Decision ID: f1f8e551-4b24-4af1-b00a-f2ef7115254c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Dezember 2001 wegen einer psychischen Behinderung zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 2). Sie gab an, sie habe
drei Kinder (Jahrgänge 19_, 19_ und 19_). Einen Beruf habe sie nicht erlernt. Sie
habe als Hilfsarbeiterin gearbeitet. Die B._ teilte am 6. Februar 2002 mit (IV-act. 7),
sie habe die Versicherte als Hilfsarbeiterin zu 50% beschäftigt. Der letzte Arbeitstag sei
der 9. Januar 2001 gewesen. Am 28. Februar 2002 berichtete die Fachstelle Z._, die
Versicherte leide an einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen
Symptomen und einem zwischenzeitlich psychotischen Erleben (ICD-10 F32.11); sie sei
seit dem 11. Februar 2000 vollständig arbeitsunfähig (IV-act. 8). Am 24. April 2002 teilte
dieselbe Fachstelle mit (IV-act. 9), die Situation sei unverändert. Gemäss einem
Austrittsbericht der Klinik C._ vom 4. Mai 2001 war die Versicherte im April/Mai 2001
für einige Tage hospitalisiert gewesen. Als vorläufige Diagnose war eine mittelgradig
A.a.
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depressive Episode mit somatischen Symptomen und einem zwischenzeitlich
psychotischen Erleben, DD Schizoaffektive Psychose, angegeben worden. Nach einer
Abklärung an Ort und Stelle vom 21. August 2002 (Qualifikation 50% Erwerbs- und
50% Haushaltstätigkeit, 100% Arbeitsunfähigkeit im Erwerb und 81%
Arbeitsunfähigkeit im Haushalt, IV-act. 11) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit
einer Verfügung vom 10. Januar 2003 ab dem 1. Januar 2002 bei einem Invaliditätsgrad
von 90% eine ganze Invalidenrente zu (IV-act. 16).
Am 22. Oktober 2004 gab die Versicherte im Revisionsfragebogen an (IV-act. 17),
der Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Die Fachstelle Z._ bestätigte dies am
20. Dezember 2004 (IV-act. 19). Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 11. Januar
2005 mit (IV-act. 20), dass sie unverändert einen Anspruch auf die bisherige
Invalidenrente habe. Im Rahmen der nächsten Revision gab die Versicherte am
29. Februar 2008 an (IV-act. 22), ihr Gesundheitszustand habe sich verschlimmert. Sie
habe am 7. Juni 2007 einen Autounfall nach einem Sekundenschlaf erlitten. Das
Psychiatrie-Zentrum D._ berichtete am 26. März 2008 (IV-act. 25), der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär. Der Hausarzt Dr. med. E._ teilte
am 20. Mai 2008 mit (IV-act. 28), der Gesundheitszustand habe sich verschlechtert. Bei
der Versicherten sei neu ein mittelschweres obstruktives Schlafapnoesyndrom
diagnostiziert worden. In Bezug auf das chronische cervico-cephale Schmerzsyndrom
und die Depression sei der Befund unverändert. Am 10. Juli 2008 teilte die IV-Stelle der
Versicherten mit (IV-act. 31), sie habe unverändert einen Anspruch auf die bisherige
Invalidenrente.
A.b.
Am 16. März 2012 gab die Versicherte im Revisionsfragebogen an (IV-act. 34), ihr
Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Med. pract. F._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, berichtete am 16. April 2012 (IV-act. 37), sie behandle die Versicherte
seit Januar 2009. Sie habe eine seit Dezember 2002 bestehende hebephrene
Schizophrenie (ICD-10 F20.1) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert unter der Medikation mit Venlafaxin (ICD-10 F32.4), diagnostiziert. Die
Versicherte sei seit dem Behandlungsbeginn im Januar 2009 als vollständig
arbeitsunfähig einzuschätzen. Dr. E._ teilte am 14. Juni 2012 mit (IV-act. 41), der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert. Er gab als neue
Diagnosen einen St. n. einem Auffahrunfall im Januar 2009 mit einer Exazerbation einer
A.c.
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vorbestehenden Zervikalgie und eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10
F33.01) an. Er attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Die IV-Stelle eröffnete ein
Rentenrevisionsverfahren und forderte die Versicherte auf, den "Fragenbogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt" auszufüllen (IV-act. 39). In einer
Aktennotiz vom 21. Juni 2012 (IV-act. 42) wurde festgehalten, es sei zu prüfen, ob sich
die Qualifikation der Versicherten geändert habe, denn die Kinder seien nun zwischen
15 und 20 Jahre alt. Falls sich die Qualifikation geändert habe, könne auch der
Gesundheitszustand näher geprüft werden. Am 8. Oktober 2012 fand eine Abklärung
an Ort und Stelle statt. Diese ergab, dass die Versicherte neu als Vollerwerbstätige
einzustufen war, weshalb der Invaliditätsgrad im Betätigungsbereich Haushalt offen
bleiben konnte (IV-act. 51). Am 24. Oktober 2012 gingen bei der IV-Stelle Berichte des
Y._ ein. In einem Bericht vom 15. Oktober 2012 (IV-act. 52) hatten die Fachärzte eine
schlaffragmentierende, gemischte Schlaf-Apnoe mittelschweren Grades (ED 11/2007),
ein zerviko-zephales Schmerzsyndrom und eine Depression, medikamentös behandelt,
diagnostiziert. Med. pract. F._ berichtete am 29. November 2012 (IV-act. 54), der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär. Es sei von einer dauerhaften
vollständigen Arbeitsunfähigkeit in allen der Versicherten theoretisch zumutbaren
Arbeitstätigkeiten auszugehen. Dr. med. G._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
notierte am 7. Januar 2013 (IV-act. 55), Anhaltspunkte für eine
arbeitsfähigkeitsrelevante Verbesserung des Gesundheitszustands bestünden nicht.
Die IV-Stelle unterliess deshalb eine weitere Abklärung des Gesundheitszustandes und
damit des Arbeitsfähigkeitsgrades der Versicherten im erwerblichen Bereich. Sie teilte
der Versicherten am 9. Januar 2013 mit (IV-act. 57), dass weiterhin ein Anspruch auf
die bisherige Invalidenrente bestehe.
Im August 2015 leitete die IV-Stelle das nächste Revisionsverfahren ein (IV-
act. 65). Die Versicherte gab am 15. September 2015 im Revisionsfragebogen an (IV-
act. 67), ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben bzw. habe sich verschlimmert.
Sie habe wegen der Schlaf-Apnoe neu einen "Schlaf-Apparat" und sie leide an
Ohrenproblemen. Sie reichte einen Bericht von Dr. med. H._, FMH Physikalische
Medizin und Rehabilitation, vom 1. Dezember 2009 ein (IV-act. 67-10). Dr. H._ hatte
darin die Diagnose eines Panvertebralsyndroms festgehalten und ausgeführt, die
Versicherte leide seit Jahren an Rückenbeschwerden. Ein MRI der HWS habe einen im
A.d.
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Vergleich zu vor fünf Jahren verschlechterten Befund gezeigt. Dr. E._ berichtete am
22. September 2015 (IV-act. 68), die Versicherte leide an einem zerviko-zephalen
Schmerzsyndrom/anamnestisch multiplen Diskushernien im Bereich der HWS, einer
Depression, einer gesteigerten Tagesschläfrigkeit, einem gemischten Schlaf-Apnoe-
Syndrom, einer arteriellen Hypertonie und einem Juckreiz. Die Arbeitsunfähigkeit liege
unverändert bei 100%. Er legte folgende Berichte bei: Vom Y._ vom 4. Juli 2014, von
Dr. med. I._, Facharzt für Dermatologie und Venerologie FMH, vom 27. Oktober
2013, von Dr. H._ vom 15. Dezember 2011 und von Prof. Dr. med. J._, Facharzt
FMH Neurologie, vom 7. April 2011 (IV-act. 68-10 ff.). Dr. med. M._, Facharzt für
Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten FMH, teilte gleichentags mit (IV-act. 69), er habe
die Versicherte im Herbst 2014 einmalig wegen einer Gehörgangsentzündung
untersucht. Er legte einen Bericht vom 24. September 2014 bei. Darin hatte er die
Diagnosen einer Otitis externa rechts und einer anamnestisch vorbestehenden
Schwerhörigkeit links angegeben. Med. pract. F._ berichtete am 3. Oktober 2015 (IV-
act. 70), die Versicherte leide unverändert an einer hebephrenen Schizophrenie (ICD-10
F20.1) und an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert unter
einer Medikation mit Venlafaxin (ICD-10 F32.4). Die Versicherte sei seit Januar 2009
vollständig arbeitsunfähig. Dr. H._ teilte am 2. November 2015 mit (IV-act. 73), sie
behandle die Versicherte seit dem Jahr 2004. Sie gab folgende Diagnosen an:
Panvertebralsyndrom (zervikoradikulär rechtsbetont C6, paramedian linksseitige
Diskushernie C5/C6 mit einer Impression des Myelons und konsekutiver
Spinalkanalstenose, zusätzlich auch neuroforaminale Stenose C6 mit einer Einengung
der Wurzel rechts, Spinalkanalstenose C6/C7 aufgrund einer mediolateralen
rechtsseitigen Diskushernie mit einer Ausdehnung nach foraminal und konsekutiver
Einengung der Wurzel C7, Verdacht auf eine kleine Wurzeltaschenzyste C8 links
extraforaminal), Depression, Schlafapnoesyndrom, arterielle Hypertonie und St. n. CTS
Operation links 2011. Dr. H._ führte aus, die Beweglichkeit der HWS sei in alle
Richtungen zu einem Drittel eingeschränkt. Die Beweglichkeit der BWS sei aufgrund
von Schmerzen, vor allem bei einer Innenrotation, eingeschränkt. Die Versicherte gebe
bei einer maximalen Flexion und Extension lumbale Schmerzen an. Dr. H._ attestierte
eine seit Jahren bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit. Der RAD-Arzt Dr. K._
notierte am 25. Januar 2016 (IV-act. 75), eine psychiatrische Begutachtung sei
angezeigt.
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Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 23. März 2016 mit, dass eine
psychiatrische Untersuchung notwendig sei und dass med. pract. X._ damit
beauftragt werde (IV-act. 77). Am 11. Juli 2016 fand die Untersuchung statt. Im
Gutachten vom 20. Juli 2016 (IV-act. 82-36 f.) gab med. pract. X._ keine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannte sie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrionischen und
teilweise emotional instabilen (impulsiven) Anteilen (ICD-10 Z73.1) und eine
rezidivierende depressive Störung, seit mehreren Jahren und auch gegenwärtig voll
remittiert (ICD-10 F33.4). Sie attestierte der Versicherten eine vollständige
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in adaptierten Tätigkeiten, also in
allen angelernten Tätigkeiten. In Bezug auf die objektiven Befunde führte med. pract.
X._ aus (IV-act. 82-25 ff.), die Untersuchung habe dreieinhalb Stunden gedauert. Die
Versicherte habe sich im Wartezimmer ein wenig unsicher und ängstlich gezeigt. Ab
Beginn der Untersuchung sei keine Unsicherheit oder Ängstlichkeit mehr beobachtet
worden. Die Versicherte sei kontaktfreudig, initiativ und sehr mitteilsam erschienen. Im
Kontakt habe sie aufgeschlossen und etwas distanzgemindert gewirkt. Eine lebhafte
Mimik und Gestik habe beobachtet werden können. Die Stimme sei normal laut und
gut moduliert gewesen. Gleich nach der Begrüssung habe die lebendig und lebhaft
wirkende Versicherte mitgeteilt, "sehr müde" zu sein und "auf der Stelle einschlafen zu
können". Dies sei während der nachfolgenden dreieinhalb Stunden nicht eingetreten.
Die Versicherte sei sehr mitteilsam gewesen. Auch in den Pausen habe sie sich lebhaft
mit der Dolmetscherin unterhalten. Ihre langen Ausführungen, welche zwecks
Übersetzung hätten unterbrochen werden müssen, habe sie jeweils ohne
Schwierigkeiten exakt an der Stelle fortsetzen können, an der sie unterbrochen worden
sei. Die Angaben zum Krankheitsbeginn seien detailliert gewesen, zum weiteren
Krankheitsverlauf aber vage geblieben. Auch die Angaben zu den aktuellen
Beschwerden seien vage gewesen. In Bezug auf die von der Versicherten
angegebenen andauernden Schmerzen hätten in Mimik, Gestik und Verhalten keine
Anzeichen beobachtet werden können. Lediglich in den Pausen scheine sich die
Versicherte an ihre Schmerzen erinnert zu haben; sie habe gemeint, sich bewegen zu
müssen. Dies habe sie aber jeweils nur ganz kurz getan und sich ansonsten im Sitzen
lebhaft mit der Dolmetscherin unterhalten. Insgesamt habe eine deutliche Diskrepanz
zwischen den von der Versicherten aktuell angegebenen Beschwerden und dem bei ihr
A.e.
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festgestellten, weitestgehend unauffälligen klinischen Eindrucks bestanden. Es seien
Verdeutlichungstendenzen der psychischen Beschwerden bei einem eigenwilligen
subjektiven Krankheitskonzept und einem hohen sekundären Krankheitsgewinn
festzustellen gewesen. In der Gesamtbeurteilung hielt med. pract. X._ im
Wesentlichen fest (IV-act. 82-28 ff.), die aktuellen bzw. seit Jahren unveränderten
Angaben der Versicherten zu ihrer Inaktivität im Haushalt liessen sich aus
gutachterlich-psychiatrischer Sicht nicht nachvollziehen, zumal in Bezug auf andere
Bereiche des Lebens (Kindererziehung, eigenständiges Autofahren, soziale Kontakte,
regelmässige Ferien in der W._) keine wesentlichen krankheitsbedingten
Einschränkungen angegeben worden seien. In der Untersuchung hätten die von der
Versicherten angegebenen depressiven Symptome nicht verifiziert werden können.
Symptome mit Krankheitswert hätten nicht festgestellt werden können. Die Versicherte
habe lediglich mit histrionischen und gegebenenfalls gewissen emotional instabilen
(impulsiven) Persönlichkeitszügen imponiert. Hervorzuheben seien folgende
Persönlichkeitsmerkmale: Eine gewisse Dramatisierung bezüglich der eigenen Person,
ein übertriebener Ausdruck von Gefühlen, eine eher oberflächliche und labile
Affektivität und eine erhöhte Kränkbarkeit und Überempfindlichkeit bei Kritik. Zwischen
den angegebenen Beschwerden und den in der Untersuchung beobachteten
Verhaltensweisen hätten deutliche Diskrepanzen festgestellt werden können. Es habe
sich daher der Eindruck von Verdeutlichungstendenzen der Beschwerden ergeben,
wobei Aggravationstendenzen nicht auszuschliessen gewesen seien. In Bezug auf die
von med. pract. F._ gestellte Diagnose einer hebephrenen Schizophrenie hielt med.
pract. X._ fest, die von med. pract. F._ beschriebenen Symptome erfüllten die
Kriterien gemäss der ICD-10 nicht. Falls med. pract. F._ tatsächlich gemeint haben
sollte, dass eine hebephrene Schizophrenie vorliege, seien die von ihr durchgeführte
medikamentöse Behandlung und das niederfrequente Behandlungssetting nicht
adäquat. Im Rahmen einer Würdigung der Vorakten, der aktuellen Angaben der
Versicherten und der Erkenntnisse der psychiatrischen Untersuchung kam med. pract.
X._ zum Schluss, dass bei der Versicherten von einer rezidivierenden depressiven
Störung, derzeit in Remission, auszugehen sei, die auf dem Boden von akzentuierten
Persönlichkeitszügen mit histrionischen und gewissen emotional instabilen (impulsiven)
Anteilen entstanden sei. Die Versicherte verfüge über gute Ressourcen in der Form von
guten kognitiven Fähigkeiten einschliesslich einer guten Konzentration,
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Aufmerksamkeit und Lernfähigkeit, guten sozialen Kompetenzen mit einer guten
Kontaktfähigkeit, einer guten Selbstfürsorge sowie einer guten Ausdauer und
Durchsetzungsfähigkeit bei der Verfolgung eigener Ziele. Zum Schluss äusserte sich
med. pract. X._ zu den Standardindikatoren, indem sie weitgehend auf die
vorhergehenden Ausführungen verwies. Ausserdem hielt sie fest, falls bei der
Versicherten tatsächlich – wie von med. pract. F._ angenommen – schwerste
psychische Störungen vorliegen sollten, wäre eine verkehrsmedizinische
Fahreignungsabklärung zu empfehlen. Med. pract. X._ ging sowohl für die früher
ausgeübten Erwerbstätigkeiten als auch für eine adaptierte Tätigkeit "mit Sicherheit seit
der aktuellen Untersuchung im Juli 2016" von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
der Versicherten aus. Sie führte dazu weiter aus, "unter Berücksichtigung des
Längsschnittverlaufs" sei die Versicherte "vermutlich schon lange (03/2008?),
überwiegend wahrscheinlich spätestens seit 04/2012" uneingeschränkt arbeitsfähig.
Der RAD-Arzt Dr. K._ notierte am 14. Oktober 2016 (IV-act. 84), das Gutachten sei
umfassend; der Gesundheitszustand habe sich verbessert.
Mit einem Vorbescheid vom 19. Oktober 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten
mit (IV-act. 89), sie sehe vor, die Invalidenrente aufzuheben. Zur Begründung gab sie
an, die medizinischen Begutachtung habe ergeben, dass mindestens seit dem Jahr
2012 kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr bestehe.
Die Versicherte sei in sämtlichen Hilfsarbeiterinnen-Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig.
Der Gesundheitszustand habe sich seit der Rentenzusprache erheblich verbessert.
Damit liege ein Revisionsgrund nach Art. 17 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) vor. Die Versicherte
erhob am 17. November 2016 einen Einwand (IV-act. 96). Sie machte im Wesentlichen
geltend, sie leide nicht nur an psychischen, sondern auch an somatischen
Beschwerden. Das monodisziplinäre Gutachten sei daher nicht ausreichend. Wenn
Anzeichen für eine rentenrelevante Veränderung der Verhältnisse bestünden, müsse
eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung mit den Disziplinen Innere Medizin,
Neurologie, Rheumatologie und (zwecks Gesamtbeurteilung erneut) Psychiatrie
erfolgen. Med. pract. X._ habe in Bezug auf ihre Schlussfolgerungen selbst gewisse
Zweifel eingeräumt, indem sie festgehalten habe, falls bei der Versicherten tatsächlich
schwerste psychische Störungen vorliegen sollten, sei eine verkehrsmedizinische
A.f.
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Untersuchung zur Prüfung der Fahreignung zu empfehlen. Dr. H._ teilte am
23. November 2016 mit (IV-act. 101), ihr Schreiben vom 2. November 2016 (recte:
2015) scheine nicht wahrgenommen worden zu sein. Die Versicherte habe auch ohne
wesentliche körperliche Belastung zu Hause ständige, zeitweise sehr starke Schmerzen
im Bereich der mittleren BWS mit Ausstrahlungen, meistens cervicobrachial rechts. Sie
leide auch an einer schweren Wirbelsäulenveränderung mit mehretagigen
neuroforaminalen Engen, einer leichtgradigen spinalen Enge C5/6 und einer
höhergradigen spinalen Enge C6/7. Aufgrund der Beschwerden und der strukturellen
Veränderungen sei höchstens eine zwei- bis dreistündige, äusserst leichte Arbeit mit
der Möglichkeit von Pausen und ohne eine nach vorne gebeugte Kopfhaltung möglich.
Die von Dr. H._ angegebenen Diagnosen entsprachen im Wesentlichen jenen im
Bericht vom 2. November 2015. Am 30. Dezember 2016 reichte die Versicherte, nach
der Gewährung der Akteneinsicht, eine ergänzende Begründung ein (IV-act. 103). Sie
hielt an der im Einwand vom 17. November 2016 vorgetragenen Begründung fest und
verwies in Bezug auf die somatischen Beschwerden auf verschiedene, in den Akten
enthaltene Arztberichte.
Die IV-Stelle holte bei Dr. H._ einen weiteren Bericht ein. Dr. H._ teilte am
4. Mai 2017 mit (IV-act. 108), die Diagnosen seien im Vergleich zum Bericht vom 23.
November 2016 unverändert. Die Versicherte sei vollständig arbeitsunfähig. Med. pract.
F._ gab am 15. Mai 2017 im Vergleich zum Bericht vom 3. Oktober 2015 ebenfalls
unveränderte Diagnosen und eine unveränderte Arbeitsfähigkeitsschätzung an (IV-act.
109). Dr. E._ hielt am 25. Mai 2017 fest (IV-act. 111), gegenüber dem Bericht vom
22. September 2015 hätten sich keine wesentlichen Veränderungen ergeben. Der RAD-
Arzt Dr. K._ notierte am 16. Juni 2017 (IV-act. 115), er empfehle ein MEDAS
Gutachten (Rheumatologie, Pneumologie und Psychiatrie), um "irgendwelchen
Abklärungsproblemen aus dem Weg zu gehen".
A.g.
Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 21. Juni 2017 mit (IV-act. 112), dass eine
polydisziplinäre Untersuchung notwendig sei. Die Versicherte wurde vom 21. bis 24.
August 2017 von der MEDAS Zentralschweiz polydisziplinär (Allgemeine Innere
Medizin, Pneumologie, Rheumatologie und Psychiatrie) untersucht. Im Gutachten vom
9. November 2017 gaben die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 121-16 f.): Chronische Schmerzstörung mit somatischen
A.h.
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und psychischen Faktoren, aktenanamnestisch depressive Episoden, im Moment
höchstens leicht, aktenanamnestisch Hebephrenie, chronifiziertes
zervikospondylogenes Schmerzsyndrom mit klinisch einer zervikoradikulären
Reizsymptomatik rechts und einem ausgeprägten myofaszialen Reizzustand im
gesamten Nacken-Schulterbereich beidseits rechtsbetont (mit/bei zervikaler
Streckhaltung mit Segmentskyphose C5 bis C7, erheblichen Segmentdegenerationen
C5 bis C7 mit fortgeschrittener Osteochondrose, Unkose und Spondylarthrose,
rechtsforaminaler Diskushernie C5/6 und medio-rechtslateraler Diskushernie C6/7,
osteodiskalen Einengungen von Spinalkanal und Neuroforamina C5/6 und C6/7). Als
Diagnosen ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter:
Chronifiziertes thorakolumbovertebragenes Schmerzsyndrom myofaszialer
Ausprägung, Gonalgie rechts überlastungsbedingt bei Adipositas und unter Belastung
angedeuteten Genua valga und Knick-Senk-Spreizfüssen, anamnestisch
Calcaneodynie beidseits linksbetont, schlaffragmentierende gemischte Schlafapnoe
mittelschweren Grades (ED 2007, bestätigt polygraphisch 10/12, unter CPAP-Therapie
seit 2012 mit guter Einstellung), kardiovaskuläre Risikofaktoren (Hypertonie, Adipositas,
Verdacht auf diabetische Stoffwechsellage). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielten
die Gutachter fest, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Fabrikarbeiterin bestehe aus
psychopathologischen Gründen eine 30%ige Arbeitsfähigkeit. Aus rheumatologischer
Sicht könne mangels eines Arbeitsplatzprofils nicht verlässlich Stellung genommen
werden; körperlich mittelschwere bis schwere Tätigkeiten seien der Versicherten nicht
zumutbar, während körperlich leichte Arbeiten zu 70% zugemutet werden könnten.
Andere Tätigkeiten seien aus psychiatrischer Sicht nur zu 30% zumutbar. Aus
pneumologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit mit Ausnahme von Autofahren und
Bedienen von gefährlichen Maschinen nicht eingeschränkt. Die internistische
Gutachterin äusserte sich insbesondere zu den objektiven Befunden (vgl. IV-act.
121-14). Der pneumologische Gutachter führte aus (pneumologisches Teilgutachten
vom 24. August 2017, IV-act. 121-22 ff.), die von der Versicherten angegebene
Anstrengungsdyspnoe beim Bergaufgehen sei durch Übergewicht und
Trainingsmangel erklärbar. Ferner bestehe ein obstruktives, im Verlauf gemischtes
Schlafapnoe-Syndrom, welches seit dem Jahr 2012 mittels CPAP behandelt werde. Die
Polygraphie habe eine gute Therapie-Einstellung gezeigt. Die von der Versicherten
berichtete situative Müdigkeit und Schläfrigkeit bei einem grenzwertigen ESS von
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11/24 (Norm <11) sei durch die psychische Erkrankung und die sedierende Medikation
und nicht durch eine ungenügende CPAP-Therapie zu erklären. Der rheumatologische
Gutachter hielt fest (rheumatologisches Teilgutachten vom 9. September 2017, IV-
act. 121-30 ff.), die Versicherte sei bei der Begrüssung mühsam unter einer averbalen
Schmerzäusserung aufgestanden. Während der Erhebung der Anamnese sei sie ruhig
und ohne erkennbare Schonhaltung auf dem Stuhl gesessen. Mimik und Gestik seien
unauffällig gewesen. Während der klinischen Untersuchung habe die Versicherte ein
ausgeprägtes Schmerzverhalten mit Stöhnen, Grimassieren und Abwehr gezeigt. Zur
Entledigung der Socken und der Hose habe sie der Hilfe ihres Sohnes bedurft. Die
Versicherte habe seit über fünfzehn Jahren anhaltende, therapierefraktäre, in den
rechten Arm ausstrahlende Nackenschmerzen mit einer Ausweitung auf die ganze
Wirbelsäule sowie den Gegenarm und mit einer partiellen Ausstrahlung in beide Beine
beklagt. Zusätzlich habe sie rechtsseitige Knie- und linksseitige Fersenschmerzen
beklagt. Die aktuelle Untersuchung habe einen ausgeprägten myofaszialen
Reizzustand in der gesamten Nacken-/Schulterpartie rechtsbetont, panvertebral
rechtsbetont und lumbopelvitrochantär beidseits rechtsbetont erkennen lassen. In der
Funktionsprüfung habe sich eine erhebliche, schmerzhaft eingeschränkte
Halswirbelsäulenbeweglichkeit als deutlicher Hinweis für eine zervikoradikuläre
Reizsymptomatik rechts, jedoch ohne Befunde hinsichtlich einer sensomotorischen
Ausfallsymptomatik gezeigt. Hinsichtlich der angegebenen Kniebeschwerden rechts
habe sich klinisch ein seitengleicher, unauffälliger Befund bei im Stehen präsentierten
Genua valga und Knick-Senk-Füssen und einer statisch sich äusserst ungünstig
auswirkenden Adipositas Grad III gezeigt. In Bezug auf die geklagten Fersenschmerzen
hätten sich klinisch unauffällige Befunde und insbesondere keine Druckdolenzen
gezeigt. Es sei davon auszugehen, dass es auf dem Boden einer erheblichen
Segmentsdegeneration im unteren Bereich der Halswirbelsäule über die Jahre zu einer
zunehmenden Chronifizierung und Schmerzausweitung gekommen sei. Das von der
Versicherten gezeigte Beschwerdebild könne auf der Befundebene mittlerweile nicht
mehr vollständig erklärt werden. Der Versicherten seien jegliche körperlich leichte
Tätigkeiten zu sieben Stunden täglich zumutbar mit einer Leistungseinschränkung von
20% aufgrund des schmerzbedingten Bedarfs an vermehrten Pausen und des
verlangsamten Arbeitstempos. Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
betrage maximal 70%. Der psychiatrische Gutachter gab an (psychiatrisches
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Teilgutachten vom 5. September 2017, IV-act. 121-46 ff.), die Versicherte habe sich
ohne ersichtliche Schwierigkeiten vom Warteraum in das Besprechungszimmer
begeben. Zwei- oder dreimal habe sie spontan über Rückenschmerzen geklagt und
gewünscht, die Sitzposition zu ändern. Sie habe über weite Strecken lebendig über ihre
Vergangenheit berichtet. Im Umgang mit ihrem Leiden habe sie eine grosse Mühe
dargelegt. Ihre Schmerzschilderungen hätten eine Tendenz zur Ausweitung gezeigt. Bei
entsprechendem Nachfragen habe sich das ganze Skelett als schmerzhaft erwiesen.
Die von med. pract. F._ diagnostizierte Hebephrenie habe er nicht verifizieren
können. Der gute Realitätsbezug, die adäquaten Emotionen und die angenehme
Gesprächsatmosphäre seien mit dieser Diagnose unvereinbar gewesen. Das Auftreten
der Schmerzen vor knapp zwei Jahrzehnten habe dazu geführt, dass eine seelische
Überlagerung eingesetzt habe, die zu einer Berentung geführt habe. Er habe eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren diagnostiziert.
Im Vordergrund des klinischen Bilds hätten wie gefordert ausgeprägte Schmerzen
praktisch am ganzen Skelett gestanden, die mehr als sechs Monate bestanden hätten
und die ihren Ausgangspunkt in einem physiologischen Prozess hätten, der alleine die
Immobilisierung nicht plausibilisieren könne. Die depressiven Phasen seien
Nebendiagnosen; nach den Akten habe es tatsächlich Zeiten der ausgeprägten
Herabgestimmtheit, der Reduktion des Vitalgefühls, der Einschränkung der affektiven
Schwingungsfähigkeit gegeben, die heute nicht mehr in einem erheblichen Umfang
nachweisbar seien. Das Gutachten von med. pract. X._ widerlege in
Übereinstimmung mit seiner Einschätzung eine Hebephrenie und gehe im Übrigen
nicht auf die Problematik einer chronischen Schmerzstörung ein. Ebenso fehle eine
Auseinandersetzung mit den Folgen einer langjährigen Berentung und dem damit
verbundenen Fehlen einer Lohnarbeit. Aus diesen Gründen könne er sich diesem
Gutachten nicht anschliessen. Im Weiteren äusserte sich der psychiatrische Gutachter
zu den Standardindikatoren (vgl. IV-act. 121-52). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit hielt
der psychiatrische Gutachter fest, als Person mit Schweizer Wurzeln und akut, neu
aufgetretenen Defiziten im aktuell festgestellten Umfang wäre die Versicherte als
mindestens 50% arbeitsfähig einzustufen. Der Migrationshintergrund und die fast
schon Jahrzehnte lange Chronifizierung mit der ausgeprägten Regression würden aber
in der Summe mit der psychiatrischen Diagnose im engeren Sinne dazu führen, dass
der Versicherten eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren sei. Aus
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"Zweckmässigkeitsgründen" werde der Beginn der Arbeitsunfähigkeit auf den Beginn
der Berentung gelegt.
Der RAD-Arzt Dr. K._ nahm am 19. März 2018 zum Gutachten der MEDAS
Zentralschweiz Stellung. Er notierte im Wesentlichen (IV-act. 123), die aus
rheumatologischer Sicht angegebenen qualitativen Einschränkungen seien angesichts
der mittels bildgebenden Verfahren festgestellten degenerativen Veränderungen der
Wirbelsäule nachvollziehbar. Nur grenzwertig nachvollziehbar sei das Rendement von
30%; es fehle an jeglichen Leistungstests zu dessen Objektivierung. Die vom
psychiatrischen Gutachter gestellte Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren sei problematisch. Gemäss ICD-10 F45.41
bedürfe es für die Diagnose initial eines ursächlich physiologischen Prozesses oder
einer körperlichen Störung. Erst sekundär spielten psychische Faktoren eine Rolle. Aus
den Akten (Status 2002) könne keine körperliche Ursache für die Schmerzen
objektiviert werden. Somit sei es unsachlich, diese Diagnose zum Zeitpunkt 2002 zu
stellen. Eine umfassende Prüfung der Standardindikatoren fehle. Der psychiatrische
Gutachter habe darauf hingewiesen, dass soziokulturelle Gründe/der
Migrationshintergrund eine wesentliche Rolle spielten; Anstrengungen, IV-relevante von
nicht IV-relevanten Themen zu unterscheiden, seien aber nicht zu erkennen. Das
psychiatrische Gutachten überzeuge nicht. Auf das Gutachten der MEDAS
Zentralschweiz könne mit Ausnahme des psychiatrischen Teils abgestellt werden. In
psychiatrischer Hinsicht empfehle er, auf das Gutachten von med. pract. X._
abzustellen.
A.i.
Am 26. März 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 127), die
Abklärungen hätten ergeben, dass sie zu 70% arbeitsfähig sei. Der Anspruch auf die
bisherige Invalidenrente sei nicht mehr gegeben. Bevor die Rente aufgehoben werde,
seien berufliche Eingliederungsmassnahmen durchzuführen. Nachdem die Versicherte
Akteneinsicht erhalten hatte, hielt sie in einem Schreiben vom 30. Mai 2018 an die IV-
Stelle fest (IV-act. 134), gemäss dem Gutachten der MEDAS Zentralschweiz sei sie in
der angestammten und in adaptierten Tätigkeiten zu 70% arbeitsunfähig. Gestützt
darauf sei der Rentenanspruch zu bestätigen. Der Austausch eines missliebigen
Gutachtenteils durch ein anderes, dem gewünschten Ergebnis besser dienliches
Gutachten sei ausgeschlossen. Nach dem MEDAS-Gutachten bestehe kein
A.j.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/26
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rentenrelevantes Eingliederungspotential. Auf diese Massnahme sei deshalb zu
verzichten und der Anspruch auf weiterhin eine ganze Rente sei zu bestätigen. Der
Umstand, dass nunmehr widersprüchliche Gutachten im Recht lägen, könne höchstens
dazu führen, dass die medizinische Situation besser zu klären sei.
Wiedereingliederungsmassnahmen seien durchzuführen, sollten weitere Abklärungen
wider das MEDAS-Gutachten tatsächlich ein rentenrelevantes Eingliederungspotential
aufzeigen. Am 18. Juni 2018 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-act. 138),
Eingliederungsmassnahmen könnten nicht geprüft und durchgeführt werden. Das
Gesuch werde an die Rentenabteilung übergeben. Dr. med. L._ vom RAD notierte am
9. Juli 2018 (IV-act. 139), neue medizinische Tatsachen seien nicht angeführt worden.
Aus interdisziplinärer Sicht sei von einer Arbeitsfähigkeit von 70% auszugehen. Er
verwies auf die Stellungnahme des RAD vom 19. März 2018.
Am 10. Juli 2018 verfügte die IV-Stelle, dass die Rente auf das Ende des nach der
Zustellung der Verfügung folgenden Monats aufgehoben werde (IV-act. 140). Zur
Begründung gab sie an, nach dem Einwand zum Vorbescheid vom 19. Oktober 2016
habe sie ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag gegeben. Der RAD habe am
19. März 2018 zu diesem Gutachten umfassend Stellung genommen. In psychiatrischer
Hinsicht sei nicht auf das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz, sondern auf jenes von
med. pract. X._ abzustellen. Die Versicherte sei demnach in adaptierten Tätigkeiten
zu 70% arbeitsfähig. Im Einwand vom 30. Mai 2018 habe die Versicherte dies
bestritten. Dieser Einwand sei dem RAD vorgelegt worden. Gemäss der Stellungnahme
des RAD vom 9. Juli 2018 sei es zutreffend, dass die IV-Stelle auf das Gutachten von
med. pract. X._ abgestellt habe. Mit der vollständigen Arbeitsfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht und des erheblich und anhaltend verbesserten
Gesundheitszustands sei der Revisionstatbestand von Art. 17 ATSG erfüllt, weshalb die
Rentenleistungen einzustellen seien. Der Invaliditätsgrad betrage 30%; sowohl beim
Validen- als auch beim Invalideneinkommen sei auf ein durchschnittliches Einkommen
als Hilfsarbeiterin gemäss der Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik
abzustellen.
A.k.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/26
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B.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob am 10. September 2018
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 10. Juli 2018 (act. G 1). Sie beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 10. Juli 2018 und die Weiterausrichtung einer ganzen
Rente. Zudem beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Zur Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, es sei
auf das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz abzustellen. Ein polydisziplinäres
Gutachten solle eine Zusammenschau der Fachdisziplinen gewährleisten und nicht
bloss ein Puzzle aus mehreren monodisziplinären Gutachten sein. Die interdisziplinäre
Konsensfindung der Gutachter solle genau dies sicherstellen. Das Austauschen eines
missliebigen Gutachtenteils durch einen anderen, dem gewünschten Ergebnis besser
dienlichen, sei ausgeschlossen. Med. pract. X._ habe mit dem Hinweis, falls bei der
Beschwerdeführerin – wie von med. pract. F._ angenommen – tatsächlich schwerste
psychische Störung vorliegen sollten, sei eine verkehrsmedizinische
Fahreignungsprüfung zu empfehlen, nicht nur Zweifel an ihrer eigenen Einschätzung
eingeräumt, sondern solche auch bei der Beschwerdegegnerin geweckt. Diese habe
nämlich dem Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt eine entsprechende Meldung
gemacht. Dieses habe den Fahrausweis entzogen – offenbar zu Recht, wenn man auf
das MEDAS-Gutachten abstelle. Tatsächlich sei auf das MEDAS-Gutachten
abzustellen. Wenn die Widersprüchlichkeit der im Recht liegenden beiden Gutachten
überhaupt noch relevant sei, könne dies höchstens dazu führen, dass die medizinische
Situation besser abzuklären sei.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 27. September
2018 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, die Beschwerdeführerin habe sich geweigert, eine
verkehrsmedizinische Untersuchung zu absolvieren, weshalb ihr der Fahrausweis
entzogen worden sei. Sie leite aus diesem Fahrausweisentzug zu Unrecht eine
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen ab. Unbestritten sei, dass das MEDAS-
Gutachten im somatischen Teil (internistisches, rheumatologisches und
pneumologisches Teilgutachten) mit der attestierten Arbeitsfähigkeit von 70% in
adaptierten Tätigkeiten schlüssig sei. Demgegenüber überzeuge das psychiatrische
Teilgutachten nicht. Der psychiatrische Gutachter habe die bei der Beschwerdeführerin
B.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/26
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vorhandenen psychosozialen und soziokulturellen Belastungsfaktoren bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung offensichtlich nicht ausgeklammert. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von med. pract. X._ sei "schlüssiger". Diese habe bei der
Beschwerdeführerin einen unproblematischen psychiatrischen Befund ohne
nachvollziehbaren Leidensdruck erhoben. Med. pract. X._ habe zudem festgestellt,
dass die Beschwerdeführerin nur vage und dramatisierende Angaben über ihre geltend
gemachten Leiden gemacht habe. Es sei der Eindruck von Verdeutlichungstendenzen
entstanden, wobei eine Aggravation nicht auszuschliessen gewesen sei. Dies relativiere
den geltend gemachten Leidensdruck zusätzlich. Gesamthaft zeichne das Gutachten
von med. pract. X._ ein schlüssiges Bild, das gegen eine invalidisierende psychische
Erkrankung spreche. Sie hätten demnach zu Recht auf das Gutachten von med. pract.
X._ statt auf das psychiatrische Teilgutachten der MEDAS Zentralschweiz abgestellt.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin seien weitere medizinische Abklärungen
nicht angezeigt.
Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen bewilligte
am 6. November 2018 die unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das
Beschwerdeverfahren unter Anrechnung eines an die Rechtsvertreterin geleisteten
Kostenvorschusses von Fr. 2'500.-- (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdeführerin hielt in der Replik vom 6. Dezember 2018 an den Aus
führungen in der Beschwerde fest (act. 10). In Bezug auf die Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege ersuchte sie, von der Anrechnung des
Kostenvorschusses Abstand zu nehmen. Dieser sei Ende 2016 für die Bemühungen im
Einwandverfahren geleistet worden und längst aufgebraucht. Die Aufwendungen im
Zusammenhang mit dem nun hängigen Gerichtsverfahren seien damit nicht gedeckt.
B.d.
Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts teilte der Beschwerdeführerin am
11. Dezember 2018 mit (act. G 11), die Anrechnung des Kostenvorschusses werde
nicht erfolgen.
B.e.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/26
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin hat seit dem 1. Januar 2002 eine ganze Invalidenrente
bezogen. Mit der angefochtenen Verfügung vom 10. Juli 2018 hat die
Beschwerdegegnerin die Rente per 31. August 2018 aufgehoben. Zu prüfen ist, ob
diese Rentenaufhebung zu Recht erfolgt ist.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat die Rente mittels einer Revision nach Art. 17 Abs. 1 ATSG
aufgehoben. Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird
die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht,
herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG; vgl. auch Art. 87 Abs. 2, Art. 88a
und Art. 88 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV, SR 831.201). Anlass
zur Revision einer Invalidenrente gibt jede Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen,
die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen.
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen
Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invaliditätsgrades
eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (vgl. Urteile
des Bundesgerichts vom 8. Juli 2020, 8C_196/2020, E. 3.2.1, und vom 29. August
2011, 9C_418/2010, E. 3.1). Bei der Mitteilung vom 9. Januar 2013, die
Beschwerdeführerin habe weiterhin einen Anspruch auf die bisherige Rente, hat es
sich, anders als bei den vorangegangenen Mitteilungen mit einem gleichlautenden
Dispositiv, nicht um einen Entscheid gehandelt, kein Rentenrevisionsverfahren zu
eröffnen. Dieser Mitteilung ist nämlich ein Rentenrevisionsverfahren vorausgegangen,
in dem die Beschwerdegegnerin die sog. Qualifikation der Beschwerdeführerin
(vollerwerbstätig, teilerwerbstätig und im Übrigen im Aufgabenbereich Haushalt tätig
oder nichterwerbstätig) umfassend abgeklärt und auch den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin, wenn auch nur oberflächlich, geprüft hat. Gestützt auf das
Ergebnis dieser Abklärungen hat die Beschwerdegegnerin einen (reinen)
Einkommensvergleich vorgenommen, der einen Invaliditätsgrad von 100% ergeben
hat. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin in der Mitteilung vom 9. Januar
2013 entschieden, der Beschwerdeführerin über den früher angesetzten
Revisionstermin hinaus eine ganze Rente zuzusprechen. Die letzte rechtskräftige
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/26
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Entscheidung, die auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs beruht hat, ist
also die Mitteilung vom 9. Januar 2013.
3.
Die Beschwerdeführerin ist bei der Rentenzusprache im Jahr 2003 als zu 50%
erwerbstätig und zu 50% im Haushalt tätig eingestuft worden. Ihre drei Kinder sind
damals sechs, neun und elf Jahre alt gewesen. Im Rahmen des mit der Mitteilung vom
9. Januar 2013 abgeschlossenen Revisionsverfahrens war die Beschwerdeführerin neu
als Vollerwerbstätige eingestuft worden. Diese Qualifikation liegt auch der
angefochtenen Verfügung vom 10. Juli 2018 zu Grunde. Die Kinder der
Beschwerdeführerin sind zu diesem Zeitpunkt nämlich 21, 24 und 26 Jahre alt und
damit erwachsen gewesen. Diesbezüglich liegt also keine relevante Veränderung des
massgebenden Sachverhalts nach der Mitteilung vom 9. Januar 2013 vor.
4.
Die ursprüngliche Zusprache einer ganzen Invalidenrente ist gestützt auf die
Berichte der Fachstelle Z._ vom 28. Februar 2002 und vom 24. April 2002 erfolgt,
worin die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischen
Symptomen und einem zwischenzeitlich psychotischen Erleben (ICD-10 F32.11)
angegeben worden war. Der Beschwerdeführerin war eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (IV-act. 8, 9). Im Rahmen des Revisionsverfahrens,
das mit der Mitteilung vom 9. Januar 2013 abgeschlossen worden war, war die
Beschwerdegegnerin gestützt auf die Auskunft der behandelnden Psychiaterin, der
Gesundheitszustand sei unverändert, die Arbeitsunfähigkeit betrage deshalb nach wie
vor 100%, davon ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin immer noch zu 100%
invalid sei, so dass weiterhin ein Anspruch auf eine ganze Rente bestehe. Um
abzuklären, ob sich die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einem für den
Rentenanspruch relevanten Ausmass verbessert habe, hat die Beschwerdegegnerin
zunächst med. pract. X._ mit einer monodisziplinären psychiatrischen Begutachtung
beauftragt (Gutachten vom 20. Juli 2016). Nach dem von der Beschwerdeführerin am
17. November 2016 und 30. Dezember 2016 im Vorbescheidverfahren geäusserten
Einwand, dass sie auch an somatischen Beschwerden leide, sodass für eine
umfassende Abklärung des medizinischen Sachverhalts eine polydisziplinäre
Begutachtung erforderlich sei, und nach dem Einholen von weiteren Arztberichten hat
die Beschwerdegegnerin bei der MEDAS Zentralschweiz die Erstellung eines
polydisziplinären Gutachtens unter Einschluss einer erneuten psychiatrischen
Begutachtung in Auftrag gegeben (MEDAS-Gutachten vom 9. November 2017). Der
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/26
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RAD-Arzt Dr. K._ hatte mit der Begründung, "um irgendwelchen
Abklärungsproblemen aus dem Weg zu gehen", zu diesem Vorgehen geraten (IV-
act. 115). In psychiatrischer Hinsicht liegen also zwei Gutachten vor.
Das Gutachten von med. pract. X._ und das polydisziplinäre MEDAS-Gutachten
sind auf ihren Beweiswert zu prüfen. Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie
der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). Notwendig ist hier zudem, dass der
psychiatrische Gutachter die vom Bundesgericht in Bezug auf anhaltende
somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden
aufgestellten und später auf alle psychischen Erkrankungen, insbesondere auf leichte
bis mittelschwere depressive Störungen, anwendbar erklärten Standardindikatoren
berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143 V 409 und 143 V 418). Bei einem zwecks
Rentenrevision erstellten Gutachten hängt der Beweiswert zudem wesentlich davon ab,
ob es sich ausreichend auf das Thema, nämlich auf eine allfällige erhebliche
Änderung(en) des Sachverhalts, bezieht. Einer für sich allein betrachtet vollständigen,
nachvollziehbaren und schlüssigen medizinischen Beurteilung, die im Hinblick auf eine
erstmalige Beurteilung der Rentenberechtigung beweisend wäre, mangelt es daher in
der Regel am erforderlichen Beweiswert, wenn sich die (von einer früheren
abweichende) ärztliche Einschätzung nicht hinreichend darüber ausspricht, inwiefern
eine effektive Veränderung des Gesundheitszustandes stattgefunden hat (Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Juli 2020, 8C_196/2020, E. 6.1).
4.2.
Med. pract. X._ hat die Beschwerdeführerin während dreieinhalb Stunden
untersucht und ihre subjektiven Klagen aufgenommen. Sie hat als objektive Befunde
die durch eigene Beobachtungen festgestellten Befunde und die
Untersuchungsbefunde angegeben. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang,
dass med. pract. X._ erhebliche Diskrepanzen zwischen den angegebenen
Beschwerden und den beobachteten Verhaltensweisen festgestellt hat; sie hat
festgehalten, es habe sich der Eindruck von Verdeutlichungstendenzen ergeben, wobei
Aggravationstendenzen nicht auszuschliessen gewesen seien. Im Weiteren hat sie sich
ausführlich mit den Vorakten auseinandergesetzt und ihre davon abweichenden
Beurteilungen begründet. Gestützt darauf hat sie die Diagnosen akzentuierter
Persönlichkeitszüge mit histrionischen und teilweise emotional instabilen (impulsiven)
Anteilen (ICD-10 Z73.1) und einer rezidivierenden depressiven Störung, seit mehreren
4.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/26
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Jahren und auch gegenwärtig voll remittiert (ICD-10 F33.4), gestellt. Die
Diagnosestellung ist nachvollziehbar und ausreichend begründet; Widersprüche sind
nicht ersichtlich. Med. pract. X._ hat sich auch zu den sog. Standardindikatoren,
insbesondere zu den Ressourcen und zur Konsistenz, geäussert. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung (vollständig arbeitsfähig) ist angesichts der gestellten
Diagnosen schlüssig und nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin hat gegen das
Gutachten von med. pract. X._ eingewendet, diese habe mit dem Hinweis, falls, wie
von med. pract. F._ angegeben wurde, tatsächlich schwerste psychische Störungen
vorliegen sollten, sei eine verkehrsmedizinische Fahreignungsprüfung zu empfehlen,
nicht nur Zweifel an ihrer eigenen Einschätzung eingeräumt, sondern solche auch bei
der Beschwerdegegnerin geweckt. Diese habe nämlich dem Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt eine entsprechende Meldung gemacht. Dazu ist festzuhalten, dass
med. pract. X._ damit nicht ihre eigene Beurteilung in Zweifel gezogen hat, sondern
die Beschwerdegegnerin hat darauf hinweisen wollen, dass diese eine Meldung an das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt erstatten solle, falls sie eine Meldung für
angezeigt halte. Der Fahrausweisentzug ist schliesslich erfolgt, weil sich die
Beschwerdeführerin der erforderlichen verkehrsmedizinischen Untersuchung nicht
unterzogen hat (vgl. IV-act. 106). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in adaptierten
Tätigkeiten kann daraus nichts abgeleitet werden. Der Einwand der
Beschwerdeführerin ist damit nicht stichhaltig. Im Rahmen einer "vorläufigen"
Beweiswürdigung ist festzuhalten, dass das Gutachten von med. pract. X._
beweiskräftig ist.
Im Folgenden ist das Gutachten der MEDAS Zentralschweiz auf seine Beweiskraft
zu prüfen. Alle Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz haben die Beschwerde
führerin persönlich untersucht, ihre subjektiven Klagen aufgenommen und die
objektiven klinischen Befunde wiedergegen. Die internistische Gutachterin der MEDAS
Zentralschweiz hat nachvollziehbar aufgezeigt, dass sie keine Diagnose mit einer
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin hat erheben können (IV-
act. 121-14 f.). Der pneumologische Gutachter hat lediglich eine qualitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert und festgehalten, aufgrund der von der
Beschwerdeführerin berichteten situativen Müdigkeit und Schläfrigkeit bei einem
grenzwertigen ESS von 11/24 (Norm <11) sei das Autofahren und das Bedienen von
gefährlichen Maschinen nicht möglich (IV-act. 121-23). Auch diese Ausführungen sind
schlüssig und nachvollziehbar. Der rheumatologische Gutachter hat seine Beurteilung
auf die Befunde der klinischen Untersuchung, die Ergebnisse von bildgebenden
Untersuchungen und die Vorakten gestützt. Während der Erhebung der Anamnese hat
er durch eigene Beobachtung festgestellt, dass die Beschwerdeführerin ruhig und ohne
4.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/26
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erkennbare Schonhaltung auf dem Stuhl gesessen ist und dass ihre Mimik und ihre
Gestik unauffällig gewesen sind. Während der klinischen Untersuchung hat die
Beschwerdeführerin dann aber ein ausgeprägtes Schmerzverhalten mit Stöhnen,
Grimassieren und Abwehr gezeigt. Auch das Aufstehen bei der Begrüssung ist
mühsam unter einer averbalen Schmerzäusserung erfolgt. Der Sohn der
Beschwerdeführerin hat ihr beim Ausziehen der Schuhe und Hosen geholfen. Hinweise
dafür, dass die Beschwerdeführerin einer Hilfe beim Ausziehen von Schuhen und
Hosen bedurft hätte, ist den weiteren Akten jedoch nicht zu entnehmen. Damit ist
fraglich, ob die Beschwerdeführerin tatsächlich einer Hilfe bedurft oder ob sie vielmehr
ein Verdeutlichungsverhalten oder gar ein aggravatorisches Verhalten gezeigt hat. Med.
pract. X._ und auch der psychiatrische MEDAS-Sachverständige haben kein
Verhalten beobachtet, das auf starke Schmerzen hingewiesen hätte. Der
psychiatrische MEDAS-Sachverständige hat nämlich angegeben, die
Beschwerdeführerin habe sich ohne ersichtliche Schwierigkeiten vom Warteraum in
das Besprechungszimmer begeben. Sie habe nur zwei- oder dreimal spontan über
Rückenschmerzen geklagt und gewünscht, die Sitzposition zu ändern. Med. pract.
X._ hat während der dreieinhalb Stunden dauernden Untersuchung in Mimik, Gestik
und Verhalten der Beschwerdeführerin keine Anzeichen für die angegebenen
dauernden Schmerzen beobachten können. Lediglich in den Pausen hat sich die
Beschwerdeführerin an ihre Schmerzen erinnert und sich kurz bewegt. Der
rheumatologische Sachverständige der MEDAS hat ebenfalls angegeben, das von der
Beschwerdeführerin gezeigte Beschwerdebild habe auf der Befundebene nicht
vollständig erklärt werden können. Diese Feststellung deckt sich also mit den
Beobachtungen von med. pract. X._. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung des
rheumatologischen Gutachters (körperlich leichte Tätigkeiten zu sieben Stunden pro
Tag mit einer Leistungseinschränkung von 20% aufgrund des schmerzbedingten
Bedarfs an vermehrten Pausen und des verlangsamten Arbeitstempos, also maximal
70%) ist sehr präzis ausgefallen. Es ist davon auszugehen, dass er die objektiv nicht
erklärbaren Schmerzschilderungen der Beschwerdeführerin, seien diese somatoformer
Natur oder in einem Verdeutlichungsverhalten begründet, bei seiner
Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgeklammert hat. Nach dem oben Ausgeführten
überzeugt die Arbeitsfähigkeitsschätzung des rheumatologischen Sachverständigen. In
psychiatrischer Hinsicht vermag das MEDAS-Gutachten hingegen nicht zu überzeugen,
obwohl der psychiatrische Sachverständige gleich wie med. pract. X._ die Diagnose
einer hebephrenen Schizophrenie ausgeschlossen hat. Dies ist wie folgt zu begründen:
Der RAD-Arzt Dr. K._ hat in Bezug auf die vom psychiatrischen Sachverständigen
der MEDAS angegebene Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) zu Recht geltend gemacht, dass es gemäss
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/26
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den ICD-10-Kriterien für diese Diagnose initial eines ursächlich physiologischen
Prozesses oder einer körperlichen Störung bedürfe. Bei der Beschwerdeführerin ist im
Jahr 2002 eine mittelgradige depressive Episode mit somatischen Symptomen und
zwischenzeitlich psychotischem Erleben diagnostiziert worden. Objektive Angaben,
wonach eine somatische Ursache der Auslöser für die psychiatrische Erkrankung
gewesen wäre, sind nicht aktenkundig. Die einzige Erklärung für diese
Diagnosestellung, welche der psychiatrische Sachverständige der MEDAS auf das Jahr
2002 zurückbezogen hat, ist die, dass er sich nur auf die subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin gestützt hat. Die Beschwerdeführerin hat nämlich angegeben, die
Schmerzen bestünden seit mindestens 18 Jahren. Diese Diagnose überzeugt deshalb
nicht. Im Weiteren hat der psychiatrische Sachverständige der MEDAS die
Standardindikatoren nur rudimentär geprüft (vgl. IV-act. 121-52) und es ist davon
auszugehen, dass er die Erwerbsfähigkeit nicht aus gesundheitlichen Gründen
einschränkende (sog. IV-fremde) Faktoren wie etwa den Migrationshintergrund in die
Arbeitsfähigkeitsschätzung einbezogen hat. Schliesslich hat er auch nicht begründet,
weshalb die Arbeitsfähigkeit sehr stark, nämlich zu 70% eingeschränkt sein soll. Die
Beschwerdegegnerin hat dem psychiatrischen Teil des MEDAS-Gutachtens damit zu
Recht keinen Beweiswert zuerkannt. Das MEDAS-Gutachten überzeugt somit in
internistischer, pneumologischer und rheumatologischer Hinsicht, nicht aber in
psychiatrischer Hinsicht.
Die Beschwerdegegnerin hat der angefochtenen Verfügung vom 10. Juli 2018 in
somatischer Hinsicht die Arbeitsfähigkeitsschätzung im MEDAS-Gutachten
(Arbeitsfähigkeit 70%) und in psychiatrischer Hinsicht die Arbeitsfähigkeitsschätzung
im Gutachten von med. pract. X._ (vollständige Arbeitsfähigkeit) zugrunde gelegt.
Dieses ungewöhnliche Vorgehen ist aus folgenden Gründen nicht zu beanstanden: Bei
einer polydisziplinären Begutachtung ist eine Konsensbeurteilung aller beteiligter
Gutachter erforderlich. Zwischen dem mit der Abklärung der somatischen Gesundheit
befassten Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz und med. pract. X._ hat
keine derartige Konsensbeurteilung stattgefunden. Angesichts der von med. pract.
X._ gestellten Diagnose bzw. der von med. pract. X._ abgegebenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung ist aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass zwischen den somatischen Beeinträchtigungen und der psychischen
Situation keine Wechselwirkung aufgetreten ist, die zu einem Arbeitsunfähigkeitsgrad
geführt hätte, der über dem vom rheumatologischen MEDAS-Sachverständigen
angegebenen gelegen hätte. Von einer nachträglichen Konsensbesprechung hat
deshalb abgesehen werden können. Der RAD hat im Übrigen am 9. Juli 2018 explizit
bestätigt, dass aus interdisziplinärer Sicht von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit
4.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/26
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auszugehen sei. Nach dem Gesagten ist mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich der psychiatrische Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin anhaltend verbessert hat und dass die Beschwerdeführerin im
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 10. Juli 2018 in adaptierten
Tätigkeiten zu 70% arbeitsfähig gewesen ist.
Im Vergleich zur gesundheitlichen Situation bzw. zur Arbeitsunfähigkeit, von der
die Beschwerdegegnerin zum Zeitpunkt des Abschlusses des früheren
Rentenrevisionsverfahrens am 9. Januar 2013 ausgegangen ist (vollständige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen), liegt also eine im Sinne von Art. 17
Abs. 1 ATSG relevante Veränderung vor. Nun hat med. pract. X._ aber in ihrem
Gutachten ausgeführt, unter Berücksichtigung des Längsschnittverlaufs sei davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin vermutlich schon lange (03/2008?),
überwiegend wahrscheinlich spätestens seit 04/2012 und mit Sicherheit seit der
aktuellen Untersuchung im Juli 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 0% ausgewiesen habe
(IV-act. 82-37). Med. pract. X._ hat dies damit begründet, dass eine früher
bestehende depressive Störung spätestens seit 04/2012 remittiert sei (IV-act. 82-35).
Sie hat sich dabei insbesondere auf einen Bericht der behandelnden Psychiaterin med.
pract. F._ vom 16. April 2012 gestützt (IV-act. 37-2), laut dem die rezidivierende
Störung unter einer Medikation mit Venlafaxin gegenwärtig remittiert war. Weiter hat sie
ausgeführt, die emotionale Unausgeglichenheit habe gemäss den Angaben der
Beschwerdeführerin vor allem im Rahmen der depressiven Episoden bestanden. Mit
der Remission der depressiven Episoden habe die Beschwerdeführerin (gemäss den
Vorakten) keine andauernden Störungen der Selbststeuerung und keine impulsiven
Tendenzen mehr beschrieben (IV-act. 82-35). Gleichzeitig hat med. pract. X._ aber
auch ausgeführt (IV-act. 82-34), angesichts der grossen diagnostischen
Ungenauigkeiten in den psychiatrischen Vorberichten, der Widersprüche zwischen den
diagnostischen Einschätzungen und der Behandlung und auch der falschen Annahmen
hinsichtlich der Krankheitsanamnese könne nicht auf die IV-Berichte von med. pract.
F._ abgestellt werden, wobei med. pract. X._ u.a. den Bericht von 04/2012 nennt.
Zwar ist es durchaus möglich, dass eine begutachtende medizinische Fachperson die
gesundheitliche Situation und damit die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person in
der Zeit vor der Begutachtung mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachweisen kann. Das setzt aber zumindest voraus, dass die
medizinischen Vorberichte einen ausreichenden Beweiswert haben. Das trifft auf die
Berichte der behandelnden Psychiaterin med. pract. F._ nach der Auffassung von
med. pract. X._ nicht zu. Dem hat med. pract. X._ Rechnung getragen, indem sie
ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit zwischen April 2012 und ihrer
4.6.
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5.
Somit bleibt noch der Einkommensvergleich vorzunehmen. Die Beschwerdeführerin ist
weiterhin als Vollerwerbstätige zu qualifizieren (vgl. E. 3). In Bezug auf die Validen- und
Untersuchung vom Juni 2016 nur als überwiegend wahrscheinlich bezeichnet hat,
während sie ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Zeit ab Juni 2016 als mit Sicherheit
erstellt bezeichnet hat. Dabei hat sie zwar Begriffe verwendet, denen im juristischen
Sprachgebrauch ganz bestimmte Inhalte zugeordnet sind, aber sie hat diese Begriffe
nicht korekt verwendet, d.h. sie ist von anderen Inhalten ausgegangen. Das zeigt sich
darin, dass sie ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung ab Juni 2016 als mit Sicherheit richtig
bezeichnet hat. Erfahrungsgemäss erreichen Abklärungen medizinischer Sachverhalte
und die sich darauf stützenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen in Fällen wie dem hier zu
beurteilenden nicht den Beweisgrad der Sicherheit, sondern höchstens den
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Was med. pract. X._ als "sicher"
bezeichnet hat, ist also überwiegend wahrscheinlich. Das bedeutet, dass das, was
med. pract. X._ als "überwiegend wahrscheinlich" bezeichnet hat, dieses
Beweismass nicht erreicht. Nach der Einschätzung von med. pract. X._ ist die
vollständige Remission der Depression und damit die vollständige Arbeitsfähigkeit vor
Juni 2016 also nicht überwiegend wahrscheinlich, sondern nur wahrscheinlich. Da eine
erneute Untersuchung der Beschwerdeführerin naturgemäss keinen Aufschluss über
deren Gesundheitszustand zwischen April 2012 und Mai 2016 liefern kann und da von
einer Befragung der behandelnden Psychiaterin aufgrund der völlig abweichenden
Einschätzung der gesundheitlichen Situation der Beschwerdeführerin keine den
notwendigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erreichende
Sachverhaltserkenntnis zu erwarten ist, ist davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin in der Zeit vor Juni 2016 objektiv nicht ermittelt werden kann.
Die materielle Beweislosigkeit führt dazu, dass erst für die Zeit ab der Begutachtung
durch med. pract. J._ mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
eine Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht von 100% erstellt ist. Das zwingt dazu,
von einer nach dem 9. Januar 2013 eingetretenen Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu Recht den Art. 17 Abs. 1 ATSG
angewendet. Wäre die revisionsrechtlich relevante Sachverhaltsveränderung
nachweislich vor dem 9. Januar 2013 eingetreten, hätte die laufende Invalidenrente nur
revisionsweise aufgehoben werden können, wenn die am 9. Januar 2013 ergangene,
verbindliche Mitteilung vorher wiedererwägungsweise (Art. 53 Abs. 2 ATSG)
aufgehoben worden wäre, d.h. die Beschwerde hätte mangels einer revisionsrechtlich
relevanten Veränderung des Invaliditätsgrades vollumfänglich gutgeheissen werden
müssen.
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die Invalidenkarriere hat sich seit der ursprünglichen Rentenzusprache keine
Veränderung ergeben. Da sowohl die Validen- als auch die Invalidenkarriere in einer
Tätigkeit als Hilfsarbeiterin besteht, kann der Betrag der Vergleichseinkommen bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades mathematisch keine Rolle spielen; der
Invaliditätsgrad ist anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen. Er
entspricht also dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, korrigiert um einen allfälligen zusätzlichen
Abzug. Der Arbeitsfähigkeitsgrad beträgt 70%. Aus der Sicht eines sich
betriebswirtschaftlich-ökonomisch vernünftig verhaltenden Arbeitgebers ist der Wert
der Arbeitsleistung der Beschwerdeführerin vermindert, da die Beschwerdeführerin
unfähig wäre, sich bei einem entsprechenden betrieblichen Bedarf an einem nicht
adaptierten Arbeitsplatz einsetzen zu lassen oder vorübergehend mit einem höheren
Beschäftigungsgrad tätig zu sein; die Beschwerdeführerin wäre also weit weniger
flexibel einsetzbar als eine gesunde zu 70% tätige Hilfsarbeiterin. Längerfristig
betrachtet bestünde zudem das Risiko von überdurchschnittlich hohen
krankheitsbedingten Absenzen. Geht man von einem ökonomischen Invaliditätsbegriff
aus bzw. will man einen Soziallohnanteil ausscheiden, ist wegen diesen Nachteilen, die
aus betriebswirtschaftlich-ökonomischen Gründen zwingend zu einem Minderlohn
führen müssten, bei der Ermittlung des Ausgangswerts des zumutbarerweise
erzielbaren Invalideneinkommens ein zusätzlicher Abzug vorzunehmen. Bei einer
grosszügigen Vorgehensweise beträgt dieser Abzug hier 10%. Bei einem
Arbeitsunfähigkeitsgrad von 30% und einem zusätzlichen Abzug von 10% resultiert
aus dem Einkommensvergleich ein Invaliditätsgrad von höchstens 37%. Die
Beschwerdeführerin hat somit keinen Anspruch mehr auf eine Invalidenrente. Die
Beschwerdegegnerin hat die bisherige ganze Invalidenrente zu Recht revisionsweise
per 31. August 2018 aufgehoben.
6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
6.1.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
6.2.
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