Decision ID: 6e0fa2a5-c087-51c8-a902-3c2918581feb
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis der Fahrzeugkategorien B und BE seit 7. Juli 1988 und
denjenigen für die Fahrzeugkategorien C und CE seit 22. Dezember 1998. Am 13. Juni
2000 erwarb er zudem die Fahrberechtigung für die Fahrzeugkategorien D und DE, am
1. April 2003 für die Kategorie A.
B.- Am 9. September 2009 und 28. Februar 2012 wurde X jeweils verwarnt, weil er den
Lastwagen überladen und mit einem Sattelschlepper bei der Einfahrt in ein
Firmengelände einen Ticketautomaten beschädigt hatte. Sodann verursachte er am
17. April 2012 mit einem Sattelschlepper einen Verkehrsunfall auf der Autobahn. Zu
einer weiteren Kollision kam es am 7. Februar 2013 beim Rückwärtsfahren auf einem
Tankstellengelände. Wegen dieser beiden Unfälle – es handelte sich um eine
mittelschwere und eine leichte Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften
– wurde X der Führerausweis mit Verfügung der Kantonspolizei A vom 20. September
2013 für die Dauer eines Monats entzogen. Die Massnahme wurde vom 24. Februar bis
23. März 2014 vollzogen. Am 10. November 2013 zeigte ihn die Kantonspolizei S
wegen Vornahme einer Verrichtung während der Fahrt mit einem Lastwagen vom 30.
Oktober 2013 an. Dafür wurde er mit Strafbefehl des Untersuchungsamts B vom
9. Januar 2014 mit einer Busse von Fr. 250.– bestraft.
C.- Am 27. November 2013 wurde X im Rahmen einer Schwerverkehrskontrolle bei C
angehalten. Da die Polizisten im Lastwageninnern Cannabisgeruch feststellten, führten
sie einen Drogenschnelltest durch, der positiv ausfiel. Zudem wurden 38,4 Gramm
Marihuana sichergestellt, weshalb die Polizei den Führerausweis vorläufig abnahm. Die
vom Institut für Rechtsmedizin (IRM) Bern ausgewertete Blutprobe ergab eine
Tetrahydrocannabinol(THC)-Konzentration von 18 μg/l. Wegen der Vorfälle vom
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30. Oktober und 27. November 2013 entzog die Kantonspolizei A X den Führerausweis
mit Verfügung vom 17. Februar 2014 vorsorglich. Sie ordnete zudem eine
verkehrsmedizinische Begutachtung an.
D.- Am 19. Februar 2014 begab sich X notfallmässig in stationäre psychiatrische
Behandlung in die Universitäre Psychiatrische Klinik (UPK). Dort hielt er sich – mit
einem kurzen Unterbruch – bis am 6. Mai 2014 auf. Ab 26. August 2014 liess er sich in
der einer psychiatrischen Klinik ambulant betreuen.
E.- Am 9. Dezember 2014 reichte die UPK der Kantonspolizei A den Bericht über die
am 23. Juli 2014 durchgeführte verkehrsmedizinische Begutachtung ein. Darin wurde
die Fahreignung von X verneint, und zwar erscheine die Teilnahme am motorisierten
Strassenverkehr aufgrund des diagnostizierten schädlichen Gebrauchs von Cannabis
und einer Cannabisabhängigkeit gegenwärtig nicht vertretbar. Eine weitere
Begutachtung sei frühestens in einem Jahr sinnvoll. Der Gutachter empfahl die
Anordnung regelmässiger, suchtspezifischer Beratungsgespräche und unregelmässig
durchgeführte Urinkontrollen. Die Kantonspolizei A folgte dieser Empfehlung und
entzog X den Führerausweis mit Verfügung vom 4. Februar 2015 auf unbestimmte Zeit;
die Sperrfrist betrug sechs Monate (27. November 2013 bis 26. Mai 2014). Am
8. Oktober 2015 wurde die Massnahme nach einem positiv ausgefallenen
verkehrsmedizinischen und verkehrspsychologischen Gutachten des IRM Zürich
aufgehoben. X wurde verpflichtet, während der Dauer von mindestens eineinhalb
Jahren eine konsequente, durch monatliche Urinkontrollen zu belegende
Cannabisabstinenz einzuhalten und sich weiterhin psychiatrisch betreuen zu lassen.
Am 4. November 2015 wurde X durch seinen Hausarzt in mittelgradig depressivem
Zustand mit Suizidgedanken fürsorgerisch in einer psychiatrischen Klinik
untergebracht. Dort liess er sich bis 15. Februar 2016 stationär behandeln.
F.- Am 19. April 2016 beauftragte die Kantonspolizei A das IRM Zürich mit der
Beurteilung der von X eingereichten Auflagenberichte. Der Gutachter hielt in einer
Zeugnisbeurteilung fest, wegen der psychiatrischen Hospitalisierung vom 4. November
2015 bis 15. Februar 2016 und fehlender monatlicher Urinkontrollen sei die
Fahreignung für keine Führerausweisgruppe gegeben. Er empfahl eine
verkehrsmedizinische Neubeurteilung. Da X seinen Wohnsitz inzwischen nach D verlegt
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hatte, ging die Zuständigkeit zur Überprüfung der Einhaltung der Abstinenzauflage auf
das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (nachfolgend:
Strassenverkehrsamt) über, welches X mit Verfügung vom 6. Mai 2016 das Führen von
Motorfahrzeugen vorsorglich ab sofort verbot. Ein dagegen erhobener Rekurs wurde
vom Präsidenten der Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 8. Juli 2016
abgewiesen (Proz.Nr. IV-2016/76 P). Das Strassenverkehrsamt verfügte daraufhin am
26. Juli 2016 den Entzug des Führerausweises aus medizinischen Gründen auf
unbestimmte Zeit.
G.- In einem verkehrsmedizinischen Kurzgutachten vom 27. September 2016 bejahte
das IRM des Kantonsspitals St. Gallen die Fahreignung von X unter der Auflage einer
kontrollierten Cannabisabstinenz mit Einreichen von Verlaufsberichten alle sechs
Monate, einer Alkoholfahrabstinenz und einer regelmässigen ärztlichen Kontrolle der
psychischen Erkrankung. Gestützt darauf verfügte das Strassenverkehrsamt am 14.
Oktober 2016 die Wiedererteilung des Führerausweises unter folgenden Auflagen (in
Ziff. 2):
„a) Sie haben die vollständige, kontrollierte Cannabisabstinenz mittels monatlicher
Urinproben einzuhalten.
b) Sie haben sich regelmässigen ärztlichen Kontrollen / Behandlungen der
psychischen
Erkrankung zu unterziehen. Gemäss Gutachten erfolgt die Weiterbehandlung
durch Y.
c) Sie müssen die vom Arzt allfällig verordneten Medikamente regelmässig und
genau
nach Vorschrift einnehmen und die ärztlichen Weisungen befolgen.
d) Bei gesundheitlichen Störungen haben Sie auf das Autofahren zu verzichten und
einen
Arzt aufzusuchen.
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e) Sie dürfen nur in absolut alkoholfreiem Zustand (Fahrabstinenz 0,0‰) ein
Motorfahrzeug lenken. Diese Auflage wird mit Code 05.08 im Führerausweis
eingetragen.
f) Die Auflagenkontrolle erfolgt alle 6 Monate am Institut für Rechtsmedizin (IRM) in
St. Gallen. Die Kosten dafür gehen zu Ihren Lasten.
g) Die Berichte (Psychiater / Arzt) haben Sie im März und September dem IRM
einzureichen. Zu gegebener Zeit wird Ihnen durch das IRM St. Gallen
ein Erinnerungsschreiben zugestellt, welches u.a. über den zu leistenden
Vorschuss
orientiert.
h) Diese Auflagen haben auf unbestimmte Zeit Gültigkeit und werden mit Code 101
sowie
05.08 in Ihren Führerausweis eingetragen. Eine Aufhebung der Abstinenzkontrolle
kann
frühestens in 3 Jahren geprüft werden.
i) Bei Missachten der Auflagen haben Sie in Anwendung von Art. 16 Abs. 1 SVG mit
dem
Entzug des Führerausweises – allenfalls auf unbestimmte Zeit – zu rechnen.“
H.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
27. Oktober 2016 und Ergänzung vom 15. November 2016 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, Ziff. 2 lit. e und lit. h der Verfügung des
Strassenverkehrsamts vom 14. Oktober 2016 seien aufzuheben, der bisherige
Führerausweis sei wieder auszuhändigen; eventualiter seien die bereits erfolgten
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Einträge (Code 101 und 05.08) im neuen Führerausweis zu beseitigen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Das Strassenverkehrsamt verzichtete am 29. November
2016 auf eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 27. Oktober 2016 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 15. November 2016 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekursverfahren ist einzig die Eintragung der mit der Wiedererteilung des
Führerausweises verfügten Auflagen mit den Codes 05.08 und 101 umstritten. Nicht
angefochten werden die Aufhebung des Sicherungsentzugs, die Wiedererteilung des
Führerausweises, die Auflagen als solche und die Kostenregelung, weshalb es dabei
sein Bewenden hat.
a) Der Rekurrent bringt vor, es gebe keine rechtliche Verpflichtung, die verfügten
Auflagen der Alkoholfahrabstinenz und der kontrollierten Cannabisabstinenz im
Führerausweis mit den Codes 05.08 und 101 einzutragen. Dies zeige sich auch daran,
dass die Behörden des Kantons A trotz gleich lautender Cannabisabstinenzauflage
keinen Code eingetragen hätten. Der von der Vorinstanz neu ausgestellte
Führerausweis trage eine neue Nummer, was zur Folge habe, dass er eine neue
Fahrerkarte, welche dieselbe Nummer wie der Führerausweis haben müsse, benötige.
Zudem stelle die Eintragung eines Auflagencodes für sein berufliches Fortkommen als
Chauffeur eine unverhältnismässige Beeinträchtigung dar.
b) Nach den allgemeinen verwaltungsrechtlichen Grundsätzen ist es im Rahmen der
Verhältnismässigkeit zulässig, aus besonderen Gründen den Führerausweis mit
Auflagen zu versehen, wenn dies der Sicherstellung der Fahreignung und damit der
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Verkehrssicherheit dient sowie mit dem Wesen der Fahrerlaubnis im Einklang steht. Die
Anordnung von Auflagen kommt dann in Frage, wenn der Lenker die gesetzlichen
Anforderungen an die Fahreignung bei Einhaltung bestimmter Massnahmen erfüllt; ein
Entzugsgrund nach Art. 16 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
muss nicht gegeben sein. Erforderlich ist zudem, dass sich die Fahreignung nur mit
dieser Massnahme aufrechterhalten lässt und die Auflagen erfüll- und kontrollierbar
sind. Gerade im Rahmen der Wiedererteilung des Führerausweises nach einem
Sicherungsentzug wegen einer Sucht (Alkohol oder Drogen; Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG)
ist es gängige Praxis, für eine bestimmte Zeit entsprechende Abstinenzauflagen zu
verfügen.
In einer früheren, bis zum 31. März 2003 geltenden Fassung (vgl. AS 1976 S. 2423 ff.
und AS 2001 S. 1821 ff.) von Art. 26 Abs. 2 der Verordnung über die Zulassung von
Personen und Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) wurden
diejenigen im Führerausweis einzutragenden Beschränkungen und Auflagen aufgezählt,
die von der Verkehrspolizei zu kontrollieren waren; dazu zählten z.B. die Pflicht zum
Tragen von Brillen oder Kontaktschalen oder die Beschränkung auf Motorfahrzeuge mit
Schalterleichterung. Davon unterschieden wurden die "anderen Auflagen, z.B.
medizinischer Art", für welche gemäss Art. 26 Abs. 3 VZV a.F. lediglich der Vermerk
"Auflage" im Führerausweis einzutragen war, sofern die Behörde deren Kontrolle nicht
auf andere Weise sicherstellte. Am 1. April 2003 trat Art. 24d VZV in Kraft, wonach für
Auflagen, Beschränkungen und anderen Zusatzangaben, die im Führerausweis
eingetragen werden müssen, Schlüsselzahlen oder Kurztexte zu verwenden sind. Das
ASTRA wurde beauftragt, die entsprechenden Weisungen dazu zu erlassen. Per
1. Dezember 2005 wurde das Wort "müssen" in Art. 24d VZV weggelassen. Seither
werden anders als früher die im Führerausweis zwingend einzutragenden (und
polizeilich zu kontrollierenden) Nebenbestimmungen nicht mehr ausdrücklich
aufgelistet; ebenso wenig ist vorgesehen, dass die Kontrolle auch auf andere Weise als
durch einen Eintrag im Führerausweis sichergestellt werden könnte. Das Gesetz regelt
also nicht mehr, welche Nebenbestimmungen im Ausweis einzutragen sind und damit
von den Kontrollorganen zur Kenntnis genommen und auf deren Einhaltung überprüft
werden können. Immerhin legt es der Wortlaut von Art. 24d VZV nahe, dass es
weiterhin zulässig ist, gewisse Nebenbestimmungen nicht im Führerausweis
einzutragen. Vom Sinn und Zweck der Regelung her sind jene Beschränkungen und
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Zusatzangaben einzutragen, deren Einhaltung durch die Verkehrspolizei kontrolliert
werden muss und kann (vgl. Urteil der Verwaltungsrekurskommission vom 25. August
2004, in GVP 2004 Nr. 17 E. 2.b/aa).
Seit 1. April 2003 wird der Führerausweis im Kreditkartenformat abgegeben.
Gleichzeitig übernahm die Schweiz Teile der EU-Führerscheinrichtlinien, welche auch
Einfluss auf die Erfassung von Beschränkungen und Zusatzangaben hatten. Seither
gelten die harmonisierten Zusatzangaben, wie sich aus Ziff. 41 der Weisungen des
ASTRA vom 15. März 2016 (in Kraft seit 1. April 2016) über die Ausstellung des
Führerausweises im Kreditkartenformat (im Folgenden: Weisungen), auf welche
Art. 24d VZV verweist, ergibt. Daneben sind in Ziffer 42 nationale Beschränkungen und
Zusatzangaben vorgesehen. Darunter befindet sich Code 101: "Besondere Auflage (die
ausführliche Verfügung wird bei der ausweisausstellenden Behörde aufbewahrt)".
Die harmonisierten Zusatzangaben umfassen einerseits Angaben, die den Fahrer aus
medizinischen Gründen betreffen (Code 01: Korrekturen des Sehvermögens; Code 02:
Hörprothese/Kommunikationshilfe; Code 03: Prothese/Orthese der Gliedmassen; Code
04: Muss ein gültiges ärztliches Attest mitführen; Code 05 weist auf eine beschränkte
Gültigkeit hin und erfordert den Gebrauch von Untercodes, das Fahren unterliegt
Beschränkungen aus medizinischen Gründen, beispielsweise bedeutet Code 05.08:
"Kein Alkohol"). Andererseits werden Codes aufgeführt, die auf Besonderheiten und
Anpassungen des Fahrzeugs hinweisen (Codes 10-44), Beschränkungen auf ein
bestimmtes Fahrzeug enthalten (Code 45, 50 und 51) oder
Verwaltungsangelegenheiten regeln (Codes 70-79).
Es fällt auf, dass zahlreiche medizinische Gründe, die fahreignungsrelevant sein können
und durchaus mit einer gewissen Häufigkeit auftreten dürften (z.B. Diabetes,
Drogensucht), von den harmonisierten Codes nicht erfasst werden. Dafür steht in der
Schweiz der eingangs genannte nationale Code 101 zur Verfügung. Er bedeutet:
"Besondere Auflage (die ausführliche Verfügung wird bei der ausweisausstellenden
Behörde aufbewahrt)". Nähere Angaben des ASTRA, welche Auflagen mit Code 101 im
Führerausweis einzutragen sind, enthalten die Weisungen vom 15. März 2016 nicht. Für
einen Entscheid über die Eintragung des Codes 101 im Führerausweis holte das
Kantonsgericht Luzern zu dieser Frage einen Bericht des ASTRA ein (vgl. LGVE 7H 13
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2 vom 26. August 2014, in: www.gerichte.lu.ch). Darin bezeichnet das ASTRA den
Code 101 als "Sammelgefäss", dessen Inhalt und Bedeutung nicht abschliessend
geregelt sei. Die kantonalen Behörden hätten hier einen Handlungsspielraum, wobei
der Code 101 immerhin nicht anstelle eines anderen, genau definierten, harmonisierten
oder nationalen Codes verwendet werden dürfe. Hauptzweck der Codes im
Allgemeinen sei die Erhöhung der Verkehrssicherheit. Die Kontrollorgane könnten auf
den ersten Blick erkennen, ob Auflagen eingetragen seien, und dann deren Einhaltung
überprüfen. Aber auch die Fahrzeugführer würden an die Auflagen erinnert. Schliesslich
dienten die Einträge auch weiteren Gruppen, z.B. den Autovermietern, welche von
Gesetzes wegen überprüfen müssten, ob sie einer bestimmten Person ein bestimmtes
Fahrzeug vermieten dürften (z.B. wenn jemand nur Fahrzeuge mit automatischem
Getriebe fahren dürfe). Am häufigsten werde der Code 101 wohl im Zusammenhang
mit speziellen medizinischen Gründen verwendet. Insofern diene der Code 101 nicht
nur den Kontrollorganen, sondern auch dem Strassenverkehrsamt selbst. Dieses sei
nämlich für die Einhaltung der Kontrollintervalle zuständig, müsse die Betroffenen
rechtzeitig aufbieten und die aktuellen Ergebnisse ins Datensystem eingeben. Zudem
sei es auch für die Einleitung eines Ausweisentzugsverfahrens zuständig, sollten die
Betroffenen ihren Pflichten, an den Kontrolluntersuchungen teilzunehmen, nicht
nachkommen.
c) aa) Die von der Vorinstanz verfügte Alkoholfahrabstinenz, welche vom Rekurrenten
nicht beanstandet wird, ist gemäss Ziff. 2 lit. e und h der angefochtenen Verfügung mit
dem Code 05.08 im Führerausweis einzutragen. Die Ausweise sind stets mitzuführen
und den Kontrollorganen (insbesondere der Polizei) auf Verlangen vorzuweisen (Art. 10
Abs. 4 SVG). Die Polizei hat im Rahmen von Verkehrskontrollen oder im
Zusammenhang mit Unfällen zu überprüfen, ob die Fahrzeuglenker sich ihren
Berechtigungen und Beschränkungen entsprechend verhalten. Beim europäisch
harmonisierten Code 05.08 ist für die Kontrollorgane sofort ersichtlich, dass damit die
Alkoholfahrabstinenz gemeint ist. Für die Polizei ist die Überprüfung der Einhaltung
dieser Auflage ohne weiteres möglich; mehr noch, die Einhaltung dieser Auflage ist
überhaupt nur durch die Polizei zu kontrollieren. Da der Rekurrent grundsätzlich
Alkohol trinken darf, erfolgt keine anderweitige Kontrolle durch die Vorinstanz, einen
Arzt oder Therapeuten. Die Polizei kann Fahrzeugführer gestützt auf Art. 55 Abs. 1 SVG
jederzeit ohne entsprechenden Anfangsverdacht einer Atemalkoholprobe unterziehen.
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Wird dabei festgestellt, dass ein Fahrzeugführer mit dem Code 05.08 vor der Fahrt
Alkohol konsumiert hat, erfolgt eine Meldung an die Vorinstanz, und zwar auch dann,
wenn der Wert unterhalb von 0,5 Gewichtspromille oder 0,25 mg/l Alkohol liegt. Diese
Auflage ist somit für die Polizei kontrollierbar, weshalb sich deren Eintragung als
zulässig erweist. In diesem Punkt ist der Rekurs abzuweisen und Ziff. 2 lit. e und h
bezüglich des Auflagencodes 05.08 zu bestätigen.
bb) Die Vorinstanz verfügte gegenüber dem Rekurrenten zudem eine vollständige,
mittels monatlicher Urinproben kontrollierte Cannabisabstinenz (lit. a) mit
regelmässigen ärztlichen Kontrollen und Behandlungen der psychischen Erkrankung
bei Y (lit. b), die regelmässige Einnahme allfälliger ärztlich verordneter Medikamente,
die Befolgung der ärztlichen Weisungen (lit. c) sowie die Auflagenkontrolle alle sechs
Monate beim IRM (lit. f) auf unbestimmte Zeit, mindestens für drei Jahre (lit. h).
Dagegen erhebt der Rekurrent keine Einwände. In Ziff. 2 lit. h ordnete die Vorinstanz
zudem an, dass diese Auflagen mit dem Code 101 im Führerausweis eingetragen
werden.
Dieser Eintrag macht lediglich Sinn, wenn die Auflagen für die Kontrollorgane ohne
weiteres ersichtlich und überprüfbar sind. Die Überprüfung der gegenüber dem
Rekurrenten verfügten Auflage der kontrollierten Cannabisabstinenz und ärztlichen
Kontrolle der psychischen Erkrankung fällt in die Zuständigkeit der Entzugsbehörde
und damit der Vorinstanz. Die Polizei ist im Rahmen einer Verkehrskontrolle nicht in der
Lage zu prüfen, ob der Rekurrent die Cannabisabstinenz mittels monatlicher
Urinproben eingehalten, regelmässig den Arzt und Psychiater aufgesucht, die
verordneten Medikamente zuverlässig eingenommen oder sich an die ärztlichen
Weisungen gehalten hat. Da die Vorinstanz die Auflagen selbst verfügte, ist sie für die
Wahrnehmung ihrer Kontrollaufgabe nicht auf die Eintragung im Führerausweis
angewiesen. Im Übrigen erscheint es als fraglich, ob der Ausweisinhaber durch die
Eintragung des Codes 101 auf dem Führerausweis an seine Verpflichtungen erinnert
wird. Falls notwendig, wird der Erinnerung vielmehr mit Erinnerungsschreiben und
Aufforderungen durch das Strassenverkehrsamt nachgeholfen.
Es fragt sich daher, ob die Polizei die Einhaltung der im Führerausweis mit Code 101
eingetragenen Auflagen im Einzelfall überprüfen kann. Während das Befolgen der
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Beschränkungen gemäss den harmonisierten Zusatzangaben von der Verkehrspolizei
ausnahmslos überwacht werden kann, ist dies bei Code 101 nur sehr beschränkt
möglich, weil die Polizei den Inhalt der Auflagen nicht kennt (vgl. Urteil der
Verwaltungsrekurskommission St. Gallen vom 25. August 2004, in GVP 2004 Nr. 17 E.
2b/bb). Sie hat einerseits keine Einsicht in das Administrativmassnahmen-Register
(ADMAS), wo der Grund für die Auflagen ersichtlich wäre. Andrerseits gibt das
Fahrberechtigungsregister (FABER), auf welches die Polizei zumindest teilweise Zugriff
hat, keine Auskunft über den konkreten Inhalt der Auflagen. Um den Inhalt der Auflagen
zu erfahren, muss die Polizei bei der zuständigen Verwaltungsbehörde nachfragen, was
jedoch nur zu Bürozeiten möglich ist. Sofern die Anfrage in einem anderen Kanton zu
erfolgen hat, ist zudem aus Datenschutzgründen nicht sichergestellt, dass der Polizei
Auskunft erteilt wird. Entgegen den Ausführungen des ASTRA ist es also nicht so, dass
die Polizei anhand des Codes 101 auf den ersten Blick erkennen kann, welche
Auflagen eingetragen sind, um dann deren Einhaltung zu überprüfen.
Im Zusammenhang mit der Cannabisabstinenz könnte es ohnehin lediglich darum
gehen, dass die Polizei anlässlich einer Verkehrskontrolle prüft, ob der Rekurrent trotz
Abstinenzauflage Cannabis konsumiert hat. Sie ist von Amtes wegen verpflichtet, die
Fahrfähigkeit zu überprüfen. Weist ein Fahrzeugführer Anzeichen von Fahrunfähigkeit
auf und sind diese nicht allein auf Alkoholeinfluss zurückzuführen, so kann er weiteren
Voruntersuchungen, namentlich Urin- und Speichelproben, unterzogen werden (vgl.
Art. 55 Abs. 2 SVG). Weist der Rekurrent keine Anzeichen von Fahrunfähigkeit auf, darf
unabhängig von der Geltung von Auflagen kein Drogenschnelltest durchgeführt
werden. Namentlich berechtigt allein der Eintrag einer Cannabisabstinenz nicht die
Durchführung eines Drogenschnelltests. Sind aber entsprechende Anzeichen
vorhanden und fällt der Vortest positiv aus, ist der Führerausweis dem Rekurrenten auf
der Stelle abzunehmen und sofort der Vorinstanz zu übermitteln (Art. 54 Abs. 3 und 5
SVG sowie Art. 31 Abs. 1 lit. b der Strassenverkehrskontrollverordnung, SR 751.013,
abgekürzt: SKV). Auch ohne Code 101 auf dem Führer-ausweis erhält damit die
Vorinstanz, welche die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen hat, von einem polizeilich
festgestellten Drogenkonsum des Rekurrenten in jedem Fall Kenntnis. Unter dem
Aspekt der polizeilichen Überprüfung der Einhaltung der Auflage und der Wahrung der
Verkehrssicherheit ist die Eintragung des allgemein gehaltenen Codes 101 für die
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Cannabisabstinenz deshalb weder geeignet noch gerechtfertigt, da die Kontrolle auf
andere Weise sichergestellt ist.
Schliesslich fragt sich, ob der Vermerk des Codes auf dem Führerausweis wegen des
mit einem allfälligen Kantonswechsel des Berechtigten verbundenen Wechsels der zur
Überprüfung der Auflage zuständigen kantonalen Behörde erforderlich ist. Auf dem
Führerausweis im Kreditkartenformat ist keine Adresse mehr eingetragen. Es genügt
deshalb, dass der Berechtigte der zuständigen Behörde die Adressänderung bekannt
gibt. Insbesondere ist es bei einem Kantonswechsel nicht mehr erforderlich, dass er
den Führerausweis umtauschen lässt. Damit kann die Administrativbehörde nicht
darauf angewiesen sein, dass eine von ihr zu überwachende Auflage auf dem Ausweis
selbst vermerkt ist. Die Weitergabe der notwendigen Information wird vielmehr durch
FABER garantiert, indem die Zusatzangabe Code 101, die auf eine ausführliche
Verfügung verweist, dazu führt, dass bei der früher zuständigen Verwaltungsbehörde
die Akten angefordert werden. Dementsprechend ist im Fall des Rekurrenten ein
Eintrag des Codes 101 im Führerausweis auch mit Blick auf einen allfälligen
Kantonswechsel nicht erforderlich.
d) Zusammenfassend ist der Rekurs teilweise gutzuheissen und Ziff. 2 lit. h Satz 1 der
Verfügung der Vorinstanz vom 14. Oktober 2016 aufzuheben. Der Eintrag mit dem
Code 101 ist auf dem Führerausweis zu löschen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
und dem Staat je zur Hälfte aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr
von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist bis
zum Betrag von Fr. 600.– zu verrechnen und im Restbetrag von Fr. 600.– dem
Rekurrenten zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).