Decision ID: 1afd65ff-43fa-4249-9f9f-9cb66bd0025f
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_007
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Versicherungsgericht entnimmt den Akten:
1.
Der 1992 geborene Beschwerdeführer, zuletzt als Dachdecker tätig gewe-
sen, meldete sich am 12. Januar 2018 aufgrund von psychischen Proble-
men bei der Beschwerdegegnerin zum Bezug von Leistungen (berufliche
Integration/Rente) der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) an.
Diese gewährte ihm daraufhin berufliche Massnahmen in Form einer beruf-
lichen Abklärung und eines Coachings. Nach Scheitern der beruflichen In-
tegration holte die Beschwerdegegnerin auf Empfehlung des Regionalen
Ärztlichen Dienstes (RAD) bei Dr. med. C., Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, R., ein psychiatrisches Gutachten ein (Gutachten vom
15. Juni 2020). Gestützt darauf stellte die Beschwerdegegnerin dem Be-
schwerdeführer – nach Rücksprache mit dem RAD – mit Vorbescheid vom
7. August 2020 die Abweisung seines Rentenbegehrens in Aussicht. Nach
wiederholten Einwänden des Beschwerdeführers holte die Beschwerde-
gegnerin bei Dr. med. C. eine ergänzende Stellungnahme ein (Stellung-
nahmen vom 1. März 2021). Nach neuerlichen Einwänden des Beschwer-
deführers sowie nach erneuter Rücksprache mit dem RAD verfügte die Be-
schwerdegegnerin schliesslich am 1. September 2021 ihrem Vorbescheid
entsprechend.
2.
2.1.
Gegen die Verfügung vom 1. September 2021 erhob der Beschwerdefüh-
rer mit Eingabe vom 4. Oktober 2021 fristgerecht Beschwerde und stellte
folgende Rechtsbegehren:
"1. Es sei die Verfügung vom 01.09.2021 aufzuheben. 2. Es seien dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen zu ge-
währen. 3. Eventualiter sei die Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur wei-
teren fachärztlichen Abklärung und anschliessenden Neuverfügung .
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. Auslagen und ."
2.2.
Mit Vernehmlassung vom 26. Oktober 2021 beantragte die Beschwerde-
gegnerin die Abweisung der Beschwerde.
2.3.
Mit instruktionsrichterlicher Verfügung vom 28. Oktober 2021 wurde die aus
den Akten erkennbare berufliche Vorsorgeeinrichtung des Beschwerdefüh-
rers zum Verfahren beigeladen und ihr Gelegenheit zur Stellungnahme ein-
geräumt, worauf diese mit Eingabe vom 4. November 2021 verzichtete.
- 3 -

Das Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrer Verfügung vom 1. September 2021
gestützt auf das Ergebnis ihrer medizinischen Abklärungen davon aus,
dass dem Beschwerdeführer seit dem 28. Juli 2017 seine bisherige Tätig-
keit als Polybauer/Dachdecker nicht mehr zumutbar, er jedoch in einer lei-
densangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Mittels einer Gegen-
überstellung des Einkommens vor und des nach Eintritt des Gesundheits-
schadens hypothetisch erzielbaren Einkommens ermittelte sie einen Inva-
liditätsgrad von 4 %, welcher keinen Anspruch auf eine Rente begründe
(vgl. Vernehmlassungsbeilage [VB] 121). Der Beschwerdeführer stellte
sich demgegenüber im Wesentlichen auf den Standpunkt, auf das Gutach-
ten von Dr. med. C. könne aufgrund diverser Mängel nicht abgestellt wer-
den. Er sei auch in einer angepassten Tätigkeit erheblich in seiner Arbeits-
fähigkeit eingeschränkt (Beschwerde S. 9 ff.).
1.2.
Strittig und nachfolgend zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin zu
Recht den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente ver-
neint hat.
2.
Am 1. Januar 2022 sind die Änderungen des IVG vom 19. Juni 2020 (Wei-
terentwicklung der IV) bzw. der IVV vom 3. November 2021 in Kraft getre-
ten. Mit ihnen sind zahlreiche Bestimmungen im Bereich des Invalidenver-
sicherungsrechts geändert worden. Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich
diejenigen materiellen Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung
des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben, und weil fer-
ner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grund-
sätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung
(vorliegend: 1. September 2021) eingetretenen Sachverhalt abstellt (vgl.
BGE 147 V 308 E. 5.1 und 132 V 215 E. 3.1.1 S. 220, je mit Hinweisen),
sind im vorliegenden Fall die bis zum 31. Dezember 2021 geltenden mate-
riell-rechtlichen Bestimmungen anwendbar. Sie werden im Folgenden denn
auch in dieser Fassung zitiert. Entsprechendes gilt für die auf den 1. Januar
2022 in Kraft getretenen Änderungen des ATSG.
3.
Die Beschwerdegegnerin liess den Beschwerdeführer von Dr. med. C. psy-
chiatrisch begutachten. Dessen Gutachten vom 15. Juni 2020 sind fol-
gende – in den ergänzenden Stellungnahmen vom 1. März 2021 bestätigte
(vgl. VB 112 S. 2 ff., VB 113) – Diagnosen zu entnehmen (vgl. VB 86
S. 13): " Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
- 4 -
 Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialer  und mit Borderline-Zügen vom impulsiven Typ (F61)
 Höhenangst (F40.2)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
 Schädlicher Gebrauch von THC, Abhängigkeitssyndrom (F12.2)
 Störung durch Kokain, schädlicher Gebrauch (F14.8)
 Rezidivierende depressive Störung, zurzeit remittiert, unter  Behandlung (F33.4)
 Anamnestischer V.a. nicht näher bezeichnete hyperkinetische Störung (F90.9)"
Hinsichtlich der funktionellen Auswirkungen der gesundheitlichen Beein-
trächtigungen führte Dr. med. C. aus, beim Beschwerdeführer sei in der an-
gestammten Tätigkeit als Dachdecker oder bei einer Arbeit mit vergleich-
baren Anforderungen (Arbeiten in der Höhe sowie mit Verantwortung für
Andere; gefährliche Arbeiten; Führen von Fahrzeugen oder Maschinen
etc.) spätestens seit dem 28. August 2017 eine anhaltende 100-prozentige
Arbeitsunfähigkeit von nicht bestimmbarer Dauer ausgewiesen. In einer lei-
densangepassten Tätigkeit (vorzugsweise manuelle Tätigkeiten auf festem
Boden ohne Gerüste und nicht in der Höhe, mit guter Strukturierung und
Führung, ohne enge Integration in ein Team, ohne besondere Ansprüche
an die Sozialkompetenz und das Beziehungsverhalten, mit gewisser Tole-
ranz bei disziplinarischen Problemen) bestehe seit dem 1. Dezember 2017
eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit, wobei diese jeweils unterbrochen
worden sei durch die stationären oder teilstationären Behandlungen (vgl.
VB 86 S. 18).
4.
4.1.
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob die-
ser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medi-
zinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet
und ob die Schlussfolgerung des Experten begründet sind (BGE 134 V 231
E. 5.1 S. 232; 125 V 351 E. 3a S. 352).
4.2.
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingehol-
ten Gutachten von externen Spezialisten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Be-
richt erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergeb-
nissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerken-
nen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper-
tise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 470; 125 V 351 E. 3b/bb S. 353).
- 5 -
4.3.
Auch wenn die Rechtsprechung den Berichten versicherungsinterner me-
dizinischer Fachpersonen stets Beweiswert zuerkannt hat, kommt ihnen
praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder im
Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger in Auftrag gegebe-
nen Gutachten zu (BGE 125 V 351 E. 3a S. 352 ff.; 122 V 157 E. 1c
S. 160 ff.). Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4 S. 469 f.
und 122 V 157 E. 1d S. 162 f.).
5.
5.1.
Das psychiatrische Gutachten von Dr. med. C. vom 15. Juni 2020 samt er-
gänzenden Stellungnahmen vom 1. März 2021 wird den von der Recht-
sprechung formulierten Anforderungen an eine beweiskräftige medizini-
sche Stellungnahme (vgl. E. 4.1. hiervor) gerecht. Das Gutachten ist in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) erstellt worden (vgl. VB 86 S. 5 ff.), gibt
die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers ausführlich wieder (vgl.
VB 86 S. 7 ff.), beruht auf allseitigen Untersuchungen (vgl. VB 86 S. 10 ff.)
und der Gutachter setzte sich im Rahmen der Herleitung der Diagnosen mit
den subjektiven Beschwerdeangaben auseinander (vgl. VB 86 S. 13 ff.).
Das Gutachten ist in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und der medizinischen Situation nachvollziehbar und damit grundsätzlich
geeignet, den vollen Beweis für den anspruchserheblichen medizinischen
Sachverhalt zu erbringen. Namentlich setzte sich Dr. med. C. – entgegen
der nicht weiter substantiierten Rüge des Beschwerdeführers (vgl. Be-
schwerde S. 17 f.) – im Rahmen seiner versicherungsmedizinischen Beur-
teilung mit den bei der Prüfung der invalidenversicherungsrechtlichen Re-
levanz psychischer Leiden massgeblichen Standardindikatoren nach
BGE 141 V 281 schlüssig und widerspruchsfrei auseinander (vgl. VB 86
S. 16 ff. [Ziff. 7.1- Ziff. 7.4]; mit Bezug auf die Suchterkrankung siehe so-
gleich E. 5.2. nachfolgend).
5.2.
Der Beschwerdeführer macht geltend, Dr. med. C. habe seine erhebliche
Suchtproblematik zu Unrecht als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gewertet und es unterlassen, die erforderliche indikatorengestützte Prüfung
der konkreten funktionalen Einschränkungen durch die Suchterkrankung
vorzunehmen. Sein (vermeintlich) fehlender Wille zur Behandlung und Abs-
tinenz bzw. das ihm im Ergebnis von Dr. med. C. unterstellte Selbstver-
schulden seien rechtsprechungsgemäss nicht im Rahmen der (medizini-
schen) Abklärung der Arbeitsfähigkeit, sondern (höchstens) hinsichtlich der
Rechtsfolge einer festgestellten Arbeitsunfähigkeit im Rahmen der Prüfung
einer allfälligen Verletzung der Schadenminderungspflicht zu berücksichti-
- 6 -
gen. Ohnehin könne ihm angesichts seiner wiederholten (Sucht-) Thera-
pien eine Behandlungs- und Abstinenzbereitschaft nicht abgesprochen
werden (vgl. Beschwerde S. 11 ff.).
5.2.1.
Nach der früheren Rechtsprechung stellten primäre Abhängigkeitssyn-
drome bzw. Substanzkonsumstörungen zum vornherein keine invaliden-
versicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschäden dar. Ihre funktio-
nellen Auswirkungen sind in der Vergangenheit daher nicht näher abgeklärt
worden. In Änderung seiner Rechtsprechung hat das Bundesgericht in
BGE 145 V 215 nunmehr erkannt, dass auch fachärztlich diagnostizierten
Abhängigkeitssyndromen und Substanzkonsumstörungen nicht zum vorn-
herein jede invalidenversicherungsrechtliche Relevanz abgesprochen wer-
den kann. Primäre Abhängigkeitssyndrome sind daher – wie sämtliche an-
deren psychischen Erkrankungen – grundsätzlich einem strukturierten Be-
weisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Mithin fallen Suchter-
krankungen als invalidenversicherungsrechtlich beachtliche (psychische)
Gesundheitsschäden nunmehr ebenfalls in Betracht. Deshalb ist nach dem
strukturierten Beweisverfahren zu ermitteln, ob und gegebenenfalls inwie-
weit sich ein fachärztlich diagnostiziertes Abhängigkeitssyndrom im Einzel-
fall auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt (vgl. BGE 145
V 215 E. 5.3.3 S. 226 f., E. 6.2 S. 227 f. und E. 7 S. 228).
5.2.2.
Dr. med. C. legte in seiner gutachterlichen Beurteilung schlüssig und nach-
vollziehbar dar, dass die kombinierte Persönlichkeitsstörung im Zentrum
der gesundheitlichen Beeinträchtigung des Beschwerdeführers stehe (vgl.
VB 86 S. 16 f.), die angestammte Tätigkeit dem Beschwerdeführer auf-
grund dieser Störung sowie der im Weiteren diagnostizierten Höhenangst
zwar nicht mehr zumutbar sei, in einer angepassten Tätigkeit indes eine
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit bestehe (vgl. VB 86 S. 13, S. 18). Die
Suchterkrankung berücksichtigte er in seiner Beurteilung durchaus. So
stellte er im Zusammenhang mit dem gemäss seiner Einschätzung beim
Substanzmissbrauch im Vordergrund stehenden THC-Konsum (vgl. VB 86
S. 14) die Diagnose eines Abhängigkeitssyndroms bzw. eines schädlichen
Gebrauchs (vgl. VB 86 S. 13) und diskutierte in der Folge – im Einklang mit
der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 145 V 215
E. 5.3.1 S. 225 f., E. 6.1 S. 227, E. 7 S. 228) – dessen konkrete Auswirkun-
gen auf die funktionelle Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers. Er kam
dabei ebenfalls überzeugend zum Schluss, dass dem Beschwerdeführer
die für eine Abstinenz oder einen kontrollierten Substanzkonsum erforder-
liche Motivation fehle (vgl. VB 86 S. 14 ff.), ohne dass sich dieser fehlende
Antrieb und die mangelnde Bereitschaft zur Veränderung – sei es als ei-
genständiges Krankheitsbild, sei es als Folge der kombinierten Persönlich-
keitspathologie – fachpsychiatrisch hinreichend erklären und begründen
- 7 -
liessen (vgl. VB 86 S. 14; VB 112 S. 2 f.; VB 113 S. 2 f.). Er erachtete mit-
hin einen Verzicht auf Cannabis – bei zumutbarer Anstrengung (vgl.
VB 113 S. 3) sowie vorhandener intellektueller Fähigkeit und Einsichtsfä-
higkeit (vgl. VB 112 S. 2 f.) – für möglich. Damit äusserte er sich – zumin-
dest im Ergebnis – korrekterweise zu den im Rahmen des strukturierten
Beweisverfahrens zu prüfenden Indikatoren einerseits des funktionellen
Schweregrades, insbesondere zum Behandlungs- und Eingliederungser-
folg und zu den persönlichen Ressourcen, sowie andererseits der Konsis-
tenz, insbesondere zum behandlungs- und eingliederungsanamnestisch
ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.1.3 S. 297 f.). Der
Einwand des Beschwerdeführers, das psychiatrische Gutachten vom
15. Juni 2020 samt ergänzenden Stellungnahmen vom 1. März 2021 ge-
nüge in Bezug auf die Suchterkrankung den Anforderungen des strukturier-
ten Beweisverfahrens nicht (vgl. Beschwerde S. 11), geht somit fehl.
5.2.3.
Was die nach seinen eigenen Angaben vorhandene Abstinenz- und Be-
handlungsbereitschaft anbelangt (vgl. Beschwerde S. 14 f.), so trifft es
zwar zu, dass sich der Beschwerdeführer bereits wiederholt in (stationäre,
teilstationäre bzw. ambulante) Behandlung begab (vgl. VB 69, VB 71,
VB 84, Beschwerdebeilage [BB] 3). Indessen lassen seine Schilderungen
(THC-Konsum als "Selbstmedikation", Wiederaufnahme des Konsums un-
mittelbar nach Klinikaustritt; vgl. VB 86 S. 7, S. 9) und sein Verhalten (kei-
nerlei Bekundung eines Willens zur Abstinenz; vgl. VB 86 S. 11 f.; VB 112
S. 3) anlässlich der gutachterlichen Befragung auf eine fehlende Verzicht-
motivation und -bereitschaft schliessen. Selbst dem im Beschwerdeverfah-
ren eingereichten aktuellsten Bericht des Ambulatoriums der Klinik D., S.,
vom 22. September 2021 ist nicht zu entnehmen, dass der Beschwerde-
führer an seiner Grundhaltung etwas geändert hätte. Vielmehr erachtete er
den THC-Konsum gemäss dem Bericht unverändert als unabdingbar, um
"etwas alltagstauglich und verträglich" zu sein (vgl. BB 3 S. 3). Es ist dem-
nach bezüglich des Suchtleidens bei grundsätzlich vorhandenen persönli-
chen Ressourcen vom Fehlen einer versicherungsmedizinisch relevanten
Funktionseinbusse, einer bei entsprechender Motivation gegebenen The-
rapierbarkeit und einem insgesamt mässigen Leidensdruck auszugehen.
Der Gutachter ging somit nachvollziehbarerweise davon aus, dass sich der
Substanzmissbrauch nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke. Dies gilt umso
mehr, als der Beschwerdeführer bis zur Aufgabe der Erwerbstätigkeit – wie
Dr. med. C. zu Recht festhielt (vgl. VB 86 S. 15, S. 17; VB 112 S. 4) – bei
anhaltendem THC-Konsum eine Ausbildung absolvieren und anschlies-
send im Berufsalltag bestehen konnte.
5.3.
5.3.1.
Der Beschwerdeführer beanstandet weiter, dass sich Dr. med. C. in seinem
Gutachten vom 15. Juni 2020 und in seinen ergänzenden Stellungnahmen
- 8 -
vom 1. März 2021 "soweit erkennbar" nicht mit der bei ihm vor mehreren
Jahren bereits vermuteten und später wiederholt gestellten Diagnose einer
ADHS und deren möglichen funktionalen Auswirkungen auseinanderge-
setzt habe (vgl. Beschwerde S. 15 f.).
5.3.2.
Dr. med. C. hatte Kenntnis von der in der Klinik D., T., diagnostizierten
ADHS und der offenbar erfolgreichen Einstellung des Beschwerdeführers
auf das Stimulans Concerta. Da er jedoch in seiner klinischen Untersu-
chung diese Diagnose weder bestätigen noch ausschliessen konnte (vgl.
VB 86 S. 15), stellte er lediglich die Verdachtsdiagnose einer "nicht näher
bezeichneten hyperkinetischen Störung (F90.9)" (vgl. VB 86 S. 13), was
nachvollziehbar ist. Der vom Beschwerdeführer um Stellungnahme zum
Gutachten ersuchte Dr. med. E., Facharzt für Psychiatrie und Psychothe-
rapie, Q., anerkannte die von Dr. med. C. gestellte Diagnose lediglich eines
Verdachts auf eine nicht näher bezeichnete hyperkinetische Störung in der
Folge explizit als "richtig", da kein Bericht zur angeblich in der Klinik D.
durchgeführten Abklärung einer Aufmerksamkeitsstörung vorliege (vgl.
VB 108 S. 6, S. 8). Darüber hinaus stufte Dr. med. C. eine mögliche ADHS
– ebenfalls überzeugend – als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
ein. Der Beschwerdeführer konnte jedenfalls erfolgreich eine Ausbildung
absolvieren und anschliessend auf dem erlernten Beruf arbeiten und des-
sen kognitive Leistungsfähigkeit hat sich unter der medikamentösen Be-
handlung überdies nach eigener Einschätzung erheblich verbessert (vgl.
VB 86 S. 7, S. 9, S. 15; VB 113 S. 3). Die entsprechende Rüge des Be-
schwerdeführers erweist sich mithin als unbegründet.
5.4.
5.4.1.
Der Beschwerdeführer bemängelt sodann, dass sich Dr. med. C. mit der im
Bericht der Klinik für Schlafmedizin, V., gestellten Diagnose einer chroni-
schen Insomnie nicht weiter befasst habe (vgl. Beschwerde S. 16 f.).
5.4.2.
Der Beschwerdeführer berichtete Dr. med. C. im Rahmen der Befragung
von seiner Schlafstörung und seinem THC-Konsum "zur Schlafregulation"
(vgl. VB 86 S. 7 ff.). Der Gutachter hielt unter dem Titel "Psychiatrischer
Befund" dazu fest, dass der Beschwerdeführer eine chronische schwere
Schlafstörung mit morgendlichen Anlaufschwierigkeiten und Tagesmüdig-
keit beklage, in der Begutachtungssituation jedoch keine sichtbaren Ermü-
dungszeichen zu erkennen gewesen seien (vgl. VB 86 S. 11). Dr. med. C.
subsumierte die fragliche Symptomatik nicht unter eine eigenständige Di-
agnose, sondern interpretierte die (seiner Meinung nach auch medikamen-
tös behandelbare und mit Abstinenz oder reduziertem THC-Konsum bes-
serungsfähige [vgl. VB 86 S. 16; VB 113 S. 2]) Schlafstörung im Rahmen
der von ihm diagnostizierten Störungen. Auch im Schlussbericht der Klinik
- 9 -
für Schlafmedizin vom 31. Dezember 2020 wurde die diagnostizierte chro-
nische Insomnie in Verbindung gesetzt zu den "psychiatrischen Vorerkran-
kungen"; eine therapierelevante Schlafapnoe wurde ausgeschlossen (vgl.
VB 109 S. 3, S. 5). Aus dem Bericht geht im Übrigen hervor, dass die
Schlafstörung "seit [der Beschwerdeführer] sich erinnern möge" bestehe
(vgl. VB 109 S. 4), woraus sich schliessen lässt, dass sie schon vorhanden
war, als der Beschwerdeführer noch zu 100 % erwerbstätig war. Die RAD-
Ärztin Dr. med. F., Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in
ihrer Aktennotiz vom 12. Juli 2021 fest, dass die Klinik für Schlafmedizin
die Ursache der seit längerem bekannten Schlafstörung "dem psychiatri-
schen Bereich [zuordne]" und entsprechend eine psychiatrisch-pharmako-
logische Behandlung empfehle. Sie gelangte zum Schluss, dass sich aus
dem Bericht vom 31. Dezember 2020 insofern "keine wesentlichen Verän-
derungen der medizinischen und psychiatrischen Einschätzung des Ge-
sundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit" ergäben (vgl. VB 120 S. 1),
was angesichts der geschilderten Gegebenheiten ohne Weiteres einzu-
leuchten vermag. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers wurde
seiner Schlafstörung somit (hinreichend) Rechnung getragen.
5.5.
Soweit der Beschwerdeführer schliesslich in der gutachterlichen Beurtei-
lung der funktionellen Auswirkungen der Suchtabhängigkeit sowie allge-
mein der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit einen "of-
fenkundigen Widerspruch" sieht zu den diesbezüglichen Einschätzungen
der behandelnden Ärzte der Klinik D. sowie von Dr. med. E. (vgl. Be-
schwerde S. 11, S. 15), ist auf Folgendes hinzuweisen:
5.5.1.
Die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch täti-
gen (Fach-) Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich be-
stellten fachmedizinischen Experten andererseits (BGE 124 I 170 E. 4
S. 175) lässt es nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in
Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn
die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen.
Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung auf-
drängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige Aspekte benennen, die im
Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind
(vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_86/2018 vom 20. August
2018 E. 5.4.1 mit Hinweisen). Das ist vorliegend nicht der Fall, nahm doch
Dr. med. C. zum Bericht der behandelnden Ärzte der Klinik D. vom 19. Mai
2020 (vgl. VB 84) in seinem Gutachten vom 15. Juni 2020 Stellung und
zeigte nachvollziehbar auf, aus welchen Gründen er deren medizinische
Einschätzung nicht teile (vgl. VB 86 S. 19). Der im Beschwerdeverfahren
eingereichte Bericht des Ambulatoriums der Klinik D. vom 22. September
2021 (vgl. BB 3) enthält sodann keine Aspekte, welche nicht bereits be-
kannt und entsprechend gutachterlich beurteilt worden wären.
- 10 -
5.5.2.
Zwar enthält auch ein Parteigutachten Äusserungen eines bzw. einer Sach-
verständigen, welche zur Feststellung eines medizinischen Sachverhalts
beweismässig beitragen können. Daraus folgt indessen nicht, dass ein sol-
ches Gutachten den gleichen Rang wie ein vom Gericht oder von einem
Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht eingeholtes
Gutachten besitzt. Es verpflichtet indessen den Richter, den von der Recht-
sprechung aufgestellten Richtlinien für die Beweiswürdigung folgend, zu
prüfen, ob es in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schluss-
folgerungen des vom Gericht oder vom Sozialversicherer förmlich bestell-
ten Gutachters derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist
(BGE 125 V 351 E. 3c S. 354). Vorliegend setzte sich Dr. med. C. mit Stel-
lungnahme vom 1. März 2021 (vgl. VB 112 S. 2 ff.) umfassend mit der von
Dr. med. E. am 21. November 2020 geäusserten Kritik am Gutachten (vgl.
VB 108 S. 5 ff.) auseinander und legte überzeugend dar, weshalb seine
Einschätzung unverändert Bestand habe. Dr. med. E. nahm überdies – im
Gegensatz zu Dr. med. C. – selber keine Untersuchung des Beschwerde-
führers vor (vgl. VB 108 S. 5), sondern beschränkte sich auf eine reine Ak-
tenbeurteilung, was die Beweiskraft seiner Stellungnahme zusätzlich
schmälert.
5.6.
Zusammenfassend sprechen somit keine konkreten Indizien gegen die Zu-
verlässigkeit und Vollständigkeit des psychiatrischen Gutachtens von
Dr. med. C. vom 15. Juni 2020 und die ergänzenden Stellungnahmen vom
1. März 2021, weshalb keine begründeten Zweifel bezüglich der gutachter-
lichen Einschätzungen angezeigt sind (Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit; BGE 134 V 109 E. 9.5, mit Hinweis auf BGE 129 V 177
E. 3.1; vgl. E. 4.1 f. hiervor). Der medizinische Sachverhalt erweist sich vor
diesem Hintergrund als vollständig abgeklärt, weshalb auf weitere Abklä-
rungen (vgl. Beschwerde S. 2, S. 19) in antizipierter Beweiswürdigung zu
verzichten ist, da von diesen keine weiteren Erkenntnisse zu erwarten sind
(BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27
E. 4). Es ist demnach grundsätzlich (vgl. hierzu E. 6.2.2. nachfolgend) von
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer leidens-
angepassten Tätigkeit auszugehen.
6.
6.1.
Zur Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens
berechnete die Beschwerdegegnerin mittels eines Einkommensvergleichs
(vgl. Art. 16 ATSG) – ausgehend von einem Valideneinkommen von
Fr. 70'850.00 (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom 20. November
2018; VB 38.1 S. 5) sowie einem Invalideneinkommen von Fr. 67'767.00
(vgl. LSE 2018, Tabelle TA1_tirage_skill_level, Total, Kompetenzniveau 1,
- 11 -
Männer; umgerechnet auf eine wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden,
bei einem Pensum von 100 %) – für den Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns im August 2018 (Anmeldung vom 12. Januar 2018 [VB 1];
Beginn Wartejahr August 2017 [VB 14, VB 20 S. 1]; Art. 28 Abs. 1 Bst. b,
Art. 29 Abs. 1 und Abs. 3 IVG) eine Erwerbseinbusse von Fr. 3'083.00, mit-
hin einen (rentenausschliessenden) Invaliditätsgrad von (abgerundet) 4 %
(vgl. VB 121 S. 1 f.). Diese Berechnung wird vom Beschwerdeführer nicht
in Frage gestellt und ist ausweislich der Akten nicht zu beanstanden, so
dass darauf abzustellen ist.
6.2.
6.2.1.
Wenn für die bisherige Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von erheblicher
Dauer und Ausprägung besteht, während mit der verbliebenen Arbeitsfä-
higkeit in angepassten Tätigkeiten zunächst ein rentenausschliessendes
Einkommen erzielt werden kann resp. könnte, so entsteht – unter Vorbehalt
anderer Voraussetzungen (vgl. insbesondere Art. 29 Abs. 1 IVG) – bei Ver-
schlechterung des Gesundheitszustandes ein Rentenanspruch, sobald die
Invalidität mindestens 40 % beträgt (Urteil des Bundesge-
richts 9C_878/2017 vom 19. Februar 2018 E. 5.3 unter anderem mit Hin-
weis auf BGE 121 V 264 E. 5b S. 270 und E. 6b/bb S. 273). In einer sol-
chen Konstellation gelangt denn auch die Wartezeit gemäss Art. 88a Abs. 2
IVV nicht zur Anwendung, da im Zeitpunkt der massgeblichen Verschlech-
terung des Gesundheitszustands eine revidierbare Rente fehlt (a.a.O. so-
wie Urteil des Bundesgerichts 8C_777/2014 vom 28. Januar 2015 E. 4.2).
Im Rahmen der erstmaligen Rentenfestsetzung kommt Art. 88a Abs. 1 IVV
bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit grundsätzlich nicht zur An-
wendung, sondern nur, wenn sich die bei Rentenbeginn zugesprochene
Rente ändert (Urteile des Bundesgerichts 9C_294/2017 vom 4. Mai 2018
E. 4; 8C_690/2012 vom 4. März 2013 mit Hinweis auf BGE 109 V 125). Ist
ein Rentenanspruch einmal entstanden, ist indessen bei rückwirkender Zu-
sprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente rechtspre-
chungsgemäss Art. 88a Abs. 1 IVV analog anzuwenden, weil noch vor Er-
lass der ersten Rentenverfügung eine anspruchsbeeinflussende Änderung
eingetreten ist mit der Folge, dass diese mitberücksichtigt wird (Urteile des
Bundesgerichts 8C_588/2019 vom 26. November 2019 E. 3.2;
8C_670/2011 vom 10. Februar 2012 E. 5.1 mit Hinweis). Diesfalls ist die
anspruchsbeeinflussende Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung
der Leistung von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenom-
men werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird
(Art. 88a Abs. 1 Satz 1 IVV). Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nach-
dem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird (Art. 88a Abs. 1 Satz 2 IVV). Ge-
mäss Rechtsprechung des Bundesgerichts ist in der Regel der zweite Satz
dieser Vorschrift anzuwenden und die bisherige höhere Rente drei Monate
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über die Veränderung des Gesundheitszustandes hinaus zu gewähren o-
der zu bestätigen (Urteil des Bundesgerichts 8C_36/2019 vom 30. April
2019 E. 5 mit Hinweisen).
Weiter ist sodann eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu berück-
sichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedau-
ert hat (Art. 88a Abs. 2 erster Satz IVV). Im Unterschied zu dem in Absatz 1
dieser Bestimmung geregelten Tatbestand der Verbesserung der Erwerbs-
fähigkeit wird dabei nicht verlangt, dass die Änderung, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat, voraussichtlich
weiterhin andauern muss. Das gesetzliche Erfordernis einer auf Dauer ge-
richteten Änderung ist mit Ablauf der dreimonatigen Wartezeit grundsätz-
lich erfüllt (Urteil des Bundesgerichts 9C_675/2016 vom 18. April 2017
E. 2.3.1 mit Hinweis).
6.2.2.
Dr. med. C. erachtete in seinem Gutachten vom 15. Juni 2020 eine voll-
ständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (spätestens) ab
dem "28.08.2017" (recte: 23. August 2017; vgl. VB 14, VB 20 S. 1) als aus-
gewiesen. In einer angepassten Tätigkeit ging er – in Übereinstimmung mit
dem behandelnden Psychiater Dr. med. G., Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, S. (vgl. VB 14) – seit dem 1. Dezember 2017 von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus, wobei diese (vollständige) Arbeits-
fähigkeit "jeweils unterbrochen [worden sei] durch die stationären oder teil-
stationären Behandlungen" (vgl. VB 86 S. 18). Diese gutachterliche Ein-
schätzung des retrospektiven Verlaufs der Arbeitsfähigkeit in einer Ver-
weistätigkeit wurde von der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen
Verfügung fälschlicherweise nicht berücksichtigt (vgl. VB 121 S. 1 f.).
Der Beschwerdeführer wurde vom 13. Juni bis am 22. August 2019 statio-
när (vgl. VB 71 S. 1) und vom 3. September bis am 13. September 2019
teilstationär (vgl. VB 69 S. 1, S. 3) in der Klinik H., W., behandelt. Für die
Zeit ab dem 13. Juni 2019 resultiert – ausgehend von der gutachterlich fest-
gestellten vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Erwerbstätig-
keiten während den stationären und teilstationären Behandlungen – ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 100 %, wobei aufgrund des zuvor
bestandenen rentenausschliessenden Invaliditätsgrads von 4 % (vgl.
E. 6.1. hiervor) eine (analoge) Anwendung von Art. 88a Abs. 2 IVV ausser
Betracht fällt. Der Beschwerdeführer hat mithin ab dem 1. Juni 2019 An-
spruch auf eine ganze Invalidenrente. Die lediglich elftägige 100%ige Ar-
beitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit zwischen den beiden Aufenthalten
stellt angesichts ihrer kurzen Dauer keine anspruchsbeeinflussende Ände-
rung im Sinne von Art. 88a IVV (vgl. E. 6.2.1. hiervor) dar, so dass auch
über den 22. August 2019 und noch bis am 13. September 2019 eine zu
berücksichtigende Erwerbsunfähigkeit vorlag.
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Mit dem Austritt aus der Klinik H. (13. September 2019) war der Beschwer-
deführer wieder zu 100 % arbeitsfähig in einer Verweistätigkeit. Da er sich
jedoch am 16. Dezember 2019 erneut in stationäre Behandlung in der Kli-
nik D. begab (vgl. VB 84 S. 1), ist zwar von einer drei Monate andauernden,
jedoch nicht von einer "voraussichtlich weiterhin andauernden" Verbesse-
rung der Erwerbsfähigkeit im Sinne von Art. 88a Abs. 1 IVV auszugehen.
Der Rentenanspruch bestand somit weiterhin.
Ab 4. Mai 2020 (Austritt aus der Klinik D.; vgl. VB 84 S. 1) war der Be-
schwerdeführer für sämtliche leidensangepassten Tätigkeiten (wieder) voll-
umfänglich und bleibend arbeitsfähig, womit ab diesem Zeitpunkt erneut
von einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad auszugehen ist. Unter
nachmaliger Berücksichtigung der Anpassungsfrist von drei Monaten ge-
mäss analog anwendbarem Art. 88a Abs. 1 IVV ist folglich die ab 1. Juni
2019 zuzusprechende ganze Invalidenrente bis am 31. August 2020 zu be-
fristen. Danach besteht kein Rentenanspruch mehr.
7.
Nach dem Dargelegten ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gut-
heissung der Beschwerde aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine
vom 1. Juni 2019 bis am 31. August 2020 befristete ganze Invalidenrente
zuzusprechen.
8.
8.1.
Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.00 bis Fr. 1'000.00 festgesetzt. Für das vorliegende
Verfahren betragen diese Fr. 800.00. Der Beschwerdeführer obsiegt teil-
weise (Zusprache einer auf fünfzehn Monate befristeten ganzen Rente).
Damit handelt es sich nicht mehr um ein bloss geringfügiges Obsiegen,
weshalb die Verfahrenskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
8.2.
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer Anspruch auf Ersatz seiner
richterlich festzusetzenden Parteikosten (Art. 61 lit. g ATSG).