Decision ID: f6da7ba1-b1d5-51c5-b1ba-2578297a5956
Year: 2016
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1952 geborene, in seiner Heimat wohnhafte österreichische Staatsan-
gehörige A._ (nachfolgend: Versicherter oder Beschwerdeführer)
war in den Jahren 1974 und 1981 bis 1992 mit Unterbrüchen als Grenz-
gänger in der Schweiz erwerbstätig und entrichtete dabei Beiträge an die
schweizerische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(AHV/IV; act. 23). In Österreich war er zuletzt eigenen Angaben zufolge bis
am 10. Februar 2011 als Spediteur selbständig erwerbstätig gewesen
(act. 7), ehe er sich wegen einer Leberzirrhose am 14. März 2011 beim
österreichischen Versicherungsträger zum Bezug einer Invalidenrente an-
meldete. Dieser übermittelte am 22. April 2011 das Antragsformular E 204
der Schweizerischen Ausgleichskasse (SAK) zur Durchführung des zwi-
schenstaatlichen Rentenprüfungsverfahrens (act. 2).
B.
B.a Die IV-Stelle für Versicherte im Ausland (nachfolgend: IVSTA oder Vo-
rinstanz) tätigte in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Sie nahm insbesondere Berichte behandelnder Ärzte aus Österreich
(act. 8 bis 10) sowie einen ärztlichen Formularbericht E 213 vom 21. Juni
2011 (act. 13) zu den Akten und holte eine Stellungnahme des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 20. September 2011 (act. 25) ein. Gestützt
darauf ermittelte die IVSTA einen Invaliditätsgrad von 41 % (act. 26).
B.b Nachdem die IVSTA dem Versicherten mit einem erstem Vorbescheid
vom 10. Oktober 2011 mitgeteilt hatte, dass sie vom Eintritt eines massge-
benden Gesundheitsschadens im April 2011 ausgehe und das Wartejahr
damit erst am 1. April 2012 ablaufe (act. 27), stellte sie ihm mit einem zwei-
ten Vorbescheid vom 3. Mai 2012 die Ausrichtung einer Viertelsrente ab
1. April 2012 in Aussicht (act. 33). Der Versicherte machte mit Einwand
vom 6. Juni 2012 einen Anspruch auf eine ganze Rente ab dem 1. April
2011 geltend (act. 34), worauf die IVSTA zunächst beim RAD eine Stel-
lungnahme vom 13. Juli 2012 (act. 37) und sodann beim österreichischen
Versicherungsträger drei vertrauensärztliche Gutachten vom 4. bzw.
5. September 2012 (act. 40 bis 43) einholte. Zu diesen Gutachten nahm
der RAD am 6. November 2012 Stellung (act. 45).
B.c Mit Verfügung vom 11. Januar 2013 sprach die IVSTA dem Versicher-
ten im Sinne des Vorbescheids eine Viertelsrente ab 1. April 2012 zu. Ge-
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stützt auf die Einschätzung des RAD ging sie davon aus, dass der Versi-
cherte in seiner angestammten Tätigkeit als Spediteur seit April 2011 zu
100 % arbeitsunfähig, ihm aber eine adaptierte Tätigkeit weiterhin voll-
schichtig zumutbar sei (act. 52).
B.d Die dagegen vom Versicherten erhobene Beschwerde hiess das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil B-832/2013 vom 17. Dezember 2013 in-
sofern gut, als die Verfügung vom 11. Januar 2013 aufgehoben und die
Sache an die Vorinstanz zu weiteren medizinischen Abklärungen und
neuer Verfügung über den Leistungsanspruch zurückgewiesen wurde. Es
erwog im Wesentlichen, dass die Schlussfolgerung des RAD, wonach der
Versicherte in Verweisungstätigkeiten vollschichtig arbeitsfähig sei, nicht
nachvollziehbar und nicht genügend begründet sei (act. 60).
C.
C.a In der Folge forderte die IVSTA am 30. April 2014 gestützt auf die Emp-
fehlung des RAD vom 23. April 2014 (act. 64) beim österreichischen Versi-
cherungsträger unabhängige Gutachten eines Gastroenterologen sowie ei-
nes Orthopäden/Rheumatologen an (act. 65). Am 1. Juli 2014 wurden zwei
vertrauensärztliche Gutachten vom 20. Mai 2014 und vom 6. Juni 2014
(act. 67-69) übermittelt, wozu der RAD am 17. September 2014 Stellung
nahm (act. 72). Gestützt darauf ermittelte die IVSTA einen Invaliditätsgrad
von 34 % (act. 73) und stellte nach Einholen einer weiteren Stellungnahme
des RAD vom 27. November 2014 (act. 75) dem Versicherten am 3. De-
zember 2014 vorbescheidweise die Abweisung des Leistungsbegehrens in
Aussicht (act. 76). Dagegen erhob dieser am 13. Januar 2015 (act. 77) und
am 20. Februar 2015 (act. 80) Einwände. Er reichte neue ärztliche Unter-
lagen ein (act. 81 bis 87, 97), wozu der RAD am 2. April 2015 abschlies-
send Stellung nahm (act. 99).
C.b Mit Verfügung vom 22. April 2015 ordnete die IVSTA in Bestätigung
des Vorbescheids an, dass mangels anspruchsbegründenden Invaliditäts-
grades ab 1. Mai 2015 keine Rente mehr ausgerichtet werde (act. 100).
D.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte durch seinen Rechtsvertre-
ter mit Eingabe vom 28. Mai 2015 (Poststempel) Beschwerde beim Bun-
desverwaltungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei
aufzuheben und es sei ihm ab 1. April 2010 eine ganze Invalidenrente zu-
zusprechen (BVGer-act. 1).
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Seite 4
E.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 23. Juni 2015 auf Ab-
weisung der Beschwerde (BVGer-act. 3).
F.
Der mit Zwischenverfügung vom 1. Juli 2015 beim Beschwerdeführer unter
Hinweis auf die Säumnisfolgen eingeforderte Kostenvorschuss von
Fr. 400.– (BVGer-act. 4) wurde am 8. Juli 2015 geleistet (BVGer-act. 6).
G.
Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften ist – soweit
erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht ist zur Behandlung der Beschwerde zu-
ständig (Art. 31, 32 und 33 Bst. d VGG; Art. 69 Abs. 1 Bst. b IVG [SR
831.20]). Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfü-
gung durch diese besonders berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse
an deren Aufhebung oder Abänderung, weshalb er zur Erhebung der Be-
schwerde legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 59 ATSG [SR
830.1]). Nachdem auch der Kostenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde,
ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten
(Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG; siehe auch Art. 60 ATSG).
2.
Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 22. April 2015, mit welcher nach Aufhebung der ersten
Rentenverfügung vom 11. Januar 2013 durch das Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts B-832/2013 vom 17. Dezember 2013 das erstmalige
Leistungsgesuch des Beschwerdeführers mangels anspruchsbegründen-
der Invalidität abgelehnt wurde. Prozessthema ist somit der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine schweizerische Invalidenrente.
C-3451/2015
Seite 5
3.
3.1 Der Beschwerdeführer ist österreichischer Staatsangehöriger und
wohnt in Österreich, weshalb das am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Ab-
kommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihrer Mitglieds-
staaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA, SR 0.142.112.681) sowie
die gemäss Anhang II des FZA anwendbaren Verordnungen (EG) des Eu-
ropäischen Parlaments und des Rates Nr. 883/2004 vom 29. April 2004
sowie Nr. 987/2009 vom 16. September 2009, welche am 1. April 2012 die
Verordnungen (EWG) des Rates Nr. 1408/71 vom 14. Juni 1971 sowie
Nr. 574/72 vom 21. März 1972 abgelöst haben, anwendbar sind. Seit dem
1. Januar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010,
Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehungen
zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaten anwendbar. Gemäss
Art. 8 Bst. a FZA werden die Systeme der sozialen Sicherheit koordiniert,
um insbesondere die Gleichbehandlung aller Angehörigen der Vertrags-
staaten zu gewährleisten. Soweit – wie vorliegend – weder das FZA und
die gestützt darauf anwendbaren gemeinschaftsrechtlichen Rechtsakte ab-
weichende Bestimmungen vorsehen noch allgemeine Rechtsgrundsätze
dagegen sprechen, richtet sich die Ausgestaltung des Verfahrens und die
Prüfung des Rentenanspruchs alleine nach der schweizerischen Rechts-
ordnung (vgl. BGE 130 V 257 E. 2.4), was sich auch mit dem Inkrafttreten
der oben erwähnten Verordnungen am 1. April 2012 nicht geändert hat (vgl.
Urteil des BVGer C-3985/2012 vom 25. Februar 2013 E. 2.1). Demnach
bestimmt sich der Anspruch des Beschwerdeführers auf Leistungen der
schweizerischen Invalidenversicherung alleine aufgrund der schweizeri-
schen Rechtsvorschriften.
3.2 Das Sozialversicherungsgericht stellt bei der Beurteilung einer Streit-
sache in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen
Verwaltungsverfügung (hier: 22. April 2015) eingetretenen Sachverhalt ab
(BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verän-
dert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsver-
fügung sein (BGE 121 V 362 E. 1b).
3.3 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1),
weshalb jene Vorschriften Anwendung finden, die spätestens beim Erlass
der Verfügung vom 22. April 2015 in Kraft standen (so auch die Normen
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des auf den 1. Januar 2012 in Kraft gesetzten ersten Teils der 6. IV-Revi-
sion [IV-Revision 6a], AS 2011 5659); weiter aber auch Vorschriften, die zu
jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die aber für die Beur-
teilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche von Belang sind.
4.
Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung hat,
wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (vgl. Art. 8 Abs. 1 ATSG) und beim
Eintritt der Invalidität während der gesetzlich vorgesehenen Dauer Beiträge
an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV) geleis-
tet hat, das heisst während mindestens drei Jahren laut Art. 36 Abs. 1 IVG.
Diese Voraussetzungen müssen kumulativ gegeben sein; ist eine davon
nicht erfüllt, so entsteht kein Rentenanspruch, selbst wenn die andere zu
bejahen ist. Der Beschwerdeführer hat unbestrittenermassen während
mehr als drei Jahren Beiträge an die schweizerische AHV/IV geleistet, so
dass die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer für den Anspruch auf
eine ordentliche Invalidenrente erfüllt ist.
5.
5.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidi-
tät kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper-
lichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu-
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des
Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der
gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä-
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchti-
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte,
volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich
zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tä-
tigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6
ATSG).
5.2 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben jene Versicherte Anspruch auf eine
Rente, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungs-
massnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (Bst. a);
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während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min-
destens zu 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (Bst. b); und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Bst. c). Art. 29 Abs. 1 IVG
sieht vor, dass der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Mo-
naten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1
ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters-
jahrs folgt, entsteht.
Aus den Akten geht hervor und es ist unbestritten, dass der Beschwerde-
führer in seinem angestammten Beruf als Spediteur nicht mehr arbeitsfähig
ist. Hinsichtlich des Zeitpunkts des Eintritts der Arbeitsfähigkeit im ange-
stammten Beruf geht der Beschwerdeführer davon aus, dass diese bereits
im April 2010 eingetreten ist. Das Bundesverwaltungsgericht hat indes be-
reits im Urteil B-832/2013 vom 17. Dezember 2013 verbindlich festgehal-
ten, dass beim Beschwerdeführer erst im April 2011 eine Arbeitsunfähigkeit
in seiner angestammten Tätigkeit eingetreten ist (E. 5.4). Diesbezüglich er-
geben sich aus den Akten keine neuen Erkenntnisse, weshalb kein Anlass
besteht, von dieser Einschätzung abzuweichen. Das Wartejahr lief damit
am 1. April 2012 ab. Der Beschwerdeführer hatte sich bereits am 14. März
2011 zum Leistungsbezug angemeldet, weshalb ein Rentenanspruch frü-
hestens am 1. April 2012 entstehen konnte, sofern ab diesem Zeitpunkt ein
rentenbegründender Gesundheitsschaden ausgewiesen ist. Soweit der
Beschwerdeführer einen Rentenanspruch bereits ab 1. März 2010 geltend
macht, kann dem nicht gefolgt werden.
5.3 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Rente,
wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derjenige auf eine Dreivier-
telsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei ei-
nem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein solcher auf eine Viertels-
rente. Nach Art. 29 Abs. 4 IVG werden Renten, die einem Invaliditätsgrad
von weniger als 50 % entsprechen, nur an Versicherte ausgerichtet, die
ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz
haben, soweit nicht völkerrechtliche Vereinbarungen eine abweichende
Regelung vorsehen. Eine solche Ausnahme gilt seit dem 1. Juni 2002 für
Staatsangehörige eines Mitgliedstaates der EU und der Schweiz, sofern
sie in einem Mitgliedstaat der EU Wohnsitz haben (BGE 130 V 253 E. 2.3
und 3.1).
5.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
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Seite 8
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be-
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4; 125 V 256 E. 4).
5.5 Für die Beurteilung des Rentenanspruchs sind Feststellungen auslän-
discher Versicherungsträger, Krankenkassen, Behörden und Ärzte bezüg-
lich Invaliditätsgrad und Anspruchsbeginn für die rechtsanwendenden Be-
hörden in der Schweiz nicht verbindlich (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4). Viel-
mehr unterstehen auch aus dem Ausland stammende Beweismittel der
freien Beweiswürdigung des Gerichts (vgl. zum Grundsatz der freien Be-
weiswürdigung BGE 125 V 351 E. 3a).
5.6 Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter-
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darle-
gung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der me-
dizinischen Situation einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der Expertin
oder des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a)
und ob der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt
(Urteil des BGer 9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1). Diesen Anfor-
derungen genügende Berichte regionaler ärztlicher Dienste können einen
vergleichbaren Beweiswert haben wie ein Gutachten (Art. 49 Abs. 2 IVV;
BGE 137 V 210 E. 1.2.1; 135 V 254 E. 3.3.2).
5.7 Soll über einen Rentenanspruch ohne Einholung eines externen Gut-
achtens, sondern gestützt auf im Wesentlichen oder sogar ausschliesslich
vom Versicherungsträger intern eingeholte medizinische Unterlagen ent-
schieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen
in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest-
stellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (vgl. BGE 135 V
465 E. 4.4; Urteil des BGer 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.2).
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Seite 9
6.
6.1 Die Vorinstanz geht in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die
Beurteilung des RAD davon aus, dass dem Beschwerdeführer eine ange-
passte Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei, weshalb sie einen Rentenan-
spruch verneinte.
6.2 Der Beschwerdeführer macht dagegen geltend, dass seit dem 1. April
2010 ein Invaliditätsgrad von 100 % vorliege. Er sei nicht mehr in Lage,
einer Erwerbstätigkeit auf dem in Betracht kommenden Arbeitsmarkt nach-
zugehen. Er kritisiert die medizinischen Entscheidgrundlage als veraltet
und ungenügend und verlangt die Einholung neuer Gutachten sowie die
Durchführung einer Untersuchung im Schlaflabor. Der angefochtenen Ver-
fügung sei nicht zu entnehmen, aus welchen Gründen nicht auf die öster-
reichischen Gutachten abgestellt werde. Es reiche keinesfalls, lediglich auf
die Ausführungen eines ärztlichen Dienstes zu verweisen, die zudem dem
Beschwerdeführer nicht zur Stellungnahme unterbreitet worden seien. Bei
Zweifeln an der Richtigkeit der österreichischen Gutachten hätte ein Ober-
gutachten eingeholt werden müssen. Es sei auch nicht nachvollziehbar,
dass zunächst noch eine Viertelsrente zugesprochen worden sei und nun
ab 1. Mai 2015 keine Rente mehr ausgerichtet werden solle, obwohl sich
sein Zustand seither verschlechtert habe. Er weist darauf hin, dass mittler-
weile eine ausgeprägte Blasenschwäche dazugekommen sei, welche die
Arbeitsfähigkeit beeinflusse. Schliesslich bemängelt er auch den durchge-
führten Einkommensvergleich.
7.
Die medizinischen Akten zeigen im Wesentlichen folgendes Bild über den
Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers:
7.1 Der Beschwerdeführer war vom 15. bis 28. Januar 2008 wegen eines
Magengeschwürs im Landeskrankenhaus D._ hospitalisiert. Dabei
wurde nach einer Abdomensonographie vom 21. Januar 2008 der Verdacht
auf eine beginnende Leberzirrhose geäussert (Austrittsbericht vom 31. Ja-
nuar 2008; act. 8). Nach einer am 3. April 2008 durchgeführten Leberbiop-
sie wurden eine mikrovesikuläre Steatohepatitis sowie eine perizelluläre
Fibrose diagnostiziert (Bericht vom 11. April 2008; act. 9).
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Seite 10
7.2 Am 21. April 2011 wurde der Beschwerdeführer von Dr. med.
B._, Vertrauensarzt des österreichischen Versicherungsträgers, un-
tersucht. Dieser nannte im ärztlichen Formularbericht E 213 vom 29. Juni
2011 folgende Diagnosen:
– Leberzirrhose Child A mit Oesophagusvarizen Grad II
– Zustand nach Ulcus ventriculi Blutung 2008
– Zustand nach Abtragung von 5 hyperplastischen Magenschleimhautpolypen
– Zustand nach C2-Abusus
– Zustand nach Nikotinabusus
– Adipositas
– Verdacht auf Arthrose rechtes Handgelenk und linkes Kniegelenk
Dr. med. B._ hielt fest, dass dem Beschwerdeführer leichte körper-
liche Tätigkeiten vorwiegend im Sitzen zumutbar seien. Mittelschwere und
schwere körperliche Tätigkeiten seien ihm dagegen nicht mehr zumutbar.
Arbeiten verbunden mit Stehen und Gehen, in Zwangshaltungen sowie ge-
fahrenexponierte Tätigkeiten und Tätigkeiten unter Kälte-, Nässe-, Rauch-
und Staubeinwirkung seien eingeschränkt zumutbar. Höhenexponierte Tä-
tigkeiten seien nicht zumutbar. Vermehrte Pause seien erforderlich. Erhöh-
ter Zeitdruck sei nur eingeschränkt zumutbar. Die Anmarschwege seien
nicht eingeschränkt. Krankheitsbedingte Ausfälle von mehr als 7 Wochen
pro Jahr seien zu erwarten. Anhand dieses Berichts erstellte Dr. med.
E._ ein Leistungskalkül (act. 13).
7.3 Der RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeine Innere Me-
dizin, erachtete die Beurteilung des Vertrauensarztes des österreichischen
Versicherungsträgers als medizinisch gut nachvollziehbar. Gestützt darauf
attestierte er dem Beschwerdeführer eine Arbeitsunfähigkeit in der bisheri-
gen Tätigkeit von 100 % ab 1. April 2011 sowie in einer angepassten Tätig-
keit von 0 % ab 1. April 2011 (Bericht vom 20. September 2011; act. 25).
7.4 Nachdem der Beschwerdeführer geltend gemacht hatte, sein Zustand
habe sich verschlimmert und der medizinische Sachverhalt sei ungenü-
gend abgeklärt, empfahl Dr. med. C._ am 13. Juli 2012 die Durch-
führung weiterer ärztlicher Abklärungen unter Einbezug der Fachgebiete
Orthopädie, Innere Medizin, Psychiatrie und Neurologie (act. 37).
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Seite 11
7.5 Dr. med. F._, Facharzt für Innere Medizin, stellte im vertrauens-
ärztlichen Gutachten vom 4. September 2012 folgende Diagnosen:
– Leberzirrhose Child A mit Oesophagusvarizen Grad II
– Adipositas
– Arterielle Hypertonie
– Mitralinsuffizienz I
– Cholezystolithiasis
– Zustand nach Ulcus ventriculi Blutung 2008
– Verdacht auf Retropatellararthrose linkes Knie
Der Gutachter hielt fest, dass infolge der im Vordergrund stehenden, fort-
geschrittenen Lebererkrankung eine eingeschränkte Leistungsfähigkeit
und eine Tagesmüdigkeit bestehe. Aufgrund der Adipositas bestehe eine
Belastungsdyspnoe. Eine kardiale Einschränkung liege nicht vor. Die Ret-
ropatellararthrosen führten zu beidseitigen Kniegelenksbeschwerden beim
Treppensteigen. Im Leistungskalkül hielt er unter anderem fest, dass
leichte Tätigkeiten (bis 10 kg) überwiegend zumutbar seien. Es seien ver-
mehrte Arbeitspausen erforderlich und krankheitsbedingte Ausfälle von
sieben Wochen oder mehr pro Jahr seien wahrscheinlich (act. 41).
7.6 Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, hielt in
seinem vertrauensärztlichen Gutachten vom 5. September 2012 fest, dass
keine psychiatrische Erkrankung feststellbar sei. Dementsprechend stellte
er keine Diagnosen. Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer
arbeitsfähig. Ihm seien vollschichtige Arbeiten zumutbar, dies auch unter
besonderem (nur bedingt steuerbaren) Zeitdruck. Die psychische Belast-
barkeit sei normal, das geistige Leistungsvermögen sei mässig schwierig
bis schwierig. Die üblichen Arbeitspausen seien ausreichend (act. 42).
7.7 Dr. med. H._, Facharzt für Unfallchirurgie, diagnostizierte in sei-
nem vertrauensärztlichen Gutachten vom 5. September 2012 eine inzipi-
ente Varusgonarthrose beidseits, eine gering- bis mittelschwere Femoro-
patellararthrose beidseits sowie eine geringe Radiokarpalarthrose rechts.
Er führte aus, dass der Beschwerdeführer von Seiten des Bewegungsap-
parates bei wechselnder Arbeitshaltung, leichter bis überwiegend mittel-
schwerer körperlicher Belastung sowie unter Berücksichtigung weiterer
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Seite 12
Einschränkungen gemäss festgelegtem Leistungskalkül weiterhin voll ar-
beitsfähig sei (act. 43).
7.8 Nach Prüfung der vertrauensärztlichen Gutachten hielt der RAD-Arzt
Dr. med. C._ in seiner Stellungnahme vom 6. November 2012 an
seiner Beurteilung fest, wonach dem Beschwerdeführer eine adaptierte Tä-
tigkeit vollschichtig zumutbar sei (act. 45).
7.9 Im Rahmen des ersten Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwer-
deführer einen MRI-Befund des linken Knies vom 22. Mai 2013 ein, der
sich nicht in den vorinstanzlichen Akten findet. Laut Stellungnahme von
Dr. med. C._ vom 27. Juni 2013 werde bei einem Status nach me-
dialer Teilmeniscektomie im Dezember 2012 sowie einem Status nach Dis-
torsion vor zehn Tagen eine Grad II-Reruptur und ein vertikaler Einriss des
medialen Meniskushinterhorns, eine beginnende FPA und eine Chondro-
pathie des lateralen Femurkondylus diagnostiziert. Gemäss Einschätzung
des RAD-Arztes seien diese Läsionen therapierbar, nicht invalidisierend
und erlaubten dem Beschwerdeführer nach wie vor die im Schlussbericht
vom 6. November 2012 genannten Verweistätigkeiten (act. 57).
7.10 Nach dem Rückweisungsentscheid des Bundesverwaltungsgerichts
vom 17. Dezember 2013 führte Dr. med. C._ am 23. April 2014 aus,
dass zur endgültigen Klärung der Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit
unabhängige Gutachten durch einen Gastroenterologen wie einen Ortho-
päden/Rheumatologen zu erstellen seien. In psychiatrischer Hinsicht seien
keine weiteren Abklärungen nötig (act. 64).
7.11 Im vertrauensärztlichen Gutachten vom 20. Mai 2014 von Dr. med.
I._, Facharzt für Orthopädie, wird als Diagnose eine mediale Knie-
gelenksarthrose links mehr als rechts genannt. Der Gutachter hielt fest,
dass dem Beschwerdeführer aus orthopädischer Sicht die Verrichtung
leichter und halbzeitig mittelschwerer Arbeit ganztags zugemutet werden
könne. Die Verrichtung von schwerer Arbeit sei nicht mehr zumutbar. Eine
Änderung des Leistungskalkül sei nach durchgeführtem Einbau einer Knie-
totalendprothese beidseits wahrscheinlich. Im festgelegten Leistungskalkül
hielt er unter anderem fest, dass vermehrte Arbeitspausen notwendig und
krankheitsbedingte Ausfälle von sieben Wochen oder mehr pro Jahr wahr-
scheinlich seien (act. 68).
7.12 Dr. med. F._ stellte in seinem vertrauensärztlichen Gutachten
vom 6. Juni 2014 die folgenden Diagnosen:
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Seite 13
– Leberzirrhose Child A
– Oesophagusvarizen Grad I nach wiederholter Ligatur
– Adipositas
– Arterielle Hypertonie
– Cholezystolithiasis
– Raumforderung der Harnblase
– Status nach Ulcera ventriculi mit Blutung 2008
– Zustand nach wiederholter Entfernung von hyperplastischen Magenpolypen
– Gonarthrose beidseits
– Zustand nach zweimaliger Meniskusteilresektion links
Der Gutachter hielt fest, dass die fortgeschrittene Lebererkrankung eine
eingeschränkte Leistungsfähigkeit und eine Tagesmüdigkeit zur Folge hät-
ten. Diesbezüglich sei keine Besserung zu erwarten. Es bestehe eine auf
die Adipositas zurückzuführende Belastungsdyspnoe. Ein Mitralvitium mit
geringer Klappeninsuffizienz, geringe linksventrikuläre und mässige links-
atriale Dilatation schränkten die Leistungsfähigkeit nicht relevant ein. Der
ergometrische Leistungstest sei limitiert durch Arthrose bedingte Kniege-
lenksbeschwerden. Die arterielle Hypertonie sei gut eingestellt. Wegen
Raumforderung der Harnblase sei eine operative Therapie geplant. Der
Gutachter legte ein detailliertes Leistungskalkül fest, wobei er jedoch nicht
alle vorgesehenen Rubriken ausfüllte (act. 69).
7.13 Der RAD-Arzt Dr. med. C._ hielt nach Prüfung der vertrauens-
ärztlichen Gutachten am 17. September 2014 fest, dass dem Beschwerde-
führer eine adaptierte Tätigkeit weiterhin vollschichtig zumutbar sei
(act. 72). In der Stellungnahme vom 27. November 2014 ergänzte er, dass
die vom Internisten festgestellte verminderte Leistung und Tagesmüdigkeit
mittels der Limitationen (unter anderen: zusätzlich zwei Pausen à 15 Minu-
ten, Stressresistenz, keine Höhen- und Gefahrenexposition, kein Lenken
von Fahrzeugen) Rechnung getragen werde (act. 75).
7.14 Der Beschwerdeführer hat einwandweise folgende Berichte behan-
delnder Ärzte eingereicht:
C-3451/2015
Seite 14
7.14.1 Im Bericht der Kniespezialambulanz des Landeskrankenhauses
J._ vom 13. Februar 2014 werden als Diagnosen eine Chondro-
malazie Grad III medial Femurkomponente und eine Reruptur bei Zustand
nach ask. Meniskusteilresektion 7/2013 festgehalten (act. 81). In einem
weiteren Bericht im Rahmen einer ambulanten Wiedervorstellung vom
22. Mai 2014 wird als Diagnose eine medial betonte Gonarthrose bei Zu-
stand nach zweimaliger Voroperation des linken Kniegelenks genannt (act.
82).
7.14.2 Im Bericht von Dr. med. K._, Facharzt für Urologie und
Andrologie, vom 22. Mai 2014 werden als Diagnosen ein Blasentumor linke
Seitenwand/Troginum, eine Mikrohämaturie, eine Prostatahyperplasia per-
magna (ca. 90 ccm), ein grenzwertiger PSA Wert bei positiver Prostata-
CA-Anamnese (Vater), und eine Leberzirrhose (anamnestisch) genannt.
Es wurde eine Entfernung des Blasentumors vorgesehen (act. 87).
7.14.3 Dr. med. L._, Facharzt für Innere Medizin, hielt in seinem
Bericht vom 6. Juni 2014 fest, dass beim Beschwerdeführer eine Leberzir-
rhose im Stadium Child A mit ausgeprägter portaler Hypertension bestehe.
Die Oesophagusvarizen seien prophylaktisch mittels Banding therapiert
worden, es bestehe zudem eine ausgeprägte Splenomegalie und eine
mässige Thrombopenie. Die Leberfunktion sei erheblich gestört (Quick-
wert: 56 %), was bei der anstehenden Operation des Blasentumors be-
dacht werden müsse. Sonografisch fänden sich keine Aszites, aber eine
Cholecystolithiasis, die dem Beschwerdeführer aber offenbar keine Be-
schwerden bereite. Die Hypertonie sei gut kontrolliert (act. 83).
7.14.4 Im Bericht vom 13. Januar 2015 beschreibt Dr. med. K._ den
Zustand nach einer Transurethralen Blasenresektion (TURB) am 24. Juli
2014 bei einem Urothel-CA der Harnblase TAG1. Die aktuelle onkologische
Kontrolle ergebe keinen Hinweis auf ein Rezidiv (act. 86).
7.15 Der RAD-Arzt Dr. med. C._ nannte in seiner abschliessenden
Stellungnahme vom 2. April 2015 folgende Hauptdiagnosen:
– Leberzirrhose Child A mit Oesophagusvarizen K70.3
– Status nach Ulcera ventriculi bei H.P-Gastritis 1/2008 K26
Als Nebendiagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte er auf:
– Beginnende Radiokarpalarthrose rechts M19.8
C-3451/2015
Seite 15
– Beginnende Varusgonarthrosen und FPA links mehr als rechts (MRI
22.5.2013: Chondromalazie III med. Femur beidseits) und Reruptur des Me-
niskus links nach Teilresdektion (7.2013) M17.0
Als Nebendiagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er:
– Urothel-Karzinom der Blasenwand links des Trigonums TaG1 (TURB
24.7.2014) C67.2
– BPH permagna (ca. 90ccm) N40
– Adipositas (5.9.2012: 180cm/110kg) E66.0
– Status nach Nikotinabusus (60py) F17.1
– Status nach Alkoholmissbrauch bis 2008 F10.1
Der RAD-Arzt attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % in der ange-
stammten Tätigkeit ab dem 1. April 2011 und von 0 % in einer adaptierten
Tätigkeit ab dem 1. April 2011. Er hat folgende funktionelle Einschränkun-
gen festgelegt (Zumutbarkeitsprofil): ganztags, Pausen: 2 x 15 Minuten,
wechselnde Arbeitsposition, sitzende Tätigkeit, Heben von Gewichten bis
max. 10 kg, keine schweren Arbeiten, Stressresistenz, keine Höhen- und
Gefahrenexposition, keine Hocke, kein Knien, kein Lenken von Fahrzeu-
gen. Als zumutbare Verweistätigkeiten bezeichnete er folgende Tätigkei-
ten: Parkwächter/Museumswächter, Magaziner/Lagerist, sitzende Tätigkeit
im Verkauf per Korrespondenz, Telefon oder Internet (falls der Versicherte
über die notwendigen Kenntnisse verfügt), Reparatur von Kleingerä-
ten/Haushaltsartikeln, Registrieren/Klassieren/Archivieren, Empfang/Re-
zeption (sitzende Tätigkeit), Telefonvermittlung/Telefonist (sitzende Tätig-
keit), sitzende Tätigkeit in der Datenerfassung/Scannage (act. 99).
8.
Zu prüfen ist im Folgenden, ob die Vorinstanz zu Recht gestützt auf die
Beurteilung des RAD davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer seit
1. April 2011 in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig
ist bzw. ob sich der medizinische Sachverhalt diesbezüglich als genügend
abgeklärt erweist.
8.1 Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Vo-
raussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für
die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle
Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit
C-3451/2015
Seite 16
oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizini-
schen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). In-
terne Berichte des RAD haben eine andere Funktion als medizinische Gut-
achten (Art. 44 ATSG) oder Untersuchungsberichte des RAD im Sinne von
Art. 49 Abs. 2 IVV (SR 831.201). Sie erheben nicht selber medizinische
Befunde, sondern setzen sich mit den vorhandenen auseinander. Ihre
Funktion besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hil-
festellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche
in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den me-
dizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na-
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine
Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere
Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzuneh-
men sei. Hierfür müssen die Akten für die streitigen Belange beweistaugli-
che Unterlagen enthalten. Ist das nicht der Fall, kann die RAD-Stellung-
nahme in der Regel keine abschliessende Beurteilungsgrundlage bilden,
sondern nur zu weitergehenden Abklärungen Anlass geben (vgl. Urteile
des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3 und 9C_692/2014 vom
22. Januar 2015 E. 3.3).
8.2 Die Stellungnahmen des RAD müssen den allgemeinen beweisrechtli-
chen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht genügen. Erfolgt wie hier
keine eigenen Untersuchung durch den RAD können ihre Stellungnahmen
– wie Aktengutachten – beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund
vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines
an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt
(vgl. Urteile des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 2.2 und
9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.2). Entscheidend ist somit, ob es die
vorliegenden medizinischen Akten dem RAD erlaubten, sich ein lückenlo-
ses und einheitliches Bild der gestellten Diagnosen, der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu
machen, und ob die Schlussfolgerungen des RAD nachvollziehbar und
schlüssig sind.
8.3 Die medizinische Aktenlage ist hinsichtlich der Diagnosen und Befunde
klar und widerspruchsfrei. Es sind keine objektiven Gesichtspunkte ersicht-
lich, die der RAD-Arzt ausser Acht gelassen hätte. Wie sich aus den Akten
ergibt, leidet der Beschwerdeführer an orthopädischen und urologischen
Beschwerden sowie an einer fortgeschrittenen Lebererkrankung. Es beste-
C-3451/2015
Seite 17
hen mehrere Faktoren, die sich quantitativ oder qualitativ auf die Arbeitsfä-
higkeit auswirken. Bei komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
muss die Einschätzung der Leistungsfähigkeit grundsätzlich auf umfassen-
der, die Teilergebnisse verschiedener medizinischer Disziplinen integrie-
render Grundlage erfolgen (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.4). Dem RAD stan-
den für die Aktenbeurteilung Gutachten von Vertrauensärzten der österrei-
chischen Versicherungsträgers sowie Berichte der behandelnden Fach-
ärzte zur Verfügung; bei diesen handelt es sich allerdings um monodiszip-
linäre Einschätzungen, welche das Zusammenwirken der verschiedenen
Gesundheitsbeeinträchtigungen nicht berücksichtigen. Ob im vorliegenden
Fall eine interdisziplinäre Beurteilung nötig gewesen wäre, kann aufgrund
der nachstehenden Erwägung jedoch offenbleiben. Ebenfalls offengelas-
sen werden kann, ob angesichts der strengen Beweisanforderungen an
versicherungsinterne Arztberichte auf die Schlussfolgerung des RAD ab-
gestellt werden kann, wonach der Beschwerdeführer in einer leidensange-
passten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig ist, obwohl laut dem Vertrauensarzt
Dr. med. F._ eine fortgeschrittene Lebererkrankung mit einge-
schränkter Leistungsfähigkeit und Tagesmüdigkeit besteht und neu auch
ein Blasentumor aufgetreten ist. Angesichts der Erwägungen im Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts B-832/2013 vom 17. Dezember 2013, wonach
dem ersten Gutachten von Dr. med. F._ vom 4. September 2012
genaue Angaben zur Arbeitsfähigkeit in Verweistätigkeiten fehlen, ist es zu-
dem fraglich, ob das zweite Gutachten von Dr. med. F._ vom 6. Juni
2014 eine verlässliche Grundlage für die Beurteilung des RAD bildet, zu-
mal sich dieses nicht ausdrücklich zur Frage nach vermehrten Arbeitspau-
sen, krankheitsbedingter Ausfälle von sieben Wochen oder mehr pro Jahr
und zur Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit äussert. Schliessich ist
aber auch darauf hinzuweisen, dass die vom Beschwerdeführer behaup-
tete vollständige medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit von 100 % in
sämtlichen Tätigkeiten keine Stütze in den vorliegenden medizinischen Ak-
ten findet.
9.
Selbst wenn in quantitativer Hinsicht von einer Arbeitsfähigkeit von 100 %
in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen wäre, ist angesichts des
fortgeschrittenen Alters des Beschwerdeführers sowie der in medizini-
schen Akten beschriebenen Einschränkungen des Zumutbarkeitsprofils die
Frage der Verwertbarkeit der (Rest-)Arbeitsfähigkeit zu prüfen.
9.1 Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarerweise er-
zielbare Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt
C-3451/2015
Seite 18
zu ermitteln, wobei an die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussichten keine übermässigen Anforderungen zu stellen sind.
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder
Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusam-
men mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu füh-
ren kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfä-
higkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr
nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die
Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist. Fehlt es an einer wirt-
schaftlich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige Er-
werbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
begründet. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verblie-
bene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwer-
ten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern
hängt von den Umständen des Einzelfalls ab. Massgebend können die Art
und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der ab-
sehbare Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusam-
menhang auch Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fer-
tigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Be-
rufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1
mit Hinweisen).
9.2 Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf dem ausgegliche-
nen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeit-
raum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem
auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht. Als
massgeblicher Stichtag für die Beantwortung der Frage nach der Verwert-
barkeit der Restarbeitsfähigkeit ist auf das Feststehen der medizinischen
Zumutbarkeit einer (Teil-) Erwerbstätigkeit abzustellen (BGE 138 V 457
E. 3.3). Im vorliegenden Fall verschaffte frühestens die Stellungnahme des
RAD vom 17. September 2014 Klarheit über die Arbeitsfähigkeit in ange-
passter Tätigkeit, wobei der RAD gestützt auf die beiden nach dem Rück-
weisungsentscheid des Bundesverwaltungsgerichts neu eingeholten ver-
trauensärztlichen Gutachten eine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in lei-
densangepasster Tätigkeit vornahm und auch ein Belastungsprofil auf-
stellte.
9.3 Im massgebenden Zeitpunkt war der 1952 geborene Beschwerdefüh-
rer bereits fast 62 Jahre alt, womit der zeitliche Horizont für eine Anstellung
bis zum Erreichen des ordentlichen AHV-Alters nur noch rund drei Jahre
betrug. Das allein schliesst die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
C-3451/2015
Seite 19
zwar noch nicht aus. Vorliegend fällt aber zusätzlich ins Gewicht, dass beim
Beschwerdeführer laut vertrauensärztlicher Feststellung mit krankheitsbe-
dingten Abwesenheiten von 7 Wochen oder mehr pro Jahr zu rechnen ist.
Darüber hinaus ist sein Zumutbarkeitsprofil erheblich eingeschränkt (vgl.
dazu Urteil des BGer 9C_940/2012 vom 12. Dezember 2013 E. 5.3; Urteil
des BVGer C-1973/2015 vom 25. April 2016 E. 10.2) und die Ausübung
einer leidensangepassten Tätigkeit ist ihm nur unter Einräumung zusätzli-
cher, betriebsunüblicher Arbeitspausen zumutbar. Erschwerend kommt
schliesslich dazu, dass laut den Akten (68 S. 4; act. 99 S. 3) der Einsatz
einer Knieprothese vorgesehen ist, was eine Phase vollständiger Arbeits-
unfähigkeit erwarten lässt. Da bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwert-
barkeit der Restarbeitsfähigkeit nicht von realitätsfremden Einsatzmöglich-
keiten ausgegangen werden darf (BGE 134 V 71 E. 4.2.1), ist unter diesen
Umständen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass
der Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keinen Ar-
beitgeber mehr finden würde, der ihn für eine geeignete, leichte Verwei-
sungstätigkeit einstellte (vgl. Urteil des BGer 9C_751/2013 vom 6. Mai
2014 E. 4.5).
9.4 Das hat zur Folge, dass der Beschwerdeführer ab 1. April 2012 bis zum
Eintritt des AHV-Rentenalters Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat.
Die Beschwerde ist daher insoweit gutzuheissen und die angefochtene
Verfügung aufzuheben.
10.
10.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis i.V.m.
Art. 69 Abs. 2 IVG), wobei das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 63
Abs. 1 VwVG die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei
auferlegt. Dem obsiegenden Beschwerdeführer sind keine Kosten aufzu-
erlegen und der geleistete Kostenvorschuss von CHF 400.– ist ihm nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zurückzuerstatten. Der Vorinstanz
sind ebenfalls keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
10.2 Der obsiegende Beschwerdeführer hat gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG
in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht (VGKE,
SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Ver-
waltung. Der Rechtsvertreter hat eine Kostennote über EUR 976.68 einge-
reicht, was umgerechnet rund CHF 1‘067.50 entspricht (Monatsmittelkurs
September 2016; veröffentlicht im Amtsblatt der Europäischen Union vom
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Seite 20
13. Mai 2016). Der geltend gemachte Aufwand erscheint unter Berücksich-
tigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundigen Auf-
wands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des zu beur-
teilenden Verfahrens sowie in Anbetracht, dass nur ein einfacher Schriften-
wechsel durchgeführt wurde angemessen. Dem Beschwerdeführer ist so-
mit eine Parteientschädigung von Fr. 1'067.50 (inkl. Auslagen; Art. 9 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VGKE) zuzusprechen.
(Urteilsdispositiv auf der nächsten Seite)
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