Decision ID: 26a928a4-1a90-47c6-bf5f-4c42d503501d
Year: 2015
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt abzuklären und zu diesem Zweck im Frühjahr einen
Augenschein durchzuführen. Zudem sei die Anlage in geringerem
Abstand zu ihrem Balkon erstellt worden als dies in den Plänen der
Baubewilligung vorgesehen gewesen sei. Unpräjudizierlich schlugen
B._ und A._ in diesem Schreiben die Verlegung der
Photovoltaikanlage auf die Westseite des Daches vor.
3. In seiner Stellungnahme vom 24. Januar 2014 beantragte C._, es
seien in dieser Angelegenheit keine weiteren Massnahmen zu treffen.
Eine Verlegung der Anlage, welche betreffend Reflexionen dem Stand der
Technik entspreche und nicht in Missachtung der Baubewilligung erstellt
worden sei, sei nicht möglich.
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4. Nach weiteren Stellungnahmen von A._ und B._ (vom
18. Februar 2014) und C._ (vom 13. März 2014) wies die Gemeinde
das Gesuch vom 6. Dezember 2013 mit Entscheid vom 27. März 2014 ab.
Dagegen erhoben A._ und B._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
am 28. Mai 2014 Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden und stellten folgende Rechtsbegehren:
"1. Der Entscheid des Gemeindevorstandes X._ vom 27. März 2014 sei
aufzuheben.
2. Die Eigentümer der Photovoltaikanlage auf der Parzelle Nr. 40 in Y._,
X._ seien anzuweisen, die Emissionen der Photovoltaikanlage im Sinne von
Art. 11 Abs. 2 und 3 USG auf das zulässige Mass gemäss den vom
Verwaltungsgericht zu bestimmenden Massnahmen zu begrenzen.
3. Eventualiter sei festzustellen, dass die Immissionen auf dem Grundstück der
Beschwerdeführer, Parzelle Nr. 38 in Y._, X._ ausgehend von der
Photovoltaikanlage auf der Parzelle Nr. 40 in Y._, X._ gegen die
Umweltschutzgesetzgebung verstossen.
4. Subeventualiter sei der Entscheid an die Vorinstanz zurückzuweisen.
5. (Kostenfolge)."
Dabei machten die Beschwerdeführer geltend, dass die von der
Photovoltaikanlage ausgehenden Sonnenlichtreflexionen schädliche und
lästige Einwirkungen im Sinne der Umweltschutzgesetzgebung darstellen
würden und deshalb zu begrenzen seien. Indem die Gemeinde
hinsichtlich dieser Immissionen weder den beantragten Augenschein
durchgeführt noch sonstige Abklärungen getroffen oder Massnahmen
angeordnet habe, habe sie gegen ihre Abklärungs- und Handlungspflicht
gemäss Art. 3 KUSV verstossen und gleichzeitig ihr rechtliches Gehör
verletzt. Eine weitere Gehörsverletzung liege darin, dass sie die Duplik
der Beschwerdegegner vom 13. März 2014 zu Handen der Gemeinde nie
erhalten hätten. Zwecks Feststellung der behaupteten Immissionen
beantragten die Beschwerdeführer vor Verwaltungsgericht deshalb die
Einholung eines Gutachtens über die physiologische Blendung und
Wärmeimmissionen sowie – wie schon gegenüber der Gemeinde – die
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Durchführung eines Augenscheins. Zudem vertraten sie weiterhin den
Standpunkt, dass die Verlegung der Anlage auf die Westseite des Daches
möglich sei und beantragten auch diesbezüglich die Einholung eines
Gutachtens. Überdies sei die Anlage nicht entsprechend der erteilten
Baubewilligung erstellt worden, weshalb ein Wiederherstellungsverfahren
und in dessen Rahmen ein nachträgliches ordentliches
Baubewilligungsverfahren durchzuführen sei.
5. Am 14. Juli 2014 beantragten C._ und D._ (nachfolgend
Beschwerdegegner 2) die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
einzutreten sei. Dabei führten sie aus, dass sie während des
Baubewilligungsverfahrens keine falschen Angaben zur Lichtreflexion der
Anlage gemacht hätten, dass die Verlegung der Anlage auf die Westseite
des Daches aus Energieeffizienz- und Kostengründen nicht opportun sei
und dass in der Dorfzone mässig störende Immissionen zulässig seien.
Zudem hätten sie die Photovoltaikanlage mit Zustimmung der
Stockwerkeigentümerschaft der Parzelle 40 erstellt, weshalb diese nicht
in das vorliegende Verfahren einzubeziehen sei.
6. Ebenfalls am 14. Juli 2014 beantragte auch die Gemeinde (nachfolgend
Beschwerdegegnerin 1) die Abweisung der Beschwerde. Zum Vorwurf
der ungenügenden Sachverhaltsabklärung führte sie aus, dass sie
deshalb auf die Durchführung eines Augenscheins und auf weitere
Abklärungen habe verzichten können, weil ihr die Lage der strittigen
Anlage sowie der Liegenschaften bekannt gewesen sei und weil die Licht-
und Temperatureinflüsse durch das von den Beschwerdeführern
beigebrachte Gutachten untermauert würden. Zudem hätten sich sowohl
die Bauherrschaft wie auch die Beschwerdeführer zur Blendwirkung resp.
zur Lichtabsorption der Panele äussern können. Auch das beantragte
Gutachten hinsichtlich der Verlegung der Anlage auf die Westseite des
Daches habe nicht eingeholt werden müssen, zumal dies angesichts der
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Kamine und Dachaufbauten für den Gemeindevorstand offensichtlich
nicht möglich gewesen sei. Zudem sei kein Rechtstitel ersichtlich, gestützt
auf welchen die Bauherrschaft zu einer Verlegung der Anlage verpflichtet
werden könne. Des Weiteren führte die Beschwerdegegnerin 1 aus, dass
keine Sanierungspflicht bestehe und dass die umstrittene Anlage, welche
auf einer rechtskräftigen Baubewilligung basiere, mangels lästiger oder
störender Immissionen nicht widerrechtlich sei. Insbesondere sei die
geringfügige bauliche Abweichung von ca. 75 cm kein Grund für ein
nachträgliches Baubewilligungsverfahren. Selbst wenn ein geringfügiger
Verstoss gegen umweltschutzrechtliche Bestimmungen vorliegen würde,
sei ein Zurückkommen auf den rechtskräftigen Bewilligungsentscheid
unverhältnismässig und nicht mit den Grundsätzen des
Vertrauensschutzes zu vereinbaren.
7. In ihrer Replik vom 15. September 2014 hielten die Beschwerdeführer an
ihren Rechtsbegehren fest und vertieften ihre Argumentation, welche sie
bereits in der Beschwerde vorgebracht hatten. Am 20. Oktober 2014
hielten auch die Beschwerdegegnerin 1 sowie die Beschwerdegegner 2
unter Vertiefung ihrer bereits geäusserten Standpunkte je an ihren
Anträgen fest.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften
sowie im angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der
Entscheid des Gemeindevorstandes X._ vom 27. März 2014, mit
welchem ein Abklärungsgesuch der Beschwerdeführer vom 6. Dezember
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2013 abgewiesen und die Rechtmässigkeit der gestützt auf die
Baubewilligung vom 21. Februar 2012 erstellten Photovoltaikanlage
implizit bestätigt wurde. Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, dass
die von der Photovoltaikanlage ausgehenden Emissionen gegen das
Umweltschutzgesetz (USG; SR 814.01) verstossen und verlangen
deshalb die Aufhebung des angefochtenen Entscheids sowie die
Begrenzung dieser Emissionen auf das zulässige Mass. Vor der
materiellen Beurteilung der vorliegenden Angelegenheit sind jedoch
einige formelle Aspekte zu beleuchten. Dabei wird insbesondere zu
prüfen sein, ob die Vorinstanz den von den Beschwerdeführern im
Schreiben vom 6. Dezember 2013 beantragten Augenschein zu Recht
abgelehnt hat.
2. a) Zunächst ist zu klären, ob die Beschwerdeführer mit der vorliegenden
Beschwerde nebst der Vorinstanz und den Beschwerdegegnern 2 als
Bauherrschaft zu Recht auch die Stockwerkeigentümergemeinschaft der
Parzelle Nr. 40 in den Prozess miteinbezogen hat. Die
Beschwerdegegner 2 machen nämlich geltend, dass sie von der
Stockwerkeigentümergemeinschaft zur Erstellung der Photovoltaikanlage
ermächtigt worden seien und für die Anlage die volle Verantwortung
übernehmen würden, weshalb die Stockwerkeigentümergemeinschaft
nicht in das vorliegende Verfahren einzubeziehen sei. Als Nachweis
legten sie mit ihrer Duplik vom 20. Oktober 2014 einen Auszug des
entsprechenden Beschlusses der Stockwerkeigentümerversammlung ins
Recht (vgl. "Auszug Solarstromanlage" aus dem Protokoll der
Stockwerkeigentümerversammlung vom 23. April 2011 in den Beilagen
der Beschwerdegegner 2 [Bg2-act.] Duplik 1).
b) Dabei ist zunächst festzuhalten, dass die zivilrechtliche Berechtigung der
Beschwerdegegner 2 zur Erstellung der Photovoltaikanlage als gegeben
zu betrachten ist. Sie ergibt sich nicht nur aus dem nachgereichten
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Auszug aus dem Protokoll der Stockwerkeigentümerversammlung,
sondern wurde von der Vorinstanz offenbar auch bereits im Rahmen des
Bewilligungsverfahrens geprüft. So hat die Vorinstanz die Baubewilligung
in Nachachtung ihrer in Art. 89 Abs. 3 des Raumplanungsgesetzes für
den Kanton Graubünden (KRG; BR 801.100) statuierten Pflicht unter der
Auflage erteilt, dass ihr vor Baubeginn ein Nachweis über die
zivilrechtliche Berechtigung vorgelegt werde (vgl. Baubewilligung vom
21. Februar 2012 in Beilagen der Beschwerdegegnerin 1 [Bg1-act.] 7,
wobei der entsprechende Nachweis nicht bei den Akten liegt). Die
zivilrechtliche Berechtigung der Beschwerdegegner 2 zur Erstellung der
Anlage wurde von den Beschwerdeführern denn auch weder im
Überprüfungsgesuch an die Vorinstanz noch im vorliegenden Verfahren
grundsätzlich bestritten. Die entsprechenden Zweifel wurden erst im
Rahmen der Replik als Reaktion auf die Ausführungen der
Beschwerdegegner 2 geäussert (vgl. Replik der Beschwerdeführer vom
15. September 2014, S. 10 Ziff. 20).
c) Im Hinblick auf die Beurteilung der Passivlegitimation der
Stockwerkeigentümerschaft ist nebst der zivilrechtlichen Berechtigung zur
Erstellung der Photovoltaikanlage auch die Frage nach dem Eigentum an
derselben – auch wenn diese im vorliegenden Verfahren nicht
abschliessend zu klären ist – zu berücksichtigen. Da sich das von den
Beschwerdegegnern 2 behauptete Sondernutzungsrecht aus dem (eher
rudimentären) Auszug aus dem Protokoll der Stockwerkeigentümerschaft
vom 23. April 2011 (vgl. Bg2-act. Duplik 1) nicht ohne Zweifel ableiten
lässt und es deshalb auch denkbar wäre, dass die
Stockwerkeigentümergemeinschaft aufgrund des in Art. 667 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) statuierten
Akzessionsprinzips Eigentümerin der fraglichen Photovoltaikanlage
geworden ist, ist die Stockwerkeigentümergemeinschaft – entgegen dem
prozessualen Antrag der Beschwerdegegner 2 – nicht aus dem Verfahren
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zu weisen. Vor dem Hintergrund der beschränkten Prozessfähigkeit von
Stockwerkeigentümergemeinschaften, welche je nach Streitgegenstand
differenziert zu beurteilen ist (vgl. dazu Urteil des Verwaltungsgerichts R
01 98 vom 29. Januar 2002 E.2b), ist es auch nicht zu beanstanden, dass
die Beschwerdeführer zwecks Vermeidung eines
Nichteintretensentscheids wegen fehlender Passivlegitimation nebst den
Beschwerdegegnern 2 als Bauherrschaft sicherheitshalber auch die
Stockwerkeigentümergemeinschaft ins Recht gefasst haben. Dies umso
mehr, als die Beschwerdegegner 2 den Nachweis ihrer zivilrechtlichen
Berechtigung – wie vorstehend erwähnt – erst im Rahmen ihrer Duplik
beigebracht haben.
3. a) Ebenfalls in formeller Hinsicht machen die Beschwerdeführer eine
Verletzung ihres rechtlichen Gehörs geltend, weil die Vorinstanz ihnen im
Verfahren betreffend ihrem Abklärungsgesuch vom 6. Dezember 2013 die
Stellungnahme der heutigen Beschwerdegegner 2 vom 13. März 2014
nicht zugestellt habe. Die Vorinstanz bestreitet dies nicht. Sie betrachtet
diesen Mangel aber als geheilt, weil sie nicht auf die Vorbringen in der
Duplik abgestellt habe und weil die eingehende Stellungnahme der
Beschwerdeführer zur Duplik in der Beschwerdeschrift zeige, dass ihnen
diese bekannt sei. Deshalb würde eine Rückweisung der Angelegenheit
ihrer Ansicht nach einem prozessualen Leerlauf gleichkommen.
b) Das vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR)
entwickelte "Replikrecht" stellt laut Bundesgericht einen allgemeinen
Verfahrensgrundsatz dar, der aufgrund von Art. 29 Abs. 1 der
Bundesverfassung (BV; SR 101) in allen gerichtlichen Verfahren
anwendbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2012 vom 26. Juni
2012 E.3.1; BGE 133 I 100 E.4.6). Das Bundesgericht liess zunächst
offen, ob das „Replikrecht“ auch im Verwaltungsverfahren gelten solle
(BGE 133 I 98 E.2.1). Nun hat es diese Frage in BGE 138 I 154 E.2.5
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jedoch verneint. „Die allgemeinen Verfahrensgarantien von Art. 29 BV
gelten für alle Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen. Das
schliesst aber nicht aus, bei der Konkretisierung der in Art. 29 BV
enthaltenen Verfahrensgrundsätze den sachlichen Unterschieden
zwischen den verschiedenen Behörden und Verfahrenskonstellationen
Rechnung zu tragen (vgl. etwa BGE 135 II 286 E.5.3 S. 295 f.; BGE 123 I
63 E.2d S. 68 ff.; BGE 119 Ia 141 E.5c S. 149 ff.). Zum Recht auf
Kenntnisnahme von und Stellungnahme zu Eingaben der übrigen
Verfahrensbeteiligten in gerichtlichen Verfahren hat das Bundesgericht
klare Regeln aufgestellt (BGE 137 I 195 E.2.3.1 mit Hinweisen; Urteil
1C_521/2011 vom 23. November 2011 E.2.2). Auch nach der Praxis des
EGMR gilt ein solches Recht nur im Verfahren vor Gerichten, nicht vor
anderen Behörden (Urteil des EGMR Schaller-Bossert gegen Schweiz
vom 28. Oktober 2010 [41718/05], § 29-32). Selbst mit Blick auf die an
sich anzustrebende Parallelität zwischen den Verfahrensgarantien der
EMRK und denjenigen der Bundesverfassung besteht daher kein Anlass,
aus Art. 29 BV ein Recht auf Kenntnisnahme von und Stellungnahme zu
Eingaben der übrigen Verfahrensbeteiligten auch im Verfahren vor
anderen als gerichtlichen Behörden abzuleiten“.
Es ist deshalb davon auszugehen, dass durch die Nichtzustellung der
Duplik der Beschwerdegegner 2 vom 13. März 2014 keine Rechte der
Beschwerdeführer verletzt worden sind. Daran ändert auch der Umstand
nichts, dass der vorzitierte Bundesgerichtsentscheid in der Lehre auf
Kritik gestossen ist (dazu KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Auflage, Zürich 2013,
Rz. 527 m.w.H). Für das Verwaltungsgericht besteht vorliegend kein
Anlass, von der zitierten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
abzuweichen.
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c) Zudem ist darauf hinzuweisen, dass eine allfällige Verletzung des
rechtlichen Gehörs – wenn dies nicht schon im vorliegenden Verfahren
der Fall gewesen wäre – bei diesem Ausgang des Verfahrens spätestens
im erneuten Verfahren vor der Vorinstanz geheilt werden würde (vgl.
nachfolgend Erwägung 6a).
4. a) Des Weiteren bemängeln die Beschwerdeführer, dass die Vorinstanz im
Zusammenhang mit dem gerügten Verstoss gegen das
Umweltschutzgesetz ihrer Abklärungs- und Handlungspflicht nicht
nachgekommen sei und dass insbesondere die Nichtdurchführung des
beantragten Augenscheins eine Verletzung ihres rechtlichen Gehörs
darstelle.
b) Als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2
BV besitzen Verfahrensbeteiligte das Recht, an der
Sachverhaltsabklärung mitzuwirken und insbesondere neue
Beweisanträge zu stellen. Diesem Mitwirkungsrecht der Parteien
entspricht die Pflicht der Behörde, die Argumente und Verfahrensanträge
der Partei entgegenzunehmen und zu prüfen sowie die ihr rechtzeitig und
formrichtig angebotenen Beweismittel abzunehmen, es sei denn, diese
beträfen eine nicht erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich
untauglich, über die streitige Tatsache Beweis zu erbringen (vgl. BGE 124
I 241 E.2 m.w.H.). Auf die Einholung weiterer Beweismittel darf alsdann
verzichtet werden, wenn die Behörde aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne
Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung annehmen kann, dass
seine Überzeugung durch weitere Beweiserhebungen nicht geändert
würde (sog. antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 136 I 229 E.5.3
m.w.H.).
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c) Zudem ergibt sich für die Vorinstanz zufolge der Kenntnis von
Verhaltensweisen oder Zuständen, welche möglicherweise gegen die
Umweltschutzgesetzgebung verstossen, aus Art. 3 der kantonalen
Umweltschutzverordnung (KUSV; BR 820.110) eine Abklärungs- und
Handlungspflicht. Es ist zwar unbestritten, dass die Vorschriften über die
Sanierung (Art. 16 ff. USG) im vorliegenden Fall mangels nachträglicher
Fehlerhaftigkeit der Anlage nicht zur Anwendung gelangen (vgl.
Vernehmlassung der Vorinstanz vom 14. Juli 2014, S. 11 sowie Replik
der Beschwerdeführer vom 15. September 2014, S. 8). Dies schliesst
indes nicht aus, dass ein allenfalls vorschriftswidriger Zustand
nachträglich zu korrigieren wäre. Die Prüfung der nachträglichen
Anordnung von Massnahmen zur Emissionsbegrenzung erscheint gerade
in jenen Fällen als angezeigt, wo – wie im vorliegenden Fall – die
Immissionen bei Erteilung der Bewilligung nicht oder nicht vollständig
vorausgesehen werden konnten oder wo eine zuverlässige Prognose
schwierig war. Die Wiederherstellung des gesetzmässigen Zustandes
setzt in diesen Fällen eine umfassende Interessenabwägung voraus,
wobei dem Interesse an der Wahrung der Rechtssicherheit
beziehungsweise am Vertrauensschutz nicht dasselbe Gewicht zukommt
wie beim vollständigen Widerruf einer Verfügung, zumal der Eingriff in die
Rechtsposition des Betroffenen weniger stark ausfällt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012 E.4.2 m.w.H.).
Gemäss Art. 18a Abs. 1 des Raumplanungsgesetzes (RPG; SR 700)
bedürfen genügend angepasste Solaranlagen keiner Baubewilligung,
sondern sind lediglich der zuständigen Behörde zu melden. Gemäss
Art. 32a Abs. 1 der Raumplanungsverordnung (RPV; SR 700.1) gilt eine
Solaranlage unter anderem dann als genügend angepasst, wenn sie nach
dem Stand der Technik reflexionsarm ausgeführt wird. Im Umkehrschluss
bedeutet dies, dass Solaranlagen, welche eine Blendwirkung
verursachen, die Voraussetzungen für die Bewilligungsfreiheit nicht
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erfüllen und damit Gegenstand eines nachträglichen
Bewilligungsverfahrens bilden können, in welchem die Zulässigkeit der
Blendwirkung zu beurteilen ist. Mit anderen Worten steht die Rechtskraft
einer Bewilligung der nachträglichen Beurteilung und Anpassung von
Lichtimmissionen und damit auch von Reflexionsstrahlung nicht
entgegen.
d) Die Vorinstanz hätte demnach in einem ersten Schritt zu prüfen gehabt,
ob die umstrittene Anlage den von den Beschwerdeführern angerufenen
umweltschutzrechtlichen Bestimmungen widerspricht, mithin ob das von
der Photovoltaikanlage reflektierte Sonnenlicht – welches eine Einwirkung
im Sinne von Art. 7 Abs. 1 USG darstellt (vgl. GRIFFEL/RAUSCH,
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, Ergänzungsband zur 2. Auflage,
Zürich 2011, Art. 7 Rz. 11) – als schädliche oder lästige Einwirkung im
Sinne von Art. 1 Abs. 1 USG zu qualifizieren ist. Da für den Schutz vor
sichtbarem Licht bis anhin keine verbindlichen Regelungen bestehen,
haben die rechtsanwendenden Behörden in Beachtung von Art. 12 Abs. 2
USG unmittelbar die Art. 11-14 sowie Art. 16-18 USG anzuwenden (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012 E.5.2 sowie
1C_105/2009 vom 13. Oktober 2009 E.3.1). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung sind die in Art. 14 USG für Luftverunreinigungen
statuierten Anforderungen entgegen dem Wortlaut auch auf die
Einwirkungen von Strahlen anzuwenden (vgl. BGE 124 II 219 E.7a mit
Hinweis). Gegebenenfalls hätte die Vorinstanz dann in einem zweiten
Schritt zu prüfen gehabt, ob die nachträgliche Anordnung von
Massnahmen zur Emissionsbegrenzung verhältnismässig ist (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012, E.4.2).
e) Die Vorinstanz ist der Ansicht, sie habe zur Erhebung des Sachverhalts
infolge Ortskenntnis und der entsprechenden Äusserungen der Parteien
auf einen Augenschein verzichten und die Blendwirkung gestützt auf das
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von den Beschwerdeführern beigebrachte Privatgutachten beurteilen
können. Auch wenn sich die Bewilligungsbehörde gemäss BGE 140 II
214 E.3.3 bei der Beurteilung von Lichtimmissionen auf Angaben von
Experten und Fachstellen abstützen kann, ist der Argumentation der Vor-
instanz im vorliegenden Fall nicht zu folgen. Die Örtlichkeiten und die
Lage der Liegenschaften sowie die Distanzen sind zwar aktenmässig
belegt und von den Parteien nicht bestritten. Um sich aber tatsächlich
einen Eindruck über die umstrittene und ihr mit Sicherheit nicht bekannte
Blendwirkung zu verschaffen, wäre es jedoch unumgänglich gewesen, auf
dem Balkon der Beschwerdeführer einen Augenschein durchzuführen.
Dabei ist zu erwähnen, dass auch hinsichtlich der Lichtimmissionen,
welche Gegenstand des vorzitierten BGE 140 II 214 waren, zwei
Augenscheine durchgeführt worden sind. Im Verfahren, welches zum
bisher einzigen Bundesgerichtsurteil zur Blendwirkung von Solarpaneelen
geführt hat, wurden gar vier Augenscheine durchgeführt (vgl. das
ebenfalls bereits erwähnte Urteil des Bundesgerichts 1C_177/2011 vom
9. Februar 2012). Mit anderen Worten hat die Vorinstanz mit der
unzulässigen Ablehnung des Beweisantrages auf Durchführung eines
Augenscheins in antizipierter Beweiswürdigung nicht nur Art. 29 Abs. 2
BV, sondern auch ihre Abklärungs- und Handlungspflicht nach Art. 3
KUSV verletzt.
5. Weil die Vorinstanz auf die Durchführung eines Augenscheins – wie
soeben ausgeführt – verzichtet hat, haben die Beschwerdeführer den
entsprechenden Antrag im vorliegenden Verfahren erneuert. Es ist jedoch
nicht Sache des Verwaltungsgerichts als Rechtsmittelinstanz, für die
ausreichende Feststellung des Sachverhalts zu sorgen. Daran ändert
auch nichts, dass die Beschwerdeführer das Verwaltungsgericht darum
ersuchen, die nötigen Abklärungen unter Heilung des entsprechenden
Mangels selber vorzunehmen und anschliessend im Sinne von Art. 56
Abs. 3 des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
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BR 370.100) selber zu entscheiden. Die Vorbringen der
Beschwerdeführer, wonach die Rückweisung einen prozessualen Leerlauf
darstellen würde, weil die Vorinstanz ohnehin den gleichen Entscheid
fällen werde, da sie aufgrund des bereits vorliegenden Entscheids sowie
der Tatsache, dass der Ehemann der Beschwerdegegner 2 ein
ehemaliges Mitglied des Bauamtes der Gemeinde sei, befangen sei, sind
zudem haltlose und unbewiesene Behauptungen.
6. a) Damit ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Antrag der
Beschwerdeführer auf Durchführung eines Augenscheins in Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV sowie
ihrer Abklärungs- und Handlungspflicht gemäss Art. 3 Abs. 1 KUSV zu
Unrecht abgelehnt hat. Die vorliegende Beschwerde ist deshalb
gutzuheissen, der angefochtene Entscheid ist aufzuheben und die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Zwecks Beurteilung der Intensität der von der
streitgegenständlichen Photovoltaikanlage ausgehenden Lichtreflexionen
hat die Vorinstanz in der nächsten Reflexionsperiode (April oder Mai
2015) bei schönem Wetter zwischen ca. 15:30 Uhr und 17:00 Uhr (vgl.
Reflexionsgutachten vom 31. August 2012 in Beilagen der
Beschwerdeführer [Bf-act.] 12, S. 2) auf dem Balkon der
Beschwerdeführer ein Augenschein durchzuführen. Anlässlich dieses
Augenscheins wird die Vorinstanz auch beurteilen können, ob zur
weiteren Ermittlung des Sachverhalts allenfalls die Einholung eines
behördlichen Gutachtens angezeigt wäre. Ebenfalls bei dieser
Gelegenheit ist darüber zu befinden, ob zur Beurteilung der Möglichkeit,
die Photovoltaikanlage auf die Westseite des Daches zu verlegen, ein
Gutachten einzuholen ist.
b) Da der vorliegende Rückweisungsentscheid auf einem Verfahrensmangel
beruht, gehen die Kosten des vorliegenden Verfahrens zulasten der
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Vorinstanz, während die Beschwerdegegner 2 keine Kosten zu tragen
haben. Gleiches gilt für die ebenfalls ins Recht gefasste
Stockwerkeigentümergemeinschaft der Parzelle Nr. 40, welche die
Beschwerdegegner 2 nachweislich zur Erstellung der umstrittenen Anlage
ermächtigt hat. Überdies ist die Vorinstanz gestützt auf Art. 78 Abs. 1
VRG zu verpflichten, den in ihren Rechtsbegehren 1 und 4 obsiegenden
Beschwerdeführern alle durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen
Kosten zu ersetzen. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführer hat dem
Verwaltungsgericht am 28. Oktober 2014 eine Kostennote zukommen
lassen, aus welcher sich für die vorliegende Angelegenheit ein
Gesamtaufwand von Fr. 6'965.85 ergibt. Dieser setzt sich zusammen aus
33.4 von Rechtspraktikanten geleisteten Stunden à Fr. 180.-- sowie aus
einer Stunde eines Rechtsanwalts à Fr. 250.-- zuzüglich
Kleinspesenzuschlag und 8 % Mehrwertsteuer. Damit der gestützt auf
Art. 78 Abs. 1 VRG zuzusprechenden aussergerichtlichen Entschädigung
lediglich die Aufwendungen für das vorliegende Beschwerdeverfahren
abzugelten sind und ein grosser Teil der auf der Kostennote vom
28. Oktober 2014 aufgeführten Leistungen bereits vor dem Erhalt des
angefochtenen Entscheids am 30. April 2014 angefallen sind, ist die
Entschädigung entsprechend zu kürzen. Die Vorinstanz hat die
Beschwerdeführer demnach aussergerichtlich mit Fr. 3'624.50 (16.7
Stunden der Rechtspraktikanten à Fr. 180.-- sowie eine Stunde des
Rechtsanwalts à Fr. 250.-- = Fr. 3'256.-- zzgl. Kleinspesenzuschlag in
Höhe von Fr. 100.-- sowie 8 % MWST auf Fr. 3'356.--) zu entschädigen.