Decision ID: de4cc908-a4c5-4260-b48a-c0cd1c965efa
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte), war seit dem 13. April 2011 bei der B._ AG und
seit dem 17. Mai 2019 bei der C._ AG als Unterhaltsreinigerin in einem
Teilzeitpensum tätig und in dieser Eigenschaft bei beiden Arbeitgeberinnen bei der
Suva unfallversichert. Mit Schadenmeldung UVG vom 4. Februar 2020 meldete die
C._ AG, dass die Versicherte am 14. Januar 2020 bei einer Hotelzimmerreinigung
umgeknickt sei und dabei Schmerzen bekommen habe, welche nicht besser geworden
seien. Als Schädigung wurde eine Verdrehung/ Verstauchung des rechten Knies
angeführt (UV-act. 1). Am 17. Februar 2020 erfolgte für dasselbe Ereignis durch die
B._ AG eine Schadenmeldung UVG. Die Versicherte habe während der Arbeit im
Hotel D._ ein Bett neu beziehen wollen und sich dabei das Knie verknickst. Als
Schädigung wurde ein Bruch festgehalten (UV-act. 6).
A.a.
Am 20. Januar 2020 hatte die Versicherte Dr. med. E._, Facharzt für Orthopädie
und allgemeine Medizin FMH, konsultiert. Der Arzt attestierte ihr eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit ab dem 20. Januar 2020 und veranlasste eine MRT-Untersuchung
des rechten Kniegelenks (UV-act. 1, 4, 14). Die Untersuchung im Institut F._ vom
23. Januar 2020 hatte einen komplexen Einriss des Innenmeniskushinterhorns mit
Kapselreizung, einen Kniegelenkserguss, eine initiale mediale Gonarthrose ohne
Aktivierungszeichen und eine flüssigkeitsgefüllte präpatelläre Bursa, DD: eine
traumatische Bursitis, gezeigt (UV-act. 15; vgl. auch UV-act. 25). Im Arztzeugnis UVG
vom 26. Februar 2020 berichtete Dr. E._ über einen Erguss im rechten Knie sowie
einen Röntgenbefund ohne Arthrose und diagnostizierte eine mediale Meniskusläsion
A.b.
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rechtes Knie. Zur Beurteilung und Festlegung des weiteren Vorgehens überwies er die
Versicherte an die Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates des Kantonsspitals St. Gallen (nachfolgend: KSSG; UV-act. 14).
Im Klinikbericht vom 16. März 2020 erklärten PD Dr. med. G._ und dipl. Arzt H._,
es sei, weil die Versicherte einen möglichst kurzen Arbeitsausfall wolle, am 4. März
2020 zunächst eine diagnostische/therapeutische Kortisoninfiltration durchgeführt
worden. Bei hartnäckiger Beschwerdepersistenz empfahlen die Klinikärzte eine
arthroskopische Teilmeniskektomie. Vorgesehen wurde eine klinische Verlaufskontrolle
in sechs bis acht Wochen (UV-act. 17; vgl. UV-act. 18). Am 9. März 2020 nahm die
Versicherte die Arbeit an ihren beiden Arbeitsstellen wieder auf. Am 31. März 2020
endete das Arbeitsverhältnis bei der C._ AG, dasjenige bei der B._ AG bestand fort
(UV-act. 21 f.). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht hinsichtlich des
Unfallereignisses vom 14. Januar 2020 und richtete die gesetzlichen
Versicherungsleistungen (Heilungskosten, Taggeld) aus (vgl. UV-act. 3, 11 f.; act.
G 3-2).
Am 28. September 2020 stellte sich die Versicherte wegen persistierender
Beschwerden an der Kniegelenkinnenseite rechts erneut im KSSG vor. Im dazu
ergangenen Untersuchungsbericht vom 1. Oktober 2020 hielten die Klinikärzte Dr.
G._ und dipl. Arzt H._ fest, die Versicherte habe über eine deutliche
Beschwerdelinderung für vier Monate nach der Kortisoninfiltration berichtet. Danach
seien die medialen Kniegelenksbeschwerden wieder aufgetreten und dies vor allem
beim Treppensteigen sowie bei Torsionsbewegungen und Kniebeugen. Die Schmerzen
habe die Versicherte mit Dafalgan und Voltaren Gel unterdrückt. Weiter wurde im
Bericht ausgeführt, dass der Meniskusprovokationstest deutlich positiv für den
Innenmeniskus ausgefallen sei. Sie hätten mit der Versicherten das weitere Vorgehen
mittels Fortführens der konservativen Therapiemassnahmen mit Analgesie und
Physiotherapie und/oder operativ besprochen. Die Versicherte habe sich für die von
ihnen empfohlene Kniearthroskopie mit Teilmeniskektomie des Innenmeniskus
entschieden. Geplanter Operationstermin sei der 23. Oktober 2020 (UV-act. 23). Eine
Kopie des Untersuchungsberichts wurde der Suva direkt zugestellt, worauf diese die
Versicherte mit Schreiben vom 9. Oktober 2020 aufforderte, bei ihrer derzeitigen
Arbeitgeberin eine Rückfallmeldung zu veranlassen (UV-act. 24). Am 23. Oktober 2020
A.c.
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wurde wie geplant die Kniegelenksarthroskopie rechts mit medialer Teilmeniskektomie
durchgeführt. Im Operationsbericht wurden folgende Befunde erhoben: bezüglich des
oberen Recessus und des patellofemoralen Gleitlagers: minimale Synovialitis, Patella
femoral altersentsprechend regelrechter Knorpel, nur oberflächliche Schleifspuren in
der Trochlea; bezüglich des medialen Kompartiments: mediale Meniskusläsion im
Hinterhorn, tibial altersentsprechend unauffälliger Knorpelüberzug, femoral, am
medialen Aspekt der Kondyle ca. 10 x 10 mm zweit- und drittgradige Knorpelläsion;
bezüglich der Interkondylärregion: intaktes vorderes und hinteres Kreuzband und
bezüglich des lateralen Kompartiments: intakter Meniskus, altersentsprechend
regelrecht intakter Knorpel (UV-act. 31). Im ambulanten Austrittsbericht des KSSG vom
3. November 2020 wurde die Diagnose Horizontalriss des Innenmeniskus Knie rechts
nach Distorsion am 14. Januar 2020 gestellt. Im Weiteren wurde berichtet, dass die
Versicherte nach einem intra- und postoperativ komplikationslosen Verlauf noch am
Operationstag in gutem Allgemeinzustand und schmerzkompensiert nach Hause habe
entlassen werden können. Verordnet worden sei Physiotherapie (UV-act. 32, 34). Am
28. Oktober 2020 war die UVG-Rückfallmeldung der B._ AG bei der Suva
eingegangen. Als Rückfalldatum war darin der 23. Oktober 2020 – der Tag der
Operation – angegeben worden (UV-act. 26).
In einer Aktenbeurteilung vom 24. November 2020 verneinte Kreisarzt Dr. med.
I._, Facharzt für Chirurgie FMH, die Frage, ob die Beschwerden am Knie rechts mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 14. Januar 2020
zurückzuführen seien, weil die im MRT vom 23. Januar 2020 und insbesondere auch
intraoperativ nachgewiesenen Veränderungen im Bereich des Innenmeniskus und des
Knorpels im medialen Kompartiment allesamt degenerativ erklärbar seien. Die
Morphologie der Meniskusveränderungen sei bei der 4_-jährigen Versicherten mit
horizontal ausgerichteter Läsion typisch für eine degenerative Genese und daher nicht
überwiegend wahrscheinlich kausal zum beschriebenen Ereignis (UV-act. 28).
A.d.
Mit Schreiben vom 26. November 2020 informierte die Suva die Versicherte, dass
sie keine Versicherungsleistungen erbringen werde, denn es bestehe kein sicherer oder
wahrscheinlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 14. Januar 2020
und den Kniebeschwerden. Die Operation vom 23. Oktober 2020 gehe daher zu Lasten
der Krankenkasse (UV-act. 38). Nachdem die Versicherte hatte ausrichten lassen, dass
A.e.
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B.
sie mit der Leistungsabweisung nicht einverstanden sei (UV-act. 39), erliess die Suva
am 1. Dezember 2020 eine leistungsabweisende Verfügung (UV-act. 42).
Am 10. Dezember 2020 ging bei der Suva eine Einsprache der Versicherten gegen
die leistungsabweisende Verfügung vom 1. Dezember 2020 ein. Die Versicherte
brachte insbesondere zum Ausdruck, dass sie den Entscheid der Suva nicht
nachvollziehen könne, denn ihr Leiden sei durch den Meniskusriss verursacht worden.
Die Operation sei erforderlich gewesen, da die Kortisoninfiltration nach einem halben
Jahr keine Wirkung mehr gezeigt habe. Vor dem Unfall habe sie nie Kniebeschwerden
oder sonstige Probleme gehabt. Sie bat daher die Suva, den Fall mit ihrem Hausarzt zu
besprechen (UV-act. 43). Mit Schreiben vom 26. Februar 2021 forderte die Suva die
Versicherte auf, die Einsprache vom 10. Dezember 2020 noch zu unterzeichnen (UV-
act. 48). Die unterschriebene Einsprache ging bei der Suva am 5. März 2021 ein (UV-
act. 49).
A.f.
Mit Einspracheentscheid vom 9. März 2021 wies die Suva die Einsprache gegen
die Verfügung vom 1. Dezember 2020 ab. Zur Begründung wurde insbesondere
ausgeführt, dass gemäss der kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 24. November 2020
die beklagte Beschwerdesymptomatik nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in
kausalem Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 14. Januar 2020 stehe, denn die
nachgewiesenen Veränderungen im Bereich des Innenmeniskus und des Knorpels im
medialen Kompartiment seien allesamt degenerativ erklärbar. Entsprechend habe der
operative Eingriff vom 23. Oktober 2020 nicht überwiegend wahrscheinlich einer
unfallkausalen Beeinträchtigung gegolten (UV-act. 51). Die Versicherte verlangte am 12.
März 2021 Einsicht in die medizinischen Akten, woraufhin die Suva ihr diese - jedoch
ohne die Stellungnahme von Kreisarzt Dr. I._ vom 24. November 2020 (UV-act. 28) -
zusandte (UV-act. 52 f.).
A.g.
Am 23. April 2021 erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin),
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Ronald Pedergnana, St. Gallen, Beschwerde
gegen den Einspracheentscheid der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) mit
folgenden Rechtsbegehren: 1. Der Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom
9. März 2021 sei aufzuheben. 2. Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, die
B.a.
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gesetzlichen Leistungen zu erbringen. 3. Eventualiter sei ein gerichtliches Gutachten
durchzuführen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wurde insbesondere ausgeführt, dass zwischen
dem Unfallereignis vom 14. Januar 2020 und der wegen persistierender Knieschmerzen
am 23. Oktober 2020 durchgeführten Kniearthroskopie mit Teilmeniskektomie des
Innenmeniskus der Kausalzusammenhang gegeben sei bzw. der von der
Beschwerdegegnerin behauptete Wegfall der Kausalität aufgrund des Erreichens des
Zustands, wie er vor dem Unfall bestanden habe bzw. sich auch ohne dieses Ereignis
so präsentieren würde, von ihr nicht überwiegend wahrscheinlich nachgewiesen
worden sei. Deshalb sei die Beschwerdegegnerin auch für die Operation
leistungspflichtig (act. G 1).
In der Beschwerdeantwort vom 31. Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde vom 23. April 2021 und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 9. März 2021. Zur Begründung wurde insbesondere
ausgeführt, Kreisarzt Dr. I._ habe in seiner Aktenbeurteilung vom 19. Mai 2021 daran
festgehalten, dass die Morphologie der Meniskusveränderungen mit horizontal
ausgerichteter Läsion für eine degenerative Genese typisch und somit nicht
überwiegend wahrscheinlich kausal zum beschriebenen Ereignis sei. Durch den Unfall
sei ein degenerativer Zustand lediglich vorübergehend verschlimmert worden. Die
Unfallfolgen würden spätestens drei Monate später keine Rolle mehr spielen. Deshalb
sei auch der operative Eingriff nicht überwiegend wahrscheinlich unfallkausal (act. G 3,
G 3.1).
B.b.
In der Replik vom 27. August 2021 hielt die Beschwerdeführerin unverändert an
ihren Rechtsbegehen gemäss Beschwerde vom 23. April 2021 fest. Zur Begründung
wurde ausgeführt, dass es ohne das Unfallereignis nicht zu einem Meniskusschaden
gekommen und die im Oktober 2020 durchgeführte Operation, wie sie bereits kurz
nach dem Unfall in Betracht gezogen worden sei, nicht erforderlich gewesen wäre. Im
Weiteren wurde geltend gemacht, der Umstand, dass sie sich nach dem Unfall nicht für
eine Operation, sondern für ein konservatives Vorgehen bzw. für eine weniger invasive
Behandlung entschieden habe, dürfe nicht dazu führen, dass sie nun schlechter
gestellt werde. Die Ärzte Dr. E._ und Dr. G._ hätten aufgrund persönlicher und
zeitnaher Untersuchungen bestätigt, dass keine Arthrose vorliege und es sich mit
B.c.
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Erwägungen
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für die im Herbst
2020 erneut behandlungsbedürftigen Kniebeschwerden (insbesondere für die
Knieoperation vom 23. Oktober 2020) leistungspflichtig ist (vgl. UV-act. 42 und 51).
Nicht streitig sind hingegen die im Anschluss an das Ereignis vom 14. Januar 2020 von
der Beschwerdegegnerin zugesicherten und bis Frühjahr 2020 ausgerichteten
Leistungen (Heilkostenleistungen, Taggelder; vgl. UV-act. 2, 11 f.).
2.
überwiegender Wahrscheinlichkeit um unfallkausale Beschwerden handle (act. G 7,
G 7.1).
In der Duplik vom 4. Oktober 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag
um Abweisung der Beschwerde fest. Dabei stützte sie sich insbesondere darauf, dass
Suva-Arzt Dr. med. J._, Facharzt für Chirurgie, in seiner Beurteilung vom 1. Oktober
2021 zum gleichen Schluss wie Suva-Kreisarzt Dr. I._ gekommen sei (act. G 9,
G 9.1).
B.d.
Am 8. Dezember 2021 nahm die Beschwerdeführerin zum Arztbericht von Dr.
J._ vom 1. Oktober 2021 Stellung. Dabei wurde insbesondere gerügt, dass Dr. J._
den Bericht erstellt habe, ohne zuvor die Beschwerdeführerin untersucht und den
Unfallablauf genau erfragt zu haben. Zudem seien die Argumente für oder gegen eine
Unfallkausalität nicht gegeneinander abgewogen worden. Daher handle es sich nicht
um einen objektiven Bericht eines Versicherers (act. G 11).
B.e.
Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Als Unfall gilt nach Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
2.1.
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sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im
jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
fallen (André Nabold, N 42 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert: KOSS UVG]; Irene Hofer, N 32 ff.
zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019, [nachfolgend zitiert: BSK UVG];
BGE 134 V 76 E. 4.1 und 129 V 404 E. 2.1 E. 2.1, je mit Hinweisen). Das für den
Unfallbegriff wesentliche Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach
Lehre und Rechtsprechung auch in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei
unkoordinierten Bewegungen ist das Merkmal der Ungewöhnlichkeit erfüllt, wenn ein in
der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung
gleichsam „programmwidrig“ beeinflusst hat, was beispielsweise dann zutrifft, wenn
die versicherte Person stolpert, ausgleitet oder an einen Gegenstand anstösst oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige Abwehrbewegung ausführt
oder auszuführen versucht. Dass es tatsächlich zu einem Sturz kommt, wird mithin
nicht vorausgesetzt. Wo sich eine Schädigung auf das Körperinnere beschränkt und sie
erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheiten, namentlich von
degenerativen Veränderungen eines Körperteils innerhalb eines durchaus normalen
Geschehensablaufs auftreten kann, muss die unkoordinierte Bewegung als
unmittelbare Ursache der Schädigung indessen unter besonders sinnfälligen
Umständen gesetzt worden sein; denn ein Unfallereignis manifestiert sich in der Regel
in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während bei deren Fehlen eine
erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen besteht (vgl. BGE 134 V
80 E. 4.3.2.1, 130 V 118 E. 2.1 und Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014,
8C_783/2013, E. 4.2, je mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 32 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 38 zu Art. 6).
Gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG hat der Unfallversicherer sodann bei Vorliegen
eines Unfalls für einen Gesundheitsschaden nur insoweit Leistungen zu erbringen, als
dieser in einem natürlichen sowie adäquaten Kausalzusammenhang zum versicherten
Ereignis steht (BGE 129 V 181 E. 3.1 ff. mit Hinweisen; KOSS UVG-Nabold, N 48 ff. zu
Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 63 ff. zu Art. 6; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.],
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, S. 55). Für die
2.2.
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Beantwortung der Tatfrage nach dem Bestehen natürlicher Kausalzusammenhänge im
Bereich der Medizin ist das Gericht in der Regel auf Angaben ärztlicher Experten und
Expertinnen angewiesen. Die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang ist
demgegenüber eine Rechtsfrage, die vom Gericht nach den von Doktrin und Praxis
entwickelten Regeln zu beurteilen ist (vgl. KOSS UVG-Nabold, N 53, 59 zu Art. 6;
BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58; BGE 129 V 181
E. 3.1 und 3.2 sowie in BGE 135 V 465 nicht publizierte E. 2 des Urteils 8C_216/2009
vom 28. Oktober 2009, je mit Hinweisen). Die Adäquanz spielt im Bereich organisch
objektiv ausgewiesener Unfallfolgen indessen praktisch keine Rolle, da sich hier die
adäquate weitgehend mit der natürlichen Kausalität deckt (BGE 134 V 111 f. E. 2 und
118 V 291 f. E. 3a).
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG (in Kraft seit 1. Januar 2017) erbringt die Versicherung
ihre Leistungen auch bei den folgenden, abschliessend aufgelisteten
Körperschädigungen (vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N 42 zu Art. 6 UVG), sofern sie
nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: a.
Knochenbrüche, b. Verrenkungen von Gelenken; c. Meniskusrisse; d. Muskelrisse, e.
Muskelzerrungen; f. Sehnenrisse; g. Bandläsionen; h. Trommelfellverletzungen. Mit Art.
6 Abs. 2 lit. a bis h UVG wird die gesetzliche (Kausalitäts-)Vermutung statuiert, dass der
Unfallversicherer bei erfüllter Listendiagnose leistungspflichtig ist. Dieser kann sich
aber von seiner Leistungspflicht befreien, wenn er den Nachweis erbringt, dass die
Körperschädigung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist
(Botschaft vom 30. Mai 2008, BBl 2008 S. 5411, und Zusatzbotschaft vom 19.
September 2014, BBl 2014 S. 7922; SZS 2017 S. 33). Auf das Kriterium des äusseren
Faktors wird explizit verzichtet (BBl 2014 S. 7922). Der Gegenbeweis der vorwiegend
abnützungs- oder krankheitsbedingten Verursachung beschlägt den natürlichen
Kausalzusammenhang. Nur der Nachweis eines rechtsgenügenden, d.h. vorwiegend
degenerativ oder krankhaft verursachten Schadens, kann zu einer Verneinung des
natürlichen Kausalzusammenhangs bzw. der Leistungspflicht des Unfallversicherers
führen (Evalotta Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, Das
Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018 S. 358). Der (Gegen-)Beweis der vorwiegend
krankhaften oder degenerativen Pathogenese der Listendiagnose ist erbracht, wenn
die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (BGE 146
V 64 E. 8.2.2.1 mit Hinweisen). Aus der in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit
des Gegenbeweises ergibt sich allerdings auch nach der am 1. Januar 2017 in Kraft
getretenen UVG-Revision die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer
zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs- und
erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit letztlich zur
2.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/22
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Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit bleibt auch beim Vorliegen einer
Listendiagnose die Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis -
nicht zuletzt auch aufgrund der Bedeutung als zeitlicher Anknüpfungspunkt für Fragen
der Versicherungsdeckung oder Zuständigkeit des Unfallversicherers - relevant (zum
Ganzen: BGE 146 V 69 f. E. 8.6 mit Hinweisen). Zur Feststellung der medizinischen
Verhältnisse, konkret zur Beurteilung der Tatfrage, ob eine Schädigung vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, ist die rechtsanwendende Behörde auf
Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärzten und Ärztinnen zur Verfügung zu stellen sind
(vgl. BGE 122 V 157 E. 1b mit zahlreichen Hinweisen; vgl. dazu KOSS UVG-Nabold, N
53 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55;
Samuelsson, a.a.O., S. 357 f.).
Eine durch einen Unfall verursachte Gesundheitsschädigung oder eine auftretende
Beschwerdesymptomatik kann einen zuvor intakten oder einen bereits
vorgeschädigten Körperteil betreffen. Ist letzteres der Fall kommt eine unfallkausale
Gesundheitsschädigung oder eine unfallähnliche Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs.
2 UVG höchstens als vorübergehende oder richtunggebende Verschlimmerung eines
Vorzustandes in Betracht. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers bei einem
verschlimmerten oder überhaupt erst manifest gewordenen Vorzustand entfällt erst,
wenn der Unfall nicht mehr die natürliche oder adäquate Ursache des
Gesundheitsschadens darstellt oder die Ursächlichkeit einer vorübergehenden
Verschlimmerung (so bei der Aktivierung einer vormals stummen Listenverletzung) einer
unfallähnlichen Vorschädigung ausgeschlossen werden kann. Dies trifft zu, wenn
entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall oder dem
Eintreten der Beschwerdesymptomatik bestanden hat (Status quo ante), oder aber
derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften
Vorzustands (auch ohne Unfall) früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine),
erreicht ist. Eine richtunggebende Verschlimmerung liegt vor, wenn medizinischerseits
feststeht, dass weder der Status quo sine noch der Status quo ante je wieder erreicht
werden können (vgl. in Bezug auf die unfallähnlichen Körperschädigungen:
Samuelsson, a.a.O., S. 362 f.; vgl. zum Erreichen des Status quo sine vel ante: UVG
Kommentar-Nabold, N 54 zu Art. 6; BSK UVG-Hofer, N 71 zu Art. 6; Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 54). Wird davon ausgegangen, dass die nach einem Unfall
aufgetretenen Beschwerden Folge einer durch den Unfall lediglich aktivierten (zuvor
stummen) vorbestehenden Gesundheitsschädigung sind oder eine bloss aktivierte
(vormals stumme) unfallähnliche Vorschädigung vorliegt, hat der Unfallversicherer nur
Leistungen für das vorübergehende Schmerzsyndrom zu erbringen. Solange der Status
quo sine oder ante noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer in aller Regel
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/22
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neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen,
worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen. Unter Umständen
hat der Versicherte damit auch Anspruch auf eine, operative Eingriffe
miteinschliessende, zweckmässige Behandlung, wenn diese im Gesamtkontext
gesehen letztlich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit der (vorzeitigen) Beseitigung
der Schmerzen dient und nicht gesagt werden kann, die Operation sei auch ohne das
Schmerzsyndrom überwiegend wahrscheinlich im selben Zeitpunkt notwendig
geworden (zum Ganzen Urteile des Bundesgerichts vom 26. Februar 2013,
8C_423/2012, E. 5.3, und vom 24. Juni 2008, 8C_326/2008, E. 3.2, je mit weiteren
Hinweisen; Art. 36 Abs. 1 UVG). Bei einem Unfall wirkt also eine schadensauslösende
traumatische Einwirkung selbst dann (vorübergehend) leistungsbegründend, wenn der
betreffende Schaden auch ohne das versicherte Ereignis früher oder später wohl
eingetreten wäre, der Unfall somit nur hinsichtlich des Zeitpunkts des Schadenseintritts
conditio sine qua non, also unabdingbare Voraussetzung war (Urteile des
Bundesgerichts vom 19. Oktober 2011, 8C_515/2011, E. 4.1, und vom 5. April 2007, U
413/05, E. 4.2). Nichts anderes dürfte in Bezug auf unfallähnliche Körperschädigungen
gelten (vgl. Samuelsson, a.a.O., S. 363).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach hat die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 122 V 158 E. 1a, 121 V 210 E. 6c). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen,
138 V 221 f. E. 6). Die Verwaltung respektive das Gericht dürfen eine Tatsache nur
dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Die Frage,
ob sich ein Unfallereignis im Rechtssinn ereignet hat (vgl. Erwägung 2.1), und falls ja,
die weitere Frage, ob zwischen dem Unfallereignis und einer gesundheitlichen Störung
ein natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist (vgl. Erwägung 2.2), und ebenso die
Frage, ob eine Schädigung vorwiegend durch Abnützung oder Krankheit verursacht ist
(vgl. Erwägung 2.3), beurteilten sich nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit; die blosse Möglichkeit eines
Sachverhalts genügt für die Begründung eines Leistungsanspruchs bzw. für die
Verneinung einer Leistungspflicht nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen; vgl.
Thomas Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl.
2.5.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/22
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3.
Im Folgenden ist zunächst zu prüfen, ob im vorliegenden Fall mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG
ausgegangen werden kann.
2014, § 70 N 58 f.). Die obgenannte Beweislastregel kommt also erst zur Anwendung,
wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes hinsichtlich der vorgenannten Fragen
kein überwiegend wahrscheinlicher Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 138 V 221
f. E. 6, BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen, 114 V 298 E. 5b). Wird auf dem Weg der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit dem
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, so hat dieses als
unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person
auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50). Bei der Frage, ob ein
Kausalzusammenhang eines Gesundheitsschadens zu einem Unfallereignis überhaupt
jemals gegeben ist, ist ebenfalls die versicherte Person beweisbelastet. Die Beweislast
für den Wegfall der Unfallkausalität oder der Ursächlichkeit einer traumatisch bedingten
vorübergehenden Verschlimmerung einer vorbestehenden Listendiagnose trägt
hingegen der Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 326; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. August 2008, 8C_101/2008, E. 2.2; BGE 117 V 264 E. 3b;
Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 54 f.; vgl. zur Beweislast bei unfallähnlichen
Körperschädigungen: Samuelsson, a.a.O., S. 363). Selbstredend trägt auch die
Beweislast in Bezug auf den Nachweis einer vorwiegend krankhaften oder
degenerativen Verursachung der Listendiagnose der Unfallversicherer.
In den vorliegenden Akten ist das Ereignis vom 14. Januar 2020 mehrmals
beschrieben. In der von der C._ AG am 4. Februar 2020 bei der Beschwerdegegnerin
eingetroffenen Schadenmeldung UVG wurde als Sachverhalt festgehalten: "Beim
Reinigen des Hotelzimmers umgeknickt, dabei bekam Frau A._ Schmerzen, welche
nicht besser wurden" und als verletzter Körperteil bzw. Schädigung: "rechtes Knie"
bzw. "Verdrehung/Verstauchung" (UV-act. 1). In der von der B._ AG am 17. Februar
2020 eingereichten Schadenmeldung UVG wurde folgender, im Wesentlichen
übereinstimmende Sachverhalt beschrieben: "Während der Arbeit im Hotel D._ wollte
Frau A._ ein Bett neu überziehen und dabei hat sie ihr Knie verknickst." Als verletzter
Körperteil wurde ebenfalls das rechte Knie, als Schädigung jedoch ein Bruch
angegeben (UV-act. 6). Mit Schreiben vom 6. und 21. Februar 2020 teilte die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin und deren Arbeitgeberinnen mit, dass
sie für die Folgen des Berufsunfalls vom 14. Januar 2020 Versicherungsleistungen
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 13/22
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(Taggeld, Heilungskosten) ausrichten werde (UV-act. 3, 11 f.). Im Arztzeugnis UVG vom
26. Februar 2020 nannte Dr. E._ sodann als Ereignis eine "Kniedistorsion rechts bei
der Arbeit Hotel D._". In der Replik vom 27. August 2021 rügte der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin, dass die Beschwerdegegnerin ihre Abklärungspflicht verletzt
habe, indem sie das eigentliche Unfallgeschehen ungenügend festgestellt habe. Er
schilderte, dass die Beschwerdeführerin am Unfalltag dabei gewesen sei, das Bett im
Hotelzimmer zu beziehen. Weil das Bett direkt an einer Wand gestanden habe, habe
sie dieses verschieben müssen, damit sie das Bett habe sauber beziehen können. Sie
sei dabei in die Knie gegangen und habe den Bettrand von unten gegriffen. Sie habe
das Bett zu sich gezogen. Normalerweise sei dazu ein hoher Kraftaufwand nötig. Das
Bett sei ihr jedoch schnell entgegengekommen, weshalb sie in der Hocke das
Gleichgewicht verloren habe. Es sei zum beschriebenen Knacks im Bereich des Knies
gekommen, den sie auch gehört habe. Nachdem sie wieder habe aufstehen können,
habe sie den Schmerz bemerkt und habe nicht mehr wie gewohnt gehen können (act.
G 7-3 Ziff. 8 ff.).
Bereits aufgrund der Ereignisschilderungen in den beiden Schadenmeldungen
UVG vom 4. und 17. Februar 2020 hat die Beschwerdegegnerin ausdrücklich einen
Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG anerkannt. Es besteht kein Anlass, diese Annahme in
Frage zu stellen. Sie erscheint angesichts der Benennung eines Umknickens bzw.
Verknickens plausibel. So kann auch der Feststellung des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin in der Replik gefolgt werden, dass es sich im vorliegenden Fall, wo
die Beschwerdeführerin durch das überraschende Entgegenkommen des Betts das
Gleichgewicht verloren habe und ihr aufgrund ihrer ungünstigen Position (in der Hocke)
das Knie weggekickt sei, um eine plötzliche und nicht beabsichtigte Bewegung im
Sinne von Art. 4 ATSG handle. In der Duplik vom 4. Oktober 2021 bestätigte die
Beschwerdegegnerin erneut, dass nie streitig gewesen sei, dass das Ereignis vom 14.
Januar 2020 einen Unfall im Rechtssinne darstelle. Dies sei von ihr auch anerkannt
worden. Der Umstand, dass in den Schadenmeldungen UVG vom 4. und 17. Februar
2020 unterschiedliche Schädigungen (Verstauchung, Bruch) genannt wurden, ist für die
Frage des Vorliegens eines Unfallereignisses irrelevant. Die Frage, welche Unfallfolgen
bei der Beschwerdeführerin im Herbst 2020 noch vorgelegen haben, wird nachfolgend
beantwortet (vgl. Erwägungen 4 und 5).
3.2.
Nach dem Gesagten kann mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin am 14.
Januar 2020 ein Ereignis erlitten hat, welches die Voraussetzungen des Unfallbegriffs
gemäss Art. 4 ATSG erfüllt.
3.3.
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4.
Der Umstand allein, dass bestimmte Ereignisse, wie ein Umknicken bzw. eine
Verdrehung des Kniegelenks, potentiell geeignet wären, körperliche Verletzungen
herbeizuführen, bedeutet jedoch nicht, dass zwingend für alle Beschwerden im Bereich
eines vom konkreten Unfall betroffenen Körperteils dieser Unfall verantwortlich sein
muss und damit natürlich kausale Unfallfolgen vorliegen (Art. 6 Abs. 1 UVG). Mit dem
alleinigen Vorliegen eines Gesundheitsschadens ist demnach nicht in jedem Fall auch
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dessen Unfallkausalität
ausgewiesen (vgl. dazu Erwägung 2.2). Auch bei einem Unfall ist entscheidend, welche
Gesundheitsschädigung auf den Unfall zurückzuführen ist.
4.1.
In der am 23. Januar 2020 durchgeführten MRT-Untersuchung des rechten
Kniegelenks fand sich u.a. ein komplexer Einriss des Innenmeniskushinterhorns (UV-
act. 15). Im Untersuchungsbericht der Klinik für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates des KSSG vom 16. März 2020 wurde
gestützt auf die Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 2. März 2020 sowie die
bildgebenden Untersuchungen (MRT und Röntgenuntersuchung des rechten Knies
vom 23. Januar bzw. 2. März 2020) die Diagnose Horizontalriss des Innenminiskus Knie
rechts nach Distorsion am 14. Januar 2020 gestellt (UV-act. 17). Im
Untersuchungsbericht vom 1. Oktober 2020 über die Untersuchung der
Beschwerdeführerin vom 28. September 2020 im KSSG wurde die Diagnose
symptomatische Innenmeniskusläsion Knie rechts nach Distorsion am 14. Januar 2020
festgehalten (UV-act. 23). Anlässlich der Kniegelenksarthroskopie vom 23. Oktober
2020 wurde das Vorliegen einer medialen Meniskusläsion im Hinterhorn bestätigt (UV-
act. 31).
4.2.
Im konkreten Fall ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin den
ausgewiesenen Meniskusriss beim Unfall vom 14. Januar 2020 erlitten hat. Wäre dies
zu bejahen, wäre die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die Heilbehandlung des
Meniskusrisses und damit konkret die Operation vom 23. Oktober 2020
(Kniegelenksarthroskopie rechts mit medialer Teilmeniskektomie; UV-act. 31) und die
Operationsfolgen (Wundheilung, postoperative Schmerzphase,
Medikamentenversorgung, Schonungsphase mit möglicher Arbeitsunfähigkeit etc.)
leistungspflichtig. Während eine Unfallkausalität der Meniskusschädigung von der
Beschwerdegegnerin gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen von Dr. I._ vom
24. November 2020 (UV-act. 40) und 19. Mai 2021 (act. G 3.1) und insbesondere auf
die Beurteilung von Dr. J._ vom 1. Oktober 2021 (act. G 9.1) verneint wird, vertritt der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin den gegenteiligen Standpunkt.
4.3.
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5.
Meniskusläsionen können als Folge eines Traumas auftreten, indem die Menisken
bei akuten schweren Knieverletzungen ein- oder abreissen. Hinsichtlich
Meniskusläsionen gilt es aber auch zu beachten, dass die Kniegelenksmenisken zur
Degeneration neigen. Zudem sind sie starker mechanischer Beanspruchung
ausgesetzt. Entsprechend wird der Meniskusriss in der medizinischen Literatur häufig
als degenerative bzw. chronische Schädigung beschrieben (vgl. Alfred M. Debrunner,
Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. 2002, S. 1056 f.; Pschyrembel, Klinisches
Wörterbuch, 267. Aufl. 2017, S. 1146; Roche Lexikon, Medizin, 5. Aufl. 2003, S. 1204,
1852; Evalotta Samuelsson, Neuregelung der unfallähnlichen Körperschädigung, Das
Beispiel des Meniskusrisses, in: SZS 2018, S. 344 f.). Nachfolgend ist mithin zu
entscheiden, ob mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von
einem traumatisch oder von einem degenerativ bedingten Meniskusriss auszugehen
ist. Die Prüfung der Kausalität eines Gesundheitsschadens, der zwar traumatischen,
aber eben auch degenerativen Ursprungs sein kann, findet regelmässig anhand
massgebender Beurteilungskriterien bzw. Indizien statt. Die Kriterien sind zuzuordnen
und letztlich in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen.
5.1.
5.2.
Von Dr. J._ wird zunächst der im Rahmen einer Kausalitätsbeurteilung
grundsätzlich ein massgebendes Beurteilungskriterium bildende Unfallmechanismus
diskutiert. So führt nicht jeder Unfall bzw. Unfallmechanismus zu einer Verletzung oder
zumindest nicht zu einer derart körperlich gravierenden strukturellen Verletzung, dass
anhaltende Beschwerden auftreten oder eine operative Behandlung notwendig wird. In
der medizinischen Literatur wird für traumatisch bedingte Meniskusläsionen ein
konkreter Bewegungsmechanismus - mehrheitlich eine Distorsion oder ein
Rotationstrauma (Verletzung durch Drehbewegung) - gefordert, der geeignet ist, eine
solche Verletzung hervorzurufen (Debrunner, a.a.O., S. 1057; Pschyrembel, a.a.O., S.
1146; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1146; Leitlinien der Orthopädie, Hrsg. Deutsche
Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie und Berufsverband der Ärzte
für Orthopädie, 2. erweiterte Aufl. 2002, S. 141; S2k Leitlinie Meniskuserkrankung der
Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie [DGOU], abrufbar unter
https://gelenkzentrum-rheinmain.de/app/uploads/2017/08/Allgemeine-Leitlinie-
Meniskus.pdf, abgerufen am 22. Juni 2022).
5.2.1.
Dr. J._ stellt in seiner Beurteilung vom 1. Oktober 2021 auf den vom
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in der Replik vom 27. August 2021 (act. G 7)
5.2.2.
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für den Schaden verantwortlich gemachten Unfallhergang ab (act. G 9.1, S. 5) und
erklärt, dass ein Unfallhergang mit einem Knacken im Kniegelenk bei einem unerwartet
geringen Widerstand beim Ziehen eines Bettes keinen typischen Mechanismus für eine
traumatische Meniskusruptur darstelle. Die für eine traumatische Meniskusläsion
typischen Bewegungsabläufe hätten hier nicht stattgefunden, insbesondere sei es nicht
zu einer massiven Verdrehung des Oberkörpers bei fixiertem Bein gekommen (act. G
9.1, S. 7). In derselben Beurteilung geht er jedoch immerhin von einer Distorsion des
Kniegelenks aus, wodurch aber nur eine bereits vor dem Unfall bestehende
degenerative Veränderung im Bereich des Kniegelenks klinisch relevant geworden sei.
Es handle sich aufgrund der beschriebenen Veränderung nur um eine vorübergehende
Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustandes und nicht um eine unfallbedingte
Meniskusläsion (act. G 9.1, S. 7). Es ist eine Erfahrungstatsache, dass im alltäglichen
Bewegungsablauf Verdrehungen und ein gewisser Zug auf die Strukturen des
Kniegelenks stattfinden und das Kniegelenk einem normalen und verletzungsfreien
Funktionieren im alltäglichen Leben, wozu Bewegungen und Drehungen und
dergleichen gehören, gewachsen ist. Gerade Distorsionen zeichnen sich durch
unterschiedliche Schweregrade aus (vgl. Debrunner, a.a.O., S. 1097; vgl. auch Urteil
des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 30. August 2001, U 277/99)
und müssen nicht in jedem Fall zu einer Kniegelenksverletzung führen. In der
medizinischen Literatur (Erwägung 5.2.1) wird der Schweregrad einer Distorsion,
welcher eine Meniskusläsion verursachen kann, nicht näher definiert. Im vorliegenden
Fall kann zwar nicht ausgeschlossen werden, dass es zu einer Distorsion gekommen
ist. Nicht ausgewiesen ist jedoch, ob der von Dr. J._ beschriebene Vorgang (massive
Verdrehung des Oberkörpers bei fixiertem Bein) stattgefunden hat oder der konkrete
Unfallmechanismus zumindest einen Schweregrad aufwies, der eine Meniskusläsion
hätte verursachen können. Nachträgliche noch detailliertere Abklärungen zum
Unfallhergang können dazu keine neuen relevanten Erkenntnisse mehr bringen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass vor dem Hintergrund des Gesagten
allein gestützt auf das Beurteilungskriterium des Unfallmechanismus nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen ist, ob eine
unfallkausale oder eine unfallfremde Genese hinsichtlich der Schädigung des Meniskus
rechts vorliegt. Die Prüfung der Kausalität findet jedoch häufig anhand verschiedener
Beurteilungskriterien statt. Wie die nachfolgenden Erwägungen zeigen, vermögen diese
eine hinreichende Klarheit bezüglich einer unfallfremden Genese zu schaffen.
5.2.3.
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5.3.
Einen degenerativen, nicht traumatisch bedingten Meniskusschaden begründet
Dr. J._ insbesondere auch mit dem zeitlichen Ablauf. In Übereinstimmung mit den
vorliegenden Akten führt Dr. J._ aus, dass am 20. Januar 2020 die Vorstellung bei Dr.
E._ stattgefunden und dieser einen Kniegelenkserguss beschrieben habe (UV-act.
14). Am 2. März 2020 habe sich die Beschwerdeführerin im KSSG vorgestellt.
Anlässlich dieser Untersuchung sei festgehalten worden, dass die
Schwellungssituation im Bereich des Kniegelenks deutlich rückläufig sei; es hätten
jedoch noch persistierende Schmerzen über der Kniegelenkinnenseite bei
Torsionsbewegungen sowie Kniebeugen, jedoch keine Gelenkblockaden bestanden.
Zum Zeitpunkt dieser Untersuchung sei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit gegeben
gewesen. Die analgetische Behandlung sei mit einmal Ibuprofen 400 mg pro Tag
dokumentiert. Von der Beschwerdeführerin sei eine maximale Gehstrecke von 10
Minuten angegeben worden. Um einen möglichst kurzen Arbeitsausfall zu erlangen sei
am 4. März 2020 eine diagnostisch therapeutische Kortison-Infiltration mit 10 mg
Kenacort durchgeführt worden (UV-act. 17). Am 6. März 2020 (richtig: 9. März 2020;
UV-act. 21) sei die Beschwerdeführerin wieder zu 100 % arbeitsfähig gewesen. Am 28.
September 2020 habe sie sich erneut im KSSG vorgestellt und über eine deutliche
Beschwerdelinderung über einen Zeitraum von vier Monaten berichtet. Danach seien
die Beschwerden auf der medialen Kniegelenkseite, insbesondere beim
Treppensteigen sowie bei Torsionsbewegungen und Kniebeugen, wieder aufgetreten
(UV-act. 23). Aufgrund der erneuten Beschwerdesymptomatik sei dann am 23. Oktober
2020 die Arthroskopie durchgeführt worden (UV-act. 31).
5.3.1.
Dr. J._ schliesst aus obigem Sachverhalt nachvollziehbar und überzeugend,
dass der Umstand, wonach die Beschwerdeführerin erst einige Tage nach dem
beschriebenen Unfallereignis ärztliche Untersuchungen habe durchführen lassen und
bis dahin arbeitsfähig gewesen sei, die erlittene Verletzung als eine Steigerung der
Symptomatik bei einer degenerativen Vorschädigung identifiziere. Anlässlich der
Untersuchung im KSSG vom 2. März 2020 war sodann eine arthroskopische
Teilmeniskektomie nur für den Fall einer hartnäckigen Beschwerdepersistenz
empfohlen worden. Die durchgeführten Behandlungsmassnahmen beschränkten sich
im Wesentlichen auf eine Kortisoninfiltration im rechten Knie am 4. März 2020. Im
entsprechenden Untersuchungsbericht vom 16. März 2020 über die Untersuchung im
KSSG vom 2. März 2020 war zwar eine klinische Verlaufskontrolle in sechs bis acht
Wochen angekündigt worden (UV-act. 17-2), doch die Akten enthalten keinen
diesbezüglichen Arztbericht. Ab dem 9. März 2020 arbeitete die Beschwerdeführerin
5.3.2.
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bei der B._ AG wieder zu 100 % im Rahmen ihres dortigen Teilpensums (UV-act. 21).
Die Feststellung von Dr. J._, dass die erfolgreiche Infiltration mit nahezu
Beschwerdefreiheit über einen Zeitraum von mehreren Monaten bei einer
blockierenden akuten Meniskusläsion ebenfalls nicht erfolgreich gewesen wäre,
erscheint ebenso schlüssig. Dass also erst ab September 2020 (UV-act. 23) wieder
eine ärztliche Behandlungsbedürftigkeit bestand, weist entscheidend gegen eine
traumatisch bedingte Ursächlichkeit hinsichtlich der am 23. Oktober 2020
vorgenommenen Operation (Kniegelenksathroskopie rechts mit medialer
Teilmeniskektomie) hin. Eine arthroskopische Teilmeniskektomie wurde zwar letztlich
bei der Beschwerdeführerin am 23. Oktober 2020 durchgeführt, doch nach dem Unfall
vom 14. Januar 2020 mit Distorsion des Kniegelenks bzw. nach der Infiltration vom 4.
März 2020 hatte sich bei ihr der typische Heilungsverlauf einer - wie von Dr. J._
festgestellt - vorübergehenden Verschlimmerung eines bis zum Unfall stummen
Vorzustandes (Meniskusriss) gezeigt (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 412).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der zeitliche Ablauf nicht für einen
traumatischen, sondern für einen degenerativen Meniskusriss spricht.
Im Rahmen der Kausalitätsbeurteilung berücksichtigt Dr. J._ sodann
nachvollziehbar auch die Gesamtsituation des rechten Kniegelenks der
Beschwerdeführerin. Weist ein Gelenk verschiedene, unstreitig degenerative
Veränderungen auf, sind diese häufig auch miteinander verbunden und stellen insofern
gegenseitige Begleitpathologien dar (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 579 ff., S. 724 ff.),
womit zu prüfen ist, weshalb ausgerechnet eine bestimmte strukturelle Veränderung
losgelöst von den übrigen degenerativen Veränderungen als unfallbedingt zu
betrachten ist. Dr. J._ weist zunächst auf den in erster Linie zu beurteilenden
Meniskusriss hin, dessen Konsistenz mit horizontal geführten Strukturveränderungen,
die zum Teil die Oberfläche erreicht hätten, die Veränderungen einer degenerativen
Meniskopathie zeigen würden. Korrespondierend dazu bestehe ein
Chondromalazieherd im Bereich der Femurkondyle. So sei intraoperativ ausdrücklich
der Befund einer drittgradigen Knorpelläsion an der Femurkondyle mit einer Grösse von
10 x 10 mm erhoben worden (UV-act. 31). Auch im Bericht des Instituts F._ über die
MRT-Untersuchung sei ausdrücklich der Begriff Gonathrose hinterlegt (UV-act. 15). Die
Irregularitäten der Knorpeloberflächen an der Femurkondyle seien Ausdruck eines
Fortschreitens der Chondromalazie mit beginnender Zerstörung der Oberflächen,
korrespondierend zu den Veränderungen im Bereich des Meniskus. Dr. J._ folgert
angesichts der radiologischen Untersuchungsberichte richtig, dass die Aussage von
Dr. E._ in dessen Schreiben vom 17. März 2021, dass eine Arthrose fehle (act. G 7.1;
vgl. die übereinstimmende Aussage von Dr. G._ in seiner E-Mail vom 16. März 2021
5.4.
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[act. G 7.1]) nicht korrekt sei und es bereits im Unfallzeitpunkt Anzeichen für eine
beginnende arthrotische Veränderung gegeben habe. Eine medizinische
Auseinandersetzung mit diesen Vorbefunden bzw. den Widersprüchen erfolgte seitens
der behandelnden Ärzte nicht, weshalb ihre Stellungnahmen nicht zu überzeugen
vermögen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auch die Gesamtsituation des
rechten Kniegelenks der Beschwerdeführerin auf eine degenerative Genese der
Meniskusläsion hinweist.
5.5.
Eine im konkreten Fall degenerativ und nicht traumatisch bedingte
Meniskusveränderung begründet Dr. J._ schliesslich mit einem gesetzmässig im
Verlauf des Lebens stattfindenden degenerativen Prozess, wobei der Beginn einer
solchen Veränderung nicht formell am Alter des Patienten, sondern auch an der
Belastung des Kniegelenks festgemacht werden könne. So gebe es sowohl Menschen,
die bis ins Alter von über 60 Jahren kaum degenerative Veränderungen im Bereich des
Meniskus hätten, während andererseits stark belastende Tätigkeiten zu einem
frühzeitigen Verschleiss führen würden, so dass die sich hier darstellenden
Veränderungen einer noch nicht Fünfzigjährigen durchaus das Ausmass einer eher
frühen Entwicklung einer Gonathrose zeigten.
5.5.1.
Auch diese Überlegungen von Dr. J._ scheinen schlüssig und sind daher in die
Kausalitätsbeurteilung miteinzubeziehen. Angesichts der Berufstätigkeit der
Beschwerdeführerin (Reinigungsarbeiten/Hotelzimmerservice) ist denn auch davon
auszugehen, dass ihre Gelenke (Knie) bereits vor dem Unfall vom 14. Januar 2020
starken Beanspruchungen ausgesetzt waren. Auch danach ist von erheblichen
Beanspruchungen auszugehen, arbeitete doch die Beschwerdeführerin ab dem 9. März
2020 in ihrem Teilzeitpensum bei B._ AG wieder zu 100 % (vgl. UV-act. 24). Diese
Begebenheiten sprechen eher für eine chronische Überbelastung des Kniegelenks
durch die Berufstätigkeit in Kombination mit einem altersbedingten Verschleiss.
5.5.2.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass angesichts der Ausführungen in den
Erwägungen 5.2 bis 5.5 davon auszugehen ist, dass die behandlungsbedürftige
Situation mit dem geschädigten Meniskus ab dem Herbst 2020 im Grad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht traumatisch, sondern degenerativ bedingt ist.
Es besteht damit diesbezüglich und insbesondere für die Operation vom 23. Oktober
2020 und die Operationsfolgen keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin. Bei
dieser Ausgangslage erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen wie die vom
5.6.
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6.
Im Urteil vom 24. September 2019 (BGE 146 V 51) prüfte das Bundesgericht, ob es für
denselben Gesundheitsschaden eine subsidiäre Haftung nach Art. 6 Abs. 2 UVG gebe,
wenn Unfallfolgen verneint würden. Im vorliegenden Fall ist davon auszugehen, dass
die mediale Meniskusläsion im Hinterhorn der Beschwerdeführerin zwar eine
Listenverletzung darstellt, die aber mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit degenerativ bedingt ist. Damit ist vorliegend gleichzeitig auch der
Gegenbeweis einer mehr als 50%igen, auf Abnützung oder Erkrankungen
zurückzuführenden Listenverletzung erbracht (vgl. Art. 6 Abs. 2 UVG). Die Vermutung
der Leistungspflicht gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG in der seit 1. Januar 2017 geltenden
Fassung ist demnach umgestossen und die Beschwerdegegnerin von ihrer
Leistungspflicht befreit. Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die erneuten
Behandlungen ab dem Herbst 2020 ergibt sich mithin auch nicht gestützt auf Art. 6
Abs. 2 UVG.
7.
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geforderte Einholung eines
Gerichtsgutachtens (vgl. act. G 1-2 Ziff. 3, G 7-2 Ziff. 3).
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.7.1.
Gerichtskosten sind bei der vorliegenden Leistungsstreitigkeit keine zu erheben
(Art. 61 lit. f ATSG).
7.2. bis
Bei diesem Verfahrensausgang besteht grundsätzlich kein Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Vorliegend erscheint es hingegen trotz Unterliegens der
Beschwerdeführerin angemessen, ihr ausnahmsweise eine Parteientschädigung
zuzusprechen, soweit die Beschwerdegegnerin die Kosten verursacht hat (vgl. Urteil
des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_843/2014, E. 11).
7.3.
Im Einspracheentscheid vom 9. März 2021 verneinte die Beschwerdegegnerin
eine Leistungspflicht gestützt auf die Aussagen ihres Kreisarztes Dr. I._ in der
aktenbasierten Stellungnahme vom 24. November 2020 (UV-act. 28). Dabei handelt es
sich nicht - wie angezeigt gewesen wäre - um eine umfassende medizinische
Würdigung der fallbezogenen Indizien, welche für bzw. gegen eine traumatische oder
eine degenerative Ursächlichkeit des Meniskusrisses und der Behandlungsbedürftigkeit
ab dem Herbst 2020 sprechen, sondern nur um unbegründete Feststellungen (vgl.
7.3.1.
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8.
Sachverhalt A.d). Allein mit diesen kann nicht nachvollzogen werden, inwiefern eine
traumatisch bedingte Läsion im vorliegend zu beurteilenden Fall mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen ist, auch wenn es zutreffen
mag, dass die Meniskusschädigung degenerativ erklärbar ist und im Alter der
Beschwerdeführerin Meniskusrisse typischerweise degenerativ bedingt sind. Eine
Auseinandersetzung mit dem Beurteilungskriterium des Unfallmechanismus erfolgte
sodann überhaupt nicht. Als Indiz für eine traumatische Genese erscheint höchstens
die Rissform. Diese allein ist jedoch für eine umfassende Kausalitätsbeurteilung
ungenügend. Folglich liess sich mit der Stellungnahme von Dr. I._ der Nachweis für
einen überwiegend wahrscheinlich degenerativen Meniskusriss nicht erbringen.
Bei der mit der Beschwerdeantwort vom 31. Mai 2021 (act. G 3) eingereichten
zweiten aktenbasierten Stellungnahme von Dr. I._ vom 19. Mai 2021 (act. G 3.1)
handelt es sich ebenfalls nicht um eine umfassende Würdigung des medizinischen
Sachverhalts, sondern allein um Ausführungen, welche die degenerative Ursächlichkeit
des Meniskusrisses belegen sollen. Dazu wurden insbesondere die in der
Stellungnahme vom 24. November 2020 enthaltenen Argumente (vgl. UV-act. 28)
nochmals angeführt. Ergänzend wurde (erstmals) geltend gemacht, dass das
Unfallereignis vom 14. Januar 2020 lediglich zu einer vorübergehenden
Verschlimmerung eines degenerativ vorbestehenden Zustandes geführt habe. Eine
solche Verschlimmerung im Bereich des Kniegelenks gelte nach sechs Wochen,
spätestens aber nach drei Monaten als beendet und der Status quo sine als erreicht.
Eine medizinisch basierte Auseinandersetzung mit den Indizien, die für und gegen eine
degenerative bzw. eine traumatische Ursächlichkeit des Meniskusrisses sowie der
behandlungsbedürftigen Beschwerden ab dem Herbst 2020 sprechen, fehlt jedoch
erneut.
7.3.2.
Erst mit der chirurgischen Beurteilung von Dr. J._ vom 1. Oktober 2021 (act. G
9.1) wurde der überwiegend wahrscheinliche Nachweis gegen einen traumatisch
verursachten Meniskusriss erbracht, so dass keine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin besteht. Vor diesem Hintergrund drängte sich beim damaligen
Aktenstand zum Zeitpunkt des Einspracheentscheids die Beschwerdeerhebung auf.
Von der Beschwerdegegnerin ist daher der Aufwand für das Beschwerdeverfahren zu
entschädigen. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der vorliegend zu
beurteilenden Angelegenheit mit bescheidenem Aktenumfang und kurzem
Schriftenwechsel erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.- als angemessen.
7.3.3.
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Da der Gerichtsschreiber verhindert ist, wird der Entscheid für diesen stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).