Decision ID: 52a982a4-a0f8-417b-8ce4-5b60f9a8a116
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1957,
war
seit ihrem Que
reinstieg im Jahr 2011 als Leh
re
r
in in einem Teilzeitpensum tätig (
Urk.
7/15
Ziff.
5.4)
und meldete sich
am
2
6.
November 2016 unter Hinweis
auf
einen seit Mitte Juni 2016 beste
henden Erschöpfungszustand,
ein
Burnout und
eine
Depression
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/15
Ziff.
6.1).
Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbli
che Situation ab, zog Akten der
BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich
bei (
Urk.
7/28
,
Urk.
7/41
) und
gewährte berufliche Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
7/36-37)
, welche am
8.
Juni 2018 abgeschlossen wurden (
Urk.
7/48).
Nach ergangenem Vorbescheid (
Urk.
7/55
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
0.
Dezember 2018
einen Rentenanspruch (
Urk.
7/58
=
Urk.
2)
.
2.
Die
Versicherte erhob am
1
8.
Januar 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
1
0.
Dezember 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr mindestens eine halbe Rente zu gewäh
ren. Eventuell sei die äusserst knappe angefochtene Verfügung
aufzuheben
und die Streitsache an die Vorinstanz zwecks Neuabklärung zurückzuweisen
, worauf
hin neu zu entscheiden sei
(
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
2.
Februar 2019
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
9.
April 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts;
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven
Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit, dass die Be
schwerdeführerin nach
erfolgten Wiederei
ngliederungsmassnahmen
per April 2018 wieder ihre Tätigkeit in einem Teilzeitpensum
habe
aufnehmen können. Zur Ermittlung der gesundheitlichen Einschränkungen seien
medizinische Berichte eingeholt
sowie die Akten der Pensionskasse BVK beigezogen worden. Es lägen gewisse gesundheitliche Einschränkungen vor, die sich jedoch zwischenzeitlich deutlich gebessert hätten. Ein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe nur, wenn der Gesundheitszustand schwer, nicht mehr behandelbar und auch langan
dauernd sei. Es bestehe daher kein Anspruch auf eine Invalidenrente
(S. 1)
.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, d
ie Beschwerdegegnerin habe die Leistungsvoraussetzungen im Gegensatz zur Pen
sionskasse BVK nicht korrekt und umfassend abgeklärt. Es sei weder auf die Ab
klärungen der BVK abgestellt worden, noch seien eigene medizinische Abklärun
gen durchgeführt worden. Die Ablehnung sei einsilbig und ohne schlüssige Be
gründung erfolgt (S. 2
Ziff.
3). Dass ihr
die
neue angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar
sei
, sei nicht berücksichtigt worden. Es sei lediglich eine Arbeits
fähigkeit von 43
%
als Aushilfslehrerin aufgebaut worden (S. 3 f.
Ziff.
2-3). Es sei nicht nachvollziehbar, wie die Beschwerdegegnerin darauf komme, dass sie ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne
. Ein Einkommensver
gleich sei nicht vorgenommen worden
(S. 4
Ziff.
4). Zudem gehe selbst die Be
schwerdegegnerin davon aus, dass noch kein definitiver Zustand vorliege, wes
halb nicht hätte verfügt werden dürfen (S. 4 f.
Ziff.
5-6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente.
3.
3.1
Am 1
1.
Juni 2017 erstattete
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Bericht über seine
am 1
0.
März
2017
im Auftrag der BVK Personalvorsorge
des Kantons Zürich
vorgenommene vertrauensärztliche Unter
suchung der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/28).
Dr.
Y._
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, ak
tuell mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
,
bei psychosozialer Belas
tung im ber
uflichen und familiären Bereich
(
ICD-10 F33.11
;
S. 5
Ziff.
5.1). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen und
anankastischen
Anteilen (
ICD-10 Z73.1;
S. 6
Ziff.
5.2).
Dr.
Y._
führte in seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus, aus rein psychi
atrischer Sicht bestehe zum Zeitpunkt der Untersuchung eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für die angestammte Tätigkeit als Klassenlehrerin. In einer angepass
ten Tätigkeit (Klassenassistentin) bestehe aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von 60
%
(bezogen auf ein 100%-Pensum).
Die Versicherte sei zurzeit als Klassenas
sistentin zu 40
%
tätig. Da der Verlauf wechselhaft sei und sie selber auch eine erneute Tätigkeit als Klassenlehrperson nicht ausschliessen wolle, sei es für die abschliessende Beurteilung einer allfälligen Berufsunfähigkeit als Klassenlehrper
son noch zu früh. Die laufenden Eingliederungsbemühungen seien mit Hilfe der Invalidenversicherung weiterzuführen, bei Problemen oder Persistenz der Ar
beitsunfähigkeit über drei bis sechs Monate wäre allenfalls eine vertrauensärztli
che Verlaufsuntersuchung indiziert (S. 6
Ziff.
6
).
Zum Befund führte
Dr.
Y._
aus, Mimik und Gestik seien verhalten, die Be
schwerdeführerin sei allseits orientiert. Konzentration und Gedächtnis wirkten kursorisch geprüft unauffällig. Im f
ormalen Denken sei sie kohärent und i
nhalt
lich auf ihre beruflichen und gesundheitlichen Probleme
eingeengt
. Im Affekt wirke sie erschöpft und herabgestimmt, weine streckenweise während der Unter
suchung, und es fände
n
sich keine Hinweise auf Suizidalität (S. 5
Ziff.
4).
Die
Versicherte werde durch eine hohe Stress-Belastung am Arbeitsplatz sowie durch familiäre Belastungen zusätzlich beeinträchtig
t
(S. 7
lit
. h).
I
m Jahr 2015
sei
das Haus des Vaters abgebrannt. Er habe sich gegen eine Heimplatz
ierung gesträubt. Sie habe
als e
inzige alles organisieren müssen. Ihr Ehemann habe sich abgegrenzt
,
und auch ihre Tochter habe sie sehr beansprucht. Nun sei ihr Vater 93 Jahre alt, sei gestürzt
,
und sie müsse sich wieder um alles kümmern. Er sei zunehmend verwirrt
,
und es falle ihr wieder schwer, si
ch abzugrenzen (S. 2
Ziff.
3).
3.
2
Am
5.
Februar 2018
erstattete
Dr.
Y._
Bericht
über seine
im Auftrag der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich vorgenommene
vertrauensärztliche Ver
laufsuntersuchung
der Beschwerdeführerin vom 1
2.
Januar 2018
(
Urk.
7/41)
.
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr.
Y._
eine re
zidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10 F33.11;
S. 3
Ziff.
5.1)
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er einen Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstischen und
anankastischen
Anteilen (S. 4
Ziff.
5.2).
Dr.
Y._
führte aus, aus rein psychiatrischer Sicht bestehe zum Zeitpunkt der Untersuchung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Primarschullehre
r
in mit Klassenverantwortung. Für die ang
epasste Tätigkeit (Fachlehre
rin
/
Integrative Förderung
ohne Klassenverantwortung) bestehe vorläufig eine Ar
beitsunfähigkeit von 50
%
.
Aufgrund des Krankheitsverlaufes seit der letzten vertrauensärztlichen Untersu
chung am 1
0.
März 2017 sei ab dem
1.
Januar 2018 von einer vollen Berufsun
fähigkeit als Klassenlehrperson auszugehen. Für die angepasste Tätigkeit als Fach- und Lehrperson
für Integrative Förderung
auf Primarschulstufe bestehe ab dem
1.
Januar 2018 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Diese Arbeitsfähigkeit wäre bei gutem Verlauf ebenfalls
steigerbar
. Falls bis dahin in der angepassten Tätig
keit noch eine Arbeitsunfähigkeit bestehe, wäre allenfalls Ende 2018 eine ver
trauensärztliche Verlaufsuntersuchung indiziert (S. 4
Ziff.
6).
Hinsichtlich der Befunde gab
Dr.
Y._
wortwörtlich den gleichen Psychostatus wie im Vorbericht (vgl. vorstehend E. 3.1) wieder
, abgesehen davon, dass die Be
schwerdeführerin nun im Affekt ausgeglichen wirke, gut spürbar und schwin
gungsfähig sei
(vgl. S. 3
Ziff.
4).
Laut ihren Angaben habe
sie seit der letzten vertrauensärztlichen Untersuchung am 1
0.
März 2017 weiter zu 43
%
gearbeitet und ihr vertraglich vereinbartes Pensum von 81
%
nicht ausüben können. Sie helfe über
all
mit, wo Hilfe benötigt werde. Ihr Vater lebe immer noch, sei
jedoch mittlerweile in einem Heim. Sie sei seine einzige Angehörige und könne ihn nicht im Stich lassen. Nach wie vor sei sie beim Psychiater
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie,
in ambulanter Behandlung. Die Konsultationen fänden alle ein bis zwei Wochen statt (S. 2
Ziff.
3)
.
3.3
Dr.
med. A._
, Facharzt
für
Allgemeine Innere Medizin
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom
8.
August 2018 (
Urk.
7/54/3-4) aus, gestützt auf die BVK-Gutachten sei davon auszugehen, dass ab dem 1
5.
Juni 2016 in der angestammten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit bestehe.
Von Januar bis Sommer 2017 habe eine Steigerung der Arbeits
fähigkeit angepasst bis auf 40
%
und dann weiter bis auf 50
%
erreicht werden können. Die Kundin solle weiterhin in regelmässige psychiatrische Behandlungen gehen.
3.4
Med.
pract
.
B._
, Fachärztin für
Orthopädische
Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates,
RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom
6.
September 2018 (
Urk.
7/54/4-5)
aus, die im Gutachten von
Dr.
Y._
vom
6.
Februar 2018 gestellte Diagnose sei aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht nachvollziehbar begründet. Der psychopathologische Befund sei gegenüber dem Vorbefund vo
m Juni 2017 deutlich gebessert. S
chon der Erstbefund von
Dr.
Y._
habe Zweifel an der dam
als von ihm gestellten Diagnose
aufkommen lassen. Er habe die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
(
ICD-10 F33.11
)
bei psychoso
zialer Belastungssitu
ation gestellt.
Anhand der von ihm dokumentierten Anam
nese sei die rezidivierende depressive Störung jedoch nicht nachvollziehbar.
Es fehlten
jegliche Hinweise auf frühere depressive Episoden, die jedoch für die Her
leitung der Diagnose
einer
rezidivierende
n
depressive
n
Störung vorliegen müss
ten.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin ging davon aus, dass kein invalidisierender Gesund
heitsschaden vorliege (vgl. vorstehend E. 2.1,
Urk.
7/54/5-6).
4.2
Wie med.
pract
.
B._
in ihrer Stellungnahme vom
6.
September 2018 (vgl. vorstehend E. 3.4)
zu Recht ausführte, vermögen die
Untersuchungsberichte des BVK-Ve
rtrauensarztes
Dr.
Y._
vom 1
1.
Juni 2017
und
vom
5.
Februar 2018 (vgl. vorstehend E. 3.1-2)
als Grundlage zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht nicht zu genügen. Abgesehen da
von, dass
sich anhand der Untersuchungsberichte von
Dr.
Y._
die
praxisge
mäss geforderte
Standardindikatorenprüfung
(vgl. vorstehend E. 1.3-4)
nicht vor
nehmen lässt, erweist sich auch die objektive Befunderhebung als zu oberfläch
lich
,
um die
daraus von
Dr.
Y._
abgeleitete Diagnose sowie die daraus resul
tierende Arbeitsunfähigkeit schlüssig nachvollziehen zu können.
Zudem
fehlt es hinsichtlich der von
Dr.
Y._
gestellten Diagnose einer rezidivierenden depres
siven Störung an Hinweisen auf frühere depressive Episoden.
Eine Abgrenzung vom wirklichen Krankheitsgeschehen zu
den
zweifelsohne bestehenden
,
aus in
validenversicherungsrechtlicher Sicht unbeachtlichen
,
psychosozialen Belas
tungsfaktoren
sowie zu
r subjektiven Krankheits
- und Arbeitsfähigkeits
einschät
zung der Beschwerdeführerin
fand
überdies
nicht statt.
Ein
Bericht des
behandelnden Psychiaters
Dr.
Z._
liegt nicht vor, was darin begründet ist
, dass
Dr.
Z._
im Rahmen einer telefonischen Bespre
chung mit der Beschwerdegegnerin am 2
5.
Juni 2018 ausführte, er verweise auf die Gutachten von
Dr.
Y._
und stehe ganz hinter dessen Einschätzung, wel
cher er nichts hinzuzufügen habe (vgl.
Urk.
7/50)
.
Da es sich
im Weiteren
weder bei der
RAD-Stellungnahme
von
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.3)
noch von med.
pract
.
B._
um aus psychiatrischer Sicht fachärztliche
Einschätzungen
handelt,
lässt der medizinische Sachverhalt keine abschliessende
Beurteilung der
tatsächlich
vorhandenen
psychischen Beeinträch
tigungen
der Beschwerdeführerin
und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
zu.
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.4
Vorliegend ergibt sich, dass ein
abschliessender
materieller Entscheid gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich ist
, da der
entscheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde.
Die vorhandenen medizinischen
Unterlagen erlauben, wie dargelegt, keine zuverlässige Beur
teilung der Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin
im nunmehr anzuwendenden strukturierten Be
we
isverfahren nach BGE 141 V 281,
weshalb
die IV-Stelle
ein psychiatrisches Gutachten einzuholen
hat
, welches den Anforderungen der Rechtsprechung ge
nügt.
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Ent
schei
d über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin
an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
5.3
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin reichte am 16
.
April 2019
(
Urk.
9)
die Honorarnote in Höhe von Fr.
2‘745.10 (Urk. 10
) ein.
Der vom Rechtsvertreter gel
tend gemachte Aufwand von 1
1.14
Stunden zuzüglich
4
%
Barauslangen ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
nicht
angemessen
.
Insbesondere die verrechneten Aufwendungen im Zusammenhang mit der BVK betreffen nicht das vorliegende Beschwerdeverfahren.
Angesichts der zu studie
renden
Aktenstücke der Beschwerdegegnerin, der
fünf
seitigen
Beschwerde
schrift
sowie der in ähnlichen Fällen zugesprochenen Beträge ist die Entschädigung bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 2
20
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr.
2‘000
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.