Decision ID: b8f7bb2d-cc1f-533a-a407-7b5a5a1ba51d
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer 1,
B._,
Beschwerdeführer 2,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Eugen Koller, LL.M., Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
Ostschweizerische Ausgleichskasse für Handel und Industrie, Lindenstrasse 137,
Postfach 345, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Schadenersatzforderung (C._ AG, in Konkurs)
bundesrechtliche Forderung Fr. 16'100.50
Sachverhalt:
A.
Über die C._ AG wurde am 23. Oktober 2009 der Konkurs eröffnet und am
27. September 2010 für geschlossen erklärt (vgl. online-Handelsregisterauszug;
abgerufen am 19. März 2014). Für die Ostschweizerische AHV-Ausgleichskasse für
Handel und Industrie, St. Gallen (Ausgleichskasse), resultierten daraus Verluste in Höhe
von Fr. 17'066.75 (Forderung: Fr. 16'948.85, Zinsen Fr. 117.90) sowie von Fr. 131.05
(Verlustscheine vom 25. Juni 2010 [act. G 3.1/3 und 4]). Am 13. Oktober 2011 forderte
die Ausgleichskasse sodann von den beiden Verwaltungsräten der C._ AG, B._
und A._ unter solidarischer Haftbarkeit, Schadenersatz in Höhe von Fr. 16'496.65.
Zur Begründung machte sie geltend, diese hätten grobfahrlässig die Beitrags- und
Abrechnungspflicht gemäss Art. 14 AHVG verletzt und dadurch der Ausgleichskasse
einen Schaden in entsprechender Höhe verursacht (Verfügungen vom 13. Oktober
2011 [act. G 3.1/11 und 11.1]). Mit separaten Einsprachen vom 14. November 2011
beantragten die beiden Belangten die Aufhebung der Schadenersatzverfügungen. Zur
Begründung liessen sie im Wesentlichen ausführen, sie hätten nichts unversucht
gelassen, um vom Verkäufer der Geschäftsliegenschaft einen Preisnachlass wegen
verschwiegener Mängel erhältlich zu machen und die Liegenschaft ihrerseits wieder zu
einem guten Preis zu verkaufen. Wäre dies gelungen, wäre auch die Ausgleichskasse
als 2.-Klass-Gläubigerin nicht zu Schaden gekommen (act. G 15 und 15.1). Mit
Entscheiden vom 25. Februar 2013 wies die Ausgleichskasse die Einsprachen ab und
setzte den Schadenersatzbetrag neu auf Fr. 17'150.50 fest. Der Versuch des
bestmöglichen Verkaufs der Geschäftsliegenschaft reiche nicht für eine Exkulpation,
sei doch der Verkauf erst anlässlich der ausserordentlichen Sitzung vom 20. Juli 2009,
und somit zu spät, beschlossen worden. Ausserdem sei nicht sicher, dass dieser
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Verkauf effektiv zu einer Schadloshaltung der Gläubiger der 2. Klasse geführt hätte
(act. G 18 und 18.1).
B.
B.a Gegen diese Entscheide richten sich die beiden gleich lautenden Beschwerden
vom 9. April 2013 mit dem jeweiligen Antrag auf Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids. Wie schon in den Einsprachen wird ausgeführt, dass vom
Obergericht Appenzell A.Rh. die Verrechnung der geltend gemachten Mängel an der
Liegenschaft mit der noch offenen Darlehensforderung des Verkäufers abgelehnt
worden sei. Zudem sei versucht worden, die Liegenschaft vor dem Konkurs zu einem
Preis von Fr. 1'300'000.-- zu verkaufen, um sicherzustellen, dass zumindest die 1.- und
2.-Klass-Gläubiger befriedigt werden könnten. Dies sei jedoch nicht zu Stande
gekommen und in der konkursamtlichen Versteigerung habe dann nur ein Preis von
Fr. 1'050'000.-- erzielt werden können. Die Beschwerdeführer hätten somit das ihnen
Mögliche getan, um die Vermögenswerte zu erhalten und bestmöglich zu veräussern.
Hätte der Verkaufspreis von 1,3 Mio. Franken erzielt und der Prozess gegen den
Verkäufer der Liegenschaft gewonnen werden können, wäre auch eine Weiterführung
des Betriebs in Betracht gefallen. Im Weiteren dürfe die Akontorechnung Oktober 2009
in Höhe von Fr. 5'340.45 nicht mehr zum Schadensbetrag hinzugerechnet werden, sei
doch den Verwaltungsräten die Verfügung über die Aktiven der Gesellschaft in Folge
der Konkurseröffnung entzogen gewesen. Dies gelte auch für die Akontorechnung
September 2009, da auch noch 1.-Klass-Gläubiger vorhanden gewesen seien und sich
die Verwaltungsräte mit einer Bezahlung der Gläubigerbevorzugung schuldig gemacht
hätten (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 8. Mai 2013 beantragt die Verwaltung Abweisung der
Beschwerden. Die Überprüfung der Schadensberechnung habe ergeben, dass die im
Oktober 2009 verrechneten Familienzulagen in der Höhe von Fr. 1'050.-- nicht
berücksichtigt worden seien. Dementsprechend reduziere sich die
Schadenersatzforderung auf 16'100.50. Es stelle sich sodann die Frage, ob der Verkauf
der mit Mängeln und Pfandtiteln vorbelasteten Geschäftsliegenschaft überhaupt
geeignet gewesen wäre, den Liquiditätsengpass zu überbrücken. Zudem sei der
Verkauf erst beschlossen worden, als die Ausstände gegenüber der
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Beschwerdegegnerin bereits Fr. 17'383.05 betragen hätten. Ob damit tatsächlich alle
1.- und 2.-Klass-Gläubiger hätten befriedigt werden können, müsse doch sehr
angezweifelt werden, nachdem allein die grundpfandgesicherten Forderungen gemäss
Lastenverzeichnis der Liegenschaft und die Forderungen 1. Klasse den angestrebten
Verkaufspreis von Fr. 1'300'000.-- überstiegen hätten, ganz zu schweigen von
sämtlichen Forderungen 2. und 3. Klasse im Gesamtbetrag von Fr. 806'160.36. Die
erfolgreiche Überbrückung des Liquiditätsengpasses durch den Verkauf der
Geschäftsliegenschaft wäre damit sehr fraglich gewesen (act. G 3).
B.c Mit Replik vom 26. Juni 2013 wird ausgeführt, dass die Berechnung der
Schadenersatzforderung nicht belegt und damit unsubstanziiert sei. Nochmal zu
betonen sei, dass auch die September 2009-Rechnung nicht mehr habe bezahlt
werden können, ansonsten sich die Beschwerdeführer dem Vorwurf einer
Gläubigerbevorzugung ausgesetzt hätten. Auch in diesem Fall hätten die
Beschwerdeführer (faktisch) nicht mehr über das Vermögen der Gesellschaft verfügen
können. Beim Verschulden sei zu berücksichtigen, dass sich die Mängelrüge betreffend
die Geschäftsliegenschaft gegen den Verkäufer gerichtet habe, der auch einen
Schuldbrief für die besagte Liegenschaft gehabt habe. Wäre die Gesellschaft mit ihrer
Mängelrüge durchgedrungen, hätten sich auch die entsprechenden Lasten auf dem
Grundstück reduziert. Die Gläubiger hätten dadurch befriedigt werden können,
insbesondere auch die Beschwerdegegnerin (act. G 7).
B.d Mit Duplik vom 24. Juli 2013 führt die Beschwerdegegnerin aus, dass sich die
Schadenersatzforderung von Fr. 16'100.50 aus den Akten einwandfrei belegen lasse.
Die Akontozahlungen für die Monate September und Oktober 2009 könnten nicht
einfach aus der Berechnung entfernt werden, seien diese Posten doch auch bei der
Jahresabrechnung 2009 unter der Spalte "Bereits fakturiert" berücksichtigt worden
(act. G 9).

Erwägungen:
1.
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Da die Beschwerdeverfahren AHV 2013/3 und AHV 2013/4 den gleichen Sachverhalt
betreffen und gestützt auf dieselben rechtlichen Erwägungen zu entscheiden sind, sind
die Verfahren zu vereinigen (vgl. BGE 123 V 215 E. 1).
2.
2.1 Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen (Art. 52
Abs. 1 AHVG). Nach ständiger Rechtsprechung gilt diese Haftung entgegen dem
(früheren) Wortlaut des Gesetzes nicht nur für die Arbeitgeber, sondern auch für die
Organe von Arbeitgebern (BGE 129 V 11, 126 V 237, 123 V 12 E. 5b S. 15, je mit
Hinweisen; seit 1. Januar 2012 ausdrücklich geregelt in Art. 52 Abs. 2 AHVG). Die
Arbeitgeber sind verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus
unselbständiger Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 AHVV). Die Missachtung
dieser Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art.
52 Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit
eine Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen
gegeben sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches
und schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem
muss zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden
ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein.
3.
3.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Beschwerdeführer in der Zeit vom 20.
Dezember 2007 bis zum 26. Oktober 2009 als Verwaltungsräte der C._ AG, der
Beschwerdeführer 2 auch als Präsident des Verwaltungsrats und Geschäftsführer, im
Handelsregister eingetragen waren und damit während der massgebenden Zeit der
Beitragsausfälle Organstellung innehatten (vgl. online-Handelsregisterauszug,
abgerufen am 19. März 2014). Streitig und zu prüfen ist jedoch, ob sie ihre Pflichten als
ehemalige Verwaltungsräte der erwähnten Gesellschaft in schwerwiegender Weise
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verletzt und dadurch den von der Beschwerdegegnerin behaupteten Schaden
verursacht haben.
3.2
3.2.1 Die Schadenersatzpflicht des verantwortlichen Organs setzt zunächst den
Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Der Schaden kann unbezahlt
gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge, Verwaltungskostenbeiträge,
Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten sowie Verzugszinsen für
rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das Schadenersatzverfahren
nach Art. 52 AHVG, in: Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle Fragen aus dem
Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100). Zeitliche Grenze des zu
berücksichtigenden Schadens bildet grundsätzlich die Konkurseröffnung. Die
schadenersatzpflichtige Person hat auf Grund ihrer Mitwirkungspflichten den
Schadensbetrag substanziiert zu bestreiten, soweit die Forderung nicht auf
rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK 1991 S. 125, AHI-Praxis 1993 S. 172, SVR
2001 AHV S. 51 Nr. 15).
3.2.2 Vorliegend fordert die Beschwerdegegnerin von den Beschwerdeführern
Schadenersatz in Höhe von schliesslich Fr. 16'100.50. Dabei handelt es sich um
bundesrechtliche Beiträge für den Zeitraum von Dezember 2008 bis zur
Konkurseröffnung vom 23. Oktober 2009. Betreffend Akonto-Beiträge November 2008
blieb gemäss Aufstellung der Beschwerdegegnerin nur die Mahngebühr von Fr. 50.--
offen (act. G 3.1/9). Die Akontobeiträge Dezember 2008 in Höhe von Fr. 6'610.10
zuzüglich Mahngebühr von Fr. 50.-- blieben vollständig offen. Demgegenüber konnte
aus der Jahresabrechnung 2008 eine Gutschrift von Fr. 3'020.05 angerechnet werden.
Zudem erfolgte am 12. März 2009 eine Zahlung in Höhe von Fr. 2'704.05. Aus
Leistungen der Familienausgleichskasse konnten für Dezember 2008 sodann netto
Fr. 1'250.-- angerechnet werden (act. G 3.1/9neu, 9.2 und 9.3). Für das Jahr 2008
resultierte somit unter Berücksichtigung der Nebenkosten (Mahngebühren) ein
Überschuss von Fr. 264.-- zu Gunsten der konkursiten Gesellschaft (Fr. 6'610.10 -
Fr. 3'020.05 - Fr. 2'704.05 - Fr. 850.-- - Fr. 800.-- + Fr. 400.-- + Fr. 50.-- + Fr. 50.--).
Für das Jahr 2009 (1. Januar bis 23. Oktober) fielen gemäss Verfügung vom
22. Dezember 2009 schliesslich Beiträge (inkl. FAK und Verwaltungskosten) von
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Fr. 38'055.60 an (act. G 3.1/9.14). Hinzu kam eine Nachbelastung aus Lohndividenden
in Höhe von Fr. 222.60 (act. G 3.1/9.15). Weiter fielen Mahngebühren in Höhe von
Fr. 400.-- (8 x Fr. 50.--) sowie Verzugszinsen in Höhe von Fr. 598.35 und
Betreibungskosten von Fr. 238.-- an (act. G 3.1/9neu). Dem stehen drei Zahlungen der
C._ AG in Höhe von Fr. 4'790.45, Fr. 5'340.45 und Fr. 5'426.45, die Leistungen aus
Familienzulagen in Höhe von netto Fr. 6'800.-- (Fr. 850.-- + [9 x Fr. 1'050.--] +
Fr. 400.-- - Fr. 3'900.--), die Rückvergütung der CO2-Abgabe von Fr. 695.45 sowie eine
Zahlung des Konkursamtes von Fr. 97.25 gegenüber (act. G 3.1/9neu und 9.15). Mithin
ergibt sich für 2009 ein Saldo zu Gunsten der Beschwerdegegnerin von Fr. 16'364.50.
Abzüglich des Überschusses aus dem Jahr 2008 von Fr. 264.-- ergibt sich somit eine
offene Beitragsforderung (inkl. Nebenkosten) von Fr. 16'100.50, wie auch von der
Beschwerdegegnerin vorgebracht wird. Die Schadensberechnung ist damit auf Grund
der Aktenlage substanziiert und nachvollziehbar. Dieser Berechnung stellen die
Beschwerdeführer keine begründeten Einwände entgegen. Insbesondere trifft nicht zu,
dass die Belege fehlen. So sind für den Zeitraum von Dezember 2008 bis Oktober 2009
sämtliche Akontorechnungen sowie die jeweiligen Mahnungen vorhanden, ausserdem
die Jahresabrechnungen 2008 und 2009. Weiter ist ersichtlich, dass die
Beschwerdegegnerin für ihre Beitragsberechnung 2008 und 2009 von der deklarierten
Lohnsumme von Fr. 530'487.65 bzw. Fr. 274'760.-- ausging. Es wird auch nicht
behauptet, die Gesellschaft habe nebst den aufgeführten noch weitere Zahlungen
geleistet. In Bezug auf die im Einspracheverfahren erfolgte reformatio in peius lässt sich
zwar feststellen, dass diesbezüglich zugestandenermassen das rechtliche Gehör und
Gelegenheit zum Rückzug der Einsprache einzuräumen gewesen wären (Art. 12 Abs. 2
ATSV). Nachdem die nunmehr gültige Schadensumme den verfügten Betrag von
Fr. 16'496.65 nicht übersteigt, erscheint eine weitergehende Heilung der Verletzung
des rechtlichen Gehörs nicht notwendig, zumal die Beschwerdeführer auch im
vorliegenden Verfahren wie erwähnt keine substanziierten Einwände gegen die
Schadensberechnung vorbringen.
3.3 Weitere Haftungsvoraussetzung für die vorliegend massgebliche
Schadenersatzforderung ist die Widerrechtlichkeit.
3.3.1 Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV schreibt vor, dass
der Arbeitgeber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen
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und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat.
Bei einer Lohnsumme von über Fr. 200'000.-- hat der Arbeitgeber die Beiträge
monatlich zu zahlen (Art. 34 Abs. 1 lit. a AHVV). Die Ausgleichskasse setzt hierzu
Akontobeiträge auf Grund der voraussichtlichen Lohnsumme fest (Art. 35 Abs. 1
AHVV). Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine
gesetzlich vorgeschriebene öffentlichrechtliche Aufgabe. Dazu hat die Rechtsprechung
festgehalten, dass die Nichterfüllung dieser öffentlichrechtlichen Aufgabe eine
Missachtung von Vorschriften im Sinn von Art. 52 Abs. 1 AHVG bedeute und
grundsätzlich die volle Schadensdeckung nach sich ziehe (BGE 118 V 195 E. 2a mit
Hinweisen).
3.3.2 Aus den Akten ergibt sich, dass die Gesellschaft nicht vollumfänglich der
Beitragspflicht nachgekommen ist, was zum Schaden der Beschwerdegegnerin geführt
hat. Die Gesellschaft, bzw. deren Organe, haben damit die Beitragszahlungspflicht
betreffend die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachten Ausstände missachtet,
womit die Widerrechtlichkeit als Haftungsvoraussetzung zu bejahen ist. Ein
Rechtfertigungsgrund ist nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführern auch
nicht vorgebracht.
3.4
3.4.1 Die Haftung nach Art. 52 AHVG ist keine Kausalhaftung, sondern setzt nach
dem klaren Wortlaut und Sinn des Gesetzes ein zumindest grobfahrlässiges Verhalten
voraus (BGE 136 V 268 E. 3 S. 274). Der Begriff der Grobfahrlässigkeit im Sinne von
Art. 52 AHVG ist gleich zu verstehen wie im übrigen Haftpflicht- und
Versicherungsrecht, so dass grobfahrlässig handelt, wer eine elementare
Vorsichtsmassnahme missachtet bzw. das ausser Acht lässt, was jedem verständigen
Menschen in gleicher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte
einleuchten müssen (Urteil 9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E. 3.2 mit Hinweisen).
Vorausgesetzt ist des Weiteren, dass die Möglichkeit zu einem rechtmässigen
Alternativverhalten bestand, was zutrifft, wenn ein pflichtgemäss handelndes Organ
den Schaden hätte verhindern können. Entschuldbar sein kann die Nichtbezahlung von
Sozialversicherungsbeiträgen, wenn bei ungenügender Liquidität eine Arbeitgeberin
zunächst für das Überleben des Unternehmens wesentliche andere Forderungen
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(insbesondere solche der Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf
Grund der objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen
darf, sie werde die geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist, d.h. höchstens
innerhalb eines Jahres (Urteil 9C_111/2007 vom 17. September 2007
E. 3.1) nachzahlen können und ein gezieltes, auch in zeitlicher Hinsicht konkretes
Sanierungskonzept vorliegt (Urteil H 34/02 vom 4. März 2004 E. 5.2). Nicht
entschuldbar ist die Beitragsrückbehaltung, wenn eine Sanierung überhaupt nicht
ernsthaft erwartet werden kann (Urteil 9C_117/2011 vom 29. März 2011 E. 4 mit
Hinweis auf Urteil 9C_330/2010 vom 18. Januar 2011 E. 3.4 und Urteil H 28/84 vom 21.
August 1985 E. 3).
3.4.2 Die Beschwerdegegnerin wirft den Beschwerdeführern vor, sie hätten als
Mitglieder des Verwaltungsrats der C._ AG die Überwachung der Beitrags- und
Abrechnungspflicht gemäss Art. 14 AHVG wenn nicht absichtlich so doch zumindest
grobfahrlässig verletzt. Zu den unübertragbaren Aufgaben eines Verwaltungsrats ge
hörten gemäss Art. 716a OR insbesondere die Oberaufsicht über die mit der
Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der
Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen, wozu auch die Überwachung der
Beitrags- und Abrechnungspflicht gehöre. Demgegenüber machen die
Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, die Gesellschaft habe anlässlich der
ausserordentlichen Sitzung vom 20. Juli 2009 mögliche Sanierungsmassnahmen
diskutiert. Dabei sei beschlossen worden, dass die C._ AG die Grossküchenprojekte
durch Subunternehmer ausführen lassen werde. Zudem sei beschlossen worden, die
Geschäftsliegenschaft bestmöglich zu verkaufen, damit im Fall eines Konkurses
zumindest alle 1.- und 2.-Klass-Gläubiger mit Sicherheit befriedigt werden könnten.
Dass der freihändige Verkauf schliesslich nicht zu Stande gekommen sei, könne nicht
den Beschwerdeführern angelastet werden. Sie hätten das ihnen Mögliche getan, um
die Vermögenswerte zu erhalten und bestmöglich zu veräussern. Hätte der angestrebte
Verkaufspreis von 1,3 Mio. Franken erzielt werden können, wäre die
Beschwerdegegnerin nicht zu Schaden gekommen.
3.4.3 Dem ist jedoch mit der Beschwerdegegnerin entgegen zu halten, dass dies
für eine Exkulpation nicht ausreicht. Anerkanntermassen hat sich die finanzielle
Situation der C._ AG im Jahr 2009 zusehends verschlechtert. Wie sich aus den
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Akonto-Rechnungen ergibt, mussten ab September 2008 sämtliche Zahlungen
gemahnt und teilweise betrieben werden (act. G 3.1/9). Für das Jahr 2008 blieben
schliesslich keine Beiträge offen (vgl. vorstehende Erwägung 3.2.2). Die Beiträge für
das Jahr 2009 konnten im Umfang von rund 60 % bezahlt werden. Auch aus dem
Kollokationsplan vom 28. April 2010 ist ersichtlich, dass die offenen Forderungen im
Wesentlichen aus der Zeit ab etwa November 2008, mithin relativ kurze Zeit nach
Eintragung der Firma im Handelsregister des Kantons St. Gallen, stammten (act.
G 3.1/15 Beilage 6). In dieser Situation haben die Beschwerdeführer versucht, die
Geschäftsliegenschaft zu verkaufen und vom Verkäufer derselben Schadenersatz für
aufgetretene Mängel erhältlich zu machen. Diesbezüglich ist mit der
Beschwerdegegnerin anzunehmen, dass diese Vorkehr nicht geeignet war, die
Fortführung des Betriebes zu ermöglichen, hätte doch selbst der angestrebte
Verkaufspreis von 1,3 Mio. Franken nicht einmal ausgereicht, um allein die
grundpfandgesicherten sowie die Forderungen 1. Klasse zu begleichen. Erstere
beliefen sich gemäss Lastenverzeichnis auf Fr. 1'173'165.19 (act. G 3.1/15 Beilage 1),
die kollozierten Schulden in der 1. Klasse auf Fr. 133'345.80 (act. G 3.1/15 Beilage 6),
total somit Fr. 1'306'510.99. Hinzu kommen kollozierte Schulden in der 2. und 3.
Klasse von insgesamt Fr. 806'160.36. Mithin hätte der Verkauf der Liegenschaft (die
vermutungsweise das Hauptaktivum der Gesellschaft darstellte) selbst im günstigsten
Fall bei weitem nicht ausgereicht, sämtliche Schulden im Umfang von über 2,1 Mio.
Franken zu begleichen. Selbst unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ein Teil der
Schulden erst nach der ausserordentlichen Sitzung vom 20. Juli 2009 entstand, wäre
wohl ohne Rangrücktritt eines Gläubigers bereits zu diesem Zeitpunkt der Richter zu
benachrichtigen gewesen (Art. 725 Abs. 2 OR). Die Beschwerdeführer konnten damit
selbst im besten Fall nicht von einer nachhaltigen Sanierung und Fortführung der
Gesellschaft ausgehen, zumal ja offenbar auch andere, für das Überleben der
Gesellschaft wichtigere Forderungen (Lieferanten, Versorger, Transport, Löhne,
Rechtsbeistand) nicht mehr (vollumfänglich) beglichen wurden. Ebenso können die
weiteren Restrukturierungsmassnahmen nicht zu einer Exkulpation führen. Namentlich
hat die geltend gemachte Auslagerung der Grossküchenprojekte nicht rechtzeitig zu
einer genügenden Reduktion im Personalbestand geführt. Zwar war die Lohnsumme
von Januar bis Oktober 2009 mit Fr. 274'760.-- (act. G 3.1/9.14) anteilsmässig
erheblich geringer als jene im Jahr 2008 (Fr. 530'487.65 [act. G 3.1/9.3]), sodass die
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schliesslich unbezahlt gebliebenen Lohnbeiträge weit geringer ausfielen als die
unbezahlt gebliebenen pauschalen Akontorechnungen. Indessen kann wohl höchstens
bei den beiden per Ende Mai 2009 gekündigten Angestellten (D._, E._) von einem
rechtzeitigen Stellenabbau ausgegangen werden. Fünf Angestellte, darunter auch der
Beschwerdeführer 2, kamen im Konkurs zu Schaden; deren Forderungen wurden im
Kollokationsplan als 1. Klass-Forderungen aufgeführt (Beschwerdeführer 2 als 3. Klass-
Forderung). Während F._ und G._ den Lohn bis Ende August bzw. Ende Oktober
geltend machten (und zugelassen wurden), waren drei weitere Angestellte (der
Beschwerdeführer 2, H._ und I._) zum Zeitpunkt der Konkurseröffnung noch
ungekündigt und machten im Konkurs den entsprechenden Kündigungslohn geltend
(act. G 3.1/9.14 und 15 Beilage 6). Die Angestellten I._, H._, G._ und F._
erhielten Leistungen der Arbeitslosenversicherung (Arbeitslosenentschädigung,
Insolvenzentschädigung) bzw. erzielten einen Zwischenverdienst im Umfang von total
Fr. 47'366.95, wovon jeweils die Sozialversicherungsbeiträge abgezogen wurden. Ein
guter Teil der geringeren Lohnsumme und damit der geringeren Schadensumme beruht
somit nicht auf allfälligen Sanierungsbemühungen der Beschwerdeführer sondern
darauf, dass die Gesellschaft die Lohnansprüche der Angestellten nur noch teilweise
befriedigt hatte und dafür die Arbeitslosenversicherung einspringen musste bzw. sich
die Angestellten mit anderweitiger Arbeit schadlos halten mussten. Zusammenfassend
ist somit nicht von genügenden und rechtzeitigen Sanierungsbemühungen des
Verwaltungsrats der C._ AG auszugehen. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass die
Firma praktisch ab Sitzverlegung per 20. Dezember 2007 auf Kosten der Gläubiger
geführt wurde, hat die C._ AG doch (bei einem Aktienkapital von Fr. 100'000.--) kurz
zuvor nicht nur die Geschäftsliegenschaft von J._, sondern auch die Aktien der J._
AG gekauft, die gemäss Entscheid des Obergerichts Appenzell A.Rh. vom 22.
Dezember 2009 (E. 3.2.3) bereits im Zeitpunkt des Erwerbs im Jahr 2006 Verluste
schrieb und von der Überschuldung bedroht war. Dies war dem Beschwerdeführer 2
gemäss diesem Entscheid bekannt (act. G 3.1/15 Beilage 5). Aber auch der
Beschwerdeführer 1 muss sich mangelnde Sorgfalt entgegen halten lassen, gehören
doch die Ausgestaltung des Rechnungswesens und die Oberaufsicht über die mit der
Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der
Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen, zu den unübertragbaren Aufgaben
eines Verwaltungsrats (Art. 716a Abs. 1 OR). Dass auch der Beschwerdeführer 1 über
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die desolate finanzielle Verfassung der Gesellschaft Bescheid wusste, ergibt sich schon
daraus, dass an der Sitzung vom 20. Juli 2009 über mögliche Sanierungsmassnahmen
diskutiert wurde. Es ist nicht ersichtlich, dass daran jemand anderes als die beiden
Verwaltungsräte und jetzigen Beschwerdeführer teilgenommen haben. Diese müssen
sich somit vorwerfen lassen, dass sie der Beitragsablieferungspflicht nicht
nachgekommen sind, ohne dass dafür rechtzeitig ein gezieltes, auch in zeitlicher
Hinsicht konkretes Sanierungskonzept vorlag. Ein solches wurde nach eigenen
Angaben der Beschwerdeführer erst am 20. Juli 2009, mithin erst ein Dreivierteljahr
nach Beginn der finanziellen Probleme im Herbst 2008, und damit zu spät in die Wege
geleitet. Zudem bot es nach dem Gesagten keine hinreichende Gewähr dafür, dass die
geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist würden nachbezahlt werden können.
3.4.4 Schliesslich kann dem Vorbringen der Beschwerdeführer, die
Beschwerdegegnerin treffe wegen nicht rechtzeitig in die Wege geleiteter
Inkassomassnahmen und der Billigung des freihändigen Verkaufs der Liegenschaft ein
Selbstverschulden am Schaden, nicht gefolgt werden. Im vorliegenden Kontext ist von
Belang, dass die Beschwerdegegnerin, die - im Gegensatz zu anderen Gläubigern -
öffentliche Aufgaben wahrnimmt, stets auch das Prinzip der Verhältnismässigkeit zu
berücksichtigen hat, weshalb es ihr nicht ohne Weiteres zum Verschulden gereicht,
wenn sie - etwa um einer in Schwierigkeiten befindlichen Gesellschaft noch eine
Chance zu geben - nicht mit aller Härte gegen sie vorgeht. Allein daraus ein
Selbstverschulden der Beschwerdegegnerin ableiten zu wollen, ist der Sache nicht
angemessen. Es bestand denn unbestrittenermassen keine formelle Stundung der
Beiträge oder ein Tilgungsplan, so dass die Beschwerdeführer als Organe der
Beitragsschuldnerin nicht ohne Weiteres vom Einverständnis der Beschwerdegegnerin
mit dem freihändigen Grundstücksverkauf ausgehen konnten. Im Übrigen hat die
Beschwerdegegnerin spätestens ab November 2008 jede Akontozahlung gemahnt und
schliesslich ab dem 5. Oktober 2009 - wenn auch tatsächlich relativ spät - erste
Betreibungen erhoben (act. G 3.1/9.4).
3.4.5 Schliesslich muss zwischen der schuldhaften Verletzung von Vorschriften
und dem Eintritt des Schadens ein adäquater Kausalzusammenhang bestehen. Ein
Ergebnis hat dann als adäquate Ursache eines Schadens zu gelten, wenn es nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach allgemeiner Lebenserfahrung an sich geeignet
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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ist, einen Erfolg in der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfolgs
durch das Ereignis also allgemein als begünstigt erscheint (AHI 1994 S. 204 mit
Hinweisen). Vorliegend ist ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Unterlassungen der Beschwerdeführer und dem eingetretenen Schaden gegeben.
Hätten die Beschwerdeführer dafür gesorgt, dass die C._ AG ihrer
Beitragsablieferungspflicht nachkommt bzw. nur noch so viele Löhne ausbezahlt hätte,
als darauf Beiträge entrichtet werden können, wäre kein Schaden in dieser Höhe
entstanden.
3.5 Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Leistung von Schadenersatz
erfüllt. Exkulpations- oder Rechtfertigungsgründe liegen keine vor. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach die Beschwerdeführer zu Recht verpflichtet,
Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche Beiträge in Höhe von Fr. 16'100.50
(inkl. Nebenkosten) zu bezahlen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten sind die Beschwerden abzuweisen und die
Beschwerdeführer solidarisch zu verpflichten, der Beschwerdegegnerin Schadenersatz
in Höhe von Fr. 16'100.50 (inkl. Nebenkosten) zu bezahlen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP