Decision ID: f3968350-e33b-46a6-9697-004b21100af7
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ stellte am 15. November 2018 bei der kantonalen Arbeitslosenkasse
(nachfolgend: Kasse) einen Antrag auf Insolvenzentschädigung für Lohnausfall vom
1. Dezember 2017 bis 28. Februar 2018 sowie Anteil 13. Monatslohn in Höhe von total
Fr. 11'533.80 (act. G5.1/70 f.). Er hatte seit 1. November 2017 für die B._ GmbH
(nachfolgend: Arbeitgeberin) als Berufsarbeiter in einem Vollzeitpensum gearbeitet
(siehe Arbeitsvertrag, act. 5.1/76 ff.). Die Arbeitgeberin hatte das Arbeitsverhältnis mit
ihm am 2. Februar 2018 aus wirtschaftlichen Gründen per 17. Februar 2018 gekündigt
(siehe Kündigungsschreiben, act. G5.1/79). Der Versicherte reichte ein Schreiben vom
16. März 2018 ein, mit welchem die Arbeitgeberin bestätigte, dass sie aus
wirtschaftlichen Gründen zahlungsunfähig geworden sei und dem Versicherten den
Lohn für die Monate Dezember 2017 bis Februar 2018 sowie den Anteil
13. Monatslohn, total Fr. 11'533.80, nicht ausbezahlt habe (act. G5.1/69). Zudem wies
er nach, dass er am 15. Oktober 2018 ein Betreibungsbegehren in derselben Höhe
gegen die Arbeitgeberin eingereicht hatte (act. G5.1/72). Über die Arbeitgeberin war am
26. Oktober 2018 vom Konkursrichter des Kreisgerichts Rorschach der Konkurs
eröffnet worden (vgl. Handelsregisterauszug).
A.a.
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Mit Schreiben vom 17. Dezember 2018 gab der Versicherte gegenüber der Kasse
an, er habe die Forderungseingabe lange nicht einreichen können, weil die
Arbeitgeberin lange keinen Konkurs angemeldet habe. Aufgrund der ausstehenden
Löhne habe er keine finanziellen Mittel gehabt, die Arbeitgeberin zu belangen. Der Lohn
für November 2017 sei ihm auf sein Bankkonto überwiesen worden. Er habe die
Arbeitgeberin mehrmals gemahnt, auch schriftlich. Auf sein Drängen habe die
Arbeitgeberin ihm die Lohnausstände schriftlich bestätigt. Daraufhin habe er eine
Betreibung gegen sie eingeleitet. Er hoffe, dass die eingereichten Unterlagen
ausreichten, denn er sei auf die Zahlung der Insolvenzentschädigung angewiesen
(act. G5.1/64). Diesem Schreiben legte der Beschwerdeführer eine Forderungseingabe
vom 12. Dezember 2018 an das Konkursamt (act. G5.1/65) sowie eine Kopie seiner
schriftlichen Mahnung vom 8. März 2018 samt Quittung der Postaufgabe bei
(act. G5.1/62 f.).
A.b.
Am 20. Dezember 2018 teilte die Kasse dem Versicherten mit, seine
Schadenminderungspflicht habe am 1. Januar 2018 begonnen. Am 8. März 2018 habe
er seine Lohnausstände bei der Arbeitgeberin gemahnt und angedroht, dass er bei
Nichtbezahlung bis zum 16. März 2018 den Rechtsweg beschreiten werde. Mit der
Einleitung der Betreibung habe er dann jedoch bis zum 15. Oktober 2018 zugewartet.
Der Versicherte habe somit seine Schadenminderungspflicht verletzt. Die Kasse gab
ihm Gelegenheit zur Stellungnahme (act. G5.1/66).
A.c.
Mit auf den 24. Dezember 2018 datierter Stellungnahme (Posteingang bei der
Kasse am 3. Januar 2019) machte der Versicherte im Wesentlichen geltend, er habe die
Arbeitgeberin zur Rede gestellt, die Arbeit nach ausbleibendem Lohn niedergelegt, die
Arbeitgeberin für den ausstehenden Lohn gemahnt und sich schriftlich bestätigen
lassen, dass die Löhne geschuldet seien. Er sei der deutschen Sprache nicht
ausreichend mächtig, juristischer Laie und ein einfacher Bauarbeiter. Die Kasse
versuche, ihre Leistungspflicht zu verweigern (act. G5.1/57 f.).
A.d.
Mit Verfügung vom 4. Januar 2019 lehnte die Kasse den Antrag auf
Insolvenzentschädigung ab. Zur Begründung führte sie aus, nach konstanter
Rechtsprechung genüge es nicht, nur mündlich gegen Lohnausstände vorzugehen.
Würden Arbeitnehmer während längerer Zeit keine Anstalten machen, ihrer
A.e.
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Lohnforderung mit hinreichender Deutlichkeit Ausdruck zu verleihen, so würden sie
ihrer Schadenminderungspflicht nicht innert nützlicher Frist nachgekommen
(act. G5.1/59 ff.).
Dagegen erhob der Versicherte, nun vertreten durch Rechtsagent Goran Babic, am
31. Januar 2019 Einsprache (act. G5.1/44 f.). Am 8. März 2019 begründete er die
Einsprache unter anderem damit, er habe die Arbeitgeberin zuerst mündlich, dann
schriftlich gemahnt, dann die Arbeit niedergelegt und schliesslich ein
Betreibungsbegehren gegen sie eingereicht. Damit habe er alle Sinn machenden
Schritte unternommen. Alle seine Bemühungen hätten Zeit in Anspruch genommen und
mehrere Monate seien vergangen, bevor es zu ersten konkreten Handlungen
gekommen sei. Das sei in der Praxis völlig normal. Kein Mitarbeiter werde panisch
reagieren und den Arbeitgeber sofort vor Gericht ziehen, sobald er einen Lohn nicht
erhalte. Zuerst müsse man abwarten und abschätzen, ob ein vernünftigeres Vorgehen
weniger Schaden bringe, denn im Gegenzug drohe die Arbeitgeber-Kündigung. Die
Kasse betrachte den Fall nicht ausreichend individuell, obwohl auf den Einzelfall
abzustellen sei (act. G5.1/37 ff.).
A.f.
Mit Entscheid vom 1. Juli 2019 wies die Kasse die Einsprache ab. Aufgrund der
eingereichten Unterlagen habe der Versicherte offene Lohnforderungen vom
1. Dezember 2017 bis 17. Februar 2018. Somit habe die Schadenminderungspflicht am
1. Januar 2018 begonnen. Erstmals etwas in eindeutiger und unmissverständlicher
Weise habe der Versicherte mit Schreiben vom 8. März 2018 unternommen. Dabei
habe er der Arbeitgeberin eine Frist zur Zahlung der Lohnausstände bis zum 16. März
2018 gewährt und gleichzeitig die Beschreitung des Rechtsweges angedroht. Danach
habe er es unterlassen, seine Lohnforderung mittels Betreibung oder Klage
durchzusetzen und habe mit dem Betreibungsbegehren bis zum 15. Oktober 2015
zugewartet, obschon ihm die schlechte finanzielle Lage des Betriebes bekannt
gewesen sei und er konkret mit einem Lohnverlust habe rechnen müssen. Der
Schuldanerkennung der Arbeitgeberin vom 16. März 2018 komme angesichts der zu
diesem Zeitpunkt wohl bereits eingetretenen Zahlungsunfähigkeit und bevorstehenden
Konkurseröffnung keine grosse Bedeutung zu. Wenn die Anspruchsvoraussetzungen
nicht erfüllt seien, könnten keine Leistungen erbracht werden, auch keine
Teilzahlungen. Es könne nicht Sache der versicherten Person sein, zu entscheiden, ob
A.g.
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B.
weitere Vorkehren zur Realisierung der Lohnansprüche erfolgsversprechend seien oder
nicht. Vielmehr habe sie im Rahmen der ihr obliegenden Schadenminderungspflicht
grundsätzlich alles ihr Zumutbare zur Wahrung der Lohnansprüche vorzunehmen. Zur
Durchsetzung der Lohnansprüche brauche es keine juristischen Kenntnisse. Es gebe
genügend Anlaufstellen, welche Hilfe anböten. Indem der Versicherte vom 16. März bis
15. Oktober 2018 nicht wie angedroht den Rechtsweg beschritten habe, habe er im
Sinne der angeführten Rechtsprechung die Schadenminderungspflicht verletzt, sodass
der Anspruch auf eine Insolvenzentschädigung verneint werden müsse (act. G5.1/52
ff.).
Gegen diesen Entscheid richtet sich die von A._ am 17. Juli 2019 erhobene
Beschwerde. Der Beschwerdeführer beantragt, ihm sei eine Insolvenzentschädigung in
Höhe von Fr. 11'533.80 zuzusprechen und die unentgeltliche Rechtspflege sowie
Rechtsverbeiständung zu gewähren. Es sei ein reformatorischer Entscheid zu treffen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Er habe
die Arbeitgeberin am 8. März 2018 gemahnt und eine Frist von sieben Tagen zur
Zahlung der ausstehenden Löhne angesetzt. Die Arbeitgeberin habe die
Lohnausstände am 16. März 2018 bestätigt. Am 15. Oktober 2018 habe er ein
Betreibungsbegehren gestellt und am 26. Oktober 2018 sei das Konkursverfahren
eingeleitet worden. Damit habe er entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin etwas gegen die Lohnausstände unternommen und sei seiner
Schadenminderungspflicht nachgekommen. Im konkreten Fall hätten weitere Schritte
von ihm nicht erwartet werden können. Er habe vier Monate ohne jegliches Einkommen
auskommen müssen. Die völlige Verweigerung von Insolvenzentschädigung erscheine
deshalb unverhältnismässig und unzumutbar. Er verfüge weder über juristische noch
über ausreichende Deutsch-Kenntnisse. Er sei mit den rechtlichen Aufgaben,
komplexen Zusammenhängen und prozessrechtlichen Abläufen völlig überfordert. Zur
Wahrung seiner Rechte sei er auf rechtliche Unterstützung durch eine Fachperson
angewiesen. Dass er nicht über die finanziellen Mittel zur Zahlung der Prozesskosten
verfüge, sei ausgewiesen. Deshalb ersuche er um unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung (act. G1).
B.a.
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Erwägungen
1.
Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
unter Verweis auf ihre Verfügung und ihren Einspracheentscheid die Abweisung der
Beschwerde (act. G5).
B.b.
Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Die
Insolvenzentschädigung deckt für das gleiche Arbeitsverhältnis Lohnforderungen für
höchstens die letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur
bis zum Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 AVIG (Art. 52 Abs. 1 Satz 1 AVIG).
1.1.
Der Arbeitnehmende muss im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles
unternehmen, um seine Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die
Kasse ihm mitteilt, dass sie an seiner Stelle in das Verfahren eingetreten ist (Art. 55
Abs. 1 Satz 1 AVIG). Er muss die Insolvenzentschädigung zurückerstatten, soweit die
Lohnforderung im Konkurs oder in der Pfändung abgewiesen oder aus Gründen nicht
gedeckt wird, die der Arbeitnehmende absichtlich oder grobfahrlässig herbeigeführt
hat, ebenso soweit sie vom Arbeitgeber nachträglich erfüllt wird (Art. 55 Abs. 2 AVIG).
1.2.
Zieht eine Pflichtverletzung unter gewissen Umständen die Rückforderung der
Insolvenzentschädigung nach sich, muss a fortiori bereits deren Auszahlung verweigert
werden können, wenn ein massgebliches Säumnis der versicherten Person vorliegt
(Urs Burgherr, Die Insolvenzentschädigung, Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers als
versichertes Risiko, Zürich/Basel/Genf 2004, S. 163). Die Bestimmung von Art. 55
Abs. 1 AVIG bezieht sich dem Wortlaut nach zwar auf das Konkurs- und
Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen
Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsverhältnis
vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird. Versicherte Personen müssen deshalb
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht nur im Konkurs- und
Pfändungsverfahren und nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses ihre Lohnansprüche
innert nützlicher Frist geltend machen, sondern es obliegt ihnen bereits vor Auflösung
des Arbeitsverhältnisses eine Schadenminderungspflicht, wenn der Arbeitgeber der
1.3.
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Lohnzahlungspflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und der Arbeitnehmende mit
einem Verlust rechnen muss. Eine Ablehnung der Insolvenzentschädigung infolge
Verletzung der Schadenminderungspflicht im Sinne der zu Art. 55 Abs. 1 AVIG
ergangenen Rechtsprechung setzt wie eine Rückerstattung bereits bezogener
Insolvenzentschädigung nach Art. 55 Abs. 2 AVIG voraus, dass der versicherten
Person ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder grobfahrlässiges Handeln
oder Unterlassen, vorgeworfen werden kann (Urteile des Bundesgerichts vom 29. April
2020, 8C_820/2019, E. 4.3.1, und vom 19. Juni 2019, 8C_85/2019, E. 4.1, je mit
Hinweisen; ARV 2010 Nr. 1 S. 48 E. 3 mit Hinweisen). Grobfahrlässig handelt, wer unter
Verletzung der elementarsten Vorsichtsgebote das ausser Acht lässt, was jeder
verständige Mensch in der gleichen Lage und unter den gleichen Umständen hätte tun
oder unterlassen müssen, um eine nach dem natürlichen Lauf der Dinge voraussehbare
Schädigung der Versicherung zu vermeiden (BGE 121 V 45 E. 3b; BGE 114 V 190 E.
2a; Burgherr, a.a.O., S. 156). Das Ausmass der vorausgesetzten
Schadenminderungspflicht richtet sich nach den jeweiligen Umständen des Einzelfalls,
wobei eine Gesamtbetrachtung der Bemühungen des Arbeitnehmenden Platz zu
greifen hat. Vom Arbeitnehmenden wird zwar in der Regel nicht verlangt, dass er
bereits während des bestehenden Arbeitsverhältnisses gegen den Arbeitgeber
Betreibung einleitet oder eine Klage einreicht. Er hat jedoch seine Lohnforderung
gegenüber dem Arbeitgeber in eindeutiger und unmissverständlicher Weise geltend zu
machen, sodass die Ernsthaftigkeit seiner Lohnforderung klar erkennbar ist. Zu
weitergehenden Schritten ist die versicherte Person dann gehalten, wenn es sich um
erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen
muss. Sie darf nicht untätig zuwarten, bis der Arbeitgeber in Konkurs fällt. Denn es
geht auch für die Zeit vor der Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht an, dass die
versicherte Person ohne hinreichenden Grund während längerer Zeit keine rechtlichen
Schritte zur Realisierung erheblicher Lohnausstände unternimmt, obschon sie konkret
mit dem Verlust der geschuldeten Gehälter rechnen muss. Insgesamt sollen sich
Arbeitnehmende gegenüber dem Arbeitgeber so verhalten, als ob es das Institut der
Insolvenzentschädigung nicht gäbe. Dieses Erfordernis lässt ein längeres Untätigsein
nicht zu (Urteile des Bundesgerichts vom 29. April 2020, 8C_820/2019, E. 4.3.1, vom
21. Mai 2019, 8C_79/2019, E. 3.2, und vom 29. August 2011, 8C_66/2011, E. 2.2, je
mit Hinweisen; Burgherr, a.a.O., S. 166 ff.).
Die Insolvenzentschädigung ist dafür bestimmt, dem Arbeitnehmenden und seiner
Familie in Zeiten plötzlicher und akuter Lohnknappheit unter die Arme zu greifen und
diesen den Gang zur Fürsorge zu ersparen. Macht der Arbeitnehmende während
längerer Zeit keine Anstalten, seine Lohnforderung mit hinreichender Deutlichkeit
1.4.
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2.
Ausdruck zu verleihen, signalisiert er mangelndes Interesse, und er verliert dadurch
auch gegenüber der Arbeitslosenversicherung seine Schutzbedürftigkeit und
Schutzwürdigkeit. Die Zielsetzung der Insolvenzentschädigung kann unter diesen
Voraussetzungen nicht mehr erreicht werden. Es kann nicht der Zweck dieser
Leistungsart sein, Lohnansprüche zu ersetzen, auf deren Geltendmachung der
Arbeitnehmende ohne hinreichenden Grund verzichtet hat (vgl. Burgherr, a.a.O.,
S. 165).
Nach konstanter Rechtsprechung genügt es für die Erfüllung der
Schadenminderungspflicht in der Regel nicht, wenn Lohnausstände lediglich mündlich
gemahnt werden. Dies gilt beispielsweise, wenn es um eine lang andauernde, das
heisst über zwei bis drei Monate hinaus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen
Verpflichtung des Arbeitgebers geht, wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto-
oder Teilzahlung erfolgt, wenn aus der Sicht der versicherten Person nicht mit guten
Gründen damit gerechnet werden kann, dass sich bald eine Besserung der Situation
ergibt, und wenn nicht andere, im Einzelfall verständliche Gründe vorliegen, die ein
Zuwarten mit zielgerichteten Schritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen
lassen (Urteile des Bundesgerichts vom 18. Oktober 2017, 8C_573/2017, E. 2, und vom
29. August 2011, 8C_66/2011, E. 4.2, je mit Hinweisen).
1.5.
Dem Beschwerdeführer wird eine Verletzung der Schadenminderungspflicht
vorgeworfen, weil er sich nicht in ausreichendem Masse um die Einforderung seiner
Lohnausstände bemüht habe. Dieser Vorhalt ist nachstehend zu prüfen.
2.1.
Nach der Rechtsprechung hat der Beschwerdeführer eine
Schadenminderungspflicht nicht erst im Konkursverfahren, sondern bereits ab dem
ersten Lohnausfall (siehe hierzu E. 1.3 vorstehend). Gemäss Arbeitsvertrag musste die
Arbeitgeberin ihm den Lohn auf das Ende jedes Kalendermonates ausrichten
(act. G5.1/109). Die Schadenminderungspflicht des Beschwerdeführers wurde somit
am 1. Januar 2018 ausgelöst, nachdem er den Lohn für den Monat Dezember 2017 bis
zu jenem Datum nicht erhalten hatte. Ab diesem Datum hätte der Beschwerdeführer
Bemühungen unternehmen müssen, den Lohnausstand von seiner Arbeitgeberin
erhältlich zu machen.
2.2.
Mit eingeschriebenem Brief vom 8. März 2018 forderte der Beschwerdeführer die
Arbeitgeberin unmissverständlich zur Zahlung der Lohnausstände bis zum 16. März
2018 auf und stellte bei ausbleibender Zahlung rechtliche Schritte in Aussicht
(act. G5.1/62). Diesem Schreiben ist zudem zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer
2.3.
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die Arbeitgeberin zuvor mehrmals mündlich und telefonisch gemahnt hat (vgl.
act. G5.1/62). Zudem hat der Beschwerdeführer mit seiner schriftlichen Mahnung vom
8. März 2018 der Arbeitgeberin eine kurze Nachfrist gesetzt und explizit weitere
rechtliche Schritte bei Ausbleiben der Lohnzahlung angedroht. Bis dahin kann dem
Beschwerdeführer keine Verletzung der Schadenminderungspflicht vorgeworfen
werden. Danach blieb der Beschwerdeführer aber bis zum 15. Oktober 2018
(Betreibungseinleitung, act. G5.1/70) untätig. Er unternahm also während rund sieben
Monaten keine rechtlichen Schritte. Dies, obschon ihm die Arbeitgeberin am 16. März
2018 mitgeteilt hatte, dass sie zahlungsunfähig sei (act. G5.1/69) und er
dementsprechend davon ausgehen musste, dass er seine Forderung nicht ohne
zwangsweise Durchsetzung (Betreibung oder Klage) würde erhältlich machen können.
Die Argumentation in der Einsprachebegründung, wonach er zuerst habe abwarten
wollen, "ob ein vernünftigeres Vorgehen weniger Schaden bringt" (act. G5.1/39 f.), kann
auf den Zeitraum nach dem 16. März 2018 nicht mehr angewendet werden, da dem
Beschwerdeführer ab diesem Zeitpunkt klar sein musste, dass die Arbeitgeberin seine
Forderung von sich aus (ohne staatlichen Zwang) nicht erfüllen würde.
2.4.
Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, er sei mit der deutschen Sprache
und dem schweizerischen Rechtssystem nicht vertraut und einfacher Bauarbeiter, kann
er daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten. Auch von einem Arbeitnehmenden mit
fehlenden oder ungenügenden Deutschkenntnissen ist zu erwarten, dass er sich bei
fortdauernden Lohnausständen – nötigenfalls mit Hilfe eines der deutschen Sprache
mächtigen Verwandten oder Bekannten – beraten lässt und über seine Rechte und
Pflichten innert nützlicher Frist kundig macht. Wie das Bundesgericht erwogen hat,
kann ein Arbeitnehmender, der Insolvenzentschädigung beanspruchen will, seine
Passivität über längere Zeit nicht dadurch rechtfertigen oder entschuldigen, er sei
rechtsunkundiger Ausländer und beherrsche die Schriftsprache kaum (Urteil des
Bundesgerichts vom 7. November 2001, C 49/01, mit Hinweis auf BGE 124 V 220
E. 2b/aa).
2.5.
Das Vorbringen des Beschwerdeführers, ihm hätten wegen der ausstehenden
Löhne die finanziellen Mittel gefehlt, die Arbeitgeberin zu belangen (act. G5.1/62),
überzeugt nicht. Bei derart knappen finanziellen Verhältnissen wäre umso dringender
angezeigt gewesen, dass der Beschwerdeführer seinen dem Lebensunterhalt
dienenden Lohn entsprechend vehement einfordert und bei Bedarf Beratung und
Unterstützung beansprucht. Jedenfalls leuchtet nicht ein, dass der Beschwerdeführer
mit der Einleitung eines Betreibungsverfahrens rund sieben Monate zugewartet hat,
2.6.
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3.
4.
nachdem ihm die Arbeitgeberin am 16. März 2018 eine schriftliche Schuldanerkennung
hat zukommen lassen und gleichzeitig behauptete, zahlungsunfähig geworden zu sein.
Nach dem Gesagten hätte der Beschwerdeführer spätestens ab Erhalt der
Bestätigung vom 16. März 2018 (allenfalls mit Beratung und Unterstützung der
Arbeitslosenkasse oder einer anderen Beratungsstelle) weitere rechtliche Schritte
unternehmen müssen, um seine Lohnforderung zu sichern. Er hätte jedenfalls nicht
rund sieben Monate untätig bleiben dürfen, bis er ein Betreibungsgesuch stellte. Auf
diese Weise riskierte er den vollständigen Verlust seiner Lohnforderung, der in der
Folge auch tatsächlich eingetreten ist (vgl. act. G5.1/36, Mitteilung über die Einstellung
des Konkursverfahrens mangels Aktiven vom 29. Januar 2019). Er hat damit auch unter
Berücksichtigung seiner beschränkten Sprach- und Rechtskenntnisse elementare
Vorsichtsgebote ausser Acht gelassen, um eine Schädigung der
Arbeitslosenversicherung zu vermeiden, sodass eine grobe Verletzung der
Schadenminderungspflicht zu bejahen ist. An diesem Schluss vermögen seine
Vorbringen nichts zu ändern.
3.1.
Die Beschwerdegegnerin hat somit den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Insolvenzentschädigung zu Recht verneint. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
3.2.
Schliesslich bleibt noch das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu
prüfen. Jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, hat Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint;
soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf
unentgeltlichen Rechtsbeistand (Art. 29 Abs. 3 BV). Die unentgeltliche Rechtspflege
bezweckt, auch der bedürftigen Partei den Zugang zum Gericht und die Wahrung ihrer
Parteirechte zu ermöglichen. Sie soll sicherstellen, dass jedermann unabhängig von
seinen finanziellen Verhältnissen nicht aussichtslose Streitsachen zur gerichtlichen
Entscheidung bringen und sich überdies im Prozess, sofern es sachlich geboten ist,
anwaltlich vertreten lassen kann. Für das sozialversicherungsrechtliche
Beschwerdeverfahren findet der Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand in
Art. 61 lit. f des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) seine gesetzliche Grundlage (Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Mai 2016, 9C_250/2016, E. 2.1).
4.1.
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