Decision ID: e2e57b8b-81c9-5232-8cb4-900a8d0639a8
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 1965, meldete sich im Februar 2001 zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an. Sie gab an, unter Rückenschmerzen, Asthma und
psychischen Störungen zu leiden (IV-act. 1). Im Auftrag der IV erstattete die MEDAS
Ostschweiz am 28. August 2002 ein polydisziplinäres Gutachten. Darin werden als die
zumutbare Arbeitsfähigkeit beeinflussende Hauptdiagnosen eine mittelgradige
depressive Episode mit somatischen Symptomen und ein diffuses generalisiertes
Schmerzsyndrom genannt. Für körperlich schwere Tätigkeiten sei die Versicherte nicht
mehr arbeitsfähig, für mittelschwere ohne Rückenbelastung bestehe eine
Restarbeitsfähigkeit von 50% (IV-act. 24-10, 24-12). Gestützt auf dieses Gutachten
sprach die IV-Stelle der Versicherten am 21. Mai 2003 rückwirkend ab 1. März 2001 bei
einem Invaliditätsgrad von 46% eine Viertelsrente mit Zusatzrenten für den Ehemann
und die beiden Kinder zu (IV-act. 41). Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann erhob
dagegen in Vertretung der Versicherten am 23. Juni 2003 Einsprache (IV-act. 49),
woraufhin die IV-Stelle die angefochtenen Verfügungen am 3. Juli 2003 widerrief (IV-
act. 56) und eine Verlaufsbegutachtung bei der MEDAS Ostschweiz in Auftrag gab (IV-
act. 63).
A.b Im MEDAS-Gutachten vom 3. Januar 2005 werden die Hauptdiagnosen
mittelgradige bis schwere depressive Störung mit somatischem Syndrom und
Elementen einer sozialen Phobie sowie weiterhin das diffuse generalisierte
Schmerzsyndrom genannt. Der psychiatrische Zustand habe sich verschlechtert, die
Versicherte sei seit Juni 2003 zu 60% arbeitsunfähig (IV-act. 68-7; 68-9). Die IV-Stelle
sprach ihr daraufhin mit Verfügungen vom 24. März 2005 bei einem Invaliditätsgrad von
46% ab 1. März 2001 eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von 64% ab
1. September 2003 eine halbe und ab 1. Januar 2004 eine Dreiviertelsrente zu (IV-
act. 87). Dagegen liess die Versicherte am 28. April 2005 Einsprache erheben (IV-
act. 84). Mit der ergänzenden Begründung vom 30. Juni 2005 reichte ihr
Rechtsvertreter einen Bericht von Dr. med. A._, Facharzt FMH für
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Otorhinolaryngologie, Hals- und Gesichtschirurgie, vom 14. März 2005 ein (IV-act. 94).
Nach Kenntnisnahme eines weiteren Berichts von Dr. A._ vom 18. Juli 2005, in dem
dieser eine Restarbeitsfähigkeit der Versicherten verneinte (IV-act. 103), widerrief die
IV-Stelle am 26. Oktober 2005 auch die Verfügungen vom 24. März 2005 (IV-act. 109),
holte weitere medizinische Akten ein und veranlasste am 27. August 2007 eine zweite
Verlaufsbegutachtung bei der MEDAS Ostschweiz (IV-act. 135). Im Gutachten vom
9. Januar 2008 werden keine neuen relevanten Diagnosen genannt. Die Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit belaufe sich weiterhin auf 60% (IV-act. 139-14).
A.c Mit Vorbescheid vom 27. März 2008 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Zusprache einer Viertelsrente ab 1. März 2001, einer halben Rente ab 1. September
2003 und einer Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2004 in Aussicht (IV-act. 145). Trotz
Einwands der Versicherten vom 30. April 2008 (IV-act. 148) und ergänzender
Begründung vom 30. Mai 2008 (IV-act. 150) verfügte die IV-Stelle nach Rückfrage bei
ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD; IV-act. 151) am 4. August 2008 gemäss
Vorbescheid (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügungen richtet sich die Beschwerde der Versicherten vom
8. September 2008. Ihr Rechtsvertreter beantragt unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen die Aufhebung der Verfügungen und die Zusprache einer
ganzen Invalidenrente ab wann rechtens, spätestens ab 1. März 2001. Eventualiter sei
die Sache zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Im MEDAS-Gutachten vom 9. Januar 2008
seien die verschiedenen Leiden der Beschwerdeführerin nicht bzw. zu wenig
berücksichtigt worden. Dies gelte insbesondere für die attackenweise auftretenden
Gleichgewichtsstörungen und Kopfschmerzen usw., die der Beschwerdeführerin seit
einem Sturzunfall auf Glatteis am 17. Februar 2003 und einem Auffahrunfall vom
10. Oktober 2005 stark zu schaffen machten. Dr. A._ gehe in seinem aktuellsten
Bericht vom 18. August 2008 von einer Arbeitsunfähigkeit von 80-90% aus, dies, weil
die peripher-vestibuläre Funktionsstörung auch heute noch zentral nicht vollständig
kompensiert sei und die Kompensationsprozesse nach längerer Therapiepause wieder
Kompensationstendenz zeigen würden. Das MEDAS-Gutachten sei nicht vollständig
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und durch eine neuro-otologische Untersuchung zu ergänzen. In Bezug auf Schmerzen
an beiden Handgelenken sei eine ergänzende orthopädische Untersuchung, im
Weiteren ein Bericht bei Dr. B._ einzuholen (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung
vom 13. November 2008 verweist der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin erneut
auf den Bericht von Dr. A._ vom 18. August 2008. Dessen erhobene Diagnosen seien
zu berücksichtigen und hätten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin. Dr. A._ führe nachvollziehbar aus, weshalb im MEDAS-
Gutachten sein Bericht vom 18. Juli 2005 zwar erwähnt, jedoch fachlich falsch
interpretiert worden sei. Selbst wenn man auf eine Arbeitsunfähigkeit von 60%
abstellen wollte, sei die Invaliditätsbemessung falsch. Beim Invalideneinkommen sei
neben dem Minderverdienst von 17.4% ein höherer Leidensabzug als die zuerkannten
10% zu berücksichtigen. Ein Bericht des Psychiaters Dr. med. C._ vom Juni 2003
attestiere eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50%. Dr. C._ habe offen gelassen,
dass die Arbeitsunfähigkeit auch durchaus etwas höher, 55% bis 60%, liegen könnte.
Dann sei aber anzunehmen, dass der Eintritt der Verschlechterung bzw. die
Arbeitsunfähigkeit von 60% gemäss MEDAS bereits im Jahr 2001 bestanden habe,
weshalb ab März 2001 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehe (act. G 5).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 30. Januar
2009 die Abweisung der Beschwerde. Der zuständige Arzt des RAD habe am 23. Juli
2008 angegeben, das bunte Beschwerdebild mit Sehstörungen, Gangunsicherheit,
Schwindelsymptomatik und deutlichem Leidensdruck stehe in deutlichem Kontrast zu
den völlig normalen neurologischen Untersuchungsergebnissen. Die Beschwerden
seien in klarem Zusammenhang mit der mittelgradigen bis schweren depressiven
Störung zu sehen. Eine weiterführende ORL-Untersuchung erübrige sich in diesem
Kontext. Somit sei auf die Beurteilung der MEDAS und nicht auf die Beurteilung allein
aus oto-neurologischer Sicht von Dr. A._ abzustellen. Zum Einkommensvergleich hält
die Beschwerdegegnerin fest, der Minderverdienst werde mit der Berücksichtigung der
eingeschränkten Leistungsfähigkeit vollständig abgegolten. Ein zusätzlicher Abzug
dürfe nicht berücksichtigt werden, zumal Frauen in Teilzeit überdurchschnittlich
verdienten. Würde die Beschwerdeführerin in eine Hilfstätigkeit in der Produktion
wechseln und nicht in der Gastronomie bleiben, würde sie eine tiefere Erwerbseinbusse
als 60% erleiden. In diesem Fall hätte sie noch Anspruch auf eine halbe Rente
(act. G 8).
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B.c Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 19. Februar
2009 an den Anträgen gemäss Beschwerde unverändert fest. Erneut betont er, die
ausführliche Stellungnahme von Dr. A._ vom 18. August 2008 zum MEDAS-
Gutachten sei zwingend zur Kenntnis zu nehmen. Nach der neuesten Rechtsprechung
des Bundesgerichts sei beim Vorliegen eines Schleudertraumas bzw. einer HWS-
Distorsion im Rahmen eines polydisziplinären Gutachtens auch eine neuro-otologische
und allenfalls ophtamologische Untersuchung durchzuführen. Vorliegend gebe es oto-
neurologische Abklärungsergebnisse, die entsprechend zu würdigen seien (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 26. Februar 2009 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Angefochten sind Verfügungen, die nach Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar
2008 ergangen sind. Mangels einer übergangsrechtlichen Norm rechtfertigt es sich
allerdings, für die vor diesem Zeitpunkt massgebenden Verhältnisse (Rentenanspruch
mit Anspruchsbeginn bei Anmeldung unter altem Recht) die im Folgenden zitierten, bis
zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen Bestimmungen anzuwenden.
2.
Vorliegend wurde über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin noch nie
rechtskräftig verfügt. Die Rentenverfügungen vom 21. Mai 2003 und vom 24. März
2005 wurden widerrufen und weitere Abklärungen in die Wege geleitet. Die im
vorliegenden Verfahren angefochtenen und zu überprüfenden Verfügungen vom
4. August 2008 regeln damit die Rentenansprüche ab Anspruchsbeginn.
3.
3.1 Unter Invalidität wird bei als Gesunden voll erwerbstätigen Personen die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
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Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn der Versicherte mindestens zu 70%, derjenige auf eine
Dreiviertelsrente, wenn er wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
3.2 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 Erw. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von
Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel
eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Hinsichtlich
des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a).
4.
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4.1 Zu überprüfen ist die medizinische Aktenlage.In orthopädischer Hinsicht
diagnostizierte die MEDAS lediglich eine flache, doppelte S-förmige Skoliose der
Wirbelsäule, der sie im Gutachten vom 9. Januar 2008 keinen Krankheitswert beimass,
sondern die sie als individuelle Formvariante bezeichnete. Trotz einer Schleuderung der
Halswirbelsäule (HWS) könne dort kein pathologischer Befund erhoben werden,
ebenso wenig am linken Handgelenk. Die Wirbelsäulenbeweglichkeit sei gegenüber
August 2004 geringfügig zurückgegangen, rechtfertige aber keine neuen
Röntgenaufnahmen bei gleichbleibenden Befunden zwischen 2000 und 2005. Die
Verhältnisse in Bezug auf den Rücken insgesamt seien im Vergleich zur Begutachtung
vom August 2004 unverändert, es könne höchstens eine qualitative Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert werden, indem wiederholtes Lastenheben über 15kg
unterbleiben solle. Die Einschränkung, die schon 2000 nicht habe objektiviert werden
können, bestehe aufgrund der Schmerzangabe im Rücken nach Belastung (IV-
act. 139-11). Die im ersten Gutachten vom 28. August 2002 erwähnten Befunde
Hohlrundrücken, diskrete degenerative Veränderungen der Brust- und
Lendenwirbelsäule und Status nach Morbus Scheuermann (IV-act. 24-11) bewirkten
ebenfalls keine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Hinweise auf eine
Verschlechterung konnten nicht erhoben werden und ergaben sich auch nicht aus der
Bildgebung, so unter anderem MRI der LWS vom November 2006 bzw. der HWS vom
August 2005.
4.2
4.2.1 Bei der ersten Begutachtung vom April 2002 waren noch keine
Schwindelbeschwerden beschrieben worden. Im zweiten MEDAS-Gutachten
betreffend Begutachtung vom August 2004 wird ein Unfall vom 16. Februar 2003 mit
HWS-Distorsion erwähnt. Seither leide die Beschwerdeführerin unter nadelstichartigen
Schmerzen im Schulter-/Nackenbereich und Dysästhesien in den Händen und Füssen
akral sowie chronischen okzipitalen Kopfschmerzen (IV-act. 68-3). Wiederum klagte sie
offenbar nicht über Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder ähnliches.
Demgegenüber beschreibt Dr. A._ am 14. März 2005 einen Sturzunfall auf Glatteis
vom 17. Februar 2002, der Dauerschwindel ausgelöst habe, der sich intervallweise
verstärke, vor allem bei schnellen Kopf- und Körperbewegungen. Auch visuelle Reize
und Aufenthalt in der Menge provoziere den Schwindel mit visueller Symptomatik in
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Form von Verschwommensehen, räumlicher Desorientierung und visuellem
Unbehagen. Beim Laufen bestehe ein schwankendes Gefühl und Unsicherheit sowie
Lateropulsion nach rechts. Die stärkeren Schwindelepisoden seien von vegetativer
Symptomatik begleitet. Seit dem Unfall seien auch die kognitiv-mnestischen Störungen
mit Konzentrationsschwäche, reduzierter Aufmerksamkeit, schneller Ermüdbarkeit und
reduzierter Belastbarkeit ausgeprägt. Dr. A._ geht in seiner Beurteilung davon aus,
dass die Beschwerdeführerin beim Sturz eine contusio capitis, eine commotio cerebri
et labyrinthi links und ein HWS-Abknicktrauma erlitten habe. Die
Schwindelcharakteristika, die schwindelverstärkenden Faktoren und vor allem die
begleitende visuo-visuo-oculomotorische Symptomatik sowie durch den Unfall
ausgelöste neuro-psychologische Defizite sprächen für eine multimodale
Funktionsstörung innerhalb des Gleichgewichtssystems. Diese Annahme werde durch
die klinisch erhobenen Befunde und die objektiv erfassbaren neuro-otometrischen
Befunde gestützt (IV-act. 94-14 f.). Am 18. Juli 2005 hielt Dr. A._ fest, rein aus oto-
neurologischer Sicht wegen posttraumatischen multisensorischen Vertigo-Syndroms
bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 70% für sämtliche Tätigkeiten, die mit körperlichen
Bewegungen, Arbeit in der Höhe und Arbeit mit visueller Fixation und visuellen Reizen
verbunden seien. Unter Berücksichtigung der von der MEDAS am 3. Januar 2005
attestierten Arbeitsunfähigkeit anhand der Hauptdiagnosen betrage die
Arbeitsunfähigkeit zusammen mit jener aus neuro-otologischer Sicht sicher 100%.
Betreffend Prognose und Arbeitsunfähigkeit wäre eine interdisziplinäre Beurteilung
sinnvoll (IV-act. 103).
4.2.2 Bei der MEDAS-Begutachtung vom November 2007 berichtete die
Beschwerdeführerin, seit dem Sturz auf Glatteis vom 17. Februar 2003 an Schwindel zu
leiden, der seit einem Auffahrunfall vom 10. Oktober 2005 an Intensität zugenommen
habe. Eine Schwindelattacke dauere vier bis fünf Minuten und trete drei- bis viermal
täglich auf. Weiter berichtete die Beschwerdeführerin über inkonstant vorhandene
Gangunsicherheit. In der Beurteilung hielten die MEDAS-Gutachter fest, in der
aktuellen klinisch-neurologischen Untersuchung habe man bei glatter Blickfolge ohne
Sakkaden keine Hinweise für eine zentrale oder periphere Oculomotorikstörung, bei
fehlendem Spontannystagmus, unauffälligen Lagerungsproben sowie unauffälligem
Kopfimpuls-Test nach Halmagyi keinen Hinweis für eine periphere Vestibulopathie
gefunden. Die von Dr. A._ im März 2005 beschriebene Symptomatik mit
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Spontannystagmus nach rechts und reduzierter Erregbarkeit des Nervus vestibularis in
der Kalorikprüfung links würde für eine damalige Vestibulopathie links sprechen, wobei
in der Blickfolge der Spontannystagmus beim Blick nach rechts üblicherweise verstärkt
wäre und eine Lateropulsion nach links zum ausgefallenen Vestibularorgan zu erwarten
wäre. Bei dokumentierter fehlender Bewusstlosigkeit seien die Diagnosekriterien für
eine commotio cerebri nicht erfüllt, es könne lediglich von einem leichten Schädel-Hirn-
Trauma oder einer Schädelprellung im Rahmen des Sturzereignisses gesprochen
werden. Die Neurologen beschreiben den Befund trotz detaillierter Prüfung als
unauffällig. Sie fanden kein cerebelläres Syndrom und keinen Spontannystagmus und
hielten fest, die damals berichtete vestibuläre Störung bilde möglicherweise die Brücke
und den Kern zu einer über die Jahre deutlich ausgebauten funktionellen Störung auf
dem Boden einer seit Jahren bestehenden depressiven Störung. Erfahrungsgemäss
würden peripher-vestibuläre Läsionen mit der Zeit zentral gut kompensiert. Das bunte
Beschwerdebild mit Sehstörungen, Gangunsicherheit, Schwindelsymptomatik, der
deutliche Leidensdruck und der hierzu kontrastierende völlig unauffällige neurologische
Status passten eher zu einer funktionellen Störung als zu einer rein somatischen
vestibulären Funktionsstörung. Zum Ausschluss einer Pathologie im vertebro-basilären
Stromgebiet, insbesondere einer Dissektion der extrakraniellen hirnzuführenden
Gefässe im Rahmen des Sturzes, sei eine MR-Angiographie und Duplex-Sonographie
der extrakraniellen hirnzuführenden Gefässe durchgeführt worden. Diese hätten
unauffällige Befunde gezeigt und insbesondere keine Hinweise gegeben auf eine
Pathologie im vertebro-basilären Stromgebiet oder auf frische oder alte Ischämien im
Hirnstammgebiet (IV-act. 139-13 f.). Der zuständige Arzt des RAD hielt am 23. Juli 2008
unter Bezugnahme auf die Ausführungen der Neurologen der MEDAS fest, die
Beschwerden seien in klarem Zusammenhang mit der depressiven Störung mit
somatischem Syndrom zu sehen, weshalb sich eine weiterführende ORL-Untersuchung
erübrige (IV-act. 151).
4.2.3 Dr. A._ schätzte die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin am 18. August
2008 auf 80-90%. Der Grund für diese im Vergleich mit der MEDAS höhere Schätzung
liege in der Tatsache, dass die peripher-vestibuläre Funktionsstörung noch immer
zentral und nicht zu 100% kompensiert sei und die Kompensationsprozesse auch nach
längerer Therapiepause wieder Dekompensationstendenzen gezeigt hätten. Zusätzlich
sei immer noch eine Integrationsstörung innerhalb der Afferenz-Systeme des
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Gleichgewichtssystems vorhanden. Die neuro-otometrisch erhobenen Befunde der
trimodalen Funktionsstörung innerhalb des Gleichgewichtssystems mit peripher-
vestibulärer Funktionsstörung links, visuo-oculomotorischer Funktionsstörung und
zerviko-proprioceptiver Funktionsstörung könnten nur durch
elektronystagmographische und posturographische Untersuchungen erfasst werden
und würden durch die klinisch-neurologische Untersuchung sehr häufig übersehen, wie
auch im Fall der Beschwerdeführerin (IV-act. 165-3).
4.2.4 Die zweite MEDAS-Begutachtung vom August 2004 thematisiert die
Schwindelproblematik nicht. Der Sturz auf Glatteis (der gemäss dem letzten MEDAS-
Gutachten im Februar 2003 und nicht, wie von Dr. A._ angegeben, im Februar 2002
stattgefunden haben soll) wird zwar erwähnt und so auch damit in Zusammenhang
stehende, von der Beschwerdeführerin geklagte Schmerzen im Schulter-/
Nackenbereich u.ä., nicht jedoch Gleichgewichts- oder Schwindelbeschwerden. Die
Beurteilung von Dr. A._ vom März bzw. Juli 2005, wonach allein aufgrund dieser
Beschwerden bereits seit dem Sturz eine Arbeitsunfähigkeit von 70% für Tätigkeiten
mit körperlichen Bewegungen, Arbeit in der Höhe und Arbeit mit visuellen Fixationen
und Reizen bestehen soll, erweist sich bereits vor diesem Hintergrund als nicht
plausibel. Im Übrigen lässt er eine Arbeitsfähigkeitsschätzung für besser adaptierte
Tätigkeiten vermissen. Weiter fällt auf, dass Dr. A._ am 18. August 2008 zwar z.B.
von einer Reduktion des Schwindel-Handicap-Indexes von 78% auf 52% berichtet,
dennoch rückwirkend für die Zeit seit März 2005 eine generelle Arbeitsunfähigkeit von
80-90% attestiert, ohne die zumutbaren Tätigkeiten zu beschreiben. Damit geht er
quantitativ und qualitativ über seine Einschätzung aus dem Jahr 2005 hinaus, ohne
dies zu begründen. Zentral ist im Weiteren, dass die Beschwerdeführerin bei der dritten
MEDAS-Begutachtung im November 2007 Schwankschwindel beschreibt, der beim
plötzlichen Aufstehen oder provozierbar durch schnelle Kopfrotation auftrete. Der
Schwindel dauere vier bis fünf Minuten an. Er sei auch im Sitzen oder Liegen
aufgetreten, weshalb sie Angst habe einzuschlafen aus Angst, erneut eine
Schwindelattacke zu bekommen. Pro Tag trete der Schwindel etwa drei- bis viermal
auf (IV-act. 139-2). Diese Beschreibung lässt die von Dr. A._ attestierte fast
vollständige Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätigkeiten als wenig plausibel
erscheinen. Plötzliches Aufstehen und schnelle Kopfrotation kann die
Beschwerdeführerin bei einer zumutbaren Arbeitstätigkeit weitgehend vermeiden.
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Arbeiten in der Höhe und Tätigkeiten mit intensiven visuellen Reizen können ebenfalls
umgangen werden. Bei der Arbeit muss lediglich gewährleistet sein, dass die
Beschwerdeführerin ihre Tätigkeit im Fall des Auftretens von Schwindelgefühlen für
einige Minuten unterbrechen kann. Im Übrigen ist zu beachten, dass die Neurologen
der MEDAS wie erläutert keinerlei relevante neurologische Auffälligkeiten erheben
konnten. Auch im Rahmen einer Funktions-Computer-Tomographie von Dr. med. D._
vom 4. Februar 2005 präsentierten sich normale Verhältnisse (IV-act. 120-5). Eine im
Februar 2005 durchgeführte Polysomnographie im Schlaflabor Fluntern ergab im
Weiteren ein normales Schlafprofil, ein Schlaf-Apnoe-Syndrom wurde ausgeschlossen
(IV-act. 120-7). Insgesamt sind die Schlussfolgerungen der Neurologen der MEDAS
nachvollziehbar und erscheinen begründet.
4.3 Bereits im ersten MEDAS-Gutachten vom 28. August 2002 war eine erhebliche
psychiatrische Problematik erkannt worden. Es lag eine mittelgradige depressive
Episode mit somatischem Syndrom vor, weshalb der begutachtende Psychiater
Dr. med. E._ die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin als zu 45-50%
eingeschränkt betrachtete (IV-act. 23-3). Gemäss dem zweiten Gutachten von Dr. E._
hatte die depressive Störung im August 2004 mittelgradiges bis schweres Ausmass
angenommen und waren neu Elemente einer sozialen Phobie aufgetreten. Er berichtet
von zunehmenden Beobachtungs- und Verfolgungsgefühlen in Verbindung mit einer
stärker ausgeprägten Angststörung. Der psychische Gesamtzustand allein bewirke die
Erhöhung des Arbeitsunfähigkeitsgrads auf 60% (IV-act. 68-14 f.). Demgegenüber
beurteilte Dr. E._ die Arbeitsfähigkeit im dritten Gutachten vom November 2007 als
unverändert, obwohl die Beschwerdeführerin subjektiv eine Verschlechterung verspürte
(IV-act. 139-24). Diese Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. E._erscheint nach wie vor
plausibel.
4.4 Im Gutachten vom 9. Januar 2008 wurde im Zusammenhang mit dem
anamnestisch festgestellten Asthma bronchiale festgehalten, dass Staubexpositionen
vermieden werden sollten. Dabei handelt es sich lediglich um eine qualitative
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bereits in den Gutachten vom 28. Februar 2002
und vom 3. Januar 2005 war festgehalten worden, die Lungenfunktion sei unter
medikamentöser Therapie normal (IV-act. 24-11; 68-4; 68-7).
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4.5 Die polydisziplinäre Begutachtung durch die MEDAS erfüllt die beweisrechtlichen
Anforderungen. Das Gutachten und die Arbeitsfähigkeitsschätzung sind
nachvollziehbar begründet und plausibel. Die Vorakten und die geklagten Beschwerden
wurden adäquat berücksichtigt und thematisiert. Folglich ist für die
Invaliditätsbemessung von einer verbliebenen Arbeitsfähigkeit von 40% auszugehen.
5.
5.1 In Bezug auf den Beginn der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit möchte der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin die Angaben des behandelnden Psychiaters
Dr. C._ vom 8. August 2001 so verstanden wissen, dass die Arbeitsunfähigkeit 50%
auch übersteigen könne. Zwar trifft zu, dass Dr. C._ in jenem Bericht von einer
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% schrieb (IV-act. 15-6). Dr. E._ attestierte in
seinem Gutachten vom 25. April 2002 eine Arbeitsunfähigkeit in derselben
Grössenordnung (45-50%; IV-act. 23-3). Am 28. August 2004 berichtete er von einer
Verschlechterung durch neu erkannte Elemente einer sozialen Phobie. Die
Beobachtungs- und Verfolgungsgefühle in Verbindung mit einer stärkeren Ausprägung
der Angststörung rechtfertigten gemäss Dr. E._ eine Erhöhung der geschätzten
Arbeitsunfähigkeit auf 60% (IV-act. 68-14). Damit stimmte er mit Dr. C._ überein, der
im Bericht vom 26. Juni 2003 von einer Tendenz zur Verschlechterung trotz seiner
Behandlung schrieb und für jenen Zeitpunkt von einer Arbeitsunfähigkeit von 60%
ausging (IV-act. 52-3). Aktenmässig lässt sich daher nicht belegen, dass bereits vor
Juni 2003 eine 50% übersteigende Arbeitsunfähigkeit bestanden hätte.
5.2 Vor März 2000 ist keine anhaltende Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (vgl. IV-act. 7-3),
sodass das Wartejahr gemäss Art. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der damals gültigen Fassung)
nicht vor diesem Datum zu laufen beginnt. Ein Rentenanspruch kommt daher nicht vor
März 2001 in Frage.
6.
6.1 Weiter verlangt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beim
Invalideneinkommen die Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 25%.
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6.1.1 Der oftmals als "Leidensabzug" bezeichnete Abzug hat nichts mit dem Leiden zu
tun. Vielmehr sollen damit jene Nachteile ausgeglichen werden, die der versicherten
Person durch die Verwendung von statistischen Einkommenszahlen erwachsen. Diese
Zahlen stammen nämlich von gesunden Arbeitnehmern. Invalide Personen erleiden
indessen - neben der Arbeitsunfähigkeit - auf dem Arbeitsmarkt eine zusätzliche
Lohneinbusse. In BGE 126 V 75 neues Fenster ff. hat das Bundesgericht festgestellt,
dass die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalls
(leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie
und Beschäftigungsgrad) abhängig ist. Der Einfluss sämtlicher Merkmale auf das
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, d.h.
dass nicht für jedes Merkmal der entsprechende Abzug zu quantifizieren ist und die
einzelnen Abzüge zusammenzuzählen sind. Schliesslich ist der Abzug auf höchstens
25% zu begrenzen. Bei der Überprüfung des gesamthaft vorzunehmenden Abzugs darf
das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle
desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich somit auf Gegebenheiten abstützen
können, die seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen
lassen. Vorliegend fällt ins Gewicht, dass die Beschwerdeführerin gegenüber einer
gesunden Konkurrentin für einen bestimmten Arbeitsplatz ein höheres Krankheitsrisiko
hat. Dies hat auch bei manifesten psychischen Leiden zu gelten. Aus der Sicht eines
ökonomisch denkenden Arbeitgebers senkt dieses Risiko, dessen Verwirklichung die
Gesamtlohnkosten des Betriebs erhöhen würde, den "Wert" der Beschwerdeführerin
als Arbeitnehmerin. Um dies zu kompensieren und konkurrenzfähig zu bleiben, müsste
die Beschwerdeführerin mit einem entsprechend tieferen Lohn rechnen. Insgesamt ist
sie auf erhöhte Flexibilität des Arbeitgebers angewiesen. Ein nennenswerter
Lohnnachteil wegen Teilzeitarbeit lässt sich bei Frauen im tiefsten Anforderungsniveau
mit einem Pensum zwischen 25% und 49% hingegen statistisch nicht belegen; die
Lohndifferenz betrug hier im Jahr 2006 z.B. nur 0.24% (vgl. Tabelle T2* auf S. 16 der
LSE 2006).
6.1.2 Die Beschwerdegegnerin anerkannte bereits bei der Invaliditätsbemessung, die
den widerrufenen Verfügungen vom 24. März 2005 zugrunde lag, einen Leidensabzug
von 10% (IV-act. 75-1). Diesen übernahm sie in den angefochtenen Verfügungen (vgl.
IV-act. 142). Ein Abzug in dieser Höhe erscheint den Umständen angemessen. Ein
https://swisslex.westlaw.com/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xVx75_82&AnchorTarget=BGEx126xVx75
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höherer wäre jedenfalls nicht angezeigt, zumal die Beschwerdeführerin aus
somatischer Sicht zwar keine schweren Tätigkeiten mehr ausführen kann,
Staubexposition und ruckartiges Aufstehen und dergleichen vermeiden muss, darüber
hinaus aber nicht in einer Weise eingeschränkt ist, die einen höheren Abzug
rechtfertigen würde.
6.2
6.2.1 Die Beschwerdeführerin erzielte im Jahr 1999 ein Einkommen von Fr. 40'650.-
(IV-act. 5). Angepasst an die Nominallohnentwicklung belief sich dieses im Jahr 2000
auf Fr. 41'291.- (Nominallohnindex Frauen 1999: 2'156; 2000: 2'190). Gemäss den
Tabellenlöhnen der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) verdienten Frauen im tiefsten Anforderungsniveau im Jahr
2000 bei der durchschnittlichen betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.8 Stunden
durchschnittlich Fr. 45'871.-. Folglich erzielte die Beschwerdeführerin mit ihrem
Einkommen von Fr. 41'291.- einen Minderverdienst von 10%. Es kann davon
ausgegangen werden, dass sie sich nicht aus freien Stücken mit einem
unterdurchschnittlichen Verdienst begnügt hatte, sondern dass sie an ihrer letzten
Stelle aus invaliditätsfremden Gründen unterdurchschnittlich verdiente. Daher ist auch
beim Invalideneinkommen damit zu rechnen, dass es von vornherein (schon ohne
Berücksichtigung der Arbeitsunfähigkeit und allfälliger gesundheitlich bedingter
Lohnnachteile) nicht ganz den Tabellenwert erreichen wird. Daher rechtfertigt es sich
vorliegend, diese invaliditätsfremden Gründe dadurch ausser Acht zu lassen, dass als
Valideneinkommen und – da die Beschwerdeführerin keine Erwerbstätigkeit mehr
aufgenommen hat – als Ausgangspunkt für die Bemessung des Invalideneinkommens
der entsprechende Tabellenlohn (Fr. 45'871.- im Jahr 2000) gewählt wird, wie es die
Beschwerdegegnerin grundsätzlich befürwortet. Da sich Validen- und
Invalideneinkommen beim Beizug der Tabellenlöhne in etwa gleich entwickeln werden,
kann auf eine Aufrechnung an die Nominallohnentwicklung verzichtet werden.
6.2.2 Beim Invalideneinkommen ist ausgehend von Fr. 45'871.- entsprechend dem
noch möglichen Pensum ein Abzug von 60% vorzunehmen und ein Leidensabzug von
10% anzuerkennen, sodass sich der Betrag von Fr. 16'513.56 ergibt. Der
Invaliditätsgrad beläuft sich daher beim Valideneinkommen von Fr. 45'871.- auf 64%
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und entspricht im Ergebnis der Berechnung der Beschwerdegegnerin. Selbst bei einem
Leidensabzug von bis zu 20% käme der Invaliditätsgrad unter 70% zu liegen, sodass
nur ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente besteht.
6.2.3 Für die Zeit zwischen März 2001 und Juni respektive August 2003 ist von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50% auszugehen, sodass sich das Invalideneinkommen bei
einem Leidensabzug von 10% in diesem Zeitraum auf Fr. 20'641.95 beläuft
(Fr. 45'871.- x 0.5 x 0.9). Somit resultiert bei einem Valideneinkommen von Fr. 45'871.-
ein Invaliditätsgrad von 55%. Die Beschwerdeführerin hat demnach ab Ablauf der
einjährigen Wartefrist bis und mit August 2003 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
Für die Zeit danach ist bis Ende 2003 bei einem Invaliditätsgrad von 64% weiterhin
eine halbe, ab 2004 neu (4. IVG-Revision) eine Dreiviertelsrente geschuldet.
7.
7.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde insofern gutzuheissen,
als der Beschwerdeführerin ab 1. März 2001 bis und mit August 2003 eine halbe
Invalidenrente zuzusprechen ist. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG) und den Parteien je nach Obsiegen und
Verlieren auferlegt. Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint als angemessen. Die
Beschwerdeführerin obsiegt lediglich teilweise betreffend Rentenhöhe in den ersten
zweieinhalb Jahren des Rentenbezugs. Dem Ausmass des Obsiegens angemessen
erscheint die Auferlegung der anteiligen Gerichtsgebühr in der Höhe von Fr. 400.-. Der
von der Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist anzurechnen
bzw. im Ausmass von Fr. 200.- zurückzuerstatten. Der verbleibende Anteil an den
Gerichtskosten von Fr. 200.- ist von der Beschwerdegegnerin zu tragen.
7.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin auch Anspruch auf
eine anteilige Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1).
bis
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Angemessen ist eine Entschädigung von Fr. 1'200.- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG