Decision ID: 054c38b2-bf9c-5d14-b9d0-98386797cba0
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ bezog ab Juni 2012 (rückwirkend ab 1. Oktober 2011) neben einer ganzen
IV-Rente Ergänzungsleistungen (EL-act. 141). In den folgenden Jahren wurden die
Ergänzungsleistungen wegen verschiedener Änderungen in den tatsächlichen
Verhältnissen immer wieder anpasst: Per 1. März 2013 bezog der Versicherte
zusammen mit seinem Kind (geboren 201_) und der Mutter des Kindes eine
gemeinsame Wohnung (EL-act. 135). Im Jahr 201_ wurde der Versicherte Vater eines
weiteren Kindes (vgl. EL-act. 121). Am _ 2014 heiratete er die Mutter seiner Kinder
(EL-act. 113-1, 117).
A.a.
Am 27. November 2018 teilte eine Mitarbeiterin des Regionalen
Beratungszentrums Uznach der EL-Durchführungsstelle mit (EL-act. 52), dass der
Versicherte seit dem 1. Oktober 2018 wieder bei seinen Eltern wohne. Die beiden
Kinder lebten bei der Ehefrau. Mit den Eltern des Versicherten sei vereinbart worden,
dass ihnen der Versicherte für Kost und Logis monatlich Fr. 520.-- bezahle. Aus einem
beigelegten Bankbeleg war ersichtlich, dass sich der Betrag von Fr. 520.-- aus einem
Teil für Kost und Logis (Fr. 400.--) und einem Teil für die Garagenmiete (Fr. 120.--)
zusammensetzte.
A.b.
Mit Verfügung vom 20. Dezember 2018 setzte die EL-Durchführungsstelle die
monatliche EL per 1. Januar 2019 auf Fr. 1'001.-- (exkl. Prämienpauschale für die
obligatorische Krankenversicherung) fest (EL-act. 47). Der Grund für die Anpassung
war − neben der Erhöhung der anrechenbaren Prämienpauschale für die
A.c.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Krankenversicherung − eine Erhöhung des anrechenbaren Betrages für den
allgemeinen Lebensbedarf. Zudem hatten sich die IV-Renten erhöht.
Am 10. Januar 2019 ging bei der EL-Durchführungsstelle eine Meldung der
Gemeinde B._ ein, wonach der Versicherte nach C._ gezogen sei (EL-act. 44). Das
Ehepaar habe sich per 31. Dezember 2018 getrennt. Auf telefonische Nachfrage hin
teilte die Beiständin des Versicherten (EL-act. 3) der EL-Durchführungsstelle am 15.
Februar 2019 mit (EL-act. 44), dass keine Trennungsvereinbarung vorhanden sei. Die
Mutter wohne mit den beiden Kindern noch in B._. Ende März ziehe sie um. Keiner
zahle Unterhalt. Die Ehefrau arbeite immer noch nicht.
A.d.
Am 27. Februar 2019 fragte die EL-Durchführungsstelle die Beiständin des
Versicherten an, ob es richtig sei, dass sich der Versicherte und seine Ehefrau bereits
per 1. Oktober 2018 getrennt hätten (EL-act. 42). Zudem bat sie darum, ihr mitzuteilen,
wie hoch die Mietausgaben für die Logis ohne die Kost seien. Anlässlich eines
telefonischen Gesprächs vom 4. März 2019 bestätigte die Beiständin des Versicherten,
dass die Trennung bereits per 1. Oktober 2018 erfolgt sei (EL-act. 42). Der Versicherte
habe sich erst später bei der Gemeinde gemeldet, weshalb die Trennung der
Einfachheit halber per 31. Dezember 2018 erfasst worden sei. Der Mietzinsanteil des
Versicherten sei schnell ausgemacht worden und man habe sich nicht viel dazu
überlegt. Der Versicherte esse mittags immer auswärts.
A.e.
Am 4. März 2019 teilte die Beiständin des Versicherten der zuständigen EL-
Sachbearbeiterin per E-Mail mit (EL-act. 39), dass sich die Mietausgaben des
Versicherten für die Logis auf monatlich Fr. 350.-- beliefen (AHV-Ansatz Unterkunft Fr.
11.50 x 365/12). Zudem leiste der Versicherte seiner Ehefrau Unterhaltszahlungen von
Fr. 1'350.-- pro Monat. Die Familienwohnung sei auf den 31. März 2019 gekündigt
worden. Die Ehefrau habe per 1. April 2019 eine neue Wohnung gemietet und ziehe mit
den beiden Kindern dort ein (Mietvertrag: EL-act. 40).
A.f.
Mit Verfügung vom 28. März 2019 (EL-act. 31) hob die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen rückwirkend ab 1. Oktober 2018 auf und forderte für den
Zeitraum 1. Oktober 2018 bis 31. März 2019 Ergänzungsleistungen in der Höhe von Fr.
5'973.-- zurück. Zur Begründung hielt sie fest, dass die EL aufgrund der Trennung per
A.g.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. Oktober 2018 neu habe berechnet werden müssen. Der Versicherte bezahle seiner
Ehefrau und den Kindern einen monatlichen Unterhalt von Fr. 1'350.--. Die IV-
Kinderrenten (2 x Fr. 629.-) würden immer noch an den Versicherten ausbezahlt. Mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit würden auch die BVG-Renten (2 x Fr. 215.58) noch
an den Vater ausbezahlt. Folglich könne davon ausgegangen werden, dass es sich bei
dem monatlichen Unterhalt um die Weiterleitung der Renten handle, weshalb kein
zusätzlicher Unterhalt berücksichtigt werde. Für die Wohnungsmiete könne lediglich ein
Betrag von Fr. 350.-- pro Monat berücksichtigt werden. Das Vermögen sei anhand der
Steuerveranlagung 2017 (Wertschriften Fr. 12'351.--, Zinsen Fr. 1.--, Motorfahrzeuge
Fr. 27'200.--) und das Einkommen anhand des Lohnausweises 2017 (Bruttolohn Fr.
10'664.-- abzgl. Kinderzulagen von je Fr. 200.--) festgesetzt worden.
In einer E-Mail vom 2. Mai 2019 bat die Beiständin der Versicherten um eine
Wiedererwägung der Verfügung vom 28. März 2019 (EL-act. 26). Der Versicherte habe
im Sinne von Unterhaltszahlungen an seine Ehefrau und die Kinder auch nach dem 1.
Oktober 2018 weiterhin alle laufenden Kosten für die Wohnung usw. beglichen. Der
beiliegenden Kostenartenliste des Regionalen Beratungszentrums Uznach war unter
anderem zu entnehmen, dass der Versicherte im Zeitraum Oktober 2018 bis Februar
2019 die Miete von Fr. 1'730.-- für die Familienwohnung und Unterhaltsbeiträge von Fr.
1'220.-- an seine Ehefrau und die Kinder bezahlt hatte. Im Zeitraum Oktober 2018 bis
März 2019 hatte die Kostenartenliste zudem eine monatliche Zahlung von Fr. 400.-- für
Kost und Logis ausgewiesen. Am 3. Mai 2019 teilte die zuständige EL-Sachbearbeiterin
der Beiständin des Versicherten telefonisch mit, dass auf das Wiedererwägungsgesuch
nicht eingetreten werde (EL-act. 29).
A.h.
Am 10. Mai 2019 erhob die Beiständin des Versicherten Einsprache gegen die
Verfügung vom 28. März 2019 (EL-act. 23). Sie forderte die EL-Durchführungsstelle auf,
die BVG-Renten mit dem tatsächlich ausbezahlten Betrag in die Rechnung
aufzunehmen. Ausserdem seien die geleisteten Unterhaltszahlungen im Betrag von Fr.
12'954.05 (1. Oktober bis 21. Dezember 2018) sowie von Fr. 14'997.20 (1. Januar bis
30. April 2019) abzüglich der ausgerichteten Kinderrenten im Sinne von
familienrechtlichen Unterhaltszahlungen in der Anspruchsberechnung zu
berücksichtigen. Der Einsprache lag die BVG-Rentenbescheinigung für das Jahr 2018
A.i.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bei. Die Kinderrenten hatten sich im Zeitraum 1. Februar 2018 bis 31. Januar 2019 auf
monatlich Fr. 205.60 für jedes Kind belaufen (EL-act. 25).
Am 14. August 2019 teilte die EL-Durchführungsstelle der Beiständin des
Versicherten mit, dass das Einspracheverfahren sistiert werde, bis das
Scheidungsverfahren rechtskräftig abgeschlossen sei (EL-act. 19).
A.j.
Am 6. November 2019 reichte das Regionale Beratungszentrum Uznach das
Scheidungsurteil des Kreisgerichts Z._ vom _ Oktober 2019 ein (EL-act. 18). Das
Gericht hatte die Scheidungsvereinbarung der Ehegatten genehmigt. Die Ehegatten
hatten vereinbart, dass die Kinder bei der Mutter wohnen. Der Versicherte war
verpflichtet worden, bis 31. Dezember 2019 einen Unterhaltsbeitrag von Fr. 480.-- pro
Kind und ab 1. Januar 2020 bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen
Ausbildung einen Unterhaltsbeitrag von monatlich Fr. 80.-- pro Kind zu bezahlen. Die
Unterhaltsbeiträge inkl. Kinderrenten deckten den gebührenden Barunterhalt der
Kinder. Der Betreuungsunterhalt von derzeit Fr. 2'578.-- könne nicht vollumfänglich
gedeckt werden. Die Unterdeckung betrage derzeit monatlich Fr. 1'357.-- für beide
Kinder zusammen. Mangels Leistungsfähigkeit hatten die Ehegatten gegenseitig auf
nachehelichen Unterhalt verzichtet.
A.k.
Am 20. Januar 2020 reichte das Steueramt Uznach die Lohnausweise des
Versicherten der Jahre 2017 und 2018 ein (EL-act. 12). Der Bruttolohn hatte im Jahr
2017 Fr. 10'664.-- (netto Fr. 9'765.--) und im Jahr 2018 Fr. 36'731.-- (netto Fr.
35'780.--) betragen (EL-act. 13).
A.l.
Die zuständige EL-Sachbearbeiterin notierte am 3. Februar 2020 (EL-act. 10),
dass der Versicherte monatlich Fr. 2'079.20 hätte weiterleiten müssen (Kinderrenten
von Fr. 1'679.20 plus Kinderzulagen von Fr. 400.--). Im Scheidungsurteil sei
festgehalten worden, dass sich die Ehegatten gegenseitig keinen Unterhalt schuldeten.
Aus diesem Grund sei kein Ehegattenunterhalt als Ausgabe zu berücksichtigen. Für
den hier massgebenden Zeitraum Oktober 2018 bis Januar 2019 habe das Gericht kein
Urteil gefällt. Zum Lohnausweis 2018 sei zu bemerken, dass in diesem Lohn
Nachzahlungen der Kinderzulagen von Fr. 23'800.-- sowie die laufenden Kinderzulagen
von Fr. 4'800.-- enthalten seien. Somit habe der effektive Lohn im Jahr 2018 Fr.
A.m.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
10'531.-- (abzüglich Fr. 951.-- ordentliche Beiträge) betragen. In einer Stellungnahme
desselben Tages hielt die zuständige EL-Sachbearbeiterin fest, dass gemäss dem
Scheidungsurteil eine Unterdeckung beim Betreuungsunterhalt von monatlich Fr.
1'357.-- bestehe (EL-act. 7). Dieser könne jedoch nicht vom Versicherten bezahlt
werden, da seine finanziellen Verhältnisse eine Unterstützung nicht zuliessen. Die EL-
Berechnung der Kinder habe bisher einen Ausgabenüberschuss aufgewiesen. Daran
werde auch die Anrechnung des Unterhalts nichts ändern.
Mit Entscheid vom 5. Februar 2020 wies die EL-Durchführungsstelle die
Einsprache ab (EL-act. 6). Einer allfälligen Beschwerde entzog sie bezüglich des EL-
Anspruchs ab April 2019 die aufschiebende Wirkung. Zur Begründung hielt sie fest, es
gebe keine Hinweise darauf, dass der Versicherte zusätzlich zu den an seine Ex-
Ehefrau weitergeleiteten IV- und BVG-Kinderrenten im relevanten Zeitraum ab Oktober
2018 bis Ende März 2019 weitere Zahlungen geleistet hätte. Die Ex-Ehefrau habe denn
auch mangels entsprechender wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit des Versicherten auf
Ehegattenunterhalt verzichtet. Dem Versicherten seien daher zu Recht keine
entsprechenden Alimente als Ausgabe angerechnet worden. Die angefochtene
Verfügung sei rechtmässig.
A.n.
Gegen diesen Entscheid erhob die Beiständin des Versicherten am 6. März 2020
Beschwerde (act. G 1). Sie beantragte, dass die geleisteten Unterhaltsbeiträge für die
Kinder (sowie für die Ehefrau bis 30 Tage nach Scheidungsdatum − Rechtskraftdatum)
in die EL-Berechnung als Aufwand (familienrechtliche Unterhaltsbeiträge oder
dergleichen) aufzunehmen und die Ergänzungsleistungen ab dem 1. Oktober 2018
weiter auszurichten seien. Zur Begründung hielt sie fest, dass der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) neben den IV- und BVG-Kinderrenten die Miete für
die Familienwohnung, die Krankenkassenprämien sowie die Lebensunterhaltskosten
der Ehefrau und der beiden Kinder weiterbezahlt habe. Die Ehe sei als lebensprägend
anzusehen, da die gemeinsamen Kinder ausschliesslich durch die Ehefrau betreut
worden seien. Bei der Festlegung des gebührenden Unterhalts sei daher an den zuletzt
gemeinsam gelebten Standard anzuknüpfen. Die Ehefrau haben im hier massgebenden
Zeitraum über kein eigenes Einkommen verfügt, weshalb der Beschwerdeführer für sie
B.a.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen
1.
habe aufkommen müssen. Der Beschwerde lagen unter anderem Auszüge des
Privatkontos des Beschwerdeführers bei der St. Galler Kantonalbank bei (act. G 1.4).
Diesen war zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seiner Ehefrau im Zeitraum
September 2018 bis Februar 2019 jeden Monat einen Betrag von Fr. 1'350.--
überwiesen hatte ("LU FRAU, BEIDE KINDER CHF 1'220.00; TG FRAU CHF 130.00").
Im selben Zeitraum hatte er auch den monatlichen Mietzins für die Familienwohnung
von Fr. 1'730.-- bezahlt. Ausserdem hatte er der KPT/CPT am 10. Januar 2019 einen
Betrag von Fr. 234.-- überwiesen (Prämien VVG Januar bis Juni 2019 für die beiden
Söhne). Am 9. März 2020 ging beim Gericht ein vom Beschwerdeführer persönlich
unterzeichnetes Doppel der Beschwerdeschrift ein (act. G 2).
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
23. März 2020 die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung verwies sie
auf die Erwägungen im Einspracheentscheid.
B.b.
Am 17. August 2021 ersuchte das Gericht die Beiständin des Beschwerdeführers
darum, die Zustimmung der Erwachsenenschutzbehörde zur Prozessführung
nachzureichen (act. G 6). Am 3. September 2021 informierte D._ vom
Beratungszentrum Uznach das Gericht darüber, dass sie die neue Beiständin des
Versicherten sei (act. G 7). Am 19. Oktober 2021 ging beim Gericht ein Auszug des
Dispositivs der von der Erwachsenenschutzbehörde der Beiständin erteilten
Prozessvollmacht vom 14. Oktober 2021 für das Verfahren vor dem
Versicherungsgericht ein (act. G 9).
B.c.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist der
Einspracheentscheid vom 5. Februar 2020. Diesem liegt die Verfügung vom 28. März
2019 zugrunde, mit welcher die Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistungen
rückwirkend ab 1. Oktober 2018 wegen eines Einnahmenüberschusses aufgehoben
und für den Zeitraum 1. Oktober 2018 bis 31. März 2019 zu viel bezahlte
Ergänzungsleistungen von insgesamt Fr. 5'973.-- zurückgefordert hat. Der Grund für
die rückwirkende Anpassung der Ergänzungsleistungen sind die per 1. Oktober 2018
erfolgte Trennung des Beschwerdeführers von seiner Ehefrau und der damit
1.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.
verbundene Auszug des Beschwerdeführers aus der gemeinsamen Wohnung gewesen.
Daneben hat die Beschwerdegegnerin aber auch Anpassungen beim Vermögen, bei
den Vermögenserträgen und beim Erwerbseinkommen vorgenommen.
Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid vom 5.
Februar 2020 lediglich den Sachverhalt bis und mit Verfügungserlass (28. März 2019)
überprüft. Dies ist richtig gewesen: Nach der Praxis des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen (siehe z.B. Entscheid vom 7. Februar 2018, EL 2016/55 E. 1.2) sind
nämlich nur die Verhältnisse bis zum Erlass der dem angefochtenen
Einspracheentscheid zugrundeliegenden Verfügung, und nicht etwa die Verhältnisse
bis zum Erlass des Einspracheentscheides selbst zu berücksichtigen.
1.2.
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkannten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, ELG, SR 831.30). Die anerkannten Ausgaben sowie die
anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten und von Personen mit rentenberechtigten
Waisen oder mit Kindern, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV
begründen, werden zusammengerechnet (Art. 9 Abs. 2 ELG). Ehegatten, die weder
rentenberechtigt sind noch einen Anspruch auf Auszahlung der Alters- und
Hinterlassenenversicherung begründen, haben bei Trennung der Ehe keinen Anspruch
auf Ergänzungsleistungen (Art. 1 Abs. 2 der Verordnung über die Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ELV, SR 831.301). Leben die
Kinder, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV begründen, bei einem
Elternteil, der nicht rentenberechtigt ist und für den auch kein Anspruch auf eine
Zusatzrente besteht, so ist die Ergänzungsleistung gesondert zu berechnen (Art. 7 Abs.
1 lit. c ELV).
2.1.
Die Beschwerdegegnerin hat in der EL-Anspruchsberechnung ab 1. Oktober 2018
lediglich noch den Beschwerdeführer berücksichtigt, d.h. die Ehefrau und die beiden
gemeinsamen Kinder sind nicht mehr eingeschlossen gewesen. Sie hat also − zu Recht
− die Kinderzulagen und die Kinderrenten der IV und der beruflichen Vorsorge nicht
mehr als anrechenbare Einnahme berücksichtigt. Bei den Ausgaben hat sie allerdings
keine familienrechtlichen Unterhaltsbeiträge angerechnet. Die Beschwerdegegnerin hat
im Einspracheentscheid festgehalten, es gebe keine Hinweise darauf, dass der
Beschwerdeführer zusätzlich zu den an seine getrennt lebende Ehefrau weitergeleiteten
IV- und BVG-Kinderrenten im relevanten Zeitraum ab Oktober 2018 bis Ende März
2.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2019 weitere Zahlungen geleistet hätte. Deshalb habe sie dem Beschwerdeführer zu
Recht keine entsprechenden Alimente als Ausgabe angerechnet. Die Beiständin des
Beschwerdeführers hat hingegen geltend gemacht, dass der Beschwerdeführer
zusätzlich die Miete für die Familienwohnung und die Krankenkassenprämien
weiterbezahlt und sich am Lebensunterhalt seiner getrennt lebenden Ehefrau und der
Kinder beteiligt habe. Die geleisteten Unterhaltsbeiträge seien in der EL-Berechnung
als Ausgabe zu berücksichtigen.
Den von der Beiständin des Beschwerdeführers eingereichten Belegen ist zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer die Miete für die Familienwohnung für die
Monate Oktober 2018 bis März 2019 in der Höhe von Fr. 1'730.-- bezahlt hat (EL-act.
25-4 f., act. G 1.4). Des Weiteren hat er seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau im
Zeitraum September 2018 bis Februar 2019 monatlich einen Betrag von Fr. 1'350.--
überwiesen − davon Fr. 1'220.-- für den Lebensunterhalt der Ehefrau und der Kinder
und Fr. 130.-- als "Taschengeld" für die Ehefrau (siehe Kontoauszug in act. G 1.4). Im
März 2019 hat er noch einen Betrag von Fr. 3'392.40 überwiesen (Fr. 1'313.20 für den
Lebensunterhalt und Fr. 2'079.20 "Einnahmen Kinder"). Ebenso hat er die Prämien der
obligatorischen Krankenversicherung seiner Ehefrau für den Zeitraum Oktober 2018 bis
April 2019 bezahlt (insgesamt Fr. 1'096.70). Auch die Prämien für die
Krankenzusatzversicherungen der gemeinsamen Kinder für das 1. Halbjahr 2019 hat er
beglichen (Fr. 234.--). Damit steht fest, dass der Beschwerdeführer entgegen der
Annahme der Beschwerdegegnerin nach der Trennung von seiner Ehefrau und dem
Auszug aus der Familienwohnung seiner Ehefrau nicht nur die Kinderzulagen und die
Kinderrenten weitergeleitet hat, sondern substantielle zusätzliche Zahlungen an deren
Unterhalt sowie den Unterhalt der gemeinsamen Kinder geleistet hat.
2.3.
Nach der Trennung des Ehepaares im Oktober 2018 sind keine
Eheschutzmassnahmen eingeleitet worden. Soweit ersichtlich liegt auch keine
behördlich genehmigte Unterhaltsvereinbarung vor. Das Scheidungsurteil vom 25.
Oktober 2019 regelt erst die ab Rechtskraft zu leistenden Unterhaltsbeiträge. Für den
hier massgebenden Zeitraum (Oktober 2018 bis März 2019) liegt also keine gerichtlich
oder behördlich genehmigte Vereinbarung über die vom Beschwerdeführer zu
leistenden Unterhaltsbeiträge vor. Die Beschwerdegegnerin hätte deshalb abklären
müssen, ob und wenn ja, wie viel Unterhalt der Beschwerdeführer seiner Ehefrau und
seinen Kindern (nebst den Kinderzulagen und den Kinderrenten) ab dem Zeitpunkt der
Trennung des Ehepaares hätte leisten müssen, wenn diese gerichtlich oder behördlich
festgesetzt worden wären. Die tatsächlich bezahlten Unterhaltsbeiträge sind also nur
abzugsfähig, soweit sie angemessen gewesen sind (vgl. Rz. 3272.03 der Wegleitung
2.4.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
über die Ergänzungsleistungen, WEL, Stand 1. Januar 2019). Die Sache ist somit auch
zur Klärung der Frage, ob dem Beschwerdeführer ab dem 1. Oktober 2018 familiäre
Unterhaltsbeiträge als Ausgaben anzurechnen sind, an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
Die Beschwerdegegnerin hat ab dem 1. Oktober 2018 noch einen Mietzins für die
Wohnung von Fr. 4'200.-- pro Jahr (Fr. 350.-- pro Monat) berücksichtigt. Gemäss den
Angaben der Beiständin haben sich die Mietausgaben des Versicherten ab 1. Oktober
2018, als dieser wieder bei seinen Eltern gelebt hatte, auf monatlich Fr. 350.-- belaufen.
Die Beschwerdegegnerin hat daher in der EL-Berechnung des Beschwerdeführers ab
1. Oktober 2018 zu Recht einen jährlichen Mietzins von Fr. 4'200.-- als Ausgabe
berücksichtigt.
2.5.
Die Beschwerdegegnerin hat in der Anspruchsberechnung ab 1. Oktober 2018
statt des bisher angerechneten Sparguthabens von Fr. 48'138.-- neu ein Sparguthaben
von Fr. 12'351.-- sowie einen Fahrzeugwert von Fr. 27'200.-- angerechnet. Zudem hat
sie lediglich noch einen Vermögensertrag von Fr. 1.-- (statt bisher Fr. 23.--)
berücksichtigt. Dabei hat sie sich auf die Steuerunterlagen des Jahres 2017 gestützt,
welche am 27. März 2019 eingegangen sind (EL-act. 34 f.). Insgesamt hat die
Beschwerdegegnerin neu ein tieferes Vermögen und tiefere Vermögenserträge
angerechnet. Diese Veränderungen sind jedoch bereits per 1. Januar 2018 eingetreten.
Die Beschwerdegegnerin hätte das Vermögen und die Vermögenserträge daher nicht
auf den Revisionszeitpunkt (1. Oktober 2018) anpassen dürfen. Hinzu kommt, dass
eine Änderung, die zu einer Erhöhung des Ausgabenüberschusses führt, erst auf den
Beginn des Monats, in dem die Änderung gemeldet wurde, vorzunehmen ist (vgl. Art.
25 Abs. 2 lit. b ELV). Das Vermögen und die Vermögenserträge könnten somit
frühestens ab 1. März 2019 reduziert werden. Wie hoch das Vermögen und die
Vermögenserträge per 31. Dezember 2018 gewesen sind, wird die
Beschwerdegegnerin noch abklären müssen.
2.6.
Die Beschwerdegegnerin hat das Erwerbseinkommen des Beschwerdeführers per
1. Oktober 2018 von brutto Fr. 6'662.-- auf brutto Fr. 5'864.-- reduziert (siehe
Steuerveranlagung 2017, EL-act. 35 und Lohnausweis 2017, EL-act. 55, letzterer war
bereits im April 2018 eingereicht worden, siehe EL-act. 54). Vom Bruttolohn hat die
Beschwerdegegnerin − wie bereits seit dem 1. Dezember 2015 − die Kinderzulagen
von Fr. 4'800.-- in Abzug gebracht (EL-act. 34). Wie beim Vermögen ist die
massgebende Veränderung beim Erwerbseinkommen nicht per 1. Oktober 2018
eingetreten, sondern wäre − gestützt auf Art. 23 Abs. 1 ELV − bereits per 1. Januar
2018 zu berücksichtigen gewesen. Den Akten sind keine Hinweise darauf zu
2.7.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
entnehmen, dass sich der Lohn des Beschwerdeführers auf den Revisionszeitpunkt hin
relevant verändert hätte, weshalb eine Reduktion des Lohnes per 1. Oktober 2018
ausgeschlossen gewesen ist. Im Sinne eines obiter dictum ist darauf hinzuweisen, dass
sich dem Gericht nicht erschliesst, weshalb die Beschwerdegegnerin ab dem 1.
Dezember 2015 die Kinderzulagen von insgesamt Fr. 4'800.-- vom im Lohnausweis
ausgewiesenen Bruttolohn abgezogen hat. Die Beschwerdegegnerin hatte bis zur hier
strittigen Revision der Ergänzungsleistungen per 1. Oktober 2018 seit dem 1.
Dezember 2015 ein Erwerbseinkommen von brutto Fr. 6'662.-- angerechnet. Dabei
hatte sie sich auf den Lohnausweis des Jahres 2014 gestützt, welcher einen Bruttolohn
von Fr. 11'462.--, Beiträge an die AHV/IV/EO/ALV/NBUV von Fr. 991.-- und einen
Nettolohn von Fr. 10'471.-- ausgewiesen hatte (EL-act. 80). Die
Sozialversicherungsbeiträge hatten damals 6.25 % des Bruttolohnes und die Beiträge
an die Nichtberufsunfallversicherung 2.4 % des Bruttolohnes ausgemacht (siehe EL-
act. 103-10). Die Beiträge (insg. 8.65 % resp. Fr. 991.--) sind also auf dem gesamten
Bruttolohn von Fr. 11'462.-- erhoben worden. Da Kinderzulagen beitragsfrei sind,
dürften sie in dem im Lohnausweis angegebenen Bruttolohn eigentlich nicht enthalten
gewesen sein. Auch aus den bei den Akten liegenden Lohnabrechnungen vom Mai,
Juni und Juli 2014 ist nicht ersichtlich, dass die Kinderzulagen im Lohn enthalten
gewesen wären (EL-act. 103-8 ff.). Und schliesslich sind die Kinderzulagen auch in der
Aufstellung der Beiständin (Budget 1. April 2019) separat ausgewiesen (Lohn Fr.
743.30, Kinderzulagen Fr. 400.--). Eine allfällige (rückwirkende) Anpassung des
Erwerbseinkommens wegen zu viel abgezogener Kinderzulagen wäre jedoch nicht
Gegenstand des vorliegenden Revisionsverfahrens, sondern eines separat
durchzuführenden Wiedererwägungsverfahrens (Art. 53 Abs. 2 ATSG) gegen die
Verfügung vom 4. März 2016 (EL ab 1. Dezember 2015).
Für die Zeit ab dem 1. Januar 2019 hat die Beschwerdegegnerin weiterhin das ab
1. Oktober 2018 angerechnete Erwerbseinkommen von brutto Fr. 5'864.--
berücksichtigt. Der Lohnausweis (EL-act. 13) weist für das Jahr 2018 ein
Erwerbseinkommen von brutto Fr. 36'731.--, jedoch lediglich Sozialversicherungs- und
NBU-Beiträge von Fr. 951.--, aus. Am 21. Januar 2020 hat die Beschwerdegegnerin
per E-Mail bei der Gemeinde B._ nachgefragt, wie hoch die im Lohn enthaltene
Nachzahlung der Kinderzulagen gewesen sei (EL-act. 11). Die Antwort der Gemeinde
liegt nicht bei den Akten. Im Feststellungsblatt vom 3. Februar 2020 hat die zuständige
EL-Sachbearbeiterin notiert, dass im Lohn 2018 Nachzahlungen von Kinderzulagen von
Fr. 23'800.-- sowie die laufenden Kinderzulagen von Fr. 4'800.-- enthalten seien. Der
effektive Lohn habe im Jahr 2018 somit Fr. 10'531.-- betragen (EL-act. 10). Sollte sich
das Erwerbseinkommen per 1. Januar 2019 erhöht haben (gemäss Art. 23 Abs. 1 ELV
2.8.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).