Decision ID: 517eb692-bade-5112-a0ea-4d1c5f2513ec
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 19. Februar 2001 in der Schweiz um
Asyl. Anlässlich der Befragung vom 22. Februar 2001 und der Anhörung
vom 26. März 2001 führte er im Wesentlichen aus, er sei kurdischer Ethnie
und gehöre den B._ an. Er sei in C._ geboren worden und
habe ungefähr seit dem Jahr 1995 in D._ gewohnt. Zusammen mit
seinem Bruder habe er die E._ unterstützt, indem sie Guerillakämp-
fer mit Lebensmitteln beliefert hätten. Da sie von Nachbarn angezeigt wor-
den seien, sei das Haus der Familie drei bis vier Mal durchsucht worden.
Die Polizei habe ihm und seiner Familie gedroht, sie werde den Stall in
Brand setzen und sie umbringen. In den letzten Jahren vor seiner Ausreise
aus der Türkei sei er mehrmals von der Polizei festgehalten, befragt und
geschlagen worden. Im Jahr 1995 habe die Polizei auf ihn und seinen Bru-
der geschossen. Er habe sich geweigert, den Militärdienst zu leisten, weil
er nicht gegen sein eigenes Volk habe kämpfen wollen. Deshalb sei er An-
fang Februar 2001 der militärischen Musterung ferngeblieben. Er sei in der
Türkei von den türkischen Behörden gesucht worden, weshalb er am
12. Februar 2001 illegal aus der Türkei ausgereist sei.
Der Beschwerdeführer reichte eine Kopie seines Nüfüs sowie vier Fotos im
Original ein.
B.
Mit Verfügung vom 6. November 2002 stellte das damals zuständige Bun-
desamt für Flüchtlinge (BFF) fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flücht-
lingseigenschaft nicht, lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung
aus der Schweiz und ordnete deren Vollzug an. Diese Verfügung erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
C.
Mit Vollzugs- und Erledigungsmeldung vom 25. Februar 2003 teilte das
Ausländeramt des Kantons St. Gallen der Vorinstanz mit, der Beschwerde-
führer sei seit dem 31. Januar 2003 unbekannten Aufenthalts.
D.
Am 22. September 2003 stellte der Beschwerdeführer ein zweites Asylge-
such, welches er am darauffolgenden Tag zurückzog. Mit Verfügung vom
23. September 2003 schrieb die Vorinstanz das Asylgesuch ab.
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E.
Mit Eingabe vom 14. Februar 2019 stellte der Beschwerdeführer bei der
Vorinstanz ein drittes Asylgesuch. Anlässlich der Befragung zur Person
vom 13. März 2019 und der Anhörung vom 17. Oktober 2019 gab er im
Wesentlichen an, er habe ab dem Jahr 2003 in D._ gewohnt. Seit
dem 7. Juli 2007 sei er Mitglied der F._. Als solches habe er die
Bevölkerung über Demonstrationen und Kundgebungen informiert, sei an-
lässlich dieser für die Sicherheit verantwortlich gewesen, habe Flugblätter
verteilt und als Wahlbeobachter fungiert. Im Jahr 2014 sei er wegen der
Teilnahme an einer unbewilligten Demonstration in G._ während 33
Tagen inhaftiert gewesen. Anlässlich der Teilnahme an einer Demonstra-
tion im Jahr 2016 in G._ sei er von einer Tränengaspatrone am
Fuss verletzt worden. Im Jahr 2017 sei er einen Tag auf dem Polizeiposten
von H._ festgehalten worden. Ungefähr im September 2018 sei in
einem Lokal in D._ seine Identitätskarte von einem Polizisten in Zi-
vilkleidung kontrolliert worden. Auf dem anschliessenden Weg nach Hause
sei er von einem respektive mehreren Polizisten festgehalten und zur Po-
lizeistation mitgenommen worden. Während der zweistündigen Festnahme
sei er geschlagen, durchsucht und sein Nüfüs sei ihm abgenommen wor-
den. Da in der Türkei der Ausnahmezustand verhängt worden sei und er
Angst um seine Sicherheit gehabt habe, sei er am 15. Januar 2019 aus der
Türkei ausgereist. In der Schweiz sei er ebenfalls politisch aktiv.
Der Beschwerdeführer reichte seinen Nüfüs und vier Fotos (alle im Origi-
nal) sowie eine Kopie seines türkischen Personalausweises zu den Akten.
F.
Mit Verfügung vom 6. April 2020 (eröffnet am 8. April 2020) stellte die Vor-
instanz fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
lehnte das Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und
ordnete deren Vollzug an.
G.
Mit Eingabe vom 4. Mai 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragt, die angefochtene Verfü-
gung vom 6. April 2020 sei aufzuheben beziehungsweise zur Neubeurtei-
lung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Flüchtlingseigenschaft sei fest-
zustellen und es sei ihm Asyl zu gewähren. Der vollständige und richtige
rechtserhebliche Sachverhalt sei festzustellen und der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zuzuerkennen. Eventualiter sei die Unzumutbar-
keit und die Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die
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Vorinstanz anzuweisen, ihn vorläufig aufzunehmen. Es sei auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die unentgeltliche Pro-
zessführung zu gewähren.
Der Beschwerdeführer reichte verschiedene nicht übersetzte Abhörproto-
kolle und Briefumschläge aus dem Gefängnis (alle in Kopie) ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision des AsylG vom 26. Juni 1998 (AS 2016
3101; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende Verfahren gilt das
bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des AsylG vom 25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer
ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Im Bereich des Ausländer-
rechts richtet sich die Kognition nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.2 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a AsylG).
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4.
4.1 Soweit der Beschwerdeführer die formelle Rüge erhebt, der rechtser-
hebliche Sachverhalt sei unvollständig und unrichtig abgeklärt worden,
wird diese in der Beschwerde nicht weiter begründet. Im Übrigen ergeben
sich aus den Akten keine Hinweise darauf, dass der rechtserhebliche Sach-
verhalt nicht vollständig und richtig festgestellt wurde. Es besteht somit kein
Anlass, die Sache aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorin-
stanz zurückzuweisen. Das diesbezügliche Rechtsbegehren ist somit ab-
zuweisen.
4.2 Der Beschwerdeführer stellt weiter den Antrag, es sei ihm eine ange-
messene Nachfrist zur Einreichung eines türkischen Urteils zu gewähren,
wonach er wegen Drogenhandels zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt wor-
den sei. Bei einer drohenden Gefängnisstrafe wegen eines Drogendelikts
handelt es sich um eine strafrechtlich motivierte Verurteilung, welche keine
Asylrelevanz entfaltet. Sein Antrag ist abzuweisen.
5.
Da der Beschwerde von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung zu-
kommt (Art. 55 Abs. 1 VwVG) und die Vorinstanz diese nicht entzogen hat,
ist der Antrag, der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen,
abzuweisen.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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7.
7.1 Die Vorinstanz hält in ihrem Entscheid fest, der Beschwerdeführer be-
gründe sein Asylgesuch hauptsächlich mit der allgemeinen Lage in der Tür-
kei und erwähne erst anschliessend seine Probleme mit den türkischen
Behörden. Seine Erläuterungen zu seiner Festnahme, den 33 Tagen Haft
und der anschliessenden Freilassung in G._ im Jahr 2014 seien
vage und unpräzis. Zudem sei es ihm nicht möglich, einen Zusammenhang
zum Vorfall im Jahr 2014 und seiner Ausreise aus der Türkei am 15. Januar
2019 zu erklären. Mit dem Tränengasangriff in G._ im Jahr 2016
könne er nicht darlegen, inwiefern sich seine persönliche Situation von der
allgemeinen Situation der kurdischen (...) unterscheide. Unglaubhaft seien
auch seine Aussagen, er sei im Jahr 2018 in D._ auf brutale Art und
Weise verhaftet worden und danach lediglich während zwei Stunden fest-
gehalten worden. Zu seinen politischen Aktivitäten könne er nur wenige
konkrete Angaben machen und kein Beispiel aus jüngster Vergangenheit
nennen.
7.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei ein aktives politisches Mit-
glied der F._ gewesen und habe aktiv an Demonstrationen teilge-
nommen. Wegen seiner politischen Aktivitäten sei er in den Jahren 2014
und 2017 festgenommen und im Jahr 2016 von einer Tränengaspatrone
getroffen worden. Im Jahr 2018 sei er von der Polizei festgenommen und
geschlagen worden, weshalb er aus der Türkei ausgereist sei. Aufgrund
seiner politischen Aktivitäten und seiner Verurteilung zu 18 Jahren Gefäng-
nis wegen eines Drogendelikts werde er derzeit in der Türkei gesucht.
7.3 Betreffend die Festnahme, die Haft und die Freilassung im Jahr 2014,
den Vorfall mit dem Tränengasangriff im Jahr 2016, die kurzzeitige Fest-
nahme im Jahr 2018 und seine politischen Aktivitäten kann vollumfänglich
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, die
Vorbringen des Beschwerdeführers seien unglaubhaft. Anlässlich der Be-
fragung hielt er fest, gegen ihn sei in der Türkei nie ein Verfahren eröffnet
worden. In der Anhörung sagte er hingegen aus, im Jahr 2014 sei gegen
ihn Anklage erhoben worden, als er wegen der Teilnahme an einer unbe-
willigten Demonstration 33 Tage inhaftiert gewesen sei. Das Verfahren sei
noch immer hängig. Angesprochen auf den Widerspruch konnte er keine
nachvollziehbare Erklärung abgeben und auch beschwerdeweise wird der
Widerspruch nicht aufgelöst. Seine Erläuterungen anlässlich der Befra-
gung, er sei im Jahr 2017 einen Tag festgenommen worden, widersprechen
seinen Angaben in der Beschwerde, er sei zwei Stunden festgehalten wor-
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den. Selbst bei Glaubhaftigkeit dieser Vorfälle konnte er sich gemäss sei-
nen eigenen Aussagen nach dem angeblich letzten Vorfall im Jahr 2018
während rund vier Monaten unbehelligt in der Türkei aufhalten, was weiter
für die Unglaubhaftigkeit seiner Vorbringen spricht und darauf hindeutet,
dass er nicht im Fokus der türkischen Behörden stand. Betreffend seine
politischen Tätigkeiten fielen seine Aussagen insgesamt sehr allgemein
aus. Die vier von ihm eingereichten privaten Fotos, welche ihn vor einer
Flagge oder mit anderen Personen zeigen, sind nicht geeignet, seine poli-
tischen Aktivitäten zu belegen. Selbst wenn er die Teilnahme an Kundge-
bungen und Demonstrationen hätte nachweisen können lässt sich eine Tä-
tigkeit in dem Ausmass, wie er sie geltend machte, aus den Akten nicht
ableiten. Es ist somit nicht davon auszugehen, dass er aufgrund seines
politischen Engagements Probleme mit den türkischen Behörden bekom-
men hat. Zudem konnte er sich entgegen seinen Aussagen am 1. Septem-
ber 2015 einen bis zum Jahr 2025 gültigen Pass ausstellen lassen und am
23. Mai 2018 ein Visumsgesuch an Deutschland stellen. Folglich liegt die
Vermutung nahe, dass in der Türkei nichts gegen ihn vorlag und er legal
aus der Türkei ausreisen konnte, was ebenfalls für die Unglaubhaftigkeit
seiner Aussagen spricht. Darüber hinaus macht er beschwerdeweise erst-
mals geltend, er sei in der Türkei wegen eines im Jahr 2016 begangenen
Drogendelikts verurteilt worden und werde deshalb von den türkischen Be-
hörden gesucht. Dieses Vorbringen widerspricht seinen Angaben anläss-
lich der Befragung und der Anhörung, wo er ausdrücklich erklärte, seit sei-
ner Ausreise aus der Türkei sei es zu keinen weiteren Vorkommnissen sei-
tens der türkischen Behörden gekommen. Selbst bei Glaubhaftigkeit würde
eine Verurteilung wegen eines Drogendelikts keine Asylrelevanz aufwei-
sen, da es sich um eine strafrechtlich motivierte Verurteilung handelt.
7.4 Der Beschwerdeführer gibt an, als Kurde und B._ in der Türkei
unterdrückt zu werden. Es ist allgemein bekannt, dass Angehörige der kur-
dischen Bevölkerung in der Türkei Schikanen und Benachteiligungen ver-
schiedenster Art ausgesetzt sind. In der Türkei können allfällige Diskrimi-
nierungen von Menschen mit anderer Glaubensausrichtung zudem nicht
ausgeschlossen werden. Solche Behelligungen weisen jedoch die für die
Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft erforderliche Intensität in der Re-
gel nicht auf, weshalb keine Kollektivverfolgung von Angehörigen solcher
Gruppierungen vorliegt. Der Beschwerdeführer machte keine gezielte und
persönliche Verfolgung aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den (...) Kurden
geltend.
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7.5 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei in der Schweiz im gleichen
Masse politisch aktiv wie in der Türkei. Er sei anlässlich von Demonstrati-
onen als Sicherheitskraft anwesend, verteile Flugblätter und halte Flaggen
in der Hand.
Subjektive Nachfluchtgründe sind dann anzunehmen, wenn eine asylsu-
chende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat
oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Verfolgung im Sinne
von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Wesentlich ist, ob die heimatlichen Be-
hörden das Verhalten des Asylsuchenden als staatsfeindlich einstufen und
dieser deswegen bei einer Rückkehr eine Verfolgung befürchten muss.
Personen mit subjektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, wer-
den jedoch als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (Art. 54 AsylG; vgl.
BVGE 2009/28 E. 7.1; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizeri-
schen Asylrekurskommission [EMARK] 2000 Nr. 16 E. 5a m.w.H.).
Der Beschwerdeführer hat keine Belege eingereicht, weshalb Zweifel an
seinen Vorbringen bestehen. Selbst wenn er sich exilpolitisch in dem Aus-
mass betätigt hätte, wie er geltend machte, wäre von einem derart unter-
schwelligen exilpolitischen Engagement auszugehen, dass nicht anzuneh-
men ist, die türkischen Behörden hätten davon Kenntnis erhalten. Die
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers ist somit unter dem Aspekt
der subjektiven Nachfluchtgründe gemäss Art. 54 AsylG zu verneinen.
7.6 Insgesamt hat der Beschwerdeführer weder asylrelevante Nachteile er-
litten noch konnte er eine Verfolgung durch die türkischen Behörden glaub-
haft darlegen. Es besteht somit kein begründeter Anlass zur Annahme,
dass er bei einer Rückkehr in die Türkei mit beachtlicher Wahrscheinlich-
keit oder in absehbarer Zukunft asylrelevanten Verfolgungsmassnahmen
ausgesetzt sein wird. Die Vorinstanz hat die Beschwerde zu Recht abge-
wiesen.
8.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder nicht darauf eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen
(Art. 32 Abs. 1 AsylV 1; SR 142.311). Die Wegweisung wurde zu Recht an-
geordnet.
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9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. Vorliegend kommt dem Beschwerdeführer keine Flüchtlings-
eigenschaft zu. Das flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von
Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung
der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG ist daher nicht anwend-
bar. Die Zulässigkeit des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allge-
meinen verfassungs- und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3
BV; Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Aus den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der
Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaffung in die Türkei dort mit
beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK
verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Auch die allgemeine
Menschenrechtssituation in der Türkei lässt den Wegweisungsvollzug zum
heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Der Vollzug der Weg-
weisung ist zulässig.
9.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Trotz Berücksichtigung des Wiederaufflammens des türkisch-kurdischen
Konfliktes sowie der bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der
PKK und den staatlichen Sicherheitskräften seit Juli 2015 in verschiedenen
Provinzen im Südosten des Landes (im Einzelnen: Batman, Diyarbakir,
Mardin, Siirt, Urfa und Van, anders als die Provinzen Hakkari und Sirnak,
zu den Letzteren BVGE 2013/2 E. 9.6) sowie der Entwicklungen nach dem
Militärputschversuch vom 15./16. Juli 2016 ist gemäss konstanter Praxis in
der Türkei nicht von einer Situation allgemeiner Gewalt oder bürgerkriegs-
http://links.weblaw.ch/BVGE-2013/2
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ähnlichen Verhältnissen – auch nicht für Angehörige der kurdischen Eth-
nie – auszugehen (vgl. Urteile des BVGer E-2377/2018 vom 27. August
2019, E. 8.4.1., D-8410/2015 vom 27. Juni 2019 E. 7.4 und E-6717/2019
vom 12. Dezember 2018 E. 7.3.2). Der Wegweisungsvollzug in den letzten
offiziellen Wohnsitzort des Beschwerdeführers in die Provinz D._
ist somit grundsätzlich zumutbar.
Der Beschwerdeführer ist jung, gesund und arbeitsfähig. Er hat einen Pri-
marschulabschluss, eine Anlehre als Metzger absolviert, Schuhe verkauft,
sowie als Dachdecker, im Textilbereich und in einer Mühle gearbeitet. Mit
seiner Mutter, seinem Bruder und seinen Tanten verfügt er über ein sozia-
les Beziehungsnetz in der Türkei. Es ist davon auszugehen, dass die An-
gehörigen ihn bei seiner wirtschaftlichen Wiedereingliederung in der Türkei
unterstützen können. Der Vollzug der Wegweisung erweist sich deshalb
auch in individueller Hinsicht als zumutbar.
9.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
da es dem Beschwerdeführer obliegt, sich bei der zuständigen Vertretung
ihres Heimatstaats die für ihre Rückkehr notwendigen Reisedokumente zu
beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AslyG; BVGE 2008/34 E. 12).
9.5 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Bei der Corona-Pandemie handelt es sich – wenn
überhaupt – um ein bloss temporäres Vollzugshindernis, welchem somit im
Rahmen der Vollzugsmodalitäten durch die kantonalen Behörden Rech-
nung zu tragen ist, indem etwa der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation im
Heimatland angepasst wird.
9.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1-4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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Seite 11
11.
11.1 Die gestellten Rechtsbegehren erweisen sich als aussichtslos, wes-
halb das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung ungeachtet einer all-
fälligen prozessualen Bedürftigkeit abzuweisen ist(Art. 65 Abs. 1 VwVG
und aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG).
11.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 750.–
(Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE], SR 173.320.2)
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Das Gesuch
um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses ist mit vorliegendem
Urteil gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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