Decision ID: ab3066b1-4ec0-49e9-987a-23b7be2bc63e
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 29. Januar 2016 bei der Hotela AHV-Ausgleichskasse zum
Bezug einer Alters- und einer Kinderrente der AHV an. Dabei gab er an, seit 28.
Oktober 2015 geschieden zu sein. Zudem gab er an, er habe seit dem 18. Dezember
2009 ein (aussereheliches) Kind mit B._ (act. G 4.1/1). Mit Verfügung vom 12. April
2016 sprach die Ausgleichskasse dem Versicherten eine Altersrente in Höhe von Fr.
2'294.-- und eine Kinderrente von Fr. 917.--, beginnend am 1. Mai 2016, zu. Bei der
Rentenberechnung berücksichtigte sie 31 halbe Erziehungsgutschriften (1978 - 2008,
als das jüngste von vier ehelichen Kindern das 16. Altersjahr erreichte [act. G 4.1/3]).
Auf telefonische Intervention der Lebenspartnerin von A._ - es seien keine
Erziehungsgutschriften für das gemeinsame Kind C._ berücksichtigt worden - erliess
die Ausgleichskasse am 12. Mai 2016 eine neue Verfügung. Dabei berücksichtigte sie
von 2010 bis 2014 zusätzlich fünf Viertelsgutschriften und berechnete die Altersrente
neu auf 2'312.--, die Kinderrente auf Fr. 925.-- (act. G 4.1/5).
A.b Mit Einsprache vom 13. Juni 2016 machte der Versicherte geltend, der
Anknüpfungspunkt für die Erziehungsgutschriften sei gemäss AHV-Merkblatt die
elterliche Sorge. Da seine geschiedene Frau keine elterliche Sorge für C._
übernehme, sei es nicht korrekt, dass ihm (dem Versicherten) nur ein Viertel der
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Erziehungsgutschrift zugesprochen werde. Vielmehr seien ihm entsprechend der
(gemeinsam mit der Kindsmutter ausgeübten) elterlichen Sorge halbe
Erziehungsgutschriften anzurechnen (act. G 4.1/7). Mit Entscheid vom 21. Juni 2016
wies die Ausgleichskasse die Einsprache ab. Da die Ehe des Versicherten mit Frau
D._ mit Urteil vom 28. Oktober 2015 geschieden worden sei, seien seine halben
Erziehungsgutschriften für die Jahre 2010 bis 2014 gemäss Art. 29sexies Abs. 3 AHVG
hälftig zwischen ihm und seiner Ex-Ehefrau aufzuteilen (act. G 4.1/8).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 22. Juli
2016 mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids. Im Weiteren sei die Erziehungsgutschrift betreffend seinen Sohn
C._ für den Zeitraum 2010 bis 2014 von 1⁄4 auf 1⁄2 zu erhöhen und die AHV-Rente
sowie die Kinderrente entsprechend anzupassen. Er lebe mit der Kindsmutter im
gemeinsamen Haushalt. Von seiner früheren Ehefrau D._ lebe er seit 2002 getrennt;
seit Oktober 2015 seien sie geschieden. Seine geschiedene Ehefrau habe zu keiner
Zeit eine Erziehungsaufgabe für C._ übernommen oder in irgendeiner Form eine
elterliche Sorge getragen. Es sei nicht die Absicht des Gesetzgebers gewesen, eine
Erziehungsgutschrift einer Person zuzusprechen, die nie eine Erziehungsaufgabe für
das erwähnte Kind übernommen habe. Diese Handhabung könne auch nicht im
Interesse des Kindswohles sein, da als Konsequenz des Einspracheentscheids auch
die Kinderrente tiefer ausfallen würde (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 29. September 2016 beantragt die Verwaltung
Abweisung der Beschwerde. Zwar treffe zu, dass Anknüpfungspunkt für die
Erziehungsgutschriften stets die elterliche Sorge sei. Dem habe die
Beschwerdegegnerin dadurch Rechnung getragen, indem sie die Erziehungsgutschrift
wie zwischen den leiblichen Eltern vertraglich vereinbart je hälftig auf diese aufgeteilt
habe. Sowohl die Kindsmutter als auch der Kindsvater hätten Anspruch auf die Hälfte
der Erziehungsgutschrift. Letzterer sei allerdings bis zur Scheidung im Oktober 2015
noch mit einer anderen Frau verheiratet gewesen, weshalb zwischen diesen beiden
Parteien zusätzlich Art. 29sexies Abs. 3 AHVG zur Anwendung gelange. Das
aussereheliche Kind sei gemäss den Wegleitungen als Stiefkind den leiblichen Kindern
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gleichgestellt, weshalb der Beschwerdeführer seine hälftige Erziehungsgutschrift mit
der Ehefrau zu teilen habe (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 4. November 2016 macht der Beschwerdeführer im Wesentlichen
geltend, die Argumentation der Beschwerdegegnerin betreffend Stiefkind sei
vorliegend nicht einschlägig. Das Stiefkind werde definiert als "ein Kind, das der
Ehegatte oder die Ehegattin aus einer früheren Beziehung in eine Ehe oder
Partnerschaft einbringe". Damit werde impliziert, dass dieses Paar für das Kind sorge.
Dies sei in seinem Fall nicht so, da seine geschiedene Ehefrau nie eine Erziehungs-
oder Sorgeaufgabe für C._ übernommen habe. Dieser sei nicht das Stiefkind von
D._. Keine Dienststelle oder kein Amt habe sich je mit der Frage des Stiefkindes
befasst. Im Übrigen fehle in der Rentenberechnung von D._ die Erziehungsgutschrift
für ihr "Stiefkind". Dies wäre bei Abweisung der Beschwerde zu korrigieren und die
Rente seiner geschiedenen Ehefrau entsprechend anzupassen (act. G 6).
B.d Mit Duplik vom 1. Dezember 2016 weist die Beschwerdegegnerin nochmals darauf
hin, dass die Rechtslage ihrer Ansicht nach keine anderen Schlüsse zulasse als
diejenigen, die sich bereits aus dem Einspracheentscheid ergäben. Vorliegend handle
es sich um ein politisches Problem, das nur über eine Gesetzes- respektive
Systemänderung gelöst werden könne (act. G 8).

Erwägungen
1.
Gemäss Art. 29sexies Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (SR 831.10; abgekürzt: AHVG) wird Versicherten für
diejenigen Jahre eine Erziehungsgutschrift angerechnet, in welchen ihnen die elterliche
Sorge für eines oder mehrere Kinder zusteht, die das 16. Altersjahr noch nicht erreicht
haben. Dabei werden Eltern, die gemeinsam Inhaber der elterlichen Sorge sind, jedoch
nicht zwei Gutschriften kumulativ gewährt. Gemäss Abs. 3 Satz 1 derselben
Bestimmung wird die Erziehungsgutschrift bei verheirateten Personen während der
Kalenderjahre der Ehe hälftig aufgeteilt. Der Teilung unterliegen aber nur die
Gutschriften für die Zeit zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres
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und dem 31. Dezember vor Eintritt des Versicherungsfalls beim Ehegatten, welcher
zuerst rentenberechtigt wird.
2.
2.1 Vorliegend ist unter den Parteien zu Recht nicht umstritten, dass die
Erziehungsgutschriften zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Lebenspartnerin
bzw. Kindsmutter (B._) hälftig aufzuteilen sind (vgl. Art. 52f Abs. 2bis der Verordnung
über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [SR 831.101; abgekürzt: AHVV], in der
bis 31. Dezember 2014 gültig gewesenen Fassung, wonach die Erziehungsgutschriften
bei unverheirateten Eltern hälftig aufzuteilen sind, wenn ihnen die elterliche Sorge
gemeinsam zusteht und sie keine anderslautende Vereinbarung getroffen haben).
Davon scheint grundsätzlich auch die Beschwerdegegnerin auszugehen, hat sie doch
die andere Hälfte der Erziehungsgutschriften der Kindsmutter angerechnet (bzw. würde
sie dies bei einer allfälligen Rentenberechnung tun) und nicht der (mittlerweile)
geschiedenen Ehefrau des Beschwerdeführers (D._ [vgl. Beschwerdeantwort vom
29. September 2016 Ziff. IV. 3]).
2.2 Umstritten ist einzig, ob die dem Beschwerdeführer zustehende halbe
Erziehungsgutschrift anlässlich der Ehescheidung vom 28. Oktober 2015 nochmals
zwischen dem Beschwerdeführer und seiner geschiedenen Ehefrau aufzuteilen und
damit zu vierteln ist. Der Beschwerdeführer verneint dies im Wesentlichen mit dem
Hinweis auf das AHV-Merkblatt 1.07 (Erziehungsgutschriften), wonach
Anknüpfungspunkt für den Anspruch auf die Erziehungsgutschrift stets die elterliche
Sorge sei und diese eben zwischen ihm und der Mutter von C._ aufgeteilt sei,
während seine frühere Ehefrau keinen Anteil an der Erziehung oder an der elterlichen
Sorge von C._ habe. Zwar ist dem Beschwerdeführer darin beipflichten, dass der
grundsätzliche Anspruch auf Erziehungsgutschriften an die Ausübung der elterlichen
Sorge anknüpft (Art. 29sexies Abs. 1 AHVG). Dies wird von der Beschwerdegegnerin
denn auch nicht bestritten. Dies bedeutet indessen nicht, dass die ihm grundsätzlich
zustehende halbe Erziehungsgutschrift im Scheidungsfall automatisch ihm allein
anzurechnen ist, bzw. es sagt noch nichts darüber aus, wie im Scheidungsfall mit
einem einmal gegebenen Anspruch eines Ehegatten auf eine Erziehungsgutschrift zu
verfahren ist.
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2.3 Wie das Bundesgericht bereits in einem Entscheid vom 29. Dezember 2000 unter
Hinweis auf den Willen des Gesetzgebers entschieden hat, stellt die hälftige Aufteilung
von Erziehungsgutschriften (auch in Stiefkindverhältnissen) das Korrelat zur hälftigen
Aufteilung der im IK vermerkten Erwerbseinkommen unter den Ehegatten dar.
Anknüpfungspunkt für die Teilungsvorschrift ist die Ehe, wobei es genügt, wenn ein
Elternteil einen Anspruch auf eine zu teilende Gutschrift in die Ehe "einbringt". Im
Weiteren betont das Bundesgericht die vom Gesetzgeber beabsichtigte Gleichstellung
der Erwerbseinkommen und der Erziehungsgutschriften bei der Teilung, was sich etwa
anhand der gleichlautenden Bestimmungen von Art. 29quinquies Abs. 4 lit. a und Art.
29sexies Abs. 3 Satz 2 AHVG (Teilungszeitraum) und anhand der in beiden Fällen
vorausgesetzten Versicherteneigenschaft ergebe (Art. 29quinquies Abs. 4 lit. b AHVG
und Art. 52f Abs. 4 AHVV). Die Bestimmung des Art. 29sexies Abs. 3 AHVG stellt damit
nicht bloss eine Ausführungsbestimmung zu Abs. 1 dieser Norm dar. Vielmehr kommt
ihr im Rahmen des mit der 10. AHV-Revision auf den 1. Januar 1997 eingeführten
geschlechtsneutralen und zivilstandsunabhängigen Rentensystems eine selbstständige
materielle Bedeutung zu (mit der Folge, dass Er¬ziehungsgutschriften nicht nur mit - in
Bezug auf die fraglichen Kinder - selber anspruchsberechtigten d.h. sorgeberechtigten
Ehegatten geteilt werden müssen [BGE 126 V 429 E. 3b, in welchem Fall der
Anknüpfungspunkt für die Teilung der Erziehungsgutschrift ebenfalls die Ehe war und
nicht das Zusammenleben des Stiefvaters mit den Stiefkindern, was den Entscheid
auch vorliegend einschlägig macht]). Ausgehend von dieser Gleichbehandlung realer,
im IK vermerkter Erwerbseinkommen und fiktiver, bloss der Rentenberechnung
dienender Einkommen (Erziehungsgutschriften), unterliegen demzufolge im
Scheidungsfall beide Kategorien gleichermassen der Teilung. Im Ergebnis ist damit die
(halbe) Gutschrift während der Dauer der Ehe unabhängig davon zu teilen, ob der
Ehepartner bzw. Stiefelternteil mit dem Stiefkind zusammengelebt oder tatsächlich
Betreuungsaufgaben wahrgenommen hat. Mithin erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid als rechtens.
2.4 Auf das Eventualbegehren in der Replik vom 4. November 2016 (Korrektur der
Rente der geschiedenen Ehefrau) kann nicht eingetreten werden, da jene
Rentenberechnung nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet. Ausserdem
ist der Beschwerdeführer nicht zur Anfechtung legitimiert oder bevollmächtigt.
Immerhin kann angemerkt werden, dass Erziehungsgutschriften - entgegen der
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vermuteten Ansicht des Beschwerdeführers - nicht im IK eingetragen werden, sondern
erst anlässlich der Rentenberechnung - gemäss Art. 29sexies Abs. 2 AHVG - betraglich
festgelegt werden. Das Fehlen derselben in den beigelegten IK-Auszügen von D._
(die ohnehin nur den Zeitraum bis 2009 umfassen [act. G 6.1]) lässt somit nicht den
Schluss zu, dass die fraglichen Gutschriften nicht berücksichtigt worden sind. Indessen
ist im Berechnungsblatt der Versicherungszeiten von D._ in den Akten der
Beschwerdegegnerin zu ersehen, dass betreffend die Jahre 2010 bis 2014
Viertelsgutschriften eingetragen und damit wohl auch bei der Rentenberechnung
berücksichtigt worden sind (act. G 4.1/6). Bei diesem Verfahrensausgang kann sodann
auf eine Beiladung von D._ zum vorliegenden Verfahren verzichtet werden.
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).