Decision ID: 29d2d7fc-7a13-49b4-ab48-f439423c0fe0
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
X._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) wurde mit Verfügung vom
19. April 2022 des Bundesamtes für Zivildienst ZIVI, Regionalzentrum
Aarau (nachfolgend: Vorinstanz) zum Zivildienst zugelassen. Gestützt auf
das Personalinformationssystem der Armee (PISA) setzte die Vorinstanz
die Gesamtdauer der ordentlichen Zivildienstleistungen auf 446 Diensttage
fest (Dispositiv-Ziffer 2).
B.
Am 20. April 2022 ersuchte der Beschwerdeführer die Vorinstanz
telefonisch um Auskunft zur berechneten Gesamtdauer der ordentlichen
Zivildienstleistungen. Die Vorinstanz teilte dem Beschwerdeführer mit,
dass militärische Durchdiener verpflichtet seien, eine höhere Anzahl an
Diensttagen zu leisten. Diese Regelung gelte auch für den Zivildienst.
C.
Am 21. April 2022 erhob der Beschwerdeführer gegen die Zulassungs-
verfügung vom 19. April 2022 Beschwerde an das Bundesverwaltungs-
gericht. Der Beschwerdeführer beantragt, es sei ihm die Gesamtdauer
seiner Zivildienstleistung zu reduzieren. Zur Begründung macht er im
Wesentlichen geltend, er sei bei seiner Rekrutierung vom 26. Oktober 2021
wegen einer Knieverletzung nicht zum Sporttest zugelassen worden. Im
Rahmen seiner Nachrekrutierung vom 24. März 2022 sei ihm mittgeteilt
worden, falls er die Rekrutenschule im Sommer absolvieren wolle, müsse
er mit einer übrig gebliebenen Funktion vorlieb nehmen und das
Durchdienermodell wählen. Aufgrund seines geplanten Studienbeginns an
der (Name der Hochschule) im September 2023 habe er sich die
Möglichkeit offenhalten wollen, eventuell weiterzumachen, falls ihm der
Militärdienst zusage. Er sei schliesslich für die Sommer-Rekrutenschule
zugelassen und als Infanterist im Durchdienermodell eingeteilt worden. Da
sein "Traum vom Aufklärer" wegen der Nachrekrutierung geplatzt sei und
er sich nicht in der Funktion eines Infanteristen sehe, habe er sich nach
reiflicher Überlegung für den Zivildienst entschieden.
D.
Während laufendem Beschwerdeverfahren erteilte der Rechtsdienst der
Vorinstanz dem Beschwerdeführer am 3. Mai 2022 telefonisch Auskunft zur
Zivildienstpflicht. Die Vorinstanz wies den Beschwerdeführer darauf hin,
dass im Zivildienst nicht alle Diensttage am Stück zu leisten seien. Der
Beschwerdeführer habe daraufhin erklärt, er beabsichtige, den Zivildienst
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in einem Einsatz zu leisten. Wegen der langen Dienstpflicht als eingeteilter
militärischer Durchdiener müsse er allerdings sein Studium verschieben.
Er habe eine besondere Rekrutierung gehabt und nicht gewusst, dass bei
Wahl des Durchdiener-Modells viel mehr Zivildiensttage zu leisten seien.
E.
Am 27. Mai 2022 reichte die Vorinstanz ihre Vernehmlassung samt
Vorakten ein und beantragt die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, sie sei für die Rekrutierung und
Nachrekrutierung als Behörde weder zuständig noch darin involviert. Die
Zuteilung zum Durchdienen erfolge freiwillig, wobei hierfür vor oder
während der Rekrutenschule eine Anmeldung notwendig und eine
Verpflichtungserklärung zu unterzeichnen sei. Auf der Rückseite der
Verpflichtungserklärung werde erläutert, unter welchen Voraussetzungen
ein Statuswechsel vom Durchdiener- ins WK-Modell möglich sei. Am
19. Mai 2022 habe sie zu dieser Frage die zuständige Militärbehörde
konsultiert. Die Vorinstanz führt sodann aus, soweit der Beschwerdeführer
sein Studium an der (Name der Hochschule) in Gefahr sehe, sei er darauf
hinzuweisen, dass er seine Einsätze im Rahmen der gesetzlichen
Vorgaben selber planen könne.
F.
Die Vernehmlassung der Vorinstanz vom 27. Mai 2022 wurde dem
Beschwerdeführer inklusive Kopien der Beilagen am 30. Mai 2022
zugestellt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Verfügung der Vorinstanz vom 19. April 2022 kann nach Art. 63
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 1995 über den zivilen Ersatz-
dienst (Zivildienstgesetz, ZDG; SR 824.0) im Rahmen der allgemeinen
Bestimmungen über die Bundesverwaltungsrechtspflege mit Beschwerde
vor dem Bundesverwaltungsgericht angefochten werden (Art. 5 Abs. 1
Bst. a und Art. 44 ff. des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezem-
ber 1968 [VwVG; SR 172.021] i.V.m. Art. 31 ff. und Art. 37 ff. des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [VGG; SR 173.32]).
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1.2 Als Adressat ist der Beschwerdeführer durch die angefochtene Verfü-
gung vom 19. April 2022 besonders berührt und er hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Der Beschwerdeführer ist
daher beschwerdeberechtigt (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerdefrist
wurde eingehalten (Art. 66 Bst. b ZDG). Ebenso sind die Anforderungen an
Form und Inhalt der Beschwerdeschrift (Art. 52 Abs. 1 VwVG) erfüllt. Die
übrigen Sachurteilsvoraussetzungen (Art. 47 ff. VwVG) liegen ebenfalls
vor. Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2.
2.1 Jeder Schweizer ist verpflichtet, Militärdienst zu leisten. Das Gesetz
sieht einen zivilen Ersatzdienst vor (Art. 59 Abs. 1 BV). Militärdienstpflich-
tige, die den Militärdienst mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können,
leisten gemäss Art. 1 ZDG auf Gesuch hin einen länger dauernden zivilen
Ersatzdienst (Zivildienst), welcher grundsätzlich 1,5-mal so lange wie die
Gesamtdauer der noch nicht geleisteten Ausbildungsdienste nach der Mi-
litärgesetzgebung dauert. Für zivildienstpflichtige Personen, die höhere
Unteroffiziere oder Offiziere waren, dauert er 1,1-mal so lange. Für Spezi-
alfälle, insbesondere frühere Fachoffiziere und Kader, die den praktischen
Dienst noch nicht geleistet haben, regelt der Bundesrat, wie die Dauer des
Zivildienstes zu berechnen ist (Art. 8 Abs. 1 ZDG). Die Zivildienstpflicht be-
ginnt, sobald der Entscheid für die Zulassung zum Zivildienst rechtskräftig
geworden ist. Gleichzeitig endet die Militärdienstpflicht (Art. 10 Abs. 1
ZDG).
2.2 Die Anzahl der zu leistenden Tage Ausbildungsdienst ist im Bundesge-
setz über die Armee und die Militärverwaltung (MG; SR 510.10) vom
3. Februar 1995 und in der Verordnung über die Militärdienstpflicht vom
22. November 2017 (VMDP; SR 512.21) geregelt. Gemäss Art. 42 Abs. 2
MG in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 Bst. a Ziff. 1 VMDP leisten Soldaten
und Gefreite 245 Tage Ausbildungsdienst. Für durchdienende Soldaten
und Gefreite beträgt die Anzahl der insgesamt zu leistenden anrechenba-
ren Tage Ausbildungsdienst während der bis am 31. Dezember 2022 dau-
ernden Übergangsfrist 300 Tage (Art. 151 Abs. 1 und 2 Bst. c MG i.V.m.
Art. 111 Abs. 1 VMDP). Zur Berechnung der ordentlichen Zivildienstleistun-
gen übernimmt das ZIVI die Angaben aus dem Personalinformationssys-
tem der Armee über die Gesamtdauer der noch nicht geleisteten Ausbil-
dungsdienste nach der Militärgesetzgebung (Art. 8 Abs. 1 ZDG i.V.m.
Art. 27 der Verordnung über den zivilen Ersatzdienst vom 11. September
1996 [Zivildienstverordnung, ZDV; SR 824.01]).
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2.3 Gemäss Art. 54a Abs. 1 Satz 1 MG kann der Militärdienstpflichtige
seine Ausbildungspflicht freiwillig ohne Unterbrechung erfüllen. Dieser Re-
gelung entspricht Art. 20 Satz 1 ZDG, wonach der Zivildienst in einem oder
mehreren Einsätzen geleistet wird. Die zivildienstpflichtige Person, die
keine Rekrutenschule bestanden hat, leistet gestützt auf Art. 20 ZDG in
Verbindung mit Art. 37 Abs. 1 ZDV einen langen Einsatz von mindestens
180 Tagen.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer wendet sich nicht gegen die konkrete Berech-
nung der zu leistenden 446 Zivildiensttage an sich. Er beanstandet viel-
mehr die Umstände seiner Rekrutierung und die Berechnungsgrundlage
seiner Zivildienstleistungen. Letztere knüpfe an seine Zuteilung als militä-
rischer Durchdiener in der Infanterie an. Der Beschwerdeführer rügt, er
habe das Durchdienermodel wählen "müssen". Bei hinreichender Informa-
tionsgrundlage hätte er sich anders entschieden. Der Beschwerdeführer
räumt aber ein, sich vorgängig nicht über die Dauer des Zivildienstes infor-
miert zu haben. Wegen der 446 Zivildiensttage stehe sein Studium an der
(Name der Hochschule) nun wieder auf der Kippe (Beschwerdeschrift,
S. 1 f.).
3.2 Die Vorinstanz führt aus, die Bewilligung eines Gesuchs um Wechsel
ins WK-Modell – mit entsprechender Anpassung der zu leistenden Zivil-
diensttage – liege ausserhalb ihrer gesetzlichen Zuständigkeit. Im Rahmen
ihrer Vorbereitung zur Vernehmlassung habe sie die hierfür zuständige Mi-
litärbehörde kontaktiert. Diese vertrete im Hauptstreitpunkt die Auffassung,
dass der Beschwerdeführer die Verpflichtungserklärung für Durchdienende
unterschrieben und sich dadurch verpflichtet habe, seinen Militärdienst mit
300 Diensttagen zu leisten. Bei der Festlegung der Gesamtdauer der or-
dentlichen Zivildienstleistungen stütze sie sich von Gesetzes wegen auf die
Angaben im PISA zur Gesamtdauer der noch nicht geleisteten Ausbil-
dungsdienste (Vernehmlassung, Ziffer 1.3; Vernehmlassungsbeilage 8).
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4.
4.1 Die Vorinstanz weist zunächst zu Recht darauf hin, dass sie zur Be-
rechnung der Dauer der ordentlichen Zivildienstleistungen grundsätzlich an
die im PISA gespeicherte Gesamtdauer der noch nicht geleisteten Ausbil-
dungsdienste nach der Militärgesetzgebung gebunden ist. Die auf Art. 8
Abs. 1 ZDG in Verbindung mit Art. 27 ZDV gestützte Berechnung von 297
zu leistenden Militärdiensttagen multipliziert mit dem Faktor 1,5 erweist
sich daher als formal korrekt.
4.2 Das Bundesverwaltungsgericht hatte schon verschiedentlich zivil-
dienstrechtliche Fragen zu beurteilen, welchen die militärische Einteilung
als Durchdiener zugrunde lag:
4.2.1 Im Beschwerdeverfahren B-2474/2019 äusserte sich das konsultierte
Generalsekretariat VBS dahingehend, dass "die Unterzeichnung der Ver-
pflichtungserklärung für Durchdiener offenbar am Anfang der Rekruten-
schule" erfolge. Das Generalsekretariat VBS hat die Auffassung vertreten,
falls die Verpflichtungserklärung – wie im damals zu beurteilenden Fall –
noch nicht unterzeichnet worden sei, eine Ungleichbehandlung im Ver-
gleich zu Nicht-Durchdienern hinsichtlich der Festsetzung der Gesamt-
dauer der Zivildienstleistungen "schwierig zu begründen wäre" (S. 2). Die
Vorinstanz zog ihre Verfügung in der Folge in Wiedererwägung und das
Beschwerdeverfahren B-2474/2019 wurde als gegenstandslos geworden
abgeschrieben (Abschreibungsentscheid vom 23. September 2019).
4.2.2 Mit Urteil BVGE 2014/50 hatte das Bundesverwaltungsgericht die un-
terbruchsfreie Leistung des Zivildienstes für militärische Durchdiener ge-
stützt auf aArt. 36a ZDV zu beurteilen. Es erwog, die unselbständige Ver-
ordnungsnorm von aArt. 36a ZDV sei gesetzeswidrig, weil sich diese
Regelung nicht auf eine hinreichende formell-gesetzliche Delegationsnorm
stütze (E. 5.8). Der Verordnungsregelung, wonach Zivildienstleistende, die
im Zeitpunkt ihrer Anmeldung zum Zivildienst als Durchdiener gemeldet
waren, einen unterbruchsfreien Zivildiensteinsatz zu leisten haben, wurde
daher die Anwendung versagt (E. 5.9). Im Nachgang zu diesem Urteil ist
aArt. 36a ZDV mit Wirkung per 1. Juli 2016 aufgehoben worden (AS 2016
1897).
4.2.3 Das Bundesverwaltungsgericht hatte auch nach Ergehen des in der
amtliche Entscheidsammlung publizierten Urteils BVGE 2014/50 Gelegen-
heit, zivildienstrechtliche Fragen zu beurteilen, welchen die militärische
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Einteilung als Durchdiener zugrunde lag (Urteile des BVGer B-3356/2014
vom 17. August 2015; B-4297/2021 vom 11. Januar 2022). Es hat sich da-
bei namentlich auf die in BVGE 2014/50 entwickelte Argumentation ge-
stützt, wonach der Militärdienstpflichtige ‒ bei hinreichender Information ‒
mit der Wahl des Durchdienermodells nicht zugleich auch für den Fall eines
späteren Zivildienstgesuchs die Einwilligung erteilt, den (militärischen)
Durchdienerstatus zu behalten (BVGE 2014/50 E. 4.6).
4.3 Gemäss eigener Sachdarstellung "musste" der Beschwerdeführer die
Verpflichtungserklärung für Durchdienende bereits anlässlich seiner Rek-
rutierung unterzeichnen. Hierzu ist festzuhalten, dass die Verpflichtung zur
Leistung eines unterbruchsfreien Dienstes gemäss Regelung im Militärge-
setz stets freiwillig erfolgt und die dienstpflichtige Person nicht zum Durch-
diener-Modell gezwungen werden kann (Art. 54a MG; Art. 27 Abs. 1 der
Weisungen des Chefs der Armee über die Militärdienstpflicht [Weisung
90.112 d; WMDP]). Unabhängig von einem allfälligen militärischen Durch-
dienerstatus sieht Art. 20 Satz 1 ZDG in gleicher Weise eine Wahlmöglich-
keit vor, den Zivildienst mit oder ohne Unterbrüche zu leisten (Botschaft zur
Änderung des Bundesgesetzes über den zivilen Ersatzdienst vom 21. Sep-
tember 2001, BBl 2001 6127 6188 [nachfolgend: Botschaft 2001]; zur
Gleichwertigkeit der Leistungen von zivildienstleistenden Personen und
Soldaten in Ausbildungsdiensten: Botschaft vom 22. Juni 1994 zum Bun-
desgesetz über den zivilen Ersatzdienst, BBl 1994 III 1609, 1643 f. und
1657).
4.4 Dass dem Beschwerdeführer vor der Unterzeichnung der Verpflich-
tungserklärung – im Gegensatz zu der im Beschwerdefall B-2474/2019 be-
handelten Konstellation – eine Bedenkzeit eingeräumt worden wäre, ist
nicht ersichtlich. Sinngemäss macht der Beschwerdeführer denn auch gel-
tend, dass ihm im Zeitpunkt der Einwilligung und Unterzeichnung der Ver-
pflichtungserklärung für militärische Durchdienende keine hinreichenden
Informationen zu deren Auswirkungen auf die Dauer der Zivildienstleistun-
gen zur Verfügung standen (vgl. Vernehmlassungsbeilagen 6 und 7).
4.4.1 Die Anzahl von 300 zu leistenden Diensttagen für militärische Durch-
diener wird in der "Verpflichtungserklärung für Durchdienende – Soldaten
und Kader" zwar erwähnt. Auf dem rückseitigen Formular zum Statuswech-
sel ins WK-Modell findet sich aber kein Hinweis darauf, wie viele Dienst-
tage nach dem regulären WK-Modell zu leisten wären. Die in diesem For-
mular enthaltenen Informationen betreffen einzig die rechtlichen
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Voraussetzungen für einen Wechsel ins WK-Modell nach der Zulassung
als Durchdiener im Rahmen der Militärdienstpflicht (Art. 28 Abs. 2 WMDP).
4.4.2 Gestützt auf diese Informationen konnte der Beschwerdeführer effek-
tiv nicht erkennen, inwieweit seine Einwilligung zum Durchdienermodell
über die Militärdienstpflicht hinauswirken könnte (zur Vorhersehbarkeit:
BGE 143 II 162 E. 3.2.1). Bei einer Einteilung ins militärische WK-Modell
betragen die maximalen Zivildienstleistungen für Zivildienstleistende, die
nach dem 1. Januar 2018 zugelassen worden sind, 368 Tage. Sind die Zi-
vildienstleistende aber im militärischen Durchdienermodell eingeteilt, erhö-
hen sich die maximal zu leistenden Zivildiensttage bis zum 31. Dezember
2022 demgegenüber auf 450 Tage (Art. 42 MG i.V.m. Art. 151 Abs. 1 und
2 Bst. c MG und Art. 47 Abs. 1 Bst. a Ziff. 1 VMDP i.V.m. Art. 111 Abs. 1
VMDP; Vernehmlassung, Rz. 1.2; E. 2.2). Angesichts dieser erheblichen
Mehrbelastung kann nach dem Vertrauensprinzip nicht davon ausgegan-
gen werden, dass der Beschwerdeführer mit seiner Willenserklärung zum
Durchdienen in der Armee (Art. 54a Abs. 1 MG) auch in die auf das militä-
rische Durchdienermodell abstellende Berechnung mit maximal 82 zusätz-
lichen Tagen Zivildienstleistung eingewilligt hat.
4.5 Im Ergebnis kann der Vorinstanz insoweit nicht gefolgt werden, als sie
in Art. 8 Abs. 1 ZDG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 ZDV auch die Rechts-
grundlage dafür erblickt, für die Berechnung der zu leistenden Zivildienst-
dauer auf den militärischen Durchdienerstatus abzustellen.
5.
5.1 Das Recht bildet Grundlage und Schranke staatlichen Handelns (Art. 5
Abs. 1 BV). Diese Verfassungsnorm statuiert den Vorbehalt und den Vor-
rang des Rechtssatzes. Ersterer verlangt insbesondere, dass sich behörd-
liche Akte auf eine hinreichend bestimmte generell-abstrakte Norm stützen.
Letzterer, dass sich rechtsanwendende Organe an das geltende Recht hal-
ten und rechtsetzende Organe die Normenhierarchie beachten. Durch den
Vorbehalt des Rechtssatzes sollen die Rechtssicherheit im Sinn der Vor-
hersehbarkeit sowie die Rechtsgleichheit verwirklicht werden (BVGE 2021
IV/5 E. 6.1; Urteile des BVGer B–5117/2016 vom 30. Januar 2019 E. 4.1;
B–4685/2013 vom 25. Februar 2014 E. 10.1; vgl. BGE 131 II 13 E. 6.3 ff.;
BENJAMIN SCHINDLER, in: St. Galler Kommentar, Die schweizerische Bun-
desverfassung, 3. Aufl. 2014, Art. 5 N. 18 ff.; ULRICH HÄFELIN/GEORG MÜL-
LER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 325,
338 ff.). Art. 164 Abs. 1 BV bestimmt, dass auf Bundesebene alle wichtigen
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rechtsetzenden Bestimmungen in der Form des Bundesgesetzes zu erlas-
sen sind. Als massgebliche Kriterien zur Umschreibung der Wichtigkeit im
Sinne des materiellen Gesetzesvorbehalts gelten namentlich die Intensität
des Eingriffs, die Zahl von der Regelung betroffenen Personen, die finan-
zielle Bedeutung und die Akzeptanz der Massnahmen (ULRICH HÄFE-
LIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, a.a.O., Rz. 354 ff.).
5.2 Nach Praxis der Vorinstanz müssen Betroffene aufgrund ihrer Eintei-
lung als militärische Durchdiener gegenüber Zivildienstleistenden, bei wel-
chen das WK-Modell als Berechnungsgrundlage dient, erheblich mehr Zi-
vildienstleistungen erbringen (E. 4.4.2). Dieser Eingriff berührt die
Rechtsstellung der Betroffenen erheblich, denn die längeren Zivildienstleis-
tungen ziehen gewichtige Folgen für die Ausbildung, den Beruf und die
wirtschaftliche Situation nach sich (vgl. BVGE 2014/50 E. 4.5). Eine gene-
relle Übernahme des militärischen Durchdienerstatus für die Berechnung
der ordentlichen Zivildienstleistungen bedürfte daher – um dem Legalitäts-
prinzip (vgl. E. 5.1.) zu genügen – einer gesetzlichen Grundlage (BVGE
2014/50 E. 2.2 und E. 4.9).
5.3 Gemäss Art. 20 ZDG wird der Zivildienst in einem oder mehreren Ein-
sätzen geleistet. Der Bundesrat regelt die Mindestdauer und die zeitliche
Abfolge der Einsätze. Auf Grundlage dieser Delegationsnorm hat er na-
mentlich in Art. 27 und Art. 37 ZDV die Mindestdauer und zeitliche Abfolge
der Einsätze festgelegt. Die Gesamtdauer der Zivildienstleistungen ist je-
doch – anders als im militärischen Durchdienermodell – gemäss geltendem
Zivildienstrecht nicht an die zeitliche Abfolge der Einsätze gebunden (vgl.
Art. 20 ZDG i.V.m. Art. 27 ZDV; vgl. Botschaft 2001, 6188). Ein Rechtssatz,
wonach Zivildienstleistende analog der militärrechtlichen Regelung längere
Zivildienstleistungen erbringen müssen, wenn sie gestützt auf Art. 20 ZDG
ihren Zivildienst in einem Einsatz leisten, findet sich weder auf der Stufe
Gesetz noch auf der Stufe Verordnung. Auch in der bundesrätlichen Bot-
schaft wird lediglich hervorgehoben, dass hinsichtlich der Aufteilbarkeit des
Zivildienstes eine analoge Lösung zu Durchdienern in der Armee geschaf-
fen werden soll (Botschaft 2001, 6188). Der Gesetzgeber beabsichtigte so-
mit, die Aufteilung der Einsätze zu harmonisieren. Er sah aber nicht vor,
einen besonderen militärischen Status ins Zivildienstrecht zu überführen
und diesen mittels einer Regelung durchzusetzen, welche einzig die Da-
tengrundlage für die Berechnung der Dauer der ordentlichen Zivildienst-
leistungen umschreibt. In der Botschaft finden sich sodann auch keine An-
haltspunkte, wonach die Einteilung als Durchdiener im Militärdienst für
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diejenige im Zivildienst massgeblich sein soll (Botschaft 2001, 6188; BVGE
2014/50 E. 5.7).
5.4 Die Praxis der Vorinstanz stützt sich folglich nicht auf eine hinreichende
gesetzliche Grundlage und verletzt damit das Legalitätsprinzip (Art. 5
Abs. 1 BV).
5.5 Die Beschwerde erweist sich nach dem Ausgeführten als begründet
und ist gutzuheissen. Die Dispositiv-Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung
vom 19. April 2022 ist aufzuheben und die Sache zur Neuberechnung der
Gesamtdauer der ordentlichen Zivildienstleistungen im Sinne der Erwä-
gung 4.4.2 an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
Gemäss Art. 65 Abs. 1 ZDG ist das Verfahren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht kostenlos, sofern es sich nicht um mutwillige Beschwerdeführung
handelt; Parteientschädigungen werden keine ausgerichtet. Im vorliegen-
den Fall sind deshalb weder Kosten zu erheben noch Entschädigungen
zuzusprechen.
7.
Gegen Entscheide auf dem Gebiet des Zivildienstes ist die Beschwerde an
das Bundesgericht unzulässig (Art. 83 Bst. i des Bundesgerichtsgesetzes
vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
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