Decision ID: 33f00a8f-fa46-4a84-af46-a45b0ea1302a
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a Am 14. Oktober 2005 zog sich A._ bei einem Arbeitsunfall Kontusionen in der
rechten Zervikalregion sowie am rechten Oberarm zu (act. G 5.2 Fremdakten
[unnummeriert], Arztbericht vom 6. Dezember 2005). Als sie einen Fotokasten leeren
wollte, habe sich dieser langsam aus der Verankerung gelöst und sei auf die rechte
Schulter (evtl. auch auf den rechten Arm und den Halsbereich) der Versicherten geprallt
(act. G 5.2 Fremdakten, Abklärungsbericht vom 7. Februar 2006). Im polydisziplinären
Gutachten des Kantonsspitals St. Gallen vom 26. Februar 2007 wurden ein
Schulterhochstand rechts mit Verkürzung des M. trapezius rechts bei Status nach
Scapulakontusion rechts vom 14. Oktober 2005, ein zervikobrachiales und
zervikocephales Schmerzsyndrom/DD: zervikale Dystonie und eine posttraumatische
depressive Reaktion diagnostiziert (IV-act. 21).
A.b Die Versicherte meldete sich im April 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte die Ausrichtung einer Rente. Seit dem 14.
Oktober 2005 bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 1).
A.c Im Arztbericht vom 8. Juni 2007 attestierte Dr. med. B._, Allgemeine Medizin
FMH, ab 4. Oktober 2006 bis auf weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kundenberaterin (IV-act. 17/1-4). Dr. med. C._,
Fachärztin Innere Medizin und Rheumatologie, hielt im Bericht vom 17. Dezember 2007
fest, dass der Gesundheitszustand der Versicherten besserungsfähig sei. Zurzeit könne
die Arbeitsunfähigkeit nicht beurteilt werden. Aus rheumatologisch-internistischer Sicht
müsse der weitere Verlauf abgewartet werden (IV-act. 25). Im Bericht des Kantons
spitals St. Gallen, interdisziplinäre medizinische Dienste, vom 27. Mai 2008 wurde eine
bereits weit fortgeschrittene Chronifizierung des Beschwerdebilds festgehalten. Es
bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 31/1-4). Die IV-Stelle veranlasste in der
Folge eine polydisziplinäre (rheumatologisch/neurologisch/psychiatrisch) Begutachtung
bei der SMAB AG, Swiss Medical Assessment- and Business-Center, Bern (IV-act. 39
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und 40). Im entsprechenden Gutachten vom 13. November 2008 (nachfolgend: SMAB-
Gutachten) wurde ein posttraumatisch aufgetretenes, protrahiert verlaufendes und jetzt
chronifiziertes Schulterarmsyndrom nach Kontusion im Nackenschulterbereich rechts
mit Schulterhochstand und schmerzhafter Bewegungseinschränkung sowie
Kraftminderung rechts bei forcierter langdauernder Schonhaltung mit konsekutiver
skoliotischer Fehlhaltung diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
wurden die Diagnosen leichte depressive Episode (F 32.0) und Lumbal-
Thorakalsyndrom, muskulär bedingt bei skoliotischer Fehlhaltung gestellt. In der
bisherigen Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100%, wobei die
Leistungsfähigkeit um 20% gemindert sei. Eine adaptierte Tätigkeit (leichte Tätigkeit
unter Vermeidung von Überkopfarbeit, längerem vornüber gebeugtem Arbeiten, die
Wirbelsäule belastenden Zwangshaltungen über längere Zeit, Heben und Tragen von
Lasten über 10kg, längerem Einsatz am Computer und Dauerbelastung des rechten
Schultergelenks) sei bei einer aufgrund der funktionellen Störungen und der
kontinuierlichen Schmerzen bedingten Leistungsminderung von 20% ebenfalls zu
100% zumutbar (IV-act. 44).
A.d Mit Schreiben vom 12. Januar 2009 gewährte die IV-Stelle der Versicherten
Anspruch auf Arbeitsvermittlung (IV-act. 52). Eine berufliche Abklärung musste
aufgrund der subjektiven Arbeitsunfähigkeit der Versicherten nach einem Monat
abgebrochen werden (IV-act. 63). Die berufliche Eingliederung wurde daraufhin formlos
abgeschlossen (IV-act. 65).
A.e Mit Vorbescheid vom 17. August 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass sie bei einem Invaliditätsgrad von 20% keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente habe (IV-act. 72). Die Versicherte hat gegen den Vorbescheid keinen
Einwand erhoben. Dementsprechend eröffnete die IV-Stelle der Versicherten mit
Verfügung vom 28. September 2009 wie angekündigt, das Nichtbestehen eines
Anspruchs auf eine Invalidenrente (IV-act. 75).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehren
zeller, Teufen, im Namen der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 29. Oktober
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2009 mit den Anträgen, die Verfügung vom 28. September 2009 sei aufzuheben und
der Beschwerdeführerin sei mit Wirkung ab Oktober 2006 mindestens eine halbe

Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Prozedur im Sinn der Erwägungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Beschwerdegegnerin. Der medizinische Sachverhalt sei nur ungenügend
abgeklärt worden. Das SMAB-Gutachten weise gravierende Widersprüche sowie
formelle und materielle Mängel auf, weshalb eine neue Begutachtung unumgänglich sei
(act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 10. Dezember 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die von der Beschwerdeführerin
gegen das SMAB-Gutachten vorgebrachten Einwände seien nicht stichhaltig. Unter
Berücksichtigung der Rechtsprechung des Bundesgerichts seien keine
invalidisierenden Beschwerden auszumachen, weshalb in einer adaptierten Tätigkeit
von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Das Valideneinkommen sei anhand
der schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik zu
berechnen, da keine repräsentative Einkommensbasis zur Verfügung stehe; es betrage
Fr. 50'278.-- (Jahr 2006, Anforderungsniveau 4). Das Invalideneinkommen sei ebenfalls
anhand der Tabellenlöhne zu ermitteln, da die Beschwerdeführerin nicht mehr arbeite.
Die Beschwerdeführerin könne nur noch körperlich leichte Hilfstätigkeiten ausüben,
weshalb ein sogenannter Leidensabzug von 10% vorzunehmen sei. Bei einem
Invaliditätsgrad von 10% bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
B.c Die am 17. Dezember 2009 durch das Versicherungsgericht bewilligte
unentgeltliche Prozessführung wurde mit Schreiben vom 6. Januar 2010 wieder
aufgehoben, nachdem die Rechtschutzversicherung der Beschwerdeführerin für das
Verfahren Kostengutsprache erteilt hatte (act. G 6, 8 und 9).
B.d Mit Replik vom 25. Februar 2010 hält die Beschwerdeführerin an den gestellten
Anträgen fest (act. G 12).
B.e Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
14).
Erwägungen:
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1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch
der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu Recht abgelehnt hat.
1.2 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für
einen allfälligen Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG
durch einen Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die
versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der
notwendigen und zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt wird zum Einkommen, das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.3 Die Rentenabstufungen nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) geben bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
1.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
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eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a).
2.
2.1 Zu prüfen ist vorab, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsgenügliche
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt. Die
Beschwerdegegnerin stützt sich in der angefochtenen Verfügung auf das SMAB-
Gutachten vom 13. November 2008 und die darin festgelegte 80%ige Arbeitsfähigkeit
in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit. Im Beschwerdeverfahren ist
die Beschwerdegegnerin der Ansicht, dass in einer adaptierten Tätigkeit von einer
vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Die Beschwerdeführerin hingegen erachtet das
SMAB-Gutachten als mangelhaft und daher nicht beweistauglich.
2.2 Konkret beanstandet die Beschwerdeführerin, dass sie von der SMAB zu einer
"MEDAS-Begutachtung" aufgeboten worden sei. Es sei unzulässig, dass sich eine
privatrechtliche Begutachtungsinstitution selber als MEDAS bezeichne. Ausserdem
führe die SMAB oder habe offenbar in der Referenzliste bei den IV-Stellen einen Prof.
D._ aufgeführt, welcher heute aber nicht einmal mehr im Internet-Auftritt
(www.smab.ch) erwähnt werde. Dessen Stelle in der Geschäftsführung habe offenbar
Frau Dr. E._ übernommen, welche das Gutachten auch in Vertretung von Prof. D._
unterschrieben habe.
2.2.1 Die formellen Beanstandungen gegen das SMAB-Gutachten lassen keine
Zweifel an dessen Beweiswert aufkommen. Bei der SMAB handelt es sich um eine vom
BSV anerkannte MEDAS der Invalidenversicherung (vgl. Plädoyer 3/09 S. 9 [Quelle:
BSV]), weshalb der diesbezügliche Einwand der Beschwerdeführerin offensichtlich
unbegründet ist. Aus dem Umstand, dass Prof. D._ im Begutachtungszeitpunkt noch
für die SMAB tätig war, im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung offenbar aber nicht
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mehr, lassen sich keine Indizien gegen die Zuverlässigkeit des Gutachtens ableiten.
Auch die von Dr. E._ in Vertretung von Prof. D._ vorgenommene Unterzeichnung
des Hauptgutachtens stellt keinen Mangel dar, zumal Dr. E._ auf der ersten Seite des
Gutachtens als medizinische Verantwortliche aufgeführt wurde und somit zweifellos
über die entsprechende Kompetenz zur Unterzeichnung verfügte.
2.3 Im Weiteren macht die Beschwerdeführerin gegen das SMAB-Gutachten geltend,
dass es nicht nachvollziehbar sei, weshalb sich das Hauptgutachten auf das
Fachgebiet Psychiatrie abstütze. Sodann könne ein Hauptgutachter nicht bereits 11⁄2
Monate vor der Begutachtung zusätzliche fachärztliche Untersuchungen veranlassen.
2.3.1 Grundsätzlich ist es der Begutachtungsstelle überlassen, über Art und
Umfang der aufgrund der konkreten Fragestellung erforderlichen Untersuchungen zu
befinden (Urteil des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches
Versicherungsgericht] vom 17. Oktober 2008, 8C_124/2008, E. 6.3.1 mit Hinweisen).
Neben der Auswahl der notwendigen Fachgebiete liegt es somit auch im Ermessen der
Begutachtungsstelle, darüber zu entscheiden, welches medizinische Fachgebiet sich
für die Hauptbegutachtung eignet. Ausserdem besteht für medizinische Gutachter
keine allgemeingültige Veranlassung, einer Fachrichtung a priori eine federführende
Rolle zuzuerkennen, zumal dies dem Wesen einer polydisziplinären Begutachtung
widersprechen würde, welche gerade nicht bezweckt, den Schwerpunkt systematisch
auf ein Fachgebiet zu verlegen, sondern das Ziel verfolgt, die Ergebnisse der einzelnen
Fachrichtungen in die Form einer (versicherungs)medizinisch-synthetischen
Schlussfolgerung zu giessen (Thomas Germann, Die gerichtlichen Vorgaben an
polydisziplinäre Gutachten bei Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen, in:
SZS 53/2009 S. 367). Gegen die vor der fallführenden Gutachterin veranlassten
Teilgutachten ist mithin nichts einzuwenden. Vielmehr wird bei einer polydisziplinären
Begutachtung vorausgesetzt, dass sich der psychiatrische Gutachter auf die gewonnen
Erkenntnisse der somatischen Abklärungen stützen kann (vgl. Leitlinien der
Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung
psychischer Störungen, Schweizerische Ärztezeitung, 2004;85: Nr 20, S. 1050).
2.4 Sodann bemängelt die Beschwerdeführerin, dass die psychiatrische
Begutachtung höchstens 20 bis 30 Minuten gedauert habe. Auch die übrigen
Untersuchungen seien relativ kurz gewesen.
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2.4.1 Gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts ist der zu betreibende
zeitliche Aufwand für eine psychiatrische Untersuchung von der Fragestellung und der
zu beurteilenden Psychopathologie abhängig. So sei eine Geisteskrankheit mit
deutlicher Ausprägung der Symptomatik oft in kurzer Frist diagnostizierbar, während
ein sehr hoher Zeitaufwand erforderlich sein könne, um den Verdacht auf eine
Simulation einer psychischen Störung zu klären, eine schwierige
Persönlichkeitsstörung zu erhellen oder problematische Fragen nach dem
Zusammenhang zwischen traumatischen äusseren Ereignissen und nachfolgender
Symptomatik zu erörtern. Ein genereller Zeitrahmen für eine Untersuchung lasse sich
also nicht allgemeingültig definieren. Mit Bezug auf ein forensisches Gutachten zur
Frage der Zurechnungsfähigkeit in einem Strafprozess hat das Bundesgericht
festgehalten, eine sorgfältige Beurteilung könne kaum im Rahmen einer ein- bis
zweistündigen Untersuchung eines zuvor unbekannten Menschen gelingen. Diese
Einschätzung sei auf den versicherungsmedizinischen Zusammenhang sinngemäss
übertragbar. Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen sei hier –
gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit
Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung. Ein
Explorationsgespräch von 20 Minuten reiche offensichtlich nicht aus, wenn diese
unerlässlichen Kernkomponenten einer umfassenden psychiatrischen Begutachtung zu
erheben seien. Die direkte ärztliche Auseinandersetzung mit dem Exploranden rücke
erst dann in den Hintergrund, wenn es im Wesentlichen nur um die Beurteilung eines
feststehenden medizinischen Sachverhalts gehe und sich neue Untersuchungen
erübrigten; in einem solchen Fall könne auch ein reines Aktengutachten voll
beweiswertig sein (Urteil des Bundesgerichts vom 14. November 2007, I 1094/06, E.
3.1.1 mit Hinweisen).
2.4.2 Dem Gutachten sind keine Angaben über die Dauer der psychiatrischen
Begutachtung zu entnehmen. Aufgrund der ausführlichen Anamneseerhebung
erscheint eine Dauer von lediglich 20 bis 30 Minuten nicht sehr wahrscheinlich. Selbst
wenn vorliegend von einer Untersuchungsdauer von lediglich ca. 30 Minuten
ausgegangen würde, gilt es zu berücksichtigen, dass der Gutachter im Besitz
sämtlicher Vorakten, insbesondere des psychiatrischen Gutachtens von Dr. med.
G._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie, vom 16. Juli 2007 (act. G 5.2
Fremdakten), war, und sich somit bereits ein Bild über den Gesundheitszustand der
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Beschwerdeführerin machen konnte. Aus den Schlussfolgerungen der psychiatrischen
Begutachtung – leichte depressive Episode ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit –
kann ebenfalls nicht geschlossen werden, dass die Begutachtung einen speziell hohen
Zeitaufwand beansprucht hätte. Und schliesslich teilte die Beschwerdeführerin
anlässlich der Begutachtung mit, dass sie derzeit nicht mehr psychiatrisch-
psychotherapeutisch behandelt werde. Unter diesen Umständen lässt sich eine relativ
kurze Dauer der Begutachtung erklären, ohne dass diese deswegen als ungenügend
angesehen werden müsste. Die Darlegung der objektiven Befundlage, die ausführliche
und umfassende Anamnese sowie der Einbezug der geklagten subjektiven
Beschwerden zeugen vielmehr von einer ausreichenden Untersuchung. Auch bezüglich
der fachspezifischen Teilgutachten ist aufgrund der erhobenen Befunde von einer
genügenden und sorgfältig durchgeführten Untersuchung auszugehen, weshalb das
SMAB-Gutachten auch diesbezüglich nicht zu beanstanden ist.
2.5 Letztlich vermögen auch die weiteren Einwände der Beschwerdeführerin an der
Beweiskraft des SMAB-Gutachtens nichts zu ändern. Die Schlussfolgerungen der
psychiatrischen Begutachtung sind nachvollziehbar begründet und stehen im Einklang
mit dem psychiatrischen Gutachten von Dr. G._ vom 16. Juli 2007, in welchem
ausgeführt wurde, dass die depressive Reaktion gut behandelbar sei und davon
ausgegangen werden könne, dass bezüglich der psychischen Erkrankung innerhalb
von einem halben bis ganzen Jahr die volle Arbeitsfähigkeit wieder gegeben sei. Die
von der Beschwerdeführerin in der Beschwerde erwähnten medizinischen Berichte
standen dem rheumatologischen Gutachter zur Verfügung, weshalb davon
ausgegangen werden kann, dass sie auch in seine Beurteilung miteinbezogen wurden.
Sodann ist dem SMAB-Gutachten und den einzelnen Teilgutachten die aktuelle
Medikation zu entnehmen, weshalb davon auszugehen ist, dass die Gutachter auch
allfällige Auswirkungen der Medikamente auf die Arbeitsfähigkeit berücksichtigt haben.
Bei der im Hauptgutachten unter Ziffer 2.1 festgehaltenen Arbeitsfähigkeit aus
rheumatologischer Sicht von 64% handelt es sich offensichtlich um einen
Schreibfehler, nachdem sowohl im rheumatologischen Teilgutachten vom 19.
September 2008 (IV-act. 44/25-30) als auch im Hauptgutachten (IV-act. 44/21-23)
jeweils von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit mit einer Leistungsminderung von 20%
ausgegangen wurde. Angesichts der gesamten medizinischen Aktenlage, insbesondere
der beiden polydisziplinären Begutachtungen vom 26. Februar 2007 und 13. November
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2008, erscheint dagegen die von Dr. med. F._, Facharzt Innere Medizin, im
Arztbericht vom 27. Mai 2008 (IV-act. 31/1-4) attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
nicht nachvollziehbar. Zudem wurde die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit von Dr.
F._ nicht näher begründet, sondern er führte lediglich aus, dass in einer adaptierten
Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit bestehe.
2.6 Insgesamt sind keine Indizien auszumachen, welche gegen die Zuverlässigkeit
des SMAB-Gutachtens sprechen würden. Es beruht auf eigenständigen
interdisziplinären Abklärungen und erscheint für die streitigen Belange umfassend. Die
Vorakten und die geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin wurden hinreichend
berücksichtigt und in die Beurteilung mit einbezogen. Das Gutachten leuchtet in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation ein. Vor diesem Hintergrund vermögen die darin enthaltenen
Schlussfolgerungen, insbesondere die 100%ige Arbeitsfähigkeit mit einer
Leistungseinbusse von 20% in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit, zu
überzeugen.
2.7 Dem Eventualantrag der Beschwerdeführerin, es sei eine umfassende polydis
ziplinäre Begutachtung anzuordnen, ist nicht stattzugeben. Das SMAB-Gutachten
ergibt ein vollständiges Bild des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin und
vermittelt genügend Klarheit über den rechtserheblichen Sachverhalt. Von weiteren
medizinischen Abklärungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf
zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V 157 E. 1d).
2.8 Nachdem die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung noch von
einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen war, vertritt sie im Beschwerdeverfahren
die Ansicht, dass in einer adaptierten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe. Wie
die nachfolgenden Erwägungen zeigen, besteht aber selbst bei einer verbleibenden
Arbeitsfähigkeit von 80% kein Rentenanspruch, weshalb auf die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren nicht näher eingegangen werden muss.
3.
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3.1 Ausgehend von einer Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 80%
(100%ige Arbeitsfähigkeit mit einer Leistungsminderung von 20%) gilt es die
erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen.
3.2 Bei der Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was die versicherte
Person im massgebenden Zeitpunkt nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen würde. Die
Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Es ist in der Regel vom
letzten Lohn, welchen die versicherte Person vor Eintritt der Gesundheitsschädigung
erzielt hat, auszugehen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2001, I 42/01, mit
Hinweisen). Diese Praxis wird mit der empirischen Feststellung begründet, dass die
bisherige Tätigkeit im Gesundheitsfall in der Regel weitergeführt worden wäre (Urteil
des Bundesgerichts vom 29. August 2002, I 97/00). Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen,
in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 f. E. 3b/aa und
bb, mit Hinweisen).
3.3 Für das Valideneinkommen ist demnach auf das von der Beschwerdeführerin im
Jahr 2005 zuletzt erzielte Einkommen als Mitarbeiterin im Detailhandel abzustellen.
Dabei erzielte sie – aufgerechnet auf ein 100% Pensum – ein Einkommen von
Fr. 35'325.-- (Fr. 28'260.-- bei 80%; vgl. IV-act. 7 und 16/4). Der von der
Beschwerdeführerin erzielte Lohn liegt somit deutlich unter dem Durchschnittslohn für
eine Hilfstätigkeit gemäss LSE. Für das Jahr 2005 betrug dieser Fr. 49'070.-- (LSE
2004 Tabelle TA1, Anforderungsniveau 4, Fr. 4'019.-- unter Berücksichtigung einer
Nominallohnentwicklung für das Jahr 2005 von 1.1%). Da keine Anhaltspunkte dafür
bestehen, dass die Beschwerdeführerin sich aus freien Stücken mit einem
bescheidenen Einkommensniveau hätte begnügen wollen, ist das Validen- und
Invalideneinkommen auf der gleichen Grundlage zu bestimmen. Sind demnach
Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Lohn zu berechnen, erübrigt
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sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung des Abzugs vom Tabellenlohn (sogenannter
Leidensabzug; vgl. zur Parallelisierung der Vergleichseinkommen bei Minderverdienst
SVR 2008 IV Nr. 2 S. 3 E. 5.4).
3.4 Zu beurteilen bleibt daher noch die Frage, in welchem Umfang ein sogenannter
Leidensabzug auf dem Invalideneinkommen vorzunehmen ist. Nach der
Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt werden, um
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen – auch von invaliditätsfremden
Faktoren – des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Auf-enthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI
2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Dabei ist zu beachten, dass
allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen mitverantwortliche
invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht
nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 328 E. 5.2).
3.5 Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände erscheint insbesondere aufgrund
der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin selbst in leichten Tätigkeiten noch
gewissen Einschränkungen unterliegt, ein Abzug von höchstens 10% angemessen. Bei
Vornahme eines 10%igen Leidensabzugs resultiert ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 28% (100% - [80% x 0.9]). Die Verneinung eines Rentenanspruchs
durch die Beschwerdegegnerin ist daher im Ergebnis nicht zu beanstanden.
4.
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4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung der
angefochtenen Verfügung abzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Der von ihr geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr daran
anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP