Decision ID: 0d7ae635-9584-599c-879a-8b10a09c3628
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der Firma B._ als Mitarbeiter
Sicherheitsdienst angestellt und dadurch bei der AXA Winterthur Versicherungen AG
(nachfolgend: AXA) unfallversichert, als er am 2. Juni 2016 an einem
Ordnungsdiensttraining teilnahm. Mit Bagatellunfallmeldung UVG vom 29. September
2016 liess er der AXA melden, dass er sich aufgrund persistierender Schmerzen nach
einer Schulterverletzung im Training nun in ärztliche Behandlung begeben habe (act. G
5.1-A1). In einer Arthro-MRT-Untersuchung der Schulter links vom 10. Oktober 2016
zeigte sich gemäss dem untersuchenden Radiologen ein auf mindestens 5 mm mässig
bis mittelgradig eingeengter Subakromialraum, ein leichter Reizzustand der Bursa
subdeltoidea und subakromiale, eine mässige Ansatztendinose der
Supraspinatussehne sowie eine leichte Ansatztendinose der Subscapularissehne. Die
übrigen Arthro-MRT-Befunde des linken Schultergelenkes bezeichnete der Radiologe
A.a.
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als normal (act. G 5.2-M1). In einem Bericht vom 14. Oktober 2016 hielt der
erstbehandelnde Arzt (vgl. act. G 5.1-A2) med. pract. C._ fest, dass der Versicherte
einen Unfall bei einer Übung zur Fixation geltend gemacht habe. Dabei sei ein Kollege
unsanft gewesen, wobei es beim Versicherten im ventralen Schulter- und Brustbereich
zu Schmerzen gekommen sei. Seitdem bestünden persistierende Schmerzen. Der
Versicherte könne beispielsweise bestimmte Hantelübungen und Liegestützen nicht
mehr machen und auch im Schlaf schmerze es ihn manchmal. Als Diagnose nannte
med. pract. C._ eine Distorsion der linken Schulter mit einer konsekutiven Bursitis
subacromialis und subdeltoidea. Weiter hielt er fest, dass der Versicherte nach einer
Serie Physiotherapie wahrscheinlich zu Hause alleine weiter trainieren werde. Sofern
keine weiteren Beschwerden zu einer erneuten Konsultation führten, gehe er von einem
Behandlungsabschluss nach Beendigung der Physiotherapie aus (act. G 5.2-M2). Am
16. Oktober 2016 machte der Versicherte in einem Fragebogen der AXA nähere
Angaben zum Hergang des Ereignisses vom 2. Juni 2016, wobei er unter anderem
erwähnte, dass es sich nach der Fixation durch den Trainingskollegen für ihn wie eine
leichte Überdehnung im Schulter-, Bizeps- und Brustbereich angefühlt habe. Ausser
einem Ziehen sei nach einem ersten Schmerz fast kein weiterer zu spüren gewesen,
weshalb er das Training ganz normal fortgesetzt habe. Die Schulter habe dabei leicht
geschmerzt und es habe ihn bei grösserer Bewegung etwas gezwickt. Ausserdem sei
sein Bizeps leicht angeschwollen gewesen, wobei er sich nach und nach kraftlos und
nach innen wie lose angefühlt habe (act. G 5.1-A2). Die AXA kam in der Folge für die
Kosten der Heilbehandlung in der Form der Physiotherapie auf (vgl. act. G 5.1-A3 und
A4). In einem Telefonat vom 28. Februar 2017 teilte der Versicherte der AXA mit, dass
er demnächst die dritte Serie Physiotherapie beginnen werde, da die Schulter noch
immer nicht in Ordnung sei (act. G 5.1-A3). Am 2. März 2017 gab eine Mitarbeiterin der
Praxis H._ die Auskunft, dass der Versicherte zuletzt am 15. Dezember 2016 bei
ihnen in Behandlung gewesen sei und damals nochmals eine Serie Physiotherapie
verschrieben worden sei (act. G 5.1-A4).
Am 25. Mai 2018 begab sich der Versicherte aufgrund belastungsabhängiger,
teilweise inzwischen auch in Ruhe auftretender Beschwerden zu Dr. med. D._,
Spezialarzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, in Behandlung. Als
Befunde erhob dieser seitengleiche Schulterkonturen bei einer sichtbaren
A.b.
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Umfangminderung des Bizeps, ein seitengleiches Bewegungsausmass mit leichter
rechtsseitiger Blockade bei der endgradigen Flexion ohne Schmerzangabe, eine
seitengleich kräftige Rotatorenmanschette, einen linkseitig positiven Bizepstest sowie
ein indolentes AC-Gelenk. Die MRT-Bilder vom 10. Oktober 2016 interpretierte er
dahingehend, dass diese bereits ein sublabrales Foramen, differentialdiagnostisch eine
Bizepsanker-Läsion (SLAP-Läsion) gezeigt hätten. Aufgrund der klinischen
Untersuchung äusserte er den Verdacht auf eine SLAP-Läsion und empfahl zur
Verifizierung die Durchführung einer erneuten MRT-Untersuchung (act. G 5.2-M12). Im
MRT-Untersuchungsbericht vom 31. Mai 2018 nannte der untersuchende Radiologe in
seiner Beurteilung eine partielle Ruptur der gelenkseitigen vorderen Fasern der
Supraspinatussehne (DD: posttraumatisch?) mit Ausbildung einer Lücke, den Nachweis
einer Läsion des superioren Labrums sowie Hinweise auf eine intraartikuläre Tendinose
der langen Bizepssehne (act. G 5.2-M11). In einer Sprechstunde vom 14. Juni 2018
stellte Dr. D._ die Diagnose einer posttraumatischen SLAP-Läsion mit Impingement
und sekundärer Läsion der Supraspinatussehne links. Weiter hielt er fest, dass der
Versicherte seit dem Trauma niemals beschwerdefrei gewesen sei und bei hoher
körperlicher Belastung im Beruf regelmässig intensiv trainiert habe, um die
Beschwerden zu mindern. Leider sei der Verlauf frustran gewesen. Bildgebend zeigten
sich progrediente Veränderungen nach einer anzunehmenden, traumatischen SLAP-
Läsion, nun zusätzlich eine Läsion der Supraspinatussehne, wobei sämtliche
Schädigungen einer operativen Intervention bedürften. Da im Beruf ein erhöhtes
Rupturrisiko bestehe, sei der Eingriff möglichst rasch durchzuführen. Ab dem 14. Juni
2018 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (act. G 5.2-M9 und M12). Am 19. Juni
2018 liess der Versicherte durch seine Arbeitgeberin auf das Ereignis vom 2. Juni 2016
zurückgehende Risse in der Schulter und am Oberarm links und eine ab dem 14. Juni
2018 bestehende Arbeitsunfähigkeit melden (act. G 5.1-A6). Gleichentags stellte die
Klinik I._ ein Kostengutsprachegesuch für eine Schulterarthroskopie,
Bizepstenodese, Rotatorenmanschettenrekonstruktion sowie Acromioplastik links
(act. G 5.2-M3). In einem Arztzeugnis UVG vom 26. Juni 2018 hielt med. pract. C._
fest, dass der Versicherte sich am 16. Juni 2018 bei ihm vorgestellt habe. Med. pract.
C._ hatte im Wesentlichen dieselben Befunde und Diagnosen wie Dr. D._ genannt.
Weiter bestätigte er, dass ausschliesslich Unfallfolgen vorlägen, der Versicherte seit
dem 14. Juni 2018 zu 100 % arbeitsunfähig sei und auf den 26. Juni 2018 eine
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Operation geplant sei (act. G 5.2-M5). Am 26. Juni 2018 führte Dr. D._ bei der
Diagnose eines schweren, posttraumatischen Impingements mit veralteter SLAP-
Läsion und subtotaler Bizepsruptur sowie Ruptur der Supraspinatussehne linke
Schulter eine Schulterarthroskopie mit intraartikulärem Débridement, eine subakromiale
Bursektomie mit Acromioplastik und eine mini-open Rekonstruktion des Supraspinatus
mit Bizepstenodese links durch (act. G 5.2-M8). In einem Bericht zu Händen der AXA
vom 28. Juni 2018 hielt Dr. D._ fest, dass es durch die lange andauernde Instabilität
mit grosser Wahrscheinlichkeit sekundär zu der in der letzten MRT dargestellten Läsion
der Supraspinatussehne gekommen sei. Die SLAP-Läsion sei aufgrund der ebenfalls
progredienten Schädigung der Bizepssehne nicht mehr rekonstruierbar gewesen
(act. G 5.2-M6). In einer Aktenbeurteilung vom 2. August 2018 kam Dr. med. E._,
Spezialarzt für Allgemein- und Unfallchirurgie, beratender Arzt der AXA, zum Schluss,
dass der als stark eingeengte Subakromialraum und die als Tendinose beschriebenen
Befunde der langen Bizepssehne und am Supraspinatusansatz mit weit überwiegender
bis an mit Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht als Unfallfolgen, sondern als
chronische Irritationsfolge und als erhebliches unfallfremdes subakromiales
Impingement zu interpretieren seien. Da von einem distorsiellen Ereignis ohne
bildgebend und operativ ereigniskausalem morphologisch fassbarem Korrelat
auszugehen sei, sei das Erreichen des Status quo ante nach vier bis sechs Wochen
anzunehmen (act. G 5.2-M14). In einem Schreiben vom 16. Juli 2018 teilte die AXA
dem Versicherten mit, der interne medizinische Dienst sei zum Schluss gelangt, dass
die geltend gemachten Beschwerden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in
einem Zusammenhang zum Ereignis vom 2. Juni 2016 stünden (act. G 5.1-A7).
Anlässlich eines Telefonats vom 19. Juli 2018 informierte der Versicherte die AXA
darüber, dass man im Jahr 2016 nur die Schulter, nicht aber den Bizeps untersucht
habe. Erst Dr. D._ habe festgestellt, dass es sich um einen Bizepsabriss handle
(act. G 5.1-A8). Mit Verfügung vom 12. September 2018 stellte die AXA mit Verweis auf
die Beurteilung ihres medizinischen Dienstes die Versicherungsleistungen per 14. Juli
2016 ein und verzichtete auf die Rückforderung der bereits erbrachten Leistungen
(act. G 5.1-A13).
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr. iur. W. Ritter, am 15. Oktober 2018 Einsprache (act. G 5.1-A16). Dieser legte er eine
A.c.
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B.
E-Mail von Prof. Dr. med. F._, Orthopädie FMH, vom 11. Oktober 2018 bei. Prof.
F._ hatte dahingehend Stellung genommen, dass das Unfallereignis zweifelsfrei
geeignet gewesen sei, den von der AXA angenommenen Vorschaden richtungsgebend
zu verschlechtern, wobei Dr. D._ und er auch den Vorschaden als unfallverursacht
ansähen (act. G 5.1-A16, Beilage 1). Mit einer Eingabe vom 12. November 2018 liess
der Versicherte der AXA eine ärztliche Beurteilung von Dr. D._ vom 22. Oktober 2018
zur Frage der Unfallkausalität zukommen (act. G 5.1-A20; act. G 5.2-M18).
Am 19. Februar 2019 legte die AXA den Versicherungsfall ihrem beratenden Arzt
Dr. med. G._, Facharzt Orthopädische Chirurgie, vor (act. G 5.2-M21/1). In seiner
Aktenbeurteilung vom 25. Februar 2019 kam Dr. G._ zum Schluss, dass keine der
geltend gemachten Schädigungen mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis vom 2. Juni 2016 zurückzuführen sei und
keine Listendiagnose vorliege (act. G 5.2-M21).
A.d.
Mit Einspracheentscheid vom 12. März 2019 wies die Beschwerdegegnerin die
Einsprache des Versicherten ab. Zur Begründung führte sie an, dass das Ereignis vom
2. Juni 2016 den Unfallbegriff gar nicht erfülle und auch keine unfallähnliche
Körperschädigung vorliege. Selbst wenn aber der Unfallbegriff bejaht würde, seien die
vorliegenden Beschwerden spätestens ab dem 15. Juli 2016 nicht mehr mit dem
geforderten Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 2.
Juni 2016 zurückzuführen (act. G 5.1-A26).
A.e.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der noch immer durch Rechtsanwalt
Ritter vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 12. April 2019
Beschwerde. Mit dieser beantragte er, der Einspracheentscheid der AXA (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) vom 12. März 2019 betreffend das Ereignis vom 2. Juni 2016 sei
aufzuheben, sein Anspruch auf Versicherungsleistungen aus dem Unfall vom 2. Juni
2016 sei gutzuheissen und es seien ihm die geschuldeten Versicherungsleistungen zu
erbringen; es seien ihm insbesondere seine Lohneinbusse gegenüber den
Unfalltaggeldern von Fr. _ brutto bzw. Fr. _ netto und die selbstgetragenen
Unfallkosten von Fr. 1'443.10 zu vergüten, wobei die Forderung nach Massgabe der
gesetzlichen Bestimmungen zu verzinsen sei; alles unter Kosten- und
B.a.
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Erwägungen
1.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat in ihrer Verfügung vom 12. September 2018 ihre
Leistungen zunächst wegen eines aus ihrer Sicht dahingefallenen
Kausalzusammenhangs per 14. Juli 2016 eingestellt (act. G 5.1-A13). Im
angefochtenen Einspracheentscheid hat sie ihre Leistungseinstellung zusätzlich auch
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Weiter sei davon Vormerk zu
nehmen, dass er sich die Geltendmachung weiteren, künftigen Schadens aus dem
Unfallereignis vom 2. Juni 2016 ausdrücklich vorbehalte. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht beantragte der Beschwerdeführer die Zustellung der vollständigen Akten des
vorinstanzlichen Verfahrens sowie die Einholung einer externen, unabhängigen
Expertise zur Kausalität, zur genauen Diagnose und zu den medizinischen Folgen des
Unfalls vom 2. Juni 2016 bei einem vom Gericht zu bestimmenden Gutachter (act. G 1).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Juni
2019 die Abweisung der Beschwerde vom 12. April 2019 (act. G 5).
B.b.
In seiner Replik vom 8. November 2019 hielt der Beschwerdeführer an den in
der Beschwerde gestellten Rechtsbegehren vollumfänglich fest (act. G 15).
B.c.
In einem Schreiben vom 12. Dezember 2019 erneuerte die Beschwerdegegnerin
ihren Antrag auf Abweisung der Beschwerde und verzichtete auf die Erstattung einer
ausführlichen Duplik (act. G 17).
B.d.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin eine über den 14.
Juli 2016 hinausgehende Leistungspflicht für das ihr gemeldete Ereignis vom 2. Juni
2016 zu Recht verneint hat.
1.1.
Da der Beschwerdeführer in seinen beiden Schadenmeldungen (act. G 5.1-A1 und
A6) seine Schulterbeschwerden auf das Ereignis vom 2. Juni 2016 zurückführt,
kommen vorliegend die bis zum 31. Dezember 2016 geltenden Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) zur Anwendung
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen vom 25. September 2015 zur Änderung des
UVG; vgl. ferner BGE 146 V 54 E. 2.3).
1.2.
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damit begründet, dass es sich beim Ereignis vom 2. Juni 2016 gar nicht um ein
Unfallereignis im Rechtssinne gehandelt habe und keine unfallähnlichen
Körperschädigungen festgestellt worden seien (act. G 5.1-A26).
3.
Zunächst zu prüfen ist somit, ob es sich beim Ereignis vom 2. Juni 2016 um einen
Unfall im Rechtssinne gehandelt hat.
3.1.
Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er
– nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich
Alltäglichen oder Üblichen überschreitet (BGE 134 V 76 E. 4.1 und 129 V 404 E. 2.1; je
mit Hinweisen). Das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit ist entwickelt worden, um
die "tausendfältigen kleinen und kleinsten Insulte des täglichen Lebens, die als solche
gänzlich unkontrollierbar sind und deshalb nur beim Hinzutreten von etwas
Besonderem Berücksichtigung finden sollen", aus dem Unfallbegriff auszuscheiden.
Das Merkmal des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen Vorgang zum einmaligen
Vorfall (BGE 134 V 77 E. 4.1.1 mit Hinweisen). Gemäss der Rechtsprechung kann das
Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors auch in einer unkoordinierten
Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit
bzw. des äusseren Faktors erfüllt, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand
den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig" beeinflusst
hat (BGE 130 V 118 E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014,
8C_783/2013, E. 4.2; je mit Hinweisen). Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn die
versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder wenn
sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt oder
auszuführen versucht (Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013,
E. 4.2 mit Hinweis). Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche
äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor - Veränderung zwischen Körper
und Aussenwelt - ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein
ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 118 E. 2.1).
3.2.
Bei Sportverletzungen ohne besonderes Vorkommnis fehlt es gemäss der
Rechtsprechung am Merkmal der Ungewöhnlichkeit (BGE 130 V 117 E. 2.2; Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 5.1). Ein Unfall im Rechtssinne ist
3.3.
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4.
bei sportlichen Tätigkeiten grundsätzlich nur dann anzunehmen, wenn die sportliche
Übung anders verläuft als geplant. Verwirklicht sich hingegen das in einer sportlichen
Übung inhärente Risiko einer Verletzung, liegt kein derartiges Unfallereignis vor. Auch
wenn eine Übung zwar nicht ideal verläuft, die Art der Ausführung sich aber noch in der
Spannweite des Üblichen des betreffenden Sportes bewegt, ist ein Unfallereignis zu
verneinen (Urteile des Bundesgerichts vom 7. Oktober 2003, U 322/02, E. 4.4, und vom
9. Juli 2010, 8C_189/2010, E. 5.1).
In der Unfallmeldung UVG vom 29. September 2016 ist ausgeführt worden, dass
sich der Beschwerdeführer während dem Ordnungsdiensttraining bei einer Fixation an
der Schulter verletzt habe. Da die Schmerzen nicht aufgehört hätten, habe er sich in
ärztliche Behandlung begeben (act. G 5.1-A 1). Diese Beschreibung sagt nichts über
die Ungewöhnlichkeit des Ereignisses vom 2. Juni 2016 aus. In einem Fragebogen hat
der
Beschwerdeführer am 16. Oktober 2016 jedoch angegeben, dass er im Rahmen des
Selbstverteidigungstrainings diverse Haltegriffe und Fixationen am Boden trainiert
habe, teilweise mit einem Schlagstock. Dabei sei einer der Trainingskollegen beim
Ansetzen eines Hebels und der weiteren Fixation unbeabsichtigt zu hektisch und zu
hart vorgegangen. Ein ungewöhnlicher Vorfall habe sich aber nicht ereignet. Es bestehe
nun einmal ein gewisses Risiko, dass man sich beim Ausüben von Selbstverteidigung
etwas zerre, verstauche oder prelle (act. G 5.1-A2; vgl. dazu passend auch act. G 5.2-
M2). Aus dieser Schilderung geht hervor, dass sich beim Training, bei dem sich der
Beschwerdeführer nach seinen Angaben verletzt hat, nichts Ungewöhnliches ereignet
hat. Das Risiko, dass einer der Trainingskollegen Fixationen versehentlich etwas zu
hektisch ausführt, ist nach den plausiblen Angaben des Beschwerdeführers als ein dem
Selbstverteidigungstraining inhärentes Risiko aufzufassen. Folglich fehlt es am
Unfallbegriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit, sodass die Beschwerdegegnerin ein
Unfallereignis nachträglich zu Recht verneint hat.
3.4.
Weiter zu prüfen ist nun, ob die Beschwerdegegnerin aufgrund einer
unfallähnlichen Körperschädigung gleichwohl eine Leistungspflicht für das Ereignis
vom 2. Juni 2016 getroffen hat. Aufgrund der in Art. 6 Abs. 2 UVG enthaltenen
Delegation hat der Bundesrat in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) eine Liste von unfallähnlichen
Körperschädigungen erstellt, die auch ohne ungewöhnliche Einwirkung den Unfällen
gleichzustellen sind (vgl. BGE 114 V 300 E. 3). Mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit
müssen gemäss der Rechtsprechung zu Art. 9 Abs. 2 UVV jedoch sämtliche
4.1.
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Unfallbegriffsmerkmale erfüllt sein, namentlich muss auch ein äusserer Faktor gegeben
sein. Ein solcher kann grundsätzlich angenommen werden, wenn sich das
unfallähnliche Geschehen in einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage abspielt, ihm
mithin ein erhöhtes Gefährdungspotential innewohnt (BGE 129 V 467 ff. E. 2.2, 4.1 und
4.2.2). Von einer solchen gesteigerten Gefahrenlage kann bei einem
Selbstverteidigungstraining ausgegangen werden. Aufgrund der heftig oder ruckartig
ausgeführten Fixation im Rahmen des Trainings kann ein äusserer Faktor vorliegend
bejaht werden. Auch ist die Schädigung laut Angaben des Beschwerdeführers plötzlich
eingetreten und sie ist unbeabsichtigt erfolgt. Die Unfallbegriffsmerkmale sind mit
Ausnahme des Merkmals der Ungewöhnlichkeit somit erfüllt. Zu prüfen bleibt nun, ob
eine Listenverletzung vorliegt.
Der untersuchende Radiologe hat in seiner Beurteilung der MRT-Befunde vom 10.
Oktober 2016 einen eingeengten Subakromialraum, einen leichten Reizzustand der
Bursa subdeltoidea und subakromiale, eine mässige Ansatztendinose der
Supraspinatussehne sowie eine leichte Ansatztendinose der Subscapularissehne
genannt (act. G 5.2-M1). Basierend auf diesen Befunden sowie der Ereignisschilderung
des Beschwerdeführers (vgl. act. G 5.2-M2: "Anamnese") diagnostizierte med. pract.
C._ in seinem Bericht vom 14. Oktober 2016 eine Distorsion der linken Schulter mit
einer konsekutiven Bursitis subacromialis und subdeltoidea (act. G 5.2-M2). Dabei
handelt es sich um keine Listendiagnosen. Erst in der MRT-Untersuchung vom 31. Mai
2018 hat sich gemäss dem untersuchenden Radiologen unter anderem eine partielle
Ruptur der gelenkseitigen vorderen Fasern der Supraspinatussehne gezeigt, was
grundsätzlich einer Listendiagnose i.S.v. Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV entspricht (vgl. act. G
5.2-M11). Als Diagnose im Operationsbericht hat Dr. D._ schliesslich ein schweres,
posttraumatisches Impingement mit veralteter SLAP-Läsion und subtotaler
Bizepsruptur sowie Supraspinatussehnenruptur links genannt (act. G 5.2-M8;
vgl. ferner act. G 5.2-M5 und M 7). Bei einer Impingementproblematik handelt es sich
offensichtlich um keine Listendiagnose i.S.v. Art. 9 Abs. Abs. 2 UVV. Die SLAP-Läsion
hat Dr. D._ zwar auf das Ereignis vom 2. Juni 2016 zurückgeführt. Er hat ausgeführt,
dass die MRT-Bilder vom Oktober 2016 bereits ein sublabrales Foramen,
differentialdiagnostisch eine SLAP-Läsion gezeigt hätten (act. G 5.2-M13; vgl. dazu
auch die Stellungnahme von Prof. F._ in act. G 5.1-A16, Beilage 1). Gemäss MRT-
Untersuchung der Schulter links vom 31. Mai 2018 hat es sich allerdings um eine
SLAP-Läsion vom Typ 1 gehandelt (vgl. act. G 5.2- M11). Eine solche zählt gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zu den unfallähnlichen Körperschädigungen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 8C_835/2013, E. 4.2 und 4.3;
https://www.koordination.ch/de/online-handbuch/uvg/uks/uks-ab-01012017/#c57577,
4.2.
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besucht am 21. August 2020). Denn Art. 9 Abs. 2 lit. f UVV umfasst
rechtsprechungsgemäss lediglich Sehnenrisse, nicht jedoch andere Sehnenläsionen
oder Schädigungen des umliegenden Sehnenapparates (Urteil des Bundesgerichts
vom 19. August 2015, 8C_245/2015, E. 2; BGE 114 V 301 E. 5c). Selbst wenn also die
SLAP-Läsion, wie von Dr. D._ angenommen, in irgendeinem Zusammenhang zum
Ereignis vom 2. Juni 2016 stehen würde, stellt sie keine Listendiagnose i.S.v. Art. 9
Abs. 2 UVV dar und kann somit nicht als unfallähnliche Körperschädigung betrachtet
werden. Im Übrigen gibt es auch Indizien für eine degenerative Entstehung der SLAP-
Läsion. Im MRT-Untersuchungsbericht vom 31. Mai 2018 ist von einer Degeneration
des Labrums gesprochen worden (act. G 5.2-M11), worauf auch Dr. G._ hingewiesen
hat (act. G 5.2-M21). Ausserdem hat Dr. G._ ausgeführt, dass SLAP-Läsionen bereits
in der Alterskategorie des Beschwerdeführers auf degenerativer Basis entstünden,
speziell unter dem Aspekt einer 15-jährigen Kampf- und Kraftsportexposition (act. G
5.2-M21 S. 7). Nach dem Gesagten kommen also als unfallähnliche
Körperschädigungen nur noch die Sehnenrisse an der Supraspinatussehne und
Bizepssehne in Betracht. Zu prüfen ist nun, ob diese Sehnenrisse eindeutig auf eine
Erkrankung zurückzuführen sind (vgl. Art. 9 Abs. 2 UVV).
Dr. D._ hat die Läsionen an der Supraspinatussehne sowie die subtotale Ruptur
der Bizepssehne als Folgen der SLAP-Läsion beschrieben. In seinem Bericht vom 22.
Oktober 2018 hat er ausgeführt, dass sich ihm in seiner Untersuchung eine
Symptomatik von Seiten der Bizepssehne gezeigt habe, die zur SLAP-Läsion gepasst
habe. Bei einer Instabilität des Bizepsankers komme es nach längerer Zeitdauer auch
zu einer Schädigung der Sehne selbst mit typischer Instabilität (act. G 5.2-M18). Im
Arztzeugnis UVG vom 28. Juni 2018 hat Dr. D._ festgehalten, dass es durch die
lange andauernde Instabilität mit grosser Wahrscheinlichkeit sekundär zur in der letzten
MRT dargestellten Supraspinatussehnenläsion gekommen sei (act. G 5.2-M6). Dazu
passend hatte er bereits am 14. Juni 2018 ausgeführt, dass sich progrediente
Veränderungen nach anzunehmender, traumatischer SLAP-Läsion zeigten (act. G 5.2-
M13). Aufgrund der stattgehabten Unfallverletzung seien erhebliche, sekundäre
Gelenkschäden eingetreten (act. G 5.2-M4). Angesichts der Ausführungen von Dr.
D._ kann nicht behauptet werden, das Ereignis vom 2. Juni 2016 habe die
Sehnenläsionen direkt herbeigeführt. In der MRT-Untersuchung der linken Schulter
vom 10. Oktober 2016 sind denn auch keine Sehnenläsionen nachgewiesen worden
(vgl. act. G 5.2-M1). Dr. D._ geht vielmehr von sekundären Folgeschäden aus, die auf
eine seines Erachtens traumatische SLAP-Läsion zurückzuführen sind. Da die SLAP-
Läsion jedoch keinen durch die Unfallversicherung versicherten Schaden darstellt
(weder geht sie auf ein Unfallereignis im Rechtssinne zurück noch stellt sie eine
4.3.
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5.