Decision ID: 5fc018ba-26f6-4550-9587-90e1039dcd95
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil der I. Abteilung des Bezirksgerichtes Bülach vom 20. Januar 2016; Proz. CG120022
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Rechtsbegehren:
"Die Beklagten seien unter solidarischer Haftbarkeit zu verpflichten, der Klägerin Fr. 31'000.– nebst Zins zu 5 % seit 31. Dezember 2006 zu ; unter Vorbehalt des Nachklagerechts unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beklagten."
Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 20. Januar 2016:
1. [...]
2. Die beklagte Partei 2 wird verpflichtet, der klagenden Partei Fr. 31'000.–
nebst Zins zu 5% seit 31. Dezember 2006 zu bezahlen.
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 8'000.– ; die Barauslagen betragen:
Fr. 5'220.20 Augenschein
Fr. 2'430.– Gutachten EMPA
Fr. 15'650.20 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
4. Die Gerichtskosten werden der [...] und der beklagten Partei 2 je zur Hälfte
auferlegt.
5. [...]
6. Die beklagte Partei 2 wird verpflichtet, der klagenden Partei eine Parteient-
schädigung von Fr. 10'220.– zu bezahlen.
7./8. [Mitteilungen / Rechtsmittelbelehrung]
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Berufungsanträge:
des Beklagten 2 und Berufungsklägers (act. 91 S. 2):
1. Die Ziffern 1., 2. und 6. des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts
Bülach vom 20. Januar 2016, mitgeteilt am 7. Juli 2016, (: CG120022-C/U1 begr.) seien vollumfänglich aufzuheben.
2. Die Ziffer 4. des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom
20. Januar 2016, mitgeteilt am 7. Juli 2016, (Geschäfts-Nummer: CG120022-C/U1 begr.) sei insoweit aufzuheben, als dem Berufungskläger und Beklagten 2 Gerichtskosten auferlegt werden
3. Die Klage der Berufungsbeklagten und Klägerin gegen den Berufungskläger
und Beklagten 2 sei vollumfänglich abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für beide Instanzen (zuzüglich
Mehrwertsteuer) zulasten der Berufungsbeklagten und Klägerin.
der Klägerin und Berufungsbeklagten (act. 100 S. 2):
1. Die Berufung des Beklagten und Berufungsklägers vom 7. September 2016
sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (inkl. MwSt) für das erstinstanzliche
und für das Berufungsverfahren zulasten des Beklagten und .

Erwägungen:
1. Streitgegenstand
B._ (fortan Klägerin) weilte auf Einladung von C._ (Beklagter 1 im Ver-
fahren vor Bezirksgericht) Ende 2006 in der D._ [geographische Angabe]
zum Erlernen des Snowboardsports. Die beiden übernachteten in Drehschrank-
betten im Hobbyraum der Liegenschaft "E._" – gehörend A._ (fortan
Beklagter) – in der damaligen politischen Gemeinde F._. In der zweiten
Nacht, vom 29. auf den 30. Dezember 2006, kippte die Schrankkonstruktion auf
die beiden Schlafenden und bewirkte bei der Klägerin eine Halswirbelsäulenver-
letzung, die wiederum zur irreversiblen Lähmung sowohl der Beine als auch der
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Arme führte. C._ blieb unverletzt. Die Klägerin fasste den Beklagten wie
auch C._ mit einer Teilklage auf Genugtuung ins Recht.
2. Prozessgeschichte
2.1. Unter Einreichung der Klagebewilligung des Friedensrichteramts G._
vom 14. Juni 2012 (act. 1) machte die Klägerin mit Klageschrift vom 6. September
2012 das vorliegende Verfahren am Bezirksgericht Bülach gegen den Beklagten
sowie C._ anhängig (act. 2). Die Vorinstanz führte einen doppelten Schrif-
tenwechsel sowie eine Instruktionsverhandlung durch, liess – unter Einbezug ei-
nes Augenscheins – ein Gutachten von der eidgenössischen Materialprüfungs-
und Forschungsanstalt erstatten, räumte Gelegenheit zur Stellungnahme dazu ein
und führte die Hauptverhandlung durch; für den ausführlichen vorinstanzlichen
Prozessverlauf sei zur Vermeidung von Wiederholungen auf den Entscheid des
Bezirksgerichts Bülach verwiesen (act. 93 S. 2 ff.). Mit unbegründetem Urteil vom
20. Januar 2016 hiess es die Klage gegen den Beklagten gut, wies diejenige ge-
gen C._ hingegen ab (act. 80). Mit Eingabe vom 29. Januar 2016 ersuchte
der Beklagte rechtzeitig um Begründung des Urteils (act. 81; act. 84). Am 8. Juli
2016 (act. 89) wurde in der Folge dem Beklagten das nunmehr begründete Urteil
zugestellt (act. 88 = act. 92/1 = act. 93).
2.2. Mit Eingabe vom 7. September 2016 erhob der Beklagte Berufung gegen
das vorinstanzliche Urteil mit den eingangs angeführten Berufungsanträgen
(act. 91). Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (act. 1-89). Der Beklagte
leistete den mit Verfügung vom 23. September 2016 angeordneten Kostenvor-
schuss in Höhe von Fr. 4'000.– rechtzeitig (act. 94 und 97). Die Berufungsantwort
wurde am 3. Februar 2017 erstattet (act. 100). Mit Beschluss vom 20. Februar
2017 wurde das Verfahren bis zum Abschluss des bundesgerichtlichen Verfah-
rens 4A_68/2017 sistiert (act. 101). Nach Zugang des begründeten bundesge-
richtlichen Urteils vom 14. Juli 2017 (act. 105) ist das Verfahren wieder aufzu-
nehmen. Es ist spruchreif. Mit dem vorliegenden Entscheid ist dem Beklagten die
Berufungsantwort zuzustellen.
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3. Berufungsvoraussetzungen und Begründungspflicht
Nach Eingang der Berufung prüft die Rechtsmittelinstanz von Amtes wegen das
Vorliegen der Rechtsmittelvoraussetzungen. Diese sind vorliegend unstreitig ge-
geben. Die Berufung ging rechtzeitig, schriftlich begründet und mit konkreten An-
trägen versehen bei der Rechtsmittelinstanz ein. Der Beklagte ist durch das vor-
instanzliche Urteil beschwert und zur Rechtsmittelerhebung legitimiert; für die Be-
rufung gegen den Entscheid ist das angerufene Obergericht zuständig. Der Kos-
tenvorschuss wurde geleistet. Auf die Berufung ist ohne weiteres einzutreten. Da-
von ausgenommen ist einzig die beantragte Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 1, mit
der die Klage gegen C._ abgewiesen wurde.
4. Zulässigkeit einer Teilklage / Beweisverfügung und Parteibefragung
4.1. Ist ein Anspruch teilbar, so kann auch nur ein Teil eingeklagt werden
(Art. 86 ZPO).
4.2. Die Vorinstanz erwog, dass der Gesetzestext keine Handhabe biete, die
Zulässigkeit von Teilklagen von weiteren Voraussetzungen abhängig zu machen.
Die Teilbarkeit von Geldleistungen sei stets zu bejahen, das vorliegende Begeh-
ren erscheine nicht als rechtsmissbräuchlich und auch der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung sei keine weitere Einschränkung zu entnehmen, weshalb die
eingereichte Teilklage zulässig sei (act. 93 S. 5).
4.3. Der Beklagte hält mit der Berufung fest, dass im vorliegendem Fall nicht
zwischen aufgelaufenem und zukünftigem Schaden unterschieden werden könne.
Gemäss der neueren Rechtsprechung sei damit im vorliegenden Fall eine Teilge-
nugtuungsklage unzulässig. Die endgültige immaterielle Unbill habe schon lange
vor der Klageeinreichung festgestanden. Auf die Teilklage sei daher nicht einzu-
treten, eventuell sei diese abzuweisen (act. 91 S. 4 f.).
4.4. Die Klägerin entgegnet, die Rüge des Beklagten sei gestützt auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz unbegründet. Die Grenze der Zulässigkeit ei-
ner Teilklage liege einzig im Rechtsmissbrauchsverbot; zu Recht mache aber
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nicht einmal der Beklagte geltend, die eingebrachte Teilklage sei rechtsmiss-
bräuchlich (act. 100 S. 6).
4.5. Ein Teil der Lehre stellt sich auf den Standpunkt, eine Genugtuung könne
in zeitlicher Hinsicht nicht gesplittet werden (vgl. bspw. MEIER/WIGET, in: Der Haft-
pflichtprozess [Hrsg. FELLMANN/WEBER], Zürich 2006, S. 92); unbenommen sei in-
des eine summenmässig beschränkte Teilklage. Anhaltspunkte für eine zeitliche
Einschränkung fehlen vorliegend komplett; selbst der Beklagte geht davon aus,
die immaterielle Unbill stehe fest. Es ist demnach sowohl nach der Darlegung der
Klägerin als auch gemäss dem Erkenntnis der Vorinstanz von einer summenmäs-
sigen Einschränkung der Genugtuung auszugehen (Fr. 31'000.– von einer mögli-
chen Genugtuung bis über Fr. 170'000.–; act. 2 S. 4; act. 93 S. 4 f.). Auch die
vom Beklagten ins Feld geführte Lehre bekräftigt schliesslich, dass Teilgenugtu-
ungsklagen in Bezug auf die aufgelaufene immaterielle Unbill von der neueren
Rechtsprechung zugelassen werden (LANDOLT, Genugtuungsrecht, Bd. 2, Zü-
rich/St. Gallen 2013, N 742). Die klägerische Teilklage erweist sich ohne weiteres
als zulässig.
4.6. Der Beklagte beanstandet schliesslich, dass es die Vorinstanz versäumt
habe, eine Beweisverfügung zu erlassen sowie prozesskonforme Parteibefragun-
gen durchzuführen; insofern auf die Aussagen anlässlich der Instruktionsverhand-
lung abgestellt werde, seien die Beweisbestimmungen der Prozessordnung ver-
letzt (act. 91 S. 3 f. und 5 f.). Mangels konkretem Konnex zu erheblichen und be-
strittenen Parteidarstellungen sind diese Ausführungen ohne Relevanz für die Be-
rufung. Wie noch zu zeigen sein wird (E. 8), ist auch im Zusammenhang mit den
einzelnen Rügen zum Sachverhalt nicht näher darauf einzugehen.
5. Von der Vorinstanz zu Grunde gelegter Sachverhalt
Das Bezirksgericht Bülach prüfte und bejahte einen Anspruch der Klägerin aus
Art. 41 OR. Seinen Überlegungen ist im Wesentlichen folgender Sachverhalt zu
Grunde zu legen:
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5.1. Der Beklagte erhielt im Sommer 2005 von einem Nachbarn zwei Dreh-
schrankbetten geschenkt. Zusammen mit seinem Sohn zerlegte er die Betten für
den Transport, transportierte sie zu seiner Liegenschaft und baute sie im Hobby-
raum wieder zusammen. Im Wissen darum, dass die Betten beim Nachbarn an
der Wand festgeschraubt gewesen waren, verzichtete der Beklagte auf eine der-
artige Befestigung. Nachdem er die Betten zu Testzwecken aufgestellt hatte, ging
er davon aus, dass eine Fixierung lediglich beim Herunterklappen der Betten
zweckmässig sei und keine Gefahr bestehe, sobald die Betten aufgestellt seien
(act. 93 S. 9).
5.2. Der Sohn des Beklagten hatte C._ im Dezember 2006 in das Ferien-
haus eingeladen. Letzterer wiederum erkundigte sich, ob auch die Klägerin mit-
kommen könne, womit sich der Sohn des Beklagten einverstanden erklärte. Bei
der Ankunft der beiden am 28. Dezember 2006 schlug der Beklagte C._ eine
Übernachtung auf der Heubühne vor, wo sich zwei voll ausgestattete Betten be-
fänden; C._ lehnte ab und letztlich nächtigten die beiden Gäste im Hobby-
raum. Der Sohn des Beklagten und C._ hatten zuvor die Betten aufgestellt,
getestet und die Konstruktion für sicher befunden (act. 93 S. 8 ff.).
5.3. In der zweiten Nacht kippte die Schrankkonstruktion auf die beiden Schla-
fenden und bewirkte bei der Klägerin eine gravierende Verletzung der Halswirbel-
säule. Nach den Erwägungen der Vorinstanz ist dabei von einem Selbstkollaps
des Bettes bei bestimmungsgemässem Gebrauch auszugehen, wobei eine kriti-
sche Schräglage des instabilen Bettfusses vorausging (vgl. act. 93 S. 24).
6. Gefahrensatz
6.1. Eine Haftung des Beklagten nach Art. 41 OR setzt voraus, dass er der Klä-
gerin schuldhaft und widerrechtlich einen Schaden zufügte (Kausalität). Das Be-
zirksgericht Bülach bejahte die haftungsbegründenden Voraussetzungen, wobei
es dem Beklagten als Unterlassung die fehlende ordnungsgemässe Fixierung der
Drehschrankbetten vorwarf. Zentrale Bedeutung der vorinstanzlichen Subsumpti-
on kommt dem Gefahrensatz zu (vgl. act. 93 S. 45, S. 48, S. 50 f.).
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6.2. Der Gefahrensatz lautet wie folgt: Wer einen Zustand schafft oder aufrecht
erhält, der – angesichts der konkreten Umstände erkennbarerweise – einen ande-
ren schädigen könnte, ist nach allgemein anerkanntem Rechtssatz verpflichtet,
die zur Vermeidung eines Schadens erforderlichen Massnahmen zu treffen (vgl.
BGE 126 III 113 E.2a; REY, Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 4. Auflage, Zü-
rich 2008, N 868 f.).
6.3. Bei Unterlassungen kann es keinen natürlichen Kausalzusammenhang im
Sinne der "conditio sine qua non-Formel" geben. Ein Zusammenhang ist dann zu
bejahen, wenn der Schaden ohne die fragliche Ursache nicht eingetreten wäre.
Es ist daher zu prüfen, ob den Schädiger eine Handlungspflicht getroffen hätte,
den Schaden abzuwenden, welche sich unter anderem aus dem Gefahrensatz
ergeben kann (HUGUENIN, Obligationenrecht, Allgemeiner und Besonderer Teil,
2. Auflage, Zürich 2014, N 1923 f.).
6.4. Widerrechtlich ist eine Schadenszufügung dann, wenn sie gegen eine all-
gemeine gesetzliche Pflicht verstösst, indem entweder ein absolutes Recht der
Geschädigten beeinträchtigt (Erfolgsunrecht) oder eine reine Vermögensschädi-
gung durch Verstoss gegen eine Norm bewirkt wird, die nach ihrem Zweck vor
derartigen Schäden schützen soll (Verhaltensunrecht; BGE 133 III 323 E. 5.1).
Eine ausservertragliche Haftung wegen Unterlassung setzt auch bei der Beein-
trächtigung eines absoluten Rechtes ein Nichthandeln trotz Bestehens einer
rechtlichen Handlungspflicht voraus. Denn der Grundsatz, dass die Verletzung ei-
nes absoluten Rechtsgutes per se widerrechtlich ist, ist auf die Beeinträchtigung
durch aktives Handeln ausgerichtet (vgl. Urteil 4A_520/2007 vom 31. März 2008
E. 2.1). Wer eine Handlung unterlässt, zu der er nach der Rechtsordnung nicht
verpflichtet ist, verstösst nicht gegen diese und handelt nicht rechtswidrig. Wider-
rechtlichkeit durch Unterlassen kann daher nur dann entstehen, wenn eine
Schutznorm zu Gunsten des Geschädigten ein Handeln ausdrücklich verlangt
(BGE 118 II 502 E. 3). Solche Schutznormen können sich aus irgendeinem Teil
des objektiven, selbst des ungeschriebenen Rechts, und aus allgemeinen
Rechtsgrundsätzen ergeben (BGE 116 Ib 367 E. 4c; 115 II 15 E. 3c mit Hinwei-
sen; Urteil 2A.511/2005 vom 16. Februar 2009 E. 5.1; vgl. auch zur Staatshaftung
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/3ceb1ee0-76c9-4728-809c-edae923da2da?citationId=0869d87e-1b3f-46ef-ab86-8ae66559e648&source=document-link&SP=2|qfzf0j https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/3ceb1ee0-76c9-4728-809c-edae923da2da?citationId=0869d87e-1b3f-46ef-ab86-8ae66559e648&source=document-link&SP=2|qfzf0j
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BGE 132 II 305 E. 4.1 S. 317; 123 II 577 E. 4d/ff S. 583). Der Gefahrensatz, wo-
nach derjenige, der einen gefährlichen Zustand schafft oder unterhält, die zur
Vermeidung eines Schadens erforderlichen Schutzmassnahmen zu ergreifen hat,
ist bei der Verletzung von absoluten Rechtsgütern – im Gegensatz zu reinen
Vermögensschäden (BGE 124 III 297 E. 5b S. 300 f.; 119 II 127 E. 3 S. 129 mit
Hinweisen) – geeignet, bei Fehlen einer spezifischen Schutznorm eine Wider-
rechtlichkeit zu begründen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 4A_104/2012 vom
3. August 2012, E. 2.1 und 4A_83/2015 vom 15. Juni 2015, E. 4.2). Die gegentei-
lige Auffassung des Beklagten, die Rechtsprechung habe dem Gefahrensatz die
Rolle einer Schutznorm ausdrücklich abgesprochen (vgl. act. 91 S. 27 f.), geht
damit fehl.
6.5. Fahrlässigkeit ist rechtlich "missbilligte Unsorgfalt". Sie setzt in subjektiver
Hinsicht voraus, dass der Schädiger urteilsfähig ist. Diese Voraussetzung steht im
vorliegend zu beurteilenden Fall nicht zur Diskussion, so dass darauf nicht weiter
einzugehen ist. Die Sorgfalt, welche es zu beachten gilt, misst sich grundsätzlich
nach objektiven Kriterien. Der Mangel an Sorgfalt wird festgestellt durch den Ver-
gleich des tatsächlichen Verhaltens des Schädigers mit dem hypothetischen Ver-
halten eines durchschnittlich sorgfältigen Menschen in der Situation des Schädi-
gers. Die negative Abweichung von diesem geforderten Durchschnittsverhalten
gilt in der Regel als sorgfaltswidrig (REY, a.a.O., N 810 und N 844 ff.; BK-BREHM,
3. Auflage, Bern 2006, N 170 ff. und N 179 ff. zu Art. 41). Die Sorgfaltspflichten
ergeben sich in erster Linie aus gesetzlichen Regelungen, die der Unfallverhütung
und der Sicherheit dienen, sowie aus anderen allgemein anerkannten Verhaltens-
regeln, selbst wenn diese von einem privaten oder halböffentlichen Verband er-
lassen werden und keine Rechtsnormen darstellen (BSK OR I-KESSLER, 6. Aufla-
ge, Basel 2015, Art. 41 N 48b). Auch die Verletzung des Gefahrensatzes begrün-
det ein Verschulden. Der alleinige Umstand aber, dass ein Vorfall geschehen und
ein Schaden entstanden ist – den man, im Nachhinein betrachtet, hätte vermei-
den können – heisst noch nicht, dass das Verhalten unter den vorangehenden
Umständen schuldhaft war (BK-BREHM, a.a.O., N 188 zu Art. 41).
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7. Erkennbarkeit der Notwendigkeit einer Wandbefestigung der Schrankbetten
7.1. Die Vorinstanz erwog, der Beklagte sei im fraglichen Zeitpunkt ein techni-
scher Kaufmann gewesen; ihm seien weder spezifische Kenntnisse hinsichtlich
der Drehschrankbetten noch ein erhöhtes Mass an Sorgfalt anzurechnen gewe-
sen. Aus der fortgeschrittenen Lebenserfahrung lasse sich indes ein leicht erhöh-
tes Mass an erforderlicher Sorgfalt ableiten. Weder habe der Beklagte über eine
Montageanleitung für den Zusammenbau der Betten verfügt, noch bestehe eine
Vorschrift, welche Endverbraucher zu einer Befestigung von Schrankbetten ver-
pflichte. Aufgrund des Gefahrensatzes habe allerdings eine Handlungspflicht be-
standen, was aufgrund der Untätigkeit des Beklagten ein Abweichen von der ge-
botenen Sorgfalt indiziere. Der Ab- und Aufbau im Sommer 2015 habe dem Be-
klagten die überdurchschnittlich komplexe Konstruktion der Drehschrankbetten
vor Augen geführt. Er hätte davon ausgehen müssen, dass die Betten gewöhnlich
mit einer Anleitung ausgestattet seien, welche das für die Montage und Verwen-
dung erforderliche Wissen vermittle und über mögliche Gefahren aufkläre. Seit
dem 1. Juli 1995 schreibe eine technische Norm die Notwendigkeit von Monta-
geanleitungen vor und statuiere die Pflicht der Wandbefestigung von Klappbetten.
Der persönliche Geltungsbereich der Norm beschränke sich auf Hersteller von
Klappbetten; eine Handlungspflicht des Beklagten werde daher nicht begründet.
Zum Zeitpunkt des Unfalls seien Montageanleitungen für Drehschrankbetten aber
üblich gewesen. Ein durchschnittlich sorgfältiger Verbraucher, der solch ein Bett
wissentlich ohne Anleitung und ohne eigenes Fachwissen aufbaute, habe daher
nicht davon ausgehen können, der Aufbau sei auf die vorgeschriebene Weise er-
folgt. Dies gelte für den Beklagten verstärkt, da er gewusst habe, dass die Betten
beim Nachbarn verschraubt gewesen seien. Unter diesen Umständen habe der
Beklagte nicht davon ausgehen können, die Fixierung sei nur beim Aufstellen re-
levant. Im Wissen um die fehlende Kenntnis der Risiken der Konstruktion könne
grundsätzlich keine Gewissheit über deren Zuverlässigkeit bestehen. Die einseiti-
ge und schwach angebrachte Arretierung des Bettfusses habe den Unfall zwar
begünstigt, sie dränge aber das Gefährdungspotential der fehlenden Fixierung der
Schrankwand nicht in den Hintergrund. Das Unterlassen von Sicherungsvorkeh-
ren des Wandkastens erscheine nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der
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allgemeinen Lebenserfahrung als dazu geeignet, das Kippen der Schrankwand
und damit den Schaden der Klägerin bei bestimmungsgemässem Gebrauch zu
verursachen. Die von den Drehschrankbetten ausgehende Gefahr sei somit für
den Beklagten erkennbar gewesen. Zwar sei die Gefahr im Gutachten des wis-
senschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich nicht erwähnt worden und im
Gutachten der EMPA werde angeführt, die erhöhte Kippgefahr durch einen
schrägstehenden Bettfuss sei für einen Durchschnittsnutzer nicht erkennbar, da-
mit werde aber der genaue Kausalverlauf beschrieben, dessen Erkennbarkeit
nicht erforderlich sei, um die Vorhersehbarkeit zu bejahen. Der Beklagte wäre al-
so gehalten gewesen, die Betten fachmännisch definitiv zu montieren oder den
Gästen die Schlafmöglichkeit im Hobbyraum auszuschlagen. Die Ergreifung die-
ser Massnahmen wäre ohne weiteres möglich gewesen. Die Unterlassung dieser
beiden Möglichkeiten sei in Abweichung der gebotenen Sorgfalt und damit
schuldhaft erfolgt. Dass der Beklagte die Notwendigkeit der Befestigung der Bet-
ten tatsächlich nicht erkannt habe, sei unerheblich. Er habe nicht über das not-
wendige Fachwissen verfügt. Wer aber eine Tätigkeit übernehme, ohne über die
dafür erforderlichen Fähigkeiten zu verfügen, den treffe ein Übernahmeverschul-
den (act. 93 S. 49 ff.).
7.2. Der Beklagte hält mit der Berufung dafür, dass er zwar von einer Wandbe-
festigung am alten Ort gewusst habe, aber der Auffassung gewesen sei, eine Ge-
fährdung bestehe lediglich beim Aufstellen des Bettes, nicht aber wenn das Bett
einmal aufgeklappt sei und am Boden stehe. Die Gutachter der EMPA hätten be-
stätigt, dass eine solche Auffassung durchaus plausibel sei. Anerkanntermassen
habe sodann keine Montageanleitung der wohl schon um 1991 produzierten
Klappbetten vorgelegen. Auch die asymmetrische und montagetechnisch ungüns-
tige Anordnung sowie die unprofessionelle Ausführungsqualität sprächen dage-
gen, dass bereits vom Hersteller eine Verschraubung des Bettkastens mit der
Wand vorgesehen gewesen sei. Er habe mit Fug davon ausgehen können, dass
nach dem Aufstellen und dem Begutachten durch seinen Sohn und C._, wo-
bei letzterer sogar im Bett geschlafen habe, keine Gefährdung vorgelegen habe.
Durch seine eigenen Handlungen sei keine Gefahr und damit auch keine Garan-
tenstellung für mögliche Gefahren geschaffen worden. Eine mögliche Gefährdung
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habe sich erst durch die konkrete Absicht der Benützung manifestiert, wobei die
diesbezügliche Beurteilung C._ und allenfalls H._ oblegen habe (act. 91
S. 28 ff.). Die von der Vorinstanz vorgenommene Erhöhung des Sorgfaltsmass-
stabes angesichts seines Alters sei völlig ungerechtfertigt; befremdlich sei insbe-
sondere, dass mit keinem Wort darauf eingegangen werde, dass bei einer Gefäl-
ligkeit nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung von einer verminderten
Sorgfaltspflicht auszugehen sei. Er habe die Betten im Sommer 2005 nicht an der
Wand fixiert, weil er vorerst einen neuen Boden im Hobbyraum habe anbringen
wollen, um danach die definitive Platzierung der Betten vorzunehmen. Für diesen
Vorgang alleine betrachtet könne ihm von vorneherein kein Vorwurf gemacht
werden. Tatsache sei, dass er die Betten gezügelt und so weit korrekt aufgestellt
habe. Niemand habe eine mangelhafte Montage moniert. Er habe keinesfalls da-
von ausgehen müssen, dass die Betten als solche, Quelle mannigfaltiger, nicht
abschätzbarer Gefahren seien. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass er keine Ge-
wissheit über die Zuverlässigkeit der Montage gehabt haben sollte. Er habe mit
keiner drohenden Gefahr rechnen müssen; das hätten auch die Gutachter der
EMPA implizit mit der Antwort zu Frage 5 bestätigt. Er habe weder eine konkrete
Gefahr vorausgesehen noch voraussehen müssen; es dürfe nur mit einer durch-
schnittlichen Vorsicht und Vernunft gerechnet werden, die er eingehalten habe.
Der Hinweis der Vorinstanz auf ein strafrechtliches Urteil des Bundesgerichts betr.
fahrlässige Tötung durch kraftvolles Niederdrücken eines stark aufgewühlten, pro-
testierenden, auf dem Bauch liegenden Psychiatriepatienten in eine Matratze und
die Gleichsetzung mit dem vorliegenden Fall sei geradezu grotesk. Schliesslich
sei auch ein Übernahmeverschulden im vorliegenden Fall abzulehnen. Einem
Durchschnittskonsumenten könne eine detaillierte Stabilitätsanalyse der Kon-
struktion eines alltäglichen Einrichtungsgegenstands nicht zugemutet werden und
damit auch kein Übernahmeverschulden, so die Analyse nicht erfolge. Er sei beim
Entscheid betreffend Benützung der Betten im Gegensatz zu C._ – welcher
anerkanntermassen von zwei Aspekten Kenntnis gehabt, die in Kombination zu
einer Gefährdung geführt hätten – nicht beteiligt gewesen. Aufgrund der konkre-
ten Beobachtungen der Beweglichkeit des Bettkastens und der schwachen Arre-
tierung des Bettfusses zusammen mit dessen Fachkenntnissen hätten C._
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die Sicherheitsmängel bewusst sein müssen (act. 91 S. 32 ff.). C._ hätte die
Lage des Bettfusses kontrollieren, die Wandbefestigung vornehmen, den Beklag-
ten auf seine Beobachtung aufmerksam machen, nicht ein einzelnes Bett mit dem
Gewicht beider Personen belasten oder mit der Klägerin in den freien und zur
Verfügung stehenden Betten in der Wohnung schlafen können/müssen. Wenn
jemand die Gefahr hätte erkennen müssen, so sein Sohn und C._ (act. 91 S.
28 und 38).
7.3. Die Klägerin hält in der Berufungsantwort dagegen, der Beklagte sei ein
sehr erfahrener technischer Kaufmann, der über einschlägiges technisches Wis-
sen verfüge. So habe er sich im Strafverfahren zum Material der Wand hinter den
Betten geäussert (Ytong) und zur Sicherheit, hätte er die Betten mit den beilie-
genden Holzschrauben fixiert. Für den Beklagten gelte also ein höherer Sorg-
faltsmassstab. Im Unfallzeitpunkt seien Montageanleitungen für Drehschrankbet-
ten üblich gewesen und hätten das vom Durchschnittskonsumenten erwartete
Verhalten abgebildet. Der Beklagte könne sich nicht auf das Fehlen der Monta-
geanleitung berufen. Zudem habe er um die Fixierung des Bettschranks beim
Voreigentümer gewusst und habe sich Schrauben mitgeben lassen. Die in diesem
Zusammenhang existierende technische Norm drücke einen allgemein anerkann-
ten Sicherheitsstandard aus. Sie würden auch dort gelten, wo sie der Betroffene
nicht zur Kenntnis nehme, wie beispielsweise bei den FIS-Regeln beim Skifahren.
Die Notwendigkeit der Befestigung von Klappbetten an einer stabilen Wand sei
wie in der Replik geschildert für jeden Durchschnittsbürger mit gesundem Men-
schenverstand erkennbar, was für den Beklagten als Fachmann verstärkt gelte.
Er unterliege einem strengeren Massstab als der im Gutachten umschriebene
fachmännische Benutzer, sei er doch Eigentümer und nicht nur Benutzer und ha-
be um die Fixierung beim Voreigentümer gewusst. Der Beklagte könne sich auch
nicht damit exkulpieren, dass die Pflicht zur Prüfung der Stabilität des Bettes an
seinen Sohn und C._ übergegangen sei. Er hätte die Gefahr ohne weiteres
bannen können. Dies gelte umso mehr, als C._ im Hobbyraum habe über-
nachten wollen. Im Übrigen würde der Beklagte auch als Geschäftsherr nach Art.
55 OR haften. Dem Beklagten wäre als Verschulden anzurechnen, dass er seine
Sorgfaltspflicht an die beiden anderen abgetreten habe. Insgesamt leuchte sofort
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ein, dass das Verhalten des Beklagten eine Fahrlässigkeit darstelle, was auch
gelte, werde nur die eigenübliche Sorgfalt verlangt. Er hätte sowohl die Beweg-
lichkeit des Wandschranks als auch den ausgeleierten Bettfuss erkennen müs-
sen. Als Eigentümer sei er an der Gebrauchstauglichkeit interessiert gewesen
(act. 100 S. 12 ff.).
7.4. In diesem Zusammenhang ist Folgendes zu erwägen:
7.4.1. Die Vorinstanz hielt fest, es sei von der Klägerin lediglich unsubstantiiert
vorgetragen worden, inwiefern dem Beklagten betreffend Drehschrankbetten spe-
zielle Kenntnisse oder gar Fachwissen zukommen solle; sie rechnete ihm kein
besonderes Fachwissen an (act. 93 S. 49 f.). Die Klägerin tritt dem in der Beru-
fungsantwort mit neuen Sachbehauptungen entgegen (act. 100 S. 12), wobei sie
weder dartut, sie habe diese von der Vorinstanz unerwähnte Darstellung im erst-
instanzlichen Verfahren bereits behauptet und es sei zu Unrecht nicht darauf ab-
gestellt worden, noch eine Zulässigkeit von Noven im Sinne von Art. 317 Abs. 1
ZPO begründet. Damit hat es bei der vorinstanzlichen Erwägung sein Bewenden.
7.4.2. Die Vorinstanz erwog weiter, ein durchschnittlich sorgfältiger Verbraucher
habe im Wissen darum, dass er das Bett ohne Anleitung und ohne eigenes
Fachwissen aufgestellt habe, nicht davon ausgehen können, die Montage sei auf
die vorgeschriebene Weise erfolgt (act. 93 S. 51). Diese Folgerung überzeugt
nicht. Die auf Hersteller anwendbare technische Norm SN EN 1129-1:1995
schreibt zwar die Notwendigkeit einer Montageanleitung vor und statuiert die
Pflicht einer Wandbefestigung von Klappbetten. Der Begriff Technische Normen
ist im schweizerischen Recht in Art. 3 lit. c des Bundesgesetzes über technische
Handelshemmnisse indes definiert als "nicht rechtsverbindliche, durch normen-
schaffende Organisationen aufgestellte Regeln, Leitlinien oder Merkmale, welche
insbesondere die Herstellung, die Beschaffenheit, die Eigenschaften, die Verpa-
ckung oder die Beschriftung von Produkten oder die Prüfung oder die Konformi-
tätsbewertung betreffen". Eine nicht rechtsverbindliche, nur an Hersteller gerichte-
te und dem Benutzer zudem unbekannte Regel zeitigt keinen Einfluss auf den
durchschnittlichen Verbraucher. Selbst wenn Montageanleitungen für Dreh-
schrankbetten zum Zeitpunkt des Unfalls üblich waren, wie die Vorinstanz festhält
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(act. 93 S. 51), kann damit nichts zu Lasten eines durchschnittlich sorgfältigen
Verbrauchers ohne besondere Fachkenntnisse abgeleitet werden, der ein ge-
brauchtes Schrankbett ohne Montageanleitung von einem Privaten erwirbt. Ent-
gegen der Klägerin ist auch keine Vergleichbarkeit mit den FIS-Skiregeln gegeben
(act. 100 S. 13). Letztere richten sich einerseits direkt an die Pistenbenutzer, gel-
ten andererseits als allgemein anerkannt und können als Massstab für die im Ski-
sport üblicherweise zu beachtende Sorgfalt herangezogen werden (vgl. BGer
4C.54/2004 v. 1.6.2004, E. 2.3.).
Der Umstand, dass der Beklagte von der Fixierung der Schrankbetten beim Vor-
eigentümer wusste, indiziert indes eine Sorgfaltspflichtverletzung. Relativiert wird
dieses Indiz durch die asymmetrische und montagetechnisch ungünstige Anord-
nung sowie die unprofessionelle Ausführungsqualität der Schraubenlöcher am
Bettkasten.
In den Randziffern 35-48 der Replik (act. 30 S. 21 ff.) führte die Klägerin aus,
dass aus ihrer Sicht der gesunde Menschenverstand jeden Durchschnittsbürger
dazu anleite, ein Klappbett an einer stabilen Wand zu befestigen. Zur Begründung
bezog sie sich auf eine von ihr durchgeführte Umfrage bei diversen Möbelhänd-
lern hinsichtlich des Verkaufs von Klappbetten und den jeweils mitgelieferten
Montageanleitungen. Wie bereits erwogen liegt dem vorliegenden Fall kein Sach-
verhalt zu Grunde, bei dem der Beklagte zwei Klappbetten samt Montageanlei-
tung bei einem Geschäft käuflich erworben hätte, es wird nicht einmal behauptet,
dass er sich je in einem Geschäft danach erkundigte oder sich mit der Funktions-
weise näher auseinandersetzte; der Beklagte übernahm von seinem Nachbarn
zwei gebrauchte Klappbetten ohne Anleitung. Die entsprechende Argumentation
der Klägerin ist damit nicht stichhaltig.
7.4.3. Sodann hielt die Vorinstanz fest, für den Beklagten habe aufgrund des Ge-
fahrensatzes eine Handlungspflicht bestanden, was aufgrund der Untätigkeit als
Indiz für ein Abweichen der gebotenen Sorgfalt zu deuten sei (act. 93 S. 50). Die
Begründung der Vorinstanz in dieser Form ist ein Zirkelschluss. Eine Prüfung des
Verschuldens des Beklagten führt vorliegend über den Gefahrensatz. Ein Indiz für
die Verletzung der Sorgfaltspflicht in der Handlungspflicht gemäss Gefahrensatz
zu erblicken, obwohl auch nach eigenen Erwägungen die Handlungspflicht erst
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/12337199-cd97-44fa-8b78-a6faaa67168f?citationId=aee8db6e-beab-4dcf-a2eb-1cd7d90310f9&source=document-link&SP=9|uzvdhi
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unter dem Vorbehalt einer erkennbaren Gefahr zu bejahen ist (act. 93 S. 45), geht
nicht an.
7.4.4. Das Bezirksgericht Bülach bejahte die Erkennbarkeit der Gefährdung her-
rührend aus der unterlassenen Fixierung der Schrankbetten mit dem gewöhnli-
chen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung (act. 93 S. 52 f.). Es
legte mithin seiner Prüfung den Massstab der Adäquanz zu Grunde (vgl. act. 93
S. 38 f.). Diese Erwägungen basieren unzutreffenderweise auf der Rechtspre-
chung zu Fahrlässigkeitsdelikten im Strafrecht, wie auch der Beklagte anmerkt
(act. 91 S. 24 und 33). Im Zivilrecht ist die Erkennbarkeit aber nicht im Gleichlauf
mit der Adäquanz zu beurteilen. Der Prüfung der Adäquanz liegt eine rein objekti-
ve Betrachtungsweise zu Grunde, bei der es auf die subjektive Erkennbarkeit
nicht ankommt (vgl. REY, a.a.O., N 532 f.). Letzteres Kriterium spielt bei der Ver-
schuldenshaftung indes eine Rolle hinsichtlich der Abklärung des Verschuldens
des Schadenverursachers (vgl. bspw. BGE 119 Ib 334 E. 5b). Zwar wird auch bei
der Fahrlässigkeit objektiviert geprüft. Das heisst konkret, dass für die Beurteilung
der Erkennbarkeit nicht von den individuellen Gegebenheiten des Beklagten, son-
dern von einem durchschnittlich sorgfältigen Menschen in der Situation des Be-
klagten ausgegangen wird. Zu fragen ist, ob aufgrund der unterlassenen Fixierung
der Schrankbetten und der Duldung des Nächtigens der Gäste im Hobbyraum der
Schadenseintritt für einen durchschnittlich sorgfältigen Menschen erkennbar war,
nachdem ein Schreiner und ein Zimmermann die Betten aufgeklappt, getestet und
für sicher befunden hatten (vgl. act. 93 S. 9 f.). Der Beklagte stellte die Betten im
Sommer 2005 im Hobbyraum provisorisch auf. Es trifft zwar zu wie die Klägerin
ausführt, dass der Beklagte Eigentümer der Schrankbetten war, benutzt hatte er
sie allerdings noch nicht und angesichts des konkreten Sachverhalts kommt hin-
zu, dass er vom Übernachtungswunsch im Hobbyraum gewissermassen über-
rumpelt wurde, da er den von seinem Sohn eingeladenen Gästen die Heubühne
mit zwei voll ausgestatteten Betten zur Übernachtung zur Verfügung stellen woll-
te, welchem Vorschlag indes nicht nachgelebt wurde. Gutachterlich steht sodann
fest, dass das Bett ohne Fremdeinwirkung praktisch nicht hätte umkippen können,
wenn der Bettfuss richtig aufgestellt und seine Position bis zum Kippvorgang nicht
verändert worden wäre (act. 66 S. 6). Des Weiteren wurde bestätigt, dass ein
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Durchschnittskonsument intuitiv davon ausgehen könnte, die grösste Kippgefahr
entstehe beim Ausklappen der Liegefläche. Die erhöhte Kippgefahr durch den
schrägen Bettfuss sei erst nach einer detaillierten Stabilitätsanalyse der Konstruk-
tion erkennbar, die einem Durchschnittskonsumenten kaum zugemutet werden
könne (act. 66 S. 12). In die gleiche Richtung geht die Tatsache, dass die Gefahr
im Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes der Stadtpolizei Zürich erst gar
nicht erkannt wurde (vgl. dazu act. 93 S. 53). Zu diesem Schluss durfte also auch
der Beklagte kommen, als er die Betten zu Testzwecken im Sommer 2005 auf-
stellte, selbst wenn beabsichtigt war, die Betten erst nach der Neugestaltung des
Bodens definitiv zu positionieren. Es kann mithin in dieser Situation nicht erwartet
werden, dass ein durchschnittlich sorgfältiger Mensch an Stelle des Beklagten
sich eingehender mit der Konstruktion der Betten hätte auseinandersetzen müs-
sen, die Gefährdung hätte erkennen können und die Übernachtung im Hobby-
raum hätte verbieten bzw. zumindest auf die unterbliebene Fixierung der Bettkas-
ten hätte hinweisen müssen. Wenn die Vorinstanz erwog, bei diesen Aspekten
gehe es um den genauen Kausalverlauf, dessen Erkennbarkeit nicht erforderlich
sei, um die Vorhersehbarkeit zu bejahen (act. 93 S. 53), so liess sie sich wiede-
rum fälschlicherweise von den Massstäben aus dem Strafrecht leiten. Mass-
geblichen Einfluss hat nämlich vorliegend, dass die für den Beklagten erkennbare
Gefährdung beim Aufklappen insofern gebannt war, indem sein Sohn und
C._ die Betten gemeinsam aufstellten und testeten. Entgegen der Vorinstanz
ist daher die Erkennbarkeit der Gefährdung in der konkreten Situation des Beklag-
ten zu verneinen. Selbst das Wissen um die Fixierung beim Voreigentümer führt
damit zu keiner anderen Einschätzung.
7.4.5. Die Klägerin argumentiert dahingehend, dass der Beklagte als Geschäfts-
herr aus Art. 55 OR haftete, hätten sein Sohn und C._ eine Sorgfaltspflicht
für ihn erfüllt (act. 100 S. 14). Entgegen der Klägerin ist bereits kein Subordinati-
onsverhältnis zum Beklagten dargetan oder erkennbar, weshalb eine derartige
Haftungsgrundlage ausser Betracht fällt.
7.4.6. Die Vorinstanz hielt schliesslich fest, dass ein fachkundiger Benutzer ge-
mäss Gutachten die Notwendigkeit einer Befestigung hätte erkennen müssen;
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dem Einwand fehlenden Fachwissens des Beklagten lasse sich nichts zu seinen
Gunsten entnehmen, treffe ihn doch ein Übernahmeverschulden (act. 93 S. 54).
Dem ist entgegenzuhalten, dass vorliegend eine Gefälligkeit im Raum steht, die
letztlich sogar vom Sohn des Beklagten gewährt und vom Beklagten selbst ledig-
lich geduldet wurde. Wie der Beklagte richtigerweise erwähnt, hat das Bundesge-
richt erkannt, dass wer im vertragsfreien Raum um eine Gefälligkeit bittet, vom
Gefälligen nicht verlangen kann, eine höhere Sorgfalt als die eigenübliche aufzu-
wenden (vgl. BGE 137 III 539 E. 5.2). Wird diesem geringeren Massstab entspro-
chen, ist ein Übernahmeverschulden im Bereich der ausservertraglichen Haftung
ausgeschlossen (vgl. GLOOR, Das vertragliche Übernahmeverschulden, Zü-
rich/Basel/Genf 2012, RN 118). In der vorliegenden Konstellation ist ein Über-
nahmeverschulden demnach zu verneinen.
7.5. Objektives Verschulden liegt dann vor, wenn der Betroffene es an der
Sorgfalt fehlen lässt, die von ihm unter den vorliegenden zeitlichen und örtlichen
Umständen hätte erwartet werden dürfen. Ein solches Verschulden ist dem Be-
klagten gestützt auf die obigen Erwägungen nicht anzulasten. Auch wenn eine
Verkettung diverser, teilweise nicht abschliessend geklärter Vorkommnisse zu ei-
nem sehr tragischen und gravierenden Unfall mit entsprechenden Folgen bei der
Klägerin führte, was vom Beklagten hätte vermieden werden können, ist ihm kein
sorgfaltspflichtwidriges Verhalten anzulasten. Eine Haftung beruhend auf dem von
der Vorinstanz zu Grunde gelegten Sachverhalt entfällt damit.
8. Umstrittener Sachverhalt
8.1. Gegenstand des Beweises sind rechtserhebliche, streitige Tatsachen
(Art. 150 Abs. 1 ZPO).
8.2. Der Beklagte rügt mit der Berufung diverse Aspekte der vorinstanzlichen
Sachverhaltserstellung (act. 91 S. 5-24) und die Klägerin nimmt dazu Stellung
(act. 100 S. 6-10). Wie soeben aufgezeigt (E. 7.) gelingt dem Beklagten der
Nachweis einer unrichtigen Rechtsanwendung der Vorinstanz und damit verbun-
den der Entfall der Haftung; den gerügten Sachverhaltselementen ist mangels Er-
heblichkeit nicht nachzugehen.
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9. Fazit
Mangels Erkennbarkeit der Gefährdung seiner Unterlassung entfällt eine Haftung
des Beklagten. In Gutheissung der Berufung ist das vorinstanzliche Urteil betref-
fend den Beklagten aufzuheben und die Klage abzuweisen.
10. Kosten- und Entschädigungsfolge
10.1. Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 3) wurde nicht an-
gefochten und erwuchs damit in Rechtskraft. Davon ist Vormerk zu nehmen. Die
zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist ausgehend von einem Streitwert der Teilkla-
ge von Fr. 31'000.– für das Berufungsverfahren in Anwendung von § 12 Abs. 1
und 2 in Verbindung mit den §§ 2 Abs. 1 lit. a, c und d sowie 4 Abs. 1 und 2 GebV
OG, unter Berücksichtigung des nahezu identischen Parallelverfahrens auf
Fr. 4'000.– festzusetzen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
Kosten beider Instanzen der Klägerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO; beim
Urteil der Vorinstanz sind vom vorliegenden Entscheid nur die Hälfte der Kosten
betroffen, zumal über die andere Hälfte mit Urteil vom 20. Dezember 2016 befun-
den wurde; vgl. LB160055-O/U). Die Kosten des Berufungsverfahrens sind aus
dem vom Beklagten geleisteten Kostenvorschuss zu beziehen und ihm von der
Klägerin zu ersetzen.
10.2. Ausgangsgemäss wird die Klägerin ferner für beide Instanzen entschädi-
gungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Die Parteientschädigung für das erstinstanz-
liche Verfahren ist (entsprechend der erstinstanzlichen Berechnung, act. 93 S. 59)
auf Fr. 10'220.– zuzüglich 8 % MWST, die Parteientschädigung für das Beru-
fungsverfahren in Anwendung der §§ 13 Abs. 1 und 2 i.V.m. 4 Abs. 1 und 2 Anw-
GebV auf Fr. 5'000.– zuzüglich 8% MWST (vgl. Kreisschreiben des Obergerichts
des Kantons Zürich vom 17. Mai 2006) festzusetzen, und die Klägerin ist zu ver-
pflichten, dem Beklagten diese Parteientschädigung für beide Verfahren zu be-
zahlen.
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