Decision ID: fbd6d047-722b-5c7b-932b-88d9a11ec879
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 20. November 2012 bei der Gemeinde
Biel/Bienne ein Baugesuch ein für eine Wohnüberbauung mit 73 Wohnungen und zwei
Einstellhallen auf den Parzellen Biel/Bienne Grundbuchblatt Nr. X und Y. Die Parzellen
liegen in der Bauzone 3 bzw. Bauzone 4 mit annähernd geschlossener Bauweise. Gegen
das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Gesamtbauentscheid vom 30. Oktober 2014 erteilte das G._ die
Baubewilligung und wies die Einsprache ab.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 1. Dezember 2014 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
sinngemäss die Aufhebung des Gesamtbauentscheides vom 30. Oktober 2014 und die
Erteilung des Bauabschlags. Zudem beantragen sie, die Rechtsverwahrung sei
vorzumerken. Sie rügen eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. des Replikrechts
sowie das Ungenügen der vorgesehenen Kinderspielplätze.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin reichte mit
ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Dezember 2014 eine Projektänderung ein betreffend
"Flächen Aufenthaltsbereich und Kinderspielplatz im Innenhof der Häuser A, B und C und
Kinderspielplatz nördlich Haus C" (gemäss Plänen vom 15. Dezember 2014, abgestempelt
vom Rechtsamt der BVE am 24. Dezember 2014). Sie beantragt, die Baubewilligung sei
mit dieser Projektänderung und im Übrigen in Bestätigung des angefochtenen
Gesamtbauentscheids zu erteilen.
Die BVE gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, sich zum Projektänderungsgesuch zu
äussern. Die Vorinstanz und die Stadt Biel erachteten in ihren Stellungnahmen die
Projektänderung als bewilligungsfähig und beantragten, diese im laufenden
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Beschwerdeverfahren zu genehmigen. Die Beschwerdeführenden äusserten sich in ihrer
Stellungnahme nicht dazu, ob mit der Projektänderung ihren Anliegen Genüge getan wird.
Sie stellten den Beschwerderückzug in Aussicht, sofern "das geänderte Bauprojekt die
gesetzlichen Anforderungen nunmehr erfüllen" sollte, und "sofern sie schadlos gehalten
werden". Die BVE wies mit verfahrensleitender Verfügung vom 10. Februar 2015 darauf
hin, dass der Rückzug einer Beschwerde nicht an Bedingungen geknüpft werden kann. Sie
betrachtete die Beschwerde daher als nicht zurückgezogen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtbauentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG
kann er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der
BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den
vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Vorinstanz habe ihr rechtliches
Gehör verletzt. Ihnen sei zusammen mit dem angefochtenen Gesamtbauentscheid eine
Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 1. Oktober 2014 zugestellt worden, zu der
sie sich nicht vorgängig hätten äussern können.
b) Im vorinstanzlichen Verfahren hat die Beschwerdegegnerin in ihrer Eingabe vom
14. August 2014 unter anderem Stellung genommen zum Amtsbericht der Stadt Biel vom
4. August 2014, welcher eine Gebührenzusammenstellung der Gemeinde enthält. Die
Beschwerdegegnerin machte geltend, es gebe keine gesetzliche Grundlage für die
Überwälzung der Kosten für die Teiländerung der Überbauungsordnung T (Fr. 20'572.–)
auf die Baugesuchstellerin. Das Regierungsstatthalteramt gab der Stadt Biel Gelegenheit
zur Stellungnahme, welche diese am 8. September 2014 einreichte. Die Stadt Biel hielt an
der Überwälzung der fraglichen Kosten an die Baugesuchstellerin fest, weil die Änderung
der Überbauungsordnung einzig bezweckt habe, der Bauherrschaft die Realisierung des
Projekts zu ermöglichen. Die gesetzliche Grundlage finde sich im kommunalen
Gebührenreglement. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 30. September 2014 gab die
Vorinstanz den Beteiligten u.a. Kenntnis von dieser Stellungnahme und lud die
Beschwerdegegnerin ein, sich dazu zu äussern. Gleichzeitig wurde in Aussicht gestellt,
dass danach der Bauentscheid erfolge.
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich mit Eingabe vom 1. Oktober 2014. Sie vertrat die
Ansicht, das kantonale Recht regle die Kostentragung im Baubewilligungsverfahren wie
auch die Voraussetzungen einer Überwälzung der Kosten eines Planungsverfahrens an
Private abschliessend; das von der Stadt Biel herangezogene kommunale Recht entbehre
diesbezüglich der rechtlichen Relevanz. Am 30. Oktober 2014 fällte die Vorinstanz den
angefochtenen Entscheid, ohne die Beschwerdeführenden zur Eingabe vom 1. Oktober
2014 angehört zu haben. Sie befand, dass die fraglichen Planungskosten durch die
Gemeinde zu tragen seien, und reduzierte die der Beschwerdegegnerin als Bauherrschaft
auferlegten Gemeindegebühren entsprechend.
c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst auch das Recht der Parteien, von jedem
eingereichten Aktenstück und jeder Stellungnahme Kenntnis zu nehmen und sich dazu
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äussern zu können.4 Das bedeutet, dass den Beteiligten jede eingereichte Stellungnahme
zur Kenntnis zu bringen ist.5 Dies gilt unabhängig davon, ob die Stellungnahmen neue
Tatsachen oder Argumente enthalten und ob sie die entscheidende Behörde tatsächlich zu
beeinflussen vermögen.6 Das Bundesgericht hat zwar offen gelassen, ob Art. 29 Abs. 2 BV
auch im Verwaltungsverfahren ein Replikrecht einräumt.7 Die Art. 21 ff. VRPG
unterscheiden aber bezüglich des Anspruchs auf rechtliches Gehör nicht zwischen
Verwaltungs- und Verwaltungsjustizverfahren. Die bundesgerichtlichen Vorgaben gelten
daher auch im Verwaltungsverfahren vor kantonalen und kommunalen Behörden.
Demnach sind den Parteien in Baubewilligungsverfahren und in baupolizeilichen Verfahren
die Eingaben der Gegenpartei zuzustellen, so dass sie Gelegenheit haben, sich dazu zu
äussern, sofern sie dies als erforderlich erachten.8
d) Vorliegend geht es den Beschwerdeführenden nicht um eine Äusserungsmöglichkeit
zum Bauprojekt, das Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens bildet. Die fragliche
Stellungnahme betraf – entsprechend der verfahrensleitenden Verfügung, mit welcher zur
Stellungnahme eingeladen wurde – einzig die Frage der Verlegung der Planungskosten,
wobei streitig war, ob diese der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen oder durch die
Gemeinde zu tragen seien. Die Auferlegung dieser Kosten an die Beschwerdeführenden
stand nicht zur Diskussion. Die Beschwerdeführenden stellen denn auch im Verfahren vor
der BVE keinen Antrag hinsichtlich der Verlegung der Planungskosten im vorinstanzlichen
Verfahren und äussern sich in ihrer Beschwerdebegründung nicht zu dieser Frage. Es ist –
auch unter Berücksichtigung des formellen Charakters des Gehörsanspruchs – kein
schutzwürdiges Interesse der Beschwerdeführenden an der Möglichkeit zur Äusserung zur
betroffenen Kostenfrage erkennbar. Ein blosses Interesse an der Verzögerung oder
Behinderung des Verfahrens wird durch den Gehörsanspruch nicht geschützt. Unter diesen
Umständen kann im Vorgehen der Vorinstanz keine Verletzung des rechtlichen Gehörs der
Beschwerdeführenden erblickt werden.
4 BGer 5P.385/2005 vom 17. Januar 2006, E. 2.1 f. 5 BGer 5A_151/2007 vom 22. Januar 2008, E. 3.2. 6 BGE 133 I 98 E. 4.3 ff. 7 BGE 133 I 98 E. 2.1. 8 BVR 2009 S. 328 ff. E. 2.4.
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3. Kinderspielplätze; rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen weiter, das von der Vorinstanz bewilligte Bauprojekt
sehe ungenügende Kinderspielplätze vor. Einer der beiden vorgesehenen Spielplätze
weise grösstenteils eine nutzbare Breite von weniger als 5 Meter auf und könne daher nicht
angerechnet werden. Auch der zweite Spielplatz verfüge über zu schmale Bereiche und
könne höchstens teilweise angerechnet werden. Wenn die Vorinstanz ohne nähere
Berechnungen davon ausgehe, dass die vorgesehenen Spielplätze genügten, so verletze
sie ihre Begründungspflicht bzw. argumentiere willkürlich.
b) Entgegen den Behauptungen der Beschwerdeführenden setzte sich die Vorinstanz
mit der Frage auseinander, ob die projektierten Kinderspielplätze den Anforderungen
genügen. Sie errechnete die Mindestfläche für diese nach den Vorgaben von Art. 45 Abs. 1
BauV9 aus der Bruttogeschossfläche der Familienwohnungen, was von den
Beschwerdeführenden nicht kritisiert wird. Die Vorinstanz übersah auch nicht, dass nach
den massgebenden "Empfehlungen für die Projektierung und Gestaltung von
benutzerfreundlichen Aussenräumen von Wohnüberbauungen" des damaligen
Raumplanungsamts des Kantons Bern vom Juni 1992 nicht die ganzen Flächen
angerechnet werden könnten. Sie erachtete die Vorgaben dennoch als erfüllt, zumal nach
Art. 45 Abs. 3 BauV die erforderliche Mindestfläche bei Vorliegen besonderer Umstände
herabgesetzt werden könne; dies treffe hier zu, da Alterswohnungen geplant seien und
Kinderspielplätze höchstens in reduziertem Umfang für Enkelkinder, welche die Bewohner
besuchten, zur Verfügung stehen müssten.
Mit diesen Erwägungen ist die Vorinstanz – unabhängig von der Richtigkeit ihrer
Überlegungen – ihrer Begründungspflicht nachgekommen, denn es war den
Verfügungsadressaten ersichtlich, von welchen Argumenten sie sich hat leiten lassen. Die
Rüge der Willkür und der Verletzung des Gehörsanspruchs ist daher unbegründet.
9 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1).
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4. Projektänderung betreffend Kinderspielplätze
a) Die Beschwerdegegnerin reichte mit ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Dezember
2014 eine Projektänderung ein. Sie will damit der Rüge, das Projekt halte die
vorgeschriebene Mindestfläche für Kinderspielplätze nicht ein, Rechnung tragen.
b) Nach Art. 43 Abs. 1 und 3 BewD10 kann eine Projektänderung im laufenden
Beschwerdeverfahren beurteilt werden, wenn das Bauvorhaben in seinen Grundzügen
gleich bleibt. Zuvor müssen die Gemeinde, die Gegenpartei und die von der
Projektänderung berührten Dritten angehört werden. Die BVE kann die Sache zur
Weiterbehandlung an die Vorinstanz zurückweisen.
Eine Änderung der Grundzüge eines Bauvorhabens liegt vor, wenn ein Hauptmerkmal
desselben verändert wird, wie z.B. Erschliessung, Standort, äussere Masse,
Geschosszahl, Geschosseinteilung oder Zweckbestimmung. Auch eine Mehrzahl geringer
Änderungen kann dem Bau eine veränderte Identität verleihen.11
c) Das ursprüngliche Projekt gemäss Baugesuch vom 20. November 2012
(Gesuchsformular datiert vom 5. Dezember 2012, Plan Umgebungsgestaltung/Bepflanzung
mit Eingangsstempel vom 11. Juli 2013) sah zwei Spielplätze vor: Einen an den
Aufenthaltsbereich im Innenbereich der Gebäude A, B und C angrenzenden Spielplatz,
dessen Fläche mit 226 m2 angegeben war, und einen weiteren Spielplatz nördlich von
Gebäude C, dessen Fläche mit 164 m2 beziffert war. Die Beschwerdegegnerin anerkennt in
ihrer Beschwerdeantwort, dass für den ersteren Spielplatz der zur Wahrung der
Privatsphäre erforderliche Streifen von 3 Meter gemäss AHOP Nr. 92.2 "Empfehlungen für
die Projektierung und Gestaltung von benutzerfreundlichen Aussenräumen von
Wohnüberbauungen"12, S. 19, nicht eingehalten werde. Die im angefochtenen
Gesamtbauentscheid vom 30. Oktober 2014 bewilligte Spielfläche von 226 m2 rage bis
10 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Auflage, Band I, Bern 2013, Art. 32-32d N. 12. 12 Das Raumplanungsamt des Kantons Bern (heute: Amt für Gemeinden und Raumordnung, AGR) hat im Juni 1992 die Arbeitshilfe für die Ortsplanung (AHOP) Nr. 92.2 "Empfehlungen für die Projektierung und Gestaltung von benutzerfreundlichen Aussenräumen von Wohnüberbauungen" herausgegeben.
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unter die Fassadenfronten der Häuser A und C. Werde der Abstand eingehalten, reduziere
sich die Spielfläche um 72 m2 auf 154 m2.
Mit der Projektänderung soll nun diese Spielfläche – zulasten des erwähnten
Aufenthaltsbereichs, dessen Fläche sich von 335.60 m2 auf 136 m2 verringert – vergrössert
werden, so dass auch unter Einhaltung der Abstandsstreifen von 3 Metern gegenüber
Hauptfassaden eine Fläche von 260 m2 erreicht wird. Die erforderliche Fläche, welche
gemäss Art. 45 Abs. 1 BauV einem Anteil von 15 % der Hauptnutz- und
Konstruktionsflächen der 16 projektierten Familienwohnungen der Siedlung entspricht,
beträgt nach den Berechnungen der Beschwerdegegnerin 226.44 m2 und wird damit
übertroffen. Der Spielplatz nördlich von Gebäude C kommt gemäss den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin nicht neben Wohnräume, sondern neben Treppenhaus, Gängen und
Reduits zu liegen, weshalb der Abstand zur Wahrung der Privatsphäre nicht eingehalten
werden müsse. Die minimale Breite von 5 Metern ist nach Angaben der
Beschwerdegegnerin bei dieser (unregelmässig geformten) Spielfläche eingehalten. Mit
der Projektänderung wird für diesen Spielplatz lediglich die seitliche Ausdehnung der
Spielfläche reduziert, damit diese nicht vor dem östlichen Teil der Nordfassade, hinter dem
sich bewohnte Räume befinden, zu liegen kommt und zu dieser einen seitlichen Abstand
von 3 Metern einhält.
Diese Anpassungen betreffen keine Hauptmerkmale des Projekts und verändern dessen
Identität nicht. Die Projektänderung kann daher gemäss Art. 43 Abs. 3 BewD im
Baubeschwerdeverfahren berücksichtigt werden. Das Projektänderungsgesuch ersetzt
dabei das ursprüngliche Baugesuch.13
d) Die Beschwerdegegnerin legt überzeugend dar, dass mit der Projektänderung die
Vorschrift über die minimale Fläche für Kinderspielplätze eingehalten wird. Von Seiten der
Vorinstanz, der Gemeinde und der Beschwerdeführenden werden keine Einwände
erhoben. Die Projektänderung kann daher genehmigt werden.
5. Rechtsverwahrung
13 BVR 1989, S. 400 ff.
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Die Beschwerdeführenden beantragen die Vormerkung ihrer Rechtsverwahrung. Diese
bezieht sich neben Entschädigungsansprüchen (inkl. Ansprüchen aus provisorischen
Enteignungen) auch auf sämtliche Abwehransprüche privater Natur, insbesondere aus
Lärm- und Staubimmissionen sowie anderen Behinderungen – insbesondere bezüglich
Zufahrt – während und nach der Bauzeit.
Die Beschwerdeführenden hatten bereits im vorinstanzlichen Verfahren eine
Rechtsverwahrung angemeldet, welche im angefochtenen Entscheid vermerkt wurde. Die
Rechtsverwahrung muss nicht noch einmal vorgemerkt werden, da der angefochtene
Entscheid bestätigt wird.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Nach dem Gesagten kann die Projektänderung genehmigt werden. Die Beschwerde
wird hinsichtlich der Rüge betreffend Kinderspielplätze gegenstandslos. In den übrigen
Teilen ist die Beschwerde abzuweisen und der vorinstanzliche Entscheid zu bestätigen.
b) Die Beschwerdegegnerin sorgt mit der Projektänderung für die Gegenstandslosigkeit
der Rüge betreffend die Kinderspielplätze. Sie gilt insoweit als die unterliegende Partei. Die
Beschwerdeführenden unterliegen ihrerseits mit der Rüge der Verletzung des rechtlichen
Gehörs.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden und die
Beschwerdegegnerin jeweils teilweise. Sie haben die Verfahrenskosten je zur Hälfte zu
tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'200.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV14), so dass von jeder Seite ein Anteil von Fr. 600.– zu tragen ist.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
14 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Entsprechend dem Ausgang des
Verfahrens haben die Beschwerdeführenden der Beschwerdegegnerin die Hälfte ihrer
Parteikosten zu erstatten.
Gemäss der Kostennote des Anwaltes der Beschwerdegegnerin betragen deren
Parteikosten Fr. 5'443.40 (Honorar Fr. 5'000.–, Auslagen Fr. 40.20, Mehrwertsteuer
Fr. 403.20). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV15 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG16). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand aufgrund des eingeschränkten
Streitgegenstands als eher unterdurchschnittlich zu werten; dasselbe gilt angesichts der
Überschaubarkeit der umstrittenen Rechtsfragen für die Schwierigkeit des Prozesses.
Auch wenn die Bedeutung der Streitsache bei projektierten Baukosten gemäss Baugesuch
von über Fr. 16 Mio als erheblich eingestuft werden muss, sprengen die geltend
gemachten Parteikosten angesichts der bescheidenen Komplexität der Streitsache den
Rahmen des Angemessenen. Ein Honorar von Fr. 3'500.– erscheint angemessen.
Die Beschwerdegegnerin ist mehrwertsteuerpflichtig17 und kann somit die von ihrem
Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Ihr fällt daher betreffend
Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer käme einer mit
Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren Überentschädigung gleich.
Nach neuer Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote des
Rechtsvertreters der Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer bei der
Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.18
Unter Einrechnung der Auslagen (Fr. 40.20) ergeben sich somit Parteikosten in Höhe von
Fr. 3'540.20. Davon haben die Beschwerdeführenden der Beschwerdegegnerin die Hälfte,
ausmachend Fr. 1'770.10, zu erstatten.
15 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811). 16 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11). 17 Siehe Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, einsehbar unter: https://www.uid.admin.ch. 18 VGE 2013/137 vom 26. Mai 2014, E. 6.
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Die Beschwerdeführenden machen zwar geltend, es seien ihnen "für die eingeholte
Rechtsberatung" Parteikosten entstanden. Sie waren jedoch im Verfahren vor der BVE
nicht von einem berufsmässigen Parteivertreter repräsentiert und haben daher keinen
Anspruch auf Ersatz von Parteikosten (Art. 104 Abs. 1 VRPG).