Decision ID: 62059806-9cfe-42c7-902a-fdbc4ea4fb48
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die D._ AG ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 001, Grundbuch A._, das mit dem
Wohnhaus Vers.-Nr. xx1 überbaut ist. Die westliche Gebäudefassade stösst direkt an
den Gehweg der als Kantonsstrasse klassierten E._strasse. Mit Gesuch vom 16. Juli
2020 beantragte die D._ AG beim Gemeinderat die Erteilung einer Baubewilligung für
die Sanierung der Fassade mit Ersatz der Fenster, den Anbau einer Balkonanlage
gegen Süden und den Ausbau des Dachgeschosses. Das Baugesuch lag vom 21. Juli
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bis 3. August 2020 öffentlich auf. Die Miteigentümer des benachbarten mit dem
angebauten Wohnhaus Vers.-Nr. xx2 überbauten Grundstücks Nr. 002 erhoben innert
dieser Frist Einsprache gegen das Bauvorhaben. Beide Gebäude sind Teil eines zu
erhaltenden Ortsbildes von nationaler Bedeutung. Nachdem das kantonale Amt für
Kultur am 13. Oktober 2020 zum Gesuch ablehnend Stellung genommen hatte, reichte
die D._ AG eine Projektänderung ein, welche den Verzicht auf die Balkone und auf
einzelne Dachflächenfenster vorsah. Das Amt für Kultur stellte am 4. Februar 2021 fest,
das Vorhaben beeinträchtige das Schutzobjekt nicht. B._ und C._ hielten am
22. Februar 2021 an ihrer Einsprache fest. Am 1. April 2021 erteilte das kantonale Amt
für Umwelt die lärmschutzrechtliche Zustimmung zur Bewilligung des Bauvorhabens.
B.
Der Gemeinderat der Politischen Gemeinde A._ beurteilte das Baugesuch am 22. Juni
2021. Er kam zum Schluss, die zum Gesuch eingereichten Unterlagen seien für die
Beurteilung genügend; insbesondere bedürfe es hierzu noch keines
Baustelleninstallationsplanes. Die kantonale Denkmalpflege habe das Vorhaben geprüft
und für bewilligungsfähig erachtet. Es halte zudem auch die Vorgaben der kommunalen
Schutzverordnung ein. Daher bewilligte der Gemeinderat das Gesuch unter der
Auflage, dass vor Baubeginn noch ein Baustelleninstallationsplan zur Genehmigung
eingereicht werde; die öffentlich-rechtliche Einsprache von B._ und C._ wies er ab.
Zur privatrechtlichen Einsprache hielt er fest, das Vorhaben halte die öffentlich-
rechtlichen Bauvorschriften ein und führe deshalb auch zu keinen privatrechtlich
unzulässigen Immissionen. Den Einwand der Einsprecher, das Überbaurecht – die
Dachuntersicht des Gebäudes auf dem Grundstück Nr. 001 ragt in den Luftraum des
Grundstücks Nr. 002 – sei auf den bestehenden Zustand hinsichtlich Volumen und
Nutzung beschränkt, verwies er auf den Zivilweg.
C.
B._ und C._ erhoben gegen den Beschluss des Gemeinderates der Politischen
Gemeinde A._ Rekurs beim Baudepartement (seit 1. Oktober 2021: Bau- und
Umweltdepartement, sGS 2021-066) mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der Gesamtentscheid des Gemeinderates einschliesslich aller
kantonalen und kommunalen Teilverfügungen und Genehmigungen aufzuheben und
das Baugesuch unter Gutheissung ihrer öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen
Einsprache abzuweisen. Das Bau- und Umweltdepartement hiess mit Entscheid vom
3. März 2022 den Rekurs "im Sinn der Erwägungen" gut, hob den Beschluss des
Gemeinderates vom 22. Juni 2021 auf und wies die Angelegenheit "im Sinn der
Erwägungen" an den Gemeinderat zurück. Die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens
von CHF 3'500 wurden – unter Verzicht auf deren Erhebung – der Politischen
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Gemeinde A._ auferlegt. Letztere wurde zudem verpflichtet, B._ und C._ für das
Rekursverfahren ausseramtlich mit CHF 3'380 zu entschädigen. – Zur Begründung
führte das Bau- und Umweltdepartement im Wesentlichen aus, zwar habe das
Baugesuch nicht die Zustimmung von B._ und C._ erfordert, jedoch hätte es die
Pflicht zur Verfahrenskoordination verlangt, mit dem Gesamtentscheid auch die
Bewilligung des kantonalen Tiefbauamtes für den gesteigerten Gemeingebrauch – auf
dem Gehweg der E._strasse, die als Kantonsstrasse klassiert ist, kommt das
Fassadengerüst zu stehen – zu eröffnen.
D.
Die Politische Gemeinde A._ (Beschwerdeführerin) hat gegen den Entscheid des Bau-
und Umweltdepartements (Vorinstanz) vom 3. März 2022 durch ihren Rechtsvertreter
mit Eingabe vom 16. März 2022 und Ergänzung vom 31. März 2022 beim
Verwaltungsgericht Beschwerde erhoben mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer sei der angefochtene Entscheid
aufzuheben und der Beschluss ihres Gemeinderates betreffend Bewilligung des
Baugesuchs der D._ AG (Beschwerdebeteiligte) und Abweisung der Einsprache von
B._ und C._ (Beschwerdegegner) zu bestätigen, eventualiter die Angelegenheit zur
neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 9. Mai 2022, die Beschwerde sei
abzuweisen. Die Beschwerdegegner liessen sich durch ihren Rechtsvertreter mit
Eingabe vom 1. Juni 2022 vernehmen und die Abweisung der Beschwerde, soweit auf
sie einzutreten sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer
(vgl. Ziff. II/6 der Beschwerdeantwort) beantragen. Die Beschwerdebeteiligte
verzichtete stillschweigend auf eine Vernehmlassung. Die Beschwerdeführerin nahm zu
den Vernehmlassungen der Vorinstanz und der Beschwerdegegner am 27. Juni 2022
Stellung. Die Beschwerdegegner äusserten sich dazu am 2. August 2022. Die übrigen
Verfahrensbeteiligten verzichteten stillschweigend auf weitere Eingaben.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin, der Vorinstanz und der
Beschwerdegegner zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht prüft die Sachurteilsvoraussetzungen von Amtes wegen (vgl.
Art. 64 in Verbindung mit Art. 6 Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege;
sGS 951.1, VRP). Es ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 VRP).
1.1.
bis
1.2.
Zu prüfen ist die Beschwerdeberechtigung der Beschwerdeführerin. Sie wurde von der
Vorinstanz verpflichtet, vor der Eröffnung des Gesamtentscheides die Unterlagen mit
der für die Realisierung des Bauvorhabens erforderlichen kantonalen Bewilligung des
gesteigerten Gemeingebrauchs zu vervollständigen und die obsiegende
Beschwerdegegnerin für das Rekursverfahren ausseramtlich zu entschädigen.
1.2.1.
Nach dem Verwaltungsverfahrensrecht des Kantons St. Gallen ist zur Erhebung der
Beschwerde befugt, wer an der Änderung oder Aufhebung einer Verfügung oder eines
Entscheides ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartun kann. Zur Wahrung
öffentlicher Interessen steht das Beschwerderecht auch der zuständigen Behörde einer
öffentlich-rechtlichen Körperschaft zu (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 VRP). Weil
nach Art. 111 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Bundesgericht
(Bundesgerichtsgesetz; SR 173.110) sich am Verfahren vor allen kantonalen
Vorinstanzen als Partei beteiligen können muss, wer zur öffentlich-rechtlichen
Beschwerde an das Bundesgericht berechtigt ist, muss sich die Auslegung und
Anwendung von Art. 45 VRP am Beschwerderecht, wie es sich aus Art. 89 Abs. 1 BGG
und – für Gemeinden – zusätzlich aus Art. 89 Abs. 2 Ingress und lit. c BGG ergibt,
ausrichten.
1.2.2.
Art. 45 Abs. 1 VRP ist in erster Linie auf Privatpersonen zugeschnitten (vgl. GVP 2002
Nr. 70). Für das Gemeinwesen gelten dieselben Regeln, wo es wie eine Privatperson
am Rechtsleben teilnimmt (vgl. GVP 2002 Nr. 70, Geisser/Zogg, in: Rizvi/Schindler/
Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, St. Gallen
2020, N 36 zu Art. 45 VRP). Auch wenn die Verpflichtung, Gegenparteien für das
Verfahren finanziell zu entschädigen, das Gemeinwesen gleichermassen wie Private in
1.2.3.
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ihren wirtschaftlichen Interessen treffen kann, lässt sich aus den finanziellen Folgen der
Verwaltungstätigkeit, welche das Gemeinwesen in seiner Stellung als hoheitlich
verfügende Behörde trifft, keine Beschwerdebefugnis ableiten. In solchen Fällen deckt
sich das finanzielle Interesse des Gemeinwesens mit der Frage der richtigen
Rechtsanwendung, was zur Legitimation auch dann nicht genügt, wenn der
angefochtene Entscheid Präzedenzwirkung für weitere Fälle mit erheblichen finanziellen
Auswirkungen hat (vgl. BGE 141 II 161 E. 2.3). Das Gemeinwesen ist deshalb nicht
beschwerdelegitimiert, wenn ihm in Rechtsmittelentscheiden gegen seine Verfügungen
Verfahrens- oder Parteikosten auferlegt werden (vgl. zur Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten an das Bundesgericht BGE 134 II 45 E. 2.2.2).
Allein weil die Beschwerdeführerin mit dem angefochtenen Entscheid verpflichtet
wurde, die Beschwerdegegner für das Rekursverfahren ausseramtlich mit CHF 3'380
zu entschädigen, ist sie deshalb nicht in eigenen schutzwürdigen Interessen im Sinn
von Art. 45 Abs. 1 VRP betroffen. Für die Beurteilung, ob die Prozessvoraussetzungen
erfüllt sind, ist die von der Beschwerdeführerin aufgeworfene Frage (vgl. Ziffer I/6 der
Beschwerdeergänzung), ob im Streit über einen Verfahrensfehler das Gemeinwesen,
das bei Unterliegen zur Leistung einer ausseramtlichen Entschädigung verpflichtet
werden könne, bei Obsiegen Anspruch auf die Entschädigung ausseramtlicher Kosten
haben müsste, nicht von Belang.
In eigenen schutzwürdigen Interessen im Sinn von Art. 45 Abs. 1 VRP ist das
Gemeinwesen sodann betroffen, wenn der Entscheid in seinen Autonomiebereich
eingreift. Dieses Verständnis von Art. 45 Abs. 1 VRP entspricht Art. 89 Abs. 2 Ingress
und lit. c BGG, wonach Gemeinden und andere öffentlich-rechtliche Körperschaften
zur Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten berechtigt sind, wenn sie die
Verletzung von Garantien rügen, die ihnen die Kantons- oder Bundesverfassung
gewährt. Die Beschwerdeführerin macht – zu Recht – nicht geltend, der angefochtene
Entscheid verletze sie in der ihr in Art. 89 Abs. 1 der Verfassung des Kantons St. Gallen
(sGS 111.1, KV) garantierten und in diesem Umfang nach Art. 50 Abs. 1 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
gewährleisteten Gemeindeautonomie.
1.2.4.
Die Beschwerdeführerin ist der Auffassung, das Beschwerderecht stehe ihr zur
Wahrung öffentlicher Interessen zu. Der angefochtene Entscheid habe die von ihr
erteilte Baubewilligung aufgehoben, weil sie nicht mit der kantonalen Bewilligung des
1.2.5.
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gesteigerten Gemeingebrauchs für das Aufstellen des Fassadengerüsts koordiniert
worden sei. Der Entscheid greife stark in ihren Beurteilungsspielraum ein und gebe die
bisherige Praxis, wonach der gesteigerte Gemeingebrauch auch nachträglich bewilligt
werden könne, zugunsten einer äusserst formalistischen Praxis, welche die Abwicklung
von Baugesuchen auch in zahlreichen anderen Fällen massiv verkompliziere, auf (vgl.
Ziffer I/2 und I/7 der Beschwerdeergänzung). – Die Beschwerdegegner bringen
demgegenüber vor, es gehe diesbezüglich nicht um die Wahrung öffentlicher
Interessen. Auf die Beschwerde sei deshalb mangels Beschwerdebefugnis der
Beschwerdeführerin nicht einzutreten.
Nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 2 VRP steht das Rekursrecht der
zuständigen Behörde einer öffentlich-rechtlichen Anstalt auch zur Wahrung öffentlicher
Interessen zu. Umfang und Inhalt der vom Gemeinwesen zu wahrenden öffentlichen
Interessen bestimmen sich nach der durch das kantonale Recht geregelten
Zuständigkeitsordnung (vgl. VerwGE B 2008/10 vom 17. Juni 2008 E. 1 mit Hinweis auf
Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 450 ff.; GVP 1992 Nr. 43 mit Hinweisen). Über Baugesuch und Einsprachen
entscheidet die Baubehörde der politischen Gemeinde, soweit Gesetz oder Verordnung
nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 135 des Planungs- und Baugesetzes; sGS 731.1,
PBG). Soweit die Bewilligung einer Baute oder einer Anlage die Mitwirkung von Stellen
des Kantons erfordert, koordiniert die federführende kantonale Stelle Verfahren und
Verfügungen (vgl. Art. 132 Abs. 1 Ingress und lit. a PBG). Art. 133 PBG umschreibt die
Aufgaben der politischen Gemeinde in diesen koordinierten Verfahren. Sie entscheidet
im eigenen Zuständigkeitsbereich und eröffnet die Verfügung als Gesamtentscheid
(Art. 133 Ingress und lit. f PBG).
Unbestritten ist, dass die Beschwerdebeteiligte ihr Bauvorhaben nur realisieren kann,
wenn das kantonale Tiefbauamt die Errichtung eines für die Sanierung der westlichen
Fassade erforderlichen Gerüsts oder einer anderen, für die Ausführung der Arbeiten
erforderlichen Installation auf einer zur Kantonsstrasse gehörenden Fläche bewilligt
(vgl. Art. 21 Abs. 1 Ingress und lit. d und Art. 22 des Strassengesetzes, sGS 732.1,
StrG; Art. 1 der Strassenverordnung, sGS 732.11, StrV). Vorliegend dreht sich der Streit
nicht um die Frage, ob das Vorhaben unter bau- und planungsrechtlichen
Gesichtspunkten bewilligungsfähig ist und insbesondere auch – noch – nicht um die
Frage, ob die strassenrechtliche Bewilligung erteilt werden muss. Umstritten ist einzig,
ob die Pflicht zur Verfahrenskoordination vorliegend verlangt, dass die Politische
Gemeinde in Anwendung von Art. 133 Ingress und lit. f PBG einen Gesamtentscheid
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unter Einbezug der kantonalen Bewilligung des gesteigerten Gemeingebrauchs des
öffentlichen Grundes zu eröffnen hat. Anders als die Beurteilung des Baugesuchs im
eigenen Zuständigkeitsbereich fällt die Beurteilung der Frage, ob vorliegend die Regeln
über die Verfahrenskoordination zu beachten sind, weil die Bewilligung eines
Bauvorhabens die Mitwirkung einer kantonalen Stelle im Sinn von Art. 132 Abs. 1
Ingress und lit. a PBG verlangt, nicht (mehr) in die (alleinige) Zuständigkeit der
Politischen Gemeinde.
Das Gemeinwesen ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 89 Abs. 1
BGG zur Erhebung der Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten befugt,
wenn es durch einen angefochtenen Entscheid in spezifischer, schutzwürdiger Weise in
der Wahrnehmung einer hoheitlichen Aufgabe betroffen wird, namentlich wenn einem
Entscheid präjudizielle Bedeutung für die öffentliche Aufgabenerfüllung zukommt. Die
Beschwerdebefugnis zur Durchsetzung hoheitlicher Anliegen setzt eine erhebliche
Betroffenheit in wichtigen öffentlichen Interessen voraus. Das allgemeine Interesse an
der richtigen Rechtsanwendung begründet keine Beschwerdebefugnis im Sinn von
Art. 89 Abs. 1 BGG. Soweit Gemeinwesen nicht die Verletzung verfassungsmässiger
Garantien rügen und sich auf Art. 89 Abs. 2 Ingress und lit. c BGG stützen können, sind
sie nur restriktiv zur Beschwerdeführung zuzulassen. Dies gilt insbesondere für die im
Rechtsmittelverfahren unterlegene Vorinstanz (vgl. BGer 2C_226/2021 vom 24. August
2021 E. 2.2 und 2.3 mit Hinweis auf BGE 141 II 161 E. 2.1).
Die Beschwerdeführerin ist vorliegend nicht in der Wahrnehmung einer hoheitlichen
Aufgabe betroffen, zumal sie zur Beurteilung des Gesuchs um Bewilligung des
gesteigerten Gemeingebrauchs von Flächen, die der kantonalen Strassenhoheit
unterliegen, nicht zuständig ist. Die von ihr beanspruchte Wahrung ihres
"Beurteilungsspielraums" (vgl. Ziff. I/2 der Beschwerdeergänzung) stellt im Übrigen kein
öffentliches Interesse dar. Das Vermeiden einer "äusserst formalistischen Praxis" (vgl.
Ziff. I/7 der Beschwerdeergänzung) kann als öffentliches Interesse aufgefasst werden,
dem allerdings jenes – vom Grundsatz der Verfahrenskoordination geschützte – der
Vermeidung widersprüchlicher Ergebnisse in Teilbereichen entgegensteht. Mithin ist
davon auszugehen, dass sich die Beschwerdeführerin im Verfahren der öffentlich-
rechtlichen Beschwerde zur Begründung ihrer Beschwerdeberechtigung nicht mit
Erfolg auf Art. 89 Abs. 1 BGG zu berufen vermöchte.
1.2.6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass auf die Beschwerde mangels
1.3.
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2.
Die Vorinstanz begründet den Koordinationsbedarf damit, die Bewilligung des
vorübergehenden gesteigerten Gemeingebrauchs des öffentlichen Grundes sei gleich
zu behandeln wie die Erteilung einer zusätzlich nötigen Konzession (vgl. Entscheid des
Baudepartements Nr. 106/2020 vom 4. November 2020, E. 4.4; publiziert auf https://
publikationen.sg.ch). Ob sich dieser Vergleich sachlich halten lässt, ist fraglich. Bedarf
ein Bauvorhaben für die damit verbundene Sondernutzung des öffentlichen Grundes
einer Konzession, ist diese Nutzung regelmässig dauerhafter Teil des Bauvorhabens
und nicht bloss eine vorübergehende Voraussetzung für dessen Realisierung (vgl.
beispielsweise BGE 126 II 522: Baukonzessionen im Zusammenhang mit dem Ausbau
des Flughafens Zürich-Kloten, 131 II 420: Bau und Betrieb der Glatttalbahn, BGer 2P.
121/2006: Zufahrt für die Anlieferung von Gütern, 2C_900/2011 vom 2. Juni 2012:
Inanspruchnahme des öffentlichen Gewässerareals durch ein Gebäude, 2C_729/2013
vom 3. April 2014: Bootssteg an der Verlandung eines Sees).
Ein Gesuch um Bewilligung des für die Realisierung des Bauvorhabens vorübergehend
erforderlichen gesteigerten Gemeingebrauchs des öffentlichen Grundes kann im
Zeitpunkt der Erteilung der Baubewilligung in der Regel nicht abschliessend geprüft
werden, weil Beginn und Zeitraum der Beanspruchung des öffentlichen Grundes noch
nicht feststehen und die Gutheissung auch von Umständen abhängt, die nicht allzeit in
gleicher Weise erfüllt sind. Sinnvoll ist die koordinierte Beurteilung, wenn die
anbegehrte Bewilligung offenkundig nicht erteilt werden kann; in allen anderen Fällen
wird es in der Regel mit der Feststellung sein Bewenden haben müssen, dass die
Bewilligung grundsätzlich erteilt werden kann, aber die abschliessende Prüfung für den
konkreten Zeitraum vorbehalten bleiben muss.
Ob die vorinstanzliche Auffassung rechtlich haltbar ist, ist schliesslich insbesondere
dann fraglich, wenn die Bewilligung des gesteigerten Gemeingebrauchs in die
kommunale Zuständigkeit fällt, zumal die Pflicht zur Verfahrenskoordination gemäss
Beschwerdeberechtigung der Beschwerdeführerin nicht eingetreten werden kann. Dass
die bauwillige Beschwerdebeteiligte sich nicht gegen den Rückweisungsentscheid
gewandt hat, ist für die Beurteilung nicht von Bedeutung, zumal nicht ersichtlich ist,
dass die Baugesuchstellerin an ihrem Vorhaben nicht mehr festhielte (vgl. VerwGE B
2021/6 vom 23. November 2021 E. 1.2.3). Inwieweit die von der Beschwerdeführerin
beanstandete Rechtsprechung zur Verfahrenskoordination in der Sache richtig und
sinnvoll ist, ist nicht zu prüfen. Das Verfahren gibt allerdings Anlass für einige
Anmerkungen.
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Art. 132 Abs. 1 Ingress und lit. a PBG voraussetzt, dass die Bewilligung eines
Bauvorhabens die Mitwirkung kantonaler Stellen erfordert.
3.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens – das Nichteintreten auf die Beschwerde mangels
Rechtsmittelberechtigung hat die Beschwerdeführerin zu vertreten und kommt einem
Unterliegen gleich – sind die amtlichen Kosten der Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 ist angemessen (Art. 7
Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Im Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht besteht Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten; die ausseramtliche Entschädigung wird den am Verfahren
Beteiligten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).
Die Beschwerdeführerin unterliegt. Die Beschwerdebeteiligte hat sich im Verfahren
nicht geäussert. Die Beschwerdegegner haben den Antrag, die Beschwerde sei
abzuweisen, soweit auf sie einzutreten sei, unter Entschädigungsfolge gestellt. Der
Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Ein pauschales Honorar von
CHF 2'000 zuzüglich Barauslagen von CHF 80 (vier Prozent von CHF 2'000) erscheint
angemessen (Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, Art. 28 der Honorarordnung,
sGS 963.75, HonO). Hinzu kommt die Mehrwertsteuer von CHF 160.15 (7.7 Prozent
von CHF 2'080; vgl. Art. 29 HonO). Entschädigungspflichtig ist die unterliegende
Beschwerdeführerin (Art. 98 VRP).