Decision ID: 2f8bed08-50d5-425f-924c-c85665ad5daa
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983, ist verheiratet und Mutter von sechs Kindern
mit den Jahrgängen 2006, 2008, 2011, 2014, 2016 und 2017
(
Urk.
7/
10
und
Urk.
7/116
/1
)
. Sie absolvierte
2006
eine Ausbildung
zur Kleinkindererzieherin
(
Urk.
7/12/4)
und
machte sich 2012
unter
der Einzelfirma Y._
als Tagesmutter
selbständig
(
Urk.
7/13/4
,
Urk.
7/17
und
Urk.
7/21
)
. Am
2
2.
Mai 201
5 meldete sie sich unter Hinweis auf ein seit Kindheit bestehendes Asthma sowie einen Immundefekt bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an
und erklärte, die Tätigkeit als Tagesmutter stelle ein erhöhtes Risiko dar
, so dass sie diese nicht mehr ausüben könne
(
Urk.
7/13).
1.2
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation ab
und stellte
X._
am 1
5.
September 2016
die Ausrichtung einer befristeten
Viertel
s
rente
von April bis Oktober 2016 in Aussicht
(
Urk.
7/51)
. Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
7/59
,
Urk.
7/64 sowie
Urk.
7/68)
holte die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gutachten bei der
Z._
ein
(
Urk.
7/91 mit Ergänzung
vom 2
8.
Mai 2017,
Urk.
7/95)
und erliess am 1
9.
Juni 2018 einen neuen Vorbescheid
(
Urk.
7/
114
)
. Nach durchgeführtem
Einwandverfahren
(
Urk.
7/116
und
Urk.
7/119
)
verfügte
di
e IV-Stelle
am
2
3.
Mai 2019
, dass
die Versicherte
ab
1.
Januar 2018
bei einem Invaliditätsgrad von 46
,
32
%
Anspruch auf eine
Viertel
s
rente
habe
(
Urk.
2).
2.
X._
erhob am
1
8.
Juni 2019
Beschwerde gegen die r
entenzuspre
chende
Verfügung und beantragte, diese sei
abzuändern
und es sei ihr vom
1.
November 2015 bis
3
0.
September 2016 eine ganze Invalidenrente, vom
1.
Oktober 2016 bis 3
1.
Dezember 2017 eine
Viertel
s
rente
und ab dem
1.
Januar 2018 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Der Beschwerde legte sie einen Bericht des Spitals
A._
vom 1
1.
Juni 2019 (
Urk.
3/2) sowie Unter
lagen zur Einkommenssituation (
Urk.
3/3, 3/4)
bei
.
Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juli 2019 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3
1.
Jul
i 2019 zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs
nach
Art.
29
Abs.
1 ATSG (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
1.4
Die Invalidität wird bei Personen mit einer vollen Erwerbstätigkeit nach der Ein
kommensmethode im Sinne von
Art.
16 ATSG bemessen (
Art.
28a
Abs.
1 ATSG), bei Personen mit einer teilweisen Erwerbstätigkeit und einem Aufgabenbereich nach der gemischten Methode im Sinne von
Art.
28a
Abs.
3 IVG.
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung
vom 2
3.
Mai 2019
(
Urk.
2)
erwog die Beschwer
degegnerin,
aus
dem eingeholten Gutachten ergebe sich
i
m Zeitpunkt des frü
hestmöglichen Rentenbeginns am
1.
November 2015 in einer angepassten Tätig
keit eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
. Die Qualifikation sei
gestützt
auf
die
Empfehlung des Verbands «Tagesfamilien Schweiz»
auf 67
%
Erwerbstätigkeit und 33
%
Haushaltstätigkeit festzulegen
.
Eine vollständige Erwerbstätigkeit
im Gesundheitsfall
sei hingegen nicht nachvollziehbar. Der Einkommensvergleich im Erwerbsbereich basiere auf statistischen Werten, wobei der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätigkeit in einem Pensum von 50
%
zumutbar sei. Dabei seien atemwegsreizende Stoffe sowie Kälte, Nässe, starke Temperaturschwankungen
und
Publikumsverkehr zu vermeiden. Im Haushaltsbereich bestehe eine Ein
schränkung von 8,4
%
. Für das Jahr 2015 resultiere ein Invaliditätsgrad von 34,9
%
, was zu keinem Rentenanspruch führe. Ab
1.
Januar 2018 werde der Invaliditätsgrad aufgrund neuer Rechtsprechung
(richtig:
der
neue
n
Verord
nungsbestimmung)
bei gemischter Methode
neu berechnet und es erg
e
be sich ein Invaliditätsgrad von 46,32
%
.
Entgegen der Einschätzung im ersten Vorbescheid bestehe im Jahr 2016 keine vollständige Arbeitsunfähigkeit, sondern gestützt auf das Gutachten eine lückenlose Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
Damit habe die Beschwerdeführerin ab
1.
Januar 2018 Anspruch auf Ausrichtung einer
Viertel
s
rente
(
Urk.
2 S. 5).
2.2
Die Beschwerdeführerin
beanstandete in ihrer Beschwerde vom 1
8.
Juni 2019
,
von der Beschwerdegegnerin
sei
nicht berücksichtigt worden, dass sich ihr Gesundheitszustand ab März 2015 drastisch verschlechtert hatte, so dass bis Juli 2016, wahrscheinlich sogar bis Oktober 2016
auch in einer Verweistätigkeit
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Zudem liege der Berechnung des Erwerbsunfähigkeitsgrades eine falsche Gewichtung ihrer Erwerbstätigkeit zugrunde. Einig seien sich die Parteien, dass die angestammte Tätigkeit als Klein
kindererzieherin seit November 2013 nicht mehr zumutbar
,
dass
eine leidensan
gepasste Tätigkeit hingegen medizinisch-theoretisch in einem Pensum von 50
%
möglich sei
(
Urk.
1 S. 4)
.
Ursprünglich
seien sich die Parteien einig gewesen, dass die Beschwerdeführerin von März 2015 bis Juli 2016 auch in einer angepassten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig gewesen sei. Aufgrund der Aktenlage sei nicht nachvollziehbar, wieso die Beschwerdegegnerin nun ihre Meinung im Vergleich zum ersten Vor
bescheid im September 2016 geändert habe
und auch für diese Zeitspanne von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit
ausgehe,
zumal die Gutachter der
Z._
dazu nicht Stellung genommen hätten. Die Rückfrage an die Gutachter basiere auf einer
Fehlinterpretation der Akten durch die Beschwerdegegnerin, so dass aus deren Antwort deutlich werde, dass sie durch die falsche Behauptung einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
verwirrt worden seien (
Urk.
1 S. 5-6). In Übereinstim
mung mit der ursprünglichen Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) sei zumindest bis und mit Juli 2016 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit aufgrund des Spitalaufenthaltes infolge Lungenembolie ausgewiesen
(
Urk.
1 S. 6-7)
.
Weiter führte die Beschwerdeführerin aus, dass sie bei guter Gesundheit in einem Pensum von 80 bis 100
%
arbeiten würde. Die Argumentation der Beschwerde
gegnerin, angesichts der Betreuung der eigenen Kinder und ihres Erwerbsverlau
fes sei eine Vollzeiterwerbstätigkeit nicht nachvollziehbar, halte einer näheren Betrachtungsweise nicht stand und sei überdies diskriminierend (
Urk.
1 S. 7). Die Beschwerdeführerin leide schon seit Kindheit an rezidivierenden Infekten der oberen Atemwege und
habe
immer wieder krankheitsbedingt
beruflich pausieren und kürzer
treten
müssen
. Die Akten würden belegen, dass sie schon immer trotz eigener Kinder und trotz Gesundheitsschaden um Arbeit in einem Pensum von 80 bis 100
%
bemüht
gewesen sei
. Lege man die in Rechnung
gestellten Beträge von
Fr.
120.--
pro Kind und Tag zugrunde, ergebe dies ein Einkommen von
Fr.
57'600.--, was einem Arbeitspensum von 87
%
entspreche, wenn dies mit dem von der Beschwerdegegnerin angenommenen Einkommen von
Fr.
44'239.70 für ein Pensum von 67
%
verglichen werde (
Urk.
1 S. 8).
Die Beschwerdeführerin kam zum Schluss, dass aufgrund dieser Ausführungen
bei Rentenbeginn im
November 2015 bis Ju
n
i 2015
(richtig: 2016)
ein Invalidi
tätsgrad von 81,68
%
resultiere; von Juli 2015
(richtig: 2016)
bis Dezember 2017 ein
Invaliditätsgrad
von 47,23
%
und ab Januar 2018 unter Berücksichtigung der neuen Berechnungsmethode ein solcher von 53,78
%
resultiere
(
Urk.
1 S. 9-10).
Mithin habe sie vom
1.
November 2015 bis 3
0.
September 2016 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, vom
1.
Oktober 2016 bis 3
1.
Dezember 2017 auf eine
Viertelsrente
und ab
1.
Januar 2018 auf eine halbe Invalidenrente (
Urk.
1 S. 2).
2.3
In der Beschwerdeantwort
vom 2
6.
Juli 2019 führte die Beschwerde
gegnerin
aus, dass vor dem
1.
Januar 2018 gestützt auf die alte Berechnu
ngsmethode und das Gutachten der
Z._
ein Invaliditätsgrad von weniger als 40
%
resultiere. Im Gutachten sei der Beschwerdeführerin eine durchschnittliche Arbeitsunfähig
keit von 50
%
seit Juni 2012 attestiert worden.
Die
von der Beschwerdeführerin
angerufenen
Berichte
würden zwar eine 80%ige Leistungsunfähigkeit bescheini
gen,
dennoch
könne
auf das Gutachten abgestellt werden, da es sich um eine andere Einschätzung des Gesundheitszustandes für denselben Zeitraum handle und einem Gutachten ein höherer Beweiswert zukomme.
Die Rückfrage sei von den Gutachtern
überdies ausdrücklich dahingehend beantwortet worden, dass keine Veränderung des Gesundheitszustandes eingetreten
sei
.
Hinsichtlich des
Valideneinkommens
habe sich die Beschwerdegegnerin überdies zugunsten der Beschwerdeführerin nicht auf das tiefere Einkommen gemäss IK-Auszug gestützt, sondern auf den Tabellenlohn für Betreuungsberufe abgestellt. Bezüglich der Qualifikation sei nicht von einer höher gewichteten Erwerbstätigkeit auszugehen (
Urk.
6).
2.4
Strittig ist zunächst
der
Verlauf der Arbeitsfähigkeit bis zum
erstmöglichen
Anspruchsbeginn
am
1.
November 2015 und hernach bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung am 2
6.
Juli 201
9.
Zu prüfen ist im Weiteren
die Gewichtung de
s
Erwerbs
-
und
Aufgaben
bereich
s sowie
das dem Erwerbsbereich
zugrunde
lie
gende
Valideneinkommen
.
3.
3.1
Mit Bericht vom 1
1.
April 2015 informierte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Medizinische Onkologie am Spital
A._
, über den Verlauf der hämatologischen Sprechstunde (
Urk.
7/18/5-7)
. Als
Diagnose
n nannte er
- gekürzt wiedergegeben -
eine venöse vollständige
Thrombophilie
-Abklärung unter Antikoagulation mit
R
i
varoxaban
(mit noch ausstehender abschliessenden Beurteilung, vgl. auch Bericht vom 1
1.
Juni 2015 in
Urk.
7/25)
, ein
en
Verdacht auf Immundefizienz-Syndrom sowie
eine
allergische Diathese und Asthma bronchiale. Die seit Kindesalter auftretenden Infektionen der oberen Luftwege hätten sich in den letzten Jahren akzentuiert und seien mehrmals jähr
lich antibiotikapflichtig gewesen. Anfang März sei die Beschwerdeführerin zudem aufgrund einer Pneumokokken-Pneumonie im Spital
A._
hospitalisiert
gewesen
.
Dr.
B._
etablierte eine Immunglobulin-Substitution und legte am 1
1.
Juni 2015 dar, dass zu den Zeiten eines floriden Infektes eine verminderte Leistungsfähigkeit und rasche Ermüdbarkeit bestünden. Ansonsten könne die Tätigkeit in normalem Ausmass ausgeübt werden (
Urk.
7/25/3).
Am 3
0.
Jul
i 2015
berichtete
Dr.
B._
de
m
Hausarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Innere Medizin,
über die
fünfte Schwangerschaft der Beschwerdeführerin. Seit seinem letzten Bericht würden monatliche
Privigen
-Infusionen vorgenommen, dadurch habe die Beschwerdeführerin deutlich weniger Infekte und fühle sich generell besser (
Urk.
7/27/13-1
4
).
3.2
Im Bericht vom
1
4.
Juli 2015
stellte
med.
pract
.
D._
, L
eitender Arzt Medizin des Spitals
A._
,
der die Beschwerdeführerin seit Dezember 2014
in seiner Lungensprechstunde
behandelte,
folgende Diagnose
n
(
Urk.
7/27/8):
-
Schwer kontrollierbares, wahrscheinlich gemischtförmiges Asthma bronchiale mit/bei
-
Status nach Pneumokokken Pneumonie links parakardinal (März 2015)
-
Status nach segmentalen Lungenembolien (April 2015)
-
Verdacht auf
Immundefizienzsyndrom
bei
IgG
Subklassenmangel
Der Krankheitsverlauf bei der Beschwerdeführerin sei recht dramatisch
. D
ie Asthmasituation
sei
unter maximaler antiinflammatorischer und
bronchodilata
torischer
Therapie kaum zu kontrollieren
.
Im Formularbericht vom
9.
Dezember 2015
hielt
med.
pract
.
D._
fest,
dass
der Verlauf der Asthmaerkrankung nicht vorhersagbar sei (
Urk.
7/27/6-7). Derzeit bestehe aufgrund
von Krankheit und
Schwangerschaft eine Arbeitsunfähigkeit. Die bisherige Tätigkeit als Tagesmutter sei
bei bekanntem Asthma bronchiale
auf
grund der erhöhten Infektanfälligkeit nicht mehr zumutbar. Die Beschwerdefüh
rerin erhalte derzeit regelmässige Immunglobulin-Infusionen und führe die hoch
dosierte Asthmatherapie unverändert fort. Der Verlauf der Schwangerschaft
und Entbindung
müsse abgewartet werden, bevor Angaben zu einer Verweistätigkeit getroffen werden könnten.
3.3
Im
Bericht vom
4.
Mai 2016
führte
Dr.
B._
aus
, dass nach erfolgten Abklä
rungen nun die Diagnose eines Anti-Phospholipid-Antikörper-Syndroms fest
stehe (
Urk.
7/42/
5
). Daneben bestehe weiterhin der Verdacht
auf ein Immundefizienz-Syndrom
(
Urk.
7/42/4)
.
A
m 2
0.
Juli 2016
beschrieb er
de
n
Gesundheitszustand
als
stationär. Die erste Therapie mit Marcoumar habe die Beschwerdeführerin sehr schlecht vertragen, nun sei auf Xarelto gewechselt worden. Die rezidivierenden Infektionen würden sich seit Juni 2012 auf den HNO-Trakt und die oberen Luftwege konzentrieren
(
Urk.
7/42/7)
. Unter der intravenösen Abgabe von
Privigen
zwischen Juni 2015 und März 2016 sei es zu einer deutlichen Verringerung der antibiotikapflichtigen Infekte gekommen. Aufgrund mehrerer klinischer Episoden von aseptischer Meningitis
habe
mit
Privigen
vorübergehend pausiert werden
müssen
. In der Tätigkeit als Tagesmutter bestehe gemäss
Dr.
B._
beim aktuellen Krankheits
bild mit dauerhafter Antikoagulation, rascher Ermüdbarkeit, vermehrter Infekt
anfälligkeit und rezidivierenden Kopfschmerzen keine Arbeitsfähigkeit. Er sehe neben der Versorgung ihrer eigenen fünf Kinder symptombedingt keine Möglich
keit für eine weitere ausserhäusliche Tätigkeit (
Urk.
7/42/8).
3.4
Gemäss Bericht vom
2
5.
Juli 2016
von
med.
pract
.
D._
habe
sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bei schwer kontrollierbarem
Instrinsic
Asthma bronchiale verschlechtert (
Urk.
7/43/4-5).
Durch die offensicht
liche Immunschwäche mit damit einhergehender erheblicher Infektanfälligkeit sei sie
deutlich eingeschränkt. Das Asthma werde hierdurch negativ beeinflusst im Sinne sehr häufiger Exazerbationen, welche die Beschwerdeführerin selbständig mit
Kortikosteroidstössen
behandle. In der Tätigkeit
als Tagesmutter
bestehe der
zeit
wegen der erheblichen
Infektsituation
ein aufgehobenes Leistungsvermögen. Vorstellbar sei allenfalls eine sitzende Tät
igkeit in möglichst
infektfreiem
Milieu, dabei sei die Leistungsfähigkeit um
etwa
80
%
vermindert
. Die Prognose hinsicht
lich des hereditären Immundefizienz-Syndroms sei unter Berücksichtigung der wahrscheinlich lebenslang notwendigen Infusionstherapie eher ungünstig.
3.5
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1
9.
August 2016, dass der Gesundheitszustand stationär sei
beziehungsweise
sich unter Therapie verbessert habe, wobei die Therapie habe umgestellt werden müs
sen
(
Urk.
7/45/4-5)
.
Aktuell erlebe die Beschwerdeführerin trotz der
Pausierung
der Immunglobuline eine stabile Zeit, da sie in den Sommermonaten weniger durch Infekte gefährdet sei.
Die Tätigkeit als Tagesmutter könne die Beschwerde
führerin nicht mehr ausüben.
Eine angepasste Tätigkeit würde darin bestehen, dass die Beschwerdeführerin etwa in einem Büro arbeiten könne, möglichst ohne Klimaanlage und
mit
möglichst wenig Kontakt zu anderen Leuten. Eine solche Arbeit sei
möglicherweise
zu 50 bis 70
%
durchführbar
, die Leistungsfähigkeit sei um 20 bis 50
%
vermindert
. Die Beschwerdeführerin werde immer eine medika
mentöse Therapie aufgrund des Anti-Phospholipid-Antikörper-Syndroms benöti
gen. Sollte es möglich sein, die Infektanfälligkeit mittels Infusionen und Spritzen in den Griff zu bekommen, bestehe die Möglichkeit, dass die Beschwerdeführerin eine deutlich bessere Lebensqualität erhalte, in dem sie auch wieder «mehr unter die Leute» gehen könne.
3.6
Am 1
6.
August 2016
hielt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Innere Medizin
,
vom RAD
aufgrund seiner Aktenbeurteilung
fest, dass gemäss Bericht von
med.
pract
.
D._
vom 2
5.
Juli 2016 für eine adaptierte Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
bestehe
, was plausibel sei
(
Urk.
7/49/5).
Die Beschwerdeführerin machte daraufhin in ihrem Einwand vom 2
6.
September 2016 gegen den Vorbescheid
vom 1
5.
September 2016
betreffend Ausrichtung einer befristeten
Viertelsrente
(
Urk.
7/51)
geltend, dass der RAD
-Arzt
die Aussage von
med.
pract
.
D._
falsch interpretiert habe, da dieser von einer Vermin
derung der Leistungsfähigkeit um 80
%
gesprochen habe (
Urk.
7/59/2).
Dies bestätigte med.
pract
.
D._
in seinem Schreiben vom 1
7.
Oktober 2016 und
ergänzte
, dass eine dauerhafte Stabilisierung derzeit trotz aller therapeutischen Massnahmen nicht absehbar sei (
Urk.
7/64).
Dr.
B._
bestätigte
am 2
1.
Oktober 2016
seinen Standpunkt,
aufgrund der wiederkehrenden Infekte und der laufenden Therapie könne
die Beschwerdefüh
rerin
aus seiner Sicht
derzeit
k
einer geregelten ausserhäuslichen Tätigkeit nach
gehen (
Urk.
7/68).
3.7
Der RAD-Arzt
Dr.
F._
erachtete
am
2.
November 2016
eine Begutachtung für angezeigt
, da eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
bei rezidivie
renden Infekten und massiven Kopfschmerzen
bezugnehmend auf die Eingabe von
Dr.
B._
vom 2
1.
Oktober 2016 plausibel sei
(
Urk.
7/112/2).
3.8
3.8.1
Am
4.
April 2017 erstatteten
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Lungenkrankheiten, und
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Onkologie,
gestützt auf die
Vorakten
(
Urk.
7/91/6-12
, vgl. auch
Urk.
7/90/1-56
) und die eigenen Untersuchungen vom
6.
und 1
5.
Februar 2
0
17
das
polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
7/91
/1-4
).
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
nannten
die Gutachter als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein IgG-2-Subklassenmangel-Syndrom sowie eine allergische Diathese und ein Asthma bronchiale. Ohne Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
blieben der Status nach Pneumok
okken-Pneumonie 2015
und Lungenembolie 2015 sowie das
Antiphospholipid
-Antikörper-Syndrom (
Urk.
7/91/33-34). Die Beschwerdeführerin befinde sich bezüglich ihrer
Leiden in kompetenter Behandlung und aktuell finde eine pneumologische Auf
arbeitung mit anschliessender Therapieanpassung statt. Es könne deswegen derzeit nicht von einer stabilen medizinischen Situation ausgegangen werden und d
ie weitere
n
Therapie
n
sollte
n
abgewartet werden (
Urk.
7/91/35).
Dazu führten die
Gutachter aus, dass die diagnostische Situation unklar sei (
Urk.
7/91/36). Es handle sich um eine ursächlich nicht eindeutig geklärte, aber ernst zu nehmende Grunderkrankung, welche bereits zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität der Beschwerdeführerin mit potentiell lebens
be
drohlichen Folgen geführt habe (
Urk.
7/91/37-38).
Aufgrund des IgG-2-Subklas
senmangel-Syndroms und der Klinik der rezidivierenden Infekte des Respira
tionstraktes bestehe im Beruf als Tagesmutter seit November 2013 eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit.
Die von
Dr.
B._
postulierte Arbeitsunfähig
keit von 20
%
sei schwierig nachzuvollziehen.
Der berufliche Kontakt mit Perso
nen sei wegen der Ansteckungsgefahr unmöglich. In einer optimal adaptierten Tätigkeit bestehe theoretisch eine verwertbare Arbeitsfähigkeit. Dabei seien Tätigkeiten mit atemwegsreizenden Stoffen oder in andauernder Kälte, Nässe oder mit grossen Temperaturschwankungen zu vermeiden. Ebenso seien Tätigkeiten mit häufigem
Personenkontakt nicht geeignet, so dass beispielsweise eine Tätigkeit im Home Office durchaus denkbar sei. Eine adaptierte Tätigkeit sei in einem Pensum von 50
%
zumutbar (
Urk.
7/91/
36,
Urk.
7/91/
38-39).
3.8.2
Aus pneumologischer Sicht nahm
Dr.
H._
zu den Themenkreisen Asthma bron
chiale, Lungenembolie und Pneumokokken-Pneumonie Stellung.
Er teile die Ein
schätzung von med.
pract
.
D._
hinsichtlich des Vorliegens eines nicht kontrollierten Asthma bronchiale nicht. Ein stark
infektgetriggertes
Asthma bron
chiale, zusätzlich verschärft bei bestehender Immundefizienz, würde über einen Zeitraum von 30 Jahren ohne
topische
antiinflammatorische Therapie zu einer zunehmenden obstruktiven Ventilationsstörung mit Tendenz zur Fixierung füh
ren. Aufgrund von Normbefunden könne die Diagnose eines Asthma bronchiale
objektiv
nicht gestellt werden. Die gesamte Klinik sei jedoch im Rahmen des Immundefizienz-Syndroms (IgG-2-Subklassenmangel) gut einzuordnen. Ob es sich aktuell um eine protrahiert chronifizierende Infektion der Atemwege oder um repetitive jeweils neue Infekte handle, sei derzeit Gegenstand der aktuell pneumologischen Behandlung im
Spital J._
(
Urk.
7/91/
21-
22).
Entsprechend diagnostizierte
Dr.
H._
das IgG-2-Subklassenmangel-Syndrom mit rezidivierenden Infekten
des Respirationstraktes
der
oberen und unteren
Atem
wege sowie als Differenzialdiagnose de
n
anamnestische
n
Verdacht auf Asthma bronchiale (
Urk.
7/91/23).
In der angestammten Tätigkeit bescheinigte er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit November 201
3.
Aus pneumologischer Sicht
seien Tätigkeiten mit atemwegsreizenden Stoffen oder in andauernder Kälte, Nässe und grossen Temperaturschwankungen sowie mit häufigem Personenkon
takt zu vermeiden. E
ine Tätigkeit im Home Office
sei durchaus denkbar
und zu 50
%
zumutbar. Die diagnostische Situation sei noch unklar, womit von einer instabilen medizinischen Situation gesprochen werden müsse. Es sei durchaus denkbar, dass nach optimaler Therapie in einer adaptierten Tätigkeit eine höhere Arbeitsfähigkeit realisierbar sei. Die Prognose sei abhängig von der
Infektkon
trolle
und der neu vorgesehenen Therapie mit
Cuvitru
(
Urk.
7/91/24).
3.8.3
Z
u den Themen Immundefizienz-Syndrom und
Antiphospholipid
-Antikörper-Syndrom
äusserte sich
der Onkologe
Dr.
I._
.
Er schilderte den Krankheitsver
lauf der Beschwerdeführerin insbesondere seit Juni 2012 und fasste zusammen, dass bisher sämtliche immunologischen und infektiologischen Therapien nur zu einer insuffizienten Stabilisierung der chronischen
Infektsituation
geführt hätten. Dadurch fühle sich die Beschwerdeführerin gleichermassen enttäuscht wie auch geschwächt.
Sie habe anamnestisch glaubhaft von einem praktisch permanenten
Husten mit Auswurf, Atemnot, regelmässigen Fieberschüben und Nachtschweiss
episoden sowie einer ausgeprägten Erschöpfung berichtet (
Urk.
7/91/
26-
28).
Der klinische Ursprung der Beschwerden liege wohl bereits im Kindesalter der Beschwerdeführerin und habe sich seit
etwa
Mitte des Jahres 2012 deutlich
exazerbiert
. Seither sei sie durch chronische Infekte der oberen und unteren Atemwege praktisch monatlich geplagt
. Aufgrund der meist mit Antibiotika zu behandelnden Infekten erfahre die Beschwerdeführerin eine deutliche Einschrän
kung ihrer Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Ihr Alltag sei geprägt von star
kem, quälendem Husten, Atemnot, allgemeiner Erschöpfung, Fieberschüben sowie Nachtschweiss und Schüttelfrostepisoden und
sogar
von
Hospitalisationen zur intravenösen antibiotischen Therapie und medizinischen Überwachung (
Urk.
7/91/
30-
31). Die angestammte Tätigkeit sei seit Juni 2012 darum nur noch eingeschränkt möglich, was sich mit der Aktenlage decke.
Dr.
I._
attestierte der Beschwerdeführerin seit Juni 2012 im Rahmen der schweren Immundefizienz bis auf weiteres eine lückenlose Arbeitsunfähigkeit von 50
%
, respektive eine maximale Arbeitsfähigkeit von 50
%
(
Urk.
7/91/31). Unter verbesserter Immunkompetenz im Rahmen einer effizienteren und gleich
zeitig aber auch besser tolerablen krankheitsmodulierenden Dauertherapie wie auch unter der Voraussetzung der Vermeidung auslösender Krankheitsfaktoren am Arbeitsplatz
(Umfeld mit kontagiösen Mitmenschen, Feuchtigkeit, Nässe, die Atemwege reizende Dämpfe)
müsste sich laut
Dr.
I._
theoretisch eine deutliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erzielen lassen. Er machte aber auch deutlich, dass es sich aktuell noch um eine ur
s
ächlich nicht eindeutig
geklärte, aber ernst zu nehmende Grunderkrankung handle, welche bereits zu einer erheblichen Ein
schränkung der Lebensqualität mit potentiell lebensbedrohlichen Folgen geführt habe. Die Wiederaufnahme der Selbständigkeit als Kleinkindererzieherin erschien
Dr.
I._
deswegen zum aktuellen Zeitpunkt praktisch unmöglich (
Urk.
7/91/32).
3.8.4
Die Beschwerdeführerin
erkundig
t
e sich
am 1
5.
März 2017 bei der Beschwerde
gegnerin, wieso sie von einem Onkologen und nicht einem Hämatologen begut
achtet worden sei (
Urk.
7/84). Der ärztliche Leiter der
Z._
,
Dr.
G._
,
erläuterte
am 2
4.
März 2017
laut Telefonnotiz
der Beschwerdegeg
nerin, dass es aus seiner Sicht nicht noch einen Hämatologen brauchen würde, da alle drei Gutachter zum Schluss gekommen seien, dass die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig sei
und eine zusätzliche Untersuchung keine neuen Erkenntnisse bezüglich der Arbeitsunfähigkeit hervorbringen würde (
Urk.
7/87
vgl. auch Anmerkungen im Gutachten in
Urk.
7/91/6
,
Urk.
7/91/13
sowie
Urk.
7/91/38
).
Bei einer Verlaufsbegutachtung sei es aber sicherlich sinnvoll, eine hämatologische und nicht
eine
onkologische Beurteilung einzuholen (
Urk.
7/91/38).
3.9
Am 2
6.
April 2017
bestätigte
Dr.
F._
vom RAD gestützt auf das Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
seit Juni 2012
. Die zeitliche Einordnung der Arbeitsfähigkeit sei von den Gutachtern klar herausgearbeitet worden, weshalb kaum von einer Verschlechterung gesprochen werden könne; vielmehr werde sich der Gesundheitszustand langfristig am ehesten nicht wesentlich ändern (
Urk.
7/112/3).
Dr.
F._
st
ellte dennoch die Rückfrage an die Gutachter, ob es sich um eine andere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eines im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustandes handle
,
da der RAD
am 1
6.
August 2016 (vorstehend E. 3.6)
basierend auf de
m
Bericht von
med.
pract
.
D._
zunächst von einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
ausgegangen sei (
Urk.
7/92 und
7/112/4).
In Beantwortung dieser Frage
legten
die Gutachter am
2
8.
Mai 2017
(Urk. 7/95/2)
d
ar
,
dass
a
us der Antwort von med.
pract
.
D._
nicht ersichtlich
sei
,
ob
es sich um eine Arbeitsfähigkeit oder Arbeitsunfähigkeit von 80
%
handle. Entspre
chend sei es ebenso wenig möglich, die vom RAD angegebene Arbeitsfähigkeit von 80
%
als korrekt zu werten. Zudem bestehe eine Diskrepanz zwischen der am 2
5.
Juli 2016 attestierten Arbeitsfähigkeit
in einer leiden
s
angepassten Tätigkeit
von 80
%
sowie derjenigen von 50
%
am 1
5.
Februar 2017
(kein Bericht akten
kundig)
. Aus den Akten lasse sich der Krankheitsverlauf zwischen Juli 2016 und November 2016 nicht genau rekonstruieren. Ausgehend von einem überwiegend gleichen Gesundheitsschaden könne jedoch die Frage der Beschwerdegegnerin mit «ja» beantwortet werden. Die Gutachter hätten ihre Beurteilung von 50
%
gut absichern können, da sie sich auf zwei Spezialisten-Beurteilungen gestützt und ferne die häusliche Situation berücksichtigt hätten (
Urk.
7/95/3).
Dr.
F._
schloss si
ch
am 2
2.
Juni 2017
dieser Einschätzung an
(
Urk.
7/112/4).
3.1O
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
kritisierte
med.
pract
.
D._
am 1
9.
September 2017 das
Gutachte
n in Bezug auf die dort
verworfene
Asthma-Diagnose. D
er klinische Verlauf mit den gegenseitigen Einflussfaktoren werde eher bagatellisiert, zudem g
e
be es durchaus auch Asthmatiker, die mit schwerem Asthma bronchiale unter entsprechender Therapie eine normale Lungenfunktion aufweisen würden
. Er könne die Schlussfolgerung des begutachtenden Pneumo
logen nicht nachvollziehen
(
Urk.
7/105/1-2).
4.
4.1
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
4.2
Am 1
5.
September 2016 erliess die Beschwerdegegnerin einen ersten Vorbescheid und stellte der Beschwerdeführerin darin die Ausrichtung einer
Viertelsrente
für den Zeitraum
vom
1.
April 2016 bis 3
1.
Oktober 2016 in Aussicht (
Urk.
7/51). Weiter
erwog
sie
, dass sich der Gesundheitszustand erfreulicherweise verbessert habe und ab Juli 2016 eine weniger belastende Tätigkeit zu 80
%
zumutbar sei. Die Beschwerdeführerin
rügte
, dass die Arbeitsfähigkeit vom RAD
-Arzt
fehlinter
pretiert worden sei, da
med.
pract
.
D._
eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
festgehalten habe
(vorstehend E. 3.4)
.
D
er Beschwerdeführerin
ist
beizupflichten, so dass die abweichende
Einschätzung des RAD
-Arztes
vom 1
6.
August 2016
keine
Stütze in den
Akten
findet
(vgl.
Urk.
7/49/5)
, wie auch die
Z._
-Gutachter am 2
8.
Mai 2017 zur entsprechenden Frage des RAD-Arzt ausführten (vorstehend E. 3.9).
Der
erste Rentenv
orbescheid
(
Urk.
7/51)
basierte auf
zwei
Stellungnahme
n
des RAD-Arztes
und ging
seit
7.
April 2015 von einer vollständigen Arbeitsunfähig
keit
in jeder Tätigkeit
aus
. Dies war durch die medizinischen Akten nicht hinrei
chend untermauert, zumal sich der RAD-Arzt vor allem
darauf konzentrierte, von einer Verbesserung ab Juli 2016 zu sprechen (
Urk.
7/49/4-5)
.
Die behandelnden Ärzte hatten sich
ebenfalls nicht
klar über die Arbeitsunfähigkeit im Zeitraum März 2015 bis Juli 2016 geäussert
.
So hielt
etwa
Dr.
B._
nur fest, dass die Besch
w
erdeführerin
A
nfang März 2015 hospitalisiert gewesen sei (
Urk.
7/18/
2
).
A
m
9.
Dezember 2015
hielt
med.
pract
.
D._
dafür
, dass
vor der Beurteilung der Zumutbarkeit der Verweistätigkeit
der Verlauf der Schwangerschaft abgewar
tet werden müsse
(
Urk.
7/27/7).
Dr.
E._
erachtete
am 1
9.
August 2016 eine Verweistätigkeit in
einem Pensum von
«möglicherweise»
50 bis 70
%
für
zumutbar
, was keine abschliessende
Zumutbarkeitsbeurteilung zuliess
.
Die Einschätzung von med.
pract
.
D._
, wonach eine Leistungsfähigkeit von 20
%
bestehe, wurde von ihm nicht begründet und basierte
ihrerseits
lediglich
auf einer Schätzung («ca.»). Überdies
berücksichtigte die Beschwerdegegnerin zu Recht
die Erfahrungstatsache, dass
behandelnde Ärzte (seien dies Hausärzte oder spezialärztlich behandelnde
Medizinalpersonen
) im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (Urteile
des Bundesgerichts
8C_317/2019 vom 30.09.2019 E.
4.2.3
;
8C_42
0/2018 vom 1
3.
März 2019 E. 6.5 sowie
8C_609/2017 vom 2
7.
März 2018 E. 4.3.3; je mit Hinweisen).
Insofern war die medizinische Aktenlage
damals
nicht schlüssig
, weshalb die Be
schwerdegegnerin
zu Recht
ein
e
polydisziplinäre Begutachtung angeordnet hat.
4.3
Unbestritten und aufgrund der insoweit einhelligen medizinischen Unterlagen (etwa
Urk.
7/91
/
38
; vgl. auch Bericht von
Dr.
B._
vom 1
1.
Juni 2019, Urk.
3/2 S. 2
)
ist
erstellt
, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als Kleinkindererzieherin
und Tagesmutter
aufgrund des Infektrisikos
und der eingeschränkten Leistungsfähigkeit
seit November 2013 und wahrscheinlich bis auf Weiteres nicht mehr zumutbar ist.
Hinsichtlich der
Arbeits
fähigkeit in einer Verweistätigkeit stützte sich die Beschwerdegegnerin auf das
Z._
-Gutachten, dessen Beweiswert von der Beschwerdeführerin – zumindest ab Oktober 2016 – nicht substantiiert in Frage gestellt wurde (
Urk.
1 S. 5-6 sowie
Urk.
7/116/3-4). Die Beschwerdegegnerin ging von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit seit November 2015, das heisst sechs Monate nach der Anmeldung zum Leistungsbezug (
Art.
29
Abs.
1 IVG), aus (
Urk.
2 S. 3)
, während die Beschwerdeführerin für die Zeit von März 2015 bis Juli 2016 oder Oktober 2016 eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit postulierte.
4.4
D
ie Fachärzte
kamen
in Kenntnis der
Vorakten
zum
nachvollziehbar begründeten
Schluss, dass
ab dem Zeitpunkt der Exazerbationen der chronischen Infektionen der oberen und unteren Luftwege
im
Juni 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer optimalen Verweistätigkeit beste
he (
Urk.
7/91/37).
Entgegen der beschwerdeweisen Darstellung der Beschwerdeführerin (vorstehend E. 2.2)
trifft
es
vor diesem Hintergrund
nicht zu, dass sich die Gutachter der
Z._
nicht zum ganzen Verlauf seit März 2015 geäussert haben.
Die Gutachter berücksichtig
t
en
vielmehr, dass
seit Juni 2012
rezidivierende Infekte
aufgetreten sind, die häufig mit Antibiotika und sogar stationär
hatten
behandelt werden m
üssen
.
Dass im März 2015 eine weitere Verschlechterung eingetreten wäre, wie die Beschwerdeführerin geltend machte (
Urk.
1 S. 4), ist dem Gutachten hingegen nicht zu entnehmen. Die Experten trugen der
im Frühjahr durchgemachten Lun
genembolie Rechnung und sprachen von potentiell lebensbedrohlichen Folgen der Grunderkrankung (
Urk.
7/
91/
37), doch
schrieben sie weder der Embolie noch der Pneumokokken-Pneumonie
längerfristige
Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit zu (
Urk.
7/91/33). Unter dem Blickwinkel der Revision, welche eine wenigstens drei Monate anhaltende Verschlechterung erheischt (
Art.
88a
Abs.
2 IVV), ist diese Schlussfolgerung aufgrund der jeweils nur (aber immerhin) wenige Tage dauernden Hospitalisationen überzeugend. Dies gilt umso mehr, als
auch
Dr.
B._
am 1
1.
Juni 2015 eine Tätigkeit im normalen Ausmass für zumutbar hielt, solange keine floriden Infekte vorliegen (vorstehend E. 3.1).
Eine Begrün
dung, weshalb er davon abweichend am 2
0.
Juli 2016 neben der Betreuung der fünf Kinder eine ausserhäusliche Tätigkeit nicht mehr für möglich erachtete (vor
stehend E. 3.3), ist seinem
Bericht nicht zu entnehmen.
Auf die Rückfrage zum Krankheitsverlauf gestanden die Gutachter zwar ein, dass dieser von Juli bis November 2016 nicht genau zu rekonstruieren sei, doch schlos
sen sie auf einen überwiegend gleichen Gesundheitszustand während dieser Zeit
spanne (
Urk.
7/95/3)
, wovon auszugehen ist
.
D
en weiteren medizinischen Akten
sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, welche mit überwiegender Wahrschein
lichkeit auf eine Veränderung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
im Verlauf schlies
sen liessen.
Dass rein di
agnostisch
Dr.
H._
das Vorliegen eines Asthma
s
bronchiale in Frage stellte, ändert nichts an der
Beweiskraft
seiner Expertise, da er die
erhobenen
Beschwerden dennoch
im Rahmen des Immundefizienz-Syndroms
vollumfäng
lich
in seine Bewertung miteinfliessen liess und
seine
im Vergleich zu
Dr.
D._
a
bweich
ende Diagnostik
unter Hinweis auf die
fehlende obstruktive Ventilationsstörung und die erhobenen
Normbefunde
einleuchtend
begründete (
Urk.
7/91/22-23)
.
Rechtsprechungsgemäss ist letztlich auch nicht die
Diagnose entscheidend, sondern
die
der
versicherte
n
Person trotz des ärztlich diagnosti
zierten Leidens - einem objektiven Massstabe folgend - zumutbarer
e Tätigkeit
.
Das Gutachten beruht ferner auf
den erforderlichen
allseitigen Untersuchungen
.
N
ach der Rechtsprechung liegt
es
im Ermessen der Gutachter, ob der Beizug weiterer Experten notwendig ist (
Urteil des Bundesgerichts 8C_820/2016 vom 2
7.
September 2017 E. 5.5).
D
ie Gutachter haben
erläutert, dass sie von einer hämatologischen Einschätzung keine wesentlich andere Beurteilung erwarten und daher
kein Hämatologe hinzugezogen wurde (
Urk.
7/91/38), dass dies
indes
bei
einer Verlaufsbegutachtung sinnvoll sein würde.
Es ist weder ersichtlich noch
wird
geltend gemacht, inwiefern eine Begutachtung durch einen Hämatologen
oder - wie von der Beschwerdeführerin zunächst angestrebt (
Urk.
7/82/2,
Urk.
7/84) - einem Immunologen zu weiteren Erkenntnissen geführt hätte.
Die Experten legten ausführlich dar, dass eine Tätigkeit ohne Personenkontakt, etwa im Home Office, im Pensum von 50
%
zumutbar sei, wenn atemwegs
reizende Stoffe, andauernde Kälte, Nässe oder grosse Temperaturschwankungen vermieden werden könnten. Dies deckt sich mit der Zumutbarkeitsbeurteilung durch
Dr.
E._
, die
sogar
ein Pensum bis zu
70
% für möglich erachtete
, während sich
Dr.
B._
zur Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit gar nicht äusserte. Nur med.
pract
.
D._
beurteilte die Arbeitsfähigkeit zurück
haltender und ging von einer Leistungsfähigkeit von lediglich 20 % in einer sitzenden Tätigkeit aus.
Allerdings geht aus seinem jüngsten Bericht vom 1
9.
September 2017 nicht hervor, dass er die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht teilen würde. Vielmehr
kritisierte
er
das Gutachten hin
sichtlich der diagnostischen Einordnung der pneumologischen Beschwerden als Asthma bronchiale ausführlich (
Urk.
7/105/1-2)
, was nach dem Gesagten
nicht genügt, dem
Administrativgutachten
die
Beweiskraft
abzusprechen.
4.5
Somit
ist auf
das
Z._
-Gutachten für die Anspruchsprüfung
abzustellen
.
Es ist daher
von einer zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer optimalen Ver
weistätigkeit, geltend seit Juni 2012
und massgebend
auch
ab
1.
November 2015
, auszugehen; dies basierend auf dem Belastungsprofil
einer Tätigkeit, in welcher atemwegsreizende Stoffe, Kälte, Nässe, starke Temperaturschwankungen sowie Publikumsverkehr vermieden werden können.
5.
5
.1
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des Art. 69 Abs. 2
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV
,
vgl. auch
Rz
. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Januar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Ein
schränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der
versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau
sibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschrän
kungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt massge
bend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
5.2
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (
Art.
28a IVG) zu bestim
men (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V
198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28
E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V
334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
5.3
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die sogenannten Aussagen der ersten Stunde ab, denen in beweismäs
siger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtli
cher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
5.4
Am
1.
Juni 2016 besuchte eine Abklärungsperson die Beschwerdeführerin zu Hause (Bericht vom 1
4.
Juni 2016 in
Urk.
7/47). Hinsichtlich
der
Erwerbsbiografie
führte
die
Abklärerin
aus
, dass die Beschwerdeführerin im Jahr 2006 ihre Ausbil
dung zur Kleinkindererzieherin abgeschlossen und anschliessend von Dezember 2006 bis November 2007 in der Kindertagesstätte des Universitätsspitals
K._
in einem Pensum von 60
%
gearbeitet hatte. Anschliessend war sie bis November 2011
in einem Privathaushalt
als Tagesmutter in einem wechselnden Pensum angestellt (
Urk.
7/47/2-3, vgl. auch
Urk.
7/33/1
). Die Beschwerdeführerin schil
derte, das reduzierte Pensum von 60
%
habe sie bewusst wegen ihrer eigenen Kinderbetreuungsaufgabe gewählt.
Im Privathaushalt
habe sie zunächst in einem 100
%
-Pensum gearbeitet; ihre eigenen Kinder habe sie gleichzeitig vor Ort bei der Familie zu Hause betreut. Ab 2008 habe sie die Betreuung bei sich zu Hause fortgesetzt (jeweils zwei Tageskinder bei sich zu Hause, während fünf Tagen die Woche). Später s
e
i die Betreuung eines zusätzlichen Kindes von einer Nachbarin hinzugekommen. Nachdem im Jahr 2011 die Familie weggezogen sei, habe sie Kinder von mehreren
Familien gleichzeitig betreut, wobei sie selbständig erwer
bend gewesen sei. Sie habe stets darauf geachtet, nie mehr als acht Kinder gleich
zeitig zu betreuen; diese Anzahl sei auch in einer Kindertagesstätte das Maxi
mum. Dabei seien ihre eigenen Kinder miteingerechnet, wobei die älteren aber oft in der Schule gewesen seien. Viele Kinder hätten unregelmässige Betreuungszei
ten gehabt. Das habe für sie so gut gepasst; sie habe ihr eigenes «Muttersein» und die Arbeit bestens kombinieren können. Während der Schwangerschaft 2014 sei sie oft krank gewesen, so dass es ihr teilweise nicht möglich gewesen sei, die Tageskinder zu betreuen. Nach der Geburt von
L._
im November 2014 habe sie ab Februar 201
5 geplant, die Tätigkeit wieder
aufzunehmen, allerdings sei dies krankheitsbedingt nicht mehr möglich gewesen (
Urk.
7/47/3).
Auf die Frage, wie ihre berufliche Situation ohne Gesundheitsschaden aussehen würde, gab die Beschwerdeführerin an, vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit sei keine berufliche Veränderung geplant gewesen. Bei guter Gesundheit würde sie im selben Ausmass weiterarbeiten, also etwa ein Einkommen wie im Jahr 2013 generieren wollen. Im Jahr 2012 habe sie die Selbständigkeit erst aufgebaut, aber im Jahr 2013 sei sie im gewünschten Ausmass ausgelastet gewesen und hätte dies ab Februar
2015 so fortführen wollen. Eine prozentuale Angabe
zum Pensum
konnte die Beschwerdeführerin nicht machen, da die Anzahl der Tageskinder und Häufigkeit der Betreuungseinsätze und Betreuungszeiten ständig variiert h
ätten
. Inzwischen habe sie den Betrieb eingestellt, was sie sehr bedaure, denn sie habe ihre Arbeit geliebt und bestens mit ihrer eigenen Kinderbetreuungsaufgabe kom
binieren können (
Urk.
7/47/
3-
4).
Davon ausgehend zog die Abklärungsperson das Hilfsblatt A für Selbständig
erwerbende
ohne kaufmännische Buchhaltung
aus der Steuererklärung
heran
, worin die Beschwerdeführerin
jährliche Einkünfte von Fr.
21'831.--
(für das Jahr 2013,
Urk.
7/32/4) und
Fr.
22'796.-- (für das Jahr 2014,
Urk.
7/32/6)
deklariert hatte
(
Urk.
7/47/4).
Verglichen mit de
m
Tabellenlohn
laut de
n
vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
von
Fr.
62'232.--
(
Fr.
5'086.-- x 12; vgl. LSE 2012, Tabelle T17,
Ziff.
53 Betreuungs
berufe, Total Frauen)
ermittelte sie ein Erwerbs
pensum
von 3
5
%
(100
/
Fr.
62'232.-- x
Fr.
21'831.--) und ein Pensum von 65
%
im Haushalt mit den fünf eigenen Kindern (
Urk.
7/47/5).
Die Beschwerdeführerin verlangte eine Qualifikation als Erwerbstätige im Umfang von 80
bis
100
%
(
Urk.
1 S. 8).
5.5
Im Lauf des Verwaltungsverfahrens nahm die
Abklärerin
wiederholt
zur Gewich
tung der beiden Bereiche Haushal
t und Erwerbstätigkeit
Stellung
.
Nach einem neuen Einkommensvergleich
ging
sie
von einem Anteil von
67
%
im
Erwerbsbe
reich und
von
33
%
im
Aufgabenbereich
aus
, dies unter
weiterer
Berücksichti
gung der Erkenntnisse
des
Z._
-Gutachtens, wonach ab
Juni 2012 ein mass
gebender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (Stellungnahme
n
vom
5.
Juni 2018
,
Urk.
7/112/8-9
,
sowie vom 1
8.
September 2018
,
Urk.
7/120/2-3).
Zudem
habe die Beschwerdeführerin in einer E-Mail vom
7.
Juni 2016
bekundet, dass sie bei guter Gesundheit entweder zwei Tageskinder zu 100
%
betreuen möchte oder aber mehrere Kinder mit unregelmässigen Betreuungszeiten
(
Urk.
7/31)
. Gemäss den Qualitätsrichtlinien des Verbandes «Tagesfamilien Schweiz»
(vgl.
http://www.vtob.ch/downloads/Rahmenqualitaetsstandards_kibesuisse_Verband_Kinderbetreuung_Schweiz.pdf
;
Ziff.
4.5.1)
werde die gleichzeitige Anwesenheit von drei Kindern als 100
%
-Pensum deklariert; entsprechend ergäben zwei Kin
der ein Pensum von 67
%
(
Urk.
7/120/3)
.
Obschon d
ie Richtlinien für institutio
nell organisierte Kinderbetreuung in Tagesfamilien erarbeitet wurden,
rechtfertigt
es
sich
, diese hier analog anzuwenden.
5.6
Nach den eigenen Angaben
würde die
Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall ihre Tätigkeit als Tagesmutter fortführen, da sie diese geliebt habe und überdies bestens
mit ihrer eigenen Kinderbetreuungsaufgabe kombinieren konnte.
S
ie
sagte mehrmals, dass sie entweder zwei Kinder zu 100
%
oder mehrere Kinder mit unregelmässigen Betreuungszeiten betreuen würde, so dass sie sich gleich
zeitig um ihre mittlerweile sechs,
wenngleich
teilweise inzwischen schulpflichti
gen Kinder kümmern könne.
Diese
n
Ausführungen
der Beschwerdeführerin
sind
i
m
Sinne der
zumeist frei geäusserte
n
«Aussage der ersten Stunde» in beweismäs
siger Hinsicht grösseres Gewicht beizumessen, als den später erfolgten Darlegun
gen
.
Die von der Beschwerdegegnerin geschilderte Betreuungssituation mit zwei bis drei Pflegekindern
kann
erfahrungsgemäss mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nicht als 100%ige Erwerbstätigkeit betrachte
t werde
n. Dies gilt umso mehr, als im Rahmen der Haushaltabklärung der Betreuung der eigenen (damals) fünf Kinder ein Gewicht von lediglich 22
%
(von maximal 30
%
) zugeschrieben wurde (Urk. 7/47/9).
Darüber hinaus lassen die laut
Auszug aus dem individuellen Konto vom
3.
Oktober 2016
(
Urk.
7/62/2-3
)
verabgabten
Einkommen
auch nicht den Schluss
zu
, dass die Beschwerdeführerin über längere Zeit
ein Vollzeitpensum
ausgeübt hätte
.
Die Beschwerdeführerin war weitgehend in einem Teilzeitpensum tätig; sei es
im Privathaushaushalt
oder am Universitätsspital
K._
. Auch ihre selbstän
dige Tätigkeit umfasste die Betreuung von
maximal
acht Kindern
inklusiver ihrer eigenen
, wobei die Betreuungszeiten sehr unregelmässig waren. Aus dem Umstand, dass
im
Unt
erhaltsvertrag aus dem Jahr 2008
mit dem Vater ihres 2006 geborenen Sohnes
e
in
von der Beschwerdeführerin gewünschtes
Pensum von 80
%
erwähnt wird (
Urk.
7/56/2, 7/56/4)
, lässt sich nichts Gegenteiliges ableiten
,
zumal
an anderer Stelle die Rede
ist
von einem 60
%
-Pensum (
Urk.
7/56/9).
Da die Beschwerdeführerin selbst mehrmals betonte, mit der Tätigkeit als Tages
mutter ihr eigenes «Muttersein» bestens kombinieren zu können, ist auch der Einwand in der Beschwerde, das Vorgehen der Beschwerdegegnerin sei diskrimi
nie
rend, nicht haltbar.
Tatsächliche
Bemühungen
um eine Stelle mit
einem dauer
haften Pensum von 80 bis 100
%
belegte die Beschwerdeführerin nicht
.
Aus den drei Rechnungen für Betreuungsleistungen im Juni 2014, welche bei einem Tagesbetrag von
Fr.
120
.--
pro Kind aufgerechnet auf ein Jahreseinkom
men ein Pensum von 87
%
ergeben würden (
Urk.
1 S. 8 und
Urk.
3/4
), geht nur die
unterschiedliche Auslastung hervor
. Die Beschwerdeführerin hat
zwar drei Kinder
betreut, aber nur zwei von drei Kindern regelmässig.
Die Begründung der Beschwerdegegnerin basierend auf den Qualitätsrichtlinien, wonach drei Kinder ein Pensum von 100
%
darstellen würden, ist ferner plausibel und nachvollzieh
bar, zumal se
lbst die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung s
agte, dass sie
-
inkl. ihrer eigenen
-
maximal acht Kinder gleichzeitig betreuen dürfte.
Zusammengefasst ist auf die von der Beschwerdegegnerin festgelegte Gewichtung der Qualifikation abzustellen, wonach die Beschwerdeführerin als 67
%
erwerbs
tätig und 33
%
im Aufgabenbereich tätig zu qualifizieren ist.
Die prozentuale Einschränkung im Aufgabenbereich aufgrund des Gesundheitsschadens im Um
fang von 8.4
%
wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten und ist über
dies basierend auf dem Abklärungsbericht plausibel begründet, so dass darauf abzustellen ist (
Urk.
7/47).
Die Beschwerdeführerin brachte auch nicht vor, dass sich der Sachverhalt diesbezüglich massgebend verändert hätte.
6.
6.1
Das
Valideneinkommen
setzte
die Beschwerdegegnerin
– entgegen der
Empfeh
lung
durch den Abklärungsdienst
-
ausgehend vom
tabellarischen Wert gemäss LSE
für den Berufszweig Betreuungsberufe
fest
(
Urk.
7/11
1,
Urk.
7/
2/9-10).
Die Beschwerdeführerin bestritt dieses Vorgehen nicht, sondern berechnete
ihren Einkommensvergleich basierend auf dem
Valideneinkommen
der Beschwerde
gegne
rin, hochgerechnet auf ein Pensum von 80
%
statt 67
%
(
Urk.
1 S. 9-10).
Wie bereits ausgeführt wurde, gewichtete die Beschwerdegegnerin den Erwerbs
bereich korrekt, womit
für
die Berechnung der Beschwerdeführerin
kein Raum bleibt
.
6.2
Zutreffend
ist
ferner
, dass das als s
elbständige
Tagesmutter
tatsächlich
erwirt
schaftete Einkommen nicht dem
Valideneinkommen
zugrunde gelegt werden kann. Die Beschwerdeführerin war
auch im Jahr 2013 bereits gesundheitlich angeschlagen und die Zeitdauer der Selbständigkeit
war
zu kurz, um eine ver
lässliche Aussage über das hypothetische Einkommen im Gesundheitsfall zu tref
fen.
Dies war auch der Beschw
erdeführerin bewusst, welche am
3.
Januar 2018 per E-Mail um Berechnung anhand eines normal erzielten Lohns einer gesunden, diplomierten Kleinkindererzieherin
ersuchte
(
Urk.
7/108).
Auch die in den vorhe
rigen Anstellungen erzielten
, unterschiedlichen
Einkommen lassen keine aussa
gekräftigen Schlüsse hinsichtlich des im Gesundheitsfall erzielbaren Einkommens zu
(
vgl. etwa den IK-Auszug in
Urk.
7/
62)
.
Insofern ist
nicht zu beanstanden
, dass die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen
gestützt auf die statistischen Werte der LSE berechnete, zumal sich dies zu Gunsten der Beschwerdeführerin auswirkt.
6.3
Die Festsetzung des Invalideneinkommens anhand de
s tabellarischen
Zentralwer
tes für Hilfsarbeiten wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten und wurde von der Beschwerdegegnerin korrekt berechnet. Auch der vorgenommene leidensbedingte Abzug von 15
%
erscheint unter Berücksichtigung des Anforde
rungsprofils, wonach
die Beschwerdeführerin
Publikumsverkehr möglichst
ver
meiden
muss, als angemessen
und
wurde von ihr auch nicht in Frage gestellt
.
6.4
Am 1. Januar 2018 sind die geänderten Bestimmungen der IVV vom 1. Dezember 2017 in Kraft getreten. Mit dieser Änderung wurde für die Festlegung des Invali
ditätsgrades von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) in Art. 27
bis
Absatz 2–4 IVV ein neues Berechnungsmodell eingeführt.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am
2
3.
Mai 2019
und somit nach Inkrafttreten der Verordnungsänderung ergangen, wobei
allerdings
ein Sachverhalt zu beur
teilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungsbestimmungen am 1. Januar 2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechts
streit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab die
sem Zeitpunkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I 428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
Eine allfällige Erhöhung der Rente erfolgt auf den
1.
Januar 201
8.
Wurde eine Rente vor dem 1. Januar 2018 wegen eines zu geringen Invaliditätsgrads einer teilerwerbstätigen versicherten Person, die sich zusätzlich im Aufgabenbereich betätigte, verweigert, so wird eine neue Anmeldung geprüft, wenn die Berech
nung des Invaliditätsgrads nach Artikel 27
bis
Absätze 2–4 IVV voraussichtlich zu einem Rentenanspruch führt (Absatz 2 der Übergangsbestimmung).
Die Berechnung des Invaliditätsgrades mit der gemischten Methode nach alter und neuer Berechnungsmethode durch die Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/111 und
Urk.
2) wurde korrekt vorgenommen, so dass sich ab
1.
Januar 2018 ein anspruchsbegründender Invaliditätsgrad von gerundet 46
%
ergibt,
der den Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf
eine
Viertelsrente
begründet.
6
.
5
Zusammengefasst erweist sich d
ie angefochtene Verfügung vom 2
3.
Mai 2019
als rechtens, womit es zur Abweisung der Beschwerde kommt.
7
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), vorliegend ermessensweise auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.