Decision ID: e3c3af99-4d8b-4bf5-b6de-b97a2a130f3e
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
A._ ist unter anderem Eigentümer von Grundstück Nr. 001, Grund-
buch Z._, im Spickel zwischen der M._strasse (Gemeindestrasse
1. Klasse) und der N._strasse (Gemeindestrasse 3. Klasse) sowie
der Grundstücke Nrn. 002 und 003 an der N._strasse in Z._.
Sämtliche Grundstücke liegen gemäss geltendem Zonenplan der Po-
litischen Gemeinde Z._ vom 23. Juni 1996 in der Landwirtschafts-
zone. Bei den Grundstücken Nrn. 001, 002 und 003 handelt es sich
um unüberbautes, ackerfähiges Land.
B.
a) Mit Baugesuch vom 11. März 2019 beantragte A._ bei der Po-
litischen Gemeinde Z._ die Baubewilligung für die Erstellung von
Wildschutzzäunen sowie für eine Nutzungsanpassung der Remise
(Vers.-Nr. 005) auf Grundstück Nr. 004 (das ebenfalls im Eigentum
von A._ steht) an die aktuelle bodenabhängige Produktion. In den
nachgereichten Situationsplänen 1:500 vom 6. März 2019 wird der
Verlauf der Wildschutzzäune entlang des Grundstücks Nr. 001 (Plan
Nr. 3988_17 – 122) sowie entlang der Grundstücke Nrn. 002 und 003
(Plan Nr. 3988_17 – 123) aufgezeigt. Die Wildschutzzäune weisen
eine Höhe von 1,8 m auf und halten einen Strassen- bzw. Grenzab-
stand von einem Meter ein. Im Situationsplan Nr. 3988_17_121 wird
die Umnutzung der Remise (Vers.-Nr. 005) angegeben, indem die
Baute rot umrandet wurde.
b) Mit Schreiben vom 11. April 2019 forderte das Amt für Raument-
wicklung und Geoinformation weitere Unterlagen über die geplante
Umnutzung und die baulichen Massnahmen an der Remise sowie
über die geplante Ausführung (Bemusterung, Beispiel, Beschrieb) der
Wildschutzzäune ein.
c) Innert der Auflagefrist vom 4. April bis 17. April 2019 wurden drei
Einsprachen gegen das Bauvorhaben erhoben.
d) Mit Verfügung vom 3. Mai 2019 erliess die Bauverwaltung Z._
einen Baustopp wegen unbewilligter Bauarbeiten auf den Grundstü-
cken Nrn. 001, 002 und 003. Diese Verfügung wurde von B._, Ge-
meindepräsident, und C._, Bauverwalter, unterzeichnet.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob A._, vertreten durch lic.iur. Urs Pfis-
ter, Rechtsanwalt, St.Gallen, mit Schreiben vom 8. Mai 2019 Rekurs
beim Baudepartement. Mit Rekursergänzung vom 12. Juni 2019 wer-
den folgende Anträge gestellt:
1. Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben;
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 3/14
2. Es sei festzustellen, dass das Aufstellen von einzelnen Pfosten für einen Weidezaun (max. Höhe 1,79 m) nicht baubewilligungspflichtig ist;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass die angefochtene Verfü-
gung, sofern diese überhaupt als rechtsgültig zu betrachten sei, aus
inhaltlichen Gründen aufzuheben sei. Das Aufstellen von einem oder
mehreren Einzelpfosten (max. Höhe im Endzustand: 1,79 m) für einen
Weidezaun für Landwirtschaftsflächen, die bodenabhängig bewirt-
schaftet würden, sei als nicht baubewilligungspflichtig zu betrachten.
D.
a) Mit Schreiben vom 13. Mai 2019 teilt der Rekurrent durch seinen
Rechtsvertreter der Vorinstanz mit, dass zur Sicherung der Pflanzung
ein mobiler Weidezaun aufgestellt werde, um die Ernte 2019 gegen
Diebstahl und Beschädigung zu sichern, nachdem sich das Bauge-
suchsverfahren für die Erstellung eines festen, dauernden Zauns auf-
grund der eingegangenen Einsprachen verzögere. Die Eckpfähle
seien aus Holz, dazwischen seien Weidezaunpfähle aus Kunststoff
(mobil) mit 4 Drähten bzw. Litzen auf einer Höhe von rund 30 cm,
60 cm, 90 cm und 120 cm vorgesehen. Wildtiere könnten solche
Zäune im Allgemeinen passieren; ein Hängenbleiben sei praktisch
nicht möglich. Das Aufstellen eines mobilen Weidezauns zum Schutz
der bodenabhängigen Bewirtschaftung sei nicht baubewilligungs-
pflichtig.
b) Mit Schreiben vom 20. Juni 2019 reicht die D._ Architektur
GmbH, X., im Namen der Bauherrschaft die Begründung und Materia-
lisierung der Baueingabe zu den Wildschutzzäunen bei der Vorinstanz
ein. Darin wird ausgeführt, dass die Bauherrschaft verschiedene Schä-
den an den gepflanzten Spezialkulturen durch Wildeinfall erlitten habe.
Um Gewächskulturen künftig vor Schäden zu bewahren, würden Wild-
schutzzäune errichtet. Alternativ sei auch der Einsatz von Pflanzen-
schutznetzen abgeklärt worden. Das Amt für Natur, Jagd und Fische-
rei des Kantons St.Gallen riete aber davon ab, weil sich Tiere darin
verfangen und dadurch verenden könnten. Vorgesehen sei bei den
betreffenden Grundstücken Nrn. 001, 002 und 003 ein nicht elektrifi-
zierter, permanenter Knotengitterzaun mit Drahtabständen von maxi-
mal 25 cm. Die Abstände zwischen den Zaunpfählen aus Holz sollten
dabei 4 bis 7 m nicht überschreiten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 4/14
(Abbildung 1)
c) Mit Stellungnahme vom 20. Juni 2019 an die Vorinstanz erklärt
der Rekurrent durch seinen Rechtsvertreter, dass die Remise (Vers.-
Nr. 005), die bisher für das Einstellen und Zwischenlagerung von Äp-
feln in mobilen Behältnissen und Material/Werkzeug für den Obstbau
verwendet worden sei, neu für die Lagerung von mobilen Behältnissen
mit Jungpflanzen für Industriehanf genutzt werde, bevor diese im Frei-
land gepflanzt würden, sowie Material und Werkzeug für die Produk-
tion von Industriehanf. Die Produktion bleibe bodenabhängig. Es gebe
keine baulichen Veränderungen im Innern, lediglich beim Mobiliar
könne es Veränderungen geben. Die Freilandpflanzungen seien ver-
schiedenen Beeinträchtigungen und Gefährdungen ausgesetzt; einer-
seits bestehe das Risiko des Diebstahls, anderseits könne es Schäden
durch Wildtiere geben. Daher sei die streitige Umzäunung notwendig
und die Baubewilligung zu erteilen.
E.
a) Mit Vernehmlassung vom 31. Juli 2019 beantragt die
Vorinstanz, vertreten durch lic.iur.HSG Christoph Spahr, Rechtsan-
walt, Arbon, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Zur Begründung wird geltend gemacht, dass auf das
Feststellungsbegehren – das Aufstellen einzelner Pfosten für einen
Weidezaun sei nicht baubewilligungspflichtig – nicht einzutreten sei.
Dieses würde eine materielle Beurteilung des Vorhabens nötig ma-
chen. Eine solche könne jedoch nur aufgrund konkreter Angaben über
die Ausgestaltung des Weidezauns in einem ordentlichen Bewilli-
gungsverfahren erfolgen. Rekursgegenstand sei die Verfügung betref-
fend Einstellung der Bauarbeiten im Zusammenhang mit der Errich-
tung von Schutzzäunen auf den Grundstücken Nrn. 001, 002 und 003.
Gemäss Baugesuch sei ein permanenter Schutzzaun in der Höhe von
1,8 m mit einem Knotengitter aus Metalldraht geplant. Die konkrete
Ausgestaltung und Materialisierung seien in der Eingabe vom 20. Juni
2019 nachgereicht worden. Soweit der Rekurrent behaupte, er habe
lediglich Pfosten für einen gewöhnlichen Weidezaun gesetzt, sei dem
zu widersprechen, weil ein solcher keineswegs Zaunpfähle mit einer
Höhe von 1,8 m erfordere. Die Baueinstellungsverfügung sei von zu-
ständiger Stelle erlassen worden. Im Übrigen stehe die Baueinstel-
lungsverfügung in keinem Zusammenhang mit dem hängigen Bauge-
such bzw. den dazu eingegangenen Einsprachen, sondern einzig mit
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 5/14
der nicht bewilligten Bautätigkeit. Ein Ausstandsgrund für den Gemein-
depräsidenten und den Bauverwalter sei daher nicht erkennbar.
b) Auf die Einholung einer Vernehmlassung beim Amt für Raum-
entwicklung und Geoinformation wurde verzichtet.
F.
a) Mit Schreiben vom 27. November 2019 legt die verfahrenslei-
tende Sachbearbeiterin der Rechtsabteilung dem Rekurrenten im
Rahmen einer vorläufigen Beurteilung nahe, den Rekurs zurückzuzie-
hen. Stattdessen macht der Rekurrent mit Eingabe vom 3. Februar
2020 geltend, dass aus der angefochtenen Verfügung nicht ansatz-
weise hervorgehe, was für Bautätigkeiten ausgeführt worden seien,
welche die Bauverwaltung als baubewilligungspflichtig erachte. Der
angefochtenen Verfügung mangle es somit am erforderlichen Min-
destinhalt. In der vorläufigen Beurteilung sei von einem falschen Sach-
verhalt ausgegangen worden, deren Darstellung über den Sachverhalt
entspreche nicht der Darstellung des Sachverhalts in der angefochte-
nen Verfügung. Ob ein Weidezaun, der während der Vegetationszeit
aufgestellt werde, allenfalls baubewilligungspflichtig sei oder nicht, sei
nicht Gegenstand des vorliegenden Rekursverfahrens. Gegenstand
sei einzig die Frage, ob die angefochtene Verfügung rechtmässig sei.
Und diese Verfügung könne gar nicht rechtmässig sein, weil in der
Verfügung nicht stehe, was für angebliche Bautätigkeiten als bewilli-
gungspflichtig erachtet worden seien. Zudem sei die Verfügung in
Missachtung der Ausstandspflichten von einer unzulässigen Stelle er-
lassen worden, weshalb sie nichtig sei.
G.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
2.
Der Rekurrent beantragt, es sei festzustellen, dass das Aufstellen ein-
zelner Pfosten (max. Höhe 1,79 m) für einen Weidezaun nicht baube-
willigungspflichtig sei.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 6/14
2.1 Durch die Feststellungsverfügung werden keine neuen Rechte
und Pflichten begründet, geändert oder aufgehoben. Sie dient lediglich
der Klärung der Rechtslage, indem das Bestehen, das Nichtbestehen
oder der Umfang von verwaltungsrechtlichen Rechten und Pflichten
verbindlich festgestellt wird (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl., Zürich/St.Gallen 2016, Rz. 889). Der Erlass
einer Feststellungsverfügung setzt das Vorhandensein eines Feststel-
lungsinteresses voraus. Ein solches wird nur dann bejaht, wenn der
Betroffene ein rechtliches oder tatsächliches, aktuelles Interesse am
Erlass einer solchen Verfügung dartun kann und die Verfügung
Rechtsfolgen und nicht theoretische Rechtsfragen zum Gegenstand
hat. Das Interesse an der Feststellung gilt nur als aktuell, wenn in der
gleichen Angelegenheit keine gestaltende Verfügung erlassen werden
kann (Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 1998/I/4).
2.2 Vorliegend ist die Frage, ob die ausgeführten Bauarbeiten bau-
bewilligungspflichtig sind, gerade Gegenstand der angefochtenen
Baueinstellungsverfügung sowie des Rekursverfahrens. Lediglich,
wenn die Baubewilligungspflicht bejaht wird, kann die Zulässigkeit der
Baueinstellungsverfügung bejaht werden. Es besteht somit kein sepa-
rates Feststellungsinteresse, weshalb diesbezüglich auf den Rekurs
nicht eingetreten werden kann. Im Übrigen ist auf den Rekurs ist ein-
zutreten.
3.
3.1 Der Rekurrent macht geltend, dass die angefochtene Verfügung
von einer unzulässigen Stelle erlassen worden und daher nichtig sei.
3.1.1 Fehlerhafte Entscheide sind nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung nichtig, wenn der ihnen anhaftende Mangel besonders
schwer ist, wenn er sich als offensichtlich oder zumindest leicht er-
kennbar erweist und durch die Annahme der Nichtigkeit die Rechtssi-
cherheit nicht ernsthaft gefährdet wird. Als Nichtigkeitsgründe fallen
vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit der entscheidenden
Behörde sowie krasse Verfahrensfehler in Betracht (BGE 133 II 366
Erw. 3.2 mit Hinweis auf BGE 129 I 361 Erw. 2.1). Schwerwiegende
Form- oder Eröffnungsfehler können unter Umständen ebenfalls die
Nichtigkeit einer Verfügung nach sich ziehen (HÄFELIN/MÜLLER/
UHLMANN, a.a.O., Rz. 1119).
3.1.2 Mit der angefochtenen Verfügung vom 3. Mai 2019 wurde im
Sinn einer vorsorglichen Massnahme nach Art. 18 VRP die Einstellung
der Bauarbeiten verfügt. Nach Art. 18 Abs. 2 VRP verfügt für die Re-
gierung das zuständige Departement bzw. bei Kollegialbehörden der
Vorsitzende solche vorsorglichen Massnahmen. Dies entspricht der
Regelung des Art. 23 Abs. 1 VRP. Mangels entsprechender gesetzli-
cher Vorschrift entfällt aber die Mitteilungspflicht des Art. 23 Abs. 2
VRP (B. MÄRKLI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxiskommentar zum
Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege (VRP), Zürich/St.Gallen
2020, Art. 18 N 33). Gemäss Art. 2 des Baureglements der Politischen
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 7/14
Gemeinde Z._ vom 22. Dezember 2006 ist die Bauverwaltung zu-
ständig für die Erteilung von Baubewilligungen im Meldeverfahren. Sie
übt die unmittelbare Bauaufsicht aus und vollzieht die Beschlüsse des
Gemeinderates. Im Übrigen sind die Ortsplanung und die örtliche Bau-
polizei mit Verweis auf Art. 2 des Baugesetzes vom 6. Juni 1972
(nGS 8, 134; abgekürzt BauG) Sache der politischen Gemeinde und
daher – wenn auch nur implizit – Sache des Gemeinderates.
3.1.3 Demnach liegt es ohne Weiteres in der Zuständigkeit des Ge-
meindepräsidenten als Vorsitzendem des Gemeinderates eine vor-
sorgliche Massnahme gestützt auf Art. 18 Abs. 2 VRP zu verfügen.
Die angefochtene Massnahme wurde unbestrittenermassen vom zu-
ständigen Gemeindepräsidenten (und dem Bauverwalter) unterzeich-
net. Es liegt daher kein Fall einer Verfügung durch eine unzuständige
Behörde vor, weshalb die angefochtene Verfügung nicht an einem
Nichtigkeitsgrund leidet. Allein eine falsche Bezeichnung der verfügen-
den Behörde (Bauverwaltung) stellt in solchen Fällen keinen derart
schweren Mangel dar, der die Nichtigkeit zur Folge hätte. Zutreffend
ist jedoch, dass es sich um eine Verfügung des Gemeinderates bzw.
des Vorsitzenden des Gemeinderates handelt. Die Rüge der Nichtig-
keit der Verfügung ist daher unbegründet.
3.2 Im Weiteren rügt der Rekurrent, der Gemeindepräsident und der
Bauverwalter seien befangen, weil eine Gemeinderätin gegen das
hängige Baugesuch Einsprache erhoben habe.
3.2.1 Als Ausfluss des in Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung
(SR 101) enthaltenen Anspruchs auf eine unabhängige und
unparteiliche Verfahrensführung in Verfahren vor Gerichts- und
Verwaltungsinstanzen durch eine ordnungsgemäss zusammen-
gesetzte Behörde ergibt sich eine allgemeine Ausstandspflicht für
Behördenmitglieder oder öffentlich Angestellte, welche ein
persönliches Interesse an dem zu behandelnden Geschäft haben, mit
einem Verfahrensbeteiligten nahe verwandt sind oder für die sich aus
anderen Umständen eine Befangenheit ergibt; eine tatsächliche
Befangenheit muss nicht gegeben sein, es genügt bereits, wenn bei
objektiver Betrachtung der Anschein der Befangenheit entstehen kann
(CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen,
St.Gallen 2003, N 175). Dementsprechend bestimmt Art. 7 Abs. 1
VRP, dass Behördenmitglieder, öffentliche Angestellte und amtliche
Sachverständige, die Anordnungen treffen, solche vorbereiten oder
daran mitwirken, von sich aus in den Ausstand zu treten haben,
a) wenn sie selbst, ihre Verlobten oder Ehegatten, ihre eingetragenen Partner, ihre Verwandten und Verschwägerten bis und mit dem dritten Grad, ihre Adoptiv-, Pflege- oder Stiefeltern oder ihre Adoptiv-, Pflege- oder Stiefkinder, der eingetragene Partner eines Elternteils oder die Kinder des eingetragenen Partners an der Angelegenheit persönlich beteiligt sind. Der Ausstandsgrund der Verschwägerung
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 8/14
besteht nach Auflösung der Ehe oder der eingetragenen Partnerschaft fort;
b) wenn sie Vertreter, Beauftragte, Angestellte oder Organe einer an der Angelegenheit beteiligten Person sind oder in der Sache Auftrag erteilt haben;
bbis) wenn sie bei einer Anordnung einer Vorinstanz mitgewirkt haben;
c) wenn sie aus anderen Gründen befangen erscheinen.
Der Ausstandsgrund nach Art. 7 Abs. 1 Bst. c VRP verlangt nicht, dass
die betroffene Person tatsächlich befangen ist. Es genügt, wenn sie
befangen sein könnte oder befangen erscheint. Allein das persönliche
Empfinden einer Partei reicht dafür aber nicht aus. Das Misstrauen in
die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit muss durch vernünftige
Gründe objektiv gerechtfertigt sein (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., N 191).
Misstrauen in die Unparteilichkeit kann namentlich in einem
bestimmten subjektiven Verhalten der betroffenen Person oder in
funktionellen und organisatorischen Gegebenheiten begründet sein.
Funktionelle und organisatorische Gründe werden aber nicht
grundsätzlich als Ausstandsgründe anerkannt (I. HÄNER, Die
Beteiligten im Verwaltungsverfahren und Verwaltungsprozess, Zürich
2000, N 448). Befangenheit ist in der Regel zu bejahen, wenn eine
besonders ausgeprägte Freundschaft oder Feindschaft besteht. Als
befangen gilt auch, wer ein unmittelbares persönliches Interesse am
Ausgang des Verfahrens hat (CAVELTI/VÖGELI, a.a.O., N 192).
3.2.2 Vorsorgliche Massnahmen sind sofort zu erlassen, wenn Kennt-
nis von rechtswidrigem Verhalten besteht. Ein solches Vorgehen liegt
im öffentlichen Interesse, vor allem wenn unbewilligte Bautätigkeiten
ausserhalb der Bauzone vorgenommen werden. Bei der Wahrung öf-
fentlicher Interessen besteht generell keine Ausstandspflicht
(VerwGE B 2011/182 vom 3. Juli 2012 Erw. 3.2). Private Interessen
des Gemeindepräsidenten und des Bauverwalters am Erlass eines
Baustopps sind dagegen nicht ersichtlich; einzig der Umstand, dass
ein Mitglied des Gemeinderates Einsprache gegen ein Baugesuch des
Rekurrenten erhoben hat, reicht dazu jedenfalls nicht aus. Eine Ver-
letzung von Ausstandsregeln liegt damit nicht vor.
4.
Im Weiteren macht der Rekurrent geltend, aus der angefochtenen
Baueinstellungsverfügung gehe nicht hervor, welche Bautätigkeiten
ausgeführt worden seien bzw. welche als baubewilligungspflichtig er-
achtet würden.
4.1 Die Vorinstanz betitelt ihren Baustopp vom 3. Mai 2019 mit
"Nicht bewilligte Bauarbeiten, Neubau Wildschutzzäune, Z._,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 9/14
Grundstücke Nrn. 001, 002, 003" und führt aus, dass die Bauverwal-
tung per dato festgestellt habe, dass auf den Grundstücken Nrn. 001,
002 und 003 bewilligungspflichtige Bautätigkeiten ausgeführt würden.
4.2 Insgesamt fällt die Darstellung des Sachverhalts und die Be-
gründung in der angefochtenen Baueinstellungsverfügung etwas
knapp aus, doch aus dem Wortlaut ist klar ersichtlich, dass es um die
nicht bewilligte Erstellung der Wildschutzzäune auf den Grundstücken
Nrn. 001, 002 und 003 geht. Dass der Rekurrent die Baueinstellungs-
verfügung zusätzlich auf die Umnutzung der Remise (Vers.-Nr. 005)
ausweitete, liegt vermutlich darin begründet, dass er sich auf das
Grundstück Nr. 004 (statt Nr. 002) bezog, worauf die besagte Remise
liegt. Der Einwand, dass es der angefochtenen Verfügung am erfor-
derlichen Mindestinhalt nach Art. 24 VRP fehle, ist unbegründet.
5.
5.1 Nach Art. 159 Abs. 1 Bst. a in Verbindung mit Art. 158 des Pla-
nungs- und Baugesetzes (sGS 731.1; abgekürzt PBG) wird von der
politischen Gemeinde die Einstellung der Arbeiten verfügt, wenn durch
die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewilligung oder auf an-
dere Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaffen wird. Unter ei-
nem Baustopp versteht man den Befehl der Baubehörde an den Bau-
herrn, sämtliche oder näher umschriebene Bauarbeiten unverzüglich
einzustellen und bis zu einer gegenteiligen Anordnung ruhen zu las-
sen. Der gewöhnlich unbefristete Baustopp bleibt so lange in Kraft, bis
eine abweichende vorsorgliche Massnahme verbunden mit der Bau-
freigabe oder aber der baurechtliche Entscheid in der Sache selbst
bzw. eine andere Anordnung ergeht (CH. MÄDER, Das Baubewilli-
gungsverfahren, Diss. Zürich 1991, N 631 ff. zu § 43; M. RUOSS FIERZ,
Massnahmen gegen illegales Bauen, Diss. Zürich 1999, S. 95).
Die Baueinstellung kommt zunächst bei formell baurechtswidrigen
Bauarbeiten in Frage. Eine formelle Baurechtswidrigkeit ist gegeben,
wenn keine Bewilligung vorliegt, von einer solchen abgewichen wurde
oder Bedingungen bis vor Baubeginn bzw. bis zu einem in der Baube-
willigung bestimmten Zeitpunkt nicht erfüllt werden. Mit einem Bau-
stopp bei Vorliegen einer formellen Baurechtswidrigkeit kann die Bau-
behörde sicherstellen, dass der Baubewilligungszwang nicht ohne Fol-
gen umgangen werden kann, die präventive Kontrolle, welche die Bau-
behörde durch das Baubewilligungsverfahren gewährleistet, nicht un-
terlaufen wird, der illegal Bauende oder Nutzende gegenüber dem
rechtstreuen Bürger keinen zeitlichen Vorteil hat sowie allfällige mate-
rielle Baurechtswidrigkeiten nicht verstärkt werden (RUOSS FIERZ,
a.a.O., S. 20 ff. und S. 98 f.).
5.2 Vorliegend ist unbestritten, dass für die mit Baugesuch vom
11. März 2019 beantragte Errichtung der Wildschutzzäune (in dieser
Ausgestaltung) eine Baubewilligung notwendig ist. Dieses Baubewilli-
gungsverfahren ist jedoch noch anhängig und es wurde für die Errich-
tung der Zäune (noch) keine Baubewilligung erteilt. Entsprechend hat
die Vorinstanz zu Recht die Einstellung der Arbeiten wegen formeller
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 10/14
Baurechtswidrigkeit verfügt, sofern und soweit die Arbeiten sich auf die
mit dem hängigen Baugesuch beantragten Zäune beziehen.
6.
Der Rekurrent rügt jedoch, dass die Vorinstanz zu Unrecht von einer
Ausführung des Bauvorhabens gemäss Baugesuch ausgegangen sei.
Es handle sich lediglich um einzelne Holzpfosten, welche – in den Bo-
den gerammt – die Endhöhe von 1,79 m nicht überschritten. Das Ein-
bringen einzelner Holzpfosten, wie auch das Aufstellen eines Wei-
dezauns, bedürfe keiner Baubewilligung. Es fragt sich somit, ob für
das Einbringen der "einzelnen Holzpfosten" eine Baubewilligung erfor-
derlich ist. Denn wie bereits unter Erwägung 2.1 erwähnt, hängt davon
die Zulässigkeit der Baueinstellungsverfügung ab.
6.1 Nach Art. 22 bzw. 24 des Bundesgesetzes über die Raumpla-
nung (SR 700; abgekürzt RPG) dürfen Bauten und Anlagen inner- und
ausserhalb der Bauzonen nur mit behördlicher Bewilligung errichtet
werden. Das kantonale Recht darf den Kreis der nach diesen Bestim-
mungen bewilligungspflichtigen Bauten und Anlagen nicht einschrän-
ken; vielmehr bleibt es den Kantonen vorbehalten, über den bundes-
rechtlichen Mindeststandard hinauszugehen und weitere Vorgänge
der Bewilligungspflicht zu unterstellen (Urteil des Bundesgerichtes
1C_509/2010 vom 16. Februar 2010 Erw. 2.3.1 mit Hinweisen). Der
bundesrechtliche Begriff "Bauten und Anlagen" ist vom Gesetzgeber
nicht näher umschrieben worden. Nach der Rechtsprechung gelten als
"Bauten und Anlagen" jedenfalls jene künstlich geschaffenen und auf
Dauer angelegten Einrichtungen, die in bestimmter fester Beziehung
zum Erdboden stehen und die Nutzungsordnung zu beeinflussen ver-
mögen, weil sie entweder den Raum äusserlich erheblich verändern,
die Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen (BGE 113
Ib 315 Erw. 2b; WALDMANN/HÄNNI, Handkommentar zum Raumpla-
nungsgesetz, Bern 2006, Art. 22 N 10). Die Bewilligungspflicht soll der
Behörde die Möglichkeit verschaffen, das Bauprojekt vor seiner Aus-
führung auf die Übereinstimmung mit der raumplanerischen Nutzungs-
ordnung und der übrigen einschlägigen Gesetzgebung zu überprüfen.
Massstab dafür, ob eine Massnahme erheblich genug ist, um sie dem
Baubewilligungsverfahren zu unterwerfen, ist daher, ob damit im All-
gemeinen, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, so wichtige räum-
liche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder
der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht (vgl. Urteil des
Bundesgerichtes 1C_784/2013 vom 23. Juni 2014 Erw. 2.1; BGE 139
II 134 Erw. 5.2 f. je mit Hinweisen). Zur Frage, ob diese Voraussetzun-
gen bei Drahtmaschenzäunen ausserhalb der Bauzone gegeben sind
und die Baubewilligungspflicht daher zu bejahen ist, hat sich das Bun-
desgericht schon in verschiedenen Urteilen geäussert. So hat es ein
Damhirschgehege aus Maschendraht als künstlich geschaffene und
auf Dauer angelegte Einrichtung mit bestimmter fester Beziehung zum
Erdboden bezeichnet. Ein zwei Meter hohes Gehege mit Stahlrohr-
pfosten vermöge auch die Nutzungsordnung zu beeinflussen, verän-
dere es doch den Raum durch sein Erscheinungsbild erheblich. Eine
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 11/14
solche Umzäunung zähle daher zu den baubewilligungspflichtigen An-
lagen. Ebenso hat das Bundesgericht ein 1,8 m hohes Rothirschge-
hege klarerweise als eine der Bewilligungspflicht unterliegende Ein-
richtung qualifiziert (vgl. BGE 118 Ib 49 Erw. 2b, S. 52 f., mit Hinwei-
sen auf unveröffentlichte Entscheide).
6.2 Ob der streitige Zaun nun nur noch mit einer Höhe von 1,79 m
statt 1,8 m erstellt werden soll, ist hierbei ohne Belang, da sich der
bundesrechtliche Begriff der Bauten und Anlagen nach einer wirkungs-
bezogenen Betrachtungsweise bestimmt. Massgebend sind somit
nicht in erster Linie quantitative, sondern qualitative Aspekte. Die Ein-
zäunungen erstrecken sich über gewaltige Flächen (Grundstück
Nr. 001: 23'481 m2, Grundstück Nr. 002: 8'597 m2, Grundstück
Nr. 003: 5'397 m2), und die bei den Akten liegenden Fotos (Abb. 2)
zeigen klar auf, dass die zu erstellenden Zäune, auch wenn statt des
Knotengitters lediglich Drähte gespannt würden, das Landschaftsbild
erheblich verändern würden. Daher ist das Einbringen der Holzpfähle
zwecks Erstellung eines Zauns – und es geht dabei nicht um das Ein-
bringen einzelner Holzpfosten – allein schon gestützt auf Art. 22 RPG
bewilligungspflichtig.
6.3 Im Übrigen ist anzumerken, dass diese Holzpfosten in ihrer Mas-
sivität durchaus denjenigen im Baugesuch entsprechen und nicht auf
einen mobilen Weidezaun hindeuten. Mobile Weidezäune zeichnen
sich dadurch aus, dass deren Stangen ohne grössere Anstrengung in
den Boden gestossen und auch wieder versetzt werden können. Die
vom Rekurrenten verwendeten Holzpfähle müssen hingegen in den
Boden gerammt werden und sind nicht ohne Weiteres wieder zu ent-
fernen oder zu versetzen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 12/14
(Abbildung 2)
6.4 Obwohl sich die Bewilligungspflicht bereits aus der bundesrecht-
lichen Minimalvorschrift ergibt, ist anzumerken, dass die Bewilligungs-
pflicht für Mauern und Einfriedungen längs Gemeindestrassen, Wegen
und Plätzen von mehr als 1,2 m Höhe in der Bauzone nach kantonaler
Gesetzgebung ebenfalls gegeben ist, wie sich aus dem Wortlaut im
Umkehrschluss aus Art. 136 Abs. 2 Bst. c PBG ergibt. Und was für
Vorhaben innerhalb der Bauzone gilt, gilt erst recht ausserhalb der
Bauzone.
Alle Zäune auf den Grundstücken Nrn. 001, 002 und 003 verlaufen zu-
mindest an einer Seite entlang von Gemeindestrassen. Damit die Um-
zäunung die ihr zugedachte Funktion als Schutz vor Diebstahl und
Wildfrass erfüllen kann, ist die Umzäunung entlang aller Grundstücks-
grenzen erforderlich (wie dies das eingereichte Baugesuch auch vor-
sieht) und somit sind die drei Umzäunungen in ihrer Gesamtheit auch
aus diesem Grund bewilligungspflichtig.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Einbringen der Zaunpfähle
für die Umzäunung baubewilligungspflichtig ist, unabhängig davon, ob
es sich um die Errichtung des Zauns gemäss Baugesuch oder eines
1,79 m hohen Weidezauns handelt. Die von der Vorinstanz verfügte
Einstellung der Arbeiten ist daher rechtmässig. Der Rekurs erweist
sich deshalb als unbegründet und ist abzuweisen, soweit darauf ein-
zutreten ist.
8.
8.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu überbinden.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 34/2020), Seite 13/14
8.2 Der von der E._ GmbH, Z._, am 15. Mai 2019 geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'800.– wird angerechnet.
9.
Rekurrent und Vorinstanz stellen ein Begehren um Ersatz der ausser-
amtlichen Kosten.
9.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Ent-
schädigung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Un-
terliegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
9.2 Da der Rekurrent mit seinen Anträgen unterliegt, hat er von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Sein Begehren ist deshalb abzuweisen.
9.3 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen. Ihr Begehren ist daher abzuweisen.