Decision ID: 01c037d1-3ac0-4f82-908b-4e92d80ef2e4
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
Mit Urteil 1C_650/2020 vom 12. Juli 2022 hiess das Bundesgericht die
gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden R 19
29, R 19 30, R 19 31 vom 29. September 2020 erhobene Beschwerde von
A._ gut und hob die (drei) Baubewilligungen der Gemeinde B._
vom 19. März 2019 auf (vgl. Ziff. 1 Urteilsdispositiv). Es erwog, dass die
Gemeinde vor der Erteilung der Baubewilligungen an die
Beschwerdegegner zwingend hätte prüfen müssen, ob die Zuteilung der
Baugrundstücke zur Wohnzone bzw. zur Bauzone noch gerechtfertigt war.
Bevor die bereits in die Wege geleitete Überprüfung der Bauzonen auf
dem gesamten Gemeindegebiet abgeschlossen war, hätte sie für die
Bauvorhaben auf den beiden Parzellen Nrn. 2055 und 4355 keine
Baubewilligungen erteilen dürfen. Die Erteilung der umstrittenen
Baubewilligungen stehe im Widerspruch zu Art. 15 RPG, ohne dass im
vorliegenden Verfahren geprüft werden müsste, ob die schrittweise
Inkraftsetzung der Planungszone generell bundesrechtswidrig war.
Vorliegend müsse die Gemeinde im Rahmen der hängigen
Ortsplanungsrevision entscheiden, wo und wie die gebotene Reduktion
ihrer Bauzonen erfolgen soll (vgl. Erwägung 3.6.3 und Erwägung 4.1). Die
Gerichtskosten von Fr. 4'000.-- wurden den Beschwerdegegnern unter
solidarischer Haftung auferlegt (Ziff. 2 Urteilsdispositiv). Aussergerichtlich
wurden die Beschwerdegegner unter solidarischer Haftung verpflichtet,
dem Beschwerdeführer für das bundesgerichtliche Verfahren eine
Parteientschädigung von Fr. 4'000.-- zu bezahlen (Ziff. 3 Urteilsdispositiv).
Im Weiteren wurde die Sache zur Neuverlegung der Kosten und der
Parteientschädigung der vorangegangenen Verfahren an die Vorinstanz
(Verwaltungsgericht Graubünden) zurückgewiesen (Ziff. 4
Urteilsdispositiv).
- 4 -

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten ganz oder teilweise gut, kann es reformatorisch
entscheiden, also in der Sache selbst Anordnungen treffen, oder aber
kassatorisch, also den angefochtenen Entscheid nur aufheben oder die
Angelegenheit an die Vorinstanz oder an die erstinstanzlich verfügende
Behörde zur Neubeurteilung zurückweisen (Art. 107 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht [BGG; SR 173.110]; vgl. auch
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
Rz. 1640; m.w.H. DORMANN, in: Niggli/Uebersax/ Wiprächtiger/Kneubühler
[Hrsg.], Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel
2018, Art. 107 Rz. 12 ff.). Dabei kann das Bundesgericht gemäss Art. 67
und Art. 68 Abs. 5 BGG auch die Kosten und/oder die Entschädigungen
des vorangegangenen Verfahrens anders verteilen. Es weist die
Angelegenheit dabei entweder an die Vorinstanz zurück, damit diese über
die Kostenverteilung entscheidet, oder entscheidet selbst
(KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz. 1658; GEISER, in: Niggli/Uebersax/
Wiprächtiger/Kneubühler [Hrsg.], Basler Kommentar zum
Bundesgerichtsgesetz, 3. Aufl., Basel 2018, Art. 67 Rz. 5 und Art. 68
Rz. 24 f.). Bei einer Rückweisung sind die Vorgaben und Anweisungen
des Bundesgerichts für die Vorinstanz verbindlich (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI,
a.a.O., Rz. 1643; DORMANN, in: Niggli/Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler,
a.a.O., Art. 107 Rz. 18; vgl. auch BGE 143 IV 214 E.5.3.3 m.H.a. 135 III
334 E.2.1).
1.2. Nach der verbindlichen Anweisung des Bundesgerichts (siehe Ziff. 4
Urteilsdispositiv) sind die Kosten- und Entschädigungsfolgen des
- 5 -
Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden neu zu
verlegen.
2. Da der Beschwerdeführer vor dem Bundesgericht vollständig obsiegt hat,
ist er im kantonalen Verfahren so zu stellen, als wäre er mit seinen
Beschwerden vor dem Verwaltungsgericht durchgedrungen.
2.1. Nach Art. 73 Abs. 1 VRG des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG; BR 370.100) hat die im Rechtsmittelverfahren unterliegende Partei
die Kosten zu tragen. Die Gerichtskosten aus den
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 19 29, R 19 30 und R
19 31 von insgesamt CHF 4'794.-- (bestehend aus einer Staatsgebühr von
CHF 4'000.-- und Kanzleiauslagen von CHF 794.--) gehen somit
entsprechend dem Ausgang des bundesgerichtlichen Verfahrens zur
Hälfte zu Lasten der Beschwerdegegnerin (1⁄2 Gemeinde) und zu je einem
Sechstel zu Lasten der drei Beschwerdegegner (zusammen 3/6).
2.2. Darüber hinaus haben die Beschwerdegegnerin und die drei
Beschwerdegegner den obsiegenden Beschwerdeführer für die
verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren R 19 29, R 19 30 und R 19
31 aussergerichtlich zu entschädigen (Art. 78 Abs. 1 VRG). Ausgangspunkt
für den Ersatz der durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen
Kosten bildet dabei die Honorarnote der Anwältin des Beschwerdeführers
vom 11. November 2019 in der Höhe von CHF 12'729.35 (bestehend aus:
Arbeits-/Zeitaufwand 42.5 Std. à CHF 270.--/Std. [CHF 11'475.--], zzgl.
Kleinspesen 3 % [CHF 344.25] und Mehrwertsteuer 7.7 % [CHF 910.10]).
Nach Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (vgl. Honorarverordnung [HV]; BR
310.250) beträgt der übliche Stundenansatz im Durchschnitt CHF 240.--.
Liegt eine Honorarvereinbarung nach Art. 4 HV vor, ist ein Stundenansatz
von maximal CHF 270.-- zulässig. Gemäss Honorarvereinbarung vom 9.
November 2018 (Ziff. 1 Fee agreement) wurde ein Stundenansatz von CHF
- 6 -
270.-- vereinbart. An der eingereichten Honorarnote der Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers gibt es daher nichts auszusetzen oder zu
korrigieren. Die Beschwerdegegnerin und die drei Beschwerdegegner
haben den Beschwerdeführer somit – nach dem gleichen Verteilschlüssel
wie bei den Gerichtskosten – noch angemessen mit [aufgerundet] CHF
6'364.70 (1⁄2 Gemeinde) sowie jeweils CHF 2'121.55 (1/6 pro
Beschwerdegegner; total 3/6) zu entschädigen.