Decision ID: 43ea201d-a55a-4c3b-8948-e15702770bdc
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom 10. Januar 2018 (GB170027)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Dietikon vom 19. Mai 2017 ist diesem
Urteil beigeheftet (Urk. 1).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Einsprecher ist schuldig der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV.
2. Der Einsprecher wird bestraft mit einer Busse von Fr. 250.–.
3. Bezahlt der Einsprecher die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 600.–.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer sowie die Kosten des Strafbefehls
Nr. 1844 vom 19. Mai 2017 in der Höhe von Fr. 530.– und die nachträgli-
chen Untersuchungs- und Überweisungskosten des Statthalteramts des Be-
zirks Dietikon in der Höhe von Fr. 100.– werden dem Einsprecher auferlegt.
Berufungsanträge des Beschuldigten: (Urk. 20 S. 1)
Das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 10. Januar 2018 und der Strafbefehl Nr. ST.2017.1844 vom 19. Mai 2017 des Staathalteramtes des Bezirks Dietikon seien aufzuheben sowie die Verfahrenskosten der Staatskasse aufzuerlegen.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Verfahrensgang
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom
10. Januar 2018 wurde der Beschuldigte der Verletzung der Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3
Abs. 1 VRV schuldig gesprochen und mit Fr. 250.– Busse bestraft. Die Kosten
des gerichtlichen Verfahrens sowie diejenigen des Verfahrens vor dem Statthal-
teramt Bezirk Dietikon (nachfolgend Statthalteramt) wurden dem Beschuldigten
auferlegt (Urk. 19 S. 11).
2. Berufung
Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte am 18. Januar 2018 Berufung
anmelden (Urk. 15) und sodann am 15. März 2018 fristgerecht die (kurz begrün-
dete) Berufungserklärung einreichen (Urk. 18/2 und Urk. 20). Das Statthalteramt
verzichtete innert angesetzter Frist auf Erhebung einer Anschlussberufung
(Urk. 23). Mit Beschluss vom 10. April 2018 wurde das schriftliche Verfahren an-
geordnet und dem Beschuldigten Frist angesetzt, um seine Berufungsanträge zu
stellen und zu begründen (Urk. 24). Der Beschuldigte liess hierauf mit Eingabe
vom 25. April 2018 auf seine begründete Berufungserklärung verweisen und hielt
an den dort gestellten Anträgen fest (Urk. 28). Das Statthalteramt verzichtete auf
eine Berufungsantwort; die Vorinstanz liess sich innert Frist nicht vernehmen
(Urk. 29 bzw. Urk. 31). Beweisergänzungen wurden keine beantragt. Damit er-
weist sich das vorliegende Verfahren als spruchreif.
3. Umfang der Berufung
Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID/JOSITSCH, StPO-Praxiskommentar, 3. Aufl., Zü-
rich/St. Gallen 2018, N 1 zu Art. 402; BGE 141 IV 244 E. 1.3.3; vgl. auch Art. 437
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StPO). Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche Urteil nur in den
angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte beantragte einen Freispruch von jeglicher Schuld
(Urk. 20). Als unangefochten erweist sich somit einzig der vorinstanzliche Ent-
scheid über die Festsetzung der Kosten (Dispositivziffer 4).
4. Übertretungsstrafverfahren
Bilden – wie im vorliegenden Fall – ausschliesslich Übertretungen Gegen-
stand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur gel-
tend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des
Sachverhaltes sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung.
Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398
Abs. 4 StPO, Urteil des Bundesgerichtes 6B_32/2016 vom 20. April 2016, E. 1.2.2
mit Hinweisen).
Das Berufungsgericht darf und muss sich in Sachverhaltsfragen auf eine
Willkürprüfung beschränken und hat keine erneute Beweiswürdigung vorzuneh-
men (Urteil des Bundesgerichtes 6B_696/2011 vom 6. März 2012 E. 4.1).
Eine Sachverhaltserstellung beziehungsweise die Beweiswürdigung erweist
sich dann als willkürlich, wenn das Gericht Sinn und Tragweite eines Beweismit-
tels offensichtlich verkannt hat, wenn es ohne sachlichen Grund ein wichtiges und
für den Entscheid wesentliches Beweismittel unberücksichtigt gelassen oder
wenn es auf der Grundlage der festgestellten Tatsachen unhaltbare Schlussfolge-
rungen gezogen hat (Urteil des Bundesgerichtes 6B_1044/2014 vom 14. Januar
2015 E. 1.4).
Weiter wird das angefochtene Urteil auf Rechtsverletzungen bei der durch
die Vorinstanz vorgenommenen rechtlichen Würdigung überprüft. Dabei liegt kei-
ne Einschränkung der Überprüfungsbefugnis vor; sämtliche Rechtsfragen sind mit
freier Kognition zu prüfen (vgl. HUG/SCHEIDEGGER, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEB-
ER, Kommentar zur StPO, 2. Aufl., Zürich 2014, N 23 zu Art. 398).
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Somit ist im Folgenden zu überprüfen, ob die vom Beschuldigten vorge-
brachten Beanstandungen von der vorstehend dargelegten Überprüfungsbefugnis
gedeckt sind, und gegebenenfalls, ob das vorinstanzliche Urteil auf willkürlicher
Sachverhaltsfeststellung oder auf Rechtsverletzungen beruht.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Der detaillierte Anklagevorwurf kann dem Strafbefehl des Statthalteramtes
vom 19. Mai 2017 (Urk. 1) sowie dem Urteil der Vorinstanz (Urk. 19 S. 3 ff.) ent-
nommen werden. Kurz zusammengefasst wird dem Beschuldigten vorgeworfen,
am 4. März 2017 um 10:30 Uhr auf der Autobahn A1, Fahrbahn St. Gallen bei
Weiningen den Personenwagen (BMW, D ...) gelenkt zu haben und aufgrund
pflichtwidriger Unvorsichtigkeit mit dem vor ihm fahrenden Personenwagen
(BMW, AG ...), gelenkt von B._, kollidiert zu sein.
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte macht geltend, dass sich keine Kollision ereignet habe.
Die vor ihm fahrende B._ habe verkehrsbedingt stark abbremsen müssen,
woraufhin er ihr dies gleich getan habe. Sie seien dann mit einem Abstand von 1
bis 1.5 Metern zum Stillstand gekommen (Prot. I S. 5). Weiter stellt sich der Be-
schuldigte auf den Standpunkt, dass die silberfarbenen Spuren am Fahrzeug von
B._ auch anderweitig hätten verursacht werden können, da es sich um übli-
che geringfügige Kratzer handle, welche durch Parkbeschädigungen oder kleinere
Zusammenstösse mit irgendwelchen Hindernissen entstanden sein könnten. Auch
seien Kennzeichenhalter üblicherweise silberfarben, weshalb die Spuren von ei-
nem anderen Fahrzeug stammen könnten. Der Bericht des Forensischen Instituts
vermöge zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Übertragung von Spuren
begründen, eine Sicherheit gebe es allerdings nicht; weitere Beweismittel stünden
nicht zur Verfügung (Prot. I S. 7, Urk. 20 S. 2).
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3. Sachverhaltsfeststellung der Vorinstanz
Zur Prüfung der Sachverhaltserstellung zog die Vorinstanz als Beweismittel
die Aussagen des Beschuldigten, den Kurzbericht des Forensischen Instituts und
die von der Kantonspolizei erstellte Fotodokumentation hinzu (Urk. 19 S. 3). Sie
erwog gestützt auf den Kurzbericht des FOR, dass es zu einer Übertragung von
silberfarbenen Farbsplitter vom Fahrzeug des Beschuldigten auf das Fahrzeug
von B._ gekommen sei und daher eine Berührung der beiden Fahrzeuge
stattgefunden habe. Sie hielt fest, dass aus der Fotodokumentation ersichtlich sei,
dass Kratzer bzw. Abdrücke in Form von längeren horizontalen Linien auf beiden
Fahrzeugen bestünden. Aufgrund der Senkung der Frontpartie des Fahrzeuges
bei einem starken Bremsvorgang sei logisch, dass die Oberkante des Kennzei-
chenhalters bei einer Kollision zuerst mit dem vorfahrenden Fahrzeug in Kontakt
komme. Im Wesentlichen gestützt auf diese Erwägungen befand sie den Ankla-
gesachverhalt für erstellt (Urk. 19 S. 5 ff.).
4. Beurteilung
Richtig hielt die Vorinstanz fest, dass die im Polizeirapport zusammenge-
fassten Aussagen von B._ und deren Beifahrerin sowie Tochter C._
nicht zu Lasten des Beschuldigten verwendet werden können, da die beiden we-
der förmlich befragt noch mit dem Beschuldigten konfrontiert wurden (Urk. 19
S. 3).
Die Vorinstanz erwog, dass es nicht völlig ausgeschlossen erscheine, dass
sowohl das Fahrzeug des Beschuldigtes als auch jenes von B._ zeitnah vor
dem vorliegend zu beurteilenden Vorfall an einem vergleichbaren Auffahrunfall
beteiligt gewesen seien und die an den beiden Fahrzeugen festgestellten Über-
tragungsspuren davon herrührten. Richtig kommt die Vorinstanz zum Schluss,
dass ein solcher Auffahrunfall von den Beteiligten nicht – insbesondere auch nicht
vom Beschuldigten – vorgebracht wird und davon auszugehen wäre, dass er ei-
nen solchen nahezu identischen Auffahrunfall als Erklärung der Farbsplitter und
Schäden an seinem Fahrzeug und zu seiner Verteidigung in der Untersuchung
konkret vorgebracht hätte. Auch in Bezug auf den Umstand, dass die beiden
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Fahrzeuge nach der Kollision zunächst weitergefahren sind, ist die Überlegung
der Vorinstanz überzeugend. Bei einer geringfügigen Kollision ist es angebracht,
dass man sich – insbesondere auf der Autobahn – zuerst aus dem Gefahrenbe-
reich begibt und die Fahrzeuge an einem sicheren Ort parkiert, um das Unfallpro-
tokoll auszufüllen. Auch ist der Vorinstanz dahingehend beizupflichten, dass das
Verhalten des Beschuldigten – auf entsprechendes Handzeichen von B._ hin
folgte er ihr nach dem Vorfall auf den Pannenstreifen – als Indiz dafür zu werten
ist, dass sich die Kollision anklagegemäss ereignete.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz eine nachvollzieh-
bare Sachverhaltserstellung vorgenommen und dabei weder unhaltbare noch
sachfremde Schlüsse gezogen hat. Zudem ist die vorinstanzliche Beweiswürdi-
gung ausreichend begründet. Somit ist die von der Vorinstanz vorgenommene
Sachverhaltserstellung nicht zu beanstanden. Der von der Vorinstanz festgestellte
Sachverhalt ist daher für die rechtliche Würdigung heranzuziehen.
III. Rechtliche Würdigung
In Bezug auf die rechtliche Würdigung ist vollumfänglich auf die zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO, Urk. 19 S. 8 f.).
Der Beschuldigte ist somit der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 3 Abs. 1 VRV
schuldig zu sprechen.
IV. Strafe
Die Vorinstanz hat den Strafrahmen und die Grundsätze der Strafzumes-
sung korrekt dargelegt, worauf verwiesen werden kann. Sie befand eine Busse
von Fr. 250.– für angemessen (Urk. 19 S. 9 f.). Der Beschuldigte bringt zur von
der Vorinstanz ausgefällten Bussenhöhe vor, dass diese unangemessen sei, da
letztendlich so gut wie nichts passiert und sein Verschulden deshalb minimal sei
(Urk. 20 S. 4).
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Das Verschulden des Beschuldigten stufte die Vorinstanz als noch leicht ein
(Urk. 19 S. 10). Das Verhalten des Beschuldigten führte lediglich zu einer gering-
fügigen Kollision und sein Verhalten ist nicht als besonders rücksichtslos zu be-
werten. Zudem beging er die Verkehrsregelverletzung fahrlässig. Es liegen weder
straferhöhende noch -mindernde Täterkomponenten vor. Angesichts des noch
leichten Verschuldens und der finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten er-
weist sich die vorinstanzlich festgesetzte Busse von Fr. 250.– als angemessen.
In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist sodann für den Fall der schuld-
haften Nichtbezahlung der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von drei Tagen fest-
zusetzen.
V. Kosten
Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 5) zu bestäti-
gen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte im Berufungsverfahren mit sei-
nem Antrag auf Freispruch unterliegt, sind ihm die Kosten dieses Verfahrens auf-
zuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).