Decision ID: def63152-edce-462a-b1e3-68180d3735ba
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis auf Probe der Kategorie B seit 28. Juli 2009. Am
Freitag, 28. Mai 2010, 14.06 Uhr, überschritt er als Lenker eines Personenwagens in
San Vittore/GR auf der richtungsgetrennten Autostrasse A13 die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 41 km/h.
B.- Mit Strafbescheid des Kreispräsidenten Roveredo vom 17. September 2010 wurde
X wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 15
Tagessätzen zu je Fr. 40.--, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren, und zu
einer Busse von Fr. 300.-- verurteilt. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
C.- Mit Schreiben vom 15. Oktober 2010 leitete das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen (im Folgenden: Strassenverkehrsamt) ein
Administrativmassnahmeverfahren ein und gab X Gelegenheit zur Stellungnahme. In
der Folge entzog das Strassenverkehrsamt X mit Verfügung vom 15. November 2010
den Führerausweis wegen einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von vier Monaten und verlängerte die
Probezeit des auf Probe ausgestellten Führerausweises um ein Jahr.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 29.
November 2010 und Ergänzung vom 31. Januar 2011 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung sei
aufzuheben und der Führerausweis für die Dauer von drei Monaten zu entziehen; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit Vernehmlassung vom 21. Februar 2011
beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses. Dazu nahm der Vertreter des
Rekurrenten mit Schreiben vom 25. März 2011 Stellung. Auf die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 29. November 2010 ist rechtzeitig
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eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 31. Januar 2011 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
3.- Die Geschwindigkeit ist stets den Umständen anzupassen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen (Art. 32 Abs. 1 SVG). Die allgemeine Höchstgeschwindigkeit für
Fahrzeuge auf Autostrassen beträgt unter günstigen Bedingungen 100 km/h (Art. 4a
Abs. 1 lit. c der Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV). Nach Art. 4a
Abs. 5 VRV gehen abweichende signalisierte Höchstgeschwindigkeiten den
allgemeinen Höchstgeschwindigkeiten nach Art. 4a Abs. 1 VRV vor.
In tatsächlicher Hinsicht ist unbestritten, dass der Rekurrent am Freitag, 28. Mai 2010,
um 14.06 Uhr, mit einem Personenwagen die auf der richtungsgetrennten Autostrasse
signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um rechtlich relevante 41 km/h
überschritten hat. Damit hat er Art. 4a Abs. 5 VRV verletzt. Die Vorinstanz hat diese
Verkehrsregelverletzung entsprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung,
wonach ungeachtet der konkreten Umstände eine schwere Verkehrsgefährdung bzw.
eine grobe Verkehrsregelverletzung vorliegt, wenn die Höchstgeschwindigkeit auf
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Autobahnen und richtungsgetrennten Autostrassen um 35 km/h oder mehr
überschritten wird (vgl. nachfolgend unter E. 4.b), als schwere Widerhandlung im Sinn
von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert. Indem der Rekurrent eine Reduktion der
Entzugsdauer auf die Mindestentzugsdauer von drei Monaten beantragt, wird diese
Qualifikation von ihm nicht in Frage gestellt.
4.- Steht die Anordnung eines Ausweisentzugs fest, so sind für die Festlegung der
Dauer die Umstände des Einzelfalls gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Gemäss Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
schweren Widerhandlung für mindestens drei Monate entzogen. Die
Mindestentzugsdauer darf nicht unterschritten werden.
a) Der Rekurrent macht geltend, der auf 80 km/h reduzierten Höchstgeschwindigkeit
auf der A13 in San Vittore/GR hafte etwas Willkürliches an. Auf einem ähnlichen
Abschnitt der A13 zwischen Chur und Sargans sei die Höchstgeschwindigkeit wegen
des fehlenden Pannenstreifens ebenfalls reduziert, allerdings auf 100 km/h. Hinzu
komme, dass der fragliche Strassenabschnitt südlich des San Bernardino geradlinig
verlaufe und sehr übersichtlich sei. Die Sicht- und Strassenverhältnisse seien
einwandfrei gewesen. Das Verschulden sei daher keinesfalls als schwer einzustufen.
Eine konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer habe angesichts des geringen
Verkehrsaufkommens nicht vorgelegen. Schliesslich verfüge er über einen sehr guten
allgemeinen und automobilistischen Leumund, der zusammen mit den anderen
Begebenheiten nach Art. 16 Abs. 3 SVG zu einer Reduktion der Entzugsdauer und
nicht zu einer Erhöhung führen müsse. Die Mindestentzugsdauer von drei Monaten sei
daher angemessen.
Die Vorinstanz hält dem entgegen, eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 35 km/h
und mehr auf Autobahnen und richtungsgetrennten Autostrassen stelle immer einen
schweren Fall dar, unabhängig von örtlichen Gegebenheiten. Günstige Verhältnisse
seien daher nicht mildernd zu berücksichtigen, sondern ungünstige Verhältnisse
massnahmenerhöhend anzusehen. Zudem wäre es unverhältnismässig, die recht kurze
Dauer der bisherigen Fahrpraxis massnahmemindernd zu berücksichtigen.
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b) Gefährdung und Verschulden sind vorliegend gestützt auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung als schwer einzustufen. Bei den Vorschriften über die Geschwindigkeit
handelt es sich um grundlegende Verkehrsregeln, die wesentlich für die
Gewährleistung der Sicherheit des Strassenverkehrs sind. Die bundesgerichtliche
Rechtsprechung geht bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 35 km/h
auf Autobahnen und richtungsgetrennten Autostrassen ungeachtet der konkreten
Umständen von einer schweren Gefährdung und einem schweren Verschulden aus
(BGE 123 II 37 mit Hinweisen). Es spielt daher für die Beurteilung der Widerhandlung
keine Rolle, ob der fragliche Strassenabschnitt gerade verläuft, die Sicht- und
Strassenverhältnisse einwandfrei sind oder eine konkrete Verkehrsgefährdung
vorhanden war. Aus dem Vergleich des Strassenabschnitts in San Vittore und
demjenigen zwischen Chur und Sargans, wo wegen des fehlenden Pannenstreifens
eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h signalisiert ist, kann der Rekurrent nichts zu
seinen Gunsten ableiten. Einerseits handelt es sich beim Abschnitt bei Chur um eine
Autobahn im Gegensatz zur Autostrasse in San Vittore, andrerseits ist der fragliche
Autobahnabschnitt um einiges breiter als die Autostrasse, wo die Breite der zwei
Fahrstreifen lediglich sechs Meter beträgt. Von einer willkürlichen
Geschwindigkeitsbeschränkung auf 80 km/h, welche zudem mehrfach signalisiert ist,
kann daher nicht die Rede sein.
Wo sich die objektive Tatschwere, wie bei Überschreitungen der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit, zumindest teilweise in einem Messergebnis niederschlägt, ist
es grundsätzlich nicht zu beanstanden, für die Bemessung der Massnahme auf Tarife
abzustellen (vgl. Ph. Weissenberger, Die Zumessung des Warnungsentzugs von
Führerausweisen, in: SJZ 95/1999, S. 461). Bei einer Überschreitung von 41 bis 50 km/
h auf Autobahnen (anwendbar auch auf richtungsgetrennte Autostrassen) sieht der
entsprechende Tarif der Vorinstanz eine Entzugsdauer von vier Monaten vor. Der
Rekurrent bringt weder objektive noch subjektive Umstände vor, welche die
Gefährdung bzw. das Verschulden bei der Überschreitung der signalisierten
Geschwindigkeit um mehr als 50% als unterdurchschnittlich erscheinen liessen.
Hinsichtlich der Gefährdung und des Verschuldens des Rekurrenten erscheint somit
eine Erhöhung der Mindestentzugsdauer um einen Monat gerechtfertigt.
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c) Der Rekurrent ist im Administrativmassnahmenregister (ADMAS) nicht registriert. Er
erwarb den Führerschein der Kategorie B am 28. Juli 2009. Im Rekurs wird ausgeführt,
der gute automobilistische Leumund des Rekurrenten sei massnahmemindernd zu
berücksichtigen.
Nach der früheren bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der seit mehr als fünf
Jahren ungetrübte automobilistische Leumund bei der Bemessung der Entzugsdauer
zu Gunsten des Betroffenen zu berücksichtigen. Diese Rechtsprechung ging davon
aus, dass das automatisierte Datensystem für Administrativmassnahmen (ADMAS)
zweimal jährlich auf den neuesten Stand gebracht wird, indem sämtliche Massnahmen,
die fünf Jahre und länger zurückliegen – bei Sicherungsentzügen und
Warnungsentzügen wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand sowie Vereitelung der
Blutprobe nach zehn Jahren – im System gelöscht werden, wenn in der Zwischenzeit
keine neue Massnahme angeordnet worden ist (vgl. BGE 122 II 21 E. 1b). Die
Rechtslage hat sich seit diesem Entscheid insoweit geändert, als Verweigerungen,
Entzüge und Aberkennungen von Lernfahr-, Führer- oder Fahrlehrerausweisen sowie
Fahrverbote nicht mehr bereits nach fünf, sondern erst nach zehn Jahren nach ihrem
Ablauf oder ihrer Aufhebung und lediglich andere Massnahmen fünf Jahre nach
Eintreten der Rechtskraft aus dem ADMAS entfernt werden (vgl. Art. 104b Abs. 6 lit. b
SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 1 der Verordnung über das automatisierte
Administrativmassnahmen-Register; ADMAS-Register-Verordnung, SR 741.55). Diese
Rechtsänderung und die bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Strafzumessung,
nach welcher die Vorstrafenlosigkeit als Normalfall gilt und neutral zu behandeln, also
nicht zwingend strafmindernd zu berücksichtigen ist (vgl. BGE 136 IV 1 E. 2.6.4),
rechtfertigen es, einen automobilistischen Leumund, der noch nicht seit mehr als zehn
Jahren ungetrübt erscheint, grundsätzlich nicht massnahmemindernd zu
berücksichtigen. Der Rekurrent ist zwar im ADMAS nicht verzeichnet. Dies zieht
allerdings keine Reduktion der Entzugsdauer nach sich, da er den Führerausweis erst
seit 28. Juli 2009 und damit im Zeitpunkt der Widerhandlung noch nicht über einen seit
zehn oder mehr Jahren ungetrübten automobilistischen Leumund verfügte.
d) Eine beruflich bedingte Sanktionsempfindlichkeit wird nicht geltend gemacht.
Ausgehend von der Mindestentzugsdauer von drei Monaten scheint in Würdigung aller
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vorstehend dargelegten massnahmerelevanten Umstände eine Entzugsdauer von vier
Monaten als angemessen.
5.- Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst auf Probe erteilt; die Probezeit beträgt drei Jahre. Wird dem Inhaber der
Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die Probezeit um ein
Jahr verlängert (Art. 15a Abs. 1 und 3 SVG). Gestützt auf die Widerhandlung vom
28. Mai 2010 hat die Vorinstanz die Probezeit beim Führerausweis auf Probe des
Rekurrenten um ein Jahr verlängert, was vom Rekurrenten nicht beanstandet wird. Der
Rekurrent wird darauf hingewiesen, dass der Führerausweis auf Probe nach einer
weiteren Widerhandlung, die zum erneuten Entzug des Ausweises führt, verfällt (Art.
15a Abs. 4 SVG).
6.- Zusammenfassend ergibt sich damit, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine ausseramtliche Entschädigung
zuzusprechen (Art. 98 VRP).