Decision ID: f6a12483-de1c-4833-b24d-80f548ec61a3
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Rosenbergstrasse 51, Postfach 1121,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1971 geborene S._ meldete sich am 30. Juni 2004 bei der
Invalidenversicherung zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Mit Verfügung vom
6. Januar 2005 wies die IV-Stelle den Anspruch auf berufliche Massnahmen und
Rentenleistung, aufgrund der dem Versicherten attestierten 100%igen Arbeitsfähigkeit
in adaptierter Tätigkeit, ab (IV-act. 17 und 18).
A.b Am 6. Dezember 2004 erlitt der Versicherte bei einem Auffahrunfall ein
Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS) mit druckdolenter HWS. Aufgrund der
erhobenen Befunde gelangte der SUVA-Kreisarzt in der Folge zum Schluss, dass beim
Versicherten von einem massiv krankhaften Vorzustand auszugehen sei. Die SUVA
richtete daraufhin dem Versicherten ab 1. März 2005 bei einer Teilarbeitsfähigkeit von
50% ein Taggeld von 50% aus. Mit Verfügung vom 8. Juli 2005 stellte sie sodann ihre
Leistungen per 31. Juli 2005 ein, da die aktuellen Beschwerden des Versicherten nicht
mehr unfallbedingt, sondern ausschliesslich krankheitsbedingter Natur seien. Diesen
Entscheid bestätigten das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen (Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. September 2006, UV 2006/13)
sowie das Bundesgericht (Entscheid des Bundesgerichts vom 7. Juni 2007, U 541/06;
act. 54). Das Urteil des Bundesgerichts hielt fest, es sei überwiegend wahrscheinlich,
dass gesamthaft die degenerativen Vorzustände durch den Unfall zwar vorübergehend
traumatisch verschlimmert worden seien, dieser sich aber nicht auf die bereits
bestehende Instabilität richtungsweisend ausgewirkt habe, weshalb ab 31. Juli 2005
von einem Status quo sine auszugehen sei (IV-act. 54-5).
A.c Mit Arztzeugnissen vom 15. August, 28. Oktober und 17. November 2005
bestätigte Dr. med. A._, Innere Medizin FMH, dem Versicherten eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit ab dem 1. August 2005. Dennoch bejahte das RAV
B._mit Verfügung vom 2. September 2005 die Vermittlungsfähigkeit des
Versicherten. Es gab dazu an, da der Hausarzt eine Rückführung des Versicherten in
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eine Arbeitsstelle nicht ausschliesse, könne nicht von einer dauernden
Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Daraufhin beantragte der Versicherte die
Ausrichtung der rückwirkenden und der zukünftigen Arbeitslosentaggelder bei der
Kantonalen Arbeitslosenkasse. Diese lehnte den Antrag mit Verfügung vom 8. Mai 2006
ab. Eine gegen die Verfügung vom 8. Mai 2006 erhobene Einsprache wies die
Kantonale Arbeitslosenkasse am 21. Juli 2006 ab. Dagegen reichte der Versicherte am
28. August 2006 Beschwerde ein. Mit Urteil vom 21. März 2007 (AVI 2006/120) hiess
das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen die Beschwerde teilweise gut und
wies die Kantonale Arbeitslosenkasse an, die weiteren Anspruchsvoraussetzungen zu
prüfen. Dies begründete es damit, dass der Versicherte als dauernd arbeitsunfähig zu
qualifizieren und deshalb vermittlungsunfähig sei.
A.d Am 21. Juni 2007 verfügte das RAV B._ die wiedererwägungsweise Aufhebung
der Verfügung vom 2. September 2005 und verneinte die Vermittlungsfähigkeit des
Versicherten ab dem 1. August 2005. Die dagegen erhobene Einsprache des
Versicherten wies das RAV am 28. September 2007 ab. Der Versicherte reichte darauf
am 29. Oktober 2007 beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde
ein. Mit Urteil vom 27. Juni 2008 (AVI 2007/115) wies das Gericht die Beschwerde ab.
Dabei bezeichnete es die Verfügung des RAV vom 2. September 2005 als offensichtlich
unrichtig.
A.e In der Zwischenzeit hatte sich der Versicherte am 24. August 2005 erneut zum
Bezug von IV-Leistungen angemeldet und berufliche Massnahmen sowie eine Rente
beantragt. Er gab dabei an, seit einem Autounfall am 6. Dezember 2004 an dauernden
Kreuzschmerzen zu leiden (IV-act. 19).
A.f Mit Arztbericht vom 20. September 2005 hielt darauf Dr. med. A._
zusammenfassend als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
chronische Lumboischialgie fest. Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in seiner
angestammten Tätigkeit sei vom 6. Dezember 2004 bis 28. Februar 2005 zu 100% und
vom 1. März 2005 bis 28. Juni 2005 zu 50% eingeschränkt gewesen. Vom 29. Juni
2005 bis auf weiteres bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit gab Dr. med. A._ an, er empfehle eine
Arbeitsbelastungsabklärung durch die IV (IV-act. 32).
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A.g Im Arztbericht vom 30. September 2005 attestierte Dr. med. C._, Chirurgie FMH,
dem Versicherten für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 21. Juni 2005 bis 28. Juni 2005, aufgrund einer chronischen Lumboischialgie (IV-
act. 33).
A.h Am 23. November 2006 bestätigte Dr. med. A._ im Verlaufsbericht die gestellte
Diagnose einer chronischen Lumboischialgie. Zur Arbeitsfähigkeit gab er an, es sei
dem Versicherten eine ganz leichte, rückengerechte Arbeit mit dauernd wechselnder
Arbeitsposition ohne repetitives Arbeiten und ohne Bücken theoretisch zumutbar.
Dabei bestehe je nach Arbeit vielleicht eine verminderte Leistungsfähigkeit von 20 bis
30%. Insgesamt sei dem Versicherten eine leidensadaptierte Tätigkeit ganztags mit
einer Arbeitsleistung von 80% möglich. Im Weiteren halte er, falls von der IV als
notwendig erachtet, eine Abklärung der Belastbarkeit des Versicherten sowie der
Umschulungsmöglichkeiten unter geschützten Bedingungen für angezeigt (IV-act. 47).
A.i Mit Antwort vom 28. August 2007 teilte der Rechtsvertreter des Versicherten, lic. iur.
Daniel Küng, der IV-Stelle mit, der Versicherte habe seit 2. Juli 2007 mit dreimonatiger
Probezeit eine Arbeit bei der D._ AG Transporte aufnehmen können. Dabei arbeite er
als Lagerarbeiter während ca. 5 Stunden mit der Elektroameise und ca. 3 Stunden
verbringe er mit dem Richten von Kleinpaketen (IV-act. 56).
A.j Am 4. September 2007 hielt Dr. med. A._ zusammenfassend als Diagnosen im
Verlaufsbericht (IV-act. 57) ein chronisches lumbovertrebrales Syndrom, ein schweres
obstruktives Schlafapnoesyndrom, Adipositas, eine Refluxösophagitis, chronischer
Nikotinabusus und Asthma bronchiale fest. Zum Verlauf führte er auf, der Versicherte
habe unverändert tieflumbale Kreuzschmerzen, weshalb er maximal 20 bis 30 Minuten
sitzen könne. Er versuche ausserdem sein Gewicht mit Hilfe von Reductil zu
reduzieren. In der Zeit vom 16. April bis 1. Juni 2007 sei der Versicherte aufgrund einer
distalen Tibia Fissur links unfallbedingt arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 2. Juli 2007
arbeite der Versicherte nun durch eigene Initiative bei der Firma D._ AG Transporte.
Dabei seien die Arbeitsverhältnisse für das Rückenleiden des Versicherten fast optimal.
Er könne dauernd die Arbeitsposition wechseln, müsse keine Lasten heben und sich
nur selten bücken. Aufgrund seiner Rückenschmerzen komme er aber nicht ohne
regelmässige Einnahme von Mephadolor aus. Falls der Versicherte diese Arbeit
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weiterführen könne, dürfte die unmittelbare Prognose gut sein, langfristig sei sie noch
ungewiss. Bei einer erneuten Verschlechterung der Rückenschmerzen würde sich
sodann wieder die Frage der Abklärung durch die IV und einer eventuellen Umschulung
stellen. Im Moment sei dem Versicherten eine rückenadaptierte Tätigkeit mit leichten
Gewichten ohne repetitiven Bewegungsablauf, mit wechselnder Arbeitsposition und
staubfreiem Arbeitsplatz zumutbar. In der am 2. Juli 2007 begonnenen Arbeit sei er mit
voller Leistung zu 100% arbeitsfähig. Ob diese Arbeitsleistung aufrechterhalten werden
könne, sei aber noch ungewiss.
A.k Im Arbeitgeberfragebogen vom 1. Oktober 2007 gab die Personalabteilung der
E._ AG an, der Versicherte sei seit dem 2. Juli 2007 temporär unbefristet bei der
D._ AG angestellt. Die Arbeitszeit betrage 8,4 Stunden pro Tag, mit einem
Stundenlohn von brutto Fr. 27.--. Der Versicherte verrichte allgemeine Lagerarbeiten im
Pensum von 100% (IV-act. 58).
A.l Mit Stellungnahme des RAD vom 12. Oktober 2007 wurde festgehalten, der
Versicherte sei in seiner angestammten Arbeit dauerhaft nicht mehr arbeitsfähig. In
einer leidensangepassten Tätigkeit könne mit einer weitgehend vollen Arbeitsfähigkeit
gerechnet werden, wobei dem Versicherten zeitweise vermehrte Pausen zugestanden
werden sollten. Es müsse sich dabei um eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit
handeln, die kein Heben und Tragen von Lasten über 5 kg, keine Zwangspositionen der
Wirbelsäule, keine Exposition gegenüber Staub und keine länger dauernden repetitiven
Tätigkeiten aufweise. Medizinische Massnahmen könnten die degenerativen
Erscheinungen nicht mehr verringern (IV-act. 59).
A.m Am 26. Oktober 2007 unterschrieb der Versicherte seinen Arbeitsvertrag bei der
D._ AG. Damit wurde er per 1. Januar 2008 als Lagerist zu 100% mit einem
Monatslohn von brutto Fr. 5'200.-- angestellt (IV-act. 62).
A.n Mit Vorbescheid vom 4. Dezember 2007 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
Ablehnung beruflicher Massnahmen sowie einer Invaliditätsrente, aufgrund der
bestehenden vollen Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit, in Aussicht (IV-act.
67 und 68).
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A.o Mit Verfügung vom 30. Januar 2008 wies die IV-Stelle die Leistungsbegehren des
Versicherten im Sinne des Vorbescheids ab (IV-act. 69 und 70).
B.
B.a Die Beschwerde vom 29. Februar 2008 richtet sich gegen die Verfügung vom
30. Januar 2008 (act. G1). Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, lic. iur. Daniel
Küng, beantragt die Verfügung vom 30. Januar 2008 sei vollumfänglich aufzuheben. Es
sei dem Beschwerdeführer eine ganze Invalidenrente ab wann rechtens bis wann
rechtens zu entrichten. In der Beschwerdebegründung vom 28. August 2008 (act. G11)
führt der Rechtsvertreter an, der Beschwerdeführer stehe seit Juli 2007 in einem
Arbeitsverhältnis. Es könne aber nicht angehen, dass daraus der Schluss gezogen
werde, dass er in der Zeit davor ebenfalls ein Einkommen von Fr. 66'365.-- habe
erzielen können. Der Beschwerdeführer sei ab dem 6. Dezember 2004 zuerst unfall-,
dann krankheitsbedingt, in seiner Arbeitsfähigkeit in einem invalidisierenden Ausmass
eingeschränkt gewesen, sodass er zumindest von Dezember 2005 bis 11. August
2006, eventuell bis zum 16. Juli 2006 und subeventuell bis 30. Juni 2006 Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente habe. Dass die SUVA vom 1. März 2005 bis zum 31. Juli
2005 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen sei, vermöge daran nichts zu
ändern. Im Weiteren verweist er auf die ergangenen Urteile des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen betreffend Arbeitslosenversicherung und Unfallversicherung
(UV 2006/13, AVI 2006/120, AVI 2007/115). In letzterem habe das Gericht bestätigt,
dass vom 1. August 2005 bis zum 30. Juni 2006 keine Vermittlungsfähigkeit des
Beschwerdeführers bestanden habe.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2008 (act. G16) beantragt die IV-Stelle
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, die Beschwerde sei
abzuweisen. Die Beschwerdegegnerin macht geltend, es könne nicht aus der
Tatsache, dass aus arbeitslosenrechtlicher Sicht ab dem 1. August 2005 bis zum 30.
Juni 2006 keine Vermittlungsfähigkeit vorgelegen habe, auf eine allfällig vorliegende
Invalidität geschlossen werden. Bei der im Gerichtsurteil (AVI 2005/115) mehrfach
durch Dr. med. A._ bestätigten Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers, sei zu
beachten, dass es sich dabei nicht notwendigerweise um die IV-rechtlich relevante
Arbeitsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit gehandelt habe. Dr. med.
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A._ habe seine Einschätzungen auch gegenüber der IV abgegeben. Aufgrund der
abgegebenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen habe Dr. med. A._ sich für den fraglichen
Zeitraum ab dem 1. August 2005 zunächst nicht zur IV-rechtlich relevanten
Arbeitsfähigkeit adaptiert geäussert und danach im November 2006 in dem Sinn, dass
schon längere Zeit eine nicht wesentlich eingeschränkte Arbeitsfähigkeit adaptiert
bestehe. Aufgrund dieser Einschätzungen sowie anderer medizinischer Unterlagen sei
der RAD zum Schluss gekommen, dass beim Beschwerdeführer in einer
leidensangepassten Tätigkeit seit dem 1. August 2005 eine weitgehend volle
Arbeitsfähigkeit bestanden habe. Somit habe kein Rentenanspruch entstehen können
und die angefochtene Verfügung erweise sich als korrekt. Dies decke sich auch mit der
bundesgerichtlichen Feststellung im Rahmen des SUVA-Verfahrens, dass nach
Abklingen der unfallbedingten Folgen Ende Juli 2005 der Status quo sine erreicht
worden sei. Unter der Voraussetzung, dass die Unfallfolgen nach einem halben Jahr
abgeklungen waren und der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sich danach
gleich wie zuvor präsentiert habe, sei es plausibel, dass die Anforderungen an eine
adaptierte Tätigkeit sowie deren Umfang in etwa die gleichen waren wie schon bei der
ersten Ablehnung im Januar 2005. Da im Ergebnis aktuell auch wieder eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit adaptiert vorliege, sei es unwichtig, dass damals die
Rückenschmerzen noch nicht für eine leidensadaptierte Tätigkeit berücksichtigt
worden waren.
B.c In der Replik vom 13. Mai 2009 hält der Beschwerdeführer an den
Beschwerdebegehren fest. Er gibt an, es sei nicht ersichtlich, weshalb die im Urteil
AVI 2007/115 durch Dr. med. A._ mehrfach bestätigte vollständige Arbeitsunfähigkeit
nicht eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit in einer dem
Leiden angepassten Tätigkeit sein soll (act. G29).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat am 27. Mai 2009 auf die Einreichung einer Duplik
verzichtet (act. G31).

Erwägungen:
1.
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1.1 Am 1. Januar 2008 sind die anlässlich der 5. IV-Revision vorgenommenen
Änderungen des IVG und anderer Erlasse in Kraft getreten. Die angefochtene
Verfügung wurde von der Beschwerdegegnerin am 30. Januar 2008 erlassen. Zu
beurteilen ist ein Sachverhalt, der sich vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision entwickelt
hat. Aufgrund der allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln ist es gerechtfertigt, auf
den vor dem 31. Dezember 2007 zu beurteilenden Sachverhalt die damals geltenden
Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt die neuen Normen anzuwenden (vgl. BGE 130
V 446 E. 1). Für die Invaliditätsbemessung ergeben sich dadurch keine substanziellen
Änderungen. Neu normiert wurde demgegenüber der Zeitpunkt des Rentenbeginns,
der, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (neuArt. 28
Abs. 1 IVG), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens sechs Monate nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach neuArt. 29 Abs. 1 ATSG entsteht. Es
fragt sich, ob und unter welchen Voraussetzungen bei Verfügungen unter neuem Recht
für den Anspruchsbeginn dennoch die bisherigen Bestimmungen anzuwenden sind.
Das Bundesgericht hat gestützt auf das Rundschreiben des Bundesamtes für
Sozialversicherungen (Nr. 253 vom 12. Dezember 2007), wenn der Rentenanspruch vor
dem 1. Januar 2008 entstanden ist, altes Recht angewendet (vgl. Entscheide des
Bundesgerichts vom 28. August 2008, 8C_373/2008, und vom 9. März 2009,
8C_491/08). Angesichts der IV-Anmeldung vom August 2005 sowie des Eintritts der
Arbeitsunfähigkeit vom Dezember 2004 ist ein allfälliger Rentenanspruch des
Beschwerdeführers vor dem 1. Januar 2008 entstanden. Demzufolge können
vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen
angewendet werden.
1.2 Mit angefochtener Verfügung vom 30. Januar 2008 wies die IV-Stelle die
Leistungsbegehren des Beschwerdeführers aufgrund einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
in adaptierter Tätigkeit ab. Der Beschwerdeführer beantragt eine ganze Invalidenrente
ab Dezember 2005 bis 11. August 2006, eventualiter bis 16. Juli 2006 und
subeventualiter bis 30. Juni 2006. Somit ist vorliegend ein vorübergehender
Rentenanspruch des Beschwerdeführers strittig. Fraglich ist dabei zunächst, ob das
Wartejahr erfüllt ist. Für die Entstehung des Rentenanspruchs gemäss Art. 29 Abs. 1 lit.
b IVG ist grundsätzlich die Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf massgebend. Der
Beschwerdeführer war im Zeitpunkt des Unfalls aber stellenloser Hilfsarbeiter, sodass
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es für ihn keine bestimmte angestammte Tätigkeit gibt. Massgebend ist, ob die
erforderliche Arbeitsunfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit eingetreten ist.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Gemäss Art. 7 ATSG
ist Erwerbsunfähigkeit der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt.
2.2 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch einer versicherten Person auf eine
ganze Invalidenrente, wenn sie mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor,
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei mindestens 40% Anspruch auf eine
Viertelsrente. Für die Bemessung des Invaliditätsgrades einer erwerbstätigen
Versicherten wird gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
3.
3.1 Um die für den Einkommensvergleich massgebende prozentuale Arbeitsfähigkeit
ermitteln zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die der Arzt und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der medizinischen Fachperson ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (vgl. BGE
125 V 261f. E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt objektiv zu prüfen und danach zu
entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des
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streitigen Rechtsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 125
V 352 E. 3a).
3.2 Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat der Richter bei Gutachten nach
der Praxis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung des medizinischen
Experten abzuweichen, dessen Aufgabe es ist, seine Fachkenntnisse der
Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt
medizinisch zu erfassen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Expertise
widersprüchlich ist, wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in
überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt oder wenn
gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachexperten dem Richter als triftig
genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gutachtens in Frage zu stellen (vgl. BGE 125 V
353 E. 3b).
3.3 In den IV-Akten sind insbesondere Berichte vom Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr. med. A._, vorzufinden. Mit Arztbericht vom 20. September 2005 bestätigte er
dem Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit vom 6. Dezember 2004 bis
28. Februar 2005 eine 100%ige, vom 1. März bis 28. Juni 2005 eine 50%ige und vom
29. Juni 2005 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielt er eine chronische Lumboischialgie fest.
Darüber hinaus gab er an, die Prognose sei ungewiss. Es würde deshalb sinnvoll sein,
den Patienten durch die IV bezüglich Belastbarkeit und der Einsetzbarkeit an
verschiedenen Arbeitsstellen abzuklären. Im Verlaufsbericht vom 23. November 2006
hielt Dr. med. A._ zusammenfassend fest, es sei aufgrund des bisherigen Verlaufs
prognostisch mit keiner Besserung zu rechnen. Seiner Ansicht nach sollte eine
Abklärung der Arbeitsmöglichkeiten des Beschwerdeführers durch die IV
vorgenommen werden. Aufgrund der Situation sei es dem Beschwerdeführer aber
möglich, eine ganz leichte, rückengerechte Arbeit mit dauernd wechselnder
Arbeitsposition ohne repetitives Arbeiten und ohne Bücken zu verrichten. Eine solche
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Arbeit würde ganztags mit einer Arbeitsleistung von 80% möglich sein. Ein weiterer
Verlaufsbericht vom 4. September 2007 bestätigte die bisherigen Diagnosen. Dr. med.
A._ gab an, die Schmerzen des Beschwerdeführers seien unverändert. Es sei ihm
aber eine rückenadaptierte Tätigkeit mit leichten Gewichten (nicht über 5 kg) ohne
repetitiven Bewegungsablauf, mit wechselnder Arbeitsposition und staubfreiem
Arbeitsplatz zumutbar. Des Weiteren sei die seit dem 2. Juli 2007 vom
Beschwerdeführer ausgeübte Arbeit für ihn wahrscheinlich im Moment das Optimum.
Deshalb sei dem Beschwerdeführer diese Arbeit ganztags mit voller Leistung
zuzumuten. Ob er die Arbeitsleistung aufrechterhalten könne sei noch ungewiss.
3.4 Der Beschwerdeführer stützt sich bei seinen Anträgen hauptsächlich auf die
Arztberichte von Dr. med. A._ aus dem Verfahren der Arbeitslosenversicherung sowie
auf die dabei ergangenen Urteile. In jenem Verfahren bescheinigte Dr. med. A._ dem
Beschwerdeführer im August, Oktober und November 2005 bis auf Weiteres eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Im Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 27. Juni 2007 (AVI 2007/115) wurde daraus der Schluss gezogen, der
Beschwerdeführer sei ab August 2005 bis zum 30. Juni 2006 vermittlungsunfähig
gewesen. Der Beschwerdeführer macht geltend, aufgrund dieser
Vermittlungsunfähigkeit sowie der vollen Arbeitsunfähigkeit während der fraglichen
Zeit, sei ihm von Dezember 2005 bis zum 11. August 2006, eventualiter bis zum 16. Juli
2006 und subeventualiter bis zum 30. Juni 2006 eine volle Invalidenrente auszurichten.
Die Beschwerdegegnerin begründet ihre Anträge anhand der erwähnten Arztberichte in
den IV-Akten. Aus diesen Berichten könne gefolgert werden, dass die Einschätzungen
für den Zeitraum ab dem 1. August 2005 zunächst nicht IV-rechtlich relevant gewesen
seien und erst im November 2006 eine Arbeitsfähigkeitsschätzung adaptiert geäussert
worden sei. Auch der RAD habe bestätigt, dass der Beschwerdeführer in einer
leidensangepassten Tätigkeit seit dem 1. August 2005 weitgehend voll arbeitsfähig
gewesen sei. Deshalb habe kein Rentenanspruch entstehen können und die
angefochtene Verfügung erweise sich als korrekt.
3.5 Die Arbeitsunfähigkeitsschätzungen im Arztbericht vom 20. September 2005
beziehen sich auf die Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der Schreinerei F._ AG.
Ausschliesslich aufgrund der bestehenden Holzstauballergie des Beschwerdeführers
konnte er diese jedoch seit dem 1. Juli 2004 nicht mehr ausüben (IV-act. 6-1). Danach
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war der Beschwerdeführer arbeitslos. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls am 6. Dezember
2004 stand der Beschwerdeführer somit in keinem Arbeitsverhältnis, war jedoch für
jegliche Tätigkeiten ohne Staubexposition voll arbeits- und vermittlungsfähig. Die
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ist somit auch für das Wartejahr massgebend.
3.6 Nach Art. 15 Abs. 2 AVIG i.V.m. Art. 15 Abs. 3 AVIV wird bei der Bejahung der
Vermittlungsfähigkeit durch die Arbeitslosenversicherung die Beurteilung der Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit durch die anderen Versicherungen, namentlich IV und BV, nicht
berührt. Denn zur Vermittlungsfähigkeit in der Arbeitslosenversicherung gehört nicht
nur die Arbeitsfähigkeit im objektiven Sinn, sondern subjektiv auch die Bereitschaft, die
Arbeitskraft entsprechend den persönlichen Verhältnissen während der üblichen
Arbeitszeit einzusetzen (BGE 123 V 216 E. 3 mit Hinweisen). In der
Invalidenversicherung hingegen wird die Arbeitsfähigkeit einer körperlich oder geistig
behinderten Person anhand einer objektiven Einschätzung der möglichen
Leistungsfähigkeit in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit beurteilt. Die verfügten
und mit Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen bestätigten Zeiten der
Vermittlungsunfähigkeit des Beschwerdeführers lassen daher nicht auf eine IV-rechtlich
relevante Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit schliessen.
3.7 Eine Arbeitsfähigkeitsschätzung in adaptierter Tätigkeit wurde erst mit
Verlaufsbericht vom 23. November 2006 festgehalten. Dr. med. A._ attestierte dem
Beschwerdeführer dabei eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Für die Zeit davor, vom Unfall
am 6. Dezember 2004 bis zum 23. November 2006, liegen keine
Arbeitsfähigkeitsschätzungen für adaptierte Tätigkeiten vor. Im Verlaufsbericht vom 23.
November 2006 gab Dr. med. A._ an, prognostisch sei aufgrund des bisherigen
Verlaufs mit keiner Besserung des Gesundheitszustandes zu rechnen. Dies lässt darauf
schliessen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Laufe der
Behandlung nicht wesentlich verbessert hat. Das Rückenleiden des Beschwerdeführers
im Zeitpunkt der adaptierten Arbeitsfähigkeitsschätzung unterscheidet sich somit nicht
bedeutend vom Zustand im bisherigen Verlauf. Es ist anzunehmen, dass die
Rückenproblematik zu Beginn durch den Unfall verstärkt vorhanden war. Ab dem 31.
Juli 2005 war gemäss Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2007 jedoch der Status
quo sine wieder erreicht. Von da an bestand somit nur noch das krankhafte
Rückenleiden des Beschwerdeführers ohne unfallbedingte Einbussen. Demzufolge
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sowie gemäss Arztbericht vom 23. November 2006 hat sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers spätestens ab dem 31. Juli 2005 bis zur adaptierten
Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht wesentlich verbessert. Es kann somit davon
ausgegangen werden, dass eine adaptierte Arbeitsfähigkeitsschätzung nach Eintritt
des Status quo sine am 31. Juli 2005 im gleichen Umfang wie diejenige vom 23.
November 2006 ausgefallen wäre. Damit lag beim Beschwerdeführer seit dem 31. Juli
2005 in adaptierter Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit vor. Mit Arztbericht vom
4. September 2007 attestierte Dr. med. A._ dem Beschwerdeführer sodann eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit. Nachdem der Beschwerdeführer im
Juli 2007 eine neue Arbeitsstelle angenommen hatte, wurde die dabei zu verrichtende
Arbeit von Dr. med. A._ als optimale mit voller Leistungsfähigkeit auszuübende Arbeit
bezeichnet. Gemäss aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens
im Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen war.
Eine massgebende rentenbegründende Arbeitsfähigkeit ist vorliegend ab dem 31. Juli
2005 bis auf weiteres nicht mehr gegeben. Wird der Beginn des Wartejahres auf den
frühesten Zeitpunkt, nämlich den Unfall am 6. Dezember 2004, gelegt, gilt das
Wartejahr ab dem 31. Juli 2005 als wesentlich und bis auf weiteres unterbrochen.
Daher entsteht beim Beschwerdeführer kein Rentenanspruch.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde unter Bestätigung
der angefochtenen Verfügung vom 30. Januar 2008 abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- ist dem
Verfahrensaufwand angemessen. Als unterliegende Partei hat der Beschwerdeführer
die Gerichtskosten zu bezahlen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Mit dem von ihm geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist die geschuldete Gerichtsgebühr getilgt. Bei
vollständigem Unterliegen besteht kein Anspruch auf Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG