Decision ID: e861942d-9ba0-4bbf-942f-6c3abd153ade
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
absolvierte
seit 2.
Mai 1983 einen Wieder
holungskurs (WK; Urk. 7/2)
, als er
–
während des allgemeinen Urlaubs
–
am 15. Mai 1983
auf einer Motorradfahrt mit einem entgegenkommenden Perso
nen
wagen
kollidierte
(Urk. 7/9)
. Dabei zog er sich eine schwere
Mehrfachverlet
zung
des linken Beins mit
Femurschaftquerfraktur
, offener
Zweietagen
stückfraktur
des linken Unterschenkels, multiplen Frakturen und Luxationen im Bereich der Fusswurzel, Ruptur des Ligamentum
deltoideum
und dislozierter Fraktur des
Malleolus
lateralis
links, ausgedehnter
Avulsion
, Kontusion der Weichteile am linken Fuss und ausgedehnten
Excoriationen
im Bereich des lin
ken Unterschenkels zu
, wobei sich schon bald ein
Tibialis
-
anterior
-
Syndrom ent
wickelte (Urk. 7/6).
Nachdem die
Femurfraktur
noch am Unfalltag durch eine Plattenosteosynthese stabilisiert worden war (Urk. 7/3), wurde am 3. Juni 1983 im Rahmen eines weiteren operativen Eingriffs
notfallmässig eine
Fasciotomie
mit anschliessender Wundversorgung im Bereich des Unterschenkels und Fusses mit Reposition der Luxationsfraktur
tarso-metatarsal
durchgeführt (Urk. 7/6).
Am 1. Juli 1983 erfolgten eine Erweiterung der
Osteotaxis
am linken Unter
schenkel und ein
Débridement
an der Ferse (Urk. 7/11).
Die Militärversicherung teilte dem Versicherten a
m 12. Juli 1983
mit, dass die Bundeshaftung nach Art. 7 des Bundesgesetzes über die Militärversicherung (MVG)
betreffend die Geldleistungen (Krankengeld)
wegen grobfahrlässiger Selbstverschuldung des Schadens
um 15 % gekürzt werde;
die
Sachleistungen (ärztliche Behandlung, Spital allgemeine Abteilung)
seien von der Kürzung nicht betroffen
(Urk. 7/13; vgl. auch vorläufige Mitteilun
g vom 1. Juli 1983, Urk. 7/12).
Am 29. Juli 1983 wurden eine Reposition und temporäre axiale
Spickdrahtarth
rodese
am oberen Sprunggelenk, eine unblutige Reposition und Fixation der Mittelfragmente der Tibia links durch Fixateur extern
e
und eine
Cross-L
eg-Lappen
plastik
auf den Hautdefekt der linken Ferse
vorgenommen
(vgl.
Operati
onsberi
cht
vom 1. August 1983, Urk.
7/15), und am 22. August 1983 erfolgte eine
operative Cross-Leg (Urk. 7/16). Der Fixateur externe wurde am 21. September 1983 wieder entfernt (vgl. Urk. 7/21).
Nach einer mehrwöchigen stationären Rehabilitation
(vgl. Urk. 7/32
, Urk. 7/35
)
wurde der Versicherte am 13. Dezember 1983
wegen
einer Zweietagen-
Pseudarthrose
der Tibia links erneut operiert (
Anfrischung
der beiden
Tibiapseudarthrosen
und Platten-Osteo
synthese,
autologe
Spongiosaplastik
sowie
Fibulotomie
; Urk. 7/30).
Am 25. April 1984 sprach die Militärversicherung, die dem Versicherten
bis Ende
März 198
4
ein Taggeld ausgerichtet hatte, für die Dauer vom 1. April 1984
bis zum Erreichen einer Arbeitsfähigkeit, längstens jedoch bis 31. März 1985, eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 % beruhende ganze Rente zu
(Urk. 7/46; vgl. auch Urk. 7/47).
Nach einem Arbeitsversuch in einer Schlosserei ab November 1984 (Urk. 7/74, Urk. 7/79) nahm der Versicherte am 19. August 1985
– ebenfalls versuchsweise –
eine Tätigkeit als
Täferer
auf (Urk. 7/85
, Urk. 7/87
).
In der Folge
sprach ihm
die Militärversicherung
am 22. Oktober 1985
mit Wirkung
ab Juli 1985
–
für die Dauer bis zur E
rhöhung der Erwerbs
fähigkeit,
vorläufig
aber
längstens bis 31. März 1986 – noch eine auf
einem Invaliditätsgrad von 75 %
basierende
Rente
zu (Urk. 7/92).
Nach der Entfernung des
Osteosynthesematerials
a
m 4. Oktober 1985 (Urk. 7/95
f.
)
wurde
die Behandlung abgeschlossen und
dem Versicherten ab dem 1. Januar 1986 noch eine Arbeitsunfähigkeit von 33
1
/
3
%
attestiert (Urk. 7/101), was die Einstellung der ihm bis dahin ausgerichteten Rente der Eidgenössischen Invalidenversiche
rung (IV) per Ende Februar 1986 zur Folge hatte (
Urk. 7/93,
Urk. 7/105
, Urk. 7/124)
.
Die Militärversicherung veranlasste
daraufhin eine berufliche
Abklärung in der
Y._
. Nach anfänglicher Weigerung, sich dieser ab 14. Juli 1986 vorgesehenen Massnahme zu unterziehen (Urk. 7/108 S. 1, Urk. 7/112 S. 1), brach der Versicherte die Abklärung dann
nach rund zwei Wochen wieder ab (Urk. 7/126
f.
, vgl. auch Urk. 7/131
).
Ab 20. August 1986 arbeitete
er – zuerst teil- und dann vollzeitlich – in einer Metallbaufirma (Urk. 7/131-131, Urk. 7/137
, Urk. 7/139
)
. Am 3. April 1987 liess die Militärver
sicherung ihn kreisärztlich untersuchen (Urk. 7/152
); daraufhin sprach sie ihm am 22. Juni 1987 mit Wirkung ab 30. Juli 1986 eine 15%ige
Integritätsscha
denrente
zu, die
sie
auf dieses Datum hin
auskaufte (Urk. 7/159).
In der Folge kam die Militärversicherung weiterhin für die Kosten orthopädischer Schuhe auf (Urk. 7/61, Urk. 7/72, Urk. 7/83, Urk. 7/154, Urk. 7/162, Urk. 7/169, Urk. 7/178, Urk. 7/179, Urk. 7/182, Urk. 7/185, Urk. 7/193, Urk. 7/196 ff.).
Ab 1990
war d
er Versicherte
im Rahmen eines Vollzeitpensums
als Lastwagenchauffeur
tätig
(Urk. 7/214 S. 2
, Urk. 7/289.5 S. 3 f.
).
1.2
Am 13. Mai 2004 liess
X._
der Militärver
sicherung durch Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, Facharzt für Sportmedizin,
mitteilen, dass er an einer posttraumatischen Arthrose des oberen Sprungge
lenks (OSG) recht
s
[richtig: links]
, einer schweren
Lisfranc
-Arthrose und einer posttraumatischen
Subtalararthrose
mit weitgehender
Einsteifung
leide; es sei eine operative Revision des oberen und unteren Sprunggelenks vorgesehen. Es sei damit zu rechnen, dass
es in Zukunft zu einer Einschränkung der Arbeits
fähigkeit kommen werde
(Urk. 7/21
1a
).
Im Rahmen eines operativen Eingriffs wurden
daraufhin
am 19. Oktober 2004
eine
valgisierende
,
lateralisierende
closed-wedge
Osteotomie
Calcaneus
links, eine perkutane
Achillessehnenver
längerung
und eine zementfreie
Spungglenksprothese
Typ Salto (
Tornier
) durch
geführt (Urk. 7/219).
Die Militärversicherung anerkannte ihre
Leistungs
pflicht
im Zusammenhang mit den – als Spätfolgen
des versicherten Unfalls qualifi
zierten –
Beschwerden im Bereich des rechten Untersc
henkels und Fusses, kam für die Heilbehandlungskosten auf und erbrachte ab dem 11. Oktober 2004 erneut Taggelder
(Urk. 7/212 ff.
, Urk. 7/226a
, Urk. 7/234, Urk. 7/240
)
.
Auf eine Kürzung der Bundeshaftung wegen Grobfahrlässigkeit verzichtete sie nun implizit (vgl. Urk. 7/274).
Ab dem 7. Februar 2005 wurde dem Versicherten wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bescheinigt (Urk. 7/242).
1.3
Am 17. September 2007 liess der Versicherte der Militärversicherung – in
F
o
r
m einer schweren
navicularen
und
naviculo-kuniformen
Arthrose am rechten Fuss
– er
neut Spätfolgen des Unfalls vom 15. Mai 1983 melden (Urk. 7/251).
Die Militärversicherung erbrachte daraufhin wiederum Heilbehandlungs- und
Tag
geldleistungen
(vgl. Urk. 7/279 ff.).
Am 17. Oktober 2007 unterzog er sich einer weiteren Operation (
Closed
-
wedge
-Osteotomie
Naviculare
cuneiforme
I bis III mit
Naviculare-cuneiforme
Arthrodese
, PIP-
Arthrodese
II bis V,
Unter
schenkel
liegegips
; Urk. 7/258).
Dr.
Z._
attestierte ihm ab 18. Februar 2008 wieder eine
8
0%ige Arbeitsfähigkeit und ging
– aufgrund einer „grotesken Deformation“ des Mittelfusses – p
rogn
ostisch von einer verbleibenden Arbeits
unfähigkeit von 20 % aus (Urk. 7/268 S. 2).
Nachdem der Versicherte seine Arbeit als
Last
wagen
chauffeur
versuchsweise
wieder
zu 80 % aufgenommen und das Pensum dann
wegen Beschwerden
zuerst auf 50
%
und
im Mai 2008
schliesslich auf 40 % reduziert hatte, äusserte er
gegenüber der
Militärversi
cherung
Interesse an einer Umschulung auf die Tätigkeit als Buschauffeur oder Tramführer (Urk. 7/274 S. 2 f.)
.
Nach entsprechenden Abklärungen mit Unter
stützung der Militärversicherung leistete diese Kostengutsprache für eine
Ausbildung zum Bus-Carführer (Urk. 7/294
; vgl. auch Urk. 7/306
), wel
che der Versicherte daraufhin
im Januar 2009
– im Rahmen eines entsprechenden neuen Arbeits
verhältnisses –
erfolgreich
absolvierte (Urk. 7/295 f.,
Urk. 7/304 f.).
In der Folge arbeitete
er
ab Februar 2009
vollzeitlich
als
Linien
buschauffeur
,
erbrachte dabei eine volle Leistung
(Urk. 7/305, Urk. 7/296.2, Urk. 7/308 S. 2
, Urk. 7/309, Urk. 7/312
)
und hatte keine Erwerbseinbusse mehr zu verzeichnen (Urk. 7/308 S. 2 f.).
Ab Februar 2009 richtete die
Militärversi
cherung
daher keine Taggeld
zahlungen mehr aus (vgl. Urk. 7/322 S. 1).
1.4
Am 16. Dezember 2011 teilte
Dr.
Z._
der Militärversicherung mit, dass es zu einer Zunahme der Beschwerden am linken Fuss gekommen sei und überdies Probleme bei der Einstellung des Diabetes mellitus bestünden;
der Versicherte sei nun dauerhaft zu 20 % arbeitsunfähig (Urk. 7/324).
Die Militärversicherung
setzte daraufhin (erneut) einen Case-Manager ein (Urk.
8/67
) und traf medizi
nische
,
erwerblich sowie berufliche Abklärungen
; ab 1. Februar 2012 erbrachte sie wieder Taggeldleistungen (Urk. 8/66 S. 1). Am 23. und 24. Mai 2012 liess
sie durch die
A._
eine Evaluation der
arbeitsbezogenen
funktio
nellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchführen (vgl. Bericht vom 21. Juli 2012, Urk. 8/52)
, und am 16. Juli 2012 liess sie den Versicherten von Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, Manuelle Medizin SAMM, untersuchen (vgl. Gutachten vom 20. Juli 2012, Urk. 8/51).
Nach Ein
holung einer Stellungnahme ihres Kreisarztes
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemeinchirurgie und Unfallchirurgie, vom 27. August 2012 (Urk. 8/48) teilte die Militärversicherung dem Versicherten am 7. November beziehungsweise 5. Dezember 2012 – unter Hinweis auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der Tätigkeit als Buschauffeur
–
mit, dass die
Tag
geldleistungen
per Ende November 201
2
eingestellt würden (Urk. 8/42, Urk. 8/38).
Nach
Opponieren des Versicherten (Urk. 8/37, Urk. 8/31, Urk. 8/25) verfügte sie am 1. Juli 2013
wie angekündigt
die Einstellung der
Taggeldleis
tung
en
per 30. November 2012
(Urk. 8/24). Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid am 29. August 2013 erhobene Einsprache (Urk. 8/23) wies sie
– unter Verneinung
sowohl des
Anspruchs auf
weitere
Taggeld
er als auch
auf
eine
Invalidenrente – am 11. Juni 2014 ab und trat auf das Begehren um Ausrich
tung weiterer Leistung nicht ein (Urk. 2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
(Urk. 2) liess der Versicherte am 8. Juli 2014 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S. 2):
„1.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und die
Beschwer
degegnerin
sei zu verpflichten, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen auszurichten, insb. Taggelder, evtl. eine Invali
denrente, weitere Heilbehandlungskosten allenfalls eine
Integritäts
schadenrente
.
2.
Es sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (inkl. 8 % MWST).“
Die Militärversicherung schloss am 21. August 2014 auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 6).
Replicando
(Urk. 13) und
duplicando
(Urk. 16) hielten die Parteien an ihren Anträgen fest; letzteres wurde dem Beschwerdeführer am
29. Dezember 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk. 17).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 5 Abs. 1
MVG
er
streckt sich die Haftung der Militärversicherung auf jede
Gesundheitsschädi
gung
,
die während des Dienstes in Erscheinung tritt und gemeldet oder sonst wie fest
ge
stellt wird. Die Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis er
bringt, dass die Gesundheitsschädigung sicher
vor
dienstlich
ist oder sicher nicht während des Dienstes verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2
lit
. a MVG), und wenn sie zusätzlich den Beweis erbringt, dass die
Gesundheitsschä
digung
sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2
lit
. b MVG). Wird der nach
Absatz
2
Buchstabe a ge
forderte Beweis erbracht, dagegen nicht der
jenige nach Absatz 2 Buchstabe b, so haftet die Militärversicherung für die Verschlimmerung der
Gesund
heits
schä
digung
(Art. 5 Abs. 3 MVG).
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt, Zahnarzt oder
Chiropraktor
festgestellt und bei der Militärversicherung an
gemeldet, so haftet die Militärversicherung nur, wenn die
Gesundheitsschä
digung
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des Dienstes verursacht worden ist. Die Militärversicherung haftet auch insoweit, als eine vordienstliche Gesundheitsschädigung wahrscheinlich durch Einwirkungen während des Dienstes verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheits
schädigung
handelt (Art. 6 MVG).
1.2
Laut
Art. 28 MVG hat der Versicherte Anspruch auf ein Taggeld, wenn er infolge der Gesundheitsschädigung arbeitsunfähig ist (Abs. 1). Bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit entspricht das Taggeld 80 % des versicherten Verdienstes. Bei teilweiser Arbeitsunfähigkeit wird das Taggeld entsprechend herabgesetzt (Abs. 2). In Abweichung von Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) wird der Grad der Arbeitsunfähigkeit in der Regel bestimmt nach dem Verhältnis zwischen dem Verdienst, den der Versicherte
zumutbarerweise
noch zu erzielen in der Lage ist, und dem Ver
dienst, den er ohne die Gesundheitsschädigung im bisherigen Beruf oder Tätig
keitsbereich erzielt hätte (Abs. 3 Satz 1).
1.3
Kann von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden und hinter
lässt die Gesundheitsschädigung nach der zumutbaren Eingliederung eine voraussichtlich bleibende oder länger dauernde Beeinträchtigung der Erwerbs
fähigkeit (Invalidität, Art. 8 ATSG), so ist nach Art. 40 MVG an Stelle des Tag
geldes eine Invalidenrente auszurichten (Abs. 1). Bei vollständiger Invalidität entspricht die jährliche Invalidenrente 80 Prozent des versicherten
Jahresver
dienstes
. Bei teilweiser Invalidität wird die Rente entsprechend herabgesetzt (Abs. 2).
2.
2.1
Die Militärversicherung begr
ündete die Einstellung der Taggeldleistungen und die
(implizite)
Verneinung des Rentenanspruchs
– unter Hinweis auf den Bericht der EFL vom 21. Juli 2012 (Urk. 8/52)
und
die Expertise von Dr.
B._
vom 20. Juli 2012 (Urk. 8/51) – damit
, dass
der Beschwerdeführer in seiner
aktuel
len
,
körperlich leichten
Tätigkeit aufgrund der (ausschliesslich zu berücksichtigen
den) Folgen des militärversicherten Unfall
s
seit Dezember 201
2
nicht
mehr
in
der
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei
(Urk. 2 S. 4 ff.,
Urk. 6 S. 3 f.,
Urk. 16)
.
Über
eine
zusätzliche Integritätsschadenrente zur bereits zugesprochenen
wie
auch
über den
Anspruch auf weitere Heilbehandlungsleistungen
sei im ange
fochtenen
Einspracheentscheid
(noch) nicht befunden worden. Die Übernahme weitere
r
Heilbehandlungskosten
werde geprüft, sobald
konkrete Forderungen von Leistungs
erbringern vorlägen (Urk. 2 S. 3 f
.
, Urk. 6 S. 2 f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
die durch
geführte EFL stelle
– gerade angesichts der bestehenden Schmerzsymptomatik – kein taugliches Mittel
zur Beurteilung
seine
r
Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit
dar
. Dies gelte umso mehr, als die konkreten Auswirkungen des Gesundheitsschadens an seine
m
Arbeitsplatz nicht abgeklärt und entsprechend auch ni
cht berücksichtigt worden seien (Urk. 1 S. 5 ff.
, Urk. 13 S. 3 f.
). Zu beachten sei dabei, dass er den Bus, den er lenke, auch reinigen müsse (
Urk. 1
S. 8).
Tatsächlich sei er als Buschauffeur – aufgrund der durch den
militärversi
cherten
Unfall bedingten linksseitigen Beinbeschwerden und nicht etwa infolge
des Diabetes beziehungsweise seiner
Rückenschmerzen – zu 20 % arbeitsun
fähig (Urk. 1 S. 7
, Urk.
13
S. 3 f.
)
.
Ob das im Rahmen der Restarbeitsfähigkeit effektiv erzielte Salär mit dem Invalideneinkommen gleichzusetzen oder viel
mehr als Soziallohn zu betrachten sei, sei noch abzuklären (Urk. 1 S. 9).
3.
3.1
Die Militärversicherung hat am 11. Juni 2014 ausschliesslich über den Anspruch des Beschwerdeführers auf weitere Taggelder beziehungsweise eine Rente befunden (Urk. 2). Da weder der Anspruch auf Heilbehandlungsleistungen noch derjenige auf eine zusätzliche Integritätsschadenrente
(Urk. 1 S. 2)
Gegen
stand des angefochtenen
Einspracheentscheids
bildeten,
ist diesbezüglich
man
gels Anfechtungsobjekts nicht
auf die Beschwerde einzutreten
(BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a)
3.2
Zu prüfen ist demnach, ob die Militärversicherung die Taggeldleistungen zu Recht per
30. November 201
2
einstellte, ohne dem Beschwerdeführer eine Rente zuzusprechen.
4.
4.1
Betreffend die im Zeitpunkt der Einstellung der Taggelder per Ende November
2012 noch bestandenen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit geht aus den Akten im Wesentlichen Folgendes hervor:
Dr.
Z._
stellte am 9. März 2012 nachstehende Diagnosen (Urk. 8/65):
Posttraumatische massive
Arthrosebildung
links bei grotesker posttrau
matischer Deformation
Status nach
Spunggelenkprothese
bei polytraumatisiertem Fuss mit
Cal
caneustrümmerfraktur
und Lappenplastik
Status nach Osteotomien Mittelfuss
Adipositas
Nikotinabusus
Diabetes mellitus
Amaurosis
Aufgrund der zunehmenden Beschwerden seitens des linken Fusses sei derzeit keine 100%ige Arbeitsfähigkeit mehr gegeben. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aktuell als Buschauffeur bestenfalls zu 80 % arbeitsfähig sei.
4.2
Gestützt auf die Ergebnisse der am 2
3.
und 24. Mai 2012 im Rahmen der von der Militärversicherung in Auftrag gegebenen EFL durchgeführten Tests
stellte
d
er zuständige Betriebsphysiotherapeut
der
A._
in sein
em Bericht vom
21. Juli 2012 fest, dass als arbeitsrelevante Probleme ein defor
mier
ter linker Fuss mit verminderter Beweglichkeit des ganzen linken Fusses sowie eine
verminderte kardiopulmonale Belastbarkeit beim Gehen und Trep
pen
steigen bestünden. Es liege eine mässige Symptomausweitung vor. Die bisherige Tätigkeit als Buschauffeur sei dem Beschwerdeführer ab 24. Mai 2012 ganztags und ohne zusätzliche Pausen zumutbar. Spezielle Einschränkungen bestünden keine, und Anpassungen am Arbeitsplatz seien nicht erforderlich (Urk. 8/52 S. 5).
4.3
Nachdem er den Beschwerdeführer am 16. Juli 2012 im Auftrag der Militärver
sicherung untersucht hatte, stellte der Rheumatologe und Internist Dr.
B._
in seinem Gutachten vom 20. Juli 2012 folgende Diagnosen (Urk. 8/51 S. 3):
Schwere Deformation des linken Fusses mit vollständiger Kontraktur im oberen und unteren Sprunggelenk sowie erhebliche Beinverkürzung bei
Status nach Motorradunfall 1983
anamnestisch Status nach Sprunggelenkprothese und weiteren Ein
griffen (keine Dokumentation und kein Röntgenbild vorliegend)
Adipositas (BMI 31)
Diabetes mellitus Typ 2
Die Beweglichkeit im oberen und unteren Fussgelenk sei
gänzlich
aufgehoben. Trotz unvollständiger Dokumentation erscheine nachvollziehbar, dass bei bereits geringer Belastung Schmerzen aufträten und die Steh- und Gehfähigkeit
stark eingeschränkt sei. Möglicherweise habe sich in den letzten Jahren auf
grund der chronischen Schmerzsituation eine gewisse Resignation entwickelt, welche subjektiv zu einer Verminderung der Leistungsfähigkeit geführt habe. Dass die EFL bei der – als sehr leicht eingestuften – aktuellen Tätigkeit als Buschauffeur keine Einschränkungen ergeben habe, sei indes nachvollziehbar. Bei Tätigkeit
en
, die nicht nur im Sitzen ausgeübt werden könnten, bedürfe der Beschwerdeführer vermehrter Pausen.
4.4
In seiner auf den Akten beruhenden
kreisärztlichen
Stellungnahme
vom 27. Aug
ust 2012 gelangte der Chirurg Dr.
C._
zum Schluss, dass der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als Buschauffeur seit 24. Mai 2012 zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 8/48 S. 2).
4.5
Nachdem die Militärversicherung dem Beschwerdeführer am
7. November 2012 die Einstellung der Taggeldleistungen per 30. November 2012 mitgeteilt hatte (Urk. 8/42), attestiert Dr.
Z._
diesem
am 6. November 2012 in der Tä
tigkeit als Buschauffeur weiterhin
eine lediglich 80%ige Arbeitsfähigkeit.
Es bestehe ein sehr hohes Risiko, dass bei vollzeitlicher Tätigkeit Schmerzen aufträten. Dies würde eine Behandlung mit Schmerzmitteln erforderlich machen, was ange
sichts der Tatsache, dass Buschauffeure während der Arbeit keine Analgetika einnehmen dürften,
(ebenfalls)
zu einer Arbeitsunfähigkeit führte. Sofern die
Militärversicherung weiterhin Zweifel an dieser Arbeitsfähigkeitsbeurteilung habe, sei eine kreisärztliche Untersuchung indiziert (Urk. 8/41).
4.6
Kreisarzt Dr.
C._
hielt
am 21. November 2012 fest, es bestehe kein Anlass, vom Ergebnis der EFL vom 2
3.
und 24. Mai 2012 abzuweichen. Eine
kreisärztli
che
Untersuchung
werde
an der nach wie vor gültigen
Zumutbarkeitsbeurtei
lung
nichts ändern, weshalb davon abgesehen werden könne (Urk. 8/40).
4.7
Am 17. Mai 2013 berichtete
Dr.
Z._
, der Beschwerdeführer habe zwischen
zeitlich versucht, zu 100 % zu arbeiten. Gemäss seinen Angaben sei
en
dabei aber zum Teil massive Bewegungs- und Belastungsbeschwerden im Bereich des linken Fusses, des linken OSG und des linken Unterschenkels aufgetreten. Das vom Beschwerdeführer geführte Schmerzprotokoll (Beilage zu Urk. 8/28) zeige eine Zunahme der Schmerzsymptomatik im Laufe des Tages mit einer Steige
rung der Werte auf der VAS-Skala
von 4 bis 5 morgens
zu 6 mittags bis
maxi
mal 8 am Abend. In Anbetracht dieser
klaren
Beschwer
desymptomatik sei sicherlich keine 100%ige Arbeitsfähigkeit mehr
anzunehmen, sondern von einer mindestens 20%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk. 8/28).
4.8
Am 18. Februar 2014 gab
Dr.
Z._
an, der Beschwerdeführer weise – bei Status nach komplexer Fussverletzung mit mikrovaskulärer Lappenplastik im Bereich der Ferse nach
Calcaneustrümmerfraktur
und zwischenzeitlich erfolgter oberer Sprunggelenkprothese – eine Lappenrandnekrose auf. Es sei daher aktuell drin
gend eine regelmässige Wundbehandlung indiziert, ansonsten es zu einer Oste
omyelitis des darunter liegenden
Calcaneus
kommen könne. Nachdem sich der Lokalbefund schon wieder deutlich gebessert habe, sei der Beschwerdeführer seit dem 17. Februar 2014 wieder arbeitsfähig (Urk. 8/14).
4.9
Nachdem am 11. Juni 2014 der angefochtene
Einspracheentscheid
(Urk. 2) ergan
gen war,
empfahl Dr.
Z._
der Militärversicherung, von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit „im Sinne einer Rente“ auszugehen. Aus seiner Sicht sei „mit
dieser z.B. 20%igen Rente eine
weitergehende Arbeitsfähigkeit des Patienten gesichert, ansonsten müsste in den nächsten Monaten eine 100%ige IV-Invali
dität angenommen werden.“ In den letzten zwei Jahren
sei es zu einer deutli
chen Verschlechterung der lokalen Fusssituation bei bleibender massiver Deformität gekommen. Eine Arbeitsfähigkeit könne seither nur noch unter Einsatz von Physiotherapie
und wiederholter
Podologie
sowie
einer regelmässi
gen Schmerzmitteleinnahme
aufrecht erhalten
werden (Urk. 8/5).
5.
5.1
Nach Lage der Akten steht fest und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer als Folge des
1983
im
WK erlittenen Motorradunfalls an linksseitigen
Fuss
beschwerden
leidet und deswegen dauerhaft in seinem Leistungsvermögen eingeschränkt ist. Die im
Zusammenhang mit der im
Januar 2014 (Urk.
8
/18) aufgetretene
n
Lappenrandnekrose
vorübergehend (vom 15. Januar bis 17. Februar 2014) bestandene Arbeitsunfähigkeit
ist vorliegend insofern irrele
vant, als die Militärversicherung
ihre Leistungspflicht
hiefür
anerkannt und
Taggelder erbracht
hat (vgl. Urk. 8/14, Urk. 8/12 S. 3).
5.2
Bei der Beurteilung der Au
swirkungen der
aus dem
U
nfall vom 15. Mai 1983 resultierenden Gesundheitsschädigung auf die
Arbeitsfähigkeit in der aktuell
en Tätigkeit als Buschauffeur
stützte
sich
die Militärversicherung
insbesondere auf den Bericht der
A._
vom 21
. Juli 2012 (Urk. 8/52)
.
D
arin gelangte d
er für die im Mai 2012 durchgeführte EFL zuständige
Betriebs
thera
peut
–
in Kenntnis der Akten und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden
–
zum Schluss, dass
de
r
Beschwerdeführer
angesichts des im Rahmen der diversen einschlägigen Tests gezeigten Leitu
ngsvermögens als
Bus
chauffeur
un
eingeschränkt arbeitsfähig sei. Generell seien ihm – im
Voll
zeit
pensum
- noch höchstens mittelschwere behinderungsangepasste Tätigkeiten zumutbar, wobei im Falle
längerdauernde
r
Bel
astungen des linken Fusses
ein erhöhter Pausenbedarf
bestehe
(Urk.
8
/52 S. 5).
Anlässlich der zweitä
g
igen Abklärung seien eine mässige Symptomausweitung und eine gewisse
Selbstli
mitie
rung
festgestellt worden (Urk. 8
/52 S. 5 und S.
7
)
.
5.3
Diese Einschätzung
der
A._
vermag angesichts der
aktenkundi
gen
objektivierbaren Befunde und der daraus resultierenden Leistungsdefizite durchaus zu überzeugen und wurde denn auch vom Rheumatologen und Inter
nisten Dr.
B._
(Gutachten vom 20. Juli 2012, Urk. 8/51 S. 3) und vom Chi
rurgen Dr.
C._
(kreisärztliche Stellungnahmen vom
27. August 2012 [Urk. 8/48 S. 2] und vom 21. November 2012 [Urk. 8/40]) bestätigt.
Auf die anderslautenden Beurteilungen des seit Jahren behandelnden Orthopädischen Chirurgen Dr.
Z._
kann insofern nicht abgestellt werden,
als
dieser die
von ihm
attestierte 20%ige Arbeitsunfähigkeit nicht etwa mit einer funktionellen Einschränkung des Leistungsvermögens, sondern mit der massiven Deformität des linken Fusses und mit Schmerzen beziehungsweise dem Risiko
von
Schmer
zen
bei vollzeitlicher Tätigkeit
begründete (
Urk. 8/5, Urk. 8/28,
Urk. 8/41
, Urk. 8/65
). Anzumerken ist
hiezu
, dass Schmerzen an sich noch keine Arbeits
unfähigkeit zu begründen vermögen.
5.
4
Da es sich bei der bisherigen Tätigkeit als Buschauffeur offensicht
l
ich um eine
optimal leidensangepasste, körperlich leichte Tätigkeit handelt und die damit
verbundenen physischen Belastungen dem Betriebsphysiotherapeuten der
A._
im Detail bekannt waren (vgl. Urk. 8/52 S. 8), erübrigte sich eine Arbeitsplatzabklärung (Urk. 1 S. 5 ff., Urk. 13 S. 3 f.). Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang
einerseits
darauf, dass der Beschwerdeführer seinen linken Fuss nach eigenen Angaben während des Fahrens überhaupt nicht ein
setzen muss
(Urk. 8/52 S. 2) und
dass
die – bei der EFL durchaus berücksichtig
ten – Reinigungsarbeiten
(Urk. 1
S. 8
), die
lediglich das
Wischen des Buses am Ende des Dienstes
beinhalten
(
Urk. 8/52 S. 8)
,
ihm
aufgrund der Ergebnisse
der EFL-Belastungstest
s
ohne Weiteres zu
mutbar sind
.
Andererseits ist zu bemerken, dass der Beschwerdeführer selbst im Rahmen des Gesprächs mit dem Case Manager vom 10. Juni 2013 die von ihm geltend gemachte 80%ige Arbeits
fähigkeit nicht etwa mit einem erhöhten Pausenbedarf wegen im Laufe der Schicht auftretender Beschwerden begründete, sondern mit dem Bedarf an einem
zusätzlichen
fr
eien Tag pro Woche zur Erholung
(Urk. 8/25)
, was in Anbetracht der geklagten Beschwerden schwer nachvollziehbar ist
.
Allerdings ist aus den Angaben sowohl des Beschwerdeführers selbst als auch seines Arbeitgebers (
Urk. 8/43,
Urk. 8/66 S. 1) zu schliessen, dass
ersterer die
von Dr.
Z._
attestierte
80%ige Restarbeitsfähigkeit
- nach vollzeitlicher Tätigkeit bis 31. Januar 2012 – schon ab 1. Februar 2012 im Sinne eines zusätzlichen freien Tags pro Woche und nicht etwa in Form vermehrter Pausen im Rahmen eines Vollzeitpensums umsetzte.
5.
5
Nach dem Gesagten ging die Militärversicherung zu Recht von einer (spätestens) ab 1. Dezemb
er 2012 bestehenden 100%igen Arbeitsfäh
igkeit in der bisherigen Tätigkeit als Buschauffeur aus. Die Einstellung der Taggeldleistungen per 30. November 2012 und die damit verbundene (implizite) Verneinung des Ren
ten
anspruchs ab 1. Dezember 2012
ist
demnach nicht zu beanstanden. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6.
Die Militärversicherung
hat
weder
die seit 23. Februar 2012 ergangenen Akten
stücke
noch
das dazu eingereichte
Aktenverzeichnis
mit Nummern versehen
(vgl. Urk. 8), was der Beschwerdeführer zu Recht bemängelt hat (Urk. 13 S. 2
).
Die Beschwerdegegnerin
hat
inskünftig sämtliche Akten
und das dazugehörige Aktenverzeichnis
chronologisch durchnummeriert einzureichen
(§ 21 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht)
, ansonsten sich das Gericht eine Rückweisung der Akten zur Nachholung des Versäum
te
n vorbehält
.