Decision ID: 770f8236-c39f-4391-9049-034a2989223a
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B seit dem 3. März 2008.
Am 25. September 2008 verursachte sie einen Selbstunfall. Da sie im Zeitpunkt des
Unfalls weder unter Drogen- noch Alkoholeinfluss stand und sich auch aus einer
vertrauensärztlichen Untersuchung keine Hinweise auf mögliche Unfallursachen
ergaben, ordnete das Strassenverkehrsamt eine verkehrsmedizinische Untersuchung
beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital St. Gallen an. Der Gutachter
stellte im Bericht vom 12. Juni 2009 fest, eine strukturelle oder organische Erkrankung,
welche das Unfallereignis vom 25. September 2008 erklären könne, liege nicht vor.
Zudem hätten sich keine Hinweise auf eine Drogen- oder Alkoholabhängigkeit ergeben.
Hingegen seien die aktenkundigen Diagnosen der Psychiatrischen Klinik Aadorf zu
bestätigen. X leide an einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline-Typ und einer mittelgradigen Depression. Ein problembehafteter
Alkoholkonsum sei jedoch nicht nachweisbar. Auf Empfehlung des Gutachters ordnete
das Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 2. Juli 2009 verschiedene Auflagen an: X
wurde verpflichtet, eine Alkohol-Fahrabstinenz einzuhalten und sich regelmässig
fachpsychiatrisch betreuen zu lassen. Das wegen des Vorfalls vom 25. September
2008 eröffnete Strafverfahren wurde am 6. Juli 2009 vom Untersuchungsamt St. Gallen
aufgehoben.
B.- Am 18. Januar 2010 teilte der Psychiater dem Strassenverkehrsamt mit, der
Gesundheitszustand von X habe sich verschlechtert. Sie sei anfangs Januar nach dem
Konsum von Alkohol in der Schule kollabiert und zur stationären Behandlung in die
Kantonale Psychiatrische Klinik (KPK) Z eingewiesen worden. Das
Strassenverkehrsamt entzog ihr daraufhin den Führerausweis mit Verfügung vom
20. Januar 2010 vorsorglich ab sofort. X war in den Jahren 2010 und 2011 mehrmals
psychiatrisch hospitalisiert, letztmals vom 22. bis 27. April 2011. Nachdem sich ihr
Gesundheitszustand gebessert hatte, hob das Strassenverkehrsamt den vorsorglichen
Führerausweisentzug gestützt auf ein Kurzgutachten des IRM mit Verfügung vom 16.
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April 2012 auf und versah den Führerausweis mit unbefristeten Auflagen: regelmässige
Behandlung der psychischen Erkrankung und Einnahme der verordneten
Medikamente, Verzicht auf das Autofahren bei gesundheitlichen Störungen, Einhalten
einer Alkohol-Fahrabstinenz und Einreichen der Arztzeugnisse alle sechs Monate.
Gleichzeitig verfügte es einen Warnungsentzug für einen Monat wegen des Unfalls vom
25. September 2008 (Vollzug vom 20. Januar bis 19. Februar 2010). Am 11. September
2012 begab sich X erneut in stationäre psychiatrische Behandlung. Den Führerausweis
stellte sie dem Strassenverkehrsamt zusammen mit einer Verzichtserklärung zu.
Aufgrund einer positiv lautenden Auskunft der Klinik wurde er ihr nach Beendigung der
Therapie am 3. Januar 2013 wieder ausgehändigt.
C.- Am 7. September 2015 wurde die stark alkoholisierte X von der Polizei ins Spital
gebracht. Da sie bereits am 29. August 2015 einen Polizeieinsatz verursacht hatte – sie
hielt sich beim Bahnhof Y auf und drohte nach dem Konsum von Alkohol und
Medikamenten, sich durch einen Sprung von der Brücke das Leben zu nehmen –,
informierte die Kantonspolizei das Strassenverkehrsamt über die Ereignisse. X musste
sich deshalb einer vertrauensärztlichen Untersuchung unterziehen (Zwischenverfügung
des Strassenverkehrsamts vom 23. September 2015). Der Vertrauensarzt verneinte im
Bericht vom 23. Oktober 2015 eine chronische Alkoholabhängigkeit. In der erweiterten
Urinuntersuchung sei jedoch überraschenderweise LSD (Lysergsäurediethylamid)
nachgewiesen worden. Gestützt auf dieses Gutachten entzog das
Strassenverkehrsamt X den Führerausweis mit Verfügung vom 30. Oktober 2015
vorsorglich, entzog einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung und gewährte
ihr das rechtliche Gehör zum vorgesehenen Führerausweisentzug auf unbestimmte
Zeit. Gegen den vorsorglichen Entzug erhob X mit Eingabe vom 5. November 2015
erfolgreich Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Im Entscheid wurde
erwogen, da weder eine Drogenabhängigkeit noch ein verkehrsrelevanter
Drogenmissbrauch festgestellt worden seien, müsse geprüft werden, ob Hinweise auf
einen künftigen verkehrsrelevanten Drogenmissbrauch vorlägen. Weder aus den Akten
noch aus dem vertrauensärztlichen Bericht ergäben sich Anhaltspunkte dafür, dass X
mehr als jede andere Person gefährdet sei, sich künftig unter der Wirkung von LSD
oder anderen, die Fahreignung beeinträchtigenden Substanzen ans Steuer zu setzen,
weshalb die Voraussetzungen für einen vorsorglichen Entzug nicht erfüllt seien
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(Entscheid der Verwaltungsrekurskommission [VRKE] IV-2015/226 vom 18. Februar
2016).
D.- Mit Schreiben vom 29. Februar 2016 informierte das Strassenverkehrsamt X über
die Aufhebung der vorsorglichen Massnahme. Gleichzeitig teilte es mit, die
eingereichten Akten würden dem IRM zur Beurteilung vorgelegt. Zu prüfen sei, ob sie
die gesetzlichen Anforderungen zum Führen von Motorfahrzeugen erfülle. Das
Aktengutachten wurde am 3. März 2016 eingereicht. Aufgrund der komplexen
gesundheitlichen Situation empfahl der Gutachter eine verkehrsmedizinische
Abklärung. Gestützt darauf ordnete das Strassenverkehrsamt mit Zwischenverfügung
vom 1. Juni 2016 eine verkehrsmedizinische Untersuchung an. Dagegen erhob X am
13. Juni 2016 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Sie beantragte die
kostenfällige Aufhebung der Verfügung vom 1. Juni 2016. Auf die Ausführungen der

Rekurrentin zur Begründung des Antrags wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 13. Juli 2016 auf eine
Vernehmlassung.
Am 31. Oktober 2016 wurde den Verfahrensbeteiligten mitgeteilt, das Gericht werde
auch prüfen, ob anstelle einer verkehrsmedizinischen Untersuchung die bestehenden
Auflagen zumindest vorübergehend mit einer Drogenabstinenz zu ergänzen seien. Sie
erhielten Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Dies taten sie mit Eingaben vom 4. und
7. November 2016.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 13. Juni 2016 ist rechtzeitig eingereicht
worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
bis
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2.- Im Rekurs ist umstritten, ob die Vorinstanz zu Recht eine verkehrsmedizinische
Untersuchung anordnete.
a) Voraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist insbesondere die
Fahreignung. Mit diesem Begriff umschreiben alle betroffenen wissenschaftlichen
Disziplinen (insbesondere Medizin, Psychologie und Jurisprudenz) die körperlichen und
geistigen Voraussetzungen des Individuums, um ein Fahrzeug im Strassenverkehr
sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE
133 II 384 E. 3.1). Der Führerausweis ist zu entziehen, wenn die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG).
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen, namentlich bei Fahren unter dem Einfluss von
Betäubungsmitteln (Art. 15d Abs. 1 lit. b SVG) oder Meldung eines Arztes, dass eine
Person wegen einer körperlichen oder psychischen Krankheit, wegen eines
Gebrechens oder wegen einer Sucht Motorfahrzeuge nicht sicher führen kann (lit. e).
Wird ein Fahrzeuglenker nach dem Konsum von Amphetaminen, Barbituraten,
Benzodiazepinen, Cannabis, LSD, Methaqualon oder vergleichbaren psychoaktiven
Substanzen in fahrunfähigem Zustand im Strassenverkehr angetroffen, sind die
notwendigen Abklärungen bezüglich seiner Fahreignung vorzunehmen. Die
Feststellung des blossen Konsums dieser Substanzen ohne Bezug zum
Strassenverkehr soll dagegen grundsätzlich keine weiteren
(strassenverkehrsrechtlichen) Mass-nahmen auslösen (vgl. Expertengruppe
Verkehrssicherheit, Verdachtsgründe fehlender Fahreignung, Massnahmen,
Wiederherstellung der Fahreignung – Leitfaden für die Administrativ-, Justiz- und
Polizeibehörden, Abschnitt II/4.2, in: Handbuch der verkehrsmedizinischen
Begutachtung, Bern 2005, S. 113 ff.).
b) Die Vorinstanz erwog, die Verwaltungsrekurskommission habe im Entscheid vom
18. Februar 2016 die ernstlichen Zweifel an der Fahreignung verneint. Deshalb sei der
vorsorgliche Führerausweisentzug aufgehoben worden. Es bestünden jedoch weiterhin
Bedenken an der Fahreignung, weshalb gestützt auf die Ausführungen im
Aktengutachten vom 3. März 2016 eine verkehrsmedizinische Untersuchung
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anzuordnen sei. Im Gutachten sei insbesondere zu klären, ob aus
verkehrsmedizinischer Sicht eine wesentliche, die Fahreignung beeinflussende
körperliche oder psychische gesundheitliche Problematik bestehe (lit. a), ob ein
verkehrsrelevanter Suchtmittelmissbrauch bestehe (lit. b), ob andere
verkehrsmedizinisch relevante Befunde vorlägen (lit. c) und ob sich aus der
Untersuchung konkrete Hinweise auf das Vorliegen einer fehlenden Fahreignung
ergäben (lit. d). Zudem sollte der Gutachter konkrete Massnahmen zur Behebung
allfälliger Defizite vorschlagen und die notwendigen Abklärungen aufzeigen (lit. e und f).
Die Rekurrentin hielt dem zusammengefasst entgegen, sie befinde sich seit einiger Zeit
in psychiatrischer Behandlung. Ihr Psychiater habe die Fahreignung regelmässig
bescheinigt, letztmals am 19. Mai 2016. Auch der verkehrsmedizinische Vertrauensarzt
habe am 23. Oktober 2015 bestätigt, dass ihre Fahreignung nicht eingeschränkt sei.
Schliesslich habe auch die Verwaltungsrekurskommission ausdrücklich festgehalten,
dass sich weder aus den Akten noch aus dem vertrauensärztlichen Bericht Hinweise
ergäben, dass sie mehr als jede andere Person gefährdet sei, sich künftig unter die
Fahrfähigkeit beeinträchtigenden Substanzen ans Steuer zu setzen. Seit dem Erlass
der angefochtenen Verfügung habe sich an ihrem Zustand nichts geändert, und es sei
zu keinem Vorfall gekommen, der Zweifel an ihrer Fahreignung aufkommen lasse. Das
Aktengutachten des IRM sei sehr rudimentär ausgefallen und könne deshalb nicht
Grundlage für die erneute Anordnung einer teuren medizinischen Begutachtung bilden,
zumal sich der Gutachter nicht mit den Ausführungen des Vertrauensarztes und der
Verwaltungsrekurskommission auseinandergesetzt habe.
c) Im Verfahren IV-2015/226 hatte der Abteilungspräsident über den vorsorglichen
Führerausweisentzug zu entscheiden. Im Urteil wurde – wie die Rekurrentin richtig
ausführte – festgehalten, weder aus den Akten noch aus dem Gutachten des
Vertrauensarztes ergäben sich Hinweise darauf, dass die Rekurrentin mehr als jede
andere Person gefährdet sei, sich künftig unter der Wirkung von LSD oder anderen, die
Fahrfähigkeit beeinträchtigenden Substanzen ans Steuer zu setzen, weshalb die
Voraussetzungen für einen vorsorglichen Entzug nicht gegeben seien. Das Gericht wies
jedoch im Zusammenhang mit dem nachgewiesenen LSD-Konsum darauf hin, dass im
Rahmen des summarischen Verfahrens nicht festzustellen sei, ob es sich um einen
bewussten Konsum gehandelt habe oder die fragliche Substanz ohne Wissen der
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Rekurrentin in deren Körper gelangt sei. Die Fahreignung der Rekurrentin wurde damit
entgegen den Ausführungen im Rekurs nicht vorbehaltlos befürwortet. Vielmehr hielt es
das Gericht nur für angemessen, ihr den Führerausweis während der notwendigen
Abklärungen und somit für die Dauer des Hauptverfahrens zu belassen, zumal der
LSD-Konsum nicht im Zusammenhang mit der Teilnahme am Strassenverkehr stand
(vgl. Philippe Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 15d SVG N
13).
d) Die angefochtene Verfügung erfolgte gestützt auf den vertrauensärztlichen Bericht
(nachfolgend E. 2d/aa) und das Aktengutachten des IRM (E. 2d/bb). Im
Rekursverfahren wurde zudem eine fachärztliche Bescheinigung des Psychiaters
eingereicht (E. 2d/cc).
aa) Der Vertrauensarzt führte im Untersuchungsbericht vom 23. Oktober 2015 aus, bei
der Rekurrentin stehe zurzeit eine Alkoholabhängigkeit nicht im Vordergrund. Es könne
auf Grund der klinischen Untersuchung und der Laborwerte keine chronische
Alkoholabhängigkeit nachgewiesen werden. Dass es punktuell zu Alkoholkonsum oder
Überkonsum kommen könne, sei aufgrund der psychisch labilen Situation nicht
auszuschliessen. Im Urin der Rekurrentin sei jedoch überraschenderweise LSD
nachgewiesen worden. Die Rekurrentin leide an einem komplexen depressiven
Syndrom. Sie füge sich selbst Schaden zu und bringe sich dadurch immer wieder in
Lebensgefahr. Aufgrund dieser Erkrankung sei die Rekurrentin auf Medikamente und
regelmässige psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung angewiesen.
Aufgrund von Auflagen sei sie verpflichtet, regelmässig fachärztliche Bescheinigungen
einzureichen und nachzuweisen, dass ihr psychischer Zustand stabil sei (act. 6/3).
bb) Der Facharzt des IRM kam im Bericht vom 3. März 2016 gestützt auf die Akten und
das Gutachten des Vertrauensarztes zum Schluss, in Anbetracht der komplexen
Situation mit chronischer psychischer Störung, wiederholter Suizidalität, erheblicher
Alkoholproblematik mit offenbar immer wieder erfolgtem Alkoholüberkonsum und der
positiv auf LSD getesteten Urinprobe seien eine verkehrsmedizinische Abklärung und
allenfalls eine verkehrspsychologische Untersuchung (Impulskontrolle, Stabilität) zu
empfehlen (act. 6/5).
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cc) Der Psychiater bescheinigte mit Schreiben vom 19. Mai 2016, dass sich die
Rekurrentin bei ihm in psychiatrischer Behandlung befinde. Aktuell sei das psychische
Zustandsbild soweit ausreichend stabil, dass die Fahreignung gegeben sei. Es sei
jedoch zu beachten, dass weiterhin eine behandlungsbedürftige psychische
Erkrankung vorliege.
e) aa) Die Rekurrentin wurde am 20. März 2012 im IRM untersucht. Aufgrund der
damals festgestellten Alkoholprobleme und der psychischen Erkrankung – gemäss
Gutachten des Vertrauensarztes leidet sie an einem komplexen psychischen Syndrom
– wurde die Fahreignung nur mit Auflagen befürwortet. Gestützt auf das Kurzgutachten
des IRM vom 5. April 2012 (act. 11/122) auferlegte das Strassenverkehrsamt der
Rekurrentin eine Alkohol-Fahrabstinenz und verpflichtete sie zudem, halbjährlich
ärztliche Kontrollberichte einzureichen. Diese Auflagen wurden, soweit aus den Akten
ersichtlich, bisher eingehalten. Insbesondere reichte der Psychiater der Rekurrentin die
Fachberichte regelmässig ein, letztmals am 19. Mai 2016 (vorne E. 2d/cc). Aus dem
Gutachten des Vertrauensarztes ergibt sich keine grundlegende Verschlechterung des
im Jahre 2012 festgestellten Gesundheitszustands. Nach wie vor bestehe keine
chronische Alkoholabhängigkeit und das psychische Zustandsbild sei nach Angaben
des Psychiaters ausreichend stabil. Vor diesem Hintergrund lässt sich die
Notwendigkeit einer weiteren verkehrsmedizinischen Untersuchung nicht begründen.
bb) Ins Gewicht fällt hingegen, dass der Urin der Rekurrentin anlässlich der
vertrauensärztlichen Untersuchung erstmals positiv auf LSD getestet wurde. Die
festgestellte Menge lag über dem Cut-Off-Wert von 0,5 μg/l. Dabei handelt es sich um
die Entscheidungsgrenze, bei der ein Resultat als positiv oder negativ interpretiert wird
(Arbeitsgruppe für Suchtstoffanalytik [AGSA] der Schweizerischen Union für
Laboratoriumsmedizin [SULM], Richtlinien für die Suchtstoffanalytik, 21. April 2006,
S. 13, unter: www.labcompendium.org). Folglich ist davon auszugehen, dass es in den
letzten fünf Tagen vor der Probenahme vom 19. Oktober 2015 – solange ist die
Substanz im Urin nachweisbar (Sutter/Sturm, a.a.O., S. 17) – zu einem LSD-Konsum
kam. Unklar ist, ob es sich um einen bewussten LSD-Konsum handelte oder die
fragliche Substanz ohne Wissen der Rekurrentin in deren Körper gelangte. Diese
brachte dazu vor, sie habe nie im Leben bewusst LSD oder andere illegale Substanzen
zu sich genommen und könne sich nicht erklären, weshalb diese Substanz in ihrem
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Urin nachgewiesen worden sei (act. 6/4 S. 5). Darauf ist jedoch nicht weiter
einzugehen, denn einzig aufgrund eines einmaligen Nachweises von LSD im Urin der
Rekurrentin lässt sich eine verkehrsmedizinische Untersuchung nicht begründen, wenn
der Konsum nicht verkehrsrelevant war.
cc) Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Rekurrentin regelmässig psychotrope
Substanzen einnimmt. Gemäss vertrauensärztlichem Gutachten wird sie im Rahmen
der psychiatrischen Behandlung unter anderem mit dem Neuroleptikum Risperidon
therapiert; die tägliche Dosis beträgt 6 mg. Werden derartige Medikamente mit
weichen Drogen wie etwa Cannabis oder LSD gemischt, ist eine
Fahreignungsabklärung auch ohne Berührungspunkte zum Strassenverkehr angezeigt,
wenn aufgrund des Zusammenwirkens der einzelnen Substanzen erhöhte Zweifel an
der Fahreignung bestehen (vgl. B. Liniger, Drogen, Medikamente und Fahreignung, in:
Handbuch der verkehrsmedizinischen Begutachtung, S. 37; Weissenberger, a.a.O.,
Art. 15d SVG N 48). Dazu äusserten sich die Fachärzte in ihren Berichten jedoch nicht.
Weder im Aktengutachten des IRM noch im Bericht des Vertrauensarztes wurde auf
diese Frage eingegangen. Der Vertrauensarzt hielt lediglich fest, der Konsum von LSD
sei „nicht vereinbar mit einer Fahreignung“, was in dieser Absolutheit solange nicht
zutrifft, als der Konsum weder in abhängiger noch in verkehrsrelevant missbräuchlicher
Weise erfolgte (Liniger, a.a.O., S. 37). Ob etwa ein paralleler Konsum beider
Substanzen zu einer die Fahreignung einschränkenden Wirkungsverstärkung führt,
wurde in den Gutachten nicht ausgeführt, obwohl sich eine fehlende Fahreignung auch
aus Umständen ergeben kann, die einzeln die Fahreignung nicht ausschliessen, im
Verbund aber schon. Zudem kann eine kombinierte Einnahme von mehreren
psychotropen Substanzen zu einer Sucht führen, auch wenn sich eine solche in Bezug
auf die jeweiligen einzelnen Substanzen nicht feststellen lässt (vgl. BGer 6A.5/2004
vom 17. Mai 2004 E. 3.3). Der Gutachter des IRM hob in seinem sehr kurz
ausgefallenen Bericht lediglich die Komplexität der gesundheitlichen Situation hervor,
die allerdings sowohl der Vorinstanz als auch dem IRM seit Jahren bekannt ist und zu
den aktuell gültigen Auflagen führte. Eine Würdigung des LSD-Konsums im Lichte der
gesundheitlichen Situation der Rekurrentin nahm auch er nicht vor.
dd) Vor diesem Hintergrund vermögen die Gutachten des Vertrauensarztes und des
IRM hinsichtlich des festgestellten LSD-Konsums eine verkehrsmedizinische
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Untersuchung nicht zu rechtfertigen. Insbesondere legten die Ärzte nicht dar, weshalb
sich aus einem einmaligen, nicht verkehrsrelevanten LSD-Konsum konkrete
Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Rekurrentin mehr als jede andere Person der
Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand ans Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, der
das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Immerhin war sie bisher in der Lage, sich
trotz ihrer Krankheit im Strassenverkehr adäquat und verantwortungsbewusst zu
verhalten. So verzichtete sie im Oktober 2012 aus gesundheitlichen Gründen freiwillig
auf den Führerausweis. Die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Abklärung im
Hinblick auf die Prüfung eines allfälligen Sicherungsentzugs setzt indes solch konkrete
Anhaltspunkte voraus (Ph. Weissenberger, Administrativrechtliche Massnahmen
gegenüber Motorfahrzeuglenkern bei Alkohol- und Drogengefährdung, in: Jahrbuch
zum Strassenverkehrsrecht 2004, S. 120). Da die Schlüssigkeit der Gutachten
hinsichtlich der Frage des LSD-Konsums und dessen Auswirkungen, zweifelhaft ist,
hätte die Vorinstanz vor der Anordnung der verkehrsmedizinischen Begutachtung
ergänzende Beweise zur Klärung der offenen Punkte erheben müssen (vgl. BGE 133 II
384 E. 4.2.3). Die Anordnung einer umfassenden verkehrsmedizinischen Untersuchung
ohne weitere Abklärungen erscheint deshalb nicht verhältnismässig.
ee) Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit fordert, dass Verwaltungsmassnahmen zur
Verwirklichung des im öffentlichen Interesse liegenden Ziels geeignet und notwendig
sind. Ausserdem muss der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zu den
Belastungen stehen (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl.
2016, Rz. 514). Die Voraussetzung der Erforderlichkeit eines Eingriffs verlangt, dass
sich der verfolgte Zweck nicht mit milderen behördlichen Massnahmen erreichen lässt
(vgl. BGE 140 III 49 E. 4.3.2).
Über den körperlichen und psychischen Gesundheitszustand der Rekurrentin besteht
Klarheit. Die Fahreignung wurde gestützt auf frühere verkehrsmedizinische
Untersuchungen trotz des gelegentlichen Alkoholüberkonsums und der psychischen
Erkrankung bisher unter Auflagen befürwortet. Fraglich sind somit lediglich die
Auswirkungen des anlässlich der vertrauensärztlichen Untersuchung festgestellten
LSD-Konsums vor dem Hintergrund des Gesundheitszustands der Rekurrentin. Zur
Beantwortung dieser Frage erscheint eine umfassende verkehrsmedizinische
Untersuchung, wie von der Vorinstanz vorgesehen, nicht notwendig, zumal sich die
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Rekurrentin erst im Oktober 2015 einer vertrauensärztlichen medizinischen
Begutachtung zu unterziehen hatte. Angemessen erscheint vielmehr, die Auflagen
zumindest vorübergehend mit einer Drogenabstinenz zu ergänzen. Entsprechende
Tests können relativ günstig, schnell und weitgehend zuverlässig durchgeführt werden
(vgl. Sutter/Sturm, a.a.O., S. 3). Sollte sich herausstellen, dass der Rekurrentin kein
verkehrsrelevanter LSD-Konsum nachzuweisen ist, würden sich einschneidendere
Massnahmen erübrigen. Die Rekurrentin brachte dagegen zwar vor, bei solchen Tests
bestehe die Gefahr der Verfälschung, weil sie aufgrund ihrer Krankheit Medikamente
einnehme, die als Opiate angezeigt würden. Indes ergibt sich aus dem
Untersuchungsbericht des IRM vom 21. Oktober 2015, dass die verschiedenen im Urin
enthaltenen Substanzen – namentlich Opiate und LSD – getrennt ausgewiesen werden
(act. 11/207). Zudem liegt es an der Rekurrentin, die von ihr eingenommenen
Medikamente vor dem Untersuch offenzulegen. Sollten die Untersuchungen beim
Hausarzt erfolgen, ergäben sich in dieser Hinsicht ohnehin keine Probleme, da er
umfassend über die aktuelle Medikation informiert sein sollte (vgl. act. 11/187).
f) Somit ergibt sich, dass der Rekurs gutzuheissen ist. Die Zwischenverfügung der
Vorinstanz vom 1. Juni 2016 ist aufzuheben und die Angelegenheit gestützt auf Art. 56
Abs. 2 VRP zur Anordnung von zusätzlichen Auflagen (Drogenabstinenz) im Sinne der
Erwägungen und zu neuer Verfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3.- a) Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Staat
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘200.– ist der Rekurrentin zurückzuerstatten.
b) Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Rekurrentin gemäss Art. 98 Abs. 2
und Art. 98 VRP Anspruch auf die vollständige Entschädigung der ausseramtlichen
Kosten, soweit diese als notwendig und angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren
war der Beizug eines Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht, weshalb die ausseramtliche Entschädigung ermessensweise
festzusetzen ist. Im Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar
als Pauschale ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1‘000.– und
Fr. 12‘000.– (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
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Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das
Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der
Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der
Beteiligten, bemessen (Art. 19 HonO). Zu prüfen war die Frage, ob eine
verkehrsmedizinische Untersuchung notwendig ist. Es stellten sich weder schwierige
tatsächliche noch rechtliche Fragen. Aufwandmindernd wirkt sich zudem aus, dass der
Rechtsvertreter die Rekurrentin bereits in früheren Verfahren vertreten hat und deshalb
mit dem Fall vertraut ist. Insgesamt erscheint damit ein Honorar von Fr. 1‘600.– als
angemessen. Hinzuzuzählen sind die Barauslagen von Fr. 64.– und die Mehrwertsteuer
von Fr. 133.10 (Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO), so dass die ausseramtliche
Entschädigung insgesamt Fr. 1‘797.10 beträgt; entschädigungspflichtig ist der Staat
(Strassenverkehrsamt).