Decision ID: d5270e3c-dddb-507a-9bac-79df5e1c6777
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 13. Juni 2014 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 1).
Der behandelnde Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie, berichtete am 26. August
2014, der Versicherte leide an einer druckbedingten Schädigung des Nervus radialis
rechts und an einem Sulcus ulnaris-Syndrom rechts. Für die angestammte Tätigkeit
bescheinigte er dem rechtshändigen Versicherten eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit (IV-
act. 14; siehe auch den Bericht vom 3. März 2015, IV-act. 35). Dr. med. H._, Facharzt
für Neurologie, Zentrum I._ am Kantonsspital St. Gallen (KSSG), stellte eine
extensorenbetonte Parese der Hand und Finger rechts sowie einen ausgeprägten
Nikotin- und Alkoholmissbrauch fest. Des Weiteren äusserte er den Verdacht auf einen
Status nach Plexusneuritis rechts vor 12 Jahren. Er bescheinigte dem Versicherten
bezogen auf die angestammte Tätigkeit ebenfalls eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit
(Bericht vom 23. Dezember 2014, IV-act. 30). Die RAD-Ärztin Dr. med. J._, Fachärztin
für Arbeitsmedizin, vertrat in der Stellungnahme vom 23. März 2015 die Auffassung,
der Versicherte verfüge für leidensangepasste Tätigkeiten über eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 36).
A.a.
Am 8. Juni 2015 führte die IV-Stelle im Betrieb des Versicherten eine Abklärung
durch. Die Abklärungsperson ermittelte im Rahmen eines Betätigungsvergleichs eine
60%ige Einschränkung (Abklärungsbericht vom 31. August 2015, IV-act. 48).
A.b.
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Im Verlaufsbericht vom 4. November 2015 gab Dr. G._ an, der
Gesundheitszustand des Versicherten sei stationär bis verschlechtert (IV-act. 59). Die
RAD-Ärztin Dr. J._ ging davon aus, dass der Versicherte über eine «AF
leidensadaptiert 8h/d» verfüge (Stellungnahme vom 7. Dezember 2015, IV-act. 61).
Gestützt auf diese Einschätzung ermittelte die IV-Stelle im Rahmen eines
Einkommensvergleichs einen 6%igen Invaliditätsgrad und zeigte dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 11. Dezember 2015 die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-
act. 65). Dagegen erhob der Versicherte am 30. Januar 2016 Einwand und beantragte
zur Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit das Einholen eines interdisziplinären
(internistischen, rheumatologischen, neurologischen und psychiatrischen) Gutachtens
(IV-act. 67). Am 9. Februar 2016 orientierte er die IV-Stelle, dass sich sein
Gesundheitszustand weiter verschlechtert habe und er von seinem Hausarzt Dr. med.
K._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vollständig arbeitsunfähig geschrieben
worden sei (IV-act. 77; zum Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. K._ vom 8. Februar
2016 siehe IV-act. 78 und zu dessen Bericht vom 12. Februar 2016 [Datum
Posteingang IV-Stelle] siehe IV-act. 79). Die RAD-Ärztin Dr. J._ gab auf die Frage
nach der Arbeitsfähigkeit des Versicherten an, dass «nach Abstinenz und Stopp des
jahrelangen massiven Alkohol- und Nikotinabusus» der weitere «Erfolg mit einer
möglichen insbesondere cerebralen Erholungsphase von 4 Monaten abgewartet
werden» solle (Stellungnahme vom 31. März 2016, IV-act. 95).
A.c.
Die am 25. Oktober 2016 durchgeführten bildgebenden Abklärungen (MRT und
MRA des Neurokraniums) ergaben einen subakuten, hämorrhagischen
Stammganglieninfarkt im linken Thalamus und eine globale, hipokampal betonte
Hirnatrophie (IV-act. 110-19). Am 20. November 2016 berichtete Dr. K._, der
Versicherte leide an: einer psychischen Störung durch Alkohol, einer alkoholtoxischen
Hepatitis (ICD-10: F10.1, F10.2); einem subakuten Hirninfarkt unklarer Aetiologie im
Thalamus links (Erstdiagnose 11/2016) mit Verdacht auf über die Altersnorm
hinausgehender Einschränkung der Hirnleistung, global hipokampal, mit betonter
Hirnatrophie; einer Parese der rechten Hand und Finger; einer komplexen
Kniepathologie mit chronischer Instabilität und chronischem Gelenkserguss rechts;
einer COPD und Hartmetallstaubexposition; einer arteriellen Hypertonie; einer
degenerativen Wirbelsäulenkrankheit mit Discushernie cervical und lumbal sowie an
A.d.
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einer chronisch rezidivierenden Augenentzündung. Es bestünden offensichtliche
Einschränkungen in der Merk- und Denkfähigkeit sowie der Motorik des Versicherten.
Des Weiteren führe eine Anstrengung zu Atemnot. Ein Alkohol- und Nikotinstopp sei
empfehlenswert. Abgesehen von den Schwierigkeiten, eine Suchtmittelabstinenz zu
erreichen, sei damit eine substantielle Verbesserung der Funktionseinschränkungen
nicht sicher zu erwarten. Es sei mit einer weiteren Verschlechterung zu rechnen. De
facto sei der Versicherte zwar zu 80 bis 90% im eigenen Betrieb anwesend, seine
Leistungen aber unbedeutend (nicht über 30%). Eine leidensadaptierte Tätigkeit könne
nicht vorgeschlagen werden (IV-act. 110-6 f.).
Der RAD-Arzt Dr. med. L._, Facharzt u.a. für Innere Medizin, gelangte in der
Stellungnahme vom 17. Januar 2017 zum Schluss, die nun eingegangenen
medizinischen Unterlagen würden eine im Vordergrund stehende Störung durch
Alkohol aufzeigen. Die Laborwerte bis Herbst 2016 würden auf einen starken Konsum
hindeuten. Die verbliebene Leistungsfähigkeit könne bei fortgeführtem Alkoholabusus
nicht seriös beurteilt werden. Es sei hierzu eine Suchtmittelkarenz erforderlich. Aus der
Sicht des RAD könne die Schadenminderungs- und Mitwirkungspflicht auferlegt
werden für eine Entgiftungs- und anschliessende Entwöhnungsbehandlung. Die
bekannten Gesundheitsschäden würden auf einen langjährigen Abusus hinweisen,
sodass einer stationären Suchtbehandlung der Vorzug zu geben sei (IV-act. 112).
Daraufhin forderte die IV-Stelle den Versicherten mit Schreiben vom 8. Mai 2017 auf,
sich bis spätestens 31. Oktober 2017 einer insgesamt mindestens dreimonatigen
Alkoholabstinenz mit Entzug- und anschliessender Entwöhnungsbehandlung zu
unterziehen. Nach erfolgtem Entzug und Beginn der Entwöhnungsbehandlung habe er
der IV-Stelle einen ersten Abstinenznachweis zu erbringen. Sobald dieser erbracht
worden sei, würde sie (die IV-Stelle) eine medizinische Begutachtung in Auftrag geben
(IV-act. 121).
A.e.
Wegen einer fortgeschrittenen Pangonarthrose am rechten Kniegelenk wurde der
Versicherte am 16. Juni 2017 in der Chirurgischen Klinik am Spital M._ operiert
(Einsetzen einer Knietotalprothese rechts; Operationsbericht vom 22. Juni 2017, UV-
act. 71). Im postoperativen Verlauf verschlechterte sich der Gesundheitszustand des
Versicherten, weshalb er erst ins Kantonsspital St. Gallen und ab dem 22. Juni 2017 in
der Intensivstation für Herz- und Gefässchirurgie am Universitätsspital Zürich
A.f.
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B.
behandelt werden musste. Die dort behandelnden medizinischen Fachpersonen
diagnostizierten u.a. rezidivierende ausgedehnte, akute cerebrale Ischämien in
unterschiedlichen Stromgebieten, einen kardiogenen Schock bei STEMI und koronarer
3-Gefässerkrankung und ein paroxysmales tachykardes Vorhofflimmern. Am 29. Juni
2017 verstarb der Versicherte (Austrittsbericht vom 29. Juni 2017, IV-act. 131).
Der RAD-Arzt Dr. L._ führte in der Stellungnahme vom 9. November 2017 aus,
über genaue Funktionseinschränkungen durch den im November 2016 festgestellten
subakuten (d.h. schon länger abgelaufenen) Thalamusinfarkt ebenso wie durch die
«komplexe Kniepathologie» rechts lägen keine genaueren Angaben vor. Diese hätten
nach ausreichender Suchtstoffkarenz des Versicherten abgeklärt werden sollen. Bis
etwa Juni 2017 sei auf dem Boden der vorhandenen Datenlage von einer ganztägigen
Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen (IV-act. 134).
Hierzu nahmen die Erben des Versicherten am 5. Oktober 2018 Stellung. Gestützt auf
ein Privatgutachten von Dr. med. N._, Facharzt für Neurologie FMH, vom 2. Oktober
2018 (IV-act. 152-4 ff.) machten sie geltend, die Arbeitsunfähigkeit des Versicherten
habe bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten mindestens 50 bis 60% betragen (IV-
act. 152). Der RAD-Arzt Dr. L._ gab in der Stellungnahme vom 20. November 2018
an, anhand der vorliegenden Akten könne die Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilt werden (IV-act. 154). Nach einer
internen Besprechung vertrat die IV-Stelle die Ansicht, dass der neurologische
Gutachter nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweismass der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit habe darlegen können, dass «eine
Gesundheitsschädigung mit einem relevanten Ausmass auf die AF adaptiert bestanden
hat». Die Folge der Beweislosigkeit gehe zu Lasten des Versicherten
(Besprechungsprotokoll vom 22. November 2018, IV-act. 155). Am 22. November 2018
verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 156).
A.g.
Gegen die Verfügung vom 22. November 2018 erhoben die Beschwerdeführer und
Beschwerdeführerinnen am 9. Januar 2019 Beschwerde. Sie beantragten deren
Aufhebung und die Zusprache einer ganzen Rente; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung brachten sie vor, dass sowohl Dr. N._ als
B.a.
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auch Dr. G._ eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 bis 60% bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigt hätten. Durch die Thalamusblutung sei die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten zusätzlich eingeschränkt worden, weshalb nicht vom
Mittelwert, sondern von einer 60%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Die davon
abweichende Einschätzung des RAD-Arztes Dr. L._ sei nicht überzeugend. In
Berücksichtigung eines 20%igen Tabellenlohnabzugs resultiere ein 70%iger
Invaliditätsgrad. Die Übernahme der Kosten für das Privatgutachten seien bislang nicht
Gegenstand des Verwaltungsverfahrens gewesen und bilde nicht Gegenstand der
angefochtenen Verfügung. Im Fall einer Rentenzusprache dürfte klar sein, dass die
Voraussetzungen für eine Kostenübernahme durch die Beschwerdegegnerin erfüllt
seien. Sollte diese Frage im Urteilszeitpunkt immer noch offen sein, werde um eine
entsprechende Anweisung im Kostenpunkt ersucht (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 11. März
2019 die Abweisung der Beschwerde. Vorliegend könne nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden, ob der Alkoholismus im Zusammenhang mit
den Beschwerden des Versicherten gestanden habe oder nicht. Bezüglich der
medizinischen Würdigung des Sachverhalts verwies sie auf die Einschätzung des RAD-
Arztes Dr. L._. Zusammenfassend könne retrospektiv nicht mit dem im
Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit bestätigt werden, dass eine Gesundheitsschädigung mit einem
relevanten Ausmass auf die Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste
Tätigkeiten bestanden habe. Weitere Abklärungsmöglichkeiten bestünden nicht.
Folglich müsse in antizipierender Beweiswürdigung von einer objektiven
Beweislosigkeit ausgegangen werden. Deren Folgen würden zulasten der
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer gehen (act. G 7).
B.b.
In der Replik vom 11. Juni 2019 hielten die Beschwerdeführerinnen und
Beschwerdeführer unverändert an der Beschwerde fest (act. G 13).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete stillschweigend auf eine Duplik (act. G 15).B.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
zu Lebzeiten des Versicherten.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
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2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif
erstellt ist.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
Bei der Würdigung des Privatgutachtens vom 2. Oktober 2018 ist von Bedeutung,
dass es auf einer umfassenden Berücksichtigung der relevanten medizinischen
Vorakten (IV-act. 152-7 ff.; zur persönlichen Sichtung der bildgebenden
Abklärungsergebnisse siehe IV-act. 152-6 und zum Beizug eines neuroradiologischen
Experten siehe IV-act. 152-18) und auf fachneurologischem Sachverstand beruht, der
Gutachter die Unsicherheiten sorgfältig offenlegt, seine Einschätzung trotzdem
nachvollziehbar - insbesondere in schlüssiger Diskussion der abweichenden
Beurteilung anderer medizinischer Fachpersonen (siehe etwa IV-act. 152-23 f.) - und
u.a. gestützt auf eine überzeugende Konsistenz- und Ressourcenprüfung (IV-
act. 152-25) begründet. Des Weiteren ergeben sich keine Gesichtspunkte, die geeignet
wären, Zweifel an der Unvoreingenommenheit des Privatgutachters zu erwecken.
Solche werden denn auch von der Beschwerdegegnerin zu Recht nicht vorgebracht.
2.1.
Hinzu kommt, dass sich die privatgutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
für leidensangepasste Tätigkeiten mit denjenigen des behandelnden Neurologen
vereinbaren lässt. So bescheinigte Dr. G._ ebenfalls eine namhafte Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten (Bericht vom 1. März 2014, IV-
act. 33-13: Arbeitsfähigkeit zwischen 40 bis 50%; Bericht vom 7. Juli 2014, UV-
act. 34-3). Im Bericht vom 4. November 2015, empfahl er weitergehende Abklärungen
(IV-act. 59-4), wobei er ausschliesslich den Gesundheitsschaden am rechten Arm
2.2.
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berücksichtigte (IV-act. 59-1) und die übrigen Leiden am Knie und im Gehirn nicht
miteinbezog.
Hinsichtlich der in der Argumentation der Beschwerdegegnerin im Vordergrund
stehenden Alkoholproblematik (siehe etwa die RAD-Stellungnahmen vom 17. Januar
2017, IV-act. 112, sowie vom 20. November 2018, IV-act. 154, und act. G 7, III.)
gelangte der Privatgutachter schlüssig zur Auffassung, dass keine sicheren Hinweise
für alkoholtoxische Folgeschäden am zentralen oder peripheren Nervensystem
bestehen würden und dass deshalb die Alkoholabhängigkeit ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit sei (IV-act. 152-19). Er begründete plausibel, dass die Diagnose einer
«sensibel betonten axonalen längenabhängigen Polyneuropathie im Rahmen des
fortgeführten Alkoholkonsums» aus neurologischer Sicht aufgrund der Befundlage und
elektrophysiologischen Untersuchungsergebnisse nicht nachvollziehbar sei (IV-
act. 152-23 und IV-act. 152-24 Mitte sowie IV-act. 152-26 f.), worauf verwiesen werden
kann.
2.3.
Im Wesentlichen beschränkt sich der RAD-Arzt Dr. L._ bei seiner nicht näher
substanziierten Kritik auf den Standpunkt, «gemäss der im Gutachten aufgeführten
Aktenlage ist es aus Sicht des RAD nicht statthaft, die Alkoholkrankheit des
verstorbenen Versicherten als ohne Auswirkung auf die AF zu bezeichnen» (IV-
act. 154-2). Dabei wird aber nicht konkret aufgezeigt, welche der plausibel
erscheinenden Ausführungen des Privatgutachters mängelbehaftet wären.
2.3.1.
Der RAD-Arzt Dr. L._ übersieht ausserdem, dass die behandelnden
medizinischen Fachpersonen der Suchtthematik sowohl unter dem Aspekt der
Entstehung sowie der Aufrechterhaltung des Gesundheitsschadens keinen
wesentlichen Einfluss beimassen. Bereits im Bericht vom 26. August 2014 stellte
Dr. G._ eine pessimistische Prognose, dass auch unter Fortführung der Therapie in
absehbarer Zeit keine relevante Besserung der funktionell deutlich einschränkenden
Nervenschädigung abzusehen sei (IV-act. 14-2; siehe auch IV-act. 35-2, IV-act. 59-2
und IV-act. 85-2). Es finden sich keine Hinweise darauf, dass der Suchtmittelkonsum
eine entscheidende Bedeutung auf den Gesundheitsschaden hatte bzw. eine Abstinenz
zu einer Verbesserung der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit hätte führen können.
Nichts anderes gilt mit Blick auf die von Dr. G._ zuhanden der Beschwerdegegnerin
(IV-act. 35-2) und zuhanden des Unfallversicherers erstellten Berichte, worin
krankheitsfremde Gründe ausgeschlossen wurden (UV-act. 33-12 f. und UV-
act. 34-2 f.). Dr. H._ sah nur ein geringes Regenerationspotential (IV-act. 30-1) und
empfahl keine Suchtmittelabstinenz für die zukünftige Therapie, sondern die
2.3.2.
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Durchführung von Ergo- und Physiotherapie. Er führte zudem aus, inwieweit der
Alkohol- und Nikotinkonsum eine Rolle spielen würden, lasse sich anhand der
gegenwärtigen Untersuchung nicht abschätzen. Im Übrigen nahm er trotz
fortgeführtem Suchtmittelkonsum Hinweise für eine Reinnervation wahr (IV-act. 30-3).
Selbst die RAD-Ärztin Dr. J._ verneinte am 23. März 2015, dass es in absehbarer Zeit
zu einer relevanten Verbesserung kommen könnte und der Gesundheitszustand als
stabil betrachtet werden müsse (IV-act. 36-2). Am 7. Dezember 2015 ergänzte sie, dass
die zumutbaren Therapien durchgeführt worden seien (IV-act. 61-2). Der
Privatgutachter bestätigte ebenfalls die Therapieadhärenz des Versicherten (IV-
act. 152-21). Dr. K._ brachte sodann deutliche Vorbehalte an der Erwartung an, dass
ein Alkohol- und Nikotinstopp zu einer substantiellen Verbesserung führen könnte (IV-
act. 110-7). Entscheidend ist ausserdem, dass aus keinem medizinischen Bericht
hervorgeht, die Einschränkungen in der Leistungsfähigkeit gingen im
Suchtmittelkonsum bzw. in blossen Rauschfolgen auf. Selbst wenn im Übrigen - zu
Unrecht - davon ausgegangen würde, die Alkohol- und Nikotinsucht bzw. deren Folgen
hätten einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Versicherten gehabt, wären
entsprechende Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit auch
invalidenversicherungsrechtlich relevant (BGE 145 V 215), zumal keine Inkonsistenzen
vorliegen und der Privatgutachter hinsichtlich der - unabhängig der Genese
ausgewiesenen - Einschränkungen die Ressourcenlage schlüssig beurteilte (siehe
vorstehende E. 2.1). Folglich vermag die Beschwerdegegnerin aus ihrem Standpunkt in
Bezug auf die Suchtthematik so oder anders nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Des Weiteren bemängelte der RAD-Arzt Dr. L._ die Annahme des
Privatgutachters, die Beschwerden des Versicherten würden auf eine Kompression
eines Halsmark-Nerven zurückgehen. Diese stünde im Kontrast zu der Angabe des
neurologischen Behandlers von Mai 2013, derzufolge keine eindeutigen
Kompressionserscheinungen vorgelegen hätten (IV-act. 154-2). Vorab ist festzustellen,
dass sich die Unklarheiten vor allem auf die diagnostische Einordnung beziehen, nicht
jedoch die - für den Rentenanspruch einzig relevanten - vorhandenen
Funktionsbeeinträchtigungen betrafen (siehe zu den bescheinigten
Arbeitsunfähigkeiten vorstehende E. 2.2). Von Bedeutung ist ausserdem, dass der
Privatgutachter bei der Würdigung des Gesundheitsschadens auf mehreren Seiten sehr
detailliert und sorgfältig auf sämtliche relevanten Vorakten einging und ausführlich
abwog, welche Gesichtspunkte im Einzelnen für und gegen die verschiedenen
Diagnosen sprechen (IV-act. 152-20 ff. und -26 f.). Der RAD-Arzt Dr. L._ legte denn
auch nicht konkret dar, inwiefern die privatgutachterliche Würdigung in sich nicht
2.4.
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3.
Zu bestimmen bleibt der Invaliditätsgrad im Rahmen eines von den Parteien zu Recht
unbestritten gebliebenen Einkommensvergleichs.
schlüssig wäre. Ergänzend kann auf die zutreffenden Ausführungen der
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer verwiesen werden (act. G 1, Rz 15).
Gestützt auf die beweiskräftige Einschätzung des Privatgutachters ist davon
auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit des Versicherten bezogen auf
leidensangepasste Tätigkeiten ab Dezember 2013 zu 55% eingeschränkt war
(Mittelwert Arbeitsfähigkeitsschätzung von «50-60%», IV-act. 152-26; zum Abstellen
auf den Mittelwert siehe etwa den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 7. Mai
2015, IV 2014/324, E. 2.4.5). Auch wenn ab Oktober 2016 eine weitere
Verschlechterung auftrat, so kann eine zusätzliche quantitative Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten nicht bejaht werden. Der
Privatgutachter setzte die weitere Verschlechterung denn auch hauptsächlich in einen
Zusammenhang mit dem Anforderungsprofil an eine leidensangepasste Tätigkeit (IV-
act. 152-26). Unter diesen Umständen drängt sich entgegen der Sichtweise der
Beschwerdeführerinnen und der Beschwerdeführer (act. G 1, Rz 17) nicht auf, vom
Mittelwert der Arbeitsunfähigkeitsschätzung abzuweichen.
2.5.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG). Massgebend für die Höhe der Vergleichseinkommen ist
in zeitlicher Hinsicht der Rentenbeginn. Die Arbeitsunfähigkeit trat im Dezember 2013
ein (IV-act. 1-7 und IV-act. 152-26). Die IV-Anmeldung erfolgte am 13. Juni 2014 (IV-
act. 1-9), womit ein Rentenanspruch ab 1. Dezember 2014 entsteht (Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG und Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG). Die Abklärungsperson legte schlüssig dar, dass
der vom Versicherten abgerechnete Lohn von Fr. 69'600.-- auch den
Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt bzw. dem
Valideneinkommen für das Jahr 2014 entsprochen haben dürfte (IV-act. 48-6 und -13).
3.1.
Mit den Parteien ist zur Bestimmung des Invalideneinkommens nicht auf den
Resterwerb im eigenen Betrieb des Versicherten, sondern auf den Medianlohn für
Hilfsarbeiter gemäss schweizerischer Lohnstrukturerhebung abzustellen (act. G 1,
3.2.
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4.
Zur allfälligen Übernahme der Kosten für das Privatgutachten äusserte sich die
Beschwerdegegnerin soweit ersichtlich nicht. Sie bildete auch nicht Gegenstand der
angefochtenen Rentenverfügung, womit sich Weiterungen hierzu erübrigen. Auf den
Antrag der Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer um eine entsprechende
Anweisung im Kostenpunkt (siehe hierzu act. G 1, S. 14) ist daher nicht einzutreten.
5.
Rz 19, und IV-act. 156-2). Dieser betrug für das Jahr 2014 Fr. 66'453.-- (Anhang 2:
Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe
2019). Mit Blick auf die funktionelle Einhändigkeit (zu den Einschränkungen siehe IV-
act. 152-26) und die langjährige Beschäftigung im eigenen (Nischen-)Betrieb (IV-
act. 22-2, IV-act. 48-3 und -4), die mit starkem körperlichem Einsatz verbunden war
(IV-act. 22-2), war bei der Verwertung der Restarbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit (IV-act. 152-26) von erheblichen Anpassungs- und
Umstellungsschwierigkeiten auszugehen, die - unter Einbezug eines Teilzeitabzugs -
mindestens einen 10%igen Tabellenlohnabzug rechtfertigen. Es kann offenbleiben, ob
- etwa unter zusätzlicher Berücksichtigung des Alters des Versicherten - ein höherer
Tabellenlohnabzug gerechtfertigt wäre, da selbst die Gewährung eines nach der
Rechtsprechung höchstzulässigen Tabellenlohnabzugs von 25% (BGE 126 V 75) ohne
Einfluss auf den Rentenanspruch bliebe. Folglich ist unter Berücksichtigung einer
45%igen Restarbeitsfähigkeit und einem 10%igen Tabellenlohnabzug von einem
Invalideneinkommen von Fr. 26'913.-- (Fr. 66'453.-- x 0,45 x 0,9) bzw. bei einem
25%igen Tabellenlohnabzug von Fr. 22'428.-- (Fr. 66'453.-- x 0,45 x 0,75) auszugehen.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 69'600.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 26'913.-- bzw. von Fr. 22'428.-- resultieren ein Verlust an Erwerbsmöglichkeiten von
Fr. 42'687.-- (Fr. 69'600.-- - Fr. 26'913.--) bzw. von Fr. 47'172.-- (Fr. 69'600.-- -
Fr. 22'428.--), ein Invaliditätsgrad von abgerundet 61% (Fr. 42'687.-- / Fr. 69'600.--)
bzw. von aufgerundet 68% (Fr. 47'172.-- / Fr. 69'600.--) und folglich ein Anspruch auf
eine Dreiviertelsrente (Art. 28 Abs. 2 IVG) für die Dauer vom 1. Dezember 2014 (siehe
vorstehende E. 3.1) bis 30. Juni 2017 (Art. 30 IVG; vgl. auch Rz 3116 i.V.m. Rz 3119 der
Wegleitung über die Renten in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung [RWL]).
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und den
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführern als Erben des Versicherten eine
Dreiviertelsrente vom 1. Dezember 2014 bis 30. Juni 2017 für dessen Invalidität
5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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