Decision ID: 4627180f-bb6b-4b9c-94f1-5cc521363ec4
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war im Rahmen seiner selbständigen Tätigkeit
bei B._ als C._ mit einem versicherten Jahresverdienst von Fr. 74'000.-- freiwillig
bei der Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (nachfolgend: Allianz) gegen die
Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten versichert. Am 4.
Januar 2018 meldete er Beeinträchtigungen an der rechten Hand, welche seit 5. Juli
2017 persistierten (UV-act. 1, 3, 10).
A.a.
Die in der Folge veranlassten medizinischen Abklärungen (UV-act. 2 ff.) ergaben
ein Thenar-/Hypothenar-Hammer-Syndrom an der rechten Hand (UV-act. 13, 31),
welches von der Allianz als versicherte Berufskrankheit anerkannt wurde (UV-act. 15).
A.b.
In Absprache mit der damaligen Rechtsvertreterin des Versicherten,
Rechtsanwältin Monica Frey, St. Gallen, veranlasste die Allianz bei der Schulthess
Klinik in Zürich ein polydisziplinäres Gutachten (UV-act. 61, 68 ff.). Das Gutachten in
den Fachrichtungen Neurologie, Rheumatologie und Handchirurgie, inkl. Evaluation der
funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL), datiert vom 28. August 2019 (UV-act. 118). Die
Gutachter bestätigten die Diagnose eines Thenar-/Hypothenar-Hammer-Syndroms der
rechten oberen Extremität. Sie kamen zusammengefasst zum Schluss, dass eine
Berufskrankheit vorliege und der Versicherte in der handwerklichen Tätigkeit als
Innendekorateur ab Januar 2018 andauernd nicht mehr arbeitsfähig sei. In der zu 10 %
ausgeführten Planungstätigkeit würden indes keine Einschränkungen vorliegen. Eine
angepasste Tätigkeit ohne manuelle Arbeiten, die eine Kraftanwendung der rechten
Hand erforderten, beispielsweise eine Planungs- oder Bürotätigkeit, sei
uneingeschränkt zumutbar. Der medizinische Endzustand sei bereits Ende 2017
erreicht gewesen und ein Integritätsschaden von 15 % angemessen.
A.c.
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B.
Gegen die Verfügung vom 13. März 2020 erhob die Rechtsvertreterin des Versicherten
am 21. April 2020 Einsprache. Die Heilbehandlungsleistungen seien bis zum
Verfügungszeitpunkt zu übernehmen. Für die Begutachtung seien dem Versicherten
fünf Taggelder (Termine an fünf Tagen) sowie die Wegkosten zu ersetzen. Der
Invaliditätsgrad sei auf 57 % zu erhöhen. Die Renten und Verzugszinsen seien neu zu
berechnen (UV-act. 138). Mit Entscheid vom 19. März 2021 änderte die Allianz die
Verfügung vom 13. März 2020 dahingehend ab, als sie damit auch die
Heilbehandlungsleistungen per 31. Dezember 2017 einstellte. Im Übrigen wies sie die
Einsprache ab, soweit sie darauf eintrat (UV-act. 153).
C.
Mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 stellte die Allianz die Einstellung der
Taggelder und Heilbehandlungskosten per 31. Dezember 2017 in Aussicht. Es
resultiere bei einem Valideneinkommen von Fr. 156'954.85 und einem
Invalideneinkommen von Fr. 90'669.85 ein Invaliditätsgrad von 43 % bzw. ab 1. Januar
2018 eine monatliche Rente in Höhe von Fr. 2'121.35 bei einem versicherten Verdienst
von Fr. 74'000.--. Die Integritätsentschädigung basiere auf einem Integritätsschaden
von 15 % (UV-act. 122). Am 18. Dezember 2019 liess der Versicherte durch seine
Rechtsvertreterin im Wesentlichen mitteilen, dass er mit dem Zeitpunkt der
Rentenprüfung und dem – dem Invaliditätsgrad zugrundeliegenden –
Invalideneinkommen nicht einverstanden sei (UV-act. 127). Trotz dieser Einwände
verfügte die Allianz am 13. März 2020 im Sinne des Schreibens vom 29. Oktober 2019.
Bezüglich der Rente verfügte sie ergänzend eine altersabgestufte Leistungskürzung
von 34 % ab 1. Juli 2020 bzw. eine monatliche Rente in Höhe von Fr. 1'400.10 ab
diesem Zeitpunkt. Im Weiteren sprach sie dem Versicherten Verzugszinsen in Höhe von
Fr. 689.40 zu (UV-act. 134).
A.d.
Gegen den Einspracheentscheid vom 19. März 2021 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer), neu vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ronald
Pedergnana, St. Gallen, am 5. Mai 2021 Beschwerde erheben und folgendes
beantragen: Der Einspracheentscheid der Allianz (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
sei aufzuheben. Dem Beschwerdeführer sei eine volle UVG-Rente zuzusprechen,
C.a.
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Erwägungen
1.
Im Beschwerdeverfahren streitig ist einzig die Höhe der Invalidenrente per 1. Januar
2018. Nicht (mehr) beanstandet wird der Zeitpunkt des Fallabschlusses (vgl. zum
Fallabschluss Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 143) mit Einstellung
der Taggeldleistungen per 31. Dezember 2017 und die Höhe der
Integritätsentschädigung.
eventualiter eine von 65 % oder allenfalls 61 % oder 57 %. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1).
In der Beschwerdeantwort vom 3. Juni 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Beschwerdeführers (act. G 3).
C.b.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (act. G 5).C.c.
Mit Schreiben vom 7. März 2022 ersuchte das Versicherungsgericht den
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers um Zustellung der Steuererklärungen für die
Jahre 2013 bis 2017 sowie die SVA um Zustellung des aktuellen Auszugs aus dem
individuellen Konto (IK des Beschwerdeführers und von dessen Ehefrau [act. G 7 f.]).
Diese trafen am 11. und 18. März 2022 ein und wurden den Parteien am 21. März 2022
zur Kenntnis gebracht (act. G 9 ff.).
C.d.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.e.
Ist die versicherte Person infolge eines Unfalles bzw. aufgrund einer
Berufskrankheit, welche von ihrem Ausbruch an einem Berufsunfall gleichgestellt ist
(vgl. Art. 9 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]),
zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente
(Art. 18 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
1.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/10
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2.
Der Beschwerdeführer leidet unstrittig seit August 2017 (vgl. zum Zeitpunkt des
Ausbruchs Art. 9 Abs. 3 Satz 2 UVG; vgl. ferner das Arztzeugnis UVG in UV-act. 1 mit
dokumentierter Erstbehandlung am 23. August 2017) an einer versicherten
Berufskrankheit nach Art. 9 UVG, namentlich an einem Thenar-/Hypothenar-Hammer-
Syndrom (vgl. dazu Anhang 1 in der UVV, welche das Hypothenar-Hammer-Syndrom
als Berufskrankheit auflistet). Unbestritten und durch das beweiswerte Gutachten der
Schulthess Klinik vom 28. August 2019 rechtsgenüglich ausgewiesen ist weiter, dass
dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit in seinem Betrieb als C._, welche
zu 90 % aus (manueller) Produktionsarbeit bestand, nicht mehr zumutbar war, ihm
indes eine adaptierte Tätigkeit (Planung, Beratung, Bürotätigkeiten, insgesamt keine
manuelle Arbeiten, die eine Kraftanwendung der rechten Hand erfordern) grundsätzlich
mit voller Leistungsfähigkeit offenstand (UV-act. 118 S. 46 f.). Streitig ist zum einen die
Höhe des Invaliditätsgrads bzw. das diesem zugrunde zu legende Invalideneinkommen
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 16 ATSG). Nimmt ein Versicherter nach dem Unfall die
Erwerbstätigkeit altershalber nicht mehr auf oder wirkt sich das vorgerückte Alter
erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit aus, so sind für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads die Erwerbseinkommen massgebend, die ein
Versicherter im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung
erzielen könnte (Art. 28 Abs. 4 der Verordnung über die Unfallversicherung [UVV; SR
832.202]).
Die Invalidenrente beträgt bei Vollinvalidität 80 % des versicherten Verdienstes; bei
Teilinvalidität wird sie entsprechend gekürzt (Art. 20 Abs. 1 UVG). Die Invalidenrente
wird beim Erreichen des ordentlichen Rentenalters für jedes volle Jahr, das der
Versicherte zum Unfallzeitpunkt älter als 45 Jahre war, wie folgt gekürzt: a. bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 %: um 2 Prozentpunkte, höchstens aber um 40 %;
b. bei einem Invaliditätsgrad unter 40 %: um 1 Prozentpunkt, höchstens aber um 20 %
(vgl. Art. 20 Abs. 2 UVG, in Kraft seit 1. Januar 2017). Die Kürzung nach Artikel 20
Absatz 2 UVG erfolgt auf dem Betrag der Invalidenrente beziehungsweise der
Komplementärrente einschliesslich der Teuerungszulagen (Art. 33a Abs. 1 UVV).
1.2.
ter
ter
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und zum anderen grundsätzlich die Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit in angepasster
Tätigkeit.
Vorab ist festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer beim genannten
Zumutbarkeitsprofil auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt – bei Gleichgewicht
zwischen Angebot an und Nachfrage nach Arbeitskräften –, wie es Art. 16 ATSG
vorsieht, ab 1. Januar 2018 offensichtlich noch ein genügend weites Feld an
Beschäftigungsmöglichkeiten offenstand bzw. die Arbeitsfähigkeit aus unfallkausalen/
berufskrankheitsbedingten körperlichen Gründen ohne weiteres verwertbar war. Dies
wird auch Seitens des Beschwerdeführers nicht bestritten. Vorgebracht wird indes,
dass aufgrund des fortgeschrittenen Alters (bei Fallabschluss war der
Beschwerdeführer 62 1⁄2 Jahre alt), die verbliebene Arbeitsfähigkeit nicht mehr
verwertbar sei. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig. In seiner Rechtsprechung zum
invalidenversicherungsrechtlichen Rentenanspruch anerkennt das Bundesgericht zwar
das fortgeschrittene Alter – obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor – als
Kriterium, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen
Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene
Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt realistischerweise nicht
mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die
Selbsteingliederungslast nicht mehr zumutbar ist (BGE 138 V 459 f. E. 3.1). Der
Beschwerdeführer übersieht jedoch, dass diese im Bereich der Invalidenversicherung
ergangene Rechtsprechung in der Unfallversicherung nicht gilt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 26. März 2019, 8C_732/2018, E. 7.2 mit Hinweisen). Dies ergibt
sich insbesondere auch aus der Sonderbestimmung in Art. 28 Abs. 4 UVV (vgl.
vorstehende E. 1.1), welche vorliegend Anwendung findet (vgl. dazu u.a. das Urteil des
Bundesgerichts vom 26. September 2017, 8C_307/2017, E. 2.2, 4). Mit dieser
Regelung soll verhindert werden, dass bei älteren Versicherten zu hohe
Invaliditätsgrade resultieren und lebenslängliche Renten zugesprochen werden, wo sie
mit Blick auf die unfallbedingte Invalidität eher die Funktion von Altersrenten aufweisen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. März 2020, 8C_799/2019, E. 2.3 mit
Hinweisen). Gestützt auf das Gesagte führt das vorgerückte (Erwerbs-)Alter des
Beschwerdeführers nicht dazu, dass ihm aus unfallversicherungsrechtlicher Sicht per
1. Januar 2018 kein Invalideneinkommen anzurechnen und von einer vollständigen
Erwerbsunfähigkeit auszugehen wäre, die einen Anspruch auf eine ganze Rente
begründen würde.
2.1.
Zur Bestimmung des Invaliditätsgrads gelangt Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art.
28 Abs. 4 UVV zur Anwendung. Dabei sind die Erwerbseinkommen massgebend, die
2.2.
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ein Versicherter im mittleren Alter bei einer entsprechenden Gesundheitsschädigung
erzielen könnte. Das mittlere Alter liegt nach der Rechtsprechung bei etwa 42 Jahren
oder zwischen 40 und 45 Jahren (vgl. BGE 122 V 419 E. 1.b).
Ein Valideneinkommen in Höhe von Fr. 156'954.-- für das Jahr 2018 ist
grundsätzlich unbestritten und entspricht nominallohnindexiert dem durchschnittlichen
Einkommen des Beschwerdeführers der Jahre 2013 bis 2016 (UV-act. 121; vgl. ferner
die Steuererklärungen/Bilanzen in act. G 9). Entsprechend ist zur Bestimmung des
Invaliditätsgrads von einem Valideneinkommen in dieser Höhe auszugehen.
2.2.1.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist die schweizerische
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) heranzuziehen, nachdem
der aktuelle IK-Auszug zeigt, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2018 und 2019
kein relevantes Einkommen mehr erzielt hat (act. G 10; BGE 135 V 301 E. 5.2 mit
Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin ermittelte das Invalideneinkommen gestützt auf
den Zentralwert des Kompetenzniveaus 3 der Tabelle TA1 (Monatlicher Bruttolohn
[Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht) der LSE
2016. Nicht berücksichtigt hat sie dabei jedoch, dass die angewendete Tabelle nicht
nach dem Alter differenziert. Es ist daher auf den Lohn gemäss Tabelle TA17
(Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Berufsgruppen, Lebensalter und
Geschlecht), Altersklasse 30 bis 49 Jahre, abzustellen. Auch sind die aktuellsten
Tabellen beizuziehen. Zudem ist darauf hinzuweisen, dass das angewendete
Kompetenzniveau 3 (das der Kategorie 3 der TA17 entspricht) komplexe praktische
Tätigkeiten, welche ein grosses Wissen in einem Spezialgebiet voraussetzen,
beinhaltet. Zwar ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in seiner seit
1989 ausgeübten selbständigen Tätigkeit als C._ inklusive fachlicher Weiterbildungen
(UV-act. 46 S. 3 f.) auch bis zum Erreichen des mittleren Alters ein grosses
Spezialwissen auf diesem Gebiet angeeignet hatte. Die grossmehrheitlich (rund 90 %)
handwerklich ausgeübte Tätigkeit (UV-act. 46 S. 3) kann er jedoch aufgrund seiner
gesundheitlichen Beschwerden nicht mehr ausüben und seine in diesem Bereich
erreichten Kompetenzen können nicht ohne Weiteres auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
übertragen werden. Die von der Beschwerdegegnerin angeführten bisherigen und auch
weiterhin möglichen administrativen Tätigkeiten wie das Akquirieren, die Organisation
und die Planung von Aufträgen bzw. Kundenberatungen, Umbauplanungen/
Zeichnungen und Bürotätigkeiten hat der Beschwerdeführer bisher lediglich ergänzend
(zu rund 10 %; UV-act. 46 S. 3) zu seiner nicht mehr zumutbaren handwerklichen
Tätigkeit ausgeübt. Er kann daher einen Grossteil seines erworbenen Spezialwissens
nicht mehr einsetzen, was eine Anstellung im Kompetenzniveau 3 nicht als realistisch
2.2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 8/10
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erscheinen lässt. Jedoch ist aufgrund der noch zumutbaren Tätigkeiten und der
langjährigen Selbständigkeit davon auszugehen, dass ihm Anstellungen offen
gestanden wären, die über das Anforderungsniveau von blossen Hilfsarbeiten
hinausgehen. Es ist somit sachgerecht, für die Berechnung des Invalideneinkommens
auf das Kompetenzniveau 2 – praktische Tätigkeiten wie Verkauf / Pflege /
Datenverarbeitung und Administration / Bedienen von Maschinen und elektronischen
Geräten / Sicherheitsdienst / Fahrdienst – abzustellen. Dieses setzt sich in der Tabelle
TA17 (2018) aus den Kategorien 4 bis 8 zusammen, deren Mittelwert in der Altersklasse
30 bis 49 Jahre (Männer) einen Lohn von monatlich Fr. 5'667.-- ergibt ([Fr. 5'753.-- +
Fr. 5'357.-- + Fr. 5'577.-- + Fr. 5'959.-- + Fr. 5'691.--] / 5). Aufgerechnet auf die
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2018 resultiert ein
Lohn von Fr. 70'894.-- (Fr. 5'667.-- / 40 x 41.7 x 12). Wird das Invalideneinkommen wie
im vorliegenden Fall auf der Grundlage von statistischen Durchschnittswerten ermittelt,
ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten
Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in
ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit verrichteten und nach Eintritt des
Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten nur noch beschränkt einsatzfähig
sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder
Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene
Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten
Abzug, wobei die Rechtsprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere
persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug
soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer
dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann.
Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden
Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall
gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 % des Tabellenlohnes zu
begrenzen (BGE 134 V 327 f. E. 5.2; vgl. ferner BGE 126 V 75). Die
berufskrankheitsbedingten Einschränkungen des Beschwerdeführers sind bzw. waren
nicht derart (vgl. zum Gesundheitszustand und zum noch zumutbaren Belastungsprofil
UV-act. 118 S. 47), dass davon auszugehen gewesen wäre, er hätte seine
Arbeitsfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen
verwerten können bzw. er hätte im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend
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3.