Decision ID: 0e5f7b41-2082-5ea4-97d1-60f5b22c4403
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A. Am XX.XX.2006 starb der seit dem 5. Mai 2000 verwitwete D_ in B_ (Appenzell Aus-
serrhoden). Erbinnen sind dessen zwei Töchter, A_ und F_. Seit dem Jahre 2007 ist
eine Erbteilungsklage von A_ beim Kreisgericht Rheintal in Altstätten hängig. Einen
Streitpunkt bildet die sich im Nachlass befindende Liegenschaft in C_, Tessin. Daneben
hat die Erbengemeinschaft Grundeigentum in G_ (Graubünden) und in H_ (Spanien).
Der Gemeinderat B_ hat in der Vergangenheit zwei Erbenvertretungen für die Erbenge-
meinschaft eingesetzt, welche das Mandat beide niedergelegt haben.
B. Mit Eingabe vom 21. April 2016 stellte A_ beim Gemeinderat B_ ein Gesuch zuhanden
der Gemeinderatssitzung vom 2. Mai 2016 mit folgenden Rechtsbegehren:
a) A_ wird vom Gemeinderat B_ per Gemeinderatsschluss beauftragt, die gesetzlich
vorgeschriebene Elektrischprüfung gemäss bundesrätlicher Verordnung 734.27 bei der AIL
- Aziende industriali di Lugano sofort und fristgerecht zu organisieren. Allfällige Einsprachen
vermögen die fristgerechte, gesetzlich vorgeschriebene Ausführung nicht zu verhindern.
b) A_ wird vom Gemeinderat B_ per Gemeinderatsbeschluss beauftragt, allfällige Be-
anstandungen der AIL gemäss den gesetzlichen Vorschriften sofort durch Organisation ei-
nes Elektrikers unter evtl. Einholen von Offerten beheben zu lassen. Allfällige Einsprachen
vermögen die fristgerechte, gesetzlich vorgeschriebene Ausführung nicht zu verhindern.
c) Die Rechnung der AIL (ca. Fr. 200.--) sowie allfällige Reparaturrechnungen werden der
Gemeinde B_ AR zugestellt. B_ AR steht es frei, die Rechnungen mit dem Tresorgeld
direkt zu bezahlen oder die Beträge an A_ zur Barabgleichung vor Ort zu überweisen.
Der Gemeinderat beschliesst die Art der Rechnungsbegleichung.
d) A_ stellt Rechnung z.Hd. der Erbengemeinschaft und wird mit Fr. 100.-- pro Stunde
zuzüglich Spesen entschädigt. Sollte die Rechnung nicht innert dreissig Tagen bezahlt oder
mit der Miete C_ verrechnet werden, ist sie als ordentlicher Verwaltungsaufwand des
Nachlasses geschuldet und gemäss Art. 610 Abs. 3 ZGB vor der effektiven Erbtei-
lung/Auszahlung zuzüglich 5% Verzugszins an A_ zu bezahlen.
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C. Mit Schreiben vom 29. April 2016 teilte der Gemeinderat B_ A_ mit, dass er nicht auf
ihre Anträge eingehen könne, da das Verfahren beim Kantonalen Obergericht von Appen-
zell Ausserrhoden hängig sei. Mit Schreiben vom 19. Mai 2016 an A_ hielt der Gemein-
derat B_ erneut fest, dass er nicht auf ihre Anträge eintreten könne, da er nicht zuständig
sei.
D. Mit Eingabe vom 19. Mai 2016 erhob A_ Rechtsverweigerungsbeschwerde beim Regie-
rungsrat von Appenzell Ausserrhoden. Sie beantragte, dass der Regierungsrat aufgrund
der Dringlichkeit anstelle der Gemeinde B_ über ihre Anträge vom 21. April 2016 ent-
scheide. Eventualiter weise der Regierungsrat die Gemeinde B_ an, ihre Anträge unver-
züglich zu behandeln, sofern die fristgerechte gesetzliche Sicherheitsüberprüfung der
elektrischen Installationen noch gewährleistet werden könne. Alles unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolge zulasten der Gemeinde B_. Zudem sei sie von der Gemeinde B_ für
die verlangte formelle Einreichung des Antrags mit Fr. 600.00 und für die durch die Unter-
lassung der Behandlung provozierte Rechtsverweigerungsbeschwerde mit Fr. 700.00 für
die ganz erheblichen Umtriebe zu entschädigen.
E. Mit Entscheid vom 31. Mai 2016 wies der Regierungsrat von Appenzell Ausserrhoden die
Rechtsverweigerungsbeschwerde ab. In seiner Begründung hielt er im Wesentlichen fest,
dass er sich bereits im Rekursentscheid vom 11. Februar 2014 mit der strittigen Frage der
Erteilung von „dringlichen Verwaltungsaufträgen“ durch den Gemeinderat zu befassen hat-
te. Damals habe er festgestellt, dass der Gemeinderat die Zuständigkeit für diese Anträge
zu Recht verneint habe. Es sei keine gesetzliche Grundlage ersichtlich, aufgrund derer der
Gemeinderat verpflichtet oder berechtigt wäre, solche Anweisungen zu verfügen oder Auf-
träge zu erteilen. Dieser habe, wenn er gemäss Art. 602 Abs. 3 ZGB eine Erbenvertretung
einsetze, über diese eine beschränkte Aufsichtspflicht. Vorliegend bestehe weder im Bun-
desrecht noch im kantonalen Recht eine gesetzliche Grundlage, die dem Gemeinderat
B_ AR eine Zuständigkeit mit Blick auf die Anträge der Beschwerdeführerin zuweise. Im
Übrigen habe der Regierungsrat im Rekursentscheid vom 28. April 2015 darauf hingewie-
sen, dass es Sache des Gerichts sei, bei dem die Erbteilungsklage hängig sei, die Erbtei-
lung durchzuführen und allfällige vorsorgliche Massnahmen für den Nachlass anzuordnen,
soweit sich solche als notwendig erwiesen.
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F. Gegen diesen Entscheid erhob A_ (im Folgenden: Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom
30. Juni 2016 Beschwerde beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden und stellte die ein-
gangs erwähnten Begehren. In ihrer Begründung macht sie im Wesentlichen geltend, dass
die Erbengemeinschaft seit 2006 handlungsunfähig sei, weil die Erbin F_ seit jeher die
Mitarbeit verweigere. Auch als Mieterin der Liegenschaft C_ sei die Beschwerdeführerin
nicht befugt, für die Erbengemeinschaft als Eigentümerin rechtskräftig zu handeln. F_
verhindere seit einem Jahr die gesetzliche Sicherheitsüberprüfung der Nachlassliegen-
schaft C_. Das hängige Verfahren vor dem Obergericht beziehe sich nur auf die spani-
sche Nachlassliegenschaft. Wider besseres Wissen schütze der Regierungsrat in seinem
Entscheid die Abschiebung der amtlichen Pflichten und Verantwortung. Handlungsfähigkeit
in Erbengemeinschaften könne nicht per Gerichtsentscheid hergestellt werden. Erbenver-
treter würden im Kanton Appenzell Ausserrhoden vom Gemeinderat B_ eingesetzt
und/oder beauftragt/ernannt. Dies sei eine amtliche Aufgabe, die nicht abgeschoben wer-
den könne. Die im angefochtenen Entscheid erwähnten Rekurse hätten völlig andere Be-
gebenheiten betroffen und nichts mit der Sicherheitsprüfung der Nachlassliegenschaft
C_ zu tun. Im Schreiben vom 29. April 2016 sei durch die Gemeinde B_ mit Absicht
eine falsche Rechtsmittelbelehrung erfolgt, wie bereits in früheren Fällen, was nicht mit ei-
nem fairen Verfahren und Verfassungsgarantien sowie dem Recht auf Beschwerde gemäss
EMRK vereinbar sei.
Der Regierungsrat habe schon in früheren Entscheiden die Untätigkeit und Abschiebung
der Verantwortung der vom Gesetz her zuständigen Behörde von B_ zum Schaden des
Nachlasses geschützt und davon profitiert, dass sie damals finanziell und gesundheitsmäs-
sig nicht in der Lage gewesen sei, diese Entscheide innert Frist weiterzuziehen. Gemäss
den regierungsrätlichen Behauptungen/Ausflüchten in Sachen Erbganglogik hätte der Ge-
meinderat B_ in der Vergangenheit wiederrechtlich und ohne jegliche gesetzliche Grund-
lage zwei Erbenvertretungen nach dem Tod des Vaters eingesetzt. Für die Einsetzung ei-
nes Erbenvertreters sei nur das Vorhandensein einer Erbengemeinschaft Voraussetzung
sowie die Handlungsunfähigkeit gegen aussen. Welcher Art die Aufgaben gegen aussen
seien, welche durch die Handlungsunfähigkeit verhindert würden, sei nicht relevant, da die
Aufgaben für die Erbenvertreter definiert werden müssten und diese dann genau für dieje-
nigen klar definierten Aufgaben zuständig seien, wofür sie eingesetzt worden seien. Ge-
mäss Art. 86 EG zum ZGB sei die Erbteilungskommission/der Gemeinderat zuständig, in
ihrem Fall seit dem Jahr 2000. Die Rechtslage sei somit klar und der Entscheid des Regie-
rungsrates aufzuheben. Mit Schreiben vom 25. Mai 2016 habe das Kreisgericht Rheintal
seine Zuständigkeit verneint. Die Handlungsfähigkeit in Erbengemeinschaften könne im
Kanton Appenzell Ausserrhoden nicht durch Gerichtsentscheid hergestellt werden. Die Erb-
teilungskommission/Gemeinderat B_ sei die einzige vom Gesetz her zuständige Behörde
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für die Einsetzung einer Erbenvertretung nach Art. 602 Abs. 3 ZGB gemäss rechtskräftigem
Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 10. Januar 2012. Dementsprechend sei diese
zuständig und befugt, konkrete Aufträge im Nachlass zu vergeben, zumal es sich um die
Erfüllung gesetzlich vorgeschriebener Anforderungen gemäss bundesrätlicher Verordnung
734.27 (El. Sicherheitskontrolle) für den Nachlass handle.
Sie sei finanziell nicht in der Lage, die Gratiserbschaftsverwaltung im Frondienst (in der
Schweiz gemäss EMRK verboten) für die Erbengemeinschaft zu erledigen wie auch kein
Dritter (dieser verlange gemäss Tarif das 3-4fache) jemals eine Gratiserbschaftsverwaltung
für den Nachlass durchführen werde. Auch sei es ihr finanziell unmöglich, dem Nachlass
Geld vorzuschiessen. Der Nachlass schulde ihr noch grössere Geldbeträge und verfüge
seit dem Ausscheiden des Erbenvertreters J_ nicht über genügend flüssige Mittel, da die
Miterbin F_ sowohl die Aufnahme einer Hypothek wie auch ein Darlehen verweigere. Bei
der Gemeinde B_ befinde sich noch Nachlassgeld im Tresor. Die Angelegenheit der
elektrischen Sicherheitsüberprüfung hätte mit kleinstem Aufwand von allen Seiten speditiv
erledigt werden könne, wenn die Gemeinde B_ dazu Hand geboten hätte, anstatt ein Ge-
richtsverfahren zu provozieren.
G. Mit Schreiben vom 22. Juli 2016 liess sich der Regierungsrat (im Folgenden: Vorinstanz),
vertreten durch das Departement Inneres und Sicherheit, zur Beschwerde vernehmen, mit
dem Antrag, diese abzuweisen. Dabei wurde auf die Ausführungen im angefochtenen Ent-
scheid verwiesen.
H. Innert erstreckter Frist liess die Beschwerdeführerin (neu vertreten durch RA AA_) mit
Eingabe vom 25. August 2016 eine Replik einreichen. Im Wesentlichen machte sie geltend,
dass es nicht zutreffe, dass die Zuständigkeit des Gemeinderats B_ mit dem Erbgang
abgeschlossen sei. Bei der zuständigen Behörde nach Art. 602 Abs. 3 ZGB handle es sich
um diejenige Behörde, welche aus dem letzten Wohnsitz des Erblassers resultiere, und
dies sei der Gemeinderat B_. Ein Erbenvertreter sei für sämtliche Aufgaben zuständig,
für die er rechtmässig eingesetzt worden sei, bis hin zum Liegenschaftverkauf und der par-
tiellen Teilung. Im vorliegenden Fall gehe es um eine reine Verwaltungshandlung, welche
im Übrigen zweifellos im Interesse des gesamten Nachlasses stehe. Der elektrische Si-
cherheitsnachweis sei eine gesetzliche Notwendigkeit und für den weiteren Bezug elektri-
scher Energie und zur Vermeidung von Nachteilen für den Nachlass unumgänglich. Dies
zeige eindeutig, dass die Eigentumswohnung in C_ ohne elektrische Energie nicht nur
erheblich an Wert einbüssen würde, sondern auch nicht mehr genutzt oder verkauft werden
könnte. Es müsse dem einzelnen Erben erlaubt sein, das (Gesamt)-Eigentum, für welches
er hafte, mit allen Mitteln zu schützen. Da der aktuelle Antrag der Beschwerdeführerin
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Zweifels ohne mit „Verwalten“ und nichts mit der Erbteilung zu tun habe, sei nicht der Tei-
lungsrichter zuständig. Weil es sich um zwei verschiedene Verfahren handle, habe der
Gemeinderat B_ zu Unrecht keinen Entscheid mit Verweis auf das Verfahren vor dem
Obergericht betreffend spanischer Liegenschaft erlassen. Sie würden auch auf die jüngst
eingetroffene Mahnung verweisen. Im Weiteren stelle die Vernehmlassung der Vorinstanz
vom 22. Juli 2016 lediglich eine Wiedergabe in indirekter Rede dar und verweise auf den
angefochtenen Entscheid resp. auf frühere Entscheide, was unzulässig sei. Schon aus die-
sem Grund sei die Beschwerde gutzuheissen.
I. Nachdem die Vorinstanz stillschweigend auf eine Duplik verzichtet hatte, liess die Be-
schwerdeführerin am 13. April 2017 und 18. April 2017 nachträgliche Eingaben einreichen,
wobei sie darauf hinwies, dass die Aziende Industriali di Lugano (AIL) SA mit Schreiben
vom 10. April 2017 eine zweite und letzte Mahnung versandt habe. Bei einem erneuten un-
benützten Ablauf der Frist werde angedroht, die Angelegenheit ans Eidgenössische Stark-
strominspektorat weiterzuleiten, welches dann einerseits eine Busse, andererseits die Ab-
schaltung des Stroms verfügen werde.
J. Auf die Eröffnung des Urteildispositivs hin beantragten sowohl die Vorinstanz als auch der
Gemeinderat B_ eine Begründung des Urteils.

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der prozessualen Voraussetzungen ergibt,
dass das Obergericht (Verwaltungsrechtliche Abteilung) nach Art. 54 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1) in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 Ziff. 16
des Gesetzes über die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG zum ZGB,
bGS 211.1) und Art. 45 Abs. 1 des Gemeindegesetzes (GG, bGS 151.11) zur Behandlung
der Beschwerde gegen den Rekursentscheid der Vorinstanz vom 31. Mai 2016 zuständig
ist. Weil zur Bestellung des Erbenvertreters im Kanton Appenzell Ausserrhoden eine Ver-
waltungsbehörde zuständig ist, richtet sich das Verfahren nach kantonalem öffentlichen
Recht (Berner Kommentar, Stephan Wolf, N. 148 zu Art. 602 ZGB). Die Beschwerde wurde
frist- und formgerecht eingereicht. Als Mitglied der Erbengemeinschaft D_ und E_ selig
ist die Beschwerdeführerin zur Anfechtung des an sie gerichteten negativen Rekursent-
scheides legitimiert. Auf die Beschwerde ist deshalb grundsätzlich einzutreten. Nicht einzu-
treten ist auf die Beschwerde jedoch, soweit sich nachfolgend ergibt, dass der Gemeinderat
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B_ die Begehren der Beschwerdeführerin vom 21. April 2016 hätte behandeln müssen.
Darauf wird weiter unten zurückzukommen sein.
2.
2.1 Gemäss Art. 602 Abs. 3 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB, SR 210) kann die
zuständige Behörde auf Begehren eines Miterben für die Erbengemeinschaft bis zur Tei-
lung der Erbschaft eine Vertretung bestellen. Nach Art. 3 Abs. 1 Ziff. 16 EG zum ZGB bildet
die (allfällige) Bestellung eines Erbenvertreters eine Obliegenheit des Gemeinderats. Die
Behörde kann den Erbenvertreter generell mit der Nachlassverwaltung (als Generalerben-
vertreter) einsetzen oder ihn nur mit der Vornahme einzelner Handlungen betrauen (als
Spezialerbenvertreter). Der Erbenvertreter ist jedoch weder zur Erbteilung befugt noch hat
er die Auflösung der Erbengemeinschaft zu beschleunigen (Urteil des Bundesgerichts
5D_133/2010 vom 12. Januar 2011 E. 5.2.2; BK-Wolf, N. 162 zu Art. 602 ZGB).
2.2 Die Beschwerdeführerin hat den Gemeinderat B_ mit Eingabe vom 21. April 2016 er-
sucht, sie zur Vornahme einzelner Handlungen in Bezug auf die Liegenschaft in C_ zu
beauftragen bzw. zu ermächtigen. Konkret geht es dabei um die Sicherheitsüberprüfung
der elektrischen Installationen und die Einreichung des Sicherheitsnachweises, d.h. um
spezifische Verwaltungshandlungen für ein bestimmtes Nachlassaktivum, wofür grundsätz-
lich die Einsetzung eines Spezialerbenvertreters möglich wäre. Durch den Verweis auf Art.
602 Abs. 3 ZGB hat die Beschwerdeführerin im erwähnten Gesuch klar zum Ausdruck ge-
bracht, dass es ihr bei ihren Anträgen konkret um ihre Einsetzung als Erbenvertreterin für
diese Verwaltungshandlungen ging, für deren allfällige Anordnung gemäss Art. 3 Abs. 1
Ziff. 16 EG zum ZGB der Gemeinderat erstinstanzlich zuständig ist. Dass die entsprechen-
den Begehren seinen Zuständigkeitsbereich tangieren, war für den Gemeinderat daher
durchaus erkennbar, zumal dieser bereits in der Vergangenheit Erbenvertreter für dieselbe
Erbengemeinschaft eingesetzt hat. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass zu diesem
Zeitpunkt beim Obergericht bereits eine Beschwerde der Beschwerdeführerin betreffend
Einsetzung einer Erbenvertretung hängig war, welche mit Urteil vom 24. November 2016
abgewiesen wurde (Verfahren Nr. O4V 15 11). Der Gemeinderat B_ schien dabei näm-
lich offensichtlich verkannt zu haben, dass im Verfahren O4V 15 11 eine von der Be-
schwerdeführerin spezifisch auf die Verschreibung der Liegenschaft in Spanien zugeschnit-
tene Erbenvertretung (jedoch keine Generalerbenvertretung) umstritten war. Die Liegen-
schaft in C_ bzw. die Sicherheitsüberprüfung der elektrischen Installationen bildete hin-
gegen nicht Gegenstand jenes Verfahrens. Die Beschwerdeführerin hat am 21. April 2016
erstmalig ihre Einsetzung als Erbenvertreterin für bestimmte Verwaltungshandlungen be-
treffend die Liegenschaft C_ beantragt. Damit steht fest, dass der zuständige Gemeinde-
rat B_ am 29. April 2016 bzw. 19. Mai 2016 zu Unrecht nicht auf deren Gesuch vom 21.
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April 2016 eingetreten ist und dieser das Gesuch hätte behandeln müssen. Im Folgenden
gilt es zu prüfen, wie die Schreiben des Gemeinderats vom 29. April 2016 bzw. 19. Mai
2016 zu qualifizieren sind.
3.
3.1 Eine Verfügung ist ein individueller, an den Einzelnen gerichteter Hoheitsakt, durch den
eine konkrete verwaltungsrechtliche Rechtsbeziehung rechtsgestaltend oder feststellend in
verbindlicher und erzwingbarer Weise geregelt wird (BGE 137 II 409 E. 6.1.; 121 II 473 E.
2a). Eine Verwaltungshandlung ist somit als Verfügung zu qualifizieren, wenn sie diese
Strukturelemente aufweist. Nach Lehre und Rechtsprechung kann auch eine Verfügung
vorliegen, wenn sie nicht als solche bezeichnet wird oder wenn eine Rechtsmittelbelehrung
fehlt (Urteil C-237/2013 des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. Dezember 2014 E. 4.2).
Massgebend ist ein materieller Verfügungsbegriff (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. Zürich 2016, Rn 872). Gemäss Art. 30 Abs. 1 VRPG und Art. 45
Abs. 1 GG kann unter Vorbehalt abweichender Regelungen gegen Verfügungen des Ge-
meinderats Rekurs beim Regierungsrat erhoben werden. Aus einer unrichtigen Rechtsmit-
telbelehrung dürfen der betroffenen Person keine Nachteile erwachsen. Ist die Rechtsmit-
telbelehrung bei einer weiterziehbaren Verfügung unterblieben, so ist die Einreichung des
Rechtsmittels innert zwei Monaten seit Zustellung der Verfügung zulässig (Art. 34 Abs. 1
und 2 VRPG). Eine Rechtsverweigerungsbeschwerde ist nur zulässig, sofern kein ordentli-
ches Rechtsmittel gegeben ist (Art. 42 Abs. 1 VRPG).
3.2 Der Gemeinderat B_ hat mit Schreiben vom 29. April 2016 und 19. Mai 2016 als hoheitli-
che Behörde festgestellt, dass die Begehren der Beschwerdeführerin nicht in seinen Zu-
ständigkeitsbereich fallen. Beide Schreiben sind je von der Gemeindepräsidentin und vom
Gemeindeschreiber unterzeichnet und tragen den Briefkopf der Gemeinde. Zumindest im
Schreiben vom 19. Mai 2016 wurde die Zuständigkeit seitens des Gemeinderats B_ aus-
drücklich verneint und daraus abgeleitet, es könne nicht auf die Begehren der Beschwerde-
führerin eingetreten werden. Dies bedeutet, dass damit im materiellen Sinn eine negative
Verfügung eröffnet wurde, auch wenn der Gemeinderat lediglich (fälschlicherweise) seine
Unzuständigkeit festgestellt hat. Ausgehend vom materiellen Verfügungsbegriff handelt es
sich beim Schreiben vom 19. Mai 2016 trotz fehlender Bezeichnung um eine Nichteintre-
tens-Verfügung, bei welcher das Fehlen der nach Art. 18 VRPG erforderlichen Rechtsmit-
telbelehrung bloss als Form- und Eröffnungsfehler zu qualifizieren ist (Häfe-
lin/Müller/Uhlmann, a.a.O). Als förmliches Anfechtungsobjekt hätte diese Nichteintretens-
Verfügung gemäss Art. 30 Abs. 1 VRPG mittels Rekurs an den Regierungsrat weitergezo-
gen werden können, weshalb keine formelle Rechtsverweigerung vorlag. Eine Rechtsver-
weigerungsbeschwerde war daher aufgrund von deren Subsidiarität im vorliegenden Fall
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ausgeschlossen. Aus dem Fehlen oder der Unrichtigkeit einer Rechtsmittelbelehrung darf
einer Partei jedoch kein Rechtsnachteil erwachsen, wenn sie sich in guten Treuen darauf
verlassen durfte (BGE 129 II 125 E. 3.3). Die Beschwerdeführerin hat sich erst im Verlauf
des Schriftenwechsels vor dem Obergericht anwaltlich vertreten lassen, weshalb ihr als Lai-
in nicht vorgeworfen werden kann, sie hätte den Verfügungscharakter des Schreibens vom
19. Mai 2016 erkennen und dagegen Rekurs erheben müssen. Dies gilt umso mehr, als
dass ihr wegen der fehlenden Rechtsmittelbelehrung eine Frist von zwei Monaten zur Re-
kurserhebung offen gestanden wäre und sie diese Frist mit ihrer Eingabe vom 19. Mai 2016
offensichtlich eingehalten hat. Die Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 19. Mai 2016 an
die Vorinstanz und vom 30. Juni 2016 an das Obergericht sind demzufolge als Rekurs und
Beschwerde umzudeuten, denn nur so entsteht der Beschwerdeführerin durch das Fehlen
der Rechtsmittelbelehrung kein Nachteil. Demzufolge hätte die Vorinstanz nicht eine for-
melle Rechtsverweigerung, sondern korrekterweise die Anfechtung einer Nichteintretens-
Verfügung behandeln müssen. Der Gemeinderat B_ dagegen wäre verpflichtet gewesen,
zuständigkeitshalber auf die Begehren der Beschwerdeführerin einzutreten und diese zu
behandeln.
3.3 In Anbetracht dieser Umstände bleibt nichts anderes übrig, als die Sache in Aufhebung des
angefochtenen Entscheids der Vorinstanz vom 31. Mai 2016 und des Nichteintretens-
Entscheids des Gemeinderats B_ vom 19. Mai 2016 zur materiellen Behandlung an den
Gemeinderat B_ zurückzuweisen. Auf die übrigen Anträge der Beschwerdeführerin, na-
mentlich die beantragte direkte Beauftragung als Spezialerbenvertreterin durch das Ober-
gericht kann jedoch nicht eingetreten werden, da das Obergericht ansonsten in den erstin-
stanzlichen Zuständigkeitsbereich des Gemeinderats B_ eingreifen würde. Das Gericht
erlaubt sich diesbezüglich jedoch den Hinweis, dass gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung im Falle von Dringlichkeit bzw. des Vorliegens von Gefahr im Verzug jeder Mit-
erbe allein zur Wahrung der Interessen des Nachlasses oder zur Erhaltung von Erbschafts-
objekten handeln kann. Ein dringlicher Fall liegt vor, wenn das Interesse der Erbengemein-
schaft ein rasches Vorgehen erfordert, was bei Unterhaltsarbeiten an einer Liegenschaft
der Fall sein kann, die unaufschiebbar sind, wenn der Eintritt eines Gebäudeschadens ab-
gewehrt werden soll (BK-Wolf, N. 91 zu Art. 602 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung). Bei der erforderlichen Behandlung der Begehren der Beschwerdeführerin
könnte der Gemeinderat bei gegebener Dringlichkeit die Alleinvertretung vorfrageweise in
seine Überlegungen miteinbeziehen. Angesichts einer drohenden Busse durch das Stark-
strominspektorat und der drohenden Unterbrechung der Stromversorgung für die betreffen-
de Wohnung könnten hier solche Verhältnisse durchaus vorliegen. Wäre die Dringlichkeit
zu bejahen, könnte die Beschwerdeführerin, welche offenbar gleichzeitig Mieterin der Lie-
genschaft in C_ ist, ohne vorhergehende Einsetzung eines Erbenvertreters die Durchfüh-
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rung der Sicherheitsüberprüfung veranlassen und die Kosten eventuell mit ihrem Mietzins
verrechnen. Ob tatsächlich Dringlichkeit besteht, hätte aber im Streitfall der Zivilrichter zu
entscheiden.
4. Zusammenfassend steht damit fest, dass die Beschwerde gutzuheissen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
5. Nach Art. 19 Abs. 3 i. V. m. Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor Oberge-
richt gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf dessen
Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Da die Beschwerdeführerin aufgrund der Rückweisung
grossteils obsiegt, werden ihr keine Kosten auferlegt. Bezüglich der Vorinstanz und der
Gemeinde wird in Anwendung von Art. 22 Abs. 1 VRPG auf eine Kostenerhebung verzich-
tet.
6.
6.1 Nach Art. 53 Abs. 3 VRPG hat die obsiegende Partei in der Regel Anspruch auf eine Ent-
schädigung für die notwendigen Kosten und Auslagen. Die Entschädigung setzt sich zu-
sammen aus einem Honorar und den Barauslagen; die Mehrwertsteuer wird als Zuschlag in
Rechnung gestellt (Art. 3 der Verordnung über den Anwaltstarif, AT, bGS 145.53). In Ver-
fahren vor dem Obergericht in Verwaltungssachen wird das Honorar pauschal festgelegt
(Art. 13 Abs. 1 lit. c AT) und beträgt Fr. 1‘000.-- bis Fr. 10‘000.-- (Art. 16 Abs. 1 AT). Inner-
halb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens richtet sich das Honorar nach den beson-
deren Umständen des Falles. In Betracht fallen namentlich Art und Umfang der Bemühun-
gen, die Schwierigkeiten des Falles sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beteiligten
(Art. 17 AT). Grundsätzlich kann die mögliche Bandbreite der Honorare unterteilt werden in
a) einfache, unterdurchschnittlich aufwändige Fälle, in denen ein Honorar von
Fr. 1‘000.-- bis zu Fr. 4‘000.-- zu sprechen ist;
b) mittlere Fälle, die durchschnittlich schwierige Rechts- und/oder Sachverhaltsfra-
gen betreffen und einen durchschnittlichen Aufwand benötigten, in denen ein
Honorar in der Grössenordnung von Fr. 4‘000.-- bis Fr. 7‘000.-- angemessen er-
scheint; und
c) schwierige Fälle sowohl bezüglich Sachverhalts- und/oder Rechtsfragen, in de-
nen überdurchschnittlich umfangreiche Eingaben notwendig waren und umfang-
reiche Akten zu studieren waren, was ein Honorar von Fr. 7‘000.-- bis
Fr. 10‘000.--, bzw. in aussergewöhnlichen Fällen bis zu Fr. 15‘000.-- rechtfertigt.
6.2 Der Anwalt der Beschwerdeführerin hat eine Kostennote in der Höhe von Fr. 2‘920.90 ein-
gereicht. Zu berücksichtigen ist, dass dieser das Mandat erst vor der anstehenden Replik
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übernommen hat. Dem Aufwand und den Anforderungen angemessen erscheint ein Hono-
rar aus dem unteren Bereich der Honorarpauschalen (Fr. 1‘000.-- bis Fr. 4‘000.--) in der
Höhe von Fr. 2‘200.--, was auch dem angegebenen Zeitaufwand von total 11 Stunden mit
einem Stundenansatz von Fr. 200.-- gemäss Art. 19 Abs. 1 AT entspricht. Hinzu kommen
die ausgewiesenen Barauslagen von Fr. 104.55 sowie die Mehrwertsteuer von 8%, was
insgesamt zu einer Entschädigung von Fr. 2‘488.90 führt. Entsprechend der je fehlerhaften
Beurteilung wird die Parteientschädigung zur Hälfte dem Kanton und zur Hälfte der Ge-
meinde B_ auferlegt.
6.3 Soweit die Beschwerdeführerin für das vorinstanzliche Verfahren, in welchem sie noch
nicht anwaltlich vertreten war und die noch selbst eingereichte Beschwerde für die als ganz
erheblich bezeichneten Umtriebe eine Entschädigung von Fr. 2‘000.-- verlangt, gilt es fest-
zuhalten, dass im VRPG keine Umtriebsentschädigung vorgesehen ist. Der Beschwerde-
führerin ist jedoch für Porti, Kopien und Kommunikation im Beschwerdeverfahren ein Kos-
ten- und Auslagenersatz zuzusprechen. Praxisgemäss wird dafür ein Pauschalbetrag zu-
gesprochen, welcher im vorliegenden Fall auf Fr. 150.-- festgesetzt wird. Aufgrund des
Nichteintretens auf die übrigen Anträge und des Umstands, dass erstinstanzlicher Partei-
aufwand nicht entschädigt wird (Art. 24 Abs. 3 lit. c VRPG) wird auf die Zusprechung eins
Auslagenersatzes für die vorinstanzlichen Verfahren verzichtet.
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