Decision ID: 3a33e882-bf0a-5342-a330-d64fbddc9eb0
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog ab dem 1. Dezember 2009 eine Ergänzungsleistung zu einer
Witwenrente (EL-act. 242). Mit einer Verfügung vom 22. Mai 2013 sprach ihr die
Invalidenversicherung rückwirkend ab dem 1. September 2012 eine Invalidenrente bei
einem Invaliditätsgrad von 40 Prozent zu (EL-act. 156; vgl. auch EL-act. 157), was zu
einer entsprechenden Anpassung der Ergänzungsleistung führte (EL-act. 148 ff.).
Gemäss einer Verfügung vom 21. Dezember 2015 belief sich die monatliche
Ergänzungsleistung ab dem 1. Januar 2016 auf 759 Franken (EL-act. 54). Bei der
Anspruchsberechnung hatte die EL-Durchführungsstelle der Prämienpauschale für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung, dem hälftigen Mietzins (die EL-Bezügerin
wohnte zusammen mit ihrer Tochter, die keine Waisenrente mehr bezog und keinen
Anspruch auf eine Kinderrente mehr begründete) und der Lebensbedarfspauschale für
eine alleinstehende Person ein Erwerbseinkommen aus einer unselbständigen
Erwerbstätigkeit und die Rente der ersten Säule gegenübergestellt (EL-act. 52).
A.b Ende Dezember 2015 erfuhr die AHV/IV-Zweigstelle von einem Wohnungswechsel,
weshalb sie die EL-Bezügerin aufforderte, den neuen Mietvertrag einzureichen und
anzugeben, wie viele Personen sich die Wohnung teilten. Dieser Aufforderung kam die
EL-Bezügerin nach, wobei sie angab, sie bewohne die Wohnung zusammen mit ihrer
Tochter und deren Kleinkind (EL-act. 51–5). Ein elektronischer Auszug des
Einwohneramtes wies allerdings noch einen vierten Mieter aus (EL-act. 51–4).
Gleichzeitig meldete die EL-Bezügerin eine Erhöhung ihres Arbeitspensums auf 60
Prozent per Januar 2016 (EL-act. 50). Mit einer Verfügung vom 17. März 2016 setzte
die EL-Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung rückwirkend ab dem 1. Juli 2015
neu fest (EL-act. 37). Zur Begründung führte sie an, sie habe das Erwerbseinkommen
anhand der Lohnabrechnungen für die Monate Juli bis und mit Dezember 2015 neu
berechnet und rückwirkend ab dem 1. November 2015 nur noch einen Viertel des
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Mietzinses als Ausgabe berücksichtigt. Für die Zeit ab dem 1. Januar 2016 betrug die
Ergänzungsleistung nun lediglich noch 476 Franken. Zusätzlich forderte die EL-
Durchführungsstelle unrechtmässig bezogene Ergänzungsleistungen im Betrag von
1'424 Franken zurück. Mit einem Schreiben vom 11. April 2016 ersuchte die EL-
Bezügerin um eine Überprüfung der Anspruchsberechnung und um die Gewährung der
Möglichkeit, die Rückforderung in Raten zu begleichen (EL-act. 33). Am 20. Mai 2016
erläuterte die EL-Durchführungsstelle die Verfügung vom 17. März 2016 und sie teilte
der EL-Bezügerin mit, dass sie die Möglichkeit einer Ratenzahlung prüfen werde (EL-
act. 29). Am 30. Mai 2016 teilte das Einwohneramt der EL-Durchführungsstelle mit,
dass die Meldung eines vierten Wohnungsmieters auf einem elektronischen Fehler
beruhe; die EL-Bezügerin wohne nur mit ihrer Tochter und ihrer Enkelin zusammen (EL-
act. 24). Mit einer Verfügung vom 3. Juni 2016 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung deshalb rückwirkend ab dem 1. November 2015 neu fest (EL-act.
19). Dadurch reduzierte sich die Rückforderung um 798 Franken. Für die Zeit ab dem 1.
Mai 2016 blieb es allerdings beim Einnahmenüberschuss. Am 13. Juni 2016 wies die
EL-Bezügerin die EL-Durchführungsstelle darauf hin, dass sie die Rückforderung nicht
nachvollziehen könne (EL-act. 18). Diese Eingabe wurde von der EL-
Durchführungsstelle offenbar als eine Einsprache gegen die Verfügung vom 3. Juni
2016 qualifiziert.
A.c Bereits am 6. April 2016 hatte die EL-Durchführungsstelle die EL-Bezügerin
aufgefordert, ihre Arbeitsbemühungen ab Dezember 2015 einzureichen (EL-act. 35).
Diese hatte am 13. April 2016 geantwortet, sie schöpfe ihre Restarbeitsfähigkeit bereits
aus und habe sich deshalb nicht um eine zusätzliche Arbeitsstelle bemüht (EL-act. 34).
Mit einer Verfügung vom 2. Mai 2016 hatte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung rückwirkend per 30. April 2016 aufgehoben (EL-act. 30). Zur
Begründung hatte sie festgehalten, dass sie ein hypothetisches Erwerbseinkommen
angerechnet habe, das der Differenz zwischen dem effektiv erzielten (niedrigeren) und
dem vom Art. 14a ELV vorgesehenen Mindesteinkommen entspreche. Das habe zu
einem Einnahmenüberschuss geführt. Gegen diese Verfügung hatte die EL-Bezügerin
am 18. Mai 2016 eine Einsprache erhoben (EL-act. 25). Sie hatte geltend gemacht,
dass sie nicht verstehe, weshalb sie sich um eine weitere Arbeitsstelle bewerben solle.
Im vergangenen Jahr und im Frühjahr sei sie krank gewesen. Zudem habe sie im April
2015 einen Unfall erlitten. Von der Unfallversicherung habe sie keine Leistungen
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erhalten. Auch ihre Tochter sei körperlich angeschlagen. Sie hoffe, dass ihr Anliegen
wohlwollend geprüft werde. Am 10. Juli 2016 machte sie geltend, sie verstehe die
Aufhebung der Ergänzungsleistung nicht (EL-act. 15). Mit einem Entscheid vom 20.
Oktober 2016 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache „gegen die Verfügungen
vom 2. Mai 2016 und vom 3. Juni 2016“ ab (EL-act. 13). Zur Begründung führte sie aus,
der EL-Bezügerin sei es zumutbar, ein dem ihrem Invaliditätsgrad entsprechenden
Mindestbetrag des Art. 14a ELV entsprechendes Erwerbseinkommen zu erzielen. Da
das effektive Erwerbseinkommen niedriger sei, müsse ein hypothe¬tisches
Erwerbseinkommen angerechnet werden, was zu einem Einnahmenüberschuss führe.
A.d Am 8. November 2016 wandte sich die EL-Bezügerin an jenen
Rechtsdienstmitarbeiter, der den Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2016 verfasst
hatte (EL-act. 9). Sie machte geltend, sie leide seit etwa einem halben Jahr an
Depressionen und sie befinde sich deswegen seit etwa vier Monaten in Behandlung.
Am 28. September 2016 habe sie einen Unfall erlitten. Sie sei aktuell vollständig
arbeitsunfähig. Ihre Arbeitgeberin habe das Arbeitsverhältnis gekündigt. Sie erhalte
kein Krankentaggeld und sei deshalb nicht in der Lage, den „Forderungen“ der EL-
Durchführungsstelle „nachzugehen“. Die Eintreibung über das Betreibungsamt sei eine
„Utopie“. Sie hoffe, dass die EL-Durchführungsstelle Verständnis für die neue Situation
habe und ihr entgegenkomme. Die EL-Durchführungsstelle antwortete am 15.
November 2016 (EL-act. 8), dass sie ihren Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2016
als rechtmässig erachte. Der EL-Bezügerin stehe es frei, diesen beim „st. gallischen
Versicherungsgericht“ mittels einer Beschwerde fristgerecht anzufechten. Am 24.
November 2016 wandte sich die EL-Bezügerin erneut an den Rechtsdienstmitarbeiter
der EL-Durchführungsstelle, der den Einspracheentscheid (und das Schreiben vom 15.
November 2016) verfasst hatte (EL-act. 5). Sie machte geltend, dass sie kein
Verständnis für den Einspracheentscheid habe. Sie entschuldige sich dafür, dass sie
„Ihre Einsprachefrist“ nicht habe einhalten können. Sie leide seit mehreren Monaten an
Depressionen, befinde sich in ärztlicher Behandlung und könne deshalb keiner Arbeit
nachgehen. Hinzu komme der Unfall vom 28. September 2016. Diesbezüglich stünden
weitere medizinische Untersuchungen an. Von ihrer Arbeitgeberin habe sie bis dato
kein Unfalltaggeld erhalten. Sie habe zudem mehrmals um eine Rentenerhöhung
ersucht. Die Arbeitsstelle sei ihr gekündigt worden. Sie habe bislang kein Schreiben
erhalten, mit was sie von der EL-Durchführungsstelle noch weiter rechnen müsse. Für
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Krankenkassenabrechnungen habe sie momentan kein Geld. Sie hoffe auf eine
Antwort.
B.
B.a Die EL-Durchführungsstelle leitete diese Eingabe am 1. Dezember 2016 an das
Versicherungsgericht weiter, damit dieses prüfe, ob es sich dabei um eine Beschwerde
handle (EL-act. 7 bzw. act. G 1).
B.b Am 1. Dezember 2016 sandte die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) dem Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen das Schreiben
der EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) vom 15. November
2016, ihr Schreiben vom 24. November 2016, eine Anmeldebestätigung des regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums vom 4. November 2016, zwei Arztzeugnisse des
Kantonsspitals St. Gallen, das Kündigungsschreiben ihrer Arbeitgeberin, ein weiteres
Schreiben der Arbeitgeberin betreffend die Kündigung des Arbeitsverhältnisses, drei
Arztzeugnisse ihres Hausarztes, ein Aufgebot des Kantonsspitals St. Gallen vom 3.
November 2016 betreffend eine Wundsprechstunde, ein Schreiben der
Unfallversicherung vom 27. Oktober 2016 und eine Versicherungspolice der
Krankenpflegeversicherung ein (act. G 2). Diesen Unterlagen lag kein Schreiben der
Beschwerdeführerin bei. Die Eingabe war an das „st. gallische Versicherungsgericht“
adressiert (act. G 2.1).
B.c Am 12. Dezember 2016 forderte das Versicherungsgericht die
Beschwerdegegnerin auf, eine Beschwerdeantwort und die Vorakten zur Beschwerde
vom 8./24. November 2016 einzureichen (act. G 3). Die Beschwerdegegnerin
beantragte am 25. Januar 2017 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur
Begründung führte sie an, die Beschwerdeführerin habe keine Nachweise betreffend
ihre angeblichen Depressionen eingereicht. Zudem habe sie offenbar im September
2016 trotz der angeblichen Depressionen noch arbeiten können. Auch der behauptete
Unfall sei nicht nachgewiesen. Im Januar 2017 habe die Beschwerdeführerin offenbar
wieder gearbeitet. Die irrtümliche Berücksichtigung eines zusätzlichen Mitbewohners
sei im Übrigen bereits korrigiert worden.
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B.d Am 2. März 2017 wandte die Beschwerdeführerin ein (act. G 6), sie befinde sich
tatsächlich in ärztlicher Behandlung. Über die Auszahlung des Unfalltaggeldes erhalte
sie nach einer Intervention ihrer Arbeitgeberin keine Auskünfte mehr. Es könne nicht
sein, dass man ihr noch mehr Steine in den Weg lege. Sie hoffe, dass ihre ganze
Situation zur Kenntnis genommen und dass wohlwollend zu ihren Gunsten entschieden
werde. Der Eingabe lagen eine weitere Kopie der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
(act. G 6.1), eine Kopie eines weiteren Kündigungsschreibens vom 22. Februar 2017
(act. G 6.2), diverse Arztzeugnisse (act. G 6.3) sowie Lohnabrechnungen für die Monate
August, September, November und Dezember 2016 (act. G 6.4) bei.
B.e Am 3. April 2017 reichte die Beschwerdeführerin eine Kopie eines Schreibens ihrer
Arbeitgeberin vom 15. März 2017 ein, mit dem diese an ihrer am 22. Februar 2017
ausgesprochenen Kündigung festhielt (act. G 8 und G 8.1).
B.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).
B.g Am 2. Mai 2017 wandte sich die Beschwerdeführerin erneut an das
Versicherungsgericht (act. G 11). Die Eingabe war mit „nicht fristgerechte Einreichung
Beschwerdeantwort“ betitelt. Die Beschwerdeführerin führte aus, man habe ihr
geschrieben, dass sie ihre Beschwerde nicht fristgerecht eingereicht hätte. Sie habe
sich aber beim Gericht telefonisch erkundigt und man habe ihr gesagt, dass der
Stempel der Einreichung fristgerecht sei. Der Eingabe lag eine Bestätigung der
Schweizerischen Post bei (act. G 11.2), laut der am 2. März 2017 ein Schreiben an das
Versicherungsgericht aufgegeben worden war.
B.h Die Beschwerdegegnerin nahm keine Stellung zu diesen Eingaben (vgl. act. G 12).

Erwägungen
1.
Wer durch einen Einspracheentscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung hat (Art. 59 ATSG), kann beim Versicherungsgericht desjenigen
Kantons, in dem er zu dieser Zeit Wohnsitz hat (Art. 58 Abs. 1 ATSG), eine Beschwerde
erheben (Art. 56 Abs. 1 ATSG). Diese muss innerhalb von 30 Tagen nach der Eröffnung
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des Einspracheentscheides beim zuständigen Versicherungsgericht eingereicht oder zu
dessen Handen der Schweizerischen Post übergeben werden (Art. 60 Abs. 1 ATSG
und Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 39 Abs. 1 ATSG). Wird die Beschwerde bei einer
Behörde eingereicht, die sich als unzuständig erachtet, so hat diese die Beschwerde
unverzüglich dem zuständigen Versicherungsgericht zu überweisen (Art. 58 Abs. 3
ATSG).
2.
Der Einspracheentscheid ist am Donnerstag, dem 20. Oktober 2016 versandt und am
Freitag, dem 21. Oktober 2016 zugestellt worden. Die Beschwerdefrist hat folglich am
Samstag, dem 22. Oktober 2016 zu laufen begonnen (Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art.
38 Abs. 1 ATSG). Sie hat 30 Tage gedauert (Art. 60 Abs. 1 ATSG) und ist nicht
stillgestanden (vgl. Art. 60 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 38 Abs. 4 ATSG). Der letzte Tag der
Frist ist auf den Sonntag, den 20. November 2016 gefallen, was bedeutet, dass die
Beschwerdefrist am Montag, dem 21. November 2016 geendet hat (vgl. Art. 60 Abs. 2
ATSG i.V.m. Art. 38 Abs. 3 ATSG). Die Beschwerdeführerin hat zwei Eingaben verfasst,
bei denen es sich allenfalls um eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom
20. Oktober 2016 handeln könnte. Eine datiert vom 8. November 2016, die andere vom
24. November 2016. Zusätzlich hat sie am 1. Dezember 2016 eine Sendung an das
Versicherungsgericht aufgegeben, die allerdings kein Begleitschreiben enthalten hat.
Von diesen drei Eingaben könnte es sich nur bei der ersten vom 8. November 2016 um
eine fristgerecht erhobene Beschwerde handeln, denn die beiden andern Eingaben
sind jedenfalls erst nach dem Ablauf der Beschwerdefrist erfolgt.
3.
3.1 Die Eingabe vom 8. November 2016 enthält keinen Hinweis auf das damals gerade
abgeschlossene Einspracheverfahren. Die Beschwerdeführerin hat darin weder den
Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2016 erwähnt noch hat sie inhaltlich auf ihn
Bezug genommen. Mit keinem Wort hat sie ihr Nichteinverständnis mit dem
Einspracheentscheid oder mit einer früheren Verfügung erklärt. Der Inhalt der Eingabe
lässt sich in zwei Teile gliedern: Im ersten Teil hat die Beschwerdeführerin auf eine
Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes im Jahr 2016 (Depression; Unfall vom
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28. September 2016) und auf eine gerade ausgesprochene Kündigung des
Arbeitsverhältnisses hingewiesen; im zweiten Teil hat sie geltend gemacht, dass sie
finanziell nicht in der Lage sei, den „Forderungen der Beschwerdegegnerin“
nachzukommen, womit sie sich offensichtlich nur auf die am 3. Juni 2016 verfügte
Rückforderung bezogen haben kann. Der zweite Teil und das die Eingabe
abschliessende „Begehren“, die Beschwerdegegnerin möge doch Verständnis für die
neue Situation aufbringen und der Beschwerdeführerin entgegenkommen, kann nur als
ein Erlass- oder allenfalls als ein Stundungsgesuch interpretiert werden. Die
Beschwerdeführerin hat damit nämlich nicht geltend gemacht, die Verfügungen oder
der Einspracheentscheid seien falsch, sondern nur darauf hingewiesen, dass sie sich
finanziell nicht in der Lage sehe, die Rückforderung zu begleichen. Dieses Erlass- oder
Stundungsgesuch hat sie mit ihrer „neuen Situation“ begründet. Damit steht fest, dass
der erste Teil der Eingabe nicht etwa als ein Hinweis auf im Einspracheverfahren
fälschlicherweise unberücksichtigt gebliebene oder neue Tatsachen, die zu einer
Revision im Sinne des Art. 17 Abs. 2 ATSG führen müssten, zu verstehen ist, sondern
vielmehr als eine Begründung für das Erlass- respektive Stundungsgesuch. Die
Beschwerdeführerin hat damit nicht geltend gemacht, ihr
Ergänzungsleistungsanspruch müsse höher sein; vielmehr hat sie damit eine
Begründung für ihre finanzielle Unfähigkeit, die Rückforderung zu begleichen, liefern
wollen. Der Umstand, dass die Eingabe an jenen Rechtsdienstmitarbeiter adressiert
gewesen ist, der den Einspracheentscheid verfasst hatte, ist für die Interpretation der
Eingabe vom 8. November 2016 nicht entscheidend, denn die Beschwerdeführerin
dürfte sich einfach an jenen Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin gewendet haben, von
dem sie zuletzt ein Schreiben erhalten hatte. Zusammenfassend spricht bei einer
sorgfältigen Interpretation der Eingabe vom 8. November 2016 nichts dafür, dass diese
eine Nichteinverständniserklärung bezüglich des Einspracheentscheides vom 20.
Oktober 2016 gewesen sein könnte.
3.2 Der Rechtsdienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin ist – wohl wegen der
zeitlichen Nähe zur Eröffnung des Einspracheentscheides vom 20. Oktober 2016 –
fälschlicherweise davon ausgegangen, die Beschwerdeführerin habe sich mit ihrer
Eingabe vom 8. November 2016 gegen den Einspracheentscheid vom 20. Oktober
2016 wehren wollen, ohne dass er ihre Eingabe aber sorgfältig interpretiert hätte. Nur
so lässt sich erklären, dass die Beschwerdegegnerin nicht etwa den Erlass oder eine
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Stundung der Rückforderung geprüft, sondern die Beschwerdeführerin vielmehr darauf
hingewiesen hat, sie erachte ihren Einspracheentscheid nach wie vor als rechtmässig.
Das entsprechende Antwortschreiben vom 15. November 2016, das einen erneuten
Hinweis auf den Beschwerdemöglichkeit bezüglich des Einspracheentscheides vom
20. Oktober 2016 enthalten hat, hat dann die weiteren Eingaben der
Beschwerdeführerin vom 24. November 2016 (an die Beschwerdegegnerin) und vom 1.
Dezember 2016 (an das Versicherungsgericht) zur Folge gehabt, die zwar beide erst
nach dem Ablauf der Rechtsmittelfrist eingereicht worden sind, aber die Richtigkeit der
obigen Interpretation der Eingabe vom 8. November 2016 bekräftigt haben. Die
Eingabe vom 24. November 2016 hat nämlich – anders als jene vom 8. November 2016
– (bei einer grosszügigen Interpretation) eine Nichteinverständniserklärung enthalten.
Sie ist mit „Einsprache zur Ergänzungsleistung“ betitelt gewesen und hat den
folgenden Einleitungssatz enthalten: „Ich habe kein Verständnis für Ihre Entscheidung
aus folgenden Gründen. Im weiteren entschuldige ich mich, dass ich Ihre
Einsprachefrist nicht einhalten konnte“. Ein inhaltlicher Bezug zum
Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2016 fehlt zwar, aber aus dem Titel und aus der
Einleitung geht doch hervor, dass sich die Beschwerdeführerin offenbar am 24.
November 2016 doch noch gegen den Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2016 hat
zur Wehr setzen wollen, obwohl ihr bewusst gewesen ist, dass sie die Beschwerdefrist
damals bereits verpasst hatte. Trotz des entsprechenden Hinweises („Im weiteren
entschuldige ich mich, dass ich Ihre Einsprachefrist nicht einhalten konnte“) kann die
Eingabe vom 24. November 2016 nicht als ein Fristwiederherstellungsgesuch
interpretiert werden, denn die Beschwerdeführerin hat nicht auf eine Unfähigkeit, innert
der laufenden Rechtsmittelfrist auf den Einspracheentscheid zu reagieren,
hingewiesen, sondern nur nochmals erklärt, weshalb sie bereits vor der Eröffnung des
Einspracheentscheides nicht in der Lage gewesen sei, selbst für ihren Lebensunterhalt
zu sorgen (Depression, Unfall vom 28. September 2016 mit einmonatiger
Rekonvaleszenzfrist, die unmittelbar nach der Eröffnung des Einspracheentscheides
endete). Der Rechtsdienstmitarbeiter der Beschwerdegegnerin, an den die Eingabe
vom 24. November 2016 adressiert gewesen ist, hat auf diese Eingabe reagiert, indem
er sie an das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen weitergeleitet hat. In den
Akten fehlt zwar ein entsprechender Hinweis, aber offenbar muss er die
Beschwerdeführerin darüber informiert haben, denn nur so lässt sich erklären, dass
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diese am 1. Dezember 2016 kommentarlos Akten beim Versicherungsgericht
eingereicht hat. Wahrscheinlich hat sie einen entsprechenden (eventuell telefonischen)
Hinweis des Rechtsdienstmitarbeiters, die Akten würden nun an das
Versicherungsgericht überwiesen, falsch verstanden und deshalb angenommen, sie
selbst müsse die Akten beim Versicherungsgericht einreichen. Genau das hat sie
nämlich am 1. Dezember 2016 getan. Hätte sie mit ihrer Eingabe etwas anderes
bezwecken wollen, hätte sie ein Begleitschreiben respektive eine Beschwerdeschrift
verfasst.
3.3 Folglich steht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass es sich bei der einzigen innerhalb der laufenden
Beschwerdefrist zum Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2016 verfassten Eingabe
vom 8. November 2016 nicht um eine bei einer unzuständigen Behörde eingereichte
Beschwerde, sondern um ein – bei der dafür zuständigen Behörde eingereichtes –
Erlass- oder Stundungsgesuch gehandelt hat. Bei der kommentarlosen Einreichung
von Akten an das Versicherungsgericht am 1. Dezember 2016 kann es sich offenkundig
ebenfalls nicht um eine Beschwerde gehandelt haben. Selbst wenn die Eingabe vom
24. November 2016 als eine (versehentlich bei der falschen Behörde eingereichte)
Beschwerde qualifiziert werden könnte, wäre sie nicht fristgerecht der Schweizerischen
Post übergeben worden (vgl. E. 1). Der Einspracheentscheid vom 20. Oktober 2016 ist
folglich unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen, weshalb sich eine materielle
Prüfung dieses Einspracheentscheides verbietet. Auf die (bei richtiger Betrachtung
eigentlich gar nicht erhobene) „Beschwerde“ gegen den Einspracheentscheid kann
folglich nicht eingetreten werden.
4.
Daran ändert der Umstand, dass ein kompletter Schriftenwechsel durchgeführt worden
ist, nichts, denn das Versicherungsgericht hat sich erst im Dezember 2016 und damit
erst nach dem Ablauf der Beschwerdefrist erstmals mit der Sache befasst, weshalb die
Beschwerdeführerin aus der verfahrensrechtlich falschen Behandlung der Sache nichts
zu ihren Gunsten ableiten kann. Ein Eintreten ist mit anderen Worten ausgeschlossen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben. Im Sinne eines obiter dictum ist die
Beschwerdegegnerin darauf hinzuweisen, dass sie das Erlass- oder Stundungsgesuch
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vom 8. November 2016 – sofern nicht bereits geschehen – zu prüfen und darüber zu
verfügen haben wird.