Decision ID: c0c486cc-8114-5926-8641-c9e1d573118b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Im Rahmen eines später eingestellten Strafverfahrens fand am 25. Juni 2018 eine
Hausdurchsuchung am Wohnort von A._ (geb. 1963) statt. Dabei wurden
verschiedene Waffen und Munition sichergestellt und beschlagnahmt; unter anderem
ein Springmesser und eine Stockflinte (Flinte in Form eines Gehstocks). Am 1. Februar
2019 ersuchte A._ bei der Kantonspolizei St. Gallen um eine "Sonderbewilligung" für
den Besitz einer "Gehstock-Waffe" ohne die zugehörige Munition (act. 8.2/1).
Wegen des Besitzes des Springmessers und der Stockflinte wurde A._ mit Strafbefehl
des Untersuchungsamts X._ vom 25. Februar 2019 (act. 8.2/2) des mehrfachen
Vergehens gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen. Das Springmesser wurde
eingezogen und vernichtet. Der Entscheid über die Einziehung und Vernichtung
beziehungsweise Wiederaushändigung der Stockflinte wurde bis zum Entscheid der
Kantonspolizei über die Erteilung der am 1. Februar 2019 beantragten
verwaltungsrechtlichen Ausnahmebewilligung aufgeschoben. Die strafprozessuale
Beschlagnahme der übrigen Waffen und der Munition wurde aufgehoben mit der
Begründung, über die Rechtmässigkeit des Erwerbs sei keine verbindliche Aussage
mehr möglich. Der Strafbefehl ist rechtskräftig (act. 8.2/3). Die Verurteilung ist im
Strafregister eingetragen (Auszug nicht bei den Akten).
B.
Im verwaltungsrechtlichen Verfahren stellte die Kantonspolizei St. Gallen am 22. Juli
2019 fest, A._ dürfe keine Waffen und Munition erwerben oder besitzen, solange der
Hinderungsgrund nach Waffengesetz – nicht gelöschter Eintrag im Strafregister wegen
wiederholt begangener Verbrechen oder Vergehen – nicht ausgeräumt sei (Ziffer 1). Sie
lehnte das Gesuch um Bewilligung einer Ausnahme für die Stockflinte ab (Ziffer 2),
beschlagnahmte Waffen und Munition, soweit sie vom Waffengesetz erfasst wurden
(Ziffer 3), und hielt fest, über das weitere Vorgehen betreffend die beschlagnahmten
Objekte – Einziehung oder Rückgabe – werde voraussichtlich im März 2021
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entschieden (Ziffer 4). Die nicht unter das Waffengesetz fallenden antiken Waffen und
Gegenstände wurden zur Rückgabe freigegeben.
Mit Rekurs an das Sicherheits- und Justizdepartement vom 7. August 2019 beantragte
A._ die Aufhebung der Beschlagnahme und die Herausgabe der im Strafverfahren
freigegebenen Objekte und die Gutheissung des Gesuchs um Bewilligung einer
Ausnahme für die Stockflinte. Der Rekurs wurde am 3. Juni 2020 abgewiesen.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) vom 3. Juni 2020 durch seinen Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 18. Juni 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich drei Prozent Kleinspesenpauschale
und Mehrwertsteuer) sei die Beschlagnahmeverfügung der Kantonspolizei St. Gallen
vom 22. Juli 2019 aufzuheben, die im Strafbefehl des Untersuchungsamts X._ vom
25. Februar 2019 freigegebenen Objekte dem Beschwerdeführer herauszugeben und
das Gesuch für die Ausnahmebewilligung (Stockflinte) gutzuheissen.
Mit Vernehmlassung vom 3. August 2020 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
der mit seinen Begehren im Rekursverfahren unterlag, ist zur Erhebung der
Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde
gegen den Rekursentscheid vom 3. Juni 2020 wurde mit Eingabe vom 18. Juni 2020
rechtzeitig erhoben und erfüllt formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen
(vgl. Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
Die Beschwerdeanträge sind in zweierlei Hinsicht zu präzisieren: Der Beschwerdeführer
verlangt die Aufhebung der Verfügung der Kantonspolizei St. Gallen vom 22. Juli 2019.
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Da der vorinstanzliche Entscheid vom 3. Juni 2020 diese Verfügung vorläufig ersetzt
("Devolutiveffekt", vgl. BGE 125 II 29 E. 1c mit Hinweisen), ist das Begehren
sinngemäss als Begehren um Aufhebung des Rekursentscheides zu behandeln. – Der
Beschwerdeführer stützt sich in seinem Hauptantrag auf die Liste der im
rechtskräftigen Strafbefehl vom 25. Februar 2019 nicht eingezogenen Waffen und
Gegenstände. Dies ist insoweit richtig, als die strafrechtlich rechtskräftig eingezogenen
Objekte nicht mehr Gegenstand des verwaltungsrechtlichen Verfahrens sein können
und keine weiteren Objekte, als jene, die im Strafverfahren beschlagnahmt wurden, in
Frage stehen. Welche Objekte verwaltungsrechtlich beschlagnahmt werden, ergibt sich
indessen aus der Liste der Beschlagnahmeverfügung vom 22. Juli 2019 (Ziffer I/3a und
b). Dies ist spätestens dann von Bedeutung, wenn sich beim Vollzug der Verfügung aus
der Beschreibung der Objekte – die sich im Strafbefehl vom 25. Februar 2019 und in
der Beschlagnahmeverfügung vom 22. Juli 2019 nicht decken – Unklarheiten und
Uneinigkeiten ergeben sollten.
2.
Umstritten ist die verwaltungsrechtliche Beschlagnahme von 14 Feuerwaffen (darunter
die Stockflinte) und eines Wechsellaufs zu einer Pistole gemäss Ziffer I/3a samt
Munition gemäss Ziffer I/3b der Verfügung vom 22. Juli 2019. Über das Schicksal der
weiteren, mit Strafbefehl vom 25. Februar 2019 freigegebenen Waffen und
Gegenstände besteht Einigkeit zwischen den Beteiligten: Die antiken Waffen gemäss
Ziffer I/3c und Gegenstände gemäss Ziffer I/3d können dem Beschwerdeführer
herausgegeben werden. Mit der Beschlagnahme der Munition zur Stockflinte ist der
Beschwerdeführer einverstanden. – Umstritten ist sodann, ob dem Beschwerdeführer
eine Ausnahmebewilligung zum Besitz der gemäss Waffengesetz verbotenen
Stockflinte zu erteilen ist.
3.
Die zuständige Behörde beschlagnahmt Waffen, wesentliche und besonders
konstruierte Waffenbestandteile, Waffenzubehör, Munition und Munitionsbestandteile
aus dem Besitz von Personen, für die ein Hinderungsgrund nach Art. 8 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über Waffen, Waffenzubehör und Munition (Waffengesetz; SR 514.54,
WG) besteht (Art. 31 Abs. 1 Ingress und lit. b WG). Der Besitz von Feuerwaffen, die
einen Gebrauchsgegenstand vortäuschen, ist verboten (Art. 5 Abs. 1 Ingress und lit. e
WG); die Erteilung einer Ausnahmebewilligung setzt unter anderem voraus, dass keine
Hinderungsgründe nach Art. 8 Abs. 2 WG vorliegen (Art. 28b Ingress und lit. b WG in
der am 12. Dezember 2008 in Kraft getretenen Fassung, AS 2008 S. 5499 ff.; Art. 28c
3.1.
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Abs. 1 Ingress und lit. b WG in der am 15. August 2019 in Kraft getretenen Fassung,
AS 2019 S. 2415 ff.). Zuständige Behörde ist das Polizeikommando der Kantonspolizei
St. Gallen, handelnd durch den Chef der Sicherheitspolizei (Art. 1 der Verordnung zur
eidgenössischen Waffengesetzgebung, sGS 452.15; Nr. SJD.B.02.05.01 und 03 des
Anhangs 7 zur Ermächtigungsverordnung, sGS 141.41). Verfügende Behörde und
Vorinstanz haben sowohl die Beschlagnahme als auch die Verweigerung der Erteilung
der Ausnahmebewilligung mit Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d zweite
Tatbestandsvariante WG begründet. Danach erhalten Personen, die wegen wiederholt
begangener Verbrechen oder Vergehen im Strafregister eingetragen sind, keinen
Waffenerwerbsschein, solange der Eintrag nicht gelöscht ist. Unbestritten ist, dass der
Beschwerdeführer wegen mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz verurteilt
wurde, der Strafbefehl vom 25. Februar 2019 im Strafregister eingetragen wurde und
der Eintrag noch nicht wieder gelöscht ist. Strittig ist hingegen, ob die
Tatbestandsvariante der "wiederholt begangenen Verbrechen oder Vergehen" mit
diesem einen Strafregistereintrag erfüllt ist.
Der Beschwerdeführer ist unter Verweis auf die bundesgerichtliche Praxis der Ansicht,
es brauche mindestens zwei Strafregistereinträge. Die Annahme, wiederholtes
deliktisches Verhalten könne auch bloss in einem Strafregistereintrag bestehen, hätte
eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung zur Folge. Eine Person, die in zwei separat
und nacheinander durchgeführten Strafverfahren verurteilt worden sei, habe nach der
ersten Verurteilung die Möglichkeit, sich rechtskonform zu verhalten. Eine Person, die
lediglich in einem Verfahren verurteilt worden sei, habe diese Möglichkeit nicht. Selbst
wenn dann angenommen würde, wiederholtes deliktisches Verhalten könne auch in
bloss einem Strafregistereintrag bestehen, wenn eine mehrfach (wiederholte) Begehung
vorliege und damit eine Strafschärfung zur Anwendung gelange, müsse in diesen Fällen
geprüft werden, ob die Beschlagnahme gerechtfertigt und verhältnismässig sei.
3.2.
3.3.
Zunächst ist zu klären, inwieweit die Zahl der Strafregistereinträge für die Erfüllung des
Hinderungsgrundes gemäss Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d zweite Tatbestandsvariante
WG von Bedeutung ist.
Nach dem Gesetzeswortlaut von Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d zweite
Tatbestandsvariante WG erfüllen Personen den Hinderungsgrund, die "wegen
3.3.1.
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wiederholt begangener Verbrechen oder Vergehen im Strafregister eingetragen sind,
solange der Eintrag nicht gelöscht ist." Die Wortfolge legt nahe, dass sich "wiederholt"
auf die "begangenen Verbrechen oder Vergehen" bezieht, und nicht auf den
Strafregistereintrag. Auch die Verwendung der Einzahl ("der Eintrag") weist darauf hin,
dass ein Strafregistereintrag genügt. Andernfalls würde der Passus "solange der
Eintrag nicht gelöscht ist" keinen Sinn ergeben (vgl. auch VerwGE BE 100.2013.387
vom 3. November 2014 E. 3.3.1, Urteil des Regierungsrats ZH RRB Nr. 914/2002 vom
12. Juni 2002 E. 4c).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Hinderungsgrund jedenfalls bei
zwei oder mehr entsprechenden Strafregistereinträgen (vgl. BGer 2C_269/2019 vom
18. September 2019 E. 3.2, 2C_1271/2012 vom 6. Mai 2013 E. 3.1, 2C_158/2011 vom
29. September 2011 E. 3.3, 2C_125/2009 vom 4. August 2009 E. 3.4), nicht aber bei
einem Eintrag wegen eines nicht wiederholt begangenen Vergehens (vgl. BGer
2C_444/2017 vom 19. Februar 2018 E. 3.1) erfüllt. Ob und gegebenenfalls unter
welchen Bedingungen ein einziger Strafregistereintrag genügt, hatte das Bundesgericht
bisher – soweit ersichtlich und entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers –
noch nicht zu beurteilen (vgl. allerdings BGer 2A.546/2004 vom 4. Februar 2005
E. 3.3.2). – Die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (BVGer F-4585/2017
vom 18. November 2019 E. 3.2) und einzelner Kantone (VerwGE ZH VB.2018.00633
vom 22. August 2019 E. 3.4, VerwGE BE 100.2013.387 vom 3. November 2014
E. 3.3.2) lässt einen einzigen Strafregistereintrag genügen, wenn ihm wiederholt
begangene Verbrechen oder Vergehen zugrunde liegen.
Was als Strafregistereintrag im Sinn von Art. 8 Abs. 2 WG zu gelten hat, ist offen. Im
Strafregister werden "Verurteilungen wegen Verbrechen oder Vergehen" eingetragen
(Art. 3 Abs. 1 Ingress und lit. a der Verordnung über das Strafregister; VOSTRA-
Verordnung, SR 331, mit dem Randtitel "Urteile"). Der Datensatz über Urteile umfasst
die Nummer des Urteils sowie den oder die Straftatbestände (Ziffern 4.1 und 4.8 des
Anhangs 1 der VOSTRA-Verordnung). Der Begriff des Eintrags kann sich also sowohl
auf das Urteil als Einheit als auch auf die einzelnen Straftatbestände beziehen, zu
denen ein Schuldspruch ergangen ist. Ob mehrere Straftaten gemeinsam verfolgt und
in einem Urteil erledigt werden, hängt davon ab, welche Taten den
Strafverfolgungsbehörden bekannt waren (Art. 29 Abs. 1 Ingress und lit. a der
Schweizerischen Strafprozessordnung; Strafprozessordnung, SR 312.0, StPO). Wird
später ein Delikt verfolgt und beurteilt, das bereits vor der Ausfällung des früheren
Urteils begangen wurde, ist eine Zusatzstrafe auszusprechen (vgl. Art. 49 Abs. 2 des
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3.3.2.
Zu prüfen ist, ob dem Beschwerdeführer mit dem Strafregistereintrag "wiederholt
begangene Verbrechen oder Vergehen" vorgehalten werden können. Die Strafbehörde
hat im Strafbefehl vom 25. Februar 2019 zwei Tatbestände – nämlich den Besitz eines
Messers, deren Klinge mit einem einhändig bedienbaren automatischen Mechanismus
ausgefahren werden kann (Art. 4 Abs. 1 Ingress und lit. c WG; Springmesser) einerseits
und einer, einen Gebrauchsgegenstand vortäuschenden Feuerwaffe (Art. 5 Abs. 1
Ingress und lit. e WG; Stockflinte) anderseits – aufgeführt. Sie hat den
Beschwerdeführer wegen mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz gemäss
Art. 33 Abs. 1 Ingress und lit. a WG verurteilt. Die Vorinstanz hat somit das mehrfache
dem wiederholten Begehen gleichgesetzt.
Der Beschwerdeführer macht zu Recht nicht geltend, es lägen keine Vergehen im Sinn
von Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d zweite Tatbestandsvariante WG vor. Die
Widerhandlungen gegen das Waffengesetz im Sinn von Art. 33 Abs. 1 WG sind mit
Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bedroht und damit Vergehen im Sinn
von Art. 10 Abs. 3 StGB.
Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0, StGB; BGE 138 IV 113 E. 3.4). Auch
dieses (Zusatz-)Urteil führt zu einem Eintrag im Strafregister (Ziffer 4.7 des Anhangs 1
der VOSTRA-Verordnung). Ob bei mehreren Delikten ein oder mehrere Urteile im
Strafregister eingetragen werden, hängt mithin vom Zeitpunkt des Bekanntwerdens der
Straftaten, also auch vom Zufall ab (vgl. J.-B. Ackermann, in: Basler Kommentar
Strafrecht I, 4. Aufl. 2019, N 130 zu Art. 49 StGB). Die Unterscheidung, ob im
Strafregister ein einziges oder mehrere Urteile eingetragen sind, erweist sich für die
Beurteilung, ob der Hinderungsgrund von Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d zweite
Tatbestandsvariante WG erfüllt ist, deshalb nicht als sachgerecht.
In Übereinstimmung mit dem Wortlaut ist daher davon auszugehen, dass der
Hinderungsgrund gemäss Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d zweite Tatbestandsvariante
WG auch dann erfüllt sein kann, wenn im Strafregister ein einziges Urteil eingetragen
ist. Dass – selbstredend – der Eintrag eines zweiten, auf die Rückfälligkeit des Täters
zurückzuführendes Urteils schwerer wiegt und das für die Bewilligung des Erwerbs von
Waffen erforderliche Vertrauen in die betreffende Person, dass sie weiterhin in jeder
Hinsicht ordnungsgemäss mit Waffen umgehen wird, in erhöhtem Mass erschüttert,
steht dem nicht entgegen.
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Die Gleichsetzung der wiederholten mit der mehrfachen Begehung ist mit Blick auf die
konkreten Umstände nicht zu beanstanden: Das Bundesgericht ist von einer
wiederholten Begehung im Fall eines Täters ausgegangen, welcher mit gefälschten
Erwerbsscheinen Waffen erstanden hatte und deshalb – in einem Urteil – wegen
mehrfacher Urkundenfälschung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war (vgl.
BGer 2A.546/2004 vom 4. Februar 2005 E. 3.3.2). Beim Springmesser handelt es sich
um eine Waffe, deren Erwerb einen Waffenerwerbsschein erfordert (vgl. Art. 8 Abs. 1
WG); Erwerb und Besitz einer Stockflinte sind – vorbehältlich einer
Ausnahmebewilligung – verboten (vgl. Art. 5 Abs. 6 WG). Die unterschiedliche
Behandlung der beiden Gegenstände im Waffengesetz lässt sich mit deren
unterschiedlicher Art und Einsatzmöglichkeiten begründen. Dass die Erfüllung der
beiden Tatbestände als Tateinheit zu behandeln wäre, macht der Beschwerdeführer
nicht geltend. Zwar bringt er vor, Springmesser und Stockflinte befänden sich seit über
zwanzig Jahren in seinem Besitz. Dass er aber beides gemeinsam – beispielsweise aus
einem Nachlass – übernommen hätte oder die vorsätzliche Erfüllung der beiden
Tatbestände aus anderen Gründen auf einen einheitlichen Willensentschluss
zurückzuführen wäre, macht er nicht geltend. Im Übrigen macht er auch nicht geltend,
die – ohnehin rechtskräftige – Verurteilung wegen mehrfacher Vergehen sei
strafrechtlich falsch.
Der Hinweis des Beschwerdeführers, im Strafbefehl werde im Zusammenhang mit der
Strafzumessung Art. 49 StGB nicht genannt, genügt nicht, um nicht von einer
mehrfachen und damit wiederholten Tatbegehung auszugehen. Hat der Täter durch
eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen
erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen (Strafschärfung infolge Konkurrenz).
Zwar geht die Rechtsprechung teilweise davon aus, eine wiederholte Begehung liege
vor, wenn die Strafe im eingetragenen Urteil in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB
verschärft wurde (VerwGE ZH VB.2018.00633 vom 22. August 2019). Allein aus der
ausgefällten Strafe kann – insbesondere mit Blick auf die ausdrückliche Verurteilung
wegen mehrfachen Vergehens – indes nicht geschlossen werden, die Bestimmung sei
"explizit nicht aufgeführt" und nicht angewendet worden. Abgesehen davon ist es
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durchaus möglich, dass Art. 49 Abs. 1 StGB im Strafbefehl versehentlich nicht
aufgeführt wurde.
Mit Blick auf die besondere Gefährlichkeit der vom Waffengesetz erfassten
Gegenstände erscheint es ausserdem sachgerecht zu verlangen, dass Personen, die
derartige Gegenstände besitzen wollen, sich als besonders zuverlässig erweisen (BGer
2C_125/2009 vom 4. August 2009 E. 3.4, vgl. auch BGer 2C_955/2019 vom 29. Januar
2020 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung, vgl. weiter die
Bewilligungsvoraussetzung des guten Leumunds in Art. 52 Abs. 1 lit. d der Verordnung
über Waffen, Waffenzubehör und Munition [Waffenverordnung, SR 514.541, WV]). Dass
diese Zuverlässigkeit Personen abgesprochen wird, die wiederholt Vergehen oder
Verbrechen begangen haben, ist vertretbar. Immerhin offenbart eine Person, die derart
strafrechtlich aufgefallen ist, unwiderstreitbar eine Tendenz, es mit der Wahrung der
Rechtsordnung nicht besonders ernst zu nehmen und dabei auch nicht nur (leichtere)
Übertretungen zu begehen (BGer 2C_125/2009 vom 4. August 2009 E. 3.4).
Der Beschwerdeführer macht geltend, ob der Hinderungsgrund gemäss Art. 8 Abs. 2
Ingress und lit. d zweite Tatbestandsvariante WG erfüllt sei, sei auch unter dem Aspekt
der Verhältnismässigkeit zu prüfen. Da es sich bei Art. 8 Abs. 2 WG jedoch nicht um
eine "Kann"-Bestimmung handelt, stellt sich die Frage nicht, ob sich die
Beschlagnahme im Einzelfall rechtfertigt beziehungsweise ob sie verhältnismässig ist
(vgl. BGer 2C_269/2019 vom 18. September 2019 E. 3.3 und 3.4, 2C_1271/2012 vom
6. Mai 2013 E. 3.1).
3.4.
Zusammenfassend ergibt sich, dass beim Beschwerdeführer der Hinderungsgrund von
Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d zweite Tatbestandsvariante WG erfüllt ist. Deshalb
wurden Feuerwaffen und Munition gemäss Ziffern I/3a und b der Verfügung vom
22. Juli 2019 zu Recht beschlagnahmt und dem Beschwerdeführer die Erteilung einer
Ausnahmebewilligung für die Stockflinte verweigert. Die Feststellung, dass der
Beschwerdeführer keine Waffen oder Munition erwerben und besitzen darf, solange der
Hinderungsgrund nicht ausgeräumt ist, geht über die gesetzlichen Vorgaben nicht
hinaus. Allerdings kann daraus nicht abgeleitet werden, dass dem Beschwerdeführer
Waffenerwerbsscheine und Ausnahmebewilligungen nach Waffengesetz ohne weitere
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Prüfung zu erteilen sind, wenn der Hinderungsgrund von Art. 8 Abs. 2 Ingress und lit. d
zweite Tatbestandsvariante WG weggefallen ist. Die Beschwerde erweist sich als
unbegründet. Sie ist abzuweisen.
4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Entschädigung
ausseramtlicher Kosten für das Beschwerdeverfahren (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP).