Decision ID: 6067e5a1-ad7b-436d-9f08-e7fb14311707
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966, meldete sich am
3.
September 1999 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/1). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte unter anderem ein Gutachten ein, das am 2
3.
April und
7.
Mai 2001 erstattet wurde (
Urk.
7/23-24), und ver
neinte mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2001 einen Leistungsanspruch (
Urk.
7/29).
Nach erneuter Anmeldung vom 1
2.
Oktober 2002 (
Urk.
7/39) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 2
0.
Mai 2003
(
Urk.
7/50) und
Einspracheentscheid
vom
4.
November 2003 (
Urk.
7/56)
einen Rentenanspruch. Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 1
6.
August 2004 im Verfahren Nr. IV.2003.00489 bestätigt (
Urk.
7/67).
1.2
Vom 1
2.
November 2008 bis 3
1.
Dezember 2014 war die
Versicherte
im Umfang von
60
%
(
5
von 8 Stunden pro Tag
)
als Raumpflegerin / Teamleiterin tätig,
wobei der Monatslohn
Fr.
2'700.-- (2012) und sodann
Fr.
2'900.-- (2013 und 2014) betrug
und das Arbeitsverhältnis von der Arbeitgeberin infolge Auftragsrück
ganges aufgelöst
wurde
(Bericht vom 1
5.
August 2016;
Urk.
7/95
Ziff.
2.1-2.3
und 5.3
). Ab
1.
Januar 2015 war sie als arbeitslos gemeldet (Urk.
7/92) und bezog laut ALE/AM-Kontoauszug (
Urk.
7/93/1) 206 Taggelder, davon 165 normale, 22
infolge Krankheit und 19 bei Kursbesuch.
Nach erneuter Anmeldung vom 1
0.
Dezember 2015 (
Urk.
7/75) und durch
geführ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/98,
Urk.
7/105) verneinte die IV
Stelle mit Ver
fügung vom 1
9.
Januar 2017 einen Leistungsanspruch (Urk.
7/108 = Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
7.
Februar 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
9.
Januar 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr ab September 2016 eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
März 2016 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
5.
April 2017 - zusammen mit der antragsgemässen (vgl.
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
3) Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung - zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid sind.
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (
BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen
). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisions
grund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächli
cher Hinsicht umfassend («
allseitig
»
) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG
(vgl. vorstehend E. 1.3)
vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, dass keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Die Ausübung einer Tätigkeit in der freien Marktwirtschaft sei voll zumutbar. Daher bestehe weder ein Anspruch auf berufliche Unterstützung noch auf eine Invali
denrente (S. 1). Es sei aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar, weshalb der behandelnde Psychiater weiterhin eine schwere depressive Episode diagnostiziere. Auch bei bestimmten anderen Diagnosen seien die massgeblichen Kriterien nicht erfüllt (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1)
,
die Beschwerdegegnerin habe sich für ihren Entscheid auf eine unbegründete Stellungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
gestützt, auf die sie mangels Beweiswert nicht hätte abstellen dürfen (S. 8). Der RAD stelle nicht auf eigene Untersuchungen, sondern auf die Akten ab. Dies sei zwar grundsätzlich zulässig. Wenn aber aus den vorhandenen medizinischen Unterlagen von der Beurteilung des behandelnden Psychiaters und der Ärzte der
Klinik Z._
klar abweichende Schlüsse gezogen würden, sei dafür eine eigene Untersuchung durch einen Psychiater des RAD oder eine Begutachtung durch einen externen Psychiater unabdingbar. Weil eine solche fehle, sei die Aktenbeurteilung des RAD nicht beweiskräftig. Stattdessen sei auf die Berichte des behandelnden Psychiaters und der
Ärzte der
Z._
abzustellen, welche
beide im Wesentlichen von einer schweren depressiven Episode und infolgedessen von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgehen würden (S. 9). Dies gelte spätestens ab September 2015, so dass ab September 2016 der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente bestehe (S. 10).
2.3
Strittig und zu prüfen ist somit, wie es sich mit dem Gesundheitszustand und einem allfälligen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin verhält, und ob dies aufgrund der vorhandenen Unterlagen beurteilt werden kann.
Der Sachverhalt wurde letztmals mit Verfügung vom 2
0.
Mai 2003 erhoben. Deren gerichtliche Überprüfung ergab im Vergleich zur vorangegangenen Verfü
gung vom 1
2.
Juni 2001 unveränderte Verhältnisse (
Urk.
7/67 S. 12 E. 4.3). Ver
gleichsrelevant ist mithin der Sachverhalt
, welcher der Verfügung
vo
m 12.
Ju
n
i 2001
zugrunde lag
.
3.
3.1
Dr.
med. A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
erstatteten am 2
3.
April 2001 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdeführerin (
Urk.
7/23).
Sie nannten folgende Diagnose (S. 13 Mitte):
-
Entwicklung körperlicher Symptome aus psychischen Gründen bei Ver
dacht auf eine passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung bei atypischer familiärer Situation und Schwierigkeiten bei der kulturellen Einge
wöhnung (ICD-10 F68.0, F60.8, Z60.1 und Z60.3)
Zur Arbeitsfähigkeit führten sie unter anderem aus, im bisherigen Krankheitsver
lauf dürfte die Beschwerdeführerin
darum bemüht gewesen sein,
ihrer
Krankheit mehr Gewicht zu verleihen als ihrer Restarbeitsfähigkeit (S. 13 unten). Sie sollte angehalten werden, sich anzustrengen und die ihr zumutbare Leistung zu erbrin
gen (S. 13 f.).
Weiter führten sie aus, sie wollten aber auch die echten psychischen Belastungs
momente mit in die psychiatrische Beurteilung einfliessen lassen und der aus
nehmend schwierigen sozialen Situation Rechnung tragen, in welcher der Beschwerdeführerin keine volle Arbeitstätigkeit zugemutet werden könne. Dies
bezüglich gingen sie aus psychiatrischer Sicht von einer Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit um 10-15
%
aus, so dass einschliesslich der rheumatolo
gischen Beurteilung eine gesamthaft um 30-35
%
reduzierte Arbeitsfähigkeit resultiere. Mit einer abschliessend resultierenden Arbeitsfähigkeit von rund 66 2/3
%
bestehe keine Behinderung in rentenberechtigendem Ausmass, dies besonders auch unter der Berücksichtigung, dass
doch aufgrund der Akten und des Verhal
tens der Versicherten gewichtige Hinweise darauf bestünden, dass die psychi
schen Veränderungen auch bewusstseinsnah seien, aller Wahrschein
lichkeit nach mit dem Ziel, eine Rente zu erreichen (S. 14 oben).
3.2
Dr.
med. C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, erstattete am
7.
Mai 2001 ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/24).
Er nannte folgende Diagnosen (S. 11
Ziff.
4):
-
Verdacht auf somatoforme Störung
-
Depression mit Somatisierungsstörung anamnestisch
-
panvertebrales, vor allem
lumbovertebrales
Syndrom
-
Genua
valga
-
Adipositas
-
Nikotinabus
us
Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, aus rheumatologischer Sicht bestehe auf Grund des Rückenleidens für eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit min
destens eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
, was auch für die beschriebene Tätigkeit als
Abpackerin
sowie für eine der Behinderung angepasste Erwerbs
tätigkeit gelte. Eine körperlich schwere Tätigkeit sei der Versicherten nicht zumutbar. Eine der Behinderung angepasste Erwerbstätigkeit entspreche einer körperlich leichten Tätigkeit, wechselnd belastend, ohne grössere statische Belastung durch ungünstige Arbeitspositionen oder längeres Stehen und Sitzen (S. 11
Ziff.
5).
Aktuell bestehe ein ausgeprägtes muskuläres und konditionelles Defizit, das durch ein konsequentes Haltungsturnen, kräftigende Übungen sowie ein konditionelles Ausdauertraining behoben werden könnte. Aus rein rheumatologischer Sicht müsste damit für eine angepasste Tätigkeit mindestens eine Arbeitsfähigkeit von 80
%
erreicht werden können (S. 11
Ziff.
6).
3.3
Ausgehend von den beiden genannten Gutachten (vgl.
Urk.
7/26) ermittelte die Beschwerdegegnerin einen Invaliditätsgrad von 32.5
%
(
Urk.
7/25 S. 2 unten) und verneinte mit Verfügung vom 1
2.
Juni 2001 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/29).
4.
4.1
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in sei
nem Bericht vom 2
9.
März 2002 (
Urk.
7/45/10-11) aus, die Beschwerdeführerin befinde sich seit 2
8.
Oktober 1998 in seiner ambulanten psychiatrischen Behand
lung (S. 1 Mitte), dies alle zwei Wochen (S. 2 oben). Er nannte folgende Diagnose (S. 1):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit stark depressiven Zügen (ICD-10 F45.4) in schwieriger psychosozialer Lage
4.2
Die Ärztinnen der
Z._
führten in ihrem Bericht vom
9.
Juli 2002 (
Urk.
7/45/7-9) an
Dr.
D._
aus, die Beschwerdeführerin sei vom 1
0.
Juni bis
5.
Juli 2002 hospitalisiert gewesen, dies nach freiwilligem Eintritt wegen zunehmender Erschöpfung und Verzweiflung bei schwieriger psychosozialer Situation (S. 1).
Sie nannten folgende Diagnose (S. 1 Mitte):
-
mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.11)
Eigentliche Angaben zur Arbeitsfähigkeit machten sie nicht, führten aber betreffend Procedere aus, die Beschwerdeführerin werde weiterhin zur Tages
strukturierung halbtags in die Arbeitstherapie der
Z._
gehen (S. 3 oben).
4.
3
Dr.
D._
nannte
in seinem Bericht
vom
9.
November 2002 (
Urk.
7/43)
folgende Diagnosen (
lit
. A):
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
Die Erkrankung habe sich mittlerweile bereits
chronifiziert
. Aus seiner Sicht sei die Patientin zu 80
%
arbeitsunfähig. Sie spreche ungenügend Deutsch und leide unter heftigen Rückenschmerzen. Die Restarbeitsfähigkeit könne nach seiner Ansicht
nur in körperlich und psychisch
nicht belastendem, geschütztem Rahmen verwertet werden (
Urk.
7/43/3-4 S. 2 unten).
4.4
Dr.
med. E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in einem Schreiben vom 2
4.
Dezember 2012 an die Beschwerdegegnerin (Urk.
7/45/5-6) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit Anfang 2002 (S. 1 Mitte).
Aufgrund der rheumatologischen Situation mit Schmerzfehlverarbeitung und
Chronifizierung
glaube er nicht, dass überhaupt eine Erwerbstätigkeit noch mög
lich sei. Die Arbeitsunfähigkeit von 100
%
erscheine angesichts der Entwicklung und Diagnosen als gerechtfertigt (S. 2 oben).
4.5
Die Beschwerdegegnerin schloss aus den genannten Berichten auf einen unver
änderte
n
Gesundheitszustand (vgl.
Urk.
7/49 S. 3 oben) und verneinte mit
Verfü
gung
vom
2
0.
Mai 2003
(
Urk.
7/50) und
Einspracheentscheid
vom 4.
November 2003 (
Urk.
7/56) einen Rentenanspruch, was vom hiesigen Gericht mit Urteil
vom 1
6.
August 2004
bestätigt wurde
(
Urk.
7/67).
5.
5.1
Vom 1
6.
September bis
4.
November 2015 weilte die Beschwerdeführerin zur sta
tionären Behandlung in der
Z._
, worüber am 1
5.
Januar 2015 berichtet wurde (
Urk.
7/88/9-13). Sie sei freiwillig eingetreten, dies auf Zuweisung der Hausärztin aufgrund von Selbstverletzung und Suizidgedanken (S. 1 unten).
Es wurde
n
folgende psychiatrische Diagnosen genannt (S. 1 Mitte):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
emotional
instabile Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
Bei fehlendem Anhalt für und glaubhafter Distanzierung von Selbst- und Fremd
gefährdung sei die Patientin in ihre alten Ve
rhältnisse entlassen worden (S. 4 Mitte).
5.2
Vom 3
0.
November bis 2
3.
Dezember 2015 weilte die Beschwerdeführerin wiede
rum in der
Z._
,
worüber am
4.
Januar
2016
berichtet wurde (
Urk.
7/85
= Urk.
7/88/14-19
). Sie sei freiwillig eingetreten, dies auf Zuweisung des behan
delnden Psychiaters
Dr.
D._
aufgrund einer Exazerbation der depressiven Symptomatik mit suizidalen Absichten vor dem Hintergrund einer emotional instabilen Persönlichkeitsakzentuierung (S. 1 unten).
Es wurden die gleichen Diagnosen gestellt (S. 1 Mitte).
Die Patientin habe in teilremittiertem Zustand vor den Festtagen entlassen wer
den können, da sie Besuch von ihrer Tochter erhalten werde (S. 5 Mitte).
5.3
Dr.
D._
nannte in seinem Bericht vom
5.
März 2016 (
Urk.
7/88/6-8) folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende
depressive
Störung, gegenwärtig
schwere Episode
mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33
.2)
-
emotional
instabile Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
-
chronisches
lumbovertebrales
Syndrom mit Schmerzsymptomatik
In seiner Beurteilung führte er aus, die Patientin sei seit Jahren schwer depressiv, habe diverse somatische Probleme und eine ausgeprägte Schmerzsymptomatik. Sie sei aus psychiatrisch-psychotherapeutischen Gründen zur Zeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Die
Erkrankung habe sich mittlerweile bereits
chronifiziert
und die Prognose sei als schlecht zu bezeichnen (S. 3).
5.4
Vom 2
0.
Januar bis 1
7.
März 2016 weilte die Beschwerdeführerin wiederum in der
Z._
, worüber - nach einem Bericht vom
3.
März 2016 (
Urk.
7/89) - am
3
1.
März 2016
berichtet wurde (
Urk.
7/91
=
Urk.
7/96/6-19
). Nunmehr wurden folgende psychiatrische Diagnosen genannt (S. 1):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Verdacht auf
emotional
instabile Persönlichkeit
sstör
ung
:
Borderline
-Typ
(ICD-10
F60.31
)
Bei fehlendem Anhalt für und glaubhafter Distanzierung von Selbst- und Fremd
gefährdung habe die Patientin in teilremittiertem Zustand in die ambulante Nach
behandlung entlassen werden können (S. 4 unten).
5.5
Dr.
D._
nannte in seinem Bericht vom
2
0.
August 2016 (
Urk.
7/96/
4
-5)
die gleichen Diagnosen wie am
5.
März 2016 (S. 1 Mitte). In seiner Beurteilung (S. 2 Mitte) führte er aus, seither habe sich der Gesundheitszustand der Patientin nicht verbessert, sondern leider sogar leicht verschlechtert. Seine weiteren Ausführun
gen decken sich mit denjenigen im Bericht vom
5.
März 201
6.
5.6
Dipl. med. F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, RAD, führte in ihrer Beurteilung vom
9.
September 2016 (
Urk.
7/97 S. 4 ff.)
aus, die
Situation stelle sich aus versicherungsmedizinischer Sicht ähnlich wie früher dar. Psychosoziale Belastungssituationen
stünden im Vordergrund
, die keinen invali
den
versicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden generier
ten
.
Das
Vor
liegen einer chronischen psychischen Erkrankung, welche sich verschlechtert h
ätte
, sei aus versicherungsmedizinischer Sicht trotz dreimaliger stationärer Auf
enthalte im Winter 2015 und Frühjahr 2016 nicht erkennbar
(S. 5 unten)
.
5.7
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom 1
3.
Januar 2017
(7/107 S. 2 ff.)
unter anderem aus, dem Bericht über den
Z._
-Aufenthalt vom 3
0.
November bis 2
3.
Dezember 2015 sei zu entnehmen, die Beschwerdeführerin habe sich zwei Wochen nach Eintritt zunehmend stabiler gezeigt und sich im Hinblick auf den Besuch ihrer Tochter mit dem kurz vorher geborenen Enkel «zusammenreissen» wollen. Solches könne man bei einer schweren depressiven Symptomatik nicht, in diesem Sinne könne die Diagnose so nicht
anerkannt werden. Auch sei eine Teilremission schon nach zwei Wochen bei einer schweren depressiven Symptomatik nicht nachvollziehbar (S. 3 oben).
Bezüglich des Aufenthalts vom 2
0.
Januar bis 1
7.
März 2016 führte sie aus,
auf
grund des
im Bericht vom
3.
März 2016 genannte
n Befunds seien die Kriterien der ICD-10 für eine schwere depressive Episode nicht erfüllt, es könnte
aller
höchstens und mit gutem Willen e
ine leichte depressive Episode
diagnostiziert werden
(S. 3 unten)
.
Weiter sei
ein Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung
beschrieben worden. Da die Kriterien
der ICD-10 nicht erfüllt seien
, könne diese Diagnose nicht nachvollzogen werden
. Auch die neue Diagnose eines Verdachts auf
emotional-instabile Persönlichkeits
störung vom
Borderline
-Typ
könne nicht nachvollzogen werden, s
o sei
doch beispiels
weise ni
cht bekannt, dass schon in der Kindheit und Jugendzeit Auffälligkeiten bestanden hätten
. Insgesamt seien die Kriterien der
ICD-10
für eine Persönlichkeitsstörung aus näher dargelegten Gründen nicht erfüllt (S. 4 Mitte).
Zum Bericht von
Dr.
D._
vom 2
0.
August 2016 führte sie aus, es sei nicht nach
vollziehbar, warum er erneut eine schwere depressive Episode diagnostiziere, nachdem die Versicherte in teilremittiertem Zustand
aus der
Z._
entlassen wor
den sei, und das von ihm genannte
somatische Syndrom könn
e aufgrund der fehlenden ICD-10-
Kriterien nicht nachvollzogen werden
(S. 5 Mitte)
.
6.
6.1
Gemäss den Angaben der Arbeitgeberin war die Beschwerdeführerin von Novem
ber 2008 bis Ende 2014 im Umfang von 60
%
erwerbstätig (
Urk.
7/95
Ziff.
2.1-3). Die Einträge im Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) vom 24.
Februar 2016 (
Urk.
7/87) bestätigen dies.
Anschliessend bezog sie 206 Taggelder der Arbeitslosenversicherung, davon 22
wegen Krankheit, mithin netto 184
Taggelder
(
Urk.
7/93/1). Bei durch
schnitt
lich 21.7 Kontrolltagen pro Monat ergibt dies eine Bezugsdauer von rund 8 1⁄2 Monaten.
Dies wiederum deckt sich
mit
dem Datum des ersten Klinikeintritts am 16.
Sep
tember 2015 (vorstehend E. 5.1).
6.2
Die Beschwerdeführerin war somit von 2008 bis 2014 fast genau
in
dem Pensum effektiv erwerbstätig, das im Gutachten von 2001 (vorstehend E. 3.1) als zumut
bar erachtet worden war, dies gefolgt
vom
Bezug von Arbeitslosenentschädigung - was
ebenfalls Arbeitsfähigkeit voraussetzt - bis zu
m
Eintritt in die
Z._
Mitte September 201
5.
Damit kontrastiert die Angabe von
Dr.
D._
im März 2016, die Patientin sei «seit Jahren schwer depressiv» und - was er schon im November 2002 (vorstehend E.
4.3) ausgeführt hatte und im August 2016 wiederholte (vorstehend E. 5.5) - die Erkrankung habe sich «mittlerweile bereits
chronifiziert
» (vorstehend E. 5.3)
.
Angesichts dieses
Widerspruch
s
zur Faktenlage
kann
auf seine Beurteilungen nicht abgest
ellt werden
.
6.3
Damit ergibt sich die einzige (indirekt) aktenmässig belegte Arbeitsunfähigkeit vor Verfügungserlass aufgrund der drei Aufenthalte in der
Z._
von (mit zwei kürzeren Unterbrüchen) Mitte Se
ptember 2015 bis Mitte März 201
6.
Für Zeiten einer stationären Hospitalisierung ist praxisgemäss im Regelfall von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Mithin ist eine solche für eine Periode von rund 6 Monaten als ausgewiesen zu erachten.
Eine darüber hinaus andauernde Arbeitsunfähigkeit ist nach dem Gesagten nicht
rechtsgenüglich
belegt (vorstehend E. 6.2), so dass es mit den genannten 6
Mo
naten sein Bewenden hat.
6.4
Eine der Anspruchsvoraussetzungen für einen Rentenanspruch ist gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b eine Arbeitsunfähigkeit von
durchsc
hnittlich mindes
tens 40
%
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
(vorstehend E. 1.2)
,
w
as
auch als sogenanntes Wartejahr bezeichnet wird.
Daran fehlt es vorliegend, so dass ein allfälliger Rentenanspruch der Beschwer
deführerin schon aus diesem Grund zu verneinen ist.
Damit erweist sich die angefochtene - einen Rentenanspruch verneinende - Ver
fügung im Ergebnis als zutreffend, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen, ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).