Decision ID: baea0cbe-6189-509d-81df-a9a1f95dc6a6
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1964 geborene, aus
Y._
stammende
X._
zog sich bei einem Autounfall am 6. August 2004 eine Halswirbelsäulen-Distorsion zu und leidet seither an Nackenschmerzen mit Ausbreitung in den Rücken,
Mig
rä
ne
attacken
, starkem Schwindel und Lichtempfindlichkeit (
Urk.
9/11/24 und
Urk.
9/36/7-9). Als sich der Unfall ereignete, versah sie drei Arbeitsstellen, in
dem sie wöchentlich 12 Stunden als Raumpflegerin bei der
Z._
(heute
A._
; Urk. 9/16), 15 Stunden als
Spetterin
im Bereich Büroreinigung bei der Immo
bi
li
en-Bewirtschaftung der Stadt
B._
(Urk. 9/14) und 34 Stunden als All
roun
derin bei der
C._
, der Autogarage ihres Ehemannes arbei
te
te (
Urk.
9/19).
Am 26. Juni 2005 (Urk. 9/5) meldete sich die Versicherte bei der
Sozialversiche
rungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an und ver
lang
te eine Berufsberatung, eine Umschulung, eine Wiedereinschulung und Ar
beits
vermittlung sowie eine Rente. Daraufhin klärte die IV-Stelle die erwerb
li
chen (Urk. 9/9, Urk. 9/14, Urk. 9/16, Urk. 9/19) und medizinischen (Urk. 9/17, Urk. 9/29) Verhältnisse der Versicherten ab und zog diverse Akten der Schwei
zerischen Unfallversicherungsanstalt (S
uva
; Urk. 9/11, Urk. 9/20, Urk. 9/25, Urk. 9/28) bei. Danach liess sie die Versicherte durch das
D._
begutachten
(Gutachten
vom
7. August 2007; Urk. 9/36). Mit Verfügung vom 10. Dezember 2007 (Urk. 9/52) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit der Begründung ab, dass kein
invaliditätsrele
vanter
Gesundheitsschaden bestehe.
1.2
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 25. Januar 2008 (Urk. 1 im Verfahren IV.2008.00101) Beschwerde und beantragte die Zusprechung einer Invalidenrente. Mit Urteil vom 30. Dezember 2008 hiess das
Sozialversiche
rungsgericht
des Kantons Zürich die Beschwerde in dem Sinne gut, dass es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit sie das Krankheitsbild und die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in den verschiedenen angestammten Tätigkeiten und allenfalls in einer
leidensange
passten
Tätigkeit abkläre und hernach über den Rentenanspruch neu entscheide (
Urk.
9/65).
In der Folge liess die IV-Stelle die Versicherte durch die Abklärungsstelle
E._
internistisch-allge
meinmedizinisch
, psychiatrisch und neurologisch begutachten
(Gutachten
vom
9. November 2009; Urk. 9/78). Mit Vorbescheid vom 26. Februar 2010 stellte sie der Versicherten eine von August 2005 bis Ende November 2007 befristete ganze Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
9/92). Dagegen liess die Versicherte Ein
wand erheben und gestützt auf das von ihr eingereichte Aktengutachten von Dr. med.
F._
eine erneute Begutachtung beantragen (
Urk.
9/100, 9/102 und 9/103). Mit Verfügung vom 14. Oktober
2010 entschied die IV-Stelle im ange
kündigten Sinn und sprach der Versicherten eine von August 2005 bis Ende November 2007 befristete ganze Invalidenrente zu (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Lorentz, mit Ein
gabe vom 15. November 2010 (Urk. 1) und unter Beilage eines
G._
ischen
Ge
richtsgutachtens
(welches im Zusammenhang mit dem Autounfall vom 6. August 2004 im
G._
ischen
Haftpflichtverfahren erstellt worden war;
Urk.
3/6) Beschwerde. In materieller Hinsicht liess sie die Zusprechung der ganzen Invalidenrente über den 30. November 2007 hinaus, die Übernahme der Kosten von
Fr.
300.-- zuzüglich Verzugszins für die medizinische Abklärung bei Dr.
F._
, eventualiter die Anordnung eines gerichtlichen Gutachtens und
sube
ventualiter
die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zwecks Vornahme von weiteren Sachverhaltsabklärung
en
beantragen (
Urk.
1 S. 2). In der
Beschwerde
antwort
vom 27. Januar 2011 (Urk. 8) schloss die IV-Stelle auf Ab
weisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom 31. Januar 2011 (
Urk.
10) wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Mit Eingabe vom 1. März 2011 teilte die Be
schwerdeführerin mit, dass sie auf die Einreichung einer Replik verzichte (
Urk.
12), was der Beschwerdegegnerin am 2. März 2011 mitgeteilt wurde (
Urk.
13).
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2012 (
Urk.
14) zog das Gericht die Akten des
hängigen
Prozesses Nr. UV.2012.00033 in Sachen der Versicherten gegen die Suva bei und stellte den Parteien verschiedene Aktenstücke zur Stellungnahme zu (
Urk.
9/159,
Urk.
9/160.1-2,
Urk.
9/161.1-2,
Urk.
9/174.5,
Urk.
9/177,
Urk.
9/179.1-2 und
Urk.
19/5 aus dem Verfahren UV.2012.00033). Die Stellung
nahme der Beschwerdeführerin vom 14. Dezember 2012 (
Urk.
15) und der von der IV-Stelle erklärte Verzicht auf eine Stellungnahme vom 2
2.
Januar 2013 wurden der jeweiligen Gegenpartei am 1
1.
April 2013 zugestellt (
Urk.
19).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
3.
Mit heutigem Datum ergeht auch das Urteil im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren
UV.2012.00033.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am
1.
Januar 2008 und am
1.
Januar 2012 sind die im Zuge der Revisionen 5 und 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG), der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) und des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Kraft getreten.
In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Weil es sich vorliegend um einen Sachverhalt handelt, welcher mit dem Autounfall am
6.
August 2004 seinen Anfang genommen und mindestens bis November 2007 angedauert hat, und der bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung am 1
4.
Oktober 2010, welcher rechtsprechungsgemäss die Grenze der richterlichen Überprüfung bildet (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b), strittig ist, gelangen für die Zeit bis Ende 2007 die damals gültig gewesenen und ab dem
1.
Januar 2008 die mit der
5.
IV-Revision geänderten Bestimmun
gen zur Anwendung. Die seit dem
1.
Januar 2012 aufgrund der Revision 6a neu in Kraft
getretenen
Änderungen finden indes noch keine Anwendung.
Da die
5.
IV-Revision hinsichtlich Invaliditätsbemessung keine substanziellen Änderungen gegenüber der bis 3
1.
Dezember 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat, so dass die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E. 2), werden die massgeblichen Gesetzesbestimmungen – soweit nichts anderes vermerkt ist – im Folgenden in der bis Ende 2007 gültig gewesenen Fassung zitiert.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7 ATSG).
1.3
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem
Invaliditäts
grad
von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem
In
validitätsgrad
von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente.
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a IVV fest
zusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Ren
tenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der
Rentenzuspre
chung
oder des Rentenbeginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung bzw. Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273
E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird
be
schwerdeweise
einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 f. E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit
diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle stellte sich auf den Standpunkt, die medizin
ischen Abklärungen (insbesondere
das
E._
-Gutachten vom
9.
November 2009) hätten ergeben, dass die Versicherte ab dem
6.
August 2004 sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit als Raumpflegerin als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsun
fähig gewesen sei. Seit August 2007 habe sich ihr Gesundheitszustand jedoch derart verbessert, dass ihr aus ärztlicher Sicht ihre angestammte Tätigkeit zu 80
%
und eine angepasste, leichte Tätigkeit zu 100
%
zumutbar seien. Entspre
chend habe die Beschwerdeführerin nach Ablauf des Wartejahres von August 2005 bis Ende November 2007 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Dagegen wird seitens der Beschwerdeführerin geltend gemacht, dass entspre
chend der Beurteilung von
Dr.
F._
nicht auf das
E._
-Gutachten abgestellt werden könne, da keine
neurootologische
Untersuchung durchgeführt worden sei und das Gutachten auch aus anderen Gründen nicht als schlüssig angesehen werden könne. Mangels Revisionsgrund sei die Einstellung der bis Ende No
vember 2007 unbestrittenermassen auszurichtenden ganzen Invalidenrente zu Unrecht erfolgt, zumal neben
Dr.
F._
auch die praktisch zeitgleich erfolgte gerichtliche Begutachtung durch
Dr.
H._
, welche im Rahmen des
G._
ischen
Haftpflichtverfahrens angeordnet worden
sei
, eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf (
Incapacidad
permanente total) ergeben habe (
Urk.
1 S. 4 und 6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, ob und allenfalls wie sich der Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin seit dem Autounfall am
6.
August 2004
invali
denversicherungsrechtlich
relevant verändert beziehungsweise verbessert hat
und wie sich allfällige gesundheitliche Beeinträchtigungen auf ihre Arbeitsfä
higkeit ausgewirkt haben.
3.
3.1
Mit Gerichtsurteil vom 3
0.
Dezember 2008 (IV.2008.00101;
Urk.
9/65) wies das hiesige Gericht die
Sache
an die Beschwerdegegnerin zu ergänzenden Abklä
rungen zurück. Die IV-Stelle veranlasste in der Folge eine polydisziplinäre (psy
chiatrische, internistisch-allgemeinmedizinische und neurologische) Abklärung durch das
E._
(Gutachten
vom
9. November 2009; Urk. 9/78).
3.2
3.2.1
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führte die psychiatrische Abklärung am 1
9.
Oktober 2009 in
J._
ischer
Sprache durch und beschrieb, dass die altersentsprechend aussehende, leicht adipöse Be
schwerdeführerin freundlich und kooperativ gewesen sei und einen gepflegten Eindruck gemacht habe. Die Stimmung sei herabgesetzt und leicht depressiv. Die Mimik und
die
Gestik seien lebhaft; der affektive Kontakt zum Gutachter sei gut, die affektive Modulationsfähigkeit sei
leichtgradig
eingeschränkt. Die Be
schwerdeführerin sei bewusstseinsklar und allseits orientiert und auch die Er
gebnisse der übrigen klinischen Untersuchungen seien unauffällig beziehungs
weise
es seien keine
Anzeichen für Störungen vorhanden. Das Denken sei for
mal ebenfalls unauffällig, inhaltlich stünden eher depressive Gedanken im Vor
dergrund (
Urk.
9/78/13). Psychiatrische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit führte Dr.
I._
keine auf und attestierte ohne Einfluss auf die Ar
beitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54;
Urk.
9/78/13f.).
3.2.2
Dr.
med.
K._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, erhob am 19. Oktober 2009 den internistisch-allgemeinmedizinischen Status (persönliche Anamnese, Sozial- und Arbeitsanamnese sowie medizinische Anamnese;
Urk.
9/78/9 ff.) und veranlasste ergänzende Laborabklärungen (Blutbild und Serumspiegel für verschiedene Medikamente;
Urk.
9/78/11).
Dr.
K._
hielt fest, dass sich die Beschwerdeführerin in unauffälligem Allgemeinzustand be
finde, leicht adipös sei, die klinische
n
Untersuchungen (Herz, Lunge, Abdomen, Pulsstatus und Integument) normal beziehungsweise unauffällig seien und die Gelenke aktiv und passiv frei und indolent beweglich seien. Bezüglich Wirbel
säule und Nervensystem verwies er auf das neurologische Teilgutachten (
Urk.
9/78/11).
3.2.3
Die neurologische Untersuchung führte
Dr.
med.
L._
, Facharzt FMH für Neu
rologie, unter
Beizug
einer
G._
isch
-Dolmetscherin durch. Er erhob die neurologische Anamnese und den neurologischen Status und stellte im Rahmen der klinischen Untersuchung bei guter Kooperation keine neuropsychologischen Defizite und keine Anhaltspunkte für Aggravation fest (
Urk.
9/78/16). Dr.
L._
führte aus, dass die HWS-Rotation aktiv nur endständig einge
schränkt und passiv frei möglich sei.
Palpatorisch
finde sich kein relevanter Hartspann der paravertebralen Muskulatur; vermehrt tonisiert seien die
Trapezii
beidseits und es liege ein Schulterhochstand auf der rechten Seite vor.
Neurora
diologisch
hätten laut Akten keine pathologischen Veränderungen nachgewie
sen werden können, weder posttraumatische noch degenerative (MRI HWS vom 11.11.2004 respektive DT HWS vom 12.4.2005). Wenn ein
Zervikalsyndrom
kli
nisch als Vorliegen von Beschwerden und Befunden definiert werde, könne ein solches bei der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Begutachtung nicht (mehr) nachgewiesen werden. Deskriptiv liege ein zervikales Schmerzsyndrom vor. Die Befunde im Bereich der Schulter entsprächen einer muskulären
Dysba
lance
. Die intervallartig auftretenden starken Kopfschmerzen, seitenalternierend halbseitig lokalisiert, begleitet von vegetativen Zeichen sowie einer ausgepräg
ten Überempfindlichkeit auf äussere Reize erfüllten die IHS-Kriterien (IHS- = Internation
Headache
Society) für eine Migräne. Es bleibe offen, ob die Atta
cken zum Teil von einer Aura begleitet seien. Bei Fehlen eines pathologischen Befundes im Bereich des Nackens könnten die Kopfschmerzen nicht als
zerviko
gen
interpretiert werden, auch wenn eine Nackenproblematik als
Triggerfaktor
für Migräne Attacken in Frage komme. Weder anamnestisch noch klinisch ergäben sich Anhaltspunkte für eine
s
ekundäre Kopfwehform (
Urk.
9/78/18).
Weiter führte
Dr.
L._
aus, dass sich für
den von der Beschwerdeführerin g
eklagten „Schwindel“ im Intervall kein Korrelat f
i
nde. Es ergäben sich keine Anhaltspunkte für eine zentrale oder peripher-
vestibuläre
Funktionsstörung. Aktenmässig sei eine peripher-
vestibuläre
Störung zentral ungenügend kom
pensiert dokumentiert, zum Teil auch ein benigner paroxysmaler
L
agerungs
schwindel
; für Letzteren
ergäben die aktuell durchgeführten
Provokationsma
növer
keine Anhaltspunkte. Das aktuelle klinische Bild mit laut Angabe Anhal
ten eines Drehschwindels von bis zu einer Stunde bei unauffälligen klinischen Befunden spreche für eine – zumindest im Zeitpunkt der Begutachtung – funk
tionelle Problematik. Auf der Grundlage eines
initial
offenbar vorhandenen or
ganischen Korrelats habe sich sekundär eine solche entwickelt, klar seien auch phobische Züge mit Vermeidungsverhalten abgrenzbar. Deskriptiv liege ein so
genannter „phobischer
Attackenschwindel
“
vor.
Dr.
L._
gab an, dass dieser
Diagnose – wie offenbar auch bei der Beschwerdeführerin – häufig ein organi
sches Schwindelereignis vorangehe (
Urk.
9/78/18).
3.2.4
Im Rahmen der polydisziplinären Gesamtbeurteilung stellten die Gutachter fol
gende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit: Ein
z
ervikales Schmerzsyndrom (ICD10 R52.2) mit/bei einer muskulären
Dysbalance
im Schultergürtelbereich (ICD-10 M53.8) und einem Status nach Autounfall (
Seit
kollision
) mit HWS-Distorsionstrauma am 6.8.2004 (ICD-10 S13.6).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beschrieben die Gutachter eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0), eine Schmerzverarbeitungs-
stö
rung
(ICD-10 F54), eine Migräne ohne Aura (ICD-10 G43.0) sowie Klagen über „Schwindel“ ohne organisches Korrelat (ICD-10 R42) mit
/
bei aktuell funk
tio
nellen Beschwerden im Sinne eines phobischen Schwindels bei
initial
organi
schem Korrelat (leichte peripher-
vestibuläre
Funktionsstörung links laut An
gabe;
Urk.
9/78/20).
Zusammenfassend attestierten die Gutachter der Beschwerdeführerin aus soma
tisch-neurologischer Sicht eine Einschränkung bezüglich verstärkter
Nackenbe
lastung
, indem körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr geeignet seien, ebenso Tätigkeiten mit Lasten heben und tragen über 10 kg, die Einnahme von Zwangshaltungen über 10 Minuten sowie Tätigkeiten über der Horizontalen mit dabei verbundener Kopfinklination. Daraus resultiere in der angestammten durchschnittlichen Reinigungstätigkeit eine Einschränkung von 20
%
, bezogen auf ein volles Pensum. Tätigkeiten in grosser Lärmumgebung sollten aufgrund der Kopfbeschwerden vermieden werden. Obwohl der Schwindel nicht objekti
vierbar sei, sollten Tätigkeiten mit grosser Sturzgefahr vermieden werden. An
sonsten seien aus neurologischer Sicht körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeiten zumutbar.
Weiter hielten die Gutachter fest, dass aus internistischer und anderweitiger somatischer Sicht keine Befunde und Diagnosen bestünden, die sich auf die Ar
beitsfähigkeit auswirkten. Aus psychiatrischer Sicht könne eine leichte depres
sive Episode festgestellt werden, zusammen mit einer
Schmerzverarbeitungs
störung
. Beide Diagnosen hätten jedoch keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Insgesamt attestierten die Gutachter der Beschwerdeführerin für körperl
ich leichte bis intermittierend
mittelschwere adaptierte Tätigkeiten eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Als Raumpflegerin mit durchschnittlichem Anforderungsprofil bestehe eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit. Den Beginn der Arbeitsunfähigkeit erachteten die Gutachter ab dem Zeitpunkt des Unfallereignisses am
6.
August 2004 als nachvollziehbar und gingen davon aus, dass sich die Symptomatik kontinuierlich zurückgebildet habe und
dass die Si
tuation
Mitte 2007, zum Zeitpunkt des Gutachtens im
D._
,
weitgehend remit
tiert
gewesen
sei und keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr
vorgelegen habe
.
3.3
Die IV-Stelle legte das
E._
-Gutachten ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Prüfung vor und PD
Dr.
med. univ.
M._
, Facharzt FMH für Neurolo
gie, kam am 2
3.
November 2009 zum Schluss, dass die IV-Stelle auf das
E._
-Gutachten abstellen und von der dort beschriebenen Arbeitsfähigkeit ausgehen könne (
Urk.
9/90/3). Mit Vorbescheid vom 26. Februar 2010 stellte die IV-Stelle die von August 2005 bis November 2007 befristete Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente in Aussicht (
Urk.
9/92).
3.4
In der Folge liess die Beschwerdeführerin im
Einwandverfahren
das Akten
-
gutach
ten
von
Dr.
med.
F._
, Spezialarzt FMH für Neurologie, einrei
chen (
Urk.
9/103). In seinem Bericht vom 1
8.
März 2010 (
Urk.
9/102 =
Urk.
3/3) nahm
Dr.
F._
zum
E._
-Gutachten Stellung und bemängelte insbesondere, dass im
E._
-Gutachten die Untersuchungsresultate von
Dr.
N._
, Neurootologe der Suva
O._
, nicht gewürdigt beziehungsweise wie ausgeblendet worden seien. Zudem sei einerseits die Halswirbelsäule nicht korrekt untersucht und an
dererseits seien die Schwindelbeschwerden verharmlost worden. Obwohl die Beschwerdeführerin auch in den Untersuchungen der Suva
O._
jeweils keine direkten klinischen Befunde gezeigt habe, jedoch bei den dort ebenfalls vorge
nommenen apparativen Untersuchungen mittels Video-
Nystagmographie
kon
sistent pathologische Befunde aufgewiesen habe, habe man beim
E._
aus
schliesslich eine klinische Untersuchung durchgeführt. Es dränge sich daher eine erneute Begutachtung auf, welche eine differenzierte
otoneurologische
Ab
klärung (zum Beispiel im
S._
) sowie ein eingehendes neurologisches Gutachten beinhalten müsse (
Urk.
9/103/2f.)
3.5
Sowohl
Dr.
med.
L._
, Facharzt FMH für Neurologie, welcher im Rahmen des
E._
-Gutachtens die neurologische Abklärung vorgenommen hatte, als auch
Dr.
F._
hielten in ihren weiteren Stellungnahmen vom 18. Mai 2010 (
Urk.
9/105) beziehungsweise vom
4.
Juni 2010 an ihren Einschätzungen fest (
Urk.
9/107). Nachdem PD
Dr.
M._
(RAD) daraufhin in seiner Beurteilung vom 16. Juni 2010
empfohlen hatte
, nach wie vor auf das
E._
-Gutachten abzustellen (
Urk.
9/110/2), hielt die IV-Stelle an ihrem Entscheid fest und verfügte am 14. Oktober 2010 die vom August 2005 bis November 2007 befristete ganze In
validenrente (
Urk.
2).
4.
4.1
Grund für die gerichtliche Rückweisung zu ergänzenden Abklärungen am 30. Dezember 2008 (IV.2008.00101;
Urk.
9/65) war, dass sich die bis zu jenem Zeitpunkt involvierten Ärzte (Dr.
P._
, Allgemeinmediziner und Hausarzt; Dr.
Q._
, Facharzt FMH für Neurologie; Dr.
N._
, Suva-Arzt und Facharzt für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie, Allergologie, klinische Immunologie und Arbeitsmedizin sowie die
D._
-Gutachter) uneinig waren bezüglich der Auswirkung des Beschwerdebildes auf die Arbeitsfähigkeit. Sowohl D
r.
Q._
als auch Dr.
P._
attestierten der Beschwerdeführerin in den angestammten Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 9/11/19,
Urk.
9/11/11 f., Urk. 9/29). Dr.
R._
, Facharzt FMH für Chirurgie, hielt die Ar
beitsunfähigkeit bei allen drei bisherigen Tätigkeiten zumindest bis zum Feb
ruar 2005 ebenfalls für gerechtfertigt (vgl. Urk. 9/11/25). Dr.
N._
erachtete die Beschwerdeführerin in seinem damals jüngsten Bericht vom 3. Dezember 2007 für stehende Tätig
keiten als ungeeignet, während er ihr für sitzende Tätigkeiten aus ORL
ärzt
licher Sicht eine volle – somit 100%ige - Arbeitsfähigkeit beschei
nigte (Urk. 9/58/13 f.). Keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in den bisheri
gen Tätigkeiten attestierten lediglich die
D._
-Gutachter, abgesehen von Tätig
keiten mit
rekli
niertem
Kopf, insbesondere Überkopfarbeiten (Urk. 9/36/23).
Mit Blick auf das umfangreiche Arbeitspensum der Beschwerdeführerin, das, abgesehen von der reinen Bürotätigkeit im Betrieb des Ehemannes
,
auch Tätig
keiten umfasste, die stehend zu verrichten
sind
, vermochte keine der von den involvierten Ärzten vorgenommenen Einschätzungen der Arbeitsfähigkeit das Gericht vollumfänglich zu überzeugen, da sie entweder zu pauschal bezie
hungsweise nicht differenziert genug waren, auf nicht umfassenden oder un
vollständigen Abklärungen beruhten oder nicht schlüssig waren. Das Ausmass der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit konnte das Gericht aufgrund der Akten
lage nicht ermitteln.
Das Gericht kam im Urteil vom 3
0.
Dezember 2008 hingegen zum Schluss, dass sich die medizinischen Experten zumindest darin einig
seien
, dass vordergrün
dig eine peripher-
vestibuläre
Funktionsstörung bestehe, welche den Schwindel verur
sache. Eine Divergenz hinsichtlich der Diagnosen
bestehe
hingegen darin, dass die Experten des
D._
der Beschwerdeführerin eine artifizielle Störung, mithin ein absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psy
chischen Symptomen oder Behinderungen unterstellten. Ob dieser aus
versi
cherungstechnischer
Sicht relevante, in den übrigen medizinischen Unterlagen jedoch nicht ausge
wiesene Befund
zutreffe, lasse
sich nach der
vorhandenen
Aktenlage nicht beantworten.
Das Gericht wies die IV-Stelle daher an
, die zur Klärung des Krankheitsbildes, insbe
sondere der Frage nach dem allfälligen Vorliegen einer Aggravation, und der daraus resultierenden zumutbaren Arbeitsfähigkeit erforder
lichen medizini
schen Untersuchungen anzuordnen und hernach eine Analyse der der Be
schwerdeführerin obliegenden Aufgaben ihrer verschiedenen angestammten Tä
tigkeiten vorzunehmen und den Invaliditätsgrad neu zu ermit
teln.
4.2
Zur Klärung der Fragen nach Hinweisen auf Aggravation und nach der Objekti
vierbarkeit der Schwindel- und HWS-Beschwerden beauftragte die IV-Stelle das
E._
mit einem polydisziplinären Gutachten. Die Gutachter beantworteten die gestellten Fragen aus polydisziplinärer Sicht mit Verweis auf die ausführliche Beurteilung im neurologischen Teilgutachten und hielten fest, dass der früher nachgewiesene Lagerungsschwindel nicht mehr nachweisbar sei, bei
Lageände
rungen
sei kein pathologischer Nystagmus mehr erkennbar. Es habe sich eine phobische Komponente mit ur
sprünglich organischem Korrelat
, welches nicht mehr nachweisbar sei
, entwickelt
. Die Schwindelbeschwerden seien nicht mehr objektivierbar; ein
Zervikalsyndrom
könne ebenfalls nicht festgestellt werden. Die angegebenen Beschwerden und deren Auswirkungen im Alltag und bei der Arbeit seien diskrepant zu den weitgehend fehlenden objektivierbaren Befun
den. Dies gelte sowohl für die Nacken-/ Schulterproblematik wie auch für den Schwindel. Auffallend sei auch der posttraumatische Verlauf mit Fehlen jegli
cher Besserung trotz zahlreicher therapeutischer Bemühungen, welche nicht dem natürlicherweise zu erwartenden entspreche. Es sei von einer relevanten Fehlverarbeitung auszugehen; Anhaltspunkte für eine Aggravation fehlten. Es könne eine Schmerzverarbeitungsstörung festgestellt werden mit damit verge
sellschafteter Selbstlimitierung und subjektiv
erhöhter Krankheits- und
Behin
derungsüberzeugung
(
Urk.
9/78/18-23).
Zusammenfassend kamen die Gutachter zum Schluss, dass sich die Symptoma
tik kontinuierlich zurückgebildet habe und Mitte 2007, zum Zeitpunkt des Gut
achtens im
D._
,
davon ausgegangen werden könne, dass die Situation weitge
hend remittiert sei und keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr
begründe. Die
Befunde bezüglich Lagerungsschwindel seien nicht mehr nachweisbar (
Urk.
9/78/23).
5.
5.1
In Bezug auf die festgestellten somatischen Diagnosen im Zusammenhang mit den HWS-Beschwerd
en beziehungsweise der Nacken-/
Schulterproblematik ist das
E._
-Gutachten grundsätzlich schlüssig und überzeugend. Hingegen kann
,
was die Schwindel-Beschwerden betrifft
,
nicht auf die Einschätzung der
E._
-
Gutachter abgestellt und davon ausgegangen werden, dass ein organisches Korrelat als Schwindel-Ursache ausgeschlossen werden kann (
Urk.
9/78/23).
Im unfallversicherungsrechtlichen
Einspracheverfahren
liess die Beschwerde
-
führe
rin
den Bericht des
S._
einreichen (
Urk.
9/174/5 aus UV.2012.00033). In seinem Bericht vom
8.
November 2010 (und damit nicht einmal einen Monat nach dem mass
gebenden Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 14. Oktober 2010;
Urk.
2) diagnostizierte
Dr.
med.
T._
eine periphere
Ves
tibulopathie
(ICD-10 H81.3), eine zentrale
Vestibulopathie
(ICD-10 H81.4) und einen Status nach HWS-Distorsionstrauma am
6.
August 200
4.
Dr.
T._
führte aus, dass in der von ihm vorgenommenen
otoneurologischen
Untersuchung die vormals be
schriebene Unterfunktion des peripheren
Vestibularapparates
links nicht mehr
habe
gefunden werden
können
und zum Zeitpunkt der Untersu
chung ein prompt und seitengleich erregbarer
Vestibularapparat
zu sehen ge
wesen sei. Im Übrigen persistierten aber die vormals beschriebenen auffälligen Befunde, ins
besondere der vergrösserte
Gain
bei
Rechtsnystagmen
in der
Opto
kinetik
sowie die
Linkspräponderanz
auf dem Pendelstuhl. Weiter hielt er fest, dass die rein vertikalen
Nystagmen
nach oben ohne
rotatorische
Komponente bei den Lage
rungen mit Kopfhängelage rechts und links nicht dem Bild des be
nignen paro
xysmalen Lagerungsschwindels entsprächen und nicht klar einer peripheren oder zentralen
Vestibulopathie
zuzuordnen sei
en
. Klassischerweise spreche der vertikale Nystagmus nach oben für eine zentrale
Vestibulopathie
. Unter Berücksichtigung der früheren Befunde könne aber auch eine
Otolithen
funkti
onsstörung
einen vertikalen Nystagmus auslösen. In dieses Bild würden auch die rudimentär ableitbaren,
vestibulär
evozierten
myogenen
Potenziale rechts passen. Die Untersuchung auf dem Balancemaster unterstütze die Diag
nose der persistierenden klinisch relevanten
Vestibulopathie
. Abschliessend hielt
Dr.
T._
fest, dass
,
auch wenn sich die periphere Erregbarkeit zentral kom
pensiert habe, eher nicht mit einer weiteren Verbesserung des Krankheitsbildes zu rechnen sei. Die Kompensationsmechanismen müssten nach dieser Latenz als persistierend unzureichend bezeichnet werden (
Urk.
9/174/5 aus UV.2012.00033).
Gestützt auf diesen spezialärztlichen Bericht ist
nicht auszuschliessen
, dass die Schwindelproblematik der Beschwerdeführerin
entgegen den Ausführungen im
E._
-Gutachten
nach wie vor auf einem (im Verlauf allenfalls verändert
en) or
ganischen Korrelat basiert
und möglicherweise invalidenversicherungsrechtlich relevante Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
hat
.
Aus dem Bericht von
Dr.
T._
geht zudem nicht hervor, wie stark die Beeinträchtigung ist, wie lange sie bereits besteht und ob die Beeinträchtigung einer Behandlung zu
gänglich ist.
Auch enthält der Bericht keine Angaben zur allfälligen Auswir
kung auf die Ar
beitsfähigkeit. Es sind daher weitere Abklärungen erforderlich.
5
.
2
Zusätzliche Abklärungen sind auch in Bezug auf die Dauer der festg
estellten Einschränkungen und das
Ausmass ihrer Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit im Verlauf seit dem Unfall am
6.
August 2004 vorzunehmen. Obwohl die
E._
-Gutachter zum Schluss kamen, dass sich die Symptomatik kontinuierlich zu
rückgebildet habe und Mitte 2007
weitgehend remittiert gewesen sei
,
attestier
ten sie fü
r den gesamten
Zeitraum
durchgehend eine 100%ige Arbeits
-
unfähigkeit. Diese Beurteilung ist in sich selbst widersprüchlich
.
Da
im Rahmen einer rück
wirkend zuzusprechenden befristeten oder abgestuften Invalidenrente
die Zeiten und der Umfang der Arbeitsunfähigkeit von Relevanz sind, sind auch hier
ent
sprechende ergänzende Abklärungen
nötig
.
5.3
Zusammenfassend
ist daher festzuhalten, dass mit der
otoneurologisch
gestell
ten Diagnose einer zentral-
vestibulären
Störung
möglicherweise
ein Befund vorhanden ist,
der die Schwindelerscheinungen somatisch erklärt, dass indes auch deren
Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit unklar sind
.
Die Sache ist daher an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie ergänzende Abklärungen in Bezug auf die Schwindelproblematik sowie in Bezug auf den Verlauf, die Dauer, die Intensität und die Wechselwirkung der festgestellten gesundheitlichen Be
einträchtigungen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vornimmt und hernach über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente ab dem Zeitpunkt des Unfalls am
6.
August 2004 neu befindet. Sinnvollerweise ist die entsprechende Abklärung durch ein von der IV-Stelle und der Suva ge
meinsam in Auftrag zu gebendes Gutachten vorzunehmen, wobei die Suva zu
sätzlich die Frage der Kausalität zu klären haben wird.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6
.
6
.1
Abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilli
gung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Gericht kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.--bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Kosten sind auf Fr.1‘000.--anzusetzen und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen,
wes
halb die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Pro
zess
ent
schä
digung
hat.
Die Prozessentschädigung wird vom Gericht fest
ge
setzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 34 Abs. 3 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
;
GSVGer
). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 3‘200.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Gemäss
höchstrichterlicher Rechtsprechung sind der obsiegenden Partei die not
wen
digen Kosten eines Privatgutachtens unter dem Titel der
Parteientschädi
gung
zu vergüten, wenn dieses im Hinblick auf die Interessenwahrung einer Partei im Prozess notwendig war (BGE 115 V 63). Die Beschwerdeführerin be
antragt die Rückerstattung der Kosten für das
Aktengut
achten
von
Dr.
F._
vom 1
8.
März 2010 (Urk.
9/102)
im Umfang von Fr. 300.-- durch die IV-Stelle (Urk. 1 S. 2).
Da die Rückweisung der Sache jedoch nicht auf d
em
Aktengutachten von
Dr.
F._
,
sondern
massgeblich
auf de
m
Bericht von
Dr.
T._
,
S._
, vom 8. November 2010 (
Urk.
9/174/5 aus UV.2012.00033)
basiert
, hat die IV-Stelle der Beschwerdeführe
rin diese Kosten nicht
zu
erstatten.