Decision ID: 8c2e0f02-c1c8-50e3-82b1-0a9310e54d56
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972, war seit dem 1. September 2013 mit einem Pensum von 80
%
bei der
Y._
GmbH
als Fahrzeugeinkäufer tätig und dadurch bei der Suva
obligatorisch unfallversichert. Des Weiteren war er
als Servicemitarbeiter
beim
Ristorante
Z._
angestellt (Urk. 7/
23 S.
1-
2
).
A
m
7. Oktober 2013 befand er sich als Beifahrer in einem Auto, als vor einem Rotlicht das
da
hinter folgende Auto nicht mehr rechtzei
tig bremsen konnte und auf das Auto
auffuhr
, in welchem
d
er
Versicherte
sich befand
(Unfallmeldung vom 1
4
. Oktober 201
3
, Urk.
7
/1
; Urk. 7/
25 S. 1
). Dabei erlitt er gemäss den Angaben der
erstbehandelnden
Ärzte de
s
Spitals
A._
ein
e HWS-Distorsion sowie eine Schulter
kontusion links. Diesen Diagnosen lagen bildgebende Abklärungen von
Halswirbelsäule (HWS)
,
Brustwirbelsäule (BWS)
,
Lendenwirbelsäule (LWS)
, Thorax und der
linken Schulter zugrunde (Bericht vom 7.
Oktober 2013, Urk. 7/25 S. 1
;
Urk. 7/30-31
).
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, attes
tierte dem Versicherten ab dem Unfalltag
bis
(mindestens)
zum 3
0.
April 2015
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/23,
Urk. 7/38
S. 2-3
, Urk. 7/41, Urk. 7/43-44, Urk. 7/49, Urk. 7/56, Urk. 7/61,
Urk. 7/70-71, Urk. 7/74
S. 1
,
Urk. 7/
81
S. 2
,
Urk. 7/83-84
je S. 1
, Urk. 7/89
S. 1
, Urk. 7/93
S. 2
,
Urk. 7/101
S. 1
,
Urk. 7/111).
Am 1
6.
Dezember 2013 folgte eine neurologische Untersuchung
im Neuro
-
zent
rum
C._
(
Bericht vom 2
3.
Dezember 2013,
Urk. 7/
39).
Vom 3.
bis am 3
1.
Juli 2014 hielt sich der Versicherte in der Rehaklinik
D._
auf, wobei während dieses Aufenthalts weitere Untersuchungen vorgenom
men wurden (Urk. 7/
69,
Urk. 7/76
-78
).
Am 2
3.
September 2014 begab sich der Versicherte bei
Dr.
med.
E._
,
F._
AG,
Psychiatrie
zentrum
G._
, in Behandlung (Urk. 7/82). In der Klinik für Neurologie des
H._
wurden im September und November 2014 Konsultationen und Untersuchungen durchgeführt (Urk. 7/85-88). Am
3.
März 2015 gaben med.
pract.
I._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, Konsiliarpsychiater der Suva, und am
17. März 2015
Dr.
med.
J._
,
Facharzt für Chirurgie und
Kreisarzt der Suva, ärzt
liche Kurzberichte ab (
Urk. 7/97
und
Urk. 7/100
).
Mit Verfügung vom
30
. März 201
5
stellte die Suva die von ihr bis dahin erbrachten Leistungen
unter Verneinung des adäquaten Kausalzusammen
hangs
zwischen dem Unfall vom
7.
Oktober 2013 und den
persistierenden
Beschwerden
in Anwendung der
Praxis bei psychischen Fehlentwicklungen nach Unfall
(
Psycho-Praxis;
BGE 115 V 133)
per
1.
April 2015
ein (Urk.
7/103
).
Dagegen erhob der Versicherte am
4. April 2015
Einsprache (Urk.
7/104
). Diese wies die Suva am
3.
November 2015
ab (Urk.
7/119
= Urk. 2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
3.
November 2015
(Urk. 2) erhob der Versi
cherte am 2
7.
November 2015
Beschwerde (Urk. 1
/1
) und beantragte
sinngemäss
weiter
e Unfallversicherungsleistungen
. In der Beschwerdeantwort vom
2
3.
Dezember 2015
schloss die Suva auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk.
6
). Dies wurde dem Beschwerdeführer am
4.
Januar 2016
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Absatz 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) vom 2
5.
September 2015 werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der Ände
rung
vom 2
5.
September 2015, das heisst vor dem
1.
Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt, weshalb im Folgenden die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesene Rechtslage zitiert wird.
1.
2
Gemäss
Art.
6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Beja
hung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedin
gungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern
Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.5
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adä
quate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kau
salität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammen
hang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.
6
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlan
gen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen
Gesche
hensablauf
– folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungs
weise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 199
9 UV Nr. 10 E.
2).
1.7
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht auf
grund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulö
sen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim
mert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Im gesamten mittleren Bereich kann ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdi
gung des Unfalles zusammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu forschen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbegünstigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) davon aus, gemäss de
r
Stellungnahme
ihre
s
Kreisarztes
Dr.
J._
vom
17. März 2015
sei von einer weiteren Behandlung keine namhafte Besserung zu erwarten. Die geklagten Beschwerden seien von somatischer Seite
unfallbe
dingt
nicht zu erklären, insbesondere da auch im Bericht des
H._
keine strukturellen Befunde erhoben worden seien, welche die geklagten Beschwer
den erklären könnten. Es sei davon auszugehen, dass die diagnostizierte
Dis
kushernie
HWK 5/6
vorbestehend und im Rahmen des Unfallgeschehens dann symptomatisch geworden sei. Eine eigentliche unfallbedingte Läsion habe somit nicht stattgefunden.
Daher
könne mit Datum der Untersuchung in der Klinik für Neurologie des
H._
vom 11. November 2014 von einem
S
tatus quo sine ausgegangen werden.
Objektivierbare Folgen des Unfalls im Sinne von strukturellen Veränderungen lägen keine (mehr) vor. Die bildgebenden Abklärungen hätten keine Hinweise auf unfallbedingte ossäre Läsionen erge
ben und laut dem Bericht von
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Neuro
logie
, vom 31.
Juli
2014 best
ü
nden klinisch-neurologisch und
elektrophy
siologisch
normale Befunde. Gemäss den Ausführungen der Klinik für Neu
rologie vom 1
1.
November 2014 bestehe kein Zusammenhang zwischen den bildgebend nachgewiesenen Veränderungen lumbal, thorakal sowie zervikal und dem Unfall (S. 7-8).
Somit
lägen
allerhöchstens
noch sogenannte orga
nisch nicht hinreichend erklär
bare
n
Beschwerden
vor (S. 8). Der Argumenta
tion „post hoc ergo propter hoc“ des Beschwerdeführers komme kein Beweis
-
wert zu (S.
3 f.
und S. 8)
.
Insbesondere gestützt auf die Berichte
des Psychiaters Dr.
E._
ging
die
Suva davon aus, dass psychische Beschwerden in den Vordergrund getreten seien.
Sie führte aus, zur Prüfung des adä
quaten Kausal
zusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und den nicht organisch-strukturellen Beschwerden gelange
die Psycho-Praxis zur Anwendung (S. 9)
.
Sie
qualifi
zierte
die Auffahrkollision vom 7.
Oktober 2013
als mittelschweres
Unfaller
eignis
im Grenzbereich zu den leichten Unfällen
und verneinte die Adäquanz in Anwendung der Psycho-Praxis
, wobei sie sämtliche Kriterien verneinte
(S.
11
).
Weiter ist ihrem Entscheid zu entnehmen, d
er Fallabschluss sei nicht zu früh erfolgt, weil
aus somatischer Sicht von einer weiteren Behandlung keine namhafte Besserung zu erwarten gewesen sei
und
da der Endzustand bei der Anwendung der
Psycho-
Praxis nur bezüglich der somatischen Unfallfolgen gegeben sein müsse (S. 10).
2.2
Der Beschwerdeführer
brachte
in seiner Beschwerde
vor, seine Schmerzen würden vom Unfall herrühren
(Urk. 1
/1)
.
3.
3.1
Die Ärzte des Neurozentrums
C._
nannten in ihrem
Bericht vom 23. Dezember 2013 über die neurologische Untersuchung vom 1
6.
Dezember 2013 die Diagnosen einer
chronifizierten
Cervico-Zephalgie
bei Status nach HWS-Distorsionstrauma am
7.
Oktober 2013 sowie ein
es
Reizsyndrom
s
C6 links bei zervikaler Diskushernie C5/6, möglicherweise posttraumatisch (Urk. 7/39 S. 1). Sie führten aus,
in der klinischen Untersuchung habe sich eine Sensibilitätsstörung im Dermatom C6 linksseitig gefunden, welche mit der radiologisch nachgewiesenen Diskushernie HWK 5/6 mit Reizung der beiden Wurzeln C6 in Verbindung gebracht werden könne. Klinisch sei von einem Kompressionssyndrom C6 links auszugehen. Alle Beschwerden, insbesondere die hartnäckigen zervikalen und nuchalen Schmerzen, könnten durch diesen Befund allerdings nicht erklärt werden. Es sei eine beträchtliche muskuläre Komponente anzunehmen
(Urk. 7/39
S. 2
).
3.2
Dem Bericht von
Dr.
B._
vom 1
8.
Mai 2014 ist zu entnehmen, der Beschwer
deführer sei nach dem Auffahrunfall aus dem sozialen Gefüge gefallen
und leide an
unbeherrschbaren Schmerzen nuchal und dorsal. Die ph
ysiotherapeutischen Massnahmen würden
zu keiner Verbesserung
führen
. Eine psychiatrische Begleitung sei unbedingt empfehlenswert (Urk. 7/58).
Im Bericht vom 1
6.
Juni 2014 führte
Dr.
B._
mit Angabe des Datums vom 30. Dezember 2013 eine Depression an
und
zählte
bei
der Medikation unter anderem Saroten auf (Urk. 7/59 S. 1).
Als Differentialdiagnose stellte er eine posttraumatische Somatisierungsstörung zur Diskussion (Urk. 7/59 S. 2).
3.3
Kreisarzt
Dr.
J._
führte
in seinem Bericht vom 2
4.
Juni 2014 aus, die diag
nostizierte Diskushernie sei wahrscheinlich vorbestehend und im Rahmen des Unfallgeschehens dann symptomatisch geworden. Direkt nach dem Unfall habe laut dem HWS-Dokumentationsbogen zumindest keine neurologische Symptoma
tik bestanden.
I
nsofern liege das Trauma als Ursache lediglich im Bereich des Möglichen (Urk. 7/60).
3.4
Dr.
K._
berichtete am 3
1.
Juli 2014 n
ach seiner Untersuchung vom 29.
Juli 2014 über klinisch-neurologisch sowie elektrophysiologisch normale Befunde ohne periphere oder zentrale Ausfälle. Er gab an, eine zervikale Radikulopathie C6 beidseits oder eine lumbale Radikulopathie L4-S1 beidseits lasse sich nicht objektivieren (Urk. 7/78).
3.
5
Dem Austrittsbericht der Rehaklinik
D._
vom
1
5.
September 2014 (Urk. 7/76) ist zu entnehmen, es bestehe eine ausgesprochen
therapieresis
tente
Nackenschmerzproblematik.
In der MRI-Bildgebung präsentiere sich ein Befund mit Kompression der Nervenwurzel C6 links, wobei die Foraminalste
nosen
gegenüber Oktober 2013 leicht zugenommen hätten. Einerseits sei die geschilderte Nackenschmerzproblematik durch eine
Nervenwurzelkompres
sion
C6 durchaus erklärbar, andererseits dürfte das Ausmass der geltend gemachten Beschwerden im Rahmen einer erheblichen Symptomausweitung sowie auch einer psychischen Problematik in deutlichem Masse überlagert sein. Bei der psychosomatischen Abklärung habe sich eine agitiert-depressive Symptomatik mit sichtlicher Anspannung, Reizbarkeit sowie einer ausge
prägten ängstlichen Besorgtheit gezeigt. Zusätzlich leide er an
Zwangsge
danken
. Diagnostisch liege eine anhaltende Anpassungsstörung vor, welche durch auffällige Persönlichkeitszüge begünstigt werde
. Vermutlich hätten schon vor dem Unfall kritische Lebensereignisse oder erhebliche psychische Belastungsfaktoren vorgelegen.
Derzeit gebe es kaum noch Optionen, die Schmerzproblematik auf konservativem Wege in namhafter Weise zu ver
bessern (S. 3).
Bei schlechtem Leistungsverhalten und nicht optimalem Ver
halten bezüglich Rehabilitation habe während des Aufenthalts keine wesent
liche Verbesserung der Schmerzproblematik erreicht werden können (S. 4). Auch objektiv habe sich bei Austritt im Vergleich zum Eintritt keine wesent
liche Befundänderung gezeigt (S. 9).
Eine weitere psychotherapeutische Betreuung sei empfehlenswert (S. 16).
3.
6
Dr.
E._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
0.
Oktober 2014 eine
Anpas
sungsstörung
mit
längere
r
depressive
r
Reaktion (ICD-10: F
43.21) und nannte
als Differentialdiagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F
32.1;
Urk. 7/82
S. 1
).
Seinem Bericht vom 1
9.
Februar 2015 ist zudem die Diagnose einer gemischten Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (ICD-10: F43.24) zu entnehmen (Urk. 7/96 S. 1).
Zugleich berichtete er über eine leichte Verbesserung der initialen psychopathologischen Symptomatik (Urk. 7/96 S. 2).
3.
7
Die Ärzte der
Klinik für Neurologie des
H._
f
ührten in ihrem Bericht vom 11.
November 2014 aus, die vom Beschwerdeführer beschriebenen Beschwer
den und klinisch
erhebbaren
Befunde gingen über die bildgebend erhobenen Befunde hinaus. In den elektrophysiologischen Untersuchungen hätten sich keine Hinweise auf eine relevante
radikuläre
Schädigung oder
Funktionsbe
einträchtigung
der Pyramidenbahnen gezeigt. Auch einen Zusammenhang zwischen dem Auffahrunfall und insbesondere den bildgebend nachgewie
senen degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule lumbal, thorakal sowie zervikal sehe man nicht als wahrscheinlich an. Die direkt nach dem Trauma durchgeführte Computertomographie der
BWS
habe keine frischen trauma
tischen Veränderungen/Frakturen gezeigt, so dass die im MRI vom 30. September 2014 beschriebenen degenerativen Veränderungen im
Wirbel
körper
Th11 und Th12 nicht mit dem Auffahrunfall vom
7.
Oktober 2013 im Zusammenhang stünden, sondern einer primär degenerativen Genese zuzu
ordnen seien oder differentialdiagnostisch von einer alten Fraktur herrühren
würden
(Urk. 7/
87 S. 2).
3.
8
Dr.
B._
führte am 1
4.
November 2014 aus, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei unverändert schlecht. Eine psychiatrische Behandlung sei dringend indiziert. Auf die bisherige Medikation reagiere der Beschwer
deführer nicht optimal (Urk. 7/90).
Laut dem Bericht von
Dr.
B._
vom
6.
März 2015 litt der Beschwerdeführer
namentlich noch an unbeherrschba
ren Schmerzen (Urk. 7/99).
3.
9
Der Konsiliarpsychiater
med. pract.
I._
gab am
3.
März 2015
an, die im Dossier vorliegenden Berichte würden spätestens seit Mai 2014 auf eine psy
chische Problematik hinweisen.
Deren natürliche Kausalität zum
Unfallereig
nis
sei noch zu bejahen. Zur Frage eines stabilen psychischen Gesundheits
zustandes könne angesichts der erst kurzen Dauer der psychiatrischen Behandlung noch nicht Stellung genommen werden (Urk. 7/97).
3.
10
Kreisarzt
Dr.
J._
führte in seinem Bericht vom 1
7.
März 2015 aus, eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands
(beschränkt auf die soma
tischen Schädigungen)
sei nicht zu erwarten. Die geklagten Beschwerden seien von somatischer Seite aus unfallbedingt nicht zu erklären, insbeson
dere, da auch im Bericht des
H._
vom 1
1.
November 2014 keine strukturel
len Befunde erhoben worden seien, welche die geklagten Beschwerden erklären könnten. Folglich sei davon auszugehen, dass die diagnostizierte Diskushernie vorbestehend und im Rahmen des Unfallgeschehens dann symptomatisch geworden sei. Eine eigentliche unfallbedingte strukturelle Läsion habe somit nicht stattgefunden. Nach dem Gesagten sei davon auszu
gehen, dass mit dem Datum der Untersuchung in der Klinik für Neurologie des
H._
vom 1
1.
November 2014 der Status quo sine eingetreten sei (Urk. 7/100).
4.
4.1
Zunächst ist zu prüfen, ob
beim Beschwerdeführer organisch nachweisbare Unfallfolgeschäden bestehen (vgl. vorstehend
e
E. 1.
3
und E. 1.5
).
Der Beschwerdeführer erlitt beim Unfall eine HWS-Distorsion zweiten Grades
(Urk. 7/
26 S. 3) sowie eine Schulterkontusion links
(Urk. 7/
25 S. 1). Die
bild
gebenden
Untersuchungen ergaben keinen Anhalt für frisch
e
traumatische ossäre Läsionen, jedoch zeigte sich eine Diskushernie der Bandscheibe C5/6 mit möglicher Reizung der Nervenwurzeln C6 beidseits
(Urk. 7/
30-32).
Die Schlussfolgerung von Dr.
J._
,
bei den noch geklagten Beschwerden handle es sich nicht um somatische unfallbedingte (Urk. 7/100), steh
t in
Einklang mit den
Akten. Die Diskushernie beurteilte er als vorbestehend (Urk. 7/100 und Urk. 7/60). Kongruent
zu dem Ergebnis, zu welchem
Dr.
J._
gelangte,
bestand
laut dem HWS-Dokumentationsbogen
direkt nach dem Unfall
keine neurologische Symptomatik
(Urk. 7/26 S. 2) und auch
die Ärzte des
Neuro
zentrums
C._
beurteilten die Diskushernie als nur
möglicherweise post
traumatisch (Urk. 7/39 S. 1).
Sie nahmen eine beträchtliche muskuläre
Kom
ponente an (Urk. 7/39 S. 2). Solche klinische
n
Befunde können
rechtspre
chungsgemäss
für sich allein
ebenso wenig wie Schmerzen
als klar ausge
wiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_721/2008 vom 2
4.
Apr
il 2009, E. 4.2 mit Hinweisen).
Sodann
ist eine Diskushernie rechtsprechungsgemäss nur bei einem
Unfaller
eignis
von besonderer Schwere als weitgehend unfallbedingt zu betrachten und
eine traumatische Verschlimmerung eines klinisch stummen degenerati
ven Vorzustandes an der Wirbelsäule
ist
in der Regel nach sechs bis neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr
,
als abgeschlossen zu betrachten
(
Urteile des Bundesgerichts 8C_396/2011 vom 21. September 2011, E. 3.2;
8C_346/2008 vom 1
1.
November 2008
, E. 3.2.1-3.2.3; 8C_151/2012 vom 12. Juli 2012, E. 4; 8C_765/2014 vom 9. Februar 2015, E. 6.1, je mit Hin
weisen).
Dr.
K._
erhob am 2
9.
Juli 2014 klinisch-neurologisch sowie elektro
-
physiolo
gisch normale Befunde (E. 3.4 vorstehend) und in den
elekt
ro
-
physiologischen Untersuchungen durch die Klinik für Neurologie des
H._
ergaben sich laut dem Bericht vom 1
1.
November 2014 ebenfalls keine Hin
weise auf eine relevante radikuläre Schädigung oder eine
Funktionsbeein
trächtigung
der Pyramidenbahnen. In Übereinstimmung mit
Dr.
J._
hielten auch sie die bildgebend nachgewiesenen Verän
derungen für primär degene
rativ
bedingt
(E. 3.7 vorstehend).
Nach dem Gesagten ist die Schlussfolge
rung von
Dr.
J._
nachvollziehbar, wonach der Unfall keine eigentliche strukturelle Läsion zur Folge hatte und bezüglich der Unfallfolgen spätestens am 1
1.
November 2014 der Status quo sine eingetreten ist (Urk. 7/100).
4.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde vor, seine Schmerzen seien auf den Unfall zurückzuführen
(Urk.
1/1). Diesbezüglich ist - wie es bereits die Beschwerdegegnerin in ihrem Entscheid getan hat
(Urk.
2 S.
3 f. und S. 8) -
darauf hinzuweisen,
dass a
us dem Fehlen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung vor dem Unfall praxisgemäss (BGE 119 V 335 und Urteil des Bundesgerichts 8C_614/2007 vom 1
0.
Juli 2008, E. 4.1.2 mit Hinweisen auf neuere Entscheide) nicht auf die Unfallkausalität von hernach aufgetre
tenen Beschwerden geschlossen werden
kann
(Formel „
post
hoc ergo
propter
hoc“)
.
4
.3
Die Schmerzproblematik hat überdies eine psychische Komponente.
Entspre
chendes
hiel
ten die Ärzte der Rehaklinik
D._
fest
(Bericht vom 1
5.
September 2014)
,
als sie ausführten, das Ausmass der geltend gemachten Beschwerden sei im Rahmen einer erheblichen Symptomausweitung sowie auch einer psychischen Problematik in deutlichem Masse überlagert (Urk. 7/76 S. 3).
Auf die erhebliche Symptomausweitung schlossen sie aus den Beobachtungen bei den Leistungstests sowie im Behandlungsprogramm. Sie führten aus, die Beschreibung der Schmerzen sei wenig differenziert und das Schmerzverhalten nicht adäquat gewesen. Das Leistungsverhalten sowie die Konsistenz beurteilten sie als schlecht. Es hätten sich mehrere Diskrepan
zen und Widersprüchlichkeiten gezeigt (Urk. 7/76 S. 4).
Sie
beschrieben eine agitiert-depressive Symptomatik (Urk. 7/76 S. 3), diagnostizierten eine Anpassungsstörung sowie auffällige Persönlichkeitszüge (Urk. 7/76 S. 1) und
empfahlen eine weitere psychotherapeutische Betreuung (Urk. 7/76 S. 16). Bereits am 1
8.
Mai 2014
hatte
Dr.
B._
auf die Notwendigkeit einer psychi
atrischen Begleitung hin
gewiesen
und
angegeben
, der Beschwerdeführer sei aus dem sozialen Gefüge gefallen. In seinem Bericht vom 1
6.
Juni 2014 nannte er eine Depression und differentialdiagnostisch eine posttraumatische Somatisierungsstörung. Ferner verordnete er das Antidepressivum Saroten
(E. 3.2 vorstehend).
Am 23. September 2014 begab sich der Beschwerdeführer dann in psychiatrische Behandlung (Urk. 7/82 S. 2). Der Psychiater
Dr.
E._
diagnostizierte eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion, differentialdiagnostisch eine mittelgradige depressive Episode, sowie eine gemischte Störung von Gefühlen und Sozialverhalten (E. 3.6 vorstehend).
Die Indikation für eine psychiatrische Behandlung blieb auch im weiteren Ver
lauf dringlich (E. 3.8 vorstehend).
Die
geannten
psychischen Störungen
lagen am 1
9.
Februar 2015 weiterhin vor (Urk. 7/96 S. 1).
Am
3.
März 2015 konnte
noch
nicht beurteilt werden, ob
ein stabiler psychischer Gesundheitszustand vor
liege. Die psychische Problematik war
weiterhin
vorhanden (Urk. 7/97).
Somit besteht die Ausgangslage, dass beim Unfall eine bestimmte Verletzung (HWS-Distorsion und Schulterkontusion) stattgefunden hat, aber die im
Ent
scheidzeitpunkt
noch geklagten Beschwerden nicht mit einer strukturellen Läsion erklärt werden können, so dass über das Bestehen eines
rechtsgenüg
lichen
Kausalzusammenhangs praxisgemäss die Adäquanz zu prüfen ist (vorstehend E. 1.
6
).
Beim geschilderten
Verlauf
mit psychischer Überlagerung
und
Symptomausweitung
stand im Zeitpunkt des Fallabschlusses
die p
sy
chische Fehlentwicklung im Vorder
grund.
Daher ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin
die adäquate Kausalität nach der
Psycho-
Praxis (BGE
115
V 133), folglich unter Aus
schluss psychischer Aspekte, geprüft hat
(BGE 123 V 98)
.
4.4
Die Adäquanzprüfung hat praxisgemäss zu erfolgen, wenn im Sinne von Art. 19 Abs. 1 UVG von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann.
Was unter einer namhaften Besserung des Gesundhe
itszustandes des Versicher
ten
zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht näher. Mit Blick darauf, dass die soziale Unfallversicherung ihrer Konzeption nach auf die erwerbstät
igen Personen ausgerichtet ist, wird
dies namentlich nach Mass
gabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfä
higkeit, soweit unfallb
edingt beeinträchtigt, bestimmt
. Dabei verdeutlicht die Verwendung des Begriffes "namhaft" durch den Gesetzgeber, dass die durch
eine
weitere Heilbehandlung zu erwartende Besserung ins Gewicht fallen muss. Unbedeutende Verbesserungen genügen nicht (
BGE 134 V 109 E. 4.3 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_58/2010 vom 28 Juni 2010, E. 2.2
).
Im Zeitpunkt des Fallabschlusses (
1.
April
2015; Urk.
7/103
) lagen laut nach
vollziehbarer ärztlicher Beurteilung keine unfallkausalen
somatischen Beein
trächti
gungen mehr vor.
Ferner
erwartete Kreisarzt
Dr.
J._
laut seinem Bericht vom 1
7.
März 2015 in Bezug auf die somatischen Schädigungen keine namhafte Besserung mehr (E. 3.10 vorstehend). Diese Beurteilung über
zeugt vor dem Hintergrund, dass bereits im Mai 2014 die physiotherapeu
tischen Massnahmen zu keiner
B
esserung führten (E. 3.2 vorstehend),
dass
während des Aufenthalts in der Rehaklinik
D._
ebenfalls keine
B
esse
rung erzielt werden konnte,
dass
die konservativen Therapieoptionen
damals
schon beschränkt waren (E. 3.5 vorstehend) und
dass
es dem Beschwerde
führer auch gemäss dem Bericht von
Dr.
B._
vom 1
4.
November 2014 noch unverändert schlecht ging (E. 3.8 vorstehend).
Da die Psycho-Praxis zur Anwendung gelangt, musste der Endzustand lediglich bezüglich der soma
tischen Unfallfolgen gegeben sein, hingegen
weder
b
ezüglich der weiterhin geklagten und
ihm Rahmen einer Symptomauswei
tung zu erklärenden Beschwerden
noch
bezüglich der
psychischen Sympto
matik
(Urteil des Bun
desgerichts U 414/05 vom
7.
Juni 2006, E. 4.4 und 4.5).
Nach dem Gesagten ist der Zeitpunkt des Fallabschlusses nicht zu beanstanden.
4.5
Einfache Auffahrkollisionen auf ein haltendes Fahrzeug werden grundsätz
lich zu den mittelschweren im Grenzbereich zu den leichten Unfällen gezählt (Alexandra
Rumo-Jungo
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum UVG, 4. Aufl., Zürich 2012, S. 64). Um ein derartiges Unfallereignis handelte es sich
hier. Der Personenwagen, in welchem der Beschwerdeführer sass, befand sich im Stillstand, als das nachfolgende Fahrzeug (ebenfalls ein Personen
wagen) von hinten darauf auffuhr (Urk. 7/26 S. 1). Die Prüfung der einzelnen Adäquanzkriterien
im Einspracheentscheid
(Urk. 2 S. 11
Ziff.
6 lit. b) ist kor
rekt und wurde vom Beschwerdeführer zu Recht nicht beanstandet.
Damit fehlt es an der Adäquanz eines Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfall
ereignis
vom
7
. Oktober 201
3
und den über den
Fallabschluss
hinaus geklagten, im Sinne der Rechtsprechung organisch nicht hinreichend nach
weisbaren Beschwerden.
Somit lagen im Zeitpunkt des Fallabschlusses k
eine Unfallfolgen mehr vor, wes
halb
keine weitergehende Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin mehr besteht.
Der angefochtene Einspracheents
cheid erweist sich deshalb als zutreffend, womit die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.