Decision ID: 0e32c18a-76ee-5c33-97f3-4722c4009fe7
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die Beschwerdeführerin suchte am 1. Oktober 2018 in der Schweiz um
Asyl nach. Anlässlich der Befragung zur Person (BzP) vom 8. Oktober
2018 und der Anhörung vom 15. Oktober 2019 machte sie im Wesentlichen
Folgendes geltend:
Sie sei Kurdin und stamme aus B._. Am (...) 2008 habe sie gehei-
ratet. Im Jahre 2013 sei sie mit ihrem Ehemann zu dessen Familie nach
C._ geflohen. Dort hätten sie unter prekären Verhältnissen gelebt,
es habe keine Arbeit gegeben und viele Leute hätten Hunger gelitten. Die
Lage sei äusserst unsicher gewesen. Ihr ältester Bruder D._ sei seit
(...) verschollen. Bereits in Syrien sei es zu Problemen mit ihrem Ehemann
gekommen; unter anderem habe dieser ihr gegenüber sexuelle Gewalt an-
gewendet. Etwa Mitte 2015 seien sie und ihr Ehemann in die Türkei geflo-
hen. Dort habe sie in einer (...) gearbeitet. Die Schwierigkeiten mit ihrem
Ehemann hätten zugenommen, so habe er ihr den Arbeitslohn weggenom-
men. Er habe auch eine zweite Frau geheiratet und dies fälschlicherweise
damit begründet, dass sie (die Beschwerdeführerin) keine Kinder bekom-
men könne. Als sie von ihm die Scheidung verlangt habe, sei sie von ihm
verprügelt und mit dem Tod bedroht worden. Etwa im (...) 2017 habe sie
die gemeinsame Wohnung verlassen und fortan versteckt bei einem Ar-
beitskollegen und dessen Familie gewohnt. Nach einiger Zeit habe ihr
Mann jedoch die Adresse ausfindig machen können und sie aufgesucht.
Dabei sei es zu einem Streit gekommen und sie sei von ihrem Mann ge-
schlagen und bedroht worden. Ihrer Gastfamilie sei es gelungen, sie aus
seiner Gewalt zu befreien. In der Folge habe sie während etwas mehr als
acht Monaten bei einer Arbeitskollegin Unterschlupf gefunden. Danach
habe sie mit Hilfe von Schleppern circa im (...) 2018 die Türkei in Richtung
Griechenland verlassen, wo sie etwa 20 Tage geblieben sei. Am 30. Sep-
tember 2018 sei sie in die Schweiz eingereist.
Nach ihrer Ankunft in der Schweiz habe ihr Mann davon erfahren und ihren
Bruder E._ (N [...]) – welcher am (...) 2018 in der Schweiz Asyl
erhalten hat – angerufen. Er habe ihm mitgeteilt, dass er sich niemals von
ihr scheiden lassen werde. Im Sommer 2019 habe sie einen syrischen An-
walt kontaktiert, um dort vor Gericht die Scheidung zu beantragen. Ihr Vater
kümmere sich in Syrien um die Scheidung.
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A.b Die Beschwerdeführerin beantragte auf der Schweizer Vertretung in
der Türkei zwei Mal (am [...] 2016 sowie am [...] 2016) erfolglos ein huma-
nitäres Visum (vgl. vorinstanzliche Akten A7).
A.c Die Beschwerdeführerin reichte ihre Identitätskarte sowie einen Arzt-
bericht vom (...) Oktober 2019 ein.
B.
Am 6. April 2020 gewährte das SEM der Beschwerdeführerin das rechtli-
che Gehör zu Diskrepanzen zwischen ihren Angaben in den Visumsverfah-
ren sowie dem Asylverfahren. In ihrer Stellungnahme vom 17. April 2020
erklärte die Beschwerdeführerin unter anderem, dass die Scheidung im
(...) 2020 nun vollzogen worden sei.
C.
Mit Verfügung vom 9. Juli 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführerin (Dispositivziffer 1) und lehnte ihr Asylge-
such ab (Dispositivziffer 2). Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung aus
der Schweiz (Dispositivziffer 3), deren Vollzug es zugunsten einer vorläufi-
gen Aufnahme jedoch aufschob (Dispositivziffern 4-6).
D.
Mit Beschwerde an das Bundesverwaltungsgereicht vom 12. August 2020
beantragte die Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Ver-
fügung in den Dispositivziffern 1-3, die Feststellung der Flüchtlingseigen-
schaft und die Gewährung von Asyl, eventualiter die Rückweisung der Sa-
che an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. In prozessualer Hinsicht bean-
tragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Kos-
tenvorschussverzicht sowie die Bestellung eines Rechtsbeistands ihrer
Wahl.
Als Beweismittel lag der Beschwerde ein Arztbericht vom (...) Oktober
2019 bei.
E.
Mit Verfügung vom 14. August 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt der Beschwerdeführerin den Eingang ihrer Beschwerde und stellte ih-
ren einstweiligen legalen Aufenthalt in der Schweiz für die Dauer des Ver-
fahrens fest.
E-4042/2020
Seite 4
F.
Mit Verfügung vom 4. September 2020 hiess das Bundesverwaltungsge-
richt das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut,
verzichtete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und forderte die
Beschwerdeführerin auf, dem Gericht den zu ernennenden Rechtsbeistand
mitzuteilen. Gleichzeitig lud es die Vorinstanz zur Einreichung einer Ver-
nehmlassung ein.
G.
Mit Schreiben vom 14. September 2020 ersuchte die von der Beschwerde-
führerin neu mandatierte rubrizierte Rechtsvertreterin um Gutheissung der
amtlichen Verbeiständung und ihre Einsetzung als amtliche Rechtsbeistän-
din.
H.
Mit Vernehmlassung vom 17. September 2020 hielt die Vorinstanz fest, die
Beschwerdeschrift enthalte keine neuen erheblichen Tatsachen oder Be-
weismittel, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könn-
ten. Sie äusserte sich überdies zum eingereichten Arztbericht und verwies
im Übrigen auf ihre Erwägungen, an denen sie vollumfänglich festhalte.
I.
Mit Verfügung vom 21. September 2020 setzte das Bundesverwaltungsge-
richt die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin der Be-
schwerdeführerin ein. Gleichzeitig stellte es der Beschwerdeführerin die
Vernehmlassung der Vorinstanz zur Kenntnisnahme zu.
J.
Mit Eingabe vom 28. September 2020 nahm die Beschwerdeführerin zur
Vernehmlassung der Vorinstanz Stellung und reichte einen Auszug aus
dem Scheidungsregister sowie dem Melderegister respektive Zivilregister
(beides als Kopie und mit Übersetzung) ein.
K.
Aus organisatorischen Gründen erfolgte zwischenzeitlich ein Wechsel des
Verfahrensvorsitzes auf den Unterzeichnenden als neuen vorsitzenden
Richter.
L.
Zwei Brüder und eine Schwester der Beschwerdeführerin halten sich eben-
falls in der Schweiz auf. Bruder E._ (N [...]) wurde in der Schweiz
als Flüchtling anerkannt und erhielt Asyl, Bruder F._ (N [...]) sowie
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Seite 5
Schwester G._ (N [...]) wurden aufgrund der Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzugs in der Schweiz vorläufig aufgenommen.
M.
Mit Sendung vom 4. Oktober 2021 (Eingang BVGer) informierte das SEM
das Bundesverwaltungsgericht über die Heirat der Beschwerdeführerin mit
einem Schweizer Bürger. Der Sendung lagen diverse Dokumente betref-
fend die Beschwerdeführerin zwecks Ablage in den vorinstanzlichen Akten
bei (eine Trauungsmitteilung des Zivilstandsamts H._ vom (...)
2021, eine Bestätigung über die Sicherstellung von Dokumenten zuhanden
des SEM, eine syrische Identitätskarte, eine syrische Geburtsurkunde,
eine syrische Eheurkunde, ein Auszug aus dem syrischen «Einzelzivilre-
gister», eine syrische Scheidungsurkunde, ein syrisches Scheidungsurteil
inkl. anwaltlichem Bericht sowie ein Auszug aus dem syrischen Meldere-
gister [syrische Dokumente jeweils im Original inkl. Übersetzung]).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG (SR 142.31) in Kraft
getreten (AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige
Recht (vgl. Abs. der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG
vom 25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.3 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die
Beschwerdeführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen,
ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
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Seite 6
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und aArt. 108 Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG (vgl. BVGE 2014/26
E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken; den frauenspezifischen
Fluchtgründen ist Rechnung zu tragen (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ver-
schiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf
kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung der angefochtenen Verfügung führte das SEM in der
Hauptsache aus, dass die Vorbringen der Beschwerdeführerin den Anfor-
derungen von Art. 7 AsylG an die Glaubhaftigkeit nicht standhielten.
Es seien Diskrepanzen zwischen ihren Aussagen im Asylverfahren und
den Angaben im Visumsverfahren festzustellen. So habe sie im Visums-
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verfahren – welches zwischen (...) und (...) 2016 stattgefunden habe – un-
ter anderem angegeben, bereits von ihrem Exmann geschieden zu sein.
Ihre im rechtlichen Gehör angeführte Erklärung, sie habe im Visumsverfah-
ren angegeben, geschieden zu sein, weil sie Angst gehabt habe, dass man
andernfalls ihren Ehemann kontaktiert hätte, sei als Schutzbehauptung zu
werten. So habe sie im Visumsverfahren mit keinem Wort die angeblichen
Übergriffe ihres Mannes erwähnt oder auch bloss angetönt. Auch habe sie
an der BzP nur erwähnt, Probleme einfacher Art mit ihrem Ehemann ge-
habt zu haben. Dass er ihr gegenüber sexuelle Gewalt angewendet habe,
habe sie nicht erwähnt. Ihre Aussagen in diesen beiden Einvernahmen lies-
sen sich nicht miteinander vereinbaren. Es entstehe der Eindruck, dass sie
im Laufe der Verfahren ihre Angaben gesteigert habe, um ihrem Asylge-
such mehr Gewicht zu verleihen. Weiter habe sie an der BzP angegeben,
die Wohnung ihres Mannes vor circa einem Jahr – demgemäss ungefähr
im (...) 2017 – verlassen zu haben. In ihrer Stellungnahme vom 16. April
2020 habe sie hingegen erklärt, bereits vom Ehemann getrennt gelebt zu
haben, als sie den Visumsantrag eingereicht habe. Demzufolge hätte sie
sich bereits mindestens ein Jahr früher als in der BzP angegeben von ih-
rem Mann getrennt. Somit habe sie auch widersprüchliche Angaben zum
Zeitpunkt gemacht, an dem sie die gemeinsame Wohnung verlassen habe.
Sodann habe sie an der BzP behauptet, sie sei vor circa (...) Monaten aus
der Wohnung der Freundin geflohen, weil ihr Mann die Adresse habe aus-
findig machen können. Bei der Anhörung habe sie hingegen hierzu ausge-
führt, seit sie sich bei ihrer Freundin versteckt habe, ihrem Mann nie mehr
persönlich begegnet zu sein und keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt zu
haben. Ihr Mann habe ihre Familie angerufen und gesagt, sie sei geflohen
und verschwunden. Damit seien auch ihre Angaben zum Motiv für die Aus-
reise aus der Türkei widersprüchlich ausgefallen. All diese Ungereimthei-
ten führten in einer Gesamtwürdigung zum Schluss, dass sie sich auf eine
konstruierte Asylbegründung abstütze. Es erübrige sich daher, auf weitere
Unstimmigkeiten näher einzugehen. Die von ihrem früheren Ehemann an-
geblich ausgehende Gefährdung habe durch die Scheidung wohl ohnehin
ein Ende gefunden und wäre deshalb kaum mehr aktuell. An dieser Ein-
schätzung vermöge auch die Konsultation der Dossiers ihrer Geschwister
nichts Grundlegendes zu ändern, zumal sie auch an keiner Stelle angege-
ben habe, wegen ihren Geschwistern verfolgt worden zu sein respektive
eine solche Verfolgung zu befürchten. Auch der eingereichte Arztbericht –
welcher ihr eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) attestiere –
vermöge den asylrelevanten Sachverhalt nicht glaubhaft zu machen. Die
Ärzteschaft stütze sich in der Anamnese auf ihre Aussagen ab, ohne deren
Glaubhaftigkeit eingehend zu prüfen.
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Die von ihr geschilderten Nachteile und Entbehrungen betreffend die Situ-
ation in Syrien seien sodann Folgen der damaligen, durch Kriegshandlun-
gen verursachten allgemeinen Verhältnisse und als solche aus flüchtlings-
rechtlicher Sicht nicht bedeutsam.
4.2 Zur Begründung ihrer Beschwerde verwies die Beschwerdeführerin be-
treffend die Diskrepanzen ihrer Aussagen zwischen dem Asyl- und dem Vi-
sumsverfahren zunächst auf ihre Stellungnahme vom 16. April 2020. Darin
habe sie erwähnt, dass sie den falschen Zivilstand («geschieden» anstatt
«getrennt») angekreuzt habe, um zu verhindern, dass man ihren Mann
kontaktiere. Hätte er erfahren, dass sie auf der Botschaft ein Visumsge-
such eingereicht hätte, hätte er erneut versucht, sie aufzuspüren. Sie habe
sich daher dieser Notlüge bedient. Die Übergriffe ihres Mannes habe sie
im Visumsverfahren nicht erwähnt, weil sie habe verhindern wollen, dass
man ihr Rückfragen zu ihm stelle. Sodann habe sie an der BzP mit «Prob-
lemen einfacher Natur» nicht banale Streitereien gemeint, wie sie in jeder
Ehe vorkämen. Bereits in Syrien sei es zu Übergriffen ihres Ehemannes
gekommen, jedoch weniger schlimm als später in der Türkei. Da in Syrien
noch ihre Familie und Freunde in der Nähe gewesen seien, habe sich ihr
Mann nicht getraut, sich so zu benehmen, wie er es später in der Türkei
getan habe. Ausserdem habe sie während ihrer Zeit in Syrien noch Hoff-
nung gehabt, dass es mit der Zeit besser werden würde.
Hinsichtlich der widersprüchlichen Angaben betreffend den Zeitpunkt des
Verlassens der gemeinsamen Wohnung sei auf ihre PTBS hinzuweisen.
Gemäss Arztbericht habe sie Konzentrationsschwierigkeiten und leide an
Vergesslichkeit. Es sei daher gut möglich, dass sie sich in der Jahreszahl
geirrt habe. Ihre widerspruchsbehaftete Aussage an der BzP, wonach ihr
Mann sie bei ihrer Freundin anstatt bei ihrem Arbeitskollegen aufgespürt
habe, sei ebenfalls auf ihre Vergesslichkeit aufgrund ihrer PTBS und die
Stresssituation der Befragung zurückzuführen. Seit sie zu ihrer Freundin in
die zweite Wohnung geflohen sei, sei sie ihrem Ex-Mann nie mehr persön-
lich begegnet. Weiter sei die Annahme des SEM, die Gefährdung habe mit
der Scheidung ein Ende gefunden, für sie aufgrund des Erlebten nicht
nachvollziehbar. Er respektiere sie auch nach der Scheidung nicht. Ihre
Aussagen enthielten Realkennzeichen und die Widersprüche seien bloss
auf ihre Traumatisierung zurückzuführen.
Den Rückweisungsantrag begründete die Beschwerdeführerin damit, dass
das SEM ihre Vorbringen nicht sorgfältig geprüft und insbesondere den
Arztbericht zu Unrecht als untauglich klassifiziert habe.
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Seite 9
4.3 In ihrer Vernehmlassung hielt die Vorinstanz fest, dass die Beschwer-
deschrift keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte,
welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Zur
Rüge, der Arztbericht vom (...). Oktober 2019 sei als untaugliches Beweis-
mittel klassifiziert und die Kompetenz der betreffenden Fachpersonen in
Frage gestellt worden, äusserte sich die Vorinstanz wie folgt: Alleine aus
dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin an PTBS leide, könne noch
nicht auf die Glaubhaftigkeit ihrer Vorbringen geschlossen werden. Eine
PTBS könnte auch auf andere Ursachen wie beispielsweise traumatisie-
rende Kriegserfahrungen – wie sie die Beschwerdeführerin zur Situation in
der Region C._ geschildert habe – zurückzuführen sein.
4.4 In ihrer Stellungnahme machte die Beschwerdeführerin geltend, dass
ihre PTBS die widerspruchsbehafteten Aussagen erkläre. Es sei deshalb
möglich, dass sie aufgrund der PTBS und der daraus folgenden Konzent-
rationsschwierigkeiten inklusive Vergesslichkeit im Rahmen ihres Asylver-
fahrens widersprüchliche Aussagen gemacht habe.
5.
5.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist bei der Beurteilung der Asylgründe
nicht an die Begründung der Vorinstanz gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG);
es kann die Beschwerde auch aus anderen Überlegungen als jenen der
Vorinstanz abweisen (sog. Motivsubstitution; vgl. MADELEINE CAMPRUBI in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren, 2. Aufl. 2019, N. 16 zu Art. 62 VwVG;
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, S. 398, Rz. 1136). Das Bundesverwal-
tungsgericht konzentriert sich nachfolgend auf die Asylrelevanz der Vor-
bringen der Beschwerdeführerin (Art. 3 AsylG).
5.2 Die Beschwerdeführerin ist seit (...) beziehungsweise (...) 2020 von
ihrem Ex-Mann gerichtlich geschieden. Es gibt nach der Scheidung weder
Hinweise auf Drohungen seitens des Ex-Mannes und seiner Familie noch
sonstige konkrete Anhaltspunkte dafür, dass ihr Ex-Mann ihr bei einer (auf-
grund ihrer vorläufigen Aufnahme ohnehin hypothetischen) Rückkehr nach
Syrien nachstellen und sie weiter bedrohen würde. Gemäss Aussagen der
Beschwerdeführerin verfügt ihr Ex-Mann über sämtliche Telefonnummern
ihrer Familienangehörigen (vgl. A18, F69) und habe in der Vergangenheit
insbesondere ihren Bruder mehrmals telefonisch kontaktiert (vgl. A18, F67,
F75). Es wäre für ihn somit ein Leichtes gewesen, sie bereits in den ge-
samten vergangenen Jahren über ihren Bruder, welcher ebenfalls in der
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Seite 10
Schweiz lebt, zu bedrohen. Nichts dergleichen ist jedoch je vorgefallen.
Solche Drohungen sind weder aktenkundig noch von der Beschwerdefüh-
rerin selbst geltend gemacht worden. So habe ihr Ex-Mann ihrer Familie
lediglich telefonisch erzählt, dass sie abgehauen respektive mit einem an-
deren Mann geflohen sei und er eine Scheidung nicht akzeptieren wolle
(vgl. A18, F66 ff., F75, F94 f.). Eine Drohung – auch für den Fall der zwi-
schenzeitlich nun vollzogenen Scheidung – ist darin nicht zu erkennen.
Weiter scheint ihr Ex-Mann der Scheidung letzten Endes nun sogar selber
zugestimmt zu haben. Zudem wisse ihre Familie über die Hintergründe ih-
rer Scheidung und ihrer Schwierigkeiten mit dem Ex-Mann Bescheid und
stehe hinter ihr – ihr Vater habe sich in Syrien sogar um die Scheidung
gekümmert und finanziere diese (vgl. A18, F72 ff., F90-93). Sodann war es
ihr nun im Hinblick auf ihre erneute Trauung in der Schweiz augenschein-
lich ohne Weiteres möglich, diverse Urkunden und Dokumente im Original
aus Syrien zu beschaffen (vgl. Bst. M). Sie kann somit auch auf die aktive
Unterstützung ihrer Familie zählen.
Vor dem aufgezeigten Hintergrund ist daher nicht zu erkennen, wie die be-
haupteten Probleme mit ihrem geschiedenen Ehemann – selbst bei Wahr-
unterstellung der Behauptungen – eine asylrelevante Verfolgung der Be-
schwerdeführerin begründen sollte. Darüber hinaus hat sich ihre Situation
seither insofern entscheidend verändert, als dass sie nun mit einem
Schweizer Bürger liiert ist. Nach dem Gesagten ist daher eine objektiv be-
gründete Furcht vor zukünftiger Verfolgung zu verneinen.
5.3 Ob die Vorbringen der Beschwerdeführerin darüber hinaus – wie von
der Vorinstanz festgestellt – als unglaubhaft zu qualifizieren sind, kann da-
her vorliegend offengelassen werden. An dieser Stelle sind der Vollständig-
keit halber dennoch einige Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Vorbringen
anzubringen, welche nebst einzelner Realkennzeichen doch einige – nicht
unerhebliche – Unstimmigkeiten aufweisen. So ist hinsichtlich ihres Vi-
sumsantrags nicht nur mit dem SEM festzustellen, dass sie entgegen ihren
Ausführungen angegeben hat, geschieden zu sein, sie hat darüber hinaus
auch ihre damalige Wohnsituation mit ihrem Ex-Mann anders geschildert.
So hat sie angegeben, sie und ihr Mann würden beide arbeiten und könn-
ten sich so die Miete für eine Wohnung mit fünf anderen Personen teilen –
an der Anhörung erwähnte sie an keiner Stelle, gemeinsam mit ihrem Mann
in einer Wohngemeinschaft gelebt zu haben. Auch führte sie im Detail auf,
was sie und ihr Mann (demnach gemeinsam) erfolglos alles unternommen
hätten, um sich bei den türkischen Behörden zu registrieren. Dies steht in
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offensichtlichem Widerspruch zu ihren Vorbringen, ihr Mann habe ihr sämt-
lichen Lohn abgenommen und sie absichtlich nicht bei den türkischen Be-
hörden registrieren lassen, jedoch selber einen Flüchtlingsausweis beses-
sen (vgl. A8, Ziff. 1.14, Ziff. 5.02; A18, F44, F48). Ebenfalls zu bestätigen
wäre der Widerspruch betreffend die Frage, ob ihr Ex-Mann sie nun an der
Adresse ihrer Freundin habe ausfindig machen können oder ob sie seit den
Ereignissen bei ihrem Arbeitskollegen und dessen Familie keinerlei Kon-
takt mit ihm mehr gehabt habe. Ebenso ist fraglich, wie die Beschwerde-
führerin – nebst dem Verkauf ihres Schmucks – mit ihrem Ersparten aus
der Arbeitstätigkeit in der Türkei ihre Ausreise habe finanzieren können, wo
doch ihr Ehemann ihr stets sämtlichen Lohn abgenommen habe. Eine ab-
schliessende Würdigung ist jedoch vorliegend aufgrund der ohnehin feh-
lenden Asylrelevanz nicht angezeigt.
5.4 Zusammenfassend hat das SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft
der Beschwerdeführerin verneint und ihr Asylgesuch abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG). Die Wegweisung wird nicht verfügt, wenn die asylsuchende
Person im Besitze einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilli-
gung ist (Art. 32 Bst. a der Asylverordnung 1 vom 11. August 1999
(AsylV 1, SR 142.311).
6.2 Art. 14 AsylG regelt den Grundsatz des Vorrangs des Asylverfahrens
gegenüber dem ausländerrechtlichen Bewilligungsverfahren. Demnach
kann eine asylsuchende Person ab Einreichung des Asylgesuches bis zur
Ausreise nach einer rechtskräftig angeordneten Wegweisung, nach einem
Rückzug des Asylgesuches oder bis zur Anordnung einer Ersatzmass-
nahme bei nicht durchführbarem Vollzug kein Verfahren um Erteilung einer
ausländerrechtlichen Aufenthaltsbewilligung einleiten, ausser es bestehe
ein Anspruch auf deren Erteilung. Ist dies der Fall, geht die Zuständigkeit,
die Wegweisung aus der Schweiz zu verfügen, von den Asylbehörden auf
die kantonale Ausländerbehörde über, welche über die Erteilung einer Auf-
enthaltsbewilligung zu befinden hat (vgl. zum Ganzen BVGE 2013/37 E.
4.4 S. 579 f. und EMARK 2001 Nr. 21 E. 8d S. 175 f.). Im Asyl- und Weg-
weisungsverfahren ist daher vorfrageweise zu prüfen, ob sich die asylsu-
chende Person potenziell auf einen Anspruch auf Erteilung einer Aufent-
haltsbewilligung berufen kann.
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Seite 12
Ergibt eine solche vorfrageweise Prüfung, dass sich die asylsuchende Per-
son auf einen potenziellen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-
gung berufen kann, ist sie im Asyl- und Wegweisungsverfahren darauf hin-
zuweisen, dass sie ein entsprechendes Bewilligungsgesuch bei der zu-
ständigen kantonalen Ausländerbehörde einzureichen hat. Ist bei der kan-
tonalen Ausländerbehörde bereits ein Verfahren um Erteilung einer Aufent-
haltsbewilligung hängig, so hat das SEM – weist es das Asylgesuch ab
oder tritt es auf dieses nicht ein – die Wegweisung nicht zu verfügen. Das
Bundesverwaltungsgericht hebt diesfalls eine vom SEM verfügte Wegwei-
sung auf (vgl. BVGE 2013/37; ebenso EMARK 2001 Nr. 21 E. 9a).
7.
7.1 Eine vorfrageweise Prüfung eines Anspruchs der Beschwerdeführerin
auf die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ergibt, dass als Anspruchs-
grundlage in erster Linie Art. 8 EMRK in Betracht zu ziehen ist, wobei dies-
bezüglich die bundesgerichtliche Rechtsprechung massgeblich ist. Diese
besagt, dass Ausländerinnen und Ausländern gestützt auf den in Art. 8
EMRK und Art. 13 BV gewährleisteten Schutz des Familienlebens ein po-
tenzieller Anspruch auf Aufenthalt in der Schweiz erwächst, wenn eine
nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung vorliegt. Zu den
Familienbeziehungen, die nach dem Bundesgericht unter den Schutz von
Art. 8 Abs. 1 EMRK fallen, gehört neben jener zwischen den Gatten auch
jene zwischen Eltern und ihren minderjährigen Kindern. Weiter muss es
sich beim in der Schweiz lebenden Familienmitglied grundsätzlich um eine
hier gefestigt anwesenheitsberechtigte Person handeln (vgl. BGE 139 I
330 E. 2.1). Von einem gefestigten Anwesenheitsrecht ist ohne weiteres
bei schweizerischer Staatsangehörigkeit auszugehen, ebenso bei einer
Niederlassungs- oder Aufenthaltsbewilligung, auf deren Verlängerung ein
Anspruch besteht (vgl. BGE 135 I 143 E. 1.3.1 m.w.H.).
7.2 Die Beschwerdeführerin hat am (...) 2021 den Schweizer Staatsange-
hörigen I._ geheiratet. Damit kann sie sich auf einen potenziellen
Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8
EMRK berufen. Sie hat damit die Möglichkeit, bei der zuständigen kanto-
nalen Behörde ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung ein-
zureichen. Es ist davon auszugehen, dass sie von dieser Möglichkeit Ge-
brauch machen wird. Diesfalls sind die Bedingungen für die Annahme ei-
nes Zuständigkeitswechsels betreffend die Anordnung der Wegweisung er-
füllt. Ob die Beschwerdeführerin sämtliche sich aus den massgeblichen
E-4042/2020
Seite 13
Bestimmungen ergebenden Voraussetzungen für die Erteilung einer Auf-
enthaltsbewilligung erfüllt, wird durch die kantonale Migrationsbehörde zu
prüfen sein.
8.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass der anerkannten konkreten
Gefährdung aufgrund des in Syrien herrschenden Bürgerkrieges mit der
Anordnung der vorläufigen Aufnahme der Beschwerdeführerin in der
Schweiz aufgrund der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs Rech-
nung getragen worden ist. Da die Wegweisungsvollzugshindernisse alter-
nativer Natur sind (vgl. Urteil des BVGer D-3839/2013 vom 28. Oktober
2015 E. 8.4.2) erübrigen sich damit weitere Ausführungen zur Zulässigkeit
und Möglichkeit des Wegweisungsvollzugs.
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung be-
treffend deren Dispositivziffern 1 und 2 (Flüchtlingseigenschaft, Asyl) Bun-
desrecht nicht verletzt und den rechtserheblichen Sachverhalt richtig sowie
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist daher ab-
zuweisen, soweit in dieser beantragt wird, es sei die Flüchtlingseigenschaft
der Beschwerdeführerin festzustellen und ihr Asyl zu gewähren. Hinsicht-
lich der von der Vorinstanz verfügten Wegweisung ist die Beschwerde auf-
grund des vorfrageweise zu bejahenden Anspruchs auf Erteilung einer Auf-
enthaltsbewilligung indessen gutzuheissen, und die entsprechende Dispo-
sitivziffer 3 der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass die Heirat der Beschwer-
deführerin mit einem Schweizer Staatsangehörigen nach der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung stattgefunden hat. Die angeordnete Wegwei-
sung durch das SEM ist demzufolge damals zu Recht erfolgt, auch wenn
sie zum heutigen Zeitpunkt (mangels Zuständigkeit der Asylbehörden) auf-
zuheben ist.
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10.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens und die Parteientschädigung
sind der Beschwerdeführerin grundsätzlich nach dem Verhältnis von Ob-
siegen und Unterliegen aufzuerlegen beziehungsweise zuzusprechen
(Art. 63 Abs. 1 und Art. 64 Abs. 1 VwVG). Sie ist bezüglich ihrer Anträge
auf Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und Asylgewährung unterle-
gen. Bezüglich der Verfügung der Wegweisung hat sie obsiegt. Praxisge-
mäss wird dies als hälftiges Obsiegen gewertet.
10.2 Angesichts des Verfahrensausgangs wären die reduzierten Kosten
der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da mit Zwi-
schenverfügung vom 4. September 2020 jedoch die unentgeltliche Pro-
zessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG gewährt wurde und seither keine
Verbesserung der finanziellen Verhältnisse ersichtlich ist, sind keine Ver-
fahrenskosten zu erheben.
10.3 Die Beschwerdeführerin wäre grundsätzlich im Umfang ihres Obsie-
gens – hier also hälftig – für die ihr erwachsenen notwendigen Kosten zu
entschädigen (Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 ff. des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Vorliegend ist jedoch kein Auf-
wand erkennbar, welcher für die Gutheissung der Beschwerde notwendig
war, da ausser der Mandatsanzeige vom 14. September 2020 und dem mit
der Stellungnahme vom 28. September 2020 verbundenen Aktenstudium
kein Aufwand erwachsen zu sein scheint. Von der Ausrichtung einer Par-
teientschädigung ist demnach abzusehen.
10.4 Mit Zwischenverfügung vom 21. September 2020 wurde überdies
MLaw Janine Hess als amtliche Rechtsbeiständin der Beschwerdeführerin
beigeordnet. Ihr ist deshalb ein amtliches Honorar zu entrichten. Die Be-
schwerdeführerin reichte keine Kostennote zu den Akten. Auf eine Nach-
forderung derselben kann vorliegend jedoch verzichtet werden, da sich der
notwendige Vertretungsaufwand zuverlässig abschätzen lässt. Zu berück-
sichtigen ist hierbei, dass die Beschwerdeführerin die Beschwerdeschrift
vom 12. August 2020 selber verfasst hat und sich der Vertretungsaufwand
daher auf die Mandatsanzeige vom 14. September 2020 sowie die Stel-
lungnahme vom 28. September 2020 beschränkt. Unter Berücksichtigung
der massgebenden Berechnungsfaktoren (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2
VGKE) ist der Rechtsbeiständin ein amtliches Honorar in Höhe von
Fr. 225.– (inkl. Auslagen) zulasten des Bundesverwaltungsgerichts auszu-
richten.
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