Decision ID: b085c32b-5950-425c-a6fc-904715abb1ff
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, Anwaltskanzlei schmuckipartner,
Marktgasse 3, 9004 St. Gallen,
gegen
Amt für Wirtschaft und Arbeit, Rechtsdienst, Davidstrasse 35, 9001 St. Gallen,
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Beschwerdegegner,
betreffend
Kurzarbeitsentschädigung (Erlass, guter Glaube)
Sachverhalt:
A.
A.a B._(nachfolgend: Arbeitgeber) machte am 19. Juni 2009 im Namen seiner
Einzelfirma, der A._, eine Voranmeldung von Kurzarbeit für den Gesamtbetrieb, dem
ein Arbeitnehmer angehörte (act. G 5.1/A2). Mit Verfügung vom 30. Juni 2009 teilte das
Amt für Arbeit (neu: Amt für Wirtschaft und Arbeit) dem Arbeitgeber mit, dass gegen die
Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung kein Einspruch erhoben werde (act. G 5.1/
A4). In der Folge wurde von Juli 2009 bis Mai 2011 für den Arbeitnehmer
Kurzarbeitsentschädigung ausgerichtet (act. G 5.1/B1-B32, B34).
A.b Mit Revisionsverfügung vom 12. Juli 2011 verpflichtete das Staatssekretariat für
Wirtschaft (seco) den Arbeitgeber zur Rückerstattung von unrechtmässig bezogenen
Versicherungsleistungen in Höhe von Fr. 75'122.60. Zur Begründung hielt es fest, der
Arbeitnehmer sei lediglich teilzeitlich je nach Arbeitsanfall mit monatlich stark
schwankenden Arbeitspensen beschäftigt und nach den effektiv geleisteten
Arbeitsstunden entschädigt worden. Mit ihm sei keine Mindestarbeitszeit vereinbart
worden und es bestehe auch kein schriftlicher Arbeitsvertrag. Die Arbeitsausfälle seien
für ihn basierend auf einem Vollzeitpensum geltend gemacht worden. Für
arbeitnehmende Personen, die lediglich teilzeitlich ohne vereinbarte Arbeitszeit und mit
schwankenden Arbeitspensen beschäftigt würden, bestehe aber grundsätzlich kein
Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung, weil sich auf Grund der fehlenden normalen
Arbeitszeit kein anrechenbarer Arbeitsausfall ermitteln lasse. Deshalb müsse die für
den Arbeitnehmer bezogene Kurzarbeitsentschädigung vollumfänglich aberkannt
werden (act. G 5.1/B37).
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A.c Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache des Arbeitgebers vom 13.
September 2011 wies das seco mit Einspracheentscheid vom 12. Oktober 2011 ab. Es
hielt fest, anlässlich der Arbeitgeberkontrolle und der Einsichtnahme in die
Kurzarbeitsabrechnungsunterlagen habe ihm kein schriftlicher Arbeitsvertrag zwischen
dem Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer vorgelegt werden können. Auch sei für die
Zeit vor Geltendmachung der Kurzarbeitsentschädigung keine Arbeitszeiterfassung
vorhanden. Gemäss Aussagen des Arbeitgebers sei der Arbeitnehmer während dieser
Zeit je nach Arbeitsanfall beschäftigt und nach den effektiv geleisteten Arbeitsstunden
entschädigt worden. Dies sei durch die stark schwankenden Lohnzahlungen im Jahr
2008 sowie bis und mit Juni 2009 bestätigt worden. Die gegenüber der
Arbeitslosenkasse mit wahrheitswidrigen Lohnabrechnungen ausgewiesenen
Monatslöhne von Fr. 5'102.-- für den Juli 2009 sowie Fr. 4'590.-- ab August 2009 inkl.
zusätzlich einem 13. Monatslohn seien nie ausbezahlt worden und wichen massiv von
den gegenüber der Ausgleichskasse deklarierten Einkommen ab. Ausserdem sei nicht
nachvollziehbar, dass der Arbeitnehmer trotz Vereinbarung eines 100%-Pensums über
Monate bzw. über ein Jahr auf den ihm zustehenden Lohn verzichtet haben solle. Es
könnten keine Beweismittel vorgelegt werden, die diese Behauptung stützten. Eine
schriftliche Arbeitsvereinbarung liege nicht vor und die Lohnabrechnungen vor der
Kurzarbeit führten einzig zum Rückschluss, dass der Mitarbeiter je nach Arbeitsanfall
und auf Abruf beschäftigt worden sei. Auf Grund der Ausführungen in der
Informationsbroschüre "Kurzarbeitsentschädigung" habe der Arbeitgeber davon
Kenntnis nehmen können, dass Arbeitnehmer ohne vereinbarte Arbeitszeit und mit
schwankender und somit nicht bestimmbarer Arbeitszeit keinen Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung hätten. Das gleiche gelte für Arbeitnehmer, die in einem
gekündigten Arbeitsverhältnis stünden. Die Unterlassung von Angaben bezüglich des
Arbeitspensums des Arbeitnehmers bzw. die Falschdeklaration der Lohnzahlungen
hätten zu einer unrechtmässigen Auszahlung der Kurzarbeitsentschädigung geführt.
Daher werde an der Rückforderung festgehalten (act. G 5.1/B42).
A.d Mit Urteil vom 13. Februar 2012 (B-6200/2011) wies das
Bundesverwaltungsgericht die gegen diesen Entscheid vom Arbeitgeber erhobene
Beschwerde ab (act. G 5.1/B46).
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A.e Am 13. April 2012 stellte der Arbeitgeber bei der Arbeitslosenkasse des Kantons
St. Gallen ein Erlassgesuch. Er begründete dies damit, dass sowohl Gutgläubigkeit als
auch eine grosse Härte gegeben seien. So habe er in gutem Glauben vom Bestehen
eines Anspruchs auf Kurzarbeitsentschädigung ausgehen dürfen. Auf Grund der
konjunkturell schlechten Auftragslage habe er sich bei seiner Treuhandfirma nach der
Möglichkeit von Kurzarbeitsentschädigungen erkundigt. Die Treuhandfirma habe dann
alle Formulare selbständig ausgefüllt und die Rapporte eingesandt. Allein der Umstand,
dass in einem variablen Teilzeitpensum gearbeitet werde, führe nicht dazu, dass kein
Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung bestehe. In diesen Fällen werde vielmehr auf
die in den letzten drei Monaten vor Beginn der Kurzarbeit im Durchschnitt effektiv
geleistete Arbeitszeit abgestellt. Immerhin habe er sich nicht einer groben
Nachlässigkeit schuldig gemacht. Schliesslich sei auch eine grosse Härte gegeben, da
der Familie des Arbeitgebers jährlichen Einnahmen in der Höhe von Fr. 108'510.--
anrechenbare Ausgaben nach ELG von Fr. 118'070.-- gegenüber stünden (act. G 5.1/
B48).
A.f Mit Verfügung vom 5. Juni 2012 wies das Amt für Wirtschaft und Arbeit das
Erlassgesuch ab. Auf Grund der Tatsache, dass die gegenüber der Arbeitslosenkasse
mit wahrheitswidrigen Lohnabrechnungen ausgewiesenen Monatslöhne nie ausbezahlt
und somit die Lohnzahlungen falsch deklariert sowie Angaben bezüglich des
Arbeitspensums des Arbeitnehmers unterlassen worden seien, sei die Auskunftspflicht
in grober Weise verletzt worden. Somit habe sich der Arbeitgeber einer groben
Nachlässigkeit schuldig gemacht. Auch der Umstand, dass er den Antrag auf
Ausrichtung von Kurzarbeitsentschädigung durch die Treuhandfirma habe ausführen
lassen, entbinde ihn nicht von diesem Vorwurf. Vielmehr habe er sich ihr Handeln
anrechnen zu lassen. Da auf Grund dieses Sachverhalts die Auskunftspflicht in grober
Weise verletzt worden sei, sei die Annahme des guten Glaubens zu verneinen. Damit
fehle es bereits am Vorliegen einer Voraussetzung, weshalb auf die Rückerstattung
nicht verzichtet werden könne (act. G 5.1/B50).
B.
B.a Die gegen diese Verfügung vom Arbeitgeber erhobene Einsprache vom 2. Juli
2012 (act. G 5.1/A20) wies das Amt für Wirtschaft und Arbeit mit Einspracheentscheid
vom 4. Juli 2012 ab (act. G 5.1.B51).
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B.b Am 5. Juli 2012 reichte der Rechtsvertreter des Arbeitgebers ebenfalls eine
Einsprache ein. Er machte unter anderem geltend, dass auch die Verwaltung auf Grund
der im Zusammenhang mit der Anstellung des Arbeitnehmers geleisteten
Sozialversicherungsbeiträge hätte erkennen können, dass eine Diskrepanz zwischen
den bisher ausbezahlten Löhnen und den für die Kurzarbeitsentschädigung geltend
gemachten Angaben bestanden habe. Gemäss dem Entscheid des
Bundesverwaltungsgerichts rechtfertige dies zwar keinen Vertrauensschutz, im
Zusammenhang mit der Frage des guten Glaubens könne dies jedoch berücksichtigt
werden. Auch habe der Arbeitgeber infolge der fehlenden Intervention der Treuhänderin
keinen Anlass gesehen, daran zu zweifeln, dass für den Anspruch auf
Kurzarbeitsentschädigung nicht auf das volle Pensum abzustellen sei (act. G 5.1/A22).
Mit Entscheid vom 19. Juli 2012 trat das Amt für Wirtschaft und Arbeit auf die Eingabe
des Rechtsvertreters als Wiedererwägungsgesuch ein und wies es ab. Es hielt fest,
zwar sei dem Arbeitgeber zuzugestehen, dass es nicht abwegig sei, von einem
mündlich vereinbarten Vollpensum auszugehen. Nachdem aber im Zeitpunkt der
Beantragung von Kurzarbeitsentschädigung bereits während mindestens eineinhalb
Jahren ein Lohn bezahlt worden sei, der deutlich unter dem Betrag gelegen habe, der
einem Vollpensum entsprochen hätte, und sich der Arbeitnehmer bereit erklärt habe,
bei schwacher Auftragslage weniger zu arbeiten, habe der Arbeitgeber nicht annehmen
dürfen, dieses Zugeständnis sei für die Ermittlung der normalen Arbeitszeit ohne
Belang. Vielmehr hätte er sich bei der Verwaltung erkundigen müssen, wie die
Normalarbeitszeit in dieser speziellen Situation zu deklarieren sei. Die Unterlassung
dieser Nachfrage komme einer nicht mehr leichten Fahrlässigkeit gleich, womit die
Berufung auf den guten Glauben beim Leistungsbezug ausgeschlossen sei. Auch habe
von der Verwaltung nicht erwartet werden können, dass sie die Angaben des
Leistungsansprechers von Beginn an in Frage stellen und einen Auszug aus dem
individuellen Konto bei der Ausgleichskasse einverlangen müsse. Schliesslich habe zur
Rückforderung der gesamten ausgerichteten Kurzarbeitsentschädigung die
Unmöglichkeit der Bestimmung des anrechenbaren Arbeitsausfalls wegen Fehlens von
Arbeitszeitaufzeichnungen geführt. Sofern der Arbeitgeber die Broschüre des seco
nicht gelesen und den Hinweisen in der Verfügung keine Beachtung geschenkt habe,
respektive bei Zweifeln über die Bedeutung der Anforderungen sich nicht bei der
Arbeitslosenkasse erkundigt habe, sei ihm eine Unterlassung vorzuwerfen, die nicht
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mehr einer blossen Nachlässigkeit gleichkomme. Daher sei die Berufung auf den guten
Glauben ausgeschlossen (act. G 5.1/A23).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Arbeitgeber durch seinen
Rechtsvertreter erhobene Beschwerde vom 14. September 2012 mit den Anträgen auf
Aufhebung des Einspracheentscheids und Erlass der Rückforderung der
Versicherungsleistungen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung
machte er geltend, der Beschwerdeführer habe gutgläubig davon ausgehen können,
dass zumindest für den Anteil der Kurzarbeitsentschädigung, der dem tatsächlichen
(Durchschnitts-) Lohn entspreche, ein Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung
bestehe. Soweit im Rahmen des Einspracheentscheids argumentiert werde, dass der
tatsächliche Arbeitsausfall - das heisse derjenige auf Grundlage der tatsächlich
ausgerichteten und nicht der ausgewiesenen Löhne - nicht bestimmbar sei und nur
deshalb die gesamte Entschädigung zurückgefordert werden könne, werde verkannt,
dass dies nicht einfach auf die Frage des guten Glaubens zu übertragen sei. Vielmehr
hätte auf einen teilweisen Erlass erkannt werden müssen. Weiter seien die
Ausführungen in der Informationsbroschüre für eine juristisch nicht gebildete Person
bisweilen nicht vollständig verständlich. Zudem gehe aus der Antwort zur Frage 18 der
Broschüre nicht hervor, wie bei einem Fall wie dem vorliegenden konkret vorzugehen
sei. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer den weiteren Abklärungsbedarf nicht
erkannt und deshalb auch nicht nachgefragt habe, stelle deshalb keine grobe
Nachlässigkeit dar. Dasselbe gelte für die Frage 7, wo festgehalten sei, dass eine
betriebliche Arbeitszeitkontrolle geführt werden müsse. Dies habe der
Beschwerdeführer ab dem Zeitpunkt, als er Kurzarbeitsentschädigung geltend
gemacht habe, auch getan, aber nicht vorher. Dies widerspreche nicht dem Inhalt der
Broschüre. Relevant sei zudem gemäss Rechtsprechung, dass die Annahme, wonach
Nachlässigkeit die Vermutung des guten Glaubens aufhebe, nur mit Zurückhaltung
getroffen werden könne (act. G 1).
C.b Mit Eingabe vom 25. Oktober 2012 beantragte der Beschwerdegegner unter
Verzicht auf eine Beschwerdeantwort und mit Verweis auf den angefochtenen
Einspracheentscheid und die Akten die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
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Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob dem Begehren um Erlass der Rückforderung der für den
Zeitraum von Juli 2009 bis und mit Mai 2011 ausbezahlten Kurzarbeitsentschädigung
zu entsprechen ist. Dabei steht die Rechtmässigkeit der Rückforderung bereits fest,
nachdem das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 13. Februar 2012 in
Rechtskraft erwachsen ist.
2.
2.1 Nach Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sind unrechtmässig bezogene Leistungen
zurückzuerstatten. Wer jedoch Leistungen im guten Glauben empfangen hat, muss sie
nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt. Die Rückerstattung kann somit
nur erlassen werden, wenn die beiden Voraussetzungen des gutgläubigen Empfangs
und der grossen Härte kumulativ erfüllt sind.
2.2 Die Rechtsordnung geht grundsätzlich von der Vermutung des guten Glaubens
aus (Art. 3 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs [ZGB; SR 210]). Ob er vorliegt,
muss dennoch in jedem Einzelfall auf Grund der Umstände geprüft werden. Nach der
hier sinngemäss anwendbaren Rechtsprechung zum damals gültigen Art. 47 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10;
vgl. ARV 1998 Nr. 14 S. 73; BGE 122 V 223 E. 3 mit Hinweisen) entfällt der gute Glaube
von vornherein, wenn der Rückerstattungstatbestand durch ein arglistiges oder
grobfahrlässiges Verhalten herbeigeführt wurde. Grobe Fahrlässigkeit ist gegeben,
wenn jemand ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in der gleichen
Lage und unter den gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen (BGE
110 V 181 E. 3d). Grobfahrlässig handelt namentlich, wer bei der Anmeldung, bei der
Abklärung der Verhältnisse oder bei der Entgegennahme von unrechtmässigen
Leistungen nicht das ihm nach den Fähigkeiten und dem Bildungsgrad zumutbare
Mindestmass an Sorgfalt angewandt hat (Gerhard Gerhards, Kommentar zum
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Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], 1987, N 41 zu Art. 95 AVIG). Eine bloss leichte
Verletzung der Sorgfalts- und Aufmerksamkeitspflicht schliesst hingegen das Vorliegen
des guten Glaubens nicht aus. Der gute Glaube ist jedoch nicht bereits schon dann
gegeben, wenn der Rechtsmangel der leistungsbeziehenden Person unbekannt war.
Rechtsprechungsgemäss fällt die grobfahrlässige Unterlassung, sich bei der
Verwaltung zu erkundigen, als Ausschlussgrund für den guten Glauben in Betracht,
wobei ein Fehler der Verwaltung die anfänglich fehlende Gutgläubigkeit nicht
wiederherzustellen vermag (Urteil des EVG vom 13. April 2000 [P 54/98] E. 3b mit
Hinweisen). Von einer groben Pflichtwidrigkeit ist auszugehen, wenn beim Empfang der
Zahlungen eine "augenscheinliche Differenz zwischen der zu erwartenden
Entschädigung und der ausbezahlten Leistung" besteht und keine Meldung oder
Erkundigung bei der Verwaltung vorgenommen wird (vgl. Urteil des EVG vom 11.
August 2003 i/S W. [C 132/03] E. 3.2).
3.
3.1 Der Beschwerdegegner spricht dem Beschwerdeführer die Gutgläubigkeit im
Einspracheverfahren gestützt darauf ab, dass im Zeitpunkt der Beantragung von Kurz
arbeitsentschädigung bereits während mindestens eineinhalb Jahren ein Lohn bezahlt
worden sei, der deutlich unter dem Betrag gelegen habe, der einem Vollpensum
entsprochen hätte. Zudem habe sich der Arbeitnehmer bereit erklärt, bei schwacher
Auftragslage weniger zu arbeiten, was einer mündlichen Vereinbarung
gleichgekommen sei. Daher habe der Beschwerdeführer nicht annehmen dürfen, dass
dieses Zugeständnis für die Ermittlung der normalen Arbeitszeit ohne Belang sei. Zur
Rückforderung der gesamten ausgerichteten Kurzarbeitsentschädigung habe
schliesslich aber die Unmöglichkeit der Bestimmung des anrechenbaren
Arbeitsausfalls geführt wegen Fehlens von Arbeitszeitaufzeichnungen, die eine
lückenlose Dokumentation der Arbeitsauslastung vor und nach der Einführung von
Kurzarbeit erlaubt hätten (act. G 5.1/B52).
3.2 Aus dem Formular "Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung" vom 7. August 2009 für
die Abrechnungsperiode 1. - 31. Juli 2009 sowie auf allen weiteren Antragsformularen
wird die "Normale Arbeitszeit" unter dem Titel "Anspruchsvoraussetzungen"
folgendermassen definiert: Als normale Arbeitszeit gilt die vertragliche Arbeitszeit der
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arbeitnehmenden Person, jedoch höchstens die ortsübliche Arbeitszeit im betreffenden
Wirtschaftszweig. Als Anspruchsberechtigte werden grundsätzlich alle für die
Arbeitslosenversicherung beitragspflichtigen Arbeitnehmenden und solche, die das
Mindestalter für die Beitragspflicht in der AHV noch nicht erreicht haben mit Ausnahme
der nachstehend erwähnten, festgehalten. Als nicht anspruchsberechtigt werden unter
anderem jene Arbeitnehmenden aufgeführt, deren Arbeitsausfall nicht bestimmbar oder
deren Arbeitszeit nicht ausreichend kontrollierbar ist (act. G 5.1/B3). Auch die
Informationsbroschüre für Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen zur
"Kurzarbeitsentschädigung" des Eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements
beschreibt als normale Arbeitszeit die vertragliche Arbeitszeit des Arbeitnehmers oder
der Arbeitnehmerin, jedoch höchstens die ortsübliche Arbeitszeit im betreffenden
Wirtschaftszweig. Für Arbeitnehmende mit flexiblem Arbeitszeitsystem gelte die
vertraglich vereinbarte jahresdurchschnittliche Arbeitszeit als normale Arbeitszeit. Der
Wortlaut dieser beiden Informationsquellen ist für sich klar verständlich und erfordert
keine juristischen Spezialkenntnisse. Zwar geht daraus nicht eindeutig hervor, was in
einem Spezialfall, wie dem vorliegenden, zu deklarieren ist. Da zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer - wie der Beschwerdegegner bereits ausführte - aber gerade kein
schriftlicher Arbeitsvertrag bestand und gemäss mündlicher Vereinbarung
ausgewiesenermassen seit mindestens eineinhalb Jahren vor dem Antrag auf
Kurzarbeitsentschädigung ein sogenanntes Arbeitsverhältnis auf Abruf vereinbart und
gelebt worden war, hätte der Arbeitgeber merken müssen, dass er mit Blick auf den
aktuellen bzw. zu erwartenden Arbeitsausfall nicht einfach den Lohn für ein allenfalls
vor der Spezialabmachung vereinbartes Vollpensum angeben durfte. Vielmehr hätte er
bei zumutbarer Aufmerksamkeit erkennen können und müssen, dass er diesbezüglich
bei der Verwaltung nachfragen hätte müssen. Indem er dies unterliess, nahm er
zumindest grobfahrlässig in Kauf, gegenüber der Arbeitslosenkasse einen falschen
Arbeitnehmerlohn zu melden. Dadurch, dass er einen Lohn meldete, den der
Arbeitnehmer bei ihm längst nicht mehr verdient hatte, war für ihn wie für jeden Laien
offensichtlich, dass der Arbeitnehmer so möglicherweise besser gestellt wird als zu
Zeiten, als im Betrieb keine Kurzarbeit galt. Damit ist der gute Glaube zu verneinen.
3.3 Gemäss dem in Rechtskraft erwachsenen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
(B-6200/2011) hatte der Beschwerdeführer keine Unterlagen vorweisen können, die
eine zuverlässige Bestimmung des Arbeitsausfalls gewährleisten konnten. Vielmehr
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stimmten die überwiesenen Gehaltszahlungen nicht mit den gemeldeten überein, es sei
keine Arbeitszeiterfassung geführt worden und es liege auch kein schriftlicher
Arbeitsvertrag vor. Zudem falle auf, dass die einzelnen Lohnabrechnungen nicht mit
den Gehaltskarten übereinstimmten. Alles in allem würden die vorliegenden Unterlagen
keine zuverlässige Bestimmung des Arbeitsausfalls ermöglichen (Erwägung 3.2). Im Fall
von flexiblen Arbeitsverhältnissen könne ein anrechenbarer Arbeitsausfall jedoch nur
dann berücksichtigt werden, wenn die effektive Arbeitsauslastung durch
Arbeitszeitaufzeichnungen dokumentiert sei (Erwägung 3.3). Darauf ist auch im
vorliegenden Verfahren abzustellen, weshalb sich weitere Ausführungen zur Rüge des
Beschwerdeführers, die Pflicht einer ausreichenden Kontrollierbarkeit der Arbeitszeit für
die Zeit vor der Kurzarbeit gehe nicht aus dem Gesetz hervor, erübrigen.
3.4 Schliesslich vermag auch die Argumentation des Beschwerdeführers, es sei ihm
wenigstens eine teilweise Gutgläubigkeit für den Anteil der Kurzarbeitsentschädigung
anzuerkennen, welche dem tatsächlichen (Durchschnitts-)Lohn entspreche, nicht zu
überzeugen. Dies würde einer Korrektur des bundesverwaltungsgerichtlichen Urteils
gleichkommen, wonach eine zuverlässige Bestimmung des Arbeitsausfalls auf Grund
der ins Recht gelegten Akten überhaupt nicht möglich war. Wie vorne ausgeführt
(E. 3.2), geht aus der Broschüre hervor, dass kein Anspruch besteht, wenn der
Arbeitsausfall nicht bestimmbar ist. Damit musste dem Beschwerdeführer klar sein,
dass es sich hierbei um eine Anspruchsvoraussetzung handelt, weshalb er sich bei
deren Fehlen nicht auf den guten Glauben zu berufen vermag.
4.
Im Sinn der obigen Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP