Decision ID: 6dbca5c8-018a-4d87-9b9b-f3e8e85f8af2
Year: 2007
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 27.02.2007 Art. 2c lit. a ELG, Art. 21 Abs. 5 ATSG. Wird die Ausrichtung einer IV-Rente gestützt auf Art. 21 Abs. 5 ATSG gänzlich oder teilweise sistiert, so führt dies nicht per se zum Erlöschen der Anspruchsberechtigung für die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen, da es gemäss Art. 2c lit. a ELG nicht auf die tatsächliche Auszahlung einer IV-Rente, sondern auf das Bestehen eines Anspruchs auf eine solche ankommt [Erw. 3].(Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Februar 2007, EL 2006/25). Art. 21 Abs. 5 ATSG. Ergänzungsleistungen kommt kein Erwerbsersatzcharakter zu; sie decken das Armutsrisiko ab. Damit findet Art. 21 Abs. 5 ATSG auf Ergänzungsleistungen keine Anwendung [Erw. 4]. Art. 17 Abs. 2 ATSG. Wird ein Bezüger von Ergänzungsleistungen in Untersuchungshaft bzw. in den (vorzeitigen) Strafvollzug versetzt, so ist dies als erhebliche Veränderung des massgeblichen Sachverhaltes i.S.v. Art. 17 Abs. 2 ATSG zu qualifizieren, womit eine revisionsweise Überprüfung der wirtschaftlichen Voraussetzungen zum Bezug von Ergänzungsleistungen angezeigt ist [Erw. 5] Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 8C_139/2007.
Vizepräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Lisbeth Mattle Frei,
Versicherungsrichter Franz Schlauri; a.o. Gerichtsschreiber Bernhard Isenring
Entscheid vom 27. Februar 2007
In Sachen
Z._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Emil Nisple, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
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gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV (Einstellung)

hat das Versicherungsgericht in Erwägung gezogen:
I.
A.- Der 1953 geborene Z._ bezieht seit November 1998 eine halbe und seit Oktober
2002 eine ganze Invalidenrente (IV-act. 28 und 55). Mit zwei Verfügungen vom 24.
Januar 2002 wurden dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Dezember 2001 bzw. 1.
Januar 2002 monatlich auszurichtende Ergänzungsleistungen (EL) im Betrag von Fr.
1'659.-- bzw. Fr. 1'677.-- zugesprochen (EL-act. 2 und 3). In der Folge passte die
Ausgleichskasse den Betrag der monatlich auszurichtenden Ergänzungsleistungen
verschiedentlich an (EL-act. 4-6); zuletzt wurden dem Versicherten mit Wirkung ab 1.
Januar 2005 Ergänzungsleistungen im Betrag von Fr. 1'047.-- pro Monat ausgerichtet
(EL-act. 7). Am 18. Oktober 2005 teilte die Staatsanwaltschaft des Kantons X._ der
IV-Stelle mit, dass der Versicherte am 12. Oktober 2005 von der Polizei festgenommen
und von der Haftrichterin am 14. Oktober 2005 in Untersuchungshaft versetzt worden
sei (IV-act. 58). Mit Verfügung vom 28. Oktober 2005 sistierte die IV-Stelle die
Invalidenrente des Versicherten ab sofort, da er sich seit dem 14. Oktober 2005 in
Untersuchungshaft befinde (EL-act. 10 bzw. IV-act. 61). Mit Verfügung vom 3.
November 2005 wurde dem Versicherten auch die Anspruchsberechtigung für
Ergänzungsleistungen abgesprochen, da seine Invalidenrente mit Verfügung vom 28.
Oktober 2005 sistiert worden sei (EL-act. 11).
B.- Gegen die Verfügung vom 3. November 2005 erhob der Rechtsvertreter des
Versicherten am 28. November 2005 und – im Sinne einer Ergänzung – am 20. Januar
2006 Einsprache mit den Anträgen, die Verfügung vom 3. November 2005 sei
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aufzuheben; die Ergänzungsleistungen seien rückwirkend bis zu einer allfälligen
rechtsgültigen Verurteilung vollständig auszurichten; es sei dem Einsprecher für das
Einspracheverfahren die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; dies alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der verfügenden Instanz. Zur
Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, die Sistierung einer Rente mit
Erwerbsersatzcharakter rechtfertige sich unbestrittenermassen, aber nur für die Dauer
des Straf- oder Massnahmevollzuges, was allerdings eine rechtsgültige Verurteilung
des Delinquenten voraussetze. Diese Voraussetzung sei während der Dauer der
Untersuchungshaft nicht gegeben; vielmehr gelte während dieser Zeit die
Unschuldsvermutung. Auch die neuere Literatur nehme die Untersuchungshaft von der
Regelung in Art. 21 Abs. 5 ATSG explizit aus (EL-act. 13 und 18).
C.- Mit Verfügung vom 26. Januar 2006 ordnete die Staatsanwaltschaft des Kantons
X._ per 30. Januar 2006 die Entlassung des Versicherten aus der Untersuchungshaft
und dessen Einweisung in den vorzeitigen Strafvollzug an (EL-act. 20).
D.- Mit Entscheid vom 27. März 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen die gegen die Sistierung der
Invalidenrente erhobene Einsprache des Versicherten ab (IV-act. 72).
E.- Mit Entscheid vom 27. März 2006 wies der Rechtsdienst der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen auch die Einsprache vom 28.
November 2005 bzw. 20. Januar 2006 bezüglich Sistierung der Ergänzungsleistungen
ab. Gemäss Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG) werde mit der
Rentensistierung berücksichtigt, dass eine versicherte Person aus invaliditätsfremden
Gründen nicht mehr eine Erwerbstätigkeit ausüben könne und demnach als
nichterwerbstätig zu betrachten sei. Gemäss EVG sei daher die Sistierung einer IV-
Rente auch im Fall einer Untersuchungshaft gerechtfertigt. Die Einstellung der IV-Rente
habe aber gemäss Art. 2c Abs. 1 ELG [recte: Art. 2c lit. a ELG] zwingend auch jene der
EL zur Folge. Zwar stütze sich die erwähnte Rechtsprechung des EVG noch auf die
Rechtslage vor der positivrechtlichen Regelung der Rentensistierung im ATSG ab, aus
den Gesetzesmaterialien sei jedoch ersichtlich, dass die Regelung in Art. 21 Abs. 5
ATSG die bisherige Rechtsprechung des EVG abbilden sollte, obwohl die
Untersuchungshaft vom Wortlaut von Art. 21 Abs. 5 ATSG nicht erfasst werde, weil sie
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nicht zum Straf- und Massnahmevollzug gehöre. Im vorliegenden Fall komme
allerdings noch dazu, dass sich der Einsprecher seit dem 30. Januar 2006 im
vorzeitigen Strafvollzug befinde. Der Versicherte sei mithin seit diesem Datum auch
nach dem Wortlaut von Art. 21 Abs. 5 ATSG im Strafvollzug, weshalb weiterhin eine
Rentensistierung bzw. die Einstellung der EL gerechtfertigt sei (EL-act. 21).
F.- Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde vom 9. Mai 2006 mit den
Anträgen, sowohl der Einspracheentscheid der Sozialversicherungsanstalt St. Gallen
vom 27. März 2006, als auch die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt/
Ausgleichskasse St. Gallen vom 3. November 2005 seien aufzuheben; die
Ergänzungsleistungen seien rückwirkend bis zu einer allfälligen rechtsgültigen
Verurteilung des Beschwerdeführers auszurichten; eventualiter seien die
Ergänzungsleistungen rückwirkend für die Dauer der Untersuchungshaft, d.h. bis und
mit Januar 2006, vollständig auszurichten; es sei dem Beschwerdeführer für das
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu gewähren; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. Zur Begründung wird
vorgebracht, es sei unbestritten, dass durch eine rein grammatikalische Auslegung von
Art. 21 Abs. 5 ATSG die Untersuchungshaft und auch der vorzeitige Strafvollzug nicht
miterfasst seien. Der Wortlaut des Art. 21 Abs. 5 ATSG sei eindeutig und
unmissverständlich. Eine weitergehende Auslegung desselben erübrige, ja verbiete
sich. Durch Umkehrschluss ergebe sich aus Art. 21 Abs. 5 ATSG eindeutig, dass
sowohl die Untersuchungshaft als auch der vorzeitige Strafvollzug nicht Grundlage
einer Rentensistierung sein könnten. Darüber hinaus sei der Sinn von Art. 21 Abs. 5
ATSG zu beachten. Dieser bestehe darin, eine selbstverschuldete Erwerbsunfähigkeit
nicht durch Rentenzahlungen zu unterstützen. Bevor sich aber ein Angeschuldigter
nicht im ordentlichen Strafvollzug befinde, könne er per definitionem nicht
selbstverschuldet erwerbsunfähig sein, da dieser noch nicht rechtsgültig von einem
ordentlichen Gericht zu einer Strafe verurteilt worden ist. Sowohl bei der
Untersuchungshaft wie auch im vorzeitigen Strafvollzug sei (noch) kein rechtskräftiges
Urteil ergangen und der Angeschuldigte gelte als unschuldig. Der Beschwerdeführer sei
demnach seit Oktober 2005 vorerst unschuldig in Haft, zwecks Untersuchung einer
möglichen Straftat. Der sich in Untersuchungshaft oder im vorzeitigen Strafvollzug
befindende Invalide dürfe somit nicht schlechter gestellt werden als jener Invalide, der
sich nicht mit einer solchen staatlichen Zwangsmassnahme konfrontiert sehe, da es für
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die Beurteilung der Erwerbsfähigkeit nicht darauf ankomme, ob jemand zu
Untersuchungszwecken – vorerst unschuldig – in Haft sei oder sich frei bewegen
könne. Die Vorinstanz nehme schliesslich Bezug auf den Bericht der nationalrätlichen
Kommission vom 26. März 1999 zum ATSG, wonach die Regelung in Art. 21 Abs. 5
ATSG die bisherige Rechtsprechung des EVG abbilden sollte. Die hier zu beurteilende
Frage betreffend IV-Rentensistierung finde sich in BGE 116 V 232, welcher weit vor
Inkrafttreten des ATSG die Untersuchungshaft dem Strafvollzug gleichgestellt habe.
Die nationalrätliche Kommission nehme jedoch nicht Bezug auf dieses Urteil. Vielmehr
gehe aus dem von der Vorinstanz zitierten Bericht hervor, dass sich Art. 21 Abs. 5
ATSG an Art. 13 MVG anlehnen soll, womit Untersuchungs- und Sicherheitshaft nicht
zum Straf- und Massnahmevollzug zählen würden, was auch die neuere Lehre
bestätige. In Übereinstimmung mit der Entstehungsgeschichte des vorliegend
anwendbaren Art. 21 Abs. 5 ATSG und der Lehre sei eine Sistierung der Invalidenrente
während der Untersuchungshaft nicht zu rechtfertigen; dasselbe gelte für den
vorzeitigen Strafvollzug, der vom Wortlaut der fraglichen Bestimmung ebenfalls nicht
erfasst werde. Damit seien aber auch die dem Schicksal der Invalidenrente folgenden
Ergänzungsleistungen zu Unrecht sistiert worden (act. G 1).
G.- Mit Zuschrift vom 12. Mai 2006 beantragt die Beschwerdegegnerin die Abweisung
der Beschwerde und verweist bezüglich Begründung auf den Einspracheentscheid
vom 27. März 2006 (act. G 3). Der Beschwerdeführer verzichtete sinngemäss auf die
Einreichung einer Replik.
H.- Mit Urteil vom 27. Februar 2007 (IV 2006/83) hat das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen entschieden, dass ab Oktober 2005 die Einstellung der Ausrichtung
der IV-Rente gestützt auf Art. 21 Abs. 5 ATSG zwar möglich sei, allerdings von der IV-
Stelle unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Einzelfalls geprüft werden
müsse, ob sich eine gänzliche oder teilweise Sistierung der IV-Rente des
Beschwerdeführers rechtfertige.
II.
1.- Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers beantragt für das vorliegende
Beschwerdeverfahren die Gewährung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung.
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Diesem Gesuch ist in Anwendung von Art. 37 Abs. 4 ATSG stattzugeben. Wie bereits
im Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 27. Februar 2007 (IV
2006/83) festgestellt, ist der Beschwerdeführer in finanzieller Hinsicht bedürftig.
Überdies erscheint die vorliegend zu beurteilende Beschwerde in Anbetracht der
massgeblichen Rechtslage nicht als aussichtslos, und die Vertretung des
Beschwerdeführers ist – nicht zuletzt infolge seiner Inhaftierung – auch als erforderlich
zu qualifizieren.
2.- Gemäss Art. 21 Abs. 5 ATSG kann die Auszahlung von Geldleistungen mit
Erwerbsersatzcharakter ganz oder teilweise eingestellt werden, solange sich die
versicherte Person im Straf- oder Massnahmevollzug befindet; ausgenommen sind die
Geldleistungen für Angehörige im Sinne von Art. 21 Abs. 3 ATSG. Gemäss Art. 2c lit. a
ELG hängt das Schicksal von Ergänzungsleistungen vom Bestehen eines Anspruchs
auf eine Invalidenrente ab. Im Streite liegt vorliegend die Frage, ob die Auszahlung von
Ergänzungsleistungen eingestellt werden kann, wenn sich der Versicherte in
Untersuchungshaft oder im vorzeitigen Strafvollzug befindet. Es fragt sich mithin, ob
diese Formen des Freiheitsentzuges einen Grund für die Einstellung der Ausrichtung
von Ergänzungsleistungen darstellen.
3.- a) Die Beschwerdegegnerin stellt sich im Einspracheentscheid vom 27. März 2006
auf den Standpunkt, die auf Art. 21 Abs. 5 ATSG gestützte Einstellung der Auszahlung
der IV-Rente habe nach Art. 2c Abs. 1 ELG [recte: Art. 2c lit. a ELG) zwingend auch
diejenige der Ergänzungsleistungen zur Folge (EL-act. 21). Diese Ansicht entspricht im
Wesentlichen der Argumentation der Ausgleichskasse, welche in ihrer Verfügung vom
3. November 2005 festgehalten hat, dass mit der Sistierung der IV-Rente auch die
Anspruchsberechtigung bezüglich Ergänzungsleistungen entfallen sei (EL-act. 11). Die
Beschwerdegegnerin und die verfügende Instanz gehen offensichtlich davon aus, dass
der Anspruch auf Ergänzungsleistungen im Sinne von Art. 2 ELG gestützt auf Art. 2c lit.
a ELG nur dann besteht, wenn die IV-Rente dem Versicherten auch tatsächlich
ausbezahlt wird, was unbestrittenermassen nicht der Fall ist, wenn sie in Anwendung
von Art. 21 Abs. 5 ATSG gänzlich sistiert worden ist. Wohl bleibt in dieser Konstellation
der Rentenanspruch als solcher bestehen, allerdings wird die Ausrichtung der
Leistungen für die Dauer der Sistierung ausgesetzt (BGE 113 V 273; 114 V 143, Erw. 2.;
bestätigt in BGE 133 V 1, Erw. 3.1).
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b) Damit ein Anspruch auf Ergänzungsleistungen besteht, müssen einerseits
persönliche und andererseits wirtschaftliche Voraussetzungen gegeben sein. Die
persönlichen Anspruchsvoraussetzungen sind insbesondere in den Art. 2a ff. ELG
geregelt. Gemäss Art. 2a ELG sind anspruchsberechtigt im Sinne von Art. 2 ELG
Betagte, die eine Altersrente der AHV beziehen (lit. a); sowie Betagte, welche die
Mindestbeitragsdauer gemäss Art. 29 Abs. 1 AHVG nicht erfüllen und das Rentenalter
erreicht haben (lit. b). Anspruchsberechtigt sind auch Hinterlassene, die Anspruch auf
eine Witwen-, Witwer- oder Waisenrente der AHV haben (Art. 2b lit. a ELG); oder die
Anspruch auf eine Witwen-, Witwer- oder Waisenrente der AHV hätten, wenn die
verstorbene Person die Mindestbeitragsdauer gemäss Art. 29 Abs. 1 AHVG erfüllt hätte
(Art. 2b lit. b ELG). Gemäss Art. 2c ELG sind auch Invalide anspruchsberechtigt im
Sinne von Art. 2 ELG, die Anspruch auf eine IV-Rente haben (lit. a); denen eine Rente
nach Buchstabe a zustehen würde, wenn sie die Mindestbeitragsdauer gemäss Art. 29
Abs. 1 AHVG und die versicherungsmässigen Voraussetzungen gemäss Art. 6 Abs. 1
IVG erfüllten (lit. b); die Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung der IV und das 18.
Altersjahr vollendet haben (lit. c); die ununterbrochen während mindestens sechs
Monaten ein Taggeld der IV beziehen (lit. d). In wirtschaftlicher Hinsicht ist erforderlich,
dass die gesetzlich vorgegebene Einkommensgrenze nicht erreicht wird. Der
Ergänzungsleistungsanspruch bestimmt sich aufgrund seiner "Auffüllfunktion" mithin
anhand eines Ausgabenüberhangs (vgl. dazu RALPH JÖHL, Ergänzungsleistungen zur
AHV/IV, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 2.
Auflage Basel/Genf/München 2007, Rz. 63). Art. 3a Abs. 1 ELG bestimmt denn auch,
dass die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag zu entsprechen habe, um den die
anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen würden. Bezüglich
persönlicher Voraussetzungen fällt auf, dass die Anspruchsberechtigung im Sinne von
Art. 2 ELG teilweise an den "Bezug" einer Leistung (Art. 2a lit. a ELG – Bezug einer
AHV-Rente), teilweise aber an den "Anspruch" auf eine Leistung (Art. 2b lit. a ELG –
Anspruch auf eine Witwen-, Witwer- oder Waisenrente; Art. 2c lit. a ELG – Anspruch
auf eine IV-Rente) geknüpft ist. Es ist allerdings davon auszugehen, dass es sich bei
dieser unterschiedlich gewählten Formulierung in Art. 2a lit. a und Art. 2b lit. a bzw. Art.
2c lit. a ELG um ein redaktionelles Versehen des Gesetzgebers handelt und dass mit
der unterschiedlichen Formulierung kein rechtserheblicher Unterschied gemacht
werden sollte (vgl. dazu JÖHL, a.a.O., Rz. 31, Fn 111). Diesbezüglich fragt sich aber,
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ob sowohl in Art. 2a lit. a als auch in Art. 2b lit. a bzw. Art. 2c lit. a ELG das Bestehen
eines "Anspruchs" auf eine Altersrente der AHV, eine Witwen-, Witwer- oder
Waisenrente der AHV bzw. eine IV-Rente als massgebendes persönliches Kriterium für
eine Anspruchsberechtigung zum Bezug von Ergänzungsleistungen im Sinne von Art. 2
ELG zu betrachten ist oder ob nicht vielmehr der tatsächliche "Bezug" der Leistung als
Anspruchsvoraussetzung angesehen werden muss. Dabei scheint in der Lehre die
Ansicht vorzuherrschen, dass es für die Anspruchsberechtigung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen auf die tatsächliche Auszahlung einer AHV-, IV- oder Witwen-,
Witwer- bzw. Waisenrente ankomme (vgl. STEFAN WERLEN, Der Anspruch auf
Ergänzungsleistungen und deren Berechnung, Diss. Freiburg, Baden 1995, S. 66;
ebenso wohl sinngemäss THOMAS LOCHER, Grundriss des
Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003, § 55 Rz. 1 und Rz. 6, der vom
"Bezug" bestimmter Leistungen der AHV/IV spricht). Eine derartige Auslegung
erscheint allerdings nicht zwingend. Zu beachten gilt es nämlich, dass die Ausrichtung
von Ergänzungsleistungen nicht nur das soziale Risiko der Armut der
anspruchsberechtigten Person abdecken soll sondern auch jenes gewisser
Familienangehöriger. Die EL-Anspruchsberechnung muss sich folglich auf den
Existenzbedarf der ganzen Familie beziehen, wenn das Ziel der Ergänzungsleistungen,
Armut zu verhindern, erreicht werden soll (JÖHL, a.a.O., Rz. 68). In diesem Sinn
bestimmt denn auch Art. 3a Abs. 4 ELG, dass die anerkannten Ausgaben und
anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten, Personen mit rentenberechtigten oder an
der Rente beteiligten Kindern sowie von Waisen, die im gleichen Haushalt leben,
zusammenzurechnen sind. Aufgrund des eben dargelegten, mit der Ausrichtung von
Ergänzungsleistungen verfolgten Zwecks rechtfertigt es sich, die persönlichen
Voraussetzungen zum Bezug einer Ergänzungsleistungen nicht an die tatsächliche
Auszahlung einer AHV-, IV- bzw. Witwen-, Witwer- oder Waisenrente zu knüpfen,
sondern an das Bestehen eines Anspruchs auf eine derartige Leistung. Gerade bei
einer gestützt auf Art. 21 Abs. 5 ATSG verfügten Sistierung der IV-Rente während des
Straf- oder Massnahmevollzugs erscheint es angezeigt, dass das Armutsrisiko von
Familienangehörigen des Versicherten durch Ergänzungsleistungen weiterhin gedeckt
bleiben kann. Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn die persönliche
Voraussetzung zum Bezug von Ergänzungsleistungen nicht in der tatsächlichen
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Ausrichtung einer IV-Rente, sondern im Bestehen eines Anspruchs auf eine solche
gesehen wird.
c) Wird die Ausrichtung einer IV-Rente gestützt auf Art. 21 Abs. 5 ATSG gänzlich
sistiert, so führt dies aufgrund des soeben Dargelegten nicht per se zum Erlöschen der
Anspruchsberechtigung für die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen, da es gemäss
Art. 2c lit. a ELG nicht auf die tatsächliche Auszahlung einer IV-Rente, sondern auf das
Bestehen eines Anspruchs auf eine solche ankommt. Die persönlichen
Voraussetzungen zum Bezug von Ergänzungsleistungen sind somit beim
Beschwerdeführer während der ganzen Dauer der Untersuchungshaft und des
(vorzeitigen) Straf- oder Massnahmevollzugs gegeben; unabhängig davon, ob seine IV-
Rente gestützt auf Art. 21 Abs. 5 ATSG gänzlich oder teilweise sistiert oder aber ganz
oder teilweise weiterhin ausgerichtet wird, denn sein Anspruch auf die IV-Rente bleibt
in jedem Fall unbestrittenermassen bestehen – und auf das Bestehen dieses
Anspruchs kommt es gemäss Art. 2c lit. a ELG an.
4.- a) Im Weitern stellt sich die Frage, ob die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen bei
Straf- oder Massnahmevollzug gemäss Art. 21 Abs. 5 ATSG zu beurteilen ist oder ob
nicht vielmehr revisionsweise – und damit unabhängig von Art. 21 Abs. 5 ATSG –
geprüft werden muss, ob die wirtschaftlichen Voraussetzungen zum Bezug von
Ergänzungsleistungen während der Untersuchungshaft bzw. des (vorzeitigen) Straf-
oder Massnahmevollzugs gegeben sind. Dabei ist von Bedeutung, ob
Ergänzungsleistungen die Funktion eines Erwerbsersatzes zukommt, denn Art. 21 Abs.
5 ATSG ist einzig auf Geldleistungen mit Erwerbsersatzcharakter anwendbar.
b) Mit der Ausrichtung von Ergänzungsleistungen sollen nicht die Risiken der
Erwerbsunfähigkeit durch Alter, Invalidität oder des Verlustes des Versorgers gedeckt
werden, sondern das Armutsrisiko (vgl. JÖHL, a.a.O., Rz. 4), womit ihnen nicht der
Charakter eines Erwerbsersatzes zukommen kann. Dies zeigt sich beispielsweise darin,
dass Ergänzungsleistungen auch Pflegekosten bei Personen im Heim oder zuhause
abdecken (vgl. JÖHL, a.a.O., Rz. 9, Fn 37). Über das System der Ergänzungsleistungen
ist gewissermassen ein Mindesteinkommen für AHV- und IV-Rentner garantiert.
Entgegen einer in der Lehre vertretenen Ansicht, wonach Ergänzungsleistungen
immerhin dann Erwerbsersatzcharakter haben sollen, wenn sie zu einer Invalidenrente
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oder einem Taggeld hinzutreten (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, Zürich 2003,
Art. 21 Rz. 80), findet Art. 21 Abs. 5 ATSG auf Ergänzungsleistungen folglich keine
Anwendung.
5.- a) Damit ist zu prüfen, ob Ergänzungsleistungen gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG und
Art. 25 ELV zu revidieren sind, wenn sich die anspruchsberechtigte Person in
Untersuchungshaft oder im (vorzeitigen) Straf- oder Massnahmevollzug befindet, da
sich damit die wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Bezug von
Ergänzungsleistungen in aller Regel verändern.
b) Gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG wird jede formell rechtskräftig zugesprochene
Dauerleistung von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder
aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich
verändert hat. Dabei ist von einem weiten Begriff der Dauerleistung auszugehen, die
grundsätzlich jede periodisch zu erbringende Leistung erfasst (KIESER, a.a.O., Art. 17,
Rz. 25). Gemäss Art. 25 Abs. 1 lit. c ELV sind die jährlichen Ergänzungsleistungen bei
Eintritt einer voraussichtlich längere Zeit dauernden Verminderung oder Erhöhung der
vom ELG anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen sowie des
Vermögens zu erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben; massgebend sind dabei die
neuen, auf ein Jahr umgerechneten dauernden Ausgaben und Einnahmen und das bei
Eintritt der Veränderung vorhandene Vermögen. Macht die Änderung weniger als Fr.
120.-- im Jahr aus, so kann auf eine Anpassung verzichtet werden.
c) Die vorliegend strittige jährliche Ergänzungsleistung gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. a ELG
ist als Dauerleistung im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG zu qualifizieren, da sie
monatlich ausbezahlt wird und damit eine periodisch zu erbringende Leistung darstellt.
Wird ein Bezüger von Ergänzungsleistungen in Untersuchungshaft bzw. in den
vorzeitigen Strafvollzug versetzt oder befindet er sich im ordentlichen Straf- oder
Massnahmevollzug, so ist dies als erhebliche Veränderung des massgeblichen
Sachverhaltes im Sinne von Art. 17 Abs. 2 ATSG zu qualifizieren, womit eine
revisionsweise Überprüfung der wirtschaftlichen Voraussetzungen zum Bezug von
Ergänzungsleistungen angezeigt erscheint. Dabei sind insbesondere zwei
Gesichtspunkte zu beachten. Zum einen, dass die Ausrichtung von
Ergänzungsleistungen nicht nur das soziale Risiko der Armut der
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anspruchsberechtigten Person abdecken soll, sondern auch jenes gewisser
Familienangehöriger; und zum anderen, dass die Ergänzungsleistungen nicht den
Zweck haben dürfen, den beim Versicherten durch eine gestützt auf Art. 21 Abs. 5
ATSG gänzlich oder teilweise sistierte IV-Rente verursachten Einkommensausfall
auszugleichen. Im Übrigen ist mit Blick auf Art. 25 Abs. 1 lit. c ELV abzuklären,
inwiefern die Inhaftierung des Beschwerdeführers eine voraussichtlich längere Zeit
dauernde Verminderung oder Erhöhung der vom ELG anerkannten Ausgaben und
anrechenbaren Einnahmen sowie des Vermögens nach sich zieht. Dabei bietet sich an,
zur Berechnung der vom ELG anerkannten Ausgaben während der Untersuchungshaft
und des vorzeitigen oder ordentlichen Straf- oder Massnahmevollzuges zunächst auf
die Heimberechnung gemäss Art. 3b Abs. 2 ELG abzustellen, dabei allerdings
sämtliche Kosten abzuziehen, welche durch gefängnisspezifische
Sicherheitsvorkehrungen und Resozialisierungsmassnahmen entstehen; abzuziehen
sind namentlich sämtliche Kosten, welche aus der Bewachung bzw. der Verhinderung
eines Ausbruchs des Inhaftierten resultieren.
6.- Zusammengefasst sind beim Beschwerdeführer die persönlichen Voraussetzungen
zum Bezug von Ergänzungsleistungen gemäss Art. 2c lit. a ELG während der
Untersuchungshaft und des (vorzeitigen) Straf- oder Massnahmevollzuges gegeben.
Allerdings bleibt revisionsweise zu prüfen, ob auch die wirtschaftlichen
Voraussetzungen gegeben sind, mithin, ob die gemäss ELG anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen tatsächlich übersteigen, was für einen Anspruch auf
Ergänzungsleistungen unabdingbar ist. Keinesfalls darf allerdings über die Ausrichtung
von Ergänzungsleistungen derjenige Einkommensausfall des Inhaftierten ausgeglichen
werden, der ihm durch eine gestützt auf Art. 21 Abs. 5 ATSG verfügte gänzliche oder
teilweise Sistierung der IV-Rente entsteht.
7.- a) Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheides vom 27. März 2006 teilweise gutzuheissen und die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben.
b) Hingegen hat der Beschwerdeführer gemäss Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf Ersatz
der Kosten der Prozessführung und Vertretung nach gerichtlicher Festsetzung. Da der
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Rechtsvertreter des Beschwerdeführers bei der vorliegend beurteilten EL-Beschwerde
weitestgehend auf seine bereits anlässlich der IV-Beschwerde (IV 2006/83)
vorgebrachte Argumentation zurückgreifen konnte, ist die Vergütung für die
Prozessführung und Vertretung pauschal auf Fr. 1000.-- festzulegen, einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer (BGE 125 V 201). Bei diesem Ergebnis erübrigt sich
die Festsetzung eines Entschädigungsanspruchs aus bewilligter unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht