Decision ID: 8256cacc-aca5-44e6-8c23-e6e5331dcf02
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Freiheitsberaubung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom
15. Januar 2015 (DG140030)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 10. April
2014 (Urk. 31) sowie die Nachtragsanklageschrift der Staatsanwaltschaft
Winterthur / Unterland vom 13. Oktober 2014 betreffend den Beschuldigten
B._ (Urk. 38/14) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 80)
1. a) Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB;
− der versuchten räuberischen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1
und Ziff. 3 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB;
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB;
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG sowie
− der Widerhandlung gegen das alte Betäubungsmittelgesetz im Sinne
von Art. 19 Ziff. 1 al. 4 aBetmG.
b) Der Beschuldigte B._ ist schuldig
− der Freiheitsberaubung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 StGB;
− der versuchten räuberischen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1
und Ziff. 3 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB sowie des Versuchs hiezu
(Art. 22 Abs. 1 StGB);
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− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB;
− des mehrfachen in Umlaufsetzens falschen Geldes im Sinne von
Art. 242 StGB;
− des geringfügigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 172ter StGB;
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB;
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG;
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 2 SVG;
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b
SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG;
− der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von
Art. 94 Abs. 1 lit a SVG;
− des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95
Abs. 1 lit. a SVG;
− des mehrfachen Fahrens ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von
Art. 96 Abs. 2 SVG;
− der Widerhandlung gegen Art. 96 VRV in Verbindung mit Art. 3a Abs. 1
VRV;
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c, d und g BetmG;
− der versuchten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. d BetmG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB sowie
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne
von Art. 19a BetmG.
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c) (betrifft C._)
d) (betrifft D._)
2. a) Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von
24 Monaten, wovon 15 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
b) Die Freiheitsstrafe für den Beschuldigten A._ wird vollzogen.
c) Die betreffend den Beschuldigten A._ mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Winterthur/Unterland vom 21. September 2010 sowie die mit
Strafverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen vom
29. Mai 2012 bedingt ausgefällten Geldstrafen (30 Tagessätze bzw.
60 Tagessätze) werden vollzogen.
d) Für den Beschuldigten A._ wird eine vollzugsbegleitende ambulante Be-
handlung im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen)
angeordnet.
3. a) Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 4 Jahren Freiheitsstrafe, wovon
67 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe
von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 600.–.
b) Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen und die Busse ist zu
bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte B._ die Busse schuldhaft nicht, tritt
an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
c) Der betreffend den Beschuldigten B._ mit Strafbefehl der Jugendanwalt-
schaft Winterthur vom 21. Juni 2012 ausgefällte bedingte Freiheitsentzug von
5 Tagen wird widerrufen und die Strafe wird vollzogen.
4. a) (betrifft C._)
b) (betrifft C._)
c) (betrifft C._)
5. a) (betrifft D._)
b) (betrifft D._)
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6. a) Die folgenden, mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft IV des Kantons
Zürich vom 25. November 2013 (ND 12 act. 10/7; ND 9 act. 10; ND 10 act. 3)
und 16. September 2013 (ND 8 act. 15) beschlagnahmten und nachfolgend
aufgelisteten Gegenstände werden eingezogen und sind nach Rechtskraft
des Urteils durch die Kantonspolizei Zürich zu vernichten:
− Gasdruckpistole, Marke Pietro Meretta, Modell 92 FS, Nr. ..., Kaliber 4.5 mm, mit eingesetzter CO2-Kartusche;
− 3 gefälschte 50-EURO- Noten sowie − Imitationswaffe Reck Miami 92 F, Serien-Nr. ....
b) Die folgenden, mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
vom 23. Mai 2014 (HD act. 38/5/1/4), 8. Juli 2014 (HD act. 38/5/2/2) und
25. September 2014 (HD act. 38/5/3/6) beschlagnahmten und nachfolgend
aufgelisteten Gegenstände werden ebenfalls eingezogen und sind nach
Rechtskraft des Urteils durch die Kantonspolizei Zürich zu vernichten:
− 1 Minigrip mit Heroinbeutel (...);
− Silberne Präzisionswaage (...);
− Schwarze Präzisionswaage (...); − Diverse Minigrip zum Teil mit BM Rückständen (...);
− 1 Minigrip mit Marihuana (...);
− 6 Minigrip à je zirka 5.0 Gramm Heroin (...);
− 2 Säcke mit Heroin ab E._ (...);
− 1 Portion Kokain ab E._ (...);
− 1 Minigrip mit Marihuana (...);
− 1 Portion Haschisch (...); − 1 Präzisionswaage (...).
c) Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
25. September 2014 (HD act. 38/5/3/5) beschlagnahmte Bargeldbetrag von
Fr. 200.– wird zur teilweisen Deckung der Busse von B._ herangezogen.
7. Die Schadenersatzbegehren von F._ und G._ werden auf den Weg
des ordentlichen Zivilprozesses verwiesen.
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8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 12'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 48.– Auslagen Vorverfahren allgemein
Fr. 11'456.– Auslagen Vorverfahren A._
Fr. 9'391.15 Auslagen Vorverfahren B._
Fr. ... (betrifft D._)
Fr. ... (betrifft C._)
Fr. 7'640.– Kosten Kantonspolizei
Fr. 10'000.– Gebühr Führung Strafuntersuchung
Fr. 1'500.– Gebühr Vorverfahren B._
Fr. 1'500.– Auslagen MIG B._
Fr. 11'740.30 amtliche Verteidigungskosten RA X._ (inkl. MwSt.)
Fr. ausstehend amtliche Verteidigungskosten Fürspr. Y._ (inkl. MwSt.)
Fr. ... betrifft amtliche Verteidigungskosten C._ (inkl. MwSt.)
Fr. ... betrifft amtliche Verteidigung D._ (inkl. MwSt.)
Fr. Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
9. Die Entscheidgebühr, die allgemeinen Auslagen des Vorverfahrens, die Kos-
ten der Kantonspolizei und die Gebühr für die Führung der Strafuntersuchung
werden den Beschuldigten zu je 1/4 auferlegt. Die übrigen Kosten sowie die
Kosten der jeweiligen amtlichen Verteidigung werden je dem sie betreffenden
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden in-
dessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Art. 135 Abs. 4 StPO
bleibt vorbehalten.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)
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Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 80 S. 9 ff.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 15. Januar 2015 wurden die
Beschuldigten A._, B._, C._ und D._ im Sinne des eingangs
wiedergegebenen Urteilsdispositivs schuldig gesprochen und bestraft (Urk. 80
S. 60 ff.). Gegen diese Verurteilungen liessen die Beschuldigten A._,
D._ und B._ innert Frist Berufung anmelden (Urk. 62, Urk. 65 und Urk.
67). Während der Beschuldigte D._ mit Eingabe vom 16. Mai 2015 den
Rückzug seiner Berufung erklären liess (Urk. 85), reichten die amtlichen Verteidi-
ger der Beschuldigten A._ und B._ fristgerecht ihre Berufungserklärun-
gen ins Recht (Urk. 82 und Urk. 87). Mit Präsidialverfügung vom 12. Juni 2015
wurde das Verfahren betreffend den Beschuldigten D._ als durch Rückzug
der Berufung erledigt abgeschrieben (Urk. 94). In der Folge wurde den Privatklä-
gern und der Anklagebehörde Frist angesetzt um Anschlussberufung zu erklären
respektive um begründet ein Nichteintreten auf die Berufungen zu beantragen
(Urk. 96). Innert der angesetzten Frist teilte die Anklagebehörde mit, sie verzichte
jeweils auf die Erhebung einer Anschlussberufung und stelle auch sonst keine An-
träge (Urk. 98). Die Privatkläger liessen sich innert Frist nicht vernehmen.
1.3. In ihren jeweiligen Berufungserklärungen liessen die Beschuldigten ihre
Berufungen wie folgt beschränken:
1.3.1. Der Beschuldigte A._ beschränkte seine Berufung auf die Frage der
Sanktion gemäss Dispositiv Ziffer 2 des angefochtenen Entscheides. Konkret be-
antragte er, es sei eine Freiheitsstrafe von 13 Monaten auszufällen, wobei der
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Vollzug der Strafe zugunsten einer ambulanten Massnahme aufzuschieben sei.
Eventuell sei der Vollzug der Freiheitsstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von
3 Jahren aufzuschieben und es sei ihm eine Weisung zu erteilen, die ambulante
psychiatrische Behandlung weiter zu führen. Vom Widerruf der beiden Vorstrafen
sei abzusehen und es sei die Probezeit um je zwei Jahre zu verlängern. Alles un-
ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates (Urk. 119). Nachdem
der Verteidiger in seinen ursprünglichen Berufungsanträgen noch die Aufhebung
von Ziffer 8 des vorinstanzlichen Entscheids verlangte, bestätigte er im Rahmen
der Berufungsverhandlung indessen deren Rechtskraft (Prot. II S. 10).
1.3.2. Der Beschuldigte B._ beantragte in seiner Berufungserklärung Frei-
sprüche von den Vorwürfen des Hausfriedensbruchs gemäss Anklageziffer 3, des
versuchten Raubes gemäss Anklageziffer 10, des in Umlaufsetzens von Falsch-
geld gemäss Anklageziffern 8.1 und 8.2 sowie des geringfügigen Betruges ge-
mäss Anklageziffern 8.1 und 8.2. Weiter liess der Beschuldigte die rechtliche
Qualifikation der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz als schweren
Fall anfechten und beantragte stattdessen, es sei von einer einfachen Wider-
handlung auszugehen (Urk. 87). Dazu wurde anlässlich der Berufungsver-
handlung festgehalten, dass der Schuldspruch bereits auf eine einfache Wider-
handlung lautet, der entsprechende Antrag mitunter obsolet ist, wovon auch der
Verteidiger ausging (Prot. II S. 10). Schliesslich liess der Beschuldigte eine tiefere
Sanktion sowie die Übernahme der Kosten durch die Staatskasse beantragen.
Der Widerruf gemäss Dispositiv Ziffer 3. c) wurde seitens der Verteidigung nicht
angefochten (Urk. 87).
1.4. Auf das Stellen von Beweisanträgen wurde im Berufungsverfahren ver-
zichtet.
1.5. Am 14. Dezember 2015 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher
der Beschuldigte A._ in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsan-
walt lic. iur. X._ und der Beschuldigte B._ in Begleitung seines amtli-
chen Verteidigers Fürsprecher Y._ erschienen sind (Prot. II. S. 7).
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2. Umfang der Berufung
2.1. Nachdem der Beschuldigte A._ seine Berufung einzig auf die Sanktion
und die Kostenfolgen beschränkte, sind die übrigen, ihn betreffenden, Regel-
ungen im erstinstanzlichen Urteil nicht angefochten. Bezüglich des Beschuldigten
B._ ist das erstinstanzliche Urteil wie zuvor dargetan in Bezug auf die oben
erwähnten Schuldsprüche, der Sanktion sowie hinsichtlich der Kostenauflage an-
gefochten.
2.2. Unangefochten ist das Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom
15. Januar 2015 bezüglich die Beschuldigten A._ und B._ damit in den
folgenden Punkten:
− Schuldspruch A._, Dispositiv Ziffer 1.a)
− Schuldspruch B._, Dispositiv Ziffer 1.b) mit Ausnahme der Schuldsprüche wegen Hausfriedensbruchs gemäss Anklageziffer 3, versuchten Raubes gemäss Anklageziffer 10, in Umlaufsetzens von Falschgeld gemäss Anklageziffern 8.1 und 8.2 sowie wegen  Betruges gemäss Anklageziffern 8.1 und 8.2
− Widerruf B._, Dispositiv Ziffer 3.c) − Einziehungen, Dispositiv Ziffer 6 − Verweis der Zivilforderungen der Geschädigten F._ und
G._ auf den Zivilweg, Dispositiv Ziffer 7 − Kostenfestsetzung, Dispositiv Ziffer 8
Demnach ist das vorinstanzliche Urteil in Bezug auf die obgenannten Dispositiv-
ziffern in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist
(Art. 404 Abs. 1 StPO).
3. Formales
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
jeweils in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne, dass dies explizit
Erwähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
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des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. Urteil des Bundes-
gerichts 6B_170/2011 vom 10. November 2011 E. 1.2.). Die Berufungsinstanz
kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung (Beschuldigter B._)
4. Sachverhalt
4.1. Der Beschuldigte hat sowohl im Untersuchungsverfahren als auch im
vorinstanzlichen Hauptverfahren und im Berufungsverfahren den ihm zur Last ge-
legten Anklagesachverhalt in objektiver Hinsicht als richtig anerkannt (HD Urk. 2/2
S. 2; HD Urk. 2/3 S. 3 ff.; HD Urk. 2/5 S. 4, Prot. I. S. 62 und Urk. 57 S. 3 f.,
Urk. 118 S. 6).
4.2. Wie die Vorinstanz bereits zutreffend erwog, deckt sich das Geständnis
des Beschuldigten B._ mit den Ergebnissen der Strafuntersuchung. Damit ist
der eingeklagte Sachverhalt rechtsgenügend erstellt und der Beschuldigte in Be-
zug auf die ihm zur Last gelegten Delikte überführt (Urk. 80 S. 10). Für die rechtli-
che Würdigung ist nachstehend vom eingeklagten Sachverhalt auszugehen.
5. Rechtliche Würdigung
5.1. Strittig sind in rechtlicher Hinsicht, wie zuvor bereits dargetan, einzig noch
die dem Beschuldigten B._ in den Anklageziffern 3 (ND 3), 10 (ND 12), 8.1
und 8.2 (ND 8-10) vorgeworfenen Delikte. Auf die entsprechenden rechtliche
Würdigung ist demnach im Einzelnen einzugehen.
5.1.1. Hausfriedensbruch (Anklageziffer 3)
5.1.1.1. Der Beschuldigte liess vor Vorinstanz vorbringen, es sei zwar zutreffend,
dass er sich in objektiver Hinsicht anklagegemäss verhalten habe. In subjektiver
Hinsicht sei er allerdings der Auffassung gewesen, dass das gegen ihn durch die
SBB verhängte Hausverbot keine Geltung mehr gehabt habe, weil es bereits älter
als zwei Jahre gewesen sei. Er sei davon ausgegangen, dass ihm der Zutritt zu
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den SBB Lokalitäten nach mehr als zwei Jahren wieder erlaubt gewesen sei. Tat-
sächlich werde ein Hausverbot der SBB nach zwei Jahren nur auf Antrag ge-
löscht. Diese Regelung sei aber für einen Laien missverständlich. Der Irrtum des
Beschuldigten sei daher nachvollzieh- und entschuldbar. Er habe sich aufgrund
der unklaren Regelung in einem Sachverhaltsirrtum befunden. Der Hausfriedens-
bruch sei fahrlässig nicht strafbar, weshalb diesbezüglich ein Freispruch erfolgen
müsse (Urk. 57 S. 6).
5.1.1.2. Die Vorinstanz setzte sich mit dem Einwand der Verteidigung, wonach
sich der Beschuldigte in einem Sachverhaltsirrtum befunden habe, einlässlich
auseinander und erwog hierzu was folgt (Urk. 80 S. 14 f.): Aus dem schriftlich er-
teilten Bahnhofsverbot der Schweizerischen Bundesbahnen SBB ergebe sich,
dass diese bereit seien, auf ein schriftliches Ersuchen hin nach Ablauf von zwei
Jahren das Hausverbot neu zu beurteilen, wenn in der Zwischenzeit keine weite-
ren Verstösse gegen die Bahnhofsordnung begangen würden. Der Beschuldigte
B._ habe das schriftlich erteilte Bahnhofsverbot offenbar nicht gelesen, son-
dern sich einzig auf die angebliche Aussage der Polizei der Schweizerischen
Bundesbahnen SBB verlassen, wonach das Hausverbot nur zwei Jahre lang gel-
te. Er habe somit um das Risiko der Tatbestandsverwirklichung gewusst, wenn er
(lediglich) angenommen habe, dass das Hausverbot abgelaufen sei. Es wäre ihm
ein Leichtes gewesen, sich im schriftlich erteilten Bahnhofsverbot über dessen
Gültigkeit zu informieren. Den Ausführungen der Verteidigung, wonach die Rege-
lung des Hausverbots für einen Laien unverständlich sei, könne jedenfalls nicht
gefolgt werden. Der Beschuldigte B._ habe denn auch selbst angegeben,
dass er das Hausverbot nicht gelesen habe. Dass er es nicht verstanden habe,
habe er hingegen nicht geltend gemacht. Überdies habe er selbst den Sach-
verhalt der Anklage ohnehin anerkannt. Diesem könne entnommen werden, dass
er sich nicht sicher gewesen sei, ob das Hausverbot noch gelte oder nicht. Der
Beschuldigte habe somit zumindest im Sinne eines Eventualvorsatzes um die
Möglichkeit gewusst, dass das Hausverbot noch Geltung haben könnte. Ein
Sachverhaltsirrtum nach Art. 13 StGB könne demnach nicht vorliegen, weshalb
der Beschuldigte B._ im Sinne von Art. 186 StGB schuldig zu sprechen sei.
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5.1.1.3. Anlässlich der Berufungsverhandlung wiederholte der Verteidiger im
Wesentlichen seine vor Vorinstanz vorgebrachten Argumente (Urk. 120 S. 6).
5.1.1.4. Die Erwägungen der Vorinstanz überzeugen in allen Teilen. Der Beschul-
digte B._ gab in seiner Einvernahme vom 23. Mai 2013 auf die Frage, ob er
denn gewusst habe, dass das Hausverbot ausgesprochen worden sei, zu Proto-
koll, er habe vom Hausverbot gewusst. Er habe sich aber gedacht, dass dieses
nur zwei Jahre gelte. Das Hausverbot vom 25. März 2010 habe er ausgehändigt
erhalten und den Erhalt unterschriftlich bestätigt. Dass im letzten Absatz stehe,
dass nach Ablauf von zwei Jahren ein Gesuch um Neubeurteilung gestellt werden
könne, habe er leider "auch bei der letzten Verzeigung zur Kenntnis nehmen
müssen". Ob er das Hausverbot überhaupt noch zu Hause habe, wisse er nicht
(Urk. 4/5 S. 2 f.). Gegenüber der Vorinstanz gab der Beschuldigte zu Protokoll, er
könne sich nicht mehr daran erinnern, ob er das Dokument mit dem Hausverbot
gelesen habe. Die Bahnpolizei habe ihm gesagt, das Verbot gelte 24 Monate. Da-
rum sei er der Meinung gewesen, es sei aufgehoben (Prot. I. S. 75). Der Beschul-
digte macht mit anderen Worten geltend, er habe das zweiseitige Dokument
"Bahnhofverbot", welches ihm am 25. März 2010 durch die Securitrans – und
nicht etwa durch die SBB-Polizisten wie vom Beschuldigten behauptet – ausge-
händigt wurde und dessen Empfang er unterschriftlich bestätigte (Urk. ND 3/1
S. 2 und 3/6), nicht gelesen. Wer nun aber bewusst keine Kenntnis vom Inhalt ei-
ner schriftlichen Anordnung nimmt, kann sich nicht im Nachhinein darauf berufen,
sich über den Inhalt geirrt zu haben. Das Bundesgericht hatte sich in einem Fall
von Falschbeurkundung mit der Frage des Sachverhaltsirrtums auseinanderzu-
setzen. Im Entscheid BGE 135 IV 12 E. 2.3.1. erwog es hierzu, dass der zivil-
rechtliche Grundsatz, wonach bewusste Nichtkenntnis eines Sachverhaltes nicht
als Irrtum zu behandeln sei, auch im Bereich des Strafrechts herangezogen wer-
den könne. Wer wisse, dass er nichts wisse, der irre nicht. Gleiches muss auch
für den vorliegenden Sachverhalt gelten. Dem Beschuldigten wurde ein schriftli-
ches Hausverbot erteilt, welches hinreichend und für jedermann verständlich Aus-
kunft über die mit dem Hausverbot zusammenhängenden Modalitäten gibt. Wenn
es der Beschuldigte nicht für notwendig erachtete, das an ihn gerichtete Verbot
mit der gebotenen Aufmerksamkeit durchzulesen, so kann er daraus nichts zu
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seinen Gunsten ableiten. Mit der Vorinstanz und unter Verweis auf deren zutref-
fende Erwägungen ist daher in subjektiver Hinsicht festzuhalten, dass der Be-
schuldigte B._ zumindest im Sinne eines Eventualvorsatzes um die Möglich-
keit wusste, dass das Hausverbot im Tatzeitpunkt nach wie vor Geltung hatte.
Auch die Angaben des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung un-
terstreichen die Richtigkeit der vorinstanzlichen Schlussfolgerung, zumal er an-
gab, das Schriftstück des Hausverbots nicht gelesen zu haben, er sich mitunter
um die Modalitäten des Hausverbots schlicht nicht kümmerte (Urk. 118 S. 6 und
10). Ein Sachverhaltsirrtum liegt nicht vor, weshalb der erstinstanzliche Schuld-
spruch ohne weiteres zu bestätigen ist.
5.1.2. Mehrfaches in Umlaufsetzen falschen Geldes sowie geringfügiger Betrug
(Anklageziffern 8.1 und 8.2)
5.1.2.1. Vor Vorinstanz wie auch im Berufungsverfahren liess der Beschuldigte
zusammengefasst vorbringen, er sei beim Kauf der Euros nicht davon ausgegan-
gen und habe auch nicht davon ausgehen müssen, dass er Falschgeld gekauft
habe. Der in Frage stehende Wechselkurs von 1 CHF = 0.8 Euro stehe zwar für
ein gutes Geschäft, d.h. eine grössere Unterbewertung des Euros, es könne aber
nicht gesagt werden, dass sich ihm damit die Vermutung von Falschgeld habe
aufdrängen müssen. Er sei davon ausgegangen, dass der Anbieter der Euros ein-
fach auf Schweizer Franken angewiesen gewesen sei und dem Beschuldigten
deshalb das schlechte Geschäft angeboten habe. Auch aufgrund der Qualität der
gefälschten Noten habe der Beschuldigte nicht erkennen können, dass es sich
dabei um Blüten gehandelt habe. Ein weiteres Indiz dafür, dass der Beschuldigte
ahnungslos gewesen sei, stelle der Umstand dar, dass er das Falschgeld in sei-
nem engen Umfeld verwendet habe. Ihm habe der Vorsatz Falschgeld in Umlauf
setzen zu wollen gefehlt. Wenn der Beschuldigte aber keinen Vorsatz betreffend
das Vorliegen von Falschgeld gehabt habe, dann entfalle auch die Möglichkeit ei-
nes Betruges, denn es liege keine Intention einer Täuschungshandlung vor, wes-
halb es jedenfalls an der Arglist fehle (Urk. 57 S. 6 f., Urk. 120 S. 7). Auch der Be-
schuldigte persönlich bekräftigte anlässlich seiner Befragung vor dem Berufungs-
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gericht, er habe beim angebotenen Geldwechselgeschäft nicht daran gedacht,
dass es sich um Falschgeld handeln könnte (Urk. 118 S. 11).
5.1.2.2. Die Vorinstanz erwog im angefochtenen Entscheid, der Standpunkt der
Verteidigung, wonach der Beschuldigte keinen Vorsatz in Bezug auf das Inum-
laufsetzen von Falschgeld gehabt habe, überzeuge nicht. Einerseits habe der
Wechselkurs nicht Fr. 1.– für € 0.80, sondern € 1 für ca. Fr. 0.80 betragen. Dies
habe zur Folge gehabt, dass der Wechselkurs nicht nur schlecht gewesen sei,
sondern, dass der Beschuldigte S. B._ sogar mehr Euronoten erhalten als er
Schweizer Franken bezahlt habe. Der Wechselkurs sei somit unrealistisch tief
gewesen. Selbst wenn die Euronoten auf den ersten Blick nicht als Fälschungen
erkennbar gewesen wären, so hätte der Beschuldigte B._ aufgrund der Um-
stände auf eine Fälschung schliessen müssen. Dem Verkäufer sei es nämlich zu
dieser Tageszeit, um 16.00 Uhr, ohne weiteres möglich gewesen, zu einem deut-
lich besseren Wechselkurs am nahegelegenen Bahnhof Geld zu wechseln. Weiter
habe der Umstand, dass der Täter trotz des schlechten Wechselkurses nach wei-
teren Käufern gesucht habe, auf Falschgeld hingedeutet. Der Beschuldigte habe
aufgrund der Umstände damit rechnen müssen, dass es sich um gefälschte
Euronoten gehandelt habe. Indem er diese trotz zweifelhafter Umstände an di-
versen Orten zur Bezahlung verwendet habe, habe er letztendlich in Kauf ge-
nommen, dass auf diese Weise Falschgeld in Umlauf gerate. Der Beschuldigte
sei folglich im Sinne von Art. 242 StGB schuldig zu sprechen (Urk. 80 S. 16 f.).
5.1.2.3. In objektiver Hinsicht erstellt und unbestritten ist, dass der Beschuldigte
am 2. September 2013 (und nicht wie von der Vorinstanz irrtümlich festgehalten
am 18. Oktober 2012), um ca. 16.00 Uhr, von einem ihm unbekannten Verkäufer
im Stadtpark Winterthur, sechs totalgefälschte Euronoten zu je € 50.-- zum Preis
von ca. Fr. 230.-- bis Fr. 240.-- gekauft und hernach die gefälschten Noten an den
in der Anklage erwähnten Orten für diverse Konsumationen verwendet und damit
in Umlauf gebracht hat. Damit ist der objektive Straftatbestand von Art. 242 StGB
unzweifelhaft erfüllt. Nachdem der Beschuldigte in subjektiver Hinsicht in Abrede
stellt, gewusst zu haben, dass es sich um Falschgeld gehandelt habe, ist auf-
grund der objektiven Umstände auf die innere Einstellung des Täters zu schlies-
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sen. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang auf die einschlägige Recht-
sprechung des Bundesgerichts hingewiesen, worauf an dieser Stelle erneut zu
verweisen ist. Der 2. September 2013 war ein gewöhnlicher Montag, ein Tag also,
an dem sämtliche Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe in einer Stadt wie
Winterthur während der üblichen Zeiten, abends mithin bis mindestens 17.00 Uhr,
geöffnet waren. In unmittelbarer Nähe des Stadtparkes befinden sich Filialen der
Migros Bank, der Bank Linth, der Credit Suisse, der UBS, der Bank Coop AG, der
Post Finance sowie der Zürcher Kantonalbank. Bankfilialen also, in denen man
ohne Weiteres zur fraglichen Zeit Euro in Schweizer Franken hätte wechseln kön-
nen. Der Euro-Franken- Wechseltageskurs vom 2. September 2013 betrug 1 CHF
= 0.81105 EUR (http://de.exchange-rates.org/Rate/CHF/EUR/02.09.2013; zuletzt
besucht am 26. November 2015). Mit anderen Worten hätte man am
2. September 2013 für einen Euro ca. CHF 1.23 bezahlen müssen. Für 300.--
Euro hätte der unbekannte Verkäufer also bei einer der im unmittelbaren Umfeld
liegenden Bankfilialen ca. CHF 370.-- erhalten. Weshalb jemand, der dringend auf
Schweizer Franken angewiesen sein sollte, unter den gegebenen Umständen ei-
nen Wechselkursverlust von rund CHF 130.-- also beinahe einem Drittel in Kauf
nehmen sollte, bleibt unerfindlich. Bedenkt man weiter, dass der Beschuldigte
gemäss anerkanntem Sachverhalt feststellen konnte, wie der Verkäufer im Stadt-
park ausser ihm noch weitere Abnehmer für seine Euro-Noten suchte, dann liegt
die Vermutung, dass mit dem Geld etwas nicht stimmen konnte, geradezu auf der
Hand. Wenn die Vorinstanz in diesem Zusammenhang erwog, der Beschuldigte
hätte aufgrund der gesamten Umstände auf Fälschungen schliessen müssen, so
ist ihr darin vollumfänglich zuzustimmen. Dass er – wie die Verteidigung dies vor-
brachte – angenommen habe, der Verkäufer benötige dringend Schweizer Fran-
ken, hat der Beschuldigte selbst nie behauptet. Von der Polizei dazu befragt, wa-
rum denn der unbekannte Verkäufer die Noten habe tauschen wollen, gab der
Beschuldigte an, er wisse dies auch nicht (Urk. ND 8/3 S. 2). Nachdem der Be-
schuldigte zunächst am 11. September 2013 polizeilich einvernommen wurde,
weil er in ... mit Falschgeld Esswaren bezogen hatte, gab er zu Protokoll, er habe
im Stadtpark Winterthur drei Noten von einem Unbekannten abgekauft (Urk. 8/3
S. 1 f.). Am 30. September 2013 erstattete G._, Gerant der H._ Bar in
- 16 -
Winterthur, Anzeige gegen den Beschuldigten, weil dieser in seiner Bar eine
Champagnerkonsumation mit zwei gefälschten 50 Euro Noten beglichen hatte. Im
Rahmen der diesbezüglichen Ermittlungen wurde der Beschuldigte am 7. Oktober
2013 erneut polizeilich einvernommen. Auf entsprechenden Vorhalt hin musste er
dann zugeben, dass er nicht drei, sondern sechs gefälschte 50 Euro Scheine ge-
kauft habe. Der Anbieter der gefälschten Noten heisse I._. Er habe am fragli-
chen Tag ein ganzes Bündel Noten dabei gehabt. Er schätze, dass es sich dabei
um mindestens 4 bis 5 Tausend Euro gehandelt habe. Er habe die gefälschten
Noten abgekauft, weil es ein "ringes Geldverdienen" gewesen sei (Urk. ND 9/6
S. 3). Spätestens aufgrund dieser Depositionen wird deutlich, dass der Beschul-
digte von Beginn weg zumindest in Kauf nahm, dass es sich um Falschgeld han-
delte. Indem der Beschuldigte die gefälschten Noten an den in der Anklageschrift
genannten Orten zu Zahlungszwecken verwendete, brachte er das Falschgeld ef-
fektiv in Umlauf, was er zweifelsfrei auch wollte. Damit ist auch der subjektive
Straftatbestand von Art. 242 StGB erfüllt und der vorinstanzliche Schuldspruch
wegen mehrfachen in Umlaufsetzens falschen Geldes im Sinne von Art. 242
StGB, ist zu übernehmen.
5.1.2.4. Nachdem fest steht, dass sich der Beschuldigte des mehrfachen in Um-
laufsetzens von falschem Geld schuldig gemacht hat, verfängt die Argumentation
der Verteidigung, wonach die Möglichkeit eines Betrugs entfalle, weil es am Vor-
satz betreffend das Vorliegen von Falschgeld mangle, nicht. In Bezug auf den
Vorwurf des geringfügigen Betrugs ist zunächst festzuhalten, dass der Gerant der
H._ Bar am 8. Oktober 2013 bei der Stadtpolizei Winterthur Strafanzeige ge-
gen den Beschuldigten erstattete und am 22. November 2013 in der Folge dann
auch einen Strafantrag gegen ihn stellte (Urk. ND 9/11). Dies ist von Bedeutung,
weil der geringfügige Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 172ter StGB nach dem Willen des Gesetzgebers ein Antragsdelikt darstellt,
welches nur auf ausdrückliches Ersuchen der geschädigten Person strafrechtlich
verfolgt wird. Nachdem der Strafantrag wie dargetan vorliegt, steht einer straf-
rechtlichen Beurteilung nichts entgegen. In objektiver Hinsicht ist unbestritten und
erstellt, dass der Beschuldigte wusste, dass er gefälschte Noten erstanden hatte.
Mit zweien dieser gefälschten 50 Euro Noten hatte er am 14. September 2013
- 17 -
seine Konsumation in der H._ Bar in Winterthur bezahlt. Dies nota bene,
nachdem er drei Tage zuvor bereits durch die Kantonspolizei zur Verwendung
von Falschgeld in ... befragt wurde. Angesichts dieser Umstände steht ausser
Zweifel, dass der Beschuldigte direkt vorsätzlich das Falschgeld zur Begleichung
seiner Zeche verwenden wollte, um auf diese Weise die Angestellten der H._
Bar über die Begleichung seiner Konsumation zu täuschen und sich selber einen
unrechtmässigen wirtschaftlichen Vorteil zu verschaffen. Damit ist aber auch er-
stellt, dass der Beschuldigte – entgegen der Auffassung der Verteidigung – kei-
nerlei Hemmungen an den Tag legte, das durch ihn erstandene Falschgeld auch
in einem Lokal einzusetzen, wo er offenbar häufiger verkehrte und wo er sowohl
mit dem Geranten, als auch dem Servicepersonal per Du war. Vielmehr durfte er
insgesamt annehmen, dass aufgrund der gesamten Umstände die von ihm ver-
wendeten Falschgeldnoten nicht einer eingehenden Prüfung unterzogen werden
würde. Das Vorgehen des Beschuldigten erweist sich insgesamt als arglistig und
erfüllt sowohl den objektiven wie auch den subjektiven Straftatbestand von
Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter StGB. In BGE 133 IV 256
E. 4.3. änderte das Bundesgericht seine bis dahin geltende Rechtsprechung und
erwog neu, dass zwischen dem in Umlauf setzen falschen Geldes gemäss
Art. 242 StGB und dem Betrug im Sinne von Art. 146 StGB echte Konkurrenz be-
stehe. Entsprechend ist der vorinstanzliche Schuldspruch wegen geringfügigen
Betruges vollumfänglich zu bestätigen.
5.1.3. Versuchter Raub (Anklageziffer 10)
5.1.3.1. Vor Vorinstanz stellte sich die Verteidigung bezüglich des Anklage-
vorwurfs des versuchten Raubes auf den Standpunkt, der Beschuldigte habe in
subjektiver Hinsicht beabsichtigt, in der Wohnung der Geschädigten Betäu-
bungsmittel zu erlangen. Er habe "keine Intention" gehabt, den Geschädigten
Geld wegzunehmen. Aus diesem Grunde scheide ein Vermögensdelikt a priori
aus, denn Betäubungsmittel seien res extra commercium und als solche durch
das Vermögensstrafrecht nicht geschützt (Urk. 57 S. 7).
5.1.3.2. Die Vorinstanz hat erwogen, aus den Einvernahmen des Beschuldigten
selbst ergebe sich zwar, dass dieser sich in erster Linie erhofft habe, in der Woh-
- 18 -
nung der Geschädigten J._ Betäubungsmittel vorzufinden. Er sei aber auch
bereit gewesen, Geld mitzunehmen. So habe er anlässlich der staatsanwaltlichen
Einvernahme vom 17. Dezember 2013 auf Nachfrage hin ausgesagt, es sei unlo-
gisch, dass man in der Wohnung befindliches Geld liegen lassen würde. Man
würde dieses Geld selbstverständlich nehmen. Er sei jedoch davon ausgegangen,
es befänden sich dort nur Drogen. Es sei ihm um das Kokain gegangen. In der
Konfrontationseinvernahme habe der Mitbeschuldigte K._ ausgesagt, sie
hätten Bargeld, sofern es welches gehabt hätte, vermutlich auch mitgenommen.
Dies sei mit dem Mitbeschuldigten B._ abgesprochen gewesen. Diese Aus-
sagen der beiden Tatbeteiligten würden sich auch mit der allgemeinen Lebenser-
fahrung decken. Es erscheine nämlich, wie dies der Beschuldigte selbst ausge-
führt habe, als lebensfremd, in der Wohnung befindliches Bargeld einfach liegen
zu lassen. Auch wenn sich der ursprüngliche Vorsatz zwar auf das erhältlich ma-
chen von Betäubungsmitteln gerichtet habe, sei der Beschuldigte auch im Sinne
eines Eventualvorsatzes bereit gewesen, Bargeld mitzunehmen, sofern sich sol-
ches in der Wohnung hätte finden lassen. Zudem habe der Beschuldigte anläss-
lich der Hauptverhandlung vom 14. Januar 2015 die Vorwürfe der Anklageschrift
ohne Einschränkungen anerkannt. Darin werde explizit aufgeführt, dass er sowie
der Mitbeschuldigte K._ beabsichtigt hätten, falls vorhanden, allenfalls auch
Bargeld zu behändigen. Damit sei der Vorsatz bezüglich des Aneignens von Bar-
geld zu bejahen und der Beschuldigte des versuchten Raubes im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen
(Urk. 80 S. 18 f.).
5.1.3.3. Im Rahmen der Berufungsverhandlung wies die Verteidigung erneut
darauf hin, dass der Beschuldigte überhaupt keine Intention in Bezug auf Geld
gehabt habe. Die hypothetische Grundbereitschaft, auch Geld wegzunehmen,
bleibe damit bloss theoretisch und reiche für einen Eventualvorsatz nicht aus
(Urk. 120 S. 8).
5.1.3.4. Die Vorinstanz hat sich mit den Vorbringen der Verteidigung einlässlich
auseinandergesetzt und die massgeblichen Depositionen des Beschuldigten so-
wie seines Mittäters K._ korrekt wiedergegeben. Die Schlussfolgerungen der
- 19 -
Vorinstanz sowie die rechtliche Subsumtion geben weder zu Kritik, noch zu Er-
gänzungen Anlass. Sie können ohne Weiterungen übernommen werden, dies
umso mehr, als die Verteidigung im Berufungsverfahren diesbezüglich keine
neuen Argumente ins Feld führte. Dementsprechend ist der angefochtene
Schuldspruch des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB vollumfänglich zu bestätigen.
III. Sanktion
6. Beschuldigter B._
6.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten B._ mit einer Freiheits-
strafe von 4 Jahren sowie einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.-- und
einer Busse von Fr. 600.--.
6.2. Die Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren eine Bestrafung des
Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 28 Monaten sowie die Ausfällung einer
Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 100.-- und einer Busse von Fr. 600.--.
Dies unter Berücksichtigung der von ihr im Berufungsverfahren nach wie vor
geforderten Freisprüche (Prot. II S. 9).
6.3. Die Vorinstanz hat die Grundzüge der Strafzumessung gemäss Art. 49
Abs. 1 StGB korrekt dargetan und den anwendbaren Strafrahmen richtig abge-
steckt. Auf diese Erwägungen kann vorab verwiesen werden (Urk. 80 S. 21 f.).
6.3.1. Soweit sich die Vorinstanz im Rahmen ihrer Strafzumessung auf den
Standpunkt stellt, es rechtfertige sich, bei der Strafzumessung, die eingeklagten
Tatbestände des Hauptdossiers (Freiheitsberaubung, versuchte räuberischen Er-
pressung, Diebstahl, Hausfriedenbruch sowie mehrfache Widerhandlung gegen
das Waffengesetz) als einen einzigen Lebenssachverhalt zu beurteilen, ist dies
bei der vorgegebenen Sachlage zunächst nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz
stuft das objektive Tatverschulden in Bezug auf die räuberische Erpressung und
den Diebstahl als keineswegs mehr leicht ein. Demgegenüber wertet sie das ob-
jektive Tatverschulden hinsichtlich des Hausfriedensbruchs und der Wider-
- 20 -
handlung gegen das Waffengesetz als nicht mehr leicht. Diese Erwägungen der
Vorinstanz können übernommen werden, da eine geringfügigere Einstufung auf-
grund der objektiven Tatschwere keinesfalls in Betracht kommt. Keineswegs zu-
zustimmen ist der Verteidigung, soweit sie vorbringt, die Funktion des Beschul-
digten sei nahe der Gehilfenschaft und ein Handeln "à tout prix" habe nicht vorge-
legen (Urk. 120 S. 9). Zwar war der Beschuldigte offenbar nicht in die Tatplanung
und -vorbereitung involviert, jedoch hat er sich massgeblich an der Tatausführung
beteiligt, indem er unter anderem den Geschädigten L._ schlug und fesselte
und ihm Portemonnaie, Mobiltelefone sowie den Wohnungsschlüssel abnahm.
Entsprechend gab der Beschuldigte vor Vorinstanz zu Protokoll, er sei von Anfang
an voll dabei gewesen. Zudem wäre er nach seinen eigenen Angaben auch am
Erlös beteiligt gewesen, was bei ihm unter anderem zur Tatmotivation führte
(Prot. I S. 65).
6.3.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere können die zutreffenden
vorinstanzlichen Erwägungen ebenfalls übernommen werden. Anzufügen bleibt
einzig, dass der Beschuldigte die hier zu beurteilenden Delikte – mit Ausnahme
des in Umlauf setzen des Falschgelds – allesamt vorsätzlich beging.
6.3.3. Zusammenfassend kam die Vorinstanz zum Schluss, das objektive Tat-
verschulden werde durch das subjektive Tatverschulden nicht relativiert. Unter
Berücksichtigung, dass es bei der räuberischen Erpressung beim Versuch geblie-
ben sei, setzte die Vorinstanz eine hypothetische Einsatzstrafe im mittleren Be-
reich des unteren Drittels des ordentlichen Strafrahmens fest, was im Ergebnis zu
einer Einsatzstrafe von 18 Monaten führte. Wenngleich nach den Vorgaben des
Bundesgerichts zur Strafzumessung der Versuch als verschuldensunabhängige
Tatkomponente erst nach Festlegung der hypothetischen Einsatzstrafe zu be-
rücksichtigen wäre, ist die vorinstanzliche, reduzierte hypothetische Einsatzstrafe
im Umfang von 18 Monaten Freiheitsstrafe im Ergebnis nicht zu beanstanden.
Der Verteidiger erachtet demgegenüber eine Einsatzstrafe von 12 bis 15 Monaten
als angemessen und bringt bezüglich des Versuchs vor, es sei unzutreffend, dass
das Ausbleiben des Erfolges nicht dem Verhalten des Beschuldigten zugerechnet
werden könne. Man habe relativ früh vom Plan abgelassen, was aufzeige, dass
- 21 -
subjektiv eine bestimmte Hemmschwelle nicht überschritten worden sei. Bei die-
ser Ausgangslage sei die Tatsache des Versuchs stärker zu gewichten. Eine
Einsatzstrafe von 18 Monaten stehe zudem auch im Spannungsverhältnis zu den
vorinstanzlichen Einsatzstrafen von A._ (20 Monate) und C._ (15 Mona-
te).
6.3.4. Gemäss anerkannter Anklageschrift ging es der Täterschaft darum, vom
Geschädigten L._ Fr. 10'500.-- erhältlich zu machen. Der Beschuldigte führte
dazu aus, er sei davon ausgegangen, dass L._ dieses Geld habe (Prot. I
S. 65 f.). In der Wohnung des Geschädigten wurden jedoch keine massgeblichen
Wertsachen gefunden, was indessen nicht zur Aufgabe des Tatplans führte.
Stattdessen wurden die Einschüchterungen gegenüber dem Geschädigten
L._ fortgesetzt und es wurde ihm erklärt, dass das Spiel weitergehe, soweit
er das Geld nicht bis am 25. Februar 2013 (= fünf Tage nach der Tat) an K._
übergebe. Bei dieser Ausgangslage kann entgegen der Verteidigung nicht gesagt
werden, man habe früh vom Tatplan abgelassen. Die von der Vorinstanz fest-
gesetzte hypothetische Einsatzstrafe von 18 Monaten ist damit ohne Weiteres zu
übernehmen. Was das Verhältnis der hypothetischen Einsatzstrafe des Beschul-
digten B._ zu denjenigen der Beschuldigten A._ und C._ betrifft, ist
festzuhalten, dass den vorinstanzlichen Erwägungen die unterschiedliche Wer-
tung der Tatbeiträge entnommen werden kann. Die Vorinstanz stufte das objekti-
ve Tatverschulden von A._ im Vergleich zu demjenigen des Beschuldigten
B._ als schwerer ein und gelangte nach weiterer Beurteilung des subjektiven
Tatverschuldens zum Schluss, dass die hypothetische Einsatzstrafe für A._
am oberen Rand des unteren Drittels des ordentlichen Strafrahmens anzusiedeln
sei (Urk. 80 S. 23 ff.). Indem die Vorinstanz die hypothetische Einsatzstrafe auf 20
Monate festlegte, setzte sie diese Erkenntnis indessen rechnerisch nicht nach-
vollziehbar um. Denn das Gesetz sieht für die räuberische Erpressung (Art. 156
Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 140 Ziff. 1 StGB) einen Strafrahmen von 180 Tagessätzen
Geldstrafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe vor. Eine Freiheitsstrafe von
20 Monaten liegt damit im mittleren Bereich des unteren Drittels und nicht am
oberen Rand des unteren Drittels des Strafrahmens. Aus diesem Umstand kann
der Beschuldigte indessen nichts zu seinen Gunsten ableiten, zumal die für ihn
- 22 -
festgesetzte hypothetische Einsatzstrafe mit den gesetzlichen Vorgaben korrekt
korreliert und angemessen erscheint. Im Übrigen wird das Tatverschulden des
Beschuldigten A._ auch in diesem Verfahren noch zu überprüfen sein. Das
Tatverschulden des Beschuldigten C._ wurde wie beim Beschuldigten
B._ als keineswegs leicht eingestuft (Urk. 80 S. 39). Indessen lag beim Be-
schuldigten C._ ein Fall der retrospektiven Konkurrenz vor, weshalb sich das
Ergebnis der hypothetische Einsatzstrafe von 15 Monaten nicht per se mit demje-
nigen des Beschuldigten B._ vergleichen lässt. Damit steht aber fest, dass
die Rüge der Verteidigung, wonach die für den Beschuldigten B._ festgesetz-
te Einsatzstrafe von 18 Monaten in einem Spannungsverhältnis zu den Einsatz-
strafen von A._ und C._ stehe, unbegründet ist.
6.3.5. Bezüglich des Tatkomplexes des versuchten Raubes und der versuchten
Nötigung (ND 12) stufte die Vorinstanz die objektive Tatschwere mit zutreffender
Argumentation als keineswegs mehr leicht ein. Die mit dieser Tatausübung in di-
rektem Zusammenhang stehende Widerhandlung gegen das Waffengesetz er-
achtete sie hingegen als leicht, weil es sich dabei lediglich um ein Begleitdelikt
gehandelt habe. Die vom Verteidiger bezüglich dieses Delikts vertretene Ansicht,
das Vorgehen von K._ sei dem Beschuldigten nicht anzurechnen, da die Ver-
letzung des Geschädigten Baldauf nicht dem Tatplan entsprochen habe, ist nicht
zu teilen (vgl. Urk. 120 S. 11). Gemäss anerkannter Anklageschrift packte der Be-
schuldigte die Geschädigte J._ und hielt sie in Schach, währendem K._
mit dem Baseballschläger auf Baldauf einschlug. Damit unterstützte der Beschul-
digte die Handlung von K._ aber massgeblich, was sein Einverständnis mit
dem Vorgehen von K._ offenbart. Die Erwägungen der Vorinstanz sind somit
zu übernehmen.
6.3.6. Weiter erachtete die Vorinstanz das objektive Tatverschulden des Beschul-
digten in Bezug auf den Anklagevorwurf des in Umlaufsetzens von falschem Geld
und den damit einhergehenden geringfügigen Betrug ebenso wie den Haus-
friedensbruch gemäss Nebendossier 3 insgesamt noch als eher leicht. Diese zu-
treffenden Erwägungen wurden von der Verteidigung nicht beanstandet. Sie sind
ohne Weiteres zu übernehmen.
- 23 -
6.3.7. Selbiges gilt für die Verschuldensbewertung hinsichtlich der diversen
Verstösse gegen die Strassenverkehrsgesetzgebung. Vollkommen zu recht geht
hier die Vorinstanz von einem nicht mehr leichten Verschulden aus und stuft die
grobe Verkehrsregelverletzung sowie die Entwendung eines Motorfahrzeugs zum
Gebrauch hinsichtlich der objektiven Tatschwere als keineswegs mehr leicht ein.
Diesbezüglich hat die Verteidigung im Berufungsverfahren nichts vorgebracht,
das gegen diese Wertung spricht (vgl. Urk. 120 S. 11). Gerade die Häufigkeit der
begangenen Verkehrsregelverletzungen offenbart den nachhaltigen deliktischen
Willen des Beschuldigten, was die Verschuldensbewertung klar belastet.
6.3.8. Schliesslich würdigte die Vorinstanz das objektive Verschulden des Be-
schuldigten hinsichtlich der von diesem zu verantwortenden Betäubungsmittel-
delikte. Während dem sie im Rahmen der rechtlichen Würdigung von einer ein-
fachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ausging, erwogen die
Vorderrichter im Rahmen ihrer Strafzumessung, angesichts der Reinmenge
Heroin von 19 Gramm liege ein schwerer Fall im Sinne der Bundesgerichtlichen
Rechtsprechung vor. Wie die Vorinstanz indes rechnerisch auf die Reinmenge
von 19 Gramm Heroin kommt, lässt sich ihren Erwägungen nicht entnehmen. Er-
stellt ist, dass der Beschuldigte zwischen Januar und April 2014 einer nicht näher
bekannten Person 10.0 bis 15 Gramm Heroingemisch verkaufte, welches einen
Reinheitsgehalt von 15 % aufwies. Zugunsten des Beschuldigten ist davon aus-
zugehen, dass die verkaufte Menge 10 Gramm betrug, was bei einem Rein-
heitsgrad von 15 % 1.5 Gramm reines Heroin ausmacht. Des weiteren hat der
Beschuldigte am 22. April 2014 dem Drogenabnehmer M._ 5.0 Gramm Hero-
ingemisch verkauft. Bei einem anerkannten Reinheitsgrad von 15 % beträgt der
Anteil an reinem Heroin demnach 0.75 Gramm. Am 22. April 2014 führte der  zwei Minigripsäcklein mit insgesamt 15.1 Gramm Heroingemisch mit
sich, was bei einem anerkannten Reinheitsgrad von ebenfalls 15 % total 2.25
Gramm reines Heroin ausmacht. Mitte März 2014 übernahm der Beschuldigte von
einem Kurden ca. 30 Gramm Heroingemisch mit einem Reinheitsgehalt von 11 %,
was einer reinen Menge Heroin von 3.3 Gramm entspricht. Mitte April 2014 über-
nahm er erneut von einem Kurden 30 Gramm Heroingemisch, wobei er davon wie
dargetan 5.0 Gramm an M._ verkaufte. Diese Menge ist daher nicht noch-
- 24 -
mals zu berücksichtigen. 25 Gramm des Heroingemisches bewahrte er bei sich
auf um einen Teil desselben weiter zu verkaufen und den Rest selber zu konsu-
mieren. Zugunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass es sich bei
diesem Heroingemisch um dasjenige handelte, welches Gegenstand der unter
Anklageziffer 1 der Nachtragsanklage vom 13. Oktober 2014 erwähnten und be-
reits berücksichtigten Heroinmengen war. Dafür spricht auch der identische Rein-
heitsgehalt von jeweils 15 %. Weiter übernahm der Beschuldigte am 5. Juni 2014
von einem Kurden 29 Gramm Heroingemisch. Dieses Gemisch wies anerkann-
termassen einen Reinheitsgrad von 11 % aus, was einer reinen Menge Heroin
von 3.19 Gramm entspricht. Schliesslich kaufte der Beschuldigte von N._ 5.0
Gramm Heroingemisch ab. Dieses Heroingemisch wies einen Reinheitsgrad von
10 % auf und beinhaltete damit 0.5 Gramm reines Heroin. Die Addition der Men-
gen reinen Heroins ergibt damit nicht 19 Gramm, wie dies die Vorinstanz , sondern 11.49 Gramm. Gemäss der von der Vorinstanz zitierten bundesge-
richtlichen Rechtsprechung ist die Grenze zum schweren Fall bei Heroin über-
schritten, wenn mehr als 12 g reines Heroin zur Debatte stehen. Nachdem dem
Beschuldigten vorliegend wie dargetan eine Menge von 11.49 Gramm reinem He-
roin nachgewiesen werden kann, liegt diese Menge – entgegen der Auffassung
der Vorinstanz und mit der Verteidigung – knapp unter dem Grenzwert zum
schweren Fall. Damit erweist sich die rechtliche Würdigung der Vorinstanz im Ge-
gensatz zu deren Erwägungen unter dem Titel Strafzumessung als zutreffend,
was die Verteidigung mit Recht erkannte und monierte. Die übrigen Erwägungen
der Vorinstanz zum objektiven Tatverschulden unter diesem Titel sind indes zu-
treffend und vollständig. Sie können – mit der obigen Korrektur – übernommen
werden. Insgesamt betrachtet muss das objektive Tatverschulden hinsichtlich der
hier zur Diskussion stehenden Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelge-
setz noch als leicht bezeichnet werden.
6.3.9. Unter dem Titel subjektive Tatschwere erwog die Vorinstanz für die Ne-
bendelikte, dass dem Beschuldigten in Bezug auf den Tatkomplex der Entführung
sein skrupelloses, aber gleichzeitig auch dilettantisches Vorgehen zuzurechnen
sei. Die lange Liste der Gesetzesverstösse bei den übrigen Vorwürfen weise auf
eine grosse kriminelle Energie hin. Der Beschuldigte zeige nicht geringste Hem-
- 25 -
mungen, sich mit einer Selbstverständlichkeit, die ihresgleichen suche, über ge-
setzliche Vorschriften hinwegzusetzen. Sein gesamtes Verhalten zeige eine völli-
ge Gleichgültigkeit gegenüber der Rechtsordnung. Auch diese Erwägungen sind
nicht zu beanstanden. Dass der Beschuldigte im Zeitraum der Delinquenz Drogen
konsumierte, hat entgegen der Verteidigung hinsichtlich der Verschuldensbewer-
tung ausserhalb der Betäubungsmitteldelikte keine Berücksichtigung zu finden,
zumal keine verminderte Schuldfähigkeit vorgelegen hat und der Beschuldigte
dem Drogenkonsum aus freien Stücken nachging. Anlässlich der Berufungs-
verhandlung gab der Beschuldigte denn auch an, er habe keine Probleme gehabt,
den Drogenkonsum aufzugeben (Urk. 118 S. 10). Eine Ergänzung der vorinstanz-
lichen Erwägungen drängt sich lediglich noch dahingehend auf, dass der Be-
schuldigte in Bezug auf die Mehrzahl der Nebendelikte direkt vorsätzlich und in
den übrigen Fällen immerhin eventualvorsätzlich handelte. Insgesamt ist daher
festzuhalten, dass das objektive im subjektiven Tatverschulden sein Korrelat fin-
det und daher durch dieses in keiner Weise relativiert wird.
6.3.10. Zutreffend hat die Vorinstanz schliesslich auch erkannt, dass die Delikts-
mehrheit sowie die teilweise mehrfache Tatbegehung im Sinne von Art. 49 Abs. 1
StGB strafschärfend zu Buche schlagen, während der Umstand, dass in Bezug
auf den Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, die Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB sowie (teilweise) die Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz jeweils lediglich eine versuchte Tatbegehung vorliegt, was sich
strafmildernd auswirken muss. Allerdings – und auch hier ist der Vorinstanz zu-
zustimmen – wirkt sich die Strafmilderung wegen der versuchten Tatbegehung le-
diglich leicht aus, weil das Ausbleiben des jeweiligen deliktischen Erfolges nicht
dem Verhalten des Beschuldigten, sondern vielmehr Umständen zuzuschreiben
ist, auf die er keinen Einfluss hatte.
6.3.11. Im Sinne eines Zwischenfazits erwog die Vorinstanz, die hypothetische
Einsatzstrafe für den Hauptdeliktskomplex (HD) von 18 Monaten Freiheitsstrafe
werde unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips auf insgesamt 68 Monate
erhöht. Zur Begründung hierzu führte sie aus, die zahlreichen Nebendelikte seien
folgendermassen gewertet worden: Für den Kupferdiebstahl 2 Monate, für die
- 26 -
SVG-Delikte (ausgenommen das mehrfache Fahren ohne Haftpflichtversicherung)
insgesamt 10 Monate, für den Raubversuch 8 Monate, für den Nötigungsversuch
3 Monate, für den Hausfriedensbruch 1 Monat, für das in Umlaufsetzen von
Falschgeld und den geringfügigen Betrug insgesamt 6 Monate, für die Widerhand-
lungen gegen das Betäubungsmittelgesetz 18 Monate und den Konsum von Be-
täubungsmitteln 2 Monate (Urk. 80 S. 33). Hierzu gilt es folgendes zu bemerken:
6.3.11.1. Vorab ist der Konsum von Betäubungsmitteln mit Busse zu bestrafen,
weshalb dafür keine Asperation zum Hauptdeliktskomplex vorzunehmen ist
(vgl. hinten Ziffer 6.5.2.). Weiter fällt auf, dass die Vorinstanz die Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz bei gesonderter Betrachtung mit 18 Monaten
Freiheitsstrafe sanktionierte, was in Übereinstimmung mit der Verteidigung, unter
Berücksichtigung des Umstandes, dass es sich um einen leichten Fall einer
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz handelte, deutlich zu hoch er-
scheint. Der selbst drogenabhängige Beschuldigte agierte als klassischer Klein-
dealer auf der untersten Hierarchiestufe des Drogenhandels und versuchte mit
seinem deliktischen Handeln in erster Linie die Kosten seines Lebensunterhaltes
zu bestreiten. Das noch leichte Tatverschulden muss mit einer Sanktion im un-
teren Drittel des zur Verfügung stehenden Strafrahmens, mithin mit rund
10 Monaten Freiheitsstrafe, geahndet werden. Insofern erfährt die vorinstanzliche
Strafzumessung eine Korrektur.
6.3.11.2. Des Weiteren spricht die Vorinstanz in ihren Erwägungen zwar davon,
dass sie die Sanktionen für die Nebendelikte in Anwendung des Asperations-
prinzips zur Sanktion für den Hauptdeliktskomplex geschlagen habe. Tatsächlich
aber wurden die Sanktionen für die Nebendelikte mit der Einsatzstrafe für den
Hauptdeliktkomplex addiert. Eine solche Addition ist indes nach dem Willen des
Gesetzgebers und der ständigen Praxis des Bundesgerichts unzulässig.
6.3.11.3. Nach dem Gesagten ist die Einsatzstrafe für den Hauptdeliktskomplex
(HD) von 18 Monaten Freiheitsstrafe aufgrund der zahlreichen Nebendelikte und
in Anwendung des Asperationsprinzips auf 48 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
- 27 -
6.4. Täterkomponente
6.4.1. Die Vorinstanz hat die Biographie des Beschuldigten korrekt zusammenge-
fasst und wiedergegeben, darauf kann vorab verwiesen werden (Urk. 80 S. 22 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte zu seinen per-
sönlichen Verhältnissen befragt, er sei am tt.mm.2015 Vater geworden. Er habe
sich mit seiner Partnerin und Mutter seines Sohnes verlobt und die ganze Familie
lebe zusammen. Seit Oktober 2015 seien sie nicht mehr fürsorgeabhängig. Bei
der Firma O._ arbeite er nicht mehr, zumal dort Lohnzahlungen offen geblie-
ben seien. Aktuell sei er zu Hause und betreue seinen Sohn. Dies werde weiter-
geführt, bis seine Partnerin die Lehre abgeschlossen haben werde. Er hoffe, da-
nach eine Lehre als Koch absolvieren zu können. Dafür sei er sich im Moment am
Bewerben, eine Zusage habe er noch keine erhalten (Urk. 118). Zum Familien-
budget ergänzte der Verteidiger, mit dem Lehrlingslohn der Partnerin Frau
E._, einer zusätzlichen Kinderrente für Frau E._ und den Kleinkinderbei-
trägen lebe die Familie fürsorgeunabhängig. Für Herrn B._ sei dies seit län-
gerer Zeit das erste Mal, dass er in geordneten Verhältnissen lebe und eine Per-
spektive habe (Urk. 120 S. 13).
6.4.2. Die Vorinstanz billigte dem Beschuldigten aufgrund seiner doch eher
schwierigen Jugend eine leichte Strafminderung zu. Dieser Ermessensentscheid
der Vorinstanz erscheint wohlwollend, ist aber im Berufungsverfahren zu über-
nehmen. Der Verteidiger macht für den Beschuldigten eine erhöhte Strafempfind-
lichkeit geltend (Urk. 120 S. 14). Allein die Tatsache, dass der Beschuldigte in
jüngster Zeit eine Familie gegründet hat, in geordneten Verhältnissen lebt und ei-
ne Zukunftsperspektive hat, vermögen eine erhöhte Strafempfindlichkeit indessen
nicht zu begründen. Dem Beschuldigten ist unter diesem Titel keine Strafmin-
derung zu gewähren.
6.4.3. Während der Beschuldigte im Zeitpunkt der vorinstanzlichen Urteilsfällung
zweifach im Schweizerischen Strafregister verzeichnet war, sind in der Zwischen-
zeit drei weitere Strafregistereinträge hinzu gekommen (Urk. 114). Am
24. November 2011 wurde der Beschuldigte durch die Jugendanwaltschaft
Winterthur wegen Raubes, Entwendung zum Gebrauch, Vergehen gegen das
- 28 -
Waffengesetz und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu
3 Monaten Freiheitsentzug verurteilt. Nur gerade 7 Monate später verurteilte die
Jugendanwaltschaft Winterthur den Beschuldigten erneut. Diesmal wegen einer
Drohung, welche der Beschuldigte nota bene nur knapp drei Wochen nach der
ersten Verurteilung beging. Im vergangenen Jahr wurde der Beschuldigte am
22. Januar 2015, am 4. Mai 2015 und am 7. Oktober 2015 jeweils wegen Miss-
achtung der Ein- oder Ausgrenzung, teilweise wegen mehrfacher Begehung, zu
30, 60 und 90 Tagessätzen Geldstrafe à Fr. 30.-- respektive Fr. 80.-- verurteilt
(Urk. 114). Wie bereits die Vorderrichter zutreffend erkannten, wirken sich die
Vorstrafen und insbesondere die einschlägige Vorstrafe vom 24. November 2011,
erheblich straferhöhend aus. Mit der Vorinstanz kommt hinzu, dass der Beschul-
digte wiederholt und zudem während laufender Strafuntersuchung, Probezeit und
kurz nach der Haftentlassung weiter delinquierte. Diese Umstände müssen sich
insgesamt erheblich straferhöhend auswirken. Die seit der erstinstanzlichen Ver-
handlung ergangenen Urteile hingegen wirken sich für den Beschuldigten indes
aus zwei Gründen nicht nachteilig auf das Strafmass aus. Einerseits sind sie nicht
einschlägig und können im Vergleich zu den vorliegend zur Debatte stehenden
Delikten mit Fug als von untergeordneter Natur bezeichnet werden. Andererseits
– und dies ist entscheidend – dürfen diese neuen Verurteilungen aufgrund des
Verschlechterungsverbotes grundsätzlich nicht zum Nachteil des Beschuldigten
Berücksichtigung finden. Zwar sieht Art. 391 Abs. 2 StPO vor, dass dem Beru-
fungsgericht eine strengere Bestrafung des Beschuldigten vorbehalten bleibt,
wenn aufgrund von Tatsachen, die dem erstinstanzlichen Gericht nicht bekannt
sein konnten, eine solche angezeigt erscheint. Allerdings sollen jedoch nur solche
neuen Tatsachen relevant sein, welche zu einer wesentlich strengeren Bestrafung
im fraglichen Punkt führen (Ziegler M., Keller St., in: Basler Kommentar, StPO,
2. Auflage, 2014, Art. 391 N. 5). Wie bereits dargetan werfen die neuesten Ver-
urteilungen des Beschuldigten zwar ein schlechtes Licht auf ihn. Sie sind jedoch
nicht von solcher Tragweite, dass bei deren Berücksichtigung eine wesentlich
strengere Bestrafung ins Auge gefasst werden müsste. Insofern müssen sich die
neuen Verurteilungen auf die vorliegende Strafzumessung neutral auswirken.
- 29 -
6.4.4. Der Beschuldigte hat sich während der Strafuntersuchung und auch im ge-
richtlichen Verfahren in objektiver Hinsicht vollumfänglich geständig gezeigt und
durch sein weitestgehend kooperatives Verhalten die Strafuntersuchung merklich
erleichtert und auch gefördert. So hat er beispielsweise bezüglich der ihm vor-
geworfenen Betäubungsmitteldelikte Drogenverkäufe eingestanden, welche ihm
ohne sein Dazutun mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht hätten nachgewiesen
werden können. Darüber hinaus hat der Beschuldigte insofern Einsicht und Reue
gezeigt, als er sich einerseits gegenüber dem Privatkläger L._ im Rahmen
der Konfrontationseinvernahme vom 14. Mai 2013 sowohl persönlich mittels
Handschlag, als auch schriftlich für sein Verhalten entschuldigt hat (HD 7/5 S. 3
und 5). Andererseits hat er auch anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung Reue gezeigt (Prot. I. S. 82 und 135). Das umfangreiche und in gewissem
Masse auch prozessentscheidende Geständnis des Beschuldigten sowie sein üb-
riges Nachtatverhalten müssen sich im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung erheblich strafmindernd auswirken (BGE 121 IV 202 E 2d/cc).
6.5. Zusammenfassend ergibt sich folgendes: Die für den Hauptdeliktskomplex
(Freiheitsberaubung, versuchte räuberischen Erpressung, Diebstahl, Hausfrie-
densbruch sowie mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz) fest-
gesetzte Einsatzstrafe von 18 Monaten Freiheitsstrafe ist um die für die Neben-
delikte ermittelten Sanktionen zu erhöhen. In Abweichung zu den vorinstanzlichen
Erwägungen ist die Einsatzstrafe somit um 30 Monate zu erhöhen. Dies aus drei
Gründen. Die Vorinstanz hat für die Widerhandlungen gegen das Betäubungs-
mittelgesetz eine deutlich zu hohe Sanktion festgesetzt und zudem ist der Be-
täubungsmittelkonsum lediglich mit Busse zu bestrafen. Des weiteren sind die
verschiedenen Sanktionen für die Nebendelikte nicht zu kumulieren, sondern die
Einsatzstrafe für das Hauptdelikt ist in Anwendung des Asperationsprinzips an-
gemessen zu erhöhen. Schliesslich ist unter dem Titel der Täterkomponente
nachfolgendes von Bedeutung. Wie bereits dargetan billigte die Vorinstanz dem
Beschuldigten aufgrund dessen eher schwieriger Jugend eine leichte Strafminde-
rung zu, was zwar milde erscheint, jedoch zu übernehmen ist. Weiter sind die
Vorstrafen, namentlich die einschlägige Vorstrafe aus dem Jahre 2011 sowie die
Delinquenz während laufender Strafuntersuchung, Probezeit und kurz nach der
- 30 -
Haftentlassung erheblich straferhöhend zu berücksichtigen. Diese erhebliche
Straferhöhung wird indes sogleich infolge der dem Beschuldigten unter dem Titel
Nachtatverhalten zuzugestehenden ebenfalls erheblichen Strafminderung kom-
pensiert. Im Ergebnis erweist sich damit eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten als
dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
B._ angemessen. Die von der Vorinstanz ausgesprochene Freiheitsstrafe
von 48 Monaten ist damit um sechs Monate zu reduzieren. Weiter offenbart die-
ses Ergebnis, dass die von der Staatsanwaltschaft vor Vorinstanz beantragte
Freiheitsstrafe von 36 Monaten klar zu tief ist.
6.5.1. Für die Verurteilung des Beschuldigten wegen des mehrfachen Fahrens
ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 SVG ist zwingend eine
Geldstrafe auszufällen. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang eine Geld-
strafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.-- festgesetzt (Urk. 80 S. 36). Die Ver-
teidigung beantragt demgegenüber die Bestrafung des Beschuldigten mit einer
Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 10.--. Die von der Vorinstanz ausgefällte
Geldstrafe von 180 Tagessätzen erweist sich als tat- und täterangemessen. In-
dessen ist der Tagessatz aufgrund der aktuell bescheidenen finanziellen Ver-
hältnisse des Beschuldigten auf Fr. 20.-- zu reduzieren.
6.5.2. Schliesslich wurde der Beschuldigte der mehrfachen Übertretung des Be-
täubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a BetmG (Betäubungsmittelkonsum
und Erwerb von Betäubungsmitteln zum Konsum), des geringfügigen Betruges im
Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter StGB und der Wi-
derhandlung gegen Art. 96 VRV in Verbindung von Art. 3a Abs. 1 VRV (Nicht-
tragen von Sicherheitsgurten) schuldig gesprochen. Für diese Delikte ist er zwin-
gend mit einer Busse zu bestrafen. Die Vorinstanz erwog hierzu, in Würdigung
der materiellen Erwägungen und aller für die Strafzumessung massgeblichen
Umstände sowie unter Berücksichtigung der finanziellen Verhältnisse des Be-
schuldigten erscheine eine Bestrafung mit einer Busse von Fr. 600.– ange-
messen. Die Strafzumessung der Vorinstanz ist auch in diesem Punkt nicht zu
beanstanden. Bei der Festlegung der Busse kommt ihr ein relativ umfangreiches
Ermessen zu und es besteht keinerlei Veranlassung, diesbezüglich in das richter-
- 31 -
liche Ermessen der Vorderrichter einzugreifen. Dies umso weniger, als sich auch
die Verteidigung nicht gegen diese Bussenhöhe stellt (vgl. Urk. 120). Mit Verweis
auf die betreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid ist auch die durch
die Vorinstanz ausgefällte Busse vollumfänglich zu bestätigen.
6.5.3. Der Anrechnung der 67-tägigen Untersuchungshaft an die Strafe steht
selbstredend nichts entgegen (Urk. 25; Art. 51 StGB).
7. Beschuldigter A._
7.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten A._ mit einer Freiheits-
strafe von 24 Monaten (Urk. 80 S. 63).
7.2. Die Verteidigung verlangt im Berufungsverfahren, der Beschuldigte sei mit
einer Freiheitsstrafe von 13 Monaten zu bestrafen (Urk. 82, Urk. 119). Zur Be-
gründung bringt sie zusammengefasst vor, die Vorinstanz sei mit der Bestrafung
des Beschuldigten weit über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinausgegangen.
Der Beschuldigte habe mit seiner komplizierten Persönlichkeitsstruktur beim Ge-
richt wohl einen falschen Eindruck hinterlassen, so dass er als Drahtzieher vermu-
tet worden sei. Es sei aber so, dass der Beschuldigte vielmehr von K._ als
leicht beeinflussbares und willenloses Werkzeug missbraucht worden sei. Die
Freiheitsberaubung, die Erpressung und der Diebstahl stellten keine Bagatell-
Delikte dar, da erheblich in die Privatsphäre von L._ eingewirkt und zudem
fremde Vermögenswerte angeeignet worden seien. Es sei zu berücksichtigen,
dass der Beschuldigte vorsätzlich gehandelt habe, wobei bei der Erpressung le-
diglich ein Versuch zur Diskussion stehe. Das Verschulden sei als nicht leicht ein-
zustufen. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten wies der Ver-
teidiger darauf hin, dass der Beschuldigte zur Zeit der Taten an einer psychischen
Störung gelitten habe. Der Auffassung des Gutachters, wonach dadurch die
Schuldfähigkeit nicht eingeschränkt gewesen sei, könne nicht beigepflichtet wer-
den. Die ADHS- und die Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten müssten als
strafmindernde Faktoren berücksichtigt werden. Ebenfalls sei die lange Ver-
fahrensdauer, welche der Beschuldigte nicht zu vertreten habe, strafmindernd zu
berücksichtigen. Weiter sei das Nachtatverhalten des Beschuldigten straf-
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mindernd, wenn nicht sogar strafmildernd, zu berücksichtigen, da er mit Hilfe des
Psychiaters die Tat aufarbeite und sie bereue (Urk. Urk. 119).
7.3. Wie bei den übrigen Beschuldigten, hat die Vorinstanz auch beim Beschul-
digten A._ die Tatbestände der Freiheitsberaubung, der versuchten räube-
rischen Erpressung, des Diebstahls, des Hausfriedenbruches sowie der mehr-
fachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz als einheitlichen Tatkomplex be-
trachtet und hierfür eine Sanktion ermittelt. Dieses Vorgehen blieb allseits un-
bestritten und erweist sich im vorliegenden Fall als opportun. Es kann über-
nommen werden (Urk. 80 S. 23). Als schwerste der vom Beschuldigten A._
verübten Delikte wird die räuberischen Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 3
StGB in Verbindung mit Art. 140 Ziff. 1 StGB mit Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren
oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen geahndet. Für eine Überschreitung
des ordentlichen Strafrahmens besteht gemäss ständiger Praxis des Bundesge-
richts im vorliegenden Fall keine Veranlassung (BGE 136 IV 63 E 5.8.). Demnach
ist die Sanktion im oben genannten Strafrahmen festzusetzen.
7.3.1. Die Vorinstanz hat vollständige Erwägungen zur objektiven und subjektiven
Tatschwere angestellt, wobei die Feststellung, der Beschuldigte habe den An-
stoss zur Aktion gegeben, zu relativieren ist. Aus den von der Vorinstanz auf-
geführten Aktenstellen geht einzig hervor, dass der Beschuldigte A._ dem
Beschuldigten K._ (separates Verfahren) über Geldausstände von L._
berichtete (vgl. Urk. HD 2/2 S. 3, Urk. 2/3 S. 2, Prot. I S. 47.) Dass A._ die
Aktion konkret förderte und als Hauptakteur handelte, lässt sich den Akten indes-
sen nicht entnehmen. Auch sein Verhalten während der Tat macht nicht den An-
schein, als hätte er die Gruppe angeführt. Zwar war er derjenige, der L._
zwecks Einschüchterung befahl, sein Grab zu schaufeln, indessen hielt er sich
von körperlichen Aggressionen gegen L._ fern. In Anbetracht der Tatbeiträge
der übrigen Beschuldigten erscheint damit die von der Vorinstanz vorgenommene
Einstufung des objektiven Tatverschuldens "erheblich" bezüglich dieses Tat-
komplexes als zu schwer. Es fällt denn auch auf, dass die Vorinstanz nach der
Bewertung des subjektiven Tatverschuldens, bei welchem sie dem Beschuldigten
nichts zugute hält und folglich das objektive Tatverschulden keine Relativierung
- 33 -
erfahren dürfte, zum Schluss gelangt, dass das Verschulden des Beschuldigten
A._ in Bezug auf die räuberische Erpressung und den damit zusammen-
hängenden Delikten als keineswegs leicht einzustufen sei, welche Bewertung,
gestützt auf die hier gemachten Ausführungen zum objektiven Tatverschulden
und die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zum subjektiven Tatverschul-
den, zu übernehmen ist (Urk. 80 S. 24). Damit hat es bei der von der Vorinstanz
angesetzten – hypothetischen Einsatzstrafe von 20 Monaten Freiheitsstrafe zu
bleiben, wobei der Umstand, dass es bezüglich der räuberischen Erpressung
– ohne Zutun des Beschuldigten – lediglich bei einem Versuch geblieben ist, be-
reits angemessen berücksichtigt wurde. Auch der Verteidiger bewertete das Ver-
schulden des Beschuldigten hinsichtlich dieses Deliktskomplexes als nicht leicht.
Soweit er dazu vorbringt, es sei dafür eine Freiheitsstrafe von 15 Monate fest-
zusetzen, so wäre dies klar zu tief, zumal der Strafrahmen von 180 Tagessätzen
Geldstrafe bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe reicht. Die Vorderrichter haben weiter
die Nebendelikte (Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Dieb-
stahl) einer Verschuldensbewertung unterzogen, welche im Ergebnis nicht zu be-
anstanden ist und die Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips um
insgesamt 4 Monate erhöht. Die entsprechenden Erwägungen sind nicht zu be-
anstanden und im Ergebnis jedenfalls angemessen. Auf sie kann in Anwendung
von Art. 82 Abs. 4 StPO verwiesen werden (Urk. 80 S. 25). Schliesslich ist de Vor-
instanz darin zuzustimmen, dass mit Verweis auf die beim Beschuldigten A._
durchgeführte, psychiatrische Begutachtung und der dabei festgestellten psychi-
schen Störung keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit im Tat-
zeitpunkt ausgemacht werden konnten (Urk. 17/9 S. 52).
7.3.2. Die Vorinstanz hat sich einlässlich zu den persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten geäussert und dessen Biografie korrekt zusammengefasst und
wiedergegeben. Auf diese Erwägungen kann vollumfänglich verwiesen werden
(Urk. 80 S. 25 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung aktualisierte der Beschul-
digte zu seinen persönlichen Verhältnissen befragt, er beziehe immer noch eine
IV-Rente. Nach Ablauf des Rentenanspruchs wolle er eine Lehre als Schreiner
absolvieren. Aktuell sei die Frage in Abklärung, ob und in welchem Umfang er ar-
beitsfähig sei. Eine Therapie besuche er aktuell nicht, wolle eine solche aber spä-
- 34 -
ter wieder aufnehmen. Er sei bereits so lange therapiert worden, dass er momen-
tan eine Pause nötig habe (Urk. 117). Mit der Vorinstanz ist zu konstatieren, dass
sich aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
keinerlei strafzumessungsrelevante Erkenntnisse gewinnen lassen. Sie wirken
sich daher strafzumessungsneutral aus.
7.3.3. Der Beschuldigte A._ ist, wie die Vorinstanz richtigerweise erkannte,
mehrfach vorbestraft. Die betreffenden Vorstrafen brauchen an dieser Stelle nicht
erneut aufgeführt zu werden. Es kann vollumfänglich auf die diesbezüglichen Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 80 S. 26 f.). Offenbar liess sich
der Beschuldigte weder durch diverse Verurteilungen, noch durch die laufenden
Probezeiten von neuerlicher Delinquenz abhalten. Im Gegenteil, es ist mit de Vor-
instanz eine bedauernswerte Unbelehrbarkeit auszumachen, welche sich zu-
sammen mit den Vorstrafen insgesamt als merklich straferhöhend auswirken
muss. Die vorinstanzlichen Erwägungen erweisen sich auch in diesem Punkt als
überzeugend und sind zu übernehmen.
7.3.4. Die Vorderrichter haben dem Beschuldigten unter dem Titel Nachtat-
verhalten eine Strafreduktion im Umfang von 6 Monaten zu gute gehalten. Zur
Begründung verwiesen sie auf das frühe und weitreichende Geständnis des Be-
schuldigten, welches insgesamt zu einer erheblichen Vereinfachung der Unter-
suchung beigetragen habe (Urk. 80 S. 27). Anzufügen ist, dass der Beschuldigte
heute seine Taten bereut, was ihm zugute zu halten ist. Mit dieser Ergänzung sind
die Erwägungen der Vorinstanz korrekt und vollständig. Sie können ohne weiteres
übernommen werden.
7.3.5. Die Verteidigung stellte sich auf den Standpunkt, die lange Verfahrens-
dauer sei zugunsten des Beschuldigten strafmindernd zu berücksichtigen
(Urk. 82 S. 4, Urk. 119 S. 4). Inwiefern vorliegend im Ablauf des Untersuchungs-
respektive im Gerichtsverfahren eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes zu
erblicken wäre, welche ein Strafminderung unter diesem Titel zulassen würde,
vermag die Verteidigung nicht substantiiert darzutun. Der dem Beschuldigten zur
Last gelegte Hauptdeliktskomplex hat sich Ende Februar 2013 zugetragen. Es
folgten umfangreiche Untersuchungen durch die Anklagebehörde, welche das
- 35 -
Verfahren schliesslich auf die vier Tatbeteiligten ausdehnte. Im Verlauf der Unter-
suchung wurden diverse Gutachten eingeholt. Nach etwas mehr als einem Jahr
erhob die Staatsanwaltschaft am 10. April 2014 Anklage (Urk. 31). Entgegen der
Auffassung der Verteidigung wurde die Strafuntersuchung unter Berücksichtigung
der gesamten Umstände durchaus beförderlich geführt, von einer Verletzung des
Beschleunigungsgebotes kann keine Rede sein. Ähnlich verhält es sich mit dem
gerichtlichen Verfahren. Nachdem die Anklageschrift am 16. April 2014 bei der
Vorinstanz einging und am 13. Oktober die Nachtragsanklage gegen den Mit-
beschuldigten B._ erfolgte, fand am 14. Januar 2015 die Hauptverhandlung
und am 15. Januar 2015 die Urteilseröffnung statt (Prot. I. S. 9 ff.). Schliesslich er-
folgte die rund 70-seitige, schriftliche Urteilsbegründung. Den Parteien wurde das
begründete Urteil Anfang Mai 2015 zugestellt (Urk. 72). Auch das gerichtliche
Verfahren kann nicht anders als speditiv bezeichnet werden. Dass es bei einem
derart umfangreichen Prozessstoff mit einer Vielzahl von Verfahrensbeteiligten
insbesondere auch im Bereich des Vorladungswesens durchaus zu Verzöge-
rungen kommen kann, liegt in der Natur der Sache. Von einer eigentlichen Verlet-
zung des Beschleunigungsgebotes kann daher nicht ansatzweise die Rede sein.
Der betreffende Einwand der Verteidigung erweist sich somit als unbehelflich.
7.3.6. Zusammenfassend zeigt sich, dass die von der Vorinstanz ausgefällte
Freiheitsstrafe von 24 Monaten entgegen der Auffassung der Verteidigung sehr
wohl tat- und täterangemessen ist. Sie ist wohl begründet und nachvollziehbar.
Die Einsatzstrafe für den Hauptdeliktskomplex von 20 Monaten Freiheitsstrafe
wurde unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips um je zwei Monate für die
Nebendelikte auf insgesamt 24 Monate Freiheitsstrafe erhöht. Unter dem Titel Tä-
terkomponente wurden die straferhöhenden Faktoren (wie Vorstrafe, Delinquenz
während der Probezeit) durch das Nachtatverhalten (Geständnis und Reue) auf-
gewogen, was letztlich zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten führt. Diese Sank-
tion ist nach dem Gesagten im Berufungsverfahren zu bestätigen.
7.3.7. Der Anrechnung der 15-tägigen Untersuchungshaft an die Strafe steht
selbstredend nichts entgegen (Urk. 2/4; Art. 51 StGB).
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IV. Massnahme / Vollzug
8. Beschuldigter A._
8.1. Die Vorinstanz hat in ihren Erwägungen zur Frage der Anordnung einer
Massnahme die gesetzlichen Grundlagen und die wesentlichen Erkenntnisse des
Gutachters korrekt aufgeführt und mit der Anordnung einer ambulanten Be-
handlung im Sinne von Art. 63 StGB (Behandlung psychischer Störungen) den
richtigen Schluss gezogen (Urk. 80 S. 48 ff.). In Übereinstimmung damit hält auch
die Verteidigung die Anordnung einer ambulanten Massnahme gestützt auf das
Gutachten von P._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, für not-
wendig (Urk. 119 S. 5). Ebenfalls anerkennt der Beschuldigte seine Massnahme-
bedürftigkeit und zeigt sich auch massnahmewillig (Urk. 117 S. 2) Indessen ist die
Verteidigung entgegen der vorinstanzlichen Anordnung der Ansicht, es lasse sich
ein Aufschub der Freiheitsstrafe zugunsten der Massnahme aus therapeutischen
Gründen rechtfertigen. Insbesondere sei ein Aufschub deshalb anzuordnen, weil
die Erfolgsaussicht der Behandlung durch den Vollzug der Freiheitsstrafe erheb-
lich beeinträchtigt würde. Eine sofortige Behandlung biete zudem gute Wieder-
eingliederungschancen, welche durch den Strafvollzug klar beeinträchtigt oder
herabgesetzt würden (Urk. 119 S. 5).
8.2. Der Vollzug einer Sanktion und die gleichzeitige ambulante Behandlung
bilden den Grundsatz, von welchem nur in Ausnahmefällen und bei spezifischer
Indikation abgewichen werden kann. Der Gutachter empfiehlt eine ambu-
lante Massnahme, welche strafbegleitend durchgeführt werden kann (Urk. 17/9
S. 51). Damit fehlt es an einer medizinisch indizierten Grundlage, welche den
Aufschub des Vollzuges rechtfertigen würde. Zu Recht hat die Vorinstanz daher
eine ambulante Massnahme gestützt auf Art. 63 StGB angeordnet, ohne dass der
Strafvollzug zugunsten der Massnahme aufgeschoben wurde. Auf die ent-
sprechenden Erwägungen der Vorinstanz ist zu verweisen. Entsprechend ist der
vorinstanzliche Entscheid im Berufungsverfahren zu bestätigen.
8.3. Der Verteidiger beantragt eventualiter, dem Beschuldigten sei für die Frei-
heitsstrafe von 24 Monaten der bedingte Strafvollzug zu gewähren, dies unter Er-
- 37 -
teilung der Weisung zur Durchführung einer ambulanten psychiatrischen Be-
handlung während der Probezeit von drei Jahren (Urk. 119 S. 6). Die Anordnung
einer Massnahme setzt gemäss Art. 56 Abs. 1 lit. a StGB die "Gefahr weiterer
Straftaten" voraus, womit von einer ungünstigen Prognose auszugehen ist
(vgl. BGE 135 IV 180 = Praxis 99 (2010) Nr. 44 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen). Demzufolge schliesst die Anordnung einer Massnahme aus, dass dem Beschul-
digten der bedingte Vollzug der Freiheitsstrafe gewährt wird.
9. Beschuldigter B._
9.1. Nachdem der Beschuldigte B._ mit einer Freiheitsstrafe von
42 Monaten zu bestrafen ist, steht bereits aus objektiven Gründen ein teil-
bedingter Strafvollzug nicht zur Diskussion (Art. 43 Abs.
9.2. Hinsichtlich des Vollzugs der Geldstrafe kann vorbehaltlos auf die vor-
instanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 80 S. 46).
V. Widerruf
10. Beschuldigter A._
Der Beschuldigte A._ beging die vorliegend zu beurteilenden Delikte wäh-
rend den laufenden Probezeiten. Abgesehen davon, dass sich in seiner neuerli-
chen Delinquenz offenkundig manifestiert, dass er aus den beiden bedingt aufge-
schobenen Strafen keine Lehren gezogen hat, kann ihm auch aufgrund seiner
gutachterlich festgestellten Massnahmebedürftigkeit keine günstige Prognose für
sein zukünftiges Verhalten gestellt werden. Der bedingte Vollzug bezüglich der
mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 21. September
2010 sowie die mit Strafverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaff-
hausen vom 29. Mai 2012 bedingt ausgefällten Geldstrafen (30 Tagessätze bzw.
60 Tagessätze) wurde daher durch die Vorinstanz im Ergebnis zurecht widerrufen
und die Strafen für vollziehbar erklärt. Der angefochtene Entscheid ist auch in
diesem Punkt vollumfänglich zu bestätigen.
- 38 -
VI. Kosten
11. Erstinstanzliches Verfahren
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage betreffend die Be-
schuldigten A._ und B._ vollumfänglich zu bestätigen (Urk. 80 S. 65;
Art. 426 Abs. 1 StPO).
12. Berufungsverfahren
12.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.-- zu ver-
anschlagen.
12.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenauflage nach Obsiegen und Un-
terliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte A._ unterliegt mit seiner
Berufung, welche sich auf die Sanktion und den Widerruf beschränkte, vollum-
fänglich. Der Beschuldigte B._ obsiegt mit seiner Berufung, welche sich ne-
ben der Sanktion auch auf Schuldpunkte bezog, einzig teilweise bezüglich der
Strafhöhe. Der Anteil seines Obsiegens entspricht einem Viertel. Es rechtfertigt
sich daher, die Kosten des Berufungsverfahrens dem Beschuldigten A._ zu
2/5 und dem Beschuldigten B._ zu 9/20 aufzuerlegen. Die verbleibenden
Kosten im Umfang von 3/20 sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Davon aus-
genommen sind die Kosten für die amtlichen Verteidigungen, welche einstweilen
auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. Dabei bleibt das Nachforderungsrecht
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO betreffend den Beschuldigten A._ für den vol-
len Umfang der Kosten seiner amtlichen Verteidigung vorbehalten, betreffend den
Beschuldigten B._ für 3/4 der Kosten seiner amtlichen Verteidigung.
12.2.1. Der Verteidiger des Beschuldigten A._, RA X._, reichte mit Da-
tum vom 4. Dezember 2015 die Honorarnote für seinen Aufwand im Berufungs-
verfahren ein (Urk. 115). Die geltend gemachten Aufwendungen von Fr. 3'121.40
sind ausgewiesen. Unter Hinzurechnung der zu erwartenden Aufwendungen für
die Nachbearbeitung ist der Verteidiger RA X._ mit Fr. 3'500.-- (inkl. MwSt.) –
einstweilen aus der Gerichtskasse – zu entschädigen.
- 39 -
12.2.2. Der Verteidiger des Beschuldigten B._, RA Y._, reichte im Beru-
fungsverfahren seine Honorarnote über einen Aufwand von 11.08 Stunden sowie
Auslagen von Fr. 88.80 ein, was unter Hinzurechnung der Mehrwertsteuer von
8% einer Forderung von Fr. 2'729.30.-- entspricht. Der Aufwand der Verteidigung
ist ausgewiesen und angemessen. Unter Hinzurechnung der Aufwendungen für
die Berufungsverhandlung und die Nachbearbeitung ist der Verteidiger RA
Y._ mit Fr. 4'000.-- (inkl. MwSt.) – einstweilen aus der Gerichtskasse – zu
entschädigen.