Decision ID: 0a3841b0-5710-44ac-ba8e-7f733d7bbf48
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 31. August 2007 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-
act. 2). Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
berichtete am 22. Oktober 2007, der Versicherte leide an einem lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom rechtsbetont, einem cervicospondylogenen Schmerzsyndrom
rechtsbetont und einer Anpassungsstörung bei Status nach traumatischen Erlebnissen
im Heimatland. Die angestammte Reinigungstätigkeit hielt er nicht mehr für zumutbar.
Für eine leidensangepasste Tätigkeit bescheinigte er dem Versicherten eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 23-1 ff.). Die an der Psychiatrischen Poliklinik am
Universitätsspital Zürich zur Abklärung beauftragten Ärzte diagnostizierten eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.11), eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10: F45.4) und einen Verdacht auf eine posttraumatische
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1). Die Arbeitsfähigkeit des Versicherten liege
gegenwärtig bei ca. 30 bis 40% (Abschlussbericht vom 14. April 2008, IV-act. 31).
Gestützt auf den für nachvollziehbar erachteten Bericht der Psychiatrischen Poliklinik
beurteilte der RAD-Arzt Dr. med. C._, Facharzt für Allgemeinmedizin, den
Versicherten bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten zu 35% arbeitsfähig.
Zusätzliche medizinische Abklärungen seien nicht indiziert (Stellungnahme vom 23. Mai
2008, IV-act. 32). Mit Verfügung vom 10. März 2009 sprach die IV-Stelle dem
Versicherten mit Wirkung ab 1. August 2007 eine ganze Rente zu (IV-act. 43).
A.a.
Am 26. Juni 2009 (Datum Dokumenteingang) erhielt die IV-Stelle ein anonymes
Schreiben, worin geltend gemacht wurde, der Versicherte sei ein Lügner und müsse
unbedingt beobachtet werden (IV-act. 44).
A.b.
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Im Rahmen einer von Amtes wegen eingeleiteten Revision gab der Versicherte am
11. September 2014 an, sein Gesundheitszustand sei stationär geblieben (IV-act. 53).
Am 18. September 2014 (Datum Dokumenteneingang) erhielt die IV-Stelle einen
anonymen Hinweis, dass der Versicherte teilweise im Gastro-Reinigungsbereich einer
Schwarzarbeit nachgegangen sei (IV-act. 55; siehe auch das Meldeblatt - Hinweis BVM
vom 19. September 2014, IV-act. 56). Der behandelnde Dr. med. D._, Spezialarzt für
Neurologie, berichtete am 24. September 2014, der Gesundheitszustand des
Versicherten sei seit Januar 2009 stationär geblieben (IV-act. 59). Im Verlaufsbericht
vom 6. Oktober 2014 gab Dr. B._ an, der Gesundheitszustand des Versicherten habe
sich eher verschlechtert, insbesondere was die psychische Situation anbelange. Immer
wieder komme es zu aggressiven Durchbrüchen, welche sich aber meist verbal
äusserten. Die Diagnose habe sich nicht verändert (IV-act. 61). Dr. med. E._,
Fachärztin für Neurologie, Mitarbeiterin der IV-Stelle, empfahl eine gutachterliche
Reevaluation der Situation (Stellungnahme vom 21. Oktober 2014, IV-act. 64) unter
Einbezug fremdanamnestischer Abklärungen über das Aktivitätsniveau des
Versicherten in Situationen, in denen er sich unbeobachtet wähne (Stellungnahme vom
22. Oktober 2014, IV-act. 65).
A.c.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 3., 4., 7., 10. und 11. November
2014 durch den Ermittlungs- und Observationsdienst F._ observiert (siehe den
Ermittlungsbericht vom 16. November 2014, IV-act. 69; zur weiteren Observation vom
20. November, 4. und 8. Dezember 2014 siehe den Nachtragsbericht vom
20. Dezember 2014, IV-act. 71; zu den Beobachtungen vom 4. Dezember 2015 vgl. die
Aktennotiz vom 17. Dezember 2015, IV-act. 103). Nach der Durchsicht des
Observationsmaterials empfahl Dr. E._ eine psychiatrisch-rheumatologische
Verlaufsbegutachtung. Entgegen seiner Aussage, kaum die Wohnung zu verlassen, sei
der Versicherte während der Beobachtungszeit an fast allen Tagen bei Aktivitäten
ausser Haus gesehen worden. Videografisch festgehaltene Verhalten hätten keine
äusserlich erkennbaren Zeichen einer Ängstlichkeit, Verunsicherung, Zerstreutheit oder
Vergesslichkeit erkennen lassen. Der Versicherte sei jedoch keiner Schwarzarbeit
nachgegangen (Stellungnahme vom 21. Januar 2015, IV-act. 74). Auf Anfrage der IV-
Stelle äusserte sich der Versicherte am 3. Februar 2015 zu seinem Gesundheitszustand
und seinen Aktivitäten (IV-act. 75).
A.d.
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Im Rahmen eines Standortgesprächs vom 18. Februar 2015 wurde der Versicherte
zu seinem Gesundheitszustand und seinen Alltagsaktivitäten befragt, bevor er mit den
Observationsergebnissen konfrontiert wurde (IV-act. 79). Dr. D._ kritisierte im
Schreiben an die IV-Stelle vom 15. April 2015 deren Vorgehen. Seit den "Verhören"
durch die IV-Stelle gehe es dem Versicherten psychisch deutlich schlechter (IV-act. 93).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte am 11. Mai 2015 von Dr. med. G._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychiatrie, sowie am 19. Mai 2015 von Dr. med. H._,
Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH, begutachtet. Im bidisziplinären
Gutachten vom 11. September 2015 führten die Gutachter aus, die Arbeitsfähigkeit des
Versicherten sei aus rheumatologischer Sicht lediglich für körperlich schwere
Tätigkeiten bzw. monoton-repetitive Tätigkeiten mit längerdauernden Zwangshaltungen
der Wirbelsäule eingeschränkt. Für jegliche leidensangepassten Tätigkeiten bestehe
unverändert zur Beurteilung aus dem Jahr 2007 dagegen keine somatisch begründbare
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Dagegen bestehe aus psychiatrischer Sicht
weiterhin eine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 60%. Auch
psychiatrisch ergebe sich keine Änderung der Beurteilung im Vergleich zur
Vorbeurteilung im März 2008. Aus psychiatrischer Sicht solle eine Wiedereingliederung
in den Arbeitsprozess im Rahmen der aktuellen Restarbeitsfähigkeit versucht werden.
Zusätzlich werde ein Ausbau der medikamentösen Behandlung mit Antidepressiva
sowie eine Behandlung mit vor allem psychoedukativen und verhaltenstherapeutischen
Massnahmen mit Fokussierung auf Schmerzbewältigung und Traumaverarbeitung
empfohlen. Wie sich dies mittel- und langfristig auf die Arbeitsfähigkeit auswirken
werde, bleibe abzuwarten. Angesichts der bereits fortgeschrittenen Chronifizierung
müsse allerdings von einer eher ungünstigen Prognose ausgegangen werden (IV-
act. 100, insbesondere S. 19; zum psychiatrischen Teilgutachten vom 7. August 2015
siehe IV-act. 101).
A.e.
Dr. E._ hielt das rheumatologische Teilgutachten für überzeugend, nicht jedoch
das psychiatrische Teilgutachten. Dieses enthalte keine fundierte Ableitung der
Diagnosen gemäss ICD-10. Die Konsistenzprüfung sei ungenügend. Deshalb empfahl
Dr. E._ eine erneute psychiatrische Begutachtung des Versicherten (Stellungnahme
vom 12. Februar 2016, IV-act. 104). Am 6. Oktober 2016 erstattete Dr. med. I._,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, der IV-Stelle ein psychiatrisches
A.f.
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Gutachten, dem persönliche Untersuchungen vom 10. und 26. Mai 2016 sowie eine
neuropsychologische Abklärung vom 22. August 2016 zu Grunde liegen (zum
neuropsychologischen Abklärungsbericht vom 21. September 2016 siehe IV-act. 118).
Darin führte er aus, bei der Untersuchung hätten sich viele Hinweise auf "Aggravation
bis Diskrepanzen" gefunden, sodass letztlich keine zuverlässige Diagnose gestellt
werden könne und vor allem auch nicht zuverlässig zu Einschränkungen Stellung
genommen werden könne. Das heisse nicht, dass nicht allenfalls ein psychisches
Leiden bestehe. Es sei aber unmöglich zu sagen, ob dies tatsächlich der Fall sei und
bejahendenfalls wie stark ausgeprägt und vor allem auch, wie stark allfällige
Einschränkungen seien. Eingliederungsmassnahmen würden grundsätzlich zumutbar
sein. Man müsse aufgrund des Verhaltens des Versicherten bei der Abklärung jedoch
schliessen, dass er dazu nicht motiviert sei. Die neuropsychologische Abklärung habe
valide Resultate ergeben. Das Leistungsprofil sei unauffällig gewesen. Aufgrund der
eingeschränkten Mitwirkung des Versicherten seien aus psychiatrischer Sicht keine
zuverlässigen Angaben bezüglich des retrospektiven Verlaufs möglich (IV-act. 119,
insbesondere S. 73, 77, 80 und 90 oben). Dr. E._ nahm am 23. November 2016
Stellung zum Gutachten von Dr. I._ und hielt fest, aufgrund der nicht zuverlässigen
Angaben des Versicherten sowie der eingeschränkten Mitwirkung bei der aktuellen
Abklärung sei aufgrund der Aktenlage eine zuverlässige Aussage weder über den
Gesundheitszustand bei der Rentenzusprache noch über den weiteren Verlauf möglich.
Zum heutigen Zeitpunkt könne keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt werden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe also keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 120).
Mit Vorbescheid vom 20. Juni 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die
revisionsweise Einstellung der Rente in Aussicht. Die früher erhobenen psychiatrischen
Diagnosen könnten heute nicht mehr gestellt werden. Es seien zur Zeit der ersten
Rentenabklärung bei einem äusserst diffusen Krankheitsbild keine zuverlässigen
medizinischen Einschätzungen vorgelegen (IV-act. 121). Dagegen erhob der
Versicherte am 21. August 2017 Einwand (IV-act. 127; zur ergänzenden Begründung
vom 6. Oktober 2017 samt Berichten von Dr. B._ vom 24. August 2017 und 20. Mai
2011 siehe IV-act. 129 f.). Am 22. November 2017 verfügte die IV-Stelle die Aufhebung
der Rente auf Ende des der Verfügung folgenden Monats (IV-act. 134).
A.g.
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B.
Gegen die Verfügung vom 22. November 2017 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 2. Januar 2018. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren
Aufhebung und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen weiterhin auszurichten; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung stellt er sich im Wesentlichen auf
den Standpunkt, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Rentenzusprache nicht
wesentlich verändert habe, weshalb eine revisionsweise Rentenaufhebung nicht
zulässig sei. Die Beschwerdegegnerin habe eine Verbesserung des
Gesundheitszustands nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegen können (act.
G 1).
B.a.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 12. März 2018
die Abweisung der Beschwerde. Sie bringt vor, aufgrund der Aggravation habe der
Beschwerdeführer die Folgen der Unsicherheit zu tragen. Es seien heute keine
relevanten Diagnosen und Funktionseinbussen nachgewiesen. In verfahrensrechtlicher
Sicht dürfe also eine Verbesserung des Gesundheitszustands angenommen werden,
zumal durch die Observation ein gutes Funktionsniveau dokumentiert sei und auch von
einer schwerwiegenden und andauernden Schmerzproblematik nicht mehr
ausgegangen werden könne. Zudem seien heute eindeutige Aggravationen
dokumentiert, von denen früher nicht berichtet worden sei, was als Indiz für eine
Verbesserung gewertet werden könne. Hinzu komme, dass bei der ursprünglichen
Rentenzusprache die Abklärungspflicht verletzt worden sei, was eine Wiedererwägung
rechtfertige. Demnach sei die Rente zu Recht im Sinn einer Anpassung mit der
substituierenden Begründung der Wiedererwägung überprüft und angepasst worden
(act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 7. Mai 2018 hält der Beschwerdeführer unverändert an der
Beschwerde fest. Er bestreitet, dass die Rentenzusprache auf einer ungenügend
medizinisch abgeklärten Situation beruht habe. Zudem rügt er, das Gutachten von
Dr. I._ stelle eine unzulässige "second opinion" dar (act. G 7).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin hält in der Duplik vom 28. Mai 2018 unverändert an der
beantragten Beschwerdeabweisung fest. Sie bestreitet, dass das Gutachten von
Dr. I._ den Charakter einer unzulässigen "second opionion" habe (act. G 9).
B.d.
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C.
In der Eingabe vom 15. Oktober 2019 vertritt die Beschwerdegegnerin den Standpunkt,
der Sachverhalt sei spruchreif abgeklärt. Deshalb sei sie mit einer weiteren
Begutachtung nicht einverstanden (act. G 17).

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten ist die von der Beschwerdegegnerin per
31. Dezember 2017 verfügte Rentenaufhebung. In der angefochtenen Verfügung vom
22. November 2017 nahm die Beschwerdegegnerin eine revisionsweise Anpassung
des Rentenanspruchs vor (IV-act. 134-3). In der Beschwerdeantwort vom 12. März
2018 hält sie ihr Vorgehen "im Sinne einer Anpassung (Art. 17 ATSG) mit der
substituierenden Begründung der Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG)"
gerechtfertigt (act. G 4, Rz 12). Vorab zu prüfen ist die Frage, ob sich der medizinische
Sachverhalt als spruchreif erweist. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der
angefochtenen Verfügung im Wesentlichen auf das psychiatrische Gutachten von
Dr. I._ vom 6. Oktober 2016 (IV-act. 119).
2.
Bezüglich der gutachterlichen Beurteilung durch Dr. I._ gilt es das Folgende zu
beachten:
Am 15. Juni 2018 hat die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine
Honorarnote eingereicht (act. G 11 und G 11.1).
B.e.
Mit Schreiben vom 27. September 2019 orientiert das Versicherungsgericht die
Parteien über seinen Beschluss, bei Dr. med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, ein psychiatrisches Gerichtsgutachten einzuholen, da der
medizinische Sachverhalt nicht spruchreif sei (act. G 15).
B.f.
Die Beschwerdeführerin teilt dem Versicherungsgericht am 14. Oktober 2019 mit,
dass keine Einwände gegen die vorgesehene Begutachtung bestünden. Sie ersucht, für
die Begutachtung eine/einen K._- sprechende/n _ als Dolmetscher/in zu
berücksichtigen (act. G 16).
B.g.
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2.1 Dr. I._ sah sich bei der Erstattung des Gutachtens vom 6. Oktober 2016
"aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung" des Beschwerdeführers nicht in der Lage,
"zuverlässige Angaben" zum Gesundheitsverlauf ab dem 10. März 2009 zu machen (IV-
act. 119-89 f.). Eine aussagekräftige Verlaufsbeurteilung enthält das Gutachten von
Dr. I._ damit gerade nicht, was der Beschwerdeführer zutreffend rügt (act. G 1,
Rz 25). Von Bedeutung ist ausserdem, dass Dr. I._ den an den Beschwerdeführer
gerichteten Vorwurf der unzulänglichen Mitwirkung mit Hinweisen auf Diskrepanzen,
Widersprüche und Aggravation begründete (IV-act. 119-88). Diese Betrachtungsweise
steht im Widerspruch zu den Ergebnissen der umfassenden neuropsychologischen
Begutachtung, die - unter Einbezug von Symptomvalidierungsverfahren - weder
Inkonsistenzen noch Hinweise auf Aggravationstendenzen enthalten
(Abklärungsbericht vom 21. September 2016, IV-act. 118-11 Mitte). Mit diesem, die
wesentliche Grundlage seiner Einschätzung betreffenden Widerspruch setzte sich
Dr. I._ indessen nicht auseinander. Es entsteht der Eindruck, dass Dr. I._ seine
Gutachteraufgabe nicht wahrnahm, sondern sich vorschnell auf den Standpunkt stellte,
er könne aufgrund angeblich nicht authentischer Angaben des Beschwerdeführers
keine Beurteilung des Gesundheitszustands, des Gesundheitsverlaufs und der
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vornehmen.
2.2 Der Beweiswert des Gutachtens von Dr. I._ wird auch durch den Umstand
erschüttert, dass er den für die ursprüngliche Rentenzusprache zentralen
Abschlussbericht der Psychiatrischen Poliklinik am Universitätsspital Zürich vom
14. April 2008 (IV-act. 31) bei der Voraktendiskussion (IV-act. 119-82 ff.) gänzlich
ausser Acht liess. Entgegen der nicht näher begründeten Sichtweise der
Beschwerdegegnerin (act. G 17, S. 2 Mitte) wird dieser erhebliche Mangel durch die
wortlautgetreue Übernahme des Berichts unter dem Abschnitt "2. Auszug aus den
wesentlichen Vordokumenten in chronologischer Reihenfolge" (IV-act. 119-10 ff.) nicht
behoben. Ein schlüssiger Grund, weshalb in der mehrseitigen Voraktendiskussion
gerade der zentrale Bericht der Psychiatrischen Poliklinik nicht gewürdigt wird, ist nicht
erkennbar. Im Übrigen übersieht die Beschwerdegegnerin, dass Dr. I._ nicht die
fehlende Kenntnis, sondern die fehlende, für eine beweiskräftige Beurteilung
erforderliche Auseinandersetzung vorzuwerfen ist.
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2.3 Allein schon die vorstehend dargelegten Mängel stellen konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Einschätzung von Dr. I._ im Sinn von BGE 135 V 469 f. E. 4.4 dar
und begründen daran erhebliche Zweifel, weshalb offenbleiben kann, ob das
Gutachten auch noch aus anderen Gründen nicht beweiskräftig wäre. Demnach
erübrigt sich vorliegend eine Auseinandersetzung mit der Kritik der
Beschwerdegegnerin (act. G 17) an der Rechtsprechung des Versicherungsgerichts zur
wirtschaftlichen Abhängigkeit von Dr. I._ und deren Folgen für den beweisrechtlichen
Stellenwert der von ihm erstatteten Administrativgutachten (vgl. dazu den Entscheid
des Versicherungsgerichts vom 17. September 2019, IV 2018/9, E. 3.2).
3.
An der administrativgutachterlichen Beurteilung von Dr. med. G._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 7. August 2015 (IV-act. 101) benannte Dr. med.
E._, Fachärztin für Neurologie, plausibel verschiedene Mängel (keine fundierte
Ableitung der Diagnosen; Abstellen im Wesentlichen auf die Selbsteinschätzung des
Beschwerdeführers; fehlende vertiefte Auseinandersetzung mit Therapie; fehlende
Medikamentenanalyse), worauf verwiesen wird (Stellungnahme vom 12. Februar 2016,
IV-act. 104).
4.
Nach dem Gesagten erweist sich der Sachverhalt mit Blick auf psychisch bedingte
Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit und deren Verlauf als noch nicht spruchreif.
Gegen die Person von Dr. J._ oder den vorgesehenen Fragekatalog erhoben die
Parteien keine Einwände. Deshalb ist Dr. J._ mit der Erstattung eines psychiatrischen
Gerichtsgutachtens zur Beantwortung der im Schreiben vom 27. September 2019
formulierten Fragen (act. G 15) zu beauftragen. Die Regelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen bleibt bei der Hauptsache.