Decision ID: 7a00999a-3b20-4aa9-84b2-dc76a355f306
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, geboren 1960, war ab Juli 1985 bei der
Z._
AG als Werbeberater angestellt und im Rahmen dieser Anstellung bei der
AXA Stiftung Berufliche Vorsorge
, Winterthur
(nachfolgend: AXA) berufsvorsorgeversichert
(
Urk. 1 S. 3 Rn 4,
Urk. 8/5, Urk. 8/8,
Urk. 21/18/6).
Vom 3. Oktober 2016
bis am 30
. März 2017
wurde
Y._
zufolge eines
ossär
metastasierenden
Urothelkarzinoms
zu 50 %
und
während den
Hospitalisationen
vom 31. Oktober bis am 7. November sowie vom 10. bis am 15. November 2016
zu 100 %
krank
geschrieben (Urk. 2/10-
13
). Per
1. November 2016 wurde
n
zwischen der
Z._
AG und der AXA
zwei neue Vorsorgepläne in Kraft gesetzt (Arbeitnehmer mit einem Jahreslohn über
dem UVG-Lohnmaximum [Urk. 2/7],
Arbeitnehmer mit einem Jahreslohn unter dem UVG-Lohnmaximum [Urk. 2/8]).
Im Dezember 2016
kaufte sich
Y._
mit
einem Betrag von
Fr. 40'000.–– in die
Vorsorgeeinrichtung
ein (Urk. 2/9).
Ab dem
8. Mai 2017
wurde er
in der Klinik
A._
stationär behandelt
(Urk. 21/45/6-9)
und war seither zu 100
% krank
geschrieben
(Urk. 2/15).
A
m 18. Juni 2017
verstarb
Y._
(Urk.
21/48/1
).
1.2
Mit Schreiben vom 13. Juli 2017 informierte die AXA die Ehefrau des Verstor
benen,
X._
, darüber, dass ihr ein Anspruch auf Todesfallleistungen zu
stehe. Als Varianten für den Leistungsbezug stünden eine jährliche lebens
läng
liche Ehegattenrente im Betrag von Fr. 43'848.–– oder ein einmaliger Kapital
bezug der Ehegattenrente von Fr. 1'363'109.–– zur Wahl. Unabhängig von diesen Leistungsvarianten
gelange
ein zusätzlich versichertes Todesfallkapital von Fr. 681'486.––
zur Auszahlung (Urk. 2/16). Mit Schreiben vom 26. September 2017 teilte die AXA
X._
mit,
sie habe die Todesfallleistungen
infolge der Arbeitsunfähigkeit von
Y._
ab dem 3. Oktober 2016 neu be
rechnen müssen.
Bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit sei
Y._
in drei Plänen versichert gewesen.
Als Varianten für den Leistungsbezug würden aus der Basisvorsorge eine jährliche Ehegattenrente im Betrag von Fr. 32'087.–– oder ein einmaliger Kapitalbezug von Fr. 997'493.–– zur Wahl stehen. Aus der Zusatzvorsorge stünden als Varianten für den Leistungsbezug eine jährliche Ehe
gattenrente im Betrag von Fr. 13'734.–– oder ein einmaliger Kapitalbezug von Fr. 426'951.–– zur Wahl.
Unabhängig von den
erwähnten Leistungsvarianten wü
rde
n
ein zusätzlich versichertes
«
Todesfallkapital Basisvorsorge
»
im Betrag von Fr. 75'000.–– sowie ein zusätzlich versichertes
«
Todesfallkapital Plan 3
»
von Fr. 9'552.–– ausbezahlt (Urk. 2/17).
Nachdem
X._
der AXA mitgeteilt hatte, dass sie in jedem Fall anstelle von Rentenzahlungen von der Kapitalo
ption Gebrauch machen wolle und
dass sie mit
der
reduzierten
Leistungszusage gemäss
Schreiben
vom
26. September 2017 nicht einverstanden
sei,
vermochten die Par
teien im Rahmen der hernach einsetzenden Korrespondenz keine Einigung zu erzielen.
Am 20. März 2018 ging die Kapitalsumme im nicht bestrittenen Umfang
von Fr. 1'508'996.––
auf dem Konto von
X._
ein
(Urk. 1 S. 7 Rn 12
, S. 12 Rn 31
).
2.
Am 14. Juli 2020 erhob
X._
Klage
gegen die AXA
Stiftung Berufliche Vorsorge, Winterthur
und stellte folgendes Rechtsbegehren (Urk. 1 S. 2):
«Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin Leistungen aus beruflicher Vor
sorge im Umfang von Fr. 535'599.– auszurichten, dies nebst Zins unter Anwen
dung des BVG-Minimalzinssatzes spätestens ab 20.2.2018.
Unter Entschädigungsfolge zulasten der
Beklagten.»
Die
Beklagte
schloss in ihrer Klageantwort vom 6. Oktober 2020 auf Abweisung der Klage (Urk. 7).
Mit Replik vom 4. Februar 2021 (Urk. 12) und Duplik vom 30. April 2021 (Urk. 17)
hielten die Parteien an ihren bisherigen Anträgen fest.
Mit Verfügung vom 18. Mai 2021 zog das Gericht die Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung in Sachen
Y._
bei (Urk. 19, Urk. 21/1-58), woraufhin die Parteien
auch
im Rahmen des dritten Schriftenwechsels (Urk. 22) an ihren bisherigen Anträgen festhielten (Triplik vom 20. September 2021 [Urk. 26],
Quadruplik
vom
15. November 2021 [Urk. 30]).
Am 2. Dezember 2021 erstattete
die
Kläger
in
unaufgefordert eine
weitere
Stellungnahme (Urk. 35), welche der Beklagten mit Verfügung vom 8. Dezember 2021 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (Urk. 36).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 18 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die berufliche Alters-, Hinter
lassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) besteht ein Anspruch auf
Hinter
lasse
nenleistungen
aus beruflicher Vorsorge nur, wenn der Verstorbene im Zeitpunkt des
Todes oder bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, der
en Ursache zum Tod geführt hat,
versichert war.
1.2
1.2.1
Der Anspruch auf eine Ehegattenrente entsteht, wenn eine verheiratete ver
sicherte Person stirbt und der überlebende Ehegatte in diesem Zeitpunkt für den
Unterhalt eines oder mehrerer Kinder aufkommen muss oder das 45. Altersjahr zurückgelegt hat und die Ehe mindestens 5 Jahre gedauert hat (Ziff. 26 Abs. 1 des Vorsorgereglements der Beklagten für die BVG-Basisvorsorge mit Gültigkeit ab dem 1. Januar 2017 [
Urk. 18/2;
nachfolgend: Vorsorgereglement]).
Die Höhe der Ehegattenrente richtet sich nach dem Vorsorgeplan (Ziff. 26 Abs. 3
Vorsor
gereglement
).
1.2.2
Der Anspruch auf das Todesfallkapital entsteht, wenn die versicherte Person vor Erreichen
des Pensionsalters gemäss Ziff.
7 stirbt. Die Höhe des Vorsorgekapitals ist im Vorsorgeplan festgehalten (Ziff. 29 Vorsorgereglement).
1.
2.3
Ziff. 20 Abs. 2 des Vorsorgereglements lautet wie folgt:
Ein Anspruch auf
Beitragsbefreiung gemäss Ziff.
21 setzt voraus, dass die ver
si
cherte Person zu mindestens 40 % arbeitsunfähig ist und bei Eintritt der Arbeits
unfähigkeit aufgrund dieses Vorsorgereglements versichert war.
Ein Anspruch auf Invaliditätsleistungen gemäss den Ziff
.
22 (Invalidenrente [An
merkung des Gerichts]) und 23 (Invaliden-Kinderrente [Anmerkung des Gerichts]) setzt voraus, dass die versicherte Person
-
Im Sinne der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) zu mindestens
40 % invalid ist und bei
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur
Invalidität geführt hat, aufgrund dieses
Vorsorgereglementes
versichert
war; oder
-
[...]
-
[...]
1.
2.4
Ziff. 21 des Vorsorgereglements lautet
wie folgt
:
1.
Der Anspruch auf die Beitragsbefreiung entsteht nach Abla
uf der
Wartefrist gemäss Ziff.
20.3.
2.
Dauert die Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich länger als 6 Monate, muss
vor Ablauf dieser 6 Monate eine Anmeldung bei der IV erfolgen. Im
Unterlassungsfall ist die Stiftung berechtigt, die Beitragsbefreiung
einzustellen.
3.
Der Anspruch
fällt unter Vorbehalt von Ziff.
20.7
(provisorische
Weiterversicherung nach Rentenherabsetzung oder -aufhebung durch die
Invalidenversicherung [Anmerkung des Gerichts]) weg, wenn der Grad
der
Arbeitsunfähigkeit unter 40 % sink
t, die IV die Leistungspflicht
ablehnt,
ihre Rentenleistung einstellt oder die versicherte Person das bei Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit im Vorsorgeplan definierte Pensionsalter erreicht oder
stirbt.
1.2.5
Als Wartefrist gilt die effektive Dauer der Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise Invalidität, die bis zur Entstehung des Leistungsanspruches mindestens verstrei
chen muss. Sie ist im Vorsorgeplan festgelegt (Ziff. 20 Abs. 3 Vorsorgereglement).
1.2.6
Gemäss Ziff. 2.2.3 des Vorsorgeplans
für die BVG-Basisvorsorge
mit Gültigkeit ab dem 1. November 2016 entsteht der
Anspruch auf die Beitragsbefreiung nach Ablauf
einer
Wartefrist von 3 Monaten
(Urk.
1
8/2
)
.
Dieselbe Bestimmung
findet sich auch in den davor gültigen Vorsorgeplänen
(
Vorsorgeplan für die BVG-Basisvorsorge
gültig ab 1. Januar 2010
Ziff. 2.1.3
[Urk. 18/1],
Vorsorgeplan
für die Zusatzvorsorge gültig ab 1. Januar 2010
Ziff. 2.2.2
[Urk. 18/1]
).
1.2.7
Enden die Invaliditätsleistungen, weil die versicherte Person vor Erreichen des Pensionsalters stirbt, richten sich die Todesfallleistungen, mit Ausnahme der
Be
günstigtenordnung
gemäss Ziff. 29.3
,
nach den reglementarischen Bestimmun
gen
, welche bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit in Kraft waren. Für die
Begüns
tigten
ordnung
nach Ziff. 29.3 gelten die aktuellen reglementarischen Bestim
mungen (Ziff. 58 Abs. 6 Vorsorgereglement).
1.3
Im Bereich der weitergehenden Vorsorge wird da
s Rechtsverhältnis zwischen der
Vorsorgeeinrichtung und dem Vorsorgenehmer durch einen privatrechtlichen Vo
r
sorgevertrag begründet, der rechtsdogmatisch de
n
Innominatverträgen
zuzuord
nen
ist. Als solcher untersteht er in erster Linie den allgemeinen Best
immungen des Obligationenrechts
(
O
R
). Das Reglement stellt den vorformulierten
Inhalt des Vorsorgevertrages beziehungsweise
dessen Allg
emeine Versicherungsbedin
gun
gen
(AVB) dar, denen sich der Versicherte ausdrücklich oder durch konkludentes Verhalten unterzieht; gegebenenfalls können individuelle Abmachungen hinzu
treten. Das Reglement ist nach dem Vertrauensprinzip auszulegen, wobei jedoch die den Allgemeinen Versicherungsbedingungen innewohnenden Besonderheiten zu beachten sind, namentlich die Unklarheits- und die Ungewöhnlichkeitsregel. Nach diesen Auslegungsgrundsätzen gilt es, ausgehend vom Wortlaut und unter Berücksichtigung des Zusammenhangs, in dem eine streitige Bestimmung inner
halb des Reglements als Ganzes steht, den objektiven Vertragswillen zu ermitteln, den die Parteien mutmasslich gehabt haben. Dabei hat das Gericht zu berück
sichtigen, was sachgerecht ist, weil nicht angenommen werden kann, dass die Parteien eine unvernünftige Lösung gewollt haben. Sodann sind mehrdeutige Wendungen in vorformulierten Vertragsbedingungen im Zweifel zu Lasten ihres Verfassers auszulegen (BGE 140 V 50 E. 2.2 S. 51; 140 V 145 E. 3.3; 138 V 176 E. 6; 131 V 27 E. 2; SVR 2018 BVG Nr. 10 S. 33,
9C_193
/2017 E. 5.1; Nr. 17
S. 59,
9C_290
/2017 E. 4.2; Nr. 21 S. 73,
9C_951
/2015 E. 3.3; Urteil des Bundes
gerichts
9C_196
/2018 vom 20. Juli 2018 E. 1.1).
2
.
2.1
Die Klägerin machte in ihrer Klage geltend,
im Falle
des Verstorbenen
sei gestützt auf die reglementarischen Bestimmungen am 3. Januar 2017 ein Anspruch auf Beitragsbefreiung im Umfang von 50 % entstanden, welcher bis am 30. März 2017 angedauert habe (Urk. 1 S. 8 f. Rn 16-20). Vom
31. März
bis am
8. Mai 2017 sei
d
er
Versicherte
wieder voll leistungsfähig gewesen.
Zumindest
werde nicht bestreitbar sein, dass er in der fraglichen Zeit über 60 % arbeitsfähig gewesen sei, was für einen wesentlichen Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit gemäss den regle
mentarischen Bestimmungen
ausreiche
(Urk. 1 S. 10 f. Rn 22 und 24).
Da der Anspruch auf Invalidenleistungen – sofern man den Anspruch auf Beitragsbe
freiung überhaupt zu den von der
Reglementsbestimmung
avisierten Leistungen zählen könne – damit nicht wegen des Todes
des Versicherten
, sondern bereits
davor geendet habe, finde Ziff.
58 Abs. 6 des Vorsorgereglements vorliegend keine Anwendung und würden sich die
Todesfallleistungen
nach den Bestim
mun
gen des Vorsorgeplans richten, welcher am 1. November 2016 in Kraft getreten sei (Urk. 1 S. 11 Rn 27).
Zum Resultat der Anwendbarkeit des ab dem 1. Novem
ber 2016 gültigen Vorsorgeplans gelange man auch, wenn man bedenke, dass der Anspruch auf Beitragsbefreiung akzessorisch zu jenem auf Invalidenrenten
leis
tungen bestehe
und ein reglementarischer Anspruch auf Beitragsbefreiung zu
folge Fehlens einer Invalidität im Sinne der Invalidenversicherung nicht bestan
den habe
n könne
(Urk. 1 S. 11 f. Rn 28-29).
Auch aus diesem
Grund
seien f
ür die Todesfallleistungen die reglementarischen Bestimmungen zum Zeitpunkt des Todes
massgebend (Urk. 1 S. 12 Rn 30).
Demnach
schulde die Beklagte den Aus
gangsbetrag gemäss
beklagtischem
Schreiben vom 13. Juli
2017, somit Fr. 2'044'595.––, wobei der am 20. März 2018 auf dem Konto der Klägerin eingegangene Betrag von Fr. 1'508'996.–– im Sinne einer Abschlagszahlung in Anrechnung zu bringen sei, so dass ein
Betreffnis
von Fr. 535'599.–– (ohne Zins) resultiere (Urk. 1 S. 12 Rn 31).
Selbst wenn die Beklagte zu Recht auf die Bestimmungen gemäss Vorsorgeplan mit Gültigkeit bis 31. Oktober 2016 abgestellt hätte, wäre die Abrechnung vom 26. September 2017 unvollständig und das Todesfallkapital von Fr. 18'726.90 aus dem Vorsorgeausweis «Prämienfrei nicht BVG» zusätzlich geschuldet (Urk. 1 S. 13
Rn 32).
Falls das Gericht vorliegend eine dauerhaft leistungsbegründende Arbeits
unfähigkeit annehmen würde, erwiese sich der per 13. Dezember 2016 getätigte
Einkauf von Fr. 40'000.--
– da gegen das Versicherungsprinzip verstossend –
als unzulässig und müsste der Klägerin entsprechend
zurück
erstattet werden (Urk. 1 S. 13 Rn 33-35).
2.2
Dem hielt die Beklagte in ihrer Klageantwort entgegen,
e
s sei schwer vorstellbar, dass
der Verstorbene
unter Chemotherapie und ihren Auswirkungen seiner an
spruchsvollen Tätigkeit
zu 50 %
habe nachgehen können
(Urk. 7 S. 4).
Aus dem Umstand, dass ab dem 31. März 2017 keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei, könne bei diesem Krankheitsbild nicht geschlossen werden, dass
der Ver
storbene
seine Arbeitsfähigkeit vollumfänglich
wieder
erlangt hätte. Die Ärzte hätten fe
stgehalten, dass es sich um eine
«äusserst palliative» Situation handle
, schon bald wieder eine Therapie nötig sei und der Patient in absehbarer Zeit wieder vollständig
arbeitsunfähig
werden würde
.
Die Wiedererlangung der vollen Leistungsfähigkeit erweise sich b
ei dieser Sachlage als höchst unwahrscheinlich, abgesehen davon, dass eine ärztliche Aussage dazu fehle und ärztlicherseits von einer anhaltenden Arbeitsunfähigkeit ausgegangen worden sei (Urk. 7 S. 5).
Der Wunsch nach Änderung der Vorsorgelösung
sei
zwar ursprünglich mit der Schaffung von Einkaufspotential für
den Verstorbenen
begründet
worden
. Tat
sache sei jedoch, dass die Änderung praktisch nur
aus
einer ins Auge springenden Erhöhung des Todesfallkapitals
(bisher: Fr. 75'000.––, neu: Fr. 615'545.––)
be
standen habe (Urk. 7 S. 6
f.
).
Die Beitragsbefreiung habe a
ufgrund
der reglemen
tarischen Gliederung als Invaliditätsleistung zu gelten,
weshalb sie unter Ziff. 58 Abs. 6
Vorsorgereglement Fassung 2017 falle. Nachdem gemäss Bericht von
Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Medizinische Onkologie und Allge
meine Innere Medizin,
vom 27. Februar 2017 belegt sei, dass die seit 3. Oktober 2016 bestehende Arbeitsunfähigkeit nicht unterbrochen worden sei,
gelange diese Bestimmung ohne Weiteres zur Anwendung. Die Todesfallleistungen würden sich damit nach dem Vorsorgeplan bemessen, welcher bei Beginn der Arbeitsun
fähig
keit (3. Oktober 2016) Geltung gehabt habe (Urk. 7 S. 7).
Dass die
Beitrags
be
freiung an eine Arbeitsunfähigkeit geknüpft und lange vor dem Entstehen eines IV-Rentenanspruchs geschuldet
sei
,
spreche
gegen den Charakter einer akzesso
rischen Leistung (Urk. 7 S. 7 f.). Aufgrund der nachträglichen Kenntnis der Arbeitsunfähigkeit (anlässlich der Meldung des Todesfalls), was im Übrigen eine Meldepflichtverletzung darstelle, hätten zahlreiche rückwirkende Mutationen
vorgenommen werden müssen
, wobei jede Mutation einen Vorsorgeausweis gene
riert habe. Das Eventualbegehren von Fr. 18'726.90 aus dem sogenannten «Prä
mien
freien Plan nicht BVG» stütze sich auf Ausweise, die im Zuge der Mutationen erzeugt worden seien und nur eine momentane Aussage über den Stand der Vor
sorge machten. Auf diese könne nicht abgestellt werden, weil sie durch nach
fol
gende Ausweise ersetzt worden seien. Abgesehen davon stelle ein Vorsorge
aus
weis keine Anspruchsgrundlage dar. Die nach der jüngsten Mutation gene
rierten Vorsorgeausweise (Basis und Zusatz)
zei
gten die nunmehr korrekte Vor
sor
gesi
tuation.
Be
i dem von der Klägerin eingeklagten Betrag von Fr. 18'727.––
handle es sich demnach um ein
bedingtes Todesfallkapital, welches nur zur Auszahlung
gelange
, wenn keine Ehegattenrente geschuldet sei.
Da vorliegend
eine Ehe
gattenrente geschuldet und kapitalisiert zur Auszahlung gekommen sei, sei die geltend gemacht Forderung nicht ausgewiesen (Urk. 7 S. 8 f.). Der Einkauf von Fr. 40'000.–– sei gegen Ende des Jahres 2016 getätigt worden, als die Beklagte wegen der Meldepflichtverletzung keine Kenntnis von der Arbeitsunfähigkeit ge
habt habe. Die Entgegennahme des Einkaufs könne ihr daher nicht entgegen
gehalten werden (Urk. 7 S. 9).
2.3
In ihrer Replik führte die Klägerin aus,
d
er dur
chgehend behandelnde Arzt Dr.
B._
habe sein Arbeitsunfähigkeitsattest per 30. März 2017 terminiert. Da
der Chemotherapie-Zyklus
zu diesem
Zeitpunkt beendet gewesen sei, sei die (wenn
gleich temporäre) Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit ab dem 31. März 2017
nachvollziehbar
(Urk. 12 S. 6
Rn 15
).
Ferner sei daran zu erinnern, dass ein An
spruch auf Beitragsbefreiung bereits bei einer Arbeitsfähigkeit von über 60 % entfalle, mit der Folge des neuen Risikoeintritts beim Todesfall (Urk. 12 S. 6 f.
Rn 16
).
Der von der Beklagten im Nachhinein erstellte Vorsorgeausweis mit Gültigkeit ab dem 8. Mai 2017 nütze ihr nichts, da
diesem mitnichten konsti
tu
tive
r
Charakter
zukomme (Urk. 12 S. 7
Rn 17
).
Die Beklagte könne keine Hinweise nennen, welche auf Handlungen
des Verstorbenen
hindeuteten, wonach dieser im/nach Herbst 2016 (Kenntnis der Erkrankung) irgendwelche «Optimierungen» mit Blick auf die Todesfallleistungen betrieben
haben soll
(Urk. 12 S. 7 f.
Rn 20
).
Mit der Vereinfachung der Vorsorgesituation (Wechsel von vier Vorsorgeplänen auf nur noch deren zwei) sei ein neu geschaffenes Einkaufspotential und damit die Verbesserung der Invalidenleistungen und die Verbesserung der Todes
fall
leis
tungen einhergegangen.
Die
Verbesserungen der
Alters- und Invalidenleistungen
würden durch die Beklagte
ausser
Acht gelassen
(Urk. 12 S. 8
Rn 22
).
Die Tat
sache, dass die Invalidenversicherung keine Rentenleistungen zugesprochen habe,
sei in Verbindung mit dem Argument der «Akzessorietät» der Beitragsbefrei
ungs
leistungen zu sehen.
Bestehe keine IV-relevante Invalidität, so entfalle der An
spruch auf akzessorische Beitragsbefreiungsleistungen (Urk. 12 S. 9
Rn 25
).
Wenn
die Beklagte nicht schlüssig erklären könne, wie das den Vorsorgeausweis «Prä
mien
frei nicht BVG» betreffende Guthaben «kompensiert» worden sei, werde sie die Details zur Entwicklung der Alterssparguthaben in den verschiedenen Plänen
sowie die reglementarische
beziehungsweise
planmässige Grundlage dieser Kate
gorie offenzulegen haben (Urk. 12 S. 10
Rn 28
).
Wenn sich – auch im Nachhinein – erge
be, dass ein Einkauf unzulässig gewesen sei
, sei
dieser
rückabzuwickeln.
Dabei
spiele keine Rolle, was die Beklagte zum Zeitpunkt des Einkaufs über ihren Versicherten gewusst oder nicht gewusst habe (Urk. 12 S. 11
Rn 31
)
.
2.
4
Die
Beklagte
führte in ihrer Duplik aus,
e
ine volle Arbeitsfähigkeit vom 1. April bis zum 8. Mai 2017 sei gestützt auf die Beurteilung von Dr.
B._
vom 21. Februar 2017 höchst unwahrscheinlich (Urk. 17 S. 4 f.).
Die auf den 31. März 2017 terminierte
Arbeitsunfähigkeit besage nicht mehr und nicht
weniger, als dass keine weitere Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangt worden sei. Dass
eine
solche nicht im Interess
e des Verstorbenen gewesen sei
, sei
offensichtlich
(Urk. 17 S. 6).
Da
die Beitragsbefreiung im Reglement unter den Invaliditätsleis
tungen geregelt
werde
, handle es sich um eine reglementarische Invaliditäts
leis
tung. Sowohl der Vorsorgefall Beitragsbefreiung wie der Vorsorgefall Invalidität würden an den gleichen Versicherungsfall (Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit) an
knüpfen. Die Beitragsbefreiung komme vor dem Anspruch auf eine Invalidenrente zum Zuge und werde bis zu deren Beendigung ausgerichtet.
Die angebliche Wie
deraufnahme der
Erwerbst
ätigkeit habe ihren Grund im Interesse
des Verstor
be
nen
gehabt, die Bindung an den alten Vorsorgeplan zu unterbrechen, um bei Eintritt des in Bälde zu erwartenden Todesfalls im neuen Vorsorgeplan mit un
gleich höheren Leistungen versichert zu sein. Die angebliche Arbeitsfähigkeit während rund eines Monats habe den zeitlichen Zusammenhang zur vorher bestehenden Arbeitsunfähigkeit je
doch nicht unterbrechen können
(Urk. 17 S. 7). Vielmehr sei der Versicherungsfall Arbeitsunfähigkeit mit dem Todeseintritt be
endet worden. Diese Konstellation sei reglementarisch geregelt, indem auch für Todesfallleistungen die reglementarischen Bedingungen gälten, welche bei Be
ginn der Arbeitsunfähigkeit in Kraft gewesen seien (Urk. 17 S. 8).
Vorliegend sei der Tod vor dem Ablehnungsentscheid der IV eingetreten und habe die Beitrags
befreiung beend
et, was zur Anwendung von Ziff. 58 Abs.
6 Vorsorgereglement führe (Urk. 17 S. 9 f.).
Mit dem Eintritt des Todesfalls sei aus dem Zusatzplan eine Ehegattenrente
im Betrag von
Fr. 13'734.–– fällig geworden. Der entsprechende Kapitalbezug habe Fr. 426'951.–– betragen, womit sich ohne Weiteres ergebe, dass der Finanzierungsbedarf der Ehegattenrente das Altersguthaben von Fr. 18'701.85 bei weitem üb
erstiegen habe (Urk. 17 S. 11).
2.5
In ihrer Triplik
hielt
die Klägerin
fest
,
s
elbst wenn man die Prämienbefreiung als eigene Kategorie von Invalidenleistungen verstehen wollte, würde die entspre
chende Leistungspflicht und damit das Vorsorgerisiko sein Ende finden, sobald
die Arbeitsunfähigkeit 40 % unterschreite, wie dies ab April 2017 der Fall ge
wesen sei (Urk. 26 S. 7 Rn 16).
Sofern kein Anspruch auf Invalidenrentenleis
tungen entstehe, entfalle (rückwirkend) auch ein Anspruch auf Beitragsbefreiung. Entfalle ein Anspruch auf Beitragsbefreiung, bestehe von Anfang an kein regle
mentarischer Leistungsans
pruch bei Invalidität und Ziff.
58 Abs. 6 Vorsorgereg
le
ment komme nicht zum Zuge (Urk. 26 S. 8 f.
Rn 21
).
Gemäss der Beklagten sei
der verstorbene Versicherte
seit dem 3. Januar 2017 ohne Unterbruch zunächst zu 50 % und ab dem 8. Mai 2017 zu 100 % arbeitsunfähig mit Anspruch auf Beitragsbefreiung gewesen. Da die Beklagte
somit
eine
Änderung der Situation per 1. April 2017 verneine,
frage sich, weshalb der ab 3. Januar 2017 gültige Pen
sionskassenausweis (passiver Teil) «
Inv
(
2). Lohn < BVG max. Zusatz»
bezie
hungsweise
gemäss Beklagter «Zusatz Plan Lohn (> BVG
Maximum)»
per 1. April 2017 hätte ersetzt werden sollen durch Pensionskassenausweis (passiver Teil) «
Inv
(2). Prämienfrei nicht BVG», wo dann ein separates Todesfallkapital versichert gewesen sei
.
Folglich
werde
im Sinne des Eventualstandpunktes weiterhin das separat ausgewiesene Todesfallkapital im Umfang von Fr. 18'726.90 geltend
ge
macht
(Urk. 26 S. 9 f. Rn 26).
2.6
Die Beklagte
führte
in ihrer
Quadruplik
aus
,
d
as Verhalten des Verstorbenen im Zusammenhang mit dem Einkauf, der Umstand, dass die Arbeitsunfähigkeit nie gemeldet worden sei sowie die angebliche volle Wiederaufnahme seiner Tätigkeit bei einem palliativen Zustand könne nicht anders gewertet werden, als ein ge
plantes Vorgehen mit dem Ziel, sich den Versicherungsschutz des neuen Vor
sor
geplanes zu verschaffen (Urk. 30 S. 5).
Medizinisch sei eine volle Arbeitsfähig
keit nicht ausgewiesen, da sich die Befunde, welche zu einer attestierten Arbeits
unfähigkeit von 50 % führten, nicht geändert hätten (Urk. 30 S. 6).
Da der An
spruch auf Beitragsbefreiungsleistungen bereits vor dem Eintritt einer Invalidität auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 40 % entstehe, sei d
ie
ser
gerade nicht akzessorisch zu den Invaliditätsleistungen. Die Ablehnung durch die Invalidenversicherung sei ein Beendigungsgrund und kein rückwirkender Auf
he
bungsgrund (Urk. 30 S. 7).
Mit dem Anspruch auf die reglementarische Invalidi
tätsleistung Beitragsbefreiung habe entsprechend eine Invalidität im Sinne des Reglements vorgelegen.
Die Beklagte habe er
st
mi
t der Meldung des Todesfalls
Kenntnis von der seit dem 3. Oktober 2016 bestehenden Arbeitsunfähigkeit erlangt. Da
der Verstorbene
bis dahin fälschlicherweise im neuen Vorsorgeplan gültig ab dem 1. November 2016 versichert worden sei, habe dies zu zahlreichen
Korrekturen im Vorsorgeverhältnis mit Rückabwicklung und Wiederinkraft
set
zu
ng der vorherigen Vorsorge geführt. Die automatisch generierten Vorsorgeausweise seien im Grunde nichts anderes als die Dokumentation der Korrekturschritte, ohne
Aussagekraft hinsichtlich den Leistungsansprüchen (Urk. 30 S. 8).
Da vom 1. April bis am 7. Mai 2017 keine Taggeldleistungen geflossen seien, sei das Vorsorgeverhältnis während
dessen
reaktiviert worden und habe den Vorsorge
aus
weis gültig per 1. April 2017 ausgelöst. Da die Klägerin eine kapitalisierte Ehegattenrente erhalten habe und das Todesfallkapital nur dann geschuldet sei, wenn keine Ehegattenrente fällig werde, sei ihre Eventualforderung nicht aus
gewiesen (Urk. 30 S. 9).
Mit dem im Dezember 2016 einbezahlten Betrag von Fr. 40'000.–– seien keine zusätzlichen Risikoleistungen eingekauft worden. Bei einer im Dezember 2016 bestehenden Arbeitsunfähigkeit wäre dies nicht zulässig gewesen, weil damit das Versicherungsprinzip verletzt worden wäre. Hingegen sei nicht ersichtlich, was rechtlich gegen die Deckung einer Lücke im Alters
guthaben spräche. Eine zwingende Notwendigkeit für die Rückabwicklung des Einkaufs bestehe demnach nicht (Urk. 30 S. 10).
2.7
In
ihrer
Stellungnahme vom 2. Dezember 2021
führte die
Kläger
in
aus, gemäss Ziff.
2.3.4 des ins Recht gelegten (hauptsächlich massgeblichen) Vorsorgeplans für die BVG-Basisvorsorge betreffend Arbeitnehmer mit einem Jahreslohn über dem UVG-Lohnmaximum gelange das Todesfallkapital in Höhe des vorhandenen Altersguthabens ohne Schmälerung wegen Finanzierung einer Ehegattenrente zur Ausrichtung.
Daran ändere
nichts, dass gemäss Aussagen der Beklagten
mit Wirkung ab dem 1. Januar 2019 für das Kollektiv der
Z._
AG die Todesfallkapitalleistungen wieder auf das Niveau des ab dem 1. Januar 2010 gültigen Vorsorgeplans (
beziehungsweise
Vorsorgepläne) zurückgesetzt worden seien, indem neu wieder gelten solle, dass im Risikofall das vorhandene Alters
guthaben vermindert um den Finanzierungsbetrag der Ehegattenrente, mindes
tens aber 50 % des Jahreslohns, zur Ausrichtung gelange (Urk. 35 S. 2).
3
.
Der
entscheidrelevante
medizinische Sachverhalt präsentiert sich im Wesent
lichen wie folgt:
3
.1
Dr.
B._
attestierte
dem verstorbenen Versicherten
in seinem
Z
eugnis vom 1. Dezember 2016 eine
50%ige
Arbeitsunfähigkeit vom 3. Oktober 2016 bis am 31. Januar 2017 (Urk. 2/10).
3
.2
In seinem Bericht vom 4. Januar 2017 stellte Dr.
B._
folgende Diagnose (Urk. 2/11 S. 1):
-
Ossär
metastasierendes
Urothelkarzinom
, wahrscheinlich ausgehend vom linken Ureter
Die Behandlung sei am 25. Oktober 2016 aufgenommen worden. Seit Sommer 2016 hätten Rückenschmerzen bestanden, gefolgt von
einer
Hämaturie. Die bild
gebenden Abklärungen hätten leider ein
ossär
metastasierendes
Urothelkarzinom
ergeben, das seinen Ursprun
g wahrscheinlich im linken Uret
er genommen habe.
Der Patient
sei bereits im September 2016 bis auf Weiteres wegen desselben Leidens arbeitsunfähig gewesen.
D
amals
hätten spezialärztliche Untersuchungen sowie eine Behandlung
im
Urozentrum
Zürich stattgefunden.
Therapeutisch sei eine
knochenprotektive
Therapie mit
Denosumab
, Calcium und Vitamin D sowie
eine
Chemotherapie mit
Carboplatin
und
Gemcitabine
veranlasst worden. Vom 31. Oktober bis am 7. November sowie vom 1
0.
bis am 15. November 2016
sei
der Patient
wegen dieses Leidens hospitalisiert gewesen
. Die Arbeitsunfähigkeit habe während den
Hospitalisationen
100 % und sonst seit dem 3. Oktober 2016 bis vorerst am 31. Januar 2017 50 % betragen. Die Prognose für die Arbeitsauf
na
hme sei noch offen (Urk. 2/11).
3
.3
Vom 1. Februar bis am 30
. März 2017 attestierte Dr.
B._
eine Arbeitsun
fähigkeit von 50 % (Urk. 2/1
2
-13
).
3
.4
Am
21. Februar 2017
wurde in der
Klinik
A._
ein CT Thorax / Abdomen durchgeführt
.
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Radiologie, hielt in seinem gleichentags
erstatteten Bericht
unveränderte Befunde
g
egenüber der Vor-CT Untersuchung vom 27. Dezember 2016
fest
. Die Lage des linksseitigen Doppel-J-Katheters sei unverändert
.
Es
bestünden ein w
eiterhin diskret kaliber
betontes Nierenbecken
links
sowie eine
unauffällige
Ersatzblase. Es
habe sich
eine
unveränderte disseminierte osteoplastische Metastasierung des gesamten abge
bildeten Skelettes
gezeigt
(
Urk. 21/39/13-14
).
3
.5
In seinem Bericht vom 27. Februar 2017
führte
Dr.
B._
aus, vom 28. Oktober 2016 bis am 16. Februar 2017 sei eine Chemotherapie mit
Carbo
platin
und
Gemcitabine
(6 Zyklen) durchgeführt worden. Aktuell zeigten sich partielle Remissionen und es finde eine Therapiepause statt.
Der Patient
befinde sich derzeit in einem ordentlichen Allgemeinzustand, klinisch bestünden keine fassbaren Tumormanifestationen.
Es
handle sich um eine unheilbare Krankheit, welche zum Tod führen werde.
Für die zukünftige Therapie sei in absehbarer Zeit wieder
eine Chemotherapie oder
eine
andersartige
Systemtherapie gegen die Krebskrankheit nötig. Die medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit
in der bis
herigen Tätigkeit
betrage 50 % seit dem 3. Oktober 2016 bis auf Weiteres (100 % während den Spitalaufenthalten).
Als Einschränkungen würden eine therapie
bedingte Müdigkeit (Chemotherapie, Opiate) sowie Schmerzen seitens der Skelett
metastasierung bestehen. Diese Einschränkungen würden sich
durch eine
Kon
zentrationsschwäche auf die Arbeit auswirken.
Die
Einschränkungen liessen sich
d
urch medizinische Massnahmen nicht vermindern. Mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht gerechnet werden. Man habe es mit einer äusserst palliativen Situation zu tun. Leider würde die Krankheit sc
hon bald wieder eine Therapie
nötig
mach
en. Man könne nicht damit rechnen, dass
sich
die Arbeits
fähigkeit verbessern lasse respektive
der Patient
werde
in absehbarer Zeit
voll
ständig arbeitsunfähig
werden (Urk. 21
/39/7-12
).
3
.6
Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Urologie, hielt i
n seinem zuhanden der IV-Stelle verfassten Bericht vom
29.
Mai
2017
fest,
der Patient
stehe unter Chemotherapie und habe starke
ossäre
Schmerzen, welche unter anderem mit
Lyrica
, Methadon und
Fentanyl
behandelt würden.
Seit
dem 8. Mai 2017
sei
er
wegen einer
Pyelonephritis
links in der Klinik
A._
hospitalisiert
. Am 19. Mai 2017
habe
eine Operation
stattgefunden
. Es handle sich um eine
pallia
tive Situation. Angesichts der Gesamtsituation und der starken Schmerzen sei die
bisherige Tätigkeit als selbständiger Werbeberater nicht mehr möglich
. Der Patie
nt habe seit Beginn der Diagnosestellung des
Ureterkarzinoms
nur noch 50 % gearbeitet (Arbeitsunfähigkeit 50 % ab Oktober 2016).
Aktuell sei die bisherige Tätigkeit aus medizinischer Sicht maximal noch zu 50 % zumutbar (oder aktuell weniger). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit werde bereits seit Oktober 2016
ausgeübt
. Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit
beziehungsweise
einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit könne nicht gerechnet werden.
Aufgrund von Einschränkungen im
Konzentrations
- und
Auffassungsvermögen,
der
Anpas
sungsfähigkeit
sowie
der
Belastbarkeit unter Chemotherapie und Schmerzen bei Knochenmetastasierung sei eine Arbeit im angestammten Beruf
seit Oktober 2016 nur noch zu 50 % machbar
(Urk. 21/45/6-9).
3
.7
Für die Zeitspanne vom 8. Mai bis am 30. Juni 2017 attestierte Dr.
B._
dem verstorbenen Versicherten
eine
100%ige
Arb
eitsunfähigkeit (Urk. 2/15).
4
.
4.1
Unter den Parteien
ist unbestritten
, dass der Klägerin gegenüber der Beklagten infolge des Ablebens ihres Ehemannes am 18. Juni 2017 Ansprüche auf
Hinter
lassenenleistungen
der beruflichen Vorsorge zustehen. Zu klären ist die Leis
tungs
höhe und in diesem Zusammenhang insbesondere die Frage, gestützt auf welche Vorsorgepläne die
Hinterlassenenleistungen
zu bestimmen sind.
Leistungsansprüche richten sich grundsätzlich nach den reglementarischen Be
stim
mungen, welche zum Zeitpunkt der Verwirklichung des rechtlich relevanten Sachverhaltes in Kraft stehen. Bei
Hinterlassenenleistungen
gelangen
die
jenigen reglementarischen Bestimmungen
zur Anwendung
, die zum Zeitpunkt des Todes
des Versicherten gelten,
das heisst
zu dem Zeitpunkt, an dem der Leistungs
an
spruch des Begünstigten entsteht
(BGE 121 V 97 E.
1a
, vgl. auch
BGE 146 V 364
E. 7.1 und Urteil des Bundesgerichts
9C_19
/2020 vom 21. September 2020 E. 5.3.1, je mit Hinweisen).
Eine Abweichung
hi
evon
muss
sich aus den Über
gangsbestimmungen des alten o
der des neuen Vorsorgereglement
s oder aber daraus ergeben, dass nach den
Reglementsbestimmungen
der Zeitpunkt der Ent
stehung des Leistungsanspruchs mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusam
menfällt (Urteil des Bundesgerichts
9C_502
/2007 vom 22. April 2008 E. 2; Stauffe
r, Berufliche Vorsorge, 3. Aufl. 2019
, Rz
1907 f.). Die
Beklagte hat in Ziff.
58 Abs. 6 ihres Vorsorgereglements eine solche Regelung vorgesehen: Für den Fall, dass die Invaliditätsleistungen enden, weil die versicherte Person vor Erreichen des Pen
sionsalters stirbt, richten sich die Todesfallleistungen nach den reglementarischen Bestimmungen, welche bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit in Kraft standen (E. 1.2.7). Die Klägerin stellte sich
zwar
gegen die Anwendbarkeit von
Ziff
. 58 Abs. 6 Vorsorgereglement
im
vorliegenden Fall – die Zulässigkeit der betreffen
den Bestimmung hat sie indessen nicht in Frage gestellt
(Urk.
1 S. 8 Rn 14 und S. 11 Rn 27, vgl. auch Urk. 12 S. 8 f. Rn 24 sowie Urk. 26 S. 6 Rn 14 und S. 8 f. Rn 21). Diese
lbe
ist auch angesichts von Art. 18 Abs. 1 lit. a BVG nicht in Zweifel zu ziehen, wonach für die Versicherungsdeckung hinsichtlich einem Anspruch auf
Hinterlassenenleistungen
in zeitlicher Hinsicht alternativ an den Zeitpunkt des Todes oder den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit a
nzuknüpfen ist (vgl. auch Ziff.
25 Vorsorgereglement).
4
.2
4
.2.1
Gemäss dem Dafürhalten der Klägerin bestand
beim Verstorbenen
vom 31. März bis am 7. Mai 2017
eine
vollumfängliche
beziehungsweise
zumindest eine
60%ige
Arbeitsfähigkeit
, womit sein
Anspruch auf Beitragsbefreiung nach
Ziff. 21 Abs. 3 des Vorsorg
ereglement
s
geendet
habe
und
Ziff. 58 Abs. 6
des
Vorsorgereglement
s
nicht
zur Anwendung
gelange
(E. 2.1, 2.3, 2.5).
4
.2.2
Gestützt auf den medizinischen Sac
hverhalt ist erstellt, dass bei
m verstorbenen Versicherten
ab dem 3. Oktober 2016 eine
50%ige
Arbeitsunfähigkeit bestand und diese zumindest bis
am 30. März 2017 andauerte (E. 3.1-3
.
3, 3
.5). Ent
spre
chend erwuchs ihm
ab dem 3. Januar 2017
(nach Ablauf der dreimonatigen Wartezeit;
E. 1.2.6
)
ein
reglementarischer Anspruch
auf Beitragsbefreiung (E. 1.2.3
-1.2.5)
, was unter den Parteien unbestritten blieb
.
Aus der Tatsache
, dass
für die Zeitspanne vom 31. März bis am 7. Mai 2017 kein Arbeitsun
fähig
keits
zeugnis von
Dr.
B._
vorliegt
,
kann
bei der gegebenen Aktenlage
nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit auf eine währenddessen bestehende
100%ige
(beziehungsweise zumindest
60%ige
)
Arbeitsfähigkeit geschlossen werden
.
E
ine
solche erweist sich
mit Blick auf die medizinischen Akten
vielmehr
als unwahr
scheinlich: In seinem Bericht vom 27. Februar 2017
hielt
Dr.
B._
eine äusser
s
t palliative Situation
fest und führte aus, m
an könne nicht damit rechnen, dass sich die Ar
beitsfähigkeit verbessern lasse.
Der Patient
werde in absehbarer Zeit vollstä
ndig arbeitsunfähig werden (E. 3
.5).
D
iese Prognose
bewahrheitete sich in der Folge
–
ab dem 8. Mai 2017
war
der verstorbene Versicherte
vollum
fäng
lich arbeitsunfähig
(E. 3
.7
). Auch rückblickend sind keine
hinreichenden
Anhaltspunkte
für eine
Steigerung
der
Arbeits
fähigkeit
des verstorbenen Ver
sicherten
ab dem 31. März 2017 auszumachen
. So hielt Dr.
D._
in seinem Bericht vom 29. Mai 2017 fest,
seit Beginn der Diagnosestellung des
Ureter
karzinoms
habe
der Patient
nur noch zu 50 % gearbeitet. E
ine Arbeit im ange
stammten Beruf
sei
ihm seit Oktober 2016 nur noch zu 50 % zumutbar
(E. 3
.6)
.
Die
von Seiten der Klägerin
geltend gemachte
Wieder
herstellung
der Arbeits
fähigkeit in der Zeitspanne vom 31. März bis am 7. Mai 2017
lässt sich
denn auch nicht damit begründen, dass der Chemotherapie-Zyklus dazumal beendet war
und sich partielle Remissionen gezeigt hatten
(
vgl.
E. 2.3):
Wie bereits ausgeführt hielt
Dr.
D._
in seinem Bericht vom 29. Mai 2017 eine
ab dem 3. Oktober 2016
bis zum Eintritt in die Klinik
A._
am 8. Mai 2017
bestehende
– mit Ausnahme der
Hospitalisationszeiten
– konstant
e Arbeitsunfähigkeit von
50 %
fest
(E. 3
.6)
und
Dr.
B._
attestierte
hernach eine vollumfä
ngliche Arbeitsunfähigkeit (E. 3
.7)
.
Dies steht damit in Einklang, dass Dr.
B._
in
seinem am 27. Februar 2017
(
und damit nach Beendigung der Chemotherapie
)
erstatteten B
ericht keine
Steigerung
, sondern
trotz Therapiepause und partiellen Remissionen
den vollständigen Verlust
der Arbeitsfähigkeit in absehbarer Zeit prognostizierte
(E. 3
.5).
4
.2.3
Als weiteres Beweismittel
für die geltend gemachte Arbeitsfähigkeit vom 31. März bis am 7. Mai 2017
leg
te die Klägerin eine Lohnabrechnung
der
Z._
AG
für den
Monat April 2017
auf
(Urk.
1 S. 5 Rn 7
). Derselben lässt sich
ein Brutto
einkommen
des Verstorbenen
im Betrag
von
Fr. 11'250.––
entnehmen
(Urk.
2/14)
. Dies entspricht
nahezu
dem
monatlichen
Einkommen, das
der verstorbene Versi
cherte
bei der
Z._
AG im Jahr 2016 vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im
Vollzeitpensum
erzielt hatte
(
Urk. 8/5 S. 4). Ein Bruttoeinkommen
im Betrag
von Fr. 11'250.––
lässt sich
indessen
ebenso
der Lohnabrechnung für den
Monat Dezember 2016
entnehmen
(Urk. 21/40/8), obwohl
der Verstorbene
in diesem Monat
unbestrittenermassen
bloss zu 50 % arbeitsfähig war
. Bereits deshalb vermag
die
Lohnabrechnung
April 2017
eine
in diesem
Zeitaum
bestehende
Arbeits
fähigkeit von mindestens 60 %
nicht mit überwiegender Wahrschein
lich
keit zu
belegen
.
Als umso unwahrscheinlicher erweist sich
eine Arbeitsfähigkeit in diesem Umfang
vor dem Hintergrund, dass
sowohl
Dr.
B._
als auch Dr.
D._
insbesondere die Konzentrationsfähigkeit al
s eingeschränkt erachte
ten (E. 3.5-3
.6), die angestammte Tätigkeit diesbezüglich indessen hohe Anforde
rungen stellte (Urk. 8/5 S. 3).
4
.2.4
Nach dem Gesagten ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
bei
m verstorbenen Versicherten
nach der Entstehung seines Anspruches auf Bei
tragsbefreiung (3. Januar 2017) bis zu seinem Tod am 18. Juni 2017
eine Arbeits
fähigkeit von
über 50 %
bestand
.
Der Anspruch auf Beitragsbefreiung endete dementsprechend mit dem
Tod
.
4
.3
Entgegen dem Dafürhalten der Klägerin kann vorliegend
kein
Zweifel daran be
stehen, dass es sich beim Anspruch auf Beitragsbefreiung um eine Invalidi
täts
leistung im Sinne von
Ziff
. 58 Abs. 6
des
Vorsorgereglement
s
handelt.
Dies ergibt sich
bereits
aus der
Systematik des V
orsorgereglements,
da
d
ie Beitrags
befreiung
(Ziff. 21, vgl. auch Ziff. 20 Abs. 2) dort zusammen mit der Invaliden
rente (Ziff. 22
) und der Invaliden-Kinderrente (Ziff. 23) unter dem Untertitel «Invaliditäts
leis
tungen» geregelt
wird
(Urk. 2/23 S. 12 f.).
Soweit die Klägerin vor
bringt
, der Anspruch auf Beitragsbefreiung sei akzessorisch zum Rentenanspruch
(E. 2.1, 2.3)
ist ihr dahingehend beizupflichten, als
Art. 14
der Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlasse
nen- und Invalidenvorsorge (
BVV
2)
im
Obligatoriumsbereich
für die Beitragsbefreiung
einen effektiven Rentenanspruch voraus
setzt
(Urteil des Bundesgerichts B 70/05 vom 12. Juni 2007 E. 3.1).
Gemäss Vorsorgereglement entsteht der
Anspruch auf Beitragsbefreiung
indes
bereits
nach einer Arbeitsun
fähigkeit von drei Monaten
(E. 1.2.3-1
.2.6)
und damit
lange
vor dem Anspruch auf eine Invalidenrente
,
da
Letzterer
eine
40
%ige
Invalidität «im Sinne der Eid
genössischen Invalidenversicherung (IV)»
und damit die Erfüllung
des Warte
jahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
des
Bundesgesetz
es
über die Invaliden
ver
si
cherung (IVG)
voraussetzt (E. 1.2.3
).
Dementsprechend handelt es sich bei der im Vorsorgereglement der Beklagten geregelten Beitragsbefreiung um eine Leistung der weitergehenden beruflichen Vorsorge (
Kieser
, Auswirkungen des Urteils
9C_510
/2009 auf die einzelnen Sozialversicherungszweige,
HAVE
2011 S. 64 ff., 65)
.
Art. 14
BVV
2
ist
demzufolge nicht direkt anwendbar
.
Vielmehr ist
auf die reglementarischen Bestimmungen abzustellen (vgl. Vetter-Schreiber, BVG/
FZG
Kommentar, 4. Aufl. 2021, Art. 14
BVV
2, S. 484)
.
Die Anspruchsvoraus
setzun
gen der Befreiung von der Beitragszahlung unterscheiden sich auch dahingehend von denjenigen einer Invalidenrente, als Erstere an eine Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf
(
Ziff. 20 Abs. 2, Ziff. 20 Abs. 1 1. Lemma Vorsorgereglement = Art. 6
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversiche
rungs
rechts [ATSG]
)
beziehungsweise eine
Berufsunfähigkeit, Letztere hingegen an eine Erwerbsunfähigkeit
(Ziff. 20 Abs. 2
i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG
, Ziff. 20 Abs. 1
2. Lemma Vorsorgereglement = Art. 7 ATSG)
anknüpft.
Darin unterscheidet sich der vorliegende Fall denn auch
von
der
dem
hievor
zitierten Bundesge
richts
entscheid zugrundeliegenden Konstellation, wo sowohl für die Beitragsbefreiung als auch für die Invalidenrente reglementarisch eine Erwerbsunfähigkeit voraus
gesetzt wurde (
Urteil des Bundesgerichts B 70/05 vom 12. Juni 2007
E. 3.2).
In einem Fall wie dem vorliegenden
muss es der Vorsorgeeinrichtung offenstehen, die
Voraussetzungen für die berufsvorsorgespezifische Beitragsbefreiung selb
stän
dig –
das heisst
ohne Bindung an die Feststellungen der IV-Organe – zu überprüfen (
vgl.
Cardinaux
Basile, Eingliederung und Wiedereingliederung aus Sicht der Vorsorgeeinrichtung, SZS 2016 S. 685 ff., Fussnote 64 mit Hinweis auf Urteile des Bundesgerichts
9C_869
/2014 vom 15. Juni 2015 E. 2.1,
9C_604
/2014
vom 31. März 2015
E. 3.3
und
9C_7
/2015 vom 5. Juni
2015 E. 7.1.4
)
.
Bei Vorliegen einer über dreimonatigen Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40 % bis zum Rentenentscheid der Invalidenversicherung
besteht
dem
entsprechend
ein selb
ständiger Anspruch auf Beitragsbefreiung in Form einer überobligatorischen Leistung. Da der
seit dem 3. Januar 2017 andauernde Anspruch auf
Beitrags
be
freiung
mit Eintritt des Todesfalls
am 18. Juni 2017
endete, kommt d
er regle
mentarische Beendigungsgrund der Ablehnung der Leistungspflicht durch die
Invalidenversicherung
vorliegend ohnehin
nicht zum Tragen
(Ziff. 21 Abs. 3 Vor
sorgereglement)
.
Für
eine mit Erlass des negativen Renten
entscheids
(Urk. 21/50)
eintretende rückwirkende
Aufhebung der Beitragsbefreiung
(
vgl.
E. 2.
1
, 2.3
)
fehlt es
an einer reglementarischen Grundlage
.
Zusammengefasst
stellt der vom
3. Januar 2017
bis am 18. Juni 2017 andauernde Anspruch auf Beitragsbefreiung eine Invaliditätsleistung im Sinne von Ziff. 58 Abs. 6 Vorsorgereglement dar
, dessen Bestand und Dauer durch den ablehnenden Rentenentscheid der Invalidenversicherung
im vorliegenden Fall
nicht beeinflusst
wurde
.
4
.4
Nach dem Dargelegten sind die Voraussetzungen von Ziff. 58 Abs. 6
des
Vor
sor
ge
reglement
s
erfüllt und hat die Beklagte den Anspruch auf Todesfallleistungen der Klägerin zu Recht gestützt auf
die
bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit Geltung beanspruchenden
reglementarischen Bestimmungen
berechnet.
Die
Klage
ist so
mit
im Hauptstandpunkt abzuweisen.
5
.
5
.1
In ihrem ersten
Eventualstandpunkt macht
e
die Klägerin
einen Anspruch auf
ein zusätzliches Todesfallkapital
im Betrag von
Fr. 18'726.90 geltend (Urk. 1 S. 13 Rn 32).
5
.2
Mit Blick auf
die
von der Klägerin aufgelegten Vorsorgeausweis
e
(Urk. 2/18/2, Urk. 2/18/5, Urk. 2/18/15)
handelt es sich bei dem geltend gemachten Anspruch um ein Todesfallkapital aus Zusatzvorsorge
(vgl. auch Urk. 26
S. 9 f.
Rn 26
)
.
D
ie Beurteilung des geltend gemachten Anspruches
ist – nach dem Gesagten (E. 4
) –
basierend auf den reglementarischen
Bestimmungen
vorzunehmen, welche bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 3. Oktober 2016 in Kraft standen. Massgebend
ist demnach
der Vorsorgeplan für die Zusatzvorsorge
(Arbeitnehmer mit einem Jahreslohn von mehr als dem oberen BVG-Grenzwert)
mit Gültigkeit ab dem
1. Januar 2010 (Urk. 18/1)
.
5
.3
Die Höhe des Todesfallkapitals ist im Vorsorgeplan festgehalten (Ziff. 29 Abs. 2 Vorsorgereglement). Gemäss dem Vorsorgeplan für die Zusatzvorsorge vom
1. Januar 2010 ist im Todesfall eine jährliche Ehegattenrente versichert
(Ziff. 2.
3.1). Das Todesfallkapital entspricht dem vorhandenen Altersguthaben am Ende des Versicherungsjahres, in welchem der Tod eintritt. Bei verheirateten versicherten Personen wird das Todesfallkapital um den Betrag zur Finanzierung der Ehe
gatten
rente gekürzt (Ziff. 2.3.3; Urk. 18/1).
5
.4
Da die von der Klägerin bezogene
Ehegattenrente
aus Zusatzvorsorge
im Betrag von Fr. 426'951.––
(Kapitalbezug; Urk. 2/17) das zusätzlich ausgewiesene Todes
fallkapital (Fr. 18'726.90) übersteigt, steht der Klägerin entsprechend kein regle
mentarischer Anspruch auf das geltend gemachte Todesfallkapital aus Zusatz
vorsorge zu.
Den
aufgelegten Vorsorgeausweise
n
(Urk.
1 S. 13 Rn 32)
kommt hin
sichtlich dem geltend gemachten Anspruch keine konstitutive Wirkung zu (Urteil des Bundesgerichts
9C_871
/2011 vom 7. Mai 2012 E. 4.2 mit Hinweisen), was auch die Klägerin dem Grundsatz nach nicht in Abrede stellte
(Urk. 26 S. 7 f.
Rn 18
)
.
Das
E
ventualbegehren
um Ausrichtung eines zusätzlichen Todesfallkapitals im Betrag von Fr. 18'726.90
ist entsprechend abzuweisen
.
6
.
6
.1
Zu prüfen ist im Weiteren der
zweite Eventualstandpunkt
der Klägerin, wonach der Einkauf
von Fr. 40'000.––
zurückzuerstatten sei, sofern das Gericht – wie vorliegend
(E. 4
)
– zum Schluss gelangen würde, dass bei
m Verstorbenen
eine dauerhaft leistungsbegründende Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe (Urk. 1 S. 13 Rn
33 ff.).
6
.2
Gemäss dem von der Klägerin zitierten
(Urk. 1 S. 13 Rn 34)
Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (B 116/04 vom 26. August 2005 E. 3.2)
kann bei einer absehbaren Invalidität als berufsvorsorgerechtliches Risiko
nach einer Ehescheidung
kein Wiedereinkauf
im Sinne von Art.
22c
des
Bundes
gesetz
es
über die Freizügigkeit in der beruflichen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (
FZG
)
mehr verlangt werden, da dies auf eine unzulässige Risi
ko
selektion hinauslaufen würde.
Das Gesuch um Wiedereinkauf war vom Versi
cherten dabei zu einem Zeitpunkt gestellt worden,
als
der Eintritt einer renten
begründenden Invalidi
tät infolge einer bereits seit neun
Monaten bestehenden
Arbeitunfähigkeit
absehbar war.
In einem anderen Fall (Urteil des Bundesgerichts
9C_79
/2010 vom 6. Oktober 2010
E. 5; ebenfalls von der Klägerin zitiert [Urk. 1 S. 13 Rn 34-35])
war die zur Invalidität führende Arbeitsunfähigkeit mehr als ein Jahr vor dem Einkauf in die Vorsorgeeinrichtung eingetreten.
Da
bereits eine – später zur Invalidität führende – Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23 BVG eingetreten war,
wurde der in den beiden Fällen geleistete Einkauf zufolge Ver
stosses gegen das
Versicherungsprinzip
jeweils
als unzulässig erachtet.
6
.3
Vorliegend kaufte sich
der verstorbene Versicherte
Mitte
Dezember 2016
mit ei
nem Betrag von Fr. 40'000.-- in die
beklagtische
Vorsorgeeinrichtung ein (Urk. 2/9), nachdem
er
seit dem 3. Oktober 2016
zu
50 %
arbeitsfähig war und ihm der behandelnde Onkologe am 1. Dezember 2016 eine
50%ige
Arbeitsunfähigkeit bis am
31. Januar 2017 attestiert
hatte
(E. 3
.1).
Mit Blick auf die medizinischen Akten
ist indessen nicht überwiegend wahrscheinlich
belegt
, dass
für
den verstorbenen Versicherten
im Zeitpunkt des Einkaufs
vorhersehbar
war, dass die
seit gut zwei Monaten bestehende
Arbeitsunfähigkeit
zu
r
Invalidität oder zum Tod führen
würde
. So bezeichnete Dr.
B._
die Prognose für die Arbeitsaufnahme in seinem Bericht vom 4.
Januar 2017
als
noch offen (E. 3
.
2
) und
der verstorbene Versicherte
verrichtete
–
ausserhalb
der
Hospitalisationszeiten
– weiterhin ein 50 %-Pensum
in seiner bisherigen Tätigkeit
.
Wie die Beklagte
zutreffenderweise
festhielt
(Urk.
30 S. 10)
,
wurden mit dem Einkauf im Dezember 2016 keine zu
sätzlichen Risikoleistungen eingekauft, vielmehr erfolgte der Einkauf offenbar im Ansinnen darum,
das
Alterskapital steuerbegünstigt zu erhöhen.
Mit Blick auf Ziff. 58 Abs.
4 und Abs.
6 des Vorsorgereglement
s
musste
sich
der verstorbene Versicherte
im Zeitpunkt des Einkaufes
im Klaren darüber
sein
, dass
ein mit der dazumal bestehenden Arbeitsunfähigkeit in Zusammenhang stehender Eintritt des Risikos Tod oder Invalidität die Anwendung der reglementarischen Bestim
mungen im Zeitpunkt des Eintrittes der Arbeitsunfähigkeit (3. Oktober 2016) zur Folge haben würde
und der Einkauf
diesfalls
nicht zu
höheren
L
eistungen führen würde
.
Vor diesem Hintergrund läuft der Einkauf
von Fr. 40'000.––
nicht auf eine unzu
lässige Risikoselektion hinaus, wie dies in den von der Klägerin zitierten Urteilen
der Fall war
(Urk. 1 S. 13 Rn 34 f.
; vgl.
hievor
E. 6
.2
).
E
ntsprechend erweist sich der getätigte Einkauf als zulässig und ist das klägerische Eventualbegehren um Rückerstattung
desselben
abschlägig zu beurteilen.
7
.
Auf die Abnahme der angebotenen Beweise kann in antizipierter Beweiswürdi
gung verzichtet werden (vgl. BGE 122
V
157 E.
1d
mit Hinweisen
).
Die vorstehenden Erwägungen haben die vollumfängliche Abweisung der Klage zur Folge.
8
.
Der Beklagten steht in ihrer Funktion als Trägerin der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegens keine Prozessentschädigung zu (BGE 128 V 124 E.
5b
).