Decision ID: 905a632e-e894-4228-bd18-cba2b684f00a
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1972 geborene
X._
arbeitete
bis
am 31. Dezember 2007 als Hilfsgipser und
meldete sich am 10. Februar 2009 bei der Sozialver
siche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf Kniebeschwerden
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 7/3-4).
U
nter Hin
weis auf einen Invaliditätsgrad von 20
%
verneinte die IV-Stelle
nach getätigten medizinischen und erwerblichen Abklärungen und
Beizug
der Suva-Akten
mit Verfügung vom 23. April 2010 einen Rentenanspruch (Urk. 7/51).
Am 16. Februar 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 7/54-56).
Nach medizinischen und erwerblichen Abklärung
en
sowie
eine
r
orthopädische
n
Untersuchung durch den regionalen ärztli
chen Dienst der IV-Stelle (RAD;
Urk. 7/9
3
) verneinte die IV-Stelle den Rentenanspruch des Versi
cherten – nun bei einem Invaliditätsgrad von 10
%
– mit Verfügung vom 19
. Juli
2013 abermals (Urk. 7/107
). Eine dagegen
am
16. September 2013 (
Urk. 7/114/3-11
)
erhobene Beschwerde
wies das hiesige Gericht im Verfahren IV.2013.00834 mit Urteil vom 28.
Januar 2015 (Urk. 7/
126/1-13
) ab.
1.2
Am
23
.
März
201
5
(Urk.
7
/
128-129
) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
(Knie links, Hüfte rechts und links)
erneut bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungs
bezug an.
Mit Vorbe
scheid vom 21. Juli 2015 (Urk. 7/134) stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aus
sicht
,
auf sein Leistungsbegehren nicht einzutreten mit der Begründung
,
er habe nicht glaubhaft dargelegt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse seit der
letzten Verfügung wesentlich verändert hätten. Nach Einwänden vom 14. Septem
ber 2015 (Urk. 7/135) und 22.
Oktober 2015 (Urk. 7/139)
traf
die IV-Stelle
medizi
nische
sowie
erwerblich
e Abklärungen und veranlasste unter anderem ein poly
dis
ziplinäres
Gutachten
(internistisch, rheumatologisch, psychiatrisch)
bei der
MEDAS
Z._ GmbH
, welches am
10.
Juni 2016 (Urk. 7/170)
erstattet wurde.
Am 12. Oktober 2016 (Urk. 7/182)
wurde der Be
schwer
deführer durch die IV-Stelle auf seine Schadenminderungspflicht hinge
wie
sen
.
Nach
neuerlich
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7
/
183-184
)
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
14
.
März 2017
(Urk. 2)
ab
.
2.
Dagegen erhob
der
Versicherte am 3
1. Mai
2017 Beschwerde (Urk.
1) mit den Anträgen, es sei die
angefochtene
Verfügung
aufzuheben; ihm seien die gesetz
lichen Leistungen aus dem Invaliden
versicherungs
gesetz zuzusprechen; ihm sei eine Invalidenrente zuzusprechen; er sei erneut gutachterlich abzuklären
,
wobei
die psychiatrische Beurteilung im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in der Psychiatrie zu erfolgen
habe
; es sei ihm eine Nachfrist von 30 Tagen nach Akten
erhalt zur zusätzlichen Begründung einzuräumen; es sei ihm Rechtsanwalt David Husmann als unentgeltlicher Rechtsbeistand beizugeben und ihm sei die unent
geltliche Prozessführung zu gewähren; alles unter Kosten- und Entschädi
gungs
folge zulasten der Beschwerdegegnerin
(S. 2)
.
Mit Vernehmlassung vom
19. Juni
2017 (Urk.
6
) beantragte die Beschwerde
geg
nerin Abweisung der Beschwerde.
Am 28. Juni 2017 (Urk. 9) reichte der Beschwerdeführer diverse Unterlagen ein (Urk. 10).
Nachdem innert angesetzter Frist
(Urk. 11)
keine Replik eingegangen war, wurde
dies wie auch
die Eingabe des Beschwerdeführers vom 28. Juni 2017
der Be
schwer
degegnerin
zur Kenntnisnahme zugestellt
(Urk. 16)
.
Am 6. November 2018 (Urk. 18) reichte der Vertreter des Beschwerdeführers seine Kostennote (Urk. 19/1) sowie eine aktuelle Bestätigung über den Sozialhilfebezug des Beschwerdeführers (Urk. 19/2) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zu
mutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungseinschränkung vermag einen versicherten Gesundheits
scha
den
jedoch
nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klar
heit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhalts
punkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggravatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krank
heitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E.
6.1 und 9C_899/20
14 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung vom
14. März
2017 (Urk.
2) damit,
dass dem Beschwerdeführer eine leichte, wechsel
belastende Tätigkeit ohne hüft- oder/und kniegelenk
s
belastende Zwangshal
tungen und ohne Arbeiten auf Leitern und
Gerüsten zu 100 % zumutbar sei
(S. 1)
.
Zur Errechnung des Invaliditätsgrades sei sowohl für das Validen- und auch das Invalideneinkommen auf den Lohn für Hilfsarbeiter gemäss den
Erhebungen
des Bundesamtes für Statistik abzustellen
(S. 1 f.)
. Nach einem leidensbedingten Abzug von total 15 % res
ultier
e ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad
von 15
%.
Auf das
MEDAS
-Gutachten
könne abgestellt werden. Es w
ürden massive Inkonsistenzen aus
gewiesen. Es sei ausdrücklich der Verdacht auf Simulation festgestellt und definitiv sei
eine
Aggravation der Beschwerden beschrieben worden. Aus psychiatrischer Sicht seien keine
Diagnosen feststellbar
(S.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich in seiner Be
schwerde vom 1. Mai 2017 (Urk.
1) auf den Standpunkt,
dass die Beschwerdegegnerin den Untersuch
ungsgrundsatz verletzt habe und
dass
das von
ihr
in Auftrag gegebene MEDAS-Gutachten
den
beweisrechtlichen Anforderungen
nicht genüge, sodass nicht darauf
abgestellt werden könne
. Es seien weitere Abklärungen notwendig. Er bemängelte das
Gutachten in verschiedener Hinsicht
(S.
10-14
).
Ferner kritisierte er die Berech
nung des
I
nvaliditätsgrades (S. 14 f.).
2.3
S
tritt
ig und zu prüfen
ist vorliegend, ob dem Beschwerdef
ührer nach der Neuan
meldung auf
grund einer allfälligen Verschlechterung seines Gesundheitszu
stan
des nunmehr eine Invalidenrente zusteht.
Vorliegend sind die aktuellen Verhältnisse zu vergleichen mit denjenigen, wie sie sich im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom
19. Juli 2013 (Urk. 7/107)
gezeigt haben.
3.
Das hiesige Gericht stützte sich in seinem Urteil vom
28. Januar 2015
über den bezüglich der Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
19. Juli 2013 (Urk. 7/107)
zu beurteilenden Leistungsanspruch in erster Linie auf
den auf einer eigenen orthopädischen Untersuchung vom 6. September 2012
beruhenden
Bericht
vom 12. November 2012 (Urk. 7/93) von
RAD-Arzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
,
ab
(vgl.
Urk.
7/126/1-13
E.
4)
.
Dieser
nannte
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 6
f.):
-
Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des linken Kniegelenks bei
-
Status nach zwei Kniegelenkstraumata (1
9.
und 23.
Oktober 2007)
-
Status nach In
nenmeniskusteilresektion am 30.
Oktober 2007
-
Status nach Nachresek
tion linker Innenmeniskus am 9.
Oktober 2008
-
Status nach Gelenkstoilette linkes Knie am 15.
Juni 2009
-
Status nach Kreuzbandplastik linkes Kniegelenk am 12.
Mai 2010
-
Status nach Läsion des
Nervus
sap
henus
mit persistierender Hypä
s
thesie
-
Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des rechten Hüftgelenks bei
-
Status nach
totalendoprothetischem
Hüftgelenksersatz rechts am 16.
Mai 2012 bei Dysplasie–
Coxarthrose
-
Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung des linken Hüft
gelenks bei
-
Dysplasie
Er berichtete, bezüglich des linken Kniegelenks habe sich im Vergleich zur letzten Stellungnahme des RAD vom 22.
Februar 2010 eine Veränderung ergeben, da eine Kreuzbandplastik durchgeführt worden sei. Diese habe eine stabile Situation im Kniegelenk herstellen können. Der Beschwerdeführer sei damit zufrieden, da sein Knie wieder stabil sei und er keine wesentlichen Schmerzen mehr habe. Aufgrund der eigenen Untersuchungs- wie auch der Fremdbefunde bestehe zur
zeit keine Indikation zur Implantation einer
Knietotalendoprothese
, weshalb auch
die entsprechenden Ausführungen des Beschwerdeführers nicht überzeugend seien
. Die geäusserten Schmerzen seien subjektiver Natur und würden sich nicht objek
tivieren lassen. Seit der letzten RAD-Stellungnahme sei zudem eine Implantation einer
Totalendoprothese
der rechten Hüfte bei Dysplasie-
Coxarthrose
vorge
nommen worden. Es bestehe noch eine leichte Bewegungseinschränkung in allen Bewegungsgraden sowie
endgradige
Schmerzangaben. Das Ausmass der geklag
ten Schmerzen lasse sich anhand der Untersuchungsbefunde jedoch nicht nach
vollziehen (S. 7).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führte er aus, in der bisherigen Arbeit als Gipser sei der Beschwerdeführer weiterhin nicht arbeit
sfähig. In einer behinderungsan
gepassten Tätigkeit (mit körperlich leichter, w
echselbelastender Arbeit vorwie
gend im Sitzen, ohne regelmässige Hebe- un
d Tragebelastungen über zehn Kilo
gramm, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerü
sten, ohne häufiges Treppenstei
gen, ohne häufige hüftgelenks- und kniegelenksbelastende Zwangs
haltungen und Tätigkeiten [Bücken, Hocken, Knien], ohne Gehen auf unebenem Gelände, ohne andauernde Vibrationsbelastungen und Nässe-
/Kälteexposition) bestehe hinge
gen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit Ausnahme der durch die akutmed
izinisch be
dingten
peri
- und postoperativen Reha
bilitationszeiten. Mit einer optimalen An
passung des Arbeitsumfelds und d
er Tätigkeit ergebe sich im Vergleich zur zu
letzt abgegebenen Stellungnahme
des RAD keine weitere quan
tita
tive Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bei er
forderlicher qualitativer Anpas
sung des Arbeitsumfelds (S. 7
f.).
Das hiesige Gericht erwog hierzu im Urteil vom
28. Januar 2015
(
Urk. 7/126/1-13
), dass
si
ch die gesundheitli
che Situation des Beschwerdefüh
rers seit Erlass der
Verfügung vom 23. April 2010 (Urk. 7
/51) insoweit verändert
habe, als zwar die am 12.
Ma
i 2010 durch
geführte Kreuzbandplastik zu einer stabil
en und schmerz
reduzierten Situa
tion des
linken Knies geführt
habe
(Urk. 7
/9
3
S. 2 und S.
7), dagegen neu andere Beschwerden –insbesondere bezüglich des rechten Hüftge
lenkes – dazugekommen
seien
. Allein daraus
müsse
jedoch nicht zwingend eine Veränderung der Arbeitsfähigkeit resultieren. Denn invalidenversiche
rungsrecht
lich
seien nicht die Diag
nosen und deren Anzahl entscheidend, sondern die Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit. Der
orthopädische Untersuchungsbericht von Dr.
A._
entspreche
den recht
spre
chungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Ent
schei
d
ungs
grundlage. Nach einleuchtender Darlegung der medizinischen Zu
sammen
hänge sei
dieser
zur begründeten Schlussfolgerung gelangt, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit der letzten Rentenbeurteilung zwar eine qualitative Anpassung des Arbeitsumfeldes erfordere, dies aber an der (weiterhin) bestehenden vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht
s
ändere.
Das Gericht kam daher zum Schluss, dass der Beschwerdeführer zwar
gesundheitliche Beeinträchtigungen habe hinnehmen müssen, eine die Arbeits
fähigkeit massgeblich weiter einschränkende Verschlechterung des Gesundheits
zu
stands aber nicht ausgewiesen
sei (vgl.
Urk. 7/126/1-13
E. 6)
.
Ebenso wenig konnte es
eine wesentliche Veränderung in erwerblicher Hinsicht
feststellen
und wies daher die Beschwerde gegen die Verfügung der Beschwer
degegnerin vom 19. Juli 2013 ab
(vgl.
Urk. 7/126/1-13
E. 7
und E. 9
)
.
4.
4.1
Die rentenabweisende Verfügung vom
14. März 2017 (Urk. 2)
beruhte
auf dem MEDAS-Gutachten (vgl. Urk. 2 S. 2). Dr
. med.
B._
,
Facharzt für Innere Medi
zin sowie Klinische Pharmakologie FMH
, Dr. med.
C._
,
Fachärztin für All
ge
meine Innere Medizin
, Dr. med.
D._
,
Facharzt für Rheumatologie FMH
, und Dr. med.
E._
,
Facharzt
für Psy
chiatrie und Psychotherapie, von der
MEDAS
nannten in ihrem von der Beschwerdegegnerin in Auftrag ge
gebenen internis
tischen,
rheumatologischen und
psychiatrischen Gutachten vom
10
.
Juni
2016 (Urk. 7/
170
) folgende Diagnosen (S.
24
):
-
Zustand nach vorderer Kreuzbandplastik links vom 17.
Mai
2010, radio
logisch und klinisch
ordentliches Ergebnis ohne
höhergradige
residuale Störung
-
Zustand nach Hüftgelenksprothese
rechts 2012 bei dokumentierter «
Hüft
dysplasie rechts
»
, klini
sch keine relevante Reststörung
-
MR-tomographisch dokumentierte
«
Impingement
-Konfiguration
»
vom Cam-Typ links, fehlende Operationsindikation, klinisch fehlende Zeichen
einer relevanten Einschränkung
-
Chronisch erlebtes und nicht immer nachvollziehbar demonstriertes Körper
erleben, aus rheumatologischer Sicht keiner di
fferenzierten Diag
nose zuordenbar
-
Psychiatrisch ist zum jetzigen Zeitpunkt
noch keine Diagnose zu stellen
Die
MEDAS-
Gutachter führten
in der Zusammenfassung
aus,
aus rheuma
to
lo
gischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit als Gipser nicht mehr sinnvoll. Eine angepasste Tätigkeit sei aber
in vollem Umfang möglich. Vorrangig erscheine jedoch die psychiatrische Beurteilung. Aggravation sei anzunehmen, auch Zeichen einer Simulation seien zu diskutieren (S. 19).
Interdisziplinär stellten die Gutachter fest, dass es sich um einen recht ausser
gewöhnlichen Fall handle. Der Beschwerdeführer gebe eine nicht nachvoll
zieh
bare Bettlägerigkeit seit
1
1/2 Jahren an, dazu bei allen Gutachtern ein groteskes Verhaltensmuster und Diskrepanzen. Bei Zustand nach vorderer Kreuzbandplastik des linken Knies und Hüft-TP rechts bestehe aus somatischer Sicht eine volle
Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit. Dies decke sich auch mit früher erhobenen Beurteilungen, zum Beispiel
mit jener
vom 6. September 2012 von Dr.
A._
. Nach ausführlichem Konsensgespräch seien sie aber der Ansicht, dass ein psychiatrisches Krankheitsbild ganz im Vordergrund stehe. Allerdings hätten sich in der aktuellen psychiatrischen Untersuchung keine durchgängigen psycho
pathologischen Befunde feststellen lassen, die einem bestimmten Krankheitsbild
sicher
hätten zugeordnet werden können. Somit sei aktuell keine sichere diagnos
tische Befundung möglich (S. 21).
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der bisherigen aber auch einer angepassten Tätigkeit gaben die MEDAS-Gutachter an, dies aktuell nicht beant
worten zu können (S. 26). Eben so wenig könne aktuell beurteilt werden, ob sich der Gesundheitszustand sowie die Arbeit
sfähigkeit seit 2012 verbessert oder
verschlechtert habe oder
gleichgeblieben
sei (S. 27).
4.2
Dr.
E._
führte in seinem
psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 7/170/29-40)
unter der psychopathologischen Befunderhebung aus,
dass eine Vielzahl psycho
pathologischer Teil- und Einzelbefunde vorliege. Dazu zählten
die frühe, anam
nestisch schwere Traumatisierung im Kindesalter mit
Retraumatisierungen
im weiteren Lebensverlauf
und die
«Flucht» in die Krankheit mit grotesk überzeich
netem Krankheitsverhalten und Überzeichnen der Beschwerden sowie starrem Festhalten an unfallbedingten somatischen Beeinträchtigungen mit vor allem Schmerzen in den unteren grossen Gelenken, die keinem somatischen Korrelat wirklich zuge
sprochen werden könnten
. Es best
eh
e eine Neigung zum Dissozi
ieren im Sinne eines dissoziativen Stupors und zum überhöhten Verdeutlichen sowie
Aggravieren
der Beschwerden. Im Weiteren bestehe ein schweres
Somati
sieren
mit grosser Überzeugungskraft auf die Ärzteschaft und erstaunlichem operativem Verlauf
. Es sei eine auffällige Akzentuierung der Persönlichkeit mit passiv-abhängigen und ausgesprochen starken aggressionsgehemmten Anteilen sowie partiellem schwerem Aggressionsdurchbruch festzustellen. Das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung sei nicht ausgeschlossen. In diesem Kontext sei auch zum Teil eine ausgeprägte Überheblichkeit ihm gegenüber als Ausdruck eines Abwehrmusters gegenüber Autoritäten, ein ausgesprochen starkes Abwehr
ver
halten auch gegenüber eigenen Emotionen und dadurch mehrheitlich affektive Starre und Affektverarmung mit einmaliger, dafür sehr ausgeprägter Affektin
kon
tinenz in der zweiten Untersuchungssituation feststellbar
.
E
ine tiefliegende
depressive Grundstörung
mit starker neurotischer Abwehr sei
nicht ausgeschlossen
. Das Krankheitsverhalten des Beschwerdeführers habe einen deutlich wahnhaften Charakter angenommen (S. 9).
Dr.
E._
nannte
unter Ziffer II B 4
keine Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, bezüglich Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hi
elt
er
fest: «unklar und offen»
(S. 10
).
Dazu erwog er, dass er grundsätzlich von einer schweren frühkindlichen Traumatisierung mit späteren
Retraumatisie
rungen
ausgehe. Die diversen, zum Teil äusserst grotesken Verhaltensauffällig
keiten des Beschwerdeführers seien in diesem Zusammenhang als schwere neu
rotische Abwehrmuster
zu
verstehen, die tiefliegende Konflikte zwar aushaltbarer machten, deren Lösung aber zugleich auch verhinderten. Entsprechende Auf
fällig
keiten in der Persönlichkeit, zumindest ausgeprägte Akzentuierungen, seien eindeutig vorhanden. Sie liessen das Geltungsbedürfnis und das Risikoverhalten des Beschwerdeführers in seiner Kranken- und damit auch Opferrolle erklären, auch eine mögliche Vulnerabilität für depressive Entwicklungen, die von ihm neurotisch abgewehrt würden und so mehrheitlich verborgen blieben. Die Kran
ken- und Opferrolle des Beschwerdeführers sei eindeutig mit dissoziativem Ver
halten in Form eines dissoziativen Stupors verbunden. Auch liege eine ausge
prägte Neigung zum
Somatisieren
vor.
Bewusstseinnahes
Verhalten könne Simu
lation entsprechen, könne aber auch einem unbewussten Zweck dienen, nämlich als bedauernswert, schwer krank und hilfsbedürftig anerkannt zu werden.
D
ie aktuelle Querschnittsuntersuchung werde im vorliegenden Fall als nicht geeignet für eine sichere diagnostische Befundung angesehen. Um dem Beschwerdeführer nicht Unrecht widerfahren zu lassen und mehr diagnostische Sicherheit zu ge
winnen, werde deshalb anempfohlen, einen stationären psychiatrischen Aufent
halt zur Begutachtung zu veranlassen, um im Längsschnitt, der mindestens drei Monate dauern sollte, mehr diagnostische Sicherheit zu erlangen
,
idealerweise verbunden mit einer psychiatrischen Behandlung
(S. 11). Auf eine Beurteilung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers werde angesichts der diagnostischen Unsicherheiten bewusst verzichtet, auch auf die Empfehlung allfälliger medizinischer oder beruflicher Massnahmen (S. 12).
4.3
Dr.
D._
hielt
in seinem rheumatologischen Teilgutachten
(Urk. 7/170/41-51 S. 10 f.)
in der Beurteilung fest, dass sich im Zusammenhang mit der Knie
problematik die Morphologie, speziell die Gelenkkompartiment-Masse, sich im radiologischen Vergleich zur Vorsituation nicht mehr verändert habe. Zur Hüft
problematik führte er aus, dass er keine direkten oder indirekten Zeichen einer längerdauernden relevanten Einschränkung oder residualen Störung finde. Be
tref
fend die linke Hüfte halte er in Übereinstimmung mit der Einschätzung der Uniklinik
F._
ein operatives Vorgehen nicht für zwingend. Ferner könne er genügend vertretbar und auch mit überwiegender Sicherheit ein entzündliches spezifisches Leiden oder eine anderweitig differenzierte Störung aus dem rheu
matologischen Formenkreis ausschliessen (S. 8 f.).
Weiter beschrieb
er
die dem Beschwerdeführer zumutbaren Tätigkeiten folgender
massen:
D
ie individuelle Wahl für Wechselpositionen solle
bestmöglichst
ge
geben sein, repetitive Torsions- oder Schwenkbewegungen mit dem Rumpf und dem Oberkörper sowie monotone vorgebeugte, kniende
oder kauernde Tätigkeiten soll
en vermieden werden. Überkopftätigkeiten
seien
durchaus
zumutbar,
Heben und Tragen von Lasten bis Lendenhöhe maximal 60
kg, in Brusthöhe maximal 30
kg.
Das Arbeiten auf behelfsmässigen Arbeitsflächen (Gerüste, Leitern, Podeste oder
Ä
hnliches)
sei
nicht mehr zumutbar. Gehen in ebenem Gelände
sei
ohne
Limite
zumutbar (sofern dies nicht mehrere Stunden am Stück beinhalten würde). Das Gehen in
unebenem Gelände
sei
auf ein Minimum zu beschränken. Das Bewältigen von Treppen
sei
ohne
weitere Einschrän
kung zumutbar (sofern dies ein «
allgemein übliches Mass
»
) nicht überschreiten
würde.
Sitzende wie stehende Position
en
seien
ohne weitere
Limite
zuzumuten (günstig
sei
aber auch
hier die Möglichkeit von Wechselpositionen). Das geschulterte Tragen von Lasten (An
hänge
tasche,
Rucksa
ck, oder ähnliches) solle ein «allgemein übliches Mass»
nicht überschreiten. Belastungen für
die obere Extremität
seien
leicht, mittelschwer und durchaus auch schwer zumutbar. Belastungen für
die unteren Extremitäten
soll
t
en
überwiegend leicht, höchstens phasenweise mittelschwer sein. Das
beruf
liche Führen von Motorfahrzeugen oder das Bedienen und Führen von schweren Maschinen
sei
theoretisch, rein bezogen auf den Bewegungsapparat, möglich (S. 10 f.)
5
.
5.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
5.2
Die
MEDAS-
Fachärzte
statuierten
in ihrem Gutachten
ausdrücklich, dass
sie eine Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der bisherigen
,
aber auch einer angepassten Tätigkeit aktuell nicht beantworten
und eben
so wenig
beurteilen könnten
, ob sich der Gesundheitszustand sowie die Arbeit
sfähigkeit
seit 2012 verbessert oder
verschlechtert habe oder gleichgeblieben sei
.
Dies führten
die MEDAS-Gutachter auf die Unmöglichkeit einer
sicheren diagnostischen
B
efundung
bezüglich der psychischen Leiden
des Beschwerdeführers und
deren
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zurück
(
E. 4.1 vorstehend
).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin lassen sich
damit
aus dem MEDAS-Gutachten keine verlässlichen Rückschlüsse auf die Leistungsein
schrän
kungen respektive die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
aus psychischer Sicht
ziehen.
Die Beschwerdegegnerin ging - gestützt auf
die aktengestützten
Stellungnahmen d
er
(fachfremden)
RAD
-Ärzte
Dr. med.
A._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
vom 12. Juli 2016
(Urk. 7/185 S. 3)
und von Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie
G._
,
v
o
m 3.
März 2017
(
Urk. 7/186 S.
3)
zum
MEDAS-Gutachten
- davon aus, dass sich die psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers in einer
invaliden
versiche
rungs
rechtlich irrelevanten
Aggravation respektive Simulation erschöpften (vgl. Urk. 2 S. 2).
Dies
e
Sichtweise findet jedoch im MEDAS-Gutachten keine
Grund
lage
.
So äusserte sich Dr.
E._
in seinem psychiatrischen Teilgutachten dahin
gehend, dass
eine Neigung zum Dissoziieren im Sinne eines dissoziativen Stupors
besteh
e
.
Dazu ist zu bemerken, dass eine dissoziative Störung (Konversions
stö
rung) bereits begriffsnotwendig eine Simulation ausschliessen würde (vgl. Defini
tion gemäss ICD 10 F44). Ferner beschrieb Dr.
E._
eine Flucht in die Krankheit und Schmerzen ohne somatisches Korrelat und hielt fest, dass eine depressive Grundstörung und eine Persönlichkeitsstörung nicht auszuschliessen seien.
Er bezeichnete denn auch ausdrücklich die Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als «offen und unklar» und empfahl eine mindestens dreimo
natige stationäre Abklärung zur besseren Diagnosestellung (E. 4.2.2 vorstehend).
Es ist also nicht klar, ob dem Beschwerdeführer in psychiatrischer Hinsicht Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu stellen sind oder nicht.
Zwar führte
Dr.
E._
aus, dass eine «Neigung ... zum überhöhten verdeutlichen und
Aggravieren
der Beschwerden (potenziell auch Simulation nicht
ausge
schlossen)»
vorliege (S. 9).
Aus dem MEDAS-Gutachten geht
nach dem Gesagten jedoch
nicht hervor, ob
das
aggravatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen
oder eine solche neben der Aggra
vation vorhanden ist oder nicht. G
erade deshalb empfahlen sie eine statio
näre Abklärung
.
Mangels Klarheit über ein eindeutiges Überwiegen von Aggravation durfte die Beschwerdegegnerin somit nicht auf das Fehlen eines invalidisierenden Gesund
heits
schadens schliessen (vgl. E. 1.2). Was die Annahme einer vollen Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit angeht, so findet auch diese im Gutachten keine Stütze, zumal hier sowohl aus psychiatrischer als auch interdisziplinärer Sicht ausdrücklich auf eine Stellungnahme dazu verzichtet wurde.
Zu bemerken ist im Übrigen, dass auch die RAD-Ärzte zunächst offenbar davon ausgingen, dass eine stationäre Begutachtung durchzuführen sei (Stellungnahme Dr.
A._
vom 20. Juni 2016; Urk. 7/185 S. 3) beziehungsweise weitere Abklä
rungen im Hinblick auf eine somatoforme Störung zur Diskussion stellten (Stel
lungnahme
von Fachärztin
G._
vom 3. März 2017; Urk. 7/186 S. 3). Ferner auferlegte die Beschwerdegegnerin am 12. Oktober 2016 dem Beschwerdeführer im Sinne einer Schadenminderungspflicht die Durchführung einer stationären Begutachtung (Urk. 7/182).
Nach dem Dargelegten
mangelt
es
im vorliegenden Fall
an einer
medizinischen Grundla
ge mit verlässlichen Aussagen über die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers im Hinblick auf seine psychischen Leiden (vgl. E. 5.1)
.
Der Sachverhalt erweist sich damit im Hinblick auf den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers als ungenügend
abeklärt
.
5.
3
Ergänzend ist festzuhalten
, dass
das internistische und
das
rheumatologische Teil
gutachten
der MEDAS
grundsätzlich überzeugen und
den Anforderungen der bundesgerichtlichen Recht
spre
chung an beweiskräftige medizinische Grundlagen
entsprechen
(BGE 134 V 231
E. 5.1). So
beruhen sie auf allseitigen Unter
su
chungen (vgl. Urk. 7/170 S. 15-19
und Urk. 7/170/41-51 S. 2-6), wurden in Kennt
ni
s der und in Ausein
ander
setzung mit den
Vorakten
erstattet (vgl. Urk. 7/170 S. 2-15 und
Urk. 7/170/41-51 S. 8-10), berücks
ichtigen die geklagten Beschwer
d
en und setzen
sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers aus
einander (vgl. Urk. 7/170 S. 17-19 und Urk. 7/170/41-51 S. 2 und 4-6).
Die inter
nistischen und rheumatologischen Teilgutachter haben die medizinischen Zuständ
e und Zu
sammen
hänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nach
voll
zieh
bar begründet (vgl. Urk. 7/170 S. 17-19 und Urk. 7/170/41-51 S. 7-11).
Insbe
sondere zeigte der rheumatologische Experte
schlüssig
auf, dass wesentliche Verände
rungen im Verlauf und Erwartungen aus dem rheumatischen Formen
kreis über
wiegend wahrscheinlich zu verneinen seien (S. 8 f.).
Der Beschwerdeführer kritisierte das
rheumat
olog
ische Teilgutachten
in seiner
Bes
chwerde
(
Urk.
1
S. 13) hinsichtlich des Restarbeitsfähigkeitsprofils. So sei dieses
nicht schlüssig
, da der Gutachter einerseits Heben und Tragen bis Lendenhöhe von
60
kg
und bis Brusthöhe von 30 kg als zumutbar erachte, gleichzeitig aber beschreibe
,
die unteren Extremitäten seien bloss leicht bis maximal mittelschwer belastbar. Zudem sei im Sprechstundenbericht des
F._
s
vom 22. Dezember 2014 (Urk.
7/127
/5-6
)
bei diagnostizierter Gonarthrose im linken Knie eine Ent
lastung und Hochlagern des Knies postuliert worden. Was
Letzteres
angeht, ist anzumerken, dass dies nicht im Widerspruch zum von Dr.
D._
formulierten Restarbeitsfähig
keitsprofil steht,
denn
dieser
führte
aus, dass eine individuelle Wahl für Wechselpositionen bestmöglich gegeben sein sollte und kniebelastende Positionen und Bewegungen in Form von knienden oder kauernden Tätigkeiten vermieden werden sollten.
Was das maximal zulässige, zu tragende oder zu hebende Gewicht angeht, so ist das formulierte Profil in einer Gesamtschau zu
sehen, wobei insgesamt auf die höhere Einschränkung (untere Extremitäten maxi
mal mittelschwer belastbar) abzustellen ist. Ohnehin ändert sich dadurch aber nichts an der Einschätzung, wonach eine angepasste Tätigkeit vollum
fäng
lich zumutbar ist (vgl. E. 4.3).
Somit ist aus somatischer
Sicht aufgrund der Hüft- und Kniebeschwerden
(
vgl. E. 4
.1
) von
Einschränkungen der Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers aus
zu
gehen.
Die angestammte Tätigkeit
als Gipser kann er nicht mehr ausüben. In angepasster Tätigkeit ist er unter Beachtung des von Dr.
D._
beschriebenen Belastungsprofil
s
zu 100 % arbeitsfähig (vgl. E. 4
.1 und E. 4.3
).
5.
4
Zusammenfassend ist festzustellen, dass
z
war auf die somatische (rheumato
lo
gische und internistische) Begutachtung der MEDAS-Gutachter abgestellt werden
kann
(vgl. E. 5.
3
vorstehend), jedoch die psychiatrische Untersuchung
durch Dr.
E._
, wie
von diesem offengelegt, keine Rückschlüsse auf die tatsächliche, invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsfähigkeit
zulässt
(
vgl. E. 5.2
vor
stehend). Aus
den vorliegenden medizinischen Unterlagen
geht
damit
nicht h
ervor
, ob die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden Leistungsein
schrän
kungen des Beschwerdeführers
in psychischer Hinsicht – falls solche überhaupt vorliegen -
auf rein
e Aggravation respektive Simulation zurückzuführen
sind
und
sich
in diesen erschöpfen
oder
ob diese
in der psychischen Erkrankung des Beschwerdeführers gründen. Es liegen damit keine
genüglichen
medizinischen Unter
lagen vor, welche es erlauben, über
die Frage einer wesentlichen Verän
derung des Gesundheitszustandes und
den Leistungsanspruch des Beschwerde
führers abschliessend
zu entscheiden. Es rechtfertigt sich daher, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie ein
psychiatrisches
Gutachten einhole, das die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der
somatischen Leiden erlaubt.
In welcher Form sie dies durchführen lässt
– ob, wie von den MEDAS-Gutachtern empfohlen
,
in einem stationären Setting, welches von den MEDAS-Gutachtern als dem Beschwerdeführer zumutbar erachtet wird (vgl. Urk. 7/170/29-40 S. 12)
, welches die Beschwerdegegnerin im Sinne einer Schadenminderungspflicht bereits auferlegt hat
(Urk. 182)
und
mit
welchem sich dieser
einverstanden erklärt
hat
(vgl. Urk. 7/184 S. 2)
oder in einer anderen geeigneten Form -
liegt
im Ermessen der Beschwerdegegnerin. Entscheidend wird
dabei
sein, dass dieses Gutachten
eine genügende
Grundlage
zur Beurteilung
der
Gesund
heitlichen Veränderung und
des
i
nvalidenversicherungsrechtlichen An
spruches
des Beschwerdeführers bildet.
In
diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen und die angefochtene Verfügung vom 14
.
März 2017 aufzuheben.
Dabei ist darauf hinzuweisen, dass gemäss BGE 143 V 418 grundsätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unter
ziehen sind (Änderung der Rechtsprechung). Für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit sind somit systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berück
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge
sundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindika
toren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3). Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen). Das erforderliche Gutachten wie auch die Beschwerdegegnerin werden sich demnach auch mit den nunmehr massgebenden Standardindikatoren auseinandersetzen zu haben. Dabei ist vorliegend insbesondere zu beachten, dass im Rahmen des struk
turierten Beweisverfahrens davon abzusehen ist, einzelne Beschwerden und Stö
rungen ohne Einzelfallprüfung wegen grundsätzlich fehlender invalidenversiche
rungs
rechtlicher Relevanz auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1).
6
.
6
.1
Bei diesem Ergebnis erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unent
geltliche Prozessführung
und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
als gegen
stands
los.
6
.2
Im vorliegenden Verfahren geht es um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen, weshalb das Verfahren kostenpflichtig ist. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie von der unterliegenden Beschwerdegegnerin zu tragen.
6
.3
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat grundsätzlich die obsiegende Be
schwerde führende Person, die erhebliche Auslagen im Rahmen des Prozesses gehabt hat (vgl.
Art.
61
lit
. g ATSG). Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
(
GSVGer
)
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwie
rigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Der von Rechtsanwalt David Husmann, Zürich, mit Eingabe vom 6. November 2018 (Urk. 18) geltend gemachte Aufwand von 10.8 Stunden und Fr. 97.20 Barauslagen (Urk. 19/1) ist der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses angemessen. Die
En
tschädigung von Rechtsanwalt David Husmann, Zürich, ist bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf Fr. 2'671.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen.
Die Beschwerdegegnerin ist in der Folge zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine P
rozesse
ntschädigung in diesem Umfang zu bezahlen.