Decision ID: dfbf3d3d-d380-496f-adb5-4e2d22e584a0
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 196
7
, war
ab Mai 1998 als
technischer Beam
ter
bei der
Y._
angestellt
(Urk. 8/
1/
1, 8/1/
4
, 8/5/6
).
Nach einem
Autounfall
am 8. Januar 2000
suchte er gleichentags
Dr.
med.
Z._
auf. Dieser stellte
eine Überdehnungsverletzung der Halswirbelsäule
(HWS)
fest
und
leitete
eine medikamentöse Therapie
ein
(
Urk.
7/106/351).
In der Folge
war der
Versicherte
wiederholt
längerfristig
krankgeschrieben (
Urk.
8/4)
und absol
vierte
s
tationäre
Rehabilitationsaufenthalt
e
im Herbst 2001 und Frühling
2002
(
Urk.
8/12/4, 8
/
20
/
2
)
.
1.2
Im
Dezember 2001
meldete er sich
wegen
eines
Schleudertrauma
s
bei
der
Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
,
zum Leistungsbezug an
(Urk. 8/
1
).
Diese
zog insbesondere die Akten der Schweizerische
n
Unfallversicherungsanstalt (Suva;
Urk.
8/560)
bei
. Die geplante berufliche Abklärung kam nicht zustande, worauf die IV-Stelle mit
Verfügung vom 6.
März 2003 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen verneinte (
Urk.
8/34
, 8/43
)
.
Sodann erachtete d
er
sie beratende
R
egionale Ärztliche Dienst (RAD)
in seiner Stellungnahme vom 15. Juli 2004 ein medizinisches Gutachten als notwendig (
Urk.
8/89)
. I
ndessen zog die IV-Stelle den
hierauf erteilten
Gut
achtensauftrag
im Rahmen der
Koordination mit der Suva
im Oktober 2004
zurück (
Urk.
8/103,
8/112/3, 8/109
, 8/115
, 8/131/90
). Letztlich sprach
sie
dem Versicherten
am 29.
Dezember 2004 rückwirkend ab Januar 2001 eine ganze Invalidenrente zu (
Urk.
8/121). D
as
von der Pensionskasse der
publica
diesbe
züglich angestrengte
Einspracheverfahren
wurde als durch Rückzug
erledigt abgeschrieben
(
Urk.
8/128).
Ungefähr zur selben Zeit sprach
die Suva dem Ver
sicherten –
ebenfalls
ohne
polydisziplinäre
Begutachtung
–
eine ganze
Rente
sowie eine
Integritätsentschädi
g
ung
zu (
Urk.
8/116
,
8/131/5
)
.
1.3
Die erste Revision nahm die IV-Stelle im Oktober 2008
an die Hand (
Urk.
8/136). Sie liess den Versicherten einen
F
ragebogen ausfüllen
(
Urk.
8/137) und holte
einen Bericht bei dessen Hausarzt (
Urk.
8/139)
sowie
einen Auszug aus dem Individuellen Konto (
Urk.
8/138)
ein
. Auf eine neue RAD-Stellung
nahme
verzichtete sie
unter Hinweis auf diejenige vom 15. Juli
2004
(
Urk.
8/141/2)
und
bestätigte
die ganze Rente mit Mitteilung vom 21. Juli 2009 (
Urk.
8/147/2).
Ebenso hielt
die Suva nach de
n
von ihr durchgeführten
Revisi
onsverfahren
mit
den
Mitteilung
en
vom
17. Dezember 2010 und
3. März 2014 an der bisherigen Rente fest
(
Urk.
8/151).
1.4
Im aktuelle
n
Revisionsverfahren
, eingeleitet im Herbst 2014, liess die IV-Stelle
den Versicherten (
Urk.
8/152)
sowie
dessen neue Hausärztin
(
Urk.
8/156) w
iederum ein Formular ausfüllen und holte
erneut einen Auszug aus dem Indi
viduellen Konto ein (
Urk.
7/154).
In der Folge
teilte
sie dem Versicherten
am
7
. Januar 2015 mit, dass zur Klärung seiner Leistungsansprüche eine
polydis
ziplinäre
medizinische Untersuchung
der Fach
richtungen Allgemeine I
nnere Medizin, Neurologie
, Rheumatologie,
Psy
chiatrie
und Neuropsychologie
not
wendig sei.
Im Schreiben wurde die Beilage „Fragen der IV-Stelle an die medi
zinische Fachstelle“ erwähnt
und dem Versicherten Frist an
gesetzt
, um Zusatz
fragen zu stellen (
Urk.
8/159, 8/161
).
Dieser erhob
persönlich
(
Urk.
8/162/1) und vertreten durch seinen Rechts
anwalt
(
Urk.
8/170)
Einwände
.
Zusammengefasst beanstandete er
, die Begutachtung sei nicht notwendig und greife in seine Grundrechte ein.
Im Zusammenhang mit den Gutachterfragen
äusserte er sich
indessen nicht.
Die
Auftragsvergabe erfolgte
anschliessend
via die Plattform
SuisseMED@P
(Urk. 8/
173-174
).
Am 16. Juli 2015
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
mit der
Begutachtung
werde
die
MEDAS
A._
AG
beauftragt
. In der
selben Mitteilung nannte sie die mit der Untersuchung betrauten Experten sowie deren Facharzttitel
(Urk. 8/
175
). Dagegen erhob der Versicherte am
20.
Juli
2015
erneut
Einwand
und beanstandete unter anderem die
ausländische Staatsa
nge
hörigkeit gewisser Gutachter, die ausgebliebene Mitteilung der
Gutachterfragen
, das Fehlen eines Einigungsversuches
und
die Fortsetzung des Verfahrens
vor Klärung der Frage n
ach der
strukturierte
n
Beweiserhebung in Umsetzung des
bundesgerichtlichen
Urteils
vom 3. Juni 2015
(
Urk.
7/176)
.
Hierauf ersetzt
e
die IV-Stelle
ihre
letzte
Mitteilung durch die gleichlautende Mitteilung vom
17. September 2015 und legte dieser einen neuen Fragenkatalog bei (
Urk.
8/179, 8/177).
Nun
wendete der Versicherte
ein, der Fragenkatalog zur neuen Schmerzrec
htsprechung sei nicht anwendbar bzw. nur
die Frage nach
einer Ver
änderung
des Gesundheitszustandes
sei zulässig
. Fern
er brachte er weitere
Aus
standsg
ründe
gegen einen der Gutachter
vor (
Urk.
8/180),
worauf dessen Rechtsvertreter
eine Stellungnahme
verfasste und der IV-Stelle zur Kenntnis
nahme zukommen liess
(
Urk.
8/182-184).
Mit
Zwischen
verfügung
vom
3. Dezember 2015
hielt die IV-Stelle
schliesslich
gestützt auf die Stellungnahme ihres internen Rechtsdienstes vom 25. November 2015 (
Urk.
8/185)
an der
poly
disziplinären
Begut
achtung durch die
MEDAS
A._
,
den Begutachtern sowie den Fachdisziplinen gemäss Mitteilung vom 16. Juli 2015 fest (Urk. 2).
2.
Gegen die Zwischenverfügung erhob der Versicherte am
1
2.
Januar
201
6
Beschwerde und verlangte, es sei von einer Begutachtung
– insbesondere durch d
ie
MEDAS
A._
–
abzusehen
(Urk. 1
, Beilagen
Urk.
3/1, 3/4-7
). Die IV-Stelle
schloss in der
Beschwerdeantwort vom
3. Februar 2016
auf Abweisung der Beschwerde
(Urk.
6
)
und reichte das Feststellungsblatt zum Beschluss, datiert vom
2.
Februar 2016 (
Urk.
7)
,
ein
.
Dazu na
hm
der
Versicherte
mit
Replik vom
18. April 2016
Stellung (
Urk. 1
2, Beilagen
Urk.
13/1-7
)
.
Die IV-Stelle ver
zichtete auf eine
Duplik
(Urk. 1
4
).
Indessen reichte sie mit Eingabe vom 2. September 2016 (
Urk.
17) aktuelle Korrespondenz aus dem
Verwaltungsver
fahren
(
Urk.
18/1-3) ein, welche dem Versicherten zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
19).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat in seinem Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI) festgehalten, wie bei der Auftragsvergabe für eine Begutachtung vo
rzugehen ist. Da nach der Recht
sprechung neue Verfahrensvorschriften – vorb
ehältlich anders lautender Über
gangs
bestimmungen – mit dem Tag des Inkrafttretens sofort anwendbar sind (BGE 132 V 93 E. 2.2, 368 E. 2.1) und alle Verfahrensschritte
im Jahr 2015 erfolgten, si
nd
Rz
2074 ff. des KSVI in der ab dem 1. Januar 2015 geltenden Fassung massgebend.
1.2
Erachtet die IV-Stelle ein Gutachten als erforderlich, so hat sie der versicherten Person in einer ersten Phase die vorgesehenen
Fachdisziplinen mittels Mittei
lung ohne Rechtsmittelbelehrung und unter Beilage des Fragenkatalogs bekannt zu geben. Gleichzeitig hat sie ihr eine zehntägi
ge Frist einzuräumen, um materi
elle Einwände gegen die Begutachtung an sich oder deren Art und Umfang (z.B. unnötige
second
opinion
, Wahl der Fachdisziplinen) zu erheben sowie um Zusatzfragen einzureichen (vgl.
Rz
2076 KSVI, BGE 139 V 349 E. 5.2.2.2 und 5.2.3, BGE
140 V 507
E. 3.1). Dabei zuerkennt das Bundesgericht der versicher
ten Person einen Anspruch, sich vorgängig zu den Gutachterfragen zu äussern (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.9).
Polydisziplinäre Gutachten, d.h. solche mit Beteiligung von mindestens drei Fachdisziplinen, haben gemäss Art. 72
bis
Abs. 1 der Verordnung über die Invali
denversicherung (IVV) bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das BSV eine Vereinbarung getroffen hat (sog. Medizinische Abklärungsstellen, MEDAS). Die Vergabe der Aufträge hat nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen (Abs. 2 derselben Bestimmung). Zu dessen Ums
etzung hat das BSV die
webba
sierte
Vergabeplattform
SuisseMED@P
eingerichtet (BGE 139 V 349 E. 2.2). In einer zweiten Phase ist der Auftrag daher zwingend bei
SuisseMED@P
zu
deponieren, für eine einvernehmliche Benennung der Experten bleibt kein Raum. Die Details zum Vergabeverfahren sind dem Handbuch in Anhang V des KSVI zu entnehmen. Das Bestätigungsmail der Plattform
SwissMED@P
über die erfolgreiche Auftragsvergabe ist im Versichertendossier zu erfassen (
Rz
2077 KSVI; BGE 140 V 507 E. 3.1, Urteil des Bundegerichts 8C_771/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 2.2).
Die Akten werden spätestens am Folgetag an die Gutachterstelle übermittelt (
Rz
2079 KSVI). Diese prüft, ob die Liste der medizinischen Fachdisziplinen ange
passt werden muss, wobei weder die IV-Stelle noch die versicherte Person die von der Gutachterstelle vorgesehenen Fachdisziplinen anfechten können. Grund dafür ist, dass die beauftragten Sachverständigen letztverantwortlich für die fachliche Güte und Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten
Entscheid
grundlage
einerseits und die wirtschaftliche Abklärung andererseits sind (
Rz
2080 KSVI, BGE 139 V 349 E. 3.3).
Nach der Zuteilung teilt die IV-Stelle der versicherten Person unter Verwendung des IV-Textkatalogs die Namen der Sachverständigen mit entsprechendem Facharzttitel mit und weist sie darauf hin, dass die Mitteilung von Ort und Ter
min durch die Gutachterstelle erfolge (
Rz
2081 KSVI; vgl. auch BGE 139 V 349 E. 5.2.2.2 und
140 V 507
E. 3.1). Für die Erhebung von Einwänden ist der versi
cherten Person wiederum eine Frist von 10 Tagen anzusetzen (
Rz
2081.1 KSVI mit Hinweis auf BGE 139 V 349 E. 5.2.3), wobei in dieser Phase die Möglichkeit – materieller oder formeller – personenbezogener Einwendungen hinzu kommt (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.2, 140 V 507 E. 3.1).
Wird den Einwänden der versicherten Person nicht oder nur teilweise entspro
chen, so erlässt die IV-Stelle eine Zwischenverfügung, worin sie die vorgesehe
nen Fachdisziplinen sowie den oder die Namen der begutachtenden Person bzw. Personen festhält und begründet, weshalb den Einwänden nicht Rechnung getragen wurde (
Rz
2081.5 KSVI).
1.
3
Das Sozialversicherungsgericht prüft sodann
vorab anhand der
Akten
, ob alle in
Rz
2074 ff. KSIV
vorgesehenen
Verfahrensschritte vollzogen
sind. A
ndernfalls
liegt
keine anfechtbare Verfügung vor
und
ist
nicht auf die Beschwerde einzu
treten
. Nur bei
vollstä
ndig durchgeführtem Verfahren prüft das Gericht die Verfügung materiell auf Vollständigkeit und Korrektheit. Dabei muss sich aus der Verfügung selbst ergeben, dass
sämtliche noch offenen P
unkte bzw. nicht stattgegebenen
Einwendungen behandelt
wurden (vgl. Urteile des Sozialver
sicherungsgerichts
IV.2014.00665 vom 23. März 2015 E. 1.8 und IV.2015.663
vom 23. März 2016
E. 2
).
2.
2.1
Wie dem Sachverhalt, E. 1.4, zu entnehmen ist, hat die Beschwerdegegnerin das Verfahren nach den vorstehend
en
Vorgaben
vollständig und korrekt durchge
führt. Insbesondere teilte sie dem Beschwerdeführer alle erforderlichen Infor
mationen mit und gewährte ihm stets das rechtliche Gehör. Zu bezweifeln ist, dass ihm im Januar 2015 der Fragenkatalog nicht
zugestellt wurde (
Urk.
8/176/2), andernfalls
er dies
wohl schon damals
innert der
ihm für Zusatzfragen angesetzten
Frist
moniert
hätte
.
Indessen spielt dies
letztlich keine
Rolle, da das Bundesgericht
einige Monate
später in BGE 141 V 281
neue Anforderungen
an die
Begutachtung von
Schmerzstörungen ohne erkennbare organ
ische Ursache und
vergleichbare
psychosomatische Leiden
formulierte und die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer daraufhin unbestritten einen neuen Fragenkatalog zustellte (Urk. 8/180/2-3,
Urk.
7/5-6).
D
en
Gutachtensauf
trag
vergab die Beschwerdegegnerin schliesslich
nach dem Zufallsprinzip über die Plattform
SuisseMED@P
,
legte die Auftragsbestätigung
und -annahme
i
n den Akten ab (
Urk.
8/173-174) und erliess eine
begründete Zwischenverfügung
über die
noch
strittigen Punkte
(
Urk.
2).
2.
2
D
er Beschwerdeführer
brachte diesbezüglich
vor
,
gestützt auf BGE 139 V E. 3.2 sei in Revisionsfällen
keine umfassende polydisziplinäre und zufallsbasierte Begutachtung angezeigt (
Urk.
1
Rz
9). B
ei einer einvernehmlichen Festlegung des Gutachtens sei
zudem
die Akzeptanz besser. Ein Einigungsversuch sei
aber
ausgeblieben
.
Ein vorprogrammierter Rechtsstreit könne indessen nicht
im
Sinne des Losverfahrens sein (
Urk.
1
Rz
20). Ferner hätten bei der Akteneinsicht diverse Dokumente gefehlt, was gegen Art. 29
Abs.
2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (
BV
)
und Art. 8
des Bundesgesetzes über den Datenschutz (DSG) verstosse (
Urk.
1
Rz
21
,
Urk.
12
Rz
10
).
Die Beschwerdegegnerin erwog
dazu
im angefochtenen Entscheid, eine Eini
gung sei bei polydisziplinären Gutachten
gar
nicht möglich. Die Bestätigung der Plattform
SuisseMED@P
über die erfolgre
iche Auftragsvergabe liege
sodann
–
wie in
Rz
2077 des KSVI vorgeschrieben
–
bei den Akten (
Urk.
1 S. 2).
2.3
D
ie Auftragsvergabe für ein polydisziplinäres Gutachten
hat immer – mithin
auch im Revisionsverfahren
–
über
SuisseMED@P
zu erfolgen
(
z.B. Urteil des Bundesgerichts 9C_207/2012 vom 3. Juli 2013).
Des Weiteren
besteht
g
emä
ss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung
bei poly
disziplinären Gutachten kein Raum für eine einvernehmliche Benen
nung der Experten
.
Dabei hat das Bundesgericht
durchaus in Betracht gezogen,
dass
eine einvernehmliche Einigung im Einzelfall grundsätzlich geeignet wäre, die Akzeptanz bei den Versicherten zu erhöhen. Indessen gewichtete es das Interesse an einer möglichst gleichmässigen
Auf
tragsvergabe
an alle MEDAS-Stelle
n
höher (vgl.
BGE 140 V 507 E. 3.
2.
1
).
2.4
Gegenstück des Akteneinsichtsrechts bildet
so
dann die
Aktenführungspflicht, indem sie Voraussetzung für dessen Wahrnehmung ist (BGE 130 II 437 E. 4.1). Nach Art. 46
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts
(ATSG)
sind alle Unterlagen, die massgeblich sein können, vom Versicherungst
räger systematisch zu erfassen.
Nicht auf eine als
Entscheidgrundlage
dienende interne
Notiz, sondern lediglich auf das im ELAR erfasste Eingangsdatum des Schreibens vom
2.
Februar 2015 bezog sich
„ELAR 03.02.2015“ auf S
. 3 der angefochtenen Verfügung
(vgl. Aktenverzeichnis
zur
Urk.
8
).
Die
Auftragsvergabe über
SuisseMED@P
ist
sodann
durch die
Auftragsbestäti
gung vom 8. Juli 2015 sowie
die
Auftragsannahme vom 15. Juli 2015
physisch dokumentiert
(
Urk.
8/173-174
)
.
Welche Gutachterstellen über einen Vertrag mit dem BSV als polydisziplinäre Gutachterstelle im Sinne von Art. 72
bis
IVV verfü
gen und damit grundsätzlich als Auftragsnehmer in Frage kommen, ist der
auf
www.bsv.admin.ch
publizierten Liste
zu
entnehmen
.
Die Auftragserfassung auf
SuisseMED@P
erfolgt mittels eines elektronischen Formulars
, das
einige
Para
meter wie
Fachdisziplinen,
Verfahrenssprache
und
Abklärungstyp
erfragt. Eine physische Dokumentation d
er
Auftragserfassung
wird vom
KSVI nicht
verlangt und erscheint entbehrlich
. So würde es
beispielsweise
ohne
Weiteres
auffallen
,
würden
die
Fachdisziplinen in der Auftragsannahme ohne nähere Begründung von den zuvor der versicherten Person mitgeteilten abweichen
.
Hernach
bestimmt der
Microsoft
.
N
ET
Fram
e
work
-
Zufalls
generator
unter Ausschluss menschlichen Zutuns
die Teilnehmer des Vergabetopfs
für
d
en konkreten
Abklärungsauftrag
und
erteilt den Zuschlag.
Dabei geht er
nach objektiven Kriterien wie Anzahl der abgedeckten Fachdisziplinen, freie Kapazitäten in die
sen Fachdisziplinen und Gutachtenssprache
vor.
Um den Ansprüchen einer ergebnisneutralen Auftragsverteilung gerecht zu werden, wird die
se
Vergabe „blind“ durchgeführt
.
Mit anderen Worten weiss niemand
,
wie viele und welche Gutachterstellen zu einem bestimmten Zeitpunkt zur Auswahl stehen
.
Ein
Ver
losungsprotokoll
gibt es nicht.
Das Losungsresultat wird
der IV-Stelle und
ebenso
der Gutachterstelle
mittels automatisch generierter E-Mails mitgeteilt
. Nach Sichtung der physischen Akten bestätigt die Gutachterstelle den Auftrag und gibt die weiteren Details (erforderliche Fachdisziplinen
, Experten und
Fach
arzttitel
) bekannt. Dies geschieht wiederum
mittels eines
elektronische
n
Formu
lar
s
auf
SuisseMED@P
und generiert automatisch ein zweites E-Mail an die IV-Stelle
(
vgl.
Anhang V des KSVI;
„Auftragsvergabe und Zufallsprinzip
Suisse
MED@P
“ abrufbar auf
www.bsv.admin.ch
).
In Anbetracht
der Tatsache, dass es sich bei der
SuisseMED@P
um ein
e
webbasierte Plattform handelt, die von der Beschwerdegegnerin nicht beeinflusst werden kann
,
muss es mit den
akturier
t
en
E-Mails
sein Bewenden haben,
zumal keine
Anhaltspunkte
dafür bestehen, dass es zu Unregelmässigkeiten
bei der Vergabe
kam oder weitere Dokumente exis
tieren
respektive
gemäss
Weisungen des BSV im Versichertendossier zu erfassen gewesen
wären (
vgl.
Urteile des Sozialversicherungsgerichts IV.2015.0029 vom
2.
November 2015 E. 4.4 und IV.2016.00107
vom 3. Mai 2016
E.3.4
).
2.5
Zutreffend ist
, dass die Stellungnahme des RAD vom 8. Dezember 2014
bei Erlass der angefochtenen Zwischenverfügung noch nicht einsehbar war, weil das Feststellungsblatt vom
2.
Februar 2015
datiert und erst
mit der
Beschwerde
antwort
eingereicht wurde
(
Urk.
7).
In einem vergleichbaren Fall
hielt
das Bun
desgericht
fest, wohl habe es die IV-Stelle versäumt, die RAD-ärztliche Stel
lungnahme dem Versicherten vor Verfügungserlass zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs zuzustellen. Doch könne eine nicht besonders schwerwie
gende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn der Betroffene die Möglichkeit erhalte, sich vor einer Rechtsmittelinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie auch die Rechtslage frei überprüfen könne. Unter dieser Voraussetzung sei selbst bei einer schwerwiegenden Verlet
zung des Anspruchs auf rechtliches Gehör von einer Heilung des Mangels aus
zugehen, wenn die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zu einem forma
listischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären. Dem
gemäss
bejahte das Bundesgericht
in jenem Fall
eine Heilung
der Gehörsverl
etzung im kantonalen Verfahren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_416/2015 vom 30. September 2015 E. 4.4.3 f.).
N
achdem der Beschwerdeführer in der Replik vorab zu Urk. 7 Stellung nahm
(
Urk.
12
Rz
1), kann vorliegend nichts anderes gelten – zumal es sich bei der verspäteten Ausfertigung des Feststellungsblattes um einen Einzelfall und nicht eine (unzulässige) Praxis der Beschwerdegegnerin handelt.
2.
6
Als Zwischenfazit ist
festzuhalten, dass
das Vergabeverfahren korrekt durchge
führt wurde, weshalb
au
f die Beschwerde einzutreten und die angefochtene Verfügung vom 3. Dezember 2015 materiell zu prüfen
ist
.
3
.
3
.1
Materiell s
trittig sind vorab
die
Zulässigkeit respektive
die
Notwendigkeit
und der Umfang der Begutachtung. Der B
eschwerdeführer
beanstandete, dass
der RAD die Notwendigkeit nur lapidar begründet und nicht
zu seinen Einwänden
Stellung genommen habe. Indessen bedürfe es
keiner Stellungnahme
des RAD
z
um Gesundheitszustand,
da
der Fall bereits durch die
Suva-
Ärzte ausgiebig beurteilt worden sei. Aufgrund der chronischen Schmerzen sei er nach wie vor deutlich bzw. unverändert eingeschränkt, nehme regelmässig Medikamente
ein
und besuche
wöchentlich die Physiotherapie. Sein Gesundheitszustand sei
somit
überwiegend wahrscheinlich unverändert.
Zudem könne
die geplante Untersu
chung zur Dekompensation führen
bzw. sei physisch und psychisch unzumutbar
(
Urk.
1
Rz
8,
19 und 25,
Urk.
12
Rz
4
-9).
Ferner
habe die ursprüngliche Beur
teilung der Arbeitsunfähigkeit der Rechtspraxis vor Einführung der Fo
e
rster-Kriterien entsprochen
. E
ine Revision nach 14 Jahren
sei
unter Berücksichtigung von Art. 82
ATSG
unzulässig und
greife
in seine Grundrechte ein
(
Urk.
1
Rz
10,
Urk.
12
Rz
3).
Schliesslich seien di
e Verletzungen bildgebend ausgewiesen, wes
halb kein unklares Beschwerdebild vorliege und nicht der Frage
n
katalog gemäss BGE 141 V 281 abzuhandeln sei (
Urk.
1
Rz
22,
Urk.
12
Rz
2-3).
Die Beschwerdegegnerin verwies
in der angefochtenen Verfügung
auf ihren Ermessenspielraum bei medizinischen Erhebungen sowie die Stellungnahme des RAD vom 8. Dezember 2014.
Weiter
führte sie aus, die Frage nach der Zumut
barkeit der Untersuchung müsse der Sachverständige beantworten. Die
nur
mögliche Gefahr der gesundheitlichen Dekompensation im Falle einer Teil
nahme begründe grundsätzlich keine Unzumutbarkeit (
Urk.
2 S. 1).
Ferner ve
r
wies sie auf die von
Dr.
B._
gestellte Diagnose eines andauernden Schmerzsyndroms im Zusammenhang mit e
iner
HWS
-Distorsion
(
Urk.
2 S. 4).
3.2
Das Bundesgericht hielt
in seinem
Urteil 9C_235/2013 vom 10. September 2013
E. 2
im Rahmen einer Rentenrevision
fest, d
ie Bereitstellung der medizinischen Entscheidungsgrundlage
sei
nach Art. 43
Abs.
1 ATSG in erster Linie Sache des Sozialv
ersicherungsträgers. Er befinde
darüber, mit welchen Mitteln er den recht
serheblichen Sachverhalt abkläre
. Beim Entscheid, ob aufgrund der vor
handenen Akten bereits eine
rechtsgenügliche
Beu
rteilung vorgenommen wer
den könne
oder eine zusätzliche Abklärung angezeigt
sei
, ebenso wie bei der Wahl der Art der Abklärung steh
e
der Verwaltung ein Ermessensspielraum zu.
Gemäss
Urteil des Bundesgerichts
9C_28/201
0 vom 1
2.
März 2010 E. 4.1
wird der
Untersuchungsgrundsatz
ergänzt
durch die Mitwirkungspflichten der versi
cherten Person. Danach
ha
t
sich diese
den ärztlichen oder fachlichen Untersu
chungen zu unterziehen, wenn sie zumutbar
sind
. Nach dem Wortlaut von Art.
43
Abs.
1 und
Abs.
2 ATSG müssen
die
Untersuchungen aber auch notwendig und somit von entscheidender Bedeutung für die Erstellung des rechtserheb
lichen Sachverhalts sein. In diesem Sinne lieg
t
die medizinische Begutachtung nicht im uneingeschränkten Ermessen der rechtsanwendenden Stellen. Diese
haben
sich von rechtsstaatlichen Grundsätzen leiten zu lassen, wozu die Ver
pflichtung zur Objektivität und Un
voreingenommenheit ebenso gehöre
n
, wie der Grundsatz der rationellen Verwaltung. Die üblichen Untersuchungen einer Medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
sind
aber
ohne konkret entgegenste
hende Umstände generell als zumutbar zu erachten. Eine versicherte Person
verh
ält
sich rechtsmissbräuchlich, wenn sie selbst eingeholte Arztberichte zu den Akten
gibt
und den Versicherer daran hinder
t
, deren Ergebnisse durch eigene Abklärungen zu überprüfen.
Zur Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung führte
das Bundesge
richt im vorerwähnten Entscheid 9C_235/2013
E. 3.2
übrigens
aus,
dass der Versicherte zu Unrecht Zweifel an der Notwendigkeit einer polydisziplinären Begutachtung geäussert habe unter Hinweis darauf, dass er der IV-Stelle umfangreiche medizinische Akten (Arztberichte renommierter Ärzte, Bilder und Berichte von MRI-Untersuchungen, Röntgenbilder etc.) eingereicht habe. Denn es sei - was im Übrigen allgemein gelte bei Versicherten mit länger dauernden Beschwerden nach einem Schleudertrauma der HWS und/oder mit gesundheit
lichen Beeinträchtigungen physischer und psychischer Art - unabdingbar, phy
sische und psychische Beeinträchtigungen nicht isoliert, sondern interdisziplinär beurteilen zu lassen.
3.
3
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers versucht d
ie
Beschwerde
-
geg
nerin
nicht
, trotz eines bereits umfassend abgeklärten
medizini
schen
Sach
-
erhalts eine Expertise im Sinne einer unzulässigen „
second
opinon
“ einzuholen (vgl
. BGE 137 V 210 E. 3.3.1, 136 V 156 E. 3.3).
Vielmehr ist dem RAD beizupflichten,
der
in seiner Stellungnahme vom 8. Dezember 2014 her
vorhob, dass
bisher keine aktenkundige Beurteilung durch
ihn
vorliege,
man
die einst geplante
polydi
sziplinäre
Begutachtung abgesagt
habe
und eine Beurtei
lung des derzeitigen Gesundheitszustandes und damit der Arbeitsfähigkeit anhand der Aktenlage nicht
rechtsgenüglich
wäre (
Urk.
7 S. 3 f
.
).
D
a
die
Ein
wände
des Beschwerdeführers kein neuen medizinischen Unterlagen oder Fak
ten betrafen, bestand übrigens kein
Anlass
,
den RAD
hernach n
ochmals beizu
ziehen.
B
ereits in der vorhergehenden RAD-Stellungnahme, datiert vom 15. Juli 2004,
wurde
in fetter Schriftstärke notiert „Kein medizinischer Fallentscheid ohne MEDAS“. Aus den Unterlagen sei ersichtlich, dass vielfältige Leiden attestiert würden
, u
nter anderem ein HSW-Beschleunigungstrauma nach einem Autoun
fall, eine depressive Episode sowie eine Diskushernie L5/S1 mit
Radikulopathie
. Es sei aber nicht nachvollziehbar, weshalb gar keine Erwerbstätigkeit mehr zugemutet werden könne (
Urk.
8/89).
Später wurden i
m Feststellungblatt zur
V
erfügung vom
29. Dezember 2004 als Hauptdiagnosen aufgelistet:
HWS-Dis
torsionstrauma
mit segmentaler Dysfunktion der oberen HWS, Verdacht auf eine Instabilität C3/C4, muskuläre
Dysbalance
, chronisches Schmerzsyndrom
im
Kopf- und Nackenbereich sowie im Rücken, neurologische Funktionsstörung und psychische Beschwerden
(
Urk.
8/112/1)
.
Ferner geht aus dem
Feststellungs
blatt
hervor, dass nicht neue medizinische Erkenntnisse, sondern die Koordina
tion mit der Suva
zum
vorzeitigen Fallabschluss und Widerruf des
Gutach
tensauftrags
führten
(
Urk.
8/122/3).
Indessen
hielt auch der Kreisarzt der Suva am 15. Februar 2005 fest, für die Festlegung der Integrationsentschädigung sei eine orthopädisch, neurologisch und psychiatrische Begutachtung notwendig (
Urk.
8/131/30, 8/131/25
; vgl.
auch die
kreisärztliche Beurteilung vom 17. März 2003 mit Würdigung durch den
Sachbearbeiter der Suva
Urk.
8/131/335 ff.
).
In den Revisionsverfahren der
beiden Sozialversicherungsträger wurden soweit ersichtlich keine ernsthaften Abklärungen vorgenommen
(
vgl.
Urk.
8/144, 8/147, 8/155)
.
In den letzten versicherungsinternen Arztberichten wurde somit durchwegs eine polydisziplinäre Begutachtung empfohlen, was angesichts der zahlreichen zur Diskussion stehenden (Verdachts-)Diagnosen und gemäss Rechtsprechung erfor
derlichen interdisziplinären Beurteilung bei multiplen Leiden damals wie heute nachvollziehbar ist. Zumindest aber standen bei der
Rentenzusprache
nicht ein
deutige somatische Befunde im Vordergrund, die eine Verbesserung des Gesamtzustandes a
ls unmöglich erscheinen lassen.
Weitere medizinische Abklärungen sind
a
uch nicht aufgrund des
hausärz
tlich
en
Bericht
s
vom 7. November 2014, verfasst von
Dr.
med.
B._
, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Me
d
i
zin
, obsolet
(vgl.
Urk.
8/156)
.
Sie
diagnostizierte
einen Status nach HWS-Distorsi
o
n mit persistierendem schwerem Schmerzsyndrom und persistierenden ausgeprägten
neuropsych
ologischen Funktionsstörungen
. D
ie Konzentrationsschwierigkeiten und verminderte Belastbarkeit
führte sie dabei
auf die chronischen Schmerzen zurück
.
Obschon sie von einem stationä
ren Verlauf ausging, erwähnte sie keine psychischen Beschwerden
mehr
, wie sie im
Feststellungsblatt mitberücksichtig
t
und
vor
der Rentenverfügung
regelmäs
sig
diagnostiziert
wurden
(z.B.
Urk.
8/13/5
depressive Entwicklung einer Per
sönl
i
chkeit mit selbstunsicheren und zwanghaften Zügen;
Urk.
8/38/3
post
traumatische Bewältigungsstörung mit deutlich depressiver Komponente;
Urk.
8/35/4
Entwicklung einer Ängstlichkeit
und
Derealisationserscheinungen
;
Urk.
8/67/23
evtl.
Anpassungsstörung oder hirnorganische Wesensänderung;
Urk.
8/131/300 klar Psyche im Vordergrund;
Urk.
8/131/3
, 8/131/427
mittelgra
dige depressive Episode
, Status nach Mobbing am Arbeitsplatz;
Urk.
8/131/435
,
8/131/437 depressive Entwicklung bei
anankastische
r
Persönlichkeit;
Urk.
8/131/456 psychologische Nachbetreuung in die Wege geleitet
;
Urk.
8/131/520
mässige kognitive Störungen
bis
zur
vollständig
en
Arbeitsunfä
higkeit
a
ufgrund
einer
tiefer Depression
infolge
Mobbing
s
;
Urk.
8/131/537 wechselnd impulsive und depressive Verstimmung
).
Der
Beschwerdeführer
nimmt
denn
auch
nur Schmerzmittel
(
die meisten nach Bedarf
)
ein
und
besucht einzig
eine Physiotherapie
. Die letzten
beiden hausärztlichen
Konsultationen
lagen
überdies
mehr als drei Monate auseinander
und e
ine stationäre Behand
lung war seit Jahren nicht mehr erforderlich
.
B
ezüglich der
attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit
ist
darüber hinaus
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tra
gen, dass behandelnde Arztpersonen mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtli
che
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
. Die Einschät
zung von
Dr.
B._
beruht
zudem
auf
einigen
wenigen Konsultation
en
– soweit ersichtlich
ohne
bildgebende
Abklärung
en
,
neuropsychologische Testun
g
en
oder dergleichen
.
Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes oder ver
besserte Leidensadaption mit positiven Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit kann aufgrund
dieses
Berichts
somit nicht
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit ausgeschlossen werden.
Im Übrigen nannte
de
r Beschwerdeführer
selbst auch
keine
zusätzlichen
Behand
l
ungspersonen
(
Urk.
8/152/2)
. Dies kann
nur bedeuten, dass er
k
eine
weiteren medizinischen Massnahmen beansprucht,
wie
z.B.
Infiltrationen
der HWS
(
vgl.
Urk.
8/35/3 po
sitives Ansprechen)
,
die
Evaluierung
von
Behand
lungsmöglichkeiten
in
einer Schmerzsprechstunde oder
Abklärungen
beim Orthopäden
(
vgl.
Urk.
8/39/9
,
8/44/2:
Prüfung einer
Spondylodese
bei
Erhär
tung des Verdachts auf eine Instabilität C3/4
empfohlen)
.
Die
Beurteilung des
medizinische
n
Sachverhalt
s
erfordert daher
zweifelsohne
eine polydisziplinäre Begutachtung.
3.4
Soweit der Beschwerdeführer
sinngemäss
geltend macht
e
, es fehle
a
n einer gesetz
lichen Grundlage für die
Herabsetzung oder Aufhebung d
er Rente
,
ist vorab festzustellen, dass Anknüpfungspunkt für die Anwendung des neuen Rechts nach Art. 82 ATSG der Entscheid über ein bestimmtes Rechtsverhältnis ist. Nicht von primärer Bedeutung ist demgegenüber, wann sich der mit der Entscheidung beurteilte Sachverhalt zugetragen hat (vgl.
Ueli
Kieser
, A
TSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N
7
zu Art.
82
ATSG
). Konkret bedeutet dies, dass nicht auf den Rentenbeginn am 1. Januar 2001, sondern auf den Erlass der Verfügung am 29.
Dezember 2004
abzustellen ist.
Ohnehin hielt das Bundesgericht in seinem
Urteil I 158/2004 vom 30. Juni 2006 E. 8.2
fest,
das
am 1. Januar 2003 in Kraft getretene ATSG
habe
hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen
Rentenrevision keine substanziellen Ände
rungen
gebracht
.
Die zur altrechtlichen Regelung gemäss Art. 41
des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
ergangene Judikatur
bleibe
des
halb grundsätzlich anwendbar.
Es könne somit,
da
materiellrechtlich
ohne Belang
,
offen bleiben
,
ob die Revision einer Invalidenrente
nach dem 1. Januar 2003
Art. 17
ATSG untersteh
e
oder
gestützt auf
Art. 82
Abs.
1 ATSG
nach
alt
rechtlichen
Grundsätzen zu revidieren
sei.
Das
s
elbe
gilt
für die Wiedererwägung
nach
Art. 53
Abs.
2 ATSG
.
Ihre Vorausset
zungen
wurden in Übernahme der
damals
aktuellen Rechtsprechung
umschrieben
, wobei in d
er parlamentarischen Beratung
betont
wurde
, dass es bei der
Legiferierung
der Wiedererwägung darum gehe, die geltende Recht
sprechung weiterzuführe
n
(vgl.
Kieser
,
a.a.O.
, N
1
zu Art.
53
ATSG
mit Hinwei
sen
)
.
In diesem Sinne
prüfte
das Bundesgericht
in seinem
Urteil 8C_918/2014 vom 19. Mär
z
2014
d
ie Wieder
erwägung einer
Rentenverfügung
vom 19. Dezember 2002
gestützt auf
Art. 53
Abs.
2 ATSG
.
Dabei
erwog es unter ande
rem,
dass sich die IV-Stelle i
m
Verfügungszeitpunkt noch nicht auf die erst 2004
mit BGE 130 V 352 und 131 V 49
etablierte Rechtsprechung über die invalidisierende Wirkung
pathogenetisch
-ätiologisch unklarer
syndromaler
Besch
w
erdebilder
habe beziehen können
und eine
zwischenzeitlich veränderte Rechtspraxis nicht als Grundlage für eine Wiedererwägung herangezogen wer
den könne
(E.
3.3.2). Bei
der Prüfung der Rente des Beschwerdeführers
wird daher
all
enfalls
zu berücksichtigen sein, dass das Bundesgericht erst am 30. August 2010 in BGE 136 V 279 E.
3.2.3 feststellte, dass auch die invalidi
sierende Wirkung einer spezifischen Halswirbelsäulenverletzung ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle
anhand der in BGE 130 V 352 entwickelten Kriterien z
u beurteilen ist.
Sind
indessen
weder
Rückkommensgründe
der materiellen Revision (Art. 17 ATSG) noch der Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) gegeben, ermöglicht es schliesslich
lit
. a Abs. 1 der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Schluss
be
stimmungen der Änderung vom 18. März 2011 des
IVG
(6. IV-Rev
ision, erstes Massnahmenpaket) R
enten, die zu
folge
organisch nicht erklärbare
r
Schmerzzu
stände
zugesprochen wurden, nach Massgabe von Art. 7 Abs. 2 ATSG
einer Überwindbarkeitsprüfung
zu
unterziehen – vorausgesetzt, dass
Revisionsver
fahren
wurde bis spätestens 31. Dezember 2014 eingeleitet.
Eine
Überprüfung gestützt auf
die Schlussbestimmung
ist
ausgeschlossen, wenn die
Rentenzu
sprache
bereits auf der Grundlage der massgebenden
Überwindbar
keitsrecht
sprechung
erfolgt
e
(
vgl.
BGE 140 V 8 E. 2).
K
eine Anwendung f
indet
lit
. a
Abs. 1
SchlB
IVG 6. IV-Revision
gemäss
Abs.
4
zudem auf Personen, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens der Änderung das 55. Altersjahr zurückge
legt hat
ten oder im Zeitpunkt, in welchem die Überprüfung eingeleitet wurde, seit mehr als 15 Jahren eine Rente der Invali
denversicherung bezogen
(
vgl.
zu Beginn und Ende der
Bezugsdauer Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2013 vom 1
2.
Februar 2014).
Der Beschwerdeführer erfüllt keines der Ausschlusskriterien. Er hat Jahr
gang 1967 und bezieht seit Januar 2001 eine Rente, während
die Re
v
i
sion
im Herbst 2014 eingeleitet wurde (vgl.
Urk.
8/152). Im Übrigen wies er selbst darauf hin, dass bei der
Rentenzusprache
die Foerster-Kriterien nicht berück
sichtigt wurden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass allein der Rentenbezug seit 2001
keinen
Anspruch auf Besitzstand
begründet
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2
012 vom 24. April 2012 E. 5.1) und durchaus rechtliche Grundlagen bestehen, die gegebenenfalls eine Herabsetzung oder Aufhebung der Rente erlauben. Die Wiedererwägung, die materielle Revision und die Überprüfung nach der Schlussbestimmung stellen dabei bloss verschiedene rechtliche und damit sub
stituierbare Begründungen für den Streitgegenstand „Abänderung des
Renten
spruchs
“ dar (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom 3. September 2014
E. 3.2.2).
Die Frage nach der
letztlich
massgebenden
rechtlichen Grundlage braucht daher nicht abschliessend geklärt zu werden.
Sie darf es auch nicht, soll doch
nicht ein Teil der
materielle
n
Beurteilung des Rentenanspruchs
bereits
vorweggenommen werden.
3.5
Des Weiteren werden es
die Gutachter sein
, welche die Diagnosen zu stellen haben. Kommen sie zum Schluss, es liege eine
somatoforme
Schmerzstörung vor, so hat das Gutachten auf jeden Fall die
Anforderungen nach BGE 141 V 2
81
zu erfüllen
und müsste nötigenfalls ergänzt werden
. Dies gilt selbst bei Rentenüberprüfungen nach der
vorerwähnten
Schlussbestimmung (Urteil des Bundesgerichts 9C_354/
2
015 vom 29. Februar 2016 E. 5).
A
ufgrund der Akten
ist es
ferner
nicht abwegig, die entsprechenden
Fragen
von Anfang an in den Raum zu stellen
(
vgl.
Urk.
8/13/5 HWS-Distorsionstrauma mit segmentaler Dysfunktion der oberen HWS, Verdacht auf Instabilität C3/4,
muskulärer
Dys
balance
,
neuropsychologischen Defiziten und chronischen Kopfschmerzen;
Urk.
8/39/2 ICD
-1
0
:
F45.4;
Urk.
8/39/11
ausgeprägtes
Dekonditionierungs
-
syndrom
;
Urk.
8/44/2 Instabilität C
3
/4
noch zu sichern;
Urk.
8/67/12 neuropsy
chologisch festgestellte Defizite durch eine durchgemachte HWS-Distorsion
in ihrem Ausmass nur schwer erklärbar, allenfalls ausgeprägte Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit durch neue
s
MRI
e
rklärbar, stark einge
schränkte Belastbarkeit mit massiver Schmerz
z
unahme und vegetativen Symp
tomen bei kognitiver Anstrengung;
Urk.
8/131/313 keine Befundveränderungen
gegenüber dem letzten
MRI des Schädels
;
Urk.
8/67/15 Zustand wie bei Status nach Impressionsfraktur C3 rechts paramedian mit Randsklerose, mit
rotatori
schen
Fehlstellungen C2 und C3 nach links als Ausdruck der ausgeprägten
fascialen
Symptomatik;
Urk.
8/131/338 segmentale Instabilität
der HSW
,
radio
logisch nicht bestätigt
;
Urk.
8/131/435 rein somatischen sollten die Unfallfolgen abgeklungen sein
;
Urk.
8/131/461 unter anderem überwiegend wahrscheinlich fehlerhafte Krankheitsverarbeitung und subjektives Krankheitsgefühl;
Urk.
8/131/524 neuropsychologische Beurteilung erforderlich, da
immer noch
über vegetative Beschwerden geklagt, obwohl nur wenig somatische Beschwer
den vorhanden;
Urk.
8/131/541 MR-tomographisch
unauffälige
Untersuchung der HWS, kein
e
Hinweise auf posttraumatische Veränderungen
)
.
Zudem
wird gegebenenfalls anhand der Sachlage bei der Rentenzusprechung und nicht anhand des aktuellen Gutachtens zu entscheiden sein, w
elches Leiden in welchem Ausmass der Rentenzusprechung
zugrunde lag (Anwendbarkeit der Schlussbestimmung) bzw. ob diese dannzumal offensichtlich unrichtig war (Wiedererwägungsgrund;
vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_816/2013 vom 20. Februar 2014 E. 1.1 und
9C_121/2014 vom 3. September 2014 E. 2.6
je
mit Hinweisen).
Insofern erwächst dem Beschwerdeführer aus dem Fragenkatalog
zur aktuellen Begutachtung
kein Nachteil.
3.6
Soweit der Beschwerdeführer
ausführte, d
ie Untersuchung der verhärteten Musku
latur mit einer starke
n
Druckdolenz
der Halsmuskulatur führe erfah
rungsgemäss ohne Weiteres zu einer Dekompensation der Schmerzen
(
Urk.
1
Rz
19)
, ist
dem entgegen
zu
halten, dass es
Dr.
B._
offenbar auch möglich war, diese
klinischen
Befunde
zu erheben
. D
iese
bilden zudem
n
ur
einen kleinen Teil der polydisziplinären Abklärung
.
Anhaltspunkte für eine psychische Gefähr
dung sind im hausärztlichen Bericht zudem keine auszumachen. Es ist davon auszugehen,
dass die Gutachter über die entsprechenden Fachkenntnisse verfü
gen und
die
Untersuchung sorgfältig vornehmen
werden
.
Letztlich werden
sie als medizinische Sachverständige
die Frage zu beantworten haben,
ob eine gut
achtliche Abklärung medizinisch verantwortbar ist
oder nicht
(
vgl.
Urteil
des Bundesgerichts 9C_285/2014 vom 30. Mai 2014 E. 2 mit Hinweis auf
9C_723/2013 vom 21. Oktober 2013 E. 2.3).
4
.
4
.1
Weiter wendete der Beschwerdeführer ein
,
Dr.
C._
sei
befangen
, zumal gegen ihn wegen Urkundenfälschung ermittelt worden sei
und
er seinem R
echtsver
treter rechtliche Schritte wegen Rufschädigung angedroht
habe. Zudem habe er psychische (Schussabgabe auf dem Friedhof
D._
im Sommer 2011)
und finanzielle Probleme
(
Urk.
1
Rz
11-1
5
und 20.2
,
Urk.
12
Rz
11
-13
)
.
Die Gut
achterinnen
H._
und
G._
seien
ebenso wenig
vertrauenswürdig, würden sie sich
doch
den akademischen Titel „
Dr.
med.“ nur anmassen
bzw. seien die Titel von der MEDAS
A._
falsch an die Plattform gemeldet worden
(
Urk.
1
Rz
17
,
Urk.
12
Rz
10
).
Die MEDAS
A._
erstelle
ihre
Gutachten überdies fast aus
schliesslich für die Beschwerdegegnerin, wobei im Vergleich zu anderen MEDAS-Stellen der Anteil der Personen, die 100
%
arbeitsfähig bzw. arbeits
unfähig seien, viel grösser bzw. kleiner sei (
Urk.
1
Rz
18).
Um die Vorwürfe gegenüber
Dr.
C._
zu widerlegen, verwies die
Beschwerde
gegnerin
in der Beschwerdeantwort auf das Urteil des
Sozialversicherungsge
richts
IV.2013.00781 vom 28. Oktober 2013. Ferner hielt sie fest, es seien keine hinreichend fassbaren, konkreten, die Begutachtung betreffenden Umstände vorgebracht worden, die den Anschein der Befangenheit begründen würden (
Urk.
2 S. 3). Indessen reichte sie mit Schreiben vom 2. September 2016 (
Urk.
17) Korrespondenzschreiben zwischen dem Anwalt des Beschwerdeführers und dem Gutachter bzw. dessen Anwalt ein (
Urk.
18/1-3) unter Hinweis darauf, sie habe nicht für allfällige daraus resultierende Kostenfolgen einzustehen.
4.2
Das neue Zuweisungsmodell über die Vergabeplattform
SuisseMed@P
soll gene
relle, aus den Rahmenbedingungen des Gutachterwesens fliessende
Abhän
gigkeits
- und Befangenheitsbefürchtungen neutralisieren. Nur bei stich
haltigen Einwendungen gegen bezeichnete Sachverständige ist die
Zufallszu
weisung
allenfalls zu wiederholen bzw. zu modifizieren, indem die Beteiligten beispiels
weise übereinkommen, an der ausgelosten MEDAS festzuhalten, dabei aber eine Arztperson nicht mitwirken zu lassen (vgl. BGE 140 V 507 E. 3.1).
Gemäss Art. 44 ATSG kann die versicherte Person einen Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen. Zum einen werden davon die eigentlichen gesetzlichen
Ausstandsgründe
erfasst (vgl. Art. 36 Abs. 1 ATSG). Zum anderen zählen vor
liegend zumindest auf kantonaler Ebene weitere Aspekte wie etwa die fehlende Sachkenntnis dazu (vgl. dazu
Kieser
, a.a.O. 2015,
Rz
38 und 45 zu Art. 44; BGE 138 V 271 E. 1.2.2, 2.3 und 4, 137 V 2010 E. 3.4.2.7 und 132 V 93 E. 6.4-5).
Befangenheit ist anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sach
verständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Vor
ein
genommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Miss
trauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im
Sozialversiche
rungsrecht
zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1). Es ist deshalb auch ein triftiger Grund gegeben, wenn es dem Gutachter an der im konkreten Fall erforderlichen Kompetenz fehlt oder er aus persönlichen Gründen nicht geeignet erscheint (vgl.
Kieser
, a.a.O.,
Rz
38 zu Art. 44).
4.3
Wie beide Parteien zu Recht ausführten, äusserte sich das Bundesgericht im Ent
scheid 9C_970/2012 vom 23. April 2013
konkret
zur Befangenheit von
Dr.
C._
. Es hielt in E. 4.3.2 fest,
ausstandsrechtlich
entscheidend sei, dass das strafrechtlich zur Last gelegte Verhalten eine Begutachtung betreffe, die fast fünf Jahre zurückliege und überdies eine andere versicherte Person betroffen habe. Selbst wenn
Dr.
med.
C._
einmal Jahre zuvor, entgegen seinen Anga
ben im Hauptgutachten, seine Gesamtbeurteilung ohne vorherige Rücksprache und ausdrückliches Einverständnis mit einem Teilgutachter, der keine patholo
gischen Befunde erhoben hatte, vorgenommen haben sollte, vermöge dies nicht fünf Jahre später noch objektiv den Anschein von Befangenheit zu erwecken. Im Übrigen erfolgte im Strafverfahren ein Freispruch (vgl. Urteil des Oberge
richts des Kantons Zürich SB120296 vom 5. Februar 2013, bestätigt mit Urteil des Bundesgerichts 6B_416/2013 und 6B_417/2013 vom 5. November 2013).
Alsdann nehmen die vom Beschwerdeführer eingereichten Medienberichte Bezug auf die psychische Erkrankung von
Dr.
C._
im Sommer 2011 sowie die gegen ihn im Sommer 2012
hängigen
Betreibungen
(vgl.
Urk.
13/6 „
Fakten
blatt
3“)
. D
ie ärztliche Tätigkeit untersteht den Regelungen des Bundesgesetzes vom 23. Juni 2006 über die universitären
Medizinalberufe
(
MedBG
; Art. 2
Abs.
1
lit
. b). Für die selbstständige Ausübung eines universitären Medizinal
berufs bedarf es einer Bewilligung des Kantons, auf dessen Gebiet der Beruf ausübt wird (Art. 34
MedBG
).
Sie wird erteilt
, wenn die gesuchstellende Person die Bewilligungsvoraussetzungen nach Art. 36
MedBG
erfüllt, d.h. wenn sie ein
eidgenössisches oder anerkanntes ausländisches Diplom besitzt, vertrauenswür
dig ist sowie physisch und psychisch Gewähr für eine einwandfreie
Berufsaus
übung
bietet.
Eine aktuelle Recherche im
Medizinalberuferegister
(www. medre
gnom.admin.ch) hat ergeben, dass diese Voraussetzungen im Jahr 2012 vom Kanton
E._
neu geprüft
wurden und man
Dr.
C._
hierauf
eine
Berufsbe
willigung
erteilt
e
. Damit muss es sein Bewenden haben, zumal keine Anhalts
punkte für aktuelle persönliche Probleme bestehen. Im Übrigen
entspricht
es
einer Besonderheit des schweizerischen Vollstreckungsrechts, dass eine Betrei
bung ein
ge
leite
t
bzw. ein Zahlungsbefehl
erwirkt
werden
kann, ohne
dass
zuvor
de
r
Bestand
d
er Forderung nach
ge
w
ie
sen
werden muss
(vgl. BGE 125 III
1
49
E. 2a)
.
Dr.
C._
liess durch seinen Rechtsanwalt denn auch mitteilen, dass es sich bei der in Betreibung gesetzten Summe im Wesentlichen um eine miss
bräuchliche Betreibung einer Patientin
gehandelt habe
, die inzwischen vom Bezirksgericht Meilen aufgehoben worden sei (
Urk.
8/183/1).
Stichhaltige Gründe, heute anderes zu entscheiden als im vom Bundesgericht mit
Urteil
8C_771/2013 vom 10. Dezember 2013
(
Urk.
3/8)
beurteilten Fall, sind
somit
keine
ersichtlich
(vgl. auch Urteile des Sozialversicherungsgerichts IV.2014.00736 vom 31. Oktober 2014 E. 3.2 und IV.2013.00553 vom 30. August 2013 E.3)
.
Schliesslich muss es einem Gutachter grundsätzlich erlaubt sein, sich gegenüber der versicherten Person zu den vorgebrachten
Ausstandsgründen
zu äussern und so allfällige Missverständnisse auszuräumen.
Dr.
C._
liess sich dabei zunächst durch Rechtsanwalt
Dr.
F._
vertreten, der mit Schreiben vom 20. Oktober 2015 an Rechtsanwalt Laube eine weitgehend sachliche Stellungnahme formulierte, auch wenn er sich diesem gegenüber ausdrücklich straf-, zivil- und aufsichtsrechtliche Schritte vorbehielt (
Urk.
8/183).
Der Umgangston
der beiden Rechtsvertreter im Herbst 2015 ist zwar als harsch zu bezeichnen, vermochte bei objektiver Betrachtung aber noch keine Zweifel an der Unbefangenheit und Unvoreingenommenheit von
Dr.
C._
zu erwecken.
D
as Fass zum Überlaufen brachte
das von Rechtsanwalt Laube direkt an
Dr.
C._
adressierte Schreiben vom 16. August 2016, in welchem er ohne Begründung akute
Sicherheitsbeden
ken
zum Ausdruck brachte (
Urk.
18/1).
Dr.
C._
beantwortete dieses persön
lich
mit E-Mail vom 17. August 2016, welches er in Kopie der
Beschwerdegeg
nerin
zustellte
. Darin erklär
t
e er
, es gelte ab sofort eine Befangenheit beider Parteien, die eine neutrale Begutachtung verunmögliche. Damit brachte er selbst
– angesichts der Umstände nachvollziehbar – zum Ausdruck, dass er sich nun
mehr ausser Stande fühlt
e
, die nötige neutrale Distanz zur Person des Beschwerdeführers aufzubringen. Demnach muss er heute als befangen gelten
.
Wohl sind für die richterliche Beurteilung grundsätzlich die tatsächlichen Ver
hältnisse
im Zeitpunkt des Erlasses einer Verfügung massgebend.
Indessen sind
Tatsachen,
die sich erst später verwirklichen, soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt
des Erlasses
der Verfügung
zu beeinflussen (
vgl.
Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts
C_2
621
/
2014 vom 9. Juni 2015
E. 4.1
mit diversen Hinweisen
).
Es ist daher dem Umstand Rechnung zu tragen, dass
einer künftigen Begutachtung des Beschwerdeführers durch
Dr.
C._
kein Beweiswert mehr
beizumessen wäre.
4
.
4
Die
fachliche Qualifikation
der begutachtenden Person
spielt für die richterliche Würdigung einer Expertise
alsdann
eine erhebliche Rolle. Bezüglich der medizi
nischen Stichhaltigkeit eines Gutachtens müssen sich Verwaltung und Gerichte auf die Fachkenntnisse des Experten verlassen können. Deshalb ist für die Eig
nung eines Arztes als Gutachtensperson in einer bestimmten medizinischen Dis
ziplin ein entsprechender, dem Nachweis der erforderlichen Fachkenntnisse die
nender spezialärztlicher Titel der berichtenden oder zumindest der den Bericht visierenden Arztperson vorausgesetzt. Hingegen ist der FMH-Facharzttitel nicht Bedingung. Die Titelanmassung stellt den Beweiswert eines medizinischen Gut
achtens erheblich in Frage (Urteil des Bundesgerichts 8C_65/2010 vom 6. Sep
tember 2010 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die Gutachterin
G._
verfügt gemäss Auskunft der Fachpersonen-Suche der Swiss Insurance
Medicine
(
www.swiss
-insurance-medicine
.
ch
)
über einen
Fachtitel als Neuropsychologin mit
PVK-Zulassung (berechtigt zur Abr
echnung von Leistungen nach IVG und de
n
Bundesgesetze
n
über die Unfallversicherung [UVG] und die Militärversicherung [MVG])
und ist
zertifizierte Gutachterin SIM.
Demnach verfügt si
e
tatsächlich über einen Doktortitel auf ihrem Fachgebiet,
das
offensichtlich Neuropsychologie und
nicht Medizin ist
.
Die Fachkenntnisse der für die Disziplin Neuropsychologie genannten Gutachterin werden folglich zu Recht nicht beanstandet.
H._
verfügt gemäss aktueller Recherche im
Medizinal
-
beru
feregister
(www. medregnom.admin.ch) über den
Titel
„
Praktische Ärztin
“, welcher erst
als Basisweiterbildung für den späteren Erwerb des
Fach
arzttitels
Allgemei
ne Innere Medizin gilt (vgl.
www.fmh.ch
). Die Hauptverant
wortung in dieser Fachdisziplin sollte dementsprechend beim Chefarzt
Dr.
C._
liegen. Nach seinem Ausscheiden zufolge Befangenheit ist deshalb ein neuer Gutachter zu bestellen, der über den erforderlichen Facharzttitel für Allgemeine Innere Medizin verfügt.
Insofern
haben
die geltend gemachte
n
„Titelanmassung
en
“
in der Annahme
-
bestä
tigung
(
Urk.
8/174)
keinen Einfluss auf die Beweiswürdigung
und
sind
ferner wohl
auf ein Versehen zurückzuführen
.
Die
Titel von
Dr.
phil.
G._
und
Dipl. med.
H._
werden nämlich sowohl im
auf
www.bsv.admin.ch
publizierten
Reporting an die
SuisseMED@P
als auch auf der Internetseite der MEDAS
A._
richtig wiedergegeben.
4.
5
Hinsichtlich der MEDAS
A._
als Institution gilt, dass sich ein Ausstands
-
begeh
ren stets nur gegen Personen und nicht gegen Behörden
res
pektive ganze Institutionen
richten kann (SVR 2010 IV Nr. 2 S. 3, Urteile des
BGer
9C_500/2009 E. 2.1 und 9C_603/2010 vom 6. Oktober 2010 E. 5.2).
U
nter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Abhängigkeit
führen
der regelmäs
sige
Beizug
eines Gutachters oder einer Begutachtungsinstitution durch den Versicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein genommen
nach gefestigter Rechtsprechung
zudem
nicht zum Aus
stand
(SVR 2009 UV Nr. 32 S. 111, Urteil des
BGer
8C_509/2008 E. 6; SVR 2008 IV Nr. 22 S. 69, Urteil des
BGer
9C_67/2007 E. 2; RKUV 1999 S. 193,
U
212/97 E. 2a/
bb
).
Selbst
wenn von einer wirtschaft
lichen Abhängigkeit des
MEDAS
A._
von der Invalidenvers
icherung aus
zugehen wäre
, so ist e
in
Aus
standsgrund
nicht schon deswegen gegeben, weil jemand Aufgaben für die Verwaltung erfüllt, sondern erst bei persönlicher Befangenheit (SVR 2010 IV
Nr. 66 S. 199, 9C_304/2010 E. 2.2).
Ebenfalls nicht stichhaltig ist der
Vorwurf
im Zusammenhang mit dem
Re
po
r
-
ting
der einzelnen MEDAS-Abklärungsstellen
. Dieses wird
jeweils im Anhang zum
SuisseMED@P-Reporting
auf
www.bsv.admin.ch
mitpublizier
t
. Seit 2014 werden darin unter Ziffer 4.2 auch Angaben zu den „Attestierten Arbeits
f
ähig
keiten in polydisziplinären Gutachten für die IV“ erfragt. Eine kurze Durchsicht des Anhangs zeigt, dass die MED
AS
A._
zu etwas mehr als der Hä
lfte der Stellen gehört, welche diesen Teil des
Reportings
ausfüllten. Vielfach fehlt es
daher
bereits
an entsprechenden Vergleichswerten anderer Gutachterstellen. Darüber hinaus zeigt die grosse Bandbreite der attestierten Arbeitsfähigkeiten, dass sich aus dem Reporting
eines Jahres noch
keine Rückschlüsse ziehen las
sen.
So wurde im Durchschnitt in rund 1
5
%
der
erfassten
Fälle eine (fast) voll
ständige Arbeitsunfähigkeit in angepassten Tätigkeiten attestiert, während
die einzelnen
Abklärungsstelle
n
Werte in der Grössenordnung zwischen 5
%
(MEDAS
A._
) und
40
%
(
CEMed
SA
) mitteilten.
Bei der
(fast)
vollen Arbeitsfä
higkeit lag der Durchschnitt bei
rund 30
%
, die Werte der einzelne
n
Abklä
rungss
tellen
streuten
indessen in der Grössenordnung von
10
%
(
SAM
)
bis
7
0
% (
PMEDA AG
)
.
Aussagekräftiger als die Extremwerte dürfte
ein Vergleich der
attestierten Arbeitsfähigkeiten
in angepassten Tätigkeiten
von 50
%
und mehr sein. Dabei erzielt
e
das MEDAS
A._
mit
etwas
über 90
%
zwar den höchsten
Wert, doch
gibt es zahlreiche weitere
Abklärungss
tellen m
it Werten
im Bereich
zwischen 75 und
90
%
.
Mit strukturellen Ra
hmenbedingung
en
allein lässt sich
die Ablehnung eines Sachverständigen
in der Regel ohnehin nicht begründen (vorerwähnt
es Urteil 9C_207/2012 E. 1.2.1)
.
5.
5
.
1
Nicht zuletzt
machte der Beschwerdeführer geltend, er habe
zwecks Beschaffung neuer Kommunikationssysteme für die Luftwaffe Kontakt mit in- und auslän
dischen Partner
n
gehabt. Er habe sensible Projekte der Luftraumüberwachung/
-
verteidigung bearbeitet, die inzwischen umgesetzt seien. Als militärischer Geheimnisträger der
Schweizer Armee und
der
N
ATO
könne er durch den finan
ziellen Verlu
st der Rente
erpressbar werden
. Dies gefährde
die öffentliche Sicherheit
(
Urk.
1
Rz
23 f.).
Auch würden sich
daher
keine Gutachter ausländi
scher Staatsangehörigkeit eignen (
Urk.
12
Rz
14).
5.2
Gemäss Art. 1a
lit
. b IVG sollen die Leistungen der Invalidenversicherung die verbleibenden ökonomischen Folgen der Invalidität ausgleichen. Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28
Abs.
1 IVG dementsprechend Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können und mindestens zu 40
%
invalid sind.
Das IVG bezweckt somit einzig und allein den Ausgleich finanzieller Nachteile zufolge gesundheitlicher Probleme.
Solange der Beschwerdeführer
daher
aus objektiver Sicht arbeitsunfähig ist, besteht weiterhin ein Rentenan
spruch.
Ob er
militärischer Geheimnisträger
ist, hat darauf keinen Einfluss
.
Es ist im Übrigen auch nicht ersichtlich, inwiefern bei der Begutachtung des Gesundheitszustandes der Geheimhaltung unterstehende Informationen zu Kommunikationssystemen zur Sprache kommen könnten.
Über die strafrechtlichen Folgen einer Verletzung der Geheimhaltungspflicht dürfte der Beschwerdeführer
bereits
informiert sein.
6.
Nach dem Gesagten ist eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig und zumut
bar, wobei der Auftrag hierfür soweit korrekt vergeben wurde. Indessen hat
Dr.
C._
aufgrund der jüngsten Entwicklungen als befangen zu gelten und ist zu ersetzen.
Nur falls
es der MEDAS
A._
dabei
nicht
innert nützlicher Frist
möglich sein
sollte
, einen neuen Facharzt für Allgemeine Innere Medizin als Gutachter zu nennen,
ist eine erneute (zeitaufw
ä
ndig
e
) Auftragsvergabe über
SuisseMED@P
erforderlich
. In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzu
heissen und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG in Verbindung mit Art. 69
Abs.
1
bis
IVG).
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
.
Der
Beschwerdeführer
obsiegt insofern, als ein
Ausstandsgrund
gegen
Dr.
C._
vorliegt. I
ndessen unterliegt er
in allen übrigen Punkten (Notwen
digkeit der Begutachtung,
Ausstandsgründe
gegen die weiteren Gutachter und die MEDAS
A._
als Gutachterstelle),
weshalb ihm keine Parteientschädigung zuzusprechen ist. Eine solche liesse sich bereits in Anbetracht des besonderen Umstandes, dass er
zur Befangenheitserklärung
von
Dr.
C._
während des laufenden Verfahrens
massgeblich beigetragen hat
, nicht rechtfertigen (§
28
lit
. a
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
107
Abs.
1
lit
.
f.
Schweizerische Zivil
-
prozess
ordnung
[ZPO]
,
Urk.
18/1-3,
Urk.
22/1
).