Decision ID: 56aceaa4-b1fe-4a10-a603-d82a884ab84c
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ war bei der K._ tätig und damit bei der C._ AG
obligatorisch gegen Unfälle versichert. Mit Unfallmeldung vom 7. Januar
2019 teilte die K._ der C._ AG mit, dass A._ am 5. Januar
2019 auf dem Trottoir der L._-strasse einen Fehltritt gemacht habe,
ausgeglitten und zu Boden gestürzt sei. Sie sei mit der Schulter
aufgeschlagen, wobei sie sich diese ausgerenkt habe.
2. In der Folge holte die C._ AG verschiedene medizinische Akten ein,
darunter einen Bericht von Dr. med. D._, Facharzt für Radiologie,
vom 7. Januar 2019, von Dr. med. E._, Facharzt für Radiologie, vom
22. Mai 2019, sowie von Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 7. August
2019 und 2. Oktober 2019.
Dr. med. D._ befundete in seinem Bericht vom 7. Januar 2019
gestützt auf eine Röntgenuntersuchung der linken Schulter vom 5. Januar
2019 was folgt: "Vordere untere Schulterluxation links. Keine Fraktur
abzugrenzen. Regelrechte Artikulation im AC-Gelenk. Nach Reposition
wiederum regelrechte Artikulation im linken Schultergelenk. Weiterhin kein
Frakturnachweis."
Gestützt auf ein MRT der linken Schulter vom 22. Mai 2019 gelangte Dr.
med. E._ in seinem Bericht vom 22. Mai 2019 zu folgender
Beurteilung: "Kleine umschriebene Partialläsion der SSP-Sehne am
Footprint, keine relevante Retraktion von Sehnenfasern. Glenohumeral
Erguss. V.a. Läsion des Bizepspulley mit Läsion des SGHL [Anmerkung
des Gerichts: superiores glenohumerales Ligament], kleine gelenkseitige
Partialruptur der SSC Sehne und Subluxation der Bizepssehne. Kleine
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gelenkseitige ansatznahe Partialläsion der tiefen Schichten der Sehne des
Infraspinatus."
Dr. med. F._ gelangte in seinem Bericht vom 7. August 2019 gestützt
auf eine Untersuchung vom 6. August 2019 zu folgender Beurteilung: "Die
von Frau A._ beschriebenen linksseitigen Schulterbeschwerden sind
auf die glenohumerale Luxation vom 05.01.2019 zurückzuführen. [...] Als
typische Begleitverletzung einer glenohumeralen Luxation bei dieser 63-
jährigen Patientin zeigt sich eine Läsion der Rotatorenmanschette mit
cranialer Subscapularis und anterioren Supraspinatussehne mit
konsekutiver Tendinopathie der Biceps longus-Sehne bei Ruptur des
medialen Pulley-Systems. Die primäre Beschwerdesymptomatik in den
vergangenen Monaten ist jedoch einer durchgemachten
posttraumatischen Capsulitis zuzuschreiben, hierfür sprechen die
nächtlichen Schmerzen sowie die bewegungsendphasigen Schmerzen in
der Anamnese sowie in der klinischen Untersuchung die aktiv und passiv
eingeschränkte Beweglichkeit. Zudem zeigt sich in der MR-Tomographie
ein verplumpter axillärer Pouch." Um die inflammatorische Komponente
glenohumeral zu eliminieren, nahm Dr. med. F._ am 6. August 2019
eine intraartikuläre Infiltration an der linken Schulter vor.
In seinem Bericht vom 2. Oktober 2019 gelangte Dr. med. F._
gestützt auf eine Untersuchung vom 1. Oktober 2019 zu folgender
Beurteilung: "Die inflammatorische Komponente scheint weitgehend
abgeklungen zu sein, von Seiten der Kapselvernarbung besteht noch eine
gewisse Bewegungseinschränkung. Persistent zeigen sich jedoch die
anterosuperioren Schmerzen, diese [sind] zurückzuführen auf die
Rotatorenmanschettenintervallläsion mit Tendinopathie der Biceps
longus-Sehne nach glenohumeraler Luxation am 05.01.2019. Wie im
Vorschreiben erwähnt, empfehle ich nun bei persistierenden Beschwerden
ein aktives operatives Vorgehen [...]".
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3. Mit Verfügung vom 10. Januar 2020 stellte die C._ AG ihre
Leistungen (Taggeld und Heilungskosten) per 5. Oktober 2019 ein.
Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass der Status quo sine, d.h.
der Zustand, wie er sich nach schicksalsmässigem Verlauf eines
krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall eingestellt hätte, am 5.
Oktober 2019 erreicht worden sei. Aufgrund des Verletzungsmusters sei
keine Operationsindikation gegeben. Hierbei stützte sie sich auf die
Beurteilungen des beratenden Arztes Dr. med. J._ vom 8. und
20. Dezember 2019.
4. Am 22. Januar 2020 wurde A._ an der linken Schulter operiert (vgl.
den Operationsbericht von Dr. med. F._ vom 23. Januar 2020).
Gemäss den Berichten von Dr. med. F._ vom 11. März 2020 und
29. April 2020 zeigte sich daraufhin ein erfreulicher Verlauf bei nur noch
sehr punktuellen Schmerzen und einer annähernd normalisierten
Beweglichkeit.
5. Gegen die Verfügung vom 10. Januar 2020 erhob A._ am 31. Januar
2020 Einsprache. In der Folge holte die C._ AG bei PD Dr. med.
G._, Facharzt für Radiologie, eine "Zweitbefundung MR Schulter
nativ vom 22. Mai 2019" ein. In seinem Bericht vom 27. März 2020
befundete PD Dr. med. G._ gestützt auf ein Arthro-MRT der linken
Schulter was folgt:
 Kleine Hill-Sachs-Delle sowie ödematöse Auftreibung des  Labrums hinweisend auf eine stattgehabte antero-inferiore Schulter Luxation. Labrum in situ. Kein inferiorer Labrumriss. Fragliche SLAP Läsion.
 Zeichen einer Bizepssehnen Pulley und Lig. transversa Ruptur mit medialer Subluxation der Bizepssehne und Delamination in den proximalen Subscapularissehnen Footprint mit mittelgradiger gelenkseitiger Partialruptur.
 Zusätzliche bursaseitige Partialruptur der Supraspinatussehne im anterioren Anteil.
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 Starke ödematöse Veränderung der Supraspinatus im posterioren Anteil und der Infraspinatussehne, ae starke Zerrung nach Luxation. DD zusätzliche Partialrupturen, nativ ohne Arthrographie nicht auszuschliessen.
 Mässiger Gelenkserguss. Leichte Bursitis subacromialis.
6. Mit Einspracheentscheid vom 30. Juni 2020 wies die C._ AG die
Einsprache von A._ ab. Dabei stützte sie sich auf die Beurteilung des
beratenden Arztes Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, vom 11. Juni
2020.
7. Am 27. Juli 2020 erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie
stellte folgende Rechtsbegehren:
"1. Die Unfallversicherung der C._ hat sämtliche Versicherungsleistungen von A._ nach Gesetz und Rechtsprechung (UVG) in oben genanntem Fall rückwirkend zu übernehmen, A._ war zum Zeitpunkt des Ereignisses bei der C._ privat unfallversichert.
2. Die C._ hat das upgrade von allgemein- auf privatversichert in der Klinik I._, für nicht erbrachte Versicherungsleistungen der C._ rückwirkend zu übernehmen. Die vorab terminierte Operation vom 22. Januar 2020 erfolgte vorsorglich unter Zusicherung der aktuellen Krankenkasse M._ (allgemein versichert).
3. Die C._ hat die Pflegeaufwendungen von A._ angemessen zu übernehmen. Sie war während 6 Wochen ständig auf fremde Hilfe angewiesen (beim An- und Abziehen der Kleider und des "Gstältlis", beim Waschen, beim Essen und so weiter), den ganzen Tag."
In ihrer Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sich alle
ergriffenen medizinischen Massnahmen inkl. der Operation vom 22.
Januar 2020 als absolut richtig und gut erwiesen hätten. Die Feststellung
des Status quo sine per 5. Oktober 2019 sei falsch.
8. In ihrer Vernehmlassung vom 11. August 2020 beantragte die C._ AG
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde,
soweit darauf eingetreten werden könne, unter gesetzlicher Kosten- und
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Entschädigungsfolge. Begründend führte sie im Wesentlichen aus, dass
der Status quo sine gemäss versicherungsmedizinischer Einschätzung
acht bis zehn Monate nach dem Unfall erreicht worden sei.
9. Am 24. August 2020 hielt die Beschwerdeführerin replicando an ihren
bisherigen Rechtsbegehren fest und vertiefte ihre Standpunkte. Auch die
Beschwerdegegnerin hielt in ihrer Duplik vom 1. September 2020 an ihren
bisherigen Rechtsbegehren fest und vertiefte ihre Standpunkte.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 30. Juni 2020. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung
Beschwerde an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben
werden, in welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Die Beschwerdeführerin wohnt
im Kanton Graubünden, womit die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als formelle und materielle Adressatin des angefochtenen
Einspracheentscheids ist sie davon überdies berührt und sie weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (vgl. Art. 59 ATSG).
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Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
somit - unter Vorbehalt der nachstehenden Erwägung 1.2 - einzutreten
(vgl. Art. 60 und 61 ATSG). Die Vertretung der Beschwerdeführerin durch
ihren Ehemann ist zulässig (vgl. Art. 61 ATSG i.V.m. Art. 15 Abs. 1 lit. b
VRG).
1.2. Soweit die Beschwerdeführerin über die vom UVG vorgeschriebenen
Leistungen hinausgehende Zusatzleistungen geltend macht (vgl.
Rechtsbegehren Ziff. 2), gilt es Folgendes festzuhalten: Sogenannte
Unfallzusatzversicherungen fallen nicht in den Geltungsbereich des UVG.
Sie unterliegen als privatrechtliche Versicherungen dem Bundesgesetz
über den Versicherungsvertrag (VVG; SR 221.229.1) (vgl. so explizit Art. 2
Abs. 2 Satz 2 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht über die soziale
Krankenversicherung [KVAG; SR 832.12] für bei anerkannten
Krankenkassen abgeschlossene Zusatzversicherungen). Es gilt somit für
die Unfallversicherung nach UVG und für die Unfallzusatzversicherung
unterschiedliche Rechtsgrundlagen zu berücksichtigen. So kann bspw. ein
Versicherer nach Art. 68 UVG den Anspruch auf Leistungen aus der
Unfallzusatzversicherung nicht verfügungsweise ablehnen, vielmehr muss
der Versicherte den gemäss Art. 85 Abs. 1 des Bundesgesetzes
betreffend die Aufsicht über Versicherungsunternehmen (VAG;
SR 961.01) vorgesehenen (Klage-)Weg beschreiten (HÜRZELER/BÜRGI, in:
FRÉSARD-FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], Basler Kommentar zum UVG,
Basel 2019, Art. 70 Rz. 2 f. m.w.H.). Auf das Rechtsbegehren gemäss
Ziff. 2 kann somit im vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht eingetreten
werden.
2.1.1. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst
voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen
Schaden ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im
Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
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deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder
nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten
gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die
Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass
ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher
Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit
anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität des
Versicherten beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene
gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem schädigenden
Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung
bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 177 E.3.1, 119 V 335 E.1
m.w.H.).
2.1.2. Hat ein Unfallversicherer die Unfallkausalität bejaht und Leistungen
erbracht, entfällt seine Leistungspflicht erst, wenn der gesundheitliche
Schaden nur noch ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht.
Dies trifft dann zu, wenn entweder der "krankhafte" Gesundheitszustand,
wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante), oder
aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf
eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall früher oder später
eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist. Ebenso wie der
leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen
eines Gesundheitsschadens mit dem im Sozialversicherungsrecht
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allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist –
nicht beim Versicherten, sondern beim Unfallversicherer. Dabei muss
nicht etwa der Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche
Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ob es
Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder degenerative
Veränderungen sind, ist unerheblich. Entscheidend ist allein, ob
unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale
Bedeutung verloren haben, ob diese also dahingefallen sind. Ebenso
wenig geht es darum, vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu
verlangen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die
versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteile des
Bundesgerichts 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.3.2 und 8C_840/2019
vom 14. Februar 2020 E.3.2, Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts U 15/04 vom 7. Juli 2004 E.2.2 m.w.H.).
2.2.1. Der Versicherungsträger und das im Streitfall angerufene Gericht haben
den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären (vgl.
Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG). Die Untersuchungspflicht dauert so
lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit besteht. Bleiben an
Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen
Tatsachenfeststellung erhebliche Zweifel bestehen, ist weiter zu ermitteln,
soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche
Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_616/2013 vom 28. Januar 2014 E.2.1 m.w.H.).
2.2.2. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
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Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
des Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E.5.1 m.w.H.; Urteil des
Bundesgerichts 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3 m.w.H.). Gemäss
Rechtsprechung ist auch ein medizinischer Aktenbericht beweiskräftig,
wenn die Akten ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten sind; der
Untersuchungsbefund muss lückenlos vorliegen, damit der
Berichterstatter imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen
ein vollständiges Bild zu verschaffen (Urteil des Bundesgerichts
8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3 m.w.H.; vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts 8C_527/2020 vom 2. November 2020 E.3.2 und
8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3 m.w.H.). Schliesslich kommt auch den
Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in
sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen
(BGE 125 V 351 E.3b/ee). Soll ein Versicherungsfall aber ohne Einholung
eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.4, 122
V 157 E.1d).
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3.1. Soweit ersichtlich ist vorliegend unbestritten, dass die
Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 5. Januar
2019 gesetzliche Versicherungsleistungen erbrachte, diese aber mit
Verfügung vom 10. Januar 2020 und Einspracheentscheid vom 30. Juni
2020 per 5. Oktober 2019 eingestellt hat. Gestützt auf die Beurteilungen
der beratenden Ärzte Dr. med. J._ vom 8. und 20. Dezember 2019
sowie Dr. med. H._ vom 11. Juni 2020 gelangte die
Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass der Status quo sine per 5.
Oktober 2019 eingetreten war.
3.2. Nachfolgend gilt es somit zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht
auf die Beurteilungen der beratenden Ärzte Dr. med. J._ vom 8. und
20. Dezember 2019 sowie Dr. med. H._ vom 11. Juni 2020 abgestellt
hat oder ob konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
dieser Beurteilungen sprechen. Dabei gilt es darauf hinzuweisen, dass die
die Beschwerdegegnerin beratenden Ärzte Dr. med. J._ und Dr. med.
H._ mit Bezug auf den Beweiswert ihrer ärztlichen Beurteilungen
einem versicherungsinternen Arzt gleichzusetzen sind (Urteile des
Bundesgerichts 8C_608/2015 vom 17. Dezember 2015 E.3.3.3 und
8C_557/2015 vom 7. Oktober 2015 E.5.2 m.w.H.).
3.2.1. Die erste Beurteilung von Dr. med. J._ vom 8. Dezember 2019 ist ein
reiner Aktenbericht (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 14),
wobei nicht ersichtlich ist, dass der Bericht in Kenntnis sämtlicher Vorakten
abgegeben worden wäre. Dr. med. J._ gelangte in seiner Beurteilung
zum Schluss, dass der Status quo sine mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit per 5. Oktober 2019 erreicht gewesen sei (vgl. Bg-act.
14, Ziff. 1 und Ziff. 3.2). Er begründete dies wie folgt (vgl. Bg-act. 14, Ziff.
1): "Wahrscheinlich vorbestehende Schulterproblematik, 64-jährige Frau,
Luxation (kons. reponiert) und konsekutive adhäsive Kapsulitis (frozen
shoulder, FS), Abklingen im Rahmen von geschätzt 9 Mte. Die Dauer der
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FS ist höchst unterschiedlich und kann hier nach Ansprechen auf die
Infiltration (Entzündungszustand restituiert) festgelegt werden. Nach der
Infiltration am 07.08.2019 deutliche Besserung, jetzt vorgesehene
Operation: Bicepstenotomie, nicht mehr überwiegend wahrscheinlich im
Rahmen des Sturzes vom 05.01.2019." Nach Auffassung des
streitberufenen Gerichts überzeugt diese Begründung nicht, weshalb auch
die Beurteilung von Dr. med. J._ nicht als schlüssig erscheint.
3.2.2. Auch die zweite Beurteilung von Dr. med. J._ vom 20. Dezember
2019 ist ein reiner Aktenbericht (vgl. Bg-act. 16), wobei wiederum nicht
ersichtlich ist, dass der Bericht in Kenntnis sämtlicher Vorakten
abgegeben worden wäre. Dr. med. J._ hielt in seiner Beurteilung
Folgendes fest: "Zusammengefasst empfehlen wir, den Status quo sine
nach 8-10 Monaten als erreicht zu erachten und insbesondere die
Kostenübernahme für die geplante Operation abzulehnen." Er begründete
dies wie folgt:
"1. Kapsulitis ("Frozen Shoulder") als Folge der Schulterluxation links am 09.01.2019 "unfallbedingt": Status quo sine unterschiedlich und hier allenfalls nach ca. 8 Monaten anzunehmen.
2. Gelenkseitige, glenohumerale Läsionen vorbestehend ("unfallfremd", altersentsprechend).
3. Kleine Läsion der Supraspinatussehne am Footprint und Pulley-Läsion ätiologisch nicht sicher zuzuordnen. Diese stellen aber, insbesondere vor dem Hintergrund einer durchgemachten Kapsulitis, keine Op.-Indikation dar."
Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts legte Dr. med. J._
erneut nicht nachvollziehbar dar, weshalb der Status quo sine nach 8-
10 Monaten erreicht gewesen sein soll. So hielt er einzig fest, dass der
Status quo sine unterschiedlich und hier allenfalls nach ca. 8 Monaten
anzunehmen sei. Hinzu kommt, dass der behandelnde Arzt Dr. med.
F._ in seinem Bericht vom 7. August 2019 festhielt, dass die
"linksseitigen Schulterbeschwerden [...] auf die glenohumerale Luxation
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vom 05.01.2019 zurückzuführen" seien (vgl. Bg-act. 9), was er auch noch
in seinem Bericht vom 2. Oktober 2019 bestätigte (vgl. Bg-act. 10) und
was schliesslich zur Schulteroperation am 22. Januar 2020 führte (vgl. Bg-
act. 20).
Angesichts der Aktenlage ist zudem zweifelhaft, dass gelenkseitige,
glenohumerale Läsionen vorbestehend ("unfallfremd",
altersentsprechend) gewesen sein sollen. So zeigte sich gemäss dem
Operationsbericht von Dr. med. F._ vom 23. Januar 2020
intraartikulär folgender Befund (vgl. Bg-act. 20 S. 2): "Das Glenoid zeigt
unauffällige Knorpelverhältnisse. Das Labrum ist in seiner Zirkumferenz
erhalten, ventralseits mit dem Ligamentum glenohumerale medius und der
Kapsel narbig verwachsen. Der Bicepsanker stellt sich leicht entzündet
dar, eine Degeneration besteht nicht. [...] Die Supraspinatussehne zeigt
eine recht ausgedehnte gelenkseitige Partialläsion mit einer transmuralen
Komponente im anterioren Drittel. Die Infraspinatussehne inseriert
unauffällig. Der Humeruskopf zeigt in seiner gesamten Hemisphäre ein
unauffälliger Knorpel." Auch PD Dr. med. G._ gelangte in der von der
Beschwerdegegnerin eingeholten Zweitbefundung vom 27. März 2020
insbesondere zum Schluss, dass (zumindest) die kleine Hill-Sachs-Delle
sowie die ödematöse Auftreibung des antero-inferioren Labrums auf eine
stattgehabte antero-inferiore Schulter Luxation hinwiesen und die starke
ödematöse Veränderung der Supraspinatus im posterioren Anteil und der
Infraspinatussehne am ehesten auf eine starke Zerrung nach Luxation
zurückzuführen sei (vgl. Bg-act. 32).
Schliesslich ist auch die Feststellung von Dr. med. J._, wonach die
kleine Läsion der Supraspinatussehne am Footprint und die Pulley-Läsion
ätiologisch nicht sicher zuzuordnen seien, und diese aber, insbesondere
vor dem Hintergrund einer durchgemachten Kapsulitis, keine
Operationsindikation darstellten, nicht nachvollziehbar und angesichts der
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unfallkausalen Zuordnungen von PD Dr. med. G._ und Dr. med.
F._ (vgl. dazu vorstehend) zudem auch zweifelhaft.
3.2.3. Schliesslich ist auch die Beurteilung von Dr. med. H._ vom 11. Juni
2020 ein reiner Aktenbericht (vgl. Bg-act. 33), wobei wiederum nicht
ersichtlich ist, dass er in Kenntnis sämtlicher Vorakten abgegeben worden
wäre. Dr. med. H._ erwog in seiner Beurteilung lediglich was folgt:
"Aus versicherungsmedizinischer Sicht ist das Eröffnen des
Rotatorenintervalles, die ventro-inferiore Kapsulotomie, die subacromiale
Dekompression und die Tenotomie der langen Bicepssehne mit der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht auf das Ereignis vom 05.01.2019
zurückzuführen." Dr. med. H._ begründete seine Schlussfolgerung in
keiner Weise, weshalb sie auch nicht nachvollziehbar ist. Dies lässt sich
durch die ausführlicheren medizinischen Darlegungen der
Beschwerdegegnerin in Ziff. 18 ihrer Vernehmlassung nicht beheben,
zumal sich diese in der Beurteilung von Dr. med. H._ nicht
wiederfinden.
3.3.1. Gestützt auf die vorstehenden Erwägungen 3.2.1 bis 3.2.3 gelangt das
streitberufene Gericht zum Schluss, dass die Aktenberichte der Dres.
med. J._ und H._ nicht beweiskräftig sind. Es bestehen Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit ihrer Beurteilungen, weshalb die
Beschwerdegegnerin zu Unrecht darauf abgestellt hat und die Sache zu
ergänzenden medizinischen Abklärungen und zu neuem Entscheid über
die Leistungspflicht an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
Letztere hat im Rahmen ihrer Abklärungspflicht ein externes, mindestens
orthopädisch-traumatologisches Gutachten einzuholen betreffend die
Frage, ob und wenn ja, per wann, unfallbedingte Ursachen eines
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, d.h. ob
diese dahingefallen sind (vgl. Art. 43 Abs. 1 i.V.m. Art. 44 ATSG).
- 15 -
3.3.2. Soweit die Beschwerdegegnerin zur Begründung der Leistungseinstellung
per 5. Oktober 2019 auf das Urteil des Bundesgerichts 8C_446/2019 vom
22. Oktober 2019 E.5.2.3 verweist, gilt es festzuhalten, dass dieses Urteil
zu einem Expertenstreit führte, ausgelöst durch das Schreiben der
Schweizerischen Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie vom
1. Oktober 2020 betreffend Unfallkausalität von Rotatorenmanschetten-
Rupturen durch direktes Schultertrauma (abrufbar unter
https://www.swissorthopaedics.ch/images/content/fachwelt/Empfehlunge
n%20ab%2010.2
020/0BGUrteil22.10.2019-ReplikSO10.2020.pdf, zuletzt besucht am
7. September 2021). In der Folge ging das Bundesgericht dazu über, dem
Kriterium des Unfallmechanismus zur Beurteilung der Unfallkausalität
keine übergeordnete Bedeutung mehr beizumessen. Es gehe vielmehr
darum, die einzelnen Kriterien, die für oder gegen eine traumatische
Genese der Verletzung sprächen, aus medizinischer Sicht gegeneinander
abzuwägen und den Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wahrheit zu entsprechen (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_59/2020 vom 14. April 2020 E.5.4; vgl. auch
Urteile des Bundesgerichts 8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.4.5 und
8C_740/2020 vom 7. April 2021 E.4.2). Auch vor diesem Hintergrund
rechtfertigt es sich somit, die vorliegende Streitsache zu ergänzenden
medizinischen Abklärungen und zu neuem Entscheid über die
Leistungspflicht an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (vgl.
vorstehende Erwägung 3.3.1).
4. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als begründet. Sie ist
gutzuheissen, der angefochtene Einspracheentscheid vom 30. Juni 2020
ist aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Einholung
eines externen, mindestens orthopädisch-traumatologischen Gutachtens
im Sinne der Erwägungen und zu neuem Entscheid über die
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unfallobligatorische Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Übrigen ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
5. Gemäss aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser bei
mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung – kostenlos, weshalb für
das vorliegende Verfahren keine Kosten erhoben werden. Der nicht
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin steht praxisgemäss keine
Parteientschädigung zu.