Decision ID: fd93b4e4-8a06-41c2-b715-3bb502e3e305
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Y._, geb. 1989, ist Staatsbürger von Serbien. Erstmals reiste er am 17. August 2008 in
die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Das Bundesamt für Flüchtlinge (heute
Staatssekretariat für Migration, SEM) wies sein Gesuch am 14. November 2007 ab und
wies ihn aus der Schweiz weg. Zudem wurde ein Einreiseverbot verfügt (gültig vom
7. April 2010 bis 6. April 2013).
B.
Am 2. November 2014 reiste Y._ erneut in die Schweiz ein und heiratete am
30. Januar 2015 die schweizerische Staatsangehörige A._. Im Rahmen des
Familiennachzugs erhielt er eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau
im Kanton Zürich. Nach der Trennung der Eheleute wurde die Aufenthaltsbewilligung
am 4. August 2016 (Ausreisefrist 4. Oktober 2016) widerrufen. Die kinderlos gebliebene
Ehe wurde am 30. September 2016 geschieden. Das Migrationsamt des Kantons
St. Gallen trat auf ein Gesuch von Y._ für einen Kantonswechsel (vom Kanton Zürich
in den Kanton St. Gallen) mit Verfügung vom 18. November 2016 nicht ein, da er keine
Aufenthaltsbewilligung mehr besass.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 9. Dezember 2016 heiratete Y._ die Schweizerin B._, worauf er im Rahmen des
Familiennachzugs erneut eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib bei seiner Ehefrau
in X._ erhielt. Diese wurde letztmals am 18. Oktober 2018 bis 8. Dezember 2019
verlängert. Im März 2019 trennten sich die Eheleute. Die kinderlose Ehe wurde in der
Folge am 4. Juli 2019 geschieden.
Am 16. Juli 2019 heiratete Y._ in Belgrad die russische Staatsangehörige C._, die
ältere Schwester von B._. C._ lebt heute zusammen mit dem gemeinsamen Sohn in
Serbien.
C.
Am 10. Oktober 2019 ersuchte Y._ um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Mit
Verfügung vom 23. November 2020 wies das Migrationsamt des Kantons St. Gallen
sein Gesuch ab und wies Y._ aus der Schweiz weg (Ausreisefrist 60 Tage nach
Rechtskraft der Verfügung). Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den dagegen
erhobenen Rekurs am 14. Mai 2021 ab. Zur Begründung wurde ausgeführt, da die Ehe
mit B._ nicht drei Jahre gedauert habe, bestehe kein Anspruch auf eine nacheheliche
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Mangels wichtiger persönlicher Gründe für
einen Verbleib in der Schweiz liege auch kein Härtefall vor.
D.
Y._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 14. Mai 2021 (zugestellt am 17. Mai 2021) durch
seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 31. Mai 2021 und Ergänzung vom 5. Juli 2021
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er beantragt, der Rekursentscheid der
Vorinstanz sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die
Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern. Die Vorinstanz verzichtete auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt: Der Beschwerdeführer, der mit seinem Antrag,
bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seine Aufenthaltsbewilligung sei zu verlängern, im Rekursverfahren unterlag, ist zur
Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerde gegen den am 17. Mai 2021 zugestellten Rekursentscheid wurde mit
Eingabe vom 31. Mai 2021 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der
Ergänzung vom 5. Juli 2021 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Ausgangslage
Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des
Ehegatten und der Kinder von Schweizerinnen und Schweizern auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42 und 43 des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (SR 142.20, AIG)
weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und die
Integrationskriterien nach Art. 58a AIG erfüllt sind (Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG). Dies ist
vorliegend unbestrittenermassen nicht der Fall, nachdem die am 9. Dezember 2016
geschlossene Ehe vor Ablauf von drei Jahren geschieden wurde. Die Dauer mehrerer
aufeinanderfolgender Ehegemeinschaften kann praxisgemäss nicht
zusammengerechnet werden (BGE 140 II 289 E. 3.3). Zu prüfen ist im Folgenden, ob
der Beschwerdeführer über einen nachehelichen Aufenthaltsanspruch aus wichtigen
persönlichen Gründen oder einen Anspruch aus dem Recht auf Achtung des Familien-
und Privatlebens verfügt.
3. Vorbringen des Beschwerdeführers
Der Beschwerdeführer macht vorliegend weder eheliche Gewalt noch einen
Eheschluss, der nicht auf freiem Willen basiert habe, geltend (act. 6). Er bringt vielmehr
vor, auch bei aufgelöster Ehegemeinschaft bestehe nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung ein Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf
Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK). Bei gegebenen Voraussetzungen bestehe kein
Ermessen der Behörden bei der Beurteilung des Härtefalls. Die erforderliche Frist einer
Ehedauer von drei Jahren habe der Beschwerdeführer nur um wenige Monate
verpasst. Abgesehen von zwei Monaten (Oktober und November 2016) befinde er sich
seit 2. November 2014 und damit seit über sechs Jahren rechtmässig in der Schweiz.
Für eine C-Bewilligung müsse eine Aufenthaltsdauer von fünf Jahren vorliegen. Ein
wichtiger persönlicher Grund nach Art. 50 Abs. 2 AIG könne sich auch aus anderen
Umständen ergeben. Dabei könnten die in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) erwähnten
Gesichtspunkte, namentlich die Integration, die Respektierung der Rechtsordnung, die
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=Art.+50+Abs.+1+lit.+b+AIG+h%E4rtefall&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F140-II-289%3Ade&number_of_ranks=0#page289
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Familien- und finanziellen Verhältnisse, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, der
Gesundheitszustand sowie die Möglichkeit einer Wiedereingliederung im
Herkunftsland, eine Rolle spielen. Die Vorinstanz habe den jahrelangen Aufenthalt des
Beschwerdeführers völlig unberücksichtigt gelassen. Es treffe zwar zu, dass die
Aufenthaltsdauer nicht ohne Weiteres zu einem Rechtsanspruch auf einen Aufenthalt
führe, sie sei aber auch nicht so kurz, dass a priori kein Anspruch auf eine
Aufenthaltsbewilligung vorliege. Dass sodann die Integrationskriterien keinen Einfluss
auf die Beurteilung hätten, erscheine äusserst fragwürdig. Der Beschwerdeführer sei
bestens integriert, er beherrsche die Landessprache auf einem hohen Niveau, was
Rückschlüsse auf seinen Integrationswillen zulasse. Zudem habe er sich berufliches
Fachwissen im Bereich "Thermoaktive Bauteilsysteme" angeeignet, bestreite seinen
Lebensunterhalt sowie jenen seiner Patchwork-Familie und verfüge über einen
einwandfreien strafrechtlichen Leumund. Er wohne zusammen mit seiner
Schwiegermutter, deren Schweizer Ehemann, den beiden Kindern seiner Ehefrau
(seinen Stiefkindern) und seiner geschiedenen Ehefrau auf einem Bauernhof in X._. Die
Ehefrau und der gemeinsame Sohn lebten in prekären Verhältnissen in Serbien. Eine
Rückweisung hätte zur Folge, dass der Beschwerdeführer mit seiner Ehefrau und den
insgesamt drei Kindern nicht überleben könnte. Aufgrund fehlender Familienbande sei
es ihm nicht möglich, in seiner Heimat eine halbwegs gute Arbeitsstelle finden zu
können. Insgesamt erfülle er die Voraussetzungen für einen persönlichen Härtefall nach
Art. 50 Abs. 2 AIG. Das öffentliche Interesse an der Durchsetzung einer restriktiven
Einwanderungspolitik genüge für sich allein bei einem langjährigen Aufenthalt und einer
vorzüglichen Integration nicht, um die Verweigerung des weiteren Aufenthalts zu
rechtfertigen. Gemäss Bundesgericht sei ein Ausländer, auch wenn seine Rückkehr
nicht unzumutbar erscheine, in den Rahmenbedingungen seines bisherigen Daseins
beeinträchtigt, wenn er sein persönliches, soziales und berufliches Netz nach langem
Aufenthalt in der Schweiz zurücklassen müsse. Es fehle daher an einem triftigen Grund
bzw. am öffentlichen Interesse, dem Beschwerdeführer das Aufenthaltsrecht zu
entziehen. Schliesslich bestehe die Möglichkeit auf eine vorzeitige Erteilung der
Niederlassungsbewilligung.
4. Nachehelicher Aufenthaltsanspruch aus wichtigen persönlichen Gründen
Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft vor Ablauf von drei Jahren
besteht der Anspruch des Ehegatten und der Kinder von Schweizerinnen und
Schweizern auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42
und 43 AIG weiter, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der
4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG). Wichtige persönliche Gründe
können namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher
Gewalt wurde, die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG).
Diese Aufzählung ist nicht abschliessend und lässt der Behörde einen angemessenen
Spielraum, um dem Einzelfall Rechnung zu tragen (M. Spescha, in: Spescha/Zünd/
Bolzli/Hruschka/De Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 11 zu
Art. 50 AIG). Im Gegensatz zur Ermessensbewilligung nach Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG,
wonach die kantonale Bewilligungsbehörde unter Zustimmung des Bundesamts von
den Zulassungsvoraussetzungen (Art. 18 bis 29 AIG) abweichen kann, um
"schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen
Rechnung zu tragen" (allgemeiner ausländerrechtlicher Härtefall), ist hier nicht von
Bedeutung, wie stark der einzelne Kanton das öffentliche Interesse an einer restriktiven
Einwanderungspolitik gewichtet, sondern allein, wie sich die Pflicht des Ausländers, die
Schweiz verlassen zu müssen, nach der gescheiterten Ehe auf seine persönliche
Situation auswirkt.
Da Art. 50 Abs. 1 AIG von einem Weiterbestehen des Anspruchs nach Art. 42 und 43
AIG spricht, muss sich der Härtefall auf die Ehe und den damit verbundenen Aufenthalt
beziehen (BGE 137 II 345 E. 3.2.2). Es geht um die Abfederung der Folgen, welche aus
der Trennung der Ehegatten resultieren (BGE 144 I 266 E. 2.6). Ein persönlicher,
nachehelicher Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände des Einzelfalls eine
erhebliche Intensität der Konsequenzen für das Privat- und Familienleben der
ausländischen Person voraus, die mit ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der
Anwesenheitsberechtigung verbunden sind. Der blosse Umstand, dass die
Sicherheits-, Wirtschafts- und gesundheitliche Versorgungslage in der Schweiz besser
sind als im Heimatstaat, genügt gemäss Rechtsprechung nicht, um von einem
nachehelichen Härtefall ausgehen zu können, auch wenn die betroffene Person in der
Schweiz integriert erscheint, eine Landessprache mehr oder weniger korrekt
beherrscht, eine Arbeitsstelle hat, für ihren Lebensunterhalt selber aufzukommen
vermag und nicht straffällig geworden ist (vgl. BGer 2C_682/2019 vom 26. Februar
2020 E. 5, 2C_777/2018 vom 8. April 2019 E. 3.2). Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit
gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein
Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute Integration im
Herkunftsland keine besonderen Probleme darstellt (BGE 138 II 229 E. 3.1, 137 II 345
E. 3.2.3, BGer 2C_822/2018 vom 23. August 2019 E. 3.3.1).
Für die fehlende Zumutbarkeit der Rückkehr in das Heimatland genügen allgemeine
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf eine gefährdete Wiedereingliederung nicht.
Die befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände
glaubhaft erscheinen (BGer 2C_241/2018 vom 20. November 2018 E. 4.2). Für die
Zumutbarkeitsbeurteilung kommt es auf die Intensität der Beziehungen zum
Heimatland an. Von Belang ist daher das Alter des Betroffenen im Zeitpunkt der
Einreise und die zuvor im Heimatland gelebte Zeit, das Vorhandensein familiärer
Bindungen und deren Pflege während des Aufenthalts in der Schweiz, vorhandene
Kenntnisse der heimatlichen Sprache, die beruflichen Chancen im Heimatland sowie
eine allfällige Ächtungsgefahr. Eine fortgeschrittene Integration in der Schweiz kann
umgekehrt die Rückkehr ins Heimatland ebenfalls unzumutbar machen, namentlich
wenn der Betroffene sozial und beruflich stark integriert ist oder etwa auch durch hier
eingeschulte Kinder zusätzlich an die Schweiz gebunden ist. Die Anforderungen an die
Annahme einer stark gefährdeten Wiedereingliederung sind gemäss Rechtsprechung
hoch (Spescha, a.a.O., N 30 zu Art. 50 AIG). Es ist etwa an geschiedene Frauen zu
denken, welche in ein patriarchalisches Gesellschaftssystem zurückkehren und dort
wegen ihres Status als Geschiedene mit Diskriminierungen oder Ächtungen rechnen
müssten (BGE 137 II 345 E. 3.2.2).
Der Beschwerdeführer befindet sich seit 2. November 2014 in der Schweiz. Zweimal
war er mit einer Schweizerin verheiratet (vom 30. Januar 2015 bis 30. September 2016
und vom 9. Dezember 2016 bis 4. Juli 2019), wobei die Ehen jeweils kinderlos blieben.
Seine Aufenthaltsdauer in der Schweiz beträgt insgesamt knapp sieben Jahre. Nur
kurze Zeit nach der letzten Scheidung heiratete er am 16. Juli 2019 in seinem
Heimatland die russische Staatsangehörige C._, mit der er einen mittlerweile ca.
zweijährigen Sohn hat. Diese Zivilstandsänderung war den Schweizer Behörden
allerdings lange Zeit nicht bekannt. Im streitigen Verlängerungsgesuch vom
10. Oktober 2019 bezeichnete sich der Beschwerdeführer als geschieden
(Migrationsakten [MA] 82) und in einem Einladungsschreiben zum Visumsantrag der
Ehefrau vom 21. Januar 2020 verschwieg er, dass sie seine Ehefrau ist (MA 98). Die
Ehefrau selbst erwähnte der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Region X._
(KESB) gegenüber im Januar 2020 ebenfalls nicht, dass sie mit dem Beschwerdeführer
verheiratet sei (MA 119). Die Ehefrau und das gemeinsame Kind leben in Serbien. Der
Beschwerdeführer lebt zusammen mit seiner Schwiegermutter, deren Ehemann, der
geschiedenen Ehefrau (und heutigen Schwägerin) und den zwei minderjährigen Kindern
(Jahrgänge 2005 und 2008) seiner Ehefrau aus einer früheren Beziehung auf einem
Bauernhof in X._.
4.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vom Beschwerdeführer aus betrachtet besteht die Kernfamilie aus seiner jetzigen
Ehefrau und dem gemeinsamen Sohn. Da diese in Serbien leben, hat das Dahinfallen
der nachehelichen Anwesenheitsberechtigung keine erheblichen Konsequenzen für
sein Familienleben. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn der Beschwerdeführer in sein
Heimatland zurückkehrt, führt dies zur Vereinigung der Kernfamilie. Die beiden
minderjährigen Kinder seiner Ehefrau wurden von dieser in der Schweiz bei der
Grossmutter zurückgelassen. Sie halten sich illegal in der Schweiz auf. Für eine
Wiedervereinigung mit diesen könnte die Mutter bei den serbischen Behörden ein
Familiennachzugsgesuch stellen, was sie jedoch ablehnt (MA 112). Die vom
Beschwerdeführer geltend gemachte Unmöglichkeit, mit seiner Ehefrau und den drei
Kindern in Serbien zu überleben, rührt sodann nicht vom Dahinfallen der mittlerweile
geschiedenen Ehe, aus welcher er seinen Aufenthaltsanspruch ableiten möchte,
sondern von der neuerlichen Heirat her. Es geht ihm um die Abfederung der Folgen der
neuen Ehe, was nicht dem Zweck von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG entspricht. Die familiären
Beziehungen stehen somit einer Wegweisung des Beschwerdeführers aus der Schweiz
nicht entgegen. Ein nachehelicher Härtefall lässt sich auch nicht aus der
wirtschaftlichen Situation ableiten. Es ist zwar davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer hier in der Schweiz ein höheres Erwerbseinkommen erwirtschaftet,
dafür sind die Lebenshaltungskosten in Serbien aber wesentlich tiefer. Ob und falls ja,
in welchem Umfang, der Beschwerdeführer für die beiden vorehelichen Kinder der
Ehefrau tatsächlich finanziell aufkommt, geht aus den Akten nicht hervor. Gegenüber
der KESB gab die Grossmutter an, dass sie und ihr Ehemann bis anhin die anfallenden
Kosten der Kinder getragen hätten (MA 121). Da der Beschwerdeführer erst im Alter
von knapp 25 Jahren in die Schweiz kam, hat er die prägenden Kinder- und
Jugendjahre wie auch den Einstieg ins Berufsleben in seiner Heimat verlebt. Er
beherrscht die Sprache und ist mit der dortigen Lebensweise bestens vertraut. Die
Aufenthaltsdauer in der Schweiz von rund sieben Jahren erweist sich nicht als überaus
lang. Sein pauschales Vorbringen, er könne in Serbien keine halbwegs gute
Arbeitsstelle finden, erscheint unglaubwürdig und ist in keiner Weise belegt. Aufgrund
seiner in der Schweiz erworbenen Berufserfahrung ist davon auszugehen, dass ein
Berufseinstieg in Serbien mittelfristig gut möglich ist. Seine soziale Wiedereingliederung
im Herkunftsland erscheint unter diesen Umständen nicht als stark gefährdet und eine
Rückkehr nicht als unzumutbar. Allein die Tatsache, dass die wirtschaftliche Lage in
der Schweiz generell besser und ein Leben hier einfacher ist, vermag keinen
Aufenthaltsanspruch zu begründen. Desgleichen reicht auch eine gute Integration allein
nicht aus, um die Bewilligungsvoraussetzungen von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG zu erfüllen.
Der Beschwerdeführer kann sich folglich nicht auf einen nachehelichen
Aufenthaltsanspruch berufen.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5. Anspruch aus dem Recht auf Achtung des Familien- und Privatlebens
Gemäss Art. 8 Ziff. 1 EMRK hat jede Person das Recht auf Achtung ihres Privat- und
Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz. Der Begriff des Privatlebens
wird umfassend verstanden und verschliesst sich einer abschliessenden Definition.
Geschützt ist das Recht auf Selbstbestimmung bzw. das Recht, ein Leben nach seiner
Wahl zu leben, sowie die Möglichkeit, Beziehungen zu anderen Menschen
aufzunehmen (BGer 2C_105/2017 vom 8. Mai 2018 E. 3.1). Art. 8 EMRK verschafft
praxisgemäss keinen Anspruch auf Einreise und Aufenthalt oder auf einen
Aufenthaltstitel. Er hindert Konventionsstaaten nicht daran, die Anwesenheit auf ihrem
Staatsgebiet zu regeln und den Aufenthalt ausländischer Personen unter Beachtung
überwiegender Interessen des Familien- und Privatlebens gegebenenfalls auch wieder
zu beenden. Es ist in erster Linie Sache des Gesetzgebers, im Rahmen einer
demokratischen und pluralistischen Auseinandersetzung darüber zu befinden, inwiefern
und unter welchen Voraussetzungen es sich im Rahmen der Ausländer- und
Einwanderungspolitik rechtfertigt, Bewilligungsansprüche einzuräumen (Art. 164 Abs. 1
lit. c der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV; BGE
130 II 281 E. 3.2.1). Unter dem Aspekt des Familienlebens ist Art. 8 EMRK berührt,
wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme eine nahe, echte und
tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz gefestigt
anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser ohne Weiteres
möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pflegen. Zum
geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft
der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 144 II 1 E. 6.1). Unabhängig vom
Vorliegen einer familiären Beziehung kann eine ausländerrechtliche
Fernhaltemassnahme das Recht auf Privatleben verletzen, namentlich bei Ausländern
der zweiten Generation (vgl. BGE 139 I 16 E. 2.2.2), im Übrigen aber nur unter
besonderen Umständen. Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts
genügen eine lange Anwesenheit und die damit verbundene normale Integration hierzu
nicht; erforderlich sind besonders intensive, über eine normale Integration
hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGE 144
II 1 E. 6.1) bzw. vertiefte soziale Beziehungen zum ausserfamiliären bzw.
ausserhäuslichen Bereich; erforderlich ist eine eigentliche Verwurzelung in den hiesigen
Verhältnissen (BGE 130 II 281 E. 3.2).
Tangiert eine ausländerrechtliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme den
Schutzbereich des Rechts auf Familien- oder Privatleben, ist diese Massnahme nach
5.1.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=bge+144+i+266+nichtverl%E4ngerung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-I-16%3Ade&number_of_ranks=0#page16 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=bge+144+i+266+nichtverl%E4ngerung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=bge+144+i+266+nichtverl%E4ngerung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F144-II-1%3Ade&number_of_ranks=0#page1 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_740%2F2019&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-II-281%3Ade&number_of_ranks=0#page281
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Art. 8 Ziff. 2 EMRK rechtfertigungsbedürftig. Eine Behörde darf in die Ausübung des
Rechts auf Achtung des Familien- und Privatlebens nur eingreifen, soweit der Eingriff
gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die
nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur
Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der
Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer. Dazu
ist eine umfassende Interessenabwägung vorzunehmen und das Interesse der
betroffenen Person, im Land zu verbleiben, den entgegenstehenden Interessen
gegenüberzustellen. Bei dieser Interessenabwägung steht den nationalen Behörden ein
gewisser Beurteilungsspielraum zu. Dabei ist das Interesse an einer Kontrolle und
Steuerung der Zuwanderung (vgl. Art. 121a BV) bzw. an der Erhaltung eines
ausgewogenen Verhältnisses zwischen schweizerischer und ausländischer
Wohnbevölkerung ein legitimes Interesse, das im Rahmen der Verhältnismässigkeit
Eingriffe in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK rechtfertigen kann. Im Rahmen der
Interessenabwägung ist zu prüfen, ob eine gute, auch wirtschaftliche, Integration
vorliegt. Ebenso zu berücksichtigen ist, in welchem Alter die ausländische Person
eingewandert ist, wie lange sie im Gastland gelebt hat und welche Beziehungen zum
Heimatstaat sie unterhalten hat und noch unterhält (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.7 mit
Hinweisen auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte). Im Interesse von Rechtssicherheit und Rechtsgleichheit hat das
Bundesgericht Leitlinien für den Anspruch auf Schutz des Privatlebens nach Art. 8
EMRK aufgestellt. Demnach kann nach einer rechtmässigen Aufenthaltsdauer von rund
zehn Jahren regelmässig davon ausgegangen werden, dass die sozialen Beziehungen
in diesem Land so eng geworden sind, dass es für eine Aufenthaltsbeendigung
besonderer Gründe bedarf; im Einzelfall kann es sich freilich anders verhalten und die
Integration zu wünschen übriglassen. Es kann aber auch sein, dass schon zu einem
früheren Zeitpunkt der Anspruch auf Achtung des Privatlebens betroffen ist. Liegt nach
einer längeren bewilligten Aufenthaltsdauer, die zwar zehn Jahre noch nicht erreicht
hat, eine besonders ausgeprägte Integration vor (nebst engen sozialen Beziehungen
namentlich auch in sprachlicher, beruflicher und wirtschaftlicher Hinsicht), kann es den
Anspruch auf Achtung des Privatlebens verletzen, wenn eine Bewilligung nicht erneuert
wird. Nicht zuletzt liegt es in solchen Konstellationen in der Regel im Interesse der
Gesamtwirtschaft (vgl. Art. 3 Abs. 1 AIG), dass der Aufenthalt weiterhin möglich ist. Das
grundsätzlich legitime Interesse an einer Steuerung der Zuwanderung bzw. an der
Erhaltung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen schweizerischer und
ausländischer Wohnbevölkerung kann unter diesen Umständen für sich allein nicht
genügen, um eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu verweigern (BGE 144 I
266 E. 3.9). In einem später ergangenen Entscheid hat das Bundesgericht allerdings
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einschränkend darauf hingewiesen, dass in Fällen von nachehelichen
Bewilligungserteilungen in erster Linie auf die gesetzliche Regelung nach Art. 50 AIG
und nur ausnahmsweise direkt auf das Recht auf Achtung des Privatlebens abzustellen
sei (BGer 2C_788/2018 vom 31. Januar 2019 E. 5.2.2).
Die engsten Familienangehörigen des Beschwerdeführers sind seine Ehefrau und das
gemeinsame Kind, die heute beide in Serbien leben. Das Zusammenleben mit ihnen
wird ihm durch die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht verunmöglicht.
Im Zeitpunkt der Eheschliessung musste ihm bewusst sein, dass er die von der
geschiedenen Ehefrau abgeleitete Aufenthaltsbewilligung verlieren und das neue
Familienleben andernorts würde pflegen müssen. Die in der Schweiz lebende
Schwiegermutter, deren Ehemann und die geschiedene Ehefrau bzw. Schwägerin, mit
welchen der Beschwerdeführer zusammenlebt, zählen nicht zur Kernfamilie. Die zwei
minderjährigen Kinder seiner Ehefrau, mit denen er hier ebenfalls im gleichen Haushalt
wohnt, verfügen wiederum über keine Aufenthaltsberechtigung in der Schweiz. Ein
Zusammenleben mit diesen wäre auch in Serbien möglich und zumutbar. Das Recht
auf Familienleben ist daher im Fall einer Wegweisung nicht nur nicht verletzt, sondern
die Kernfamilie wird dadurch in der Heimat zusammengeführt.
Der Beschwerdeführer ist mittlerweile seit beinahe sieben Jahren in der Schweiz, wobei
er während zwei Monaten (5. Oktober bis 8. Dezember 2016) über keine
Aufenthaltsbewilligung verfügte. Gemäss eigenen Angaben beherrscht er die deutsche
Landessprache auf einem hohen Niveau, ohne dazu allerdings einen Beweis zu
offerieren. Seinen finanziellen Verpflichtungen kommt er nach. Er ist bei der Firma
Q._ GmbH als Monteur im Bereich "Thermoaktive Bauteilsysteme" (im Beton verlegte
Bodenheizung) unbefristet festangestellt. Er wird von seinem Arbeitgeber bzw. dessen
Auftraggeber als qualifizierter Mitarbeiter sehr geschätzt (MA 93 f.). Von besonders
intensiven, über eine normale Integration hinausgehenden privaten Beziehungen
beruflicher Natur kann aber nicht gesprochen werden. Das gelegentliche
Tischtennisspielen mit Arbeitskollegen reicht dafür nicht aus. Sonstige besonders enge
gesellschaftliche Beziehungen im Sinn des Aufbaus eines ausserfamiliären privaten
Umfelds werden vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht. Seine sozialen
Beziehungen bestehen gemäss eigenen Angaben zur Hauptsache aus den Kontakten
zur Familie seiner Ehefrau und seiner geschiedenen Ehefrau/Schwägerin, mit welcher
er zusammenlebt. Damit fehlen vertiefte soziale Beziehungen im ausserhäuslichen
Bereich, weshalb nicht von einer vertieften Verwurzelung im Land gesprochen werden
kann. Insgesamt ist von einer normalen, jedenfalls keiner besonders ausgeprägten,
5.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6. Verhältnismässigkeit
überdurchschnittlichen Integration auszugehen, die keinen Anspruch auf Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung zu begründen vermag. Selbst wenn man aber von einem
Eingriff in das Recht auf Privatleben des Beschwerdeführers ausgehen würde, ist
dieser durch öffentliche Interessen gerechtfertigt (vgl. dazu die nachfolgende Erwägung
E. 6).
Die Vorinstanz hält zur Verhältnismässigkeit fest, es bestehe ein öffentliches Interesse
daran, dass Ausländerinnen und Ausländer, bei denen die familiären Voraussetzungen,
die für die Erteilung des Aufenthaltsrechts massgebend waren und nach kurzer Zeit
wegfallen, die Schweiz wieder verlassen. Als zulässiges öffentliches Interesse falle
dabei auch das Durchsetzen einer restriktiven Einwanderungspolitik in Betracht. Eine
solche sei im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und
ausländischer Wohnbevölkerung, die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die
Eingliederung der in der Schweiz bereits ansässigen Ausländer und die Verbesserung
der Arbeitsmarktstruktur sowie auf eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung
zulässig. Sie führt weiter aus, dass der Beschwerdeführer die prägenden Jahre in
seinem Heimatland verbracht und erst als Erwachsener in die Schweiz gelangt sei. Er
könne sich in Serbien, wo seine Ehefrau lebe, wieder zurechtfinden. Sodann bringe er
neue berufliche wie sprachliche Erfahrungen mit, die ein wirtschaftliches Fortkommen
erleichtern könnten. Er übe keine derart qualifizierte Erwerbstätigkeit aus, die aus
wirtschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Sicht eine Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung gebieten würde.
6.1.
Vorliegend kann weder aus der Ehe (Art. 42 Abs. 1 AIG) noch aus einem nachehelichen
Härtefall (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG) oder dem Recht auf Familien- und Privatleben (Art. 8
EMRK) ein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung abgeleitet werden.
Ist der ursprüngliche Zweck der Aufenthaltsbewilligung weggefallen und besteht
deshalb kein Anspruch mehr, so bedarf die Frage nach der Wegweisung
beziehungsweise nach der erneuten Bewilligungserteilung eines behördlichen
Ermessensentscheids (P. Bolzli, in: Spescha/Zünd/Bolzli/Hruschka/De Weck [Hrsg.],
a.a.O., N 4 zu Art. 33 AIG). Nach Art. 96 AIG berücksichtigen die zuständigen Behörden
bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen
Verhältnisse sowie die Integration der Ausländerinnen und Ausländer. Die
Ermessensausübung ist danach zu beurteilen, ob der gefällte Entscheid zentrale
Grundrechtsgedanken (z.B. persönliche Freiheit, Ehefreiheit, Willkür- und
6.2.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Diskriminierungsfreiheit, Privat- und Familienleben sowie Kindeswohl) hinreichend
beachtet, im öffentlichen Interesse erforderlich und für den Betroffenen zumutbar ist,
sodass das Ergebnis einzelfallgerecht erscheint (Spescha, a.a.O., N 2 zu Art. 96 AIG).
Das Verwaltungsgericht greift nicht in die Ermessensausübung der Vorinstanzen ein,
wenn diese nicht mit einem Rechtsfehler behaftet ist (Art. 61 Abs. 1 VRP; Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, N 739 ff.).
Die Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik höher
gewichtet als die privaten Interessen des Beschwerdeführers am weiteren Verbleib in
der Schweiz. Wie zuvor ausgeführt, hat das Bundesgericht in seinem Entscheid BGE
144 I 266 das öffentliche Interesse einer restriktiven Einwanderungspolitik zwar
relativiert. Wenn jedoch, wie vorliegend, die Aufenthaltsdauer in der Schweiz noch
nicht zehn Jahre erreicht hat und keine besonders ausgeprägte Integration gegeben ist,
vermag das legitime Interesse an einer Kontrolle und Steuerung der Zuwanderung
einen Eingriff in die durch Art. 8 EMRK geschützten privaten Interessen am Verbleib in
der Schweiz zu rechtfertigen. Weiter hat die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen,
dass der Beschwerdeführer den grössten und prägendsten Teil seines Lebens im
Heimatland verbracht hat; er ist erst im Alter von knapp 25 Jahren in die Schweiz
eingereist. Damit ist der Beschwerdeführer mit den dortigen Lebensumständen sowie
der Sprache nach wie vor bestens vertraut. Es ist nicht auszuschliessen, dass die
Wiedereingliederung mit einigen anfänglichen, jedoch keinen besonderen
Schwierigkeiten – jedenfalls nicht mehr als bei jedem anderen in die Heimat
zurückkehrenden oder auch einem in die Schweiz einwandernden Ausländer –
verbunden sein wird. Das Interesse an besseren wirtschaftlichen Verhältnissen in der
Schweiz kann für die Abwägung aber nicht entscheidend sein. Auch wenn der
Beschwerdeführer im Erwerbsleben gut integriert ist, seinen finanziellen
Verpflichtungen nachkommt und sich auf Deutsch verständigen kann, lässt dies die
vorinstanzliche Verhältnismässigkeitsprüfung nicht als rechtsfehlerhaft erscheinen.
Trotz dieser durchaus positiv zu würdigenden Umstände überwiegt das öffentliche
Interesse daran, dass Ausländerinnen und Ausländer, bei denen die familiären
Voraussetzungen, die für die Erteilung des Aufenthaltsrechts massgebend waren, nach
kurzer Zeit – und wie vorliegend trotz mehrfach unmittelbar aufeinanderfolgender
Eheschliessungen – wegfallen, die Schweiz wieder verlassen (vgl. VerwGE B 2018/76
vom 25. Juli 2018 E. 5.2, B 2012/105 vom 13. November 2012 E. 7). Seine
Weiterbeschäftigung im Bereich Heizungsinstallationen entspricht auch keinem
gesamtwirtschaftlichen Interesse, da keine qualifizierte Erwerbstätigkeit im Sinn von
Art. 23 Abs. 1 AIG vorliegt.
6.3.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7. Zusammenfassung
Zusammenfassend vermögen im vorliegenden Fall die privaten Interessen des
Beschwerdeführers, sich aus vorab wirtschaftlichen Gründen weiterhin in der Schweiz
aufzuhalten, während seine Ehefrau und sein Kind in seinem Heimatland leben, das
erhebliche öffentliche Interesse an seiner Fernhaltung (Steuerung der Einwanderung)
nicht zu überwiegen. Die Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung erweist sich
demnach als recht- und verhältnismässig, und die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
8. Kosten
Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Beschwerdeführer die Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer geleisteten Kostenvorschuss in der
Höhe von CHF 2'000 zu verrechnen.
Mangels Obsiegens besteht kein Anspruch auf Entschädigung der ausseramtlichen
Kosten (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).