Decision ID: 1175a140-3312-405e-8dac-92921dd9599b
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 24.03.2009 Art. 28 Abs. 1 IVG. Rentenbeurteilung. Medizinischer Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Zweifelhaftes Gutachten aufgrund mangelhafter sprachlicher Verständigung bei der Exploration. Rückweisung zur erneuten Sachverhaltsabklärung in der Muttersprache der Beschwerdeführerin (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. März 2009, IV 2007/470).
Präsident Franz Schlauri, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Marie
Löhrer; a.o. Gerichtsschreiberin Barbara Köpfli
Entscheid vom 24. März 2009
in Sachen
V._
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Rainer Braun, Oberdorfstrasse 6, Postfach,
8887 Mels,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente; berufliche Massnahmen
Sachverhalt:
A.
A.a V._, Jahrgang 1972, meldete sich am 15. März 2006 zum Bezug von IV-
Leistungen (Arbeitsvermittlung; Rente) an. Sie gab an, seit 2003 an einer psychischen
Krankheit zu leiden (IV-act. 3). Das letzte Arbeitsverhältnis wurde wegen Krankheit per
Ende Juli 2004 durch den Arbeitgeber gekündigt (IV-act. 14-3/14).
A.b Der Hausarzt der Versicherten, Dr. A._ berichtete am 3. April 2006, dass er die
Versicherte im Januar 2003 nach einer Notfallkonsultation wegen ausgeprägten Angst-
und Paniksymptomen zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben habe. Seitdem sei sie bei
der serbokroatisch sprechenden Ärztin Dr. B._, Fachstelle für Sozialpsychiatrie,
C._, in psychotherapeutischer Behandlung. Die Versicherte leide unter wechselnden
Beschwerden mit Müdigkeit, Angst, Adynamie, etc. Zur Frage der
Eingliederungsfähigkeit gab der Hausarzt an, der Gesundheitszustand der Versicherten
sei stationär. Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen nicht
verbessert werden und berufliche Massnahmen seien angesichts der schlechten
Deutschkenntnisse nicht angezeigt. Die bisherige Tätigkeit als Abpackerin in der
Lebensmittelindustrie, ebenso eine andere Tätigkeit, sei in reduziertem Umfang noch
möglich (IV-act. 16-3/8-6/8).
A.c Die Versicherte war vom 5. Dezember 2005 bis 26. Januar 2006 in St. Pirminsberg,
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Suchtbehandlung, Pfäfers, stationär und
anschliessend bis 7. April 2006 teilstationär in der Tagesklinik hospitalisiert. Im
Austrittsbericht vom 18. April 2006 wurde als vorläufige Diagnose mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit eine gemischte Störung von Angst und Depression (ICD-10 F41.3)
erhoben, als Differenzialdiagnose eine generalisierte Angststörung sowie eine
abhängige Persönlichkeit mit schizoiden Anteilen aufgeführt. Die Versicherte sei ab
Oktober 2003 bis 9. April 2004 zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 10. April
2004 liege eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % vor (IV-act. 16-7/8-8/8; 18-1/5-3/5).
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A.d Nach Rückmeldung ihres Regionalen Ärztlichen Diensts (RAD), wonach zur Frage
des Arbeitsfähigkeit widersprüchliche Aussagen vorlägen (IV-act. 20-2/3), wurde die
Versicherte psychiatrisch begutachtet. Dr. med. D._, Facharzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, , diagnostizierte in seinem Bericht vom 7. Juni 2007 mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine gemischte Störung von Angst und Depression
im Rahmen einer Reaktion auf psychosoziale Belastung und eine Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.22). Dr. D._ führte aus, die Beschwerdeführerin sei sowohl auf der
psychisch-geistigen Ebene als auch im sozialen Bereich schwer beeinträchtigt.
Aufgrund der diagnostizierten Störung wie auch der paranoid anmutenden
Verarbeitung von Arbeitsplatzsituationen sei die Versicherte zwar seit Oktober 2003 zu
100 % arbeitsunfähig. Den Störungen lägen jedoch nichtinvalidisierende Faktoren
(soziokulturelle Entwurzelung, mangelnde Sprachkenntnisse, fehlende
Berufsausbildung, massiveEheproblematik) zugrunde, die sich primär der Zuständigkeit
einer medizinischen Behandlung entziehen würden. Angezeigt seien vielmehr
soziotherapeutische Massnahmen mit dem Ziel der Integration. Weiter führt Dr. D._
aus, ohne die nicht invalidisierenden Gründe liesse sich die Störung ohne weiteres
ärztlich-psychiatrisch behandeln (IV-act. 26).
A.e In Würdigung dieses Gutachtens kam der RAD-Arzt zum Schluss, dass keine IV-
relevante Arbeitsunfähigkeit bestehe, da die psychosozialen und soziokulturellen
Faktoren für die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit rechtsprechungsgemäss
ausgeblendet werden müssten (IV-act. 28). Mit Vorbescheid vom 31. August 2007
stellte die IV-Stelle die Abweisung der Leistungsbegehren in Aussicht (IV-act. 33).
Dagegen erhob die procap sargans-werdenberg am 28. September 2007 im Namen
der Versicherten Einwand (IV-act. 37). Zur Begründung brachte sie vor, Dr. A._
erachte die Abklärungsergebnisse der IV-Stelle, wonach psychosoziale Ursachen und
soziokulturelle Gründe die Arbeitsunfähigkeit begründeten, als nicht zutreffend. Der
Hausarzt stütze sich dabei auf zwei ergänzende Arztberichte der Klinik St. Pirminsberg
vom 16. Mai und 7. Juni 2006 (vgl. IV-act.38-2/6-6/6). Der RAD-Arzt teilte mit Blick auf
diese zusätzlich eingereichten medizinischen Unterlagen mit, Dr. A._ beurteile
lediglich den medizinischen Sachverhalt resp. den gleichen Gesundheitsschaden
anders als der Gutachter. Der Bericht der Klinik St. Pirminsberg vom 18. April 2006, der
vom Gutachter gewürdigt worden sei, umfasse sowohl den stationären als auch
teilstationären (Tagesklinik) Aufenthalt der Versicherten (vgl. IV-act. 18). Insofern seien
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mit den beiden neuen Berichten keine neuen Tatsachen oder Erkenntnisse vorgebracht
worden. Eine erneute medizinische Abklärung sei daher nicht angezeigt (IV-act. 39).
A.f Mit Verfügung vom 30. Oktober 2007 bestätigte die IV-Stelle den Vorbescheid und
verneinte sowohl einen Anspruch auf berufliche Massnahmen als auch auf eine Rente.
Gemäss Rechtsprechung würden psychosoziale Faktoren keine Invalidität im Sinn von
Art. 8 Abs. 1 ATSG begründen (IV-act. 40).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde vom 29. November 2007 mit
den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei die Verfügung vom
30. Oktober 2007 aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin im
Sinn von Art. 8 Abs. 1 ATSG invalid sei und es seien die entsprechenden gesetzlichen
Leistungen (berufliche Massnahmen/Rente) zuzusprechen. Überdies sei ihr die
unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Rainer Braun, Mels, führt begründend aus, es
bestünden erhebliche Zweifel am Beweiswert des psychiatrischen Gutachtens. Die
behandelnde Psychiaterin der Beschwerdeführerin, Frau Dr. B._, führe in ihrem
Bericht vom 21. November 2007 (act. G 1.2.3) aus, dass die schizophrene Störung
wegen der Vielfältigkeit der Symptome auch in der Muttersprache der
Beschwerdeführerin schwer zu diagnostizieren sei. Angesichts der mangelnden
Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin beantrage er daher eine psychiatrische
Begutachtung in deren Muttersprache (act. G 1). Mit Beschwerdeergänzung vom
8. Januar 2008 präzisierte der Rechtsvertreter, für die Erstellung eines Gutachtens sei
es rechtsprechungsgemäss entscheidend, dass sich die versicherte Person umfassend
ausdrücken könne. Bezeichnenderweise habe die Vorinstanz ursprünglich eine
Begutachtung bei Herrn Dr. E._ in der Muttersprache der Beschwerdeführerin
vorgesehen. Nicht aktenkundig sei, warum Dr. D._ mit dem Gutachten beauftragt
worden sei. Unter Berücksichtigung der offensichtlichen Sprachproblematik sei das
Gutachten nicht als Entscheidgrundlage geeignet. Insbesondere vermöge es nicht zu
klären, ob nicht eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung mit wahnhaftem Verhalten
vorliege (act. G 4).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 27. Februar 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie vor, der Gutachter habe
trotz der dürftigen Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin seine Aufgabe erfüllen
und das Gutachten erstellen können. Da das Gutachten auch die übrigen
Anforderungen erfülle, die an eine medizinische Entscheidungsgrundlage gestellt
würden, entfalte es volle Beweiskraft. Zu Recht habe der Gutachter die soziokulturellen
Faktoren, die dem Leiden der Beschwerdeführerin zugrunde liegen würden, als
nichtinvalidisierend bezeichnet. Im Übrigen könne nicht auf den Bericht von Dr. B._
abgestützt werden; es sei ihm kein objektiver Befund zu entnehmen und die
Ausführungen seien sehr vage (act. G 6).
B.c Am 28. Februar 2008 hat das Versicherungsgericht das Gesuch der
Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den
Gerichtskosten; Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) bewilligt
(act. G 8).
B.d Mit Replik vom 5. März 2008 lässt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
festhalten. Der Rechtsvertreter führt insbesondere aus, es lägen gewichtige
Anhaltspunkte für eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung der Beschwerdeführerin
vor, weshalb der Anspruch auf IV-Leistungen zu Unrecht verneint worden sei (act. G 9).
B.e Am 10. März 2008 verzichtet die Beschwerdegegnerin sinngemäss auf eine Duplik
(act. G 11).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invalidenversicherung zu Recht abgelehnt hat.
2.
Vorliegend ist die Verfügung vom 30. Oktober 2007 bezüglich der Ablehnung von
beruflichen Massnahmen und Rentenleistungen der Beschwerdegegnerin zu beurteilen,
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weshalb die am 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Änderungen der 5. IV-Revision nicht
anwendbar sind.
3.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden. (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR
830.1]). Da der Invalidität ein medizinischer Sachverhalt zugrunde liegt, ist die
Verwaltung für die Bemessung des Invaliditätsgrads und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen
und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Leistungsanspruchs gestatten. Nach dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung (Art. 61 ATSG) haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte alle Beweismittel, unabhängig, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Ausschlaggebend
ist somit grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung
der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 122 V 157 E. 1b).
3.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Gutachtens ist nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Gutachters begründet sind (vgl. BGE
125 V 351 E. 3a).
4.
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4.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bei der leistungsablehnenden Verfügung vom
30. Oktober 2007 auf das Gutachten von Dr. D._ vom 7. Juni 2007 (IV-act. 26). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend, es bestünden
erhebliche Zweifel am Beweiswert des psychiatrischen Gutachtens. Im Folgenden ist
daher zu prüfen, ob der erhebliche Sachverhalt in medizinischer Hinsicht ausreichend
abgeklärt wurde.
4.2 Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hat Dr. D._ eine gemischte
Störung von Angst und Depression im Rahmen einer Reaktion auf psychosoziale
Belastung und Anpassungsstörung erhoben. Aus dem Gutachten geht insgesamt klar
hervor, dass die Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin dürftig sind und in der
Folge die Verständigung bei der Exploration mangelhaft ausgefallen ist. Die
Beschwerdeführerin war beispielsweise nicht in der Lage, zwei Patientenfragebogen
(einerseits ein Screening zum Erkennen der häufigsten körperlichen und
psychiatrischen Erkrankungen und zur Abklärung biologischer sowie psychosozialer
Stressoren, die Risikofaktoren für psychische Störungen darstellen könnten; anderseits
einen Fragebogen, der anhand von einer Selbstbeurteilung die häufigsten
psychiatrischen Erkrankungen zu Tage bringt, nämlich Angst und Depression)
anzukreuzen bzw. auszufüllen. Aus diesem Grund hat der Gutachter die Kurzversion
eines Fragebogens in Serbokroatisch, der Muttersprache der Beschwerdeführerin, zum
Eruieren der körperlichen und psychischen Symptome eingesetzt. Auf der sog.
Hamilton-Depressionsskala, auf der die häufigsten depressiven Symptome objektiviert
und quantifiziert werden, erreichte die Beschwerdeführerin ein Gesamtergebnis, das
sowohl für eine leichte depressive Störung als auch für wechselhafte angst-depressive
Verstimmungen spricht. Da den Akten nichts anderes zu entnehmen ist, ist davon
auszugehen, dass die dieser Skala zugrunde liegenden Angaben der
Beschwerdeführerin anhand des Gesprächs eruiert worden sind.
4.3 Dass die IV-Stelle bei der aktenkundigen Sprachproblematik der
Beschwerdeführerin (vgl. beispielsweise den Bericht von Dr. A._, IV-act. 16-4/8,
wonach die Beschwerdeführerin über sehr schlechte Deutschkenntnisse verfüge;
ebenso den Bericht der Klinik St. Pirminsberg, IV-act. 16-7/8, demgemäss die
Kommunikation mangels genügender Deutschkenntnisse stark eingeschränkt sei) einen
deutschsprachigen Gutachter beauftragt hat, ist nicht nachvollziehbar. Es bleibt offen,
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warum der von der RAD-Ärztin ursprünglich in Betracht gezogene Dr. E._ nicht
berücksichtigt worden ist (IV-act. 20-2/3). Ebenso wirft Fragen auf, dass Dr. D._ –
abgesehen von den anfänglichen Übersetzungen des Ehemanns der
Beschwerdeführerin – keine Übersetzungshilfe beigezogen hat. Denn insbesondere bei
psychiatrischen Begutachtungen kommt der bestmöglichen Verständigung zwischen
der begutachtenden und der zu begutachtenden Person grosses Gewicht zu (vgl. Urteil
des Bundesgerichtes I 77/07 vom 4. Januar 2008, E. 5.1.1). Die
Hauptuntersuchungsmethode eines Psychiaters ist schliesslich das Gespräch. Damit
das dialoge Verfahren die gewünschten Explorationsergebnisse liefern kann, sind
ausreichende Sprachkenntnisse unabdingbar. Zwar kommt gerade bei psychiatrischen
Beurteilungen auch den nonverbalen Äusserungen (Mimik, Gestik) sowie der
Spontaneität und dem Tonfall der Explorandin oder des Exploranden im
Gesprächsverlauf eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichtes I 28/06 vom 26. April 2006, E. 3.1), doch
erscheint es vorliegend zweifelhaft, ob die nonverbalen Äusserungen sowie die in
dürftigem Deutsch erteilten Auskünfte dem Gutachter eine vollständige
Befunderhebung erlaubten. Die Frage nach der Vollständigkeit stellt sich ferner mit
Blick auf die Dr. D._ vorliegenden weiteren psychiatrischen Einschätzungen zum
Beschwerdebild der Beschwerdeführerin. Die Klinik St. Pirminsberg geht neben der
gemischten Angst- und depressiven Störung und einer als Differenzialdiagnose
aufgeführten generalisierten Angststörung auch von einer abhängigen Persönlichkeit
mit schizoiden Anteilen aus (IV-act. 18-1/5). Im Klinik-Austrittsbericht vom 16. Mai 2006
wird ausgeführt, dass sich persönliche sowie psychosoziale Schwierigkeiten indirekt
angezeigt hätten, sich diese jedoch nicht hätten offen legen lassen. Da keine andern
Hinweise auf eine schizophrene Erkrankung vorhanden seien, bleibe ungeklärt,
inwieweit der zeitweise starken Angst der Beschwerdeführerin teilweise paranoid-
psychotisches Erleben oder magisches Denken zugrunde liege. Die Symptomatik der
Beschwerdeführerin sei trotz gesicherter Medikamenteneinnahmen
– abgesehen von der Stimmungsverbesserung – wenig beeinflussbar gewesen. Auch
ein Behandlungsversuch mit Neuroleptika habe keine Veränderung gebracht (IV-act.
38-4/6-6/6). Angesichts dieser ärztlichen Einschätzungen bleibt offen, ob neben der
Angst- und depressiven Störung noch weitere psychische Störungen mit
Krankheitswert vorliegen. Offenbar liegen paranoid-psychotische Züge bei der
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Beschwerdeführerin vor. Auch wenn Dr. D._ bei seiner Diagnoseaufstellung keine
entsprechenden Angaben macht, führt er mutmassliche paranoide Verarbeitungen der
Beschwerdeführerin ebenfalls auf. Eine Diskussion mit den ihm vorliegenden ärztlichen
Meinungen sowie eine Auseinandersetzung mit den abweichenden Einschätzungen
lässt er allerdings vermissen.
4.4 Insgesamt ergibt sich, dass Zweifel an der Vollständigkeit des Gutachtens
bestehen. Rechtsprechungsgemäss kommt einem Gutachten oder andern
medizinischen Beurteilungen schon dann kein voller Beweiswert zu, wenn – wie
vorliegend – Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Es muss demnach nicht
feststehen, ob die medizinischen Beurteilungen effektiv nicht den Tatsachen
entsprechen, denn Behörden, die mit nicht medizinischen Fachpersonen besetzt sind,
können dies oft nicht beurteilen. Aufgrund der genannten Mängel kann somit nicht auf
das Gutachten vom 7. Juni 2007 abgestellt werden. Damit kann es auch nicht für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit herangezogen werden (vgl. Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialversicherungsrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 16. Oktober 2002,
I 779/01, E. 4.2). Eine weitere psychiatrische Abklärung erscheint dem Gericht als
unumgänglich. Angesichts der geringen Deutschkenntnisse der Beschwerdeführerin ist
sie in deren Muttersprache Serbokroatisch durchzuführen. Dies lässt sich umso mehr
vertreten, als es sich beim Störungsbild der Beschwerdeführerin gemäss Angabe von
Dr. B._ um eine schizophrene Störung handelt, die wegen der Vielfältigkeit der
Symptome und dem Ausbleiben einer klaren floriden psychotischen Symptomatik der
Beschwerdeführerin auch in der Muttersprache schwer zu diagnostizieren sei (act. G
1.2.3).
4.5 Erst nach der erneuten psychiatrischen Abklärung wird zu beurteilen sein, ob – wie
von der Beschwerdegegnerin behauptet – bei der Beschwerdeführerin keine IV-
relevante Arbeitsunfähigkeit besteht, da die psychosozialen und soziokulturellen
Faktoren bei der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit rechtsprechungsgemäss
ausgeblendet werden müssen.
5.
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5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung teilweise gutzuheissen und die Sache im Sinn der Erwägungen zur
ergänzenden psychiatrischen Abklärung und anschliessenden Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Die Rückweisung zur weiteren Sachverhaltsabklärung ist nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung in Bezug auf den Anspruch auf eine
Parteientschädigung als vollumfängliches Obsiegen zu betrachten (vgl. etwa ZAK 1987
S. 266 E. 5a). Die Beschwerdeführerin hat somit Anspruch auf eine ungekürzte
Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.-. In Anwendung
dieser Bemessungskriterien erscheint die beantragte Parteientschädigung gemäss
Kostennote vom 14. März 2008 von Fr. 2'527.65 (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) angemessen (act. G 13). Die bewilligte unentgeltliche Prozessführung
wird damit gegenstandslos.
5.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
angemessen. Diese werden der unterliegenden Beschwerdegegnerin auferlegt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG