Decision ID: 4fda8990-81d7-56e7-ae9b-2919e037a1f6
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 06.05.2015 Eine Kausalkette (1. früherer anerkannter Unfall; 2. Medikamenteneinnahme wegen Unfallfolgen; 3. durch Nebenwirkungen ausgelöste weitere Ereignisse; 4. Schäden durch diese Ereignisse), die zur Leistungspflicht des Versicherers des ursprünglichen Unfalls für die Folgen der späteren Ereignisse führen würde, ist nicht hinlänglich erstellt (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Mai 2015,UV 2014/10).Durch Urteil des Bundesgerichts 8C_435/2015 bestätigt.Vizepräsidentin Miriam Lendfers, Versicherungsrichterin Christiane Gallati Schneider,Versicherungsrichter Ralph Jöhl; Gerichtsschreiberin Andrea WepferEntscheid vom 6. Mai 2015in SachenA._,Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,gegenSchweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358, 6002 Luzern,Beschwerdegegnerin,betreffendVersicherungsleistungenSachverhalt:
A.
A.a A._ war bei Aufzüge B._ angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 10. April 1993 traf er
Vorbereitungsarbeiten, um einen Stall in eine Garage umzubauen, als ihm ein
Holzbalken auf die Stirn fiel (Suva-act. 1, 2). Er erlitt eine Nasenbeinfraktur und
posttraumatisch trat ein Diabetes insipidus auf. Dem Versicherten wurde das
Medikament Minirin intranasal verschrieben (Suva-act. 2). Am 25. Juni 1993 wurde ein
MRI des Schädels, insbesondere der Hypophysenregion, angefertigt. Der Befund war
vereinbar mit einer Atrophie bzw. Hypoplasie der Hypophyse (Suva-act. 9). Die Suva
lehnte mit Schreiben vom 6. Mai 1994 eine Leistungspflicht für von ihrem Kreisarzt am
9. August 1993 (Suva-act. 14) und 3. Mai 1994 (Suva-act. 30) abgeklärte
Rückenbeschwerden mangels Vorliegens einer natürlichen Kausalität ab (Suva-act. 31).
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An dieser Ablehnung hielt die Suva mit Schreiben vom 6. Oktober 1994 fest (Suva-act.
37). Die IV-Stelle des Kantons St. Gallen hielt ab dem 1. Mai 1995 einen Invaliditätsgrad
von 57 % fest und richtete dementsprechend eine Rente aus (Mitteilung vom 2. April
1996; Suva-act. 41).
A.b Nachdem der Versicherte anlässlich eines Treffens mit einem
Aussendienstmitarbeiter der Suva am 21. Oktober 2008 nochmals vorgebracht hatte,
er sei der Meinung, betreffend seines Rückens würden Unfallfolgen vorliegen (Suva-
act. 55), wiederholte die Suva ihre Ablehnung mit Schreiben vom 4. November 2008
(Suva-act. 56).
B.
B.a Gemäss Austrittsbericht der Medizinischen Klinik des Kantonsspitales
Münsterlingen vom 20. Dezember 2010 hatte sich am 10. November 2010 ein
Autounfall in C._ ereignet. Der Versicherte war im Kantonsspital vom 26. November
bis 16. Dezember 2010 hospitalisiert und wurde u. a. wegen Frakturen im Bereich BWK
12 und LWK 1 behandelt (Suva-act. 103-15ff.).
B.b Am 24. Mai 2011 kam es zu einem weiteren Vorfall, bei welchem der Versicherte
im Badezimmer ausrutschte und an einen Stock anprallte. Er erlitt eine mässiggradige
Deckplattenimpression von BWK 6 (Suva-act. 103-23).
B.c Mit Verfügung vom 16. Januar 2013 lehnte die Suva eine Leistungspflicht sowohl
für das Ereignis vom 7. November 2010 (gemäss Austrittsbericht des Kantonsspitals
Münsterlingen vom 10. November 2010) wie auch für jenes vom 24. Mai 2011 ab. Sie
begründete ihre Ablehnung damit, dass eine erhöhte Gefahr für neue Unfälle aufgrund
der durch den Hausarzt überwachten Medikamenteneinnahme nicht bestanden habe
(Suva-act. 115).
C.
C.a Gegen die Verfügung der Suva erhob der Versicherte am 18. Februar 2013
Einsprache und beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen aus UVG für die
Folgen der Unfälle vom 7. November 2010 und 24. Mai 2011 zu erbringen (Suva-
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act. 118). Auch die Krankenversicherung des Versicherten, die avanex Versicherungen
AG, erhob Einsprache (Schreiben vom 22. April 2013, Suva-act. 126).
C.b Zur besseren Einstellung der Minirin-Dosierung hielt sich der Versicherte vom 7.
bis 11. März 2013 in der Medizinischen Klinik des Kantonsspitals Münsterlingen auf
(Suva-act. 122-8 ff.).
C.c Im Rahmen des Einspracheverfahrens wurde der Versicherte im Auftrag der Suva
durch Prof. Dr. med. D._, Kantonsspital St. Gallen, begutachtet. Im Gutachten vom
6. November 2013 wurde festgehalten, dass es bei Überdosierung von Minirin zu
Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme und auch Bewusstseinsstörungen
kommen könne und dass dieser Effekt bei der gleichzeitigen Einnahme anderer
Medikamente, die zu einer Flüssigkeitsretention führen könnten, verstärkt werden
könne. Die vorliegenden Angaben zu den genannten Ereignissen seien sehr dürftig. Ein
konkreter Zusammenhang mit der Minirin-Überdosierung sei deshalb nicht zu
beweisen, könne aber auch nicht ausgeschlossen werden (Suva-act. 137).
C.d Die Suva erliess am 21. Januar 2014 unter Hinweis auf das Gutachten vom
6. November 2013 einen abweisenden Einspracheentscheid. Ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Minirinkonsum und den Ereignissen vom
7. November 2010 und 24. Mai 2011 habe sich nicht nachweisen lassen (act. G 1.1).
D.
D.a Am 21. Februar 2014 erhob der Versicherte (nachfolgend Beschwerdeführer),
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller, Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid. Es seien ihm die gesetzlichen Leistungen für die Unfälle vom
10. April 1993, 7. November 2010 sowie 24. Mai 2011 zu gewähren. Er sei in seiner
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt aufgrund der Folgen des Unfalles vom 10. April 1993
und leide unter den Folgen der zu hohen Minirin-Dosierung. Der durch die Suva
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) bemühte Gutachter sei nicht unabhängig gewesen.
Die beiden Unfälle 2010 / 2011 wären ohne die Folgen des Unfalles von 1993
undenkbar gewesen (act. G 1).
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D.b Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Beschwerdeantwort vom 26. März
2014, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Der Prozess sei
auf die Frage ihrer Leistungspflicht in Bezug auf die Ereignisse vom 7. November 2010
und 24. Mai 2011 zu beschränken. Soweit die Ausrichtung von Leistungen in Bezug auf
den Unfall vom 10. April 1993 beantragt werde, sei darauf nicht einzutreten. Es seien
weder eine Bewusstseinsstörung am 7. November 2010 noch der Verkehrsunfall am
selben Tag erstellt. Die Kausalkette Minirinkonsum – Hyponatriämie – Bewusstlosigkeit
– Unfall vom 7. November 2010 – Rückenschäden LWK1 / BWK 12 sei nicht
überwiegend wahrscheinlich. Auch für den anderen behaupteten Unfall lägen keine
Beweise vor. Im Übrigen fehle es an konkreten Hinweisen für eine Voreingenommenheit
des beigezogenen Experten. Auch dieser bestätige, dass die genannte Kausalkette aus
medizinischer Sicht nicht zwingend und nicht rechtsgenüglich beweisbar sei (act. G 6).
D.c Mit Replik vom 22. Juli 2014 (act. G 14) und Duplik vom 15. September 2014
(act. G 18) liessen die Parteien unverändert an ihren Rechtsbegehren festhalten. Auf
ihre weiteren Vorbringen wird, sofern entscheidwesentlich, im Rahmen der Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin für die Folgen der Ereignisse vom 7. November 2010 und 24. Mai
2011. Nicht zu befinden ist über allfällige unmittelbare Folgen des Unfalles von 1993. In
der Verfügung vom 16. Januar 2013, die dem angefochtenen Einspracheentscheid
zugrunde liegt, hat die Beschwerdegegnerin ihre allfällige direkt aus dem Unfall von
1993 resultierende Leistungspflicht nicht zum Streitgegenstand erhoben. Der in der
Beschwerde gestellte Antrag des Beschwerdeführers, ihm seien auch für den Unfall
vom 10. April 1993 Leistungen zu gewähren, ist vor diesem Hintergrund und im Lichte
seiner Beschwerdebegründung so zu verstehen, dass die Folgen der Ereignisse von
2010 und 2011 als mittelbare Folgen des Unfalls von 1993 anzuerkennen seien.
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1.2 Die Beschwerdegegnerin hat die massgebenden rechtlichen Grundlagen,
insbesondere jene zum natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang, in
Erwägung 2 des Einspracheentscheides vom 18. Dezember 2013 zutreffend
wiedergegeben. Zu ergänzen ist, dass im Unfallversicherungsrecht, wie allgemein im
Sozialversicherungsrecht, der Untersuchungsgrundsatz herrscht. Der Unfallversicherer
und im Streitfall das Gericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln
bzw. die notwendigen Beweise zu erheben. Indessen ist die leistungsansprechende
Person gesetzlich verpflichtet, dabei mitzuwirken. Sie muss etwa die Umstände des
Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser Aufforderung nicht nach, indem sie
unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen
eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht keine
Leistungspflicht des Unfallversicherers (vgl. m.w.H. den Entscheid UV 2012/33 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Februar 2013, E. 1.3). Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Dieses Ergebnis kommt zur
Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher
Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 5b). Wird also auf dem Weg der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht (Thomas Locher,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) –, so hat dieses
als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person
auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
2.
2.1 Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin wäre zu bejahen, wenn die
folgende Kausalkette gegeben wäre: 1. Unfall vom 10. April 1993 – 2. Minirineinnahme
aufgrund einer unfallbedingten Schädigung – 3. Ereignisse vom 7. November 2010 und
24. Mai 2011 aufgrund der Minirineinnahme – 4. Verletzungsfolgen aufgrund dieser
Ereignisse.
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2.2 Die Beschwerdegegnerin erachtet den Beweis, dass sich am 7. November 2010
ein Unfall i.S.v. Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) ereignet hat, als missglückt. In der
Beschwerde schilderte der Beschwerdeführer den Hergang des Ereignisses von ca.
7. November 2010 (Datum nicht belegt) so, dass es zu einem nicht restlos geklärten
Autounfall gekommen sei. Der Beschwerdeführer sei als vermisst gemeldet worden
und im Rahmen einer durch seine Angehörigen gestarteten Suchaktion einige Tage
später in E._ aufgefunden worden, im Wagen sitzend/liegend, apathisch und ohne
Erinnerung (act. G 1). In der Replik ergänzte er, beim Verlassen des Spitals in C._
habe er festgestellt, dass der rechte vordere Pneu seines Autos beschädigt gewesen
sei und der rechte Seitenspiegel gefehlt habe. Ausserdem mutmasste er, der Vorfall
könnte sich so abgespielt haben, dass er dort, wo er hernach gefunden wurde, den
Wagen habe verlassen wollen, wegen der verlorenen Kontrolle über den eigenen Willen
gestürzt sei und den Rücken dumpf angeschlagen habe, so dass die Absplitterung der
Wirbelkörper erfolgt sei; im Weiteren habe er sich dann, wohl zum Selbstschutz auch
gegen die Kälte, wieder ins Auto gesetzt, ohne zu irgend einer Reaktion fähig gewesen
zu sein (act. G 14). Im Kurzaustrittsbericht der Klinik für Orthopädie und Traumatologie
des Kantonsspitales Münsterlingen vom 8. Dezember 2010 ist die Rede von einem
unklaren Autounfall zwei Wochen zuvor in C._ (Suva-act. 103) und die Ärzte der Klinik
F._ hielten in einem Bericht an Dr. med. G._ vom 7. März 2011 fest, das Auto sei
unbeschädigt gewesen, so dass der Patient einen Unfall ausschliesse, allerdings bleibe
das Zustandekommen der Frakturen unklar (Suva-act. 72). Demnach herrscht
Unklarheit bezüglich aller Eckpunkte eines möglichen Unfalles. Es steht nicht fest, wie,
wo und wann sich ein solcher abgespielt hat und wie der Beschwerdeführer sich
insbesondere die BWK 12-/LWK 1-Frakturen zugezogen hat. Das Auto des
Beschwerdeführers liefert abgesehen vom nach dessen Aussage fehlenden rechten
Seitenspiegel und dem beschädigten rechten vorderen Pneu keine Hinweise; diese
Schäden lassen jedoch keinerlei Rückschlüsse auf einen allfälligen Unfallhergang und
schliesslich das Entstehen der Frakturen zu. Der Beschwerdeführer selbst erinnert sich
nicht an den Vorfall und Zeugen sind keine bekannt. Betreffend die Vorkommnisse am
ca. 7. November 2010 kann nicht überwiegend wahrscheinlich vom Vorliegen eines
Unfalles gemäss Art. 4 ATSG ausgegangen werden.
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2.3 Betreffend den Vorfall am 24. Mai 2011 kam es gemäss der Schilderung des
Beschwerdeführers zu einem Sturz in der Badewanne. Auch hier sind Auslöser und
Ablauf unklar. Wiederum fehlen Zeugen. Folglich ist auch das Vorliegen eines Unfalls
bezüglich dieses Ereignisses fraglich.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat bei Prof. D._, Kantonsspital St. Gallen, ein
Gutachten in Auftrag gegeben um abzuklären, ob die Ereignisse vom 7. November
2010 und 24. Mai 2011 auf die Einnahme des Minirin zurückzuführen sind (vgl. Punkt 3
der in E. 2.1 erwähnten Kausalkette).
3.2 Die Beschwerdeführerin bringt vor, Prof. D._ sei befangen, da dieser den
Beschwerdeführer bereits im Jahr 2009 behandelt habe und im Gutachten vom 6. No
vember 2013 seinen damals gemachten Angaben nicht habe widersprechen wollen.
Gemäss BGE 132 V 93 E. 7.4.2 müssen Ausstands- oder Ablehnungsgründe so früh
wie möglich geltend gemacht werden. Es verstösst gegen Treu und Glauben,
Einwendungen dieser Art erst im Rechtsmittelverfahren vorzubringen, wenn dies schon
vorher hätte getan werden können. Wird die sachverständige Person nicht unverzüglich
als befangen abgelehnt, wenn die betroffene Person vom Ablehnungsgrund Kenntnis
erhält, verwirkt sie den Anspruch auf spätere Anrufung der Verfahrensgarantie. Dem
Beschwerdeführer war die Person des Gutachters bereits am 8. August 2013 bekannt
gegeben worden (Suva-act. 132) und er hatte keine Einwände vorgebracht (Suva-act.
133). Solche erhob er erstmals mit Stellungnahme vom 17. Januar 2014 (Suva-act.
145), dies, nachdem das Gutachten bereits erstattet worden war und er dieses zur
Kenntnis genommen hatte. Demnach erfolgte seine Kritik verspätet und hat er seinen
Anspruch auf Anrufung dieser Verfahrensgarantie verwirkt.
3.3 Auch wenn die Rüge rechtzeitig erfolgt bzw. die verspätete Erhebung zu
entschuldigen wäre, wäre eine Befangenheit indes zu verneinen, wie sich nachfolgend
ergibt. Vorbefasstheit kann einen Ausstandsgrund darstellen. Entscheidend ist nach
der Rechtsprechung, dass das Ergebnis der Begutachtung nach wie vor als offen und
nicht vorbestimmt erscheint. Dies ist etwa der Fall, wenn der Sachverständige andere
Fragen zu beantworten hat oder ein erstes Gutachten lediglich zu erläutern oder
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ergänzen hat, nicht aber, wenn er die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise
überprüfen sollte (SVR 2009 IV Nr. 16 E. 6.2, Urteil 8C_89/2007 vom 20. August 2007
E. 6.2 vgl. auch 8C_35/2014 vom 16. Juni 2014). In einem Bericht zuhanden der
Beschwerdegegnerin erwähnte Prof. Dr. D._ am 16. März 2011 eine Kontrolle am
Kantonsspital St. Gallen bezüglich des Minirin-bedürftigen Diabetes insipidus centralis,
welche am 7. Dezember 2009 stattgefunden hatte. Er hatte anlässlich dieser
Konsultation empfohlen, die (relativ hohe) Dosierung beizubehalten, da sich diese
bereits seit Jahren eingependelt habe, es nie zu schwerwiegenden Komplikationen
gekommen sei und da nun auch ein ausgeglichener Elektrolytstatus habe
nachgewiesen werden können. Über die konkrete Dosierung bzw. den Elektrolytstatus
sind keine Werte aktenkundig (Suva-act. 78). Das Gutachten vom 6. November 2013
diente einem anderen Zweck als die ärztliche Berichterstattung vom 16. März 2011. Es
wurde in Auftrag gegeben, um mögliche Nebenwirkungen von Minirin abzuklären und
eine verlässliche Aussage betreffend eine mögliche Verursachung der Vorfälle vom
7. November 2010 und 24. Mai 2011 durch den übermässigen Minirin-Konsum zu
erhalten (Suva-act. 137). Der Kontext und die Fragestellung waren in den beiden
Konstellationen, in welchen Prof. Dr. D._ Angaben machte, verschieden.
Fragestellungen der Begutachtung waren nicht die tatsächliche Minirin-Dosierung und
deren Verlauf über die Jahre, sondern Wirkungen/Nebenwirkungen von Minirin
allgemein, auch in Bezug auf Akut- und Dauerbehandlung, sowie der Zusammenhang
zwischen einer (erhöhten) Minirin-Dosierung und Unfällen im Allgemeinen bzw. den
Vorfällen vom 7. November 2010 und 24. Mai 2011 im Besonderen. Hinweise darauf,
dass im Rahmen der Sprechstunde vom Dezember 2009 rückblickend eine
unvertretbare Einschätzung erfolgt wäre, liegen nicht vor, war damals der
Elektrolytstatus doch noch ausgeglichen gewesen. Dass Prof. Dr. D._ wegen der
Behandlung von Dezember 2009 nicht in der Lage gewesen sein sollte, die ihm von der
Beschwerdegegnerin gestellten Fragen im November 2011 unbefangen zu
beantworten, ist daher nicht anzunehmen.
3.4
3.4.1 In der Replik wird ausserdem gerügt, dass der Beschwerdeführer von Prof.
Dr. D._ nie empfangen worden sei und die "Begutachtung" durch einen jüngeren
Assistenzarzt vorgenommen worden sei. Das Bundesgericht spricht Gutachten, die
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vom beauftragten Gutachter unter Beizug von Mitarbeitern erstellt werden, nicht
grundsätzlich den Beweiswert ab (vgl. Urteil 8C_213/2010 vom 3. August 2010 E. 2). Im
Urteil I 342/02 des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 15. Januar
2003 wurde explizit ausgeführt, dass es den Beweiswert der in sich schlüssigen
Expertise nicht schmälert, wenn Befundaufnahme und Verfassung des Gutachtens
durch einen Assistenzarzt erfolgt sind und der visierende Chefarzt die
Beschwerdeführerin nicht selber untersucht hat (E. 3.1.1). Auch wenn der
Beschwerdeführer durch einen Assistenzarzt empfangen und untersucht worden sein
sollte, ist von der namhaften Mitwirkung von Prof. Dr. D._ auszugehen. Dieser hat
das Gutachten nicht bloss visiert, sondern als Gutachter unterzeichnet. Zu
berücksichtigen ist zudem, dass die Fragen 1 bis 3 allgemeiner Natur waren und
lediglich die Frage 4 fallspezifisch ausgestaltet war, wobei auch diesbezüglich der
Untersuchung respektive Befragung des Beschwerdeführers keine überragende
Bedeutung zukam. Entscheidend war vielmehr die Rekonstruktion der Ereignisse
insgesamt, also insbesondere auch gestützt auf die Akten. Das Gutachten ist auch
unter diesem Aspekt nicht zu beanstanden.
3.5
3.5.1 Im Gutachten vom 6. November 2013 hält Prof. Dr. D._ fest, dass als
Nebenwirkungen von Minirin z. B. Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Gewichtszunahme
und auch Bewusstseinsstörungen auftreten könnten. Der Effekt werde bei
gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente, die ihrerseits zu einer
Flüssigkeitsretention und / oder Hyponatriämie führen könnten, wie z. B.
Thiaziddiuretika, NSAR oder bestimmten Antiepileptika, verstärkt. Ein konkreter
Zusammenhang der Minirin-Überdosierung mit den beiden Unfallereignissen sei nicht
zu beweisen, aber auch nicht auszuschliessen. Andere Ursachen kämen sicherlich
auch in Betracht und seien gemäss Aktenlage zum Teil auch gesucht worden, eine
zumindest anteilige Komponente der Minirin-Überdosierung an den genannten Unfällen
werde aber nicht vollständig zurückzuweisen sein. Eine "Zwangsläufigkeit" von der
regelmässigen Minirin-Einnahme zur Überdosierung bis hin zur schweren
Hyponatriämie bestehe jedenfalls nicht, ein mittelbarer Zusammenhang sei aber
möglich (Suva-act. 137).
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3.5.2 Auf dieses Gutachten kann abgestellt werden. Es entspricht den
Anforderungen der Rechtsprechung (m.w.H. Bundesgerichtsurteil 8C_262/2013 vom
5. Juli 2013). Prof. Dr. D._ beantwortet die gestellten Fragen klar und
widerspruchsfrei. Es gibt keinen Anhaltspunkt, an seinen Schlussfolgerungen zu
zweifeln. Andere ärztliche Stellungnahmen, die aus medizinischer Sicht Bedenken an
der Zuverlässigkeit seiner Einschätzung auszulösen vermöchten, sind nicht
aktenkundig. Entsprechend kann weder für den Vorfall von schätzungsweise
7. November 2010 noch für jenen vom 24. Mai 2011 bewiesen werden, dass die
jeweilige Ursache in den Folgen oder Nebenwirkungen des Minirinkonsums liegt. Ein
bloss möglicher oder nicht sicher auszuschliessender Zusammenhang der (im Übrigen
ebenfalls nicht belegten) Einnahme von Minirin und allfälligen
Bewusstseinsbeeinträchtigungen reicht nicht aus, um eine Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin für die Folgen der erwähnten Ereignisse zu begründen.
4.
Der in E. 2.1 skizzierte Kausalverlauf ist nach dem Gesagten nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt. Zu den
Punkten 2 und 4 der Kausalkette erübrigen sich folglich weitere Ausführungen. Der
Beschwerdeführer hat die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Der angefochtene
Einspracheentscheid ist nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP