Decision ID: a9b8320e-f519-458c-8316-ea6f6e71ae77
Year: 2004
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft (nachfolgend „“) eröffnete nach Vorabklärungen, die Ende Juni 2004 aufgenommen worden waren, am 12. Oktober 2004 die Strafverfolgung unter anderem gegen Dieter Behring (nachfolgend „Behring“). Am 20. Oktober 2004  der Haftrichter Basel-Stadt im Rahmen einer ebenfalls gegen Behring und Mitbeteiligte von der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt geführten  die Untersuchungshaft wegen Kollusionsgefahr.
B. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2004 übernahm die Bundesanwaltschaft die bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt gegen Behring et al. und bei der Bezirksanwaltschaft Zürich gegen Unbekannt laufenden .
C. Mit Entscheid vom 24. November 2004 (BK_H 205 + 206/04) stellte die Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts fest, dass sich Behring aus  Gründen widerrechtlich in Haft befinde, hiess die entsprechende Beschwerde von Behring gut und wies das Haftverlängerungsbegehren der Bundesanwaltschaft ab.
D. Am 25. November 2004 verhaftete die Bundesanwaltschaft Behring wegen Kollusions- und Fluchtgefahr erneut und stellte am 26. November 2004 beim Eidgenössischen Untersuchungsrichteramt (nachfolgend „“) das Gesuch um Haftbestätigung (BK act. 1.4). Mit  vom 28. November 2004 (BK act. 1.2) bestätigte das  die Haft wegen Kollusions- und Fluchtgefahr.
E. Gegen den Haftbestätigungsentscheid des Untersuchungsrichteramtes vom 28. November 2004 führt Behring mit Eingabe vom 30.  2004 Beschwerde (BK act. 1) und beantragt die Aufhebung des  Entscheides und die sofortige Freilassung (BK act. 1, S. 2).
F. Mit Verfügung der Beschwerdekammer vom 1. Dezember 2004 wurde der Bundesanwaltschaft und dem Untersuchungsrichteramt Gelegenheit zur Beschwerdeantwort bzw. Vernehmlassung gegeben und Behring  die Frist für eine eventuelle Replik angesetzt (BK act. 2).
- 3 -
Auf die Ausführungen in den Eingaben und Akten wird, soweit diese für den vorliegenden Entscheid relevant sind, im Rahmen der folgenden  eingegangen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Gegen den Haftbestätigungsentscheid des Eidgenössischen  bzw. des gemäss Art. 47 Abs. 3 BStP zuständigen  Haftrichters kann gemäss Art. 214 BStP innert 5 Tagen bei der  des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (BÄNZIGER/LEIMGRUBER, Das neue Engagement des Bundes in der , Bern 2001, S. 160, N 198). Mit der Eingabe des  vom 30. November 2004, eingegangen am 1. Dezember 2004 (BK act. 1, S. 1) ist die Beschwerdefrist gewahrt. Der Beschwerdeführer als  ist beschwerdelegitimiert. Auf die Beschwerde betreffend  des Haftbestätigungsentscheides ist einzutreten.
2. 2.1 Der Beschwerdeführer trägt in seiner Beschwerdeschrift vom 30. Novem-
ber 2004 (BK act. 1) vor, die Verhaftung des Beschwerdeführers durch die Beschwerdegegnerin vom 25. November 2004 und der angefochtene  missachteten den Entscheid der Beschwerdekammer vom 24.  2004 (BK_H 205 + 206/04), mit welchem inhaltlich die  des Beschwerdeführers verfügt worden sei.
Beim vorliegenden Haftverfahren handelt es sich um ein von Grund auf neues Verfahren, welches mit der Haftanordnung der Beschwerdegegnerin vom 25. November 2004 seinen Anfang nahm, und in welchem sämtliche Haftvoraussetzungen und -gründe neu zu prüfen sind. Gemäss Art. 45 Ziff. 1 BStP liegt es in der Kompetenz der Beschwerdegegnerin, jederzeit einen Haftbefehl auszustellen und anschliessend das Haftbestätigungsverfahren durchzuführen, wenn dies zur Sicherung des Strafverfahrens notwendig . Mit dem Entscheid der Beschwerdekammer vom 24. November 2004 (BK_H 205 + 206/04) wurde festgestellt, dass sich der  aus formellen Gründen widerrechtlich in Haft befinde. Die  war deshalb gezwungen, zur Wahrung der Interessen der Strafverfolgung ein neues Haftverfahren einzuleiten, in welchem (auch) die materiellen Haftvoraussetzungen überprüft werden können. Die Einlei-
- 4 -
tung eines neuen Haftverfahrens war zudem auch unabhängig vom  des vorangehenden Verfahrens notwendig, weil die Haft im  Verfahren lediglich wegen Kollusionsgefahr angeordnet worden war, sich in der Zwischenzeit jedoch neue Indizien ergeben hatten, welche eine Fluchtgefahr nahelegten. Art. 51 Abs. 2 BStP hat zur Folge, dass sich das Haftverfahren unterschiedlich gestaltet, je nachdem ob die Haft wegen  allein oder wegen Fluchtgefahr allein bzw. wegen beiden Haftgründen angeordnet wurde. Ein Konflikt des vorliegenden Verfahrens mit dem vorangehenden Haftverfahren ist deshalb entgegen der Meinung des Beschwerdeführers nicht gegeben.
2.2 Der Beschwerdeführer führt aus, im Zeitpunkt des neuen Haftbefehles der
Beschwerdegegnerin sei das vorangehende Haftverfahren noch vor der Beschwerdekammer pendent gewesen; das neue Haftverfahren sei  unzulässig.
Zu diesem Vorbringen ist zum Einen zu sagen, dass der Entscheid der  vom 24. November 2004 datiert, und der hier  Haftbefehl am 25. November 2004 ausgestellt wurde, also einen Tag später. Allerdings kann offen bleiben, ob das Verfahren im technischen  noch vor der Beschwerdekammer pendent war, als der Haftbefehl vom 25. November 2004 ausgestellt wurde, denn wesentlich ist nur, dass  dem Entscheid der I. Öffentlichrechtlichen Abteilung des  vom 18. August 2003 (1P.432/2003), auf welchen der  in seiner Beschwerdeschrift in anderem Zusammenhang in  Sinne hinweist (BK act. 1, S. 6 Mitte), eine erneute Verhaftung während eines laufenden Haftverfahrens möglich ist (so bereits BGE 120 IV 342, 347, in fine). Die Verhaftung des Beschwerdeführers vom 25.  2004 war deshalb auch zulässig für den Fall, dass das  Haftverfahren im Zeitpunkt dieser erneuten Verhaftung noch  gewesen sein sollte. Die Ausstellung eines Haftbefehls durch die  gemäss Art. 45 Ziff. 1 BStP ist jederzeit möglich (siehe Erwägung 2.1).
2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, die Parteien seien zu unterschiedli-
chen Zeitpunkten über den Entscheid der Beschwerdekammer vom 24. November 2004 informiert worden.
Dieses Vorbringen ist nicht im vorliegenden Verfahren zu hören, sondern vom Beschwerdeführer im Verfahren BK_H 205 + 206/04 bzw. im  Beschwerdeverfahren vor dem Bundesgericht vorzutragen.
- 5 -
2.4 Auch die Rüge des Beschwerdeführers, wonach der Eidgenössische  nicht über die gemäss Art. 5 Ziff. 3 EMRK und Art. 31 Abs. 3 BV vorgeschriebene Unabhängigkeit und Unparteilichkeit verfüge, schlägt fehl; die Mehrzahl der Art. 5 Ziff. 3 und 4 EMRK angepassten  belässt der Untersuchungsbehörde die Befugnis, die Haft zu , räumt aber dem Inhaftierten das Recht ein, den Haftbefehl durch  Richter bzw. ein Gericht überprüfen zu lassen, so auch Art. 52 i.V.m. Art. 214 ff. BStP, welche sich auf Art. 31 Abs. 4 BV stützen (/SCHWERI, Schweizerisches Strafprozessrecht, 5. Aufl., § 68 N 31). Die Verschiebung eines Verhandlungstermins kann im Übrigen nicht als Indiz für den Mangel des Richters an den von der EMRK und der BV  Eigenschaften interpretiert werden.
3. In materieller Hinsicht ist der Beschwerdeführer mit dem angefochtenen
Entscheid offenbar grösstenteils einverstanden, zieht er doch weder den von der Vorinstanz festgestellten dringenden Tatverdacht in Zweifel, noch rügt er die Verhältnismässigkeit der Haft. Er bemerkt lediglich und erst in der Replik vom 10. Dezember 2004 (BK act. 5, S. 2 Mitte), die freiwillige Angabe von drei Bankkonten im Rahmen der Einvernahme vom 24.  2004 zeige, dass er weder Kollusions- noch Fluchtabsichten hege.
Der Beschwerdeführer wurde in einer der ersten polizeilichen  vor der Kantonspolizei Zürich gefragt, wovon er heute seinen  bestreite. Er teilte darauf mit, dass er „noch“ über zwei Konten verfüge, und zwar bei der A._ und bei der B._ (Einvernahme des Beschwerdeführers vom 11. Oktober 2004, S. 26, Beilage 4 im Ordner Haftprüfung). Erneut ausdrücklich und umfassend hinsichtlich seiner  befragt, gab der Beschwerdeführer auch in der  vom 19. Oktober 2004 vor der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt  die beiden Konten bei der B._ und bei der A._ und  Tresor mit „ca. 10'000.-- bis 15'000.--„ an (Beilage 5 im Ordner , S. 2). Im späteren Verlauf der Ermittlungen, als der  offenbar zur Erkenntnis gekommen war, dass der  bereits weitere Konten bekannt waren, begann er nach und nach  weiteren Konten im In- und Ausland anzugeben (Einvernahme vom 27. Oktober 2004, S. 12, Beilage 6 im Ordner Haftprüfung, Einvernahme vom 9. November 2004, S. 8, Beilage 7 im Ordner Haftprüfung, Einvernahme vom 24. November 2004, S. 14 f., Beilage 8 im Ordner Haftprüfung).  Verhalten des Beschwerdeführers zeigt einerseits dessen  auf, andererseits ist durch die heute zugegebenen  Vermögenswerte des Beschwerdeführers im Ausland (ca. 7 Mio.
- 6 -
CHF; vgl. Protokoll der Haftüberprüfungsverhandlung vom 28. November 2004, S. 4, im Ordner Haftprüfung) auch das konkrete Indiz für die  gegeben. Zu betonen ist an dieser Stelle, dass der  vorerst jegliche Auslandvermögenswerte verschwieg und auf die klare Frage nach der wirtschaftlichen Berechtigung bei ausländischen Firmen mit „Nein“ antwortete (Einvernahme vom 11. Oktober 2004, S. 26, Beilage 4 im Ordner Haftprüfung), später dann aber genau eine solche wirtschaftliche Berechtigung an einer Immobilienanlage in Z._ zugab mit dem  Zusatz: „Daneben gilt auch hier, dass ich in den USA direkt über keine Vermögenswerte oder Konti verfüge.“ (Protokoll der  vom 28. November 2004, S. 5). Der Beschwerdeführer  mit dem Adverb „direkt“ in die Aussagen einfliessen zu lassen, dass er nur nach direkten Vermögenswerten gefragt wurde, obwohl mit der  Berechtigung klarerweise direkt und indirekt gehaltene  gemeint sind. Damit wird einmal mehr offensichtlich, dass es mit der Wahrheitsliebe des Beschwerdeführers nicht zum Besten steht; ein weiteres konkretes Indiz für die nach wie vor vorhandene Kollusionsgefahr.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Kosten
zu tragen (Art. 245 BStP i.V.m. Art. 156 Abs. 1 OG). Die Gerichtsgebühr wird auf Fr. 1'000.-- festgesetzt (Art. 3 des Reglements über die  vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.32).
- 7 -