Decision ID: 73ce2263-9aae-4879-80f4-a011b068c8e8
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer A._ mit letztem Wohnsitz in E._
(Quartier F._) reiste gemäss eigenen Angaben erstmals im (...)
2015 alleine über mehrere Länder nach Österreich aus, weil er von der
Freien Syrischen Armee (FSA) sowie von der al-Nusra-Front bedroht wor-
den sei (A14 F75). Dort habe er sich drei Monate aufgehalten und sei auch
medizinisch behandelt worden (A14 F156; A6 Ziff. 2.04). Die Beschwerde-
führerin B._ habe sich in dieser Zeit mit der älteren Tochter bei ihrer
Schwester (im Quartier «G._», A14 F77) beziehungsweise ihren El-
tern (im Dorf «H._» bei I._) in der Provinz al-Hasaka aufge-
halten (A7 Ziff. 2.01; A25 F8). Nachdem er erfahren habe, dass ihr Aufent-
haltsort vom IS (Islamischer Staat) angegriffen worden sei, sei er im (...)
2015 nach Syrien zurückgekehrt (A6 Ziff. 2.01 und 2.04; A14 F79 ff., 96
und 156 ff.; A25 F79). Nach ungefähr zwanzig Tagen habe er die Be-
schwerdeführerin gefunden (sie sei mit anderen kurdischen Familien ver-
steckt gewesen; A14 F82 f.; A25 F79). Weil der Beschwerdeführer in
E._ noch in Besitz von verkäuflichen Waren gewesen sei, seien sie
zusammen (versteckt in einem [...]) nach E._ gefahren (A14 F88
und 201). Nach den Abwicklungen dieser Geschäfte hätten sie sich am
(...) 2016 von E._ über J._ gemeinsam mit den Eltern des
Beschwerdeführers und dessen Bruder K._ in die Türkei begeben
(A14 F89 ff.; A7 Ziff. 5.01; A25 F67 ff. und 81). Von dort seien sie am (...)
2016 in die Schweiz eingereist, wo sie einen Tag später um Asyl nachsuch-
ten. Am 5. Oktober 2016 wurden sie dem Kanton L._ zugewiesen
(A11).
B.
B.a An den jeweiligen Befragungen zur Person (BzP) vom 4. Oktober 2016
(A6 und A7) und den Anhörungen vom 6. Dezember 2016 (A14) und
30. Oktober 2018 (A25) brachten die Beschwerdeführenden – beide Jesi-
den – bezüglich ihrer persönlichen Situation Folgendes vor: Der Beschwer-
deführer habe drei Jahre die Schule besucht und sei anschliessend er-
werbstätig geworden (A14 F31 ff.); zuletzt habe er als selbstständig Erwer-
bender verschiedenen (...) in E._ bis im Jahr 2013 (...) vermietet
(A6 Ziff. 1.17.05; A14 F40 f.) und gute Geschäfte gemacht (A14 F141). Seit
seiner Jugend habe er im Quartier F._ (E._) gewohnt; seit
Ausbruch des Bürgerkrieges habe er regelmässig vorübergehend im Quar-
tier M._ Zuflucht gefunden, welches unter kurdischer Kontrolle ge-
wesen sei (A14 F29 f., 43 ff. und 123). Viele Angehörige seiner Familie
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seien Mitglieder der PYD (Partiya Yekitîya Demokrat, Partei der Demokra-
tischen Union) gewesen (A14 F198). Auch er sei Mitglied der PYD
(A6 Ziff. 7.02). Im Rahmen seines Militärdienstes habe er (...) gedient
(A6 Ziff. 7.01; A14 F193). Die Beschwerdeführerin stamme ursprünglich
aus I._ ([...] im Gouvernement al-Hasaka) und habe die Schule mit
Matura abgeschlossen (A25 F22 ff.). Im (...) 2012 habe sie den Beschwer-
deführer geheiratet und sei nach E._ gezogen (A25 F19).
Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer im
Wesentlichen vor, er sei wegen der Weigerung, den Reservedienst anzu-
treten, und der Organisation von Demonstrationen im Jahr 2012 inhaftiert
und misshandelt worden. Ferner sei er im Jahr 2013 zweimal entführt wor-
den.
B.b Die Beschwerdeführerin brachte keine eigenen Asylgründe vor (A7
Ziff. 7.01; A25 F40 und 83).
B.c Zur Stützung ihrer Vorbringen wurden folgende Beweismittel zu den
Akten gereicht:
 das Militärbüchlein des Beschwerdeführers, welches ihm am (...)
2004 vom Kreiskommando N._ (Region J._) anläss-
lich des allgemeinen und medizinischen Tests übergeben wurde;
dem Dokument lässt sich entnehmen, dass er am (...) 2005 den
Dienst angetreten hat und am (...) 2007 entlassen wurde (respek-
tive am (...) 2007 in den Reservedienst eingetreten ist);
 eine Bestätigung der Beendigung seiner Militärdienstzeit des Kreis-
kommandos N._ (Region J._; ausgestellt am [...]
2007) mit einer Dienstdauer von (...);
 drei Fotos (A14 F188 ff.); der Geburtsschein der älteren Tochter
(ausgestellt am [...]); der Eheschein der Beschwerdeführenden
(Eheschliessung am [...] 2012) sowie Kopien der Identitätskarten
der Beschwerdeführenden (mit Übersetzung).
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C.
Ferner liegen diverse ärztliche Unterlagen in den vorinstanzlichen Akten.
Gemäss dem Austrittsbericht der O._ vom 28. Februar 2017 befand
sich der Beschwerdeführer aufgrund akuter Suizidalität vom 8. Dezember
2016 (kurz nach der Anhörung [Anmerkung des Gerichts]) bis 15. Februar
2017 in stationärer Behandlung. Es wurde eine posttraumatische Belas-
tungsstörung (PTBS) diagnostiziert (A16). Mit Schreiben vom 20. März
2017 wurde der Hausarzt über die weitere Vorgehensweise informiert
(A17). Im April 2017 begann er in der P._ (Psychiatrie, Psychothe-
rapie) in Q._ eine entsprechende Behandlung (B1).
Vom 8. bis 12. Juni 2017 befand sich der Beschwerdeführer, gemäss ei-
nem Austrittsbericht vom 15. Juni 2017, wiederum aufgrund akuter Suizi-
dalität in stationärer Behandlung der O._. Nach der Entlassung im
gegenseitigen Einverständnis wurde eine ambulante psychologische Wei-
terbehandlung vereinbart (B1).
Gemäss einem Behandlungsbericht der P._ vom 22. Juni 2017
leide der Beschwerdeführer aufgrund seiner Foltererfahrung an wiederkeh-
renden Todesängsten und Depressionen; bis anhin habe er schon fünf Su-
izidversuche unternommen (B1).
Der Beschwerdeführer wurde ein weiteres Mal vom 26. Juli bis 14. August
2017 stationär von den O._ behandelt. Es wurde eine Retraumati-
sierung mit parasuizidaler Krise bei posttraumatischer Belastungsstörung
diagnostiziert (B3).
Gemäss einem Bericht vom 29. Mai 2018 von Dr. med. R._ habe
der Beschwerdeführer am 14. Dezember 2017 eine Behandlung (in der
Muttersprache) in dessen Praxis begonnen. Der Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung
(gegenwärtig schwergradige depressive Episode), eine PTBS, eine Angst-
störung mit Panikattacken, anhaltende Schmerzstörungen sowie eine an-
dauernde Persönlichkeitsstörung, welche im Zusammenhang mit den trau-
matischen Erlebnissen in der Heimat stehen würden und durch die aktuelle
Situation retraumatisiert worden seien (A18).
D.
Mit Verfügung vom 14. Dezember 2018 verneinte die Vorinstanz die Flücht-
lingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihre Asylgesuche ab
und wies sie aus der Schweiz weg. Weil der Vollzug der Wegweisung nicht
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zumutbar sei, wurde die Familie vorläufig aufgenommen. Auf Details der
Begründung wird – soweit entscheidwesentlich – nachfolgend eingegan-
gen.
E.
Am 28. Dezember 2018 und am 8. Januar 2019 ersuchten die Beschwer-
deführenden durch ihren Rechtsvertreter um vollständige Einsicht in die
gesamten Asylakten (A31 und A33).
F.
Gegen die Verfügung vom 14. Dezember 2018 erhoben die Beschwerde-
führenden durch ihren Rechtsvertreter am 14. Januar 2019 Beschwerde
beim Bundesverwaltungsgericht und beantragten dabei, nach Aufhebung
der Verfügung sei die Sache zur vollständigen und richtigen Abklärung und
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung
der Vorinstanz zurückzuweisen. Eventualiter sei vollständige Einsicht in die
gesamten Akten zu gewähren; anschliessend sei eine angemessene Frist
zur Einreichung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Ferner sei even-
tualiter nach Aufhebung der Verfügung die Flüchtlingseigenschaft der Be-
schwerdeführenden – eventualiter unter Asylgewährung – anzuerkennen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht seien die Beschwerdeführenden von der
Leistung eines Kostenvorschusses respektive der Bezahlung der Verfah-
renskosten zu befreien. Eventualiter sei eine angemessene Frist zur Be-
zahlung der Gerichtskosten anzusetzen.
Der Beschwerde lag unter anderem eine Fürsorgebestätigung vom 14. Ja-
nuar 2019 bei. Auf die weiteren eingereichten Beweismittel sowie auf De-
tails der Rechtsmitteleingabe wird – soweit entscheidwesentlich – in den
Erwägungen eingegangen.
G.
Mit Eingabe vom 16. Januar 2019 hielt der Rechtsvertreter unter anderem
fest, dass die Akten der Vorinstanz am gleichen Tag eingetroffen seien.
Diese Vorgehensweise des SEM – das am 28. Dezember 2018 einge-
reichte Gesuch um Akteneinsicht wurde erst am 15. Januar 2019 (einen
Tag vor Ablauf der Beschwerdefrist) behandelt – verstosse gegen den
Grundsatz von Treu und Glauben, zumal es unter diesen Umständen nicht
möglich gewesen sei, am letzten Tag der Frist eine Besprechung mit den
Beschwerdeführenden durchzuführen.
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H.
Am 18. Januar 2019 ordnete die Instruktionsrichterin an, die in der Verfü-
gung zitierten Textstellen aus den Akten von Familienmitgliedern seien
durch das SEM den Beschwerdeführenden offenzulegen, welche gleich-
zeitig aufgefordert wurden, nach Erhalt der entsprechenden Textstellen
dem Gericht eine Stellungnahme einzureichen.
I.
Am 25. Januar 2019 gewährte das SEM den Beschwerdeführenden Ein-
sicht in Textstellen aus den Verfahrensakten des Vaters des Beschwerde-
führers.
J.
Am 7. Februar 2019 wurde eine entsprechende Ergänzung der Be-
schwerde zu den Akten gereicht.
K.
Mit Eingaben vom 11. Februar und 13. November 2019 sowie 30. Januar
und 28. Oktober 2020 wurden unter anderem folgende Beweismittel einge-
reicht:
 eine Kopie eines Schreibens des Büros für Menschenrechte (Exe-
kutivrat der demokratischen Selbstverwaltung der Provinz
S._) vom 16. Januar 2019, das die Festhaltung des Be-
schwerdeführers im (...) 2012 für (...) bestätigt;
 eine Mitgliedschaftsbestätigung der PYD, Sektion Europa, für den
Beschwerdeführer vom 1. Februar 2019;
 Fotos des Beschwerdeführers angeblich an einem kurdischen
Checkpoint (teilweise mit einem Cousin);
 ein Urteilsauszug des erstinstanzlichen Strafgerichts in T._
vom (...) 2015 den Beschwerdeführer betreffend wegen «Reserve-
dienstentzug und Durchführung staatsfeindlicher Aktivitäten» (Rek-
rutierungsamt J._/N._; mit Übersetzung).
L.
Mit Instruktionsverfügung vom 10. März 2021 wurden die Beschwerdefüh-
renden aufgefordert, ihre Bedürftigkeit zu belegen; der Entscheid über die
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wurde entsprechend auf
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später verschoben. Gleichzeig wurde auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses verzichtet und die Vorinstanz eingeladen, eine Vernehmlassung
einzureichen.
M.
Im Rahmen seiner Vernehmlassung vom 19. März 2021 hielt das SEM fest,
die Beschwerde enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweis-
mittel, welche eine Änderung seines Standpunktes rechtfertigen könnten.
N.
Am 6. April 2021 wurde eine Replik auf die Vernehmlassung der Vorinstanz
eingereicht.
O.
Mit Eingabe vom 7. April 2021 wurden diverse Unterlagen betreffend die
finanzielle Situation der Beschwerdeführenden zu den Akten gereicht.
P.
Am 19. November 2021 wurde ein Artikel einer Regionalzeitung einge-
reicht, welcher die hervorragende Integration der Beschwerdeführenden il-
lustriere.
Q.
Mit Eingabe vom 21. Februar 2022 reichten sie eine Kopie eines Arbeits-
vertrages vom 13. Dezember 2021 die Beschwerdeführerin betreffend zu
den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
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Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet die Prüfung der Fra-
gen, ob die Vorinstanz in ihrer angefochtenen Verfügung zu Recht die
Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden verneint (Dispositivziffer
1), die Asylgesuche abgelehnt (Dispositivziffer 2) und die Wegweisung an-
geordnet (Dispositivziffer 3) hat.
2.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerdeführenden rügen in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe
den Anspruch auf Akteneinsicht und rechtliches Gehör schwerwiegend ver-
letzt. Zudem habe sie den Sachverhalt nicht richtig respektive unvollstän-
dig festgestellt. Diese Rügen müssten grundsätzlich vorab geprüft werden.
Angesichts dessen, dass im heutigen Zeitpunkt von einem hinreichend er-
stellten Sachverhalt ausgegangen werden darf, das Akteneinsichtsrecht
gewährt wurde und die materielle Prüfung zu Gunsten der Beschwerdefüh-
renden ausfällt, kann die Prüfung dieser Rügen aber unterbleiben.
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4.
Im Einzelnen bringt der Beschwerdeführer zu seinen Fluchtgründen vor, er
habe sein Heimatland verlassen, weil er – wie alle, welche der (...) gedient
hätten – früh in den Reservedienst aufgeboten worden sei (A6 Ziff. 7.02;
A14 F49), diesen aber verweigert habe. Die schriftliche Vorladung sei ihm
im (...) 2012 (A14 F115 ff.) ins Restaurant «U._» (A6 Ziff. 7.02; A14
F126) gebracht worden; sie befinde sich in F._ (A14 F132) bezie-
hungsweise habe er sie nicht erhalten (A6 Ziff. 7.04). Damals habe er den
Offiziersassistenten beziehungsweise Hauptfeldweibel (A6 Ziff. 7.02; A14
F114) V._ bestochen, worauf dieser seinen Dienstantritt um drei
Monate auf den (...) 2012 verschoben habe (A6 Ziff. 7.02; A14 F126 f.).
Auch später habe er ungefähr bis (...) 2014 immer wieder Bestechungs-
gelder bezahlt, so dass er nicht habe einrücken müssen (A6 Ziff. 7.02; A14
F114 f., 120 und 207; A25 F48). Nach (...) 2014 habe er sich von den Be-
hörden ferngehalten und so keine Probleme (mehr) wegen des Reserver-
dienstes gehabt (A6 Ziff. 7.02).
Ausserdem sei er Mitglied der PYD und habe Demonstrationen in seinem
Wohnquartier F._ mitorganisiert; die erste habe am (...) 2011 bezie-
hungsweise 2012 stattgefunden (A6 Ziff. 7.02; A14 F110 und 212; A25 F31,
41, 65 und 87). Aufgrund dieser Mitarbeit und seiner Weigerung, seinen
Dienst anzutreten, sei er im (...) 2012 (respektive [...] 2013 für (...) Tage
[A6 Ziff. 7.02]; beziehungsweise (...) Monate nach der Heirat im (...) 2012
[A25 F31, 50 und 54]) vom (...) namens W._ inhaftiert worden (A14
F104 ff., 112, 116, 162, 172 und 208). Schon bei der Inhaftierung sei ihm
gesagt worden, gegen Geld würden sie ihn freilassen, ansonsten würden
sie ihn dem politischen Sicherheitsdienst übergeben (A14 F113). Ihm seien
die Augen verbunden und er sei mit (...) anderen Personen in einen Keller
eines Gebäudes gebracht worden (A14 F113, 161 und 170 ff.). Dort sei er
gefoltert worden, andere hätten dies nicht überlebt (A14 F173 ff.). Weil sein
Vater Geld bezahlt habe, sei der Beschwerdeführer schliesslich nach (...)
Tagen freigekommen, (...) (A14 F181, 194 f. und 209 ff.; A25 F50).
Im Weiteren sei er im Jahr 2013 zweimal angehalten und erpresst worden.
Erstmals sei dies auf dem Weg nach Damaskus gewesen, als er für seinen
jüngsten (und inzwischen verstorbenen) Bruder X._ mit dem Bus
Geld dorthin hätte bringen sollen. In Y._ in der Nähe von Z._
(auf dem Weg nach Damaskus) sei der Bus von den Faruq-Brigaden an-
gehalten worden. Diese hätten den Beschwerdeführer als Mitglied der PYD
und eine andere Person (einen Soldaten) mitgenommen und in ein Dorf
gebracht. Weil er (...) US$ (ca. [...] syrische Lira) habe bezahlen können,
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sei er nach 18 Stunden wieder freigekommen (A6 Ziff. 7.02; A14 F133 ff.;
A25 F50 und 56 ff.). Zwei bis drei Monate später ([...] 2013) – als die Be-
schwerdeführerin bei ihrer Familie in I._ gewesen sei – sei er auf
dem Weg zu ihr wiederum angehalten worden. Die bewaffnete Gruppe
habe ihn als Geschäftsmann erkannt und Lösegeld verlangt. Weil er in sei-
nem Zuhause in F._ das Geld seines Geschäftspartners aufbewahrt
habe, seien sie dorthin gefahren. Die Erpresser hätten das Geld mitgenom-
men (A14 F147) und die Beschwerdeführerin darüber informiert, dass er
zuhause festgebunden sei (A14 F141; F25 F62). Anschliessend sei er von
seinem Nachbarn befreit und in ein Spital gebracht worden (A14 F141 ff.).
Er sei im (...) 2015 aus Syrien ausgereist, weil er sowohl von der FSA wie
auch der Al-Nusra-Front gesucht worden sei (A14 F75 f.).
An der Anhörung des Beschwerdeführers wurde ferner festgehalten, dass
dem Beschwerdeführer ein Anitdepressivum namens Aa._ ver-
schrieben worden sei (A14 F3 und 181). Ausserdem habe ihn der Tod sei-
nes Vaters – er nahm sich im (...) 2016 in der Schweiz das Leben (Anmer-
kung des Gerichts) – schwer belastet (A14 F2, 10 ff. und 182).
Die Beschwerdeführerin gab als Hauptgrund ihrer Ausreise den Krieg an
(A7 Ziff. 7.01), wobei auch die Bedrohung des Beschwerdeführers dazu
geführt habe (A25 F31).
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
5.2 Keine Flüchtlinge sind Personen, die wegen Wehrdienstverweigerung
oder Desertion ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete
Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden, wobei die Einhal-
tung des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtstellung der Flücht-
linge (FK, SR 0.142.30) vorbehalten bleibt (Art. 3 Abs. 3 AsylG).
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5.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 In der angefochtenen Verfügung hielt die Vorinstanz fest, dass die
schwierige Kriegssituation keine gezielte Verfolgung gegen die Beschwer-
deführenden im Sinne von Art. 3 AsylG darstelle.
Die Schilderungen bezüglich der Entführungen durch die Faruq-Brigaden
(islamistische Miliz al-Faruk) und andere Gruppierungen seien wider-
sprüchlich und oberflächlich ausgefallen. Die Aussagen des Beschwerde-
führers, die Entführer hätten ihm mitgeteilt, dass andere islamische Grup-
pierungen grosses Interesse an seiner Person hätten (A6 Ziff. 7.01 ff.; A14
F75 und 90), und er sei von der Opposition, der FSA und der Al-Nusra-
Front gesucht worden, seien als pauschal einzustufen. Ferner sei kein Mo-
tiv gemäss Art. 3 AsylG ersichtlich, da davon auszugehen sei, dass die Ent-
führer lediglich an Geld interessiert gewesen seien.
Auch habe der Beschwerdeführer keine konkreten Hinweise auf ein tat-
sächlich erfolgtes Aufgebot in den aktiven Reservedienst nennen können
und ausschliesslich ausweichend geantwortet. So habe er mehrmals da-
rauf hingewiesen, dass seine Reservenummer im Dienstbüchlein stehe
(A14 F106, 124 f. und 132), was keinen Sinn ergebe. Ferner habe er das
schriftliche Aufgebot nicht eingereicht, obwohl er ein solches Dokument er-
halten haben wolle (A14 F127 und 132). Das Dienstbüchlein und der Ent-
lassungsschein seien diesbezüglich unbehelflich. Ausserdem seien die
Aussagen das Aufgebot betreffend widersprüchlich.
Weiter sei die Inhaftierung des Beschwerdeführers aufgrund seiner politi-
schen Aktivitäten und seiner Dienstverweigerung nicht glaubhaft. So habe
er an der relativ detaillierten BzP von sich aus keine solche erwähnt, son-
dern erst auf eine konkrete Nachfrage hin (A6 Ziff. 7.02). Ferner bestehe
ein Widerspruch hinsichtlich des Zeitpunkts, wann er – im (...) 2012 (A14
F104 und 116) oder im (...) 2013 (A6 Ziff. 7.02) – inhaftiert worden sei. Die
diesbezüglichen Schilderungen seien ausserdem als oberflächlich und ste-
reotyp zu qualifizieren (vgl. z.B. A14 F166); auch auf Nachfrage hin seien
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die Aussagen nicht erlebnisnah ausgefallen (A14 F169), weshalb der Ein-
druck entstanden sei, er habe diese Inhaftierung nicht selber erlebt. Die
weiteren Angaben die Zelle oder Foltertechniken betreffend würden den
allgemein bekannten Haftbedingungen in Syrien entsprechen. Zudem
seien die Angaben über seine Mitgefangenen (wie deren Jahrgang und
Herkunftsort) nicht konkret genug. Ganz allgemein fehle es den Schilde-
rungen an erlebnisorientierten Details. Im Übrigen habe der Vater des Be-
schwerdeführers an seiner Anhörung nicht erwähnt, dass dieser inhaftiert
gewesen sei oder andere politische Probleme gehabt habe; lediglich hin-
sichtlich seines Sohnes Bb._ habe er solche genannt. Die diesbe-
zügliche Erklärung des Beschwerdeführers, sein Vater habe ihn gebeten,
seinem Bruder nichts über diesen Vorfall ([...]) zu erzählen, sei nicht über-
zeugend. Es bleibe anzufügen, dass auch die Aussagen der Beschwerde-
führerin in Bezug auf die Haft unsubstantiiert ausgefallen seien; sie habe
diese an der Erstbefragung nicht einmal erwähnt (A7 Ziff. 7.01 f.).
Schliesslich seien die eingereichten Beweismittel unbehelflich. Die ärztli-
chen Diagnosen würden die Glaubhaftigkeit der erwähnten Vorbringen
ebenfalls nicht beweisen (vgl. BVGE 2015/11 E. 7.2.1 f.).
Der Vollständigkeit halber sei darauf hinzuweisen, dass der Bruder des Be-
schwerdeführers, Bb._, in der Schweiz Asyl erhalten habe; es seien
jedoch den Akten keine Hinweise auf eine Reflexverfolgung des Beschwer-
deführers zu entnehmen.
6.2 Auf Beschwerdeebene wurde festgehalten, der geleistete Militärdienst
sei vom SEM nicht bezweifelt worden. Aus den Dokumenten gehe ferner
die Zuteilung des Beschwerdeführers nach seiner Entlassung in den Re-
servedienst hervor. Dass er daraufhin – nach Kriegsausbruch – wieder in
den Militärdienst aufgeboten worden sei, scheine offensichtlich, selbst
wenn er keinen Beweis dafür eingebracht habe. Widersprüche seien hin-
sichtlich des Aufschubs des Reservedienstes keine ersichtlich.
Ferner sei die Erwähnung seiner Inhaftierung durch den Beschwerdeführer
an der BzP massgebend; es dürfe keine Rolle spielen, dass er dies erst bei
den entsprechenden Nachfragen preisgegeben habe. Es sei absurd zu be-
haupten, die dargelegten Foltermethoden seien unglaubhaft, weil sie den
«allgemein bekannten Haftbedingungen entsprechen» würden. Der Be-
schwerdeführer habe die erlittene Verfolgung so ausführlich geschildert,
wie man es von ihm habe erwarten können.
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Seite 13
Ferner gehe aus den eingereichten Arztberichten hervor, dass er massiv
traumatisiert sei, was nicht einfach ignoriert werden dürfe. Der Vater des
Beschwerdeführers sei ebenfalls psychisch krank gewesen. Es sei nicht
haltbar, seinen Aussagen derart grosse Bedeutung beizumessen und
gleichzeitig die Akten der weiteren Familienmitglieder nicht beizuziehen
(insbesondere der Mutter, die den Gefängnisaufenthalt des Beschwerde-
führers erwähnt habe). Weiter sei die Frage an den Vater gewesen, ob an-
dere Söhne «auch Probleme wie Bb._» gehabt hätten, was «ir-
gendwelche» andere Probleme nicht ausschliessen würde.
Überdies sei das Motiv der jesidischen Religionszugehörigkeit ausser Acht
gelassen worden. Aufgrund des Glaubens sei der Beschwerdeführer Ziel-
scheibe islamistischer Milizen geworden, wie er detailliert umschrieben
habe. Diesbezüglich sei darauf hinzuweisen, dass er in der Schweiz zum
Christentum (Freikirche Cc._) konvertiert sei.
6.3 In ihrer Vernehmlassung führte die Vorinstanz aus, dass sich – weil die
geltend gemachte Verfolgung als unglaubhaft erachtet worden sei – eine
Prüfung der Asylrelevanz, auch unter dem Motiv der Religionszugehörig-
keit, erübrige. Ferner würden keine Hinweise bestehen, dass der Be-
schwerdeführer aufgrund seiner Konversion zum Christentum bei einer
Rückkehr nach Syrien verfolgt würde.
Hinsichtlich der im Laufe des Beschwerdeverfahrens eingereichten Be-
weismittel erwähnte das SEM Folgendes: Die Kopie des Schreibens des
Büros für Menschenrechte vom Januar 2019 und die Bestätigung der PYD
vom Februar 2019 seien als Gefälligkeitsschreiben einzustufen und wür-
den daher keine Beweiskraft entfalten. Auch die Fotos würden bestenfalls
einen militärischen Einsatz des Beschwerdeführers belegen. Ferner ver-
möge der Urteilsauszug des Strafgerichts in T._ vom (...) 2015
nicht, die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen umzustürzen, sei doch allge-
mein bekannt, dass in Syrien nahezu jedes Dokument käuflich zu erwerben
sei.
6.4 In ihrer Replik hielten die Beschwerdeführenden fest, dass die Religi-
onszugehörigkeit nicht ignoriert werden dürfe. Die Kollektivverfolgung von
Jesiden könne indes offengelassen werden, denn vorliegend sei der Be-
schwerdeführer – ein aus J._ stammender kurdischer Jeside – in-
dividuell verfolgt.
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Bezüglich der Argumentation der Vorinstanz die Beweismittel betreffend
führten sie an, dass sich diese auf eine simple Pauschalbehauptung ohne
konkrete Begründung beschränke, was nicht haltbar sei.
7.
7.1 Die Vorinstanz hat die Vorbringen im Wesentlichen als nicht glaubhaft
erachtet. Dem kann, wie nachfolgend dargelegt, nicht vollumfänglich zuge-
stimmt werden.
7.1.1 Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer seinen regulären Militär-
dienst absolvierte. Gemäss dem Dienstbüchlein, das dem Beschwerdefüh-
rer im (...) 2004 übergeben wurde, musste er am (...) 2005 in den Dienst
einrücken. Nach über (...) Jahren wurde er am (...) 2007 aus dem obliga-
torischen Dienst in den Reservedienst entlassen.
Hinsichtlich des Aufgebots in den Reservedienst fällt indes auf, dass der
Beschwerdeführer zwar das Militärbüchlein und den Entlassungsschein
einreichen konnte, aber nicht das schriftliche Aufgebot selbst. Sein wieder-
holter Hinweis auf seine Reservistennummer ist unbehelflich. Auch sind die
Ausführungen zum schriftlichen Aufgebot nicht eindeutig ausgefallen. An
der BzP sagte er ausdrücklich, die Vorladung für den Reservedienst nicht
erhalten zu haben (A6 Ziff. 7.04). An der Anhörung gab er an, der Einberu-
fungsbefehl sei in F._ (A14 F132) – wo genau, bleibt unklar. Er habe
ihn im Restaurant «U._» erhalten (A14 F126 f.). Dem Anhörungs-
protokoll der Beschwerdeführerin ist zu entnehmen, dass der Vater oder
der Bruder des Beschwerdeführers ein diesbezügliches Dokument in Emp-
fang genommen habe, als Behördenmitglieder den Beschwerdeführer des-
wegen einmal zuhause aufgesucht hätten (A25 F42).
Demgegenüber sagte er übereinstimmend aus, die Einberufung in den Re-
servedienst sei ihm ins Restaurant «U._» gebracht worden (A6
Ziff. 7.02; A14 F126). Weil er Geld bezahlt habe, habe er nichts unter-
schreiben müssen (A6 Ziff. 7.04; A14 F126 f.). So sei vorgetäuscht worden,
dass er zuhause nicht gefunden worden sei (A14 F126). Dieses Ereignis
scheint plausibel und wurde vom Beschwerdeführer detailliert und wider-
spruchsfrei vorgetragen (A14 F124-132), weshalb es als glaubhaft zu er-
achten ist. Den Einberufungsbefehl habe er im (...) 2012 erhalten (A14
F115 ff.). Anschliessend habe er Hauptfeldweibel V._ von der Poli-
zei regelmässig – (...) syrische Lira pro Monat – bezahlt, so dass er sich
bis zum Quartier Dd._ habe frei bewegen können (A14 F114 und
130). Dieser Hauptfeldweibel sei vom Polizeiposten Ee._ gewesen
E-229/2019
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(A14 F130), welches sich gemäss Kenntnissen des Gerichts südlich von
F._ und Dd._ befindet. Mit der ersten Zahlung sei der Antritt
seines Reservedienstes um (...) Monate bis zum (...) 2012 verschoben
worden. Bis im (...) 2014 habe er regelmässig bezahlt (A6 Ziff. 7.02; A14
F115), dann habe er kein Geld mehr dafür gehabt (A14 F121). Während
Razzien habe er sich im Quartier M._ versteckt, wo die Regierung
nicht präsent gewesen sei (A14 F42 ff., 51 f. und 123). Auch habe es dort
viele leere Wohnungen gehabt, wo man sich habe verstecken können (A14
F45).
Es ist bekannt, dass sich Männer durch Bestechung vom Wehrdienst – zu-
mindest für eine gewisse Zeit – freikaufen können, zumal Korruption in Sy-
rien weit verbreitet ist (vgl. Bundesamt für Fremdwesen und Asyl [BFA],
Fact Finding Mission Report Syrien, August 2017, S. 18; Syria Untold, Mi-
litary Reserve Business Thrives in Syrian Coast, Oktober 2017 [Military Re-
serve Business Thrives in Syrian Coast | SyriaUntold | تانحك ما حكاية , besucht
am 31. Mai 2021]).
Nach dem Gesagten ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
im (...) 2012 in den Reservedienst aufgeboten wurde, zumal dessen dies-
bezügliche Aussagen als in sich stimmig zu qualifizieren sind. Da er diesen
nicht angetreten hat, ist weiter davon auszugehen, dass er als Refraktär
gilt.
7.1.2 Dass er deshalb am (...) 2015 verurteilt worden wäre, ist indes
unglaubhaft. Der eingereichten Übersetzung des Urteilsauszugs ist zu
entnehmen, dass diesem eine Straftat vom (...) 2012 zu Grunde gelegt
worden sei, was angesichts des Einberufungsbefehls vom (...) 2012 nicht
nachvollziehbar ist. Auch war der Beschwerdeführer gemäss seinen
Angaben im Jahr 2012 wegen Weigerung, den Reservedienst anzutreten,
und wegen Organisation von Demonstrationen inhaftiert worden (vgl. dazu
auch nachfolgend), weshalb erstaunt, dass er erst im (...) 2015 dafür hätte
verurteilt werden sollen. Schliesslich soll ihm gemäss Übersetzung des
Urteilsauszugs im (...) 2015 in Abwesenheit ein Haftbefehl zugestellt
worden sein, also bevor er im (...) 2015 erstmals das Land verliess – wobei
er als Ausreisegrund keinen Haftbefehl angegeben hatte. Angesichts
dieser Inkohärenzen, der Tatsache, dass der Beschwerdeführer eine
solche Verurteilung nie erwähnte und diese auch im Schreiben vom
28. Oktober 2020 nicht weiter erläutert wurde, stützt dieser Urteilsauszug
seine bisherigen Aussagen im Zusammenhang mit der – als glaubhaft
erachteten – Rekrutierung zum Reservedienst nicht.
https://syriauntold.com/2017/10/25/military-reserve-business-thrives-syrian-coast/ https://syriauntold.com/2017/10/25/military-reserve-business-thrives-syrian-coast/
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7.1.3 Hinsichtlich seiner Haft sagte der Beschwerdeführer an der BzP aus,
er sei im (...) 2013 für (...) Tage inhaftiert worden; tiefergehend wurde er
hierzu nicht befragt (A6 Ziff. 7.02). Dass er seine Inhaftierung erst im Rah-
men von standardisierten Fragen erwähnte, ist nicht entscheidend, zumal
diese bereits erduldete Haft durch seine Freilassung in sich abgeschlossen
erscheint, auch wenn sie ihn offenbar psychisch bis heute belastet. Auch
war diese nicht fluchtauslösend.
Anlässlich der Anhörung erwähnte er mehrmals, dass er im (...) 2012 fest-
genommen worden sei (A14 F104, 106 und 116 ff.); respektive bevor er
festgenommen worden sei, habe er seinen Einberufungsbefehl (im [...]
2012) erhalten (A14 F117). Dass er an der BzP ein anderes Jahr erwähnte,
ist zwar im Widerspruch dazu, was aber nicht gravierend erscheint, zumal
auch den Schilderungen der Beschwerdeführerin das Jahr 2012 zu ent-
nehmen ist ([...] Monate nach der Heirat im [...] 2012: A25 F50).
Die Beschreibung der Festnahme ist auf den ersten Blick zwar oberfläch-
lich ausgefallen (A14 F166), enthält aber zahlreiche Realkennzeichen. Als
er seine Identitätskarte habe zeigen müssen, habe er bemerkt, dass einer
dieser Milizionäre der Shabiha (welche von Familienmitglieder von
Baschar al-Assad geführt wird, vgl. YASSIN AL-HAJ SALIH, The Syrian Sha-
biha and Their State – Statehood & Participation, Heinricht Böll Stiftung
[Hrsg.]), März 2014 [The Syrian Shabiha and Their State - Statehood &
Participation | Heinrich-Böll-Stiftung | Lebanon - Beirut (boell.org), besucht
am 19. April 2022]) nach Alkohol gerochen habe (A14 F170). Sie hätten
ihn mitgenommen und in einen Keller gebracht; es sei kühl gewesen, aber
auch feucht (A14 F171).
Die Fragen der Milizionäre, welche die Loyalität des Beschwerdeführers
gegenüber Baschar al-Assad im Blickfeld hatten (A14 F172), sind ange-
sichts ihrer Treue zur Regierung plausibel. Aus dem Umstand, dass diese
Miliz bekannte Foltermethoden anwendet, ist nicht abzuleiten, dass sie nur
öffentlich zugänglichen Quellen entstammen und nicht auch auf den Be-
schwerdeführer angewendet worden sein könnten. Ausserdem gehen aus
den Aussagen des Beschwerdeführers zur Haft ebenfalls persönliche Ein-
drücke hervor, beispielsweise betreffend Mitgefangene – zu erwähnen sind
Ff._ sowie Gg._ (A14 F178 und 180). Zudem erwähnte er,
wenn er jeweils erwacht sei, habe er in diesen (...) Tagen (...) Striche in
die Wand eingekratzt (A14 F181 und 209 ff.).
https://lb.boell.org/en/2014/03/03/syrian-shabiha-and-their-state-statehood-participation https://lb.boell.org/en/2014/03/03/syrian-shabiha-and-their-state-statehood-participation
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Der Vater des Beschwerdeführers hat dessen Probleme zwar in seinen
Aussagen nicht explizit erwähnt (N 672 564, A28 F127 ff.). Mehrmals be-
tonte er aber, dass er vergesslich geworden sei und sich nicht an alles
erinnern könne (N 672 564, A28 F54, 106 und 155). Demgegenüber hat
die Mutter erwähnt, dass der Beschwerdeführer seinen Militärdienst bei
(...) gemacht habe. Im Jahr 2011/2012 sei er für (...) Monate inhaftiert wor-
den, wobei er gefoltert worden sei. Durch seinen Vater sei er freigekom-
men, aber seit diesem Moment, insbesondere seit dem Tod seines Vaters,
sei er krank (N 689 305, A11 F53 und 80).
Schliesslich ist offensichtlich, dass ihm diese Haft zugesetzt hat. Seit 2012
(oder seit 1'400 Tagen [A14 F181], was knapp vier Jahre ergibt) sehe er
seine Häscher täglich in seinen Träumen (A14 F181 ff.; vgl. auch A14
F143). Als Diagnose wurden rezidivierende depressive Störungen, schwer-
gradige depressive Episoden, posttraumatische Belastungsstörung,
Angststörung mit Panikattacken, anhaltende Schmerzstörung und andau-
ernde Persönlichkeitsänderung bei chronischen psychischen Störungen
festgestellt (vgl. Arztbericht vom 18. Oktober 2018 [Beilage 10 der Be-
schwerde]). Diese Diagnose bildet für sich allein zwar keinen Beweis für
eine Misshandlung. Gleichwohl kann die Einschätzung eines Facharztes in
Bezug auf die Plausibilität von Vorkommnissen oder Ereignissen, die als
Ursache für die Diagnosen in Betracht fallen, aber ein Indiz bilden, welches
bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Verfolgungsvorbringen im Rah-
men der Beweiswürdigung zu berücksichtigen ist (vgl. BVGE 2015/11
E. 7.2.2 und BVGE 2007/31 E. 5.1).
Im Sinne einer Gesamtwürdigung ist von einer glaubhaften Inhaftierung
des Beschwerdeführers auszugehen. Die Aussagen sind insgesamt nicht
widersprüchlich oder vage, sondern als ehrlich und plausibel zu bezeich-
nen, zumal er zeitweise zugegeben hat, wenn er sich nicht erinnern konnte
(vgl. z.B. A14 F59, 61, 63 f., 95, 143, 163, 181, 203 und 206).
7.1.4 Die Beschwerdeführerin wurde anlässlich der BzP aufgefordert, sie
solle von allen wesentlichen Gründen erzählen, die sie zur Ausreise veran-
lasst habe. Dass sie daraufhin nur ihren persönlichen Grund, den Bürger-
krieg, erwähnte (A7 Ziff. 7.01), und auf die Erlebnisse ihres Ehemannes
erst in der Anhörung einging, kann nicht als Nachschub, so wie das SEM
dies getan hat, qualifiziert werden.
7.2 Zusammenfassend gilt festzuhalten, dass die Vorbringen des Be-
schwerdeführers – welcher ausserdem nach Durchsicht der Akten einen
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Seite 18
glaubwürdigen Eindruck hinterlässt – bezüglich seines Aufgebots für den
Reservedienst und seiner über dreimonatigen Haft als glaubhaft zu qualifi-
zieren sind.
8.
8.1 In einem nächsten Schritt ist der Frage nachzugehen, ob die Vorbrin-
gen der Beschwerdeführenden auch asylrelevant sind. Wie nachfolgend
dargelegt, ist dies im Ergebnis zu bejahen.
8.2 Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die
Zuerkennung der Flüchtlingseigenschaft voraus, dass die betroffene Per-
son in ihrem Heimatland keinen adäquaten Schutz finden kann (vgl.
BVGE 2008/12 E. 7.2.6 und 2008/4 E. 5.2). Ausgangspunkt für die Beur-
teilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage nach der im Zeitpunkt der
Ausreise vorhandenen Verfolgung oder begründeten Furcht vor einer sol-
chen. Ob für den Zeitpunkt der Ausreise noch eine begründete Verfol-
gungsfurcht besteht, misst sich auch daran, ob ein zeitlicher Kausalzusam-
menhang besteht. Besteht dieser, ist nicht weiter zu prüfen, ob die erlittene
Vorverfolgung auch eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung be-
gründet; es besteht eine Regelvermutung (vgl. BVGE 2009/51 E. 4.2.5).
Die Situation im Zeitpunkt des Asylentscheides ist jedoch im Rahmen der
Prüfung nach der Aktualität der Verfolgungsfurcht ebenfalls wesentlich.
Veränderungen der objektiven Situation im Heimatstaat zwischen Ausreise
und Asylentscheid sind deshalb zugunsten und zulasten der das Asylge-
such stellenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2008/34 E. 7.1 und
2008/12 E. 5.2). Massgebend für den Asylentscheid ist demnach die Situ-
ation im gegenwärtigen Zeitpunkt.
8.3 Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG liegt
vor, wenn eine Person auch von Dritten nachvollziehbare Gründe (objekti-
ves Element) für ihre Furcht (subjektives Element) vorweist, mit gewisser
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft das Opfer von Verfolgung zu
werden (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2.5, je m.w.H.). Dabei
ist zu beachten, dass eine Person, die bereits einmal Verfolgungen ausge-
setzt war, objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht hat
als jemand, der erstmals in Kontakt mit staatlichen Sicherheitskräften
kommt (vgl. BVGE 2010/57 E. 2.5 m.w.H.).
8.4 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich in BVGE 2015/3 und BVGE
2020 VI/4 einlässlich mit der Frage auseinandergesetzt, welche asylrecht-
liche Relevanz der Entziehung von der Dienstpflicht in der staatlichen syri-
E-229/2019
Seite 19
schen Armee zukommt. Dabei wurde festgehalten, dass eine Wehrdienst-
verweigerung oder Desertion für sich allein die Flüchtlingseigenschaft nicht
zu begründen vermag. Nur wenn die betroffene Person deswegen eine Be-
handlung zu gewärtigen hat, die ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3
Abs. 2 AsylG gleichkommt, erfüllt sie die Flüchtlingseigenschaft. Eine asyl-
rechtlich relevante Verfolgung liegt insbesondere dann vor, wenn eine Per-
son aufgrund ihrer Dienstverweigerung als politischer Gegner qualifiziert
und als solcher unverhältnismässig schwer bestraft würde. Gemäss Ein-
schätzung des Bundesverwaltungsgerichts reicht eine Wehrdienstverwei-
gerung im syrischen Kontext für sich allein genommen nicht aus, um die
Flüchtlingseigenschaft zu erfüllen. Vielmehr ist erforderlich, dass bei einer
asylsuchenden Person weitere Umstände hinzutreten, die darauf schlies-
sen lassen, dass eine Person als Regimegegner angesehen wird und so-
mit aus politischen Gründen eine unverhältnismässige Strafe zu befürchten
hat.
8.5 Der Beschwerdeführer vermochte neben der glaubhaft gemachten
Weigerung, den Reservedienst anzutreten, mit seinen Vorbringen weitere
einzelfallspezifische Risikofaktoren aufzuzeigen. So hat er im Jahr 2012
etwa (...) Monate in Gefangenschaft der Shabiha-Miliz verbracht. Dabei
war er Willkür und massiver physischer und psychischer Gewalt ausge-
setzt. Nach der Haftentlassung (gegen Bezahlung) wurde er nicht weiter
belästigt und ihm drohten auch keine weiteren Behelligungen, solange er
sich – bis (...) 2014 (A14 F115) – vom Einzug in den Reservedienst frei-
kaufte (A14 F120). Danach hat er sich bis zu seiner Ausreise im Jahr 2015
soweit möglich versteckt gehalten (A14 F123).
Angesichts dieser Sachlage ist sowohl von einer asylrechtlich relevanten
erlittenen Verfolgung des Beschwerdeführers als auch von einer heute wei-
terhin bestehenden begründeten Furcht vor Verfolgung bei einer allfälligen
Rückkehr nach Syrien auszugehen.
8.6 Den weiteren Vorbringen ist die Asylrelevanz abzusprechen.
8.6.1 So ist die Entführung des Beschwerdeführers durch die Faruq-Briga-
den im Jahr 2013 mangels eines Motivs im Sinne von Art. 3 AsylG nicht
asylrelevant. Ob die diesbezüglichen Ausführungen, welche das SEM als
widersprüchlich und oberflächlich qualifiziert hat, unglaubhaft sind, kann
dabei offengelassen werden. Hingegen führten die Beschwerdeführenden
anlässlich ihrer Befragungen die gezielt gegen sie erfolgten Verfolgungs-
massnahmen nie auf ihre Religionszugehörigkeit zurück.
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8.6.2 Ferner ist keine Reflexverfolgung wegen der Familienangehörigen
auszumachen. Im (...) 2014 wurde dem Bruder des Beschwerdeführers –
Bb._ (N [...]), welcher im (...) 2012 aus Syrien ausgereist ist – Asyl
gewährt. Die Beschwerdeführenden gaben nie an, deshalb behelligt wor-
den zu sein. Die übrigen Familienmitglieder des Beschwerdeführers (Mut-
ter und Geschwister), die sich in der Schweiz befinden, erhielten kein Asyl.
Den Akten des Vaters ist nicht zu entnehmen, dass er ein politisches Profil
aufgewiesen hätte, das heute Anlass zu einer Reflexverfolgung von Fami-
lienmitgliedern durch die syrischen Behörden geben würde (N [...]). Er sei
aufgrund des Bürgerkrieges mit seiner Ehefrau und verschiedenen Söhnen
ungefähr im (...) 2013 in die Türkei ausgereist. In E._ habe er ein
Restaurant gehabt, jedoch sei dieses im 2012 von der FSA – wie das Haus
der Familie – zerstört worden (N [...], A28 F90; respektive im [...] 2013
[N [...], A13 S. 12]). Anschliessend hätten sie sich – auch die Söhne – in
die Region von J._ zurückgezogen, bis sie in die Türkei ausgereist
seien (N [...], A28 F104 und 120). Kurze Zeit nach der Anhörung im
Oktober 2016, an welcher er immer betonte, er wolle zurückkehren, wurde
er tot aufgefunden.
8.6.3 Die Beschwerdeführerin gab keine eigenen Asylgründe zu Protokoll.
Sie sei wegen der Verfolgung ihres Ehemannes ausgereist. Es ist den Ak-
ten ebenfalls nicht zu entnehmen, dass sie deswegen persönliche Nach-
teile erlitten hätte oder solche zu befürchten gehabt hätte.
8.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beschwerdeführer die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG erfüllt. Aus den Akten ergeben
sich zudem keine Anhaltspunkte für eine Asylunwürdigkeit im Sinne von
Art. 53 AsylG. Ihm ist demnach Asyl zu gewähren (Art. 2 Abs. 1 AsylG).
8.8 Gemäss Art. 51 Abs. 1 AsylG werden Ehegatten von Flüchtlingen und
deren minderjährige Kinder als Flüchtlinge anerkannt und erhalten Asyl,
sofern keine besonderen Umstände dagegensprechen. Massgeblicher
Zeitpunkt für die Beurteilung ist derjenige des Asyl- beziehungsweise
Beschwerdeentscheides. Vorliegend sind keine besonderen Umstände zu
erblicken.
8.9 Der Beschwerdeführerin und den gemeinsamen Kindern ist gestützt
auf Art. 51 AsylG die Flüchtlingseigenschaft zuzuerkennen und Asyl zu ge-
währen.
9.
Die Beschwerde ist demnach gutzuheissen, die Dispositivziffern 1 bis 3 der
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Verfügung vom 14. Dezember 2018 sind aufzuheben, die Beschwerdefüh-
renden im Sinne der Erwägungen als Flüchtlinge anzuerkennen und das
SEM anzuweisen, ihnen Asyl zu gewähren.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG).
10.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG kann die Beschwerdeinstanz der ganz
oder teilweise obsiegenden Partei von Amtes wegen oder auf Begehren
eine Entschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und verhältnis-
mässig hohen Kosten zusprechen (vgl. für die Grundsätze der Bemessung
der Parteientschädigung ausserdem Art. 7 ff. des Reglements über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom
21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Es wurde keine Kostennote ein-
gereicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu be-
stimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu
ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist Beschwerdeführen-
den zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt
Fr. 3'500.– (inkl. Auslagen) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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