Decision ID: 2fc738c4-8e49-5014-a0ee-7c623febec22
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die serbische Staatsangehörige A.Y. (geb. 1987) heiratete am 29. Januar 2011 C.Y.
(mazedonischer und tschechischer Staatsangehöriger, geb. 1984). Das Paar hat den
gemeinsamen Sohn B.Y. (geb. 2011), welcher neben der serbischen und
mazedonischen auch über die tschechische Staatsbürgerschaft verfügt. Im
Sommer 2011 reiste die Familie in die Schweiz ein. C.Y. erhielt eine bis zum
12. Juni 2016 gültige Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Im April 2014 trennte sich das
Ehepaar und C.Y. reiste alleine nach Italien aus.
B. Mit Verfügung vom 30. September 2014 widerrief das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligungen EU/EFTA von A.Y. und B.Y. und wies sie unter Ansetzung
einer Ausreisefrist aus der Schweiz weg. Die von den Betroffenen hiergegen erhobenen
kantonalen Rechtsmittel blieben ohne Erfolg; zuletzt, mit Entscheid vom 20. Dezember
2016, wies das Verwaltungsgericht die gegen den abschlägigen
Departementsentscheid vom 19. Oktober 2015 erhobene Beschwerde ab, soweit es
darauf eintrat.
In der Zwischenzeit – am 22. September 2016 – war die Ehe geschieden, der Sohn
unter das gemeinsame Sorgerecht der Eltern und in die alleinige Obhut der Mutter
gestellt worden. Dem Kindsvater C.Y. – der inzwischen wieder in die Schweiz eingereist
war und im Kanton Bern eine neue, bis zum 17. März 2020 gültige
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA erhalten hatte – wurde ein gerichtsübliches
Besuchsrecht zugesprochen, und er wurde zu Unterhaltszahlungen verpflichtet.
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C. Mit Urteil BGer 2C_145/2017 vom 5. März 2018 hiess das Bundesgericht eine am
6. Februar 2017 von A.Y. und B.Y. (Beschwerdeführer) gegen den Entscheid des
Verwaltungsgerichts vom 20. Dezember 2016 erhobene Beschwerde gut, hob den
angefochtenen Entscheid auf und wies die Sache zur Neubeurteilung und neuem
Entscheid im Sinne der Erwägungen an das Verwaltungsgericht zurück. In Erwägung 4
f. hielt es fest, dass A.Y. weder verschuldet sei noch je Sozialhilfe bezogen habe. Sie
arbeite und komme für ihren Lebensunterhalt bzw. – zusammen mit den
Unterhaltsbeiträgen des Kindsvaters – denjenigen ihres Sohnes selber auf. Damit sei
nicht ausgeschlossen, dass sie und ihr Sohn nach dem EuGH-Urteil C-200/02 vom
19. Oktober 2004 in Sachen Zhu und Chen, Slg. 2004 I-9925 Randnrn. 30 und 33,
welchem sich das Bundesgericht unter dem Gesichtswinkel von Art. 24 Abs. 1 Anhang
I des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und
der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die
Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA) nach einigem Zögern in nunmehr konstanter
Rechtsprechung angeschlossen habe (BGE 142 II 35 E. 5.2), je für sich einen eigenen
freizügigkeitsrechtlichen Aufenthaltsanspruch geltend machen könnten. Das
Verwaltungsgericht habe bundesrechtswidrig zur Frage der ausreichenden finanziellen
Mittel, die der Mutter und dem Kind zur Verfügung ständen, keine tatsächlichen
Feststellungen getroffen. Im neuen Entscheid sei auch die inzwischen ergangene
Präzisierung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGer 2C_222/2017 vom
20. November 2017) zur Anwendbarkeit von Art. 50 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) für Konstellationen,
in denen der EU-angehörige Ex-Ehegatte nur eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA und
nicht eine Niederlassungsbewilligung besass bzw. besitzt, zu berücksichtigen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Praxisgemäss weist das Verwaltungsgericht die Angelegenheit an das Migrationsamt
zurück, wenn nach einem bundesgerichtlichen Rückweisungsentscheid umfangreiche
zusätzliche Sachverhaltsabklärungen zu treffen sind (vgl. VerwGE B 2013/115 vom 12.
Juni 2013 und VerwGE B 2012/146 vom 23. August 2012 je E. 1 mit Hinweis auf
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1029
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mit Hinweisen, siehe auch VerwGE B 2015/17 vom 28. April 2015 E. 2.1, VerwGE B
2014/32 vom 11. März 2014 E. 1 sowie VerwGE B 2013/205 vom 12. Februar 2014 E.
2). Dies ist vorliegend der Fall, weshalb die Angelegenheit gestützt auf Art. 64 in
Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS
951.1, VRP) analog (vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1034) an das Migrationsamt
zurückgewiesen wird. Dieses hat den Sachverhalt im Sinn der bundesgerichtlichen
Erwägungen weiter zu ermitteln und anschliessend über die Angelegenheit neu zu
befinden.
2. Bei dieser Sachlage sind die Kosten der Verfahren vor den kantonalen Instanzen neu
zu verlegen.
Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu tragen,
dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Aufgrund dieser
Bestimmung sind die Kosten der Verfahren vor dem Verwaltungsgericht (CHF 2'000),
dem Sicherheits- und Justizdepartement (Vorinstanz, CHF 1'000) und dem
Migrationsamt (CHF 260) dem Staat aufzuerlegen. Auf die Erhebung der Kosten ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der im Beschwerdeverfahren geleistete
Kostenvorschuss von CHF 2'000 wird zurückerstattet.
Die Beschwerdeführer haben sowohl im Rekurs- als auch im Beschwerdeverfahren
Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung zulasten des Staates (Vorinstanz, vgl.
Art. 98 Abs. 1 und 2 VRP sowie Art. 98 VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht, weshalb die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist
(vgl. Art. 30 lit. b Ziff. 1 und Art. 31 Abs. 1 und 2 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70,
AnwG, sowie Art. 6 und 19 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten,
sGS 963.75, HonO). Eine Entschädigung von insgesamt CHF 3‘500 zuzüglich vier
Prozent Barauslagen und 8% Mehrwertsteuer – der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer hat die anwaltlichen Leistungen im Wesentlichen vor dem 1. Januar
2018 erbracht – ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b, Art. 28 und Art. 29 HonO,
Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch).
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