Decision ID: 5d91aa2f-fad5-4b2e-b0ea-1da1a3bd29d5
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist Halter des nach einem Umbau mit Erdgas und Benzin betriebenen
Personenwagens Ford Focus 2.0i 16V. Dieser wurde am 2. Juli 2007 in Verkehr
gesetzt.
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B.- Mit Rechnung vom 16. Februar 2010 erhob das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt bei X, für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
Strassenverkehrssteuern, unter anderem für das Fahrzeug Ford Focus 2.0i 16V von
Fr. 467.--. Die dagegen erhobene Einsprache vom 26. Februar 2010 wies das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt mit Entscheid vom 9. März 2010 ab.
C.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X mit Eingabe vom 13. März 2010
Rekurs beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, welches die
Eingabe zuständigkeitshalber an die Verwaltungsrekurskommission überwies. Im
Rekurs wird beantragt, die Strassenverkehrssteuern für das Fahrzeug Ford Focus 2.0i
16V sei für die Jahre 2009 und 2010 zu erlassen. Unter Kostenfolge sei der Entscheid
der Vorinstanz vom 9. März 2010 aufzuheben. Der falsche Typengenehmigungs-Eintrag
sei rückwirkend auf die erste Inverkehrsetzung hin richtig einzutragen.
Mit Vernehmlassung vom 22. April 2010 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses.
D.- Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit notwendig, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 13. März 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. h Ziff. 1, 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist grundsätzlich einzutreten.
Anfechtungsobjekt ist die Veranlagungsverfügung der Vorinstanz bezüglich der
Strassenverkehrssteuer für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010. Die
Vorinstanz hat die Rechnung für die Strassenverkehrssteuer 2009 am 12. Januar 2010
wiedererwägungsweise aufgehoben. Am 16. Februar 2010 teilte sie dem Rekurrenten
mit, für das Jahr 2009 sei die Strassenverkehrssteuer doch geschuldet. Nach erfolgter
Einsprache gegen die Veranlagung der Strassenverkehrssteuer 2010 hob die
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Vorinstanz die Steuerrechnung für das Jahr 2009 im Einsprache-Entscheid vom 9.
März 2010 "kulanterweise" auf. Nicht einzutreten ist deshalb mangels
Anfechtungsobjekts auf den gestellten Antrag, das Fahrzeug Ford Focus 2.0i 16V sei
für das Jahr 2009 von der Strassenverkehrssteuer zu befreien. Es ist im Folgenden
einzig die Veranlagungsverfügung für das Jahr 2010 zu überprüfen.
2.- Im Rekurs ist umstritten, ob für den Personenwagen Ford Focus 2.0i 16V für das
Jahr 2010 Strassenverkehrssteuern zu bezahlen sind.
a) Der Kanton St. Gallen erhebt jährlich eine Steuer auf Motorfahrzeugen und
Motorfahrzeuganhängern, die im Kanton ihren Standort haben und auf öffentlichen
Strassen verkehren (Art. 3 Abs. 1 des Gesetzes über die Strassenverkehrsabgaben,
sGS 711.70, abgekürzt: SVAG). Steuerpflichtig ist der Fahrzeughalter (Art. 4 SVAG). Die
Steuer wird nach dem Gesamtgewicht des Fahrzeugs berechnet (Art. 10 SVAG). Der
allgemeine Steuersatz ist in Art. 11 SVAG geregelt. Art. 12 ff. enthält den Steuersatz für
besondere Fahrzeuge. So wird unter anderem die Steuer für emissionsarme Fahrzeuge,
Elektrofahrzeuge und gasbetriebene Fahrzeuge unter bestimmten Voraussetzungen im
Jahr der ersten Inverkehrsetzung und in den drei folgenden Jahren erlassen (Art. 12 ,
12 und 12 SVAG). Art. 11 bis 12 SVAG wurden mit dem VI. Nachtrag zum
SVAG eingeführt. In Kraft ist dieser Nachtrag seit dem 1. Januar 2009. Die Steuer wird
für gasbetriebene Fahrzeuge im Jahr der ersten Inverkehrsetzung und in den drei
folgenden Jahren erlassen, wenn diese einen CO -Ausstoss von nicht mehr als 143 g/
km aufweisen. Für Fahrzeuge, die bis zu drei Jahre vor Inkraftsetzung des Erlasses,
also nach dem 1. Januar 2006 erstmals in Verkehr gesetzt wurden, und zu diesem
Zeitpunkt die Voraussetzungen für eine Steuerermässigung nach Art. 12 , 12 und
12 SVAG erfüllt haben, wird die Steuer für den Rest der Frist nach diesen
Bestimmungen erlassen (Schlussbestimmung des VI. Nachtrags).
b) Der Rekurrent macht geltend, die Vorinstanz habe sein Fahrzeug in der
Typengenehmigung fälschlicherweise mit einen CO -Wert von 170 g/km und der
Energie-Effizienz-Kategorie C registriert. Richtig wäre ein CO -Wert von 142 g/km und
die Energie-Effizienz-Kategorie B. Als Fahrzeughalter habe er zu keinem Zeitpunkt
Einfluss auf die Typengenehmigung nehmen können, selbst wenn er vom falschen
Eintrag gewusst hätte.
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c) Beim Fahrzeug des Rekurrenten handelt es sich um einen Ford Focus 2.0i 16V,
welcher ursprünglich als benzinbetriebenes Fahrzeug produziert, dann aber von einer
Ford-Garage zu einem bivalenten Gasfahrzeug umgebaut wurde (vgl. act. 3/3).
aa) Der Hersteller eines neuen Personenwagens muss den Treibstoffverbrauch und die
CO -Emissionen mittels Typengenehmigung angeben (vgl. Anhang 3.6, Ziff. 2.1.1 der
Energieverordnung, SR 730.01; abgekürzt: EnV). Dabei muss er dem zuständigen
Bundesamt zu den neu zugelassenen Personenwagen unter anderem Angaben über
CO -Emissionen in Gramm pro Kilometer und Energieeffizienz-Kategorie machen
(Anhang 3.6, Ziff. 5.3 EnV). Das Bundesamt für Strassen stellt dem zuständigen
Bundesamt oder der vom Bundesamt beauftragten Stelle dazu die technischen Daten
der Typengenehmigung zur Verfügung (Anhang 3.6, Ziff. 5.5 EnV). Diese werden durch
eine technische Prüfung der Fahrzeugtypen ermittelt. Zuständig für die Durchführung
dieser Prüfung sind nur wenige Prüfstellen, welche im Anhang 2 der Verordnung über
die Typengenehmigung von Strassenfahrzeugen (SR 741.511; abgekürzt: TGV)
aufgeführt sind. Über die Typengenehmigungen führt das Bundesamt für Strassen ein
Fahrzeugtypenregister (TARGA) (vgl. Art. 104d des Strassenverkehrsgesetzes, SR
741.01; abgekürzt: SVG). Darin werden für jeden Fahrzeugtyp die Daten für die
Zulassung und Überprüfung der Fahrzeuge aufgeführt (Art. 11 Abs. 1 TGV). Diese
Daten werden den für die Fahrzeugzulassung und -prüfung zuständigen Stellen
bekannt gegeben und mittels eines Abrufsystems zugänglich gemacht (Art. 11 Abs. 2
TGV).
bb) Die Vorinstanz führt ein Register aller im Kanton St. Gallen zugelassenen
Fahrzeuge. Für dieses kantonale Register bezieht sie die technischen Daten aus dem
TARGA (vgl. act. 9/2 und 14). Für das Fahrzeug des Rekurrenten wurde vom Hersteller
eine Typengenehmigung (Nr. 1FH488) für das Basisfahrzeug, also den Ford Focus 2.0i
16V als Benzinfahrzeug, eingeholt. Dabei ergab sich ein CO -Wert von 170 g/km und
die Engerieeffizienzkategorie D. Diese Daten wurden von der Vorinstanz in ihr Register
übernommen. Bei einem Einzelumbau eines benzinbetriebenen in ein bivalent
gasbetriebenes Fahrzeug hat der Fahrzeughalter allfällige Änderungen der technischen
Daten zu belegen. Der Rekurrent reicht dazu ein Datenblatt ein, welches ihm von der
Ford-Garage, die den Umbau durchgeführt hatte, zugestellt wurde (vgl. act. 3/3 und
3/4). Es ist nicht ersichtlich, worauf die Garage die im Datenblatt aufgeführten Werte
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stützt. Diese wurden jedenfalls nicht von einer vom Bund für die Durchführung der
technischen Prüfung für zuständig erklärten Prüfstelle (vgl. Art. 17 und Anhang 2 TGV)
ermittelt. Nur eine technische Prüfung durch eine dieser Prüfstellen führt aber zum
Erlass einer Typengenehmigung und damit zu durch die Zulassungsstellen
verwendbaren technischen Daten.
cc) Die Vorinstanz hat damit zu Recht auf die in der Typengenehmigung des
Basisfahrzeugs enthaltenen technischen Daten abgestellt. Der CO -Emissionswert wird
darin mit 170 g/km aufgeführt. Dieser Wert entspricht vielleicht nicht dem faktischen
CO -Ausstoss nach dem Umbau zum bivalenten Gasfahrzeug. Für den Gasbetrieb
besteht aber für den Fahrzeugtyp des Rekurrenten, also für den Ford Focus 2.0i 16V,
keine Typengenehmigung. Will der Rekurrent also die für sein Fahrzeug erfassten
technischen Daten anpassen lassen, hat er die tatsächlichen Werte mittels einer neu zu
erstellenden Typengenehmigung nachzuweisen. Dazu müsste er sein Fahrzeug durch
eine in Anhang 2 TGV aufgeführte Prüfstelle prüfen lassen. Die dabei entstehenden
Kosten würden allerdings die für das Jahr 2010 geschuldeten Strassenverkehrssteuern
um ein Vielfaches übersteigen.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass für das Fahrzeug des Rekurrenten für das Jahr
2010 kein Steuererlass gewährt werden kann. Der Rekurs ist damit, soweit auf ihn
einzutreten ist, abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der Rekurrentin
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 500.-- ist angemessen
(vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 500.-- ist zu verrechnen.