Decision ID: a1189bda-0bcb-4039-ae0a-37fbc0d80a71
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Beschimpfung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 5. Juli 2017 (GG170005)
- 2 -
_
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 13. Februar 2017
(Urk. 43) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
1. Das Schadenersatzbegehren des Privatklägers wird abgewiesen.
2. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers wird abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die übrigen Kosten (inkl. Auslagen
Vorverfahren, Auslagen Obergericht III. Strafkammer) werden auf die Ge-
richtskasse genommen.
4. Dem Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 6'700.– (inkl.
Barauslagen und 8% MWST) für anwaltliche Verteidigung aus der Gerichts-
kasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 88)
1. Die Berufung sei abzuweisen und der Beschuldigte sei in Bestätigung
des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 5. Juli 2017 vollumfänglich
freizusprechen.
2. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 4 und 5) sei zu bestätigen.
- 3 -
3. Es sei dem Beschuldigten für die im Berufungsverfahren entstandenen
Anwaltskosten eine angemessene Entschädigung zuzusprechen
(Art. 429 und Art. 436 StPO).
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Privatkläger aufzuer-
legen (Art. 428 StPO).
b) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 82, schriftlich)
Verzicht auf Antragstellung
c) Der Vertretung des Privatklägers:
(Urk. 87)
1. Ziffer 1 bis 5 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen der Beschimpfung im Sinne
von Art. 177 Abs. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte sei im Sinne der Anklage mit einer Geldstrafe von 7
Tagessätzen zu je CHF 100 sowie einer Busse von CHF 300 zu be-
strafen.
4. Dem Beschuldigte sei im Sinne der Anklage der bedingte Vollzug der
Geldstrafe zu gewähren unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
5. Es sei im Sinne der Anklage eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen an-
zusetzen im Falle der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse.
6. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen der ersten Instanz seien ge-
stützt auf die Berufungsanträge neu festzulegen.
7. Es seien die vor erster Instanz gestellten Zivilansprüche gutzuheissen,
wobei die Höhe der Genugtuung auf CHF 1'000 festzulegen ist, nebst
Zins von 5 % seit 13.02.2017. Entsprechend den Anträgen vor erster
Instanz seien die damals angewachsenen Anwaltskosten des Privat-
- 4 -
klägers im Umfange von insgesamt CHF 7'933.05 dem Beschuldigten
aufzuerlegen, nebst Zins zu 5 % seit 05.07.2017.
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzu-
erlegen zuzüglich einer Prozessentschädigung im Betrag von CHF
5'472.25 für anwaltliche Umtriebe des Privatklägers im Berufungsver-
fahren.
_

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Am 3. November 2014 erstattete der Privatkläger gegen den Beschuldigten
Strafanzeige betreffend Ehrverletzung (Urk. 1), worauf die Staatsanwaltschaft
See/Oberland (fortan Staatsanwaltschaft) nach dem Beizug von Akten der Kan-
tonspolizei Zürich am 22. Juni 2015 eine Nichtanhandnahmeverfügung erliess
(Urk. 6). Auf Beschwerde des Privatklägers hin hob die III. Strafkammer des Zür-
cher Obergerichts diese Verfügung mit Beschluss vom 7. Januar 2016 auf, da
"beim derzeitigen Aktenstand nicht von vornherein gesagt werden" könne, dass
der Entlastungsbeweis gelingen würde (Urk. 21). In der Folge führte die Staats-
anwaltschaft verschiedene Einvernahmen durch und brachte den Fall schliesslich
am 13. Februar 2017 zur Anklage (Urk. 43).
1.2. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Einzelgerichts
in Strafsachen des Bezirks Uster vom 5. Juli 2017 meldete der Vertreter des Pri-
vatklägers mit Schreiben vom 10. Juli 2017 fristgerecht Berufung an (Urk. 66).
Das begründete Urteil der Vorinstanz wurde ihm am 9. April 2018 zugestellt
(Urk. 73), worauf er unter dem 23. April 2018 rechtzeitig seine Berufungserklärung
einreichte (Urk. 76).
- 5 -
1.3. Nachdem der Privatkläger innert angesetzter Frist eine Prozesskaution von
Fr. 3'000.– geleistet hatte (Urk. 77 und 79), wurden der Staatsanwaltschaft und
dem Beschuldigten Frist zur Anschlussberufungserhebung angesetzt (Urk. 80).
Während sich der Beschuldigte diesbezüglich nicht vernehmen liess, verzichtete
die Staatsanwaltschaft explizit auf Anschlussberufung (Urk. 82). Überdies verzich-
tete die Staatsanwaltschaft auf Teilnahme an der Berufungsverhandlung
(Urk. 84).
1.4. Mit Schreiben vom 22. September 2018 teilte Rechtsanwalt Dr. Y._ mit,
dass er den Privatkläger nicht mehr vertrete, weshalb diesem das begründete Ur-
teil direkt zuzustellen sei.
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Privatkläger beantragt mit seiner Berufung die Verurteilung des Be-
schuldigten wegen Beschimpfung im Sinne von Art. 177 Abs. 1 StGB (Eventual-
vorwurf gemäss Anklageschrift), die Neufestlegung der erstinstanzlichen Kosten-
und Entschädigungsfolgen, die Zusprechung einer Genugtuung in Höhe von
Fr. 1'000.– sowie die Erstattung von Anwaltskosten von Fr. 7'933.05,welche ihm
bis zur erstinstanzlichen Verhandlung angewachsen sind. Darüber hinaus bean-
tragt er auch eine angemessene Prozessentschädigung für seine anwaltlichen
Umtriebe im Berufungsverfahren (Urk. 76).
2.2. Ausdrücklich nicht angefochten wurde der Freispruch vom Vorwurf der üblen
Nachrede im Sinne von Art. 173 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB (Urk. 76 S. 2). Entspre-
chend ist vorab festzuhalten, dass der Freispruch mit Bezug auf diesen Vorwurf
(Hauptanklagevorwurf gemäss Anklageschrift) in Rechtskraft erwachsen ist (vgl.
BSK StPO-Eugster, 2. Aufl. 2014, Art. 402 N 1 f.). Darüber hinaus wurde die Be-
rufung jedoch nicht beschränkt, weshalb das Urteil in allen Punkten zu überprüfen
ist.
2.3. Gemäss Art. 382 Abs. 2 StPO ist es dem Privatkläger verwehrt, (einzig) die
Sanktion anzufechten. Insofern ist auf seinen ebenfalls gestellten Antrag betref-
fend die konkrete Höhe der auszufällenden Strafe (vgl. Urk. 76 Berufungsanträge
- 6 -
Ziff. 3 - 5) grundsätzlich nicht weiter einzugehen. Richtet sich eine Berufung indes
auf die Anfechtung eines Freispruches, führt dies bei Gutheissung automatisch
dazu, dass eine dem Schuldspruch entsprechende Sanktion ausgefällt werden
muss, womit den diesbezüglichen Anträgen des Privatklägers (indirekt) doch
Rechnung getragen wird (ZR 111 Nr. 39; BGE 138 IV 84; 139 IV 84; HUG/SCHEID-
EGGER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, 2. A. 2014, N 19 zu Art. 399).
3. Sachverhalt
3.1. Der Beschuldigte und der Privatkläger wohnen sich an der C._-Strasse
in D._ gegenüber. Der Privatkläger warf der Ehefrau des Beschuldigten am
6. Oktober 2014 anlässlich einer persönlichen Ansprache vor, dass ihre Katze
seine Matratze ruiniert habe, wobei er sinngemäss erklärte, bei fehlender Koope-
ration den Sachverhalt durch die Polizei abklären zu lassen (vgl. Urk. 1 S. 3 bzw.
Urk. 2 S. 2). Die Ehefrau des Beschuldigten verwies ihn an ihren Ehemann, wo-
rauf der Privatkläger diesem brieflich per Einschreiben am 8. Oktober 2014 eine
Schadenersatzforderung über Fr. 1'800.– unterbreitete unter Androhung von
rechtlichen Massnahmen (Betreibung, Rechtsvorschlag, Friedensrichter, Zivilkla-
ge etc.) im Säumnisfall (vgl. das Schreiben, Urk. 3). Dies war Anlass für das heute
interessierende, vom 15. Oktober 2014 datierende Antwortschreiben des Be-
schuldigten, worin dieser Ausführungen zur Tierhalterhaftpflicht gemäss Art. 56
OR machte, die gestellte Forderung sinngemäss mangels Haftungsgrundlage ab-
lehnte und zuletzt folgenden Absatz anfügte (Urk. 2):
"Damit ist die Angelegenheit für mich allerdings noch nicht erledigt. Ich er-
warte von Ihnen eine schriftliche Entschuldigung für Ihre Drohungen mit Po-
lizei etc. gegenüber meiner Ehefrau und zwar per mail an mich, da ich ab
nächster Woche für einige Zeit landesabwesend bin. In Anbetracht der Tat-
sache, dass seinerzeit im Vorfeld Ihrer Scheidung die Polizei eingreifen und
offenbar Ihre Waffe infolge damit verbundener Drohungen beschlagnahmen
musste, sind solche Drohungen als gefährlich einzustufen und jeder persön-
liche Kontakt zu vermeiden."
- 7 -
3.2. Der Beschuldigte anerkennt seit Beginn der Strafuntersuchung, den ankla-
gegegenständlichen Text diktiert und den von seiner Sekretärin ausgefertigten
Brief anschliessend dem Privatkläger zugestellt zu haben (Urk. 4 S. 2, Urk. 22/6
S. 2 und Urk. 60 S. 3; Prot. II S. 9 f.). Mithin ist der objektive bzw. äussere Sach-
verhalt zweifellos erstellt.
Er bestreitet jedoch, dies im Wissen um die Ehrenrührigkeit des Inhalts getan zu
haben. Es sei eine ganz normale Aussage zum Schutz seiner Frau gewesen, da
er davon ausgegangen sei, seine Schilderung, dass in einem früheren Zeitpunkt
die Waffen des Privatklägers infolge damit verbundener Drohungen durch die Po-
lizei beschlagnahmt worden seien, sei zutreffend. Diesen Umstand habe er im
Übrigen nur deshalb erwähnt, um zu erklären, weshalb er keine persönliche Kon-
taktaufnahme des Privatklägers wünsche (Urk. 22/6 S. 6).
Damit bestreitet der Beschuldigte allerdings nicht primär den subjektiven Sach-
verhalt (Vorsatz), sondern beruft sich auf die Rechtfertigungs- (Wahrheitsbeweis)
bzw. Schuldausschlussgründe (Gutglaubensbeweis) gemäss Art. 173 Ziff. 2
StGB, welche auch beim Tatbestand der Beschimpfung, soweit diese in Form ei-
ner Tatsachenbehauptung in Erscheinung tritt, zur Anwendung gelangen (BSK
Strafrecht II-Riklin, 3. Auflage, Art. 177 N 15). Denn ob die erhobene Tatsachen-
behauptung wahr oder unwahr ist, ist keine Frage der Tatbestandsmässigkeit,
sondern der Strafbarkeit (Urteil 6B_176/2013 vom 13. Mai 2013 E. 2.2.), da nicht
jede Ehrverletzung zwingend auch strafbar ist (BSK Strafrecht II-Riklin, 3. Aufla-
ge, vor Art. 173 N 49). Vorliegend kann in subjektiver Hinsicht kein Zweifel daran
bestehen, dass der Beschuldigte die fragliche Formulierung bewusst und damit
vorsätzlich so diktiert hat. Nachdem der Beschuldigte sodann anlässlich des Dik-
tats bereits langjährig praktizierender Rechtsanwalt war, kann – in Übereinstim-
mung mit der Auffassung des Vertreters des Privatklägers (Urk. 87 S. 12) – eben-
so wenig in Frage gestellt werden, dass ihm die grundsätzliche Ehrenrührigkeit
des Vorwurfs (vgl. hierzu Ziff. 4.2 nachfolgend) bewusst war (BGE 92 IV 94 E. 3,
BGE 118 IV 153 E. 5 lit. g) bzw. er zumindest in Kauf nahm, dass der Vorwurf eh-
renrührig sein könnte. Der Beschuldigte brauchte dabei nicht beabsichtigt zu ha-
ben, den Privatkläger zu beleidigen. Es genügt, dass er sich der Ehrenrührigkeit
- 8 -
seiner Behauptung bewusst gewesen ist und sie trotzdem erhoben hat (BGE 92
IV 94 E. 3).
Mithin ist der Sachverhalt objektiv wie subjektiv als erstellt anzusehen.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Art. 177 StGB schützt insbesondere das (innere) Ehrgefühl des Beschimpf-
ten. Strafbar macht sich, wer jemanden in anderer Weise als gemäss Art. 173
oder 174 StGB in seiner Ehre angreift, namentlich durch Tatsachenbehauptungen
(einzig) gegenüber dem Verletzten selbst (üble Nachrede/Verleumdung gegen-
über dem Verletzten; vgl. zur diesbezüglichen Definition das angefochtene Urteil,
Urk. 74 S. 14 f.) oder durch Werturteil (Formalinjurie; vgl. auch hierzu das ange-
fochtene Urteil, Urk. 74 S. 19) gegenüber dem Verletzten oder Dritten.
4.2. Die anklagegegenständliche Passage "In Anbetracht der Tatsache, dass
seinerzeit im Vorfeld Ihrer Scheidung die Polizei eingreifen und offenbar Ihre Waf-
fe infolge damit verbundener Drohungen beschlagnahmen musste, sind solche
Drohungen als gefährlich einzustufen und jeder persönliche Kontakt zu vermei-
den." bringt objektiv betrachtet als (überprüfbare) Tatsache zum Ausdruck, dass
dem Privatkläger durch die Polizei eine Waffe weggenommen wurde, da im Zu-
sammenhang mit seinem Scheidungsverfahren Drohungen erhoben wurden. Ein
solcher Vorwurf, zumal aus dem Zusammenhang erhellt, dass der Privatkläger als
Urheber der mutmasslichen Drohungen gesehen wird, ist grundsätzlich geeignet,
ehrverletzend zu sein, erweckt er doch den Anschein, der Privatkläger habe sich
im persönlich-sittlichen Bereich rechtswidrig verhalten.
Nicht strafbar macht sich derjenige, der nachweist, dass seine (ehrverletzende)
Äusserung der Wahrheit entspricht, oder dass er ernsthafte Gründe hatte, sie in
guten Treuen für wahr zu halten (vgl. hierzu die Ausführungen und Verweise im
angefochtenen Urteil, Urk. 74 S. 15 f. und S. 20; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.3. Wie den vorliegenden Akten zu entnehmen ist, erfolgte am 5. Dezember
2009 aufgrund familiärer Differenzen vor dem Hintergrund eines pendenten Ehe-
schutzverfahrens (Eheschutzverhandlung vom 3. Dezember 2009) beim Einfami-
- 9 -
lienhaus, das der Privatkläger damals mit seiner Ehefrau und den beiden erwach-
senen Kindern bewohnte, ein uniformierter Polizeieinsatz. Dem Polizeirapport ist
dazu zu entnehmen, dass der Privatkläger eine gerichtliche Ausweisung der rest-
lichen Familienmitglieder aus dem gemieteten Haus anstrebte, weshalb die Situa-
tion noch angespannter sei als zuvor. Man beschuldige sich gegenseitig Böses zu
tun. Die Mutter und die Kinder hätten vor dem Privatkläger Angst, da dieser Waf-
fen besitze. Der Privatkläger habe im Gegenzug Angst um seine Antikmöbel, da
diese beschädigt würden. Zu Tätlichkeiten oder gar Körperverletzungen sei es
nicht gekommen. Der Privatkläger habe sich freiwillig bereit erklärt, seine Waffen
bis zum Abschluss des Eheschutzverfahrens in die Hände der Polizei zu geben
(Urk. 5/2).
Wie dem Polizeirapport weiter zu entnehmen ist, hatte sich die Ehefrau des Pri-
vatklägers telefonisch bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei gemeldet und
mitgeteilt, dass sie Probleme mit ihrem Mann habe. Sie habe Angst, dass die Si-
tuation eskalieren könnte und wünsche die Polizei vor Ort. Kurz danach habe
auch der Privatkläger angerufen und mitgeteilt, er werde belästigt und habe sich
in seinem Zimmer eingeschlossen. In der Folge seien die im Rapport genannten
vier Polizeifunktionäre ausgerückt (Urk. 5/2).
Sodann liegt eine polizeiliche Einvernahme des Privatklägers vom 16. Dezember
2009 bei den Akten, welcher zu entnehmen ist, dass der Privatkläger am 15. De-
zember 2009 die Herausgabe seiner Waffensammlung wünschte. Nachdem der
einvernehmende Beamte jedoch äusserte, diesbezüglich vor dem auf den 1. April
2010 verfügten Auszug der restlichen Familie aus dem Haus ein ungutes Gefühl
zu haben, zumal sich die Ehefrau des Privatklägers offenbar rein durch die Anwe-
senheit der Waffen bedroht fühle, und in Aussicht stellte, dass der Statthalter über
die Rückgabe entscheiden müsse, erklärte der Privatkläger, bis zum Auszug sei-
ner Frau auf die Waffen zu verzichten (Urk. 5/4). Tatsächlich ersuchte der zustän-
dige Polizeibeamte in der Folge mit Bericht vom 16. Dezember 2009 zuhanden
des Statthalteramtes um Prüfung des Waffeneinzuges gemäss Art. 31 Waffenge-
setz, wobei er gleichzeitig die "sichergestellten" (so die Wortwahl im Bericht) Waf-
fen und Munition dem Statthalteramt aushändigte (Urk. 5/5).
- 10 -
Der Beschuldigte erklärte hierzu in seiner Einvernahme vom 7. Dezember 2016,
im Zusammenhang mit der Scheidung des Privatklägers habe er Schreien der
Ehefrau des Privatklägers gehört und gesehen, dass die Polizei hingefahren sei.
Er habe gehört, dass es Waffen dort habe. Er sei davon ausgegangen, dass die
Polizei die Waffen geholt habe. Er habe gehört, dass es dort Waffen habe und
von dorther Drohungen bestanden hätten (Urk. 22/6 S. 4). Während er vor Vor-
instanz diesbezüglich nicht weiter befragt wurde, erklärte er im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung, er wisse nicht mehr, wer ihm davon erzählt habe, dass beim
Privatkläger und seiner Ehefrau ein Scheidungs- oder Trennungsverfahren laufe.
Das habe man allgemein gewusst nach den Streitereien in der Nachbarschaft. Er
habe selber gesehen, dass die Polizei mit Streifenwagen vor Ort gewesen sei. Bei
dieser Gelegenheit habe er den Streit gesehen und gehört. Dass der Privatkläger
Waffen gehabt habe, habe er gewusst, weil dessen Ehefrau dies der Nachbarin,
Frau E._, und seiner Frau erzählt habe. Als die Polizei gekommen und mit
Gepäck wieder gegangen sei, habe er angenommen, dass die Waffen darin sei-
en, er habe aber nicht in die Schachteln gesehen. Er wisse von der Ehefrau des
Privatklägers, dass sie sich wegen den Waffen des Privatklägers bedroht gefühlt
habe und deswegen zur Polizei gegangen sei (Prot. II S. 10 f.).
Die Ehefrau des Beschuldigten erklärte am 13. Februar 2017 als Zeugin, sie habe
zweimal mitbekommen, dass die Polizei beim Privatkläger war. Einmal mit zwei
Fahrzeugen, einmal mit einem. Die Ehefrau des Privatklägers habe auch gegen-
über Frau E._, einer Nachbarin, geäussert, dass sie Angst habe, weil es
Waffen in der Wohnung habe. Die Polizei sei rein und habe Zeugs mitgenommen.
Ob sie, die Zeugin, mit ihrem Ehemann, dem Beschuldigten, über die bei der Fa-
milie A._/F._ erschienene Polizei gesprochen habe, daran vermöge sie
sich nicht zu erinnern. Sie nehme es aber nicht an, weil ihr Mann sich dafür nicht
interessiere. Ob ihr Ehemann selbst anwesend war, als die Polizei bei der Familie
A._/F._ erschienen sei, wisse sie nicht. Die Frage, ob aus dem Hause
A._/F._ je Schreie oder Streitigkeiten hörbar gewesen seien, bejahte
sie. Sie wisse aber nicht mehr wie oft sie solches gehört habe. Einmal sei ein
Streit vor den Skiferien gewesen. Sie selber habe sich von der Ehefrau des Pri-
vatklägers ziemlich zurückgezogen. Sie hätten miteinander geredet, die Kinder
- 11 -
seien zusammen in die Schule gegangen. Aber sie habe solche Streitigkeiten so
nicht gerne. Sie wisse nicht mehr, was ihr die Ehefrau des Privatklägers über je-
nen erzählt habe. Manchmal rede man im Quartier über den Privatkläger. Sie hät-
ten es eigentlich sehr schön im Quartier. Er sei der einzige, mit dem es immer et-
was gebe. Was Frau E._ ihr, der Zeugin, über das Gespräch mit Frau
F._ berichtet habe, könne sie nicht mehr so genau sagen. Das sei schon so
lange her, dass sie das nicht mehr genau sagen könne. Sie wisse einfach noch,
dass sie gesagt habe, dass sie Angst habe wegen den Waffen im Haus. Ob sie
dem Beschuldigten erzählt habe, was Frau E._ über das Gespräch mit Frau
F._ berichtet habe in Bezug auf die Waffen, wisse sie nicht mehr. Über sol-
che Sachen rede sie eigentlich nicht mit ihrem Mann. Frau E._ habe gesagt,
Frau F._ habe gesagt, sie werde wegen den Waffen zur Polizei gehen. Die
Polizei sei auch gekommen (Urk. 38).
Auch der Privatkläger wurde hierzu als Auskunftsperson befragt. Er bestätigte den
heute interessierenden Polizeieinsatz mit vier ausgerückten Beamten. Es habe
damals eine verbale Auseinandersetzung gegeben. Von seiner Seite in normaler
Lautstärke, seine Frau sei manchmal einfach etwas lauter geworden. Seiner An-
sicht nach habe man dies nicht bis auf der Strasse hören können. Es seien sehr
gute Fenster. Es sei Winter gewesen und die Fenster zu. Er meine, dass eines
der Polizeifahrzeuge angeschrieben gewesen sei. Nachbarn oder Passanten hät-
ten dies aufgrund der örtlichen Verhältnisse sehen können, wenn es auf dem
Parkplatz gestanden sei. Seine Frau habe offenbar gesagt, dass sie sich durch
seine Waffensammlung bedroht fühle. Diese Waffensammlung habe er aber seit
Jahrzehnten und an dem Tag habe sie sich dadurch auf einmal bedroht gefühlt.
Er habe dann zum Polizisten gesagt, dass er, wenn das ein Problem sei, die Waf-
fen mitnehmen könne. Seine Frau habe ihn mit der Äusserung, dass sie sich
durch seine Waffen bedroht fühle, einfach treffen wollen. Nachbarn oder Passan-
ten hätten nicht sehen können, dass die ausgerückten Polizisten Waffen aus dem
Haus trugen. Man hätte sie höchstens einen Karton raustragen sehen. Er habe
die Waffen säuberlich verpackt. Von aussen habe man das nicht erkennen kön-
nen. Der Polizist habe ihm gesagt, dass er ihm die Waffen, sobald seine Familie
ausgezogen sei, zurückgebe. Er habe die Waffen aber offenbar nicht bei sich,
- 12 -
sondern zum Statthalter gebracht. Der Statthalter habe dann auf einmal zickig ge-
tan, indem er die Waffen nicht zum vereinbarten Termin herausgegeben habe. Er
habe das Gefühl gehabt, dass das noch ruhen müsse. Inzwischen habe er die
Waffen wieder herausbekommen (Urk. 37 S. 11 ff.).
4.4. Wie aus obiger Darstellung erhellt, entspricht die schriftlich geäusserte Mut-
massung des Beschuldigten nicht gänzlich den tatsächlichen Geschehnissen.
Zwar wurde tatsächlich die Waffensammlung des Privatklägers im Rahmen des
Trennungsverfahrens von seiner Ehefrau behördlich in Besitz genommen, indes
nicht aufgrund einer förmlichen Beschlagnahme und nicht wegen von ihm (expli-
zit) ausgestossener Drohungen, sondern weil seine Ehefrau das Vorliegen einer
eher diffusen Bedrohungslage geltend machte und der Privatkläger in dieser Situ-
ation das deeskalierende Angebot der freiwilligen Hinterlegung machte. Damit ist
der Wahrheitsbeweis als gescheitert anzusehen, wenn auch nicht zu übersehen
ist, dass die effektiven Ereignisse – zumindest soweit sie nach aussen in Erschei-
nung traten – höchstens graduell von den durch den Beschuldigten vermuteten
abweichen.
So ist aufgrund seiner Aussagen davon auszugehen, dass er den Polizeieinsatz
direkt selbst erlebt hat, was angesichts der Tatsache, dass er sein Büro im Hau-
se, direkt gegenüber der Adresse des Privatklägers hat, nicht weiter verwunder-
lich ist. Dabei kann auch nicht zu übersehen gewesen sein, dass die Polizisten im
Rahmen ihres Einsatzes mehrere Gegenstände aus dem Haus trugen (von der
Ehefrau des Beschuldigten als "Zeugs" bezeichnet, Urk. 38 S. 5, vom Beschuldig-
ten als "Gepäck" und "Schachteln", Prot. II S. 11), waren doch angesichts des
Umfangs der Sicherstellungsliste jedenfalls mehrere Gänge notwendig. Der Be-
schuldigte hatte – entgegen der Auffassung des Vertreters des Privatklägers
Urk. 87 S. 14) – nicht nur vom Hörensagen Kenntnis vom Einsatz der Polizei und
dem Abtransportieren von Schachteln, in denen die Waffen vermutet wurden,
sondern dies selbst gesehen. Hinzu kommt nun der Informationsfluss von Frau
F._, der Ehefrau des Privatklägers, via Frau E._, der Nachbarin, welche
nicht nur peripher in die familiären Auseinandersetzungen der Familie
A._/F._ involviert war (vgl. die diesbezüglichen Ausführungen der Ehe-
- 13 -
frau des Beschuldigten, Urk. 38 S. 4 - 6), an die Ehefrau des Beschuldigten. Auf-
grund dessen war in der Nachbarschaft bzw. zumindest im Hause B._ ganz
offensichtlich bekannt, dass die A._/F._s sich in einer Trennung befin-
den, wobei Frau F._ beabsichtige, wegen der im Haus befindlichen Waffen
die Polizei zu involvieren. Dass sie dies – mit genau dieser Begründung – dann
auch tatsächlich getan hat, ergibt sich im Übrigen nicht nur aus den beigezogenen
Polizeiakten, sondern auch aus den Aussagen des Privatklägers selbst. Dies führt
nun aber dazu, dass dem Beschuldigten jedenfalls zuzubilligen ist, in guten Treu-
en davon ausgegangen zu sein, dass die Waffen des Beschuldigten nach damit
zusammenhängenden Drohungen (darunter kann zwanglos auch die von der
Ehefrau des Privatklägers geltend gemachte Bedrohungssituation subsumiert
werden) – wozu er jedoch offenlegt, dass dies lediglich eine Vermutung ist ("of-
fenbar") – durch die Polizei eingezogen wurden. Weitergehende Mutmassungen,
insbesondere dass es je zu einer Verurteilung des Privatklägers wegen Drohun-
gen im Sinne von Art. 180 StGB oder ähnlichem gekommen wäre, stellte der Be-
schuldigte zu keinem Zeitpunkt an. Der Schluss auf mutmassliche Drohungen als
Grund für die Einziehung scheint denn auch naheliegend. Wie sich gezeigt hat,
war dem Beschuldigten bekannt, dass sich die Ehefrau des Privatklägers auf-
grund von dessen Waffensammlung ängstigte, zumal ihm als Rechtsanwalt auch
bekannt war, dass die Behörden nicht ohne Anlass im Rahmen eines uniformier-
ten Einsatzes eine komplette Waffensammlung einziehen. Dass dies Seitens des
Privatklägers freiwillig gestattet wurde, lag angesichts der bekannten Fakten nicht
auf der Hand, zumal fraglich erscheint, ob die Waffen bei fehlender Kooperation
des Privatklägers in jener angespannten Situation vor dem Hintergrund des lau-
fenden Eheschutzverfahrens mit drohender Ausweisung eines Ehegatten aus
dem ehelichen Haus nicht ohnehin vorerst eingezogen worden wären. Mithin hat-
te der Beschuldigte ernsthafte Gründe, an die Wahrheit seiner Äusserung zu
glauben.
4.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem Beschuldigten der Gutglau-
bensbeweis gelungen ist. Mithin durfte er aufgrund des miterlebten bzw. in der
Nachbarschaft bekannten Polizeieinsatzes, in dessen Verlauf es aufgrund der
(ebenfalls in der Nachbarschaft bzw. dem Beschuldigten bekannten) durch die
- 14 -
Ehefrau des Beschuldigten geäusserten Ängste zu einer – wenn auch freiwilligen
– Mitnahme und – etwas weniger freiwilligen – mehrmonatigen Aufbewahrung der
umfangreichen Waffensammlung des Beschuldigten durch die Polizei bzw. das
Statthalteramt kam, in guten Treuen davon ausgehen, dass seine Sicht der Dinge
der Wahrheit entspricht.
Hinzu kommt, dass der Beschuldigte zum Entlastungsbeweis zuzulassen ist.
Nicht zugelassen wäre er, wenn er die Äusserungen ohne Wahrung öffentlicher
Interessen oder sonst wie ohne begründete Veranlassung, vorwiegend in der Ab-
sicht, dem Privatkläger Übles vorzuwerfen, vorgebracht hätte (Art. 173 Ziff. 3
StGB). Die Zulassung zum Entlastungsbeweis ist dann verwehrt, wenn diese Vor-
aussetzungen (ohne begründete Veranlassung, schon gar nicht im öffentlichen In-
teresse einerseits, mit dem Ziel, Übles vorzuwerfen andererseits) kumulativ erfüllt
sind (PK StGB-Trechsel/Lieber, 3. Aufl. 2018, Art. 173 N 21). Eine überwiegende
Beleidigungsabsicht ist immer dann zu bejahen, wenn es dem Urheber der
Äusserung vor allem darum geht, dem Opfer durch die üble Nachrede zu scha-
den, bzw. jemanden der Schmach auszusetzen oder "zu Fall zu bringen"
(OFK/StGB-Donatsch, 19. Aufl. 2013, StGB 173 N 23; PK StGB-Trechsel/Lieber,
3. Aufl. 2018, Art. 173 N 25). Vorliegend ist zwar nicht nachvollziehbar, wieso der
Beschuldigte den Vorfall mit den Waffen aus dem Jahre 2009, welcher damit Jah-
re zurücklag, im Schreiben vom 14. Oktober 2014 im Zusammenhang mit den
Streitigkeiten wegen der Katze des Beschuldigten, welche im Haus des Privatklä-
gers uriniert hatte, wieder hervorbrachte, haben die beiden Vorfälle doch keinen
Zusammenhang, weshalb keine begründete Veranlassung ersichtlich ist. Der Be-
schuldigte erhob den Vorwurf aber nicht in überwiegender Beleidigungsabsicht,
d.h. nicht mit dem Ziel, dem Privatkläger Übles vorzuwerfen bzw. ihm zu schaden
– dazu hatte er auch keinen persönlichen Grund –, sondern um zu erklären, wes-
halb er keine persönliche Kontaktaufnahme des Privatklägers, insbesondere nicht
mit seiner Frau, die einen solchen Kontakt aufgrund von Vorfällen und Streitigkei-
ten in der Nachbarschaft, welche den Privatkläger betrafen, nicht wollte, wünscht,
sondern ausschliesslich schriftlichen Verkehr.
Entsprechend ist der Beschuldigte vollumfänglich freizusprechen.
- 15 -
5. Genugtuungsforderung des Privatklägers
5.1. Der Privatkläger fordert für die erlittene Beschimpfung eine Genugtuung in
Höhe von Fr. 1'000.– (Urk. 76 Berufungsantrag Ziff. 7; Urk. 87 S. 1). Vor Vor-
instanz führte sein Vertreter in diesem Zusammenhang aus, die beanstandeten
Sätze seien äusserst verletzend und leichtfertig vorgetragen worden. Die Äusse-
rung sei gravierend, zumal sich der Beschuldigte völlig uneinsichtig zeige. Der
Privatkläger habe sehr unter den beanstandeten Äusserungen gelitten und tue
dies auch heute noch. Er fühle sich gedemütigt, schlechtgemacht und leide unter
der damit zusammenhängenden Ausgrenzung, die der Beschuldigte kundgetan
habe. Gesundheitlich gehe es ihm nicht gut (Urk. 61 S. 8 f.). Heute liess der Pri-
vatkläger ergänzend ausführen, er habe sehr unter den beanstandeten Äusse-
rungen gelitten und leide unter der damit zusammenhängenden Ausgrenzung, die
der Beschuldigte kundgetan habe. Wer wolle schon mit einer Person Kontakt ha-
ben, die von einem Dr. iur. als gemeingefährlich eingestuft und bezeichnet werde
(Urk. 87 S. 17).
5.2. Über geltend gemachte Genugtuungsforderungen ist auch bei einem Frei-
spruch zu entscheiden, sofern der Sachverhalt spruchreif ist (Art. 126 Abs. 1 lit. b
StPO).
5.3. Gemäss Art. 49 OR ist eine Genugtuung nur geschuldet, sofern die Schwere
der Persönlichkeitsverletzung es rechtfertigt. Der Eingriff in die Persönlichkeit
muss aussergewöhnlich schwer sein und in seinen Auswirkungen das Mass einer
Aufregung oder einer alltäglichen Sorge klar übersteigen. Leichte Persönlichkeits-
verletzungen, wie beispielsweise unbedeutende Ehrverletzungen, rechtfertigen
keine finanzielle Genugtuung (Urteil 6B_94/2013 vom 3. Oktober 2013 E. 1.1 un-
ter Hinweis auf BSK OR I-Heierli/Schnyder, 5. Aufl. 2011, N 11 zu Art. 49 OR).
5.4. Wie gesehen war es zutreffend, dass die Waffen des Privatklägers im zeitli-
chen Konnex zu einem hängigen Eheschutzverfahren wegen einer durch die Ehe-
frau des Beschuldigten zumindest subjektiv geltend gemachten Bedrohungssitua-
tion behördlich mit- bzw. weggenommen wurden, auch wenn dies nicht aufgrund
einer hoheitlichen Beschlagnahmung erfolgte, sondern mit Einwilligung des Pri-
- 16 -
vatklägers. Immerhin verzögerte sich die Rückgabe der Waffensammlung entge-
gen dem Willen des Privatklägers über den Auszug der Ehefrau bzw. der gemein-
samen Kinder aus der Familienwohnung hinaus, was die geschilderte Freiwillig-
keit relativiert. Vor diesem Hintergrund liegt die klar als Mutmassung ("offenbar")
dargestellte schriftliche Aussage des Beschuldigten derart nahe an den effektiven
Geschehnissen, dass objektiv keine Persönlichkeitsverletzung festgestellt werden
kann bzw. eine solche jedenfalls lediglich im Bagatellbereich anzusiedeln ist. Hin-
zu kommt, dass die Äusserung lediglich dem Beschuldigten gegenüber erhoben
wurde, sodass er in den Augen Dritter keinen Ansehensverlust erlitten haben
kann. Schliesslich blieb die Schilderung der erlittenen Unbill durch den diesbezüg-
lich beweisbelasteten Privatkläger vor Vorinstanz und in der heutigen Berufungs-
begründung – anlässlich seiner Einvernahme vom 13. Februar 2017 machte er
persönlich diesbezüglich überhaupt keine Ausführungen (Urk. 37) – derart vage,
dass auch unter diesem Aspekt nicht auf eine aussergewöhnlich schwere und
damit genugtuungsfähige Persönlichkeitsverletzung geschlossen werden kann.
Dem im Berufungsverfahren gestellten Beweisantrag, den Privatkläger anlässlich
der Berufungsverhandlung zur geltend gemachten Beschimpfung zu befragen, um
im Zusammenhang mit der geltend gemachten Genugtuung einen persönlichen
Eindruck zu gewinnen, wie sich das Ganze auf den Privatkläger ausgewirkt habe
(Urk. 76 S. 2 und Ergänzung in Urk. 87 S. 18), kann nicht nachgekommen wer-
den, ist die Zivilklage doch spätestens im Parteivortrag an der Hauptverhandlung
zu begründen und sind Beweisanträge vorher zu stellen (BSK StPO-Dolge,
2. Aufl. 2014, Art. 123 N 2). Wenn etwas nicht substantiiert wurde, kann dazu
auch kein Beweismittel abgenommen werden. Es fehlt an einer aussergewöhnlich
schweren Persönlichkeitsverletzung und damit an der Anspruchsgrundlage für die
Zusprechung einer Genugtuung. Das Genugtuungsbegehren ist entsprechend
abzuweisen.
5.5. Über den Antrag betreffend Ersatz der erstandenen Anwaltskosten ist im
Rahmen der Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen zu entscheiden, da
es sich dabei nicht um einen zivilrechtlichen Anspruch im Sinne von Art. 122
StPO handelt (vgl. Art. 433 StPO).
- 17 -
6. Kosten- und Entschädigungsregelung
6.1. Die Verfahrenskosten werden vom Bund oder dem Kanton getragen, der
das Verfahren geführt hat, soweit sie nicht dem Beschuldigten auferlegt werden
können. Letzteres ist der Fall bei einer Verurteilung (Art. 423 und 426 Abs. 1
StPO). Wird der Beschuldigte freigesprochen, so können ihm dann Kosten aufer-
legt werden, wenn er die Einleitung des Verfahrens rechtswidrig und schuldhaft
bewirkt oder die Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO). Die Kosten
des Berufungsverfahrens sind sodann den Parteien nach Massgabe ihres Obsie-
gens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
6.2. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsrege-
lung (Dispositivziffern 4 und 5 des angefochtenen Urteils) zu bestätigen.
6.3. Was das Berufungsverfahren angeht, so wird der vollumfänglich unterlie-
gende Privatkläger kosten- und entschädigungspflichtig (Art. 428 Abs. 1 StPO und
Art. 432 Abs. 2 StPO; BGE 139 IV 45). Die Gerichtskosten sind aus der durch den
Privatkläger geleisteten Prozesskaution zu beziehen. Die Entschädigung für den
Beschuldigten zur Deckung seiner anwaltlichen Vertretung im Berufungsverfahren
ist auf Fr. 2'900.– (inkl. MWST) festzusetzen (Urk. 89; Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO
in Verbindung mit §§ 17 Abs. 1 lit. a und 18 AnwGebV).
6.4. Anlass, den Privatkläger für seine Anwaltskosten im Zusammenhang mit
dem vorliegenden Strafverfahren zu entschädigen, besteht bei dieser Sachlage
nicht.