Decision ID: f20bbd7b-49e4-4e53-9bb1-58de68d17dad
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1950, bezog seit 1. Januar 2009 eine halbe Rente der Invalidenversicherung
(Verfügung vom 1
2. November 2009, Urk. 6/35
; Ver
fügungsteil 2, Urk. 6/30
).
Am 27.
Mai 2013
(Eingang 4.
Juni 2013)
stellte der Ver
sicherte
sinnge
mäss
den Antrag auf
eine Rentenrevision infolge Verschlech
terung des Gesund
heitszustandes (vgl. Meldeformular für Erwachsene:
Früher
fassung
,
Urk. 6/40).
Die IV-Stellte klärte in der Folge
die medizinische
(Urk. 6/44-49) und erwerbli
che (Urk. 6/50-52) Situation ab und hob nach durc
h
geführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk. 6/54, Urk. 6/56-58) mit Verfügung vom 22. Januar 2014 die bisher ausgerichtete Rente rückwirke
nd für die Zeit vom 1. Februar
bi
s 31. Dezember 2010 auf und
setzte
dem Versicherten
die laufende Rente
ab 1. Januar 2011
auf eine
Viertelsrente
herab
. Ferner stellte sie für den Zeitraum ab 1. Januar 2010 bis heute eine Meldepflichtverletzung fest und wies auf die
gesetzliche
Rück
zahlungspflicht
hin (Urk. 6/59).
1.2
Gegen diese Verfügung vom 22. Januar 2014 erhob der Versicherte am 6. Febru
ar 2014
Beschwerde (Urk. 6/73/3-4)
beim hiesigen Gericht (Prozess Nr. IV.2014.00149;
nachstehend
: Hauptverfahren) und beantragte die Aufhe
bung der Verfügung sowie die Weiterausrichtung der halben Invaliden
rente für die Zeit ab dem 1. Februar 2010 (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2014 (Urk. 6/78) beantragte die IV-Stelle die teilweise Gutheissung der Beschwerde in dem Sinne, dass der
Versicherte
ab
März 2014 weiterhin An
spruch auf seine bisherige halbe Rente habe
,
und schloss
im Übrigen auf Ab
weisung der Beschwerde.
Nach durchgeführtem
z
w
eiten
Schrif
tenwechsel
(Urk. 6/88
/3-13
, Urk. 6/95) nahm das hiesige Gericht in der Verf
ügung vom 15. August 2014 (Urk.
20 des Hauptverfahrens)
davon
Vormerk
, dass die IV-Stelle einen Anspruch auf eine halbe
Rente ab 1. März 2014 an
er
kennt
.
2.
Mit Beschwerde vom 8. September 2014 gelangte der Versicherte ans hiesige Gericht und beantragte, es sei festzustellen, dass eine Rechtsverweigerung be
ziehungsweise Rechtsverzögerung durch die IV-Stelle vorliege
;
es sei ihm die
Rente gemäss Schlussfolgerungen des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
vom
27. März 2014 zuzusprechen,
e
ventuell sei die Angelegenheit an die IV-Stelle
zurückzuweisen mit dem Auftrag, unverzüglich über die Rente entspre
chend den
Schlussfolgerungen
des RAD
vom 27. März 2014 zu entscheiden (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stellte beantragte mit Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2014 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gegen
Einspracheentscheide
oder Verfügungen, gegen welche eine Einsprache
ausgeschlossen ist, kann Beschwerde erhoben werden (Art. 56
Abs.
1 des Bun
des
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Be
schwerde kann auch erhoben werden, wenn der Versicherungsträger entge
gen
dem Begehren der betroffenen Person keine Verfügung oder keinen Ein
spra
che
entscheid erlässt (Art. 56
Abs.
2 ATSG; vgl. BGE 130 V 92 E. 2).
1.2
Eine Verletzung von
Art.
29
Abs.
1 der Bundesverfassung (BV) - sowie gegebe
nenfalls von
Art.
6
Ziff.
1
der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten,
EMRK (BGE 130 I 174 mit Hinweisen) - liegt nach der Recht
sprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts
oder Verwaltungsbe
hörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde wird in der Recht
sprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet. Art. 29
Abs.
1 BV ist
aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Ent
scheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der
Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemes
sen
er
sch
eint (sog. Rechtsverzögerung).
Für den Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe
beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörden oder auf andere Umstände
die Rechtsver
weigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entscheidend ist aus
schliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt (SVR 2001 IV
Nr. 24 S.
73 f. E.
3a und b, BGE 124 V 130, 117
Ia
116 E.
3a, 197 E.
1c, 103 V 190
E. 3c).
Eine unzulässige Rechtsverzögerung liegt vor, wenn die Behörde ihren Ent
scheid
in objektiv nicht gerechtfertigter Weise hinauszögert. Ob dies zutrifft, beurteilt sich auf Grund der konkreten Umstände des Einzelfalls. Massgebend sind in die
sem
Zusammenhang namentlich die besondere Bedeutung und die Art des Ver
fahrens, die Komplexität und Schwierigkeit der Sache sowie das pro
zessuale Ver
halten der Beteiligten (BGE 125 V 191 f. E.
2a). Diese Rechtspre
chung lässt nicht
zu, dass das Gericht in abstrakter und verbindlicher Form ein für
alle Mal
fest
legen könnte und dürfte, innerhalb welcher Zeitspanne eine Verwaltungs- oder
Gerichtsbehörde einen Entscheid zu fällen hat, ohne sich dem Vorwurf einer
Rechts
verzögerung
auszusetzen. Die betroffene Behörde oder Organisation hat An
spruch darauf, dass gegen sie erhobene Vorwürfe in jedem einzelnen Fall an
hand der konkreten Umstände geprüft werden (Urteil des
Bundes
gerichts U 220/03 vom 1
4.
Januar 2004 E. 2.1 und 2.2, und I 760/05 vom 2
4.
Mai 2006 E.
3)
.
1.3
Das mit der Rechtsverzögerungs- oder -
verweigerungsbeschwerde
verfolgte recht
lich geschützte Interesse besteht darin, einen an eine gerichtliche Be
schwer
de
instanz weiterziehbaren Entscheid zu erhalten. Streitgegenstand des
Beschwer
de
verfahrens
ist deshalb allein die Prüfung der beanstandeten Rechts
verwei
gerung oder Rechtsverzögerung. Nicht zum Streitgegenstand gehören da
gegen die durch die Verfügung oder den Einspracheentscheid zu regelnden ma
teriellen Rechte und Pflichten (Urteil des
Bunde
sgerichts I 328/03 vom 2
3.
Oktober 2003 E. 4.2).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer machte geltend (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin sei un
tätig geblieben, nachde
m
im Rentenrevisionsverfahren
eine medizinische Un
ter
suchung bei
Dr.
med.
Y._
vom
RAD
angeordnet
worden sei
und dieser in seinem Bericht vom 27. März 2014 eine ab Mai 2013 bestehende voll
ständige Arbeitsunfähigkeit und ab 25. März 2014 eine solche im Umfang von 50 % für eine angepasste Tätigkeit
beziehungsweise
eine 70%ige Arbeitsun
fähig
keit für die angestammte bisherige Tätigkeit attestiert habe (S. 3 Ziff. 3).
Ent
gegen ihrer Zusicherung habe
die Beschwerdegegnerin keinen separaten
(Renten-)
Entscheid erlassen mit der Begründung, es sei der Ausgang des
häng
i
gen
Beschwerdever
fahrens
(Hauptverfahren)
abzuwarten (S. 3 Ziff. 4).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt
,
ohne das Urteil des hiesigen Gerichts
im Hauptverfahren
könne
ihrerseits
kein Ent
scheid über die Frage, wie es sich mit dem künftigen Rentenanspruch ver
hält, erfolgen. Es fehle an einer Vergleichsbasis für die Prüfung der Revision. Ausser
dem sei sie
– wie im Einzelnen näher dargelegt – zu keinem Zeitpunkt untätig geblieben
(Urk. 5 S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdegegnerin eine Rechtsverzögerung beziehungsweise Rechtsverweigerung vorgeworfen werden kann.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin hat - wie in der Verfügung vom 22. Januar 2014 (Urk. 2
im Hauptverfahren) in Aussicht gestellt, die Abklärungen im Zusammenhang mit
dem Revisionsgesuch vom 4. Juni 2013 weitergeführt, obwohl der Beschwer
de
führer gegen
die
se
Verfügung
Beschwerde erhoben hat
.
Sie
hat - bei
hängigem
Gerichtsverfahren - insbesondere den Beschwerdeführer durch den RAD unter
suchen lassen. Sodann hat sie
im Hauptverfahren in ihrer Beschwerdeantwort vom 12. Mai 2014 (Urk. 6/78) unter anderem eine teilweise Gutheissung in dem Sinne beantragt, dass de
r
Beschwerdeführer ab März 2014 (Zeitpunkt der
RAD-Untersuchung
) weiterhin Anspruch auf seine bisherige halbe Rente habe (S. 1 oben).
Davon hat das hiesige Gericht im Hauptverfahren mit Verfügung vom 15. August 2014 ausdrücklich
Vormerk
genommen (Urk. 20 Ziff. 1
Hauptver
fahren
). Will sich die Beschwerdegegnerin
de
n
Vorwurf
des widersprüchlichen und treuwidrigen Verhaltens
ersparen, so
kann sie nicht Untersuchungen ver
an
lassen, die (infolge der
Devolutivwirkung
der erhobenen Beschwerde nicht die an
gefochtene Verfügung betreffen können, sondern) eine Weiterbehandlung des
genannten Revisionsgesuchs darstellen, diesbezüglich sogar zu einem inhalt
lichen
Schluss (zum Ausdruck gebracht im Antrag im Hauptverfahren auf teilweise Gut
heissung im Sinne eines ab März 2014 bestehenden Anspruchs auf halbe Rente) gelangen, und sich dann aber mit Verweis auf das
hängige
(Haupt-) Verfahren
weigern, das Revisionsverfahren mittels Verfügung (und damit rechtsmittel
fähig)
abzuschliessen.
3.2
Dass
im Hauptverfahren eine al
lfällige Meldepflichtverletzung und die darauf ge
stützte rückwirkende Einstellung und Herabsetzung der Rente strittig ist, steht
einem
Entscheid im Revisionsverfahren
nicht entgegen. Unzutreffend ist
auch
, dass die Beschwerdegegnerin ohne Urteil des hiesigen Gerichts keinen Entscheid über die Frage, wie es sich mit dem künftigen Rentenanspruch des Beschwer
de
führers
verhält
,
treffen
könne
(Urk. 5 S. 2 oben), hat
sie selber
doch in der Be
schwer
de
antwort des Hauptverfahrens beantragt, es sei der Anspruch des Be
schwer
de
führers auf eine halbe Rente ab März 2014 zu bejahen.
Die
Rechtsverzögerungs
- beziehungsweise
Rechtsverweige
rungs
beschwerde
ist so
mit begründet
,
die Beschwerde ist gutzuheissen.
Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, das von ihr während des laufenden Gerichtsverfahrens fortge
setzte Revisionsverfahren durch einen formellen Entscheid umgehend zum Ab
schluss zu bringen.
4.
Nach § 34 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
)
und sind beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr. 200.-- (exkl.
MWSt
) auf Fr.
1'6
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen.