Decision ID: ad549cb5-cd3f-5bf1-aa08-2dc2938d4e8e
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X.Y. besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit dem 6. Februar 1995. Er ist im
Schweizerischen Administrativmassnahmen-Register (ADMAS) wie folgt verzeichnet:
- 15.12.1995: FAE für fünf Monate wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung
(80+50 km/h), begangen am 12.3.1995 in Götzis/A
- 20.12.2000: Verwarnung wegen Verursachung eines Verkehrsunfalls zufolge nicht
angepasster Geschwindigkeit, begangen am 12.8.1999 in W.
- 05.12.2001: FAE für zwei Monate wegen FiaZ (mindestens 1,23 Gewichtspromille),
begangen am 12.10.2001 in H.
- 01.06.2005: Verwarnung wegen einer Geschwindigkeitsübertretung (50+20 km/h),
begangen am 16. Januar 2005 in E.
B.- Aus einem Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 29. Dezember 2005 geht
hervor, dass X.Y. zwischen dem Frühjahr 2005 und dem 17. Juli 2005 ca. 10-15 Mal
eine Linie Kokain durch Sniffen konsumierte. Er will das Kokain von seinem Kollegen
jeweilen gratis erhalten haben. Seither habe er keine Betäubungsmittel mehr
konsumiert. Eine Kopie dieses Rapportes wurde orientierungshalber dem
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen zugestellt.
C.- Mit Schreiben vom 17. Januar 2006 teilte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt, Abteilung Personenzulassung, X.Y. mit, dass es aufgrund des
Polizeirapportes vom 29. Dezember 2005 Zweifel an seiner Fahreignung hege, weshalb
beabsichtigt werde, ihn zu einer spezialärztlichen Untersuchung aufzubieten.
Gleichzeitig wurde ihm eine Frist von zehn Tagen angesetzt, um einen
Kostenvorschuss von Fr. 800.-- zu leisten und um zum Verfahren Stellung zu nehmen
(rechtliches Gehör). Sodann verfügte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt „bis
zur Abklärung der Ausschlussgründe“ einen vorsorglichen Führerausweisentzug, indem
es ihm das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien sowie aller Unter- und
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Spezialkategorien (inkl. Mofa) ab sofort vorsorglich verbot. Ausserdem wurde einem
allfälligen Rekurs zufolge Gefahr die aufschiebende Wirkung entzogen.
D.- Gegen den verfügten vorsorglichen Führerausweisentzug reichte X.Y. mit Eingabe
seines Vertreters vom 23. Januar 2006 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission
ein mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und dem Rekurs
aufschiebende Wirkung zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung wurde hauptsächlich vorgebracht, dass der Rekurrent einzig während
einer kurzen Zeit ein paar Mal Kokain konsumiert habe. Diese kurze Episode sei schon
im Sommer 2005 zu Ende gegangen. Seither lebe er bewusster und gesünder und
konsumiere auch keinen Alkohol mehr. Aus diesen Gründen erweise sich der verfügte
vorsorgliche Führerausweisentzug als völlig unverhältnismässig und nicht
gerechtfertigt. Diese Massnahme treffe den Rekurrenten auch unverhältnismässig
schwer, zumal er beim Aufbau einer neuen Existenz dringend auf den Führerausweis
angewiesen sei. - Mit Vermerk vom 7. Februar 2006 verzichtete die Vorinstanz auf die
Einreichung einer Vernehmlassung.
E.- Mit Zwischenverfügung vom 25. Januar 2006 ordnete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt gegenüber X.Y. die im Schreiben vom 17. Januar 2006 angekündigte
spezialärztliche Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St.
Gallen an, nachdem sich sein Vertreter mit Eingabe vom 23. Januar 2006 damit
einverstanden erklärt hatte. Die Untersuchung findet im Februar 2006, statt.
F.- Mit Eingabe vom 27. Januar 2006 liess X.Y. durch seinen Vertreter eine
nachträgliche Eingabe samt Bestätigungen einreichen, woraus hervorgeht, dass die
Urinuntersuchung vom Januar 2006 keine Hinweise auf aktuellen Kokainkonsum ergibt
und der Rekurrent auf den Führerausweis angewiesen ist.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Präsident der
Abteilung IV der Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die
Befugnis der Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Das Rechtsmittel ist rechtzeitig
eingereicht worden. Die Eingabe vom 23. Januar 2006 erfüllt in formeller und
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materieller Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e, 44, 45, 47 und 48
des Gesetztes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Das gilt
ebenso für die nachträgliche Eingabe vom 27. Januar 2006 (vgl. GVP 1978 Nr. 25). Auf
das Rechtsmittel ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent erachtet den von der Vorinstanz verfügten vorsorglichen
Führerausweisentzug als eine ungerechtfertigte und unverhältnismässige Massnahme
und beantragt die Aufhebung der Verfügung bzw. die Wiederaushändigung des
Führerausweises.
a) Der Führerausweis ist zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Führerausweisentzüge wegen fehlender Fahreignung dienen der Sicherung des
Verkehrs vor ungeeigneten Führern. Bis ein Ausschlussgrund feststeht, kann der
Führerausweis auch vorsorglich entzogen werden, sofern ernsthafte Bedenken an der
Fahreignung bestehen (vgl. Art. 30 der Verordnung über die Zulassung von Personen
und Fahrzeugen zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Diese Regelung
trägt der besonderen Interessenlage Rechnung, welche bei der Zulassung von
Fahrzeugführern zum Strassenverkehr zu berücksichtigen ist. Angesichts des grossen
Gefährdungspotenzials, welches dem Führen eines Motorfahrzeugs eigen ist, erlauben
schon Anhaltspunkte, die den Fahrzeugführer als besonderes Risiko für die anderen
Verkehrsteilnehmer erscheinen lassen und ernsthafte Bedenken an seiner Fahreignung
erwecken, den vorsorglichen Ausweisentzug. Der strikte Beweis für die Fahreignung
ausschliessende Umstände ist nicht erforderlich; wäre dieser erbracht, müsste
unmittelbar der Sicherungsentzug selber verfügt werden. Können die notwendigen
Abklärungen nicht rasch und abschliessend getroffen werden, soll der Ausweis schon
vor dem Sachentscheid selber entzogen werden können und braucht eine umfassende
Auseinandersetzung mit sämtlichen Gesichtspunkten, die für oder gegen einen
Sicherungsentzug sprechen, erst im anschliessenden Hauptverfahren zu erfolgen.
Diese Art des Entzugs dient somit der vorsorglichen Sicherung des Verkehrs vor
ungeeigneten Führern (BGE 6A.15/2000; 122 II 359 E. 3a mit Hinweisen; 125 II 492 E.
2b; R. Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III,
Rz 1996). Voraussetzung für einen vorsorglichen Führerausweisentzug ist, dass der
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Lenker eine Gefahr für den Verkehr darstellt, wenn er sich ans Steuer eines Fahrzeugs
setzt (BGE 105 Ib 385 E. 1b). Nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen, ist eine Person,
die an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst, wobei es hier vor allem
um eine Alkohol-, Betäubungs- oder Arzneimittelabhängigkeit geht (vgl. Art. 16d Abs. 1
lit. b SVG, in Kraft seit 1. Januar 2005).
b) Bei der rechtlichen Würdigung ist davon auszugehen, dass der Rekurrent im
ADMAS-Register mit vier Einträgen vermerkt ist. Allein diese Einträge weisen nicht auf
Betäubungsmittelkonsum hin. Dies ergibt sich aktuell erst aus der Befragung des
Rekurrenten vom 15. Dezember 2005 durch die Kantonspolizei St. Gallen, wo er
zugegeben hat, seit Frühjahr 2005 bis zum Todesfall seines Vaters im Juli 2005 zirka
10-15 Mal eine Linie Kokain konsumiert zu haben. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass
der Rekurrent von der Polizei im Strafverfahren gegen seinen Kollegen wegen
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz als Kokainabnehmer eruiert werden
konnte. Nach dem Tod seines Vaters will der Rekurrent allerdings „nichts mehr
genommen“ haben. Ob dies zutrifft oder nicht, kann dahingestellt bleiben. Jedenfalls
ergibt die Untersuchung vom 25. Januar 2006 keine Kokain-Rückstände im Urin des
Rekurrenten, was für einen abgeschlossenen, isolierten Drogenkonsum des
Rekurrenten spricht. Allein unter diesem Gesichtspunkt fällt es schwer, von ernsthaften
Bedenken an seiner Fahreignung zu sprechen. Indessen ist auf Folgendes hinzuweisen:
Der Rekurrent ist bereits am 2. Juni 2000 in St. Gallen mit 0,5 Gramm Kokain
angehalten worden. Vor der Stadtpolizei St. Gallen sagte er damals aus, er würde seit
der letzten Silvesterparty gelegentlich Kokain konsumieren, sei jedoch nicht von
Drogen abhängig. Im anschliessend eingeholten bezirksärztlichen Zeugnis vom August
2000 kam Dr. med. R. N. zum Schluss, dass beim Rekurrenten eine
Drogenabhängigkeit praktisch mit Sicherheit ausgeschlossen sei. Im Schreiben vom
18. August 2000 teilte die Vorinstanz dem Rekurrenten denn auch mit, dass aufgrund
des Berichtes von Dr. N. auf die Ergreifung einer Administrativmassnahme verzichtet
werde, ihm jedoch dringend empfohlen werde, auf jeglichen Konsum von
Betäubungsmitteln zu verzichten. Dies hat der Rekurrent allerdings nicht getan, denn
aus dessen Einvernahme vor der Kantonspolizei St. Gallen vom September 2004 geht
hervor, dass er im ersten Halbjahr 2004 etwa 10 Mal Kokain konsumiert hat. Früher will
er auch Ecstasy eingenommen haben. Aus seinen eigenen Aussagen ergibt sich, dass
der Rekurrent schon früher phasenweise Drogen konsumiert hat. Die neuen Vorfälle
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vom Frühjahr bis Sommer 2005 können damit nicht mehr isoliert betrachtet werden,
sondern deuten zwingend auf ein schon vorbestandenes Drogenproblem beim
Rekurrenten hin. Dieser ist mit andern Worten vom Drogenkonsum nicht vollständig
weggekommen, was bei ihm zumindest für eine psychische Abhängigkeit spricht. Aus
dieser Gesamtsicht heraus bestehen bei ihm somit ernsthafte Anhaltspunkte für eine
Beeinträchtigung seiner Fahreignung zufolge einer nicht vollständig überwundenen
Drogenproblematik. Daran vermag die negative Urinprobe vom Januar 2006 nichts zu
ändern, nachdem beim Rekurrenten für die Entscheidfindung die gesamte
Drogenvorgeschichte mit einzubeziehen ist.
c) Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurrent im heutigen Zeitpunkt wegen des
Vorliegens einer noch nicht vollständig überwundenen Drogenproblematik ein
besonderes Risiko im Strassenverkehr darstellt. Deshalb bestehen ernsthafte
Bedenken an seiner Fahreignung. Dass der Rekurrent auf den Führerausweis
angewiesen ist, ist dabei irrelevant, da die Verkehrssicherheit den Interessen des
Einzelnen vorgeht. Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten daher zu Recht den
Führerausweis für Motorfahrzeuge aller Kategorien sowie aller Unter- und
Spezialkategorien (inkl. Mofa) vorsorglich entzogen. Der Rekurs erweist sich damit als
unbegründet und ist abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 400.-- ist angemessen
(vgl. Ziff. 361 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
400.-- ist zu verrechnen.
4.- Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung des Rekurses gegenstandslos geworden, weshalb darüber
nicht mehr zu befinden ist.