Decision ID: cd6db1ca-5f8f-57b5-88fc-d9e732f99d32
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 28. Februar/6. März 2001 bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an und beantragte Berufsberatung, Umschulung auf eine neue
Tätigkeit und eine Rente. Sie gab an, anfangs September 1999 bei der Fliessbandarbeit
einen heftigen Schlag gegen die linke Hand erlitten und seither Probleme zu haben
(act. 3). Dr. med. B._, Innere Medizin FMH, erklärte im IV-Arztbericht vom 14. März
2001 (act. 5), die Versicherte leide an einer Tendovaginitis De Quervain links. Sie sei
vom 6. bis 15. September 1999, vom 27. bis 31. Dezember 1999, vom 3. bis 9. Januar
2000 und vom 3. bis 4. Februar 2000 voll arbeitsunfähig gewesen und sei nun seit dem
1. März 2000 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Am 19. Mai 2000 sei eine
operative Sanierung durchgeführt worden, eine zweite Operation sei geplant. Die
Arbeitgeberin bescheinigte am 24. März 2001 (act. 8), die Versicherte sei vom
1. Oktober 1994 bis 29. Februar 2000 als Mitarbeiterin angestellt gewesen. Sie habe ihr
infolge einer Reorganisation gekündigt. Gemäss dem Verlaufsbericht vom 9. April 2002
(act. 20) diagnostizierte die Klinik für Handchirurgie am Kantonsspital St. Gallen (Dr.
med. G._) zum einen chronische Beschwerden und Schmerzen im Bereich des
ersten Strecksehnenfaches links und zum andern einen Zustand nach "Spaltung und
Resektion von Synovialitis" in diesem Gebiet, jetzt neu einen schnellenden Daumen A1
links. Die Beschwerden hätten zurzeit keinen Einfluss mehr auf die Arbeitsfähigkeit;
leidensadaptiert bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Eine das Leistungsgesuch
(berufliche Massnahmen und Rente) ablehnende Verfügung vom 1. Juli 2002 (act. 32)
widerrief die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen auf einen
Rekurs hin und veranlasste eine medizinische Abklärung an der Klinik für
Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen. Die Begutachtung durch
Dr. med. C._, Klinik für Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen, ergab
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gemäss dem Gutachten vom 8. Januar 2003 (act. 45) eine Subluxierbarkeit des ersten
Strecksehnenfachs (mit dort palpatorisch festgestellter Überempfindlichkeit), die eine
Stabilisierung erforderlich mache. Ausserdem wäre eine neurologische Untersuchung
mit der Frage nach einem Radialiskompressionssyndrom zu empfehlen. Die linke Hand
der Versicherten sei zu 70 % nicht einsetzbar und nur als Beihand zu benutzen. Nach
der Stabilisierung und chirurgischer Behandlung des allfälligen
Radialiskompressionssyndroms wäre eine Zunahme der Arbeitsfähigkeit möglich. Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 11. Juli 2003
(act. 46) dafür, bei der Versicherten sei praktisch von einer Einarmigkeit auszugehen. In
einer adaptierten Tätigkeit sei sie voll arbeitsfähig. Gemäss dem Schlussbericht der
BEFAS vom 7. Oktober 2003 (act. 61) über eine Abklärung vom 8. bis 26. September
2003 kämen grundsätzlich verschiedene einfache, wenig anspruchsvolle und leichte
Hilfsarbeiten in Frage, die entweder einhändig (zu 100 % möglich) oder bedingt ein
händig (d.h. mit Zudien- und Hilfshand links, zu 70 % möglich) ausgeführt werden
könnten, und zwar etwa in der industriellen Produktion Maschinenbedienung (Voll- oder
Halbautomaten), Überwachungen, Sortierarbeiten oder Kontrollen (z.B. an einem
Förderband), Verpackungen oder Abfüllarbeiten (z.B. Medikamente, Pralinen etc.). Die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit habe nach Angaben der Versicherten an einem Fliessband
stattgefunden und sei wiederholt beidhändig mit grösseren Kraftaufwendungen ver
bunden gewesen, weshalb sie nicht mehr empfohlen werden könne. Am 19. Februar
2004 (act. 76) gab die damalige Rechtsvertreterin der Versicherten der IV-Stelle
bekannt, dass die Versicherte bei der Ärztin med. pract. D._ in psychiatrischer
Behandlung sei. Der zuständige IV-Eingliederungsberater berichtete am 26. Februar
2004 (act. 77), die Versicherte habe erklärt, in den vergangenen Wochen habe sich ihr
Gesundheitszustand verschlechtert. Er stellte einen Einkommensvergleich an mit einer
Arbeitsfähigkeit von 70 % (eine Hilfsarbeitertätigkeit, die ausschliesslich mit einer Hand
ausgeübt werden könne, sei ihm aus der freien Wirtschaft nicht bekannt;
Valideneinkommen Fr. 39'195.-- und Invalideneinkommen von Fr. 23'320.--;
Invaliditätsgrad rund 41 %). Med. pract. D._ gab im IV-Arztbericht vom 6. Juni 2004
(act. 84-1 bis 4) bekannt, es lägen bei der Versicherten seit ca. Ende 2003 eine
depressive Störung, gegenwärtig mittelschweres Zustandsbild, und seit ca. vier Jahren
ein Schmerzsyndrom (Kopfschmerzen und Schmerzen linker Arm) vor. Die Versicherte
sei seit dem 16. Februar 2004 bis auf weiteres zu 100 % arbeitsunfähig. Es sei eine
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ergänzende medizinische Abklärung angezeigt. In dem beigelegten Bericht an einen
Arzt hatte med. pract. D._ am 19. Februar 2004 (nach zwei Konsultationen) mitgeteilt,
am eindrücklichsten imponierten bei der Versicherten die deutliche Depressivität, Angst
und eine allgemeine Verlangsamung. Da aber gleichzeitig somatische Symptome
(starke Kopfschmerzen, Übelkeit, hoher Blutdruck, Sehstörungen) vorlägen, sei sie mit
der diagnostischen Zuordnung vorsichtig. Es könnte eine organische Ursache vor
handen sein, und selbst eine Psychose sei nicht ausgeschlossen. Auf Anfrage hielt
pract. med. D._ am 1. August 2004 (act. 87) fest, zurzeit sei die Versicherte wegen
der Depression und den häufigen Kopfschmerzen nicht arbeitsfähig, doch sollte in
einigen Monaten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für leichte Tätigkeiten erreicht werden.
Bei den Abklärungen sei an eine neurologische Untersuchung (mit CCT) und einen
Halswirbelsäulenuntersuch zu denken. Im polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 13.
April 2006 (act. 105) wurden als Diagnosen mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
aufgeführt: (erstens) eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom
bei verschiedenen Belastungssituationen, (zweitens) ein chronisches cervicocephales
Syndrom mit vegetativen Begleitbeschwerden und (drittens) funktionelle Beschwerden
an Arm, Hand und Daumen links bei Status nach handchirurgischem Eingriff wegen
Tenovaginitis de Quervain links 5/00, Status nach Spaltung und Resektion
1. Strecksehnenfach und Karpalüberdachung links 3/01 und Status nach
Ringbandspaltung Dig. I links 4/02. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit werde für
eine ausserhäusliche, körperlich eher leichtere Erwerbstätigkeit ohne repetitive oder
kraftmässig belastende Anstrengungen der linken Hand auf 50 % veranschlagt, dies
vorwiegend aufgrund der psychischen Faktoren. Der Beginn sei nach der Aktenlage auf
den 16. Februar 2004 zu setzen. Für die Zeit davor stimme man mit der Beurteilung
durch die BEFAS überein. Die Arbeitsprognose sei als schlecht zu bezeichnen, es
spielten dabei wesentlich soziale, IV-rechtlich fremde Faktoren eine Rolle: Emigrations
problematik, bescheidene Sprach- und Schulkenntnisse, fehlende Berufsbildung,
mehrjährige Arbeitsunfähigkeit bzw. -losigkeit, starke Selbstlimitierung, schwierige
familiäre Situation und subjektive Krankheitsüberzeugungen. In der
Anamneseschilderung wurde erwähnt, die Versicherte habe von einem Autounfall ca.
1981 im Ausland berichtet, wo sie als Fussgängerin angefahren worden sei und mit
einer Hirnerschütterung etwa zehn Tage lang hospitalisiert gewesen sei. Nach
Rücksprache mit dem RAD (act. 106) schloss die IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Mai
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2006 (act. 115) die Arbeitsvermittlung ab. Die Voraussetzungen für ein Arbeitstraining,
eine Arbeitsvermittlung oder die realistische Vermittelbarkeit seien nicht gegeben, da
sich die Versicherte nicht in der Lage fühle zu arbeiten. Auf einen Vorbescheid vom
22. August 2006 hin, wonach ihr ab 1. Februar 2005 bei einem Invaliditätsgrad von
50 % (Fr. 37'259.-- Validen- und Fr. 18'629.-- Invalideneinkommen) eine halbe Rente
zukommen werde, liess die Versicherte am 13. September 2006 eine ganze Rente ab
Januar 2001 (S. 2) bzw. ab September 2000 (S. 7), eventuell zusätzliche Abklärungen,
beantragen. Seit dem Vorfall anfangs September 1999 sei sie durchgehend zu 100 %
arbeitsunfähig. Auf das MEDAS-Gutachten könne nicht abgestellt werden. Am
2. Februar 2007 (act. 144-1/3) wandte sich die Ärztin med. prakt. D._ an die IV-Stelle
und berichtete, an irgend eine Arbeitstätigkeit der Versicherten sei nicht zu denken.
Seit der Scheidung sei sie mit der Mutterrolle völlig überfordert, wie sie (die Ärztin) es in
ihrem beigelegten Bericht an die MEDAS bereits geschrieben habe. Die intellektuelle
Überforderung beginne schon bei einfachsten Aufgaben im Alltag, welche zu
unüberwindbaren Hürden würden. So sei sie nicht in der Lage, den einfachen
Stundenplan der zweiten Klasse ihres Kindes zu verstehen. Die Überforderung in der
Erziehung habe auch durch Einschalten des Kinderpsychiatrischen Dienstes nicht
behoben werden können. Ausserdem befassten sich mit ihr und ihrem Kind auch der
Schulpsychologische Dienst, die Vormundschaftsbehörde, das Kinderspital und eine
Beobachtungsstelle. Sie benötige wahrscheinlich einen Beistand und viel Hilfe bei der
Bewältigung des Alltagslebens. Es liege nach wie vor ein psychopathologisches Bild
vor, das einem Residualzustand ähnle, mit emotionaler Abflachung, Desinteresse und
massiven kognitiven Störungen. Die deutlichen psychischen Defizite seien
höchstwahrscheinlich bei der Vormundschaftsbehörde, dem Kinderpsychiatrischen
Dienst, dem Kinderspital usw. dokumentiert. In ihrem beigelegten Bericht an die
MEDAS vom 24. März 2006 (act. 144-2 f.) hatte sie erklärt, die Diagnose einer
chronisch depressiven Störung erkläre die psychischen Auffälligkeiten nur
ungenügend. Hinweise auf eine Psychose oder einen Residualzustand lägen nicht vor.
Die schwierige soziale Situation erkläre das eigenartige psychiatrische Bild ebenfalls
nicht ausreichend. Differenzialdiagnostisch denke sie eventuell an eine organische
Störung nach Schädelhirntrauma. Eine testpsychologische bzw. neuropsychologische
Untersuchung in der Muttersprache wäre eigentlich hilfreich, doch bestehe hierzu ihres
Wissens in der Gegend keine Möglichkeit. Der RAD befürwortete am 15. März 2007
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(act. 148), ab Anfang 2000 von einer Arbeitsfähigkeit von 100 % bei voll angepasster
Tätigkeit und ab Februar 2004 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus psychischen
Gründen auszugehen.
A.b Mit Verfügungen vom 15. Juni 2007 (act. 152) sprach die IV-Stelle des Kantons
St. Gallen der Versicherten ab 1. Februar 2005 eine halbe Rente zu.
A.c Im Fragebogen für Revision der Invalidenrente vom 18. Dezember 2008 (act. 189)
gab die Versicherte an, ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben.
A.d Auf die Beschwerde der Versicherten vom 13. Juli 2007 hin, womit ab wann
rechtens - allerspätestens ab September 2000 - eine ganze Rente (eventualiter weitere
medizinische Abklärungen) beantragt worden ist, hob das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen die Verfügungen vom 15. Juni 2007 mit Entscheid vom 13. Januar
2009 (act. 191) auf und wies die Sache zu ergänzenden Abklärungen an die Sozial
versicherungsanstalt/IV-Stelle zurück. Es sei angesichts der als so erheblich be
schriebenen Einschränkungen zu bezweifeln, ob die subjektiv empfundene und von der
behandelnden Psychiaterin bescheinigte volle Arbeitsunfähigkeit auf IV-fremde
Faktoren zurückzuführen sei. Bei der Abklärung kämen insbesondere ein CCT oder
andere geeignete Methoden zur Untersuchung einer allfälligen hirnorganischen
Problematik in Frage, die vertieft eruiert werden müsse.
A.e Daraufhin wurden das Einholen aktueller Arztberichte und eine weitere Begut
achtung vorgesehen. Mit Arztbericht vom 25. August 2009 (act. 210) gab Dr. med.
E._, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, bekannt, die Versicherte sei seit dem
29. Mai 2001 zu 100 % arbeitsunfähig. Es bestünden deutliche Einschränkungen in
Bezug auf die Psyche und die Ausdauer und aufgrund von Schmerzen. Der Verlauf sei
langwierig mit vor allem zunehmender psychischer Dekompensation. Es lägen diffuse
Beschwerden vor und die Versicherte verhalte sich, was im Vordergrund stehe,
psychisch auffällig.
A.f Die Ärztin med. pract. D._ berichtete am 4. September 2009 (act. 211), die
Versicherte sei seit 2004 zu 100 % arbeitsunfähig. Seit dem letzten Bericht habe sich
dank Eiseninfusionen eine leichte Besserung eingestellt. Es bestünden kognitive
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Störungen unbekannter Ursache, Verhaltensstörungen, eine chronische depressive
Störung mit Erschöpfung und ein Eisenmangel. Selbst eine Teilzeitarbeit mit sehr
leichten Tätigkeiten sei infolge von Verlangsamung, schneller Ermüdbarkeit, Kon
zentrationsproblemen, Neigung zu Kopfschmerzen bei Belastung, körperlichen
Problemen (mit dem linken Arm) und Verständnisschwierigkeiten bei mündlichen und
schriftlichen Anordnungen nicht realisierbar. Zumutbar wären leichte
Reinigungsarbeiten an maximal zwei Stunden pro Tag, wobei nur ein Bruchteil der
üblichen Leistung erreicht würde.
A.g Am 20. November 2009 erstattete die MEDAS Ostschweiz das Gutachten
(act. 213). Als Hauptdiagnosen lägen vor: eine mittelgradige depressive Störung mit
somatischem Syndrom bei verschiedenen psychosozialen Belastungen, ein
chronisches cervicocephales Syndrom mit vielen vegetativen Begleitbeschwerden,
funktionelle Beschwerden an beiden Armen und Händen mit Schwächegefühlen und
Hyposensibilitätsgefühl im linken Arm, und ein Status nach handchirurgischem Eingriff
wegen Tenovaginitis der Daumenbeugersehne 05/00 und der Zeigefingerbeugesehne
03/01 sowie erneut 04/02 mit subjektiver Krafteinbusse, objektiv normale Beweglichkeit
der genannten Finger. Einer geplanten neuropsychologischen Abklärung habe sich die
Versicherte nicht unterziehen wollen. Die Beurteilbarkeit wäre aber (aus sprachlichen
und Gründen der Bildung) ohnehin erschwert und wahrscheinlich eingeschränkt
gewesen. In einem aktuellen MRI des Schädels habe sich ein Normalbefund gezeigt.
Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich eher leichtere Tätigkeiten ohne
besondere repetitive oder kraftmässige Belastungen der linken Hand sei vorwiegend
aufgrund der psychischen Faktoren (weiterhin) auf 50 % zu schätzen. Es sei
notwendig, dass sehr einfache, in einem Schritt oder in zwei Schritten bestehende
Arbeiten verrichtet werden könnten, die ganztägig mit reduzierter Leistung zu erfüllen
seien. Der Beginn der eingeschränkten Arbeitsfähigkeit sei auf den 16. Februar 2004
anzusetzen.
A.h Mit Vorbescheid vom 9. Dezember 2009 (act. 218 f.) stellte die Sozialver
sicherungsanstalt/IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten in Aussicht, ihr ab
16. Februar 2005 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (Valideneinkommen
Fr. 35'522.--; Invalideneinkommen Fr. 16'784.--).
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A.i Die Versicherte liess am 4. Februar 2010 (act. 220) einwenden,
Arbeitsunfähigkeits- und Invaliditätsgrad seien beträchtlich höher als angenommen, so
hoch, dass eine ganze Rente, zumindest aber eine höhere Rente ausgewiesen sei.
Dr. E._ und med. prakt. D._ nähmen volle Arbeitsunfähigkeit an. Entgegen der
gutachterlichen Auffassung sei die gesundheitliche Problematik nicht auch auf
invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführen. Wie dort festgestellt, habe sich die soziale
Situation geändert. Den organischen Leiden sei zu wenig Rechnung getragen worden.
Es sei nicht einzusehen, inwiefern sich der Zustand der linken Hand verbessert haben
sollte. Die medizinische Abklärung sei, da ein neuropsychologisches Konsiliargutachten
fehle, unvollständig. Sie habe ihrem Rechtsvertreter gegenüber erklärt, sie werde sich
einer solchen Untersuchung unterziehen. Eine solche Untersuchung sei angesichts des
Urteils des kantonalen Versicherungsgerichts vom 13. Januar 2009 in jedem Fall durch
zuführen. Schliesslich seien auch das Valideneinkommen nach oben anzupassen und
ein Abzug von 25 % vom Tabellenlohn vorzunehmen. Ergänzend liess die Versicherte
am 4. März 2010 (act. 222) den Hauptantrag insofern präzisieren, als eine ganze Rente
ab wann rechtens, allerspätestens ab September 2000, auszurichten sei. Nach Auf
fassung des Versicherungsgerichts sei die hirnorganische Problematik zu untersuchen
gewesen. Solange kein Ergebnis einer neuropsychologischen Untersuchung vorliege,
sei das MEDAS-Gutachten nicht vollständig. Die Versicherte teile die Auffassung der
Gutachter nicht, dass viele invaliditätsfremde Faktoren eine Rolle spielten, jedenfalls
nicht im angenommenen Ausmass. Der psychische Zustand habe sich trotz Änderung
der sozialen Situation denn auch nicht verändert. Sollte nicht auf die Arbeitsunfähig
keitsschätzungen von Dr. E._ und med. prakt. D._ abgestellt werden, so sei ein
ergänzendes psychiatrisches Gutachten einzuholen. Eine Auseinandersetzung mit den
Feststellungen im handchirurgischen Gutachten vom 8. Januar 2003 und die dort
empfohlene neurologische Untersuchung seien nicht erfolgt. Der Beginn der
Arbeitsunfähigkeit sei weit vor die Zeit vom Februar 2004 zu setzen.
A.j Am 1. April 2010 (act. 225) reichte der Rechtsvertreter der Versicherten einen
Bericht von Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom
25. März 2010 ein, worin sie ihm auf diverse Fragen so geantwortet hatte: die Ver
sicherte, die sich seit 5. November 2009 in ihrer Behandlung befinde, sei voll arbeits
unfähig. Ein MMS-Test habe nur 21 Punkte ergeben, so dass eine testpsychologische
Abklärung stattfinden sollte.
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A.k Auf Anfrage vom 11. März 2010 (act. 224) hin teilte die MEDAS am 5. Mai 2010
(act. 227) mit, die Versicherte habe nach dem von ihr beschriebenen Unfall 1981 im
Alltag normal funktioniert, was die behandelnde Psychiaterin nicht erwähnt habe. Hätte
sich ein pathologischer Befund gezeigt, so hätte dafür nicht die Invalidenversicherung
aufzukommen. Ein neuropsychologisches Gutachten sei vorgesehen gewesen. Die Ver
sicherte habe dieses aber (auch nach einer Bedenkzeit von einem Tag) abgelehnt. Eine
neuropsychologische Untersuchung hätte ohnehin nicht viel weitergeführt, weil die
psychiatrisch beurteilte Krankheit pathologische "neuropsychologische" Befunde ver
ursache, die nur schwer von anderen Ursachen abgegrenzt werden könnten. Statt
dessen sei eine MRI-Untersuchung des Kopfes durchgeführt worden. Weder
bildgebend noch klinisch noch anamnestisch bestehe ein Hinweis auf eine organische
Hirnschädigung. Auf die Vermutung einer möglichen Störung nach Schädelhirntrauma
sei die Psychiaterin med. prakt. D._ erst zwei Jahre nach Beginn der Behandlung
gekommen. Mnestisch-kognitive Defizite (reversibel) gehörten aber regulär zu einem
depressiven Syndrom. Eine Depression sei im Übrigen immer auch eine körperliche
Krankheit, unter anderem auch mit Beeinträchtigung der Hirnfunktionen. Es bestünden
viele invaliditätsfremden Faktoren. Ein Rheumatologe habe eine klinisch-neurologische
Untersuchung durchgeführt. Es seien eine Hyposensibilität ab Schulterhöhe im ganzen
linken Arm und keinerlei Griffkraft (null) demonstriert worden. Bei fehlenden anderen
Störungen wie Reflexverhalten oder Muskelatrophien sei beides als dissoziativ/
funktionell zu werten. Auf elektrophysiologische Untersuchungen sei verzichtet worden,
weil bei der offensichtlich funktionellen Störung keine spezifischen Resultate hätten
erwarten werden können.
A.l Mit Verfügungen vom 26. Juli 2010 (davon eine irrtümlich falsch datiert;
act. 232 f.) sprach die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten ab
1. Februar 2005 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 53 % zu.
B.
Gegen diese Verfügungen richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann
für die Betroffene am 6. September 2010 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtenen Verfügungen seien, soweit sie
weitergehende Leistungen verneinten, vollumfänglich aufzuheben und der Be
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schwerdeführerin sei mit Wirkung ab wann rechtens, spätestens ab 1. September
2000, eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sache zu weiteren
medizinischen Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Es sei zu
nächst beabsichtigt gewesen, ein neuropsychologisches Konsiliargutachten
einzuholen. Obwohl sich die Beschwerdeführerin in ihrem Einwand vom 4. März 2010
ausdrücklich zur Teilnahme bereit erklärt habe, sei schliesslich davon abgesehen
worden. Dass sich die Beschwerdeführerin bei der Begutachtung nicht in der Lage
gefühlt habe, die entsprechende Praxisstätte zu finden, dürfe aber nicht dazu führen,
dass von der Anweisung des Versicherungsgerichts abgewichen werde. Verweigert
habe sie die Untersuchung nicht und von einer Bedenkfrist wisse sie nichts. Es möge
sein, dass sie verunsichert gewesen sei und Befürchtungen geäussert habe. Das dürfe
ihr aber nicht zum Nachteil gereichen, zumal sich das durch die kognitiven
Einschränkungen erklären liesse. Die Beschwerdeführerin sei im Übrigen auch nie
schriftlich abgemahnt worden. Bis zum Gutachtenszeitpunkt habe die MEDAS selbst
eine neuropsychologische Untersuchung noch für sinnvoll erachtet. Weder ein MRI
noch ein CT vermöchten diese Untersuchung zu ersetzen. Auch die nun behandelnde
Psychiaterin Dr. F._ habe kognitive Störungen festgestellt. Ihr Bericht sei aber
offensichtlich nicht an die MEDAS weitergeleitet worden. In ihren Feststellungen seien
zumindest Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens zu sehen. Die Ärzte
D._, Dr. E._ und Dr. F._, die - im Unterschied zur MEDAS - über einen langen
Beurteilungszeitraum verfügten, hätten beträchtliche Auffälligkeiten der
Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen beschrieben und eine volle
Arbeitsunfähigkeit festgestellt. Wenn invalidenversicherungsfremde Faktoren zu
berücksichtigen seien, dann jedenfalls in viel geringerem Ausmass als angenommen.
Zu beanstanden sei auch, dass eine Auseinandersetzung der MEDAS mit dem
handchirurgischen Gutachten vom 8. Januar 2003 nicht erfolgt sei. Die Leistungen
seien bereits ab September 2000 zuzusprechen, da weit vor Februar 2004 kognitive
und psychische Einschränkungen bestanden hätten und die Arbeitsunfähigkeit aus
körperlichen Gründen auf September 1999 zurückgehe. Es seien die
Unfallversicherungsakten beizuziehen. Die Beschwerdeführerin weise ein
beträchtliches Mindereinkommen auf, das voll zum Valideneinkommen gerechnet
werden müsse. Es sei jedenfalls ein 10 % übersteigender Leidensabzug zu machen,
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ausserdem bestehe Anspruch auf einen Teilzeitabzug. Insgesamt seien 25 %
abzuziehen.
C.
Mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin, es
sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
habe, und die Beschwerde sei abzuweisen. Die MEDAS habe polydisziplinär eine
Gesamtbetrachtung gemacht, bei der es sich nicht um eine blosse Momentaufnahme
handle. Neurologische Auffälligkeiten hätten dabei nicht gefunden werden können, ins
besondere kein Radialiskompressionssyndrom. An der linken Hand lägen aus
schliesslich funktionelle Beschwerden vor, die weder somatisch noch psychiatrisch
erklärbar seien. Eine Arbeitsunfähigkeit habe sich deswegen nur jeweils für etwa zwei
Monate nach den drei Operationen ergeben. Aufgrund der eindeutigen, unprob
lematischen Befundlage sei es nicht notwendig gewesen, dass sich die MEDAS mit
dem Gutachten des Kantonsspitals auseinandergesetzt habe. Die neuropsychologische
Untersuchung sei von allen gängigen Disziplinen am wenigsten geeignet, geklagte
Beschwerden zu objektivieren. Insbesondere sei praktisch unmöglich zu bestimmen,
ob die gefundenen Hirnleistungsschwächen auf fehlende Motivation, ein Unfallereignis
oder die Erbanlage einer versicherten Person zurückzuführen seien. Auch psychische
Beeinträchtigungen oder eine psychosoziale Problematik führten zwangsläufig zu ent
sprechend schwachen Testergebnissen. Die Ergebnisse einer solchen Untersuchung
könnten daher nur insofern bedeutsam sein, als sich die Aussagen schlüssig in andere
interdisziplinäre Abklärungsergebnisse einfügten. Die Ausführungen der MEDAS zum
MRI-Befund und zur Erklärbarkeit der kognitiven Defizite durch das depressive
Syndrom seien schlüssig. Eine invalidisierende traumatische Hirnverletzung sei nur
gegeben, wenn ein neurologisch messbarer Defektzustand vorliege, was bei der
Beschwerdeführerin nicht der Fall sei. Es sei nicht notwendig gewesen, den Bericht
von Dr. F._ der MEDAS vorzulegen, denn es ergäben sich daraus keine neuen
Fakten, die für eine Hirnverletzung sprächen. Der Bericht enthalte auch keine psycho
pathologischen Befunde und begründe die Arbeitsunfähigkeitsschätzung nicht
nachvollziehbar. Die Ärztin habe vielmehr hierfür eine Testung vorgeschlagen. Eine
psychische Gesundheitsschädigung müsse zwingend durch einen Psychiater
festgestellt werden, weshalb der Bericht von Dr. E._ hierfür nicht verwendbar sei.
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Auch auf die Einschätzung von med. prakt. D._ könne nicht abgestellt werden. Dem
MEDAS-Gutachten komme hinsichtlich der erhobenen Befunde und der gestellten
Diagnosen volle Beweiskraft zu. Auch seine Arbeitsfähigkeitsschätzung im somatischen
Bereich sei schlüssig. Die aus psychiatrischer Sicht auf lediglich 50 % festgesetzte
Arbeitsfähigkeit stehe indessen nicht im Einklang mit der Rechtsprechung des
Bundesgerichts. Bei der mittelgradigen depressiven Störung handle es sich um eine
reaktive Begleiterscheinung zur Schmerzstörung. Eine solche Depression stelle von
vornherein keine Komorbidität dar, weil kein von depressiven Verstimmungszuständen
klar unterscheidbarer, verselbständigter und pathologischer Gesundheitsschaden
vorliege. Auch andere Faktoren, welche die ansonsten zumutbare Willensanstrengung
zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit behindern könnten, seien bei der
Beschwerdeführerin nicht ersichtlich. Da im Wesentlichen einzig ätiologisch-
pathogenetisch unerklärliche syndromale Leidenszustände beschrieben würden, sei
von voller Arbeitsfähigkeit unter psychischem Aspekt auszugehen. Es sei nicht
ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin seit März 2000 (ein Jahr vor der Anmeldung)
in einer adaptierten Tätigkeit für einen längeren Zeitraum in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt gewesen sei. Im Jahr 1998, dem Jahr vor dem invalidisierenden Ereignis,
habe die Beschwerdeführerin Fr. 36'786.-- verdient. Der Tabellenlohn für jenes Jahr
betrage Fr. 44'058.--. Da die Beschwerdeführerin sich nicht freiwillig mit dem
bescheidenen Einkommen habe begnügen wollen, sei mit Ausnahme einer Differenz
von 5 % ein Ausgleich zu machen. Mit der Parallelisierung seien sämtliche
invaliditätsfremden Faktoren berücksichtigt. Ein Abzug rechtfertige sich nicht mehr. Es
sei ein sogenannter Leidensabzug von 10 % vorzunehmen, aber kein Teilzeitabzug.
Das Invalideneinkommen mache daher Fr. 34'763.-- (Fr. 36'786.-- x 1.05 x 0.9) aus,
womit sich ein Invaliditätsgrad von 5 % ergebe.
D.
Mit Replik vom 24. Januar 2011 weist der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
darauf hin, dass gemäss dem Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
eine vertiefte Abklärung für erforderlich gehalten worden sei. Weshalb nun nach Auf
fassung der Beschwerdegegnerin eine neuropsychologische Abklärung plötzlich nicht
mehr nötig sein sollte, sei nicht nachvollziehbar. Den erfahrenen Gutachtern der
MEDAS sei die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur somatoformen Schmerz
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störung und zur zumutbaren Willensanstrengung sehr wohl bekannt. Mit der de
pressiven Störung hätten sie ein selbständiges Leiden mit relevanter Arbeitsunfähigkeit
festgestellt, bei welchem eine Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und
Dauer gegeben sei. Und selbst wenn man die Komorbidität verneinen wollte, wären die
Faktoren zu bejahen, welche die zumutbare Willensanstrengung behinderten. Die
Beschwerdegegnerin begründe die Auffassung angeblicher voller Arbeitsfähigkeit aus
psychischen Gründen denn auch nicht näher. Ihr Standpunkt widerspreche ihrer Auf
fassung im Verwaltungsverfahren und werfe ein ungünstiges Licht auf ihre Abklärungs-
und Entscheidpraxis. Sofern beim Valideneinkommen das Mindereinkommen nicht voll
umfänglich hinzugerechnet werden sollte, wäre stattdessen bei der Bestimmung des
Valideneinkommens auf die Lohnstrukturerhebungen abzustellen.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat am 7. Februar 2011 auf die Erstattung einer Duplik ver
zichtet.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtenen Verfügungen am 26. Juli 2010, also unter
der Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der Sachverhalt, wie
er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügungen entwickelt hat. Dieser
Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück. Die nach dem
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügungen erfolgten Rechtsänderungen
sind hingegen nicht mehr zu berücksichtigen. - Die 5. IV-Revision enthält keine die
Rente (insbesondere den Anspruchsbeginn) betreffende übergangsrechtliche
Bestimmung. Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine
ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007).
Die Definition der Sachverhalte, auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte
durch ein materiellrechtliches, unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen
der Zeitpunkt der Entstehung des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des
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Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum
Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Bezüglich des allfälligen Rentenbeginns sind
deshalb vorliegend angesichts der IV-Anmeldung von 2001 und des Eintritts der
Arbeitsunfähigkeit vor 2007 die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Bestimmungen (im Folgenden angeführt) anzuwenden. Für die Invaliditätsbemessung
hat sich indessen materiell keine Änderung der Rechtslage ergeben.
1.2 Mit den angefochtenen Verfügungen hat die Beschwerdegegnerin der
Beschwerdeführerin ab Februar 2005 eine halbe Rente zugesprochen. Die
Beschwerdeführerin lässt in diesem Verfahren im Hauptstandpunkt nur (höhere und
weiter zurückreichende) Rentenleistungen beantragen. Zum Streitgegenstand gehört
aber notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der Beschwerdeführerin
zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe. Denn wie sich aus Art. 16 ATSG
ergibt, ist der Einkommensvergleich zur Bemessung des Invaliditätsgrades erst nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen vorzunehmen und hat die versicherte Person, wenn ohne
berufliche Massnahmen ein Rentenanspruch droht, die Pflicht, sich geeigneten und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen zu unterziehen. Die Verwaltung ihrerseits hat
die Pflicht, vor dem Entscheid über die Rentenfrage von Amtes wegen alle
Eingliederungsmöglichkeiten zu prüfen und hierüber zu entscheiden.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2003 gültig gewesenen
Fassung) besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu zwei Dritteln, derjenige auf eine halbe Rente, wenn sie
wenigstens zur Hälfte invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 40 % vor, so
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente oder, sofern ein Härtefall gegeben ist, auf eine
halbe Rente (Art. 28 Abs. 1 IVG). Nach Art. 28 Abs. 1 IVG (in der vom 1. Januar 2004
bis 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Fassung) besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem
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Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
3.
3.1 Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wurde im April 2006 durch die
MEDAS Ostschweiz begutachtet. Das damalige Ergebnis einer Arbeitsunfähigkeit von
50 % - vorwiegend aus psychischen Gründen - ab Februar 2004 für eine körperlich
adaptierte Tätigkeit vermochte gemäss einer gerichtlichen Beurteilung vom Januar
2009 nicht zu überzeugen, weil daneben so erhebliche Einschränkungen der
Beschwerdeführerin beschrieben worden sind, dass ergänzende Abklärungen für
erforderlich gehalten wurden. Die Psychiaterin med. prakt. D._ hatte der MEDAS am
24. März 2006 nämlich unter anderem berichtet, die Beschwerdeführerin sei im Antrieb
verlangsamt, sie sei teilnahmslos, vergesslich und unkonzentriert erschienen. Die
Diagnose einer chronisch depressiven Störung erkläre die psychischen Auffälligkeiten
nur ungenügend, ebenso wenig tue dies die schwierige soziale Situation. Zu denken sei
eventuell an eine organische Störung nach Schädelhirntrauma. Eine
testpsychologische bzw. neuropsychologische Untersuchung in der Muttersprache
wäre hilfreich. Nach Angaben der Psychiaterin vom 2. Februar 2007 lag ein einem
Residualzustand ähnliches psychopathologisches Bild vor mit emotionaler Abflachung,
Desinteresse und massiven kognitiven Störungen. Die Beschwerdeführerin brauche viel
Hilfe bei der Bewältigung des Alltags und wahrscheinlich einen Beistand. Am
8. September 2007 berichtete sie, die Beschwerdeführerin leide seit der Geburt ihres
Kindes unter grossem Stress infolge Überforderung. Eine chronische Überlastung der
Stressachse mit dauernder Ausschüttung von Stresshormonen könne aber sehr
komplexe Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen, die unter Umständen mit
bildgebenden Verfahren nachgewiesen werden könnten. Im psychiatrischen
Consiliargutachten wurde die weitreichende Divergenz zwischen der eigenen
Arbeitsfähigkeitsschätzung einerseits und der von der Beschwerdeführerin subjektiv als
voll empfundenen Arbeitsunfähigkeit sowie dieser erwähnten, damit
übereinstimmenden Beurteilung der behandelnden Psychiaterin anderseits auf IV-
fremde Faktoren wie Familiensituation, Sprache und Ausbildung zurückgeführt. Diese
Erklärung schien ohne weitere Abklärung als zu wenig wahrscheinlich.
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3.2 Eine zweite Begutachtung durch die selbe MEDAS vom November 2009 ergab
ein unverändertes Ergebnis. Im Zustandsbild wurde im Vergleich zur Vorbegutachtung
keine wesentliche Veränderung festgestellt. Es liegt danach in psychiatrischer Hinsicht
eine mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom bei verschiedenen
psychosozialen Belastungen vor, im Übrigen bestehen ein chronisches
cervicocephales Syndrom, funktionelle Beschwerden an beiden Armen und Händen
und ein Status nach handchirurgischen Eingriffen. Die MEDAS hat bei der erneuten
Begutachtung insbesondere die beiden damals aktuellsten Arztberichte (von Dr. E._
und med. prakt. D._) zur Kenntnis genommen. Sie hat ferner in Nachachtung des
gerichtlich erkannten zusätzlichen Abklärungsbedarfs ein Schädel-MRI veranlasst, das
einen Normalbefund ergeben hat. Sie legte in einem erläuternden Schreiben vom
5. Mai 2010 dar, für eine organische Hirnschädigung bestehe weder bildgebend noch
klinisch noch anamnestisch ein Hinweis. An dieser fachärztlichen Feststellung zu
zweifeln, besteht kein Anlass. Was die kognitiven Störungen betrifft, erklärte der
psychiatrische Konsiliarius, in dem von med. prakt. D._ beschriebenen Umfang
würden sich die Einschränkungen nicht nachvollziehen lassen. Wesentliche, mit der
mittelgradigen depressiven Störung nicht erklärbare kognitive Einschränkungen
bestünden nicht. Er könne der behandelnden Psychiaterin indessen in Bezug auf die
intellektuellen Fähigkeiten der Beschwerdeführerin und deren Auswirkungen auf die
Probemlösestrategien folgen. Indessen handle es sich dabei nicht um eine Erkrankung,
die einer den Fähigkeiten entsprechenden einfachen Arbeit entgegenstünde. Die
MEDAS wies am 5. Mai 2010 darauf hin, dass mnestisch-kognitive Defizite (reversibel)
regulär zu einem depressiven Syndrom gehörten. Eine Depression sei immer auch eine
körperliche Krankheit, bei welcher unter anderem die Hirnfunktionen beeinträchtigt
seien. Weil diese Krankheit pathologische "neuropsychologische" Befunde verursache,
die nur schwer von anderen Ursachen abgegrenzt werden könnten, hätte die zunächst
vorgesehene neuropsychologische Untersuchung nicht viel weiterführen können.
Dieser Standpunkt erscheint nachvollziehbar (vgl. zu möglichen Einflüssen auf die
kognitive Leistungsfähigkeit wie Trauma, Störung der Emotionalität oder aus
verschiedenen Gründen verminderter Motivation etwa: Bogdan P. Radanov, Über den
Stellenwert der neuropsychologischen Diagnostik bei Patienten nach Halswirbelsäulen-
Distorsion [sog. Schleudertrauma der Halswirbelsäule], in SZS 1996 472 ff.). Nach der
Rechtsprechung vermag die Neuropsychologie nach derzeitigem Wissensstand zudem
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nicht, die hirnorganische Kausalität eines Beschwerdebildes selbst und abschliessend
zu beurteilen. Die entsprechenden Untersuchungsergebnisse sind daher im Rahmen
einer gesamthaften Beweiswürdigung nur insoweit bedeutsam, als sie überprüf- und
nachvollziehbar sind und sich in die übrigen medizinischen Abklärungsergebnisse
schlüssig einfügen (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S R.
vom 17. November 2006, I 542/05; BGE 119 V 340 E. 2b/bb; jüngst
Bundesgerichtsentscheid i/S L. vom 8. Juni 2010, 8C_234/2010). Für den Bereich der
Invalidenversicherung sind ohnehin nicht Art und Genese des Gesundheitsschadens
massgebend, sondern es ist die Arbeitsunfähigkeit ausschlaggebend, welche sich aus
dem Gesundheitsschaden ergibt. Es kann diesbezüglich vorliegend festgehalten
werden, dass im interdisziplinären Gutachten die bestehenden kognitiven
Beeinträchtigungen berücksichtigt und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
eingeschätzt worden sind. Dass auf eine neuropsychologische Untersuchung bei
diesen Gegebenheiten verzichtet worden ist, lässt sich nicht beanstanden. Hieran
ändert nach dem Dargelegten nichts, dass eine solche Untersuchung zunächst
vorgesehen gewesen war.
3.3 Den Gutachtern standen bei der ersten Abklärung EMG-Resultate vom 5. April
2006 zur Verfügung, welche neurographisch und elektromyographisch vollkommen
normale Befunde auswiesen (vgl. act. 105-8). Die MEDAS hat am 5. Mai 2010 ausser
dem - mit fehlenden anderen Störungen wie Reflexverhalten oder Muskelatrophien -
begründet, weshalb sie von (weiteren) elektrophysiologischen Untersuchungen
abgesehen hat. Da kein Hinweis auf eine Veränderung ersichtlich ist, erscheint dies
sachgerecht. Dem neurologischen Aspekt wurde ausreichend Rechnung getragen.
3.4 Mit der erneuten Begutachtung durch die MEDAS einschliesslich der zusätzlichen
Untersuchung (MRI) und der fachärztlichen Auseinandersetzung mit den Divergenzen in
den Beurteilungen sowie der Stellungnahme dazu liegt eine umfassende medizinische
Abklärung vor, auf deren Ergebnis ohne weitere Sachverhaltsabklärungen oder Akten
ergänzung abgestellt werden kann. Die Beurteilungen der behandelnden Ärzte, welche
der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsunfähigkeit attestieren, vermögen gegen
diese überzeugende, interdisziplinär gefundene Schätzung der Arbeitsfähigkeit nicht
anzukommen.
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3.5 Ebenso wenig rechtfertigt es sich, von dieser Arbeitsfähigkeitsschätzung in dem
Sinn abzuweichen, dass der Beschwerdeführerin eine volle Arbeitsfähigkeit zugemutet
werden kann. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts genügt die (rein) psychi
atrische Erklärbarkeit einer Schmerzsymptomatik allein - bei weitgehendem Fehlen
eines somatischen Befundes - für eine sozialversicherungsrechtliche Leistungs
begründung nicht (BGE 130 V 352 E. 2.2.4). Eine depressive Störung stellt indessen
keinen pathogenetisch (ätiologisch) unklaren syndromalen Zustand dar, bei welchem
die Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen zur Anwendung
gelangen würde (vgl. BGE 136 V 279 E. 3.2.1, BGE 137 V 64 E. 4.2;
Bundesgerichtsentscheid i/S M. vom 20. September 2011, 8C_302/2011 E. 2.4). Wie
erwähnt bestehen bei der Beschwerdeführerin nebst der mittelgradigen depressiven
Störung ein chronisches cervicocephales Syndrom, funktionelle Beschwerden an
beiden Armen und Händen und ein Status nach drei handchirurgischen Eingriffen. Bei
der ersten MEDAS-Begutachtung wurde festgehalten, ihr Beschwerden seien
somatisch wenig objektivierbar. Beschrieben wurden (bei der Prognose) unter anderem
eine starke Selbstlimitierung und die subjektive Krankheitsüberzeugung. Es standen
psychische Faktoren im Vordergrund, und zwar schon damals (2006) bei jahrelangen,
erheblichen sozialen Belastungsfaktoren. Bis zur zweiten Begutachtung sind nochmals
mehr als zwei Jahre vergangen. Es musste ein weitgehend unveränderter Zustand
festgestellt werden. Die Experten haben sich in beiden Gutachten mit dem Einfluss
sozialer Faktoren auseinandergesetzt und zwischen diesem und den (aufgrund der
gestellten Diagnosen) als krankheitsbedingt erkannten Einschränkungen der
Arbeitsfähigkeit unterschieden. Die ärztliche Arbeitsfähigkeitsschätzung ist auch
diesbezüglich begründet.
3.6 Es ist somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in einer adaptierten
Tätigkeit seit Februar 2004 zu 50 % arbeitsunfähig ist. Für die Zeit vor Februar 2004
befürwortet die MEDAS, auf das Ergebnis der BEFAS-Abklärung abzustellen. Danach
lag für manuell leicht belastende, ausschliesslich mit dem dominanten rechten Arm
ausübbare Tätigkeiten volle Arbeitsfähigkeit vor, für ebenfalls leichtere Tätigkeiten,
welche auch einen wenig belastenden Handeinsatz links erforderten, eine Arbeitsfähig
keit von 70 %.
4.
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4.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss ent
scheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Renten
beginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde
tatsächlich verdienen würde. Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu
erfolgen. Da nach empirischer Feststellung in der Regel die bisherige Tätigkeit im
Gesundheitsfall weitergeführt worden wäre, ist Anknüpfungspunkt für die Bestimmung
des Valideneinkommens grundsätzlich der letzte vor Eintritt der
Gesundheitsschädigung erzielte, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepasste Verdienst (vgl. Bundesgerichtsentscheid i/S. K.
vom 23. März 2009, 8C_515/2008). - Im Jahr 1998 hat die Beschwerdeführerin gemäss
IK-Auszug (act. 6) ein Einkommen von Fr. 36'786.-- verdient.
4.2 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist
kein effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumut
bare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
statistische Werte (Tabellenlöhne) beigezogen werden (BGE 129 V 472 E. 4.2.1,
Bundesgerichtsentscheid i/S C. vom 19. Juni 2008, 9C_81/2008). - Das ist auch hier
am Platz. Die Beschwerdeführerin ist zwar darauf angewiesen, dass eine Tätigkeit
körperlich eher leicht ist und keine besonderen, repetitiven oder kraftmässigen
Belastungen der linken Hand erfordert. Ausserdem soll es sich um eine sehr einfache,
in einem Schritt oder in zwei Schritten zu erledigende Arbeit handeln. Diese
Voraussetzungen setzen ihr aber nicht so enge Grenzen, dass selbst auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur noch realitätsfremde Einsatzmöglichkeiten (vgl.
Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 5. September 2006,
I 447/06; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b) für sie offen stünden.
4.3 Das durchschnittliche Bruttoeinkommen von Frauen für einfache und repetitive
Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor lag im Jahr 1998 bei
Fr. 44'058.-- (vgl. Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung, Gesetze und
Verordnungen, 2004, herausgegeben von der Informationsstelle AHV/IV, S. 194,
basierend auf der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für
Statistik).
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4.4 Die Beschwerdeführerin erzielte somit vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
einen unterdurchschnittlichen Verdienst. Da keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
sie sich aus freien Stücken mit einem bescheidenen Einkommensniveau hätte
begnügen wollen, kann für das Valideneinkommen und für den Ausgangspunkt zur
Bestimmung des Invalideneinkommens vom selben Wert ausgegangen werden. Der
Invaliditätsgrad entspricht unter solchen Verhältnissen dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Entscheide des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S M. vom 8. Juni 2005, I 552/04 E. 3.4, und i/
S Z. vom 19. November 2003, I 479/03 E. 3.1).
4.5 Bestehen im Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre
gesundheitlich bedingte (Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur
mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist ein Abzug von den
Tabellenlöhnen zu machen. Mit dem behinderungsbedingten Abzug wird in der Praxis
dem Umstand Rechnung getragen, dass versicherte Personen, die in ihrer letzten
Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten, nach Eintritt des Gesundheitsschadens
auch für leichtere Arbeiten nur beschränkt einsatzfähig sind, dass sie - unabhängig von
der früher ausgeübten Tätigkeit - als gesundheitlich Beeinträchtigte im Rahmen leichter
Hilfsarbeitertätigkeiten nicht mehr voll leistungsfähig sind oder dass weitere
persönliche und berufliche Merkmale wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit,
Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die
Höhe des Lohnes haben können. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der
Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter
Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf
höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu begrenzen. Dabei ist zu beachten, dass
allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen beachtete
invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht
nochmals berücksichtigt werden dürfen (vgl. zum Ganzen: BGE 134 V 322 E. 5.2 und
BGE 126 V 75). - Die medizinisch bedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin
sind bei der Festsetzung der (ganztägig zu verwertenden) Arbeitsfähigkeit bereits
berücksichtigt worden. Sprachkenntnisse und Ausbildungsstand bieten ebenfalls nicht
Grund für einen Abzug, weil sie sich auf das Validen- wie auf das Invalideneinkommen
gleichermassen auswirken. Es ist aber damit zu rechnen, dass die Beschwerdeführerin
wegen ihres Leidens in somatischer und psychischer Hinsicht im Vergleich zu
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gesunden Mitbewerbern auf dem Arbeitsmarkt ein geringeres Einkommen erzielen
wird. Tabellenlöhne werden bei gesunden Arbeitnehmern erhoben. Es rechtfertigt sich
daher, einen Abzug vorzunehmen. Dieser beträgt jedenfalls nicht mehr als 15 %.
4.6 Der Invaliditätsgrad stellt sich demnach auf maximal 57.5 % (100 % - 0.85 x
50 %). Unter Berücksichtigung der Parallelisierungsaussparung von 5 % gemäss BGE
135 V 297 ergäbe sich ebenfalls ein Invaliditätsgrad, der zu einer halben Rente
berechtigt (Fr. 36'786.-- Valideneinkommen, Fr. 16'571.-- Invalideneinkommen [statt
16.5 nur 11.5 % Minderverdienst von Fr. 44'058.-- ausgehend]; Invaliditätsgrad rund
55 %). Es ist demnach - da sie ausserdem zu Recht von beruflichen Massnahmen
abgesehen hat - nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin eine halbe
Renten zugesprochen hat.
5.
5.1 Der Eintritt des Rentenfalls wird durch Art. 29 Abs. 1 IVG geregelt. Der Renten
anspruch entsteht (abgesehen von der hier nicht anwendbaren lit. a) frühestens in dem
Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
war (lit. b). Die einjährige Wartezeit gilt als eröffnet, sobald eine Arbeitsunfähigkeit von
mindestens 20 % vorliegt (AHI 1998 S. 124 E. 3c). Im Rahmen des Art. 29 Abs. 1 IVG
nicht anwendbar ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Grundsatz,
dass bei langdauernder Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf - oder sobald klar
wird, dass die Wiederaufnahme der bisher ausgeübten Tätigkeit nicht mehr in Frage
kommt - nach Ablauf einer gewissen Übergangsfrist auch zumutbare Tätigkeiten in
einem andern Beruf zu berücksichtigen sind. Bei der Anwendung dieser Bestimmung
ist ausschliesslich die Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit zu betrachten
(Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S S. vom 23. Oktober 2003,
I 392/02, vgl. BGE 130 V 99 E. 3.2, bereits unter Hinweis auf den künftigen Art. 6
ATSG). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte
Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll arbeitsfähig war (Art.
29 IVV; Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S K. vom 26. März
2004, I 19/04). Auch vor der Anmeldung liegende Zeiten von Arbeitsunfähigkeit sind zu
berücksichtigen (ZAK 1966 S. 58; Ulrich Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
ter
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zum IVG, S. 238; BGE 117 V 26 E. 3b; BGE 121 V 264; Entscheid des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts i/S C. vom 2. März 2000, I 307/99).
5.2 Nach der Aktenlage wurde der Beschwerdeführerin ab 27. Dezember 1999 eine
im oben erwähnten Sinn ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit attestiert. Beim
erstmöglichen Ablauf eines Wartejahres im Dezember 2000 ist allerdings noch keine
rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit anzunehmen. Für diese Zeit, da die psychische
Komponente noch nicht in die Arbeitsfähigkeit einschränkender Weise aufgetreten war,
ist - abgesehen von den kurzfristigen intermittierenden Arbeitsunfähigkeiten infolge der
Operationen - für eine adaptierte Tätigkeit von einer mindestens 70-prozentigen
Arbeitsfähigkeit auszugehen, wie sie später in der BEFAS festgestellt wurde. Mit dem
Dazukommen des psychiatrischen Leidens im Februar 2004 ergab sich die oben
erwähnte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für eine adaptierte Arbeit von 50 % und
damit eine rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit. Angesichts der weiterbestehenden
vollen Arbeitsunfähigkeit für die bisherige beidhändige Fliessbandarbeit beginnt der
Rentenanspruch im Februar 2004, da ein Jahr davor ein Wartejahr mit einer vollen
Arbeitsunfähigkeit lag. Die Beschwerde ist demnach insofern teilweise zu gutzuheissen,
als der Anspruch auf eine halbe Rente bereits im Februar 2004 einsetzt.
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügungen vom 26. Juli 2010 teilweise gutzuheissen und der
Beschwerdeführerin ist im Sinn der Erwägungen ab 1. Februar 2004 eine halbe Rente
zuzusprechen.
6.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ver
sicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in
Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teil
weise abgewiesen werden. Die Beschwerdeführerin hat mit der Aufhebung der ange
fochtenen Verfügungen, im Übrigen aber - gemessen an den angefochtenen Ver
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fügungen (im Unterschied zum Antrag in der Beschwerdeantwort) - nur zu einem so
geringen Teil obsiegt, dass es sich rechtfertigt, die Gerichtskosten je zu Hälfte ihr und
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der Anteil der Beschwerdeführerin an den
Gerichtskosten von Fr. 300.-- ist durch ihren geleisteten Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- getilgt und der Restbetrag von Fr. 300.-- ist ihr zurückzuerstatten.
6.3 Die Beschwerdeführerin hat bei teilweisem Obsiegen Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung
der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61
lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). Es rechtfertigt sich, die (anteilsmässige) Partei
entschädigung auf pauschal Fr. 1'750.-- (die Hälfte von Fr. 3'500.--; einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP