Decision ID: 7c7fa83e-fe45-4119-ace1-7c0ac3c8bf80
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter), zuletzt als Bauarbeiter bei der B._ AG tätig,
war seit dem 1. Oktober 2012 arbeitslos und damit über die Kantonale
Arbeitslosenkasse St. Gallen bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am
15. Juli 2013 beim Fussballspielen auf die rechte Schulter fiel (Suva-ct. 1, 10, 132, act.
G 1.3). Eine Untersuchung im Spital C._ am 16. Juli 2013 ergab einen nicht
dislozierten Abriss des Tuberculum majus humeri rechts. Die Schulter wurde mit einem
Gilchristverband ruhiggestellt und der Versicherte wurde zu 100% arbeitsunfähig
geschrieben (Suva-act. 7 ff.). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht für den Unfall
vom 15. Juli 2013 und erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilkosten- und
Taggeldleistungen; vgl. Suva-act. 2 f.).
A.b Aufgrund progredienter Schulterschmerzen mit eingeschränkter Beweglichkeit
wurde beim Versicherten am 4. September 2013 eine Arthro-MRI-Untersuchung der
rechten Schulter im Röntgeninstitut D._ durchgeführt, welche die leichtgradig
dislozierte, noch nicht konsolidierte Fraktur des Tuberculum majus humeri bestätigte
und im Weiteren ausgedehnte Partialrupturen der Subscapularis- und
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Supraspinatussehne mit Subluxation der langen Bizepssehne nach ventral sowie einen
Status nach Traumatisierung im AC-Gelenk mit Knochenmarksödem in der lateralen
Clavicula zeigte (Suva-act. 16).
A.c Am 19. September 2013 wurde der Versicherte durch Dr. med. E._, Leitender
Arzt der Chirurgischen Klinik und Orthopädie des Spitals C._, untersucht, der laut
Untersuchungsbericht vom 27. September 2013 den Arthro-MRI-Bildern ausserdem
eine deutliche Verdickung der Gelenkkapsel im Recessus axillaris mit deutlich
verschmälertem Recessus als typischem Zeichen einer retraktilen Kapsulitis entnahm
und demzufolge eine moderate posttraumatische Frozen shoulder rechts, noch in der
inflammatorischen Phase, bei Status nach kaum disloziertem Abriss des Tuberculum
majus vom 15. Juli 2013 mit ausgedehnter Partialruptur der Subscapularissehne sowie
der Supraspinatussehne mit Subluxation der langen Bizepssehne diagnostizierte
(Suva-act. 12). Am 29. Oktober 2013 folgte im Spital C._ eine CT-Untersuchung der
rechten Schulter, welche eine konsolidierte Avulsionsfraktur des Tuberculum majus
humeri rechts mit residuellen geringen kortikalen Stufen zeigte (Suva-act. 23). Am 11.
November 2013 führte Dr. E._ beim Versicherten eine Schulterarthroskopie rechts mit
Tenotomie der langen Bizepssehne, AC-Gelenksresektion, Abtragung des
fehlverheilten Tuberculum majus, Rotatorenmanschetten-Rekonstruktion und
subacromialer Dekompression durch (Suva-act. 28, 34). Der Versicherte wurde in der
Folge regelmässig durch Dr. E._ untersucht, der ihm fortdauernd eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit attestierte und ihm Physiotherapie verordnete. Anlässlich einer
Untersuchung vom 2. Mai 2014 stellte Dr. E._ einen insgesamt positiven Verlauf nach
der Schulteroperation fest. Es bestehe jedoch eine residuelle Symptomatik im
ehemaligen AC-Gelenk sowie subacromial, aber auch im Bereich der langen
Bizepssehne. Dr. E._ empfahl eine CT-gesteuerte Infiltration, welche der Versicherte
indessen ablehnte (Suva-act. 31 f., 34, 44 ff., 51 f., 54, 56, 59, 62, 66, 72, 74, 76, 85).
A.d Am 25. August 2014 erfolgte eine kreisärztliche Untersuchung durch Dr. med.
F._, Facharzt für Chirurgie FMH, MAS Versicherungsmedizin, der im
Untersuchungsbericht vom selben Tag festhielt, dass noch bis ca. ein Jahr nach der
Schulteroperation eine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustands zu erwarten
sei. Zu diesem Zeitpunkt werde er zum Zumutbarkeitsprofil Stellung nehmen und den
Integritätsschaden schätzen (Suva-act. 87).
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A.e Anlässlich einer Untersuchung vom 31. Oktober 2014 stellte Dr. E._ beim
Versicherten eine eigentlich erfreuliche Beweglichkeit der rechten Schulter, hingegen
erhebliche muskuläre Restbeschwerden aufgrund erheblicher Verspannungen fest,
wogegen er Massagen, Physiotherapie sowie eine medikamentöse Therapie empfahl.
Er attestierte dem Beschwerdeführer weiterhin eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-
act. 98, vgl. auch Suva-act. 104, 108). Am 18. Dezember 2014 zeigte sich Dr. E._
eine unveränderte Situation, worauf er die Weiterführung der vorgenannten Therapien
empfahl, eine rheumatologische Untersuchung durch Dr. med. G._, Medizinische
Klinik des Spitals C._, Leitender Arzt Rheumatologie, zur Klärung der Frage einleitete,
ob mittels medikamentöser Therapie eine Verbesserung der muskulären
Angespanntheit erreicht werden könne, das Attest der 100%-igen Arbeitsunfähigkeit
verlängerte und sich für eine kreisärztliche Beurteilung der längerfristigen
Arbeitsunfähigkeit aussprach (Suva-act. 111). Die rheumatologische Untersuchung
durch Dr. G._ fand am 16. Januar 2015 statt (Suva-act. 119), die kreisärztliche
Abschlussuntersuchung erfolgte am 9. März 2015 durch Dr. med. H._, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH (Suva-act.
123).
A.f Nachdem Dr. E._ am 26. März 2015 gegenüber dem kreisärztlichen Dienst der
Suva erklärt hatte, dass er aus rein somatischer Sicht nicht wisse, was er dem
Versicherten an Therapien noch anbieten könne (Suva-act. 128), bestätigte Kreisarzt
Dr. F._ in einer ergänzenden Beurteilung vom 26. März 2015, dass insgesamt keine
weiteren, zu einer wesentlichen Besserung des Zustandes führenden medizinischen
Massnahmen mehr empfohlen werden könnten, und nahm eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung in den dem Versicherten noch zumutbaren Tätigkeiten
(ganztags arbeitsfähig) sowie eine Integritätsschadensschätzung vor (Suva-act. 129 f.).
A.g Gestützt auf die kreisärztliche Feststellung des Endzustands der Unfallfolgen teilte
die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 30. März 2015 die Vornahme des
Fallabschlusses bzw. die Prüfung der Voraussetzungen für weitere Leistungen per 31.
Mai 2015 mit (Suva-act. 131).
A.h Mit Verfügung vom 1. Mai 2015 lehnte die Suva gestützt auf die kreisärztliche
Arbeitsfähigkeitsschätzung bzw. das kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil einen Anspruch
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des Versicherten auf eine Invalidenrente ab, sprach ihm hingegen basierend auf der
kreisärztlichen Schätzung des Integritätsschadens auf 5% eine
Integritätsentschädigung von Fr. 6'300.-- zu (Suva-act. 141).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Gewerkschaft Unia für den Versicherten am 8.
Mai 2015 vorsorglich Einsprache (Suva-act. 144). Am 30. Juni 2015 reichte
Rechtsanwalt lic. iur. Kurt Gemperli, St. Gallen, als neuer Rechtsvertreter des
Versicherten die Einsprachebegründung zusammen mit einem ärztlichen Zeugnis von
Dr. E._ vom 11. Juni 2015 ein (Suva-act. 153 f.).
B.b Nach Lohnabklärungen bei der B._ AG (Suva-act. 160 f.) wies die Suva die
Einsprache mit Einspracheentscheid vom 8. Oktober 2015 ab (Suva-act. 164).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 8. Oktober 2015 erhob Rechtsanwalt
Gemperli für den Versicherten am 6. November 2015 Beschwerde mit dem
Rechtsbegehren, der Einspracheentscheid sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer
sei eine Rente von mindestens 12% zuzusprechen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. Dezember 2015 beantragte die Suva (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.c Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte hierauf am 29. April 2016 eine
Replik ein (act. G 11). Am 18. Mai 2016 folgte die Duplik der Beschwerdegegnerin (act.
G 13). Beide Verfahrensparteien hielten an ihren Rechtsbegehren fest.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die weiteren
Ausführungen in den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
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1.
Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Einspracheentscheid
vom 8. Oktober 2015 (Suva-act. 164). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung. Diesbezüglich sind
sich die Verfahrensparteien insbesondere hinsichtlich der Festlegung der
Vergleichseinkommen - Validen- und Invalideneinkommen - zur Ermittlung des
Invaliditätsgrades uneinig. Unbestritten geblieben und vom Beschwerdeführer nicht
beanstandet wurde die Vornahme des Fallabschlusses bzw. der Rentenprüfung per 31.
Mai 2015 (vgl. dazu Suva-act. 128 f., 131). Die von der Beschwerdegegnerin mit
Verfügung vom 1. Mai 2015 zugesprochene Integritätsentschädigung basierend auf
einer Integritätseinbusse von 5% blieb bereits im Einspracheverfahren unangefochten,
so dass diese nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet.
2.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden daher
die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
3.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Grad der für den
Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) durch
einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das die versicherte
Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
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Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage der Bemessung des
Invalideneinkommens bilden die Arbeitsfähigkeitsgradschätzung und die
Umschreibung der trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und
zumutbaren Tätigkeiten. Um das Ausmass der Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können, ist
die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
4.
4.1 Hinsichtlich des medizinischen Sachverhalts steht unbestrittenermassen fest, dass
beim Beschwerdeführer infolge des Unfalls vom 15. Juli 2013 ein Status nach
Tuberculum majus-Fraktur rechts am 15. Juli 2013 sowie ein Status nach
Schulterarthroskopie rechts mit Tenotomie der langen Bizepssehne,
Supraspinatussehnen-Revision und AC-Gelenks¬resektion am 11. November 2013
vorliegen und er als Folge davon unter Bewegungs- und Belastungsschmerzen in der
rechten Schulter leidet (vgl. dazu Suva-act. 123, 130). In Berücksichtigung dieser
Situation nahm Kreisarzt Dr. F._ in seiner ergänzenden ärztlichen Beurteilung vom
26. März 2015 eine Arbeitsfähigkeitsschätzung vor und definierte ein
Zumutbarkeitsprofil. Leichte bis mittelschwere körperliche Tätigkeiten seien ganztags
zumutbar. Repetitive körperferne Tätigkeiten, Armvorhaltetätigkeiten oder wiederholte
Tätigkeiten auf Überkopfniveau sollten vermieden werden, ebenso berufliche
Tätigkeiten, die mit einer vermehrten Vibrations- oder Stossbelastung der rechten
Schulter verbunden seien (Suva-act. 129). Dr. E._ definierte in einem ärztlichen
Zeugnis vom 11. Juni 2015 ein etwas eingeschränkteres Zumutbarkeitsprofil, indem er
bei 100%-iger Arbeitsfähigkeit als Einschränkungen Arbeiten nur auf Tischhöhe, kein
Heben von Lasten über 10 kg und Überkopf nannte (Suva-act. 153). Nachdem der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers zunächst in der Beschwerde vom 6. November
2015 die Berücksichtigung des Zumutbarkeitsprofils von Dr. E._ verlangt hatte, zog
er seine Kritik am Zumutbarkeitsprofil des Kreisarztes in der Replik vom 29. April 2016
zu Recht zurück. Dies, zumal letzteres mit den Angaben des Beschwerdeführers
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betreffend Belastungs- sowie Bewegungsfähigkeit der rechten Schulter anlässlich der
kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 9. März 2015 sowie den von Dr. F._
klinisch erhobenen Befunden übereinstimmt und der Schulterproblematik rechts
genügend Rechnung trägt (vgl. Suva-act. 123).
4.2 Weitere Unfallrestfolgen sind neben denjenigen im Bereich der rechten Schulter
keine zu berücksichtigen. Das von Dr. G._ im Sprechstundenbericht vom 9. Februar
2015 diagnostizierte chronische Schmerzsyndrom (Suva-act. 119) wurde von der
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid (Suva-act. 164-5)
aufgrund der rheumatologischen Beurteilung zutreffend als gemischter Natur, d.h.
unfall- (Schulter-) und krankheitsbedingte (Herz-)Faktoren beinhaltend, bezeichnet.
Denn beginnend mit dem Trauma im Bereich der rechten Schulter und den danach
erfolgten auch chirurgischen Massnahmen hat sich inzwischen, verstärkt durch lokale,
intermittierend schmerzhafte degenerative Veränderungen und durch das kardiale
Ereignis und seine Folgen, ein chronisches Schmerzsyndrom entwickelt. Chronische
Schmerzen in Körperbereichen ausserhalb des Schulterbereichs rechts können nicht
als somatische Unfallfolge der ursprünglichen Schulterverletzung betrachtet werden
und das Bestehen unfallkausaler Restbeschwerden im Bereich der rechten Schulter,
insbesondere auch in Form von dauerhaften und damit chronischen Schmerzen, wurde
von der Beschwerdegegnerin, wie zuvor erwähnt, nie in Abrede gestellt.
5.
Zu prüfen bleibt, ob bei einer Restarbeitsfähigkeit von 100% in einer
schulteradaptierten Tätigkeit ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultiert.
5.1
5.1.1 Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist im Sinn von Art. 16 ATSG
rechtsprechungsgemäss entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte (BGE 135 V 59 E. 3.1). Dabei
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
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Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erstellt sein (BGE 134 V 325 f. E. 4.1, 129 V 224 E. 4.3.1; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 20. Mai 2005, U 423/04, E. 2.3; ALEXANDRA RUMO-JUNGO/
ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 126 f.). Das Bundesgericht nahm etwa in Bezug auf die
Sachverhalte, wonach über den Arbeitgeber im massgebenden Zeitpunkt für die
Festlegung des Valideneinkommens der Konkurs eröffnet war (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 23. Juli 2010, 8C_90/2010, E. 6.2.1) und die versicherte Person im
Zeitpunkt des Unfalls bereits während mehrerer Monate wegen fristloser Kündigung
arbeitslos war (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 4. April 2012, 8C_793/2011, E. 3.2
f.), Ausnahmefälle an.
5.1.2 Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid für die
Festlegung des Valideneinkommens 2015 (allfälliger Rentenbeginn am 1. Juni 2015)
des Beschwerdeführers von den Angaben seiner letzten Arbeitgeberin (der B._ AG)
vom 27. August 2014 aus, bei welcher er als Bauarbeiter tätig gewesen war. Danach
hätte sein Grundlohn im Jahr 2015 Fr. 4'420.-- monatlich (x 13) betragen (Suva-act.
125-2), woraus ein Valideneinkommen von Fr. 57'460.-- resultierte. Laut Auskunft der
B._ AG vom 10. September 2015 hat der Beschwerdeführer seine Arbeitsstelle per
30. September 2012 aus persönlichen Gründen gekündigt (Suva-act. 161; vgl. auch
Suva-act. 10), was von beschwerdeführender Seite an sich unbestritten geblieben ist.
Die Beschwerdegegnerin folgert daraus im angefochtenen Einspracheentscheid (Suva-
act. 164-11), dass sich damit der vorliegende Fall von den in Erwägung 5.1.1
angeführten Ausnahmefällen unterscheide, d.h. der Beschwerdeführer nicht aus
Gründen, die er selbst nicht zu verantworten habe, arbeitslos geworden sei, sondern
von sich aus - aus freien Stücken - gekündigt habe. Dies bedeute, dass er - hätte er
nicht selbst gekündigt - ohne Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch heute
bei der B._ AG tätig wäre. Darüber hinaus gehe aus den Akten nicht hervor, dass der
Beschwerdeführer die Stelle insbesondere deshalb gekündigt hätte, weil er eine neue
Arbeitsstelle zu einem besseren Lohn in Aussicht gehabt habe. Vielmehr habe er sich in
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unmittelbarem Anschluss an seine Kündigung bei der Arbeitslosenversicherung
angemeldet (vgl. Suva-act. 1, Ziff. 8).
5.1.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist von einem
Ausnahmefall auszugehen. Ob der Beschwerdeführer die Aufgabe der Stelle bei der
B._ AG, die ein Dreivierteljahr vor dem Unfall erfolgt ist, selbst zu vertreten hat (durch
freiwillige Kündigung) oder ob er die Stelle unverschuldet verloren hat, kann für die
Bemessung des Valideneinkommens nicht relevant sein. Das versicherte Gut ist seine
Erwerbsfähigkeit bzw. die erwerbliche Leistungsfähigkeit als Gesunder, nicht der
Erwerb als solcher (dieser fliesst nur - aber immerhin - auf der Leistungsseite beim
versicherten Verdienst in den Rentenbetrag ein). Der versicherte Schaden ist der
Verlust an Erwerbspotential bzw. Erwerbsmöglichkeiten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (vgl. Definition der Erwerbsunfähigkeit in Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der letzte
Lohn ist in vielen Fällen ein gewichtiges Indiz für die Erwerbsfähigkeit; dies jedenfalls
dann, wenn der Lohn marktkonform und die Leistung adäquat waren. Dann wird -
wenn keine gegenteiligen Indizien vorliegen - davon ausgegangen, dass die konkrete
Tätigkeit beim konkreten Arbeitgeber ohne Gesundheitsschaden weiter ausgeübt
worden wäre. Wenn nun jemand diese Stelle (egal weshalb) vor Eintritt des
Gesundheitsschadens aufgibt, ist diese Fiktion von Vornherein untauglich. Der
Beschwerdeführer hätte auch ohne Unfall nicht mehr bei der B._ AG gearbeitet. Im
konkreten Fall erscheint es demnach angemessen, das Valideneinkommen gestützt auf
den LSE-Tabellenlohn im Baugewerbe für Hilfsarbeiter festzulegen. Nachdem die
Erwerbsfähigkeit anhand des ausgeglichenen Arbeitsmarktes zu bemessen ist (vgl. Art.
7 Abs. 1 ATSG), bildet dieser Durchschnittslohn die Erwerbsmöglichkeiten des
Beschwerdeführers als Gesunder am besten ab (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
vom 4. April 2012, a.a.O., E. 3.3). Danach ergibt sich ein Valideneinkommen von Fr.
69'099.-- (LSE 2014, TA1, Kompetenzniveau 1, Männer: Fr. 5'507.-- x 12 [angepasst an
die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und die
Nominallohnentwicklung bis 2015]). Die Fragen, ob der Beschwerdeführer an seiner
letzten Arbeitsstelle bei der B._ AG unterdurchschnittlich verdient hat, und falls ja,
welche Gründe dafür verantwortlich gewesen sind, können damit offen gelassen
werden.
5.2
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5.2.1 Für die Festsetzung des trotz unfallbedingter Behinderung realisierbaren
Verdienstes (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der
beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret
steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen angesichts der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen vorhanden, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit angenommen hat, können nach der
Rechtsprechung entweder die Tabellenlöhne gemäss der vom Bundesamt für Statistik
periodisch durchgeführten Lohnstrukturerhebung (LSE-Tabellenlöhne) oder die von der
Suva geführte Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP-Zahlen) herangezogen werden
(BGE 139 V 592 E. 2.3).
5.2.2 Die Beschwerdegegnerin legte das Invalideneinkommen gestützt auf DAP-
Zahlen, d.h. die Arbeitsplätze Nr. 7144, 8484, 2861, 9976663 und 7148, fest (Suva-act.
139-1). Im Hinblick auf die geforderte Repräsentativität der DAP-Profile und der daraus
abgeleiteten Lohnangaben hat die Beschwerdegegnerin nach der Rechtsprechung,
zusätzlich zur Auflage von mindestens fünf DAP-Blättern, Angaben zu machen über die
Gesamtzahl der auf Grund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden
dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den Tiefstlohn sowie über den
Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden
Gruppe. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des angerufenen Gerichts, die
Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gegebenenfalls die
Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs
einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (Urteil des EVG vom 28.
August 2003, U 35/00, E. 4.2.2; BGE 129 V 478 ff. E. 4.2.2). Die von der
Beschwerdegegnerin ausgesuchten Arbeitsplätze sind dem von Kreisarzt Dr. F._
allgemein formulierten Zumutbarkeitsprofil (leichte bis mittelschwere körperliche
Tätigkeiten) bzw. den von ihm angeführten schulterspezifischen Einschränkungen
(keine repetitiv körperfernen Tätigkeiten, keine Armvorhaltetätigkeiten und keine
wiederholten Tätigkeiten in Überkopfniveau, keine beruflichen Tätigkeiten, die mit einer
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vermehrten Vibrations- oder Stossbelastung der rechten Schulter verbunden sind)
angepasst. Die vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers in der
Einsprachebegründung vom 30. Juni 2015 (Suva-act. 154) gegen die ausgewählten
DAP-Arbeitsplätze Nr. 7144, 7148 und 9976663 erhobenen Einwände dürften mit der
Rücknahme der Kritik am kreisärztlichen Zumutbarkeitsprofil ihr Bewenden haben. Der
Vollständigkeit halber ist dennoch anzufügen, dass Dr. F._ mit der Beschränkung auf
leichte (5-10 kg) bis mittelschwere (10-25 kg) körperliche Tätigkeiten sowie dem
Ausschluss repetitiv körperferner Tätigkeiten, Armvorhaltetätigkeiten und wiederholter
Tätigkeiten auf Überkopfniveau die schulterbedingte Einschränkung bezüglich
Lastenheben umfassend und genügend berücksichtigt hat. Das "seltene" (1-5% oder
ca. 1⁄2 Stunde pro Tag) und "manchmal" (6-33% oder 1⁄2 bis knapp 3 Stunden pro Tag)
Heben und Tragen von Gewichten bis Lendenhöhe stellt keine repetitiven
Anforderungen und ist im Übrigen bei den beanstandeten DAP's auf maximal 10 kg
begrenzt, was selbst dem Zumutbarkeitsprofil von Dr. E._ vom 11. Juni 2015 (Suva-
act. 153: "Arbeiten nur auf Tischhöhe", "kein Heben von Lasten > 10 kg") entsprechen
würde. Schliesslich ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer am 16. Januar 2015
selbst - wie von Dr. F._ berücksichtigt - gegenüber der Beschwerdegegnerin
angegeben hat, den Arm nicht gerade bzw. waagrecht ausstrecken zu können
(Schmerzpunkt) und anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 9. März 2015,
dass er schwerere Gewichte am Körper nahezu problemlos anheben und bewegen
könne (Suva-act. 53, 109, 123-2). Rein schulterbedingt ist sodann gegen eine eher
feinmotorische Tätigkeit (vgl. DAP-Arbeitsplatz Nr. 9976663) nichts einzuwenden,
zumal diese vorderhand aus dem Handgelenk heraus ausgeübt wird und damit keine
grössere Bewegung des Schultergelenks erfordert. Im Weiteren hielt die
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid zutreffend fest, dass der
DAP-Arbeitsplatz Nr. 9976663 keinerlei beruflicher Fachausbildung bedürfe und
offenbar für jede Person, insbesondere wenn sie handwerkliche Erfahrung mitbringe,
eine leicht erlernbare Arbeit darstelle (Suva-act. 164-13 f.). Zusammenfassend ist
festzuhalten, dass für die Bemessung des Invalideneinkommens auf die von der
Beschwerdegegnerin ausgewählten DAP-Arbeitsplätze abgestellt werden kann. Im
Rahmen des DAP-Systems sind leidensbedingte Abzüge grundsätzlich nicht
sachgerecht und damit nicht zulässig (BGE 129 V 472 E. 4.2.3; Urteil des EVG vom 26.
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Februar 2004, U 208/02). Die von der Beschwerdegegnerin beigezogenen fünf DAP-
Arbeitsplätze wiesen im Jahr 2015 einen Durchschnittslohn von Fr. 56'582.-- auf.
5.2.3 Zum ermittelten Invalidenlohn anhand von DAP-Zahlen ist anzumerken, dass
die Ermittlung des noch erzielbaren Lohnes gestützt auf die LSE-Tabellenlöhne zu
keinem geringeren Invalideneinkommen führt. Dieser Vergleich stellt keinen
Methodenwechsel (beispielsweise infolge einer gerichtlich verbindlich vorgegebenen
Bemessung des Invalideneinkommens anhand von DAP-Zahlen), sondern eine
Verifizierung bzw. Vergleichsbeurteilung des grundsätzlich mittels DAP-Zahlen
errechneten Invalideneinkommens dar. Ausgehend vom Tabellenlohn (LSE 2014, TA1,
Kompetenzniveau 1, Männer: Fr. 5'312.--) angepasst an die betriebsübliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und die Nominallohnentwicklung bis 2015
ergibt sich ein Bruttolohn von Fr. 66'652.--. Der von der Beschwerdegegnerin
berücksichtigte 10%-ige Leidensabzug erscheint in Anbetracht der vorliegenden
Umstände als angemessen. Der anhand der Tabellenlöhne ermittelte Invalidenlohn
würde demzufolge Fr. 59'986.-- betragen und liegt mithin rund Fr. 3'000.-- höher als
der von der Beschwerdegegnerin berücksichtigte Invalidenlohn.
5.3 Aus der Gegenüberstellung des Valideneinkommens von Fr. 69'099.-- und des
Invalideneinkommens von Fr. 56'582.-- ergibt sich folglich ein rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 18%.
6.
6.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 8. Oktober 2015 aufzuheben und dem Beschwerdeführer
ab 1. Juni 2015 eine Invalidenrente auf der Basis eines Invaliditätsgrades von 18%
auszurichten. Zur Festsetzung und Ausrichtung der Rentenleistung wird die Sache an
die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung ist - wie in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
vergleichbaren Verfahren üblich - pauschal auf Fr. 4'000.--, einschliesslich
Barlauslagen und Mehrwertsteuer, festzulegen.