Decision ID: 4cc15e49-778e-42cc-a6a6-09c653d3ad43
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.aA._ meldete sich im Dezember 2008 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland ein
Studium begonnen, dieses aber nicht abgeschlossen. Seit dem Jahr 2004 habe er als
Produktionsmitarbeiter gearbeitet, wofür er einen Lohn von 4’225 Franken pro Monat
erhalten habe. Infolge eines am 11. Mai 2008 erlittenen Unfalls könne er nicht mehr
arbeiten. Die Suva richte ihm ein Taggeld aus. Am 9. Dezember 2008 gab die
Hausärztin Dr. med. B._ telefonisch an (IV-act. 6), der Versicherte leide an den Folgen
eines Polytraumas mit Hirn-, Wirbelsäulen- (Frakturen C6/7) und Thoraxtrauma
(Claviculafrakturen, Scapulafraktur links). Es bestehe der Verdacht auf eine
posttraumatische Belastungsstörung. Aktuell könne dem Versicherten keine
Erwerbstätigkeit zugemutet werden. Ebenfalls am 9. Dezember 2008 berichtete die
Arbeitgeberin des Versicherten (IV-act. 13), dieser habe seit dem 1. September 2004
als Produktionsmitarbeiter für sie gearbeitet. Der Lohn habe sich ab dem 1. Januar
2008 auf 54’925 Franken pro Jahr belaufen. Am 14. Januar 2009 untersuchte der
Psychiater Dr. med. C._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) den
Versicherten persönlich. Er berichtete am 30. Januar 2009 (IV-act. 21), er habe keine
psychische Störung feststellen können, die die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
zusätzlich zu den Folgen des Polytraumas beeinträchtigen würde. Im jetzigen Zeitpunkt
könne noch nicht beurteilt werden, ob eine psychosomatische oder eine somatoforme
Fehlverarbeitung der Unfallfolgen eingetreten sei. Die Klinik für Unfallchirurgie des
Universitätsspitals Zürich berichtete am 29. Juli 2009 (IV-act. 40), der Versicherte habe
beim Unfall vom 11. Mai 2008 ein Schädel-Hirn-Trauma mit einer ausgedehnten
Skalpierung frontal, eine Wirbelsäulenverletzung (Kondylenfraktur rechts, Fraktur C6
mit Facettenfraktur links und Bogen rechts sowie Processus spinosus, Processus
transversus-Fraktur C7 rechts) sowie ein Thoraxtrauma (Claviculafrakturen beidseits,
Scapula-Corpus-Fraktur links, Rippenserienfrakturen 1–4 paravertebral dorsal rechts)
erlitten. Da er über ein Jahr nach dem Unfall noch an persistierenden Beschwerden
leide, müsse von einer Chronifizierung ausgegangen werden. Aktuell könne noch keine
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sichere Prognose bezüglich des weiteren Verlaufs abgegeben werden.
Leidensadaptierte Tätigkeiten seien dem Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Die
RAD-Ärztin Dr. med. D._ notierte am 28. August 2009 (IV-act. 41), die Klinik für
Unfallchirurgie habe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten angegeben. Die abweichende Arbeitsfähigkeitsschätzung der Hausärztin
Dr. B._ überzeuge nicht. Die IV-Stelle verglich den im Auszug aus dem individuellen
AHV-Beitragskonto für das Jahr 2007 angegebenen Lohn von 55’598 Franken mit dem
Medianwert der Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2007 im Betrag von 60’263 Franken.
Angesichts des Umstandes, dass der effektiv erzielte Lohn 8,39 Prozent unter dem
Medianwert gelegen hatte, führte die IV-Stelle eine „Parallelisierung“ der
Vergleichseinkommen durch, indem sie den Medianwert um 8,39 – 5 = 3,39 Prozent
herabsetzte. Angesichts der vollständigen Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte
Tätigkeiten resultierte ein Invaliditätsgrad von minus fünf Prozent (IV-act. 42). Mit einem
Vorbescheid vom 7. September 2009 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass er
bei einem Invaliditätsgrad von null Prozent (das Invalideneinkommen entsprach nun
dem Valideneinkommen) keinen Anspruch auf eine Rente habe, weshalb sie sein
Rentenbegehren abweisen werde (IV-act. 45).
A.bAm 8. Oktober 2009 liess der Versicherte einwenden (IV-act. 48), die Suva richte
nach wie vor ein volles Taggeld aus. Kürzlich habe sie eine stationäre Behandlung in
der Rehaklinik Bellikon in die Wege geleitet. Schon dies zeige, dass der Fall nicht als
abgeschlossen angesehen werden könne. Die IV-Stelle beschloss daraufhin, die
Ergebnisse des stationären Aufenthaltes abzuwarten (IV-act. 49). Am 8. November
2010 liess der Versicherte mitteilen, dass ihm die Suva eine Invalidenrente
entsprechend einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent zugesprochen habe (IV-act. 56).
Den Akten der Suva liess sich entnehmen, dass der Versicherte am 11. Juni 2010 vom
Suva-Kreisarzt Dr. med. E._, einem Facharzt für orthopädische Chirurgie, untersucht
worden war (Suva-act. 113). Dr. E._ hatte berichtet, der Versicherte leide an einer
leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörung, an einer
mässiggradig eingeschränkten Beweglichkeit der Halswirbelsäule, an einer mässig
eingeschränkten Beweglichkeit der linken Schulter, an einer verminderten Kraft im
linken Arm sowie an einer Hypästhesie im linken Oberarm. Es handle sich dabei um
dauernde und erhebliche Unfallfolgen. Die bisherige Tätigkeit als Maschinenführer sei
dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Leichte bis mittelschwere, leidensadaptierte
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Tätigkeiten seien aber während sechs Stunden täglich zumutbar. Dieselbe
Arbeitsfähigkeitsschätzung hatten auch die Ärzte der Rehaklinik Bellikon in ihrem
Austrittsbericht vom 17. Dezember 2009 abgegeben (Suva-act. 92). Sowohl die Ärzte
der Rehaklinik Bellikon als auch der Suva-Kreisarzt Dr. E._ hatten auf
Verdeutlichungstendenzen und auf eine Symptomausweitung hingewiesen. Die
Hausärztin Dr. B._ hatte gar von einer massiven Aggravation gesprochen. Im Auftrag
der Suva hatte der Psychiater Dr. med. F._ am 8. September 2010 den Versicherten
consiliarisch untersucht. Er hatte berichtet (Suva-act. 118), der Versicherte leide
entweder an einer organischen depressiven Störung oder an einer sonstigen
depressiven Episode im Sinne einer atypischen oder einer larvierten Depression.
Welche der beiden Diagnosen zutreffe, müsste neurologisch abgeklärt werden, denn
die Beantwortung der Frage hänge davon ab, ob die Störung eine hirnorganische
Grundlage habe. Jedenfalls sei die depressive Störung als eine Unfallfolge zu
qualifizieren. Die körperlichen und psychischen Funktionsstörungen fielen bereits im
häuslichen Alltag und im Zusammenleben mit dem Versicherten dermassen ins
Gewicht, dass keine Restarbeitsfähigkeit angenommen werden könne. Mit einer
Verfügung vom 21. Oktober 2010 hatte die Suva dem Versicherten per 1. November
2010 eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent zugesprochen
(nicht nummeriertes Suva-act.). Die RAD-Ärzte Dr. med. F._ und Dr. med. G._
notierten am 9. August 2011 (IV-act. 68), dass die Schlussfolgerungen von Dr. F._
erheblich von jenen des RAD-Arztes Dr. C._ abwichen und dass die von
verschiedenen Ärzten geäusserten Hinweise für das Vorliegen einer
Symptomausweitung respektive einer Selbstlimitierung nicht gewürdigt worden seien.
Bei dieser Aktenlage empfehle sich eine polydisziplinäre Begutachtung.
A.cIm September 2011 meldete sich der Versicherte zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung an (IV-act. 74). Er gab an, er benötige die Hilfe Dritter beim An-
und Auskleiden, beim Baden und Duschen, bei der Körperreinigung nach der
Verrichtung der Notdurft, bei der Fortbewegung im Freien und bei der Pflege
gesellschaftlicher Kontakte. Zudem sei er auf eine lebenspraktische Begleitung
angewiesen. Die Hausärztin Dr. B._ bestätigte diese Angaben am 10. Oktober 2011
(IV-act. 79). Am 28. März 2012 führte sie auf entsprechende Fragen der IV-Stelle hin
(vgl. IV-act. 87) ergänzend aus (IV-act. 90), dem Versicherten sei es zumutbar,
sämtliche alltäglichen Lebensverrichtungen ausser die Fortbewegung im Freien und die
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Pflege gesellschaftlicher Kontakte selbständig auszuführen. Teilweise sei er auf eine
lebenspraktische Begleitung angewiesen. Die Hilfsbedürftigkeit sei rein unfallbedingt.
Am 27. April 2012 leitete die IV-Stelle das Gesuch um die Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung unter Hinweis auf den Art. 66 Abs. 3 ATSG an die Suva zur
Behandlung weiter (IV-act. 91).
A.dAm 10. Mai 2012 erstattete die ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 92). Die Sachverständigen führten aus, der
Versicherte leide an chronischen Schulter-Arm-Hand-Beschwerden der adominanten
linken Seite, an einem chronischen panvertebralen Schmerzsyndrom, an einem Status
nach einem Autounfall mit einem Polytrauma sowie – ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit – an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Aus
orthopädischer Sicht seien ihm körperlich schwere Tätigkeiten nicht mehr zumutbar.
Für körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unter Wechselbelastung bestehe
dagegen aus orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit. Der Einsatz des linken Arms oberhalb des Schulterniveaus und das
Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm sollten aber vermieden werden.
Aus neurologischer Sicht schränkten die kognitiven Defizite, für die keine
hirnorganische Grundlage nachweisbar sei, die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Aufgrund der
Kopfschmerzen seien dem Versicherten aber körperlich schwere Tätigkeiten und
Tätigkeiten, die in lauten Räumen ausgeübt werden müssten, aus neurologischer Sicht
nicht mehr zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte uneingeschränkt
arbeitsfähig. Die Einschätzung des Psychiaters Dr. F._ sei nicht nachvollziehbar. Kein
anderer Facharzt habe auch nur annähernd die von Dr. F._ festgestellten
gravierendsten Einbussen bestätigt. Die Zusprache einer Invalidenrente der Suva bei
einem Invaliditätsgrad von 100 Prozent gestützt auf die Beurteilung von Dr. F._
mache „das Ganze noch unverständlicher“. Aus allgemeininternistischer Sicht habe
ebenfalls keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden
können. Gesamthaft seien dem Versicherten leidensadaptierte Tätigkeiten
uneingeschränkt zumutbar. Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 25. Mai 2012 (IV-act.
93), das Gutachten der ABI GmbH sei überzeugend. Gestützt darauf sei von einer
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen,
wobei auch die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter die von den
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Sachverständigen der ABI GmbH beschriebenen Anforderungen an eine
leidensadaptierte Tätigkeit erfülle.
A.eMit einem Vorbescheid vom 9. August 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit
(IV-act. 99), dass sie plane, sein Rentenbegehren abzuweisen. Gemäss den
Ergebnissen der medizinischen Abklärungen sei er nämlich in der Lage, ein
„mindestens“ ebenso hohes Einkommen wie vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung zu erzielen, weshalb er nicht in einem
rentenbegründenden Ausmass invalid sei. Die Suva, die eine Kopie dieses
Vorbescheides erhalten hatte, ersuchte am 17. August 2012 um die Zustellung einer
Kopie des Gutachtens der ABI GmbH (IV-act. 100). Bereits am 8. Juni 2012 hatte sie
das Gesuch um die Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung abgewiesen (nicht
nummeriertes Suva-act.). Am 11. September 2012 liess der Versicherte gegen den
Vorbescheid einwenden (IV-act. 102), sein Gesundheitszustand habe sich sowohl in
somatischer als auch in psychiatrischer Hinsicht verschlechtert. Aktuell seien
medizinische Abklärungen im Gange. In dieser Situation wäre eine Verfügung
betreffend sein Rentenbegehren verfrüht. Am 29. Oktober 2012 liess er ergänzend
ausführen (IV-act. 113), das Gutachten der ABI GmbH überzeuge nicht. Es
widerspreche in neurologischer und in psychiatrischer Hinsicht den übrigen
medizinischen Berichten. Zudem habe sich der psychische Gesundheitszustand des
Versicherten nach der Begutachtung weiter verschlechtert. Der Versicherte werde am
14. November 2012 erstmals einen Psychiater (Dr. med. I._) aufsuchen, um sich von
diesem behandeln zu lassen. Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 16. November 2012
(IV-act. 114), die Einwände des Versicherten gegen das Gutachten der ABI GmbH
seien nicht stichhaltig, doch sei es möglich, dass sich dessen Gesundheitszustand
zwischenzeitlich verschlechtert habe. Zur Beantwortung der Frage nach einer solchen
Verschlechterung werde vom Psychiater Dr. I._ sechs Monate nach dem
Behandlungsbeginn ein Bericht eingeholt werden müssen.
A.fAm 7. Mai 2013 forderte die IV-Stelle Dr. I._ auf (IV-act. 117), über die
Behandlung, über den Behandlungserfolg, über das weitere Vorgehen und über die
Prognose zu berichten und Stellung zum Gutachten der ABI GmbH zu nehmen. Am 8.
Mai 2013 antwortete Dr. I._ (IV-act. 118), er habe den Versicherten erst zweimal
ambulant in seiner Praxis gesehen. Auf seine Veranlassung hin sei der Versicherte
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anschliessend in der Klinik J._ stationär behandelt worden. Deshalb könne er die
gestellten Fragen nicht beantworten. Am 17. Mai 2013 forderte die IV-Stelle den
zuständigen Arzt der Klinik J._, Dr. K._, auf (IV-act. 120), über die Behandlung,
über den Behandlungserfolg, über das weitere Vorgehen und über die Prognose zu
berichten und Stellung zum Gutachten der ABI GmbH zu nehmen. Am 19. Juni 2013
erstattete Dr. K._ einen formalisierten Arztbericht (IV-act. 122). Als Diagnosen führte
er eine mittelgradige depressive Episode und ein chronisches Schmerzsyndrom mit
somatischen und psychischen Faktoren an. Er berichtete, der Versicherte sei vom 17.
Dezember 2012 bis zum 25. Januar 2013 stationär behandelt worden. Dabei habe eine
Verbesserung des psycho-physischen Zustandes erreicht werden können, die aber
nach dem Austritt aus der Klinik nur für eine kurze Zeit angehalten habe. Bis auf
weiteres sei der Versicherte nicht arbeitsfähig. Am 26. Juli 2013 wies die IV-Stelle Dr.
K._ darauf hin, dass er die gestellten Fragen nicht vollständig beantwortet habe (IV-
act. 124). Am 9. August 2013 antwortete Dr. K._ (IV-act. 125), zur Behandlung, zum
Behandlungserfolg, zum weiteren Vorgehen und zur Prognose habe er sich bereits
geäussert. Im Laufe der stationären Behandlung seien kognitive Einbussen festgestellt
worden. Diese seien wahrscheinlich organisch bedingt. Da bereits Dr. F._ am 22. Mai
2012 über ängstlich-depressive Beschwerden berichtet habe und da die Rehaklinik
Bellikon schon im Jahr 2009 kognitive Einbussen erwähnt habe, sei davon auszugehen,
dass der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach dem Unfall längerfristig
unverändert schlecht sei, die Beschwerden aber phasenweise mehr oder weniger
ausgeprägt seien. Schon im geschützten Rahmen sei der Versicherte sehr rasch von
Aufgaben überfordert gewesen. Ein Arbeitsversuch in der freien Wirtschaft werde mit
grosser Sicherheit scheitern. Der RAD-Arzt Dr. G._ hielt am 23. August 2013 fest,
dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit der Begutachtung durch die
ABI GmbH nicht wesentlich verschlechtert habe, weshalb auf das Gutachten abgestellt
werden könne (IV-act. 126). Im Auftrag der Suva erstattete der Psychiater Dr. med.
L._ am 29. Oktober 2013 ein psychiatrisches Gutachten (nicht nummeriertes Suva-
act.). Er führte aus, der Versicherte leide an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und an einer mittelgradigen depressiven Episode. Nebst einer
dysfunktionalen Schmerzverarbeitungskomponente spielten auch eine Verdeutlichung
und eine bewusste Präsentation von Verhaltenseinschränkungen eine Rolle. Der
Versicherte verfüge nach wie vor über Ressourcen, welche ihm eine Arbeitsleistung im
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Umfang des vor dem Unfall Geleisteten erlauben würden. Allerdings blockiere ihn die
verunglückte Verarbeitung des Unfallgeschehens. Von Bedeutung sei, dass die
Angaben des Versicherten und der Akten zur Schuldfrage in Bezug auf den Unfall
widersprüchlich seien. Sollte der Versicherte den Unfall seinen Beteuerungen zum Trotz
selbst verschuldet haben, dürfte die Verarbeitung des Unfallgeschehens für ihn einen
unlösbaren inneren Konflikt verursachen. Falls ihn keine Schuld am Unfall träfe, müsste
er dagegen theoretisch in der Lage sein, die Unfallfolgen adäquat zu verarbeiten. Die
Arbeitsfähigkeit könne gesamthaft kaum zuverlässig geschätzt werden. Zumindest
seien dem Versicherten aber leichte Tätigkeiten während vier Stunden pro Tag
zumutbar. Mit einer Verfügung vom 9. Januar 2014 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 127). Die Suva teilte dem Versicherten am
14. Januar 2014 mit, dass sie sich dem Entscheid der IV-Stelle anschliessen werde
(nicht nummeriertes Suva-act.).
B.
B.aAm 20. Januar 2014 erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 9. Januar 2014 (act. G 1). Er beantragte die
Zusprache einer ganzen Rente ab dem 1. Mai 2009 und die Einholung eines
polydisziplinären (orthopädischen, neurologischen und psychiatrischen) Gutachtens.
Zur Begründung führte er aus, er verstehe nicht, weshalb seine Beschwerden nicht
ernstgenommen würden. Sein Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert; es
seien noch medizinische Abklärungen im Gange. Am 30. April 2014 liess der nun
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer ergänzend ausführen (act. G 5), das Gutachten
der ABI GmbH überzeuge nicht. Die ABI GmbH habe den Beschwerdeführer
auftragswidrig nicht chirurgisch, internistisch und neuropsychologisch untersucht. Die
Schlussfolgerungen des neurologischen Sachverständigen bezüglich des Vorliegens
hirnorganischer kognitiver Beeinträchtigungen widersprächen mehreren
neuropsychologischen Testergebnissen. Das psychiatrische Teilgutachten überzeuge
ebenfalls nicht, denn die behandelnden Psychiater und Dr. F._ seien zu völlig
anderen Schlussfolgerungen gelangt und hätten diese im Gegensatz zum
psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH überzeugend begründet. Gesamthaft
sei belegt, dass der Beschwerdeführer sowohl aus neurologischer als auch aus
psychiatrischer Sicht nicht mehr arbeitsfähig sei. Wenn aber davon ausgegangen
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würde, der Beschwerdeführer sei noch arbeitsfähig, müsste ein „Leidensabzug“
berücksichtigt werden.
B.bAm 13. Juni 2014 beantragte die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
die Abweisung der Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung führte sie aus, es könne
ohne weiteres auf das Gutachten der ABI GmbH abgestellt werden. Einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung komme ohnehin nur ausnahmsweise ein
„invalidisierender“, das heisst einen Rentenanspruch begründender Charakter zu.
Leichte bis mittelschwere depressive Störungen gälten zudem gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung als im Prinzip therapeutisch behandelbar.
Solange die Behandlungsoptionen nicht ausgeschöpft seien, liege keine Invalidität vor.
Ein Tabellenlohnabzug sei nicht gerechtfertigt.
B.cAm 20. August 2014 liess der Beschwerdeführer an seinen Anträgen festhalten
(act. G 11). Sein Rechtsvertreter führte aus, das ihm erst jetzt zur Kenntnis gebrachte
Gutachten von Dr. L._ belege, dass nicht auf das Gutachten der ABI GmbH
abgestellt werden könne.
B.dDie Beschwerdegegnerin hielt am 15. September 2014 ebenfalls an ihrem Antrag
fest (act. G 13).

Erwägungen
1.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat einen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung (Art. 28 Abs. 1 IVG). Für die Bemessung der Invalidität wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zum
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Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen würde, wenn sie gesund geblieben wäre
(Art. 16 ATSG).
2.
2.1Bei der Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
entscheidend, wie sich die Gesundheitsbeeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit der
versicherten Person auswirkt, das heisst, welche erwerbsrelevanten Einschränkungen
die Gesundheitsbeeinträchtigung verursacht und welche erwerbsrelevanten
Ressourcen der versicherten Person trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung noch zur
Verfügung stehen. Dabei handelt es sich um eine medizinische Frage, die
entsprechend von Fachärzten zu beantworten ist. Vorliegend haben sich nebst
diversen behandelnden Ärzten als begutachtende Fachärzte der Psychiater Dr. F._,
die ABI GmbH und der Psychiater Dr. L._ zu dieser Frage geäussert.
2.2Der Consiliarbericht von Dr. F._ ist äusserst knapp ausgefallen. Die
Befundschilderung ist spärlich. Der Bericht enthält auch keine Auseinandersetzung mit
den früheren Berichten der behandelnden Ärzte, insbesondere der Rehaklinik Bellikon,
wo der Beschwerdeführer ebenfalls bereits psychiatrisch und neuropsychologisch
untersucht worden war. Dies ist als ein erheblicher Mangel des Berichts von Dr. F._
zu qualifizieren, zumal seine Diagnose und seine Arbeitsfähigkeitsschätzung erheblich
von jenen der behandelnden Ärzte abweichen. Dem Bericht von Dr. F._ lässt sich
sodann entnehmen, dass sich seine Schlussfolgerungen massgebend auf die
fremdanamnestischen Angaben des Sohnes des Beschwerdeführers stützen. Dieser
Umstand disqualifiziert den Bericht von Dr. F._ als zuverlässige Grundlage für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ohne weiteres. Der Sohn des Beschwerdeführers hat
nämlich keine zuverlässigen Angaben zum Gesundheitszustand seines Vaters machen,
sondern nur wiedergeben können, wie er seinen Vater subjektiv erlebe. Diese Angaben
haben also zum Vorneherein nicht objektiv sein können. Zudem hat der Sohn
möglicherweise – bewusst oder unbewusst – mit seinen Angaben die Zusprache einer
möglichst hohen Sozialversicherungsleistung begünstigen wollen. Wenn überhaupt,
dann hätte Dr. F._ die Angaben des Sohnes allenfalls ergänzend berücksichtigen
dürfen. Seine Schlussfolgerungen hätten sich aber hauptsächlich auf den von ihm
erhobenen Befund und auf die Vorakten stützen müssen. Gerade angesichts des
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Umstandes, dass die Angaben des Sohnes erheblich von den von den behandelnden
Ärzten beschriebenen Befunden abgewichen sind, ist das Vorgehen von Dr. F._, auf
diese Angaben abzustellen, ohne sich mit den davon abweichenden Berichten der
behandelnden Ärzte auseinander zu setzen, nicht nachvollziehbar. Zudem hat sich Dr.
F._ unverständlicherweise nicht mit den deutlichen Hinweisen auf eine Aggravation
beziehungsweise Verdeutlichungstendenzen auseinandergesetzt. Weder die Diagnose
noch die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. F._ vermögen deshalb zu überzeugen.
Der Umstand, dass die Suva (trotz der in den Berichten der behandelnden Ärzte
enthaltenen zahlreichen Hinweise auf Verdeutlichungstendenzen und Aggravation) auf
den unzureichend begründeten und nicht nachvollziehbaren Bericht von Dr. F._
abgestellt und dem Beschwerdeführer gestützt darauf eine Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 100 Prozent zugesprochen hat, ist nicht nachvollziehbar.
2.3Im Gegensatz zum Consiliargutachten von Dr. F._ stimmt das Gutachten der ABI
GmbH im Wesentlichen mit den Berichten der behandelnden Ärzte überein. Entgegen
der Ansicht des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers hat sich der neurologische
Sachverständige Dr. med. M._ mit den in den Vorberichten erwähnten
neurokognitiven Funktionsbeeinträchtigungen auseinander gesetzt. Er hat überzeugend
begründet, dass sich anhand der gesamten Akten nur eine milde traumatische
Hirnverletzung objektivieren lasse, da bereits in einem MRI vom 17. Dezember 2009
keine Auffälligkeiten mehr ersichtlich gewesen seien. Hinsichtlich der in den Berichten
der Rehaklinik Bellikon erwähnten leicht- bis mittelgradigen
Funktionsbeeinträchtigungen hat er zu Recht darauf hingewiesen, dass diese von den
Neuropsychologen der Rehaklinik Bellikon selbst bereits nur als fraglich überzeugend
beurteilt worden seien, da Verdeutlichungstendenzen und motivationale Aspekte die
Testergebnisse verfälscht hätten. Die Diagnosen und die Arbeitsfähigkeitsschätzung
von Dr. M._ sind überzeugend.
2.4Auch das psychiatrische Teilgutachten von Dr. med. N._ vermag zu überzeugen.
Seine Begründung ist zwar eher knapp ausgefallen, insbesondere was die
Auseinandersetzung mit dem Bericht von Dr. F._ betrifft. Allerdings kann daraus nicht
abgeleitet werden, dass sich Dr. N._ nur oberflächlich mit den Vorakten auseinander
gesetzt oder den Beschwerdeführer nur ungenügend untersucht hätte. Zudem hat sich
Dr. N._ auf die Berichte des RAD-Arztes Dr. C._ und der behandelnden Ärzte
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stützen können, die allesamt zu ähnlichen Ergebnissen gelangt waren, das heisst in
denen keine sich auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkende
Diagnose angegeben und entsprechend keine Arbeitsunfähigkeit attestiert worden
waren. Bei dieser (im Zeitpunkt der Begutachtung) übereinstimmenden Aktenlage
schadet die knappe Begründung deshalb nicht. Der Sachverständige Dr. L._ hat
später zwar mit einer ausführlichen und grundsätzlich nachvollziehbaren Begründung
aufgezeigt, dass die Diagnosestellung von Dr. N._ zu oberflächlich ausgefallen sein,
das heisst der Komplexität der psychischen Fehlverarbeitung der Unfallfolgen nur
unzureichend Rechnung getragen haben könnte. Im Ergebnis hat Dr. L._ dann
allerdings ebenfalls eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert,
womit er die Diagnosestellung von Dr. N._ letztlich doch als korrekt bestätigt hat.
Angesichts der überzeugenden Herleitung dieser Diagnose durch Dr. L._ besteht kein
ernsthafter Zweifel daran, dass der Beschwerdeführer tatsächlich an einer
somatoformen Schmerzstörung gelitten hat. Allerdings hat Dr. L._ zusätzlich eine
mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Er hat ausgeführt, dass er angesichts
der Vielzahl der Symptome der depressiven Störung eigentlich eine schwergradige
depressive Episode hätte diagnostizieren müssen, dass dies aber nicht dem klinischen
Bild entsprochen hätte. Seines Erachtens hat es sich um eine über eine oft
vorkommende comorbide Komponente bei somatoformen Störungen hinausgehende,
eigenständige depressive Störung gehandelt. Er ist davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer noch depressiver wäre, wenn er sich nicht in die somatoforme
Störung geflüchtet hätte. Diese Ausführungen erscheinen als grundsätzlich
nachvollziehbar. Dem Gutachten von Dr. L._ lässt sich allerdings entnehmen, dass
auch er zu einem wesentlichen Teil auf die Angaben des Sohnes des
Beschwerdeführers abgestellt haben dürfte, denn laut dem Gutachten hat Dr. L._ ein
eineinhalb Stunden dauerndes Gespräch mit dem Sohn geführt, der dabei unter
anderem angegeben hatte, er habe aufgrund der Unfallfolgen seines Vaters die eigene
Unternehmung aufgeben müssen; auch seine Ehe sei wegen seines Vaters gescheitert.
Anders als noch bei der Befragung durch Dr. F._ war der Sohn bei der Befragung
durch Dr. L._ also bereits selbst direkt und erheblich von den Beschwerden seines
Vaters betroffen, weshalb seine Angaben gegenüber Dr. L._ noch stärker subjektiv
gefärbt gewesen sein dürften als die Angaben gegenüber Dr. F._. Bei der Durchsicht
des Gutachtens von Dr. L._ kann sich der medizinische Laie des Eindrucks nicht
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erwehren, dieser habe den Angaben des Sohnes ein zu starkes Gewicht eingeräumt
und seine Schlussfolgerungen damit zumindest teilweise auf eine ungeeignete
Grundlage gestützt. Diese Zweifel am Beweiswert des Gutachtens von Dr. L._
werden zusätzlich dadurch genährt, dass Dr. K._ ebenfalls eine mittelgradige
depressive Störung diagnostiziert, aber gleichzeitig darauf hingewiesen hatte, im Bezug
zum Bericht von Dr. F._ sei keine wesentliche Verschlechterung des
Gesundheitszustandes auszumachen. Diese Angabe ist widersprüchlich, denn im
Zeitpunkt der Untersuchung durch Dr. F._ war der Beschwerdeführer gar nicht
depressiv gewesen, wie sämtliche übrige psychiatrische Berichte aus jener Zeit
belegen. Aufgrund dieses Widerspruchs ist nicht nur die Diagnose einer mittelgradigen
depressiven Störung im Bericht von Dr. K._ in Frage gestellt. Auch die Diagnose im
Bericht von Dr. L._ muss angezweifelt werden, denn dieser hatte dieselbe Diagnose
gestellt, aber ebenfalls nicht auf eine zwischenzeitliche Verschlechterung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers hingewiesen. Noch weniger
überzeugend sind die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der Dres. K._ und L._. Dr.
K._ hat eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert, was sich anhand der von ihm
geschilderten Befunde und angesichts der Diagnose nicht erklären lässt und zudem in
einem erheblichen Widerspruch zu den früheren Arbeitsfähigkeitsschätzungen (ausser
jener von Dr. F._) steht, ohne dass Dr. K._ dies hätte begründen können. Der
Sachverständige Dr. L._ hat selbst eingeräumt, dass er eigentlich gar keine
Arbeitsfähigkeitsschätzung abgeben könne – nur um gleich anschliessend doch eine
abzugeben. Vor diesem Hintergrund kann seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht
überzeugen.
2.5Angesichts der Vorakten und der von den Dres. M._ und N._ aus der
persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers gewonnenen Erkenntnisse hat
keine Notwendigkeit für eine erneute neuropsychologische Testung bestanden.
2.6Das orthopädische Teilgutachten der ABI GmbH vermag ebenfalls zu überzeugen.
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist eine internistische Untersuchung im
Rahmen der allgemeinen Fallführung durchgeführt worden. Ein Grund dafür, dass
zusätzlich noch eine chirurgische Untersuchung hätte durchgeführt werden müssen, ist
nicht ersichtlich. Gesamthaft sind die Sachverständigen der ABI GmbH zwar zu einem
leicht anderen Ergebnis als die Ärzte der Rehaklinik Bellikon und der Suva-Kreisarzt
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gelangt. Die Sachverständigen der ABI GmbH haben nämlich eine uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert, wobei sie – anders als die
Ärzte der Rehaklinik Bellikon und der Suva-Kreisarzt – nicht nur körperlich leichte
Tätigkeiten mit tiefen kognitiven Anforderungen als leidensadaptiert qualifiziert haben.
Die Ärzte der Rehaklinik Bellikon und der Suva-Kreisarzt hatten einen zusätzlichen
Pausenbedarf von zwei Stunden pro Tag attestiert, die Notwendigkeit dieser
zusätzlichen Pausen aber nicht begründet. Der Suva-Kreisarzt scheint lediglich die
(unbegründete) Arbeitsfähigkeitsschätzung der Ärzte der Rehaklinik Bellikon
übernommen zu haben. Ein Grund für den angegebenen zusätzlichen Pausenbedarf ist
nicht ersichtlich. Das Attest einer entsprechenden Arbeitsunfähigkeit von 25 Prozent für
leidensadaptierte Tätigkeiten vermag daher nicht zu überzeugen. Vielmehr ist gestützt
auf das Gutachten der ABI GmbH von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen.
2.7Die Sachverständigen der ABI GmbH sind retrospektiv aufgrund der beiden
Austrittsberichte der Rehaklinik Bellikon aus den Jahren 2008 und 2009 und aufgrund
des Berichtes der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals Zürich vom 29. Juli
2009 davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall während eines
längeren Zeitraumes vollständig arbeitsunfähig gewesen war, sich sein
Gesundheitszustand im Verlauf des ersten Halbjahres 2009 aber wieder soweit
verbessert hatte, dass ihm von der Klinik für Unfallchirurgie des Universitätsspitals
Zürich zu Recht im Bericht vom 29. Juli 2009 wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit
für leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert worden sei. Die Sachverständigen der ABI
GmbH haben deshalb ab dem 29. Juli 2009 eine vollständige Arbeitsfähigkeit für
leidensadaptierte Tätigkeiten attestiert, was grundsätzlich überzeugend ist, sich aber
insofern als falsch erweist, als die Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie des
Universitätsspitals Zürich ihre Angaben im Bericht vom 29. Juli 2009 auf die Ergebnisse
einer Untersuchung vom 14. Mai 2009 (vgl. IV-act. 40–1 unten) gestützt hatten,
weshalb nicht erst ab dem 29. Juli 2009, sondern bereits ab dem 14. Mai 2009 von
einer vollständigen Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten auszugehen ist.
3.1Der Beschwerdeführer hat vor dem Unfall als Hilfsarbeiter gearbeitet und dabei
einen leicht unterdurchschnittlichen Lohn erzielt. Den Akten lässt sich kein Hinweis
darauf entnehmen, dass er nur über eine unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit
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verfügt hätte und dass diese der Grund für den vergleichsweise tiefen Lohn gewesen
wäre. Überwiegend wahrscheinlich ist die Lohnhöhe auf arbeitsmarktliche Zwänge
zurückzuführen. Der Beschwerdeführer hätte wohl eine besser entlöhnte Tätigkeit
ausgeübt, wenn sich ihm eine entsprechende Gelegenheit geboten hätte. Für die
Bemessung der Invalidität ist der tatsächliche Arbeitsmarkt aber gar nicht
massgebend. Relevant ist vielmehr der allgemeine, ausgeglichene Arbeitsmarkt. Auf
diesem hätte der Beschwerdeführer einen durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn erzielt.
Das Valideneinkommen entspricht also dem statistischen Medianwert der
Hilfsarbeiterlöhne.
3.2Da der Beschwerdeführer leidensadaptierte Hilfsarbeiten verrichten könnte,
entspricht auch der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens dem statistischen Medianwert der Hilfsarbeiterlöhne. Bei der
Berechnung des Invaliditätsgrades kann der Betrag dieser beiden Vergleichsgrössen
mathematisch keine Rolle spielen, weshalb die Invalidität anhand des so genannten
Prozentvergleichs zu bemessen ist. Der Invaliditätsgrad entspricht also dem
Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen Tabellenlohnabzug von maximal
25 Prozent (vgl. BGE 126 V 75). Angesichts einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit
für leidensadaptierte Tätigkeiten kann selbst bei Anwendung des nicht gerechtfertigten
Maximalabzuges vom Tabellenlohn kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
resultieren. Der Beschwerdeführer hat folglich keinen Anspruch auf eine Rente der
Invalidenversicherung.
3.3Auch die Zusprache einer befristeten Rente fällt nicht in Betracht, denn der
Beschwerdeführer ist lediglich ein Jahr – von Mai 2008 bis Mai 2009 – auch in
leidensadaptierten Tätigkeiten arbeitsunfähig gewesen. Damit hätte er lediglich das
Wartejahr (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) erfüllt, was ihm aber nichts nützen würde, da er
nach dem Ablauf des Wartejahres jedenfalls nicht invalid gewesen ist. Da das
Wartejahr aber nicht „auf Vorrat“ erfüllt werden kann, sondern stets für das Jahr
unmittelbar vor dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität geprüft werden muss,
ob das Wartejahr erfüllt sei, ist das Wartejahr im Sinne des Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG bei
genauer Betrachtung effektiv nicht erfüllt, was aber für das Ergebnis irrelevant ist.
4.
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Die Beschwerde ist folglich abzuweisen. Der unterliegende Beschwerdeführer hat die
Gerichtskosten von 600 Franken zu bezahlen. Diese Gebühr ist durch den von ihm
geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Bei diesem Verfahrensausgang
besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung.