Decision ID: 1e697534-aeac-419a-aa42-5a5004d951f8
Year: 2016
Language: de
Court: AG_SVWG
Chamber: AG_SVWG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Gericht entnimmt den Akten:
A.
Am 16. Mai 2011 erteilte der Gemeinderat Q. der A. die Baubewilligung für
eine Fabrikerweiterung auf der Parzelle aaa. Unter Ziffer 22 der Baubewil-
ligung verfügte er Abwasseranschlussgebühren (Akontozahlung) von Fr.
64'000.00 zuzüglich Fr. 5'120.00 MWSt und Wasseranschlussgebühren
(Akontozahlung) von Fr. 16'000.00 zuzüglich Fr. 400.00 MWSt. Die defini-
tiven Anschlussgebühren sollten nach erfolgter Gebäudeschätzung festge-
legt werden. Das vorgängige Gesuch um Reduktion der Anschlussgebüh-
ren wurde abgelehnt (Ziff. 20 f. Baubewilligung).
B.
Die A. erhob daraufhin am 29. Juni 2011 Einsprache. Nach Durchführung
einer Einspracheverhandlung am 26. Oktober 2011 akzeptierte die A. die
Wasseranschlussgebühr. Am Begehren um Reduktion der Abwasseran-
schlussgebühr hielt sie jedoch fest. Mit Beschluss vom 19. Dezember 2011
reduzierte der Gemeinderat in teilweiser Gutheissung des Begehrens die
Abwasseranschlussgebühr auf Fr. 56'800.00 zuzüglich MWSt von Fr.
4'544.00 (provisorische Anschlussgebühr auf Basis des um Fr. 180'000.00
herabgesetzten Brandversicherungswerts).
C.
Gegen diesen Entscheid liess die A. (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 20. Januar 2012 Beschwerde bei der Schätzungskommission nach
Baugesetz (seit 1. Januar 2013: Spezialverwaltungsgericht, Abteilung Kau-
salabgaben und Enteignungen [nachfolgend: SKE]) führen und folgende
Anträge stellen:
"1. Ziffer 1 bis 3 des Beschlusses des Gemeinderates Q. vom 19.  2011 seien aufzuheben und wie folgt neu zu fassen:
'1. In teilweiser Gutheissung der Einsprache gestaltet sich die  für Wasser- und Abwasseranschlussgebühren auf der Basis dieses Entscheides wie folgt (der definitive Betrag für die Anschlussgebühren wird erst nach erfolgter Gebäudeschätzung festgelegt und in Rechnung gestellt):
Abwasseranschlussgebühren (Akontozahlung) Brandversicherungswert Fr. 1'600'000.00 Abz. Fr. 180'000.00 (Umweltmassn.) Fr. 1'420'000.00 1.0% Fr. 14'200.00 8.0% MWST von Fr. 14'200.00 Fr. 1'156.00
Wasseranschlussgebühren (Akontozahlung) Baukosten oder Mehrwert Fr. 1'600'000.00 1.0% von Baukosten oder Mehrwert Fr. 16'000.00 2.5% MWST von Fr. 16'000.00 Fr. 400.00
- 3 -
Total Fr. 31'736.00 [richtig Fr. 31'756.00]
2. Im Weiteren wird die Einsprache abgewiesen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Sowie den folgenden
VERFAHRENSLEITENDEN ANTRAG
Das Verfahren sei zu sistieren, bis die Schätzungskommission im  4-BE.2011.10 entschieden hat."
D.1.
Mit Schreiben vom 23. Januar 2012 ersuchte der Präsident des SKE die
Beschwerdeführerin um Leistung des Kostenvorschusses. Nach Eingang
der Zahlung werde die Gegenseite zur Vernehmlassung zum Sistierungs-
antrag aufgefordert. Als Präjudiz scheine jedoch das Verfahren 4-
BE.2010.45 besser geeignet als das von der Beschwerdeführerin ange-
führte. Bei Zustimmung der Parteien würde das vorliegende Verfahren bis
zur rechtskräftigen Beurteilung dieses Präjudizes sistiert.
D.2.
Die Einwohnergemeinde Q. (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) lehnte mit
Eingabe vom 21. Februar 2012 die Sistierung des Verfahrens ab und ver-
langte einen Zwischenentscheid.
D.3.
Der Präsident des SKE antwortete darauf mit Schreiben vom 24. Februar
2012. Das Urteil im Präjudizfall 4-BE.2010.45 sei inzwischen eröffnet wor-
den. Es sei noch offen, ob es weitergezogen werde. Gegebenenfalls sei ein
Zwischenentscheid zu fällen. Die Parteien würden später dazu nochmals
angefragt. Der Präsident setzte Frist für die Einreichung der materiellen
Vernehmlassung.
D.4.
Mit Schreiben vom 28. Februar 2012 bat die Beschwerdegegnerin um Zu-
stellung des Präjudizfalles 4-BE.2010.45.
D.5.
Am 2. März 2012 erklärte die Beschwerdeführerin ihre Zustimmung zum
geplanten Vorgehen des Gerichts.
D.6.
- 4 -
Nachdem der Entscheid im Verfahren 4-BE.2010.45 ans Verwaltungsge-
richt weitergezogen worden war, fragte der Präsident die Parteien mit
Schreiben vom 9. März 2012 nochmals an, ob sie mit der Sistierung ein-
verstanden seien. Zur Meinungsbildung liess er beiden eine anonymisierte
Fassung des Urteils zukommen.
D.7.
Die Beschwerdegegnerin liess sich zu den materiellen Fragen vernehmen
(Eingabe vom 12. März 2012).
Mit Schreiben vom 19. März 2012 lehnte sie die Verfahrenssistierung er-
neut ab.
D.8.
Die Beschwerdeführerin antwortete mit Schreiben vom 16. April 2012. Sie
hielt am Sistierungsantrag fest. Für den Fall, dass er abgewiesen würde,
sei ihr Frist zur Stellungnahme zur Eingabe der Gegenseite sowie zum Prä-
judizentscheid einzuräumen.
D.9.
Mit Entscheid vom 3. Mai 2012 beschloss das SKE die Sistierung des Ver-
fahrens bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids im Präjudizfall
4-BE.2010.45. Der Sistierungsentscheid wurde unangefochten rechtskräf-
tig.
Am 7. November 2014 erhielt das SKE den Entscheid des Bundesgerichts
vom 20. September 2014 im Präjudizverfahren 4-BE.2010.45, was den
Parteien am selben Tag mitgeteilt wurde. In Fortsetzung des Verfahrens
wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, bis 10. Dezember 2014 auf
dieser aktualisierten Basis und unter Berücksichtigung der Vernehmlas-
sung der Beschwerdegegnerin vom 12. März 2012 Antrag zu stellen.
E.
Die Beschwerdeführerin erstattete am 9. Dezember 2014 eine Replik, wel-
che der Beschwerdegegnerin am 11. Dezember 2014 zur Erstattung einer
Duplik bis 19. Januar 2015 zugesandt wurde.
Innert drei Mal erstreckter Frist reichte die Beschwerdegegnerin am 15. Ap-
ril 2015 ihre Duplik ein. Mit Schreiben vom 21. April 2015 wurde die Duplik
der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht und die Beschwerdegegne-
rin aufgefordert, verschiedene Unterlagen zur Abwasserrechnung einzu-
reichen.
F.
- 5 -
Am 27. April 2015 reichte die Beschwerdeführerin eine weitere Stellung-
nahme und die Beschwerdegegnerin am 28. April 2015 die geforderten Un-
terlagen ein. Diese wurden der Beschwerdeführerin am 30. April 2015 zur
freiwilligen Stellungnahme bis 26. Mai 2015 überlassen.
G.
Die Beschwerdeführerin machte am 5. Mai 2015 ergänzend Einsicht in den
Generellen Entwässerungsplan (GEP) geltend. Das SKE verlangte diesen
am 7. Mai 2015 bei der Beschwerdegegnerin bis 1. Juni 2015 ein. Am 21.
Mai 2015 liess das SKE der Beschwerdeführerin den GEP zukommen und
verlängerte die Frist zur freiwilligen Stellungnahme bis 15. Juni 2015.
H.
Am 12. Juni 2015 erstattete die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme,
welche der Beschwerdegegnerin am 15. Juni 2015 zur Kenntnis gebracht
wurde. Diese gab am 18. Juni 2015 letzte Bemerkungen ab, welche der
Beschwerdeführerin am 19. Juni zur Kenntnis gebracht wurden.
Auf die Begründung der erwähnten Entscheide und Eingaben wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
I.
Mit Eingabe vom 21. April 2016 reichte die Beschwerdeführerin weitere Un-
terlagen zur kommunalen Abwasserbeseitigung ein. Diese wurden der Be-
schwerdegegnerin am 22. April 2016 zur Kenntnis gebracht.
J.
Am 27. April 2016 führte das SKE eine Verhandlung durch, wobei die Sach-
und Rechtslage eingehend erörtert wurden. Es wurden zudem weitere Un-
terlagen (wie Schätzungen der Aargauischen Gebäudeversicherung
[AGV], Gebührenrechnungen, ein Auszug aus der Rechnung 2015 sowie
der Finanz- und Investitionsplan 2015) zu den Akten gegeben.
K.
Die Beschwerdegegnerin übermittelte dem Gericht am 6. Mai 2016 eine
Kopie der Mehrwertmeldung der AGV. Der Mehrwert beläuft sich gemäss
Schätzung vom 22. April 2013 auf Fr. 1'556'000.00 inkl. Fr. 50'000.00 Um-
gebungsanteil. Die definitive Gebührenrechnung vom 17. Mai 2013 über
Fr. 67'219.20 basiert auf der AGV-Schätzung ohne den Abzug für die Um-
weltmassnahmen. Dies muss noch angepasst werden (Erw. 4.3.).
L.
Das SKE hat den Fall am 15. Juni 2016 beraten und das nachfolgende
Urteil gefällt.
- 6 -

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Gegen Abgabeverfügungen kann innert 30 Tagen seit Zustellung beim ver-
fügenden Organ Einsprache erhoben werden (§ 35 Abs. 2 des Gesetzes
über Raumentwicklung und Bauwesen [Baugesetz, BauG; SAR 713.100]
vom 19. Januar 1993). Einspracheentscheide können innert 30 Tagen mit
Beschwerde beim SKE angefochten werden (§ 35 Abs. 2 BauG i.V.m.
§ 44 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; SAR
271.100] vom 4. Dezember 2007).
1.2.
Der Beschluss des Gemeinderats vom 19. Dezember 2011 ist ein Ein-
spracheentscheid im Sinne von § 35 Abs. 2 BauG. Damit ist das SKE für
die Behandlung der Beschwerde zuständig.
1.3.
Zur Einreichung einer Beschwerde ist legitimiert, wer ein schutzwürdiges
und aktuelles Interesse geltend macht (§ 42 lit. a VRPG). Als Adressatin
des Einspracheentscheids vom 19. Dezember 2011 hat die Beschwerde-
führerin ein solches schutzwürdiges und aktuelles Interesse.
1.4.
Der Vertreter der Beschwerdeführerin ist gehörig bevollmächtigt. Auf die
auch im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten.
2.
2.1.
Gemäss § 34 Abs. 2 BauG können die Gemeinden von den Grundeigentü-
mern Beiträge an die Kosten der Erstellung, Änderung und Erneuerung von
Anlagen der Versorgung mit Wasser und elektrischer Energie sowie der
Abwasserbeseitigung erheben. Soweit die Kosten dadurch nicht gedeckt
werden, sowie für den Betrieb, sind sie verpflichtet, Gebühren zu erheben.
Die Erhebung der Beiträge und Gebühren wird von den Gemeinden und
Gemeindeverbänden geregelt, soweit keine kantonalen Vorschriften beste-
hen (§ 34 Abs. 3 BauG).
2.2.
In der Einwohnergemeinde Q. sind die Anschlussgebühren für Wasser und
Abwasser im Reglement über die Finanzierung von Erschliessungsanlagen
(RFE) geregelt. Dieses Reglement wurde entsprechend der Kompetenzor-
dnung in § 20 Abs. 2 lit. i des Gesetzes über die Einwohnergemeinden (Ge-
meindegesetz, GG; SAR 171.100) vom 19. Dezember 1978 von der Ge-
meindeversammlung am 25. Oktober 2006 beschlossen.
- 7 -
2.3.
Es kann somit festgehalten werden, dass mit dem RFE grundsätzlich eine
genügende gesetzliche Grundlage für die Erhebung von Anschlussgebüh-
ren für Abwasser vorliegt. Dies wird von der Beschwerdeführerin auch nicht
bestritten (Protokoll, S. 3).
2.4.
Die einschlägigen Bestimmungen lauten folgendermassen:
§ 8 Härtefälle, besondere Verhältnisse, Zahlungserleichterungen 1Der Gemeinderat kann die Abgaben in offensichtlichen Härtefällen oder wo die Anwendung dieses Reglements unangemessen wäre, die Abgaben ausnahmsweise anpassen. 2Er kann Zahlungserleichterungen gewähren.
§ 47 Bemessung Anschlussgebühren Abwasser 1Für den Anschluss an die öffentlichen Abwasseranlagen erhebt die  eine Anschlussgebühr auf der Basis des  der angeschlossenen Baute. Die Berechnungsbasis für die  ist im Anhang definiert. 2Für neuerstellte und in die Kanalisation entwässerte, befestigte Flächen (Dach- und Platzflächen) wird eine Anschlussgebühr gemäss Anhang . 3Bei ausserordentlich grossem oder geringem Abwasseranfall ist der  berechtigt, die Abgaben nach den besonderen Verhältnissen festzusetzen. Er kann sich durch einen neutralen Fachmann beraten . 4Bei Um-, An-, Aus- und Erweiterungsbauten einer bereits  Baute ist eine zusätzliche Anschlussgebühr zu bezahlen,  dem durch die baulichen Veränderungen erhöhten , unabhängig davon, ob durch die baulichen Veränderungen die öffentlichen Abwasseranlagen mehr beansprucht werden. 5[...] 6Wird ein bereits angeschlossenes Gebäude abgebrochen und an dessen Stelle ein Neubau errichtet, so ist dafür die volle Anschlussgebühr zu . 7[...]
Anhang 1 zum RFE: Für Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsbauten beträgt die  4 % des Brandversicherungswerts.
3.
In formeller Hinsicht ist zunächst zu untersuchen, ob der Anspruch auf
rechtliches Gehör verletzt wurde.
3.1.
3.1.1.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass die Beschwerdegegnerin in
zwei anderen Anschlussgebührenfällen (Sporthalle D und E) Rabatte ge-
- 8 -
währt habe. Sie wolle erfahren, ob dies gestützt auf § 8 RFE oder aus an-
deren Gründen geschehen sei. Sie wolle vergleichen können, ob sie aus
denselben Gründen auch Anspruch auf einen Rabatt habe. An der Ver-
handlung vom 27. April 2016 hat sie explizit an diesem Begehren festge-
halten (Protokoll, S. 3 und 4).
3.1.2.
Die Beschwerdegegnerin führt dazu aus, die beiden Fälle seien mit dem
vorliegenden nicht vergleichbar; es sei nicht um § 8 RFE gegangen. Des-
halb sei keine Akteneinsicht gerechtfertigt.
3.2.
3.2.1.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist das Recht der Privaten, in einem
vor einer Verwaltungs- oder Justizbehörde geführten Verfahren mit ihrem
Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu den
für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu können.
Er umfasst auch das Recht auf Vertretung und Verbeiständung sowie auf
Begründung von Verfügungen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist in
Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) festgehalten und stellt ein selbstän-
diges Grundrecht dar, das Geltung für alle Rechtsanwendungsorgane im
Bund und in den Kantonen hat. Das Recht auf Akteneinsicht, das Recht auf
Begründung von Verfügungen und Entscheiden sowie der Anspruch auf
Protokollierung der wichtigen Aussagen der Parteien, Zeugen und Exper-
ten sind (u.a.) Teilgehalte des Anspruchs auf rechtliches Gehör (zum Gan-
zen: Ulrich Häfelin / Georg Müller / Felix Uhlmann, Allgemeines Verwal-
tungsrecht, 6. Auflage, Zürich 2010, N 1672 ff.).
3.2.2.
Die Rechtsprechung nimmt überwiegend an, der Mangel der Gehörsver-
weigerung werde "geheilt", wenn die unterlassene Akteneinsicht in einem
Rechtsmittelverfahren, das eine Prüfung im gleichen Umfang wie die
Vorinstanz erlaubt, nachgeholt wird (vgl. Aargauische Gerichts- und Ver-
waltungsentscheide [AGVE] 1997 S. 374); eine Rückweisung der Sache
zur Gewährung des rechtlichen Gehörs würde bloss zu einem formalisti-
schen Leerlauf und einer unnötigen Verlängerung des Verfahrens führen
(Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O., N 1709 f., mit weiteren Hinweisen; AGVE
2003 S. 160).
3.3.
Das SKE hat mit Schreiben vom 21. April 2015 dargelegt, dass bei den
beiden erwähnten anderen Verfahren (Sporthalle D und E) kein Zusam-
menhang zwischen den gewährten Abgabenermässigungen und § 8 RFE
besteht. Die tatsächliche Gleichheit, welche Basis jedes Gleichbehand-
- 9 -
lungsanspruchs (im Recht oder im Unrecht) wäre, ist vorliegend nicht ge-
geben. Die Beschwerdeführerin muss sich insofern mit der Bestätigung des
Gerichts in diesem Punkt zufrieden geben. Als Hinweise, wie sie der Präsi-
dent des SKE auch an der Verhandlung vom 27. April 2016 darlegte (Pro-
tokoll, S. 4), seien lediglich angemerkt: Beim E resultierte die Gebührenre-
duktion aus einer Verrechnung mit einem Kaufpreis (Fr. 4'000'000.00). Bei
der Sporthalle D ergab sich die Reduktion ursprünglich aus der Verletzung
des Kostendeckungsprinzips (vgl. dazu AGVE 2012 S. 277) bzw. vor Ver-
waltungsgericht dann aus einer wesentlich weitergehenden Zusicherung
des Gemeinderats, auf der dieses ihn behaftete (Vertrauensschutzprinzip;
Entscheid des Verwaltungsgerichts [VGE] WBE.2012.400 vom 18. Novem-
ber 2013).
Der Beschwerdegegnerin muss es jedenfalls unbenommen sein, nicht re-
levante Akten zurückbehalten zu dürfen. Es besteht kein uneingeschränk-
tes Recht der Privaten, in sämtliche Akten - auch solche, die eben keinen
einschlägigen Zusammenhang mit dem eigenen Fall haben - Einblick zu
erhalten (Entscheid des SKE 4-BE.2012.19 vom 9. Juli 2014, Erw. 4.2.).
Ein schutzwürdiges Interesse seitens der Beschwerdeführerin bestand un-
ter diesen Umständen nicht.
Die Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen. Es liegt keine Verletzung
des rechtlichen Gehörs vor.
3.4.
An dieser Stelle sei noch zum an der Verhandlung (Protokoll, S. 4) aufge-
griffenen Stichwort "Gleichbehandlung im Unrecht" festgehalten, dass es
einen solchen Anspruch nicht gibt. Im Übrigen liegen die Sachverhalte nicht
vergleichbar. Selbst wenn es diesen Anspruch gäbe, könnte hier damit
nicht durchgedrungen werden.
4.
4.1.
In materieller Hinsicht bringt die Beschwerdeführerin vor, dass die Erhe-
bung der Anschlussgebühr nach § 47 Abs. 4 RFE gegen das Verursacher-
prinzip, das Äquivalenzprinzip und kantonales Recht verstosse. Es sei die-
ser Vorschrift daher die Anwendung zu versagen. Zudem werde § 8 RFE
willkürlich nicht in grösserem Umfang angewendet.
Schliesslich macht die Beschwerdeführerin noch eine Verletzung des Kos-
tendeckungsprinzips geltend.
4.2.
Die Beschwerdegegnerin führt aus, dass der Brandversicherungswert ein
taugliches Kriterium zur Bemessung der Anschlussgebühren darstelle.
- 10 -
Dies verstosse weder gegen das Verursacherprinzip noch gegen das Äqui-
valenzprinzip oder kantonales Recht. § 47 Abs. 4 RFE entspreche dem
kantonalen Musterreglement und führe zu keinem unangemessenen Er-
gebnis. Es liege keine Härte vor, welche eine Anpassung der Gebühren-
höhe über § 8 RFE gebiete.
Das Kostendeckungsprinzip werde nicht verletzt. Der Finanzplan von 2011
- 2020 weise ein Defizit aus.
4.3.
Beim Bauvorhaben wurde das bestehende Produktionsgebäude erweitert.
Zudem wurden ein Brauchwasserreservoir und eine Versickerungsanlage
erstellt.
Das Gebäude wurde von der AGV am 22. April 2013 neu auf
Fr. 1'506'000.00 (ohne Umgebung) geschätzt. In der definitiven Gebühren-
rechnung vom 17. Mai 2013 über Fr. 67'219.20 wurde aber der im Ein-
spracheverfahren gewährte Abzug für die Umweltmassnahmen (B.) noch
nicht berücksichtigt (K.).
Unter der von der Gemeinde zugesicherten (Protokoll, S. 5) Berücksichti-
gung des gewährten Abzugs für Umweltmassnahmen von Fr. 180'000.00
beläuft sich der Ausgangswert für die Anschlussgebührenberechnung noch
auf Fr. 1'326'000.00 (statt ursprünglich Fr. 1'420'000.00). 4 % davon ent-
spricht einem Betrag von Fr. 53'040.00. Zuzüglich MWSt von 8 %
(Fr. 4'243.20) ergibt sich eine Anschlussgebühr von Fr. 57'283.20. Indem
die Beschwerdegegnerin eine Reduktion des Gebührenansatzes von 4 %