Decision ID: 8d20da74-ea96-4c0b-bb6f-4d30acc7629b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. S._ war ab 2003 als Berufsfachschullehrer bei der Berufsschule X._ tätig. Am
15. November 2010 wurde er fristlos entlassen, nachdem er am 22. Oktober 2010 die
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Damentoilette des Schulhausgebäudes aufgesucht, sich – als Schülerinnen die Toilette
betreten hatten – in einer Toilettenkabine eingeschlossen und mit seinem Mobiltelefon
unter der Kabinenwand hantiert hatte. Einen dagegen erhobenen Rekurs wiesen
sowohl die Berufsfachschulkommission der Berufsschule X._ am 10. Februar 2011 als
auch das Bildungsdepartement am 28. Oktober 2011 ab. Mit Entscheid vom
29. August 2012 hiess das Verwaltungsgericht die gegen den Rekursentscheid des
Bildungsdepartements erhobene Beschwerde gut und wies die Streitsache zum
Vollzug der ordentlichen Kündigung per 31. Januar 2011 an die Berufsschule X._
zurück (VerwGE B 2011/235 vom 29. August 2012, www.gerichte.sg.ch). Der Entscheid
des Verwaltungsgerichts ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
B. Mit Anklage vom 18. September 2015 warf die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat
S._ vor, heimlich insgesamt 27 Kinder unter anderem bei der Körperhygiene im
Badezimmer, beim Toilettengang, unter der Dusche und beim Umziehen für den
Schwimmunterricht gefilmt zu haben. Am 2. Juni 2016 verurteilte das Bezirksgericht
Zürich S._ wegen mehrfacher Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch
Aufnahmegeräte und mehrfachen Inverkehrbringens und Anpreisens von Abhör-, Ton-
und Bildaufnahmegeräten zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Monaten.
Dagegen erhoben S._ Berufung und die Staatsanwaltschaft sowie die
Privatklägerinnen Anschlussberufung beim Obergericht des Kantons Zürich. Mit
Entscheid vom 7. März 2017 verurteilte das Obergericht Zürich den Gesuchsgegner zu
dreissig Monaten Freiheitsstrafe, wovon 128 Tage durch Untersuchungshaft erstanden
waren. Es schob den Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von zwanzig Monaten auf
und setzte die Probezeit auf vier Jahre fest. Am 20. Dezember 2017 wies das
Bundesgericht eine dagegen erhobene Beschwerde ab (Urteil 6B_891/2017). Laut
einem Artikel des Tages-Anzeigers kamen im Rahmen des zürcherischen
Strafverfahrens auch Bilder von Schülerinnen und Schülern der Berufsschule X._ ans
Tageslicht, weshalb das Bildungsdepartement bereits am 13. Juni 2016 um
Akteneinsicht in die Gerichtsakten ersuchte.
C. Mit Eingabe vom 19. August 2016 stellte das Bildungsdepartement (Gesuchsteller)
beim Verwaltungsgericht ein (vorsorgliches) Gesuch um Wiederaufnahme des
Verfahrens B 2011/235 betreffend die fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses mit
S._ (Gesuchsgegner). Mit Schreiben vom 13. Oktober 2016 teilte das
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Verwaltungsgericht den Verfahrensbeteiligten mit, das Verfahren werde bis nach
Rechtskraft des Entscheids über das Akteneinsichtsgesuch des Bildungsdepartements
sistiert. Nachdem dem beim Obergericht Zürich gestellten Gesuch um Einsicht in die
Akten des Strafverfahrens stattgegeben worden war, beantragte der Gesuchsteller die
Aufhebung der Sistierung des Verfahrens und die Gutheissung des Gesuchs um
Wiederaufnahme des Verfahrens. Am 3. Mai 2017 nahm der Gesuchsgegner durch
seinen Rechtsvertreter Stellung zum Verfahren und beantragte die Abweisung des
Wiederaufnahmegesuchs. Mit Eingabe vom 23. Mai 2017 schloss sich die Berufsschule
X._ (Gesuchsbeteiligter) den Ausführungen des Gesuchstellers an und verzichtete auf
eine weitere Stellungnahme.
Mit Entscheid vom 23. Mai 2018 (Versand: 31. Mai 2018) nahm das Verwaltungsgericht
das Beschwerdeverfahren B 2011/235 wieder auf und setzte dem Gesuchsteller Frist
an, das Wiederaufnahmebegehren materiell zu begründen. Der Zwischenentscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
D. Mit Eingabe vom 16. August 2018 beantragte der Gesuchsteller, unter Kostenfolge
sei festzustellen, dass die am 15. November 2010 seitens des Gesuchsbeteiligten
gegenüber dem Gesuchsgegner ausgesprochene fristlose Kündigung gerechtfertigt
ergangen sei. Weiter habe der Gesuchsgegner dem Gesuchsbeteiligten den
entstandenen finanziellen Schaden, bestehend aus den zu Unrecht geleisteten
Lohnzahlungen von CHF 23'705.70 sowie den dem Gesuchsbeteiligten für das
gesamte kantonale Verfahren auferlegten amtlichen Kosten von total CHF 1'750,
insgesamt CHF 25'455.70, zuzüglich 5 % Zins zurückzuerstatten. Schliesslich sei der
Gesuchsgegner zur Erstattung der ausseramtlichen Kosten des Gesuchsbeteiligten
betreffend sämtliche kantonale Verfahren in der Höhe von total CHF 29'000.60
zuzüglich 5 % zu verpflichten.
Am 29. August 2018 schloss sich der Gesuchsbeteiligte den Ausführungen des
Gesuchstellers an und verzichtete auf eine weitere Stellungnahme. Mit Eingabe vom
11. Oktober 2018 liess sich der Gesuchsgegner vernehmen und beantragte unter
Kosten- und Entschädigungsfolge die vollumfängliche Abweisung des
Wiederaufnahmebegehrens. Im Eventualfall bestritt er die Höhe der geltend gemachten
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Anwaltskosten. Am 22. Oktober 2018 verwies der Gesuchsteller auf seine Eingabe vom
16. August 2018 und verzichtete auf weitere Ausführungen.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten sowie die Akten wird, soweit für den

Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Über Wiederaufnahmebegehren entscheidet die Instanz, welche den Entscheid
getroffen hat (Art. 82 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
941.1, VRP). Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts zur Behandlung des Gesuchs
um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens B 2011/235 ist gegeben, weil sein
Urteil vom 29. August 2012 betreffend fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses
revidiert werden soll.
2. Das Verfahren läuft zweistufig ab: Zunächst wird im Sinn einer Eintretensfrage
geprüft, ob ein Revisionsgrund vorliegt. Wird dies bejaht, so wird die Frage untersucht,
ob die Verfügung oder der Entscheid materiell geändert werden soll oder nicht (Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1267). Soweit der
Entscheid über die Gutheissung des Revisionsgesuches – wie vorliegend – selbständig
ausgefällt und eröffnet wird, handelt es sich um einen anfechtbaren Zwischenentscheid
(vgl. BGer 5A_366/2016 vom 21. November 2016 E. 4).
Mit Entscheid vom 23. Mai 2018 nahm das Verwaltungsgericht das
Beschwerdeverfahren B 2011/235 wieder auf, nachdem es das Vorliegen eines
Wiederaufnahmegrunds im Sinn von Art. 81 Abs. 1 lit. c VRP bejaht hatte. Da der
Gesuchsteller zunächst lediglich um Wiederaufnahme des Beschwerdeverfahrens
B 2011/235 und keinen Antrag gestellt hatte, wie in der Sache selbst zu entscheiden
sei, wurde in der Sache selbst noch nicht entschieden, sondern den
Verfahrensbeteiligten Gelegenheit geboten, das Wiederaufnahmebegehren materiell zu
begründen und dazu Stellung zu nehmen. Der entsprechende Zwischenentscheid
erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Auf die Ausführungen des Gesuchsgegners, ob
das Verfahren wiederaufzunehmen sei, ist daher nicht weiter einzugehen.
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3. Zu prüfen ist damit, ob der Entscheid des Verwaltungsgerichts B 2011/235 vom
29. August 2012 materiell geändert werden soll oder nicht.
3.1. Liegt ein Wiederaufnahmegrund vor, so führt dies nach der st. gallischen
Verwaltungsrechtspflegeordnung noch nicht zwingend zu einer Aufhebung oder
Änderung des angefochtenen Entscheids. Art. 85 VRP fordert eine Abwägung der
Interessen, sofern ein Betroffener ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufrechterhaltung der Verfügung oder des Entscheids hat. Die Revisionsinstanz darf
eine Änderung oder Aufhebung somit nur anordnen, wenn schutzwürdigere Interessen
es erfordern. Eine Änderung oder Aufhebung des Entscheids ist vorzunehmen, sofern
die Interessen des Revisionsklägers gegenüber jenen eines von der Änderung oder
Aufhebung Betroffenen überwiegen (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl.
2003, Rz. 1198 f.).
3.2.
3.2.1. Im Entscheid B 2011/235 vom 29. August 2012 wurden die Voraussetzungen für
die Zulässigkeit einer fristlosen Auflösung des Dienstverhältnisses eingehend
dargelegt. Es kann daher – anstelle von Wiederholungen – auf die entsprechenden
Erwägungen 2 und 3 verwiesen werden. Eine fristlose Auflösung des
Dienstverhältnisses ist demnach zusammengefasst möglich, wenn sie infolge
Vorliegens wichtiger Gründe erfolgt. Die Gründe, die zur Kündigung Anlass geben,
müssen von einem bestimmten Gewicht und die Fortsetzung des Dienstverhältnisses
muss geradezu unzumutbar sein. Eine fristlose Kündigung rechtfertigt sich infolge
schwerwiegender Verletzungen der Arbeits- und Treuepflicht. Weniger
schwerwiegende Verfehlungen begründen demgegenüber nur bei Wiederholung trotz
vorgängiger Verwarnung eine fristlose Kündigung.
Die Lehrkraft hat Vorbild zu sein und die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen zu
achten. Sie übernimmt im öffentlichen Auftrag Mitverantwortung für die Ausbildung und
Erziehung der ihr anvertrauten, vom privatrechtlichen Ausgangspunkt her in der
Erziehungsverantwortung der Eltern stehenden jungen Menschen. Sie ist öffentliche
Person, stellt sich als solche in den Dienst der Jugend und ist für diese, auf der
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Grundlage von zwischenmenschlichem Respekt über die Generationen hinweg,
Vorbild. Vorbild sein heisst, sich vorbildlich verhalten. Vorbildlichkeit und Achtung der
Persönlichkeit sind unteilbare Charaktereigenschaften. Sie haben sich ausserhalb des
Berufs ebenso wie innerhalb desselben zu entfalten (vgl. GVP 2005 Nr. 92 E. 2).
Aufgrund des Gewichts, das die Schule auf die Lebensqualität der Menschen hat und
des Einflusses, den sie auf die Lernenden ausübt, sind an das pflichtgemässe
Verhalten der Lehrpersonen besonders hohe Anforderungen zu stellen (BGer
8C_294/2011 vom 29. Dezember 2011 E. 5.4).
3.2.2. Die Aufnahmen der Schülerinnen auf der Damentoilette bei der Verrichtung ihrer
Notdurft und im Schulzimmer unter die Jupes und des Dekolletés sowie der aus den
Turntaschen entwendeten Unterwäsche weisen einen massiven Eingriff in die
persönliche und sexuelle Integrität der Schülerinnen auf. Auch wenn die polizeilichen
Einvernahmen im zürcherischen Strafverfahren als echtes Novum zu qualifizieren sind,
gab der Gesuchsgegner damals als Begründung an, sexuelle Motive, aber auch die
geringe Wertschätzung und Anerkennung von der Schulleitung hätten eine Rolle
gespielt. Es habe ihn sexuell erregt, die Aufnahmen zuhause am PC anzuschauen und
sich dabei zu befriedigen (vgl. act. 15/5). Ein solches Verhalten ist absolut
unentschuldbar. Der Gesuchsgegner hat sich damit eines für eine Lehrkraft krassen
Fehlverhaltens schuldig gemacht. Er hat seine speziellen Verhaltenspflichten als
Lehrkraft mit Vorbildfunktion in besonders schwerwiegender Weise verletzt. Die
Weiterbeschäftigung einer solchen Lehrkraft ist für eine Schule nicht mehr zumutbar.
Keine Rolle spielt insbesondere, dass der Gesuchsgegner für die in den Räumlichkeiten
der Gesuchsbeteiligten gemachten Aufnahmen strafrechtlich nicht belangt wurde. Im
Übrigen gingen die zürcherischen Gerichte bei den von ihnen zu beurteilenden
Straftaten – es handelte sich dabei um ähnlich gelagerte Fälle – ebenfalls von einem
schweren objektiven und subjektiven Tatverschulden aus und verurteilten den
Gesuchsgegner zu dreissig Monaten Freiheitsstrafe, wovon der Vollzug im Umfang von
zwanzig Monaten aufgeschoben wurde; die Strafzumessung wurde vom Bundesgericht
nicht beanstandet (vgl. BGer 6B_891/2017 vom 20. Dezember 2017).
3.3.
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3.3.1. Aus dem Wesen des wichtigen Grundes hat die zu Art. 337 OR ergangene
privatrechtliche bundesgerichtliche Rechtsprechung abgeleitet, dass der
Kündigungsberechtigte sich mit dem Aussprechen der fristlosen Auflösung des
Arbeitsverhältnisses nicht ungebührlich lange Zeit lassen darf. Ist ein wichtiger Grund
gegeben, so ist die fristlose Kündigung sofort auszusprechen. Andernfalls ist
anzunehmen, das Einhalten der ordentlichen Kündigungsfrist sei für den Kündigenden
subjektiv zumutbar, und das Recht auf eine sofortige Vertragsauflösung verwirkt. Die
(zivilrechtliche) bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 337 OR, wonach eine
fristlose Kündigung aus wichtigen Gründen grundsätzlich nur innert einer Zeitspanne
von einigen wenigen Arbeitstagen erlaubt ist, lässt sich jedoch nicht unbesehen auf
öffentlich-rechtliche Anstellungsverhältnisse übertragen. In diesem Bereich ergeht die
Kündigung normalerweise in Form einer schriftlich begründeten Verfügung; dieser geht
häufig eine Untersuchung voraus, besonders wenn Zweifel zu erhärten oder
auszuschliessen sind. Zudem ist dem Angestellten nach öffentlich-rechtlichen
Grundsätzen vor der Kündigungsverfügung das rechtliche Gehör einzuräumen. Dazu
kommen die speziellen Verfahrensabläufe innerhalb der Verwaltung, die es nicht immer
erlauben, unverzüglich über die Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu entscheiden.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die fristlose Entlassung im öffentlich-
rechtlichen Arbeitsverhältnis für die kündigende Partei mit höheren Risiken verbunden
ist als im Privatrecht, und zwar einerseits wegen den formellen Anforderungen an eine
rechtmässige fristlose Entlassung und anderseits wegen den Folgen einer formell oder
materiell widerrechtlichen fristlosen Entlassung für den Arbeitgeber und damit die
öffentliche Hand. Daraus folgt, dass dem öffentlich-rechtlichen Arbeitgeber eine
längere Reaktionszeit zuzubilligen ist, damit er die Verfahrensvorschriften einhalten und
den die Kündigung begründenden Sachverhalt abklären und nachweisen kann, bevor
er die Kündigung ausspricht. Während im Zivilrecht eine fristlose Kündigung in der
Regel innert weniger Arbeitstage auszusprechen ist und eine längere Frist nur
zugestanden wird, sofern praktische Erfordernisse des Alltags- und Wirtschaftslebens
dies als berechtigt erscheinen lassen, vermögen im öffentlichen Personalrecht weitere
sachliche Gründe (z.B. rechtliches Gehör, Verfahrensvorschriften) ein längeres
Zuwarten zu rechtfertigen (vgl. zum Ganzen BGE 138 I 113 E. 6.3 – 6.5).
3.3.2. Am Freitag, 22. Oktober 2010 suchte der Gesuchsgegner die Damentoilette des
Schulhausgebäudes auf, schloss sich – als Schülerinnen die Toilette betreten hatten –
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in einer Toilettenkabine ein und hantierte mit seinem Mobiltelefon unter der
Kabinenwand. Er selbst orientierte damals den Hauswart über den Vorfall, worauf er
gleichentags vom Rektor und dessen Stellvertreter befragt wurde (act. 27/3a/1). Als
Folge davon wurde der Gesuchsgegner mit Verfügung vom 25. Oktober 2010 (Montag)
per sofort vom Unterricht freigestellt (act. 27/3a/3). Gleichentags wurde ihm mitgeteilt,
dass eine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses erwogen werde, wobei er
Gelegenheit erhielt, sich dazu zu äussern (act. 27/3a/4). Mit Schreiben vom
5. November 2010 (Freitag) nahm er Stellung zur geplanten fristlosen Kündigung
(act. 27/3a/13). Mit Verfügung vom 15. November 2010 (Montag) wurde das
Dienstverhältnis fristlos aufgelöst (act. 27/3a/14). Ein zu langes Zuwarten kann dem
Gesuchsbeteiligten damit nicht vorgeworfen werden, was im Übrigen vom
Gesuchsgegner auch nicht geltend gemacht wird.
3.4. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass in Kenntnis der nunmehr im zürcherischen
Strafverfahren aufgetauchten Aufnahmen die fristlose Auflösung des
Dienstverhältnisses durch den Gesuchsbeteiligten zu schützen gewesen wäre. Der
Gesuchsgegner kann aufgrund seiner sehr schweren Verfehlungen keine
schutzwürdigen Interessen vorbringen, welche die Interessen des Gesuchstellers bzw.
Gesuchsbeteiligten an der Aufhebung des verwaltungsgerichtlichen Entscheids im
Beschwerdeverfahren B 2011/235 vom 29. August 2012 überwiegen würden. Somit ist
die aufgrund des Urteils des Verwaltungsgerichts vom 29. August 2012
ausgesprochene ordentliche Kündigung per 31. Januar 2011 aufzuheben und die am
15. November 2010 erfolgte fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses zu bestätigen.
4. Der Gesuchsteller beantragt, der Gesuchsgegner habe dem Gesuchsbeteiligten den
entstandenen finanziellen Schaden zurückzuerstatten. Der Gesuchsbeteiligte habe dem
Gesuchsgegner die Lohnsumme in der Höhe von CHF 23'705.70 ausgerichtet
(nachfolgend E. 4.1) und sei ausserdem mit amtlichen Kosten von insgesamt
CHF 1'750 belegt worden (nachfolgend E. 4.2). Weiter sei der Gesuchsgegner zur
Erstattung der ausseramtlichen Kosten des Gesuchsbeteiligten betreffend sämtliche
kantonale Verfahren in der Höhe von total CHF 29'000.60 zu verpflichten (nachfolgend
E. 4.3).
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4.1. Am 1. Juni 2012 traten Teile des neuen Personalgesetzes (sGS 143.1, PersG) in
Kraft, die auch Änderungen im VRP mit sich brachten (Art. 104 PersG). Die
Übergangsbestimmungen des PersG schreiben hinsichtlich des Verfahrensrechts vor,
dass bei Vollzugsbeginn hängige, das Dienstverhältnis oder Ansprüche aus dem
Dienstverhältnis betreffende Verfahren sowie hängige Disziplinarverfahren von der nach
bisherigem Recht zuständigen Behörde und in dem nach bisherigem Recht
massgebenden Verfahren erledigt werden (Art. 110 Abs. 2 PersG). Die Gutheissung des
Wiederaufnahmebegehrens führt zu einer Aufhebung des in Revision gezogenen
Sachentscheides, und das Erkenntnisverfahren wird in denjenigen Stand
zurückversetzt, in welchem es sich vor dem aufgehobenen Entscheid befunden hat.
Dies hat zur Folge, dass die Normen des VRP in der Fassung vor dem 1. Juni 2012
massgebend sind. Bei der Kündigung von öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen
bestand ein Dualismus zwischen Anfechtungs- und Klageverfahren. Während die
Frage, ob die fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses gerechtfertigt war,
grundsätzlich im Anfechtungsverfahren zu prüfen ist (aArt. 59 Abs. 1 VRP, in der
damals geltenden Fassung), beurteilt das Verwaltungsgericht gemäss dem damals
massgebenden aArt. 79 VRP als erste Klageinstanz vermögensrechtliche Ansprüche
aus der Mitgliedschaft bei einer Behörde oder aus dem öffentlich-rechtlichen Beamten-
oder Angestelltenverhältnis, ausgenommen die Ansprüche aus öffentlich-rechtlichen
Versicherungen. Mit dem Begehren, der Gesuchsgegner habe dem Gesuchsbeteiligten
die ausgerichtete Lohnsumme von insgesamt CHF 23'705.70 zurückzuerstatten, macht
der Gesuchsteller einen vermögensrechtlichen Anspruch im Sinn von aArt. 79 VRP
geltend. Die Frage, ob die Forderung begründet ist, setzt aber voraus, dass geprüft
wird, ob die fristlose Auflösung des Dienstverhältnisses zu Recht erfolgt ist. Das
Ergebnis dieser Überprüfung bildet die Grundlage für die Gutheissung bzw. Ablehnung
des Entschädigungsanspruchs. Im Interesse der Verfahrensbeteiligten und zur
Vermeidung eines weiteren Verfahrens ist daher im Rahmen des vorliegenden
Verfahrens über den vermögensrechtlichen Anspruch des Gesuchstellers, welcher
seine Ursache in der nachträglich als gerechtfertigt zu betrachtenden fristlosen
Auflösung des Dienstverhältnisses hat, zu befinden (ausführlich dazu VerwGE
B 2011/207 vom 16. April 2014 E. 1, insbesondere E. 1.5.2 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch). Hätten dem Gericht die Aufnahmen der Schülerinnen auf der
Damentoilette bei der Verrichtung ihrer Notdurft und im Schulzimmer unter die Jupes
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und Dekolletés sowie der aus den Turntaschen entwendeten Unterwäsche bereits im
damaligen Zeitpunkt vorgelegen, wäre die Beschwerde des damaligen
Beschwerdeführers – im vorliegenden Verfahren Gesuchsgegner – abgewiesen worden.
Damit wäre es auch nie zur Auflösungsvereinbarung vom 5. bzw. 26. Februar 2013
gekommen, mit welcher sich der Gesuchsbeteiligte verpflichtete, dem Gesuchsgegner
zur Abgeltung der offenen Gehaltsansprüche von 16. November 2010 bis 31. Januar
2011 den Betrag von CHF 23'705.70 netto zu bezahlen (act. 26.1). Damit erfolgte die
Zahlung ohne Rechtsgrund, weshalb der Gesuchsgegner die ihm ausgerichtete
Lohnsumme von total CHF 23'705.70 netto nebst 5 % Verzugszins seit 17. Dezember
2010 an die Gesuchsbeteiligte zurückzuerstatten hat. Die Rückerstattungspflicht wurde
vom Gesuchsgegner im Übrigen weder im Grundsatz noch in der Höhe bestritten; auch
zum geforderten Verzugszins erfolgten keine Einwände.
4.2. Da das Wiederaufnahmebegehren gutzuheissen ist, ist zugleich von Amtes wegen
neu über die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens B 2011/235 und dessen
vorinstanzlichen Rekursverfahrens Nr. 25/11 zu entscheiden. Da sich die fristlose
Auflösung des Dienstverhältnisses nachträglich als gerechtfertigt erweist und damit die
Beschwerde des damaligen Beschwerdeführers – im vorliegenden Verfahren
Gesuchsgegners – abzuweisen gewesen wäre, sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens B 2011/235 von CHF 2'500 vollumfänglich dem Gesuchsgegner
aufzuerlegen. Der vom Gesuchsgegner bereits damals geleistete Anteil von CHF 1'250
ist anzurechnen und dem Gesuchsbeteiligten sind die von ihm geleisteten Kosten von
CHF 1'250 zurückerstatten. Gleich verhält es sich mit den amtlichen Kosten des
Rekursverfahrens Nr. 25/11 in der Höhe von insgesamt CHF 1'000. Diese sind vom
Gesuchsgegner unter Anrechnung des bereits damals von ihm geleisteten Betrags von
CHF 500 zu bezahlen. Dem Gesuchsbeteiligten sind die von ihm geleisteten Kosten
von CHF 500 zurückzuerstatten.
4.3. Grundsätzlich hat das Gemeinwesen – darunter fallen auch kantonale öffentlich-
rechtliche Körperschaften – keinen Anspruch auf Kostenersatz. Dieser Grundsatz gilt
indes nicht uneingeschränkt. Handelt es sich um ein öffentlich-rechtliches
Klageverfahren – vorliegend ist in Bezug auf den vermögensrechtlichen Anspruch des
Gesuchstellers von einem solchen auszugehen – hat das Gemeinwesen nicht nur
Anspruch auf Kostenersatz, sondern es ist auch die anwaltliche Vertretung zu
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entschädigen. Ausschlaggebend ist, dass das Klageverfahren wie der Zivilprozess ein
Verfahren mit zwei Parteien ist, wobei dem Gemeinwesen – anders als im
Anfechtungsverfahren – in der Regel keine wesentlich vorteilhaftere Ausgangslage als
der Gegenpartei zukommt (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 176 f.). Entsprechend der
Verlegung der amtlichen Kosten hat der Gesuchsgegner den Gesuchsbeteiligten daher
sowohl für das Beschwerde- als auch das Rekursverfahren ausseramtlich zu
entschädigen (Art. 98 in Verbindung mit Art. 98 VRP). Innerhalb des für eine
Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen
Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des
Falls und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO
sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, AnwG; vgl. dazu BGE
141 I 124 E. 4 und BGer 1C_53/2015 vom 12. Mai 2015 E. 2.5). Bei der Festsetzung der
Honorarpauschale sind die eingereichten Honorarnoten zu berücksichtigen (vgl.
VerwGE B 2014/214 vom 27. November 2015 E. 4.2.1, www.gerichte.sg.ch). Mit Blick
auf den in der Honorarordnung vorgesehenen Rahmen von pauschal CHF 500 bis CHF
6000 für das Verfahren vor Verwaltungsbehörden und pauschal CHF 1500 bis CHF
15'000 für das Verfahren vor Verwaltungsgericht (vgl. Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. a
und b HonO) und die weiteren Bemessungskriterien, insbesondere die in
vergleichbaren Fällen zugesprochenen Entschädigungen, ist eine Entschädigung von
insgesamt CHF 10'000 zuzüglich 4 Prozent Barauslagen und Mehrwertsteuer
angemessen (Art. 28 und Art. 29 HonO). Der Gesuchsgegner hat den
Gesuchsbeteiligten dementsprechend für das Rekursverfahren Nr. 25/11 und für das
Beschwerdeverfahren B 2011/235 mit insgesamt CHF 10'400 zuzüglich 8%
Mehrwertsteuer – die anwaltlichen Leistungen wurden vor dem 1. Januar 2018 erbracht
(vgl. Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch) – zu entschädigen.
5. Keine amtlichen Kosten werden erhoben bei personalrechtlichen Klagen und
Beschwerden bis zu einem Streitwert von CHF 30'000 (vgl. Art. 97 Abs. 1 lit. b VRP).
Bei der Streitwertbemessung unberücksichtigt bleiben die Kosten des laufenden
Verfahrens; nicht streitwertrelevant sind ferner die in den mit dem hängigen Verfahren
in unmittelbarem Zusammenhang stehenden vorangegangenen Verfahren
entstandenen Aufwendungen (vgl. M. Stein-Wigger, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/
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Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO],
3. Aufl. 2016, N 33 zu Art. 91 ZPO). Die Verlegung der amtlichen Kosten und die
Geltendmachung ausseramtlicher Kosten im Verfahren B 2011/235 fallen damit nicht in
die Streitwertberechnung, weshalb das vorliegende Verfahren kostenfrei ist. Auf die
Erhebung einer Entscheidgebühr ist daher zu verzichten. Mangels externer
Rechtsvertretung und mangels Antrags hat der Gesuchsteller im vorliegenden
Verfahren B 2016/183 keinen Anspruch auf Ersatz ausseramtlicher Kosten.