Decision ID: 3a3a8e50-a7d2-5105-8ce6-34d6068e9365
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre
1965
geborene
X._
verfügt über keine berufliche A
usbildung und reiste im August 1980 in die Schweiz ein (
Urk.
12/5). Ab dem
6.
August 2001 war der
Versicherte bei der Y._
AG als Logistikmitar
beiter angestellt (
Urk.
12/20). Am
7.
Februar 2017 verspürte er beim Anheben einer leichten Last plötzlich starke Rückenbeschwerden mit Ausstrahlung bis ins rechte Knie (
Urk.
12/3/6). Die am 1
5.
Februar 2017 erstmals diagnostizierte Diskushernie L2/3 wurde am 1
0.
Mai 2017 operativ behandelt (mikrochirurgische Dekompression,
Urk.
12/3/13). Im Zusammenhang mit den persistierenden Rücken
beschwerden meldete sich der Versicherte am 2
9.
August 2017 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/5 S. 8)
.
1.2
In der Zeit vom 2
3.
September bis
6.
Oktober 2017 weilte der
Versicherte zur Reha
bilitation
in
der Rehaklinik Z._
(
Urk.
12/21/41). Mit Mitteilung vom 2
2.
Januar 2018 informierte die IV-Stelle den Versicherten dahingehend, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
12/28). Nachdem er die angestammte Tätigkeit nicht wieder hatte aufnehmen können, wurde das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Januar 2018 aufgelöst (
Urk.
12/20). Im Rahmen der Abklärung des Leistungsanspruchs gab die IV-Stelle ein polydisziplinäres Gut
achten in Auftrag (A._
-Gutachten vom 1
7.
März 2020,
Urk.
12/66 ff.).
Mit Vorbescheid vom 1
5.
Mai 2020 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Renten
begehrens in Aussicht (
Urk.
12/76) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 2
4.
September 2020 fest (
Urk.
12/86 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die
damalige Vertreterin des Versicherten, Rechtsanwältin Anna
Härry
,
am 2
9.
Oktober 2020 Beschwerde und beantragte, es sei
die angefochtene Verfügung vom 2
4.
September 2020 aufzuheben, das Verfahren auf berufliche Massnahmen auszudehnen und dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leis
tungen zu gewähren (Rente und Eingliederungsmassnahmen); unter Kosten und Ent
schädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Weiter sei dem Beschwer
deführer die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es sei ihm in der Person der unterzeichneten Rechtsvertreterin eine unentgeltliche
Rechts
bei
ständin
zu bewilligen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
8.
Januar 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11), was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 1
3.
Januar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fach
ärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der
Verordnung über die Inva
li
denversicherung; IVV
) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeit
punkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchs
änderung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
1.5
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
die im Gutachten attestierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht von 50 respektive 30
%
nicht nachvollziehbar sei. Vielmehr sei in einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen, was zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 13
%
führe.
Weiter sei der Beschwerdeführer bei der Stellensuche nicht eingeschränkt, er könne sich dies
bezüglich beim zuständigen Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum melden (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte die
damalige
Vertreterin des Beschwerdeführers im Wesent
lichen geltend, dass die Beschwerdegegnerin
der ihr obliegenden Begrün
dungspflicht in den Bereichen
Indikatorenprüfung
sowie leidensbedingter Abzug nicht nachgekommen sei, was eine nicht heilbare Verletzung des rechtlichen Gehörs darstelle (
Urk.
1 S. 7, vgl. auch
Urk.
12/84). Bei einer korrekten Würdi
gung der massgebenden Standardindikatoren sei von der gutachterlich festge
stellten Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 50 respektive 30
%
auszuge
hen
(S. 13 f.)
. Weiter sei ein leidensbedingter Abzug von mindestens 20
% vorzunehmen
, was zu einem Invaliditätsgrad von 65 respektive 51
%
führe. Daraus ergebe sich von März 2018 bis Ende März 2019 ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und ab April 2019 ein solcher auf eine halbe Rente (S. 15). Aus prozessökonomischen Gründen werde zudem die Ausdehnung des Verfahrens auf Arbeitsvermittlung und sonstige berufliche Massnahmen beantragt (S. 15 f.).
3.
3.1
Gemäss
Art.
29
Abs.
2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweis
ergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der
rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Gemäss
Art.
52
Abs.
2 Satz 2 ATSG werden
Einspracheentscheide
begründet. Die Begründung eines Entschei
des muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls anfech
ten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittel
instanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand
auseinander setzen
muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichts
punkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
denden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Par
teien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des recht
lichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grund
satz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Ver
fahrensmängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobenen Gerichts
verfahren behoben würden. Der Umstand, dass eine solche Heilungsmöglichkeit besteht, rechtfertigt es demnach nicht, auf die Anhörung des Betroffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzichten. Denn die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Person zuge
mutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
Von der Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzusehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförder
lichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (BGE 120 V 357 E.
2b, 116 V 182 E. 3c und d).
3.2
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich zur Ressourcenprüfung am 1
5.
Mai 2020, die Überlegungen zum leidensbedingten Abzug lassen sich dem Blatt
«
Einkom
mensvergleich
»
gleichen Datums entnehmen (
Urk.
12/73,
Urk.
12/75).
Eine Anfech
tung der getroffenen Entscheidung war dem Beschwerdeführer vor diesem Hintergrund ohne weiteres möglich.
Hinzuweisen ist dabei darauf
, dass es im Rahmen der Gewährung des rechtlichen Gehörs nicht erforderlich ist, dass sich die Verwaltung
ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behau
ptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzt.
Selbst wenn man von einer geringfügigen Verletzung des rechtlichen Gehörs ausgehen würde, käme die Rückweisung der Sache einem prozessökonomischen Leerlauf gleich, verfügt doch das hiesige Gericht in beiden Bereichen über die volle Kognition.
4.
4.1
Facharzt
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
, diagnostizierte in seinem Bericht vom
6.
Februar 2018 eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.0) sowie eine mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F32.1). Der Beschwerdeführer stehe bei ihm seit dem
4.
Dezember 2017 in Behandlung, bei bislang letzter Kontrolle am 2
9.
Januar 2018 und 14-tägiger Behandlungsfrequenz. Im Rahmen der Befundaufnahme hielt
Facharzt
B._
fest, dass die Schwingungsfähig
keit eingeschränkt gewesen sei bei depressiver Stimmung. Der Beschwerdeführer sei niedergeschlagen und verzweifelt gewesen und habe sehr leidend und psycho
motorisch unruhig gewirkt. Er habe sich im Gespräch glaubhaft von akuter Suizidalität distanzieren können (
Urk.
12/30 S. 4).
Aktuell sei sowohl in der bishe
rigen als auch einer angepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (S. 7).
4.2
In seinem Bericht vom 2
4.
Januar 2019 führte
Facharzt
B._
– ausgehend von unveränderten Diagnosen
- aus, dass sich der Beschwerdeführer von der Stimmung her leicht aufgehellt und etwas schwingungsfähiger zeige. Aktuell fänden Einzelsitzungen im Abstand von ca. 3-4 Wochen statt bei letzter Kontrolle am 2
2.
Januar 201
9.
In einer angepassten Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 10
%
auszugehen. Die Arbeitsfähigkeit könne durch die Weiterführung der
psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung verbessert werden; weiter sei ein stationärer Aufenthalt in einer spezialisierten Klinik zu empfehlen (
Urk.
12/40).
4.3
Die für das
A._
-Gutachten vom 1
7.
März 2020 verantwortlichen Fachärzte stellten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die folgenden Diagnosen (Urk. 12/66 S. 9):
-
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom rechts mit Generali
sierungstendenz
-
Status nach mikrochirurgischer Dekompression einer
Diskushernie L2/3
mit L2-Symptomatik rechts am 1
0.
Mai 2017
-
Multisegmentale degenerative LWS-Veränderungen
-
Anamnestisch Rezidiv-
Bandscheibenprotrusion
L2/3 rechts, bildmor
phologisch mit Affektion der Wurzel L2
-
Klinisch kein abgrenzbares
radikuläres
Syndrom
-
Relevante funktionelle Beschwerdeüberlagerung bei Verdacht auf Schmerz
verarbeitungsstörung
-
Leicht- bis mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0 bis 1).
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit würden die folgenden Diagnosen bleiben (S. 10):
-
Asthma bronchiale
-
Anamnestisch
Cephalea
mit teils
migräneformer
Symptomatik
-
Ausgeprägte Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung mit 5/5 positiven
Waddell
-Zeichen, 17/18 schmerzhaften Fibromyalgie-Druckpunkten, 2/3 positiven Kontrollpunkten sowie variablen Bewegungseinschränkungen an den Beinen, nicht einem rheumatologischen Krankheitsbild entspre
chend
Aus neurologischer und rheumatologischer Sicht
seien mehr
fach Inkonsistenzen festgestellt worden, insbesondere sei das hohe Schmerzniveau anhand der gesam
ten Befund- und Datenkonstellation nicht nachvollziehbar. Hingegen hätten sich aus rein psychiatrischer Sicht keine Hinweise für Inkonsistenzen ergeben (S. 11). In einer angepassten Tätigkeit sei aus neurologischer und rheumatologischer Sicht von einer vollschichtigen Arbeits- und Leistungsfähigkeit auszugehen. Auf
grund der psychischen Problematik bestehe auch in einer adaptierten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, ab Dezember 2017 im Umfang von 50
%
, ab Januar im Umfang von 30
%
(S. 14 f.). Aus therapeutischer Sicht sei eine Intensivierung der psychiatrischen Behandlung und insbesondere eine Stei
gerung der depressiven Medikation indiziert (S. 15).
5.
5.1
Die für das vorliegende polydisziplinäre Gutachten verantwortlichen Fachärzte legen den medizinischen Sachverhalt in einer schlüssigen und nachvollziehbaren Weise dar,
insbesondere unter Berücksichtigung der psychiatrischen
Vorakten
. Dass dabei die Einschätzung der Leistungsfähigkeit durch
Facharzt
B._
nicht unkritisch übernommen wurde ist
in
Anbetracht der
Tatsache, dass in
Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandeln
den
Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen ist, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patien
ten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125
V 351 E. 3b/cc), nicht zu beanstanden
.
A
uf die Ergebnisse
der
A._
-Begutachtung kann demnach abgestellt werden; das Gutachten wurde im Grundsatz von den Parteien auch nicht in Frage gestellt. In einer angepassten Tätigkeit ist demnach aufgrund der psychiatrischen Proble
matik ab Dezember 2017 von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, ab Januar 2019, nach der von
Facharzt
B._
festgestellten leichten Verbesse
rung der Situation, von einer solchen von 30
%
.
5
.2
Strittig ist im vorliegenden Verfahren bei der Invaliditätsbemessung insbesondere die Berücksichtigung der durch die psychi
sche Erkrankung angenommene
n
Ein
schränkung in der Leis
tungsfähigkeit, wobei die Beschwerdegegnerin auf
grund der vorgenommenen Ressourcenprüfung von der Einschätzung der verblei
benden Arbeitsfähigkeit
durch die
A._
-Gutachter
abgewichen ist und
auf
grund der somatischen Ein
schränkungen in einer angepassten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähig
keit ausgegangen ist
.
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
6
.
6
.1
Gestützt auf das
A._
-Gutachten ist weit
erhin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
an psychischen Problemen leidet, welche sich auf die Arbeits
fähigkeit auswirken; entsprechend der neueren Rechtsprechung des Bundes
gerichts ist damit ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen.
Dabei ist davon abzusehen, einzelne Beschw
erden und Störungen ohne Einzel
fall
prüfung wegen grundsätzlich fehlender invalidenversicherungsrechtlicher Rele
vanz
auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig
in psychosozialen und soziokul
turellen Umständen seine Erklärung findet, so
ndern davon psychiatrisch unter
scheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E.
4.3.1 mit Hinweis).
Aufgrund des Gutachtens ist dabei davon auszugehen, dass die Einschränkung in der Leistungsfähigkeit auf die festgestellten psychiatri
schen Befunde zurückgeführt werden können; es finden sich keine Hinweise auf sozio
kulturelle oder psychosoziale Faktoren (Urk. 8/142/12).
6
.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409,
141
V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6
.3
6
.3.1
Gestützt auf das
A._
-Gutachten ist
mittlerweile von einem mehrjährigen Ver
lauf der
psychischen Erkrankung
auszugehen. T
rotz der
von
Facharzt
B._
im Januar 2019 festgestellten leichten Verbesserung des Gesundheitszustandes gingen die Gutachter ausgehend von einem bis zu mittelgradig depressiven Geschehen
weiterhin von einer wesentlichen Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit aus
(Arbeitsfähigkeit von 50 %
respektive 30
%
).
Die Relevanz des Krankheits
geschehens ergibt sich auch aus der Empfehlung, die psychiatrische Behandlung zu intensivieren und die Medikation zu steigern (
Urk.
12/66 S. 15). Dementspre
chend ist von einer leicht- bis mittelgradigen
Ausprägung der diagnoserelevanten psychiatrischen Befunde
auszugehen
.
Aus den echtzeitlichen Berichten von
Fach
arzt
B._
(vgl. E. 4.1 und 4.2) ist dabei zu Beginn auf einen erheblichen Leidensdruck zu schliessen mit einer gewissen Entspannung der Lage im Januar 2019.
6
.3.2
Den möglichen Nutzen von weiteren therapeutischen Möglichkeiten schätzten die
A._
-Gutachter als weiterhin gegeben ein. So sei
aus therapeutischer Sicht eine Intensivierung der psychiatrischen Behandlung und insbesondere eine Steigerung der depressiven Medikation indiziert (
Urk.
12/66 S. 15).
6
.3.3
Bezüglich der Komorbidität ist vorauszuschicken, dass l
aut BGE 143 V 418 Stö
rungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht
fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hem
mende Wirkung zukommt (E. 8.1, Präzisierung der Rechtsprechung; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.1 und E.
7.2 mit Hin
weis).
Aufgrund des
A._
-Gutachtens ist davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit
sowohl d
urch die objektivierten Rücken
beschwer
den als auch die
depressive Störung
eingeschränkt ist
, sodass von einer Komorbi
dität auszugehen ist.
Auch die vom Beschwerdeführer in der Zeit ab Februar 2017
entwickelte Schmerzverarbeitungsstörung wirkt sich
dabei
ressourcenhemmend aus
.
6
.3.4
Was den Komplex «Persönlichkeit» betrifft, ist
aufgrund der Selbsteinschätzung (
Urk.
12/68 S. 7) sowie des beruflichen Werdegangs (S. 6 f.) von eingeschränkten Ressourcen auszugehen. Auch aufgrund des
Tagesablauf
s
kann
nicht auf ein erhebliches Aktivitätsniveau geschlossen werden (S. 8).
Aufgrund der genannten Ausführungen ist
zumindest
von durchschnittlich ein
geschränkten persönlichen Ressourcen auszugehen.
Immerhin
ist der Beschwer
deführer in der Lage
,
die innerfamiliären Kontakte aufrecht zu erhalten (
Urk.
12/68 S. 14).
6
.3.5
Bei der Beurteilung des sozialen Kontexts
ist zu berücksichtigen, dass beim Beschwerdeführer
von einem intakten Familienleben auszugehen ist
, was sich auch bei der Gestaltung des Tagesablaufs
positiv auswirkt (Urk. 12/68 S. 7
).
6
.3.6
Im Rahmen der Konsistenzprüfung hielten die
A._
-Gutachter fest, dass im
Rahmen der somatischen
Abklärung Inkonsistenzen aufgetreten seien,
nicht aber
bei der
psychiatrischen Teil
be
gutacht
ung
(
Urk.
12/66 S. 11)
.
Demgegenüber ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, dass der Beschwerdeführer im Alltag über wesentliche Ressourcen verfügt, die er im Rahmen einer Arbeitstätig
keit nutzen könnte (vgl. Tagesablauf).
Insgesamt ergeben sich damit keine Inko
n
sistenzen dahingehend, dass der Beschwerdeführer
wesentlich mehr zu leisten im Stande wäre, als dies im Rahmen des Gutachtens attestiert wurde.
6
.4
In einer Gesamtwürdigung der massgebenden Standardindikatoren ist die Ein
schätzung des Leistungsvermögens durch die
A._
-Gutachter nicht zu bean
standen. Zu beachten ist dabei, dass
für die Zeit von Dezember 2017 bis Ende 2018
lediglich von einer 50%igen Verminderung d
es Rendements ausgegangen wird, ab Januar 2019 lediglich noch von einer solchen von 30
%
.
Diese Einschät
zung entspricht zum einen den Ausführun
gen zum sozialen Kontext, wo der Beschwerdeführer
doch über ein unterstützendes Umfeld verfügt. Weiter darf von den noch bestehenden Therapieoptionen
eine Verbesserung
erwartet werden. Zum andern trägt sie den Bereichen Ausprägung
der diagnoserelevanten Befunde Rechnung, wobei zumindest zu Beginn der Beschwerden von einem deutlichen Leidensdruck auszugehen ist.
Zudem
ist durchgehend von einer
Komorbidität
bei eingeschränkten persönlichen Ressourcen auszugehen
.
Schliesslich
ist zu berück
sichtigen, dass die Arbeitsfähigkeit in quantitativer Hinsicht allein durch die psychischen Beschwerden eingeschränkt ist, wobei diesbezüglich keine Inkonsis
ten
zen festgestellt werden konnten.
Insgesamt ist die Einschätzung der Leistungsfähigkeit durch die
A._
-Gutach
ter unter Berücksichtigung der massgebenden Standardindikatoren nicht zu bean
standen. Damit ist sowohl in der angestammten als auch in einer ange
passten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
respektive 30
%
auszu
gehen.
7.
7.1
Die Beschwerdegegnerin ermittelte das
Valideneinkommen
anhand des Durch
schnitts der in den Jahren
2014 bis 2016
erzielten Einkommen
. Aus dem Arbeit
geberfragebogen ist per 2017 auf ein Einkommen von
Fr.
72'020.-- zu schliessen (
Urk.
12/20 S. 2). Ein Vergleich mit den effektiv erzielten Einkommen in den Jahren 2011 bis 2016 (
Urk.
12/12) zeigt dabei, dass der Beschwerdeführer ein wesentlich höheres Einkommen erzielen konnte, sodass das Vorgehen der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden ist.
Beim Jahreseinkommen per 2016 ist aber der gewährte Spezialbonus in der Höhe von
Fr.
2'000.-- sowie das Dienst
altersgeschenk in der Höhe von 2'745.-- in Abzug zu bringen, da die Kumula
tivjournale zeig
en, dass allein der Bonus «Y._
c’est
moi
» regelmäs
sig gewährt wurde (
Urk.
12/20).
Massgebend für die Berechnung des
Valideneinkommens
sind demnach die folgenden Einkommen: 2014
:
Fr.
75'189.--, 2015:
Fr.
75'915
.--, 2016: Fr.
74'465.--. Nach Berücksichtigung der seither eingetretenen Nominallohnent
wicklung
(Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939
= 100], Männer, Stand 2014
: 2220, Stand 2015: 2226, Stand 2016: 2239, Stand 2018: 2260, Stand 2019: 2279
; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbs
einkommen, detail
lierte Daten, Lohnentwicklung)
ergeben sich für die Jahre 2018 die folgenden Einkommen:
Fr.
76'543.75,
Fr.
77'074.55,
Fr.
75'163.40; dies ergibt per 2018 ein massgebendes Vergleichseinkommen von
Fr.
76'260.55
und
per 2019 ein solches von
Fr.
76'901.70.
7.2
Das per
2018 massgebende Invalideneinkommen ergibt sich aufgrund der statis
tischen Daten der Schweizerischen L
ohnstrukturerhebung (LSE 2018).
Aus
gehend
von einem monatlichen Einkommen
von Fr. 5’417.-- (LSE 2018 TA1_tirage_skill_level, Kom
petenzniveau 1) ergibt sich n
ach Berücksicht
i
gung der durchschnittlichen Ar
beitszeit von 41,7 Stunden pro Woche
(www.bfs.admin.ch,
Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten, Normalarbeitsstunden)
per 2018 ein Jahreseinkommen von Fr. 67'766
.
7
0.
Dabei ist a
b Dezember 2017 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit auszugehen, was zu einem zumutbaren Einkommen in der Höhe von
Fr.
33'883.35 führt.
Bei
Versicherten, die aus gesundheitlichen Gründen nur noch teilzeitlich erwerbs
tätig sein können, ist unter dem Titel «Beschäftigungsgrad» ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen, wenn Teilzeitarbeit nach der im konkreten Fall anwendbaren Tabelle vergleichsweise weniger gut
entlöhnt
wird als eine Voll
zeittätigkeit (Urteil des Bundesgerichts 9C_421/2017 vom 19. September 2017 E. 2.1.1 mit Hinweisen).
Gestützt auf die Tabelle T18 (LSE 2018) könnte der Beschwerdeführer bei einem Pensum von 90 % und mehr ein monat
liches Ein
kommen von
Fr.
6'144.--
erzielen, bei einem Pensum zwischen 50 und 75
%
dabei lediglich ein solches von
Fr.
5'897.--, was einer Einbusse von 4
%
ent
spricht. Ob
das Merkmal «Alter» einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt, ist jeweils unter Berücksichtigung aller konkrete
n
Umstände des Einzelfalls zu prüfen. Dies gilt insbesondere im Bereich der Hilfsarbeiten auf dem hypothe
tischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG), wo sich ein fortgeschrit
tenes Alter nicht zwingend lohnsenkend auswirken muss. Hilfsarbeiten werden auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachge
fragt (BGE 146 V 16 E. 7.2.1 mit Hinweisen).
Anzumerken ist dabei, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung bereits 55 J
ahre alt,
zuvor
über lange Zeit beim gleichen Arbeitgeber beschäftigt war und nun
mehr lediglich ein Teilpensum zu leisten vermag. Bei einer solchen Konstellation stellt sich bei über 60jährigen Versicherten regelmässig die Frage nach der Verwertbarkeit. Vor diesem Hintergrund erscheint es angemessen für die Merk
male Alter und Teilzeitpensum einen leidensbedingten Abzug
vom Tabellenlohn (
Fr.
33'883.35)
in der Höhe von 10
%
zu gewähren.
Ein weitergehender Abzug erscheint jedoch nicht angezeigt.
So ist rechtspre
chungsgemäss allein
der Umstand, dass nur noch leichte bis mittelschwere Arbeiten zumutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kom
petenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_507/2020 vom 29. Oktober 2020 E. 3.3.3.2 mit Hinweisen).
Auch eine
psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden, ebenso wenig etwa das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhin
derung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2; vgl. auch Urteil 9C_233/2018 vom 11. April 2019 E. 3.2 mit Hinweisen).
Der
Umstand, dass die Stellensuche altersbedingt erschwert sein
mag, fällt als invaliditätsfremder Faktor ausser Betracht (Urteil des Bundes
gerichts 8C_296/2020 vom 25. Novemb
er 2020 E. 6.3.2 mit Hinweisen). Die lange
Abwesenheit vom Arbeitsmarkt betrifft das Kriterium der Dienstjahre, dessen Bedeutung im privaten Sektor abnimmt, je niedriger das Anforderungsprofil ist. Mit Blick auf das Kompetenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) kommt diesem Aspekt keine ins Gewicht fallende Bedeutung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_422/2017 vom 18. Mai 2018 E. 4.5.2 unter Hinweis auf 8C_351/2014 vom 14. August 2014 E. 5.2.4.2).
Wenn
von einer Tätigkeit im Kompetenzniveau 1 ausgegangen wird, rechtfertigen die fehlende berufliche Aus
bildung und die gegebenen
(allenfalls ungenügenden) Sprachkenntnisse
keinen Tabellenlohnabzug (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_151/2020 vom 15. Juli 2020 E. 6.3.4 mit Hinweis).
Mit Blick auf die ausländische Herkunft des Versi
cherten ergibt sich, dass Männer mit Niederlassungsbewilligung C ohne Kader
funktion zwar weniger a
ls Schweizer verdienen (LSE 2018
, Tabelle TA12), aber mehr als das für die Invaliditätsbemessung herangezogene Durchschnittsein
kommen
(
Niedergelassene Kat. C:
Fr.
5'764.--).
7.3
Per 2018 führt dies zu einem zumutbaren Invalideneinkommen in der Höhe von
Fr.
30'495.
-- bei einem Pensum von 50
%
. Ab Januar 2019 ist von einer Verbes
serung des gesundheitlichen Zustandes und von einer zumutbaren Arbeitsfähig
keit von 70
%
auszugehen. Ausgehend von einem Einkommen per 2018 von
Fr.
67'766.70 ergibt sich per 2019 ein solches von
Fr.
68'336.40 (vgl. E. 7.1), was bei einem Pensum von 70
%
sowie einem leidensbedingten Abzug von 10
%
einem
zumutbaren
Invalideneinkommen
von
Fr.
43
'
051
.
95
entspricht.
Für die Phase der 50%igen Arbeitsfähigkeit
führt dies
zu einem Invaliditätsgrad
von 60
%
([
Fr.
76'260.55
- Fr.
30'495.--
] x 100 / Fr.
76'260.55
= 60.01
),
für die Zeit ab Januar 2019 zu einem solchen von 44
%
([
Fr. 76'901.70 - Fr. 43'051.95]
x 100 / Fr. 76'901.70 = 44.01).
Aufgrund der seit dem
7.
Februar 2017 bestehenden Beschwerden sowie der Anmeldung zum Leistungsbezug am 2
9.
August 2017 ergibt sich ein
frühstmög
licher
Rentenanspruch per
1.
Februar 201
8.
Der Beschwerdeführer hat demzu
folge vom
1.
Februar 2018 bis 3
1.
März 2019
(
Art.
88a
Abs.
1 der
Verordnung
über die Inv
alidenversicherung; IVV
)
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und ab
1.
April 2019 Anspruch auf eine
Viertelsrente
.
7.4
Zusammenfassend führt dies zur Gutheissung der Beschwerde in diesem Umfang sowie zur Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Was die Ausdehnung des Verfahrens
auf
berufliche Massnahmen betrifft
,
ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer
weder im Einwand noch im Rahmen der Beschwerde konkret
ausführen liess, welche Unterstützung er von der IV-Stelle erwartet. So wird im Rahmen des Einwands lediglich darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer interessiert und gewillt sei, Eingliederungsmassnahmen und berufliche Massnah
men in Anspruch zu nehmen (
Urk.
12/84 S. 7). Dass sich die Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung mit dem Titel «Kein Anspruch auf eine Invalidenrente» mit dem Thema berufliche Eingliederung nur am Rande
auseinandergesetzt hat,
kann ihr nicht vorgeworfen werden. Auch im Zuge der Beschwerde wird pauschal auf die Arbeitsvermittlung und sonstige berufliche Massnahmen hingewiesen (
Urk.
1 S. 15 f.). Bei dieser Sachlage drängt es sich au
f
, die Anträge betreffend Einglie
derung zunächst zu konkretisieren und zur Wahrung des Instanzenzuges bei der IV-Stelle vorstellig zu werden. Eine Ausdehnung des vorliegenden Verfahrens fällt
damit
ausser Betracht.
8.
8.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pr
ozesses auf
Fr.
2
'600.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung gegen
standslos.