Decision ID: 31e4c86d-3a30-546f-a1f3-53c206509431
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer – ein Staatsangehöriger von Afghanistan – er-
suchte am 30. Mai 2015 um die Gewährung von Asyl in der Schweiz.
A.b Am 3. Juni 2015 führte das SEM eine verkürzte Befragung zur Person
(BzP) durch (BzP ohne summarische Befragung zu den Gesuchsgründen;
vgl. act. A4: BzP-Protokoll).
A.c Am 23. Juni 2015 trat das SEM in Anwendung der Bestimmungen zum
Dublin-Verfahren und gestützt auf Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31)
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und ordnete dessen
Wegweisung aus der Schweiz nach Ungarn an (vgl. dazu die Akten). Die-
ser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
A.d Nachdem der Beschwerdeführer von der zuständigen kantonalen Be-
hörde in Ausschaffungshaft versetzt worden war, gelangte er am 20. No-
vember 2015 – handelnd durch seine damalige Rechtsvertreterin – mit ei-
ner als "dringliches neues Asylgesuch, eventualiter Wiedererwägungsge-
such" bezeichneten Eingabe ans SEM. Diese Eingabe wurde vom SEM als
Wiedererwägungsgesuch betreffend den vorgenannten Dublin-Entscheid
entgegengenommen. Am 25. November 2015 lehnte das SEM das Gesuch
ab, soweit es darauf eintrat. Auf eine gegen diesen Entscheid angehobene
Beschwerde trat das Bundesverwaltungsgericht nicht ein (vgl. BVGer-Ur-
teil D-7990/2019 vom 13. Januar 2016).
A.e Am 29. Juni 2016 gelangte der Beschwerdeführer erneut – und wiede-
rum handelnd durch seine damalige Rechtsvertreterin – mit einer als
"dringliches neues Asylgesuch, eventualiter Wiedererwägungsgesuch" be-
zeichneten Eingabe ans SEM. Auch diese Eingabe wurde vom SEM als
Wiedererwägungsgesuch betreffend den vorgenannten Dublin-Entscheid
entgegengenommen. Am 5. Juli 2016 lehnte das SEM auch dieses Gesuch
ab. Dieser Entscheid wurde auf Beschwerde hin vom Bundesverwaltungs-
gericht aufgehoben und das Verfahren zur weiteren Abklärung und erneu-
ten Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen (vgl. BVGer-Urteil
D-4183/2016 vom 14. Juni 2017).
A.f Am 17. Oktober 2016 wurde von der Eidgenössischen Zollverwaltung
(EZV) eine aus Afghanistan kommende Briefpostsendung zwecks Zollkon-
trolle angehalten. Die Sendung war am 9. Oktober 2016 aufgegeben wor-
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den und an einen Dritten in der Schweiz adressiert (an einen anderen Asyl-
suchenden aus Afghanistan). Am 17. Januar 2017 brachte die EZV dem
Adressaten zur Kenntnis, dass seine Sendung einer Zollkontrolle unterzo-
gen worden sei, dass dabei drei Dokumente mit Bezug zu einem Asylver-
fahren erhoben worden seien (eine Tazkira und zwei Polizeirapporte; alle
den Dritten betreffend) und dass diese drei Dokumente gestützt auf Art. 10
Abs. 2 AsylG zuhanden des SEM sichergestellt worden seien. Unter Be-
zugnahme auf dieses Informationsschreiben der EZV wandte sich der
rubrizierte Rechtsvertreter mit Eingabe vom 8. Februar 2017 an den Dienst
"Identifikation" der SEM-Abteilung "Einreise". Dabei teilte er mit, in der an
seinen Mandanten (der Dritte) adressierten Sendung seien laut dessen
Auskunft noch drei weitere Dokumente enthalten gewesen, darunter ein
Drohbrief der Taliban im Original. Dieser Drohbrief beziehe sich aber nicht
auf seinen Mandanten, sondern auf A._ (der Beschwerdeführer). Er
ersuche daher, dieses Beweismittel dem Dossier von A._ zuzuwei-
sen. Sollten die drei Dokumente dem SEM nicht vorliegen, ersuche er um
Auskunft, ob die Sendung bei der Sicherstellung bereits geöffnet gewesen
sei. Am 9. Februar 2017 sandte der rubrizierte Rechtsvertreter je eine Ori-
entierungskopie seiner Eingabe an die SEM-Dienststelle "Identifikation"
sowohl zu den Asylverfahrensakten seines damaligen Mandanten (N [...])
als zu den Asylverfahrensakten des Beschwerdeführers (welchen er da-
mals noch nicht vertrat), also die vorliegenden Akten N (...); die Orientie-
rungskopie liegt diesen bei.
A.g Am 16. August 2017 teilte das SEM dem Beschwerdeführer mit, in sei-
nem Fall sei das Dublin-Verfahren beendet worden, weshalb das nationale
Asyl- und Wegweisungsverfahren durchgeführt werde.
A.h Am 1. Juni 2018 wurde der Beschwerdeführer zu seinen Gesuchs-
gründen angehört (vgl. act. C2: Anhörungsprotokoll).
B.
B.a Im Rahmen der BzP vom 3. Juni 2015 führte der Beschwerdeführer zu
seiner Person und zu seinem persönlichen Hintergrund das Folgende aus:
Er sei ein Angehöriger der Ethnie der Hazara und er stamme aus dem Dorf
C._, welches im Bezirk D._ (auch: E._) in der Pro-
vinz Ghazni liege. Wegen des Krieges sei seine Familie aber zirka zwei
Jahren zuvor von dort nach Kabul umgezogen, wo sie im Quartier
F._ gelebt hätten. Dort habe er gelebt, bis er rund drei Monate zuvor
aus Afghanistan ausgereist sei. Seine Eltern, seine (...) Voll- und (...) Halb-
geschwister lebten nach wie vor dort. In Kabul lebten auch noch eine Tante
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väterlicherseits sowie (... [mehrere]) Onkel und Tanten mütterlicherseits.
Als er sechs oder sieben Jahre alt gewesen sei, habe seine Familie schon
einmal wegen des Krieges fliehen müssen. Sie seien damals nach Pakis-
tan gegangen, von wo sie nach rund zwei Jahren wieder in die Heimat zu-
rückgekehrt seien. Auf die Frage nach dem Verbleib seiner Reise- und
Identitätspapiere gab er an, nie einen Reisepass beantragt zu haben. Er
habe sich aber schon mehrmals eine Tazkira ausstellen lassen, weil er die
alte verloren habe. Einmal sei auch eine Tazkira zerstört worden, als ihr
Haus gebrannt habe. Er habe aber immer eine Tazkira haben müssen, weil
man diese in der Schule brauche. Die letzte Tazkira habe er vor zirka drei
Jahren in Kabul beantragt und erhalten. Es könne sein, dass sich diese in
Kabul befinde. Früher habe er darüber hinaus einen Führerausweis beses-
sen, dieser sei ihm aber in Ghazni abgenommen worden. Der Ausweis sei
aber beim Strassenverkehrsamt registriert. Zum Schluss der Befragung
gab er an, er habe seine Heimat zu Anfang des ersten Monats 1394 ver-
lassen (entspricht dem Zeitraum nach dem 21. März 2015), indem er nach
Pakistan ausgereist sei. Von dort sei er über den Iran, die Türkei, Griechen-
land, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich in die Schweiz gelangt.
B.b Im Verlauf der Anhörung vom 1. Juni 2018 wurde der Beschwerdefüh-
rer nochmals ausführlich zu seinem persönlichen Hintergrund befragt. Da-
bei gab er einleitend an, seine Eltern und seine noch unverheirateten Ge-
schwister lebten bis heute im Heimatdorf C._ im E._-Bezirk.
In der Folge machte er auf entsprechenden Vorhalt des SEM hin geltend,
es könne nicht sein, dass er im Rahmen der BzP gesagt habe, seine Eltern
lebten in Kabul. Dort hätten nur seine Grosseltern mütterlicherseits gelebt,
welche aber bereits verstorben seien. In Kabul habe er keine Verwandten.
Er sei in Ghazni aufgewachsen und er sei später nur wegen der Arbeit nach
Kabul gegangen. Da er nie zur Schule gegangen sei, könne er nur ein we-
nig lesen und gar nicht schreiben. Bis zu seiner Ausreise sei es seinen
Eltern gut gegangen. Ein Jahr nach seiner Ausreise habe sein Vater jedoch
durch eine Minenexplosion ein Bein verloren und seine Mutter leide mitt-
lerweile an Herzproblemen. Seine Familie lebe aber weiterhin von der
Landwirtschaft, da sie im Heimatdorf über relativ viel Land respektive sehr
grosse Felder verfügten. Ihr Heimatdorf liege weit entfernt von Ghazni-
Stadt. Die Sicherheitslage sei dort schlecht, da die Leute von den Taliban
behelligt würden. Gegen Ende der Anhörung machte der Beschwerdefüh-
rer neu geltend, seine Eltern lebten eigentlich doch nicht mehr im Heimat-
dorf, sondern mittlerweile in Ghazni-Stadt. Bevor sein Vater verletzt worden
sei, hätten die Taliban nämlich ihr Haus verbrannt und ihr Vieh gestohlen.
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Solche Übergriffe seitens der Taliban seien häufig und es gebe keine Poli-
zei, die einem schützen würde. Deshalb sei seine Familie zunächst zu Ver-
wandten nach G._ gezogen. Sein Heimatdorf heisse eigentlich
H._ und liege in der Gegend von C._. Später seien seine
Eltern dann aus Sicherheitsgründen nach Ghazni-Stadt umgezogen. Seine
Familie könne daher ihre Felder nicht mehr nutzen.
B.c Vor dem Hintergrund dieser Angaben machte der Beschwerdeführer
zur Begründung seines Gesuches das Folgende geltend: Er sei rund an-
derthalb Jahre vor seiner Ausreise alleine nach Kabul gezogen, um dort zu
arbeiten. Damals sei er aber noch sehr jung gewesen. Die einzige Arbeit,
welche er in Kabul gefunden habe, sei der Militärdienst gewesen. Aus
Furcht um seine Sicherheit habe sein Vater jedoch noch vor Abschluss der
Grundausbildung von ihm verlangt, den Dienst abzubrechen. Er habe da-
her nur den ersten Monat der dreimonatigen Grundausbildung absolviert.
Nach diesem einen Monat beim Militär habe er wiederum keine Arbeit ge-
funden, bis ihm an seinem damaligen Wohnort – ein Hotel in Kabul – von
einem Mann eine Stelle als Securitas angeboten worden sei. Da er den
Umgang mit einem Gewehr schon im Militär gelernt habe, habe er die
Stelle nach einem Monat Probezeit bekommen. Von da an habe er als
Securitas für seinen Arbeitgeber, eine Firma namens I._ [nachfol-
gend: K._], entweder dessen Hotel bewacht, welches nur von Aus-
ländern frequentiert worden sei, oder dessen ausländische Gäste begleitet,
wenn diese von Kabul in die Provinz gereist seien. Auf diesen Reisen hät-
ten jeweils zwei Securitas mit einem Fahrer zwei ausländische Gäste be-
gleitet. Bei einer dieser Fahrten, bei einer Fahrt nach Mazar-i-Sharif, seien
sie von unbekannten Dieben beschossen worden, worauf sie zurückge-
schossen hätten. Dann sei die Polizei gekommen, welche ihnen eine Wei-
terfahrt aus Sicherheitsgründen untersagt habe. Das sei aber ein einmali-
ger Vorfall gewesen. Während seiner Anstellung als Securitas habe er in
den Räumen seiner Arbeitgeberfirma wohnen können. Er sei zumeist drin-
nen geblieben, da er sich in Kabul gefürchtet habe. Seinen Vater habe er
derweil im Glauben gelassen, dass er in Kabul für eine normale Firma ar-
beite. Mit der Zeit hätten jedoch seine in Ghazni lebende Familie, die Nach-
barn und schliesslich auch die Taliban mitbekommen, worin seine Arbeit
wirklich bestanden habe. Von da an habe er Drohbriefe der Taliban erhal-
ten, denn von diesen werde nicht akzeptiert, dass man für Ausländer ar-
beite. Die Drohbriefe seien an seine Familie gegangen, da er von den Ta-
liban in seiner Heimatprovinz bedroht worden sei. In den Drohbriefen sei
er von den Taliban unter anderem zu einem Treffen aufgefordert worden,
respektive eigentlich habe er insgesamt nur einen Drohbrief erhalten. Von
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da an sei er in Gefahr gewesen. Nachdem er seinem Arbeitgeber von dem
Drohbrief berichtet habe, sei er entlassen worden. Sein Chef habe ihm ge-
sagt, er wolle nicht, dass es für ihn (den Beschwerdeführer) problematisch
werde. Auf der anderen Seite dürfte sein Chef Angst bekommen haben,
dass er den Taliban vielleicht helfen könnte, oder aber, dass er von diesen
erwischt werde und er dann Informationen preisgeben könnte. Jedenfalls
habe ihm sein Chef Geld gegeben – eine Summe von 4000 US-Dollar –
und von ihm verlangt, dass er mit diesem Geld eine Lösung finde oder das
Land verlasse. Sein Chef heisse J._ [nachfolgend: L._]. Vor
diesem Hintergrund habe er keinen anderen Weg gesehen, als seine Hei-
mat zu verlassen, respektive sein Chef habe für ihn auch noch einen
Schlepper organisiert. In diesem Zusammenhang gab der Beschwerdefüh-
rer auf Nachfrage hin an, zwischen dem Erhalt des Drohbriefes und seiner
Ausreise hätten etwa 20 Tage gelegen.
Im Verlauf der Anhörung machte der Beschwerdeführer auf die Frage nach
allfälligen Beweismitteln geltend, er habe die ihm zur Verfügung stehenden
Dokumente – Identitätskarten von seiner Arbeit, Zertifikate, die Tazkira sei-
nes Grossvaters und eine Kopie seiner eigenen Tazkira – seinem Rechts-
vertreter übergeben. Das Original der Tazkira befinde sich nach wie vor in
Afghanistan. Ausserdem sei ihm aus Afghanistan ein Dokument geschickt
worden, welches aber nicht angekommen sei. Dabei handle es sich um
einen respektive den Drohbrief der Taliban. In diesem Zusammenhang
machte er im Rahmen der Anhörung (vom 1. Juni 2018) unter Vorlage ei-
nes Auszuges aus dem Sendungsverfolgungssystems der Post (datierend
vom 11. Januar 2017) geltend, er habe dieses Dokument an einen anderen
schicken lassen, die Sendung sei jedoch von der Post aufgehalten worden
und werde ihnen nicht ausgehändigt. Im Anschluss daran wies er auf wei-
tere Nachfrage hin das Foto eines in Paschtu verfassten Drohbriefes vor.
Dazu führte er aus, er selber verstehe nur ganz wenig Paschtu. Der Brief
sei jedoch an seinen Vater gegangen, welcher diese Sprache verstehe. Auf
weitere Nachfrage betreffend den Verbleib seines Tazkira machte er so-
dann geltend, er denke nicht, dass er diese noch beschaffen könne, da seit
seiner Ausreise ihr Haus einmal abgebrannt sei.
C.
C.a Im Nachgang zur Anhörung – mit Eingabe des rubrizierten Rechtsver-
treters vom 5. Juni 2018 – reichte der Beschwerdeführer als Beweismittel
zwei Mitarbeiterausweise einer Firma namens K._ ein, zusammen
mit einem Arbeitszeugnis dieser Firma. Die Ausweise tragen je ein Foto
des Beschwerdeführers und als Ablaufdaten den 31. Dezember 2013 und
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den 30. Dezember 2014. Das Arbeitszeugnis der Firma datiert ebenfalls
vom 30. Dezember 2014 und wurde von einem Mann namens L._
ausgestellt. In dem Arbeitszeugnis wird über ein Beschäftigungsverhältnis
vom 1. Mai 2013 bis zum 30. Dezember 2014 berichtet. Mit der gleichen
Eingabe reichte der Beschwerdeführer auch die von ihm erwähnte Tazkira
seines Grossvaters ein, zusammen mit der Tazkira seiner Mutter. Im Rah-
men der Eingabe wurde vom Rechtsvertreter zudem unter Verweis auf des-
sen oben erwähnte Eingabe vom 8. Februar 2017 ausgeführt, das Original
des Taliban-Drohbriefes sei bereits zuhanden des SEM sichergestellt wor-
den.
C.b Nachdem der Beschwerdeführer schon im Verlauf des Beschwerde-
verfahrens D-4183/2016 mehrere Arztberichte vorgelegt hatte, reichte er
mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 7. Juni 2018 einen weiteren Arzt-
bericht zu den Akten, in welchem über das Vorliegen einer psychischen
Erkrankungslage mit stationärem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik
berichtet wird (vgl. dazu im Einzelnen die Akten). Gleichzeitig reichte er mit
dieser Eingabe ein Foto seiner Tazkira und nochmals ein Foto des angeb-
lichen Taliban-Drohbriefes nach.
D.
Mit Verfügung vom 23. Juli 2018 (eröffnet am folgenden Tag) stellte das
SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und lehnte sein Asylgesuch ab, verbunden mit der Anordnung der Wegwei-
sung aus der Schweiz. Gleichzeitig ordnete das SEM wegen Unzumutbar-
keit des Wegweisungsvollzuges die vorläufige Aufnahme des Beschwer-
deführers in der Schweiz an.
In seinem Entscheid gelangte das SEM zum Schluss, dass die Vorbringen
des Beschwerdeführers über eine angebliche Bedrohungslage vonseiten
der Taliban aufgrund von Widersprüchen in seinen Sachverhaltsangaben
sowie einer weitgehend mangelnden Substanziierung seiner Schilderun-
gen als unglaubhaft zu erkennen seien. Dabei verwies das SEM zunächst
auf Widersprüche in seinen Angaben zur Frage des Wohnorts seiner Fa-
milie, zur Frage nach der Anzahl angeblich erhaltener Drohbriefe und zur
Frage danach, wer wann und von wem von seiner Arbeit erfahren haben
soll. Die Gesuchsvorbringen seien bereits aufgrund dieser Widersprüche
vollständig erschüttert. Zu dem komme hinzu, dass seine Schilderungen
zur angeblichen Bedrohungslage der notwendigen Substanz entbehrten
und seine diesbezüglichen Angaben und Ausführungen auch mit nicht
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nachvollziehbaren inneren Widersprüchen behaftet seien. Vor diesem Hin-
tergrund könnten auch die von ihm vorgelegten Beweismittel im Resultat
zu keinem anderen Schluss führen, und zwar unbesehen davon, dass de-
ren Beweiswert ohnehin gering sei. Schliesslich spreche alleine die Tatsa-
che, dass er für die von ihm benannte Firma gearbeitet habe, nicht dafür,
dass er in seiner Heimat in asylrelevanter Art und Weise verfolgt wäre.
E.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 23. August 2018
– handelnd durch seinen Rechtsvertreter – Beschwerde. In seiner Eingabe
beantragte er zur Hauptsache die Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung, die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewährung von
Asyl, eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die An-
ordnung einer vorläufigen Aufnahme als Flüchtling, subeventualiter die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks hinreichenden Abklä-
rung des rechtserheblichen Sachverhalts. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege, um Befreiung
von der Kostenvorschusspflicht und um Beiordnung seines Rechtsvertre-
ters als unentgeltlicher Rechtsbeistand.
Im Rahmen seiner Beschwerdebegründung bestätigte und bekräftigte der
Beschwerdeführer das Vorbringen, er habe seine Heimat verlassen müs-
sen, nachdem es wegen seiner Arbeitsstelle in Kabul an seinem Heimatort
zu Drohungen vonseiten der Taliban gegenüber seinem Vater gekommen
sei. Zur Stützung dieses Vorbringens reichte er – zusammen mit einem
Auszug aus dem Linkedin-Profil von L._ – eine an den rubrizierten
Rechtsvertreter gerichtete und vom 18. August 2018 datierende E-Mail, in
welcher L._ bestätigt, dass der Beschwerdeführer für seine Firma
als "Security Guard Officer" gearbeitet habe, dass der Beschwerdeführer
Afghanistan habe verlassen müssen, nachdem er einige Warnungen von
den Taliban erhalten habe, und dass seine Firma dem Beschwerdeführer
damals geholfen habe, das Land zu verlassen. Unter Bezugnahme darauf
machte der Beschwerdeführer geltend, damit seien seine Gesuchsvorbrin-
gen von einer zweiten Person bestätigt und mit Beweismitteln belegt. Seine
Asylvorbringen seien in Anbetracht dessen als sehr glaubhaft zu bezeich-
nen. Den anders lautenden Feststellungen des SEM hielt er entgegen,
dass die Vorhalte der Vorinstanz, er habe sich hinsichtlich des Wohnorts
seiner Eltern, der Anzahl Drohbriefe und über das Wissen der Taliban um
seine Arbeitsstelle widersprochen, unbegründet seien. In dieser Hinsicht
brachte er vor, es sei für ihn unerklärlich, weshalb in der BzP Kabul als
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Wohnort seiner Eltern vermerkt worden sei. Diesem Vermerk liege mög-
licherweise ein Missverständnis zugrunde, zumal tatsächlich nur seine
Grossmutter dort lebe. Seine Eltern hätten demgegenüber nie dort gelebt.
Schliesslich sei auch nicht ersichtlich, inwiefern ihm eine diesbezügliche
Lüge in der BzP hätte einen Vorteil bringen sollen. Die Frage nach dem
Wohnort seiner Familie stelle aber ohnehin keinen wesentlichen Punkt dar.
Zur angeblich unterschiedlichen Anzahl der Drohbriefe sei zu vermerken,
dass es hier wohl bei der Übersetzung zu einer Verwechslung zwischen
der Anzahl an erhaltenen Drohungen mit der Anzahl erhaltener Drohbriefe
gekommen sei. Er habe indes im Rahmen der Anhörung sofort klären kön-
nen, dass er nur einen Brief erhalten habe. Diesen habe er denn auch mit
der Hilfe eines Landsmannes aus Afghanistan beschaffen können und die-
ser müsse auch im Original bei den Akten liegen. Auch in seinen Beschrei-
bungen dazu, wer wann und von wem von seiner Arbeit erfahren habe,
seien keine Widersprüche vorhanden. Seine diesbezüglichen Schilderun-
gen seien in sich schlüssig und durchaus plausibel ausgefallen. Mit Blick
darauf seien die vorinstanzlichen Ausführungen zum angeblichen Vorlie-
gen von Widersprüchen als gesucht zu bezeichnen. Hätte die Vorinstanz
nicht auf eine vollständige BzP verzichtet und ihn nicht erst im Juni 2018
angehört, hätten sich mit Sicherheit nie Zweifel ergeben. In ihren Erwägun-
gen über die angeblich mangelnde Substanziierung seiner Schilderungen
verkenne die Vorinstanz sodann, dass er an einer schweren Traumatisie-
rung leide. Wegen dieser sei er nicht nur auf starke Psychopharmaka an-
gewiesen, sondern er sei deswegen auch schon mehrfach in stationärer
Behandlung gewesen. Da er extreme Angst vor der Anhörung gehabt habe,
habe er vor dem Termin eine Tablette X._ und zusätzlich noch eine
Tablette Y._ zu sich genommen, was in der Kombination zu Sedie-
rung, Müdigkeit und Benommenheit führe. Laut dem Protokoll sei denn
auch während der Anhörung sowohl von der Sachbearbeiterin als auch
vom Hilfswerkvertreter bemerkt worden, dass er unter dem starken Medi-
kamenteneinfluss leide. Dass diese Umstände vom SEM nicht gewürdigt
worden seien, stelle eine Verletzung der Begründungspflicht dar. Aufgrund
seiner krankheitsbedingten kognitiven Einschränkung könne ihm nicht vor-
gehalten werden, dass er nicht ausführlich genug erzählt habe. Schliess-
lich sei ohne weiteres nachvollziehbar, dass er sich aufgrund der im Hei-
matort erhaltenen Warnungen zu einer Ausreise aus Afghanistan veran-
lasst gesehen habe, auch wenn er zu jener Zeit im weit entfernten Kabul
gelebt habe. Zwar halte das SEM im Weiteren dafür, dass die von ihm vor-
gelegten Beweismittel nicht geeignet seien, seine Vorbringen als glaubhaft
erscheinen zu lassen. Mit dem von ihm vorgelegten Beweismitteln sei je-
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doch zumindest belegt, dass er als Sicherheitskraft für eine Firma gearbei-
tet habe, welche Ausländer transportiert habe. Damit könne er seine Vor-
bringen zum Teil direkt beweisen, was als erhebliches Indiz für die Plausi-
bilität seiner Vorbringen zu werten sei. In seinen weiteren Ausführungen
zur Sache machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, auf-
grund seiner Tätigkeit für ein Unternehmen, welches direkt für ausländi-
sche Personen tätig gewesen sei, sei er nicht nur im Zeitpunkt seiner Aus-
reise einer besonderen Gefährdung ausgesetzt gewesen, sondern er er-
fülle deswegen auch heute noch ein Risikoprofil gemäss der Rechtspre-
chung des Bundesverwaltungsgerichts. Für die diesbezüglichen Ausfüh-
rungen kann – soweit nicht nachfolgend darauf eingegangen wird – auf die
Akten verwiesen werden.
Im Rahmen der Beschwerde wurde ausserdem geltend gemacht, dass das
Original des Taliban-Drohbriefes bei den Akten liegen müsse, zumal dieses
von der EZV zuhanden des SEM eingezogen worden sei. Dabei wurde auf
Eingabe des Rechtsvertreters an die SEM-Dienststelle "Identifikation" vom
8. Februar 2017 und auf das EZV-Schreiben vom 17. Januar 2017 verwie-
sen und gleichzeitig vorgebracht, dem Original-Drohbrief komme zweifels-
ohne zentrale Bedeutung zu. Aufgrund der vorinstanzlichen Erwägungen
bestehe jedoch für den Beschwerdeführer Anlass zur Annahme, dass das
SEM dieses zentrale Beweismittel verloren habe, was eine gravierende
Verletzung seines Anspruchs auf das rechtliche Gehör darstelle und schon
für sich alleine zu einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen
müsse.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 28. August 2018 wurde den Gesuchen um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege (im Sinne von Art. 65 Abs. 1
VwVG), um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63
Abs. 4 VwVG) und um Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
unentgeltlicher Rechtsbeistand (nach aArt. 110a Abs. 1 AsylG) entspro-
chen. Gleichzeitig wurde das SEM zum Schriftenwechsel eingeladen
(Art. 57 Abs. 1 VwVG).
G.
In seiner Vernehmlassung vom 12. September 2018 hielt das SEM an der
angefochtenen Verfügung fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde. Dabei führte es einleitend aus, mit der Beschwerde seien keine
neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel eingebracht worden, wel-
che zu einer Änderung seines bisherigen Standpunktes führen könnten. Zu
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den Ausführungen des Beschwerdeführers bleibe jedoch festzuhalten,
dass sich in den Akten nur zwei Kopien des angeblichen Taliban-Drohbriefs
fänden, aber nicht das von ihm geltend gemachte Original. Dieses sei mög-
licherweise aus nicht bekannten Gründen dem Dossier N (...) zugeordnet
worden, welches sich derzeit beim Bundesverwaltungsgericht befinde.
Zwar sei beim Erlass der angefochtenen Verfügung dem Hinweis auf das
im Dossier fehlende Original nicht nachgegangen worden. Allerdings hätte
auch das Vorhandensein des Originals im Resultat zu keinem anderen Er-
gebnis geführt, zumal der Beweiswert solcher Dokumente als sehr tief an-
zusetzen sei, weil sie leicht käuflich erworben oder selbst hergestellt wer-
den könnten. Abschliessend hielt das SEM fest, der Beschwerdeführer
lasse kein relevantes Profil erkennen, auch wenn er unter Bezugnahme auf
die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts geltend mache, er sei als ehe-
maliger Mitarbeiter einer Firma mit Bezug zu westlichen Unternehmen oder
Organisationen einem erhöhten Gefährdungsrisiko ausgesetzt. Zum einen
seien solche Personen nicht per se einer Gefährdung ausgesetzt. Zum an-
deren seien die Vorbringen des Beschwerdeführers über angebliche Ver-
folgungsmassnahmen aufgrund erheblicher Widersprüche und mangels
Substanziierung unglaubhaft.
H.
Nachdem er zur Stellungnahme (Replik) eingeladen worden war, hielt der
Beschwerdeführer mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 11. Oktober
2018 an seiner Beschwerde fest. Dabei machte er geltend, die Vorinstanz
habe sowohl ihre Pflicht zur vollständigen und richtigen Sachverhaltsabklä-
rung als auch seinen Anspruch auf das rechtliche Gehör verletzt, indem sie
bloss Mutmassungen über den Verbleib des Original-Drohbriefes anstelle.
Nachdem sie ein wesentliches Beweismittel nicht zu den Akten genom-
men, gehe es jedoch nicht an, dass sie das in Verstoss geratene Beweis-
mittel einfach einer antizipierten Würdigung unterziehe. Dies stelle eine ge-
radezu lehrbuchartige Verletzung des rechtlichen Gehörs und des Unter-
suchungsgrundsatzes dar. Darüber hinaus habe es die Vorinstanz auch
unterlassen, sich zu dem auf Beschwerdeebene eingereichten Schreiben
seines ehemaligen Chefs zu äussern. Die Vorinstanz stütze sich weiterhin
nur auf seine einmalige Anhörung zu seinen Gesuchsgründen, bei welcher
er jedoch unter schwerem Medikamenteneinfluss gestanden habe. Damit
blende sie aus, dass seine Gesuchsvorbringen in Anbetracht seiner neuen
Beweismittel als äusserst glaubhaft zu bezeichnen seien. Abschliessend
bekräftigte er das Vorbringen betreffend das Vorliegen einer rechtserhebli-
chen Gefährdungslage, weil er in der Heimat für ein westliches Unterneh-
men gearbeitet habe.
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Seite 12
I.
Am 27. Februar 2020 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
seine Kostennote zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-
gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist die Änderung des AsylG vom 25. September 2015
in Kraft getreten; im vorliegenden Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
dazu Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur genannten AsylG-Ände-
rung).
1.4 Im Geltungsbereich des AsylG kann mit Beschwerde die Verletzung
von Bundesrecht (einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Er-
messens) sowie die unrichtige und unvollständige Feststellung des rechts-
erheblichen Sachverhalts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
1.5 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und die Be-
schwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (aArt. 108 Abs. 1 AsylG;
Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1 Vom Beschwerdeführer wird unter anderem die Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung und Rückweisung der Sache an die Vorinstanz bean-
tragt. Dies zunächst im Sinne eines Eventualantrages und für den Fall,
dass es dem Gericht nicht möglich sein sollte, seine Flüchtlingseigenschaft
aufgrund der bereits bestehenden Aktenlage festzustellen (vgl. Beschwer-
de, Antrag Nr. 5 und Begründung S. 19 [Ziff. II.9]). Eine Rückweisung der
Sache verlangt er im Weiteren aber gerade auch deshalb, weil davon aus-
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Seite 13
zugehen sei, dass das SEM das Original des Taliban-Drohbriefes und da-
mit sein zentrales Beweismittel verloren habe, was eine gravierende Ver-
letzung seines Anspruchs auf das rechtliche Gehör darstelle und schon für
sich alleine zu einer Aufhebung der angefochtenen Verfügung führen
müsse. In seiner Replikeingabe bekräftigte er dieses Vorbringen nochmals,
indem er sich auf eine angeblich geradezu lehrbuchartige Verletzung sei-
nes Anspruchs auf das rechtliche Gehör und des Untersuchungsgrundsat-
zes beruft, weil sich das SEM nach dem Verlust des Original-Drohschrei-
bens zu nichts Weiterem veranlasst gesehen habe, als zu einer antizipier-
ten Beweiswürdigung, in deren Rahmen sie seinem zentralen Beweismittel
den Beweiswert abgesprochen habe.
2.2 Aufgrund der Aktenlage ist festzustellen, dass die Vorbringen über den
angeblichen Verlust eines Original-Beweismittels ausschliesslich auf der
Annahme des Beschwerdeführers basiert, von der EZV seien am 17. Ja-
nuar 2017 nicht nur die drei im EZV-Schreiben ausdrücklich genannten Do-
kumente ans SEM überwiesen worden (also eine Tazkira und zwei angeb-
liche Polizeirapporte, welche sich alle auf den vorerwähnten Dritten bezo-
gen), sondern darüber hinaus auch noch mindestens ein weiteres, jedoch
unerwähnt gebliebenes Beweismittel, nämlich das von ihm angerufene Ori-
ginal eines angeblichen Taliban-Drohbriefes. Die Annahme des Beschwer-
deführers erweist sich jedoch als bar jeder Grundlage. So darf mit Be-
stimmtheit davon ausgegangen werden, dass von der EZV nur genau jene
drei Dokumente ans SEM überwiesen wurden, welche im EZV-Schreiben
ausdrücklich und mit präzisen Angaben zum jeweiligen Dokument ausge-
wiesen sind. Alleine der Umstand, dass sich das SEM im Rahmen seiner
Vernehmlassung auf die anders lautende Annahme des Beschwerdefüh-
rers einliess und dem wesentlichen Sinngehalt nach Zweifel an der eige-
nen Aktenführung zu hegen begann, vermag daran nichts zu ändern. Tat-
sächlich verhält es sich so, dass die EZV Sendungen aus dem Ausland
stichprobenartig auf zollpflichtige Waren überprüft. Tauchen bei einer sol-
chen Prüfung Reisepapiere, Identitätsausweise oder andere Dokumente
auf, die einen Hinweis auf die Identität einer asylsuchenden Person geben,
so hat die EZV diese zuhanden des SEM sicherzustellen (Art. 10 Abs. 2
AsylG). Wenn es zu einer solchen Sicherstellung kommt, so tangiert diese
nur die entsprechenden Dokumente, aber nicht die Sendung an sich und
deren übrigen Inhalt. Die Sendung wird nach erfolgter Prüfung von der EZV
mit ihrem gesamten übrigen Inhalt wieder an die zuständige Post oder an
den zuständigen internationalen Kurierdienst übergeben, worauf die Zu-
stellung normal fortgesetzt werden kann. Auch im Falle der vom Beschwer-
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deführer angerufenen Sendung, welche an den vorerwähnten Dritten ad-
ressiert war, hat sich das mit Sicherheit nicht anders verhalten. Zwar hat
der Beschwerdeführer im Rahmen der Anhörung vom 1. Juni 2018 unter
Vorlage eines Auszuges aus dem Sendungsverfolgungssystems der Post
geltend gemacht, er habe das Original des Taliban-Drohbriefes an einen
anderen schicken lassen, die Sendung sei jedoch von der Post angehalten
worden und werde ihnen (sinngemäss: bis heute) nicht ausgehändigt. Mit
dem vom 11. Januar 2017 datierenden Auszug ist jedoch einzig belegt,
dass sich die Sendung zu jenem Zeitpunkt – also anderthalb Jahre vor der
Anhörung – noch im Verzollungsprozess befand, was offenkundig zutref-
fend ist. Die Sendung wurde ja erst nach Abschluss der Zollprüfung, also
erst zu einem Zeitpunkt nach dem 17. Januar 2017 von der EZV wieder an
die Post übergeben. In diesem Zusammenhang ist einzig anzumerken,
dass der gesamte EZV-Prozess tatsächlich viel Zeit in Anspruch nahm.
Nach der erfolgten Rückübergabe dürfte die Post die Sendung ohne wei-
teren Verzug an den Adressaten ausgeliefert haben, sollte sie die Sendung
nicht mangels Abholung durch diesen wieder an den Absender retourniert
haben (bei der Sendung handelte es sich um ein internationales Einschrei-
ben). Nach dem Gesagten stossen der Vorhalt an die Adresse des SEM
betreffend den angeblichen Verlust eines Original-Beweismittels und sämt-
liche damit in Verbindung stehenden prozessualen Rügen ins Leere.
2.3 Vom Beschwerdeführer wird ferner geltend gemacht, er habe anläss-
lich der Anhörung vom 1. Juni 2018 unter dem Einfluss von Medikamenten
gestanden, was vom SEM nicht hinreichend berücksichtigt worden sei. In
dieser Hinsicht geht aus dem Protokoll zur Anhörung hervor, dass diese
ganztätig war, indem sie von 9:30 Uhr bis um 16:00 Uhr dauerte (unterbro-
chen von je einer Pause morgens und nachmittags sowie einer Mittags-
pause von 11:55 Uhr bis 12:45 Uhr), und dass der zuständigen SEM-Mit-
arbeiterin gegen deren Ende auffiel, dass der Beschwerdeführer unkon-
zentrierter und fahriger wurde, worauf sie ihn konkret auf seinen Medika-
mentenkonsum ansprach (vgl. a.a.O., F. 224-230). Die vom Beschwerde-
führer sowohl an dieser Stelle als auch in der Beschwerde gemachten An-
gaben sprechen dafür, dass er am Morgen vor Anhörung eine Tablette
X._ (im Regelfall 10 mg) und eine Tablette Y._ (gemäss Pro-
tokoll 20 mg) eingenommen habe. Das dürfte zu einer gewissen Dämp-
fung, aber mit Sicherheit nicht zu einer relevanten Einschränkung im Aus-
druck und der Wahrnehmungsfähigkeit des Beschwerdeführers geführt ha-
ben. Die vorgebrachten Dosen lassen keinen anderen Schluss zu, zumal
sie im normalen Anwendungsbereich der genannten Medikamente liegen,
wie auch deren Einnahme am Morgen der Norm entspricht. Auch war der
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Beschwerdeführer mit diesen Medikamenten schon länger vertraut (vgl.
dazu die bei den Akten liegenden Arztberichte). Da gleichzeitig nichts dafür
spricht, er hätte zusätzlich auch noch unter dem Einfluss von Z._
gestanden, welches ihm damals ebenfalls zur Verfügung stand (gemäss
Protokoll in der Form von Tabletten zu 100 mg), welches er aber nur
abends zur Schlafregulierung einnimmt oder einnahm (vgl. dazu neben
F. 224-230 wiederum die bei den Akten liegenden Arztberichte), besteht
kein Anlass zur Annahme, dass er anlässlich der Anhörung in rechtserheb-
licher Weise in seinem Sachverhaltsvortrag eingeschränkt gewesen wäre.
Aus den Anmerkungen der Hilfswerkvertretung ergibt sich auch nichts an-
deres, sondern lediglich, dass er extrem niedergeschlagen gewesen sei
und er den Blick meistens gesenkt gehalten habe. Da sich auch aus den
protokollierten Aussagen nichts anderes ergibt, spricht insgesamt nichts
dafür, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung nicht zu einem
in jeder Hinsicht vollständigen und korrekten Sachverhaltsvortrag in der
Lage gewesen wäre. Nach dem Gesagten besteht kein Grund für eine
Rückweisung der Sache zwecks zusätzlicher Sachverhaltsabklärungen
respektive der implizit geforderten erneuten Anhörung.
2.4 Da nach vorstehenden Erwägungen weder die prozessualen Rügen
begründet sind noch Bedarf an weiteren Sachverhaltsabklärungen besteht,
hat das Gericht in der Sache zu entscheiden (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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4.
4.1 Anspruch auf Asyl hat demnach, wer nachweisen oder zumindest
glaubhaft machen kann, dass er im Zeitpunkt der Ausreise aus dem Hei-
mat- oder Herkunftsstaat aus einem asylrelevanten Grund ernsthaften
Nachstellungen bereits ausgesetzt war oder dass er aus einem solchen
Grund entsprechende Nachstellungen zumindest konkret zu fürchten
hatte. Der Beschwerdeführer macht geltend, er erfülle diese Voraussetzun-
gen, weil ihm an seinem Heimatort Drohungen vonseiten der Taliban zuge-
gangen seien, da er in Kabul einer beruflichen Tätigkeit mit Bezug zu Aus-
ländern nachgegangen sei. Aufgrund seiner früheren beruflichen Tätigkeit
erfülle er zudem ein Risikoprofil, welches für seine andauernde Gefähr-
dung spreche. Vom Beschwerdeführer wird allerdings verkannt, dass seine
Gesuchvorbringen mit grundlegenden inneren Widersprüchen behaftet
sind, und zwar noch unbesehen davon, dass seine Angaben und Ausfüh-
rungen – wie vom SEM erwogen – ganz überwiegend die notwendige Sub-
stanziierung missen lassen.
4.2 Der Beschwerdeführer beruft sich konkret darauf, dass die Taliban an
seinem in der Provinz Ghazni gelegenen Heimatort gegenüber seinem Va-
ter mündliche Drohungen ausgesprochen und dem Vater auch einmal ein
Drohschreiben übergeben hätten. Zu den Drohungen sei es gekommen,
weil den Taliban an seinem Heimatort durch Hörensagen bekannt gewor-
den sei, dass er sich in Kabul als Wächter betätige. Dem Beschwerdeführer
ist entgegenzuhalten, dass dieses Vorbringen nicht überzeugen kann, weil
es sich nicht mit den an seinem Heimatort herrschenden Verhältnissen ver-
einbaren lässt. In diesem Zusammenhang ist vorab festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer zu schlüssigen Angaben zu seinem ursprünglichen Her-
kunftsort in der Lage war, bei welchem es sich um das Dorf H._
(auch: M._ bzw. N._) handle, welches in der Gegend von
C._ (auch: O._ oder P._ bzw. Q._[...] und
R._ [...]) und im Distrikt E._ gelegen ist. Auch die vom Be-
schwerdeführer erwähnte Ortschaft G._ (auch: S._), wo
seine Familie Verwandte habe, liegt in dieser Gegend. Beim Distrikt
E._ handelt es sich um (...[einen]) Distrikt der Provinz Ghazni, wel-
che insgesamt 19 Distrikte umfasst. Er gehört mit seinen beiden Nachbar-
distrikten T._ ([...]) und U._ ([...]) zum klassischen Sied-
lungsgebiet der Hazara, dem sogenannten Hazarajat. In diesen drei Dis-
trikten stellen die Hazara die klare Bevölkerungsmehrheit, und zwar mit
einem Anteil von nahezu 100%. In drei weiteren Distrikten der Provinz
Ghazni stellen sie zwar ebenfalls die Mehrheit, aber nicht mit einer derart
erdrückenden Übermacht (Jaghatu, Khwaja Umari und Dehyak). In den
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drei von ihnen faktisch vollständig dominierten Distrikten – also in Jaghuri,
Malestan und Nawur – verfügen die Hazara über die klare militärische Ho-
heit. Aufgrund dieser klaren Übermacht war in diesem Gebiet zu keinem
Zeitpunkt eine Machtübernahme durch die Taliban zu befürchten, woran
sich bis heute nichts geändert hat. In den drei Hazara-Distrikten stellt sich
denn auch die Sicherheitslage deutlich besser dar als im Rest der Provinz
Ghazni (vgl. dazu auch das BVGer-Urteil D-1484/2017 vom 29. Mai 2018
E. 4.2 m.w.H.; vgl. für die Entwicklung im Rest der Provinz: European
Asylum Support Office [EASO], Afghanistan Security Situation, COI-Report
September 2020, S. 130 ff.). Zwar sind die Taliban auch bei dieser Aus-
gangslage noch zu generellen Gewalttaten wie der Verübung von Anschlä-
gen oder zu Angriffen auf entlegene Siedlungen in der Lage, wie auch zum
Legen von Minen oder Sprengfallen entlang von Verkehrswegen. Entlang
von Verkehrswegen kann es auch zu Entführungen und Verschleppung
kommen (dies meist zwecks Lösegelderpressung). Demgegenüber darf
mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Taliban in
diesem Gebiet zu informellen Aktivitäten in der Lage wären, wie das per-
sönliche Ausforschen und Aushorchen der Bevölkerung und die gezielte
Ansprache von Einzelpersonen. Das ist ihnen deshalb verwehrt, weil sie
unter den dort ansässigen Hazara nicht im Mindesten verankert sind. Mit
Blick darauf kann das Kernvorbringen des Beschwerdeführers – die Be-
hauptung einer angeblich am Heimatort mehrfach gezielt erfolgten persön-
lichen Ansprache seines Vaters vonseiten der Taliban, weil diese vor Ort
von ihm Reden gehört hätten – nicht überzeugen, da dies konkrete und
auch enge persönliche Kontakte der Taliban zur lokalen Bevölkerung vo-
raussetzt, über welche sie im Hazarajat gerade nicht verfügen.
4.3 Zum bereits Gesagten kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer im
Verlauf des erstinstanzlichen Verfahrens sehr unterschiedliche Angaben
zum Wohnort seiner Familie gemacht hat. Dem damit geschaffenen Wider-
spruch kommt ausschlaggebendes Gewicht zu, da den Vorbringen über
eine angebliche Bedrohungslage vonseiten der Taliban am Heimatort die
Grundlage entzogen ist, wenn die Familie des Beschwerdeführers im be-
haupteten Zeitraum – in den letzten Monaten vor seiner Ende März oder
Anfang April 2015 erfolgten Ausreise – nicht mehr an ihrem ursprünglichen
Heimatdort, sondern schon länger in Kabul gelebt hat. Der Beschwerde-
führer hat jedoch anlässlich der BzP vom 3. Juni 2015 genau davon be-
richtet, und zwar im Rahmen von sehr präzisen und insgesamt schlüssigen
Angaben und Ausführungen (vgl. oben, Bst. B.a). Die Qualität seiner dort
gemachten Angaben und Ausführungen, mithin sein detaillierter Bericht
über den kriegsbedingten Umzug seiner Familie nach Kabul schon im
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Jahre 2013, nachdem sie schon während seiner Kindheit einmal kriegsbe-
dingt geflohen seien, zum Wohnort seiner Familie im Quartier F._
(auch: V._, ein Quartier im [...]. Stadtbezirk von Kabul) und zu sei-
nen weiteren Angehörigen in der Stadt (eine ganze Reihe von Onkeln und
Tanten sowohl väterlicher- als auch mütterlicherseits) lassen nicht den min-
desten Zweifel daran aufkommen, dass die anlässlich der BzP gemachten
Angaben zutreffend waren. Das Beschwerdevorbringen, anlässlich der
BzP müsse es wohl zu einer versehentlichen Fehlprotokollierung gekom-
men sein, kann vor diesem Hintergrund nicht überzeugen; das Vorbringen
ist als blosse Schutzbehauptung zu erkennen. Dem Vorbringen ist gleich-
zeitig entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer im Rahmen der An-
hörung vom 1. Juni 2018 zwar zu hinreichend präzisen Angaben zu seinem
ursprünglichen Herkunftsort in der Lage war, aber gerade nicht dazu, wo
seine Familie aktuell lebe. Machte er dazu im Rahmen der Anhörung zuerst
noch geltend, sie lebten bis heute am Heimatort, brachte er später vor, sie
lebten eigentlich mittlerweile in Ghazni-Stadt, nachdem sie zwischenzeit-
lich auch noch zu Verwandten nach G._ geflüchtet seien. Dieser
offenkundig wechselhafte Sachverhaltsvortrag kann nicht überzeugen.
4.4 Nach dem Gesagten ist dem Vorbringen über angeblich am ursprüng-
lichen Herkunftsort vonseiten der Taliban erhaltene Drohungen die Grund-
lage entzogen. Der vorgelegte angebliche Taliban-Drohbrief ist bei dieser
Sachlage ohne weiteres als Fälschung zu erkennen.
4.5 Der Beschwerdeführer macht unter Verweis auf seine weiteren Beweis-
mittel geltend, mit diesen sei zumindest belegt, dass er im Zeitpunkt seiner
Ausreise einer beruflichen Tätigkeit mit direktem Bezug zu Ausländern
nachgegangen sei, weshalb er sich auch heute noch vor den Taliban zu
fürchten habe. In diesem Zusammenhang verweist er namentlich auf die
mit der Beschwerde vorgelegte E-Mail vom 18. August 2018, in welcher
seine Vorbringen von seinem Chef L._ bestätig würden. Dem Be-
schwerdeführer ist allerdings entgegen zu halten, dass die von ihm im Ver-
lauf des erstinstanzlichen Verfahrens vorgelegten Unterlagen zwar dafür
sprechen, er habe vormals für eine Firma namens K._ gearbeitet,
aber eben auch sehr klar dafür, er habe diese Anstellung schon Monate vor
seiner Ausreise verloren. Die beiden abgelaufenen Arbeitsausweise und
das Arbeitszeugnis vom 30. Dezember 2014 – bei welchem es sich offen-
kundig um ein Austrittszeugnis handelt – lassen keinen anderen Schluss
zu. Auch aus der E-Mail vom 18. August 2018 ergibt sich nichts anderes,
da diese als weitgehend inhaltsleer bezeichnet werden muss. Da
L._ nicht die mindesten Detailangaben zum Beschwerdeführer und
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zu dessen Beschäftigungsverhältnis gemacht hat, ist seine E-Mail ohne
weiteres als blosses Gefälligkeitsschreiben zu erkennen. Nachdem bereits
aufgrund dieser Umstände kein Grund zur Annahme besteht, dass der Be-
schwerdeführer im Zeitpunkt seiner Ausreise einer exponierten beruflichen
Tätigkeit nachgegangen wäre, kann auf eine Auseinandersetzung mit sei-
nen effektiv weitgehend unsubstanziierten Angaben und Ausführungen
über seine angebliche Tätigkeit als Wächter und Reisebegleiter von Aus-
ländern verzichtet werden. Mangels konkreter Hinweise auf eine expo-
nierte Tätigkeit im Zeitpunkt der Ausreise ist auch nichts ersichtlich, was
die Annahme begründen könnte, er würde zum heutigen Zeitpunkt ein Ri-
sikoprofil im Sinne der von ihm angerufenen Praxis zu Afghanistan erfüllen
(vgl. dazu statt vieler die BVGer-Urteile D-5923/2018 vom 17. August 2020
E. 8.2 und E-6048/2018 E. 7.2.2).
4.6 Nach vorstehenden Erwägungen sind im Falle des Beschwerdeführers
keine Sachverhaltsumstände bewiesen oder zumindest glaubhaft ge-
macht, welche zur Feststellung der Flüchtlingseigenschaft führen könnten.
Die Abweisung des Asylgesuches ist demnach zu bestätigen.
5.
5.1 Nach der Ablehnung des Asylgesuches hat das SEM sodann zu Recht
die Wegweisung aus der Schweiz verfügt (Art. 44 [erster Satz] AsylG;
vgl. ferner BVGE 2013/37 E 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
5.2 Vorliegend hat das SEM anstelle des Wegweisungsvollzuges die vor-
läufige Aufnahme des Beschwerdeführers in der Schweiz angeordnet
(Art. 44 [zweiter Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1-4 AIG [SR 142.20]). Hier-
zu bleibt anzumerken, dass die Gründe für die Anordnung der vorläufigen
Aufnahme im Einzelnen – vorliegend erkennt das Staatssekretariat den
Vollzug nach Afghanistan aufgrund der Aktenlage als unzumutbar (Art. 83
Abs. 4 AIG) – vom Gericht nicht näher zu prüfen sind. Die drei Bedingun-
gen für einen Verzicht auf den Vollzug der Wegweisung (Art. 83 Abs. 2-4
AIG; Unmöglichkeit, Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit) sind alternativer
Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als
undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz
gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu regeln. Ge-
gen eine allfällige Aufhebung der vorläufigen Aufnahme steht dem wegge-
wiesenen Asylsuchenden wiederum die Beschwerde ans Bundesverwal-
tungsgericht offen, wobei in jenem Verfahren sämtliche Vollzugshinder-
nisse von Amtes wegen und nach Massgabe der dannzumal herrschenden
Verhältnisse von Neuem zu prüfen sind (BVGE 2009/51 E. 5.4 m.w.H).
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6.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
7.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten des Verfahrens
grundsätzlich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG;
Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
Aufgrund der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (nach Art. 65
Abs. 1 VwVG) ist jedoch von einer Kostenauflage abzusehen.
7.2 Nachdem der rubrizierte Rechtsvertreter dem Beschwerdeführer als
amtlicher Rechtsbeistand beigeordnet worden ist (vgl. aArt. 110a Abs. 1
AsylG), ist er für seinen Aufwand unbesehen des Ausgangs des Verfahrens
zu entschädigen, soweit dieser sachlich notwendig war (vgl. Art. 12 i.V.m.
Art. 8 Abs. 2 VGKE). In seiner Kostennote vom 27. Februar 2020 hat der
Rechtsvertreter einen Aufwand von insgesamt 161⁄2 Stunden geltend ge-
macht, was als der Sache nicht angemessen und zu hoch bezeichnet wer-
den muss. Gleichzeitig bringt er in der Kostennote einen Ansatz zur An-
wendung, welcher im Rahmen des amtlichen Honorars zu kürzen ist. Das
amtliche Honorar ist daher aufgrund der Aktenlage, der massgebenden Be-
messungsfaktoren (Art. 12 i.V.m. Art. 9-11 VGKE) und des praxisgemäs-
sen Stundenansatzes für amtliche Rechtsbeistände gemäss
aArt. 110a AsylG auf Fr. 2'400.– festzusetzen (was einem Aufwand von 12
Stunden zu Fr. 220.– entspricht), zuzüglich der geltend gemachten Ausla-
gen von Fr. 40.60, ausmachend den Betrag von Fr. 2'441.–.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 21