Decision ID: 75f1453b-1930-4187-992b-7fb85f4dce25
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit 1. April 1991 als Entwicklungsingenieur
bei der B._ AG, Uzwil, tätig und dadurch bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert (Suva-act. I/
2, Suva-act. II/1).
A.a.
Am 19. Dezember 2008 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Unfall des
Versicherten vom 31. Mai 2006 (Suva-act. I/2). Am 12. Februar 2009 schilderte dieser
gegenüber der Suva, er sei beim Einladen von Gepäck in den Kofferraum eines
Mietautos leicht ausgerutscht und mit dem schweren Gepäck nach vorne
weggerutscht. Dabei habe er einen "Zwick" im Rücken verspürt (Suva-act. I/7). Das am
26. November 2008 in der Rodiag Diagnostic Centers C._ erstellte MRI zeigte eine
ausgeprägte Osteochondrose L5/S1 mit breitbasiger subligamentärer Hernierung der
Bandscheibe L5/S1 mit vorwiegend linksrecessaler, aber auch vor allem foraminaler
Einengung linksseitig durch die Bandscheibe, teils durch Hypertrophie des
Intervertebralgelenks bei Spondylarthrose bedingt mit wahrscheinlich intermittierender
Nervenwurzelirritation L5 im foraminalen und S1 im recessalen Anteil. Ferner bestand
eine minime Protrusion L1/S1 mit leichter Eindellung des Duralschlauchs auf dieser
Höhe, jedoch ohne Nachweis einer Nervenwurzelkompression (Suva-act. I/5-3). In einer
ärztlichen Beurteilung vom 17. Februar 2009 befand Suva-Kreisarzt Dr. med. D._,
Facharzt FMH Allgemeine Medizin, dass die radiologisch erhobenen Veränderungen
degenerativer Natur seien und das Ereignis vom 19. Dezember 2008 höchstens eine
vorübergehende Verschlimmerung derselben bewirkt habe; der Status quo sine sei
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenige Monate nach dem Ereignis wieder erreicht gewesen (Suva-act. I/8). Mit
Verfügung vom 25. März 2009 lehnte die Suva ihre Leistungspflicht mangels eines
sicheren oder wahrscheinlichen Kausalzusammenhangs zwischen den gemeldeten
Rückenbeschwerden und dem Unfallereignis vom 31. Mai 2006 ab (Suva-act. I/11).
Aufgrund der Schilderung eines Sturzes in der Einsprache vom 31. März 2009 (Suva-
act. I/12) änderte die Suva in teilweiser Gutheissung der Einsprache die Verfügung vom
25. März 2009 ab, indem sie gestützt auf die kreisärztliche Beurteilung vom 17. Februar
2009 einen Anspruch auf die gesetzlichen Versicherungsleistungen bis zum 31. Mai
2007 anerkannte (Suva-act. I/20). Der Einspracheentscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
Am 12. August 2015 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Bagatellunfall des
Versicherten vom 27. Juli 2015 mit einer Stauchung der Wirbelsäule und folgendem
Sachverhalt: "Er hatte für eine Geschäftsreise ein Taxi auf 7.25 bestellt. Als dieses nach
mehrmaligem Anrufen auf der Zentrale endlich um 7.40 erschien, warf er vor Aufregung
den grossen Koffer in den Kofferraum des Taxis, welches auf dem regulären Weg den
Flug zum Zug (richtig wohl: den Zug zum Flug) nicht mehr erreicht hätte. Bei der
heftigen Bewegung, bei der er fast umgefallen wäre, erfolgte eine Verletzung im
unteren Rücken. Der Schmerz stieg an, so dass er zwar noch reisen konnte, aber nach
dem ersten Arbeitstag in E._ in F._ nicht mehr schlafen konnte und dann
schliesslich zum Arzt ging." (Suva-act. II/1). Mit Schreiben vom 14. August 2015 sprach
die Suva dem Versicherten Leistungen für Heilbehandlungen zu. Taggelder wurden
mangels einer Arbeitsunfähigkeit keine zugesprochen (Suva-act. II/2).
A.c.
Am 20. Mai 2016 meldete die Arbeitgeberin der Suva einen Rückfall des
Versicherten zum Unfall vom 27. Juli 2015 mit einer im wesentlichen gleichlautenden
Sachverhaltsbeschreibung, wie derjenigen vom 12. August 2015. Darüber hinaus
wurde festgehalten, dass der Versicherte gegen den Kofferraum gefallen sei (Suva-act.
II/6). Mit Schreiben vom 30. Mai 2016 teilte die Suva dem Versicherten in Bezug auf die
Rückfallmeldung die Durchführung von Abklärungen mit (Suva-act. II/7). Nach
Einholung verschiedener ärztlicher Berichte (Arztzeugnis UVG vom 8. Juni 2016 von Dr.
med. G._, Fachärztin für Allgemeine Medizin FMH, Gruppenpraxis H._, mit
Bestätigung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab 2. Mai 2016 [Suva-act. II/13; vgl.
auch Suva-act. II/14]; Bericht von Dr. med. I._, Allgemeine Innere Medizin, vom 21.
A.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Juni 2016 [Suva-act. II/15]; Untersuchungsbericht von Dr. med. J._,
Rheumaerkrankungen und Schmerztherapie, Sportmedizin, vom 4. September 2015
[Suva-act. II/20]; Bericht von Dr. med. K._, Leitender Arzt, und L._, Assistenzärztin,
beide Klinik für Neurologie des Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom 28. Juni 2016
[Suva-act. II/21]; Untersuchungsbericht der Rodiag vom 4. Mai 2016 [Suva-act. II/29])
und Durchführung einer Besprechung mit dem Versicherten am 19. August 2016 (Suva-
act. II/32) legte die Suva den Schadenfall ihrer Kreisärztin med. pract. M._, Fachärztin
für Chirurgie, zur Beurteilung vor. Diese stellte am 23. August 2016 fest, das Trauma
vom 27. Juli 2015 sei allenfalls geeignet gewesen, eine zeitlich limitierte
Verschlimmerung hervorzurufen, die heutigen Beschwerden stünden jedoch nicht im
geforderten überwiegend wahrscheinlichen Kausalzusammenhang mit dem
Bagatelltrauma vom 27. Juli 2015. Es fehlten insbesondere im MRT jegliche Zeichen
auf eine unfallbedingte strukturelle Läsion (Suva-act. II/34). Die Suva eröffnete dem
Versicherten darauf mit Verfügung vom 30. August 2016, dass kein sicherer oder
wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall vom 27. Juli 2015 und
den als Rückfall gemeldeten Rückenbeschwerden bestehe und die Suva demzufolge
nicht leistungspflichtig sei (Suva-act. II/36).
Mit Eingabe vom 3. Oktober 2016 erhob der Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwältin MLaw C. Hasler, Angestellte Schweiz, Olten, gegen die Verfügung vom
30. August 2016 Einsprache. Die Rechtsvertreterin beantragte unter anderem, es sei
festzustellen, dass es sich bei den per 2. Mai 2016 gemeldeten Beschwerden nicht um
einen Rückfall, sondern weiterhin um den Grundfall betreffend das Unfallereignis vom
27. Juli 2015 handle, und es seien dem Versicherten für die Beschwerden ab 2. Mai
2016 weiterhin die gesetzlichen Versicherungsleistungen aufgrund des
Unfallereignisses vom 27. Juli 2015 auszurichten (Suva-act. II/41).
A.e.
Nach einer neuerlichen Beurteilung von med. pract. M._ vom 13. Oktober 2016
(Suva-act. II/46) eröffnete die Suva dem Versicherten mit Verfügung vom 15. November
2016, dass sie die Verfügung vom 30. August 2016 aufhebe und das
Einspracheverfahren bezüglich der Einsprache vom 3. Oktober 2016 als formlos
abgeschlossen betrachte. Die Leistungspflicht sei neu beurteilt worden. Gemäss
Beurteilung von med. pract. M._ vom 13. Oktober 2016 sei ihre Zuständigkeit
längstens für sechs Monate nach dem Trauma anzunehmen bzw. der Zustand, wie er
A.f.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
C.
unmittelbar vor dem Unfall bestanden habe, spätestens am 31. Januar 2016 wieder
erreicht gewesen. Ein Anspruch auf weitere Leistungen sei abzulehnen und die
bisherigen Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilkosten) würden auf diesen
Zeitpunkt eingestellt (Suva-act. II/49).
Mit Eingabe vom 13. Dezember 2016 liess der Versicherte durch seine
Rechtsvertreterin gegen die Verfügung vom 15. November 2016 Einsprache erheben
(Suva-act. II/55) und dazu eine E-Mail von Dr. K._ vom 29. September 2016 (Suva-
act. II/55-14) sowie eine Zahlungsbestätigung von N._, Physiotherapiezentrum O._,
vom 15. Dezember 2016 einreichen. N._ bestätigte, dass die Kosten der Behandlung
des Versicherten vom 21. März bis 2. Mai 2016 in Höhe von Fr. 465.70 von der Suva
bezahlt worden seien (Suva-act. II/55-16).
B.a.
Mit Einspracheentscheid vom 9. März 2018 wies die Suva die Einsprache vom 13.
Dezember 2016 ab (Suva-act. II/61).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 9. März 2018 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 25. April 2018 Beschwerde mit dem
sinngemässen Antrag, die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) sei zu
verpflichten, aufgrund der Unfälle vom 31. Mai 2006 und 27. Juli 2015 die gesetzlichen
Versicherungsleistungen für die Beschwerden ab dem 2. Mai 2016 zu erbringen.
Eventualiter sei ein ärztliches Gutachten zu veranlassen (act. G 1).
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 4. Juni 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei, und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 9. März 2018 (act. G 3).
C.b.
Mit Replik vom 1. Juli 2018 beantragte der Beschwerdeführer ergänzend
Versicherungsleistungen für eine beim Unfall vom 31. Mai 2006 erlittene
Schulterverletzung rechts (act. G 5).
C.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 17. Juli 2018 auf die
Einreichung einer umfassenden Duplik. Sie wies jedoch darauf hin, dass der neu
C.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem Ereignisse aus den Jahren 2006 und 2015 zur Diskussion stehen (vgl.
zum eigentlichen Anfechtungsgegenstand nachfolgende Erwägung 3), die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
thematisierte Schulterschaden rechts aus dem Jahr 2006 nicht Gegenstand des
vorinstanzlichen Einspracheverfahrens gewesen sei und somit im vorliegenden Prozess
nicht zur gerichtlichen Beurteilung vorgetragen werden könne (act. G 7).
In der Folge reichte der Beschwerdeführer verschiedene Schreiben bzw.
Unterlagen ein (act. G 9, G 11, G 13).
C.e.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Leistungen der Unfallversicherung bei
Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz
nichts anders bestimmt. Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung bildet die Unfallkausalität. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen (Alexandra
Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.). Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen
natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel
auf Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem
adäquaten Kausalzusammenhang ist demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht
nach den von Doktrin und Praxis entwickelten Regeln zu beurteilen ist (BGE 129 V 181
E. 3.1, 123 III 110; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Bei physischen Unfallfolgen
hat indessen die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der aus dem natürlichen
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des Unfallversicherers gegenüber
dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE
118 V 291 f. E. 3a). Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist, beurteilt sich
nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die
Begründung eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen;
Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl.
Bern 2014, § 70 N. 58).
Wenn die Unfallkausalität einmal mit der erforderlichen Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen ist, entfällt die Leistungspflicht des Unfallversicherers erst, sobald der
Unfall nicht mehr die natürliche und adäquate Ursache des Gesundheitsschadens
darstellt, wenn also Letzterer nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen
beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand, wie er
unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige
Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine),
erreicht ist. Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang
muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (vgl. Erwägung
2.1). Da es sich hiebei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die
entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht beim Versicherten, sondern beim
Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326, E. 3b). Im Rahmen der zu prüfenden
Frage, ob die Leistungspflicht dahingefallen ist, genügt es für die Bejahung des
Kausalzusammenhangs, wenn der Unfall für die fragliche gesundheitliche Störung
immer noch eine Teilursache darstellt (vgl. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 18. Februar 2003, U 287/02, E. 4.4).
2.2.
Gemäss Art. 11 UVV werden Versicherungsleistungen auch für Rückfälle gewährt,
wobei ein Rückfall einen besonderen revisionsrechtlichen Tatbestand im Sinn von Art.
22 UVG darstellt (vgl. BGE 118 V 293; RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326). Bei einem
Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten
Krankheit bzw. vermeintlich geheilter Unfallfolgen, so dass es zu ärztlicher Behandlung,
möglicherweise sogar zu einer weiteren Arbeitsunfähigkeit kommt. Weil der Rückfall
begrifflich an ein bestehendes Unfallereignis anschliesst, kann er eine Leistungspflicht
des damaligen Unfallversicherers nur dann auslösen, wenn zwischen den erneut
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid
vom 9. März 2018 (Suva-act. II/61). Diesem liegt die Verfügung vom 15. November
2016 (Suva-act. II/49) zu Grunde. Die Beschwerdegegnerin stellte darin die
Versicherungsleistungen per 31. Januar 2016 mangels Vorliegens weiterdauernder
vorgebrachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen
Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht
(BGE 118 V 296 f. E. 2c).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss, zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Für die Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher
Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf
Angaben ärztlicher Experten oder Expertinnen angewiesen (BGE 129 V 181 E. 3.1;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin
begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1). Ausschlaggebend für den Beweiswert eines
ärztlichen Gutachtens ist grundsätzlich weder dessen Herkunft noch die Bezeichnung
der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a). Der angefochtene Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin basiert insbesondere auf der kreisärztlichen Beurteilung von med.
pract. M._ vom 13. Oktober 2016 (Suva-act. II/46). Den Berichten
versicherungsinterner Ärzte und Ärztinnen kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee mit Hinweis). Der Umstand, dass med. pract.
M._ ihre Beurteilung aufgrund der Akten abgegeben und den Beschwerdeführer nicht
selbst untersucht hat, steht ihrem Beweiswert nicht entgegen (Urteil des
Bundesgerichts vom 11. Januar 2007, U 224/06, E. 3.5 mit Hinweisen).
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kausaler Folgen des Unfalls vom 27. Juli 2015 ein. Der Unfall vom 31. Mai 2006 (Suva-
act. I/1-23) bzw. ein Rückfall oder Spätfolgen betreffend diesen Unfall bildeten nicht
Gegenstand der Verfügung. Die Verneinung weiterer Leistungsansprüche des
Beschwerdeführers per 31. Januar 2016 ist damit nur in Bezug auf den Unfall vom 27.
Juli 2015 zu prüfen. Ebenfalls nicht Gegenstand der Verfügung vom 15. November
2016 bildete eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit
einer Schulterverletzung rechts des Beschwerdeführers. Diese wird zudem laut Replik
vom 21. Januar 2019 (act. G 11) von ihm selbst als Folge des Unfalls vom 31. Mai 2006
betrachtet, der - wie gesagt - ohnehin nicht Gegenstand der Verfügung bildete. Auf die
vom Beschwerdeführer erstmals im Beschwerdeverfahren sinngemäss gestellten
Anträge, die Beschwerdegegnerin habe über den 31. Januar 2016 hinaus,
insbesondere ab Mai 2016, weitere Versicherungsleistungen für den Unfall vom 31. Mai
2006 und für eine Schulterverletzung rechts zu erbringen, kann demnach im
vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht eingetreten werden.
4.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin in Folge der Schadenmeldung vom 12.
August 2015 (Suva-act. 1) unbestrittenermassen eine Leistungspflicht bezüglich des
Ereignisses vom 27. Juli 2015 bzw. der gemeldeten Rückenbeschwerden und
erbrachte Versicherungsleistungen (Suva-act. II/2). Am 20. Mai 2016 meldete die
Arbeitgeberin des Beschwerdeführers der Beschwerdegegnerin einen Rückfall zum
Ereignis vom 27. Juli 2015 (Suva-act. II/6). Diesbezüglich kündigte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer weitere Abklärungen an, anerkannte also
vorerst keine Leistungspflicht (Suva-act. II/7 ff.). In der Folge zog sie verschiedene
ärztliche Unterlagen bei (Suva-act. II/13, 15, 20 f., 29). Diese wiesen beim
Beschwerdeführer die Exazerbation einer Lumbago aus (Suva-act. II/15), bestätigten
neu eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 2. Mai 2016 (Suva-act. II/13) und zeigten
radiologisch vor allem eine geschädigte LWS (Suva-act. II/29). Med. pract. M._
sprach diesen Beschwerden in ihrer Beurteilung vom 23. August 2016 jeglichen
traumatischen Charakter ab (Suva-act. II/34). Mit Verfügung vom 30. August 2016
verneinte die Beschwerdegegnerin hinsichtlich der als Rückfall gemeldeten
Rückenbeschwerden sodann von Grund auf eine Leistungspflicht, indem sie einen
sicheren oder wahrscheinlichen Kausalzusammenhang zum Unfall vom 27. Juli 2015
als nicht gegeben erachtete (Suva-act. II/36). Der Beschwerdeführer erhob gegen diese
Verfügung mit Eingabe vom 3. Oktober 2016 Einsprache (Suva-act. II/41), womit ein
Einspracheverfahren eröffnet wurde und die Verfügung nicht in Rechtskraft erwuchs.
Mit der für das vorliegende Beschwerdeverfahren massgeblichen Verfügung vom 15.
November 2016 (Suva-act. II/49; vgl. Erwägung 3) hob die Beschwerdegegnerin
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sodann die die Rückfallmeldung vom 20. Mai 2016 betreffende Verfügung vom 30.
August 2016 auf, betrachtete das diesbezügliche Einspracheverfahren als formlos
abgeschlossen und prüfte ihre Leistungspflicht offenkundig neu unter dem Aspekt
eines fortdauernden Grundfalls. So stellte sie fest, dass sie für die Folgen des Unfalls
vom 27. Juli 2015 die gesetzlichen Leistungen erbracht habe, sah jedoch den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers durch den Unfall (nur) vorübergehend als
verschlimmert an und betrachtete fortdauernde Rückenbeschwerden per 31. Januar
2016 nicht mehr als unfallbedingt. Die Beweislast für das überwiegend wahrscheinliche
Dahinfallen der Unfallkausalität bezüglich der Rückenbeschwerden per
Leistungseinstellungszeitpunkt hat damit die Beschwerdegegnerin zu tragen (vgl.
Erwägung 2.2). Der Vollständigkeit halber ist anzufügen, dass diese Beweislastregel
ohnehin erst Platz greifen würde, wenn es sich - anders als im vorliegenden Fall (vgl.
nachfolgende Erwägung 5) - als unmöglich erwiese, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 222 E. 6 mit Hinweisen; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.4. 55).
5.
Zu prüfen ist zunächst, ob der Unfall vom 27. Juli 2015 mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit ab 1. Februar 2016 nicht mehr die natürliche (und
adäquate) Ursache der fortdauernd geklagten Rückenbeschwerden darstellte.
Eine Diskushernie bzw. ein Bandscheibenvorfall/-schaden und folglich auch eine
Diskusprotrusion ist im Regelfall eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule. Sie
kann hingegen im Ausnahmefall auch Folge eines Traumas sein (vgl. dazu Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 878 ff.;
Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S. 210; Roche Lexikon,
Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 182; Leitlinie der Orthopädie, Hrsg. von der
Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und dem
Berufsverband der Ärzte für Orthopädie, 2. erweiterte Aufl. Köln 2002, S. 5).
5.1.
Ist es durch den Unfall zu einer Diskushernie und damit zu einem neuen
strukturellen Gesundheitsschaden gekommen, ist die natürliche Kausalität gegeben
und bleiben die damit zusammenhängenden Beschwerden bis zur (allenfalls
operativen) Heilung der Diskushernie selbstredend unfallkausal. Hat der Unfall
hingegen keine Diskushernie oder Diskusprotrusion verursacht, kann diese nur im
Rahmen eines degenerativen Prozesses entstanden sein. In diesem Fall können
unfallkausale Verletzungsfolgen und damit eine Leistungspflicht der
5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin nur bejaht werden, wenn es durch den Unfall zu einer
richtungsgebenden oder vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden
Diskushernie gekommen ist. Eine richtungsgebende Verschlimmerung liegt nach der
Rechtsprechung vor, wenn medizinischerseits feststeht, dass weder der Status quo
sine noch der Status quo ante je wieder erreicht werden können (Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 54). Die Dauer der Leistungspflicht entspricht in einem solchen Fall
derjenigen bei einer neuen unfallbedingten Diskushernie. Die lediglich vorübergehende
unfallbedingte Verschlimmerung eines Vorzustandes basiert sodann auf dem Wissen,
dass es im Unfallversicherungsrecht Fälle gibt, bei denen die Unfallfolgen bzw. deren
Anteil an einer Gesundheitsschädigung im Rahmen des posttraumatischen Verlaufs nie
konkret beschrieben werden können. Dennoch wird bei einem geeigneten bzw.
adäquaten Ereignis in einer ersten Phase von einer schädigenden Einwirkung des
Ereignisses (Unfall) auf den Körper ausgegangen. Die in der Folge aufgetretenen bzw.
ausgelösten Beschwerden werden aber nach einem bestimmten Zeitraum - trotz ihres
möglichen Fortdauerns - aufgrund einer medizinischen Erfahrungstatsache nicht mehr
dem Unfall angelastet. Die Unfallversicherung übernimmt in diesen Fällen nur den
durch das Unfallereignis ausgelösten Beschwerdeschub, d.h. sie hat bis zum Erreichen
des Status quo sine vel ante Leistungen für die unmittelbar im Zusammenhang mit dem
Unfall stehenden Beeinträchtigungen zu erbringen. Als Beispiele dafür gelten
insbesondere auch durch einen Unfall ausgelöste Diskushernien (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 26. Februar 2013, 8C_423/2012, E. 5.3, vom 9. Januar 2012,
8C_601/2011, E. 3.2, und vom 24. Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2 und 4; Urteil des
EVG vom 14. März 2000, U 266/99, E.1; vgl. auch Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.55 f.).
Für die Abgrenzung Vorzustand bzw. neue unfallbedingte strukturelle Schädigung
stellt insbesondere der Vergleich bildgebender Untersuchungsergebnisse aus der Zeit
vor und nach dem Unfall eine bedeutende Beweisgrundlage dar (vgl. dazu auch BGE
134 V 121 E. 9, BGE 117 V 363 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit
Hinweisen [U 479/05]). Med. pract. M._ weist in ihrer Beurteilung vom 13. Oktober
2016 darauf hin, dass bereits die in der C._ am 26. November 2008 und damit viele
Jahre vor dem Unfall vom 27. Juli 2015 durchgeführte vertebro-spinale
Kernspintomographie (Th12-S3) mehrsegmentale Diskushernien gezeigt habe (act. G
1.4). In ihrer Beurteilung vom 23. August 2016 hatte sie zudem festgestellt, dass es im
MRI vom 4. Mai 2016 (Suva-act. II/29) an jeglichen Zeichen für eine neue unfallbedingte
strukturelle Läsion fehlen würde (Suva-act. II/34). Die Korrektheit der kreisärztlichen
Feststellungen ergibt sich aus den in den jeweiligen radiologischen
Untersuchungsberichten angeführten Befunden und einem Vergleich derselben. Wie im
MRI vom 4. Mai 2016 waren bereits in demjenigen vom 26. November 2008 die
5.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Osteochondrose L5/S1 mit begleitender Spondylose L5/S1 mit Diskusprotrusion bzw.
Hernierung der Bandscheibe L5/S1 mit linksrecessaler und foraminaler Einengung
sowie eine Diskusprotrusion L5/S1 sichtbar. Eine Verursachung der genannten
Gesundheitsschäden durch den Unfall vom 27. Juli 2015 fällt damit zum Vornherein
ausser Betracht. Neu lässt sich dem Bericht über die MRI-Untersuchung vom 4. Mai
2016 einzig eine Diskushernie L4/5 mit einer foraminalen Kompression der
Nervenwurzel L4 links entnehmen. Die genannte Kompression wird als einziger Befund
in der Beurteilung erwähnt und damit offensichtlich allein als Beschwerden
verursachend betrachtet. Dass jedoch der Beschwerdeführer auch diese mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht beim Unfall vom 27. Juli 2015
erlitten hat, ist mit der Feststellung von med. pract. M._ - degenerative
Veränderungen, die 2008 bereits bestanden hätten, seien im Laufe von weiteren acht
Jahren bis Mai 2016 nicht rückläufig, sondern tendenziell progredient und genau dieses
Bild zeige sich auch beim Beschwerdeführer - hinreichend erklärt (vgl. dazu auch
Debrunner, a.a.O., S. 848 ff.). Aus den Akten ergeben sich keine überzeugenden
Hinweise darauf, dass ausgerechnet die Diskushernie L4/5 losgelöst von den übrigen
vorbestehenden strukturellen Gesundheitsschäden als unfallbedingt betrachtet werden
müsste. Zum Bild einer im Rahmen eines degenerativen Prozesses entstandenen
Diskushernie in einem weiteren Wirbelsäulensegment passt - wie von med. pract.
M._ ebenfalls einlässlich und nachvollziehbar dargelegt -, dass es sich bereits bei
den 2008 radiologisch erhobenen Befunden offensichtlich um anlagebedingte
degenerative Gesundheitsschäden und nicht um solche vom Beschwerdeführer beim
früheren Unfall vom 31. Mai 2006 (Suva-act. I/2) erlittene gehandelt hat (Suva-act. II/
46-5 f.). Entsprechend wurde damals nur von einer vorübergehenden Verschlimmerung
eines degenerativen Vorzustandes ausgegangen (vgl. Einspracheentscheid vom 9. Juli
2009 [Suva-act. I/20]). Der Umstand, dass bereits die 2008 zur Darstellung gelangten
Diskushernien bzw. Diskusprotrusionen im Zusammenhang mit einer Osteochondrose
und Spondylose genannt worden sind, zementieren das Gesagte zusätzlich, da es sich
bei diesen Beschwerdebildern uneingeschränkt nicht um primäre Unfallverletzungen
handeln kann (vgl. dazu Pschyrembel, a.a.O., S. 1320, 1701; Debrunner, a.a.O., S. 490,
848 ff.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1379, 1737).
5.4.
Kreisärztin med. pract. M._ schliesst sodann in ihrer Beurteilung vom 13.
Oktober 2016 eine traumatisch verursachte Diskushernie L4/5 einleuchtend auch
angesichts der Ungeeignetheit des Unfallereignisses vom 27. Juli 2015 sowie der
unfallnahen Beschwerdesymptomatik aus.
5.4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nach der Rechtsprechung kann eine Diskushernie bzw. ein Bandscheibenvorfall
nur dann als weitgehend unfallbedingt betrachtet werden, wenn das Unfallereignis von
besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der Bandscheibe
herbeizuführen. Vorausgesetzt wird weiter, dass die Symptome der Diskushernie
(vertebrales oder radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger
Arbeitsunfähigkeit auftreten (RKUV 2000 Nr. U 378 S. 190, Nr. U 379 S. 192; Urteil des
EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, teilweise publiziert in AJP 2006 S. 877 ff.). Ein
Unfall ist nur in Ausnahmefällen geeignet, eine Bandscheibenverletzung hervorzurufen,
zumal eine gesunde Bandscheibe derart widerstandsfähig ist, dass unter
Gewalteinwirkung eher die Wirbelknochen brechen, als dass die Bandscheibe verletzt
würde. Im medizinischen Versuch konnte die isolierte Verletzung einer Bandscheibe
durch einen Unfall lediglich bei rein axialer Belastung der Wirbelsäule, nicht aber bei
Rotations-, Hyperextensions- oder Hyperflexionsbewegungen herbeigeführt werden
(Urteil des EVG vom 3. Oktober 2005, U 163/05, E. 3.1, mit Hinweis auf Günter G.
Mollowitz [Hrsg.], Der Unfallmann, Berlin/Heidelberg 1993, S. 164 ff.).
5.4.2.
Fallbezogen in Übereinstimmung mit den Akten führt med. pract. M._ aus,
dass der Beschwerdeführer laut eigener Unfallschilderung vom 19. August 2016
gegenüber der Beschwerdegegnerin (Suva-act. II/32) einen Koffer mit einem Gewicht
zwischen 15 und 18 kg in den Kofferraum eines Taxis habe heben wollen. Er habe den
Hebevorgang jedoch stoppen müssen, da er im Kofferraum einen Kindersitz gesehen
habe. Dadurch sei es zu einem Anprall am Heck des Taxis gekommen. Der
Beschwerdeführer beschrieb damit nicht ansatzweise einen für eine traumatisch
bedingte Bandscheibenschädigung gemäss Erwägung 5.4.2 vorausgesetzten
schwerwiegenden axialen Unfallmechanismus.
5.4.3.
Zum Auftreten der Beschwerdesymptomatik in zeitlicher Hinsicht hat der
Beschwerdeführer am 19. August 2016 ausgeführt, er habe sofort nach dem Unfall
Rückenbeschwerden verspürt und sei dann mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Im
Flugzeug nach F._ seien leichte Rückenbeschwerden vorhanden gewesen und dort
angekommen seien die Rückenbeschwerden erträglich gewesen. Am 28. Juli 2015
habe er die Arbeit aufgenommen. An diesem Abend hätten sich die Schmerzen im Bett
verstärkt und zudem ins linke Bein bis hin zum Unterschenkel ausgestrahlt. Am dritten
Tag nach dem Unfall habe er einen Arzt konsultiert. Er habe jedoch trotz Schmerzen
auch am 30. Juli 2015 und wieder am Montag bei der B._ AG (3. August 2015)
gearbeitet. Dort habe er dann die Sanitätsabteilung und am 3. August 2015 erstmals
die Gruppenpraxis H._ aufgesucht bzw. Dr. G._ konsultiert. Eventuell sei er zwei
Tage arbeitsunfähig gewesen, er sei sich jedoch nicht mehr sicher. Die von Dr. G._
5.4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
laut Arztzeugnis UVG für Rückfall vom 8. Juni 2016 am 3. August 2015 erhobene
Beschwerdesymptomatik beschränkte sich auf einen Schmerz beim Aufstehen aus
dem Sitzen. Eine Radikulopathie wurde nicht beschrieben (Suva-act. II/13). Bis zum 2.
Mai 2016 ist sodann keine Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers aktenkundig
(Suva-act. II/13 f.). Auch vor dem Hintergrund des dargestellten Beschwerdeverlaufs
besteht kein Anlass, daran zu zweifeln, dass der Unfall vom 27. Juli 215 nicht zu einer
Diskushernie geführt hat.
Die Tatsache, dass Dr. G._ im Arztzeugnis UVG für den geltend gemachten
Rückfall vom 8. Juni 2016 (Suva-act. II/13) und Dr. K._ bzw. L._ im
Versicherungsbericht vom 28. Juni 2016 (Suva-act. II/21) in Bezug auf die erhobenen
Befunde das Vorliegen von Unfallfolgen bejaht haben, vermag an dieser Beurteilung
nichts zu ändern. Die Bejahung einer Unfallkausalität erfolgte von beiden ohne jegliche
Begründung, womit ihren Feststellungen kein Beweiswert zukommt.
5.4.5.
Den Akten sind schliesslich keine weiteren ärztlichen Aussagen zu entnehmen,
welche in Widerspruch zur Verneinung einer unfallbedingten Diskushernie stünden. Dr.
J._, Dr. I._ sowie Dr. K._ bzw. L._ stellten in ihren Berichten vom 4. September
2015 (Suva-act. II/20), 21. und 28. Juni 2016 (Suva-act. II/15) die Diagnosen subakutes
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom links, akute Exazerbation einer chronischen
Lumbago bzw. Lumobischialgie L4/5 linksseitig. Mit diesen Diagnosen wird von den
Ärzten im Regelfall nur das Beschwerdebild fassbar gemacht. Belegt wird demzufolge
lediglich, dass der Patient Schmerzen in der Lumbalregion aufweist. Die
Rückenschmerzen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Gerade die
Lumbago ist jedoch typisch für die im vorliegenden Fall degenerativ bedingte
Diskushernie (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 860 f.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1791;
Pschyrembel S. 1071, 1756). Für die Annahme einer spezifisch traumatischen
Schmerzursache wird demzufolge zusätzlich eine für die Lumbalgie unfallspezifische,
organisch begründbare Ursache in Form einer strukturellen Läsion bzw. einer schlecht
verheilten strukturellen Läsion als objektivierbares Korrelat verlangt. Wie in Erwägung
5.3 dargelegt, konnte im konkreten Fall radiologisch keine solche Läsion objektiviert
werden. Der von Dr. I._ verwendete Zusatz "chronisch" zementiert das
Nichtvorliegen einer organischen Unfallrestfolge zusätzlich. Der Begriff "chronisch"
steht dem Begriff "traumatisch" entgegen. Während letzterer einen akut aufgetretenen
Zustand beschreibt, bedeutet chronisch "langsam sich entwickelnd, langsam
verlaufend" (Pschyrembel, a.a.O., S. 335).
5.5.
Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit durch den Unfall vom 27. Juli 2015 keine klar
5.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgewiesene neue, bleibende Gesundheitsschädigung im Sinn einer strukturellen
Veränderung erlitten hat.
Ebenso zu verneinen ist eine richtungsgebende Verschlimmerung der
vorbestehenden degenerativen Gesundheitsschäden. Die anlässlich der MRT-
Untersuchung der LWS vom 4. Mai 2016 erhobenen Befunde (Suva-act. II/29) weisen
nicht darauf hin, dass sich der degenerative Zustand im Zeitpunkt des Unfalls massiv
verändert hätte. Die im MRT-Untersuchungsbericht bezüglich der einzelnen Segmente
beschriebenen Schweregrade ("etwas", "höhergradig", leicht"; Suva-act. II/29)
korrelieren grundsätzlich mit denjenigen der vertebro-spinalen Kernspintomographie
vom 26. November 2008 ("ausgeprägt", "minim", "leicht"; act. G 1.4). Die Entstehung
der Diskushernie L4/5 ist sodann ohne die Erwägung einer richtungsgebenden
Verschlimmerung rein degenerativ erklärbar (vgl. Erwägung 5.3). Im Übrigen sprach
selbst Dr. K._ in der E-Mail vom 29. September 2016 im Sinne einer
vorübergehenden Verschlimmerung eines Vorzustandes (vgl. dazu nachfolgende
Erwägung 5.8) nur von einem finalen Impuls zur Auslösung der Beschwerden. Der
Impuls sei auf eine schon zuvor degenerativ veränderte Wirbelsäule getroffen. Die
bereits vorliegende Degeneration der Wirbelsäule sei die Voraussetzung zu diesem
Verlauf gewesen. Das MRT weise eine degenerative Affektion der Wirbelsäule nach.
Traumatische Veränderungen sehe er keine (Suva-act. II/55-14).
5.7.
5.8.
Wie bereits geschildert (vgl. Erwägung 5.2), kann ein Vorzustand durch einen
Unfall ausgelöst oder vorübergehend verschlimmert werden. In diesem Fall übernimmt
die Unfallversicherung lediglich den durch das Unfallereignis ausgelösten
Beschwerdeschub (RKUV 2000 Nr. U379 S. 193 E. 2a mit Hinweisen). Demgemäss
hielt med. pract. M._ in ihrer ärztlichen Beurteilung vom 13. Oktober 2016 fest, dass
die Zuständigkeit und damit eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für sechs
Monate im Rahmen einer zeitlich limitierten Verschlimmerung anzunehmen sei (Suva-
act. II/46).
5.8.1.
Angesichts des vom Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin am
19. August 2016 beschriebenen Traumas ohne direkte stumpfe Einwirkung auf den
Rücken (Suva-act. II/32) und ohne Zeichen einer traumatisch bedingten strukturellen
Läsion (vgl. Erwägung 5.3 ff.) lässt sich beim Beschwerdeführer (höchstens) von einer
am 27. Juli 2015 erlittenen Zerrung bzw. Distorsion im Bereich der LWS ausgehen. Es
entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass Prellungen, Verstauchungen
oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne strukturelle Läsionen normalerweise innert kurzer
5.8.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zeit, in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens nach einem Jahr, abheilen
und sich die damit verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden (Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Februar 2007, U 357/06, E. 4.6; Urteil des EVG vom 18.
September 2002, U 60/02, E.2.2 mit Hinweisen auf die medizinische Literatur). In den
medizinischen Mitteilungen der Suva Nr. 79 [2008], S. 101, hält der Autor Erich Bär,
Facharzt für Chirurgie FMH, sogar fest, dass Weichteilzerrungen bzw. -prellungen am
Rücken (mithin Verletzungen ohne objektivierbaren strukturellen Schaden) ungeeignet
seien, länger als einige Wochen bis wenige Monate Beschwerden zu machen, die mit
organischen Folgen der ursprünglichen Verletzungen zu erklären wären, und weist auf
zahlreiche weitere Publikationen hin (Erich Bär, Prellung und Verstauchung oder
Zerrung der Wirbelsäule. Ein Update, a.a.O., S. 100 ff.). Insofern geht eine
vorübergehende Verschlimmerung eines Vorzustands im Bereich der Wirbelsäule im
Regelfall mit einer stetigen Besserung des unfallkausalen Beschwerdeanteils einher
(vgl. dazu Erich Bär/Bertrand Kiener, Prellung, Verstauchung oder Zerrung der
Wirbelsäule. In Medizinische Mitteilung der Suva Nr. 67 [1994], S. 45). Schliesslich
spricht der Umstand, dass seit dem Unfall anhaltende, zu Beginn als unfallkausal
taxierte Schmerzen sowie eine damit verbundene Arbeitsunfähigkeit bestehen, nicht
automatisch für das Vorliegen anhaltender Unfallrestfolgen bzw. eine andauernde
unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit. Die Leistungseinstellung des Unfallversicherers
bedingt keine Beschwerdefreiheit bzw. volle Arbeitsfähigkeit. Entscheidend ist allein,
ob der durch den Unfall ausgelöste Beschwerdeschub seine kausale Bedeutung
verloren hat (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Diesfalls können anhaltende
Beschwerden mit unfallfremden Befunden, beispielsweise degenerativer Art, erklärt
werden.
Die Rechtsprechung hat also im Falle traumatisch ausgelöster
Wirbelsäulenpathologien den konkreten medizinischen Beleg des natürlichen Verlaufs
durch eine richterliche Vermutung, die sich ihrerseits auf die medizinische Literatur
stützt, ersetzt. Nach dieser sind keine Gründe ersichtlich, derentwegen die Richtigkeit
der Beurteilung von med. pract. M._ - bezüglich der durch das Trauma eingetretenen
Beschwerdesituation im Bereich der degenerativen Vorzustände im Sinne einer
vorübergehenden Verschlimmerung derselben sei von einer maximal sechsmonatigen
Heilungsdauer und einem entsprechenden Status quo sine auszugehen - in Zweifel zu
ziehen wäre. Weiterer medizinischer Erklärungen dazu bedurfte es nicht. Wie gesagt,
wird der Beweis des Dahinfallens von Unfallfolgen bzw. einer unfallbedingten
vorübergehenden Verschlimmerung einer degenerativen Wirbelsäulenpathologie unter
Bezugnahme auf statistische Grundlagen und medizinische Erfahrungssätze geführt,
5.8.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die der herrschenden Lehrmeinung entsprechen. Zwar ist einzuräumen, dass sich
medizinische Erfahrungssätze auf den Regelfall beziehen, d.h. auf medizinische
Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich dargestellt haben. Eine Ausnahme von
der Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich eben als solche
präsentieren.
Fest steht, dass die von med. pract. M._ angenommene sechsmonatige
Heilungsdauer ohne Weiteres dem Zeitrahmen des Regelfalls entspricht. Hinweise auf
einen Ausnahmefall sind den Akten keine zu entnehmen. Med. pract. M._ bezeichnet
das Unfallereignis vom 27. Juli 2015 nachvollziehbar als Bagatelltrauma. Laut
Arztzeugnis UVG vom 8. Juni 2016 erhob Dr. G._ anlässlich ihrer Erstbehandlung
vom 3. August 2015 keine schwerwiegenden, sondern vielmehr nur leichte Befunde
und auch unmittelbar nach dem Unfall hatte sich offensichtlich beim Beschwerdeführer
keine Beschwerdesymptomatik entsprechend einer bedeutsamen Weichteilverletzung
gezeigt. Kurze Zeit nach dem Unfall vermochte der Beschwerdeführer am Flughafen
den Gepäckwagen mit seinem Koffer selber zu schieben und verspürte lediglich leichte
Rückenbeschwerden. Danach absolvierte er einen rund vierstündigen Flug, woraufhin
die Rückenbeschwerden immer noch erträglich waren und nahm am Tag nach dem
Unfall in F._ seine Arbeit auf. Am Abend des 28. Juli 2015 verspürte er offenbar im
Bett verstärkt Rückenschmerzen, vermochte jedoch an den nächsten zwei Tagen
erneut zu arbeiten und schliesslich am 31. Juli 2015 in die Schweiz zurückzufliegen.
Angeblich hatte zwar der Beschwerdeführer wegen Rückenbeschwerden am dritten
Tag nach dem Unfall in F._ einen Arzt aufgesucht, doch ist hinsichtlich dieser
Arztkonsultation nichts dokumentiert (vgl. Suva-act. II/32). Die Beurteilung, wonach die
vom Beschwerdeführer am 27. Juli 2015 erlittene Verletzung spätestens per 31. Januar
2016 als abgeheilt zu betrachten ist, findet insbesondere auch im weiteren zeitlichen
Ablauf ihre Grundlage. Laut Arztzeugnis UVG vom 8. Juni 2016 verordnete Dr. G._
dem Beschwerdeführer am 3. August 2015 Medikamente sowie eine Physiotherapie für
neun Behandlungen (Suva-act. II/3, II/13). Am 18. August 2015 führte Dr. J._ beim
Beschwerdeführer eine interventionelle Behandlung durch, wobei er im
Untersuchungsbericht feststellte, dass die Arbeitsfähigkeit erhalten bleibe (Suva-act. II/
20). Am 31. August 2015 stellte Dr. G._ - wie von Dr. J._ am 18. August 2015
empfohlen (Suva-act. II/20) - eine weitere Physiotherapieverordnung für neun
Behandlungen aus (Suva-act. II/4). Bis zu einer dritten, am 21. März 2016 durch Dr.
G._ ausgestellten Physiotherapieverordnung (Beginn am 23. März 2016; vgl. Suva-
act. II/5, II/32) sind sodann keine therapeutischen Massnahmen mehr aktenkundig. Der
Beschwerdeführer gab zwar am 19. August 2016 gegenüber der Beschwerdegegnerin
5.8.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.
an, eine dritte Physiotherapieverordnung sei ihm bereits Ende Dezember 2015
ausgestellt worden, doch erklärte er auch, er habe diese wegen seiner Arbeit in P._
nicht umsetzen können. Ab März 2016 hätten die Beschwerden immer mehr
zugenommen (Suva-act. II/32) Eine Arbeitsunfähigkeit ist in den Akten schliesslich
erstmals ab 2. Mai 2016 im Zusammenhang mit einer im Mai eingetretenen akuten
Exazerbation der Rückenbeschwerden (vgl. Suva-act. II/15) dokumentiert, also mehr
als ein halbes Jahr nach dem Unfallereignis (Suva-act. II/13 f.). Die
Beschwerdesymptomatik zeigte die ersten Monate keine besonderen Auffälligkeiten,
welche die Annahme einer längeren Heilungsdauer rechtfertigen würden. Vielmehr
hatte der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Leistungseinstellung bereits während ein
paar Monaten keine Therapien mehr wahrgenommen, was auf den typischen
degressiven Verlauf, wie er in der Regel nach einer traumatischen
Schmerzverursachung durch Zerrung bzw. Distorsion zu erwarten ist, hindeutet. Dass
es sodann nach dem zuvor beschriebenen Verlauf im Mai 2016 zu einer Exazerbation
der Beschwerdesymptomatik mit Durchführung einer MRT-Untersuchung am 4. Mai
2016 in der C._ (Suva-act. II/29) sowie Untersuchungen bzw. Behandlungen durch
Dr. I._ am 8. Mai 2016 (Suva-act. II/15) und Dr. K._ bzw. L._ am 16. Mai 2016
(Suva-act. II/21) kam, ist für eine traumatische Genese untypisch und kann mit dem
Unfall vom 27. Juli 2015 nicht erklärt werden. In der Regel zeigt sich eine
Beschwerdesymptomatik unmittelbar im Anschluss an den Unfall oder zumindest in
zeitlicher Nähe dazu am Stärksten. Nachfolgend schliesst - wie gesagt - der
Heilungsprozess an, was in der Regel zu einer stetigen Beschwerdeabnahme führt.
Wahrscheinlicher dürfte demgemäss sein, dass die Beschwerdezunahme degenerative
Gründe hatte bzw. mit den vorbestehenden mehrsegmentalen Befunden, insbesondere
der Diskushernie L4/5, im Zusammenhang stand (vgl. Erwägung 5.3).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Dahinfallen der Kausalität zwischen
dem Unfall vom 27. Juli 2015 und den geklagten Rückenbeschwerden ab 1. Februar
2016 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan ist und davon auszugehen ist,
dass fortdauernde Rückenbeschwerden auf unfallfremde, insbesondere bereits
vorhandene degenerative Faktoren, zurückzuführen sind. Die vorgenommene
Leistungseinstellung ist damit nicht zu beanstanden, zumal die Akten keine
Anhaltspunkte dafür liefern, dass die Beschwerdegegnerin bereits erbrachte
Leistungen nach dem 31. Januar 2016 zurückfordern wollte (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts vom 9. November 2017, 8C_487/2017, E. 3.3.1).
5.8.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/19
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist. Gerichtskosten sind in Anwendung von Art. 61 lit. a ATSG keine zu
erheben.