Decision ID: 3dd63e62-e648-41fc-8913-2496fb04ade2
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im November 2009 erstmals bei der IV-Stelle des Kantons
B._ zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act. 2). Sie gab an, die Primarschule und
zwei Jahre Oberstufe absolviert zu haben. Sie habe sich zur Zahnarztgehilfin ausbilden
lassen und später die Bäuerinnenschule absolviert. Als Grund für die Arbeitsunfähigkeit
nannte sie Angst und Depression. Dr. med. C._ von den Psychiatrischen Diensten
D._ gab in ihrem Bericht vom 9. Dezember 2009 (IV-act. 27) die folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an:
· Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10: F33.0,
seit Jahren);
· leichte kognitive Störung (F06.7) bei Gesamt-IQ von 87 mit statistisch
signifikanten Differenzen zwischen Verbal- und Handlungsteil zugunsten des Verbalteils
(testpsychologische Abklärung vom 3. August 2009 bei Dr. phil. E._; seit Kindheit);
· akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ausgeprägter Selbstunsicherheit (Z73.1; seit
Kindheit).
Dr. C._ erklärte weiter, dass die Versicherte in einer adaptierten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig sei. Die Hauptschwierigkeit sei, dass die Versicherte von sich aus nicht in
der Lage sei, eine passende Arbeit zu finden. Die Hausärztin med. pract. F._
berichtete am 28. Dezember 2009 (IV-act. 24), dass die Versicherte wegen einer seit
2002 bestehenden Depression in ihrer bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin zu 20 %
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arbeitsunfähig sei. Am 10. Februar 2010 teilte die IV-Stelle des Kantons B._ der
Versicherten mit, dass ihr Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche durch die
Arbeitsvermittlung gewährt werde (IV-act. 32). Mit Verfügung vom 15. Juni 2010 wurde
die Arbeitsvermittlung abgeschlossen, da die Versicherte mitgeteilt hatte, selber eine
passende Stelle gefunden zu haben (IV-act. 42). Und schliesslich wies die IV-Stelle des
Kantons B._ das Rentengesuch mit Verfügung vom 18. Oktober 2010 (IV-act. 47) mit
der Begründung ab, dass die Versicherte in ihren bisherigen Tätigkeiten als Verkäuferin
und Pflegeassistentin zu 80 % arbeitsfähig sei. Die IV-Stelle ging dabei davon aus,
dass die Versicherte im Gesundheitsfall zu 70 % erwerbstätig wäre.
A.b Im Januar 2012 wurde die Versicherte von ihrem Hausarzt, Dr. med. G._, bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zur Früherfassung angemeldet (IV-act. 53). Er gab
an, dass die Versicherte seit mehreren Jahren an einer rezidivierenden depressiven
Störung mit mittel- bis schwergradigen Episoden leide. Sie habe ihr Pensum als
Pflegehelferin stetig von 80 auf 40 % reduziert.
A.c Am 2. Februar 2012 fand ein Früherfassungsgespräch zwischen der
Versicherten und der Eingliederungsberaterin statt (IV-act. 54). Die Versicherte gab an,
dass sie das Arbeitspensum von sich aus auf 40 % reduziert habe und nicht über eine
ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verfüge. Die Depressionen bestünden seit
der Geburt ihrer Kinder; mit jedem Kind seien sie stärker geworden. Momentan befinde
sie sich etwa in der Mitte der Wellenbewegung zwischen guten und schlechten Tagen.
Dank der Medikamente seien die Ausschläge nach oben und unten eher gering. Die
Eingliederungsberaterin hielt abschliessend fest, dass die Versicherte einen
freundlichen, aber besorgten Eindruck gemacht habe. Es habe sich gezeigt, dass es für
sie schwierig sei, mit den administrativen Dingen zurechtzukommen. Eine IV-
Anmeldung sei angezeigt. Innert angesetzter Frist reichte die Versicherte im Februar
2012 das Anmeldeformular ein (IV-act. 57). Sie gab darin an, seit 1983 an
Angstzuständen, Blockaden, Depressionen und Schlafstörungen zu leiden.
A.d Das Altersheim H._ berichtete am 16. Februar 2012 (IV-act. 65), dass es die
Versicherte seit dem 1. August 2010 beschäftige. Per 1. Januar 2012 habe die Ver
sicherte das Pensum von 50 auf 40 % reduziert. Ihrer Ansicht nach sei dies
angemessen. Der aktuelle Monatslohn betrage Fr. 1‘740.--. Die Versicherte benötige
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klare, strukturierte Anweisungen und Führung. Sie sei zeitweise vergesslich. Seit ca.
zwei Monaten sei sie leistungsschwacher. Damit konfrontiert, habe sie sich motiviert
gezeigt; der Erfolg sei jedoch mässig gewesen.
A.e Dr. G._ gab gegenüber RAD-Ärztin Dr. med. I._ bei einem telefonischen
Gespräch am 27. Februar 2012 an, dass die Versicherte wegen einer depressiven
Störung ihr Arbeitspensum ständig habe reduzieren müssen (IV-act. 67: handschriftlich
ergänzt und unterzeichnet am 6. März 2012). Das 40 %-Pensum sei momentan
realistisch. Für eine konkretere Einschätzung müsse sich die IV-Stelle an die
behandelnde Psychiaterin Dr. J._ wenden.
A.f Die Assistenzärztin Dr. med. G. J._ und die Oberärztin Dr. med. K._ vom
Psychiatrischen Zentrum L._ gaben in ihrem Bericht vom 13. April 2012 (IV-act. 70)
die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an:
· Kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0);
· rezidivierende depressive Störung mittelgradige Episode (F33.1);
· leichte kognitive Störung bei einem Gesamt-IQ von 87 (F06.7).
Die Klinikärztinnen berichteten zudem, dass die Versicherte seit dem 9. Mai 2011 in
ihrer Behandlung stehe. Die beklagten Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
hätten im Gespräch nachgewiesen werden können. Im formalen Denken sei die
Versicherte verlangsamt, grübelnd, eingeengt und perseverierend, bis hin zu einem
Verfolgungseindruck (sie fühle sich gemobbt). Im Affekt sei sie deprimiert,
hoffnungslos, ängstlich, innerlich unruhig, zeige Insuffizienzgefühle und sei affektlabil.
Ausserdem sei sie antriebsgehemmt, habe Schlafstörungen, habe sich sozial
zurückgezogen und sei unterschwellig aggressiv und fordernd. Überstürzte
Handlungsweisen führten zu einem häufigen Wechsel der psychosozialen Bezüge. Eine
Psychotherapie, die sich an psychisch strukturierte Pathologien halte, sei aus
verschiedenen Gründen nicht zustande gekommen. Aufgrund der schweren, seit
Jahren bestehenden Pathologie seien Rückfälle und Komplikationen zu erwarten. Dies
spiegle sich im aktuellen Rückfall wieder: Die Versicherte befinde sich in einem
depressiven Zustand und einer Verschlechterung der sozialen Situation. Seit dem 1.
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Januar 2012 sei sie in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Krankenpflegehelferin bis auf
weiteres zu 60 % arbeitsunfähig. Die Einschränkungen bestünden in Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, einer schnellen Ermüdbarkeit, einer Überforderung und in
einer psychischen und körperlichen Erschöpfung. Aufgrund der multiplen, schweren
psychiatrischen Erkrankung bestehe die Möglichkeit einer verminderten
Leistungsfähigkeit. Es könne nicht mit einer Erhöhung der Einsatzfähigkeit gerechnet
werden.
A.g Dr. G._ erkundigte sich am 14. Mai 2012 telefonisch bei RAD-Ärztin Dr. I._
nach dem aktuellen Stand. Dr. I._ erklärte unter anderem, dass für die Bestimmung
der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bzw. für die Rentenprüfung ein
Gutachten erforderlich sein werde. Auf Nachfrage hin verneinte Dr. G._ das Vorliegen
eines abklärungsbedürftigen somatischen Gesundheitsschadens (Protokoll vom
21. Juni 2012, IV-act. 75).
A.h Am 19. Juni 2012 fand ein Assessmentgespräch zwischen der Versicherten und
der Eingliederungsberaterin statt (IV-act. 74). Die Versicherte gab an, dass sie das
Pensum von 40 % gut bewältigen könne; mehr gehe jedoch nicht. Am 8. August 2012
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass das Gesuch um berufliche
Eingliederungsmassnahmen abgewiesen werde, da sie keine Unterstützung im
Rahmen des Arbeitsplatzerhalts wünsche (IV-act. 78). Am 15. August 2012 teilte die
Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass sie das Arbeitspensum gerne wieder auf
50 % erhöhen würde. Sie getraue sich jedoch nicht, ihre Chefin darum zu bitten (IV-
act. 79).
A.i Im Fragebogen zur Rentenabklärung vom 31. August 2012 (IV-act. 80) gab die
Versicherte an, dass sie alleinstehend sei und den Haushalt selbständig führen könne.
Hilfe benötige sie bei der Erledigung von Administrativem, z.B. dem Ausfüllen der
Steuererklärung. Auf Nachfrage erklärte die Versicherte, dass sie heute ohne
Behinderung zu 50 % erwerbstätig wäre (IV-act. 82).
A.j Am 28. September 2012 teilte die Versicherte der IV-Stelle telefonisch mit, dass
ihre behandelnde Psychiaterin sie nur kränker mache, als sie schon sei. Die IV-Sachbe
arbeiterin notierte, dass die Versicherte sehr aufgelöst gewesen sei und sich nun eine
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neue Psychiaterin suchen wolle (IV-act. 84). Dr. J._ und Dr. K._ berichteten am
18. Oktober 2012 über einen stationären Gesundheitszustand (IV-act. 86). Die
Versicherte sei in den letzten 4 bis 5 Monaten selten zu Gesprächsterminen
gekommen. Aufgrund der schweren psychischen Störungen seien Rückfälle und
Komplikationen zu erwarten. Eine psychotherapeutische Behandlung sei wegen
mangelnder Compliance nicht durchführbar. Die letzte Kontrolle habe am 21.
September 2012 stattgefunden.
A.k Dr. I._ erklärte in ihrer Stellungnahme vom 6. November 2012 (IV-act. 87),
dass der zuletzt eingeholte Verlaufsbericht des Psychiatrischen Zentrums L._ wenig
aussagekräftig sei, da nur selten Konsultationen stattgefunden hätten. Die
Einschätzung, dass die Versicherte bleibend zu 40 % arbeitsunfähig sei, sei aufgrund
der Diagnosen und der gesamten medizinischen Unterlagen jedoch nachvollziehbar.
Aus der Telefonnotiz vom 28. September 2012 gehe hervor, dass sich die Versicherte
von der behandelnden Psychiaterin nicht richtig wahrgenommen fühle. Dies mache
deren Einschätzung jedoch nicht weniger glaubwürdig, sondern unterstreiche die
bekannte, selbstunsichere, überangepasste, selbstwertgeminderte und damit
dissimulierende Persönlichkeit der Versicherten. Auffallend in der Arbeitsanamnese
seien die häufigen, kurzen Anstellungen bzw. die längeren Anstellungen in sehr kleinem
Pensum. Gleichzeitig werde stets das entgegenkommende Sozialverhalten der
Versicherten hervorgehoben. Dies untermaure die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung. Daneben hätten die rezidivierenden depressiven Phasen bei
wiederholten Misserfolgen in Beruf und Beziehung zu einer zunehmenden Fixierung der
Selbstwertproblematik und damit zu einer schrittweisen Abnahme der Basisfunktionen
des täglichen Lebens (niedriges Energieniveau mit rascher Überforderung,
Erschöpfung, kognitiver Einschränkung) geführt. Die Einschätzung des Hausarztes und
der Ärztinnen des Psychiatrischen Zentrums L._ seien daher nachvollziehbar. Die
Versicherte sei somit seit dem 1. Januar 2012 in jeglicher Tätigkeit zu 60 %
arbeitsunfähig. Dr. I._ gab weiter an, es müsse angenommen werden, dass die
Versicherte überangepasst sei, zum Dissimulieren neige und sich nicht abgrenzen
könne. Vermutlich bestünden auch bei der Haushaltsführung deutliche Defizite.
A.l Am 6. Februar 2013 fand eine Haushaltabklärung statt (IV-act. 93). Die
Versicherte gab an, dass sie heute ohne Behinderung aus finanziellen Gründen zu 80
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% erwerbstätig wäre. Den Haushalt erledige sie selber. Sie benötige nur bei den
schriftlichen Sachen Hilfe. Hierbei helfe ihr die Tochter. Damit sie nichts vergesse,
müsse sie sich alles aufschreiben. Für den Haushalt brauche sie doppelt so viel Zeit
wie früher. Die Abklärungsperson hielt abschliessend fest, die Angabe, dass die
Versicherte im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig wäre, sei nachvollziehbar. Da sie
für die Erledigung der Haushaltsarbeiten doppelt so viel Zeit benötige, bestehe eine
Einschränkung von 50 %. Auf die Gewichtung der einzelnen Bereiche könne verzichtet
werden. Ausgehend von einer80 %igen Erwerbstätigkeit betrage der IV-Grad in der
beruflichen Tätigkeit 40 % und im Haushalt 10 %. Insgesamt sei die Versicherte daher
zu 50 % invalid.
A.m Am 10. März 2013 informierte die Tochter der Versicherten die IV-Stelle darüber,
dass sie die Beiständin der Versicherten in allen administrativen Belangen sei (IV-act.
94).
A.n RAD-Ärztin Dr. I._ notierte am 21. März 2013 (IV-act. 97), dass die Angabe der
Versicherten, dass sie für die Haushaltsführung doppelt so lang benötige wie früher,
zur bisherigen medizinischen Aktenlage passe. Eine 50 %ige Einschränkung im
Haushalt sei daher nachvollziehbar. Auf Anfrage der IV-Stelle vom 6. Mai 2013 erklärte
dieselbe Ärztin am 13. Juni 2013 (IV-act. 98), dass sich der Gesundheitszustand seit
der Erstanmeldung verändert habe.
A.o Mit Vorbescheid vom 2. Juli 2013 (IV-act. 101) kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs an. Zur
Begründung hielt sie fest, dass sich der Gesundheitszustand seit der ersten
Rentenablehnung im Jahr 2010 nicht objektivierbar verschlechtert habe. Somit bestehe
kein Revisionsgrund. Dagegen wendete die Versicherte am 21. August 2013 ein (IV-act.
102), dass sie bei guter Gesundheit heute zu 100 % erwerbstätig wäre, da ihr
Einkommen eher gering sei und die Kinder inzwischen von zuhause ausgezogen seien.
Mit dem 40 %-Pensum sei sie am Limit.
A.p Mit Verfügung vom 26. August 2013 wies die IV-Stelle das Rentengesuch aus
den im Vorbescheid angegebenen Gründen ab (IV-act. 103). Zum Einwand hielt sie
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fest, dass auch eine Änderung der Qualifikation auf Vollerwerbstätigkeit nicht zu einer
Rentenzusprache führen würde.
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 24. September 2013 Beschwerde (act. G 1). Sie machte
geltend, dass sich ihr Gesundheitszustand seit dem letzten Rentenentscheid
wesentlich verändert habe. Nach der Scheidung hätte sie aus wirtschaftlichen Gründen
zu 100 % erwerbstätig sein müssen; dies sei aus gesundheitlichen Gründen jedoch
nicht möglich gewesen. Weiter hätten die behandelnden Ärzte die 60 %ige
Arbeitsunfähigkeit bestätigt. Die Beschwerdeführerin bat um die Einräumung einer Frist
für eine Beschwerdeergänzung. Zudem stellte sie ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege. Am 31. Oktober 2013 liess die inzwischen durch eine Anwältin der
procap vertretene Beschwerdeführerin die Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und die Zusprache einer Dreiviertelsrente ab 1. Januar 2013 beantragen. Eventualiter
sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu
geben. Zudem stellte die Rechtsvertreterin ein Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das
Beschwerdeverfahren. Zur Begründung brachte sie vor, dass der Ansicht des RAD
beizupflichten sei, wonach die Beschwerdeführerin seit dem 1. Januar 2012 zu 60 %
arbeitsunfähig sei. Bei der Erstanmeldung sei die depressive Störung nur in einem
leichten Ausmass vorhanden gewesen, während mit den neuen fachärztlichen
Berichten eine mittelgradige depressive Störung und somit eine Verschlechterung
ausgewiesen sei. Ebenfalls werde in den neuen Berichten eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung beschrieben. Es handle sich vorliegend nicht einfach um eine
andere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, sondern um eine Änderung der Diagnosen.
Ebenfalls werde im Vergleich zur Erstanmeldung ein invalidisierender
Gesundheitsschaden sowohl von den behandelnden Ärzten als auch vom RAD
anerkannt. Auch die Arbeitgeberin habe berichtet, dass die Beschwerdeführerin
leistungsschwacher geworden sei. Eine gesundheitliche Verschlechterung sei somit
ausgewiesen. Die Beschwerdeführerin sei stets arbeitstätig gewesen. Im Jahr 2007 sei
die Scheidung erfolgt. Die Beschwerdeführerin habe lediglich eine einmalige finanzielle
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Abfindung von Fr. 80‘000.-- erhalten. Aufgrund ihrer finanziellen Lage sei davon
auszugehen, dass sie bei voller Gesundheit zu 100 % erwerbstätig wäre.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 10. Dezember
2013 die Abweisung der Beschwerde; eventualiter sei eine Begutachtung anzuordnen
(act. G 7). Zur Begründung führte sie an, dass beim Vergleich des Case Report der IV-
Stelle B._ vom Februar 2010 und des Berichts der Psychiatrischen Dienste D._
vom 9. Dezember 2009 einerseits mit dem Bericht des Psychiatrischen Zentrums L._
vom April 2012 andererseits kein massgeblich veränderter Gesundheitszustand
auszumachen sei. Vielmehr handle es sich lediglich um eine andere Beurteilung
desselben Sachverhalts. Da die Beschwerdeführerin keine konsequente
Depressionstherapie absolviert habe, könne keine invalidisierende Wirkung der
Beschwerden angenommen werden. Weiter habe sich die depressive Symptomatik aus
der psychosozialen Belastungssituation entwickelt: Bereits im Jahr 2007 habe die
Überforderung bei der Arbeit im Vordergrund gestanden. Des Weiteren mache es den
Anschein, dass die behandelnden Ärzte die attestierte Arbeitsunfähigkeit der
subjektiven Einschätzung der Beschwerdeführerin angepasst hätten. Und schliesslich
sei die Beschwerdegegnerin bei einer allfälligen Rückweisung der Sache zur weiteren
Abklärung nicht dazu verpflichtet, eine Parteientschädigung zu entrichten, denn die
Rechtsvertreterin nutze die betriebliche Infrastruktur des Verbandes und werde von
diesem entlöhnt.
B.c Am 16. Dezember 2013 bewilligte das Gericht das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Beschwerdeverfahren (act. G 8).
B.d Mit Replik vom 3. April 2014 (act. G 14) machte die Rechtsvertreterin ergänzend
geltend, dass es nicht Aufgabe des IV-Sachbearbeiters sei, medizinische Belange
festzulegen. Auch sei von der Beschwerdegegnerin in keiner Weise begründet worden,
weshalb nicht auf die fachmedizinischen Beurteilungen abgestellt werden könne. Eine
in medizinischer Hinsicht lediglich andere Beurteilung desselben Sachverhalts habe
vom RAD nicht festgestellt werden können. Die Beschwerdeführerin habe jahrelang
fachärztliche Hilfe in Anspruch genommen. Neben Gesprächstherapien sei sie
medikamentös behandelt worden. Es liege auf der Hand, dass die von den Ärztinnen
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des Psychiatrischen Zentrums L._ angegebene fehlende Compliance für eine
psychotherapeutische Behandlung Teil der psychischen Erkrankung sei. Weiter werde
in den medizinischen Berichten mit keinem Wort erwähnt, dass allenfalls lediglich
psychosoziale Komponenten die Arbeitsunfähigkeit ausgelöst hätten. Eher sei es
umgekehrt, nämlich dass die Erkrankung zu psychosozialen Schwierigkeiten führe. Und
schliesslich habe das Bundesgericht bei Obsiegen der procap in ständiger Praxis eine
Parteientschädigung zugesprochen erhalten.
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 16). Sie merkte
einzig an, dass von einer Erwerbstätigkeit von 80 % im Gesundheitsfall auszugehen
sei.

Erwägungen
1.
1.1 Die Beschwerdeführerin hat sich erstmals im November 2009 bei der
Invalidenversicherung angemeldet. Das Rentengesuch ist am 18. Oktober 2010
abgewiesen worden. Im Januar/Februar 2012 ist eine Neuanmeldung erfolgt. Gemäss
Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn darin glaubhaft gemacht wird, das sich der
Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Der
Hausarzt hat die Beschwerdeführerin zur Früherfassung angemeldet, weil sich die
rezidivierende depressive Störung seines Erachtens zwischenzeitlich von einer leichten
Episode hin zu mittel- bis schwergradigen Episoden verschlechtert hatte. Dadurch hat
er eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der Rentenabweisung
glaubhaft gemacht, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht auf die
Wiederanmeldung eingetreten ist.
1.2 Mit der angefochtenen Verfügung vom 26. August 2013 hat die
Beschwerdegegnerin dann allerdings eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes wie auch das Vorliegen eines anderen Revisionsgrundes
verneint und das Rentengesuch abgewiesen. Dieses Vorgehen entspricht der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, gemäss welcher sich bei einer Neuanmeldung
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die Frage stellt, ob ein Revisionsgrund analog zu Art. 17 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) vorliegt, mithin ob
seit Erlass der leistungsverneinenden Verfügung vom 18. Oktober 2010 eine
anspruchsrelevante Veränderung der Verhältnisse eingetreten ist (siehe BGE 117 V 198
E. 3a und Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 2015, 9C_9/2015). Gemäss Art. 17
Abs. 1 ATSG wird die Rente entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben,
wenn sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich ändert. Dem Wortlaut
nach ist diese Bestimmung nur auf diejenigen Fälle anwendbar, in denen bereits
Rentenleistungen zugesprochen worden sind. Nach Art. 29 Abs. 1 ATSG hat sich jede
Person, die eine Versicherungsleistung beansprucht, beim zuständigen
Versicherungsträger anzumelden. Der Wortlaut dieser Bestimmung unterschiedet nicht
zwischen erstmaligen Anmeldungen und Neu- bzw. Wiederanmeldungen, d.h.
Anmeldungen von Personen, die bereits früher eine Anmeldung eingereicht haben,
deren Leistungsgesuch damals aber formell rechtskräftig abgewiesen worden ist. Dies
erscheint vor dem Hintergrund, dass es generell die Aufgabe des
Verwaltungsverfahrensrechts ist, möglichst allen Personen diejenigen Leistungen zu
verschaffen, auf die sie materiell-rechtlich einen Anspruch haben, korrekt. Der
Sozialversicherungsträger ist somit gezwungen, eine Neuanmeldung zu prüfen, auch
wenn ein Leistungsanspruch bereits früher rechtskräftig verneint worden ist. Dabei soll
Art. 87 Abs. 3 IVV verhindern, dass sich der Sozialversicherungsträger nach
vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweigerung immer wieder mit
gleichlautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des
Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 117 V 198 E. 4a mit
Hinweis). Tritt der Versicherungsträger also auf eine Neuanmeldung ein, hat er das
Gesuch materiell wie eine erstmalige Anmeldung umfassend zu prüfen. Gegenstand
des vorliegenden Verfahrens bildet somit die Frage, ob die Beschwerdegegnerin das
Rentengesuch zu Recht abgewiesen hat. Für die Beantwortung dieser Frage ist folglich
nicht relevant, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der
Abweisungsverfügung vom 18. Oktober 2010 verändert hat (zum Ganzen siehe auch
Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. März 2015, IV
2012/430 E. 1).
1.3 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
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durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.4 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.5 Bei nichterwerbstätigen versicherten Personen im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG –
namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird für die Bemessung der Invalidität
darauf abgestellt, in welchem Mass eine Behinderung besteht, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (spezifische Methode des Betätigungsvergleichs; Art.
28a Abs. 2 IVG). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen versicherten Personen
gilt unter anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Erziehung der Kinder
(Art. 27 IVV). Bei versicherten Personen, die teilweise erwerbstätig sind, erfolgt die
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode. Dabei sind die Anteile der
Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzustellen und der
Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen
(Art. 28a Abs. 3 IVG).
2.
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2.1 Vorab ist zu klären, anhand welcher Methode (Einkommensvergleich, gemischte
Methode oder Betätigungsvergleich) die Invaliditätsbemessung im vorliegenden Fall
vorzunehmen ist.
2.2 Im Rahmen des ersten Verwaltungsverfahrens, das von der IV-Stelle des
Kantons B._ geführt worden ist, hat die Beschwerdeführerin erklärt, dass sie nicht
mehr als 70 % arbeiten möchte (IV-act. 31-3). Im Case-Report vom 10. Februar 2010
ist festgehalten worden, dass die Beschwerdeführerin vor der teilweisen
Krankschreibung zu 24 -30 % als Pflegehelferin und zu 38 % als Verkäuferin gearbeitet
habe. Dies entspricht einem Pensum von 62 - 68 %. Im Rahmen des zweiten, diesem
Beschwerdeverfahren zugrunde liegenden Verwaltungsverfahren hat die
Beschwerdeführerin verschiedene Angaben zum Ausmass ihrer Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall gemacht: Im Fragebogen zur Rentenabklärung vom 31. August 2012
(bzw. im Nachtrag unbekannten Datums, siehe IV-act. 82) hat sie angegeben, dass sie
ohne Behinderung zu 50 % erwerbstätig wäre. Bis zum 31. Dezember 2011 ist die
Beschwerdeführerin zu 50 % erwerbstätig gewesen, danach hat sie ihr Pensum auf 40
% reduziert. In beiden Fällen hat sie also geltend gemacht, dass sie ohne Behinderung
in jenem Pensum erwerbstätig wäre, das sie vor der teilweisen Krankschreibung resp.
vor der IV-Anmeldung absolviert hat. Weshalb die Beschwerdeführerin ohne
gesundheitliche Probleme trotz eines tiefen Einkommens, trotz der Scheidung im Jahr
2007 ohne Alimentenzahlungen und obwohl ihre Kinder zu diesem Zeitpunkt bereits
erwachsen gewesen sind lediglich zu 50 bzw. zu 70 % erwerbstätig (gewesen) wäre,
hat sie nicht begründet. Um sich in die fiktive Situation versetzen zu können, welches
Erwerbspensum man ausüben würde, wenn man gesund wäre, braucht es eine grosse
Abstraktionsleistung. Diese zu erbringen ist umso schwieriger, je länger eine Person
gesundheitlich beeinträchtigt ist. Aus den Akten geht hervor, dass die
Beschwerdeführerin wohl bereits seit 1983 an einer rezidivierenden depressiven
Störung leidet. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin an einer leichten kognitiven
Störung bzw. an einer leichten Intelligenzminderung leidet. Durch diese
Beeinträchtigung wird es ihr im Vergleich mit einer gesunden Person noch schwerer
gefallen sein, diese Abstraktionsleistung zu erbringen. Aus diesen Gründen muss
davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin die Frage nach der
Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall einerseits gar nicht richtig verstanden hat und dass
sie andererseits auch gar nicht in der Lage gewesen ist, sie zu beantworten. Daher
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kann auf die Angaben der Beschwerdeführerin, dass sie ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung zu 70 resp. 50 % erwerbstätig wäre, nicht abgestellt werden.
Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 6. Februar 2013 hat die Beschwerdeführerin
geltend gemacht, dass sie aus finanziellen Gründen ohne Gesundheitsschaden zu 80
% erwerbstätig wäre. Weshalb sie − als alleinstehende Frau mit einem tiefen
Einkommen − nicht vollerwerbstätig wäre, hat sie wiederum nicht begründet. Auch hier
muss davon ausgegangen werden, dass sie wegen der seit Jahrzehnten bestehenden
psychischen Beeinträchtigung(en) nicht in der Lage gewesen ist, anzugeben, in
welchem Pensum sie als Gesunde erwerbstätig wäre. Auf diese Aussage kann daher
ebenfalls nicht abgestellt werden. Im Einwand gegen den Vorbescheid hat die
Beschwerdeführerin schliesslich erklärt, dass sie ohne gesundheitliche Probleme zu
100 % erwerbstätig wäre. Der Einwand ist von der Leiterin des Sozialdienstes des
Psychiatrischen Zentrums N._ eingereicht worden. Aufbau und Begründung des
Einwandes weisen darauf hin, dass dieses Schreiben von einer mit dem
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren bewanderten Person verfasst worden ist. Da
die Beschwerdeführerin selber angegeben hat, in administrativen Angelegenheiten Hilfe
zu benötigen, muss davon ausgegangen werden, dass der Sozialdienst das Schreiben
für die Beschwerdeführerin verfasst resp. sie dabei unterstützt hat. Folglich kann auch
die im Einwandschreiben enthaltene Angabe zum Erwerbspensum im Gesundheitsfall
nicht abgestellt werden, da diese Angabe durch die angestrebte Folge für die
Invaliditätsbemessung beeinflusst worden ist. Demnach liegt keine überzeugende
Aussage der Beschwerdeführerin im Recht, in welchem Pensum sie ohne
gesundheitlichen Probleme im Verfügungszeitpunkt erwerbstätig gewesen wäre.
2.3 Somit bleibt nichts anderes übrig, als anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der Beschwerdeführerin zu prüfen, ob und gegebenenfalls in welchem
Ausmass sie ohne den Gesundheitsschaden erwerbstätig bzw. im Aufgabenbereich
tätig wäre. Namentlich ist abzuklären, ob die versicherte Person ohne den
Gesundheitsschaden mit Rücksicht auf die gesamten Umstände (persönlicher,
familiärer, sozialer und erwerblicher Art) erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig
wäre. Dabei sollen die finanzielle Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung
einer Erwerbstätigkeit, allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der
versicherten Person und deren berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen
massgebend sein. Die Statusfrage beurteilt sich nach den Verhältnissen, wie sie sich
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bis zum Erlass der Verfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme
einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erforderlich ist (BGE 125 V 146 E. 2c mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 504 E. 3.3).
Die Beschwerdeführerin ist seit dem Jahr 2007 geschieden. Statt Alimenten hat sie eine
einmalige Abfindung von Fr. 80‘000.-- erhalten. Im Scheidungszeitpunkt ist sie 49
Jahre alt gewesen, das heisst sie hat bis zur Pensionierung noch 15 Jahre
Erwerbsleben vor sich gehabt. Die Abfindung ist also zu wenig hoch, als dass sie hätte
bezwecken sollen, es der Beschwerdeführerin zu ermöglichen, bis zur Pensionierung in
einem reduzierten Pensum arbeiten zu können. Vielmehr wird die Zahlung als ein
„kleines Polster“ (z.B. für unvorhersehbare Ereignisse oder als Altersvorsorge) gedacht
gewesen sein. Die Beschwerdeführerin hat eine Ausbildung zur Zahnarztgehilfin
(heutige Bezeichnung: Dentalassistentin) absolviert. Der Lohn einer Dentalassistentin
beträgt gemäss den Angaben der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft bei einem
100 %-Pensum zwischen Fr. 48‘100.-- (Minimum im 1. Jahr) und Fr. 69‘680.--
(Maximum im 10. Jahr; siehe Richtlinien für die Saläre der Dentalassistentinnen,
Assistenzzahnärztinnen, Dentalhygienikerinnen und Lernenden, Gültig ab
1. Januar 2014, http://www.aiot.ch/documenti/Salari%202014.pdf, besucht am
26. November 2015). Bei diesem unterdurchschnittlichen Einkommen müssen daher
gute Gründe gegeben sein, dass eine Person nur zu 80 % und nicht zu 100 %
erwerbstätig ist (im Mittel verdienten Arbeitnehmer in der Schweiz im Jahr 2012
Fr. 77‘268.--, siehe www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/01/pan.html,
besucht am 30. November 2015). Denn ein um 20 % vermindertes Einkommen würde
bei diesem Lohn einen vergleichsweise tiefen Lebensstandard und damit die
Inkaufnahme von Einschränkungen in der alltäglichen Lebensführung bedeuten. Die
Beschwerdeführerin lebt allein in einer Dreizimmerwohnung; die Kinder sind längst
erwachsen und haben nach der Scheidung offenbar ohnehin beim Vater gelebt (IV-
act. 4-10). Der Zeitaufwand für die Erledigung des Haushalts ist somit gering und ihre
Kinder benötigen keine Betreuung mehr. Andere Gründe, wie z.B. die Ausübung eines
zeitintensiven Hobbies, die die Ausübung lediglich eines 80 %-Pensums im
Gesundheitsfall nachvollziehbar erscheinen liessen, sind keine ersichtlich. Zu
berücksichtigen ist auch, dass die Beschwerdeführerin stets einer Erwerbstätigkeit
nachgegangen ist, obwohl sie offenbar seit Jahren immer wieder an (möglicherweise
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ihre Arbeitsfähigkeit beeinflussenden) Depressionen gelitten hat. Unter
Berücksichtigung der angeführten Gründe ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin ohne gesundheitliche
Beeinträchtigung im Verfügungszeitpunkt zu 100 % erwerbstätig gewesen wäre. Somit
ist der IV-Grad anhand eines reinen Einkommensvergleichs zu ermitteln.
3.
3.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im Verfügungszeitpunkt mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdeführerin
hat psychische Beeinträchtigungen geltend gemacht.
3.2 Der neue Hausarzt Dr. G._ hat der Beschwerdeführerin in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Pflegehelferin eine 60 %ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt.
Die behandelnde Psychiaterin Dr. J._ hat die Arbeitsunfähigkeit ebenfalls auf 60 %
geschätzt. Sie hat angegeben, wegen der multiplen schweren psychiatrischen
Erkrankung bestehe die Möglichkeit einer verminderten Leistungsfähigkeit. Den Beginn
der Arbeitsunfähigkeit hat sie auf den 1. Januar 2012 festgelegt. Als Diagnosen hat sie
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung, eine rezidivierende depressive Störung/
mittelgradige Episode sowie eine leichte kognitive Störung angegeben. RAD-Ärztin Dr.
I._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, hat die Arbeitsfähigkeitsschätzung
der behandelnden Ärzte aufgrund der Diagnosen und der gesamten medizinischen
Unterlagen als nachvollziehbar erachtet. Somit liegt eine unter den Arztpersonen
unumstrittene Arbeitsfähigkeitsschätzung im Recht. Aus den nachfolgenden Gründen
vermag diese Arbeitsfähigkeitsschätzung trotzdem nicht die Anforderungen an den
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu erfüllen: Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden Ärzte entspricht nämlich demjenigen
Pensum, das die Beschwerdeführerin seit dem 1. Januar 2012 bestreitet und das sie
selber aus ihrer subjektiven Sicht noch als möglich erachtet. Das deutet darauf hin,
dass die behandelnden Ärzte die der Beschwerdeführerin aus objektiver Sicht noch
zumutbare Arbeitsleistung mit der von ihr selber subjektiv empfundenen
Arbeitsfähigkeit gleichgesetzt haben könnten. Hinzu kommt, dass behandelnde Ärzte
erfahrungsgemäss − wohl aufgrund ihres Behandlungsauftrags und damit verbunden
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ihrer therapeutischen Sichtweise − oft zu hohe Arbeitsunfähigkeiten attestieren (vgl.
BGE 135 V 465 E. 4.5). Weiter hat die behandelnde Psychiaterin angemerkt, dass
neben der 60 %igen Arbeitsunfähigkeit zusätzlich eine Leistungsverminderung
bestehen könnte. Ob eine zusätzliche Leistungsverminderung z.B. in Form von
vermehrten Pausen vorliegt, beeinflusst den Arbeitsfähigkeitsgrad und kann folglich
nicht offen gelassen werden. Zudem hat Dr. J._ eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, während die Vorbehandlerin Dr. C._ lediglich
von akzentuierten Persönlichkeitszügen mit ausgeprägter Selbstunsicherheit
ausgegangen ist. Ausserdem erscheint eine Begutachtung auch aufgrund der
komplexen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung (drei verschiedene
psychiatrische Diagnosen, bestehend seit Jahrzehnten) als notwendig. Und schliesslich
hatte RAD-Ärztin Dr. I._ im Mai 2012 und damit nach Eingang des ausführlichen
Berichts der behandelnden Psychiaterin Dr. J._ im April 2012 noch erklärt, dass eine
Begutachtung vor der Rentenprüfung erforderlich sein werde. Den einzigen
Verlaufsbericht von Dr. J._ vom 18. Oktober 2012 hat sie dann wegen der seltenen
Konsultationen als wenig aussagekräftig bezeichnet. Weshalb Dr. I._ ihre Meinung
später geändert und eine Begutachtung als nicht mehr notwendig angesehen hat, ist
daher nicht nachvollziehbar. Vor diesem Hintergrund ist eine unabhängige
psychiatrische Begutachtung unumgänglich. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin den Untersuchungsgrundsatz nach Art. 43 Abs. 1 ATSG
verletzt hat, indem sie die Arbeitsfähigkeit resp. die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin nicht rechtsgenüglich ermittelt hat. Die Sache ist daher zur
psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.3 Die Argumentation der Beschwerdegegnerin, dass kein invalidisierender
Gesundheitsschaden vorliege, weil die Beschwerdeführerin keine konsequente
Depressionstherapie absolviert habe, ist nicht stichhaltig. Die Beschwerdeführerin
befindet sich seit Mai 2011 in psychiatrischer Behandlung bei Dr. J._. Diese hat der
Beschwerdegegnerin im April 2012 berichtet, dass eine Psychotherapie, die sich an
psychisch strukturierte Pathologien halte, aus verschiedenen Gründen nicht zustande
gekommen sei. Die Gründe dafür hat sie nicht genannt. Es entsteht jedoch der
Eindruck, dass ein Grund dafür in der psychischen Erkrankung selber liegen könnte. Im
Verlaufsbericht hat Dr. J._ angegeben, dass eine psychotherapeutische Behandlung
aufgrund mangelnder Compliance nicht durchführbar sei. Zur Ursache der mangelnden
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Compliance hat sie jedoch wiederum keine Angaben gemacht. Der psychiatrische
Gutachter wird somit auch klären müssen, was der Grund dafür ist, dass bisher keine
adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung erfolgt ist.
3.4 Auch das Argument der Beschwerdegegnerin, dass sich die depressive
Symptomatik aus der psychosozialen Belastungssituation heraus entwickelt habe und
daher nicht invalidisierend sei, geht fehl. Denn die Invalidenversicherung ist eine finale
Versicherung. Das heisst, es wird nicht nach der Art und Genese eines
Gesundheitsschadens gefragt, welcher die Erwerbsunfähigkeit verursacht. Der
Gesundheitszustand ist folglich immer gesamtheitlich zu betrachten. Selbst eine
Erwerbsunfähigkeit, deren psychogene krankhafte Grundlage (auch) durch eine
soziokulturelle Überforderung verursacht worden ist, fällt in den Geltungsbereich der
Invalidenversicherung, vorausgesetzt es handelt sich um ein verselbständigtes
psychisches Leiden. Eine rentenbegründende Invalidität kann damit nicht allein mit
dem Hinweis auf das Vorhandensein soziokultureller oder psychosozialer
Belastungsfaktoren verneint werden (Urteil des Bundesgerichts vom 29. April 2014,
8C_830/2013 E. 5.2.3; BGE 136 V 279 E. 3.2.1). Aufgrund der Aktenlage muss davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin an einer eigenständigen
depressiven Erkrankung leidet. Der Auslöser der depressiven Störung spielt also keine
Rolle.
3.5 Anzumerken bleibt, dass gemäss dem im Sozialversicherungsrecht geltenden
Grundsatz "Eingliederung vor Rente" eine Selbsteingliederung bzw. eine durch die
Sozialversicherung übernommene Eingliederung zu erfolgen hat, bevor allenfalls eine
Rente beansprucht werden kann (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009,
N 47 der Vorbemerkungen; siehe auch Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 ATSG und BGE 126 V
241 E. 5). Die Beschwerdegegnerin müsste daher vor einer allfälligen Rentenzusprache
prüfen, ob berufliche Eingliederungsmassnahmen die Arbeitsfähigkeit verbessern
könnten.
3.6 Demnach ist die angefochtene Verfügung vom 26. August 2013 infolge einer
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art 43 Abs. 1 ATSG aufzuheben und
die Sache zur psychiatrischen Begutachtung und anschliessenden neuen Verfügung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
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4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu werten (BGE 132 V
215 E. 6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die Bewilligung des Gesuchs um unentgeltliche
Rechtspflege ist bei diesem Verfahrensausgang gegenstandslos.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Beschwerdegegnerin hat geltend gemacht, dass sie bei einer Rückweisung der
Sache nicht dazu verpflichtet werden könne, eine Parteientschädigung zu entrichten,
da die Rechtsvertreterin die betriebliche Infrastruktur der procap nutze und von ihr
entlöhnt werde. Das Eidgenössische Versicherungsgericht hat seine Rechtsprechung,
wonach versicherte Personen, die durch den Schweizerischen Invaliden-Verband (SIV,
heutige procap) vertreten werden, keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung
haben, mit BGE 122 V 278 dahingehend geändert, dass auch den durch den SIV
vertretenen, obsiegenden beschwerdeführenden Parteien eine Parteientschädigung
zuzusprechen ist (Erw. 3e/aa). Dies gelte sowohl für das Verfahren vor dem
Eidgenössischen Versicherungsgericht als auch für das kantonale Verfahren (Erw. 5,
nicht publ. in: BGE 122 V 278, aber in: SVR 1996 IV Nr. 96 S. 291). Diese Praxis wurde
nach Inkrafttreten von Art. 61 lit. g ATSG beibehalten (siehe Entscheid des
Bundesgerichts vom 6. Mai 2014, 9C_30/2014 E. 3.2). Die durch eine Anwältin der
procap vertretene Beschwerdeführerin hat somit Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Die Rechtsvertreterin hat keine Honorarnote
bis
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eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.