Decision ID: 5a661e60-3ef1-4d96-9f0a-b2ba9dfb11da
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, arbeitete a
ls Maschinist/
Bagger
führer bei der
Y._
AG
und war bei der Schweizerischen
Unfallversiche
rungsanstalt
(Suva) obligatorisch gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versi
chert (
Urk.
10/1
, 10/17 S. 2
).
Am
6.
April 2014 stürzte er beim
Velofahren
und fiel
über den Lenker zu Boden (
Urk.
10/1, 10/17 S. 1, 10/27). Gleichentags suchte er wegen verm
ehrtem
Bewe
gungsschmerz
im Bereich der rechten Schulter
die Chirurgische Klinik des Spitals
Z._
auf (
Urk.
10/27). Eine Arbeitsunfähigkeit bestand nicht
(vgl.
Urk.
10/1
und 10/17 S. 1
). Der Versicherte befand sich
in der Folge
in
Behand
lung bei
Dr.
med.
A._
,
Ärztin für
Allgemeine Medizin, und bei Dr.
med.
B._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere
Medizin (
Urk.
10/29,
14/1-2). Ein
e
am
1.
Dezember 2014 durchgeführ
te
MRI
-Untersuchung der rechten Schulter
ergab eine
transmurale
Ruptur der Supra
-
spinatussehne
sowie eine hochgradige Partialruptur der
Subscapularissehne
(
Urk.
10/21-22).
Nachdem der Versicherte im Betrieb vermehrt manuelle Handarbeiten
hatte
verrichten
müssen
, kam es zu einer Schmerzzunahme und a
b dem 2
9.
Januar 2015
bestand eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
10/5, 10/17 S. 1 f.
,
10/19,
10/21
). Am 12.
März 2015 erfolgte ein operativer Eingriff am rechten Schult
ergelenk mit insbesondere
transo
ssärer
Reinsertion
der
Supraspinatus
- und
der
Subscapula
rissehne
(
Urk.
10/28).
Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Trauma
tologie
, nahm am 2
7.
März 2015 eine ärztliche Beurteilung vor (
Urk.
10/33). Mit einem als „formlose Ablehnung“ bezeichneten Schreiben teilte die Suva dem Versicherten
in der Folge
mit, der Fall werde
rückwirkend
per
6.
Mai
2014 abgeschlossen. Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen bestehe nicht (
Urk.
10/35). Da der Versicherte damit nicht ei
nverstanden war (vgl.
Urk.
10/38
)
,
erliess die Suva die der formlosen Ablehnung
entsprechende Verfügung vom 6.
Mai 2015
, mit welcher an der Einstellung der
Versiche
rungsleistungen per 6.
Mai 2015 (richtig: 2014) festgehalten wurde (
Urk.
10/42). Die Einsprache des Versicherten wies die Suva mit Entscheid vom 2
2.
Juni 2015 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Einspracheentscheid vom 2
2.
Juni 2015 richtet sich die Beschwerde des Versicherten vom 2
1.
August 2015
(
Urk.
1)
mit den Rechts
-
begehren
:
Es sei der
Entscheid
der Beschwerdegegnerin vom 2
2.
Juni 2016 aufzuhe
ben.
E
s seien
dem Beschwerdeführer
die gesetzlichen Leistungen nach UVG für die Folgen des Unfallereignisses vom
6.
April 2014 ab dem
1.
Dezember 2014 bis auf Weiteres zu erbringen.
Es sei festzustellen, dass der Riss der
Supraspinatussehne
und die damit verbundene Behandlung ab dem
1.
Dezember 2014 im kausalen Zusammen
hang zum Unfall vom
6.
April 2014 stehen, weshalb die Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, ihre Leistungen weiterhin zu erbringen.
Eventualiter sei auf Kosten der Beschwerdegegnerin ein ärztliches Gutachten zu veranlassen.
Unter Kosten- und Entschädigun
gsfolge der Beschwerdegegnerin.
In der Beschwerdeantwort
vom 1
2.
Oktober 2015
schloss die Suva auf Abwei
sung (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom
2.
Februar 2016 gab das Gericht dem Beschwerdeführer Gelegenheit, zur
mit der Beschwerdeantwort eingereichten Beurteilung von Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, Suva-Versicherungsmedizin,
vom 5.
Oktober 2015 (
Urk.
9/1) sowie zu den von der Suva nachträglich eingereich
ten Berichten von
Dr.
B._
vom
7.
Juli und vom
1.
September 2014 (
Urk.
14/1-2) Stellung zu nehmen. Der Versicherte liess am 1
7.
März 2016 erklären, an seinen Ausführungen in der Beschwerde
und dem damit einge
reichten Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, vom 1
4.
August 2015
festzuhalten (
Urk.
19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2). Ausserdem erbringt die Versi
cherung ihre Leistungen bei Schädigungen, die den Verunfallten bei der Heilbe
handlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
1.3
.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
–
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
.2
Wird durch den Unfall ein
(
krankhafter
)
Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
).
Die
blosse
Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalls genügt nicht.
Da es sich
hiebei
um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die ent
sprechende Beweislast
–
anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist
–
nicht bei der versicherten Per
son, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76).
Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten
massge
bend
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E.
2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des
S
tatus quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der
S
tatus quo sine
vel
ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfa
llversicherer gestützt auf Art. 36 Abs.
1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die
Heilbehandlungskosten nach Art.
10 UVG fallen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_637/20
13 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.3
.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom
6.
Mai 2015 (
Urk.
10/42) und im Einsp
racheentscheid vom 2
2.
Juni 2015 (
Urk.
2
) gestützt auf die Beur
teilung von Kreisarzt
Dr.
C._
vom 2
7.
März 2015 davon aus, dass der Unfall vom
6.
April 2014 zu einer Kontusion/Distor
sion des rechten Schultergelenk
s ohne strukturell traumat
ische Läsion geführt habe. Der S
tatus quo sine sei vier Wochen nach dem Unfaller
eignis erreicht gewesen
. In der Beschwerdeantwort
hielt sie daran unter Hinweis
auf die Beurteilung von Dr.
E._
vom
5.
Oktober 2015
fest (
Urk.
8).
2.2
Der Beschwerdeführer
lässt beschwerdeweise
unt
er Verweis auf die Beurteilung
von
Dr.
D._
vom 1
4.
August 2015
geltend machen, der Riss der
Supra
spinatussehne
und die damit verbundene Behandlung sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen (
Urk.
1 S.
2 und S.
3
f.; vgl. auch
Urk.
3/6-
9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob
der
am
1.
Dezember 2014
erhobene Befund des Risses der
Supraspinatussehne
eine direkte oder indirekte Folge des
Unfall
s
vom 6. April 2014
ist,
und ob die Beschwerdegegnerin dafür eine
Leistungs
pflicht
in Form von Heilbehandlung und Taggeld
(gegebenenfalls Rente und Integritätsentschädigung)
triff
t
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_214/2011 vom 2
0.
Juni 2011, E.
8).
3.
3.1
Der Versicherte gab am Unfalltag gegenüber den Ärzten
der Chirurgischen Klinik
des Spitals
Z._
an, er sei mit dem Velo gestürzt und dabei auf den ausgestreckten rechten Arm gefallen. Seither habe er vermehrten
Bewegungs
schmerz
im Bereich der rechten Schulter.
Bereits seit etwa vier Wochen habe er
Schmerzen in der rechten Schulter verspürt
ohne
erinnerliches
Trauma. Auf
grund der
im Spital
durchgeführten Röntgenuntersuchung konnte eine Fraktur ausgeschlossen werden
. Die Ärzte diagnostizierten
eine Kontusion der rechten Schulter und einen Verd
acht auf ein
Impingementsyndrom
(
Urk.
10/27).
Gemäss dem Bericht von Dr.
A._
vom 1
6.
März 2015
war
der
Versicherte
nach dem Unfall
mit Analgesie, Physiotherapie und Infiltrationen be
handelt worden (vgl.
Urk.
10/29 S. 1
).
Nach
den
Angaben
von
Dr.
B._
im Bericht vom
7.
Juli 2014
waren
die diversen Gelenk-
,
Muskel
-
und
Sehnenschmerzen (vor allem am rechten Knie und den Schultern beidseitig, rechtsbetont) alle zu einem Grossteil Harnsäure-assoziiert im Sinne einer
Gichtarthropathie
. Seit März 2014 bestehe eine
Per
i
arthropathia
humeroscapularis
rechts. Anfang April sei dann noch ein Sturz erfolgt.
Sonographisch
sei
im April ein intramuraler partieller Längsriss der
Subscapulariss
e
hne
festgestellt wo
rden
(
Urk.
14/1 S. 1).
Im Bericht vom
1.
September 2014 führte er aus, bei
der letzten Untersuchung
am 12.
August 2014
sei der Versicherte
- damals noch ohne Behandlung mit Cortison – wegen der rechten Schulter und einer allgemeinen Kraftlosigkeit und Leistungseinbusse noch ziemlich verzweifelt gewesen. Aktuell gehe es ihm mit Cortison
wieder
deutlich besser.
Er habe angegeben,
am Vortag
70 km vormittags mit dem Velo
gefahren zu sein
. Es bestehe noch ein leichtes
Impingement
der rechten Schulter und beim Schürzengriff könne endständig ein Schmerz provoziert werden
(
Urk.
14/2 S. 1 f.
).
Gemäss dem Bericht der Ärzte der
F._
AG
war
die Untersuchung wegen se
it einem halben Jahr bestehenden
rechtsseitigen Schulterschmerzen veranlasst worden. Im Vorfeld der Untersuchung habe aufgrund einer
Ultra
schalluntersuchung
ein V
erdacht auf eine
Subscapularisl
äsion
bestanden, klinisch hätten sich aber ehe
r Symptome einer
Supraspinatusl
äsion
gezeigt. Das MRI
habe
eine
transmurale
Ruptur der
Supraspinatussehne
sowie eine leichte Volumenatrophie und
eine
fettige Degeneration des
Musculus
Supraspinatus
(nicht signifikant)
ergeben
. Zudem
bestünden
eine hochgradige Partialruptur der
Subscapularissehne
mit kleiner
transmuraler
Rupturkomponente
kranial sowie eine fortgeschrittene Atrophie und
eine
fettige Degeneration in den kranialen 2/3 des
Musculus
sub
s
capularis
.
Daneben bestünden Zeichen eines
subacromi
alen
Impingements
sowie eine aktivierte,
erosive
Gelenksarthrose (
Urk.
10/22).
Bei Rechtsdominanz und Versagen der konserv
ativen Massnahmen erachtete Dr.
D._
die operative
Rotatorenmanschettenrekonstruk
tion
für indiziert (
Urk.
10/21
S. 2), welche am 1
2.
März 2015 erfolgte (
Urk.
10/28).
3.2
In seiner
Beurteilung vom 2
7.
März 2015
hielt
Dr.
C._
fest, der klinische Befund der Erstuntersuchung dokumentiere allenfalls eine Bagatellverlet
zung des rechten Schultergelenk
s bei fast v
ollständig freier Beweglichkeit
und ohne äusserliche Verletzungszeichen im Sinne einer Kontusion/Distorsion
. Der erho
bene Befund entspreche in keiner Weise einer im MRI festgestellten Ruptur des
Supraspinatus
beziehungsweise des
Subscapularis
. Überdies müsste bei derart erheblichen Verletzungen der
Rotatorenmanschette
auch ein
Bone
bruise
im MRI nachweisbar sein. Die im MRI und im Operationsbericht beschriebenen intraartikulären Veränderungen des rechten Schultergelenks seien ohne ver
nünftige Zweifel vorbestehend. Eine traumatische Genese sei eher unwahr
scheinlich und nur mit möglicher Wahrscheinlichkeit in einen kausalem Zusammenhang zum Ereignis vom
6.
April 2014 zu bringen.
Auch das lange Intervall zwischen Unfallereignis, Erstvorstellung und erstmaligem
Kernspinto
gramm
sei aus medizinischer Sicht nicht plausibel.
Das Unfallereignis habe zu einer Kontusion/Distorsion des rechten Schultergelenkes ohne strukturell trau
matische Läsion geführt. Der Status quo sine sei vier Wochen nach dem
Unfall
ereignis
erreicht
gewesen
(
Urk.
10/33 S. 2).
3.3
In einem Schreiben vom 1
4.
August 2015 äussert
e
sich
Dr.
D._
zum Ein
spracheentscheid
der Suva
beziehungsweise zu den darin enthaltenen A
ngaben von
Dr.
C._
. Dabei hielt
er fest, er sei der Ansicht, dass es sich bei der
Schul
terproblematik
des Versicherten um Unfallfolgen handle.
Es sei für solche Ver
letzungen typisch, dass diese zuerst konservativ behandelt würden und erst bei persistierenden Beschwerden eine weiterführende Diagnostik eingeleitet werde.
Bei einer frischen
Rotatorenmanschettenverletzung
müssten keine äusserlichen Verletzungszeichen vorhanden sein, da das Trauma häufig indirekt durch Sturz auf die Hand bedingt sei. Das MRI sei acht Monate nach de
m Trauma angefer
tigt worden. Der
erwähnte
Bone
bruise
, der
tatsächlich meistens nach einem Trauma vorhanden sei,
sei nach dieser Zeit in der Regel abgeheilt. Es seien keine wesentlichen degenerativen Veränderungen beschrieben worden. Die fort
geschrittene Atrophie und Verfettung der oberen Hälfte der
Subscapularissehne
könn
t
e tatsächlich älteren Datums sein. Die Muskulatur der
Supraspinatussehne
sei aber weitgehend unauffällig und der Sehnenriss hier höchstwahrscheinlich unfallbedingt. Die Behauptung, dass nach so einem heftigen Velosturz mit Schulterverletzung ohne genaue Abklärung eine Ausheilung nach vier Wochen erfolge, sei gewagt (
Urk.
3/6 S. 1 f.).
3.4
Dr.
E._
lagen bei seiner Beurteilung
vom
5.
Oktober 2015
neu
die Berichte von
Dr.
B._
vom 7
.
Juli und vom
1.
September 2014 vor (vgl.
Urk.
9/1 S. 2 f.).
Er hielt fest, aus dem Umstand, dass die bei
Dr.
B._
durchgeführte
Corti
sontherapie
beim Beschwerdeführer Wirkung gezeigt habe, könne auf die krankhafte Natur der Beschwerdeursache geschlossen
werden
. Denn Cortison entfalte bei einer tatsächlich traumatischen
Rotatorenmanschettenruptur
keinerlei therapeutische Wirkung, wohl aber bei entzündlichen
Gelenkerkran
kungen
(
Urk.
9/1 S. 4). Sodann seien die im Dezember 2014 diagnostizierten Sehnenrupturen der
Rotatorenmanschette
rechts am
6.
April 2014 bereits vor
handen gewesen, denn die bildgebend objektivierten
Verfettungen
seien mit Sicherheit nicht im Lauf von acht Monaten entstanden (
Urk.
9/1 S.
5 f.
). Weitergehende biomechanische Analysen darüber, ob der Unfallhergang über
haupt geeignet gewesen sei
n
könnte, die Sehnenrupturen zu verursachen, unterblieben an dieser Stelle. Eine Kontusion des Schultergelenks könne nicht zu einer Zerreissung von Sehnen führen, denn Sehnen seien grundsätzlich auf Zugbeanspruchung ausgelegt und zerrissen nur durch übermässige Belastung durch Zug in Längsrichtung der Sehne (
Urk.
9/1 S. 5). Das zuletzt im Vorder
grund gestandene
,
am 1
2.
März 2015 mittels Resektion des Schultereckgelenks und
Acromioplastik
behandelte
Impingementsyndrom
des rechten Schulterge
lenks, welches bereits am Unfalltag diagnostiziert w
orden sei
, sei mit Sicherheit vorbestehend und überwiegend wahrscheinlich die unfallunabhängige Ursache der
Supraspinatuspathologie
(
Urk.
9/1 S. 5).
In Beantwortung der Frage, ob der Gesundheitsschaden an der rechten Schulter mit überwiegender Wahrschein
lichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen sei, verwies er erneut auf die
bildgebend objektivierten fettigen Infiltrationen der Muskulatur der
Rotatoren
manschette
rechts, womit als ausgewiesen betrachtet werden könne, dass die Rupturen dieser Sehnen bereits im Zeitpunkt des Velosturzes am
6.
April 2014
bestanden hätten (
Urk.
9/1 S. 6; vgl. auch S. 5
).
4.
4.1
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten
versiche
rungsinterner
Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nach
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlä
ssigkeit bestehen
. Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklär
ungen vorzunehmen (BGE 135 V 470
E. 4.4 mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts 8C_557/2015
vom
7.
Oktober 2015,
E. 5.2
).
Namentlich sind die von der
versicherten Person auf
gelegten Berichte
der behandelnden Ärztinnen und Ärzte
daraufhin zu prüfen, ob sie auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Feststellungen versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte w
ecken (BGE 135 V 470 f. E. 4.5 und
E.
4.6).
4.2
Kreisarzt
Dr.
C._
war bei seiner
Beurteilung
vom 2
7.
März 2015
nicht in Kennt
nis der Berichte von
Dr.
B._
und der
von ihm
durchgeführten
Untersuchungen und
Behandlungen
(
vgl.
Urk.
10/33). Soweit er somit aus dem Verlauf beziehungsweise aus dem langen Intervall zwischen Unfall
,
Erstvor
stellung
und
Durchführung des
MRI Schlussfolgerungen zieht, kann darauf nicht abgestellt werden.
Seinen Ausführungen dazu sowie zu den fehlenden äusseren
Verletzungs
zeichen
nach dem Unfall
, dem
fehlenden
Bone
bruise
im MRI und der Aushei
lung nach vier Wochen wird seitens
des behandelnden Arztes Dr.
D._
im Schreiben vom 1
4.
August 2015
widersprochen.
Dr.
D._
nimmt in seiner Beurteilung sodann
als erster Arzt eine Unterscheidung
vor; die Verletzung an der
Subscapularissehne
erachtet er als
wahrscheinlich
tatsächlich älteren Datums
,
den
Riss der
Supraspinatussehne
demgegenüber als höchstwahrschein
lich unfallbedingt.
Angesichts dieser Stellungnahme
von
Dr.
D._
holte die Beschwerdegegnerin zu Recht die ergänzende ausführliche Beurteilung
von Dr.
E._
vom
5.
Oktober 2015
ein.
4.3
Die Beurteilungen
von
Dr.
D._
vom 1
4.
August 2015 und von Dr.
E._
vom
5.
Oktober 2015, welche von
Dr.
E._
mit Hinweisen auf wissenschaftliche Untersuchungen untermauert wurden, stimmen insoweit überein, als eine fort
geschrittene Atrophie und Verfettung des dazugehörigen Muskels auf einen seit längerem bestehenden Riss der
Rotatorenmanschette
hindeuten
(
Urk.
3/6 S. 1 und 2, 9/1 S. 5 f.).
Beide
messen diesem Aspekt bei der
Beurteilung der
Frage, ob die festgestellten Sehnenrisse
vorbestehend oder
Folge
n
des Unfalles vom
6.
April 2014 sind, massgebliche Bedeutung zu.
Bezüglich der Teilruptur der
Subscapularissehne
, bei welcher eine Verfettung
bis zu
Goutallier
Grad IV des dazugehörigen Muskels
bestand (vgl. MRI-Befund,
Urk.
10/22)
, welche
aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen
in der Regel erst nach vier Jahren erreicht sei
,
nimmt auch
Dr.
D._
an, dass diese tat
sächlich älteren Datum
s
sein könnte
(
Urk.
3/6
S. 2; vgl. auch
Urk.
9/1 S. 5
). Bezüglich des
Alters
der
Supraspinatussehne
nruptur
gehen die B
eurteilungen jedoch auseinander. Insoweit hielt
Dr.
D._
fest, die Muskulatur sei weitge
hend unauffällig und der Sehnenriss hier höchstwahrscheinlich unfallbedingt. Im Weiteren wies er darauf hin, dass – mit Ausnahme der AC-Gelenksarthrose, die in diesem Alter
bei
einem
sehr
hohem Prozentsatz
der Menschen
bestehe -
wie im Operationsbericht beschrieben
keine wesentliche Degeneration vorhan
den
gewesen
sei
(
Urk.
3/6 S. 1 f.
; vgl. auch den Operationsbericht,
Urk.
10/28
)
.
Dr.
E._
demgegenüber erachtet es als ausgewiesen, dass auch der Riss der
Supraspinatussehne
mit Retraktion um 1,7 cm und Verfettung Grad I d
es
Musculus
supraspinatus
am 6.
April 2014 bereits bestanden habe (
Urk.
9/1 S. 6).
Dr.
E._
nimmt in seiner Beurteilung
vom
5.
Oktober 2015
nicht auf den Bericht von Dr.
D._
vom
1
4.
August 2015 Bezug, sodass anzunehmen ist, er habe diesen nicht zur Kenntnis genommen
. Die
formal
unwidersprochen gebliebenen Ausführungen von
Dr.
D._
vermögen
somit die spätere
versi
cherungsinterne
Beurteilung
von
Dr.
E._
in Frage zu stellen.
Dies gilt umso mehr, als die Angaben von
Dr.
E._
bezüglich der Frage, wie lange es dauert, bis eine Verfettung
Goutallier
Grad
I eintritt, wie sie beim
Musculus
supraspi
natus
vorlag, auch nicht mit wissenschaftlichen Untersuchungen unterlegt wur
de
n
(vgl.
Urk.
9/1 S. 5 f.).
D
as Ausmass der Atrophie und Verfettung des
entsprechenden Muskels
war
zentrales Element der Kausalitätsbeurteilung
durch
Dr.
E._
. Da
seine Schluss
folgerungen insoweit in Frage gestellt sind, kann
auf seine Beurteilung
nicht abgestellt werden.
Es ist der
Beizug
einer versicherungse
xternen Expertise erforderlich und die Sache dafür an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.4
Die
nach der Rückweisung von der Beschwerdegegnerin
zu beauftragende externe Gutachter
person
wird den Umstand, dass bereits etwa vier Wochen vor dem Unfall Beschwerden
aufgetreten waren
, zu würdigen haben. Insoweit wer
den die Angaben im Schreiben von
Dr.
B._
vom 7.
Juli 2014 zu den
subjektiven Angaben des Versicherten vom 2
5.
April 2014 noch zu vervollstän
digen sein; es ist anzunehmen, dass ein Satzteil fehlt
beziehungsweise
der Inhalt unv
ollständig wiedergegeben wurde (vgl.
Urk.
14/1).
Im Hinblick auf die
im Ergebnis auch insoweit widersprüchlichen Einschätzun
gen von
Dr.
D._
und
Dr.
E._
wird sich der Gutachter auch dazu zu äus
sern haben, ob ein Sturz vom Velo auf den ausgestreckten rechten Arm (vgl.
Urk.
10/27) geeignet ist, einen
Supraspinatussehnenriss
herbeizuführen.
Das Gutachten wird sodann auch den Beschwerdeverlauf
und die
nach dem Unfall
erhobenen Befunde
zu würdigen haben.
Dabei wird auch
d
er Umstand, dass anlässlich der
sonographischen
Untersuchung vom 2
5.
April 2014 die Ruptur der
Subscapularissehne
, nicht aber der Riss der
Supraspinatussehne
fest
gestellt wurde, zu würdigen sein (vgl.
Urk.
14/1).
Dr.
B._
ging
im Bericht vom
7.
Juli 2014
davon aus, dass die an den Schultern rechtsbetont aufgetretenen Sehnenschmerzen zumindest teilweise
im
Zusammenhang mit der
Gichtarthropathie
standen (vgl.
Urk.
14/1 S. 1; vgl. auch
Urk.
9/1 S. 4).
Ange
sichts der möglicherweise teilweise überlappenden Beschwerdebilder wird für die Begutachtung gegebenenfalls auch ein Facharzt oder eine Fachärztin der Rheumatolog
i
e beizuziehen sein.
Die Sache ist damit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese die versicherungsunabhängige Expertise einhole. Im Anschluss wird sie über ihre Leistungspflicht
neu zu entscheiden haben. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Entschädigung ist auf
Fr.
1‘800.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzulegen.