Decision ID: eccc76e3-826c-5df2-adf6-b25bfd5deb95
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._, Jahrgang 1973 (nachfolgend: Versicherte), besuchte Schulen in B._. Eine
Berufsausbildung absolvierte sie nicht. Die Versicherte ist verheiratet und hat vier
Kinder (Jahrgänge 19_, 19_, 20_ und 20_). Zuletzt arbeitete sie als
Teilzeitangestellte in einem 20.93 %-Pensum (9 Stunden pro Woche) in einem
Restaurant der C._ (IV-act. 1, 6-1, 8-1ff., 47). Am 19. Oktober 2015 kündigte die
Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis auf Ende Januar 2016 wegen eines nicht bewilligten
Ferienbezugs (IV-act. 8-7ff.). Am 2. November 2015 trat eine krankheitsbedingte
Arbeitsunfähigkeit ein (IV-act. 25-4).
A.a.
Am 15. Januar 2016 (Eingang IV-Stelle: 22. Januar 2016) meldete sich die
Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Mit Schreiben vom 9. März
2016 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur.
Eugen Koller, St. Gallen, mit, dass keine beruflichen Massnahmen angezeigt seien. Die
Versicherte sei vorwiegend als Hausfrau tätig (IV-act. 14).
A.b.
Am 11. Februar 2016 wurde die Versicherte im Auftrag des
Krankentaggeldversicherers durch Dr. med. D._, Fachärztin für
psychotherapeutische Medizin und Allgemeinmedizin, untersucht. In der medizinischen
A.c.
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Beurteilung vom 12. Februar 2016 diagnostizierte die Fachärztin eine abklingende
Anpassungsstörung (ICD-10: F32.2) und im Rahmen der Anpassungsstörung noch eine
ängstlich getönte depressive Beschwerdesymptomatik, welche die Arbeits- und
Leistungsfähigkeit der Versicherten einschränke. Dr. D._ erachtete die Versicherte
aus psychiatrischer Sicht in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin Restaurant/
Küche für das zuletzt ausgeübte Pensum von 20 % als wieder arbeitsfähig. Die
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit bezogen auf den allgemeinen freien
Arbeitsmarkt schätzte sie auf 50 % (vgl. Fremdakten Krankentaggeldversicherer [act. G
4.2], 2-4ff.).
Mit Vorbescheid vom 24. März 2016 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter mit,
dass vorgesehen sei, das Gesuch um eine Invalidenrente abzuweisen, denn die
Versicherte sei in der angestammten Tätigkeit als Mitarbeiterin Restaurant/Küche im
ihrem 20%igen Arbeitspensum zu 100 % arbeitsfähig und in der Tätigkeit als Hausfrau
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht eingeschränkt (Invaliditätsgrad 0 %; IV-act.
17). Am 18. April 2016 erhob der Rechtsvertreter der Versicherten Einwand gegen den
Vorbescheid vom 24. März 2016 (IV-act. 20). Geltend gemacht wurde, dass der
Invaliditätsgrad mit einem Einkommensvergleich zu bestimmen sei, denn die
Versicherte würde im Gesundheitsfall, da ihre Kinder aufgrund des Alters keine
besondere Betreuung mehr benötigten, wieder einer Vollerwerbstätigkeit nachgehen.
Bei der Arbeitsfähigkeit sei auf den Arztbericht von med. prakt. E._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 2. März 2016 (IV-act. 20-4ff.) abzustellen.
Ansonsten bedürfe es einer umfassenden medizinischen Abklärung oder zumindest
eines polydisziplinären Gutachtens.
A.d.
Im Arztbericht vom 20. Juni 2016 diagnostizierte med. prakt. E._ eine
schwergradige depressive Episode (ICD-10: F32.2) und eventuell zusätzlich eine nicht
näher bezeichnete organische oder symptomatische psychische Störung, mögliche
neuropsychologische Defizite, die Folge einer Meningitis oder eventuell auch einer
Meningoencephalitis im Jahr 2010 seien (vgl. dazu die Arztberichte des Kantonsspitals
St. Gallen [nachfolgend: KSSG] vom 14. September 2011 [IV-act. 36] und 4. September
2012 [IV-act. 35-2ff.]), und die nicht durch die aktuell schwergradige depressive
Episode erklärbar seien (ICD-10: F09). Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Küchenhilfe sowie für geistig und psychisch ähnlich anspruchsvolle
A.e.
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Arbeiten schätzte er auf 20 % ab dem 22. Februar bis zumindest 30. Juni 2016 (IV-act.
31).
Im Rahmen einer zweiten Anhörung zum Vorbescheid teilte die IV-Stelle dem
Rechtsvertreter am 20. Oktober 2016 mit, es sei in Berücksichtigung der zusätzlich
beigezogenen Arbeitgeberunterlagen davon auszugehen, dass die Versicherte ohne
gesundheitliche Beeinträchtigungen einer Erwerbstätigkeit im Umfang eines 50 %-
Pensums nachgehen würde. Die Arbeitsfähigkeit betrage sowohl angestammt als auch
adaptiert mindestens 50 % und im Haushalt liege keine relevante Einschränkung vor.
Der Invaliditätsgrad betrage 0 %. Der Versicherten würden daher keine
Rentenleistungen zustehen (IV-act. 48). Im Einwand vom 27. Oktober 2016 machte der
Rechtsvertreter erneut geltend, dass die Versicherte einer Vollzeitbeschäftigung
nachgehen würde, denn das jüngste Kind gehe mittlerweile in die Oberstufe und
bedürfe somit keiner besonderen Betreuung mehr (IV-act. 49).
A.f.
Im Arztbericht vom 6. Februar 2017 nahm med. prakt. E._ gegenüber der IV-
Stelle zu Fragen des RAD Stellung. Er führte aus, dass die Versicherte weiterhin an
einer schwergradigen depressiven Episode leide und die depressiven Symptome
möglicherweise auch eine Folge der Meningitis oder Meningoencephalitis im Jahr 2010
sein könnten. Deshalb habe er die Versicherte zur Abklärung beim Neurologen Dr. med.
F._, angemeldet (IV-act. 53, vgl. IV-act. 54).
A.g.
In der konsiliarischen Beurteilung vom 5. Mai 2017 führte Dr. F._ gestützt auf die
persönlichen Untersuchungen vom 7. April und 2. Mai 2017 und das MRI des
Schädels/der Hypophyse vom 11. April 2017 sowie das MRI des Neurocranium und die
MR-Venographie intrakraniell vom 30. August 2012 aus, dass die seit zirka 2013
vorhandenen, praktisch täglichen Kopfschmerzen semiologisch am ehesten auf einen
chronischen Kopfschmerz vom Spannungstyp zurückzuführen seien.
Differenzialdiagnostisch sei auch an einen postinfektiösen Kopfschmerz nach Verdacht
auf Meningoencephalitis 2011 respektive virale Begleitmeningitis 2012 zu denken.
Auch sei ein Analgetika-induzierter Kopfschmerz durch die regelmässige Einnahme von
Tramadol Plus möglich. Anamnestisch und fremdanamnestisch werde über ein
häufiges nächtliches Schnarchen berichtet, so dass auch ein Schlafapnoe-bedingter
Kopfschmerz nicht auszuschliessen sei. Im erneut durchgeführten MRI des Schädels
A.h.
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habe sich ein Empty-Sella Zeichen mit einem schmalen Parenchymsaum der
Hypophyse ohne Hinweise auf ein Hypophysenadenom gezeigt. Es bestünden
anamnestisch und klinisch jedoch keine Hinweise auf eine intrakranielle Hypertension
(keine Sehstörung, keine Gesichtsfeldeinschränkung und kein Papillenödem).
Strukturelle Läsionen, die zu einem sekundären Kopfschmerz führten, hätten
kernspintomographisch nicht nachgewiesen werden können. Ein kausaler
Zusammenhang zwischen der stationären zystischen Veränderung in der Capsula
externa links mit den Kopfschmerzen sei sehr unwahrscheinlich. Eine funktionelle
Komponente sei bei den bekannten depressiven Episoden und psychosozialen
Belastungssituationen nicht auszuschliessen (IV-act. 57-3ff.). Die zwischen 19. Mai und
4. Juli 2017 durchgeführten Untersuchungen im Zentrum für Schlafmedizin des KSSG
ergaben keine Hinweise auf eine signifikante respektive behandlungsbedürftige Schlaf-
Apnoe. Die Klinikärzte gingen davon aus, dass eine grosse Komponente der
Schlafstörung im Rahmen der rezidivierenden depressiven Episoden zu erklären sei
(vgl. Bericht des KSSG vom 4. Juli 2017, IV-act. 67-2ff.).
Im Verlaufsbericht vom 9. August 2017 diagnostizierte med. prakt. E._ wiederum
eine schwergradige depressive Episode (ICD-10: F32.2). Er ging von einer
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Küchenhilfe wie auch
in allen anderen Tätigkeiten, die geistig und psychisch ähnlich anspruchsvoll seien, von
80 % aus. Für geistig und psychisch anspruchsvollere Arbeiten sei die Arbeitsfähigkeit
noch stärker eingeschränkt (IV-act. 74-2ff.). Am 14. August 2017 fand eine
Nachkontrolle bei Dr. F._ statt. Im Arztbericht vom 16. August 2017 berichtete der
Neurologe über seit der letzten Untersuchung vom Mai 2017 gleichgebliebene
Kopfschmerzen. Es sei von chronischen Kopfschmerzen vom Spannungstyp
auszugehen. Diese seien mitbedingt durch die psychosoziale Belastungssituation und
allenfalls durch den Zustand nach Meningoencephalitis 2011 / Begleitmeningitis 2012
sowie das polysomnographisch bestätigte leichtgradige obstruktive Schlafapnoe-
Syndrom. Zu den Fragen der IV-Stelle führte er aus, dass die bisherige Tätigkeit in
einem zeitlichen Rahmen von ungefähr 70 % noch zumutbar sei. Dabei bestehe eine
verminderte Belastbarkeit (IV-act. 70). Im Bericht vom 9. November 2017 über die
Nachkontrolle vom 7. November 2017 diagnostizierte Dr. F._ zusätzlich linksseitige
Körperschmerzen und führte dazu aus, dass die seit ungefähr sechs bis sieben
A.i.
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Monaten vermehrten und belastungsabhängigen Schmerzen des Rückens, der
Schulter, des Ellbogens, des Knies und des Fusses links neurologisch nicht sicher
zugeordnet werden könnten. Im Bereich der Gelenke seien deutliche Druckdolenzen
vorhanden. Hinweise auf eine relevante zervikale oder auch lumbale Radikulopathie
oder auch Neuropathie bestünden klinisch nicht (IV-act. 77).
In der Stellungnahme vom 15. Dezember 2017 empfahl der RAD eine
polydisziplinäre Begutachtung (Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie,
Neuropsychologie und Psychiatrie; IV-act. 81). Den Begutachtungsauftrag erhielt die
estimed AG, Zug (IV-act. 81-3).
A.j.
Das polydisziplinäre Gutachten der estimed AG vom 20. Juni 2018 (IV-act. 93)
beruht auf der Aktenlage sowie der neurologischen Untersuchung vom 6. März 2018
durch Prof. Dr. med. G._, Facharzt FMH für Neurologie, der psychiatrischen
Untersuchung vom 23. März 2018 durch Dr. med. H._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, der rheumatologischen Untersuchung vom 12. April 2018 durch Dr.
med. I._, Fachärztin FMH für Rheumatologie, der allgemeinen internistischen
Untersuchung vom 16. April 2018 durch Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin FMH, und der neuropsychologischen Untersuchung am 8. Mai 2018 durch lic.
phil. K._, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP und Psychotherapie FSP, (vgl.
IV-act. 93-5). Die Fachpersonen diagnostizierten als Pathologien mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine leichte neuropsychologische Funktionsstörung mit verlangsamter
Lern- und Frischgedächtnisleistung, Umstellschwierigkeiten und Störungen im
Aufmerksamkeitsbereich sowie eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer
depressiven Entwicklung (ICD-10: F32.11) und eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41; vgl. IV-act. 93-10). Die
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und in einer Verweistätigkeit schätzten
sie auf jeweils 50 % (neuropsychologisch bedingte 30%ige AUF, psychiatrisch
bedingte 50%ige AUF; IV-act. 93-13). Psychisch bedingt kämen nur den körperlichen
Möglichkeiten der Versicherten entsprechende Tätigkeiten in Frage, die ruhig,
stressarm, nicht monoton oder hektisch seien und bei denen das Arbeitspensum
halbtags (4 Stunden täglich) geleistet werden könne (vgl. IV-act. 93-135f.).
Rheumatologisch bedingt seien Arbeiten in kniender Haltung nur bis zu drei Stunden
pro Tag bei einem 100 %-Pensum zumutbar (vgl. IV-act. 93-50).
A.k.
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In der Stellungnahme vom 6. Juli 2018 führte RAD-Arzt med. prakt. L._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, aus, dass die neuropsychologische Gutachterin
nachvollziehbar eine 30%ige Leistungsminderung im Rahmen einer leichten
neuropsychologischen Funktionsstörung erklärt habe. Die vom psychiatrischen
Gutachter gestellten Diagnosen seien aus versicherungspsychiatrischer Sicht
nachvollziehbar, auch wenn erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren vorlägen.
Dies vermöge jedoch nichts an der Plausibilität des Gutachtens und der Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit von 50 % zu ändern, da der psychiatrische Gutachter diese
ausführlich dargestellt und diskutiert habe. Die Kriterien für eine mittelgradige
depressive Episode gemäss ICD-10 seien ebenso erfüllt wie die Kriterien für die
Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen
Faktoren. Die geschilderten Funktionseinschränkungen im Rahmen der beiden
psychischen Störungen, die sich zudem wechselseitig verstärkten, seien erheblich und
aus versicherungsmedizinischer Sicht nachvollziehbar. Die 50%ige Arbeitsfähigkeit
angestammt und adaptiert sowie die Adaptionskriterien für eine angepasste Tätigkeit
könnten übernommen werden (IV-act. 95).
A.l.
Mit Vorbescheid vom 24. Juli 2018 teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der
Versicherten mit, dass vorgesehen sei, eine Viertelsrente zuzusprechen. Bei der
Rentenberechnung sei von einer Vollerwerbstätigkeit im Gesundheitsfall ausgegangen
worden. Nach den Angaben der letzten Arbeitgeberin würde die Versicherte ohne
gesundheitliche Einschränkungen in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bei einem 100 %-
Pensum ein Jahreseinkommen von Fr. 51'242.- erzielen. In einer leidensangepassten
Tätigkeit könnte sie in einen 50 %-Pensum gemäss der Lohnstrukturerhebung 2014
des Bundesamtes für Statistik und Berücksichtigung der Nominallohnerhöhung bis
2016 sowie nach Anpassung der Vergleichseinkommen wegen Minderverdienstes ein
mutmassliches Einkommen von Fr. 27'193.- erzielen. Die Erwerbseinbusse betrage
Fr. 24'049.- und der IV-Grad 47 % (IV-act. 98; vgl. IV-act. 96).
A.m.
Im Einwand vom 24. September 2018 machte der Rechtsvertreter insbesondere
geltend, dass die Versicherte nicht wie im Vorbescheid angenommen zu 53 %, sondern
gemäss dem Gutachten nur zu 50 % arbeitsfähig sei. Bei der Bestimmung der
Vergleichseinkommen (Validen- und Invalidenlohn) sei entweder auf die Tabellenlöhne
oder auf den tatsächlich erzielten Verdienst abzustellen und ein Leidensabzug von 25
A.n.
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B.
% zu gewähren. Es bestehe Anspruch auf die Ausrichtung einer ganzen Rente (IV-act.
103).
Mit Verfügung vom 8. Februar 2019 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Viertelsrente ab dem 1. März 2017 zu. Zum Einwand vom 24. September 2018 wurde
ausgeführt, dass gemäss der Stellungnahme des RAD keine neuen medizinischen
Erkenntnisse eingebracht worden seien und sich die Gutachter ausführlich mit den
Berichten und Diagnosen des behandelnden Psychiaters med. prakt. E._
auseinandergesetzt hätten. Eine Parallelisierung des Validen- und
Invalideneinkommens sei nicht angezeigt, da sich die Versicherte mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit freiwillig mit dem tieferen Einkommen begnügt habe. Ein
Tabellenlohnabzug sei nicht gerechtfertigt, da von den Tabellenlöhnen der niedrigsten
Anforderungsstufe ausgegangen worden sei und die Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit bereits gutachterlich berücksichtigt worden seien (IV-act. 107f.).
A.o.
Gegen die Verfügung vom 8. Februar 2019 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 11. März 2019. Die Beschwerdeführerin beantragt darin die
Aufhebung der Verfügung insoweit, als ihr spätestens ab 1. März 2017 eine ganze
Rente zuzusprechen sei. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Beurteilung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Gerügt
wird insbesondere, dass bei Annahme, die Beschwerdeführerin habe sich freiwillig mit
einem tieferen Lohn begnügt, auf eine Parallelisierung der Vergleichseinkommen
verzichtet wurde (wobei zusätzlich die bundesgerichtliche Praxis der unvollständigen
Parallelisierung [Differenz 5 %] als verfassungswidrig kritisiert wird). Im Weiteren wird
geltend gemacht, dass die Restarbeitsfähigkeit aufgrund der Einschränkungen
wirtschaftlich nicht mehr verwertbar sei. Wenn trotzdem von der Verwertbarkeit
ausgegangen werde, so sei ein Leidensabzug in vollem Umfang zu gewähren (act. G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 24. April 2019
die Abweisung der Beschwerde. Bestritten wird, dass es auf dem vorausgesetzten
ausgeglichenen Arbeitsmarkt keine geeigneten Arbeitsstellen mehr gebe, denn der
Arbeitsmarkt umfasse auch Nischenarbeitsplätze, an denen Behinderte mit sozialem
Entgegenkommen des Arbeitgebers rechnen könnten. Bei der Parallelisierung von
B.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
höhere Rente der Invalidenversicherung hat als die in der Verfügung vom 8. Februar
2019 zugesprochene Viertelsrente. Die Beschwerdeführerin beantragt die Zusprache
einer ganzen Rente (act. G 1, G 8). Die Beschwerdegegnerin verneint einen höheren
Rentenanspruch (act. G 4).
Validen- und Invalideneinkommen sei gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nur der 5 % übersteigende Differenzwert zu berücksichtigen, denn es
werde nur der Ausgleich einer deutlichen Abweichung des Valideneinkommens zum
Einkommen gemäss den Tabellenlöhnen bezweckt. Insbesondere sei es nicht Aufgabe
der Invalidenversicherung, IV-fremde Gesichtspunkte, wie z.B. ungünstige
konjunkturelle Verhältnisse, regionale Lohnunterschiede oder in der Persönlichkeit einer
versicherten Person liegende Gründe (z.B. Bequemlichkeit, andere Schwerpunkte in
der Lebensgestaltung, Hobbys etc.), für ein nicht optimales Valideneinkommen
(vollständig) auszugleichen. Ein Leidensabzug sei nicht vorzunehmen, denn die
gesundheitlichen Einschränkungen seien mit der attestierten Arbeitsfähigkeit von 50 %
ausreichend berücksichtigt worden (act. G 4).
In der Replik vom 17. Juni 2019 lässt die Beschwerdeführerin an den Anträgen
gemäss Beschwerde vom 11. März 2019 vollumfänglich festhalten. Erklärt wird
insbesondere, dass es diskriminierend für Geringverdiener sei, wenn bei der
Parallelisierung der Einkommen eine Differenz von 5 % nicht berücksichtigt werde. Für
eine solche Toleranz, welche in keinem Zusammenhang mit der
Gesundheitsbeeinträchtigung stehe, gebe es weder eine nachvollziehbare Begründung
noch eine Rechtsgrundlage (act. G 8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete innert der angesetzten Frist auf die
Einreichung einer Duplik (act. G 9f.).
B.d.
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2.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Invalidität kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie
aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen).
2.3.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a). Die
Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise umfassend und pflichtgemäss zu
würdigen. Für das gesamte Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten
2.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/18
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3.
Vorweg zu prüfen ist, ob der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ausreichend geklärt sind.
(vgl. Art. 61 lit. c ATSG). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V
231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Über den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit gibt das polydisziplinäre
Gutachten der estimed AG vom 20. Juni 2018 Auskunft (vgl. IV-act. 93).
3.1.
Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden leichte
neuropsychologische Funktionsstörungen mit verlangsamter Lern- und
Frischgedächtnisleistung, Umstellungsschwierigkeiten und Störungen im
Aufmerksamkeitsbereich sowie eine mittelgradige depressive Episode im Rahmen einer
depressiven Entwicklung (ICD-10: F32.11) und eine chronische Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) angegeben. Festzustellen ist,
dass das Gutachten auf allseitigen fachärztlichen Untersuchungen beruht und in
Kenntnis der Vorakten erstellt wurde. Die fachärztlichen Beurteilungen der
medizinischen Zusammenhänge und die gestellten Diagnosen wurden von den
Gutachtern ausführlich und nachvollziehbar begründet und erscheinen schlüssig. Es
gibt daher keine Veranlassung, nicht auf die gutachterlichen Diagnosen abzustellen.
3.1.1.
Die Gutachter gingen von einer Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten
Tätigkeit als auch in einer Verweistätigkeit von 50 % aus, wobei das Arbeitspensum
halbtags (4 Stunden täglich) zu leisten sei. In Frage kämen Tätigkeiten, die ruhig,
stressarm, nicht monoton oder hektisch seien (IV-act. 93-135f.). Arbeiten in kniender
Haltung seien nur bis zu drei Stunden pro Tag bei einem 100 %-Pensum zumutbar (vgl.
IV-act. 93-50). In der Beschwerde vom 11. März 2019 (act. G 1) wurde von der
Beschwerdeführerin – im Gegensatz zum Einwand vom 24. September 2018 (IV-act.
103) – nicht mehr geltend gemacht, dass im Gutachten keine Auseinandersetzung mit
den Arbeitsfähigkeitseinschätzungen von med. prakt. E._ stattgefunden habe.
Festzustellen ist, dass die Gutachterinnen und Gutachter in den Teilgutachten und in
der Konsensbeurteilung nachvollziehbar und überzeugend aufgezeigt haben, dass die
3.1.2.
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4.
Im Weiteren ist der Grad der Invalidität zu bestimmen.
Arbeitsfähigkeit wegen der neuropsychologischen und psychischen Leiden erheblich
eingeschränkt ist. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von 50 % erscheint bei der
vorliegenden Aktenlage zutreffend (vgl. IV-act. 93-13ff.). Der RAD ging in der
Stellungnahme vom 6. Juli 2018 ebenfalls von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab
2. März 2016 aus (vgl. IV-act. 95-3f.). Seitens der Beschwerdeführerin wurden keine
Arztberichte eingereicht, welche sich mit den Beurteilungen und Einschätzungen im
Gutachten auseinandersetzen und ernsthafte Zweifel daran zu begründen vermögen.
Es gibt daher keine Veranlassung, nicht auf die gutachterliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung abzustellen.
Nachfolgend ist deshalb von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit unter den
gutachterlich genannten Rahmenbedingungen zumindest ab Beginn des
Rentenanspruchs (1. November 2016, vgl. dazu nachfolgende Erwägung 4.9)
auszugehen.
3.2.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass ihre Restarbeitsfähigkeit nicht mehr
verwertbar sei, da sie auf dem Arbeitsmarkt gegenüber gesunden Personen massiv
benachteiligt sei. Dem kann nicht zugestimmt werden, denn es ist davon auszugehen,
dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt genügend geeignete Teilzeitstellen bietet, bei
denen sie gegenüber Mitbewerberinnen nicht erheblich benachteiligt ist (vgl. dazu die
nachstehenden Erwägungen).
4.1.
Vorliegend ist nicht mehr bestritten, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall als Vollerwerbstätige zu qualifizieren ist, war doch ihr jüngstes Kind
zum Verfügungszeitpunkt fast _ Jahre alt und bedurfte daher keiner umfassenden
Betreuung mehr. In Anbetracht der bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse der
Familie ist wie von der Beschwerdeführerin geltend gemacht davon auszugehen, dass
sie im Gesundheitsfall einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit nachgehen würde (vgl. IV-
act. 24, 49, 107-1).
4.2.
Es ist daher ein reiner Einkommensvergleich durchzuführen (Art. 16 ATSG i.V.m.
Art. 28a Abs. 1 IVG). Dafür wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
4.3.
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(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
Bei der Bemessung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Zeitpunkt des
Rentenbeginns tatsächlich verdienen würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(BGE 125 V 146 E. 5c/bb). Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu
erfolgen. Dabei wird grundsätzlich am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und
der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft (BGE 135 V 58
E. 3.1).
4.4.
Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf erlernt und ist vor dem Eintritt des
Gesundheitsschadens als ungelernte Angestellte im Gastronomiebereich (Restaurant/
Küche) tätig gewesen. Gemäss dem Fragebogen für Arbeitgebende vom 3. Februar
2016 hätte die Beschwerdeführerin im Jahr 2016 bei einem 100 %-Pensum einen
Jahresverdienst von Fr. 51'242.10 erzielt (IV-act. 8). Demgegenüber hat ein
durchschnittlicher Hilfsarbeiterinnenlohn im Jahr 2016 Fr. 54'581.- betragen
(statistischer Zentralwert des Einkommens für eine Hilfsarbeiterin [Frauen,
Kompetenzniveau 1] gemäss der Lohnstrukturerhebung [LSE] des Bundesamts für
Statistik, vgl. Anhang 2 der IV-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019).
Der Umstand, dass das Einkommen der Beschwerdeführerin tiefer ist als das
durchschnittliche Hilfsarbeiterinneneinkommen über alle Branchen hinweg, muss auf
die Zwänge des invalidenversicherungsrechtlich nicht massgebenden tatsächlichen
Arbeitsmarkts zurückzuführen sein, denn die Beschwerdeführerin hätte überwiegend
wahrscheinlich eine besser bezahlte Stelle in irgendeiner Branche, bei der sie einen
durchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn hätte erzielen können, angenommen, wenn
sich ihr die Gelegenheit dazu geboten hätte. Insbesondere in Anbetracht ihrer
familiären Verpflichtungen (sie ist Mutter von vier Kindern) ist nicht davon auszugehen,
dass sie sich freiwillig mit einem im Vergleich zum statistischen Hilfsarbeiterinnenlohn
niedrigeren Einkommen begnügt hätte. Sie war jedoch auf einen Arbeitsplatz in der
Nähe ihres Wohnortes angewiesen, um die Erwerbstätigkeit mit den familiären
Verpflichtungen in Einklang zu bringen (vgl. dazu bspw. Entscheide des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 29. April 2016, IV 2013/577, E. 2.1, vom 2.
Dezember 2020, IV 2019/39, E. 4.3, und vom 31. März 2021, IV 2020/35, E. 5.4). Hinzu
kommt, dass Teilzeitarbeitsstellen mit einem sehr geringen Arbeitspensum (zuletzt
arbeitete die Beschwerdeführerin in einem 20 %-Pensum) eher rar sind (vgl. die vom
Bundesamt für Statistik publizierte Tabelle "Beschäftigungsgrad nach Geschlecht,
4.4.1.
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Nationalität, Altersgruppen, Familientyp", abrufbar unter: https://www.bfs.admin.ch/
bfsstatic/dam/assets/16724601/master).
Die Hochrechnung des vorliegend in einem 20 %-Pensum erzielten Verdienstes
auf ein 100 %-Pensum (vgl. IV-act. 8-4) vermag nicht zu überzeugen, denn gemäss
den vom Bundesamt für Statistik (BfS) durchgeführten Analysen werden Teilzeit
arbeitende Personen mit einem Beschäftigungsgrad von weniger als 75 %
systematisch schlechter bezahlt als jene mit Vollzeitpensum. Je höher die hierarchische
Funktion und je tiefer das Arbeitspensum ist, desto grösser wird im Allgemeinen das
Lohngefälle. Dagegen sind die Lohnunterschiede zwischen Vollzeit und Teilzeit
arbeitenden Personen bei den Arbeitnehmenden mit einem Beschäftigungsgrad von
mindestens 75 % geringer (vgl. Medienmitteilung des BfS "Schweizerische
Lohnstrukturerhebung 2016, 2016 betrug der Medianlohn 6502 Franken" vom 14. Mai
2018, abrufbar unter: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/kataloge-
datenbanken/medienmitteilungen.assetdetail.5226936.html, abgerufen am 23. März
2021).
4.4.2.
In den Akten gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin vor
dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung im November 2015 – mit Ausnahme des
Jahres 2011, als sie an Meningitis erkrankte (vgl. IV-act. 93-8) – nur
unterdurchschnittlich leistungsfähig gewesen wäre. So erfolgten die drei Reduktionen
des Arbeitspensums in den Jahren 2004, 2005 und 2010 nicht gesundheitsbedingt,
sondern aus wirtschaftlichen und persönlichen/familiären Gründen (vgl. IV-act. 47:
Arbeitspensum ab 1. Januar 2004 von 60.98 %, ab 1. Mai 2005 von 53.66 %, ab 1. Juli
2008 von 51.16 % und ab 1. Februar 2010 von 20.93 %).
4.4.3.
Folglich kann beim Valideneinkommen nicht auf den von der Arbeitgeberin rein
proportional auf ein 100 %-Pensum hochgerechneten Verdienst abgestellt werden
(Lohnangabe der letzten Arbeitgeberin vom 3. Februar 2016, IV-act. 8-4), sondern es ist
von einer Erwerbsfähigkeit auszugehen, die jener einer durchschnittlichen
Hilfsarbeiterin (LSE 2016, Frauen, Kompetenzniveau 1) entspricht. Das
Valideneinkommen beträgt somit Fr. 54'581.- (Basis 2016).
4.4.4.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der
beruflicherwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret
steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ
– besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
4.5.
https://www.bfs.admin.ch/bfsstatic/dam/assets/ https://www.bfs.admin.ch/bfsstatic/dam/assets/ https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/
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Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf
Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der versicherten Person angesichts ihrer
Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung zugänglich wären.
Rechtsprechungsgemäss werden hierzu in der Regel die Tabellenlöhne der LSE
herangezogen (BGE 135 V 297 E. 5.2; 129 V 475 E. 4.2.1). In Bezug auf die Bemessung
des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist vorliegend massgebend,
dass die Beschwerdeführerin nach der Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 31. März
2016 keiner Erwerbstätigkeit mehr nachging (vgl. IV-act. 21) und ihr aufgrund der
fehlenden Berufsausbildung einzig eine Invalidenkarriere als Hilfsarbeiterin offensteht.
Deshalb ist bei der Bestimmung des Invalideneinkommens ebenfalls auf den
statistischen Zentralwert des Einkommens einer Hilfsarbeiterin im Jahr 2016 von
Fr. 54'581.- abzustellen. Dieser ist entsprechend dem Arbeitsunfähigkeitsgrad um
50 % zu reduzieren (vgl. Erwägungen 3.1.2 und 3.2).
Da sowohl das Valideneinkommen als auch das Invalideneinkommen gestützt auf
die Tabellenlöhne ermittelt wurden, kann ein sogenannter Prozentvergleich
vorgenommen werden. Damit erübrigt sich die Auseinandersetzung mit dem Einwand
der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Zulässigkeit des Nichtausgleichs bzw.
Nichtberücksichtigung einer 5%igen Differenz zwischen den Vergleichseinkommen
(vgl. act. G 1-4f., G 8-3).
4.6.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob ein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren ist.
Während die Beschwerdeführerin Anspruch auf den in der Praxis maximal zulässigen
Abzug von 25 % erhebt, lehnt die Beschwerdegegnerin einen Abzug gänzlich ab (act.
G 1, G 4, G 8).
4.7.
Der Beschwerdeführerin sind gemäss dem Gutachten der estimed AG nur noch
Tätigkeiten zumutbar, die ruhig, stressarm, nicht monoton oder hektisch sind und
welche im Rahmen der körperlichen Leistungsfähigkeit erbracht werden können (IV-
act. 93-135f.). Die Flexibilität ist in zeitlicher Hinsicht eingeschränkt, denn das
Arbeitspensum ist halbtags zu erbringen (4 Stunden täglich an fünf Tagen pro Woche).
Obwohl die genannten Einschränkungen bei einem Teil der Teilzeitstellen für ungelernte
Hilfsarbeiterinnen negative Auswirkungen zeitigen dürften (bspw. in Folge geringerer
Produktivität, fehlender zeitlicher Flexibilität), kann beim vorliegenden – nicht
übermässig einschränkenden – Stellenanforderungsprofil davon ausgegangen werden,
4.7.1.
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dass es auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Stellen gibt, bei denen die
gesundheitlichen Einschränkungen keine oder höchstens eine geringe Relevanz haben.
Es kann daher nicht grundsätzlich von einer unterdurchschnittlichen Entlöhnung bei
den in Frage kommenden Tätigkeiten ausgegangen werden.
Die Beschwerdeführerin begründet ihren Anspruch auf Gewährung eines
Tabellenlohnabzugs ausserdem mit ihrem fortgeschrittenen Alter, der fehlenden
Ausbildung und den mangelnden Sprachkenntnissen (act. G 1-5ff., G 8-3f.). Zum
Argument des Alters ist festzustellen, dass sie zum Verfügungszeitpunkt erst _ Jahre
alt war und der allgemeine und ausgeglichene Arbeitsmarkt definitionsgemäss Stellen
für Hilfsarbeiter/innen jeden Alters bietet. Zum Argument der fehlenden Ausbildung ist
anzumerken, dass diesem Umstand Rechnung getragen wurde, indem auf die
Tabellenlöhne für Hilfsarbeiterinnen (LSE, Kompetenzniveau 1, Frauen) abgestellt
wurde. Zu den geltend gemachten mangelnden Deutschkenntnissen ist festzustellen,
dass dies ein Faktor ist, der zwar auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt ein Erschwernis
sein kann, um eine Arbeitsstelle zu finden. Wie sich aus den Akten ergibt, kann sich die
Beschwerdeführerin jedoch ziemlich gut auf Deutsch verständigen (vgl. IV-act.
93-94/102/112). Es gibt daher keine Veranlassung davon auszugehen, dass die
Deutschkenntnisse für Hilfstätigkeiten durchwegs nicht ausreichen würden bzw. zu
einer tieferen Entlöhnung führen würden.
4.7.2.
Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von 50 % resultiert ohne Gewährung eines
Tabellenlohnabzugs ein Invaliditätsgrad von 50 %, der Anspruch auf eine halbe Rente
begründet. Selbst bei Gewährung eines Tabellenlohnabzugs von 15 % ergäbe sich
lediglich ein Invaliditätsgrad von 58 % (50 % + [50 % x 0.15]), sodass die
zuzusprechende Rente unverändert bliebe. Zwar erschiene die gänzliche Verweigerung
eines Abzugs nicht sachgerecht, ist doch wegen der psychischen Leiden in
Kombination mit den zuvor genannten Aspekten mit gewissen Nachteilen bei der
Entlöhnung auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen. Ein 15% übersteigender Abzug erscheint
hingegen jedenfalls zu hoch, sodass die genaue Bemessung mangels Relevanz
unterbleiben kann.
4.7.3.
Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen beläuft sich der Invaliditätsgrad
jedenfalls auf über 50%, übersteigt aber 58% nicht. Es hat daher bei der halben
Invalidenrente sein Bewenden.
4.8.
Abschliessend bleibt der Rentenbeginn zu prüfen. Hausarzt Dr. M._ attestierte
der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die Zeit vom 2. November
2015 bis 17. Januar 2016 (IV-act. 41-2). Anschliessend nahm sie ihre Arbeit wieder auf
4.9.
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5.
(vgl. Fremdakten Krankentaggeldversicherer, 2-2/4). Ab dem 22. Februar 2016
bescheinigte Psychiater med. prakt. E._ eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 11,
31-3, 74-5). Im Gutachten vom 20. Juni 2018 wurde die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit wie auch einer Verweistätigkeit auf 50 % geschätzt. Eine
durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit (AUF) von mindestens 40 % in der angestammten
Tätigkeit ist vorliegend ab dem 2. November 2015 hinreichend ausgewiesen (100%ige
AUF vom 02.11.2015 bis 17.01.2016 [77 Tage], 0%ige AUF vom 18.01.2016 bis
21.02.2016 [35 Tage], 80%ige AUF vom 22.02.2016 bis 01.11.2016 [254 Tage],
durchschnittliche AUF von 76.6 % bzw. von 55.7 %, wenn lediglich von einer 50%igen
AUF ab 22.02.2016 ausgegangen wird [vgl. RAD-Stellungnahme vom 6. Juli 2018, IV-
act. 95-3f.]). Das Wartejahr war somit am 2. November 2016 erfüllt. Im Januar 2016
meldete sich die Beschwerdeführerin zum Bezug von Leistungen bei der IV-Stelle an
(IV-act. 2). In Nachachtung von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG und Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG
entsteht der Rentenanspruch damit am 1. November 2016.
Da gestützt auf die Aktenlage der Rentenanspruch umfassend geprüft werden
konnte, erübrigt sich die von der Beschwerdeführerin im Eventualantrag geforderte
Rückweisung zur erneuten Beurteilung an die Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 1-2).
4.10.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung vom 8. Februar 2019 aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine halbe
Rente mit Wirkung ab dem 1. November 2016 zuzusprechen. Die Sache ist zur
Berechnung, Verfügung und Auszahlung der Invalidenrente an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
5.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. Ausgangsgemäss hat die Beschwerdegegnerin die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist ihr zurückzuerstatten.
5.2.
bis
Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98ff. VRP/SG, sGS 951.1). In der vorliegenden
Streitsache erscheint eine Parteientschädigung von pauschal Fr. 3'000.-
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
5.3.
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung vom 8. Februar 2019
aufgehoben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. November 2016 eine halbe
Rente zugesprochen. Die Sache wird zur Berechnung, Verfügung und Auszahlung der
Rente an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
2. Die Beschwerdegegnerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- zu bezahlen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- wird der Beschwerdeführerin zurückerstattet.
3. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung
von Fr. 3'000.- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 28.04.2021 Gestützt auf das beweiskräftige polydisziplinäre Gutachten ist von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit für Hilfstätigkeiten (LSE, Kompetenzniveau 1, Frauen) auszugehen. Die Beschwerdeführerin ist aufgrund des fortgeschrittenen Alters ihrer Kinder und des verminderten Betreuungsbedarfs als Vollerwerbstätige im Gesundheitsfall zu qualifizieren. Durchführung eines Einkommensvergleichs. Das Valideneinkommen ist wegen der fehlenden Aussagekraft des zuletzt erzielten Einkommens (es handelte sich lediglich um ein 20 %-Pensum) anhand der Tabellenlöhne (LSE, Kompetenzniveau 1, Frauen) zu bestimmen. Zusprache einer halben Rente ab Erfüllung der jährigen Wartezeit (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. April 2021, IV 2019/61).
Publikationsplattform St.Galler Gerichte
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2022-02-18T22:57:27+0100 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen