Decision ID: 48caad5b-3f44-5230-be5e-16471ec1bc7d
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ H.J., geboren 1979, ist Staatsangehöriger der ehemaligen Bundesrepublik
Jugoslawien (Kosovo). Er reiste am 15. November 1999 illegal in die Schweiz ein und
stellte ein Asylgesuch. Mit Verfügung vom 10. Januar 2000 wies das Bundesamt für
Flüchtlinge das Asylgesuch ab, worauf der Gesuchsteller am 14. März 2000 die
Schweiz verliess. Am 21. Juli 2000 heiratete er in Pec/Kosovo die in Ebnat-Kappel
wohnhafte S.A., geboren 1980. Die Ehefrau ist bosnisch-herzegowinische
Staatsangehörige und verfügt über eine Niederlassungsbewilligung in der Schweiz. In
der Folge wurde dem Ehemann eine Jahresaufenthaltsbewilligung im Rahmen des
Familiennachzugs erteilt. Er reiste am 7. November 2000 in die Schweiz ein. Die
Jahresaufenthaltsbewilligung wurde letztmals am 7. November 2002 verlängert.
Im September 2002 verliess die Ehefrau die gemeinsame Wohnung. Mit Verfügung vom
4. März 2003 widerrief das Ausländeramt die Aufenthaltsbewilligung und wies H.J. an,
den Kanton St. Gallen bis zum 15. April 2003 zu verlassen. Zur Begründung führte es
im wesentlichen aus, H.J. habe nur zwei Jahre mit seiner Ehegattin zusammengelebt;
die eheliche Gemeinschaft bestehe nicht mehr und habe weniger als fünf Jahre
gedauert.
B./ Gegen den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung erhob der Betroffene Rekurs, der
vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 8. August 2003 abgewiesen
wurde.
C./ Mit Eingaben vom 26. August und 16. Oktober 2003 erhob H.J. durch seine
Rechtsvertreterin Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der
Rekursentscheid vom 8. August 2003 sei aufzuheben und es sei vom Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung abzusehen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, seine Ehefrau leide an einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
psychischen Krankheit. Sie habe die eheliche Wohnung verlassen, um in Ebnat-Kappel
einen neuen Wohnsitz zu begründen. Sie habe sich in einem schweren psychotischen
Zustand mit intensiven Angstsymptomen befunden. Auf Druck ihres Vaters sei sie
gezwungen gewesen, einen neuen Wohnsitz zu begründen. Die Trennung sei aufgrund
des Drucks des Vaters der Ehefrau erfolgt und nicht willentlich durch sie herbeigeführt
worden. Am 31. Januar 2003 habe seine Ehefrau in die Kantonale Psychiatrische Klinik
Wil eintreten müssen. Im April 2003 habe sie die Klinik ohne ärztliche Einwilligung
verlassen. Sie sei in seiner Wohnung erschienen und habe erklärt, sie wolle dort
bleiben. Derzeit habe ihr Vater sie aus der Klinik mit in die Ferien genommen und
seither sei ihm nicht mehr bekannt, wo sich seine Ehefrau aufhalte. Er sei nach wie vor
bereit, die Ehe unverzüglich aufzunehmen, sobald seine Ehefrau aus dem Druck ihres
Vaters befreit werde. Auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit
wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 6. November 2003 auf
Abweisung der Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 26. August und 16.
Oktober 2003 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
Die Aufenthaltsbewilligung ist stets befristet (Art. 5 Abs. 1 ANAG). Nach Art. 9 Abs. 1 lit.
a ANAG erlischt sie mit dem Ablauf der Bewilligungsfrist, soweit sie nicht verlängert
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
worden ist. Nach Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen
werden, wenn eine mit ihr verbundene Bedingung nicht erfüllt wird.
a) Ein Ausländer hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Rechtsanspruch auf
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht unter anderem dann,
wenn er mit einer Niedergelassenen verheiratet ist. Der Ehegatte einer
niedergelassenen Ausländerin hat nach Art. 17 Abs. 2 ANAG Anspruch auf Erteilung
und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, solange die Ehegatten zusammen
wohnen. Nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf
Jahren hat der Ehegatte ebenfalls Anspruch auf die Niederlassungsbewilligung (Art. 17
Abs. 2 ANAG).
Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101; abgekürzt EMRK)
garantiert den Schutz des Familienlebens. Darauf kann sich der Ausländer berufen, der
nahe Verwandte mit Anwesenheitsrecht (Schweizer Bürgerrecht,
Niederlassungsbewilligung) in der Schweiz hat, die in der Schweiz bleiben wollen; wird
ihm selber die Anwesenheit in der Schweiz untersagt, kann dies Art. 8 EMRK verletzen.
Soweit deshalb eine intakte familiäre Beziehung im beschriebenen Sinn besteht und
tatsächlich gelebt wird, ist das der zuständigen Behörde durch Art. 4 ANAG
eingeräumte freie Ermessen eingeschränkt. In solchen Fällen bildet Art. 8 EMRK eine
Grundlage für einen Anspruch auf eine Aufenthaltsbewilligung (BGE 116 Ib 155 E. 1 mit
Hinweis). Da Art. 8 EMRK grundsätzlich voraussetzt, dass die massgeblichen
Familienmitglieder zusammenleben und sich gegenseitig Unterhalt gewähren, fehlt es
am Schutzobjekt der Familie, wenn eine Ehe nicht als Gemeinschaft geführt wird. Dabei
spielt keine Rolle, auf welche Gründe dies zurückgeht bzw. welcher Ehepartner die
Verantwortung dafür trägt. Die eheliche Beziehung ist diesfalls nicht intakt
beziehungsweise wird nicht gelebt (BGE 118 Ib 145 E. 4).
b) Nach der gesetzlichen Ordnung setzt somit der Rechtsanspruch des Ehegatten einer
in der Schweiz niedergelassenen Ausländerin auf Erteilung und Verlängerung einer
Aufenthaltsbewilligung voraus, dass die eheliche Gemeinschaft gelebt wird (vgl. BGE
123 I 26). Diese Voraussetzung besteht im vorliegenden Fall nicht mehr. Die Ehefrau
des Beschwerdeführers verliess im September 2002 die eheliche Wohnung und lebt
seither getrennt vom Beschwerdeführer. Dieser erhielt die Aufenthaltsbewilligung im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rahmen des Familiennachzugs, weil er sich mit einer niedergelassenen Ausländerin
verheiratet hatte. Der Verbleib bei der Ehegattin bzw. der Bestand der ehelichen
Gemeinschaft war somit Bedingung für den Aufenthalt. Diese Voraussetzung ist im
vorliegenden Fall nicht mehr gegeben, weshalb ein Rechtsanspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nicht mehr besteht. Unter diesen Umständen
steht ein Widerruf der Aufenthaltsbewilligung im Einklang mit Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG,
wonach eine Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden kann, wenn eine mit ihr
verbundene Bedingung nicht erfüllt ist.
Dauerte die eheliche Gemeinschaft wie im vorliegenden Fall nur kurze Zeit, ist nach der
Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts in der Regel ein Widerruf der Bewilligung
auch verhältnismässig (vgl. GVP 1998 Nr. 22). Nach den Weisungen des Bundesamts
für Zuwanderung, Integration und Auswanderung (Ziff. 654) kann die
Aufenthaltsbewilligung in gewissen Fällen auch nach der Auflösung der ehelichen
Gemeinschaft verlängert werden. Als massgebend werden dabei unter anderem die
Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, die persönlichen Beziehungen zur Schweiz, die
berufliche Situation, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage sowie das Verhalten und der
Integrationsgrad beachtet. Zu berücksichtigen sind ferner die Umstände, die zur
Auflösung der ehelichen Gemeinschaft geführt haben. Nach einem ordnungsgemässen
und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren ist nach den Weisungen ein Widerruf
bzw. eine Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung nur in Erwägung zu ziehen,
wenn die Bewilligung erschlichen wurde, ein Ausweisungsgrund oder ein Verstoss
gegen die öffentliche Ordnung vorliegt.
Nach Art. 9 Abs. 1 lit. a ANAG erlischt die Aufenthaltsbewilligung mit dem Ablauf der
Bewilligungsfrist, sofern diese nicht verlängert worden ist. Ist beim Vorliegen
bestimmter Umstände ein Widerruf der Aufenthaltsbewilligung zulässig, so ist auch die
Verweigerung von deren Verlängerung gerechtfertigt (vgl. statt vieler GVP 1996 Nr. 9
und 1998 Nr. 22). Die Bewilligung des Beschwerdeführers lief am 6. November 2003
ab. Gegenstand des Verfahrens kann daher nur die Verlängerung bzw. Erteilung der
Bewilligung sein.
c) Der Beschwerdeführer heiratete seine Ehefrau am 21. Juli 2000 in Pec/Kosovo. Er
reiste am 7. November 2000 in die Schweiz ein. Im September 2002 wurde die eheliche
Gemeinschaft aufgelöst. Diese dauerte somit weniger als zwei Jahre.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdeführer macht im wesentlichen geltend, die Ehefrau leide an einer
psychischen Krankheit und sie habe ihn auf Druck und Betreiben ihres Vaters
verlassen. Dazu ist grundsätzlich festzuhalten, dass beim Entscheid über die Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der ehelichen Gemeinschaft in der Regel
nicht als ausschlaggebend betrachtet wird, wer die Hauptverantwortung für das
Scheitern der Ehe bzw. für die Beendigung der ehelichen Gemeinschaft trägt (GVP
1998 Nr. 22). Zwar sind die Umstände, die zur Auflösung der ehelichen Gemeinschaft
führten, nach den Richtlinien des Bundesamts für Einwanderung, Integration und
Auswanderung zu berücksichtigen. Allein der Umstand, dass die Ehegattin relativ kurze
Zeit nach der Heirat eine Scheidungsklage einreicht und ihren Gatten verlässt, vermag
jedoch keinen Anspruch des verlassenen Ehegatten auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung zu begründen.
Im vorliegenden Fall ist davon auszugehen, dass die Ehefrau seit längerer Zeit an einer
psychischen Krankheit leidet. Aufgrund der eingereichten Arztzeugnisse war die
Ehefrau des Beschwerdeführers vom 23. Februar 2001 bis 26. August 2001 gänzlich
und anschliessend bis 15. Oktober 2001 zur Hälfte arbeitsunfähig. Vom 10. Dezember
2001 bis 19. Dezember 2001 und vom 16. Februar 2002 war sie wiederum gänzlich
arbeitsunfähig. Am 15. März 2002 bescheinigte Dr. med. S., Spezialarzt für Psychiatrie
und Psychotherapie, dass sich die Ehefrau des Beschwerdeführers in einem schweren
psychotischen Zustand mit intensiven Angstsymptomen befinde und deswegen auf die
ständige Anwesenheit einer anderen Person angewiesen sei. Es sei nicht
vorherzusehen, wie lange dieser Zustand anhalten werde. Mit ärztlichem Zeugnis vom
31. Januar 2003 bestätigte die Kantonale Psychiatrische Klinik Wil, dass die Ehefrau
des Beschwerdeführers seit dem 30. Januar 2003 dort hospitalisiert und zu 100%
arbeitsunfähig sei.
Auf Anfrage des Ausländeramtes vom 13. November 2002 teilte die Ehefrau des
Beschwerdeführers mit, sie lebe seit zwei Monaten nicht mehr mit ihrem Gatten
zusammen. Sie gedenke, die Ehegemeinschaft nicht wieder aufzunehmen. Sie wolle
sich scheiden lassen. Am 9. Dezember 2002 reichte sie die Scheidungsklage ein und
beantragte die Anordnung von vorsorglichen Massnahmen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Beschwerdeführer macht geltend, er würde gerne weiterhin mit seiner Frau
zusammenleben; dies werde ihm jedoch durch die Schwiegervater-Tochter Beziehung
verunmöglicht. Er führt aus, seine Ehefrau habe sich in einem schweren psychotischen
Zustand mit Angstsymptomen befunden. Auf Druck ihres Vaters habe sie sich
gezwungen gesehen, einen neuen Wohnsitz zu begründen. Seit dem 27. August 2002
habe ihr der Vater verboten, einen verabredeten Arzttermin bei Dr. Sauer
wahrzunehmen. Im weiteren habe sie die medizinische Behandlung abgebrochen. Seit
dem erwähnten Datum habe sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert. Auf Druck
des Vaters habe sie ihn dann im November 2002 verlassen. Aus diesen Gründen könne
nicht von einem eigentlichen Willen der Ehefrau gesprochen werden. Diese sei
aufgrund ihres psychiatrischen Zustandes zu keinem Zeitpunkt in der Lage gewesen,
einen entsprechenden Entscheid aus freiem Willen zu fällen. Im April 2003 habe sie die
Psychiatrische Klinik ohne ärztliche Einwilligung verlassen, sei in seiner Wohnung
erschienen und habe dort bleiben wollen. Sie habe ihm erklärt, dass sie von der
Beeinflussung des Vaters wegkommen wolle und dass sie mit ihm nicht leben könne,
weil der Vater dies verhindere. Nachdem er erfahren habe, dass seine Ehefrau aus der
Klinik "entwichen" sei, habe er sie dorthin zurückgebracht. Ende Mai 2003 sei die
Ehefrau wiederum in seiner Wohnung erschienen und habe erklärt, sie wolle nicht mehr
in das Spital zurück; sie wolle bei ihm bleiben. Sie gehe jetzt zu ihrem Vater, um diesen
zu überreden, dass er endlich in die Ehe einwillige. Am nächsten Tag habe ihn die
Ehefrau aus dem Spital angerufen und erklärt, ihr Vater habe sie wieder dorthin
gebracht. Sie wolle mit Dr. Sauer eine Lösung finden, damit ihr Vater sich nicht mehr
gegen die Ehe stelle. Nach einem anschliessenden Arztbesuch bei Dr. Sauer habe er,
der Beschwerdeführer, seine Frau wieder in die Klinik zurückgebracht. Er habe sie dort
einige Male besucht. Eines Tages habe sie der Vater aus der Klinik mit in die Ferien
genommen; seitdem sei ihm ihr Aufenthaltsort nicht mehr bekannt. Es sei nicht die Art
der Ehefrau, nichts mehr von sich hören zu lassen. Sie stehe unter dem Druck ihres
Vaters. Er sei nach wie vor bereit, die Ehe wieder aufzunehmen, sobald seine Ehefrau
nicht mehr unter diesem Druck stehe. Der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung im März
2003, als die Ehefrau hospitalisiert gewesen sei, stelle eine Verletzung von Art. 17 Abs.
2 ANAG und Art. 8 EMRK dar.
Die Ehefrau des Beschwerdeführers hielt in ihrem Schreiben vom 13. November 2002
fest, sie lebe seit zwei Monaten nicht mehr mit ihrem Gatten zusammen. Den Akten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, dass die Auflösung der ehelichen
Gemeinschaft erst im November 2002 erfolgte. Die Ehefrau hat somit den
gemeinsamen Haushalt noch vor Beginn des Klinikaufenthalts verlassen. Im
Arztzeugnis von Dr. S. vom 15. März 2002 wird festgehalten, ihr Gesundheitszustand
erfordere seit März 2002 die ständige Anwesenheit einer anderen Person. Wenn es
zuträfe, dass die Ehefrau den Wohnsitz allein aus gesundheitlichen Gründen bzw.
wegen der notwendigen dauernden Anwesenheit einer anderen Person wechselte, so
wäre in diesem Fall bei einer intakten ehelichen Beziehung kein Grund ersichtlich,
wieso der Beschwerdeführer nicht ebenfalls an den neuen Ort hätte umziehen können;
dies umso weniger, als in jenem Zeitpunkt nicht von einer kurzfristigen Krankheit
ausgegangen werden konnte.
Die Ehefrau äusserte gegenüber dem Ausländeramt schriftlich, sie wolle sich scheiden
lassen und beabsichtige nicht, die eheliche Gemeinschaft wieder aufzunehmen. Die
Vorbringen des Beschwerdeführers über seine Bemühungen, die eheliche
Gemeinschaft wieder herzustellen, sind nicht überzeugend. Er behauptet im
wesentlichen, die Ehefrau sei mehrmals aus der Klinik entwichen, zu ihm gekommen
und habe ihm erklärt, sie wolle bei ihm bleiben. Als Beweis beruft er sich auf die
Krankengeschichte seit dem Klinikeintritt am 31. Januar 2003. Da der derzeitige
Aufenthaltsort der Ehefrau unbekannt ist, rechtfertigt es sich allerdings nicht, deren
Krankengeschichte zu edieren. Wie erwähnt, ist die Krankheit an sich unbestritten.
Ausschlaggebend ist nicht die Krankheit als solche, sondern die objektive Tatsache,
dass die eheliche Gemeinschaft seit längerem nicht mehr besteht und zudem seitens
des Beschwerdeführers keine wesentlichen Anstrengungen ersichtlich sind, die
eheliche Gemeinschaft wiederherzustellen. Insbesondere ist seine Behauptung wenig
überzeugend, der Vater der Ehefrau habe diese aus der Klinik mit in die Ferien
genommen und er, der Beschwerdeführer, wisse nicht, wo sich seine Ehefrau aufhalte.
Namentlich macht der Beschwerdeführer keine Ausführungen über eigene
Bemühungen, den Aufenthaltsort seiner Ehefrau in Erfahrung zu bringen. Ein Ehemann,
der am weiteren Zusammenleben mit der Ehefrau interessiert ist, dürfte eine solche
Entführung durch den Schwiegervater kaum tatenlos hinnehmen. Insbesondere ist zu
erwarten, dass der Beschwerdeführer eigene und intensive Nachforschungen zum
Verbleib seiner Ehefrau anstellte. Diesbezüglich werden aber in der Beschwerde keine
Ausführungen gemacht. Der Beschwerdeführer erklärt lediglich kurz und lapidar, er sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nach wie vor bereit, die Ehe unverzüglich wieder aufzunehmen, sobald seine Ehefrau
aus dem Druck ihres Vaters befreit werde. Seine weiteren Ausführungen sind ebenfalls
vage. So hält er lediglich fest, der Schwiegervater habe seine Frau "eines Tages" aus
der Klinik mit in die Ferien genommen. In welchem Zeitraum dies geschah, legt er nicht
dar. Er äussert sich auch nicht genauer, ob er allenfalls beim Schwiegervater
Nachforschungen über den Verbleib der Ehefrau machte. Die Vorbringen des
Beschwerdeführers bringen zum Ausdruck, dass er mit einer gewissen Gleichgültigkeit
auf die angeblichen Versuche des Schwiegervaters reagierte, die Ehefrau unter Druck
zu setzen.
Unter den gegebenen Umständen muss davon ausgegangen werden, dass die
eheliche Gemeinschaft bei objektiver Betrachtungsweise nicht wieder aufgenommen
wird. Ob die Darstellung des Beschwerdeführers letztlich zutrifft, kann offenbleiben.
Jedenfalls steht fest, dass die Ehefrau den Beschwerdeführer im September 2002
verliess und seither nicht zu ihm zurückgekehrt ist und dass vom Beschwerdeführer
selbst keinerlei Bemühungen zur Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft bzw.
zum Ausfindigmachen des Aufenthaltsortes der Ehefrau namhaft gemacht wurden.
Seine Vorbringen, wonach seine Ehefrau den Wunsch habe, zu ihm zurückzukehren,
steht mit den anderslautenden schriftlichen Vermerken der Ehefrau gegenüber dem
Ausländeramt klar im Widerspruch. Ohnehin wäre der Wille eines Ehegatten, die
Gemeinschaft wieder aufzunehmen, für sich allein nicht geeignet, den Anspruch auf
eine Aufenthaltsbewilligung zu begründen. Wenn die Ehefrau dem Beschwerdeführer
ihren Aufenthaltsort nicht bekannt gibt und seit längerem keine Anstalten mehr trifft, mit
dem Beschwerdeführer Kontakt aufzunehmen, so weist dies vielmehr darauf hin, dass
sie kein Interesse an der Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft hat. Zudem ist
das Scheidungsverfahren nach wie vor hängig. Die Einreichung eines
Scheidungsbegehrens bildet ein deutliches Indiz, dass die Wiederaufnahme der
ehelichen Gemeinschaft nicht mehr zustande kommt.
d) Es besteht ein öffentliches Interesse, dass Ausländer, bei denen nach kurzem
Aufenthalt in der Schweiz die familiären Voraussetzungen für die Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung wegfallen, die Schweiz wieder verlassen (VerwGE vom 22.
Januar 2002 i.S. N.O. und vom 20. August 2002 i.S. D.S.). Die Verordnung des
Bundesrates über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR 823.21) bezweckt nach
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Art. 1 lit. a ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Bestand der schweizerischen
und der ausländischen Wohnbevölkerung. Wie der Name der Verordnung zum
Ausdruck bringt, verlangt dies angesichts des ständigen Ansteigens des Anteils der
ausländischen Wohnbevölkerung eine restriktive Praxis bei der Erteilung von
Aufenthaltsbewilligungen.
Der Beschwerdeführer weilt seit dem 7. November 2000 und damit erst relativ kurze
Zeit in der Schweiz. Er wuchs in seinem Heimatstaat auf und verbrachte dort seine
gesamte Kindheit und Jugend bis zum 21. Altersjahr. Die Verhältnisse im Heimatstaat
sind ihm damit vertraut. Auch in arbeitsmarktlicher Hinsicht bestehen keine Gründe, die
eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nahelegen. Die Arbeitgeberin hält zwar
fest, sie habe den Beschwerdeführer vor rund zwei Jahren eingestellt im Wissen, dass
er verheiratet sei und in der Schweiz mit einer Aufenthaltsbewilligung leben und
arbeiten dürfe. Inzwischen sei er auf diversen Maschinen eingearbeitet und speziell
ausgebildet worden. Sie schätze ihn als ruhigen und pflichtbewussten Mitarbeiter.
Aufgrund der Funktion als Hilfsarbeiter bzw. Maschinenführer besteht jedoch kein
Grund zur Annahme, dass für eine solche Tätigkeit keine andere Arbeitskraft gefunden
werden kann.
Die Vorinstanz stellte zu Recht fest, das Vorliegen eines Härtefalles sei nicht ersichtlich.
Selbst wenn es zutreffen sollte, dass der Vater die Tochter unter Druck gesetzt hat,
vermag dies im vorliegenden Fall nichts daran zu ändern, dass die eheliche
Gemeinschaft nicht mehr gelebt wird und der Beschwerdeführer keine hinreichenden
Bestrebungen zur Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft machte. Im übrigen
blieb die Ehe kinderlos.
Falls es zuträfe, dass der Vater der Ehefrau das eheliche Zusammenleben
verunmöglicht, wäre es Sache des Beschwerdeführers, gegebenenfalls entsprechende
rechtliche Schritte in die Wege zu leiten; dies ist jedoch gemäss den Darlegungen des
Beschwerdeführers nicht geschehen. Der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung lässt
sich angesichts der Umstände nicht als Missbrauch oder Überschreitung des
Ermessens qualifizieren. Wenn die Umstände, welche zur Auflösung der ehelichen
Gemeinschaft führten, von der Verwaltung nicht als ausreichender Grund für den
Verzicht auf den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung angesehen wurden, so besteht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kein zureichender Anlass für das Verwaltungsgericht, in das Ermessen der Verwaltung
einzugreifen. Eine Rückkehr nach einem Aufenthalt von knapp dreieinhalb Jahren in der
Schweiz in den Herkunftsstaat, wo der Beschwerdeführer seine gesamte Kindheit und
Jugend verbrachte, erweist sich aufgrund der dargelegten Umstände als zumutbar und
nicht mit überdurchschnittlichen Schwierigkeiten verbunden.
e) Nach dem Gesagten ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).