Decision ID: 221e829a-26e0-41c0-ae43-15f1e92c1c73
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1978 geborene
X._
ist gelernte Autolackiererin
und schloss ihre Ausbildung im August 1997 ab (
Urk.
7/15 S. 4).
Am 2
1.
Dezember 1998 heiratete die Versicherte ein erstes Mal und ist seit dem
7.
Juni 1999 Mutter; am
3.
Mai 2002 erfolgte die Scheidung der Ehe, wobei der Sohn unter die elterliche Sorge der Versicherten gestellt wurde (
Urk.
7/2).
Am
4.
Juli 2003 heiratete die Versicherte erneut (
Urk.
7/7). Der erste Mann der Versicherten wurde am
8.
Mai 2004 tot aufgefunden (
Urk.
7/4), was ab dem
1.
Juni 2004 zur Ausrichtung einer Witwen- und Waisenrente führte (
Urk.
7/6).
Der Rückforderungsverfügung vom 1
3.
Oktober 2004 ist dabei zu entnehmen, dass hinsichtlich der zweiten Ehe keine rechtskräftige Scheidung vorliegt und lediglich von einem Getrenntleben auszugehen ist (
Urk.
7/9); mit Namenserklärung vom
8.
Mai 2006 nahm die Versicherte wieder ihren ledigen Namen an (
Urk.
7/11).
Neben ihren familiären Verpflichtungen übte die Versicherte in der Zeit von 1999 bis 2012 eine Vielzahl von Tätigkeiten in unterschied
lichen Branchen aus;
aufgrund der erzielten Einkommen ist dabei auf geringe
Pensen
zu schliessen
(
Urk.
7/20). Seit dem
1.
Februar 2013 war die Versicherte bei der
O._ A
G als Montagemitarbeiterin
zu 100
% angestellt, wobei sie die Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen auf
geben musste (letzter effektiver Arbeitstag
: 1
0.
Februar 2014;
Urk.
7/23).
In der Zeit vom 2
5.
April bis 2
5.
Juni 2014 weilte die Versicherte zur statio
nären T
herapie im Sanatorium
Y._
;
eine teilstationäre Behandlung fand in der Zeit vom
9.
Juli bis 2
6.
August 2014 stat
t (
Urk.
7/29/
3). Vom 2
7.
Oktober 2014 bis 2
9.
Mai 2015 wurde die teilstationäre Behandlung im Psy
chiatriezentrum
Z._
(
A._
AG) fortgesetzt
, seit Juni 2015 an der Tagesklinik Psychotherapie
P._
(Urk.
7/51/
1)
.
Nach Abklärung des medizinischen Sachverhalts teilte die IV-
Stelle der Versicherten mit Mit
teilung vom 2
4.
November 2015 mit, dass derzeit keine beruflichen Einglie
de
rungsmassnahmen möglich seien, unter Hinweis auf eine separate Ver
fü
gung bezüglich des Rentenanspruchs (
Urk.
7/50). Mit Vorbescheid vom 2
3.
März 2016 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
7/58) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 1
7.
Mai 2016
(kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen)
fest (
Urk.
7/59 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Vertreterin der Versicherten am 1
5.
Juni 2016 Beschwerde und beantragte, es sei
en
der Beschwerdeführerin Leistungen der
Invaliden
ver
sicherung beziehungsweise
(
berufliche
)
Eingliederungsmassnahmen
zuzu
spre
chen, unter Kosten – und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwer
degegnerin. Weiter sei ein zweiter Schriftenwechsel anzuordnen und der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juli 2016 beantragte die Beschwerde
geg
ne
rin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Replik vom 1
3.
Oktober 2016 hielt
die Vertreterin der Beschwerdeführerin an den beschwerdeweise gestel
lten Anträgen fest (
Urk.
11). Mit Schreiben vom
8.
Februar 2017 teilte die Be
schwer
degegnerin den Verzicht auf das Einreichen einer Duplik mit (
Urk.
16), was der
beschwerdeführenden
Partei mit Verfügung vom 1
3.
Februar 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundes
ge
setzes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
ben
de ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Be
ur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise
wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtspre
chungs
ge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. Novem
ber 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundes
ge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restar
beits
fähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft
tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.2
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhal
ten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Fest
legung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Er
werbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglich
keit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen not
wen
dig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Massnahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
be
ruf
liche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapital
hilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
1.
3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zuge
mutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und dem
nach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurtei
lung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweis
wertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung
(kein
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen
)
damit, dass
die im Februar 2014 be
schriebene Diagnose durch die Behandlung
abgeklungen sei und damit kein
Leiden
mehr bestehe, welche
s
eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die Vertreterin der Beschwerdeführerin im Wesent
lichen geltend, dass ihre Mandantin aufgrund der psychischen Beschwerden
weiterhin in anspruchsbegründendem Ausmass in ihrer Arbeitsfähigkeit ein
ge
schränkt sei und zur Reintegration in den Arbeitsmarkt dringend auf
(
beruf
liche
)
Massnahmen der Invalidenversicherung angewiesen sei (
Urk.
1 S. 4). Im Rahmen der Replik führte die Vertreterin der Beschwerdeführerin weiter aus, dass die psychischen Beeinträchtigungen infolge des ADHS im Erwach
se
nenalter, der rezidivierenden depressiven Störung sowie der Persönlich
keits
akzentuierung bestehen würden. Diese Einschränkungen würden als Grund
erkrankungen a
uch auf längere Sicht bestehen bleiben und eine umsichtige Unterstützung erfordern. Für die Wiedereingliederung sei
en sowohl
eine Poten
tialabklärung sowie ein Aufbau- und Belastbarkeitstraining als auch eine Umschulung zu empfehlen (
Urk.
11 S. 8).
D
ie Beschwerdeführerin
sei
an einer Wiedereingliederung interessiert (S. 9).
3.
3.1
Die für den Austrittsbericht vom 2
8.
August 2014 verantwortlichen Fachärzte des
Sanatoriums
Y._
diagnostizierten eine einfache Aktivitäts- und Auf
merksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
. Die Beschwerdeführerin habe sich bei ihnen vom
9.
Juli bis 2
6.
August 2014 in teilstationärer Behandlung befunden
(stationär vom 2
5.
April bis zum 2
5.
Juni
2014,
Urk.
7/29/3)
. Neben
der medikamentösen Therapie sei
die Beschwerdeführerin im Oktober für eine ADHS-Coaching-Gruppe angemeldet. Nach Abbruch des tagesklinischen Aufenthalts würden sie eine Einzelps
ychotherapie empfehlen sowie den Besuch der
genannte
n
ADHS-Coaching-Gruppe (
Urk.
7/51/11-15).
3.2
Die für den Bericht des Psychiatriezentrums
Z._
vom 2
9.
Januar 2015
verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten eine einfache Aktivitäts- und Auf
merksamkeitsstörung im Erwachsenenalter, Diagnose bereits seit der Kind
heit
,
damals jedoch unbehandelt (ICD-10 F90.0), eine rezidivierende depres
sive Störung, inzwischen noch eine leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0) sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit histrionischen und unrei
fen Anteilen (ICD-10 F61.0). Die Beschwerdeführer
in
stehe bei ihnen seit dem 2
7.
Oktober 2014 in
teilstationärer
Behandlung. Neben der medikamentösen Therapie finde ein multimodales Therapieprogramm statt, daneben wöchent
liche psychiatrisch-psychotherapeutische Einzelgespräche, wobei die Be
schwe
r
de
führerin zusätzlich regelmässig
zu ihrer ambulanten
Behandlerin
,
Frau
lic
. phil
.
B._
, gehe.
Die bisherige Tätigkeit mit Kontrollaufgaben und
sich
wiederholenden Tätigkeiten sei aufgrund der ADHS-Erkrankung nicht geeig
net. Sie würden nach der tagesklinischen Behandlung ei
ne Teilarbeits
fähigkeit erwarten
, welche im Verlauf noch gesteiger
t werden könne. Eine angepasste
Tätigkeit müsse noch gefunden werden, idealerweise mit Hilfe der
Invalidenversicherung
. Grad und Zeitpunkt der Teilarbeitsfähigkeit sei
en
aktu
ell noch nicht abschätz
bar (
Urk.
7/49/
9-12).
3.3
In ihrem Bericht vom 2
7.
April 2015 führten die Fachärzte des Psychia
trie
zentrums
Z._
aus, dass seit Mitte März eine ausreichende Stabilisie
rung erreicht worden sei, sodass seit dem
7.
April
2015
bei 100%iger Arbeits
unfähigkeit ein Arbeitsversuc
h gestartet werde (Urk. 7/49/
8).
Dem Bericht vom
1
9.
Juni 2015 ist dabei zu entnehmen, dass ab Juli 2015 eine Festanstellung
in einem Gartenzentrum bei einem Pensum von
40
%
geplant
war
(
Urk.
7/51
/
10).
3.4
Lic
. phil.
B._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, sowie
Dr.
med. univ.
C._
, Facharz
t
FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie
(Zentrum für integrative Psychiatrie und Psychotherapie, ZIPP)
, diagnostizierten in ihrem Bericht vom
6.
August 2015 eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, abhängig-selbstunsicheren, histrionischen und unreifen Anteilen (ICD-10 F61.0); eine einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeits
stö
rung im Erwachsenenalter (ICD-10 F90.0); eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4); Probleme mit Bezug auf körper
liche Misshandlung eines Kindes (ICD-10 Z61.6); Familienzerrüttung durch Trennung oder Scheidung (ICD-10 Z63.5); Verlust einer nahen Bezugsperson in der Kindheit (ICD-10 Z61.0) sowie Probleme mit Bezug auf emotionale Vernachlässigung eines Kindes (ICD-10 Z62.4).
Der geplante berufliche Wiedereinstieg in einem Gartencenter in einem 40%-
Pensum ab Juli 2015 habe sich als verfrüht herausgestellt. Per Ende Juni 2015
sei ein Wechsel in die Tagesklinik für Psychotherapie
P._
erfolgt, wo im Atelier der Tagesklinik ein Belastbarkeitstraining erfolge. In der ange
stamm
ten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit,
zudem sei per Januar 2015
die Kündigung durch den Arbeitgeber erfolgt. Eine der Beeinträch
ti
gungen der Beschwerdeführerin angepasste Tätigkeit und die Belastbarkeit in einer solchen sei im Rahmen einer IV-gestützten Integrationsmassnahme (Potentialabklärung, Belastbarkeit- und Aufbautraining, Laufbahnberatung)
abzuklären. Aufgrund der ADHS-bedingten Einschränkungen in der Aufmerk
sam
keit und Tendenz zur Selbstüberforderung sollte die Arbeitstätigkeit keine
zu hohen Anforderungen an die Aufmerksamkeitsleistung stellen, abwechs
lungsreich beziehungsweise wenig monotone Aufgaben und leichtere körper
liche Arbeiten (keine reine Büroarbeit) umfassen. Weiter sollten Arbeitszeiten und Pausen klar festgelegt we
rden
, um einer Überforderung entgegenzu
wirken. Die Arbeitsfähigkeit sei im Rahmen eines Belastbarkeitstrainings abzuklären (
Urk.
7/49/2-5).
3.5
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (RAD), hielt in ihrer Stellungnahme vom 1
0.
Februar 2016 dafür, dass die Diagnose
einer rezidivierenden depressiven Störung nicht nachvollzogen werden könne
. Die erste Behandlung habe aufgrund eines Erschöpfungssyndroms stattge
funden, frühere Episoden würden nicht erwähnt. Die durch die psychosoziale Krise ausgelöste Symptomatik sei am 2
5.
November 2015 remittiert. Warum das bis 2014 unbehandelte ADHS aktuell eine Arbeitsunfähigkeit begründen solle sei nicht nachvollziehbar, insbesondere da die Beschwerdeführerin medi
kamentös behandelt
werde
. Vor dem
Erschöpfungssyndrom und ohne medikamentöse Behandlung sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben ge
we
sen. Ob tatsächlich eine Persönlichkeitsstörung vorliege
,
könne bezweifelt werden, vor allem auch, weil in den verschiedenen Berichten unter
schied
li
che Anteile genannt würden. Auch wenn eine solche vorliegen würde, habe
diese die Arbeitsfähigkeit vor dem Erschöpfungssyndrom nicht einge
schränkt
.
Insgesamt sei ein dauerhafter Gesundheitsschaden nicht ausgewiesen (
Urk.
7/57
S. 6).
3.6
Mit
Bericht
vom 2
9.
September
2016 nahmen
lic
. phil.
B._
und
Dr.
C._
zur Einschätzung von
Dr.
D._
Stellung.
Nach ihrer Einschät
zung sind
die rezidivierenden depressiven Episoden eine Folge des unbe
han
delten ADHS. Daneben
ist
von einer frühkindlichen Traumatisierung
mit körperlicher und emotionaler Misshandlung sowie frühem Verlust der Mutter durch einen abrupten Beziehungsabbruch auszugehen. Bis Februar 2014 habe die Arbeit für die Beschwerdeführerin eine Bewältigungsstrategie dargestellt, wobei die Angst vor einem Stellenverlust zu einer anhaltenden Überforde
rung und im Ergebnis zu einer Erschöpfungsdepression geführt habe. Bei nachlassender Leistung habe die Beschwerdeführerin ihre Stellen jeweils selber gekündigt, bevor man
ihr
habe
kündigen k
ö
nne
n
und sei daher nie länger als ein Jahr an einer Arbeitsstelle
gewesen. Eine psychotherapeutische Behandlung habe sie aus Angst davor, dass man ihr die Betreuung des Sohnes nicht mehr zutrauen könnte, bis 2013 nicht in Anspruch genommen.
Aufgrund der psychischen Beeinträchtigungen als Folge der Grunderkran
kung
en sei von einer längerfristigen Einschränkung in der beruflichen Leis
tungsfähigkeit auszugehen, wobei bei der beruflichen Wiedereingliederung eine umsichtige Unterstützung nötig sei. Dabei sei
en
Eingliederungs
massnah
men
angezeigt (Potentialabklärung,
Aufba
u- und Belastungstraining, Um
schu
lung).
In der angestammten Tätigkeit sei auf dem freien Arbeitsmarkt von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Sowohl für eine be
ruf
liche Massnah
me als auch für eine angepasste
Tätigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt
(versuchsweise) sei
aber
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus
zugehen (
Urk.
12/1).
4.
4.1
Hinsichtlich der allein Streitgegenstand bildenden Frage nach dem Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
ergibt sich Folgendes:
Aufgrund der vor
liegenden medizinischen Akten
ist ersichtlich, dass – mit Ausnahme von
Dr.
D._
vom RAD – alle involvierten Fachpersonen von einer namhaften Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auch in einer angepassten Tätigkeit aus
gehen. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang
darauf
, dass die Beschwer
deführerin seit dem 2
5.
April 2014 in engmaschiger psychiatrisch-psychothe
ra
peutischer Behandlung steht und in diesem Rahmen mehrere Arbeitsver
suche unternommen hat.
Ein Wiedereinstieg in einem 40%-Pensum erwies sich dabei im Juli 2015 als verfrüht, woraus ebenfalls auf das weiterhin
eingeschränkte Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin geschlossen wer
den
kann. Vor diesem Hintergrund erscheint die Annahme einer Arbeits
fähig
keit für berufliche Massnahmen oder in
einer
optimal
angepassten Tätig
keit von 50% nicht abwegig.
Ungeachtet einer prozentgenauen Ein
schätzung der Restleistungsfähigkeit kann auf jeden Fall festgehalten werden, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der bestehenden Grunderkrankungen erheblich in ihrer Arbeits-
beziehungsweise
Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist
.
Laut
Emp
fehlung von
lic
. phil.
B._
und
Dr.
C._
in ihrem Bericht vom
6.
August 2015 erscheint es dabei sinnvoll, die Arbeitsfähigkeit im Rahmen
eines Belast
barkeits
trainings zu ermitteln, falls dies
mit Blick auf angezeigte
berufliche
Massnahme
n
nötig
sein sollte
.
4.2
Auch wenn es zutrifft, dass d
as depressive Geschehen mittlerweile nicht mehr im Vordergrund steht, vermögen die Ausführungen
der RAD-Ärztin
Dr.
D._
nicht
zu überzeugen. Wie
lic
.
phil
B._
und
Dr.
C._
in ihrer Stellung
nahme vom 2
9.
September 2016 nachvollziehbar ausführen, kann aufgrund fehlender ärztlicher Zeugnisse in der Zeit vor Februar 2014 nicht per se auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit geschlossen werden.
Vielmehr lässt die vorlie
gende Erwerbsbiographie den Schluss zu, dass es der Beschwerdeführerin nicht möglich war, auch nur kurz- oder mittelfristig einer vollen Erwerbs
tätigkeit nachzugehen; auch die jeweils erzielten Jahreseinkommen
waren
meist bescheiden
(
Urk.
7/20)
. Entsprechend den Ausführungen der behan
deln
den Fachärzte ist
dabei der häufige Stellenwechsel
im Zusammenhang
mit den vorliegenden Grunderkrankungen zu sehen, so dass wohl schon in der Zeit vor Februar 2014 von einer wesentlichen Einschränkung der A
rbeits
fähigkeit auszugehen wäre.
4.3
Nach dem Gesagten – insbesondere angesichts der
fachärztlicherseits
atte
stier
ten namhaft eingeschränkten Arbeitsfähigkeit – ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie nach weiterer Abklärung den
Anspruch auf konkret in Frage kommende Eingliederungsmassnahmen (zu den
jeweils
unterschiedlichen leistungsspezifischen Anspruchsvoraus
setzungen vgl. auch Meyer/Reichmuth, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, Art. 8, Art. 8a, Art. 14a Abs. 2 und Art. 15 ff.) prüfe und hernach über den Leistungsanspruch neu befinde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzu
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend de
m Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwer
de
führerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der
Bedeutung der Streitsache und der Schwier
igkeit des Prozesses auf
Fr.
2'2
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wird bei diesem Ausgang des Verfahrens gegenstandslos.