nachholen. Ausserdem ergebe sich aus den medizinischen Akten, dass die
Versicherte voll arbeitsfähig sei (act. G6).
B.b Das Amt für Arbeit hiess mit Entscheid vom 9. Juli 2007 die Einsprache teilweise
gut. Es wurde der Versicherten die Dispens von der Teilnahme am Kurs für den 19.,
20. und 21. März 2007 gewährt. Die analoge Anwendung von Art. 324a OR erlaube
diese Dispensation, denn die Krankheit eines Ehegatten könne zu einer
Arbeitsverhinderung mit Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers von bis zu drei
Tagen führen. Für die Zeitspanne vom 22. März 2007 bis 30. April 2007 sei dagegen
von Vermittlungsunfähigkeit und fehlendem anrechenbarem Arbeitsausfall auszugehen
(act. G3.A51).
C.
C.a Mit Schreiben vom 9. August 2007 reichte M._ Beschwerde gegen den
Einsprachentscheid vom 9. Juli 2007 ein mit den Anträgen, der Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass sie zwischen 22. März 2007 und 30. April
2007 vermittlungsfähig gewesen sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie
machte geltend, dass die Pflege ihres Mannes in der erwähnten Zeitspanne nicht
ausschliesslich durch den Spitexdienst habe verrichtet werden können und er darum
für einige Stunden auf ihre persönliche Betreuung und Beistand angewiesen gewesen
sei. Sie hätte sich jedoch in dieser Zeit bei einer eventuell zugewiesenen Stelle
bewerben können, weil sie die Spitex hätte aufbieten können oder ihre Söhne ihr
geholfen hätten. Sie sei ja im Rahmen der Nichteignungsverfügung voll arbeits- und
vermittlungsfähig gewesen (act. G1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 18. September beantragte das Amt für Arbeit die
Abweisung der Beschwerde und verwies auf den Einspracheentscheid vom 9. Juli 2007
(act. G3).
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Erwägungen:
1.
1.1 Eine der Voraussetzungen für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung ist
nach Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) die
Vermittlungsfähigkeit. Gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG sind arbeitslose Personen
vermittlungsfähig, wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt sind, eine zumutbare
Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.
Vermittlungsfähigkeit verlangt in diesem Sinn objektiv die Arbeitsberechtigung und
Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person und subjektiv ihre Bereitschaft, die
Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während der üblichen
Arbeitszeit einzusetzen (BGE 126 V 378 E. 1b mit Hinweisen; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichtes [EVG], seit 1. Januar 2007 Sozialrechtliche
Abteilung des Bundesgerichtes, vom 8. April 2003 i.S. E., C 138/03, E. 5.2).
1.2 Vermittlungsunfähigkeit liegt unter anderem vor, wenn eine versicherte Person
aus persönlichen oder familiären Gründen ihre Arbeitskraft nicht so einsetzen kann
oder will, wie es eine Arbeitgeberin oder ein Arbeitgeber normalerweise verlangt, wobei
der Grund für die Einschränkung in den Arbeitsmöglichkeiten keine Rolle spielt (Urteil
des EVG vom 12. Juni 2003 i.S. E., C 315/02, E. 3).
1.3 Wesentliches Merkmal der Vermittlungsbereitschaft ist die Bereitschaft zur
Annahme einer Dauerstelle als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin. Die Bereitschaft der
versicherten Person, eine neue Stelle anzutreten, ist aufgrund objektiver Kriterien zu
prüfen. Der Wille allein oder die bloss verbal erklärte Vermittlungsbereitschaft genügen
nicht. Bei fehlenden Aktivitäten und bei Dispositionen, die der Annahme der
Vermittlungsbereitschaft entgegenstehen, kann sich die versicherte Person nicht darauf
berufen, sie habe die Vermittlung und Suche einer Arbeit gewollt (BGE 122 V 266 f.
E. 4).
2.
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Zu klären ist die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin für den Zeitraum vom
22. März 2007 bis 30. April 2007.
2.1 Auf Grund der Akten steht fest, dass der Ehemann der Beschwerdeführerin vom
18. bis am 28. März 2007 im Spital Z._, hospitalisiert wurde (act. G3.A28) und sich
anschliessend vom 28. März bis 20. April 2007 im Universitätsspital aufhielt (act.
G3.A31). Insoweit bestand für die Beschwerdeführerin während dieser Zeit nicht die
Notwendigkeit, ihren Mann zu pflegen, so dass sie unabkömmlich gewesen wäre. Wohl
eher wollte die Beschwerdeführerin ihrem Ehemann in dieser schweren Zeit Beistand
und moralische Unterstützung leisten. Dass sie in dieser Situation die Arbeit resp. den
Orientierungskurs vernachlässigt hat, ist aus ethischen Gründen sowie aufgrund ihrer
ehelichen Beistandspflicht nachvollziehbar, begründet jedoch keinen Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung. Die Arbeitsfähigkeit, also die körperliche und geistige
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin, die soziale Eignung und die Verfügbarkeit
in räumlicher sowie in zeitlicher Hinsicht, einer Arbeit nachzugehen (Thomas
Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Ulrich Meyer (Hrsg.), Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Soziale Sicherheit, Basel 2007, Rz 264; vgl. Gerhard
Gerhards, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG), Band I, zu Art. 15,
Rz 29), hätte bei der Beschwerdeführerin während des Spitalaufenthaltes ihres
Ehemannes bestanden. Das am 16. April 2007 ausgestellte Arztzeugnis besagt zwar,
dass die Beschwerdeführerin vom 18. März 2007 bis Ende April 2007 arbeitsunfähig
sei. Der ausstellende Arzt führte jedoch keine physischen oder psychischen
Beschwerden der Beschwerdeführerin auf, sondern begründete die Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin einzig mit der Krankheit des Ehemannes. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass das ärztliche Attest das nachvollziehbare Bedürfnis der
Beschwerdeführerin belegt, ihrem Mann während des Spitalaufenthalts, sowie auch
während der Tage danach, beizustehen. Soweit nach dem Spitalaufenthalt die Spitex
den Pflegebedarf des todkranken Gatten nur teilweise abdeckte und es an der
Beschwerdeführerin lag, die Betreuung ihres Mannes zu übernehmen (act. G6), war sie
auch nicht in der Lage, eine Arbeit anzunehmen.
2.2 Die Vermittlungsfähigkeit der Beschwerdeführerin muss folglich für die
Zeitspanne vom 22. März 2007 bis 30. April 2007 verneint werden. Das am 16. April
2007 erstellte ärztliche Attest lässt darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin
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aufgrund der Erkrankung ihres Ehemannes nicht bereit bzw. in der Lage war, ihre
Arbeitskraft während der üblichen Arbeitszeit einzusetzen. Die Beschwerdeführerin
macht denn auch selbst nicht geltend, sie hätte eine ihr während dieser Zeitspanne
angebotene Dauerstelle angenommen.
3.
Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG