Decision ID: 6a80176a-9f01-5342-b21e-b121d184de05
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 20. August 2010 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu
ihrer halben IV-Rente an (EL-Dossier 1 [act. G 3.1], act. 66). Mit Verfügung vom
10. November 2010 sprach ihr die EL-Durchführungsstelle ab dem 1. November 2010
eine Ergänzungsleistung von Fr. 2'165.-- pro Monat zu (EL-Dossier 1, act. 52). Da ihr
Ehemann (der sich ebenfalls zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet hatte) bis und
mit Oktober 2010 ein Krankentaggeld von jährlich Fr. 52'797.-- erhalten hatte, hatte für
die Monate August bis und mit Oktober 2010 ein Einnahmenüberschuss resultiert (EL-
Dossier 1, act. 53), weshalb die EL-Durchführungsstelle das Gesuch für diesen
Zeitraum abwies. Die EL-Durchführungsstelle forderte die Versicherte ausserdem auf,
eine Meldung zu erstatten, sobald sich der Gesundheitszustand des Ehemannes
verändere, er eine Arbeitsstelle gefunden oder einen Entscheid der
Invalidenversicherung erhalten habe. Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte am
30. November 2010 Einsprache (EL-Dossier 1, act. 47). Sie beantragte die
Neuberechnung der Ergänzungsleistung ohne Berücksichtigung eines hypothetischen
A.a.
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Erwerbseinkommens. Mit Entscheid vom 25. Februar 2011 hiess die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache insofern gut, als sie der Versicherten für die Zeit ab
1. Januar 2011 kein hypothetisches Erwerbseinkommen mehr anrechnete und eine
Ergänzungsleistung von monatlich Fr. 3'374.-- zusprach (EL-Dossier 1, act. 31). Für die
Zeit bis und mit Dezember 2010 wies sie die Einsprache hingegen ab.
Mit Vorbescheid vom 16. März 2011 kündigte die IV-Stelle dem Ehemann der
Versicherten die rückwirkende Zusprache einer ganzen Rente ab 1. November 2009 an
(IV-Dossier Ehemann [act. G 3.5], act. 132). Am 31. Mai 2011 prüfte die EL-Durch
führungsstelle, ob dem Ehemann der Versicherten neu ein Erwerbseinkommen anzu
rechnen und entsprechend eine Anpassung der Ergänzungsleistung vorzunehmen sei
(EL-Dossier 1, act. 30). Ein Sachbearbeiter vermerkte dazu: „S. IV-Verfügungsteil vom
16. März 2011; rückwirkend ab 11.09 besteht Anspruch auf eine Rente von 85 %;
Vorbescheid ist bei Rente in abklären, diese informieren uns, sobald die Verfügung
erlassen ist.“ Mit Verfügung vom 9. Juni 2011 wurde dem Ehemann der Versicherten
rückwirkend ab 1. November 2009 eine ganze IV-Rente zugesprochen (IV-Dossier
Ehemann, act. 139). Die EL-Durchführungsstelle wurde weder von der Abteilung AHV/
IV-Leistungen noch von der IV-Stelle über den Erlass der Rentenverfügung informiert.
A.b.
Im Rahmen einer periodischen Überprüfung des EL-Anspruchs gab die
Versicherte am 7. Mai 2012 an, sie habe in der Zeit vom 7. März bis 31. Dezember
2011 einen Nettolohn von Fr. 3‘251.-- erzielt (EL-Dossier 1, act. 23). Ihr Ehemann habe
im Zeitraum Juli bis Dezember 2011 ein Erwerbseinkommen von Fr. 9'000.-- verdient
und erhalte eine Rente der Invalidenversicherung sowie eine Rente aus beruflicher
Vorsorge. Mit Verfügung vom 27. September 2012 hob die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistungen mit Wirkung ab 1. Oktober 2012 auf (EL-Dossier 1, act. 16).
Ausserdem kündigte sie an, dass sie bezüglich der rückwirkenden Perioden eine
weitere Verfügung erlassen werde. Nachdem die Versicherte der EL-
Durchführungsstelle weitere Unterlagen hatte zugehen lassen, erliess diese am
30. November 2012 eine weitere Verfügung, mit der sie einen EL-Anspruch für den
Zeitraum von 1. November 2010 bis und mit 30. September 2012 rückwirkend
verneinte und entsprechend zu viel ausgerichtete Ergänzungsleistungen von insgesamt
Fr. 75'400.-- zurückforderte (EL-Dossier 1, act. 11).
A.c.
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Dagegen liess die Versicherte am 8. Januar 2013 Einsprache erheben (EL-Dossier
1, act. 1). Ihr Rechtsvertreter machte unter anderem geltend, dass der Ehemann der
Versicherten die EL-Durchführungsstelle am 7. September 2011 telefonisch über die
Rentenzusprache informiert habe (EL-Dossier 2 [act. G 3.2], act. 7). Der zuständige
Sachbearbeiter habe entgegnet, dass mit den EL-Verfügungen alles rechtens und keine
spätere Rückforderung zu befürchten sei.
A.d.
Der Fachbereich Ergänzungsleistungen notierte am 11. April 2013, der von der
Versicherten erwähnte Sachbearbeiter arbeite nicht mehr für die EL-
Durchführungsstelle (EL-Dossier 2, act. 4). Es liege keine Telefonnotiz bei den Akten,
weshalb die Aussage der Versicherten nicht auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden
könne. Aufgrund der Art des ehemaligen Sachbearbeiters und seiner Telefonaussagen
könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass dieser die geltend gemachten
Auskünfte gegeben habe. Die Rückforderung der Krankenkassenpauschalen sei
korrekt gewesen. Abklärungen bei der für die Ermittlung der individuellen
Prämienverbilligung zuständigen Stelle hätten allerdings ergeben, dass das Ehepaar ab
dem 1. August 2010 einen Anspruch von insgesamt lediglich Fr. 246.30 hätte, der mit
der Rückforderung verrechnet werden könne.
A.e.
Mit Entscheid vom 14. Mai 2013 hiess die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
insofern gut, als sie den Betrag der Rückforderung um Fr. 246.30 auf Fr. 75‘153.70
reduzierte (EL-Dossier 2, act. 3). Im Übrigen wies sie die Einsprache ab.
A.f.
Dagegen liess die Versicherte am 13. Juni 2013 Beschwerde erheben (EL-Dossier
3 [act. G 3.3], act. 59 2 ff.). Mit einzelrichterlichem Entscheid vom 3. Juni 2014 wies der
Vizepräsident der 2. Abteilung des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen die
Beschwerde ab (EL 2013/37, EL-Dossier 3, act. 55). Die dagegen erhobene
Beschwerde hiess das Bundesgericht mit Urteil vom 8. September 2015 (9C_585/2014)
teilweise gut und hob den Entscheid des Versicherungsgerichts vom 3. Juni 2014 auf
(EL-Dossier 3, act. 46). Es wies die Sache zur neuen Entscheidung in gehöriger
Besetzung an die Vorinstanz zurück; im Übrigen wies es die Beschwerde ab.
A.g.
Mit Entscheid vom 25. September 2017 (in Dreierbesetzung) wies das Ver
sicherungsgericht die Beschwerde ab, soweit auf sie einzutreten sei (EL 2015/29; EL-
A.h.
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Dossier 3, act. 27). Es erwog, dass die EL-Durchführungsstelle und die Abteilung AHV/
IV-Leistungen nicht zum automatischen Informationsaustausch berechtigt seien. Der
EL-Durchführungsstelle könne daher das Wissen um den Erlass der Rentenverfügung
vom 9. Juni 2011 nicht zugerechnet werden. Ausserdem obliege der EL-
Durchführungsstelle keine Pflicht, sich von Amtes wegen über jeden Entscheid einer
anderen Sozialversicherung in Kenntnis zu setzen. Vielmehr bestehe eine gesetzliche
Meldepflicht der EL-Bezüger, auf die diese ja auch in jeder Verfügung hingewiesen
würden. Vorliegend habe die EL-Durchführungsstelle die Versicherte zudem bereits bei
der Leistungszusprache explizit und spezifisch darauf hingewiesen, dass sie unter
anderem dann eine Meldung zu erstatten habe, wenn ihrem Ehemann eine
Invalidenrente zugesprochen werde. Die Nichtanpassung der Ergänzungsleistung beim
Erlass oder beim Eintritt der formellen Rechtskraft der Rentenverfügung vom 9. Juni
2011 sei folglich nicht als ein Fehler der EL-Durchführungsstelle zu qualifizieren. Die
Versicherte habe belegen können, dass am 7. September 2011 vom Telefonanschluss
des Ehemannes der Hauptanschluss der SVA St. Gallen gewählt worden sei und dass
das Gespräch 22 Minuten gedauert habe. In den Akten des Verwaltungsverfahrens
finde sich keine Telefonnotiz zu diesem Gespräch. Es sei weder mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, mit welchem Mitarbeiter der SVA der
Ehemann am 7. September 2011 telefoniert habe, noch was der Inhalt des Gesprächs
gewesen sei. Die Einvernahme des ehemaligen Sachbearbeiters würde kaum weitere
Erkenntnisse zum Inhalt des Gesprächs vom 7. September 2011 liefern. Letztlich könne
offenbleiben, ob das von der Versicherten behauptete Telefonat am 7. September 2011
tatsächlich stattgefunden habe und den von ihr behaupteten Inhalt gehabt habe. Auch
wenn ein Telefonat mit diesem Inhalt stattgefunden hätte, wäre die Rückforderung im
Zeitpunkt des Erlasses der Rückforderungsverfügung im November 2012 nämlich noch
nicht verwirkt gewesen. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Am 30. November 2017 stellte der Rechtsvertreter der Versicherten ein Gesuch um
Erlass der Rückforderung von Fr. 75'153.70; eventualiter sei eine Rückerstattung in
einem äusserst bescheidenen Rahmen zu verfügen (EL-Dossier 3, act. 19-1 ff.). Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter an, die Versicherte selbst sei aufgrund der
Tatsache, dass sie erst vor wenigen Jahren aus Bosnien in die Schweiz gezogen sei,
organisatorisch und auch sprachlich nicht in der Lage gewesen, die Angemessenheit
A.i.
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eines Bezugs aus einer Sozialversicherung abzuschätzen. Dass sie selber wie auch ihr
Ehemann charakterlich gar nicht in der Lage gewesen seien, wider besseres Wissen
unberechtigterweise einen solch massiven Bezug von Ergänzungsleistungen (Fr.
70'000.--) zu machen, bestätige der beigelegte Arztbericht von Dr. B._ eindrücklich.
Zudem seien die persönlichen bzw. gesundheitlichen Umstände des die
administrativen/finanziellen Angelegenheiten betreuenden Ehemannes derart desolat
gewesen, dass er ganz andere Probleme gehabt habe, als sich aus den
Ergänzungsleistungen einen finanziellen Vorteil zu verschaffen. Der Ehemann habe sich
ganz einfach auf das verlassen, was er bezüglich der Berechtigung für den Bezug von
Ergänzungsleistungen in dieser Höhe in Erfahrung gebracht habe. Ob er nun seinerzeit
den SVA-Mitarbeiter falsch verstanden habe, als dieser ihm telefonisch die
Angemessenheit des EL-Bezuges bestätigt habe, könne dahingestellt bleiben. Eine
genauere bzw. weitere Prüfung der Berechtigung, wie z.B. wiederholte Rückfragen,
wäre im Falle der sehr schlechten gesundheitlichen Umstände der Versicherten und
dessen Ehemann nicht zumutbar gewesen. Und schliesslich dürfe bei einem
Erlassgesuch − anders als im versicherungsrechtlichen Verfahren betreffend
Verwirkung des Rückforderungsrechts − an den Nachweis des guten Glaubens nicht
eine übermässige Strenge angewendet werden. B._, Facharzt für Allgemeine Innere
Medizin, hatte im Bericht vom 11. November 2017 festgehalten, er sei seit mindestens
15 Jahren der Hausarzt der Versicherten und ihres Ehemannes und kenne die beiden
als rechtschaffene und stets korrekte Patienten. Der Ehemann sei in der Familie für die
administrativen und finanziellen Belange zuständig, zumal die Versicherte aus
sprachlichen Gründen und aus Unerfahrenheit in diesen Belangen nicht genügend
kompetent sei. Irgendeine missbräuchliche, betrügerische oder egoistische Absicht,
unberechtigt Versicherungsleistungen zu beziehen, sei für ihn bei der Versicherten und
ihrem Ehemann nicht denkbar. Der für die Administration zuständige Ehemann leide
seit vielen Jahren an multiplen, schweren Erkrankungen mit entsprechenden
Symptomen. Im Zeitraum 2008 bis 2010, d.h. zur Zeit der angeblich missbräuchlichen
EL-Bezüge, habe der Ehemann unter einer extrem grossen körperlichen und
psychischen Belastung gestanden. Es dürfte durchaus nachvollziehbar sein, dass er
damals seinen finanziellen Angelegenheiten nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt
habe.
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Mit Verfügung vom 12. Oktober 2018 wies die EL-Durchführungsstelle das
Erlassgesuch ab (EL-Dossier 3, act. 14). Zur Begründung hielt sie fest, dass die
Voraussetzungen des guten Glaubens nicht erfüllt seien. Im Übrigen verwies sie auf
Ziff. 4.4 und 4.5 des Entscheides des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 25. September 2017 sowie auf Ziff. 2 und 2.3 des Erlassgesuchs.
A.j.
Gegen diese Verfügung erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 15.
November 2018 Einsprache (EL-Dossier 3, act. 12). Er brachte ergänzend vor, das
Versicherungsgericht habe die Frage, ob tatsächlich ein Telefongespräch zwischen
dem seinerzeitigen SVA-Mitarbeiter und dem Ehemann der Versicherten stattgefunden
habe, ausdrücklich offengelassen. Die geltend gemachte telefonische Bestätigung
eines problemlosen Anspruchs auf Ergänzungsleistungen sei jedenfalls hinreichend
sicher, um den guten Glauben der Versicherten bzw. deren Ehemannes zu belegen.
A.k.
Mit Entscheid vom 17. April 2019 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
ab (EL-Dossier 3, act. 5). Zur Begründung hielt sie fest, die Ausführungen, wonach sich
der Ehemann und damit auch die Versicherte selbst aus gesundheitlichen Gründen
nicht um die administrativen Belange hätten kümmern können, seien nicht
nachvollziehbar. Der von Dr. B._ angegebene Zeitraum (2008 bis 2010) sei für das
vorliegende Verfahren gar nicht relevant. Die Rentenverfügung datiere nämlich vom 9.
Juni 2011, weshalb die EL-Durchführungsstelle erst ab diesem Zeitpunkt über den
Rentenbezug hätte in Kenntnis gesetzt werden müssen. Der Ehemann der Versicherten
habe im September 2009 einen Hirninfarkt im Ponsbereich erlitten, der unter anderem
kognitive Defizite zur Folge gehabt habe. Daraus gehe jedoch nicht hervor, dass der
Ehemann kognitiv derart eingeschränkt gewesen sei, dass er sich nicht mehr um die
einfachsten administrativen Belange hätte kümmern können. Des Weiteren sei die
Versicherte bereits im März 198_ in die Schweiz eingereist. Seit dem Jahr 2000 besitze
sie das Schweizer Bürgerrecht. Ab 1994 habe sie eine Invalidenrente bezogen. Sie
habe somit reichlich Erfahrung mit dem Schweizerischen Sozialversicherungssystem.
Ihre Deutschkenntnisse könnten also nicht derart schlecht sein, dass sie ihre Pflichten
im EL-Verfahren nicht hätte verstehen können bzw. völlig von ihrem Ehemann abhängig
gewesen wäre. Dies ergebe sich auch aus der von ihr unterzeichneten und einwandfrei
formulierten Einsprache gegen die EL-Verfügung vom 10. November 2010 und aus
dem Teilrückzug dieser Einsprache vom 21. Februar 2011. Schliesslich hätten die
A.l.
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B.
Versicherte und ihr Ehemann, sollten sie tatsächlich mit dem
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren überfordert gewesen sein, sicherlich Hilfe des
Sohnes der Versicherten oder der Sozialen Dienste C._ beanspruchen können.
Demnach sei die Versicherte zumindest zusammen mit dem ihr zur Verfügung
stehenden Netzwerk dazu in der Lage gewesen, von ihrer Meldepflicht Kenntnis zu
haben und der EL-Durchführungsstelle die eingetretene Sachverhaltsänderung zur
Kenntnis zu bringen. Ausserdem müsse der Versicherten und ihrem Ehemann zeitnah
aufgefallen sein, dass sie ab der Ausrichtung der Invalidenrente des Ehemannes
plötzlich über ein sehr viel höheres Einkommen hätten verfügen können. Dass eine
entsprechende Meldepflicht bestehe und bei entsprechender Verletzung eine
Rückerstattungspflicht drohe, sei in jeder EL-Verfügung allgemein festgehalten. Die EL-
Durchführungsstelle habe in der ersten leistungszusprechenden Verfügung vom 10.
November 2010 zudem noch speziell darauf hingewiesen, dass sie darüber zu
informieren sei, sobald ein IV-Entscheid erhalten worden sei. Ausserdem obliege der
Versicherten eine Kontrollpflicht. Und schliesslich gehe aus dem Entscheid des
Versicherungsgerichtes deutlich hervor, dass dieses das von der Versicherten
behauptete Telefonat vom 7. September 2011 als nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen betrachtet habe. Da der gute Glaube zu verneinen
sei, erübrige sich eine Prüfung der weiteren Voraussetzungen für den Erlass nach Art.
25 Abs. 1 ATSG.
Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 28. Mai 2019 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des Entscheides; dem Erlassgesuch sei
stattzugeben, indem auf die Rückforderung von Fr. 75'153.70 verzichtet werde. Sofern
die Glaubwürdigkeit und Rechtschaffenheit der Beschwerdeführerin bzw. die
Richtigkeit der erhaltenen Auskunft seitens der SVA noch in Zweifel gezogen werden
sollten, könne das Versicherungsgericht sich durch eine Befragung der
Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes anlässlich einer mündlichen
Gerichtsverhandlung ein Bild der Ereignisse und Beweggründe machen. Eventuell sei
auch der Hausarzt Dr. B._ als Zeuge zu laden. Die Beschwerdebegründung
entsprach im Wesentlichen der Begründung des Erlassgesuchs resp. der Einsprache.
B.a.
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Erwägungen
1.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Beschwerde rechtzeitig erhoben worden ist. Gemäss
Art. 60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) ist die Beschwerde innerhalb von 30
Tagen nach der Eröffnung der Verfügung einzureichen. Der angefochtene
Einspracheentscheid datiert vom 17. April 2019 und ist dem Rechtsvertreter gemäss
eigener Aussage am 20. April 2019 zugestellt worden. Die Frist hat jedoch ohnehin vom
Sonntag, 14. April bis Sonntag, 28. April stillgestanden (Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG), das
heisst sie hat erst am Montag, 29. April 2019 zu laufen begonnen. Der 30. Tag ist somit
auf den Dienstag, 28. Mai 2019 gefallen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
hat an diesem Tag und somit rechtzeitig Beschwerde erhoben. Auf die Beschwerde ist
deshalb einzutreten.
2.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat den Antrag gestellt, es sei − sofern es
im Rahmen der richterlichen Entscheidfindung dienlich sei − eine mündliche Gerichts
verhandlung durchzuführen und die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann seien zur
Feststellung insbesondere ihres guten Glaubens zu befragen. Eventualiter sei der
Hausarzt der Ehegatten als Zeuge zu laden (act. G 1 S. 2). Bei näherer Betrachtung hat
es sich bei diesen Verfahrensanträgen des Rechtsvertreters nicht um einen Antrag zur
Durchführung einer mündlichen Verhandlung, sondern vielmehr um einen Antrag zur
Einvernahme der Ehegatten als Auskunftspersonen und zur Einvernahme des
Hausarztes als Zeugen gehandelt. In antizipierender Beweiswürdigung besteht keine
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am
24. Juni 2019 mit Verweis auf die Erwägungen im Einspracheentscheid die Abweisung
der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
Am 21. April 2021 forderte das Gericht beim Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin eine Kopie des Rentenentscheides der Pensionskasse des
Ehemannes der Beschwerdeführerin ein (act. G 5). Am 1. Juni 2021 reichte der
Rechtsvertreter eine Kopie eines Schreibens der ASGA Pensionskasse vom 21. Juni
2011 ein (act. G 8). Diesem war zu entnehmen, dass der Ehemann der
Beschwerdeführerin seit dem 25. Oktober 2010 Anspruch auf eine BVG-Rente hat.
B.c.
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Notwendigkeit, die Ehegatten mündlich zur Sache zu befragen, da sie nichts über die
relevanten Elemente des massgebenden Sachverhalts aussagen könnten, was sie nicht
in der Beschwerde hätten geltend machen können. Ihre Aussagen wären nicht
glaubwürdiger als die Ausführungen in der Beschwerde. Ebenfalls besteht in
antizipierender Beweiswürdigung keine Notwendigkeit, den Hausarzt der Ehegatten
einzuvernehmen, da er nichts aussagen kann, was für die Beurteilung der
Anspruchsvoraussetzungen des Erlasses, d.h. des guten Glaubens oder der grossen
Härte, relevant wäre. Hinzu kommt, dass aufgrund der auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung zwischen dem Hausarzt und den Ehegatten vom Anschein der
Befangenheit des Hausarztes auszugehen ist. Die Verfahrensanträge, die Ehegatten
und der Hausarzt seien zu befragen, sind daher abzuweisen.
3.
Die Beschwerdegegnerin hat mit Verfügung vom 30. November 2012 für den
Zeitraum 1. November 2010 bis 30. September 2012 Ergänzungsleistungen von Fr.
75'400.-- zurückgefordert. Die dagegen erhobene Einsprache hat die
Beschwerdegegnerin am 14. Mai 2013 teilweise gutgeheissen und den
Rückforderungsbetrag auf Fr. 75'153.70 reduziert. Die gegen diesen
Einspracheentscheid gerichtete Beschwerde hat das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen am 25. September 2017 abgewiesen (EL 2015/29). Dieses Urteil ist
unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen. Die Rückforderung ist deshalb im
vorliegenden Beschwerdeverfahren nicht strittig.
3.1.
Die Beschwerdeführerin hat am 30. November 2017 ein Gesuch um den Erlass der
Rückforderung von Fr. 75'153.70 gestellt. Mit Entscheid vom 25. September 2017
(versendet am 2. Oktober 2017) hatte das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
die Rechtmässigkeit der Rückforderung bestätigt. Dieser Entscheid war Anfang
November 2017 in Rechtskraft erwachsen. Die Beschwerdeführerin hat das
Erlassgesuch somit rechtzeitig gestellt (Art. 4 Abs. 4 Satz 2 der Verordnung über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV, SR 830.11).
3.2.
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuerstatten (Art. 25 Abs. 1 Satz 1
ATSG). Diese Rückerstattungspflicht der versicherten Personen korreliert mit der
Rückforderungspflicht der Sozialversicherungsträger, die Ausfluss des
Legalitätsprinzips (Art. 5 Abs. 1 der Bundesverfassung, BV, SR 101) und des
Gleichbehandlungsgebotes (Art. 8 Abs. 1 BV) ist. In Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG ist eine
Ausnahme vom Grundsatz der Rückerstattungspflicht unrechtmässig bezogener
Leistungen vorgesehen: Unrechtmässig bezogene Leistungen müssen dann nicht
3.3.
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4.
zurückerstattet werden, wenn sie in gutem Glauben empfangen worden sind und eine
grosse Härte vorliegt. Sind diese beiden Voraussetzungen kumulativ erfüllt, wird eine
versicherte Person von der Verpflichtung befreit, eine Leistung, auf die sie von
Gesetzes wegen keinen Anspruch gehabt hätte, die also gesetzeswidrig ist,
zurückzuerstatten. Die versicherte Person wird dadurch besser gestellt als alle anderen
Versicherten, die "lediglich" die gesetzlich vorgesehenen Leistungen erhalten haben.
Für die Beurteilung der Frage, ob die Leistungen gutgläubig bezogen worden sind, ist
deshalb ein strenger Massstab anzuwenden (zum Ganzen vgl. Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. April 2015, EL 2013/61 E. 2.1).
Der gute Glaube entfällt von vornherein, wenn der Leistungsbezüger um die
Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs gewusst hat, d.h. „bösgläubig“ gewesen ist.
Ein gutgläubiger Bezug ist auch dann zu verneinen, wenn die versicherte Person bei
gebührender Sorgfalt um die Unrechtmässigkeit der Leistungen hätte wissen müssen.
Die erforderliche Sorgfalt beurteilt sich dabei nach einem objektiven Massstab, wobei
aber das der versicherten Person in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare
(Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht ausgeblendet werden
darf. Hat die versicherte Person um die Unrechtmässigkeit der Leistungen nicht
gewusst und auch nicht darum wissen müssen, fehlt der gute Glaube, wenn die zu
Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine grobe Melde- oder
Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist (zum Ganzen siehe BGE 138 V 218 E. 4
mit Hinweisen). Von einer groben Verletzung der Auskunfts- und Meldepflicht ist
auszugehen, wenn der Leistungsbezüger nicht das Mindestmass an Aufmerksamkeit
aufgewendet hat, welches von einem verständigen Menschen in der gleichen Lage und
unter den gleichen Umständen verlangt werden muss (Urteil des Bundesgerichts vom
26. November 2006, 8C_759/2008 E. 3.5).
Mit der rückwirkenden Neuberechnung der Ergänzungsleistungen sind nicht nur
die IV-Rente und die BVG-Rente des Ehemannes der Beschwerdeführerin angerechnet
worden, sondern es sind zusätzlich andere Einnahmepositionen erhöht worden, so
beispielsweise der anrechenbare Vermögensverzehr und das Erwerbseinkommen des
Ehemannes. Allerdings hätte die Anrechnung der Rentenleistungen des Ehemannes
ausgereicht, um den EL-Anspruch rückwirkend ab 1. November 2010 zu verneinen und
einen Betrag von Fr. 75'153.70 für die zu viel bezahlten Ergänzungsleistungen
zurückzufordern. Nachfolgend ist daher zunächst der gute Glaube hinsichtlich der IV-
Rente und der BVG-Rente des Ehemannes zu prüfen. Sollte der gute Glaube bezüglich
4.1.
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dieser Berechnungspositionen zu verneinen sein, erübrigt sich nämlich die Prüfung des
guten Glaubens hinsichtlich der anderen Berechnungspositionen.
Dem Ehemann der Beschwerdeführerin ist mit Verfügung vom 9. Juni 2011 rück
wirkend ab 1. November 2009 eine ganze IV-Rente zugesprochen worden. Die BVG-
Rente ist ihm am 21. Juni 2011 rückwirkend ab 25. Oktober 2010 zugesprochen
worden (act. G 8.1.1). Die Beschwerdeführerin hat also in der Zeit vom 1. November
2010 bis 30. Juni 2011 zu Recht Ergänzungsleistungen bezogen, die ohne die IV-Rente
und die BVG-Rente ihres Ehemannes berechnet worden waren, denn diese Renten
waren damals nicht ausgerichtet worden. Die Beschwerdeführerin hat die Nachzahlung
der IV-Rente und der BVG-Rente, deren rückwirkende Berücksichtigung als
anrechenbare Einnahme und damit den Bezug einer zu hohen EL natürlich nicht
voraussehen können, sodass sie beim Bezug der EL offensichtlich gutgläubig gewesen
ist. Trotzdem ist die Erlassmöglichkeit nach der Rechtsprechung des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen im vorliegenden Fall ausgeschlossen:
Nach Art. 11 Abs. 2 lit. d ELG werden Renten, Pensionen und andere wiederkehrende
Leistungen, einschliesslich der Renten der AHV und der IV, als Einnahmen
angerechnet. Eine Rente wird häufig nicht im Zeitpunkt des Anspruchsbeginns,
sondern einige Monate oder sogar Jahre später zugesprochen. Dies hat zur Folge,
dass für die Vergangenheit eine Rentennachzahlung erfolgt. Das ELG beantwortet die
Frage, ob eine Rentennachzahlung in der EL-Anspruchsberechnung als (realer)
Vermögenszuwachs oder rückwirkend als (fiktive) laufende Rentenleistung
anzurechnen ist, nicht. Wäre Ersteres massgebend, würde ein EL-Bezüger, der eine
Rentennachzahlung erhält, EL-rechtlich besser gestellt werden als eine Person, die ihre
Rente ab Anspruchsbeginn laufend erhalten hat: Als Einnahme wird nur 1/15 (IV-
Rentner) resp. 1/10 (Altersrentner) des Reinvermögens angerechnet − und zwar nur
soweit es den in Art. 11 Abs. 1 lit. c ELG festgelegten Vermögensfreibetrag übersteigt
(sog. Vermögensverzehr). Laufende Rentenleistungen hingegen werden voll
angerechnet. Eine Rentennachzahlung würde also zu einer Überentschädigung des
betreffenden EL-Bezügers führen. Da diese Ungleichbehandlung EL-beziehender
Personen sachlich nicht zu rechtfertigen ist, muss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG insoweit
lückenfüllend ergänzt werden, als Rentennachzahlungen (rückwirkend) so anzurechnen
sind, als wären sie laufend ausbezahlt worden. Um eine Überentschädigung zu
verhindern, werden Rentennachzahlungen grundsätzlich mit der aus der Anrechnung
der Rentennachzahlung resultierenden EL-Rückforderung verrechnet. Wenn nun ein
EL-Bezüger vor der Verrechnung der Rentennachzahlung mit der EL-Rückforderung ein
Erlassgesuch stellt, will er eine Überentschädigung erst erreichen. Damit würde die
Erlassmöglichkeit missbraucht. Nichts Anderes kann für Fälle wie den vorliegenden
4.2.
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gelten, in denen keine Verrechnung der Rentennachzahlung mit der EL-Rückforderung
erfolgt ist. Die ausschliesslich auf das Erlangen oder auf das Behalten einer
Überentschädigung ausgerichtete Wirkung der Erlassmöglichkeit zwingt somit zur
Annahme einer Lücke in Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG, die durch eine Regelung
auszufüllen ist, laut der die Erlassmöglichkeit auf jene Rückforderungen nicht
anwendbar ist, denen eine (fiktive) Leistungsausrichtung in der Vergangenheit zugrunde
liegt. Würde bei der Beurteilung des guten Glaubens das Verhalten der EL-Bezügerin
beim Bezug der Nachzahlung gewürdigt, so bezöge sich das Kriterium nicht mehr auf
die zurückgeforderte Leistung, wie es Art. 25 Abs. 1 zweiter Satz ATSG aber vorsieht
(vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 20. Mai 2010,
EL 2009/36 E. 2; siehe auch die Entscheide vom 1. Juni 2006, EL 2005/45 E. 4 und
vom 23. Februar 2021, EL 2019/31 E. 4.4). Zusammenfassend ist eine
Erlassmöglichkeit mit Bezug auf die aus der Nichtanrechnung der IV-Rente und der
BVG-Rente im Zeitraum 1. November 2010 bis 30. Juni 2011 resultierende
Rückforderung also von vornherein ausgeschlossen.
Als Zweites ist der gute Glaube hinsichtlich der wegen der Nichtanrechnung der
IV-Rente und BVG-Rente im Zeitraum 1. Juli 2011 bis 30. September 2012 zu Unrecht
bezogenen laufenden EL zu prüfen. Zwischen den Parteien ist unter anderem strittig,
ob die Beschwerdeführerin bzw. ihr Ehemann den Rentenbezug der
Beschwerdegegnerin bereits am 7. September 2011 telefonisch oder erst am 7. Mai
2012 im Rahmen einer periodischen Überprüfung des EL-Anspruchs mitgeteilt hat. Ob
das von der Beschwerdeführerin behauptete Telefonat am 7. September 2011
tatsächlich stattgefunden und den von ihr behaupteten Inhalt gehabt hat, kann, wie
bereits im Verfahren EL 2015/29, offengelassen werden. Der gute Glaube ist nämlich
nicht nur bei einer Meldepflichtverletzung zu verneinen, sondern auch wenn die
Beschwerdeführerin um die Unrechtmässigkeit der bezogenen Leistungen gewusst hat
oder darum hat wissen müssen. Die Beschwerdeführerin ist in der Verfügung vom 10.
November 2010, mit welcher ihr erstmals Ergänzungsleistungen zugesprochen worden
sind, explizit darum gebeten worden, die Beschwerdegegnerin zu informieren, sobald
ihr Ehemann einen IV-Entscheid erhalte. Die Beschwerdeführerin hätte daraus
schliessen müssen, dass allfällige Rentenleistungen ihres Ehemannes einen Einfluss
auf die EL-Anspruchsberechnung haben müssten. Den Berechnungsblättern, welche
der Verfügung vom 10. November 2010 wie auch den nachfolgenden
Revisionsverfügungen beigelegen hatten, war nämlich zu entnehmen, dass ihr
Ehemann in die EL-Berechnung einbezogen war. In der EL-Anspruchsberechnung ab
1. August 2010 bis 31. Oktober 2010 waren denn auch die Krankentaggelder des
Ehemannes angerechnet worden, weshalb ein EL-Anspruch für diesen Zeitraum
4.3.
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verneint worden war. Aus den Berechnungsblättern war auch ohne weiteres ersichtlich,
dass es sich bei IV-Renten und BVG-Renten um anrechenbare Einnahmen handelte:
Ab Anspruchsbeginn waren nämlich die Rentenleistungen der Beschwerdeführerin
selbst voll angerechnet worden. Hätte die Beschwerdeführerin also die Verfügung vom
10. November 2010 sowie die beigelegten Berechnungsblätter sorgfältig studiert, hätte
sie gewusst, dass die Rentenzusprache an ihren Ehemann einen Einfluss auf ihren EL-
Anspruch haben musste. Die Beschwerdegegnerin hat auch zu Recht darauf
hingewiesen, dass der Beschwerdeführerin ausserdem hätte auffallen müssen, dass sie
und ihr Ehemann plötzlich über ein sehr viel höheres Einkommen hatten verfügen
können: Die Rentenleistungen des Ehemannes hatten sich auf über Fr. 47'000.-- pro
Jahr resp. auf über Fr. 3'900.-- pro Monat belaufen. Selbst wenn am 7. September
2011 tatsächlich das von der Beschwerdeführerin behauptete Telefonat mit dem von
ihr behaupteten Inhalt stattgefunden hätte, hätte sich die Beschwerdeführerin
angesichts dieser klaren Hinweise darauf, dass die Rentenleistungen ihres Ehemannes
einen Einfluss auf ihren EL-Anspruch haben mussten, nicht auf eine nicht
nachvollziehbare gegenteilige telefonische Auskunft eines Mitarbeiters verlassen
dürfen. Ob der Ehemann der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Rentenzusprache
aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen ist, sich um die
administrativen Belange des Ehepaares zu kümmern, ist vorliegend nicht relevant.
Entgegen der Behauptung des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin ist die
Beschwerdeführerin nicht erst "vor wenigen Jahren" in die Schweiz gezogen: Die
Beschwerdeführerin lebt seit dem Jahr 1986 in der Schweiz und ist seit März 2000
Schweizer Bürgerin. Weder die EL-Akten noch die IV-Akten enthalten Hinweise darauf,
dass die Beschwerdeführerin die deutsche Sprache nicht beherrschen würde. Dass die
Beschwerdeführerin durchaus in der Lage ist, sich selbst um ihre administrativen und
finanziellen Belange zu kümmern, ergibt sich − worauf die Beschwerdegegnerin zu
Recht hingewiesen hat − eindrücklich aus der von ihr unterzeichneten und einwandfrei
formulierten Einsprache gegen die EL-Verfügung vom 10. November 2010 (EL-Dossier
1, act. 47) und aus dem Teilrückzug dieser Einsprache vom 21. Februar 2011 (EL-
Dossier 1, act. 34). Auch wenn die Beschwerdeführerin diese Eingaben nicht selbst
verfasst haben sollte, so zeigen sie doch auf, dass die Beschwerdeführerin zumindest
in der Lage gewesen ist, sich für sozialversicherungsrechtliche Angelegenheiten Hilfe
von Dritten zu organisieren. Der Beweiswert des vom Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin eingereichten Berichts des langjährigen Hausarztes vom 11.
November 2017 ist aus verschiedenen Gründen sehr gering: Erstens scheint er
teilweise einfach die Angaben der Beschwerdeführerin oder ihres Ehemannes
übernommen zu haben (zum Beispiel die Angaben dazu, wer in der Familie für die
administrativen und finanziellen Belange zuständig sei). Zweitens sind die Aussagen
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