Decision ID: 764bb87f-7f36-5eb2-b56c-7c34248c632e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – sri-lankischer Staatsagehöriger tamilischer Ethnie
– verliess gemäss eigenen Angaben sein Heimatland unter Verwendung
eines eigenen Reisepasses legal am 5. April 2017 auf dem Luftweg und
gelangte über Thailand in die Türkei. Anschliessend reiste er mit der Bahn
nach Europa und gelangte am 10. April 2017 in die Schweiz, wo er glei-
chentags ein Asylgesuch einreichte.
B.
Am 3. Mai 2017 wurde die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt.
Dabei trug der Beschwerdeführer vor, er sei in B._, Distrikt Jaffna
(Nord-Provinz), geboren. Er habe die 7. bis 13. Schulklasse im (...) College
in C._ besucht; die 13. Klasse habe er abgebrochen. Er habe vor
seiner Ausreise zuletzt im Dorf D._, E._, Distrikt Jaffna, ge-
lebt.
Zu seinen familiären Verhältnissen trug er vor, er habe nach seiner Geburt
zusammen mit seinen Eltern, seinem Bruder und seiner Schwester im fa-
milieneigenen Haus in D._ gelebt. Er sei ledig. In der Zeitspanne
zwischen 2010 und 2017 habe er bei seiner Tante F._ in
G._, Distrikt Jaffna, gelebt, sei während dieser Zeit jedoch regel-
mässig zu seinen Eltern zurückgekehrt. Einige weitere Verwandte würden
in D._ und in der Stadt H._ leben.
Er habe im Jahr 2015 einen Reisepass erhalten, als er etwa in der zehnten
oder elften Schulklasse gewesen sei. Mit diesem Reisepass sei er aus Sri
Lanka ausgereist; dieser Pass sei ihm dann bei seiner Weiterreise in Bang-
kok (Thailand) abgenommen worden. Seine sri-lankische Identitätskarte
befinde sich bei seiner Schule in Sri Lanka.
Er habe Sri Lanka verlassen, weil er vom CID (Criminal Investigation De-
partment) gesucht worden sei. Er habe in der Schule, im Club I._,
(...) gespielt. Am tamilischen Neujahresfest Mitte Januar 2016 habe seine
Mannschaft ein Spiel gegen die Mannschaft von J._ bestritten.
Während des Spielverlaufs sei es zu einer zunächst sportlichen Streitigkeit
gekommen. Die Schiedsrichter hätten die Teams getrennt. In der Folge
habe ein Spieler der gegnerischen Mannschaft namens K._ den
E-2432/2020
Seite 3
Beschwerdeführer beschimpft und geschlagen, worauf sich der Beschwer-
deführer am nächsten Tag habe zur Wundpflege ins Spital (...) in
B._ begeben müssen. Nachdem er seinem Vater vom Vorfall be-
richtet habe, seien sie gemeinsam zur Polizeistation in L._ gegan-
gen und hätten dort eine Anzeige aufgegeben. Die Polizei habe zugesi-
chert, sich der Angelegenheit anzunehmen, der Täter sei jedoch ver-
schwunden. Während des erneuten tamilischen Nationaltages im Jahr
2017 habe der Beschwerdeführer bei einem Wettbewerb in M._ sei-
nen Peiniger gesehen. Dieser habe ihn – den Beschwerdeführer – ange-
sprochen und gefragt, weshalb er ihn bei der Polizei angezeigt habe. Zu-
dem habe er gedroht, die Tante des Beschwerdeführers, die bei der «Be-
wegung» in einer Einrichtung für Kinder im Vanni-Gebiet tätig gewesen sei,
bei der CID zu verraten. Wochen später seien zwei Personen nach
G._, zum Wohnsitz der Tante, gekommen. Seine Tante F._
und deren Sohn sowie der bei der Tante lebende Grossvater seien anwe-
send gewesen. F._ sei von den Vorsprechenden angehalten wor-
den, sich am nächsten Tag bei einem mutmasslichen Büro der Armee oder
Polizei in N._ zu melden. Sie sei dieser Aufforderung jedoch nicht
gefolgt, weil sie Angst gehabt habe. Am nächsten Tag seien dieselben zwei
Männer nachmittags wieder nach G._ gekommen, als die Tante
beim Einkaufen gewesen sei. Deren Sohn sowie der Beschwerdeführer
seien zu Hause gewesen. Die Männer hätten zunächst auf die Rückkehr
von F._ gewartet. Danach sei der Beschwerdeführer von den Män-
nern geschlagen worden, bis der Grossvater dazwischengekommen sei.
Als der Grossvater zugesichert habe, dass er seine Tochter – die Tante des
Beschwerdeführers – zur Vorsprache anhalten werde, seien die beiden
Männer wieder verschwunden. Am Folgetag sei F._ wiederum nicht
zur Vorsprache erschienen. Der Beschwerdeführer sei in der Folge bei ei-
nem (...)-Spiel im I._-Club von den beiden Männern aufgesucht
worden und geohrfeigt worden. Er sei nach dem Aufenthaltsort seiner Tante
F._ gefragt worden. Am Folgetag seien die Männer wieder beim
(...)-Spielen erschienen und hätten den Beschwerdeführer aufgefordert,
F._ ihnen zu übergeben. Diese habe sich zur fraglichen Zeit ab-
wechselnd bei ihren Geschwistern aufgehalten. Der Beschwerdeführer
habe seine Eltern über die Vorkommnisse informiert. Als er wieder in
G._ gewesen sei, hätten die Männer bei der Mutter des Beschwer-
deführers vorgesprochen und sie über den Beschwerdeführer und
F._ befragt. Weil sein Vater von früheren Arbeitsstellen eine Kon-
taktperson in Dubai gekannt habe, habe diese die Ausreise des Beschwer-
deführers organisieren können.
E-2432/2020
Seite 4
Ansonsten habe der Beschwerdeführer keine Probleme mit der Armee, Po-
lizei oder sonstigen Behörden seines Heimatlandes gehabt. Abgesehen
von Tempelbesuchen habe er sich auch nie politisch oder religiös betätigt
und habe ein ruhiges Leben geführt.
C.
Am 23. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer einlässlich zu den Asyl-
gründen angehört und trug Folgendes vor:
Er habe bis 2017 den A-Level in der Schule besucht. Anfangs 2016 habe
es bei einem (...)-Spiel in J._ Auseinandersetzungen zwischen den
beiden Mannschaften gegeben. Er sei im Rahmen dieser Auseinanderset-
zungen vom gegnerischen Spieler K._ mit einer Metallstange am
Fuss geschlagen worden. Am Folgetag habe der Beschwerdeführer diesen
Spieler bei der Polizeibehörde angezeigt. Bei einem (...)-Spiel ein Jahr spä-
ter, im Januar 2017, sei er von K._ nach den Gründen für seine
Polizeianzeige gefragt worden. K._ habe dann Rache geschworen
und dabei auf die Vergangenheit der Tante des Beschwerdeführers verwie-
sen. Er – der Beschwerdeführer – vermute, dass K._ sich bei der
Nachbarschaft und der Umgebung entsprechend über die Tante erkundigt
habe; K._ habe gewusst, dass das (...)-Team des Beschwerdefüh-
rers von G._ komme. Zu einem späteren Zeitpunkt sei der Be-
schwerdeführer von zwei Personen auf Motorrädern, mutmasslich Armee-
angehörige, aufgesucht und zu seinen Problemen mit K._ gefragt
worden. Einige Tage später seien wiederum zwei bewaffnete Personen bei
seiner Tante zu Hause erschienen und hätten diese zu ihrer Tätigkeit für
die Bewegung und zum Aufenthaltsort des Beschwerdeführers befragt. Als
der Beschwerdeführer nach Hause gekommen sei, habe ihn seine Tante
über das Vorgefallene unterrichtet. Seine Tante habe den Beschwerdefüh-
rer zum Vater geschickt, der anschliessend seine Ausreise aus Sri Lanka
organisiert habe. Er habe sich in Sri Lanka nicht danach erkundigt, was die
Polizei nach seiner dort deponierten Anzeige vorgenommen habe. Er habe
sich auch nach der Vorsprache der Bewaffneten bei der Tante nicht an die
Polizeibehörden gewandt. Nach seiner Ausreise sei der Beschwerdeführer
ein- oder zweimal bei den Eltern in Sri Lanka gesucht worden.
Im Verlauf der Anhörung wurde der Beschwerdeführer damit konfrontiert,
dass er den geltend gemachten Sachverhalt bei der BzP divergierend ge-
schildert habe. Hierauf gab der Beschwerdeführer zu Protokoll, die Anga-
ben bei der BzP seien alle korrekt. Er sei bereits eine Weile in der Schweiz
E-2432/2020
Seite 5
und habe mit vielen Leuten zu tun gehabt; er geniesse seine Freiheit und
habe vieles vergessen.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer drei Beweis-
mittel (einen beglaubigten Geburtsregisterauszug datiert vom 8. November
2019, eine Bestätigung des [...] College in E._ vom 6. November
2019 sowie ein Zertifikat des [...] Center vom 3. Mai 2015) zu den Akten.
D.
Im Verlaufe des erstinstanzlichen Verfahrens wurde die sri-lankische Iden-
titätskarte des Beschwerdeführers zu den Akten gereicht.
E.
Mit Verfügung vom 7. April 2020 – eröffnet am 8. April 2020 – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mangels Glaubhaftigkeit und
Asylrelevanz seiner Vorbringen ab, ordnete seine Wegweisung aus der
Schweiz an und verfügte den Wegweisungsvollzug.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die vom Beschwerde-
führer geltend gemachten Behelligungen im Nachgang zu Auseinanderset-
zungen mit einem gegnerischen (...)-Spieler seien widersprüchlich geschil-
dert worden. So habe er unterschiedliche Angaben dazu gemacht, wie oft
und aus welchen Gründen er behördlich aufgesucht worden sei sowie zu
den ihn aufsuchenden Personen. Es könne nicht geglaubt werden, dass
der Beschwerdeführer im Heimatland von den sri-lankischen Behörden ge-
sucht worden sei. Im Weiteren habe er inkonsistente Angaben zu seinen
Wohnorten zu Protokoll gegeben. Die von ihm eingereichten Beweismittel
würden seine Herkunft und Schulbildung belegen; an der Einschätzung der
Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen vermöchten diese nichts zu ändern.
Es sei auch nicht davon auszugehen, dass beim Beschwerdeführer Risi-
kofaktoren im Sinne des Referenzurteils des Bundesverwaltungsgerichts
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 vorliegen würden. Der Beschwerdeführer
habe keine Vorfluchtgründe glaubhaft gemacht. Vielmehr sei er bis April
2017 in Sri Lanka wohnhaft gewesen und habe somit nach Kriegsende
noch knapp acht Jahre lang im Heimatstaat gelebt. Aufgrund der Aktenlage
sei nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka in den
Fokus der heimatlichen Behörden geraten und in asylrelevanter Weise ver-
folgt werden solle. Auch die im November 2019 erfolgte Präsidentschafts-
wahl vermöge an diesen Feststellungen nichts zu ändern.
E-2432/2020
Seite 6
Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug unter Verweis auf das Bezie-
hungsnetz des Beschwerdeführers sowie dessen Schulbildung und Berufs-
erfahrung als zulässig, zumutbar und möglich zu bezeichnen.
F.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 8. Mai 2020 liess der Beschwer-
deführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und bean-
tragen, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben; es sei seine Flücht-
lingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl zu gewähren; eventualiter sei
die Vorinstanz anzuweisen, die vorläufige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Prozessführung unter
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses sowie die unentgeltli-
che Rechtsverbeiständung unter Beiordnung des mandatierten Rechtsver-
treters als amtlicher Rechtsbeistand beantragt.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die politische Lage in
Sri Lanka habe sich seit der Machtübernahme durch Präsident Gotabaya
Rajapaksa erheblich verschlechtert. Insbesondere Personen mit Ausland-
bezug wie die Botschaftsangestellte der Schweizerischen Vertretung in Co-
lombo seien von der verstärkten Repression und willkürlichen, politisch mo-
tivierten Verhaftungen betroffen. Die neue Regierung habe beim jüngst be-
gangenen Unabhängigkeitstag das Singen der Nationalhymne in der tami-
lischen Sprache verweigert respektive angekündigt, dass sich Sri Lanka
aus der UNO-Resolution zwecks Untersuchung der Kriegsverbrechen in
Sri Lanka zurückziehen werde, wozu auf mehrere Medienberichte und Stel-
lungnahmen verwiesen wurde. Es sei deshalb von einer äusserst unsiche-
ren und gewichtigen Gefährdungslage für Angehörige der tamilischen Min-
derheit auszugehen, insbesondere solche, welche sich durch Vorbeziehun-
gen zu den LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) respektive durch Aus-
reiseversuche und Asylgesuche im Ausland verdächtigt gemacht hätten.
Es seien zwischen den Angaben des Beschwerdeführers in der BzP vom
3. März 2017 und der am 23. Oktober 2019 erfolgten Anhörung tatsächlich
Unstimmigkeiten hinsichtlich der genauen Abfolge der behördlichen Besu-
chen erkennbar. Nachdem zwischen den beiden Befragungen eine Zeit-
spanne von fast zweieinhalb Jahren liege, gehe es jedoch nicht an, auf die
Unglaubhaftigkeit der Asylvorbringen zu schliessen. Diesbezüglich falle
auf, dass der Beschwerdeführer anlässlich der Anhörung bei seiner Erzähl-
struktur nicht chronologisch vorgegangen sei. Er habe zudem selbst ange-
geben, dass er sich nicht mehr an die exakte Abfolge der Ereignisse zu
E-2432/2020
Seite 7
erinnern vermöge und seit seiner Ankunft in der Schweiz mit der neu ge-
wonnenen Freiheit diese Erinnerungen ruhen lassen wolle. Es treffe auch
nicht zu, dass er unterschiedliche Angaben zu den Gründen für die Vor-
sprachen der Männer gemacht habe. Es sei kein Widerspruch, wenn er
vorgetragen habe, dass diese wegen seiner Tante, die früher für die LTTE
tätig gewesen sei, vorgesprochen hätten und gleichzeitig ausgesagt habe,
dass diese Vorsprachen wegen des Vorfalls mit K._ erfolgt seien.
Der Beschwerdeführer habe Erinnerungslücken eingestanden und sich
dazu geäussert, wenn er Vermutungen ausgesprochen habe. Er habe je-
doch das Kerngeschehen konsistent und detailliert dargelegt. Er habe auch
nicht inkonsistente Angaben zu seinen Wohnorten gemacht.
Der Beschwerdeführer sei im Zusammenhang mit seiner Tante, die wäh-
rend des Bürgerkrieges ein aktives LTTE-Mitglied gewesen sei, in den Fo-
kus der heimatlichen Behörden geraten. Er habe einen grossen Teil seiner
Jugend bei seiner Tante verbracht und in deren Haushalt gelebt. Es be-
stehe ein grosses Risiko, dass er aufgrund dieser verwandtschaftlichen
Nähe zur Tante direkt bei seiner Rückkehr verhaftet und gefoltert werde.
Zudem könne davon ausgegangen werden, dass sein Name auf der «Stop
List» der heimatlichen Behörden aufgeführt sei. Es liege deshalb eine asyl-
relevante Verfolgungssituation vor.
Es sei im Weiteren von einer illegal erfolgten Ausreise aus Sri Lanka aus-
zugehen. Wegen des Fehlens von Identitätsdokumenten in Verbindung mit
den weiteren Risikofaktoren, namentlich den familiären Verbindungen zu
den LTTE, bestehe ein grosses Risiko, dass er im Falle einer Rückkehr
nach Sri Lanka eine flüchtlingsrelevante Verfolgung zu gewärtigen habe.
Der Beschwerdeführer habe deshalb subjektive Nachfluchtgründe glaub-
haft dargelegt.
Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug unzulässig und – namentlich auf-
grund der aktuellen politischen Lage – unzumutbar.
Zur Stützung der Beschwerdevorbringen wurden ein Unterstützungsschrei-
ben des (...) Centre vom 4. Mai 2020, ein Bericht der Schweizerischen
Flüchtlingshilfe (SFH): «Sri Lanka: Aktuelle politische Situation, Überwa-
chung der Diaspora, Geldsammeln im Ausland für Kriegsopfer» vom 10.
April 2020, vier Bestätigungen der Stadt O._ betreffend den Besuch
eines Deutschkurses und diesbezüglichen Prüfungen sowie eine Kosten-
note der Rechtsvertretung vom 8. Mai 2020 eingereicht.
E-2432/2020
Seite 8
G.
Mit Zwischenverfügung vom 12. Juni 2020 hielt das Bundesverwaltungs-
gericht fest, der Beschwerdeführer könne den Ausgang des Asylverfahrens
in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde das Gesuch um Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive amtliche Verbeiständung abge-
wiesen, nachdem die Beschwerdevorbringen aufgrund der damaligen Ak-
tenlage als aussichtslos eingeschätzt wurden. Der Beschwerdeführer
wurde aufgefordert, einen Kostenvorschuss von Fr. 750.– zu leisten.
Dieser Kostenvorschuss wurde fristgerecht am 27. Juni 2020 geleistet.
H.
Mit Eingabe vom 29. Juni 2020 hielt der Beschwerdeführer fest, er sei be-
müht, mit Hilfe seiner Familie in Sri Lanka weitere Beweismittel aus Sri
Lanka zu beschaffen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG, Art. 6 AsylG).
1.3 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
E-2432/2020
Seite 9
1.5 Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterli-
cher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungs-
weise einer zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie
nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche.
1.6 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
1.7 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
2.
2.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des Le-
bens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen psy-
chischen Druck bewirken (Art. 3 AsylG).
2.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen (Art. 7 Abs. 1 AsylG). Glaubhaft gemacht
ist die Flüchtlingseigenschaft, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit für gegeben hält (Abs. 2). Unglaubhaft
sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig be-
gründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen
oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt
werden (Abs. 3).
Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit wird eine Gesamtbeurteilung aller
Elemente (Übereinstimmung bezüglich des wesentlichen Sachverhaltes,
Substanziiertheit und Plausibilität der Angaben, persönliche Glaubwürdig-
keit usw.), die für oder gegen die gesuchstellende Person sprechen, vor-
genommen. Glaubhaftmachen im Sinne des Art. 7 Abs. 2 AsylG bedeutet
‒ im Gegensatz zum strikten Beweis ‒ ein reduziertes Beweismass und
lässt durchaus Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen
der gesuchstellenden Person. Entscheidend ist, ob die Gründe, die für die
Richtigkeit der gesuchstellerischen Sachverhaltsdarstellung sprechen,
E-2432/2020
Seite 10
überwiegen oder nicht. Dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len. Eine wesentliche Voraussetzung für die Glaubhaftigkeit eines Verfol-
gungsschicksals ist eine die eigenen Erlebnisse betreffende, substanti-
ierte, im Wesentlichen widerspruchsfreie und konkrete Schilderung der
dargelegten Vorkommnisse. Unglaubhaft wird eine Schilderung von Erleb-
nissen insbesondere bei wechselnden, widersprüchlichen, gesteigerten
oder nachgeschobenen Vorbringen (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11
E. 5.1; 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
2.3 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – etwa durch ein illegales Verlassen
des Landes – eine Gefährdungssituation erst oder zusätzlich geschaffen
worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von
Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss
Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie miss-
bräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden
Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft
machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE
2009/28 E. 7.1).
3.
Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich und mit zutref-
fender Begründung dargelegt, weshalb die Asylvorbringen des Beschwer-
deführers den Anforderungen an die Glaubhaftmachung und an die Asyl-
relevanz nicht genügen.
3.1 Vorweg ist festzuhalten, dass das SEM in seiner Verfügung vom 7. April
2020 korrekt dargelegt hat, weshalb der Sachverhaltsvortrag des Be-
schwerdeführers, namentlich die geltend gemachten behördlichen Behelli-
gungen im Nachgang zu Streitigkeiten mit einem (...)-Spieler sowie eine
darauf folgende behördliche Reflexverfolgungssituation im Zusammen-
hang mit der angeblichen Zugehörigkeit seiner Tante zu den LTTE, den
Anforderungen an die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG be-
ziehungsweise Glaubhaftmachung im Sinne von Art. 7 AsylG nicht stand-
hält.
3.1.1 Der Beschwerdeführer trug anlässlich der summarischen BzP vom
3. Mai 2017 vor, mutmassliche Angehörige der sri-lankischen Armee oder
Polizei seien nach seinen Streitigkeiten mit einem (...)-Spieler ein erstes
Mal zum Wohnsitz seiner Tante gekommen, als diese anwesend gewesen
E-2432/2020
Seite 11
sei; die Tante sei aufgefordert worden, sich am nächsten Tag in N._
zu melden. Nachdem seine Tante zu diesem Termin nicht erschienen sei,
seien die Sicherheitskräfte an nächsten Tag ein zweites Mal am Wohnort
der Tante erschienen, als diese beim Einkaufen gewesen sei.
Er trug bei der BzP weiter vor, dass die Sicherheitskräfte ihn – zu einem
nach diesen behördlichen Vorsprachen bei der Tante liegenden Zeitpunkt
– zweimal auf dem Spielfeld beim (...)spielen aufgesucht und zur Tante be-
fragt hätten, worauf sie die Eltern des Beschwerdeführers aufgesucht hät-
ten (vgl. Akte A7, Ziffer 7.01). Die ihn aufsuchenden Personen hätten ihn
aufgefordert, ihnen seine Tante zu «übergeben» (vgl. A7, Ziffer 7.01).
Bei der Anhörung vom 23. Oktober 2019 machte der Beschwerdeführer
diesbezüglich geltend, die sri-lankischen Sicherheitskräfte hätten ihn –
nach dem (...)match im Januar 2017, bei welchem es zum Streit mit einem
gegnerischen Spieler gekommen sei – zunächst bei einem weiteren
(...)spiel einmal aufgesucht und dabei zu den Streitigkeiten mit dem (...)-
Spieler und zu seinem eigenen Wohnort befragt; später hätten zwei Perso-
nen einmal bei der Tante vorgesprochen und sie nach dem Beschwerde-
führer als auch zu ihrer Tätigkeit bei der Bewegung befragt (vgl. A14, Ant-
wort 47).
3.1.2 Diese Ungereimtheiten in der zeitlichen Abfolge der vom Beschwer-
deführer behaupteten Ereignisse und zum Inhalt der behördlichen Befra-
gungen lassen bereits erhebliche Zweifel am Wahrheitsgehalt dieser Vor-
bringen aufkommen lassen.
Die diesbezüglichen Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe, die unbe-
kannten Männer hätten zunächst zweimal die Tante an deren Wohnort auf-
gesucht und hätten erst danach zweimal beim Beschwerdeführer auf dem
(...)feld vorgesprochen (vgl. S. 4), sind unbehelflich, denn sie vermögen die
dargelegten Ungereimtheiten nicht auf plausible Weise aufzuklären.
3.1.3 In diesem Zusammenhang ist zudem festzuhalten, dass die Vorbrin-
gen des Beschwerdeführers betreffend seiner angeblichen Verfolgungssi-
tuation in erheblichem Ausmass auf blossen Mutmassungen beruhen,
nachdem dieser mehrfach zu Protokoll gab, es könne sein respektive er
vermute, dass es sich bei den vorsprechenden Personen um Angehörige
des CID respektive der Polizei oder der Armee gehandelt habe (vgl. A7,
Ziffer 7.02, S. 9 sowie A14, Antworten 61-64). In der Beschwerdeschrift
E-2432/2020
Seite 12
wird auch zugestanden, dass sich der Beschwerdeführer hierbei auf blosse
Mutmassungen abstützt (vgl. Seite 10, 2. Textabschnitt).
Diese blossen Mutmassungen innerhalb seiner Vorbringen sind als solche
nicht geeignet, eine asylbeachtliche Verfolgung als überwiegend wahr-
scheinlich darzutun.
3.1.4 Im Weiteren hat der Beschwerdeführer explizit zu Protokoll gegeben,
er habe sich gegen die Drohungen des gegnerischen (...)-Spielers zur
Wehr gesetzt und habe in Begleitung seines Vaters am 15. Januar 2016
eine Polizeianzeige in L._ erstattet (vgl. A7, Ziffern 7.01 und 7.02,
S. 8 sowie A14, Antwort 47). Er trug weiter vor, er sei davon ausgegangen,
dass die Polizei den betreffenden (...)-Spieler vorgeladen und gewarnt
habe. Bei dieser Sachlage ist davon auszugehen, dass der Beschwerde-
führer nach den erlittenen Behelligungen seitens einer Drittperson entspre-
chenden Polizeischutz erhalten hat. Hieran vermag seine weitere Angabe,
er habe sich betreffend seiner Anzeige bei der Polizei nicht mehr erkundigt
und habe sich auch nicht mehr bei der Polizei gemeldet, nachdem er von
bewaffneten Personen aufgesucht worden sei (vgl. A14, Antworten 58 und
66), nichts zu ändern. Dieses Verhalten des Beschwerdeführers muss viel-
mehr als unplausibel und somit unglaubhaft eingestuft werden. Vom Be-
schwerdeführer wäre zu erwarten gewesen, dass er sich nach den weite-
ren Ermittlungsmassnahmen der Polizei erkundigt hätte, nachdem es sich
bei den angeblichen behördlichen Vorsprachen um die für ihn ausreiseaus-
lösenden Ereignisse gehandelt haben soll.
3.1.5 Zusammenfassend müssen die Vorbringen im Zusammenhang mit
den Schwierigkeiten mit einem gegnerischen (...)-Spieler, insbesondere die
angeblich anschliessend ausgelösten behördlichen Verfolgungsmassnah-
men gegen den Beschwerdeführer, als insgesamt nicht glaubhaft qualifi-
ziert werden.
3.2 Der Beschwerdeführer wurde im Rahmen der Anhörung mit den diver-
gierenden Schilderungen seiner Asylgründe konfrontiert (vgl. A14, Fragen
52 und 70). Seine diesbezüglichen zu Protokoll gegebenen und in der
Rechtsmitteleingabe wiederholten Erklärungen, er sei bereits eine Weile in
der Schweiz, habe mit vielen Personen zu tun gehabt und habe deshalb
einiges vergessen (vgl. Antwort A14, Antwort 52), es sei zwischen der BzP-
Befragung und der Anhörung eine lange Zeitspanne vergangen (Be-
schwerde S. 9), müssen als nicht stichhaltig gewürdigt werden, denn sie
vermögen die Divergenzen innerhalb seiner Kernasylvorbringen nicht
E-2432/2020
Seite 13
schlüssig aufklären. Auch wenn zwischen der BzP und der Anhörung über
zwei Jahre verstrichen sind, hätte vom Beschwerdeführer erwartet werden
können, dass er die zeitliche Abfolge der wesentlichen Ereignisse, die ihn
zur Ausreise veranlasst haben sollen, in den Grundzügen übereinstim-
mend schildert.
3.3 Hinzu kommt, dass der Umstand, wonach die übrigen in Sri Lanka ver-
bliebenen Familienmitglieder nach der Ausreise des Beschwerdeführers
persönlich keine Probleme gehabt haben sollen (vgl. A14, Antwort 8 und 9
sowie 84), ebenfalls gegen die vom Beschwerdeführer behauptete Verfol-
gungssituation im Zusammenhang mit einem angeblichen behördlichen
Verdacht wegen der angeblichen früheren LTTE-Angehörigkeit seiner
Tante spricht. Wenn die sri-lankischen Behörden aufgrund einer angebli-
chen LTTE-Mitgliedschaft der Tante ein Reflexverfolgungsinteresse an der
Person des Beschwerdeführers gehabt haben sollen, bleibt nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb die nach wie vor in Sri Lanka lebenden übrigen Familien-
mitglieder – Vater, Mutter, Bruder und Schwester – persönlich unbehelligt
geblieben und von der angeblichen Reflexverfolgung nicht miterfasst wor-
den sind.
3.4 Wenn die sri-lankischen Sicherheitskräfte im Zusammenhang mit der
angeblichen LTTE-Zugehörigkeit der Tante ein Verfolgungsinteresse am
Beschwerdeführer gehabt hätten, muss angenommen werden, dass es
diesen gelungen wäre, ihn am Wohnsitz seiner Eltern – oder bei den Ver-
wandten, wo er sich bis zur Ausreise aufgehalten haben will (vgl. A14, Ant-
worten 25 und 26) – respektive in der Schule, die er bis zur Ausreise be-
sucht haben will (vgl. A14, Antwort 32) – zu fassen. Zudem wären mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit weitere strafrechtliche Konsequenzen res-
pektive Ermittlungsmassnahmen gegen ihn eingeleitet worden, wenn die
Behörden ihn tatsächlich im behaupteten Umfang und Ausmass im Zusam-
menhang mit den LTTE verdächtigt hätten.
3.5 Dem Beschwerdeführer ist es nach dem Gesagten nicht gelungen, eine
von seiner Tante abgeleitete Reflexverfolgung als überwiegend wahr-
scheinlich darzulegen.
3.6 Die im vorinstanzlichen Verfahren eingereichten Beweismittel aus dem
Ausland (Geburtsregisterauszug sowie Ausbildungs- und Schulzertifikate)
betreffen lediglich die Herkunft des Beschwerdeführers und dessen Ausbil-
dung. Sie sind deshalb nicht geeignet, die behauptete Verfolgungssituation
im Zusammenhang mit einem behördlichen LTTE-Verdacht zu stützen.
E-2432/2020
Seite 14
3.7 Auch die auf Beschwerdeebene eingereichten Beweismittel (Bestäti-
gung des [...] Community Centre und SFH-Bericht) vermögen an der vo-
rinstanzlichen Einschätzung nichts zu ändern. Im Bestätigungsschreiben
des Community Centre wird zwar bestätigt, dass der Beschwerdeführer am
14. Januar 2016 von einem gegnerischem (...)-Spieler angegriffen worden
sein soll. Das Schreiben vermag jedoch die aus einem Sportwettkampf ent-
standenen Auseinandersetzungen respektive die darauf basierende be-
hördliche Verfolgungssituation nicht als überwiegend wahrscheinlich dar-
zutun. Zudem äussert sich der SFH-Bericht vom 10. April 2020 zur allge-
meinen Lage in Sri Lanka und lässt keine konkreten Schlüsse bezüglich
der vom Beschwerdeführer behaupteten asylrechtlichen Gefährdungssitu-
ation zu.
4.
Das SEM hat insgesamt zutreffend festgestellt, dass es dem Beschwerde-
führer nicht gelungen ist, glaubhaft darzulegen, dass er im Zeitpunkt seiner
Ausreise im April 2017 in asylbeachtlicher Weise gefährdet war. Die Aus-
führungen in der Beschwerde sind nicht geeignet, die vorinstanzlichen Er-
wägungen in einem anderen Lichte betrachten zu lassen.
4.1 Die aktuelle Lage in Sri Lanka ist nach den Terroranschlägen im April
2019 zwar als volatil zu beurteilen, es kann jedoch – entgegen den Ausfüh-
rungen in der Beschwerde (vgl. Seite 6 ff. und 14 ff.) – aufgrund dessen
nicht auf eine generell erhöhte Gefährdung von zurückkehrenden tamili-
schen Staatsangehörigen geschlossen werden.
4.2 Auch der Amtsantritt von Gotabaya Rajapaksa als Staatspräsident und
die Ernennung seines Bruders als Premierminister ändert nichts an der
Gesamteinschätzung. Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der Verän-
derungen in Sri Lanka bewusst, beobachtet die Entwicklungen aufmerk-
sam und berücksichtigt diese bei seiner Entscheidfindung. Beim derzeiti-
gen Kenntnisstand ist zwar durchaus von einer möglichen Akzentuierung
der Gefährdungslage auszugehen, welcher Personen mit einem bestimm-
ten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise bereits vorher ausge-
setzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri Lanka: Families of «Disap-
peared» Threatened, 16.02.2020), es gibt jedoch zum heutigen Zeitpunkt
keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Machtwechsel in Sri Lanka
ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt
wären. Das Gericht prüft in jedem Einzelfall, ob ein persönlicher Bezug der
asylsuchenden Personen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November
E-2432/2020
Seite 15
2019 respektive deren Folgen besteht. Ein solch konkreter Bezug ist im
Fall des Beschwerdeführers nicht ersichtlich, da die von ihm behaupteten
Risikofaktoren für eine asylbeachtliche Gefährdungslage nicht vorliegen.
Die Zugehörigkeit zur tamilischen Ethnie genügt für sich alleine nicht, um
ein Gefährdungspotenzial flüchtlingsrechtlich relevanten Ausmasses dar-
zutun.
4.3 Andere Asylvorbringen hat der Beschwerdeführer nicht vorgetragen. Er
war gemäss eigenen Angaben im Heimatland nie politisch oder religiös ak-
tiv. Abgesehen von den vorgetragenen Ereignissen hatte er gemäss eige-
nen Angaben nie Probleme mit den sri-lankischen Behörden (vgl. A7, Ziffer
7.02 und A14, Antworten 74 und 75).
4.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es ihm nicht gelungen ist, darzu-
legen, dass er mit überwiegender Wahrscheinlichkeit asylrelevanten Nach-
teilen ausgesetzt worden ist oder solche künftig befürchten müsste. Das
SEM hat sein Asylgesuch zu Recht und mit zutreffender Begründung ab-
gewiesen.
In der Eingabe vom 29. Juni 2020 stellt der Beschwerdeführer zwar in Aus-
sicht, weitere Beweismittel aus dem Ausland beizubringen. Nachdem er in
keiner Art und Weise angibt, welche Beweismittel er zu beschaffen gedenkt
und keine Spezifizierungen dazu macht, welche Sachverhaltselemente er
mit diesen angeblichen Beweismittel zu belegen oder glaubhaft zu machen
gedenkt, besteht keine Veranlassung, eine diesbezügliche Frist anzuset-
zen oder die Nachreichung entsprechender Beweismittel abzuwarten.
5.
5.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
5.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
E-2432/2020
Seite 16
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
6.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
E-2432/2020
Seite 17
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
6.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
6.5 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt (vgl. Referenzurteil E-1866/2015, a.a.O.). An dieser
Einschätzung vermögen auch die am Ostersonntag 2019 erfolgten An-
schläge auf Kirchen und Luxushotels oder die Ende 2019 erfolgten Präsi-
dentschaftswahlen nichts zu ändern.
Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche eine
Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. Der Beschwerdeführer
hat bis zur 13. Klasse die Schule besucht. Er hat nach wie vor Kontakt zu
seinen Eltern. Seine Familie gehört gemäss eigenen Angaben dem Mittel-
stand an und besitzt ein eigenes Wohnhaus (vgl. A14, Antworten 7, 17 und
23). Der Beschwerdeführer verfügt in seiner Heimatregion Jaffna respek-
tive in Colombo über ein tragfähiges familiäres und soziales Beziehungs-
netz (Eltern, zwei Geschwister sowie mehrere weitere Verwandte; vgl. A7,
Ziffern 3.01 und A14, Antworten 12-20). Es ist davon auszugehen, dass es
ihm zumutbar sein sollte, nach seiner Rückkehr eine Erwerbstätigkeit auf-
zunehmen und dadurch seine Existenz zu sichern. Das Gericht verkennt
die schwierige Situation im Norden Sri Lankas nicht. Den Angaben des Be-
schwerdeführers sind jedoch keine stichhaltigen Hinweise zu entnehmen,
die konkret gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges sprechen
würden.
E-2432/2020
Seite 18
6.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Verfahrenskosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 750.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]), nachdem mit Zwischenverfügung des Bundesver-
waltungsgerichts vom 12. Juni 2020 das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung inklusive Verbeiständung abgewiesen
wurde.
Der am 27. Juni 2020 einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von
Fr. 750.– ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten in gleicher Höhe zu ver-
wenden.
(Dispositiv nächste Seite)
E-2432/2020
Seite 19