Decision ID: e214ad7b-b68b-5142-a69f-7b3d53dea213
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1975 geborene
X._
ist gelernter Automechaniker und
war ab 2004 bei der
Y._
AG angestellt (
Urk.
7/13, Urk. 7/19).
Am
4.
September 2017 verletzte sich der Versicherte beim Krafttraining und zog sich eine Läsion des
Nervus
thoracicus
longus
rechts zu (
Urk.
7/51/109,
Urk.
7/24/7). Am
2.
Januar 2018 zog er sich zudem eine Schulterluxation rechts zu (
Urk.
7/28/35). Im Zusammenhang mit den Schulterbeschwerden meldete sich der Versicherte am
3.
Januar 2018 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/13).
1.2
Infolge Erreichens des medizinischen Endzustandes stellte die Suva die Taggeld
leistungen per 3
1.
Dezember 2019 ein (
Urk.
7/78/9). Mit Verfügung vom 1
8.
Febru
ar 2020 sprach sie dem Versicherten – ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 43
%
- eine Rente der Unfallversicherung zu (
Urk.
7/80).
Mit Vorbescheid vom 3
0.
April 2020 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Rentenbegehrens in Aus
sicht (
Urk.
7/87) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 2
1.
September 2020 fest (
Urk.
7/97 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
der Vertreter des Versicherten am 1
4.
Oktober 2020 Beschwerde und beantragte, es sei dem Versicherten eine
Viertelsrente
zuzusprechen, even
tualiter seien weitere Sachverhaltsabklärungen vorzunehmen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Verfügung vom 2
0.
November 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
5.
November 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
gestützt auf die Abklärungen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) sowie der Suva
in einer angepassten Tätigkeit von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen sei. Dabei könne der Beschwerdeführer per 2018 ein Einkommen von
Fr.
71'268.55 erzielen, was bei einem
Valideneinkommen
in der Höhe von
Fr.
106'437.25 zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 33
%
führe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass sein Mandant Angestellter der
Y._
AG sei und dabei Anspruch auf den vertraglich vereinbarten Lohn in der Höhe von Fr. 120'000.-- habe, was dem
Valideneinkommen
entspreche. Der Abzug eines durchschnittlichen Betriebsverlustes falle dabei ausser Betracht (
Urk.
1 S. 5). Da einzig Unfallfolgen vorliegen würden
,
habe die Invalidenversicherung keine eige
nen medizinischen Abklärungen vorgenommen; entsprechend der bundesgericht
lichen Rechtsprechung wäre sie dabei gehalten gewesen, den Invaliditätsgrad von 43
%
zu übernehmen (S. 7 f.).
3.
Unbestritten und durch die Akten belegt ist vorliegend, dass der Beschwerde
führer in einer angepassten Tätigk
eit zu 100
%
arbeitsfähig ist. Er ist dabei auf
grund der verminderten Belastbarkeit der rechten Schulter auf eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit, welche den Schulterbeschwerden Rechnung trägt, ange
wiesen (vgl.
Urk.
7/86 S. 7,
Urk.
7/80 S. 3).
4.
4.1
Strittig ist demgegenüber die Festsetzung des
Valideneinkommens
. Der Be
schwerdeführer stellt sich diesbezüglich auf den Standpunkt, er sei als unselb
ständig tätig zu qualifizieren. Seit dem Jahr 2008 habe er jeweils ein Jahressalär von Fr. 120'000.-- bezogen. Die Suva sei zum Schluss gekommen, dieses Ein
kommen erscheine als realistisch. Es sei daher unstatthaft, dass die IV-Stelle von einem anderen
Valideneinkommen
ausgehe. Vielmehr wäre sie gehalten gewesen, den von der Suva festgelegten Invaliditätsgrad von 43 % zu übernehmen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sollen zwar rechtskräftig abge
schlos
sene Invaliditätsschätzungen nicht unbeachtet bleiben und müssen als Indiz für eine zuverlässige Beurteilung gewertet und in den Entscheidungsprozess eines erst später verfügenden Versicherungsträgers miteinbezogen werden (BGE 133 V
549 E. 6.3). Eine Bindungswirkung der Invalidenversicherung hinsichtlich der Invaliditätsbemessung der Unfallversicherung besteht hingegen entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers gerade nicht (BGE 133 V 549 E. 6 f., Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2019 vom 5. September 2019 E. 3 mit weiteren Hin
weisen). Dies ergibt sich schon daraus, dass der Invalidenversicherung bezüglich
Entscheiden der Unfallversicherung keine Anfechtungsmöglichkeit
zukommt. Vor
liegend hat die Suva
der IV-Stelle ihren Entscheid betreffend den Rentenanspruch des Beschwerdeführers mitgeteilt. Der Entscheid wurde von der IV-Stelle bei ihrer
Entscheidfindung
mitberücksichtigt. Dass sie von diesem abwich, ist angesichts der fehlenden Bindungswirkung nicht als Verstoss gegen die Einheit der Rechts
ordnung zu werten, weshalb der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Guns
ten ableiten kann.
Bezüglich dem Vorbringen, der Beschwerdeführer sei unselbständig tätig, ist da
rauf hinzuweisen, dass für die Beurteilung der Frage, ob ein Versicherter selb
ständig oder unselbständig erwerbstätig ist, nicht allein das Vertragsverhältnis zwischen den Parteien entscheidend ist. Ausschlaggebend ist vielmehr die wirt
schaftliche Stellung, demnach die Frage, ob die versicherte Person einen wesent
lichen Einfluss auf die Geschäftspolitik und –
entwicklung
nimmt. Insbesondere gilt ein von einer AG angestellter Versicherter als selbständig, wenn er als Allein
aktionär einen wesentlichen Einfluss auf das Unternehmen hat (Urteil des Bun
desgerichts 8C_346/2012 E. 4.3, vgl. auch Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH],
Rz
. 3028.1 f. mit weiteren Hin
weisen). Dem Handelsregistereintrag ist zu entnehmen, dass der Beschwerde
füh
rer seit dem Jahr 2004 einziges Mitglied des Verwaltungsrates und zudem ein
zelzeichnungsberechtigt ist. In seiner Beschwerdeschrift führte er aus, seit dem Jahr 2008 sei er Alleineigentümer der Aktiengesellschaft (Urk. 1 S. 3). Als
alleiniges Verwaltungsratsmitglied, Alleinaktionär und Geschäftsführer (Urk. 7/84
) leitet der Beschwerdeführer das Unternehmen und kann ohne Mitbestimmung weiterer Personen über den Geschäftsgang bestimmen. Damit ist er – trotz des Anstellungsverhältnisses – einem selbständig Erwerbenden gleichzustellen.
4.2
Das
Valideneinkommen
von
Selbständigerwerbenden
kann aufgrund der Einträge im individuellen Konto (IK) bestimmt werden, wobei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen ist, falls das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen aufweist (statt vieler: Urteil des Bun
desgerichts 8C_567/2013 vom 30. Dezember 2013 E. 3.2.2). Dem IK-Auszug ist zu entnehmen, dass das jährliche Einkommen des Beschwerdeführers seit Über
nahme aller Aktien des Unternehmens im Jahr 2008 starken Schwankungen
unterl
ag. So ist beispielswei
se im Jahr 2011 ein Einkommen von Fr. 147'000.-- und im Jahr 2013 ein solches von Fr. 81'800.-- verzeichnet (Urk. 7/71 S. 2). Zu berücksichtigen ist, dass das Einkommen nicht ständig stieg, sondern – wie soeben erwähnt – im Jahr 2011 höher war als in den Folgejahren. Auch wenn im Jahr vor dem Unfall sowie im Unfalljahr selber (2016-2017) ein hohes Einkom
men ausgewiesen ist (Urk. 7/72), ist daher nicht überwiegend
wahrscheinlich erstellt, dass sich das Einkommen des Beschwerdeführers im Jahr 2018 positiv weiterentwickelt hätte. Dagegen spricht der Umstand, dass das Unternehmen in den Jahren 2016 und 2017 erhebliche Verluste erwirtschaftete (Urk. 7/84 S. 6). Dass diese massgeblich auf Unfälle zurückzuführen
wären
, wie dies der Be
schwerdeführer geltend macht (Urk. 1), erscheint angesichts dessen, dass im Jahr 2016 wohl nur eine relativ kurze Arbeitsunfähigkeit
beim Beschwerdeführer
vorlag (vgl. Urk. 7/72 S. 14, Höhe der Taggelder betrug
insgesamt Fr. 11'332.--) und sich der Unfall im Jahr 2017 erst im September ereignete (Urk. 7/13 S. 6)
,
nicht plausibel. Es rechtfertigt sich daher, zur Bestimmung des
Validenein
kom
mens
auf den im IK-Auszug ausgewiesenen Durchschnittswert vom Jahr 2008 bis 2016 (Vorjahr des Eintritts des Gesundheitsschadens) abzustellen und diesen an die Nominallohnentwicklung bis im Jahr 2018 anzupassen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_581/2020, 8C_585/2020 vom 3. Februar 2021 E. 6.5.1). Damit ergibt sich ein
Valideneinkommen
von Fr. 104'130.-- ([Fr. 90'500.-- + Fr. 90'000.-- + Fr. 83'850.-- + Fr. 147'000.-- + Fr. 680.-- - Fr. 245.-- + Fr.
83'710.-- + Fr. 81'800.-- + Fr. 103'000.-- + Fr. 103'000.-- + Fr. 11'170.-- + Fr. 134'000.--] / 9 / 2'239 * 2'260).
4.3
Das Invalideneinkommen ist praxisgemäss aufgrund der
statistischen Durch
schnittswerte der Schweizerische
n Lohnstrukturerhebung (LSE 2018
)
zu ermitteln.
Angesichts dessen, dass der Beschwerdeführer über ein Diplom der Höheren Handelsschule Zürich verfügt (Urk. 7/12 S. 2) sowie eine mehrjährige, erfolgreiche Geschäftsführungstätigkeit vorweisen kann, fragt sich, ob vorliegend auf das Kompetenzniveau 3 abzustellen wäre. Diese Frage kann
offen gelassen
werden, da auch beim Abstellen aufs Kompetenzniveau 2 kein Anspruch auf eine Inva
lidenrente resultiert, wie nachstehende Erwägungen zeigen. Das monatliche Ein
kommen bei Abstellen auf das Kompetenzniveau 2 beträgt Fr. 5’649.-- (LSE 2018 TA1_tirage_skill_level).
Nach Berücksicht
igung der durchschnittlichen Ar
beits
zeit von 41,7 Stunden pro Woche (www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, Normalarbeitsstunden)
ergibt sich per 2018
ein Jahreseinkommen von Fr. 70'669.--
.
Davon ist kein
leidensbedingter Abzug
vorzunehmen.
So führt etwa die gesund
heitlich bedingte
Unmöglichkeit, weiterhin körper
lich schwere Arbeit zu ver
rich
ten, nicht automatisch zu einer Verminderung des hypothetischen Invaliden
lohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind
, auch bei eingeschränkter Leis
tungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbe
dingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kom
petenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 8C_805/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.4.2 unter Hinweis auf 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.4 und 9C_386/2012 vom 1
8.
September 2012 E. 5.2).
Dies muss
umsomehr
für das Kompetenzniveau 2 gelten, da bei diesen Tätigkeiten die körperliche Arbeit gegenüber den Tätigkeiten im Kompetenzniveau 1 ohnehin in den Hintergrund tritt.
4.4
Ausgehend von einem massgebenden
Valideneinkommen
von
Fr. 104'130.
-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 70'669.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 33'461.--, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 32 % ent
spricht.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 21. September 2020 im Resultat nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Ver
fahrens sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.