Decision ID: 23fe72c1-faba-580f-9199-dca8757d1548
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich erstmals im April/Mai 2003 bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug einer Rente an (IV-act. 1 und 7). Sie gab an, von 1993 bis 2001 als
Raumpflegerin (Privathaushalte) tätig gewesen zu sein. Einen Beruf habe sie nicht
erlernt. Seit einer Schwangerschaft im Jahr 2001 leide sie an einem zervikoradikulären
Schmerzsyndrom, einer Gefühllosigkeit in den Armen, an Nacken-, Rücken- und
Hüftschmerzen sowie an ausstrahlenden Schmerzen in beide Arme mit Hyperästhesien
in den Händen.
A.b Im Januar 2005 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle bidisziplinär
(rheumatologisch-orthopädisch sowie psychiatrisch) begutachtet (Gutachten vom 25.
März 2005, IV-act. 20). Die Diagnosen lauteten:
• Korrelat-defizitäre skelettbezogene Schmerzklagen
• lumbo-vertebrales Syndrom bei/mit
- asymmetrischem l.-s. Übergangswirbel mit kompletter Assimilation links
- degenerativer Diskopathie L4/5 und Retrospondylolisthesis L5.
Dr. med. B._ erklärte, dass aus rheumatologischer Sicht weder im Erwerb (leichte bis
mittelschwere Tätigkeit mit max. gelegentlicher Hebebelastung 15 kg) noch im
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Haushalt eine Arbeitsunfähigkeit bestehe. Dr. med. C._ konnte keine die
Arbeitsfähigkeit nennenswert einschränkende psychiatrische Krankheit diagnostizieren.
Er hielt fest, dass die Persönlichkeit wohl etwas unreife Züge aufweise. Das Ausmass
einer Persönlichkeitsstörung sei aber noch nicht erreicht. Gegen das Vorliegen einer
somatoformen Störung spreche erstens der objektiv doch als gering zu bezeichnende
Leidensdruck, zweitens die Tatsache, dass der Tagesablauf, das partnerschaftliche
Verhalten, die Predigertätigkeit und die Ferienreisen keinen wesentlichen
Einschränkungen unterworfen seien und drittens das Fehlen eines irgendwie
greifbaren, genügend gewichtigen seelischen Konfliktes. Mit Verfügung vom 7.
September 2005 wies die IV-Stelle das Rentengesuch mit der Begründung ab, dass die
Versicherte weder als Hausfrau und Mutter noch in der Tätigkeit als Raumpflegerin in
ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei (IV-act. 24). Eine dagegen erhobene Einsprache
zog die Versicherte wieder zurück (IV-act. 28).
B.
B.a Im Mai/Juni 2011 meldete sich die Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Bezug
einer Rente an (IV-act. 37). Sie erklärte, an einem Zervikalsyndrom, an Hüftschmerzen
bei Arthrose, an einer Fibromyalgie, an Muskel- und Rückenschmerzen und an
Schmerzen und Kraftlosigkeit in den Armen zu leiden. Seit Oktober 2010 sei sie voll
arbeitsunfähig. Von Oktober 2007 bis Juni 2009 habe sie zu 50 % als Haushaltshilfe/
Reinigungsfrau für die D._ GmbH gearbeitet. Der Stundenlohn habe Fr. 25.--
betragen. Von Juli 2009 bis heute sei sie zum gleichen Stundenlohn zu 40 % als
Haushaltshilfe/Reinigungsfrau für die Bäckerei E._ tätig gewesen. Vom 1. Januar
2004 bis Oktober 2010 habe sie zudem zu 20 % als Hauswartin für die F._ AG
gearbeitet. Das Bruttoeinkommen habe sich auf Fr. 1‘200.-- pro Monat belaufen.
B.b Am 6. Juni 2011 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, bis am 31. Juli 2011 eine
relevante Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit der Verfügung vom 7.
September 2005 glaubhaft zu machen (IV-act. 42). Am 1. Juli 2011 reichte die
Versicherte ein Zeugnis von Dr. med. G._, Innere Medizin FMH, ein (IV-act. 47).
Dieser hatte am 27. Juni 2011 erklärt, dass sich bei der Versicherten ein bislang
therapieresistentes Fibromyalgie-Syndrom eingestellt habe. Ausserdem habe sich die
Symptomatik der chronischen rechtsseitigen Zervikobrachialgie bei Diskushernie C5/
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C6 beträchtlich verstärkt. Daneben bestünden eine rezidivierende Periarthropathie der
Schulter rechts und ein lumbospondylogenes Schmerzsyndrom. Die Versicherte sei
seit dem 11. Oktober 2010 voll arbeitsunfähig. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit sei
nicht absehbar. Dem Bericht von Dr. G._ hatte unter anderem ein Bericht der
Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 19. November 2009
beigelegen (IV-act. 47-7 f.). Die Ärzte hatten erklärt, dass als bildgebendes Korrelat für
die beidseitigen, leicht rechtsbetonten Zervikobrachialgien mit Ausstrahlung in das C6-
und C7-Dermatom eine Stenose HWK5/6 nachgewiesen worden sei. Angesichts der
schon seit April 2009 bestehenden Beschwerden sei der Versicherten eine Operation
angeboten worden, der die Versicherte jedoch noch ablehnend gegenüberstehe. Dr.
med. H._ von der Wirbelsäulenchirurgie I._ hatte am 13. Januar 2010 erklärt (IV-
act. 47-4 f.), dass die Versicherte an einer chronischen, rechtsbetonten
Zervikobrachialgie mit klinisch möglicher Radikulopathie C6, ohne fokale neurologische
Defizite, bei deutlicher, medianer, breitbasiger Diskushernie C5/C6 und begleitender
Stenose, leide (IV-act. 47-4 f.). Bei Therapieresistenz und subjektiv starkem
Leidensdruck sei die Indikation zur ventralen Diskektomie und Prothesen-Implantation
C5/C6 gegeben. Die Versicherte möchte momentan aber keinen operativen Eingriff.
B.c Bereits am 27. Mai 2011 war die Versicherte im Auftrag der Axa Winterthur Ver-
sicherungen AG von Dr. med. J._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, untersucht
worden (Bericht vom 30. Mai 2011, Fremdakten, nicht nummeriert). Dr. J._ hatte als
Diagnosen ein generalisiertes Fibromyalgiesyndrom und einen Verdacht auf ein Chronic
Fatigue-Syndrom, eine Bandscheibenprotrusion auf Höhe C6/C7 mit rezidivierendem
Zervikozephal- und Zervikobrachialsyndrom linksbetont sowie eine Osteochondrose
L4/L5 bei Verdacht auf Übergangsmissbildung (lumbalisierter S1-Wirbel) mit
lumbospondylogenem Syndrom angegeben. Dr. J._ hatte darauf hingewiesen, dass
der Auslöser der Fibromyalgie und der Chronic Fatigue-Problematik nicht bekannt sei.
Der Versicherten seien körperliche Einsätze im Erwerbsbereich nicht mehr zumutbar.
B.d Dr. G._ teilte RAD-Ärztin Dr. med. K._ am 18. August 2011 telefonisch mit,
dass die Versicherte wegen Schmerzen in allen Weichteilen in einer körperlich sehr
leichten Tätigkeit nur noch vier Stunden pro Tag arbeitsfähig sei (IV-act. 50). Körperlich
schwere Tätigkeiten seien ihr nicht mehr zumutbar. Am 29. September 2011 wurde die
Versicherte von RAD-Ärztin Dr. K._, Fachärztin für Allgemeinmedizin, untersucht (IV-
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act. 56). Sie gab an, dass die Versicherte an einer generalisierten Fibromyalgie bei
Diskushernien zervikal und lumbal ohne radikuläre Symptomatik leide. Die Abklärung
sei durch die generalisierten Schmerzen sehr erschwert gewesen. Für körperlich
schwere Arbeiten mit Anheben von Lasten sei die Versicherte wegen der Diskushernien
vollarbeitsunfähig. In einer körperlich leichten Tätigkeit (vorwiegend sitzend oder in
Wechselposition) könne von einer mindestens 50 %igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen
werden.
B.e Am 18. Oktober 2011 informierte die Versicherte die IV-Stelle darüber, dass sie
keine Bewerbungsbemühungen tätige, da sie voll arbeitsunfähig sei (IV-act. 58). Am 3.
Mai 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie keinen Anspruch auf
berufliche Massnahmen habe, da sie sich gesundheitsbedingt nicht in der Lage fühle,
an Eingliederungsmassnahmen mitzuwirken (IV-act. 66). Im Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt vom 31. Mai 2012 gab die
Versicherte an, dass sie heute ohne Behinderung zu 100 % als Haushaltshilfe,
Reinigungsfrau, Hauswartin, Produktionsmitarbeiterin oder Verkäuferin tätig wäre (IV-
act. 68). Diese Angaben bestätigte sie anlässlich einer Haushaltabklärung vom 15.
August 2012 (IV-act. 75). Dr. K._ notierte am 8. Oktober 2012, dass ihre
Einschätzung einer 50 %igen Arbeitsfähigkeit als Ausgangslage für die
Frühinterventionsphase gegolten habe und deshalb nicht als
Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Rentenprüfung übernommen werden könne (IV-act.
76). Es müsse eine rheumatologische/psychiatrische Begutachtung durchgeführt
werden. Am 13. Dezember 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie zur
Klärung der Leistungsansprüche eine rheumatologische und psychiatrische
Untersuchung als notwendig erachte (IV-act. 87). Mit der medizinischen Abklärung
würden Dr. med. L._, Facharzt FMH Rheumatologie und Innere Medizin, und Dr.
med. M._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, beauftragt. Triftige
Einwendungen gegen die Art der Begutachtung, die vorgesehenen Fachdisziplinen
sowie den/die Namen der begutachtenden Person/en könnten innert 10 Tagen ab
Zustellung dieser Mitteilung bei der IV-Stelle schriftlich eingereicht werden.
B.f Die bidisziplinäre Begutachtung fand am 5. März 2013 statt (Gutachten vom 17.
Juli 2013, IV-act. 92). Die Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit lauteten:
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• Chronisches Panvertebralsyndrom mit/bei
- Akzentuierung zervikothorakal und lumbal
- lumbosakraler Übergangsstörung mit Teillumbalisation S1
- degenerativen Veränderungen der HWS und LWS
- breitbasiger Diskushernie C5/C6 mit spinaler Stenose (MRI 11/2009)
- Diskopathie L4/5 ohne Nervenwurzelkompression mit V.a. segmentale Instabilität
(MRI, Funktionsaufnahmen 03/2013)
- Haltungsinsuffizienz bei Dekonditionierung infolge Schon- und
Schmerzvermeidungsverhalten bei dysfunktionaler Schmerzverarbeitung
• Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10: F41.2), DD Anpassungsstörung
mit Angst und depressiver Reaktion, DD hypochondrische Störung.
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter
Übergewicht und eine arterielle Hypertonie und Tachykardie, kontrollbedürftig, DD
situativ bedingt. Die Versicherte gab anlässlich der Begutachtung an, dass sie aktuell
an Schmerzen im Bereich des unteren Rückens, die gürtelförmig zu den Seiten
beidseits ausstrahlten und abends ausgeprägter vorhanden seien, leide. Ausserdem
bestehe ein Nacken- und Schulterschmerz beidseits, der beidseits zur Nackenregion
wie auch zum lateralen Oberarm ausstrahle. Sie habe auch Schmerzen in beiden
Ellbogen, beiden Handgelenken sowie in beiden Beinen. Auf einer VAS von 0 bis 10
liege der aktuelle Schmerzpegel bei 6 bis 7. Während der letzten Woche habe er
mindestens 5 und maximal 7 bis 8 betragen. Dr. L._ merkte hierzu an, dass die
Versicherte am Tag nach der Untersuchung angerufen habe, um klarzustellen, dass der
Schmerzpegel in aktiven Phasen grösstenteils im submaximalen Bereich bei einem
Wert von 8 liege. Er führte weiter aus, dass die Versicherte, nach ihren Hobbies befragt,
erklärt habe, dass sie derzeit gar nichts mache. Wegen der Schmerzen und der
Müdigkeit müsse sie viel liegen. Der Haushalt werde vom Ehemann mit Hilfe der Söhne
erledigt. Mit dem Auto fahre sie nur kurze Strecken zum Arzt. Dr. L._ hielt in seiner
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Beurteilung fest, dass bezüglich der lumbalen Beschwerden in der neuroradiologischen
Diagnostik eindeutige Hinweise für eine relevante Nervenwurzel- oder
Caudakompression fehlten; eine solche erscheine auch aufgrund der klinischen
Untersuchung wenig wahrscheinlich. Weiterhin bestehe eine ausgeprägte
Haltungsinsuffizienz bei muskulärer Dekonditionierung. Die Symptomatik werde durch
die dysfunktionale Schmerzverarbeitung mit Schon- und Vermeidungstendenzen
begünstigt und unterhalten. Klinisch seien weder im Bereich der HWS noch lumbal
neuromeningeale Engpasszeichen provozierbar. Die von der Versicherten angegebene
halbseitige Empfindungsstörung sei nicht durch eine neuroanatomisch fassbare
Pathologie erklärbar, begründe aber zusammen mit den gebotenen Verhaltensfaktoren
und anderen Inkonsistenzen wie fehlendem Analgetikagebrauch trotz submaximalem
Schmerzpegel auf der VAS die Diagnose einer erheblichen Symptomausweitung.
Anhaltspunkte für ein Leiden aus dem entzündlich-rheumatologischen Formenkreis
bestünden klinisch wie anamnestisch nicht. Die vom Vorgutachter festgestellten
Gelenkschwellungen hätten ebenso wenig verifiziert werden können wie eine
Fibromyalgie. Die dolenten Weichteilareale im Nacken-/ Schulter- und
Beckengürtelbereich seien eher im Sinne von fehl- und überbelastungsbedingten
myofaszialen Befunden erklärbar, die durch ein maladaptives Krankheitsverhalten mit
Schon- und Schmerzvermeidungsverhalten unterhalten würden. Das
arbeitsmedizinische Problem bestehe aus rheumatologischer Sicht und analog zur
bidisziplinären Vorbegutachtung in einer verminderten Belastbarkeit des
Achsenorgans. Der Versicherten seien körperlich leicht- bis allenfalls mittelschwer
belastende Tätigkeiten in wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen (gehend, sitzend,
stehend) zu 80 % zumutbar (vermehrter Pausenbedarf). Dr. M._ hielt in seiner
Beurteilung fest, dass zu den zahlreichen, teilweise wechselhaften Beschwerden der
Versicherten ein zunehmendes katastrophisierendes Denken, gepaart mit einer teils
hypochondrischen Selbstbeobachtung, gekommen sei, was zu innerer Nervosität und
zu Angst bei der Versicherten führe. Vor allem die vegetativen Symptome der Angst
machten der Versicherten zu schaffen. Die Versicherte habe die Angst- und
Panikreaktion recht detailliert, d.h. glaubhaft schildern können, auch wenn sie in der
Begutachtung nicht beobachtbar gewesen sei. Es bestehe ein fortschreitender
somatischer Prozess, der bei der Versicherten psychisch zu Verängstigung und leichter
depressiver Reaktion geführt habe. Ein zugrundeliegender innerseelischer Konflikt habe
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nicht festgestellt werden können. Selbst wenn man die Ereignisse des Jahres 2001
(dritte Schwangerschaft, Tod des Vaters) als Beginn eines solchen innerseelischen
Konflikts ansehen würde, so habe die Versicherte doch gezeigt, dass sie die
Beschwerden durch Willensanstrengung überwinden und wieder arbeiten gehen könne.
Ein Verlust der Sozialintegration liege nicht vor; die Versicherte sei gut in ihrer Familie
eingebettet und nehme durch ihr religiöses Umfeld am sozialen Leben teil. Von Seiten
der Persönlichkeitsstruktur her verfüge die Versicherte über gut ausgeprägte komplexe
Ich-Funktionen, welche durch die Fibromyalgie nicht wesentlich beeinträchtigt
erschienen. Im Untersuchungsgespräch seien ein eher leicht niedergeschlagener, aber
modulationsfähiger Affekt und eine innere Anspannung, welche sich in den
testpsychologischen Befunden als leichte depressive Störung enttarnt habe,
vorherrschend gewesen. Aufgrund der Symptommischung mit vorwiegenden Gefühlen
wie Angst wurde diese als gemischte Störung diagnostiziert. Durch ihren Einfluss auf
den Antrieb und die Vitalgefühle habe sie Krankheitswert. Es handle sich jedoch um
eine milde Einschränkung der Willenskraft, die keine vollständige Arbeitsunfähigkeit
begründe. Bezüglich der Differentialdiagnose müsse in Erwägung gezogen werden,
dass bei den Somatisierungsstörungen der Hauptakzent auf den Symptomen selbst
und ihren individuellen Auswirkungen liege. Bei der hypochondrischen Störung sei die
Aufmerksamkeit mehr auf das Vorhandensein eines zugrundeliegenden
fortschreitenden und ernsthaften Krankheitsprozesses und seine Behinderungsfolgen
gerichtet. Die Differentialdiagnose der hypochondrischen Störung sei eine Angst- und
Panikreaktion, welche genau die Hauptsymptome der Versicherten darstelle. Aus
psychiatrischer Sicht sei ab dem Gutachtensdatum eine Arbeitsfähigkeit von 80 %
gegeben (Notwendigkeit verlängerter Pausen). Aus bidisziplinärer Sicht schätzten die
Gutachter die Arbeitsfähigkeit in einer körperlich adaptierten Tätigkeit auf 80 %. RAD-
Ärztin Dr. K._ notierte am 23. Oktober 2013 (IV-act. 94), dass auf das Gutachten
abgestellt werden könne. Es sei umfassend, plausibel und in sich widerspruchsfrei.
B.g Mit Vorbescheid vom 18. November 2013 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
bei einem IV-Grad von 20 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 101). Zur
Begründung führte sie an, dass die Versicherte als Vollerwerbstätige zu qualifizieren sei
und in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit eine 80 %ige Arbeitsfähigkeit bestehe.
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Dagegen wendete die Versicherte am 6. Januar 2014 ein (IV-act. 108), dass die
rheumatologische Begutachtung teilweise auf altem Bildmaterial, Vermutungen sowie
fehlenden Unterlagen basiere. Die Versicherte beantragte eine Fristerstreckung, um
weitere ärzt¬liche Berichte einreichen zu können. Die IV-Stelle verlängerte die Frist
letztmals bis 31. März 2014 (IV-act. 113). Am 15. April 2014 ging bei der IV-Stelle ein
Bericht der Klinik für Rheumatologie des KSSG vom 27. März 2014 ein (IV-act. 114).
Die Klinikärzte hatten darin die folgenden Diagnosen angegeben:
• Sekundäres Fibromyalgie-Syndrom bei Depressionen
- aktuell WPI-Index 6/10 SS-Score 10/12, Ausschluss einer entzündlichen
rheuma¬tischen Systemerkrankung, manuelle Therapie verordnet
• generalisiertes Schmerzsyndrom bei chronischen, rezidivierenden Zervikalgien,
Dorsalgien und Lumbalgien bei degenerativen Veränderungen
• arterielle Hypertonie
• Angst und depressive Störung, gemischt (F41.2).
Die Diagnose eines sekundären Fibromyalgie-Syndroms bei Depression, DD
Anpassungsstörung, hatten sie mit dem WPI und der SS-Score sowie der
charakteristischen vegetativen Begleitsymptomatik begründet. Die letzte Tätigkeit als
Reinigungsfrau sei der Versicherten nicht mehr zumutbar. Um die Leistungsfähigkeit
der Versicherten beurteilen zu können, hatten die Ärzte eine Evaluation der
körperlichen Leistungsfähigkeit (EFL) empfohlen. Am 24. April 2014 teilte Dr. G._ der
IV-Stelle mit, dass er die Versicherte an das Psychiatrische Zentrum N._ überwiesen
habe (IV-act. 116). Med. pract. O._ vom Psychiatrischen Zentrum N._ informierte
die IV-Stelle am 22. Mai 2014 telefonisch, dass die Versicherte seit dem 14. Januar
2014 lediglich fünf Termine wahrgenommen habe. Sie könne deshalb keinen
aussagekräftigen Bericht erstellen. RAD-Ärztin Dr. K._ notierte am 3. Juni 2014 (IV-
act. 121), dass im Bericht der Klinik für Rheumatologie des KSSG die gleichen
klinischen Befunde beschrieben worden seien wie im Gutachten von Dr. L._. Auch
die neu durchgeführten bildgebenden Untersuchungen zeigten keine abweichenden
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Befunde gegenüber den Voruntersuchungen. Auf die Beurteilung von Dr. L._ könne
weiterhin abgestellt werden.
B.h Mit Verfügung vom 4. Juni 2014 wies die IV-Stelle das Rentengesuch aus den im
Vorbescheid angegebenen Gründen bei einem IV-Grad von 20 % ab (IV-act. 122).
Bezüglich der Einwände verwies sie auf die Aussagen von RAD-Ärztin Dr. K._ vom 3.
Juni 2014.
C.
C.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
23. Juni 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer ganzen Rente. Zudem sei ihm eine
neue Frist zur Einreichung der Beschwerdebegründung anzusetzen. Nachdem ihn die
zuständige Abteilungspräsidentin aufgefordert hatte, während der Beschwerdefrist
zumindest eine Kurzbegründung einzureichen (act. G 2), reichte der Rechtsvertreter am
27. Juni 2014 die Beschwerdebegründung ein (act. G 3). Er machte geltend, dass das
Gutachten von Dr. L._ nicht verwertbar sei. Dr. L._ unterliege einer
Interessenkollision, da er im Auftrag der IV-Stelle tätig sei. Zudem sei die
Beschwerdeführerin vor der Begutachtung nicht über die Gutachtenperson unterrichtet
worden. Des Weiteren habe Dr. L._ der Beschwerdeführerin am Untersuchungstag
vorgeworfen, keine Unterlagen mitgebracht zu haben. Diese seien dem Gutachter
jedoch vorab von der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) zugestellt worden.
Dr. L._ sei bei der Untersuchung somit nicht vorbereitet gewesen. Da er seiner
Verärgerung gegenüber der Beschwerdeführerin zudem schon zu Beginn der
Untersuchung freien Lauf gelassen habe, habe von ihm keine objektive Aussage
erwartet werden können. Die von der Beschwerdeführerin absolvierten Therapien
zeigten, dass die Beeinträchtigung erheblich sei.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 27. Oktober 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 7). Zur Begründung führte sie aus, dass das rechtliche Gehör
betreffend die Begutachtung mit der Mitteilung vom 13. Dezember 2012 gewahrt
worden sei. Dr. L._ habe die relevanten medizinischen Akten im Gutachten
aufgelistet. Er sei demnach im Besitze der Unterlagen gewesen. Selbst wenn er zum
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Begutachtungszeitpunkt die Unterlagen nicht zur Hand gehabt hätte, würde dies nicht
gegen die Verwertbarkeit des Gutachtens sprechen. Dr. L._s Auftrag sei es gewesen,
die Beschwerdeführerin selbst zu untersuchen. Die bereits vorhandenen Akten dienten
dem Gutachter mehr als Information. Gegen die Beurteilung selber habe die
Beschwerdeführerin nichts Konkretes vorgebracht. Das Gutachten entspreche den
Anforderungen der Rechtsprechung, weshalb auf es abgestellt werden könne.
C.c In seiner Replik vom 21. November 2014 machte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ergänzend geltend (act. G 9), es sei eine neue Expertise durch
einen gemeinsam zu bestimmenden Experten einzuholen. Dr. L._ habe sich in nicht
objektiver Art über die bestehenden Unterlagen, die für eine Invalidität der
Beschwerdeführerin sprächen, hinweggesetzt, was zu einer einseitigen Beurteilung
geführt habe. Die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 18. Juni 2014 bei Dr. med.
P._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in Behandlung. Gemäss deren
nachvollziehbaren Ausführungen liege das Leistungsvermögen der Beschwerdeführerin
eindeutig unter 50 %. Dr. P._ hatte in ihrem Bericht vom 11. November 2014 erklärt
(act. G 9.1.1), dass sich die Versicherte seit dem 18. Juni 2014 bei ihr in
psychosomatischer-psychotherapeutischer Behandlung befinde. Als Diagnosen mit
Krankheitswert hatte sie eine Dysthymia (F34.1), eine zwanghafte
Persönlichkeitsstörung (F60.5) und eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei
chronischem Schmerzsyndrom (F62.80) angegeben. Sie hatte weiter ausgeführt, dass
die zwanghafte Primärpersönlichkeitsstruktur psychiatrisch bisher nicht eruierbar
gewesen sei. Die Beschwerdeführerin habe sich gezwungen, eine Normalität in ihrer
Familie und in ihrem Leben zu zeigen. Hauptgrund ihres seelischen Konflikts sei der
Tod ihres Vaters, der noch nicht verarbeitet sei. Die BDI-Diagnostik habe eine
mittelschwere Ausprägung der Depressivität gezeigt. Im weiteren Behandlungsverlauf
werde sie eventuell die Diagnose einer rezidivierenden mittelgradigen depressiven
Störung mit somatischem Syndrom in Erwägung ziehen. Dass die Beschwerdeführerin
in der gutachterlichen Situation wenig Leidensdruck gezeigt habe, sei soziokulturell
bedingt. Die Exploration der psychiatrischen Symptomatik sei deshalb in kurzer Zeit
sehr schwierig. Eine hypochondrische Störung sei nie in Frage gestellt worden. Die
Beschäftigungsgrade der Beschwerdeführerin hätten stets unter 50 % gelegen. Ihr
Leistungsvermögen liege deutlich unter 50 %.
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 11).
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Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hat sich erstmals im April/Mai 2003 zum Bezug einer IV-
Rente angemeldet. Mit Verfügung vom 7. September 2005 hatte die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch verneint. Diese Verfügung war in
Rechtskraft erwachsen. Bei der Anmeldung vom Mai/Juni 2011 handelt es sich somit
um eine sogenannte Neuanmeldung.
1.2 Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR
831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird,
dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Die Beschwerdeführerin hatte zur Glaubhaftmachung einer gesundheitlichen
Verschlechterung ein Zeugnis ihres Hausarztes Dr. G._ vom 27. Juni 2011, einen
Bericht der Neurochirurgie des KSSG vom 19. November 2009 und einen Bericht von
Dr. H._ von der Wirbelsäulenchirurgie I._ vom 13. Januar 2010 eingereicht. Den
ärztlichen Berichten war zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin neu an einer
Diskushernie C5/C6 leide. Zudem war neu die Diagnose eines Fibromyalgiesyndroms
angegeben worden. Der Hausarzt hatte der Beschwerdeführerin ab dem 11. Oktober
2010 und bis auf weiteres eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Damit hat die
Beschwerdeführerin eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung glaubhaft
gemacht. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu Recht auf die Neuanmeldung
eingetreten.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin hat sich im Mai/Juni 2011 zum Leistungsbezug
angemeldet. Da gemäss Art. 29 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach dessen Geltendmachung entsteht, ist nachfolgend ein
Rentenanspruch ab 1. November 2011 zu prüfen.
2.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
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durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 830.11). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu
erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach
Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120).
Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer
ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch
eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE
114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
3.
3.1 Um das Invalideneinkommen und damit den IV-Grad festlegen zu können, muss
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
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3.2 In somatischer Hinsicht beklagt die Beschwerdeführerin Schmerzen am ganzen
Körper, insbesondere im Bereich des Rückens, des Nackens, der Schultern, der
Ellbogen, der Handgelenke und der Beine. Dr. L._ ist zum Schluss gekommen, dass
die Belastbarkeit des Achsenorgans wegen eines chronischen Panvertebralsyndroms
vermindert sei und die Beschwerdeführerin deshalb vermehrte Pausen benötige. Die
Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten bis allenfalls mittelschweren Tätigkeit in
wirbelsäulenadaptierten Wechselpositionen hat er auf 80 % geschätzt.
3.2.1 Der Rechtsvertreter hat zunächst kritisiert, dass die Beschwerdeführerin im
Vorfeld der Begutachtung nicht über den Namen des Gutachters Dr. L._ informiert
worden sei. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom
13. Dezember 2012 darüber informiert, welche Sachverständigen für die Begutachtung
vorgesehen sind und wie sie sich gegen deren Ernennung zur Wehr setzen könnte (IV-
act. 87). Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf rechtliches Gehör der
Beschwerdeführerin im Verfahren betreffend den Gutachtensauftrag also nicht verletzt.
3.2.2 Weiter hat der Rechtsvertreter geltend gemacht, dass Dr. L._ einer
Interessenkollision unterliege, da er im Auftrag der Beschwerdegegnerin tätig sei. Der
Rechtsvertreter hat damit wohl ausdrücken wollen, dass Dr. L._ befangen gewesen
sei, weil er für den Gutachtensauftrag von der Beschwerdegegnerin entschädigt würde.
Wäre alleine schon die Entschädigungspflicht für die Erstellung eines Gutachtens
geeignet, die Unabhängigkeit eines Gutachters in Zweifel zu ziehen, hätte dies zur
Folge, dass im IV-Verfahren gar keine Administrativgutachten mehr eingeholt werden
könnten. Die Argumentation des Rechtsvertreters ist daher nicht stichhaltig.
3.2.3 Der Rechtsvertreter hat ausserdem vorgebracht, dass Dr. L._ keine objektive
Beurteilung abgegeben habe, da er schon zu Beginn der Untersuchung verärgert
gewesen sei, weil die Beschwerdeführerin keine Unterlagen zur Begutachtung
mitgebracht habe. Dr. L._ hat in seinem Gutachten auf eine sachliche Art und Weise
festgehalten, dass ihm die im Aktenteil dokumentierte Schnittbilddiagnostik nicht zur
Einsicht vorgelegen habe (IV-act. 92-16). Auch sonst gehen aus dem Gutachten keine
unangepasst erscheinenden, unsachlichen oder negativ wertenden Äusserungen
hervor. Der Umstand, dass eine versicherte Person vergessen hat, die radiologische
Schnittbilddiagnostik (MRI/CT-Bilder) zur Begutachtung mitzubringen, wiegt denn auch
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nicht derart schwer, dass er geeignet erschiene, eine Befangenheit bzw.
Voreingenommenheit seitens der Gutachtenperson auszulösen. Auch wenn Dr. L._
also etwas verärgert gewesen sein sollte, weil ihm bei der Begutachtung die MRI-Bilder
nicht vorgelegen haben, bedeutet dies nicht, dass seine Beurteilung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung
nicht objektiv gewesen sind. Ebenso ist der Einwand des Rechtsvertreters, dass Dr.
L._ wegen der nicht vorhandenen Schnittbilddiagnostik bei der Untersuchung nicht
vorbereitet gewesen sei, nicht stichhaltig. Dr. L._ haben im Zeitpunkt der
Begutachtung die gesamten IV-Akten inklusive der MRI-Befunde vorgelegen (vgl. IV-
act. 86-2, 88-2 und 92-2 f.). Gefehlt haben somit einzig die MRI-Bilder. Dr. L._ ist
somit ohne weiteres in der Lage gewesen, sich auf die Begutachtung vorzubereiten.
3.2.4 Der Rechtsvertreter hat sodann geltend gemacht, bereits der Umstand, dass
die Beschwerdeführerin Physiotherapien, Massagen und weitere Behandlungen
besucht habe, zeige, dass die gesundheitliche Beeinträchtigung erheblich sei (act. G 3
S. 2). Dr. L._ hat bei der Beschwerdeführerin eine dysfunktionale
Schmerzverarbeitung bzw. eine erhebliche Symptomausweitung festgestellt. Das
heisst, das Ausmass der geklagten Schmerzen ist weder durch die klinischen noch die
bildgebenden Befunde erklärbar. Gerade in Fällen wie dem vorliegendem ist es daher
nicht möglich, von der Inanspruchnahme therapeutischer Optionen bzw. von der
Therapiemotivation auf eine physische Gesundheitsbeeinträchtigung zu schliessen.
3.2.5 Dr. L._ hat erklärt, dass er die Diagnose einer Fibromyalgie nicht habe
verifizieren können. Die Dolenzen der Weichteile hätten eher einer myofaszialen
Triggerpunktsymptomatik als klassischen Tender Points entsprochen, wenngleich
deren Differenzierung bereits aufgrund der Lokalisation kaum möglich gewesen sei.
Demgegenüber hat das KSSG in seinem Bericht vom 27. März 2014 angegeben, dass
die Beschwerdeführerin an einem sekundären Fibromyalgie-Syndrom bei Depressionen
leide. Zwar geht aus dem Bericht der Klinik für Rheumatologie des KSSG hervor, dass
diese Diagnose aufgrund eines WPI (Widespread Pain Index) von 6, eines SS-Score
(Symptom Severity Scale Score) von 10 sowie der charakteristischen vegetativen
Begleitsymptomatik gestellt werden könne. Näher begründet haben die Klinikärzte die
Diagnose jedoch nicht, d.h. sie haben nicht angegeben, wie sie auf einen WPI von 6
und einen SS-Score von 10 gekommen sind und was unter einer charakteristischen
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vegetativen Begleitsymptomatik verstehen (zu den diagnostischen Kriterien eines
Fibromyalgie-Syndroms siehe Schweiz Med Forum Nr. 13/2013 S. 517). Ob die
Einschätzung von Dr. L._ oder diejenige der Ärzte der Klinik für Rheumatologie des
KSSG überzeugender ist, ist auch deshalb nicht beurteilbar, weil letztere auf die im
Jahr 2010 von der ACR (American College of Rheumatology) vorgeschlagenen neuen
diagnostischen Kriterien abgestellt hat, während Dr. L._ seiner Beurteilung die alten
Kriterien zugrunde gelegt hat (Untersuchung der Tender Points). Die Frage, ob die
Beschwerdeführerin an einem Fibromyalgie-Syndrom leidet oder nicht, kann jedoch,
wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, offen gelassen werden. Bei der Fibromyalgie
handelt es sich nämlich um ein sogenanntes pathogenetisch-ätiologisch unklares
syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage (vgl. BGE 139
V 346 E. 2), weshalb das verbliebene Leistungsvermögen rechtsprechungsgemäss
anhand des für die anhaltende somatoforme Schmerzstörung entwickelten
Indikatorenkataloges zu beurteilen ist (vgl. BGE 141 V 281 E. 10.2). Ob den geklagten
Schmerzen, die die Ärzte des KSSG einer Fibromyalgie zugeordnet haben, einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beizumessen ist, ist somit aus psychiatrischer Sicht zu
beurteilen (siehe Erw. 3.3.3 ff.).
3.2.6 Die Klinik für Rheumatologie des KSSG hat empfohlen, die Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin anhand einer EFL zu ermitteln. Bei einer EFL handelt es sich
um eine Leistungserprobung mittels verschiedener standardisierter funktioneller Tests
für physische Funktionen der Arbeit (zum Beispiel Heben, Tragen, Arbeit über
Brusthöhe, Treppen/Leiter Steigen, etc.; vgl. Rehaklinik Bellikon, www.rehabellikon.ch/
leistungsfaehigkeit-efl/, besucht am 20. Februar 2017). Die von der Beschwerdeführerin
geltend gemachten Schmerzen lassen sich anhand der klinischen und bildgebenden
Befunde nur teilweise erklären. Unter diesen Umständen ist eine EFL offensichtlich
nicht geeignet, einen Beitrag zur Schätzung der aus objektiver Sicht noch zumutbaren
Arbeitsfähigkeit zu leisten. Denn eine EFL liefert nur ein überzeugendes Resultat, wenn
der Proband bei der Durchführung der funktionellen Tests an seine Leistungsgrenzen
geht. Dass die Beschwerdeführerin bei einer EFL an ihre Leistungsgrenzen gehen
würde, kann angesichts der von Dr. L._ festgestellten Schon- und
Vermeidungstendenzen und der erheblichen Symptomausweitung praktisch
ausgeschlossen werden. Die Durchführung einer EFL zur Ermittlung der
Arbeitsfähigkeit ist daher nicht angezeigt.
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3.2.7 Dr. L._ hat festgehalten, dass weder klinisch noch neuroradiologisch
eindeutige Hinweise für eine relevante Nervenwurzel- oder Caudakompression im
lumbalen Bereich bestünden. Auch die von der Beschwerdeführerin angegebene
halbseitige Empfindungsstörung hat er nicht durch eine neuroanatomisch fassbare
Pathologie erklären können. Dr. L._ hat auch keine Anhaltspunkte für ein Leiden aus
dem entzündlich-rheumatologischen Formenkreis festgestellt. Vor dem Hintergrund der
eher geringen pathologischen Befunde am Bewegungsapparat überzeugt deshalb
seine Einschätzung, dass die Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht in einer
wirbelsäulenadaptierten Tätigkeit zu 80 % arbeitsfähig ist. Darauf ist abzustellen.
3.3 Zu prüfen bleibt die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Hierzu liegen
insbesondere das psychiatrische Teilgutachten von Dr. M._ vom 20. Mai 2013 und
der Bericht von Dr. P._ vom 11. November 2014 im Recht. Dr. M._ hat als
Diagnose eine Angst und depressive Störung, gemischt, angegeben. Als
Differentialdiagnosen hat er eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver
Reaktion sowie eine hypochondrische Störung angegeben. Die Arbeitsfähigkeit hat er
wegen des eingeschränkten Antriebs und einer Störung der Vitalgefühle auf 80 %
geschätzt. Als Begründung hat er einen vermehrten Pausenbedarf angeführt.
3.3.1 Die diagnostische Einschätzung von Dr. P._ unterscheidet sich
insbesondere dadurch von jener von Dr. M._, dass diese eine zwanghafte
Persönlichkeitsstörung und eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem
Schmerzsyndrom diagnostiziert hat. Der Vorgutachter Dr. C._ hat im Gutachten vom
25. März 2005 angegeben, dass die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin wohl etwas
unreife Züge aufweise, das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung aber noch nicht
erreicht sei. Dr. M._ hat festgehalten, dass von einer ängstlich besorgten, teils
hypochondrisch beobachtenden Persönlichkeitsstruktur gesprochen werden könne (IV-
act. 91-6). Er hat jedoch auch darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin über
gut ausgeprägte komplexe Ich-Funktionen verfüge. Dr. M._ hat also Auffälligkeiten in
der Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin erkannt, diese aber als weniger
schwerwiegend beurteilt als Dr. P._. Der Bericht von Dr. P._ liefert keine
wesentlichen neuen Befunde: Bereits im psychiatrischen Gutachten von Dr. M._ ist
beschrieben worden, dass der Tod des Vaters die Beschwerdeführerin schwer
getroffen habe (IV-act. 92-19) und dass die Beschwerdeführerin an Angst- und
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Panikzuständen leide. Der Bericht von Dr. P._ enthält zudem keine objektivierten
Angaben zum Befund, welche die Diagnose einer arbeitsfähigkeitsbeeinflussenden
zwanghaften Persönlichkeitsstörung bzw. einer andauernden Persönlichkeitsänderung
bei chronischem Schmerzsyndrom nahelegen würden. Wie Dr. M._ hat auch Dr.
P._ eine depressive Symptomatik festgestellt. Als Diagnose hat sie eine Dysthymia
angegeben; allerdings hat sie darauf hingewiesen, dass sie im weiteren
Behandlungsverlauf eventuell die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung
mit somatischem Syndrom in Erwägung ziehen werde. Hierzu ist festzuhalten, dass
depressive Erkrankungen in der Regel Schwankungen unterworfen sind. Die
Beschwerdeführerin hat sich erst nach Verfügungserlass (4. Juni 2014) in
psychiatrische Behandlung bei Dr. P._ (18. Juni 2014) begeben. Für das vorliegende
Verfahren ist jedoch lediglich der Gesundheitszustand (und die Arbeitsfähigkeit) bis und
mit Verfügungserlass massgebend. Eine allfällige Verschlechterung der depressiven
Symptomatik wäre im vorliegenden Fall also nicht von Relevanz. Dr. P._ hat die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf maximal 50 % geschätzt. Der Beweiswert
der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. P._ ist bereits deshalb reduziert, weil sich die
Beschwerdeführerin im entscheidrelevanten Zeitraum noch nicht in ihrer Behandlung
befunden hat. Entscheidend ist allerdings, dass Dr. P._ die Arbeitsunfähigkeit von 50
% offenbar daraus abgeleitet hat, dass die Beschwerdeführerin seit Jahren nie mehr in
einem Pensum von über 50 % erwerbstätig gewesen ist. Einerseits hat Dr. P._
unberücksichtigt gelassen, dass die Beschwerdeführerin möglicherweise (auch) aus
familiären Gründen nur Teilzeit gearbeitet hat; die Beschwerdeführerin hat im Jahr 2002
noch ein drittes Kind geboren. Andererseits ist Dr. P._ scheinbar davon
ausgegangen, dass die subjektive Leistungsfähigkeit mit der aus objektiver Sicht noch
zumutbaren Arbeitsleistung gleichgesetzt werden kann. Die Arbeitsfähigkeit wird
jedoch anhand von letzterer ermittelt. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
abweichende Einschätzung von Dr. P._ keine Zweifel an der gutachterlichen
Einschätzung von Dr. M._ zu wecken vermag.
3.3.2 Bezüglich der von somatischer Seite her nicht erklärbaren
Schmerzsymptomatik hat Dr. M._ in Übereinstimmung mit dem Vorgutachter Dr.
C._ ausgeführt (IV-act. 20-19), dass er keinen innerseelischen Konflikt habe
feststellen können und deshalb keine somatoforme Störung diagnostizieren könne. Dr.
M._ hat den unerwarteten Tod des Vaters während der dritten Schwangerschaft der
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Beschwerdeführerin somit nicht als einschneidend genug angesehen, um einen
andauernd schwerwiegenden innerseelischen Konflikt auszulösen. Im Sinne einer
Eventualbegründung hat er ergänzend festgehalten, dass selbst wenn man die
Ereignisse des Jahres 2001 als Beginn eines solchen innerseelischen Konflikts ansehen
wollte, der Verlauf gezeigt habe, dass die Beschwerdeführerin diese Beschwerden
durch Willensanstrengung überwinden und wieder arbeiten könne. Sollte diese
Einschätzung überzeugen, könnte offen gelassen werden, ob die Beschwerdeführerin
an einem Fibromyalgie-Syndrom (oder an einer somatoformen Störung nach F45) leidet
oder nicht, da es keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätte.
3.3.3 Mit BGE 141 V 281 vom 3. Juni 2015 hat das Bundesgericht seine Praxis zur
Beurteilung des Anspruchs auf eine Invalidenrente wegen somatoformer
Schmerzstörungen und vergleichbarer psychosomatischer Leiden geändert (vgl. z.B.
IV-Rundschreiben Nr. 334). Nach dem alten Verfahrensstandard eingeholte Gutachten
haben durch die Praxisänderung nicht per se ihren Beweiswert verloren. Vielmehr ist im
Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen
Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In jedem
einzelnen Fall ist zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder
gerichtlichen Sachverständigengutachten ‒ gegebenenfalls im Kontext mit weiteren
fachärztlichen Berichten ‒ eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen
Indikatoren erlauben oder nicht (BGE 141 V 281 E. 8).
3.3.4 Das Bundesgericht hat mit BGE 141 V 281 die bisherige Vermutung, dass der
versicherten Person eine Willensanstrengung zuzumuten sei, mit welcher die Folgen
einer somatoformen Schmerzstörung oder eines vergleichbaren psychosomatischen
Leidens überwunden werden könnten, aufgegeben. Neu muss eine ergebnisoffene
symmetrische Beurteilung anhand eines Kataloges von Indikatoren des tatsächlich
erreichbaren Leistungsvermögens erfolgen. Die Handhabung des Katalogs muss stets
den Umständen des Einzelfalls gerecht werden; es handelt sich nicht um eine
"abhakbare Checkliste". Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren sind:
1. Funktioneller Schweregrad:
- Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome;
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- Behandlungserfolg oder -resistenz;
- Komorbiditäten;
- "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende
psychische Funktionen);
- sozialer Kontext.
2. Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens):
- Gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren
Lebensbereichen (sozialer Rückzug, Ressourcen);
- Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen;
- Verhalten im Rahmen der beruflichen (Selbst-)Eingliederung.
Die Beschwerdeführerin hat anlässlich der Begutachtung durch Dr. L._ und Dr. M._
praktisch über Schmerzen am ganzen Körper geklagt. Sie hat erklärt, dass
sie derzeit gar nichts mache. Der Haushalt werde vom Ehemann und den Söhnen
erledigt. In Widerspruch dazu steht die Aussage der Beschwerdeführerin gegenüber
der RAD-Ärztin Dr. K._ vom 21. September 2011, wonach sie am Morgen das
Frühstück für ihren jüngsten Sohn zubereite, am Mittag eine leichte warme Mahlzeit
koche, leichtere Hausarbeiten wie Abstauben und Lavabo reinigen selber erledige, die
Wäsche selber zusammenfalten könne, teilweise Spaziergänge unternehme und dem
Sohn bei den Hausaufgaben helfe. Dass zwischen der RAD-Untersuchung (September
2011) und der Begutachtung (März 2013) eine erhebliche Verschlechterung des
Gesundheitszustandes eingetreten wäre, geht aus den Akten nicht hervor. Aus dem
Gutachten vom 17. Juli 2013 geht zudem hervor, dass die Beschwerdeführerin in der
Lage ist, kürzere Strecken mit dem Auto zurückzulegen, und dass sie durch ihr
religiöses Umfeld am sozialen Leben teilnimmt. Diskrepant zum anlässlich der
Begutachtung angegebenen submaximalen Schmerzpegel auf der VAS steht gemäss
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Dr. L._ auch der fehlende Analgetikagebrauch. Hinzu kommt, dass die Schilderung
der Schmerzen anlässlich der Begutachtung etwas aufgesetzt gewirkt hat (vgl. IV-act.
92-12/13). Ausserdem hat die Beschwerdeführerin trotz der geltend gemachten
invalidisierenden Schmerzen bis zum Begutachtungszeitpunkt nie eine psychiatrisch-
psychotherapeutische und/oder psychosomatische Behandlung in Anspruch
genommen. Dies bedeutet auch, dass die therapeutischen Optionen noch nicht
ausgeschöpft sind. Zwar sind Komorbiditäten vorhanden (chronisches
Panvertebralsyndrom und Angst und depressive Störung, gemischt), es handelt sich
hierbei aber nicht um solche von erheblicher Schwere und Ausprägung. Gemäss Dr.
M._ verfügt die Beschwerdeführerin zudem über gut ausgeprägte komplexe Ich-
Funktionen. Ein Verlust der Sozialintegration liegt nicht vor, die Beschwerdeführerin ist
gut in ihrer Familie eingebettet und nimmt am sozialen Leben teil. Vor dem Hintergrund
der geschilderten Inkonsistenzen, der erheblichen Ressourcen sowie der Tatsache,
dass die Beschwerdeführerin bis zum Begutachtungszeitpunkt nie psychiatrische oder
psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen hat, überzeugt die Einschätzung
von Dr. M._, dass die Beschwerdeführerin in der Lage ist, die Schmerzen willentlich
zu überwinden und in einer körperlich adaptierten Tätigkeit einer 80 %igen
Arbeitstätigkeit nachzugehen.
3.3.5 Dr. M._ hat der Beschwerdeführerin wegen der diagnostizierten Angst und
depressiver Störung, gemischt, eine 20 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Angesichts
der von ihm angegebenen psychopathologischen Befunde (teilweise etwas
weitschweifiger formaler Gedankengang, leichte Einschränkung der Aufmerksamkeit
und der Konzentrationsfähigkeit, dysthyme Verstimmung, Perspektivlosigkeit,
ausgesprochene Tagesmüdigkeit, rasche Erschöpfbarkeit, Störung der Vitalgefühle,
Antriebsminderung, innere Unruhe, Nervosität und Anspannung und
Einschlafstörungen mit Gedankenkreisen und Grübel¬zwang) überzeugt diese
Einschätzung.
3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auf das Gutachten von Dr. L._ und Dr.
M._ vollumfänglich abgestellt werden kann. Die Beschwerdeführerin ist in
polydisziplinärer Hinsicht somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 80 %
arbeitsfähig. Eine erneute Begutachtung, wie sie der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin gefordert hat, erübrigt sich daher.
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4.
4.1 Somit bleibt noch der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich zu überprüfen. Die Beschwerdegegnerin hat das Validen- wie
auch das Invalideneinkommen anhand von Tabellenlöhnen bestimmt und einen
Prozentvergleich vorgenommen. Die Beschwerdeführerin hat keinen Beruf erlernt und
ist zuletzt als Reinigungsfrau, Haushaltshilfe und Hauswartin tätig gewesen. Da die
Beschwerdeführerin dieseTätigkeiten jeweils nur in Teilzeitpensen ausgeübt hat und es
sich um verschiedene Hilfsarbeiten handelt, hat die Beschwerdegegnerin das
Valideneinkommen zu Recht gestützt auf Tabellenlöhne ermittelt. Auch als
Invalidenkarriere kommt nur eine Hilfsarbeit in Frage. Daher kann ein Prozentvergleich
vorgenommen werden. Ohne Tabellenlohnabzug würde der IV-Grad folglich 20 %
betragen, bei einem 10 %igen Tabellenlohnabzug 28 % (20 % + [80 % x 0.1]) und bei
einem 15 %igen Tabellenlohnabzug 32 % (20 % + [80 % x 0.15]). Da auch bei einem
Tabellenlohnabzug von 15 % ein rentenausschliessender IV-Grad resultieren würde
und Hinweise für die Rechtfertigung eines noch höheren Abzugs nicht ersichtlich sind,
kann offen bleiben, wie es sich mit dem Tabellenlohnabzug genau verhält. Bei einem
IV-Grad von weniger als 40 % hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente.
4.2 Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
4.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.--
gedeckt. Die Beschwerdeführerin hat bei diesem Verfahrensausgang keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung.