Decision ID: ff1a5394-c1fe-4110-90d3-92519ddc2cad
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
"Es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger den Betrag von USD 1'500'000.00 zuzüglich 9% Zins seit 22. Februar 2011 zu , unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
Inhaltsverzeichnis
1. Formelles .................................................................................................... 3 2. Anwendbares Recht ................................................................................... 3 3. Zustandekommen eines Mäklervertrags ..................................................... 4 4. Bevollmächtigung ..................................................................................... 19 5. Zustimmung zur Doppelmäkelei? ............................................................. 31 6. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen ......................................... 32 7. Kosten- und Entschädigungsfolgen .......................................................... 32
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Beim Kläger handelt es sich um eine im Libanon wohnhafte natürliche Person. Er
ist Partner der C._, einer Wirtschaftsprüfungs- und Unternehmensberatungs-
gesellschaft mit Sitz in Beirut, Libanon.
Die Beklagte ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich, deren Zweck im Betrieb
aller Arten von Versicherungs- und ...versicherungsgeschäften besteht.
b. Prozessgegenstand
Mit der vorliegenden Klage macht der Kläger eine Mäklerprovision in der Höhe
von USD 1'500'000.– im Zusammenhang mit dem Erwerb einer libanesischen
Gesellschaft ("D._ SAL" [nachfolgend: "D._"]) durch die Beklagte gel-
tend.
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B. Prozessverlauf
Am 27. April 2016 (Datum Poststempel) reichte der Kläger die Klage mit obigen
Rechtsbegehren hierorts ein (act. 1; act. 2; act. 3/2-63). Den ihm mit Verfügung
vom 3. Mai 2016 (act. 4) auferlegten Gerichtskostenvorschuss leistete er fristge-
recht (act. 6). Mit Verfügung vom 25. Mai 2016 (act. 7) wurde der Beklagten Frist
zur Einreichung der Klageantwort angesetzt. Deren Erstattung erfolgte am
29. August 2016 (act. 9; act. 10; act. 11/1-36). An der Vergleichsverhandlung vom
2. Dezember 2016 konnte keine Einigung erzielt werden (Prot. S. 6 f.). Mit Verfü-
gung vom 3. Januar 2017 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet
(act. 19). Gleichzeitig wurde vom Kläger ein erneuter Gerichtskostenvorschuss
eingefordert, der wiederum fristgerecht hierorts einging (act. 21). Die Replik da-
tiert vom 13. März 2017 (act. 23; act. 24/64-78) und die Duplik vom 7. Juni 2017
(act. 27; act. 28/37-43). Die Parteien verzichteten schliesslich auf die Durchfüh-
rung der Hauptverhandlung (act. 35; act. 47). Das Verfahren erweist sich als
spruchreif. Die Durchführung eines Beweisverfahrens ist, wie zu zeigen sein wird,
nicht notwendig. Es kann ein Urteil ergehen (Art. 236 Abs. 1 ZPO). Auf die Partei-
vorbringen ist im Folgenden nur soweit für die Entscheidfindung notwendig einzu-
gehen.

Erwägungen
1. Formelles
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts blieben vorliegend
zu Recht unbestritten. Die Beklagte hat sich im Übrigen ausdrücklich auf das Ver-
fahren eingelassen.
2. Anwendbares Recht
Richtigerweise blieb auch unbestritten, dass auf den behaupteten Forderungsan-
spruch das Recht Libanons anzuwenden ist (Art. 117 IPRG; act. 1 RZ 42; act. 9
RZ 117). Der im Libanon wohnende Kläger macht gegenüber der Beklagten mit
Sitz in Zürich eine Forderung aus Vertrag geltend. Mangels einer Rechtswahl un-
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tersteht der Vertrag gemäss Art. 117 IPRG dem Recht des Staates, mit dem er
am engsten zusammenhängt, wobei der engste Zusammenhang in dem Staat
vermutet wird, in welchem die Partei, welche die charakteristische Leistung des
Vertrages erbringen soll, ihren gewöhnlichen Aufenthalt hat. Bei Aufträgen und
ähnlichen Dienstleistungsverträgen gilt dabei gemäss Art. 117 Abs. 3 lit. c IPRG
die Dienstleistung als charakteristische Leistung. Auf den Mäklervertrag kommt
somit das Recht des Erbringers der vertragstypischen Leistung, mithin das Recht
des Klägers als Vermittler, und damit libanesisches Recht zur Anwendung.
Die Beklagte beruft sich allerdings darauf, dass das Vertragsstatut nicht auf sämt-
liche Fragen anwendbar sei. In der Tat richtet sich die Frage der Bevollmächti-
gung nicht nach libanesischem, sondern nach schweizerischem Recht, da das
Gesellschaftsstatut, das heisst das Sitzrecht der Beklagten massgebend ist
(Art. 155 lit. i IPRG).
Die Frage der Beweislast gehört zur Iex causae (BSK ZGB I-LARDELLI, Art. 8 ZGB
RZ 92). Die Beweislast ist in Art. 132 der libanesischen Zivilprozessordnung ge-
regelt.
Die englische Übersetzung dieser Norm lautet wie folgt:
"The burden of proof lies on the one who is alleging the fact or the act. The fact or act intended to be proven should be pertinent to the dispute and be able to be proven."
oder übersetzt (act. 9 RZ 119):
"Die Beweislast trägt jener, der eine Tatsache oder Handlung . Die zu beweisende Tatsache muss für den Streit massgeblich und beweisbar sein."
Wie im schweizerischen Recht trägt somit der Ansprecher die Beweislast für an-
spruchsbegründende Tatsachen.
3. Zustandekommen eines Mäklervertrags
Der Kläger macht geltend, er habe mit der Beklagten Ende Januar 2010 / anfangs
Februar 2010 einen Mäklervertrag abgeschlossen. Aus diesem leitet er seine vor-
liegend eingeklagten Provisionsansprüche gegen die Beklagte ab.
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3.1. Libanesisches Recht
Art. 291–297 des libanesischen Handelsgesetzbuches ("Code of Commerce",
nachfolgend "CoC") regeln den Mäklervertrag. Art. 291 Abs. 1 CoC definiert den
Mäklervertrag als Vertrag gemäss dem der Mäkler gegen Bezahlung eines Mäk-
lerlohns den Auftrag erhält, Gelegenheit zum Abschluss eines Vertrages nachzu-
weisen oder den Abschluss eines Vertrages zu vermitteln. Der Begriff "vermitteln"
i.S.v. Art. 291 ff. CoC wird dabei aus dem Arabischen auch übersetzt mit "jeman-
dem als Mittelsmann für den Abschluss eines Vertrages dienen" (act. 3/36;
Art. 291–297 Code of Commerce (englische Übersetzung); act. 3/37, EMILE TYAN,
Droit Commercial, Tome II, Beyrouth 1970, p. 447-449). Art. 293 Abs. 1 CoC sieht
vor, dass der Mäkler einen Vergütungsanspruch erhält, sobald der Vertrag infolge
des Nachweises oder der Vermittlung des Mäklers zustande gekommen ist. Die
Höhe einer solchen Vergütung bestimmt sich primär nach dem übereinstimmen-
den Willen der Parteien (Art. 292 Abs. 1 CoC).
Für das Zustandekommen eines Vertrags braucht es nach dem Recht des Liba-
nons den Austausch gegenseitig übereinstimmender Willenserklärungen im Sinne
eines Konsens (NAMMOUR ET AL., Droit des obligations, droit français – droit liba-
nais, Perspectives européennes et internationales, Brüssel/Paris/Beirut 2006, RZ
69 mit französischer Übersetzung von Art. 178 CoC). Mit anderen Worten muss
die zeitlich erste Willenserklärung, d.h. der Antrag, mit der nachfolgenden Wil-
lenserklärung, d.h. der Annahme, in sämtlichen wesentlichen Punkten überein-
stimmen (NAMMOUR ET AL., a.a.O., RZ 69, 74). Eine ewige Bindungswirkung eines
Antrags kennt das libanesische Recht nicht (vgl. NAMMOUR ET AL., a.a.O., RZ 69).
Diese Grundsätze ergeben sich auch aus dem klägerischerseits eingereichten Ur-
teil des Appellationsgerichts von Beirut vom 28. Februar 2011 (act. 3/42), wo es
wörtlich heisst: "Whereas the commission does not need to be explicit or by writ-
ing, and it could be done implicitly by the behavior of the person that commis-
sioned towards the broker and the efforts the latter does for the benefit of the for-
mer". Die Rechtslage im Libanon ist damit mit der hiesigen vergleichbar.
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3.2. Parteistandpunkte
Der Kläger führt aus, E._ habe F._ mit E-Mail vom 28. Januar 2010,
11:30 Uhr, mitgeteilt, dass die Unterstützung durch den Kläger beim Kauf und die
Vermittlung eines Treffens mit den Aktionären der D._ möglich sei. Der Ver-
mittler würde aber nur aktiv werden, wenn er eine Vermittlungsgebühr von 2.5
Prozent des Kaufpreises erhielte (act. 1 RZ 11). In einer weiteren E-Mail vom
gleichen Tag, 12:15 Uhr, habe E._ gegenüber F._ präzisiert, dass die
Vermittlungsgebühr von 2.5 Prozent nur bei erfolgreichem Kauf der D._ an-
fallen würde:
act. 3/6 (E-Mail vom 28. Januar 2010, 11:30 Uhr): "Dear F._
Re "D._ SAL"
The people in charge in said company are ready to meet with the B1._ representatives in Beirut any time within the fifteen coming days, besides Tuesday Feb.2, and Wednesday Feb.3, where they will be out of the town.
Kindly let them decide the date suitable to them, and let me know in order to assist them for the first contact.
Sincerely,
E._
N.B. The middle man in this transaction requests 21⁄2 per cent of the transaction figure. He will help to put together the points of view during the negotiations, beside the fact that he got the proposal."
act. 3/6 (E-Mail vom 28. Januar 2010, 12:15 Uhr): "(...). Further to my today's e-mail please note that obviously the 2,5% would be due only in case the negotiations are successful and the parties reach an agreement (...)."
Die beiden E-Mails seien durch F._ an G._, CFO des Bereichs Mittlerer
Osten der Beklagten, mit der Aufforderung, E._ direkt zu kontaktieren, wei-
tergeleitet worden (act. 1 RZ 12). Mit E-Mail vom 28. Januar 2010, 13:01 Uhr, sei
G._ – in Kenntnis der vom Kläger für seine Unterstützung verlangten Mäkler-
provision – an E._ gelangt und habe ihm mitgeteilt, dass die Beklagte gerne
ein Treffen mit der potentiellen Verkäuferschaft abhalten würde (act. 1 RZ 13):
act. 3/8 "E._
I wanted to call you but I don't have a contact number and can't reach F._.
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H._ (CEO Middle East) and I would like to meet with representatives from the Company on Thursday 4th February in Beirut. Are you able to give me a call to discuss?
(...)."
Erst nachdem E._ dem Kläger durch Zustellung seiner E-Mails mit der Be-
klagten den Nachweis erbracht habe, dass die Beklagte die Forderung des Klä-
gers nach einer Mäklerprovision von 2.5 Prozent im Falle eines erfolgreichen Ab-
schlusses kannte und durch das Ersuchen um Vermittlung einer Kontaktnahme
mit der Verkäuferschaft in Kenntnis dieser Forderung nach einer Mäklerprovision
auch akzeptiert habe, habe der Kläger die gewünschte Besprechung auch organi-
siert (act. 1 RZ 14).
E._ habe gleichentags, d.h. immer noch am 28. Januar 2010, mit F._ te-
lefoniert und ihm anlässlich dieses Gesprächs noch einmal bestätigt, dass es sich
beim von ihm genannten "middle man" um den Kläger handle, der mit seiner Wirt-
schaftsprüfungsgesellschaft auch der Revisor der zu verkaufenden Gesellschaft
sei (act. 23 RZ 18).
Die ausdrückliche Annahme der Offerte des Klägers zum Abschluss eines Mäk-
lervertrages sei schliesslich dadurch erfolgt, dass E._ am 29. oder 30. Janu-
ar 2010 telefonisch an den Kläger gelangt sei und diesem mitgeteilt habe, man sei
einverstanden und nehme die Offerte an und er solle die Besprechung einberufen
bzw. mit der Verkäuferschaft organisieren (act. 23 S. 12 f. RZ 26).
Die Beklagte bestreitet das Zustandekommen eines Mäklervertrages. Sie bringt
insbesondere vor, dass aus dem E-Mail-Verkehr der Abschluss eines Mäklerver-
trags nicht hervorgehe (act. 9 RZ 130). Auf den Teil der E-Mails von E._, wo-
rin er einen "middle man" und dessen Provisionsanspruch erwähne, habe die Be-
klagte nicht geantwortet. G._ habe einzig mitgeteilt, dass er und H._
gerne die Verkäuferschaft in Beirut treffen wollten (act. 9 RZ 132). Auch die vom
Kläger behaupteten Telefongespräche vom 29. Januar würden bestritten. Jeden-
falls sei an diesen Gesprächen keine Annahme einer Offerte des Klägers erfolgt.
Im Übrigen bestreitet sie auch die Vertretungsmacht von E._, H._ und
G._; auch F._ sei nur kollektivzeichnungsberechtigt gewesen und habe
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somit allein keine Verpflichtungen und Verträge für die Beklagte eingehen kön-
nen.
3.3. Offerte des Klägers?
Wie erwähnt, braucht es für das Zustandekommen eines Vertrags – auch nach
dem Recht des Libanons – den Austausch gegenseitig übereinstimmender Wil-
lenserklärungen, also eine Offerte und eine daraufhin erfolgende Annahme dieser
Offerte.
3.3.1. E-Mails von E._ vom 28. Januar 2010
Der Kläger betrachtet offenbar die vorstehend im Wortlaut wiedergegebenen E-
Mails vom 28. Januar 2010 von E._ (act. 3/6) als Offerte an die Beklagte. Die
Offerte ging somit aber nicht vom Kläger persönlich aus, sondern von E._,
einem Rechtsanwalt im Libanon, und sie war an F._ gerichtet. F._ sei
damals zuständig für die Aktivitäten der Beklagten im Libanon gewesen.
Der Kläger äussert sich nicht näher dazu, inwiefern es sich bei den E-Mails
E._ vom 28. Januar 2010 (act. 3/6) um eine Offerte handelt, die von ihm
ausging. Er behauptet auch nicht, dass E._ als sein Vertreter gehandelt ha-
be. Er sieht in E._ vielmehr einen Vertreter der Beklagten (act. 23 S. 20). Er
verneint auch ausdrücklich, dass E._ als Bote gehandelt habe (act. 23 S.
20). Dieser habe vielmehr als Vertreter der Beklagten in der Folge explizit die An-
nahme der Offerte durch die Beklagte erklärt (act. 23 S. 20). Unter diesen Um-
ständen können die E-Mails E._ vom 28. Januar 2010 (act. 3/6) jedoch nicht
als Offerten des Klägers betrachtet werden. Diese könnten nur dann als eine Of-
ferte des Klägers angesehen werden, wenn behauptet würde, E._ habe als
Vertreter oder Bote des Klägers gehandelt, was dieser jedoch ausdrücklich ver-
neint. Aufgrund der klägerischen Behauptungen müssten die fraglichen E-Mails
E._ vom 28. Januar 2010 als interne Korrespondenz der Beklagten betrach-
tet werden.
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3.3.2. Telefongespräch E._ mit dem Kläger vom 27. Januar 2010
Es stellt sich somit die Frage, ob der Kläger eine als Offerte zu betrachtende Wil-
lenskundgabe gegenüber der Beklagten in rechtsgenügender Weise behauptet
hat. Der Kläger schildert in der Replikschrift eine Kontaktnahme E._ mit dem
Kläger vom 27. Januar 2010 wie folgt (act. 23 S. 7): E._ habe den Kläger am
27. Januar 2010 telefonisch kontaktiert und ihn angefragt, ob er bereit sei, die Be-
klagte bei der Transaktion als Vermittler zu unterstützen und die von G._
gewünschte Besprechung zu organisieren. Der Kläger habe unter der Bedingung
zugesagt, dass er im Falle des erfolgreichen Abschlusses der Transaktion eine
Provision von 2.5 Prozent des Kaufpreises von der Beklagten erhalten würde. Da-
raufhin habe E._ dies mit Mail vom 28. Januar 2010 F._ (act. 3/6) mitge-
teilt.
Es ist zu prüfen, ob der Kläger mit diesen Vorbringen seiner Substantiierungs-
pflicht genügt. Eine genügende Offerte muss nämlich alle wesentlichen Vertrags-
punkte enthalten und insbesondere auch die Leistungen, vorliegend des Klägers,
umschreiben. Die Beklagte weist zu Recht auf das bei den Akten liegende Partei-
gutachten des Klägers hin (act. 27 RZ 99), das mehrere mögliche Leistungspro-
gramme eines Mäklers nach libanesischem Recht auflistet (act. 24/73 S. 13 f.).
Eine nähere Umschreibung der Leistungen des Klägers wäre daher erforderlich
gewesen und gehört zu den essentialia negotii; lediglich die Nennung der Höhe
des verlangten Mäklerlohnes stellt keine genügende Offerte dar. Ohne genügen-
de Behauptungen zu den Leistungen des Klägers ist es der Gegenseite und dem
Gericht auch unmöglich zu prüfen, ob der Kläger tatsächlich all seinen Pflichten
nachgekommen ist und er sich so seinen Provisionsanspruch verdient hat. Auch
eine Aufklärung über seine Rolle als Doppelmäkler wäre für eine genügende Of-
ferte notwendig gewesen.
Es fehlt somit an substantiierten Vorbringen des Klägers bezüglich des Inhalts
seiner Offerte. Bereits dies führt zur Klageabweisung.
Sodann stellt sich die Frage, ob eine an E._ gerichtete Offerte als Offerte an
die Beklagte betrachtet werden. Dies wäre nur dann der Fall, wenn E._ als
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bevollmächtigter Vertreter der Beklagten handeln konnte, was unter Erwägung 4.
noch zu prüfen sein wird.
Wie darzulegen sein wird, ist die Klage aber auch noch aus anderen Gründen ab-
zuweisen.
3.4. Annahme der Offerte durch Beklagte?
3.4.1. Ausdrückliche Annahme durch E._
3.4.1.1. Parteistandpunkte
Der Kläger behauptet, die Beklagte habe die Offerte und Mitwirkung des Klägers
explizit akzeptiert, indem sie E._ beauftragt habe, dem Kläger mitzuteilen,
man sei einverstanden und nehme die Offerte an und er solle die Besprechung
mit der Verkäuferschaft organisieren (act. 23 S. 12 f. RZ 26). E._ sei darauf-
hin am 29. oder 30. Januar 2010 telefonisch an den Kläger gelangt. Vorgängig
habe am 29. Januar 2010 ein Telefongespräch stattgefunden, an welchem
E._, H._ und G._ das weitere Vorgehen besprochen hätten.
E._ habe den für die Beklagte handelnden H._ und G._ erklärt,
dass es sich bei demjenigen, der das Treffen organisieren könnte, um den Revi-
sor der D._ handle. Er habe nochmals erklärt, dass dieser auch der "middle
man" in der Transaktion sei, der schon den Tipp gegeben habe und nur tätig wer-
den würde, wenn er für seine Mithilfe bei der Transkation bei Vertragsabschluss
bezüglich der Übernahme der D._ eine Provision von 2.5 Prozent auf dem
Verkaufspreis erhalten würde. ln Kenntnis all dieser Umstände hätten H._
und G._ die Dienste des "middle man" zu den von ihm genannten Bedingun-
gen akzeptiert und entsprechend E._ angewiesen, den Kläger zu den von
diesem verlangten Bedingungen zu beauftragen (act. 23 S. 11 RZ 24).
Die Beklagte bestreitet eine ausdrückliche Annahme der Offerte des Klägers. Sie
erachtet insbesondere das vom Kläger behauptete Telefongespräch vom 29. Ja-
nuar 2010, an welchem E._, H._ und G._ teilgenommen hätten, als
durch den Kläger "ersonnen" (act. 27 31). Dieses habe zwar stattgefunden, doch
seien lediglich Formalien des geplanten Treffens mit den Vertretern vom 4. Feb-
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ruar 2010 besprochen worden (act. 27 RZ 37, 38 ff.). Dies ergebe sich aus einer
E-Mail vom 29. Januar 2010 (act. 11/4):
act. 11/4 "E._
Thanks for the call just now. As discussed H._ and I will arrive Wednesday and will meet with you for dinner. I._ will confirm our itinerary.
We will then meet with the CEO and the Company auditor at 11 am Thursday.
lf you could please confirm the names of the auditor and ceo we would be grateful.
Thanks in advance
Kind regards,
G._"
Im Übrigen habe H._ am Telefongespräch vom 29. Februar 2010 nicht teil-
genommen (act. 27 RZ 36), zumal damals in Dubai ein freier Wochenendtag ge-
wesen sei (act. 27 RZ 37).
Sodann bestreitet sie die Vertretungsmacht von E._, H._ und G._;
auch F._ sei nur kollektivzeichnungsberechtigt gewesen und habe somit al-
lein keine Verpflichtungen und Verträge für die Beklagte eingehen können.
3.4.1.2. Würdigung
Das Zustandekommen eines Mäklervertrages ist vom Kläger darzutun und zu be-
weisen.
Der Kläger unterlässt es, in genügender Weise darzutun, was anlässlich des von
ihm behaupteten Telefongesprächs vom 29. oder 30. Januar 2010 zwischen ihm
und E._ bezüglich des Vertragsinhalts im Einzelnen besprochen wurde. Er
führt lediglich aus, er habe E._ gebeten, ihm zu bestätigen, dass seine Be-
auftragung durch die Beklagte in Kenntnis seiner Bedingungen erfolgte und diese
damit anerkannt seien. E._ habe dem Kläger mündlich die Beauftragung
durch die Beklagte bestätigt und dem Kläger zum Nachweis, dass die Beklagte
vollumfänglich über seine Bedingungen informiert war und er in Kenntnis dieser
Bedingungen beauftragt war, die E-Mails vom 28. Januar 2010 zwischen ihm und
der Beklagten bzw. zwischen den seitens der Beklagten involvierten Personen
vom selben Datum (act. 3/6-8) übergeben. Erst nach Erhalt dieser E-Mails und
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der Bestätigung, dass die Beklagte seine Offerte angenommen habe, habe der
Kläger mit der Organisation der ersten Besprechung begonnen (act. 23 S 12 RZ
25). Dass über etwas anderes als die Bedingungen des Klägers, d.h. seinen Mäk-
lerlohn gesprochen wurde, insbesondere über die Pflichten und Leistungen des
Klägers, wird nicht dargelegt. Auch bei der Annahme einer Offerte gilt, dass diese
alle wesentlichen Vertragspunkte enthalten muss. Lediglich durch die Bestätigung
des Mäklerlohns, ohne dass eine Einigung über die vom Kläger geschuldeten
Gegenleistung erfolgt ist, kann kein Mäklervertrag zustande kommen.
Der Nachweis des Zustandekommens eines Mäklervertrages scheitert daher be-
reits dadurch, dass genügend substantiierte Behauptungen des Klägers über den
Inhalt des Mäklervertrages fehlen, wie oben ausgeführt.
Im Übrigen überzeugen auch die klägerischen Vorbringen bezüglich eines Tele-
fongesprächs vom 29. Januar 2010, an welchem E._, H._ und G._
teilgenommen hätten, nicht. Die Beklagte legt mit act. 11/4 eine E-Mail von
G._ vom 29. Januar 2010 ins Recht, welche aufgrund ihres Wortlautes ein-
deutig nach dem Telefonat vom 29. Januar 2010 abgefasst wurde und dieses zu-
sammenfasst (act. 11/4, oben im Wortlaut wiedergegeben).
In dieser E-Mail finden sich weder eine Bestätigung des klägerischen Vortrags
noch überhaupt irgendwelche Ansatzpunkte, die gewichtige Diskussionsthemen
erahnen liessen. Aus der E-Mail selbst ergibt sich vielmehr, dass damals rein for-
melle Aspekte, wie die Reiseplanung, ein gemeinsames Abendessen und weitere
Daten, telefonisch zwischen G._ und E._ erörtert wurden. Dies blieb
schliesslich auch vom Kläger unbestritten und überzeugt, war doch ein Treffen mit
den Exponenten der D._ zum damaligen Zeitpunkt erst geplant.
Des Weiteren fragte G._ seitens der Beklagten E._ mit der nämlichen
Mail nach dem Namen des Revisors der D._, der an der Besprechung vom
4. Februar 2010 teilnehmen würde. Es erscheint nicht schlüssig, dass beide Per-
sonen wenige Augenblicke zuvor, wie dies der Kläger geltend macht, über die
Doppelrolle des Klägers als Revisor und Mäkler gesprochen hatten. Ansonsten
wäre der Beklagten respektive G._ der Name des Klägers geläufig gewesen
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und sie hätte nicht noch einmal nachfragen müssen. E._ antwortete im Übri-
gen mit Schreiben vom 1. Februar 2010 (act. 11/5) auf die Frage von G._
und stellte den Kläger als Revisor – und nicht etwa als "middle man" oder "Mäk-
ler" – der D._ vor.
Eine weitere Inkongruenz im klägerischerseits vorgetragenen Sachverhalt lässt
sich darin erkennen, dass der 29. Januar 2010 ein Freitag und damit in Dubai, wo
H._ damals unbestrittenermassen wohnte und arbeitete, ein Wochenendtag
war. Es ist daher fraglich, ob H._ ebenfalls dem Telefonat vom 29. Januar
2010 beiwohnte, wie dies der Kläger ausführt, zumal er in der E-Mail vom
28. Januar 2010, 13:01 Uhr, auch nicht erwähnt wird (act. 3/8: "Are you [E._]
able to give me [G._] a call?").
Der Kläger offerierte als Beweis zum behaupteten Telefongesprächs vom
29. bzw. 30. Januar 2010 zwischen ihm und E._ die Zeugenaussagen von
E._ sowie seine eigene Parteiaussage (act. 23 S. 12 RZ 25).
Die Aussagen von E._ wären nur mit grösster Zurückhaltung zu würdigen
und hätten einen äusserst geringen Beweiswert. E._ forderte selbst eine
Vermittlungsprovision in der Höhe der auch hier streitgegenständlichen Grösse
von 2.5 Prozent des Verkaufspreises der D._ von deren Aktionären ein
(act. 9 RZ 20; act. 23 RZ 91; act. 27 RZ 64). Er verfolgte somit bei der Transakti-
on eigene Interessen. Seine Zeugenaussage wäre damit mit grösster Zurückhal-
tung zu würdigen und es würde für den Beweis einer Annahme der Offerte nicht
genügen, wenn E._ die Behauptungen des Klägers bestätigen würde. Das
Gleiche gilt für die Parteiaussage des Klägers. Unter diesen Umständen ist auf
die Einvernahme von E._ als Zeugen sowie die Befragung des Klägers zu
verzichten. Damit misslingt der Beweis des Akzepts durch E._ eines mit dem
Kläger geführten Telefongesprächs vom 29. oder 30. Januar 2010.
3.4.1.3. Zwischenfazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Nachweis des Zustandekommens
eines Mäklervertrages einerseits bereits dadurch scheitert, dass genügend sub-
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stantiierte Behauptungen des Klägers über den Inhalt des Mäklervertrages fehlen
und andererseits dem Kläger der Beweis für die ausdrückliche telefonische An-
nahme des Mäklervertrages durch E._ nicht gelungen ist.
3.4.2. Konkludente Annahme?
3.4.2.1. Parteistandpunkte
Eventualiter beruft sich der Kläger sodann auf eine konkludente Annahme der Of-
ferte. In der Klageschrift sieht der Kläger eine konkludente Annahme bereits in der
Terminvereinbarung für den 4. Februar 2010. So sei G._ am 28. Januar 2010
in Kenntnis der vom Kläger verlangten Kommission an E._ gelangt und habe
diesen um ein Treffen mit der potentiellen Verkäuferschaft der D._ gebeten
(act. 1, Rz 13; act 3/8).
In der Replik erklärt der Kläger, die Beklagte habe die Offerte des Klägers implizit
spätestens dadurch angenommen, dass sie – nach der ersten Besprechung mit
Repräsentanten der D._ vom 4. Februar 2010 – den Kläger in den Verhand-
lungen im Hinblick auf den Abschluss des Vertrages mit der D._ als Vermitt-
ler eingesetzt habe (act. 23 RZ 27 und 44). Dies ergebe sich namentlich aus ei-
ner E-Mail vom 11. Februar 2010 (act. 3/9), in der sich H._ namens der Be-
klagten für das Treffen vom 4. Februar 2010 beim Kläger bedanke und mitteile,
wie die weiteren Schritte in der geplanten Transaktion rund um die D._ aus-
sehen würden (act. 23 RZ 52). Auch sei es in der Folge verschiedentlich zu In-
struktionen des Klägers durch die Beklagte gekommen. Beispielsweise habe
G._ mit E-Mail vom 20. April 2012 [recte: 20. April 2010] dem Kläger den
Auftrag erteilt, eine Liste von Dokumenten und Informationen zu beschaffen, wel-
che die Beklagte für die Transaktion benötigt habe (act. 1 RZ 19).
Die Beklagte bestreitet einen konkludenten Vertragsschluss. Eine Kontaktauf-
nahme mit dem Kläger habe zwar stattgefunden, er habe jedoch stets als Vertre-
ter der Verkäuferschaft gehandelt (z.B. act. 9 RZ 173).
Sodann sei die Identität des ominösen "middle man" der Beklagten niemals offen-
gelegt worden. Ein Mäklervertrag mit einem unbekannten Mäkler könne nicht
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rechtsverbindlich abgeschlossen werden, weil die Kenntnis von dessen Identität
subjektiv und objektiv essentiell sei, und zwar auch unter dem Recht des Liba-
nons.
Sodann sei der Kläger im Rahmen der Verhandlungen über den Erwerb der
D._ (inklusive der Due Diligence-Prüfung) stets als Revisor der D._ so-
wie als Vertreter bzw. Finanzberater der Verkäuferschaft involviert gewesen. Er
habe dies selbst gegenüber dem Transaktionsteam von H._ so bestätigt.
Zudem habe die Beklagte nach Abschluss der Transaktion erfahren müssen, dass
der Kläger nicht nur als Revisor und Finanzberater, sondern auch als Vermittler
bzw. Mäkler der Verkäuferschaft tätig gewesen sei und von dieser eine Kommis-
sion erhalten habe.
Im Übrigen verfüge die Beklagte als multinational tätige Gesellschaft über erfah-
rene Mitarbeiter auf dem M&A-Gebiet, weshalb nur in Ausnahmefällen externe
Vermittlungsdienstleistungen herangezogen würden. Sofern dies dennoch ge-
schehe, würden dafür in detaillierten Vertragswerken spezialisierte Investment-
banken mandatiert. Die Vorgehensweise des Klägers sei nicht nur unüblich, son-
dern auch ein Verstoss gegen das interne Regelwerk der Beklagten, denn in sol-
chen Fällen müsse ein schriftlicher von zwei zeichnungsberechtigten Personen
unterschriebener Vertrag abgeschlossen werden.
3.4.2.2. Würdigung
Ein Mäklervertrag kann gemäss libanesischem Recht formfrei und damit sowohl
mündlich als auch konkluden abgeschlossen werden. Als konkludent abgeschlos-
sen gilt ein Mäklervertrag insbesondere bei wissentlicher Duldung der Tätigkeit
des Mäklers durch den Auftraggeber (act. 3/42; Judgement number 276, dated
28/2/2011, Beirut Court of Appeal - 4th,President Souheil Abboud - Assessors
Zeina Bautras and Roua Harndan [arabisches Urteil und freie englische Überset-
zung des libanesischen Korrespondenzanwalts]).
Unbestrittenermassen war der Kläger als Mäkler für die Verkäufer der libanesi-
schen Gesellschaft tätig (act. 1 RZ 52; act. 3/50). Ausserdem war er deren Revi-
- 16 -
sor (z.B. act. 23 RZ 120). Die klägerischerseits dargelegten impliziten Annahme-
handlungen der Beklagten stehen damit immer in einem Spannungsverhältnis zu
den weiteren Tätigkeiten des Klägers. Es wäre daher an ihm gewesen, substanti-
iert aufzuzeigen, inwiefern sein Wirken tatsächlich die Erfüllung des zwischen ihm
und der Beklagten bestehenden Mäklervertrags war und nicht einfach die Erfül-
lung weiterer, von ihm eingegangener vertraglicher und / oder gesellschaftsrecht-
licher Verpflichtungen. Der Beklagten ist insoweit zuzustimmen (z.B. act. 9 RZ
170). Mit anderen Worten lässt sich aus der erzwungenermassen notwendigen
Involvierung des Klägers in die Transaktion – eben als Mäkler der Verkäuferschaft
und / oder Revisor der D._ – noch nicht der automatische Schluss auf ein
bestehendes oder abgeschlossenes Vertragsverhältnis mit der Beklagten ziehen.
Hierfür bräuchte es zusätzliche Sachverhaltselemente, die der Kläger aber nicht
hinreichend substantiiert dartut. Er schliesst aus seiner Involvierung nämlich be-
reits auf das Akzept der Beklagten. Aus dem blossen Bedanken (act. 23 RZ 52)
oder der Aufforderung zur Einreichung weiterer Unterlagen (act. 1 RZ 19 ff.) und
ähnlichen Tätigkeiten ist – entgegen der Auffassung des Klägers – folglich noch
keine Annahme der Beklagten abzuleiten. Ein Rechtsbindungswillen der Beklag-
ten auf Abschluss eines Mäklervertrags ist diesen Handlungen nicht inhärent.
Aber auch aus dem E-Mail-Verkehr Ende Januar 2010 ergibt sich keine konklu-
dente Annahme einer Offerte. Die klägerischerseits angerufenen – vornestehend
im Wortlaut wiedergegebenen – E-Mails von E._ (act. 3/6) sind in zwei Teile
gegliedert: Einerseits thematisiert die E-Mail vom 28. Januar 2010, 11:30 Uhr, Da-
tumsvorschläge für ein Treffen in Beirut mit Vertretern der D._ und anderer-
seits wird mit "N.B." auf den "middle man" und dessen Provisionsansprüche hin-
gewiesen. Die Beklagte reagierte in zeitlich unmittelbarer Folge auf diese beiden
E-Mails (act. 3/8). Sie nahm in ihrer elektronischen Antwort aber mit keinem Wort
Bezug auf den zweiten Teil der E-Mail, der vorliegend relevant ist. Vielmehr wähl-
te sie aus den gegebenen Datumsvorschlägen ein für sie passendes Datum für
eine Besprechung mit der Verkäuferschaft der D._, nämlich den 4. Februar
2010 aus, und teilte dies E._ mit. Eine inhaltliche Bezugnahme zu einer auch
von der Beklagten gewünschten Mäklertätigkeit des Klägers bzw. dem zweiten
Teil der Nachricht von E._ findet sich nicht. Die knapp gehaltene Antwort der
- 17 -
Beklagten verweist lediglich auf weitergehenden Diskussionsbedarf zwischen den
involvierten Personen.
Schweigen auf eine Offerte bedeutet sodann auch im libanesischen Recht im Re-
gelfall keine Zustimmung.
"L'acceptation peut être, comme l'offre, expresse ou tacite, mais le silence, à lui seul, ne saurait valoir acquiescement."
(RENÉ ALGRIN, in: PIERRE CATALA/ANDRÉ GERVAIS [Hrsg.], Le droit libanais, tome I,
Paris 1963, S. 268; act. 11/32);
"Le silence ne dit rien."
(ELIAS ABOU EID, Code des Obligations et des contrats, Le contrat, 2011;
act. 11/33).
Ausnahmen von diesem Prinzip beziehen sich auf bereits vorbestehende Ge-
schäftsbeziehungen und in Rechnungen eingefügte Klauseln nach Lieferung der
Ware. Beide Ausnahmen sind im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Zwischen der Be-
klagten und dem Kläger hat es keinerlei vorbestehende Geschäftsbeziehungen
gegeben.
Das Stillschweigen der Beklagten nach Erhalt der E-Mail vom 28. Januar 2010
kann daher auch nach libanesischem Recht nicht als Annahme einer Offerte ge-
wertet werden.
Insgesamt ergibt sich deshalb aus der E-Mail vom 28. Januar 2010 noch kein
Rechtsbindungswillen der Beklagten.
3.4.2.3. Kenntnis der Vermittlerrolle des Klägers?
Eine wissentliche Duldung oder konkludente Genehmigung der Tätigkeit eines
Mäklers durch den Auftraggeber setzt voraus, dass der Auftraggeber Kenntnis
von der Person des Mäklers und dessen Mäklertätigkeit hat.
Es stellt sich deshalb die Frage, ob die Beklagte von der Person des "middle
man" und dessen Mäklertätigkeit Kenntnis hatte. Vorliegend war im E-Mailverkehr
- 18 -
zwischen E._, F._ und G._ stets von einem nicht namentlich be-
nannten "middle man" die Rede.
Der Kläger behauptet, F._, H._, G._ und E._ sei die "Funktion
des Klägers als Vermittler (middle man)" bekannt gewesen (act. 1 Rz 15). Wäh-
rend er dies in der Klageschrift nicht näher substantiierte, stellt er nun in der Rep-
likschrift detailliertere Behauptungen auf, inwiefern die Beklagte vor Aufnahme der
Mäklertätigkeit des Klägers von dessen Eigenschaft als Mäkler betreffend die
D._-Transaktion Kenntnis erlangt hätte. So sei F._ am 28. Januar 2010
anlässlich einer nachträglichen telefonischen Bestätigung die Identität des Klä-
gers als "middle man" mitgeteilt und dieser gleichzeitig als Revisor vorgestellt
worden (act. 23 RZ 18). Für diese Behauptung beruft er sich auf E._ und
F._ als Zeugen.
Die Beklagte bestreitet, die Identität des "middle man" gekannt zu haben und
dass F._, G._, H._ oder die Beklagte vom Kläger bzw. von
E._ – oder von irgendjemand anderem – darüber aufgeklärt worden seien,
dass es sich bei diesem "middle man" um den Kläger gehandelt hätte. Das The-
ma des "middle man" bzw. der Mäklerprovision im Falle eines Erwerbs der
D._ durch die Beklagte sei im Anschluss an die fraglichen E-Mails von
E._ vom 28. Januar 2010 (act. 3/6) gegenüber der Beklagten weder vom
Kläger noch von E._ je wieder aufgegriffen bzw. weiter diskutiert worden.
In der Tat spricht etwa die bereits erwähnte E-Mail vom 29. Januar 2010 (9:42
Uhr) (act.11/4) dagegen, dass G._ von der Vermittlungsrolle des Klägers
Kenntnis hatte. Dieser erkundigte sich dabei nach den Namen des CEO sowie
des Revisors der D._.
Wäre G._ bekannt gewesen, dass der Kläger der ominöse "middle man" war,
so wäre ihm sicherlich auch bekannt gewesen, dass dieser gleichzeitig auch Re-
visor der D._ war. Wenn jemand einen Vermittler engagiert, so informiert er
sich üblicherweise auch über die Person des Vermittlers und dessen Tätigkeiten,
insbesondere über dessen Beziehungen zum Verkäufer und dem Verkaufsobjekt.
Die E-Mail vom 29. Januar 2010 (9:42 Uhr) spricht somit dafür, dass G._
- 19 -
nicht gewusst hat, dass der Revisor und der "middle man" ein und dieselbe Per-
son, nämlich der Kläger A._, war.
Auch E._ legte dies nicht offen. ln seiner Antwort auf die vorgenannte Anfra-
ge von G._ vom 29. Januar 2010 teilte E._ nämlich mit, dass an der Be-
sprechung vom Donnerstag, 4. Februar 2010, auf Seiten der Verkäuferschaft der
Verwaltungsratspräsident J._, der Revisor A._ sowie der Chef der
Rechtsabteilung K._ der D._ teilnehmen würden. Die Besprechung wer-
de im Büro des Revisors stattfinden (Schreiben vom 1. Februar 2010; act. 11/5).
"[ ... ] The Thursday meeting will be attended by MM. J._ (Chairman of the ), A._ (Auditor) and K._ (Attorney at Law - Head of legal Department). The meeting will take at the auditor premises. [ ... ]"
E._ gab also keinerlei Hinweise darauf, dass der Kläger der ominöse "middle
man" gewesen sein soll. Vielmehr wurde der Kläger lediglich als Revisor der
D._ vorgestellt.
Letztlich kann aber die Frage, ob die Beklagte Kenntnis von der Person des "mi-
ddle man" hatte, offen gelassen werden, da bereits aus anderen Gründen eine
konkludente Annahme des Mäklervertrages nicht nachgewiesen wurde.
3.5. Fazit
Es ist zu keinem Zeitpunkt ein Mäklervertrag zwischen dem Kläger und der Be-
klagten zustande gekommen. Die Klage ist daher auch aus diesem Grund abzu-
weisen.
Selbst wenn eine vertragliche Einigung nachgewiesen worden wäre, müsste die
Klage aus nachfolgenden Gründen abgewiesen werden.
4. Bevollmächtigung
4.1. Parteibehauptungen
4.1.1. Kläger
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Der Kläger behauptet, dass H._ und G._ von der Beklagten bevollmäch-
tigt gewesen seien, die Transaktion im Libanon zur Übernahme der D._
durchzuführen. Nur deshalb habe F._ alle Mails in dieser Sache auch sofort
direkt an H._ und G._ weitergeleitet und diese nach Erhalt der Mitteilung
von E._ betreffend eines "middle man" aufgefordert, mit E._ direkt in
Kontakt zu treten.
Aber auch der Rechtsanwalt E._ sei von der Beklagten in der Transaktion
eingesetzt und zur Annahme der Offerte ermächtigt worden. ln einer E-Mail von
G._ an E._ vom 24. Februar 2010 (act.24/66) erklärte dieser nämlich
ausdrücklich, dass die Beklagte E._ weiterhin involviert behalten wolle, da
man der Ansicht sei, dass seine lnvolvierung die Erfolgschancen deutlich erhöhen
würden (act. 24/66: "We would also really like to keep you involved as we think
that your involvement will greatly enhance our chances of success."). Auch aus
einer weiteren E-Mail von G._ an E._ vom 21. März 2010 (act. 24/67)
gehe hervor, dass E._ bereits vor Ende März 2010 von der Beklagten beauf-
tragt gewesen sei, sie in der Transaktion zu unterstützen. Denn G._ erklärte
gegenüber E._ ausdrücklich, dass er im Rahmen der Übernahme der
D._ weiterhin für die Beklagte tätig bleiben solle.
F._ sei zum fraglichen Zeitpunkt und auch noch heute im Handelsregister
des Kantons Zürich als Vertreter der Beklagten eingetragen. Er sei damals zu-
ständig für die Aktivitäten der Beklagten im Libanon gewesen und damit seit Jah-
ren die Hauptansprechperson von E._ in allen Angelegenheiten der Beklag-
ten, welche den Libanon betroffen hätten. F._ habe am 27. Januar 2010
E._ gefragt, ob er jemanden kenne, der bei der Transaktion helfen könne
und am 28. Januar 2010 die E-Mails mit der Antwort von E._ und den Bedin-
gungen des Klägers erhalten und weitergeleitet.
Aber selbst wenn sich eine explizite Bevollmächtigung der handelnden Personen
zum Abschluss eines Mäklervertrages mit dem Kläger nicht nachweisen liesse,
wäre der Vertrag zwischen dem Kläger und der Beklagten nach Meinung des Klä-
gers zustande gekommen, da der Kläger in seinem Vertrauen auf die Vertre-
tungsmacht der Repräsentanten der Beklagten im Libanon zu schützen wäre. Mit
- 21 -
ihrem Verhalten habe die Beklagte zumindest den Anschein erweckt, dass die für
sie im Libanon auftretenden Personen die Beklagte in dieser Angelegenheit ver-
treten konnten. Es liege daher zumindest eine Anscheins- oder Duldungsvoll-
macht vor und der Kläger sei auf jeden Fall in seinem guten Glauben zu schützen.
Es sei rechtsmissbräuchlich, im Nachhinein die Bezahlung der mit dem Kläger
vereinbarten Provision mit dem Argument zu verweigern, die handelnden Perso-
nen seien nicht zeichnungsberechtigt gewesen.
4.1.2. Beklagte
Die Beklagte macht geltend, dass auch deshalb kein Mäklervertrag mit dem Klä-
ger habe zustande kommen können, weil die involvierten und handelnden Perso-
nen die Beklagte nicht hätten rechtsgültig vertreten können.
Dass ein Vertrag mit einem Kommissionsvolumen von rund USD 1'500'000.– nur
mündlich oder gar konkludent abgeschlossen werde, widerspreche auch allen all-
gemein anerkannten Regeln eines professionellen Risikomanagements sowie der
verkehrsüblichen good corporate governance. Gemäss der B1._ Risk Policy
vom 10. Dezember 2009, Ziff. 1.2.5 (act. 11/15), müssten alle Geschäfte, die eine
Verpflichtung von mehr als CHF 20'000.– zu Lasten der B1._-Gesellschaft
nach sich ziehen, von zwei Zeichnungsberechtigten unterschrieben werden (Ziff.
3.5 der lnstructions on Signing Authority vom 21. März 2001). Dies impliziere logi-
scherweise zugleich, dass derartige Geschäfte schriftlich abgefasst sein müssten.
Dieses Vieraugenprinzip bzw. Zwei-Unterschriften-System wurde und werde auch
stets gelebt, insbesondere auch im Libanon. Die verhandlungsführenden Perso-
nen seien keine Organe der schweizerischen Beklagten und nicht ermächtigt ge-
wesen, zu deren Lasten einen Mäklervertrag mit einer Kommissionssumme im
Millionenbereich abzuschliessen. Auch habe diesbezüglich keine Anscheinsvoll-
macht bestanden. G._ und H._ seien erst vor Abschluss des Share
Purchase Agreement von der Beklagten gehörig bevollmächtigt, den Aktienkauf-
vertrag mit Wirkung für die Beklagte zu unterzeichnen.
4.2. Rechtliches
- 22 -
Wie erwähnt, richtet sich die Frage, wer die Beklagte rechtsgültig vertreten konnte
und ob eine Anscheinsvollmacht bestand, nicht nach libanesischem, sondern
nach schweizerischem Recht, dem Gesellschaftsstatut, das heisst dem Sitzrecht
der Beklagten (Art. 155 lit. i IPRG).
Gesellschaften werden durch ihre Organe vertreten (Art. 55 Abs. 2 ZGB). Ausser-
dem können im Handelsregister Handlungsbevollmächtigte (Prokura) eingetragen
werden (Art. 458 OR), welche ebenfalls für die Firma zeichnungsberechtigt sind.
Nach Art. 718a Abs. 2 i.V.m. Art. 933 Abs. 1 OR kann sich grundsätzlich auch ein
gutgläubiger Dritter nicht darauf berufen, eine im Handelsregister eingetragene
Beschränkung der Vertretungsmacht nicht gekannt zu haben.
Nach der Rechtsprechung (BGE 123 III 220 E. 3a S. 223; 106 II 346 E. 4a S. 351)
und Lehre (BSK OR II-WATTER Art. 718a OR RZ 22; BSK OR II-ECKERT, Art. 933
OR RZ 7; HEINZ SCHÄRER, Die Vertretung der Aktiengesellschaft durch ihre Orga-
ne, Diss. Freiburg 1981, S. 129 f.) kann von dieser Regel nur ausnahmsweise ab-
gewichen und der gute Glaube des Dritten an die Vertretungsmacht einer nicht im
Handelsregister eingetragenen Person nur geschützt werden, wenn der Dritte
aufgrund einer entsprechenden (fahrlässigen) Kundgabe der Gesellschaft an-
nehmen durfte, eine Bevollmächtigung sei erfolgt bzw. die Vertretungsbefugnis
sei erweitert worden, namentlich wenn die Gesellschaft mehrfach Einzelhandlun-
gen eines Kollektivvertreters akzeptierte. Mit der Eintragung der Einschränkung
einer Vertretungsbefugnis auf die Kollektivunterschrift im Handelsregister kann
sich die Gesellschaft gegen die Gefahr der Bindung an in Kompetenzüberschrei-
tungen ihrer Organe zustande gekommene Geschäfte besser schützen. Die Ver-
tragspartner der Gesellschaft können sich durch Einsicht in das Handelsregister
ohne Weiteres Kenntnis von den Vertretungsverhältnissen verschaffen. Eine Aus-
legung von Art. 718a Abs. 2 und Art. 933 Abs. 1 OR, welche das Vertrauen der
Vertragspartner in die Vertretungsmacht des für die Gesellschaft handelnden Or-
gans unter den gleichen Voraussetzungen schützt, unter denen im bürgerlichen
Verkehr eine Anscheins- oder Duldungsvollmacht angenommen wird, wäre mit
der Zwecksetzung dieser Bestimmungen nicht zu vereinbaren (vgl. BGE 120 II
http://www.rwi.uzh.ch/elt-lst-vogt/gesellschaftsrecht/lawdisp/menu.php?dbase=gesellschaftsrecht&gesetz=ZGB&artikel=55 http://relevancy2.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F123-III-220%3Ade&number_of_ranks=0#page220 http://relevancy2.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F106-II-346%3Ade&number_of_ranks=0#page346 http://relevancy2.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-II-197%3Ade&number_of_ranks=0#page197
- 23 -
197 E. 2b/bb S. 201; Urteil des Bundesgerichts vom 21. Oktober 1999, publiziert
in SJ 2000 I S. 198 ff., E. 3c S. 199).
4.3. Würdigung
4.3.1. Handeln im Namen der Beklagten?
Im Zeitraum, in welchem der Mäklervertrag abgeschlossen worden sein soll (Ja-
nuar/Februar 2010), waren weder H._ noch G._ noch E._ im Han-
delsregister als Organe oder handelsrechtliche Bevollmächtigte der Beklagten
eingetragen. F._ war zwar im Handelsregister eingetragen, seine Vertre-
tungsbefugnis war jedoch auf eine Kollektivprokura zu zweien beschränkt.
H._, war damals CEO der B2._, Middle East, Dubai, welche gemäss
unbestrittenen Angaben der Beklagten eine eigenständige juristische Person war
(act. 9 RZ 86). G._ war CFO der B2._, Region Middle East, Dubai.
Beide traten auch während der Transaktion in dieser Funktion gegenüber dem
Kläger und der Verkäuferschaft auf. Dies ergibt sich insbesondere aus der E-Mail-
Korrespondenz (z. B. act. 3/8–3/10; 3/12–3/14; 3/18 und 3/19).
Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus den vom Kläger eingereichten Kopien
der Visitenkarten von H._ und G._ (act. 24/68). H._ wird dort im Ti-
tel als CEO Middle East bezeichnet. Darunter steht: "B2._ Ltd., B1._ Ltd."
sowie die Adresse in Dubai.
Es wird also nur auf Gesellschaften in Dubai verwiesen. Ein genügender Hinweis
darauf, dass H._ auch die Beklagte, mit Sitz in Zürich, vertritt, ist daraus nicht
ersichtlich, zumal keine Adresse in Zürich angeführt wird. Allein der Zusatz
"B1._ Ltd." weist ihn nicht in genügend klarer Weise als Vertreter der Beklag-
ten aus. Bei G._ fehlt ein entsprechender Zusatz.
Im Übrigen legt der Kläger auch nicht dar, wann ihm diese Visitenkarten überge-
ben worden seien. Vorliegend wäre allein der Kenntnisstand des Klägers vor Ab-
http://relevancy2.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-II-197%3Ade&number_of_ranks=0#page197
- 24 -
schluss des behaupteten Mäklervertrages, also Ende Januar 2010, massgebend
dafür, in wessen Namen H._ und G._ gehandelt haben. Dass dem Klä-
ger die fragliche Visitenkarte Ende Januar 2010 übergeben wurde, wird nicht be-
hauptet. Damals bestand auch lediglich ein telefonischer Kontakt sowie Korres-
pondenz per E-Mail, allerdings nur zwischen E._ und G._ (act. 3/8)
Es fehlen somit genügende Anhaltspunkte dafür, dass H._ und G._ im
Zeitraum des behaupteten Abschlusses eines Mäklervertrages, also Ende Janu-
ar/Anfangs Februar 2010, im Namen der und für die Beklagte(n) auftraten.
Im Übrigen unterlässt es der Kläger auch, in genügend substantiierter Weise dar-
zutun, inwiefern G._ und H._ damals (Ende Januar / anfangs Februar
2010) gegenüber dem Kläger im Namen der Beklagten aufgetreten seien. Soweit
er sich auf Dokumente beruft, die erst später erstellt wurden, wie etwa der E-Mail
von G._ an E._ vom 24. Februar 2010 (act. 24/66) und dem Preliminary
Proposal vom Mai 2010 (act. 24/70), kann daraus für den massgeblichen Zeit-
punkt des behaupteten Abschlusses eines Mäklervertrages nichts abgeleitet wer-
den.
4.3.2. Zwischenfazit
Es ist somit davon auszugehen, dass G._ und H._ im massgeblichen
Zeitraum (Januar/Februar 2010) gegenüber dem Kläger (bzw. gegenüber
E._) nicht im Namen der Beklagten, sondern in ihren Funktion als CEO bzw.
CFO der B2._, Region Middle East, Dubai, aufgetreten sind. Diese war ge-
mäss unbestrittenen Angaben der Beklagten eine eigenständige juristische Per-
son (act. 9 RZ 86).
Eine rechtsgültige Vertretung der Beklagten scheitert somit bereits aus diesem
Grund. Nur Handlungen, welche im Namen des Vertretenen vorgenommen wur-
den, können diesem zugerechnet werden (sofern auch die übrigen Voraussetzun-
gen gegeben sind).
- 25 -
Damit würde es sich erübrigen, zu prüfen, ob auch die weiteren Voraussetzungen
für eine Bevollmächtigung gegeben sind. Dennoch ist im Folgenden (im Sinne ei-
ner Eventualbegründung) auf die weiteren Voraussetzungen einzugehen.
4.3.3. Bevollmächtigung von H._ und G._?
Soweit der Kläger behauptet, H._ und G._ seien von der Beklagten be-
vollmächtigt gewesen, einen Mäklervertrag abzuschliessen bzw. über E._
abschliessen zu lassen (act. 23 S. 69 RZ 137 am Schluss), so unterlässt er es,
dies in rechtsgenügender Weise zu substantiieren: Er legt nicht dar, wer seitens
der Beklagten welche Personen wann auf welche Weise wofür bevollmächtigt hat
und wer dies wann auf welche Weise gegenüber dem Kläger kundgetan hat. Mit
der Behauptung, dass H._ und G._ ausdrücklich mit der Transaktion
beauftragt waren, kommt der Kläger seiner Substantiierungspflicht nicht nach.
Selbst wenn H._ und G._ in der Folge mit Wissen der Beklagten Ver-
handlungen führten und von dieser beauftragt waren, die Transaktion vorzuberei-
ten, so bedeutet dies keineswegs, dass sie Ende Januar 2010/anfangs Februar
2010 ermächtigt waren, mit dem Kläger einen Mäklervertrag über einen kommis-
sionsberechtigen Betrag von rund CHF 1.5 Mio. abzuschliessen. In den vom Klä-
ger erwähnten später erstellten Dokumenten (act. 24/66 und 24/70) lassen sich
auch keinerlei Hinweise für eine Bevollmächtigung für den Abschluss eines Mäk-
lervertrages finden; ein Mäklervertrag wird dort nirgends erwähnt.
Auch eine Kundgabe der Bevollmächtigung wird vom Kläger in keiner Weise dar-
getan. Die Kundgabe durch einen Vertreter wäre nicht genügend, da eine solche
von Seiten des Vertretenen kommen muss.
Es ist daher festzuhalten, dass eine genügende Substantiierung einer ausdrückli-
che Bevollmächtigung von H._ und G._ fehlt. Unter diesen Umständen
kann eine Abnahme weiterer Beweismittel zu dieser Frage unterbleiben.
4.3.4. Bevollmächtigung von E._s?
Der Kläger ist der Ansicht, dass auch E._ als bevollmächtiger Vertreter der
Beklagten zu betrachten sei. Er unterlässt es jedoch, in genügend substantiierter
- 26 -
Weise zu behaupten, inwiefern dieser im Zusammenhang mit der Annahme der
Offerte namens und mit Vertretungsmacht der Beklagten gehandelt hat. Er ver-
weist darauf, dass F._ im Hinblick auf eine mögliche Übernahme der
D._ E._ am 27. Januar 2010 per E-Mail kontaktiert und diesen um Un-
terstützung gebeten habe (act. 3/5: "Dear E._, further to our discussion re-
garding the above topic, could you assist?"). Daraufhin habe E._ am 28. Ja-
nuar 2010 zwei E-Mails an F._ versandt, welche nach Meinung des Klägers
die Offerte für den Abschluss eines Mäklervertrages enthalten. Der Anfrage um
Unterstützung lässt sich in keiner Weise eine Bevollmächtigung E._, einen
Mäklervertrag abzuschliessen, entnehmen.
Der Kläger ist offenbar der Ansicht, E._ sei von H._ und G._ beauf-
tragt worden, die Offerte des Klägers anzunehmen. Nachdem diese selber nicht
bevollmächtigt waren, für die Beklagte Verträge einzugehen, konnten diese auch
keinen Dritten ermächtigen, Verträge für die Beklagte abzuschliessen.
Eine Vollmachtskundgabe muss vom Vertretenen ausgehen. Der Kläger behaup-
tet nicht, die Beklagte habe im massgeblichen Zeitraum gegenüber dem Kläger
kundgetan, E._ sei berechtigt, sie im Zusammenhang mit dem Abschluss ei-
nes Mäklervertrages zu vertreten. Die Beklagte hatte damals gar keinen Kontakt
zum Kläger.
Eine gültige Bevollmächtigung der Beklagten, welche E._ ermächtigte, einen
Mäklervertrag abzuschliessen, fehlt somit.
4.3.5. Anscheins- oder Duldungsvollmacht
Der Kläger beruft sich sodann auf eine Anscheins- oder Duldungsvollmacht. Wie
dargelegt, ergibt sich die Vertretungsbefugnis bei einer Aktiengesellschaft in ers-
ter Linie aus dem Handelsregistereintrag. Aufgrund der positiven Publizitätswir-
kung des Handelsregisters gemäss Art. 933 Abs. 1 OR kann sich grundsätzlich
auch ein gutgläubiger Dritter nicht darauf berufen, den Handelsregistereintrag
nicht gekannt zu haben. Von dieser Regel kann nach Lehre und Rechtsprechung
nur ausnahmsweise abgewichen und der gute Glaube des Dritten an die Vertre-
- 27 -
tungsmacht einer nicht im Handelsregister eingetragenen Person nur dann ge-
schützt werden, wenn der Dritte aufgrund einer fahrlässigen Kundgabe der Ge-
sellschaft annehmen durfte, die Vertretungsbefugnis sei gegeben bzw. erweitert
worden.
Das Verhalten der Aktiengesellschaft muss auch unter Berücksichtigung der Mög-
lichkeit des Dritten, in das Handelsregister Einsicht zu nehmen, als rechtsmiss-
bräuchlich erscheinen (Art. 2 Abs. 2 ZGB), so dass die Berufung der Gesellschaft
auf den Handelsregistereintrag das Vertrauen der Rechtsgenossen auf ein redli-
ches und sachangemessenes Verhalten enttäuscht.
Voraussetzung für den Gutglaubensschutz sind somit eine fahrlässig verursachte
Kundgabe der Aktiengesellschaft, aus der der Dritte nach Vertrauensprinzip auf
eine Bevollmächtigung schliessen darf, sowie der gute Glaube des Dritten.
Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht gegeben.
Massgeblich für die Beurteilung ist der Zeitpunkt, in dem der fragliche Mäklerver-
trag zustande gekommen sein soll, also die Zeit bis Ende Januar/Anfangs Februar
2010. In diesem Zeitraum sind keine Handlungen der Beklagten dargetan, die als
Willenskundgabe der Beklagten, sich durch H._, G._ oder E._ ver-
treten zu lassen, gewertet werden könnten. Die einzige Handlung, die behauptet
wird, ist die Weiterleitung der E-Mail E._ vom 28. Januar 2010, 14.56 Uhr,
von F._ an G._ mit folgendem Wortlaut (act. 3/7):
"Dear G._,
please find below E._'s answer. Feel free to contact him directly.
Should you need assistance frome me - just let me know."
Aus der blossen Weiterleitung der E-Mails von E._ an G._ und H._
kann nicht der Schluss gezogen werden, der Kläger hätte in guten Treuen davon
ausgehen dürfen, letztere Personen seien von der Beklagten ermächtigt worden,
einen Mäklervertrag abzuschliessen. Darin kann keine Willenskundgabe gegen-
über dem Kläger erblickt werden, war diese doch nicht an den Kläger, sondern an
G._ gerichtet. Interner E-Mail-Verkehr begründet noch keine Vertrauens-
- 28 -
grundlage zur Annahme einer Bevollmächtigung. Es fehlt offensichtlich am Tatbe-
standsmerkmal einer Vollmachtskundgabe.
Auch inhaltlich nimmt die E-Mail von F._ keinerlei Bezug zum Nachsatz (PS)
der E-Mail E._ vom 28. Januar 2010, wo darauf hingewiesen wird, dass ein
"middle man" 2.5 Prozent verlange. Hinzu kommt, dass F._ für die Klägerin
nur kollektivzeichnungsberechtigt war.
Andere Willenskundgaben der Beklagten im Zeitraum, als der Mäklervertrag ge-
mäss klägerischer Behauptung zustande gekommen sein soll, werden vom Kläger
nicht behauptet.
Auch der Umstand, dass H._ und G._ CEO bzw. CFO der B2._,
Middle East, Dubai, waren, konnte ebenfalls kein berechtigtes Vertrauen des Klä-
gers begründen, dass diese auch ermächtigt waren, die Beklagte rechtsgültig zu
vertreten, zumal die B2._, Middle East, Dubai, gemäss unbestrittenen Anga-
ben der Beklagten eine eigenständige juristische Person war.
Das spätere Verhalten der Beklagten ist für die Frage, ob diese Ende Januar / an-
fangs Februar 2010 eine Vollmacht für den Abschluss eines Mäklervertrages mit
dem Kläger erteilt und kundgegeben hat, nicht relevant. Insoweit ist auch die am
20. Mai 2010 von H._ (als CEO Middle East) zusammen mit L._, Corpa-
rate Legal Advisor der Beklagten, unter Verwendung des offiziellen Briefpapiers
der Beklagten unterzeichnete Absichtserklärung an die Verkäuferschaft für die
Übernahme der D._ für den Abschluss eines Mäklervertrages irrelevant.
Wie bereits erwähnt, kann der Kläger aus der Verwendung der Visitenkarte nichts
zu seinen Gunsten ableiten (E. 4.3.1).
Für den Gutglaubensschutz fehlt vorliegend somit eine fahrlässig verursachte
Kundgabe der Vertretungsmacht G._s und H._s durch die Beklagte,
aber auch der gute Glaube des Klägers.
Im Übrigen wäre es dem Kläger auch durchaus zuzumuten gewesen, die Vertre-
tungsverhältnisse durch Einsicht in das Handelsregister abzuklären. Über das In-
- 29 -
ternet hatte er auch im Libanon die Möglichkeit, dies ohne Weiteres abzuklären.
Er hätte auch die Möglichkeit gehabt, von der Beklagten eine schriftliche Voll-
macht zu verlangen. Angesichts der Bedeutung des Geschäfts hätte es auch den
geschäftlichen Gepflogenheiten entsprochen, einen schriftlichen Mäklervertrag
abzuschliessen.
4.3.6. Zwischenfazit
Aus diesen Gründen kann der Kläger keinen Gutglaubensschutz beanspruchen,
und das Vorliegen einer Anscheins- oder Duldungsvollmacht ist zu verneinen. Die
Berufung der Beklagten auf die positive Publizitätswirkung des Handelsregis-
tereintrags erscheint vorliegend nicht als rechtsmissbräuchlich.
4.4. Eventualstandpunkt: Spätere Ratifizierung des Mäklervertrages
Vorliegend beruft sich der Kläger darauf, dass selbst wenn H._ und G._
weder eine explizite Vollmacht der Beklagten gehabt hätten, noch eine An-
scheins- oder Duldungsvollmacht angenommen würde, die Beklagte ihre sämtli-
chen Handlungen auf dem Weg zum Vertragsabschluss mit der Unterzeichnung
des Kaufvertrages über die Aktien der D._ ratifiziert hätte und die Mäklerpro-
vision auch deshalb geschuldet werde (act. 23 RZ 49). Die Beklagte habe seit
Beginn der Verhandlungen von E._ gewusst, dass und zu welchen Konditio-
nen ein "middle man" bereit war, bei den Verhandlungen zwischen den Parteien
zu vermitteln. Der Kläger verweist dabei auf das von ihm eingeholte Parteigutach-
ten (act. 24/73 S. 24 und 26).
Die Beklagte bestreitet eine nachträgliche Ratifizierung bzw. Genehmigung des
Mäklervertrages.
Die Frage, ob ein ohne Vollmacht abgeschlossener Vertrag durch nachträgliche
Genehmigung Gültigkeit erlangt, ist nicht nach dem Vertragsstatut und somit nicht
nach libanesischem, sondern nach Schweizer Recht zu beurteilen. Es handelt
sich um eine Frage des Vertretungsrechts, das nach dem Recht am Sitz der Ver-
tretenen (Gesellschaftsstatut; Art. 155 lit. i IPRG) zu beurteilen ist. Die Ausführun-
gen im Parteigutachten des Klägers, wonach mit Unterzeichnung des Share
- 30 -
Purchase Agreement "alle Schritte und Verhandlungen auf dem Weg dorthin" rati-
fiziert worden seien (act. 23 RZ 49; act. 24/73 S. 24), sind daher vorliegend nicht
relevant.
Im Schweizer Recht wird die nachträgliche Genehmigung vollmachtslosen Han-
delns in Art. 38 OR geregelt: Hat jemand, ohne dazu ermächtigt zu sein, als Stell-
vertreter einen Vertrag abgeschlossen, so wird der Vertretene gemäss Art. 38
Abs. 1 OR nur dann Schuldner, wenn er den Vertrag genehmigt. Ist zwischen den
Parteien streitig, ob der Vertretene durch eine bestimmte Erklärung eine Geneh-
migung vorgenommen hat, und steht nicht fest, dass sich die Parteien tatsächlich
richtig verstanden haben, ist die Erklärung nach dem Vertrauensprinzip so auszu-
legen, wie sie nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten
Umständen nach Treu und Glauben verstanden werden durfte und musste (BGE
132 III 268 E. 2.3.2 S. 274 f. mit Hinweisen).
Vorliegend ist zwischen zwei separaten Vertragsverhältnissen, dem Mäklervertrag
und dem Aktienkaufvertrag (Purchase Agreement vom 7. Oktober 2010,
act. 11/23), zu unterscheiden. Im Kaufvertrag wird in keiner Weise auf einen allfäl-
ligen Mäklervertrag Bezug genommen. Der Kläger war auch nicht Vertragspartei
des Aktienkaufvertrages.
Die Bevollmächtigung von H._ und G._ (act. 11/19) den Kaufvertrag zu
unterzeichnen, erfolgte erst am 5. Oktober 2010, also wenige Tage vor Abschluss
des Kaufvertrages und ausdrücklich nur im Hinblick auf den Kauf der Aktien der
D._. Auch in diesem Dokument wird nicht auf den Mäklervertrag Bezug ge-
nommen.
Eine nachträgliche Genehmigung des Mäklervertrages kann nach Treu und Glau-
ben weder aus der Vollmacht (act. 11/19) noch aus dem Kaufvertrag (11/23) ab-
geleitet werden.
Bereits im "Preliminary Proposal" (act. 24/70), das am 20. Mai 2010 von H._
(als CEO Middle East) zusammen mit L._, Corporate Legal Advisor der Be-
klagten (damals im Handelsregister des Kantons Zürich als für die Beklagte kol-
- 31 -
lektivzeichnungsberechtigt eingetragen, act. 11/17), unterzeichnet wurde, war
festgehalten worden, dass die Unterbreitung eines definitiven Angebots sowie der
endgültigen Bedingungen der Transaktion die Einholung der internen Genehmi-
gung der Beklagten voraussetzen würden: "The submission of a definitive propo-
sal as well as the final terms of the Transaction would require further internal ap-
provals" (act. 24/70 S. 4). Auch in diesem Dokument wird nicht Bezug auf den
Mäklervertrag genommen und es könnte daraus ebenfalls keine nachträgliche
Genehmigung eines allfälligen Mäklervertrages abgeleitet werden, selbst wenn
darin festgehalten wird: "We have received all internal approvals required to au-
thorise the submission of this Preliminary Proposal". Die Genehmigungen (internal
approvals) bezogen sich also lediglich auf das "Preliminary Proposal" und es wird
ausdrücklich festgehalten, dass für den endgültigen Vertrag weitere Genehmi-
gungen erforderlich sind. Eine Genehmigung des Mäklervertrages lässt sich auch
daraus nicht ableiten.
Auch aus der E-Mail von G._ an E._ vom 24. Februar 2010 (act. 24/66)
kann in keiner Weise eine Genehmigung eines Mäklervertrages abgeleitet wer-
den. Dort wird festgehalten: "We have the necessary internal approvals to pro-
ceed [. . .]." Auch eine allfällige Beauftragung zur Führung von Verhandlungen
bedeutet keineswegs, dass damit auch ein allfälliger Mäklervertrag genehmigt
wird. Auch in diesem Dokument finden sich keinerlei Hinweise auf einen Mäkler-
vertrag. Eine Ermächtigung zur Verhandlungsführung bedeutet nicht automatisch
die Ermächtigung, Verträge abzuschliessen oder zu genehmigen.
4.5. Zwischenfazit
Der Kläger kann somit auch keine nachträgliche Genehmigung eines allfälligen
Mäklervertrages nachweisen.
5. Zustimmung zur Doppelmäkelei?
Es ist unbestritten, dass der Kläger von der Verkäuferseite eine Mäklerprovision
erhalten hatte (act. 1 RZ 52; act. 3/50). Mit der vorliegenden Klage fordert er zu-
sätzlich eine Provision von der Beklagten als Käuferin der D._. Es liegt damit
- 32 -
ein Fall von Doppelmäkelei vor, der nach Art. 294 des libanesischen Code de
commerce zu beurteilen ist (vgl. den Wortlaut in act. 9 RZ 139). Die Beklagte legt
unter Berufung auf die libanesische Rechtspraxis zutreffend dar (act. 9 RZ 136 ff.;
act. 27 RZ 148 f.), dass die Doppelmäkelei bei potentiell gegenläufigen Interessen
nur mit ausdrücklicher Zustimmung beider Vertragsparteien zulässig ist. Bei einer
Tätigkeit des Mäklers sowohl für die Käufer- als auch Verkäuferschaft wird dies
regelmässig der Fall sein. Es obliegt damit dem Kläger darzutun, wann und in
welcher Form diese Zustimmung der Beklagten erteilt wurde. Dies unterlässt er
aber. Vielmehr vermischt er bei der Erläuterung der entsprechenden Frage, As-
pekte des Zustandekommens des Mäklervertrags zwischen ihm und der Beklag-
ten und der separaten Zustimmung der Beklagten, welche bei Doppelmäkelei vor-
liegen muss (act. 23 RZ 50 ff.). Dies führt ebenfalls zur Klageabweisung.
6. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen
Der Kläger kann das Zustandekommen eines Mäklervertrags zwischen ihm und
der Beklagten nicht nachweisen. Auch der Nachweis der Vertretungsmacht der für
die Beklagten handelnden Personen lässt sich nicht erbringen. Angesichts der
vorliegenden Doppelmäkelei wäre ausserdem die Zustimmung der Beklagten ein-
zuholen gewesen, was aufgrund der unklaren Parteivorbringen aber nicht ge-
schehen ist. Die Klage ist daher aus mehreren Gründen abzuweisen.
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Sowohl die Festsetzung der Gerichtsgebühr als auch die Festsetzung der Partei-
entschädigung richten sich in erster Linie nach dem Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a
GebV OG; § 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Der Streitwert wird im Grundsatz durch das
Rechtsbegehren bestimmt (Art. 91 Abs. 1 ZPO). In casu beträgt er
USD 1'500'000.– (entsprechend CHF 1'453'080.– per Klageeinleitung), woraus
eine ordentliche Gerichtsgebühr von CHF 35'000.– resultiert. Diese ist angesichts
der Durchführung einer Vergleichsverhandlung, der zahlreichen Verfügungen, der
Komplexität des Verfahrens und der Anwendung ausländischen Rechts auf
CHF 47'000.– zu erhöhen. Die Gerichtsgebühr ist ausgangsgemäss dem Kläger
aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO) und aus dem von ihm geleisteten Kostenvor-
- 33 -
schuss zu beziehen. Ausserdem ist der Kläger zu verpflichten, der Beklagten eine
Parteientschädigung zu bezahlen. Die Einreichung einer zweiten Rechtsschrift
rechtfertigt einen Zuschlag von einem Drittel, was zu einer Parteientschädigung in
der Höhe von CHF 48'000.– führt. Mangels Darlegung der Berechtigung zum Vor-
steuerabzug ist die Parteientschädigung der Beklagten praxisgemäss ohne
Mehrwehrsteuerzuschlag zuzusprechen (vgl. Urteil BGer 4A_552/2015 vom
25. Mai 2016 E. 4.5).
- 34 -
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 47'000.–.
3. Die Kosten werden dem Kläger auferlegt und aus den von ihm geleisteten
Kostenvorschüssen gedeckt.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung in der
Höhe von CHF 48'000.– zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt USD 1'500'000.– (entsprechend CHF 1'453'080.–).