Decision ID: 19f39988-bb2d-4e2f-a7f4-28e99cbcef1a
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) hatte sich am 30. März 2004 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 1). Gestützt auf ein von der
Krankentaggeldversicherung veranlasstes Gutachten der Zentrum für
Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene GmbH (AEH) vom 26. April 2004 bzw. auf ein
neuropsychiatrisches Teilgutachten von Dr. med. Dr. phil. B._ vom 26. März 2004,
das ein dysfunktionales Schmerz- und Krankheitsverhalten bei „depressivem
Erschöpfungssyndrom“ bei psychosozialer Überforderung und mit zusätzlicher
depressiver Somatisierung (mittelschwere unspezifische depressive
psychopathologische Alteration) und ein Panvertebralsyndrom mit
Schmerzausstrahlung in alle Extremitäten bei psychischer Funktionsstörung
diagnostizierte und eine Restleistungsfähigkeit von 40% feststellte (IV-act. 19), wurde
der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 60% eine Dreiviertelsrente
zugesprochen, beginnend am 1. Juni 2004 (Verfügungen vom 25. November 2004 und
13. Januar 2005; IV-act. 30, 32).
A.b Anlässlich einer amtlichen Rentenrevision gab die Versicherte am 24. August 2006
an, ihre psychischen Probleme hätten zugenommen (IV-act. 40). Mit Verlaufsberichten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 18. September 2006 bestätigten die Hausärztin Dr. med. C._, FMH Innere
Medizin u. Rheumatologie, und die Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie
D._ eine Verschlechterung des Gesundheitszustands (IV-act. 43 f.). Nachdem sich
der Gesundheitszustand nach Ansicht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) nicht
wesentlich verändert hatte und namentlich die psychiatrische Problematik bereits im
Gutachten B._ berücksichtigt worden war (IV-act. 45), verfügte die IV-Stelle des
Kantons St. Gallen am 11. April 2007, dass die Rente nicht erhöht werde (IV-act. 56).
Die dagegen erhobene Beschwerde vom 14. Mai 2007 wurde als gegenstandslos
abgeschrieben, nachdem die IV-Stelle am 21. Juni 2007 die angefochtene Verfügung
widerrufen und neue Abklärungen angekündigt hatte (IV-act. 70).
A.c Die Abklärungen erfolgten in Form einer polydisziplinären Untersuchung vom 29.
April 2008 bei der Ärztliches Begutachtungsinstitut GmbH, Basel (ABI). Im
entsprechenden Gutachten vom 26. Mai 2008 diagnostizierte die ABI (mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit) eine leichte bis mittelgradige depressive Episode (F32.0/F32.1),
eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) sowie ein panvertebrales
Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle (M54.80) bei leichtgradiger Diskusprotrusion
LWK 4/5 und Diskushernie LWK5/SWK1 links ohne Neurokompression (M51.8) sowie
einen altersentsprechenden Befund an der HWS. Aus orthopädischer Sicht attestierte
die ABI der Versicherten sowohl für ihre angestammte Tätigkeit als Küchenhilfe als
auch für jede andere leichte bis mittelschwere Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit.
Körperlich schwere Tätigkeiten (Heben und Tragen von Lasten über 15 kg) seien der
Versicherten nicht zumutbar. In psychiatrischer Hinsicht bestehe eine Einschränkung
von 30%. Idealerweise sollte die Resterwerbsfähigkeit ganztags mit vermehrten
Pausen verwertet werden. Die festgestellte Arbeitsfähigkeit bestehe spätestens seit
April 2008 (IV-act. 85).
A.d Aus diesen Angaben errechnete die IV-Stelle eine Erwerbseinbusse von 21% und
verfügte am 10. Januar 2009 die Einstellung der Invalidenrente auf das Ende des
folgenden Monats (IV-act. 106-5 ff.). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen rechtskräftig dahingehend gut, dass der
Versicherten auch über den Februar 2009 hinaus eine Dreiviertelsrente zugesprochen
wurde (IV-act. 122). Aus dem ABI-Gutachten ergab sich eine bloss abweichende
Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts, was keine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Revision rechtfertigte. Weiter waren auch die Voraussetzungen für eine
Wiedererwägung nicht erfüllt (IV-act. 122-11 f.).
B.
B.a Im Rahmen eines im Juni 2013 eingeleiteten Revisionsverfahrens wurde die
Versicherte im April und Mai 2015 von der medizinischen Gutachtenzentrum Region St.
Gallen GmbH (MGSG) polydisziplinär (internistisch, psychiatrisch und orthopädisch)
begutachtet (Gutachten vom 22. Juni 2015, IV-act. 149). Als Diagnosen mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter eine rezidivierende depressive Störung mit
leichten bis mittelgradigen depressiven Episoden (F33.0/F33.1), bestehend seit etwa
2004, eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich vermeidenden, abhängigen
und infantilen Persönlichkeitszügen (F61.0) sowie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (F45.4). Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit massen sie einem
generalisierten Schmerzsyndrom bei minimalen Diskusvorwölbungen C3-7 ohne
neurale Kompression sowie den leichten Diskushernien L2-S1 speziell L3/4 mit
rezessaler Einengung der Nervenwurzel L4 beidseits ohne neurale Kompression sowie
Nebenschluss- und Besenreiservarizen an beiden Unter- und Oberschenkeln zu (IV-act.
149-52). Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit schätzten die Gutachter
seit 2004 auf 50%, in Tätigkeiten ohne erhöhte emotionale Belastung, ohne
Stressbelastung, ohne erforderliche geistige Flexibilität, ohne vermehrte
Kundenkontakte und ohne überdurchschnittliche Dauerbelastung, bei voller
Stundenpräsenz, seit 2004 auf 60% (IV-act. 149-53).
B.b Mit Vorbescheid vom 11. Januar 2016 stellte die IV-Stelle unter Berufung auf die
Schlussbestimmung lit. a der Änderung des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (SR 831.20; IVG) vom 18. März 2011 (nachfolgend SchlB) bei
einem Invaliditätsgrad von 40% die Herabsetzung auf eine Viertelsrente in Aussicht (IV-
act. 153). Trotz Einwands der Versicherten vom 16. Februar (IV-act. 154) und 18. März
2016 (IV-act. 160) hielt die IV-Stelle am Vorbescheid fest und teilte dies entsprechend
der Ausgleichskasse mit Beschluss vom 14. Juli 2016 mit (IV-act. 171 f.). Am 29. Juli
2016 verfügte sie die Herabsetzung auf eine Viertelsrente per 1. September 2016 (IV-
act. 174).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.c Bereits am 20. Juni 2016 hatte die IV-Stelle der Versicherten die Möglichkeit der
Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung bei Weiterausrichtung der
Dreiviertelsrente mitgeteilt (IV-act. 168). Diese hatte durch ihre Rechtsvertreterin am 12.
Juli 2016 ihren Willen und die Bereitschaft dazu mitteilen lassen (IV-act. 170).
Entsprechend verfügte die IV-Stelle wiederum gestützt auf lit. a SchlB am 2. August
2016 per 1. September 2016 die Weiterausrichtung einer Dreiviertelsrente. Die Rente
werde ausgerichtet, wenn Massnahmen zur Wiedereingliederung durchgeführt würden,
längstens bis am 31. August 2018. Bei Abbruch der Massnahme werde die
Dreiviertelsrente auf eine Viertelsrente herabgesetzt (IV-act. 176).
B.d Nachdem die Ausgleichskasse am 2. August 2016 den Beschluss zur
Weiterausrichtung der Dreiviertelsrente ab 1. September 2016 erhalten hatte, wurde die
Verfügung vom 29. Juli 2016 am 5. August 2016 widerrufen (AK-act. 4-30 f.). Am 30.
August 2016 annullierte die IV-Stelle diesen Widerruf (AK-act. 5).
C.
C.a Innert der in der Verfügung vom 30. August 2016 aufgeführten Rechtsmittelfrist
liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 3. Oktober 2016
Beschwerde erheben und unter Kosten- und Entschädigungsfolge folgende
Rechtsbegehren stellen: 1. Es sei festzustellen, dass die Verfügung vom 2. August
2016 in Rechtskraft erwachsen sei; 2. Es sei festzustellen, dass die Verfügungen vom
29. Juli, 5. August und 30. August 2016 gegenstandslos seien und keinerlei Wirkung
hätten; 3. Bei Ablehnung des Rechtsbegehrens 2 seien die in Ziffer 2 genannten
Verfügungen der IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) aufzuheben; 4. Die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, der Beschwerdeführerin weiterhin eine
Dreiviertelsrente auszuzahlen; eventualiter sei der Beschwerdeführerin eine ganze oder
halbe Rente der Invalidenversicherung auszuzahlen; 5. Der Beschwerdeführerin sei die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und die unterzeichnende Rechtsanwältin als
ihre unentgeltliche Rechtsbeiständin einzusetzen. Zur Begründung liess die
Beschwerdeführerin im Wesentlichen ausführen, dass unklar sei, welche Verfügung
bzw. welcher Inhalt schlussendlich verfügt worden sei. Die Verfügung vom 2. August
2016 sei nie widerrufen worden und somit nach Ablauf der Rechtsmittelfrist unter
Berücksichtigung der Gerichtsferien spätestens am 16. September 2016 in Rechtskraft
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erwachsen. Die Verfügung vom 29. Juli 2016 sei der Beschwerdeführerin lediglich
unvollständig zugestellt worden, womit eine rechtsgenügliche Zustellung nie
stattgefunden habe. Es sei weiter fraglich, ob der Widerruf eines Widerrufs vorliegend
überhaupt zulässig sei. Sollte dies der Fall sein, sei noch immer die Problematik
vorhanden, dass die Herabsetzungsverfügung vom 29. Juli 2016 nie formell vollständig
zugestellt worden sei, weshalb auch deren Gültigkeit angezweifelt werden müsse.
Aufgrund der verwirrlichen Vorgeschichte bestehe das beantragte
Feststellungsinteresse der Beschwerdeführerin. Eine klare und rechtsgenügliche
Herabsetzung der Dreiviertelsrente auf eine Viertelsrente sei demnach nicht verfügt
worden. Weiter lässt die Beschwerdeführerin ausführen, dass aufgrund der
medizinischen Diagnosen stark bezweifelt werden müsse, dass eine 60%-ige
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit effektiv gegeben sei. Bereits wegen der
Depression und der kombinierten Persönlichkeitsstörung müsse vorliegend in jeglicher
Tätigkeit von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 bis 60% ausgegangen
werden. Eine Herabsetzung der Dreiviertelsrente sei im aktuellen Zeitpunkt weder
sachgemäss noch entspreche es der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Erst
nach und durch die berufliche Wiedereingliederung könne die effektive Arbeitsfähigkeit
beurteilt werden. Allenfalls seien parallel dazu oder im Anschluss an die Abklärungen
bzw. Einsatzprogramme erneut medizinische Beurteilungen einzuholen, welche über
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in adaptiertem Bereich Aufschluss gäben.
Zudem sei selbst bei einer Arbeitsfähigkeit von 60% in angepasster Tätigkeit nicht klar,
wie hoch eine allfällige Rente wäre, da diese von einem Vergleich zwischen Validen-
und Invalideneinkommen abhänge und ein allfälliges Invalideneinkommen zur Zeit gar
nicht beurteilt werden könne.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 12. Dezember 2016 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Die Verfügung vom 29. Juli 2016
lebe mit der Widerrufsverfügung vom 30. August 2016 wieder auf. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb ein Widerruf eines Widerrufs nicht zulässig sein solle. Somit
gälten im vorliegenden Verfahren neben der Verfügung vom 30. August 2016 auch die
Verfügungen vom 29. Juli sowie 5. August 2016 als angefochten. Die Verfügung vom 2.
August 2016, mit welcher die Dreiviertelsrente infolge Massnahmen zur
Wiedereingliederung während längstens zwei Jahren weiter zugesprochen worden sei,
sei infolge Herabsetzung der Rente gestützt auf lit. a SchlB erlassen worden und hänge
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
somit ebenfalls vom Bestand der Verfügung vom 29. Juli 2016 ab. Die Verfügung vom
29. Juli 2016 habe auch ohne Verfügungsteil 2 Bestand, da aus ihr klar hervorgehe,
dass es sich um eine „Verfügung“ handle, mit welcher die IV-Rente ab 1. September
2016 auf eine Viertelsrente herabgesetzt worden sei. Es sei offentlich gewesen, dass
die Seiten 3 bis 5 fehlten, weshalb es der anwaltlich vertretenen Beschwerdeführerin
zumutbar gewesen wäre, die fehlenden Seiten anzufordern. Zudem sei die Begründung
der Herabsetzung der Rente bereits im Vorbescheid vom 11. Januar 2016 angekündigt
worden, und auch aus dem Schreiben der IV-Stelle sei ersichtlich gewesen, dass am
bisherigen Ergebnis der Herabsetzung auf eine Viertelsrente festgehalten werde.
Demzufolge seien Massnahmen zur Wiedereingliederung ange¬boten worden. Zudem
sei festzuhalten, dass auch bei Verletzung der Begründungspflicht diese nicht derart
schwer wiegen würde, dass eine Heilung im Beschwerdeverfahren angesichts der
vollen Kognition der Beschwerdeinstanz nicht angenommen werden könnte (act. G 7).
C.c In der Replik vom 10. Februar 2017 liess die Beschwerdeführerin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge folgende (neue) Rechtsbegehren stellen: 1. Die Verfügungen vom
29. Juli, 2. August, 5. August und 30. August 2016 seien aufzuheben; 2. Der
Beschwerdeführerin sei weiterhin eine Dreiviertelsrente der Invalidenversicherung
zuzusprechen; eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Zur Begründung lässt sie ausführen, dass
sämtliche Verfügungen als ausnahmslos angefochten gälten und Gegenstand des
Verfahrens seien. Vorliegend seien die Voraussetzungen zur Herabsetzung der Rente
gestützt auf lit. a SchlB nicht erfüllt. Die ursprüngliche Rentenzusprache habe nicht
ausschliesslich auf einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebild beruht. Zumindest mit der Diskushernie liege eine nachweisbare
organische Grundlage vor. Weiter sei festzuhalten, dass bereits im Gutachten vom 26.
März 2004 die Frage nach der Zumutbarkeit der Willensanspannung überprüft worden
sei. Diese sei als „wenigstens partiell gegeben“ bezeichnet worden und zwar insoweit,
dass die Beschwerdeführerin damals krankheitsbedingt, unter Ausschluss IV-fremder
Faktoren, medizinisch-theoretisch zu 40% als vermittelbar eingestuft worden sei. Eine
Arbeitsfähigkeit von 40% sei nur als theoretisch zumutbar erachtet worden. Die
aktuelle psychiatrische Begutachtung halte zudem fest, dass neben der chronischen
Schmerzsymptomatik und der rezidivierenden depressiven Störung mit leicht- bis
mittelgradig depressiven Episoden kombinierte Persönlichkeitsstörungen mit ängstlich-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vermeidenden, abhängigen und infantilen Persönlichkeitszügen vorlägen und damit nur
eine geringe soziale Funktionsfähigkeit bestehe. Das psychiatrische Teilgutachten halte
fest, dass damit eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität,
Ausprägung und Dauer angenommen werden könne und die Beschwerdeführerin nicht
ausreichend über die notwendigen Ressourcen für den Umgang mit Schmerzen, die
mit einer zumutbaren Willensanstrengung nur eingeschränkt überwindbar erschienen,
verfüge. Aus rein psychiatrischer Sicht und ohne Berücksichtigung der körperlich
begründbaren Beschwerden werde eine 50%-ige Arbeitsfähigkeit angenommen. Mit
Verweis auf das aktuelle psychiatrische Gutachten und dessen Verweise auf das
ursprüngliche Gutachten sei festzuhalten, dass bereits seit 2004 von einer
rentenauslösenden Persönlichkeitsstörung auszugehen sei und damit auch
diesbezüglich kein unklares Beschwerdebild vorliege. Damit stehe fest, dass die Rente
der Beschwerdeführerin nicht nach Massgabe von lit. a SchlB aufgehoben oder
herabgesetzt werden könne. Sollte wider Erwarten eine andere Ansicht vertreten
werden, so sei beim Invalideneinkommen zwingend ein Abzug von 25% vorzunehmen,
weshalb auch aus diesem Grund keine Anpassung erfolgen könne (act. G 10).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 14).
D.
Das Begehren bezüglich unentgeltliche Rechtspflege wurde mangels nachgewiesener
finanzieller Bedürftigkeit abgewiesen bzw. die Beschwerdeführerin hielt gestützt auf
das Schreiben des Versicherungsgerichts vom 14. Dezember 2016 daran nicht mehr
fest (act. G 8).
E.
E.a Mit Verfügung vom 10. März 2017 stellte die Beschwerdegegnerin die am 2.
August 2016 gewährte Massnahme zur Wiedereingliederung mit sofortiger Wirkung ein,
womit der Anspruch auf Weiterausrichtung der Dreiviertelsrente ende (act. G 1.1 im
Verfahren IV 2017/155). Am 22. April 2017 verfügte die Beschwerdegegnerin ab 1. April
2017 eine Viertelsrente in der Höhe von Fr. 365.-- (act. G 3.1 im Verfahren IV 2017/155).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E.b Auch gegen diese Verfügungen liess die Beschwerdeführerin am 27. April bzw. 29.
Mai 2017 Beschwerde erheben (Verfahren IV 2017/155). Die Verfügungen vom 10. März
bzw. 22. April 2017 seien aufzuheben, soweit darin festgestellt werde, dass der
Anspruch auf Weiterausrichtung der Dreiviertelsrente ende und auf den 1. des Monats
nach Erhalt dieser Verfügung auf eine Viertelsrente zu reduzieren sei. Bis zum
Abschluss des Verfahrens IV 2016/335 sei das Verfahren IV 2017/155 zu sistieren (act.
G 1, 3 im Verfahren IV 2017/155).
E.c Mit Schreiben vom 9. Mai und 2. Juni 2017 wurde dem Antrag auf Sistierung des
Verfahrens IV 2017/155 entsprochen (act. G 2, 4 im Verfahren IV 2017/155).

Erwägungen
1.
1.1 Gemäss lit. a Abs. 1 SchlB werden Renten, die bei pathogenetisch-ätiologisch
unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage
gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung
überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Art. 7 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) nicht erfüllt, so wird
die Rente herabgesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Revisionsvoraussetzungen
von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die Rente herabgesetzt oder
aufgehoben, so hat die Bezügerin oder der Bezüger Anspruch auf Massnahmen zur
Wiedereingliederung nach Art. 8a IVG. Ein Anspruch auf eine Übergangsleistung nach
Art. 32 Abs. 1 lit. c IVG entsteht dadurch nicht (Abs. 2). Werden Massnahmen zur
Wiedereingliederung nach Art. 8a durchgeführt, so wird die Rente bis zum Abschluss
der Massnahmen weiter ausgerichtet, längstens aber während zwei Jahren ab dem
Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung (Abs. 3).
1.2 Während die Verfügung vom 29. Juli 2016 in Anwendung von lit. a Abs. 1 SchlB
erging (Herabsetzung der ordentlichen Rente; IV-act. 174), verfügte die
Beschwerdegegnerin am 2. August 2016 gestützt auf die Abs. 2 und 3 (Massnahmen
zur Wiedereingliederung bzw. „Übergangsrente“; IV-act. 176). Dieses Vorgehen ist in
formeller Hinsicht nicht zu beanstanden. Dasselbe gilt in Bezug auf den offensichtlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
versehentlich ergangenen Widerrufsentscheid vom 5. August 2016 (AK-act. 4-30) bzw.
dessen korrekte Rücknahme vom 30. August 2016 (AK-act. 5).
1.3 Anfechtungsgegenstand bildet im Verfahren IV 2016/335 die Rentenherabsetzung
gestützt auf lit. a Abs. 1 SchlB. Die Verfügungen vom 29. Juli 2016, 5. August 2016 und
30. August 2016 beschlagen dieses Thema. Die Verfügung vom 2. August 2016,
welche gestützt auf lit. a Abs. 2 und 3 SchlB erging, blieb unangefochten und bildet
daher nicht Streitgegenstand.
2.
Unbestritten ist, dass lediglich zwei der fünf Seiten der Verfügung vom 29. Juli 2016
der Beschwerdeführerin zugestellt wurden. Auch befinden sich die fehlenden drei
Seiten nicht im Recht (IV-act. 174). Ob eine notwendige Auseinandersetzung mit den in
den Stellungnahmen vom 16. Februar (IV-act. 156-1 ff.) bzw. 18. März 2016 (IV-act.
160) aufgeführten Anträgen und Einwendungen der Beschwerdeführerin stattgefunden
hat (vgl. Art. 73ter und 74 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR
831.201]), ist damit nicht ersichtlich. Eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör ist vor diesem Hintergrund zu bejahen. Da die Beschwerdeführerin in ihrer Replik
jedoch einer materiellen Beurteilung den Vorzug gibt (act. G 10), ist auf eine
Rückweisung der Sache zur gehörsrechtlich korrekten Durchführung des
Verwaltungsverfahrens zu verzichten (Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 29. Mai 2009, IV 2007/396, E. 1.2).
3.
Strittig und zu prüfen ist damit, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige
Dreiviertelsrente zu Recht per September 2016 auf eine Viertelsrente herabgesetzt hat.
3.1 Formell stützt sich die Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 29. Juli 2016 auf
lit. a SchlB (vgl. zum Wortlaut der Bestimmung vorstehende E. 1.1). Die
Beschwerdeführerin bestreitet deren Anwendbarkeit.
3.2 In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Rente aufgrund eines pathogenetisch-
ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildes ohne nachweisbare organische
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Grundlage zugesprochen worden ist. Mit Blick auf die Zielsetzung der
Schlussbestimmung, nämlich Rentenbezüger in den dort gezogenen Grenzen
möglichst gleich zu behandeln wie Rentenanwärter, kommt es auf die Natur des
Gesundheitsschadens an, nicht auf eine präzise Diagnose. Soweit organische
Beeinträchtigungen auch zu einer Leistungseinschränkung beitrugen, hindert dies die
Anwendbarkeit der Schlussbestimmung nicht. Laufende Renten sind daher vom
Anwendungsbereich von lit. a SchlB nur auszunehmen, wenn und soweit sie auf
erklärbaren Beschwerden beruhen. Lassen sich unklare Beschwerden von erklärbaren
Beschwerden trennen, kann lit. a SchlB auf die unklaren Beschwerden Anwendung
finden (BGE 140 V 200 E. 6.2.3 in Präzisierung von BGE 139 V 568 f. E. 10; Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Juli 2014, 9C_384/2014, E. 3.2). Ein organisch begründeter
Teil der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwendbarkeit der Schlussbestimmung nur neu
beurteilt werden, sofern eine Veränderung im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
eingetreten ist (Urteil des Bundesgerichts vom 3. September 2014, 9C_121/2014, E.
2.4.2 mit Hinweisen).
3.3 Die von Seiten der Beschwerdeführerin vorgebrachte Voraussetzung, dass lit. a
SchlB nur zur Anwendung gelangen kann, wenn eine Rentenzusprache ausschliesslich
aufgrund der Diagnose eines pathogenetisch-äthiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebilds ohne nachweisbare organische Grundlage erfolgt ist, erweist sich
gestützt auf die vorstehende Erwägung als nicht (mehr) richtig.
3.4 Die ursprüngliche Rentenzusprache ist gestützt auf das Gutachten der AEH bzw.
auf das neuropsychiatrische Teilgutachten von Dr. B._ vom 26. März 2004 erfolgt (IV-
act. 18 f.). Diese hatten als Diagnosen ein dysfunktionales Schmerz- und
Krankheitsverhalten bei „depressivem Erschöpfungssyndrom“ bei psychosozialer
Überforderung und mit zusätzlicher depressiver Somatisierung (mittelschwere
unspezifische depressive psychopathologische Alteration) und ein
Panvertebralsyndrom mit Schmerzausstrahlung in alle Extremitäten bei psychischer
Funktionsstörung angegeben (IV-act. 18-1 f.). Aus somatischer Sicht sei eine körperlich
leichte Tätigkeit zumutbar. Die Einschränkungen von 60% würden sich aus der
psychischen Beeinträchtigung ergeben (IV-act. 18-3). Die organisch bedingten
Beschwerden haben damit nicht selbständig zur Begründung des Rentenanspruchs
beigetragen bzw. verstärkten höchstens die Auswirkungen des psychischen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdebilds. Aufgrund des dysfunktionalen Schmerz- und Krankheitsverhaltens
mit depressiver Somatisierung ist die ursprüngliche Rentenzusprache auch aufgrund
eines pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebilds ohne
nachweisbare organische Grundlage erfolgt, womit die Anwendbarkeit von lit. a SchlB
in Bezug auf das vorausgesetzte Beschwerdebild gegeben ist. Inwieweit allenfalls
ursprünglich ein von der Schmerzstörung losgelöstes depressives Leiden und eine
Persönlichkeitsstörung im Sinne einer nichtsyndromalen Gesundheitsschädigung eine
anspruchserhebliche Arbeitsunfähigkeit mitverursacht hat und damit von der Revision
nach lit. a SchlB auszunehmen wäre, kann – wie sich nachfolgend zeigt – offenbleiben.
4.
4.1 Rechtsprechungsgemäss soll lit. a SchlB nicht zur Anwendung gelangen, wenn die
Rentenzusprache bereits auf der Grundlage der massgebenden
Überwindbarkeitsrechtsprechung bzw. Schmerzrechtsprechung erfolgt ist (BGE 140 V
13 f. E. 2.2.1.3). Folglich ist zu prüfen, ob die damals geltende Rechtsprechung
betreffend die somatoforme Schmerzstörung (BGE 130 V 352 [Urteil vom 12. März
2004]) bei Erlass der rentenzusprechenden Verfügung vom 25. November 2004 (IV-act.
30) bzw. 13. Januar 2005 (IV-act. 32) zur Anwendung kam. Als diesbezüglich
massgeblich waren folgende Kriterien (sog. „Foerster-Kriterien“) anerkannt worden: –
das Vorliegen einer mitwirkenden, psychisch ausgewiesenen Komorbidität von
erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer oder aber das Vorhandensein
anderer qualifizierter, mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllter Kriterien wie etwa: –
chronische körperliche Begleiterkrankungen und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei
unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerfristige Remission; – ein
ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; – ein verfestigter,
therapeutisch nicht mehr angehbarer innerseelischer Verlauf einer an sich
missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer
Krankheitsgewinn ["Flucht in die Krankheit"]); – ein unbefriedigendes
Behandlungsergebnis trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder
stationärer Behandlungsbemühungen (auch mit unterschiedlichem therapeutischem
Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung der versicherten Person (130 V 354 f. E. 2.2.3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2 Wie erwähnt, ist die ursprüngliche Rentenzusprache gestützt auf das Gutachten
der AEH bzw. auf das neuropsychiatrische Teilgutachten von Dr. B._ vom 26. März
2004 erfolgt. Dr. B._ setzt sich zwar nicht explizit mit den vorgenannten Foerster-
Kriterien auseinander, nimmt in seinem Teilgutachten indes inhaltlich dazu Stellung und
verweist ausdrücklich u.a. auf Foerster (IV-act. 19-9). Die Leistungsfähigkeit der
Beschwerdeführerin wurde unter Berücksichtigung von Art, Ausmass und Schweregrad
der neuropsychischen Beeinträchtigungen hinsichtlich Psychopathologie,
neurokognitivem Restleistungspotenzial, sozial-interaktionellem Verhalten,
Psychodynamik der Störung, Krankheitseinsicht, Zumutbarkeit von
Krankheitsbewältigungsstrategien, Ausmass der nicht-intentionalen innerpsychischen
Abwehr, psychischem Verformungsprozess im Längsverlauf relativ zum prämorbiden
Habitualpotenzial, Ausmass der krankheitsbedingten Lebensraumeinschränkung und
seelisch-psychischen Absorption, unter Ausschluss IV-fremder Faktoren (u.a. Alter,
wirtschaftliche Verhältnisse, Kultur, Ethnologie, Malassimilation, normalpsychologische
Alteration, psychosoziale Stressoren, sekundärer Krankheitsgewinn), auf 40 bis 50%
geschätzt bzw. eine berufliche Tätigkeit im Umfang von 40% theoretisch als zumutbar
erachtet (IV-act. 19-9 f.). Mit der erfolgten ausführlichen inhaltlichen Abhandlung dieser
Punkte sind nicht nur die Foerster-Kriterien zur Zumutbarkeitsbeurteilung abgedeckt,
sondern auch die gemäss neuer bundesgerichtlicher Praxis (BGE 140 V 281 [Urteil vom
3. Juni 2015]) aufgeführten Indikatoren. Dr. B._ begründet ausführlich und schlüssig,
inwieweit die entsprechenden Leiden oder ihre Folgen gemäss seiner Einschätzung mit
einer zumutbaren Willensanstrengung aufgrund der vorhandenen Ressourcen (nicht)
überwindbar sind. Zu einer aus objektiver Sicht nicht vollständig überwindbaren
Erwerbsunfähigkeit gelangt auch das aktuellste Gutachten des MGSG vom 22. Juni
2015, welches der Beschwerdeführerin aufgrund einer relevanten psychischen
Komorbidität die notwendigen Ressourcen für den Umgang mit den Schmerzen
abspricht, so dass diese mit einer zumutbaren Willensanstrengung nur eingeschränkt
überwindbar seien (IV-act. 149-47).
4.3 Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass das Gutachten der AEH vom 26.
März 2004 bzw. das neuropsychiatrische Teilgutachten von Dr. B._ inhaltlich sowohl
die Kriterien der Rechtsprechung nach BGE 130 V 352 als auch jene nach BGE 140 V
281 erfüllte. Damit kam bei Erlass der rentenzusprechenden Verfügungen (25.
November 2004 bzw. 13. Januar 2005; IV-act. 30, 32) die Rechtsprechung bezüglich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen Beschwerdebildern ohne
nachweisbare organische Grundlage inhaltlich zur Anwendung, womit gestützt auf die
Ausführungen in vorstehender E. 4.1 lit. a SchlB bei der Herabsetzung der Rente nicht
als Rechtsgrundlage herangezogen werden kann. Nachdem Revisions- (Art. 17 Abs. 1
ATSG) bzw. Wiedererwägungsgründe (Art. 53 Abs. 2 ATSG) nicht ersichtlich sind (vgl.
dazu die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich
gebliebenen Sachverhalts im MGSG-Gutachten; IV-act. 149) und auch seitens der
Beschwerdegegnerin nicht geltend gemacht wurden, ist die Beschwerde gutzuheissen.
Die Verfügungen vom 29. Juli 2016 (Zusprache einer Viertelsrente), vom 5. August 2016
(Widerruf der Zusprache einer Viertelsrente) sowie vom 30. August 2016 (Aufhebung
der Widerrufsverfügung vom 5. August 2016) sind aufzuheben. Die Beschwerdeführerin
hat auch ab 1. September 2016 weiterhin Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
4.4 Die Frage nach Wiedereingliederungsmassnahmen und „Übergangsrente“, wie sie
am 2. August 2016 verfügt (IV-act. 176) und am 10. März bzw. 22. April 2017 eingestellt
wurden (act. G 1.1, 3.1 im Verfahren IV 2017/155), würde bei Eintritt der Rechtskraft
des vorliegenden Entscheids hinfällig. Die Rechtsnatur der Verfügung vom 2. August
2016 braucht vorliegend nicht abschliessend geprüft zu werden, zählt die Verfügung
doch nicht zum Anfechtungsgegenstand dieses Verfahrens. Mit Blick auf das Verfahren
IV 2017/155 ist jedoch der Hinweis angebracht, dass der Verfügung vom 2. August
2016 der Charakter einer vorsorglichen Massnahme zukommen dürfte, die je nach
rechtskräftigem Ausgang der Revision der ordentlichen Invalidenrente automatisch
hinfällig bzw. gegebenenfalls in eine ordentliche Leistungsverfügung umgewandelt
wird.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr zurückzuerstatten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/15
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter hat keine Honorarnote eingereicht. Im hier zu beurteilenden,
durchschnittlich aufwändigen Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer
somit mit Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.