Decision ID: 05d6ca7d-173b-5174-82ed-22190c3d48af
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X und Y wohnen zusammen mit den gemeinsamen Kindern A und B in G. X arbeitet
als Maschinist bei der U AG und Y als Raumpflegerin bei der V AG. X ist Vater von vier
weiteren Kindern, die aus einer am 2. April 2001 geschiedenen Ehe stammen und in
Serbien leben. In der Steuererklärung für die Staats- und Gemeindesteuern 2007
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machte das Ehepaar XY nebst den zwei Kinderabzügen für die in der Schweiz
lebenden gemeinsamen Kinder weitere Kinderabzüge für drei in Serbien lebende
Kinder geltend. Das deklarierte steuerbare Einkommen betrug Fr. 39'268.--. Mangels
Nachweis des geleisteten Unterhalts liess das kantonale Steueramt die Kinderabzüge
für die in Serbien lebenden Kinder von X nicht zu und veranlagte die Steuerpflichtigen
für die direkte Bundessteuer 2007 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 50'400.--.
B.- Gegen diese Veranlagung erhoben X und Y mit Eingabe vom 4. August 2008
Einsprache mit dem Antrag, die drei Kinderabzüge seien ihnen zu gewähren. Mit
Einsprache-Entscheid vom 23. Juli 2009 wies das kantonale Steueramt die Einsprache
ab.
C.- Mit Eingabe vom 30. Juli 2009 (Datum Poststempel: 31. Juli 2009) erhoben X und Y
gegen diesen Einsprache-Entscheid Beschwerde bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie stellen den Antrag, es seien ihnen die Kinderabzüge
für die drei unter der elterlichen Sorge des Steuerpflichtigen stehenden, in Serbien
lebenden Kinder zu gewähren.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 22. September 2009 die
kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführer nahmen dazu mit
Schreiben vom 31. Oktober 2009 Stellung. Die Beschwerdebeteiligte verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung.
Auf die von den Parteien zur Begründung ihrer Anträge gemachten Ausführungen
sowie die Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Beschwerdeerhebung ist gegeben. Die Beschwerde vom 30. Juli 2009 (Datum
Poststempel: 31. Juli 2009) ist rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllt in formeller
und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 140 Abs. 2
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der
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Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h
Ziff. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.- Umstritten ist die Gewährung von Kinderabzügen für drei in Serbien lebende Kinder
des Beschwerdeführers.
a) Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, die aus seiner im Jahr 2001
geschiedenen Ehe stammenden vier Kinder seien ihm gerichtlich zur Betreuung und
Erziehung anvertraut worden, da die Mutter der Kinder, seine geschiedene Frau, krank
sei und über keine finanziellen Mittel verfüge. Der Familiennachzug in die Schweiz für
diese Kinder sei ihm nicht bewilligt worden. Sie lebten daher jetzt bei seinem Vater in
Serbien. Das Geld für die Kinder gebe er jeweils einem Buschauffeur oder Bekannten,
die gerade nach Serbien reisten, mit. Dies sei am einfachsten und funktioniere
problemlos. Seine Kinder würden nicht von der Fürsorge unterstützt. Im Gerichtsurteil
werde lediglich dargelegt, dass man im Beweisverfahren unter anderem die Meinung
des "Zentrums für soziale Arbeit" gelesen habe, was im schweizerischen System in
etwa der Vormundschaftsbehörde entspreche.
Die Vorinstanz hält entgegen, aufgrund eines serbischen Gerichtsentscheids vom 24.
Juli 2002 seien Obhut und Erziehung der vier Kinder aus erster Ehe dem
Beschwerdeführer übertragen worden. Aus diesem Entscheid sei ferner zu schliessen,
dass die Kinder im oder vom "Zentrum für soziale Fürsorge" in K leben würden. Trotz
entsprechender Aufforderung gebe es keinen Nachweis, dass der Beschwerdeführer
tatsächlich Unterstützungsleistungen für seine Kinder erbracht habe.
Ausbildungsbescheinigungen seien lediglich für zwei Kinder (D und E) eingereicht
worden. Für C liege keine Bescheinigung vor. Die Einkommensverhältnisse der Mutter
seien nicht bekannt, ebenso sei unklar, wie viel sie an den Unterhalt der Kinder
beisteuere. Es sei durchaus denkbar, dass die Kinder mehrheitlich von der staatlichen
Fürsorge lebten.
b) Nach Art. 213 Abs. 1 DBG in Verbindung mit Art. 7 lit. a der Verordnung über den
Ausgleich der Folgen der kalten Progression für die natürlichen Personen bei der
direkten Bundessteuer (Verordnung über die kalte Progression, SR 642.119.2,
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abgekürzt: VKP) werden vom Einkommen für jedes minderjährige oder in der
beruflichen Ausbildung stehende Kind, für dessen Unterhalt der Steuerpflichtige sorgt
(lit. a) und für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person, an deren
Unterhalt der Steuerpflichtige mindestens in der Höhe des Abzugs beiträgt (lit. b), Fr.
6'100.-- abgezogen. Der Abzug nach lit. b kann nicht beansprucht werden für Kinder,
für die ein Abzug nach lit. a gewährt wird. Die Sozialabzüge werden nach den
Verhältnissen am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht festgesetzt (Art. 213
Abs. 2 DBG).
Im Gegensatz zur Regelung des Kinderabzugs im kantonalen Steuerrecht, nach
welchem der Steuerpflichtige für den Unterhalt des Kindes "zur Hauptsache"
aufkommen muss, konkretisiert das Recht der direkten Bundessteuer das Ausmass der
Unterhaltsleistungen nicht weiter. Es ist deshalb nicht zwingend nötig, dass der
Anspruchsberechtigte die Kosten des Kinderunterhalts in überwiegendem Ausmass
oder sogar vollständig trägt. Da es sich um einen pauschalierten Sozialabzug handelt,
ist grundsätzlich kein Nachweis der effektiv angefallenen Kosten nötig (SGE 2004 Nr.
9). Der Umfang der tatsächlichen Unterstützung ist erst dann von Bedeutung, wenn
beide getrennt lebenden Elternteile Leistungen erbringen und den Kinderabzug
beanspruchen. Die Gewährung des Kinderabzugs kann zudem nicht davon abhängig
gemacht werden, dass der Steuerpflichtige rechtlich zum Unterhalt des Kindes
verpflichtet ist. Die Voraussetzung ist bei minderjährigen Kindern jedoch in aller Regel
erfüllt, wenn sie unter der elterlichen Sorge des Steuerpflichtigen stehen. Es ist aber
nicht erforderlich ist, dass die steuerpflichtige Person mit dem Kind im gleichen
Haushalt zusammenlebt (vgl. Agner/Jung/Steinmann, Kommentar zum Gesetz über die
direkte Bundessteuer, Zürich 1995, N 2 zu Art. 35 DBG; Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar DBG, 2. Aufl. 2009, N 25 ff. zu Art. 213 DBG).
c) Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer der Vater von vier in Serbien lebenden
Kindern ist, die aus einer früheren Ehe stammen. Für drei dieser Kinder, namentlich C,
D und E, beansprucht er für das Steuerjahr 2007 je den Kinderabzug von Fr. 6'100.--.
Nicht streitig ist ferner, dass dem Beschwerdeführer mit Urteil des Amtsgerichts K
(Republik Serbien) vom 24. Juli 2002 die elterliche Sorge über die vier Kinder
übertragen worden ist, indem sie ihm zur Betreuung, Pflege, und Erziehung anvertraut
wurden (act. 8/II.1). Mit diesem Urteil wurde der Beschwerdeführer gleichzeitig
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verpflichtet, den Unterhalt der Kinder vollumfänglich zu besorgen. Damit hat er
rechtsgenüglich nachgewiesen, dass er für den Unterhalt der Kinder aufzukommen hat.
Die Mutter der Kinder wurde zu keinen Unterhaltszahlungen verpflichtet. Entgegen der
Ansicht der Vorinstanz ist den Akten nicht zu entnehmen, dass die staatliche Fürsorge
ganz oder teilweise für die Kinder aufkommt. Im erwähnten Gerichtsurteil ist lediglich
die Rede davon, dass für den Entscheid der Kinderzuteilung Einsicht in einen Bericht
des "Zentrums für soziale Fürsorge" in K genommen wurde. Dies ist damit zu erklären,
dass die Mutter krank war und die minderjährigen Kinder vorübergehend unter der
Vormundschaft der Schwester des Beschwerdeführers standen, und hat nicht mit
staatlicher Unterstützung oder Betreuung zu tun. Es ist daher nicht ersichtlich, wer
ausser dem Beschwerdeführer für die Kinder in Serbien aufgekommen sein soll. Auch
ohne strikten Zahlungsnachweis besteht daher kein Zweifel, dass der
Beschwerdeführer im Jahr 2007 für die drei Kinder C, D und E finanziell gesorgt hat.
Die Erklärungen des Beschwerdeführers zur Leistung der Unterhaltszahlungen über
Buschauffeur und Bekannte sind zudem glaubhaft, da sie der für den Balkanraum
bekannten Usanz entsprechen. Für die im Jahr 2007 minderjährigen Kinder D und E ist
den Beschwerdeführern folglich der Kinderabzug von je Fr. 6'100.-- zu gewähren.
Zuzumuten wäre es dem Beschwerdeführer allerdings, für folgende Steuerjahre
Bestätigungen der Personen über die Höhe der Barmittel beizubringen, denen er das
Geld zur Überbringung nach Serbien anvertraut hat (vgl. VRKE I/1-2009/56 vom 8.
Januar 2010, S. 6). Mangels genügend hoher effektiver Versicherungsprämien und
Sparzinsen (Fr. 4'425.20 deklariert in Formular 6, act. 8/I-1.5) sind den
Beschwerdeführern für die zwei Kinder jedoch keine zusätzlichen Versicherungsabzüge
nach Art. 33 Abs. 1 lit. g DBG in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 VKP zu gewähren.
d) C, geb. 4. Oktober 1988, war im Jahr 2007 bereits volljährig (sowohl nach
schweizerischem als auch nach serbischem Recht). Damit dem Beschwerdeführer ein
Kinderabzug für sie zusteht, hat er nachzuweisen, dass sie sich am Stichtag 31.
Dezember 2007 noch in Ausbildung befand. Die für das Steuerjahr 2006 eingereichte
Bestätigung zeigt lediglich, dass C im Schuljahr 2006/2007 in der 4. Klasse der
Ausbildung zur Konfektionstechnikerin war (act. 8/II.3). Da dieses Schuljahr im Sommer
2007 endete, liefert dieses Schreiben keinen Beweis dafür, dass sich die volljährige
Tochter Ende 2007 immer noch in Ausbildung befand. Der Kinderabzug für C kann
daher nicht gewährt werden.
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e) Die Beschwerde ist daher teilweise gutzuheissen und der angefochtene Einsprache-
Entscheid der Vorinstanz vom 23. Juli 2009 aufzuheben. Die Beschwerdeführer sind für
die direkte Bundessteuer 2007 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 38'200.-- zu
veranlagen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die Kosten des Verfahrens zu einem
Drittel den Beschwerdeführern aufzuerlegen; zwei Drittel der Kosten trägt der Staat
(Art. 144 Abs. 1 DBG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 750.-- ist angemessen (vgl. Art.
144 Abs. 5 DBG in Verbindung mit Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 500.-- ist bis zum Betrag von Fr. 250.-- zu
verrechnen. Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, den Beschwerdeführern Fr. 250.--
zurückzuzahlen.