Decision ID: b0aa5d3d-0996-40d6-a70d-3d0a9a2a47e2
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Dezember 2004 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Im Auftrag der IV-Stelle wurde sie Ende Juni 2005
durch die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Zentralschweiz begutachtet. Die
Sachverständigen hielten im Gutachten vom 20. Oktober 2005 fest (IV-act. 33), die
Versicherte leide an einer schweren posttraumatischen Belastungsstörung mit Re
traumatisierungen im Verlauf der Biographie und einem Ganzkörperschmerzsyndrom
ohne ein adäquates somatisches Korrelat. Eine ausserhäusliche Erwerbstätigkeit sei ihr
nicht zumutbar. Im eigenen Haushalt sei sie zu 30 Prozent arbeitsfähig. In einer
Eingabe an die IV-Stelle behauptete ein der Versicherten bekanntes Ehepaar im
Dezember 2005, diese wolle auf betrügerische Weise eine Rente erschleichen (IV-act.
43). Die IV-Stelle forderte die Sachverständigen der MEDAS Zentralschweiz auf,
Stellung zu diesem Schreiben zu nehmen (IV-act. 48). Diese antworteten im Februar
2006, ihnen sei es nicht möglich herauszufinden, ob sie von der Versicherten getäuscht
worden seien; sie hielten es aber für wahrscheinlicher, dass die Erlebniswelt der
Versicherten eine andere sei als jene, die aussenstehende Personen wahrnähmen (IV-
act. 50). Nach einer Abklärung im Haushalt der Versicherten im April 2006 hatte eine
Sachbearbeiterin der IV-Stelle festgehalten, die Versicherte habe angegeben, sie würde
auch ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung keiner ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit
nachgehen, da sie für die Kinder da sein wolle, weshalb sie als Hausfrau zu
qualifizieren sei; unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht der
Angehörigen resultiere eine massgebende Einschränkung im Haushalt von 56 Prozent
(IV-act. 58). Mit einer Verfügung vom 5. Dezember 2006 sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Wirkung ab dem 1. März 2005 eine halbe Rente samt zwei
Kinderrenten im Gesamtbetrag von 1’016 Franken pro Monat zu; die Nachzahlung von
A.a.
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12’192 Franken für die Zeit von März 2005 bis und mit November 2006 verrechnete sie
mit einer Forderung des Sozialamtes (IV-act. 76).
Am 22. Januar 2007 liess die Versicherte eine Beschwerde gegen die Verfügung
vom 5. Dezember 2006 erheben (vgl. IV-act. 81). Am 13. März 2007 notierte eine
Sachbearbeiterin des Rechtsdienstes der IV-Stelle (IV-act. 86), in einer internen
Besprechung zwischen ihr, dem Leiter des Rechtsdienstes und der Leiterin des IV-
internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) sei man zum Schluss gelangt, dass der
Fall bei der MEDAS Luzern „schlecht abgeklärt“ worden sei. Die Arbeitsunfähigkeit
stütze sich nur auf die subjektiven Angaben der Versicherten. Eine Rente sei
wahrscheinlich nicht geschuldet. Die angefochtene Verfügung vom 5. Dezember 2006
müsse „sofort“ aufgehoben werden, wobei ein „Vorbehalt betreffend Rückforderung
(für allfällige zu Unrecht erbrachte Leistungen)“ anzubringen sei. Die Rentenauszahlung
müsse sofort eingestellt werden und der Fall müsse dem RAD vorgelegt werden,
„damit neue MEDAS veranlasst wird“. Am 15. März 2007 widerrief die IV-Stelle die
Verfügung vom 5. Dezember 2006 mit der Begründung, sie müsse weitere Abklärungen
tätigen; sie behalte sich die Rückforderung allfälliger zu Unrecht erbrachter Leistungen
vor (IV-act. 87).
A.b.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und
Hygiene (AEH) AG am 11. März 2008 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 124 und
126). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an einem generalisierten
Schmerzsyndrom, an einer Persönlichkeitsstörung mit gemischten Anteilen, an einer
Schmerzstörung sowie an einer chronischen Gastritis. Der Gesundheitszustand sei als
im Wesentlichen unverändert seit der Begutachtung durch die MEDAS Zentralschweiz
zu qualifizieren. Die Versicherte sei für sämtliche Tätigkeiten zu 70 Prozent
arbeitsunfähig. In einer internen Notiz äusserte eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes
der IV-Stelle Zweifel an den Angaben der Versicherten im Rahmen der Begutachtung,
wobei sie auf diverse Ungereimtheiten hinwies (IV-act. 128). Die Dres. med. B._ und
C._ vom RAD stellten sich dagegen am 9. April 2008 auf den Standpunkt, die
Versicherte leide mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an einer schweren
Persönlichkeitsstörung; die beiden Gutachten der MEDAS Zentralschweiz und der AEH
AG überzeugten (IV-act. 134). Die IV-Stelle liess die Versicherte im Zeitraum von Ende
Oktober 2008 bis Anfang Januar 2009 observieren. Die Ermittler hielten in ihrem Bericht
A.c.
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B.
zusammenfassend fest, sie hätten weder körperliche noch psychische
Beeinträchtigungen feststellen können (IV-act. 182). Mit einer Verfügung vom 9. März
2009 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 211). Das Versicherungsgericht
hob diese Verfügung mit einem Entscheid vom 2. Juli 2013 (IV 2009/136) auf und
sprach der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. März 2005 eine ganze Rente zu,
nachdem der Versicherten in einem psychiatrischen Gerichtsgutachten vom 24.
Oktober 2012 wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer mittelgradigen
depressiven Störung, einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren sowie einer Persönlichkeitsakzentuierung mit histrionischen,
narzisstischen und ängstlich-vermeidenden Zügen eine Arbeitsunfähigkeit von 70
Prozent für sämtliche Tätigkeiten attestiert worden war. Das Bundesgericht hob diesen
Entscheid mit einem Urteil vom 24. Juni 2014 (9C_687/2013) auf und wies das
Rentenbegehren der Versicherten ab. Mit einer Verfügung vom 20. August 2014
forderte die IV-Stelle die im Zeitraum vom 1. März 2005 bis zum 31. März 2007
erbrachten Rentenleistungen von insgesamt 23’450 Franken zurück (IV-act. 329).
Am 19. September 2014 liess die Versicherte (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 20. August 2014
erheben (act. G 1). Ihre Rechtsvertreterin beantragte die „vollumfängliche“ Aufhebung
der angefochtenen Verfügung. Zur Begründung führte sie aus, die absolute
Verwirkungsfrist von fünf Jahren sei längst verstrichen, weshalb die Rückforderung
verwirkt sei. Eine längere strafrechtliche Frist könne vorliegend nicht zur Anwendung
kommen.
B.a.
Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 16. Oktober
2014 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie an, bereits
die Verfügung vom 15. März 2007 habe „fristwahrende Wirkung“ gehabt. Nachdem ein
Strafverfahren gegen die Beschwerdeführerin eröffnet worden sei, stelle sich zudem
durchaus die Frage nach der Anwendbarkeit einer längeren strafrechtlichen
Verwirkungsfrist. Das Versicherungsgericht habe diese Frage vorfrageweise zu
beantworten; allenfalls sei das Beschwerdeverfahren bis zum Abschluss des
Strafverfahrens zu sistieren.
B.b.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung der angefochtenen Verfügung
auf deren Rechtmässigkeit, weshalb sein Gegenstand jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens entsprechen muss. Dieses hat sich allein auf die Rückforderung
von effektiv erbrachten, gemäss dem Urteil des Bundesgerichtes 9C_687/2013 vom
24. Juni 2014 aber nicht geschuldeten Rentenleistungen für die Zeit vom 1. März 2005
bis zum 31. März 2007 beschränkt. Folglich ist auch in diesem Beschwerdeverfahren
ausschliesslich zu prüfen, ob jene Rückforderung rechtmässig ist.
Am 27. Oktober 2014 wurde der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt (act. G 6).
B.c.
Die Beschwerdeführerin liess am 26. November 2014 an ihrem Antrag festhalten
(act. G 8). Die Beschwerdegegnerin hielt am 28. Januar 2015 ebenfalls an ihrem Antrag
fest (act. G 10).
B.d.
Die zuständige Staatsanwältin gab im Februar 2017 telefonisch an, sie habe das
Ermittlungsverfahren sistiert, da sich die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich erneut
zum Rentenbezug angemeldet habe (act. G 12). Mit einem Zwischenentscheid vom 7.
April 2017 wurde das Beschwerdeverfahren förmlich sistiert (act. G 15). Da das
Strafverfahren zu Beginn des Jahres 2022 noch immer nicht abgeschlossen worden
war, wurde die förmliche Sistierung des Beschwerdeverfahrens mit einem weiteren
Zwischenentscheid vom 15. März 2022 wieder aufgehoben (act. G 16).
B.e.
Die Beschwerdeführerin liess am 4. April 2022 darauf hinweisen, dass ihr
zwischenzeitlich eine ganze Rente zugesprochen und dass das Strafverfahren
rechtskräftig eingestellt worden sei (act. G 17; vgl. auch act. G 18). Die
Beschwerdegegnerin machte am 3. Juni 2022 geltend (act. G 22), die Einstellung des
Strafverfahrens sei mit Blick auf den schlechten Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin und nicht etwa deswegen erfolgt, weil die Staatsanwältin der
Auffassung gewesen wäre, es liege kein Straftatbestand vor. Zudem falle auf, dass die
Einstellung just in jenem Moment verfügt worden sei, in dem die Verfolgungsverjährung
eingetreten sei.
B.f.
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2.
Laut dem Art. 25 Abs. 2 Satz 1 ATSG „erlischt“ der Rückforderungsanspruch
spätestens fünf Jahre nach der Auszahlung der einzelnen Leistung. Diese
Verwirkungsfrist kann grundsätzlich nur gewahrt werden, wenn die Rückforderung vor
dem Ablauf der Frist mit einer Verfügung geltend gemacht wird (vgl. etwa Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 25 N 95, mit Hinweisen). Das ist problematisch,
weil die (absolute) Fünfjahresfrist sofort mit der Auszahlung der einzelnen Leistung zu
laufen beginnt und weil eine Rückforderungsverfügung als Vollzugsverfügung nicht
einfach so ergehen kann, sondern zwingend eine entsprechende materielle
Korrekturverfügung voraussetzt, denn vollzogen werden kann ja nur, was zuvor
materiell verfügt worden ist. Die Verwaltung ist also gezwungen, mit dem Erlass einer
Rückforderungsverfügung zuzuwarten, bis die materielle Korrekturverfügung, die zur
Rückforderung führt, in formelle Rechtskraft erwachsen ist. Verfügt die Verwaltung eine
Rückforderung, bevor eine entsprechende materielle Korrekturverfügung ergangen und
in formelle Rechtskraft erwachsen ist, betreibt sie eine verpönte „Rechtsanwendung
auf Vorrat“. Genau dazu ist sie aber gezwungen, wenn absehbar ist, dass die materielle
Korrekturverfügung – etwa wegen eines hängigen Rechtsmittelverfahrens – nicht vor
Ablauf der Fünfjahresfrist ab der Auszahlung der fraglichen Leistung in formelle
Rechtskraft erwachsen wird. Eine entsprechende Rückforderungsverfügung kann
jedoch keine „echte“ Rückforderung im Sinne des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG, sondern
nur ein inhaltsloses Konstrukt sein, das ausschliesslich der Fristwahrung dient. Es fehlt
aber jede gesetzliche Grundlage für ein solches inhaltsloses Konstrukt. Also muss es
andere Möglichkeiten geben, insbesondere die absolute Verwirkungsfrist zu wahren. Im
Anwendungsbereich des früheren KUVG hat die Verwirkungsfrist tatsächlich auch mit
einem „formlosen Kassenbescheid“ gewahrt werden können, was allerdings dem
formlosen Entscheid im Sinne des Art. 51 ATSG oder der Mitteilung im Sinne des Art.
58 IVG entsprochen hat, was nicht weiter hilft, weil ein solcher „formloser“ Entscheid
jeweils anstelle einer Verfügung ergeht und letztlich ähnlich verbindlich wie eine
rechtskräftige Verfügung wird. Auch eine als Mitteilung eröffnete Rückforderung ist nur
ein leerer Formalismus, wenn die Mitteilung ergeht, bevor die materielle
Korrekturverfügung in formelle Rechtskraft erwachsen ist. Im BGE 119 V 431 hat das
Bundesgericht (wenn auch ohne überzeugende Begründung) festgehalten, dass im
Bereich der Invalidenversicherung nicht nur der Verfügung, sondern auch dem
Vorbescheid eine fristwahrende Wirkung zuzubilligen sei (E. 3c in fine). Der
Vorbescheid ergeht jeweils – anders als die Mitteilung – nicht anstelle einer Verfügung;
er entfaltet auch nicht eine verbindliche Wirkung, sondern er ist im Grunde nichts
weiter als eine Orientierung darüber, wie die Verwaltung zu einem späteren Zeitpunkt
2.1.
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zu verfügen gedenkt. Wenn die Verfügung fristenrechtlich mit einer zivilrechtlichen
Klage oder Betreibung zu vergleichen wäre, würde der Vorbescheid am ehesten der
Mahnung entsprechen. Mit seinem Leitentscheid BGE 119 V 431 hat das
Bundesgericht folglich das Instrumentarium, mit dem die Verwaltung eine
Verwirkungsfrist wahren kann, ganz entscheidend erweitert, indem es im Ergebnis
eingeräumt hat, dass die Verwirkungsfrist nicht nur mit einer Verfügung, sondern
bereits mit einer reinen Orientierung über eine geplante Verfügung gewahrt werden
kann. Ein Grund, der dazu zwingen würde, nur einer in der Form eines Vorbescheides
eröffneten Orientierung eine fristwahrende Wirkung zuzuerkennen, ist nicht ersichtlich.
Zudem hat das Bundesgericht im Urteil 8C_699/2010 vom 8. Februar 2011
festgehalten, dass eine Rückforderung nicht zwingend frankenmässig beziffert werden
müsse; eine Rückforderungsverfügung habe auch dann fristwahrende Wirkung, wenn
der Rückforderungsbetrag nicht beziffert werde. Nach der bundesgerichtlichen
Auffassung muss folglich jede klare Aussage, dass unrechtmässig bezogene
Leistungen vom Versicherten zurückzuerstatten seien, als ausreichend für die Wahrung
der Verwirkungsfrist qualifiziert werden.
Die Beschwerdegegnerin hat im März 2007 den dringenden Verdacht gehabt, dass
sie die bereits ausgerichteten Rentenzahlungen allenfalls zu Unrecht ausgerichtet habe.
Sie hat damals aber noch nicht wissen können, ob die Beschwerdeführerin einen
Rentenanspruch gehabt hat respektive ob tatsächlich eine Rückforderung entstehen
werde. Erst mit der Eröffnung des Urteils des Bundesgerichtes 9C_687/2013 vom 24.
Juni 2014 hat festgestanden, dass die Beschwerdegegnerin die bereits ausgerichteten
Rentenleistungen würde zurückfordern müssen. Die Beschwerdegegnerin hat also
frühestens Ende Juni 2014 eine Rückforderung verfügen können; jede frühere
Rückforderungsverfügung wäre ein gesetzwidriges, inhaltsloses Konstrukt im Sinne der
obigen Ausführungen gewesen. Ende Juni 2014 sind aber bereits mehr als fünf Jahre
seit der Auszahlung der nun („definitiv“) als unrechtmässig bezogen zu qualifizierenden
Rentenleistungen vergangen gewesen. Wenn das Bundesgericht nicht die Möglichkeit
der Fristwahrung mittels einer blossen Orientierung geschaffen hätte, hätte die
Beschwerdegegnerin also tatenlos zusehen müssen, wie die Rückforderung vor ihrem
Entstehen (!) verwirkt wäre. Zwar hat die Beschwerdegegnerin vor dem Ablauf der
Fünfjahresfrist keinen Vorbescheid über eine spätere Rückforderung von Leistungen
erlassen, aber sie hat sich in ihrer Verfügung vom 15. März 2007 ausdrücklich eine
Rückforderung vorbehalten. Damit ist die Beschwerdeführerin darüber orientiert
gewesen, dass sie die bereits erhaltenen Rentenleistungen würde zurückerstatten
müssen. Der in der Verfügung vom 15. März 2007 enthaltene Hinweis muss folglich als
eine fristwahrende Handlung im Sinne des BGE 119 V 431 qualifiziert werden. Damit ist
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/9
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3.
Die Korrektur der angefochtenen Rückforderungsverfügung ist praxisgemäss
hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der
Beschwerdeführerin zu qualifizieren, weil diese mit ihrem Kernanliegen, nämlich der
Korrektur der von ihr als rechtswidrig erachteten Verfügung, vollumfänglich
durchgedrungen ist. Die angesichts des durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf
600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind folglich der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen. Die Beschwerdegegnerin hat der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung auszurichten. Bei der Bemessung des erforderlichen
Vertretungsaufwandes ist zu berücksichtigen, dass der Sachverhalt der
Rechtsvertreterin bereits bestens bekannt gewesen ist und dass sich die Sache nur um
die Rückforderung gedreht hat, weshalb der erforderliche Vertretungsaufwand trotz des
Umstandes, dass mehrere Schriftenwechsel durchgeführt worden sind und dass sich
die Rechtsvertreterin auch mit zwei Zwischenentscheiden hat befassen müssen, als
insgesamt deutlich unterdurchschnittlich gegenüber einem durchschnittlichen
die absolute, fünfjährige Verwirkungsfrist gewahrt gewesen. Da die
Beschwerdegegnerin die Rückforderungsverfügung unmittelbar nach der Eröffnung
des Bundesgerichtsurteils 9C_687/2013 vom 24. Juni 2014, nämlich am 20. August
2014, eröffnet hat, ist auch die relative Verwirkungsfrist gewahrt gewesen, denn für den
Beginn des Laufs der relativen Verwirkungsfrist ist jener Zeitpunkt massgebend, in dem
die materielle Korrekturverfügung in formelle Rechtskraft erwächst (vgl. dazu die Urteile
des Bundesgerichtes 8C_642/2014 vom 23. März 2015 und 8C_640/2014 vom 19.
Dezember 2014 sowie den Entscheid IV 2014/559 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 16. November 2016, E. 2.2). Die Rückforderung ist also
nicht verwirkt gewesen.
Die Beschwerdegegnerin hat die gesamten Rentenleistungen für die Zeit vom 1.
März 2005 bis zum 31. März 2007 im Betrag von 23’450 Franken von der
Beschwerdeführerin zurückgefordert. Das ist rechtswidrig gewesen, weil die
Beschwerdegegnerin einen Teilbetrag von 12’192 Franken mit einer Forderung des
Sozialamtes verrechnet, also direkt dem Sozialamt ausgerichtet hatte. Diesen
Teilbetrag hätte sie selbstverständlich vom Sozialamt und nicht von der
Beschwerdeführerin zurückfordern müssen. Der – abgesehen davon – als korrekt
berechnete Rückforderungsbetrag von 23’450 Franken ist folglich um 12’192 Franken
auf 11’258 Franken zu reduzieren.
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 9/9
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Rentenfall zu qualifizieren, weshalb die Parteientschädigung praxisgemäss auf 2’500
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.