Decision ID: 4a6f2d09-9e14-4cae-ae41-561fa33ada59
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 22.03.2017 Art. 28 und 29 IVG. Beweiskräftiges Gutachten. Die Versicherte ist wegen einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelgradig ausgeprägt, sowie wegen eines chronischen Schmerzsyndroms zu 50 % arbeitsunfähig. Gutheissung der Beschwerde und Zusprache einer halben Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. März 2017, IV 2014/263). Entscheid vom 22. März 2017 Besetzung Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichter Joachim Huber; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger Geschäftsnr. IV 2014/263 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im November 2006 bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, seit sechs Jahren an
psychischen Beschwerden, Weichteilrheuma und Knieproblemen zu leiden. Sie habe in
B._ die Grundschule und das Gymnasium besucht. Einen Beruf habe sie nicht erlernt
(wegen des Krieges, siehe IV-act. 139-16). Im Oktober 2007 wurde die Versicherte
bidisziplinär (rheumatologisch und psychiatrisch) begutachtet (Gutachten vom 10.
November 2007, IV-act. 30). Die Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
lauteten:
• Generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom mit erfüllten Kriterien einer Fibromyalgie
(ICD-10: M79.0), DD somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
• panvertebrales Schmerzsyndrom
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• leichte retropatelläre Chrondrose beidseits
• Spannungskopfschmerzen
• rezidivierende, derzeit schwere anhaltende depressive Episode (F33.2).
Der rheumatologische Gutachter Dr. med. C._ hielt fest, dass die Versicherte
somatisch für leicht bis knapp mittelschwere Tätigkeiten zu 90 % arbeitsfähig sei
(Notwendigkeit vermehrter Kurzpausen). Der psychiatrische Gutachter Dr. med. D._
attestierte der Versicherten für jegliche Tätigkeiten eine volle Arbeitsunfähigkeit. Dr.
med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete dann am 18.
November 2008 (IV-act. 53) über eine Teilremission der schwergradigen depressiven
Episode. Als weitere Diagnosen nannte er eine posttraumatische Belastungsstörung
mit sozialen Ängsten, DD soziale Phobie, ein somatoformes Schmerzsyndrom und eine
Persönlichkeitsstörung. Die Versicherte sei vom 11. Dezember 2007 bis 18. Februar
2008 voll arbeitsunfähig gewesen. Aktuell bestehe wahrscheinlich eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit; eine spezielle Beurteilung der Arbeitsfähigkeit habe er aber nicht
vorgenommen.
A.b Mit Verfügung vom 10. September 2009 (IV-act. 68) sprach die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 80 % für die Zeit vom 1. April 2007 bis 31. Mai
2008 eine befristete ganze Rente zu. Für die Zeit ab 1. Juni 2008 verneinte sie bei
einem IV-Grad von 30 % einen Rentenanspruch. In der Verfügungsbegründung hielt sie
fest, dass die Versicherte heute ohne Gesundheitsschaden unter Berücksichtigung der
gesundheitlichen Verfassung ihres Sohnes höchstens einer 80 %igen ausserhäuslichen
Tätigkeit nachgehen würde. Vom 3. April 2006 bis 18. Februar 2008 habe für
ausserhäusliche Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Seit dem
19. Februar 2008 sei die Versicherte in körperlich adaptierten Tätigkeiten zu 50 %
arbeitsfähig. Im Haushalt sei die Versicherte nicht eingeschränkt.
B.
B.a Mit Schreiben vom 30. Juli 2010 (Eingangsstempel: 4. August 2010) meldete die
Procap St. Gallen-Appenzell (nachfolgend: Vertreterin) die Versicherte erneut bei der
IV-Stelle zum Leistungsbezug an (IV-act. 74). Sie machte geltend, dass es der
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Versicherten heute als Gesunde möglich wäre, einer vollen Erwerbstätigkeit
nachzugehen, da der Sohn zwischenzeitlich 13 Jahre alt sei und weniger Betreuung
und Überwachung benötige. Am 4./25. August 2010 forderte die IV-Stelle die
Vertreterin auf, eine relevante Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit der
Verfügung vom 10. September 2009 bis am 10. September 2010 ausreichend zu
dokumentieren (IV-act. 75 und 78). Am 1. Juli 2010 reichte die Vertreterin einen Bericht
von Dr. E._ ein (IV-act. 83). Dieser hatte am 29. Juni 2010 erklärt, dass sich der
Gesundheitszustand und die Leistungsfähigkeit der Versicherten seit seinem letzten
Bericht an die IV-Stelle nicht verändert hätten. Im Anmeldeformular vom 7. September
2010 gab die Versicherte an (IV-act. 82), dass sie vom 1. September 2009 bis 31.
August 2011 zu 30 % als Aushilfe in einem Supermarkt tätig sei (Zwischenverdienst).
B.b In seinem Bericht vom 17. März 2011 gab Dr. E._ die folgenden Diagnosen mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit an (IV-act. 89):
• Soziale Phobie
• selbstunsichere Persönlichkeitsstörung
• rezidivierende depressive Störung
• Dysthymie.
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine teilremittierte
posttraumatische Belastungsstörung und ein teilremittiertes somatoformes
Schmerzsyndrom. Dr. E._ merkte an, dass er keine Prüfung der Arbeitsfähigkeit
vorgenommen habe. Die Versicherte sei wegen sozialer Ängste, einer Dysthymie und
neurasthenischen Symptomen in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (Vermeidung,
Fluchtverhalten, Sicherheitsverhalten, rasche Erschöpfung). Aus seiner Sicht sei
gegenüber seiner Beurteilung von 2008 keine Veränderung eingetreten. Es bestehe
also weiterhin eine ca. 50 %ige Arbeitsfähigkeit (Teilzeit mit reduzierter Leistung).
Langfristig (in zwei bis drei Jahren) sei eine Besserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten.
RAD-Arzt Dr. med. F._ notierte am 29. März 2011, dass seit November 2008 bis
heute und mindestens die nächsten zwei Jahre insgesamt von einer 50 %igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (IV-act. 90).
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B.c Dr. E._ berichtete am 11. November 2011 über einen seit März 2011
unveränderten Gesundheitszustand (IV-act. 103). Die Versicherte sei in jeglicher
Tätigkeit zu ca. 25-35 % arbeitsunfähig. Zusätzlich bestehe eine um etwa 35-45 %
verminderte Leistungsfähigkeit. Am 30. Dezember 2011 teilte die IV-Stelle der
Vertreterin der Versicherten mit (IV-act. 111), dass die Kosten für eine berufliche
Abklärung vom 9. Januar bis 30. März 2012 im Rahmen einer sozialberuflichen
Rehabilitation beim G._ übernommen würden. Die zuständige Beraterin der G._
gab im Schlussbericht vom 31. März 2012 an, dass die Versicherte während der
beruflichen Abklärung Wille und Motivation gezeigt habe (IV-act. 119). Darüber hinaus
seien ihre guten Kenntnisse der deutschen Sprache und ihre höhere Bildung
aufgefallen. Die Versicherte habe in der Wäscherei/Lingerie bei einem Arbeitspensum
von 50 % einen Leistungsgrad von 70 % erreicht. In der Gästebetreuung/im Office
habe der Leistungsgrad bei einem 50 %-Pensum 80 % betragen. Die Chancen auf eine
berufliche Integration auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt seien gegeben. Am 7. Juni
2012 informierte die Versicherte die IV-Stelle, dass sie von der G._ für die Zeit vom 1.
Juli bis 31. Dezember 2012 zu 50 % als Mitarbeiterin im Bereich Speisesaal angestellt
worden sei (Vertretung Mutterschaftsurlaub, IV-act. 128).
B.d Die Klinik für Rheumatologie/Rehabilitation des KSSG hielt in ihrem Bericht vom 7.
August 2012 fest, dass die Beschwerden der Versicherten vor allem durch das
Fibromyalgiesyndrom bedingt seien (IV-act. 139-40 ff.). Die neue Psychiaterin der
Versicherten, med. pract. H._, berichtete am 10. August 2012 über einen stationären
Gesundheitszustand (IV-act. 132). Die Versicherte sei bei ihrer beruflichen Tätigkeit
sehr motiviert. Ihre Stressbelastbarkeit sei jedoch erheblich reduziert. Gegen Mittag sei
sie erschöpft. Zudem falle es ihr schwer, sich mit anderen Mitarbeitern auszutauschen.
Sie ziehe sich am Arbeitsplatz eher zurück. Die aktuelle Arbeitsbelastung lasse die
Versicherte an ihre Grenzen stossen. Verbesserungen seien auch bei einem optimalen
Verlauf nur geringfügig und eher längerfristig zu erwarten. Bezüglich der
Arbeitsfähigkeit verwies sie auf den Bericht von Dr. E._ vom 11. November 2011.
B.e Am 29. Oktober 2012 wurde die Versicherte bidisziplinär (rheumatologisch und
psychiatrisch) begutachtet (Gutachten vom 29. November 2012, IV-act. 139). Die
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
• Generalisiertes Schmerzsyndrom (M79.0) bei/mit
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- Panvertebralsyndrom bei Haltungsinsuffizienz/Fehlhaltung bei Dekonditionierung,
muskulären Dysbalancen und insuffizienter Rumpfstabilisation
- klinisch Periarthropathia humeroscapularis und Epicondulopathia humeri bds.
- klinisch Periarthropathia coxae et genu bds.
- Chondropathia patellae bds.
• rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelschwere Ausprägung mit
somatischem Syndrom (F33.11)
• chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (F45.41).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter unter
anderem:
• Übergewicht
• Dysthymia (F34.1) im Sinne einer „double depression“
• psychosoziale Probleme und Probleme der Lebensbewältigung
• posttraumatische Belastungsstörung (PTSD, F43.1), aktuell remittiert, DD soziale
Phobie
• selbstunsichere Persönlichkeitsakzentuierung.
Der rheumatologische Gutachter Dr. med. I._ führte aus, dass die klinische
Untersuchung wenig auffällige Befunde gezeigt habe. Klinisch bestünden keine
Anhaltspunkte für eine Kompromittierung neuromeningealer Strukturen. Die Diagnose
einer Fibromyalgie könne trotz des Nachweises von 18 positiven Tenderpoints nicht
gestellt werden, da auch sämtliche Kontrollpunkte an den Muskelbäuchen positiv
gewesen seien. Die behandelnden Rheumatologen des KSSG, die eine Fibromyalgie
diagnostiziert hätten, hätten die neuen Kriterien zur Diagnostizierung einer Fibromyalgie
nicht aufgeführt und die gemäss den bislang üblichen Kriterien (ACR 1990) zur
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Abgrenzung gegenüber anderen chronischen Schmerzsyndromen verwendeten
Kontrollpunkte nicht diskutiert. In Anbetracht der aktuellen Gerichtspraxis dürfte die
Differenzierung zwischen dem von ihm festgestellten Schmerzsyndrom und einer
Fibromyalgie bezüglich der Bemessung der Arbeitsfähigkeit aber unerheblich sein. Das
arbeitsmedizinische Problem der Versicherten sei eine verminderte Belastungstoleranz
für körperlich schwer belastende Arbeiten oder Arbeiten in ungünstigen
Körperpositionen, da die muskuläre Stabilisationsfähigkeit des Rumpfes ungenügend
ausgeprägt erscheine. Körperlich schwer und mittelschwer belastende Arbeiten seien
ihr demnach weiterhin nicht zumutbar. Dahingegen sollten ihr körperlich leicht bis
selten mittelschwer belastende Arbeiten in einem annähernd vollen Pensum zumutbar
sein. Der vom Vorgutachter zugesprochene vermehrte Pausenbedarf von etwa 10 %
werde nicht überschritten. Der psychiatrische Gutachter Dr. med. J._ erklärte, dass
die Aussagen der Versicherten sehr differenziert und reflektiert gewesen seien; sie
kenne offensichtlich die Zusammenhänge von Stress und Schmerz. Trotzdem gebe es
eine Belastungsgrenze, die die Versicherte subjektiv bei ca. 50 % Arbeitstätigkeit
angebe. Diese Grenze lasse sich insofern objektivieren, als sich bei der Versicherten
trotz adäquater Medikation nach wie vor depressive Symptome finden liessen. Die vom
Vorgutachter gestellte Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung sei lediglich
insofern revidiert worden, als die neue ICD-10-Codierung benutzt worden sei, welche
von einer Kombination von somatischen und psychischen Beschwerden ausgehe. Die
Schmerzstörung habe schon im Jahr 2007 einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
gehabt und bestehe weiterhin. Da eine Schmerzstörung mit psychiatrischer
Komorbidität bestehe, sei von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen,
das heisst, eine Willensanstrengung zur Verwertung der Arbeitsfähigkeit sei der
Versicherten nur teilweise zumutbar. Durch den Rückgang der posttraumatischen
Belastungsstörung habe sich die Situation der Versicherten seit dem Jahr 2007
stabilisiert. Sie sei deutlich bemüht, sich aktiv an der Verbesserung ihrer
Gesamtsituation zu beteiligen. Eine Aggravationstendenz oder gar eine
bewusstseinsnahe Simulation habe nicht festgestellt werden können. Während Dr. I._
die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich adaptierten Tätigkeit auf nahezu 100 % festlegte,
ging Dr. J._ aus psychiatrischer Sicht von einer 50 %igen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit aus. In bidisziplinärer Hinsicht schätzten die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten Tätigkeit auf 50 %. RAD-Arzt Dr. F._
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notierte am 14. Januar 2013, dass dem bidisziplinären Gutachten in vollem Umfang
gefolgt werden könne (IV-act. 140).
B.f Die zuständige IV-Sachbearbeiterin hielt am 13. März 2013 fest, dass die
Qualifikation der Versicherten aus ihrer Sicht auf 100 % Erwerb zu ändern sei (IV-act.
143). Auf interne Anfrage hin erklärte ein Rechtsdienstmitarbeiter am 6. November
2013, dass es sich vorliegend um einen Standardfall handle, bei der die
Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen zur Anwendung gelange (IV-
act. 150). Der zuständige Sachbearbeiter habe die Foerster-Kriterien selbständig zu
prüfen. Rechtsprechungsgemäss berechtigten die gestellten Diagnosen grundsätzlich
nicht zum Bezug einer Rente.
B.g Mit Vorbescheid vom 13. Dezember 2013 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei
einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 153).
Zur Begründung führte sie an, dass aus medizinischer Sicht in der aktuellen, optimal
adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % bestehe. Bei dieser Einschätzung
sei allerdings die Rechtsprechung nicht berücksichtigt worden. Den vorliegenden
Unterlagen seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu entnehmen, die eine
dauerhafte Arbeitsunfähigkeit begründeten. Auch bestünden keine Anhaltspunkte für
eine psychiatrische Komorbidität oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen.
Und schliesslich lägen keine weiteren Kriterien in erheblichem Ausmass vor, die eine
Schmerzüberwindbarkeit in Frage stellen würden. Dagegen liess die Versicherte am 29.
Januar 2014 einwenden, dass ihr gestützt auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
Gutachter eine halbe IV-Rente zustehe (IV-act. 155). Mit Verfügung vom 31. März 2014
wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 0 % aus den im
Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 157).
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
19. Mai 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer halben IV-Rente. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter stellte zudem ein Gesuch
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um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung. Zur
Beschwerdebegründung machte er geltend, dass die Verfügungsbegründung nicht
nachvollziehbar sei. Die Gutachter hätten zwar die Diagnose einer somatoformen
Schmerzstörung diskutiert, diese Diagnose aber nicht in die Diagnoseliste
aufgenommen. Das Bundesgericht habe in vergleichbaren Fällen eine Rente
zugesprochen. Ausserdem handle es sich bei der rezidivierenden depressiven Störung
um eine eigenständige Erkrankung.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Juni 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung brachte sie vor, dass die Beschwerdeführerin
an einem Schmerzsyndrom leide, das als der somatoformen Schmerzstörung ähnlich
gelte. Die Beschwerdeführerin leide an einer psychischen Komorbidität in Form einer
mittelgradigen depressiven Episode. Für die Frage der Überwindbarkeit der Schmerzen
sei nicht entscheidend, ob die depressive Episode als leicht oder mittelgradig
eingestuft werde, da beide Diagnosen in der Regel nicht als psychische Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer gälten. Die Feststellung des
psychiatrischen Gutachters, dass die Willensanstrengung zur Überwindung der
Beschwerden nur teilweise zumutbar sei, halte einer juristischen Würdigung nicht
stand. Eine Willensanstrengung könne nämlich nicht aufgeteilt werden. Auch habe der
psychiatrische Gutachter dem Umstand nicht Rechnung getragen, dass die
Unzumutbarkeit einer willentlichen Schmerzüberwindung nur in Ausnahmefällen
anzunehmen sei. Aus den fachärztlichen Aussagen sei keines der massgebenden
Kriterien abzuleiten, das gegen die Erbringung einer 100 %igen Leistung in einer
körperlich adaptierten Tätigkeit sprechen würde. Selbst wenn man davon ausginge,
dass das Kriterium der unbefriedigenden Behandlungsergebnisse erfüllt sei, so reiche
dies nicht für eine Bejahung eines Rentenanspruchs aus. Das vorliegende
Beschwerdebild sei zudem wesentlich durch invaliditätsfremde psychosoziale
Umstände geprägt, die rechtlich keine Invalidität zu begründen vermöchten.
C.c Am 18. Juni 2014 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung durch Advokat lic. iur. M. Boltshauser) für das
Beschwerdeverfahren (act. G 4).
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C.d Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin brachte in seiner Replik vom 19.
August 2014 ergänzend vor, dass zwischen der Diagnose einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung und einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren ein wesentlicher Unterschied bestehe (act. G
6). Im Gegensatz zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung hätten die
Schmerzen bei einer chronischen Schmerzstörung ihren Ausgangspunkt in einem
physiologischen Prozess oder einer körperlichen Störung. Die Beschwerdegegnerin
habe nicht dezidiert geprüft, ob die Komorbidität als invalidisierend anzusehen sei. Der
psychiatrische Gutachter habe klar ausgeführt, weshalb aus medizinischer Sicht die
Zumutbarkeit nicht vollumfänglich gegeben sei. Die Zumutbarkeit sei also nicht
gegeben. Im Übrigen sei praktisch jede Depression von psychosozialen Umständen
geprägt. Daher stelle sich nicht die Frage, ob psychosoziale Gründe vorliegen, sondern
ob die Krankheit ein Ausmass angenommen habe, das krankheitswertig sei. Im Übrigen
könnten sich psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nach der Rechtsprechung
mittelbar invaliditätsbegründend auswirken.
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 8).
C.f Am 17. Januar 2017 räumte das Gericht den Parteien die Gelegenheit ein, zur
Praxisänderung bezüglich den anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen und
vergleichbarer Leiden Stellung zu nehmen (act. G 9).
C.g Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erklärte am 25. Januar 2017, dass
sich eine Stellungnahme erübrige, da die Praxisänderung im vorliegenden Fall gar nicht
zur Anwendung gelange (act. G 10).
C.h Die Beschwerdegegnerin beantragte am 13. Februar 2017 neu die Rückweisung
der Sache zur Vornahme einer erneuten psychiatrisch/rheumatologischen
Begutachtung (act. G 11). Zur Begründung führte sie an, dass das Gutachten von Dr.
I._ und Dr. J._ keine rechtsgenügliche Indikatorenprüfung zulasse. Das
psychiatrische Gutachten enthalte nicht genügend Angaben, um den Schweregrad der
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren bestimmen zu können.
Zudem sei der Medikamentenspiegel nicht erhoben worden.

Erwägungen
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1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hatte sich erstmals im November 2006 zum Bezug von IV-
Leistungen angemeldet. Mit Verfügung vom 10. September 2009 war ihr lediglich eine
befristete Rente zugesprochen worden. Bei der Anmeldung vom Juli/August 2010
handelt es sich somit um eine sogenannte Neuanmeldung.
1.2 Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR
831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird,
dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin im Rahmen des ersten
Verwaltungsverfahrens, welches mit der Verfügung vom 10. September 2009
abgeschlossen worden ist, nur als zu 80 % erwerbstätig eingestuft, weil der damals 12-
jährige Sohn aufgrund seiner Behinderung einen erhöhten Betreuungsbedarf benötigt
hatte. Bei der aktuellen Anmeldung vom Juli/August 2010 hat die Beschwerdeführerin
geltend gemacht, dass sie heute voll arbeitsfähig wäre, weil ihr Sohn in der
Zwischenzeit gelernt habe, mit seiner Erkrankung umzugehen, und weil er
selbständiger geworden sei. Zwar ist zwischen der Verfügung vom September 2009
und der Neuanmeldung vom Juli/August 2010 nur knapp ein Jahr vergangen. Die
Tatsache, dass die Beschwerdegegnerin gemäss der unbestritten gebliebenen
Aussage der Vertreterin der Beschwerdeführerin die Hilflosenentschädigung des
Sohnes mit Verfügung vom 19. März 2010 eingestellt hat (IV-act. 74), deutet jedoch
darauf hin, dass er zwischenzeitlich weniger Betreuung und Überwachung benötigt. Die
Beschwerdeführerin hat damit eine erhebliche, den Invaliditätsgrad beeinflussende
Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft gemacht. Die
Beschwerdegegnerin ist daher zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten.
2.
Als Nächstes ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss
Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Die
Rentenabweisungsverfügung datiert vom 31. März 2014, die Beschwerde ist aber erst
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am 19. Mai 2014 erhoben worden. Die Verfügung ist der Beschwerdeführerin gemäss
den Angaben des Rechtsvertreters am 4. April 2014 zugestellt worden. Das Datum des
Poststempels ist der 1. April 2014, die Sendung ist per B-Post verschickt worden (act.
G 1.2). Als B-Post aufgegebene Briefe stellt die Post innerhalb von maximal drei
Arbeitstagen zu (Die Post, www.post.ch/de/privat/versenden/briefe-inland-privat/b-
post-privat, besucht am 22. Februar 2017). Die Angabe des Rechtsvertreters, dass die
angefochtene Verfügung erst am 4. April 2014 zugestellt worden sei, ist somit
plausibel. Die Frist hat also am 5. April 2014 zu laufen begonnen. Gesetzliche oder
behördliche Fristen, die nach Tagen oder Monaten bestimmt sind, stehen vom siebten
Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern still (Art. 38 Abs. 4 lit. a
ATSG). Der Ostersonntag ist im Jahr 2014 auf den 20. April gefallen, d.h. die Frist hat
vom Sonntag, 13. April bis Sonntag, 27. April stillgestanden. Der letzte Tag der Frist ist
also auf den 19. Mai 2014 gefallen. Der Rechtsvertreter hat an diesem Tag und damit
rechtzeitig Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist folglich einzutreten.
3.
3.1 Das Gesuch um IV-Leistungen der Vertreterin der Beschwerdeführerin datiert vom
30. Juli 2010. Gemäss dem Eingangsstempel ist es erst am 4. August 2010 bei der
Beschwerdegegnerin eingegangen. Entscheidend ist jedoch das Datum des
Poststempels. Da die Beschwerdegegnerin den Briefumschlag nicht zu den Akten
gelegt hat, ist nicht mehr eruierbar, wann das Gesuch bei der Post aufgegeben worden
ist. Diese Beweisvereitelung führt zu einer Umkehr der Beweislast. Aufgrund der
Beweislosigkeit ist zu Gunsten der Beschwerdeführerin davon auszugehen, dass ihre
Vertreterin das Gesuch noch im Juli 2010 bei der Post aufgegeben hat. Die
Beschwerdeführerin hat sich somit im Juli 2010 zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet. Da gemäss Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach dessen Geltendmachung entsteht, ist nachfolgend ein
Rentenanspruch ab 1. Januar 2011 zu prüfen.
3.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
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verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art.
8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung
der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu
erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach
Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120).
Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer
ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch
eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE
114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
4.
4.1 Um das Invalideneinkommen und damit den IV-Grad festlegen zu können, muss
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
4.2 In somatischer Hinsicht liegen insbesondere das rheumatologische Teilgutachten
von Dr. I._ vom 29. November 2012 und ein Bericht der Klinik für Rheumatologie/
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Rehabilitation des KSSG vom 7. August 2012 im Recht. Die Beschwerdeführerin
beklagt insbesondere Rücken- und Nackenschmerzen mit Ausstrahlungen. Die Ärzte
des KSSG wie auch Dr. I._ haben klinisch und bildgebend wenig auffällige Befunde
erhoben. Sie sind sich auch einig darüber gewesen, dass die geltend gemachten
Schmerzen vor allem auf ein chronisches Schmerzsyndrom zurückzuführen sind.
Während die Ärzte des KSSG allerdings von einem Fibromyalgiesyndrom ausgegangen
sind, hat Dr. I._ die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren angegeben. Dr. I._ hat überzeugend dargelegt, weshalb
die Diagnose einer Fibromyalgie nicht gestellt werden kann, nämlich weil neben den 18
positiven Tenderpoints auch sämtliche Kontrollpunkte an den Muskelbäuchen positiv
gewesen sind. Dr. I._ hat aber richtigerweise auch darauf hingewiesen, dass es für
die Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht von Relevanz ist, ob die geltend gemachten,
somatisch nicht erklärbaren Schmerzen auf eine Fibromyalgie oder auf eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zurückzuführen sind. Für
die Arbeitsfähigkeit entscheidend ist nämlich nicht die Diagnose, sondern die aus einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung resultierende funktionelle Einschränkung.
Folgerichtig ist die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person beim Vorliegen einer
Fibromyalgie anhand des vom Bundesgericht entwickelten Indikatorenkataloges zu
beurteilen, auch wenn die Diagnose einer Fibromyalgie im Klassifikationssystem
ICD-10 nicht unter den somatoformen Störungen (F45.-), sondern unter den
Krankheiten des Weichteilgewebes (M79.-) eingeordnet ist (vgl. BGE 141 V 281 E. 10.2
und BGE 139 V 346 E. 2). Dr. I._ ist zum Schluss gekommen, dass die
Beschwerdeführerin aus rein somatischer Sicht in einer körperlich leichten bis selten
mittelschweren Tätigkeit einen leicht überdurchschnittlichen Pausenbedarf von etwa 10
% benötigt. Diese Einschätzung überzeugt angesichts der von ihm festgestellten
verminderten Belastungstoleranz der Wirbelsäule, des Schultergürtels, der Ellbogen
und der Hüft- und Kniegelenke. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._ kann
somit abgestellt werden.
4.3 In psychiatrischer Hinsicht hat der Gutachter Dr. J._ der Beschwerdeführerin
wegen einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelschwere Ausprägung
mit somatischem Syndrom, und wegen einer chronischen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Faktoren eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung stimmt im Wesentlichen mit jener des behandelnden
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Psychiaters Dr. E._ (und seiner Nachfolgerin med. pract. H._) überein: Dr. E._ hat
in seinem Bericht vom 29. Juni 2010 erklärt, dass sich die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin seit seinem letzten Bericht nicht verändert habe. Damals, d.h. im
Bericht vom 18. November 2008, hatte er der Beschwerdeführerin eine 50 %ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. An dieser Einschätzung hat er auch in seinem Bericht
vom 17. März 2011 festgehalten. Im Bericht vom 11. November 2011 ist Dr. E._ zwar
weiterhin von einem unveränderten Gesundheitszustand ausgegangen, seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung hat aber eine grössere Spannweite gehabt: Bei einer
Arbeitsfähigkeit von 65-75 % bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit von 35-45
%. Dies entspricht einer gesamthaften Arbeitsunfähigkeit zwischen 51 und 64 %. Med.
pract. H._ hat die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._ bestätigt, indem sie auf
dessen Bericht vom 11. November 2011 verwiesen hat. Während die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._ und diejenige der behandelnden Psychiater
also weitgehend übereinstimmen, gibt es hinsichtlich der psychiatrischen Diagnosen
gewisse Unterschiede: Während Dr. E._ das somatoforme Schmerzsyndrom als
teilremittiert betrachtet und ihm keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mehr
beigemessen hat, ist Dr. J._ davon ausgegangen, dass die chronische
Schmerzstörung weiterhin Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hat. Dafür hat Dr.
E._ als zusätzliche Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine soziale Phobie
und eine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung aufgezählt. Dr. J._ hat die Diagnose
einer sozialen Phobie demgegenüber als Differentialdiagnose zur posttraumatischen
Belastungsstörung angegeben und keine selbstunsichere Persönlichkeitsstörung,
sondern nur eine selbstunsichere Persönlichkeitsakzentuierung diagnostiziert. Beiden
Diagnosen hat er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen. Während aus
psychiatrischer Sicht bezüglich der Arbeitsfähigkeit zwischen den behandelnden Ärzten
und dem Gutachter also grundsätzlich Einigkeit herrscht, bestehen bezüglich der
Diagnosen und deren Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit Unterschiede.
4.4 Einigkeit besteht darüber, dass die Beschwerdeführerin an einer rezidivierenden
depressiven Störung leidet. Dr. J._ hat als Symptome mittelgradige Einschränkungen
der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, eine Affektlabilität, eine depressive
Verstimmung und eine Antriebsverminderung angegeben (IV-act. 139-35). Die
Beschwerdeführerin hat zudem über eine innere Unruhe, Nervosität, Anspannung
sowie Schlafstörungen mit Gedankenkreisen und Grübelneigung berichtet. Angesichts
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der von Dr. J._ erhobenen Befunde und den glaubhaften Angaben der
Beschwerdeführerin überzeugt die von Dr. J._ angegebene Diagnose einer
rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelschwere Ausprägung mit
somatischem Syndrom.
4.5 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 die bisherige Vermutung, dass der
versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit welcher die Folgen
einer somatoformen Schmerzstörung oder eines vergleichbaren psychosomatischen
Leidens überwunden werden könnten, aufgegeben. Neu muss eine ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des tatsächlich
erreichbaren Leistungsvermögens erfolgen. Die Handhabung des Katalogs muss stets
den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt sich nicht um eine
"abhakbare Checkliste". Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren sind:
1. Funktioneller Schweregrad:
- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome;
- Behandlungserfolg oder -resistenz;
- Komorbiditäten;
- "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische
Funktionen);
- sozialer Kontext.
2. Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
- Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen);
- Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen;
- Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung.
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Zunächst ist zu prüfen, welchen funktionellen Schweregrad die diagnostizierte
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren resp. die
Fibromyalgie aufweist. Die Beschwerdeführerin macht insbesondere Rücken- und
Nackenschmerzen mit Ausstrahlungen, Spannungskopfschmerzen, Migräne und
Knieschmerzen geltend, deren Ursache gemäss dem rheumatologischen Gutachter Dr.
I._ grösstenteils nicht somatischer Natur sind. Anlässlich der Begutachtung hat die
Beschwerdeführerin erklärt, dass der Schmerzpegel aktuell bei 6.1 liege. Während der
letzten Woche habe der Minimalwert bei 1.4 und der Maximalwert bei 10 gelegen (IV-
act. 139-16). Die Ausprägung der (somatisch nicht erklärbaren) Schmerzen schwankt
also erheblich. Die Schwankungen sind darauf zurückzuführen, dass die Schmerzen
sowohl unter körperlicher Belastung als auch unter seelischem Stress zunehmen. Die
Ressourcen der Beschwerdeführerin für die Stressbewältigung sind durch die aktuell
mittelgradig ausgeprägte rezidivierende depressive Störung erheblich eingeschränkt.
Auch die selbstunsichere Persönlichkeitsakzentuierung sowie der soziale Rückzug sind
als ressourcenraubende Faktoren zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund ist der
funktionelle Schweregrad der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren resp. der Fibromyalgie als erheblich zu qualifizieren. Bezüglich
der Konsistenz der funktionellen Beeinträchtigungen ist darauf hinzuweisen, dass Dr.
J._ weder eine bewusstseinsnahe Simulation noch eine Aggravationstendenz hat
feststellen können. Die Beschwerdeführerin hat sich gegenüber Dr. J._ sehr
differenziert und reflektiert geäussert. Des Weiteren befindet sich die
Beschwerdeführerin seit November 2007 in einer adäquaten psychiatrischen
Behandlung. Der Gutachter Dr. J._ hat keine weiteren Massnahmen zur
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht vorschlagen können (IV-
act. 139-37), d.h. eine wesentliche Besserung der Arbeitsfähigkeit ist nicht mehr zu
erwarten. Bezüglich der Kritik der Beschwerdegegnerin, dass die Gutachter den
Medikamentenspiegel nicht getestet hätten, ist anzumerken, dass die
Sachverständigen in der Wahl der geeigneten Prüfmethoden grundsätzlich frei sind. Im
vorliegenden Fall haben die Gutachter keine Inkonsistenzen festgestellt. Zudem deuten
die sehr differenzierten Aussagen der Beschwerdeführerin auf deren Richtigkeit hin.
Eine Testung des Medikamentenspiegels scheint vor diesem Hintergrund nicht
unbedingt notwendig. Die Beschwerdeführerin ist gemäss Dr. J._ deutlich bemüht,
sich aktiv an der Verbesserung ihrer Gesamtsituation zu beteiligen. In der beruflichen
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Abklärung hat sie Wille und Motivation gezeigt. Ihre Bereitschaft, eine Erwerbstätigkeit
auszuüben, hat sie dadurch bestätigt, dass sie während des laufenden
Abklärungsverfahrens betreffend eine IV-Rente eine befristete Anstellung bei der G._
angenommen hat. Unter Berücksichtigung des erheblichen funktionellen Schweregrads
sowie der Konsistenz ist mit Dr. J._ davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin
die Überwindung der Folgen der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren resp. der Fibromyalgie nur teilweise zumutbar ist.
4.6 Zu prüfen bleibt, ob die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. J._ und der
behandelnden Psychiater überzeugt. Dr. J._ hat keine Massnahmen zur
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht vorschlagen können,
weshalb von einer Therapieresistenz auszugehen ist. Aus diesem Grund erübrigen sich
Ausführungen zur Zulässigkeit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach
leichte bis mittelgradige depressive Störungen rezidivierender oder episodischer Natur
einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fielen, wenn sie
erwiesenermassen therapieresistent seien (vgl. z.B. Urteil des Bundesgerichts vom 14.
Oktober 2016, 9C_530/2016). Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, wonach
das vorliegende Beschwerdebild wesentlich durch invaliditätsfremde psychosoziale
Umstände geprägt sei, die rechtlich keine Invalidität zu begründen vermöchten, ist
nicht stichhaltig. Aufgrund der Aktenlage muss nämlich davon ausgegangen werden,
dass es sich bei den psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen der
Beschwerdeführerin um verselbständigte Leiden handelt, die gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung geeignet sind, eine Invalidität zu begründen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014, 8C_830/2013 E. 5.2.3; BGE 136 V 279 E.
3.2.1). Ausserdem wird, worauf der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu Recht
hingewiesen hat, wohl praktisch jede Depression (wie auch jedes chronische
Schmerzsyndrom) durch psychosoziale Faktoren beeinflusst. Angesichts der von Dr.
J._ angegebenen mittelgradigen Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der
Konzentrationsfähigkeit, der Affektlabilität, der depressiven Verstimmung und der
Antriebsverminderung sowie der von Dr. E._ angegebenen erheblich reduzierten
Stressbelastung und erhöhten Erschöpfbarkeit überzeugt die Einschätzung, dass die
Beschwerdeführerin mit der aktuellen Arbeitstätigkeit von 50 % derzeit optimal
integriert ist (IV-act. 139-36). Gemäss Dr. E._ und med. pract. H._ hat sich die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zwischen November 2008 und August 2012
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(letzter Verlaufsbericht) nicht wesentlich verändert. Demnach ist die
Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht seit November 2008 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in jeglicher Tätigkeit zu 50 % arbeitsunfähig. Da die
Arbeitsunfähigkeiten aus somatischer und psychiatrischer Sicht gemäss den
Gutachtern nicht addiert werden können, besteht aus interdisziplinärer Sicht in einer
körperlich adaptierten Tätigkeit seit November 2008 mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit.
5.
5.1 Somit bleibt noch der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich zu überprüfen. Die Beschwerdegegnerin hat das Validen- und
das Invalideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen berechnet respektive einen
Prozentvergleich vorgenommen. Die Beschwerdeführerin macht geltend, seit
November 2001 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt zu sein (IV-act. 7-5). In der Zeit
davor ist sie nur einmal erwerbstätig gewesen, und zwar vom Januar bis November
2001 als Hilfsarbeiterin bei der K._ AG (IV-act. 22). Dieses Arbeitsverhältnis hat sie
gemäss eigenen Angaben aus gesundheitlichen Gründen selber gekündigt. Während
des elf Monate dauernden Arbeitsverhältnisses hat sie in einem Vollpensum gearbeitet
und ein Einkommen von Fr. 34'180.-- erzielt (IV-act. 9). Auf ein Jahr umgerechnet hat
ihr Einkommen somit Fr. 37'288.-- betragen. Im selben Jahr hat sich der
durchschnittliche Verdienst einer Hilfsarbeiterin, aufgerechnet auf die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, auf Fr. 46'911.-- belaufen (Anhang 2 der
IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/ IV, Ausgabe 2006). Die Beschwerdeführerin
hat im Jahr 2001 also lediglich einen unterdurchschnittlichen Hilfsarbeiterinnenlohn
erzielt. Einerseits ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht freiwillig zu
einem unterdurchschnittlichen Lohn gearbeitet hat, sondern aufgrund der
Wirtschaftslage keine besser bezahlte Arbeitsstelle gefunden hat. Andererseits sagt die
Tatsache, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2001 einen unterdurchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt hat, nichts darüber aus, wie hoch ihr Einkommen zehn
Jahre später gewesen wäre, wenn sie gesund geblieben wäre: Zehn Jahre später hätte
die Beschwerdeführerin sicherlich mindestens einen durchschnittlichen
Hilfsarbeiterinnenlohn erzielt, zumal aufgrund ihrer guten Schulbildung, ihrer guten
Deutschkenntnisse und ihrer Arbeitsmotivation davon auszugehen ist, dass sie gute
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Leistungen erbracht hätte. Das Valideneinkommen entspricht daher nicht dem von der
Beschwerdeführerin im Jahr 2001 erzielten unterdurchschnittlichen
Hilfsarbeiterinneneinkommen, sondern dem Lohn, den sie bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage hätte erzielen können, nämlich dem durchschnittlichen Lohn einer
Hilfsarbeiterin. Da die Beschwerdeführerin über keine Berufsausbildung verfügt, fällt
auch als Invalidenkarriere lediglich eine Hilfsarbeit in Betracht. Folglich kann der IV-
Grad anhand eines Prozentvergleichs berechnet werden. Wie hoch ein allfälliger
Tabellenlohnabzug zu bemessen wäre, kann offen gelassen werden, da die
Beschwerdeführerin selbst bei einem Tabellenlohnabzug von 15 % (IV-Grad von 57.5
%) lediglich einen Anspruch auf eine halbe IV-Rente hat. Wie in Erw. 3.1 erläutert, hat
die Beschwerdeführerin frühestens ab dem 1. Januar 2011 einen Anspruch auf eine IV-
Rente. Da die Beschwerdeführerin seit November 2008 in jeglicher Tätigkeit zu 50 %
arbeitsunfähig ist, ist das Wartejahr Ende Dezember 2010 erfüllt gewesen. Die
Beschwerdeführerin hat somit ab dem 1. Januar 2011 Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente.
5.2 Demnach ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und der Beschwerdeführerin ist rückwirkend ab dem 1. Januar 2011 eine
halbe Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Ermittlung des Rentenbetrages an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
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22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat keine Honorarnote eingereicht. Im hier zu
beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.