Decision ID: 07b67f9a-c478-4134-9a54-c0e6075dff3d
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1964 geborene
X._
trat am 22. Juli 1985 die Rekrutenschule (RS) an;
am 31. Juli 1985 wurde er für dienstuntauglich erklärt und
am 2. August 1985 vorzeitig aus dem Dienst entlassen (Urk. 11/1
)
.
Eine Anmeldung bei der Militärversicherung erfolgte damals nicht.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, bei der der Versicherte
in der Folge
am 28. November 1990 ein Leistungsgesuch stellt
e
(Urk. 3/7), sprach ihm mit Verfügung vom 18. November 1992 (Urk. 3/11)
für die Zeit vom
1. Dezember 1990
bis 31. Oktober 1991
eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 % beruhende ganze Rente zu.
Am 13. Januar 1995
verfügte
sie – aufgrund einer am 27. Juli 1994 eingereichter erneuten Anmeldung zum Leistungsbezug (Urk. 11/9/28) –
für die Dauer vom 1. August 1993 bis 31. Mai 1994 eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 % basierende ganze und ab 1. J
uni 1994 eine auf eine Invaliditätsgrad von 62 % b
eruhende
unbefristete halbe Re
nte
(Urk. 11/9/
40).
Im Rahmen eines von Amtes wegen durchgeführten Revisionsverfahrens erhöhte sie diese mit Verfügung vom 28. Oktober 2003 (Urk. 11/66)
– nun unter Annahme einer 80%igen Invalidität -
mit Wirkung ab 1. November 2002 auf eine ganze
Rente.
1.2
Am 26. November 2008
ersuchte der Versicherte die Militärversicherung um Leistungen im Zusammenhang mit einer – erstmals während der RS aufgetrete
nen – Schizophrenie
(Urk. 11/2)
.
Die Militärversicherung zog in der Folge die Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) bei (Urk. 11/9) Unter Hinweis auf die versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. med.
Y._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1. September 2009 (Urk. 11/19) lehnte sie
ihre
Haftung für die Schizophrenie
daraufhin ab
, weil diese weder ein Rückfall noch eine Spätfolge der während der RS erfo
lgten vorübergehenden Verschlimmerung der dem Ausbruch des fraglichen Leidens vorausgegangenen Prodromalphase darstelle
(vgl. Schreiben vom 21. September 2009, Urk. 11/20)
. Nachdem der Versicherte
hiegegen
opponiert hatte (vgl. Schreiben vom 13. Oktober 2009
,
Urk. 11/21), holte sie am 11. Mai 2010 eine ergänzende Beurteilung von Dr.
Y._
ein (Urk. 11/26). In der Folge
wies sie mit Zwischenverfügung vom
7. Juni 2010
(Urk. 11/28) das
Gesuch um unent
geltliche
Rechtsverbeiständung
(Urk. 11/28) und – in Bestätigung ihres Vorbe
scheids vom 3. Juni 2010 (Urk. 11/27) –
mit Verfügung vom 24. Juni 2010 (Urk. 11/30)
d
as
Leistungsgesuch betreffend die Schizophrenie
ab
.
Die gegen die Zwischenverfügung (Urk. 11/28) am 22. Juni 2010 im Prozess Nr. MV.2010.00002 erhobene Beschwerde (Urk. 11/31)
hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 31. März 2011 (Urk. 11/41) gut. Am 11. April 2012 wies die Militär
versicherung die vom Versicherten gegen die Verfügung vom 24. Juni 2010 (Urk. 11/30) erhobene Einsprache (Urk. 11/33) ab (Urk. 2).
2.
2.1
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) liess
X._
am 14. Mai 2012 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1
/1
S. 2):
„1.
Der
Einspracheentscheid
der Militärversicherung vom 11. April 2012 sei aufzuheben, und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen nach MVG zu erbringen.
2.
Es sei dem Beschwerdeführer eine angemessene
Pa
r
teikostenentschädi
gung
zuzusprechen.
3.
Für den Fall, dass die Beschwerde teilweise oder ganz abgewiesen wer
den sollte, wäre dem Beschwerdeführer in der Person des Unterzeich
nenden ein unentgeltlicher Rechtsvertreter zu bewilligen.“
2
.2
Am 15. Mai 2012 erhob im Prozess Nr. MV.2012.00005 auch die
Progrès
Versi
cherungen AG als Krankenversicherer von
X._
Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
der Militärversicherung
vom 11. April 2012 (Urk. 2) und stellte nachstehende Anträge (Urk. 12/1 S. 2):
„1.
Die Beschwerde sei gutzuheissen, und der
Einspracheentscheid
vom 11. April 2012 sei aufzuheben.
2.
Eventualiter sei die Sache in das
Einspracheverfahren
zurückzuweisen
,
und die Beschwerdegegnerin sei anzuhalten, eine Verfügung
zuhanden der Beschwerdeführerin zu erlassen.
3.
Die SUVA Bern Militärversicherung habe die gesetzlichen MVG
Leis
tun
gen zu erbringen.“
2
.3
Nachdem die Militärversicherung am 5. Juli 2012 die Abweisung sowohl der Beschwerde des Versicherten als auch derjenigen der
Prog
r
ès
Versicherun
gen AG beantragt hatte (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 9 = Urk. 12/6)
, wurde
der Prozess Nr. MV.2012.00005 mit Verfügung vom 26. Juli 2012 (Urk. 12/9) mit diesem Verfahren vereinigt und als dadurch erledigt abgeschrieben.
2.4
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG) er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede Gesundheitsschädigung
,
die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie fest
ge
stellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis er
bringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2
lit
. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach
Absatz
2
Buchstabe a ge
forderte Beweis erbracht, dagegen nicht derjenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der
Gesundheits
schädigung
(Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung an
gemeldet, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die
Gesundheitsschä
digung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht worden ist. Die Militärversicherung haftet auch insoweit, als eine vordienstliche Gesundheitsschädigung wahrscheinlich durch Einwirkungen während des Dienstes verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheits
schädigung
handelt (Art. 6 MVG).
Laut Art. 64 MVG werden die Leistungen angemessen gekürzt, wenn die versi
cherte Gesundheitsschädigung nur teilweise auf Einwirkungen während des Dienstes zurückgeht.
1.2
Die eine Haftung begründende Verschlimmerung kann auslösender Natur sein, in
dem sie eine latente Gesundheitsschädigung in eine klinisch manifeste Form überführt, oder sie kann eine klinisch manifeste Gesundheitsschädigung un
günstig beeinflussen. Im zweiten Fall kann die vorbestandene
Gesundheitsschä
digung
stationär oder labil (allenfalls auch progredient) gewesen sein. Die Ver
schlimmerung selbst kann vorübergehend oder dauernd sein; sie kann auch richtunggebend sein. Ist die Verschlimmerung dauernd (oder richtunggebend), haftet die Militärversicherung auf unbestimmte Zeit, ist sie lediglich vorüberge
hend, kann die Haftung befristet werden. Voraussetzung für eine zeitliche Be
grenzung der Haftung ist, dass die Verschlimmerung mit Sicherheit behoben ist (vgl. Jürg
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung,
Bern 2000, N 40 und N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen). Die Verschlimmerung gilt als behoben, wenn der "Status quo ante" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte vor dem Dienst befunden hat) oder der "Status quo sine" (Gesundheitszustand, in welchem sich der Versicherte befinden würde, wenn er
den Einwirkungen während des Dienstes nicht ausgesetzt gewesen wäre) er
reicht
ist (
Maeschi
, a.a.O., N 41 zu Art. 5 MVG mit Hinweisen).
1.3
Die Haftung gemäss Art. 4 und 5 MVG einerseits sowie Art. 6 MVG anderseits unterscheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der
Gesundheitsschädi
gung
vermutet wird und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausge
schlossen werden kann, während im zweiten Fall das Vorliegen adäquat kausa
ler Folgen von Einwirkungen während des Dienstes erstellt sein muss (BGE 111 V 372 E. 1b, 105 V 229 E. 3a mit Hinweisen).
1.4
Für psychische Leiden mit Krankheitswert haftet die Militärversicherung, wenn sie selber die Haftungsvoraussetzungen nach Art. 5 ff. MVG erfüllen oder die adäquat kausale Folge einer versicherten Gesundheitsschädigung (Unfall oder Krankheit) sind (
Maeschi
, a.a.O., N 28 zu Art. 4 MVG mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Militärversicherung begründete die Leistungsverweigerung im Wesentlichen
– unter Hinweis auf die versicherungsmedizinischen Beurteilungen von Dr.
Y._
vom 1. September 2009 (Urk. 11/19) und vom 11. Mai 2010 (Urk. 11/26) - damit, dass die Schizophrenie erst
1990, mithin lange nach der Entlassung aus der RS,
erstmals aufgetreten sei. Die aktenkundig schon vorher (
und
auch während der RS) bes
tandenen unspezifischen Beschwerden seien als Prod
r
o
malsymptome zu interpretieren und hätten schon vordienstlich (vorüber
gehend) zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt.
Während der RS sei es wohl zu einer Verstärkung d
er
Symptomatik gekommen; diese sei indes in der Folge wieder abgeklungen und im Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Arbeit als kaufmännischer Angestellter behoben gewesen
(Urk. 2 S. 5 f., Urk. 9 S. 3 ff.)
.
2.2
Der Beschwerdeführer 1 stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er sei vor der RS gesund gewesen (Urk. 1
/1
S. 3).
Da die während der RS – erstmals – aufgetretenen Beschwerden als Prodromalsymptome der Schizophrenie beziehungsweise als Symptome eines ersten Schizophrenie-Schubs zu werten seien und das Bestehen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen den Einwirkungen während des Dienstes und der fraglichen Gesundheitsschädigung
von der Militärversicherung nicht widerlegt worden sei, sei diese dafür
leis
tungspflichtig
(Urk. 1/1 S. 16 f.).
2.3
Die Beschwerdeführerin 2 schliesslich
machte geltend, wohl habe der Beschwer
deführer 1 bereits vordienstlich an psychischen Problemen gelitten, die
schizo
phrenieforme
psychotische Störung habe sich indes erst während der RS erst
mals manifestiert. Dabei hätten sich die
– am 25. Juli 1985 vom Zugführer gemeldeten -
Prodromalsymptome im Laufe der Militärdienstzeit deutlich
ver
stärkt und schliesslich nach zwölf Tagen zur vorzeitigen Entlassung
aus dem Dienst
geführt. Die Militärversicherung habe ihre Haftung für die psychische Störung daher zu Unrecht verneint (Urk. 12/1 S. 6 f.). Eventualiter sei der angefochtene
Einspracheentscheid
(Urk. 2) wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs aufzuheben, habe die Beschwerdegegnerin es doch unterlassen, ihr – der Beschwerdeführerin 2 – die Verfügung vom 24. Juni 2010 (Urk. 11/30) zuzu
stellen (Urk. 12/1 S. 7 f.).
3.
3.1
Die Militärversicherung hat
der Beschwerdegegnerin 2
die Verfügung vom 24. Juni 2010 (Urk. 11/30)
– unbestrittenermassen (Urk. 9 S. 2) -
nicht zugestellt und damit deren Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
Nach der Rechtspre
chung kann eine
nicht besonders schwerwiegende
Ver
letzung des rechtli
chen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwer
de
instanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechts
lage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
S.
437). Von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichge
stellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 S. 390 mit Hinweis).
3.2
Die durch die Nichtzustellung der dem angefochtenen
Einspracheentscheid
(Urk. 2)
zu Grunde liegenden Verfügung
(Urk. 11/30)
erfolgte Gehörsverletzung
wiegt zwar schwer.
Indes hätte
die Militärversicherung im Falle einer
Rückwei
sung
der Sache der Beschwerdegegnerin 2
einfach die – dieser aus den Akten bereits bekannte, Mitte
2010 an den Beschwerdeführer 1 versandte – Verfügung vom 24. Juni 2010 (Urk. 11/30) zuzustellen und würde
eine
von der
Beschwer
degegnerin
2
hiegegen
erhobene Einsprache aller Voraussicht
nach abweisen, ohne
hiefür
andere als die bereits im
Einspracheentscheid
vom 11. April 2012 (Urk. 2) dargelegten Gründe anzuführen
. Da die eventualiter beantragte
Rück
weisung
der Sache an die Militärversicherung (Urk. 12/1) demnach zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, ist davon abzusehen.
4.
4.1
Anlässlich der Aushebung gab der Beschwerdeführer
1
am 20. Oktober 1983 an, er leide seit einem Jahr an „bleibenden Schwindelanfällen“ (Urk. 10/3).
4.2
Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, gab in seinem Schrei
ben vom 20. Juli 1985 an den Truppenarzt an, erstmals am 10. Juli 1985 wegen Schwindelanfällen vom Beschwerdeführer 1 konsultiert worden zu sein. Die – als benebelt Sein umschriebenen - Schwindelbeschwerden hätten schon früher einmal bestanden und seien in der Folge wieder etwas zurückgegangen. Der
damals behandelnde Arzt habe s
i
e
keiner Ursache zuordnen können. Gemäss eigener Einschätzung sei der Beschwerdeführer 1, der überdies über grosse
Kon
zentrationsschwierigkeiten
(wegen Gedankenabschweifens und Gedankenflucht) klage, derzeit arbeitsunfähig. In der Diskussion äussere er (überwertige?) Ideen, etwa dass er sich erst jetzt selber erziehen müsse, oder dass er sehen möchte, wie weit er mit seinen Freunden gehen könne. Gesamthaft erschienen seine Gedankengänge zeitweise etwas verschroben. Differentialdiagnostisch fielen ein Hirntumor, ein zerebrales Aneurysma, ein viraler Infekt, ein
Borderline
-Syn
drom, eine Schizophrenie oder Scheu vor dem Militärdienst in Betracht. Die
probatorische
Behandlung mit
Nozinan
habe keine Besserung der Symptomatik gebracht. Eine allenfalls - auch im Hinblick auf die Prüfung der
Militärdienst
tauglichkeit
indizierte - neuropsychologische oder psychiatrische Untersuchung sei bis anhin nicht veranlasst worden (Urk. 10/2).
4.3
Anlässlich der Eintrittsmusterung qualifizierte der Schularzt
L
t
A._
den Beschwerdeführer 1
auf dem entsprechenden Formular
als drogenabhängig
und „psychisch nicht tragfähig“.
Von den unter „Entscheid des Truppenarztes“ auf
geführten Optionen kreuzte er „Tauglich für den bevorstehenden Dienst“ an und wies mit einem Pfeil auf „In Abklärungsstation eingewiesen“ hin (Urk. 3/3).
4.4
Der Militärarzt
Lt
B._
hielt in der am 25. Juli 1985 verfassten Krankmel
dung fest, der Beschwerdeführer 1 fühle sich immer benebelt und gebe an, dass sein Kurzzeitgedächtnis nicht mehr arbeite. Es bestehe eine psychische Störung; differentialdiagnostisch handle es sich um eine Schizophrenie (Urk. 3/4).
4.5
Am 29. Juli 1985 stellte der Schularzt
Lt
A._
differentialdiagnostisch eine Schizophrenie fest (Urk. 3/5 S. 1). Der Beschwerdeführer 1 habe Probleme, dem normalen Dienstbetrieb zu folgen. Es fühle sich „wie benebelt“, sei immer der
letzte im Zug und störe den Dienstbetrieb, weil er zu langsam sei. Er habe das Gefühl, sein Geist und sein Körper seien von einander abgekoppelt (Urk. 3/5 S. 2).
Der Beschwerdeführer 1
scheine dienstwillig zu sein. Auf der
Abklärungs
station
seien das Vorliegen eines psychischen Leidens und die Tauglichkeit für die RS zu prüfen (Urk. 3/5 S. 1).
4.6
Gestützt auf die Ergebnisse seiner psychiatrischen Untersuchung vom 30. Juli [1985] diagnostizierte d
er Truppenarzt Oberstleutnant
C._
eine klassische Hysterie. Der Beschwerdeführer 1 leide seit dem Anfang der – zwischenzeitlich im Frühjahr 1985 ab
geschlossenen
– Lehre als kaufmännischer Angestellter
an einem „Nebel“
.
Dieser sei schwächer, wenn er allein sei oder vor einer toten Landschaft stehe und wenn nächtliche Stille herrsche
. Akustische und optische Stimuli verstärkten die Beschwerden. Er vergesse alles, sei der Letzte und denke immer an seine Krankheit.
Die Abklärung durch den Hausarzt habe keinen pathologischen Befund ergeben.
Es bestehe Dienstuntauglichkeit. Der sekundäre Krankheitsgewinn sei seit vier Jahren derart gross, dass in absehbarer Zeit keine Veränderung zu erwarten sei (Urk. 10/1
S. 1)
.
Die Besprechung mit einem Neu
rologen habe ergeben, dass der geschilderten Symptomatik sicher kein organi
scher Schaden zu Grunde liege (Urk. 10/1 S. 2).
4.7
Nachdem sie den Beschwerdeführer 1 vom 23. Juli bis 6. August 1986 stationär behandelt hatten, stellten die Ärzte der Klinik
D._
im Austrittsbericht vom 13. August 1986
folgende Diagnosen (Urk. 11/9/3 S. 4):
Adoleszentenkrise bei schizoider Persönlichkeit, ICD-
9
301.2
Differentialdiagnose: Paranoide Schizophrenie
Beim Beschwerdeführer 1 seien erstmals im Alter von etwa neun Jahren ein Nebelgefühl und – beim Aufwachen – das Gefühl eines starren Körpers aufge
treten. Nach einigen symptomlosen Jahren habe er ab Mai 1982 erneut an Nebelsehen und Schwindel gelitten, wobei sich diese Symptome in ungewohn
ten, neuen und fordernden Situationen mit fremden Personen verstärkt hätten. Seit dem
zweiten
Lehrjahr konsumiere er gelegentlich Haschisch. Nach dem Einrücken in die RS im Juli 1985
habe er wegen seiner Langsamkeit Mühe gehabt, dem Dienstbetrieb zu folgen; zudem seien erneut das Gefühl des
Bene
beltseins
und der Eindruck, dass Geist und Körper voneinander abgekoppelt seien, aufgetreten. Kurz nach der Entlassung aus der RS sei er – „mit dem Mond als Führer vor den Augen“ - unmotiviert auf eine Alp im
E._
gefahren. Do
rt habe er sämtliche Wasserhähne
geöffnet und sei dann deswegen aufgegriffen worden. Ab Sommer 1985 sei er von einer Psychotherapeutin betreut worden, welche eine verspätete
Adoleszenzkrise
festgestellt habe; nach sechs Monaten habe er die Behandlung abgebrochen. Im September 1985 habe er erstmals
Stimmen gehört und das Gefühl gehabt, dass Leute ihm antworteten, ohne dass er ihnen eine Frage gestellt hätte. Unter dem Eindruck, von einer höheren Macht beeinflusst zu werden, habe er in einem Wald den Motor auf Hochtouren laufen lassen.
Im März 1986 habe er die einen Monat zuvor angetretene Stelle in einem Treuhandbüro verloren. Nach zweimonatiger Arbeitslosigkeit sei er ein Arbeitsverhältnis mit einem Automobilunternehmen eingegangen; wegen Haschischrauchens sei ihm allerdings nach zehn Tagen bereits wieder gekündigt worden (Urk. 11/9/3 S. 3 f.). Unter medikamentöser Behandlung sei er daraufhin im Juli 1986 während der dreiwöchigen Ferien mit den Eltern – abgesehen von Müdigkeit – symptomlos
gewesen. Angesichts der während der
nun erfolgten
stationären Behandlung wenig akuten
Symptomatik
sei der Beschwerdeführer 1 am 6. August 1986
– entsprechend seinem
Wunsch
-
aus der Klinik entlassen worden. Er habe daraufhin eine Stelle als Hilfsmonteur im Geschäft seines Vaters angetreten (Urk
.
11/9/3 S. 4).
4.8
Vom 30. Oktober 1990 bis 29. November 1991 bezog der Beschwerdeführer 1 (mit Unterbrüchen) im Rahmen einer Vermittelbarkeit von 100 % Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Urk. 11/9/21; vgl. auch Urk. 11/9/31).
4.
9
Auf der Anmeldung zum Bezug von IV-Leistungen gab der Beschwerdeführer
1
am 28. November 1990 an, erstmals im Jahr 1985 an Schizophrenie gelitten zu haben; im November 1990 sei es zu einem Rückfall gekommen
(Urk. 11/9/1 S. 5).
4.
10
Dr.
Z._
diagnostizierte am 6. Dezember 1990 eine Schizophrenie. Der Beschwerdeführer 1 sei aktuell in körperlich guter Verfassung
. A
l
kohol trinke er nur noch selten,
und Rauschgifte
konsumiere er
nicht mehr.
N
ach seiner Rück
kehr von längeren Reisen
habe er in letzter Zeit
immer wieder neue Stellen angetreten. Dabei habe er i
m Rahmen eines Schubs von Schizophrenie (
Gedan
kenkarussell
) einen Bankcomputer ausser Funktion gebracht und prompt die Stelle verloren. Seine Erkrankung habe eine längere Anstellung seit dem
Lehr
abschluss
verunmöglicht. Zuletzt habe er im
Krankheitss
chub zu Hause mehr
mals randaliert, was schliesslich zur erneuten Behandlung geführt habe. Die bis anhin fragliche Dia
gnose stehe nun eindeutig fest (Urk. 11/9/3 S. 2).
4.1
1
Vom 1. bis 15. August 1991 wurde der Beschwerdeführer 1 – nach
notfallmässi
ger
Einweisung wegen eines psychotischen Zustandsbilds mit Selbst- und Fremdgefährdung –
zum zweiten Mal
stationär in der Klinik
D._
behandelt. Im Austrittsbericht vom letztgenannten Datum
(Urk. 11/9/9 S. 9 f.)
stellten die Ärzte die Diagnose einer milden Exazerbation einer paranoiden Schizophrenie, ICD-
9
295.
3.
Nach der erstmaligen
Hospitalisation
im Sommer 1986 sei der Beschwerdeführer 1 unregelmässig als Heizungsmonteur im Unternehmen seines
Vaters tätig gewesen. Wegen der Unregelmässigkeiten bei der Arbeit sei er bei der Beratungsstelle der IV angemeldet.
4.1
2
Wegen einer erneuten psychotischen Exazerbation war der Beschwerdeführer 1 – nun nach freiwilligem Klinikeintritt – vom 19. August bis 3. September 1991
abermals
in der Klinik
D._
hospitalisiert. Die Ärzte bestätigten in ihrem
Aus
trittsbericht
vom 10. September 1991 (Urk. 11/9/11 S. 11) die Diagnose einer milden Exazerbation einer paranoiden Schizophrenie, ICD-9 295.3.
4.1
3
In ihrem im Rahmen
der
Abklärungen betreffend berufliche Massnahmen am 2. Februar 1992 verfassten Bericht (Urk. 11/9/8) hielten die zuständigen Mitar
beiter der IV-Stelle fest,
der Beschwerdeführer 1 sei seit 1985/86 krankheitshal
ber ausserstande, einer geregelten Erwerbstätigkeit nachzugehen. Alle bis 1986 und ab 1990 unternommenen Selbsteingliederungsversuche seien nach wenigen Wochen gescheitert. Zwischendurch habe er vom 11. August 1986 bis 6. Dezember 1989 als Hilfsmonteur im Betrieb des Vaters gearbeitet; dieses Arbeitsverhältnis sei indes als Sozialanstellung zu qualifizieren (Urk. 11/9/8 S. 1). Erste, allerdings wieder abklingende Symptome hätten sich bereits in der Schulzeit gezeigt. Während der Berufsausbildung sei ein Lehrstellenwechsel nötig geworden, und in der RS sei erstmals differentialdiagnostisch eine Schizo
phrenie festgestellt worden. Nach der
aus psychischen Gründen erfolgten Aus
musterung sei der Beschwerdeführer 1 zwar bis 1986 wieder der angestammten Tätigkeit nachgegangen, doch müsse zweifellos schon damals eine erhebliche krankheitsbedingte Einschränkung der Leistungsfähigkeit bestanden haben. Im Dezember 1989 sei es ihm schliesslich aufgrund akuter wahnhafter
Krankheits
symptome
, die ihn für seine Umgebung gefährlich machten, auch nicht mehr möglich gewesen, der Arbeit im Betrieb des Vaters nachzugehen. Es sei davon auszugehen, dass jegliche Compliance fehle. Da sich Eingliederungsmass
nahmen als nicht durchführbar erwiesen, sei die Rentenfrage zu prüfen (Urk. 11/9/8 S. 2).
4.14
Dr.
Z._
diagnostizierte am 20. März 1992 eine
-
seit 1985 bestehende -
Schizo
phrenie.
Der
-
wechselhafte -
Gesundheitszustand sei aktuell
unter Behandlung mit Neuroleptika
-
stabil. Ein
Schizophrenieschub
sei aber jederzeit möglich. Nach einem krankheitsbedingten Stellenverlust habe vom 5. November 1990 bis 1. Dezember 1991 in der angestammten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähi
gkeit bestanden. Seither sei der Beschwerdeführer 1 wieder voll arbeitsfähig. An der
neuen Stelle
herrschten derzeit ideale Verhältnisse (Urk. 11/9/10 S. 1 f.).
4.15
Auf entsprechende Anfrage der IV-Stelle (U
rk. 11/9/14 S. 2) gab die
F._
als frühere Arbeitgeberin des Beschwerdeführers 1
am 18. Mai 1992 an, d
ieser
habe während der Dauer seiner Anstellung als Monteur vom 11. August 1986 bis 6. Dezember 1989 die volle Arbeitsleistung erbracht, und diese habe auch seinem Lohn entsprochen (Urk. 11/9/14 S. 1).
4.16
Mit Schreiben vom 5. Juli 1992 (Urk. 11/9/18) ersuchte der Beschwerdeführer 1 die IV-Stelle, seine Anmeldung zum Leistungsbezug vom 3. Dezember 1990 als gegenstandslos zu betrachten und seine Akten im Register zu löschen. Er sei seit über einem halben Jahr erfolgreich im kaufmännischen Sektor tätig und hoffe, dass dies auch in Zukunft so bleiben werde. Insofern erübrigten sich Leistungen jeglicher Art der IV.
4.17
Dr.
Z._
hielt auf entsprechende Anfrage der IV-Stelle hin am 13. Juli 1992 fest, betreffend die Auswirkung der psychischen Störung auf die Leistungsfä
higkeit in der Zeit vom 1. Januar bis 5. November 1990 kaum Angaben machen zu können, da ihn der Beschwerdeführer 1 in dieser Periode nur einmal
,
am 20. August 1990
,
im Zusammenhang mit einem Bagatellunfall konsultiert habe. Hinsichtlich der Erwerbstätigkeit in dieser Zeitspanne sei indes möglich, dass e
s aufgrund der Schizophrenie lediglich
zu zwei gescheiterten Arbeitsversuchen gekommen sei. Nach der 100%igen Arbeitsunfähigkeit vom 5. November 1990 bis 1. Dezember 1991
sei der Beschwerdeführer
1
nun symptomlos und arbeite zu 100 %; einen Stellenwechsel habe er seit Dezember 1991 nicht mehr zu ver
zeichnen (Urk. 11/9/19 S. 2).
4.18
Vom 1. Dezember 1991 bis 30. April 1993 war der Beschwerdeführer 1 im
Voll
zeitpensum
als Sachbearbeiter Inkasso bei der
G._
AG angestellt. Während dieser Zeit kam es – wegen einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit – vom 1
7.
bis 27. Januar 2001 zu einer Absenz. Die Kündigung des Arbeitsver
hältnisses erfolgte durch ihn (vgl. Arbeitsgeberfragebogen vom 5. August 1994 [Urk. 11/9/30 S. 1-4] und Kündigungsschreiben vom 1. Februar 1993 [Urk. 11/9/30 S. 5]).
4.19
Am 17. Juni 1994 attestierte Dr.
Z._
dem Beschwerdeführer 1 vom 5. November 1990 bis 1. Dezember 1991 und ab März 1993 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 11/9/27 S. 1). Während einer Anfang 1993 angetrete
nen Fernostreise sei es erneut zu einem schweren Schizophrenie-Schub gekom
men, weshalb der Beschwerdeführer 1 über die konsularische Vertretung in Bangkok in die Schweiz habe zurückgeführt werden müssen. Seither sei
en
bei stark wechselhaftem Verlauf
noch
mehrere weitere Krankheitsschübe aufge
treten
. Der Beschwerdeführer 1 sei höchstens
noch
in der Lage gewesen, zeit
weise in geschütztem Rahmen im Betrieb seines Vaters zu arbeiten.
Da ein
e Daueranstellung in der freien Wirtschaft derzeit nicht denkbar
sei, sei die
Ren
tenfrage
zu prüfen
(Urk. 11/9/27 S. 2).
4.20
Auf der (Neu-)Anmeldung vom 27. Juli 1994 gab der Beschwerdeführer 1 an, die Schizophrenie bestehe seit 199
0.
Sie tauche sporadisch (mehrmals pro Jahr) auf und führe jeweils temporär zu einer Arbeitsunfähigkeit. Der aktuelle Arbeit
geber sei informiert über die Gesundheitsstörung und möchte, dass er während der Phasen von Arbeitsunfähigkeit eine Rente beziehen könne (Urk. 11/9/28 S. 5).
4.
21
Der Vater des Beschwerdeführers 1 hielt
am
4. August 1994 fest, vor Eintritt des Gesundheitsschadens habe d
ieser
vom 24. Mai bis 8. Juli 1994
in seinem Unter
nehmen
als Büroangestellter gearbeitet; nun führe er seit 11. Juli 1994 Monta
gearbeiten aus (
vgl. Arbeitgeberfragebogen,
Urk. 11/9/29 S. 1).
Am 3. November 1994 gab der Vater des Beschwerdeführers 1 an, dieser könne wegen –
krank
heitsbedingter
– Konzentrationsmängel nicht mehr für Büroarbeiten eingesetzt werden.
Die als
Montagearbeiter erb
rachte Arbeitsleistung sei manchmal sehr gut,
an schlechten Tagen indes
nicht verwertbar
.
Der
Arbeitsfähigkeitsgrad in dieser Tätigkeit liege wohl bei etwa 50 %.
Es gehe
dem Beschwerdeführer 1
besser, wenn er über eine Anstellung und ein sicheres Einkommen verfüge
,
als wenn er arbeitslos sei (Urk. 11/9/35 S. 1).
4
.22
Die Ärzte des
H._
diagnostizierten am 26. Oktober 1999 eine chronisch paranoide Schizophrenie, episodisch remittierend mit
Residual
symptomen
(ICD-10 F20.02). Der Gesundheitsschaden bestehe seit 199
3.
Seit zirka 1986 und bis auf Weiteres bedürfe der Beschwerdeführer 1 ärztlicher Behandlung. Seit Mai 1993 und bis auf
Weiteres
bestehe als Hilfsarbeiter eine etwa 50%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 11/9/55 S. 1 f.).
Der Beschwerdeführer sei in seiner Konzentrationsfähigkeit, in der schnellen Auffassungsgabe und in raschen Denk- und Handlungsabläufen eingeschränkt (Urk. 11/9/55 S. 4).
4
.23
Dr.
Z._
berichtete am 1
5
. Januar 2003, die schizophrene Störung habe in ihrem Ausmass deutlich zugenommen. Nachdem dem Beschwerdeführer 1 während langem zu therapeutischen Zwecken noch eine Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden sei
, müsse seit
26. August 2002 auch offiziell eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden (Urk. 11/9/60 S. 1). Prognostisch werde sich wahrscheinlich ein schizophrener Defektzustand entwickeln (Urk. 11/9/60 S. 2).
4
.24
Auf dem Arbeitgeberfragebogen vom
13. Februar 2003 gab der Vater des Beschwerdeführers 1 an, vor Eintritt des Gesundheitsschadens sei dieser bis 1994 als kaufmännischer Angestellter bei ihm beschäftigt gewesen. Nach Ein
tritt der gesundheitlichen Störung sei er ab 11. Juli 1994 als Montagearbeiter beziehungsweise Chauffeur angestellt gewesen
(Urk. 11/9/62 S. 1).
Die nun im Rahmen eines Vollzeitpensums noch erbrachte Arbeitsleistung entspreche eine
r
Leistungsfähigkeit von 20 % (Urk. 11/9/62 S. 8).
4
.25
Dr. med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte am 30. Oktober 2008 eine
schizoaffektive
Störung (ICD-10 F25). In den letzten zwei Jahren habe der Beschwerdeführer 1
– im Rahmen von fürsorgeri
schen Freiheitsentzügen –
fünfmal notfallmässig in die
H._
eingewiesen werden müssen (Urk. 11/9/72).
4
.2
6
In seinem Schreiben vom 10. März 2009 an den Rechtsvertreter des Beschwerde
führers 1 (Urk. 11/10.1) hielt Dr.
Z._
fest, erstmals am 10. Juli 1985 wegen Schwindelanfällen vom Beschwerdeführer 1 konsultiert worden zu sein. Diese
r
habe
damals
angegeben,
wegen der Beschwerden
nicht arbeiten zu können. Als störend habe er vor allem das Neonlicht an seinem Arbeitsplatz empfunden. Er habe über Konzentrationsstörungen und Schlaflosigkeit geklagt. Die entspr
echende Untersuchung habe keine
organisch
e Ursache für den
Schwindel ergeben. In der Krankengeschichte sei als Differentialdiagnose „
Borderline
/
Schizo
?“
vermerkt
. Bis zum
-
nur drei Wochen später erfolgten - Eintritt in die RS habe sich der Gesundheitszustand weder verbessert noch ver
schlechtert. Im Rahmen der RS sei es dann bereits nach wenigen Tagen zu eine
m
ersten Schizophrenie-Schub gekommen,
welcher zur vorzeitigen
Entlas
sung
aus dem Militärdienst geführt
habe. Zusammenfassend hätten schon in den drei Wochen vor der RS psychische Probleme bestanden, ein erster echter Schizophrenie-Schub sei
dann aber
erst in den ersten Tagen der RS aufgetreten.
4.2
7
In seiner gestützt auf die Akten verfassten Stellungnahme vom 17. März 2009 (Urk. 11/11) gelangte Dr. med.
J._
, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemeinchirurgie und Unfallchirurgie, Kreisarzt der Militärversicherung, zum Schluss, dass der Gesundheitsschaden bereits vordienstlich bestanden habe. Um beurteilen zu können, ob es während der RS zu einer vorübergehenden oder allenfalls richtunggebenden Verschlimmerung gekommen sei, seien weitere Abklärungen erforderlich.
4.28
Die Psychiaterin
Dr.
Y._
hielt in ihrer aufgrund der Akten verfassten
versi
cherungsmedizinischen
Beurteilung vom 1. September 2009 (Urk. 11/19) fest,
der Beschwerdeführer leide an Schizophrenie. Dieser
psychischen Störung sei
eine
mehrjährige P
rodromalphase vorausgegangen
, die während der Lehre begonnen habe
. In der
-
für jeden Rekruten eine Belastungssituation darstellen
den
-
RS sei es zu einer deutlichen Verstärkung der Prodromalsymptome gekommen
, weshalb der Beschwerdeführer 1 denn auch für dienstuntauglich erklärt worden sei (Urk. 11/19 S. 9)
.
D
ie damalige
n
Symptom
e hätten
in der Qualität und im Ausmass noch nicht dem Krankheitsbild einer Schizophrenie entsprochen
und
erst rückblickend
überhaupt
als
Prodromi
dieser psychischen Stör
ung qualifiziert werden können
. Die Beschwerden seien nach der RS vorerst
wieder rückläufig gewesen, sei der Beschwerdeführer 1 doch wieder in der Lage gewesen, seiner früheren Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter nachzuge
hen. Aufgrund der im Gesamtverlauf langsamen Zunahme der Symptomatik sei schliesslich zwischen 1986 und 1990 eine Schizophrenie diagnostiziert worden. Dass die
Einwirkung während der RS,
mit welcher
der Beschwerdeführer 1 keine speziellen Erinnerungen
verbinde
, den Krankheitsverlauf beeinflusst habe, erscheine als eher unwahrscheinlich (Urk. 11/19 S. 10).
4.29
Ergänzend gab Dr.
Y._
am 11. Mai 2010 an,
als der Beschwerdeführer 1 die
Arbeit i
m bisherigen Betrieb
nach der RS
wieder aufgenommen habe
,
sei er in besserer gesundheitlicher Verfassung gewesen als (vor der RS)
am 10. Juli 1985
(Urk. 11/26 S. 3).
5.
5.1
Fest steht, dass der Beschwerdeführer
1 an einer
-
die Arbeitsfähigkeit einschrän
kenden -
Schizophrenie
leidet.
Die während der RS bestandenen Beschwerden sind
-
wie Dr.
Y._
überzeugend darlegte (vgl. Beurteilungen vom 1. September 2009 [Urk. 11/19] und vom 11. Mai 2010 [Urk. 11/26]) -
als unspezifische Vorläufersymptome d
ieser
psychischen Störung zu interpretieren
(vgl.
hiezu
auch Bericht
H._
vom 26. Oktober 1999, Urk. 11/9/55
)
.
Dass es bereits während des Militärdienstes zu einem ersten Schi
zophrenie-Schub gekommen w
ar
, wie dies Dr.
Z._
am 10. März 2009 annahm (Urk. 11/10.1), erscheint
aufgrund der echtzeitlichen medizinischen Berichte und der tatsächlichen Gegebenheiten
nicht als überwiegend wahr
scheinlich.
So
unterschieden sich die während der RS aufgetretenen Beschwer
den (Gefühl, benebelt zu sein, Konzentrationsstörungen, Verlangsamung [vgl. etwa Urk. 3/4, Urk. 3/5 S. 2, Urk. 10/1 S. 2]) ausschliesslich in ihrem Ausmass und nicht
etwa
in i
hrer Qualität von den bereits
in der Kindheit, während der Lehre und
vor der RS während rund drei Wochen
bestandenen Symptomen (vgl. etwa Urk. 10/1-3, Urk. 11/9/8 S. 2, Urk. 11/10.1).
Eine Schizophrenie wurde denn, wenn auch schon ab 1985
(von Dr.
Z._
bereits unmittelbar vor der RS [vgl. Bericht vom 20. Juli 1985, Urk. 10/2])
verschiedentlich
differential
diagnos
t
isch in Be
t
racht gezogen,
erst ab 1990
, als die
vorhandenen
Beschwer
den den Diagnosekriterien nach ICD-9
295.3
beziehungsweise ICD-10
F20.0
entsprachen,
festgestellt. Sowohl die nach der RS während eines halben Jahres ambulant konsultierte Psych
iaterin
als auch die den Beschwerdeführer im Sommer 1986 rund zwei Wochen stationär behandelnden Ärzte der Klinik
D._
waren aufgrund der damaligen Befunde noch von einer verspäteten
Adoles
zenzkrise
ausgegangen (vgl. Urk. 11/9/3 S. 3 f.
, Urk. 11/15.1 S. 2
).
Der Beschwerdeführer 1 gab am
27. Juli 1994 auf der (Neu-)Anmeldung zum Bezug von Leistungen der IV auch selbst an, (erst) seit 1990 an Schizophrenie zu leiden (Urk. 11/9/28 S. 5).
5.2
Die
Schizophrenie
ist nach Lage der Akten
weder Folge eines
während der RS erlittenen
Unfalls noch einer militärversicherten Krankheit. So ist kein relevan
ter anderweitiger Gesundheitsschaden krankhafter Natur und auch kein augen
fälliges Ereignis, das als Auslöser der psychischen Störung in Betracht fiele, dokumentiert.
Indem die behandelnden Psychiater ursprünglich von einer
Ado
leszenzkrise
ausgingen (Urk. 11/9/3 S. 4, Urk. 11/15.1 S. 2), brachten sie im
Gegenteil zum Ausdruck, dass s
i
e
von einer dienstfremden Genese der Beschwerden ausgingen.
Dass der Militärdienst an sich in irge
ndeiner Weise kausal gewesen war
für die psychische Gesundheitsstörung, ist
-
auch aufgrund der Angaben des Be
schwerdeführers 1
selbst
, der die Symptomatik nie mit einer dienstlichen Einwirkung in Verbindung brachte
(vgl.
hiezu
etwa
Urk. 11/15.1 S. 2)
-
nicht anzunehmen. Vielmehr geht aus den Akten hervor, dass ein Kon
nex zwischen dem fraglichen Leiden und der RS ausschliesslich insofern besteht, als
die
-
bereits zuvor bestandene
n
und gerade unmittelbar vor Eintritt in die RS (jedenfalls subjektiv) eine Arbeitsunfähigkeit zeitigenden (vgl. Urk. 10/2)
-
Prodromalsymptome der später diagnostizierten psychischen Stö
rung sich
während des Dienstes
in derart erheblichem Ausmass
manifest
ierten
, dass der Beschwerdeführer 1 schon nach wenigen Tage
wieder
aus der RS
ent
lassen und für dienstuntauglich befunden wurde
.
Dass er die RS
noch
in gesun
dem Zustand angetreten hatte (Urk. 1/1 S. 3), ist aktenwidrig. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang insbesondere darauf, dass Dr.
Z._
aufgrund der (subjektiv eine
gänzliche
Arbeitsunfähigkeit zeitigenden) psychischen Sympto
matik
nur
fünf Tage vor Diensteintritt noch Zweifel an
der
Militärdiensttaug
lichkeit
des
wegen des fraglichen Leidens
bei ihm in ambulanter Behandlung stehenden
Beschwerdeführers 1
geäussert hatte (vgl. Bericht
vom 20. Juli 1985, Urk. 10/2) und später festhielt, der Gesundheitszustand habe sich zwischen dem 10. Juli 1985 und dem Beginn der RS weder verbessert noch verschlechtert (vgl. Bericht vom 10. März 2009, Urk. 11/10.1).
Angesichts dieser Gegebenheiten kann der Beschwerdeführer 1 auch aus den von ihm
angerufenen Urteilen des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts (Urk. 1/1 S. 15) nichts zu sei
nen Gunsten ableiten, war
in den diesen zugrunde liegenden Fällen doch
d
er Leistungsanspruch von an
Schizophrenie
erkrankten Versicherten zu beurteilen, bei denen die
Prodromalsymptome (anders als
beim Beschwerdeführer 1
) nicht
schon
vor dem Eintritt in den Militärdienst, sondern erstmals während des Dienstes aufgetreten waren
.
5.3
Zwar lassen die Akten auf eine Verschlimmerung der vorbestehenden Symptoma
tik während des Militärdienstes schliessen, diese war indes lediglich
vorübergehender Natur und schon kurz nach der vorzeitigen Entlassung aus der RS wieder behoben. So
war der
Beschwerdeführer 1, der sich vor
Beginn des
Militärdienst
s
wegen der nämlichen Beschwerden, die zur frühzeitigen Entlas
sung aus der RS führten, von Dr.
Z._
behandeln liess und selbst für arbeits
unfähig hielt, nach dem Dienstaustritt am 2. August 1985 wieder
ohne Weiteres
in der Lage, vollzeitlich seiner Tätigkeit als kaufmännischer Angestellter nach
zugehen.
Die damalige Arbeitgeberin war gemäss Arbeitszeugnis vom 28. Februar 1986 (Urk. 11/15.2) sehr zufrieden mit seinen Leistungen;
Grund für
die Kündigung des Arbeitsverhältnisses seitens des Beschwerdeführ
ers 1 per Ende Februar 1986 sei, dass
dieser noch Kenntnisse und Erfahrung in der Buch
haltung sammeln wolle.
Eine Arbeitsunfähigkeit wurde ihm damals nicht bescheinigt. Ab wann der Beschwerdeführer 1 in der Zeit danach aufgrund der fraglichen Symptomatik wieder erheblich in seiner Leistungsfähigkeit einge
schränkt war, lässt sich aufgrund der zitierten ärztlichen Beurteilungen und der seine Arbeitstätigkeit in den Jahren danach dokumentierenden
weiteren
Berichte
zwar
nicht schlüssig beurteilen. Fest steht indes, dass
die während der RS eingetretene Verschlimmerung schon sehr bald wieder abklang und der Beschwerdeführer 1 sich
-
angesichts der vollen Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit - schon kurz nach
der Entlassung aus dem Militärdienst
und noch für längere Zeit
in einem wesentlich besseren Gesundheitszustand präsen
tierte als noch in den Wochen vor Eintritt in die
RS
und während d
ies
er
.
Für eine
richtunggebende dienstliche Verschl
immerung der Symptomatik gibt es demnach keine Anhaltspunkte. Anzumerken bleibt, dass die
erst 23 Jahre nach der vorzeitigen Entlassung aus dem Dienst erfolgte
Anmeldung bei der Militär
versicherung
darauf schliessen lässt,
dass die psychischen Beschwerden
noch
während Jahren weder von den behandelnden Ärzten noch vom Beschwerde
führer 1 selbst beziehungsweise von seinem Vater als
späterem
Arbeitgeber
(vgl. Urk. 11/9/14, Urk. 11/9/29, Urk. 11/9/35)
in
einen ursächlichen Zusammenhang
mit der
RS
gebracht wurden
.
5.4
Nach dem Gesagten wurde die psychische Störung
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit
weder dienstlich verursacht no
ch richtunggebend verschlimmert, und die
während der RS eingetretene
vorübergehende Verschlechterung der vorbestandenen Symptomatik klang unmittelbar nach der Entlassung aus der
Militärdienst
wieder ab. Die Militärversicherung hat ihre Leistungspflicht dem
nach zu Recht verneint (Urk. 2).
6.
6.1
Da der Prozess nicht als aussichtslos bezeichnet werden kann und der
rechtsunkundige und über keine Rechtsschutzversicherung verfügende
(Urk. 4/4 S. 1)
-
Beschwerdeführer
1
bedürftig ist
(Urk. 4/1-9)
, ist ihm
antragsgemäss (Urk. 1 S. 2)
-
die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
in der P
erson von Rechtsanwalt Lorenz
Fivian
zu bewilligen
(
vgl.
BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
6.2
Mit Honorarnote vom
6. Januar 2014 (Urk. 15
) machte der unentgeltliche Rechts
vertreter des Beschwerdeführers
1
einen Aufwand von
16
Stunden und
30 Minuten sowie
Barauslagen im Betrag von
pauschal
Fr.
99
.-- geltend. Der verrechnete Zeitaufwand erscheint als angemessen. Unter Berücksichtigung eines praxisgemässen Stundenansatzes von Fr. 200.-- sowie der Barauslagen von Fr.
99
.-- (je zuzüglich Mehrwertsteuer) ist Rechtsanwalt
Lorenz
Fivian
mit einem Betrag von Fr.
3‘670.90
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.