Decision ID: 00f09a10-9def-5f3d-867d-dc4aa4d0c9ab
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Verfügung vom
8.
Juli 2010 (
Urk.
11/38,
Urk.
11/57) sprach die
Sozialversi
cherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV
-Stelle, der 1963 geborenen
X._
ab
1.
Juni 2009 eine ganze und ab
1.
November 2009 eine halbe Rente der Invalidenversicherung zu.
Im Oktober 2010 leitete
die IV-Stelle ein
Revisi
onsverfahren
ein
(
vgl.
Urk.
11/61
ff.
)
. Sodann
unterbreitete
sie
die Akten im Hin
blick auf die am
1.
Januar 2012 in Kraft getretene Revision des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung (IVG) ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD;
Urk.
11/82/5).
Mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2012 (
Urk.
11/94) hob
die IV-Stelle
die bisher ausgerichtete Rente auf. Die von der Versicherten dagegen er
hobene Beschwerde
hiess
das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit
Urteil vom 1
6.
November 2012 in dem Sinne gut, dass es die Verfügung vom 2
1.
Juni 2012 aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese unter Weiterausrichtung der bisherigen Rente die erforderlichen medizi
nischen Ab
klärungen treffe und hernach über den Rentenanspruch neu verfüge (
Urk.
11/120
/1-14;
Prozess Nr. IV.2012.00824).
1.2
Die IV-Stelle holte in der Folge bei der Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
Y._
ein polydisziplinäres Gutachten
(Allgemeine/Innere Medi
zin, Rheumatologie, Neurologie, Psychiatrie)
ein
(vgl.
Urk.
11/148)
, welches am
7.
Oktober 2013 erstattet wurde (
Urk.
11/152/2-49). Am 1
7.
Januar 2014 stellte sie den Gutachtern Ergänzungsfragen (
Urk. 11/155
). Die Antwort der Gutachter erging am 2
1.
Januar 2014 (
Urk.
11/156).
Am 1
7.
Februar 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine er
neute
polydiszi
p
linäre
medizinische Untersuchung
(Allgemeine/Innere Medizin,
Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie)
als notwendig erachte (
Urk.
11/158),
was sie mit Zwischenverfügung vom 1
3.
März 2014 (
Urk.
11/164) bestätigte. Auf
die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde trat das hiesige Gericht mit Beschluss vom 3
1.
Oktober 2014 nicht ein, nachdem in der angefochtenen Verfügung (noch) keine Gutachterstelle benannt worden war (
Urk.
1
1/172;
Pro
zess Nr. IV.2014.00412).
1.3
Am 1
9.
Februar 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die (weiter
hin als notwendig erachtete) Begutachtung durch die MEDAS
Z._
erfol
gen
werde; gleichzeitig gab sie
ihr
die Namen der Gutachter bekannt (
Urk.
11/178). Mit Schreiben vom 2
3.
Februar 2015 (
Urk.
11/179) widersetzte sich die Versicherte einer erneuten polydisziplinären Untersuchung, woraufhin die IV-Stelle mit Zwischenverfügung vom
4.
März 2015 (
Urk.
11/182 =
Urk.
2) an einer Begutachtung durch die MEDAS
Z._
festhielt.
2.
Die Versicherte erhob 1
0.
April 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
4.
März 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und von einer er
neuten polydisziplinären Begutachtung sei abzusehen (
Urk.
1 S. 2 oben). Mit Beschwerdeantwort vom 1
3.
Mai 2015 (
Urk.
10) beantragte die IV-Stelle die Ab
weisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 2
6.
Mai 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei der angefochtenen Verfügung vom
4.
März 2015 (
Urk.
2) han
delt es sich um eine Zwis
chenverfügung im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 des Bundesge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversich
erungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesg
esetzes über das Verwaltungsver
fahren (
VwVG
), welche bei Bejahung des nicht wieder
gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde ange
fochten werden kann.
1.2
Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext der Gutachtenanordnung fällt gemäss der R
echtsprechung (BGE 137 V 210 E.
3.4.2.7) ins Gewicht, dass das Sachverständigengutachten im
Rechts
mittelverfahren
mit Blick auf die fachfremde Materie faktisch nur beschränkt
überprüfbar ist. Mithin kommt es entscheidend darauf an, dass
qualitätsbezo
gene
Rahmenbedingungen durchgesetzt werden können. Greifen die Mitwir
kungs
rechte erst nachträglich bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und
Be
schwer
deverfahren
, so kann hieraus ein nicht wieder gutzumachender Nach
teil entstehen, zumal im Anfechtungsstreitverfahren kein Anspruch auf Einho
lung von Gerichtsgutachten besteht. Hinzu kommt, dass die mit medizinischen Un
tersuchungen einhergehenden Belastungen zuweilen einen erheblichen Ein
griff in die physische oder psychische Integrität bedeuten. Aus diesen Gründen ist
gemäss der Rechtsprechung die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gut
zu
machenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejah
en, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtli
chen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird.
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können materielle Einwendungen bei
spielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht not
wendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sach
ver
hal
t
- bloss einer Zweitmeinung entspreche (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hin
wei
sen;
noch anders: BGE 136 V 156). Sodann können personenbezogene
Aus
stands
gründe
gerügt werden
(BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7).
2.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihr Festhalten an einer polydisziplinären
Begutachtung durch die MEDAS
Z._
damit, dass die vorhandenen Ak
ten
für eine schlüssige Beurteilung nicht genügten (
Urk.
2 S. 2 Mitte). Das Gut
ach
ten der MEDAS
Y._
weise zahlreiche Widersprüche auf, welche auch nach Rückfrage bei den Gutachtern nicht hätten geklärt werden können. Des
halb könne nicht auf dieses Gutachten abgestellt werden und sei zur Klärung der Unstimmigkeiten die Einholung eines Obergutachtens notwendig (
Urk.
10).
2
.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) entgegen, das Gut
achten der MEDAS
Y._
beantworte
die aufgeworfenen Fragen diffe
ren
ziert, voll
ständig und schlüssig
, so dass eine erneute polydisziplinäre Begut
ach
tung für die Beurteilung ihres Anspruchs auf Weiterausrichtung der bisheri
gen halben Invalidenrente nicht notwendig sei (S. 4
Ziff.
2). Unter Berücksichti
gung der – näher dargelegten (S. 4 ff.
Ziff.
3) - Ausführungen im Gutachten und im
Ergänzungsschreiben der MEDAS
Y._
sowie unter Berücksichti
gung sämt
licher medizinischer
Vorakten
sei in nachvollziehbarer und schlüssi
ger Weise ausgewiesen, dass sie aufgrund objektivierbarer klinischer Befunde und in vor
gängig durchgeführten bildgebenden Abklärungen festgestellter Pa
thologien aus
rein somatischer Sicht qualitativ in ihrer Arbeits- und Erwerbsfä
higkeit ein
ge
schränkt sei. Hinzu komme, dass sie aus rein psychiatrischer Sicht auch quan
titativ in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei und die körperlich angepasste Tätigkeit lediglich noch im Umfang von 50
%
ausüben könne. Die von der
Be
schwerdegegnerin
beabsichtigte polydisziplinäre Begutachtung stelle eine unzu
lässige „
second
opinion
“ dar (S. 7 f.
Ziff.
4).
3
.
3.1
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversi
cherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzu
klären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungs
grundsatz verpflichtet, die not
wen
digen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungs
trä
ger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweck
mässigkeit von medizinischen Erhebungen
gross ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_481/2013 vom
7.
November 2013 E.
3.4). Was zu beweisen ist, ergibt
sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durch
zuführende
n Abklärungen im Sinne von
Art.
43 ATSG beinhalten indessen recht
sprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „
second
opinion
“
zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_957/2010 vom
1.
April 2011 E. 6.1).
3.2
Summarisch zu prüfen ist, ob es sich bei der
angeordneten
polydisziplinären Begutachtung um das Einholen einer unzulässigen „
second
opinion
“ handelt, beziehungsweise ob eine genügende Beweislage vorliegt. Um diese Frage be
ant
worten zu können, müsste die vorliegende Aktenlage auf ihre Vollständig
keit
und Schlüssigkeit hin überprüft werden. Eine eingehende Überprüfung der med
i
zinischen Aktenlage würde aber dazu führen, dass der Endentscheid im Hinblick auf die Beurteilung der medizinischen Sachlage weitgehend präjud
i
ziert würde. Da die Verfahrens
hoheit bis zum Abschluss des
Verwaltungsver
fahrens
bei der Beschwerdegegne
rin liegt und ihr deshalb im Rahmen der
Ver
fahrensleitung
ein
gr
osser Ermes
sensspielraum bezüglich Notwendigkeit, Um
fang und Zweckmässig
keit von medizinischen Erhebungen zukommt, muss im vorliegenden Verfahren die richterliche Prüfung bei einer knappen Beurteilung der Aktenlage im Sinne einer Plausibilitäts- respektive Missbrauchsko
ntrolle ihr Bewenden haben. Ent
scheidend ist, ob die Gründe, die die Beschwerdegegneri
n für die Notwendigkeit einer weiteren polydisziplinären
Abklärung
anführt, plausibel erscheinen.
4.
4.1
In ihrem am
7.
Oktober 2013 erstatteten Gutachten (
Urk.
11/152/2-49) nannten
die
Ärzte
der MEDAS
Y._
nach am 3.,
4.
und
7.
Juni 2013 durchgeführ
ten
internistisch-rheumatologischen (S. 28 ff.), psychiatrischen (S. 30 ff.) und neu
ro
logischen (S.
37 ff.) Untersuchungen folgende Hauptdiagnosen mit Aus
wir
kung
en auf die Arbeitsfähigkeit (S. 42 f.
Ziff.
7.1.1):
mittelgradige depressive Störung mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
soziale Phobie (ICD-10 F40.1)
Persönlichkeitsstruktur mit ängstlich vermeidenden Zügen
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom mit
zerviko
- und
lumbo
spondylogener
Komponente
intraforaminale
bis laterale Diskushernie L4/5 links (
Magnet
resonanz
to
mographie
, MRI, vom 2
5.
August 2003)
zirkuläre
Diskusprotrusion
L4/5 und L5/S1 mit
Anulus
fibrosus
-Ein
riss ohne Neurokompression (MRI vom
5.
Juni 2013)
lumbale Hyperlordose, Skoliose
muskuläre
Dysbalance
anamnestisch chronische, diffuse Polyarthralgien und nicht
organneu
rologisches
sensibles
Hemisyndrom
links
Kniegelenksarthroskopie links mit
retropatellärer
Chondroplastie
und medialer
Teilmeniskektomie
am
9.
Oktober 2008 wegen
retropatellärer
Chondromalazie
Grad IV und degenerativer medialer
Meniskopathie
Kniegelenksarthroskopie links mit medialer
Teilmeniskektomie
am
6.
Juli 2012 wegen degenerativer medialer
Meni
s
kopathie
mediale
femorotibiale
und
femoropatelläre
Arthrose links
rezidivierende intraartikuläre Steroidinfiltrationen Knie links am 3
1.
Oktober 2012, 2
1.
Januar und 1
0.
April 2013
Die Gutachter führten aus, a
us rheumatologisch-orthopädischer Sicht bestehe aufgrund der objektivierbaren klinischen Befunde und der in vorgängig durch
geführten bildgebenden Abklärungen festgestellten Pathologien eine Beein
träch
tigung der körperlichen Leistungsfähigkeit bezüglich
ausschliesslich
ste
hend/
gehend ausgeführten Arbeiten, Arbeiten im Knien oder in der Hocke sowie be
züglich
des
Heben
s
/Tragen
s
von Gewichten über 10 kg.
Eine berufliche Rein
te
gration in die angestammten Tätigkeiten als Produktionsmitarbeiterin in einer
Dönerfabrik beziehungsweise
Gastronomiehilfsarbeiterin
sei aus somatischer Sicht
nicht als sinnvoll zu erachten.
In körperlich leichten, wechselbelastenden und teilweise sitzend auszuführenden beruflichen Tätigkeiten ohne Arbeiten in der Hocke und im Knien sowie ohne Heben/Tragen von Gewichten über 10 kg lasse sich eine
Arbeitsunfähigkeit
hingegen
weder aus internist
i
sch-rheumato
logisch-orthopädischer noch aus neurologischer Sicht begründen. Aus psychi
atri
scher Sicht seien der Beschwerdeführerin körperlich adaptierte Tätigkeiten
gemäss
dem beschriebenen Belastungsprofil in einem Pensum von 50
%
zumut
bar
in kleinen, übersichtlichen Teams und mit der
Möglich
keit vermehrter Pau
sen u
n
d mit längeren Erholungsphasen (S. 45 unten).
Aus polydisziplinärer Sicht
schätzten
die Gutachter die Arbeitsfähigkeit für eine dem aus rheumatologisch-orthopädischer und psychiatrischer Sicht umschrie
be
nen Belastungsprofil Rechnung tragende adaptierte Tätigkeit auf 50
%
(S.
46
Ziff.
8.2.1).
D
ie Beschwerdeführerin sehe ihre Leistungsfähigkeit vor allem aufgrund ihrer somatischen Beschwerden als beeinträchtigt. Eine Arbeitsunfähigkeit in körper
l
ich adaptierten Tätigkeiten lasse sich jedoch weder aus internistisch-rheum
a
to
logisch-orthopädischer noch neurologischer Sicht begründen. Die durch die be
handelnde Psychiaterin attestierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit ab September 2009
sei nachvollziehbar. Die zumutbare Willensanstrengung der Beschwerde
führerin sei aus psychiatrischer Sicht mittelgradig beeinträchtigt. Aufgrund der mittel
gra
digen depressiven Störung mit somatischem Synd
rom
bei einer zu
grunde liegenden Persönlichkeitsstruktur mit ängstlich vermeidenden Zügen und Ent
wicklung einer sozialen Phobie sei die Beschwerdeführerin in ihren psy
choso
zialen Funktionen sowohl
kognitiv als auch emotional beeinträchtigt
(S.
46
Ziff.
7.2.4).
4
.2
RAD-Ärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Arbeitsmedizin und All
gemeinmedizin,
führte in ihrer Stellungnahme vom 1
5.
Oktober 2013 (
Urk.
11/184
S. 4)
aus, das
erstellte Gutachten sei in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge
einige
rmassen
einleuchtend.
Unbefriedigend sei, dass gewisse
IV-relevante Diagnosen nicht
a
ufgeführt
seien,
obwohl sie in die Schlussfolgerung einf
lössen
und das Belastungsprofil zur Hauptsache präg
ten: zum Beispiel werde
die Gonarthrose
nicht separat
aufgeführt
, sondern unter die
anamnestischen Polyarthralgien und das
Hemisyndrom
(neurologisch: absolut un
auffälliger Status ohne Hinweise auf
radikuläre
Symptomatik und ohne jegli
che
Funktionsstörungen) subsumiert. Die
Leistungseinschränkung in bisheriger und in leidensangepasster Tätigkeit beruhe hauptsächlich auf der psychischen Störung (mit 50
%
Arbeitsunfähigkeit), eine detaillierte Begründung
hierzu fehle aber (
insbesondere auch betreffend
die
Einschränkung
in
leidensangepassten Tätigkeiten: die hohe Arbeitsunfähigkeit
sei nicht plausibel und nicht
nachvoll
ziehbar). Weiter werde eine Aus
sage zur Überwindbarkeit
gemacht, ohne dass die
Kriterien geprüft worden seien, beziehungsweise werde ausgesagt, es könne keine
somatoforme
Schmerzstörung oder eine andere
syndromale
Erkrankung diag
nos
tizie
r
t werden, obwohl in der Diagnoseliste eine depressive Störung mit soma
ti
schem Syndrom aufgeführt
werde
.
Zur Klärung der dargelegten Widersprüchlichkeiten formulierte
Dr.
A._
n
ach Rücksprache mit dem
Rechtsdienst
(
Urk.
11/184 S. 4 f.)
am 1
7.
Januar 2014
drei Rückfragen
(
Urk.
11/184 S. 5 Mitte), welche d
en Gutachtern glei
chentags unterbreitet
wurden
(
Urk.
11/155).
4.3
Mit Schreiben vom 2
1.
Januar 2014
(
Urk.
11/156)
ersuchte
der
Chefarzt
der MEDAS
Y._
,
Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neu
rologie sowie Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
welcher
das
neuro
logische Teilgutachten
erstellt hatte (vgl.
Urk.
11/152 S. 37 ff.), die
Be
schwerde
gegnerin
um Präzisierung der unterbreiteten Fragen, da diese erkennen
liessen
, dass es dem Fragesteller erheblich an medizinischem Sachverstand und sozial
medizinischen Kenntnissen bei der Formulierung seiner Fragen gemangelt habe. So werde zum
Beispiel eine depressive Störung mit somatischem Syndrom mit einer
syndromalen
Erk
r
ankung verwechsel
t
, oder es werde bemängelt, dass bei der Diagnose eines nicht organneurologisch begründbaren subjektiv vorge
trage
nen sensiblen
Hemisyndroms
links kein nachweisbares organisches Korre
lat im neurologisc
hen Status gefunden worden sei.
4.4
In ihrer Stellungnahme vom 2
7.
und 2
9.
Januar 2014 (
Urk.
11/184 S. 5 f.) führte RAD-Ärztin
Dr.
A._
aus, das Schreiben von Prof.
B._
be
ant
worte keine der gestellten Fr
agen. Nach Rücksprache mit dem Rechtsdienst sei eine Oberbegutachtung angezeigt, da auf das Gutachten
nicht abgestellt werden könne.
5.
5.1
Die Gutachter
der MEDAS
Y._
gelangten zum Schluss, dass der Be
schwerdeführerin
die angestammte Tätigkeit
in der Gastronomie
aufgrund
der
aus
rheumatologisch-orthopädische
r
Sicht zu erhebenden pathologischen Be
funde
nicht mehr
zumutbar sei
. F
ür eine leidensangepasste Tätigkeit
gemäss
näher um
schriebene
m
Belast
u
ngsprofil
attestierten
sie
der Beschwerdeführerin
eine Ar
beitsunfähigkeit von 50
%
.
D
ie quantitative Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
um 50
%
begründeten
die Gutachter
mit einem
psychischen Leiden im Sinne einer
mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem Syndrom bei einer zugrunde liegenden Persönlichkeitsstruktur mit ängstlich-vermeidenden Zügen
und Entwicklung einer sozialen Phobie (
vgl. vorstehend E.
4.1 sowie
Urk.
11/152
S. 35
Ziff.
5.4.4).
5.2
RAD
-Ärztin
Dr.
A._
kritisierte
, dass
die von den Gutachtern attestierte
Arbeitsunfähigkeit
von 50
%
in
einer leidensangepassten Tätigkeit
nich
t plausi
bel und nachvollziehbar sei
(vorstehend E. 4.2)
.
Die summarische Würdigung
d
es Gutachtens
der MEDAS
Y._
ergibt, dass d
ie
se Kritik
nicht von der Hand zu weisen
ist. In ihren
zu
Handen
der
Gut
achter formulierten Rückfragen
(
Urk.
11/155)
wies
Dr.
A._
zu Recht da
rauf
hin, dass
sich die Begründung für di
e attestierte Einschränkung im We
sent
li
chen
in der Feststellung
er
schöpft,
die Beschwerdeführerin sei in ihren psycho
sozialen Funktionen sowohl kognitiv als auch emotional beeinträchtigt (vgl.
Urk.
11/152 S. 35
Ziff.
5.4.4, S. 46
Ziff.
7.2.4). Damit aber
wird
die attes
tierte
50%ige Einschränkung
nicht
hinreichend plausibilisier
t
.
Zudem
erscheint es
widersprüchlich, wenn die
Gutachter
gleichzeitig ausführen,
die
Beschwer
de
füh
rerin
sei differenziert und verfüge über gute kognitive und emotionale Ressour
ce
n
(
vgl.
Urk.
11/152 S.
36
Ziff.
5.8, S.
46
Ziff.
7.2.4 am Ende).
Abgese
hen davon
fällt
auf, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Begutachtung
eine
wesentliche Beeinträchtigung ihres psychischen Gesundheitszustands ver
neinte (
Urk.
11/152 S.
26 unten)
. Dementsprechend
gab
sie an
,
derzeit auf Psychopharmaka verzich
ten zu können
und berichtete
sie
von lediglich einmal monatlich stattfinden
d
en psychiatrisch-psy
chotherapeu
ti
schen Konsultationen
(
Urk.
11/152 S. 31 unten)
, was nicht auf einen
massgeblichen
psychischen
Lei
densdruck
schliessen
lässt
. Weiter gab
die Beschwerdeführerin
an,
das Fitness-Abo ihrer Tochter über
nommen zu haben und aktuell ein
Fitnesstraining durch
zuführen (
Urk.
11/152
Ziff.
3.4.2.3)
sowie an
einer Gruppe teilzunehmen, in welcher anhand von reli
giösen Zeitschriften Arabisch gesprochen werde (
Urk.
11/152 S. 33 Mitte). Nach ihren Zukunftsvorstellungen gefragt
führte die Beschwerdeführerin aus
, sich vor
stellen zu können, ein kleines Restaurant zu führen (
Urk.
11/152 S. 32 oben).
Wie sich dies
e Umstände
mit
einer
massgebli
chen
, die Arbeitsfähigkeit um 50% einschränkenden Depressivität
mit sozialer
Phobie
vereinbaren
l
assen,
wird im Gutachten nicht
e
rläutert.
5.3
Die Nachvollziehbarkeit der Schlussfolgerungen ist eines der zentralen Kriterien für die Beweiswertigkeit einer medizinischen Exp
ertise
(BGE 134 V 231 E.
5.1, 125 V 351 E.
3a).
A
ngesichts der dargelegten
(vorstehend E.
5.
2
)
Unstimmig
keiten im Gutachten der MEDAS
Y._
, welche mittels Rückfragen an die Gutachter nicht geklärt werden konnten (vgl. vorstehend E. 4.3), ist nicht zu be
anstanden, dass die Beschwerdegegnerin den psychischen Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
als
weiter abklärungsbedürftig erachtete.
Weitere psychiatrische Abklärungen die
ne
n der für den Endentscheid notwendigen Sachverhaltsabklärung und stellen keine „
second
opinion
“ dar.
5.4
Hingegen ergibt d
ie summarische Würdigung des Gutachtens der MEDAS
Y._
(vorstehend E.
4.1)
,
dass dieses
zur Beurteilung des
somatischen Ge
sundheitszustands
der Beschwerdeführerin
eine hinreic
h
ende
Entscheidgrund
lage
darstellen
sollte.
Die
Beschwerdeführer
in wurde internistisch-rheumatolo
gisch sowie neurologisch
umfassend untersucht
. Die
Gutachter
hatten
Kenntnis der
Vorakten
(vgl.
Urk.
11/152 S. 2 ff.) und d
ie aus somatischer Sicht gezogenen Schlussfolgerungen
erscheinen mit Blick auf in den somatischen Teilgutachten
dargelegten Befunde
(vgl.
Urk.
11/152 S.
28 ff., S.
38 f.)
nachvollziehbar und plausibel.
Allein im Umstand, dass die
Gonarthrose
nicht separat in der
Diag
no
seliste
aufgeführt
wurde, ist kein den
Beweiswert
des Gutachtens
schmälender Mangel zu erblicken. Entscheidend ist letztlich, dass den im Bereich des linken
Kniegelenks zu erhebenden degenerativen Veränderungen (vgl.
Urk.
11/152 S. 3
0 oben und Mitte) im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurt
eilung Rechnung ge
tra
gen wurde
(vgl.
Urk.
11/152 S.
45 Mitte).
Die Notwendigkeit
einer erneuten
Be
gut
achtung der Beschwerdeführerin in den Disziplinen Allgemeine
/
Innere Medi
zin,
Neurologie und Rheu
matologie ist nicht ersichtlich.
5.5
Zusammenfassend
ist nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin den
psychischen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin als weiter
abklä
rungs
bedürftig
erachtete. Es besteht jedoch kein Anlass
, die Beschwerdeführerin erneu
t
polydisziplinär
(unter Einschluss der Disziplinen Allgemeine
/Innere Me
dizin, Neu
rologie und
Rheumatologie
)
zu begutachte
n. D
ie angefochtene
Zwi
schenver
fügung
, mit welcher die Beschwerdegegnerin
an einer polydisziplinären Begut
ach
tung durch die MEDAS
Z._
festgehalten hat, ist daher aufzu
heben mit
der Feststellung, dass die Beschwerdegegnerin berechtigt ist, weitere psychia
trische Abklärungen zu
tätigen. Dies führt zur teilweisen
Gutheissung
der Be
schwerde.
6.
6.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG -
gemäss
Art. 61
lit
. a ATSG kostenlos. Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2 oben) erweist sich damit als gegenstandslos.
6.2
Ausgangsgemäss
ist der
teilweise obsiegenden
Beschwerdeführerin eine um einen
Viertel
reduzierte Prozessentschädigung
zuzusprechen, welche beim massgeb
li
chen Stundenansatz von
Fr.
185.-- auf
Fr.
1‘200
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
an
zusetze
n
ist.