Decision ID: af22ca3d-3f90-43c0-a5d4-c157982ac3bb
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. Der 1963 geborene A._ ist bei der E._ GmbH als
Geschäftsführer angestellt und in dieser Eigenschaft bei der C._ AG
(nachfolgend: C._) gegen die Folgen von Unfällen versichert.
2. Am 28. Mai 2017 erlitt A._ einen ersten Unfall. Gemäss
Schadenmeldung UVG vom 31. Mai 2017 stürzte er beim Abstieg von der
F._ nach einer Kurve von seinem Mountainbike und zog sich dabei
einen Bruch an der Brustwirbelsäule sowie eine Prellung an der Lunge
(inkl. Atemwege) und an der linken Schulter zu.
In der Folge erlitt A._ am 31. Juli 2018 einen zweiten Unfall. Laut
Schadenmeldung UVG vom 30. August 2018 war er am besagten Tag in
eine Auffahrkollision auf der Kantonsstrasse G._, Oberhalb H._,
involviert, wobei er sich die Brust-, Hals- und Lendenwirbelsäule stauchte.
Für beide Unfälle anerkannte die C._ ihre Leistungspflicht und
erbrachte die gesetzlichen Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und
Taggeld).
3. Mit formlosem Schreiben vom 24. Januar 2019 teilte die C._ A._
hinsichtlich des Ereignisses vom 31. Juli 2018 (Auffahrunfall, Falldossier-
Nr.: I._) mit, dass ab dem 1. November 2018 sämtliche Leistungen
über das Falldossier J._ (Mountainbikesturz) abgerechnet würden.
Begründend wurde ausgeführt, dass zur Prüfung der Unfallkausalität
sämtliche medizinischen Unterlagen dem beratenden Arzt (Dr. med.
K._) vorgelegt worden seien. Dieser halte in seiner Beurteilung vom
15. Januar 2019 fest, dass das Ereignis vom 31. Juli 2018 zu einer
vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustands geführt
habe. Der Status quo ante sei bereits drei Monate nach Ereignis per 31.
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Oktober 2018 erreicht gewesen. Die aktuellen Beschwerden seien auf das
Unfallereignis vom 28. Mai 2017 (Mountainbikesturz) zurückzuführen.
4. Mit E-Mail vom 28. Februar 2019 verlangte A._ den Erlass einer
einsprachefähigen Verfügung. Daraufhin verfügte die C._ am 21.
März 2019 die Leistungseinstellung für das Ereignis vom 31. Juli 2018
(Auffahrunfall) per 31. Oktober 2018 und die Abwicklung sämtlicher
Leistungen ab dem 1. November 2018 über das Ereignis vom 28. Mai
2017 (Mountainbikesturz). In ihrer Begründung wiederholte sie die in ihrem
Schreiben vom 24. Januar 2019 geltend gemachte Argumentation.
5. Dagegen erhob A._ am 28. März 2019 unter Einreichung des Berichts
seines Hausarztes Dr. med. L._ vom 26. März 2019 Einsprache.
Darin beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die
Leistungen aus dem Unfall vom 31. Juli 2018 seien auch ab dem
1. November 2018 weiterhin zu gewähren. Eventualiter sei die
Angelegenheit im Rahmen eines externen orthopädisch-
rheumatologischen Gutachtens zu beurteilen und anschliessend erneut zu
verfügen. Zur Begründung hielt er im Wesentlichen fest, dass eine
überdurchschnittlich heftige Heckkollision stattgefunden habe. Hinzu
komme und erschwerend wirke sich aus, dass er lediglich rund ein Jahr
vorher einen heftigen Mountainbikesturz mit Frakturen zweier Brustwirbel
erlitten habe. Diesem Vorzustand sei bei der Beurteilung, wann der Status
quo sine oder quo ante eintrete, gebührend Rechnung zu tragen. Es sei
nicht nachvollziehbar und widerspreche dem Untersuchungsgrundsatz,
wenn der Vertrauensarzt Dr. med. K._ ohne Rücksprache mit dem
Hausarzt aufgrund einer reinen Aktenbeurteilung und offensichtlich
aktenwidriger Feststellungen Unfallfolgen sehr arbiträr bereits drei Monate
nach dem Unfall verneine. Es sei auch keine Rechtsprechung bekannt, die
bei einer Heckkollision der vorliegenden Heftigkeit und bei
vorbestehenden Wirbelsäulenbeschwerden den Status quo sine oder quo
ante bereits drei Monate nach dem Unfall bejaht hätte. In der Regel werde
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mit mindestens einem Jahr seit dem Unfall gerechnet. Angesichts dessen
sowie der Divergenzen zwischen der hausärztlichen und der
vertrauensärztlichen Beurteilung würde die angefochtene Verfügung einer
gerichtlichen Prüfung nicht standhalten. Es wäre deshalb sinnvoll, bereits
im Einspracheverfahren eine bidisziplinäre Begutachtung durchzuführen.
Falls lediglich die Halswirbelsäule durch den Unfall betroffen wäre, dürften
mangels einer bildgebend nachgewiesenen strukturellen Schädigung die
Leistungen praxisgemäss etwa ein Jahr nach dem Unfall wegen fehlender
adäquater Unfallkausalität eingestellt werden. Weil aber die
vortraumatisierte Brustwirbelsäule möglicherweise richtungsgebend
beeinträchtigt worden sei, sei es unumgänglich, ein unabhängiges
Gutachten einzuholen. Dies, falls sich die C._ nicht doch zu einer
vorläufigen Weiterführung des Falles und auch zu einem vorläufigen
Verzicht, die Leistungen einzustellen, durchringen könnte.
6. Am 12. August 2019 verfügte die C._ hinsichtlich des Ereignisses
vom 28. Mai 2017 (Mountainbikesturz, Falldossier-Nr.: J._) den
Fallabschluss und die Einstellung der Versicherungsleistungen (Taggeld
und Heilungskosten) rückwirkend per 19. Februar 2019. Auf eine
Rückforderung der bereits erbrachten Leistungen wurde verzichtet. Zur
Begründung wurde vorgebracht, dass sämtliche Unterlagen dem
beratenden Arzt (Dr. med. K._) zur Prüfung vorgelegt worden seien.
Dieser halte in seiner Beurteilung vom 18. Juni 2019 fest, dass das
Ereignis vom 28. Mai 2018 (recte: 2017) zu einer vorübergehenden
Verschlimmerung des Vorzustands geführt habe. Aus diesem Grund sei
der Status quo sine bereits am 18. Februar 2019 erreicht worden.
7. Dagegen erhob A._ am 4. September 2019 Einsprache. Darin
beantragte er, es sei unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung ein
interdisziplinäres Gutachten zu veranlassen und anschliessend neu zu
verfügen. Begründend hielt er im Wesentlichen fest, dass die
versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. med. K._ nicht
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ausreiche, eine Ablehnung der Leistung ausreichend zu begründen. Seine
Einschätzung, wonach die natürliche Kausalität anlässlich seiner
Beurteilung vom 18. Juni 2019 während bereits vier Monaten weggefallen
sei, erscheine deshalb rein arbiträr und zufällig. Angesichts der komplexen
Beurteilung von zwei bei der C._ versicherten Unfällen seien beide
Einspracheverfahren zu kombinieren und im Rahmen einer umfassenden
Begutachtung integral zu beurteilen.
8. Mit Einspracheentscheid der C._ vom 18. November 2019 betreffend
Ereignis vom 31. Juli 2018 (Auffahrunfall, Falldossier-Nr.: I._) wurde
die Einsprache vom 28. März 2019 teilweise gutgeheissen, indem die
Leistungen aus der Unfallversicherung im Zusammenhang mit dem
Ereignis vom 31. Juli 2018 bis zum 31. Januar 2019 gewährt wurden. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, dass die
Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers bei Dr. med. M._ ein
Gutachten eingeholt habe. Dieser komme in seinem Bericht vom 14.
Januar 2019 zum Schluss, dass der Status quo sine/ante spätestens
sechs Monate nach dem Auffahrunfall erreicht gewesen sei. Dr. med.
K._ sehe den Eintritt des Status quo ante bereits drei Monate nach
dem Unfallereignis als erreicht. Die Diskrepanz zwischen der
Einschätzung von Dr. med. M._ und Dr. med. K._ sei
nachvollziehbar, weil der Status quo sine/ante nie mathematisch exakt
festgelegt werden könne. Beide Ärzte würden jedoch dieselben Schlüsse
ziehen. Nachdem zwei Ärzte unabhängig voneinander einen natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Beschwerden und dem
Unfallereignis vom 31. Juli 2018 nach geraumer Zeit verneinen würden,
bestehe keine Veranlassung, weitere medizinische Berichte einzuholen.
Zugunsten von A._ werde auf die Angaben von Dr. med. M._
abgestellt, welcher den Status quo sine/ante per Ende Januar 2018 (recte:
2019) terminiert habe. Die Leistungen seien auf diesen Zeitpunkt
einzustellen.
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9. Mit Einspracheentscheid vom 18. November 2019 betreffend Ereignis vom
28. Mai 2017 (Mountainbikesturz, Falldossier-Nr.: J._) wies die
C._ die Einsprache vom 4. September 2019 ab und bestätige ihre
Verfügung vom 12. August 2019. Zur Begründung wurde im Wesentlichen
festgehalten, dass sich A._ anlässlich des Unfalls vom 28. Mai 2017
zweifellos Verletzungen an der Wirbelsäule zugezogen habe. Die
Frakturen auf Höhe Th6 und Th7 seien stabil gewesen und hätten
konservativ behandelt werden können. Derartige Brüche würden in relativ
kurzer Zeit verheilen. Dr. med. K._ weise in seiner Beurteilung vom
18. Juni 2019 auf die bereits vorbestehenden
Deckplattenimpressionsfrakturen älteren, unbestimmten Datums auf Höhe
Th4 und Th8 hin und führe aus, dass die geklagten Beschwerden
myofaszialer Natur seien und solitär nicht auf die im Mai 2017
zugezogenen, fokussierten Verletzungen auf Höhe Th6 und Th7
zurückgeführt werden könnten; der Status quo sine/ ante sei seit rund vier
Monaten erreicht. Dies sei somit ab dem 18. Februar 2019 der Fall
gewesen. Gemäss Einschätzung von Dr. med. K._ seien die beim
Fahrradsturz vom 28. Mai 2017 zugezogenen Verletzungen nach rund 21
Monaten verheilt gewesen. Weiterhin bestehende Beschwerden stünden
nach dieser Zeit überwiegend wahrscheinlich nicht mehr in kausalem
Zusammenhang zum Unfallereignis. Die in den Akten liegenden
Arztzeugnisse vermöchten die nachvollziehbare und schlüssige
Einschätzung von Dr. med. K._ nicht zu entkräften. Seine
Ausführungen seien schlüssig, nachvollziehbar begründet und in sich
widerspruchsfrei.
10. Gegen beide Einspracheentscheide vom 18. November 2019 erhob
A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 17.
Dezember 2019 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Darin beantragte er unter Aufhebung der beiden
angefochtenen Einspracheentscheide die Rückweisung der
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Angelegenheit an die Vorinstanz zur Einholung eines externen
interdisziplinären Gutachtens und zu neuen Entscheiden. Begründend
wurde im Wesentlichen vorgebracht, dass dieser komplexe Fall mit zwei
Unfällen, welche beide zu Verletzungen der Wirbelsäule geführt hätten,
unzureichend abgeklärt worden sei. Es entspreche der allgemeinen
Lebenserfahrung, dass eine vortraumatisierte Wirbelsäule auf eine relativ
heftige Heckkollision stärker traumatisiert werde, als wenn die
Einwirkungen auf eine gesunde Wirbelsäule wirken würden. Der Hausarzt
Dr. med. L._ bestätige dies in seinem ärztlichen Zeugnis vom
26. März 2019, worin er unter anderem festhalte, dass die C._ ein
neutrales Gutachten zu veranlassen habe, um die komplexe
Angelegenheit abzuklären. Die C._ stütze sich auf Berichte von
Vertrauensärzten, die den Beschwerdeführer niemals selber untersucht
hätten und auf dürftiger Aktenlage eine Ferndiagnose abgäben und zum
Teil lediglich mit statistischen Werten operieren würden. Wenn der
Beschwerdeführer nur den zweiten Unfall mit dadurch verursachtem
Schleudertrauma der Halswirbelsäule erlitten hätte, wäre die C._
wahrscheinlich berechtigt, in Kenntnis der strengen
Adäquanzrechtsprechung des Bundesgerichts die Leistungen nach einer
gewissen Zeit einzustellen, und das ohne vorgängige abschliessende
Beurteilung der natürlichen Kausalität. Hier gehe es aber um die
Beurteilung eines komplexen Falles mit zwei Traumata und weiteren
vorbestehenden Rückenverletzungen, weshalb nicht der "übliche" Fall
vorliege und auf eine gutachterliche rheumatologisch-orthopädische
Beurteilung nicht verzichtet werden könne.
11. Am 22. Januar 2020 reichte die C._ (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zwei Beschwerdeantworten ein, wobei sie in beiden
Eingaben die kostenfällige Abweisung der Beschwerde beantragte.
Begründend hielt sie hinsichtlich des Unfallereignisses vom 28. Mai 2017
(Mountainbikesturz, Falldossier-Nr.: J._) zusammenfassend fest,
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dass die Beurteilung von Dr. med. K._ vom 18. Juni 2019 die
Vorgaben des Bundesgerichts zum Beweiswert eines Arztberichts erfülle.
Der Bericht sei für die strittigen Belange umfassend. Er beruhe auf der
Sichtung sämtlicher Arzt- und Spitalberichte, die bezüglich der beiden
Unfälle erstellt worden seien. Die geklagten Beschwerden würden
berücksichtigt. Es werde in Kenntnis der Anamnese verständlich erklärt,
weshalb der natürliche Kausalzusammenhang nach einer gewissen Zeit
entfallen sei. Die Schlussfolgerungen seien begründet. Der Vertrauensarzt
spreche von myofaszialen Problemen, die nicht auf das Unfallereignis vom
28. Mai 2017 zurückgeführt werden könnten. Betreffend Unfallereignis
vom 31. Juli 2018 (Auffahrunfall, Falldossier-Nr.: I._) führte die
Beschwerdegegnerin zusammenfassend aus, dass der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Auffahrunfall vom 31. Juli 2018 und
den geklagten Beschwerden spätestens am 31. Januar 2019 entfallen sei.
Die Erkenntnisse der Dres. med. M._ und K._ vom 14. bzw. 15.
Januar 2019 würden miteinander übereinstimmen. Bezüglich Eintritt des
Status quo sine/ante könne mit Blick auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung auf die Erkenntnisse von Dr. med. M._ abgestellt
werden. Von weiteren medizinischen Abklärungen seien keine
zusätzlichen entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten. Werde ein
natürlicher Kausalzusammenhang über den 31. Januar 2019 hinaus wider
Erwarten bejaht, so wäre die Einstellung der Leistungen dennoch zu Recht
erfolgt, weil der adäquate Kausalzusammenhang entfallen sei.
12. Am 17. Februar 2020 verzichtete der Beschwerdeführer auf das
Einreichen einer Replik.
13. Am 5. März 2020 wurde der Schriftenwechsel abgeschlossen.
14. Am 9. März 2020 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
seine Honorarnote inkl. Honorarvereinbarung im Betrag von CHF 4'043.45
(inkl. Barauslagen und MWST) ein.
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Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensparteien sowie die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die beiden
Einspracheentscheide der Beschwerdegegnerin vom 18. November 2019.
Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide Beschwerde an das Versicherungsgericht
desjenigen Kantons erhoben werden, in welchem die versicherte Person
im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Der
Beschwerdeführer wohnt im Kanton Graubünden, womit die örtliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG
i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als formeller und materieller
Adressat der angefochtenen Einspracheentscheide ist der
Beschwerdeführer davon überdies berührt und er weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 59
ATSG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist somit einzutreten.
2.1. Vorliegend erhebt der Beschwerdeführer nur eine Beschwerde gegen zwei
separat erlassene Einspracheentscheide, welche je ein separates
Unfallereignis betreffen. Demgegenüber reicht die Beschwerdegegnerin
zwei separate Beschwerdeantworten ein mit der Bitte, im Entscheid eine
klare Abgrenzung zwischen den beiden Unfallereignissen vorzunehmen,
falls die Verfahren vereinigt würden. Sie tut dar, dass beim Auffahrunfall
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vom 31. Juli 2018 auch die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers
indirekt betroffen sei. Es stellten sich Fragen des Regresses der
Beschwerdegegnerin gegenüber der Haftpflichtversicherung. Eine
Vermischung der beiden Ereignisse ohne klare Abgrenzung über die
Leistungspflichten bezogen auf das jeweilige Unfallereignis sei zu
vermeiden (vgl. Beschwerdeantworten vom 22. Januar 2020 S. 2).
2.2. Im Interesse einer zweckmässigen Erledigung kann die Behörde durch
verfahrensleitende Verfügung die Verfahren bei getrennt eingereichten
Eingaben zum gleichen Gegenstand vereinigen (Art. 6 Abs. 1 lit. a VRG).
Da der Beschwerdeführer vorliegend – wie bereits dargelegt – in einer
Eingabe zwei Entscheide anficht, kann gar keine Vereinigung im Sinne der
erwähnten Bestimmung vorgenommen werden. Entgegen der Auffassung
der Beschwerdegegnerin wird eine solche denn auch nicht implizit von
Seiten des Beschwerdeführers verlangt. Vor dem Hintergrund, dass die
Beschwerdegegnerin die beiden Unfallereignisse auch nicht klar trennt
und – wie nachfolgend aufgezeigt wird – ein unzureichendes
medizinisches Abklärungsergebnis vorliegt, besteht keine Veranlassung,
die beiden Unfallereignisse nachträglich strikt auseinanderzuhalten.
3. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht ihre
Leistungen für den Auffahrunfall vom 31. Juli 2018 per 31. Januar 2019
und für den Mountainbikesturz vom 28. Mai 2017 per 19. Februar 2019
eingestellt hat.
4.1. Gemäss Art. 4 ATSG ist ein Unfall die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Nach
Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer in der obligatorischen
Unfallversicherung, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
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Berufskrankheiten zu gewähren. Art. 10 Abs. 1 UVG gewährt der
versicherten Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der
Unfallfolgen (Heilbehandlung). Ist die versicherte Person infolge des
Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig, so hat sie gemäss Art. 16 Abs. 1
UVG Anspruch auf ein Taggeld. Die Pflegeleistungen und
Kostenvergütungen sowie die Taggelder und Hilflosenentschädigungen
werden nicht gekürzt, wenn die Gesundheitsschädigung nur teilweise
Folge eines Unfalls ist (Art. 36 Abs. 1 UVG).
4.2. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein
natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des
natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren
Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als
in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht
werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des
natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die
alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es
genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen
Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des Versicherten
beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele (vgl. BGE 142 V 435 E.1, 129 V 177 E.3.1, 119 V 335 E.1, 118 V
286 E.1b, je mit Hinweisen).
4.3. Hat ein Unfallversicherer die Unfallkausalität bejaht und Leistungen
erbracht, entfällt seine Leistungspflicht erst, wenn der gesundheitliche
Schaden nur noch ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht.
Dies trifft dann zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheitszustand,
wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder
aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später
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eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (vgl. BGE 146 V 51 E.5.1
und 8.5). Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche
Kausalzusammenhang muss das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung
von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein. Da es sich um
eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders
als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer. Dabei muss nicht etwa der Beweis für
unfallfremde Ursachen erbracht werden. Entscheidend ist, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, ob diese also dahingefallen sind. Ebenso
wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu
verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliege oder die
versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.3.2, 8C_840/2019 vom
14. Februar 2020 E.3.2, Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts U 15/04 vom 7. Juli 2004 E.2.2, je mit Hinweisen).
4.4. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings
erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen
Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich
hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. BGE 138 V 218 E.6; Urteil des
Bundesgerichts 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2; je mit Hinweisen).
4.5. Der Versicherungsträger und das im Streitfall angerufene Gericht haben
den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (vgl.
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Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Die Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Bleiben jedoch
erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher
getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit
von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche
Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_281/2018 vom 25. Juni 2018 E.3.2.1, 8C_616/2013 vom 28. Januar
2014 E.2.1, je mit Hinweisen).
4.6. Zur Abklärung medizinischer Sachverhalte sind Sozialversicherungsträger
und Sozialversicherungsrichter auf Unterlagen angewiesen, die ihnen
vorab von Ärzten zur Verfügung zu stellen sind. Das Gericht hat die
medizinischen Unterlagen nach dem für den Sozialversicherungsprozess
gültigen Grundsatz der freien Beweiswürdigung (vgl. Art. 61 lit. c ATSG) –
wie alle anderen Beweismittel – frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies
bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel,
unabhängig, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu
entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf
es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die
Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist demnach entscheidend, ob dieser für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
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(vgl. BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c). Gemäss
Rechtsprechung ist auch ein reines Aktengutachten beweiskräftig, wenn
die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind; der
Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der
Berichterstatter imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen
ein vollständiges Bild zu verschaffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3 mit Hinweisen). Dabei geht es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhalts, mithin rückt die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3,
8C_780/2016 vom 24. März 2017 E.6.1, je mit Hinweisen). Den Berichten
eines Versicherungsmediziners kommt Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit seiner Feststellungen, so sind weitere Abklärungen
notwendig (vgl. BGE 135 V 465 E.4.6 f., 125 V 351 E.3b/ee).
5. Unbestritten sind vorliegend die beiden Unfallereignisse als solche
(Mountainbikesturz vom 28. Mai 2017 und Auffahrunfall vom 31. Juli 2018)
sowie der Umstand, dass ein Kausalzusammenhang bezüglich beider
Ereignisse vorerst bejaht worden war. Ebenfalls unstreitig ist, dass der
Beschwerdeführer bereits vor dem Auffahrunfall vom 31. Juli 2018 unter
Beschwerden litt und er sich bei diesem Unfall keine bildgebenden
Verletzungen zuzog.
6.1.1. Betreffend Unfallereignis vom 28. Mai 2017 (Mountainbikesturz) hat sich
Folgendes ereignet:
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6.1.2. Gemäss Schadenmeldung UVG vom 31. Mai 2017 stürzte der
Beschwerdeführer am 28. Mai 2017 beim Abstieg von der F._ nach
einer Kurve vom Mountainbike, wobei er sich einen
Brustwirbelsäulenbruch sowie eine Prellung an der Lunge (inkl.
Atemwege) und an der linken Schulter zuzog (vgl.
beschwerdegegnerische Akten Falldossier-Nr.: J._ [Bg-act. I] 1).
6.1.3. In ihrem Bericht vom 2. Juni 2017 über die Notfallkonsultation vom 28. Mai
2017 diagnostizierten Assistenzarzt N._ und Oberarzt Dr. med.
O._, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Kantonsspital P._, eine komplette
Berstungsfraktur BWK6. Hinsichtlich der von Assistenzarzt Q._ und
Oberärztin Dr. med. R._, Kantonsspital P._, am 28. Mai 2017
durchgeführten CT-Untersuchung wurde was folgt ausgeführt: "Frische
inkomplette Berstungsfraktur von BWK6. Diskrete Keilwirbelbildung von
BWK7. Deckplattenimpression von BWK4 und BWK8 älteren Datums."
Betreffend Procedere wurde insbesondere festgehalten, dass primär eine
konservative Therapie der inkompletten Berstungsfraktur von BWK6
erfolge (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-act.] 2 sowie Bg-act. I 5 und
11).
6.1.4. Ebenfalls am 2. Juni 2017 berichtete Dr. med. S._, Co-Chefarzt,
Departement Chirurgie Kantonsspital T._, Klinik für Orthopädie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, über die gleichentags erfolgte
Konsultation, wobei er folgende Diagnosen stellte: Kranial inkomplette
Berstungsfraktur Th6, kranialer Keilbruch Th7 (28. Mai 2017); St. n.
Deckplattenimpressionsfrakturen Th4 und Th8 unklaren Datums. In
befundlicher Hinsicht führte er was folgt aus: "Keine Druckdolenz
interspinös im Bereich der BWS." In seiner Beurteilung hielt Dr. med.
S._ unter anderem fest, dass er und der Beschwerdeführer
angesichts der nur diskreten Stellungsveränderung und der minimen
Schmerzmittelbedürftigkeit übereingekommen seien, die konservative
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Behandlung aktuell weiterzuführen [...]. Ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis
sei bis Ende Juni 2017 ausgestellt worden, voraussichtlich werde dieses
dann verlängert werden müssen (vgl. Bf-act. 1 und Bg-act. I 3).
6.1.5. Die Dres. med. U._ und V._, Oberassistenzarzt bzw. Stv.
Chefarzt, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, Kantonsspital P._, stellten in ihrem Bericht
vom 15. Juni 2017 über die am 12. Juni 2017 durchgeführte Untersuchung
folgende Diagnosen: 1. Fahrradsturz vom 28. Mai 2017 mit inkompletter
Berstungsfraktur BWK6, Keilimpressionsfrakturen BWK4, BWK7 und
BWK8; 2. Kontusion Acromioclaviculargelenk rechts. Hinsichtlich der
Röntgenuntersuchung vom 3. Juni 2017 (BWS ap seitlich) führten sie aus,
dass im Vergleich zu den Voraufnahmen ein stationärer Befund ohne
weitere Nachsinterungen vorliege. Unter dem Titel "Procedere" wiesen die
Dres. med. U._ und V._ auf einen regelrechten Verlauf hin. Die
Schulterschmerzen rechts könnten mit grösster Wahrscheinlichkeit auf die
Kontusion des Acromioclaviculargelenks rechts zurückgeführt werden. Sie
empfahlen die Fortführung der Physiotherapie mit Kräftigung der rechten
Schultermuskulatur sowie betreffend Brustwirbelsäule ebenfalls die
Fortführung der konservativen Massnahmen. Dem Beschwerdeführer
wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 16. Juli 2017 attestiert
(vgl. Bf-act. 3 und Bg-act. I 6).
6.1.6. In seinem Bericht vom 27. Juni 2017 über die am Vortag durchgeführte
Untersuchung diagnostizierte Dr. med. W._, Leitender Arzt
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, Klinik X._, unter
anderem posttraumatische Schulterschmerzen rechts unklarer Ätiologie
mit/bei DD: Rotatorenmanschettenintervall-Läsion, St. n. Fahrradsturz am
28. Mai 2017. Er hielt betreffend Beurteilung und Procedere insbesondere
fest, dass er den Beschwerdeführer zur Verfeinerung der Bildgebung zu
einer Arthro-MR-Untersuchung anmelden werde (vgl. Bf-act. 4 und Bg-act.
I 7).
- 17 -
6.1.7. Am 18. Juli 2017 erfolgte in der Radiologie Südost, Diagnose Zentrum
Y._, eine Arthro-MRI-Untersuchung der rechten Schulter durch
Dr. med. Z._, Facharzt Radiologie. In seinem gleichentags verfassten
Bericht wies er auf mässige degenerative Veränderungen am AC-Gelenk
hin und stellte eine mässige AC-Arthrose fest (vgl. Bf-act. 6 und Bg-act. I
9).
6.1.8. Laut Beurteilung von Dr. med. W._ vom 20. Juli 2017 ergab das am
18. Juli 2017 durchgeführte Arthro-MRI der rechten Schulter insbesondere
Folgendes: "Mässige AC-Arthrose. [...] Kleiner labraler Einriss in
superiorer Position an der Labrumbasis in Richtung des
Bicepssehnenankers im Sinne einer SLAP-Läsion. [...]." Er empfahl eine
intraartikuläre Infiltration, welche anlässlich der Untersuchung des
Beschwerdeführers vom 19. Juli 2017 vorgenommen wurde, und weiterhin
eine physiotherapeutische Behandlung (vgl. Bf-act. 5 und 6 sowie Bg-act.
I 8 und 9).
6.1.9. In seiner Aktenbeurteilung vom 25. Juli 2017 hielt der
beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med. K._ fest, dass der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 28. Mai
2017 und den aktuellen Beschwerden an der rechten Schulter
möglicherweise entfallen sei. Gemäss den medizinischen Unterlagen
seien degenerative vorbestehende Veränderungen an der rechten
Schulter vorhanden, nämlich eine mässige AC-Arthrose sowie eine
Unterflächenläsion der Supraspinatussehne. Ein Status quo sine/ante
liege noch nicht vor. Aufgrund der den Akten zu entnehmenden aktuellen
Beschwerden sei die bis Ende August 2017 attestierte Arbeitsunfähigkeit
ausgewiesen (vgl. Bg-act. I 10).
6.1.10. Die Dres. med. U._ und V._ führten in ihrem Bericht vom 28. Juli
2017 über die am Vortag erfolgte Untersuchung unter dem Titel
"Procedere" insbesondere aus, dass sich ein regelrechter Verlauf zeige.
- 18 -
Nach drei Monaten werde der Beschwerdeführer wieder voll belastbar
sein. Weitere Nachkontrollen seien zurzeit nicht notwendig. Die
Arbeitsunfähigkeit werde noch bis zum 6. August 2017 verlängert (vgl. Bg-
act. I 12).
6.1.11. Am 31. August 2017 fand in der Radiologie Südost, Diagnose Zentrum
Y._, Chur, eine CT-Untersuchung der Brustwirbelsäule durch
Dr. med. AA._, Radiologie FMH, statt. Er hielt fest, dass gegenüber
der Voruntersuchung mit konventionellem Röntgen keine wesentliche
Formveränderung vorliege (vgl. Bg-act. I 20).
6.1.12. Am 6. September 2017 berichtete Dr. med. W._ über die gleichentags
erfolgte Untersuchung dahingehend, dass sich nach einmaliger
intraartikulärer Infiltration ein weitgehend beschwerdefreier Patient zeige.
Dies sei weitgehend beweisend für eine Tendinopathie der Biceps longus-
Sehne bzw. für eine SLAP-Läsion. Bei Asymptomatik sei hier keine
spezifische Therapie indiziert. Er empfahl weiterhin die Mobilisation nach
Massgabe der Beschwerdefreiheit (vgl. Bg-act. I 18).
6.1.13. In der Folge konnte der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit wieder
auf 100 % steigern. Im Februar 2018 erlitt er einen Mediainfarkt. Ende Mai
2018 wurde er am Herzen operiert (vgl. Bg-act. I 31, 41, 46 und 47).
6.1.14. Am 12. August 2019 verfügte die Beschwerdegegnerin, dass der Fall
rückwirkend per 19. Februar 2019 abgeschlossen werde und die
Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilungskosten) eingestellt
würden. Auf eine Rückforderung der bereits erbrachten Leistungen wurde
verzichtet (vgl. Bf-act. 13 und Bg-act. I 48). Hiergegen erhob der
Beschwerdeführer am 4. September 2019 Einsprache (vgl. Bf-act. 15 und
Bg-act. I 50). Mit Einspracheentscheid vom 18. November 2019 wies die
Beschwerdegegnerin die Einsprache ab und bestätigte ihre Verfügung
vom 12. August 2019 (vgl. Bf-act. 16).
- 19 -
6.2.1. Betreffend Unfallereignis vom 31. Juli 2018 (Auffahrunfall) hat sich
Folgendes ereignet:
6.2.2. Gemäss Schadenmeldung UVG vom 30. August 2018 war der
Beschwerdeführer am Abend des 31. Juli 2018 auf der Kantonsstrasse
G._, Oberhalb H._, in eine Auffahrkollision involviert, wobei er
sich eine Stauchung der Brust-, Hals- und Lendenwirbelsäule zuzog (vgl.
beschwerdegegnerische Akten Falldossier-Nr.: I._ [Bg-act. II] 1; siehe
auch Bg-act. I 30).
6.2.3. Am 8. August 2018 erfolgte eine Erstuntersuchung durch den Hausarzt
Dr. med. L._, Allg. Medizin FMH/Sportmedizin, Chur, wobei der
Beschwerdeführer angab, rund zwölf Stunden nach dem Auffahrunfall
unter Kopf- und Nackenschmerzen gelitten zu haben. Auf einer Skala von
0 bis 10 bewertete er die Schmerzintensität mit einer 5. Dr. med. L._
stellte die Verdachtsdiagnose eines kraniozervikalen
Beschleunigungstraumas zweiten Grades und wies auf multiple
degenerative Veränderungen an der Halswirbelsäule hin (vgl. Bg-act. I 21
und Bg-act. II 6).
6.2.4. Am 15. August 2018 wurde im Kantonsspital T._ eine MRI-
Untersuchung der Hals- und Brustwirbelsäule durchgeführt. Dr. med.
AB._, Leitender Arzt Radiologie, hielt in der Beurteilung seines
gleichentags verfassten Berichts fest, dass eine stationäre Abbildung der
älteren Sinterungen von BWK4, BWK6, BWK7 und BWK8 vorliege, wobei
BWK6 am ausgeprägtesten sei. Es bestehe kein Hinweis auf eine akute
ossäre Läsion. Zudem seien keine über altersgemässen degenerativen
Veränderungen nachweisbar (vgl. Bg-act. I 27 und Bg-act. II 10).
6.2.5. In seinem Zwischenbericht vom 7. September 2018 zuhanden der AXA
Winterthur (nachfolgend: AXA, Haftpflichtversicherung des
Unfallverursachers) führte der Hausarzt Dr. med. L._ aus, es zeige
- 20 -
sich ein deutlich protrahierter Heilungsverlauf mit deutlicher
Einschränkung der Leistungsfähigkeit aufgrund von Schmerzen sowie der
Einschränkung der Beweglichkeit sowohl im Schulter- als auch im
Rückenbereich. Klinisch finde sich eine Schmerzangabe beim Heben der
Arme ab 80°, über 90° werde nicht bewegt, da dann ein Ziehen im
gesamten Rückenbereich auftrete. Es lägen verklebte Faszienstrukturen
im gesamten oberen Rückenbereich vor, welche bis in die Lende reichten.
Die Sensibilität und die Reflexe seien peripher intakt. Die Beweglichkeit
des Rückens sowie der Halswirbelsäule sei schmerzbedingt deutlich
eingeschränkt. Es bestünden zervikoverte-brale und thorakovertebrale
Beschwerden aufgrund eines Autoauffahrunfalls. Zudem liege ein
vorbestehender Status nach mehreren Brustwirbelkörper-Frakturen vor
Jahresfrist vor. Dr. med. L._ attestierte dem Beschwerdeführer eine
ab 1. August 2018 andauernde Arbeitsunfähigkeit von 100 % (vgl. Bf-act.
8, Bg-act. I 22 und Bg-act. II 9).
6.2.6. Am 5. Oktober 2018 berichtete der Hausarzt Dr. med. L._ der
Beschwerdegegnerin, es zeige sich unter Physiotherapie und
medikamentöser Behandlung eine deutliche Besserung der Beschwerden.
Der Beschwerdeführer könne nun einigermassen schmerzfrei schlafen.
Alle Bewegungen im Bereich des Oberkörpers und der Arme würden noch
zu Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule führen. Seitens der
Halswirbelsäule zeige sich ebenfalls eine deutliche Besserung mit noch
eingeschränkter Funktion/Beweglichkeit. Auf einer Skala von 0 bis 10 liege
die Schmerzintensität gemäss Beschwerdeführer aktuell etwa bei einer 5.
Es lägen noch deutliche Myogelosen im gesamten Rückenbereich und
insbesondere zwischen den Schulterblättern vor. Die vorbestehende
Problematik mit Brustwirbelkörper-Frakturen sei nach erneutem Trauma
wieder aufgebrochen. Ab dem 1. Oktober 2018 werde ein Arbeitsversuch
unternommen, indem der Beschwerdeführer seine administrative Tätigkeit
wieder aufnehme. Die Behandlung werde mit Physiotherapie sowie
- 21 -
Antiphlogistika lokal und peroral fortgesetzt (vgl. Bf-act. 9, Bg-act. I 26 und
Bg-act. II 16).
6.2.7. Gemäss unfallanalytischem Gutachten vom 9. Oktober 2018 lag die
kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung des
beschwerdeführerischen Fahrzeugs beim Unfall zwischen 12.6 und 15.4
km/h (Mittelwert 14 km/h) (vgl. Bg-act. I 25 S. 1 und Bg-act. II 21 S. 1).
6.2.8. In seinem ärztlichen Zeugnis vom 26. Oktober 2018 zuhanden der AXA
hielt der Hausarzt Dr. med. L._ fest, dass sich unter konservativer
Behandlung mittels Physiotherapie sowie auch unter
alternativmedizinischer Behandlung mittels Akupunktur eine deutliche
Besserung der Situation mit Reduktion der Beschwerden im Schulter-
Nacken- sowie im gesamten Rückenbereich zeige. Der Beschwerdeführer
könne nun gut schlafen. Bis auf Intervallbehandlungen würden keine
Schmerzmedikamente mehr eingenommen. Beim Versuch stärkerer
körperlicher Belastung zeige sich aber noch eine deutliche
Belastungsintoleranz und es würden dann erneut stärkere Verspannungen
im Rückenbereich auftreten. Dr. med. L._ stellte folgende Diagnosen:
St. n. Autoauffahrunfall mit Beschleunigungstrauma QTF Klassifikation
Grad 2; vorbestehend Wirbelsäulentrauma 2017 mit BWK-Frakturen im
mittleren Abschnitt. Schliesslich führte er aus, dass die Behandlung sowie
die Arbeitsunfähigkeit weiter andauern würden (vgl. Bf-act. 10, Bg-act. I 28
und Bg-act. II 23).
6.2.9. Dr. med. M._, Facharzt Neurologie FMH, hielt in seinem Gutachten
vom 14. Januar 2019 zuhanden der AXA fest, dass beim Unfall keine
strukturellen Verletzungen aufgetreten seien. Es sei durchaus vorstellbar,
dass der Unfall zu einer Schmerzzunahme geführt habe, jedoch nur vor-
übergehend. Nach kurzer Zeit sei der Status quo sine wieder erreicht
gewesen. Es sei unter Verweis auf die Richtlinien der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie von einem Kausalzusammenhang während
- 22 -
maximal sechs Monaten auszugehen. Weiterhin persistierende
Beschwerden seien bis zum Beweis des Gegenteils als unfallfremd zu
erachten. Ob die vom Hausarzt Dr. med. L._ erhobenen Befunde mit
der Bildgebung vereinbar seien, sei unklar, eher aber nicht. Die
Bildgebung und die Schmerzen würden schlecht korrelieren, so dass
hierzu keine konklusive Aussage gemacht werden könne. Es sei
überwiegend wahrscheinlich, dass der Mediainfarkt, welcher sich im
Februar 2018 ereignet habe, und auch die vorbestehenden
Brustwirbelsäulen-Frakturen vom Mai 2017 heute allein für die
Symptomatik verantwortlich seien. Die Frist von sechs Monaten nach dem
Halswirbelsäulen-Distorsionstrauma ohne ossäre Läsionen sei am 31.
Januar 2019 erreicht. Eine weitere Symptomatik sei dann als
krankheitsbedingt anzusehen (vgl. Bg-act. I 36 und Bg-act. II 32).
6.2.10. Im Rahmen seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 15.
Januar 2019 kam der beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med.
K._ zum Schluss, dass der Status quo ante spätestens drei Monate
nach dem Unfallereignis vom 31. Juli 2018 erreicht gewesen sei. Das
besagte Ereignis habe während maximal drei Monaten zu einer
vorübergehenden Verschlechterung des Gesundheitszustands geführt.
Betreffend Brustwirbelsäulen-Beschwerden dürften die aktuellen
Beschwerden auf das Unfallereignis vom 28. Mai 2017 zurückzuführen
sein (vgl. Bg-act. I 31 S. 3 und Bg-act. II 33 S. 3).
6.2.11. Mit formlosem Schreiben vom 24. Januar 2019 teilte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer mit, dass ab dem 1.
November 2018 sämtliche Leistungen wieder über das Unfallereignis vom
28. Mai 2017 (Falldossier-Nr.: J._) abgerechnet würden (vgl. Bg-act.
I 32 und Bg-act. II 34).
- 23 -
6.2.12. Im Rahmen des Telefongesprächs vom 7. Februar 2019 kamen der Case
Manager der Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführer überein, die
Case Management-Begleitung einzustellen (vgl. Bg-act. II 35).
6.2.13. In seinem ärztlichen Zeugnis vom 22. Februar 2019 diagnostizierte der
Hausarzt Dr. med. L._ ein zervikovertebrales und thorakovertebrales
Syndrom, wobei er ausführte, dass Ersteres eindeutig durch den Unfall
ausgelöst worden sei und vorher noch nie eine Behandlung stattgefunden
habe und Letzteres einer Retraumatisierung nach Brustwirbelkörper-
Frakturen entspreche (vgl. Bg-act. I 35).
6.2.14. Am 21. März 2019 verfügte die Beschwerdegegnerin die
Leistungseinstellung für den Auffahrunfall vom 31. Juli 2018 per 31.
Oktober 2018 und die Abwicklung sämtlicher Leistungen ab dem 1.
November 2018 über das Unfallereignis vom 28. Mai 2017
(Mountainbikesturz) (vgl. Bf-act. 7 und Bg-act. II 38). Hiergegen erhob der
Beschwerdeführer am 28. März 2019 unter Einreichung des Berichts
seines Hausarztes Dr. med. L._ vom 26. März 2019 Einsprache (vgl.
Bf-act. 11 und Bg-act. II 39).
6.2.15. Der Hausarzt Dr. med. L._ hielt in seinem ärztlichen Zeugnis vom 26.
März 2019 zuhanden des beschwerdeführerischen Rechtsvertreters fest,
dass der Beschwerdeführer bei dem durch Fremdeinwirkung verursachten
Unfall vom 31. Juli 2018 wiederum eine starke Kontusion des Rückens
und eine Beschleunigung der Halswirbelsäule erlitten habe. Seine
Erfahrungen bei ähnlichen Traumatas zeigten, dass praktisch nie vier
Monate postoperativ ein Vorzustand erreicht werde. Die Patienten zeigten
oft monatelange Verläufe bis zu einem Jahr, welche Physiotherapien und
medikamentöse Behandlungen notwendig machten. Dabei gelte es zu
bedenken, dass der Beschwerdeführer nicht nur administrativ arbeite,
sondern Lasten von zum Teil über 30 kg heben und bewegen müsse und
er genau hier noch Probleme habe. Es sei klar, dass sich der Vorzustand
- 24 -
mit mehreren Frakturen im Bereich der Brustwirbelsäule negativ auf die
aktuelle Heilung auswirke. Der Beschwerdeführer sei aber vor dem
aktuellen Unfallereignis voll arbeitsfähig und auch nicht in ärztlicher oder
physiotherapeutischer Behandlung gewesen. Die im aktuellen MRI
fehlenden neuen Verletzungen im Bereich der Hals- und Brustwirbelsäule
bedeuteten medizinisch nicht, dass der Beschwerdeführer keine aktuellen
Beschwerden mehr habe. Zusammenfassend sei er anderer Meinung als
der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin und zumindest könnte ein
neutrales Gutachten Auskunft darüber geben, ob die orthopädischen
Spezialisten ebenfalls eine andere Meinung vertreten würden (vgl. Bf-act.
17).
6.2.16. Am 17. Mai 2019 berichtete der Hausarzt Dr. med. L._ über den
Verlauf dahingehend, dass eine deutliche Besserung der Symptomatik
eingetreten sei. Der Beschwerdeführer leide aber noch an Verspannungen
und leichten Schmerzen nach dem Arbeitstag. Beim Bücken und Heben
einer Last vor dem Körper bestünden ebenfalls weiterhin schmerzbedingte
Einschränkungen. Er stellte folgende Diagnosen: Zervikovertebrales und
insbesondere noch thorakovertebrales Schmerzsyndrom und Defizit für
Rumpfstabilisation bei St. n. Retraumatisierung nach BWK-Frakturen.
Bezüglich des gegenwärtigen Zustands hielt Dr. med. L._ fest, dass
der Beschwerdeführer nun ganztägig als Geschäftsführer arbeite, wobei
aber aufgrund schmerzbedingter Einschränkungen eine Reduktion der
Arbeitsfähigkeit von ca. 30 % resultiere (vgl. Bg-act. I 45).
6.2.17. Im Rahmen seiner medizinischen Beurteilung vom 3. Juni 2019 führte der
beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med. K._ aus, dass der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 28. Mai
2017 und den Beschwerden mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
entfallen sei. Die geklagten Beschwerden seien myofaszialer Natur und
damit nicht auf die fixierten Wirbelsäulenveränderungen im
- 25 -
Zusammenhang mit dem Mountainbikesturz zurückzuführen (vgl. Bg-act.
I 46).
6.2.18. In seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 18. Juni 2019 wies
der beschwerdegegnerische Vertrauensarzt Dr. med. K._ auf die
zwei Wirbelkörper Th6 und Th7, die am 28. Mai 2017 eine frische Läsion
erlitten hätten, aber auch auf die Deckplattenimpressionsfrakturen Th4
und Th8 unklaren älteren Datums, die nicht auf den Unfall vom 28. Mai
2017 zurückzuführen seien, hin. Er führte aus, dass schon damals eine
Vorschädigung der Wirbelsäule bestanden habe. Die heutigen Probleme
seien grundsätzlich myofaszialer Natur und könnten solitär nicht auf die im
Mai 2017 zugezogenen, fokussierten Verletzungen auf Höhe Th6 und Th7
zurückgeführt werden. Die natürliche Kausalität zwischen dem
Unfallereignis vom Mai 2017 und den heutigen Wirbelsäulen-Problemen
sei seit mindestens vier Monaten entfallen (vgl. Bf-act. 14 und Bg-act. I
47).
6.2.19. Mit Einspracheentscheid vom 18. November 2019 hiess die
Beschwerdegegnerin die Einsprache vom 28. März 2019 teilweise gut und
stellte die Leistungen aus der Unfallversicherung im Zusammenhang mit
dem Ereignis vom 31. Juli 2018 (Auffahrunfall) per 31. Januar 2019 ein
(vgl. Bf-act. 12).
7. Vorliegend haben sich insbesondere drei Ärzte mit der Angelegenheit
befasst, nämlich die Dres. med. L._ (Hausarzt des
Beschwerdeführers), M._ (beratender Arzt der AXA
[Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers]) und K._
(Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin). Keiner dieser Ärzte ist
Orthopäde/Traumatologe. Der Hausarzt Dr. med. L._ ist Allg.
Mediziner FMH/Sportmediziner (vgl. vorstehend Erwägung 6.2.3). Die
Sportmedizin (SGSM) umfasst die Prävention, Diagnose und Behandlung
von Affektionen, welche durch sportliche Betätigung ausgelöst oder
- 26 -
verschlimmert werden können, die Betreuung Sporttreibender sowie den
Einsatz gezielter körperlicher Aktivität zum Erhalt oder zur
Wiedererlangung der Gesundheit. Für den Erwerb des
Fähigkeitsausweises Sportmedizin müssen folgende Voraussetzungen
erfüllt sein: 1. Eidgenössischer oder anerkannter ausländischer
Facharzttitel, 2. Mitgliedschaft bei der FMH, 3. Absolvierte Weiterbildung.
Der Kandidat/die Kandidatin hat die sportmedizinische Weiterbildung mit
den Grundkursen A-E zu absolvieren, wobei zum Grundkurs B die
Grundlagen des Beweglichkeits- und Krafttrainings, die Traumatologie
sowie die klinische Untersuchung und Rehabilitation des
Bewegungsapparates gehören. Zudem hat er/sie sich nach Massgabe der
Weiterbildungskommission an sportmedizinischen
Fortbildungsveranstaltungen (Spezialkurse und Jahreskongress
Sportmedizin) zu beteiligen sowie die Schlussevaluation zu bestehen.
Zusätzlich ist eine sechsmonatige praktische Tätigkeit an einer
anerkannten sportmedizinischen Weiterbildungsstätte oder eine
dreijährige Tätigkeit als Verbandsarzt/ärztin nachzuweisen. Der
Fähigkeitsausweis hat eine Gültigkeit von fünf Jahren und wird bei
Absolvierung von Fortbildungen laufend erneuert (vgl. https://siwf.ch/
files/pdf6/sportmedizin_1999_d.pdf, zuletzt besucht am 13. April 2021).
Dr. med. M._ ist Neurologe FMH (vgl. vorstehend Erwägung 6.2.9)
und vom beschwerdegegnerischen Vertrauensarzt Dr. med. K._ ist
kein Facharzttitel bekannt. Der Neurologe Dr. med. M._ hält in
seinem zuhanden der AXA erstellten Gutachten vom 14. Januar 2019 fest,
dass beim Unfall – gemeint ist der Auffahrunfall vom 31. Juli 2018, denn
dazu hatte er sich als beratender Arzt der AXA zu äussern – keine
strukturellen Verletzungen aufgetreten seien und es durchaus vorstellbar
sei, dass der Unfall zu einer Schmerzzunahme geführt habe, jedoch nur
vorübergehend, denn nach kurzer Zeit sei der Status quo sine wieder
erreicht gewesen. Dabei verweist er auf die Richtlinien der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie, welche maximal sechs Monate als
https://siwf.ch/
- 27 -
unfallkausal rechnen würden, wobei er nicht ausführt, auf welche der
zahlreichen Richtlinien er konkret Bezug nimmt, und seine Feststellungen
auch nicht näher begründet (vgl. z.B. die Leitlinie der Deutschen
Gesellschaft für Neurologie betreffend Beschleunigungstrauma der
Halswirbelsäule: https://dgn.org/leitlinien/ll-030-095-
beschleunigungstrauma-der-halswirbe lsaeule-2020/, zuletzt besucht am
13. April 2021). Zwar stellt Dr. med. M._ fest, dass die vom Hausarzt
Dr. med. L._ erhobenen Befunde mit der Bildgebung eher nicht
vereinbar seien und die Bildgebung und die Schmerzen schlecht
korrelieren würden, so dass keine konklusive Aussage gemacht werden
könne. Dennoch nimmt er eine reine Aktenbeurteilung vor, zumal er den
Beschwerdeführer unbestrittenermassen nie persönlich untersucht hat.
Zudem ist der Formulierung seiner Beurteilung zu entnehmen, dass er
allein die Kausalität der Beschwerden nach dem Halswirbelsäulen-
Distorsionstrauma ohne ossäre Läsionen – d.h. nach dem Auffahrunfall im
Juli 2018 – als nach sechs Monaten weggefallen beurteilt, jedoch keine
Aussage zur Kausalität der Beschwerden aufgrund der Brustwirbelsäulen-
Frakturen vom Mai 2017 und des Mediainfarkts vom Februar 2018 macht
(vgl. Bg-act. I 36 S. 3 f. und Bg-act. II 32 S. 3 f.). Vor diesem Hintergrund
ist auf die reine Aktenbeurteilung von Dr. med. M._ nicht abzustellen,
zumal ihm die notwendige orthopädische, traumatologische Fachlichkeit
fehlt und er – ohne persönliche Untersuchung des Beschwerdeführers –
allein mit dem nicht weiter begründeten und vertieften Hinweis auf die
Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie den Wegfall der
Kausalität nicht schlüssig und nachvollziehbar begründet. Ebensowenig
kann auf die reinen Aktenbeurteilungen des beschwerdegegnerischen
Vertrauensarztes Dr. med. K._ abgestellt werden. Aufgrund der
ebenfalls fehlenden Fachlichkeit vermag seine versicherungsmedizinische
Einschätzung vom 18. Juni 2019, wonach die noch vorhandenen
Beschwerden "grundsätzlich" myofaszialer Natur seien und "solitär" nicht
auf die im Mai 2017 zugezogenen, fokussierten Verletzungen auf Höhe
https://dgn.org/leitlinien/ll-030-095-beschleunigungstrauma-der-halswirbe https://dgn.org/leitlinien/ll-030-095-beschleunigungstrauma-der-halswirbe
- 28 -
Th6 und Th7 zurückgeführt werden könnten (vgl. vorstehend Erwägung
6.2.18), in Bezug auf den Wegfall einer (Teil-)Kausalität nicht zu
überzeugen. Dass die geklagten Beschwerden myofaszialer Natur sein
sollen, ist mit der Einschätzung von Dr. med. K._ nicht fachärztlich
belegt, sondern stützt sich auf den Zwischenbericht des Hausarztes Dr.
med. L._ vom 7. September 2018, in welchem dieser festhält, dass
im gesamten oberen Rückenbereich verklebte Faszienstrukturen
vorlägen, welche bis in die Lende reichten (vgl. vorstehend Erwägung
6.2.5). Ebenfalls bleibt die Relevanz der älteren, vorbestehenden
Deckplattenimpressionsfrakturen an Th4 und Th8 fachärztlich
unbeleuchtet und auch die rückwirkende Einschätzung des
beschwerdegegnerischen Vertrauensarztes Dr. med. K._, wonach
die natürliche Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom Mai 2017 und
den heutigen Wirbelsäulen-Problemen seit mindestens vier Monaten
entfallen sei (vgl. vorstehend Erwägung 6.2.18), entbehrt einer
Begründung. Angesichts der speziellen Konstellation mit zwei
Unfallereignissen, die Beschwerden an der Brust- und Halswirbelsäule
auslösten, sowie der Diagnosen und Befunde des Hausarztes Dr. med.
L._, der als Sportmediziner orthopädische/traumatologische
Sachverhalte einzuschätzen vermag – nach Auffassung des angerufenen
Gerichts stellt seine Formulierung "postoperativ" im Arztzeugnis vom 26.
März 2019 (vgl. vorstehend Erwägung 6.2.15) eine Unachtsamkeit bzw.
einen Verschrieb dar, die bzw. der seine ansonsten stringente
Diagnosestellung und Befundung seit August 2018 (zervikovertebrale und
thorakovertebrale Beschwerden) nicht in Frage stellt (vgl. Bg-act. I 21, 22,
26, 28, 35 und 45) –, begründen seine Vorbringen zumindest geringe
Zweifel an der Schlüssigkeit und Zuverlässigkeit der
versicherungsmedizinischen reinen Aktenbeurteilung von Dr. med.
K._. Der allgemeine Einwand der Beschwerdegegnerin, wonach
Brustwirbelkörper-Frakturen in der Regel ohne grosse Komplikationen
verheilen würden, vermag angesichts der bisherigen Aktenlage und
- 29 -
Bildgebung nicht zu überzeugen. Mit Blick auf die bisherige Basis (Akten,
Bildgebung) ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
die unfallbedingten Ursachen der geklagten Beschwerden ihre kausale
Bedeutung verloren haben, d.h. ob diese dahingefallen sind. Es bedarf
daher weiterer medizinischer Abklärungen mittels orthopädisch-
traumatologischem und neurologischem Gutachten und eventuell weiterer
Disziplinen. Das einzuholende Gutachten wird sich über den
Gesundheitszustand, die Behandlungsbedürftigkeit und die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers jeweils bezogen auf die beiden
Unfallereignisse vom Mai 2017 bzw. Juli 2018 zu äussern haben.
8. Nach dem Gesagten sind die beiden Einspracheentscheide vom 18.
November 2019 (Falldossier-Nrn.: J._ und I._) in Gutheissung
der dagegen erhobenen Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit
ist zur externen Gutachtenseinholung im Sinne der Erwägungen und zu
neuem Entscheid über auszurichtende Leistungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
9. Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 83 ATSG).
Die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zu weiterer Abklärung und
neuem Entscheid gilt praxisgemäss als volles Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei (vgl. BGE 137 V 210 E.7.1, Urteile des
Bundesgerichts 8C_669/2019 vom 25. März 2020 E.7, 8C_604/2013 vom
28. Januar 2014 E.6). Bei diesem Verfahrensausgang hat der obsiegende
Beschwerdeführer daher Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61
lit. g ATSG). Die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eingereichte
Honorarnote samt Honorarvereinbarung weist einen Betrag von total CHF
4'043.45 (bestehend aus einem Honorar von CHF 3'645.-- [14.58 Std. à
CHF 250.--] zuzüglich Barauslagen von 3 % [CHF 109.35] und 7.7 %
Mehrwertsteuer [CHF 289.10]) aus, was nicht zu beanstanden ist. Folglich
hat die unterliegende Beschwerdegegnerin den obsiegenden
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Beschwerdeführer aussergerichtlich mit CHF 4'043.45 (inkl. Barauslagen
und MWST) zu entschädigen.