Decision ID: c2e2ed0a-c043-5141-8330-55545843a027
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 25. Oktober 2020 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich mit der Fingerabdruck-Datenbank "Eurodac" ergab,
dass er bereits am 19. Februar 2020 in den Niederlanden und am 6. April
2020 in Deutschland Asyl beantragt hatte.
Anlässlich der Erstbefragung von unbegleiteten minderjährigen Asylsu-
chenden (UMA) vom 11. November 2020 in Begleitung seiner Rechtsver-
treterin beziehungsweise Vertrauensperson wurde der Beschwerdeführer
zu seinem Reiseweg und seinen Asylgründen befragt. Gleichentags wurde
ihm das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und
der Möglichkeit einer Überstellung in die Niederlande oder nach Deutsch-
land gewährt, welche grundsätzlich für die Behandlung seines Asylgesuchs
zuständig seien gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO). Die grundsätzliche Zuständigkeit dieser Mit-
gliedstaaten wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte
er geltend, nicht in die Niederlande zurückkehren zu wollen, da er dort als
Volljähriger behandelt worden sei und zusammen mit erwachsenen Män-
nern habe leben müssen. Diese hätten ihn mit einer Flasche am Arm ver-
letzt, was er den Behörden jedoch nicht mitgeteilt habe. Nach Deutschland
wolle er nicht, da er befürchte, in die Niederlande abgeschoben zu werden.
B.
Auf dem Personalienblatt gab der Beschwerdeführer den (...) als sein Ge-
burtsdatum an. Abklärungen ergaben, dass er in den Niederlanden mit dem
Geburtsdatum (...) und in Deutschland mit (...) registriert worden war. Dem
Beschwerdeführer wurde dazu am 11. November 2020 das rechtliche Ge-
hör gewährt, wobei er seine Volljährigkeit bestritt und die Einreichung einer
Geburtsurkunde in Aussicht stellte. Die Vorinstanz verzichtete in der Folge
auf weitere Abklärungen, änderte das Geburtsdatum im Zentralen Migrati-
onssystem (ZEMIS) auf den (...) und versah dieses mit einem Bestrei-
tungsvermerk.
C.
Am 13. November 2020 ersuchte das SEM die niederländischen Behörden
um Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. b
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Dublin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am 24. November 2021 gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO entsprochen.
D.
Mit Verfügung vom 14. Januar 2021 (eröffnet tags darauf) trat das SEM in
Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf das Asylge-
such des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Überstellung in die
Niederlande, welche gemäss Dublin-III-VO für die Behandlung seines Asyl-
gesuchs zuständig sei. Gleichzeitig verfügte das SEM den Vollzug der
Wegweisung dorthin und stellte fest, einer allfälligen Beschwerde gegen
den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung zu.
E.
Mit Beschwerde vom 22. Januar 2021 an das Bundesverwaltungsgericht
beantragte der Beschwerdeführer, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzu-
heben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten. Eventualiter sei die Sache
zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht ersuchte er um Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Die
Vorinstanz sei anzuweisen, bis zum Entscheid über den Suspensiveffekt
der Beschwerde von einer Überstellung in die Niederlande abzusehen.
Weiter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Verzicht auf die Er-
hebung eines Kostenvorschusses zu gewähren.
F.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 25. Januar 2021 setzte das Bun-
desverwaltungsgericht den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen
aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist einzutreten.
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1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
3.
3.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.
4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des Staa-
tes wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag
gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
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Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet
grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III statt
(vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1 m.w.H.).
Von Wiederaufnahmeverfahren ausgeschlossen sind unbegleitete Minder-
jährige (vgl. FILZWIESER/SPRUNG, Dublin III-Verordnung, Wien 2014,
Kap. 16 zu Art. 8). Im Falle von unbegleiteten Minderjährigen ohne famili-
äre Anknüpfungspunkte (zu einem anderen Mitgliedstaat) ist gemäss Art. 8
Abs. 4 Dublin-III-VO der Staat zuständig, in welchem der Minderjährige sei-
nen Antrag gestellt hat. Eine Anwendung dieser Bestimmung würde im vor-
liegenden Fall eine vorrangige Zuständigkeit der Schweiz begründen.
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Staat systemische Schwachstellen aufweisen, die eine
Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne
von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2012/C
326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist zu prü-
fen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zuständig
bestimmt werden kann. Ist dies nicht der Fall, wird der die Zuständigkeit
prüfende Mitgliedstaat zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-
III-VO).
4.3. Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt
wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat
oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-
haltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder auf-
zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO).
Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen, einen
bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestellten An-
trag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in dieser
Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
Sowohl der Mitgliedstaat, in dem ein Antrag auf internationalen Schutz ge-
stellt worden ist und der das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen
Mitgliedstaates durchführt, als auch der zuständige Mitgliedstaat kann vor
der Erstentscheidung in der Sache jederzeit einen anderen Mitgliedstaat
ersuchen, den Antragsteller aus humanitären Gründen oder zum Zweck
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der Zusammenführung verwandter Personen aufzunehmen, wobei die be-
troffenen Personen diesem Vorgehen schriftlich zustimmen müssen
(Art. 17 Abs. 2 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. humanitäre Klausel).
5.
5.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 19. Februar 2020 in den Nieder-
landen ein Asylgesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die
niederländischen Behörden am 13. November 2020 um Wiederaufnahme
des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO. Diese stimmten
dem Gesuch um Übernahme am 24. November 2020 zu.
Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in den Niederlanden ein Asylgesuch
eingereicht zu haben. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Staates ist
somit gegeben.
5.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, minderjährig zu sein. Die Be-
weislast für die behauptete Minderjährigkeit trägt grundsätzlich die asylsu-
chende Person. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung ist eine Abwägung
sämtlicher Anhaltspunkte, die für oder gegen die Richtigkeit der betreffen-
den Altersangaben sprechen, vorzunehmen. Wesentlich sind dabei als für
echt befundene Identitätspapiere oder eigene Angaben der betroffenen
Person (vgl. Urteil des BVGer E-4931/2014 vom 21. Januar 2015 E. 5.1.1,
mit Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der [vormaligen] Asylre-
kurskommission [EMARK] 2004 Nr. 30). Sämtliche Anhaltspunkte sind ab-
zuwägen, wobei das Resultat des Altersgutachtens nur ein Element bei der
Beurteilung der Frage der Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Min-
derjährigkeit darstellt (vgl. Urteil des BVGer D-6422/2016 vom 10. Januar
2017 E. 5.5).
Der Beschwerdeführer reicht auch auf Beschwerdeebene keine Identitäts-
dokumente ein, die seine angebliche Minderjährigkeit belegen könnten.
Die in Aussicht gestellte Geburtsurkunde legt er nur als Foto zu den Akten,
obwohl er wusste, dass das Original erforderlich ist. Damit kann auch nicht
überprüft werden, ob es sich – wie der Beschwerdeführer behauptet – um
eine beglaubigte Fotokopie handelt. Seine Rechtsvertreterin beantragte
anlässlich des Gesprächs vom 11. November 2020 eine Frist von zwei bis
drei Wochen für die Beibringung des Originals (vgl. SEM-Akten act. [...]-12
S. 3). Bis zur Einreichung der Beschwerde hätte er damit genügend Zeit
gehabt, die Geburtsurkunde im Original zu beschaffen. Aufgrund seines
Aussageverhaltens kann sodann ebenfalls nicht auf die behauptete Min-
derjährigkeit geschlossen werden; er nannte stets zwei Jahreszahlen, an
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welchen er eingeschult beziehungsweise die Schule abgeschlossen haben
will (vgl. act. [...]-12 S. 5 f.). Weiter machte er geltend, im Besitz einer Iden-
titätskarte und eines Familienbüchleins zu sein. Diese Dokumente würden
sich bei seinem Vater befinden; er wolle zu diesem jedoch keinen Kontakt
aufnehmen (vgl. act. [...]-12 S. 2 und 9). Er begründete nicht weiter, wes-
halb ihm die Kontaktaufnahme nicht möglich sein soll. Mit dem Beschwer-
deführer ist davon auszugehen, dass gestützt auf sein Aussehen keine Al-
terseinschätzung möglich ist. Hingegen deutet die Registrierung in den
Niederlanden mit dem Geburtsdatum vom (...) darauf hin, dass er dieses
selbst angegeben hat. Unwahrscheinlich scheint, dass die niederländi-
schen Behörden sein angebliches Geburtsdatum vom (...) bei Annahme
seiner Volljährigkeit um fünf Jahre auf den (...) korrigierten. Es besteht auf-
grund der bestehenden Akten der Verdacht, dass er bei der Anmeldung in
der Schweiz versucht hat, sein Alter zu verschleiern. Die niederländischen
Behörden gingen sodann trotz Hinweis seitens des SEM auf seine Regist-
rierung als Minderjähriger in der Schweiz von der Volljährigkeit aus, wes-
halb sie einer Rückübernahme zustimmten.
In einer Gesamtwürdigung ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen,
seine Minderjährigkeit nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu ma-
chen, weshalb er als volljährig betrachtet wird. Die Vorinstanz durfte auf-
grund der vorliegenden Indizien darauf verzichten, eine medizinische Al-
tersbestimmung anzuordnen.
5.3. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-
che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen für Asylsuchende in den Niederlanden würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
Die Niederlande sind Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR
0.142.301) und kommen ihren diesbezüglichen völkerrechtlichen Verpflich-
tungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat anerkenne
und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien
des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni
2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung
des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie 2013/33/EU
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vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Per-
sonen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie) er-
geben.
5.4. Der Beschwerdeführer hat kein konkretes und ernsthaftes Risiko dar-
getan, die niederländischen Behörden würden sich weigern, ihn wieder
aufzunehmen und seinen Antrag auf internationalen Schutz unter Einhal-
tung der Regeln der Verfahrensrichtlinie zu prüfen. Den Akten sind denn
auch keine Gründe für die Annahme zu entnehmen, sie würden in seinem
Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur Ausreise
in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr
laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden.
Ausserdem hat der Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer
Rückführung erwartenden Bedingungen in die Niederlanden seien derart
schlecht, dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grund-
rechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten. Es liegen keine
Hinweise dafür vor, dass die Behandlung seines Asylgesuchs mangelhaft
gewesen sein könnte und seine Wegweisung in Verletzung des Non-Re-
foulement-Prinzips verfügt worden wäre. In diesem Zusammenhang ist der
Vollständigkeit halber festzustellen, dass ein definitiver Entscheid über ein
Asylgesuch und die Wegweisung in das Heimatland nicht per se eine Ver-
letzung des Non-Refoulement-Prinzips darstellen. Vorliegend führt die
Überstellung des Beschwerdeführers in die Niederlande gemäss Akten
nicht zu einer Kettenabschiebung, welche gegen das Non-Refoulement-
Prinzip verstossen würde, wie es in Art. 33 FK verankert ist (und sich aus-
serdem aus Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK
ableiten lässt).
Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die An-
nahme dargetan, die Niederlande würden ihm dauerhaft die ihm gemäss
Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorent-
halten. Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich
im Übrigen nötigenfalls an die niederländischen Behörden wenden und die
ihm zustehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern
(vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
5.5. Gemäss ärztlicher Auskunft vom 14. Januar 2021 wurde beim Be-
schwerdeführer eine (...) mit (...) Symptomen diagnostiziert, weshalb er
einmal pro Woche eine (...) besucht und zum Einschlafen Medikamente
erhält (vgl. act. [...]-47). Seit seiner Kindheit leide er an Darmproblemen in
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Stresssituationen. Seine gesundheitlichen Probleme sind jedoch nicht der-
art gravierend, als dass eine Überstellung in die Niederlande eine tatsäch-
liche Gefahr (real risk) einer Verletzung von Art. 3 EMRK mit sich bringen
würde (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung des
EGMR sowie Urteil des EGMR P. gegen Belgien vom 13. Dezember 2016
[Nr. 41738/10]). Damit handelt es sich beim Beschwerdeführer nicht um
eine besonders verletzliche Person.
Im Übrigen ist allgemein bekannt, dass die Niederlande über eine ausrei-
chende medizinische Infrastruktur verfügen. Die Mitgliedstaaten sind ver-
pflichtet, den Antragstellern die erforderliche medizinische Versorgung, die
zumindest die Notversorgung und die unbedingt erforderliche Behandlung
von Krankheiten und schweren psychischen Störungen umfasst, zugäng-
lich zu machen (Art. 19 Abs. 1 Aufnahmerichtlinie); Antragstellern mit be-
sonderen Bedürfnissen ist die erforderliche medizinische oder sonstige
Hilfe (einschliesslich nötigenfalls einer geeigneten psychologischen Be-
treuung) zu gewähren (Art. 19 Abs. 2 Aufnahmerichtlinie). Es liegen keine
Hinweise vor, wonach die Niederlande dem Beschwerdeführer eine adä-
quate medizinische Behandlung verweigern würden.
5.6. Für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV1 in
Verbindung mit Art. 17 Dublin-III-VO besteht demnach keine Veranlassung.
Eine Ermessensunterschreitung liegt nicht vor. Der Vollständigkeit halber
ist festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht
einräumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
5.7. Allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-
sammenhang mit der COVID-19-Pandemie stellen – gemäss aktuellem
Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse dar und vermö-
gen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern (vgl. Urteil
des BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2).
6.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung in Anwendung von Art. 44 AsylG ebenfalls zu
Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
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7.
Da das Fehlen von Überstellungshindernissen bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheides gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG ist, sind
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen (vgl. BVGE 2015/18 E. 5.2
m.w.H.).
8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen und die Verfügung
des SEM zu bestätigen.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie
auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstands-
los erweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist unbesehen seiner finanziellen Ver-
hältnisse abzuweisen, da die Beschwerde gemäss den vorstehenden Er-
wägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist, und es daher an einer ge-
setzlichen Grundlage zu deren Gewährung fehlt.
10.
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 25. Januar 2021 verfügte Vollzugs-
stopp dahin.
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