Decision ID: d1925a76-ba07-5156-8744-c34c36062ef8
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._, Jahrgang 1952, meldete sich im Juni 2007 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 1). Von Dezember 1990 bis Ende August 2007 war
er als Sandstrahler bei der B._ AG tätig (IV-act. 14-2). Der Hausarzt des Versicherten,
Dr. med. C._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, nannte im Bericht vom
4. September 2007 die Diagnosen lumboradikuläres Schmerzsyndrom rechts,
Adipositas, Diabetes mellitus, Hypertonie, Nikotinkonsum, sensible periphere axionale
Neuropathie der unteren Extremitäten rechtsbetont und beginnende Gonarthrose
rechts bei degenerativer Innenmeniskushinterhornläsion, metabolisches Syndrom. Der
Versicherte sei sowohl in der angestammten wie in leichten, wechselnden stehenden
Betätigungen ohne grosse intellektuelle Anforderungen zu 50% arbeitsfähig (IV-
act. 29).
A.b Im Auftrag der Pensionskasse wurde der Versicherte im Juli 2007 im Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH), Zürich, begutachtet. Im Gutachten
vom 14. September 2007 finden sich die Diagnosen chronisches lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei Fehlhaltung und Fehlform der Wirbelsäule sowie muskulärer
Dekonditionierung, Verdacht auf diffuse idiopathische skelettale Hyperostose,
Gonarthrose rechts, Diabetes mellitus Typ II, morbide Adipositas,
Systemausweitungstendenz und Nikotinabusus. In der angestammten Tätigkeit
bestehe weiterhin eine volle Arbeitsunfähigkeit. Eine angepasste leichte Tätigkeit mit
Möglichkeit der Wechselpositionierung sei ganztags mit vermehrten Pausen von zwei
Stunden pro Tag, entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 75%, zumutbar (IV-
act. 32-6).
A.c Gestützt auf diese Arbeitsfähigkeitsschätzung ermittelte die IV-Stelle einen
Invaliditätsgrad von 27% und stellte mit Vorbescheid vom 26. Februar 2008 die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 38). Trotz Einwänden von D._
vom 12. April 2008 und 10. Mai 2008 (IV-act. 42; 51), sowie Rechtsanwalt lic. iur. Daniel
Ehrenzeller vom 14. April 2008 (IV-act. 47) verfügte die IV-Stelle am 17. Juni 2008
gemäss Vorbescheid (act. G 1.1).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die in Vertretung des Versicherten von D._
erhobene Beschwerde vom 5. Juli 2008. Er beantragt die Gewährung einer ganzen
Invalidenrente. Der Beschwerdeführer sei seit mehreren Jahren voll erwerbsunfähig.
Dies werde von den behandelnden Ärzten bestätigt (act. G 1). Mit
Beschwerdeergänzung vom 30. August 2008 lässt der Beschwerdeführer die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache mindestens einer halben Rente
beantragen. Es sei eine Parteientschädigung von Fr. 700.- zuzusprechen. Eventualiter
sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Für die Beurteilung,
ob der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig sei, fehle die
medizinische Grundlage. Im AEH-Gutachten fehle eine Auseinandersetzung mit der
angestammten Arbeit und mit Verweistätigkeiten. Bei der Berechnung des
Invaliditätsgrads sei wegen des Alters, der unzureichenden Deutschkenntnisse, der
Ausländereigenschaft sowie des gebrechlichen Aussehens ein Leidensabzug von 25%
zu gewähren (act. G 2).
B.b Der zuständige Abteilungspräsident wies D._ am 3. September 2008 darauf hin,
dass die gewerbsmässige Vertretung vor Gericht im Kanton St. Gallen Rechtsanwälten
mit Berufsausübungsbewilligung vorbehalten sei (act. G 3), woraufhin der
Beschwerdeführer am 13. September 2008 mitteilen liess, er werde nicht mehr
vertreten (act. G 5). Mit Schreiben vom 27. September 2008 reichte er ein Gesuch um
unentgeltliche Prozessführung samt Beilagen ein (act. G 8).
B.c Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 29. Oktober 2008
die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer sei im AEH persönlich
untersucht worden. Zusätzlich sei eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL) vorgenommen worden. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung im Gutachten erscheine
als begründet, umfassend und plausibel. Der Bericht von Dr. C._ sei demgegenüber
sehr rudimentär. Zudem sei der Hausarzt als Allgemeinmediziner nicht fachärztlich
kompetent, die Rückenbeschwerden des Beschwerdeführers zu beurteilen. Unter
Gewährung eines Abzugs beim Invalideneinkommen von 10% belaufe sich der
Invaliditätsgrad auf 33%. Die Rentenablehnungsverfügung sei somit rechtmässig (act.
G 11).
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B.d Am 31. Oktober 2008 lehnte der zuständige Abteilungspräsident das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung aufgrund von dessen
Vermögensverhältnissen ab (act. G 13).
B.e Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 17. November 2008 an seinen
Anträgen gemäss Beschwerdeergänzung unverändert fest. Seit 2007 sei er sehr viel
intensiver von Dr. C._ betreut worden, weshalb seine Beurteilung jener des AEH
vorzuziehen sei. Sein Arzt kenne seine bisherigen Erfahrungen und Einsätze bestens.
Untersuchungen beim AEH erfolgten hingegen in der Regel zielgerichtet nur um
aufzuzeigen, dass jemand entgegen seinen Beteuerungen sehr wohl arbeiten könne.
Das AEH-Gutachten unterstelle ihm eine nicht zuverlässige Leistungsbereitschaft und
mässige Konsistenz bei starker Selbstlimitierung. Seine Einsätze beim alten
Arbeitgeber und in der Projekt-Werkstatt, wo er an einem Einsatzprogramm
teilgenommen habe, hätten hingegen das genaue Gegenteil belegt. Bei der
Invaliditätsbemessung werde davon ausgegangen, dass die zwei Stunden zusätzlichen
Pausenbedarfs einer Einschränkung von 25% entsprächen. Die bisherige Arbeitszeit
habe aber 43.75 Stunden pro Woche betragen. 30 Stunden pro Woche entsprächen
einer verbleibenden Erwerbsfähigkeit von 68.6%. Die Einschränkung belaufe sich somit
auf 31.4%. Unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 25% reduziere sich die
verbleibende Erwerbsfähigkeit auf 51.45%. Bei einem Valideneinkommen von Fr.
60'291.- und einem Invalideneinkommen von Fr. 30'370.- ergebe sich ein
Invaliditätsgrad von gerundet 50% (act. G 14).
B.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 16).

Erwägungen:
1.
Angefochten ist eine Verfügung, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 ergangen ist. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es sich
allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse (Rentenanspruch
mit Anspruchsbeginn bei Anmeldung unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis
zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.
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2.
2.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
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medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
3.
3.1 Nachfolgend ist die medizinische Aktenlage zu würdigen. Der Hausarzt Dr. C._
berichtete am 4. September 2007, mit dem Körpergewicht des Beschwerdeführers von
114.5 kg sei es kaum möglich, eine sinnvolle Verbesserung der Rückenbeschwerden
zu erreichen. Eine 50%-ige Erwerbstätigkeit dürfe aber weiterhin für leichte bis
mittelschwere Arbeiten angenommen werden (IV-act. 29-2). Der Bericht enthält weder
Hinweise zu den durchgeführten Untersuchungen noch eine Begründung für die Höhe
der Arbeitsfähigkeitsschätzung.
3.2 Die Begutachtung beim AEH fand am 3. und 4. Juli 2007 in Form einer
Funktionsorientierten Medizinischen Abklärung (FOMA) statt. Sie bestand aus einem
strukturierten Interview des Beschwerdeführers, einer klinischen Untersuchung, einer
angepassten Form der Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen
Leistungsfähigkeit sowie der Beurteilung der bildgebenden Untersuchungen und Akten.
3.2.1 Auf Röntgenbefunden vom 22. November 2006 wurden neben
spondylarthrotischen Veränderungen zuckergussähnliche Hyperostosen im oberen
LWS-Bereich erkannt. Ein MRI-Befund vom 6. März 2007 ergab leichtgradige bis
moderate Spondylosen sowie Spondylarthrosen, jedoch keinen Nachweis von neural
einengenden Diskusprotrusionen oder Diskushernien (S. 3 des Gutachtens). Klinisch
wurden Bewegungseinschränkungen bei Rotation sowie Lateralflexion der HWS nach
rechts mit Schmerzangabe erhoben. Endphasenschmerzen beständen weiterhin bei
Lateralflexion sowie Rotation der BWS und LWS. Bei deutlichem muskulärem
Gegenspannen sei die Flexion des rechten Hüftgelenks eingeschränkt (S. 2 des
Gutachtens). Insbesondere diese Rückenbefunde schliessen gemäss den Gutachtern
eine körperlich schwere Tätigkeit aus, sodass die ursprünglich ausgeübte Tätigkeit als
Sandstrahler zumindest teilweise nicht mehr zumutbar ist (vgl. S. 12 des Gutachtens).
Körperlich leichte Arbeit in Wechselpositionen sei ganztags zumutbar, wobei zu Beginn
der Arbeitsaufnahme zur Wiederanpassung an die Verhältnisse am Arbeitsplatz
während dreier Monate ein zusätzlicher Pausenbedarf von insgesamt ca. zwei Stunden
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pro Tag zugestanden wurde (S. 4 des Gutachtens, Ziff. 3.4). Am rechten Kniegelenk
fielen bei der AEH-Begutachtung positive Meniskuszeichen auf bei femoropatellarem
Reiben und Druckdolenz am medialen/lateralen Kniegelenksspalt. Neurologisch sei
eine leichte Kraftabschwächung der Zehenbeuger rechts bei ansonsten intakter Kraft
der Kennmuskulatur der oberen und unteren Extremitäten sowie symmetrischem
Reflexstatus feststellbar. Zudem falle ein Schonhinken rechts auf. Eine nicht
dermatombezogene diffuse Hyposensibilität des rechten Beins, ein positiver Lasègue-
Test beidseits bei möglichem Langsitz sowie das Schmerzverhalten seien als positive
physical non organic signs nach Waddell zu werten (S. 2 f. des Gutachtens).
3.2.2 Die vom Beschwerdeführer im Rahmen der EFL gezeigte Leistungsbereitschaft
wurde im Wesentlichen als nicht zuverlässig beurteilt. Am ersten Testtag sei er
leistungsbereiter gewesen und habe in den Tests oft objektiv beurteilbare funktionelle
körperliche Leistungslimiten erreicht. Am zweiten Testtag habe er ein deutliches
Schmerz- und Schonverhalten gezeigt, sodass die Testwerte nicht mehr konklusiv
beurteilbar seien (S. 3 des Gutachtens, Ziff. 3.1). Die Konsistenz bei den Tests wurde
als mässig eingestuft. Die Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit im
PACT-Test sei zu tief. Die Werte beim einhändigen Tragen seien beidseits höher als die
Werte der Handkrafttests. Beim Treppensteigen steige der Beschwerdeführer die
ersten 50 Stufen mit dem rechten Bein voran hinauf, was bei einem konsistenten
Verhalten nicht zu erwarten sei (S. 9 des Gutachtens).
3.3 Weder die erhobenen Befunde noch die durchgeführten Tests lassen auf eine
wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer optimal den Beschwerden
angepassten Tätigkeit schliessen. Die erhobenen Diagnosen lassen bei adäquater
Behandlung und Schmerztherapie zumindest körperlich leichte Arbeit als zumutbar
erscheinen. Bei der EFL wurde festgestellt, dass der Beschwerdeführer über
ungenügende Kenntnisse über ergonomische Arbeitstechnik verfügt. Er könne kurze
Instruktionen nicht umsetzen (S. 10 des Gutachtens). Dies könnte mit ein Grund für
seine tiefe Selbsteinschätzung der Leistungsfähigkeit sein. Es ist ihm jedoch ohne
weiteres zumutbar, sich die notwendigen Kenntnisse in Bezug auf ergonomische
Arbeitstechnik selbstständig anzueignen.
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3.4 Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, sein Hausarzt kenne seinen
Gesundheitszustand aufgrund der langen Behandlungsdauer besser als die Gutachter
des AEH. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. C._ vermag das Ergebnis der AEH-
Begutachtung jedoch nicht in Zweifel zu ziehen. Zwischen medizinischem
Behandlungs- und Abklärungsauftrag kommt es naturgemäss zu einer Divergenz. Nach
der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist u.a. der Erfahrungstatsache Rechnung zu
tragen, dass Hausärzte mitunter wegen ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im
Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten aussagen. Im Hinblick auf einen möglichen Ziel-
und Interessenkonflikt (Behandlung versus Begutachtung) gilt das auch für
Spezialärzte. Namentlich in umstrittenen Fällen kann nicht ohne weiteres auf die
Angaben eines behandelnden Haus- oder Spezialarztes abgestellt werden (EVGE
I 814/03 vom 5. April 2004, Erw. 2.4.2). Vorliegend ist die Beurteilung des Hausarztes
knapp und kaum begründet. Dem Bericht lässt sich nicht entnehmen, dass spezifische
Untersuchungen oder Tests durchgeführt worden wären. Dr. C._ setzte sich weder
mit Vorakten noch mit abweichenden Einschätzungen auseinander (vgl. etwa die
Stellungnahme des früheren Hausarztes Dr. med. E._ vom 31. März 2007 sowie das
Arztzeugnis zuhanden der Krankentaggeldversicherung vom 6. Juni 2007, act. M8 und
M9 in act. G 11.2). Der zuständige Arzt des IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) beurteilte das AEH-Gutachten am 29. November 2007 als
versicherungsmedizinisch gut nachvollziehbar (IV-act. 33). Dieser Beurteilung stimmte
ein zweiter Arzt des RAD am 17. Juni 2008 zu (IV-act. 55). Insgesamt lassen die übrigen
medizinischen Akten keine begründeten Zweifel an der Zuverlässigkeit der
Beurteilungen der AEH-Gutachter aufkommen. Das Gutachten berücksichtigt die
Krankengeschichte inkl. Vorakten, beruht auf allseitigen Untersuchungen und Tests
und erscheint als umfassend. Die Schlussfolgerungen sind nachvollziehbar und
einleuchtend.
3.5 An die Beschreibung der Ausgestaltung der adaptierten Tätigkeit sind
rechtsprechungsgemäss keine zu hohen Anforderungen zu stellen. Wie die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort zutreffend geltend macht, sind auf
dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus für den Beschwerdeführer
in Frage kommende leichte Tätigkeiten in Wechselpositionen und ohne Kniebelastung
denkbar wie leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf- und
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Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager- und Ersatzteilbewirtschaftung
oder allenfalls auch Kurier- und leichtere Lieferdienste.
3.6 Der Beschwerdeführer reichte mit der Replik einen Beurteilungsbogen über ein
Einsatzprogramm in der Projekt-Werkstatt ein, in dem er ab 18. Juni 2008 für mehrere
Monate beschäftigt sein sollte (act. G 14.2). Die Unterlagen enthalten lediglich einige
Zielsetzungen, ein Formular zur Selbstbeurteilung und eines zur Fremdbeurteilung. Wer
den Fremdbeurteilungsbogen ausfüllte, ist nicht ersichtlich. Die meisten Beurteilungen
sind positiv, einige neutral. Daraus lassen sich keinerlei Rückschlüsse auf eine allfällige
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ziehen, weshalb den Unterlagen kein
Beweiswert zukommt.
4.
4.1 Die Invaliditätsbemessung hat nach der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs zu erfolgen. Im Jahr 2006 erzielte der Beschwerdeführer ein
Jahreseinkommen von Fr. 59'576.- brutto (IV-act. 14-8). Dieses ist als
Valideneinkommen in die Berechnung einzusetzen.
4.2 Beim Invalideneinkommen ist auf die Tabellenlöhne der vom Bundesamt für
Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) abzustellen.
Im Jahr 2006 erzielten Männer im tiefsten Anforderungsniveau (einfache und repetitive
Tätigkeiten) bei der betriebsüblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
ein Jahreseinkommen von Fr. 59'197.- (Tabelle TA1 der LSE 2006). Eine Anpassung an
die Nominallohnentwicklung kann sowohl beim Validen- als auch beim
Invalideneinkommen unterbleiben, weil davon auszugehen ist, dass sich die beiden
Einkommen in etwa gleich entwickeln werden (vgl. den Entscheid IV 1999/18 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 16. Januar 2001, Erw. 4b).
4.2.1 Ein Abzug vom statistischen Einkommen erscheint als angezeigt. Die
Beschwerdegegnerin billigt in der Beschwerdeantwort einen solchen von 10% zu. Ins
Gewicht fällt, dass der Beschwerdeführer gegenüber einem gesunden Konkurrenten für
einen bestimmten Arbeitsplatz ein höheres Krankheitsrisiko hat. Aus der Sicht eines
ökonomisch denkenden Arbeitgebers senkt dieses Risiko, dessen Verwirklichung die
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Gesamtlohnkosten des Betriebs erhöhen würde, den "Wert" des Beschwerdeführers
als Arbeitnehmer. Um dies zu kompensieren und konkurrenzfähig zu bleiben, müsste er
mit einem entsprechend tieferen Lohn rechnen. Insgesamt ist er auf erhöhte Flexibilität
des Arbeitgebers angewiesen (vgl. den Entscheid IV 2008/158 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. November 2009, Erw. 5.2).
4.2.2 Der Beschwerdeführer will sein Alter (Jahrgang 1952) beim Abzug
mitberücksichtigt wissen. Dies erscheint jedoch nicht als gerechtfertigt. In einem in AHI
1999 S. 237 veröffentlichten Urteil vom 28. Juli 1999 hat das Bundesgericht einen
Abzug wegen des fortgeschrittenen Alters des Versicherten – von im Zeitpunkt des
Verfügungserlasses 53 Jahren – nicht zugelassen, da mit zunehmendem Alter die
Lohnzuwachskurve zwar flacher verlaufe, der Faktor Alter sich aber statistisch nicht
lohnsenkend auswirke (vgl. auch in Bezug auf 57-jährige Versicherte die Urteile
9C_610/2007 vom 23. Oktober 2007, Erw. 4.3, und I 39/04 vom 20. Juli 2004, Erw. 2.4,
und in Bezug auf 60-jährige Versicherte die Urteile I 304/06 vom 22. Januar 2007,
Erw. 4.2, und I 376/05 vom 5. August 2005, Erw. 4.2). Das Bundesgericht hat trotzdem
gelegentlich einen Abzug unter anderem mit fortgeschrittenem Alter begründet (etwa
Entscheide I 100/01 vom 11. April 2002 und I 813/02 vom 7. Mai 2003). Das kann im
Einzelfall geboten sein. Vorliegend hindern keine besonderen Verhältnisse, von einer
ausgeglichenen Arbeitsmarktlage auszugehen. Hier ist die Neuanstellung auch älterer
Arbeitskräfte nicht notwendigerweise mit einem unterdurchschnittlichen Lohnniveau
verbunden. Bei Anwendung des untersten Anforderungsniveaus ist auch nicht mit
einem wesentlichen Einfluss des Dienstalters auf das Einkommen zu rechnen, nimmt
dessen Bedeutung doch im privaten Sektor ab, je niedriger das Anforderungsprofil ist
(vgl. AHI 1999 S. 181; BGE 126 V 75 Erw. 5a/cc; die Entscheide des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen IV 2003/76 vom 3. Mai 2004, Erw. 4f,
und IV 2007/242 vom 29. September 2008, Erw. 4.3.5). Die mangelhaften
Deutschkenntnisse rechtfertigen ebenfalls keinen Abzug. Die für den Beschwerdeführer
in Frage kommenden leichten Hilfsarbeiten stellen keine grossen Anforderungen an die
sprachliche Kommunikation; es ist ohne weiteres davon auszugehen, dass der sich seit
1984 in der Schweiz aufhaltende Beschwerdeführer für solche Tätigkeiten über
ausreichende Deutschkenntnisse verfügt. Auch seine Ausländereigenschaft oder
Aufenthaltskategorie haben keinen Einfluss, werden die in Frage kommenden Arbeiten
doch mehrheitlich von Ausländern ohne Deutsch als Muttersprache ausgeführt.
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4.2.3 Unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände erscheint ein Abzug von
10-15% als angemessen.
4.3 Offen bleiben kann, ob auf eine Arbeitsfähigkeit von 75% oder von 100%
abzustellen ist. Das AEH attestierte lediglich für die ersten drei Monate einen
vermehrten Pausenbedarf. Anschliessend sollte keine Einschränkung in der
Arbeitsfähigkeit mehr bestehen. In Ziffer 6 des Gutachtens wird ohne zeitliche Limite
von einer 75%-igen Arbeitsfähigkeit gesprochen. Selbst wenn man zugunsten des
Beschwerdeführers auf eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 75% abstellte, bliebe der
Invaliditätsgrad unter der rentenbegründenden Schwelle von 40%. Das
Invalideneinkommen beliefe sich im für den Beschwerdeführer günstigsten Fall auf
Fr. 37'738.- (Fr. 59'197.- x 0.75 [Arbeitsfähigkeit] x 0.85 [max. Leidensabzug]). Beim
Valideneinkommen von Fr. 59'576.- ergäbe dies einen Invaliditätsgrad von knapp 37%.
Ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ist damit nicht gegeben.
4.4 Der Beschwerdeführer macht geltend, bei seinem letzten Arbeitgeber sei seine
wöchentliche Normalarbeitszeit bei 43.75 Stunden wöchentlich bzw. 8.75 Stunden
täglich gelegen. Daraus vermag er jedoch nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Ginge
man bei dieser Arbeitszeit vom gutachterlich attestierten vermehrten Pausenbedarf von
zwei Stunden täglich aus, so würde dies nicht zu einer Einschränkung von 25%,
sondern lediglich von 23% führen (2 Stunden von 8.75 Stunden). Entsprechend ergäbe
sich eine Reduktion des Invaliditätsgrads.
4.5 Zu erwähnen bleibt, dass für die vorliegende Beurteilung der Sachverhalt
massgebend ist, wie er sich im Verfügungszeitpunkt (Juni 2008) präsentierte. Sollte
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seither verschlechtert haben, so
steht ihm eine Wiederanmeldung bei der IV-Stelle offen (vgl. Art. 87 Abs. 4 i.V.m. Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
5.
5.1 Gemäss den Erwägungen ist die Rentenabweisung nicht zu beanstanden und die
Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Juni 2008 abzuweisen.
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5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-
erscheint als angemessen. Sie ist dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Der von ihm geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG