Decision ID: 8fde6c9c-5b2d-41f9-b00b-86e297f1f1da
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 05.04.2011 Art. 24 Abs. 2 BVV 2: Überversicherungsberechnung in der beruflichen Vorsorge. Frage der Anrechnung eines hypothetisch erzielbaren Erwerbseinkommens bei der Bezügerin einer Teilrente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 5. April 2011, BV 2010/1). Beim Bundesgericht angefochten Vizepräsident Joachim Huber, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider und Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Walter Schmid Entscheid vom 5. April 2011 in Sachen A._, Klägerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach, 8887 Mels, gegen Sammelstiftung B._, Beklagte, vertreten durch D._, zusätzlich vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Marta Mozar, Seestrasse 6, Postfach 1544, 8027 Zürich, betreffend Invalidenrente Sachverhalt: A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war vom 1. Februar 1991 bis 31. Mai 2003 bei der
B._ beschäftigt und dadurch bei der gleichnamigen Sammelstiftung
berufsvorsorgeversichert. Wegen eines Handekzems verfügte die Suva am 18. Februar
2003, dass die Versicherte nicht geeignet sei für alle Arbeiten mit Kontakt zu Nickel/
vernickelten Oberflächen (act. G 1.1/2). Die Arbeitgeberin kündigte das
Arbeitsverhältnis auf Ende Mai 2003. Nachdem sich die Versicherte im März 2003
wegen Rückenproblemen bei der Invalidenversicherung angemeldet hatte (IV-act. 1),
verfügte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen am 22. April 2005 die Ausrichtung einer
ganzen Rente ab 1. März 2003 aufgrund eines Invaliditätsgrads von 100 % und einer
halben Rente ab 1. August 2003 aufgrund eines Invaliditätsgrads von 55 % (act.
G 7.1/2). Den Anspruch auf eine halbe Rente bestätigte die IV-Stelle mit Verfügungen
vom 13. Juni 2006 (act. G 7.1/8) und vom 10. Dezember 2007 (act. G 1.1/4).
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A.b Am 30. Januar 2008 ersuchte die Versicherte die Sammelstiftung um Überprüfung
des Rentenanspruchs aus beruflicher Vorsorge. Die D._ teilte ihr in Vertretung der
Sammelstiftung am 5. Februar 2008 mit, dass infolge Überversicherung zur Zeit kein
Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe, da die Leistungen der IV bereits mehr als 90
% des mutmasslich entgangenen Verdienstes entsprechen würden. Als zumutbares
Erwerbseinkommen aus Resterwerb gemäss IV-Verfügung werde ein Betrag von Fr.
21'583.-- angerechnet. Die Altersvorsorge werde aufgrund des im Jahr 2002
versicherten Jahreslohnes zu 55 % beitragsfrei weitergeführt (act. G 1.1/5). Mit
Schreiben vom 14. März und 30. April 2008 liess die Versicherte der D._ durch
Rechtsanwalt lic. iur. R. Braun, Mels, mitteilen, dass sie mit der Anrechnung eines
zumutbaren Erwerbseinkommens nicht einverstanden sei. Sie habe sich seit Sommer
2003 intensiv um eine Stelle bemüht. Die umfangreiche Stellensuche sei sowohl
gegenüber dem RAV als auch gegenüber der Suva belegt worden. Trotzdem habe sie
bis heute keine Arbeit gefunden. Ihre Restarbeitsfähigkeit könne sie deshalb nicht
verwerten (act. G 1.1/6, 1.1/7). In den Schreiben vom 12. August und 7. Oktober 2008
stellte die D._ eine Neubeurteilung durch die Allianz Suisse (Rückversicherer der
Sammelstiftung) in Aussicht (act. G 1.1/8f). In einem dem Rechtsvertreter der
Versicherten im Juni 2009 zugestellten Bericht der Allianz Suisse vom 19. November
2008 wurde bestätigt, dass weiterhin eine vollständige Überversicherung bestehe (act.
G 1.1/10). Auf ein weiteres Schreiben des Rechtsvertreters der Versicherten vom 24.
November 2009 (act. G 1.1./11) reagierte die D._ nicht mehr.
B.
B.a Am 8. Januar 2010 erhob Rechtsanwalt Braun für die Versicherte Klage gegen die
Sammelstiftung mit dem Antrag, diese sei zu verpflichten, der Klägerin ab 1. November
2007 die versicherten und ungekürzten Invaliditätsleistungen bei einem Invaliditätsgrad
von 55 % nebst 5 % Zins ab 8. Januar 2010 auf den ausstehenden Leistungen zu
bezahlen. Der Rechtsvertreter beantragte den Beizug der Akten der Kantonalen
Arbeitslosenkasse, der IV-Stelle und der Suva und führte unter anderem aus, die
Klägerin habe wegen eines Hautekzems ein Übergangstaggeld der Suva erhalten,
welches bis Ende Oktober 2003 befristet gewesen sei. Danach habe die Suva eine mit
den Taggeldern der Arbeitslosenversicherung (ALV) koordinierte
Übergangsentschädigung ausgerichtet. Trotz intensiver Bemühungen, unter Mithilfe
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des RAV und einem mehrmonatigen Einsatzprogramm habe die Klägerin in der Folge
keine geeignete Teilzeitstelle finden können. Ende August 2005 sei sie bei der ALV
ausgesteuert worden. Auch nach der Aussteuerung habe sie ihre Arbeitsbemühungen
fortgeführt und diese gegenüber der Suva dokumentiert. Ende Oktober 2007 sei die
letzte Rate der Übergangsentschädigung ausgerichtet worden. Bei der
Überentschädigungsberechnung habe die Beklagte zu Unrecht ein zumutbarerweise
noch erzielbares Resterwerbseinkommen angerechnet. Für die effektiven Chancen der
Klägerin, eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu finden, sei von Bedeutung,
dass zwei gesundheitliche Beeinträchtigungen bestehen würden, deren Behandlung
nach wie vor andauere. Einerseits liege seit längerer Zeit eine Rückenproblematik vor,
für welche die IV eine Rente auf der Basis eines IV-Grads von 55 % zugesprochen
habe. Anderseits leide die Klägerin an einer Nickelallergie. Diese führe - soweit
behandelt und unter Kontrolle - per se nicht zu einer Arbeitsunfähigkeit. Hingegen
komme nur eine trockene, saubere Arbeit ohne Kontakt zu Nickel oder vernickelten
Oberflächen in Betracht. Trotz der in den Jahren 2003 bis 2007 gegenüber der
Arbeitslosenkasse und der Suva dokumentierten Arbeitsbemühungen habe sich bis
heute keine Einsatzmöglichkeit ergeben. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die
Kombination der gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine Verwertung der
verbleibenden Arbeitsfähigkeit auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt verunmögliche.
Dabei möge auch eine Rolle spielen, dass die Klägerin ausländischer Herkunft sei.
Zudem dürfte es die familiäre Situation erschweren, eine Stelle zu erhalten. Vier Kinder
der Klägerin würden noch zuhause wohnen, drei davon seien Schüler. Effektiv sei sie
damit nicht in der Lage, ein Erwerbseinkommen zu erzielen. Vom mutmasslich
entgangenen Verdienst, welcher sich nach den Abklärungen der Suva im Jahr 2007 auf
Fr. 50'394.-- belaufen habe, seien (lediglich) die Invalidenrenten abzuziehen, welche
2007 Fr. 29'832.-- und ab 2008 Fr. 29'076.-- pro Jahr betragen hätten. Für eine
Kürzung bleibe damit kein Raum.
B.b In der Klageantwort vom 23. April 2010 beantragte Rechtsanwältin lic. iur. M.
Mozar, Zürich, für die Beklagte Abweisung der Klage, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Sie legte unter anderem dar, zunächst sei zu prüfen, ob bei der
Klägerin ab 1. November 2007 (Wegfall der Suva-Leistungen) eine Überentschädigung
bestehe. Eine weitere Überentschädigungsrechnung sei per 1. Januar 2008
vorzunehmen, als die IV-Zusatzrente für den Ehegatten weggefallen sei. Das letzte
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Einkommen der Klägerin vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit (März 2002) habe Fr.
46'300.-- betragen, womit die Überentschädigungsgrenze bei Fr. 41'670.-- (90 %)
liege. Das Jahrestotal der Renten der IV habe sich im Jahr 2008 auf Fr. 29'076.-- und
im Jahr 2007 auf Fr. 30'667.30 (act. G 7.1/8f) belaufen. Das zumutbare
Invalideneinkommen von Fr. 22'095.-- (2006; act. G 7.1/10) sei für die
Überentschädigungsberechnungen per 1. November 2007 und 1. Januar 2008 der
Teuerung anzupassen. Bei der Betreuung der Kinder sei die Klägerin durch eine
Nachbarin und ihren Ehemann unterstützt worden, was es ihr ermöglicht habe, über 10
Jahre lang einem Vollzeitpensum nachzugehen (act. G 7.1/4). Selbst wenn ein
zumutbarerweise erzielbares Erwerbseinkommen nicht angerechnet werden könnte -
was bestritten werde -, kämen gleichwohl nur gekürzte Invalidenleistungen der
Beklagten zur Auszahlung. Dass ab 1. November 2007 oder 1. Januar 2008
Arbeitsbemühungen oder Arbeitsversuche unternommen worden wären, sei von der
Klägerin nicht substantiiert worden. Unter diesen Umständen sei es korrekt, dass die
Beklagte ein zumutbarerweise erzielbares Einkommen angerechnet habe. Im Rahmen
der Überversicherungsberechnung könnten die gesundheitlichen Beeinträchtigungen
nicht noch einmal - zusätzlich zur Invaliditätsbemessung der IV - berücksichtigt
werden. Es sei zwar richtig, dass die Klägerin fünf Kinder habe (davon sei eines
volljährig und nicht mehr in Ausbildung). Sie habe sich aber vor ihrer Invalidität gut
organisiert und - unterstützt durch eine Nachbarin und ihren Ehemann - ohne weiteres
ein Vollzeitpensum absolvieren können. Nur ein 50 %-Pensum auszuüben, dürfte
demnach nicht unzumutbar sein. Trotz der Kinderzahl habe die IV-Stelle denn auch
nicht die gemischte Methode angewandt, was von der Klägerin akzeptiert worden sei.
Die Beklagte sei in ihrer Überentschädigungsberechnung per 1. Januar 2008 zugunsten
der Klägerin von einer leicht zu hohen Überentschädigungsgrenze und einem eher zu
tiefen zumutbarerweise erzielbaren Erwerbseinkommen ausgegangen. Gleichwohl
resultiere eine vollständige Überentschädigung
B.c Mit Replik vom 12. Mai 2010 (act. G 10) und Duplik vom 3. September 2010 (act.
G 18) hielten die Parteien an ihren Standpunkten fest.
B.d Das Versicherungsgericht zog die Akten der Invalidenversicherung, der
Unfallversicherung und der Arbeitslosenversicherung betreffend die Klägerin bei (act. G
24). Auf das Schreiben des Versicherungsgerichts vom 7. Dezember 2010 (act. G 20)
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nahm der Rechtsvertreter der Klägerin mit Schreiben vom 4. Januar 2011 Stellung und
äusserte sich gleichzeitig zu den vom Gericht beigezogenen Akten (act. G 28). Hierzu
sowie zu den beigezogenen Akten nahm die Rechtsvertreterin der Beklagten mit
Eingabe vom 23. Februar 2011 Stellung (act. G 32)

Erwägungen:
1
Am 1. Januar 2005 trat die 1. Revision des Bundesgesetztes über die berufliche Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG; SR 831.40), welche auch eine Änderung
der Regelung der Überentschädigungsabschöpfung (insbesondere Art. 24 Abs. 2 der
Verordnung über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVV 2;
SR 831.441.1]) mit sich brachte, in Kraft. - In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich
diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen
führenden Tatbestands Geltung haben (BGE 127 V 467). Vorliegend sind
Rentenleistungen ab 1. November 2007 streitig. Die Suva hatte laut Darlegungen der
Klägerin bis Ende Oktober 2007 gestützt auf die Nichteignungsverfügung vom 18.
Februar 2003 eine Übergangsentschädigung (Art. 83-85 der Verordnung über die
Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten [VUV; SR 832.30]) ausgerichtet (act. G 1
S. 4). Grundlage des vorliegenden Klageverfahrens bildet nicht ein
Rechtsmittelentscheid einer Vorinstanz. Hingegen steht fest, dass die Beklagte in der
ab 1. Januar 2008 gültigen Überversicherungsrechnung ein zumutbarerweise
erzielbares (hypothetisches) Einkommen anrechnete (act. G 1.1/5) und ihren
Standpunkt im Schreiben der Allianz Suisse vom 19. November 2008 bestätigen liess
(act. G 1.1/10). Hierauf leitete die Klägerin am 8. Januar 2010 das Klageverfahren vor
Versicherungsgericht ein. Mit Blick auf diese Gegebenheiten ist konkret das ab 1.
Januar 2005 gültige Recht der obligatorischen beruflichen Vorsorge anzuwenden,
soweit ihm neben den Vorsorgereglementen der Beklagten (in den ab 1. Januar 2005
bzw. 2008 gültigen Fassungen; act. G 7.1/6f) eine eigenständige Bedeutung zukommt.
2.
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2.1 Die Vorsorgeeinrichtung kann die Hinterlassenen- und Invalidenleistungen kürzen,
soweit sie zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 90 Prozent des
mutmasslichentgangenen Verdienstes übersteigen (Art. 24 Abs. 1 BVV 2). Als
anrechenbare Einkünfte gelten Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung, die der
anspruchsberechtigten Person aufgrund des schädigenden Ereignisses ausgerichtet
werden, wie Renten oder Kapitalleistungen mit ihrem Rentenumwandlungswert in- und
ausländischer Sozialversicherungen und Vorsorgeeinrichtungen mit Ausnahme von
Hilflosenentschädigungen, Abfindungen und ähnlichen Leistungen. Bezügern von
Invalidenleistungen wird das weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch erzielbare
Erwerbseinkommen angerechnet (Art. 24 Abs. 2 BVV2). Die Vorsorgeeinrichtung kann
die Voraussetzungen und den Umfang einer Kürzung jederzeit überprüfen und ihre
Leistungen anpassen, wenn die Verhältnisse sich wesentlich ändern (Art. 24 Abs. 5
BVV2). Gemäss Art. 4.12 des ab 1. Januar 2005 gültigen Vorsorgereglements der
Beklagten (act. G 7.1/6) können Leistungen gekürzt werden, sofern sie mit Leistungen
Dritter zu einem Ersatzeinkommen von mehr als 90 Prozent des zuletzt erzielten
Einkommens führen. Als Leistungen Dritter gelten unter anderem das bei Invalidität
weiterhin erzielte oder zumutbarerweise noch erzielbare Erwerbs- oder
Ersatzeinkommen. Die Kürzungen werden bei wesentlicher Veränderung der
Leistungen Dritter oder bei Entstehung oder Wegfall von Renten überprüft, wobei das
zuletzt erzielte Einkommen nach Massgabe des Landesindexes der
Konsumentenpreise aufgewertet wird (Art. 4.12 des Reglements 2005). Art. 4.12 des ab
1. Januar 2008 gültigen Vorsorgereglements übernimmt die vorerwähnte Regelung des
Vorsorgereglements 2005 inhaltlich im Wesentlichen, wobei nicht mehr von Leistungen
Dritter gesprochen wird, sondern von Leistungen gleicher Art und Zweckbestimmung
(act. G 7.1/7).
2.2 Nach der Rechtsprechung besteht der Zweck der in Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2
vorgeschriebenen Anrechenbarkeit des zumutbarerweise erzielbaren
Erwerbseinkommens darin, teilinvalide Versicherte, welche die ihnen zumutbare
Restarbeitsfähigkeit nicht verwerten, finanziell denjenigen gleichzustellen, die - in
Erfüllung der Schadenminderungspflicht - das ihnen zumutbare Invalideneinkommen
tatsächlich erzielen (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.1). Zu berücksichtigen sei weiter der
funktionale Zusammenhang zwischen erster (Invalidenversicherung) und zweiter Säule
(berufliche Vorsorge), wie er in den Art. 23, 24 Abs. 1 und Art. 26 Abs. 1 BVG
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positivrechtlich verankert sei. Zweck dieser gesetzlichen Konzeption sei es, einerseits
eine weitgehende materiell-rechtliche Koordination zwischen erster und zweiter Säule
zu erreichen. Anderseits sollten damit die Organe der beruflichen Vorsorge von eigenen
aufwändigen Abklärungen bezüglich der Voraussetzungen, des Umfangs und des
Beginns des Invalidenrentenanspruchs in der zweiten Säule möglichst freigestellt
werden (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.2 mit Hinweis auf BGE 133 V 67 Erw. 4.3.2; BGE 132 V
1 Erw. 3.2 S. 4). Seien nach der gesetzlichen Konzeption der Invalidenleistungen aus
der ersten und zweiten Säule die Festlegungen der IV-Stelle bezüglich Entstehung,
Höhe und Beginn des Rentenanspruchs grundsätzlich für die Invalidenrente der
obligatorischen beruflichen Vorsorge massgebend und verbindlich, müsse das im
invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren festgelegte Invalideneinkommen dem
Grundsatz nach auch in der berufsvorsorgerechtlichen
Überentschädigungsberechnung Berücksichtigung finden. Ausgangspunkt sei daher
der Grundsatz der Kongruenz von Invalideneinkommen und zumutbarerweise noch
erzielbarem Erwerbseinkommen im Sinn des Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2. Im gleichen
Verhältnis stünden Valideneinkommen und mutmasslich entgangener Verdienst (Urteil
des Bundesgerichts [bis 31. Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungsgericht,
EVG] vom 2. September 2004 [B 17/03], zusammengefasst in SZS 2005 S. 321). Damit
sei im Sinn einer Vermutung davon auszugehen, dass das von der IV-Stelle festgelegte
Invalideneinkommen dem zumutbarerweise noch erzielbaren Erwerbseinkommen nach
Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 entspreche (BGE 134 V 64 Erw. 4.1.3).
2.3 Das invalidenversicherungsrechtlich festgelegte Invalideneinkommen wird auf der
Grundlage eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes (Art. 16 ATSG) ermittelt. Der
ausgeglichene Arbeitsmarkt ist ein theoretischer und abstrakter Begriff. Er
berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene Stellenangebote und sieht von
den fehlenden oder verringerten Chancen Teilinvalider, eine zumutbare und geeignete
Arbeitsstelle zu finden, ab (BGE 110 V 273 Erw. 4b). Das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen im Sinn von Art. 24 Abs. 2 Satz 2 BVV 2 basiert nach der
Rechtsprechung demgegenüber auf dem Zumutbarkeitsgrundsatz, der die
Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Umstände, auch in
arbeitsmarktlicher Hinsicht, verlange (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.1 mit Hinweis auf Ueli
Kieser, Bemerkungen, in: AJP 2005 S. 228, Ziff. 5.4.1; Stefan Hofer, Überlegungen zum
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revidierten Art. 24 Abs. 2 BVV 2, in: HAVE 2005, 167ff). Bei der Würdigung der
subjektiven Gegebenheiten und Möglichkeiten einer bestimmten versicherten Person
sei ein objektiver Massstab anzulegen. Bezogen auf das zumutbarerweise erzielbare
Erwerbseinkommen verlange der Zumutbarkeitsgrundsatz, dass die
Vorsorgeeinrichtung, welche eine Kürzung ihrer obligatorischen Invalidenleistungen
beabsichtige, dem teilinvaliden Versicherten vorgängig das rechtliche Gehör
hinsichtlich jener arbeitsmarktbezogenen und persönlichen Umstände gewähren
müsse, die ihm die Erzielung eines Resterwerbseinkommens in der Höhe des
Invalideneinkommens erschweren oder verunmöglichen würden. Solche subjektiven
Gegebenheiten, denen unter Zumutbarkeitsgesichtspunkten Rechnung zu tragen sei,
seien alle Umstände, welche - im Rahmen einer objektivierenden Prüfung - für die
effektiven Chancen des betreffenden Versicherten, auf dem jeweiligen tatsächlichen
Arbeitsmarkt eine geeignete und zumutbare Arbeitsstelle zu finden, von wesentlicher
Bedeutung seien (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.1). Verfahrensrechtlich stehe dem Recht der
versicherten Person, mit subjektiven Gegebenheiten und tatsächlichen
Arbeitsmarktchancen, welche die Erzielung eines dem Invalideneinkommen quantitativ
entsprechenden Resterwerbseinkommens erschweren oder verunmöglichen würden,
gehört zu werden, eine Mitwirkungspflicht gegenüber. Die versicherte Person habe die
persönlichen Umstände und tatsächlichen Arbeitsmarktchancen, welche der Erzielung
eines mit dem Invalideneinkommen äquivalenten Resterwerbseinkommens
entgegenstünden, im Überentschädigungsverfahren zu behaupten, zu substantiieren
und hierfür soweit möglich Beweise anzubieten, namentlich durch den Nachweis
erfolglos gebliebener Stellenbemühungen (BGE 134 V 64 Erw. 4.2.2).
2.4 Ausgehend von der Vermutung der Erzielbarkeit des von der IV festgelegten
Invalideneinkommens (vgl. auch Mitteilungen über die berufliche Vorsorge Nr. 106 Rz
645), sind persönliche Umstände und tatsächliche Arbeitsmarktchancen, welche der
Erzielung eines mit dem Invalideneinkommen äquivalenten Resterwerbseinkommens
entgegenstehen, zu berücksichtigen (vgl. vorstehende Erw. 2.3). Abzuklären ist, in
welcher Form und unter welchen Voraussetzungen dies konkret zu geschehen hat. In
beweisrechtlicher Hinsicht ist vorweg festzuhalten, dass es grundsätzlich an der
versicherten Person liegt, im Rahmen des rechtlichen Gehörs und ihrer
Mitwirkungspflicht eine allfällige Nichterzielbarkeit darzutun und die Vermutung
dadurch umzustossen. Die Klägerin erhielt mit der Zustellung der
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Überentschädigungsberechnung im Februar 2008 Kenntnis von der Anrechnung eines
hypothetischen Resterwerbs (act. G 1.1/5). Ein Hinweis auf die Einräumung des
rechtlichen Gehörs zur Geltendmachung von arbeitsmarktlichen und persönlichen
Gegebenheiten hinsichtlich der Unmöglichkeit der Erzielung eines hypothetischen
Resterwerbseinkommens fehlt im entsprechenden Schreiben (act. G 1.1/5). Immerhin
wurden darin die Modalitäten der Überentschädigungsberechnung umfassend
dargelegt, so dass die Klägerin - auch wenn keine entsprechende Aufforderung der
Beklagten vorlag - von sich aus dazu Stellung nehmen konnte. Sie liess denn auch
ihren Standpunkt in den Schreiben vom 4. März und 30. April 2008 (act. G 1.1/6f) sowie
in den Eingaben dieses Verfahrens darlegen. Selbst wenn das rechtliche Gehör bei
diesem Verfahrensablauf als nicht vollumfänglich gewährt angesehen würde, könnte
die allfällige Verletzung als geheilt gelten, da sich die Klägerin - wenn auch erst im
Nachhinein - umfassend zur Einkommensanrechnung äussern konnte.
2.5 Die Vorsorgereglemente 2005 und 2008 sehen als Überentschädigungsgrenze wie
erwähnt das zuletzt erzielte Einkommen vor, wohingegen Art. 24 BVV 2 den
mutmasslich entgangenen Verdienst als massgebend bezeichnet. In diesem
Zusammenhang ist zu beachten, dass zwischen dem mutmasslich entgangenen
Verdienst als Faktor der Überversicherungsrechnung und dem IV-rechtlichen
Valideneinkommen eine weitgehende Parallele, jedoch keine Kongruenz besteht:
Während bei der Ermittlung des Valideneinkommens aufgrund des unterstellten
ausgeglichenen Arbeitsmarktes (vgl. Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]) von der konkreten
Arbeitsmarktlage zu abstrahieren ist, sind bei der Festsetzung des mutmasslich
entgangenen Verdienstes die spezifischen Gegebenheiten und tatsächlichen Chancen
der versicherten Person auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt mitberücksichtigt (Urteil des
EVG vom 2. September 2004 [B17/03]; SZS 2005, 321). Für die Ermittlung des
Valideneinkommens wird in der Regel am zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft; dies in der Annahme,
dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE
129 V 224, Erw. 4.3.1, mit Hinweisen). Insofern stimmen die beiden Grössen
"mutmasslich entgangener Verdienst" und "zuletzt erzieltes Einkommen" in aller Regel
überein. Eine abschliessende Klärung erübrigt sich jedoch vorliegend, denn die BVG-
Leistungen (von Fr. 6'942.50 pro Jahr bei vier Kindern; act. G 7.1/12), für welche die
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=I+433%2F06&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-222%3Ade&number_of_ranks=0#page224 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=I+433%2F06&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-V-222%3Ade&number_of_ranks=0#page224
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Überentschädigungsgrenze nach Art. 24 BVV 2 zur Anwendung kommt, liegen
betraglich erheblich unter den reglementarischen Leistungen (Fr. 13'752.-- pro Jahr bei
vier Kindern; act. G 1.1/5).
2.6 Die IV legte das zumutbare Einkommen ohne Behinderung im Jahr 2004 auf
Fr. 48'185.-- und im Jahr 2006 auf Fr. 49'101.-- fest; hierbei ging sie vom Einkommen
2001 (IK: Fr. 45'586.--) in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit aus und passte es der
Nominallohnentwicklung an (IV-act. 37, 44, 59). Auf dieser Grundlage ergäbe sich für
2008 ein Wert von Fr. 50'744.-- (Index Frauen 2001: 2'245; Index 2008: 2'499). Die
D._ legte gemäss Überversicherungs-Berechnung per 1. Januar 2008 den
"entgangenen Verdienst" (gemeint war wohl: das der Nominallohnentwicklung
angepasste zuletzt erzielte Einkommen) mit Fr. 48'900.-- und die Überversicherungs-
Grenze (90 %) mit Fr. 44'010.-- fest. Die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens würde auf dieser Grundlage für die Zeit ab Januar 2008 bis zum
monatlichen Betrag von Fr. 99.-- (Überentschädigungsgrenze von Fr. 3'668.-- pro
Monat abzüglich IV-Rente von Fr. 2'423.-- [Fr. 29'076.-- : 12 Monate] sowie abzüglich
ungekürzte BV-Rente von Fr. 1'146.-- [einschliesslich Kinderrenten; Fr. 13'752.-- : 12
Monate; vgl. act. G 1.1/5]) zu keiner Kürzung der Rente der Beklagten führen. Zu prüfen
ist somit die Frage, ob die Klägerin ein höheres Einkommen als das erwähnte erzielen
könnte bzw. ob ihr ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden kann. Mit
Wirkung ab 1. August 2003 erhielt sie eine halbe IV-Rente wegen eines
Panvertebralsyndroms und einer Nickelallergie (vgl. act. G 7.1/3). Für die Verfügung
vom 22. April 2005 (halbe Rente gestützt auf einen IV-Grad von 55 % seit 1. August
2003; act. G 7.1/2) stellte die IV-Stelle soweit ersichtlich auf ein undatiertes, bei der IV-
Stelle am 5. Mai 2004 eingegangenes Gutachten von Dr. med. C._, Rheumatologie
FMH, ab. Dort wurde unter anderem festgehalten, in einer leichten Arbeit, welche
möglichst in Wechselstellung zu absolvieren sei und die kein Heben von Lasten über 10
kg und keinen Kontakt mit Nickel-Oberflächen beinhalte, sei die Klägerin zu 50 %
arbeitsfähig. Allenfalls könne mit einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit in den nächsten
Jahren gerechnet werden (act. G 7.1/3 [IV-act. 26]; vgl. auch act. G 7.1/11). Die
Rentenbemessung erfolgte anhand eines reinen Einkommensvergleichs (ohne
Haushaltanteil; vgl. act. G 7.1/10). Die IV-Stelle bestätigte - bei unverändertem
Gesundheitszustand (IV-act. 58) - am 13. Juni 2006 und 10. Dezember 2007 den
unveränderten Rentenanspruch (act. G 7.1/8, 1.1/4). Unter diesen Umständen ist als
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erstellt zu erachten, dass die Klägerin in einer ihrem Gesundheitsschaden angepassten,
wechselbelastenden Tätigkeit (ohne Kontakt mit Nickeloberflächen) im hier streitigen
Zeitraum zu 50 % arbeitsfähig war; dies blieb auch unbestritten (act. G 10 S. 2). Wenn
sie das der Rentenberechnung der IV zugrunde gelegte Invalideneinkommen bestreiten
lässt (act. G 10 S. 5), so ist festzuhalten, dass im vorliegenden Verfahren eine
Überprüfung der IV-Verfügung nicht nachgeholt werden kann; diesbezüglich müsste sie
sich gegebenenfalls an die IV-Stelle wenden.
3.
3.1 Die Klägerin absolvierte nach Lage der Akten eine Ausbildung als Bio-Laborantin.
Im Jahr 1990 arbeitete sie während knapp eines Jahres in einer Fabrik und war in der
Folge von 1991 bis Mai 2003 bei der B._ tätig. Sie ist Mutter von fünf Kindern (vgl.
act. G 7.1/3 S. 2 und 7.1/4 S. 2; IV-act. 32, 39). Im Jahr 2004 bewarb sie sich um 50
%-Arbeitsstellen (vgl. act. G 7.1/13) und erhielt bis Ende August 2005 ALV-Taggelder
(Aussteuerung; act. G 1 S. 3). Für die Zeit danach (November 2005 bis Oktober 2007)
liegen Arbeitsbemühungen der Klägerin für Teilzeitstellen (im Umfang der
verbleibenden Erwerbsfähigkeit) bei den Akten, welche sie zuhanden der Suva bis zum
Ende der Übergangsentschädigung erbracht hatte (act. G 10.1/K12).
3.2 Die Beklagte lässt einwenden, bei den von der Klägerin eingereichten
Arbeitsbemühungen handle es sich ausschliesslich um telefonische Bewerbungen und
solche durch persönliche Vorsprache. Es liege keine einzige schriftliche Bewerbung
vor. Ob die Klägerin anlässlich ihrer persönlichen Vorsprachen ein aussagekräftiges
Bewerbungsdossier beigebracht habe, müsse bezweifelt werden (act. G 7 S. 9). Der
Nachweis der Nichterzielbarkeit eines Erwerbseinkommens setzt voraus, dass sich eine
versicherte Person um Stellen bewirbt, welche ihren gesundheitlichen und persönlichen
Verhältnissen angepasst sind. Nach der Praxis der ALV-Behörden wird sodann eine
fortlaufende - nicht auf einzelne Tage sich beschränkende - schriftliche Dokumentation
der Bemühungen verlangt, wobei pro Monat generell fünf bis acht Bemühungen
auszuweisen sind. Bewerbungen bei einem immer gleich bleibenden Kreis von
potentiellen Arbeitgebern genügen - vor allem wenn sich dies über einen längeren
Zeitraum erstreckt - den qualitativen Anforderungen nicht (vgl. Einstellraster gemäss
dem vom seco herausgegebenen Kreisschreiben über die Arbeitslosenentschädigung,
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D33 und D50-D64, D72 abrufbar unter www.treffpunkt-arbeit.ch; vgl. auch Weisung
GL-18 des Amtes für Arbeit, St. Gallen, betreffend Kontrolle der Arbeitsbemühungen).
Im Weiteren werden nach der Rechtsprechung im Bereich der
Arbeitslosenversicherung Bewerbungen, welche lediglich telefonisch und "auf gut
Glück" erfolgten, grundsätzlich als qualitativ ungenügend erachtet (vgl. Entscheide des
st. gallischen Versicherungsgerichts vom 13. Juli 2004 i/S P.H. [AVI 2004/40] und i/S
J.B. [AVI 2004/61]). Anderseits vermöchte die Tatsache, dass Arbeitsbemühungen als
"Blindbewerbungen" erfolgten, für sich allein die Qualität der Bewerbungen noch nicht
als ungenügend erscheinen zu lassen; dies zumal dann, wenn einer versicherten
Person - wie dies bei der Klägerin der Fall war - von ihrer Ausbildung und ihren
Möglichkeiten her im Wesentlichen eine beliebige Hilfstätigkeit in einem Produktions-
oder Dienstleistungsbetrieb offenstand. Eine Blindbewerbung kann den Vorteil mit sich
bringen, dass die versicherte Person nicht zum vornherein gegen gesunde Mitbewerber
unterliegt und unter Umständen die "Gunst der Stunde" für sich nutzen kann (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen [BV 2008/21]). Für die
Klägerin kommt zudem ein relativ grosses Spektrum an nicht einschlägig qualifizierten
Hilfsarbeiten in Betracht, für welche von potentiellen Arbeitgebern in der Regel keine
qualifizierten Bewerbungen verlangt werden. Im Weiteren ist festzuhalten, dass die
Überentschädigungsabschöpfung nur dauernde Bereicherungen verhindern will. Wo
persönliche Umstände im Einzelfall die Zumutbarkeit eines bestimmten Resterwerbs
schmälern, sind sie ernst zu nehmen und dürfen nicht als invaliditätsfremd
ausgeblendet werden. Ohnehin steht fest, dass die ausländische Staatsangehörigkeit
und die berufliche Ausbildung in Kosovo der Klägerin grundsätzlich nicht schaden, weil
die zumutbare Arbeit eine Hilfsarbeit ist, für welche eine eigentliche Ausbildung nicht
erforderlich ist. Hilfsarbeiten stellen zudem regelmässig keine hohen Anforderungen an
die Kommunikationsmöglichkeit in deutscher Sprache. Die Klägerin schätzte ihre
Deutschkenntnisse in einem IV-Fragebogen am 16. Juni 2004 jedoch als gut ein (act. G
7.1/11), so dass von da her die Arbeitsmarktchancen nicht eingeschränkt sind.
3.3 Der Beizug der ALV- und Suva-Akten bestätigte, dass die Klägerin wie dargelegt
gegenüber der Arbeitslosenversicherung lediglich bis zur Aussteuerung und gegenüber
der Suva bis zum Ende der Ausrichtung der Übergangsentschädigung (Oktober 2007)
Suchbemühungen ausgewiesen hatte (Fallabschluss durch die Suva; act. G 1.1/K3).
Die Klägerin liess diesbezüglich ausführen, sie suche auch seit November 2007 eine
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neue Stelle. Durchschnittlich spreche sie dafür in acht bis zehn Betrieben pro Monat
vor, wobei sich die Suche auf die erweiterte Region erstrecke. Da die Leistungen der
Arbeitslosenkasse und der Suva eingestellt worden seien, führe sie keine
entsprechende Dokumentation mehr. Wenn die Beklagte heute geltend mache, dass
die Arbeitsbemühungen ungenügend und/oder seit November 2007 nicht dokumentiert
sein sollten, so widerspreche dies Treu und Glauben. Bereits im Januar 2008 habe sie
bei der Beklagten eine Überprüfung des Rentenanspruchs beantragt. Im März 2008
habe sie zur Frage des zumutbaren Erwerbseinkommens Stellung genommen. Eine
sachdienliche Antwort habe sie bis zur Klageeinleitung aber nicht erhalten.
Insbesondere sei sie von der Beklagten auch nicht aufgefordert worden, ihre
Arbeitsbemühungen zu dokumentieren (act. G 10 S. 4). Zum letztgenannten Punkt ist
festzuhalten, dass nach der Rechtsprechung für die Anrechnung eines hypothetischen
Resterwerbs weder die Einräumung einer Übergangsfrist noch eine Vorankündigung
(im Sinn einer Anrechnung lediglich für die Zukunft) verlangt ist (Urteil des
Bundesgerichts vom 15. April 2010 i/S W. [9C_592/2009], Erw. 3.3 und 3.4). Die
Beklagte hat demgemäss auch keine Pflicht, versicherte Personen aufzufordern, ihre
Bemühungen zu dokumentieren. Hieraus kann die Klägerin somit nichts zu ihren
Gunsten ableiten.
3.4 Der von der Klägerin geltend gemachte Umstand der weiteren
Behandlungsbedürftigkeit des Rückenleidens sowie die Tatsache, dass lediglich
wechselbelastende Arbeiten ohne Kontakt zu Nickeloberflächen (wozu auch
Reinigungsarbeiten gehören) in Frage kommen, stellen die Verwertbarkeit der von der
IV festgestellten und von der Klägerin nicht angezweifelten Arbeitsfähigkeit von 50 %
nicht grundsätzlich in Frage, auch wenn eine erhebliche Erschwerung der
Arbeitsvermittlung (act. G 10 S. 3 mit Hinweis auf UV-act. 133.2) vorliegen sollte. Die
Feststellung des Eingliederungsberaters der IV-Stelle vom 23. November 2004, wonach
die Klägerin während fünf Monaten bei der Stellensuche überwacht und betreut
worden sei, ihr jedoch keine geeignete Anstellung habe vermittelt werden können,
wurde ursächlich mit dem grossen Konkurrenzdruck auf dem Arbeitsmarkt und auf das
relativ stark eingeschränkte Spektrum von möglichen Tätigkeiten für die Klägerin
zurückgeführt (IV-act. 37). Eine fehlende Vermittelbarkeit lässt sich jedoch auch aus
diesem Bericht nicht ableiten (vgl. Erw. 3.2). Sodann stellt die familiäre Situation mit
vier zuhause wohnenden Kindern (wovon drei Schüler) keinen Grund dar, von der
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Anrechnung des IV-Einkommens als vermutungsweise erzielbaren Wert abzusehen,
zumal die Klägerin nicht geltend macht, die im Jahr 2003 (und wohl auch in den
Vorjahren als Gesunde) noch gegebene Mithilfe bei der Kinderbetreuung durch eine mit
dem Ehemann verwandte Nachbarin und den Ehemann selbst (vgl. act. G 7.1/4 S. 2)
sei weggefallen. Die grosse Familie war für die Klägerin vor Eintritt des
Gesundheitsschadens kein Hinderungsgrund, einem Vollzeiterwerb nachzugehen, da
sie sich soweit ersichtlich entsprechend organisiert hatte. Bei der Rentenbemessung
war sie denn auch wie erwähnt als Vollzeit-Erwerbstätige eingestuft worden (act. g
7.1/10).
3.5 In der Stellungnahme vom 4. Januar 2011 liess die Klägerin darlegen, aus der Zeit,
aus der die Arbeitsbemühungen bei der Suva dokumentiert seien (2005 bis 2007),
besitze sie noch eine Liste mit möglichen Arbeitgebern aus der Region. Bei diesen
habe sie sich auch regelmässig nach einer Stelle erkundigt. Eine vollständige
Dokumentation der Arbeitsbemühungen in der Zeit von 2007 bis 2010 sei ihr aus
nachvollziehbaren Gründen nicht möglich; ihr könne nicht vorgehalten werden, dass sie
sich nicht ernsthaft um eine Arbeitsstelle bemüht habe (act. G 28 S. 2 mit Hinweis auf
act. G 28.1/K14). Die Klägerin reichte 18 Bestätigungen von Arbeitgebern ein, dass sie
sich in den Jahren 2007 bis 2010 für eine Arbeitsstelle (mehrmals) beworben habe (act.
G 28.1/K15). Sowohl die erwähnte Liste (act. G 28.1/K14) als auch die Bestätigungen
(act. G 28.1/K15) beziehen sich seit Jahren (UV-act. 155-164) auf immer wieder die
gleichen potentiellen Arbeitgeber in der Wohnregion der Klägerin. Die Beschränkung
der Arbeitssuche auf die weitere Wohnortregion und die wiederholte Anfrage derselben
potentiellen Arbeitgeber belegen jedoch keine arbeitsmarktliche oder persönlich
begründete Unzumutbarkeit der Erzielung eines Einkommens aus einer Teilzeittätigkeit.
Vielmehr hätte sich die Klägerin nach so langer Stellenlosigkeit in einem weiteren
Umkreis und bei einer grösseren Zahl von potentiellen Arbeitgebern nach einer
Teilzeittätigkeit umsehen müssen. Dies umso mehr, als ihre Bewerbungen im
Wesentlichen telefonisch oder durch persönliche Vorsprache erfolgten. Den rund 50
Bewerbungen in drei Jahren (November 2007 bis 2010) lässt sich kein genaues
Bewerbungsdatum zuordnen (act. G 28.1/K15). Diese Bemühungen können - auch
wenn nicht die (hohen) Anforderungen der Arbeitslosenversicherung als Massstab
verwendet werden (vgl. vorstehende Erw. 3.2) - sowohl in quantitativer als auch in
qualitativer Hinsicht nicht als zureichend angesehen werden. Den von der Klägerin
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geltend gemachten Umstand, dass ein Teil der Bemühungen nicht mehr nachgewiesen
werden könne, hat sie selbst zu vertreten. Sie vermag keine anderen arbeitsmarktlichen
oder persönlichen Gründe nachzuweisen, die ihr im Rahmen eines 50 %-Pensums die
Erzielung eines Einkommens in der Höhe des Invalideneinkommens unzumutbar
machen würden.
3.6 Das zumutbare Invalideneinkommen 2006 auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
bezifferte die IV-Stelle mit Fr. 22'095.-- (act. G 7.1/10). Unter Zugrundelegung der
Nominallohnentwicklung gemäss Bundesamt für Statistik resultiert aus der
Aufrechnung von 2006 (Index Frauen: 2417) auf 2008 (Index Frauen: 2499) ein Betrag
von Fr. 22'845.--. Mit Blick auf die von der Rechtsprechung statuierte
vermutungsweise Anrechenbarkeit des IV-Einkommens erscheint es gerechtfertigt, für
das vorliegende Verfahren vom letztgenannten Betrag auszugehen. Die
Gegenüberstellung der in Erw. 2.6 errechneten (höheren) Überentschädigungsgrenze
von Fr. 45'670.-- (90 % von Fr. 50'744.--) einerseits und der IV-Leistungen für 2008 (Fr.
29'076.--; IV-act. 61) sowie des zumutbarerweise erzielbaren Resterwerbs anderseits
(Fr. 22'845.--) zeigt eine Überentschädigung, welche den Anspruch auf Leistungen
gegenüber der Beklagten in vollem Umfang ausschliesst. Für 2007 ergibt sich im
Ergebnis insofern keine andere Situation, als für dieses Jahr IV-Leistungen im Betrag
von Fr. 29'832.-- zur Ausrichtung kamen (IV-act. 54). Vorliegend bildete die erwerbliche
Situation der Klägerin in den Jahren 2007 bis 2010 Gegenstand der Prüfung. Der
Nachweis der Nichterzielbarkeit eines Erwerbseinkommens steht unter dem Vorbehalt
einer Neuprüfung für den Fall einer wesentlichen Veränderung der Verhältnisse. Der
Klägerin ist es unbenommen, bei Vorliegen der Voraussetzungen nach Art. 24 Abs. 5
BVV 2 bzw. Art. 4.12 der Vorsorgereglemente 2005 und 2008 eine Neuprüfung zu
beantragen und entsprechende Belege einzureichen.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Klage abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 73 Abs. 2 BVG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP
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