Decision ID: e2f061ee-bb73-4600-ae49-c00fd6fa03e3
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (nachfolgend: der Beschwerdeführer) verliess sein Heimatland
eigenen Angaben zufolge am (...) 2018 und reiste per Flugzeug und einem
vom (...) 2018 bis am (...) 2018 gültigen Visum in die Schweiz ein, wo er
am 3. Mai 2018 im damaligen Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ)
B._ um Asyl nachsuchte.
B.
B.a Am 9. Mai 2018 wurde er zu seiner Person, zu seinem Reiseweg und
summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zu Person [BzP]).
Am 16. Januar 2020 fand die Anhörung zu den Asylgründen und am
12. Mai 2020 eine ergänzende Anhörung statt.
B.b Anlässlich der Befragungen machte der Beschwerdeführer zu seiner
Identität und seinem persönlichen Hintergrund geltend, er sei kameruni-
scher Staatsangehöriger der Ethnie der C._ zugehörig und stamme
aus D._, wo er aufgewachsen sei und die Schule besucht habe.
Anschliessend habe er zunächst bis im Jahr 2007 in E._ (...) stu-
diert. (...) 2007 respektive (...) 2008 habe er die Firma "(...)" gegründet,
mit welcher er (...). Da die Regierung die Preise für Erste-Hilfe-Produkte
erhöht habe, habe er am (...) 2008 einen Marsch organisiert. Dabei sei er
von Polizisten geschlagen und angeschossen worden. Die schweren Ver-
letzungen hätten Narben am (...), (...) und (...) hinterlassen und er sei (...).
Von 2008 bis 2012 habe er an der Universität in D._ eine Ausbil-
dung in (...) abgeschlossen. Ab 2012 bis (...) 2015 sei er für die Nichtre-
gierungsorganisation (NGO) "(...)" tätig gewesen. Da es seiner eigenen
Firma nicht so gut gegangen sei, habe er seine Tätigkeit dort (...) 2016
wiederaufgenommen. Zuletzt habe er mit seiner Ehefrau und den drei ge-
meinsamen Kindern in E._ gelebt.
Zur Begründung seines Asylgesuchs führte er aus, nach Beginn des Kon-
flikts zwischen den beiden englisch geprägten Regionen im Nord- und Süd-
Westen Kameruns und den französischsprachigen restlichen Landesteilen
im Oktober 2016 habe er die anglophone Bevölkerung unterstützen wollen.
Er sei von der englischsprachigen Zivilbevölkerung beauftragt worden,
eine Mediation zwischen ihr und der Regierung einzuleiten. Am (...) 2016
habe er an einer Demonstration teilgenommen und mehrere Briefe an die
Regierung geschrieben, um gemeinsam eine Lösung aus der Krise zu fin-
den, wobei er keine Antwort erhalten habe. Er sei in der Folge von ver-
schiedenen Leuten bedroht und als Verräter bezeichnet worden. Sodann
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habe er zwischen (...) und (...) 2017 in F._ und G._ mehrere
Märsche organisiert, wobei er ein oder zwei Mal von der Polizei körperlich
angegriffen und kurzzeitig festgehalten worden sei. Des Weiteren habe er
sich auch wiederholt im Fernsehen und im Radio geäussert, wodurch er in
Kamerun einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt habe. (...) 2017 sei er
in einer Bar von einem ehemaligen Polizeikommissar bedroht worden. Die-
ser habe ihm gesagt, dass man ihn zwar im Jahr 2008 nicht habe töten
können, dieses Vorhaben nun aber Erfolg haben werde. Am (...) 2017 sei
er dann erstmals von der kamerunischen Polizei vorgeladen worden. Auf
Anraten seines Anwalts sei er dieser Aufforderung nicht gefolgt. Am
(...) 2018 habe er eine zweite Vorladung erhalten, welcher er – nach er-
neuter Rücksprache mit seinem Rechtsvertreter – ebenfalls keine Folge
geleistet habe. Im (...) 2018 sei er von der NGO "(...)" eingeladen worden
am (...) in H._ über die Meinungsfreiheit in Kamerun zu referieren.
In der Folge sei er legal mittels eines Visums in die Schweiz gereist, wo er
am (...) 2018 eine Rede gehalten habe. Nach der Veranstaltung sei er von
drei kamerunischen Männern angesprochen und bedroht worden. Am
(...) 2018 habe er von seiner Ehefrau per Telefon erfahren, dass bewaff-
nete Polizisten ihn gleichentags bei sich zu Hause gesucht hätten, um ihn
zu verhaften, wobei seine Ehefrau und sein Sohn von den Beamten tätlich
angegriffen worden seien. Die Polizei habe einen Computer sowie ein Dos-
sier von ihm mitgenommen und das Haus verwüstet. In der Folge habe er
sich nicht mehr getraut nach Kamerun zurückzukehren und deshalb in der
Schweiz einen Asylantrag eingereicht. (...) 2018 hätten Polizisten – wäh-
rend der Abwesenheit seiner Ehefrau – erneut das Haus durchsucht und
wiederum "einige andere" Computer sowie weitere Unterlagen mitgenom-
men. In der Folge habe sein Anwalt zwar Anzeige erstattet, diese sei jedoch
erfolglos geblieben. Am (...) 2019 sei seine Ehefrau nach ihrer Arbeit auf
dem Heimweg von drei unbekannten Männern zusammengeschlagen wor-
den. Ihr sei mitgeteilt worden, dass weder sie noch die gemeinsamen Kin-
der in Sicherheit seien, solange er (der Beschwerdeführer) nicht zurück-
komme und alle Unterlagen zurückbringe. Sie habe diesen Vorfall bei der
Polizei zur Anzeige bringen wollen; nachdem die Beamten jedoch festge-
stellt hätten, dass sie mit ihm verheiratet sei, hätten sie sie nur ausgelacht.
Am (...) 2019 habe die kamerunische Polizei schliesslich gegen ihn einen
Suchbefehl erlassen. Bei seiner Rückkehr würde er verhaftet, inhaftiert und
schliesslich zum Verschwinden gebracht werden.
B.c Zum Nachweis seiner Identität und zur Stützung seiner Vorbringen
reichte der Beschwerdeführer im Laufe des vorinstanzlichen Verfahrens
die folgenden Beweismittel zu den Akten:
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- seinen kamerunischen Reisepass (im Original),
- seinen kamerunischen Führerausweis (im Original),
- eine von ihm in seiner Position als Generalbevollmächtigter von "(...)"
verfasste E-Mail-Nachricht vom (...) 2007,
- eine Ausgabe der Zeitschrift "(...)" vom (...) 2018 mit dem Artikel "(...)"
(im Original),
- insgesamt acht Fotos von ihm (im Original),
- zwei Polizeivorladungen vom (...) 2017 und (...) 2018 (je in Kopie),
- einen Auszug der Statuten von "(...)" mitsamt Mitarbeiterliste vom
(...) 2008 (in Kopie),
- ein Schreiben an Amnesty International Genève und an Caritas Suisse
vom (...) 2018 (in Kopie) sowie ein undatiertes Antwortschreiben von
I._, Caritas Suisse (in Kopie),
- einen Zeugenbericht seiner Ehefrau bei einem Anwalt respektive einem
Gerichtsvollzieher nach einer Polizeivorsprache vom (...) 2018 (im Ori-
ginal),
- die Gesundheitsbüchlein von ihm und seiner Ehefrau (im Original),
- ein medizinisches Attest seiner Ehefrau vom (...) 2019 und vier Fotos
von ihren Verletzungen (alle im Original),
- einen polizeilichen Suchbefehl vom (...) 2019 (im Original),
- eine Anmeldebestätigung der (...) für die Teilnahme am (...) in
H._ vom (...) 2018 sowie einen Teilnehmerausweis von ihm für
(...) vom (...) 2018 (im Original),
- ein Schreiben des Beschwerdeführers betreffend "requête de duplicata
de ma licence" vom (...) 2020 mitsamt diversen Zeugnissen der Uni-
versität E._ (...) und D._ (alle in Kopie),
- eine Heiratsurkunde (in Kopie) und ein Hochzeitsfoto mit seiner Familie
(im Original),
- einen Arbeitsvertrag zwischen dem Beschwerdeführer und der NGO
"(...)" vom (...) 2013 (in Kopie) sowie zwei Auszeichnungen des kame-
runischen Ministeriums für Arbeit und soziale Sicherheit vom (...) 2015,
- einen Bericht von Human Rights Watch betreffend "Submission by Hu-
man Rights Watch to the Committee on Economic, Social and Cultural
Rights on Cameroon",
- zwei DHL-Kuverts (im Original).
C.
C.a Mit Schreiben vom 18. Juni 2020 teilte das SEM dem Beschwerdefüh-
rer seine Einschätzung bezüglich der Authentizität der eingereichten Poli-
zeivorladungen vom (...) 2017 und (...) 2018 sowie des polizeilichen Such-
befehls vom (...) 2019 mit und gewährte ihm hierzu das rechtliche Gehör.
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C.b In seiner Stellungnahme vom 23. Juni 2020 führte der Beschwerdefüh-
rer im Wesentlichen aus, dass ihm die vom SEM festgestellten orthografi-
schen und inhaltlichen Fehler auch aufgefallen seien und er sich deshalb
an den kamerunischen Rechtsanwalt, J._, gewendet habe. Dieser
habe sich bei den zuständigen kamerunischen Behörden erkundigt, ob er
(der Beschwerdeführer) tatsächlich gesucht werde, was ihm bestätigt wor-
den sei. Die Schreibfehler würden von einer unqualifizierten Sekretärin
stammen und die Vorladungen seien jeweils unter seiner Haustüre durch-
geschoben worden, da er zu Hause nicht angetroffen worden sei.
D.
Mit Verfügung vom 2. Juli 2020 – eröffnet am 6. Juli 2020 – stellte das SEM
fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte
sein Asylgesuch ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ord-
nete deren Vollzug an.
E.
Mit Eingabe vom 5. August 2020 (Datum des Poststempels) erhob der Be-
schwerdeführer – handelnd durch die rubrizierte Rechtsvertreterin – beim
Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid. Dabei
beantragte er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, es sei seine
Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren. Eventuali-
ter sei die Sache zur rechtsgenüglichen Sachverhaltsabklärung sowie zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen und subeventuali-
ter sei die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung und Beiordnung eines amtlichen Rechtsbeistandes in der Per-
son der unterzeichnenden Rechtsvertreterin. Ferner beantragte er, es sei
die aufschiebende Wirkung der Beschwerde zu konstituieren.
Der Beschwerde lagen die angefochtene Verfügung, ein Schreiben des Be-
schwerdeführers ans SEM vom 23. Juni 2020 sowie Fotokopien von poli-
zeilichen Vorladungen von K._ und L._ bei (allesamt in Ko-
pie).
F.
Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte mit Schreiben vom 6. Au-
gust 2020 den Eingang der Beschwerde.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 21. August 2020 stellte die damals zuständige
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Instruktionsrichterin fest, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten. Weiter hiess sie das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Prozessführung unter der Voraussetzung des
Nachweises der prozessualen Bedürftigkeit gut und forderte den Be-
schwerdeführer auf, innert anzusetzender Frist seine Bedürftigkeit mittels
einer Fürsorgebestätigung nachzuweisen oder einen Kostenvorschuss in
der Höhe von Fr. 750.– zu bezahlen, ansonsten auf die Beschwerde nicht
eingetreten werde.
H.
Mit Eingabe vom 7. September 2020 liess der Beschwerdeführer eine Un-
terstützungsbestätigung der (...) vom 24. August 2020 zu den Akten rei-
chen.
I.
Mit Zwischenverfügung vom 16. September 2020 wurde die Vorinstanz zur
Einreichung einer Vernehmlassung eingeladen.
J.
In seiner Vernehmlassung vom 22. September 2020 hielt das SEM vollum-
fänglich an seinen Erwägungen fest und beantragte die Abweisung der Be-
schwerde. Am 24. September 2020 wurde dem Beschwerdeführer die Ver-
nehmlassung zur Kenntnisnahme weitergeleitet.
K.
Das vorliegende Verfahren wurde aus organisatorischen Gründen auf die
gemäss Rubrum vorsitzende Richterin umgeteilt.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (VGG; SR 173.32) beurteilt das Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesge-
setzes über das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG;
SR 172.021). Das SEM gehört zu den Behörden nach Art. 33 VGG und ist
daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsgerichts. Eine das Sachge-
biet betreffende Ausnahme im Sinne von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das
Bundesverwaltungsgericht ist daher zuständig für die Beurteilung der vor-
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liegenden Beschwerde und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls endgül-
tig, ausser bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des Staates, vor
welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht (Art. 105 des Asyl-
gesetzes vom 26. Juni 1998 [AsylG; SR 142.31] und Art. 83 Bst. d Ziff. 1
des Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG;
SR 173.110]). Eine solche Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das Bundesverwaltungsgericht endgül-
tig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101). In Anwendung der Übergangsbestimmungen gilt für das
vorliegende Verfahren das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist somit einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Der mit der Beschwerde gestellte Eventualantrag, die Sache sei zur Neu-
beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Rechtsbegehren 3), wurde
in der Rechtsmitteleingabe nicht weiter begründet. Es ist aufgrund der Ak-
tenlage denn auch nicht ersichtlich, inwiefern der rechtserhebliche Sach-
verhalt unrichtig oder unvollständig erstellt worden sein soll. Eine Verlet-
zung von Verfahrensrechten durch das SEM ist nicht ersichtlich und den
Akten lassen sich auch keine weiteren Gründe für eine Kassation entneh-
men. Der entsprechende Antrag ist demnach abzuweisen.
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4.
4.1 Vorliegend ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers verneint und sein Asylgesuch abgelehnt
hat.
4.2 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.3 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält (Art. 7 Abs. 1 und 2 AsylG). Unglaubhaft sind insbesondere Vor-
bringen, die in wesentlichen Punkten zu wenig begründet oder in sich wi-
dersprüchlich sind, den Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf
gefälschte oder verfälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7
Abs. 3 AsylG). Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an
das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dar-
gelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden
(vgl. beispielsweise BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
5.
5.1 In ihrer abweisenden Verfügung kam die Vorinstanz zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers würden weder den Anforderungen an
die Glaubhaftmachung gemäss Art. 7 AsylG noch an die Flüchtlingseigen-
schaft gemäss Art. 3 AsylG standhalten. Zur Begründung führte sie zu-
nächst aus, die beiden Polizeivorladungen vom (...) 2017 und (...) 2018
seien lediglich in Kopie eingereicht worden, womit ihr Beweiswert stark ein-
geschränkt sei. Darüber hinaus könnten sie erfahrungsgemäss käuflich
leicht erhältlich gemacht werden. Aufgrund der inkorrekten Schreibweise
des ihm angelasteten Delikts, der fehlenden Unterschriften und Datumsan-
gaben sowie der expliziten Nennung der Gründe für die Einleitung des Un-
tersuchungsverfahrens seien die Vorladungen ohnehin als gefälscht zu be-
urteilen. Da der polizeiliche Suchauftrag vom (...) 2019 zahlreiche ortho-
grafische und syntaktische Fehler enthalte und er zudem nicht über ein
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derartiges internes Dokument verfügen dürfte, sei auch diesbezüglich da-
von auszugehen, dass das Schreiben nicht von einer kamerunischen
Amtsstelle stamme und demnach gefälscht sei. An dieser Einschätzung
würden auch die Ausführungen in der Stellungnahme des Beschwerdefüh-
rers vom 23. Juni 2020 nichts zu ändern vermögen. Ferner habe der Be-
schwerdeführer sein Engagement für die Unabhängigkeitsbestrebungen
des anglophonen Landesteils Kameruns im Laufe des Asylverfahrens grös-
ser dargestellt als zu Beginn. Dabei sei ohnehin nicht klar, weshalb er als
Angehöriger der frankophonen Bevölkerungsschicht in den anglophonen
Landesteilen Kameruns hätte reisen und sich dort monatelang an den Pro-
testen hätte beteiligen sollen. Zudem habe er die Festnahme und den Auf-
enthalt auf dem Polizeiposten widersprüchlich, erfahrungsfremd und sub-
stanzlos geschildert. Weitere Zweifel am Bestehen der geltend gemachten
Verfolgung hegte die Vorinstanz, da die Ausreise des Beschwerdeführers
am (...) 2018 legal und unter Verwendung seines eigenen Reisepasses er-
folgte. Sodann kam sie hinsichtlich der übrigen zu den Akten gereichten
Beweismittel zum Schluss, dass diese nicht zum Nachweis der Verfolgung
geeignet seien. So hätte der in der Zeitung "(...)" erschienene Bericht auch
ohne Weiteres gegen Bezahlung veröffentlicht werden können. Dieselbe
Einschätzung treffe auf den Zeugnisbericht seiner Ehefrau nach der Poli-
zeivorsprache vom (...) 2018 zu. Die weiteren Dokumente würden sich auf
seine Arbeit oder persönliche Ereignisse wie seine Heirat, seine Ausbil-
dung oder seine Gesundheit beziehen. Im Übrigen könne auch aus den
Beweismitteln betreffend seine Ehefrau nicht auf eine gegen ihn gerichtete
Verfolgung geschlossen werden. Schliesslich habe offenbar auch sein En-
gagement bei der Menschenrechtsorganisation "(...)" den kamerunischen
Behörden keinen Beweggrund gegeben, um ihn zu verfolgen. Demzufolge
erfülle er die Flüchtlingseigenschaft nicht und sein Asylgesuch sei abzu-
lehnen.
5.2 In seiner Rechtsmittelschrift wendete der Beschwerdeführer hinsicht-
lich den lediglich in Kopie eingereichten polizeilichen Vorladungen ein,
dass dies nicht zu seinen Ungunsten gewertet werden dürfte. Da die Polizei
sein Haus zweimal durchsucht habe, sei es durchaus möglich, dass die
Originale auf diesem Weg verschwunden seien. Ausserdem sei er wegen
einer Konferenz in die Schweiz gereist und habe zu diesem Zeitpunkt nicht
beabsichtigt ein Asylgesuch zu stellen, weshalb er die Originale auch nicht
mitgenommen habe. Weiter seien die Erklärungen für die Rechtschreibfeh-
ler in seiner Stellungnahme vom 23. Juni 2020 nicht zu entkräften. Sodann
sei es – entgegen der Ansicht des SEM – durchaus üblich, dass die Delikte,
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deren Begehung der Gesuchte beschuldigt werde, ausdrücklich in den Vor-
ladungen genannt werden, was sich auch aus einer Internetrecherche und
den dadurch gefundenen Vorladungen von K._ und L._ er-
gebe. Sodann sei die Analyse, auf welcher die Beurteilung der Dokumente
als Fälschungen basiere erst am 17. Juni 2020 durchgeführt worden, ob-
wohl die Beweismittel bereits am 9. Mai 2018 zu den Akten gereicht wor-
den seien. Innerhalb dieser Zeitspanne wäre es für das SEM möglich ge-
wesen, die Echtheit der Dokumente von einem Vertrauensanwalt in Kame-
run oder einer Fachperson überprüfen zu lassen. Jedenfalls würden die
von der Vorinstanz geltend gemachten Zweifel nicht ausreichen, die Poli-
zeivorladungen vom (...) 2017 respektive (...) 2018 und den polizeilichen
Suchbefehl vom (...) 2019 als Fälschungen zu qualifizieren. Mit der pau-
schalen Argumentation des SEM, wonach man Zeitungsartikel wie denje-
nigen über ihn im "(...)" leicht käuflich erwerben könne, könnten künftig
Zeitungsartikel nicht mehr als Beweismittel in einem Asylverfahren zuge-
lassen werden. In Bezug auf die Angaben zu seinen Tätigkeiten für die
anglophone Bevölkerung Kameruns handle es sich nicht um Widersprü-
che, sondern vielmehr um unterschiedliche Gewichtungen seiner Antwor-
ten. Auch die Flucht aus der Zelle nach seiner Festnahme durch die Polizei
habe er während den Befragungen konkret geschildert. Aufgrund seines
jahrelangen und aktenkundigen Einsatzes für alle Minderheiten in Kame-
run sei sodann unverständlich, weshalb es nicht einsichtig sein solle, dass
er sich als frankophoner Kameruner in den anglophonen Landesteilen an
Protesten beteiligen würde. Des Weiteren spreche seine legale Ausreise
nicht gegen die geltend gemachte Verfolgung. So habe er damals nicht
geplant, in der Schweiz um Asyl zu ersuchen; der hohe Grad der beste-
henden Lebensgefahr für ihn und seine Familie in Kamerun sei ihm erst
später bewusst geworden. Angesichts dessen, dass er seine Ehefrau und
die gemeinsamen Kinder zurück gelassen habe, hätten denn auch die ka-
merunischen Behörden keinen Anlass gehabt, zu befürchten, dass er nicht
zurückkehren würde. Insgesamt sei er seit 2008 als politischer Aktivist und
Regierungskritiker einzustufen, welcher sich mit seinen Ansichten und sei-
nem Engagement gegen die Politik der Regierung stelle. Er habe sowohl
in seiner Arbeit als auch in seiner Freizeit die Menschenrechte der anglo-
phonen Minderheit in Kamerun unterstützt. Da er mit seiner Mediation ge-
scheitert sei, sei er von beiden Seiten zu Unrecht verdächtigt worden,
Spion oder Verräter zu sein. Durch die Überfälle auf sein Zuhause und
seine Familie werde deutlich, dass er bei einer Rückkehr in konkreter Ge-
fahr wäre und befürchten müsse verfolgt, verhaftet, verletzt und gegebe-
nenfalls auch getötet zu werden. Aus diesen Gründen sei ihm als Flüchtling
in der Schweiz Asyl zu gewähren.
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Seite 11
6.
6.1 Vorab ist festzustellen, dass den geltend gemachten körperlichen Miss-
handlungen durch Polizeibeamte aufgrund der Organisation sowie Teil-
nahme an einer Demonstration gegen die Erhöhung der Preise für Erste-
Hilfe-Produkte am (...) 2008 in D._ keine asylrechtliche Relevanz
beizumessen ist, da sowohl in zeitlicher als auch in sachlicher Hinsicht kein
hinreichender Kausalzusammenhang zwischen diesen Vorfällen und der
Ausreise des Beschwerdeführers im (...) 2018 erkennbar ist.
6.2 Soweit der Beschwerdeführer vorbrachte, ein ehemaliger Polizeikom-
missar habe ihn am (...) 2017 in einer Bar in E._ bedroht und ihm
mitgeteilt, es sei ihnen zwar nicht gelungen ihn im Jahr 2008 zu töten, dass
sie jedoch dieses Mal Erfolg haben würden (vgl. SEM-Akten A26, F54 und
A31, Q30), erscheint es nicht nur unwahrscheinlich, dass dieser ihn nach
knapp zehn Jahren wiedererkannt haben soll, sondern auch, dass er in der
Öffentlichkeit von ihm mit dem Tod bedroht worden sein soll. Unabhängig
von der Glaubhaftigkeit ist diese verbale Drohung mangels Intensität nicht
asylrelevant, zumal der Beschwerdeführer die Lokalität anschliessend
ohne weitere Probleme wieder verlassen konnte (vgl. SEM-Akten A26, F54
und A31, Q30).
6.3 Alsdann ist zwar nicht auszuschliessen, dass der Beschwerdeführer
sich als frankophoner Kameruner für die anglophone Bevölkerung im Nord-
westen und Südwesten des Landes einsetzte, allerdings vermochte er –
wie nachfolgend aufgezeigt wird – nicht glaubhaft zu machen, dass er sich
dabei derart exponierte, dass er von den heimatlichen Behörden als politi-
scher Aktivist wahrgenommen beziehungsweise ihm eine regierungskriti-
sche Haltung zugeschrieben worden wäre.
6.3.1 So ist zunächst nicht nachvollziehbar, weshalb ausgerechnet der Be-
schwerdeführer als Privatperson von der anglophonen Bevölkerung ange-
fragt worden sein soll, zwischen ihr und der kamerunischen Regierung zu
vermitteln. Seine Erklärung, wonach er für diese Aufgabe ausgewählt wor-
den sei, weil er sowohl Französisch als auch Englisch spreche und zudem
mit seiner Firma "(...)" Büros in beiden englischsprachigen Landesteilen
führe (vgl. SEM-Akte A26, F53), vermag jedenfalls nicht zu überzeugen.
6.3.2 Sodann bestehen erhebliche Zweifel an der Art und am Umfang der
vom Beschwerdeführer behaupteten politischen Unterstützung für die ang-
lophone Minderheit. So brachte er anlässlich der BzP vor, er habe an De-
monstrationen teilgenommen, wobei er Plakate hochgehalten und der
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Strasse entlanggelaufen sei (vgl. SEM-Akte A8, Ziff. 7.01 und Ziff. 7.02).
Demgegenüber behauptete er in der Anhörung, er habe selber friedliche
Märsche organisiert (vgl. SEM-Akte A26, F53 und F65). Seine Schilderun-
gen erwecken dabei – wie bereits von der Vorinstanz festgestellt – den
Eindruck, als wolle er seine Rolle bei den Demonstrationsteilnahmen grös-
ser darstellen als diese tatsächlich war. Des Weiteren vermochte er die
Demonstrationen zeitlich nicht übereinstimmend einzuordnen. Während
der BzP führte er aus, die erste Veranstaltung habe am (...) 2017 in
G._ stattgefunden und im selben Monat sei er an zwei weiteren
Kundgebungen in F._ gewesen. Zuletzt habe er im (...) 2017 in
G._ einer Protestveranstaltung beigewohnt (vgl. SEM-Akte A8,
Ziff. 7.02). In der ersten Anhörung behauptete er dagegen, nachdem er im
Jahr 2016 seine politischen Aktivitäten wiederaufgenommen habe, habe er
erstmals am (...) 2016 an einer Demonstration teilgenommen. Zwischen
(...) und (...) 2017 habe er mit der anglophonen Bevölkerung je einen fried-
lichen Marsch in G._ und F._ organisiert und im (...) 2017
habe er zwei weitere Kundgebungen in G._ und F._ veran-
staltet (vgl. SEM-Akte A26, F53 und F65). Darüber hinaus fielen auch
seine Schilderungen betreffend die polizeilichen Festnahmen nicht über-
einstimmend aus. In der BzP behauptete er, er sei erstmals am (...) 2017
in G._ und ein zweites Mal im (...) 2017 in F._ von Polizisten
festgenommen worden (vgl. SEM-Akte A8, Ziff. 7.02). Demgegenüber
machte er in der Anhörung geltend, er sei lediglich beim Marsch vom
(...) 2017 in F._ festgenommen worden (vgl. SEM-Akte A26, F66).
Als er auf diesen Widerspruch angesprochen wurde, erklärte er auswei-
chend, es habe in G._ keine Verletzten gegeben und er sei lediglich
befragt worden (vgl. SEM-Akte A26, F67). Alsdann konnte er auch seinen
Aufenthalt auf dem Polizeiposten und seine anschliessende Flucht nicht
widerspruchlos, überzeugend und nachvollziehbar schildern. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann hierzu auf die zutreffenden Erwägungen
in der angefochtenen Verfügung verwiesen werden (vgl. dort E. II, Ziff. 2),
welchen sich das Gericht vollumfänglich anschliesst. Soweit der Beschwer-
deführer anlässlich der ersten Anhörung vorbrachte, er habe im Zeitraum
von (...) 2017 bis (...) 2017 circa sieben Treffen zwischen der Bevölkerung
des Nord- und des Süd-Westen organisiert (vgl. SEM-Akte A26, F65) und
mehrere Schreiben an die Regierung verschickt, um einen Dialog und
dadurch eine Lösung aus dieser Krise zu finden (vgl. SEM-Akte A26, F53),
handelt es sich lediglich um pauschale Behauptungen ohne näheren Aus-
führungen. Ferner machte er auch nur äusserst vage und oberflächliche
Angaben zu seinen angeblichen Auftritten und Interviews in diversen ka-
merunischen Radio- sowie Fernsehsendungen, anlässlich welcher er über
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die Situation in den anglophonen Zonen berichtet habe (vgl. SEM-Ak-
ten A8, Ziff. 7.02 und A26, F72–F77). Dabei erstaunt, dass er hierfür kei-
nerlei Beweismittel zu den Akten reichte, zumal er eigenen Angaben zu-
folge ungefähr zwanzig Fernsehauftritte hatte (vgl. SEM-Akte A26, F72).
Es ist davon auszugehen, dass sich in der Berichterstattung über den Kon-
flikt in den anglophonen Regionen in der lokalen Presse und in den sozia-
len Medien zahlreiche Hinweise auf den Beschwerdeführer hätten finden
lassen, falls er die von ihm angegebene Bekanntheit als politischer Aktivist
innegehabt hätte. An dieser Einschätzung vermag auch der einzelne ein-
gereichte Artikel in der Zeitung im "(...)" ("[...]"; vgl. SEM-Akte A9 [Beweis-
mittelcouvert], Beweismittel 1) nichts zu ändern, zumal entsprechende Ar-
tikel – wie von der Vorinstanz korrekt ausgeführt – ohnehin leicht fälschbar
und käuflich erwerbbar sind. Insofern als der Beschwerdeführer vor-
brachte, er habe sich sowohl mit seiner eigenen Firma als auch im Rahmen
seiner Tätigkeit für die NGO "(...)" politisch engagiert und dadurch eben-
falls eine gewisse Bekanntheit erlangt, ist festzustellen, dass sich seine
diesbezüglichen Ausführungen in allgemeinen Behauptungen erschöpfen
und er seine Aktivitäten auch auf wiederholte Nachfrage nicht substantiiert
und detailliert darzustellen vermochte (vgl. SEM-Akte A26, F61–F64). Ins-
gesamt ist nach dem Gesagten – wenn überhaupt – lediglich von einem
niederschwelligen und nicht intensiven politischen Wirken seitens des Be-
schwerdeführers auszugehen.
6.3.3 Des Weiteren verwies das SEM hinsichtlich der polizeilichen Vorla-
dungen vom (...) 2017 und (...) 2018 (vgl. SEM-Akte A9 [Beweismittelcou-
vert], Beweismittel 3) zu Recht auf den von vornherein geringen Beweis-
wert der Kopien. Da sich die Authentizität von Kopien in der Regel nicht
überprüfen lässt, bestand – entgegen der vom Beschwerdeführer vertrete-
nen Ansicht – auch keine Veranlassung, die Echtheit der polizeilichen Vor-
ladungen durch einen Vertrauensanwalt in Kamerun oder eine Fachperson
verifizieren zu lassen. Die Schlussfolgerungen des SEM, wonach diese Be-
weismittel aufgrund der anlässlich der Dokumentprüfung festgestellten or-
thographischen Fehler nicht echt seien, sind ebenfalls nicht zu beanstan-
den. Weder in seiner Stellungnahme vom 23. Juni 2020 (vgl. SEM-
Akte 34), in welcher der Beschwerdeführer geltend machte, die Schreib-
fehler würden von einer unqualifizierten Sekretärin stammen und die Vor-
ladungen seien während seiner Abwesenheit unter seiner Haustüre durch-
geschoben worden, noch in der Beschwerdeeingabe, in welcher er bereits
Vorgebrachtes wiederholte und auf Vorladungen von ihm unbekannten
Personen aus dem Internet verwies, gelang es dem Beschwerdeführer,
D-3934/2020
Seite 14
den konkreten vorinstanzlichen Argumenten etwas Überzeugendes entge-
genzuhalten.
6.3.4 Gegen eine staatliche Verfolgung des Beschwerdeführers sprechen
ferner seine Angaben anlässlich der BzP, wonach er sich von (...) 2017 bis
zu seiner Ausreise im (...) 2018 unbehelligt bei sich zu Hause in
E._, wo er offiziell angemeldet war, aufhalten konnte. Hätten die
kamerunischen Behörden tatsächlich ein Interesse an der Person des Be-
schwerdeführers gehabt, wäre es ihnen zweifellos ein Leichtes gewesen,
ihn ausfindig zu machen und zu verhaften, zumal er erklärte, er sei wäh-
rend dieser Zeitspanne weiterhin zur Arbeit gegangen und sei abends je-
weils nach Hause zu seiner Familie zurückgekehrt (vgl. SEM-Akte A8,
Ziff. 7.02). Seine Behauptungen in der ergänzenden Anhörung, wonach er
sich nach Erhalt seines Visums (...) 2018 aus Angst vor einer Verhaftung
durch die Polizei immer seltener zu Hause aufgehalten habe (vgl. SEM-
Akte A31, Q28), sind als nachgeschoben zu werten. Schliesslich zeigt auch
die problemlose Ausreise aus Kamerun mit seinem eigenen Reisepass und
mit einem gültigen Visum per Flugzeug auf, dass seitens der kameruni-
schen Behörden nichts gegen ihn vorlag.
6.3.5 Bei dieser Sachlage ist – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz –
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt seiner Aus-
reise nicht im Fokus des Interesses der kamerunischen Behörden stand
und folglich keiner asylrelevanten Verfolgung ausgesetzt war beziehungs-
weise keine solche zu befürchten hatte.
6.4 Angesichts des festgestellten fehlenden staatlichen Verfolgungsinte-
resses der kamerunischen Behörden am Beschwerdeführer ist auch den
damit zusammenhängenden behaupteten Ereignissen nach seiner Aus-
reise bereits die Grundlage entzogen. Dennoch ist hierzu ergänzend Fol-
gendes zu bemerken:
6.4.1 Die geltend gemachten Drohungen durch drei kamerunische Männer
nach seinem Vortrag anlässlich des (...) in H._ am (...) 2018
(vgl. SEM-Akten A26, F55 und A31, Q46 f.) stellen aufgrund mangelnder
Intensität ohnehin keine ernsthaften Nachteile im Sinne von Art. 3 AsylG
dar, weshalb sich Ausführungen zur Glaubhaftigkeit erübrigen. Es er-
schliesst sich dem Gericht bei Wahrunterstellung überdies nicht, weshalb
der Beschwerdeführer diesen Vorfall nicht zur Anzeige gebracht hat.
D-3934/2020
Seite 15
6.4.2 Alsdann steht die legale Ausreise des Beschwerdeführers aus Kame-
run vom (...) 2018 der vorgebrachten anhaltenden behördlichen Suche
nach ihm entgegen. Aus dem ins Recht gelegten Zeugenbericht seiner
Ehefrau vom (...) 2018 betreffend die am (...) 2018 von bewaffneten Poli-
zeibeamten durchgeführte Hausdurchsuchung, anlässlich welcher seine
Ehefrau und sein Sohn tätlich angegriffen sowie ein Computer und Dos-
siers beschlagnahmt worden seien (vgl. SEM-Akte A9 [Beweismittelcou-
vert], Beweismittel 6), vermag der Beschwerdeführer jedenfalls nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten, da dieser als Gefälligkeitsschreiben zu qualifi-
zieren ist. Ausserdem reichte er weder für die Hausdurchsuchung
(...) 2018, bei welcher weitere Computer und Dokumente mitgenommen
worden seien (vgl. SEM-Akten A26, F 55 und A31, Q39 ff.), noch die in der
Folge von seinem kamerunischen Anwalt eingereichte Anzeige (vgl. SEM-
Akte A26, F55) Belege zu den Akten. Weiter bestehen auch hinsichtlich
des Vorfalls vom (...) 2019, bei welchem die Ehefrau des Beschwerdefüh-
rers nach ihrer Arbeit auf ihrem Weg nach Hause von unbekannten Män-
nern bedroht und zusammengeschlagen worden sein soll (vgl. SEM-Ak-
ten A26, F55 und A31, Q39 ff.), erhebliche Zweifel. Wie die Vorinstanz be-
reits in der angefochtenen Verfügung feststellte (vgl. dort E. II, Ziff. 4), las-
sen die hierfür eingereichten Beweismittel, welche die Verletzungen seiner
Ehefrau dokumentieren sollen (vgl. SEM-Akte A9 [Beweismittelcouvert],
Beweismittel 7, 8 und 9), keine Rückschlüsse auf den Zeitpunkt, die Ursa-
che und die Art der Verletzungen zu. Ferner ist fraglich, woher die unbe-
kannten Angreifer hätten wissen können, dass der Beschwerdeführer Be-
weismittel für die angeblich angeordneten Tötungen anlässlich der De-
monstrationen in G._ und F._ gesammelt hatte. Schliesslich
ist bezüglich des am (...) 2019 ausgestellten polizeilichen Suchbefehls
(vgl. SEM-Akte A9 [Beweismittelcouvert], Beilage 10) auf die Ausführun-
gen des SEM in der angefochtenen Verfügung zu verweisen, wonach die-
ser sowohl orthographische als auch grammatikalische Fehler aufweist
(vgl. hierzu die angefochtene Verfügung E. II, Ziff. 1). Die Erklärung des
Beschwerdeführers, dass die vielen Rechtschreibfehler von einer unquali-
fizierten Sekretärin stammen würden, ist nicht geeignet, zu einer anderen
Beurteilung zu führen. Bei Suchbefehlen handelt sich zudem um amtsin-
terne Dokumente, welche grundsätzlich gar nicht in die Hand der gesuch-
ten Person gelangen sollten, weshalb davon auszugehen ist, dass es sich
dabei um eine Fälschung handelt. Darüber hinaus erscheint es wenig plau-
sibel, dass der Beschwerdeführer erst im (...) 2019, mithin eineinhalb
Jahre nach seiner Ausreise aus Kamerun, offiziell von den Behörden ge-
sucht worden sein soll, zumal bisher offenbar weder ein Strafverfahren
noch andere behördliche Massnahmen gegen ihn eingeleitet wurden
D-3934/2020
Seite 16
(vgl. SEM-Akte A31, Q53). Vor diesem Hintergrund erübrigt es sich, den
Suchbefehl auf dessen Echtheit beispielsweise mittels einer Botschaftsab-
klärung überprüfen zu lassen.
6.5 Zusammenfassend konnte der Beschwerdeführer nicht nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen, dass er wegen seines geltend gemach-
ten Engagements für die anglophone Bevölkerung ab (...) 2016 ins Visier
der kamerunischen Regierung geraten wäre und im Falle seiner Rückkehr
begründete Furcht vor einer Verfolgung im Sinne von Art. 3 Abs. 1 AsylG
haben müsste. Die Entgegnungen und Einwände in der Beschwerdeschrift
sowie die in diesem Zusammenhang eingereichten Beweismittel vermögen
die vom SEM im angefochtenen Entscheid getroffene Einschätzung nicht
umzustossen, womit sich eine weitere Auseinandersetzung mit diesen er-
übrigt. Die Vorinstanz hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers daher zutreffend verneint und sein Asylgesuch zu Recht abgelehnt.
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet
(Art. 44 AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Auslän-
der und über die Integration [AIG; SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
D-3934/2020
Seite 17
8.2
8.2.1 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen.
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG;
vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die
Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK; SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft
vom 18. April 1999 (BV; SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10. De-
zember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder er-
niedrigende Behandlung oder Strafe (FoK; SR 0.105) und der Praxis zu
Art. 3 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreihei-
ten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101) darf niemand der Folter
oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unter-
worfen werden.
8.2.2 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.2.3 Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdefüh-
rers noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer
Rückkehr in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer
nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer, 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
D-3934/2020
Seite 18
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
als unzulässig erscheinen.
8.2.4 Der Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers erweist sich
nach dem Gesagten – sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrecht-
lichen Bestimmungen – als zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 In Kamerun besteht keine Situation allgemeiner Gewalt, die sich über
das ganze Staatsgebiet oder weite Teile desselben erstrecken würde. Eine
gänzlich unsichere, von bewaffneten Konflikten oder permanent drohen-
den Unruhen dominierte Lage, aufgrund derer der Beschwerdeführer bei
einer Rückkehr unvermeidlich einer konkreten Gefährdung ausgesetzt
wäre, besteht nicht (vgl. Urteil des BVGer D-5414/2019 vom 20. Septem-
ber 2021 E. 11.2 [zur Publikation vorgesehen]).
8.3.3 Darüber hinaus sind – wie bereits die Vorinstanz in der angefochte-
nen Verfügung zutreffend festhielt (vgl. dort. E. III, Ziff. 2) – keine individu-
ellen Gründe ersichtlich, die gegen einen Wegweisungsvollzug sprechen.
Der Beschwerdeführer verfügt über eine gute Ausbildung und jahrelange
Berufserfahrung in verschiedenen Bereichen (vgl. SEM-Akten A8,
Ziff. 1.17.04 f., A26, F21 ff., F37 ff. und F42 und A31, Q60). Es ist folglich
davon auszugehen, dass er sich nach seiner Rückkehr rasch wieder in den
Arbeitsmarkt integrieren und für ein regelmässiges Einkommen sorgen
kann. Insgesamt ist nicht anzunehmen, dass er bei einer Rückkehr nach
Kamerun in eine existenzielle Notlage geraten würde. Der Beschwerdefüh-
rer verfügt in seinem Heimatland zudem über ein grosses familiäres Bezie-
hungsnetz (Ehefrau und gemeinsame Kinder sowie Mutter, Brüder, Onkel
und Tanten; vgl. SEM-Akte A8, Ziff. 3.01 und A26, F29 und F32 f.), auf wel-
ches er bei Bedarf zurückgreifen kann. Ferner sind den Akten keine Hin-
weise auf gesundheitliche Probleme zu entnehmen, die gegen einen Weg-
weisungsvollzug sprechen würden.
D-3934/2020
Seite 19
8.3.4 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung nach
Kamerun sowohl allgemein als auch in individueller Hinsicht als zumutbar
im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG.
8.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, der über einen Reise-
pass verfügt, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates die
für eine Rückkehr allenfalls weiteren notwendigen Reisedokumente zu be-
schaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und vgl. dazu auch BVGE 2008/34
E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Be-
schwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Regle-
ments vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor
dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]). Nachdem mit
Zwischenverfügung vom 21. August 2020 das Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Prozessführung im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG unter
Vorbehalt der Nachreichung einer Fürsorgebestätigung gutgeheissen,
diese mit Eingabe vom 7. September 2020 zu den Akten gereicht wurde
und weiterhin von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen
ist, sind ihm keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.2 Gestützt auf aArt. 110a Abs. 1 Bst. a AsylG bestellt das Bundesver-
waltungsgericht einer asylsuchenden Person, die von der Bezahlung der
Verfahrenskosten befreit ist, auf Antrag eine amtliche Rechtsbeiständin o-
der einen amtlichen Rechtsbeistand. Das mit der Beschwerde gestellte Ge-
such um unentgeltliche Rechtsverbeiständung ist somit gutzuheissen und
dem Beschwerdeführer ist antragsgemäss die rubrizierte Rechtsvertrete-
rin, Rechtsanwältin Lena Weissinger, als amtliche Rechtsbeiständin beizu-
D-3934/2020
Seite 20
ordnen. Ihr ist – unbesehen des Ausgangs des Verfahrens – für ihre Auf-
wendungen im Beschwerdeverfahren ein Honorar zu Lasten der Gerichts-
kasse auszurichten. Das Bundesverwaltungsgericht geht bei amtlicher Ver-
tretung in der Regel von einem Stundenansatz von Fr. 200.– bis Fr. 220.–
für Anwältinnen und Anwälte und Fr. 100.– bis Fr. 150.– für nicht-anwaltli-
che Vertreterinnen und Vertreter aus (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10
Abs. 2 VGKE). Die Rechtsvertreterin hat im Verfahren keine Kostennote
eingereicht. Auf entsprechende Nachforderung kann jedoch verzichtet wer-
den, da sich die Vertretungskosten aufgrund der Akten zuverlässig ab-
schätzen lassen (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht
zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) sowie angesichts
der Entschädigungspraxis in vergleichbaren Fällen ist der Rechtsvertrete-
rin zulasten der Gerichtskasse ein amtliches Honorar von Fr. 1'100.–
(inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag im Sinne von Art. 9 Abs. 1
Bst. c VGKE) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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