Decision ID: 6c0fd93c-cbc9-5314-ab3d-aa6df1cd750e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Petrik, Anwaltskanzlei schmuckipartner,
Marktgasse 3, 9004 St. Gallen,
gegen
AXA Versicherungen AG, General Guisan-Strasse 40, Postfach 357, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war seit dem 15. April 2007 als Krankenschwester in B._ tätig und dadurch
obligatorisch bei der AXA Versicherungen AG (nachfolgend AXA) gegen die Folgen von
Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie sich am 30. Mai 2010 beim
Umlagern eines Bewohners eine Verrenkung des linken Handgelenks zuzog (vgl.
Unfallmeldung vom 10. Juni 2010, act. G 5.1/A1). In der Folge wurde die Versicherte
von der AXA zum genauen Vorgangsablauf schriftlich befragt (act. G 5.1/A2).
A.b Dr. med. C._, Allgemeinmedizin FMH, bestätigte mit Bericht vom 21. November
2011 eine Erstbehandlung am 8. Juni 2010, anlässlich welcher als Befund eine
Schwellung im Bereich des Handgelenks bei normaler Beweglichkeit erhoben wurde.
Die Röntgenuntersuchung zeigte keine weiteren auffälligen Befunde. Dr. C._
diagnostizierte eine Distorsion am linken Handgelenk sowie unklare persistierende
Schmerzen, welche ihre Ursache im Unfall hätten. Als Therapie wurden lokal
analgetische Massnahmen sowie das Tragen einer Handgelenksschiene für einige Tage
veranlasst (act. G 5.2 / M3).
A.c Aufgrund von wiederkehrenden Schmerzen unterzog sich die Versicherte am 2.
November 2011 einer weiteren Untersuchung bei Dr. C._ (act. G 1.5; vgl. auch
Rückfallmeldung vom 2. November 2011, act. G 5.1/A3). Infolge der persistierenden
Handgelenkschmerzen links ulnar veranlasste der behandelnde Arzt am 4. November
2011 eine Überweisung der Versicherten an die Abteilung Handchirurgie des Spitals
D._ (act. G 1.6).
A.d Mit Schreiben vom 25. November 2011 setzte die AXA die Versicherte darüber in
Kenntnis, dass kein Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen
Unfallversicherung bestehe, da die Voraussetzungen des Unfallbegriffs nicht
vollumfänglich erfüllt seien (act. G 1.10).
A.e Infolge der Untersuchung vom 29. November 2011 stellte Dr. E._, Oberarzt
Chirurgie Spital D._, die Verdachtsdiagnose einer Läsion des triangulären
fibrokartilaginären Komplexes (TFCC). Inspektorisch zeige sich im Seitenvergleich ein
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unauffälliger linksseitiger Vorderarm nebst Hand. Daneben würden sich weder
Schwellungen noch Fehlstellungen darstellen lassen. Palpatorisch zeige sich eine
leichtgradige Druckdolenz über dem Prozessus styloideus ulnae. Eine eigentliche
Instabilität im distalen Radioulnargelenk sei nicht nachweisbar. Im Seitenvergleich
bestehe ein vollumfängliches Bewegungsausmass des linken Handgelenks mit
endständigem Schmerz bei Ulnarduktion und forcierter Dorsalflexion. Inkonstant
berichte die Versicherte auch über ein leicht schmerzhaftes Klicken bei Ulnarduktion
verbunden mit axialem Stress und Rotation. Dies habe von ihm allerdings nicht
ausgelöst werden können. Bei seitengleicher Griffstärke bestehe eine unauffällige
Trophik, Sensibilität und Durchblutung der linken Hand (Arztbericht vom 6. Dezember
2011, act. G 1.7). Am 12. Dezember 2011 wurde im Röntgeninstitut durch
Dr. med. F._, Facharzt für Radiologie und Nuklearmedizin, eine
Magnetresonanztomographie (MRT-Arthrographie) des linken Handgelenks
durchgeführt. Laut dem gleichentags erstellten Untersuchungsbericht zeigte diese eine
Ruptur der ulnaren Gelenkkapsel im ventro-medialen Bereich einschliesslich der
ventralen ulnaren Anheftung des TFCC, degenerative Veränderungen der radiären
TFCC-Anteile, eine regelrechte Artikulation, eine Ruptur der volaren extrinsischen
Bänder mit ganglionartiger Erweiterung der ventralen Gelenkkapsel, ein intaktes
Scapholunatum- und Lunotriquetrum-Band sowie ein 5mm grosses intraossäres
Ganglion des Os capitatum. Es seien kein Kontrastmittel-Übertritt in das distale
Radioulnargelenk und keine Fraktur der abgebildeten Skelettanteile erkennbar (act. G
1.8). Anlässlich der am 21. Dezember 2011 erfolgten Untersuchung stellte Dr. med.
G._, Facharzt Plastische und Handchirurgie Spital D._, fest, dass eine ulnare
TFCC-Läsion am Handgelenk links nach einer Distorsion vorliege. Äusserlich bestehe
ein reizloses linkes Handgelenk mit regelrechter Durchblutung, Motorik und Sensibilität
der Langfinger. Im Seitenvergleich liege eine regelrechte Handgelenkartikulation vor.
Ferner zeige sich ein ulno-carpaler Druckschmerz. Eine ergänzend durchgeführte MRT-
Arthrographie des linken Handgelenks zeige einen ulnaren Abriss der Anheftung des
TFCC (act. G 1.9).
A.f Gegen die am 27. Dezember 2011 ergangene Verfügung (act. G 5.1/A6), in welcher
die AXA an ihrem Entscheid gemäss Schreiben vom 25. November 2011 festhielt,
erhob der Rechtsvertreter der Versicherten am 1. Februar 2012 Einsprache mit den
Rechtsbegehren um Aufhebung der Verfügung und Ausrichtung der gesetzlichen
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Leistungen. Es wurde beanstandet, dass die Verfügung den Anspruch auf rechtliches
Gehör verletze, da die Begründung nicht erkennen lasse, von welchen Überlegungen
sich die AXA habe leiten lassen. In der Sache wurde argumentiert, dass eine
unfallähnliche Körperschädigung vorliege und die Leistungsvoraussetzung der
Aussergewöhnlichkeit des äusseren Faktors damit entfalle. Im Sinn einer
Eventualbegründung wurde ausgeführt, dass im Übrigen ein aussergewöhnlicher
äusserer Faktor vorliege und demzufolge der Unfallbegriff erfüllt sei (act. G 1.11).
A.g Mit Entscheid vom 26. März 2012 wies die AXA die Einsprache ab, da gemäss
beweisrechtlich relevanter Aussage der geschilderte Ablauf unter die gewöhnliche
Bandbreite der beruflichen Tätigkeit als Krankenschwester falle, weshalb er weder un
gewöhnlich noch als unfallversicherungsrechtlich relevante Programmwidrigkeit
angesehen werden könne. Ferner sei dem Geschehen kein gesteigertes
Gefährdungspotential zuzuordnen, weshalb auch im Fall einer unfallähnlichen
Körperschädigung keine Leistungspflicht bestehe. Schliesslich lasse sich die
Leistungspflicht auch nicht aufgrund der medizinischen Feststellungen begründen
(act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid liess die Beschwerdeführerin am 10. Mai 2012
Beschwerde erheben und beantragen, in Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 26. März 2012 seien ihr die gesetzlichen Leistungen aus der
obligatorischen Unfallversicherung für die Folgen des Ereignisses vom 30. Mai 2010
auszurichten; unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wurde im
Wesentlichen ausgeführt, die Beschwerdegegnerin verkenne vorliegend die Tragweite
des Untersuchungsgrundsatzes sowie der Begründungspflicht. Der
Gesundheitsschaden lasse sich erwiesenermassen sowohl unter Art. 9 Abs. 2 lit. b der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) als auch unter lit. g der
Norm subsumieren. Eventualiter sei die Leistungspflicht des Unfallversicherers dadurch
begründet, dass es sich beim Ereignis vom 30. Mai 2010 um einen Unfall im Sinn des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) handle, da es
insbesondere nicht an der Voraussetzung der Aussergewöhnlichkeit des einwirkenden
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äusseren Faktors mangle. Das Vorliegen eines ungewöhnlichen äusseren Faktors
ergebe sich zudem eindeutig aus den diagnostizierten Gesundheitsschäden (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 25. Juli 2012 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom
26. März 2012, da weder die Voraussetzungen für das Vorliegen einer unfallähnlichen
Körperverletzung noch des Unfallbegriffs erfüllt seien beziehungsweise die
Leistungspflicht ohnehin an der fehlenden natürlichen Kausalität zwischen den
geklagten Beschwerden und dem Ereignis vom 30. Mai 2010 scheitere (act. G 7).
B.c Mit Replik vom 26. Juni 2012 wurde der seitens der Beschwerdeführerin bis anhin
vertretene Standpunkt unterstrichen (act. G 9). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf
die Einreichung einer Duplik.
B.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Vorfall vom 30. Mai 2010 zu
Recht weder als Unfall noch als unfallähnliche Körperschädigung qualifiziert und ihre
Leistungspflicht aus der obligatorischen Unfallversicherung für den am 2. November
2011 gemeldeten Rückfall verneint hat.
2.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
gewährt.
2.2 Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
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schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
2.3 Dem Unfall gleichgestellt sind nach Art. 9 Abs. 2 UVV, sofern sie nicht eindeutig auf
eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind, auch ohne ungewöhn
liche äussere Einwirkung die folgenden Körperschädigungen: Knochenbrüche,
Verrenkungen von Gelenken, Meniskusrisse, Muskelrisse, Muskelzerrungen,
Sehnenrisse, Bandläsionen und Trommelfellverletzungen.
2.4 Im Unfallversicherungsrecht herrscht, wie allgemein im Sozialversicherungsrecht,
der Untersuchungsgrundsatz. Der Unfallversicherer und im Streitfall das Gericht haben
den Sachverhalt von Amtes wegen zu ermitteln bzw. die notwendigen Beweise zu
erheben. Indessen ist die leistungsansprechende Person gesetzlich verpflichtet, dabei
mitzuwirken. Sie muss die Umstände des Unfalls glaubhaft machen. Kommt sie dieser
Aufforderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche
Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig
erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfallversicherers. Die
Beschwerdegegnerin hat die Beweismaxime der "Aussage der ersten Stunde", die bei
sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den Unfallhergang eine
im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) zu berücksichtigende
Entscheidungshilfe darstellt (BGE 121 V 47 E. 2a; RKUV 2004 Nr. U 524 S. 546), richtig
wiedergegeben (vgl. E. 1c). Darauf ist ebenfalls zu verweisen. Der
Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen aber eine Beweislast insofern, als im Fall
der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel kommt zur
Anwendung, wenn im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes kein wahrscheinlicher
Sachverhalt ermittelt werden kann (BGE 114 V 305 E. 5b). Wird also auf dem Weg der
Beweiserhebung das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit
Wahrscheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht (Thomas Locher,
Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451 f.) –, so hat dieses
als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der den Anspruch erhebenden Person
auswirkt (BGE 116 V 140 E. 4b; RKUV 1990 Nr. U 86 S. 50).
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3.
3.1 Nach Auffassung der Beschwerdegegnerin liegen widersprüchliche Angaben der
Beschwerdeführerin bezüglich des Unfallhergangs vor. Insbesondere entspreche ihre
Hergangsschilderung nach der Mitteilung des Unfallversicherers vom 25. November
2011 über die Ablehnung des Leistungsanspruchs nicht ihrer Erstbeschreibung vom
1. August 2010, worin sie von normal verlaufenden Bedingungen berichtet habe. In
diesem Zusammenhang sei auf die Beweismaxime der sogenannten "Aussage der
ersten Stunde" zu verweisen.
3.2 Nach Ansicht der Beschwerdeführerin ist der Unfallhergang nach der Mitteilung des
Unfallversicherers vom 25. November 2011 nicht anders, sondern detaillierter
beschrieben worden. Im Übrigen sei festzuhalten, dass es sich bei der schriftlichen
Angabe vom 1. August 2010 nicht um die Aussage der ersten Stunde handle. Bereits
aus der Unfallmeldung vom 10. Juni 2010 gehe hervor, dass sich die Beschwer
deführerin bei der Umlagerung eines Bewohners eine Verrenkung des linken
Handgelenks zugezogen habe.
4.
4.1 Damit beurteilt werden kann, ob das Ereignis vom 30. Mai 2010 einen Unfall im
Rechtssinn darstellt, ist der Sachverhalt festzulegen, wie er sich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ereignet hat.
4.2 Wie in Erwägung 2.4 festgehalten hat die leistungsansprechende bzw. versicherte
Person bei der Sachverhaltserhebung mitzuwirken bzw. die Umstände des Unfalls
glaubhaft zu machen. Weil sie den Unfall erlitten hat und damit im Regelfall dessen
konkrete Umstände am besten kennt, kommen ihren eigenen Angaben bzw. ihrer
Ereignisschilderung bei der Beweiserhebung zentrale Bedeutung zu. Dabei ist aber zu
erwarten bzw. hängt die Glaubwürdigkeit des geltend gemachten Sachverhalts davon
ab, dass die wesentlichen Sachverhaltselemente – insbesondere auf konkrete
Nachfrage hin – erwähnt, und die bei verschiedenen Gelegenheiten abgegebenen
Sachverhaltsschilderungen in den wesentlichen Punkten übereinstimmen. – Den
anlässlich der Erstbehandlung vom 8. Juni 2010 von Dr. C._ notierten "Angaben des
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Patienten" ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin bei der Pflege einen
schweren Patienten gehoben habe und dabei ihr linkes Handgelenk abgeknickt sei.
Weiter geht aus der Unfallmeldung vom 10. Juni 2010 hervor, dass sich die Be
schwerdeführerin beim Umlagern eines Heimbewohners eine Verrenkung am linken
Handgelenk zugezogen habe. Sodann gab die Beschwerdeführerin am 1. August 2010
eine schriftliche Ereignisschilderung in einem von der Beschwerdegegnerin zugestellten
Fragebogen ab. Dieser dient der Unfallversicherung zur detaillierten Erhebung der
tatsächlichen Verhältnisse bei der leistungsansprechenden Person. Im Vordergrund
stehen entsprechend die Fragen betreffend die für die Leistungspflicht des
Unfallversicherers massgebenden Voraussetzungen des Unfallgeschehens. Die
Beschwerdeführerin führte aus, sie habe einen Bewohner im Bett nach Kinästhetik um
180 Grad drehen wollen. Als sie ihre Hände unter ihm hervorziehen wollte, sei ihr
Handgelenk abgeknickt, da seine Antidekubitus-Matratze, welche nicht auf hart habe
eingestellt werden können, nachgelassen habe. Bei der geschilderten Verrichtung
handle es sich um eine gewohnte Tätigkeit, welche unter normalen Bedingungen
erfolgt sei. Nach der Mitteilung der Beschwerdegegnerin vom 25. November 2011 über
die Ablehnung des Leistungsanspruchs führte der Schweizer Berufsverband der
Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner im Schreiben vom 6. Dezember 2011 an die
Beschwerdegegnerin aus, die Beschwerdeführerin habe sich beim Umlagern eines
Patienten das Handgelenk verletzt, wobei ihr der Patient auf das Handgelenk gefallen
und dieses dabei umgeknickt sei. In der Einsprache vom 1. Februar 2012 machte der
Rechtsvertreter geltend, die Beschwerdeführerin sei während des
Umlagerungsvorgangs mit der rechten Hand abgerutscht, worauf das ganze Gewicht
des Patienten auf ihrer linken Hand gelastet habe. Aufgrund der plötzlichen Belastung
habe sie sein Gewicht jedoch nicht mit einer Hand halten können, weshalb sich sein
Körper in einer schnellen Bewegung nach unten bewegt habe. Dabei sei es ihr nicht
mehr möglich gewesen, die linke Hand unter ihm hervorzuziehen, so dass der
herabfallende Patient auf dieser gelandet sei. Aufgrund der Stellung der linken Hand im
Moment, als er auf diese beziehungsweise die weitgehend nachgebende Matratze
gefallen sei, sei die Hand abgeknickt, was zur Handgelenksdistorsion geführt habe.
4.3 Die von der Beschwerdeführerin im Fragebogen dargelegte ausführliche
Schilderung des Vorfalls stimmt sowohl mit der vorangehenden als auch mit der nach
der Mitteilung des Unfallversicherers vom 25. November 2011 über die Ablehnung des
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Leistungsanspruchs erfolgten Darstellung der Ereignisse in wesentlichen Elementen
überein. In allen Schilderungen wird dargelegt, dass der Beschwerdeführerin beim
Umlagern ein Bewohner auf die linke Hand gefallen sei bzw. mit seinem Gewicht auf
die Hand gedrückt habe, wodurch das Handgelenk umgeknickt sei. Die Angabe, dass
es sich dabei um eine gewohnte Tätigkeit, welche unter normalen Bedingungen
verlaufen sei, gehandelt habe, bezieht sich dabei offensichtlich ganz allgemein auf das
Umlagern eines Patienten im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit. Nicht unter die
"normalen Bedingungen" fällt dagegen ebenso offensichtlich, dass ihr dabei durch das
auf die linke Hand drückende Gewicht des Patienten das Handgelenk abgedrückt
wurde und umknickte.
5.
5.1 Zu prüfen ist im Folgenden, ob das Unfallbegriffsmerkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors erfüllt ist. Nach der Definition des Unfalls bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende Folgen nach sich gezogen
hat. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich
im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht fallen (SVR
2001 KV Nr. 50 S. 145 E. 3a; BGE 122 V 233 E. 1 = Pra 1997 Nr. 823 S. 415 f.).
5.2 Im vorliegenden Fall ist zu berücksichtigen, dass eine berufsübliche Anstrengung,
wie sie in einem Betrieb immer wieder vorkommt, nicht als Unfall gilt (Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 178; BGE 116 V 139
E. 3b, mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38). Der Beschwerdegegnerin ist daher
insoweit beizupflichten, wenn sie ausführt, dass es sich für die Beschwerdeführerin
beim beschriebenen Umlagerungsvorgang um eine vertraute Tätigkeit im Rahmen ihrer
Arbeit als Krankenschwester handelte, weshalb in der Art der vorgenommenen
Handlung keine Ungewöhnlichkeit erblickt werden könne. Nicht unter die gewöhnliche
Bandbreite eines solchen Umlagerungsvorgangs als Tätigkeit einer Krankenschwester
fällt dagegen das beschriebene Umknicken der linken Hand unter der Last des Körpers
des Bewohners, den die Beschwerdeführerin mobilisieren wollte. Darin liegt vielmehr
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eine Abweichung, welche den Rahmen des Üblichen sprengt, selbst wenn die vom
Pflegealltag gestellten Anforderungen berücksichtigt werden. Der natürliche Ablauf
wurde hier durch einen in der Aussenwelt begründeten Faktor, nämlich die Last des
Patienten in Kombination mit der nachgebenden Matratze, gestört, wodurch es zu
Verletzungsfolgen gekommen ist. Entsprechend ist das Vorliegen eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors und damit eines Unfallereignisses zu bejahen.
5.3 Anlässlich der Erstbehandlung am 8. Juni 2010 diagnostizierte Dr. C._ eine
Distorsion am linken Handgelenk, welche er auf den Vorfall vom 30. Mai 2010
zurückführte. Aufgrund von wiederkehrenden Schmerzen unterzog sich die Beschwer
deführerin am 2. November 2011 einer weiteren Untersuchung bei Dr. C._. Infolge
der Untersuchung vom 29. November 2011 stellte Dr. E._ die Verdachtsdiagnose
einer Läsion des triangulären fibrokartilaginären Komplexes (TFCC). Die
Magnetresonanztomographie am 12. Dezember 2011 zeigte eine Ruptur der ulnaren
Gelenkkapsel im ventro-medialen Bereich einschliesslich der ventralen ulnaren
Anheftung des TFCC, degenerative Veränderungen der radiären TFCC-Anteile, eine
regelrechte Artikulation, eine Ruptur der volaren extrinsischen Bänder mit
ganglionartiger Erweiterung der ventralen Gelenkkapsel, ein intaktes Scapholunatum-
und Lunotriquetrum-Band sowie ein 5mm grosses intraossäres Ganglion des Os
capitatum. Anlässlich der am 21. Dezember 2011 erfolgten Untersuchung stellte
Dr. G._ fest, dass eine ulnare TFCC-Läsion am Handgelenk links nach einer
Distorsion vorliege. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach sich die
Leistungspflicht infolge der medizinischen Feststellungen nicht begründen lasse, da
Läsionen der Bänder des TFCC auch durch anatomische Strukturen im Handgelenk
oder degenerative Ursachen bedingt sein könnten, findet in den medizinischen
Unterlagen keine Stütze. Vielmehr kann anhand der medizinischen Aktenlage nicht
davon ausgegangen werden, dass der diagnostizierte Gesundheitsschaden der
Beschwerdeführerin (ausschliesslich) auf unfallfremden Ursachen beruht, weshalb
überwiegend wahrscheinlich eine unfallkausale TFCC-Läsion am linken Handgelenk
nach einer Distorsion vorliegt.
6.
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Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in Bezug auf den hier zu beurteilenden
Sachverhalt in Berücksichtigung aller Umstände mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen ist, dass ein unfallmässiges
Geschehen im Sinn von Art. 4 ATSG vorliegt und die Unfallkausalität der
Handverletzung der Beschwerdeführerin zu bejahen ist. Entsprechend ist die
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom 30. Mai
2010 gegeben.
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 26. März 2012 gutzuheissen und die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom 30. Mai 2010 zu bejahen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Gemäss Art. 61 lit. g ATSG
hat die obsiegende Beschwerde führende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten.
Die Parteientschädigung ist - wie in vergleichbaren Verfahren üblich - pauschal auf Fr.
3'500.--, einschliesslich Barlauslagen und Mehrwertsteuer, festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. In Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom 26. März 2012
aufgehoben, und die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Ereignisses vom 30. Mai
2010 als leistungspflichtig erklärt.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin mit Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 26.02.2013 Art. 4 ATSG. Das Abknicken der Hand unter der Last eines Patienten im Rahmen eines für eine Krankenschwester vertrauten Umlagerungsvorgangs stellt einen Unfall im Rechtssinn dar (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. Februar 2013, UV 2012/42).
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2021-09-19T13:06:56+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen