Decision ID: 896f4e90-3bac-4803-8272-14921952b192
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A., geb. 1967, ist Staatsangehöriger von Mazedonien. Er ist im Besitz einer
Niederlassungsbewilligung. Seine Ehefrau und sein Sohn leben im Heimatstaat. Er
bezieht seit 2002 eine volle IV-Rente für sich und eine ordentliche IV-Kinderrente für
seinen Sohn, daneben eine weitere Rente der Mobiliar-
Lebensversicherungsgesellschaft. A. wohnt in G. Er bewohnt zusammen mit N. eine
Wohnung an der T-strasse.
A. wurde für die Staats- und Gemeindesteuern 2007 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 27'300.-- und ohne steuerbares Vermögen veranlagt. Dabei
wurden ihm ein Kinderabzug sowie ein entsprechend erhöhter Versicherungsabzug
gewährt und der Tarif für alleinstehende Steuerpflichtige angewendet. Im
Einspracheverfahren verlangte der Pflichtige die Anwendung des Verheiratetentarifs.
Das kantonale Steueramt wies die Einsprache mit Entscheid vom 28. Juni 2008 ab.
B./ Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 18. Juli 2008 erhob A. Rekurs und
beantragte, es sei der Tarif für Verheiratete anzuwenden.
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Die Verwaltungsrekurskommission wies den Rekurs mit Entscheid vom 9. Juli 2009 ab.
Sie erwog, der Steuerpflichtige lebe von seiner Ehefrau getrennt. In steuerrechtlichem
Sinn sei von einer tatsächlich getrennten Ehe auszugehen, wenn die räumliche
Trennung eine gewisse Zeit andauere und mit einer getrennten Verwendung der Mittel
verbunden sei. Der Pflichtige lebe seit Jahren ununterbrochen in der Schweiz und die
Ehefrau in Mazedonien. Es sei sogar so, dass die Eheleute, abgesehen von den
Ferienaufenthalten des Pflichtigen in Mazedonien, noch nie in ehelicher Gemeinschaft
zusammengelebt hätten. Die Eheleute würden keine wirtschaftliche Einheit bilden. Eine
solche habe es nie gegeben. Es sei auch nicht entscheidend, ob der Pflichtige hier in
einem Konkubinat oder in einer anderen Wohngemeinschaft zusammenlebe.
C./ Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 15. September 2009 erhob A.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, es sei der Tarif für Verheiratete
zu gewähren. Er macht im wesentlichen geltend, die Vorinstanzen würden sich lediglich
auf Vermutungen stützen. Die eheliche Gemeinschaft bestehe, wenn auch nur mit
sporadischem Gemeinschaftsleben, weiter. Wenn immer möglich reise er nach
Mazedonien zu seiner Familie. Zudem bestehe eine Gemeinschaftlichkeit der Mittel für
Wohnung und Unterhalt. Auf die einzelnen Vorbringen wird, soweit wesentlich, in den

nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 27. Oktober 2009 unter
Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der
Beschwerde.
Das kantonale Steueramt verzichtete auf eine Vernehmlassung und verwies auf den
angefochtenen Entscheid.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der Beschwerdeführer ist als
Steuerpflichtiger zur Erhebung der Beschwerde legitimiert, und die
Beschwerdeeingabe vom 15. September 2009 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich
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den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 und Art. 161 StG in Verbindung mit
Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitig ist im Beschwerdeverfahren einzig die Frage, ob dem Beschwerdeführer bei
der Einkommenssteuer der Tarif für Verheiratete zu gewähren oder ob der Tarif für
Alleinstehende anzuwenden ist.
2.1. Art. 20 StG regelt den Grundsatz der Familienbesteuerung. Nach Art. 20 Abs. 1
StG werden Einkommen und Vermögen der Ehegatten, die in rechtlich und tatsächlich
ungetrennter Ehe leben, unabhängig vom Güterstand zusammengerechnet. Für solche
gemeinsam steuerpflichtige Ehegatten wird der Steuersatz des halben steuerbaren
Einkommens angewendet (Art. 50 Abs. 3 StG).
Nach Art. 8 Abs. 2 der Steuerverordnung (sGS 811.11, abgekürzt StV) gilt eine Ehe als
tatsächlich getrennt, wenn der gemeinsame Haushalt aufgehoben ist, zwischen den
Ehegatten keine Gemeinschaftlichkeit der Mittel für Wohnung und Unterhalt mehr
besteht und eine allfällige Unterstützung des einen Ehegatten durch den andern nur
noch in ziffernmässig bestimmten Beträgen geleistet wird.
2.2. Diese Merkmale stimmen mit den in der Lehre anerkannten Voraussetzungen für
eine getrennte Besteuerung der Eheleute überein (vgl. statt vieler Greminger/Bärtschi,
in: Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, 2. Aufl.,
Basel 2008, N 10 ff. zu Art. 9 DBG; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch
das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern 1999, S. 19). Eine solche Situation, wie
sie Art. 8 Abs. 2 StV regelt, ist beim Beschwerdeführer gegeben. Es ist nicht
massgebend, dass die Eheleute nicht zivilrechtlich getrennt oder geschieden sind. Die
tatsächliche Trennung der Eheleute ist erfüllt und die Gemeinschaftlichkeit der
Mittelverwendung fehlt. Ein gemeinsamer Haushalt besteht nicht. Ferienaufenthalte des
Ehemannes bei der Ehefrau in Mazedonien begründen keinen gemeinsamen Haushalt,
jedenfalls nicht in der Schweiz, was für die Steuerpflicht und die Anwendung des
Steuertarifs massgebend ist, denn die Familienbesteuerung kann nur Platz greifen,
wenn beide Ehegatten in der Schweiz steuerpflichtig sind. Daher sind auch die Anzahl
und die Intervalle der Besuche und Reisen des Beschwerdeführers nach Mazedonien
nicht ausschlaggebend, ebensowenig die Art und Intensität der persönlichen Kontakte.
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Unbegründet ist im weiteren der Einwand, es bestehe eine Gemeinschaftlichkeit der
Mittel, da mit dem Einkommen des Ehemannes sämtliche Auslagen der Familie
bestritten würden. Dass der Beschwerdeführer aus seinen Einkünften sowohl den
Unterhalt für sich als auch den Unterhalt für seine Ehefrau und seinen Sohn bestreitet,
begründet keine Gemeinschaftlichkeit der Mittelverwendung (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl., Zürich 2009, N 21 zu Art. 9 DBG). Der
Beschwerdeführer leistet Geldbeträge an seine Ehefrau und seinen Sohn, welche die
Empfänger zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts verwenden. Damit ist das
Erfordernis der gemeinschaftlichen Mittel für Wohnung und Unterhalt nicht erfüllt. Es
liegt keine Situation vor, in der bei getrennten Wohnsitzen die den Ehegatten zur
Verfügung stehenden Mittel vollumfänglich oder zu einem namhaften Teil in einen
"gemeinsamen Topf" fliessen, aus dem die gemeinsamen Kosten bestritten werden
(vgl. Richner/ Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N 20 zu Art. 9).
Ob der Beschwerdeführer seine Ehefrau und seinen Sohn in die Schweiz nachziehen
kann, spielt steuerlich keine Rolle. Jedenfalls zeigt die Erfahrung, dass ausländische
Personen mit Wohnsitz in der Schweiz, welche ausschliesslich von Renteneinkünften
leben, dies in der Regel nicht als hinderlich für den Familiennachzug betrachten. Ob die
am Schweizer Wohnsitz des Beschwerdeführers bestehende Wohngemeinschaft mit
einer Frau einen Hinderungsgrund für den Familiennachzug bildet, ist irrelevant. Auch
sind die Gründe und die Merkmale dieser Wohngemeinschaft nicht massgebend,
weshalb nicht weiter darauf einzugehen ist.
2.3. Aufgrund der dargelegten Umstände erweist sich die Beschwerde als
unbegründet.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- ist angemessen (inkl. Kosten der Verfügung vom 16.
September 2009, Art. 13, Ziff. 611 und 622 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der
geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
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Demnach hat das Verwaltungsgericht