Decision ID: 7d264d20-4af1-4cc4-b4ec-ac3f8a7560e9
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1957 geborene
X._
war zuletzt von
9.
September 2014
bis 8.
Februar 2016 als Betriebsmitarbeiter bei d
er Y._ angestellt (Urk.
7/28/75
und Urk.
7/28/310). Nach zwei Unfällen am 2
1.
Januar (Treppen
sturz) und 1
8.
Februar 2015
(Sturz in der Dusche) erbrachte die Suva als zu
ständige Unfallversicherung bis am 2
9.
Februar 2016 die gesetzlichen Leistun
gen
. Mit Verfügung
vom
24.
Februar 2016
beziehungsweise Einspracheent
scheid vom 12. Oktober 2016
lehnte sie die Ausrichtung einer Invalidenrente ab
und sprach
dem Versicherten
eine Integritätsentschädigung von
Fr. 18'900.-- zu (Urk. 3/3, Urk.
7/28/2-4,
Urk.
7/28/310
, Urk.
7/28/275
und Urk. 7/43
).
Am 12. Juli 2015 hatte sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Wirbelsäu
lenfraktur bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 7/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische Abklärungen und zog insbesondere die Akten der Unfallversiche
rung
bei. Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/31 und
Urk.
7/35) wies sie
das
Rentenbegehren
nach Beizug eines zusätzlichen Arztberichts (Urk. 7/37-38)
mit Verfügung
vom 21. Oktober 2016 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 23. November 2016 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die Verfügung vom 21. Oktober 2016 sei aufzuheben und es seien ihm Leistungen aus IVG auszurichten. Allenfalls sei die Angelegenheit zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen (S. 2 und S. 4). Am 11. Januar 2017 (Urk. 6) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 13. Januar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze o
der teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsren
te und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesge
richts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 21. Oktober 2016 (Urk. 2) damit, dass dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei. Es bestehe ein rentenausschlies
sender Invaliditätsgrad von 0 %.
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
die Beschwerdegegnerin habe die Angelegenheit rein unter dem Blickwinkel der bei den Unfällen erlittenen Verletzungen beurteilt, den erheblichen unfallfrem
den Gesundheitsschaden, insbesondere die zusätzlichen psychischen Probleme, hingegen nicht beachtet. Aufgrund seiner psychischen Beschwerden sei er zu 100 % arbeitsunfähig und habe ab Januar 2016 Anspruch auf eine ganze IV-Rente. Allenfalls sei die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegne
rin zurückzuweisen (S. 2-4). Es sei von einem Valideneinkommen von mindes
tens Fr. 80'000.-- auszugehen und beim Invalideneinkommen ein Leidensabzug von mindestens 20 % zu berücksichtigen (S. 4 f.). Aufgrund seines fortgeschrit
tenen Alters sei die Verwertbarkeit einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit ohnehin höchst fraglich. Die Beschwerdegegnerin habe ihm insbesondere geeignete Ein
gliederungsmassnahmen anzubieten (S. 5).
3.
3.1
Dr. med. univ. Z._, Spitalfacharzt Arbeitsorientierte Rehabilitation, und Oberärztin Arbeitsorientierte Rehabilitation Dr. med. A._, Fachärztin für Chi
rurgie FMH, von der B._, stellten im Austrittsbericht vom 6. Oktober 2015 (Urk. 7/28/115-123) folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
Unfall vom 1
8. Februar
2015 Sturz
i
n der Badewanne
-
Impressionsfraktur BWK
11
-
2
7. Februar
2015 Ganzkörper-Skelettszin
ti
graphie mit Früh- und Sp
ä
t
aufnahmen mit Spe
c
t-CT des Thorax: Frisch im Umbau begriffene
Wi
r
belfrakturen mit Impression der Deckplatte von BWK
11
und der Bo
denplatte von BWK7
-
2
7. März
2015 M
RI
LWS
:
Leichtgradige Deckplatten-Impressionsfraktur
Th
11
mit Beteiligung der oberen Hinterkante, ohne vorfallenden Spi
nalkana
l
, in subakutem Stadium, bei erhaltenem dorsalem Alignement. Im Segment L2/3 leichtgr
adige Chondrose ohne Höhenminde
rung mit Einriss im Anulus fibrosus und flachbogiger, subligamentärer Dis
kushernie median links paramedian von 16 mm Breite, 3 mm Lamel
lenbreite, auf Bandscheibenniveau, ohne Kontakt zu neuralen Struktu
ren. Moderate Chondrose L4/5 und L5/S
1
mit kleinvolumigen Einrissen im Anulus fibrosus und geringere Ausweitung der dorsalen Diskuskon
tur, ohne Hinweis auf eine neurale Kompromittierung
-
1
6. April
2015 No
tfallkonsultation C._
:
Es
besteh
t
eine trauma
tische BWK11
-Fraktur mit aktuell etwa 14° Segmentkyphose. Die BWK7-Fraktur kann aktu
ell
nicht sicher bestätigt werden
-
5. Mai
2015 Konsul
t
ation
C._
: Konventionell-radiologisch unverändertes Sag
i
ttal- un
d
Frontalpro
f
il der Wirbels
äul
e. Unveränder
ter bisegmentaler Grundplatten-Winkel von 20°. Keine progrediente segmentale Kyphose.
Konservatives Prozedere empfoh
len
-
2
9. Mai
2015 Konsulta
ti
on
C._
: Konventionell-ra
d
iologisch unverändertes sagittales und frontales Alignement. Unver
änderter segmentaler Kyphose- und bisegmentaler Grunddeckplatten
winkel, zunehmende deckplattennahe Sklerosierung des BWK
11.
Keine Anschlussfraktur. Bandsche
i
benhöhe unverändert. Be
i konservativ an
behandelter BWK11
-Deckplattenimpressionsfraktur und aktuell
l
eicht positivem Trend empfehlen wir die Fortführung des konservativen Pro
zederes. Die Wiederaufn
ahme der Arbeitstätigkeit ist abhängig
vom kli
nischen Befund
-
3. Juli
2015 MRI
BWS und LWS:
Ältere BWK
11
-Fraktur mit Deckplat
tenimpression, ohne
Be
teiligung der Wirbel
hi
nterkante. Keine Kompres
sion d
es Spinalkanals. Multisegmentäre
Bandscheibendegeneration,
bei
spielsweise
beginnend mit Ost
e
ochondrose C6/7 und deutlicher Osteo
chondrose Typ 2 nach Modic BWK7/8 und weniger aktive Osteo
chondrose BWK8/9
-
Unfall vom 2
1. Januar
2015: Unklarer Treppensturz DD Arrhythmi
e
, or
thostatisch
-
Leichte traumatische Hirnverletzung
-
24. Februar
201
5
M
RI Schädel: Multiple, unspezifi
s
che Glioseherde der tiefen Markl
ager beider Grossh
irnhemis
phären. Kein Anhalt für eine In
tra- oder extrakraniale Traumafolge
-
Thoraxkontusion
-
Flankenkontusion links mit Mikrohämaturie
-
Kniekontusion rechts
-
Arterielle Hypertonie
-
Aneurysma der Aorta ascendens mit 4,8 cm Durchmesser
-
Nierenzyste
Dazu hielten sie fest, der Beschwerdeführer habe sich vom 31. August bis 6. Oktober 2015 in der Rehaklinik aufgehalten. Beim Austritt hätten bewe
gungs- und belastungsabhängige Rückenschmerzen (kein langes Liegen, Stehen oder Gehen), eine eingeschränkte Wirbelsäulenbeweglichkeit sowie Nervosität, Schlafstörung und Zukunftsängste bestanden. In seiner angestammten Tätigkeit sei er nicht mehr arbeitsfähig, in einer angepassten leichten bis mittelschweren Arbeit sei er ganztags arbeitsfähig (S. 2). Aus psychosomatischer Sicht hätten sich Hinweise auf eine dysfunktionale Schmerzverarbeitung ergeben. Er habe sich leicht herabgestimmt mit etwas verlangsamtem Denken präsentiert und über Insuffizienzgefühle, Energiemangel, Nervosität und Schlafstörungen be
richtet. Insgesamt sei diagnostisch von einer leicht ausgeprägten Anpassungs
störung auszugehen (S. 3).
3.2
Suva-Kreisarzt Prof. Dr. med. D._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, führte nach seiner Untersuchung vom 8. Januar 2016 (Urk. 7/28/85-88) aus, es zeige sich eine geringe Bewegungseinschränkung der Brustlendenwirbelsäule in allen Bewegungsebenen. Darüber hinaus bestehe ein Klopf- und Facettendruckschmerz im thorakolumbalen Übergang und im Stehen eine vermehrte Kyphosierung der Brustwirbelsäule. Die radiologische Kontrolle vom 11. November 2015 dokumentiere eine knöchern konsolidierte BWK11-Fraktur mit ventraler Höhenminderung und vermehrter Kyphose von ca. 15°. Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt könnten leichte Tätigkeiten ganztags im freien Wechsel zwischen sitzen, gehen und stehen verrichtet werden. Aus
schliesslich und überwiegend stehende Arbeiten seien dem Beschwerdeführer nicht zumutbar (S. 3).
3.3
Gemäss dem Bericht von Assistenzarzt Dr. med. E._ von der Klinik für Herz
chirurgie des F._ vom 19. April 2016 (Urk. 7/37) soll der Beschwerdeführer aufgrund der Ektasie der Aorta
ascendens
auf das Heben schwerer Lasten, Bauchpresse und Blutdruckanstieg >130mmHg verzichten. In einer so angepassten Tätigkeit sei er zu 100 % arbeitsfähig.
3.4
Dr. med. G._, FA für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom Regio
nalen Ärztlichen Dienst (RAD), hielt in seinen Beurteilungen vom 4. Februar 2016 (Urk. 7/30/3 f.) und vom 18. Mai 2016 (Urk. 7/44/3 f.) fest, es habe ledig
lich die unfallbedingte Diagnose Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Es sei deshalb weiterhin mit der Suva zu koordinieren und von einer 100%igen Arbeitsunfä
higkeit in der angestammten sowie einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwerden angepassten Tätigkeit auszugehen.
3.5
Dr. med. H._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in ihrem zu Händen des Beschwerdeführers ausgestellten Bericht vom 7. November 2016 (Urk. 3/4) die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome, fest und führte aus, er befinde sich seit 14. April 2016 bei ihr in der ambulanten psychiatrischen Behandlung. Er sei im Frühling 2016 an der depressiven Symptomatik erkrankt. Eine medi
kamentöse Behandlung mit Antidepressiva habe bislang keine Besserung des psychischen Zustandsbildes gebracht. Nach wie vor stehe eine schwere depres
sive Symptomatik im Vordergrund des Zustandsbildes, welche sich durch An
triebslosigkeit, Kraftlosigkeit, Müdigkeit, verminderte Aufmerksamkeit und Konzentration, kognitive Einschränkung, Vergesslichkeit, Nervosität, grosse in
nere Unruhe und Angespanntheit zeige. Er habe diagnostizierte Aorten Aneu
rysma, Hypertonie und kardiale Beschwerden. Er lebe in ständiger Angst, dass das Aneurysma platzen könnte. Er sei sowohl für die angestammte als auch für eine angepasste Tätigkeit wegen der oben erwähnten Symptomatik voll arbeits
unfähig.
4.
4.1
Vorliegend ist unbestritten und ausgewiesen, dass der Beschwerdeführer auf
grund seiner somatischen Beschwerden seit dem Unfall vom 21. Januar 2015 in der angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig ist. Ebenso ist ausgewiesen, dass er aus somatischer Sicht in einer den Beschwerden angepassten leichten Tätigkeit mit freiem Wechsel zwischen sitzen, gehen und stehen ohne aus
schliesslich oder überwiegend stehende Arbeiten zu 100 % arbeitsfähig ist. Das Heben schwerer Lasten, Bauchpresse oder eine Arbeit, die zu einem Blutdruck
anstieg >130mmHg führen würde (vgl. E. 3.3 hievor), ist bei einer leichten Tä
tigkeit nicht erforderlich, weshalb auch die Ektasie der Aorta
ascendens
nichts an der 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ändert. Dies wird vom Beschwerdeführer denn auch nicht bestritten.
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer machte jedoch geltend, er sei aufgrund seiner psychi
schen Beschwerden auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfä
hig, wohingegen die Beschwerdegegnerin von keiner psychischen Beeinträchti
gung ausging. Im Vorbescheidverfahren wies der Beschwerdeführer erstmals auf psychische Beschwerden hin, ebenso darauf, dass er deshalb bei Dr. med. I._, FMH Innere Medizin und Sportmedizin SGSM, in Behandlung sei (Urk. 7/35 S. 4). Die Beschwerdegegnerin holte daraufhin bei Dr. I._ einen Bericht ein, in welchem dieser jedoch weder auf psychische Beschwerden hinwies noch eine entsprechende Diagnose stellte (Bericht vom 28. April 2016; Urk. 7/38/5-7). Dementsprechend befand Dr. G._ vom RAD die Arbeitsfähigkeit lediglich aus unfallbedingten somatischen Gründen als eingeschränkt und emp
fahl, weiterhin mit der Suva zu koordinieren (E. 3.4 hievor). Erst im Beschwer
deverfahren reichte der Beschwerdeführer einen Bericht seiner behandelnden Psychiaterin ein (E. 3.5 hievor).
4.2.2
D
er massgebliche Beurteilungszeitraum
umfasst
lediglich
die Zeit bis zum
ver
fügungsweisen
Abschluss des Verwaltungsverfahrens
am 21. Oktober 2016 (BGE 132 V 215 E. 3.1.1). Dem erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung erstellten Bericht von Dr. H._ sind jedoch neue Erkenntnisse zu den Ver
hältnissen im hier massgebenden Zeitraum zu entnehmen, weshalb er ebenfalls zu berücksichtigen ist.
4.2.3
Der Beschwerdeführer ist seit dem 14. April 2016 bei Dr. H._ in psychiat
rischer Behandlung und nach ihrer Einschätzung sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig. Aus ihrem Be
richt wird jedoch nicht ersichtlich, inwiefern sie die von ihr erwähnten somati
schen Beeinträchtigungen - Aneurysma
der Aorta, Hypertonie und kardiale Be
schwerden - in ihre Einschätzung miteinbezog. Ebenfalls ist nicht ersichtlich, ab wann die 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehen soll. Zwar hielt sie fest, der Be
schwerdeführer sei im Frühling 2016 an der depressiven Symptomatik erkrankt. Noch im Oktober 2015 befanden die behandelnden Ärzte der B._ ihn jedoch trotz seiner psychischen Beschwerden als zu 100 % arbeitsfähig (E. 3.1 hievor). Dr. H._ äusserte sich dazu nicht. Die Diagnose einer re
zidivierenden depressiven Störung wurde von ihr zudem nicht weiter begründet. Mit Blick auf die Psychopathologie ist auch das Vorliegen einer schweren de
pressiven Episode nicht ohne Weiteres nachvollziehbar. Ohnehin ist
bei Berich
ten von Hausärzten und behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Das al
leinige Abstellen auf Berichte von
behandelnden Ärzten ist nur zulässig, wenn diese ein stimmiges und vollständiges Bild des Gesundheitszustandes abgeben (vgl.
etwa Urteil des Bundesgerichts I 828/06 vom 5. September 2007 E. 4.3 mit Hinweisen), was hier nicht der Fall ist.
4.2.4
Dies ändert jedoch nichts daran, dass eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bei derzeitigem Aktenstand nicht ohne Weiteres aus
geschlossen werden kann.
Der entscheidrelevante medizinische Sachverhalt er
weist sich in dieser Hinsicht als nicht ausreichend untersucht und es sind ergän
zende medizinische Abklärungen indiziert. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom
2
1.
Oktober 2016
(Urk. 2) auf
zuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie, nach erfolgter Ab
klärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch des Beschwerde
führers neu verfüge.
4.2.5
Bei diesem Verfahrensausgang ist auf die Ausführungen des
Beschwerdeführer
s zum Validen- und Invalideneinkommen sowie zur Verwertbarkeit einer allfälli
gen Restarbeitsfähigkeit nicht weiter einzugehen.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind
ermessensweise auf Fr. 500.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Ge
richt ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3
GSVGer). Entsprechend ist ihm eine Prozess
entschädigung von Fr. 1‘600.--
(inkl. Barauslagen und MWSt) auszurichten.