Decision ID: bb00af6d-d1f5-4537-a8be-6b960a02df76
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._, Eigentümer der in der Wohnzone gelegenen Parzelle
Nr. C._ in D._, stellte am 1. Mai 2019 ein Baugesuch u.a. für
eine Überdachung des Sitzplatzes auf der Ostseite des Wohnhauses
mittels Aluminiumkonstruktion und transparenter Kunststoffplatten. Er
plante, die Überdachung auf der Rückseite auf der bestehenden
Stützmauer aufzusetzen und auf der Vorderseite mit zwei Pfosten
abzustützen.
2. An der Sitzung des Gemeindevorstands vom 21. Mai 2019 wurde das
Baugesuch zwecks weiterer Abklärungen zurückgestellt. Mit Sitzung
vom 10. September 2019 wurde beschlossen, dass kein Näherbaurecht
für die Sitzplatzüberbauung erteilt werde, weshalb das Vorhaben nicht
bewilligt werden könne. Gleichentags erging der Bauentscheid des
Gemeindevorstands D._, in welchem dieser beschied, dass das
für die Sitzplatzüberdachung benötigte Näherbaurecht der Gemeinde
als Eigentümerin der (angrenzenden) Parzelle Nr. E._ nicht erteilt
werde, womit die Baute nicht bewilligt werde. Aus den Erwägungen geht
hervor, dass der Gemeindevorstand die Sitzplatzüberdachung als
Baute einstufte. Daher sei der Grenzabstand einzuhalten, welcher
gemäss Art. 76 Abs. 1 i.V.m. Art. 75 Abs. 1 KRG 2.5 m betrage. Dieser
werde zur östlichen Parzelle Nr. E._, welche im Eigentum der
Gemeinde stehe, unterschritten und betrage nur 1.1 m bis 0.35 m. Da
hierfür kein Näherbaurecht der Gemeinde erteilt werde, könne die
Baute nicht bewilligt werden.
Anlässlich eines Augenscheins am 10. Dezember 2019 wurde
festgestellt, dass die Sitzplatzüberdachung bereits erstellt worden war.
3. Mit gegen den Bauentscheid vom 10. September 2019 (Versanddatum
11. Dezember 2019) beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
- 3 -
erhobener Beschwerde vom 27. Januar 2020 beantragte A._
(nachfolgend Beschwerdeführer) was folgt:
"1. Ziff. 1 des Bauentscheids vom 10. September 2019 (...) sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die Überdachung des Sitzplatzes auf der Ostseite der Liegenschaft des Beschwerdeführers bewilligt ist; eventualiter sei die Sache zur Feststellung der rechtskräftigen Baubewilligung an die Gemeinde zurückzuweisen.
2. Eventualiter sei Ziff. 1 des Bauentscheids vom 10. September 2019 (...) aufzuheben und die Baubewilligung für die Überdachung des Sitzplatzes auf der Ostseite der Liegenschaft des Beschwerdeführers zu erteilen; eventualiter sei die Sache zur Erteilung der Baubewilligung an die Gemeinde zurückzuweisen.
3. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 7.7 % MWST und Spesen zu Lasten der Beschwerdegegnerin."
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, die Darstellungen der
Gemeinde im Bauentscheid vom 10. September 2019 seien in rechtlicher
und tatsächlicher Hinsicht falsch. Die Gemeinde habe das Bauvorhaben
zu Recht im Meldeverfahren behandelt. Danach gälten Bauvorhaben, die
lediglich einer kommunalen Bewilligung bedürften, als bewilligt, sofern
innert Monatsfrist seit Einreichung des Gesuchs kein anderslautender
Entscheid ergehe (Art. 51 Abs. 3 KRVO). Da zu seiner Baueingabe vom
1. Mai 2019 bis zum 1. Juni 2019 kein negativer Bauentscheid ergangen
und auch keine kantonale Bewilligung notwendig sei, gelte die
Baubewilligung als erteilt. Zudem habe ihm der Baufach-Chef der
Gemeinde, F._, in der Woche zwischen dem 15. und 20. Juli 2019
telefonisch mitgeteilt, dass er mit der Baute beginnen könne und ein
schriftlicher Entscheid baldmöglichst erlassen werde. Daraufhin habe er
die Sitzplatzüberdachung im Oktober 2019 erstellt. Das Verhalten des
Baufach-Chefs würde bereits für sich alleine einen Vertrauenstatbestand
schaffen, hätte er nicht von der Bewilligung ausgehen können. Dass eine
gegenteilige mündliche Mitteilung, wie die Gemeinde in ihrem
Bauentscheid schreibe, ergangen sei, sei falsch. Der negative
Bauentscheid vom 10. September 2019 stelle eine Art Widerruf der
Baubewilligung dar, dessen Voraussetzungen aber nicht gegeben seien.
Des Weiteren führte der Beschwerdeführer aus, die Gemeinde übersehe,
dass ein gegenseitiges Näherbaurecht zugunsten und zulasten der
- 4 -
Grundstücke Nr. C._ und E._ bereits bestünde und im
Grundbuch eingetragen sei. Danach dürfe er sein Gebäude bis auf einen
Meter an die gemeinsame Grenze mit der Parzelle Nr. E._ der
ehemaligen Gemeinde D._ erstellen. Zudem sei zu berücksichtigen,
dass der durch die Überdachung abgedeckte Raum unterirdisch liege und
damit eine unterirdische Baute bilde, welche bis an die Grenze ragen
dürfe. Zudem könnte er einen Holzzaun an die östliche Grenze stellen,
womit lediglich dieser in Erscheinung träte, weshalb es keine Rolle spiele,
ob die dahinterliegende Sitzplatzüberdachung allenfalls aus dem
gewachsenen Terrain rage und den Grenzabstand verletze. Demnach
wäre die Baubewilligung zu erteilen, wenn sie nicht bereits als erteilt gälte.
4. Die Gemeinde B._ (Rechtsnachfolgerin der Gemeinde D._;
nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in der Vernehmlassung vom
10. März 2020 auf Abweisung der Beschwerde. Sie brachte namentlich
vor, eine Erlaubnis für einen vorgezogenen Baubeginn, geschweige denn
für eine Fertigstellung des Unterstands, habe der Baufach-Chef nie erteilt.
Der Hinweis auf das vereinfachte Baubewilligungsverfahren im
angefochtenen Bauentscheid sei rein formeller Natur und materiell zu
Recht nicht umgesetzt worden. Denn die Voraussetzungen für ein
vereinfachtes Verfahren lägen schlichtweg nicht vor. Insbesondere handle
es sich bei der Sitzplatzüberdachung weder um eine geringfügige
Projektänderung noch um eine bauliche Massnahme, welche nach aussen
nicht in Erscheinung trete. Entsprechend habe die Gemeinde zu Recht das
ordentliche Baubewilligungsverfahren durchgeführt. Zum Näherbaurecht
hielt die Beschwerdegegnerin fest, der Beschwerdeführer übersehe, dass
sich das gegenseitige Näherbaurecht gemäss klarem Wortlaut der
Dienstbarkeit einzig auf das "zu erstellende Wohnhaus" und mitnichten auf
irgendwelche An- und Nebenbauten beziehe. Da der
Mindestgrenzabstand ab Dachtraufe von 2.5 m nicht eingehalten werde,
sei das Baugesuch zu Recht abgelehnt worden.
- 5 -
5. Der Beschwerdeführer replizierte am 23. März 2020 bei unveränderten
Rechtsbegehren und vertiefte seine Argumentation. Entgegen der
Ausführungen der Beschwerdegegnerin gehe aus dem Protokollauszug
zur Gemeindevorstandssitzung vom 21. Mai 2019 nicht hervor, dass das
für die Sitzplatzüberdachung angeblich notwendige Näherbaurecht nicht
erteilt werde bzw. darüber Beschluss gefasst worden sei. Demzufolge
habe ihm auch kein entsprechender ablehnender Entscheid mitgeteilt
werden können. Falsch sei auch der Hinweis der Beschwerdegegnerin,
dass das Meldeverfahren rein formell und nicht so umgesetzt worden sei.
Tatsache sei, dass das Meldeverfahren ohne Auflageverfahren,
Baugespann etc. durchgeführt worden sei. Bei der Sitzplatzüberdachung
handle es sich denn auch um ein untergeordnetes Vorhaben ohne
nachbarrechtliche Auswirkungen.
6. Die Beschwerdegegnerin reichte am 29. April 2020 ihre Duplik ein und
hielt an ihren Anträgen fest. Aus dem Protokoll zur Sitzung vom 21. Mai
2019 ergebe sich, dass das Baugesuch zurückgestellt worden sei, was
bedeute, dass es nicht genehmigt worden bzw. nicht bewilligungsfähig
gewesen sei. Da die Baubehörde nicht verfügt habe, sei selbstredend
auch das notwendige Näherbaurecht nicht erteilt worden. Es werde
weiterhin daran festgehalten, dass der damalige Baufach-Chef den
ablehnenden Entscheid dem Beschwerdeführer mündlich mitgeteilt habe.
Eine Baufreigabe hätte erst erteilt werden können, wenn eine schriftliche
Baubewilligung vorgelegen hätte. Zudem könne aus der Tatsache, dass
weder ein Auflageverfahren durchgeführt noch ein Baugespann errichtet
worden sei, nicht abgeleitet werden, es sei ein vereinfachtes
Baubewilligungsverfahren durchgeführt worden. Für den
Gemeindevorstand sei es offensichtlich von Beginn weg klar gewesen,
dass die Voraussetzungen für die Erteilung der Baubewilligung gefehlt
hätten. Es hätte daher keinen Sinn gemacht, eine Ausschreibung und die
Errichtung eines Baugespanns zu verlangen.
- 6 -
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Für die Beurteilung des angefochtenen Bau- und Einspracheentscheids
vom 10. September 2019, mitgeteilt am 11. Dezember 2019, ist das
Verwaltungsgericht zuständig (Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der Beschwerdeführer zur
Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 50 VRG). Zudem wurde die
Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 52 Abs. 1 und Art. 38
VRG), weshalb darauf einzutreten ist.
2. Streitgegenstand bildet die Frage, ob die Beschwerdegegnerin das
Bauvorhaben für die Sitzplatzüberdachung auf der Ostseite des
Wohnhauses auf der Parzelle Nr. C._ zu Recht abschlägig beurteilt
hat.
3. Gemäss Zusammenschlussvertrag zwischen der Gemeinde B._ und
der Gemeinde D._ tritt die Gemeinde B._ in die
Rechtsverhältnisse der bisherigen Gemeinde D._ ein und übernimmt
deren Vermögen und Verbindlichkeiten einschliesslich der gesprochenen
Kredite. Für die zusammengeschlossene Gemeinde gilt das kommunale
Recht der Gemeinde B._. Die Rechtserlasse der Gemeinde D._
gelten mit Inkrafttreten des Zusammenschlusses unter Vorbehalt von
Ausnahmen, u.a. des Baugesetzes, als aufgehoben. Diese Erlasse
werden per G._ ins Recht der Gemeinde B._ aufgenommen und
beanspruchen für die ehemalige Gemeinde D._ so lange Geltung, bis
sie von der Gemeinde B._ aufgehoben bzw. durch neues Recht
- 7 -
ersetzt werden. Das Baugesetz der Gemeinde D._ wurde bis anhin
weder aufgehoben noch ersetzt, so dass es noch Geltung hat.
4. Gemäss Art. 107 Abs. 2 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) gehen unmittelbar anwendbare
Bestimmungen des KRG abweichenden kommunalen Vorschriften vor. Als
unmittelbar anwendbar gelten u.a. die kantonalen Bauvorschriften gemäss
Art. 72 bis 84 KRG (Ziff. 5) sowie das formelle Baurecht nach Art. 85 bis
96 KRG (Ziff. 6). Lediglich dort, wo kommunale Vorschriften nach dem
KRG zulässig sind, findet das bestehende kommunale Recht weiterhin
Anwendung. Vorbehalten bleiben ferner allgemein strengere Vorschriften
der Gemeinden.
Laut Art. 76 Abs. 1 KRG gelten für offene überdachte Flächen wie
Unterstände und dergleichen die Grenzabstände für Gebäude, gemessen
ab Dachtraufe bis zur Grundstücksgrenze. Bei der Erstellung von
Gebäuden, die das massgebende Terrain überragen, ist gegenüber jedem
Nachbargrundstück ein Grenzabstand von 2.5 m einzuhalten, sofern das
Baugesetz der Gemeinde nicht grössere Grenzabstände vorschreibt
(Art. 75 Abs. 1 KRG). Nach H._ i.V.m. I._ des Baugesetzes der
Gemeinde D._ gilt in der Wohnzone ein kleiner Grenzabstand von 4
m bzw. ein grosser Grenzabstand von 6 m.
Gemäss Art. 86 KRG dürfen Bauten und Anlagen (Bauvorhaben) nur mit
schriftlicher Baubewilligung der kommunalen Baubehörde errichtet,
geändert, abgebrochen oder in ihrem Zweck geändert werden (Abs. 1
Satz 1). Zeitlich begrenzte Bauvorhaben sowie solche, die weder
öffentliche noch private Interessen berühren, unterliegen nicht der
Baubewilligungspflicht. Die Regierung bestimmt durch Verordnung,
welche Bauvorhaben keiner Baubewilligung bedürfen. Sie trifft für Bauten
und Anlagen innerhalb und ausserhalb der Bauzonen die gleiche
Regelung, soweit das Bundesrecht dies zulässt (Abs. 2). Die Gemeinden
- 8 -
können im Baugesetz nicht baubewilligungspflichtige Bauvorhaben dem
vereinfachten Baubewilligungsverfahren unterstellen (Abs. 3).
Vorbehalten bleiben abweichende eidgenössische oder kantonale
Bestimmungen für Bauvorhaben, die nicht der kommunalen
Baubewilligungshoheit unterliegen (Abs. 4).
5.1. Zu prüfen ist zunächst, ob – wie vom Beschwerdeführer geltend
gemacht – die Baubewilligung für die Sitzplatzüberdachung infolge
durchgeführtem Meldeverfahren, nachfolgend der Verständlichkeit halber
und korrekterweise "vereinfachtes Baubewilligungsverfahren" genannt
(vgl. Art. 92 Abs. 3 KRG i.V.m. Art. 50 KRVO, in Kraft seit 1. April 2019),
mangels abschlägigem Bauentscheid innert Monatsfrist bereits als erteilt
zu gelten hat.
5.2.1. Gemäss Art. 107 Abs. 2 Ziff. 6 KRG ist das kantonale formelle Baurecht
unmittelbar anwendbar und geht abweichenden kommunalen
Bestimmungen vor. Entsprechend hat die Beschwerdegegnerin
vorliegend auf die anwendbaren kantonalen Bestimmungen abgestellt.
Massgebend sind die zitierten einschlägigen Bestimmungen des KRG
respektive Art. 40 ff. der Raumplanungsverordnung für den Kanton
Graubünden (KRVO; BR 801.110). Art. 50 KRVO lautet wie folgt:
1 Das vereinfachte Baubewilligungsverfahren findet auf untergeordnete Bauvorhaben Anwendung, bei welchen mit keinen Einsprachen zu rechnen ist, wie insbesondere: 1. geringfügige Projektänderungen bereits bewilligter Bauvorhaben; 2. bauliche Massnahmen, die nach aussen nicht in Erscheinung treten,
zonenkonform sind und zu keinen Veränderungen bezüglich Verkehrsbelastung oder Ausnützung führen.
2 Das vereinfachte Baubewilligungsverfahren findet überdies auf Bauvorhaben Anwendung, die gemäss Artikel 40 von der Baubewilligungspflicht ausgenommen, jedoch gemäss kommunalem Baugesetz dem vereinfachten Baubewilligungsverfahren unterstellt sind.
- 9 -
Art. 40 KRVO besagt u.a.:
1 Sofern die Vorschriften des materiellen Rechts eingehalten werden, bedürfen folgende Bauvorhaben keiner Baubewilligung: (...) 5. Gebäude mit einem Volumen bis zu 5 m3 (Kleinbauten) sowie
Fahrradunterstände mit einer Grundfläche bis zu 4.0 m2; (...) 8. Anlagen der Gartenraumgestaltung wie Fusswege, Gartenplätze, Storen,
Treppen, Feuerstellen, Biotope, Pflanzentröge, Kunstobjekte, Fahnenstangen, ausgenommen ausserhalb der Bauzonen; (...)
20. Fundamentfreie Unterstände und dergleichen bis 25 m2 Grundfläche für Nutztiere, fundamentfreie Plastiktunnels und Melkstände sowie ähnliche Einrichtungen der Landwirtschaft und des Gartenbaus wie kleine Vorrichtungen für den Verkauf von Produkten; (...)
5.2.2. Dem angefochtenen Bauentscheid vom 10. September 2019 ist zu
entnehmen, dass das vereinfachte Baubewilligungsverfahren
durchgeführt worden ist (Bst. A Ziff. 4, Akten des Beschwerdeführers [Bf-
act.] BE, Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 5). Die
Beschwerdegegnerin ist indes der Auffassung, dass dieser Vermerk rein
formeller Natur und ein vereinfachtes Baubewilligungsverfahren materiell
nicht durchgeführt worden sei, da die Voraussetzungen dafür nicht
vorlägen. Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den
Standpunkt, sein Baugesuch sei im vereinfachten
Baubewilligungsverfahren behandelt worden. Da zu seiner Baueingabe
vom 1. Mai 2019 bis zum 1. Juni 2019 kein negativer Bauentscheid
ergangen und auch keine kantonale Bewilligung notwendig sei, gelte die
Baubewilligung als erteilt. Damit beruft er sich auf Art. 51 Abs. 3 KRVO,
wonach Bauvorhaben, die lediglich einer kommunalen Baubewilligung
bedürfen, als bewilligt gelten, sofern innert Monatsfrist seit Einreichung
des Gesuchs kein anderslautender Entscheid ergeht.
5.2.3. Im vorliegenden Fall liegt auf der Hand, dass die Sitzplatzüberdachung
nach aussen in Erscheinung tritt. Mit anderen Worten ist eine
wahrnehmbare Veränderung der Umgebung ersichtlich, weshalb es
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers durchaus
nachbarrechtliche Auswirkungen zeitigt und nicht als untergeordnetes
Bauvorhaben gelten kann. Da ebenso wenig eine geringfügige
- 10 -
Projektänderung eines bereits bewilligten Bauvorhabens vorliegt, kann
das vereinfachte Baubewilligungsverfahren nicht gestützt auf Art. 50 Abs.
1 KRVO Anwendung finden. Dasselbe gilt mit Blick auf Art. 50 Abs. 2
KRVO. Denn danach kommt das vereinfachte Baubewilligungsverfahren
nur bei Bauvorhaben zum Zug, die gemäss Art. 40 KRVO von der
Bewilligungspflicht ausgenommen sind. Dies ist hier gerade nicht der Fall.
Zwar unterstehen gemäss J._ Baugesetz der Gemeinde D._ –
mit Ausnahme von Art. 40 Abs. 1 Ziff. 1 KRVO – nicht
bewilligungspflichtige Bauvorhaben nach Art. 40 KRVO dem
vereinfachten Baubewilligungsverfahren. Indes weist die auf Dauer
angelegte Sitzplatzüberdachung gemäss den Plänen
unbestrittenermassen eine Fläche von über 13 m2 auf (vgl. dazu
Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin vom 10. März 2020 S. 5, Bg-
act. 3), weshalb Art. 40 Abs. 1 Ziff. 5 KRVO ausser Betracht fällt. Ebenso
wenig liegt eine Anlage der Gartenraumgestaltung (Art. 40 Abs. 1 Ziff. 8
KRVO) oder ein fundamentfreier Unterstand für Nutztiere oder
landwirtschaftliche Zwecke (Art. 40 Abs. 1 Ziff. 20 KRVO) vor. Demnach
ist das Bauprojekt des Beschwerdeführers bewilligungspflichtig und das
vereinfachte Baubewilligungsverfahren findet keine Anwendung. Da
dasselbe insofern auch für Art. 51 Abs. 3 KRVO gilt, kann die
Baubewilligung mangels abschlägigem Bauentscheid innerhalb der
Monatsfrist entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht als
erteilt gelten. Mithin erübrigen sich auch Weiterungen zum Widerruf von
Baubewilligungen und dessen Voraussetzungen genauso wie zur Frage,
ob ein vom Gemeindevorstand zu erteilendes Näherbaurecht überhaupt
stillschweigend gewährt werden kann.
5.2.4. In Anbetracht dieser Erwägungen hätte die Gemeinde folglich ein ordent-
liches Baubewilligungsverfahren durchführen müssen. Da vorliegend
unbestrittenermassen weder ein Baugespann aufgestellt worden ist noch
ein öffentliches Auflageverfahren stattgefunden hat (Art. 92 Abs. 3 KRG
- 11 -
i.V.m. Art. 43 ff. KRVO), und das Bauvorhaben gemäss angefochtenem
Bauentscheid im vereinfachten Baubewilligungsverfahren behandelt
wurde, kann angenommen werden, dass kein ordentliches
Baubewilligungsverfahren durchführt worden ist. Angesichts der
konkreten Umstände des Einzelfalls ist aber von einer Rückweisung an
die Gemeinde zur Durchführung eines ordentlichen
Baubewilligungsverfahrens nach den einschlägigen kantonalen Normen
abzusehen. Denn abgesehen davon, dass die Gemeinde – im Ergebnis
zugunsten des Beschwerdeführers – das unmittelbar anwendbare
(materielle) kantonale Baurecht angewendet hat (vgl. dazu auch
nachstehende E.5.3 ff. zum Näherbaurecht), blieb ihr Vorbringen, wonach
es mangels offensichtlichem Vorliegen der Bewilligungsvoraussetzungen
keinen Sinn gemacht hätte, eine Ausschreibung vorzunehmen und ein
Baugespann errichten zu lassen, vom Beschwerdeführer
unwidersprochen. Zudem hat sich insbesondere die Eigentümerin der
Parzelle Nr. 146 – und damit unmittelbare Nachbarin des Bauherrn –
ausdrücklich mittels schriftlicher Zustimmung mit dem Bau der
Sitzplatzüberdachung einverstanden erklärt (Bg-act. 3, Stellungnahme
vom 24. April 2019). Insofern stellte die Rückweisung der Angelegenheit
an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung eines ordentlichen
Baubewilligungsverfahrens einen prozessualen Leerlauf dar.
5.2.5. Soweit sich der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auf einen
Vertrauenstatbestand beruft, weil der damalige Baufach-Chef ihm Mitte
Juli 2019 mitgeteilt haben soll, dass er mit der Baute beginnen könne,
verfängt sein Einwand nicht. Zwar ist ihm darin beizupflichten, dass dem
Protokollauszug zur Gemeindevorstandssitzung vom 21. Mai 2019 mit
Blick auf das Baugesuch des Beschwerdeführers einzig zu entnehmen ist,
dass dieses zwecks weiterer Abklärungen zurückgestellt werde und
Baufach-Chef F._ darüber mit dem Beschwerdeführer vor Ort
sprechen werde (Bg-act. 4). Die im Bauentscheid vom 10. September
- 12 -
2019 gemachten Ausführungen – an welchen die Beschwerdegegnerin im
Rahmen des vorliegenden Schriftenwechsels festhält –, wonach der
Gemeindevorstand sich bereits an der Sitzung vom 21. Mai 2019 von der
Erteilung eines Näherbaurechts distanziert habe und Baufach-Chef
F._ dies dem Bauherrn bei einem nachher stattgefundenen
Augenschein mündlich mitgeteilt habe (Bst. B Ziff. 3; Bf-act. BE, Bg-act.
5), finden somit keine Stütze in den Akten. Dennoch erscheint es wenig
wahrscheinlich, dass der Baufach-Chef dem Beschwerdeführer eine
Zusicherung im Sinne einer Baufreigabe gegeben hat. Denn immerhin
wurde im Protollauszug der Sitzung vom 21. Mai 2019, an welcher
nachweislich auch F._ teilgenommen hat, ausdrücklich vermerkt,
dass das Baugesuch zwecks weiterer Abklärungen, einschliesslich einer
Besprechung mit dem Bauherrn vor Ort, zurückgestellt werde (Bg-act. 4).
Mithin mutet es abwegig an, dass der Baufach-Chef F._ bereits Mitte
Juli 2019 dem Beschwerdeführer (sozusagen im Alleingang) mitgeteilt
haben soll, er könne bereits mit der Baute beginnen, wenn er als Mitglied
des Gemeindevorstands zuvor explizit einer Zurückstellung zum Zweck
weiterer Abklärungen zugestimmt hat und somit noch kein formeller
Beschluss zum Baugesuch getroffen worden war. Hinzu kommt, dass
Bauten und Anlagen (Bauvorhaben) gemäss Art. 86 Abs. 1 Satz 1 KRG
ohnehin nur mit schriftlicher Baubewilligung der kommunalen Behörde
errichtet, geändert, abgebrochen oder in ihrem Zweck geändert werden
dürfen. Eine solche liegt unbestrittenermassen nicht vor. Genauso wenig
handelt es sich – wie bereits dargelegt – um ein nicht
bewilligungspflichtiges Bauvorhaben. Der Beschwerdeführer hätte
demnach gestützt auf eine bloss mündliche Baubewilligung – selbst wenn
diese von Seiten des Baufach-Chefs tatsächlich erteilt worden wäre –
keinesfalls mit den Bauarbeiten beginnen dürfen. Hinzu kommt, dass der
Beschwerdeführer als Bauherr hätte wissen müssen, dass nicht der
Baufach-Chef, sondern lediglich der Gemeindevorstand für die Erteilung
oder die Verweigerung der Baubewilligung zuständig ist (vgl. PVG 1996
- 13 -
Nr. 35). Insofern kann der Beschwerdeführer aus dem Grundsatz von Treu
und Glauben nichts zu seinen Gunsten ableiten.
5.2.6. Vor diesem Hintergrund kann auf die beantragten Beweisvorkehren,
insbesondere die Partei- und Zeugenbefragungen, verzichtet werden,
zumal das streitberufene Gericht aufgrund der bereits abgenommenen
Beweise seine Überzeugung gebildet hat und annehmen kann, dass diese
Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 1C_582/2018 vom 23. Dezember 2019 E.2.2,
1C_313/2015, 1C_317/2015 vom 10. August 2016 E.2.2, BGE 141 I 60
E.3.3).
5.3. Sodann macht der Beschwerdeführer geltend, es bestehe bereits ein
gegenseitiges Näherbaurecht zugunsten und zulasten der Grundstücke
Nr. C._ und E._, das im Grundbuch eingetragen sei. Aus dem
von ihm beigebrachten Dienstbarkeitsvertrag vom 7. April 2005 zwischen
der Politischen Gemeinde D._, Eigentümerin des Grundstücks
Nr. E._ in D._, und der damaligen Eigentümerin des
Grundstücks Nr. C._ (Bf-act. 1) geht namentlich was folgt hervor:
"Gegenseitiges Näherbaurecht zugunsten und zulasten der Grundstücke Nr. C._ und E._ mit folgendem Wortlaut: Die jeweilige Eigentümerin der Liegenschaft Grundstück Nr. E._ gestattet hiermit der jeweiligen Eigentümerin der Liegenschaft Grundstück Nr. C._, das auf der berechtigten Liegenschaft zu erstellende Wohnhaus bis auf einen Meter an die gemeinsame Grenze der beiden beteiligten Grundstücke zu erstellen und dieses dauernd beizubehalten. Das Ausmass des zu errichtenden Wohnhauses richtet sich nach der Baubewilligung der Gemeinde D._. (...)"
Gestützt darauf bringt der Beschwerdeführer vor, er dürfe sein Gebäude
genauso wie weniger einschneidende Bauten bis auf einen Meter an die
gemeinsame Grenze mit der Parzelle Nr. E._ stellen. Dagegen
wendet die Beschwerdegegnerin ein, dass sich das gegenseitige
Näherbaurecht gemäss klarem Wortlaut der Dienstbarkeit einzig auf das
- 14 -
"zu erstellende Wohnhaus" und mitnichten auf irgendwelche An- und
Nebenbauten beziehe.
5.4. Zwar ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass wenn im
Dienstbarkeitsvertrag vom 7. April 2005 ein (gegenseitiges)
Näherbaurecht bis auf einen Meter für das Wohnhaus auf der Parzelle
Nr. C._ eingeräumt wurde, nicht auf der Hand liegt, weshalb dieses
nicht auch für die Sitzplatzüberdachung als An- bzw. Nebenbaute dazu
gelten soll. Vielmehr liesse sich die benannte Passage im
Dienstbarkeitsvertrag in Nachachtung des Grundsatzes a maiore minus in
diesem Sinne auslegen. Diese Frage kann letztlich jedoch offenbleiben,
da der Beschwerdeführer daraus nichts zu seinen Gunsten ableiten
könnte. Denn wie aus den mit dem Baugesuch eingereichten Plänen
hervorgeht (Bg-act. 3), weist die Sitzplatzüberdachung lediglich einen
Grenzabstand von 1.1 m bis 0.35 m zum Nachbargrundstück Nr. E._
auf, wobei sie aufgrund ihres schrägen Verlaufs zur östlichen
Grundstücksgrenze das Näherbaurecht von einem Meter grösstenteils
unterschreitet und somit ohnehin nicht bewilligungsfähig gewesen wäre.
5.5. Insofern ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Bauentscheid – obwohl gemäss Baugesetz der Gemeinde
D._ von Grenzabständen von 4 m bzw. 6 m (H._ i.V.m. I._)
auszugehen wäre – zu Gunsten des Beschwerdeführers auf die
kantonalen Bestimmungen zum Grenzabstand abgestellt und gemäss
Art. 76 Abs. 1 i.V.m. Art. 75 Abs. 1 KRG mit 2.5 m beziffert hat. Zudem ist
unter den Parteien unbestritten, dass es sich bei der Sitzplatzüberdachung
um eine Baute handelt. Da die Sitzplatzüberbauung nachweislich den
Grenzabstand von 2.5 m zum Nachbargrundstück Nr. E._
unterschreitet und die Gemeinde dem Beschwerdeführer hierfür kein
Näherbaurecht eingeräumt hat, erweist sich das Bauvorhaben nicht als
baurechtskonform.
- 15 -
5.6. Soweit sich der Beschwerdeführer sinngemäss auf H._ Abs. 7
des Baugesetzes der Gemeinde D._ beruft und geltend macht, der
durch die Sitzplatzüberdachung abgedeckte Raum liege unterirdisch,
weshalb die Baute bis an die Grenze ragen dürfe, ist seinem Einwand von
vornherein kein Erfolg beschieden. Denn wie die von ihm eigens
eingereichte Fotodokumentation (Bf-act. 2) sowie die Baupläne zeigen
(Bg-act. 3), tritt die Sitzplatzüberdachung klarerweise gegen aussen in
Erscheinung und überragt das massgebende Terrain, weshalb
(zumindest) der Grenzabstand von 2.5 m einzuhalten ist.
5.7. Schliesslich verfängt auch das Vorbringen des Beschwerdeführers nicht,
wonach er einen Holzzaun an die östliche Grenze stellen könnte, welcher
für die Nachbarn in Erscheinung träte, weshalb es keine Rolle spiele, ob
die dahinterliegende Sitzplatzüberdachung den Grenzabstand verletze.
Dabei übersieht er, dass gemäss Art. 89 Abs. 1 KRG Bauvorhaben nur
bewilligt werden, wenn alle Vorschriften des kommunalen, kantonalen und
eidgenössischen Rechts eingehalten sind. Mithin kann eine
baurechtswidrige Baute nicht dadurch "legalisiert" werden, nur weil sie
hinter einer anderen Konstruktion versteckt würde.
6. Insgesamt ist somit nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin
für die Sitzplatzüberdachung auf der Ostseite des Wohnhauses auf der
Parzelle Nr. C._ den Bauabschlag erteilt hat.
7. Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet und ist abzuweisen.
Bei diesem Verfahrensausgang hat die unterliegende Partei die Kosten zu
tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Staatsgebühr wird vorliegend auf
Fr. 2'000.-- festgesetzt. Diese ist zusammen mit den Kanzleiauslagen dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Bund, Kanton und Gemeinden sowie mit
öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten Organisationen wird in der
Regel keine Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem
- 16 -
amtlichen Wirkungskreis obsiegen (Art. 78 Abs. 2 VRG). Davon
abzuweichen besteht vorliegend kein Anlass.