Decision ID: 163b0020-74d4-5cc5-9a7c-54e91dcd643c
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer, ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamili-
scher Ethnie aus B._ (Distrikt C._, Nordprovinz) mit letztem
Wohnsitz in D._ (Westprovinz), suchte am 16. Dezember 1991 erst-
mals in der Schweiz um Asyl nach. Zur Begründung seines Asylgesuchs
machte er im Wesentlichen geltend, er sei im Oktober 1987 – im Alter von
(...) Jahren – von der EPRLF (Eelam People’s Revolutionary Liberation
Front) zusammen mit der indischen Armee festgenommen und in ein Camp
in E._ gebracht worden. Dort habe er an einem maskierten Mann
vorbeigehen müssen, woraufhin ihm der (...) abgeschnitten worden sei. Da-
nach sei er von der EPRLF in ein Camp in B._ gebracht worden,
wo er siebzehn Tage lang festgehalten worden sei. Darüber hinaus habe
dieser Vorfall keine weiteren Folgen für ihn gehabt. Im Juni beziehungs-
weise Juli 1990 habe er B._ verlassen und sei nach D._ zu
Verwandten gezogen, um eine Zwangsrekrutierung durch die LTTE (Libe-
ration Tigers of Tamil Ealam) zu verhindern. Gegen Ende des Jahres 1990
sei er in D._ anlässlich der Prozession des «St. Anthonys-Day» zu-
sammen mit vielen anderen Personen sowohl tamilischer als auch singha-
lesischer Ethnie festgenommen und für eine Nacht inhaftiert worden. Aus
Angst vor einer erneuten Verhaftung sowie wegen des Krieges habe er Sri
Lanka am 7. Juli 1991 mit Hilfe eines Schleppers verlassen.
A.b Mit Verfügung vom 14. November 2000 stellte das damals zuständige
Bundesamt für Flüchtlinge (BFF; heute: SEM) fest, der Beschwerdeführer
erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und ver-
fügte die Wegweisung aus der Schweiz. Gleichzeitig ordnete es gestützt
auf den Beschluss des Bundesrates vom 1. März 2000 betreffend die so-
genannte «Humanitäre Aktion 2000» die vorläufige Aufnahme des Be-
schwerdeführers an. Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechts-
kraft.
B.
B.a Mit Urteil des Bezirksgerichts F._ vom 3. Juli 2009 wurde der
Beschwerdeführer wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz vom 3. Oktober 1951 (BetmG, SR 812.121)
und mehrfacher Übertretung des BetmG zu einer Freiheitsstrafe von 36
Monaten, davon 18 Monate bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren,
sowie zu einer Busse von Fr. 1‘500.– rechtskräftig verurteilt.
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B.b Mit Verfügung vom 16. Juni 2010 hob das BFM – nach vorgängiger
Gewährung des rechtlichen Gehörs – die vorläufige Aufnahme des Be-
schwerdeführers auf und forderte ihn auf, die Schweiz nach Entlassung
aus dem Strafvollzug unverzüglich zu verlassen. Gleichzeitig beauftragte
es den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegweisung.
B.c Die dagegen am 12. Juli 2010 erhobene Beschwerde hiess das Bun-
desverwaltungsgericht mit Urteil D-5037/2010 vom 29. Oktober 2010 gut
und hob die Verfügung des BFM vom 16. Juni 2010 auf. Im Wesentlichen
wurde darauf erkannt, die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme des Be-
schwerdeführers erscheine trotz seiner Straffälligkeit nicht verhältnismäs-
sig, weshalb ihm der Status der vorläufigen Aufnahme zu belassen sei.
C.
C.a Aufgrund erneuter Straffälligkeit trat der Beschwerdeführer am 22. No-
vember 2016 den vorzeitigen Strafvollzug in der Strafanstalt G._
an.
C.b Nachdem der Beschwerdeführer mit Urteil des Bezirksgerichts
F._ vom 30. März 2017 wegen mehrfacher Widerhandlungen ge-
gen das BetmG und Widerhandlungen gegen das Waffengesetz vom
20. Juni 1997 (WG, SR 514.54) zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von
39 Monaten rechtskräftig verurteilt worden war, gelangte das SEM mit
Schreiben vom 3. Juli 2017 wiederum an den Beschwerdeführer. Darin
teilte es ihm mit, es erwäge, seine vorläufige Aufnahme aufgrund der er-
neuten Straffälligkeit aufzuheben und den Vollzug der Wegweisung anzu-
ordnen. Dem Beschwerdeführer wurde dazu das rechtliche Gehör gewährt.
C.c Der Beschwerdeführer reichte am 10. September 2017 – handelnd
durch seinen Rechtsvertreter – eine entsprechende Stellungnahme ein.
Darin ersuchte er das SEM, von jeglichen Wegweisungsmassnahmen Ab-
stand zu nehmen und die vorläufige Aufnahme aufrechtzuerhalten. Dar-
über hinaus machte er im ordentlichen Verfahren verschwiegene Tatsa-
chen geltend, welche seine Flüchtlingseigenschaft begründen würden.
C.d Das SEM nahm diese Eingabe als Mehrfachgesuch im Sinne von
Art. 111c AsylG (SR 142.31) entgegen und hörte den Beschwerdeführer
am 16. Juli 2018 in der Strafanstalt G._ zu den neuen Vorbringen
an. Zur Begründung seines erneuten Asylgesuchs brachte der Beschwer-
deführer dabei im Wesentlichen vor, er habe im Jahr 1986 einen Angriff
durch das sri-lankische Militär erlebt. Dabei sei ihm von den Angreifern mit
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einer Machete der (...) abgetrennt worden. Wegen dieser Verletzung habe
er sechs Monate im Spital verbracht. Bei einem neuerlichen Angriff durch
das sri-lankische Militär im Jahr 1987 habe er sein Heimatdorf verlassen
müssen und sei in den Wald geflüchtet. Dort sei er einige Tage später – im
Alter von (...) Jahren – im Juni oder Juli 1987 von den LTTE aufgegriffen
und in ein Camp gebracht worden. Nach einer sechsmonatigen Militäraus-
bildung habe er an bewaffneten Kämpfen der LTTE teilnehmen müssen,
bis es ihm am 11. Juni respektive 11. Juli 1990 gelungen sei, der LTTE zu
entkommen. Bei einer Rückkehr in sein Heimatland befürchte er deshalb
Nachstellungen von Seiten der SLA (Sri Lanka Army) und der sri-lanki-
schen Regierung. Diese Tatsachen habe er bisher aus Angst verschwie-
gen, weil die LTTE in der Schweiz als terroristische Organisation klassifi-
ziert würden.
D.
Mit Verfügung vom 20. September 2018 – eröffnet am 28. September 2018
– stellte das SEM erneut fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlings-
eigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab und verfügte die Wegweisung
aus der Schweiz. Gleichzeitig hielt es fest, die am 1. März 2000 angeord-
nete vorläufige Aufnahme bestehe weiterhin bis zu deren Aufhebung oder
Erlöschen.
E.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. Oktober 2018 (Poststempel,
Eingabe datiert vom 14. Oktober 2018) erhob der Beschwerdeführer gegen
diesen Entscheid Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und bean-
tragte, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich aufzuheben, er sei
als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung inklusive Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses
und um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen
Rechtsbeistand.
Der Beschwerde beigelegt waren die angefochtene Verfügung, eine Voll-
macht vom 3. Oktober 2018 sowie Auszahlungsbelege der Strafanstalt
G._ (datiert vom 12. März 2018 bis am 3. Oktober 2018). Als Be-
weismittel wurden vier Google-Earth-Aufnahmen der Herkunftsregion des
Beschwerdeführers mitsamt handschriftlichen Erklärungen ins Recht ge-
legt.
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F.
Mit Zwischenverfügung vom 7. November 2018 wies der Instruktionsrichter
die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung, um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie um Beiordnung
des rubrizierten Rechtsvertreters als amtlichen Rechtsbeistand ab und for-
derte den Beschwerdeführer auf, bis zum 22. November 2018 einen Kos-
tenvorschuss von Fr. 1‘500.– zu leisten, andernfalls auf die Beschwerde
nicht eingetreten werde.
G.
Am 9. November 2018 ging der Kostenvorschuss fristgerecht beim Bun-
desverwaltungsgericht ein.
H.
Am 21. Juni 2019 erreichte der Beschwerdeführer das Vollzugsende und
wurde aus der Strafanstalt G._ entlassen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998
(AS 2016 3101) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem
Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83
Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfü-
gungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108
Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5). Das Gericht wendet das Recht von Amtes wegen an und ist
weder an die Begründung der angefochtenen Verfügung gebunden noch
an diejenige der Beschwerde.
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2.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG) ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a Abs. 1
und 2 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen
an die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG noch den Anforderun-
gen an die Glaubhaftigkeit gemäss Art. 7 AsylG standhalten.
Im Einzelnen hielt sie fest, die geltend gemachte Tätigkeit bei den LTTE sei
als nachgeschoben und somit unglaubhaft zu taxieren. Der Beschwerde-
führer habe weder im ordentlichen Asylverfahren noch bei der später er-
folgten Aufhebung der vorläufigen Aufnahme durch das BFM Aktivitäten für
die LTTE geltend gemacht. Im damaligen Beschwerdeverfahren habe er
lediglich auf die Probleme hingewiesen, die ihn als ethnischen Tamile in Sri
Lanka erwarten würden. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb er zu die-
sem Zeitpunkt – trotz des Beistands seines Rechtsvertreters – keinerlei
Andeutungen zu seiner Tätigkeit bei den LTTE gemacht habe. Erst als auf
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Seite 7
Grund seines deliktischen Verhaltens und der daraus resultierenden unbe-
dingten Gefängnisstrafe erneut die Aufhebung seiner vorläufigen Auf-
nahme in Erwägung gezogen worden sei, habe er seine angebliche Ver-
gangenheit bei den LTTE geltend gemacht. Dies erweise sich als prakti-
sches Mittel, um einer allfälligen Aufhebung seiner vorläufigen Aufnahme
und der damit verbundenen Ausweisung zu entgehen und nicht als etwas,
das er tatsächlich erlebt habe.
Ferner bestünden an der Glaubhaftigkeit der Asylvorbringen ohnehin er-
hebliche Zweifel, da der Beschwerdeführer sowohl zum Verlust seines (...)
als auch zum Aufgriff durch die LTTE widersprüchliche Aussagen gemacht
habe. So habe er im ordentlichen Asylverfahren angegeben, im Oktober
1987 – im Alter von (...) Jahren – von der EPRLF zusammen mit der indi-
schen Armee festgenommen worden zu sein. Man habe ihn in ein Camp
gebracht, wo er an einem maskierten Mann habe vorbeigehen müssen und
ihm der (...) abgeschnitten worden sei. Im Gegensatz hierzu habe er im
Rahmen des rechtlichen Gehörs zur beabsichtigten Aufhebung seiner vor-
läufigen Aufnahme erklärt, im Alter von (...) Jahren durch Angehörige des
sri-lankischen Militärs angegriffen worden zu sein, wobei ihm der (...) an-
lässlich einer Verfolgungsjagd mit einer Machete abgetrennt worden sei.
Auf diesen Widerspruch angesprochen, habe er bestritten, jemals in einem
Camp gewesen zu sein. Sodann habe er auch unterschiedliche Angaben
zur geltend gemachten Zwangsrekrutierung durch die LTTE gemacht. Ein-
mal habe er ausgeführt, dies sei im Juni oder Juli 1987 passiert, dann habe
er wiederum von anfangs 1987 gesprochen.
Schliesslich sei – selbst bei Glaubhaftigkeit der Vorbringen – in zeitlicher
und sachlicher Hinsicht kein genügend enger Kausalzusammenhang zur
Ausreise aus Sri Lanka erkennbar. Der Beschwerdeführer brachte vor, im
Juni oder Juli 1990 vor den LTTE geflüchtet zu sein. Trotzdem wolle er Sri
Lanka erst am 7. Juli 1991, also ungefähr ein Jahr später, verlassen haben.
Die Festnahme in D._ anlässlich der Prozession des «St. Antho-
nys-Day» und die damit verbundene Nacht in Haft habe ebenfalls schon
gegen Ende 1990 stattgefunden, also gut ein halbes Jahr vor seiner Aus-
reise. Dass er sich in Sri Lanka relativ sicher gefühlt haben müsse, zeigten
auch seine Aussagen zum Aufenthalt in D._. So wolle er dort selbst
einen Antrag auf Ausstellung einer Identitätskarte eingereicht und diese
auch erhalten haben. Darüber hinaus sei seine Ausreise bezeichnender-
weise auch nicht durch seine eigene Initiative herbeigeführt worden, son-
dern durch seinen Vater, der im Jahr 1991 nach D._ gekommen sei
und diese beschlossen habe.
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4.2 Demgegenüber wendet der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitte-
leingabe ein, die Vorinstanz habe die Beweisregel von Art. 7 AsylG zu rest-
riktiv gehandhabt. Die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen sei bei einer Ge-
samtbetrachtung seiner Aussagen klar zu bejahen.
Soweit die Vorinstanz die Tätigkeit bei den LTTE als nachgeschoben und
somit unglaubhaft qualifiziere, sei dem entgegenzuhalten, dass es sich
hierbei um weitreichende und folgenschwere Angaben handle, die ihn als
Mitglied einer terroristischen Organisation auswiesen. Aus diesem Grund
habe er diese Tatsache den Schweizer Behörden gegenüber zunächst ver-
schwiegen, zumal er keine Belege für seine Zwangsrekrutierung habe.
Weiter sei der Vorinstanz zwar darin Recht zu geben, dass seine Sachver-
haltsdarstellung nicht in jeder Hinsicht widerspruchsfrei ausgefallen sei.
Dabei könne aber nicht ausser Acht gelassen werden, dass er im Zeitpunkt
des Verlusts seines (...) und der zwangsweisen Rekrutierung durch die
LTTE im Jahre 1987 gerade einmal (...) Jahre alt gewesen sei. In diesem
Alter sei das autobiographische Gedächtnis von Kindern noch nicht voll
entwickelt. Hierzu verweise er auf den Bericht des
UNHCR «THE HEART OF THE MATTER – Assessing Credibility when
Children Apply for Asylum in the European Union» vom Dezember 2014.
Ausserdem habe er traumatisierende Ereignisse erlebt, die gerade an ei-
nem jungen Menschen nicht spurlos vorbeigingen. Unter diesen Umstän-
den eine detaillierte und umfassende Darstellung bisheriger Geschehnisse
von ihm zu verlangen, sei abwegig. Abgesehen davon sei darauf hinzuwei-
sen, dass aufgrund der damals umfassend notwendigen Übersetzungshilfe
nicht direkt auf den Wortlaut der Protokolle abgestellt werden könne. An-
gesichts sprachlicher Abweichungen seien stets mehrere Interpretationen
möglich. Bei seiner ersten Befragung habe er sodann nicht gewusst, dass
er alles detailliert schildern müsse. In Anwesenheit des damaligen Dolmet-
schers habe er ausgeführt, das Militär sei für den Verlust seines (...) ver-
antwortlich. Er habe dabei aber nicht die ganze Geschichte erzählt. Auch
der Einwand der Vorinstanz, es gebe Ungereimtheiten bei den zeitlichen
Angaben hinsichtlich dem Aufgriff durch die LTTE, sei nicht gerechtfertigt.
Ob sich dies Anfang des Jahres 1987 oder aber im Sommer des gleichen
Jahres zugetragen habe, sei nicht erheblich. Bei Sri Lanka habe man es
mit einem Land zu tun, indem die klimatischen Verhältnisse über das Jahr
hinweg in etwa gleichblieben, welches diesbezüglich also keine nennens-
werten Unterscheidungsmerkmale aufweise. Vielmehr sei darauf hinzuwei-
sen, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung die äusserst de-
taillierten Angaben zu den während der militärischen Ausbildung durch die
LTTE erhaltenen Instruktionen mit keinem Wort gewürdigt habe. Derartige
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Berichte könnten nur von Personen stammen, die tatsächlich solche Eins-
ätze erlebt hätten. Auch sein behandelnder Arzt – H._ (Leiter Psy-
chosomatik) des Spitals I._ – bestätige im bei den Akten liegenden
Bericht vom 13. September 2017, dass er die von ihm geschilderten Vor-
kommnisse der Vergangenheit für glaubwürdig erachte. Schliesslich
möchte er klarstellen, dass er vier Monate nach seiner Flucht vor den LTTE
aus Sri Lanka ausgereist sei. Angesichts seiner turbulenten Vorgeschichte
habe er die Daten seiner Ausreise durcheinandergebracht. Nach dem Ge-
sagten habe er glaubhaft machen können, dass er wegen seiner erzwun-
genen Zugehörigkeit bei den LTTE während mehrerer Jahre im Heimatland
an Leib und Leben gefährdet sei.
5.
5.1 Wird nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren ein Gesuch um
Feststellung der Flüchtlingseigenschaft aufgrund einer nachträglichen, mit-
hin nach Rechtskraft des Asylentscheids eingetretenen Veränderung der
Sachlage eingereicht, ist dieses als neues Asylgesuch unter den Voraus-
setzungen des Art. 111c AsylG zu prüfen (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.6).
5.2 Demgegenüber bezweckt das Wiedererwägungsgesuch gemäss
Art. 111b AsylG in der Regel die Anpassung einer ursprünglich fehlerfreien
Verfügung an eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der
Sachlage (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Ver-
fügung unangefochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren
mit einem blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch
Revisionsgründe (insbesondere das nachträgliche Bekanntwerden vorbe-
stehender erheblicher Tatsachen oder Beweismittel) einen Anspruch auf
Wiedererwägung begründen. Ein solchermassen als qualifiziertes Wieder-
erwägungsgesuch zu bezeichnendes Rechtsmittel ist grundsätzlich nach
den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66-68 VwVG zu behan-
deln (vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 29 BV ist auf ein
Wiedererwägungsgesuch einzutreten, wenn sich die Umstände seit dem
ersten Entscheid wesentlich geändert haben oder wenn der Gesuchsteller
erhebliche Tatsachen und Beweismittel namhaft macht, die ihm im früheren
Verfahren nicht bekannt waren oder die schon damals geltend zu machen
für ihn rechtlich oder tatsächlich unmöglich war oder dazu keine Veranlas-
sung bestand. Die Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig. Sie darf ins-
besondere nicht dazu dienen, die Rechtskraft von Verwaltungsentscheiden
immer wieder infrage zu stellen oder die Fristen für die Ergreifung von
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Rechtsmitteln zu umgehen (vgl. BGE 136 II 177 E. 2.1 [S. 181] sowie Urteil
des BVGer E-1532/2014 vom 8. Mai 2014 E. 3, mit Verweis). Namentlich
darf ein Wiedererwägungsverfahren nicht als Ersatz für ein Versäumnis bei
der Verfahrensführung dienen. Gründe, welche bereits im Zeitpunkt der
verpassten Anfechtungsmöglichkeit im ordentlichen Beschwerdeverfahren
bestanden, können somit nicht als Wiedererwägungsgründe vorgebracht
werden. Es kann nämlich – in analoger Anwendung von Art. 66 Abs. 3
VwVG – nicht die Wiedererwägung eines Entscheides mit Gründen ver-
langt werden, welche mit einem ordentlichen Rechtsmittel gegen diesen
Entscheid hätten vorgebracht werden können (vgl. Urteil des BVGer
E-1532/2014 vom 8. Mai 2014 E. 3).
6.
6.1 Bei den Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe in den Jahren
1987 bis 1990 an bewaffneten Kämpfen der LTTE teilgenommen und be-
fürchte darum bei einer Rückkehr in sein Heimatland Nachstellungen von
Seiten der SLA (Sri Lanka Army) sowie der sri-lankischen Regierung, han-
delt es sich um (behauptete) Tatsachen, welche bereits vor der rechtskräf-
tigen Verfügung des BFF vom 14. November 2000 entstanden sind, wes-
halb das SEM diese zu Unrecht als Mehrfachgesuch im Sinne von Art. 111c
AsylG behandelt hat. Durch die (umfassende) Prüfung sind dem Beschwer-
deführer allerdings keine Rechtsnachteile entstanden.
6.2 Nachfolgend sind die geltend gemachten Tatsachen unter dem Titel der
qualifizierten Wiedererwägung zu prüfen.
6.2.1 Vorliegend ist der Eingabe vom 10. September 2017 kein rechts-
genügliches Wiedererwägungsgesuch zu entnehmen. Unter anderem
mangelt es bereits an der Darlegung der Rechtzeitigkeit des Gesuchs (vgl.
Art. 111b Abs. 1 AsylG).
6.2.2 Ergänzungshalber ist darauf hinzuweisen, dass sämtliche dieser gel-
tend gemachten Tatsachen bereits im ordentlichen Asylverfahren hätten
geltend gemacht werden und somit nicht mehr als qualifizierte Wiederer-
wägungsgründe behandelt werden können (vgl. Art. 66 Abs. 3 VwVG sinn-
gemäss). Die Begründung des Beschwerdeführers, er habe seine Zugehö-
rigkeit zu den LTTE aus Angst, als Mitglied einer Terrororganisation ange-
sehen zu werden, verschwiegen, stellt keinen Entlastungsgrund dar, zumal
mögliche asylrechtliche Nachteile an der Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht
des Beschwerdeführers sowie seiner Pflicht zur sorgfältigen Verfahrens-
führung nichts zu ändern vermögen.
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6.2.3 Nach dem Gesagten ist auf diese Vorbringen und die in diesem Zu-
sammenhang eingereichten Beweismittel (vgl. Sachverhalt oben, Bst. E.)
im Asylpunkt nicht mehr weiter einzugehen. Diese wären – in analoger An-
wendung der Rechtsprechung zu verspäteten Vorbringen bei Revision und
Wiedererwägung (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 1995 Nr. 9 E. 7, 1998 Nr. 3 E. 3
sowie BVGE 2013/22 E. 5.4) – bei der Beurteilung der Zulässigkeit des
Wegweisungsvollzugs im Rahmen der Prüfung völkerrechtlicher Wegwei-
sungsvollzugshindernisse zu berücksichtigen. Aufgrund des Verfahrens-
ausgangs (vgl. nachfolgend E. 7) erübrigt sich diese Prüfung jedoch im vor-
liegenden Fall.
7.
Da die Vorinstanz in ihrer Verfügung vom 20. September 2018 anordnete,
die vorläufige Aufnahme des Beschwerdeführers bestehe weiterhin bis zu
deren Aufhebung oder Erlöschen, erübrigen sich praxisgemäss weitere
Ausführungen zur Zulässigkeit, Zumutbarkeit und Möglichkeit des Wegwei-
sungsvollzugs.
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass sich die angefochtene Verfügung
– mit Ausnahme der Behandlung der im ordentlichen Verfahren verschwie-
genen Tatsachen als Mehrfachgesuch (vgl. E. 6.1) – als rechtmässig er-
weist und die Beschwerde abzuweisen ist.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1‘500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss wird zur Begleichung
der Verfahrenskosten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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