Decision ID: 60a822ac-82dc-5928-9f12-056be961cbf2
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog ab dem Jahr 1991 für das Geburtsgebrechen Ziff. 210 des Anhangs
der Verordnung über Geburtsgebrechen (GgV, SR 831.232.21; Vorstehen des
Unterkiefers) Leistungen der Invalidenversicherung (IV; IV-act. 7; 16; sofern
nachfolgend nicht anders gekennzeichnet, werden die Akten des Verfahrens
IV 2013/520 referenziert). Im Jahr 1995 anerkannte die IV ihre Leistungspflicht für das
Geburtsgebrechen Ziff. 109 (angeborene Muttermale; IV-act. 12).
A.b Im Dezember 2002 meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle des Kantons
St. Gallen erneut zum Leistungsbezug an und beantragte Berufsberatung. Im
Anmeldeformular hielt er fest, seit April 2002 an Rückenbeschwerden zu leiden (IV-
act. 30). Im August 2002 hatte er seine Lehre zum Maurer (Hochbau) erfolgreich
abgeschlossen (IV-act. 34). Dr. med. B._, Orthopädie FMH, nannte am
22. September 2003 nach einer im Auftrag der IV-Stelle durchgeführten Begutachtung
des Versicherten die Diagnosen chronische lumbale und thorakale Rückenschmerzen
bei Skoliose thorakolumbal und Verdacht auf muskuläre Insuffizienz sowie nicht
zuzuordnende Beschwerden beider Arme, vor allem rechts. Es könne nicht davon
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ausgegangen werden, dass der Versicherte seinen Beruf als Maurer weiter ausführen
könne. Der Gutachter empfahl eine berufliche Neuorientierung oder Umschulung auf
eine körperlich weniger anstrengende Tätigkeit (IV-act. 48; vgl. auch IV-act. 53). Der
zuständige Arzt des IV-internen Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) gelangte zur
Auffassung, die Invalidität werde „gelegentlich vielleicht eintreten“, deren Zeitpunkt sei
jedoch unklar. Eine unmittelbar drohende Invalidität sei nicht gegeben (Stellungnahme
vom 18. November 2003, IV-act. 54). Daraufhin verweigerte die IV-Stelle dem
Versicherten mit Verfügung vom 21. Januar 2004 berufliche Massnahmen (IV-act. 58).
B.
B.a Im Januar 2012 meldete sich der Versicherte erneut zum IV-Leistungsbezug an.
Er hielt fest, am Klinefelter-Syndrom zu leiden (IV-act. 61). Gegen einen ein
Nichteintreten in Aussicht stellenden Vorbescheid vom 16. Februar 2012 (IV-act. 69)
erhob der Versicherte Einwand (IV-act. 72; vgl. auch IV-act. 71). Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Innere Medizin, bestätigte im Bericht vom 14. Mai 2012 das Vorliegen
eines ausgeprägten Hypogonadismus bei Morbus Klinefelter (IV-act. 74). Im bei der IV-
Stelle am 10. Juli 2012 eingegangenen, undatierten Arztbericht nannte Dr. C._ mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit unter Diagnosen „Persönlichkeitsstörungen,
Suchtsubstanzen“. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei der Morbus
Klinefelter. Seit 2. August 2011 befinde sich der Versicherte in der Stiftung D._. Die
Tätigkeit als Maurer sei langfristig nicht mehr realistisch (IV-act. 80). Nach weiteren
Abklärungen (IV-act. 88, 90 ff.) gewährte die IV-Stelle dem Versicherten mit Mitteilung
vom 27. September 2012 Berufsberatung (IV-act. 95). Nach Erstellung eines
Eingliederungsplans (IV-act. 116) erteilte sie ihm am 2. August 2013 Kostengutsprache
für eine Umschulung zum Hauswart (erstes Ausbildungsjahr 1. Juli 2013 bis 31. Juli
2014; IV-act. 122). Mit Verfügung vom 6. September 2013 sprach sie ihm für die Dauer
vom 1. Juli 2013 bis 31. Dezember 2013 ein Taggeld von Fr. 88.80 zu (IV-act. 125).
C.
C.a Gegen die Taggeld-Verfügung vom 6. September 2013 erhob Rechtsanwalt
lic. iur. Martin Horni am 7. Oktober 2013 bei der IV-Stelle „Einsprache“, die von dieser
zuständigkeitshalber als Beschwerde ans Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
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überwiesen wurde. Beantragt wurden die Aufhebung der Verfügung und die
Neubemessung und entsprechende Ausrichtung des Taggelds während der Dauer der
beruflichen Massnahmen. Sinngemäss wurde geltend gemacht, die
Beschwerdegegnerin habe für die Bemessung des Taggelds auf ein unzutreffend tiefes
Einkommen abgestellt (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2014 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer habe
zuletzt von Mai bis Juli 2009 als Maurer in einem 80%-Pensum gearbeitet. Nach Lage
der Akten sei nicht davon auszugehen, dass er damals gesundheitsbedingt nicht hätte
zu 100% arbeiten können, zumal er im Anschluss an die befristete Erwerbstätigkeit
beim RAV als zu 100% vermittlungsfähig eingetragen gewesen sei. Jedenfalls sei zum
damaligen Zeitpunkt keine durch das Klinefelter-Syndrom bedingte Einschränkung in
der Tätigkeit als Maurer ausgewiesen gewesen (act. G 4).
C.c In der Replik vom 6. Februar 2014 liess der Beschwerdeführer, neu vertreten
durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Grämiger, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen an
seinen Anträgen festhalten. Der Beschwerdeführer sei bereits bei seiner letzten
Anstellung als Maurer gesundheitlich eingeschränkt gewesen, weshalb er nicht habe zu
100% arbeiten können. Für die Taggeldbemessung sei auf das Einkommen
abzustellen, das der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Einschränkung als
gelernter Maurer unmittelbar vor der Eingliederung hätte erzielen können (act. G 7). Mit
der Replik reichte der Rechtsvertreter ein ärztliches Zeugnis von Dr. med. E._,
Fachärztin für Innere Medizin, vom 30. Januar 2014 (act. G 7.1) sowie eines von
Dr. med. F._, ehemaliger Hausarzt des Beschwerdeführers, vom 4. Februar 2014
(act. G 7.2) ein.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (act. G 9).
D.
D.a Am 19. Dezember 2014 sprach die IV-Stelle dem Versicherten für die Dauer vom
1. Januar 2015 bis 1. November 2015 ein Taggeld von wiederum Fr. 88.80 zu
(act. G 1.1 im Verfahren IV 2015/5).
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D.b Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Grämiger für den Versicherten am
6. Januar 2015 Beschwerde. Er beantragte unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
die Aufhebung der Verfügung und die Neubemessung des Taggelds mit Wirkung ab
1. August 2014 bis zum Ende der beruflichen Massnahmen und die Neubemessung
und Ausrichtung mit Wirkung ab 1. August 2014 bzw. 1. Juli 2013 sowie in formeller
Hinsicht die Vereinigung mit dem Verfahren IV 2013/520 (act. G 1 im Verfahren IV
2015/5).
D.c Die Verfahrensleitung verzichtete auf die Durchführung eines Schriftenwechsels
im Verfahren IV 2015/5 (act. G 2 im Verfahren IV 2015/5) und vereinigte dieses
Verfahren mit dem Verfahren IV 2013/520 (act. G 3 im Verfahren IV 2015/5).
D.d Am 9. Oktober 2015 wurden die seit Januar 2014 aufgelaufenen Akten von IV-
Stelle und Ausgleichskasse beigezogen (act. G 13, 14) und dem Beschwerdeführer zur
Einsicht- und Stellungnahme unterbreitet (Schreiben vom 16. Oktober 2015, act. G 15).
Dieser verzichtete am 20. Oktober 2015 auf eine Stellungnahme (act. G 16).

Erwägungen
1.
1.1 Die Rechtsprechung erachtet die befristete Leistungszusprache grundsätzlich
für zulässig (vgl. m.w.H. das Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts [seit 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] I 88/2004 vom 24. Mai 2005, E. 3.1;
implizit etwa in den Bundesgerichtsurteilen 8C_517/2011 vom 2. April 2012 und
8C_80/2010 vom 15. Juni 2010). Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden,
dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Umschulung einerseits und
die akzessorischen Taggelder andererseits (nicht deckungsgleich) jeweils in
aufeinanderfolgenden befristeten Etappen zugesprochen hat.
1.2 Bei Dauerverfügungen ist die rechtskräftige Grundverfügung während der
gesamten Leistungsbezugszeit rechtsbeständig. Diese Rechtsbeständigkeit steht nach
ständiger Rechtsprechung einer Überprüfung der Berechnungsfaktoren der
Grundverfügung entgegen. Insofern haben die Berechnungsfaktoren einer Rente oder
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des Taggelds Anteil an der Rechtskraft der entsprechenden Verfügung (m.w.H. das
Urteil der Bundesgerichts 9C_782/2009 vom 16. April 2010, E. 2).
1.3 In den vorliegenden beiden Verfahren wurden die Taggeld-Verfügungen vom
6. September 2013 und vom 19. Dezember 2014 angefochten. Die erstgenannte
Verfügung gewährt das Taggeld für die Periode 1. Juli 2013 bis 31. Dezember 2013, die
zweitgenannte für die Periode 1. Januar 2015 bis 1. November 2015. Taggeld-
Verfügungen für das Jahr 2014, in dem sich der Beschwerdeführer offenkundig
ebenfalls in der Umschulung zum Hauswart befand, wurden nicht angefochten. Anders
als im Sachverhalt, der dem Bundesgerichtsurteil 9C_782/2009 zugrunde lag (für
detailliertere Sachverhaltsangaben siehe den jenem Urteil zugrunde liegenden, im
Internet publizierten Entscheid IV 2009/67 des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 29. Juli 2009), ist die erste Taggeld-Verfügung, diejenige vom
6. September 2013, keine Grundverfügung, die die Berechnungsfaktoren für den
gesamten Zeitraum der Umschulung festgelegt hätte. Denn die Verfügung vom
6. September 2013 regelt explizit lediglich den Zeitraum 1. Juli bis 31. Dezember 2013
und nicht die gesamte Dauer der Umschulung. Sie stellt also keine Grundverfügung
dar, sondern ist eine echte befristete Verfügung mit Wirkung lediglich für den
erwähnten Zeitraum. Soweit aus dem zitierten Bundesgerichtsurteil der Schluss
gezogen werden kann, bei gerichtlicher Korrektur der Berechnungsfaktoren einer
(Taggeld-) Grundverfügung würden auch alle nach der Grundverfügung erlassenen
Revisionsverfügungen korrigiert (selbst wenn diese nicht angefochten wurden), kann
daraus für den vorliegenden Sachverhalt folglich nichts abgeleitet werden.
1.4 Der Beschwerdeführer hat in der Beschwerde vom 6. Januar 2015 die Taggeld-
Ausrichtung „mit Wirkung ab 1. August 2014 bzw. 1. Juli 2013“ (Ziff. I/2 der
Beschwerde, act. G 1 im Verfahren IV 2015/5) beantragt. Streitgegenstand stellt jedoch
nach dem Gesagten nur der Taggeldanspruch in den Zeiträumen 31. Juli 2013 bis
31. Dezember 2013 und 1. Januar 2015 bis 1. November 2015 dar. Soweit folglich
auch die Zusprache von höheren Taggeldern für das Jahr 2014 beantragt worden ist,
ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
1.5 Dem Beschwerdeführer wurden für den Zeitraum 1. Januar 2014 bis 31. Juli
2014 mit Verfügung vom 20. Dezember 2013 (IV-act. 2 in act. G 14.1) und für den
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Zeitraum 1. August 2014 bis 31. Dezember 2014 mit Verfügung vom 4. Juli 2014 (IV-
act. 14 in act. G 14.1) Taggelder zugesprochen. Beide Verfügungen sind
unangefochten in Rechtskraft erwachsen. Wie sich aus den obigen Ausführungen
ergibt, können sie nicht als mitangefochten betrachtet werden. Am Rand ist –
ausserhalb des Streitgegenstands – festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aus der
Tatsache, dass die Verfügung vom 20. Dezember 2013 zu Unrecht ihm persönlich und
nicht seinem Rechtsvertreter eröffnet wurde, nichts zu seinen Gunsten ableiten kann,
dies vor dem Hintergrund der (ergebnislos kritisierten [vgl. etwa die Urteile des
st. gallischen Versicherungsgerichts IV 2008/491 vom 29. Juli 2010 und IV 2006/282
vom 31. Mai 2007]) Bundesgerichtspraxis zum Beginn des Fristenlaufs bei falscher
Zustellung (m.w.H. Bundesgerichtsurteil 9C_741/2012 vom 12. Dezember 2012).
2.
2.1 Gemäss Art. 22 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20) haben Versicherte während der Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen nach Art. 8 Abs. 3 Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an
wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen verhindert sind,
einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50%
arbeitsunfähig sind. Das Taggeld besteht aus einer Grundentschädigung, auf die alle
Versicherten Anspruch haben, und einem Kindergeld für Versicherte mit Kindern
(Abs. 2). Die Grundentschädigung beträgt gemäss Art. 23 Abs. 1 IVG 80% des letzten
ohne gesundheitliche Einschränkung erzielten Erwerbseinkommens, jedoch nicht mehr
als 80% des Höchstbetrags des Taggelds nach Art. 24 Abs. 1. Laut dieser Bestimmung
entspricht dieser Höchstbetrag jenem des versicherten Tagesverdienstes nach dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20; seit 2008 Fr. 346.-).
Grundlage für die Ermittlung des Erwerbseinkommens nach Art. 23 Abs. 1 bildet das
durchschnittliche Einkommen, von dem Beiträge nach dem Bundesgesetz über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) erhoben werden
(massgebendes Einkommen; Art. 23 Abs. 3 IVG).
2.2 Hat eine versicherte Person vor mehr als zwei Jahren zum letzten Mal eine
Erwerbstätigkeit ohne gesundheitliche Einschränkung ausgeübt, so ist auf das
Erwerbseinkommen abzustellen, das sie durch die gleiche Tätigkeit unmittelbar vor der
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Eingliederung erzielt hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 21 Abs. 3 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; siehe auch Rz. 3009 des
vom Bundesamt für Sozialversicherungen herausgegebenen Kreisschreibens über die
Taggelder in der Invalidenversicherung [KSTI]).
2.3 Die Akten belegen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit,
dass der Beschwerdeführer in seinem erlernten Beruf als Maurer schon lange, wohl
bereits seit Abschluss der Lehre im Sommer 2002, gesundheitlich eingeschränkt war.
Der Gutachter Dr. B._ hielt schon im September 2003 fest, es dürfe nicht davon
ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer seinen Beruf als Maurer weiterhin
ausführen könne. Gemäss der von Dr. B._ festgehaltenen Anamnese hatte der
Beschwerdeführer bereits erfolglos einen leichteren Arbeitsplatz gesucht (IV-act. 48).
Zwar gelang es ihm, während einiger Jahre weiterhin als Maurer tätig zu sein. Diese
zahlreichen Einsätze waren jedoch nie von längerer Dauer (vgl. IV-act. 64). Lediglich in
den Jahren 2004 bis 2006 erzielte er ein Jahreseinkommen von knapp über
Fr. 50‘000.-- (IV-act. 89-3). Sein letztes befristetes Arbeitsverhältnis als Maurer ging er
von 1. Mai bis 31. Juli 2009 bei der G._ AG ein (IV-act. 90). Für die ersten beiden
Monate war gemäss Arbeitsvertrag vom 30. März 2009 auf Wunsch des
Beschwerdeführers ein Pensum von 80% vereinbart worden (IV-act. 90-7), der
Bruttomonatslohn belief sich für 80% auf Fr. 3‘960.- bzw. für 100% auf Fr. 4‘950.-
(jeweils x13; IV-act. 90-8). Gestützt auf Art. 45 Abs. 1 lit. a des Landesmantelvertrags
für das schweizerische Bauhauptgewerbe 2008-2010 (LMV) hatte die Arbeitgeberin mit
dem Beschwerdeführer eine besondere Lohnvereinbarung getroffen. Jene Bestimmung
schreibt die individuelle schriftliche Vereinbarung des Lohns bei körperlich und/oder
geistig nicht voll leistungsfähigen Arbeitnehmenden vor (IV-act. 90-9). In der
Vereinbarung war festgehalten worden, dass Arbeitgeberin und Arbeitnehmer zur
Kenntnis nähmen, dass der Lohn nicht dem Basislohn gemäss LMV entspreche (IV-
act. 90-8). Der bei der G._ AG erzielte Lohn war also erklärtermassen von der
gesundheitlichen Einschränkung des Beschwerdeführers beeinflusst (siehe auch die
Stellungnahme von Dr. E._ vom 30. Januar 2014, die rückwirkend für 2009 eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Maurer attestierte, act. G 7.1 im Verfahren IV
2013/520, sowie die Stellungnahme des zuständigen RAD-Arztes vom 29. Mai 2012,
worin dieser die RAD-Beurteilung aus dem Jahr 2003 als nicht nachvollziehbar
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bezeichnete, IV-act. 77). Dieser Lohn kann entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin nicht als Bemessungsgrundlage für das Taggeld dienen.
2.4 Dass der Beschwerdeführer anschliessend an die Tätigkeit bei der G._ AG
seitens der Arbeitslosenkasse als zu 100% vermittlungsfähig betrachtet wurde (IV-
act. 92-2), vermag entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht zu einer
anderen Beurteilung zu führen. In der Arbeitslosenversicherung definiert sich die
Vermittlungsfähigkeit durch die Bereitschaft, Fähigkeit und Berechtigung, eine
zumutbare Arbeit anzunehmen und an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen (vgl.
Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]), wobei der körperlich oder geistig
Behinderte als vermittlungsfähig gilt, wenn ihm bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage,
unter Berücksichtigung seiner Behinderung, auf dem Arbeitsmarkt eine zumutbare
Arbeit vermittelt werden könnte (Art. 15 Abs. 2 AVIG; zur Vermutung der
Vermittlungsfähigkeit siehe Art. 15 Abs. 3 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]). Aus dem
arbeitslosenversicherungsrechtlichen Begriff der Vermittlungsfähigkeit kann für die
vorliegende Beurteilung also nichts Relevantes abgeleitet werden.
2.5 Die Beschwerdegegnerin verweist in der Beschwerdeantwort auf Art. 21 IVV.
Diese Bestimmung regelt die Bemessung des Taggelds bei Versicherten mit
unregelmässigem Einkommen. Sie kann mit Blick auf die umfassende und klare
Formulierung von Art. 21 Abs. 3 IVV jedoch nur auf Fälle zur Anwendung kommen, in
denen die letzte Erwerbstätigkeit ohne gesundheitliche Einschränkung keine zwei Jahre
zurückliegt. Dies ist vorliegend wie erläutert nicht der Fall, sodass Art. 21 IVV folglich
von Vornherein nicht einschlägig ist.
2.6 Zu prüfen bleibt also in Anwendung von Art. 21 Abs. 3 IVV, welches Einkommen
der Beschwerdeführer als Maurer unmittelbar vor der Eingliederung im Sommer 2013
erzielt hätte, wenn er nicht invalid geworden wäre.
2.7 Betriebe, die Maurerarbeiten vornehmen, unterliegen dem LMV (Art. 2 Abs. 2
lit. I LMV 2012-2015 vom 28. März 2012). Der Beschwerdeführer ist als Maurer als
gelernter Baufacharbeiter zu betrachten (Lohnklasse Q, vgl. Art. 42 Abs. 1 LMV sowie
ter
ter
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den Katalog über die Einreihungskriterien für die Lohnklassen A und Q Ziff. 2.2.1; vgl.
auch den Bundesratsbeschluss über die Allgemeinverbindlicherklärung des LMV,
Änderung vom 26. Juli 2013, BBl 2013 1803). Der Beschwerdeführer hatte bei der IV-
Anmeldung vom Januar 2012 Wohnsitz in H._; diesen behielt er auch während des
Aufenthalts in der Stiftung D._ im Kanton I._ (vgl. IV-act. 61-1). H._ ist (wie übrigens
auch der Kanton I._) der Lohnzone „Grün“ zuzuordnen (vgl. Anhang 9 LMV). Der
massgebende Basis-Monatslohn 2013 belief sich folglich auf Fr. 5‘456.- (Art. 41 Abs. 2
lit. b LMV); dieser hat bis ins Jahr 2015 Gültigkeit. Er entspricht einem
Jahreseinkommen von Fr. 70‘928.- (inkl. 13. Monatslohn, vgl. Art. 49 LMV). Die im LMV
aufgeführten Basislöhne sind im Sinn eines Minimallohns geregelt (Art. 41 Abs. 1 LMV).
Die Rechtsprechung hat im Übrigen erkannt, dass gesamtarbeitsvertraglich festgelegte
Arbeitsentgelte mehr oder weniger stark unter den in einer Branche durchschnittlich
ausbezahlten Löhnen liegen können (vgl. etwa das Urteil 8C_59/2010 vom 12. Mai
2010 E. 4.2.2). Vor diesem Hintergrund ist kein Grund dafür ersichtlich, vom genannten
Einkommen von Fr. 70‘928.- zu Ungunsten des Beschwerdeführers nach unten
abzuweichen. Das Taggeld ist folglich auf dieser Basis zu bemessen. Dass der
Beschwerdeführer seinen Wohnsitz offenbar per April 2015 nach J._ im Kanton K._
verlegt hat (IV-act. 29 in act. G 14.1; gemäss IV-act. 37-3 in act. G 14.1 per 1. Mai
2015), rechtfertigt es für die Taggeldbemessung angesichts des marginalen
Unterschieds nicht, ab April bzw. Mai 2015 auf den (lediglich um Fr. 75.- höheren)
Basis-Monatslohn der Lohnzone „Blau“, in der sich der Kanton K._ befindet,
abzustellen.
2.8 Bei einem Jahreseinkommen von Fr. 70‘928.- beläuft sich das massgebende
Tageseinkommen auf Fr. 194.30 (vgl. Art. 21 Abs. 3 lit. a IVV). Das Taggeld beläuft
sich auf 80% davon (Art. 23 Abs. 1 IVG), also auf Fr. 155.40.
3.
3.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung
der Verfügungen vom 6. September 2012 und 19. Dezember 2014 gutzuheissen,
soweit darauf einzutreten ist. Dem Beschwerdeführer ist von 1. Juli 2013 bis
31. Dezember 2013 ein Taggeld von Fr. 155.40 zuzusprechen. Auch ab 1. Januar 2015
bis zum Abschluss der Umschulung besteht Anspruch auf ein Taggeld von Fr. 155.40.
bis
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Betreffend diesen zweiten Zeitraum ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zur
entsprechenden Verfügung zurückzuweisen. Die direkte gerichtliche Zusprache der
Leistung für diesen Zeitraum erscheint nicht sinnvoll. Die Akten von IV-Stelle und
Ausgleichskasse sind nur bis Stand 9. Oktober 2015 gerichtsnotorisch. Offenbar
absolvierte der Beschwerdeführer an diesem Datum die letzte Prüfung (vgl. IV-act. 31
in act. G 14.1), worüber die Ausgleichskasse informiert werden sollte (IV-act. 35 in act.
G 14.1). Sollte also nicht – wie am 19. Dezember 2014 verfügt – ein Taggeldanspruch
bis 1. November 2015 bestehen, so wird die IV-Stelle dem im Rahmen der zu
erlassenden neuen Verfügung Rechnung tragen. Eine verglichen mit der Verfügung
vom 19. Dezember 2014 allfällig kürzere Taggeld-Bezugsdauer würde zwar eine
Schlechterstellung des Beschwerdeführers bedeuten. Eine dem Beschwerdeführer
anzudrohenden reformatio in peius im Sinn von Art. 61 lit. d des Bundesgesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ([ATSG; SR 830.1], vgl. BGE 137 V
314) steht dennoch nicht im Raum, da durch das betragsmässig deutlich höhere
Taggeld selbst bei (marginal) kürzerer Bezugsdauer im Ergebnis doch eine klare
Besserstellung resultiert. Im Sinn eines obiter dictum ist festzuhalten, dass es
betreffend den Zeitraum vom 1. Januar bis 31. Dezember 2014 der
Beschwerdegegnerin vorbehalten bleibt, allenfalls mittels Wiedererwägung auf die
gerichtlich unbeurteilt gebliebenen Verfügungen vom 20. Dezember 2013 und 4. Juli
2014 zurückzukommen und die materiell korrekten Taggelder zuzusprechen.
3.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt
Fr. 600.-- für beide Verfahren erscheint als angemessen. Sie ist der unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer ist der Kostenvorschuss
von Fr. 600.-- (erhoben im Verfahren IV 2013/520) zurückzuerstatten.
3.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
bis
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zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung von insgesamt
Fr. 3'000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) für beide Verfahren als
angemessen.