Decision ID: 584c3759-5aad-4f2a-8a1d-ec1d989b0d89
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1979 geborene
X._
war seit Oktober 1999
in einem Vollzeit
pensum
als Koch bei der Seniorenresidenz
Y._
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Elips Versicherungen AG
(nachfolgend: Elips) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung vom 2
4.
August 2018 wurde der E
lips mitgeteilt, dass er am 18.
August 2018 beim Treppenhin
unter
gehen den Fuss vertreten und sich eine Verdrehung/Verstauchung am linken Fussgelenk zugezogen habe (
Urk.
13/39
). Der
am
2
0.
August 2018 konsultierte
,
erstbehandelnde
Dr.
med.
B._
, Arzt für Allgemeine Medizin FMH, stellte
die
Diagnose
Fussdistorsion/Supinationstrauma OSG (oberes Sprunggelenk) links (
Urk.
13/40/4
).
Am 1
5.
Oktober 2018 teilte die Elips dem Versicherten
formlos
mit, dass der Un
fallbegriff gemäss
Art.
4
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des So
zialversicherungsrechts (ATSG)
nicht erfüllt sei
und auch kein
e Körperschädigung gemäss
Art. 6. Abs.
2 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
vor
liege, weshalb sie Leistungen aus dem Schadenfall ablehnten (
Urk.
13/24).
Nach
dem der Versicherte einen rechtsm
ittelfähigen Entscheid verlangt hatte
(
Urk.
13/20), erliess die Elips am
1
9.
November
2018
(
Urk.
13/16) eine entspre
chend
e
Verfügung und
verneinte ihre Leistungspflicht
. Die vom
Versicherten ge
gen diesen Entsch
eid erhobene
Einsprache vom 6.
Dezember 2018 (
Urk.
13/10
) wies die
Elips am 1
5.
April 2019
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
9.
April 2019
Beschwerde (
Urk.
1) und bean
tragte
sinngemäss
(S. 2)
, der angefochtene Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es seien ihm
die gesetzlichen Versicherungsleistungen
auszurichten
. Mit Be
schwerdeantwort vom
1.
Juli 2019
beantragte die
Elips
, die Beschwerde sei ab
zuweisen
und der Einspracheentscheid sei zu bestätigen (
Urk.
12). Dies wurde dem Beschwerdeführer
am
3.
Ju
l
i
201
9
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
15
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2017 sind die am 2
5.
September 2015 bezieh
ungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG) und der Ver
ordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Das hier zu beurteilende Ereignis hat sich am
1
8.
August 2018
ereignet, weshalb die ab dem
1.
Januar 2017 gültigen Normen
auf den vorliegenden Fall Anwen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistun
gen auch bei
bestimmten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind (
vgl.
Abs. 2). Ausserdem er
bringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.3
1.3
.1
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
ATSG
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
.2
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwir
kungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen al
lein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.3
.3
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ab
lauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei ei
ner solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aussen
welt – ist wegen der
erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein ungewöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind: Knochenbrüche (lit. a); Verrenkungen von Ge
lenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e), Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h).
Diese Aufzählung der den Unfällen gleichgestellten Körperschädigungen ist ab
schliessend (BGE 116 V 136 E. 4a, 147 E. 2b, je mit Hinweisen; Maurer, Schwei
zerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Auflage, Bern 1989, S. 202).
1.5
Praxis
gemäss sind die einzelnen Umstände des Unfallgeschehens von der versi
cherten Person glaubhaft zu machen. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Im Streitfall obliegt es dem Gericht zu beurteilen, ob die einzelnen Voraussetzungen des Unfallbegriffs erfüllt sind. Der Untersuchungsmaxime entsprechend hat es von Amtes wegen die not
wendigen Beweise zu erheben und kann zu diesem Zwecke auch die Parteien heranziehen. Ist aufgrund dieser Massnahmen das Vorliegen eines Unfallereig
nisses nicht wenigstens mit Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b).
1.6
Bei sich widersprechenden Angaben der versicher
ten Person über den Unfallher
gang ist auf die Beweismaxime hinzuweis
en, wonach die sogenannten sponta
nen "Aussagen der ersten Stunde" in d
er Regel unbefangener und zuver
lässiger sind als spätere Darstellungen, die
bewusst oder unbewusst von nachträglichen Über
legungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gem
acht hat, meistens grösseres Ge
wicht zu als jenen nach
Kenntnis der Ablehnungsbegründung
des Versicherers
(BGE 121 V 45
E. 2a mit Hinweisen)
.
1.7
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Be
stehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Ent
scheid, sofern
das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit ei
nes bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung, die es von allen möglichen Gesche
hensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b mit Hin
weisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Einspracheentscheid (
Urk.
2
S. 2 f.) damit, dass die unmittelbare Ursache der Schädigung unter speziell sinnfälligen Umständen (z.B. Sturz, Schlag) gesetzt worden sein müsse. Das Treppensteigen stelle eine alltägliche Lebensverrichtung und physiologische Beanspruchung des Körpers ohne erhöhtes Gefährdungspotential dar, weshalb es als solche den An
forderungen der Rechtsprechung an den äusseren schädigenden Faktor nicht ge
nüge
. W
eder in der Schadensmeldung noch
im
Fragebogen
sei
ein Stur
zereignis beschrieben worden
. Der Formulierung von
Dr.
B._
im
Arztbericht vom 2
9.
August
2018,
gemäss welcher
d
er
Beschwerdeführer
auf der Treppe gestürzt sei,
komme keine
grosse Beweiskraft zu, sondern es
sei
auf die Unfalldarstellun
gen des
Beschwerdeführers
abzustellen
, wonach er sich beim Treppehinunterge
hen den Fuss vertreten habe. Auf diese unfallnahen Aussagen sei abzustellen.
Ein Unfallereignis im Sinne der Rechtsprechung sei damit nicht ausgewiesen. Es liege auch keine unfallähnliche Körperschädigung i.S.v.
Art.
6
Abs.
2 UVG vor, da
die radiologische Abklärung keine Hinweise auf das
Bestehen einer ossären Läsion gezeigt h
abe
.
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, er spreche und schreibe nicht sehr gut Deutsch. Die Sachbearbeiterin habe den Wortlaut im Unfallprotokoll lediglich sinngemäss wiedergegeben. Aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse
sei auch der
Wortlaut aus dem Unfallprotokoll übernommen und im
Fragebogen vom 1
0.
September 201
8 wiedergegeben
worden
.
Im Brief vom
6.
Dezember 2018 sei der Unfallhergang beschrieben
, so wie er ihn gegen
über dem Arbeitgeber
geschildert
habe. Er sei
die Treppe hinunter
gegangen und dabei ausgerutscht, ge
stolpert
und
habe sich
gerade noch auffangen
können
. Da
bei
habe er sich den Fuss
verdreht
.
Damit erfülle
der
Zwischenfall alle erforderli
chen Kriterien ei
nes Unfalls. Der im Einsprachee
ntscheid erwähnte Sachverhalt, dass keine Fra
ktur vorliege, sei zwar richtig,
aber irrelevant für die Beu
rteilung, ob ein Unfall vorliege
oder nicht. Ebenso sei es auch nich
t entscheidend, ob ein Beinahe
-S
turz oder ein vollendeter Sturz zur Verletzung geführt habe.
3.
3.1
Gemäss Unfallmeldung vom 2
4.
August 2018 (
Urk.
13
/
39
)
hat sich de
r Beschwer
deführer beim Treppenhinunter
gehen den Fuss vertreten und sich dabei eine Ver
drehung/Verstauchung zugezogen.
3.2
Dr.
B._
, wies
im Bericht vom
4.
September 2018 (
Urk.
13/
40/3-4
)
auf seine Erstbehandlung vom 2
0.
August 2018 hin und
hielt zum Unfallhergang fest,
«Sturz auf der Treppe + Fuss
li
verdreht (19.
8.18)». Als Diagnose nannte er
Fussdis
torsion/Supinationstrauma OSG links.
Zur Therapie
veranlasste er Analgetika und eine Stützbandage und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom 2
0.
b
is 2
7.
August 2018.
3.3
Nachdem die Beschwerdegegnerin mit
tels
Fragebogen
s
den Beschwerdeführer um ergänzende Angaben zum Unfallhergang gebeten hatte (
Urk.
13/36 und
Urk.
13/37), gab dieser am 1
0.
September 2018 (
Urk.
13/30) an, er habe
am 1
8.
August 2018 beim Treppenhinunter
gehen den Fuss vertreten und starke Schmerzen verspürt und nicht laufen können.
3.4
Im Bericht der
C._
über die bildgebende Untersuchung vom 2
9.
September 2018 (
Urk.
13/27) mittels Röntgen
s
des
Fuss
es
links und OSG,
be
fundete der zuständige Radiologe, die radiologischen Abklärungen zeigten phy
siologische Verhältnisse ohne Hinweis auf eine ossäre Läsion.
3.5
In seiner Einsprache vom
6.
Dezember 2018 (
Urk.
13/10) führte der Beschwerde
führer aus
, auf dem Unfallprotokoll vom 2
6.
November 2018 sei nicht klar er
sichtlich, wie sich der Unfall ereignet habe. Er sei die Treppe hinunter gegangen und sei dabei ausgerutscht. Er sei gestolpert und habe sich gerade noch auffangen können. Dabei habe er sich den Fuss verdreht.
4.
4.1
In sachverhaltlicher Hinsicht liegen bezüglich des umstrittenen Ereignisses un
terschiedliche Darstellungen bei den Akten
. Gemäss d
er Unfallmeldung und der
Her
gangsschilderung im Fragebogen
hat sich der Beschwerdeführer
beim Trep
pen
hinunte
r
gehen den Fuss vertreten und dabei
Schmerzen verspürt
.
In seiner Einsprache erwähnte
er
, dass er beim Treppehinuntergehen
ausgerutscht und
ge
stolpert
sei,
sich gerade noch
habe
auffangen können
.
Der erstbehandelnde
Dr.
B._
berichtete sodann über eine
n
Sturz auf der Treppe
,
bei dem sich der Beschwerdeführer den Fuss verdreht habe.
Dabei ergeben die medizinischen Akten, u
nbesehen davon,
ob ein
eigentliches S
turzereignis stattgefunden hat oder nicht
, dass
das Ereignis zu einer behand
lungsbedürftigen Fussdistorsion
/
einem
Supinationstrauma am linken oberen Sprunggelenk
geführt
hat
und dabei
eine ossäre Läsion
(knöcherne Verletzung)
ausgeschlossen
wurde.
Die Beschwerden wurden sodann mit
Analgetika und eine
r
Stützbandage
behandelt
und
es wurde
eine einwöchige Arbeitsunfähigkeit attes
tiert
.
4.2
Vom Verletzungsmechanismus her
entsteh
t ein OSG-
Supinationstrauma
durch eine
Kombination von Plantarflexion, Add
uktion und Inversion des Fusses, häu
fig durch indirekte Gewalteinwirkung (
vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 26
6.
Auflage, 2014, Berlin/Boston, S.
492 u. S. 2056
),
mit anderen Worten
durch ein
Umknicken des Fusses über die Fussauss
enkante nach innen
. Dadurch wird der äuss
ere Bandapparat dur
ch das heftige Abknicken des Fuss
es nach innen überlastet. Dabei kann die
Distorsion (Misstritt mit Ve
rdrehen) des Sprunggelen
kes zum Riss der Bänder führen
,
wobei u
ngenügend behandelte Bandverletzun
gen mit immer wieder auftretenden Misstritten
zu
chronische
n
Instabilitäten
füh
ren können (vgl. etwa
https://www.schulthess-kli
nik.ch/de/fusschirurgie/be
-
handlung/baenderriss-bandverletzungen
).
4.3
Aufgrund de
r in E. 1
.6 hie
r
vor wiedergegebenen Beweisre
gel der „Aussagen der ersten Stunde“ ist davon auszugehen, dass sich das Ereignis so zugetragen hat, wie
es aus der Unfallmeldung hervorgeht und es
vom Beschwerdeführer
auf ge
zielte
s
Nachfrage
n
in der
Hergangsschilderung im Fragebogen
bestätigt wurde.
De
nn dass
es
auf der Treppe
zu einem Sturz gekommen ist
, wie dies vom behan
delnden Arzt festgehalten wurde
,
bestätigte selbst der Beschwerdeführer in seiner
Einsprache vom
6.
Dezember 2018
nicht,
machte er doch geltend
,
dass er
sich
noch habe auffangen können
.
Zum
Ereignishergang
ist
demnac
h
,
wie in der Un
fallmeldung vom 2
4.
August 2018
und im Frageboge
n zum Unfallhergang aus
geführt,
davon auszugehen
, dass der Beschwerdeführer beim Treppenhinabgehen sich den Fuss
«
V
ertreten
»
und sich hierbei ein
OSG-
Supinationstrauma
zugezogen hat.
Beim
erwähnten «
V
ertreten» beim Treppenhinabgehen
ist dabei
aufgrund des für ein Supinationstrauma am OSG
typischen Verletzungsm
echanismus
von
ei
n
em
Fehltritt mit Umknicken über
die Fussa
u
ssenkante
,
im vorliegend Fall
beim Treppenabwärts
gehen
,
a
uszugehen. Die diesbezüglich gewählte Wortwahl «ver
treten» -
umgangssprachlich
auch
als
vertrampen, übertrampen, umknicken
be
zeichnet – deckt jedenfalls
diesen
Ereignisverlauf ab. Zu Ungunsten des Be
schwerdeführers wirkt sich
damit
auch nicht aus, dass
nach geschildertem Sach
verhalt zur Frage, «Ereignete sich etwas Besonderes» das Kästchen mit Nein an
gekreuzt wurde (vgl.
Urk.
13/30).
Bei diesem Sachverhalt kann
der Bewegungsablauf auf der Treppe
jedenfalls
nicht
als
unter norma
len Bedingungen verlaufen
angesehen
werden
,
sondern
dieser
wurde durch einen
Fehltritt
mit
Umknicken über die Fussaussenkante
gestört. Der
unkoordinierte Bewegung
sablauf
auf
der
Treppe im Sinne, dass der Fuss auf der Treppenstufe nicht gerade, sondern krumm aufgesetzt wurde
,
ist
als unüblich
im Sinne einer im Bewegungsablauf aufgetretenen Programmwidrigkeit
anzusehen
, mit der direkten Folge einer
S
upination
(Verdrehung) am oberen Sprunggelenk.
D
er fragliche Vorfall
ist damit
als Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG
z
u qualifizie
ren
.
Daran ve
rmag auch das von der Beschwerdegegnerin zitierte Urteil des Bun
desgerichts U 233/05 vom
3.
Januar 2006 nichts zu ändern
(vgl.
Urk.
12
Ziff.
10.2)
, standen doch dabei Verletzungen an einem
bereits erheblich vorge
schädigten Knie
im Zusammenhang
mit einem Fehltritt
auf
einer
Treppe
zur Dis
kussion.
Es geht bei dieser Abgrenzung um die Abgrenzung unfallbedin
g
ter Schä
den. Beim pathologischen Knie
erscheint eine unfallfremde Verursachung eines Schadens bei einem Fehltritt als naheliegend, nicht aber bei einem gesunden Fuss.
4.4
Seit dem Inkrafttreten des neuen Unfallversicherungsrechts am
1.
Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen e
ines äusseren Ereignisses abhän
gig. Die Tatsache, dass eine in der Auflistung von
Art.
6
Abs.
2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Vermutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, di
e vom Unfallversicherer übernom
men werden muss.
Ein Supinationstrauma am OSG wird definitionsgemäss als
gewaltsame Überdeh
nung des außenseitigen Halteapparates (Gelenkkapsel, Bänder, Sehnen und Kno
chen
) des Sprunggelenkes verstanden, wobei je nach Intensität, Überdehnung der Bänder, Bandrupturen bis hin zu Knorpel- und Knochenschäden auftreten können
(vgl. etwa
https://de.wikipedia.org/wiki/Supinationstrauma
)
.
Bei gegebener Diag
nose ist damit
jedenfalls
das Vorliegen
eine
r
Listenverletzung gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG
naheliegend
. D
a das
Ereignis
nach dem hiervor
G
esagten
jedenfalls
als Unfall zu qualifizieren ist
,
erübrigen sich weitere Erörterungen dazu
und es
drängen
sich auch
keine
weitergehende
n
Untersuchungen
auf
.
5
.
Zusammenfassend
führt dies zur Gutheissung der Beschwerde und Aufhebung des angefochtenen Entscheids mit der Feststellung, dass der Beschwerdeführer bezüglich der am
1
8.
August 2018
zugezogenen Verletzungen
am linken Fuss
Anspruch auf Ausrichtung der gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen hat.