Decision ID: 13431e37-ef21-5c9f-b8f6-69a14ea8a7f5
Year: 2008
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Am 10. Mai 2005 erteilte die Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Arch dem
Beschwerdegegner die Baubewilligung für das Abhumusieren und Einkiesen der Parzelle
Arch Gbbl. Nr. D._ und für das Erstellen eines rund 1'250 m2 grossen
Ausstellplatzes für Personenwagen in der Wohn- und Arbeitszone WA der Gemeinde Arch.
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Gegen die Baubewilligung erhoben die Beschwerdeführenden Beschwerde bei der
kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE).
Mit Entscheid vom 20. Januar 2006 wies die BVE die Beschwerde ab. Sie ergänzte die
Baubewilligung insoweit, als sie für den Ausstellungsplatz bestimmte Betriebszeiten
festlegte und den Beschwerdegegner verpflichtete, die Zufahrt zum Ausstellungsplatz so
zu gestalten, dass der Platz abgeschlossen werden kann.
2. Der Beschwerdegegner kieste die Parzelle Arch Gbbl. Nr. D._ in der Folge
ein, nutzte diese jedoch nicht als Ausstellungsplatz für Fahrzeuge, da er einen solchen
Platz in der Zwischenzeit in Grenchen realisieren konnte. Er vermietete daraufhin dem
Betriebsinhaber der Bäckerei auf Parzelle Arch Gbbl. E._ einen Teil seiner
eingekiesten Parzelle Arch Gbbl. Nr. D._ als Parkplatz. Der bereits eingekieste
Parkplatz mit einer – gegenüber dem ursprünglich vorgesehenen Ausstellungsplatz
reduzierten – Fläche von rund 780 m2 soll den Kunden und Angestellten des Bäckerei- und
Tea-Room-Betriebs als Parkplatz dienen.
Nachdem die Beschwerdeführenden gegen die Nutzungsänderung auf Parzelle Arch Gbbl.
Nr. D._ Anzeige erhoben hatten, reichte der Beschwerdegegner ein
nachträgliches Projektänderungsgesuch für die Nutzung der Parzelle Arch Gbbl. Nr.
D._ als Parkplatz ein. Die Projektänderung sieht den Verzicht auf die ursprünglich
vorgesehene Umzäunung des Platzes und das Errichten einer Grünhecke vor. Die
Baubewilligungsbehörde Arch liess die Projektänderung im Amtsanzeiger und im Amtsblatt
publizieren. Gegen die Projektänderung erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
Sie machten hauptsächlich geltend, der Parkplatz sei in der Wohn- und Arbeitszone von
Arch nicht zonenkonform.
Am 28. November 2007 bewilligte die Gemeinde Arch das Projektänderungsgesuch.
3. Gegen diese Baubewilligung erhoben die Beschwerdeführenden bei der BVE am
28. Dezember 2007 Beschwerde. Sie beantragen, das nachträgliche
Projektänderungsgesuch sei abzuweisen. Zur Begründung machen sie geltend, ein
Parkplatz in dieser Grössenordnung sei in der Wohn- und Arbeitszone von Arch nicht
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zonenkonform. Dies umso mehr, als die angefochtene Baubewilligung keine Betriebszeiten
für den Parkplatz vorsehe. Die Nutzung der Parzelle Gbbl. Nr. D._ als Parkplatz
würde ihr Bauland zudem stark entwerten. In ihrem Entscheid vom 20. Januar 2006 habe
die BVE sämtliche Kosten von Fr. 2'000.00 den Beschwerdeführenden auferlegt. Da ihre
Beschwerde immer noch das gleiche Verfahren betreffe, sei die Kostenfrage neu zu
beurteilen.
4. Die Baubewilligungsbehörde Arch beantragt, die Beschwerde sei vollumfänglich
abzuweisen und die angefochtene Baubewilligung sei zu bestätigen. Sie macht geltend, es
sei fraglich, ob die Beschwerdeführenden zur Beschwerde befugt seien. In der Wohn- und
Arbeitszone von Arch seien Verkaufsgeschäfte mit einem Tagesverkehr bis zu 1'000
Fahrten zulässig. Der strittige Parkplatz sei somit zonenkonform. Der Parkplatz habe im
Vergleich zum ursprünglich vorgesehenen bewilligten Auto-Abstellplatz bloss eine
geringfügige Nutzungsänderung zur Folge.
Der Beschwerdegegner liess sich zur Beschwerde nicht vernehmen.
5. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1,
edierte die Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Es verzichtete darauf, ein
Beweisverfahren durchzuführen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 können Bauentscheide innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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b) Die Vorinstanz macht geltend, es sei fraglich, ob die Beschwerdeführenden im
vorliegenden Fall zur Beschwerde befugt seien. Dazu ist Folgendes festzuhalten: In ihrem
Entscheid vom 20. Januar 2006 hat die BVE die Beschwerdelegitimation der
Beschwerdeführenden in Bezug auf den ursprünglich geplanten Auto-Ausstellungsplatz
bejaht. Die Frage der Legitimation ist im vorliegenden Fall nicht anders zu beurteilen: Die
Beschwerdeführenden haben als Mitglieder der einfachen Gesellschaft der
Eigentümerinnen und Eigentümer der Parzellen Arch Gbbl. Nrn. F._ und
G._ Beschwerde gegen den geplanten Parkplatz erhoben. Diese unüberbauten
Parzellen grenzen nicht direkt an die Bauparzelle an, sondern liegen rund 50-100 m davon
entfernt am noch nicht erstellten H._weg. Auch das Vorhaben des
Beschwerdegegners mündet in den H._weg, dort wo er in die bestehende
I._strasse einbiegt. Die Beschwerdeführenden rügen in materieller Hinsicht, der
geplante Parkplatz sei nicht zonenkonform und die Erschliessung sei nicht gewährleistet.
Sie sind hinsichtlich dieser Rügen in höherem Mass betroffen als eine beliebige Drittperson
und somit durch den angefochtenen Entscheid beschwert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Ungenügende Baugesuchsunterlagen und -pläne
a) Der Beschwerdegegner hat ein nachträgliches Baugesuch für das Errichten eines
rund 780 m2 grossen Parkplatzes auf Parzelle Arch Gbbl. Nr. D._ eingereicht. Das
Parkfeld soll den Kunden und Angestellten des benachbarten Bäckerei- und Tea-Room-
Betriebs Parzelle Arch Gbbl. Nr. E._ als Parkplatz dienen.
b) Nach Art. 11 Abs. 1 Bst. k BewD3 sind im Baugesuch die Lage und Gestaltung der
Abstellplätze für Fahrzeuge zu bezeichnen. Art. 50 Abs. 1 BauV4 bestimmt zudem, dass
die Anzahl der Abstellplätze für Fahrzeuge durch eine Bandbreite begrenzt wird, die sich
aufgrund der Nutzungsart und der Bruttogeschossfläche der Bauten und Anlagen
berechnet, für welche die Parkplätze bestimmt sind (Art. 51 und 52 BauV).
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (BewD; BSG 725.1) 4 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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Aus dem in den Vorakten enthaltenen Situationsplan vom 4. September 2007 geht die
Lage, die Gestaltung und die genaue Anzahl der auf Parzelle Arch Gbbl. Nr. D._
vorgesehenen Parkplätze nicht hervor. Im Plan eingezeichnet ist lediglich die
Gesamtfläche des Parkplatzes. Das Baugesuch erfüllt somit die Formerfordernisse von Art.
11 Abs. 1 Bst. k BewD nicht. Aus den Baugesuchsakten ist zudem nicht ersichtlich, über
wieviele Parkplätze der Bäckerei- und Tea-Room-Betrieb auf Parzelle Arch Gbbl. Nr.
E._ heute verfügt und wie gross der Parkplatz-Normbedarf dieses Betriebs ist.
Das nachträgliche Baugesuch des Beschwerdegegners ist somit unvollständig und kann
daher im heutigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden.
3. Rückweisung an die Vorinstanz
a) Laut Art. 40 Abs. 1 VRPG5 sind die Verwaltungsjustizbehörden befugt, ein bei ihnen
hängiges Verwaltungs- und Verwaltungsjustizverfahren von Amtes wegen aufzuheben,
wenn wesentliche Verfahrensgrundsätze derart verletzt sind, dass die richtige Beurteilung
unmöglich oder wesentlich erschwert ist.
b) Im vorliegenden Fall steht fest, dass die Baugesuchsunterlagen derart unvollständig
sind, dass eine Beurteilung des nachträglichen Baugesuchs nicht möglich ist. Der
Situationsplan ist im Sinne von Art. 11 Abs. 1 Bst. k BewD zu vervollständigen und es
müssen die erforderlichen Angaben zum Betrieb auf Parzelle Nr. E._ eingeholt
werden, welche es erlauben, den Parkplatz-Normbedarf nach Art. 49 ff. BauV zu
bestimmen (heutiger Parkplatzbestand, Bruttogeschossflächen, usw.). Nach
Vervollständigung der Baugesuchsakten müssen die Verfahrensbeteiligten und allenfalls
weitere Betroffene erneut angehört werden. Es ist nicht Sache der BVE als
Beschwerdeinstanz, diese Korrekturen im Beschwerdeverfahren vornehmen zu lassen. Es
ist daher gerechtfertigt, von der Möglichkeit der Kassation im Sinne von Art. 40 Abs. 1
VRPG Gebrauch zu machen. Die Baubewilligung der Einwohnergemeinde Arch ist
aufzuheben und die Sache ist zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen
an sie zurückzuweisen.
4. Kosten des Baubeschwerdeverfahrens RA Nr. 110/2005/89
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Die Beschwerdeführenden machen geltend, ihre Beschwerde beziehe sich auf das
Baubeschwerdeverfahren RA Nr. 110/2005/89. Die Verfahrenskosten, welche ihnen mit
Entscheid der BVE vom 20. Januar 2006 auferlegt worden seien, seien im Sinne einer
„Gesamtbeurteilung“ neu zu bestimmen.
Die Kostenverlegung im Entscheid der BVE vom 20. Januar 2006 wurde von den
Beschwerdeführenden nicht angefochten und ist rechtskräftig. Hinzu kommt, dass im
vorliegenden Fall ein anderes Baugesuch zu beurteilen ist (Parkplatz für eine Bäckerei mit
Tea-Room anstelle eines Ausstellplatzes für Personenwagen). Eine Neubeurteilung der
Verfahrenskosten scheidet somit aus.
5. Kosten
Muss ein Verfahren gestützt auf Art. 40 VRPG aufgehoben werden, so können den
Parteien, wenn sie keine Anträge zur Kassation gestellt haben, keine Verfahrenskosten
auferlegt werden. Auch den fehlbaren Behörden können nach Art. 108 Abs. 2 VRPG keine
Verfahrenskosten überbunden werden. Es werden daher keine Verfahrenskosten erhoben
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Parteikosten sind keine zu sprechen.