Decision ID: 8fcd4c76-77e6-4a63-94bb-335b81ed84b9
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1970 geborene
X._
meldete sich am 1
0.
Mai 2013 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Y._
zu
r
Arbeitsvermitt
lung an (Anmeldebestätigung vom 1
0.
Mai 2013,
Urk.
6/91) und beantragte ab
1.
August 2013 Arbeitslosenentschädigung (Antrag vom 2
4.
Mai 2013,
Urk.
6/84-87).
Mit Verfügung vom
6.
September 2013 verneinte das
Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA)
einen Anspruch von
X._
auf Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
6/42-44). Die von
X._
am 3
0.
September 2013 erhobene Einsprache (
Urk.
6/35-37)
wies das AWA mit
Einspracheentscheid
vom 1
3.
November 2013 ab (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 1
3.
Dezember 2013 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei ihm ab dem
1.
August 2013
Arbeitslosenentschä
digung
auszurichte
n. Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Januar 2014 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
5), was dem Be
schwerdeführer am 1
3.
Januar
2014 mitgeteilt wurde (Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin bringt zur Begründung der
Verneinung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung vor, der Beschwerdefüh
rer habe die notwendige Beitragszeit von zwölf Monaten nicht erfüllt. Während der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom
1.
August 2011 bis 3
1.
Juli 2013 sei er lediglich vom
1.
Oktober 2012 bis 3
1.
Juli 2013, also während zehn Monaten, bei der
Z._
einer beitragsrelevanten Tätigkeit nachgegangen. Selbständige Arbeitstätigkeiten könnten für die Beitragszeit nicht berücksichtigt werden. Ein
Grund für eine Befreiung von der Erfüllung der
Beitragszeit liege nicht vor.
Der Beschwerdeführer könne sich auch nicht auf den Vertrauens
schutz berufen, da die von ihm behauptete Falschauskunft nicht belegt sei (
Urk.
2 und
Urk.
5)
.
1.2
Der Beschwerdeführer bringt hiergegen vor,
d
a er in der Vergangenheit selb
ständig gewesen sei, hätte die Rahmenfrist für die Beitragszeit gestützt auf
Art.
9a des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIG)
verlängert werden müssen.
Entspre
chend sei seine Tätigkeit bei der
A._
als Beitragszeit an
zurechnen.
Er habe
daher die Beitragszeit erfüllt.
Falls dies verneint würde, habe er gestützt auf den Vertrauensschutz Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung. Er habe Frau
B._
von der
Be
schwerdegegnerin
angefragt, ob es sinnvoll wäre, eine ihm angebotene Stelle als Kurier anzunehmen oder ob er sich besser bei der Arbeitslosenversicherung anmelden soll. Sie habe ihm die Auskunft erteilt, dass
,
würde
er
die Stelle als Kurier annehmen
,
er
im Taggeld vom Betriebswir
t zum Kurier herabgestuft wü
rde
. Sie habe ihm abgeraten
,
die Stelle anzunehmen. Diese Falschberatung sei Mitursache dafür, dass er nicht mehr Beitragszeit
vorzuweisen
hab
e (Urk.
1).
2.
2.1
2.1.1
Eine der gesetzlichen Voraussetzungen für den Anspruch auf
Arbeitslosenent
schädigung
besteht darin, dass die ver
si
cherte Person die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 8 Abs. 1
lit
. e AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der
Rah
men
frist
nach Art. 9 Abs. 3 AVIG während mindestens zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Die
Rah
men
frist
für die Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor dem Tag, an welchem die versicherte Person erstmals sämtliche Anspruchsvoraussetzungen erfüllt (Art. 9 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 AVIG). Voraussetzung für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung unter dem Gesichtspunkt der erfüllten Beitragszeit nach
Art.
8
Abs.
1
lit
. e in Verbindung mit
Art.
13
Abs.
1 AVIG ist grundsätz
lich einzig die Ausübung einer beitragspflichtigen Beschäftigung während der geforderten Dauer von zwölf Beitragsmonaten (BGE 113 V 352).
2.
1.
2
Die Rahmenfrist für die Beitragszeit von Versicherten, die den Wechsel zu einer selbständigen Erwerbstätigkeit ohne Bezug von Leistungen vollzogen haben, wird um die Dauer der selbständigen Erwerbstätigkeit, höchstens jedoch um zwei Jahre verlängert (
Art.
9a
Abs.
2 AVIG).
2.
1.
3
Schweizer, die nach einem Auslandaufenthalt von über einem Jahr in einem Staat, der sowohl
ausserhalb
der Europäischen Gemeinschaft als auch der Euro
päischen Freihandelsassoziation (EFTA) liegt, in die Schweiz zurückkehren, sind während eines Jahres von der Erfüllung der Beitragszeit befreit, sofern sie sich über eine entsprechende Beschäftigung als Arbeitnehmer im Ausland ausweisen können
(
Art.
14
Abs.
3 AVIG)
.
2.2
Der Grundsatz von Treu und Glauben (
Art.
9
der Bundesverfassung
) verschafft einen Anspruch auf Schutz berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherun
gen oder sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten, sofern sich dieses auf eine konkrete, die betreffende Bürgerin oder den betreffenden Bürger berührende Angelegenheit bezieht.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer beantragte ab dem
1.
August 2013
Arbeitslosenentschä
digung
. Die zweijährige Rahmenfrist für die Beitragszeit lief daher vom
1.
August 2011 bis am 3
1.
Juli 201
3.
Während
dieser
Rahmenfrist arbeitete
er
vom
1.
Oktober 2012 bis 3
1.
Juli 2013 bei der
Z._
(
Arbeitgeber
bescheinigung
,
Urk.
6/70-71). Einer weiteren unselbständigen Beschäftigung ging er während der Rahmenfrist nicht nach. Seine Tätigkeit für die
A._
dauerte von Januar bis Mitte Juli 2011 (Arbeitszeugnis vom 1
7.
Juli 2011,
Urk.
6/89) und endete somit vor Beginn der Rahmenfrist für die Beitragszeit. Bei der vom Beschwerdeführer angeführten Tätigkeit für die
C._
, welche er von Mitte August 2011 bis Juni 2012 ausübte, handelte es sich gemäss seinen Angaben um eine selbständige Tätigkeit, nannte er sich doch Co-
Founder
und Shareholder (
Urk.
6/65).
Diese Tätigkeit führt nicht gestützt auf
Art.
9a
Abs.
2 AVIG zu einer Verlängerung der Rahmenfrist für die Beitragszeit, da
eine im nicht EU-/EFTA-Ausland ausgeübte selbständige Erwerbstätigkeit per se nicht zu einer Rahmenfristverlängerungen führen kann (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
C
350/05 vom
3.
Mai 2006; AVIG-Praxis ALE
Rz
B67
; vgl. Schriftenempfangsschein,
Urk.
6/59
)
. Eine selbständige Tätigkeit im Ausland
hat
zudem
auch
nicht
eine
Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit gemäss
Art.
14
Abs.
3 AVIG
zur Folge
. Der Beschwerdeführer erfüllte daher
weder die Beitragszeit noch war er von deren Erfüllung befreit. Er hat
deshalb
grundsätzlich keinen
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung.
3.2
Zu prüfen bleibt, ob
er
aufgrund einer unzutreffenden Auskunft der
Beschwer
degegnerin
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat. Wie ausgeführt macht der Beschwerdeführer geltend, dass er aufgrund einer unzutreffenden Auskunft von Frau
B._
von der Beschwerdegegnerin eine Tätigkeit als Kurier, welche zur Erfüllung der Beitragszeit geführt hätte, nicht angenommen
h
a
be
(E. 1.2)
.
Aus dem Prozessorientierten Beratungsprotokoll des RAV
(
Urk.
6/17-18)
geht hervor, dass der Beschwerdeführer mit seiner
RAV-
Beraterin
Frau
D._
mehr
mals über seinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
sprach
. So rief
er
sie
am 2
3.
Mai 2013 an und stellte Fragen
betreffend Anspruch und Rahmenfrist. Am
4.
Juni 2013 telefonierte er ebenfalls mit
ihr. Frau
D._
hielt hierzu im
Beratungsprotokoll fest,
dass weiterhin Fragen offen seien. A
m 5.
August 2013 vermerkte
sie
erneut, dass der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung noch ungeklärt sei.
Allenfalls habe der Beschwerdeführer
gemäss Auskunft der
Be
schwerdegegnerin
Anspruch auf 90 beitragsbefreite T
age.
Aus diesen Notizen der RAV-Beraterin Frau
D._
geht
hervor, dass sich die Beschwerdegegnerin während längerer Zeit im
Unklaren
war, ob der Beschwer
deführer überhaupt einen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat
, wobei offensichtlich unklar war, ob der Beschwerdeführer von der Erfüllung der
Bei
tragszeit
befreit sein könnte
. Es erscheint daher nicht glaubhaft, dass
eine Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer ohne Einschrän
kungen mit
ge
teilt
haben soll
, er solle die Stelle als Kurier nicht annehmen
, da er so oder so Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung habe und bei Nichtan
nahme der Stelle ein höheres Taggeld erhalte
.
Es kommt hinzu
, dass der Beschwerdeführer
offensichtlich
bereits vor Erlass der anspruch
sverneinenden Verfügung am
6.
September 2013 (
Urk.
6/42-43) Kennt
nis über
die
Problematik
seiner
Anspruch
sberechtigung hatte
.
Dies geht nicht nur aus dem Beratungsprotokoll des RAV (Urk. 6/17-18), sondern auch aus der
Aktennotiz der
Beschwerdegegnerin
vom
9.
August 2013
(
Urk.
6/58) hervor. Gemäss dieser Aktennotiz wusste der Beschwerdeführer am 9. August 2013 noch nicht
, ob er ab dem
1.
August 2013 Anspruch gestützt auf
Beitrags
be
frei
ung
geltend machen oder weitere Monate Beitragszeit erwirtschaften möchte, damit er dann eventuell Anspruch auf 260 Taggelder hat.
Es erscheint daher nicht
glaubhaft
, dass ihm zuvor bereits einmal eine der Rechtslage widerspre
chen
de Auskunft erteilt wurde.
Nachdem
er
auch
in keiner
Weise
kon
kretisiert, wann
ihm Frau
B._
zuvor die unzutreffend
e
Auskunft hätte erteilt haben sol
l
en
und sich
Frau
B._
auch
nicht
an ein solches Gespräch mit dem
Be
schwer
deführer erinnern
kann
(
Urk.
5 und
Urk.
6/1)
,
ist die behauptete Falschauskunft nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
3.3
Nach dem Gesagten hat der Beschwerdeführer ab dem
1.
August 2013 keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung. Die Beschwerde erweist sich demzu
folge als unbegründet und ist abzuweisen.