Decision ID: 2b193044-87fe-46b4-984a-a0552e985e8b
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X, geb. 25. März 1929, wohnt in einem Pflegeheim in A. Sie bezieht eine AHV- und
eine Pensionskassenrente sowie Ergänzungsleistungen. Da sie keine Pflegeleistungen
in Anspruch nimmt, bezahlt die Krankenkasse keine Beiträge an den Heimaufenthalt.
Für die Steuerperiode 2009 wurde X für die Staats- und Gemeindesteuern mit einem
steuerbaren Einkommen von Fr. 29'200.-- und ohne steuerbares Vermögen und für die
direkte Bundessteuer mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 30'500.-- veranlagt.
Dies führte zu Steuerbeträgen von Fr. 2'632.75 für die Staats- und Gemeindesteuern
und von Fr. 130.85 für die direkte Bundessteuer. Nach Zahlung eines Betrages von Fr.
1'071.45 reduzierte sich die Steuerschuld der Staats- und Gemeindesteuern auf Fr.
1'561.30.
B.- Mit Schreiben ihrer Vertreterin vom 19. Mai 2010 ersuchte X beim
Gemeindesteueramt A um Erlass der noch ausstehenden Staats- und
Gemeindesteuern sowie direkten Bundessteuer des Jahres 2009. Im Namen des
kantonalen Steueramtes lehnte das Gemeindesteueramt A den Erlass der Staats- und
Gemeindesteuern 2009 in der Höhe von Fr. 1'561.30 sowie der direkten Bundessteuer
2009 von Fr. 130.85 mit Entscheiden vom 3. September 2010 ab.
C.- Mit Eingabe ihrer Vertreterin vom 28. September 2010 (Poststempel: 30. September
2010) erhob X gegen diese Erlassentscheide Rekurs und Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, die Staats- und Gemeindesteuern
sowie die direkte Bundessteuer 2009 seien ihr zu erlassen.
Am 22. Oktober 2010 reichte die Rekurrentin und Beschwerdeführerin das Formular zur
Darstellung der wirtschaftlichen Verhältnisse für den Erlass ein. Die Vorinstanz reichte
die Vorakten am 26. November 2010 ein.
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Mit verfahrensleitender Verfügung vom 29. November 2010 wurde die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 500.-- zu leisten. In
der Folge stellte die Vertreterin der Rekurrentin und Beschwerdeführerin ein Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung. Am 16. Dezember 2010 wurde der
Kostenvorschuss bezahlt.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 7. März 2011 die Abweisung des
Rekurses und der Beschwerde. Die Beschwerdebeteiligte hat stillschweigend auf eine
Vernehmlassung verzichtet.
Auf die von Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge gemachten
Ausführungen und die Akten wird, soweit notwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurs- und Beschwerdeerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde vom
28. September 2010 (Poststempel: 30. September 2010) sind rechtzeitig eingereicht
worden. Sie erfüllen in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 und Art. 224 Abs. 4 des Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG, bzw. Art. 6 der Verordnung des Eidgenössischen Finanzdepartements
über die Behandlung von Erlassgesuchen für die direkte Bundessteuer, SR 642.121,
abgekürzt: Steuererlassverordnung, in Verbindung mit Art. 2 lit. f und Art. 7 Abs. 1 der
Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1, abgekürzt:
Verordnung zum DBG; zur 30-tägigen Frist vgl. VRKE I/2-2009/22 + 53 vom 30. März
2010, E. 1). Auf den Rekurs und die Beschwerde ist einzutreten.
2.- a) Gemäss kantonalem Steuergesetz kann Steuerpflichtigen, die in Not geraten sind
oder für welche die Bezahlung der Steuern, der Zinsen, der Bussen oder der Kosten
eine grosse Härte bedeutet, der geschuldete Betrag gestundet oder ganz oder
teilweise erlassen werden (Art. 224 Abs. 1 StG). Auch das Bundesgesetz über die
direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt: DBG) kennt den Steuererlass. Dem
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Steuerpflichtigen, für den infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuer, eines Zinses
oder einer Busse wegen Übertretung eine grosse Härte bedeuten würde, können die
geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden (Art. 167 Abs. 1 DBG). Dem
Wesen nach handelt es sich beim Steuererlass um den nachträglichen Verzicht des
Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch. Anlass dazu
geben vor allem Rücksichten auf die Person des Schuldners. Dieser soll aus
humanitären, sozialpolitischen oder volkswirtschaftlichen Gründen nicht in seiner
wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden. Die Grundsätze einer gesetzmässigen
Verwaltung und der Rechtsgleichheit legen es allerdings nahe, dass der Gesetzgeber
klare Vorgaben schafft. Die Tendenz, den Steuererlass nicht mehr bloss dem freien
Ermessen der zuständigen Behörde anheim zu stellen, sondern von näher
umschriebenen Voraussetzungen abhängig zu machen und dann auch einen
eigentlichen, durchsetzbaren Rechtsanspruch zu begründen, setzt sich immer mehr
durch. Aus Gründen der rechtsgleichen Behandlung der Steuerpflichtigen muss der
Steuererlass jedoch eine seltene Ausnahme bleiben, welche nur unter bestimmten
Voraussetzungen gewährt wird (Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 11. Juni
2009, A-3663/2007, E. 2.2, publiziert in StR 2009 S. 672 ff.).
Während im Kanton St. Gallen keine näheren Vollzugsvorschriften auf Gesetzes- oder
Verordnungsstufe existieren, wird die Behandlung der Erlassgesuche auf Bundesebene
in der Steuererlassverordnung geregelt. Im Kanton St. Gallen sind weitere
Erläuterungen dem St. Galler Steuerbuch zu entnehmen (StB 224 Nr. 1).
Ziel und Zweck des Erlassverfahrens ist gemäss Art. 1 Steuererlassverordnung eine
langfristige und dauernde Sanierung der wirtschaftlichen Lage der steuerpflichtigen
Person. Der Erlass hat der steuerpflichtigen Person und nicht ihren Gläubigern zugute
zu kommen. Der Steuererlass ist ausschliesslich im Zusammenhang mit der
Steuervollstreckung zu verstehen. Es kann nicht darum gehen, die Begründetheit einer
Steuerforderung zu prüfen und allenfalls die Veranlagung zu korrigieren. Das
Erlassverfahren ersetzt weder das Rechtsmittel-, noch das Revisionsverfahren (Art. 1
Abs. 2 Steuererlassverordnung). Falls die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind,
besteht ein Anspruch auf Erlass der Steuerforderung (Art. 2 Abs. 1
Steuererlassverordnung). Dabei ist unerheblich, aus welchem Grund die
steuerpflichtige Person in die geltend gemachte Notlage geraten ist (Art. 2 Abs. 2
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Steuererlassverordnung, vorbehältlich Art. 10 Abs. 2 Steuererlassverordnung). Die
Erlassbehörde berücksichtigt bei ihrem Entscheid die gesamten wirtschaftlichen
Verhältnisse der steuerpflichtigen Person. Massgebend ist dabei in erster Linie die
Situation im Zeitpunkt des Entscheides, daneben auch die Entwicklung seit der
Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Aussichten für die
Zukunft (Art. 3 Abs. 1 Steuererlassverordnung). Übliche Schwankungen in den
Einkommensverhältnissen der steuerpflichtigen Person werden in der Veranlagung
periodisch erfasst und bilden keinen Erlassgrund. Hat sich die steuerpflichtige Person
freiwillig ihrer Einkommensquellen oder Vermögenswerte entäussert, so wird ein
solcher Einkommens- oder Vermögensrückgang bei der Beurteilung des Erlassgesuchs
nicht berücksichtigt (Art. 12 Steuererlassverordnung). Die Behörde überprüft, ob für die
steuerpflichtige Person Einschränkungen in der Lebenshaltung geboten und zumutbar
sind oder gewesen wären. Solche gelten grundsätzlich als zumutbar, wenn die
Auslagen die nach den Ansätzen für die Berechnung des betreibungsrechtlichen
Existenzminimums (Art. 93 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs,
SR 281.1, abgekürzt: SchKG) sich ergebenden Lebenshaltungskosten übersteigen.
Wäre eine fristgerechte Zahlung im Zeitpunkt der Fälligkeit möglich gewesen, so ist
dies im Erlassentscheid zu berücksichtigen (Art. 3 Abs. 2 und 3
Steuererlassverordnung).
Eine Notlage liegt vor, wenn der ganze geschuldete Betrag in einem Missverhältnis zur
finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht. Bei natürlichen
Personen ist ein Missverhältnis insbesondere dann gegeben, wenn die Steuerschuld
trotz Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das Existenzminimum in
absehbarer Zeit nicht vollumfänglich beglichen werden kann. In jedem Fall liegt eine
Notlage vor bei Einkommens- und Vermögenslosigkeit oder wenn die öffentliche Hand
für die Lebenshaltungskosten der steuerpflichtigen Person und deren Familie
aufkommen muss (Art. 9 Steuererlassverordnung).
Der Begriff der grossen Härte wird in der Verordnung nicht näher definiert. Er lässt sich
indessen von der Notlage nicht scharf abgrenzen. Art. 9 Steuererlassverordnung
erwähnt unter dem Titel der Notlage auch Punkte, welche gleichzeitig als Element der
grossen Härte bezeichnet werden könnten, etwa das Missverhältnis zwischen dem
geschuldeten Betrag und der finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen
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Person (Zweifel/Athanas, Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bd. I/2b, 2.
Aufl. 2008, N 18 zu Art. 167 DBG). Im Unterschied zum DBG nennt Art. 224 Abs. 1 StG
die grosse Härte als selbständige Erlassvoraussetzung. Während das Kriterium der
Notlage einzig die wirtschaftliche Lage der steuerpflichtigen Person berücksichtigt,
können unter dem Aspekt der grossen Härte auch andere Umstände massgebend sein,
namentlich die Unbilligkeit (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG,
2. Aufl. 2009, N 30 zu Art. 167 DBG).
b) Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin macht im Wesentlichen geltend, sie
beziehe nebst der AHV- und der Pensionskassenrente Ergänzungsleistungen. Da sie im
Altersheim keine Pflegeleistungen in Anspruch nehme, bezahle die Krankenkasse keine
Beiträge an den Heimaufenthalt. Bei der Berechnung für die Ergänzungsleistungen
werde bei Heimbewohnern mit Pflegestufe 0–2 ein monatlicher Betrag von Fr. 520.--
für persönliche Ausgaben berücksichtigt. Mit diesem Geld müsse die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin ihren persönlichen täglichen Lebensbedarf bewältigen. Dazu
zählten Ausgaben für Gesundheitsartikel, nicht kassenpflichtige Salben und
Verbandsmaterial für ihr Venenleiden, individuelle Toilettenartikel, Telefonkosten und
die Haftpflichtversicherung. Ferner müsse sie daraus Rückstellungen für die Brille
machen und ihr Hobby, das Sticken, finanzieren. Die Vorinstanz rechne bei ihr keinen
persönlichen Grundbedarf an, was unzulässig sei. Personen in den Pflegestufen 0–2
seien in der Regel aktiver und mobiler als solche mit einem höheren Pflegebedarf.
Wenn die Rekurrentin und Beschwerdeführerin aus diesem Betrag auch noch Steuern
bezahlen müsse, habe dies für sie gesundheitliche und soziale Folgen. Sie könne sich
Salben und Verbandsmaterial für ihr Venenleiden oder den Kauf einer neuen Brille nicht
mehr leisten. Die sozialen Kontakte zur Familie und dem sonstigen Umfeld via Telefon
oder vor Ort könnte sie kaum mehr pflegen.
Die Vorinstanz bringt zur Hauptsache vor, die Einkünfte der Rekurrentin und
Beschwerdeführerin von Fr. 4'933.-- (recte: Fr. 4'993.--) pro Monat seien unbestritten.
Deren Notbedarf setze sich aus der Heimtaxe von Fr. 4'167.--, der
Krankenkassenprämie von Fr. 261.80 und einer Pauschale für besondere
Aufwendungen von Fr. 360.-- zusammen. Der Ansatz der Rekurrentin für den
persönlichen Bedarf von Fr. 520.-- sei übersetzt. Im Betrag von Fr. 360.-- seien Fr.
150.-- für Krankheitskosten, Fr. 50.-- für Toilettenartikel, Fr. 50.-- für Freizeit und
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Hobby, Fr. 50.-- für Bekleidung, Schuhe und persönliche Gebrauchsgegenstände, Fr.
40.-- für den Coiffeur und je Fr. 10.-- für Versicherung und Telefongebühren enthalten.
Es resultiere ein Überschuss von Fr. 204.20 pro Monat, was eine Tilgung der
ausstehenden Steuerforderungen des Jahres 2009 in der Höhe von Fr. 1'692.15 als
möglich und zumutbar erscheinen lasse. Erschwerend komme hinzu, dass die
Rekurrentin und Beschwerdeführerin zwischen Juni 2009 und Januar 2011 keinen
Franken zur Tilgung von Steuerforderungen eingesetzt habe.
c) Entscheidend für das Vorliegen einer Notlage ist, ob die Rekurrentin und
Beschwerdeführerin – trotz Einschränkung der Lebenshaltungskosten auf das
Existenzminimum – nicht in der Lage ist, die noch offenen Steuerschulden von Fr.
1'692.15 für das Jahr 2009 mit ihren Einkünften in absehbarer Zeit vollumfänglich zu
tilgen. Die monatlichen Einkünfte bestehen aus der AHV-Rente von Fr. 2'145.--, der
Pensionskassenrente von Fr. 763.-- und den Ergänzungsleistungen von Fr. 2'085.--,
was zusammen Fr. 4'993.-- ergibt (act. 7/3).
Umstritten ist der Notbedarf der Rekurrentin und Beschwerdeführerin, den die
Beteiligten unterschiedlich berechnen:
Rekurrentin / Beschwerdeführerin Vorinstanz
Heimtaxe 4'167.00 4'167.00
Krankenkasse 261.80 261.80
Persönliche Auslagen 570.00 360.00
Total 4'998.80 4'788.80
Zu klären ist, welcher Betrag der Rekurrentin und Beschwerdeführerin nebst der
Heimpauschale für ihre persönlichen Auslagen zuzugestehen ist. Art. 10 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (SR 831.30, abgekürzt: ELG) sieht für Personen, die dauernd
oder längere Zeit in einem Heim oder Spital leben als anerkannte Ausgaben die
Tagestaxe des betreffenden Heimes oder Spitals sowie einen vom Kanton zu
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bestimmenden Beitrag für persönliche Auslagen vor. Die bei Aufenthalt im Heim oder
Spital nach dem Ergänzungsleistungsgesetz vom 22. September 1991 höchstens
anrechenbare Tagespauschale für Pension und Betreuung beträgt im Kanton St. Gallen
Fr. 180.-- (vgl. Art. 1 der Verordnung über die nach Ergänzungsleistungsgesetz
anrechenbare Tagespauschale, sGS 351.52). In Art. 3 Abs. 1 lit. a des kantonalen
Ergänzungsleistungsgesetzes (sGS 351.5, abgekürzt. ELG-SG) wird die
Jahrespauschale für die persönlichen Auslagen für den Kanton St. Gallen auf einen
Drittel des für Alleinstehende geltenden Betrages für den allgemeinen Lebensbedarf
nach Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG festgelegt. Jener liegt im Jahr 2011 bei Fr.
19'050.--. Die Jahrespauschale beträgt somit für das Jahr 2011 Fr. 6'350.--, was Fr.
530.-- pro Monat entspricht (vgl. act. 23).
Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin geht von monatlichen persönlichen Auslagen
in der Höhe von Fr. 570.-- aus (act. 7/1), während die Vorinstanz ihr lediglich Fr. 360.--
zugesteht. Für welche Auslagen der Betrag von Fr. 530.-- effektiv bestimmt ist –
insbesondere, ob damit auch die Steuern zu bezahlen sind –, wird nirgends näher
definiert. In einem aktuellen Entscheid, wo es um den Pauschalbetrag für persönliche
Auslagen von Heimbewohnern gemäss ELG ging, hat das Bundesgericht erwogen,
dass Steuerschulden ergänzungsleistungsrechtlich nicht als Ausgaben im Sinn von Art.
10 ELG anerkannt seien (Urteil des Bundesgerichts 9C_196/2010 vom 12. Mai 2010,
E. 2.1). Daraus folgt, dass mit dem Betrag für persönliche Auslagen, der als anerkannte
Ausgabe in Art. 10 Abs. 2 lit. b ELG aufgezählt wird, keine Steuerschulden zu decken
sind. Vielmehr ist dieses Geld explizit für persönliche Auslagen der Heimbewohner
reserviert. Würde man die Steuern einschliessen, stände dem einzelnen Heimbewohner
je nach Höhe seiner Steuerschuld, die von der Höhe seiner ordentliche Einkünfte (ohne
Ergänzungsleistungen) abhängig ist, unterschiedlich viel Geld zur Deckung seiner
persönlichen Auslagen zur Verfügung, was nicht sein kann und darf. Dass die Höhe des
Betrages mit Fr. 530.-- zur Deckung der persönlichen Auslagen nicht überrissen ist,
zeigen sowohl die Aufstellung der Rekurrentin und Beschwerdeführerin (act. 7/1) als
auch jene der Pro Senectute (act. 7/2). Dieser Betrag liegt zudem auch im Bereich der
Pauschale gemäss Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der Sozialhilfe
(herausgegeben von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe, abgekürzt: SKOS-
Richtlinien). Für Personen in stationären Einrichtungen ist dort für die nicht im
Pensionsarrangement enthaltenen Ausgabepositionen eine Pauschale zwischen Fr.
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255.-- und Fr. 510.-- vorgesehen. Die Höhe der Pauschale ist nach der körperlichen
und geistigen Mobilität abzustufen (B.2.3 der SKOS-Richtlinien). Nachdem die
Rekurrentin und Beschwerdeführerin keine Pflegeleistungen in Anspruch nimmt und
sowohl körperlich als auch geistig noch aktiv ist, rechtfertigt sich ein monatlicher
Betrag von Fr. 530.-- für die persönlichen Auslagen.
Dem Notbedarf der Rekurrentin und Beschwerdeführerin von monatlich Fr. 4'958.80,
der sich aus der Heimtaxe von Fr. 4'167.--, der Krankenkassenprämie von Fr. 261.80
und den persönlichen Auslagen von Fr. 530.-- zusammensetzt, stehen Einkünfte in der
Höhe von Fr. 4'993.-- gegenüber. Mit der Differenz von Fr. 34.20 ist die Abzahlung der
Steuerschulden des Jahres 2009 in der Höhe von Fr. 1'692.15 in absehbarer Zeit nicht
möglich und somit nicht zumutbar.
Das Vorhandensein von Vermögen schliesst einen Erlass nicht zwingend aus.
Entscheidend ist, ob dessen Verwertung für die Steuerzahlung im konkreten Einzelfall
zumutbar erscheint (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 31 zu Art. 167 DBG).
Das per 30. September 2010 ausgewiesene Vermögen der Rekurrentin und
Beschwerdeführerin betrug Fr. 3'445.95 (vgl. act. 7/7). Ein Verbrauch dieser minimalen
Notreserve für die Bezahlung der Steuerschulden ist nicht zumutbar. Eine
Überschuldung der Rekurrentin und Beschwerdeführerin liegt zudem nicht vor. Der
Steuererlass kommt deshalb direkt ihr und nicht anderen Gläubigern zugute.
d) Die Rekurrentin und Beschwerdeführerin befindet sich damit in einer Notlage im Sinn
von Art. 224 StG. Die Bezahlung der ausstehenden Steuern für das Jahr 2009 von Fr.
1'692.15 (Staats- und Gemeindesteuer sowie direkte Bundessteuer) steht in einem
Missverhältnis zu ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit. Hinzu kommt, dass die
Bezahlung dieses Betrags aufgrund der dauerhaften stark eingeschränkten finanziellen
Leistungsfähigkeit der Rekurrentin und Beschwerdeführerin für diese auch eine grosse
Härte bedeutet. Die Tatsache, dass die Rekurrentin und Beschwerdeführerin seit Juni
2009 keine Steuern mehr bezahlt hat, steht einem Erlass nicht entgegen, sondern ist
vielmehr damit zu erklären, dass keine Mittel dazu vorhanden waren. Der Rekurs und
die Beschwerde sind daher gutzuheissen, die angefochtene Entscheide vom 3.
September 2010 sind aufzuheben und der Rekurrentin und Beschwerdeführerin sind
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die Staats- und Gemeindesteuern 2009 im Umfang von Fr. 1'561.30 sowie die direkte
Bundessteuer 2009 im Umfang von Fr. 130.85 zu erlassen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu
tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP und Art. 144 Abs. 1 DBG). Angemessen ist eine
Entscheidgebühr von Fr. 500.-- (vgl. Art. 144 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 7 Ziff. 122
der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
500.-- ist der Rekurrentin und Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. Das Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung wird damit gegenstandslos.