Decision ID: 55f75a56-24b2-5239-920d-1530f334a220
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas A. Oehler, St. Jakob-Strasse 37,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich wegen einer Kniearthrose links am 11. Februar 2008 zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (Berufsberatung, Umschulung und
Rente) bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 2).
A.b Den bei den Akten der IV-Stelle liegenden Akten der Krankentaggeldversicherung
lässt sich entnehmen, dass beim Versicherten nach Diagnose einer medialen
Meniskusläsion links und einer Chondromalazie Grad III–IV im medialen Kompartiment
links am 26. März 2007 eine Kniegelenksarthroskopie mit medialer Teilmeniskektomie
durchgeführt worden war (Austrittsbericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen vom 3. April 2007), dass er in der Folge vor allem an
persistierenden Schmerzen seitens der fortgeschrittenen Arthrose litt (Bericht von
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, vom 2. Mai 2007), dass
diesbezüglich nach erfolgloser konservativer Behandlung als letzte Option eine
operative Behandlung mit Einlage einer Knie-Totalendoprothese gesehen wurde
(Bericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen vom
19. Juli 2007; IV-act. 29–1 f.), dass sich der Versicherte dazu aber aus Angst vor einer
möglichen Verschlechterung nicht entschliessen konnte, und dass ihm aus Sicht des
Hausarztes Dr. B._ lediglich noch eine leichte knieschonende Tätigkeit mit reduzierter
Leistungsfähigkeit zumutbar war (Bericht von Dr. B._ vom 22. Oktober 2007).
A.c Am 3. April 2008 wurde der Versicherte von Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Arbeitsmedizin, vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) untersucht.
Dr. C._ diagnostizierte in seinem Bericht vom 8. April 2008 eine chronifizierte
Gonalgie links bei aktivierter Arthrose mit Chondromalazie Grad III–IV, äusserte die
Vermutung, dass der Versicherte auch in einer adaptierten Tätigkeit wohl nicht mehr als
50 % arbeitsfähig sei, und empfahl eine orthopädische Begutachtung (IV-act. 25).
A.d Gemäss einem Zwischenbericht des D._ vom 15. April 2008 arbeitete der
Versicherte seit 3. Dezember 2007 im Rahmen eines durch das Regionale
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Arbeitsvermittlungszentrum via Interinstitutionelle Zusammenarbeit (IIZ) vermittelten
Einsatzprogramms mit einem Pensum von 50 % dort. Er benötige jeweils zusätzliche
kurze Erholungspausen und bleibe der Arbeit mit gewisser Regelmässigkeit für einige
Tage fern. Das Knie sei jeweils sichtbar geschwollen. Der Versicherte sei ansonsten
aber leistungsbereit und motiviert. Die Leistungsfähigkeit wurde auf 60 % geschätzt
(IV-act. 28).
A.e Am 9. September 2008 erstattete Dr. med. E._, Facharzt FMH für
Orthopädische Chirurgie, im Auftrag der IV-Stelle ein orthopädisches Gutachten. Er
diagnostizierte eine Pangonarthrose links, eine beginnende Varusgonarthrose rechts
sowie Adipositas, hielt einen Halbtags-Einsatz in einer angepassten Tätigkeit für
möglich und bei günstigem Arbeitsweg auch einen Einsatz von maximal zwei mal drei
Stunden pro Tag für denkbar und erachtete die Versorgung mit einer
Totalendoprothese als zumutbar (IV-act. 39).
A.f Mit Vorbescheid vom 23. Oktober 2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass bei einem Invaliditätsgrad von 37 % die Abweisung des Rentengesuchs
vorgesehen sei (IV-act. 45).
A.g Dagegen erhob der Versicherte am 8. Dezember 2008 diverse Einwände. Er
machte insbesondere geltend, das Gutachten von Dr. E._ sei nicht überzeugend, es
stehe zudem in Widerspruch zu den Einschätzungen von Dr. B._ und des D._.
Weiter machte der Versicherte geltend, es sei bei der Berechnung des
Invaliditätsgrades ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 10 % vorzunehmen (IV-
act. 51–1 ff.). Der Eingabe lag unter anderem eine Stellungnahme von Dr. B._ vom
1. Dezember 2008 zum Gutachten vom 9. September 2008 bei, in welcher unter
anderem ausgeführt wurde, dass der Versicherte im Zeitpunkt der Begutachtung
bereits während rund drei Monaten nicht mehr gearbeitet hatte und der Befund daher
wesentlich unauffälliger ausgefallen sei als noch während des Einsatzes beim D._.
Die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit lag nach Ansicht von Dr. B._ bei
etwa 30 % (IV-act. 51–5 f.).
A.h Mit Verfügung vom 29. Januar 2009 wies die IV-Stelle das Rentengesuch des
Versicherten ab. Bezüglich der medizinischen Einwände verwies sie auf die interne
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Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. C._ vom 26. Januar 2009 (IV-act. 57), bezüglich
Abzugs vom Tabellenlohn wies sie darauf hin, dass mehr als 8 % nicht zu billigen seien
(IV-act. 58).
B.
B.a Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 5. März 2009 Beschwerde. Er
beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 29. Januar 2009 und die Zusprache einer
angemessenen, mindestens einer halben, Invalidenrente, eventualiter die Rückweisung
an die Verwaltung zu weiteren Abklärungen. Zur Begründung führte er im Wesentlichen
aus, die Einschätzung des D._ sei zu Unrecht nicht mitberücksichtigt worden, die
Begutachtung sei losgelöst von einer realen Arbeitssituation erfolgt, nachdem er in
diesem Zeitpunkt bereits während rund drei Monaten nicht mehr arbeitstätig gewesen
sei, und der Invaliditätsgrad sei falsch ermittelt worden (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2009 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, auf
die Einschätzung des D._ könne nicht abgestellt werden, da es sich dabei nicht um
eine fachärztliche Einschätzung handle, und es sei überhaupt kein Abzug vom
Tabellenlohn vorzunehmen. Der Invaliditätsgrad liege bei 32 %, womit kein Anspruch
auf eine Rente der Invalidenversicherung bestehe (act. G 4).
B.c Mit Replik vom 28. September 2009 hielt der Beschwerdeführer an seinen mit
Beschwerde vom 5. März 2009 gestellten Anträgen vollumfänglich fest (act. G 15).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Rente der Invalidenversicherung verneint hat. Falls sich
ergäbe, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hätte, wäre zu
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prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die Pflicht des Beschwerdeführers zur
Eingliederung genügend in Anspruch genommen hat.
2.
2.1 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), das heisst der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach ärztlicher Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Bei einem Invaliditätsgrad von
weniger als 40 % besteht kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung
(Art. 28 Abs. 1 lit. c des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG;
SR 831.20]).
2.2 Die Feststellung des Gesundheitsschadens, das heisst die Befunderhebung und
die gestützt darauf gestellte Diagnose, aber auch die Prognose und die Ätiologie, die
durch den festgestellten Gesundheitsschaden verursachte Arbeitsunfähigkeit sowie
das noch vorhandene funktionelle Leistungsvermögen oder das Vorhandensein und die
Verfügbarkeit von Ressourcen sind Tatfragen (BGE 132 V 398 E. 3.2), deren
Beantwortung entsprechendes Fachwissen voraussetzt. Im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) hat die IV-Stelle daher in aller Regel
ärztliche Sachverständige zur Beantwortung dieser Fragen beizuziehen (vgl. Art. 43
Abs. 2 ATSG und Art. 69 Abs. 2 und 4 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]), etwa jene des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD; vgl.
Art. 49 Abs. 1 IVV) oder solche einer MEDAS (vgl. Art. 72 IVV). Aufgabe der IV-Stelle
und des Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das
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heisst zu beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige
Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, gestützt auf
diese Feststellungen sowie die Feststellungen zu den beiden Vergleichseinkommen
den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f. E. 3.2 f.).
3.
Zunächst ist zu prüfen, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer in welchem Umfang
aus medizinischer Sicht zumutbar sind.
3.1 Unbestritten und aufgrund der diesbezüglich einhelligen medizinischen Akten
erwiesen ist, dass dem Beschwerdeführer die bisherige, vorwiegend stehend
ausgeübte Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist, und dass ihm lediglich noch leichte
knieschonende Tätigkeiten zugemutet werden können (vgl. Bericht Dr. B._ vom
22. Oktober 2007; IV-act. 25; IV-act. 39; IV-act. 51–5 f.).
3.2 Bezüglich der Frage, in welchem Umfang dem Beschwerdeführer solche
Tätigkeiten aus medizinischer Sicht zumutbar sind, gehen die Einschätzungen
hingegen auseinander. Während Dr. E._ eine Tätigkeit während zwei mal drei
Stunden pro Tag (mit voller Leistungsfähigkeit) für denkbar erachtet (IV-act. 39), stellt
sich Dr. B._ – mit Verweis auf den Zwischenbericht des D._ vom 15. April 2008 (IV-
act. 28) – auf den Standpunkt, dem Beschwerdeführer sei lediglich noch ein 50%iges
Pensum mit 60%iger Leistungsfähigkeit (mithin eine Arbeitsfähigkeit von 30 %)
zumutbar (IV-act. 51–5 f.).
3.3 Vorweg ist diesbezüglich darauf hinzuweisen, dass die Zwischenberichte des
D._ keine geeignete Grundlage für die Schätzung der Arbeitsfähigkeit darstellen, da
sie nicht Ergebnis fachärztlicher Untersuchungen sind und damit die spezifische
medizinische Frage, was dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht zumutbar ist,
nicht beantworten können.
3.4 Was die Berichte von Dr. B._ betrifft, so ist zunächst zu berücksichtigen, dass
er nicht über spezifisches fachärztliches Sachwissen verfügt und seinen Berichten in
Bezug auf die Beantwortung der aus fachärztlicher Sicht zu beantwortenden Fragen
deshalb von vorneherein nicht derselbe Beweiswert zukommen kann wie dem
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fachärztlichen Gutachten von Dr. E._. Sodann ist Dr. B._ auch behandelnder Arzt.
Er nimmt mithin aufgrund seines Behandlungsauftrags eine andere Sichtweise ein als
ein begutachtender Arzt, was den Beweiswert seiner Berichte gegenüber dem
Beweiswert eines fachärztlichen Gutachtens weiter schmälert (vgl. hierzu etwa den
Entscheid IV 2009/187 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 2. März
2011, E. 2.3, mit Hinweisen). Das bedeutet indessen nicht, dass den Berichten von
Dr. B._ generell der Beweiswert abgehen würde. So könnten konkrete in den
Berichten enthaltene Indizien allenfalls Zweifel am Beweiswert des fachärztlichen
Gutachtens aufkommen lassen, etwa, wenn sich ergeben würde, dass der Gutachter
konkreten Befunden nicht oder zu wenig Rechnung getragen hätte.
3.5 Von Belang ist insofern der Hinweis von Dr. B._, die Begutachtung durch Dr.
E._ habe zu einem Zeitpunkt stattgefunden, in welchem der Beschwerdeführer
bereits während rund drei Monaten nicht mehr erwerbstätig gewesen sei, weshalb sich
der Befund entsprechend völlig anders präsentiert habe. Während des Arbeitsversuchs
sei es immer wieder zu einer starken Zunahme der Schmerzzustände und deutlichen
Kniegelenksergüssen gekommen, weshalb der Beschwerdeführer ihn häufig konsultiert
habe und er ihn wiederholt habe krankschreiben müssen. Nach Beendigung des
Einsatzprogrammes habe er lediglich noch einmal einen sehr minimen
Kniegelenkserguss festgestellt (IV-act. 63–1 f). Zwar darf von einem erfahrenen
Gutachter erwartet werden, dass er solchen Tatsachen bei der Festlegung der
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit Rechnung trägt, zumal die Untersuchungen
im Rahmen solcher Gutachten meist in einem Zeitpunkt stattfinden, in welchem die
Versicherten nicht mehr arbeiten. Allerdings lagen Dr. E._ die Berichte des D._ und
die Feststellungen von Dr. B._ nicht vor, womit der Vergleich des Befundes im
Zeitpunkt der Untersuchung und im Zeitpunkt der effektiven Arbeitstätigkeit erheblich
erschwert wurde. Es ist diesbezüglich auch zu berücksichtigen, dass die IV-
Eingliederungsverantwortliche darauf hingewiesen hat, es sei notwendig, dass
Dr. E._ ein Bericht des D._ vorliege, und dass sie die zuständigen Sachbearbeiterin
des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) am 7. April 2008 im Hinblick auf die
Begutachtung hingewiesen hat, dass es „sehr wichtig“ sei, dass Dr. E._ ein
entsprechender Bericht zugesandt werde (IV-act. 19–8). Da Dr. E._ der Bericht des
D._ dann nicht vorlag, ist fraglich, ob Dr. E._ diesen Differenzen genügend
Rechnung tragen konnte.
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3.6 Hinzu kommt, dass die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ nicht völlig klar
ist. So hält er zuerst fest, dass eine vorwiegend sitzende Beschäftigung mit
Positionswechseln durch Gehen und kurzes Stehen halbtags möglich sei, dann aber,
dass bei günstigen Arbeitsweg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch ein Einsatz
von zwei mal drei Stunden mit einer grösseren Mittagspause denkbar sei (IV-act. 39–4).
Daraus geht zwar immerhin hervor, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste
Tätigkeit zumindest zu 50 % zumutbar ist, doch ist nicht völlig klar, ob auch ein
Pensum von zwei mal drei Stunden (entsprechend etwa 70 %) effektiv zumutbar ist
oder eben lediglich (mehr theoretisch bzw. allenfalls prognostisch) denkbar.
3.7 Da das Gutachten von Dr. E._ abgesehen von diesen beiden Mängeln –
fragliche Berücksichtigung der erheblichen Differenzen der Befunde im
Untersuchungszeitpunkt und während des Arbeitseinsatzes und nicht völlig klare
Arbeitsfähigkeitsschätzung – grundsätzlich überzeugt, scheint es angemessen, diese
beiden Mängel durch spezifische Rückfrage an Dr. E._ zu beheben. Die
Beschwerdegegnerin hat dementsprechend beim RAV den Schlussbericht des D._
über den Arbeitseinsatz des Beschwerdeführers einzuholen, diesen zusammen mit der
Stellungnahme von Dr. B._ vom 1. Dezember 2008 an Dr. E._ zu überweisen und
ihn zu bitten, ausführlich Stellung zu folgenden Fragen zu nehmen: Ob im Gutachten
vom 9. September 2008 den Differenzen zwischen dem Befund im
Untersuchungszeitpunkt und den während des Arbeitseinsatzes – vor allem von
Dr. B._ erhobenen, aber auch von den Verantwortlichen des D._ festgestellten –
Befunden genügend Rechnung getragen worden sei (allenfalls nach telefonischer
Rücksprache mit Dr. B._) und ob dem Beschwerdeführer medizinisch-theoretisch in
einer adaptierten Tätigkeit ein Pensum von 50 % oder ein solches von 70 % zumutbar
sei. Je nach Antwort von Dr. E._ wird die Beschwerdegegnerin unter Beizug der
Eingliederungsberatung zu prüfen haben, ob und inwieweit die von Dr. E._
festgestellte Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt verwertet werden
kann. Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin – nach Durchführung eines
Vorbescheidsverfahrens – über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers neu zu
verfügen.
4.
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Zu prüfen ist sodann, ob die medizinischen Möglichkeiten ausgenutzt wurden bzw. ob
der Beschwerdeführer diesbezüglich seiner Schadenminderungspflicht genügend
nachgekommen ist.
4.1 Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren
Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben, die eine wesentliche Verbesserung
der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht
aus eigenem Antrieb das ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen
vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher
schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine
angemessene Bedenkzeit einzuräumen. Behandlungs- oder
Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind
nicht zumutbar (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
4.2 Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes wäre sowohl nach Ansicht der
Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (IV-act. 29–
1 f.) als auch nach Ansicht von Dr. E._ einzig durch Anbringung einer Knie-
Totalendoprothese zu erwarten. Zur Zumutbarkeit dieser Operation äusserte sich einzig
Dr. E._. Er führte aus, eine Schmerzlinderung und Zunahme der Belastbarkeit seien
auch bei einem nur durchschnittlichen Ergebnis zu erwarten, doch bestehe angesichts
der negativen Einstellung des Beschwerdeführers keine gute Ausgangslage für den
Erfolg.
4.3 Mit dieser Beurteilung nahm Dr. E._ eine Abgrenzung zwischen Statistik und
Einzelfall vor: Er hielt dafür, dass statistisch zwar mit Schmerzlinderung und Zunahme
der Belastbarkeit auch bei nur durchschnittlichen Ergebnissen gerechnet werden
könne, im vorliegenden Fall jedoch wegen der negativen Einstellung des
Beschwerdeführers hingegen keine gute Prognose gestellt werden könne. Mit
„negativer Einstellung“ ist dabei offensichtlich die Angst des Beschwerdeführers vor
dem Eingriff gemeint (vgl. IV-act. 39–2, aber auch IV-act. 19–8). Da der
Beschwerdeführer selbstverständlich nicht dazu angehalten werden kann, die Angst
vor dem Eingriff abzulegen und diesem gegenüber positiv eingestellt zu sein, kann die
Diskrepanz zwischen den statistischen Ergebnissen und dem konkreten Einzelfall nicht
beseitigt werden. Gemäss der nachvollziehbaren Einschätzung von Dr. E._ ist daher
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im konkreten Fall davon auszugehen, dass mittels Einlage einer Knie-
Totalendoprothese keine relevante Verbesserung der medizinischen Leistungsfähigkeit
erreicht werden könnte. Die Weigerung des Beschwerdeführers, sich diesem Eingriff zu
unterziehen, stellt insofern keine Verletzung der Schadenminderungspflicht dar.
4.4 Deshalb ist das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, den Beschwerdeführer nicht
zur Durchführung des Eingriffs anzuhalten, als rechtskonform zu qualifizieren.
5.
5.1 Die Beschwerde ist demnach unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung
vom 29. Januar 2009 im Sinn der vorstehenden Erwägungen teilweise gutzuheissen
und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend angemessen. Nach Art. 95 Abs. 1
VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden. Die Rückweisung einer Sache an die Verwaltung zu
weiterer Abklärung und neuer Verfügung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen der
Beschwerde führenden Partei (BGE 132 V 235 E. 6.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Angesichts des in diesem Sinn vollen Unterliegens der Beschwerdegegnerin
rechtfertigt es sich, ihr die Gerichtskosten gesamthaft aufzuerlegen. Dem
Beschwerdeführer ist der von ihm geleistete Kostenvorschuss zurückzuerstatten.
5.3 Der teilweise obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Die Parteikosten werden vom Gericht ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP). In einem Fall mit
mittlerem Aufwand und Schwierigkeitsgrad wird praxisgemäss eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3’500.-- ausgerichtet. Insgesamt rechtfertigt sich in der
bis
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vorliegenden Sache, die Entschädigung auf pauschal Fr. 3’500.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht