Decision ID: ea8109f1-f5a5-4673-97b2-001f36060afd
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Fritz Heeb, Rathausplatz 1, 8880 Walenstadt,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Einstellung in der Anspruchsberechtigung (Arbeitgeberkündigung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Januar 2012 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) X._ zur Arbeitsvermittlung an (act. G 4.1 / 4) und
stellte bei der Kantonalen Arbeitslosenkasse Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab
1. Februar 2012 (act. G 4.1 / 34). Der Versicherte war seit 1. April 2008 als Maschinist
Rohrproduktion bei der B._ AG in einem Vollzeitpensum beschäftigt gewesen (act. G
4.1 / 17, 28). Vom 6. November bis 8. Dezember 2011 hatte er sich wegen Verdachtes
auf versuchte vorsätzliche Tötung in Untersuchungshaft befunden (act. G 4.1 / 15 f.).
Am 25. November 2011 hatte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten per 31. Januar 2012 gekündigt (act. G 4.1 / 6) und ihn mit Schreiben vom
12. Dezember 2011 per sofort freigestellt (act. G 4.1 / 18). In der
Arbeitgeberbescheinigung vom 25. Januar 2012 wurde zur Begründung der Kündigung
ausgeführt, der Versicherte habe seine Meldepflicht verletzt, weshalb das Vertrauen
nicht mehr vorhanden gewesen sei (act. G 4.1 / 17, 28).
A.b Mit Verfügung vom 8. Februar 2012 stellte die Kantonale Arbeitslosenkasse den
Versicherten wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 38 Tage in der
Anspruchsberechtigung ein (act. G 4.1 / 27).
A.c Die dagegen erhobene Einsprache vom 9. März 2012 (act. G 4.1 / 36), in welcher
der Versicherte beantragte, von einer Einstellung sei abzusehen oder diese sei
zumindest auf unter sechs Tage (wegen leichtem Verschulden) herabzusetzen, wies die
Kantonale Arbeitslosenkasse mit Einspracheentscheid vom 19. März 2012 ab (act. G
4.1 / 38). Zur Begründung wurde ausgeführt, der Versicherte sei seit 7. November 2011
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der Arbeit unentschuldigt ferngeblieben und habe seine ehemalige Arbeitgeberin erst
am 23. November 2011 über seinen Verbleib informieren lassen. Während der
Untersuchungshaft hätte jedoch die Möglichkeit bestanden, der ehemaligen Arbeitge
berin sein Fernbleiben früher zu melden respektive melden zu lassen. Durch sein
Verhalten habe er ihr Anlass zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben, weshalb
ihm ein schweres Verschulden an der Arbeitslosigkeit anzulasten sei. Da gewichtige
Gründe für die Entlassung vorgelegen hätten, sei eine Einstellung von 38 Tagen in der
Anspruchsberechtigung gerechtfertigt.
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vom Rechtsvertreter namens und im
Auftrag des Beschwerdeführers eingereichte Beschwerde vom 11. April 2012 mit den
Anträgen, der Einspracheentscheid vom 19. März 2012 sei aufzuheben, auf eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung sei zu verzichten und dem Beschwerdeführer
sei für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Prozessführung unter Einschluss
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch den unterzeichnenden
Rechtsvertreter zu gewähren; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1). Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, der gleichzeitig auch sein amtlicher
Verteidiger im Strafprozess sei, habe die ehemalige Arbeitgeberin am 23. November
2011 telefonisch über dessen Verbleib, die Gründe hierfür und den voraussichtlichen
Entlassungstermin orientiert. Im besagten Telefonat habe sich die Arbeitgeberin
dahingehend geäussert, dass diese Angelegenheit in der Geschäftsleitung besprochen
und dann entschieden werde, ob dem Beschwerdeführer zu kündigen sei. Da in den
letzten Wochen/Monaten vor der Inhaftierung weitere Unregelmässigkeiten
vorgekommen seien, müsse er allerdings mit der Kündigung rechnen. In der Folge
habe die ehemalige Arbeitgeberin die Gelegenheit genutzt und das Arbeitsverhältnis
allein mit der Begründung des unentschuldigten Fernbleibens von der Arbeit und ohne
Erwähnung der anderen Unregelmässigkeiten gekündigt. Des Weiteren verkenne die
Beschwerdegegnerin die tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse, in welcher sich
eine Person im Rahmen einer strafprozessualen Untersuchungshaft befinde. Der
Beschwerdeführer sei in dieser Zeit von der Aussenwelt isoliert gewesen und habe
deshalb keine Möglichkeit gehabt, sich mit der ehemaligen Arbeitgeberin in Verbindung
zu setzen. Eine solche Kontaktsperre / Isolation liege in der Natur der Untersu
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chungshaft. Die einzige Möglichkeit mit der Aussenwelt zu kommunizieren habe
lediglich über die sporadischen Kontakte mit dem amtlichen Verteidiger bestanden.
Unter diesen Umständen dem Beschwerdeführer ein schweres Verschulden an seiner
Arbeitslosigkeit anzulasten und ihn mit 38 Einstelltagen zu bestrafen, erscheine
unverhältnismässig und sei nicht rechtens. Ihn treffe – wenn überhaupt – höchstens ein
leichtes Verschulden an der verspäteten Mitteilung gegenüber der ehemaligen
Arbeitgeberin. Folglich könne nicht angenommen werden, es hätten gewichtige Gründe
für eine Entlassung vorgelegen. Vielmehr dürfte die ehemalige Arbeitgeberin die
Kündigung des Vertrages (auch) aus anderen Gründen ausgesprochen haben.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 15. Mai 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Sie hielt fest, dass die zuständige
Strafbehörde auf Wunsch einer in Untersuchungshaft gesetzten Person deren
Arbeitgeber umgehend benachrichtige. Von einer Benachrichtigung werde abgesehen,
wenn der Untersuchungszweck sie verbiete oder die betroffene Person sie
ausdrücklich ablehne. Diese Verpflichtung obliege auch der Polizei, was insbesondere
bei der in ihrer Kompetenz liegenden vorläufigen Festnahme von Belang sei. An der
Nichtinformation könne namentlich dann ein Interesse bestehen, wenn nur mit einer
kurzen Dauer der Festnahme zu rechnen sei, was vorliegend jedoch nicht zugetroffen
habe.
B.c Mit Replik vom 18. Juni 2012 machte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
geltend, angesichts der vorliegenden besonderen Umstände sei die ehemalige
Arbeitgeberin hinreichend frühzeitig informiert worden (act. G 8). Es sei offensichtlich,
dass der ausschliessliche Bezug auf diese "Verspätung" als Grund für die Kündigung
nur die halbe Wahrheit sei. Den Beschwerdeführer dafür zusätzlich noch mit 38
Einstelltagen zu bestrafen, sei nicht rechtens. Mit Schreiben vom 16. Juli 2012 wurde
ergänzt, der Beschwerdeführer habe am 6. Juli 2012 mit der C._ GmbH einen
unbefristeten Einsatzvertrag als temporärer Mitarbeiter bei der B._ AG unterzeichnet
(act. G 10). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer weiteren
Stellungnahme (act. 12).

Erwägungen:
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1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
zu Recht wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit für 38 Tage in der Anspruchs
berechtigung eingestellt hat.
2.
2.1 Nach Art. 30 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) ist die
versicherte Person in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch eigenes
Verschulden arbeitslos ist. Die Arbeitslosigkeit gilt nach Art. 44 Abs. 1 lit. a der
Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzent
schädigung (AVIV; SR 837.02) namentlich dann als selbstverschuldet, wenn die
versicherte Person durch ihr Verhalten, insbesondere wegen Verletzung
arbeitsvertraglicher Pflichten, dem Arbeitgeber Anlass zur Auflösung des
Arbeitsverhältnisses gegeben hat.
2.2 Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeits
losigkeit gemäss Art. 44 Abs. 1 lit. a AVIV setzt keine Auflösung des
Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen gemäss Art. 337 des Obligationenrechts
(OR; SR 220) voraus. Es genügt, dass das allgemeine Verhalten der versicherten
Person Anlass zur Kündigung bzw. Entlassung gegeben hat; Beanstandungen in be
ruflicher Hinsicht müssen nicht vorgelegen haben. Selbstverschuldet kann die
Arbeitslosigkeit auch sein, wenn der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis wegen für den
Betrieb als untragbar erscheinenden Verhaltens des Arbeitnehmers auflöst. Eine
Einstellung in der Anspruchsberechtigung kann jedoch nur verfügt werden, wenn das
der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten klar feststeht (Urteil des Bundesge
richtes vom 3. April 2007, C 277/06, E. 2 mit Hinweis auf BGE 112 V 242).
2.3 Am 17. Oktober 1991 ist für die Schweiz das Übereinkommen Nr. 168 der
Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über die Beschäftigungsförderung und den
Schutz gegen Arbeitslosigkeit vom 21. Juni 1988 (nachfolgend Übereinkommen; SR
0.822.726.8) in Kraft getreten. Gemäss Art. 20 lit. b des Übereinkommens können
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Leistungen verweigert, entzogen, zum Ruhen gebracht oder gekürzt werden, wenn die
zuständige Stelle festgestellt hat, dass die betreffende Person vorsätzlich zu ihrer
Entlassung beigetragen hat. Da diese Bestimmung inhaltlich hinreichend bestimmt und
klar ist, ist sie im Einzelfall direkt anwendbar und geht damit allfällig widersprechendem
Landesrecht vor (BGE 124 V 236 f. E. 3c). Eine Einstellung in der An
spruchsberechtigung setzt somit voraus, dass die versicherte Person vorsätzlich zu
ihrer Entlassung beigetragen hat (Urteile des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; ab 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 26.
April 2006, C 6/06, E. 1.1 und C 11/06, E. 1, je mit Hinweisen auf BGE 124 V 236 E.
3b).
2.4 Vorsätzlich handelt im Sozialversicherungsrecht, wer eine Tat mit Wissen und
Willen begeht, oder mindestens im Sinn des Eventualvorsatzes in Kauf nimmt
(Jacqueline Chopard, Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung, Diss. Zürich 1998,
S. 52). Eine zumindest eventualvorsätzliche Herbeiführung der Arbeitslosigkeit liegt bei
spielsweise dann vor, wenn die versicherte Person aufgrund einer Verwarnung weiss,
dass ein bestimmtes Verhalten vom Arbeitgeber nicht oder nicht mehr toleriert und zu
einer Kündigung führen wird, sie aber dennoch die ihr nach den persönlichen
Umständen und Verhältnissen zumutbare Anstrengung zu einer Änderung des
beanstandeten Verhaltens nicht aufbringt (vgl. BVR 1999 S. 379 E. 5c). Hat eine ver
sicherte Person nur grobfahrlässig zur Kündigung durch den Arbeitgeber beigetragen,
ist eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung gemäss Art. 20 lit. b des
Übereinkommens nicht zulässig.
3.
3.1 In tatbeständlicher Hinsicht steht fest, dass sich der Beschwerdeführer vom 6.
November bis 8. Dezember 2011 in Untersuchungshaft befand. Am 7. November 2011
(Montag) blieb er erstmals der Arbeit fern. Am 23. November 2011 orientierte sein
Rechtsvertreter und amtlicher Verteidiger im Strafprozess die Arbeitgeberin telefonisch
über die Untersuchungshaft. Mit Schreiben vom 25. November 2011 kündigte diese
das Arbeitsverhältnis mit dem Beschwerdeführer per 31. Januar 2012 und stellte ihn
mit Schreiben vom 12. Dezember 2011 per sofort frei.
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3.2 Als Grund für die Kündigung gab sie in der Arbeitgeberbescheinigung vom
25. Januar 2012 an, der Beschwerdeführer habe seine Meldepflicht verletzt, weshalb
ihrerseits das Vertrauen nicht mehr vorhanden gewesen sei. Demgegenüber brachte
der Beschwerdeführer vor, er sei während der Untersuchungshaft – abgesehen von
den sporadischen Kontakten mit dem amtlichen Verteidiger – von der Aussenwelt
abgeschirmt gewesen und habe deshalb keine Möglichkeit gehabt, sich mit seiner
ehemaligen Arbeitgeberin in Verbindung zu setzen. Somit treffe ihn – wenn überhaupt –
höchstens ein leichtes Verschulden an der verspäteten Mitteilung seines Fernbleibens
von der Arbeit. Im Übrigen habe die ehemalige Arbeitgeberin die Gelegenheit genutzt
und das Arbeitsverhältnis allein mit der Begründung des unentschuldigten Fernbleibens
von der Arbeit. Die Auflösung des Arbeitsverhältnisses sei aber (auch) aus anderen
Gründen erfolgt.
4.
4.1 Zunächst ist festzuhalten, dass vorliegend lediglich eine allfällige Verletzung von
arbeitsvertraglichen Pflichten zu beurteilen ist und keine Würdigung des
strafrechtlichen Vorwurfs erfolgt. Fraglich ist demnach, ob der Beschwerdeführer in
Verletzung seiner arbeitsvertraglichen Pflichten ab dem 7. November 2011
unentschuldigt der Arbeit ferngeblieben ist und seiner ehemaligen Arbeitgeberin Anlass
zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeben hat. Unentschuldigt heisst, die
Arbeitgebenden nicht rechtzeitig und ordnungsgemäss über den Verbleib zu
orientieren. Die arbeitnehmende Person muss eine allfällige Abwesenheit möglichst
zum Zeitpunkt ihres sonst üblichen Arbeitsbeginns melden oder melden lassen
(Chopard, a.a.O., S. 109).
4.2 Der Beschwerdeführer blieb infolge der Untersuchungshaft erstmals am
7. November 2011 der Arbeit fern. Eine Orientierung der ehemaligen Arbeitgeberin über
den Grund seiner Abwesenheit erfolgte am 23. November 2011 durch den Rechtsver
treter. Somit war die ehemalige Arbeitgeberin zweieinhalb Wochen über den Verbleib
des Beschwerdeführers im Unklaren, was einer den Umständen nach erheblichen
Zeitspanne entspricht. Richtig ist, dass Arbeitnehmende Arbeitsverhinderungen ihren
Vorgesetzten umgehend mitteilen und glaubhaft darlegen müssen, weshalb sie zur
Erbringung der Arbeitsleistung nicht im Stande sind. Die Anzeige muss den
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Arbeitgebenden ermöglichen, die Ursache der Abwesenheit der Mitarbeitenden zu
erfahren. Dies gilt auch dann, wenn eine Untersuchungshaft den Grund für die Arbeits
verhinderung darstellt. Der Schutz der Privatsphäre der Arbeitnehmenden kann nämlich
nicht derart weit gehen, dass die Arbeitgebenden über die Ursache des Fernbleibens
völlig im Unklaren gelassen werden. Dem Beschwerdeführer muss klar gewesen sein,
dass er sich in Fällen, in welchen er nicht in der Lage ist, die vertraglich geschuldete
Arbeitsleistung zu erbringen, bei seiner Arbeitgeberin melden muss. Dies gilt selbst bei
heiklen Anlässen wie der Anordnung einer Untersuchungshaft. Sodann ist betreffend
den Einwand, er sei von der Aussenwelt isoliert gewesen und habe deshalb keine
Möglichkeit gehabt, sich mit der ehemaligen Arbeitgeberin in Verbindung zu setzen,
Folgendes festzuhalten: Wird eine Person vorläufig festgenommen oder in Untersu
chungs- oder Sicherheitshaft gesetzt, so benachrichtigt die zuständige Strafbehörde
auf ihren Wunsch umgehend den Arbeitgeber (Art. 214 Abs. 1 lit. b der
Strafprozessordnung [StPO; SR 312]). Arbeitgebende sind spätestens dann zu
orientieren, wenn die verhaftete oder inhaftierte Person an ihrem Arbeitsplatz wider
Erwarten nicht erscheint. Gegenstand der Benachrichtigung ist allein die Tatsache der
vorläufigen Festnahme bzw. der Anordnung von Untersuchungs- und Sicherheitshaft.
Die Benachrichtigungspflicht der Strafbehörde besteht allerdings nur dann, wenn der
entsprechenden Benachrichtigung ein Wunsch der betroffenen Person zugrunde liegt.
Damit dieser Wunsch auch geäussert werden kann oder eben nicht, ist die betroffene
Person über die Orientierungsmöglichkeit aufzuklären. Im Übrigen kann der
Untersuchungszweck einer Benachrichtigung entgegenstehen, wenn dadurch
insbesondere eine Kollusions- oder Verdunkelungsgefahr entstehen könnte (vgl. Ulrich
Weder, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, Donatsch und
andere [Hrsg.], Zürich/Basel/Genf 2010, N. 10 f., 15 und 20 zu Art. 214 StPO).
Vorliegend wird nicht geltend gemacht und geht aus den Akten auch nicht hervor, dass
der Untersuchungszweck oder andere Gründe einer rechtzeitigen Benachrichtigung
entgegenstanden hätten oder der Beschwerdeführer nicht über die
Orientierungsmöglichkeit aufgeklärt worden wäre. Somit ist überwiegend
wahrscheinlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die Möglichkeit einer
umgehenden Benachrichtigung seiner ehemaligen Arbeitgeberin nicht genutzt hat. Die
Mitteilung über seinen Verbleib, welche erst zweieinhalb Wochen nachdem er erstmals
der Arbeit ferngeblieben war erfolgte, wurde mithin nicht zum frühestmöglichen
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Zeitpunkt veranlasst. Im Übrigen lag keine kurze Dauer der Festnahme vor, welche eine
Nichtinformation allenfalls zu rechtfertigen vermocht hätte. Der Beschwerdeführer
konnte jedenfalls nicht ohne Weiteres annehmen, dass seine Abwesenheit ohne
Anzeige in guten Treuen gerechtfertigt ist. Folglich setzte er ein Verhalten, bei welchem
er mit einer Entlassung durch die Arbeitgeberin rechnen musste. Damit ist eine
eventualvorsätzliche Inkaufnahme der Kündigung zu bejahen. Nach dem Gesagten ist
die Arbeitslosigkeit des Beschwerdeführers selbstverschuldet, weshalb die
Beschwerdegegnerin eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung zu Recht verfügte.
5.
5.1 Zu prüfen bleibt, ob die von der Beschwerdegegnerin verfügten 38 Einstelltage
angemessen sind.
5.2 Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30
Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30 Tage bei
mittelschwerem und 31 bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 2 AVIV).
Zweck der Einstellung in der Anspruchsberechtigung als versicherungsrechtliche
Sanktion ist die angemessene Mitbeteiligung der versicherten Person am Schaden, den
sie durch ihr pflichtwidriges Verhalten der Arbeitslosenversicherung verursacht hat.
5.3 Weil der Beschwerdeführer eventualvorsätzlich zu seiner Entlassung beigetragen
hat, ist von einem schweren Verschulden auszugehen, womit ein Sanktionsrahmen von
31 bis 60 Tagen zur Verfügung steht (Art. 45 Abs. 2 AVIV). Bei der konkreten
Sanktionsbemessung ist zu berücksichtigen, dass dem Beschwerdeführer ordentlich
gekündigt wurde (mit Freistellung per 12. Dezember 2011). Des Weiteren ist bezüglich
des Vorbringens des Beschwerdeführers, es sei zu bedenken, dass die ehemalige
Arbeitgeberin, welche das Arbeitsverhältnis mit der Begründung des nicht mehr
vorhandenen Vertrauensverhältnisses aufgelöst habe, ihn rund fünf Monate später
wieder eingestellt habe, festzuhalten, dass er den betreffenden Einsatzvertrag mit der
C._ GmbH abgeschlossen hat. Die ehemalige Arbeitgeberfirma bildet lediglich, aber
immerhin den Einsatzbetrieb. Schliesslich ist aufgrund des gegen den
Beschwerdeführer im Strafverfahren vorliegenden Vorwurfs eines Verbrechens
anzunehmen, dass ihm eine Benachrichtigung der ehemaligen Arbeitgeberin nicht
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leicht gefallen ist. Weitere Entlastungsgründe sind nicht auszumachen. In Würdigung
der Gesamtumstände erscheint vorliegend eine Reduktion der verfügten Einstelldauer
in den untersten Bereich des schweren Verschuldens angezeigt, weshalb von einer
Einstellung in der Anspruchsberechtigung von 31 Tagen auszugehen ist.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen und
der Einspracheentscheid vom 19. März 2012 aufzuheben. Der Beschwerdeführer ist für
31 Tage in der Anspruchsberechtigung einzustellen.
7.
7.1 Des Weiteren ist über das Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu
befinden.
7.2 Gemäss Art. 61 lit. f des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] wird der Beschwerde führenden Person,
wo die Verhältnisse es rechtfertigen, ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt.
Voraussetzung für die unentgeltliche Vertretung ist unter anderem, dass die
Beschwerde führende Partei über keine Rechtsschutzversicherung verfügt, welche für
die Anwaltskosten aufzukommen hat, und dass sie finanziell bedürftig ist.
7.3 Der Beschwerdeführer hat im Verlauf des Beschwerdeverfahrenens seinem
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung diverse Unterlagen beigelegt. Mit
Schreiben vom 20. September 2012 forderte die Verfahrensleitung ihn zusätzlich auf,
insbesondere folgende Dokumente einzureichen: Belege hinsichtlich des
Verwendungszwecks des per Ende Dezember 2011 ausgewiesenen Kontoguthabens
von Fr. 19'000.-- (Combikonto der E._ AG) und die Versicherungspolice der
Rechtsschutzversicherung F._ inklusive Begründung, weshalb jene für die vor
liegenden Anwaltskosten nicht aufkomme. In der Folge wurden keine Belege bezüglich
der Verwendung der Fr. 19'000.-- eingereicht. Stattdessen wurde im Wesentlichen die
Rückzahlung eines steuerlich nicht ausgewiesenen Darlehens (privater Darlehensgeber)
behauptet. Überdies wurde festgehalten, die Deckungsabsage – die
Rechtsschutzversicherung lehne gestützt auf ihre AVB eine Versicherungsdeckung ab –
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sei lediglich telefonisch erfolgt. Es ist folglich nicht ausgewiesen, ob bzw. weshalb die
Rechtsschutzversicherung im vorliegenden Fall keine Deckung gewähren sollte. Das
Gesuch um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist daher abzuweisen.
8.
8.1 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
8.2 Beim vorliegenden Verfahrensausgang besteht ein Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG). Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf das
Einreichen einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint mit Blick auf vergleichbare Fälle und unter Berücksichtigung des nur
teilweisen Obsiegens eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 1'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP