Decision ID: 5428777f-a417-41fb-b919-3de0ee21fb37
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 29. März 2018 per 1. April 2018 erneut zum Bezug von
Leistungen der Arbeitslosenversicherung an (act. G 3.1/30 und 36). Ihre letzte Stelle als
Sale Advisor bei der B._ AG hatte sie ordentlich per 31. März 2018 gekündigt (act. G
3.1/21). In der Verschuldensabklärung gab sie gegenüber der Arbeitslosenkasse des
Kantons St. Gallen an, vom C._ eine Anstellung zugesichert erhalten zu haben. Die
Stelle sei vom neuen Personalchef entgegen der mündlichen Zusage anderweitig
besetzt worden (act. G 3.1/20). Mit Verfügung vom 25. April 2018 stellte die
Arbeitslosenkasse die Versicherte für 37 Tage in der Anspruchsberechtigung ein, da sie
ihre letzte Stelle von sich aus aufgelöst habe, ohne über eine definitive Zusage
(schriftlicher Vertrag) der Folgestelle zu verfügen, weshalb sie am Eintritt der
Arbeitslosigkeit ein Verschulden treffe (act. G 3.1/18).
A.b Mit Einsprache vom 3. Mai 2018 machte die Versicherte geltend, es habe eine
mündliche Zusage für die Anstellung beim C._ bestanden. Da ein Einzelarbeitsvertrag
keinen Formvorschriften unterliege und sie bereits für eine befristete Anstellung im
Sommer 2015 mit derselben Arbeitgeberin einen mündlichen Arbeitsvertrag
eingegangen sei, könne ihr kein Verschulden am Eintritt der Arbeitslosigkeit
vorgeworfen werden. Sie hätte den Mietvertrag ihrer Wohnung niemals gekündigt,
hätte sie am Bestand des Arbeitsvertrags gezweifelt (act. G 3.1/16). Im Rahmen des
Einspracheverfahrens wurde die Versicherte mit Schreiben vom 15. Mai 2018 von der
Arbeitslosenkasse aufgefordert, die vereinbarten Bedingungen mitzuteilen und zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
belegen (act. G 3.1/14). In der Stellungnahme vom 25. Mai 2018 brachte die
Versicherte vor, die Vereinbarung für die Saisonstelle sei mündlich und nicht schriftlich
erfolgt, hätte aber trotzdem Gültigkeit gehabt (act. G 3.1/10). Mit Entscheid vom 6. Juni
2018 hiess die Arbeitslosenkasse die Einsprache teilweise gut. Von einer Einstellung in
der Anspruchsberechtigung könne nicht abgesehen werden, da das Zustandekommen
eines Arbeitsvertrags zwischen der Versicherten und dem C._ nicht überwiegend
wahrscheinlich sei. Indessen sei verschuldensmindernd zu berücksichtigen, dass sie
zum Zeitpunkt der Kündigung geglaubt habe, eine neue Stelle antreten zu können. Aus
diesem Grund sei die Dauer der Einstellung auf 31 Tage zu reduzieren (act. G 3.1/8).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid erhob die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 2. Juli
2018 Beschwerde mit dem Antrag, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und auf
eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei zu verzichten. Die wesentlichen
Vertragselemente seien telefonisch vereinbart worden, wonach sie vom 1. April 2018
bis Saisonende Anfang Oktober 2018 jeweils von 8 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 19 Uhr
in der Abteilung Animation Kids sowie an der Rezeption im SPA-Bereich für eine
Entschädigung von € 740.-- plus Kost und Logis gearbeitet hätte (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 6. September 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Das Zustandekommen des
Arbeitsvertrages zwischen der Beschwerdeführerin und dem C._ sei nicht als
überwiegend wahrscheinlich zu betrachten. Die Beschwerdeführerin erwähne in der
Beschwerde zum ersten Mal, dass die essentiellen Vertragselemente vereinbart worden
seien, weshalb es nun dem Versicherungsgericht obliege, über das Zustandekommen
eines Arbeitsvertrags zu urteilen. Eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei
auch bei Nachweis eines Vertragsabschlusses geboten, da die Beschwerdeführerin ein
unbefristetes Arbeitsverhältnis zugunsten einer Saisonstelle aufgegeben habe und ihr
dabei bewusst gewesen sei, dass letztere auf einen Zeitraum von April bis Oktober
2018 befristet gewesen wäre (act. G 3).

Erwägungen
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.1 Nach der im Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenminderungspflicht (vgl.
Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]), muss eine versicherte Person, die
Versicherungsleistungen beanspruchen will, alles Zumutbare unternehmen, um den
Eintritt der Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder deren Dauer zu verkürzen. Nach Art. 30
Abs. 1 lit. a AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen,
wenn sie durch eigenes Verschulden arbeitslos ist. Selbstverschuldet ist die
Arbeitslosigkeit namentlich dann, wenn die versicherte Person das Arbeitsverhältnis
von sich aus aufgelöst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesichert war, es sei
denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zugemutet werden konnte (Art.
44 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und
die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
1.2 Eine Arbeitsstelle gilt als zugesichert i.S.v. Art. 44 Abs. 1 lit. b AVIV, wenn durch
ausdrückliche oder stillschweigende übereinstimmende Willensäusserung beider
Vertragsparteien ein Arbeitsvertrag gemäss dem anwendbaren Recht tatsächlich
zustande gekommen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_1021/2012 vom 10. Mai 2013,
E. 5.3.3 mit Hinweisen; JACQUELINE CHOPARD, Die Einstellung in der
Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998, S. 115). Eine entsprechende Zusicherung
gewährt der arbeitnehmenden Person gegenüber dem Arbeitgeber einen
Rechtsanspruch auf Antritt der Stelle. Hierfür genügt ein Vorvertrag zum Abschluss
eines Arbeitsvertrages, blosse Hoffnung oder Erwartung erweckende
Vorverhandlungen genügen jedoch nicht (GERHARD GERHARDS, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz (AVIG), Bd. I (Art. 1-58), Bern 1987, Art. 30 N 15).
Gemäss den Vorschriften des Obligationenrechts erlangt ein mündlicher Arbeitsvertrag
Gültigkeit (Art. 320 Abs. 1 OR), die mündliche Form erschwert jedoch im Streitfall den
Nachweis von dessen Existenz und damit der Zusicherung einer Stelle (vgl.
JACQUELINE CHOPARD, a.a.O., S. 115 f.).
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe die Arbeitsstelle bei B._ AG
wegen der Zusicherung, am 1. April 2018 eine Stelle beim C._ antreten zu können,
aufgegeben. Entgegen der mündlichen Zusage des ehemaligen Personalchefs habe
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dessen Nachfolger die Stelle mit einer anderen Person besetzt, weshalb sie nach
Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit der B._ AG per 1. April 2018 arbeitslos
geworden sei. Gemäss der Angabe der Beschwerdeführerin konnte sie vom C._
keine schriftliche Bestätigung erhalten, welche den beschriebenen Geschehensablauf
bestätigen würde.
2.2 Die Beschwerdeführerin stützt ihre Angaben auf mündliche Vereinbarungen,
welche sie mit dem ehemaligen Personalchef des C._ geschlossen habe und die von
dessen Nachfolger nicht befolgt worden seien. Sie verfügt über kein Schriftstück,
welches den Nachweis von Verhandlungen oder einer Vereinbarung erbringen würde.
Ihr neues Vorbringen, die elementaren Vertragsbestandteile wie die Vertragsdauer, der
Lohn sowie der zugewiesene Arbeitsplatz seien detailliert vereinbart worden, kann nicht
belegt werden. Es fällt zudem auf, dass eine solch detaillierte Regelung trotz der im
Einspracheverfahren erfolgten Aufforderung, mitzuteilen, welche Bedingungen
vereinbart worden seien (vgl. act. G 3.1/10), erstmals in der Beschwerde behauptet
wird. Der Umstand, dass die Beschwerdeführerin bereits einmal im C._ gearbeitet
hat und der damalige Personalchef mit ihrer Arbeit sehr zufrieden gewesen sei, lässt
nicht ohne Weiteres darauf schliessen, dass drei Jahre später ein neuer Arbeitsvertrag
zu gleichen Vertragsbedingungen zustande gekommen ist. Auch wenn die Angabe der
Beschwerdeführerin zutreffen würde, wonach in D._ üblicherweise mündliche
Arbeitsverträge geschlossen würden, erschwert dieses Vorgehen die
Beweiserbringung. In Ermangelung eines konkreten Nachweises für das tatsächliche
Zustandekommen eines Arbeitsvertrags zwischen der Beschwerdeführerin und dem
C._ kann nicht von einer verbindlichen Zusicherung der Stelle im Sinne von Art. 44
Abs. 1 lit. b AVIV ausgegangen werden. Die Last der Beweislosigkeit ist von der
Beschwerdeführerin zu tragen, da sie aus dem Zustandekommen des Vertrags Rechte
ableiten möchte. Deshalb ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin den
Arbeitsvertrag mit der B._ AG ohne Zusicherung einer Folgestelle kündigte und damit
den Eintritt ihrer Arbeitslosigkeit selbst verschuldete (Art. 30 Abs. 1 lit. a AVIG i.V.m.
Art. 44 Abs. 1 lit b AVIV).
2.3 Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend, die Weiterführung des
Arbeitsverhältnisses bei der B._ AG sei unzumutbar gewesen. Den Akten lässt sich
ebenfalls kein Hinweis auf eine Unzumutbarkeit entnehmen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Zu prüfen bleibt somit, ob die von der Beschwerdegegnerin verfügten 31 Einstelltage
angemessen sind.
3.1 Zweck der Einstellung in der Anspruchsberechtigung als versicherungsrechtliche
Sanktion ist die angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den
sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung verursacht hat. Die
Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3
AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei mittelschwerem und
31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3 AVIV). Ein schweres
Verschulden liegt insbesondere vor, wenn die versicherte Person ohne entschuldbaren
Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle
aufgegeben hat (Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV). Nach der Rechtsprechung bildet die
Annahme eines schweren Verschuldens die Regel, von welcher bei Vorliegen
besonderer Umstände im Einzelfall abgewichen werden darf. Vorausgesetzt ist ein
entschuldbarer Grund, worunter ein Grund zu verstehen ist, welcher – ohne zur
Unzumutbarkeit zu führen – das Verschulden leichter als schwer erscheinen lässt.
Wenn ein solcher Grund vorliegt, bemisst sich die Einstellungsdauer nach der
allgemeinen Regel des Art. 30 Abs. 3 Satz 3 AVIG (BGE 130 V 125 E. 3.5). Bei der
Bemessung der Einstellungsdauer und der Prüfung eines entschuldbaren Grundes sind
alle Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, insbesondere die Beweggründe,
persönlichen Verhältnisse, bisheriges Verhalten, Begleitumstände wie Verhalten des
Arbeitgebers oder irrtümliche Annahmen über den Sachverhalt. Verschiedene Faktoren
wie begründete Hoffnung auf eine Neuanstellung oder belastende Umstände am
Arbeitsplatz können das Verschulden mindern (JAQUELINE CHOPARD, a.a.O., S. 167
und 169).
3.2 Da die Beschwerdeführerin eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer
neuen Stelle aufgab, ist zu prüfen, ob eine Abweichung vom schweren Verschulden
gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV aufgrund besonderer Umstände angezeigt ist. Die
Beschwerdeführerin kündigte am 19. Januar 2018 das Arbeitsverhältnis mit der B._
AG per 31. März 2018. Im Kündigungsschreiben erwähnt sie einen geplanten
Auslandaufenthalt. Ob die Beschwerdeführerin zum Kündigungszeitpunkt bereits von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/8
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einer mündlichen Zusage der Arbeitsstelle ausging, lässt sich nicht feststellen. Sie
bringt mehrfach vor, sie habe im Hinblick auf den Antritt der Stelle in D._ per 1. April
2018 nebst dem Arbeitsvertrag auch den Mietvertrag der Wohnung gekündigt. Den
Unterlagen ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin ab April 2018 über eine
neue Wohnadresse verfügt, was ein Indiz dafür ist, dass bei ihr eine begründete
Hoffnung auf den Antritt der neuen Arbeitsstelle per 1. April 2018 bestand. Es ist nicht
auszuschliessen, dass die Beschwerdeführerin in gutem Glauben darauf vertraute, es
sei eine erneute Einstellung einzig gestützt auf telefonische Gespräche zustande
gekommen, wobei sich später jedoch die andere Partei für sie überraschend nicht an
die vermeintlich vereinbarten Vertragsbestimmungen gehalten haben soll. Dem guten
Glauben und vollen Vertrauen in das Verhalten eines künftigen Vertragspartners steht
ein gebotenes Mindestmass an Vorsicht gegenüber, wobei ein Arbeitnehmer oder eine
Arbeitnehmerin zu ihrem eigenen Schutz insbesondere die elementaren
Vertragsbestimmungen schriftlich festhalten lässt. Ein grösseres Mass an Vorsicht ist
unter anderem dann angezeigt, wenn sich die schwächere Partei mit den rechtlichen
Bestimmungen und Gepflogenheiten, welche am Arbeitsort gelten, nicht genügend
auskennt und im Rahmen des Arbeitsverhältnisses namentlich mit fremden
Gesetzesbestimmungen und Behörden konfrontiert sein könnte. Der
Beschwerdeführerin ist in diesem Sinne eine pflichtwidrige Unvorsichtigkeit
vorzuwerfen. Die vorliegenden verschuldensmindernden Umstände, welche auf der
begründeten Hoffnung auf den Stellenantritt beruhten sowie den guten Glauben und
das Vertrauen in die andere Partei vermögen die pflichtwidrige Unvorsichtigkeit, auf
telefonische Besprechungen ohne jegliche Schriftlichkeit zu vertrauen, nicht genügend
zu entlasten. Ein Abweichen von der Regel gemäss Art. 45 Abs. 4 lit. a AVIV aufgrund
besonderer Umstände ist demnach nicht angezeigt. Insgesamt erscheint die
Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 31 Tagen und damit im
untersten Bereich des schweren Verschuldens als angemessen.
4.
Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61
lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]).