Decision ID: 69c933ac-d0d6-47a5-a92f-a0ad7ce35220
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1969,
gelernter Polizist,
war
seit
dem Jahr
2001 Inha
ber der
Y._
in
Z._
und betrieb
seit dem Jahr 2005
nebenbei
ein
Restaurant
im selben Ort
(vgl.
Urk.
11/
2 S. 1
;
Urk.
11/19 S. 9
;
Urk.
11/70 S. 8
). Am
8.
April 2013 meldete er sich unter Hinweis auf eine Schlafstörung, eine Erschöpfung sowie eine Depression und Ängste bei der In
validenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/3 S. 5
Ziff.
6.2). Die
Sozi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation (
Urk.
11/9-10;
Urk.
11/12-13;
Urk.
11/25-26;
Urk.
11/28) ab und veranlasste eine psychiatrische Begutachtung, über welche am
4.
März 2014 berichtet wurde (
Urk.
11/19). Am 2
9.
April 2014 teilte sie dem Versicherten mit, dass derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
11/27).
Nachdem die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
0.
Juni 2014 (
Urk.
11/31) die Abweisung des Leistungsgesuchs in Aussicht gestellt
und
dieser
dagegen
Einwände (
Urk.
11/37;
Urk.
11/44;
Urk.
11/49) erhob
en hatte,
veran
lasste sie
erneut
ein psychiatrisches Gutachten, welches am 3
0.
August 2015 erstattet wurde (
Urk.
11/70). Sodann wurde dem Versicherten
Gelegenheit ein
geräumt, hierzu Stellung zu nehmen (
Urk.
11/106). Nachdem der Versicherte seine Stellungnahme am 1
1.
Mai 2016 eingereicht hatte (
Urk.
11/112), hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid vom Juni 2014 fest und verneinte mit Verfü
gung vom 1
8.
Mai 2016 (
Urk.
11/115 =
Urk.
2) einen Leistungsanspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am 1
7.
Juni 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
8.
Mai 2016 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen im Sinne von beruflichen Eingliederungsmassnahmen beziehungsweise einer Invalidenrente auszurichten (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
August 2016 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
mit Verfü
gung vom
4.
Januar 2017
(
Urk.
13)
zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig
wurde
antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2)
die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt sowie
die
A._
Stiftung Berufliche Vo
rsorge,
zum Prozess
beigeladen. Mit Schreiben vom
6.
Februar 2017 (
Urk.
15) teilte diese mit, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit nicht mehr versichert gewesen sei. Am
6.
März 2017 bestätigte der Beschwerdeführer, dass er ab dem
6.
April 2005 keiner Pensionskasse mehr angeschlossen gewesen sei
. Zudem
reichte
er
einen
weiteren Bericht ein (
Urk.
19-20). Dies wurde der Beschwerdegegnerin am
9.
März 2017 zur Kenntnis gebracht und gleichzeitig
wurde
die
A._
aus dem Verfahren entlassen
(
Urk.
21)
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit
Krank
heitswert
besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, dass der Beschwerdeführer seit dem 3
0.
Oktober 2013 in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Er verfüge allerdings durchaus über die nötigen Ressourcen, um sich auf dem Arbeitsmarkt einzugliedern. Die depressive Störung sei bei Aufbietung allen guten Willens überwindbar. Die Kriterien für eine
subsyndro
male
posttraumatische Belastungsstörung seien
nicht
(mehr)
erfüllt und die Di
agnose einer andauernden Persönlichkeitsstörung sei nicht nachvollziehbar. Auch könne nicht von einer gravierenden Agoraphobie mit Panikstörung aus
gegangen werden. Aus objektiver Sicht ergäbe sich keine anhaltende Arbeits
unfähigkeit. Das Leistungsbegehren
sei daher abzuweisen
(S. 1 ff.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1),
aus
den
beiden von der Beschwerdegegnerin veranlassten psychiatrischen Gut
achten gehe ein invaliditätsrelevanter Gesundheitsschaden hervor. Gestützt da
rauf sei er seit spätestens Oktober 2012 arbeits- und erwerbsunfähig. Dem ent
sprächen auch die Berichte des behandelnden Psychiaters sowie des Hausarztes (S. 11). Er habe folglich Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung (
Urk.
14).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der Invalidenversicherung und dabei insbesondere
das Vorliegen eines invalidi
sierenden psychischen Gesundheitsschadens.
3.
3.1
Mit Bericht vom
5.
Juli 2007 (
Urk.
11/25/18-19
) diagnostizierte
Dr.
med.
B._
, praktischer Arzt, einen
lateromedialen
Durchschuss des linken Un
terschenkels (US)
zirka 10 cm unterhalb des
Kniegelenks. Der linke
Nervus
s
u
ralis
sei durch eine periphere diffuse
Nervusläsion
ohne Nachweis einer lokali
sierten Nervenverletzung partiell ausgefallen. Es läge eine posttraumatische Schwäche der Extensoren
und
des linken Fusses vor. Ausserdem leide der Be
schwerdeführer an einem schweren, sekundären
Traumasyndrom
mit
Panikatta
cken
und schwerer Angstagitation. Aus rein körperlicher Sicht könne
er
seine Tätigkeit bald wieder aufnehmen. Es bestehe jedoch ein schweres psychisches Trauma. Er sei derzeit zu maximal 10 bis 20
%
arbeitsfähig. Körperlich sei er maximal ein bis zwei Stunden einsetzbar. Die selbständige Führung des eigenen Unternehmens sei wegen
der desolaten psychischen Lage
nicht möglich (S. 1
f.
).
3.2
Am
4.
August 2008
erfolgte
in der
C._
Klinik eine
AC-Gelenksstabilisie
rung
/-Fesselung links bei schmerzhafter AC-Gelenksluxation Typ
Tossy
III bei Status
nach einem am 1
8.
März 2008 erlittenen Sturz. Der postoperative Verlauf
habe sich
komplikationsl
os
gestaltet
(vgl. Operations
-
und
Austrittsbericht
vom
4.
respektive
8.
August 2008,
Urk.
11/26/8-9
,
Urk.
11/26/3).
3.3
Dem durch
Dr.
B._
am 1
1.
Juni 2013 erstellten Bericht (
Urk.
11/13/5-8) sind folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (S. 1
Ziff.
1.1):
-
schwere Major
depression
mit hochgradiger Antriebslosigkeit
-
hochgradige therapieresistente depressive Stimmungslage nach traumati
sierenden Erlebnissen im Berufsleben
-
p
aroxy
smale Panikattacken
-
generalisierte Angststörung
-
ausgeprägter psychophysischer Erschöpfungszustand
Der Beschwerdeführer seit derzeit vollständig arbeitsunfähig. Die Prognose sei unsicher (S. 3
Ziff.
1.4).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom 2
2.
August 2013 (
Urk.
11/1) an, dass er
den Beschwerdeführer seit dem 1
8.
Januar 2013 behandle (S
. 2
Ziff.
4.1), und eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie eine mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
stellen könne (S. 2
Ziff.
2.1). Der Beschwerdeführer sei
in der bisherigen Tätigkeit
seit Oktober 2012 vollständig arbeitsunfähig (S. 2
Ziff.
3).
Unter Fortsetzung der Therapiemassnahmen sei eine schrittweise Stabilisierung und Symptomreduktion zu erwarten. Eine Rückkehr in die bisherige Tätigkeit oder an einen anderen gefahrenbelastenden Arbeitsplatz werde nicht realisier
bar sein. Er empfehle eine berufliche Neuorientierung. Im jetzigen Zeitpunkt sei noch nicht absehbar, ab wann und in welchem Pensum eine
behinderungsange
passte
Tätigkeit möglich sei
n werde
(S. 3
Ziff.
4.7).
3.5
Am
4.
März 2014 erstatteten
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
Dr.
med.
F._
, praktische Ärztin,
G._
, ihr psy
chiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
11/19). Dabei konnten sie folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (S. 15 f.
Ziff.
6.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
sonstige Reaktionen auf schwere Belastung mit Angst, Über
er
regbarkeit, U
nsicherheit und Schlafstörungen
bei Stand nach im Jahr 2007 erlitte
ner Schussverletzung bei Ausführung der Arbeit ohne Erfüllung der
Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung im engeren Sinne (ICD-10 F43.8)
Sodann erachteten sie eine Phobie vor Schlangen (ICD-10 F40.2) sowie akzentu
ierte narzisstische Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) als
Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähi
gkeit (S. 16
Ziff.
6.2).
Es sei von einer seit dem Jahr 2007 bestehenden rezidivierenden depressiven Störung auszugehen,
welche durch die
am 1
0.
März 2007 erlittene Schussverlet
zung
ausgelöst worden sei
.
Anlässlich der Untersuchung habe eine leichte de
pressive Symptomatik imponiert.
Der Beschwerdeführer berichte von einem Verlust der Freude und Interessen. Es bestehe eine Affektarmut mit depressiver Stimmungslage und reduziertem Antrieb. Das Selbstwertgefühl sei vermindert und es
seien
Züge einer narzisstischen Persönlichkeitsakzentuierung
ersichtlich
.
Auch
lägen
Ansätze von Vermeidungs
verhalten und
Hyperarousal
sowie regel
mässige Albträume
vor.
D
er Beschwerdeführer
verneine jedoch
das Erleben von Intrusionen und Flash
backs.
Somit seien die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung nur teilweise erfüllt.
Allerdings
liege
eine Symptomatik
vor
, welche
einer
gesunden Reakt
ion nach
einer
Traumatisierung
entspreche
und
den Beschwerdeführer
bei der Ausführung seiner Arbeit einschränke. Ein erheb
licher
Ant
eil der Psychopathologie könne durch eine narzisstische Kränkung er
klärt werden, welche den Erschöpfungszustand wesentlich zu verstärken ver
möge und die Entwicklung der depressiven Symptomatik begünstige. Der Be
schwerdeführer berichte
ausserdem von Angstattacken, welche
jedoch
nicht nä
her spezifiziert werden
könnten
(S. 17
f.
Ziff.
7.1-7.2).
Die Rückkehr in die bisherige Tätigkeit sei aufgrund des erlittenen Traumas mit Symptomen einer Übererregbarkeit, eines Rückzugs
sowie
einer situativen Angst und Unsicherheit nicht mehr zumutbar.
Der Beschwerdeführer sei derzeit in jeg
licher Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Es sei davon auszugehen, dass bei Durchführung einer adäquaten Therapie wiederum eine Arbeitsfähigkeit in e
ine
r
angepasste
n
Tätigkeit ohne potenzielle Gefahren und ohne ausgiebigen
Kun
denkontakt
erreich
t werde
n könne
.
Das zumutbare Pensum
müsse
im Rahmen eines Arbeitsversuches evaluiert werde
n, wobei e
ine Arbeitsfähigkeit von 50
%
erreicht werden
sollte
(S. 20 ff.
Ziff.
8.1-8.2). Eine berufliche Wiedereingliede
rung könne erst
nach
einer psychischen
Stabilisierung und somit
frühestens in drei bis sechs Monaten erfolgen (S. 22
Ziff.
8.3.1).
3.
6
Mit Stellungnahme vom 1
0.
Juli 2014 (
Urk.
11/42)
kamen
Dr.
D._
sowie Dipl.-P
sych.
H._
zum Schluss
,
dass die
gutachterliche
Beurteilung
durch die
Ä
rzte der
G._
grösstenteils
mit
der eigenen
Einschätzung überein
stimme.
D
ie Beschwerden des Beschwerdeführers
hätten sich
unter der erfolgten Therapie
jedoch
soweit gebessert,
dass rehabilitative berufliche Massnahmen
bereits sinnvoll und durchführbar ersch
ie
nen. D
ies zunächst
in
einem Pensum von maximal 50
%
.
Für die Annahme
einer
Ü
berwindbarkeit der depressiven Symptomatik
liege
ke
ine medizinische Grundlage
vor
.
D
ie Kriterien für
eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD
-10 F43.1)
seien
zweifelsfrei erfüllt. D
ie
gutachterlich
diagnostizierten akzentuierten narzisstischen Persönlichkeitszüge
seien dagegen
nicht erkennbar (S. 1 ff.).
Bei sachgerechter Unterstützung sei mittel-
bis
langfristig die Wiedererlangung der vollständigen Arbeitsfähigkeit realisierbar,
dies
allerdings nicht mehr
im
bisherigen gefahrenexponierten Tä
tigkeitsbereich (S. 5).
3.7
Auch
Dr.
B._
erachtete
die Rückkehr
des Beschwerdeführers
in die bisherige Täti
gkeit im Sicherheitsbereich
sowie in der Gastronomie als nicht
mehr
zumut
bar.
S
eit Oktober 2012
sei er diesbezüglich
vollständig arbeitsunfähig.
I
n einer anderen Tätigkeit sei er ohne erfolgreiche psychiatrische Rehabilitation
derzeit ebenfalls
nicht arbeitsfähig. Nach Abschluss einer solchen könne möglicher
weise eine 50%ige Berufsfähigkeit angenommen werden.
Eine posttraumatisc
he Belastungsstörung liege vor, wobei die
Situation durch die
schweren
Panikatta
cken
erschwer
t würde
.
Die
depressive Symptomatik
sei nicht überwindbar
(
vgl. Stellungnahme vom 1
6.
Juli 2014,
Urk.
11/43
S. 1).
3.8
Am 3
0.
August 2015 erstattete
Dr.
med. Dipl.-Psych.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
sein psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
11/70).
Dabei konnte er folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen (S. 17):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.01/F33.11), im Verlauf unterschiedlichen Schweregrades (leicht- bis
schwergradig
)
-
chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung, derzeit
subsyndromal
ausgeprägt, in zeitl
icher Hinsicht Ü
bergang in eine
andauernde
Persön
lichkeitsänderung
nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01), am ehesten im Rahmen ei
ner Symptomverschiebung aus der posttraumatischen
Belastungsstö
rung
entstanden
Sodann er
wähn
te er akzentuierte (narzisstische) Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 17).
Anlässlich der Untersuchung hätten sich
die Hauptsymptome einer Depression im Sinne
eine
r
ausgeprägte
n
depressive
n
Stimmungslage, eine
r
Interessemin
derung
, eine
r
Freudlosigkeit sowie ein
es
Antriebsmangel
s
gezeigt. Zudem
sei
en
eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit subjektiv als auch in leichter Form objektiv feststellbar gewesen.
E
in deutlich vermindertes Selbst
wertgefühl und Selbstvertrauen, ausgeprägte Insuffizienzgefühle, negative und pessimistische Zukunftsperspektiven sowie Schlafstörungen
seien
ausgewiesen
. Zudem lägen eine Interesseminderung, ein Verlust der Freude, eine mangelnde emotionale Reagibilität, ein frühmorgendliches Erwachen und morgendliches Stimmungstief sowie eine psychomotorische Unruhe vor.
Es
habe sich
eine ge
drückte, deutlich niedergestimmte, pessimistische, freudlose und ratlose
Grund
stimmung
gezeigt. Die affektive Modulations
fähigkeit sei leicht vermindert
. Der Antrieb sei deutlich vermindert. Mimik und Gestik seien wenig mit
schwingend. Sodann sei über
zirzadiane
Besonder
heiten im Sinne eines Morgentiefs berichtet worden.
Es
hätten sich eine
Grübelneigung
sowie eine
deutliche Einengung auf
ein
Insuffizienzerleben
gezeigt
.
Der Beschwerdeführer habe
über paroxysmale
Ängste,
eine vermehrte Schreckhaftigkeit im Sinne eines
Hyperarousal
sowie eine innere Unruhe und erhöhte Impulsivität berich
tet
(S. 18 ff.).
Angesichts der im Verlauf beschriebenen, aktuell nicht mehr
eruierbaren
Nachhal
lerinnerungen
sowie
der
Albträume
,
der
vermehrten Schreckhaftigkeit
und
de
r
Angstsymptome erg
e
be sich
aktuell
keine
syndromal
ausgeprägte post
traumatische Belastungsstörung mehr.
D
ie Diagnose einer andauernden
Persön
lichkeitsänderung
nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0)
sei
zu bevorzugen.
So seien eine ausgeprägte Reizbarkeit, eine Erschöpfung, eine
Konzentrationsmin
derung
sowie eine Stressempfindlichkeit und eine emotionale Instabilität be
schrieben und dokumentiert worden
(S. 20).
Ausserdem habe der
Beschwerdeführer
über spontan auftretende und nicht vor
hersehbare
,
s
chwere Angstattacken berichtet.
Er
habe
das häufige Auftreten von
Palpitationen
und
Schweissausbrüchen,
einer
Mundtrockenheit,
eines
Beklem
mungsgefühl
s
und
eines
Schwindel
s
,
von
Hitzewallungen sowie
einer
Angst, die Kontrolle zu verlieren, beschrieben. Die Kriterien einer Agoraphobie seien
durch die
Furcht vor Menschenmengen
sowie
ei
n entsprechendes
Vermeidungsver
halten
ebenfalls erfüllt
. Der Verlauf der Störung zeige mittlerweile eine deutli
che Fixierung der Beschwerden im Sinne einer
Chronifizierung
der ängstlich-depressiven und impulsiven Symptomatik (S. 21).
Es ergäben sich keine Hinweise
auf
eine Aggravation oder Simulation.
Dem
Beschwerdeführer würden entscheidende Ressourcen fehlen, um eine entspre
chende Willensanstrengung zur
Ü
berwindung der
Beschwerde
n
leisten zu kön
nen. Aufgrund der Komorbidität
der Störungen
sei
gegenwärtig
in der bisheri
gen sowie einer vergleichbaren Verweistätigkeit von einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit auszugehen.
Eine halbtäg
ige Tätigkeit in einem geschützten Rah
men
im Sinne eines Arbeitstrainings oder einer Belastbarkeitserprobung
sei
therapeutisch sinnvoll und zumutbar.
I
n die Beurteilung der medizinisch-theo
retischen Zumutbarkeit einer Tätigkeit
seien keine invaliditätsfremden Faktoren
miteingeflossen. Der mittlerweile mehrjährige Verlauf sowie die Komorbidität der Diagnosen spr
ächen
für eine reservierte Pro
gnose
(S. 22
f
f.).
Die aktuell at
testierte Arbeitsunfähigkeit sei spätestens seit Oktober 2012 durchgehend aus
gewiesen (S. 26). Die ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische
Therapie
sei a
däquat. Allenfalls sei
eine
antidepressive Medikation
in Betracht zu ziehen
, wobei d
ie bisherigen
diesbezüglichen
Behandlungsversuche wenig erfolgreich gewesen
seien
und eine Verbesserung mit Hilfe medikamentöser
Therapie ange
sichts der Prognose leitenden Diagnose der andauernden
Persönlichkeitsverän
derung
wenig e
r
folgswahrscheinlich
sei
(S. 28).
In m
ittel- bis langfristig
er Hin
sicht
sei unter Fortsetzung der adäquaten
Therapie
sowie nach Durchführung
der arbeitsrehabilitativen Massnahmen von einer höheren Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen, dies in einem Zeitraum von etwa 12 Monaten (S. 28).
3.9
Dem Bericht
von
Dr.
D._
und
Dipl.-P
sych.
H._
vom 1
6.
Februar 2016 (
Urk.
11/100
; vgl. auch Verlaufsbericht vom 2
3.
März 2016,
Urk.
11/105
)
sind folgende Diagnosen zu entnehmen
(S. 1
Ziff.
1
):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), Diffe
rentialdiagnose (DD): Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01)
Die Prognose habe sich in den vergangenen drei Jahren seit
Beginn der Behand
lung
deutlich verschlec
htert. In Anbetracht der Anfang des Jahres
2013 noch intakten Ressourcen des Beschwerdeführers hätte bei geeigneten berufli
chen Rehabilitationsmassnahmen durchaus noch
die
Möglichkeit
bestanden, die in den vergangenen zwölf Monaten
erfolgte
Entwicklung zu verhindern. Ge
genwärtig liege aus medizinischer Sicht eine Invalidität vor. Die Wahrschein
lichkeit einer relevanten Veränderung des jetzigen Gesundheitszustandes und damit einer Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit werde derzeit als gering ein
geschätzt (S. 3
Ziff.
7). Der Beschwerdeführer sei
in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 4
Ziff.
14-15). Die Folgen der psychischen Traumatisierung seien mittlerweile
chronifiziert
. Die Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit
en
im Sicherheitsdienst und
in
der Gastronomie sei ausg
e
schlossen (S. 4
Ziff.
16).
3.1
0
Mit Stellungnahme vom
4.
April 2016 kam
med.
pract
.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
zum Schluss, dass d
ie durch
Dr.
I._
durchgeführten Tests auf eine leichte De
pression hinweisen würden.
Obwohl
der objektive Befund ausschlaggebend
sei
,
beschreibe
Dr.
I._
ausfü
hrlich das subjektive Empfinden
.
Sodann entspre
che es dem häufigen Verlauf einer posttraumatischen Belastungsstörung, dass die Beschwerden im Laufe der Zeit abnehmen würden. Es
sei nicht nachvoll
ziehbar, weshalb
Dr.
I._
nun
eine andauernde Persönlichkeitsänderung di
agnostiziere.
Zur Diagnosestellung seien
eine biografische Schilderung der
vor
traumatischen
Persönlichkeit und ein Vergleich mit der jetzigen Persönlichkeit
erforderlich
.
Dr.
I._
verwe
ise lediglich auf die subjektiv
beschriebenen Symptome, welche
allerdings
objektiv nicht beobachtbar gewesen
seien
. Es scheine sich um abklingende Restsymptome nach einer posttraumatischen
Be
lastungsstörung
zu handeln.
Ausserdem
könne nicht von einer gravierenden Agoraphobie ausgegangen werden.
D
en Weg zur Untersuchung
habe der Be
schwerdeführer
problemlos bewäl
tigen können und es seien
keine
Angstsymp
tome
beobachtbar gewesen. Eine Bedarfsmedikation für einen Panikanfall werde nicht erwähnt. Die geschilderten Symptome würden zu den Angstsymptomen gehören
, wobei
Dr.
I._
mehrere Kriterien gegen eine aktuelle Angststörung erörtere
. Eine Panikstörung sei nicht ersichtlich.
In diagnostischer Hinsicht lä
gen eine leichte depressive Störung, ein Status nach posttraumatischer
Belas
tungsstörung
, Restsymptome nach einer Agoraphobie sowie akzentuierte
Per
sönlichkeitszüge
vor. Aus diesen Diagnosen ergäbe sich aus objektiver Sicht keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit
(vgl.
Urk.
11/114 S. 4 ff.).
3.1
1
Am
9.
Mai 2016 nahm
Dr.
D._
erneut Stellung (
Urk.
11/113). Dabei erach
tete er die
vom RAD
getroffene Einschätzung, wonach die depressive Stö
rung bei Aufbietung allen guten Willens überwindbar sei, aus medizinischer Sicht als nicht nachvollziehbar und
un
gerechtfertigt. Im Zentrum des Krank
heitsbildes stehe nicht eine depressive Störung, sondern eine kombinierte Er
krankung mit mehreren
komorbiden
p
sychiatrischen Störungsbildern
(S. 1).
Eine
chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung sei ausgewiesen.
Die gut
achterlich durch
Dr.
I._
gestellte Diagnose einer andauernden
Persönlich
keitsänderung
nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) gebe den Sachverhalt zu
treffend wieder.
Die Veränderung der Persönlichkeitszüge sei gut dokumentiert.
Die im Verlauf entwickelte zunehmend deutliche Angstsymptomatik müsse mittlerweile als eigenständige psychiatrische Erkrankung
betrachtet
werden (S. 3).
3.12
Dem im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Bericht von
Dr.
D._
vom 1
2.
Februar 2017 (
Urk.
20) lässt sich eine weitere Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes entnehmen. Psychopathologisch stehe ein schweres depressives Syndrom im Vordergrund. Daneben bestünden weiter
hin Symptome einer
Traumafolgestörung
. Ebenfalls träten anfallsartig Angst
zustände auf. Der soziale Rückzug habe erheblich zugenommen (S. 1).
Die
versi
cherungsmedizinische
Situation des Beschwerdeführers sei nun in den Vorder
grund gerückt (S. 2). Es liege mittlerweile eine krankheitsbedingte Invalidität vor. Aus psychiatrischer Sicht könne eine wesentliche Verbesserung des
chroni
fizierten
Krankheitsbildes auch unter günstigeren Umständen nicht mehr als wahrscheinlich angesehen werden (S. 3).
4.
4.1
Anhand der
medizinischen
Akten
ist
vorliegend
einzig
ein
psychische
s
Leiden
des Beschwerdeführers
ausgewiesen
. So sind keine bleibenden körperlichen Be
schwerden hinsichtlich der im März 2007 erlittenen Schussverletzung ersicht
lich
. Eine
diesbezügliche
Arbeitsunfähigkeit ist
entsprechend
nur für eine kurze Zeit dokumentiert, wobei
Dr.
B._
den Beschwerdeführer ab dem
1.
September 2007 bereits wieder als vollständig arbeitsfähig erachtete (vgl.
Urk.
11/25/12-13;
Urk.
11/25/18-19 S. 1 f.
). A
uch
aufgrund der
im August 2008 erfolgte
n
AC-Gelenksstabilisierung/-Fesselung links bei schmerzhafter AC-Gelenksluxation Typ
Tossy
III
ist keine Einschränkung erkennbar
(vgl.
Urk.
11/26/3;
Urk.
11/26/8-9 S. 1 f.
)
. Entsprechend machte der Beschwerdeführer anlässlich der Anmeldung zum Leistungsbezug
denn
auch einzig
psych
ische
Beschwerden
geltend und
verneinte
sowohl
anlässl
ich der Begutachtung durch die Ä
rzte der
G._
als auch derjenigen durch
Dr.
I._
das Vorliegen einer
wesentlichen
somatischen Erkrankung
(vgl.
Urk.
11/3 S. 5
Ziff.
6.2;
Urk.
11/19 S. 11
;
Urk.
11/70 S. 9
).
4.2
Zur Beurteilung
des psychischen Leidens ist
auf das ausführliche Gutachten von
Dr.
I._
(vorstehend E. 3.8) abzustellen, welches die praxisgemässen Krite
rien an beweiskräftige Entscheidungsgrundlagen (vorstehend E. 1.5) vollum
fänglich erfüllt.
So erstellte
Dr.
I._
das Gutachten in Kenntnis sowie in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(vgl.
Urk.
11/70 S. 2 ff., S. 26 f.) und berücksichtigte die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden (vgl.
Urk.
11/70 S. 10 ff.)
in angemessener Weise
. Das Gutachten trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen zu Gesund
heitszustand
sowie
Arbeitsfähigkei
t werden ausführlich begründet.
Die gestellten Diagnosen
leitete
Dr.
I._
nach ausführlicher
Befundauf
nahme
(vgl.
Urk.
11/70 S. 13 f.) anhand der ICD-Kriterien sorgfältig her und setzte überdies mehrere Selbst- und Fremdbeurteilungsinstrumente ein (vgl.
Urk.
11/70 S. 14 f., S. 18 ff.). Auch die Einschränkungen in den für eine berufli
che Tätigkeit relevanten Bereichen legte er eingehend dar (vgl.
Urk.
11/70 S. 22 f.).
I
nvalidit
ätsfremde
Faktoren wie die subjektive Insuffizienzüberzeugung so
wie das laufende versicherungsrechtliche Verfahren
klammerte er
bei
der
Beur
teilung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit
aus
.
F
erner
konnte
er
keine Inkonsisten
zen im Sinne einer Aggravation oder Simulation feststellen (vgl.
Urk.
11/70 S. 22 f.).
Anhand des
geschilderte
n
Tagesablauf
s
zeigt
e
sich
sodann
ein
im Vergle
ich zur Begutachtung durch die Ä
rzte der
G._
vermehrt
eingeschränktes
Aktivitätsni
veau
. S
o
schaue
d
er
Beschwerdeführer
nachmittags fern und gehe zwei- bis dreimal pro Woche spazieren. Die Hausarbeiten erledige er zusammen mit der Freundin, wobei sie die Einkäufe
tätige
. Er sei fast immer zu Hause. Er habe keine Hobbies mehr, treibe keinen Sport
mehr
und gehe auch nicht mehr in Bars, Clubs oder Restaurants. In den Urlaub gehe er noch ein- bis zweimal im Jahr zur Familie in
K._
.
Vom Kollegenkreis habe er sich weitgehend zurückgezogen. Kontakt
habe er
nur noch zur
im selben Haushalt wohn
haften
Freundin
(vgl.
Urk.
11/70 S. 8 f.).
Die seit Jahren durchgeführte ambulante psy
chiatrisch-psychotherapeutische Therapie erachtete
Dr.
I._
als adäquat und erwartete bei der im Vordergrund stehenden andauernden
Persönlichkeitsände
rung
durch eine medikamentöse Therapie keine relevante Verbesserung der
Be
handlungsqualität
. Schliesslich ging er von
der
Wiedererlangung der Arbeitsfä
higkeit in einer angepassten Tätigkeit unter Fortsetzung der psychiatrisch-psy
chotherapeutischen Therapie sowie nach
Durchführung von
arbeitsrehabilitati
ven
Massnahmen aus; dies in einem Zeitraum von etwa zwölf Monaten (vgl.
Urk.
11/70 S. 24 f., S. 28).
Die
durch
Dr.
I._
aufgrund
des mittlerweile mehrjährigen Verlaufs sowie
der Komorbidität
der diagnostizier
t
en
Störungen
mit im Vordergrund stehender Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
derzeit
attestierte
vollständige Arbeitsunfähigk
eit in jeglicher Tätigkeit
auf dem freien Arbeitsmarkt
ist
aufgrund des
Gesagten
nachvollziehbar und p
lausibel (vgl.
Urk.
11/70 S. 23
).
4.3
Die gutachterliche Beurteilung durch
Dr.
I._
stimmt
überdies
weitestge
hend
mit der Einschätzung der
Gutachter
der
G._
sowie der behandelnden
Ä
rzte
überein
, dies insbesondere im Hinblick auf die vorgenommene Einschätzung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit
.
Dabei fällt auf, dass diese zunächst unter Fortset
zung der Therapiemassnahmen noch eine schrittweise Stabilisierung sowie Symptomreduktion erwarteten und entsprechend von einer guten Prognose ausgingen. Gute psychische Ressourcen des Beschwerdeführers wurden
eben
falls
erkannt und rehabilitative berufliche Massnahmen respektive ein Arbeits
versuch
als sinnvoll erachtet. Auch der anlässl
ich der Begutachtung durch die Ä
rzte der
G._
geschilderte Tagesablauf wies noch auf zahlreiche Aktivitäten des Beschwerdeführers hin
,
wonach
er
unter anderem
alle zwei Wochen, manchmal einmal pro Woche m
it der Partnerin in den Ausgang gehe. D
ies im
Gegensatz zur nun durch
Dr.
I._
beschriebenen Tagesgestaltung
(vgl.
Urk.
11/1
S. 3
Ziff.
4.7
;
Urk.
11/19 S. 10 f.
, S. 21 f.
;
Urk.
11/42 S.
1 ff.
;
Urk.
11/70 S. 8 f.
). In der Folge berichteten
allerdings
Dr.
D._
und Dipl.-P
sych.
H._
von ei
ner deutlichen Verschlechter
ung
und
vertraten die Ansicht, dass aufgrund der Anfang des Jahres 2013 noch intakten Ressourc
en
die nun eingetretene
Chroni
fizierung
der Symptomatik bei Durchführung der damals empfohlenen
Rehabi
litationsmassnahmen
durchaus hätte verhindert werden können
(vgl.
Urk.
11/100 S.
3
;
Urk.
11/105 S.
1 f.
;
Urk.
11/113 S. 1
).
Auch
Dr.
I._
ging
aufgrund des mittlerweile mehrjährigen Verlaufs und der Komorbidität der di
agnostizierten Störungen
von einer reservierten
Prognose
aus (vgl.
Urk.
11/70 S. 23
).
4.4
Die durch RAD-Arzt med.
pract
.
J._
vorgenommene reine Aktenbeurteilung
(vgl.
Urk.
11/114 S. 4 ff.)
, welche
im Widerspruch zu
beide
n
psychiatrische
n
Gutachten und
zur
Einschätzun
g der behandelnden Ä
rzte
steht
, überzeugt dem
gegenüber nicht.
Soweit
med.
pract
.
J._
lediglich von einer leichten Depres
sion ausging und insbesondere erwähnt
e
, dass
Dr.
I._
vor allem
die sub
jektive Sicht des Beschwerdeführers beschreibe, so werden
zwar die subjektiven Empfinden
bei der Befunderhebung erwähnt, gleichwohl w
erden
allerdings auch die objektiven Beobachtung
en
geschildert
.
So war etwa – entgegen der
Ansicht
von RAD-Arzt med.
pract
.
J._
- e
ine verminderte Konzentration und Auf
merksamkeit auch objektiv in leichter Form feststellbar
(vgl.
Urk.
11/70 S. 13 f., S. 19 f.). Gewisse Symptome einer
affektiven Störung
können zudem anlässlich einer Begutachtung nicht objektiv festgestellt werden, weshalb sich die begut
achtende Person hierfür auf die geschilderten Angaben zu verlassen hat.
Soweit med.
pract
.
J._
zudem bemerkte, dass die beiden
durchgeführten
Tests ledig
lich auf eine leichte Depression hinweisen würden,
ist festzuhalten, dass
es sich bei d
er
Testdiagnostik lediglich um
ein
zusätzliche
s
Instrument
handelt
, woge
gen ausschlaggebend der erhobene klinische Befund ist (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_486/2010 vom
2.
Dezember 2010 E. 3.1.2 und 8C_695/2009 vom 1
7.
Dezember 2009 E. 3.2.2).
Ausserdem diagnostizierte
Dr.
I._
selbst lediglich eine
gegenwärtig leicht-
bis mittelgradige Episode der rezidivierenden depressiven Störung
. Entscheidend
bei der vorliegenden Beurteilung
ist
gemäss
Dr.
I._
allerdings
nicht die affektive Störung, sondern
die Komorbidität der festgestellten Störungen mit
der im Vordergrund stehenden andauernden
Per
sönlichkeitsänderung
nach Extrembelastung (vgl.
Urk.
11/70 S. 23
f.
). Diese Komorbidität e
rwähnten auch die behandelnden Ä
rzte
und wiesen ebenfalls darauf hin, dass nicht die depressive Störung im Zentrum des Krankheitsbildes stehe
(vgl.
Urk.
11/113 S. 1
).
Aus dem häufigen Verlauf einer posttraumatischen Belastungsstörung, wonach die Beschwerden im Laufe der Zeit abnehmen würden, kann sodann nicht ge
schlossen werden, dass es sich vorliegend wahrscheinlich um abklingende Restsymptome nach einer posttraumatischen Belastungsstörung handle.
Zwar geht
auch
die Rechtsprechung davon aus, dass in der Mehrzahl der Fälle eine Heilung erwartet werden kann und progrediente Entwicklungen dem zu erwar
tenden degressiven Charakter posttraumatischer Störungen widersprächen. Bei wenigen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre
allerdings
einen chroni
schen Verlauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung über (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom
7.
Juli 2016 E. 5.1 und
9C_687/2013 v
om 2
4.
Juni 2014 E. 4.2
; vgl. auch die klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Ka
pitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg.,
9.
Auflage, Bern 2014, S. 207 f., S. 286
). Dieser
chro
nische Verlauf wird
durch
Dr.
I._
und de
n
behandelnden Psychiater
Dr.
D._
eingehend
beschrieben
(vgl.
etwa
Urk.
11/70 S. 20
f
f., S. 23, S. 25;
Urk.
11/100 S. 1 ff.
;
Urk.
11/105 S. 1 f.;
Urk.
11/113 S. 3
).
Schliesslich widerspricht der Umstand, dass der Beschwerdeführer den Weg zur Untersuchung problemlos bewältigen konnte,
keineswegs
der festgestellten Agoraphobie
.
Der Beschwerdeführer gab ausdrücklich an, dass er sich bei Men
schenansammlungen unwohle fühle und solche Situationen entsprechend ver
meide (vgl.
Urk.
11/70 S. 9).
Dem Gutachten kann nicht entnommen werden, ob er beispielsweise mit dem Auto zur Begutachtung gelangte.
Ausserdem be
schrieb er das
immer wieder
spontane und unvorhersehbare Auftreten von
Pal
pitationen
, Schweissausbrüchen, Mundtrockenheit, Beklemmungsgefühl
en
, Schwindel, Hitzewallungen sowie einer Angst, die Kontrolle zu verlieren (vgl.
Urk.
11/70
S. 11,
S. 21).
Aus dem Umstand, dass er
deswegen
letztmals im Jahr 2013 im Spital gewesen sei und anlässlich der Begutachtung keine
Angstsymp
tome
beobachtbar gewesen seien, kann nicht geschlossen werden, dass lediglich noch Restsymp
tome nach Agoraphobie vorlägen.
Auch die behan
delnden Psy
chiater beschrieben
eindrücklich eine Agoraphobie mit im Verlauf zunehmend deutlicher Angstsymptomatik (vgl.
Urk.
11/100 S.
1 f.;
Urk.
11/105 S. 2
;
Urk.
11/113 S.
3 f.
).
4.5
Nach dem Gesagten ist der Beschwerdeführer mit dem im
Sozialversicherungs
recht
massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
insbe
sondere
gestützt auf das beweiskräftige Gutachten von
Dr.
I._
aufgrund des derzeit invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens
seit spätestens Oktober 2012 in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer ist unbestrittenermassen als zu 100
%
Selbständigerwerben
der
zu qualifizieren. Somit wäre grundsätzlich ein
Ein
kommensvergleich
nach
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG vorzunehmen. Ein solcher erübrigt sich vorliegend allerdings, da bei einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten der Invaliditätsgrad 100
%
beträgt, womit dem Beschwerdeführer ein
e ganze
Rente der Invaliden
versicherung
zusteht.
Zu prüfen bleibt der Beginn des Rentenanspruchs.
5.2
Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Angesichts der Anmeldung vom
8.
April 2013 (
Urk.
11/3), welche am 2
2.
April 2013 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen war (vgl. Aktenverzeichnis zu
Urk.
11 S. 1), würde ein allfälliger Rentenanspruch frühestens ab dem
1.
Oktober 2013 beste
hen.
In Bezug auf das Wartejahr im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG (vorstehend E. 1.2) ist vorliegend eine medizinisch attesti
erte Arbeitsunfähigkeit ab dem 3
0.
Oktober 2012
ausgewiesen, wobei der Beschwerdeführer seither ohne
Unter
bruch
(
Art.
29
ter
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV) als zu 100
%
arb
eitsunfähig gilt (vgl.
Urk.
11/1 S. 2
Ziff.
3;
Urk.
11/10/5-
8;
Urk.
11/13/5-
8 S. 3
Ziff.
1.6;
Urk.
11/19 S. 19 ff.
;
Urk.
11/43 S. 1;
Urk.
11/70 S.
26
;
Urk.
11/100 S. 4
Ziff.
14-15;
Urk.
11/105 S.
1 f.
)
. Das Wartejahr ist dem
nach am 3
0.
Oktober 2013
abgelaufen.
5.3
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ab dem
1.
Oktober 2013 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
Mit dieser Feststellung und in Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung somit aufzuheben.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6.2
Mit Honorarnote vom 1
4.
März 2017 (
Urk.
22) machte der unentgeltliche Rechts
vertreter des Beschwerdeführers einen Aufwand von 17 Stunden sowie
eine Spesenpauschale von 3
%
und somit eine Entschädigung von insgesamt
Fr.
4‘160.38 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) geltend, was mit Blick auf ähnliche Verfahren und unter Berücksichtigung des Schwierigkeit des Prozesses, der Be
deutung der Streitsache und dem Mass des Obsiegens (vgl.
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer) nicht mehr angemessen erscheint. Angesichts der zu studierenden gut 120 Ak
tenstücke, der sechzehnseitigen Beschwerdeschrift sowie des zusätzlichen Auf
wandes - insbesondere im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung - erscheint in Anwendung des
gerichts
üblichen
Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
)
und mit Blick auf vergleichbare komplexe Verfahren
eine Prozessentschädigung von
Fr.
3‘700.-- als angemessen.