Decision ID: 329794af-e87b-5aba-84fd-7d67087418b5
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1965 geborene X._, Mutter dreier Kinder (geboren 1989, 1990 und 1998), meldete sich am 7. Oktober 2013 unter Hinweis auf Schmerzen als mögliche Folgen einer Operation bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/9). Mit Verfügung vom 5. Januar 2015 (Urk. 7/43) wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Leistungs
begehren ab.
Am 27. Oktober 2015 stellte die Versicherte mit Verweis auf Unterleibsschmerzen (Leistengegend) und Hüftprobleme ein erneutes Leistungsbegehren (Urk. 7/45), auf welches die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Januar 2016 (Urk. 7/52) nicht eintrat.
Am 2. August 2016 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf Schmerzen und eine eingeschränkte Beweglichkeit (Unterleib, Becken) ein weiteres Mal bei der Invalidenversicherung an (Urk. 7/54). Mit Vorbescheid vom 24. März 2017 (Urk. 7/69) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aus
sicht, wogegen die Versicherte am 15. April 2017 Einwand (Urk. 7/70/1, Urk. 7/73, Urk. 7/78) erhob und in der Folge weitere medizinische Berichte (Urk. 7/74, Urk. 7/79) einreichte. Mit Verfügung vom 20. Juni 2017 (Urk. 2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab, worauf die Versicherte unter Auflage verschiedener Unterlagen (Urk. 7/85/1-11) am 9. August 2017 ein Wiederer
wägungsgesuch (Urk. 7/86) stellte. Am 15. August 2017 (Urk. 7/87) teilte die IV
Stelle der Versicherten mit, dass keine Gründe für eine Wiedererwägung vorlä
gen.
2.
Die Versicherte erhob am 21. August 2017 gegen den Entscheid vom 20. Juni 2017 (Urk. 2) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, es seien die Verfü
gun
gen vom 5. Januar 2015 und 20. Juni 2017 aufzuheben und es sei das Ver
fah
ren an die Beschwerdegegnerin zwecks Ergänzung des medizinischen Sach
ver
halts und Prüfung des Rentenanspruchs zurückzuweisen. In formeller Hinsicht stellte sie das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 22. September 2017 (Urk. 6) schloss die Beschwer
de
gegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerde
führerin am 26. September 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsäch
lichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invalidi
tätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, verän
derte
Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Um
ständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methoden
wahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachver
halts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung reicht die analoge Anwend
barkeit der in BGE 109 V 262 E. 4a dargelegten Rechtsprechung auf das Neuan
meldungsverfahren nur so weit, als auch hier von Amtes wegen zu prüfen ist, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzu
stellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende Nicht
ein
tretensverfü
gungen aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summari
schen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ers
ten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des gel
tend gemach
ten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sach
verhaltsabklä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei An
haltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund
heitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsanspre
chende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiederer
wägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE 130 V 71 E. 3.2.3).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung (Urk. 2) damit, dass aus somatischer Sicht keine dauerhaft hohen Arbeitsunfähigkeits-Angaben vorlägen und die Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht erst Mitte 2016 mit einer Therapie begonnen habe. Die Therapieoptionen seien deshalb noch nicht ausgeschöpft und eine Therapieresistenz sei zu verneinen. Im Weiteren seien im Einwandverfahren keine neuen Tatsachen «eingereicht» worden, welche nicht bereits berücksichtigt worden seien (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber (Urk. 1) auf den Standpunkt, aufgrund der gastrologischen Untersuchungen der Y._ im Juni und Juli 2017 sei eine organische Ursache der seit fünf Jahren beklagten Schmerzen nachweisbar, weshalb eine neue erhebliche Tatsache respektive ein neues Beweis
mittel vorliege. Dessen Beibringung sei in der Zeit von Januar 2015 bis 20. Juni 2017 nicht möglich gewesen, weshalb ein formeller Revisionsgrund im Sinne von Art. 53 Abs. 1 ATSG vorliege und die Verfügungen vom 5. Januar 2015 und 20. Juni 2017 aufzuheben seien (S. 6 f.). Abgesehen davon stehe fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit Erlass der Verfügung vom 5. Januar 2015 erheblich verschlechtert habe. Ungeachtet dessen habe die Be
schwer
degegnerin am 20. Juni 2017 das Leistungsbegehren ohne Vornahme eigener medizinischer Abklärungen abgewiesen (S. 7).
3.
3.1
Zur Prüfung eines Rentenanspruchs ist nachfolgend zu untersuchen, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der erstmaligen Rentenableh
nung am 5. Januar 2015 (Urk. 7/43) im Sinne von Art. 17 ATSG wesentlich ver
ändert hat. Der darauffolgende Nichteintretensentscheid vom 11. Januar 2016 (Urk. 7/52) erging nicht gestützt auf eine materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditäts
bemessung, so dass er als Vergleichsbasis nicht in Betracht fällt (vgl. E. 1.3 hie
vor).
3.2
Im Zusammenhang mit der Verfügung vom 5. Januar 2015 (Urk. 7/43) standen eine nach einer Inzision und Abheilung eines grösseren Abzesses im März 2012 (Urk. 7/18/1-2) aufgetretene inguinale, labiale und perianale Schmerzproblematik sowie ein lumbovertebrales Syndrom im Vordergrund (Urk. 7/17/1-3 S. 1 Ziff. 1.1). Eine Ursache für die Schmerzen konnte trotz diverser fachärztlichen Untersuchungen (Neurologie, Gynäkologie, Chirurgie, Radiologie und Sonogra
phie; Urk. 7/17/6-11, Urk. 7/18/3, Urk. 7/33/3, Urk. 7/33/6-7, Urk. 7/39/4-5, Urk. 7/40/1-2) nicht eruiert werden.
Die Beschwerdegegnerin verneinte am 5. Januar 2015 einen Leistungsanspruch mit der Begründung, für die Schmerzproblematik hätten keine nachvollziehbaren Befunde beziehungsweise kein organisches Korrelat erhoben werden können. Ein IV-relevanter Gesundheitsschaden sei somit nicht ausgewiesen (Urk. 7/43).
3.3
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) präsentierte sich die medizi
nische Sachlage im Wesentlichen wie folgt:
3.3.1
Im Bericht vom 28. Januar 2015 (Urk. 7/53/1) wies Dr. med. Z._, Facharzt FMH Radiologie, auf eine mittelgradig hyperplastische Spondylarthrose der un
teren Lendenwirbelsäule (LWS), insbesondere auf der Höhe des Lendenwirbelkör
pers 5/1, hin, wobei die degenerativen Veränderungen mittel- bis hochgradig seien. Ein Nachweis einer Diskushernie oder Nervenwurzelirritation bestehe nicht. Im Austrittsbericht betreffend die am 11. September 2015 erfolgte Hysterektomie war zudem von einer Coxalgie die Rede (Urk. 7/44/1; vgl. dazu auch Urk. 7/46/7).
Nach einer Hernienplastik im August 2012 erfolgte am 16. März 2016 bei ausge
prägtem ileo-inguinalem Schmerzsyndrom eine Relaparoskopie des Abdomens im Spital O._ (Urk. 7/53/14/17-18; vgl. dazu auch Krankengeschichte der Arzthaus.ch AG, Urk. 7/79/3-10).
3.3.2
Dr. med. A._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. phil. B._, klinischer Psychologe, und lic. phil C._, Psychologin FSP, D._, diagnostizierten im Bericht vom 24. Juni 2016 eine rezidivierende leichte depressive Störung sowie eine Somati
sie
rungs
störung (Urk. 7/53/3). Am 3. November 2016 führten sie folgende Diag
no
sen auf (Urk. 7/67/4-6 S. 1):
-
rezidivierende mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F33.1)
-
anamnestisch: emotional instabile Persönlichkeitsstörung, impulsiver Typ (ICD-10 F60.30)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
Die D._-Fachpersonen hielten fest, die Beschwerdeführerin sei aufgrund von starken Schmerzen zu 100 % arbeitsunfähig, und wiesen auf ein ausgeprägtes ileo-inguinales Schmerzsyndrom sowie auf labia majora pudendi Schmerzen hin. Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit gelte für jede Erwerbstätigkeit, wobei mit einer künftigen Erhöhung der Arbeitsfähigkeit aktuell nicht gerechnet werden könne (S. 2).
3.3.3
Dr. med. E._, Facharzt FMH für Gastroenterologie, stellte in seinem zeitnah zur angefochtenen Verfügung vom 20. Juni 2017 ergangenen Bericht vom 30. Juni 2017 (Urk. 7/85/1-2) die Diagnose einer Outlet-Obstruction-Obstipation mit möglicher spastischer Puborektalisschlinge links. Er verschrieb Analgetika und veranlasste ein Defäkogramm sowie ein Biofeedback Training (vgl. Urk. 7/85/1).
%1.%2.%3
In ihrem Bericht vom 18. Juli 2017 (Urk. 7/85/3-4) wies Dr. med. F._, Fachärztin für Radiologie, unter anderem auf eine 3 cm grosse anteriore Rekto
zele hin.
4.
4.1
Aufgrund der im Neuanmeldungsverfahren aufgelegten medizinischen Unterla
gen bestehen Anhaltspunkte, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin seit der erstmaligen Rentenablehnung am 5. Januar 2015 (Urk. 7/43) erheblich verändert hat. Im Jahre 2016 wurden seitens der D._-Fachpersonen erst
mals psychische Diagnosen gestellt und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für jeg
liche Tätigkeit bescheinigt (Urk. 7/53/3-6 S. 1, Urk. 7/67/4-6 S. 1 f.). Anhand der Berichte des D._ lassen sich die Auswirkungen der psychischen Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit indessen nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit bestimmen.
Die Ärzte des D._ haben nicht dargelegt, weshalb sie zunächst andere Diagnosen gestellt haben bzw. mit welcher sie die anfänglich als leicht gefasste depressive Störung wenig später als mittelgradig beschrieben. Aus dem D._-Bericht vom 3. November 2016 (Urk. 7/67/4-6) lässt sich auch nicht schlüssig feststellen, in
wiefern sich die diagnostizierten Störungen (mittelgradige depressive Störung, emotional instabile Persönlichkeitsstörung und PTBS) konkret auf die Leistungs- und Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken und weshalb jegliche Erwerbstätigkeit, namentlich auch eine behinderungsangepasste Arbeit, ausge
schlossen ist.
Gleiches gilt mit Bezug auf die Email der Psychologin C._ vom 28. Juni 2017 (Urk. 7/85/5), in welcher lediglich die Übermittlung von Angaben zur Borderline Persönlichkeitsstörung (BPS) in Aussicht gestellt wurde; beim beigefügten SKID
II-Fragebogen (Urk. 7/85/6-11) handelt es sich um einen von der Beschwer
defüh
rerin ausgefüllten und daher nicht beweiskräftigen Selbstbeur
teilungs
fragebogen.
Im Übrigen geht der Hinweis der Beschwerdegegnerin, wonach ein Rentenan
spruch gestützt auf eine fehlende Therapieresistenz verneint werden könne (Urk. 2 S. 2), ins Leere.
Mit
BGE 143 V 409 und
BGE 143 V 418 änderte das Bundesgericht se
ine bisherige Praxis insofern
, als es er
kannte, dass die für soma
to
forme Schmerzstörungen entwickelte Rechts
prechung, wonach in einem struk
turierten Beweisverfahren anhand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der betroffenen Person zu ermitteln ist, k
ünftig auf sämtliche psychische
Erkrankungen Anwendung findet.
Für leichte bis mittelschwere Depressionen bedeutet dies, dass dem bisherigen Kriterium der
"
Therapieresistenz" als Voraussetzung für eine Invalidenrente nicht mehr die gleiche entscheidende Bedeutung zukommt.
4.2
Nicht schlüssig ist im Weiteren die medizinische Sachlage betreffend die ingui
nale, labiale und perianale Schmerzproblematik sowie den LWS-Befund. Die Ärzte äusserten sich in den im Zusammenhang mit der Neuanmeldung seitens der Beschwerdeführerin aufgelegten Berichten insbesondere nicht zum Verlauf der Beschwerden und zu allfälligen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdegegnerin hat – obwohl sie auf die Neuanmeldung eingetreten ist – bei den involvierten Arztpersonen keine weiteren medizinischen Abklärungen ver
anlasst und es somit in Verletzung ihrer Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) unterlassen, den behandelnden Ärzten Fragen betreffend die Auswir
kungen der erhobenen Befunde auf die Arbeitsfähigkeit zu unterbreiten. Gleich verhält es sich mit Bezug auf die am 30. Juni 2017 nach Verfügungserlass diagnos
tizierte Outlet-Obstruction-Obstipation (Urk. 7/85/1-2), wobei unklar ist, inwie
fern die Beschwerdeführerin aufgrund der Verstopfung in ihrer Leistungs- und Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Des Weiteren ist nicht ersichtlich, seit wann (vor oder nach 1. Januar 2015) die Outlet-Obstruction-Obstipation besteht und ob sie die Ursache für die in Frage stehende Schmerzproblematik ist.
4.3
Im Zusammenhang mit der von der Beschwerdeführerin erstmals im Beschwer
deverfahren geltend gemachten prozessualen Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG (Urk. 1 S. 6) gilt Folgendes: Zuständig für die Prüfung der Revisionsvo
raussetzungen sowie zum (allfälligen) neuen Entscheid in der Sache ist diejenige Instanz, deren Entscheid im Revisionsverfahren zu überprüfen ist (Kieser U., ATSG-Kommentar, 3. Auflage 2015, Art. 53 N 36). Die Beschwerdegegnerin hat während der laufenden Rechtsmittelfrist auf das entsprechende Begehren der Beschwerdeführerin hin (Urk. 7/86) das Vorliegen von Wiederer
wägungs
grün
den geprüft und verneint (Urk. 7/87); insoweit muss es sein Bewenden haben, da das Gericht
die
Beschwerdegegnerin
nicht zu einer Wiedererwägung zwingen
kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_634/2017 vom 20. Februar 2018 E. 5.4). Zur Frage, ob allenfalls eine prozessuale Revision in Folge Entdeckung neuer Tatsa
chen oder Beweismittel vorzunehmen wäre, hat sich die Beschwerdegegnerin hin
gegen nicht geäussert,
weshalb
insoweit kein Anfechtungsgegenstand vorliegt und sich weitere Ausführungen hiezu erübrigen.
4.4
Bei dieser Sachlage ist festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand zumindest in psychischer Hinsicht verschlechtert haben könnte, aber eine schlüssige Beur
teilung des Gesundheitszustands und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich ist und sich der medizinische Sachverhalt sowohl in psychischer als auch in soma
tischer Hinsicht als ergänzungsbedürftig erweist. Die Sache ist daher unter Auf
hebung der angefochtenen Verfügung vom 20. Juni 2017 (Urk. 2) an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie weitere medizinische Abklärungen tätige und gestützt auf letztere in Berücksichtigung des gesundheitlichen Verlaufs erneut über die Sache entscheide.
In dem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwer
degegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Pro
zessführung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
von Amtes wegen auf Fr. 1’600.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung erweist sich daher als gegen
standslos.