Decision ID: 0f70b702-e04d-4d1e-9962-7c2dd2776e2e
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 29. November 2011 (DG110242)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 10. Ju-
ni 2012 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 12).
Urteil der Vorinstanz:
1. Auf die Anklage wird nicht eingetreten, soweit der rechtswidrige Aufenthalt
der Beschuldigten vom 14. September 2010 bis 7. Dezember 2010 ange-
klagt ist.
2. Die Beschuldigte ist schuldig
- der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g in Verbindung mit Abs. 2 lit. a so-
wie
- der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz im Sinne von Art. 115
Abs. 1 lit. b AuG.
3. Der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 1. Abteilung, vom 8. September
2009 wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die Betäu-
bungsmittel gewährte teilbedingte Strafvollzug wird widerrufen und der
Strafanteil von 18 Monaten vollzogen.
4. Die Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 81 Ta-
ge durch Haft erstanden sind). Es wird davon Vormerk genommen, dass
sich die Beschuldigte seit dem 20. Juni 2011 im vorzeitigen Strafvollzug be-
findet.
5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
6. Die mit Verfügung vom 14. Juli 2011 der Staatsanwaltschaft II des Kantons
Zürich beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse unter der Sach-
kautionsnummer ... deponierten Mobiltelefone "Nokia" IMEI-Nr. ... und "No-
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kia" IMEI-Nr. ... werden der Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung überlas-
sen.
7. Das mit Verfügung vom 14. Juli 2011 der Staatsanwaltschaft II des Kantons
Zürich beschlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse unter der Sach-
kautionsnummer ... deponierte Notizbüchlein wird der Bezirksgerichtskasse
zur Vernichtung überlassen.
8. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz. Die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 6'162.00 Kosten Kantonspolizei
Fr. 13'982.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 4'820.00 Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (inkl. der
Kosten der amtlichen Verteidigung) werden auf die Gerichtskasse genom-
men.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 42 und 44)
1. Die Ziffern 2 Abs. 2 [recte: Abs. 1] und 4 seien aufzuheben.
2. A._ sei der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz im Sinne von
Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG schuldig zu sprechen.
3. A._ sei der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sin-
ne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g i.V.m. Abs. 2 lit. a BetmG frei zu sprechen.
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4. A._ sei der mehrfachen einfachen Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g schuldig zu spre-
chen.
5. Der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 1. Abteilung, vom 8. September
2009 wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz gewährten
teilbedingte Strafvollzug sei zu widerrufen und der Starfanteil von 18 Mona-
ten sei zu vollziehen.
6. A._ sei mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten zu bestra-
fen.
7. Die Verfahrenskosten seien dem Staat aufzuerlegen.
8. Die amtliche Verteidigerin sei gemäss der noch einzureichenden Honorarno-
te aus der Staatskasse zu entschädigen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
_

Erwägungen:
I.
1. a) Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich (1. Abteilung) vom 29. November
2011 wurde die Beschuldigte der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g in Verbindung mit Abs.
2 lit. a BetmG sowie der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz im Sinne von
Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG schuldig gesprochen und mit 18 Monaten Freiheitsstrafe
unbedingt bestraft. Im Weiteren wurde der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich
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vom 8. September 2009 gewährte (teil)bedingte Strafvollzug widerrufen und der
Strafanteil von 18 Monaten vollzogen. Ausserdem wurden zwei sichergestellte
Mobiltelefone und ein Notizbuch der Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung über-
lassen (Urk. 30 S. 21 f.).
b) Gegen das gleichentags mündlich eröffnete und im Dispositiv übergebene
Urteil (Prot. I S. 13) liess die Beschuldigte mit Eingabe vom 29. November 2011
fristgerecht die Berufung anmelden (Urk. 21). Das begründete Urteil wurde von
der Verteidigung am 9. März 2012 entgegengenommen (Urk. 28/1). Mit Eingabe
vom 29. März 2012 liess die Beschuldigte innert der zwanzigtägigen Frist von
Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklärung einreichen (Urk. 31). Die Staatsan-
waltschaft verzichtete auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 35).
2. a) Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung
aufschiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (Niklaus Schmid, Handbuch StPO, Zü-
rich/St. Gallen 2009, N 1557). Mit Berufungserklärung vom 29. März 2012 be-
schränkte die Beschuldigte ihre Berufung auf die Dispositivziffern 2 bis 5 (Urk.
31). Anlässlich der Berufungsverhandlung schränkte sie ihre Berufung noch wei-
ter ein; auf die Dispositivziffer 2 Abs. 2 [recte: Abs. 1] und die Dispositivziffer 4. Im
Übrigen anerkannte sie das vorinstanzliche Urteil ausdrücklich. Insbesondere
liess sie beantragen, sie sei vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g i.V.m. Abs. 2
lit. a BetmG freizusprechen; jedoch sei sie der mehrfachen einfachen Widerhand-
lung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g
schuldig zu sprechen. Sie sei mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Mo-
naten als Zusatzstrafe zum Strafmandat der Staatsanwaltschaft Baden vom
9. Juni 2011 zu bestrafen (Urk. 42 und 44).
b) Das Nichteintreten der Vorinstanz auf die Anklage bezüglich des Vorwur-
fes des rechtswidrigen Aufenthalts der Beschuldigten vom 14. September 2010
bis 7. Dezember 2010 (Dispositivziffer 1), der Schuldspruch wegen Widerhand-
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lung gegen das Ausländergesetz (Dispositivziffer 2 Abs. 2), der Widerruf (Disposi-
tivziffer 3), die Anordnung der Vernichtung von zwei beschlagnahmten Mobiltele-
fonen und eines Notizbuches (Dispositivziffern 6 und 7) sowie das Kostendisposi-
tiv (Dispositivziffern 8 und 9) blieben demzufolge unangefochten. Es ist somit vor-
ab festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 29. November
2011 bezüglich Dispositivziffern 1, 2 Abs. 2, 3 und 6 - 9 in Rechtskraft erwachsen
ist.
II.
1. Die Beschuldigte anerkannte den in der Anklageschrift vom 17. August
2011 wiedergegebenen Sachverhalt als richtig (Urk. HD 2/1 S. 3 ff.; Urk. 2/3 S. 4
ff.; 2/4 S. 2 f. und S. 5 f.; 2/5 S. 2 ff.; Urk. 18 S. 4; ND 1/1/2 S. 3 f.; Prot. I S. 7). Ihr
Geständnis deckt sich mit dem Untersuchungsergebnis, weshalb der eingeklagte
Sachverhalt erstellt ist.
2. a) Die Vorinstanz würdigte das im Anklagevorwurf I lit. a und b umschrie-
bene Verhalten der Beschuldigten als qualifizierte Widerhandlung gegen das Be-
täubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und g in Verbindung mit
Abs. 2 lit. a BetmG. Dabei machte die Vorinstanz vorab zutreffende Ausführungen
zum anwendbaren Recht. Auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen
werden (Urk. 30 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anwendbar ist somit das am 1. Juli
2011 in Kraft getretene Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psycho-
tropen Stoffe.
b) Die Beschuldigte ist geständig, in den eingeklagten Fällen gemäss Ankla-
gepunkt I lit. a Kokainverkäufe vermittelt zu haben (Urk. HD 2/1 S. 3 ff.; Urk. HD
2/3 S. 4 f. und 33 f.; Urk. HD 2/4 S. 2 und 6; Urk. HD 2/5 S. 2).
c) Wie bereits die Vorinstanz zutreffend darlegte, wurden im neuen, seit
1. Juli 2011 geltenden Betäubungsmittelgesetz die Tathandlungen inhaltlich nicht
in dem Sinne eingegrenzt, dass das Vermitteln von Betäubungsmitteln neu straf-
los bleiben würde. Der Grundtatbestand wurde nur terminologisch und strukturell
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überarbeitet. Inhaltlich wurden die Tatbestände eher weiter gefasst als einge-
grenzt (vgl. Botschaft BBl 2006 S. 8611 f.). Somit ist davon auszugehen, dass die
durch Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 aBetmG vormals erfasste Tathandlung des Vermittelns
nun unter die Tatbestandsvariante des "Verschaffens" gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c
BetmG zu subsumieren ist.
d) Anders als noch vor Vorinstanz wurde diese rechtliche Würdigung von der
(neuen) Verteidigerin der Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung
nicht mehr in Frage gestellt (Urk. 44 Ziff. 2.2).
e) Die Beschuldigte hat demnach mit den unter Anklagepunkt I lit. a um-
schriebenen Handlungen den Tatbestand gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG er-
füllt.
f) Hinsichtlich des eingeklagten Vorganges vom 19. Januar 2011 gemäss
Anklagepunkt I lit. b ist die Beschuldigte geständig, als Vermittlerin zu einem Ko-
kainhandel zwischen "B._" und einem unbekannten Abnehmer fungiert zu
haben (Urk. HD 2/4 S. 2). Allerdings kam es nicht zum Verkauf, weil der vermittel-
te Drogenabnehmer nicht genügend Geld für den Kauf des Kokains aufbringen
konnte (Urk. HD 2/3 S. 21; Urk. HD 2/4 S. 2 f. und 5 f., Urk. HD 2/5 S. 3). Gemäss
Art. 19 Abs. 1 lit. g BetmG strafbar macht, wer Anstalten trifft, einem anderen un-
befugt Betäubungsmittel zu verschaffen. Der Tatbestand des Anstaltentreffens er-
fasst sowohl den Versuch im Sinne von Art. 21 f. StGB wie auch gewisse qualifi-
zierte Vorbereitungshandlungen zu den in Art. 19 Abs. 1 lit. a-f BetmG genannten
Taten und wertet sie zu selbständigen Delikten auf (Fingerhuth/ Tschurr, Kom-
mentar Betäubungsmittelgesetz, 2. Aufl., Zürich 2007, N 93 zu Art. 19). Da der
Drogenverkauf nicht abgewickelt werden konnte, hat die Beschuldigte im Sinne
von Art. 19 Abs. 1 lit. g in Verbindung mit Abs. 1 lit. c BetmG Anstalten getroffen,
um einem anderen unbefugt Betäubungsmittel zu verschaffen.
g) Auch diese rechtliche Würdigung wird von der amtlichen Verteidigerin ge-
teilt (Urk. 44 Ziff. 2.3).
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h) Die Beschuldigte hat demnach mit den unter Anklagepunkt I lit. b um-
schriebenen Handlungen den Tatbestand gemäss Art. 19 Abs. 1 lit. c und lit. g
BetmG erfüllt.
i) Die Beschuldigte stellt indes in Abrede, dass ihre Tathandlungen als
schwerer Fall im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG zu qualifizieren seien (Urk.
44 S. 3 ff.).
j) Das von der Beschuldigten vermittelte Kokain ist einer wissenschaftlichen
Analyse nicht mehr zugänglich. Eingestanden und erstellt ist eine Bruttomenge
von insgesamt ca. 90 Gramm Kokaingemisch, welche von der Beschuldigten
vermittelt wurde (Anklagepunkt I lit. a), und von 10 Gramm Kokaingemisch, wel-
ches trotz Vermittlungshandlungen durch die Beklagte schlussendlich nicht ver-
kauft wurde (Anklagepunkt I lit. b). Zu Recht verwies die Vorinstanz diesbezüglich
auf die Praxis des Bundesgerichts, wonach in solchen Fällen, in denen keine
Reinheitsanalyse durchgeführt werden kann, nach allgemeinem Erfahrungssatz
auf einen Reinheitsgrad von 331⁄3 % abzustellen ist (unter Verweis auf Finger-
huth/Tschurr, Kommentar Betäubungsmittelgesetz, 2. Aufl., Zürich 2007, N 176 zu
Art. 19 und dortige Verweisungen). Auf diesen Durchschnittswert darf – entgegen
der Argumentation der Verteidigung (Urk. 44 S. 4) – zumindest im vorliegenden
Fall noch immer abgestellt werden, auch wenn dieser vom Bundesgericht vor
über 10 Jahren festgesetzt worden war. Nach der (im Internet greifbaren) Betäu-
bungsmittelstatistik der Gruppe Forensische Chemie der Schweizerischen Gesell-
schaft für Rechtsmedizin (SGRM), welche als tatzeitaktuelle Grundlage herange-
zogen werden kann, ergibt sich bei Kokain-Base, bei Mengen zwischen 10 und
100 g, ein Reinheitsgehalt von durchschnittlich 33% für das Jahr 2010 und 38%
für das Jahr 2011. Bei Kokain-Hydrochlorid betragen die Werte sodann 37% für
das Jahr 2010 und 41% für das Jahr 2011. Diese Durchschnittswerte liegen dem-
nach grösstenteils gar über dem höchstrichterlich festgesetzten Erfahrungssatz.
Ausgehend von letzterem vermittelte die Beschuldigte somit den Verkauf von ca.
30 Gramm reinem Kokain und versuchte den Verkauf von ca. 3,3 Gramm reinem
Kokain zu vermitteln. Für Kokain hat das Bundesgericht die Grenze zu einem
schweren Fall nach Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG bei 18 Gramm Reinsubstanz an-
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gesetzt (BGE 109 IV 145). Von diesem Wert ist auch unter der neuen Gesetzge-
bung auszugehen. Die für einen schweren Fall geforderte Kokainmenge wurde
durch die Beschuldigte somit klar überschritten. Im Übrigen ist anzumerken, dass
der schwere Fall selbst dann erreicht würde, wenn von dem von der Verteidigung
geltend gemachten durchschnittlichen Reinheitsgrad von 25% (Urk. 44 S 5 Ziff.
2.7) auszugehen wäre. Entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 44 S.
5 f. Ziff. 2.8) ist es sodann in einem Fall wie dem vorliegenden – d.h. angesichts
der zweimaligen Vermittlung von einer jeweils beachtlichen Menge von 40 bzw.
50 Gramm Kokain – zulässig, auf Durchschnittswerte und nicht auf Minimalwerte
abzustellen (vgl. Bundesgerichtsurteil 6B_892/2010, E. 1.4., vom 22. Dezember
2010).
Unerheblich ist sodann, ob der Täter die Betäubungsmittel in einer einzigen
grossen Portion oder in vielen kleinen Teilmengen, bzw. ob er sie gestützt auf ei-
nen einzigen oder mehrere Willensentschlüsse vermittelt bzw. verschafft. Ent-
scheidend ist allein, dass sich die Handlungen insgesamt auf eine Menge von Be-
täubungsmitteln beziehen, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr
bringen kann (Fingerhuth/Tschurr, Kommentar Betäubungsmittelgesetz, 2. Aufl.,
Zürich 2007, N 158 zu Art. 19). Das Bundesgericht hielt in BGE 114 IV 164 fest,
dass wenn durch mehrere Handlungen insgesamt eine Betäubungsmittelmenge
umgesetzt wird, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann,
ein schwerer Fall auch dann gegeben ist, wenn zwischen den einzelnen Geschäf-
ten nicht Fortsetzungs-, sondern Wiederholungszusammenhang besteht. Dabei
handelt es sich allerdings, anders als bei fortgesetzter Begehung, nicht um einen
schweren Fall im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG, sondern um einen in der
beispielhaften Aufzählung in Art. 19 Ziff. 2 aBetmG – bzw. neu: Art. 19 Abs. 2
BetmG – nicht ausdrücklich geregelten schweren Fall.
j) Die Beschuldigte ist aufgrund obiger Ausführungen somit der qualifizierten
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs 1
lit. c und g in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 BetmG schuldig zu sprechen.
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III.
1. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung  dargelegt. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden kann vorab auf
die entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen verwie-
sen werden (Urk. 30 S. 12 f.).
2. a) Bei der objektiven Tatschwere bezüglich der qualifizierten Widerhand-
lung gegen das Betäubungsmittelgesetz ist zu berücksichtigen, dass im breiten
Spektrum eines schweren Falles im Sinne von Art. 19 Abs. 2 BetmG die Tathand-
lungen der Beschuldigten noch am unteren Rand anzusiedeln ist. Die Beschuldig-
te beschränkte sich auf das Vermitteln bzw. Verschaffen von Bruttomengen Koka-
ingemisch von ca. 40 bzw. ca. 50 Gramm und traf bezüglich 10 Gramm Anstalten
dazu. Selber erzielte sie nur eine geringfügige Summe von Fr. 100.-- als Vermitt-
lerlohn. In der Hierarchie des Betäubungsmittelhandels ist die Beschuldigte auf
unterer Stufe anzusiedeln, zumal sie nur als Vermittlerin fungierte und keine Ent-
scheidungskompetenzen hatte. Die objektive Tatschwere wiegt deshalb noch
leicht.
b) Bezüglich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die
Beschuldigte selber nicht süchtig ist und einzig wegen des erhofften finanziellen
Gewinnes handelte. Zu ihrem Tatmotiv gab sie an, die Drogengeschäfte aus
Geldnot vermittelt zu haben. Sie sei alleinerziehende Mutter und werde nur von
der Caritas und der Kirche unterstützt (Urk. HD 2/3 S. 34; Urk. HD 2/4 S. 8). Sie
erhalte zur Bestreitung ihres Lebensunterhaltes im Asylheim Fr. 22.50 pro Tag für
sich und die Kinder (Urk. ND1 1/2 S. 3). Das Hauptmotiv der Beschuldigten, im
Drogenhandel aktiv zu werden, dürfte somit ihre schwierige finanzielle Situation
gewesen sein. Insgesamt ist die Tatschwere als noch leicht zu bezeichnen.
3. a) Die objektive Tatschwere betreffend die Widerhandlung gegen das
Ausländergesetz ist mit der Vorinstanz als gerade noch leicht zu bezeichnen, zu-
mal aufgrund des Nichteintretens auf die Anklage bezüglich der Periode vom
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14. September 2010 bis 7. Dezember 2010 nur eine relativ kurze Deliktsdauer
vom 7. Dezember 2010 bis zum Ende Februar 2011 gegeben ist, da die Beschul-
digte nach dem Vollzug einer 30-tägigen Freiheitsstrafe im Kanton Aargau direkt
nach der Entlassung aus dem Gefängnis ... am 31. März 2011 erneut verhaftet
und mit Verfügung vom 1. April 2011 des Bezirksgerichts Zürich in Untersu-
chungshaft versetzt wurde. Schliesslich verfügte die Staatsanwaltschaft II des
Kantons Zürich am 20. Juni 2011 die Bewilligung des vorzeitigen Strafvollzugs,
der seither andauert.
b) Im Rahmen der subjektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Be-
schuldigte in den Einvernahmen angegeben hat, nicht ausreisen zu können, weil
sie nicht wisse wohin und sie niemanden habe, der sie unterstützen könne (Urk.
ND1 1/2 S. 3). Diese letztlich nicht überprüfbaren Angaben zum Motiv lassen das
Tatverschulden bezüglich der Widerhandlung gegen das Ausländergesetz insge-
samt noch als eher leicht erscheinen.
4. Das Gesamtverschulden der Beschuldigten wiegt demzufolge noch leicht.
In Anbetracht der unteren Strafrahmengrenze von einem Jahr Freiheitsstrafe (Art.
19 Abs. 1 lit. c und g i.V.m. Abs. 2 lit. a BetmG) ist von einer Einsatzstrafe von
rund 14 Monaten Freiheitsstrafe auszugehen.
5. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die persönlichen Verhältnis-
se sowie das Verhalten nach der Tat und im Strafverfahren (Donatsch/Flachs-
mann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18. Aufl., Zürich 2010, N 14
zu Art. 47 mit zahlreichen Hinweisen).
a) Zu den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten hat die Vorinstanz
ausführliche und zutreffende Ausführungen gemacht, welche von der Beschuldig-
ten anlässlich der Berufungsverhandlung als im Wesentlichen unverändert bestä-
tigt wurden (Urk. 43 S. 1 ff.) Auf die entsprechenden erstinstanzlichen Erwägun-
gen kann verwiesen werden (Urk. 30 S. 16 f.).
b) Die Beschuldigte weist mehrere Vorstrafen auf (Urk. 32):
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- Das Bezirksamt Aarau verurteilte die Beschuldigte am 16. Oktober
2006 wegen Widerhandlung (rechtswidrige Einreise) gegen das BG
über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (ANAG) zu einer be-
dingten Freiheitsstrafe von 14 Tagen, unter Ansetzung einer Probezeit
von zwei Jahren.
- Der bedingt Vollzug der oben genannten Strafe wurde vom Bezirksamt
Zofingen widerrufen und die Beschuldigte wegen Widerhandlung
(rechtswidriger Aufenthalt) gegen das Ausländergesetz (AuG) mit Urteil
vom 11. September 2008 zu einer Gesamtstrafe von 30 Tagen Frei-
heitsstrafe unbedingt verurteilt.
- Mit Urteil vom 8. September 2009 verurteilte das Bezirksgericht Zürich
die Beschuldigte wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 30 Mona-
ten, wovon 12 Monaten zu vollziehen waren, unter Ansetzung einer
Probezeit für zwei Jahren. Diese Probezeit wurde mit Urteil vom Ge-
richtspräsidium Baden vom 4. Januar 2011 um ein Jahr verlängert.
- Sodann bestrafte das Bezirksamt Baden die Beschuldigte wegen Wi-
derhandlung (rechtswidriger Aufenthalt) gegen das Ausländergesetz
(AuG) mit Strafmandat vom 14. September 2010 mit einer unbedingten
Freiheitsstrafe von 30 Tagen.
- Mit Strafmandat vom 9. Juni 2011 bestrafte die Staatsanwaltschaft Ba-
den die Beschuldigte erneut wegen Widerhandlung (rechtswidriger
Aufenthalt) gegen das Ausländergesetz (AuG) mit einer Freiheitsstrafe
von 40 Tagen. Hierbei handelt es sich nicht um eine Vorstrafe im tech-
nischen Sinne, da diese Verurteilung nach den hier zu beurteilenden
Taten erging (vgl. Urk. 12). Somit ist vorliegend eine Zusatzstrafe aus-
zufällen.
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c) Die einschlägigen Vorstrafen wirken sich erheblich straferhöhend aus,
ebenso die Tatbegehung während laufender Probezeit und kurz nach der Entlas-
sung aus dem Strafvollzug.
d) Strafmindernd ist das bereits im polizeilichen Untersuchungsverfahren
abgelegte Geständnis der Beschuldigten zu berücksichtigen. Zu erwähnen ist,
dass die Beschuldigte von Anfang an die Vermittlung von Kokain eingestanden
hat, ohne dass ihr die aufgezeichneten Telefongespräche zwischen ihr und dem
Drogenhändler bzw. Drogenabnehmer vorgespielt werden mussten (Urk. HD 2/1
S. 3). Leicht strafmindernd wirken sodann die schwierigen persönlichen Lebens-
umstände der Beschuldigten.
Weiter ist der Beschuldigten eine gewisse Strafminderung aus familiären
Gründen zuzubilligen: Die Verbüssung einer Freiheitsstrafe stellt für jeden in ein
familiäres Umfeld eingebetteten Beschuldigten eine gewisse Härte dar. Als unmit-
telbare gesetzmässige Folge jeder Sanktion darf diese Konsequenz deshalb nur
unter aussergewöhnlichen Umständen berücksichtigt werden (vgl. dazu BSK
Strafrecht I - Wiprächtiger, Art. 47 N 118). Solche aussergewöhnliche Umstände
liegen hier insoweit vor, als es sich bei der Beschuldigten um eine alleinerziehen-
de Mutter zweier kleiner Kinder handelt, welche momentan bei einer Pflegefamilie
in der Schweiz untergebracht sind (vgl. Urk. 43 S. 3 und 4).
Zugunsten der Beschuldigten wirkt sich schliesslich ihre an der Berufungs-
verhandlung gezeigte Einsicht und Reue aus: So legte sie glaubhaft dar, dass sie
durch den Kontakt mit Mithäftlingen, welche Drogen genommen hätten, gesehen
habe, welchen Schaden dies ihren Körpern angerichtet habe. Dies habe in ihr
grosse Schuldgefühle ausgelöst, weshalb es ihr sehr leid tue, was sie gemacht
habe (Urk. 43 S. 5 f.)
6. Unter Berücksichtigung sämtlicher dargelegter Strafzumessungsgründe
ist die von der Vorinstanz gefällte Strafe etwas zu reduzieren. Dem Verschulden
und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten angemessen erscheint ei-
ne Freiheitsstrafe von 16 Monaten, als Zusatzstrafe zum Strafmandat der Staats-
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anwaltschaft Baden vom 9. Juni 2011. Anzurechnen sind insgesamt 512 Tage
Untersuchungshaft (Art. 51 StGB) und vorzeitiger Strafvollzug.
7. Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung, auf die vorab verwiesen
werden kann, der Beschuldigten den bedingten Strafvollzug verweigert (Urk. 30 S.
19 f.). Hervorzuheben ist, dass die Beschuldigte mit Urteil vom 8. September
2009 wegen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer teilbeding-
ten Freiheitsstrafe von 30 Monaten, wovon 18 Monate bedingt vollziehbar waren,
verurteilt wurde. Da die Beschuldigte demgemäss in den letzten fünf Jahren vor
der Tat zu einer Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten verurteilt wurde, ist
eine günstige Prognose nicht zu vermuten. Vielmehr müssen besondere Umstän-
de vorliegen, damit der Beschuldigten dennoch der bedingte Vollzug der Frei-
heitsstrafe gewährt werden kann (Art. 42 Abs. 2 StGB). Die Beschuldigte weist im
schweizerischen Strafregister vier einschlägige Vorstrafen auf. Ausserdem delin-
quierte sie kurz nach Entlassung aus dem Strafvollzug und während laufender
Probezeit erneut. Somit sind keine besonders günstigen Umstände ersichtlich.
Die Strafe ist deshalb zu vollziehen.
V.
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte un-
terliegt mit ihren Anträgen vollumfänglich, weshalb ihr die Kosten des Berufungs-
verfahrens aufzuerlegen, aufgrund ihrer misslichen finanziellen Verhältnisse aller-
dings sofort abzuschreiben sind. Auch die Kosten der amtlichen Verteidigung sind
definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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