Decision ID: ae3aa449-0656-5eac-9f6c-770a91e1942b
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. ist Eigentümerin des mit zwei Mehrfamilienhäusern und ihrem Wohnhaus
überbauten Grundstücks Nr. 000, Grundbuch Kaltbrunn. Über das Grundstück verläuft
entlang der nördlichen Grundstücksgrenze die als Gemeindestrasse zweiter Klasse
eingeteilte Q.-strasse, welche bis zur nordöstlichen Ecke ihres Wohnhauses führt und
anschliessend als Gemeindeweg zweiter Klasse mit einer Länge von rund 25 Metern in
den das Grundstück gegen Westen begrenzenden, gemäss Strassenplan vom
24. August 1993 als Gemeindestrasse dritter Klasse eingeteilten Z.-weg mündet.
Entlang der südlichen Grundstücksgrenze verläuft die Kaltbrunn mit Uznach
verbindende Kantonsstrasse, in welche von Norden her sowohl die Q.-strasse als auch
der Z.-weg münden und die über einen — seit dem Ausbau in den Jahren 1997 und
1998 unter anderem auf von X.Y. abgetretenen Flächen des Grundstücks Nr. 000
angelegten — mit Bankett und Leitpfosten baulich abgesetzten Fuss- und Radstreifen
verfügt.
B./ Am 7. Juli 2003 ersuchte X.Y. den Gemeinderat Kaltbrunn erfolglos, die
Öffentlicherklärung des Verbindungsweges zwischen der Q.-strasse und dem Z.-weg
zu widerrufen. Im rechtskräftigen Rekursentscheid vom 15. Juni 2005 hielt das
kantonale Baudepartement dazu fest, X.Y. sei anlässlich der Bewilligung einer Baute
auf ihrem Grundstück im Jahr 1985 ausdrücklich auf den bestehenden Weg
hingewiesen worden und die Kantonsstrasse habe bereits vor dem Ausbau in den
Jahren 1997 und 1998 über ein Trottoir verfügt. Die häufigere Benutzung des
Durchgangs zeige das erhebliche öffentliche Interesse an dessen Weiterbestand und
überwiege das private Interesse von X.Y. an der Aufhebung des Weges. Fussgänger
sollten wenn immer möglich über verkehrs- und immissionsarme Strecken geführt
werden. Bereits im Jahr 2002 sei festgestellt worden, die Politische Gemeinde
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Kaltbrunn werde für die Sicherheit der Fussgänger und Radfahrer auf dem
Verbindungsweg einerseits und spielender Kinder anderseits zu sorgen haben.
Dieser Entscheid des Baudepartements veranlasste den Gemeinderat Kaltbrunn,
zusammen mit X.Y. eine Lösung zu suchen. Am 18. Juni 2009 genehmigte er ein
Sanierungsprojekt, welches vom 24. Juni bis 23. Juli 2009 öffentlich auflag. Dagegen
erhoben X.Y. und der Quartierverein Q. Einsprache. Der Quartierverein forderte, der
Verbindungsweg müsse rollstuhl- und kinderwagengerecht sein. X.Y. wandte ein, dass
der im Sanierungsplan vorgesehene Pfosten keine Sicherheit für die spielenden Kinder
bedeute; zudem erübrige sich der Verbindungsweg, da entlang der Hauptstrasse für
die Bewohner des Z.-quartiers ein sicherer Weg ins Dorf gebaut worden sei. Sie
beantragte deshalb, den Durchgang aufzuheben. Aufgrund dieser Einsprachen
entschied der Gemeinderat, das Projekt zu überarbeiten.
C./ Am 15. Dezember 2009 verabschiedete der Gemeinderat ein neues
Sanierungsprojekt für den Verbindungsweg. Dieses wurde vom 23. Juni bis 22. Juli
2010 öffentlich aufgelegt. Am 20. Juli 2010 erhob X.Y. auch dagegen Einsprache mit
der Begründung, dass der Verbindungsweg lediglich provisorisch zur Verfügung
gestellt worden sei und dafür kein Bedarf mehr bestehe, weshalb die Verbindung
aufzuheben sei. Da versäumt wurde, X.Y. auf die vorübergehende Landbeanspruchung
während der Bauphase aufmerksam zu machen, wurde dies mit Schreiben vom 18.
Oktober 2010 und erneuter öffentlicher Auflage vom 20. Oktober bis 18. November
2010 nachgeholt. X.Y. erhob am 17. November 2010 erneut Einsprache gegen das
Sanierungsprojekt. Sie brachte vor, dass auf den Fussweg zu verzichten und sie auch
nicht mit einer – befürchtungsweise nicht vorübergehenden — Landbeanspruchung
von 16 Quadratmetern einverstanden sei. Der Gemeinderat wies mit Entscheid vom 2.
Dezember 2010 (zugestellt am 11. Dezember 2010) die Einsprache ab.
Gegen diesen Entscheid erhob X.Y. am 22. Dezember 2010 Rekurs beim
Baudepartement des Kantons St. Gallen. Sie beantragte, der Entscheid des
Gemeinderates sei aufzuheben und auf die Erstellung des Projekts zu verzichten.
Eventualiter sei das Projekt zu überarbeiten. Der Gemeinderat Kaltbrunn beantragte am
28. Februar 2011 die Abweisung des Rekurses. Das Baudepartement führte am 29.
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Juni 2011 einen Augenschein durch und wies am 6. Dezember 2012 den Rekurs ab.
Die Entscheidgebühr von 3'000 Franken wurde X.Y. auferlegt.
D./ X.Y. (nachfolgend Beschwerdeführerin) erhob am 3. Januar 2013 (Postaufgabe 4.
Januar 2013) gegen den Entscheid des Baudepartements vom 6. Dezember 2012
Beschwerde beim Verwaltungsgericht und reichte dazu diverse Unterlagen ein. Sie
beantragte sinngemäss, der Fussweg, eventuell das Sanierungsprojekt seien
aufzuheben. Das Sanierungsprojekt sei zu gefährlich und es bestehe an der
Hauptstrasse ein ausgebauter Geh- und Radweg. Mit zusätzlicher Eingabe vom 31.
Januar 2013 reichte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen ein.
Mit Eingabe vom 18. Februar 2013 liess sich das Baudepartement (nachfolgend
Vorinstanz) vernehmen. Es beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur
Begründung führte es aus, Gegenstand der Beschwerde sei das Sanierungsprojekt
Verbindungsweg Q.-strasse — Z.-weg. Die Beschwerdeführerin habe im gesamten
Verfahren die Aufhebung des Verbindungsweges verlangt. Konkrete Punkte gegen das
Sanierungsprojekt habe sie kaum oder gar nicht vorgebracht. Über den Bestand des
Verbindungsweges sei jedoch bereits mit rechtskräftigem Rekursentscheid vom 15.
Juni 2005 entschieden worden. Am 22. Februar 2013 beantragte die Politische
Gemeinde Kaltbrunn (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge
wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Die Beschwerdeführerin beantragt, der als Gemeindeweg zweiter Klasse eingeteilte
Verbindungsweg Q.-strasse - Z.-weg sei aufzuheben, weil entlang der parallel zur Q.-
strasse und zum Verbindungsweg verlaufenden Kantonsstrasse, von welcher der Z.-
weg abzweige, für Fussgänger und Radfahrer eine sichere Verbindung ins Dorf
vorhanden sei.
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Wege werden als Strassen im Sinn des Strassengesetzes behandelt, soweit keine
besonderen Bestimmungen gelten (vgl. Art. 1 Abs. 2 des Strassengesetzes, sGS 732.1,
abgekürzt StrG; G. Germann, in: G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum st.
gallischen Strassengesetz vom 12. Juni 1988, St. Gallen 1989, N 8 zu Art. 8 StrG).
Strassen werden aufgehoben, wenn sie ihre Bedeutung verloren haben (Art. 14 Abs. 2
StrG). Sie sollen nur aufgehoben werden, wenn jedes Interesse an der
Aufrechterhaltung des Gemeingebrauchs weggefallen ist, was indessen nur selten
zutrifft. Bei der Aufhebung von öffentlichen Strassen ist daher Zurückhaltung geboten,
insbesondere bei Fuss- und Wanderwegen (vgl. Germann, a.a.O., N 3 zu Art. 14 StrG).
Wer ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut, kann der politischen Gemeinde nach
zehn Jahren seit rechtsgültiger Einteilung eine Änderung beantragen (Art. 14 Abs. 3
StrG). Vor Ablauf der Frist kann auf ein solches Gesuch eingetreten werden, wenn es
als angezeigt erscheint. Ein Rechtsanspruch auf Überprüfung ist zudem unabhängig
vom Fristablauf gegeben, wenn das Planverfahren nach Art. 39 ff. StrG durchgeführt
wird (vgl. Germann, a.a.O., N 5/6 zu Art. 14 StrG).
Wie die Vorinstanz ausführt, war die Aufhebung der Strasse Gegenstand eines
Verfahrens im Jahr 2005. Ihr damaliger Rekursentscheid vom 15. Juni 2005, mit
welchem das Gesuch um Aufhebung des Weges abgewiesen wurde, sei
unangefochten rechtskräftig geworden. Mangels Ablauf der Zehnjahresfrist könne
deshalb auf das neuerliche Begehren nicht eingetreten werden. Im Dispositiv des
angefochtenen Entscheides erkannte die Vorinstanz indessen schliesslich nicht auf
Nichteintreten, sondern auf Abweisung. In den Erwägungen begründete sie dies damit,
dass – selbst wenn auf den Rekurs in diesem Punkt eingetreten würde – das Begehren
abzuweisen wäre, weil sich die Verhältnisse seit 2005 nicht wesentlich geändert hätten.
Die Vorinstanz hat die Frage des am Verbindungsweg weiterhin bestehenden
öffentlichen Interesses materiell geprüft und – wenn auch bloss mit kurzer Begründung
– bejaht. Auf eine solche materielle Prüfung hatte die Beschwerdeführerin Anspruch,
zumal mit dem umstrittenen Strassenprojekt ein Planverfahren nach Art. 39 ff. StrG
verbunden war.
Die Kantonsstrasse war im Jahr 2005 bereits seit mehreren Jahren mit einem Fuss-
und Radweg bzw. –streifen versehen. Insoweit war schon damals zu prüfen, ob damit
jegliches öffentliche Interesse am Verbindungsweg weggefallen sei. Seither hat das
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öffentliche Interesse an der zusätzlichen Verbindung aufgrund der fortschreitenden
Überbauung jedenfalls nicht abgenommen. Zu berücksichtigen ist auch, dass die beim
Strassenbau zu beachtenden Grundsätze für eine räumliche Trennung insbesondere
des motorisierten Durchgangsverkehrs auf der Kantonsstrasse einerseits und der
internen Erschliessung eines Wohnquartiers für Fussgänger und gegebenenfalls
weitere schwächere Verkehrsteilnehmer anderseits sprechen. Dieses Interesse wird
durch das Engagement des Quartiervereins "Q." verdeutlicht (act. 11/9; Schreiben vom
19. Juli 2009 und vom 21. Februar 2011). Weshalb jedes Interesse an der
Aufrechterhaltung des Verbindungsweges weggefallen sein soll, wird unter diesen
Umständen von der Beschwerdeführerin nicht ausreichend dargetan. Soweit sie die
Aufhebung des Verbindungsweges gestützt auf Art. 14 Abs. 2 StrG anstrebt, ist die
Beschwerde abzuweisen.
In diesem Zusammenhang fragt sich, ob die Einteilung des Verbindungsweges als
Gemeindeweg zweiter Klasse richtig ist. Wege werden zwar nicht in erster Linie nach
deren Funktion, sondern nach dem Unterhalt eingeteilt. Die Kosten des Unterhalts von
Wegen zweiter Klasse werden nicht vorab durch den Gemeingebrauch verursacht, was
nicht ausschliesst, dass sie auch dem Gemeingebrauch dienen (vgl. Germann, a.a.O.,
N 3 zu Art. 9 StrG). Zu den Wegen erster Klasse gehören jene Wege, deren Kosten für
Bau und Unterhalt im Wesentlichen durch den Gemeingebrauch verursacht werden.
Angesichts der Bedeutung des Verbindungsweges, welcher für die strassenmässige
Erschliessung des Grundstücks Nr. 000 der Beschwerdeführerin nicht von Belang ist,
sondern – wie dargestellt — Teil einer abseits der Kantonsstrasse verlaufenden
internen Erschliessung der Wohnquartiere Z. und Q. mit zurzeit nicht auf Fussgänger
beschränktem Benutzerkreis bildet, fragt sich, ob er nicht als Gemeindeweg erster
Klasse einzustufen wäre, mit der Folge, dass die Gemeinde den Unterhalt zu besorgen
und zu bezahlen hätte (vgl. Art. 9 Abs. 1 und Abs. 2 Ingress und lit. a in Verbindung mit
Art. 54 Abs. 1 Ingress und lit. a StrG). Diese Frage ist indessen nicht Gegenstand des
Verfahrens und deshalb nicht weiter zu prüfen.
3. Die Beschwerdeführerin wendet sich auch gegen die konkrete Ausgestaltung der
Sanierung des Verbindungsweges Q.-strasse – Z.-weg.
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3.1. Das dem Verfahren zugrundeliegende Sanierungsprojekt sieht insbesondere vor,
die bestehenden acht Treppenstufen durch eine 1,20 Meter breite und 6,50 Meter
lange im rechten Winkel in den Z.-weg einmündende Rampe mit einer Neigung von
rund 25 Prozent – entsprechend einem Höhenunterschied von 1,625 Meter — zu
ersetzen. Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, sind auf der halben Länge der Rampe
im Abstand von neunzig Zentimetern zwei dreissig Zentimeter breite Abschrankungen
geplant, die erste vom Z.-weg her betrachtet nach 2,8 Metern von links, die zweite 2,8
Meter vor dem unteren Ende der Rampe von rechts in den Weg ragend (vgl. act. 11-9,
Plan vom 29. September 2010 zum Bauprojekt, Grundriss/Längsschnitt und
Querschnitt). Neben den beiden Schranken verbleibt damit jeweils eine Wegbreite von
neunzig Zentimetern.
Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, die vorgesehene
Massnahme sei geeignet, Radfahrer zum Abbremsen oder Absteigen zu bringen.
Gleichzeitig bleibe der Durchgang für Kinderwagen und/oder Rollstühle benützbar. Für
normgemässe Schranken seien die bestehenden Platzverhältnisse zu eng. Die
geplanten Massnahmen seien zweckmässig. Bei der Bauausführung könnten die
Schranken allenfalls noch etwas näher an den Vorplatz der Beschwerdeführerin gesetzt
werden. Von einer grossen Gefahrensituation könne keine Rede sein. Die
Beschwerdeführerin macht geltend, die Benützung der Rampe – auf welche früher
ausdrücklich verzichtet worden sei – durch Radfahrer sei insbesondere für auf dem
Vorplatz spielende (Klein-)Kinder zu gefährlich (vgl. auch act. 11-15).
3.2. Als Strassenbau gelten Neubau, Ausbau und Korrektion von Strassen (Art. 31
Abs. 1 StrG). Von Strassenausbau ist die Rede, wenn eine bestehende Strasse
wesentlich verbessert wird, so insbesondere wenn sie verbreitert wird, wenn erstmals
ein Hartbelag erstellt oder der Strassenunterbau erneuert wird (P. Schönenberger, in:
G. Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum st. gallischen Strassengesetz vom 12. Juni
1988, St. Gallen 1989, N 1 zu Art. 31 StrG). Da das umstrittene Sanierungsprojekt eine
grundlegende Umgestaltung des Verbindungsweges vorsieht, gehen die Beteiligten zu
Recht davon aus, dass das Projekt den Anforderungen, welche das Gesetz an den
Strassenbau stellt, genügen muss.
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3.3. Strassen werden gemäss Art. 32 StrG insbesondere dann gebaut, wenn die
Zweckbestimmung (lit. a), die Verkehrssicherheit (lit. b), das Verkehrsaufkommen (lit. c)
oder der Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer, insbesondere von Fussgängern,
Radfahrern und Behinderten (lit. d) dies erfordern. Diese Aufzählung ist alternativ zu
verstehen (Schönenberger, a.a.O., N 2 zu Art. 32 StrG). Der Bau der Strasse muss sich
mit Blick zumindest auf eine der in Art. 32 StrG genannten Voraussetzungen als
notwendig erweisen. Ein Strassenbauprojekt ist jedoch nicht erst dann notwendig,
wenn eine Alternativlösung (sowie allenfalls eine Nullvariante) zum vornherein
ausscheidet, sondern bereits dann, wenn der Bau als verkehrsplanerisch und im Lichte
der Grundsätze von Art. 33 StrG als sinnvoll und sachlich begründet erscheint (vgl.
VerwGE B 2010/61 vom 9. November 2010 E. 2.1., abrufbar unter www.gerichte.sg.ch).
Nach Art. 33 StrG sind beim Strassenbau – mithin bei dessen Planung, Projektierung
und Ausführung — unter anderem der Schutz des Menschen und seiner natürlichen
Umwelt (lit. a), die Verkehrssicherheit (lit. b), der Schutz der schwächeren
Verkehrsteilnehmer, insbesondere von Fussgängern, Radfahrern und Behinderten (lit. c)
sowie die anerkannten Grundsätze eines umwelt- und siedlungsgerechten
Strassenbaus (lit. f) besonders zu beachten. Die Aufzählung ist nicht abschliessend
(vgl. Schönenberger, a.a.O., N 1 zu Art. 33 StrG).
Fehlende Verkehrssicherheit ist vorab Anlass für eine Strassenkorrektion oder allenfalls
einen Strassenausbau, in seltenen Fällen möglicherweise aber auch für einen
eigentlichen Strassenneubau. Vom Grundsatz der Verkehrssicherheit sind alle jene
baulichen Massnahmen erfasst, die geeignet erscheinen, die Verkehrssicherheit zu
erhöhen bzw. zu gewährleisten. Dazu gehören die Übersichtlichkeit von Einmündungen
ebenso wie die Trennung einzelner Verkehrsarten mittels separierter Radwege,
Fussgängerunterführungen und dergleichen (vgl. Schönenberger, a.a.O., N 4 zu Art. 32
StrG und N 3 zu Art. 33 StrG). Dem Schutz des schwächeren Verkehrsteilnehmers
kommt in Anbetracht der anhaltenden Zunahme des motorisierten Verkehrs ständig
grössere Bedeutung zu. Besonderen Schutzes bedürfen dabei die Fussgänger und
Radfahrer, namentlich aber auch die Behinderten, seien diese nun Fussgänger oder
Benützer irgendeines Spezialtransportmittels. Zu denken ist vornehmlich an die
Schaffung und Sicherung jener Verkehrsflächen, die diesen Verkehrsteilnehmern
vorbehalten sind, wie Gehwege entlang der Strassen (Trottoirs) oder Radwege, aber
auch an die notwendigen baulichen Massnahmen, die den Behinderten die Teilnahme
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am Verkehrsablauf überhaupt erst ermöglichen, wie Rampen bei Unter- und
Überführungen, Trottoirabfahrten etc. (Schönenberger, a.a.O., N 6 zu Art. 32 StrG und
N 4 zu Art. 33 StrG). Bei den anerkannten Grundsätzen eines umwelt- und
siedlungsgerechten Strassenbaus bezog sich der Gesetzgeber im Wesentlichen auf die
1984 von der damaligen Stiftung für Landschaftsschutz und Landschaftspflege (heute
Stiftung Landschaftsschutz Schweiz) herausgegebene Schrift "Landschaft, Siedlung
und Strassenbau" (vgl. Schönenberger, a.a.O., N 5 zu Art. 33 StrG).
3.4. Trotz des entlang der Kantonsstrasse verlaufenden, baulich abgetrennten Streifens
für Fussgänger und Radfahrer kommt dem Verbindungsweg zwischen der Q.-strasse
und dem Z.-weg, die ihrerseits beide in die Kantonsstrasse münden, wie dargestellt
eine eigenständige, im öffentlichen Interesse liegende Bedeutung zu. Dies gilt
insbesondere mit Blick auf die zum Schutz der Verkehrssicherheit und der
schwächeren Verkehrsteilnehmer anzustrebende klare räumliche Trennung des auf der
Kantonsstrasse abgewickelten insbesondere motorisierten Durchgangsverkehrs von
der internen Erschliessung eines Wohnquartiers vorab für Fussgänger und Menschen
mit einer Behinderung, welche auf die Benutzung eines Rollstuhls angewiesen sind.
Insoweit mit der Sanierung des Verbindungswegs die Absicht verfolgt wird, die
Verkehrssicherheit insbesondere im Bereich der Einmündung des Weges auf den
Vorplatz des Wohnhauses der Beschwerdeführerin zu verbessern und die Benützung
durch Personen mit Kinderwagen und gehbehinderten Menschen zu erleichtern, sind
die Anforderungen an die Erforderlichkeit eines Strassenprojektes im Sinn von Art. 32
Ingress und lit. b und d StrG erfüllt.
3.5. Im Weiteren ist zu prüfen, ob das konkrete Projekt den in Art. 33 StrG verankerten
Grundsätzen angemessen Rechnung trägt. Der Verbindungsweg zwischen der Q.-
strasse und dem Z.-weg ist weder Bestandteil des kommunalen noch des kantonalen
Fuss-, Wander- und Radwegnetzes. Als klassierter Gemeindeweg dient er nicht dem
Motorfahrzeugverkehr, sondern in erster Linie den Fussgängern und — je nach
Zweckbestimmung — auch dem Rad- und Reitverkehr. Motorfahrräder sind den
Fahrrädern gleichgestellt. Sollen Motorfahrräder ausgeschlossen werden, ist das
entsprechende Fahrverbot zu verfügen (vgl. Germann, a.a.O., N 1 zu Art. 9 StrG und N
3/4 zu Art. 2 StrG). Ein Fahrverbot für Motorfahrräder und Fahrräder ist zurzeit nicht
vorgesehen, obwohl die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte und von der
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Vorinstanz in den Rekursentscheiden der Jahre 2002 und 2005 bestätigte Gefahr vorab
von Radfahrern – und allenfalls von Motorfahrradfahrern – ausgeht, welche den
Verbindungsweg vom Z.-weg her abwärts in Richtung Dorf benutzen. Die Vorinstanz
hat festgestellt, der Z.-weg weise bereits im Bereich der Einmündung des
Verbindungsweges ein starkes Gefälle zur Kantonsstrasse hin auf, so dass Radfahrer
mit viel Schwung in die Einmündung des Weges gelangten. Anderseits sei das Gefälle,
welches der Verbindungsweg bei engsten räumlichen Verhältnissen nördlich der
Garage des Wohnhauses der Beschwerdeführerin überwinde, beträchtlich. Der Weg sei
teilweise nicht mehr als ein Meter breit (vgl. Rekursentscheid vom 15. März 2002).
Bei der Beurteilung der Gefährdung und der dagegen zu treffenden Massnahmen ist —
neben den von der Vorinstanz im Rekursentscheid aus dem Jahr 2002 festgestellten
Aspekten — zu berücksichtigen, dass der Verbindungsweg im Anschluss an die
geplante Rampe über Vorplätze von Wohnhäusern verläuft, ohne dass die der
öffentlichen Nutzung gewidmete Fläche von den privat genutzten Flächen optisch oder
gar baulich abgegrenzt ist. Zudem sind — wie aus den im Recht liegenden Fotos
ersichtlich wird — die Sichtverhältnisse durch Verlauf und Enge des Weges sowie
durch Bepflanzungen beeinträchtigt. Wie bereits in den Rekursentscheiden der
Vorinstanz in den Jahren 2002 und 2005 festgestellt, besteht deshalb Bedarf,
verkehrsberuhigende Massnahmen im Interesse der Sicherheit der verschiedenen
Benutzer zu treffen. Das Projekt muss insbesondere siedlungsgerecht ausgestaltet
sein, indem es wirksam Konflikte zwischen Radfahrern und Nutzern der Vorplätze
entschärft. Der Bau einer Rampe mit minimalen Wegbreiten bei den beiden Schranken
von neunzig Zentimetern anstelle einer Treppe trägt dem Ziel Rechnung, den Weg
kinderwagengerecht auszubauen. Gleichzeitig führt dies aber dazu, dass der Weg für
Rad- und Motorfahrradfahrer einfacher zu benutzen sein wird, da das
Sanierungsprojekt anstelle von Stufen eine Rampe mit einer Breite im Bereich der
Abschrankungen von immerhin neunzig Zentimetern und einer zentral verlaufenden
hindernisfreien Fahrspurbreite von sechzig Zentimetern vorsieht. Radfahrern wäre
deshalb eine durchgängige Fahrt — allenfalls gar ohne starke Bremsung — möglich.
Angesichts der beträchtlichen Höhendifferenz von 1,625 Metern bei einer Strecke von
bloss 6,5 Metern kann dies zu Geschwindigkeiten führen, welche den beschränkten
Sichtverhältnissen im Bereich der Einmündung auf den Vorplatz des Wohnhauses der
Beschwerdeführerin nicht mehr angepasst sind. Die von der Beschwerdegegnerin
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vorgesehenen baulichen Massnahmen führen insgesamt nicht zu einer Reduktion,
sondern eher zu einer Erhöhung des Gefährdungspotenzials insbesondere für Kinder,
welche sich auf dem Vorplatz des Wohnhauses der Beschwerdeführerin aufhalten und
sich der Gefahr, die von der unscheinbaren Einmündung ausgehen kann, nicht bewusst
sind.
Die projektierte Rampe weist mit einem Gefälle von 25 Prozent eine Neigung auf,
welche bei winterlichen Verhältnissen das Gefahrenpotenzial im Vergleich zur
bestehenden relativ flachen Treppe vor allem für unsichere Fussgänger erhöht. Die
Neigung liegt auch weit über den Empfehlungen für den behindertengerechten Bau von
Fusswegen und Rampen. Danach sind Gefälle von sechs Prozent und mehr für
Personen im Rollstuhl problematisch. Steigungen von über zwölf Prozent sind auch mit
einer Hilfsperson schwierig zu bewältigen und können nicht mehr sicher befahren
werden (vgl. Bundesamt für Strassen, Hindernisfreier Verkehrsraum – Anforderungen
aus Sicht von Menschen mit Behinderung, August 2010, S. 67 ff., veröffentlicht auf
www.hindernisfrei-bauen.ch). Das Ziel, den Weg für Fussgänger einfacher und für
Personen im Rollstuhl überhaupt benutzbar zu machen, wird mit dem
Sanierungsprojekt deshalb nicht erreicht.
Das zur Sicherstellung der Verkehrssicherheit und zum Schutz der schwächeren
Verkehrsteilnehmer im Sinn von Art. 32 Ingress und lit. b und d StrG erforderliche
Sanierungsprojekt trägt damit in seiner konkreten Ausgestaltung den beim Strassenbau
besonders zu beachtenden, in Art. 33 StrG genannten Grundsätzen nicht ausreichend
Rechnung. Indem das Projekt im Vergleich zum bestehenden Zustand tendenziell zu
einer Erhöhung des Gefährdungspotenzials führt, reduziert es die Verkehrssicherheit
und den Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer und beachtet die Grundsätze
eines siedlungsgerechten Strassenbaus nicht. Es erweist sich damit als nicht geeignet,
die in Art. 33 Ingress und lit. b, c und f StrG verankerten Grundsätze umzusetzen.
3.5. Da mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht Rechtsverletzungen geltend
gemacht werden können (Art. 61 Abs. 1 VRP), ist die Beschwerde, insoweit damit die
Verhältnismässigkeit des Projekts in Frage gestellt wird, begründet. Der angefochtene
Entscheid ist deshalb aufzuheben. Damit fällt auch das ihm zugrundeliegende, vom
20. Oktober bis 18. November 2010 öffentlich aufgelegte Projekt "Fussweg Q.-strasse
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– Z.-weg" dahin. Eine Beurteilung der Frage der Zulässigkeit der vorübergehenden
Enteignung erübrigt sich.
4. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht