Decision ID: 77784115-d936-4b92-995c-32b8fc8558ce
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, meldete sich am 28. November 2005 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7
/2).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (Urk.
7
/16, Urk.
7
/18, Urk.
7
/20, Urk.
7
/25, Urk.
7
/36, Urk.
7
/40), ein psychiatrisches (Urk.
7
/48) und ein interdisziplinäres Gutachten (Urk.
7
/58), ei
nen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug; Urk.
7
/7)
so
wie Arbeitgeberberichte (Urk.
7
/9-10, Urk.
7
/14) ein und zog die Akten des Un
fall
versicherers bei (Urk.
7
/33-34).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7
/62-72) bejahte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1. Juli 2008 (Urk.
7
/75) einen Anspruch der Versicherten auf
eine vom 1. August 2005 bis 30. September 2006 befristete ganze Rente.
Die gegen die Verfügung vom 1. Juli 2008 erhobene Beschwerde (Urk.
7
/78/3-8) zog die Versicherte am 6. Februar 2009 zurück (Urk.
7
/86).
1.2
Am 18. März 2011 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (Urk.
7
/89). Zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes reichte sie nach Aufforde
rung durch die IV
Stelle (Urk. 7
/92) einen Bericht von Dr. med.
Z._
, Fachärztin
für
Physi
kali
sche Medizin und Rehabilitatio
n, vom 8. April 2011 ein (Urk. 7
/93).
Die IV-Stelle holte daraufhin medizinische Berichte (Urk.
7
/101,
7
/103), ein in
terdisziplinäres Gutachten (Urk.
7
/119) sowie einen IK-Auszug (Urk.
7
/118) ein.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7
/122-134) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 6. Februar 2013 (Urk.
7
/135) einen Anspruch der Ver
sicherten auf eine Rente der Invalidenversicherung.
1.3
Mit Eingabe vom 15. November 2012 ersuchte die Versicherte die IV-Stelle um Ge
währung beruflicher Massnahmen (Urk.
7
/128).
Am 6. Februar 2013 fand zwischen der Versicherten und der IV-Stelle ein Ge
spräch
mit Eingliederungsberatung statt (Urk.
7
/139).
Am 7. Februar 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die Arbeits
ver
mittlung abgeschlossen werde (Urk.
7
/137). Auf Verlangen der Versicherten (Urk.
7
/141) verfügte die IV-Stelle am 18. März 2013 den Abschluss der Ar
beits
vermittlung (Urk.
7
/142
). Die gegen die Verfügung vom 1
8.
März 2013 erhobene Beschwerde (
Urk.
7/143/3) wies das hiesige Gericht im Verfahren IV.
2013.00292
mit Urteil vom
2
4.
Juni 2013 ab, soweit es darauf eintrat (
Urk.
7/147).
1.4
Am 1
6.
Mai 2014 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/148). Zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes reichte sie nach Aufforderung durch die IV
Stelle (Urk. 7/150) einen Bericht
der Ärzte
des
B._
vom 31. Mai 2014 ein (Urk. 7/150).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7
/
153-165
)
trat die
IV-Stelle
mit Verfügung vom 3. Februar 2015 (Urk. 7/166) auf das erneute Gesuch nicht ein.
Die gegen die Verfügung vom 3. Februar 2015 erhobene Beschwerde (Urk. 7/168/3) zog die Versicherte am 2. Juni 2015 zurück (Urk. 7/173).
1.5
Am
7.
Dezember 2016 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/183).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Berichte (Urk. 7/196-198
,
Urk.
7/201
)
sowie ein polydisziplinäres Gutachten
beim
C._
, welches am 2
8.
September 2017 erstattet wurde, ein.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7
/228-
245
)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
1
2.
April 2018
(Urk.
7
/246 =
Urk.
2
) einen Anspruch der Versicherten auf
Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am
9.
Mai 2018
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfügung vom 1
2.
April 2018 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2
Ziff.
1) und es sei ihr eine Rente zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2), eventuell sei der medizinische Sachverhalt weiter abzuklären (S. 2
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Juni 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
7.
Juni 2018 wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
4) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
un
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
-
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensverfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ers
ten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemach
ten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklä
rung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei An
haltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesund
heitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsanspre
chende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiederer
wägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgege
nhalten lassen (BGE 130 V 71 E.
3.2.3
; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.
).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.6
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1).
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen wer
den, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärzt
li
cher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden
kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leicht
gradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chroni
fi
ziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest, dass gemäss Gutachten des
C._
keine gesundheitliche Einschränkung ausgewiesen sei, welche eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe. Der Beschwerdeführerin sei eine Tätigkeit vollumfänglich zumutbar. Ein Anspruch auf Leistungen der In
validenversicherung bestehe daher nicht (S. 1). Das rechtliche Gehör der Be
schwerdeführerin sei nicht verletzt worden, ihre Zusatzfragen seien von den Gut
achtern in der Beurteilung mitberücksichtigt worden.
Es lägen keine Hinweise vor, dass der
Visus
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit darstelle. Im April 2014 sei vo
n den Ärzten des
B._
festgestellt worden, dass das komplexe regio
nale Schmerzsyndrom (CRPS) vollständig abgeklungen sei
. Ab diesem Zeitpunkt seien sämtliche körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten und somit auch die zuletzt ausgeführte Tätigkeit uneingeschränkt zumutbar.
Der Beweiswert des Gutachtens sei gegeben, da es auf alle
Aspekte
eingehe
(S. 2)
.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführer
in auf den Standpunkt (Urk. 1), eine Beantwortung der von ihr eingereichten Zusatzfragen sei im Gutachten nicht
erfolgt
. Es finde sich lediglich der Hinweis, dass die gestellten Zusatzfragen in der Begutachtung beantwortet worden seien. Dem werde widersprochen (S. 7).
Die von der Psychiaterin aufgeführten gesundheitlichen Einschränkungen würden weder
entsprechend gewürdigt
noch werde auf die
Diskrepanz eingegangen. Es stelle sich bereits aufgrund dieses Aspektes die Frage, inwiefern das
C._
-Gutachten die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen zu erfüllen vermöge (S. 8).
Zusammenfassend beantworte das Gutachten weder beide gestellten Zu
satzfragen, noch gehe es in nachvollziehbarer Art und Weise auf andere Diagno
sen und Arbeitsfähigkeitseinschätzung ein,
namentlich nicht diejenigen
sämtli
che
r
behandelnden Ärzte. Eine Diskussion mit anderslautenden Arztberichten und Einschränkungen werde zwar vorgenommen, jedoch lediglich
,
indem die Ein
schätzungen als nicht nachvollziehbar abgetan würden (S. 11 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdefü
hrerin auf eine Inva
li
denrente und damit zusammenhängend die Frage, ob eine relevante Verschlech
terung eingetreten ist.
3.
3.1
Die Ärzte des
D._
erstatteten ihr polydis
ziplinäres Gutachten am 2
9.
November 2007 (
Urk.
7/58) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin.
Sie nannten folgende Diag
nosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 18
Ziff.
4):
-
Algodystrophie
(
Complex
Regional Pain Syndrom
,
CRPS
,
Typ II) des lin
ken Fusses mit/bei
-
Status nach Inversions-/
Supinationstrauma
des linken oberen Sprung
gelenks am 2
1.
August 2004
-
Kontrakter Fehlstellung
-
Symptomausweitung im Sinne eines Halbseitensyndroms links ohne nachweisbares pathologisch-anatomisches Korrelat
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.00) nach Anpassungsstörung mit länger dauernder depressiver Reaktion
Sie führten aus,
bei der aktuellen orthopädisch-chirurgischen, rheumatologischen und neurologischen
gutachterlichen Abklärung ergebe sich ein Lokalbefund des linken Fusses, welcher dem Stadium III der
Algodystrophie
(Phase der Spätfolgen) mit Dystrophie/Atrophie und
Gelenkseinsteifung
entspreche.
Dieses Stadium des CRPS sei aller medizinischer Erfahrung gemäss irreversibel und ziehe im Bereich der unteren Extremitäten Funktionsstörungen nach sich, welche vordergründig eine erheblich eingeschränkte Geh- und Stehleistung sowie massiv verminderte Gelenkbelastungsfähigkeit der betroffenen Region verursache. In der zuletzt aus
geübten Tätigkeit als Küchenhilfe und Unterhaltsreinigerin sei die Beschwerde
führerin daher übereinstimmend aus rheuma-orthopädischer und neurologischer Sicht bleibend zu 100
%
arbeitsunfähig.
Für behinderungsgerechte Verrichtun
gen, das heisse solche mit mindestens zeitlich 80
%
sitzend zu erbringender Tä
tigkeit, bestehe hingegen keine zeitliche Limitierung des Leistungsvermögens der Beschwerdeführerin (S. 20).
Die aktuelle psychiatrische Gesundheitsstörung rechtfertige die Attestierung einer quantitativen Arbeitsunfähigkeit von 30
%
, wobei diese Einschätzung nicht definitiv sei. Es werde eine
Reevaluation
in den kommenden 12 bis 18 Monaten empfohlen
(S. 21 oben)
.
3.2
Die Ärzt
e des
E._
erstatteten ihr po
lydisziplinäres Gutachten am 2
0.
September 2012 (
Urk.
7/119) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin und
nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 36
Ziff.
7):
-
somatoforme Schmerzstörung mit
-
Differentialdiagnose
(DD): dissoziativen,
aggravatori
schen
Elementen
-
DD:
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig weitgehend remit
tiert
-
chronisches Schmerzsyndrom linker Fuss mit
-
Verdacht auf CRPS Typ I bei Status nach Sprunggelenksdistorsion links am 2
1.
August 2004
Sie führten aus,
bezüglich des Schmerzsyndroms der linken unteren Extremität sei anlässlich der neuen radiologischen Abklärung des linken Fusses keine nen
nenswerte fleckige Demineralisierung
des Fusses festgestellt worden
.
Bezüglich der
Allodynie
sei
en
die Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der orthopä
dischen und neurologischen
Untersuchung diskrepant gewesen
.
Diesbezüglich bestehe der Verdacht, dass ein
aggravatorisches
Verhalten eine Rolle spielen könnte (S. 36).
Da die Beschwerdeführerin heute aufgrund der festgestellten Er
krankungen nicht einer rein stehenden oder gehenden Tätigkeit nachgehen könne, seien ihr die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten heute nicht mehr zumutbar. Die Beschwerdeführerin wäre in der Lage, einer ihren somatischen Leiden adap
tierten Tätigkeit nachzugehen (S. 37). In psychiatrischer Hinsicht bestehe auf
grund der diagnostiz
i
erten
somatoformen Schmerzstörung eine leichte Ein
schränkung des Rendements. Gegenüber der Vorbegutachtung im
D._
von 2007 habe sich im psychiatrischen Bereich in Bezug auf die Einschränkung des Rende
ments nichts geändert. Insgesamt bestehe eine 30%ige Einschränkung in einer adaptierten Tätigkeit (S. 38).
3.3
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Rheumatologie, berich
teten am 1
7.
März 2016 (
Urk.
7/181/6-7)
und führten aus, bei der Beschwerde
führerin habe sich seit dem Morbus Sudeck nach Distorsionstrauma des oberen Sprunggelenks (OSG) 2004 eine Halbseitensymptomatik entwickelt. Aufgrund der unphysiologischen Haltung mit Beckenschiefstand sei die gesamte Gluteal
-
und untere
Extremitätenmuskulatur
fehl- und damit überbelastet. Die Beschwerdefüh
rerin zeige ein chronisches myofasziales Schmerzsyndrom. Damit sei sie in ihrer Mobilität eingeschränkt, eine vorwiegend wechselbelastende und sitzende Tätig
keit sei vorzuziehen
(S. 1)
.
Eine Schmerzausbreitung am ehesten aufgrund der psychosozialen Situation könne nicht ausgeschlossen werden. Überwiegend sit
zende und wechselbelastende leichte Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin zu 50
%
zumutbar (S. 2).
3.4
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1
2.
April 2016 (
Urk.
7/181/8-9) und führte aus, sie behandle die Beschwerdeführerin seit Oktober 201
5.
Sie nannte folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Verdacht auf aktivierte Spondylarthrose
-
chronisches Halbseitensyndrom
-
chronisches
zervikospondylogenes
Syndrom
-
paravertebrales Schmerzsyndrom mit degenerativen Halswirbelsäulen (HWS) Veränderungen
Sie
empfahl,
bezüglich der Prognose und den Therapiemassnahmen mit der Rheu
matologie des
B._
in Verbindung zu treten, welche die Beschwerdeführerin dies
bezüglich betreue. Da sie die Beschwerdeführerin nicht einmal fünf Monate kenne, sei ihr wenig über ihr soziokulturelles Leben bekannt
(S. 1)
.
3.5
Med.
pract
.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, be
richtete am 1
0.
Juli 2016 (
Urk.
7/181/1-4) und führte aus, die Beschwerdeführerin sei bei ihr seit 2011 in integrierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behand
lung.
Sie sei zuerst wöchentlich, dann alle zwei Wochen gekommen und jetzt komme sie einmal im Monat. Sie nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
mittelgradige depressive Symptomatik, anhaltend, als Folge chronischer Schmerzen (ICD-10 F32.01)
-
chronische somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.41) bei CRP
S-Typ I linker Fuss, nach
Su
pinationstrauma
am 2
1.
August 2004, mittlerweile
Allodynie
-
Hyperopie, nicht durch stärkere Gläser behebbar
Sie führte aus, bisher seien alle Diagnosen weitgehend therapieresistent
(S. 1)
.
Die Prognose sei schlecht. Soziokulturelle Faktoren mit Einfluss auf die Krankheits
entwicklung hätten nachgewiesen werden können (S. 2).
Leider werde nicht auf
geführt, wie die Ärzte des
E._
zur Einschätzung der 70%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gekommen seien (S. 3). Es sei hier offensichtlich, dass die Beschwerdeführerin bei diesem lange dauernden, sich anhaltend ver
schlechterten Zustand und erbärmlichen Lebensqualität keine Motivation haben könne, gesund zu werden,
ihr
also
der
Wille
fehle
gesund zu werden (S. 4).
3.6
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Ophthalmologie und
Ophthalmochi
rurgie
, berichtete am 1
3.
September 2016 (
Urk.
7/181/5) und führte aus, die Be
schwerdeführerin sei seit Juni 2002 intermittierend bei ihm in Behandlung.
Es best
ünden
ein Astigmatismus beidseits und
eine
beginnende Presbyopie, eine
zer
vikovertebrale
Sym
p
t
o
matik sowie
trockene Augen im Rahmen einer chronischen
Blepharokonjunktivitis
.
Die Beeinträchtigungen hätten im schleichenden Verlauf mit den Jahren zugenommen. Die Funktion der okulären Tätigkeit sei nicht nur durch das Auge bedingt, sondern hänge bekannter Weise insbesondere mit der Funktion des Bewegungsapparates zusammen. Eine mögliche T
herapiemass
nahme wäre eine Crani
osakrale-Osteopathie sowie eine Ernährungsberatung.
3.7
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Rheumatologie, berichteten am 1
8.
Januar 2017 (
Urk.
7/196/1-4) und
nannten folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
-
chronisches
zervikospondylogenes
und akzentuiertes
lumbospondyloge
nes
Schmerzsyndrom
-
Haltungsinsuffizienz, Fehlhaltung: Hyperkyphose thorakal, Flachrü
cken lumbal, Beckenschiefstand rechts mehr als links, Knick-Senk-Fuss
-
muskuläre Dysbalance mit Atrophie der Ober- und Unterschenkelmus
kulatur links
-
degenerative Veränderungen, Spondylosen C5/6
-
chronisches Halbseitensyndrom links, bestehend seit 2009
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung und mittelgradige depressive Episode
-
Impingement
-Syndrom Schulter links, bestehend seit 1
1.
Januar 2016
-
Periarthropathia
genu
rechts, Erstmanifestation 2007
Sie führten aus,
bei nur einmaliger Beurteilung falle es schwer, Angaben zur Prognose zu machen. Eine wesentliche Besserung der Beschwerden oder Steige
rung der Arbeitsfähigkeit werde wohl nicht eintreffen
(S. 2
Ziff.
1.4)
.
Bezüglich einer medizinisch begründeten Arbeitsunfähigkeit könne bei nur einmaliger not
fallmässiger Beurteilung ohne Besprechung der sozialen Problematik keine Aus
sage gemacht werden. Sicherlich könne aber aufgrund der Diagnose eine Beur
teilung bezüglich einer körperlich belastenden Tätigkeit durchgeführt werden. Für eine körperlich belastende Tätigkeit bestehe sicherlich eine langfristige Arbeits
unfähigkeit von 100
%
(S. 3
Ziff.
1.6).
3.8
Med.
pract
.
G._
berichtete erneut am
3.
April 2017 (
Urk.
7/201), nannte die bekannten Diagnosen
(vorstehend E. 3.5)
und führte aus, die Beschwerde
führerin besuche einmal wöchentlich die Physiotherapie, was ihr eine gewisse vorübergehende Schmerzerleichterung gebe (S. 1
Ziff.
1.2). In den vergangenen vier Jahren habe sich
ihr
Zustand sukzessive weiter verschlechtert und die Beein
trächtigung der Kraft, der Sensorik und der Durchblutung hätten auf die rechte Seite übergegriffen. Sie habe zunehmend auch Schmerzen im jeweils nun stärker belasteten rechten Bein und Fuss. Die Beschwerdeführerin sei sehr niederge
stimmt, affektiv wenig auslenkbar, es bestünden Gedankenkreisen, Zukunfts
angst, Verzweiflung, sie fühle sich ohnmächtig gegenüber der ganzen Situation. Die Prognose sei schlecht. Bei dieser Chronifizierung
und Therapieresistenz sei keine Restitution zu erwarten
(S. 2
Ziff.
1.4)
.
Die Beschwerdeführerin komme vierzehntäglich für eine Stunde zur integrierten psychiatrischen Behandlung. Sie hätten in letzter Zeit versucht, die Schmerzen mittels Entspannungsübungen und Achtsamkeitsübungen zu differenzieren und zu beeinflussen.
Dies gelinge ein we
nig, insbesondere für die sekundären Schmerzen durch die starke Anspannung im Schulter-Nackenbereich. Ideal wäre eine häufigere Physiotherapie, weiterhin eine Behandlung in der Schmerzklinik und Entspannungsverfahren, so dass die Beschwerdeführerin möglichst ihre Mobilität erhalten könne (S. 2
Ziff.
1.5).
Die bisherige Tätigkeit als Küchenhilfe und Raumpflegerin sowie auch eine ange
passte Tätigkeit seien der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar (S. 3
Ziff.
1.6 und 1.7).
3.9
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Rheumatologie, berichteten am
9.
Mai 2017 (
Urk.
7/226/36-39) und führten aus, dass
die
Beschwerdeführerin insgesamt
an
ein
em
chronische
n
generalisierte
n
Schmerzsyndrom mit einem aktuellen
Wides
pread-Pain-Index
von mindestens 17/19 Punkten
leid
e. Nach erneuter Beurtei
lung des im April 2017 durchgeführten MRI sei eine mögliche Kompression der Wurzel L5 und S1 rechtsseitig zu sehen. Klinisch hierzu passend zeigten sich ein Ausfall des Achillessehnenreflexes rechts sowie eine mässig ausgeprägte Fusshe
ber- und
senkerparese
rechtsseitig. Die geschilderten Handgelenksschmerzen seien klinisch und anamnestisch von klar mechanischem Charakter, konventio
nell-radiologisch habe sich kein Hinweis auf degenerative Veränderungen oder Verkalkungen gezeigt.
Eine
Te
nosynovitis
habe sich nicht gezeigt, die Ätiologie bleibe somit vorerst unklar.
3.10
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Neurologie, berichteten am
6.
Juni 2017 (
Urk.
7/226/40-44) und führten aus,
dass aktuell im Rahmen des multifokalen Schmerzsyndroms die neuen Schmerzen der rechten Körperhälfte im Vordergrund seien. Teilweise entspreche der progrediente Schmerz einem
lumboradikulären
Schmerzsyndrom rechts (L5/S1), vor allem bei vorliegender Schmerzausstrahlung entlang der L5 Wurzel. Ein entsprechendes motorisches Defizit habe sich teilweise objektivieren lassen (S. 4 f.).
3.11
Die Ärzte des
C._
erstatteten ihr poly
disziplinäres Gutachten am 2
7.
September 2017 (
Urk.
7/226/2-35) gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin. Sie nannten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit und folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 31
Ziff.
5.2):
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
funktioneller Schwindel und Halbseitenstörung (ICD-10 F45.9)
-
generalisiertes
multilokuläres
Schmerzsyndrom mit Betonung der lin
ken Körperhälfte
-
klinisch, labortechnisch, radiologisch,
skelettszintigraphisch
und kernspintomografisch keine Hinweise für entzündlich-rheumatisches Geschehen oder degenerative Veränderungen
-
Status nach CRPS linker Fuss
-
Klinisch, radiologisch und kernspintomografisch unauffälliger Be
fund
-
Belastungsdefizit rechtes Handgelenk
-
Klinisch, radiologisch und sonographisch unauffällige Befund
-
chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur
-
Radiologisch unauffälliger Befund
-
chronisches
thorakolumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts betont
-
myostatische Insuffizienz mit den entsprechenden
muskuloligamentä
ren
Überlastungsreaktionen
-
radiologisch unauffälliger Befund
-
Übergewicht, BMI 28.5 kg/m
2
-
grenzwertige arterielle Hypertonie
-
anamnestisch zystischer Schildknoten rechter
Unterpol
-
anamnestisch Schilddrüsensubstitutionstherapie seit August 2017
-
euthyreote Stoffwechsellage
-
aktenanamnestisch Astigmatismus beidseits, beginnende Presbyopie
Der psychiatrische Gutachter führte aus,
dass bei der Beschwerdeführerin diag
nostisch eine leichte depressive Episode bestehe, gekennzeichnet durch depressive Verstimmungen, leichte Konzentrationsstörungen, erhöhte Ermüdbarkeit, Schlaf
störungen und negative Zukunftsängste. Es bestehe zudem eine chronische Schmerzstörung, gekennzeichnet durch diffuse, ausgeweitete Schmerzen im Be
wegungsapparat, deren Ausmass mit der Überzeugung, nicht mehr arbeiten zu können, mit somatischen Befunden nicht hinreichend erklärt werden könnten und die sich nicht nur auf eine Somatisierung im Rahmen der Depression zurück
führen liessen (S. 17
Ziff.
4.1.3).
Zu früheren ärztlichen Einschätzungen führte der Gutachter aus, bei der psychiatrischen Beurteilung 2006 seien somatische und psychiatrische Arbeitsunfähigkeiten vermischt und die psychiatrische Arbeitsun
fähigkeit zudem nicht genau angegeben worden. Die im Gutachten von 2007 angegebene 30%ige Arbeitsunfähigkeit sei eher hoch angesichts der dort diag
nostizierten psychischen Störungen. Im Gutachten von 2012 sei eine weitgehend remittierte rezidivierende depressive Störung angegeben worden. Das trotzdem angegebene reduzierte Rendement um 30
%
könne nicht nachvollzogen werden. Auch von der andauernden 100%igen Arbeitsunfähigkeit, wie sie die behan
delnde Psychiaterin diagnostiziere, könne nicht ausgegangen werden. Es bestehe keine schwere depressive Episode nach ICD-1
0.
Der Verlauf der Depression sei nicht deutlich rezidivierend mit Phasen von Verschlechterung, Verbesserung und symptomfreien Intervallen, sondern vielmehr kontinuierlich. Auch aufgrund der täglichen Aktivitäten, die der Beschwerdeführerin doch möglich seien, sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehbar (S. 18 f.
Ziff.
4.1.7).
Die psy
chiatrisch-psychotherapeutische Behandlung könnte durchaus intensiviert wer
den, sollte dies notwendig sein. Die Behandlung sei sonst
bei den vorliegenden psychischen Störungen
mit psychotherapeutischen Gesprächen adäquat
(S. 20
Ziff.
4.1.10.3)
.
Der rheumatologische Gutachter führte aus,
dass es im Laufe der Jahre zu einer Ausweitung der Beschwerdesymptomatik mit Entwicklung eines generalisierten
multilokulären
Schmerzsyndroms mit Ganzkörperschmerzen und vegetativer Be
gleitsymptomatik gekommen sei. Bei der aktuellen klinischen Untersuchung seien sämtliche Fibromyalgie-typischen Tenderpoints druckschmerzhaft. Die Be
schwerdeführerin gebe jedoch auch Druckschmerzen an den sogenannten Kon
trollpunkten an, so dass gemäss ACR-Kriterien keine Fibromyalgie, sondern ein generalisiertes
multilokuläres
Schmerzsyndrom vorliege. Hinweise für ein ent
zündlich-rheumatisches Geschehen ergäben sich weder klinisch, labortechnisch, radiologisch,
skelettszintigraphisch
noch kernspintomographisch (S. 26
Ziff.
4.2.4). Mittlerweile sei es zu einer vollständigen Rückbildung des CRPS ge
kommen, so dass nun auch die Tätigkeit der Reinigungsangestellten vollschichtig zumutbar sei
(S. 27
Ziff.
4.2.7)
.
Der neurolog
ische Gutachter führte aus, dass den vielfältigen Beschwerden bei der aktuellen Untersuchung in objektiver Hinsicht ein unauffälliger Status entge
genstehe. Hirnnerven, Reflexe,
Trophik
und der unbeobachtet zu sehende unauf
fällige Einsatz der Extremitäten sprächen gegen eine organisch-neurologische Er
krankung (S. 30
Ziff.
4.3.4). Es sei festzuhalten, dass die Diagnose eines CRPS in den Unterlagen unterschiedlich beurteilt worden sei. Für das im neurologischen Gutachten des
D._
genannte CRPS Typ II werde keine Nervenläsion angeführt und nachfolgende Untersucher (
B._
) hätten überwiegend von einem CRPS Typ I gesprochen. Diesbezüglich ergebe sich von neurologischer Seite kein objektiver Befund (S. 31 oben).
In der Konsensbeurteilung wurde ausgeführt, d
ie beiden psychiatrischen Diagno
sen führten zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die Beschwerdeführe
rin sei uneingeschränkt und ganztags arbeitsfähig. Aus rheumatologischer Sicht fänden sich für die von der Beschwerdeführerin beklagten Beschwerden und Funktionseinschränkungen bis auf eine muskuläre Haltungsinsuffizienz und Dys
balancen der Schultergürtelmuskulatur kein entsprechendes morphologisches Korrelat.
Es bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten und somit auch für die von der Beschwer
deführerin früher ausgeübten Tätigkeiten (S. 32
Ziff.
6.2).
Aus neurologischer Sicht fänden sich ein funktioneller Schwindel und eine Halbseitenstörung, welche jedoch zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten. Zusammenfassend bestünden aus polydisziplinärer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, die Beschwerdeführerin sei in einer körperlich leichten bis mittelschwer belasten
den Tätigkeit und somit auch in den von ihr früher ausgeübten Tätigkeiten un
eingeschränkt und ganztags arbeits- und leistungsfähig (S. 33 oben).
Nach dem
Supinationstrauma
des linken Sprunggelenks am 2
1.
August 2004 mit Entwicklung eines CRPS habe bis April 2014 eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit für ausschliesslich stehende und gehende Tätigkeiten bestanden. Im April 2014 sei im Institut für Anästhesiologie des
B._
festgestellt worden, dass das CRPS vollständig abgeklungen sei. Spätestens seit diesem Zeitpunkt seien der Be
schwerdeführerin sämtliche körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar
(S. 33
Ziff.
6.3)
.
4.
4.1
D
as po
lydisziplinäre Gutachten des
C._
vom
September 2017
(vor
ste
hend E.
3.11
) um
fasst die Fachrichtungen
Allgemeine Innere Medizin,
Rheumatologie, Neuro
logie
und
Psychiatrie
.
Die Gutachter verfügen über den ent
spre
chen
den Fach
arzt
titel und waren somit in ihren Fachgebieten zur Beurteilung des Gesund
heitszu
stan
des und der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführe
rin
befä
higt (vgl. Urk.
7
/
226
S. 1
)
. Die Gutachter berücksichtigten sodann die ge
klag
ten B
eschwer
den und das Verhalten der Beschwerde
führerin
und erstellten ihren jeweiligen Teil des Gutach
tens in Kenntnis der
Vorakten
.
Die von der Beschwerdeführerin eingereichten Zusatzfragen (vgl.
Urk.
7/213) wurden den Gutachtern unterbreitet (vgl.
Urk.
7/215,
Urk.
7/226 S. 8
Ziff.
2.1.2) und
sodann
bei der gutachterlichen Beurteilung auch berücksichtigt (
Urk.
7/226 S. 27
Ziff.
4.2.6, S. 28 unten).
Sowohl die ge
stellten Diagnosen als auch die Schlussfolgerungen zur Arbeits
fähigkeit werden im Gut
achten ausführlich begründet und sind nachvoll
ziehbar. Damit er
füllt das Gut
achten die bundesgerichtlichen Anforde
rungen an ein medizi
nisches Gut
ach
ten (vorstehend E. 1.
5
) vollum
fänglich, so dass für die Ent
scheidfindung darauf abzustellen ist.
4
.2
Die Gutachter legten in schlüssiger und nachv
ollziehbarer Weise dar, dass die
Beschwerdeführer
in
aus
internistischer Sicht an Übergewicht sowie aufgrund der apparativen Untersuchung an einer grenzwertigen arteriellen Hypertonie leide, diese Diagnosen aber zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten
(S.
14
). Aus rheu
matologischer Sicht
fänden sich keine Hinweise für eine
Algodys
trophie
(S. 26 oben)
.
Der diesbezügliche radiologische Befund sei bereits 2012 unauffällig gewesen.
Es sei mittlerweile zu einer vollständigen Rückbildung des CRPS gekommen (S. 27).
Es wurde ein Knick-Senk-Spreizfuss mit
Hallux
valgus
festgestellt, wobei sich
bei unbewussten Bewegungen eine freie Sprunggelenkbe
weglichkeit
beobachten lasse (S. 26 oben)
.
Gemäss ACR-Kriterien liege
keine Fib
romyalgie, sondern ein generalisiertes
multilokuläres
Schmerz
-
syndrom vor, wo
bei sich keine Hinweise für ein entzündlich-rheuma
-
tologisches
Geschehen ergä
ben.
Weiter zeige sich eine myostatische Insuffizienz mit
ent
-
sprechenden
mus
kuloligamentären
Überlastungsreaktionen, wobei die Lenden
-
wirbelsäule (LWS) in sämtlichen Ebenen frei beweglich sei und keine ISG Funktionsstörung bestehe. Dieser klinische Befund korreliere gut mit den im März 2016 durchgeführten Röntgenaufnahmen der Brustwirbelsäule (BWS) und LWS sowie des Beckens, die bis auf leichte degenerative Veränderungen der ISG unauffällig gewesen seien
(S. 26 Mitte)
.
Zusätzlich bestehe ein chronisches
zervikospondylogenes
Schmerzsyn
drom mit
Zervikozephalgien
und
Zerviko
-
brachialgien
beidseits bei Dysbalancen der Schultergürtelmuskulatur. Ein
-
geschränkt sei schmerzbedingt lediglich die Reklination des Kopfes, ansonsten sei die Halswirbelsäule (HWS) frei beweglich. Aufgrund dieser muskulären Haltungsinsuffizienz seien der Beschwerdeführerin lediglich schwere körperliche Tätigkeite
n nicht zumutbar (S. 26 unten). Den ge
klagten vielfältigen neurologischen Beschwerden stehe ein bei der aktuellen Un
tersuchung in objektiver Hinsicht unauffälliger Status entgegen (S. 30). Die Un
tersuchung unter der
Frenzelbrille
falle regelrecht aus und die Nichtdurchführung des Strichganges sei im Zusammenhang mit der somatoformen Störung zu sehen. Das diskrepante Verhalten beim
P
rüfen des Las
è
gues spreche überdies für be
wusstseinsnahe
Symptomverdeutlichungen
. Eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit ergebe sich aus neurologischer Sicht nicht
(S. 31 oben).
4.3
Z
usammenfassend kann festgehalten werden, dass die Beschwerdeführer
in aus somatischer Sicht in ihren
angestammten Tätigkeit
en
im Reinigungsdienst
und als Küchenhilfe sowie in sämtlichen angepassten
, körperlich leichten bis mittel
schweren
Tätigkeiten gemäss beschriebenem Belastungsprofil
wieder
zu 10
0 %
arbeitsfähig ist
(S. 32 f.)
.
4.4
In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierten die Gutachter eine
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
sowie eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41).
Sie erachteten diese Diag
no
sen jedoch nicht als
sich
auf di
e Ar
beitsfähigkeit auswirkend (S. 18
).
Der
psychiatrische Gutachter
stellte ausführlich und nachvollziehbar dar, dass
der affektive Kontakt gut herstellbar und die Stimmung depressiv gewesen sei. Es hätten leichte Konzentrationsstörungen bestanden. Bei der
Beschwerdeführerin
gebe es jedoch
k
eine Hinweise auf Auffassungs-,
Aufmerksamkeits
- oder
Gedächt
nisstörungen
(S. 17).
Deutlich auffällige Persönlichkeitszüge für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung bestünden nicht (S. 19).
Die Beschwerdeführerin
habe gute Kontakte mit der Familie (S. 20) und es bestünden Ressourcen bezüglich der an
gelernten Arbeiten mit entsprechender Berufserfahrung (S. 19).
Damit ist
nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sie aus psy
chischer Sicht dauerhaft in ihrer Arbeitsfähigkei
t eingeschränkt ist.
Da eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen nachvollziehbar und schlüs
sig
verneint wurde, kann auf ein
strukturiertes Beweisverfahren nach BGE 141
V 281 verzichtet werden (vgl. E.
1.
6
).
4.5
Bezüglich der Berichte
der
behandelnden Psychiaterin med.
pract
.
G._
(vgl. vorstehend E. 3.5 und E. 3.8) sowie der Hausärztin
Dr.
F._
(vgl. vorstehend E. 3.4)
ist auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hinzuweisen, wonach der Umstand allein, dass behandelnde Fachärzte eine vom eingeholten Gutachten ab
weichende Meinung äussern, nicht Anlass zu weiteren Abklärungen gibt oder das Gutachten in Frage zu s
tellen
vermag
; anders würde es sich ver
halten, wenn die behan
delnden Ärzte konkrete, objektiv fassbare Aspekte nam
haft machen, die dem ärzt
lichen Experten entgangen sind oder mit denen er sich nicht befasst hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
2.
August 2006 U 58/06 E.
2.2) - was vorlie
gend allerdings nicht der Fall ist.
So bezogen sich die
behandelnden Ärzt
innen
vorwiegend auf die subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin. Zu der von ihnen attestierten Arbeitsunfähigkeit nahmen die
C._
-Gutachtern denn auch in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise Stellung (S. 14, S. 18 f., S. 27, S. 31) und füh
rten aus, von einer aus psychiatrischer Sicht andauernden 100%igen Ar
beitsunfähigkeit könne nicht ausgegangen werden, zumal keine schwere depres
sive Episode nach ICD-10 vorliege. Der Verlauf der Depression sei nicht deutlich rezidivierend mit Phasen von Verschlechterung, Verbesserung und symptom
freien Intervallen, sondern vielmehr kontinuierlich (S. 18 f.).
Die aufgrund des CRPS des linken Fusses mit Symptomausweitung im Sinne eines Halbseitensyn
droms links attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei damals korrekt gewesen. Mittlerweile sei es jedoch zu einer vollständigen Rückbildung des CRPS gekom
men, so dass aus somatischer Sicht keine rentenrelevante Arbeitsunfähigkeit mehr gegeben sei (S. 27).
Zusammenfassend ist d
as
C._
-Gutachten vom
27
.
September 2017 – entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin -
voll beweiskräf
tig. Von weiteren Abklärungen, wie von der Beschwerdeführerin gefordert, sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in antizipierter Beweis
würdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) verzichtet wird.
Der Beschwerdeführerin sind sowohl die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten
als Kü
chenhilfe sowie Reinigungs
angestellte wie auch jegliche angepassten Tätigkeiten gemäss beschriebenem Pro
fil zu 100
%
zumutbar, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenver
sicherung besteht. Die
angefochtene Verfügung erweist sich somit als rechtens und die dagegen erhobene
Beschwerde ist demzufolge abzuweisen.
5
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Ent
spre
chend
dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwer
defüh
rerin aufzuerlegen
,
zufolge G
ewährung der unentgeltlichen
Prozessführung
je
doch
einstweilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen
.