Decision ID: 03b92316-9335-54e8-a44b-474f2810cca1
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute X.Y. und A.Y. wohnten in Winterthur. Die Ehefrau war
Alleineigentümerin der Liegenschaft Q.-strasse 00 in St. Gallen, die sie per 30. Juni
2011 (Grundbucheintrag: 14. Juli 2011) verkaufte (act. 6/3.11). Am 2. August 2011
verstarb X.Y.
B./ Das kantonale Steueramt St. Gallen veranlagte am 18. April 2012 X.Y. (richtig:
dessen Erben) und A.Y. für den Zeitraum vom 1. Januar 2011 bis 2. August 2011 mit
einem steuerbaren Einkommen von CHF 32'900 zum Satz von CHF 198'800 (nach
Umrechnung der regelmässig fliessenden Einkünfte auf ein Jahr) und einem
steuerbaren Vermögen von CHF 1'013'000 zum Satz von CHF 3'711'000. Die dagegen
erhobene Einsprache wurde am 6. Juni 2012 teilweise gutgeheissen und das
steuerbare Einkommen auf CHF 32'200 zum Satz von CHF 177'200 (nach Umrechnung
der regelmässig fliessenden Einkünfte auf ein Jahr) reduziert; steuerbares und
satzbestimmendes Vermögen blieben unverändert.
C./ Gegen den Einspracheentscheid liessen A.Y. und die Erben von X.Y. mit Eingabe
vom 25. Juni 2012 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission erheben im
Wesentlichen mit dem Antrag, das satzbestimmende Einkommen sei für die Kantons-
und Gemeindesteuern 2011 (steuerpflichtige Periode 1. Januar bis 2. August 2011) auf
CHF 141'900 (ohne Umrechnung der auf 212 Tage bezogenen Mieteinkünfte der
Liegenschaft in St. Gallen von CHF 50'499 auf CHF 85'753, entsprechend 360 Tage)
herabzusetzen.
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Die Verwaltungsrekurskommission hiess den Rekurs mit Entscheid vom 11. Dezember
2012 gut, hob den Einspracheentscheid vom 6. Juni 2012 und die Veranlagung der
Erben von X.Y. sel. auf und wies die Streitsache im Sinn der Erwägungen zu neuer
Veranlagung von A.Y. und zu neuer Steuerausscheidung an die Vorinstanz zurück.
D./ Gegen den am 12. Dezember 2012 versandten Rekursentscheid erhob das
kantonale Steueramt (nachfolgend Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 16. Januar
2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, unter Kostenfolge sei der
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission vom 11. Dezember 2012 aufzuheben und
der Einspracheentscheid vom 6. Juni 2012 zu bestätigen.
Die Verwaltungsrekurskommission (nachfolgend Vorinstanz) beantragte unter Verweis
auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid am 23. Januar 2013, die Beschwerde
sei abzuweisen. A.Y. und die Erben von X.Y. (nachfolgend Beschwerdegegner) liessen
mit Eingabe vom 12. Februar 2013 (sinngemäss) ebenfalls die Abweisung der
Beschwerde und (ausdrücklich) die Gutheissung des vorinstanzlichen Entscheides mit
der angeordneten Rückweisung zur neuen Steuerausscheidung an den
Beschwerdeführer beantragen. Der Beschwerdeführer verzichtete stillschweigend auf
eine weitere Stellungnahme.
Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers und der Beschwerdegegner zur
Begründung ihrer Anträge und die Ausführungen im angefochtenen Entscheid wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes; sGS 811.1, abgekürzt StG).
Der Beschwerdeführer ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 196 Abs. 1 StG).
In der Beschwerde wird einzig geltend gemacht, der Ehemann der
Beschwerdegegnerin sei im Kanton St. Gallen beschränkt steuerpflichtig. Gleichzeitig
ist unbestritten, dass Einkommen und Vermögen der Beschwerdegegnerin und ihres
Ehemannes gemäss Art. 20 Abs. 1 StG auch dann zusammenzurechnen sind, wenn der
Ehemann der Beschwerdegegnerin im Jahr 2011 im Kanton St. Gallen nicht
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steuerpflichtig gewesen wäre. Deshalb ist – jedenfalls auf den ersten Blick – nicht
ersichtlich, dass sich eine beschränkte subjektive Steuerpflicht des Ehemannes der
Beschwerdegegnerin zahlenmässig auf die Besteuerung auswirken könnte. Das vom
Beschwerdeführer geltend gemachte schutzwürdige Interesse liegt indessen nicht in
erster Linie im Umfang der Besteuerung, sondern in der – je nach Ausgang des
Verfahrens – erforderlichen Anpassung der Steuerregister, in denen zurzeit auch
Ehegatten erfasst sind, die wirtschaftlich nicht direkt dem Kanton St. Gallen zugehören
(vgl. StB 20 Nr. 1). Der Umstand, dass der Ehemann der Beschwerdegegnerin während
des Steuerjahres 2011 verstarb, führt zudem nach Auffassung des Beschwerdeführers
dazu, dass eine unterjährige Steuerpflicht vorliegt und deshalb die aus der
Liegenschaft erzielten Mieterträge als regelmässige Einkünfte im Sinn von Art. 66 Abs.
3 StG auf zwölf Monate zu berechnen sind. Da bei der Beschwerdegegnerin keine
unterjährige Steuerpflicht vorliegt, wäre eine solche Umrechnung ohne Steuerpflicht
des Ehemannes nicht erforderlich. Im konkreten Fall ist die Frage der Steuerpflicht also
auch geeignet, sich auf die Steuerfaktoren auszuwirken.
Das Rechtsmittel wurde mit Eingabe vom 16. Januar 2013 rechtzeitig erhoben und
erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 161
StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Unbestritten ist, dass die in Winterthur wohnhafte Beschwerdegegnerin als
Alleineigentümerin der Liegenschaft an der Q.-strasse 00 in St. Gallen, die sie per 30.
Juni 2011 veräusserte, im Kanton St. Gallen entsprechend Art. 14 Abs. 1 Ingress und
lit. b in Verbindung mit Art. 15 Abs. 2 StG, welche den Vorgaben von Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (SR 642.14, abgekürzt StHG) entsprechen, aufgrund wirtschaftlicher
Zugehörigkeit eine beschränkte Steuerpflicht begründete. Gemäss Art. 19 Abs. 2 StG,
der sich noch auf die bis 31. Dezember 2000 gültig gewesene Fassung von Art. 68
StHG bezog, hätte ihre beschränkte Steuerpflicht mit dem Wegfall des im Kanton
steuerbaren Wertes geendet. Indessen besteht gemäss Art. 68 Abs. 2 StHG, der am 1.
Januar 2001 in Kraft trat und per 1. Januar 2014 durch Art. 4b Abs. 2 StHG abgelöst
wurde, eine Steuerpflicht aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit in einem anderen
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Kanton als demjenigen des steuerrechtlichen Wohnsitzes für die gesamte
Steuerperiode, auch wenn sie im Laufe des Jahres aufgehoben wurde (Satz 1), wobei
der Wert der Vermögensobjekte im Verhältnis zur Dauer dieser Zugehörigkeit
vermindert wird (Satz 2) und im Übrigen Einkommen und Vermögen zwischen den
beteiligten Kantonen in sinngemässer Anwendung der Grundsätze des Bundesrechts
über das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung ausgeschieden werden (Satz
3).
3. Umstritten ist, ob aufgrund des Grundeigentums der Beschwerdegegnerin auch ihr
Ehemann im Kanton St. Gallen beschränkt steuerpflichtig war.
3.1. Die Vorinstanz geht im angefochtenen Entscheid gestützt auf ihre eigene
Rechtsprechung (GVP 1989 Nr. 8) und eine in der Literatur vertretene Auffassung (R.
Lanz-Baur, Grenzen der gemeinsamen Steuerpflicht, in: StR 45/1990, S. 56) davon aus,
trotz gemeinsamer Besteuerung bleibe jeder Ehegatte einzeln Steuersubjekt. Unterliege
ein Ehegatte aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit einer beschränkten Steuerpflicht,
sei er deshalb allein steuerpflichtig. Der Ehepartner, dem eine solche besondere
Beziehung fehle, sei der Steuerhoheit nicht unterworfen. Dennoch seien die
Steuerfaktoren der Ehegatten zu addieren sowie der Gesamtsteuersatz und der Tarif
für Verheiratete anzuwenden.
Der Beschwerdeführer macht demgegenüber geltend, es sei widersprüchlich, wenn die
wirtschaftliche oder persönliche Beziehung zwischen den Ehegatten nicht zur
Begründung eines Nebensteuerdomizils, aber doch zur Zusammenrechnung von
Einkommen und Vermögen sowie zur Anwendung des Gesamtsteuersatzes und des
Tarifs für Verheiratete führe. Das Bundesgericht gehe bei getrennten
Hauptsteuerdomizilen der Ehegatten davon aus, dass für jeden Ehepartner am
Wohnsitz des anderen aufgrund der gelebten Ehe eine wirtschaftliche und persönliche
Anknüpfung bestehe. Diese Begründung sei sinngemäss auch auf die vorliegende
Problematik anwendbar. Die privilegierte Ehegattenbesteuerung sei nur anwendbar,
wenn beide Ehegatten an einem Primär- oder Sekundärsteuerdomizil einen
Anknüpfungspunkt hätten. Dieser bestehe zumindest darin, dass ein Ehegatte ebenso
am Einkommen des anderen Partners teilhabe, sich die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit des einen Partners auch nach dem Einkommen und Vermögen des
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anderen bestimme und die Ehegatten zivilrechtlich und wirtschaftlich eine gewisse
Einheit bildeten. Die Besteuerung des Ehepaars als Einheit betreffe nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht nur die Bemessungsgrundlage, sondern
auch die Steuerpflicht. Die von der Vorinstanz zitierte Literatur stelle die technische
Zugehörigkeit vor den elementaren Grundsatz der gemeinsamen Steuerpflicht und der
steuerrechtlichen Einheit der Ehegatten. Das sei nicht sachgerecht, stehe im
Widerspruch zur in der schweizerischen Rechtsordnung verankerten Einheit der Familie
und führe – weil sie die gemeinsame steuerliche Zugehörigkeit der Ehegatten nicht
anerkenne – heimlich teilweise die Individualbesteuerung ein.
3.2. / 3.2.1. Art. 14 Abs. 1 StG regelt, unter welchen Voraussetzungen natürliche
Personen ohne steuerrechtlichen Wohnsitz oder Aufenthalt im Kanton aufgrund
wirtschaftlicher Zugehörigkeit steuerpflichtig sind. Die Bestimmung entspricht den
Vorgaben von Art. 4 Abs. 1 StHG. Der Wortlaut dehnt die beschränkte Steuerpflicht
nicht auf Ehegatten ohne einen solchen wirtschaftlichen Anknüpfungspunkt aus. Art. 20
Abs. 1 StG hält unter dem Randtitel "Familienbesteuerung" fest, dass Einkommen und
Vermögen der Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe leben,
unabhängig vom Güterstand zusammen gerechnet werden. Art. 3 Abs. 3 Satz 1 StHG
regelt unter dem Randtitel "Steuerpflicht aufgrund persönlicher Zugehörigkeit" die
Ehegattenbesteuerung, indem er die Zusammenrechnung von Einkommen und
Vermögen ohne Rücksicht auf den Güterstand vorschreibt.
3.2.2. Die Wortlaute der angeführten Bestimmungen zur Familienbesteuerung enthalten
keine Hinweise auf eine Steuerpflicht des einen an allen Steuerdomizilen des andern
Ehegatten.
3.2.3. In systematischer Hinsicht fällt auf, dass die kantonale Bestimmung zur
Familienbesteuerung (Art. 20 StG) zwar Teil der Bestimmungen über die Steuerpflicht
ist, jedoch von den Regeln, nach denen sich die steuerliche Anknüpfung richtet (Art. 13
f. StG) klar abgegrenzt ist. Indem Art. 20 Abs. 2 StG eine entsprechende Regelung für
das Einkommen und Vermögen von Kindern unter elterlicher Sorge trifft, weist die
gesamte Bestimmung vielmehr auf eine gemeinsame Bemessungsgrundlage hin,
welche der Familie als wirtschaftlicher Einheit Rechnung trägt. Der Abschnitt über die
Steuerpflicht enthält zudem verschiedene weitere Normen, welche nicht die Frage der
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Steuerpflicht, sondern solche der Bemessung und Berechnung regeln. Dies gilt
insbesondere für Art. 18 StG zur Steuerberechnung bei anteiliger Steuerpflicht, Art. 21,
22 und 22bis StG zur Zurechnung von Einkommen und Vermögen bei
Personengemeinschaften sowie Art. 27 StG zur Bemessung und Berechnung der
Besteuerung nach dem Aufwand. Die Systematik des kantonalen Rechts lehnt sich im
Übrigen weitgehend an jene des Rechts zur direkten Bundessteuer an (vgl. Art. 3-15
des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer; SR 642.11, abgekürzt DBG).
Art. 3 Abs. 3 StHG, der die Zusammenrechnung von Einkommen und Vermögen bei
der Ehegattenbesteuerung regelt, trägt den Randtitel "Steuerpflicht aufgrund
persönlicher Zugehörigkeit". Art. 4 StHG mit dem Randtitel "Steuerpflicht aufgrund
wirtschaftlicher Zugehörigkeit" enthält keine entsprechende Regelung.
Harmonisierungsrechtlich deutet die systematische Stellung der
Zusammenrechnungsregel darauf hin, dass aus dem Hauptsteuerdomizil des einen
Ehegatten ein Steuerdomizil und damit eine Steuerpflicht des anderen Ehegatten
abzuleiten ist, auch wenn dieser die Voraussetzungen für eine Steuerpflicht aufgrund
persönlicher Zugehörigkeit nicht erfüllt, mithin über ein abweichendes
Hauptsteuerdomizil verfügt.
Damit lässt sich allenfalls die bundesgerichtliche Rechtsprechung begründen, welche
unter der Herrschaft des Steuerharmonisierungsgesetzes trotz der in der Literatur
geäusserten Kritik am Nebensteuerdomizil der Familienniederlassung festhält. Das
Argument, der abwesende, jedoch nach wie vor in ungetrennter Ehe lebende Partner
begründe am Familienort weder eine persönliche noch eine wirtschaftliche
Zugehörigkeit und damit auch kein sekundäres Steuerdomizil, wies das Bundesgericht
zurück mit der Begründung, die Anknüpfung am Ort der Familienniederlassung beruhe
nicht vorrangig auf wirtschaftlichen, sondern auf persönlichen Gesichtspunkten,
namentlich dem Willen der Ehegatten zur Fortführung ihrer Ehegemeinschaft. Eine
besondere gesetzliche Grundlage sei nicht erforderlich, weil sich das Steuerdomizil der
Familienniederlassung direkt aus dem Grundsatz der Ehegattenbesteuerung ergebe,
was durch Art. 3 Abs. 3 StHG bekräftigt werde (vgl. BGer 2P.2/2003 vom 7. Januar
2004 E. 2.4.2). Bereits im Jahr 1995 hatte das Bundesgericht entschieden, dass
derjenige Ehegatte, der im Kanton Zürich eine Garage betreibt und nur in
unregelmässigen Abständen zu seiner Ehefrau in den Kanton Tessin zurückkehrt,
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seinen steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton Zürich habe und am Hauptsteuerdomizil
seiner Ehefrau im Kanton Tessin ein Nebensteuerdomizil – vergleichbar der
Familienniederlassung – begründe (BGE 121 I 14).
3.2.4. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung betrifft die Besteuerung des
Ehepaares als Einheit nicht nur die Bemessungsgrundlage, sondern auch die
Steuerpflicht. Insoweit bestehe eine "gegenseitige Wechselwirkung". Es wäre
widersprüchlich, einerseits jegliche Trennung zwischen den Eheleuten in Bezug auf die
Bemessungsgrundlage zu unterlassen, anderseits aber eine solche Unterscheidung
hinsichtlich ihrer Steuerpflicht vorzunehmen. Das gelte sowohl bei beschränkter als
auch bei unbeschränkter Steuerpflicht. Der eine Ehegatte habe am Einkommen des
anderen Partners teil, die Ehegatten bildeten zusammen eine gewisse Einheit (BGE 128
I 317 E. 2.2.4). Soweit ersichtlich kam das Bundesgericht seither nicht in die Lage, sich
auf diese Rechtsprechung zu berufen. Diese bundesgerichtliche Sicht beruht letztlich
auf der überkommenen – und überholten - steuerrechtlichen Vorstellung, dass die
eheliche Gemeinschaft regelmässig wirtschaftlich eine unzertrennliche Einheit bildet
und daher als ein Steuersubjekt – und nicht die Ehegatten und eingetragenen Partner
als je eigenständige Steuersubjekte - zu behandeln ist (vgl. bereits BGE 54 I 321;
weitere Hinweise in Locher/Locher, Das interkantonale Doppelbesteuerungsrecht,
Loseblattsammlung, einschliesslich Nachtrag 53, 2013, § 3, III C, 1 Nr. 1).
Steuersystematisch tritt jene Person dem Staat im Steuerrechtsverhältnis als
Steuersubjekt gegenüber, welche insbesondere dem Steuerhoheitsträger
steuerrechtlich, das heisst persönlich oder wirtschaftlich zugehört. Andere
Anknüpfungspunkte sieht die herrschende schweizerische Steuerrechtslehre nicht vor
(vgl. Höhn/Waldburger, Steuerrecht I, 9. Aufl. 2001, § 9 Rz. 1-9; Blumenstein/Locher,
System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl. 2002, S. 56-67; Mäusli-Allenspach/
Oertli, Das schweizerische Steuerrecht, 6. Aufl. 2010, S. 72 ff.; M. Reich, Steuerrecht,
2. Aufl. 2012, § 5 Rz. 48-50).
Die Literatur geht soweit ersichtlich deshalb folgerichtig davon aus, die beschränkte
Steuerpflicht eines Ehegatten an einem Spezialsteuerdomizil führe nicht gleichzeitig zu
einem Spezialsteuerdomizil des anderen Ehegatten. So wird die Auffassung vertreten,
bei in ungetrennter Ehe lebenden Ehegatten ohne gemeinsame Wohnung sei nur der im
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Kanton wohnhafte Ehegatte hier unbeschränkt für sein Einkommen und Vermögen
steuerpflichtig, wenn der andere Ehegatte über keinen steuerlichen Anknüpfungspunkt
im Kanton verfüge. Dasselbe treffe auch zu, wenn bei gemeinsam steuerpflichtigen
Ehegatten keiner von beiden seinen steuerrechtlichen Wohnsitz im Kanton habe, hier
aber nur einer von beiden Ehegatten wirtschaftlich zugehörig sei. In diesem Fall sei nur
der wirtschaftlich Zugehörige im Kanton steuerpflichtig (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. Aufl. 2013, N 25/26 zu § 7 StG-ZH).
In der Literatur zum interkantonalen Steuerrecht wird die Auffassung vertreten, jeder
Ehegatte werde beschränkt auf die entsprechende wirtschaftliche Zugehörigkeit
steuerpflichtig (vgl. Isler/Suter, in: Zweifel/Beusch/Mäusli-Allenspach [Hrsg.],
Interkantonales Steuerrecht, Basel 2011, § 27 Rz. 25/26). Schliesslich wird
vorgebracht, eine "gemeinsame" Steuerpflicht der Ehegatten könne es nur geben,
wenn überhaupt eine Steuerpflicht im betreffenden Gemeinwesen bestehe. Dazu
brauche es entweder eine persönliche oder eine wirtschaftliche Beziehung. Fehle diese,
so hänge die Besteuerung in der Luft; die Haushaltbesteuerung könne sie nicht
ersetzen. Eine Beziehung bestehe dann höchstens indirekt, das heisst über den
Ehegatten. Es frage sich, ob das heute noch genügen könne (vgl. R. Lanz-Baur, Nun
sag, wie hast du's mit der Religion? in: StR 58/2003 S. 646 ff.).
Mit der Familienbesteuerung – und in deren Rahmen auch mit der
Ehegattenbesteuerung – wird die Familie steuerlich als wirtschaftliche Einheit erfasst
(vgl. Botschaft zum Steuerpaket 2001, in: BBl 2001 S. 2983 ff., S. 2994). Entsprechend
den in Art. 127 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
(SR 101, abgekürzt BV) verankerten Grundsätzen der Besteuerung soll deshalb die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Familie erfasst werden. Dieses Ziel wird mit der
Zusammenrechnung von Einkommen und Vermögen erreicht.
Auch die verfahrensrechtliche Stellung der Ehegatten, wie sie im
Steuerharmonisierungsrecht des Bundes umschrieben wird, verlangt kein
Steuerrechtsverhältnis zu einem Ehegatten, der weder die persönlichen noch
wirtschaftliche Voraussetzungen für eine Steuerpflicht unmittelbar selbst erfüllt.
Gemäss Art. 40 StHG üben in rechtlich und tatsächlich ungetrennter Ehe lebende
Ehegatten die Verfahrensrechte und –pflichten zwar gemeinsam aus (Abs. 1) und
unterschreiben die Steuererklärung gemeinsam (Abs. 2 Satz 1). Jedoch wird jeder
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Ehegatte individuell als Steuerpflichtiger veranlagt, wenn die Ehegatten zwar in
tatsächlich und rechtlich ungetrennter Ehe leben, aber nicht der gleichen Steuerhoheit
unterworfen sind. Dem Ehegatten, bei welchem die subjektiven Voraussetzungen für
die Besteuerung nicht erfüllt sind, kommt diesfalls die Stellung eines Dritten zu, dem
allerdings im interkantonalen Verhältnis das gegenseitige Akteneinsichtsrecht nicht
verweigert werden kann, weil die Faktoren beider Ehegatten zur Satzbestimmung
herangezogen werden (vgl. M. Zweifel, in: Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl. 2002, N 20 zu Art. 40 StHG).
3.2.5. In der vorliegenden Fallkonstellation kommt hinzu, dass die beschränkte
Steuerpflicht der Beschwerdegegnerin kraft wirtschaftlicher Zugehörigkeit im Sinn von
Art. 66 Abs. 1 StG im Jahr 2011 nicht unterjährig war. Die Auffassung des
Beschwerdeführers hätte damit zur Folge, dass sich auch für die Beschwerdegegnerin
aufgrund der gemeinsamen Besteuerung mit ihrem während des Steuerjahres
verstorbenen Ehemann und entgegen dem, was sich bei ihrer selbständigen
Besteuerung ergeben würde, ein höheres satzbestimmendes Einkommen ergäbe.
Dieses Ergebnis erschiene offenkundig unbillig, zumal auch keine sachlichen Gründe
erkennbar sind, welche es rechtfertigen, auf die unterjährige Steuerpflicht des
verstorbenen Ehemannes der Beschwerdegegnerin – und nicht auf die jährige der
Beschwerdegegnerin - abzustellen.
3.3. Zusammenfassend kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass der am 2.
August 2011 verstorbene Ehemann der Beschwerdegegnerin, im Jahr 2011 im Kanton
St. Gallen mangels eines persönlichen und wirtschaftlichen Anknüpfungspunkts nicht
steuerpflichtig war. Die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen.
4. Indem der Beschwerdeführer eine Veranlagung entsprechend dem
Einspracheentscheid beantragt, beanstandet er stillschweigend auch die Ausführungen
der Vorinstanz zur Ermittlung des steuerbaren und satzbestimmenden Vermögens. Die
Überlegungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid (E. 5, dritter Abschnitt) sind
nachvollziehbar. Demgegenüber macht der Beschwerdeführer weder zu den
Berechnungen zur Veranlagung (act. 6-6/3.1) und zum Einspracheentscheid (act.
6-6/1.2 und 1.3) noch der Begründung des Einspracheentscheides konkrete Angaben,
wie die entsprechenden Beträge zustande kamen. Die Darlegungen im vorinstanzlichen
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Entscheid zum Vorgehen des Beschwerdeführers (E. 5, erster Abschnitt) lassen darauf
schliessen, dass auch die Vorinstanz die Berechnung nicht vollständig und klar
nachvollziehen konnte. Die Beschwerde selbst enthält keine Ausführungen zur
Berechnung der Vorinstanz. Ebensowenig enthält sie Angaben, welche das Vorgehen
bei der Berechnung in der Veranlagung erhellen würde. Unter diesen Umständen ist es
gerechtfertigt, den Beschwerdeführer für die Veranlagung und die Steuerausscheidung,
soweit sie das Vermögen betreffen, auf die Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen.
5. Dem Verfahrensausgang entsprechend trägt der Staat die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000
erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Zumal der Staat überwiegend finanzielle Interessen verfolgt, ist auf die Erhebung nicht
zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Die Beschwerdegegner stellten ihren Antrag auf
Abweisung der Beschwerde nicht unter Kostenfolge. Dementsprechend sind ihnen die
ausseramtlichen Kosten nicht zu entschädigen (vgl. Art. 98 Abs. 1 VRP, Art. 98bis und
98ter VRP, Art. 105 Abs. 2 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272; vgl.
Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, Rz. 10.31).
Entsprechend dem Verfahrensausgang und mangels Anspruchs des Gemeinwesens
auf Kostenersatz (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 176) kann auch dem Antrag des
Beschwerdeführers auf Kostenfolge, welcher ein Begehren um Parteientschädigung
beinhaltet (vgl. P. Oberhammer [Hrsg.], Kurzkommentar ZPO, 2. Aufl. 2014, N 3 zu Art.
105 ZPO), nicht entsprochen werden.