Decision ID: bb94b70a-1804-40f3-a6f9-39e1784104d3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Auf der Spitalliste Psychiatrie 2012 des Kantons Bern war die Klinik Wyss-
hölzli, Marie Sollberger-Stiftung (nachfolgend Klinik Wysshölzli), als Spezi-
alversorger Abhängigkeitserkrankungen in der Leistungsgruppe «Allge-
meine und spezialisierte Psychiatrie (Erwachsenenpsychiatrie)» aufgeführt
(vgl. Spitalliste Psychiatrie 2012 des Kantons Bern ab 1. Mai 2012 [Aktua-
lisierung 1. Januar 2019]; < https://www.gsi.be.ch/de/start/themen/gesund-
heit/gesundheitsversorger/spitaeler-psychiatrie-rehabilitation/spitallis-
ten.html > Spitalliste Psychiatrie 2012 [PDF], abgerufen am 23. August
2022).
B.
B.a Am 15. September 2017 eröffnete das Spitalamt der Gesundheits- und
Fürsorgedirektion des Kantons Bern (heute Gesundheits-, Sozial- und In-
tegrationsdirektion des Kantons Bern; nachfolgend GSI) das Bewerbungs-
verfahren für die Spitalliste Psychiatrie 2018 des Kantons Bern (vgl. Akten
der Vorinstanz [GSI-act.] 162-165) und leitete zudem mit Schreiben vom
19. September 2017 die interkantonale Koordination ein (vgl. GSI-act. 97-
99).
B.b Mit E-Mail vom 9. November 2017 reichte die Klinik Wysshölzli ihre
Bewerbung für die Spitalliste Psychiatrie 2018 des Kantons Bern ein (vgl.
GSI-act. 74-93) und bewarb sich in der Erwachsenenpsychiatrie (ER) für
Elektive Leistungen (ELE) in den Leistungsgruppen FA (F10 [Psychische
und Verhaltensstörungen durch Alkohol {Alkoholmissbrauch und -abhän-
gigkeit}]), FD (F11-19 [Psychische und Verhaltensstörungen durch andere
psychotrope Substanzen {Missbrauch und Abhängigkeit von Medikamen-
ten und Drogen}]) und F5 (Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Stö-
rungen oder Faktoren [Essstörungen, sexuelle Störungen, Schlafstörun-
gen]).
B.c Am 27. Juli 2018 gewährte das GSI der Klinik Wysshölzli das rechtliche
Gehör in Bezug auf den Verfügungsentwurf der Spitalliste Psychiatrie 2019
des Kantons Bern (vgl. GSI-act. 32-34; 36-51). Der Klinik Wysshölzli wurde
dabei die Erteilung eines unbefristeten Teilleistungsauftrags mit Auflage
(fachlich begründetes Behandlungskonzept zur ausschliesslichen Behand-
lung von Frauen) für die Leistungsgruppe F5 in Aussicht gestellt. Für die
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Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) hingegen war aufgrund feh-
lender Versorgungsrelevanz vorgesehen, der Klinik Wysshölzli keine Leis-
tungsaufträge mehr zu erteilen.
B.d Die Klinik Wysshölzli nahm am 7. September 2018 Stellung zum Ver-
fügungsentwurf (vgl. GSI-act. 28-31). Sie führte zur vorgesehenen Nichter-
teilung der Leistungsaufträge für die Leistungsgruppen FA (F10) und FD
(F11-F19) insbesondere aus, obwohl die Berechnung, welche zur fehlen-
den Versorgungsrelevanz führe, nachvollzogen werden könne, werde es
dennoch als sinnvoll und wichtig für den Kanton Bern erachtet, nicht nur
ein spezialisiertes Angebot für Frauen mit Essstörungen, sondern auch ein
entsprechendes Angebot für Frauen mit Suchterkrankungen bereitzustel-
len. Insbesondere der Faktor der ausserkantonalen Leistungen sollte vor-
liegend Berücksichtigung finden: Die Klinik Wysshölzli erbringe als spezia-
lisierte Fachklinik Leistungen für viele Kantone. Schweizweit gebe es bis-
her kein vergleichbares Angebot. Durch den Wegfall des Leistungsauftra-
ges der Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) im Kanton Bern
würde auch das Angebot für andere Kantone wegfallen, was nicht im Sinne
einer ganzheitlichen Gesundheitsversorgung wäre.
B.e An seiner Sitzung vom 6. November 2019 erliess der Regierungsrat
des Kantons Bern (nachfolgend Regierungsrat oder Vorinstanz) gestützt
auf die Versorgungsplanung 2016 die neue Spitalliste Psychiatrie für den
Kanton Bern (Spitalliste Psychiatrie 2020), ordnete den Leistungsbereich
ER ELE inklusive sämtlicher Leistungsgruppen des Leistungsbereichs der
Versorgungsstufe «überregional» zu und erteilte der Klinik Wysshölzli mit
Beschluss Nr. 1162/2019 vom 6. November 2019 (vgl. GSI-act. 4-26 = Ak-
ten im Beschwerdeverfahren [BVGer-act.] 1 Beilage 1) einen unbefristeten
Teilleistungsauftrag zur ausschliesslichen Behandlung von Frauen für die
Leistungsgruppe F5 mit Auflagen (fachlich begründetes Behandlungskon-
zept zur ausschliesslichen Behandlung von Frauen; Konzept bzw. Fach-
arztverträge und Dienstpläne zum Nachweis der erforderlichen Fach-
ärzte/Fachärztinnen Psychiatrie und Psychotherapie mit Facharztverfüg-
barkeit Level 1P). Für die Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19)
erteilte der Regierungsrat der Klinik Wysshölzli bis zum 30. Juni 2020 be-
fristete Teilleistungsaufträge zur ausschliesslichen Behandlung von Frauen
mit Auflagen (fachlich begründetes Behandlungskonzept zur ausschliessli-
chen Behandlung von Frauen; Konzept bzw. Facharztverträge und Dienst-
pläne zum Nachweis der erforderlichen Fachärzte/Fachärztinnen Psychi-
atrie und Psychotherapie mit Facharztverfügbarkeit Level 1P).
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C.
C.a Am 11. Dezember 2019 reichte die Klinik Wysshölzli (nachfolgend
auch Beschwerdeführerin), nunmehr vertreten durch Fürsprecher Mark
Schibler, Beschwerde gegen die Verfügung des Regierungsrates vom
6. November 2019 betreffend die Spitalliste Psychiatrie 2020 beim Bun-
desverwaltungsgericht ein und stellte folgende Anträge (BVGer-act. 1):
Hauptantrag:
1. Die Verfügung vom 6. November 2019 sei insoweit aufzuheben, als der Leis-
tungsauftrag für Erwachsenenpsychiatrie, Leistungsgruppen FA (F10) und FD
(F11-F19), eine Befristung enthält (Anhang zur Verfügung, B), und der Leis-
tungsauftrag sei unbefristet zu verfügen und die Leistungsgruppen FA und FD
auch nach dem 30. Juni 2020 auf der Spitalliste zu belassen.
Eventuell: Die Verfügung sei im vorerwähnten Punkt aufzuheben und der Kan-
ton Bern sei anzuweisen, den Leistungsauftrag unbefristet zu verfügen und
die vorerwähnten Leistungsgruppen auch nach dem 30. Juni 2020 auf der Spi-
talliste zu belassen.
Verfahrensanträge:
2. Das Beschwerdeverfahren sei bis zum Vorliegen des Behandlungskonzepts
zur ausschliesslichen Behandlung von Frauen (Anhang zur Verfügung, A) zu
sistieren.
Eventuell: Das Beschwerdeverfahren sei bis zum Vorliegen der Fallzahlen
2019 (Anhang zur Verfügung, B) zu sistieren.
3. Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
C.b Der mit Zwischenverfügung vom 24. Dezember 2019 bei der Be-
schwerdeführerin eingeforderte Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 4'000.- (BVGer-act. 3) wurde am 14. Januar 2020 geleistet (BVGer-
act. 5).
C.c Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 19. Februar
2020 die Abweisung der Beschwerde, der Verfahrensanträge sowie der
Eventualanträge (BVGer-act. 9).
C.d Mit Verfügung vom 28. Februar 2020 wies das Bundesverwaltungsge-
richt den Antrag sowie den Eventualantrag der Beschwerdeführerin auf
Sistierung ab (BVGer-act. 10).
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C.e Auf entsprechende Einladung des Instruktionsrichters vom 28. Februar
2020 hin (BVGer-act. 10) nahm das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am
27. März 2020 als Fachbehörde Stellung (BVGer-act. 11). Es äusserte sich
dahingehend, dass die Beschwerde abzuweisen sei.
C.f Am 23. Juni 2020 reichte die Vorinstanz ihre Schlussbemerkungen ein
und hielt an ihrem Antrag, die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen, fest
(BVGer-act. 14). Die Beschwerdeführerin reichte am 26. Juni 2020 eben-
falls ihre Schlussbemerkungen ein und teilte insbesondere das Festhalten
an ihrer Beschwerde vom 11. Dezember 2019 mit (BVGer-act. 15).
C.g Mit Instruktionsverfügung vom 30. Juni 2020 wurde den Parteien je-
weils ein Doppel der Schlussbemerkungen der anderen Verfahrenspartei
zur Kenntnis gebracht und der Schriftenwechsel abgeschlossen
(BVGer-act. 16).
D.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten und die eingereichten Akten
wird – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Erwägungen eingegan-
gen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich gemäss
Art. 37 des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwal-
tungsgericht (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32; in seiner Fas-
sung vom 1. Januar 2019) und Art. 53 Abs. 2 Satz 1 des Bundesgesetzes
vom 18. März 1994 über die Krankenversicherung (KVG, SR 832.10; in
seiner Fassung vom 1. Juli 2019) grundsätzlich nach den Vorschriften des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren
(Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021; in seiner Fassung
vom 1. April 2019). Vorbehalten bleiben allfällige Abweichungen des VGG
und die besonderen Bestimmungen des Art. 53 Abs. 2 KVG.
1.2 Nach Art. 53 Abs. 1 KVG kann gegen Beschlüsse der Kantonsregierun-
gen nach Art. 39 KVG beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ge-
führt werden. Der angefochtene Beschluss Nr. 1162/2019 vom 6. Novem-
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ber 2019 wurde gestützt auf Art. 39 KVG erlassen. Das Bundesverwal-
tungsgericht ist deshalb zur Beurteilung der Beschwerde zuständig (vgl.
auch Art. 90a Abs. 2 KVG). Die Beschwerdeführerin hat am vorinstanzli-
chen Verfahren teilgenommen, ist als Adressatin durch den angefochtenen
Regierungsratsbeschluss besonders berührt und hat insoweit an dessen
Aufhebung beziehungsweise Abänderung ein schutzwürdiges Interesse
(Art. 48 Abs. 1 VwVG). Sie ist daher zur Beschwerde legitimiert. Auf die
frist- und formgerecht erhobene Beschwerde ist, nachdem auch der Kos-
tenvorschuss rechtzeitig geleistet wurde (vgl. BVGer-act. 5), einzutreten
(Art. 50 Abs. 1, Art. 52 Abs. 1 und Art. 63 Abs. 4 VwVG).
2.
2.1 Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechts-
pflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Ver-
fügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf Grund der Be-
schwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet.
Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und
Streitgegenstand identisch, wenn die Verfügung insgesamt angefochten
wird. Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einen Teil des
durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisses, gehören die nicht
beanstandeten Teilaspekte des verfügungsweise festgelegten Rechtsver-
hältnisses zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand
(BGE 125 V 413 E. 1b). Solche Teilaspekte hat das angerufene Gericht nur
zu überprüfen, wenn sie in einem engen Sachzusammenhang mit dem
Streitgegenstand stehen; im Übrigen gilt der Dispositionsgrundsatz (ZI-
BUNG/HOFSTETTER, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz,
2. Aufl. 2016, Rz. 51 zu Art. 49 VwVG).
2.2 Nach der Rechtsprechung ist die Spitalliste als Rechtsinstitut sui gene-
ris zu qualifizieren. Für die Bestimmung des Anfechtungsgegenstandes ist
wesentlich, dass die Spitalliste aus einem Bündel von Individualverfügun-
gen besteht (BVGE 2013/45 E. 1.1.1; 2012/9 E. 3.2.6). Anfechtungsgegen-
stand im vorliegenden Beschwerdeverfahren – und damit Begrenzung des
Streitgegenstands – bildet nur die Verfügung, welche das die Beschwerde-
führerin betreffende Rechtsverhältnis regelt. Die nicht angefochtenen Ver-
fügungen der Spitalliste erwachsen in Rechtskraft (BVGE 2012/9 E. 3.3;
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] C-4302/2011 vom 15. Juli
2015 E. 2.2.1).
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2.3 Die Beschwerdeführerin hat die sie betreffende Verfügung des vor-
instanzlichen Spitallistenbeschlusses nicht insgesamt angefochten, son-
dern nur die Befristung [B3] der Teilleistungsaufträge der Leistungsgruppen
FA (F10) und FD (F11-F19) im Bereich ER ELE bis zum 30. Juni 2020,
beziehungsweise hat die unbefristete Erteilung der beiden Teilleistungsauf-
träge verlangt. Mit den weiteren Auflagen (ausschliessliche Behandlung
von Frauen [B1]; Vorlage eines fachlich begründeten Behandlungskonzepts
zur ausschliesslichen Behandlung von Frauen [A2]; Nachweis Facharztver-
fügbarkeit Level 1P [A4]) ist die Beschwerdeführerin ausdrücklich einver-
standen. Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren bilden
aber nicht nur die umstrittenen Nebenbestimmungen (Befristungen), son-
dern die mit den Nebenbestimmungen erteilten Teilleistungsaufträge (vgl.
Urteil des BVGer C-2827/2019 vom 18. März 2021 [nicht in BVGE 2021
V/1 publizierte] E. 2.3 m.w.H.).
3.
3.1 Mit Beschwerde gegen einen Spitallistenentscheid im Sinne von Art. 39
Abs. 1 KVG kann die Verletzung von Bundesrecht unter Einschluss des
Missbrauchs oder der Überschreitung des Ermessens und die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts ge-
rügt werden. Nicht zulässig ist hingegen die Rüge der Unangemessenheit
(Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG i.V.m. Art. 49 VwVG). Angemessenheit ist dabei
die den Umständen angepasste Lösung im rechtlich nicht normierten
Handlungsspielraum. Hält sich die Behörde an den Ermessensspielraum
und übt ihr Ermessen unzweckmässig aus, handelt sie unangemessen,
aber nicht rechtswidrig. Übt sie dagegen ihr Ermessen in einer Weise aus,
dass die getroffene Anordnung dem Zweck der gesetzlichen Ordnung wi-
derspricht, liegt Ermessensmissbrauch vor (vgl. BGE 142 II 268 E. 4.2.3).
Von Missbrauch des Ermessens wird gesprochen, wenn die Behörde zwar
im Rahmen des ihr vom Gesetz eingeräumten Ermessens handelt, sich
aber von unsachlichen, dem Zweck der massgebenden Vorschriften frem-
den Erwägungen leiten lässt und insbesondere allgemeine Rechtsprinzi-
pien, wie das Verbot der Willkür oder von rechtsungleicher Behandlung,
das Gebot von Treu und Glauben sowie den Grundsatz der Verhältnismäs-
sigkeit verletzt (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 109 Rz. 184). Bei der Spitalpla-
nung und beim Erlass der Spitalliste verfügt der Kanton über einen erheb-
lichen Ermessensspielraum (BVGE 2018 V/3 E. 4.1 m.H.).
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3.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist nach dem Grundsatz der Rechtsan-
wendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Begehren der
Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Beschwerde auch
aus anderen als den geltend gemachten Gründen gutheissen oder den an-
gefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Begründung bestätigen, die
von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. FRIZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 212; THOMAS HÄBERLI, in: Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 48 zu Art. 62 VwVG).
Der Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen schliesst keine
aufsichtsrechtliche Überprüfung des angefochtenen Entscheids mit ein.
Der auch in Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht
nach Art. 53 KVG geltende Untersuchungsgrundsatz (vgl. BVGE 2014/3
E. 1.5.2) entbindet die Beschwerdeführerin nicht davon, ihre Beschwerde
zu begründen und die Mängel zu rügen, an denen der angefochtene Be-
schluss leiden soll. Zwar nimmt der Untersuchungsgrundsatz den Parteien
einen wesentlichen Teil der subjektiven Beweisführungslast ab, aber er be-
freit sie nicht im gleichen Masse von der Behauptungslast, welche von
ihnen verlangt, dass sie die Beweismittel beibringen, welche die entschei-
dende Behörde von der Wahrheit oder Unwahrheit einer Sachbehauptung
überzeugen sollen (vgl. Urteil des BVGer C-2907/2008 vom 26. Mai 2011
E. 8.4.7 m.w.H.).
3.3 Mit Blick auf Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG, wonach echte tatsächliche No-
ven unzulässig sind, hat das Bundesverwaltungsgericht bei der Beurteilung
der Rechtmässigkeit eines Spitallistenbeschlusses in der Regel auf den bis
zum Beschlusszeitpunkt eingetretenen Sachverhalt abzustellen (zum Ver-
hältnis von Novenverbot und Untersuchungsgrundsatz vgl. BVGE 2014/3
E. 1.5.3 f.; 2014/36 E. 1.5.2). Dieser Grundsatz gilt allgemein in der Sozi-
alversicherungsrechtspflege (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.1.1; 130 V 138),
nicht aber für übrige Beschwerdeverfahren vor dem Bundesverwaltungs-
gericht (vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., S. 117 Rz. 2.204 ff.;
SEETHALER/PORTMANN, in: Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensge-
setz, 2. Aufl. 2016, Rz. 78 zu Art. 52 VwVG). In Beschwerdeverfahren nach
Art. 53 Abs. 1 KVG soll das Bundesverwaltungsgericht nicht mit neuen Tat-
sachen oder Beweismitteln konfrontiert werden, welche der vorinstanzli-
chen Beurteilung nicht zugrunde lagen; ein Ausnahmefall im Sinne von
Art. 53 Abs. 2 Bst. a KVG liegt vor, wenn erst der angefochtene Beschluss
dazu Anlass gibt (vgl. BVGE 2014/36 E. 1.5.2; Urteil des BVGer
C-195/2012 vom 24. September 2012 E. 5.1.2).
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4.
Streitig und – unter dem Blickwinkel der eingeschränkten Kognition des
Bundesverwaltungsgerichts in Beschwerdeverfahren betreffend Spitallis-
ten (vgl. oben E. 3.1) – zu prüfen ist, ob die Vorinstanz die erteilten Teilleis-
tungsaufträge für die Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) zu
Recht befristet hat (vgl. bereits oben E. 2). Für diese Beurteilung sind na-
mentlich die nachfolgend aufgeführten bundesrechtlichen Bestimmungen
massgebend.
4.1 Art. 39 Abs. 1 KVG bestimmt in Verbindung mit Art. 35 Abs. 1 KVG, un-
ter welchen Voraussetzungen Spitäler zur Tätigkeit zu Lasten der obligato-
rischen Krankenpflegeversicherung (OKP) zugelassen werden. Demnach
muss ein Spital eine ausreichende ärztliche Betreuung gewährleisten
(Bst. a), über das erforderliche Fachpersonal (Bst. b) und zweckentspre-
chende medizinische Einrichtungen verfügen und eine zweckentspre-
chende pharmazeutische Versorgung gewährleisten (Bst. c). Im Weiteren
muss ein Spital für die Zulassung der von einem oder mehreren Kantonen
gemeinsam aufgestellten Planung für eine bedarfsgerechte Spitalversor-
gung entsprechen, wobei private Trägerschaften angemessen in die Pla-
nung einzubeziehen sind (Bst. d). Bst. e setzt schliesslich voraus, dass die
Spitäler oder die einzelnen Abteilungen in der nach Leistungsaufträgen in
Kategorien gegliederten Spitalliste des Kantons aufgeführt sind.
4.2 Art. 39 Abs. 1 Bst. a-c KVG regeln die Dienstleistungs- und Infrastruk-
turvoraussetzungen, welche in erster Linie durch die Behörden des Stand-
ortkantons zu prüfen sind. Bst. d statuiert eine Bedarfsdeckungs- und Ko-
ordinationsvoraussetzung und Bst. e eine Publizitäts- und Transparenzvo-
raussetzung (an welche Rechtswirkungen geknüpft werden). Die Voraus-
setzungen gemäss Bst. d und e sollen eine Koordination der Leistungser-
bringer, eine optimale Ressourcennutzung und eine Eindämmung der Kos-
ten bewirken (BVGE 2010/15 E. 4.1; Urteile des BVGer C-401/2012 vom
28. Januar 2014 E. 6.1 und C-6266/2013 vom 29. September 2015 E. 3.2,
je m.w.H.).
4.3 Die Kantone sind nach Art. 39 KVG zudem verpflichtet, ihre Planung zu
koordinieren (Abs. 2) und im Bereich der hochspezialisierten Medizin ge-
meinsam eine gesamtschweizerische Planung zu beschliessen (Abs. 2bis).
Weiter hat der Bundesrat einheitliche Planungskriterien auf der Grundlage
von Qualität und Wirtschaftlichkeit zu erlassen, wobei er zuvor die Kantone,
die Leistungserbringer und die Versicherer anzuhören hat (Abs. 2ter). Die-
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Seite 10
sem Auftrag ist der Bundesrat mit dem Erlass der Art. 58a ff. der Verord-
nung vom 27. Juni 1995 über die Krankenversicherung (KVV, SR 832.102;
in Kraft seit 1. Januar 2009; vorliegend jeweils in der Fassung vom 1. Ja-
nuar 2019) nachgekommen.
4.4 Die Spitalplanung für eine bedarfsgerechte Versorgung im Sinne von
Art. 39 Abs. 1 Bst. d KVG umfasst die Sicherstellung der stationären Be-
handlung im Spital für Einwohnerinnen und Einwohner der Kantone, die die
Planung erstellen. Die Kantone haben ihre Planung periodisch zu überprü-
fen (Art. 58a KVV).
4.5 Gemäss Art. 58b KVV ermitteln die Kantone den Bedarf in nachvoll-
ziehbaren Schritten. Sie stützen sich namentlich auf statistisch ausgewie-
sene Daten und Vergleiche (Abs. 1). Sie ermitteln das Angebot, das in Ein-
richtungen beansprucht wird, die nicht auf der von ihnen erlassenen Liste
aufgeführt sind (Abs. 2). Sie bestimmen das Angebot, das durch die Auf-
führung von inner- und ausserkantonalen Einrichtungen auf der Spitalliste
gemäss Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG zu sichern ist, damit die Versorgung ge-
währleistet ist. Dieses Angebot entspricht dem nach Art. 58b Abs. 1 KVV
ermittelten Versorgungsbedarf abzüglich des nach Art. 58b Abs. 2 KVV er-
mittelten Angebots (Abs. 3). Bei der Beurteilung und Auswahl des auf der
Liste zu sichernden Angebotes berücksichtigen die Kantone insbesondere
die Wirtschaftlichkeit und Qualität der Leistungserbringung, den Zugang
der Patientinnen und Patienten zur Behandlung innert nützlicher Frist so-
wie die Bereitschaft und Fähigkeit der Einrichtung zur Erfüllung des Leis-
tungsauftrages (Abs. 4). Weiter werden die Kriterien festgelegt, welche bei
der Beurteilung der Wirtschaftlichkeit und Qualität zu beachten sind, näm-
lich die Effizienz der Leistungserbringung, der Nachweis der notwendigen
Qualität und im Spitalbereich die Mindestfallzahlen und die Nutzung von
Synergien (Abs. 5).
4.6 Für die Versorgung der versicherten Personen in Spitälern zur psychi-
atrischen Behandlung ist gemäss Art. 58c Bst. b KVV eine leistungsorien-
tierte oder eine kapazitätsbezogene Planung möglich.
4.7 Nach Art. 58d KVV müssen die Kantone im Rahmen der Verpflichtung
zur interkantonalen Koordination der Planungen nach Art. 39 Abs. 2 KVG
insbesondere die nötigen Informationen über die Patientenströme auswer-
ten und diese mit den betroffenen Kantonen austauschen (Bst. a) und die
Planungsmassnahmen mit den davon in ihrer Versorgungssituation be-
troffenen Kantonen koordinieren (Bst. b).
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Seite 11
4.8 Art. 58e KVV sieht vor, dass die Kantone auf ihrer Liste nach Art. 39
Abs. 1 Bst. e KVG die inner- und ausserkantonalen Einrichtungen auffüh-
ren, die notwendig sind, um das nach Art. 58b Abs. 3 KVV bestimmte An-
gebot sicherzustellen (Abs. 1). Auf den Listen wird für jedes Spital das dem
Leistungsauftrag entsprechende Leistungsspektrum aufgeführt (Abs. 2).
Die Kantone erteilen jeder Einrichtung auf ihrer Liste einen Leistungsauf-
trag nach Art. 39 Abs. 1 Bst. e KVG. Dieser kann insbesondere die Pflicht
zum Notfalldienst beinhalten (Abs. 3).
4.9 Gemäss Abs. 3 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des KVG
vom 21. Dezember 2007 (Spitalfinanzierung [nachfolgend: UeB KVG])
müssen die kantonalen Spitalplanungen spätestens drei Jahre nach dem
Einführungszeitpunkt der Regelungen gemäss Abs. 1 UeB KVG (d.h. spä-
testens auf den 1. Januar 2015) den Anforderungen von Art. 39 KVG ent-
sprechen. Dabei müssen sie auf Betriebsvergleiche zu Qualität und Wirt-
schaftlichkeit abgestützt sein.
5.
Bei der Spitalplanung lassen sich zwei Etappen unterscheiden: die Be-
darfsermittlung und die Bedarfsdeckung. Zuerst hat der planende Kanton
für seine Einwohnerinnen und Einwohner den Bedarf an stationärer Be-
handlung zu ermitteln. Nach der Bedarfsermittlung erfolgt die Phase der
Bedarfsdeckung mit der Auswahl der Leistungserbringer (vgl. Urteil
C-6266/2013 E. 4.3.2).
5.1 Im vorliegenden Fall ist die erste Stufe der vorinstanzlichen Spitalpla-
nung, das heisst die Bedarfsermittlung, nicht umstritten.
Grundlage für die neue Spitalliste Psychiatrie 2020 des Kantons Bern bildet
gemäss dem angefochtenen Beschluss die Versorgungsplanung 2016 (ab-
rufbar unter < https://www.gsi.be.ch/de/start/themen/gesundheit/gesund-
heitsversorger/spitaeler-psychiatrie-rehabilitation/spitalplanung.html >, ab-
gerufen am 23. August 2022), die zum Ziel hat, im Kanton Bern für eine
ausreichende und wirtschaftlich tragbare medizinische und pflegerische
Versorgung der Bevölkerung und die Bereitstellung der dafür notwendigen
Einrichtungen zu sorgen (Versorgungsplanung 2016, S. 15). Der gegen-
wärtige und künftige Bedarf der Berner Bevölkerung an stationären Leis-
tungen im Bereich der Psychiatrie wurde in der Versorgungsplanung 2016
anhand der vier Versorgungsräume Aaretal-Oberland, Agglomeration
Bern, Biel-Seeland-Berner Jura und Oberaargau-Emmental, welche ihrer-
seits anhand der Standorte der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde
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Seite 12
Bern zusätzlich in Sektoren unterteilt sind, ermittelt (Versorgungsplanung
2016, S. 57 f.). Zur Erreichung des Ziels einer stufengerechten Gesund-
heitsversorgung der Kantonsbevölkerung wurde das stationäre Angebot in
die drei Versorgungsregionen regional, überregional und kantonal geglie-
dert (abgestuftes Versorgungsmodell). Diesen Versorgungsregionen wur-
den die stationären Leistungen der Psychiatrie (Leistungsgruppen bzw.
Leistungsbereiche der kantonalen SPLG-Systematik) zugeordnet. Je all-
gemeiner eine stationäre Leistung sei und damit auch häufiger in Anspruch
genommen werde, desto wohnortnäher könne sie in der Regel durch Spi-
täler erbracht werden. Je seltener eine stationäre Leistung erbracht werde,
desto höher sei in der Regel der Spezialisierungsgrad. Bei spezialisierten
Leistungen, aber auch bei Leistungen, deren Vorhaltekosten vergleichs-
weise hoch seien, könne und solle die Leistungserbringung nicht in jedem
Fall wohnortnah erfolgen (Versorgungsplanung 2016 S. 68 ff.). In der Ver-
sorgungsplanung 2016 wird darauf hingewiesen, dass die Leistungen ei-
nes Spitals, das zur Leistungserbringung zu Lasten der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung geeignet sei, für die Versorgung der Berner
Kantonsbevölkerung nicht automatisch auch bedarfsnotwendig seien. Sie
würden erst dann bedarfsnotwendig, wenn sie tatsächlich zur Deckung des
rechnerisch ermittelten Bedarfs nach entsprechenden stationären Leistun-
gen benötigt würden. Nur diejenigen Leistungserbringer, die ein bestimm-
tes Versorgungsvolumen für die Berner Bevölkerung erreichten, würden für
einen Leistungsauftrag in Frage kommen (Versorgungsplanung 2016,
S. 79).
5.2 Strittig ist vorliegend vielmehr die Auswahl der Leistungserbringer, die
den ermittelten Bedarf decken sollen, namentlich die lediglich befristete Er-
teilung der Teilleistungsaufträge in den Leistungsgruppen FA (F10) und FD
(F11-F19) an die Beschwerdeführerin.
5.2.1 Hierzu hielt die Vorinstanz im angefochtenen Beschluss in allgemei-
ner Weise fest, dass für die Auswahl der Leistungserbringer, denen ein
Leistungsauftrag erteilt werde, die Kriterien Fähigkeit (Eignung), Bedarf (an
KVG-relevanten stationären Leistungen, Versorgungsrelevanz), Qualität
(insbesondere Struktur und Prozessanforderungen sowie konsequente
Einhaltung der Vorgaben zu Mindestfallzahlen), Wirtschaftlichkeit (schwe-
regradbereinigte Fallkosten pro Spitalstandort) und Zugang (regionale Er-
reichbarkeit der stationären Leistungen) massgebend seien. Die Leis-
tungserbringer für die neue Spitalliste seien in einem zweistufigen Verfah-
ren ausgewählt worden. Dabei sei zunächst anhand der generellen und
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Seite 13
leistungsspezifischen Anforderungen gemäss der «SPLG-Systematik Psy-
chiatrie BE» (Version 2017_01.00) und den «Anforderungen und Erläute-
rungen SPLG Psychiatrie BE» (Version 2017_01.00) die Eignung eines
Spitals zur Leistungserbringung geprüft worden. Aus der Eignung eines
Spitals allein entstehe aber kein Anspruch auf einen kantonalen Leistungs-
auftrag. So werde insbesondere bei einer fehlenden Versorgungsrelevanz
kein Leistungsauftrag erteilt. Sofern die angebotenen Leistungen aller in-
teressierten und geeigneten Spitäler dem ermittelten Bedarf entsprechen
würden, erhielten alle interessierten und geeigneten Spitäler einen kanto-
nalen Leistungsauftrag. Sofern jedoch die Gesamtheit der zur Leistungser-
bringung geeigneten Spitäler insgesamt zu einem Überangebot führen
würde, müsse der Kanton eine Auswahl treffen. In diesem Fall werde das
Auswahlverfahren auf einer zweiten Stufe fortgesetzt. Auf dieser zweiten
Stufe würden insbesondere die Kriterien der Wirtschaftlichkeit, Qualität und
Zugang zur Anwendung kommen. Zudem prüfe der Kanton, welches Spital
den Versorgungszielen insgesamt und den Planungsgrundsätzen am bes-
ten gerecht werde. Bei der zu treffenden Entscheidung stehe dem Kanton
ein Ermessenspielraum zu (vgl. GSI-act. 4-26 S. 4 ff., 8).
5.2.2 Weiter führte die Vorinstanz insbesondere aus, der Leistungsbereich
ER ELE gehöre zur überregionalen Versorgungsstufe. Leistungsgruppen
der regionalen Versorgungsstufe seien dann versorgungsrelevant, wenn
pro Leistungsgruppe in zwei von drei aufeinanderfolgenden Referenzjah-
ren mindestens zehn Berner Fälle erbracht worden seien. Leistungsgrup-
pen der überregionalen Versorgungsstufe müssten zusätzlich mindestens
zwei Prozent aller Berner Fälle pro Leistungsgruppe abdecken. Eine Aus-
nahme davon ergebe sich jeweils bei den Leistungsgruppen FA (F10) und
FD (F11-F19). Aufgrund der medizinischen Nähe respektive der vorhande-
nen Parallelen der Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) sei die
vorherrschende Abhängigkeit (Alkohol oder andere Substanzen) oftmals
nicht eindeutig. Eine klare Zuordnung der Diagnosen zu den Leistungs-
gruppen FA (F10) oder FD (F11-F19) werde dadurch erschwert. Deshalb
erteile der Regierungsrat diese Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-
F19) immer zusammen. Die zur Erreichung der Versorgungsrelevanz er-
forderlichen Fallzahlen und prozentuale Abdeckung würden sich somit ins-
gesamt auf die in diesen beiden Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-
F19) erbrachten Fälle und nicht auf die einzelne Leistungsgruppe bezie-
hen. Massgebend zur Beurteilung seien vorliegend die Jahre 2014-2016,
in diesem Zeitraum müssten die vorgenannten Anforderungen (Fallzahlen
und prozentuale Abdeckung) entweder in den Jahren 2014 und 2015, in
C-6587/2019
Seite 14
den Jahren 2015 und 2016 oder in den Jahren 2014 und 2016 erbracht
worden sein (vgl. GSI-act. 4-26 S. 6 f., 10).
5.2.3 Hinsichtlich der befristet erteilten Teilleistungsaufträge in den Leis-
tungsgruppen FA (F10) und FD (F11-19) hielt die Vorinstanz im angefoch-
tenen Beschluss sodann fest, die Beschwerdeführerin erfülle mit dem
Standort Wysshölzli die Anforderungen der SPLG-Systematik Psychiatrie
BE, jedoch sei sie in diesen Leistungsgruppen nicht versorgungsrelevant
für die Bevölkerung des Kantons Bern. Trotz der modifizierten Anwendung
der SPLG-Systematik Psychiatrie (hinsichtlich der beiden Leistungsgrup-
pen FA und FD) und selbst unter Einbezug der in den relevanten Nebendi-
agnosen (F10-F19) für diese Leistungsgruppen erbrachten Fälle (gemäss
Stellungnahme der Klinik Wysshölzli) und nur bezogen auf die Gesamtheit
der Fälle der im Kanton Bern wohnhaften Frauen habe die Klinik Wysshölzli
in den erwähnten Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) keine ge-
nügende prozentuale Abdeckung in den Jahren 2014-2016 erbracht. Ent-
sprechend sei sie in diesen Leistungsgruppen insgesamt für die Bevölke-
rung des Kantons Bern nicht versorgungsrelevant und ihr könnten die Leis-
tungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) eigentlich nicht erteilt werden.
Allerdings berücksichtige der Regierungsrat, weil er sich bei der Beurtei-
lung der Versorgungsrelevanz auf die Jahre 2014-2016 habe abstützen
müssen, die aktuellste Datengrundlage als zusätzlichen Trend, sofern eine
deutliche Steigerung der erbrachten Fallzahlen erkennbar gewesen sei
und damit datenbasiert und realistischerweise Aussicht bestehe, dass der
Leistungserbringer künftig versorgungsrelevant werden könnte. Auch da-
bei habe er dem speziellen Angebot der Klinik Wysshölzli für Frauen Rech-
nung getragen, indem er die erforderlichen Fallzahlen und prozentuale Ab-
deckung nur auf die weibliche Bevölkerung des Kantons Bern bezogen
habe. Die von der Klinik Wysshölzli in den Jahren 2017 und 2018 in den
Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) erbrachten Fälle und pro-
zentuale Abdeckung würden – unter Einbezug der Nebendiagnosen – so-
dann in Bezug auf die erbrachten Fälle eine solche deutliche Steigerung
erkennen lassen. Es bestehe die Aussicht, dass die Klinik Wysshölzli in
diesen Leistungsgruppen für die Behandlung von Frauen künftig versor-
gungsrelevant werden könnte für die Berner Bevölkerung. Deshalb werde
der Teilleistungsauftrag ER ELE mit den Leistungsgruppen FA (F10) und
FD (F11-19) zur ausschliesslichen Behandlung von Frauen befristet bis
zum 30. Juni 2020 erteilt. Vor Ablauf dieser Frist werde zu prüfen sein, ob
die Klinik Wysshölzli die geforderten Fallzahlen im Zeitraum 2017-2019 in
zwei von drei aufeinanderfolgenden Jahren, das heisst entweder in den
Jahren 2017 und 2018, in den Jahren 2018 und 2019 oder in den Jahren
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Seite 15
2017 und 2019 erreicht habe, um gestützt darauf zu beurteilen, ob ihr in
diesem Bereich ein weiterer Teilleistungsauftrag für die Zeit ab dem 1. Juli
2020 erteilt werden könne (vgl. GSI-act. 4-26 S. 14-17).
6.
Einleitend ist daran zu erinnern, dass im vorliegenden Beschwerdeverfah-
ren einzig die mit einer Befristung erteilten Teilleistungsaufträge Streitge-
genstand sind (vgl. dazu auch oben E. 2.3). Daher ist mit der Vorinstanz
(vgl. dazu BVGer-act. 9 Ziff. 5 Absatz 3) festzuhalten, dass im vorliegen-
den Beschwerdeverfahren das Auslaufen der Teilleistungsaufträge respek-
tive eine allfällige (Nicht-) Verlängerung der bis zum 30. Juni 2020 befris-
teten Teilleistungsaufträge und damit eine allfällige Streichung von der Spi-
talliste nicht Streitgegenstand ist, sich das Bundesverwaltungsgericht ent-
sprechend damit nicht zu befassen hat und die diesbezüglichen Vorbringen
unbeachtlich sind. Dies betrifft vorliegend insbesondere die Ausführungen
der Beschwerdeführerin hinsichtlich der Parallelen zwischen den vorlie-
gend stritten Teilleistungsaufträgen und dem Teilleistungsauftrag in der
Leistungsgruppe F5 (vgl. dazu BVGer-act. 1 Rz. 24, 27), hinsichtlich der
Berücksichtigung der Fallzahlen unter dem Titel der Wirtschaftlichkeit (vgl.
BVGer-act. 1 Rz. 25), hinsichtlich des Planungskriteriums «Koordination
mit anderen Kantonen» (vgl. BVGer-act. 1 Rz. 27; 15 Rz. 7 f.) und hinsicht-
lich des mit den Schlussbemerkungen nachgereichten Behandlungskon-
zepts (vgl. BVGer-act. 15 Beilage), das vorliegend bereits aufgrund des
Novenverbots (vgl. oben E. 3.3) unbeachtlich ist.
Betreffend die ausschliessliche gemeinsame Erteilung der Leistungsauf-
träge bestimmter Leistungsgruppen, wie beispielsweise der Leistungsgrup-
pen FA (F10) und FD (F11-19), ist der Vollständigkeit halber darauf hinzu-
weisen, dass dieser Entscheid in den weiten Ermessensspielraum der Vo-
rinstanz fällt und vom Bundesverwaltungsgericht daher nicht auf seine An-
gemessenheit zu überprüfen ist (vgl. oben E. 3.1).
7.
Zunächst ist das (implizite) Vorbringen der Beschwerdeführerin zu prüfen,
wonach im vorliegenden Fall ihrer fachlichen Spezialisierung auf die Be-
handlung von Frauen in Anwendung des Verfassungsprinzips der Rechts-
gleichheit nicht ausreichend Rechnung getragen worden sei.
7.1 Die Parteien äussern sich diesbezüglich zusammengefasst folgender-
massen:
C-6587/2019
Seite 16
7.1.1 Beschwerdeweise legt die Beschwerdeführerin dar, sie biete seit
nunmehr 127 Jahren Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen an. Von
Beginn an hätten sich die Angebote ausschliesslich auf Frauen beschränkt.
Das Störungsbild bei Frauen mit Abhängigkeitserkrankungen unterscheide
sich in wesentlichen Punkten vom Störungsbild bei Männern mit Abhängig-
keitserkrankungen. An dieser unterschiedlichen Verarbeitung der Erkran-
kungen und der gezielten Behandlung von Frauen mit Abhängigkeitser-
krankungen orientiere sich das genderorientierte Behandlungskonzept der
Beschwerdeführerin. Das Behandlungskonzept und die Therapiemodule in
der Klinik der Beschwerdeführerin seien explizit frauenspezifisch ausge-
richtet und würden die Zusammenhänge zwischen der weiblichen Soziali-
sation und den Verhaltensweisen bei Abhängigkeitserkrankung gezielt ein-
beziehen. Eine frauenspezifische therapeutische Herangehensweise ver-
hindere häufig auch eine Pathologisierung von frauenspezifischen Proble-
men. Schweizweit gebe es nach Einschätzung der Beschwerdeführerin
bisher kein Angebot, welches mit dem Angebot der Beschwerdeführerin
vergleichbar wäre. Insbesondere auch aus diesem Grund habe die Be-
schwerdeführerin in ihrer spezialisierten Fachklinik Patientinnen aus der
ganzen Schweiz behandelt. Im Schnitt der letzten Jahre seien rund 70 Pro-
zent der Leistungen für ausserkantonale Patientinnen erbracht worden. Mit
der Befristung der Leistungsaufträge und der erneuten Überprüfung, ob die
Beschwerdeführerin künftig versorgungsrelevant werden könnte für die
Berner Bevölkerung, würden zugleich der Wegfall eines wohl einmaligen
Leistungsangebots für Frauen und der diesbezügliche Verlust von grosser
Erfahrung und Spezialwissen drohen. Das Angebot der Beschwerdeführe-
rin lasse sich aufgrund der fachlichen Spezialisierung, der genderspezifi-
schen Ausrichtung und der nationalen Tätigkeit schwierig mit anderen Leis-
tungserbringern im Kanton Bern vergleichen. Dem sei bei der Anwendung
des Verfassungsprinzips der Rechtsgleichheit im vorliegenden Zusammen-
hang Rechnung zu tragen. Ebenso müsse darauf geachtet werden, dem
Einzelfall gerecht zu werden (vgl. BVGer-act. 1 Rz. 11-14, 20).
7.1.2 Die Vorinstanz bringt demgegenüber in ihrer Vernehmlassung insbe-
sondere vor, sie habe die Beschwerdeführerin nicht mit anderen Leistungs-
erbringern verglichen (vgl. BVGer-act. 9 Ziff. 5 Absatz 2). Weiter führt die
Vorinstanz aus, entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin gehe es
im vorliegenden Verfahren um die Versorgungsrelevanz des Angebots der
Beschwerdeführerin und nicht um das Verfassungsprinzip der Rechts-
gleichheit und die Einzelfallgerechtigkeit: Es bestehe kein Anspruch eines
Leistungserbringers, ein spezielles Angebot zu entwickeln und allein ge-
stützt auf diese Spezialität auf die Spitalliste aufgenommen zu werden.
C-6587/2019
Seite 17
Vielmehr müsse dieses spezielle Angebot versorgungsrelevant sein. Dem
genderspezifischen Angebot der Beschwerdeführerin sei sodann Rech-
nung getragen worden, indem die Vorinstanz die erforderlichen Fallzahlen
und prozentuale Abdeckung nur auf die Gesamtheit der Fälle der im Kan-
ton Bern wohnhaften Frauen bezogen habe (BVGer-act. 9 Ziff. 7 Absätze 4
und 7).
7.2 Der Rechtsgleichheit kommt im Zusammenhang mit der Spitalplanung
gemäss der Rechtsprechung nur eine eingeschränkte Bedeutung zu. Es
liegt in der Natur einer Planung, dass potentielle Leistungserbringer, die
sich unter Umständen in der gleichen Lage befinden, verschieden behan-
delt werden können. Es genügt daher, dass eine Planung objektiv vertret-
bar, das heisst nicht willkürlich ist. Mit anderen Worten fällt hier der Grund-
satz der Rechtsgleichheit mit dem Willkürverbot zusammen (BGE 138 II
398 E. 3.6; vgl. Urteile des BVGer C-5603/2017 vom 14. September 2018
[nicht in BVGE 2018 V/3 publizierte] E. 16.6; C-490/2016 vom 10. Mai 2017
E. 7.3; GEBHARD EUGSTER, Krankenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Aufl.
2016, S. 656 Rz. 804). Hinweise auf eine willkürliche Behandlung der Be-
schwerdeführerin im Rahmen dieser Spitalplanung sind vorliegend nicht
ersichtlich und werden von der Beschwerdeführerin sodann auch nicht
substantiiert geltend gemacht. Vielmehr geht aus den Akten hervor, dass
die Vorinstanz dem genderspezifischen Angebot der Beschwerdeführerin
Rechnung getragen hat und diesbezügliche Hinweise der Beschwerdefüh-
rerin in ihrer Beurteilung sowie Erteilung der Teilleistungsaufträge berück-
sichtigt hat (vgl. dazu oben E. 5.2.3; vgl. auch GSI-act. 65-66 [Versor-
gungsrelevanz 2014-2016 vor Anhörung]; 67-68 [Versorgungsrelevanz
2014-2016 nach Anhörung]; 69-70 [Versorgungsrelevanz Trend
2017/2018]).
8.
Weiter ist die Rüge der Beschwerdeführerin, dass eine Angebotskonzent-
ration mittels des Kriteriums der Versorgungsrelevanz nur zulässig sei,
wenn sie aus sachgerechten Qualitäts- und Wirtschaftlichkeitsüberlegun-
gen erfolge, zu prüfen.
8.1 Die Parteien argumentieren in diesem Zusammenhang wie folgt:
8.1.1 Die Beschwerdeführerin verweist in ihrer Beschwerde auf die Urteile
des Bundesverwaltungsgerichts C-2907/2008 vom 26. Mai 2011 (E. 6.2)
C-6587/2019
Seite 18
sowie C-5647/2011 vom 16. Juli 2013 (E. 5.4.3) und bringt vor, soweit Fall-
zahlen beziehungsweise die sich ebenfalls aus den Fallzahlen ergebende
Abdeckung als Qualitätsindikator verwendet werden sollten, sei die Be-
schränkung auf Berner Fälle vorliegend nicht sachgerecht beziehungs-
weise nicht aussagekräftig und mithin bundesrechtswidrig. Für die Qualität
der medizinischen Behandlung spiele es keine Rolle, aus welchem Kanton
die Patientin stamme. Es zähle einzig die absolute Zahl der Patientinnen.
Im Falle der Beschwerdeführerin würden die ausserkantonalen Fälle im
Schnitt der letzten Jahre rund 70 Prozent ausmachen. Nach Einschätzung
der Beschwerdeführerin dürfte ihr Anteil ausserkantonaler Fälle deshalb
verglichen mit anderen Kliniken klar überdurchschnittlich sein. Wenn die
Leistungsqualität beurteilt werden solle, müssten somit alle Fälle berück-
sichtigt werden. Eine Berücksichtigung nur der Berner Fälle lasse keine
verlässlichen Schlüsse auf die Qualität zu und sei damit unter diesem Titel
bundesrechtswidrig, da weder nachvollziehbar noch sachgerecht. Zudem
verstosse dies gegen die Rechtsgleichheit und diskriminiere die Beschwer-
deführerin, welche aufgrund ihres spezifischen Angebots vergleichsweise
überdurchschnittlich viele ausserkantonale Patientinnen aufweisen dürfte.
Die Beschwerdeführerin gehe davon aus, dass sie bei einer korrekten An-
wendung der Fallzahlen die Anforderungen erfülle (vgl. BVGer-act. 1
Rz. 21 f.).
8.1.2 Vernehmlassungsweise macht die Vorinstanz unter anderem gel-
tend, die Beschwerdeführerin erfülle grundsätzlich die Anforderungen der
SPLG-Systematik. Allerdings habe die Vorinstanz der Beschwerdeführerin
die angefochtenen befristeten Leistungsaufträge mit Auflagen, deren Über-
prüfung noch ausstehe, erteilt. Aus der Eignung allein entstehe zudem
noch kein Anspruch auf einen kantonalen Leistungsauftrag. Vielmehr
müsse der Leistungserbringer gemäss Versorgungsplanung 2016 für die
Bevölkerung des Kantons Bern auch versorgungsrelevant sein. Der Bedarf
(an KVG-relevanten stationären Leistungen) orientiere sich an der Kan-
tonsbevölkerung unter Berücksichtigung der Versorgungsrelevanz. Dabei
gehe es nicht um die Existenz oder Strukturerhaltung der einzelnen Spitä-
ler beziehungsweise der Beschwerdeführerin. Vielmehr müsse der Kanton
eine langfristig bedarfsgerechte, zugängliche, qualitativ gute und finanzier-
bare Spitalversorgung für die Berner Bevölkerung sicherstellen. Massge-
bend zur Beurteilung der Versorgungsrelevanz seien die Jahre 2014-2016
gewesen. Habe ein Spitalstandort zu wenig Fälle in einem Leistungsbe-
reich erbracht respektive weise er eine ungenügende prozentuale Abde-
ckung nach, so sei er zur Versorgung der Bevölkerung nicht relevant. Die
C-6587/2019
Seite 19
Vorinstanz folge bei der Versorgungsrelevanz (Bedarfskriterium) im Grund-
satz den neusten Empfehlungen der GDK zur Spitalplanung. Die aktuellen
Empfehlungen der GDK zur Spitalplanung würden eine Versorgungsrele-
vanz von zehn [recte: fünf] Prozent (und zugleich zehn Fällen) pro Leis-
tungsgruppe vorschlagen. Der von der Vorinstanz angewendete Schwel-
lenwert sei somit deutlich niedriger und damit auch für die Beschwerdefüh-
rerin sanfter als die von der GDK vorgeschlagene Operationalisierung. Die
Vorinstanz sei entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin bezüglich
der Versorgungsrelevanz und dem abgestuften Versorgungsmodell weder
willkürlich noch sachlich ungerechtfertigt vorgegangen. Vielmehr habe die
Vorinstanz auch die Argumente der Beschwerdeführerin im Rahmen des
rechtlichen Gehörs berücksichtigt. Die Beschwerdeführerin habe trotz die-
ser zu ihren Gunsten erfolgten Anpassungen keine genügende prozentuale
Abdeckung in den erwähnten Leistungsgruppen in den Jahren 2014-2016
erbracht. Die Vorinstanz habe jedoch die zu diesem Zeitpunkt aktuellste
Datengrundlage als zusätzlichen Trend für die Beschwerdeführerin berück-
sichtigt. Auch bei dieser Trendbetrachtung habe sie dem speziellen Ange-
bot für Frauen Rechnung getragen. Mit der befristeten Erteilung der Leis-
tungsaufträge habe die Beschwerdeführerin die Chance, bis zum 30. Juni
2020 nachzuweisen, dass sie die Voraussetzungen der Versorgungspla-
nung 2016 erfülle, das heisst die erforderlichen Fallzahlen und die prozen-
tuale Abdeckung erreiche. Selbst wenn die Vorinstanz die Leistungsauf-
träge unbefristet erteilt hätte (sog. Daueraufträge), könnte die Beschwer-
deführerin daraus nicht ableiten, dass sie diese Leistungsaufträge tatsäch-
lich für immer auf sicher hätte. Vielmehr könnte eine Behörde Dauerverfü-
gungen anpassen, wenn sich der Sachverhalt ändere, das heisst die Be-
schwerdeführerin zum Beispiel die notwendigen Fallzahlen und die prozen-
tuale Abdeckung nicht mehr erreiche (BVGer-act. 9 Ziff. 7).
Soweit die Beschwerdeführerin unter Verweis auf die Rechtsprechung gel-
tend mache, die Fallzahlen als Qualitätsindikator seien nicht auf die Berner
Fälle zu beschränken, legt die Vorinstanz dar, dass die zitierte Rechtspre-
chung den Bereich Akutsomatik und die als Qualitätsindikatoren vorge-
schriebenen Mindestfallzahlen zur Prüfung der Eignung eines Leistungser-
bringers betreffe. Die Spitalliste Psychiatrie des Kantons Bern kenne dem-
gegenüber keine «Mindestfallzahlen» als Qualitätsindikator. Vielmehr wür-
den die verlangten Fallzahlen (zehn Berner Fälle) und die prozentuale Ab-
deckung (2 % aller Berner Fälle) die Versorgungsrelevanz eines Leistungs-
erbringers für die Bevölkerung des Kantons Bern betreffen. Der von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Ungleichbehandlung könne zu-
dem vorliegend nicht gefolgt werden, im Gegenteil: Die Vorinstanz habe
C-6587/2019
Seite 20
gerade wegen der durch das frauenspezifische Angebot der Beschwerde-
führerin fehlenden Möglichkeit, gleich viele Fälle zu generieren wie ein
Leistungserbringer, der auch Männer behandle, zu Gunsten der Beschwer-
deführerin nach dem Grundsatz, Gleiches nach Massgabe seiner Gleich-
heit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu
behandeln, gehandelt und die erforderlichen Fallzahlen und die prozentu-
ale Abdeckung nur auf die Gesamtheit der Fälle der im Kanton Bern wohn-
haften Frauen bezogen (vgl. BVGer-act. 9 Ziff. 8).
8.1.3 In seiner Stellungnahme führt das BAG aus, die Rechtsprechung
zeige den Bezug zwischen der Wirtschaftlichkeit und der Qualität der Leis-
tungserbringung und der Methode der Versorgungsrelevanz. Die Versor-
gungsrelevanz könne aber nur in einem gewissen Umfang die Qualität, die
Wirtschaftlichkeit und die Effizienz der Leistungserbringung reflektieren.
Eine nähere Beurteilung werde mit dem Vergleich der Spitäler gestützt auf
ihre schweregradbereinigten Kosten und auf den Qualitätsausweis durch-
geführt. Diese Beurteilung erfolge bei der Anwendung der Methode der
Versorgungsrelevanz nur, wenn ein Spital die geforderten Fallzahlen er-
fülle. Mit der Anwendung der Regel der Versorgungsrelevanz definiere der
Kanton Bern, welche Spitäler zu evaluieren seien und welche nicht. Ein
solches Vorgehen sei zulässig und liege im Ermessensspielraum des Kan-
tons bei der Umsetzung seiner kantonalen Planungspflicht. Dieses Vorge-
hen könne namentlich – in Bezug auf die Beurteilung der ausserkantonalen
Spitäler für die Planung – in Koordination mit den davon in ihrer Versor-
gungssituation betroffenen Kantonen erklärt werden. Weiter liege es im Er-
messensspielraum des Kantons Bern zu beurteilen, ob es sich beim Ange-
bot der Beschwerdeführerin um ein spezielles Angebot handle und ob bei
der Anwendung der Methode der Versorgungsrelevanz dieses Angebot se-
parat zu betrachten sei (vgl. BVGer-act. 11 Rz. 3-5.2).
8.1.4 Die Vorinstanz präzisiert in ihren Schlussbemerkungen im Zusam-
menhang mit der Stellungnahme des BAG, dass für die Beurteilung, ob die
Beschwerdeführerin versorgungsrelevant sei, ausschliesslich die Fallzah-
len von Personen mit Wohnsitz im Kanton Bern massgebend seien. Die
Forderung der Beschwerdeführerin, es seien alle Fälle zu berücksichtigen,
betreffe das Kriterium der sogenannten Mindestfallzahlen (MFZ), das aber
ausschliesslich im Versorgungsbereich Akutsomatik angewendet werde.
Diese Mindestfallzahlen seien für einzelne spezialisierte Leistungsgruppen
im Versorgungsbereich Akutsomatik als Qualitätsindikatoren vorgeschrie-
ben, um die Eignung eines Leistungserbringers zu beurteilen. Damit solle
in erster Linie verhindert werden, dass Patientinnen und Patienten in einem
C-6587/2019
Seite 21
Spital behandelt würden, in welchem diese spezialisierten stationären Be-
handlungen nur alle drei bis vier Monate oder noch seltener erbracht wür-
den. Dagegen sei im Versorgungsbereich Psychiatrie die SPLG-Systema-
tik Psychiatrie Bern Grundlage zur Beurteilung des Eignungskriteriums.
Diese SPLG-Systematik sehe – im Gegensatz zur SPLG-Systematik Akut-
somatik Bern – keine sogenannten Mindestfallzahlen vor. Der Grund liege
darin, dass in der Psychiatrie (anders als in der Akutsomatik) keine Opera-
tionen durchgeführt würden. Ob ein Spital geeignet sei, zu Lasten der OKP
Leistungen erbringen zu dürfen, beurteile sich somit im Versorgungsbe-
reich Psychiatrie nicht nach den gleichen Eignungskriterien wie im Versor-
gungsbereich Akutsomatik (vgl. BVGer-act. 14 Ziff. 1).
8.1.5 In ihren Schlussbemerkungen bekräftigt die Beschwerdeführerin
demgegenüber, die angefochtene Verfügung müsse Sinn und Zweck des
übergeordneten Rechts entsprechen und verhältnismässig sein. Sowohl
die Methode der Beurteilung der Versorgungsrelevanz als auch das Ergeb-
nis müssten mit dem übergeordneten Recht beziehungsweise den mit dem
Spitalfinanzierungssystem beabsichtigten Zielen der Effizienz- und Quali-
tätsverbesserung vereinbar sein. Entsprechend sei zu prüfen, ob die ver-
fügte Befristung beziehungsweise die in Aussicht stehende Streichung von
der Spitalliste rechtens beziehungsweise verhältnismässig sei. Die Be-
schwerdeführerin sei die wirtschaftlichste Leistungserbringerin im Kanton
Bern und die Fallzahlen seien nur deshalb relativ tief, weil spezialisierte
Leistungen angeboten würden. Die Beschwerdeführerin erfülle die Anfor-
derungen am effizientesten von allen Anbietern und an der Qualität ihres
Angebots könnten keine Zweifel bestehen. Vor diesem Hintergrund würden
sich die Befristung und die in Aussicht stehende Streichung als nicht
zweckmässig und unverhältnismässig erweisen. Sie seien gerade nicht ge-
eignet und erforderlich, um die angestrebte Steigerung der wirtschaftlichen
Effizienz und der Qualität zu erreichen, und führten zum Gegenteil des Be-
absichtigten. Sie würden damit in casu der mit dem Spitalfinanzierungssys-
tem beabsichtigten Effizienz- und Qualitätsverbesserung widersprechen.
Dafür bestehe kein Ermessenspielraum des Kantons. Es wäre ein Schild-
bürgerstreich, wenn im Kanton Bern unter dem Titel der Verbesserung der
Wirtschaftlichkeit und Qualität ausgerechnet das kantonsweit kostengüns-
tigste Angebot einer Klinik, welche über eine 127-jährige Tradition verfüge
und an dessen Qualität es keine Zweifel geben könne, «systembedingt»
von der Spitalliste fliegen sollte (vgl. BVGer-act. 15).
8.2 Soweit die Beschwerdeführerin vorliegend die Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts zu den Mindestfallzahlen als Qualitätsindikator
C-6587/2019
Seite 22
im Bereich der Akutsomatik anführt, ist der Vorinstanz aufgrund der vorlie-
genden Akten beizupflichten, dass für die Spitalliste Psychiatrie 2020 keine
sogenannten Mindestfallzahlen zur Überprüfung des Qualitätskriteriums
vorgesehen sind (vgl. dazu GSI-act. 136-153; 154-155). Entsprechend ist
auf die diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin nicht weiter
einzugehen beziehungsweise hinsichtlich der wiederum geltend gemach-
ten Ungleichbehandlung auf die obige Erwägung 7.2 zu verweisen.
8.3 Die Beschwerdeführerin verkennt sodann mit der Argumentation in ih-
ren Schlussbemerkungen zur Methode der Versorgungsrelevanz bezie-
hungsweise deren Ergebnis, dass die Spitalplanung nicht nur Qualitäts-
und Effizienzverbesserungen bezweckt, sondern neben der bedarfsge-
rechten Spitalversorgung der Bevölkerung (Art. 58a Abs. 1 KVV) auch eine
Kosteneindämmung und namentlich den Abbau von Überkapazitäten. Zur
Leistungserbringung zulasten der OKP sind daher grundsätzlich nur so
viele Spitäler zuzulassen (bzw. Leistungsaufträge zu erteilen) als für die
Deckung des Bedarfs erforderlich sind (Urteil des BVGer C-4232/2014 vom
26. April 2016 E. 5.4.2). Für die Versorgung eines Kantons nicht relevante
Spitäler müssen bei der Vergabe eines Leistungsauftrags nicht berücksich-
tigt werden. Dadurch werden Überkapazitäten vermieden beziehungs-
weise reduziert (vgl. BVGE 2010/15 E. 6.5.2; Empfehlungen der GDK zur
Spitalplanung vom 25. Mai 2018, Empfehlung 2, S. 9, < https://www.gdk-
cds.ch/fileadmin/docs/public/gdk/aktuelles/empfehl/EM_2018/EM_Spital-
planung_totalrevidiert_20180525_def_d.pdf >, abgerufen am 23. August
2022). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist
daher grundsätzlich nicht zu beanstanden, wenn ein Kanton Bewerbern
aufgrund fehlender Versorgungsrelevanz keinen Leistungsauftrag erteilt,
auch wenn sie die leistungsspezifischen Anforderungen erfüllen, zumal
kein Anspruch auf Aufnahme auf die Spitalliste besteht (vgl. dazu Urteil
C-2827/2019 [nicht in BVGE 2021 V/1 publizierte] E. 6.7 m.H.). Weiter hat
das Bundesverwaltungsgericht festgestellt, dass die Bestimmung der Ver-
sorgungsrelevanz auf der Basis des gesamten innerkantonalen Leistungs-
volumens («alle Berner Fälle») sachgerecht erscheine, weil sich die Spital-
planung am Bedarf der ganzen Kantonsbevölkerung orientieren müsse,
und den Empfehlungen der GDK entspreche, welche die Schwellenwerte
zur Ermittlung der Versorgungsrelevanz ebenfalls anhand der stationären
Behandlungen aller Kantonseinwohnerinnen und -einwohnern festlege
(vgl. Urteil C-2827/2019 [nicht in BVGE 2021 V/1 publizierte] E. 6.11
m.w.H.).
C-6587/2019
Seite 23
8.4 Entsprechend ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz mit der An-
wendung der Methode der Versorgungsrelevanz gegen Bundesrecht
verstossen haben soll. Was sodann die von der Beschwerdeführerin ge-
rügte Unverhältnismässigkeit angeht, ist daran zu erinnern, dass die Vor-
instanz bei der Spitalplanung über einen erheblichen Ermessensspielraum
verfügt und das Bundesverwaltungsgericht die Frage der Angemessenheit
gemäss Art. 53 Abs. 2 Bst. e KVG nicht zu überprüfen hat (vgl. oben
E. 3.1). Ergänzend anzuführen bleibt, dass trotz Erteilung eines befristeten
Leistungsauftrags kein Rechtsanspruch auf Erteilung eines solchen ohne
Befristung besteht (vgl. Urteil des BVGer C-490/2016 E. 7.2 f.).
9.
Aufgrund der obigen Ausführungen ist im vorliegenden Fall nicht zu bean-
standen, dass die Beschwerdeführerin in den Leistungsgruppen FA (F10)
und FD (F11-F19) gestützt auf die folgenden Fallzahlen (inkl. relevante Ne-
bendiagnosen, nur auf die weibliche Bevölkerung des Kantons Bern bezo-
gen) und prozentualen Abdeckungen (nur auf die weibliche Bevölkerung
des Kantons Bern bezogen) als nicht versorgungsrelevant (vgl. dazu oben
E. 5.2.2) eingestuft wurde und ihr deshalb – gestützt auf den ebenfalls ab-
gebildeten Trend 2017/2018 (wobei die Beschwerdeführerin den Schwel-
lenwert von zwei Prozent nur im Jahr 2017 erreicht) – lediglich bis zum
30. Juni 2020 befristete Teilleistungsaufträge erteilt wurden (vgl. dazu GSI-
act. 4-26 S. 14 f.; 67-70):
FA (F10) / FD (F11-F19) 2014 2015 2016 2017 2018
Anzahl Fälle 24 24 26 37 34
Prozentualer Anteil 1.7 % 1.5 % 1.7 % 2.1 % 1.5 %
Denn es liegt im Ermessen der Vorinstanz, in welches das Gericht nicht
eingreift, sowohl – bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen –
eine Angebotskonzentration vorzusehen beziehungsweise anzuordnen,
als auch in begründeten Fällen, insbesondere aus versorgungspolitischen
Gründen im Sinne einer dezentralen Gesundheitsversorgung, ein inner-
kantonales Spital zur Deckung des Bedarfs als versorgungsrelevant zu be-
trachten, auch wenn der Anteil dieses Spitals in der betroffenen Leistungs-
gruppe weniger als die (von der GDK empfohlenen) fünf Prozent der stati-
onären Behandlungen von Kantonseinwohnerinnen und Kantonseinwoh-
ner beträgt (vgl. zu letzterem auch Urteil C-2827/2019 [nicht in BVGE 2021
C-6587/2019
Seite 24
V/1 publizierte] E. 6.15).
Die Beschwerde vom 11. Dezember 2019 erweist sich entsprechend als
unbegründet und ist damit abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
10.
Zu entscheiden bleibt damit, ob vorliegend eine Übergangsfrist anzuord-
nen ist.
10.1 Nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts kann ei-
nem Spital, das nicht mehr in die Spitalliste aufgenommen wurde oder des-
sen Leistungsaufträge reduziert wurden, eine Übergangsfrist von bis zu
sechs Monaten eingeräumt werden. Die Übergangsfrist soll einerseits dazu
dienen, die Behandlung bereits aufgenommener Patientinnen und Patien-
ten in der fraglichen Klinik abschliessen zu können, und andererseits der
betroffenen Klinik ermöglichen, allenfalls erforderliche Anpassungen in be-
trieblicher Hinsicht (z.B. betreffend Infrastruktur und Personal) vorzuneh-
men. Die Dauer der Übergangsfrist ist im Einzelfall unter Berücksichtigung
der konkreten Umstände festzusetzen, wobei sechs Monate den maxima-
len Rahmen bilden (vgl. Urteil des BVGer C-220/2012 vom 4. Juni 2012
E. 2.3.2 m.w.H.). Bei der Übergangsfrist handelt es sich um eine Frist, die
erst nach Abschluss des Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht
ihre rechtlichen Wirkungen entfaltet. Die Vorschrift über den Stillstand der
Fristen (Art. 22a VwVG) ist darauf nicht anwendbar (BVGE 2010/15 E. 8.2;
Urteil des BVGer C-3413/2014 vom 11. Mai 2017 E. 15.3).
10.2 Im vorliegenden Fall verfügte die Beschwerdeführerin während des
hängigen Beschwerdeverfahrens weiterhin gestützt auf die Spitalliste Psy-
chiatrie 2012 über Leistungsaufträge für die Leistungsgruppen FA (F10)
und FD (F11-F19) (vgl. dazu oben Bst. A). Denn der Beschluss der Vor-
instanz vom 6. November 2019 hinsichtlich der bis 30. Juni 2020 befriste-
ten Teilleistungsaufträge FA (F10) und FD (F11-F19) wird aufgrund der auf-
schiebenden Wirkung im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vor Bundes-
verwaltungsgericht (vgl. Art. 53 Abs. 2 KVG i.V.m. Art. 55 VwVG) erst mit
dem Datum der vorliegend endgültigen Beschwerdeabweisung (vgl. dazu
nachfolgend E. 13) in Rechtskraft erwachsen. Nichts Anderes ergibt sich
im Übrigen aus den diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz im Be-
schluss vom 6. November 2019 (vgl. GSI-act. 4-26 S. 17 f.). Die von der
Vorinstanz mit Beschluss vom 6. November 2019 angeordnete Befristung
der Teilleistungsaufträge FA (F10) und FD (F11-F19) ist jedoch zwischen-
zeitlich ausgelaufen, ohne dass die Vorinstanz – soweit ersichtlich – eine
C-6587/2019
Seite 25
neue Anordnung getroffen hätte (vgl. dazu Spitalliste Psychiatrie 2020 –
Übersicht der laufenden Anpassungen [Stand: 1.7.2022], abrufbar unter
< https://www.gsi.be.ch/de/start/themen/gesundheit/gesundheitsversor-
ger/spitaeler-psychiatrie-rehabilitation/spitallisten.html >, abgerufen am
23. August 2022). Bei dieser Ausgangslage dürfte die Beschwerdeführerin
ihre Leistungen in den Leistungsgruppen FA (F10) und FD (F11-F19) man-
gels Leistungsauftrag ab Urteilsdatum nicht mehr zu Lasten der OKP er-
bringen. Aus diesem Grund ist es vorliegend angezeigt, der Beschwerde-
führerin eine Übergangsfrist von sechs Monaten anzusetzen, sodass die
Vorinstanz – wie im angefochtenen Beschluss in Aussicht gestellt (vgl. GSI-
act. 4-26 S. 17) – prüfen und darüber entscheiden kann, ob die Beschwer-
deführerin die geforderten Fallzahlen und prozentuale Abdeckung in zwei
von drei aufeinanderfolgenden Jahren erreicht hat und ihr gestützt darauf
für diesen Bereich ein weiterer (befristeter oder unbefristeter) Teilleistungs-
auftrag erteilt werden kann.
11.
Der vorliegende Entscheid betrifft grundsätzlich alle Versicherten mit
Wohnsitz im Kanton Bern, weshalb praxisgemäss eine Veröffentlichung
des Dispositivs geboten ist. Die Vorinstanz wird daher eingeladen, die Zif-
fer 2 des Dispositivs dieses Entscheids im kantonalen Amtsblatt zu veröf-
fentlichen.
12.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
12.1 Als unterliegende Partei wird die Beschwerdeführerin kostenpflichtig
(vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Spruchgebühr richtet sich nach Umfang
und Schwierigkeit der Streitsache, Art der Prozessführung und finanzieller
Lage der Parteien (vgl. Art. 63 Abs. 4bis VwVG). Für das vorliegende Ver-
fahren sind die Verfahrenskosten auf Fr. 4'000.- festzusetzen. Dieser Be-
trag wird dem in dieser Höhe geleisteten Kostenvorschuss entnommen.
12.2 Gemäss Art. 64 Abs. 1 VwVG hat die obsiegende Partei Anspruch auf
eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und ver-
hältnismässig hohen Kosten. Der obsiegenden Vorinstanz ist jedoch keine
Entschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
C-6587/2019
Seite 26
13.
Die Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten an das Bundes-
gericht gegen Entscheide auf dem Gebiet der Krankenversicherung, die
das Bundesverwaltungsgericht gestützt auf Art. 33 Bst. i VGG in Verbin-
dung mit Art. 53 Abs. 1 KVG getroffen hat, ist gemäss Art. 83 Bst. r des
Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesgericht (Bundesge-
richtsgesetz, BGG, SR 173.110) unzulässig. Das vorliegende Urteil ist so-
mit endgültig (vgl. auch BGE 141 V 361).