Decision ID: c43520f1-6d87-48ef-8432-72210f7d2281
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, war als Raumpflegerin bei der
Y._
AG angestellt und damit bei der Schweizerischen
Unfallversi
cherungsanstalt
(Suva) versichert, als sie am
5.
April 2010 im Badezimmer stürzte und sich eine Fraktur des Os metacarpale V
der rechten Hand
zuzog
(vgl. Urk.
10/117
).
Sie
wurde am 1
6.
April 2010 im Spital
Z._
operativ mit einer Plattenosteosynthese
versorgt
(
Urk.
10/4
).
Darüber wurde d
ie
Suva mit Unfallmeldung vom 2
3.
April 2010 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
10/117), worauf sie
die Heilbehandlungskosten übernahm und der Versicherten Taggelder ausrich
tete (vgl. Urk.
10/2
, 10/10, 10/15, 10/23
und
10/75
).
Aufgrund einer
extra
ossären
Schraubenlage wurde das
Osteosynthesematerial
am 2
1.
Juni 2010 vor
zeitig entfernt (
Urk.
10/13
)
. Da die Versicherte
in der Folge
weiterhin über Schmerzen klagte, wurde sie mehrfach untersucht
(vgl.
Urk.
10/26 ff.
, 10/52 ff.
und
10/67 ff.
)
,
unter anderem
am
3.
Oktober 2011 durch
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Neurologie (
Urk.
10/89), und am
2
0.
Dezember 2011 durch den Kreisarzt
der Suva
(Urk.
10/99)
.
Sie liess a
m
21. Februar 2012 eine Narbenrevision mit
langstreckiger
Neurolyse
und intramuskulärer Verlagerung des oberflächlichen
Ulnarisastes
vor
nehmen
(Urk.
10/128
).
Nach
einer weiteren
kreisärztlichen Untersuchung vom
1
0
. September 2012
(
Urk.
10/161)
und
einer neurologischen Untersuchung vom
17. September 2012
(
Urk.
10/165)
teilte
die Suva der
Rechtsvertreterin der
Versicherten
mit Schreiben vom 2. Oktober 2012 mit,
es sei ausgeschlossen, dass die noch vorhandenen Beschwerden eine neu
rologische Ursache hätten.
A
us medizinischer Sicht
sei
keine
Integritätsentschä
digung
geschuldet
. Sie
werde
die
Versicherungsleistungen
(Taggelder und
Hei
lungskosten
)
per 31. Oktober 2012
einstellen
. Sollte sich der Zustand
der Versi
cherten
erheblich verschlimmern, habe sie selbstverständlich jederzeit das Rückfallmelderecht. Auf Wunsch werde eine
einsprachefähige
Verfügung zuge
stellt
(
Urk.
10/168
).
Am 2
7.
November 2012 gab die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
im Rahmen des bei ihr eingeleiteten invaliden
versicherungsrechtlichen Verfahrens
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (
Urk.
10/172), welches
das Institut B._
am 11. November 2013 erstattete und am 2
1.
März 2014 auf Ersuchen der IV-Stelle ergänzte (vgl. Urk. 10/177)
.
1.2
Die Rechtsvertreterin der Versicherten wandte sich mit
Schreiben vom 19.
August 2014
(Urk. 10/175)
an die Suva.
Sie verwies auf das Gutachten
des Instituts B._
, insbesondere das
Teilgutachten
von Dr. med. et phil.
C._
, Facharzt FMH für Neurologie
,
und verlangte
, es sei abzuklären, ob die Versicherte
Anspruch
auf
eine Unfallversicherungs
rente
habe. Des Weiteren sei
der
Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung
erneut abzuklären
.
Die Suva lehnte
dies
e Begehren
am
6.
Oktober 2014
schriftlich
ab, da ihr Schreiben vom 2. Oktober 2012 in Rechtskraft erwachsen sei (
Urk.
10/182)
. Am
8.
Januar 2015 beantragte die
Rechtsvertreterin der
Versicherte
n
, der
Entscheid vom
2.
Oktober 2012
sei in Revision zu ziehen
und
die Suva sei zu verpflichten, über den
Anspruch auf eine Unfallversicherungsrente und eine Integritätsentschädigung zu
verfügen
(Urk. 10/183)
.
Mit Verfügung vom
20
.
Januar
2015 wies die Suva
das Revisionsgesuch
ab
(
Urk.
10
/
185
).
Die dagegen erhobene Einsprache
(Urk. 10/186)
wurde mit Entscheid vom 2
2.
April 2015 abgewiesen (
Urk.
2 = 10/
191
).
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 2
6.
Mai 2015 Beschwerde erheben mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es sei auf das Revisionsgesuch vom 1
9.
August 2014 einzutreten. Die Suva sei zu ver
pflichten, der Beschwerdeführerin per
1.
November 2012 eine angemessene Unfallversicherungsrente und eine Integritätsentschädigung auszurichten. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Gegenpartei (
Urk.
1 S. 2).
Die
Beschwerdegegnerin beantragte am 1
7.
August 2015 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (
Urk.
9 S. 2). Davon wurde der Gegen
partei mit Verfügung vom 2
5.
August 2015 Kenntnis gegeben (
Urk.
11).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 53 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war.
Die gleichen Voraussetzungen gelten bei faktischem Verwaltungshandeln, soweit dieses rechtsbeständig geworden ist (
vgl.
BGE 129 V 110 E. 1.1
und das Urteil
des Bundesgerichts U 34/05
vom 2
0.
Juli 2005
E. 2.2.1, je
mit Hinweisen).
1.2
Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der Versicherungsträger schriftlich Verfügungen zu erlassen (
Art.
49
Abs.
1 ATSG). Die Erheblichkeit bemisst sich bei der Einstellung vorübergehender Leistungen (Taggeld, Heilbe
handlung) nicht danach, wie lange diese erbracht worden sind; denn die Erheb
lichkeit liegt nicht in der Beendigung dieses vorausgegangenen – längeren oder kürzeren – Leistungsbezuges, sondern im Fallabschluss ex
nunc
et pro
futuro
, da die versicherte Person mit keinerlei Leistungen mehr rechnen kann. Darum ist die Anordnung des Fallabschlusses ohne Zusprechung von Dauerleistungen (Invalidenrente und/oder Integritätsentschädigung) gleich zu behandeln wie der Fallabschluss mit Zusprechung solcher Leistungen, das heisst, es muss in beiden Fällen formell verfügt werden (BGE 132 V 412 E. 4).
Hat der Versicherer die (ganze oder teilweise) Verweigerungen von Leistungen zu Unrecht nicht in Verfügungsform, sondern formlos mitgeteilt und ist die betroffene Person nicht damit einverstanden, hat sie dies grundsätzlich innerhalb eines Jahres zu erklä
ren.
Diesfalls
hat der Versicherer eine Verfügung zu erlassen, gegen welche Einsprache erhoben werden kann. Ohne fristgerechte Intervention erlangt der Entscheid rechtliche Wirksamkeit, wie wenn er zulässigerweise im Rahmen von
Art.
51
Abs.
1 ATSG ergangen wäre
(BGE 134 V 145 E. 5)
.
2.
2.1
Zu Recht wird von keiner Seite in Frage gestellt, dass die
s
chriftliche Mitteilung vom
2.
Oktober 2012 rechtskräftig ist. Strittig und zu prüfen ist, ob die Vor
aus
setzungen für ihre prozessuale Revision gemäss
Art.
53
Abs.
1 ATSG gegeben sind (vgl.
Urk.
1 und 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin lässt den Standpunkt vertreten,
das
Gutachten
des Instituts B._
sei
ein
neues Beweismittel, welches belege, dass die neurologische Beurteilung von
Dr.
A._
vom 1
8.
September 2012
, auf
der
die schriftliche Mittei
lung vom
2. Oktober 2012
im Wesentlichen
beruhe,
falsch gewesen sei. Es liege eine unfallbedingte Verletzung des
Nervus
digitalis
dorsalis
rechts ad
Dig
V recht
s
vor und die chronischen Schmerzen seien unfallbedingter Natur (Urk.
1 S. 4 ff
.; vgl. auch
10/183 S. 2 f.
und 10/186 S. 3
).
Anlässlich der Begutachtung durch
das Institut B._
sei eine
neuromyographische
Untersuchung durchgeführt wor
den, bei der sich Anhaltspunkte für eine sensible und motorische Schädigung des
Nervus
ulnaris
im Bereich zwischen Handgelenk und Finger V ergeben hätten. Dieser Befund belege objektiv eine Neuropathie des
Nervus
ulnaris
. Sowohl die sensible als auch die motorische Leitung des
Nervus
ulnaris
sei im Bereich zwischen Handgelenk und Finger V verzögert und
myographisch
zeig
ten sich chronische
Denervationszeichen
. Diese objektiven Befunde dienten
d
er medizinischen Sachverhaltsfeststellung und nicht der
Sachverhalts
würdigung
. Im Weiteren belegten sie, dass die
Entscheidgrundlage
der Suva objektiv man
gelhaft
gewesen sei, indem
Dr.
A._
für den Entscheid wesentliche Tat
sachen nicht erkannt habe
(
Urk.
1 S. 8
; vgl. auch Urk.
10/186 S.
4 f.).
2.3
Demgegenüber macht die Beschwerdegegnerin geltend, dass
das zur
Diskussion stehenden Gutachten
nicht als
neues Beweismittel
zu qualifizieren sei
, weil darin im Zeitpunkt der Leistungseinstellung bereits bekannte Tatsachen aus neurologischer Sicht
lediglich
anders gewürdigt
würden
(Urk.
1 S. 8 f.; vgl. auch
Urk.
10/185)
.
Die
myographische
Untersuchung vom 1
5.
Mai 2013 habe
zu keinem
objektiven Nachweis für das V
orliegen einer Neuropathie des
N
ervus
ulnaris
geführt
, sondern
bloss
eine reine Verdachtsdiagnose begründet
, welche bereits die Neurologin
Dr.
A._
in ihrem ersten Untersuchungsbericht vom 5. Oktober 2011 gestellt und nach der zweiten Untersuchung vom 17. September 2012 wieder verworfen habe (
Urk.
2 S. 7 f.).
Dr.
A._
habe ihre Diagnosen jeweils mit den Ergebnissen der von ihr zuvor durchge
führten
Ulnarisneurographien
unterlegt
. Wenn
der Gutachter
des Instituts B._
die von der Neurologin erhobenen Befunde nun anders interpretiere als diese selbst, so handle es sich um eine andere Würdigung desselben Sachverhaltes. Selbst wenn dieser seinerzeit möglicherweise unrichtig gewürdigt
worden
sein sollte, würde dies für sich allein noch keinen Revisionsgrund darstellen (
Urk.
2 S. 9).
3.
3.1
Die schriftliche Mitteilung vom
2.
Oktober 2012
(
Urk.
10/168)
beruhte auf den Ergebnissen der kreisärztlichen Untersuchu
ng vom 10. September 2012 (Urk.
10/161), der neurologischen Untersuchu
ng vom 17. September 2012 (Urk.
10/165) und der Stellungnahme des Suva-Kreisarztes Prof.
Dr.
med.
D._
vom
1.
Oktober 2012 (
Urk.
10/166).
3.2
Aus dem Bericht
von
Prof.
Dr.
D._
zur
kreisärztlichen
Unter
suchung vom 10.
September 201
2
geht hervor
,
dass
die Beschwerdeführerin
erklärte
, nur das elektrisierende Gefühl an der rechten Hand und am rechten Unterarm
sei
nach der Operation vom 2
1.
Februar 2012 verschwunden.
Es
bestünden jedoch wei
terhin
Schmerzen
an der rechten
ulnaren
Hand mit Ausstrahlung über den rechten Unterarm
und
Oberarm bis zum Hals. I
m
Vergleich zur Situation vor der Operation sei keine wesentliche Veränderung eingetreten. Sie könne nicht mehr schwer heben und tragen, auch schlafe sie schlecht aufgrund der Schmerzen. Ausserdem habe sie keine Kraft mehr im rechten Arm. Darüber hinaus leide sie an Schmerzen an der rechten Schulter, vor allem wenn sie de
n rechten Arm heben müsse (Urk.
10/161 S. 3).
Bei der aktuelle
n kreisärztlichen Untersuchung
stellte
Prof.
Dr.
D._
im Vergleich z
ur letzten Untersuchung vom 20.
Dezember 2011 eine erhebliche Verschlechterung des gesamten Untersuchungsbefundes an
der rechten oberen Extremität
fest
. Es verwundere
ihn
sehr, dass nunmehr auch das rechte Schulter- und das rechte Ellenbogengelenk von funktionellen Ein
schränkungen betroffen seien, ohne dass sich hierfür eine objektive Erklärung ergebe. Aus kreisärztlicher Sicht stelle sich kein klinisches Korrelat für die rele
vante Veränderung des klinischen Befundes dar. Um den aktuellen Befund objektivieren zu können beziehungsweise um eine Symptomausweitung auszu
schliessen zu können,
empfehle er
eine neurologische Kontrolluntersuchung (
Urk.
10/161 S. 5 f.).
3.3
Die vorgeschlagene Untersuchung wurde am 1
7.
September 2012 von
Dr.
A._
durchgeführt. Sie stellte die Diagnose einer
Schaftfraktur des
Os metacarpale V rechts 04/2010, osteosynthetisch versorgt, Metallentfernung 06/10, Narbenrevision mit ausgedehnter
Neurolyse
und intramuskulärer Verla
gerung des
Nervus
digitalis
dorsalis
zum
Dig
. V rechts
02/2012
, Schmerzen des ganzen rechten oberen Quadranten, praktisch sicher
tendomyotisch
/
myofas
zial
, durch eine Schmer
zverarbeitungsst
ö
r
ung wahrscheinlich begünstigt, Taub
heit der ganzen rechten Körperseite, praktisch sicher schmerzinteraktiv
/
soma
toform
(
Urk.
10/165 S. 1).
Die elektrodiagnostische Untersuchung habe
rechts
eine norma
le sensomotorische
Ulnarisneuro
graphie
ergeben. Der Befund sei identisch
mit demjenigen
bei der Voruntersuchung vom Oktober 2011 (
Urk.
10/165 S. 3). Neurographisch bestünden wiederum keine Anhaltspunkte für eine
Ulnarisneuropathie
rechts, weder im Bereich des
Sulcus
noch im Bereich der Loge de
Guyon
. Von einer
radiculären
Sy
m
ptomatik sei nicht aus
zugehen. Um neurogene Schmerzen handle es sich nicht. Aktuell ergäben sich auch keine genügenden Hinweise für ein allfälliges komplexes regionales
Schmerz
syndrom
(
Urk.
10/165 S. 2).
3.4
Am
1.
Oktober 2012
zog
Prof.
Dr.
D._
in Betracht, aus medizinischer Sicht
könne
von einer Symptomausweitung ausgegangen
werden
, nachdem die Neu
rologin auf ihrem Fachgebiet die Ursache der Beschwerden vollständig ausge
schlossen habe. Aus orthopädisch-unfallchirurgischer Sicht sei die angestammte Tätigkeit als Raumpflegerin ganztags zumutbar. Auf dem allgemeinen Arbeits
markt seien leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ganztags zumutbar. Die Voraussetzungen für eine Integritätsentschädigung seien im konkreten Fall nicht gegeben
(Urk. 10/166)
.
4.
Das neurologische Teilgutachten
des Instituts B._
basiert
auf der Untersuchung
durch
Dr.
C._
vom 16. April 2013 (
Urk.
10/177 S. 3)
,
elektroneurographischen und elektromyographischen Zusatzuntersuchun
gen vom 1
5.
Mai 2013 (vgl. Urk.
10/177 S. 45
ff.
und S. 63
)
, der erhobenen
Anamnese und den Vorakten (
Urk.
10
/177 S. 43)
.
Dr.
C._
diagnostizierte
eine Neuropathie des
Ner
vus
digitalis
dorsalis
Nervi
ulnaris
ad
Dig
V rechts
mit neuropathischem
Schmerz
syndrom
,
eine
rechtsseitige
Hemihypästhesie
, welche im Rahmen einer chroni
schen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu sehen sei
, und
ein
rechtsseitig
es
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom
ohne Anhaltspunkte für
ein sensibles oder motorisches
radikuläres
Reiz- oder Aus
fallsyndrom
(Urk.
10/177 S.
25
und S.
63
).
Aufgrund der Vorgeschichte, insbesondere der Anamnese der Explorand
i
n bezüg
lich des Verlaufes mit initial elektrisierenden Besch
werden und
der
Besserung derselben nach der dritten Operation
vom 2
1.
Februar 2012,
gehe
er davon aus, dass ein Ast des
N
ervus
ulnaris
im Rahmen des Unfalles und/oder der ersten beiden operativen Versorgungen der Os metacarpale V-Fraktur rechts lädiert worden sei, wodurch eine Nervenläsion mit initial neuralgischem, im Verlauf nach der dritten Operation neuropathischem Schmerzbild entstanden sei. Diese Einschätzung werde gestützt durch die initiale fachneurologische Beurteilung durch
Dr.
A._
und die schriftlichen Stellungnahmen von
Dr.
E._
, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Handchirurgie. Passend zu einer organischen Schädigung eines
Nervus
ulnaris
-Astes sei einerseits der
von
Dr.
A._
am
3.
Oktober 2011 erhobene
neurographische Befund mit einer Amplitudenminderung von über 50
%
in der sensible
n
Ulnarisafferenz
im Seitenverg
l
e
ich
, andererseits auch der operative Befund im Rahmen der
Nar
benrevis
ion
durch
Dr.
E._
vom 21.
Februar 201
2.
Vor diesem Hintergrund sei nur schwer nachvollziehbar, weshalb
Dr.
A._
in ihrem Bericht vom 1
8.
September 2012 plötzlich schreibe, es handle sich nicht um neurogene Schmerzen. Möglicherweise beziehe
sich die letztgenannte Bemerkung nicht spezifisch auf die Beschwerden der rechten Hand, sondern auf das sich am 1
7.
September 2012 präsentierende Gesamtbild mit der ausgeprägten
Be
rührungs
hypästhesie
der gesamten rechten Körperseite sowie dem
zervikobra
chialen
Schmerzsyndrom rechts, bezüglich dessen sie auch schreibe, es sei nicht von einer
radikulären
Symptomatik auszugehen. In der Tat bestünden, wie beschrieben, aktuell ausgeprägte Schmerzen und Beschwerden
zervikobrachial
und
die gesamte rechte Körperhälfte betreffend, welche sich in keiner Weise direkt durch die Neuropathie des
Nervus
digitalis
dorsalis
ad
Di
g
V rechts erklären lasse (Urk.
10/177 S. 26 ff.
und S. 65
).
Nichts destotrotz sei, wie beschrieben und in sämtlichen Vorakten dokumen
tiert, davon auszugehen, dass eine Verletzung des
N
ervus
digitalis
dorsalis
rechts ad
Dig
V rechts stattgefunden und sich zuerst eine Neuralgie,
dann
im Verlauf e
ine Neuropathie dieses Nervs
entwickelt habe. Der aktuell geschilderte Schmerzcharakter im Bereich der
uln
aren
lateralen Handkante mit bo
h
r
end-
drückenden Schmerzen sei mit einem neuropathischen Schmerz vereinbar. In einer aktuellen
neuromyograph
i
schen
Untersuchung zeigten sich Anhaltspunkte für eine sensible und motorische Schädigung des
Nervus
ulnaris
im Bereich zwischen Handgelenk und Finger V, was eine Neuropathie d
e
s
Nervus
ulnaris
in diesem Bereich erneut objektiv belege. Sowohl die sensible als auch die moto
rische Leitung des
Nervus
ulnaris
seien in diesem Bereich verzögert
,
und
myo
graphisch
zeigten sich chron
ische
Denervationszeichen
(Urk.
10/177 S. 27
und S. 66
).
Auf
der
Basis dieser Neuropathie seien im Verlauf im Sinne einer chroni
s
chen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren eine
Schmerzaus
weitung
und
eine
Wahrnehmungsstörung entstanden. Er verweise diesbezüglich auch auf das aktuelle fachpsychiatrische Gutachten (
Urk.
10/177 S. 27
und 66
).
Aufgrund der Überlappung der neuropathischen Schmerzen, die durch die Neuro
pathie des
Nervus
digitalis
dorsalis
ad
Dig
V rechts verursacht seien, mit der aktuell ausgeprä
gten, durch eine depressive Sym
p
t
omatik verstärkten chro
nischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie dem darunter ebenfalls
exazerbi
er
enden
Zervikobrachialsyndrom
rechts ohne Anhalts
punkte für eine
Radikulopathie
,
müsse die Einschätzung der Arbeitsfä
h
i
gkeit gesamtmedizin
is
ch polydisziplinär im Rahmen einer Konsenskonferenz erfolgen.
Aufgrund der in den Vorakten beschriebenen neuralgischen, im Ver
lauf neuropathischen Schmerzen im Bereich
d
es Versorgungsgebietes des
Ner
vus
digitalis
dorsalis
ad
Dig
V rechts sowie er objektiven Läsion des Nervenastes (elektrophysiologisch und im Rahmen der Narbenrevisionsoperation
inspekto
risch
belegt) erachte er die Explorandin für körperlich schwere Tätigkeiten als ungeeignet. Bezüglich körperlich mittelschwerer Tätigkeiten müsste im Rahmen eines Arbeitsversuches im Verlauf nach Remission der aktuell bestehenden chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie der depressiven Komponente die qualitative und quantitative Arbeitsfähigkeit ermittelt werden. Für körperlich leichte, wechselbelaste
nd
e Tätigkeiten, bei wel
chen auf den Einsatz der rechten Hand verzichtet werden könne, erachte er die Explorandin aus rein neurologischer Sicht
zu
100
%
arbeitsfähig (
Urk.
10/177 S.
27
und 66
).
5.
5.1
Als „neu“ gelten Tatsachen, welche sich bis zum Zeitpunkt, da im
Hauptver
fahren
noch tatsächliche Vorbringen prozessual zulässig
waren
, verwirklicht haben, jedoch der um Revision ersuchenden Person trotz hinreichender Sorgfalt nicht bekannt waren. Die neuen Tatsachen müssen ferner erheblich sein, d.h. sie
müssen geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des
damaligen
Entscheids zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einer andern Ent
scheidung zu führen. Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar im früheren Verfahren bekannt gewesen, aber zum Nachteil der gesuchstellenden Person unbewiesen geblieben sind. Sollen bereits vorge
brachte Tatsachen mit den neuen Mitteln bewiesen werden, so hat die Person auch darzutun, dass sie die Beweismittel im früheren Verfahren nicht beibrin
gen konnte. Entscheidend ist ein Beweismittel, wenn angenommen werden muss, es hätte zu einem anderen Entscheid geführt,
wenn es bekannt gewesen wäre. Ausschlaggebend ist, dass das Beweismittel nicht bloss der
Sachverhalts
würdigung
, sondern der Sachverhaltsermittlung dient. Es genügt daher bei
spielsweise nicht, dass ein neues Gutachten den Sachverhalt anders bewertet; vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die
Entschei
dungsgrundlagen
als objektiv mangelhaft erscheinen lassen. Für die Revision eines Entscheides genügt es nicht, dass die Gutachterin oder der Gutachter aus den im Zeitpunkt des Erlass
es
des Entscheides bekannten Tatsachen nachträg
lich andere Schlussfolgerungen zieht. Auch ist ein Revisionsgrund nicht schon gegeben, wenn bereits im
Entscheidverfahren
bekannte Tatsachen möglicher
weise unrichtig gewürdigt wurden. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen nicht bekannt waren oder unbewiesen blieben (vgl. B
GE
127 V 353
E. 5b, 110 V
138
E. 2
und 108 V 170 E. 1
; vgl. auch das Urteil des Bundesgerichts U 34/05 vom 2
0.
Juli 2005 E. 2.2
, je
mit Hinweisen).
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat richtig
erkannt
, dass die im Rahmen
de
r
elektro
neu
ro
graphischen
und elektromyographischen Zusatzuntersuchungen vom 1
5.
Mai 2013 (vgl.
Urk.
7/177 S. 45 ff.) erhobenen Befunde lediglich Hin
weise, nicht aber den Beweis für eine sensible
und motorische Schädigung des
Nervus
ulnaris
rechts im Bereich des Handgelenks bis Finger V lieferten (
Urk.
2 S. 7 f.). Sie wurden als chronischer Prozess gewertet, da sich in der
Myographie
des
Mus
culus
abductor
digiti
minimi
keine akuten
Denervierungszeichen
nach
weisen liessen (
Urk.
7/177 S. 45).
Eine
erhebliche
neue
Ta
tsache
, die geeignet
ist
, die
tatbeständliche
Grundlage der schriftlichen Mitteilung vom
2. Oktober 2012
zu verändern und bei zutreffender Würdigung zu einer anderen Entschei
dung zu führen, lieg
t
damit
nicht vor
.
Insofern wird mit dem Gutachten
des Instituts B._
, zu dem der Bericht über die Zusatzuntersuchungen vom 1
5.
Mai 2013 gehört, auch keine erhebliche neue Tatsache dokumentiert.
Soweit damit eine bereits bekannte Tatsache bewiesen werden soll, ist zu bemerken, dass
von Sei
ten der Beschwerdeführerin
nicht dargelegt
wurde
,
weshalb die
Untersuchungs
befunde
vom 1
5.
Mai 2013 nicht bereits früher hätten erhoben werden können
. Die betreffenden Untersuchungsverfahren
sind bekannt und
werden bereits seit vielen Jahren angewandt. Es kann nicht angehen, Abklärungsmassnahmen
wie eine elektromyographische Untersuchung
, auf welche zuvor verzichtet worden war und die bei Beachtung der erforderlichen Sorgfalt damals hätten beantragt werden müssen, im Revisionsverfahren nachzuholen (vgl. das Urteil des Bun
desgerichts U 34/05 vom 2
0.
Juli 2005 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
5.
3
Dr.
C._
hat seine neurologische Beurteilung eingehend
und nachvollziehbar
anhand der bereits am 2. Oktober 2012 bekannten Aktenlage begründet.
Dabei bezog er insbesondere die Berichte von
Dr.
A._
und von
Dr.
E._
in seine Würdigung mit
ein
und legte insoweit schlüssig dar, wie er zu seiner eige
nen, zum Teil anderslautenden Einschätzung gelangt
e
.
Er hat mithin
lediglich
einen bereits bekannt
en Sachverhalt anders beurteilt
, zumal aus seinen Aus
führungen mit hinreichender Deutlichkeit hervor geht, dass seine
Einschätzung
nicht auf den
anlässlich der Untersuchungen vom
15. Mai 2013 gewonnenen Erkenntnissen beruhte, sondern sich
lediglich
mit diesen in
Einklang bringen liess
. Der Umstand, dass
Dr.
C._
aus den im Zeitpunkt des Erlasses der schriftlichen Mitteilung vom
2.
Oktober 2012
bekannten Tatsachen andere Schluss
folgerungen gezogen hat, genügt nicht für die beantragte Revision des damaligen Entscheides.
5.4
Aus dem Gesagten folgt, dass die Beschwerdegegnerin zu
Recht die Vor
aussetzun
gen für eine prozessuale Revision verneint und dementsprechend das Revisionsgesuch der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Das Verfahren ist kostenlos und es ist keine Parteientschädigung zuzusprechen.