Decision ID: e7fb43c6-4fcb-434c-934e-ae6ab690dd74
Year: 2017
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_001
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt sei gerichtlich festgestellt. Der Strafbefehl gründe nämlich auf
einer reinen, unüberprüften Behauptung. Dadurch, dass sich die
Vorinstanz an die Umschreibung des Sachverhaltes im Strafbefehl
gehalten habe, habe sie den Grundsatz rechtmässigen Handelns und das
Willkürverbot verletzt.
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6. Mit Schreiben vom 20. Februar 2017 beantragte das DJSG (nachfolgend
Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge zu
Lasten des Beschwerdeführers und verwies auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid.
7. Es folgte am 3. März 2017 eine Replik des Beschwerdeführers und am
10. März 2017 verzichtete der Beschwerdegegner auf eine Duplik. Am
14. März 2017 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Honorarnote ein.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften, auf
den angefochtenen Entscheid vom 9. Januar 2017 sowie auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich und rechtserheblich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der
Departementsentscheid vom 9. Januar 2017, mit welchem der
Beschwerdegegner die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom
7. August 2015 betreffend die Verwarnung gegen den Beschwerdeführer
im verwaltungsrechtlichen Administrativverfahren bestätigte. Gemäss
Art. 49 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen
Entscheide der kantonalen Departemente, soweit diese nicht nach
kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Der
angefochtene Entscheid des Beschwerdegegners ist nicht endgültig,
weshalb er ein taugliches Anfechtungsobjekt darstellt. Als Adressat der
angefochtenen Verfügung ist der Beschwerdeführer berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung auf (Art. 50 VRG). Die
weiteren Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen
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Anlass, weshalb auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten ist.
b) Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegner die
Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 7. August 2015 und damit
eine Verwarnung aufgrund einer leichten Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften zu Recht schützte. Beschwerdethema bildet
einzig die Frage, ob das Strassenverkehrsamt für die Verwarnung im
Administrativverfahren auf den dem rechtskräftigen Strafbefehl zugrunde
liegenden Sachverhalt abstellen durfte oder ob die Einwände des
Beschwerdeführers (Bestreitung des Überholmanövers) geeignet waren,
die Bindungswirkung des Strafbefehls für das Strassenverkehrsamt in
Frage zu stellen. Nicht streitig dagegen ist, dass die dem
Beschwerdeführer vorgeworfene Verletzung von Verkehrsregeln gemäss
Art. 27 Abs. 1 i.V.m. Art. 90 Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SVG;
BR 741.01) eine Verwarnung aufgrund einer leichten Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG) zur
Folge hat.
2. a) Nach gefestigter Rechtsprechung des Bundesgerichts darf die
Verwaltungsbehörde (hier Strassenverkehrsamt) von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt
und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren
oder wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, sowie wenn der Strafrichter
bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt hat (BGE 137 I 363 E.2.3.2). Die
Verwaltungsbehörde ist dabei auch an einen Strafentscheid gebunden,
der im Strafbefehlsverfahren ergangen ist, bei dem die Behörde auf einen
Polizeirapport abstellt, der auf Wahrnehmungen der Polizeibeamten an
Ort und Stelle beruht und sich auf Aussagen von Beteiligten stützt, die
unmittelbar nach dem Vorfall eingeholt wurden und für den Entzug des
Führerausweises massgebend sind. Dies gilt namentlich, wenn der
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Betroffene weiss oder davon ausgehen muss, dass neben dem
Strafverfahren ein Administrativverfahren eröffnet wird. Entsprechend
dem Grundsatz von Treu und Glauben muss der Betroffene allfällige
Verteidigungsrechte und Beweisanträge im Strafverfahren vorbringen und
dort gegebenenfalls alle Rechtsmittel ausschöpfen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E.2.1.2,
1C_446/2011 vom 15. März 2012 E.5.1).
b) Die in der Verwaltungsbeschwerde vom 21. August 2015 (Bg-act. II/1)
und der Stellungnahme vom 6. Oktober 2016 (Bg-act. II/17) an die Vor-
instanz vorgebrachten Einwände sowie die Argumente in der
Beschwerdeschrift vom 9. Februar 2017 sind nicht geeignet, die
Bindungswirkung des Strafbefehls für die Administrativbehörde in Frage
zu stellen. Die Kritik an der Sachverhaltsdarstellung hätte der
Beschwerdeführer mit einer Einsprache gegen den Strafbefehl (Offerte für
Annahme der strafrechtlichen Sanktion ohne Hauptverhandlung) bzw.
ihrer Aufrechterhaltung geltend machen können und müssen. Es ist mit
Treu und Glauben nicht vereinbar, die strafrechtliche Verurteilung zu
akzeptieren und gegen deren tatsächlichen Grundlagen im
anschliessenden Administrativverfahren Einwände zu erheben. Dies gilt
vorliegend umso mehr, als das Strassenverkehrsamt dem
Beschwerdeführer am 8. Juni 2015 – mithin vor Ablauf der Einsprachefrist
gegen den Strafbefehl – ausdrücklich mitteilte, dass die Beurteilung des
Falls durch die Strafbehörde auf ihr Verfahren einen wesentlichen
Einfluss habe (vgl. Bg-act. I/5). Dabei kann es keinen Unterschied
machen, ob der Beschwerdeführer den Strafbefehl eigentlich hat
anfechten wollen, er aber dies verspätet (s. Nichteintretensbeschluss des
Bezirksgericht Hinterrhein vom 24. Mai 2016 infolge verspäteter Eingabe
der Einsprache) oder sonstwie in ungenügender Art und Weise getan hat.
Indem der Beschwerdeführer die Strafverfügung in Rechtskraft
erwachsen liess, hat er somit auch akzeptiert, dass die
Staatsanwaltschaft gestützt auf den Verkehrspolizeirapport vom 13. Mai
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2015 (Bg-act. I/1) davon ausging, dass der Beschwerdeführer als Lenker
eines Reisebusses zwischen dem Isla Bella Tunnel und dem Anschluss
Rothenbrunnen ein Sattelmotorfahrzeug auch tatsächlich überholt hat,
obschon auf dem erwähnten Streckenabschnitt die linke Fahrspur
(Überholspur) mit dem Signal "Höchstbreite 2.0 Meter" signalisiert ist.
Darauf kann er im Verwaltungsverfahren nicht mehr zurückkommen,
weshalb das Strassenverkehrsamt die Verwarnung aufgrund der
Bindungswirkung der Strafverfügung für die Administrativbehörde zu
Recht verfügt und der Beschwerdegegner die dagegen erhobene
Verwaltungsbeschwerde vom 21. August 2015 zu Recht abgewiesen hat
(s. zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts 1C_266/2014 17. Februar
2015 E.2.1.4 mit Verweis auf BGE 123 II 97 E.3c/aa, 121 II 214 E.3a
sowie 1C_249/2012 vom 27. März 2013 E.2.1.2 und 1C_95/2014 vom
13. Juni 2014 E.4.1).
3. a) Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass sich der angefochtene
Departementsentscheid vom 9. Januar 2017, mit welchem der
Beschwerdegegner die Verfügung des Strassenverkehramts Graubünden
vom 7. August 2015 betreffend die Verwarnung gegen den
Beschwerdeführer im verwaltungsrechtlichen Administrativverfahren
bestätigte, als rechtens erweist, was zur Abweisung der dagegen
erhobenen Beschwerde vom 9. Februar 2017 führt.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 VRG zu Lasten des unterliegenden Beschwerdeführers.
Die Verfahrenskosten werden ermessensweise auf Fr. 1'000.-- festgelegt.
Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel
keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein
Anlass.
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