Decision ID: 8195698a-6ee3-532f-be30-2834f55e44fb
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Mit Verfügung vom 28. Dezember 2011 stellte das SEM (damals Bundes-
amt für Migration, BFM) fest, der Onkel des Beschwerdeführers B._
erfülle die Flüchtlingseigenschaft und gewährte ihm Asyl. Mit Verfügung
vom 10. September 2012 gewährte das SEM (damals BFM) dessen Ehe-
frau und Kindern Familienasyl.
B.
Der Beschwerdeführer suchte am 21. Juli 2015 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 5. August 2015 fand die Befragung zur Person (BzP) und am
20. Oktober 2016 die Anhörung statt.
Zur Begründung seines Asylgesuchs machte er geltend, er sei Syrer kurdi-
scher Ethnie aus dem Dorf C._ (D._, Provinz Aleppo), wo er
geboren und aufgewachsen sei. Bei der BzP führte er auf die Frage nach
seinen Gesuchsgründen aus, er sei wegen des Militärdienstes ausgereist.
Er habe ein Militärdienstbüchlein gehabt, das ihm auf seiner Reise in die
Schweiz gestohlen worden sei. Vor langer Zeit habe er ein Aufgebots-
schreiben erhalten, das seinem Vater im Dorf ausgehändigt worden sei.
Sie hätten alles weggeworfen – auch dieses Schreiben – weil sie gedacht
hätten, Syrien würde als Land nicht mehr existieren. Er (der Beschwerde-
führer) habe wegen des Aufgebots D._ nicht mehr verlassen kön-
nen. Sein immer noch aktiver Vater, sein Bruder und er seien für die YPG
(Yekîneyên Parastina Gel; bewaffneter Arm der kurdisch-syrischen Partei
der Demokratischen Union [PYD]) aktiv gewesen; er (der Beschwerdefüh-
rer) habe für die YPG an Demonstrationen teilgenommen. Er sei in Syrien
nie verhaftet, angeklagt oder verurteilt worden. Er habe auch keine Prob-
leme mit der Polizei, der Armee oder sonstigen Behörden gehabt. Abgese-
hen von der Teilnahme an den Demonstrationen, sei er nicht politisch aktiv
gewesen. Bei der Anhörung führte er aus, er sei ausgereist, weil er von den
Militärbehörden gesucht worden sei. Er sei in E._ wiederholt ange-
halten und aufgefordert worden, sich bei den Behörden für den Militärdienst
zu melden. Als sich die Lage verschlechtert habe und Leute vor Ort festge-
nommen und in den Militärdienst eingezogen worden seien, habe er die
Gelegenheit ergriffen und sei mit einer Hochzeitsgesellschaft in sein Dorf
zurückgekehrt. Er sei ausgereist, nachdem sein zweitältester Bruder, der
aus dem Militärdienst desertiert und nach F._ geflüchtet sei, nach
Syrien zurückgekehrt sei.
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Der Beschwerdeführer reichte verschiedene Dokumente (Auszüge aus
dem Personen- und Familienregister, Kopie des Familienbüchleins, Mit-
gliedschaftsbestätigung bei der PYD, USB-Stick mit Fotos) zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 1. September 2015 stellte das SEM fest, der Onkel des
Beschwerdeführers G._ und dessen Ehefrau erfüllten die Flücht-
lingseigenschaft und gewährte ihnen Asyl.
D.
Der Onkel des Beschwerdeführers H._ reiste am (...) freiwillig aus
der Schweiz aus, nachdem er sein Asylgesuch vom 1. Juli 2015 am 29.
Oktober 2015 zurückgezogen hatte.
E.
Mit Verfügung vom 8. Februar 2018 (eröffnet am 10. Februar 2018) stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz
und ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die
vorläufige Aufnahme an.
F.
Mit Urteil E-1511/2018 vom 1. Mai 2018 hiess das Bundesverwaltungsge-
richt eine hiergegen am 12. März 2018 eingereichte Beschwerde gut und
wies die Sache zur vollständigen sowie richtigen Feststellung des Sach-
verhalts an das SEM zurück.
Zur Begründung führte das Bundesverwaltungsgericht aus, aus den Akten
ergebe sich, dass der Beschwerdeführer bereits bei der BzP ausgeführt
habe, sein Vater, sein Bruder und er selbst seien für die YPG aktiv gewe-
sen. Sein Vater sei immer noch aktiv. Zudem habe er auf entsprechende
Fragen geantwortet, seine Familie sei politisch aktiv gewesen, weshalb sie
vom syrischen Regime belästigt worden sei. Aus dem Zentralen Migrati-
onsinformationssystem (ZEMIS) gehe zudem hervor, dass seinem von ihm
bei der BzP erwähnten Onkel väterlicherseits (B._) Asyl gewährt
und die I._ (Cousine und Verlobte des Beschwerdeführers) in des-
sen Flüchtlingseigenschaft einbezogen worden sei. Zudem habe das SEM
einem anderen (...) (G._) und weiteren Verwandten des Beschwer-
deführers ebenfalls Asyl gewährt. Vor diesem Hintergrund wäre die Vo-
rinstanz im Hinblick auf eine allfällige begründete Furcht des Beschwerde-
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führers vor einer Reflexverfolgung im heutigen Zeitpunkt verpflichtet gewe-
sen, die Asylakten der Verwandten beizuziehen und in die Sachverhalts-
feststellung einfliessen zu lassen. Ferner sei auch nicht auszuschliessen,
dass der Beschwerdeführer bei einer Rückkehr als Refraktär behandelt
werden könnte. Unter diesem Aspekt stelle sein familiärer Hintergrund ein
wesentliches Sachverhaltselement dar.
G.
Mit Verfügung vom 25. Juni 2018 stellte das SEM fest, der Cousin des Be-
schwerdeführers J._ – der zusammen mit dem Beschwerdeführer
aus demselben Dorf C._ abgereist und Syrien verlassen hat – er-
fülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte dessen Asylgesuch vom 21.
Juli 2015 ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete auf-
grund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vorläufige Auf-
nahme an. Eine hiergegen eingereichte Beschwerde wies das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil D-4309/2018 vom 20. August 2018 ab, soweit es
auf diese eintrat.
H.
Mit Verfügung vom 5. September 2018 (eröffnet am 7. September 2018)
stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht (Dispositivziffer 1), lehnte das Asylgesuch ab (Dispositivzif-
fer 2), verfügte die Wegweisung aus der Schweiz (Dispositivziffer 3) und
ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs die vor-
läufige Aufnahme an (Dispositivziffer 4 bis 6).
I.
Mit Eingabe vom 8. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde ein und beantragte, es sei die Verfü-
gung des SEM in den Ziffern 1 bis 3 des Dispositivs aufzuheben. Es sei die
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventualiter
sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer
Hinsicht sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und in der Person des Un-
terzeichnenden ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen. Es seien
die Asyldossiers der Onkel B._ (N [...]), G._ (N [...]) und
K._ (N [...]) beizuziehen und dem Beschwerdeführer eine Frist zur
Stellungnahme beziehungsweise Ergänzung der Beschwerde nach Zustel-
lung dieser Akten anzusetzen.
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J.
Mit Schreiben vom 9. Oktober 2018 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt den Eingang der Beschwerde.
K.
Mit Schreiben vom 10. Oktober 2018 reichte der Beschwerdeführer beim
Bundesverwaltungsgericht eine Fürsorgebestätigung sowie drei Einwilli-
gungserklärungen der Personen B._, G._ und K._
zwecks Aktenbeizugs ein.
L.
Mit Zwischenverfügung vom 15. Oktober 2018 verwies die Instruktionsrich-
terin betreffend die Akteneinsicht auf die Zuständigkeit der Vorinstanz,
stellte fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Verfahrens in
der Schweiz abwarten, hiess die Gesuche um Erlass der Prozesskosten
gut und setzte den Rechtsvertreter Roman Schuler als amtlichen Rechts-
beistand ein.
M.
Nach Einsichtnahme in die Akten der Personen B._, G._
und K._ reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 26. No-
vember 2018 (Poststempel) beim Bundesverwaltungsgericht eine Be-
schwerdeergänzung ein.
N.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Dezember 2018 lud die Instruktionsrichte-
rin das SEM zur Vernehmlassung ein, das der Aufforderung mit Eingabe
vom 21. Dezember 2018 nachkam. Mit Eingabe vom 7. Februar 2019 repli-
zierte der Beschwerdeführer unter Beilage einer aktualisierten Kostennote.
O.
Mit Schreiben vom 10. Juni 2020 erkundigte sich der Beschwerdeführer
nach dem Verfahrensstand. Mit Schreiben vom 11. Juni 2020 beantwortete
die Instruktionsrichterin dieses Schreiben.
P.
Mit Verfügung vom 17. Dezember 2020 stellte das SEM fest, der Cousin
des Vaters des Beschwerdeführers K._ – der mit Verfügung vom
11. November 2008 als Flüchtling anerkannt worden war, im (...) 2011 nach
Syrien zurückkehrte und am 11. Januar 2018 erneut in der Schweiz um
Asyl nachsuchte – erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, wies das Asyl-
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gesuch ab, ordnete aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs die vorläufige Aufnahme an und aberkannte die mit Verfügung vom
11. November 2008 gewährte Flüchtlingseigenschaft.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde vom 18. Januar 2021
ist beim Bundesverwaltungsgericht anhängig (...).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht
vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung; er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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2.
2.1 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE
2014/26 E. 5).
2.2 Der Wegweisungsvollzug (Dispositivziffern 4 bis 6) wurde zugunsten
einer vorläufigen Aufnahme aufgeschoben und bildet deshalb nicht Gegen-
stand des Beschwerdeverfahrens.
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (vgl. Art. 3 AsylG).
3.2 Staatliche Repressalien gegen Familienangehörige von politischen Op-
ponenten können als sogenannte Reflexverfolgung flüchtlingsrechtlich er-
heblich sein, wenn sie in asylrelevanter Intensität gezielt erfolgen oder mit
erheblicher Wahrscheinlichkeit drohen. Begründete Furcht vor künftiger
Verfolgung liegt grundsätzlich dann vor, wenn aufgrund objektiver Um-
stände in nachvollziehbarer Weise subjektiv befürchtet wird, die Verfolgung
werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft
verwirklichen (vgl. WALTER STÖCKLI, Asyl, in: UEBERSAX/RUDIN/HUGI
YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl. 2009, Rz. 11.16; BVGE
2011/51 E. 6.2, 2011/50 E. 3.1.1, 2010/57 E. 2.5).
3.3 Flüchtlingen wird nach Art. 54 AsylG kein Asyl gewährt, wenn sie erst
durch ihre Ausreise aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ih-
res Verhaltens nach der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG
wurden (subjektive Nachfluchtgründe).
3.4 Die Flüchtlingseigenschaft muss nachweisen oder zumindest glaubhaft
machen, wer um Asyl nachsucht (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist sie, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit für gegeben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbrin-
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gen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wider-
sprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 Abs. 2
und 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an
das Glaubhaftmachen der Vorbringen in einem publizierten Entscheid dar-
gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden
(vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
3.5 Klare asylrelevante Aussagen, die in der Erstbefragung von den spä-
teren Aussagen diametral abweichen oder bestimmte Ereignisse oder Be-
fürchtungen, die nicht ansatzweise erwähnt wurden, sind Widersprüche,
die im Rahmen der Beweiswürdigung zu berücksichtigen sind (vgl. Ent-
scheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission
[EMARK] 1993 Nr. 3 E. 3).
4.
4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte die Vorinstanz
aus, der Beschwerdeführer mache geltend, viele seiner Verwandten seien
Mitglieder der PKK (Partiya Karkerên Kurdistanê), weshalb sein Grossva-
ter, sein Vater und ein Onkel väterlicherseits alle einmal verhaftet worden
seien. Sein Vater habe zudem einmal seine Stelle als (...) bei der (...) ver-
loren. Er (der Beschwerdeführer) sei in der Schule immer von den Lehrern
geschlagen und schikaniert worden. Diese Nachteile seien zwar bedauer-
lich, aber nicht asylrelevant. Er habe selbst zu Protokoll gegeben, dass alle
Schülerinnen und Schüler des Dorfes von den gleichen Problemen in der
Schule betroffen gewesen seien, weil sie ebenfalls aus Familien mit einem
PKK-Hintergrund abstammen würden. Seinen Vorbringen fehle es ausser-
dem an einer asylrelevanten Intensität, zumal er nicht von der Schule aus-
geschlossen worden sei und es keine Hinweise auf weitere diskriminie-
rende Massnahmen gebe. Es sei ihm beispielsweise erfolgreich gelungen,
bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges in E._ zu leben und dort sei-
nen Lebensunterhalt zu bestreiten. Zudem scheine er auch nie wegen sei-
ner Ethnie, seinen politischen Ansichten oder jener seiner Verwandten und
auch nicht aus anderen Gründen in Syrien in Haft gewesen zu sein.
Seine Furcht vor zukünftigen Verfolgungsmassnahmen im Zusammenhang
mit seinen Demonstrationsteilnahmen und der Rekrutierung von Jugendli-
chen für diese Veranstaltungen zu Beginn der Unruhen in E._, und
nach seiner Rückkehr nach C._ in D._, sei unbegründet. Es
sei nicht davon auszugehen, dass sein Engagement den Behörden be-
kannt gewesen sei; an keiner der Demonstrationen sei er festgehalten oder
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inhaftiert worden. Er habe zu Protokoll gegeben, die Regierung habe viel-
leicht nicht gewusst, dass er persönlich an den Demonstrationen teilge-
nommen habe. Er mache zwar geltend, dass alle seine Kollegen, die bei
der Rekrutierung von Demonstrationsteilnehmenden beteiligt gewesenen
seien, inhaftiert worden seien. Er habe aber an weiteren Demonstrationen
in D._ teilgenommen und bis zu seiner Ausreise aus Syrien sei ihm
nichts widerfahren.
Auch seine Furcht, im Zusammenhang mit seinen ehemaligen Aktivitäten
für die YPG und seinem Weggang von dieser Gruppierung in asylrelevan-
ter Weise verfolgt zu werden, sei unbegründet. Es sei nämlich nicht davon
auszugehen, dass das Quittieren des Dienstes bei der YPG negative Kon-
sequenzen für ihn gehabt habe, zumal er selber ausgesagt habe, die YPG
habe die Dienstniederlegung akzeptiert, weil bereits sein Vater und ein Bru-
der Mitglieder seien. Seinen Aussagen seien keine Hinweise darauf zu ent-
nehmen, dass er nach der Dienstniederlegung in irgendeiner Weise von
der YPG verfolgt oder bestraft worden wäre. Gleich verhalte es sich mit
seiner Furcht, als ehemaliger YPG-Kämpfer vom IS (sog. Islamischer
Staat) umgebracht zu werden. Diesbezüglich habe er ausgesagt, es sei
ihm während seines sechsmonatigen Dienstes für die YPG nichts wider-
fahren. Zudem scheine weder seinem Bruder als YPG-Kämpfer noch sei-
nem Vater als ehemaligem (...) von C._ aufgrund des Rückzugs
des Beschwerdeführers oder aufgrund ihrer eigenen Aktivitäten für die
YPG Nachteile erwachsen zu sein. Sie befänden sich beide noch in
C._, der Bruder kämpfe immer noch für die YPG und der Vater habe
seine Aktivitäten niedergelegt.
Auch würden keine Hinweise für das Vorliegen einer Reflexverfolgung auf-
grund der politischen Profile seiner beiden in der Schweiz lebenden Onkel
vorliegen. Ausserdem würden sich seine Eltern sowie seine Geschweisster
weiterhin an seinem Heimatort aufhalten und ein weiterer Onkel sei nach
einem halbjährigen Aufenthalt in der Schweiz (...) 2015 in seine Heimat
zurückgekehrt. Dies lasse auf keine die Familie L._ gezielt gerich-
tete staatliche Verfolgung schliessen. Der Beschwerdeführer habe sodann
auch keine Reflexverfolgung geltend gemacht. Er habe lediglich ausge-
führt, sein Onkel väterlicherseits (G._) sei ein ehemaliger PKK
Kämpfer. Aus diesem Grund sei sein Grossvater zweimal vom politischen
Sicherheitsdienst festgenommen worden und sein Vater sei verhaftet wor-
den, was jedoch lange Zeit her sei.
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Seine geltend gemachten exilpolitischen Aktivitäten in der Schweiz (Mit-
gliedschaft bei der PYD [Partiya Yekitîya Demokrat, Partei der Demokrati-
schen Union] und (...), Teilnahme an Demonstrationen und an Parteisit-
zungen der PYD) seien nicht geeignet, eine Furcht vor flüchtlingsrelevanter
Verfolgung zu begründen. Den Akten seien keine konkreten Hinweise da-
rauf zu entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer in qualifizierter Weise
exilpolitisch betätigt habe. Seine bisherigen Aktivitäten seien – sollten die
syrischen Behörden überhaupt Kenntnis davon erlangt haben – vergleich-
bar mit denjenigen einer Vielzahl kurdischer Syrer in der Schweiz. Aus den
eingereichten Beweismitteln (Fotos von Demonstrationen in der Schweiz,
Videos von Parteisitzungen in der Schweiz und Mitgliedsbestätigung der
PYD) gehe keine exponierte exilpolitische Betätigung des Beschwerdefüh-
rers hervor, weshalb nicht davon auszugehen sei, er könnte als konkrete
Bedrohung für das syrische System wahrgenommen und deshalb verfolgt
werden.
Die Aussagen des Beschwerdeführers zum militärischen Aufgebot durch
die syrische Armee enthielten diverse Ungereimtheiten und Widersprüche.
Er habe nur sehr oberflächliche Angaben zum Ausstellungsprozedere des
Dienstbüchleins und zum Zeitpunkt dessen Erhalts gemacht. Zudem habe
er bei der BzP ausgesagt, nur ein militärisches Aufgebot im Alter von neun-
zehn Jahren erhalten zu haben. Bei der Anhörung habe er hingegen zu
Protokoll gegeben, er habe zwei Aufgebote erhalten. Er habe auffällig we-
nig zum Erhalt der Aufgebote erzählen können und sich zu keinem Zeit-
punkt bemüht, von sich aus ausführlich zu erzählen, wie er vom ersten Auf-
gebot erfahren habe, was in ihm vorgegangen sei und wie er darauf rea-
giert habe. Auch seine Schilderung zum Erhalt des zweiten Aufgebots sei
äusserst kurz und oberflächlich ausgefallen. Allgemein falle auf, dass es
ihm schwergefallen sei, seine Vorbringen in einen groben zeitlichen Rah-
men einzuordnen. So habe er bei der BzP gesagt, er sei (...) für (...) in
M._ gewesen und ungefähr im (...) definitiv aus Syrien ausgereist.
Bei der Anhörung habe er geltend gemacht, er könne sich nicht an das Jahr
seiner Ausreise erinnern, es könne sein, dass er (...) oder (...) ausgereist
sei, nach Syrien zurückgekehrt sei er jedenfalls nicht mehr. Auch sein Vor-
bringen, er habe zwischen (...) und (...) für die YPG Dienst geleistet, lasse
sich zeitlich nicht einordnen. So habe er anlässlich der BzP geltend ge-
macht, er sei ungefähr (...) in E._ gewesen. Seine widersprüchli-
chen Aussagen würden die zeitliche Einordnung des Erhalts der zwei mili-
tärischen Aufgebote verunmöglichen. Somit sei es ihm nicht gelungen, eine
drohende Verfolgung aufgrund seiner angeblichen Refraktion glaubhaft zu
machen. Mit Schreiben vom 11. Juni 2018 habe er schliesslich eine Kopie
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des Aufgebots eingereicht, das er im Jahr (...) vom (...) zugeschickt be-
kommen habe, dessen Authentizität jedoch zu bezweifeln und dessen Be-
weiskraft als gering einzustufen sei. Vor dem Hintergrund, dass er an der
Anhörung erklärt habe, er habe das Aufgebot, das seine Grosseltern erhal-
ten hätten, weggeworfen, und das zweite Aufgebot habe sein Vater zerris-
sen und ebenfalls weggeworfen, sei nicht nachvollziehbar, weshalb er nun
drei Jahre nach Einreichung seines Asylgesuchs eine Kopie hiervon einrei-
chen könne. Aufgrund des Ausstellungsdatums (Ausstellungsdatum [...]
und Duplikatdatum [...]) könne es sich auch nicht um das in der Be-
schwerde vom (...) angekündigte dritte Aufgebot handeln, hätten seine El-
tern doch hiernach das Aufgebot bereits Wochen vorher erhalten.
4.2 Der Beschwerdeführer hält dem in der Beschwerde entgegen, die
Vorinstanz habe den herabgesetzten Beweisanforderungen gemäss Art. 7
AsylG nicht hinreichend Rechnung getragen. Die einzige angeführte Un-
gereimtheit habe er bereits selbst in der Anhörung ohne Weiteres entkräf-
tet. Ebenfalls festzuhalten sei, dass allenfalls noch bestehende Unklarhei-
ten bei pflichtgemässem Nachfragen durch die Vorinstanz bei der Anhö-
rung hätten ausgeräumt werden können.
Die Familie L._ beziehungsweise der Familienname L._ sei
in der Region D._ bekannt und direkt mit dem (...) Dorf C._
verbunden. Der Vater des Beschwerdeführers sei (...) im Dorf und ein On-
kel des Beschwerdeführers, K._ sei (...) der YPG gewesen, mithin
eine politisch bekannte Person. Er (der Beschwerdeführer) habe erfahren,
dass seine Familie ungefähr im (...) aufgrund des Vormarscheses des tür-
kischen Militärs das Heimatdorf habe verlassen müssen und nach
D._ geflohen sei. Zwei seiner Onkel und seine Grosseltern hätten
sich vor wenigen Wochen zurück nach C._ gewagt, wo sie inzwi-
schen verhaftet worden seien.
Sodann seien seine Schilderungen zu den Demonstrationen in E._
gerade deswegen glaubhaft, weil sie keinerlei Übertreibungen oder Mut-
massungen enthalten würden. Bei diesen Demonstrationen seien aber
mehrere Kollegen und auch Parteivorgesetzte festgenommen worden. Bei
den bekannten Methoden des syrischen Geheimdienstes sei daher nahe-
liegend, dass auch seine Identität den Behörden bekannt geworden sei. In
Bezug auf den Erhalt des Militärdienstbüchleins und den Erhalt der Aufge-
bote habe er zwar Probleme bei der Darlegung einzelner Ereignisse und
Daten gehabt, jedoch sei seine Geschichte chronologisch und detailreich
geschildert worden. Er habe beide Aufgebote nicht persönlich zugestellt
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erhalten, weswegen er über die Zustellung auch nur beschränkt habe Aus-
kunft geben können. Bei der am 11. Juni 2018 eingereichten Kopie des
Aufgebotes handle es sich nicht um ein drittes Aufgebot, sondern um ein
Duplikat des Aufgebotes, das dem (...) zugestellt worden sei. Ein Cousin
des Vaters des Beschwerdeführers habe bei den Militärbehörden ein Dup-
likat des damaligen Aufgebots erhalten. Dieses Dokument könne nicht ein-
zig mit dem Verweis auf die einfache Fälschbarkeit beziehungsweise Käuf-
lichkeit aus dem Recht gewiesen werden. Weiter sei unbestritten geblie-
ben, dass er bei der YPG Dienst geleistet und Syrien auf illegalem Wege
verlassen habe, womit er sich spätestens mit der illegalen Ausreise definitiv
dem syrischen Militärdienst entzogen habe. Seine kurdische Ethnie und
sein intensives Engagement für die PYD in der Schweiz würden sein Risiko
zudem erhöhen. Schliesslich hätten mehrere Familienmitglieder in der
Schweiz Asyl erhalten.
In seiner Beschwerdeergänzung vom 26. Oktober (recte: November) 2018
führte der Beschwerdeführer aus, aus dem Asyldossier von B._
gehe hervor, dass dieser jahrelang die PKK unterstützt habe und deswe-
gen mehrmals im Gefängnis gewesen sei. Sein Bruder G._ sei wäh-
rend mehreren Jahren für die PKK tätig gewesen. Dieser sei (...) nach Sy-
rien zurückgekehrt und habe seinen politischen Kampf für die PYD begon-
nen, weshalb er von der Syrischen Armee bedroht worden sei. G._
verweise in seinen Befragungen sodann auf seinen Cousin K._,
das prominenteste Mitglied des (...), der seit (...) politisch für die PKK aktiv
gewesen sei. Dieser sei (...) nach Syrien zurückgekehrt, um dort als (...)
der YPG zu kämpfen. Alle drei hätten in der Schweiz Asyl erhalten. Die
Reflexverfolgungsgefahr sei somit augenscheinlich.
4.3 Die Vorinstanz führte in der Vernehmlassung aus, die Beschwerde ent-
halte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel, die eine Än-
derung des Standpunktes rechtfertigen könnten. Der Beschwerdeführer
habe den Cousin seines Vaters als eigenen Cousin ausgegeben. Zudem
sei dessen Akten kein Hinweis dafür zu entnehmen, der die Befürchtungen
des Beschwerdeführers vor einer zukünftigen Verfolgung erhärten könnte.
Der Cousin des Beschwerdeführers, der zeitgleich mit ihm aus demselben
Dorf ausgereist sei, habe in seinem Asylverfahren keine Befürchtung vor
zukünftiger Reflexverfolgung geltend gemacht. Schliesslich würden die El-
tern und sechs Geschwister des Beschwerdeführers nach wie vor im Hei-
matdorf leben.
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Seite 13
4.4 Dem stellt der Beschwerdeführer in der Replik entgegen, anstatt
«Cousin des Vaters» sei bei der Anhörung tatsächlich «Cousin väterlicher-
seits» protokolliert worden. Dies zeige, dass es bei der Übersetzung und
Protokollierung zu Ungenauigkeiten gekommen sei, die aber nicht auf die
Unglaubhaftigkeit der Vorbringen schliessen liessen. Es sei jedenfalls un-
bestritten, dass er aus dem (...) stamme, dessen prominentestes Mitglied
K._ sei. Die Vorinstanz sage pauschal, dass sich aus dessen Akten
keine Hinweise für künftige Verfolgung zu finden seien, ohne dies zu be-
gründen, was erstaune, habe dieser doch als (...) der YPG gekämpft. Die
gesamte Familie L._ sei in Bedrängnis gekommen, als die YPG im
(...) bei der Offensive der türkischen Streitkräfte unterlegen sei. Die Lage
in der Region D._ sei auch zum heutigen Zeitpunkt höchst unüber-
sichtlich und insbesondere für YPG-Kämpfer sehr gefährlich, wie dem Be-
richt vom 4. Januar 2019 des deutschen Instituts für Internationale Politik
und Sicherheit zu entnehmen sei. Im Weiteren sei der Verweis auf das
Asyldossier des Cousins väterlicherseits zum Nachteil des Beschwerde-
führers nicht zulässig. Im Übrigen seien die Profile nicht vergleichbar.
Heute würden die Eltern und Geschwister bereits lange nicht mehr im Hei-
matdorf C._ – wie in der Beschwerdeschrift bereits ausgeführt –
sondern in der Ortschaft N._, (...) von D._ leben. Ein Onkel
väterlicherseits und ein Onkel mütterlicherseits hätten sich in das nun tür-
kisch kontrollierte C._ zurückgewagt und seien vom türkischen Mi-
litär verhaftet worden und nach fast drei Monaten aus der Haft unter Aufla-
gen entlassen worden. Sie hätten eine Ausreisesperre erhalten und dürften
das Dorf C._ nicht verlassen. Der Grossvater väterlicherseits, der
ebenfalls im vergangenen Jahr verhaftet worden sei, sei inzwischen aus
medizinischen Gründen aus der Haft entlassen worden und befinde sich in
einem Spital in M._.
5.
5.1 Nach Prüfung der Akten durch das Gericht ist in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz festzustellen, dass die Vorbringen des Beschwerdeführers
weder den Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft noch an das
Glaubhaftmachen standzuhalten vermögen, weshalb vorab auf die zutref-
fenden und ausführlichen Erwägungen der Vorinstanz zu verweisen ist.
Diese sind weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht zu beanstan-
den. Die Befragungsprotokolle lassen weder auf Übersetzungs- noch auf
Protokollierungsprobleme schliessen. Die Befragungstechnik ist nicht zu
beanstanden. Der Sachverhalt ist ausreichend festgestellt. Die hierzu le-
diglich angedeuteten und nicht weiter substanziierten formellen Rügen er-
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weisen sich als unbegründet. Die Rechtsmitteleingabe ist auch nicht ge-
eignet, zu einer anderen materiellen Einschätzung zu gelangen, da sie le-
diglich an der Glaubhaftigkeit der gemachten Aussagen festhält, indem sie
entweder das bereits bei den Befragungen Dargelegte wiederholt oder die
von der Vorinstanz aufgeführten Ungereimtheiten nicht nachvollziehbar zu
erklären vermag. Auch gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, aus den
Akten seiner Verwandten eine Reflexverfolgung zu seinen Gunsten abzu-
leiten.
5.2
5.2.1 Im Mittelpunkt der Ausreisegründe des Beschwerdeführers steht das
Aufgebot zum Militärdienst. Dennoch konnte er hierzu lediglich oberflächli-
che Angaben machen und er widersprach sich sogar zu deren Anzahl
(SEM-Akten A3 Ziff. 7.02, A13 F212). Selbst die Angaben zum Ausstel-
lungsprozedere des Militärbüchleins sowie zum Zeitpunkt des Erhalts des-
selben blieben vage. Das Militärbüchlein soll schliesslich auf der Reise in
die Schweiz gestohlen worden sein und das schriftliche Aufgebot bezie-
hungsweise die schriftlichen Aufgebote will der Beschwerdeführer jeweils
nach Erhalt weggeworfen haben. Die Vorinstanz hat daher zu Recht Zwei-
fel an der Echtheit des nachgereichten Duplikats des Aufgebots in Kopie
geäussert, ist doch nicht nachvollziehbar, weshalb dieses drei Jahre nach
Einreichung des Asylgesuchs überhaupt nachgereicht werden konnte.
Wäre der Beschwerdeführer tatsächlich aus Angst vor den Behörden auf-
grund seiner Refraktion ausgereist, ist auch nicht glaubhaft, dass sich nun
ein Cousin seines Vaters in Gefahr bringen sollte, um fünf Jahre nach Er-
halt des Aufgebots bei den Militärbehörden das Duplikat zu organisieren.
Zudem sagte der Beschwerdeführer in der BzP, er habe lediglich ein Auf-
gebot erhalten, das seinem Vater ausgehändigt worden sei und welches
sie sodann weggeworfen hätten (SEM-Akten A3 Ziff. 7.02). In der Anhö-
rung führte er indessen aus, er habe insgesamt zwei Aufgebote erhalten.
Das zweite sei seinen Grosseltern zugestellt worden, bei denen er es ab-
geholt und dann ebenfalls weggeworfen habe (SEM-Akten A13 F83 f., F98,
F212). Hinzu kommt, dass die protokollierten Vorbringen sowohl zum Mili-
tärbüchlein als auch zum Erhalt der Aufgebote einen unsubstanziierten und
stereotypen Eindruck hinterlassen; ihnen ist auch aus diesem Grund die
Glaubhaftigkeit abzusprechen. Die Vorinstanz hat bei der Beurteilung der
Glaubhaftigkeit den gesetzlichen Beweismassstab korrekt in Anwendung
gebracht.
Zusammenfassend ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, glaubhaft
zu machen, dass er in die syrische Armee einberufen worden sei und sich
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dem entsprechenden Aufgebot entzogen habe, weshalb er auch nicht als
Refraktär gelten kann.
5.2.2 Es trifft sodann zwar zu, dass der Beschwerdeführer die Teilnahmen
an Demonstrationen in Syrien, sowohl in E._ als auch in
D._, erwähnte und auch geltend machte, er habe Teilnehmende re-
krutiert. Die entsprechenden Ausführungen in den Befragungen lassen je-
doch nicht darauf schliessen, dass er von den syrischen Behörden als De-
monstrationsteilnehmer identifiziert oder als regimekritische Persönlichkeit
bekannt geworden wäre. Beweismittel, die einen anderen Schluss zulies-
sen, wurden nicht ins Recht gelegt. Vielmehr bestätigte der Beschwerde-
führer, dass seine Teilnahmen an den Demonstrationen in Syrien keine
Probleme nach sich gezogen hätten und er nicht anderweitig politisch aktiv
gewesen sei; zudem verneinte er explizit, gezielte Verfolgungsmassnah-
men durch die syrischen Behörden erlitten zu haben (SEM-Akten A3 Ziff.
7.02). Vor diesem Hintergrund vermögen die Mutmassungen auf Be-
schwerdeebene, wonach die Identität des Beschwerdeführers aufgrund
von Festnahmen anderer Demonstrationsteilnehmer bekannt geworden
sein könnte, nicht zu überzeugen.
5.2.3 Was die erst auf Beschwerdeebene geltend gemachte Reflexverfol-
gung anbelangt, ist der Vorinstanz darin beizupflichten, dass der Be-
schwerdeführer in keiner der Befragungen entsprechende Probleme gel-
tend machte. Es müssten konkrete und präzise Hinweise vorliegen, um
eine Furcht vor Reflexverfolgung objektiv zu begründen. In der Be-
schwerde wird sodann auch nicht ausgeführt, aus welchen konkreten
Gründen die Gefahr einer Reflexverfolgung des Beschwerdeführers auf-
grund seiner Familienangehörigen genau bestehen soll. Mithin werden im
Beschwerdeverfahren keine konkreten Gründe vorgebracht, weshalb der
Beschwerdeführer zum heutigen oder einem künftigen Zeitpunkt aufgrund
seiner Cousins oder des Onkels seines Vaters einer asylrechtlich relevan-
ten Gefährdung ausgesetzt sein könnte. Solche ergeben sich auch nicht-
aus den antragsgemäss beigezogenen Akten. Verwandte des Beschwer-
deführers konnten sogar nach Syrien zurückkehren, was nicht darauf
schliessen lässt, dass alle Familienmitglieder – alleine aufgrund ihrer fami-
liären Zugehörigkeit und/oder ihres Namens verfolgt werden. Weder aus
den Fluchtvorbringen von B._, der mehrere Jahre vor dem Be-
schwerdeführer Syrien verlassen hat, noch aus jenen von G._ er-
geben sich bedeutsame Verbindungen zum Beschwerdeführer.
K._, der laut Beschwerde das prominenteste Mitglied des (...) sei,
ist ebenfalls ([...]) aus der Schweiz nach Syrien zurückgekehrt, weshalb
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ihm inzwischen die Flüchtlingseigenschaft aberkannt wurde; sein (...) er-
neut eingereichtes Asylgesuch wurde inzwischen erstinstanzlich abge-
lehnt. Zwar ist eine Beschwerde dagegen beim Bundesverwaltungsgericht
anhängig (...). Es ergeben sich aber auch aus seinen Akten keine Um-
stände, die unter dem Aspekt einer Reflexverfolgung bedeutsam sein
könnten. Das Asylgesuch von J._, der zusammen mit dem Be-
schwerdeführer C._ verlassen hat und aus Syrien ausgereist ist
(SEM-Akten A3 Ziff. 5.01), wurde rechtskräftig abgelehnt (Urteil des BVGer
D-4309/2018 vom 20. August 2018). Dass sich die Vorinstanz in der Ver-
nehmlassung zu diesem Verfahren geäussert hat, ist nicht zu beanstan-
den. Es sei lediglich angemerkt, dass sie hierbei eine falsche Nummer des
N-Dossiers angegeben hat, was auf einen unbeachtlichen Kanzleifehler
zurückzuführen ist, der jedoch nicht zu einer Verwechslung der Personen
geführt hat. Zusammenfassend ist festzustellen, dass aus den antragsge-
mäss beigezogenen Akten der Verwandten nicht auf eine Reflexverfolgung
des Beschwerdeführers geschlossen werden kann. Es mag zwar zutreffen,
dass weitere Verwandte des Beschwerdeführers inzwischen aus
C._ wegziehen mussten. Wie jedoch den Ausführungen auf Be-
schwerdeebene zu entnehmen ist, sind diese aufgrund des Vormarsches
der türkischen Streitkräfte von dort weggezogen beziehungsweise hätten
nach einer versuchten Rückkehr dort Probleme mit den türkischen Streit-
kräften erhalten. Die entsprechenden Erklärungen auf Beschwerdeebene
lassen nicht auf eine Verfolgung der Familie L._ seitens der syri-
schen Behörden und insbesondere des Beschwerdeführers schliessen.
5.2.4 Auch die Furcht des Beschwerdeführers, im Zusammenhang mit sei-
nen ehemaligen Aktivitäten für die YPG und seinem Weggang von dieser
Gruppierung in asylrelevanter Weise verfolgt zu werden, ist schliesslich un-
begründet. So ist ihm weder während seines sechsmonatigen Dienstes für
die YPG noch nach seiner genehmigten Entlassung aus demselben etwas
zugestossen. Im Übrigen ist der Beschwerde entgegenzuhalten, dass Rek-
rutierungen durch die YPG für sich alleine nicht zur Anerkennung als
Flüchtling führt, weshalb der Beschwerdeführer dem Bericht vom 4. Januar
2019 des deutschen Instituts für Internationale Politik und Sicherheit nichts
zu seinen Gunsten ableiten kann. Es ist vielmehr auf die entsprechenden
Erwägungen im Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts D-
5329/2014 zu verweisen (Urteil des BVGer D-5329/2014 vom 23. Juni
2015 insb. E. 5.3 [als Referenzurteil publiziert]). Hinzu kommt, dass das
SEM zu Recht darauf verweist, dass der Beschwerdeführer selbst angege-
ben habe, man habe zugestimmt, dass er den Dienst verlassen könne. In
Bezug auf die Befürchtung, seitens des IS von Vergeltungsmassnahmen
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bedroht zu sein, kann vollumfänglich auf die Begründung in der angefoch-
tenen Verfügung verwiesen werden.
5.2.5 Des Weiteren ist festzustellen, dass das dargelegte exilpolitische En-
gagement des Beschwerdeführers (Mitgliedschaft bei der PYD, Verant-
wortlicher für die (...), Teilnahme an Demonstrationen und an Parteisitzun-
gen, hierzu im vorinstanzlichen Verfahren eingereichte Beweismittel: Fotos
von Demonstrationen in der Schweiz, Videos von Parteisitzungen in der
Schweiz und Mitgliedsbestätigung der PYD) nicht über die massentypi-
schen und niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste
gegen das syrische Regime hinausgeht und keine weiteren Aktivitäten ak-
tenkundig sind, die ihn als ernsthaften und potenziell gefährlichen Regime-
gegner erscheinen lassen könnten. Auf Beschwerdeebene wurden sodann
auch weder weitere Beweismittel ins Recht gelegt noch neue, weitere Tä-
tigkeiten geltend gemacht. Das Vorliegen subjektiver Nachfluchtgründe ist
folglich ebenfalls zu verneinen.
5.2.6 Schliesslich ist anzumerken, dass die Zugehörigkeit zur kurdischen
Ethnie für sich alleine nicht genügt, die Flüchtlingseigenschaft zu begrün-
den. Auch kann der Beschwerdeführer – der weder vor seiner Ausreise die
Aufmerksamkeit der Behörden auf sich gezogen hat noch ein bedeutendes
exilpolitisches Profil aufweist – aus der Tatsache seiner Ausreise nichts zu
seinen Gunsten ableiten.
5.3 Es ist festzustellen, dass es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist,
einen flüchtlingsrechtlich bedeutsamen Sachverhalt darzulegen. Die Fest-
stellung der Vorinstanz, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht, ist dementsprechend zu bestätigen. Die Vorinstanz hat das
Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die Weg-
weisung aus der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf
nicht eintritt. Der Beschwerdeführ verfügt weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen (vgl. BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht ange-
ordnet.
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig
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und vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzu-
weisen. Nach dem Gesagten gibt es auch keinen Grund zur Rückweisung
der Sache an die Vorinstanz, das Eventualbegehren ist abzuweisen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Verfahrenskosten
grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
Da ihm jedoch mit Zwischenverfügung vom 15. Oktober 2018 die unent-
geltliche Rechtspflege gewährt wurde und davon auszugehen ist, dass er
nach wie vor bedürftig ist, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
8.2 Mit derselben Zwischenverfügung wurde der Rechtsvertreter Roman
Schuler als amtlicher Rechtsbeistand gemäss aArt. 110a Abs. 1 AsylG bei-
geordnet, weshalb diesem ein entsprechendes Honorar auszurichten ist.
Es wurde eine aktualisierte Kostennote eingereicht. Hierin wurde ein Ver-
tretungsaufwand von insgesamt Fr. 3‘226.50 geltend gemacht, ausgehend
von einem zeitlichen Aufwand von 9.85 Stunden zu einem Stundenansatz
von Fr. 300.–. Der zeitliche Aufwand erscheint angemessen, jedoch geht
das Bundesverwaltungsgericht bei der amtlichen Verbeiständung durch
Anwältinnen und Anwälte von einem Stundenansatz von Fr. 200.‒ bis
Fr. 220.‒ aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE). Unter Berücksichti-
gung der massgebenden Berechnungsfaktoren (Art. 8, 9 und 11 VGKE) ist
das amtliche Honorar auf Fr. 2‘375.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer-
zuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1 Bst. c VGKE) festzusetzen und dem
rubrizierten Rechtsvertreter zu Lasten der Gerichtskasse auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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