Decision ID: c5bc3295-ab64-555a-a5c4-1e66f5cb38ff
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2015 wegen eines psychischen Leidens zum Bezug
von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an (IV-act. 4). Er gab an, keinen Beruf
erlernt zu haben.
A.a.
Dr. med. B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete am 9. April 2015
(IV-act. 8), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1, seit 2010) und an einer Panikstörung
(ICD-10 F41.0, seit 2010). Er sei seit dem 13. März 2015 bis auf Weiteres vollständig
arbeitsunfähig. Durch Eingliederungsmassnahmen könne die Arbeitsfähigkeit gesteigert
werden. Der Versicherte könne keine körperlich schwere Arbeit und keine Schichtarbeit
leisten. Gemäss einem Austrittsbericht der Z._ vom 11. März 2015 war der
Versicherte vom 9. Februar 2015 bis 11. März 2015 hospitalisiert gewesen (IV-act. 8-3).
Folgende Diagnosen waren erhoben worden: Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), bei/mit zweite depressive Episode,
nach erstmaliger Erkrankung mit Hospitalisation 2008, Probleme in Verbindung mit
Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56), chronisch lumbospondylogenes
A.b.
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Schmerzsyndrom, zeitweise angstbetont aggraviert (kinesiophob); Panikstörung
(ICD-10 F41.0). Wegen einer psychischen Zustandsverschlechterung gegen Ende der
Hospitalisation trat der Versicherte am 11. März 2015 in die Klinik C._ ein, wo er am
Folgetag wieder austrat (IV-act. 8-8). Dr. med. D._, FMH Innere Medizin und
Rheumatologie, teilte am 14. April 2015 mit (IV-act. 11), der Versicherte sei aus
rheumatologischer Sicht in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit vollständig
arbeitsfähig. Aktuell bestehe eine psychiatrische Problematik. Gemäss einem
Austrittsbericht des Spitals E._ vom 10. Februar 2015 (IV-act. 11-3) war der
Versicherte vom 21. Januar 2015 bis 9. Februar 2015 wegen einer akuten Exazerbation
eines chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms rechts bei einem Verdacht
auf eine Somatisierungsstörung und einer asymptomatischen Inguinalhernie rechts
hospitalisiert gewesen. Ein MRI der LWS hatte keine relevante Pathologie gezeigt. Bei
klinisch fehlenden Hinweisen für eine iatrogene Lähmung war dem Versicherte ein
stationärer Rehabilitationsaufenthalt in den Z._ empfohlen worden.
Die F._ AG gab am 18. April 2015 an (IV-act. 12), der Versicherte sei von März
2009 bis November 2011 als Eisenleger angestellt gewesen. Der AHV-beitragspflichtige
Lohn habe Fr. 5'107.-- pro Monat betragen. Das Arbeitsverhältnis sei durch den
Versicherten aus gesundheitlichen Gründen aufgelöst worden. Die G._ teilte am
22. April 2015 mit (IV-act. 13), der Versicherte habe vom 27. Oktober 2014 bis
20. Januar 2015 einen temporären Arbeitseinsatz gehabt. Der Stundenlohn habe
Fr. 23.45 brutto betragen. Ab 20. Januar 2015 bis 9. April 2015 sei der Versicherte
vollständig arbeitsunfähig gewesen.
A.c.
Dr. med. H._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) notierte am 16. Juni 2015
nach der Durchsicht der medizinischen Berichte (IV-act. 15), beim Versicherten könne
ein Eingliederungspotential mit einer anfänglich ca. 20-30%igen Arbeitsfähigkeit
angenommen werden. Am 4. April 2016 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für
ein Belastbarkeitstraining bei der Stiftung I._ vom 29. März 2016 bis 29. Juni 2016
(IV-act. 34). Nach dessen Durchführung erteilte die IV-Stelle zur weiteren Steigerung
der Leistung am 29. Juni 2016 eine Kostengutsprache für ein Aufbautraining vom
30. Juni 2016 bis 30. September 2016 bei derselben Stiftung (IV-act. 48). Dieses wurde
am 5. September 2016 abgebrochen. Gemäss Schlussbericht der Stiftung I._
(undatiert, IV-act. 69) war der Versicherte zunehmend depressiv geworden; er hatte
A.d.
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grosse Zukunftsängste gehabt und sich nicht einmal mehr auf die Sommerferien
gefreut. Vom 13. bis 29. September 2016 war der Versicherte in der J._ hospitalisiert.
Im Austrittsbericht vom 4. Oktober 2016 (IV-act. 74) wurden folgende Diagnosen
aufgeführt: Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1), Panikstörung seit 2008, aktuell remittiert (ICD-10 F41.0), somatoforme
Schmerzstörung mit passageren linksseitigen Schmerzzuständen seit 2008 (ICD-10
F45.4), arterieller Hypertonus und Lumboischialgie. Die Behandlung sei auf Wunsch
des Versicherten abgebrochen worden. Er habe beschrieben, dass er sich nicht am
richtigen Platz fühle. Der Versicherte habe keine tiefergehende Krankheitseinsicht
entwickeln können. Dr. B._ teilte am 14. November 2016 mit (IV-act. 78), die
bisherige Tätigkeit sei dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Die RAD-Ärztin Dr. H._
notierte am 16. Januar 2017 (IV-act. 80), eine bidisziplinäre Begutachtung sei
notwendig.
Der Versicherte wurde am 21. April 2017 durch die Y._ bidisziplinär
(psychiatrisch und orthopädisch) untersucht. Im Gutachten vom 19. Mai 2017 gaben
die Sachverständigen als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige bis grenzwertig schwere
Episode mit einem somatischen Syndrom mit Episoden in 2008 und 2010, aktuelle
Episode seit 2013, chronifiziert (ICD-10 F33.11), an. Als Diagnosen ohne Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie: Chronisches lumbosakrales Schmerzsyndrom
ohne Radikulopathie bei muskulärer Dysbalance, Angst/Panikstörung, gegenwärtig
remittiert (ICD-10 F41.0), chronische Schmerzstörung mit psychischen und
somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41), psychosoziale Probleme mit/bei Problemen in
Verbindung mit Ausbildung und Beruf (ICD-10 Z55), Problemen in Verbindung mit
Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56), sonstigen belastenden Lebensumständen, die Familie
und Haushalt negativ beeinflussen (Krankheit der Ehefrau, ICD-10 Z63.7) sowie (als
fachfremde Diagnose) diskrete Hypästhesie im Bereich des linken Klein- und
Ringfingers nach operativer Verlagerung des N. ulnaris im Bereich des Sulcus im Jahr
2014 ohne Bewegungseinschränkung. Der psychiatrische Gutachter Prof. Dr. med.
K._ hielt fest (psychiatrisches Teilgutachten vom 25. April 2017, IV-act. 86-38 ff.), der
Versicherte lebe zusammen mit seiner Ehefrau und den drei Kindern; sie lebten vom
Einkommen der Ehefrau und der Kinder. Der Versicherte habe angegeben, dass er sich
A.e.
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nicht mehr wie er selbst fühle. Im Jahr 2010 habe er nach zwei Verkehrsunfällen
erstmalig Panikattacken entwickelt. Die Arbeit als Eisenleger habe er aufgeben
müssen, nachdem er im Rahmen einer Operation wegen einer Fehllagerung eine
Ulnarisschädigung im Bereich des linksdominanten Arms erlitten und seither
Schmerzen habe. Er habe gegen das Krankenhaus geklagt und den Prozess verloren.
Vor einigen Jahren sei bei seiner Ehefrau ein Hirntumor festgestellt worden. Sie habe
viele Kopfschmerzen und es gehe ihr gesundheitlich auch nicht gut. Er habe versucht,
wieder in den Arbeitsprozess zu kommen und sei gescheitert. Er habe Ängste
entwickelt, mit vielen Menschen zusammenzuarbeiten, und er habe sich sozial
zurückgezogen. Beruflich sei er am Ende. Er fühle sich wertlos, begegne anderen
Menschen voller Scham und ziehe sich zurück. Er habe keine Freude mehr am Leben
und es wäre ihm egal, wenn er sterben müsste. Er habe sich über die Arbeit und den
wirtschaftlichen Erfolg definiert und fühle sich nun als Versager. Zu den Schmerzen
befragt, habe der Versicherte angegeben, er leide seit vier bis fünf Jahren an
dauerhaften Rückenschmerzen und im linken Arm habe er Schmerzen und keine Kraft
mehr. Er fühle sich wirtschaftlich bedroht, finde keinen Weg mehr für sich und stelle
sich damit selbst in Frage. Er stehe gegen 6.00 Uhr auf. Seit zwei Wochen besuche er
die psychiatrische Tagesklinik in L._ (montags den ganzen Tag, sonst halbtags; der
Aufenthalt sei bis zum 2. Mai 2017 geplant). Am Nachmittag unterhalte er sich mit der
Tochter oder schaue Fernsehen. Das Nachtessen nehme man gemeinsam ein. Am
Abend sitze man zusammen und rede. In Bezug auf den Psychostatus hielt Prof. K._
fest (IV-act. 86-49 ff.), der Versicherte habe schambesetzt gewirkt und die Befragung
sei ihm sichtlich unangenehm gewesen. Seine Mitwirkung sei dennoch tadellos
gewesen. Eine Bewusstseinsstörung habe nicht vorgelegen. Das Langzeitgedächtnis
sei intakt gewesen. Im zeitlichen Verlauf der ca. vierstündigen bidisziplinären
Untersuchung sei es zu einem Abfall der kognitiven Parameter gekommen. Der formale
Gedankengang sei im Tempo leicht verzögert gewesen. In Kohärenz und Stringenz sei
das Denken auf die schwierige Situation eingeengt gewesen. Der Versicherte sei nur
mässig spürbar gewesen. Die Grundstimmung sei zum negativen Pol verschoben und
die Schwingungsfähigkeit sei deutlich verflacht gewesen. Die Freudfähigkeit und die
Interessen seien deutlich eingeschränkt, die Psychomotorik sei verlangsamt, der
Antrieb sei reduziert und das Selbstwertempfinden sei deutlich reduziert gewesen. Eine
Selbstlimitierung habe nicht bestanden. Hinweise auf eine
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Persönlichkeitsakzentuierung oder -störung hätten sich nicht gefunden. In der
zusammenfassenden Beurteilung gab Prof. K._ an (IV-act. 86-55 ff.), Hinweise auf
Verdeutlichungen, Aggravation oder Simulation hätten sich nicht ergeben. Ab ca. 2008
hätten sich beim Versicherten eine Angst/Panikstörung und eine rezidivierend
depressive Störung entwickelt, die sich zwischenzeitlich unter wiederholten
psychosozialen Belastungen chronifiziert hätten. Die Ressourcenlage habe sich im
Verlauf allmählich verschlechtert. Dabei hätten auch sogenannte IV-fremde Gründe
eine Rolle gespielt. Zum einen hätten Probleme im Zusammenhang mit Ausbildung und
Beruf bestanden. Der Versicherte sei seit längerer Zeit arbeitslos. Zu seiner
psychischen Verfassung hätten jedoch vor allem soziokulturelle Werteorientierungen
beigetragen. Die rezidivierende Depression werde deutlich von der Einstellung des
Versicherten unterhalten, dass er die Familie als Mann zu ernähren habe und seine
Arbeitslosigkeit menschliche Wertlosigkeit bedeute, was in ihm Selbstzweifel,
Minderung des Selbstwertgefühls und der Selbstwirksamkeitserwartung hervorgerufen
habe. Diese Symptome unterhielten die inzwischen chronifizierte Depression und seien
der dominierende Bestandteil der depressiven Störung. In der Untersuchung sei ein
weiterhin mittelgradig bis grenzwertig schwer depressiver Versicherter angetroffen
worden. Es liege eine dokumentierte rezidivierende depressive Störung mit einem
somatischen Syndrom mit Beginn 2008 vor (ICD-10 F33.11). Die Störung bestehe nicht
in Abhängigkeit der Schmerzverarbeitungsstörung. Die Panikstörung sei unter
medikamentöser Therapie aktuell remittiert (ICD-10 F41.0). Die
Schmerzverarbeitungsstörung könne bestätigt werden. Beim Nachweis einer
Ulnarisläsion links im Sulcusbereich sei von einer chronischen Schmerzstörung mit
psychischen und somatischen Faktoren auszugehen (ICD-10 F45.41). Des Weiteren
lägen psychosoziale Belastungsfaktoren vor. Eine krankheitsbedingte Unfähigkeit zur
Therapieadhärenz liege nicht vor. Die Ergebnisse der Laboruntersuchung liessen
Zweifel an der dauerhaften Medikamentencompliance aufkommen. Beim Versicherten
liege ein IV-relevanter Gesundheitsschaden vor. Aufgrund der rezidivierenden
depressiven Störung bestünden folgende Fähigkeitsstörungen: Mittelgradige
Einschränkung der Belastbarkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Flexibilität und der
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit; Einschränkung der Kontaktfähigkeit und der
Selbstbehauptungsfähigkeit. In Bezug auf die Standardindikatoren erklärte Prof. K._
(IV-act. 86-60), die Teilnahme am sozialen Leben sei vorwiegend durch die Depression
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und nicht durch die Schmerzstörung reduziert. Die Schmerzstörung erfahre jedoch
durch die komorbide (bereits zuvor bestehende) Angst/Panikstörung und die
rezidivierende depressive Störung eine Verstärkung. Bereits im Jahr 2015 sei eine
Kinesiophobie erwähnt worden. Zusammenfassend seien die Standardindikatoren
"mehrheitlich nicht erfüllt". Es könne davon ausgegangen werden, dass dem
Versicherten die Überwindbarkeit der Schmerzen zumutbar sei. Im Weiteren führte er
aus, der Versicherte sei aufgrund der genannten Fähigkeitsstörungen in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit und in adaptierten Tätigkeiten zu 50-60% arbeitsunfähig. Hiervon
zu substrahieren seien die sogenannten IV-fremden Faktoren. Da diese Faktoren im IV-
Recht eine wichtige Rolle spielten, im bio-psycho-sozialen Krankheitskonzept eines
Mediziners jedoch unvermeidbare Kontextfaktoren darstellten, sei es die Aufgabe des
Rechtsanwenders, die Grössenordnung dieser Faktoren auf die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten festzulegen. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung gelte seit dem
psychosomatischen Aufenthalt in den Kliniken Z._ im März 2015. Er empfehle eine
weiterhin leitliniengerechte Behandlung der psychischen Störungsbilder; eine
Verwertung der Restarbeitsfähigkeit würde zur Selbstwertfindung des Versicherten
beitragen. Der orthopädische Gutachter Dr. med. M._ gab an (orthopädisch-
traumatologisches Teilgutachten vom 21. April 2017, IV-act. 86-74), der Versicherte
habe über eine belastungsabhängige exazerbierte lumbospondylogene
Schmerzsymptomatik sowie eine anhaltende Gefühlsstörung im Innervationsgebiet des
linksseitigen N. ulnaris geklagt. Im Bereich der LWS habe er eine Schmerzintensität mit
einem Punktwert von VAS 10 angegeben. Auf den Hinweis, wonach dieser Wert einer
akuten Amputationsverletzung gleichzusetzen sei, habe er darauf beharrt, gegenwärtig
eine Schmerzintensität von VAS 10 zu verspüren. Dr. M._ erklärte (IV-act. 86-108 f.),
nach einem eingehenden Studium der Aktenlage und der Bildgebung sowie
insbesondere anhand der klinischen Untersuchungsbefunde gehe er mit den
Untersuchungsbefunden und den hieraus abgeleiteten diagnostischen Feststellungen
sowie der versicherungsmedizinischen Einschätzung der kurativen Kollegen aus dem
Spital E._ und den Z._ einig. Der Versicherte habe sich gemäss seinen Angaben
seit dem Aufenthalt in den Z._ nicht mehr bei einem Orthopäden, Rheumatologen
oder Chirurgen vorgestellt. Physio-, ergo- oder balneotherapeutische Massnahmen
führe er seit einigen Monaten nicht mehr durch. Er habe jedoch angegeben,
regelmässig zu Hause die ihm vermittelten Übungen zur Stärkung der
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Rumpfmuskulatur durchzuführen. Die subjektive Selbsteinschätzung sowie die vom
Versicherten genannte aktuelle Schmerzintensität von VAS 10 im Bereich der LWS
könne mit den klinischen und radiologischen Untersuchungsbefunden sowie dem
spontanen Verhalten im Rahmen der Begutachtung nicht in Einklang gebracht werden.
Nach einer retrospektiven Betrachtung der Aktenlage, der Bildgebung und
insbesondere der klinischen Untersuchungsbefunde könne für die vom Versicherten im
Bereich der LWS beklagten Beschwerden weder klinisch noch radiologisch ein
adäquates anatomisch-morphologisches Korrelat objektiviert werden. In den einzelnen
durchgeführten Testverfahren habe sich eine durchgehende Konsistenz der
Untersuchungsbefunde ohne massgebliche Bewegungseinschränkung der einzelnen
Gelenke und der Wirbelsäule ergeben. Hinsichtlich der linken Hand habe der
Versicherte eine verbliebene Hypästhesie im Bereich des linken Klein- und Ringfingers
beklagt. Ein Bewegungsdefizit oder eine Minderung der Muskulatur im
Innervationsgebiet des linken N. ulnaris habe sich indessen nicht gezeigt. Aus
orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht hätten seit der Antragstellung und
anhaltend zu keinem Zeitpunkt gesicherte orthopädisch-chirurgische Störungsbilder
mit handicapierenden Auswirkungen vorgelegen, welche die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten in zuletzt ausgeübter Tätigkeit sowie in adaptierten Tätigkeiten um mehr
als 20% einschränken würden. Gründe, die gegen eine Wiedereingliederung sprächen,
lägen nicht vor. In der bisidziplinären Zusammenfassung der Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 86-3) gaben Prof. K._ und Dr. M._ die in den beiden Teilgutachten
festgehaltenen Arbeitsfähigkeitsschätzungen wieder und hielten fest, die psychiatrische
Arbeitsfähigkeitsschätzung sei führend.
Die RAD-Ärztin Dr. H._ notierte am 24. Mai 2017 im Wesentlichen (IV-act. 87),
Prof. K._ habe nachvollziehbar die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung gestellt und begründet, sodass diese als eigenständige Einheit, unabhängig
von den Entstehungsbedingungen vorliegend, zu betrachten sei.
A.f.
Am 7. September 2017 erteilte die IV-Stelle dem Versicherten eine
Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung bei der N._ vom 11. September 2017
bis 10. Dezember 2017 (IV-act. 102), um ihn beim Wiedereinstieg in den ersten
Arbeitsmarkt zu unterstützen (IV-act. 100). Gemäss dem Schlussbericht der N._ vom
8. Dezember 2017 (IV-act. 126) betrug das Arbeitspensum des Versicherten 50% bei
A.g.
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einer Arbeitsleistung von ca. 40%. Der Versicherte wies praktisch keine Absenzen auf.
Aufgrund der gesundheitlichen Situation wirkte er schnell gereizt und hatte keine
Geduld. Die Leistungsfähigkeit konnte nicht gesteigert werden, eher hatte sich die
gesundheitliche Situation verschlechtert. Eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt
wurde nicht gesehen. Am 29. Dezember 2017 teilte die IV-Stelle mit (IV-act. 129), die
beruflichen Eingliederungsmassnahmen würden abgeschlossen.
Dr. B._ berichtete am 12. Februar 2018 (IV-act. 134), der Gesundheitszustand
des Versicherten habe sich seit Mai 2017 mit mehreren Panikattacken verschlechtert.
Im Dezember habe er an zunehmenden Kopfschmerzen, Schwindel, Tinnitus,
depressiver Verstimmung, Schweissausbrüchen, Nervosität, Tremor, Angst, innerer
Unruhe, Müdigkeit und Hypersomnie (er habe nach der Arbeit zwei bis drei Stunden
geschlafen) gelitten. Aktuell bestünden eine deutlich depressive Stimmungslage, eine
Müdigkeit, ein sehr reduzierter Antrieb und eine sehr reduzierte Gestik und Mimik. Der
Versicherte sei nicht schwingungsfähig, fühle sich lustlos, freudlos, sei wenig belastbar
und reagiere mit Schmerzen. Er möchte unbedingt wieder arbeiten. Ihres Erachtens
wäre dies nur in einem geschützten Rahmen zu maximal 50% möglich. Der Versicherte
sei wenig belastbar und reagiere auf kleine Belastungen mit einer Verschlechterung der
depressiven Symptome und mit Schmerzen. Falls sich sein Zustand nicht verbessere,
werde eine stationäre Behandlung erfolgen. Die RAD-Ärztin Dr. H._ notierte am
19. März 2018 (IV-act. 142), eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung sei erforderlich.
A.h.
Am 7. Juni 2018 wurde der Versicherte von Prof. K._ psychiatrisch untersucht. Im
Gutachten vom 21. Juni 2018 gab Prof. K._ an, er habe folgende Diagnosen mit/ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit erhoben (IV-act. 148-77): Rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, beginnend
chronifiziert (ICD-10 F33.11) mit/bei chronischer Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), Angst/Panikstörung (ICD-10 F41.0) und
multiplen psychosozialen Faktoren: Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und
Arbeitslosigkeit (ICD-10 Z56), Probleme in Verbindung mit Ausbildung und Bildung
(ICD-10 Z55), Anpassungsprobleme bei veränderten Lebensumständen (Krankheit der
Ehefrau, ICD-10 Z60.0) sowie vor allem Schwierigkeiten bei der kulturellen
Eingewöhnung (überdauernde südosteuropäische Wertevorstellungen, unzureichende
Kenntnisse der deutschen Sprache, unzureichende gesellschaftliche Assimilation mit
A.i.
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der schweizerischen Bevölkerung). Prof. K._ führte aus (IV-act. 148-54 ff.), der
Versicherte habe berichtet, bis auf eine Wut sei er ohne jegliche Gefühle. Er habe eine
starke Wut auf die Ärzte, die ihn krank operiert hätten. Er habe eine Wut, dass er nicht
mehr arbeiten könne. Diese Wut richte sich nun nach innen und er werde dann
depressiv. Seit dem letzten Jahr sei "alles schlimmer geworden". Er habe weiterhin
keine Arbeit. Er habe keine Lust mehr zu leben und keine Freude mehr am Leben. Er
habe kein Lebensziel mehr. Er habe zahlreiche körperliche Probleme. Auch sehe er
nicht mehr richtig. Neu hinzugetreten seien Probleme mit dem Bauch. Er fühle sich
wertlos und begegne anderen Menschen voller Scham. Er wolle allein sein. Er habe
sich über die Arbeit und den wirtschaftlichen Erfolg definiert. Nun fühle er sich als
Versager. Er sei gegenüber anderen Menschen sehr impulsiv und aggressiv geworden.
Eigentlich sei er nicht so. Die Schmerzen im Arm und im lumbalen Rücken würden
ansteigen, wenn er sehr wütend sei. Er sei am Ende seiner Kräfte, er könne nicht mehr
arbeiten. Die berufliche Wiedereingliederung sei wegen den psychischen Problemen
gescheitert. Er habe es versucht und erkannt, dass er nicht mehr zur Arbeit tauge. Er
habe keine Ressourcen mehr. Am Morgen stehe er gegen 7.00 Uhr auf und trinke einen
Kaffee. Am Vormittag schaue er Fernsehen. Um 12.00 Uhr komme die Tochter aus der
Schule. Die Ehefrau koche das Mittagessen, welches man gemeinsam einnehme. Er
helfe beim Aufräumen der Küche. Die Ehefrau beginne um 14.00 Uhr zu arbeiten. Er
schaue wieder Fernsehen. Zum Nachtessen mache er für die Familie etwas Einfaches.
Am Abend gehe er mit der Tochter ca. 30 bis 60 Minuten spazieren. Hernach schaue er
wieder Fernsehen. Zum Schlafen müsse er Temesta einnehmen. Einmal pro Monat
gehe er zu Dr. B._. Wenn es ihm schlechter gehe, telefoniere er auch mit ihr.
Prof. K._ hielt fest (IV-act. 148-69), der Versicherte habe immer wieder betont, dass
man ihn "kaputtoperiert" habe. Er sehe sich als Opfer der Ärzte. Es hätten sich
Hinweise auf Verdeutlichungen, jedoch nicht auf eine Aggravation oder Simulation
ergeben. Der Versicherte verharre in einer soziokulturell geprägten passiv-regressiven
Opferhaltung. In Bezug auf den Psychostatus erklärte Prof. K._ insbesondere (IV-
act. 148-73), klinisch hätten sich keine Hinweise auf eine prämorbide
Persönlichkeitsakzentuierung oder -störung gefunden. Dennoch seien die Ich-
Strukturen aufgeweicht gewesen, wobei durch die Erkrankung, den Verlust der Arbeit
und die subjektive berufliche Perspektivlosigkeit eine deutliche Selbstwertproblematik
des Versicherten bei einem narzisstischen Kränkungserleben im Vordergrund
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gestanden sei. Dies sei dadurch hervorgerufen worden, dass sich der Versicherte
einerseits über die Arbeit und den wirtschaftlichen Erfolg als Mensch und andererseits
durch die südosteuropäische Wertevorstellung definiere. Der Versicherte habe sich
stark in die Kranken- und Opferrolle zurückgezogen. Der Verlust der Rolle des
Ernährers habe zum Einbruch seines Selbstwerts geführt. Diese Rollenkonflikte hätten
innerpsychisch einen depressiven Affekt mit aversiven Verbitterungsgefühlen
verursacht. Die Impulssteuerung sei auch betroffen gewesen. Er externalisiere zum Teil,
indem er die Ärzte anklage. Das Scheitern zahlreicher
Wiedereingliederungsbemühungen und das Fehlen einer beruflichen
Zukunftsperspektive hätten inzwischen eine Hoffnungslosigkeit in ihm bewirkt und die
Depressivität unterhalten. Die Selbstwahrnehmung sei abwertend und die
Fremdwahrnehmung anklagend gewesen. Die Realitätsbeurteilung werde aus starken,
überkommenen südosteuropäischen Wertevorstellungen gespiesen, ohne welche die
Selbstwertproblematik mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in dem Ausprägungsgrad
vorhanden und damit die Depressivität nicht in dieser Stärke ausgeprägt gewesen
wäre. Im Vergleich zur Voruntersuchung im 2017 habe der Versicherte eine
zunehmende Hoffnungslosigkeit angegeben bei einer Minderung der
Selbstwirksamkeitserwartung und einer reaktiven Fixierung der depressiven Affektlage.
Der Versicherte habe passive Todeswünsche im Rahmen seines soziokulturell
verstärkten Insuffizienzerlebens geäussert. Gesamthaft sei das psychiatrische
Störungsbild im Verlauf leichtgradig verschlechtert gewesen, habe jedoch nicht den
Schweregrad einer schweren depressiven Störung erreicht. Unverändert hätten eine
Angst/Panikstörung (ICD-10 F41.0) und eine chronische Schmerzstörung mit
psychischen und somatischen Faktoren (ICD-10 F45.41) bestanden. In der
zusammenfassenden Beurteilung hielt Prof. K._ unter anderem fest (IV-
act. 148-78 ff.), die Gesamtressourcenlage des Versicherten sei sehr begrenzt. Die
psychodynamische Lösung des Zustands bedinge einen zunehmenden Rückzug des
Versicherten in die Kranken- und Opferrolle, die ihm eine gewisse Gesichtswahrung
ermögliche. Aus gutachterlicher Sicht sei davon auszugehen, dass das vorliegende
Störungsbild in einem erheblichen Mass durch die geschilderten soziokulturellen und
mit dem Störungsbild negativ interferierenden psychosozialen Faktoren nicht nur
unterhalten werde, sondern sogar eine Verstärkung erfahre. Auch das Copingverhalten
des Versicherten werde dadurch in einem erheblichen Mass geprägt. Ohne die
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beschriebenen südosteuropäisch soziokulturell geprägten Wertevorstellungen und die
psychosozialen Belastungsfaktoren würde das psychopathologische Bild mit hoher
Wahrscheinlichkeit nicht oder nur in einem wesentlich schwächeren Ausprägungsgrad
bestehen. Trotz der anhaltenden psychiatrischen Behandlung sei es zu keiner
nachhaltigen Verbesserung des psychiatrischen Störungsbilds gekommen. Dies sei
den vorgenannten psychodynamischen Hintergründen geschuldet, die durch
medikamentöse Massnahmen nur allfällig geringfügig beeinflussbar seien. Beim
Versicherten bestünden aufgrund der rezidivierenden depressiven Störung,
gegenwärtig mittelgradig bis grenzwertig schwer, folgende handicapierende
Fähigkeitsstörungen: Mittelgradig bis beginnend schwere Einschränkung der
Belastbarkeit, der Durchhaltefähigkeit, der Flexibilität und der Entscheidungs- und
Urteilsfähigkeit. Die Kontakt- und die Selbstbehauptungsfähigkeit seien ebenfalls
eingeschränkt. Hingegen würden die Angst/Panikstörung und die chronische
Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Faktoren zu keiner objektivierbaren
Einschränkung der mittel- und langfristigen Arbeitsfähigkeit führen. Allerdings könnten
sich dadurch kurzfristige Arbeitsausfälle oder eine vorübergehende leichte
Arbeitstempoverlangsamung ergeben. Aufgrund der mittelgradig depressiven
Symptomatik sei die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in der zuletzt ausgeübten und in
adaptierten Tätigkeiten bei einer Verminderung der Belastbarkeit und der
Durchhaltefähigkeit aus rein medizinischer Sicht ab der Antragstellung bis Anfang Mai
2017 zu 50-60% eingeschränkt gewesen. Seit ca. Mai 2017 sei eine leichtgradige
Verschlechterung eingetreten, die noch eine 40%ige Arbeitsfähigkeit in der zuletzt
ausgeübten und in adaptierten Tätigkeiten ermögliche. Das psychopathologische
Störungsbild werde jedoch von multiplen psychosozialen und soziokulturellen Faktoren
dominiert. Ohne die beschriebenen südosteuropäisch soziokulturell geprägten
Wertevorstellungen und die psychosozialen Belastungsfaktoren würde das
psychopathologische Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht oder nur in wesentlich
schwächerem Ausprägungsgrad bestehen und vermutlich keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit des Versicherten haben.
Die RAD-Ärztin Dr. H._ notierte am 10. Juli 2018 (IV-act. 152), das
Verlaufsgutachten sei ausführlich, in sich schlüssig und nachvollziehbar. Darauf könne
abgestellt werden. Eine interdisziplinäre Fallbesprechung vom 28. August 2018 ergab,
A.j.
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dass eine Indikatorenprüfung aus IV-rechtlicher Sicht durchzuführen sei (IV-act. 153).
Ein Mitarbeitender des Rechtsdienstes der IV-Stelle notierte am 3. September 2018 im
Wesentlichen (IV-act. 156), aus somatischer Sicht vermöge die Attestierung einer
20%igen Arbeitsunfähigkeit nicht zu überzeugen, da kein organisches Korrelat
bestehe, mit dem die angegebenen Beschwerden hinreichend zu erklären wären.
Mangels relevanter organischer Befunde lasse sich keine quantitative Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit begründen. Zu beurteilen blieben die funktionellen Auswirkungen
der psychischen Erkrankung. Die Akten liessen deutlich erkennen, dass sich die
psychische Störung im Zusammenhang mit den somatischen Problemen entwickelt
habe und dass eine starke subjektive Krankheitsüberzeugung im Vordergrund stehe.
Zudem wirkten sich psychosoziale Faktoren wie Arbeitslosigkeit, fehlende
Berufsausbildung, Niederlage im Prozess gegen das Spital, schlechte
Deutschkenntnisse, kulturelle Anpassungsprobleme, fehlende Integration, Krankheit
der Ehefrau und als soziokultureller Aspekt südosteuropäische Wertevorstellungen
negativ auf den Gesundheitszustand des Versicherten aus. Der psychiatrische
Gutachter habe dargelegt, ohne die beschriebenen südosteuropäischen
Wertevorstellungen und die psychosozialen Belastungsfaktoren würde das
psychopathologische Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht oder nur in wesentlich
schwächerem Ausprägungsgrad bestehen. In Anbetracht dessen könne das
psychische Leiden – losgelöst von den invaliditätsfremden psychosozialen Faktoren –
nicht als schwer qualifiziert werden. Gegen eine Behandlungsresistenz und einen
erheblichen Leidensdruck sprächen die niedrige Frequenz der ambulanten Behandlung
und der Umstand, dass sich der Versicherte im März 2015 nicht auf eine stationäre
Behandlung in der Klinik C._ eingelassen habe. Auch wenn die Prognose aufgrund
des chronischen Verlaufs und der aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
unbeachtlichen subjektiven Krankheitsüberzeugung als ungünstig zu bezeichnen sei,
könne unter den genannten Umständen nicht von einem definitiven Scheitern der
psychiatrischen Behandlung gesprochen werden. Bezüglich Eingliederung sei
festzuhalten, dass der Versicherte im Rahmen der beruflichen Abklärung vom
11. September 2017 bis 10. Dezember 2017 eine von den gesundheitlichen Problemen
beeinflusste niedrige Arbeitsleistung gezeigt habe. Beim Indikator "Komorbidität" sei zu
beachten, dass sich aus den psychiatrischen Expertisen keine Hinweise darauf
ergäben, dass die Wirkung der im Vordergrund stehenden depressiven Störung durch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/27
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das Zusammenwirken mit der chronischen Schmerzstörung und der Angst/
Panikstörung besonders akzentuiert würde. Die körperlichen Beeinträchtigungen
wirkten sich aus somatischer Sicht zwar qualitativ aus, schränkten die Arbeitsfähigkeit
aber nicht ein und hätten somit keine ressourcenhemmende Wirkung. Im Komplex
"Persönlichkeit" seien keine einschränkenden Faktoren ersichtlich. Der soziale Kontext
zeige einen Versicherten, der mit seiner Ehefrau und den drei Kindern zusammenlebe.
Der Versicherte pflege gute Beziehungen zu seinen am selben Wohnort lebenden drei
Geschwistern und er habe auch Freunde und Kollegen erwähnt. Im Haushalt
unterstütze er seine Ehefrau nur wenig und als einzige Aktivität habe er angegeben,
abends mit einer Tochter spazieren zu gehen. Insofern ergäben sich aus dem sozialen
Kontext keine negativen, sondern aufgrund des guten sozialen Netzwerks tendenziell
eher positive Auswirkungen auf das Ressourcenpotential. Hinsichtlich der "Konsistenz"
falle eine erhebliche Verdeutlichung auf, indem der Versicherte bei der orthopädischen
Begutachtung angegeben habe, im Bereich der LWS eine anhaltende
Schmerzintensität von VAS 10 zu verspüren, ohne dass hierzu ein adäquates Korrelat
bestanden habe. In Diskrepanz zur subjektiven Schmerzwahrnehmung stehe, dass der
Versicherte nach eigenen Angaben seit einigen Monaten die von den somatischen
Fachärzten zur Linderung der Beschwerden empfohlenen therapeutischen
Massnahmen (Physio- und Ergotherapie, Balneotherapie) nicht wahrnehme. Im
Rahmen der ersten Begutachtung habe der psychiatrische Gutachter Zweifel an der
Medikamentencompliance geäussert. Nebst diesen augenfälligen Diskrepanzen und
Inkonsistenzen sei die Tatsache zu berücksichtigen, dass die fehlende Ausschöpfung
der Behandlungsoptionen auf einen nicht allzu grossen Leidensdruck schliessen lasse.
In der Gesamtbetrachtung liege kein stimmiges Grundbild vor, das auf eine
therapeutisch nicht angehbare erhebliche funktionelle Behinderung schliessen lasse.
Damit sei eine ressourcenhemmende Wirkung des insgesamt nicht als schwer zu
qualifizierenden psychischen Leidens, soweit es nicht den geschilderten sozialen
Problemen zuzuschreiben und als Folge der somatischen Leiden aufzufassen sei,
beweismässig nicht hinreichend erstellt. Die Folgen der Beweislosigkeit habe die
versicherte Person zu tragen. Zusammengefasst könne aus den dargelegten Gründen
der gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit von 50-60% (bidisziplinäres Gutachten)
bzw. 60% (psychiatrisches Verlaufsgutachten) aus rechtlicher Sicht nicht gefolgt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/27
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B.
werden. Mangels eines invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Gesundheitsschadens bestehe kein Rentenanspruch.
Mit einem Vorbescheid vom 4. September 2018 kündigte die IV-Stelle dem
Versicherten die Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente an (IV-act. 159). Zur
Begründung gab sie die Ausführungen des Rechtsdienstmitarbeitenden vom Vortag
wieder. Sie führte weiter aus, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Eisenleger habe
der Versicherte ein Jahreseinkommen von Fr. 67'717.-- erzielt. Da kein relevanter
Gesundheitsschaden vorliege, sei das Erwirtschaften eines Jahreseinkommens in
dieser Höhe weiterhin zumutbar. Der Invaliditätsgrad betrage damit 0%. Der
Versicherte erhob dagegen keinen Einwand. Mit einer Verfügung vom 22. Oktober 2018
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 163).
A.k.
Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) erhob am 22. November 2018
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. Oktober 2018 (act. G. 1). Er beantragte
die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente ab dem 1. September 2015. Eventualiter sei die Angelegenheit zur
Vornahme weiterer Abklärungen, insbesondere zur Durchführung eines
polydisziplinären Gutachtens, an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Zur Begründung machte er im Wesentlichen geltend, der
orthopädische Gutachter habe festgestellt, es lägen keine Störungsbilder vor, die eine
Arbeitsunfähigkeit von über 20% nachzuweisen vermöge. Er habe also, wenn auch
etwas vage begründet, eine Arbeitsunfähigkeit von 20% festgestellt. Die
Beschwerdegegnerin habe diesen Umstand erwähnt. Sie wäre gehalten gewesen,
durch eine Rückfrage an den Gutachter die medizinischen Unklarheiten zu beseitigen.
Auffallend sei, dass im psychiatrischen Gutachten wiederholt der grosse Einfluss der
psychosozialen Faktoren auf die Erkrankung betont worden sei. Auch auf einer der
letzten Seite des Verlaufsgutachtens sei nochmals fett markiert festgehalten worden,
dass das psychopathologische Störungsbild von psychosozialen und soziokulturellen
Faktoren dominiert werde. Diese Darstellung und die häufigen Kommentare betreffend
die IV-fremden Faktoren begründeten ernsthafte Zweifel an der Unparteilichkeit von
Prof. K._. Die depressive Störung sei inzwischen chronifiziert und dadurch als
B.a.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/27
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verselbstständigte psychische Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu
betrachten. Er leide an jahrelangen Schmerzen im Bereich der unteren
Lendenwirbelsäule und im linken Unterarm mit einer Kraftminderung und einem Zittern
der linken Hand. Das diagnostizierte lumbosakrale Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie bei muskulärer Dysbalance sei nicht näher erläutert worden. Was die
Beschwerdegegnerin zur Behandlungsresistenz und zum Leidensdruck festgehalten
habe, sei unzutreffend. Er sei immer wieder offen gewesen für Eingliederungs- und
Integrationsmassnahmen. Trotz seiner Kooperation hätten die Arbeitsversuche nach
einer gewissen Zeit abgebrochen werden müssen. Dies habe die Beschwerdegegnerin
ausser Acht gelassen, obwohl eine misslungene Eingliederung für die Prüfung einer
allfälligen Invalidität bedeutsam sein könne. Aus den Akten gehe hervor, dass die
verschiedenen Therapien und stationären Aufenthalte nicht zu einer wesentlichen
Verbesserung des psychischen Gesundheitszustands geführt hätten. Insofern sei von
einer Behandlungsresistenz auszugehen. Unzutreffend sei, dass er sich gewissen
Therapien widersetze. Darüber hinaus lehne das Bundesgericht die Therapierbarkeit
bei Depressionen als entscheidendes Kriterium, ob einer psychischen Beeinträchtigung
invalidisierender Charakter zukomme, ab (BGE 127 V 294, E. 4b.aa). Nur schon aus
psychiatrischer Sicht liege eine Arbeitsunfähigkeit von 60% vor. Beim
Valideneinkommen sei an den zuletzt erzielten und der Nominallohnentwicklung
angepassten Lohn von Fr. 69'259.-- anzuknüpfen. Beim Invalideneinkommen sei auf
den Tabellenlohn, TA 1, Niveau 1, von Fr. 63'744.-- abzustellen. Im Weiteren sei ein
"Leidensabzug" von 20% vorzunehmen. Bei einem Minderverdienst von Fr. 48'861.--
resultiere ein Invaliditätsgrad von 70%. Am 14. Januar 2019 reichte der
Beschwerdeführer eine Beschwerdeergänzung ein (act. G 3). Er hielt an den gestellten
Anträgen fest. Ergänzend brachte er vor, die Beschwerdegegnerin betone angebliche
invaliditätsfremde psychosoziale Faktoren. Ihr Fokus gehe am finalen Charakter der
Invalidenversicherung vorbei. Letztere frage bei der Leistungsprüfung nicht nach Art
und Ursache eines die Erwerbsunfähigkeit verursachenden Gesundheitsschadens.
Selbst eine Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage unter
Umständen auch durch eine soziokulturelle Überforderung verursacht worden sei, falle
in den Geltungsbereich der Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handle sich um ein
verselbstständigtes psychisches Leiden. Die Beschwerdegegnerin versuche unter
Heranziehung des Indikatorenkatalogs Indizien zu konstruieren, welche gegen eine
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langandauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit sprächen.
Aktenwidrig sei die Behauptung, die psychische Störung habe sich im Zusammenhang
mit den somatischen Problemen entwickelt oder gar, dass eine starke subjektive
Krankheitsüberzeugung im Vordergrund stehe. Im Ursprung stehe eine zwischenzeitlich
erfolgreich behandelte Panikstörung. Aktenwidrig sei weiter die Behauptung, die
Frequenz der ambulanten Behandlung sei niedrig. Er erhalte seine Tagesstruktur durch
die psychiatrische Tagesklinik, wo er sich täglich aufhalte (vgl. Ziff. 2.3 des
psychiatrischen Teilgutachtens). Nicht nachvollziehbar sei, weshalb keine Berichte der
Tagesklinik in L._ eingeholt worden seien. Die Gutachter seien davon ausgegangen,
dass eine Behandlung zur Selbstwertfindung beitragen und sich der
Gesundheitszustand allenfalls verbessern könne. Von der Erlangung einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit durch angepasste Therapien sei jedoch nicht die Rede.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. März 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung gab sie im Wesentlichen die Stellungnahme
des Rechtsdienstmitarbeitenden vom 3. September 2018 wieder. Ergänzend machte
sie geltend, soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigten,
blieben sie ausgeklammert (BGE 141 V 281, E. 4.3.3). Der psychiatrische Gutachter
habe in diesem Zusammenhang erläutert, ohne die psychosozialen Belastungsfaktoren
würde das psychopathologische Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht oder nur in
wesentlich schwächerem Ausprägungsgrad bestehen und vermutlich keinen Einfluss
auf die mittel- und langfristige Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers haben. Daraus
sei zu schliessen, dass es sich nicht um ein verselbstständigtes psychisches Leiden
handle. Es sei somit von einer eher geringen Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde und Symptome auszugehen.
B.b.
Der Beschwerdeführer machte in der Replik vom 8. April 2019 im Wesentlichen
ergänzend geltend (act. G 8), allfällige soziokulturelle Faktoren spielten indirekt eine
Rolle, indem sich diese auf das Selbstwertempfinden und die
Selbstwirksamkeitserwartung auswirkten und die Depression unterhalten würden. Dass
er an einer verselbstständigten Erkrankung leide, bestätige nicht nur das psychiatrische
Teilgutachten, sondern gehe auch aus den übrigen psychiatrischen Berichten hervor.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 12. April 2019 auf eine Duplik (act. G 10).B.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/27
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 22. Oktober 2018
einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers bei einem Invaliditätsgrad von 0%
verneint. Strittig ist somit, ob der Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
2.
3.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.1.
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.2.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu im
Jahr 2017 die X._ mit der Erstellung eines bidisziplinären Gutachtens (psychiatrisch
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/27
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und orthopädisch) und im Jahr 2018 Prof. K._ mit der Erstellung eines
psychiatrischen Verlaufsgutachten beauftragt. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist,
ob den beiden Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegt.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass der psychiatrische Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden aufgestellten und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt hat (vgl. BGE 141 V 281; 143
V 409 und 143 V 418).
3.2.
Der orthopädische Sachverständige Dr. M._ hat den Beschwerdeführer im
Rahmen der bidisziplinären Begutachtung vom 21. April 2017 persönlich untersucht
und die subjektiven Klagen aufgenommen. Er hat die objektiven Befunde
wiedergegeben, umfassende Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese gewürdigt.
Insbesondere hat er festgehalten, dass sich in den einzelnen durchgeführten
Testverfahren eine durchgehende Konsistenz der Untersuchungsbefunde ohne eine
massgebliche Bewegungseinschränkung der einzelnen Gelenke und der Wirbelsäule
ergeben habe. Der Beschwerdeführer hat also ein konsistentes Verhalten gezeigt (vgl.
als anschauliches Beispiel IV-act. 86-88, wonach Dr. M._ dem Beschwerdeführer im
Rahmen der Untersuchung der Halswirbelsäule die rechte Hand ohne eine zusätzliche
Gewichtsausübung auf den Kopf gelegt und ihn gebeten hat, nochmals eine beidseitige
Kopfrotation sowie eine Kopfvor- und -rückneigung durchzuführen; auf die Nachfrage,
ob diese zusätzliche axiale Gewichtsbelastung von ca. drei Kilogramm zu einer
zusätzlichen Schmerzzunahme geführt habe, ist dies seitens des Beschwerdeführers
verneint worden; dieser sogenannte Waddell'sche Stauchungstest ist also regelrecht
ausgefallen und hat nicht auf eine bewusstseinsnahe Verdeutlichungstendenz
hingewiesen). Die einzige Auffälligkeit ist die Angabe des Beschwerdeführers
betreffend eine Schmerzintensität von VAS 10 im Bereich der Lendenwirbelsäule
gewesen. Dr. M._ hat dazu festgehalten, diese Angabe sowie die subjektive
Selbsteinschätzung könnten mit den klinischen und radiologischen
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/27
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Untersuchungsbefunden sowie dem spontanen Verhalten des Beschwerdeführers im
Rahmen der Begutachtung nicht in Einklang gebracht werden. Er ist zum Ergebnis
gelangt, dass für die vom Beschwerdeführer im Bereich der LWS beklagten
Beschwerden weder klinisch noch radiologisch ein adäquates anatomisch-
morphologisches Korrelat objektiviert werden könne. Gestützt darauf hat er als
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches lumbosakrales
Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie bei einer muskulären Dysbalance genannt. Er
hat die Angaben des Beschwerdeführers somit nicht als Inkonsistenz gewertet,
sondern in die Diagnosestellung einbezogen. In Bezug auf die vom Beschwerdeführer
beklagten Beschwerden am linken Arm hat Dr. M._ festgehalten, ein
Bewegungsdefizit oder eine Minderung der Muskulatur im Innervationsgebiet des
linken N. ulnaris habe sich nicht gezeigt. Er hat eine diskrete Hypästhesie im Bereich
des linken Klein- und Ringfingers nach einer operativen Verlagerung des N. ulnaris im
Bereich des Sulcus im Jahr 2014 ohne Bewegungseinschränkungen diagnostiziert. Die
Erhebung der Befunde und die gestützt darauf gestellten Diagnosen sind schlüssig und
nachvollziehbar. In Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist festzuhalten, dass
diese unklar ausgefallen ist: Die Angabe, aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer
Sicht hätten seit der Antragstellung und anhaltend zu keinem Zeitpunkt gesicherte
orthopädisch-chirurgische Störungsbilder mit handicapierenden Auswirkungen
vorgelegen, welche die Arbeitsfähigkeit des Versicherten in zuletzt ausgeübter Tätigkeit
sowie in adaptierten Tätigkeiten um mehr als 20% einschränkten, beinhaltet sowohl in
sich (keine Störungsbilder mit handicapierenden Auswirkungen) als auch angesichts
der gestellten Diagnosen (Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) einen
Widerspruch. Diese Angabe beruht möglicherweise auf einem Irrtum von Dr. M._,
wonach nur eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20%
invalidenversicherungsrechtlich relevant sei, da bei der Einholung von
Hausarztberichten jeweils danach gefragt wird, ob eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als
20% vorliege. Dies wiederum lässt sich nur damit erklären, dass für einen
Umschulungsanspruch ein Invaliditätsgrad von circa 20% vorliegen muss. In einem
Verfahren betreffend einen Rentenanspruch kommt einem "Grenzwert" einer 20%igen
Arbeitsunfähigkeit aber keine Bedeutung zu. Deshalb ist davon auszugehen, dass
Dr. M._ nur gemeint haben kann, die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers
betrage weniger als 20%, nämlich 0%.
3.4.
Der psychiatrische Gutachter Prof. K._ hat den Beschwerdeführer im Rahmen
der bidisziplinären Begutachtung vom 21. April 2017 und der psychiatrischen
3.4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/27
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Verlaufsbegutachtung vom 7. Juni 2018 ebenfalls persönlich untersucht, die
subjektiven Klagen aufgenommen und die objektiven Befunde wiedergegeben. Von
den Vorakten hat er umfassende Kenntnis gehabt. Er hat diese allerdings nicht explizit
gewürdigt, sondern lediglich zitiert (IV-act. 86-56 f., 148-74 ff.). Im psychiatrischen
Teilgutachten vom 25. April 2017 hat Prof. K._ insbesondere aufgezeigt, dass er
mehrere Symptome einer mittelgradigen bis grenzwertig schweren depressiven
Episode hat feststellen können. So hat er erklärt, der Beschwerdeführer sei nur mässig
spürbar gewesen, die Grundstimmung sei zum negativen Pol verschoben und die
Schwingungsfähigkeit sei deutlich verflacht gewesen. Die Freudfähigkeit und die
Interessen seien deutlich eingeschränkt, die Psychomotorik sei verlangsamt, der
Antrieb sei reduziert und das Selbstwertempfinden sei deutlich reduziert gewesen. Des
Weiteren hat Prof. K._ das Bestehen einer Schmerzverarbeitungsstörung bestätigt
und er hat erklärt, dass die Panikattacken unter der medikamentösen Therapie aktuell
remittiert seien. Schliesslich hat er das Bestehen von psychosozialen
Belastungsfaktoren (längere Arbeitslosigkeit, Krankheit der Ehefrau) sowie von
soziokulturellen Werteorientierungen (Einstellung des Beschwerdeführers, dass er als
Mann die Familie zu ernähren habe und dass die Arbeitslosigkeit menschliche
Wertlosigkeit bedeute, was in ihm Selbstzweifel, Minderung des Selbstwertgefühls und
der Selbstwirksamkeitserwartung hervorgerufen habe) festgestellt und angegeben,
diese würden die inzwischen chronifizierte Depression unterhalten und seien der
dominierende Bestandteil der depressiven Störung. Im Verlaufsgutachten vom 21. Juni
2018 hat Prof. K._ insbesondere erklärt, dass sich das psychiatrische Störungsbild
leichtgradig verschlechtert habe. Der Rückzug des Beschwerdeführers in die Kranken-
und Opferrolle ermögliche ihm eine gewisse Gesichtswahrung. Wie bereits im ersten
Gutachten hat Prof. K._ dargelegt, dass das vorliegende Störungsbild in einem
erheblichen Masse durch die soziokulturellen und psychosozialen Faktoren unterhalten
werde bzw. sogar eine Verstärkung erfahre. Ohne die südosteuropäisch soziokulturell
geprägten Wertevorstellungen und die psychosozialen Belastungsfaktoren würde das
psychopathologische Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht oder nur in einem
wesentlich schwächeren Ausprägungsgrad bestehen. Die Erhebung der Befunde und
die gestützt darauf gestellten Diagnosen in den beiden Gutachten sind ebenfalls
nachvollziehbar und schlüssig. Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen einer
Überprüfung der Standardindikatoren und unter Bezugnahme auf die oben erwähnten
Angaben von Prof. K._ geltend gemacht, das psychische Leiden könne – losgelöst
von den invaliditätsfremden psychosozialen Faktoren – nicht als schwer qualifiziert
werden. Sie hat damit implizit die Diagnosestellung von Prof. K._ angezweifelt und
aus rechtlicher Sicht eine Diagnose gestellt, dass nämlich höchstens eine leichtgradige
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depressive Episode vorliege. Diese Argumentation ist offensichtlich unhaltbar, weil das
Stellen einer Diagnose eine ausschliesslich medizinische Aufgabe und folglich dem
medizinischen Sachverständigen zu überlassen ist. Damit ist mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt
der beiden Begutachtungen durch Prof. K._ an den in den Gutachten angegebenen
psychiatrischen Erkrankungen gelitten hat.
Zu prüfen bleibt die Überzeugungskraft der Arbeitsfähigkeitsschätzung, also die
Frage, ob sich Prof. K._ ausreichend mit den Standardindikatoren
auseinandergesetzt hat und ob diese ein schlüssiges Gesamtbild in Bezug auf das
funktionelle Leistungsvermögen des Beschwerdeführers ergeben haben (vgl. BGE 145
V 363, E. 3.2.2). Die Standardindikatoren dienen dazu, dass sich ein Sachverständiger
auch mit Aspekten des medizinischen Sachverhalts befasst, die für die Beantwortung
der rein medizinischen Frage nach der richtigen Diagnose möglicherweise irrelevant, für
die Beantwortung der versicherungsmedizinischen Frage nach der Arbeitsfähigkeit
aber notwendig sind. Sie bilden für den medizinischen Sachverständigen also ein
Arbeitsinstrument, um den medizinischen Sachverhalt so zu ermitteln, dass er die
bestmögliche Grundlage zur Anwendung der (rechtlichen) Arbeitsunfähigkeitsdefinition
bildet. Prof. K._ hat sich in den beiden Gutachten ausführlich zur Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde und Symptome geäussert. Insbesondere hat er klar
aufgezeigt, dass die psychosozialen Belastungsfaktoren und soziokulturellen
Wertevorstellungen die verbliebene Arbeitsfähigkeit nicht direkt beeinflussen, sondern
das psychopathologische Störungsbild massgeblich mitprägen (näheres in E. 3.4.3).
Des Weiteren hat er eine Aggravation und eine Simulation ausschliessen können. Im
Verlaufsgutachten hat er allerdings – im Unterschied zum ersten Gutachten – über
Hinweise auf Verdeutlichungen berichtet (der Versicherte sehe sich als Opfer der Ärzte,
IV-act. 148-69), ohne dies im Rahmen der Ausführungen zur Konsistenz nochmals
aufzugreifen (vgl. IV-act. 148-80). Die Konsistenzprüfung ist mit der einzigen Aussage,
es hätten sich keine Hinweise auf Aggravation oder Simulation ergeben, rudimentär
ausgefallen (vgl. IV-act. 86-57, 148-80). Hier wären beispielsweise Bezüge zum
Aktivitätsniveau im Alltag des Beschwerdeführers herzustellen gewesen. In diesem
Zusammenhang ist ausserdem festzustellen, dass die Schilderungen zum Tagesablauf
eher kurz ausgefallen sind; über Kontakte ausserhalb des engsten Familienkreises (sei
es, dass solche stattfinden oder gerade nicht) und über allfällige ausserhäusliche
Aktivitäten (z.B. das Erledigen von Einkäufen) ist beispielsweise nicht berichtet worden.
Angaben zu den Ressourcen fehlen in den beiden Gutachten beinahe gänzlich (vgl. IV-
act. 86-58, 148-80 f.). Des Weiteren hat sich Prof. K._ äusserst knapp zu den
3.4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/27
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bisherigen Behandlungsmassnahmen geäussert (vgl. IV-act. 86-58 f., 148-80), diese
aber offenbar als leitliniengerecht qualifiziert (vgl. IV-act. 86-63). Als Zwischenergebnis
ist festzuhalten, dass sich Prof. K._ nicht ausreichend zu den Standardindikatoren
geäussert hat; namentlich fehlen vertiefende Angaben zur Konsistenz und zu den
Ressourcen. Prof. K._ hat die von ihm attestierte 50-60%ige (erstes Gutachten) bzw.
60%ige Arbeitsunfähigkeit (Verlaufsgutachten) mit dem Bestehen von
handicapierenden Fähigkeitsstörungen (Einschränkungen der Belastbarkeit, der
Durchhaltefähigkeit, der Flexibilität, etc.) begründet. Für eine überzeugende
Arbeitsfähigkeitsschätzung wäre aber darzulegen gewesen, wie sich diese
Fähigkeitsstörungen auf das funktionelle Leistungsvermögen des Beschwerdeführers
auswirkten. So können beispielsweise eine Verlangsamung, ein Verlust der
Konzentrationsfähigkeit oder ein erhöhter Pausenbedarf zu einer Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit führen. Des Weiteren ist zu erklären, wie sich diese Beeinträchtigung
des Leistungsvermögens an einem idealen Arbeitsplatz konkret auswirkt,
beispielsweise dass die versicherte Person für die Erfüllung einer Arbeitsaufgabe
doppelt so viel Zeit wie eine gesunde Person benötige, dass sie am Vormittag eine
volle Leistung zu erbringen vermöge und am Nachmittag aufgrund von zunehmenden
Konzentrationsschwierigkeiten nur noch zur Hälfte leistungsfähig sei oder dass sie
nach jeder Arbeitsstunde zehn Minuten Pause benötige, um sich zu erholen (vgl.
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. November 2019,
IV 2017/428, E. 3.3). Prof. K._ hat also den Bogen zwischen den erhobenen
Befunden (z.B. leicht herabgesetzte Konzentration, reduzierter Antrieb) und deren
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nicht geschlagen (vgl. BGE 145 V 367, E. 4.3).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist sodann relevant, dass gemäss
der überzeugenden Diagnosestellung psychosoziale Belastungsfaktoren und
soziokulturelle Wertevorstellungen das psychopathologische Störungsbild des
Beschwerdeführers unterhalten bzw. gar verstärken. Prof. K._ hat festgehalten, dass
es trotz der anhaltenden Behandlung zu keiner nachhaltigen Verbesserung des
psychiatrischen Störungsbilds gekommen sei, was den psychodynamischen
Hintergründen geschuldet sei. Dies sei durch medikamentöse Massnahmen nur allfällig
geringfügig beeinflussbar. Dies ist nachvollziehbar, da sich die Auswirkungen von
psychosozialen Belastungsfaktoren und soziokulturellen Wertevorstellungen auf die
Psyche durch die Einnahme von Medikamenten nicht beheben lassen. Auch eine
Veränderung von soziokulturellen Wertevorstellungen dürfte durch
psychotherapeutische Gespräche nur schwer herbeizuführen sein. Die
Beschwerdegegnerin hat diese psychosozialen Belastungsfaktoren und
3.4.3.
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soziokulturellen Wertevorstellungen als "invaliditätsfremde Faktoren" qualifiziert und
daraus den Schluss gezogen, das psychische Leiden könne nicht als schwer
betrachtet werden. Diesen Schluss hat sie als massgeblichen Faktor in ihre eigene
Einschätzung einfliessen lassen, wonach der Beschwerdeführer als vollständig
arbeitsfähig einzuschätzen sei (vgl. IV-act. 163-2 f.). Die Beschwerdegegnerin hat dabei
übersehen, dass die Invalidenversicherung als finale Versicherung konzipiert ist (vgl.
BGE 145 V 225, E. 5.3.1; 120 V 102, E. 4c). Dies bedeutet, dass für einen allfälligen
Rentenanspruch einzig massgebend ist, ob ein die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender
Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht; dessen Ursache ist hingegen
irrelevant (vgl. auch Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, Zürich 2014, N 51 zu Art. 4). Die Ursache einer Erkrankung
ändert nämlich nichts daran, dass eine Erkrankung besteht. Dass die Ursache eines die
Erwerbsfähigkeit einschränkenden Gesundheitsschadens aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht keine Rolle spielen kann, zeigt auch folgende
Überlegung: Würden psychische Erkrankungen, namentlich depressive Störungen, die
durch psychosoziale Belastungsfaktoren und soziokulturelle Wertevorstellungen
mitverursacht werden, als nicht krankheitswertiges Geschehen anerkannt, könnte bei
zwei Versicherten mit identischen psychopathologischen Störungsbildern und
identischen daraus resultierenden Funktionsbeeinträchtigungen nur jenem Versicherten
eine Rente der Invalidenversicherung zugesprochen werden, dessen psychiatrische
Erkrankung nicht auf psychosoziale Belastungsfaktoren und/oder soziokulturelle
Wertevorstellungen zurückzuführen wäre. Der andere Versicherte mit genau derselben
Erkrankung und genau denselben daraus resultierenden Funktionsbeeinträchtigungen
könnte dagegen keinen Rentenanspruch haben, weil seine Erkrankung unter anderem
von psychosozialen Belastungsfaktoren und/oder soziokulturellen Wertevorstellungen
mitverursacht wäre. Das hätte offenkundig eine Ungleichbehandlung zur Folge, für die
eine sachliche Begründung fehlen würde (Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung, SR 101).
Die bundesgerichtliche Auffassung zu den psychosozialen Belastungsfaktoren und
soziokulturellen Wertevorstellungen zielt einzig darauf ab, die durch eine
Gesundheitsbeeinträchtigung hervorgerufenen Funktionseinschränkungen von jenen
abzugrenzen, die (lediglich) die direkte Folge von ungünstigen Lebensumständen sind.
Befindet sich beispielsweise eine versicherte Person mitten in einem belastenden
Scheidungsverfahren und ist sie deshalb (vorübergehend) nicht in der Lage, einer
vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen, dann wird die Arbeitsfähigkeit dieser Person
nicht durch eine Krankheit, sondern – direkt – durch die belastenden Umstände
eingeschränkt; nach dem Abschluss des Scheidungsverfahrens wird die versicherte
Person (meist) wieder in der Lage sein, ein volles Arbeitspensum zu bewältigen. Die
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vorübergehenden Symptome, die in einem solchen Fall durchaus denen einer
"typischen" Depression entsprechen können, sind nicht die Symptome einer Krankheit,
sondern die Symptome einer normalen Reaktion auf die (vorübergehenden)
belastenden Lebensumstände. Anders liegt der Fall, wenn die belastenden
Lebensumstände – beispielsweise in Verbindung mit einer "labilen" Persönlichkeit –
nicht nur zu einer vorübergehenden Funktionsbeeinträchtigung führen, sondern die
Entwicklung einer ("echten") Gesundheitsbeeinträchtigung zur Folge haben, deren
Symptome sich nicht direkt aus den belastenden Lebensumständen, sondern aus der
Krankheit als Folge einer "Fehlverarbeitung" der belastenden Lebensumstände
ergeben. Vorliegend hat Prof. K._ die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung lege artis gestellt und klar festgehalten, dass die psychosozialen
Belastungsfaktoren und soziokulturellen Wertevorstellungen das psychopathologische
Störungsbild unterhalten bzw. sogar verstärken würden (vgl. E. 3.4.1). Entgegen der
Auffassung der Beschwerdegegnerin handelt es sich bei den beim Beschwerdeführer
vorliegenden psychosozialen Belastungsfaktoren und soziokulturellen
Wertevorstellungen also nicht um "invaliditätsfremde" Faktoren, sondern um Faktoren,
welche die depressive Störung (mit)verursacht und unterhalten haben. Die
anderslautende Argumentation der Beschwerdegegnerin ist somit nicht stichhaltig. Auf
die weiteren Aspekte der von der Beschwerdegegnerin vorgenommen juristischen
Überprüfung der Standardindikatoren braucht folglich nicht eingegangen zu werden.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass Prof. K._ weder im ersten noch im
zweiten Gutachten eine ausreichende Prüfung der Standardindikatoren vorgenommen
hat. Für eine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung wäre ausserdem erforderlich
gewesen, die attestierten Arbeitsunfähigkeiten konkreter zu begründen. Die von der
Beschwerdegegnerin gestellte Arbeitsfähigkeitsschätzung überzeugt ebenfalls nicht, da
sie unzulässigerweise vom Vorliegen "invaliditätsfremder" Faktoren ausgegangen ist
und da in den beiden psychiatrischen Gutachten insbesondere vertiefende Angaben
zur Konsistenz und zu den Ressourcen fehlen, womit auch die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Beschwerdegegnerin von vornherein nicht überzeugen
kann. Nach dem Gesagten ist eine Prüfung der Standardindikatoren durch das Gericht
offenkundig nicht möglich. Die dem Beschwerdeführer verbliebene Arbeitsfähigkeit
steht damit (noch) nicht fest.
3.4.4.
Der Beschwerdeführer hat eventualiter beantragt, es sei eine polydisziplinäre
Begutachtung in Auftrag zu geben. Für die Notwendigkeit einer polydisziplinären
Begutachtung bestehen keine ausreichenden Anhaltspunkte: In der psychiatrischen
Verlaufsbegutachtung hat der Beschwerdeführer zwar erwähnt, dass er nicht mehr
3.5.
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4.
richtig sehe und dass er Probleme mit dem Bauch habe. Weiterführende Angaben dazu
finden sich aber weder in den medizinischen Berichten noch in den Rechtsschriften
des Beschwerdeführers. Zum Einwand des Beschwerdeführers, die häufigen
Kommentare von Prof. K._ betreffend die IV-fremden Faktoren begründeten
ernsthafte Zweifel an dessen Unparteilichkeit, ist festzuhalten, dass Prof. K._ diese
Feststellungen in Ausübung seiner gutachterlichen Sorgfaltspflicht gemacht hat; diese
sind deshalb nicht geeignet, auch nur den Anschein einer Befangenheit zu erwecken.
Der Beschwerdeführer scheint dies selber auch erkannt zu haben, da er in der Folge
argumentiert hat, auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Prof. K._ sei abzustellen.
Nach dem Gesagten ist die Angelegenheit zur ergänzenden Abklärung der
verbliebenen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatrischer Sicht an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin wird veranlassen,
dass Prof. K._ eine Ergänzung zu den zwei Gutachten liefert, sich also ausreichend
zu den Standardindikatoren äussert und die attestierten Arbeitsunfähigkeiten konkreter
begründet. Nach der Auffassung des Bundesgerichts ist die Rückweisung in diesem
Fall zulässig (vgl. BGE 137 V 264, E. 4.4.1.4, wonach eine Sache zurückgewiesen
werden kann, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von
gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom
15. November 2019, 8C_525/2019, E. 3.3).
3.6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen.
Praxisgemäss ist die Rückweisung an die Verwaltung zur weiteren Abklärung als volles
Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (vgl. BGE 132 V 235, E. 6.1).
Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe
wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
4.1.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu betrachten ist. Die
Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht
auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
4.2.
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