Decision ID: 071653e9-2b86-47f9-a4ba-cb3b0c7ac88f
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung
en
vom
1
8.
und 2
4.
April 2018
(Urk.
6/
27
/2
,
Urk.
6/28/1-5
,
Urk.
6/29-32)
forderte die
Gemeinde
verwaltung
Z._
,
Abteilung Soziales, (
Durchführungsstelle
für
Zusatzleistungen
zur AHV/IV)
,
von
X._
, geboren 19
33
, zu viel
ausgerichtete Zusatzleistungen
für den Zeitraum vom 1. Januar 201
3
bis 30.
April 2018
im Umfang von Fr.
36'116.--
zurück.
Die dagegen in Bezug auf die Bewertung der Liegenschaft erhobene Einsprache vom 3
1.
Mai 2018 (
Urk.
6/46/4) wurde mit
Einspracheentscheid
vom 1
0.
Oktober 2019 (
Urk.
6/46/1-3) abgewiesen. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
Am
7.
Mai
und
6.
September
2021
stellte d
ie
Versicherte ein
Erlassgesuch (
Urk.
6/
79/2
,
Urk.
6/83
), welches
nach erfolgter Gemeindeübernahme
durch die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, Zusatzleistungen zur AHV/IV,
mit Verfügung vom
4.
November 2021
(
Urk.
6/
86
)
ab
ge
wies
en wurde
. Die dageg
en von der
Versicherten am
2
4.
November 2021
erhobene Einsprache (
Urk.
6/
91
)
,
wies die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
Zusatzleistungen zur AHV/IV, mit
Einspracheentscheid
vom
1
5.
Dezember 2021 ab (
Urk.
6/
93
= Urk. 2).
2.
Die
Versicherte erhob am
1.
Januar 2022
Beschwerde gegen den
Einsprache
entscheid
vom
1
5.
Dezember 2021
(Urk. 2) und beantragte
sinngemäss
, dieser sei aufzuheben und
ihr Erlassgesuch
sei gutzuheissen
(Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Februar 2022
(Urk.
5
) beantragte die
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV,
die Ab
weisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
5.
Februar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzu
erstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt. Demnach darf eine Rück
forderung nur unter der doppelten Voraussetzung des guten Glaubens und der grossen Härte erlassen werden.
1.2
In Bezug auf die Erlassvoraussetzung des guten Glaubens hat das Bundesgericht in konstanter Rechtsprechung erkannt, dass es für die Annahme des guten Glaubens nicht genügt, dass der Bezüger unrechtmässiger Leistungen den Rechts
mangel nicht kennt
. Erforderlich ist vielmehr, dass er den Rechtsmangel bei der gebotenen Aufmerksamkeit, die von ihm zumutbarer Weise verlangt werden kann, auch nicht hätte kennen sollen.
Der gute Glaube entfällt daher, wenn der Bezüger unrechtmässiger Leistungen vorsätzlich oder grobfahrlässig gehandelt hat. Bei einer bloss leichten Fahrlässigkeit ist der gute Glaube dagegen möglich, was im Einzelfall zu prüfen ist. Grobe Fahrlässigkeit ist nach der bundes
gerichtlichen Rechtsprechung gegeben, wenn jemand das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen (BGE 112 V 97 E. 2c, 110 V 176 E. 3c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in ihrem
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) die Abweisung des Erlassgesuches der Beschwerdeführerin damit,
dass diese ihre Meldepflicht grobfahrlässig verletzt habe. Bereits bei der Anmeldung für Zusatz
leistungen sei
en
die Liegenschaft in Italien und der Bezug der italienischen Rente nicht deklariert worden. Aus diesem Grund seien Zusatzleistungen ausgerichtet worden, auf welche die Beschwerdeführerin keinen Anspruch gehabt habe. Da die Voraussetzung des
g
uten Glaubens nicht erfüllt sei, sei die Prüfung der grossen Härte nicht erforderlich, da beide Voraussetzungen kumulativ erfüllt sein müssten. Deshalb könne dem Gesuch um Erlass der Rückerstattung zu viel aus
gerichteter Zusatzleistungen nicht entsprochen werden (S. 2
Ziff.
3).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sie über den Entscheid sehr traurig sei, an Krebs leide und mit dem Thema abschliessen wolle. Es bestehe eine finanzielle Härtesituation
,
und von einer Rückforderung sei abzusehen.
3.
3.1
Unbestritten ist der Umstand, dass die Beschwerdeführerin
bereits zum Zeitpunkt der Anmeldung zum Bezug von Zusatzleistungen
bei der Gemeinde
Z._
ab Februar 2003 (vgl.
Urk.
6
/18/2
)
weder
ihre in Italien befindliche Liegenschaft, noch ihre
aus
Italien bezogene Rente
der
Durchführungsstelle
zur Kenntnis gebracht hat.
Auch im Rahmen der periodischen Überprüfungen der Zusatz
leistungen deklarierte die Beschwerdeführerin das im Ausland befindliche Grund
stück und die
bezogene
Rente nicht
(
vgl.
Urk.
6/23/1-3,
Urk.
6/28/9-11 jeweils
Ziff.
2 und
Ziff.
7)
. Damit wurden ihr über Jahre hinweg Zusatzleistungen aus
gerichtet, auf welche sie keinen Anspruch hatte.
Über die unrechtmässige Leistungsausrichtung
und die daraus resultierende Rückforderung wurde mit
Ein
spracheentscheid
vom 1
0.
Oktober 2019 rechtskräftig entschieden (
Urk.
6/46
/1-3
).
3
.
2
Zweifellos stell
en die in Italien befindliche Liegenschaft sowie die von dort bezogene Rente
einen
meldepflichtigen
Tatbestand dar, zumal
dies
zu einer wesentlichen Erhöhung der Einnahmen führt.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
6/91) unterstehen auch Liegenschaften, die
einer Erbengemeinschaft gehören
und über die nicht frei verfügt werden kann, der Meldepflicht.
Explizit wurde auch in den Revisionsfragebogen nach Ansprüchen aus
unverteilten
Erbschaften gefragt (vgl.
Urk.
6/23/1-3,
Urk.
6/28/9-11 jeweils
Ziff.
2).
Das einzig
e
hinsichtlich des guten Glaubens von der Beschwerdeführerin vor
gebrachte Argument, nicht gewusst zu haben, dass sie die Liegenschaft in Italien
hätte
angeben müsse
n
(
Urk.
6/91), erweist sich als
unbehelflich
.
In objektiver Hinsicht
hätte
sie ohne
weiteres erkennen können und müssen, dass
die Liegen
schaft in Italien und die von dort bezogene Altersrente
meldepflichtig
e Sach
verhalte darstellen, zumal auch in
den Revisionsfragebogen
explizit danach gefragt worden ist
,
und sie zusätzlich
unter dem Titel «Vollständigkeit der An
gaben»
jeweils
bestätigen
musste
,
unter anderem über keine in dem Formular nicht
erwähnte Einnahmen, Sparguthaben oder Liegenschaften weder im Inland noch im Ausland zu verfügen. Sodann musste s
ie
erklären, dass sie zur Kenntnis genommen habe, dass falsche Angaben strafrechtliche Folgen nach sich ziehen könnten und zu Unrecht bezogene Leistungen zurückerstattet werden müssten (
Urk.
6/23/1-3 S. 3,
Urk.
6/28/9-11 S. 3
).
Die Nichtdeklaration der Liegenschaft in Italien sowie ihrer von dort bezogenen Rente ist demnach als grobfahrlässig zu bez
e
ichnen.
3
.3
Nach dem Gesagten ist von einem grobfahrlässigen
Verhalten der Beschwerde
führerin
auszugehen,
was
rechtlich
den guten Glauben ohne weiteres
ausschliesst
(vorstehend E. 1.
2
)
.
Folglich hat die Besc
hwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) zu Recht das Vorliegen des guten Glaubens verneint. Damit erübrigt sich die Prüfung der finanziellen Situation
der Beschwerdeführerin
, da bei Fehlen der
Voraussetzung des gutgläubigen Leistungsbezugs ein Erlass der Rückerstattungs
pflicht bereits nicht mehr in Frage kommt.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.