Decision ID: de56c255-c634-5014-82af-562ee5f29ea9
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer reiste am 6. Januar 2016 in die Schweiz ein und
stellte gleichentags ein Asylgesuch. Auf dem Personalienblatt gab er an,
im Jahr (...) geboren und damit minderjährig zu sein.
A.b Das SEM gab am Folgetag eine Handknochenanalyse in Auftrag. Mit
ärztlichem Gutachten vom 8. Januar 2016 wurde festgehalten, das Kno-
chenalter nach der Tabelle von Greulich und Pyle entspreche beim Be-
schwerdeführer einem Alter von (...) Jahren oder mehr.
A.c Am 20. Januar 2016 führte die Vorinstanz mit dem Beschwerdeführer
die Befragung zur Person durch. Dabei gab er an, er habe sich als minder-
jährig ausgegeben, weil er eine Rückschiebung befürchte. Er sei in
B._ geboren, lebe aber schon seit seinem ersten Lebensjahr mit
seiner Familie in C._ (Provinz D._). Zu seinen Asylgründen
gab er zu Protokoll, seit er (...) Jahre alt gewesen sei, habe sein Vater ihn
zwei bis drei Mal im Monat geschlagen. Einmal habe er ihn (...).
A.d Anlässlich der Anhörung vom 28. Juni 2016 führte der Beschwerdefüh-
rer aus, sein Vater habe, als er (der Beschwerdeführer) (...) Jahre alt ge-
wesen sei, eine weitere Frau geheiratet. Der Vater habe nur die neue Fa-
milie unterstützt, für sich und seine Mutter sei er (der Beschwerdeführer)
zuständig gewesen. Nach der (...) Klasse habe er deshalb beginnen müs-
sen, zu arbeiten. Die zweite Frau habe ihn und seine Mutter schlecht be-
handelt und er habe mit seinem Vater andauernd Streit gehabt. Wenn sein
Vater seine Mutter geschlagen habe, habe er selbst die neue Frau seines
Vaters geschlagen. Am (...) 2013 sei seine Mutter verstorben. In der Zeit
nach dem Tod seiner Mutter habe er ein besseres Verhältnis zu seinem
Vater gehabt. Als dessen Frau dann ein Kind bekommen habe, habe sie
ihn wiederholt vor seinem Vater schlecht gemacht, weil sie gewollt habe,
dass er (der Beschwerdeführer) das Zuhause verlasse. Zuletzt habe sie
seinem Vater gegenüber behauptet, er habe sie sexuell angegriffen. Er sei
zu Hause gewesen und habe das Telefonat gehört. Danach habe er sie
geschlagen. Wegen dieses Vorwurfs habe er Angst vor seinem Vater be-
kommen, habe das Haus verlassen und sei schliesslich aus seinem Hei-
matland ausgereist. Er habe weder versucht, eine Anzeige zu erstatten,
noch eine eigene Wohnung zu finden. Er habe Angst gehabt, dass sein
Vater ihn töte. Von seinen Onkeln und Tanten habe er auch keine Hilfe er-
warten können.
E-2064/2020
Seite 3
B.
Mit Verfügung vom 16. März 2020 verneinte die Vorinstanz die Flüchtlings-
eigenschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab, verfügte
die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
C.
Mit Eingabe vom 16. April 2020 reichte der Beschwerdeführer durch seinen
Rechtsvertreter beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde ein und be-
antragte, die Verfügung des SEM vom 16. März 2020 sei aufzuheben, es
sei festzustellen, dass er die Flüchtlingseigenschaft erfülle, und ihm Asyl
zu gewähren. Eventualiter sei die Unzulässigkeit allenfalls die Unzumut-
barkeit der Wegweisung festzustellen und ihm als Folge davon von Amtes
wegen die vorläufige Aufnahme zu gewähren. Auf die Erhebung eines Ver-
fahrenskostenvorschusses sei zu verzichten.
D.
Mit Zwischenverfügung vom 21. April 2020 wurde das Gesuch um Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses wegen Aussichtslosigkeit der
Begehren abgewiesen und der Beschwerdeführer zur Leistung eines Kos-
tenvorschusses aufgefordert.
Dieser traf am 2. Mai 2020 bei der Gerichtskasse ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–4) ist unverändert vom AuG ins AIG übernom-
men worden.
1.2 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
E-2064/2020
Seite 4
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist, nach fristgerechter Leistung des Kostenvorschusses, einzu-
treten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
E-2064/2020
Seite 5
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG, zu den praxisgemässen An-
forderungen an das Glaubhaftmachen vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 Die Vorinstanz stellte in der angefochtenen Verfügung fest, die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers hielten den Anforderungen an die Flüchtlings-
eigenschaft gemäss Art. 3 AsylG nicht stand.
Der Beschwerdeführer habe geltend gemacht, von seinem Vater und des-
sen Frau misshandelt und verleumdet worden zu sein. Sowohl der physi-
sche Missbrauch durch den Vater als auch die Verleumdung durch die
Stiefmutter stellten Handlungen dar, die auch in der Autonomen Region
Kurdistan (ARK) strafbar seien. Der Beschwerdeführer habe jedoch weder
seine Onkel und Tanten darüber informiert noch bei den zuständigen Straf-
verfolgungsbehörden um Schutz ersucht. Soweit der Beschwerdeführer
angegeben habe, kein Vertrauen in die kurdische Regierung und die Poli-
zei gehabt zu haben, seien weder seinen Aussagen noch den Akten Hin-
weise dafür zu entnehmen, die in seinem Fall auf einen fehlenden Schutz-
willen, fehlende Schutzfähigkeit der Strafverfolgungsbehörden oder feh-
lende Schutzinfrastruktur deuteten. Es sei ihm also möglich und mangels
persönlicher negativer Erlebnisse auch zumutbar, sich an die zuständigen
Strafverfolgungsbehörden zu wenden, um Schutz vor weiteren Übergriffen
nachzusuchen respektive die bereits erlittenen Nachteile zur Anzeige zu
bringen und sich bei Untätigkeit der Behörden an die nächst höhere Instanz
zu wenden. Da der geltend gemachten Drittverfolgung keine Asylrelevanz
zukomme, erübrigten sich Ausführungen zum fehlenden Motiv gemäss
Art. 3 AsylG.
5.2 Nach Prüfung der Akten ergibt sich, dass die Vorinstanz in ihren Erwä-
gungen zur zutreffenden Erkenntnis gelangt ist, die Vorbringen des Be-
schwerdeführers würden den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft
E-2064/2020
Seite 6
(Art. 3 AsylG) nicht genügen. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann voll-
umfänglich auf die zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Ver-
fügung verwiesen werden.
In der Beschwerde wird bekräftigt, der Beschwerdeführer sei in Lebensge-
fahr gewesen. Beim Streit sei es um die Ehre gegangen. In solchen Fällen
sei die Rolle des Staates sehr gering und die betroffenen Personen würden
durch den Staat nicht geschützt. Der Beschwerdeführer habe gewusst, wie
sein Vater nach Sitte und Gebrauch in seinem Heimatland auf eine solche
Anschuldigung reagieren würde. Sein Vater habe sich geschworen, die ver-
letzte Ehre wiederherzustellen. Er habe nun auch einen in Schweden le-
benden Onkel damit beauftragt, den Beschwerdeführer zu töten. Sein On-
kel habe ihn (den Beschwerdeführer) darüber informiert, dem Vater aber
nicht gesagt, wo sich der Beschwerdeführer aufhalte. In der ARK seien die
staatlichen Strukturen noch nicht weit entwickelt und ein einfacher Bürger
könne sein Recht nur einfordern, wenn er eine Beziehung zu einer Person
aus den regierenden Stämmen habe. Dies fehle dem Beschwerdeführer.
Zudem sei sein Vater früher bei den Peschmerga gewesen und kenne di-
verse wichtige Leute.
5.3 Diese Ausführungen vermögen nichts an der Einschätzung der Vor-
instanz zu ändern, die vorliegend zu bestätigen ist. Ergänzend ist folgen-
des festzuhalten:
Geht eine Verfolgung von nicht-staatlichen Akteuren aus, ist zu prüfen, ob
der Beschwerdeführer staatlichen Schutz beanspruchen kann (vgl. BVGE
2013/11 E. 5.1, 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5). Dabei kann nicht eine
faktische Garantie des Schutzgewährers für langfristigen individuellen
Schutz des von nicht-staatlicher Verfolgung Bedrohten verlangt werden, da
es keinem Staat gelingt, die absolute Sicherheit aller seiner Bürger jeder-
zeit und überall zu garantieren (vgl. Entscheidungen und Mitteilungen der
vormaligen Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2006 Nr. 18
E. 10.3.1 f.). Der Schutz vor nicht-staatlicher Verfolgung im Heimatstaat ist
als ausreichend zu qualifizieren, wenn die betroffene Person effektiv Zu-
gang zu einer funktionierenden und effizienten Schutzinfrastruktur hat und
ihr die Inanspruchnahme eines solchen innerstaatlichen Schutzsystems in-
dividuell zumutbar ist (vgl. zum Ganzen BVGE 2011/51 E. 7 m.w.H.).
Gemäss Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts ist die Schutz-
fähigkeit und Schutzwilligkeit der nordirakischen Behörden grundsätzlich
gegeben (vgl. BVGE 2008/4 E. 6.1-6.7 sowie aktuell etwa Urteil des BVGer
E-2064/2020
Seite 7
E-4717/2019 vom 14. Juli 2020 E. 6.3.2). Zu betonen ist vorliegend zudem,
dass der Beschwerdeführer die behaupteten Vorfälle eigenen Angaben zu-
folge gar nicht erst zur Anzeige gebracht und damit darauf verzichtet hat,
den Behörden die Möglichkeit zu geben, ihrer Schutzpflicht nachzukom-
men.
Die Flüchtlingseigenschaft setzt sodann auch bei einer Verfolgung durch
Dritte voraus, dass der geltend gemachten Verfolgung oder der staatlichen
Schutzverweigerung ein flüchtlingsrechtlich relevantes Motiv gemäss Art. 3
AsylG zugrunde liegt. Vorliegend ist dieses indes gerade zu verneinen,
gründet die Verfolgung doch alleine auf privaten Problemen zwischen dem
Beschwerdeführer und seinem Vater sowie dessen Ehefrau.
5.4 Vor diesem Hintergrund hat das SEM die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers zu Recht verneint und das Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht angeordnet
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
E-2064/2020
Seite 8
AIG). Der Vollzug kann für Ausländerinnen und Ausländer unzumutbar
sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund von Situationen
wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer Notlage kon-
kret gefährdet sind (Art. 83 Abs. 4 AIG).
7.3 Diese Voraussetzungen sind vorliegend nicht erfüllt. Die Vorinstanz er-
kannte in der angefochtenen Verfügung (vgl. E. III) zutreffend, dass der in
Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung mangels Erfül-
lung der Flüchtlingseigenschaft keine Anwendung findet und keine ander-
weitigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar sind.
7.4 Ebenso zutreffend stellte die Vorinstanz fest, dass, obwohl die Konflikt-
lage im Irak von grosser Volatilität geprägt ist, weder die herrschende poli-
tische Situation noch andere Gründe gegen die Zumutbarkeit einer Rück-
kehr in den Heimatstaat sprechen (vgl. dazu BVGE 2008/5 zuletzt bestätigt
im Urteil des BVGer E-5964/2018 vom 11. September 2020 E. 10.3.1). Der
Beschwerdeführer, so die Vorinstanz zutreffend, komme bereits seit sei-
nem (...) Lebensjahr selbst für seinen Unterhalt auf. Seine finanzielle Situ-
ation würde es ihm ermöglichen, eine eigene Wohnung zu mieten. Ferner
verfüge er in seiner Herkunftsregion auch über Onkel, Tanten und Freunde
und habe damit ein soziales Netz. Es bestünden begünstigende Um-
stände, welche die schlechte Beziehung zu seinem Vater und seiner Stief-
mutter überwiegten. Der Vollzug der Wegweisung sei als zumutbar zu qua-
lifizieren. Weitere Vollzugshindernisse sind nicht ersichtlich und werden auf
Beschwerdeebene auch nicht geltend gemacht. Der Vollzug der Wegwei-
sung in die Provinz D._ erweist sich als zumutbar.
7.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
E-2064/2020
Seite 9
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe wird zur
Begleichung der Verfahrenskosten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
E-2064/2020
Seite 10