Decision ID: 51f2ab26-4280-5604-982a-078a96416046
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Y. lenkte am Sonntag, dem 16. Oktober 2005, um 17.30 Uhr, in Begleitung seiner
Ehefrau und ihrer Kinder seinen Personenwagen in A. auf der W-strasse in Richtung S-
strasse. Dabei schloss er auf einen vor ihm fahrenden Personenwagen auf, der
ebenfalls von der vortrittsbelasteten W-strasse nach links in die S-strasse abbog.
Dieser Wagen hielt zunächst unmittelbar vor der Einmündung an und wurde – nach der
Darstellung dessen Lenkers – kurz nach der Einfahrt in die Verzweigung nochmals
abgebremst. X.Y. hielt – nach seiner Darstellung des Sachverhaltes – sein Fahrzeug
ebenfalls vor der Einmündung für die erforderlichen Kontrollblicke an und stellte –
nachdem er nach links abbiegend losgefahren war und seinen Blick wieder geradeaus
gerichtet hatte – fest, dass der voranfahrende Wagen inmitten der S-strasse ein
weiteres Mal angehalten hatte. Er konnte eine Auffahrkollision nicht mehr verhindern.
An beiden Fahrzeugen entstand Sachschaden. Aus der Beschädigung der
Frontscheibe des Fahrzeuges von X.Y. war zu schliessen, dass seine Ehefrau nicht
angegurtet war. Sie und die Beifahrerin des voranfahrenden Fahrzeugs wurden leicht
verletzt.
B.- Das Untersuchungsamt B. erklärte X.Y. mit Bussenverfügung vom 11. Januar 2006
unter anderem der einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90 Ziff. 1 SVG
schuldig und büsste ihn mit Fr. 360.--. Die Bussenverfügung wurde unangefochten
rechtskräftig.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt, Abteilung Personenzulassung, entzog
X.Y. am 12. Januar 2006 gestützt auf Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV in
Verbindung mit Art. 16b Abs. 1 lit. a und Abs. 2 lit. b SVG den Führerausweis wegen
einer mittelschweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die
Dauer eines Monats.
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D.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 24.
Januar 2006 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Rechtsbegehren,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung aufzuheben
und statt eines Führerausweisentzugs eine Verwarnung auszusprechen. – Auf die
Vorbringen zur Begründung des Antrags wird, soweit notwendig, in den Erwägungen
eingegangen.
Mit Vermerk vom 9. März 2003 verzichtete die Vorinstanz auf eine Vernehmlassung.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 24. Januar 2006 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt:
SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
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3.- Im Rekurs ist angesichts der rechtskräftigen Bussenverfügung vom 11. Januar 2006
zu Recht unbestritten, dass der Rekurrent am 16. Oktober 2005 um 17.30 Uhr in A. auf
der Verzweigung der W-strasse mit der S-strasse mit seinem Personenwagen zufolge
ungenügenden Beherrschens des Fahrzeuges einen Verkehrsunfall verursacht und
dadurch Art. 31 Abs. 1 SVG schuldhaft verletzt hat.
4.- Im Rekurs umstritten und zu prüfen ist die Frage, ob die Verkehrsregelverletzung als
eine mittelschwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG oder als eine
leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG zu behandeln ist.
a) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten den Führerausweis gestützt auf Art. 16b Abs. 1
lit. a SVG entzogen. Zur Begründung wird in der angefochtenen Verfügung ausgeführt,
die unsichere Fahrweise des Unfallbeteiligten infolge unnötiger Haltemanöver hätte den
Rekurrenten zu besonderer Aufmerksamkeit verleiten sollen. Durch die Auffahrkollision
seien zwei Fahrzeuginsassen leicht verletzt worden. Somit habe der Rekurrent konkret
eine Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer geschaffen, weshalb sein
Verschulden nicht mehr leicht wiege.
Dem wird im Rekurs im Wesentlichen entgegengehalten, den Rekurrenten treffe nur
bedingt ein Verschulden, weil das voranfahrende Fahrzeug auf der Verzweigung nach
nur wenigen Metern und ohne jeden sichtbaren Anlass nicht voraussehbar und
verkehrswidrig (Art. 14 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung; SR 741.11, abgekürzt:
VRV) angehalten worden sei. Der Rekurrent habe höchstens eine geringe Gefahr
geschaffen. Der Schaden beim voranfahrenden Fahrzeug habe Fr. 500.--, jener am
Fahrzeug des Rekurrenten entgegen der Bewertung im Polizeirapport nur unwesentlich
mehr betragen. Da das voranfahrende Fahrzeug nach der Darstellung dessen Lenkers
nicht stillgestanden sei, sei die Auffahrgeschwindigkeit unterhalb der
Harmlosigkeitsgrenze einer Geschwindigkeitsdifferenz von 10 km/h gelegen.
b) Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
(vgl. dazu nachfolgend E. 4b/bb) und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (vgl.
dazu nachfolgend E. 4b/cc).
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aa) Nach dem bis zum 31. Dezember 2004 geltenden Recht war ein leichter, zu einer
Verwarnung führender Fall anzunehmen, wenn die Voraussetzungen für den
fakultativen Entzug des Führerausweises erfüllt waren, der Fall aber unter
Berücksichtigung des Verschuldens und des Leumundes als Motorfahrzeugführer als
leicht erschien (vgl. Art. 16 Abs. 2 Satz 2 in der bis 31. Dezember 2004 geltenden
Fassung des Strassenverkehrsgesetzes, AS 1959 S. 679, abgekürzt: aSVG; Art. 31
Abs. 2 Satz 2 in der bis 31. Dezember 2004 geltenden Fassung der Verordnung über
die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, AS 1976 S. 2423,
abgekürzt: aVZV). Das Bundesgericht hat zum früheren Recht die wiederholt bestätigte
Rechtsprechung, wonach bei der Beurteilung des leichten Falles unter anderem auch
die Schwere der Verkehrsgefährdung zu berücksichtigen sei, geändert und ist gestützt
auf den Wortlaut von Art. 31 Abs. 2 aVZV und den Grundsatz der Verhältnismässigkeit
zum Schluss gekommen, selbst bei einer schweren Verkehrsgefährdung, die durch
eine bloss geringfügige Unachtsamkeit und entsprechend geringem Verschulden
hervorgerufen werde, könne ein leichter Fall gegeben sein. Es hat festgehalten, beim
Warnungsentzug dürfe die Sanktion das Mass des Verschuldens nicht übersteigen. Bei
der Beurteilung, ob ein leichter Fall vorliege, dürften und müssten die objektiven
Umstände des Einzelfalles herangezogen werden, doch könnten diese nur zu einer
härteren Massnahme führen, soweit sie auch verschuldensmässig von Bedeutung
seien (vgl. BGE 125 II 561 E. 2a und b).
Mit der am 1. Januar 2005 in Kraft getretenen Änderung des Strassenverkehrsgesetzes
ist der Gesetzgeber im Bereich der Administrativmassnahmen von diesem Ansatz der
zentralen Bedeutung des Verschuldens abgekommen, indem er einerseits das geringe
Ausmass der Gefährdung ausdrücklich als Kriterium für die Annahme einer leichten
Widerhandlung eingeführt hat (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG) und anderseits die
Gefährdung der Verkehrssicherheit noch vor dem Verschulden als erstes Kriterium für
die Bemessung der Dauer des Warnungsentzugs nennt (Art. 16 Abs. 3 SVG). Damit
räumt Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG der Schwere der Verkehrsgefährdung eine
eigenständige Stellung ein, die über deren Bedeutung für das Verschulden im Sinn der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung hinausgeht.
bb) aaa) Im Recht der Administrativmassnahmen liegen der gesetzlichen
Kategorisierung der Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften
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verschiedene Gefährdungsstufen zugrunde. Von der konkreten Gefährdung der
körperlichen Integrität anderer Personen ist deren abstrakte Gefährdung zu
unterscheiden, die "einfach" oder "erhöht" sein kann. Die einfache abstrakte
Gefährdung zieht kein Administrativmassnahmeverfahren nach sich (vgl. Art. 16 Abs. 2
SVG). Bei der erhöhten abstrakten Gefährdung ist zwischen dem besonders leichten
(vgl. Art. 16a Abs. 4 SVG; Verzicht auf jegliche Massnahme), dem leichten (vgl. Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG; je nach automobilistischer Vorgeschichte Verwarnung oder Entzug
des Führerausweises), dem mittelschweren (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG; Entzug des
Führerausweises) und dem schweren Fall (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG; Entzug des
Führerausweises) zu unterscheiden (vgl. dazu R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 180 ff.).
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG umschreibt die leicht erhöhte abstrakte Gefährdung als
"geringe Gefahr für die Sicherheit anderer". In der Botschaft wird auf die
Rechtsprechung des Bundesgerichts verwiesen, wonach darunter z.B.
Geschwindigkeitsüberschreitungen fallen, die nur leicht über den Widerhandlungen
nach Anhang 1 der Ordnungsbussenverordnung (SR 741.031, abgekürzt: OBV) liegen,
sofern nicht erschwerende Umstände hinzukommen (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S.
4462 ff.). Eine weitere Konkretisierung des Begriffs der "geringen Gefahr" ist der
Botschaft nicht zu entnehmen. Immerhin deutet der Verweis auf die aktuelle
Rechtsprechung des Bundesgerichts aber darauf hin, dass sich die Abgrenzungen
zwischen den einzelnen Stufen der abstrakten Gefährdung weiterhin an der zum
früheren Recht entwickelten Praxis und Rechtsprechung ausrichten sollen.
Wenn im Strassenverkehrsgesetz von der "Sicherheit anderer" die Rede ist, ist damit
das Schutzgut der körperlichen Integrität ("Leib und Leben") und Gesundheit anderer
Personen, seien sie Verkehrsteilnehmer oder sonstwie mögliche Gefährdete, gemeint.
Die Verkehrsregeln sind als abstrakte Gefährdungsdelikte ausgestaltet, so dass deren
Verletzung den Tatbestand der Gefahr selbst nicht als Deliktsmerkmal enthält. Der
Gesetzgeber knüpft vielmehr Sanktionen oder Massnahmen an ein Verhalten, das
generell geeignet ist, das geschützte Rechtsgut zu gefährden oder zu verletzen.
Abstrakte Gefährdungstatbestände bedrohen mithin ein Verhalten wegen seiner
typischen Gefährlichkeit allgemein mit Strafe oder Massnahme. Es kommt nicht darauf
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an, ob im Einzelfall tatsächlich ein Rechtsgut gefährdet wurde. Eine abstrakte
Gefährdung genügt (vgl. R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen
Strassenverkehrsrechts, Band III: Die Administrativmassnahmen, Bern 1995, Rz.
2255-2257; Trechsel/Noll, Schweizerisches Strafrecht Allgemeiner Teil I: Allgemeine
Voraussetzungen der Strafbarkeit, 5. Aufl. 1998, S. 77).
"Gefährdung" ist ein unbestimmter Rechtsbegriff und in besonderem Mass der
Auslegung bedürftig (vgl. Schaffhauser, Grundriss, a.a.O., Rz. 2258). Eine allgemeine
abstrakte Gefährdung ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur dann
anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten des
Rekurrenten hätten betroffen werden können. Für die Abstufung innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe die Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefährdung (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Der
Überhang der Typik bei den Gefährdungsdelikten über den Einzelfall verlangt zudem
die Berücksichtigung des Ausmasses der üblicherweise entstehenden Schädigung bei
Eintritt der Rechtsgutverletzung.
bbb) Die Auffahrkollision hat im vorliegenden Fall nach der Darstellung im
Polizeirapport zur leichten Verletzung von zwei Personen geführt. Die Beifahrerin des
voranfahrenden Lenkers klagte über leichte Nackenschmerzen, die Beifahrerin des
Rekurrenten prallte mit dem Kopf gegen die Windschutzscheibe. Im Rekurs wird dazu
ausgeführt, zum einen sei die Verletzung der Ehefrau darauf zurückzuführen, dass sie
möglicherweise nicht angegurtet gewesen sei, und zum anderen seien leichte
Nackenschmerzen nicht mit einer Verletzung gleichzusetzen. Die
Strassenverkehrsgesetzgebung schützt indessen die körperliche Integrität und die
Gesundheit anderer Personen. Eine Verletzung dieser Rechtsgüter muss deshalb nicht
die Schwelle einer Körperverletzung im Sinn des Strafrechts erreichen. Vielmehr genügt
jede Beeinträchtigung der Gesundheit.
Selbst wenn aber die Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten – entsprechend der
Auffassung im Rekurs – nicht zu einer Verletzung der durch Art. 16 ff. SVG geschützten
Rechtsgüter geführt haben sollte, blieb es jedenfalls nicht bei deren abstrakten
Gefährdung. Mit der Auffahrkollision konkretisierte sich die Gefahr, und sie zeigte, dass
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das Verhalten des Rekurrenten jedenfalls geeignet war, andere Verkehrsteilnehmer zu
verletzen. Aus den äusserlich erkennbaren Folgen der Kollision ergibt sich, dass sie
hinsichtlich der Gefährdung keine Bagatelle darstellte. Einerseits blieb es unabhängig
von der frankenmässigen Bewertung im Polizeirapport nicht bei einem minimalen
Sachschaden, indem an der Front des Fahrzeugs des Rekurrenten nicht nur die
Stossstange, sondern auch die Motorhaube, beide Kotflügel und beide Blinkereinheiten
beschädigt wurden. Anderseits erreichte die kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung ein Ausmass, das dazu führte, dass die nicht angegurtete
Beifahrerin des Rekurrenten aus dem Sitz gehoben und ihr Kopf mit einer Kraft gegen
die Frontscheibe gestossen wurde, die einen spinnenartigen Bruch der Scheibe
bewirkte. Hinsichtlich der typischen Gefährlichkeit unterscheidet sich damit die
vorliegende Auffahrkollision klar von jener, die sich beispielsweise innerhalb einer sich
mit Schritttempo vorwärtsbewegenden Fahrzeugkolonne ereignen kann. In der
vorliegenden Konstellation ist eine Auffahrkollision typischerweise geeignet, auch bei
angegurteten Personen Verletzungen mit langwierigen Folgen nach sich zu ziehen.
Unbehelflich ist der Hinweis im Rekurs auf die Harmlosigkeitsschwelle einer
kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung von höchstens 10 km/h. Zunächst sind
die Geschwindigkeiten beider Fahrzeuge nicht bekannt. In der durch die mangelnde
Aufmerksamkeit des Rekurrenten verursachten Verkehrssituation ist jedoch
typischerweise mit Geschwindigkeitsdifferenzen von über 10 km/h – möglicher
Stillstand des voranfahrenden Fahrzeuges, Beschleunigung des möglicherweise nicht
zum völligen Stillstand abgebremsten nachfolgenden Fahrzeugs – und den
entsprechenden Gefährdungen und Verletzungen zu rechnen. Zudem spricht nach der
einschlägigen Rechtsprechung auch der klare Ausschluss einer unfallkausalen HWS-
Verletzung aufgrund der geringen kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung aus
technischer und biomechanischer Sicht nicht gegen die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs. Nach neueren wissenschaftlichen Studien findet bei
Auffahrkollisionen mit niedriger Geschwindigkeit eine elastische und nicht ein
plastische Kräfteübertragung (mit offenbar anderen Wirkungen) statt und sie können
trotz geringster Beschleunigung mitunter erhebliche Folgen auslösen, so dass selbst
bei scheinbar harmlosen Auffahrunfällen das Vorliegen einer für die
Gesundheitsbeeinträchtigung ursächlichen HWS-Verletzung aus medizinischer Sicht
nicht von vornherein verneint werden kann (vgl. Urteil des Eidgenössischen
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Versicherungsgerichts vom 24. Juni 2003, U 193/01, E. 2.3; vgl. zur
Harmlosigkeitsgrenze auch J. Senn, Harmlosigkeitsgrenzen bei Unfällen mit HWS-/
Hirnverletzungen?, in: AJP 11/2002 S. 274 ff.). Auch wenn der erwähnte Fall einer
Auffahrkollision innerhalb einer sich mit Schritttempo vorwärtsbewegenden
Fahrzeugkolonne möglicherweise auch im Licht dieser Rechtsprechung als
typischerweise – Ausnahmen sind damit nicht ausgeschlossen – noch geringe
Gefährdung im Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG eingestuft werden kann, war die
vorliegende Situation durch ein wesentlich höheres Gefährdungspotenzial geprägt.
ccc) Zusammenfassend erweist sich damit die vom Rekurrenten verursachte
Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer nicht mehr als gering im Sinn von Art. 16a
Abs. 1 lit. a SVG.
cc) Der Rekurrent hat zufolge ungenügender Aufmerksamkeit eine Auffahrkollision
verursacht. Er macht unter Hinweis auf das "verkehrswidrige" Verhalten des
voranfahrenden Lenkers geltend, sein Verschulden wiege höchstens leicht. Damit
vertritt er sinngemäss die Auffassung, er habe auf ein regelkonformes Verhalten des
Lenkers vertrauen dürfen.
Nach der verkehrsstrafrechtlichen Rechtsprechung des Bundesgerichts kann sich auf
den Vertrauensgrundsatz nur stützen, wer sich selbst verkehrsregelkonform verhalten
hat. Wer gegen die Verkehrsregeln verstösst und dadurch eine unklare oder gefährliche
Verkehrslage schafft, kann nicht erwarten, dass andere diese Gefahr durch erhöhte
Vorsicht ausgleichen. Jedoch gilt diese Einschränkung dort nicht, wo gerade die Frage,
ob der Verkehrsteilnehmer eine Verkehrsvorschrift verletzt hat, davon abhängt, ob er
sich auf den Vertrauensgrundsatz berufen kann oder nicht. Denn es wäre
zirkelschlüssig, in einem solchen Fall den Vertrauensgrundsatz nicht anzuwenden mit
der Begründung, der Täter habe eine Verkehrsregel verletzt. Dies hängt ja gerade
davon ab, ob und inwieweit er sich auf das verkehrsgerechte Verhalten der anderen
Verkehrsteilnehmer verlassen darf (vgl. BGE 120 IV 252 E. 2d/aa). Wenn es der
Verwaltungsbehörde angesichts ihrer grundsätzlichen Bindung an die rechtskräftige
strafrechtliche Verurteilung auch nicht möglich ist, ein relevantes Verschulden des
Rekurrenten ganz auszuschliessen (vgl. dazu BGE 119 Ib 158 ff.), ist sie immerhin in
der Würdigung des Ausmasses des Verschuldens vom Strafrichter unabhängig.
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Der Rekurrent geht davon aus, dass der voranfahrende Fahrzeuglenker Art. 14 Abs. 1
VRV verletzt hat. In der Bussenverfügung wird das Verhalten des voranfahrenden
Fahrzeuglenkers nicht beschrieben. Der Darstellung im Polizeirapport ist nicht zu
entnehmen, ob dieser sein Fahrzeug auf der Verzweigung bis zum Stillstand
abgebremst hat. Bei der Beschreibung des Unfallhergangs werden die – abweichenden
– Darstellungen der Unfallbeteiligten wiedergegeben. Im Rekurs wird im
Zusammenhang mit dem verkehrswidrigen Verhalten davon ausgegangen, der
voranfahrende Fahrzeuglenker habe sein Fahrzeug zum Stillstand gebracht. Im
Zusammenhang mit der Beurteilung der Gefährdung wird davon ausgegangen, das
Fahrzeug sei lediglich abgebremst worden, so dass die Geschwindigkeitsdifferenz
gering gewesen sei. Damit bleibt der Sachverhalt in diesem Punkt ungeklärt.
Art. 14 Abs. 4 VRV stellt eine Ausführungsbestimmung zu den Vortrittsregeln von Art.
36 Abs. 2 – 4 SVG dar. Sie verlangt vom vortrittsbelasteten Fahrzeuglenker, seine
Geschwindigkeit frühzeitig zu mässigen und, wenn er warten muss, vor Beginn der
Verzweigung zu halten. Dieser Vorschrift ist der dem Rekurrenten voranfahrende
Fahrzeuglenker unbestrittenermassen nachgekommen. Da die Bestimmung einerseits
nicht vorschreibt, mit welcher Geschwindigkeit in die Verzweigung einzufahren ist, und
anderseits die in Art. 26 Abs. 1 und Art. 31 Abs. 1 SVG verankerte allgemeine
Vorsichtspflicht unter entsprechenden konkreten Umständen auch ein weiteres
Verzögern und Anhalten gebieten kann, kann sich der Rekurrent nicht auf ein
verkehrswidriges Verhalten des voranfahrenden Fahrzeuglenkers berufen. Ob dessen
Zögern verkehrsbedingt war oder nicht, konnte der Rekurrent im fraglichen Zeitpunkt
nämlich nicht beurteilen, weil er nicht über das identische Blickfeld verfügte.
Insbesondere hätte ihm der entsprechende Anlass verborgen bleiben können. Deshalb
hat der Fahrzeugführer gemäss Art. 12 Abs. 1 VRV beim Hintereinanderfahren einen
ausreichenden Abstand zu wahren, so dass er auch bei überraschendem Bremsen des
voranfahrenden Fahrzeugs rechtzeitig halten kann. Damit hängt die
Verkehrsregelverletzung des Rekurrenten jedenfalls nicht davon ab, ob sich der
voranfahrende Fahrzeuglenker verkehrswidrig verhalten hat, indem er Art. 12 Abs. 2
VRV, wonach brüskes Bremsen und Halten nur gestattet sind, wenn kein Fahrzeug
folgt und im Notfall, verletzt hat.
Inwieweit der Rekurrent seine Geschwindigkeit vor der Einfahrt in die Verzweigung
reduziert und ob er insbesondere sein Fahrzeug zum Stillstand gebracht hat, steht
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ebenfalls nicht zweifelsfrei fest. Jedenfalls war er aufgrund der Signalisation nicht
verpflichtet, sein Fahrzeug anzuhalten. In verschuldensmässiger Hinsicht fällt zunächst
ins Gewicht, dass die Auffahrkollision nicht etwa darauf zurückzuführen war, dass der
Rekurrent eine Verkehrssituation an sich richtig wahrgenommen, aber falsch
eingeschätzt hat (vgl. dazu beispielsweise BGE 127 II 302). Auch wenn seine
Aufmerksamkeit zu Recht in erster Linie darauf gerichtet war, mögliche
vortrittsberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrzunehmen, durfte der Rekurrent
entsprechend der oben dargestellten Regel von Art. 12 Abs. 1 VRV auch das
unmittelbar vor ihm fahrende Fahrzeug, das ihm zudem durch eine unsichere und
unberechenbare Fahrweise aufgefallen war, nicht völlig aus den Augen lassen. Da der
Rekurrent nicht in einer komplexen Situation einen sich peripher abspielenden Vorgang
nicht beachtete, sondern ein unmittelbar vor ihm sich abspielendes Bremsmanöver
übersah, war seine Aufmerksamkeit in einem Ausmass ungenügend, das ihm nicht
mehr lediglich als leichtes Verschulden angelastet werden kann.
c) Damit ergibt sich, dass die Vorinstanz dem Rekurrenten zu Recht den Führerausweis
gestützt auf Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG entzogen hat.
5.- Zu prüfen bleibt die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des
Führerausweises von einem Monat.
Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind gemäss
Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16b
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer mittelschweren
Widerhandlung mindestes für einen Monat entzogen.
Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von einem
Monat entzogen. Da das Gesetz in Art. 16 Abs. 3 SVG eine Unterschreitung dieser
Mindestentzugsdauer ausdrücklich ausschliesst, erübrigt es sich,
massnahmemindernde Umstände wie insbesondere eine berufliche Angewiesenheit
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des Rekurrenten auf das Führen eines Motorfahrzeugs zu prüfen (vgl. zum früheren
Recht SJZ 97/2001 S. 524 f.). Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen
Mindestentzugsdauer verbleibt der rechtsanwendenden Behörde auch kein
Ermessensspielraum, innerhalb dessen sie Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der
Massnahme im Sinn der Erforderlichkeit zur Besserung des Betroffenen anstellen
könnte (vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4462 ff., wo auf die mit BGE 120 Ib 504
eingeführte, die Unterschreitung der Mindestentzugsdauer wegen überlanger
Verfahrensdauer betreffende Rechtsprechung hingewiesen wird). Daraus folgt, dass die
Mindestentzugsdauer selbst in Ausnahmesituationen im Sinn der bisherigen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff., 118 Ib 233
f.) nicht unterschritten werden kann (vgl. bezüglich eines selbständig erwerbenden
Taxichauffeurs BGE vom 13. März 2006, 6A.70/2005, E. 2.3 mit Hinweisen auf die
parlamentarischen Beratungen).
Dies mag insbesondere in Fällen unbefriedigend sein, in denen der automobilistische
Leumund des Betroffenen ungetrübt ist und ihn nur ein leichtes Verschulden trifft, der
Führerausweis aber entzogen werden muss, weil die Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsordnung mehr als eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorrief. Indessen ergibt sich die dargelegte Abkehr vom verschuldensorientierten
Ansatz bei der Umschreibung des leichten Falls aus dem klaren Wortlaut der neuen
gesetzlichen Ordnung in Art. 16a SVG.
Im vorliegenden Fall besteht schliesslich auch kein Anlass, Gefährdung und
Verschulden des Rekurrenten schwerer zu gewichten, als dies die Vorinstanz getan hat,
und die Entzugsdauer entsprechend zu erhöhen. Die Bewertung der Gefährdung wirkt
auf die Bemessung der Entzugsdauer in erster Linie über die mit der Qualifikation der
Widerhandlung verbundene gesetzliche Mindestdauer. Dafür, dass dem Verschulden
des Rekurrenten mit einer einmonatigen Entzugsdauer nicht ausreichend Rechnung
getragen würde, bestehen keine Anhaltspunkte.
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
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angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.