Decision ID: 386cae38-62d8-5612-9d96-212f7d6f1a9d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1971 geborene
X._
verfügt über keine Ausbildung
(Urk. 10/
12/1) und
arbeitete
zuletzt vom
1.
Oktober
2007 bis
zum Eintritt ihrer Arbeitsun
fä
higkeit am 2
1.
Juni 2011 teilzeitlich
als Raumpflegerin bei der
Y._
(Urk. 10/3/1, Urk. 10/12/5, Urk. 10/
261-2)
.
Am
2.
September 2011
mel
dete sie sich
unter Hinweis auf
psychische Beschwerden
bei der Eidgenössischen Inva
lidenversicherung zur Früherfassung an (Urk.
10/3
). Am
1
3.
Oktober 2011
folgte die Anmeldung zum Leistungsbezug wegen
psychischer Probleme und körper
li
cher Schmerzen seit 2008
(Urk.
10/12
). Die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
ton
s Zürich, IV-Stelle, tätigte daraufhin erwerbliche sowie medizinische Abklä
rungen.
Insbesondere holte sie
das
bidisziplinäre
Gutachten, bestehend aus dem
psychiatri
sche
n
Gutachten von PD
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psychia
trie und Psychotherapie
, vom 8.
April 2013 (Urk. 10/49)
mit Ergänzung vom
2
7.
Mai 2013 (Urk. 10/52)
sowie
dem
rheumatologische
n
Gutachten von
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Innere Medizin spez.
Rheumaer
kran
kungen
, vom
9.
April 2013 ein (Urk. 10/50).
Am 2
2.
Januar 2014 machte die IV-Stelle die Versicherte auf ihre
Pflichten
aufmerksam.
Sie wies
sie
darauf hin, dass ge
mäss ihren Abklärungen
zurzeit nicht abschliessend beurteilt wer
den könne, ob die Einschränkung ihrer Erwerbsfähigkeit bleibend sei oder zu
mindest längere Zeit andauere. Gemäss der medizinischen Einschätzung könne ihr Gesundheits
zustand mit einer intensiven psychiatrischen und pharmakolo
gischen Behand
lung inklusive
Plasmaspiegel
kontrollen
während mindestens sechs Monaten wesentlich verbessert werden.
Sie werde gebeten, bis 2
1.
März 2014 mitzuteilen, bei welchem Arzt oder welcher Ärztin sie die erwähnte Mass
nahme durchführen
werde. Wenn sie an den entsprechenden Massnahmen nicht teilnehme, könne dies
dazu führen, dass auf ihr Leistungsgesuch entweder nicht eingetreten werde
oder aufgrund der Akten entschieden werden müsse und ein allfälliger
Leis
tungs
anspruch
abgelehnt oder gekürzt werde. Wenn
die Versi
cherte
bis am 2
1.
März 2014 nicht mitgeteilt habe, bei welchem Arzt sie die Be
handlung durchführe,
entscheide sie
(die IV-Stelle)
aufgrund der vorliegenden Akten oder verfüge Nicht
eintreten (Urk. 10/55)
.
Die Versicherte reichte darauf
hin verschiedene
Unter
lagen ein (Urk. 10/56-59).
Der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, berichtete am
7.
Juni 2014 (Urk. 10/61) sowie am 2
0.
August 2014 (Urk. 10/63) über die Versicherte.
Mit Vorbescheid vom 30.
September 2014 stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 10/65). Mit Eingabe vom
2
9.
Oktober 2014 (Urk. 10/67) erhob die Versicherte
, vertreten durch ihre Rechts
schutzversicherung, welche ihr Mandat in der Folge nieder
legte (Urk. 10/70),
Ein
wand dagegen. Mit Verfügung vom 1
2.
Dezember 2014 verneinte die IV-Stell
e den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 10/71 = Urk. 2/
1
).
Mit Eingabe vom 2
3.
Dezember 2014 reichte
Dr.
B._
der IV-Stelle Ergebnisse von Plasmaspiegel-Kontrollen ein (Urk. 10/72-74). Mit Schreiben vom 1
5.
Janu
ar 2015
stell
te Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
, Zürich,
als neuer Rechtsvertreter der Versicherten, das Gesuch, er sei
als
unentgeltlicher
Rechtsvertreter
für das Verwaltungsverfahren
zu bestellen (Urk. 10/76).
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung
im Verwaltungsverfahren
wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
2.
Januar 2015 ab (Urk. 10/81 = Urk. 2/
2
).
2.
Gegen die Verfügungen vom
1
2.
Dezember 2014 (Urk. 2/1) sowie vom 22. Janu
ar 2015 (Urk. 2/2) erhob die Versicherte am 2
7.
Januar 2015 Be
schwerde und beantragte, die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben und es sei festzu
stellen, dass sie
seit dem
Ablauf der gesetzlichen Wartefrist Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung habe. Des Weiteren sei festzustellen, dass sie für das Verfahren vor der Verwaltung Anspruch auf Bestellung eines un
entgeltlichen Rechtsvertreters habe. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie um Be
stellung eines unent
geltlichen Rechtsvertreters (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in ihrer
Be
schwerdeantwort
vom 2
0.
April 2015 auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 9).
Mit Gerichtsverfügung vom 2
9.
April 2015 wurde der Be
schwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihr Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
, Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das Gerichtsverfahren bestellt (Urk. 11).
Im Rahmen des zweiten
Schriftenwech
sels
hielten die Parteien vollumfänglich an ihren Anträgen fest (
Replik vom
21. Mai 2015,
Urk.
13; Duplik vom 2
9.
Juni 2015,
Urk.
17
).
Die Duplik wurde der Beschwerdeführerin am 3
0.
Juni 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 18).
Am
2.
Juli 2015 zog die Beschwerdeführerin ihr bereits bewilligtes Gesuch um un
entgeltliche
Prozess
füh
rung
und Rechtsvertretung infolge einer Deckungszusage der Rechtsschutz
ver
sicherung zurück (Urk. 19).
Am 2
9.
Juli 2015 nahm sie zu
dem zur Duplik der
Be
schwerdegegnerin
Stellung (Urk. 20), was der
Beschwer
degegnerin
am
3.
August
2015 mitgeteilt wurde (Urk. 21).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen
Er
kran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)
ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss
eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
han
den
sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beein
trächtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrüh
ren,
bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu um
fassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unter
scheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokul
tu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
stän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbs
fähig
keit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden
kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt
, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidi
sie
render psychischer Gesundheitssc
haden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009
,
E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden –
Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012
,
E.
3.2 mit Hin
weisen).
1.3
Nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein. Mündlich erteilte Auskünfte sind schriftlich festzuhalten. Soweit ärztliche oder fachliche Untersuchungen für die Beurteilung notwendig und zu
mutbar sind, hat sich die versicherte Person diesen zu unterziehen (
Art.
43
Abs.
2 ATSG).
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspru
chen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder
die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Perso
nen
vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen (
Art.
43
Abs.
3 ATSG).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die
Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Be
gehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bun
desgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
In ihrer Verfügung betreffend den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente stellte sich die
IV-Stelle
auf den Standpunkt,
die psychiatrische Begutachtung durch
Dr.
Z._
habe ergeben, dass Besserungspotential vorhan
den sei und dass die Beschwerdeführerin das Antidepressivum nicht oder nur unregelmässig einnehme. Am 2
2.
Januar 2014 habe sie die Beschwerdeführerin zur Mitwirkung aufgefordert und zugleich über die Folgen einer Verweigerung der Mitwirkung informiert. Ihre weiteren Abklärungen hätten ergeben, dass sie
keine Plasmaspiegel-Kontrollen habe durchführen lassen, sodass weiterhin nicht abschliessend beurteilt werden könne, ob invalidisierende gesundheitliche Ein
schränkungen vorl
ä
gen
(Urk. 2/1 S. 2).
In ihrer Beschwerdeantwort führte sie zudem aus, d
ie Beschwerdeführerin sei mit Aufforderung vom 2
2.
Januar 2014 unmissverständlich dazu angehalten worden, sich während mindestens sechs Monaten einer intensiven psychiatri
schen und pharmakologischen Behandlung
inklusive Plasmaspiegelkontrolle zu unterziehen.
Dr.
Z._
habe ausgeführt, von
einer solchen Behandlung könne eine Verbesserung des Gesundheitszu
stands
erwartet werden. Eine regelmässige pharmakologische Behandlung sei auch durch
die nachgereichten Berichte von
Dr.
B._
nicht ausgewiesen, wes
halb die Be
schwerdeführerin ihrer Schadenminderungspflicht kla
rerweise nicht nachge
kom
men sei. Dass die Beschwerdeführerin Analphabetin sei, tue nichts zur Sache, da sie offensichtlich in der Lage sei, ihren Interessen im
Sozialversi
cherungsrecht
mit fachkundiger Hilfe zum Durchbruch verhelfen zu wollen (Urk. 9).
Sie habe denn auch Unterstützung gehabt, weshalb das Verfahren nicht als unfair be
zeichnet werden könne
.
Die nach Erlass der angefochtenen Verfü
gung erhobe
nen Laborwerte seien nicht zu berücksichtigen
(Urk. 17).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde geltend, anhand der Be
richte der behandelnden Ärzte, des psychiatrischen Gutachtens sowie der
Er
werbsbiographie
sei ersichtlich, dass sie invalid sei und mit Wirkung ab sechs Monate
n
nach ihrer Anmeldung Anspruch auf eine Invalidenrente habe (Urk. 1 S. 3 f.). Gestützt auf eine Verletzung der Mitwirkungspflicht könne der Renten
anspruch keinesfalls für die Zeit vor der Ermahnung zur Mitwirkung verneint
werden. Das Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 2
2.
Januar 2014 habe keine
Wirkung entfalten können, da sie sich im Rahmen ihrer Anmeldung aus
drück
lich als des Lesens und Schreibens unkundig erklärt gehabt habe
. Im Übri
gen sei die Mitwirkung an der Massnahme nicht zumutbar gewesen, da sie ge
mäss dem psychiatrischen Gutachten ausdrücklich theoretischer Natur sei. Selbst wenn das
Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
als korrekt eingeleitet be
trachtet werde, sei eine
Verweigerung der Leistungen unzulässig, nachdem der behandelnde Psy
chiater die Notwendigkeit einer Überwachung des Serums als überflüssig bezeich
net und dann entsprechende
Laborberichte mit erhöhten Werten ins Recht gelegt habe. Dass sich die Beschwerdegegnerin nicht damit auseinandergesetzt habe, stelle eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dar
(Urk. 1 S. 4 f.).
In der Replik monierte sie ausführlich, dass das Verfahren nicht fair abgelaufen sei, da sie nicht in angemessener Form und ihr der IV-Stelle be
kannter behandelnder Psy
chiater überhaupt nicht über die geforderten Mass
nahmen informiert worden seien (Urk. 13 S. 1-3). Des Weiteren ergebe sich aus den Ausführungen von Dr.
B._
die Durchführung einer regelmässigen Thera
pie inklusive Medikation
(Urk. 13 S. 3). Weiter führte sie an, beim Entscheid aufgrund der Akten seien
sowohl das psychiatrische Gutachten von Dr.
Z._
als auch die Erwägungen vo
n
Dr.
B._
unberücksichtigt geblieben
, was eben
falls eine Verletzung des
recht
lichen Gehörs darstelle
(Urk. 13 S. 4).
Die Be
schwerdeführerin bestritt zu
dem
, im Zusammenhang mit ihrer
Mitwirkungs
pflicht
stets von anderen Perso
nen unterstützt worden zu sein (Urk. 20).
3.
3.1
Am 2
4.
Ok
tober 2011 berichtete
Dr.
med.
C._
,
die Beschwer
deführerin sei zwischen April 2008 - nach einem Angriff durch den Hauswart - und März 2009 bei ihm in psychiatrischer inklusive medikamentöser Behand
lung gewesen und habe sich im Juni 2011 wegen Angst und depressiver Stö
rung
erneut
zu ihm in Behandlung begeben. Er führte aus, die Beschwerde
füh
rer
in
sei
von
vielen
früheren Lebensereignissen wie zum Beispiel
der
Verfolgung in der
D._
belastet
. Sie sei Kurdin und als Flüchtling aufgrund von politi
scher
Verfolgung in die Schweiz gekommen.
Sie leide an einer rezidivierenden de
pressi
ven Störung, gegenwärtig
schwergradige
depressive Episode ohne psy
cho
tische Symptome (ICD-10: F33.2)
,
sowie an einer Anpassungsstörung (ICD-10: F
43.2) und sei zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 10/23/11-12).
Am 1
6.
November
2011 attestierte er ihr weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, hielt indes fest,
im weiteren Verlauf sollte in einer angepassten Tätigkeit wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreichbar sein
. Als einschränkend bezeichnete er die depressi
ve Symptomatik, Antriebsarmut, Schlafstörungen, Angst und
Ver
meidungsten
denz
sowie schlechte Erfahrungen mit Integrationsverfahren im Arbeitsprozess in der Schweiz
(Urk. 10/24/2).
3.2
Dem Bericht von
med.
pract
.
E._
vom
6.
Februar 2012 ist zu entneh
men, die Beschwerdeführerin leide an einer rezidivierenden depressiven Stö
rung,
gegenwärtig
schwergradige
depressive Episode ohne psychotische Symp
tome
(ICD-10: F33.2), einer Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst, ICD-10: F51.2
) sowie an einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F43.1).
Im
Vordergrund stünden massive Schlafstörungen, Antriebslosigkeit,
Stim
mungs
schwan
kungen
, Zukunfts- und Existenzängste, Interesselosigkeit, Freud
losigkeit
und andauernde Müdigkeitssymptome. Die vielen alten Belastungen von frühe
ren
Lebensereignissen wie Verfolgung in d
er
D._
in Kombination mit den
An
pass
ungs
- und Integrationsschwierigkeiten in der Schweiz hätten eine ungüns
tig
e Wirkung auf den K
rankheitsverlauf. Wegen primärem
Analpha
betismus seien die Minderwertigkeitsgefühle ständig ein Thema. Aufgrund der langdauernden Problematik
und verschiedener psychosozialer
Belastungsfak
toren
sei von einer
Chronifizierung
der Erkrankung auszugehen. Es bestehe eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit und es könne aufgrund von verschiedenen Belas
tungssituationen sowie der Schwere der Symptomatik sein, dass diese noch ei
nes bis zwei Jahre andauern werde (Urk. 10/39).
In
sein
em Bericht vom
2.
November 2012 beur
teilte
med.
pract
.
E._
bei gleich gebliebenen Diagno
sen und Arbeitsun
fähig
keit
sodann die Ehekonflikte, die latente Suizidalität, die Vergesslichkeit sowie die ausgeprägte
Anhedonie
als im Vordergrund stehend (Urk. 10/45).
Bezüglich
der
Vorgeschichte
der Beschwerdeführerin
gab med.
pract
.
E._
PD
Dr.
Z._
am 22. März 2013 telefonisch an, die Beschwerdeführerin habe in ihrer Heimat als Kurdin mehrfach Schläge durch Polizisten erhalten und dies im öffentlichen Raum (Urk. 10/49/8).
3.3
Am 1
9.
März 2013 wurde die Beschwerdeführerin
- im Rahmen einer
bidiszipli
nären
Begutachtung zusammen mit
Dr.
A._
-
von PD
Dr.
Z._
psychiat
risch begutachtet (Urk. 10/49/1).
Er diagnostizierte eine rezidivierende depres
si
ve Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10: F33.2), eine Panikstörung
(ICD-10: F41.0) sowie eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) und mass sämtlichen Diagnosen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (Urk. 10/49/9)
. PD Dr.
Z._
führte aus, es liege eine sehr schwere depressive Pathologie vor. Die diesbezüglichen subjektiven Angaben hätten in sehr hoher
Kongruenz mit den objektiven Untersuchungsbefunden im Psychostatus gestan
den,
die eine
schwergradige
Beeinträchtigung der Affektpathologie nahegelegt hätten.
Auch die innerpsychische Vitalität sei aus objektiver Sicht deutlich be
einträchtigt, was anhand des äusseren Erscheinungsbildes, der Psycho- und Sprachmotorik, Mimik und Gestik,
des
Denktempo
s
, der kognitiven Leistungen,
Af
fektverarmung
und affektiver Schwingungsfähigkeit ersichtlich sei.
Anhand der
Vorakten
sei davon auszugehen, dass seit circa Ende Juni
2011 ein de
pressiver Zustand
bestanden und dieser sich zwischen Juni und November 2011 weiter verschlechtert habe
. Seither lägen aufgrund der schweren depressiven Episode keinerlei qualitativen Funktionsfähigkeiten mehr vor
(Urk. 10/49/9
, Urk. 10/49/11
).
Die Panikstörung sei im Vergleich zur depressiven Störung von untergeordneter Relevanz (Urk. 10/
49/11). Zur posttraumatischen
Belastungs
störung
merkte PD
Dr.
Z._
an,
es sei zu einer deutlichen Zunahme der Trauma-
assoziierten Symptome sowie deren Auswirkungen auf die alltägliche Funktionsfähigkeit gekommen.
D
ie innere psychische Struktur der Beschwer
de
führerin sei sehr
fragilisiert
, weshalb bereits deshalb eine schwere depressive Feh
l
entwicklung habe entstehen können. Zusammenfassend gelangte er zum Schluss, bei der Beschwerdeführerin lägen aus psychiatrischer Sicht kei
nerlei qualitative
Funktionsfähigkeiten mehr vor. Die Prognose sei ungünstig. Gerade weil die Beschwerdeführerin einfache Grundressourcen mitbringe, werde es ihr
kaum möglich sein, aus dieser desolaten Situation herauszufinden. Im
merhin stehe sie schon seit mehreren Jahren in ambulante
r
psychiatrischer Be
handlung. Die einzige Möglichkeit bestehe allenfalls in einer länger dauernden stationären Behandlung. Die Beschwerdeführerin sei seit November 2011 so
wohl in der angestammten als auch in einer Verweistätigkeit zu 100
%
arbeits
unfähig (Urk. 10/49/12-13).
PD
Dr.
Z._
fügte an, es sei von der Beschwerde
führerin unbedingt zu verlangen, dass sie die ambulante psychiatrische Be
handlung wei
ter
hin engmaschig wahrnehme. Allenfalls bestehe die Möglichkeit einer statio
nären psychiatrischen Behandlung über längere Zeit, wobei dadurch auch eine Verstärkung des Krankheitsgefühls nicht auszuschliessen sei.
Die Wahl der the
ra
peutischen Methode sei daher dem behandelnden Psychiater zu überlassen. Jedoch sei aufgrund der von
Dr.
A._
durchgeführten
Plasma
spiegel
kon
trollen
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin sämtliche Antide
pressi
v
a
nicht oder nur unregelmässig einnehme. Hier bestehe also rein theoretisch doch auch Besserungspotential der depressiven Störung, und vor dem Hinter
grund der mangelhaften
Medikamentencompliance
sei ein stationä
rer Rahmen eine Möglichkeit, die Entwicklung der depressiven Störung unter tatsächlich
statt
findender antidepressiver Medikation zu beobachten (Urk. 10/49/13).
Zu den
vorhandenen psychosozialen Faktoren führte er aus, diese hätten initial auch
eine Rolle gespielt in der erheblichen psychischen Fehl
entwicklung, jedoch lägen
unterdessen ohne jeden Zweifel erhebliche psychi
sche Leiden mit
Krankheits
wert
vor, die vollständig
autonomisiert
seien (Urk. 10/49/16).
Am 2
7.
Mai 2013 führte PD
Dr.
Z._
ergänzend aus, weder aus klinischer Sicht
noch aus akademischer Perspektive bestünden Gründe, weshalb nicht zu
mindest theoretisch eine Verbesserung des psychischen Zustandes zu erwarten sei durch eine regelmässige und zuverlässige antidepressive Behandlung. Eine solche sei zumutbar und müsse von der Beschwerdeführerin gefordert werden. Inwieweit eine solche Verbesserung des psychischen Zustands mit Verbesserung der Arbeitsfähigkeit eintreten könne, lasse sich nicht voraussagen, da parallel auch eine posttraumatische Belastungsstörung vorliege. Sicherlich
werde es mehrere Monate dauern, bis es zu einer Verbesserung kommen könne
. Auch eine statio
näre Behandlung könne zu einer Verbesserung führen. Zusammen
fassend besteh
e betreffend
die aktuelle psychiatrische
Behandlung
Optimie
rungspotential
und rein theoretisch könne ein verbesserte
r
psychischer Gesund
heitszustand mit konsekutiv verbesserter Arbeitsfähigkeit resultieren (Urk. 10/52).
Dr.
A._
führt in ihrer rheumatologischen Beurteilung aus, die Beschwerde
führerin klage über Schmerzen im Kopf und im Nacken mit Ausstrahlung in beide Arme rechts mehr als links. Der wesentlichste Befund sei jedoch ein Über
gewicht mit einem BMI von 29,6 kg/m
2.
Lendenwirbelsäule und
Brust
wirbel
säule
seien normal beweglich. Bei der direkten Prüfung zeige die Beschwerde
führerin eine deutlich verminderte Beweglichkeit der
Halswirbel
säule
, die jedoch unter Ablenkung verschwinde
.
Radikuläre
Zeichen seien nicht vorhanden.
Die zweimalige MRI-Untersuchung der Halswirbelsäule habe einen unauffälligen Befund ergeben. Von den Schmerzmitteln fehle jede Spur im Blut. Die geklagten Beschwerden seien nicht mit den vorhandenen Befunden erklärbar. Bei der Messung der maximalen Handkraft habe eine
Selbstlimi
tie
rung
bestanden. Bei der Untersuchung
sowie auf der Treppe
sei ihr Handeinsatz hingegen beidseits
normal gewesen
. Bei fehlenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
hig
keit
sowie fehlenden funktionellen Einschränkungen
sei
die Beschwerdefüh
rerin
aus rheumatologischer Sicht nicht eingeschränkt
und auch nie langfristig einge
schränkt gewesen
(Urk. 10/50/3
7-4
3
).
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) empfahl am
5.
September 2013, auf das Gutachten von PD
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
abzustellen
(Urk. 10/64/8-9).
3.
4
Dr.
B._
berichtete am
7.
Juni 2014, die Beschwerdeführerin stehe seit dem 10. April 2013 in seiner ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Be
hand
lung. Sie leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwär
tig schwere Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.3)
,
sowie an einer generalisierten Angststörung (ICD-10: F41.1). Sie sei aus psychiatrischer Sicht zu 100
%
arbeitsunfähig. Der Krankheitsverlauf habe sich
chronifiziert
und die Prognose sei nicht gut (Urk. 10/61/5-6).
Am 2
0.
August 2014 gab
Dr.
B._
an, sie komme wöchentlich zu ihm und sei be
züglich der Medikamenteneinnahme
zuverlässig. Deshalb
erübrige sich eine
Plasmaspiegel
kontrolle
(Urk. 10/63).
3.
5
Am 2
9.
August 2014 führte der RAD aus, hinsichtlich der psychiatrischen Be
handlung sei die Schadenminderungspflicht erfüllt, jedoch seien keine regel
mässi
gen Plasmaspiegelkontrollen durchgeführt worden, obwohl diese notwen
dig
seien. Somit sei die Schadenminderungspflicht nicht vollumfänglich erfüllt worden
(Urk. 10/64/11).
4.
4.1
Das Schreiben der Beschwerdegegnerin an die Beschwerdeführerin vom 22. Janu
ar 2014 trägt den Titel „Prüfung von IV-Leistungen: Durchführung einer Be
handlung zur Verbesserung des Gesundheitszustandes“. Darin wies die
Beschwer
degegnerin
darauf hin, dass
zurzeit keine abschliessende Beurteilung möglich sei.
Abzuklären sei, ob die Einschränkung ihrer Erwerbsfähigkeit bleibend sei oder zumindest längere Zeit andauere. Ihr Gesundheitszustand lasse sich mittels
einer intensiven psychiatrischen und pharmakologischen Behandlung inklusive Plasmaspiegelkontrollen während mindestens sechs Monaten wesentlich ver
bessern.
Bis 21. März 2014 habe die Beschwerdeführerin daher mitzuteilen, bei
welchem Arzt oder welcher Ärztin sie die Behandlung durchführen werde. Wenn
sie sich dieser nicht unterziehe, könne dies dazu führen, dass auf ihr
Leis
tungs
gesuch
entweder nicht eingetreten oder aufgrund der Akten entschieden werde,
wobei ein allfälliger Leistungsanspruch abgelehnt oder gekürzt werde (Urk. 10/55).
Das Leistungsbegehren wies die IV-Stelle in der Folge mit der Be
gründung ab, aufgrund der fehlenden Mitwirkung der Beschwerdeführerin könne
nicht abschliessend beurteilt werden, ob invalidisierende gesundheitliche Ein
schrän
kungen vorlägen (Urk. 2/1).
4.2
An der Abklärung wirkte die Beschwerdeführerin entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin mit. Insbesondere unterzog sie sich der Begutachtung durch
Dr.
A._
und PD Dr.
Z._
. Eine Verbesserung ihres gesundheitlichen Zu
standes wurde prognostisch zwar erwartet (Urk. 10/52), bezüglich des Gesund
heitszustands bis zur Begutachtung gab Dr.
Z._
hingegen an, seit November 2011, mithin seit mehr als einem Jahr, bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit (Urk. 10/49/13). Vor der Auferlegung einer
Schaden
min
derungspflicht
hätte die IV-Stelle den Leistungsanspruch konkret prüfen oder gegebenenfalls weitere Abklärungen zur aktuellen Arbeitsunfähigkeit tätigen
sollen. Nach dem Gesagten war weder unter dem Aspekt der Verletzung der
Mit
wir
kungspflicht
noch unter demjenigen der Erfüllung der
Schadenminde
rungs
pflicht
die Verneinung eines Leistungsanspruchs statthaft.
5.
Die vom Gutachter PD
Dr.
Z._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit basiert unter anderem auf der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung.
Als Trauma nannte er
den im März 2008
(richtig:
Febr
uar 2008, vgl. Urk. 10/
30/48)
erlebten gewalttätigen Angriff ihres Hauswarts, bei welchem sie sich dermassen bedroht gefühlt habe, dass sie um ihr Leben gefürchtet habe (Urk. 10/49/10).
Für
die Diagnose einer posttraumatischen Bela
stungsstörung nach ICD-10
F43.1 wird
ein belastendes Ereignis oder eine Situati
on kürzerer oder längerer Dauer
mit au
ss
ergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausma
ss
voraus
ge
setzt
, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde.
Die Stö
rung
soll nur dann diagnostiziert werden, wenn sie innerhalb von sech
s
Mona
ten nach
einem traumatisierenden E
r
eignis von aussergewöhnlicher Schwere aufge
treten ist (
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Internationale Klassifikation psy
chi
scher Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9.
Auflage 2014, S. 207 f.)
.
Den Akten lässt sich entnehmen, dass
das Strafver
fahren
bezüglich Drohung ein
gestellt wurde (Urk. 10/30/37). Im Polizeirapport (Urk. 10/30/48 ff.) steht zudem, dass beim ersten Gespräch
der Beschwerdefüh
rerin und ihrer Schwestern mit der
Polizei
am Tatort weder von Drohungen noch davon die Rede gewesen
war
, dass
eine der drei Schwestern mit einem Be
senstiel attackiert und geschlagen worden sei (Urk. 10/30/55
). Angesichts des beweismässigen Gewichts der Angaben un
mittelbar nach dem Vorfall ist nicht davon auszugehen, dass die Beschwer
de
führerin
in erheblichem Ausmass
bedroht wurde.
Dies ist
nicht
als
ein Ereignis
mit au
ss
ergewöhnlicher Bedrohung oder katastro
phenartigem Ausma
ss
oder
als
ein traumatisierendes Ereignis von ausserge
wöhnlicher Schwere
zu qualifi
zieren
.
Zwar kann
eine
biografische
Vorbelastung (vgl. vorstehende E. 3.2) die Schwelle senken (
Dil
ling
/
Mombour
/Schmidt, a.a.O., S. 207), doch verlangt die
Leistungs
berechtigung
in der Invalidenversicherung dennoch eine gewisse Objektivierung (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/2013
vom 2
6.
Juni
2013, E. 4.1.3).
Die Diag
nose der posttraumatischen Belastungsstörung
und
dass PD
Dr.
Z._
da
von aus
ging, die Beschwerdeführerin habe um ihr Leben fürchten müssen (vgl. Urk. 10/49/10),
ist bei diesen Gegebenheiten
nicht
überzeugend
.
D
ie Diag
nose der posttraumatischen Belastungsstörung
war jedoch auch massgebend für die von PD
Dr.
Z._
attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
:
Der Gutachter
gab an,
es sei vertretbar anzunehmen,
die posttraumatische Belastungsstörung führe be
reits alleine zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit (Urk. 10/
49/12
)
.
Nach dem Gesagten
kann die attestiert
e
vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit nicht
ohne Weiteres übernommen werden, sondern es ist
abzuklären
,
ob auch ohne
das Vor
handensein einer posttraumatischen Belastungsstörung von eine
r
100%igen
Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszugehen wäre.
6.
Bei der Prü
fung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin stellt sich auch die Frage nach
der Qualifikation
.
Im April
und im Mai
2011 arbeitete sie
je
26 Stunden
bei der
Y._
(Lohnabrechnung
en
vom 2
6.
April 2011
und vom 2
5.
Mai 2011
, Urk. 10/5/5
-6
).
Beim Gespräch zur Früherfassung gab sie an, bei der
Y._
dreimal wöchentlich zweieinhalb Stunden gearbeitet zu haben (Urk. 10/9/2).
Laut dem Arbeitgeberfragebo
gen der
Y._
vom 2.
Dezember 2011 arbeitete sie vor dem Eintritt des
Gesund
heitsschadens
indes lediglich
sechs S
tunden pro Woche (Urk. 10/26/2), was mit den
obgenannten
Lohnabrechnungen übereinstimmt.
Zudem
arbeitete sie vom 2
0.
September 2008 bis zum 3
0.
April 2010 während einer
(zwischen 16 und 130)
schwanken
den Anzahl Stunden pro Monat
bei der
F._
(Urk. 10/29/10-13).
Des Weiteren übernahm sie a
b Oktober 2006
infolge ihrer An
stellung
bei der
G._
zu 60
%
Reinigungsarbeiten am
H._
(Urk. 10/30/31).
Laut dem zuständigen Personalvermittler
G._
arbei
tete
s
ie grundsätzlich nach dem Unfall
(Ereignis mit dem Hauswart-Ehepaar, vgl. Unfallmeldung vom 2
0.
Februar 2008, Urk. 10/30/107)
wie bereits vor dem Un
fall zu 60
%
(Urk. 10/30/87).
Dies bis am
8.
August 2008 (Urk. 10/
30/87; IK-Aus
zug, Urk. 10/19/1).
Des Öfteren arbeitete sie
(knapp)
28 Stunden pro Woche
(
Urk. 10/30/69, Urk. 10/
30/72
, Urk. 10/30/76
und Urk. 10/30/66), was
vertrag
lich
vereinbart gewesen sei (Urk. 10/25/5) und
wohl
einem etwas höheren Pen
sum
als 60
%
entsp
rach
.
Insgesamt ist gestützt auf das Gesagte sowie
auf
den IK-Aus
zug vom 3
1.
Oktober 2011 (Urk. 10/19) davon auszugehen, dass die Be
schwer
de
führerin stets teilzeitlich erwerbstätig war
und auch im
Gesund
heitsfall
vor
aus
sichtlich auch geblieben wäre. Bei der Invaliditätsbemessung ist daher auch zu prüfen, ob auch eine Tätigkeit im Aufgabenbereich vorliegt und ob auch dort eine Beeinträchtigung besteht.
Zusammenfassend ist nach dem Gesagten, die angefochtene Verfügung vom 12. Dezember 2014 aufzuheben und es ist die Sache im Sinne der Erwägungen zur
Vornahme der noch nötigen zusätzlichen Abklärungen an die
Beschwerde
geg
ne
rin
zurückzuweisen.
7.
In ihrer Verfügung betreffend den Anspruch der Beschwerdeführerin auf
einen unentgeltlichen Rechtsvertreter für das Verwaltungsverfahren
stellte sich die IV-Stelle auf den Standpunkt,
nachdem bis zum Abschluss des
Verwaltungs
ver
fahrens
mit Verfügung vom 1
2.
Dezember 2014 kein Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung eingegangen sei, seien die formellen Voraussetzungen
für die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters
nicht erfüllt. Das hernach ge
stellte Gesuch sei verspätet erfolgt. Ferner sei die Beschwerdeführerin
rechts
schutzversichert
(Urk. 2/2
, Urk. 9 S. 2
).
Die Beschwerdeführerin wandte hiergegen ein, die Rechtsschutzversicherung habe
sich aus dem Fall zurückgezogen und vertrete fälschlicherweise die Auf
fassung, der Fall sei aussichtslos (Urk. 1 S. 2 f.).
Gemäss
Art.
37
Abs.
4 ATSG wird der gesuchstellenden Person im Sozialver
sicherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Ver
hält
nisse es erfordern. Unentgeltliche
Verbeiständung
im Verwaltungsverfahren wird
gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aus
sichtslos
erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl.
Art.
29
Abs.
3
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossen
schaft; BV
). Eine anwaltliche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwie
rige rechtliche oder tatsächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach-
und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht fällt. Könnte der Ein
sprecher im Falle des Unterliegens die unentgeltliche
Ver
beiständung
bean
spruchen, hat er bei Obsiegen Anspruch auf eine
Parteient
schädigung
(BGE 132 V 200 E. 4.1 mit Hinweisen; vgl. BGE 125 V 32).
Ein Gesuch um unentgeltliche Rechtsvertretung kann jederzeit während des Ver
fahrens gestellt werden (
BGE 122 I 203 E. 2.c;
Urs Müller, Das
Verwaltungs
ver
fahren
in der Invalidenversicherung,
Rz
.
2027).
Mit Verfügung vom 1
2.
Dezem
ber 2014 verneinte die IV-Stelle den Anspruch der Beschwerdeführe
rin auf eine
Invalidenrente (Urk. 10/71
), womit
das Verwaltungsverfahren ab
geschlossen
wurde
.
Die Mandatierung von Rechtsanwalt Michael
Ausfeld
er
folgte erst am 1
3.
Januar 2015 (Urk. 10/
77) und das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsver
tre
tung
am 1
5.
Januar 2015 (Urk. 10/76).
Nach dem Gesagten wurde während des
Verwaltungsverfahrens kein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsver
tretung
gestellt,
weshalb nicht zu beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin das Gesuch vom 1
5.
Januar 2015 als verspätet taxiert
e
und abwies. Infolgedes
sen ist die Be
schwer
de in diesem Punkt
- respektive die Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
2.
Januar 2015 -
abzuweisen.
8
.
8
.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft
unter anderem
die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und
ermes
sensweise
auf
Fr.
8
00.
--
anzusetzen.
Da der Teil der Beschwerde, in welchem die Beschwerdeführerin unterliegt (betreffend unentgeltliche Rechtsvertretung im
Ver
waltungsverfahren
), nicht kostenpflichtig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_639/2011
vom 3
0.
August 2012
),
sind die Gerichtskosten
entsprechend dem
Ausgang des kostenpflichtigen Teils des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin
auf
zuerlegen.
8
.2
Zudem
gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklä
rung und neuen Verfügung
nach ständiger Rechtsprechung
als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
An
spruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese
ist
gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
GSVGer
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitauf
wand und den Barauslagen zu bemessen und unter Berücksichtigung dieser Grund
sätze
sowie unter Abzug des
im Zusammenhang mit dem Anspruch auf unentgeltliche Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren
erfolgten
Aufwands
auf
Fr.
2’
7
00.-- (inkl. Mehrwertsteue
r und Barauslagen) festzusetzen
.
Bezüglich der Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. Januar 2015 (Urk. 2/2) unterliegt die Beschwerdeführerin und es besteht kein Anspruch auf eine
Prozessent
schä
digung
. Sodann hat sie das Gesuch um Bestellung eines unentgeltlichen Rechts
beistandes zurückgezogen (Urk. 19).