Decision ID: 078e5351-41f2-4d43-9d2d-dfb5e40aa6cb
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
bezog ab
1. Juni 1999 bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Invalidenrente
,
welche
gestützt auf die Schlussbestim
mungen der IV-Revision 6a
ausgehend von einem
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage aufgehoben, in der Folge indes bis zum
Abbruch der Wiedereingliederungsmass
nahmen per 3
1
.
Mai 2014
ausgerichtet
wurde
(vgl. Verfügungen der Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, vom 29. September
1999 [Urk. 10/14], vom
13. Mai 2013 [Urk. 10
/45],
vom 16.
Juli 2013 [Urk. 10
/49] s
owie vom 28. August 2014 [Urk. 10
/99]).
1.2
Am 31. Oktober 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk.
10
/100-101). Die IV-Stelle trat auf das neue Leistungsbegehren der Versi
cherten mit Verfügung vom 2. Apr
il 2015 nicht ein (Urk. 10
/119). Die dagegen
am hiesigen Gericht
erhobene Beschwerde (Urk. 10
/120/4-8) wurde mit Urteil vom 3.
August 2016 abgewiesen (Urk. 10
/127; Prozess IV.2015.00482).
1.3
Die Versicherte meldete sich am 18. Dezember 2016 ein weiteres Mal zum Leis
tungsbezug an (Urk. 10/129, vgl. auch Urk. 10/128). Gegen die am 5. Mai 2017 von der IV-Stelle verfügte «Abweisung des Leistungsbegehrens» (Urk.
10/147) erhob die Versicherte
am 8. Juni 2017 Beschwerde beim hiesigen Gericht (Urk. 10/152/3-10). Die Beschwerde wurde mit Urte
il vom 15. Januar
2019 gutgeheissen und die Sache an die IV-Stelle zurück
gewiesen, damit diese auf die Neuanmeldung eintrete und nach erfolgter Prüfung
über den Leistungsan
spruch
neu verfüge (Urk. 10/162; Prozess IV.2017.00661).
Daraufhin veranlasste die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinäres Gutach
ten, welches am 11. Dezember 2019 durch Ärzte der
Y._
erstattet wurde (Urk. 10/186). Mit Vorbescheid vom 17. Januar 2020 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Verneinung eines Rentenanspruches in Aussicht (Urk. 10/188). Das am 21. Januar 2020 durch den Rechtsvertreter der Versicher
ten gestellte Gesuch um Ernennung als unentgeltlicher Rechtsvertreter im Verwaltungsverfah
ren (Urk. 10/191) wies die IV-Stell
e mit Verfügung vom 26. Februar
2020 ab (Urk. 10/196).
Die dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 10/199/3-12) wurde mit Urteil vom 17. Juli 2020 gutgeheissen (
Urk. 10/207;
Pr
ozess IV.2020.00193
).
Nach einer Sistierung des
Vorbescheidver
fahren
s
(
vgl.
Urk. 10/197+198)
erstattete die Versicherte innert erstreckter Frist (vgl. Urk. 10/202) einen Einwand (Urk. 10/204) zur in Aussicht gestellten Abwei
sung des Rentenanspruchs.
I
nfolgedessen führte die IV-Stelle ein erneutes
Vor
bescheidverfahren
durch
(Urk. 10/218; Urk. 10/220)
und verneinte mit Verfügung vom 5. August 2021 wie vorbeschieden basierend auf einem Invaliditätsgrad von 20 % einen Rentenanspruch (Urk. 10/227 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
8. September 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
5. August 2021 (Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr rückwirkend und auch für die Zukunft eine Invalidenrente zuzusprechen. Even
tuell sei die Sache zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um unentgeltliche Prozessführung sowie unentgeltliche Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Tomas Kempf, Uster (Urk. 1 S. 2; vgl. auch
Urk. 3/3 und
Urk. 6-8/1-11
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1. Oktober 2021 (Urk. 9
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1. Oktober
2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG
).
1.4
War eine Rente
verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuan
meldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invalidi
tätsgrades eingetreten ist (BGE
117 V 198 E. 3a mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts I 659/04 vom 9. Februar 2005 E. 1.1
).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabe
nbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu
früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesund
heitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung ist von Amtes wegen zu prüfen, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige vorangehende
Nichteintretensverfü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungsaufwandes der Verwaltung unbeachtlich
(BGE 130 V 71 E. 3.2.3)
.
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 5. August
2021 (Urk. 2) davon aus,
eine Veränderung der tatsächlichen Verhält
nisse und namentlich des Gesundheitszustandes sei gestützt auf das Gutachten der
Y._
ausgewiesen, da gestützt darauf und im Vergleich zur Situa
tion im Jahr 1999 diverse neue Diagnosen hinzugetreten seien, welche ihrerseits funktionelle Einschränkungen zur Folge hätten (S. 2 oben).
Die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit betrage aus interdisziplinärer Sicht der Gutachter im Oktober 2019 (Begutachtungszeitpunkt) 80 %, wobei seit April 2015 keine rele
vante Änderung eingetreten sei (S. 2 Mitte).
Eventuell bestehende prozentua
le Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit auf einem Fachgebiet würden sich nicht automatisch mit jenen auf einem anderen Fachgebiet addieren. Es sei stets die Gesamtsituation zu betrachten (S. 3 Mitte).
Das vorliegende Anforderungs- und Belastungsprofil rechtfertige auf dem ausge
glichenen Arbeitsmarkt keinen leidensbedingten Abzug. Der vermehrte Pausen
bedarf sei im reduzierten Pensum bereits berücksichtigt. Da
Validen- und Invali
deneinkommen auf derselben Grundlage zu bemessen seien
und kein Abzug
vom Tabellenlohn
vorzunehmen sei, resultiere ein rentenausschliessender Invaliditäts
grad von 20 % (S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt
(Urk. 1)
, auf das Gutachten der
Y._
könne insofern nicht abgestellt werden, als dass ihr eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestiert werde. Denn es sei weder im psychiatrischen noch im rheumatologischen Teilgutachten schlüssig und nachvollziehbar begründet und hergeleitet worden, weshalb die Arbeitsfähigkeit nicht
um
mehr als 20 % eingeschränkt sei. Ebenfalls lasse sich
die 20%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit in der Konsensbeurteilung nicht erklären bei je 20%
iger Arbeitsunfähigkeit
aus psychi
atrischer und rheumatologischer Sicht sowie einer qualitativen Einschränkung aus neurologischer Sicht
. Auf das besagte Gutachten könne daher nicht abgestellt werden. Selbst bei einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit betrage der Invaliditätsgrad mindestens rentenbegründende 40 %, da angesichts der neurologisch bedingten qualitativen Einschränkung
bei feinmotorischen Arbeiten und des eng umschriebenen rheumatologischen Zumutbarkeitsprofils bei gleichzeitiger Einschränkung aus psychischen Gründen
bei der Bemessung des Invalideneinkommens
ein leidensbedingter Abzug von 25 % zu gewähren sei
(S. 8 f. Ziff. 8).
2.3
Unbestritten ist, dass sich seit
September
1999 (Vergleichszeitpunkt
, Urk. 10/14
) eine Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse, nämlich des Gesundheitszu
standes, ergeben hat. Streitig und zu prüfen ist, ob und inwiefern die Beschwer
deführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden
seit der Neuanmeldung im Dezember 2016
(Urk. 10/129)
verglichen mit
dem Rentenentscheid vom September
1999 (Vergleichszeitpunkt)
funktionell eingeschränkt ist.
3.
Im Urteil
IV.2015.00482
vom 3. August 2016 wurde Folgendes zur gesundheit
lichen Situation der Beschwerdeführerin anlässlich der
Rentenzusprache
per Juni 1999 ausgeführt (Urk. 10/127/5 Erwägung 3):
Die
Rentenzusprache
per Juni 1999 erfolgte im Wesentlichen aufgrund folgender Diagnosen:
Fibromyalgiesyndrom
oder psychogene rheumatische Beschwerden (somatoforme Störung im Rahmen der Depression),
Betathalassämia
minor, Hautherpes, funktionelle Dyspepsie, Adipositas (...), Beschwerden im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule (LWS; ...), des linken Hüftgelenks (...), im Bereich der Knie (...), linksseitige Beinschmerzen (...) und
Lumbovertebralsyndrom
mit
Be
ckenkammtendinose
beidseits bei
Chondrose
L5/S1 (...).
D
er
behandelnde
Hausarzt Dr. med.
Z._
attestierte der Beschwerdeführerin damals eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Fabrikarbeiterin
. E
ine zusätzliche Arbeit zur Haushaltstätigkeit sei kaum in einem Umfang von über 20 bis 30 % möglich (
Bericht vom 30. Juni 1999,
Urk. 10/9/1 Ziff. 1.1).
Im Rahmen einer von der Krankenversicherung in Auftrag gegebenen vertrauensärztlichen psychiatrische
n Untersuchung kam Dr. med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
im Bericht vom 9. September 1998 (Urk. 10/9/36-39)
zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei in ihrer psychischen G
esundheit stark
beein
trächtigt und daher auch der Doppelbelastung durch Arbeit und Familie nicht
gewachsen. Die mittelgradige depressive Störung (ICD-10 F32.1) schränke nicht nur die ausserhäusliche Arbeitsfähigkeit, sondern auch die Leistungsfähigkeit im häuslichen Bereich ein. In ihrer Tätigkeit als Weberin wie auch in anderen Tätig
keitsbereichen bestehe im Jahresdurchschnitt eine 80 bis 90%ige Arbeitsunfähig
keit
(S. 3 f.
).
4
.
4.1
Im Urteil
IV.2017.00661
des hiesigen Gerichts vom 15. Januar 2019
(Urk. 10/162)
wurde erwogen, dass im Vergleich zur gesundheitlichen Situation bis Juni 1999, als die Beschwerdeführerin vorwiegend an Schmerzbeschwerden ohne objekti
vierbares Korrelat
im Sinne eines
fibromyalgischen
Beschwerdekomplexes
sowie an einer depressiven Symptomatik gelitten habe,
nun (November und Dezember 2016)
in
den Berichten von Dr. B._
a
us orthopädischer und Dr. C._
aus rheumatologischer Sicht diverse objektivierbare und st
rukturell-pathologische Befunde
festgehalten worden seien, welche die Schmerz
beschwerden erklären und eine Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Sodann lägen
au
ch bildgebend belegte Befunde im Bereich des
Schultergelenk
s
vor (
Rotatorenmanschetten
-Lä
sion
; E. 4.2
).
Das Gericht erkannte, dass die Beschwerdegegnerin auf die Neuan
meldung einzutreten und den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin zu prü
fen habe (
E. 4.3 und S. 9
). Infolgedessen holte die Beschwerdegegnerin diverse Arztberichte ein.
4.2
Gemäss Schreiben von Dr. med.
D._
, Facharzt Orthopädie und
Phlebologie
, vom 19. März 2019 besteht in einer angepassten Tätigkeit «keine 100 % Erwerbsmin
derung» (Urk.
10/166
,
vgl.
auch
Telefonnotiz, Urk. 10
/167).
4.3
Nach Angaben der Beschwerdeführerin befinde
t
sie sich bei
lic
. phil.
E._
in
psychiatrischer
Behandlung (Urk. 10/17
0
/2).
Eine regelmässige Behandlung finde
jedoch
nicht statt
, so die Fachpsychologin in der Kurzstellung
nahme vom 9. Mai 2019 (Urk.
10/173/2
)
:
Sie habe die Beschwerdeführerin in den vergangenen eineinhalb Jahren lediglich drei Mal 30 M
in
uten gesehen, weshalb sie keinen Arztbericht ausfüllen könne.
4.4
Am 22. Mai 2019 verfasste Dr.
Z._
seinen letzten Bericht infolge Pensionierung (Urk.
10/174
/3-7). Das chronische rheumatologische Schmerzsyndrom habe sich trotz Intervention nicht verbessert (Ziff. 2.1). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er ein rheumatisches Krankheitsbild mit Arth
r
osen,
Tendinopathien
,
Insertions
tendinosen
,
anhaltende und therapieresistente
myofasciale
Schmerzen, ein Schlafapnoesyndrom sowie eine depressive S
ympto
matik (Ziff. 2.5). D
er Beschwerdeführerin
sei
eine Tätigkeit während zwei bis drei Stunden täglich mit Pausen und inklusive Weg zumutbar (Ziff. 4.2).
4.5
Im April und Mai 2019 wurde die Beschwerdeführer
in
durch Dr. med. F._
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, untersucht (Bericht vom 20. Mai 2019, Urk.
10/175
).
Dr. F._
hielt fest, die Beschwerdeführerin leide an diversen Beschwerden im Bewegungssystem aufgrund von degenerativen Veränderungen (HWS, ACG beidseits, LWS, Hüft- und Fussgelenke). Ein Hinweis auf ein entzünd
liches rheumatisches Geschehen finde sich nicht. Eine medikamentöse Schmerztherapie sei aufgrund der Begleiterkrankungen (Ulcus
duodeni
, Diabetes mellitus) kontraindiziert. E
ine
leidensangepasste Tätigkeit sei
nicht möglich wegen nur geringer
Belastbarkeit mit rezidivierenden Schmerzschüben an ver
schiedenen Lokalisationen, hohem Pausenbedarf und schmerzhafte
r
Bewegungs
einschränkung vor allem der linken Schulter und der HWS.
Es bestehe eine verminderte Konzentration bei nächtlichen Schmerzen. Eine Besserung sei dau
erhaft nicht absehbar.
Einschränkungen würde
n im Sitzen und Stehen sowie
beim Hantieren mit Geräten
bestehen
(S. 2)
.
4.6
Im polydisziplinären Gutachten der
Y._
vom 11. Dezember
2019 (Urk. 10/186) wurde
n
im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
(S. 1-14) folgende Diagnosen festgehalten (S. 8 Ziff. 4.2):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
s
onstige Reaktion auf schwere Belastung (ICD-10 F43.8)
-
a
bhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
-
a
nhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40)
-
Karpaltunnelsyndrom beidseits
-
Status
n
ach Karpaldachspaltung links September
2015, rechts ca. 2006-2009
-
c
hronisches
multilokuläres
muskuloskelettale
s
Schmerzsyndrom
(ICD-10 M25.50)
-
Cerviko
- und
lumbospondylogenes
Schmerzsyndro
m linksbetont
(ICD-10 M53.1, M54.4)
-
d
iskrete Skoliose
-
6-gliedrige LWS
-
Diskusprotrusion
C
5/6 m
it Tangierung der Nervenwurzel C6 rechts,
Diskusprotrusion
C6/7 o
hne Neurokompression (MRI 28. April
2017)
-
i
nitiale
Uncovertebralspondylose
,
oligosegmentale
Spo
ndylarthrose
und
Osteochondrose
(Röntgen
30.
Oktober
2019)
-
l
eichte
osteoligamentäre
Spinalkanalstenose L4/5 m
it Tangierung der Nervenwurzeln L5
rez
essal
beidseits und L5/6 mit V
erlagerung der Ner
venwurzeln
rezessal
beidseits,
geringe
Foramenstenosen
L5/6 rechts und L6/S1 links (MR
I 28. April
2017)
-
f
unktionelle Hypästhesie des linken Armes ohne anatomisch plausibles Verteilungsmuster
-
a
ktuell fehlende
radikuläre
Reiz- oder sensomotorische Ausfallsympto
matik
-
Periarthropathia
humeroscapularis
beidseits mi
t
subacromialem
Impinge
ment
(ED
Dezember
2014), aktuell
vor allem links symptomatisch
(ICD-10 M75.4)
-
AC-Arthrose recht
s
mit Impression
des
Subacromialraums
(MRI 7. Juni
2018)
-
AC-Arthrose links, geringe Bursitis
subacro
mialis
links, Verdacht
a
uf
Rotatorenmanschettenläsion
links (KM-Austritt in die
Bursa
subacro
mialis
;
MRI 24. Dezember
2014)
-
AC-Arthrose beidseits
-
Metatarsalgien
bei Senk
füssen beidseits
(ICD-10 M21.4)
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
:
-
erhöhtes CRP unklarer Ätiologie
, kontrollbedürftig
-
p
ermanente, belastungsunabhängige
Dys
- und Parästhesie
n der Füsse und Hände beziehungsweise
Arme; DD i.R. (wohl: im Rahmen) der
cervikalen
Spinalkanalstenose, DD
small
-
f
iber Neuropathie
-
Status nach
benignem paroxysmale
m
Lagerungsschwindel
-
a
ktenanamnestisch
Gonalgie
beidseits und anamnestisch links bei m
edia
ler
femorotibialer
Arthrose links (Erstdiagnose April
2015)
-
(
a
kten-)anamnestisch plantare
Ca
lcaneodynie
linksbetont bei (Status
nach)
Plantarfasciitis
links (MRI Juni 2017)
-
Digitus
quintus
adductus
beidseits
-
Refluxbeschwerden
ohne Reflux-
Ö
soph
agitis
(ED 1989 Panendoskopie)
-
Beta-
Thalassämia
minor und unklare
Splenomegalie
(ED 1996
) mit leicht erhöhtem HbA2 ohne Anämie
-
Adipositas per magna ohne Angaben von Gewicht
(1996), aktuell Grad l (BMI 32.
1 kg/qm)
-
Diabetes mellitus Ty
p
llb
, gut eingestellt aktuell
-
St
atus
nach proximaler
Urolithiasis
rechts
pyelourethral
, Status nach
Pig
tail-Kat
hetereinlage
,
ureteroskopischer
Kon
krementextraktion
(2010) und Status nach ESWL
-
Hypovitaminose D mit oraler Substitution (ED
2014)
-
a
rterielle Hypertonie (ED
Hospitalisation
G._
2014)
-
Stamminsuffiz
ienz
Vena
saphena
magna rechts H
ACH III (ED 2
017) und Stamminsuffizienz
Vena
saphena
magna links H
ACH III bis IV, anamnes
tisch operativ
e Sanierung beidseits (ED 2017)
-
Dünndarmsubileus
ohne Obstruktionsnachweis und ohne Divertiku
litis und
Steatosis
hepatis
(ED CT des Abdomens 21. März
2018
)
-
Ulcus
duodeni
, anamnestisch (ED 20. Mai
2019)
-
Schlafa
pnoe-Symptomatik
, Abklärung nicht er
wünscht patientenseitig (ED Mai
2019)
-
Nikotinabusus
-
Glaucom
-
Sectio
caes
area
1984,1986,1993
-
Status nach
abdominaler Hystere
ktomie
-
Status nach
Tonsillektomie
In der integrativen medizinischen Beurteilung wurde aus allgemein-internisti
scher Sicht ausgeführt, die subjektive Anstrengungsintoleranz lasse sich aufgrund der wenig differenzierten und schwer einzuordnenden Antworten nicht näher dif
ferenzieren. Jedenfalls bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten (S. 6).
Aus neurologischer S
icht sei
en anspruchsvolle feinmotorische Tätigkeiten be
i Karpaltunnelsyndrom nach K
arpaldachspaltung zu vermeiden
(z.B. feines Löten, kleine Schrauben)
. Abgesehen von dieser qualitativen Einschränkung der Arbeits
fähigkeit seien der Beschwerdeführerin aus neurologischer Sicht sämtliche Tätig
keiten zu 100 % zumutbar. Der Gesundheitszustand habe sich aus neurologischer Sicht seit der Verfügung vom 2. April 2015 nicht wesentlich verändert (S. 7 oben, S. 37 Ziff. 8).
Aus rheumatologischer Sicht zeige sich ein chronisches
multilokuläres
muskulos
kelettales
Schmerzsyn
d
rom
. Die aktenanamnestisch beschriebene
cervikale
Spinalkanaleinengung sei im Verlauf
regredient
gewesen. Eine von der aktuell behandelnden Rheumatologin diagnostizierte
Coxarthrose
beidseits könne aus aktueller rheumatologischer Sicht weder klinisch noch radiologisch bestätigt werden. Die von der Beschwerdeführerin geschilderte Schmerzausdehnung in die gesamte linke Körperhälfte und die Sensibilitätsstörungen in den Armen und Bei
nen seien mit den objektivierbaren pathologischen klinischen und radiologischen Befunden nicht erklärbar und würden als Symptomausweitung interpretiert. Auf
grund der sowohl klinisch wie radiologisch objektivierbaren, deutlich linksbeton
ten Schulterpathologie seien kraftanfordernde und/oder repetitive Arbeiten mit der linken oberen Extremität über Kopfhöhe (vor allem links) zu vermeiden. Die
Wirbelsäulenbelastbarkeit sei aufgrund der bildgebend dokumentierten degene
rativen Veränderungen eingeschränkt. Rückenbelastende Tätigkeiten mit Heben/Tragen grosser Lasten (
Gewichtslimite
vereinzelt 10 kg, repetitiv 5 kg), lang dauernde Arbeiten in Wirbelsäulenzwangshaltungen sowie repetitive Wir
belsäulenflexionen/
-extensionen/-torsionen seien zu vermeiden. Die von der Beschwerdeführerin beklagten
Gonalgien
,
Metatarsalgien
und linksbetonten plantaren Fussschmerzen könnten klinisch nicht klar lokalisiert beziehungsweise zugeordnet werden und würden die Arbeitsfähigkeit höchstens marginal beein
flussen. Gesamthaft sei aus rheumatologischer Sicht mit den objektivierbaren pathologischen Befunden eine um 20 % geminderte Arbeitsfähigkeit in körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden beruflichen Tätig
keiten ohne Rückenbelastungen und ohne kraftanfordernde und/oder über Kopf
höhe ausgeführte Arbeiten mit den oberen Extremitäten nachvollziehbar
(S. 7)
.
Aufgrund des chronischen Schmerzsyndroms sei die Anbindung der Beschwer
deführerin an ein interdisziplinäres Schmerzzentrum zur ganzheitlichen Behand
lung in Erwägung zu ziehen (S.
28 Ziff. 7.2).
Aus psychiatrischer Sicht erfülle die Beschwerdeführerin die diagnostischen Kriterien einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung.
Als weitere psychi
atrische Diagnosen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
sei
en
eine abhängige Persönlichkeitsstörung und eine sonstige
Reaktion auf eine schwere Be
lastung
zu diagnostizieren
. Es
würden
sich psychosoziale Belastungsfaktoren identifizieren
lassen, welche ein ausser
gewöhnliches und katastrophales Ausmass auf die subjektive Wahrnehmung der
Beschwerdeführerin hätten
(S. 8)
.
Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung sei festgestellt worden, dass d
as angegebene Schmerzausmass sich weder im Ausdruck der
Beschwerdeführerin
noch im Verhalten (Bewegung auf dem St
uhl, die Notwendigkeit des Aufs
tehens über 90 Minuten hinweg) wider
spiegelt habe
. Zusätzlich
habe
sich eine
Diskre
panz zwischen der angege
benen depressiven Symptomatik und der bestehenden Möglichkeit einkaufen, sich pflegen oder die Freundin besuchen zu können
,
ergeben
. In der Beschreibung der depressiven Symptomatik
sei
die
Beschwerde
führerin
wenig
konkret gewesen
. Der Hauptfokus
liege
auf psychosoziale
n
Bela
s
tungsfaktoren.
Depressive Symptome
seien erst beim Abfragen
angegeben
worden
. Dabei
hätten sich insbe
sondere bei der Erarbeitung des psychopatholo
gischen Befundes überdurch
schnittliche Leistungen im
Kurzzeitgedächtnis sowie im Rahmen des Konzentrationsvermögens
ergeben
. Das Ausmass der Symptome
werde
wie schon bei den Schmerzen
maximal schlecht angegeben. Dieses spiegle
sich
jedoch
nicht in der Tagesstruktur wider
(einkaufen, sich pflegen und Freun
din besuchen können)
. Zusätzlich
habe sie
von Schmerzen
«
bis zehn
» berichtet,
jedoch
bei der Abfrage der Medikamente bezüglich der Schmerzen nur gelegent
liche starke Schmerzen an
gegeben
, welche einmal pro Woche oder einmal im Monat auftreten würden, was dann dazu führe, dass sie
ein Schmerzmittel
nehme
(S. 49
f.
Ziff. 3.2.13)
.
Aufgrund der postulierten
Persönlichkeitsakzentuierung seien
die geschilderten Inkonsistenzen unter einer ausgeprägten Form der Symp
tomverdeutlichung im Rahmen
der Persönlichkeitsstörung einzuordnen und nicht als nicht-
authentische Beschwerdeschilde
rung zu werten (S. 53 Ziff. 7.3)
.
Aus psychiatrischer Sicht liege eine 20%ige
Minderung der Arbeitsfähigkeit in jeglichen beruflichen Tätigkeiten
vor
. Laut eigenen Angaben
der Beschwerdefüh
rerin sei
es nach Suizidversuchen zu einer zweimaligen stationären psychiatri
schen Behandlung
gekommen
. Eine längerfristige ambulante
höherfrequente
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung
habe jedoch nicht stattgefu
nd
en (S. 8).
Aus interdisziplinärer Sicht besteh
e
eine Arbeitsfähigkeit von 80
% in
körperlich leichter bis gelegentlich mittelschwerer, wechselbelastender Tätigkeit ohne Rückenbelastungen
(kein Heben/Tragen von Lasten über 5 kg [repetitiv] bzw. über 10 kg [vereinzelt], keine langdauernden Arbeiten in Wirbelsäulenzwangs
haltungen, keine repetitiven Wirbelsäulenflexionen/-Extensionen/-Torsionen)
, ohne kraftanfordernde und/oder repetitive Tätigkeiten mit den oberen Extremi
täten über Kopfhöhe sowie ohne anspruchsvolle feinmotorische manuelle Tätig
keiten (S. 11 Ziff. 4.8)
. Eine relevante Veränderung des Gesun
dheitszustandes gegenüber der
Verfügung der
Beschwerdegegnerin
vom
2. April 20
15 besteh
e
aus interdisz
i
plinärer Sicht nicht
(S. 8)
.
5
.
5
.1
Gestützt auf die medizinische Aktenlage ist ausgewiesen, dass sich
die Befunde
bezüglich
somatischem Gesundheitszustand
seit 1999
in
objektivierbarer Weise verändert
ha
ben
und ein Revisionsgrund vorliegt
, was zwischen den Parteien unbestritten ist (vgl. Urk. 1 und 2)
.
Demzufolge ist der
Rentenanspruch umf
assend zu prüfen (vgl. E. 1.4).
Dabei
steht
jedoch
der Verwertbarkeit des Gutachtens nicht entgegen, dass d
ie Fragestellung an die Gutachter
betreffend den
Vergleichszeit
punkt
(
2015
statt 1999)
falsch war. Die durch
das hiesige Gericht zu b
eurteilende Frage (vgl. E. 2.3),
ob und inwiefern die Beschwerdeführerin aufgrund
der mit Neuanmeldung vom Dezember 2016 (Urk. 10/129) geltend gemachten
gesund
heitlichen Beschwerden funktionell
eingeschränkt ist,
lässt sich gestützt auf die vorliegenden Akten, insbesondere
auch
auf
das besagte Gutachten,
welches den
relevanten
Zeitraum
abdeckt
,
beantworten
(so auch die Besc
hwerdegegnerin,
Urk. 2 S. 2
)
.
Zusammen mit den echtzeitlichen medizinischen Berichten ist der vorliegende Sachverhalt genügend erstellt, weshalb sich in antizipierter Beweis
würdigung
(BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3)
weitere Abklärungen erübri
gen.
5.2
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
(vgl. E. 2.2)
hat der rheumatolo
gische Gutachter hergeleitet, dass sich die
um
20 % eingeschränkte Arbeitsfä
higkeit in angepasster Tätigkeit aufgrund der chronischen Schmerzstörung und der Notwendigkeit vermehrter und über das betriebliche Mass hinausgehende
r
Pausen begründe
t
(Urk. 10/186/7-8).
Im Rahmen der interdiszi
plinären Beurtei
lung wurde die Arbeitsunfähigkeit
auch unter Berücksichtigung der psychiatri
schen Diagnosen auf nicht mehr als
eine 20
%
ige Einschränkung
zufolge eines erhöhten Pausenbedarfes
eingeschätzt und beurteilt (Urk. 10/186/11 Ziff. 4.9).
Sowohl aus der rheumatologischen
als
auch aus der psychiatrischen Beurteilung geht hervor, dass die
chronifizierte
Schmerzproblematik im Hinblick auf die quantitative Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
im Vordergrund steht
, jedoch nicht ein derartiges Ausmass annimmt, dass
Zweifel an der
jeweils
in den Teil
gutachten wie auch
interdisziplinär
attestierte
n
20%ige
n
Arb
eitsunfähigkeit
auf
kommen würden
. So hielten die Gutachter fest, dass sich weder das Ausmass der Schmerzen noch jenes der depressiven Problematik
im
Verhalten während der Begutachtung
oder
auch im Zusammenhang mit der geschilder
ten Tagesstruktur widerspiegeln
. Diese Inkonsistenzen wurden der Symptomverdeutlichung im Rahmen der Persönlichkeitsstörung zugeordnet
(vgl. E. 4.6)
.
Dass aus psychiatri
scher Sicht eher ein geringer Leidensdruck herrscht, verdeutlichen die unregel
mässigen und sporadischen
(gar seltenen)
Konsultationen bei ihrer behandelnden Psychologin (vgl. E. 4.3).
Auch Dr.
D._
legte dar, dass er der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer somatischen Befunde keine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestie
ren könne (vgl. E. 4.2).
Ganz anders dann
die später behandelnde Dr. F._
, welche der Beschwerdeführerin wegen ihrer Beschwerden im Bewegungssystem eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestierte (vgl. E. 4.5).
Dass die Beschwerdeführerin an degenerativen Beschwerden im Bewegungs
apparat leidet, ist nicht in Frage zu stellen.
Nicht überzeugend ist jedoch
der Standpunkt von Dr. F._
, dass diese Beschwerden respektive Befunde zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten führen
sollen
.
Die
Berichte der Behandler Dr. F._
und
des bisherigen Hausarztes
Dr.
Z._
und deren
nicht nachvollziehbar
begründete Attestierung einer
hohen
Arbeitsunfä
higkeit vermögen die Beurteilung im Gutachten der
Y._
ebenfalls nicht in Frage zu stellen.
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Haus
ärzten wie
überhaupt von behandelnden Arztpersonen ist auf die Erfahrungstat
sache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hin
weisen).
Dies ist vorliegend nicht der Fall.
5.3
Zweck interdisziplinärer Gutachten ist es, alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis zu fassen.
Dass die somatisch objektivierbaren und aus rheumatologischer Sicht ausgewiesenen Befunde nicht zu einer Kumulation
zur
aus psychiatrischer Sicht attestierten Arbeitsunfähigkeit führ
en
–
oder umgekehrt
–
und die gesamtgutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit bei 20 % blieb, ist im vorliegenden medizinischen Gesamtkontext nachvollziehbar.
Da das Gutachten der
Y._
AG die
praxisgemässen
Kriterien
an eine medizinische Entscheidungsgrundlage
erfüllt (vgl. E. 1.6), ist darauf abzustellen.
Die Beschwerdegegnerin hat zu Recht gestützt auf das besagte Gutachten eine zumutbare Restarbeitsfähigkeit von
80
% in angepasster Tätigkeit angenommen.
5.4
Im Rahmen einer
Indikatorenprüfung
(BGE 141 V 281) wird eine im
Zusammen
hang mit
einer psychiatrischen Diagnose
bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit vali
diert, weshalb daraus keine
grössere
als die gutachterlich attestierte Arbeitsunfä
higkeit resultieren kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2019 vom 8. November 2019
mit Hinweis)
. Dementsprechend ist eine
Indikatorenprüfung
vorliegend entbehrlich
, führt doch die 20%ige Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit nicht zu einem Rentenanspruch (vgl. nachstehend E.
6)
.
6.
6.1
6.1.1
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invaliden
einkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentver
gleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
6.1.2
Die Beschwerdeführerin hat keine Berufsausbildung
absolviert
und war bis 1998 an verschiedenen Orten als Hilfsmitarbeiterin angestellt (Urk. 10/1 Ziff. 6, Urk. 10/6-8
, Urk. 10/215
). Da sie auch in einer leidensangepassten Tätigkeit in einer Hilfstätigkeit arbeiten würde, sind v
orliegend
das Validen- wie auch das Invalideneinkommen ausgehend vom
selben
Tabellenlohn der LSE
(Totalwert)
zu bemessen,
womit
sich deren genaue Ermittlung
rechtsprechungsgemäss
erübrigt; der Invaliditätsgrad entspricht dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 8C_365/2012 vom 30. Juli 2012 E. 7 mit Hinweis)
.
6.2
6.2.1
Zu prüfen bleibt
damit
, wie es sich mit dem von der Beschwerdeführerin
anbe
gehrten
Tabell
enlohnabzug verhält (vgl. Urk. 1 S. 9 unten
). Die Beschwerde
gegneri
n hat einen solchen
mit der Begründung
verneint
, das Anforderungs- und Belastungsprofil rechtfertige auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt keinen Abzug. Der vermehrte Pausenbedarf sei im reduzierten Pensum bereits berück
sichtigt worden (Urk. 2 S. 2 unten).
6.2.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Ein
zelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen kör
perlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsf
ähigkeit eingeschränkt ist (BGE
126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Ein
schränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemä
ss BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliege
nder erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6).
6.2.3
Die verminderte Leistungsfähigkeit und der erhöhte Pausenbedarf wurden
von den Ärzten
bereits
im Rahmen der 2
0%igen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt.
Die qualitativen Einschränkungen aus neurologischer
(keine
anspruchsvollen
feinmotorischen
manuellen
Tätigkeiten) und rheumatologischer Sicht (kein repetitives
Heben/
Tragen von Gewichten über 5 kg, vereinzelt jedoch bis 10 kg möglich, keine langandauernden Tätigkeiten
in
Wirbelsäulenzwangs
haltung, vermeiden von repetitiver Wirbelsäulenflexion, -extension, -torsion
, keine
kraftanfordernden und/oder repetitiven Tätigkeiten mit den oberen Extre
mitäten über Kopfhöhe
; vgl. E. 4.6)
lassen nicht überwiegend wahrscheinlich darauf schliessen, dass die Beschwerdeführerin die verbliebene Arbeitsfähigkeit auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerb
lichem Erfolg verwerten kann. Es ist von einem
genügend breiten Sp
ektrum an zumutbaren Verweis
tätigkeiten auszugehen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_725/2020 vom 22. Dezember 2020 E. 4.4.1). Ohnehin ist r
echtsprechungsge
mäss der Umstand allein, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen
zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzni
veau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen).
Sodann rechtfertigt auch die lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt bei Hilfstätigkeiten im untersten Kompetenzniveau rechtsprechungsgemäss
keinen Abzug
(vgl. Urteil des Bundesg
erichts 9C_223/2020 vom 25. Mai
2020 E. 4.3.5 mit Hinweisen).
Da das Gericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen darf und ein Abweichen grundsätzlich nur bei Unange
messen
heit möglich ist (vgl. E. 6.2.2
), ist mit der Vorinstanz kein Abzug ange
zeigt.
6.3
Nach dem Gesagten ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 20 %. Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens. Die Beschwerde ist abzuweisen.
7.
7.1
Die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind vorliegend erfüllt
(vgl. Urk. 3/3, Urk. 6-8)
. Demzufolge ist der Beschwerde
führerin
antragsgemäss (
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung zu bewil
ligen
und Rechtsanwalt
Tomas Kempf, Uster, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren zu bestellen
.
7.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig
;
die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind
ermessensweise auf Fr. 800.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7.3
Rechtsanwalt Tomas Kempf ist aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Die Ent
schädigung ist ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barausla
gen festzusetzen (§ 34 Ab
s. 1 und 3
GSVGer
) und mit Fr. 2
‘
7
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu bemessen.
7.4
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten
sowie der Auslagen für die Vertretung
verpflich
tet
ist
, sofern sie dazu in der Lage ist.