Decision ID: 57243464-9770-5aea-ba1d-0b39972e62bd
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführer,
gegen
RAV St. Gallen, Unterstrasse 4, Postfach, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegner,
vertreten durch Amt für Arbeit, Unterstrasse 22, 9001 St. Gallen,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Kursbesuch
Sachverhalt:
A.
A.a R._, geboren 1947, meldete sich am 7. Januar 2009 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) St. Gallen zur Arbeitsvermittlung an (act. G 3/A26)
und bezog ab Februar 2009 Arbeitslosenentschädigung (vgl. act. G 3/B43). Auf
Anweisung des RAV St. Gallen besuchte der Versicherte verschiedene kollektive Kurse
(vom 20. bis 25. April 2009 PC-Workshop, act. G 3/A34; vom 27. April bis 15. Mai 2009
Word/Excel, act. G 3/A38; vom 2. Juni bis 21. August 2009 Orientierungskurs Kader,
act. G 3/A42) und absolvierte verschiedene Praktika (vom 3. bis 20. August 2009,
juristisches Praktikum bei C._, act. G 3/B72; vom 3. November bis 31. Dezember
2009, Ausbildungspraktikum bei der A._, act. G 3/A76; vgl. zu einem 11-tägigen
Praktikum am gleichen Ort vom Juli 2009 act. G 3/B69).
A.b Am 16. Dezember 2009 stellte der Versicherte ein Gesuch um Zustimmung zum
Kurs B._ in der Zeit vom 4. März 2010 bis 15. April 2011 (24 Kurstage). Er gab an,
dass er eine berufliche Verselbstständigung beabsichtige. Eine berufliche
Verselbstständigung als Jurist allein in dem ihm vertrauten Recht ermögliche ihm kein
existenzsicherndes Einkommen (act. G 3/A81).
A.c Am 29. Dezember 2009 verfügte das RAV St. Gallen, das Kursgesuch werde
abgewiesen. Bei der beantragten Massnahme handle es sich um eine mehr als ein Jahr
dauernde Zusatzausbildung. Der Versicherte sei sehr gut qualifiziert und könne auch
entsprechende Berufserfahrungen nachweisen. Auch ohne die beantragte
Zusatzausbildung sei es ihm möglich, wieder eine Tätigkeit auszuüben (act. G 3/A91).
B.
B.a Der Versicherte erhob dagegen am 18. Januar 2010 Einsprache und beantragte die
Zustimmung zum Besuch des Kurses B._. Er sei aufgrund seiner Spezialisierung im
Recht und dem von Spendengeldern abhängigen und überdies schrumpfenden Markt
mit schweizweit sehr wenigen Arbeitsanbietern mit geringer Anzahl von Arbeitsplätzen
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nur schwer vermittelbar. Zusätzlich würden mögliche Arbeitgeber durch sein Alter
abgeschreckt. Kindesvertretungen seien ein neuer, wachsender Markt. Der Kursbesuch
bzw. dessen Aufbau verspreche, dass er sich alsbald um Mandate bemühen und
längerfristig die berufliche Verselbstständigung anstreben könnte. Der Kurs entspreche
seinen Neigungen und Fähigkeiten. Im letzten Praktikum habe er zur vollen
Zufriedenheit des Praktikumsgebers einen "Kommentar(-entwurf)" zu den Standards
des Vereins C._ verfasst (act. G 3/A94).
B.b Im Einspracheentscheid vom 5. Februar 2010 wies das RAV St. Gallen die
Einsprache ab (act. G 3/A98).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 5. Februar 2010 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 8. März 2010. Der Beschwerdeführer beantragt darin
dessen Aufhebung und die Kostenübernahme für den Kurs B._. Die Begründung
lautet im Wesentlichen ähnlich wie diejenige der Einsprache. Ergänzend orientiert der
Beschwerdeführer, dass er inzwischen ein auf vier Monate befristetes
Anstellungsverhältnis mit einem Beschäftigungsgrad von 40% bei einer
Rechtsberatungsstelle in Bern aufgenommen habe. Seine langjährige Spezialisierung
reduziere seine Chancen auf eine Anstellung auf nahezu Null (act. G 1).
C.b Der Beschwerdegegner beantragt in der Beschwerdeantwort vom 19. April 2010
die Beschwerdeabweisung. Er hält am Standpunkt fest, dass der Beschwerdeführer
auch ohne Kurs genügend qualifiziert sei, um auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu
finden. In Anbetracht der Dauer des Kurses vom 4. März 2010 bis 15. April 2011 und
des Alters des Beschwerdeführers (Jahrgang 1947) könne ferner keine rasche und
dauerhafte Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt erreicht werden. Die Massnahme
dränge sich auch insofern nicht auf, als keine Stellenzusage in Aussicht stehe (act.
G 3).
C.c Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 24. Mai 2010 unverändert an den
gestellten Begehren und deren Begründung fest (act. G 5).
C.d Der Beschwerdegegner verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G 7).
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Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist die Frage umstritten, ob der Beschwerdeführer einen
Anspruch auf arbeitsmarktliche Massnahmen in Form des Kurses B._ hat.
2.
2.1 Das Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) bezweckt nach Art. 1a Abs. 2, drohende
Arbeitslosigkeit zu verhüten, bestehende Arbeitslosigkeit zu bekämpfen sowie die
rasche und dauerhafte Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu fördern. Die
arbeitsmarktlichen Massnahmen nach Art. 59 ff. AVIG sollen die Eingliederung von
versicherten Personen, die aus Gründen des Arbeitsmarkts erschwert vermittelbar sind,
verbessern (Art. 59 Abs. 2 AVIG). Sie setzen in jedem Fall voraus, dass sie durch die
Arbeitsmarktlage unmittelbar geboten sind. Diese so genannte arbeitsmarktliche
Indikation soll verhindern, dass Leistungen zu Zwecken in Anspruch genommen
werden, die nicht mit der Arbeitslosenversicherung im Zusammenhang stehen (SVR
2005 ALV Nr. 9 S. 29 E. 2.1.1 = Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
[EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom
14. Januar 2005, C 147/04). Die in Frage stehende Massnahme muss dafür bestimmt,
geeignet und notwendig sein, die Vermittelbarkeit im konkreten Fall erheblich zu
fördern. Schliesslich muss der voraussichtliche Erfolg der Massnahme in einem
vernünftigen Verhältnis zu ihren Kosten stehen (Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Bd. XIV
Soziale Sicherheit, 2. Auflage 2007, Rz 667 mit Hinweisen).
2.2 Nach Gesetz und Rechtsprechung sind die Grundausbildung und die allgemeine
Förderung der beruflichen Weiterbildung nicht Sache der Arbeitslosenversicherung.
Deren Aufgabe ist es lediglich, in gewissen Fällen durch konkrete Eingliederungs- und
Weiterbildungsmassnahmen die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Dabei muss es sich um
Vorkehren handeln, die es der versicherten Person erlauben, sich dem industriellen und
technischen Fortschritt anzupassen, oder die sie in die Lage versetzen, ihre bereits
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vorhandene berufliche Fähigkeit ausserhalb der angestammten engen bisherigen
Erwerbstätigkeit auf dem Arbeitsmarkt zu verwerten. Die Grenze zwischen
Grundausbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbildung einerseits sowie
Umschulung und Weiterbildung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinn
anderseits ist fliessend. Da ein und dieselbe Vorkehr beiderlei Merkmale aufweisen
kann und namentlich praktisch jede Massnahme der allgemeinen Berufsbildung und
der Vermittlungsfähigkeit der versicherten Person auf dem Arbeitsmarkt zugute kommt,
ist entscheidend, welche Aspekte im konkreten Fall unter Würdigung aller Umstände
überwiegen (BGE 111 V 274 f. E. 2b/2c mit Hinweisen).
2.3 Mit Blick auf das fortgeschrittene Alter des Beschwerdeführers (Jahrgang 1947),
seinen beruflichen Werdegang, die Umstände, dass er seit 1991 als Jurist für eine
Beratungsstelle im engen Bereich des Rechts tätig war (act. G 3/A1) und
entsprechende Stellenangebote auf dem Arbeitsmarkt selten sind, ist zwar von einer
erschwerten Vermittelbarkeit des Beschwerdeführers auszugehen. Indessen vermag
dieser Umstand in der hier zu beurteilenden Angelegenheit keinen Anspruch auf den
beantragten Kurs entstehen zu lassen. Denn bei der Beurteilung des Kursgesuchs fällt
ins Gewicht, dass die Bildungsmassnahme die Anstellungschancen als Arbeitnehmer
voraussichtlich weder tatsächlich noch in erheblichem Mass zeitnah verbessert (vgl.
hierzu Urteil des EVG vom 31. Mai 2000, C 200/98, E. 3b/aa mit Hinweisen). Es fehlt
vorliegend an einer hinreichend zeitlichen Nähe der vom fraglichen Kurs zu
erwartenden positiven Effekte auf die Vermittelbarkeit als Arbeitnehmer. Der beantragte
Kurs dauert bis zum 15. April 2011 und allfällige vermittlungsfördernde Wirkungen sind
vorher kaum zu erwarten. Das Gesagte kommt aber auch darin zum Ausdruck, dass für
den Beschwerdeführer von Anfang an klar war und ist, dass lediglich eine
selbstständige Ausübung der Tätigkeit als Kindesvertreter in Betracht fällt
("Verselbständigung beabsichtigt", act. G 3/A81; vgl. auch act. G 3/A80 und A89; "Der
Kursbesuch resp. -aufbau verspricht, dass ich mich alsbald um Mandate bemühen und
längerfristig die berufliche Verselbstständigung anstreben könnte."; act. G 3/A93) und
nicht eine Tätigkeit als Arbeitnehmer. Im Übrigen bestätigt der Beschwerdeführer
zumindest indirekt, dass eine erhebliche kursbedingte Verbesserung der Chancen auf
dem Arbeitsmarkt nicht hinreichend gesichert ist ("Ein selbstfinanzierter Kursbesuch
scheint mir dagegen doch eine übermässige, riskante Investitionsleistung zu sein.", act.
G 3/A89; vgl. auch die eben genannte Äusserung des Beschwerdeführers in act. G 3/
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A93, woraus er sich lediglich eine - längerfristige - Auswirkung "verspricht", ohne
indessen eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine erhebliche, zeitnahe
Verbesserungswirkung aufzuzeigen). Vor diesem Hintergrund ist die arbeitsmarktliche
Indikation des beantragten Kurses zu verneinen. Dass die gewünschte Vorkehr dem
Beschwerdeführer allenfalls die Möglichkeit eröffnen würde, sich auch ausserhalb des
bisherigen Tätigkeitsbereichs zu bewerben, und damit die Aussichten auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt verbessert würden, vermag daran nichts zu ändern. Praktisch
jede berufliche Massnahme bringt wegen der dadurch vermittelten zusätzlichen
Kenntnisse und Fertigkeiten Vorteile auf dem Arbeitsmarkt (Urteil des EVG vom
24. Dezember 2004, C 77/04, E. 4.2 mit Hinweis), was für sich alleine nicht zu einem
Anspruch gegenüber der Arbeitslosenversicherung führt.
3.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die arbeitsmarktliche Lage den Kursbesuch
zu einer zeitnahen Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht unmittelbar gebietet, mithin
hierfür keine arbeitsmarktliche Indikation gegeben ist. Die Ablehnung des
entsprechenden Kursgesuchs durch den Beschwerdegegner ist daher im Ergebnis
nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 07.12.2010 Art. 59 Abs. 1 und 2 AVIG. Arbeitsmarktliche Massnahmen. Vorliegend gebietet die arbeitsmarktliche Lage den Kursbesuch zur Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht unmittelbar, weshalb ein Anspruch auf den beantragten Kursbesuch mangels arbeitsmarktlicher Indikation zu verneinen ist (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 7. Dezember 2010, AVI 2010/29). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts Prozess 8C_65/2011.
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2021-09-19T16:56:02+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen