Decision ID: 19deaf3a-0bd0-5e1f-a45f-d31800259d8f
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Markus Heer, Degersheimerstrasse 6, Postfach
354, 9230 Flawil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ erlitt am 28. August 2007 einen Unfall, bei dem er sich eine Rückenprellung
zuzog (act. G 10.1). Dr. med. B._, Tropical Medicine FMH, diagnostizierte am
gleichen Tag eine Kontusion des Gesässbeins und Wirbelsäule bei z.T. vorbestehenden
Rückenschmerzen (act. G 10.4). Am 25. Oktober 2007 berichtete Dr. B._ (act. G
10.7), der Versicherte gebe massivste Schmerzen über die gesamte Wirbelsäule, aber
keine radikulären Schmerzen an. Auch unter Physiotherapie seien die Schmerzen nicht
wesentlich besser geworden. Objektiv liessen sich Myogelosen feststellen, mit
Ausnahme der schmerzbedingten fehlten eigentliche Bewegungseinschränkungen.
Zwischen den subjektiv wahrgenommenen Beschwerden und den
Untersuchungsbefunden bestehe eine Diskrepanz. Die Z._ berichtete am 31. Oktober
2007 über eine vertebrospinale Kernspintomographie (act. G 10.11), an der HWS sei
eine leichte linkskonvexe Skoliosefehlhaltung der zervikalen Wirbelsäule mit leichten
Diskusprotrusionen C2/3 und C5/6 mit Osteochondrose in diesem Bewegungssegment
und vorwiegend spondylotischer Einengung bzw. Eindellung des Spinalkanals sichtbar.
Die übrige zervikale Wirbelsäule sei normal mit normalem zervikalem Myelon. Die BWS
sei altersentsprechend normal dargestellt mit mässiger Spondylosis im oberen Anteil,
vor allem aber auch im thorakolumbalen Übergang. Im Bereich der thorakalen
Wirbelsäule sei das Myelon normal. Es fehle ein Hinweis auf eine
Nervenwurzelkompression thorakal. An der LWS seien mässige Degenerationen im
Sinn einer Spondylosis auch im oberen Bereich zu erkennen. Die übrige lumbale
Wirbelsäule erscheine als normal, insbesondere fehle ein Hinweis auf eine
posttraumatische Läsion. Dr. med. C._, Kreisarzt der Suva, berichtete am 7.
Dezember 2007 (act. G 10.21), die ausgedehnten Abklärungen hätten keinerlei
Sturzfolgen zu Tage gefördert, dokumentiert worden sei nur der bekannte Vorzustand.
Ab 1. Januar 2008 bestehe klar wieder zumutbarerweise eine ganztägige Präsenz. Die
Suva teilte dem Versicherten am 11. Dezember 2007 mit (act. G 10.23), spätestens ab
dem 1. Januar 2008 sei ihm bei der zur Verfügung stehenden leichten Arbeit eine
ganztägige Präsenz zumutbar. Deshalb sei ab diesem Zeitpunkt von einer mindestens
75%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Dr. B._ teilte der Suva am 28. Januar 2008 mit
(act. G 10.26), er habe dem Versicherten weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
attestiert. Die Verarbeitung des Unfalls sei nie richtig geglückt und die psychische
Situation habe zu einer Zunahme der körperlichen Beschwerden geführt. Die
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depressive Verstimmung habe noch zugelegt. Mit einer Verfügung vom 5. Februar 2008
(act. G 10.27) hielt die Suva an der Arbeitsfähigkeit von 75% fest. Sie führte aus,
spätestens ab 1. März 2008 sei unfallbedingt wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
gegeben.
A.b Bereits am 14. Mai 2007 hatte sich der Versicherte zum Bezug von IV-Leistungen
angemeldet (IV-act. 1). Dr. B._ hatte der IV-Stelle am 18. Juli 2007 berichtet (IV-act.
18), der Versicherte leide seit Jahren an chronischen rezidivierenden lumbalen
Rückenschmerzen. Leichte bis mittelschwere Arbeiten seien ganztags zumutbar. Dr.
med. D._ vom RAD hatte am 28. August 2007 gestützt auf diesen Bericht von Dr.
B._ sowie gestützt auf die Angaben des Suva-Kreisarztes festgehalten (IV-act. 23), in
einer adaptierten Erwerbstätigkeit bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Eine
adaptierte Tätigkeit sei leicht bis mittelschwer ohne Heben, Tragen und Transportieren
von Lasten und ohne Verharren in Zwangshaltungen. Mit einem Vorbescheid vom 10.
September 2007 hatte die IV-Stelle dem Versicherten mitgeteilt (IV-act. 29), dass sie
beabsichtige, sein Begehren um beruflichen Eingliederungsmassnahmen abzuweisen,
da er bei einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% mit einer adaptierten Erwerbstätigkeit
in etwa das gleiche Erwerbseinkommen wie bisher erzielen könne. Der Versicherte
hatte am 26. Oktober 2007 einwenden lassen (IV-act. 37), es fehle eine eindeutige
medizinische Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit. Der RAD habe keine eigene Abklärung
vorgenommen. Dr. B._ hatte der IV-Stelle am 25. Oktober 2007 berichtet (IV-act. 40),
der Versicherte sei vom 28. August bis 7. Oktober 2007 zu 100% arbeitsunfähig
gewesen. Seither bestehe in einem Einsatzprogramm eine Arbeitsfähigkeit von 50%.
Am 12. Januar 2008 hatte er dann gestützt auf die vertebrospinale
Kernspintomographie angegeben (IV-act. 50), die Suva habe auf den 1. Januar 2008
eine 25%ige Arbeitsunfähigkeit festgelegt. Zumutbar seien noch rückenschonende,
wechselbelastende Tätigkeiten ohne Tragen von Lasten über 5 bis 10 kg an 5 - 6 Std.
pro Tag. Der Versicherte sollte in eine entsprechende Tätigkeit umgeschult werden
oder es sollte ihm eine passende Stelle vermittelt werden. Dr. D._ vom RAD notierte
am 18. Januar 2008 (IV-act. 51), der Versicherte sei vom 28. August 2007 bis 7.
Oktober 2007 zu 100%, dann bis 31. Dezember 2007 zu 50% arbeitsunfähig gewesen.
Seither sei er gemäss einem Schreiben der Suva vom 1. Januar 2008 zu 25%
arbeitsunfähig. Dies beziehe sich auf eine körperlich leichte, wechselbelastende
Tätigkeit. Die Eingliederungsberaterin der IV-Stelle schloss ihren
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Arbeitsvermittlungsauftrag am 11. Februar 2008 mit der Begründung ab (IV-act. 55),
der Versicherte sei nicht an einer Unterstützung durch die IV-Stelle interessiert. Er
werde vom RAV optimal unterstützt und betreut. Mit einem Vorbescheid vom 6. März
2008 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 58), dass sie die
Stellenvermittlung als nicht notwendig betrachte. Der Versicherte liess am 22. April
2008 einwenden (IV-act. 61), er sei ohne die spezifische Unterstützung durch die IV-
Stelle nicht in der Lage, seine verbliebene Arbeitsfähigkeit zu verwerten. Deshalb
ersuche er um die ihm gesetzlich zustehende Unterstützung bei der beruflichen
Wiedereingliederung. Die Suva habe in der Annahme, dass er ab 1. März 2008 wieder
zu 100% arbeitsfähig gewesen, die krankhaften Beschwerden ausdrücklich offen
gelassen. Dr. D._ hielt am 9. Mai 2008 fest (IV-act. 62), Dr. B._ habe am 23. Juli
2007 eine Arbeitsfähigkeit von 100% für adaptierte Tätigkeiten attestiert. Er habe weiter
angegeben, durch die Gesässkontusion habe sich der Gesundheitszustand gesamthaft
nicht wesentlich verändert. Dr. D._ hielt an einer Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten von mindestens 75% fest. Damit sei auch den Krankheitsfolgen Rechnung
getragen.
A.c Der Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle notierte am 14. August 2008 (IV-
act. 66), der Versicherte arbeite immer wieder bei seinem früheren Arbeitgeber und
zwar an 7 bis 8 Std. pro Tag. Er erhalte jeweils einen befristeten Vertrag. Am 19.
August 2009 notierte er, der Versicherte verrichte gemäss den Angaben des
Arbeitgebers leichte Gipserarbeiten. Da diese in Regie erledigt würden, bestehe kein
Zeitdruck und der Versicherte müsse keine schweren Sachen heben und tragen. Am
20. August 2008 erfuhr der Eingliederungsberater vom RAV, dass der Versicherte bei
seinem früheren Arbeitgeber noch bis ca. Ende August 2008 beschäftigt sein werde. Er
arbeite 8 Std. pro Tag und erhalte einen Stundenlohn von Fr. 35.--. Am 3. September
2008 notierte der Eingliederungsberater schliesslich, der Versicherte arbeite gemäss
den Angaben des RAV nicht mehr beim früheren Arbeitgeber, da keine geeigneten
Aufträge mehr vorhanden seien (IV-act. 66). Im Verlauf des Jahres 2009 nahm der
Versicherte zusammen mit seinem Bruder eine selbständige Erwerbstätigkeit
(Gipsergeschäft) auf, die aber im Jahr 2010 auf Anraten des Treuhänders wieder
eingestellt wurde, weil die Aufträge fehlten (IV-act. 76). Die Eingliederungsberaterin hielt
am 28. Januar 2010 fest, der Versicherte habe angegeben, sein Gesundheitszustand
habe sich verschlechtert. Er habe am 26. Januar 2010 einen Termin im Kantonsspital
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gehabt, weil vermehrt Schmerzen im Kopf- und Schulterbereich aufgetreten seien. Von
Dr. B._ sei er immer noch zu 50% arbeitsunfähig geschrieben. Abschliessend hielt
die Eingliederungsberaterin fest, der Versicherte sei damit einverstanden, dass sie ihren
Auftrag abschliesse. Am 8. Januar 2010 berichtete das Z._ über ein MRT der HWS
des zerviko-thorakalen Übergangs (IV-act. 77), das gegenüber der Voruntersuchung
vom 31. Oktober 2007 keine relevante Befundänderung ergeben hatte. Die
Eingliederungsberaterin hielt im Schlussbericht vom 29. Januar 2010 fest (IV-act. 78), in
einer adaptierten Tätigkeit sei von einer mindestens 75%igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Da die Eingliederung v.a. aus invaliditätsfremden Gründen erschwert sei,
seien zusätzliche Bemühungen durch die Eingliederungsberatung aktuell nicht möglich.
Am 4. März 2010 erliess die IV-Stelle einen Vorbescheid, mit dem sie ankündigte, dass
sie das Gesuch um berufliche Eingliederungsmassnahmen abweisen werde (IV-act. 82).
Die entsprechende Verfügung erging am 6. September 2010 (IV-act. 83). Die IV-Stelle
verglich ein statistisch ermitteltes durchschnittliches Hilfsarbeitereinkommen von Fr.
59'979.-- mit einem um 25% reduzierten durchschnittlichen Hilfsarbeitereinkommen
von Fr. 44'984.-- und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von 25% (IV-act. 84). Mit
einem Vorbescheid vom 11. Mai 2010 kündigte sie dem Versicherten die Abweisung
des Rentenbegehrens an (IV-act. 86). Der Versicherte liess am 16. Juni 2010
sinngemäss einwenden (IV-act. 87), die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
betrage nur 50%. Das werde von Dr. B._ bestätigt. Er beantrage, dies bei Dr. B._
aktuell abzuklären. Mit einer Verfügung vom 22. Juni 2010 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren ab (IV-act. 88). Zur Begründung führte sie aus, der Versicherte habe
keine objektivierbare, wesentliche Änderung der Befunde oder Symptome mitgeteilt.
Aus versicherungsmedizinischer Sicht bestehe für eine leidensangepasste Tätigkeit
eine 75%ige Restarbeitsfähigkeit. Psychosoziale Faktoren begründeten keine Invalidität
und eine somatoforme Schmerzstörung oder eine Fibromyalgie könne im Regelfall die
Arbeitsfähigkeit nicht einschränken. Da der Invaliditätsgrad nur 25% betrage, bestehe
kein Rentenanspruch. Unmittelbar vor dem Erlass dieser Verfügung, am 21. Juni 2010,
hatte der Rechtsvertreter des Versicherten ein ärztliches Zeugnis von Dr. B._ vom 14.
Juni eingereicht. Dr. B._ hatte darin angegeben, er könne dem Versicherten seit
mindestens zwei Jahren nur eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestieren. Der Versicherte
sei wegen der Zunahme der Beschwerden im muskuloskelettalen Apparat in einer
ambulanten Abklärung durch das Kantonsspital St. Gallen (IV-act. 92). In seiner
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Eingabe vom 21. Juni 2010 wies der Rechtsvertreter des Versicherten nochmals darauf
hin, dass die Suva den Arbeitsfähigkeitsgrad von 75% nur anhand des unfallbedingten
Teils der Gesundheitsbeeinträchtigung ermittelt habe (IV-act. 91). Am 29. Juni 2010
teilte die IV-Stelle dem Rechtsvertreter mit, dass die aktuellen Unterlagen keine neuen,
medizinisch objektivierbaren, wesentlichen Änderungen der Befunde oder Symptome
mitteilten. Die erlassene Verfügung habe deshalb weiterhin Gültigkeit (IV-act. 93).
B.
Der Versicherte liess am 20. August 2010 Beschwerde erheben und die Zusprache
mindestens einer halben Invalidenrente beantragen; eventualiter sei er erweitert
medizinisch abzuklären und der Invaliditätsgrad sei neu zu berechnen (act. G 1). Zur
Begründung wurde ausgeführt, die Beschwerdegegnerin sei ihrer Abklärungspflicht nur
unvollständig nachgekommen. Sie habe sich nämlich auf eine zeitlich weit
zurückliegende Abklärung durch die Suva gestützt, die zudem die krankheitsbedingten
Einschränkungen nicht erfasst habe. Die medizinischen Abklärungen am Kantonsspital
seien nicht zur Kenntnis genommen worden. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers reichte eine Reihe von medizinischen Berichten ein, aus denen er
ableitete, dass die Beschwerden noch nicht abgeklärt seien. Immerhin stehe fest, dass
neue, medizinisch objektivierbare, wesentliche Befunde vorlägen, die an dem von der
Beschwerdegegnerin angenommenen Arbeitsfähigkeitsgrad Zweifel weckten. Dr. B._
hatte Prof. Dr. med. E._, Chefarzt Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen, am 11.
Januar 2010 ersucht, den Beschwerdeführer im Hinblick auf mögliche
Therapieoptionen zu untersuchen (act. G 1.6). Prof. E._ hatte am 26. Januar 2010
festgehalten (act. G 1.7), beim Beschwerdeführer bestehe ein chronisches
rechtsseitiges Nackenschmerzsyndrom mit pseudoradikulärer Ausstrahlung in den
rechten Arm. Die Schmerzsituation sei chronifiziert. Klare neurologische Defizite oder
ein radikuläres Reizmuster seien aber nicht zu finden. In der Bildgebung zeige sich im
Verlauf von Oktober 2007 bis Januar 2010 ein praktisch konstantes Bild mit
Steilstellung der HWS, Spinalkanalstenose C3/4 (bei Dysplasie C2/3) sowie möglicher
rechtsseitiger foraminaler Stenose C6/7. Die Ärzte der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen hatten am 15. März 2010 berichtet (act. G 1.8), klinisch-
neurologisch sei eine schmerzbedingte Bewegungseinschränkung des rechten Arms
bei Abduktion und Elevation über der Horizontalen festzustellen. Zudem bestehe eine
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ausgeprägte Druckschmerzhaftigkeit im Bereich des rechten Schultergelenks. Darüber
hinaus seien keine neurologischen Ausfälle festzustellen. Elektrophysiologisch sei ein
altersentsprechender Normalbefund zu erheben. Die Schmerzen müssten im Rahmen
einer Pathologie des Bewegungsapparats der Schulter eingeordnet werden.
Differentialdiagnostisch kämen ein Impingement-Syndrom, eine frozen shoulder oder
eine Schultergelenksarthrose in Frage. Die Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie
am Kantonsspital St. Gallen berichteten am 6. Mai 2010 (act. G 1.10), zur weiteren
Evaluation bei Impingementzeichen werde eine subacromiale Infiltration stattfinden.
Sollte damit auch nur für eine kurze Zeitspanne eine Schmerzfreiheit erreicht werden,
so sei eine Schulterpathologie als Hintergrund der Beschwerden nachgewiesen.
B.a Die Beschwerdegegnerin legte diese Berichte dem RAD vor. Dr. med. F._ hielt
am 2. September 2010 fest, für die Ausübung einer adaptierten Tätigkeit gebe es
keinen plausiblen medizinischen Grund für eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 110). Die Beschwerdegegnerin beantragte daraufhin am 27. Oktober 2010 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Sie machte geltend, auch gemäss den neusten
Berichten des Kantonsspitals St. Gallen sei davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer zu mindestens 75% einer leichteren Hilfsarbeit nachgehen könne.
Die Schmerzen seien als erträglich, gut auf Schmerzmittel ansprechend und in Ruhe
kaum vorhanden beschrieben worden.
B.b Die Gerichtsleitung forderte am 26. Januar 2012 die Akten der Suva betreffend
den vom Beschwerdeführer im Jahr 2007 erlittenen Unfall an (act. G 9).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
IVG). Gemäss Art. 16 ATSG ist zur Bemessung des Invaliditätsgrads das Einkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
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(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.1 Das ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens - und damit indirekt des Invaliditätsgrades - ist in aller Regel der
Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, so dass dessen Ermittlung normalerweise den
ersten Schritt bei der Ermittlung des massgebenden Sachverhalts bildet. Der
Beschwerdeführer macht geltend, die Beschwerdegegnerin sei ihrer gesetzlichen
Abklärungspflicht nur unvollständig nachgekommen. Sie habe nämlich einerseits auf
weit zurückliegende Abklärungsergebnisse der Suva abgestellt, die zudem den
krankheitsbedingten Teil der Gesundheitsbeeinträchtigung unberücksichtigt gelassen
hätten, und andererseits habe sie verfügt, obwohl die laufende Abklärung am
Kantonsspital noch gar nicht abgeschlossen gewesen sei. Der Beschwerdeführer wirft
der Beschwerdegegnerin also vor, sie habe den massgebenden Sachverhalt, genauer
die Arbeitsfähigkeit bezogen auf eine den verschiedenen
Gesundheitsbeeinträchtigungen optimal Rechnung tragende Erwerbstätigkeit, nicht mit
dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermittelt.
Tatsächlich hat die Beschwerdegegnerin keine eigenen medizinischen Abklärungen
vorgenommen oder in Auftrag gegeben. Die Abklärungen durch die Suva haben sich
auf die Folgen einer leichten Stauchung der Wirbelsäule nach einem Sturz auf das
Gesäss beschränkt. Der Beschwerdeführer ist nicht bei der Ausübung seiner
angestammten Tätigkeit als (Hilfs-) Gipser, sondern während eines Einsatzprogramms
des RAV gestürzt. In diesem Einsatzprogramm hat er leichte, feinmotorische Arbeiten
im Sitzen oder auch im Stehen ausgeführt. Trotzdem hat Dr. B._ bezogen auf diese
leichte Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50% angegeben. Obwohl bei der
vertebrospinalen Kernspintomographie durch das Z._ am 31. Oktober 2007 nur
degenerative Veränderungen der Wirbelsäule festgestellt worden sind, welche die
geklagten Rückenschmerzen nicht haben erklären können, hat Dr. B._ an seiner
Einschätzung festgehalten. Der stellvertretende Kreisarzt der SUVA hingegen hat am 7.
Dezember 2007 per 1. Januar 2008 eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit
("ganztägige Präsenz") angegeben. Dabei hat er sich nicht darauf berufen, dass die
vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden ganz oder teilweise krankheitsbedingt
und damit zu ignorieren seien, sondern er hat die Klagen des Beschwerdeführers als
unwahr bezeichnet und dabei auf die von Dr. B._ angeführten psychosozialen
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Probleme im Zusammenspiel mit einer erheblichen Verdeutlichungstendenz und auf
das Fehlen eigentlicher Bewegungseinschränkungen verwiesen. Dass die
Sachbearbeitung der Suva aus dieser eindeutigen Angabe einer Arbeitsfähigkeit
adaptiert von 100% eine mindestens 75%ige Arbeitsfähigkeit gemacht hat, lässt sich
wohl nur damit erklären, dass gesagt werden sollte, es bestehe kein
Leistungsanspruch, weil die Mindestgrenze der Arbeitsunfähigkeit von 25% nicht
erreicht sei. Dies ist anfangs vom RAD kritiklos übernommen worden, aber am 2.
September 2010 hat Dr. F._ vom RAD dann unmissverständlich festgehalten, es
gebe keinen plausiblen medizinischen Grund für eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (100% arbeitsfähig in einer adaptierten Tätigkeit). Bei der Ermittlung
des zumutbaren Invalideneikommens ist deshalb von einer uneingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auszugehen.
1.2 Dr. B._ hat der Beschwerdegegnerin am 12. Januar 2008 berichtet, als
adaptiert seien rückenschonende Tätigkeiten zu betrachten, bei denen Lasten von
maximal 5 bis 10 kg gehoben und getragen werden müssten. Dr. B._ hat die seiner
Meinung nach auch in einer solcherart adaptierten Tätigkeit um 50% reduzierte
Arbeitsfähigkeit damit begründet, dass sich der Beschwerdeführer durch die Suva gar
nicht verstanden gefühlt habe. Was er damit gemeint hat, lässt sich weder diesem
noch den späteren Berichten entnehmen. Damit fehlt eine überzeugende medizinische
Begründung dafür, dass die Behauptung des Beschwerdeführers richtig wäre, die
Kombination aus Unfall- und Krankheitsfolgen eine tiefere Arbeitsfähigkeit zur Folge
habe als die Unfallfolgen allein. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb der
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit "womöglich" nur an 5 bis 6 Std. täglich
sollte arbeiten können, wie Dr. B._ angenommen hat. Dr. D._ vom RAD hat deshalb
am 18. Januar 2008 eine Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit als nicht
überzeugend betrachtet. In der Folge hat der Beschwerdeführer selbst gezeigt, dass
Dr. B._ zu pessimistisch gewesen ist, denn er hat gemäss den Angaben seines
früheren Arbeitsgebers wieder leichte Gipserarbeiten ausgeführt, wobei er anscheinend
jeweils für einen einzelnen Auftrag angestellt worden ist. Dabei hat er nicht etwa
halbtags, sondern vollzeitlich oder zumindest annähernd vollzeitlich gearbeitet, wie der
Eingliederungsberater der Beschwerdegegnerin am 14. August 2008 festgehalten hat.
Der Beschwerdeführer hat sich sogar so weit in der angestammten Tätigkeit
arbeitsfähig gefühlt, dass er zusammen mit seinem Bruder einen eigenen Gipserbetrieb
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gegründet hat. Dieser Betrieb ist später nicht etwa aufgrund einer eingeschränkten
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, sondern vielmehr mangels Aufträgen
wieder eingestellt worden. Die Ergebnisse der im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Abweisungsverfügung laufenden Abklärungen am Kantonsspital St.
Gallen haben belegt, dass die Rückenbeschwerden keine Arbeitsunfähigkeit in einer
behinderungsadaptierten Erwerbstätigkeit zur Folge haben. Die Untersuchungen haben
gemäss den vom Beschwerdeführer eingereichten Akten in Bezug auf die Wirbelsäule
keine relevante Veränderung aufgezeigt. Die Ärzte des Kantonsspitals haben zwar
keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben, da sie den Beschwerdeführer nur in
therapeutischer Hinsicht untersucht haben. Aber es fehlt jeder Hinweis darauf, dass sie
aufgrund der an der Wirbelsäule erhobenen Befunde für eine entsprechend adaptierte
Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit angegeben hätten, wenn sie danach gefragt
worden wären. Die Abklärungen sind im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen
Abweisungsverfügung einzig in Bezug auf die Schulterbeschwerden noch nicht
abgeschlossen gewesen. Die entsprechende Untersuchung dürfte zwar inzwischen
beendet sein. Auf einen Beizug des Berichts kann aber verzichtet werden, da in
antizipierender Beweiswürdigung davon auszugehen ist, dass die
Schulterbeschwerden in einer auch in dieser Hinsicht adaptierten Erwerbstätigkeit
keine relevante Arbeitsunfähigkeit zu bewirken vermögen. Auch in diesem
Zusammenhang muss nämlich darauf hingewiesen werden, dass die vom
Beschwerdeführer früher ausgeführten leichten Gipserarbeiten nur unter Einsatz des
beeinträchtigten linken Arms ausgeführt werden konnten. Dass seither eine erhebliche
Verschlechterung der Situation an der Schulter eingetreten wäre, lässt sich den
vorliegenden Berichten nicht entnehmen. Selbst wenn bei einer Beschränkung auf
Arbeiten bis zur Horizontalen Schmerzen auftreten sollten, so wäre es dem
Beschwerdeführer zumutbar, diese durch einen geeigneten Schmerzmitteleinsatz zu
unterdrücken und nötigenfalls bei der Arbeit in Kauf zu nehmen, denn arbeitsfähig ist
nicht nur derjenige, der schmerzfrei arbeiten kann, sondern auch derjenige, dem das
Erleiden von Schmerzen während der Arbeit zumutbar ist. Nach den Angaben in den
entsprechenden Berichten des Kantonsspitals St. Gallen besteht beim
Beschwerdeführer kein unerträglicher Schmerzzustand, solange er den linken Arm nur
unter der Horizontalen einsetzt. Die unbegründete Arbeitsfähigkeitsschätzung von
Dr. B._ (50% in einer adaptierten Erwerbstätigkeit) vermag weder zu überzeugen
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noch Zweifel daran zu wecken, dass der Beschwerdeführer in einer in jeder Hinsicht
adaptierten Erwerbstätigkeit durchgehend zu 100% arbeitsfähig gewesen ist.
Insbesondere fehlt jeder Hinweis darauf, dass eine psychisch bedingte
Arbeitsunfähigkeit vorliegen könnte. Es steht also mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer zumutbarerweise
ganztags und bei voller Leistung einer Erwerbstätigkeit nachgehen kann, wenn diese
Erwerbstätigkeit allen Einschränkungen gerecht wird. Der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens ist also ein Arbeitsfähigkeitsgrad von 100% zugrunde zu legen.
1.3 Da gemäss den Angaben von Dr. D._ vom 28. August 2007 eine
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit seit 2007 anzunehmen ist, wäre das
sogenannte Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) im Jahr 2008 erfüllt. Es steht also ein
allfälliger Rentenanspruch ab 2008 zur Diskussion. Der Einkommensvergleich hat
deshalb anhand des Lohnniveaus des Jahres 2008 zu erfolgen. Die G._ AG hat am
20. Juni 2007 angegeben, der Versicherte habe im Jahr 2005 einen Lohn von Fr.
5'500.-- erhalten; effektiv hätte seiner Leistung aber ein Lohn von lediglich Fr. 4'450.--
entsprochen. Sie hat diesen Betrag als aktuellen, also auf das Jahr 2007 bezogenen
Lohn angegeben. Dem Kündigungsschreiben vom 22. November 2005 ist zu
entnehmen, dass der Beschwerdeführer als selbständiger Vorarbeiter angestellt
worden war, die entsprechende Leistung aber weder technisch noch handwerklich
hatte erbringen können. Der Lohn von Fr. 4'450.-- entspricht aber nicht der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers, auch wenn seine effektive
Qualifikation nur diejenige eines (Hilfs-) Gipsers ist. Abzustellen ist stattdessen auf den
auf 41,6 Wochenarbeitsstunden hochgerechneten Durchschnittslohn im Baugewerbe
gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebene Lohnstrukturerhebung 2008
(Anhang Tabelle TA1, Anforderungsniveau 4) von Fr. 5'356.-- bzw. 64'272.--. Dieser
Betrag ist als Valideneinkommen in den Einkommensvergleich einzusetzen. Die
Bedingungen, die an eine für den Beschwerdeführer optimal behinderungsadaptierte
Hilfsarbeit zu stellen sind, sind nicht so einschneidend, dass die Arbeitsfähigkeit gar
nicht mehr verwertet werden könnte. Es ist deshalb davon auszugehen, dass der
ausgeglichene und allgemeine Arbeitsmarkt in vielen Branchen geeignete Arbeitsplätze
aufweist. Dies erlaubt es, das Invalideneinkommen ausgehend vom durchschnittlichen
Hilfsarbeiterlohn zu ermitteln. Gemäss der vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Lohnstrukturerhebung 2008, Anhang Tabelle T1, hat sich der
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Durchschnittslohn der Hilfsarbeiter auf Fr. 4'935.-- belaufen. Dieser Betrag ist von 40
Wochenarbeitsstunden auf den schweizerischen Durchschnitt 2008 von 41,6
Wochenarbeitsstunden umzurechnen. Das ergibt einen Betrag von Fr. 5'132.40 bzw.
Fr. 61'589.--. Dieser Betrag bildet den Ausgangspunkt zur Ermittlung des zumutbaren
Invalideneinkommens. Da der Beschwerdeführer nach wie vor zu 100% arbeitsfähig ist,
rechtfertigt einzig der Umstand einen Abzug, dass der Beschwerdeführer gegenüber
gesunden Konkurrenten für einen adaptierten Arbeitsplatz benachteiligt ist. Er müsste
seine Arbeitskraft also zu einem unterdurchschnittlichen "Preis" offerieren, um eine
Chance auf einen Arbeitsplatz zu haben. Dieser Umstand rechtfertigt es, den statistisch
(anhand der Löhne gesunder Arbeitnehmer) ermittelten Lohn zu reduzieren, wobei sich
aufgrund der eher bescheidenen Nachteile praxisgemäss ein Abzug von 10%
rechtfertigt. Das zumutbare Invalideneinkommen beträgt somit Fr. 55'430.--. Es
resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 8'842.--. Das entspricht einem Invaliditätsgrad
von (aufgerundet) 14%. Da der Mindestinvaliditätsgrad von 40% (Art. 28 Abs. 2 IVG)
nicht erreicht ist, hat die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenanspruch
verneint.
2.
Demgemäss ist die Beschwerde abzuweisen. Der unterliegende Beschwerdeführer hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, die angesichts des durchschnittlichen
Vertretungsaufwandes Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
betragen würde. Da die unentgeltliche Prozessführung bewilligt worden ist, entschädigt
der Staat den Rechtsbeistand des Beschwerdeführers. Die Entschädigung beträgt
allerdings nur 80% der Parteientschädigung. Der Staat hat dem Rechtsbeistand
deshalb eine Entschädigung von Fr. 2'800.-- auszurichten. Das Beschwerdeverfahren
in IV-Sachen ist grundsächlich kostenpflichtig. Die Gerichtsgebühr bemisst sich nach
dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Dieser erweist sich als durchschnittlich,
so dass praxisgemäss eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- als angemessen erscheint.
Der Beschwerdeführer ist aufgrund der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung
von der Bezahlung dieser Gerichtsgebühr zu befreien. Er ist allerdings darauf
hinzuweisen, dass er zur Rückzahlung der Entschädigung an den Rechtsbeistand und
zur Nachzahlung der Gerichtsgebühr verpflichtet werden kann, wenn es seine
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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wirtschaftlichen Verhältnisse in der Zukunft einmal erlauben sollten (Art. 99 Abs. 2 VRP/
SG i.V.m. Art. 123 Abs. 1 ZPO).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP