Decision ID: 05b985b2-6951-48ec-9199-8597a4cd87fd
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1947, und
Y._
, geboren
1949,
sind seit
1
2.
September 1979
verheiratet
und Eltern zweier Kinder (geb
o
ren
1981 und 1985; vgl.
Urk.
6
/52
Ziff.
1-3).
Das Ehepaar hatte von
März
1982 bis
Februar
1985 Wohnsitz in
Z._
(vgl.
Urk.
6/52
Ziff.
4.2;
Urk.
6
/70 S. 8, S. 11)
, wobei die Ehefrau während dieser Zeit nicht erwerbstätig war.
Mit Verfügung vom 1
0.
März
2011 (
Urk.
6
/71 =
Urk.
3) sprach die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
X._
mit Wirkung ab
1.
April 2011 eine Altersrente von
Fr.
1‘842.-- pro Monat
auf der
Basis einer Beitragsdauer von 4
1 Jahren und
einem Monat
, eines massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommens von
Fr.
54‘288.-- sowie der Rentenskala 42 (Teilrente)
zu
.
Die
dagegen
von den
Eheleute
n
X._ und Y._
am
8.
April 2011 erhobene Einsprache (
Urk.
7/6) wies die Ausgleichs
kasse
mit Entscheid vom
5.
Juni 2012 ab (
Urk.
7/17 =
Urk.
2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom
5.
Juni 2012 (
Urk.
2)
erhoben
X._
und
Y._
am
4.
Juli 2012 Beschwerde mit
dem Antrag auf dessen Aufhebung und Schliessung der Beitragslücken bei der
Be
schwerdeführerin
in den Jahren 1982 und 1984
im Umfang von je sechs Mo
naten (
Urk.
1 S.
2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
6.
Juli 2012 (
Urk.
5) bean
trag
te die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was den Be
schwerde
führenden am
3.
August 2012 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Betrag der ordentlichen Altersrente wird durch zwei Elemente bestimmt: einerseits durch das Verhältnis zwischen der Beitragsdauer der versicherten
Per
son und jener ihres Jahrgangs (Rentenskala) sowie anderseits auf Grund ih
res
durch
schnittlichen Jahreseinkommens. Anspruch auf eine ordentliche Voll
rente haben Versicherte mit vollständiger Beitragsdauer (
Art.
29
Abs.
2 lit. a des Bun
des
gesetztes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung, AHVG), die zwi
schen dem
1.
Januar nach Vollendung des 2
0.
Altersjahres und dem 3
1.
Dezem
ber vor Eintritt des Versicherungsfalles während gleich vielen Jahren wie ihr Jahrgang Beiträge geleistet haben (
Art.
29
bis
Abs.
1 und
Art.
29
ter
Abs.
1 AHVG), wobei die Jahre, während welcher die verheiratete Frau auf Grund von
alt
Art.
3
Abs.
2 lit. b AHVG
(
in der bis End
e 1996 gültig gewesenen Fassung)
keine Bei
träge entrichtet hat, als Beitragsjahre gezählt werden (
Art.
29
bis
Abs.
2 AHVG, in
der bis Ende 1996 gültig gewesenen Fassung, in Verbindung mit
Ziff.
1 lit. g
Abs.
2 der Schlussbestimmungen der Änderung vom
7.
Oktober 1994, 1
0.
AHV-Revision).
Denn alt
Art.
3
Abs.
2 lit. b AHVG
bestimmt
e
, dass die nichter
werbs
tätigen Ehefrauen von Versicherten von der Beitragspflicht befreit
waren
.
1.2
Obligatorisch versichert nach Massgabe des AHVG in der seit
1.
Januar 1997 gültigen Fassung sind natürliche Personen mit Wohnsitz in der Schweiz (
Art.
1
Abs.
1 lit. a AHVG), natürliche Personen, die in der Schweiz eine Erwerbstätig
keit
ausüben (
Art.
1
Abs.
1 lit. b AHVG) sowie Schweizer Bürger, die im Aus
land im Dienste der Eidgenossenschaft oder vom Bundesrat bezeichneter Insti
tutionen tätig sind (
Art.
1
Abs.
1 lit. c AHVG). Vor der 1
0.
AHV-Revision waren gemäss
alt
Art.
1
Abs.
1 lit. c AHVG
auch Schweizer Bürger obligatorisch versi
chert, die im Ausland für einen Arbeitgeber in der Schweiz tätig waren und von diesem entlöhnt wurden. Diese Bestimmung erfuhr inhaltlich in
Art.
1
Abs.
3 AHVG in
soweit eine Änderung, als dieser Regelung nicht nur Schweizer Bürger, sondern auch Ausländer unterstehen und die Fortführung der Versicherung freiwillig ist.
1.3
Nach der Rechtsprechung des damaligen Eidgenössischen Ver
sicherungsgerichts (EVG) zu alt
Art.
29
bis
Abs.
2 AHVG konnte der sozialversicherungsrechtliche Grund
satz der Einheit des Ehepaares nur in jenen Fällen eine Ausdehnung der Versicherteneigenschaft des Ehemannes auf die Ehefrau nach sich ziehen, in denen die Versicherteneigenschaft des Ehemannes
entweder auf seinem schwei
zerischen Wohnsitz oder auf seiner Zugehörigkeit zur freiwilligen Versicherung für Auslandschweizer beruhte.
Der Schutz der Ehefrau eines nach
alt
Art.
1
Abs.
1 lit. c AHVG
obligatorisch Versicherten beschränkte sich nach der Recht
sprechung auf die Ausrichtung der Ehepaarrente und den Beitritt zur freiwilli
gen
Versicherung, dies im Wissen darum, dass sich daraus unbefriedigende Fol
gen ergeben können (BGE 126 V 217 E. 1d, 107 V 2 f. E. 1 f.; ZAK 1981 S. 338 f.
E.
3).
Eine Ausdehnung der Versicherteneigenschaft des infolge seiner Tätigkeit
im Aus
land für einen Arbeitgeber in der Schweiz
obligatorisch versicherten Ehe
mannes (
Art.
1
Abs.
1 lit. c AHVG, in der bis zum 3
1.
Dezember 1996 gültig gewesenen Fassung) auf dessen Ehefrau
ist auch
nach Inkraf
ttreten der 1
0.
AHV-Revision nicht gerechtfertigt. Zeiten, in welchen die Ehefrau - ohne der freiwilligen Versicherung beigetreten zu sein - mit ihrem nach Massgabe von alt
Art.
1
Abs.
1 lit. c
AHVG obligatorisch versicherten Ehemann Wohnsitz im Ausland hatte, können nicht als Beitragsjahre berücksichtigt werden (BGE 126 V 217). Dass eine Frau kraft ihrer Ehe in einem solchen Fall ebenfalls als versichert zu gelten hat, hat das höchste Gericht auch unter der vor der
1
0.
AHV-Revision geltenden Rechtslage klar verworfen (vgl. BGE 126 V 219 E.
1d
mit Hinweisen).
1.4
D
ie Versicherteneigenschaft
ist
persönlich und von jeder Person, auch von Ehe
gatten, persönlich zu erfüllen
(
Art.
1a AHVG;
BGE 126 V 220).
Von der Unter
stellung ist die beitragsrechtliche Erfassung
der Ehegatten zu unterscheiden. Dabei ist in
Art.
3
Abs.
3
lit. a
AHVG vorgesehen, dass bei nichterwerbstätigen Ehegatten von erwerbstätigen Versicherten die eigenen Beiträge als bezahlt gel
ten, sofern der Ehegatte Beiträge von mindestens der doppelten Höhe de
s Min
dest
beitrages bezahlt hat.
Ist bei internationalen Verhältnissen nur der eine Ehegatte der schweizerischen AHV unterstellt, kann sich
aufgrund des Erforder
nisses der persönlichen Versicherteneigenschaft
die Frage, ob die Beiträge des anderen Ehegatten als bezahlt gelten, nicht stellen (vgl. Kieser
,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Alters- und Hinterlassenen
versicherung,
3.
Auflage, 2012, Rz 22 und 24 zu
Art.
3 AHVG).
2.
2.1
Die Beschwerdeführenden machen geltend, dass die Beiträge der damals nicht
erwerbstätigen
Beschwerdeführerin
in den Jahren 1982 und 1984 als bezahlt zu gelten hätten, da der
Beschwerdeführer
die doppelte Höhe des Mindestbeitrages
be
zahlt habe. Die Beitragslücken der
Beschwerdeführerin
seien nach dem Grund
s
atz der Gleichbehandlung in den Jahren 1982 und 1984 im Umfang von je 6 Monaten aufzufüllen. In dieser Zeit habe der
Beschwerdeführer
in der Schweiz eine Erwerbstätigkeit ausgeübt und sei deshalb obligatorisch versichert gewesen. Man habe sich zudem 1982 und 1983 bezüglich einer freiwilligen Versicherung erkundigt und habe den Rat erhalten, dass dies aufgrund der Bei
tragszahlungen des
Beschwerdeführers
nicht notwendig sei. Gestützt auf diese Auskunft
, für wel
che
aber
keine Beweise vorhanden seien,
hätten sie vom Bei
tritt in die frei
willige Versicherung abgesehen, obwohl dies im Nachhinein an
gebracht gewe
sen wäre
. Es handle sich um eine Ungleichbehandlung der Ehe
frau
(
Urk.
1 S. 1 f.)
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Einspracheentscheid fest,
dass die
Beschwerdeführerin
in den Monaten Januar und Februar 1982 durch den
Beschwerdeführer
mitversichert gewesen sei. Ende Februar sei die Abreise ins Ausland erfolgt. Bei der
Beschwerdeführerin
hätten die Lücken in Bezug auf die Monate März bis Dezember 1982 mittels Monaten aus ihren Jugendjahren ge
schlossen werden können, weshalb im Jahr 1982 keine Beitragslücke bestehe. Die drei Monate, die von insgesamt 13 Monaten Jugendzeit danach noch zur Verfügung gestanden hätten, seien zur Schliessung der Lücken in den Monaten Januar bis März 1983 verwendet worden. Wenn die
Beschwerdeführerin
in der
Zeit von März 1982 bis Februar 1985 hätte versichert sein wollen, hätte sie sich der freiwilligen Versicherung anschliessen müssen. Dass diesbezüglich eine fal
sche Auskunft erteilt worden sei, sei nicht belegt.
Selbst wenn sich die
Be
schwer
deführerin
jedoch freiwillig hätte versichern lassen, so wäre sie nur für die Zeit, in der der
Beschwerdeführer
obligatorisch versichert war und Beiträge bezahlt
hat - im Zeitraum April bis September 1982 und April bis September 1984
–
ver
sichert gewesen. Die drei Monate, für welche die
Beschwerdeführerin
im Jahr 2011 versichert gewesen sei und Beiträge bezahlt habe, seien zur Schliessung der Lücken im Dezember 1984 und im Januar und Februar 1985 verwendet worden
(
Urk.
2 S. 3-4;
Urk.
5).
3.
3.1
Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführenden ist das Beitragsja
hr 1982 der Beschwerdeführerin
vollständig, da die Lücken in den Monaten März bis Dezember 1982 mittels Monaten aus ihren Jugendjahren geschlossen wurden
(vgl. das ACOR-Berechnungsblatt,
Urk.
2/2 S.
8 sowie S.
3 des angefochtenen Ent
scheides). Somit ist i
m vorliegenden Verfahren zu prüfen, wie es sich mit der Versicherteneigenschaft und den Beitragszeiten der
Beschwerdeführerin
in den Jahren 1983 und 1984 verhält.
3.2
Die Beschwerdeführenden hatten bis Februar 1982 Wohnsitz in der Schweiz. Da
nach befand sich
ihr
Wohnsitz
bis zur Rückkehr in die Schweiz im März 1985
in
Z._
(vgl.
Urk.
2/2 S. 8 und S. 11). Während dieser
Zeit war der Be
schwer
deführer
für einen Schweizer Arbeitgeber tätig (vgl. den
entsprechenden
Auszug
aus dem i
ndividuellen Konto;
Urk.
7/9/2-3) und damit nach Massgabe von alt
Art.
1
Abs.
1 lit. c AHVG
als
Schweizer Bürger, der
im Ausland für einen
Arbeit
geber in der Schweiz tätig war
,
weiterhin obligatorisch versichert.
Eine frei
willige Versicherung war für ihn nicht erforderlich.
3.3
Die Beschwerdeführerin
war während des Auslandaufenthaltes unbestritte
ner
massen nicht
erwerbstätig und nicht freiwillig versichert. Obligatorisch ver
si
chert war sie jedoch auch nicht, denn rechtsprechungsgemäss vermochte sich die
Versicherteneigenschaft
eines Ehemannes
nur dann
auf die Ehefrau
auszu
deh
nen, wenn
die Versicherteneigenschaft des Ehemannes entweder auf seinem schweizerischen Wohnsitz oder auf seiner Zugehörigkeit zur freiwilligen Versi
cherung für Auslandschweizer beruhte.
Dies
war
vorliegend
nicht der Fall, denn der
Wohnsitz des Beschwerdeführers befand sich im Ausland und auch er ge
hörte nicht der freiwilligen Versicherung an. Die Beschwerdeführerin war somit während ihres Auslan
daufenthaltes nicht versichert (vgl.
BGE 126 V 217
; vor
stehende E. 1.3).
3.4
Die beitragsfreien Jahre gemäss
alt
Art.
29
bis
Abs.
2 AHVG
in Verbindung mit
alt
Art.
3
Abs.
2 lit. b AHVG
, wonach die
nichterwerbstätige
Ehefrau
eines
Ver
sicherten von der Beitragspflicht befreit
war
,
können
aufgrund der
fehlenden
Ver
sicherteneigenschaft der Beschwerdeführerin
somit
nicht angerechnet wer
den
(BGE 107 V 2 E. 1 mit Hinweis).
Auch
vermag
der Umstand, dass der Be
schwer
deführer in den fraglichen Jahren den doppelten Mindestbeitrag
ent
richtete
, nichts zu ändern, denn auch
eine darauf gründende Mitbezahlung der Beiträge der Beschwerdeführerin
ist an die Voraussetzung geknüpft, dass die Beschwer
deführerin in diesen Jahren selbst versichert war
(vgl. vorstehend E. 1.4)
.
4.
Somit ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Beitragszeiten der Beschwer
de
führerin in den Jahren 1983 (April bis Dezember) und 1984 (Januar bis No
vember) unvollständig sind und sich weder mittels eigenen noch
mittels
Bei
tragszeiten des Beschwerdeführers schliessen lassen.
Dies folgt aus der fehlen
den
Versicherteneigenschaft der Beschwerdeführerin während ihres Ausland
aufent
haltes. Eine
gewisse
Ungleichbehandlung
und unbefriedigende Folgen sind da
bei nach höchstrichterlicher Rechtsprechung in Kauf zu nehmen (vgl. vorstehend
E. 1.3).
Für eine Falschauskunft seitens der Zentralen Ausgleichskasse über die Not
wendigkeit einer freiwilligen Versicherung liegen, wie die Beschwerdeführenden
selbst einräumen, keine Belege vor, weshalb sich Ausführungen zum Vertrau
ens
schutz (
Art.
9 der Bundesverfassung) erübrigen.
Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens. Dies führt zur Ab
weisung der Beschwerde.