Decision ID: bf89c94f-25ce-42b6-a296-988671f56dd1
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_002
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1973) war zuletzt als Sicherheitsfachmann in der
Transportbranche bei der B._ AG tätig. Am 19. November 2019
meldete er einen Anspruch auf Taggeld der Arbeitslosenversicherung
(ALV) im Umfang von 100 % ab dem 1. April 2020 an.
2. Bereits am 2. März 2020 schloss A._ einen Arbeitsvertrag mit der
Institution C._ als Arbeitsagoge in Ausbildung mit einem Monatslohn
von CHF 2'500.-- bei einem 100 %-Pensum und mit Stellenantritt per
1. März 2020 ab.
3. Mit Verfügung vom 13. Juli 2020 beschied die Arbeitslosenkasse
Graubünden, dass gemäss konstanter Praxis des eidgenössischen
Versicherungsgerichts (EVG) in Verbindung mit GAV, L-GAV und LMV der
berufs- und ortsübliche Ansatz für Mitarbeiter CHF 5'000.-- monatlich bei
einer 100%igen Beschäftigung betrage. Bei der Berechnung des
Verdienstausfalls sei daher mindestens dieser Betrag zu berücksichtigen.
4. Die dagegen von A._ erhobene Einsprache hiess das Amt für
Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (nachfolgend KIGA) mit
Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2020 teilweise gut und verfügte,
dass ein branchenüblicher Lohn von CHF 4'800.-- anzurechnen sei. Zur
Begründung wurde wiederum angeführt, der gemäss konstanter EVG-
Praxis in Verbindung mit GAV, L-GAV und LMV berufs- und ortsübliche
Ansatz für Arbeitsagogen bei einem Beschäftigungsgrad von 100 % im
Kanton Graubünden betrage CHF 5'000.--. Der A._ ausgerichtete
Geldlohn liege damit deutlich unter dem berufs- und ortsüblichen Lohn.
Allerdings sei zu berücksichtigen, dass die Kosten für die Ausbildung zum
Arbeitsagogen vollumfänglich durch den Arbeitgeber getragen würden.
Diese würden sich gemäss den eingereichten Unterlagen auf ca.
CHF 17'500.-- belaufen. Hinzu komme, dass A._ die Ausbildung
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während der Arbeitszeit absolvieren dürfe und damit wöchentlich ein bis
drei Tage der Arbeit fernbleibe. Diese geldwerten Leistungen des
Arbeitgebers seien als Naturallohn zu qualifizieren und entsprechend in
die Berechnung des berufs- und branchenüblichen Lohns
miteinzubeziehen. Gemäss Art. 13 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung sei der Wert anders gearteten
Naturaleinkommens von Fall zu Fall den Umständen entsprechend von
der Ausgleichskasse zu schätzen. Vorliegend werde das
Naturaleinkommen unter Berücksichtigung der Kursdauer, der Kurskosten
und der Anzahl Weiterbildungstage auf CHF 2'300.-- geschätzt.
Zusammen mit dem vom Arbeitgeber ausgerichteten Geldlohn entspreche
die Entlöhnung von A._ damit knapp dem berufs- und ortsüblichen
Lohn für Arbeitsagogen. Damit sei ein tatsächlicher Lohn von CHF 2'500.--
und ein Naturallohn von CHF 2'300.-- zu berücksichtigen, womit
insgesamt ein Lohn von CHF 4'800.-- als branchenüblicher Lohn
anzurechnen sei.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am
11. November 2020 (Poststempel) Beschwerde beim Verwaltungsgericht
des Kantons Graubünden und beantragte sinngemäss in Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids, es sei ihm sein realer Lohn mit dem
tatsächlichen Naturallohn anzurechnen. Begründend führte er im
Wesentlichen aus, die Anrechnung eines ortsüblichen Lohns von
CHF 5'000.-- als Arbeitsagoge sei falsch, da dieses Einkommen nicht
seinem effektiven Lohn entspreche. Als Praktikant verdiene er
CHF 2'500.--. Es sei nicht korrekt, dass er als ausgebildete Fachkraft
eingestuft werde. Auch eine Anrechnung der Ausbildungskosten
rechtfertige diese Einstufung nicht. Ohnehin gehe er nur einen Tag und
nicht – wie behauptet – ein bis drei Tage zur Schule. Aus dem von ihm
eingereichten Unterlagen gehe klar hervor, dass die Kosten für die 21
Monate dauernde Ausbildung CHF 17'500.-- betrügen, wobei 50 % davon
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vom Bund zurückerstattet würden. Somit betrage der Naturallohn
tatsächlich CHF 416.70 pro Monat. Sein Verdienst liege daher real bei
CHF 2'916.70. Es sei üblich, dass Praktikanten keinen Lohn als Fachkraft
bekämen. Auch liege kein Lohndumping vor.
6. Mit Eingabe vom 20. November 2020 ergänzte der Beschwerdeführer
unter Beilage einer Bestätigung seines Arbeitsgebers, dass er vor seiner
Ausbildung, welche er erst im Frühling 2021 beginnen werde, ein
Praktikum absolvieren müsse und während dieser Zeit keine Leistung im
Form eines Naturallohns beziehe.
7. Mit Vernehmlassung vom 16. Dezember 2020 schloss das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) auf Abweisung der Beschwerde bei
gesetzlicher Kostenfolge. Darin wurde namentlich ausgeführt, obschon
der Arbeitsvertrag mit C._ vorsehe, dass der Beschwerdeführer in
andauernder Anstellung eine Ausbildung zum Arbeitsagogen absolvieren
müsse, sei er unbefristet ausgestaltet. Dieser Umstand allein sei an sich
noch nicht unüblich. Die Anstellung werde aber explizit nicht davon
abhängig gemacht, dass der Beschwerdeführer die Ausbildung vorab
absolviere. Nach dessen Aussagen trete er die Ausbildung voraussichtlich
im Frühling 2021 an. Damit sei aber erstellt, dass der Beschwerdeführer
seine arbeitsvertragliche Tätigkeit über ein Jahr lang ohne entsprechende
Ausbildung ausführen könne und die aktuelle Tätigkeit keinen
Bildungsanteil beinhalte. Aufgrund dessen sei die Tätigkeit des
Beschwerdeführers nicht als Praktikum zu qualifizieren. Würde zudem den
Berechnungen des Beschwerdeführers zum Naturallohn gefolgt, läge der
ausgerichtete Lohn deutlich unter dem berufs- und ortsüblichen Lohn für
Arbeitsagogen. Die Einsprache des Beschwerdeführers hätte demnach
nach heutigen Kenntnissen vollumfänglich abgewiesen werden müssen.
8. Der Beschwerdeführer reichte trotz der ihm eingeräumten Frist für eine
freigestellte Stellungnahme keine Replik ein.
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Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in deren Eingaben, den
angefochtenen Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2020 sowie die
weiteren Akten, wird – sofern erforderlich – in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
des Beschwerdegegners vom 13. Oktober 2020. Gegen
Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung
kann gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0)
i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 und 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1)
Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht eingereicht werden.
Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung
(AVIV; SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen
Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom Beschwerdegegner als
kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die
örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist (vgl. Art. 1
Abs. 1 und Art. 5 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Arbeitsvermittlung
und Arbeitslosenversicherung [EGzAVG/AVIG; BR 545.100] und Art. 1
Abs. 1 der Verordnung zum Einführungsgesetz zur Arbeitsvermittlung und
Arbeitslosenversicherung [BR 545.270]). Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100).
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1.2. Näher zu prüfen ist, ob der angefochtene Einspracheentscheid vom
13. Oktober 2020 ein anfechtbarer End-, Teil- oder Zwischenentscheid
darstellt. Darin wurde in teilweiser Gutheissung der Einsprache verfügt,
dass ein branchenüblicher Lohn von CHF 4'800.-- anzurechnen sei. Diese
Festlegung erfolgte im Rahmen der Bemessung des Zwischenverdienstes
des Beschwerdeführers gemäss Art. 24 AVIG. Danach gilt als
Zwischenverdienst jedes Einkommen aus unselbstständiger oder
selbstständiger Erwerbstätigkeit, das der Arbeitslose innerhalb einer
Kontrollperiode erzielt. Der Versicherte hat Anspruch auf Ersatz des
Verdienstausfalls (Abs. 1). Als Verdienstausfall gilt die Differenz zwischen
dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst, mindestens aber
dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende Arbeit, und dem
versicherten Verdienst (Abs. 3). Ist das Einkommen geringer als die dem
Versicherten zustehende Arbeitslosenentschädigung, so besteht
innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug ein Anspruch auf
Kompensationszahlungen (Art. 41a Abs. 1 AVIV).
1.3. Mit dem Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2020 wurde somit nicht
über den Anspruch des Beschwerdeführers auf ein Taggeld der
Arbeitslosenversicherung ab dem 1. April 2020 an sich befunden.
Vielmehr wurde damit lediglich einer der Faktoren, nämlich der
anrechenbare Zwischenverdienst, festgelegt. Dieser bildet die Grundlage
für die Berechnung des Verdienstausfalls des Beschwerdeführers,
welcher sich aus der Differenz bis zum versicherten Verdienst ergibt, und
gestützt auf welchen Kompensationszahlungen getätigt werden, sofern
der Zwischenverdienst tiefer ist als die dem Beschwerdeführer zustehende
Arbeitslosenentschädigung. Mithin liegt kein Endentscheid vor. Ebenso
wenig handelt es sich um einen Teilentscheid. Zwar kann die Frage des
Zwischenverdiensts unabhängig von der Frage der
Anspruchsberechtigung beurteilt werden; umgekehrt trifft dies aber nicht
zu. Insofern beurteilte der Beschwerdegegner lediglich einen Teilaspekt
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desselben Leistungsbegehrens. Daher ist von einem Zwischenentscheid
auszugehen.
1.4. Das ATSG bestimmt zwar, dass gegen Zwischenentscheide Beschwerde
erhoben werden kann (vgl. dazu Art. 56 Abs. 1 i.V.m. Art. 52 Abs. 1
ATSG), nennt jedoch keine Voraussetzungen für deren Anfechtbarkeit
(siehe BGE 132 V 93 E.6.1; Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVGE] H 111/06 vom 22. November 2006 E.3.4).
Die Beschwerdefrist beträgt für Einspracheentscheide und Verfügungen,
bei denen die Einsprache ausgeschlossen ist, 30 Tage (Art. 60 Abs. 1
ATSG; siehe BGE 132 V 418 E.2.1 ff.). Für das Verfahren vor dem
kantonalen Versicherungsgericht enthält das ATSG keine näheren
Bestimmungen. Massgebend für die Bestimmung der Voraussetzungen
für die Zulässigkeit einer Beschwerde gegen eine Zwischenentscheide ist
somit, kraft Verweis auf das kantonale Recht in Art. 61 Ingress ATSG,
primär Art. 49 Abs. 4 VRG. Danach sind verfahrensleitende Anordnungen
und vorsorgliche Massnahmen sowie andere Zwischenentscheide nur
anfechtbar, wenn sie (a) für die betroffene Partei einen Nachteil zur Folge
haben, der sich später voraussichtlich nicht mehr beheben lässt, oder (b)
ausdrücklich als selbstständig anfechtbar erlassen werden, wenn sich das
Verfahren dadurch möglicherweise vereinfachen lässt.
1.5. Zunächst ist zu prüfen, ob hier ein nicht wieder gutzumachender Nachteil
vorliegt. Für die Prüfung dieser Voraussetzung ist zwar nicht direkt, aber
doch ergänzend auf die Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
(bzw. des Bundesgerichts) bezüglich der Anfechtbarkeit von
Zwischenverfügungen gemäss Art. 45 f. des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG;
SR 172.021) abzustellen (vgl. BGE 139 V 492 E.4.1, 138 V 271 E.1.2.1 ff.
und 3.2, 137 V 210 E.3.4.2.7, 132 V 93 E.6.1; EVGE H 111/06 vom 22.
November 2006 E.3.4 ff.; Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden [VGU] U 20 71 vom 21. September 2020 E.1, S 17 106 vom
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31. Oktober 2017 E.1b, S 17 119 vom 31. Oktober 2017 E.1b, S 17 66
vom 13. September 2017 E.1c und S 13 8 vom 5. November 2013 E.1a;
KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 56
Rz. 23). Für die Annahme eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils
im Sinne von Art. 46 Abs. 1 lit. a VwVG genügt ein tatsächliches,
insbesondere auch ein wirtschaftliches Interesse (siehe BGE 130 II 149
E.1.1, 127 II 163 E.2a; Urteile des Bundesgerichts 8C_130/2018 vom
31. August 2018 E.5.2 und 2C_86/2008 vom 23. April 2008 E.3.2; EVGE
H 111/06 vom 22. November 2006 E.4.1; Urteile des
Bundesverwaltungsgerichts B-161/2021 vom 30. September 2021 E.6, B-
6595/2017 vom 24. Mai 2018 E.1.2.1, E-3276/2014 vom 13. Februar 2015
E.4.1, C-4224/2014 vom 12. Februar 2015 E.3.2 und C-4163/2013 vom
2. Juni 2014 E.2.1.1; KIESER, a.a.O. Art. 56 Rz. 20 und
KAYSER/PAPADOPOULOS/ALTMANN, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.].
VwVG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2019, Art. 46 Rz. 10). Dass
vorliegend der mit Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2020 verfügte,
anrechenbare branchenübliche Lohn von CHF 4'800.-- einen im Rahmen
der Eintretensvoraussetzungen zu beachtender, nicht wieder
gutzumachender Nachteil bewirken kann, liegt nahe. Denn der versicherte
Verdienst des Beschwerdeführers beträgt ausweislich der Akten
CHF 5'634.-- und wird im Umfang von 80 % entschädigt (siehe Akten des
Beschwerdegegners [Bg-act.] 1). Dies entspricht gemäss Art. 23 Abs. 1
AVIG und Art. 40a AVIV einem Taggeld von CHF 207.70 (CHF 5'634.-- :
21.7 x 0.8). Wird für den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosenentschädigung ohne Zwischenverdienst – behelfsweise
ausgehend von 21.7 Tagen – ein Betrag von CHF 4'507.20 (CHF 5'634.--
x 0.8) angenommen, bestünde kein Anspruch auf
Kompensationszahlungen, wenn mit dem Beschwerdegegner von einem
branchenüblichen Lohn in der Höhe von CHF 4'800.-- ausgegangen
würde. Ist nämlich das Einkommen (hier CHF 4'800.--) – wenn auch nur
gering – höher als die der versicherten Person zustehende
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Arbeitslosenentschädigung (hier CHF 4'507.20), so besteht innerhalb der
Rahmenfrist für den Leistungsbezug kein Anspruch auf
Kompensationszahlungen (siehe Art. 41a Abs. 1 AVIV e contrario; VGU
S 16 124 vom 10. März 2017 E.4b). Anders verhielte es sich, wenn der
vom Beschwerdeführer geltend gemachte, als auszubildender
Arbeitsagoge effektiv erzielte Verdienst in der Höhe von CHF 2'500.-- als
Zwischenverdienst angerechnet würde. Das Vorliegen eines nicht wieder
gutzumachenden Nachteils, der sich später nicht mehr beheben lässt,
kann letztlich aber offen bleiben. Denn der Einspracheentscheid vom
13. Oktober 2020, mit welchem der anrechenbare, branchenübliche Lohn
auf CHF 4'800.-- festgelegt wurde, wurde ausdrücklich als selbstständig
anfechtbar erlassen, wobei dessen Überprüfung das Verfahren
möglicherweise vereinfacht. Damit ist jedenfalls die Vorausaussetzung
gemäss Art. 49 Abs. 4 lit. b VRG gegeben.
1.6. Als Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung auf (siehe Art. 59 ATSG). Auf die von ihm zudem frist-
und formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit einzutreten.
2. Vorliegend ist einzig streitig, ob der Beschwerdegegner zu Recht einen
branchenüblichen Lohn von CHF 4'800.-- als Zwischenverdienst
angerechnet hat.
3.1. Als Zwischenverdienst gilt jedes Einkommen aus unselbstständiger oder
selbstständiger Erwerbstätigkeit, das der Arbeitslose innerhalb einer
Kontrollperiode erzielt (siehe Art. 24 Abs. 1 AVIG), und das geringer ist,
als die ihm zustehende Arbeitslosenentschädigung (siehe Art. 41a Abs. 1
AVIV). Der Versicherte hat Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls
(siehe Art. 24 Abs. 1 AVIG). Als Verdienstausfall gilt die Differenz
zwischen dem in der Kontrollperiode erzielten Zwischenverdienst,
mindestens aber dem berufs- und ortsüblichen Ansatz für die betreffende
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Arbeit, und dem versicherten Verdienst (siehe Art. 24 Abs. 3 AVIG). Durch
die Ausübung der Zwischenverdiensttätigkeit trägt die arbeitslose Person
unter anderem zur Schadenminderung und zur Erhaltung ihrer
Arbeitsqualifikation bei (vgl. dazu NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung,
in: Meyer (Hrsg.), Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV,
Soziale Sicherheit, 3. Aufl., Basel 2016, N Arbeitslosenversicherung,
Rz. 409). Den finanziellen Anreiz für die Aufnahme eines
Zwischenverdienstes bilden dabei die Kompensationszahlungen, welche
die Differenz bis zum versicherten Verdienst decken (siehe Art. 24 Abs. 1
und 3 AVIG und Art. 41a AVIV). Eine arbeitslose Person kann demnach
während ihrer Arbeitslosigkeit eine Tätigkeit annehmen, die im Sinne von
Art. 16 Abs. 2 AVIG unzumutbar ist und erhält dafür
Kompensationszahlungen, welche ihr die Erzielung eines höheren
Einkommens als mit den Arbeitslosentaggeldern allein ermöglichen
(eingehend dazu NUSSBAUMER, a.a.O., Rz. 409 ff.; GÄCHTER,
Rechtsmissbrauch im öffentlichen Recht: Unter besonderer
Berücksichtigung des Bundessozialversicherungsrechts. Ein Beitrag zu
Treu und Glauben, Methodik und Gesetzeskorrektur im öffentlichen Recht,
Zürich/Basel/Genf 2005, S. 497). Sinn und Zweck der Entschädigung des
Verdienstausfalles ist es denn auch, Anreiz für die Annahme schlechter
entlöhnter Arbeiten zu schaffen (siehe BGE 133 V 161 E.2.2.2, 129 V 102
E.3.3, 125 V 480 E.4c/cc).
Wird ein Zwischenverdienst allerdings unüblich tief entlöhnt, so muss bei
der Berechnung des Verdienstausfalls von einem berufs- und ortsüblichen
Lohn ausgegangen werden. Mit dem Kriterium der Berufs- und
Ortsüblichkeit gemäss Art. 24 Abs. 3 Satz 1 AVIG soll unüblich tiefer
Honorierung von Zwischenverdienstarbeiten entgegengetreten werden,
wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Sinn eines Lohndumpings einen
zu niedrigen Lohn vereinbaren, um die Differenz zu Lasten der
Arbeitslosenversicherung entschädigen zu lassen. Ausserdem soll
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verhindert werden, dass auf Kosten der Arbeitslosenversicherung Betriebe
und Arbeitsplätze bestehen, die ansonsten in der freien Wirtschaft, d.h. im
ersten Arbeitsmarkt, nicht überlebensfähig wären. In diesem Sinne wird
denn auch das Kriterium der Berufs- und Ortsüblichkeit in der Lehre und
Rechtsprechung als "Korrektiv" und "Missbrauchsklausel" bezeichnet.
Eine berufsübliche Entlöhnung bedeutet, dass die versicherte Person, die
auf ihrem erlernten Beruf einen Zwischenverdienst ausübt, wie eine
ausgebildete Person dieses Berufs normal bezahlt wird. Bei ungelernten
Tätigkeiten sind branchenübliche Durchschnittslöhne heranzuziehen (vgl.
zu Sinn und Zweck des Art. 24 Abs. 3 AVIG eingehend BGE 129 V 104
E.3.3 und E.3.4, siehe auch BGE 120 V 233 E.3c und E.5e und EVGE vom
13. Oktober 2006 C 139/06 E.2.1 m.H.; siehe auch Botschaft des
Bundesrates vom 2. Juli 1980 zu einem neuen Bundesgesetz über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
[BBl 1980 III 489 ff.] S. 581; in der Literatur statt vieler NUSSBAUMER,
a.a.O., Rz. 423 und GERHARDS, Arbeitslosenversicherung:
«Stempelferien», Zwischenverdienst und Kurzarbeitsentschädigung für
öffentliche Betriebe und Verwaltungen – Drei Streifragen, in: SZS 1994,
S. 321 ff., insb. S. 345). Die berufs- und ortsübliche Entlöhnung kann
beispielsweise aufgrund von Gesetzesvorschriften, Lohnstatistiken,
branchen- oder firmenüblichen Massstäben, Muster- oder
Gesamtarbeitsverträgen festgestellt werden (vgl. AVIG-Praxis ALE
[Arbeitslosenentschädigung], Januar 2013, C134). Der berufs- und
ortsübliche Lohn ist stets ein Durchschnittslohn, der auf möglichst einfache
Weise ohne Mitwirkung der versicherten Person und ihres Arbeitsgebers
anhand von Tabellenlöhnen oder Lohnauskünften von hypothetischen
Arbeitgebern zu ermitteln ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_893/2011
vom 31. Mai 2012 E.2 m.w.H.). Eine berufsübliche Entlöhnung bedeutet,
dass die versicherte Person, die auf ihrem erlernten Berufsgebiet eine
Ersatzarbeit ausübt, wie ein ausgebildeter Angehöriger dieses Berufes
normal bezahlt wird. Bei ungelernten Tätigkeiten im Rahmen von
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Ersatzarbeit sind branchenübliche Durchschnittslöhne heranzuziehen.
Falls ein Ungelernter eine Praktikumstätigkeit versieht, richtet sich ihre
Entlöhnung von vornherein nicht nach den für ausgebildete Personen
üblichen Ansätzen (siehe BGE 120 V 502 E.6c und 120 V 233 E.3c). In
der Bestimmung von Art. 24 Abs. 3 Satz 1 AVIG ist von "orts- und
berufsüblichen" Lohnansätzen die Rede. Dies sieht – streng genommen –
nach einer Kumulation beider Bedingungen aus. In der Praxis wird dies
jedoch weniger scharf beachtet (siehe dazu GERHARDS, Kommentar zum
Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Band III, Bern 1993, Art. 24/[25
= aufgehoben] Rz. 26). Die Nichteinhaltung des Kriteriums der Berufs- und
Ortsüblichkeit führt nicht zum Dahinfallen des Anspruches auf
Differenzausgleich. Vielmehr wird nunmehr bloss der vom Versicherten
erzielte effektive Lohn in masslicher Hinsicht bis zu dem als berufs- und
ortsüblich zu qualifizierenden Ansatz angehoben, und es erfolgt nur auf
dieser Grundlage ein Differenzausgleich (siehe BGE 120 V 233 E.5e;
Urteil des Bundesgerichts 8C_411/2018 vom 21. September 2018 E.4.2).
3.2. Rechtsprechungsgemäss bleibt für die Annahme eines
Zwischenverdienstes im Sinne von Art. 24 AVIG aber kein Raum, wenn
die zur Diskussion stehende Tätigkeit nicht zur Vermeidung von
Arbeitslosigkeit, sondern in erster Linie zu Ausbildungszwecken, mithin
zum Erwerb beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten aufgenommen wird
(siehe ARV 1998 Nr. 49 S. 287 f. m.H.; EVGE C 193/03 vom 16. Januar
2004 E.1; GERHARDS, Arbeitslosenversicherung: «Stempelferien»,
Zwischenverdienst und Kurzarbeitsentschädigung für öffentliche Betriebe
und Verwaltungen – Drei Streifragen, in: SZS 1994, S. 321 ff., S. 350 lit. h
m.H.). Letzteres liegt in der Regel vor, wenn die versicherte Person nach
Abschluss einer Grundausbildung ein Praktikum absolviert. In diesen
Fällen betrachtete das ehemalige Eidgenössische Versicherungsgericht
die aufgenommene Tätigkeit als zur Grundausbildung gehörig, wofür der
enge sachliche und zeitliche Zusammenhang mit dem abgeschlossenen
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Studium sowie die geringe Entlöhnung sprechen (siehe ARV 1998 Nr. 7
S. 36 ff.; EVGE C 193/03 vom 16. Januar 2004 E.3 und C 203/99 vom
25. Januar 2000 E.1b f.; nicht veröffentlichte Urteile des EVG C 320/96
vom 26. Mai 1998, C 158/96 vom 5. September 1996 und C 83/93 vom
1. Juni 1994). Auch in Fällen, in denen die versicherte Person einschlägige
Berufserfahrung mitbringt, jedoch ein gering entlöhntes Praktikum in
einem völlig andersgearteten Berufsbereich beginnt, sei es mit dem Ziel,
später eine entsprechende Grundausbildung zu absolvieren, sei es zur
Abklärung der Eignung einer entsprechenden Arbeit, steht in der Regel
der Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten im Vordergrund (zum
Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 8C_411/2018 vom 21. September
2018 E.4.3 m.H.a. ARV 1998 Nr. 49 S. 286 ff.; EVGE C 297/03 vom
14. Juni 2004, C 21/03 vom 4. August 2003 und C 385/99 vom 9. Juni
2000; nicht veröffentlichte Urteile des EVG C 412/98 vom 11. März 1999
und C 191/94 vom 4. April 1995).
3.3. Im vorliegenden Fall ist der Beschwerdegegner bei der Festlegung des
Zwischenverdiensts des Beschwerdeführers für seine Tätigkeit als
Arbeitsagoge in Ausbildung von einem branchenüblichen Lohn in der
Höhe von CHF 4'800.-- ausgegangen. Demgegenüber ist der
Beschwerdeführer der Ansicht, dass ihm sein effektiver Lohn gemäss
Arbeitsvertrag vom 2. März 2020 in der Höhe von CHF 2'500.-- pro Monat
anzurechnen sei. Aus seinen unbestritten gebliebenen Angaben in der
Beschwerde geht hervor, dass ihm von Seiten des regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) erklärt worden sei, dass er jede Arbeit
annehmen müsse, welche er bekomme. Er habe sich auf diverse Stellen
beworben und nur Absagen erhalten. Als er sich bei C._ beworben
habe für eine Stelle, welche berufsbegleitend eine Ausbildung zum
Arbeitsagogen angeboten habe, sei er verpflichtet gewesen, die Stelle
anzunehmen, damit er alles unternommen habe, um nicht arbeitslos zu
sein. Sein RAV-Berater habe ihm ausdrücklich gesagt, dass er durch das
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KIGA mit Massnahmen unterstützt werde und es wichtig sei, berufliche
Perspektiven zu haben. Nun sei aber die Stelle als Zwischenverdienst
betrachtet und ein ortsüblicher Lohn angerechnet worden.
Es steht aufgrund der Akten fest, dass der Beschwerdeführer am 2. März
2020 einen Vertrag mit der Institution C._ abgeschlossen hat,
gemäss welchem er in der Funktion als Arbeitsagoge in Ausbildung per
1. März 2020 in einem 100 %-Pensum tätig und mit einem Lohn in der
Höhe von brutto CHF 2'500.-- sowie der Übernahme der Agogen-
Ausbildungskosten und -spesen durch den Arbeitgeber entlöhnt wird,
wobei eine Probezeit von drei Monaten und eine gleich lange
Kündigungsfrist nach Ablauf der Probezeit vereinbart wurde (siehe Bg-
act. 5). Hierbei handelt es sich unstreitig um eine Tätigkeit in einem völlig
andersgearteten Berufsbereich als die angestammte Tätigkeit des
Beschwerdeführers als Sicherheitsfachmann. Auch liegt der vereinbarte
Lohn von CHF 2'500.-- deutlich niedriger als der Verdienst, welcher sich
in der bisherigen Tätigkeit hätte erzielen lassen (vgl. Bg-act. 1). Dem
Arbeitsvertrag vom 2. März 2020 ist zudem zu entnehmen, dass die
Ausbildungskosten, welche von den Parteien übereinstimmend mit rund
CHF 17'500.-- beziffert werden, vom Arbeitgeber getragen werden. Hinzu
kommt, dass der Beschwerdeführer eine Bestätigung seines Arbeitgebers
vom 12. November 2020 ins Recht gelegt hat, aus welcher hervorgeht,
dass die Ausbildung zum Arbeitsagogen ein Vorpraktikum von mindestens
einem halben Jahr und eine Ausbildungszeit vor Ort und an der
Bildungseinrichtung D._ von zwei Jahren beinhalte (siehe Akten des
Beschwerdeführers [Bf-act. 3]). Daraus ist zu schliessen, dass zunächst
ein Praktikum durchlaufen werden muss, welches – wenn nicht bereits
selbst der Ausbildung dienend – jedenfalls im Hinblick auf eine solche
angetreten wurde (vgl. dazu auch die vom Beschwerdeführer eingereichte
Dokumentation zum Lehrgang Arbeitsagoge an der Bildungseinrichtung
D._ [Bf-act. 2 S. 2]). Allerdings kann daraus nicht abgeleitet werden,
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der Beschwerdeführer habe in erster Linie nach einer Umschulung
getrachtet. Vielmehr liegen – wie bereits hiervor erwähnt – in der
Beschwerde genauso wie bereits im vorinstanzlichen
Abklärungsverfahren Anhaltspunkte vor, die den Willen des
Beschwerdeführers zur Schadenminderung belegen. Insbesondere
betonte er mehrfach, die berufsbegleitende Ausbildung zum
Arbeitsagogen angenommen zu haben, um nicht arbeitslos zu sein.
Hinweise, welche an der Glaubhaftigkeit dieser Aussagen zweifeln
liessen, sind weder aktenkundig noch werden solche vom
Beschwerdegegner benannt. Unbenommen der in der
beschwerdeführerischen Stellungnahme vom 2. September 2020 im
Rahmen des Einspracheverfahrens zum Ausdruck gebrachten
Befürchtung, aufgrund der weiterhin zu tätigenden Arbeitsbemühungen
die Ausbildungskosten dereinst bei Antritt einer neuen Anstellung
zurückzahlen zu müssen (vgl. Bg-act. 9), kann nicht gesagt werden, der
Antritt dieser Tätigkeit habe primär dem Erwerb von Kenntnissen und
Fertigkeiten gedient. Vielmehr stand das Bestreben des
Beschwerdeführers, die bestehende Arbeitslosigkeit zu vermeiden, im
Vordergrund. Dass der Arbeitsvertrag vom 2. März 2020 eine
dreimonatige Kündigungsfrist nach Ablauf der Probezeit vorsieht, ändert
nichts daran, dass der Beschwerdeführer bereit zu sein scheint, die
Tätigkeit als Arbeitsagoge in Ausbildung bei Auffinden einer zumutbaren
Arbeitstätigkeit unter Wahrung der Kündigungsbestimmungen zu beenden
(vgl. AVIG-Praxis ALE, Oktober 2012, B234). In Gesamtwürdigung der
Umstände ist daher dem Erwerbscharakter des Praktikums bzw. der
berufsbegleitenden Ausbildung zum Arbeitsagogen Vorrang gegenüber
dem Ausbildungszweck einzuräumen.
4.1. Wird vom einem Erwerbscharakter der Tätigkeit als Arbeitsagoge in
Ausbildung ausgegangen, ist im Weiteren auf die Höhe des
Zwischenverdiensts ein- bzw. der Frage nachzugehen, ob (nur) der
- 16 -
arbeitsvertraglich vereinbarte Lohn von CHF 2'500.-- anzurechnen oder
aber dieser auf einen berufs- und ortsüblichen Lohn aufzurechnen ist.
4.2. Wie sogleich aufzuzeigen sein wird, kann entgegen der Ansicht des
Beschwerdegegners nicht von einer Entlöhnung unter dem Niveau der
Orts- und Berufsüblichkeit bzw. von einem Sachverhalt des Lohndumpings
zulasten der ALV ausgegangen werden. So räumt der Beschwerdegegner
in seiner Vernehmlassung selbst ein, dass ein unbefristet ausgestalteter
Arbeitsvertrag, während welchem der Beschwerdeführer in andauernder
Anstellung eine Ausbildung zum Arbeitsagogen absolvieren muss, für sich
allein nicht unüblich ist. Dies erscheint denn auch angesichts der Dauer
der Ausbildung samt Vorpraktikum plausibel, wobei davon auszugehen ist,
dass der geschlossene Arbeitsvertrag (in dieser Ausgestaltung) ohnehin
endet, wenn die darin aufgeführte Tätigkeit als Arbeitsagoge in Ausbildung
abgeschlossen worden ist. Soweit der Beschwerdegegner es indes
aufgrund des Umstands, dass der Beschwerdeführer seine Ausbildung
voraussichtlich im Frühling 2021 antritt, als erstellt erachtet, dass dieser
seine arbeitsvertragliche Tätigkeit (seit März 2020) über ein Jahr ohne
entsprechende Ausbildung ausführen könne und die (zum
Vernehmlassungszeitpunkt im Dezember 2020) aktuelle Tätigkeit keinen
Bildungsanteil beinhalte, kann ihm nicht gefolgt werden. Denn damit geht
er im Grunde genommen davon aus, dass die damalige, vom
Beschwerdeführer ausgeübte Praktikumstätigkeit als sogenanntes
"unechtes Praktikum" einzustufen ist. Ein solches ist dann anzunehmen,
wenn eine versicherte Person im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht
unter dem Titel "Praktikum" eine ordentliche Erwerbstätigkeit antritt, die
nicht nach orts- und berufsüblichen Ansätzen entschädigt wird (vgl. dazu
VGU S 04 155 vom 1. Februar 2005 E.2b und Audit-Letter TCRD 2017/2
des Staatssekretariats für Wirtschaft [SECO] vom September 2017, S. 2).
Hierfür ergeben sich im vorliegenden Fall jedoch keine objektiven
Anhaltspunkte. Vielmehr übersieht der Beschwerdegegner mit seiner
- 17 -
Argumentation, dass der Beschwerdeführer gemäss der Bestätigung
seines Arbeitgebers vom 12. November 2020 ein Vorpraktikum von
mindestens einem halben Jahr absolvierte (siehe Bf-act. 3), welches denn
auch gemäss der Beschreibung des Ausbildungslehrgangs zum
Arbeitsagogen an der Bildungseinrichtung D._ eine
Aufnahmebedingung darstellt (vgl. Bf-act. 2 S. 2 und Bg-act. 9 S. 5 und 8).
Dabei ist allgemeinnotorisch, dass ein solches Praktikum in der Praxis
regelmässig mit geringerem Lohn entschädigt wird (vgl. BGE 120 V 502
E.6c und 120 V 233 E.3c), womit das Kriterium der Orts- und
Berufsüblichkeit entsprechend deutlich herabgesetzt wird (siehe VGU
S 16 124 vom 10. März 2017 E.4c). Jedenfalls ist eine Absicht der
Vertragsparteien auf Lohndumping – wie der Beschwerdegegner dies
anzudeuten scheint – nicht zu erkennen. Vielmehr ist mit dem
Beschwerdeführer einig zu gehen, dass Praktikanten mangels
entsprechender Ausbildung und Erfahrung nicht wie eine Fachkraft
entlöhnt werden. Mit seiner angestammten Tätigkeit als
Sicherheitsfachmann brachte der Beschwerdeführer denn auch nicht ohne
Weiteres die erforderlichen Qualifikationen für einen Arbeitsagogen mit,
sondern betrat mit der Anstellung bei C._ offensichtlich berufliches
Neuland. Dass die Anforderungen an einen ausgebildeten Arbeitsagogen
hoch sind, ergibt sich denn auch bereits aus der relativ langen und
anspruchsvollen Ausbildung mit 65 Seminartagen verteilt auf den 1 3⁄4
Jahre dauernden Lehrgang sowie zusätzlichen Halbtagen für die
Supervision, Ausbildungsbegleitung und das Abschluss-Assessment und
einer Lernzeit von insgesamt 844 Lernstunden (vgl. Bg-act. 9 S. 5). Da der
Beschwerdeführer die entsprechenden Voraussetzungen weder bei Antritt
des Vorpraktikums noch der anschliessenden berufsbegleitenden
Ausbildung mitbrachte, ist bei objektiver Betrachtungsweise nicht zu
beanstanden, dass diese Tätigkeiten gemäss Arbeitsvertrag mit einem
tieferen Lohn vergütet wurden (vgl. BGE 120 V 502 E.6c und 120 V 233
E.3c). Wie bereits vorstehend ausgeführt, soll das Kriterium der Berufs-
- 18 -
und Ortsüblichkeit einen missbräuchlichen Bezug von Taggeldern der
Arbeitslosenversicherung verhindern, insbesondere sollen die berufs- und
ortsüblichen Löhne nicht auf Kosten der Arbeitslosenversicherungen
unterschritten werden. Eine Aufrechnung des effektiv erzielten
Einkommens bis zum berufs- und ortsüblichen Zwischenverdienst gestützt
auf Art. 24 Abs. 3 AVIG setzt stets voraus, dass die versicherte Person für
die in Frage stehende Tätigkeit nachweislich nicht berufs- oder ortsüblich
entschädigt worden ist (vgl. EVGE C 289/00 vom 30. Juli 2001 E.3a).
Einen solchen Nachweis hat der Beschwerdegegner weder im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2020 noch in seiner
Stellungnahme vom 16. Dezember 2020 nachvollziehbar und konkret
begründet. Vielmehr beliess er es im Wesentlichen beim nicht weiter
substanziierten Hinweis, dass gemäss "konstanter EVG-Praxis in
Verbindung mit GAV, L-GAV und LMV" der berufs- und ortsübliche Ansatz
für Arbeitsagogen mit einem Beschäftigungsgrad von 100 % im Kanton
Graubünden CHF 5'000.-- betrage.
4.3. Insgesamt ist somit unter Würdigung der gesamten Umstände die
arbeitsvertraglich ausgewiesene Entlöhnung mit CHF 2'500.-- pro Monat
für die Tätigkeit als Arbeitsagoge in Ausbildung, bestehend aus einem
Vorpraktikum und der anschliessenden berufsbegleitenden Ausbildung,
zwar nicht hoch; es ist aber auch nicht ersichtlich, dass sie sich nicht im
orts- und branchenüblichen Rahmen bewegt.
5.1. Schliesslich stellt sich die Frage, ob die vom Arbeitsgeber getragenen
Ausbildungskosten und die für die Ausbildung in Anspruch genommene
Arbeitszeit im Sinne eines Naturallohns zum massgeblichen
Zwischenverdienst hinzuzurechnen sind.
5.2. Der Beschwerdegegner ging im Einspracheentscheid vom 13. Oktober
2020 von geldwerten Leistungen des Arbeitgebers aus, welche als
Naturallohn zu qualifizieren und entsprechend in die Berechnung des
- 19 -
berufs- und branchenüblichen Lohns miteinzubeziehen seien. Dabei
stützte er sich auf Art. 13 AHVV ab, wonach der Wert anders gearteten
Naturaleinkommens von Fall zu Fall den Umständen entsprechend von
der Ausgleichskasse zu schätzen ist. In Anwendung dieser Bestimmung
schätzte er das Naturaleinkommen unter Berücksichtigung der Kursdauer,
der Kurskosten und der Anzahl Weiterbildungstage auf CHF 2'300.--, was
zusammen mit dem vom Arbeitgeber ausgerichteten Geldlohn von
CHF 2'500.-- insgesamt einen branchenüblichen Lohn von CHF 4'800.--
ergebe. Abgesehen davon, dass die Schätzung des Naturaleinkommens
auf CHF 2'300.-- nicht näher aufgeschlüsselt wird und damit nicht
nachvollziehbar ist bzw. nicht einleuchtet, weshalb es bei Arbeitsagogen
branchenüblich sein soll, dass Naturalleistungen einen Lohnbestandteil
darstellen, ist keine gesetzliche Grundlage ersichtlich, welche es erlauben
würde, ein Naturaleinkommen dem Zwischenverdienst hinzuzurechnen.
Jedenfalls ergibt sich dergleichen nicht aus Art. 24 AVIG; dies im
Unterschied zum versicherten Verdienst, welcher sich gemäss Art. 23
Abs. 1 AVIG auf Grundlage des massgebenden Lohns im Sinne der AHV-
Gesetzgebung bemisst. Indes ist dem Arbeitsvertrag vom 2. März 2020 –
wie bereits ausgeführt – zu entnehmen, dass die Kosten und Spesen für
die Ausbildung zum Arbeitsagogen vom Arbeitgeber übernommen
werden. Da dies unter dem Titel "Entlöhnung" aufgeführt wird und somit
anzunehmen ist, dass insbesondere die Ausbildungskosten als Verdienst
bzw. Entlöhnung im Form einer Geldleistung dem Beschwerdeführer
ausbezahlt werden, rechtfertigt es sich, diese bei der Bemessung des
Zwischenverdiensts – wie von ihm in der Beschwerde vom 11. November
2020 im Übrigen selbst vorgerechnet – miteinzubeziehen. Denn gemäss
der AVIG-Praxis ALE C125 ist für dessen Berechnung grundsätzlich der
gesamte während einer Kontrollperiode erzielte Verdienst zugrunde zu
legen, wobei der Grundlohn, die Feiertagsentschädigung und andere
Lohnbestandteile, auf welche die versicherte Person einen Anspruch hat
(wie zum Beispiel 13. Monatslohn, Gratifikation, Provisionen, Orts- und
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Teuerungszulagen, Nacht-, Schicht-, Sonntags- und Pikettzulagen) dazu
gehören. Die Parteien gehen übereinstimmend davon aus, dass die
Ausbildungskosten rund CHF 17'500.-- betragen. Gemäss den Akten
können die Ausbildungskosten auf CHF 17'290.-- (CHF 16'500.-- [Kurs] +
CHF 500.-- [Literatur + Lernmaterialien] + CHF 290.-- [Kosten für
Aufnahmeverfahren]; siehe Bf-act. 2 S. 2 und Bg-act. 9 S. 6) beziffert
werden, was bei der rund 1 3⁄4 Jahre dauernden Ausbildung (siehe Bg-
act. 9 S. 5) einen monatlichen Betrag von CHF 823.35 ergibt
(CHF 17'290.-- : 21 Monate). Dass der Bund – wie der Beschwerdeführer
geltend macht – einen Ausbildungsbeitrag von 50 % der anrechenbaren
Kursgebühren leistet (vgl. auch Bg-act. 2 S. 3 und Bg-act. 9 S. 6),
erscheint unter der Annahme, dass der vom Bund geleistete Beitrag dem
Arbeitgeber zurückzuerstatten ist, plausibel (vgl. die Informationen zu
Bundesbeiträgen zu vorbereitenden Kurse BP und HFP des
Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation [SBFI]: SBFI
FAQ's zu Bundesbeiträgen für vorbereitende Kurs BP und HFP, abrufbar
unter: https://www.sbfi.admin.ch/sbfi/de/home/
bildung/hbb/bundesbeitraege/absolvierende.html#accordion1637932170
573 und SBFI Informationsblatt zur Drittfinanzierung, abrufbar unter:
https://www.sbfi.admin.ch/dam/sbfi/de/dokumente/2017/07/info-
drittfinanzierung.pdf.download.pdf/informationsblatt_drittfinanzierung_d.p
df). Insofern beläuft sich der anrechenbare Zwischenverdienst ab dem
Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns im Frühjahr 2021 auf CHF 2'911.65
(CHF 17'290.-- : 2 : 21 = CHF 411.65 + CHF 2'500.--). Für den Zeitraum
davor ist hingegen nur der Grundlohn von CHF 2'500.-- anrechenbar. Für
eine Berücksichtigung der Inanspruchnahme von Arbeitszeit für den
Besuch der Seminartage, welche entgegen der Auffassung des
Beschwerdegegners ausweislich der Akten in der Regel nur einmal in der
Woche stattfinden und nur vereinzelt zwei oder drei Tage in Anspruch
nehmen, bleibt nach dem Gesagten kein Raum.
- 21 -
6. Insofern kann festgehalten werden, dass das arbeitsvertraglich
vereinbarte Entgelt von CHF 2'500.-- brutto für die Tätigkeit als
Arbeitsagoge in Ausbildung unter den konkreten Umständen des
Einzelfalls als orts- und berufsüblicher Lohnansatz zu qualifizieren ist. Für
den Zeitraum des (Vor-)Praktikums ist dieser Grundlohn als
Zwischenverdienst anzurechnen. Ab dem Zeitpunkt des
Ausbildungsbeginns im Frühjahr 2021 sind als Lohnbestandteil davon die
anteilsmässigen Ausbildungskosten von CHF 411.65 pro Monat, was
einen anrechenbaren Gesamtbetrag von CHF 2'911.65 ergibt,
hinzuzurechnen. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 13. Oktober
2020 erweist sich somit als nicht rechtmässig, was zur vollumfänglichen
Aufhebung desselben und zur Gutheissung der dagegen erhobenen
Beschwerde führt. Die Angelegenheit ist an die Arbeitslosenkasse
Graubünden zurückzuweisen, damit sie den anrechenbaren
Zwischenverdienst auf CHF 2'500.-- ab Eröffnung der Rahmenfrist bzw.
CHF 2'911.65 ab dem Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns festlege und
hernach den Anspruch des Beschwerdeführers auf Ersatz des
Verdienstausfalls ermittle und ausrichte. Bei diesem Verfahrensausgang,
bei welchem dem Begehren des Beschwerdeführers weitgehend
entsprochen wird, erübrigt es sich, auf die von ihm aufgeworfene Frage,
ob es sich bei der Tätigkeit als Arbeitsagoge in Ausbildung um eine
Massnahme handeln könnte, einzugehen.
7. Es werden keine Gerichtskosten erhoben, da gemäss aArt. 61 lit. a ATSG
(in der bis 31. Dezember 2020 geltenden Fassung) i.V.m. Art. 82a ATSG
(Übergangsbestimmung zur Änderung vom 21. Juni 2019) das kantonale
Beschwerdeverfahren in arbeitslosenversicherungsrechtlichen
Streitigkeiten – ausser bei mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung
– kostenlos ist. Der nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat
praxisgemäss keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.