Decision ID: cf1678ca-f984-46a3-8905-e416a3e9a9b2
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.
1
X._
, geboren
1966,
meldete sich am 1
5.
Januar
2013
unter ande
rem unter Hinweis auf
seit einem Motorradu
nfall im J
ahr 2004 bestehende Be
schwerden
zum Bezug von Leistu
ngen der Invalidenversicherung
an
(
Urk.
10
/7)
. Mit Verfügung vom
3.
Juni 2013
(
Urk.
10/31)
verneinte die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
einen
Anspruch
der Versicherten au
f
Leis
tungen der Invalidenversicherung
. Dieser Entscheid wurde vom hiesigen Gericht mit
Urteil
vom
3.
November 2014 im Prozess-Nr. IV.2013.00608 (
Urk.
10/42
) und
vom
Bundesgericht mit Urteil vom 2
3.
Juli 2015 (
Urk.
10/47)
bestätig
t
.
1.2
Noch vor Ergehen des
Bundesgerichtsurteils
hatte
die
Stadt
Y._
,
welche die Versicherte
und ihren 2007 geborenen Sohn
seit
Juli 2012
mit
tels
Sozialhilfe
unterstützt
(
vgl.
Urk.
10/6, vgl. auch
Urk.
8/2
)
,
der IV-Stelle
am 1
8.
Dezember 2014
eine Verschlechterung des Gesundheitszustands der Versi
cherten gemeldet (
Urk.
10/45). Am
1.
September 2015 erg
änzte sie die
erneute An
meldung (
Urk.
10/49). Nachdem die IV-Stelle am 1
3.
April 2016 die Abwei
sung
des
Leistungsbegehrens in Aussicht gestellt
(
Urk.
10/54
) und die
Stadt
Y._
dagegen Einwände erhoben hatte (
Urk.
10/57), holte die IV-Stelle e
in psychiatri
s
ch-neurologisches
Gutachten ein, das am
5.
Dezember 2017 erstattet wurde (
Urk.
10/73
/1-99
).
Im Zusammenhang mit der
psychiatrisch-neu
rologischen
Begutachtung erfolgte
auch
eine n
europsycholo
gische
Untersuchung, worüber am 2
8.
November 2017 berichtet wurde (
Urk.
10/73/103-116
).
In der Folge ergingen ein
e Stellungnahme der Versicherten (
Urk.
10/80),
des
Hauptg
ut
achters
(
Urk.
10/83)
sowie erneut der Versicherten
(
Urk.
10/96) und der
Stadt
Y._
(
Urk.
10/97)
. Mit Verfügung vom
1.
November 2018 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversi
cherung (
Urk.
10/99 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
2
9.
November 2018
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1.
November 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei der Anspruch auf eine halbe Rente zu prüfen (
Urk.
1 S. 2 Mitte).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Januar 2019 (
Urk.
9) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom
9.
April 2019 (
Urk.
11) holte das hiesige Gericht beim
Haupt
g
utachter eine ergänzende Stellungnahme ein, welche dieser am 2
4.
April 2019 erstattete (
Urk.
13). Am
9.
Mai 2019 teilte die Beschwerdegegnerin
den Verzicht
auf
eine Stellungnahme
mit
(
Urk.
19). Die Beschwerdeführerin
äusserte sich
am 2
1.
Mai 2019 (
Urk.
20)
und reichte
einen
weitere
n
m
edizinische
n Bericht sowie
ein
Zeug
nis
(
Urk.
21-22)
ein
. Diese wurden der Beschwerdegegnerin am
3.
Sep
tember 2019 zur Kenntnis gebracht. Gleichzeitig
wurde der Beschwerdeführerin antragsgemäss (vgl.
Urk.
4,
Urk.
7
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt
(
Urk.
25).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV)
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, wa
rum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen be
ruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.4
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8 ZGB) hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nach
weis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Validität, nicht Invalidität. An diesem Nachweis kann es unter mehreren Aspekten mangeln: Die Einschränkung ist nicht gesundheitlich, sondern sozial/soziokulturell bedingt (1); die gesundheitliche Ein
schränkung ist nicht evident, wiegt nicht schwer, sodass sie überwindbar und der versicherten Person die Verrichtung einer adaptierten Tätigkeit dennoch zumut
bar ist (2); die Einschränkung ist medizinisch angeh- oder gar heilbar (3); die Einschränkung ist nur vorübergehender Natur, sei es, weil sie von selbst oder nach einer medizinischen Behandlung abklingt (4). Die entsprechenden Elemente (gesundheitlicher Charakter, Evidenz und Erheblichkeit, Unheilbarkeit und Dau
erhaftigkeit der Beeinträchtigung) sind stets - auch ausserhalb der unklaren Be
schwerdebilder - nachzuweisen, damit ein Anspruch auf eine Dauerleistung der Invalidenversicherung geltend gemacht werden kann
(BGE 139 V 547 E. 8.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging gestützt auf das von ihr eingeholte Gutachten
da
von aus,
bei der Beschwerdeführerin
liege
eine
Aufmerksamkeits
defizit-/Hy
peraktivitätss
törung (ADHS
) vor
.
Al
s Liegenschaften-Verwaltungsassistentin
sei
sie
zu 80
%
arbeitsfähig
.
In einer angepassten Tät
igkei
t mit klar st
rukturierten Aufgaben ohne Leit
ungsfunktion und
ohne Tätigkeiten, die eine Dau
eraufm
erk
samke
i
t
respektive –
konzentration
erfor
derte
n, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von
90
%
. Die
depressive Störung sei zurzeit remittiert und die Diagnos
e einer
kom
binierten
Persönlichkeitsstörung
sei lediglich im Sinne einer Verdachtsdiagnose genannt worden. Beide Diagnosen wirkten sich nicht einschränkend auf die Ar
beitsfähigkeit aus.
Somit liege keine Erkrankung vor, welche die
Erwerbsfähigkeit
au
f längere Dauer von mindestens einem
Jahr und fortdauernd
durchschnittlich 40
%
einschrän
ke
(
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) demgegenüber gel
tend,
der Verdacht auf das Vorliegen einer
kombinierte
n
Persönlichkeitsstörung habe sich
nach Auffassung ihres behandelnden Arztes erhärtet und sei somit durchaus einschränkend sowie für die
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit von Rele
vanz
.
Das von de
r Beschwerdegegnerin eingeholte
Gutachten
weise
sodann
er
hebliche Mängel
bezüglich
Wahrheitsgehalt und Vollständigkeit auf.
In ihrer Stellungnahme vom 2
1.
Mai 2019 (
Urk.
20)
bekräftigte
die Beschwerde
führerin ihren Standpunkt, wonach das psychiatrisch-neurologische Gutachten
unzulänglich sei
, und erhob Kritik an der ergänzenden Stellungnahme des Gut
achters.
Sie machte
im Wesentlichen
geltend,
dieser
habe
die bei ihr bestehenden
Probleme verk
annt und das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörun
g zu Unrecht verneint
. Es
sei
auf die Beurteilung der sie behandelnden
Personen
abzustell
en, welche ihr eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierten.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenansp
ruch der Beschwerdeführerin.
In diesem Zusammenhang stellt
sich die Frage, ob
sich
ihr
Gesundheitszustand
seit der ab
schlägigen Rentenverfügung
vom
3.
Juni 2013 (
Urk.
10/31)
anspruchsrelevant verschlechter
t
hat (vgl. vorste
hend E. 1.1-
2
)
.
3.
3.1
Im Rahmen der ersten IV-Anmeldung vom Februar 2013 (
Urk.
10/7) hatte die Beschwerdeführerin unter anderem angegeben, an sich seit dem Motorradunfall im Jahr 2004 manifestierenden Symptomen wie stark verminderter, auf maximal vier Stunden beschränkter Konzentrationsfähigkeit, schneller Ermüdung und Er
schöpfung, eingeschränkter geteilter Aufmerksamkeit, fehlender Stresskompen
sation bei Zeitdruck und Unruhe am Arbeitsplatz zu leiden.
Im Urteil vom
3.
November 2014 (
Urk.
10/42) hatte
das hiesige Gericht unter an
derem
ausgeführt
,
es erscheine unwahrscheinlich, dass sich die Beschwerdefüh
rerin anlässlich des Unfalls im Jahr 2004 eine relevant
e Kopfverletzung zugezo
gen habe. Die ärztliche Auffassung, wonach die
g
eklagten Beschwerden im Rah
men eines organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma zu sehen seien, überzeuge nicht
(S.
13 f. E. 4.3). D
ie vom RAD-Arzt geäusserten Zweifel
in Bezug auf d
ie diagnosti
sche Einordnung der von
Dr.
med. Z._
, Fachärztin für Neurologie,
und Prof.
Dr.
phil.
A._
, Neuropsychologin,
objekti
vierten neuropsychologischen Dysfunktionen
im
Rahmen einer frühkindlich er
worbenen zerebralen Funk
t
ionsstörung bei Frühgeburt,
w
e
l
che
phämenologisch
einer
ADHS entsprech
e (vgl. S. 8 E. 3.4, S. 12 E. 4.1)
,
erschienen
mit Blick darauf, dass die diversen aktenkundigen Arbeitszeugnisse seit dem Jahr 1985 nicht auf eine in der Vergangenheit relevant beeinträchtigte Leistungsfähigkeit der
Be
schwerdeführerin
schliessen l
ie
ssen, plausibel
(S. 14 E. 4.4).
Betreffend die geltend gemachten neuropsychologischen Defizite seien aber insbesondere auch aus an
deren – näher dargelegten – Gründen grosse Zweifel angezeigt
(
S.
14 f. E. 4.5
). Weiter ergäben sich
aus den Akten
keine Anhaltspunkte dafür, dass bei der Be
schwerdeführerin bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses im Juni 2013 eine relevante psychische Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vorge
legen habe. Abgesehen davon
ergäben sich
aus den Akten klare Hinwiese
auf
invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren (S. 15 E. 4.6
).
3.2
Das Bundesgericht
fü
h
r
te
in seinem Urteil
vom 2
3.
Juli 2015 (
Urk.
10/47) unter anderem
aus
,
es sei nicht zu beanstanden, dass das kantonale Gericht die geklag
ten Beschwerden mangels hinreichend ausgewiesener hirnorganischer Beteili
gung nicht im Rahmen eines organischen Psychosyndroms nach Schädelhirn
trauma gesehen habe (S. 6 oben). D
em kantonalen Gericht sei
sodann
darin bei
zupflichten, dass es an Anzeichen für eine sich in den letzten knapp dreissig Jah
ren auf die Arbeitsfähigkeit auswirkende ADHS fehle. Mangels einer anlässlich des Unfalls vom
1.
August 2004 nachgewiesenen Hirnverletzung sei auch ein Auslöser des solcherart diagnostizierten Beschwerdebilds durch den Sturz nicht
als überwiegend wahrscheinlich zu werten. Wie die Vorinstanz schliesslich zu
treffend – jedenfalls aber nicht als Ergebnis einer willkürlichen Beweiswürdigung – festgestellt habe, spreche für diesen Schluss vor allem der Umstand, dass die
Beschwerdeführerin
trotz der geltend gemachten gravierenden neuropsychologi
schen Defizite unbestrittenermassen weiterhin Motorrad fahre und seit 2010 mit
tels eigener Homepage gar begleitete, anspruchsvolle Motorradtouren von durch
schnittlich sechs bis acht Stunden reiner Fahrzeit täglich anbiete. Die Annahme eines zwar die beruflich-erwerblichen, nicht aber die im Strassenverkehr erfor
derlichen kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigenden Beschwerdebildes über
zeuge nicht, zumal gerade für ein Motorradfahren auf diesem Niveau eine unge
teilte Aufmerksamkeit und Konzentration unabdingbar sei
(S. 6 f. E. 5.2.2).
Eine fachärztlich schlüssig
ausgewiesene, invalidisierende psychische Störung lasse sich gestützt auf den Bericht des
behandelnden
Psychotherapeuten
lic
. phil.
B._
nicht ableiten (S. 7 E. 6.1). Überdies bestünden, wie im ange
fochtenen Entscheid korrekt vermerkt worden sei, Anhaltspunkte für invalidität
s
fremde psychosoziale Faktoren wie
die lange Abstinenz vom Arbeitsmarkt,
eine geschiedene Ehe, die alleinige Verantwortung für ein
Kind sowie
finanzielle
Prob
leme
(S. 7 f. E. 6.1)
.
4
.
4
.1
In der Verschlechterungsmeldung vom 1
8.
Dezember 2014
(
Urk.
10/45)
hatte die Stadt
Y._
unter
Hinweis auf eine am 2
5.
November 2014 durchge
führte neuropsychologische Untersuchung (vgl. nachstehend E. 4.2) neuropsy
chologische Defizite geltend
gemacht.
D
ie Beschwerdeführerin
machte im Rah
men
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens
das Vorliegen einer Persönlichkeits
störung geltend. Zu keinem Zeitpunkt geltend gemacht wurde
dagegen eine in
validitätsrelevante Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustand
s
, wes
halb nachstehend keine den somatischen Gesundheitsz
ustand betreffenden Be
richte an
geführt werden.
4.2
Am
6.
Dezember 2014 berichteten
Dr.
med. C._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie, und der Psychologe
lic
. phil.
D._
,
E._
,
F._
, über die am 2
5.
November 2014 durchgeführte
neuropsychologische
Untersu
chung der Beschwerdeführerin
mit der
Testbatterie «kognitive Basistestung» (COGBAT) und ergänzenden Tests (
Urk.
10/44).
Sie führten aus, aus diagnosti
scher Sicht sei von e
xtrem ausgeprägte
n neuropsychologischen D
efizite
n
im Be
reich
der Aufmerksamkeit auszugehen. Die ebenso
deutlich beeinträchtigte Inhi
bitionsfähigkeit
, die
mit
einer
deutlich
erhöhten
Impulsivität
einhergehe,
und
die
im Grenzbereich li
egende kognitive Flexibilität zeigten
Hinwe
i
se auf eine mögli
che hirnorganische Störung.
Aus den Befunden ergebe sich das
Bild eine
r mittel
schweren neuropsychologischen
Störung (S. 4)
.
4
.3
Dr.
med. G._
,
stellvertretender Oberarzt,
H._
,
berichtete am
5.
Juni
2015 (
Urk.
10/48/3)
, die Beschwerdeführerin stehe
seit dem 1
8.
September 2012
am
Institut in Behandlung. Sie leide an erheblichen Folgeschäden eines 2004 erlittenen Motorradunfalls. Dies äussere sich hauptsäch
lich in einer starken Einschränkung der Belastbarkeit. Als Diagnosen nannte
Dr.
G._
ein
or
ganisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma (ICD-10 F07.2) sowie eine
rezidivierende dep
ressive
Störung, derzeit mittelgradige Epi
sode
(ICD-10 F33.1)
. Er
attestierte der Beschwerdeführer
eine
bereits seit mehreren Monaten bestehende Arbeitsunfähigkeit.
4
.4
Am
6.
Oktober 2016 (
Urk.
10/61) beantwortete
Dr.
G._
,
H._
,
die ihm von der Beschwerdegegnerin unterbreiteten Fragen
(vgl. 10/53 S. 2 f.)
.
Er
führte unter anderem aus,
bei der Beschwerdeführerin bestünden
als
wesent
lichste
Einschrän
kungen
eine
rasche Ermüdbark
eit und eine
verminderte Konzentrationsfähigkeit.
Geistige
Tätigkeiten
führten nach maximal eineinhalb bis zwei Stunden
zu einer deutlichen Reduktion der Leistungsfähigkeit, insbesondere der Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit
.
Nach einer solchen Anstrengung benötige sie zwei bis drei Stunden Zeit zur Verbesserung der kog
nitiven Funktionen (
Ziff.
4). Die Beschwerdeführer
in sei alleinerziehende Mu
tter eines neunjährigen
Sohn
es mit
einer
ADHS, welcher viel Aufmerksamkeit und Unterstützung bei den Hausaufgaben benötige, insgesamt drei bis vier Stunden am Tag. Die Bewältigung des Alltags und des Haushalts sowie die Erziehung ihres Sohnes forderten die Beschwerdeführerin und brächten sie
w
ied
erholt an
ihre
Be
lastungsgrenze
n (
Ziff.
6).
Mit einer Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit sei vor
erst nicht zu rechnen (S. 2 oben).
4.5
Prof.
Dr.
rer
. nat.
I._
, Leiter Neuropsychologie, und
Dr.
sc. nat.
J._
, Neuropsychologin,
K._
,
L._
, berichteten am 2
8.
November
2017
über die am
2.
November 2017 erfolgte neuropsychologische Untersuchung
(
Urk.
10/73/103-116
) und stellten bei einem durchschnittlichen kognitiven Leistungsvermögen
partielle leichte bis mittelgradige
attentionale
und exekutive Beeinträchtigungen
(
mit
unter anderem Hinweisen auf ein verlangsamtes Arbeitstempo bei einer mo
notonen, selbstgesteuerten Aufgabe
zu Gunsten einer guten Fehlerkontrolle, Ei
n
schränkungen der geteilten Auf
merk
samkeit, einem atypischen Belohnungsver
halten und in der Beobachtung eines leicht impulsiven Antwortstils) fest. Sie führten aus, die Ergebnisse in einem Fragebogen zum Vorliegen von Symptomen einer ADHS im Alter von acht bis zehn Jahren hätten Hinweise darauf ergeben,
dass die Symptome bereits im Kindesalter bestanden hätten. Die Biographie der Beschwerdeführerin habe zudem ebenfalls Hin
weise auf Verhaltensweisen erge
ben, die als typisch für eine ADHS gelten würden, wie beispielsweise Risikoaffi
nität (
sensation
seeking
, mit dem Motorrad zügig kurvenreiche Strecken fahren),
eine Aversion gegen monoto
ne Tätigkeiten (
dela
y
aversion
, Stellenprofil mit ab
wechslungsreichen, vielfä
ltigen Tätigkeiten sei zentral) und
in jüngeren Jahren häufige Wechsel der A
r
beitsstellen und der Partner. Das aktuelle Leistungsprofil unter Berücksichtigung der Anamnese sei aus rein neuropsychologischer Sicht vereinbar mit der Diagnose
einer ADHS im Erwachsenenalter (S. 12 unten).
Die kognitiven Defizite wirkten sich auf die Arbeitsfähigkeit aus. Aus dem aktu
ellen Leistungsprofil lasse sich aufgrund des erhöhten Kontrollaufwandes eine Minderung der Arbeitsfähigkeit von
20
%
ableiten. Auch bei einer dem Leiden gut angepassten Tätigkeit bestehe eine Minderung der Arbeitsfähigkeit von
10
%
(
S. 13 Mitte).
4.6
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstattete
Dr.
med. M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, am
5.
Dezember 2017 ein Gutachten (
Urk.
10/73/1-99)
, dies
nach am 1
7.
August 2017 und 2
9.
September 2017 erfolgter
psychiatrischer (S. 59 ff.) und neurologischer (S. 81 ff.)
Untersu
chung. Er stützte sich auf
die
ihm überlassene
n
und zusätzlich eingeholte
n
Akten (
S. 5 ff.
), die Angaben der
Beschwerdeführerin
(S. 45 ff.
)
sowie
die
von ihm erho
bene
n
psychiatrische
n
(S.
63 ff.
) und neurologische
n
(S. 85 ff.) Befunde (vgl. S. 4 f.).
Als psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
M._
eine ADHS im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0). Als
psychiatrische
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er
Probleme, verbun
den mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung im Sinne von perfektionis
tisch und zwanghaft akzentuierten
Persönlichkeitszügen (S. 68
Ziff.
4.5.1-2).
Neurologische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit konnte
Dr.
M._
nicht stellen. Als neurologische (Ober-) Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
einen Status nach Motorradunfall vom
1.
August 2004 (S. 91 f.
Ziff.
5.7.1-2).
Im psychiatrischen Teilgutachten führte
Dr.
M._
unter anderem
aus,
im objek
tiven psychopathologischen Befund in Anlehnung an die AMDP-Richtlinien hät
ten keine psychopathologischen Auffälligkeiten bestanden (S. 69 unten). Analog der Parameter der funktionellen Leistungsfähigkeit in Anlehnung an das Mini-ICF-APP bestünden keine Störungen der Aktivität und Partizipation (S. 70 Mitte).
Die im Rahmen der Abklärung am 1
5.
September 2017 durchgeführte testpsycho
logische Untersuchung SKID-II habe gemäss Bericht von Frau
lic
. phil.
N._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, vom 2
9.
September 2017 (vgl.
Urk.
10/73) bei keiner der 12 erfassten Persönlichkeitsstörungen gemäss SKID-II auffällige Werte ergeben. Bis auf anlässlich der Exploration festgestellte leicht leistungsorientierte und zwanghaft akzentuierte Persönlichkeitszüge könne die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht gestellt werden.
Gemäss
neuropsy
chologische
m
Zusatzgutachten
(vorstehend E. 4.5)
sei das aktuelle Leistungsprofil unter Berücksichtigung der Anamnese aus rein neuropsychologischer Sicht ver
einbar mit der Diagnose einer ADHS im Erwachsenenalter (S. 70 unten). Die Diagnose einer depressiven Episode nach den ICD-10-Kriterien lasse sich
gegen
wär
tig nicht stellen (S. 78 oben).
Zur Arbeitsfähigkeit
führte
der Gutachter aus, aus psychiatrischer und neuropsy
chologischer Sicht
sei
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit aufgrund der diagnos
tizierten ADHS im Erwachsenenalter und erst im Rahmen der neuropsychologi
schen Untersuchung objektivierbaren kognitiven Defizite allenfalls eine 20%ige Ei
nschränkung der Leistungsfähigk
e
i
t bei voller Präsenz in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
ausgewiesen. Der Grund dafür sei ein erhöhter Kontrollaufwand. Auch in einer dem Leiden optimal angepassten Tätigkeit mit klar strukturierten Aufga
ben, ohne Tätigkeiten, die eine Daueraufmerksamkeit oder Dauerkonzentration erforderten und ohne Leitungsfunktion sei allenfalls eine Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit von 10
%
bei voller Präsenzzeit ausgewiesen (S. 98
Ziff.
7.3).
4.
7
Am 1
2.
Juli 2018 berichteten
Dr.
med.
O._
, Leitender Arzt, und die Psychologin
P._
,
Q._
,
über die Abklärungsuntersuchung der Beschwerdeführerin in der Zeit vom 2
4.
April bis 1
7.
Juli
2018
(
Urk.
10/90). Sie führten aus, die ausführlich erhobene Eigenanam
nese weise auf eine rezidivierende depressive Störung hin, welche gegenwärtig jedoch remittiert sei. Ebenfalls könnten die beschriebenen Symptome
einer Auf
merksamkeitsstörung, eines Drangs nach intensivem Erleben,
eines
impulsiven Verhaltens,
von Wutausbrüchen sowie einer hohen
Grundanspannung
,
wie be
reits in den Vorberichten beschrieben
,
einer ADHS im
Erwachsenenalter, ICD-10 F
90.0 (S. 1 unten), zugeordnet werden. In der klinischen Beobachtung seien in
teraktionelle Besonderheiten aufgefallen, welche für eine Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften und paranoiden Anteilen sprächen. Die Beschwerdeführerin be
schreibe das Grundgefühl, ständig auf der Hut zu sein und sich gegen Angriffe anderer wehren zu müssen, welches sie mit negativen Kindheitserfahrungen in Verbindung
bringe. In Beziehungen falle s
i
e
durch hohe Ansprüche und hartnä
ckiges, rechthaberisches Verhalten auf. Der von der Beschwerdeführerin formu
lierte Verdacht auf eine
Borderline
-
Persönlichkeitsstörung habe nicht bestätigt werden können. Aufgrund der zeitlich limitierten Beobachtung im Rahmen des Abklärungssettings sei die Verdachtsdiagnose einer kombinierten Persönlich
keitsstörung mit zwanghaften und paranoiden Anteilen, ICD-10 F61 (S. 1 unten), gestellt worden (S. 3).
4.8
Mit Email vom 2
9.
November 2018 (
Urk.
3/4) teilte
Dr.
O._
,
Q._
,
der Be
schwerdeführerin mit,
das Gutachten von
Dr.
M._
sei
aus seiner Sicht
gesam
t
heitlich sorgfältig ausgearbei
tet und
die
fachliche Diskussion
in sich
schlüssig und nachvollziehbar.
Nach einer Besprechung mit
der behandelnden Psychologin Frau
P._
(vgl. vorstehend E. 4.7)
ergäben sich in Bezug auf zwei Aspekte aber auch
unterschiedliche Einschätzungen. Zum einen habe
Dr.
M._
zwanghafte und perfektionistische Persönlichkeitszüge als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit eingeordnet. Aufgrund der Erfahrungen im bisherigen Therapieverlauf seien
er und Frau P
._
zum Schluss gelangt, dass die bestehenden
Schwierigkeiten im interaktionellen Bereich
das Ausmass einer
Persönlichkeitsstörung
hätten, welche diagnostisch einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit zwanghaften und paranoiden Zügen (ICD-10 F61) zuzuordnen sei. Auch die früheren Schwie
rigkeiten und Konflikte an verschiedenen Arbeitsstellen seien vor dem Hinter
grund dieser Diagnose zu sehen, welche für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit also durchaus relevant sei. Damit ve
rbunden sei
zum anderen
ein weiterer Aspekt:
Das im Gutachten anhand des Mini-ICF beschriebene Funktionsniveau entspreche quasi dem einer psychisch gesunden Person. Aus ihrer Sicht müssten die bekann
ten und weiterhin bestehenden interaktionellen Schwierigkeiten unter den ent
sprechenden Funktionskategorien (Selbstbehauptung, Kontaktfähigkeit zu Drit
ten, Gruppenfähigkeit, Fähigkeit zu familiären und intimen Beziehungen) be
schrieben und bei der Gesamtbeurteilung berücksichtigt werden.
4.9
Am 2
4.
April 2019 (
Urk.
13) nahm
Dr.
M._
Stellung zum Bericht von
Dr.
O._
und
P._
vom 1
2.
Juli 2018 (vorstehend E. 4.7) und zur Email von
Dr.
O._
vom 2
9.
November 2018 (vorstehend E. 4.8).
Er führte unter anderem aus, für di
e Beurteilung der Arbeitsfähigk
e
i
t sei auch im Falle einer diagnostizierten Persönlichkeitsstörung immer die konkrete psychopathologische Symptomatik entscheidend. Solange die pathologischen Reaktions- und Verhal
tensmuster sozial verträglich seien, bestehe Arbeitsfähigkeit. Im objektiven psy
chopathologischen Befund in Anlehnung an die AMDP-Richtlinien anlässlich der Untersuchung am 1
7.
August 2017 hätten keine psychopathologischen Auffällig
keiten bestanden. Mit Verweis auf die Untersuchungsbefunde im Gutachten und die Dokumentation in der Versicherungsakte sowie unter Berücksichtigung der Biographie der Beschwerdeführerin könne in ihrem Fall sicherlich kein patholo
gisches Reaktions- und Verhaltensmuster erkannt werden, das sozial unverträg
lich wäre und infolgedessen eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würde. Darüber hinaus zeigten sich Frühsymptome von Persönlichkeitsstörungen häufig in der Kindheit, differenzierten sich in der Adoleszenz und manifestierten sich in
typischer Form im frühen Erwachsenenalter, was bei der Beschwerdefüh
rerin sicherlich nicht der Fall sei
(S. 8 Mitte). Die – näher dargelegten
-
für alle Persönlichkeitsstörungen obligaten diagnostischen Eingangskriterien seien bei der Beschwerdeführerin nicht erfüllt (S. 9 unten, S. 10 oben)
und es seien auch die operationalisierten Kriterien für die Diagnose einer bestimmten Persönlich
keitsstörung (vgl. S. 9 unten) nicht beziehungsweise nicht in der geforderten An
zahl erfüllt. Bis auf ein situationsangemessenes Bestehen auf eigenen Rechten könnten bei der Beschwerdeführerin keine weiteren Hinweise auf eine paranoide Persönlichkeitsstörung gefunden werden (S. 11 unten). Bis auf einen Perfektio
nismus und gegebenenfalls eine Beschäftigung mit unbedeutenden Details seien auch die diagnostischen Kriterien einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung n
icht ausgewiesen (S. 12 Mitte).
Zusammenfassend lasse sich im Fall der Beschwerdeführerin die Verdachtsdiag
nose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung nicht ohne Weiteres bestätigen.
Bis auf Probleme bei der beruflichen Integration, die im Falle der Beschwerde
führerin aus seiner Sicht auf nicht versicherungsmedizinisch relevante psychoso
ziale Belastungsfaktoren zurückzuführen seien,
seien
keine weiteren Auffälligkei
ten, die auf eine Persönlichkeitsstörung hinwiesen, zu erkennen.
Im Weiteren lä
gen auch in der Vergangenheit keine schweren psychopathologischen Störungen mit Behandlungen vor und auch kein
e Suchterkrankung. Gesamthaft s
e
i
bei den durch die behandelnden Personen beschriebenen zwanghaften und paranoiden Persönlichkeitszügen und dem geäusserten Verdacht auf eine kombinierte Per
sönlichkeitsstörung von einer allenfalls leichten psychischen Störung, die kaum von einer Persönlichkeitsakzentuierung im Sinne der Z-Diagnose abge
grenzt werde
n könne, auszugehen (S. 12 f.).
Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin
über viele posi
tive Ressour
cen verfüge, was bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu berück
sichtigen sei. Hervorzuheben sei unter anderem die persönliche und berufliche Zielklärung (Abschluss einer Handelsschule mit eidgenössischem Zertifikat, Ar
beitsstelle bei der
R._
, langjährige Tätigkeit - vom
1.
April 2000 bis 3
0.
Juni 2007 – als Verwalterin bei der
S._
in einem 100%-Pensum). Des Weiteren bestehe eine gu
te kognitive Leistungsfähigkeit. T
rotz der diagnostizierten und unbehandelten ADHS habe die Beschwerdeführerin eine berufliche Ausbildung absolviert und jahrelang gearbeitet. An weiteren Ressourcen bestehe eine
ausgezeichnete soziale Kompetenz. Auch hervorzuheben seien die Hobbies und Interessen der Beschwer
deführerin wie Motorradfahren und ihr Organisationstalent, sie habe entspre
chend seit Mai 2010 als Inhaberin eines Anbieters für Motorradtouren entspre
chende Touren organisiert. Die Beschwerdeführerin verfüge
über Ziele, Ideen und Visionen und über gute Fähigkeiten und Kompetenzen. An negativen Ressourcen liege allenfalls eine geringe ökonomische Stabilität vor. An der im Gutachten vorgenommen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit werde festgehalten (S. 13 f.).
4.10
Dr.
O._
und
P._
,
Q._
, führten in ihrer Stellungnahme vom 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
21) aus, bei der Beschwerdeführerin bestünden mindestens seit dem Jugendalter starre Wahrnehmungs- und Denkmuster, welche zu inten
siven emotionalen Reaktionen und Schwierigkeiten in Beziehungen zu Mitmen
schen führten. Um eine Persönlichkeitsstörung professionell diagnostizieren zu können, sei es notwendig, eine Patientin über einen längeren Zeitraum zu be
obachten. In der nun mehr als zwölfmonatigen Behandlungsdauer habe der ur
sprünglich formulierte Verdach
t auf eine kombinierte Persönli
c
h
keitsstö
rung auf
grund der kl
i
n
ischen Verhaltensbeobachtungen
, den
ausführlichen biographi
schen Erzählungen und zusätzlich durch fremdanamnestische Informationen zwei
er
unabhängi
g
er Personen bestätigt werden kön
nen.
Dr.
M._
habe in seiner Beur
teilung sowohl auf einen längeren Beobachtungszeitraum als auch auf fremdanamnestische Informationen verzichtet (S. 1). Die Beschwerdeführerin habe fast in jeder therapeutischen Sitzung von schwierigen interaktionelle
n
Situationen im Zusammenhang mit rigiden Wahrnehmungs- und Denkmustern aus ihrem Alltag berichtet, welche für eine Persönlichkeitsstörung sprächen. Die Beschwerdeführerin erfülle deutlich mehr der Kriterien für die paranoide und die zw
anghafte Persönlichkeitsstörung
als von
Dr.
M._
angenommen. Zudem ge
nüge es, wenn einzelne Kriterien aus den jeweiligen Teilbereichen erfüllt seien, sofern
l
ange an
dauernde, seit der Jugend bestehende
, sich in verschiedene
n Le
benssituationen auswirkende und zu Leid führende
Ver
haltensmuster
vorl
ägen
, was bei der Beschwerdeführerin deutlich
der Fall
sei (S. 1 unten, S. 2).
Mit Zeugnis vom 2
1.
Mai 2019
(
Urk.
22)
attestierten
Dr.
O._
und
P._
der Beschwerdeführerin vor dem Hintergrund der Diagnosen einer ADHS, einer rezidivierenden depressiven Störung und einer kombinierten Persönlich
keitsstörung mit zwanghaften und paranoiden Anteilen seit Behandlungsbeginn am 2
4.
April 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50
%
.
5.
5.
1
Im Zeitpunkt der abschlägigen Rentenverfügung vom Juni 2013 (
Urk.
10/31) la
gen insbesondere der Bericht der Neurologin
Dr.
Z._
und der Neuropsycho
login Prof.
A._
vom 2
9.
August 2012 (
Urk.
10/5/32-33), des behandelnd
en Psychotherapeuten
B._
(Bericht ohne Datum,
Urk.
10/13) sowie der Bericht von
Dr.
med. T._
, Facharzt für Allgemeinmedizin (D), Stell
vertretender Oberarzt Psychiatrie und Psychotherapie,
H._
, vom 2
3.
September 2013 (
Urk.
10/36/1-4) vor.
Dr.
Z._
und Prof.
A._
interpretierten
die von der Beschwerdeführerin g
eklagten Be
schwerden im Rahmen einer frühkindlich erworbenen zerebralen Funktionsstö
rung bei Frühgeburt und ordneten sie phänomenologisch einer ADHS zu.
Dr.
T._
ging dagegen vom Vorliegen eines organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma aus.
B._
berichtete darüber hinaus von depressiven Episoden.
Das Bundesgericht
bestätigte in seinem
Urteil vom 2
3.
Juli 2015
die Auffassung des hiesigen Gerichts
(vgl. vorstehend E. 3.1)
,
wonach die von der Beschwerde
führerin geklagten Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich im Rahmen eines organischen Psychosyndroms nach Schädelhirntrauma gesehen werden können. Ferner, dass
es an Anzeichen für eine sich in den letzten knapp dreissig Jahren auf die Arbeitsfähigkeit auswi
rkende ADHS fehlt
und das Beschwerdebild der Beschwerdeführerin mangels einer anlässlich des Unfalls vom
1.
August 2004 nachgewiesenen Hirnverletzung auch nicht überwiegend wahrscheinlich als durch den Sturz a
usgelöst zu werten
ist
.
Das Bundesgericht
gelangte zum Schluss, dass ein die beruflich-erwerblich
erforderlichen
kognitiven Fähigkeiten beein
trächtigendes Beschwerdebild nicht
ausgewiesen ist
,
und
wies
in diesem Zusam
menhang mit dem kantonalen Gericht insbesondere auf die
– mit den geltend gemachten gravierenden neuropsychologischen Defiziten nicht vereinbare -
(Freizeit-)
Beschäftigung
der Beschwerdeführerin im Bereich des Motorradfahrens hin.
Schliesslich verneinte
(auch) das Bundesgericht
das Vorliegen einer schlüssig
ausgewiesenen, invalidisierenden
psychischen Störung und
hob das
Vorliegen
i
n
validitätsf
remde
r
psychosoziale
r
Faktoren
hervor
(vgl. vorstehend E. 3.2)
.
5.2
In ihrem im Rahmen des Neuanmeldungsverfahrens ergangenen Bericht vom
6.
Dezember 2014
(vorstehend E. 4.2)
berichteten
Dr.
C._
und
D._
von extrem ausgeprägten neuropsychologischen Defiziten im Bereich der Auf
merksamkeit
,
und
dass sich Hinweise auf eine mögliche hirnorganische Störung ergeben hätten.
Betreffend die Möglichkeit des Vorliegen
s einer hirnorganischen Störung
ist
ohne Weiterungen
auf die
diesbezüglichen
Erwägungen des hiesigen Gerichts anlässlich des Urteils vom
3.
November 2014
(
Urk.
10/42 E. 4.2-3)
und des Bundesgerichts anlässlich d
es U
rteils vom
2
3.
Juli 2015
(
Urk.
10/47 E. 5.2.1)
zu verweisen. Das G
leiche gilt
hinsichtlich der
beschriebenen neuropsychol
ogi
schen Defizite,
nachdem aus
den neu aufliegenden
Akten
hervorgeht,
dass die Beschwerdeführerin zumindest privat weiterhin Motorradtouren unternimmt und in der Lage ist, vier bis fün
f Pä
sse am Tag bei einer reinen
Fahrzeit von bis zu sechseinhalb Stunden
zu bewältigen
(
Urk.
10/73/46 unten
,
Urk.
10/73/108 Mitte,
Urk.
10/80/3 Mitte)
, wobei d
abei
das E
inleg
en
von
zwei Pausen, welche
gemäss Angaben der Beschwerdeführer
in notwendig
seien,
bereits aus allgemeinen
Si
cherheitsgründen als selbstver
s
t
ändlich gelten
darf
.
Die von
Dr.
C._
und
D._
genannten extrem ausgeprägten neuropsychologischen Defizite im Bereich der Aufmerksamkeit lassen sich
mit
dieser
Freizeitbeschäftigung der Be
schwerdeführerin
jedenfalls
nicht
Einklang bringen.
G
estützt auf den Bericht von
Dr.
C._
und
D._
ist eine Verschlech
terung des (neuropsychologischen) Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
5.3
Soweit
Dr.
G._
in seinem Bericht vom
5.
Juni 2015
(vorstehend E. 4.3)
ein organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma diagnostizierte
, hat es ebenfalls mit einem
Verweis auf die
genannten (vorstehend E. 5.2) gerichtlichen Erwägungen sein Bewenden.
Die von
Dr.
G._
darüber hinaus diagnosti
zierte rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradige Episode, ist sodann nicht befunduntermauert.
Ferner beschrieb
Dr.
G._
i
n seinem Bericht vom
6.
Oktober 2016 (vor
stehend E. 4.4)
eine
(anhaltende) psychosoziale
Belastungssituation, wie sie in den Gerichtsentscheiden unter Hinweis auf deren invaliditätsfremden Charakter
bereits
thematisiert worden war (vgl.
Urk.
10/42 E. 4.6,
Urk.
10/47 E. 6.2).
Insgesamt
erweisen sich
auch
die Berichte von
Dr.
G._
als
nicht geeignet, ein
e Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darzutun.
5.4
Im Rahmen der von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen Begutachtung erstatteten Prof.
I._
und
Dr.
J._
am 2
8.
November 2017 ein neuropsy
chologisches (Teil-) Gutachten
(vorstehend E. 4.5). Dieses basiert auf einer knapp siebenstündigen persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin, wurde in Kenntnis der
Vorakten
abge
geben und berücksichtigt die geklagten Bes
chwerden (
vgl.
Urk.
10/73/104 ff.).
Die Gutachter bestätigten die im Jahr 2012 bereits von
Dr.
Z._
und Prof.
A._
(
Urk.
10/5/32-33) in den Raum gestellte Diagnose einer ADHS, wobei
sie
eine ADHS im Erwachsenenalter diagnostizierte
n, dies unter Hinweis auf das ak
tuelle Leistungsprofil und unter Berücksichtigung der Anamnese
.
Die Gutachter erhoben part
i
e
lle leichte bis mittelgradige
attentionale
und exekutive
Beeinträch
tigungen und leiteten daraus aufgrund des damit verb
undenen erhöhten Kon
trollaufwandes eine um 20
%
geminderte Arbeitsfähigkeit in der angestammten und eine um 10
%
geminderte Arbeitsfähigkeit in einer gut an
gepassten Tätigkeit
ab
. Die gutachterliche Einschätzung erweist sich insgesamt als schlüssig und ver
mag zu überzeugen. Im Gutachten findet sich insbesondere a
uch eine Erklä
r
ung dafür, wie
sich
die – in
den Gerichtsurteilen thematisierte
–Erwerbsbiographie
der Beschwerdeführerin
mit der Diagnose
einer ADHS
vereinbaren l
ässt. So
führten d
ie Gutachter
aus
, dass die
Beschwerdeführerin in jüngeren Jahren durch eine überobligatorische Mobilisation kompensatorischer Ressourcen trotz der beste
henden neuropsychologischen Einschränkungen die beruflichen Anforderungen zu erfüllen vermocht
habe
. Eine Exazerbation der Symptome in den letzten Jah
ren könne nicht ausgeschlossen werden. Einerseits könnte eine altersbedingte Abnahme kompensatorischer Ressourcen zu den Schwierigkeiten beim berufli
chen Wiedereinstieg beitragen. Darüber hinaus erfordere die Bewältigung des All
tags aufgrund der komplexen psychosozialen Situation als alleinerziehende Mut
ter mit einem Kind, bei dem ebenfalls eine ADHS diagnostiziert worden sei, viel Energie (S. 13 Mitte).
Was die
Vereinbarkeit der ADHS-Diagnose mit der Freizeitbeschäftigung der Be
schwerdeführerin
anbelangt, hielten
die Gutachter
fest,
grobe Störungen kogni
tiver Funktionen,
welche
die Fahrtauglichkeit prinzipiell in Frage stellten,
hätten nicht
beobachte
t werden können. Abschliessend sei die
Fahrtauglichkeit
jedoch
verkehrsmedizinisch zu
beurteilen
(
Urk.
10/73/
115 unten).
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
I._
und
Dr.
J._
kann
es
als erstellt gelten, dass bei der Beschwerdeführerin eine ADHS besteht, die mittlerweile eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im gutachterlich attestierten Umfang
begrün
det. Insofern ist eine
Verschl
echterung des Gesundheitszustands ausgewiesen
.
Da
mit ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin allseitig zu prüfen (vgl. vor
stehend E. 1.2) und es stellt sich die Frage, ob sie – wie von ihr geltend gemacht
(vgl. vorstehend E. 2.2)
– (auch) an einer die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Persönlichkeitsstörung leidet.
5.5
Dr.
M._
verneinte in seinem Gutachten vom
5.
Dezember 2017 (vorstehend E.
4.6) das Vorliegen einer die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Persönlichkeitsstö
rung.
Dr.
M._
hatte die Beschwerdeführerin im August und September 2017 persönlich untersucht. Er gab seine Einschätzung in Kenntnis der
ausführlich auf
bereiteten
Vorakten
ab (
Urk.
10/73/5 ff.)
und
führte
eine gründliche Anamnese
er
hebung
durch (
Urk.
10/73/45 ff.).
Zur Begründung seines Standpunkts verwies er
unter anderem
auf die im Rahmen der Abklärung durchgeführte testpsychologi
sche Untersuchung SKID-II gemäss Bericht vom 2
9.
September 2017 (
Urk.
10/73/117-128).
Nachdem
die Beschwerdeführerin im Rahmen des vorliegenden Beschwerde
ver
fahrens unter Hinweis auf die
neuste
Beurteilung
ihres behandelnden Arztes und ihrer behandelnden Psychologin (
vgl.
vorstehend E. 4.8)
geltend gemacht hatte, der Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung habe sich erhä
rtet, und im W
eiteren moniert hatte
, im SKID-II-Test seien etwa 3⁄4 der Fragen offen geblieben, da sie angewiesen worden sei, nur die anderen Fragen zu beantworten,
wobei sie ihrer Eingabe einen
von ihr
selbständig vervoll
s
tändigten SKID-II-Test
beilegte
(
Urk.
3/5),
holte das hiesige Gericht bei
Dr.
M._
eine ergänzende Stellungnahme (vorstehend E 4.9) ein.
Darin
hielt
Dr.
M._
unter Hinweis a
uf das Fehlen psy
chopathologischer
Auffälligkeiten
anlässlich der durchgeführten Untersuchung
an seiner Auffassung fest, wonach bei der Beschwerdeführerin keine Persönlich
keits
störung vorliege. Als Argument gegen das Vorliegen einer Persönlichkeits
störung führte er
ferner
an, dass sich bei der Beschwerdeführerin keine Anhalts
punkte
da
für
ergäben, dass
bereits in der Kindheit
einschlägige Symptom
e
be
standen und diese
sich in typischer Form im frühen E
rwachsenenalter manifes
tiert hätten,
was vor dem Hintergrund der im
Gutachten dargelegten Familien-,
Berufs- und Arbeitsanamnese
plausibel erscheint (
Urk.
10/73/47 ff.).
Dr.
M._
w
ies w
eiter
darauf hin, dass
sich die Beschwerdeführerin in der Vergangenheit
auch
nie aufgrund schwerer psychopathologischer Störungen in eine Behandlung begeben habe, was ebenfalls im Einklang mit der Aktenlage steht.
Von zentraler und
entscheidwesentlicher
Bedeutung ist
aber letztlich insbeson
dere
die
überzeugende
Aussage
des Gutachters
,
wonach auch bei einer diagnos
ti
zierten Persönlichkeitsstörung
eine Arbeitsunfähigkeit
nur dann angenommen werden könne
, wenn ein sozial unverträgliches pathologisches Reaktions- und
Verhaltens
muster erkennbar sei.
Dr.
M._
verneinte dies
im Falle der Beschwer
deführerin unter Hinweis auf die durch ihn erhobenen Untersuchungsbefunde, die Aktenlage sowie die Biographie der Beschwerdeführerin
und beurteilte die Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin dementsprechend als nicht einge
schränkt.
Demgegenüber
berichteten
Dr.
O._
und
P._
von min
destens seit dem Jugendalter bestehenden schwierigen interaktionellen Situatio
nen im Zusammenhang mit rigiden Wahrnehmungs- und Denkmustern
und mas
sen diesen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bei
(vgl. vorstehend E. 4.7, E. 4.8, E.
4.10). Dies vermag jedoch bereits deshalb nicht zu überzeugen, weil die Beschwer
deführerin trotz der offenbar
bereits
seit dem Jugendalter bestehenden
interak
tionellen Schwierigkeiten in den Jahren vor der Geburt ihres Sohnes
im Jahr 2007
eine relativ unauffällige Erwerbsbiografie vorweisen kann, wobei sie zuletzt wäh
rend rund sieben Jahren
in einem Pensum von 100
%
als
Liegenschaftenverwal
terin
bei der
S._
tätig war
(vgl.
Urk.
10/5/3, vgl. auch
Urk.
10/73/52 f.). Dieser Umstand spricht dagegen, dass die
Beschwerdeführerin aufgrund von interaktionellen
Schwierigkeiten
in relevantem Ausmass in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt war beziehungsweise diese
im beruflich-erwerbli
chen Bereich zu einem sozial unverträglichen pathologischen Reaktions- und Verhaltensmuster geführt hätten
. Den aktenkundigen Arbeitszeugnissen der
S._
ist
denn auch
zu entnehmen, dass die Beschwerdefüh
rerin aufgrund ihres freundlichen und zuvorkommenden Auftretens beliebt war (
Urk.
10/5
/5
) und dass ihre ruhige Art und ihr einwandfreies Auftreten von Mie
tern, Mitarbeitern und Vorgesetzten geleic
herm
assen geschätzt wurde (Urk.10/5/9).
Zudem scheint es
unwahr
-
scheinlich
, dass sich die
S._
bereit erklärt hätte, der Beschwerdeführerin ab
1.
Mai 2013 wieder eine Festanstellung anzubieten (vgl.
Urk.
10/5/15,
Urk.
10/73/53 unten), wären die in
teraktionellen Schwierigkeiten sozial unverträglich gewesen.
Abgesehen davon
wies
Dr.
M._
in nachvollziehbarer Weise auf
diverse
sich positiv auf die Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin
auswirkende Ressourcen hin,
welche seitens der
behandeln
-
den
Fachpersonen zu keinem Zeitpunkt thematisiert wurden. Desglei
chen die nach wie vor bestehenden psychosozialen Belastungsfaktoren, welche die berufliche Reintegration der Beschwerdeführerin
in
nachvollziehbarer Weise behindern, wofür jedoch nicht die Invalidenversicherung einzustehen hat.
5.6
Nach dem Gesagten
erweisen sich die Berichte des behandelnden Arztes und der behandeln
den
Psychologin als nicht geeignet, das Vorliegen einer
inv
a
lidis
i
e
re
n
de
n
psychische
n
Störung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
M._
, welches unter Berücksichtigung der
ergänzenden Stellungnahme vom
2
4.
April 2019
in der Darlegung der medizini
schen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet
und begründete Schlussfolgerungen
enthält, ist vielmehr
davon auszu
gehen, dass die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Probleme und Schwierigkeiten unbesehen davon, wie sie diagnostisch einzuordnen sind, keine invaliditätsrelevante Arbeitsunfähigkeit zu begründen vermögen.
D
er
SKID-II-Test
ist
somit
nicht
(allein)
ausschlaggebend
für
das vorliegende Er
gebnis, weshalb davon abgesehen werden kann, auf
die
diesbezüglichen
Bean
standungen der Beschwerdeführerin
einzugehen.
5.7
Die von der Beschwerdeführerin in ihrer
«Gegendarstellung»
vom 2
2.
Januar 2018 (
Urk.
10/80
/5-10
) am Gutachten erhobene Kritik
, auf welche sie in ihrer Be
schwerdeschrift verwies (vgl.
Urk.
1 S. 2),
ist schliesslich
ebenfalls
nicht geeignet, die gutachterlichen Schlussfolgerungen in Frage z
u stellen.
Es ist nicht ers
i
c
htlich und auch nicht dargetan, inwiefern die dort als falsch gerügten gutachterlichen Angaben
–
etwa betreffend
das Bestehen einer
Bewusstlosigkeit nach dem Un
fallereignis im Jahr 2004 (S. 1 oben, S. 4 unten, S. 5 unten)
,
die
Darstellung des Unfallhergangs (S. 6),
die
(
angeblich
zu Unrecht angeführte
n
) Widersprüchlich
keiten im Zusammenhang mit dem Motorradfahren (S. 1 Mitte, S. 4 Mitte, S. 5 oben),
d
ie
(
angeblich
zu Unrecht nicht erwähnte
n
)
traumatisch erlebte
n
Trennun
gen in der Vergangenheit
und die Gründe für die Trennung von ihrem Partner
(S. 2 unten) sowie
betreffend den
Schlafbedarf und
die
(
angeblich
zu Unrecht ange
führte
n
) Widersprüchlichkeiten im Zusammenhang mit der Erledigung des
Haus
halts (
S. 2 Mitte, S. 3 oben,
S. 4 Mitte)
-
im Hinblick auf die Kernfrage nach dem Vorliegen einer die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigenden psychischen Störung
ent
scheidwesentlich
s
ein soll
en.
5.8
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund
von aus
einer ADHS-Erkrankung
resultierenden kognitiven Defiziten
in ihrer
zuletzt aus
geübten
Tätigkeit als
Liegenschaftenver
w
alterin
zu 20
%
und in einer o
ptimal leidensangepassten Tätigk
eit zu 10
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist. Damit aber kann sie
ohne weiteres ein rentenausschliess
endes Erwerbseinkom
men erzielen und hat die Beschwerdegegne
r
i
n einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht
verneint.
Dies führt zur Abweisung der Be
schwerde.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf
Fr.
1‘000.-- anzuset
zen und der
unterliegenden Beschwerdeführerin
auf
zuerlegen, zufolge Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch
einstweilen
auf
die
Gerichtskasse zu nehmen.