Decision ID: d68bc9c6-3e0a-4341-aecf-9fd40599cabe
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
B._ meldete sich im Juli 2016 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Altersrente der AHV an (act. G 3.2.84). Er gab an, er habe von Oktober 2010 bis Mitte
Mai 2013 zusammen mit seiner Ehefrau A._ in C._ gelebt. Das Sparguthaben
betrage 38’383 Franken. Als Einnahmen stünden dem Ehepaar die beiden Altersrenten
der AHV und eine Altersrente der Ehefrau aus der beruflichen Vorsorge zur Verfügung.
Laut der Steuerveranlagungsverfügung für das Jahr 2008 hatte das Ehepaar damals
noch über ein bewegliches Vermögen von 359’443 Franken und über Grundeigentum
im Wert von 388’000 Franken bei Schulden von insgesamt 370’000 Franken verfügt
(act. G 3.2.77). Am Ende des Jahres 2006 hatte das Ehepaar über ein Sparvermögen
von 802’646 Franken verfügt (act. G 3.2.81–2). Die EL-Durchführungsstelle forderte den
EL-Ansprecher am 2. September 2016 auf, weitere Belege bezüglich des Verbleibs des
Vermögens einzureichen (act. G 3.2.75). Ein Treuhänder teilte am 3. Oktober 2016
telefonisch mit (elektronische Notiz zu act. G 3.2.75), die Ehegatten seien vom Sohn in
C._ „abgezockt“ worden. Dabei hätten sie sehr viel Geld verloren. Leider existierten
fast keine Belege mehr. Am 29. Oktober 2016 wies er darauf hin (act. G 3.2.72–3 f.), der
Sohn des Ehepaars sei mit einer C._-in verheiratet. Das Paar lebe in C._ und ziehe
ein Kind aus der C._-ischen Verwandtschaft auf. Der EL-Ansprecher und seine
Ehefrau hätten dieses „Enkelkind“ aufwachsen sehen wollen. Sie hätten deshalb hier
alle Zelte abgebrochen, in C._ zwei nebeneinander liegende Grundstücke gekauft
und darauf je ein Haus bauen lassen. Das Grundeigentum hätten sie auf den Namen
der Schwiegertochter erwerben müssen, da nur diese in C._ habe Grundeigentum
erwerben dürfen. Am Anfang sei alles gut gegangen. Der EL-Ansprecher und seine
Ehefrau seien für den Sohn aufgekommen, der Invalidenrentner sei und nicht arbeite.
Die Beziehung sei aber leider zunehmend schlechter geworden. Die Schwiegertochter
habe irgendwann den Kontakt zum „Enkelkind“ verweigert. In der Folge sei es zu einer
grossen Auseinandersetzung gekommen, die den EL-Ansprecher und dessen Ehefrau
A.a.
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völlig überfordert habe. Sie hätten auf alles verzichtet und seien in die Schweiz
zurückgekehrt. Dadurch hätten sie immens viel Geld verloren.
Die EL-Durchführungsstelle teilte dem EL-Ansprecher am 10. Januar 2017 mit (act.
G 3.2.67), gemäss den Akten habe sich das Vermögen des Ehepaares im Jahr 2007 um
90’698 Franken, im Jahr 2008 um 168’505 Franken, im Jahr 2014 um 50’867 Franken
und im Jahr 2015 um 51’658 Franken verringert. Da die Einnahmen des Ehepaares im
Jahr 2007 höher als die Ausgaben (Miete, Krankenkasse, Lebensbedarf) gewesen
seien, werde die EL-Durchführungsstelle bei der Anspruchsberechnung einen
Vermögensverzicht von 90’698 Franken im Jahr 2007 berücksichtigen. Auch im Jahr
2008 hätten dem Ehepaar ausreichend Einnahmen zur Deckung des täglichen Bedarfs
zur Verfügung gestanden, weshalb ein weiterer Vermögensverzicht von 168’505
Franken im Jahr 2008 zu berücksichtigen sei. Dieser Betrag entspreche der Differenz
zwischen dem gesamten Vermögensrückgang im Jahr 2008 und dem Betrag von
185’000 Franken, den das Ehepaar für den Kauf einer Eigentumswohnung habe
aufwenden müssen. Für das Jahr 2014 ergebe die Gegenüberstellung zwischen den
Einnahmen und den Ausgaben für die Miete, die Krankenkasse und den Lebensbedarf
einen Ausgabenüberschuss von 13’749 Franken. Dieser Betrag sei vom
Vermögensrückgang von 50’867 Franken abzuziehen. Folglich sei von einem
Vermögensverzicht von 37’118 Franken im Jahr 2014 auszugehen. Im Jahr 2015 hätten
die Ausgaben die Einnahmen um 15’779 Franken überstiegen, weshalb von einem
Vermögensverzicht von 51’658 – 15’779 = 35’879 Franken im Jahr 2015 auszugehen
sei. Bei der Anspruchsberechnung für die Zeit ab Juli 2016 sei folglich ein
Vermögensverzicht von 252’200 Franken anzurechnen. Von diesem Vermögen werde
ein fiktiver Ertrag von 0,1 Prozent als Einnahme angerechnet. Die Frage nach einem
weiteren Vermögensverzicht während des Aufenthaltes in C._ müsse vorerst nicht
beantwortet werden, da jedenfalls ein Einnahmenüberschuss resultiere, der die
Zusprache einer Ergänzungsleistung ausschliesse. Der EL-Ansprecher nahm dazu
keine Stellung. Mit einer Verfügung vom 16. Februar 2017 wies die EL-
Durchführungsstelle das Leistungsbegehren ab (act. G 3.2.65). Diese Verfügung
erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.b.
Im Februar 2018 wurde B._ erneut zum Bezug von Ergänzungsleistungen
angemeldet, nachdem er im Januar 2018 in ein Pflegeheim hatte eintreten müssen (act.
A.c.
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G 3.2.53 und act. G 3.2.55). Die EL-Durchführungsstelle wies seine Ehefrau am 29. Mai
2018 darauf hin (act. G 3.2.43), dass bei der neuen Anspruchsberechnung von einem
Vermögensverzicht von 522’250 Franken in der Zeit des Aufenthaltes in C._ (Oktober
2010 bis Dezember 2013) auszugehen sei. Die Ehefrau nahm dazu keine Stellung. Am
2. August 2018 verstarb der EL-Ansprecher (act. G 3.2.35). Mit einer Verfügung vom 3.
Oktober 2018 sprach die EL-Durchführungsstelle dem EL-Ansprecher und dessen
Ehefrau für die Zeit vom 1. Januar 2018 bis zum 31. August 2018 eine für jeden
Ehegatten gesondert berechnete Ergänzungsleistung zu (act. G 3.2.32). Bei der
Anspruchsberechnung hatte sie einen Vermögensverzicht von 90’698 Franken per 31.
Dezember 2007 und einen Vermögensverzicht von 313’510 Franken per 31. Dezember
2010 berücksichtigt. Einer internen Aktennotiz liess sich entnehmen (act. G 3.2.28),
dass sie den Vermögensstand am 31. Dezember 2006 (802’646 Franken) mit 6,8
Prozent multipliziert und das Ergebnis als eine „theoretische jährliche BVG-Rente“
bezeichnet hatte. Sie hatte einen Pauschalbetrag von 15’000 Franken addiert, was
einen ihrer Ansicht nach offenbar „nachvollziehbaren“ respektive angemessenen
Vermögensverbrauch von 69’580 Franken ergeben hatte. Für jedes Jahr, in dem die
Ehegatten mehr als diesen Betrag verbraucht hatten, hatte sie einen entsprechenden
Vermögensverzicht angenommen. Die Verfügung vom 3. Oktober 2018 erwuchs
unangefochten in formelle Rechtskraft.
Im März 2019 meldete sich A._ zum Bezug von Ergänzungsleistungen an (EL-
act. 46). Mit einer Verfügung vom 21. März 2019 wies die EL-Durchführungsstelle das
Leistungsbegehren mangels eines anspruchsbegründenden Ausgabenüberschusses
ab (EL-act. 41). Dem Berechnungsblatt liess sich entnehmen, dass sie ein
Verzichtsvermögen von 224’628 Franken angerechnet hatte (EL-act. 42). Diese
Verfügung erwuchs unangefochten in formelle Rechtskraft.
A.d.
Im Oktober 2020 meldete sich die EL-Ansprecherin erneut zum Bezug von
Ergänzungsleistungen an (EL-act. 36). Offenbar hatte die EL-Durchführungsstelle am
28. Dezember 2020 eine Verfügung erlassen, denn am 20. Januar 2021 erhob die EL-
Ansprecherin eine Einsprache gegen jene Verfügung (EL-act. 29), woraufhin die EL-
Durchführungsstelle ihr mitteilte, dass die Verfügung versehentlich ergangen sei; die
Abklärungen seien noch im Gang (EL-act. 28). Am 28. Januar 2021 wies die EL-
Durchführungsstelle die EL-Ansprecherin darauf hin (EL-act. 25), dass sie bei der
A.e.
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Anspruchsberechnung von einem Vermögensverzicht von 22’050 Franken im Jahr
2007, von 97’857 Franken im Jahr 2008 und von 295’894 Franken in den Jahren 2010–
2013 ausgehen werde. Vom letztlich anzurechnenden Verzichtsvermögen werde sie
einen fiktiven Ertrag von 0,04 Prozent als Einnahme anrechnen. Am 8. Februar 2021
wandte die EL-Ansprecherin ein (EL-act. 21–3), sie könne nicht nachvollziehen,
weshalb die EL-Durchführungsstelle für die Zeit von Oktober 2010 bis Dezember 2013
von einem Vermögensrückgang von 522’250 Franken ausgegangen sei. Der
Vermögensrückgang habe in jener Zeit gemäss den Bankauszügen, auf die sich die EL-
Durchführungsstelle für die übrigen Jahre gestützt habe, nur 266’250 Franken
betragen. Mit einer Verfügung vom 19. März 2021 wies die EL-Durchführungsstelle das
Leistungsbegehren ab (EL-act. 20). Der Verfügungsbegründung liess sich entnehmen,
dass sie die im Schreiben vom 28. Januar 2021 erwähnten Beträge als
Vermögensverzicht berücksichtigt hatte. Mit einer weiteren Verfügung vom 22. März
2021 wies sie das Leistungsbegehren erneut ab, wobei sich diese Verfügung allerdings
wohl nur auf die Zeit ab dem 1. Januar 2021 bezog, denn zur Begründung verwies die
EL-Durchführungsstelle auf den am 1. Januar 2021 neu in Kraft getretenen Art. 9a Abs.
1 ELG (EL-act. 16).
Am 14. April 2021 erhob die EL-Ansprecherin eine Einsprache gegen die
Verfügungen vom 19. März 2021 und – sinngemäss („sowie ab 1. Januar 2021“) – vom
22. März 2021 (EL-act. 14). Sie beantragte eine Neuberechnung der
Ergänzungsleistung unter Berücksichtigung eines Verzichtsvermögens von 266’250
Franken „gestützt auf die Berechnungen der SVA vom 2. September 2016“; die
„Berechnungen für 2007 und 2008“ würden „akzeptiert“. Zur Begründung führte sie
aus, auf ihre Eingabe vom 8. Februar 2021 sei die EL-Durchführungsstelle nicht
eingegangen, weshalb sie, die EL-Ansprecherin, „bis jetzt“ nicht wisse, wie der Betrag
von 522’250 Franken berechnet worden sei. Sie könne sich höchstens vorstellen, dass
das Geld, das sie für den Bau von zwei Häusern in C._ aufgewendet hätten, mit
berücksichtigt worden sei. Dabei handle es sich aber nicht um einen Verzicht auf
Vermögen. Sie und ihr Ehemann hätten bei ihrem Sohn und dessen Familie leben
wollen. Sie hätten die Idee gehabt, zwei Häuser zu kaufen und eines davon an den
Sohn zu vermieten. Das Grundeigentumsrecht in C._ sei aber sehr kompliziert. Sie
hätten sich von einem Fachmann beraten lassen. Dieser habe ihnen geraten, alles auf
A.f.
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den Namen der Schwiegertochter zu kaufen und nach Abschluss aller Bauarbeiten und
Bezahlung der Steuern die Liegenschaft notariell auf den Schwiegervater zu
übertragen. Insgesamt hätten sie 284’000 Franken an die Schwiegertochter
überwiesen. Selbstverständlich hätten sie nach ihrer Wohnsitzverlegung nach C._
laufend weitere Zahlungen für die Innenausstattung getätigt; „beweiswürdige“ Belege
dafür existierten allerdings nicht. Das anfänglich glückliche Zusammenleben habe sich
laufend verschlechtert, da sie und ihr Ehemann auf die notarielle Übertragung des
Grundeigentums gedrängt hätten. Die „Jungen“ hätten sie immer wieder mit Ausreden
„jeglicher Art“ vertröstet, aber ihnen seien die Hände gebunden gewesen. Als die
Schwiegertochter der Enkelin dann den Kontakt zu den Grosseltern verboten habe,
habe sich zufolge der psychischen Belastung der Gesundheitszustand des Ehemannes
der EL-Ansprecherin verschlimmert. Er habe nicht einmal mehr das Haus verlassen
können. Sie hätten sich deshalb schweren Herzens zu einer Rückkehr in die Schweiz
entschliessen müssen. Sie seien bitter enttäuscht über das Verhalten ihres Sohnes
gewesen und hätten gehofft, dass er doch noch einlenken werde. Im Dezember 2016
sei dieser dann allerdings verstorben, ohne dass das Grundeigentum überschrieben
worden wäre. Die EL-Ansprecherin und ihr Ehemann hätten nicht mit einer solchen
„kriminellen Energie“ gerechnet. Am 1. Juni 2021 wies die EL-Durchführungsstelle die
EL-Ansprecherin darauf hin (EL-act. 10), dass sie das Verzichtsvermögen ausgehend
vom besteuerten Vermögen errechnet habe, das sich am 31. Dezember 2006 auf
802’646 Franken und am 31. Dezember 2015 auf lediglich noch 45’255 Franken
belaufen habe. Für die im Jahr 2010 verkaufte Eigentumswohnung habe sie einen
Verkaufspreis von 250’000 Franken angenommen. Zudem sei sie davon ausgegangen,
dass die Renten- und Wertschrifteneinnahmen für die Bestreitung des Lebensbedarfs
in C._ ausgereicht hätten. Die EL-Ansprecherin hielt am 24. Juni 2021 fest (EL-act. 9),
sie habe leider viele Unterlagen weggeworfen. Die Eigentumswohnung sei sicher nicht
für 250’000 Franken verkauft worden, denn der Kaufpreis habe im Jahr 2008 ja
bekanntlich nur 178’000 Franken betragen. Die Grundstückgewinnsteuern von 10’000
Franken dürften nicht unberücksichtigt bleiben. Sie, die EL-Ansprecherin, und ihr
Ehemann hätten nicht auf dem Existenzminimum gelebt, sondern sich auch
verschiedene Dinge geleistet. Zudem hätten sie sich nach der Rückkehr in die Schweiz
komplett neu einrichten müssen. Sie habe leider nur noch einen Beleg gefunden, der
einen Kauf von Mobiliar für 38’000 Franken nachweise. Mit einem Entscheid vom 28.
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B.
Oktober 2021 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab (EL-act. 6). Zur
Begründung führte sie an, die EL-Ansprecherin und ihr Ehemann seien gegenüber
ihrem Sohn und der Schwiegertochter „eindeutig zu vertrauensselig“ gewesen. Sie
hätten sich nicht allein auf die mündliche Zusicherung der Schwiegertochter verlassen
dürfen, sondern hätten Vorsichtsmassnahmen ergreifen müssen. Da sie bei einer
realistischen Betrachtung von Anfang an mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von einem
Totalverlust hätten ausgehen müssen, sei die Investition als ein Vermögensverzicht zu
qualifizieren. Vor und nach dem Aufenthalt in C._ hätten die EL-Ansprecherin und ihr
Ehemann zu viel Vermögen verbraucht. Die Verbrauchsberechnung, die im Rahmen der
Verfügung vorgenommen worden sei, müsse als grosszügig qualifiziert werden. Unter
Berücksichtigung des teilweise „amortisierten“ Vermögensverzichtes von 282’907
Franken für das Jahr 2020 resultiere ein Einnahmenüberschuss, der der Zusprache
einer Ergänzungsleistung entgegenstehe. Für das Jahr 2021 sei ein Anspruch auf
Ergänzungsleistungen schon deshalb zu verneinen, weil das Reinvermögen (inkl.
Verzichtsvermögen) über 100’000 Franken betrage.
Am 18. November 2021 erhob die EL-Ansprecherin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 28.
Oktober 2020 (act. G 1). Sie beantragte die Neuberechnung und Zusprache von
Ergänzungsleistungen. Zur Begründung führte sie aus, unter Familienangehörigen sei
es üblich, sich auf mündliche Zusagen zu verlassen. Die Schwiegertochter habe nach
der Heirat zunächst zwölf Jahre hier in der Schweiz gelebt und gearbeitet. Das
Verhältnis sei immer sehr herzlich gewesen, weshalb sie, die Beschwerdeführerin, und
ihr Ehemann der Schwiegertochter vertraut hätten. Sie hätten sich genau nach den
Modalitäten zum Grundstückserwerb erkundigt und Abklärungen getätigt. Unter
anderem hätten sie mehrere Familien kennengelernt, die genau auf diese Weise zu
Grundeigentum in C._ gekommen seien. Sie hätten sich also nicht einfach in ein
Abenteuer gestürzt. Die Vertrauensseligkeit könne nicht zum Vorwurf gemacht werden,
denn die Abmachung sei mit dem einzigen Sohn und dessen Ehefrau, die die
Beschwerdeführerin und ihr Ehemann damals schon 20 Jahre gekannt hätten, getroffen
worden, nicht mit unbekannten Dritten. Die Zahlungen an die Schwiegertochter von
B.a.
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Erwägungen
1.
Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides vom 28. Oktober 2021 auf dessen Rechtmässigkeit, weshalb
sein Gegenstand jenem des Einspracheverfahrens entsprechen muss. Auch das
Einspracheverfahren ist ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gewesen, was bedeutet,
dass sich sein Zweck in der Überprüfung der Verfügungen vom 19. und 22. März 2021
auf deren Rechtmässigkeit erschöpft hat und dass sein Gegenstand folglich jenem des
vorangegangenen Verwaltungsverfahrens hat entsprechen müssen. Mit den
Verfügungen vom 19. und 22. März 2021 hat die Beschwerdegegnerin ein Begehren
der Beschwerdeführerin um eine Ergänzungsleistung vom Oktober 2021 abgewiesen.
Den Gegenstand des Verwaltungsverfahrens hat die umfassende Prüfung jenes
Begehrens gebildet. Die Beschwerdegegnerin hat also sämtliche
Anspruchsvoraussetzungen prüfen und eine komplette Anspruchsberechnung
durchführen müssen. Der Umstand, dass es sich beim Begehren vom Oktober 2020
um eine sogenannte Neuanmeldung gehandelt hat, ist für den Gegenstand des
Verwaltungsverfahrens irrelevant gewesen. Auch in diesem Beschwerdeverfahren ist
folglich umfassend zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin in der Zeit ab Oktober 2020
einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung gehabt hat.
2.
Als Bezügerin einer Altersrente der AHV mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in
der Schweiz hat die Beschwerdeführerin die persönlichen Anspruchsvoraussetzungen
erfüllt und damit grundsätzlich einen Anspruch auf eine Ergänzungsleistung gehabt
(vgl. Art. 4 ELG).
3.
Als Einnahme hat der Beschwerdeführerin lediglich die AHV-Rente von 28’440 Franken
insgesamt 284’000 Franken dürften deshalb nicht als Vermögensverzicht qualifiziert
werden.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 8. Dezember 2021 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
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pro Jahr zur Verfügung gestanden. Als Ausgaben sind die kantonale
Durchschnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung von 5’172
Franken, die Lebensbedarfspauschale von 19’450 Franken und der gesetzliche
Maximalbetrag von 13’200 Franken für die Wohnkosten (bei einem diesen
Maximalbetrag effektiv übersteigenden Mietzins) zu berücksichtigen. Über ein den
gesetzlichen Freibetrag übersteigendes Vermögen hat die Beschwerdeführerin nicht
verfügt. Effektiv haben den Ausgaben von insgesamt 37’822 Franken also nur
Einnahmen von 28’440 Franken gegenüber gestanden, was bedeutet, dass effektiv ein
Ausgabenüberschuss von 9’382 Franken vorgelegen hat.
4.
Gemäss dem Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG respektive (seit dem 1. Januar 2021) dem
Art. 11a ELG sind bei der Anspruchsberechnung auch Vermögenswerte und Einkünfte
zu berücksichtigen, auf die der EL-Ansprecher oder EL-Bezüger verzichtet hat. Den
typischen Fall eines Vermögensverzichtes bildet die Hingabe des Vermögens ohne eine
rechtliche Verpflichtung und ohne eine adäquate Gegenleistung, also beispielsweise
eine Schenkung. Die Beschwerdeführerin hat eingeräumt, dass sie und ihr Ehemann
nicht nur die Einrichtung des eigenen, sondern auch jenes des Hauses des Sohnes
bezahlt und dass sie zudem die Familie des Sohnes unterhalten hätten. Das sind
eindeutig Schenkungen und damit Verzichtshandlungen im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit.
g ELG gewesen. Der Betrag spielt für das Ergebnis keine Rolle, weil er mathematisch
im „übermässigen“ Vermögensverbrauch (vgl. E. 4.4) enthalten ist.
4.1.
Nicht nur eine Schenkung, sondern auch eine hochriskante Vermögensanlage
muss unter Umständen als ein Vermögensverzicht qualifiziert werden, nämlich wenn
die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes hoch ist. Denn in einem solchen Fall wird das
Vermögen hingegeben, obwohl äusserst fraglich ist, dass man es später wieder
zurückbekommen werde. Der Verzichtstatbestand ist also erfüllt, weil ein hohes Risiko
besteht, dass man das hingegebene Vermögen definitiv verlieren wird. Die
Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben insgesamt 284’000 Franken an ihre
Schwiegertochter überwiesen, die dann mit jenem Geld zwei Grundstücke in C._
erworben hat. Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben eigentlich geplant
gehabt, die Grundstücke für sich zu erwerben, zwei Häuser darauf erbauen zu lassen,
in eines der beiden Häuser einzuziehen und den Sohn und die Schwiegertochter in
einem der beiden Häuser wohnen zu lassen. Das C._-ische Grundeigentumsrecht
lässt aber gemäss den glaubhaften Angaben der Beschwerdeführerin den Erwerb von
Grundeigentum nur durch Einheimische zu, weshalb der Erwerb formal durch die
Schwiegertochter hat erfolgen müssen. Später hätte es zu einer Überschreibung
4.2.
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kommen sollen. Die Beschwerdeführerin hat darauf hingewiesen, dass sie die
Schwiegertochter zu jenem Zeitpunkt bereits seit 20 Jahren gekannt hätten und dass
die Schwiegertochter in jenen 20 Jahren keinen Anlass zu Misstrauen geboten habe.
Zudem hätten die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann doch nicht damit rechnen
müssen, dass ihr einziger Sohn sie derart im Stich lassen werde. Damit ist zwar das
Argument der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann hätten
sich „allzu vertrauensselig“ verhalten, widerlegt. Aber das bedeutet nicht, dass das
Vorhaben nur mit einem „normalen“ Risiko eines Vermögensverlustes verbunden
gewesen wäre. Der Plan hat nämlich, wie die Beschwerdeführerin selbst eingeräumt
hat, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von Beginn weg auf eine Umgehung des
C._-ischen Grundstückrechtes abgezielt. Die Parteien haben sich also bewusst in
einem rechtlichen „Graubereich“ bewegt. Das dürfte wohl mit ein Grund dafür gewesen
sein, dass sie von schriftlichen Abmachungen abgesehen haben. Der
Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann musste bewusst sein, dass die geltenden
Gesetze keinen oder nur einen stark eingeschränkten Schutz für
Vermögensdispositionen bieten konnten, die auf eine Gesetzesumgehung abzielten
(vgl. dazu etwa <https://www.fernreise-experten.de/immobilie-kaufen-in-C._/>,
abgerufen am 11. März 2022: „Für Ausländer, die mit einem C._-ischen Partner
verheiratet sind, eröffnet sich durch die Ehe ein einfacher Weg, um das
Grundstückkaufverbot zu umgehen. Es ist nämlich möglich, das Haus im Namen des
C._-ischen Ehepartners zu kaufen. Dazu ist es lediglich notwendig, den für den
Immobilienkauf notwendigen Geldbetrag bereits im Vorfeld dem Partner zu schenken
und dies auch offiziell zu dokumentieren. Da das Geld damit vollständig in das
Eigentum des Partners übergeht und in C._ dabei keine Nebenabsprachen getroffen
werden dürfen, empfiehlt sich dieses Vorgehen nur dann, wenn zwischen den beiden
Partnern ein enges Vertrauensverhältnis besteht“). Objektiv betrachtet ist das Risiko
eines Vermögensverlustes deshalb von Beginn weg sehr hoch gewesen, weshalb die
„Investition“ in zwei C._-ische Grundstücke und den Bau von zwei Häusern auf
diesen Grundstücken als eine hochriskante Vermögensanlage qualifiziert werden muss.
Zusammenfassend ist der Totalverlust von 284’000 Franken bei der EL-
Anspruchsberechnung als ein Verzichtsvermögen zu berücksichtigen.
Die Beschwerdegegnerin hat nicht nur die Investition von 284’000 Franken,
sondern auch einen „übermässigen Vermögensverzehr“ als Vermögensverzicht im
Sinne des (altrechtlichen) Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG qualifiziert. Dieses Vorgehen hat nicht
im Einklang mit der bundesgerichtlichen Auffassung gestanden, wonach eine
„Verschwendung“ von Vermögen nicht als ein Vermögensverzicht zu qualifizieren sei,
sofern die Gegenleistung adäquat gewesen sei. Im BGE 146 V 306 hat das
4.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/14
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Bundesgericht nämlich festgehalten, dass die Verschwendung von 400’000 Franken
innerhalb von drei Jahren für Champagner, Blumen, Parfüms etc. kein
Vermögensverzicht im Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG sei. Wie die
Beschwerdegegnerin zu Recht erkannt hat, ist diese Auffassung aber schon immer
gesetzwidrig gewesen. Der neue Art. 11a ELG, der ausdrücklich verschwendetes
Vermögen als einen Vermögensverzicht bezeichnet, hat das nun definitiv klargestellt
(vgl. zum Ganzen den Entscheid EL 2018/2 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom
21. August 2019). Allerdings erweist sich das Vorgehen der Beschwerdegegnerin als
rechtswidrig, denn die Berechnung des „angemessenen“ Vermögensverbrauchs
anhand einer „fiktiven BVG-Rente“ findet keine Stütze im Gesetz; zudem hat es die
Beschwerdegegnerin versäumt, Abklärungen bezüglich der ausserordentlichen
Anschaffungen des Ehepaars nach der Rückkehr in die Schweiz zu tätigen, obwohl auf
der Hand gelegen hat, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann nach der
ungeplanten Rückkehr unter anderem eine komplette Wohnungseinrichtung haben
anschaffen müssen. Wie die nachfolgenden Ausführungen zeigen werden, spielt dieser
Punkt für das Ergebnis jedoch keine Rolle. Die Frage, wie hoch der im Sinne des ELG
„angemessene“ Vermögensverbrauch ist, lässt sich lückenfüllend nur anhand der
Systematik und des Sinn und Zwecks des ELG beantworten: Bei knappen finanziellen
Verhältnissen kann – abgesehen von allfälligen ausserordentlichen Anschaffungen – nur
ein Verbrauch „angemessen“ sein, der die Deckung des
ergänzungsleistungsrechtlichen Existenzminimums erlaubt. Wäre der Verbrauch höher,
würde der entsprechend höhere Lebensstandard letztlich durch künftige
Ergänzungsleistungen finanziert, weil das Vermögen umso rascher verbraucht wäre
und folglich umso früher Ergänzungsleistungen beansprucht werden müssten. Der
leistungsauslösende „Schaden“ (die Unfähigkeit, das ergänzungsleistungsrechtliche
Existenzminimum mit eigenen Mitteln zu decken) wäre in einem solchen Fall teilweise
selbst herbeigeführt. Würde diesem Umstand nicht Rechnung getragen, würde gegen
das grundlegende Versicherungsprinzip verstossen, was als gesetzwidrig zu
qualifizieren wäre.
Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben am 31. Dezember 2006 über ein
Vermögen von 803’646 Franken verfügt. Am 31. Dezember 2020 hat sich der
Vermögensstand noch auf 469 Franken belaufen. In 14 Jahren hat sich das Vermögen
also um 803’177 Franken verringert, wovon 284’000 Franken auf die Fehlinvestition in
C._ entfallen. Zu berücksichtigen ist, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann
im Jahr 2008 eine Eigentumswohnung für 555’000 Franken gekauft hatten (act. G
3.2.72–22), die sie im Jahr 2010 für 635’000 Franken verkauft haben (act. G 3.2.72–10),
wobei die Grundstückgewinnsteuer in diesem Kaufpreis enthalten gewesen ist (act. G
4.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/14
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3.2.72–9), sodass aus dem Kauf und Verkauf der Eigentumswohnung ein Nettogewinn
von 65’000 Franken resultiert hat (= 635’000 – 555’000 – 15’000 Franken). In den
Jahren 2007–2020 haben die Ehegatten also insgesamt 803’646 + 65’000 – 284’000 –
469 = 584’177 Franken ausgegeben. Der ergänzungsleistungsrechtliche Existenzbedarf
hat sich in dieser Zeit aus den kantonalen Durchschnittsprämien für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung, den Wohnkosten und der Lebensbedarfspauschale
zusammengesetzt. Während der zweieinhalb Jahre, die das Ehepaar in C._ gelebt
hat, dürfte der Existenzbedarf tiefer gewesen sein. In der Zeit von Januar bis und mit
August 2018 ist er deutlich höher gewesen, aber den Fehlbetrag zwischen den
Ausgaben und den Einnahmen hat die Beschwerdegegnerin durch eine entsprechende
Ergänzungsleistung ausgeglichen (Verfügung vom 3. Oktober 2018), wobei diese
allerdings um 9’853 + 234 = 10’087 Franken pro Jahr „zu tief“ gewesen ist, um den
effektiven Bedarf zu decken, weil die Beschwerdegegnerin einen entsprechenden
Vermögensverzehr und hypothetischen Vermögensertrag als Einnahmen berücksichtigt
hat (vgl. act. G 3.2.16 ff.). Überschlagsmässig ist folglich für die Zeit von 2007–2017
von jährlichen Ausgaben von 10’000 Franken (Krankenkasse) + 15’000 Franken
(Mietzinsmaximum) + 30’000 Franken (Lebensbedarf) = 55’000 Franken pro Jahr
auszugehen; die Renteneinnahmen haben 45’000 Franken betragen (vgl. etwa act. G
3.2.64), was bedeutet, dass die Ehegatten jährlich 10’000 Franken verbrauchen
mussten, um ihren ergänzungsleistungsrechtlichen Existenzbedarf zu decken.
Berücksichtigt man bei dieser Berechnung den effektiven Mietzins von 25’000 Franken
pro Jahr, ergibt sich überschlagsmässig ein „angemessener“ Vermögensverbrauch von
20’000 Franken pro Jahr und damit von 220’000 Franken in den Jahren 2007–2017.
Wegen des Aufenthaltes in C._ und den günstigeren Wohnkosten in der eigenen
Eigentumswohnung müsste dieser Betrag an sich reduziert werden. Davon kann
abgesehen werden, weil es für das Ergebnis keine Rolle spielt, wie sich sogleich zeigen
wird. In den Monaten Januar bis und mit August 2018 haben den Ehegatten 10’087
Franken ÷ 12 × 8 = 6’725 Franken gefehlt. In der Zeit von September 2018 bis und mit
Dezember 2020 hat sich das Einnahmendefizit überschlagsmässig auf 10’000 Franken
pro Jahr (vgl. E. 3) belaufen, weshalb die Beschwerdeführerin in dieser Zeit 10’000 ÷ 12
× 4 + 20’000 = 23’333 Franken hat verbrauchen müssen. Der gesamte „angemessene“
– nur überschlagsmässig berechnete – Vermögensverbrauch in den Jahren 2007–2020
beläuft sich damit auf rund 250’000 Franken (= 220’000 + 6’725 + 23’333 Franken). Bei
einem effektiven Verbrauch von gut 580’000 Franken ergibt sich ein „übermässiger“
Vermögensverbrauch von 330’000 Franken.
Weil die Investition in C._ und der „übermässige“ Vermögensverbrauch in den
Jahren 2007–2012 (einschliesslich die Schenkungen an den Sohn und die
4.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
5.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Gerichtskosten sind gemäss dem Art. 61 lit. f ATSG
nicht zu erheben.