Decision ID: fd6fa7a3-a98f-5d0c-92ae-76e18206354a
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war seit 1. April 2011 bei der B._ AG als Produktionsmitarbeiterin tätig und
dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen
von Unfällen und Berufskrankheiten obligatorisch versichert. Am 20. März 2014
meldete die Arbeitgeberin der Suva, die Versicherte leide seit 18. Februar 2014 unter
Asthma (Suva-act. 1). Dr. med. C._, Pneumologie und Innere Medizin FMH,
berichtete am 1. Mai 2014, es stelle sich die Frage nach einer ungünstigen Exposition
am Arbeitsplatz im Sinne einer Berufskrankheit. Bei einer Abklärung im Jahr 2009 (vgl.
Suva-act. 7-8 f.) habe er eine pulmonale Hypertonie als Ursache einer
Anstrengungsdyspnoe ausschliessen können. Am 20. Februar 2014 habe sich die
Versicherte wegen einer Dyspnoe in Ruhe und bei Anstrengungen bei ihm gemeldet. Es
habe ein mittelschweres hyperreaktives Bronchialsystem nachgewiesen werden
können. Mit einer antiobstruktiven Basistherapie habe eine Besserung der
Beschwerden erreicht werden können, jedoch nicht betreffend die Symptome am
Arbeitsplatz (Suva-act. 7-1 f.). Dr. C._ hatte der Versicherten ab 12. April 2014 eine
Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert (vgl. Suva-act. 24, 30 f.).
A.a.
Dr. med. D._, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, untersuchte die
Versicherte am 20. Mai 2014 und berichtete gleichentags über eine chronische Rhino-
Pharyngitis sicca bei Epistaxis bei der Arbeit mit dentalen Chemikalien. Die
festgestellten Veränderungen der Schleimhaut der oberen Atemwege könnten durch
die Chemikalien hervorgerufen sein. Die akute Entzündung im vorderen Anteil des
A.b.
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Septums sowie die starke Trockenheit der Schleimhäute würden medikamentös
behandelt (Suva-act. 19).
Ein am 11. Juni 2014 durchgeführtes CT ergab keinen Anhaltspunkt für derzeitige
oder chronisch rezidivierende Lungenembolien und keinen Hinweis auf eine
pulmonalarterielle Druckerhöhung. Es bestand eine auffallende Abflachung beider
Hauptbronchien links etwas deutlicher ausgeprägt als rechts sowie ebenfalls eine im
Durchmesser reduzierte Trachea. Ansonsten lag eine normale Radiomorphologie
beider Lungenflügel ohne Hinweise auf eine Alveolitis oder eine anderweitige
fibrosierende Pneumopathie vor (Suva-act. 37).
A.c.
Mit Schreiben vom 25. August 2014 kündigte die Arbeitgeberin der Versicherten
per 30. November 2014 (Suva-act. 47).
A.d.
Dr. med. E._, Facharzt für Arbeitsmedizin und Allgemeine Innere Medizin FMH,
Suva Arbeitsmedizin, befand am 3. Oktober 2014, bei der Versicherten sei 2009 eine
bronchiale Hyperreagibilität dokumentiert worden. Es sei mit stark überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass eine wesentliche irritative
Verschlechterung eines vorbestehenden Asthmas bronchiale durch die berufliche
Tätigkeit bei der Firma B._ AG mit beruflicher Exposition gegenüber Methylacrylaten
aufgetreten sei (Suva-act. 33).
A.e.
Am 16. Oktober 2014 teilte die Suva der Versicherten mit, sie erhalte für die Folgen
der berufsbedingten Verschlimmerung der Asthmabeschwerden
Versicherungsleistungen. Mit Austritt aus dem Betrieb per 30. November 2014 gelte sie
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt als voll arbeitsfähig, weshalb die Suva ihre
Taggeldleistungen dann einstelle (Suva-act. 51, vgl. Suva-act. 55).
A.f.
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2014 erklärte die Suva die Versicherte
rückwirkend auf den 20. Oktober 2014 als nicht geeignet für Tätigkeiten in der
Produktion der Firma B._ AG (Suva-act. 54).
A.g.
Vom 1. November 2014 bis 28. Februar 2015 entrichtete die Suva der Versicherten
ein Übergangs-Taggeld (vgl. Suva-act. 74) und ab 1. März 2015 eine
Übergangsentschädigung (Suva-act. 112, 159, 195, 205, 248, 277).
A.h.
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Dr. C._ führte am 30. Dezember 2015 aus, die Lungenfunktionen zeigten meist
eine leichte, manchmal mittelschwere, Obstruktion in Ruhe mit nicht immer
signifikanter Besserung nach Inhalation. Die therapeutischen Massnahmen seien bis
auf weiteres konsequent einzuhalten (Suva-act. 141-1 f.). Dr. D._ hielt am 18. Januar
2016 fest, unter Kaltinhalation mit Kochsalzlösung und LipoAerosol seien die
Schleimhäute reizfrei und die Versicherte sei soweit beschwerdefrei. Insofern sollte die
Kaltinhalation auf Dauer beibehalten werden. Die Versicherte bemühe sich um eine
Umschulung im Bereich der Kinderbetreuung, was sicher zu empfehlen sei (Suva-act.
148, bzgl. der Praktika bzw. Einsätze im Bereich der Kinderbetreuung vgl. Suva-act.
73, 123, 136, 146 f., 152).
A.i.
Dr. C._ hielt am 20. Oktober 2016 fest, in den wärmeren Monaten träten eher
Atemprobleme auf, die Versicherte inhaliere dann häufig. Bezüglich der
Ruhelungenfunktion seien am 7. Juni 2016 sehr schwierige
Untersuchungsbedingungen mit spontan schwankenden Messwerten vorhanden
gewesen (Suva-act. 166-1 f.). Am 5. Juli 2017 befand Dr. C._, in den vergangenen
Monaten hätten sich häufig instabile Situationen der Luftwege mit asthmatischer
Komponente abgezeichnet. Die Versicherte klage auch über thorakale Enge /
Anstrengungsdyspnoe, entsprechende Ruhe-EKGs plus kardiale Marker seien jedoch
negativ geblieben. Es fänden sich weiterhin grenzwertige Immunglobuline G (IgG)
gegen diverse Schimmel-Arten (Suva-act. 222-1 f.).
A.j.
Dr. med. F._, Facharzt für Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin, Abteilung
Arbeitsmedizin der Suva, befand am 28. November 2017, bei der instabilen pulmonalen
Situation stünden berufsfremde Faktoren im Vordergrund (Suva-act. 233).
A.k.
Der zuständige Berater der G._ GmbH, welcher die Versicherte im Auftrag der
Suva bei der Stellensuche unterstützt hatte, führte in seinem Schlussbericht vom 12.
Juli 2018 aus, es habe sich keine geeignete Arbeitsstelle finden lassen, weshalb er das
Mandat nach Absprache mit der Suva abschliesse (Suva-act. 274-9 f.).
A.l.
Die Suva teilte der Versicherten am 25. März 2019 mit, die Überprüfung für die
vierte und damit letzte Rate der Übergangsentschädigung (Periode vom 1. März 2018
bis 28. Februar 2019) ergebe ein abschliessendes Guthaben zu Gunsten der
A.m.
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B.
Versicherten von Fr. 3'756.--. Mit der Ausrichtung der vier Raten entfalle ein Anspruch
auf weitere Übergangsleistungen (Suva-act. 302).
Im Auftrag der Suva wurde die Versicherte am 21. Mai 2019 durch Prof. Dr. med.
H._, Leitender Arzt I._, Lungenzentrum des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG),
konsiliarisch untersucht. Dieser hielt gleichentags als Diagnosen unter anderem ein
Asthma bronchiale GINA Stufe 4 und eine Adipositas WHO Grad 3 mit kombiniert
mittelschwerer pulmonaler Insuffizienz sowie eine hypertensive Herzkrankheit mit
Anstrengungsdyspnoe NHYA II fest. Bezüglich Asthma bestehe eine unkontrollierte
Situation. In der Lungenfunktion bestehe bei einer schwierig interpretierbaren
Untersuchung ein mittelschweres ventilatorisches Defizit, gegenüber früheren
Befunden von Dr. C._ leicht verbessert. Er rate der Versicherten zur
Gewichtsreduktion und einer Anpassung der Asthmatherapie (Suva-act. 311). Nach
Durchführung einer Ergospirometrie berichtete Dr. med. J._, Oberarzt mbF,
Lungenzentrum des KSSG, am 2. Juli 2019, spiroergometrisch zeige sich eine
schwergradig eingeschränkte Leistungsfähigkeit mit pulmonaler Limitierung bei
aufgebrauchten Atemreserven. Es zeige sich eine Hyperventilation mit ausgeprägter
Steigerung des Atemzugsvolumens und auch in der Blutgase dokumentierter
Hyperventilation. Insofern könne von einer Dekonditionierung ausgegangen werden. Er
empfehle rehabilitative Massnahmen (Suva-act. 314).
A.n.
Dr. med. K._ und Dr. med. L._, beide Bereich Fachärztinnen/-ärzte der Suva
Arbeitsmedizin, empfahlen am 8. Juli 2019, den Fall des Berufsasthmas bei einem
zwischenzeitlich erreichten "Status sine ante" abzuschliessen (Suva-act. 316). Am 7.
August 2019 nahm Dr. K._ Stellung zu weiteren Fragen der Suva. Sie schätzte den
berufsbedingten Integritätsschaden auf 0 % (Suva-act. 319, vgl. Suva-act. 318).
A.o.
Mit Verfügung vom 16. August 2019 stellte die Suva die Versicherungsleistungen
(Heilkosten) per Verfügungsdatum ein (Suva-act. 325).
A.p.
Dagegen erhob die Versicherte am 3. September 2019 Einsprache (Suva-act. 326,
vgl. Begründung vom 16. Oktober 2019; Suva-act. 329).
B.a.
Mit Entscheid vom 20. April 2020 wies die Suva die Einsprache ab (Suva-act. 336).B.b.
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C.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch auf
Übernahme von Heilbehandlungskosten über den 16. August 2019 hinaus. Die
Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. April
2020 (Suva-act. 336) sowie der diesem zugrundeliegenden Verfügung vom 16. August
2019 (Suva-act. 325) auf den Standpunkt, im Verfügungszeitpunkt sei der Zustand, wie
er sich auch ohne Berufskrankheit eingestellt hätte, wieder erreicht gewesen. Die weiter
dauernde Arbeitsunfähigkeit und die medizinische Behandlung gehe demnach nicht
mehr zu ihren Lasten. Vor diesem Hintergrund fand keine einlässliche Prüfung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente oder eine Integritätsentschädigung durch die
Gegen den Einspracheentscheid vom 20. April 2020 erhob die Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 22. Mai 2020 die vorliegende Beschwerde. Sie
beantragte darin, dieser sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen
Versicherungsleistungen bei Berufskrankheiten (Rente, Integritätsentschädigung)
auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen an die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G1). Sie reichte unter anderem eine
Stellungnahme von Dr. C._ vom 20. Mai 2020 ein (act. G1.1.4).
C.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 30. November 2020 gestützt auf
Beurteilungen von Dr. med. M._, Arbeitsarzt, Facharzt für Psychotherapie und
Psychiatrie sowie für Allgemeinmedizin (D), Bereich Fachärztinnen/-ärzte der Suva
Arbeitsmedizin, vom 25. und 27. November 2020 (vgl. act. G11.1, Suva-act. 369) die
teilweise Gutheissung der Beschwerde. Der angefochtene Einspracheentscheid sei in
dem Sinne abzuändern, als die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die
gesetzlichen Leistungen für die Folgen der Berufskrankheit über den 16. August 2019
hinaus bis zum 27. August 2020 zu erbringen habe. Im Übrigen sei die Beschwerde
abzuweisen (act. G11).
C.b.
Mit Replik vom 19. Februar 2021 und Duplik vom 19. April 2021 hielten die
Parteien an ihren Anträgen fest (act. G15, G17).
C.c.
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Beschwerdegegnerin statt (vgl. Suva-act. 316 ff.). Diese können demnach vorliegend
nicht Streitgegenstand bilden und auf die diesbezüglichen Anträge der
Beschwerdeführerin ist nicht einzutreten.
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR
832.20) werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, Versicherungsleistungen
bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt. Nach Art. 9
Abs. 1 UVG gelten Krankheiten, die bei der beruflichen Tätigkeit ausschliesslich oder
vorwiegend durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten verursacht worden
sind, als Berufskrankheiten. Rechtsprechungsgemäss liegt eine "vorwiegende"
Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe oder bestimmte Arbeiten
dann vor, wenn diese mehr wiegen als alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im
gesamten Ursachenspektrum mehr als 50% ausmachen (BGE 119 V 200 E. 2a; Urteil
des Bundesgerichts vom 7. September 2011, 8C_465/2011, E. 7.1). Ausschliessliche
Verursachung hingegen meint praktisch 100% des ursächlichen Anteils der
schädigenden Stoffe oder bestimmten Arbeiten an der Berufskrankheit (BGE 119 V 200
E. 2a mit Hinweis).
1.1.
Ist die versicherte Person infolge eines Unfalls oder einer Berufskrankheit voll oder
teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art.
16 Abs. 1 i.V.m. Art. 9 Abs. 3 UVG). Sie hat zudem Anspruch auf die zweckmässige
Behandlung der Folgen eines Unfalls oder einer Berufskrankheit (Art. 10 i.V.m. Art. 9
Abs. 3 UVG). Die vorübergehenden Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) sind
einzustellen und der Anspruch auf eine Invalidenrente zu prüfen, wenn allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind und von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet werden kann (Art. 19 Abs.
1 UVG).
1.2.
Gemäss Art. 84 Abs. 2 UVG können die Durchführungsorgane Versicherte, die
hinsichtlich Berufsunfällen oder Berufskrankheiten durch bestimmte Arbeiten
besonders gefährdet sind, von diesen Arbeiten ausschliessen. Der Bundesrat ordnet
die Entschädigung für Versicherte, die durch den Ausschluss von ihrer bisherigen
Arbeit im Fortkommen erheblich beeinträchtigt sind und keinen Anspruch auf andere
Versicherungsleistungen haben. Unter “andere Versicherungsleistungen“ im Sinn dieser
Bestimmung sind andere Leistungen der Unfallversicherung zu verstehen (Urteil des
Bundesgerichts vom 29. April 2009, 8C_1031/2008, E. 3.1 mit Hinweis auf BGE 130 V
438 E. 4.3). Gestützt auf Art. 84 Abs. 2 UVG hat der Bundesrat in den Art. 82 ff. der
1.3.
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Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV; SR 832.30)
die Ansprüche der Arbeitnehmenden geordnet, die von einer befristeten oder
dauernden Nichteignungsverfügung betroffen sind. Dazu gehört unter anderem die
Übergangsentschädigung gemäss den Art. 86 ff. VUV. Eine arbeitnehmende Person,
die von einer Arbeit befristet oder dauernd ausgeschlossen oder nur als bedingt
geeignet erklärt worden ist, erhält vom Unfallversicherer eine
Übergangsentschädigung, wenn die Voraussetzungen von Art. 86 Abs. 1 VUV
kumulativ erfüllt sind. Die Übergangsentschädigung wird während höchstens vier
Jahren ausgerichtet (Art. 87 Abs. 3 VUV).
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis bzw. einer
Berufskrankheit zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181, E. 3;
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
1.4.
Eine durch einen Unfall oder eine Berufskrankheit verursachte
Gesundheitsschädigung oder eine auftretende Beschwerdesymptomatik kann einen
zuvor intakten oder einen bereits vorgeschädigten Körperteil betreffen. Ist letzteres der
Fall kommt eine unfallkausale Gesundheitsschädigung höchstens als vorübergehende
oder richtunggebende Verschlimmerung eines Vorzustandes in Betracht. Die
Leistungspflicht des Unfallversicherers bei einem verschlimmerten oder überhaupt erst
manifest gewordenen Vorzustand entfällt erst, wenn der Unfall bzw. die Berufskrankheit
nicht mehr die natürliche oder adäquate Ursache des Gesundheitsschadens darstellt
oder die Ursächlichkeit einer vorübergehenden Verschlimmerung einer unfallähnlichen
Vorschädigung ausgeschlossen werden kann. Dies trifft zu, wenn entweder der
Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bzw. der berufsbedingten
Schädigung oder dem Eintreten der Beschwerdesymptomatik bestanden hat (Status
quo ante), oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen
Verlauf eines krankhaften Vorzustands früher oder später eingestellt hätte (Status quo
sine), erreicht ist. Eine richtunggebende Verschlimmerung liegt vor, wenn
medizinischerseits feststeht, dass weder der Status quo sine noch der Status quo ante
je wieder erreicht werden können (vgl. André Nabold, N 54 zu Art. 6, in: Marc Hürzeler/
Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung, Kommentar zum
schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018; Irene Hofer, N 71 zu Art. 6, in:
Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.],
1.5.
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2.
Vorerst ist zu prüfen, ob entsprechend der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl. Suva-
act. 325, 336, act. G11, G17) bei der Beschwerdeführerin ein Vorzustand, insbesondere
ein Asthma bronchiale, bestanden hat. Die Beschwerdeführerin bestreitet dies und
stellt sich auf den Standpunkt, ihre Beschwerden seien erst durch die Exposition
gegenüber Methylacrylaten während ihrer Tätigkeit bei der B._ AG ausgelöst worden
(act. G1, G15).
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
54).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den Berichten und
Gutachten, welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren
eigenen bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen einholen, kann rechtsprechungsgemäss
ebenfalls Beweiswert beigemessen werden (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353
f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen,
sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U
281, S. 281 f., E. 1a).
1.6.
Dr. C._ berichtete am 1. Mai 2014, er habe die Beschwerdeführerin bereits 2009
abgeklärt. Damals habe eine pulmonale Hypertonie als Ursache der
Anstrengungsdyspnoe ausgeschlossen werden können. Auch unter Inhalation habe
sich lungenfunktionell aber kein durchschlagender Erfolg gezeigt (Suva-act. 7-1 f.).
Bezüglich der damaligen Abklärungen von Dr. C._ ist eine unter anderem an den
2.1.
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damaligen Hausarzt adressierte E-Mail-Nachricht vom 31. Juli 2009 aktenkundig. In
dieser hatte Dr. C._ über seine pneumologischen Abklärungen vom 13. Januar bis
11. Juni 2009 berichtet. Er hatte festgehalten, es hätten erschwerte
Untersuchungsbedingungen mit spontan schwankenden Messwerten bestanden. Im
Metacholinprovokationstest habe er ein mittelschwer hyperreaktives Bronchialsystem
nachweisen können. Es hätten eine mittelschwere Obstruktion sowie eine weitere
Verschiebung der Atemmittellage nach oben bzw. ein Air-Trapping resultiert. Nach
einer Inhalation habe ein signifikanter Anstieg der Vitalkapazität stattgefunden und es
sei keine Restriktion mehr nachweisbar gewesen. Die Ruhelungenfunktion habe sich
dennoch nicht normalisiert. Die Thorax-Röntgenuntersuchung vom 15. Januar 2009 sei
dem Alter und Habitus entsprechend gewesen. Insbesondere habe sich kein Anhalt für
eine interstitielle/fibrosierende Lungenkrankheit, eine Atelektase oder ein Tumorleiden
ergeben. Allergieabklärungen seien negativ verlaufen. Nach einer Spiroergometrie vom
3. März 2009 habe als wahrscheinliche Ursachen der leistungslimitierenden Dyspnoe
eine Ausschöpfung der Atemreserven sowie ein Anstieg der maximalen Atemfrequenz
auf 50 pro Minute bei rund 135 Watt definiert werden können. Bei einer Besprechung
am 13. März 2009 habe er - Dr. C._- mit der Beschwerdeführerin eine probatorische
antiasthmatische Basistherapie mit Vannair 200/6 und Ecovent-EH 200 vereinbart.
Subjektiv habe die Beschwerdeführerin zunächst wenig von dieser Massnahme
profitiert. Im Juni 2009 habe sie sich dann doch besser gefühlt, so dass er das
Weiterführen der regelmässigen Inhalationstherapie befürworte. Entsprechend habe
sich die Ruhelungenfunktion knapp normalisiert (Suva-act. 7-8 f.). Diesem Bericht ist
damit zwar nicht die konkrete Diagnose eines Asthmas zu entnehmen. Auch stellte Dr.
C._ keine andere Diagnose oder nannte eine eindeutige Ursache für die Dyspnoe.
Die Beschwerden glichen aber offenbar jenen bei einer asthmatischen Erkrankung,
ansonsten Dr. C._ der Beschwerdeführerin keine antiasthmatische Basistherapie
verschrieben hätte.
Die abklärenden Ärzte des KSSG hatten am 5. Oktober 2009 unter anderem über
eine Anstrengungsdyspnoe NYHA II berichtet. Die durchgeführten Untersuchungen
würden wie bereits im November 2008 echokardiographisch einen grenzwertig
erhöhten pulmonal-arteriellen Spitzendruck bei ansonsten unauffälliger
Echokardiographie zeigen. Funktionell sei die Situation ebenfalls stabil mit
spiroergonometrisch erhaltener kardiopulmonaler Leistungsfähigkeit im oberen
Normbereich. Neben der Dyspnoe klage die Beschwerdeführerin über unspezifische
Beschwerden wie Kopfschmerzen und gelegentliches Schwindelgefühl. Sie hätten die
Situation der Beschwerdeführerin im interdisziplinären Board für pulmonal-arterielle
Hypertonie besprochen und entschieden, die echokardiographischen Befunde mittels
2.2.
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Rechtsherzkatheter-Untersuchung zu überprüfen, um eine pulmonal-arterielle
Hypertonie zu bestätigen oder auszuschliessen. Weitere Untersuchungen seien (falls
erforderlich) geplant (Suva-act. 7-5 ff.). Am 10. Dezember 2009 hatte der zuständige
Oberarzt mbF des KSSG festgehalten, die vermutete pulmonal-arterielle Hypertonie
habe nicht bestätigt werden können. Hingegen handle es sich um eine hypertensive
Herzkrankheit, weshalb eine antihypertensive Behandlung eingeleitet worden sei. Die
weiteren geplanten Abklärungen zur Differenzierung der Ursachen für pulmonale
Hypertonie seien nun nicht mehr notwendig (Suva-act. 7-3 f.).
Dr. E._ befand am 3. Oktober 2014, bei der Beschwerdeführerin sei 2009 eine
bronchiale Hyperreagibilität dokumentiert worden. Die berufliche Exposition gegenüber
Methylacrylaten habe zunächst zu einer unspezifischen chronischen Irritation der
oberen Atemwege (mit Symptomatik einer wiederholten rezidivierenden Heiserkeit) und
im Verlauf auch zu einer wesentlichen Verstärkung eines vorbestehenden Asthmas
bronchiale geführt. Es sei mit stark überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass eine wesentliche irritative Verschlechterung eines vorbestehenden
Asthmas bronchiale durch die berufliche Tätigkeit bei der Firma B._ AG mit
beruflicher Exposition gegenüber Methylacrylaten aufgetreten sei (Suva-act. 33). Dr.
E._ begründete zwar die vorher von den behandelnden Ärzten nie konkret gestellte
Diagnose eines Asthmas bronchiale nicht ausführlich. Aufgrund der erwähnten Berichte
von Dr. C._ und des KSSG bestanden aber immerhin Hinweise auf ein Asthma
bronchiale. Jedenfalls hatte die Beschwerdeführerin unbestritten bereits seit 2009
pulmonale Beschwerden und es wurde eine antiasthmatische Therapie durchgeführt.
Selbst wenn es sich dabei nicht um ein Asthma bronchiale gehandelt haben sollte, ist
damit überwiegend wahrscheinlich von einem relevanten Vorzustand auszugehen.
2.3.
Im weiteren Verlauf gingen Dr. F._ sowie Dr. K._ und Dr. L._ davon aus, es
bestehe eine berufskrankheitsbedingte Verschlimmerung eines vorbestehenden
Asthmas bronchiale (vgl. Suva-act. 143, 233, 316, 319). Sie sahen offenbar keinen
Grund, von der Beurteilung von Dr. E._ abzuweichen. Prof. H._ hielt in seinem
Bericht vom 21. Mai 2019 in der Liste der Diagnosen zwar unter anderem fest, das
Asthma bronchiale sei erstmals 2014 durch Dr. C._ diagnostiziert worden (Suva-act.
311). Er äusserte sich entsprechend seinem Auftrag jedoch nicht ausführlich zur
Situation vor der beruflichen Exposition und beurteilte insbesondere nicht, ob damals
ein relevanter Vorzustand im Sinne eines Asthmas oder zumindest einer
asthmaähnlichen Erkrankung vorlag.
2.4.
Dr. C._ führte am 20. Mai 2020 aus, am 15. Januar 2009 habe zwar ein
mittelschwer hyperreaktives Bronchialsystem im Metacholinprovokationstest sowie ein
2.5.
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3.
Weiter ist die Rechtmässigkeit der Leistungseinstellung zu prüfen. Die
Beschwerdegegnerin ging ursprünglich per 16. August 2019 von einem Status quo sine
oder ante aus und stellte ihre Leistungen ein (vgl. Suva-act. 336, 325). In ihrer
Beschwerdeantwort anerkannte sie gestützt auf eine Beurteilung von Dr. M._ jedoch
ihre Leistungspflicht bis zum 27. August 2020 (act. G11). Die Beschwerdeführerin stellt
sich hingegen auf den Standpunkt, ihre noch vorhandenen Beschwerden seien durch
die berufliche Exposition ausgelöst worden und weiterhin auf die Berufskrankheit
zurückzuführen (act. G1, G15).
signifikanter Anstieg des Erstsekundenvolumens (FEV1) nach Inhalation nachgewiesen
werden können. Diese Konstellation allein definiere allerdings kein Asthma bronchiale.
Dazu benötige es einen Verlauf über längere Zeit. Auch in der Spiroergometrie vom 3.
März 2009 hätten sich keine Anhaltspunkte für das Vorliegen eines
anstrengungsinduzierten Asthmas bronchiale gefunden. Vom 11. Juni 2009 bis 20.
Februar 2014 habe er die Beschwerdeführerin nicht mehr in seiner Sprechstunde
gesehen. Aus seiner Sicht bestehe kein Zustand wie vor 2014 und er wage, zu
behaupten, dass die Beschwerdeführerin nicht an einem banalen Asthma bronchiale
leide, "falls überhaupt" (act. G1.1.4). Wie jedoch auch Dr. M._ am 25. November
2020 überzeugend beurteilte, bestanden bei der multimorbiden Beschwerdeführerin
seit Anfang 2009 zumindest Hinweise auf ein Asthma bronchiale. Auch habe eine
typische Behandlung mit Inhalativa mit prolongiertem Eintreten des
Behandlungserfolges seit 13. März 2009 stattgefunden (Suva-act. 369).
Insgesamt erscheint aufgrund der vorliegenden Akten mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen, dass bei der Beschwerdeführerin ein relevanter
Vorzustand im Sinne eines Asthmas bronchiale oder zumindest einer pulmonalen
Erkrankung bestanden hatte und es in der Folge zu einer berufsbedingten
Verschlimmerung kam.
2.6.
Dr. K._ und Dr. L._ beurteilten am 8. Juli 2019, bei den Parametern der
Lungenfunktionsprüfung zeigten sich intermittierende Veränderungen. Sie stützten sich
dabei auf Untersuchungsergebnisse der Jahre 2014 bis 2016 von Dr. C._ sowie von
Prof. H._ vom Mai 2019. Ihre Beurteilung ist insofern nachvollziehbar, als auch Dr.
C._ wiederholt über schwierige Untersuchungsbedingungen mit spontan
schwankenden Messwerten berichtet hatte (vgl. Suva-act. 7-8, 166, 355-1). Dr. K._
und Dr. L._ führten weiter aus, die Beschwerdeführerin habe bereits vor Anerkennung
der Berufskrankheit ein vorbestehendes Asthma gehabt und nach Erlass der
3.1.
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Nichteignungsverfügung und der Expositionskarenz gegenüber Acrylaten eine
deutliche Besserung der Lungenfunktionsprüfung gezeigt. Dies lasse den Schluss zu,
dass die derzeitigen Schwankungen nicht mehr auf eine vorübergehende berufliche
Verschlechterung des Asthmas zurückzuführen seien, sondern eher im Gesamtkontext
bei metabolischem Syndrom zu beurteilen seien. Sie würden den Abschluss des Falles
bei erreichtem "Status sine ante" empfehlen (Suva-act. 316). Diese Einschätzung ist
insofern nicht überzeugend, als die beiden Ärzte nicht erklärten, weshalb die
schwankenden Messwerte gegen berufskrankheitsbedingte Beschwerden sprechen
sollten. Zudem waren die bei der Lungenfunktionsprüfung gemessenen Werte bereits
seit mindestens 2016 bzw. gar seit 2009 schwankend, so dass die Festlegung des
Status quo sine oder ante per 8. Juli 2019 (bzw. verfügungsweise per 16. August 2019;
vgl. Suva-act. 325) nicht überzeugt. Dieser Meinung war - wie nachfolgend ausgeführt -
auch Dr. M._ (Suva-act. 369, act. G11.1). Dr. K._ wiederholte am 7. August 2019,
es sei nicht mehr von einer Berufskrankheit als solcher zu sprechen, da der Status quo
sine ante erreicht sei. Wie in der jüngeren Vergangenheit werde lediglich das nicht
berufsbedingte, vor der Exposition vorliegende Asthma behandelt (Suva-act. 319).
Diese Beurteilung enthält jedoch keine neue Begründung, welche den
Einstellungszeitpunkt per 16. August 2019 nachvollziehbar machen würde.
Mit der Beschwerdeschrift reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme von
Dr. C._ vom 20. Mai 2020 ein. Dieser führte aus, der wichtigste Messparameter zur
Beurteilung des Schweregrads einer asthmatischen Komponente sei das FEV1, also
die Menge an Luft (in Litern), die forciert in einer Sekunde ausgeatmet werden könne.
Der höchste Wert des FEV1 habe 2009 nach Inhalation 2.25 Liter betragen. Bei der
nächsten Messung am 18. Oktober 2014 habe das FEV1 nach Inhalation noch einmalig
2.5 Liter betragen. Ab dann sei es nur noch abwärtsgegangen bis zu einem FEV1 von
knapp 1.2 Litern, auch mit der neuen Lungenfunktionsprüfung ab 2019. Die am 28.
März 2019 imponierenden Höchstwerte vor Inhalation entsprächen einem einmaligen
Ausreisser nach oben, denn in der gleichen Sitzung sei es der Beschwerdeführerin
nicht mehr gelungen, diese Werte zu erreichen (faktisch seien diese
Lungenfunktionsparameter an diesem Tag nicht mehr reproduzierbar gewesen). Dies
sei ein klarer Hinweis auf die anhaltende Instabilität im Tracheobronchialsystem. Es
scheine sich um einen Kollaps der grossen Luftwege bei forcierter Ausatmung zu
handeln. Dies sei sicher kein klassischer Verlauf eines banalen Asthmas bronchiale.
Aktuell hätten sie Prozesse im Halsbereich gesucht, die zum Beispiel die Luftröhre /
Trachea komprimieren könnten, diesbezüglich könne jedoch Entwarnung gegeben
werden (Schilddrüsen-Sonografie, Computertomografie von Hals und Thorax). Einzig
eine Bronchoskopie könnte noch weitere makro- und mikroskopische Hinweise auf
3.2.
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eine mögliche chronische Entzündung und/oder eine mechanische Instabilität von
Trachea und Bronchien geben. Für diesen invasiven diagnostischen Eingriff müsste
jedoch eine medizinische Indikation vorliegen. Allergien bzw. Sensibilisierungen gebe
die Beschwerdeführerin nur gegen Insektengifte und Kiwi an. Mehrfach durchgeführte
Allergieteste auf häufige Allergene seien durchwegs negativ ausgefallen. Andere
Messparameter, die auf eine langjährige allergische Disposition hinwiesen, seien
ebenfalls nicht pathologisch erhöht. Es bestünden derzeit auch keine Hinweise auf das
Vorliegen einer allergischen bronchopulmonalen Aspergillose. Zusammenfassend
bestehe aus seiner Sicht kein Zustand wie vor 2014 und er wage, zu behaupten, dass
die Beschwerdeführerin nicht an einem banalen Asthma bronchiale leide, "falls
überhaupt" (act. G1.1.4). Die schwankenden Messwerte ergeben sich aus den
beigelegten Untersuchungsunterlagen (act. G1.1.4). Daraus lässt sich entsprechend
der Ansicht von Dr. C._ jedoch nicht folgern, es bestehe im Zeitpunkt seines Berichts
vom 20. Mai 2020 ein Zustand wie vor der beruflichen Exposition zu Acrylaten bzw. ein
Status quo sine oder ante.
Auch bei der Beschwerdegegnerin löste der Bericht von Dr. C._ offenbar Zweifel
an der Beurteilung von Dr. K._ und Dr. L._ aus. Die Beschwerdegegnerin bat
darauf Dr. C._ um eine "aktuelle Standortbestimmung" (Suva-act. 349) und legte den
Fall sodann Dr. M._ zur Beurteilung vor (vgl. Suva-act. 356).
3.3.
Als ordentlichem Rechtsmittel kommt der Beschwerde nach Art. 56 ATSG
Devolutiveffekt zu. Der Devolutiveffekt besagt grundsätzlich, dass mit der Einreichung
der Beschwerde die Entscheidzuständigkeit von der Vorinstanz auf die
Beschwerdeinstanz übergeht (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, N 1194). Eingeschränkt wird der Devolutiveffekt durch
Art. 53 Abs. 3 ATSG, welcher bestimmt, der Versicherungsträger könne eine Verfügung
oder einen Einspracheentscheid, gegen die bzw. gegen den Beschwerde erhoben
wurde, solange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung
nimmt. Das Bundesgericht bejaht - mit Hinweis auf Art. 53 Abs. 3 ATSG - die Befugnis
des Versicherungsträgers, weitere Beurteilungen einzuholen, nachdem die Partei
zusammen mit ihrer Beschwerde neue Beweismittel eingereicht hatte (Urteil vom 14.
Juni 2017, 8C_67/2017, E. 5.6). Vorliegend holte die Beschwerdegegnerin während des
laufenden Beschwerdeverfahrens, also pendente lite, einen Bericht von Dr. C._ sowie
Beurteilungen von Dr. M._ ein (Suva-act. 349, 356, 369, act. G11.1). Eine
versicherungsinterne ärztliche Überprüfung durch die Beschwerdegegnerin war jedoch
angesichts des Inhalts der mit der Beschwerde eingereichten Stellungnahme von Dr.
C._ vom 20. Mai 2020 (act. G1.1.4) nach wie vor sachgerecht. Die interne
3.3.1.
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versicherungsmedizinische Aktenbeurteilung durch Dr. M._ wurde sodann ohne
Mitwirkung der Beschwerdeführerin erstellt und hat keine namhafte zeitliche
Verzögerung des Beschwerdeverfahrens verursacht (vgl. dazu Art. 61 lit. a ATSG; BGE
136 V 6 E. 2.7 mit Hinweis auf BGE 127 V 231 ff. E. 2b/aa und bb). Sie wurde der
Beschwerdeführerin zusammen mit der Beschwerdeantwort der Beschwerdegegnerin
zugestellt und sie konnte sich im Rahmen der Replik dazu äussern (vgl. act. G12, G15),
weshalb auch nicht von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs ausgegangen werden
kann. Aus diesen Gründen ist von keiner Verletzung des Devolutiveffekts auszugehen.
Vielmehr rechtfertigt es sich, die Beurteilungen von Dr. M._ (Suva-act. 369, act.
G11.1) und auch den Bericht von Dr. C._ vom 28. Oktober 2020 (Suva-act. 355) aus
verfahrensökonomischen Gründen im vorliegenden Beschwerdeverfahren zu
berücksichtigen.
Dr. M._ beurteilte am 25. November 2020 nach Einsicht in die medizinischen
Akten und mehreren internen Besprechungen mit einer Pneumologin, 2015, also nach
mehr als einem Jahr fehlender beruflicher Exposition zu Acrylaten und dann erneut ab
2017 sei es zu einer Verschlechterung der Lungenfunktionswerte gekommen.
Insbesondere die Verschlechterung ab Februar 2017, mithin fast drei Jahre nach dem
Ende der beruflichen Exposition, bleibe ätiologisch unklar. Es sei eine Tatsache, dass
sich im Jahr 2014 tiefere Werte für FEV1 im Verlauf fänden. Der Tiffeneau-Wert
unduliere immer in ähnlichem Rahmen, sodass eine signifikante Zunahme der
Obstruktion nicht zu postulieren sei. Die totale Lungenkapazität (TLC) und die forcierte
Vitalkapazität (FVC) seien abnehmend, wobei dies in der Gesamtschau einer fraglich
erhöhten Atemmittellage als auch der nochmaligen Gewichtszunahme im Sinne einer
Pseudorestriktion geschuldet sein könne. In diesem Fall wären die verschlechterten
FEV1-Werte als falsch tief gemessen zu interpretieren. Es finde sich ein pathologisches
Atemmuster, die Beschwerdeführerin sei zusätzlich pulmonal überbläht und reagiere
immer noch auf Bronchospasmolyse mit einem Beta-Sympathomimetikum, sodass die
Diagnose eines Asthmas bronchiale nicht in Frage zu stellen sei. Eine Verursachung der
Restriktion durch eine exogen allergische Alveolitis sei unwahrscheinlich, da sich hohe
Diffusionskapazitäten messen liessen. Hinweise auf eine eosinophile
Schleimhautalteration hätten sich zu keinem Zeitpunkt der verfügbaren
Untersuchungsbefunde ergeben. Entgegen der Aussage von Dr. C._ vom 20. Mai
2020 (act. G1.1.4) hätten sich radiologisch indirekte Hinweise auf das Vorliegen einer
Instabilität der grossen Atemwege oder Knorpelspangenhyperplasie gefunden (CT vom
11. Juni 2014 und 7. Mai 2020; vgl. Suva-act. 355-8 f., 367). Das postulierte
morphologische Korrelat einer solchen Pathologie habe Dr. C._ in der Bronchoskopie
3.3.2.
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vom 5. August 2014 selbst ausgeschlossen (vgl. Suva-act. 41-1 f.). Aus dem dabei
gewonnen Material sei der Nachweis säurefester Stäbchen (Mykobakterium
lentiflavum) und Haemophilus influenzae gelungen (Suva-act. 41-10 ff.). Hinweise auf
eine Behandlung diesbezüglich seien nicht aktenkundig. Weiter sei die Aussage von Dr.
C._ vom 20. Mai 2020 (act. G1.1.4), wonach sich laborchemisch und in der Prick-
Testung keine Nachweise von Sensibilisierung auf Umweltallergene gefunden hätten,
unrichtig. Der Prick-Test vom 16. Februar 2009 (richtig wohl: 19. Januar 2009; vgl.
Suva-act. 7-32 f.) sei zwar negativ gewesen, doch habe der Test vom 25. Februar 2014
eine schwache, aber nachweisbare Typ-I-Sensibilisierung auf Gräser und Roggen
gezeigt (vgl. Suva-act. 7-34). Laborchemisch seien Immunpräzipitine, insbesondere für
diverse Schimmelpilze nachgewiesen worden. Die IgG für Chlamydia pneumoniae
seien ebenfalls auffällig gewesen (vgl. Suva-act. 7-28). Eine Blut-Eosinophilie habe sich
nur einmalig punktuell am 6. Juni 2014 gefunden, so dass eher nicht von einem
intrinsischen late-onset-Asthma ausgegangen werden könne. Differenzialdiagnostisch
könne bei einem Bodymassindex (BMI) von über 40 kg pro m ein female-obese-
Asthma in Frage kommen. Er nehme zur Kenntnis, dass gemäss Dr. C._ kein
klassischer Verlauf eines banalen Asthmas bronchiale vorliege. Die postulierten
Verursachungsmechanismen stünden jedoch nicht überwiegend wahrscheinlich im
Zusammenhang mit der anerkannten Berufskrankheit (Suva-act. 369). Dr. M._ stellte
damit die Beurteilung von Dr. C._ vom 20. Mai 2020 in überzeugender Weise in
Frage.
2
Sodann befand Dr. M._, dass der Verlauf weit nach Expositionsende ätiologisch
unklar geblieben sei. Dieser stehe zwar möglicherweise, aber nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit der anerkannten Verschlimmerung des
vorbestehenden Asthmas bronchiale. Eine ebenfalls ätiologisch unklare Verbesserung
der Lungenfunktionswerte habe ab 2020 gesehen werden können. Es würden
vergleichbare Werte im Vergleich zu denen im Jahr 2009 erzielt (vgl. Suva-act. 355-14
ff., act. G1.1.4), weshalb der Vorzustand als erreicht anzusehen sei. Die Aussage von
Dr. C._ vom 20. Mai 2020 (act. G1.1.4), wonach zumindest lungenfunktionell kein
Zustand wie vor 2014 bestehe, sei aufgrund des Verlaufs der Lungenfunktionswerte
widerlegt. Eine Veränderung diverser biologischer Voraussetzungen durch den
natürlichen Alterungsprozess im Zeitraum von 2009 bis 2020, die kontinuierliche
Gewichtszunahme und die Verschlechterung des metabolischen Syndroms seien
unbestritten. Aufgrund der neu vorliegenden Untersuchungsergebnisse bis
einschliesslich 27. August 2020 (Dr. C._; vgl. Suva-act. 355) könne, rückblickend auf
das Jahr 2009 und den Vorzustand eines Asthmas bronchiale festgestellt werden, dass
sich die Lungenfunktionswerte auf ein vergleichbares Niveau erholt hätten. Die Ursache
3.4.
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4.
der mindestens zweizeitigen Verschlechterung nach Aufgabe der beruflichen Tätigkeit
und Beendigung der Exposition zum angeschuldigten Arbeitsstoff bleibe unklar und sei
vermutlich multifaktoriell verursacht, könne aber nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit der ehemaligen beruflichen Exposition
gebracht werden (Suva-act. 369). Am 27. November 2020 präzisierte Dr. M._, in
Bezug auf den Vorzustand mit Asthma bronchiale sei der Status quo ante am 27.
August 2020 erreicht gewesen (act. G11.1). Dieses Datum bezieht sich offenbar auf die
damals vorgenommene Untersuchung der Beschwerdeführerin durch Dr. C._. In
seinem diesbezüglichen Bericht vom 28. Oktober 2020 machte dieser keine
Ausführungen, welche gegen das Erreichen eines Status quo sine oder ante sprechen
würden. Im Gegenteil hielt er unter anderem fest, die Ruhelungenfunktion vom 27.
August 2020 sei grenzwertig normal gewesen, sicher habe weder eine Obstruktion
noch eine Restriktion vorgelegen. Die CO-Diffusionskapazität sei leicht vermindert, der
Diffusionskoeffizient liege im unteren Normbereich. Lungenfunktionell sei insgesamt ein
signifikanter Anstieg des FEV1 im Verlauf zu verzeichnen, eigentlich eine
Normalisierung der Ruhelungenfunktion. Die zum Teil tiefnormalen Werte seien sicher
der morbiden Adipositas geschuldet, ebenso der leichtgradig erniedrigte
Sauerstoffpartialdruck (paO2), im Sinne einer Störung des Ventilations-Perfusions-
Verhältnisses (VA/Q; Suva-act. 355-1 f.).
Insgesamt ist damit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass der Status quo sine oder ante am 27. August 2020 erreicht war. Die
Beschwerdeführerin hatte ab diesem Zeitpunkt keinen Anspruch mehr auf die
Übernahme der Kosten der Heilbehandlung durch die Beschwerdegegnerin. Weitere
medizinische Abklärungen erübrigen sich. Allfällige Ansprüche auf eine Rente und eine
Integritätsentschädigung sind wie erwähnt vorliegend nicht Streitgegenstand (vgl. E. 1),
fallen aber vor diesem Hintergrund ohnehin ausser Betracht.
3.5.
Im Sinne der Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 20. April
2020 aufzuheben und die Beschwerde insofern teilweise gutzuheissen, als die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten ist, der Beschwerdeführerin die Kosten der
Heilbehandlung für die Folgen der Berufskrankheit bis zum 27. August 2020 zu
bezahlen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
4.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (aArt. 61 lit. a ATSG in der bis 31. Dezember
2020 gültigen, für das vorliegende Verfahren gemäss Art. 82a ATSG noch
anwendbaren Fassung).
4.2.
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