Decision ID: 0024224b-f8e2-5027-8643-27b586ed0a10
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), meldete sich am 27. Dezember 2012 bei der
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 1).
A.a.
Der Versicherte hatte am 6. Mai 2012 einen Verkehrsunfall erlitten (Unfallmeldung
UVG, FA, act. 2-2; vgl. auch FA act. 2-15 ff.), war vom 18. bis 26. Juni 2012 stationär in
der psychiatrischen Klinik B._ behandelt (Austrittsbericht vom 12. Juli 2012, IV-
act. 135-12 ff.) und wegen Beschwerden seitens der Halswirbelsäule und des linken
Ellbogens abgeklärt worden (MRT HWS vom 2. Juli 2012, FA, act. 2-45;
Konsiliarbericht Dr. med. C._, Neurologie FMH, vom 9. September 2012, IV-
act. 2-46 ff.). Am 12. Dezember 2012 war er erneut stationär in die psychiatrische Klinik
B._ eingetreten (Austrittsbericht vom 7. März 2014, IV-act. 54-1 ff.).
A.b.
Die IV-Stelle beschied dem Versicherten mit Mitteilung vom 6. Februar 2013,
aufgrund des Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich (IV-act. 10).
A.c.
In der Folge wurde der Versicherte im Auftrag des Unfallversicherers durch die
MEDAS Ostschweiz polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 22. Oktober 2013, FA,
act. 5-3 bis 47; Dr. med. D._, Orthopädie; Dr. med. E._, Psychiatrie; Dr. med. F._
und med. pract. G._, Neurologie). Die Gutachter diagnostizierten als die
Arbeitsfähigkeit einschränkend einen Status nach HWS Beschleunigungsverletzung bei
PW-Unfall am 6. Mai 2012, ein cervicovertebrales Schmerzsyndrom bei endgradiger
A.d.
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Bewegungseinschränkung der HWS und deutlichen degenerativen Veränderungen und
Zeichen einer polysegmentalen Discopathie sowie eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und emotional instabilen Anteilen (FA,
act. 5-35, 41) und kamen zum Schluss, in leichten bis mittelschweren Tätigkeiten
bestehe keine Einschränkung der beruflichen Leistungsfähigkeit. Der Versicherte sei
vollschichtig einsetzbar (FA, act. 5-39).
Mit Vorbescheid vom 27. November 2013 gewährte die IV-Stelle dem Versicherten
das rechtliche Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Leistungsbegehrens
hinsichtlich beruflicher Massnahmen und Rentenanspruch (IV-act. 46). Hiergegen erhob
der Versicherte am 15. Januar 2014 Einwand und machte geltend, auf das MEDAS-
Gutachten vom 22. Oktober 2013 könne nicht abgestellt werden, da es auf einer
unvollständigen Aktenlage beruhe (IV-act. 49).
A.e.
Dr. med. H._, FMH Kardiologie, berichtete am 3. März 2014, der Versicherte
leide an einer valvulären Herzkrankheit (IV-act. 58). Im Arztbericht vom 18. Juli 2014
hielt er fest, ohne Aortenklappenersatz bestehe wahrscheinlich nur eine 50%ige
Leistungsfähigkeit (IV-act. 58) und im Bericht vom 11. Februar 2015 führte er aus, der
Befund sei seit Februar 2014 stabil (IV-act. 98).
A.f.
Ab dem 9. August 2014 war der Versicherte in wöchentlicher ambulanter
psychiatrischer Behandlung bei med. pract. I._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, der ihn bereits am 27. November und am 10. Dezember 2013 gesehen
hatte und ab Behandlungsbeginn eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte (Bericht
vom 30. Juli 2014, IV-act. 84; Arztbericht vom 19. Februar 2015, IV-act. 95;
Verlaufsbericht vom 10. März 2016, IV-act. 119).
A.g.
Am 14. September 2015 begann der Versicherte ein bis zum 23. Dezember 2015
dauerndes Einsatzprogramm bei der J._, wobei seine Leistungsfähigkeit aus
gesundheitlichen Gründen mit 20 % bewertet wurde (Bericht 25. November 2015, FA
act. 6).
A.h.
Ein kardiologisches Konsil in der Klinik für Kardiologie des Kantonsspitals
St. Gallen (KSSG) ergab, dass der Versicherte aus kardiologischer Sicht für leichte
A.i.
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körperliche Arbeiten zu 100 % einsatzfähig sei (Bericht vom 10. März 2016, IV-
act. 108).
Der Versicherte war ab 15. Juni 2016 in ambulanter psychiatrischer Therapie bei
Dr. med. L._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH (Bericht vom 23. August 2016, IV-
act. 125) und vom 4. bis 29. Juli 2016 in integrativer tagesklinischer Behandlung in der
Klinik K._ Bericht vom 27. Juli 2016, IV-act. 130). Hierauf folgten vom 7. bis
31. Dezember 2016 und vom 10. Januar bis 24. Februar 2017 stationäre Aufenthalte im
psychiatrischen Zentrum M._ (Bericht vom 18. Januar 2017, IV-act. 135-5 ff.;
Austrittsbericht vom 20. März 2017, IV-act. 142-2 ff.). Vom 24. April bis 19. Mai 2017
unterzog sich der Versicherte erneut einer integrativen tagesklinischen Behandlung an
der Klinik K._ (Bericht vom 22. Mai 2017, IV-act. 151-2 f.).
A.j.
Im Auftrag der IV-Stelle wurde der Versicherte durch die N._ AG polydisziplinär
begutachtet (Gutachten vom 16. April 2018, Dr. med. O._, Allgemeine Innere Medizin;
Dipl.-Psych. P._, Neuropsychologie; Dr. med. Q._, Kardiologie; Dr. med. R._,
Orthopädie; Dr. med. F._ und med. pract. S._, Neurologie; Dr. med. T._,
Psychiatrie; Untersuchungen vom 18. Januar 2018, 27. März 2018; IV-act. 168-1 bis
69). Die Gutachter diagnostizierten als Erkrankungen mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit ein Aneurysma der Aorta thoracalis ascendens, ein
chronisches cervico-vertebrales Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen
ossärer und discogener Art nach HWS-Distorsionstrauma am 6. Mai 2012, sowie eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung (unreif, instabil, impulsiv, ICD-10: F61.0). Ohne
wesentliche Einschränkungen auf die Arbeitsfähigkeit blieben die unter anderem
erhobene anamnestisch leichtgradige sensible Neuropathie des N. ulnaris links sowie
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4; IV-
act. 168-55). Für körperlich schwere Tätigkeiten bestehe seit Diagnosestellung des
Aortenaneurysmas im Juli 2014 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. In jeder körperlich
zumutbaren - im Wesentlichen wechselbelastenden, leichten - Tätigkeit sei der
Versicherte zu 80 % arbeitsfähig (IV-act. 168-56 f.).
A.k.
RAD-Arzt U._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nahm am 25. Mai
2018 Stellung. Er befand, die gutachterlichen Arbeitsfähigkeitseinschätzungen könnten
übernommen werden. Die 80%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe ab dem Zeitpunkt der
A.l.
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B.
psychiatrischen Begutachtung (18. Januar 2018). Retrospektiv könne auf die
Einschätzung im Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom Oktober 2013 abgestellt
werden (IV-act. 170).
Die IV-Stelle wies mit Mitteilung vom 16. August 2018 das Begehren um
berufliche Massnahmen ab, da der Versicherte die Rentenprüfung wünsche (IV-
act. 173) und gewährte ihm mit Vorbescheid vom 12. September 2018 das rechtliche
Gehör zur vorgesehenen Abweisung des Rentengesuchs (IV-act. 179). Hiergegen erhob
der Versicherte am 18. September 2018 vorsorglich (IV-act. 180) und am 18. Oktober
2018 begründet und gestützt auf einen MRI-Befund der Wirbelsäule vom
12. September 2018 (IV-act. 183-6 f.) Einwand (IV-act. 183-1 ff.).
A.m.
Die IV-Stelle holte eine Stellungnahme von RAD-Arzt U._ ein (vom 9. November
2018, IV-act. 184) ein und wies das Leistungsbegehren gestützt auf das Gutachten
vom 17. April 2018 und die RAD-Stellungnahme aufgrund eines Invaliditätsgrades von
20 % ab (IV-act. 185).
A.n.
Mit Beschwerde vom 13. Dezember 2018 beantragt A._, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. iur. W. Keller, die Verfügung vom 12. November 2018 sei unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen
Leistungen aus IVG auszurichten. Weiter sei ihm die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren. Er macht im Wesentlichen geltend, die orthopädische Begutachtung stütze
sich auf einen veralteten MRI-Befund und berücksichtige die inzwischen massive
Zunahme der degenerativen Veränderungen nicht. Im psychiatrischen Teilgutachten
werde nicht ausreichend begründet, dass keine bipolare Störung und keine
posttraumatische Belastungsstörung vorliegen würden. Zur retrospektiven Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit nehme das Gutachten nicht Stellung. Die Annahme einer
durchgehenden 80%igen Arbeitsfähigkeit seit Berufseintritt (1979) in adaptierten
Tätigkeiten widerspreche der Beurteilung der behandelnden Ärzte (act. g 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 11. Februar 2019 beantragt die
Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Der RAD habe die MRI-
Berichte gewürdigt. Der Beschwerdeführer lege keine aus dieser Bildgebung
B.b.
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Erwägungen
1.
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20). Nicht
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist der Anspruch auf berufliche
Massnahmen. Diesen hat die Beschwerdegegnerin mit inzwischen rechtskräftiger
Mitteilung vom 16. August 2018 abgewiesen, da der Beschwerdeführer die
Rentenprüfung gewünscht habe (IV-act. 173). Für die Prüfung eines Rentenanspruches
sind die nachfolgend aufgeführten Grundlagen massgeblich.
resultierende medizinische Einschätzung der Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit vor,
welche den fundierten Ausführungen des RAD widerspreche. Der Gutachter habe sich
vertieft mit den Diagnosen der Behandler auseinandergesetzt. Der Beschwerdeführer
verfüge über erhebliche Ressourcen. Auch weil eine Arbeitsunfähigkeit bereits bei
Einreise vorhanden gewesen sei, bestehe kein Anspruch auf Leistungen der IV
(act. G 7).
Die Abteilungspräsidentin bewilligt am 12. Februar 2019 die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und unentgeltliche
Rechtsverbeiständung; act. G 8).
B.c.
Mit Replik vom 28. Mai 2019 macht der Beschwerdeführer geltend, auch der RAD
habe die MRI-Befunde vom 12. September 2018 nicht einlässlich fachmedizinisch
gewürdigt und wäre gehalten gewesen, diese dem orthopädischen Gutachter
vorzulegen. Auf die RAD-Stellungnahme könne nicht abgestellt werden. Bezüglich der
Diagnose der bipolaren Störung bestünden Widersprüche und offene Fragen, welche
das Gutachten nicht ausräume. In der Tagesklinik K._ sei ihm ab Austritt am 19. Mai
2017 in adaptierter Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 30 % bis 50 % attestiert worden.
In Anbetracht dessen sei die gutachterliche Einschätzung einer durchgehenden
80%igen Arbeitsfähigkeit nicht haltbar (act. G 16).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet stillschweigend auf eine Duplik (act. G 18).B.e.
Das Gericht zieht einen aktuellen Auszug aus dem individuellen Konto des
Beschwerdeführers bei (act. G 19 ff.).
B.f.
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2.
Nach den allgemeinen versicherungsmässigen Voraussetzungen (Art. 4 ff. IVG)
sind ausländische Staatsangehörige, vorbehältlich Art. 9 Abs. 3 IVG, nur
anspruchsberechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG; SR
830.1) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während
mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während
zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben (Art. 6 Abs. 2 Satz 1 IVG).
2.1.
Die besonderen Voraussetzungen des Anspruchs auf eine ordentliche Rente
setzen unter anderem voraus, dass die versicherte Person bei Eintritt der Invalidität
während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet hat (vgl. Art. 36 Abs. 1 IVG). Falls
die Mindestbeitragsdauer mit schweizerischen Versicherungszeiten nicht erfüllt ist,
müssen bei Schweizern und Angehörigen von EU/EFTA-Staaten Beitragszeiten
mitberücksichtigt werden, die in einem EU/EFTA-Staat zurückgelegt wurden. Ist die
Mindestbeitragsdauer zwar unter Anrechnung von Versicherungszeiten in der EU/EFTA
erfüllt, beträgt aber die Beitragszeit in der Schweiz weniger als ein Jahr, so besteht kein
Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Juli
2020, 8C_237/2020, E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
2.2.
Gemäss Art. 4 Abs. 2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die
Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere
erreicht hat (leistungsspezifischer Begriff der Invalidität, Urteil des Bundesgerichts vom
5. Juni 2012, 9C_108/2012, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). Im Falle einer Rente gilt
die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) und Art. 4 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 28 ff. IVG entsteht, das heisst
frühestens, wenn die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % bleibend oder für längere Zeit
erwerbsunfähig (Art. 7 und 8 ATSG) ist (Urteil des Bundesgerichts vom 23. Juli 2020,
8C_237/2020, E. 5.2 mit weiteren Hinweisen).
2.3.
Ist eine Person ausländischer Staatsangehörigkeit bei erstmaliger Einreise in die
Schweiz bereits zu mindestens 40 % invalid, ist der Versicherungsfall Rente
eingetreten, bevor diese die Anspruchsvoraussetzungen der Leistung von Beiträgen
während mindestens eines vollen Jahres nach Art. 6 Abs. 2 IVG erfüllen konnte (Urteil
des Bundesgerichts vom 23. Juli 2020, 8C_237/2020, E. 6.1).
2.4.
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3.
Die Prüfung, ob im vorliegenden Fall die allgemeinen versicherungsmässigen
Voraussetzungen sowie die besonderen Voraussetzungen für eine ordentliche Rente
erfüllt sind, kann jedoch, wie die nachfolgenden Erwägungen ergeben werden,
offenbleiben. Deshalb braucht dem Beschwerdeführer auch der beigezogene Auszug
aus seinem individuellen Konto nicht noch nachträglich eröffnet zu werden.
2.5.
Art. 8 Abs. 1 ATSG umschreibt Invalidität als voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem
in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
3.1.
Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
3.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind
3.3.
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4.
Zunächst ist zu prüfen, ob die Akten eine zuverlässige Beurteilung des medizinischen
Sachverhalts zulassen. Zu prüfen ist insbesondere die Beweistauglichkeit der beiden
vorliegenden Gutachten, auf welche sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer
Hinsicht im Wesentlichen abstützt. Der Beschwerdeführer macht mehrere Mängel
geltend. Auf die einzelnen Vorbringen wird im Folgenden soweit erforderlich
eingegangen.
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1). Im Sinne einer Richtlinie
ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; BGE 125 V 353 E. 3b/bb).
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 158 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
360 E. 5b; BGE 125 V 195 E. 2, je mit Hinweisen).
3.4.
4.1.
Der Beschwerdeführer schilderte an somatischen Beschwerden, kurz nach dem
Unfall sei es zu ausgeprägten Nacken- und Kopfschmerzen gekommen. Diese hätten
persistiert. Er könne den Kopf nur noch eingeschränkt bewegen, da es sonst zu
starken Schmerzen komme. Zudem seien Gefühlsstörungen vom Ellbogen links
abwärts bis zur Hand aufgetreten. Die Schmerzen seien nach mehreren Infiltrationen im
Jahr 2013 in den letzten Jahren gleich geblieben. Die Beweglichkeit des Kopfes sei
4.1.1.
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eingeschränkt, der linke Arm "schlafe ein", das Gefühl und die grobe Kraft seien
vermindert (IV-act. 168-37 f., 47).
Im Rahmen der Vorbegutachtung durch die Medas Ostschweiz wurde am
29. August 2013 ein MRI der HWS angefertigt, welches unter anderem mögliche
Kompressionen der Nervenwurzeln C4 und C6 links und C5 und C7 rechts, eine
Altlantodentalgelenksarthrose oder -arthritis sowie diskrete Uncovertebral- und
Facettengelenksarthrosen zeigte (Fremdakten, act. 5-13).
4.1.2.
Dem Gutachten der N._ AG vom 16. April 2018 liegt dieser MRI-Befund
zugrunde (IV-act. 168-41). Im Rahmen der Begutachtung wurden sodann
konventionelle Röntgenbilder angefertigt auf welchen eine moderate Osteochondrose
HWK 4 bis 7, eine leichte Osteochondrose HWK 3/4 mit leichter Retrolisthesis, eine
leichte Uncovertebralarthrose HWK 3/4 und eine diskrete Retrospondylose HWK 5/6 zu
erkennen waren (IV-act. 168-26). Klinisch stellte der orthopädische Gutachter - wie die
orthopädische Vorgutachterin (vgl. Fremdakten, act. 5-12) - eine schmerzhaft
eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule fest mit gegenüber der
Vorbegutachtung um rund 10° verminderter Rotation nach rechts und Neigung nach
links (IV-act. 168-39). Sowohl im orthopädischen Status vom 21. August 2013
(Fremdakten, act. 5-12 f.) als auch in demjenigen vom 18. Januar 2018 (IV-
act. 168-38 ff.) wurde ein Druck- und Klopfschmerz über den Dornfortsätzen und eine
Druckdolenz der Trapeziusmuskulatur erhoben. Schulter, Ellbogen, Hand- und
Fingergelenke waren bei der Erstbegutachtung frei beweglich (FA, act. 5-12). Bei der
aktuellen Begutachtung gab der Beschwerdeführer bei der Palpitation beider
Epicondylen, des Olecranons sowie des Sulcus nervi ulnari Schmerzen an (IV-
act. 168-39). Der neurologische Vorgutachter hatte ausgeführt, für bildgebend (früherer
MRI-Befund vom 2. Juli 2012, vgl. Fremdakten, act. 2-45) beschriebene Irritationen der
Nervenwurzeln C5 und C6 links finde sich klinisch kein Korrelat. Elektrophysiologisch
fänden sich aktuell auch keine Hinweise auf eine Radikulopathie C8 links (FA,
act. 5-27). Die neurologischen Gutachter der N._ AG hielten im Wesentlichen fest, die
Diagnose einer mutmasslich posttraumatischen, leichtgradigen, sensiblen
Ulnarisneuropathie habe elektrophysiologisch nicht objektiviert werden können, was
einen schwerwiegenden Nervenschaden ausschliesse. Zwischenzeitlich sei es hier zu
einer Symptomausweitung ohne organisches Korrelat gekommen. Die angegebenen
Nackenschmerzen mit Ausstrahlung in den Kopfbereich könnten als Folge des beim
Unfall erlittenen HWS-Distorsionstraumas betrachtet werden (IV-act. 168-48). Die
orthopädische und neurologische Diagnostik entsprach im Wesentlichen derjenigen
des Vorgutachtens (IV-act. 168-42, 49), und es wurde dem Beschwerdeführer aus
4.1.3.
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orthopädischer und neurologischer Sicht für angepasste Tätigkeiten wiederum eine
volle Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-act. 168-43, 49). Aus orthopädischer und
neurologischer Sicht diagnostizierten die Gutachter ein chronisches cervico-vertebrales
Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen ossärer und discogener Art nach
HWS-Distorsionstrauma am 6. Mai 2012 (IV-act. 168-42) bzw. ein HWS-
Distorsionstrauma bei Verkehrsunfall am 6. Mai 2012 ohne neurologische Symptomatik
oder Pathologie (IV-act. 168-48 f.). Weiter erhoben der orthopädische Gutachter den
Verdacht auf eine beginnende Coxarthrose links (IV-act. 168-42) und die
neurologischen Gutachter anamnestisch eine leichtgradige sensible Neuropathie des
N. ulnaris links ohne Nachweis eines elektroneurographischen Korrelats oder einer
Funktionsstörung (IV-act. 168-68). Die Gutachter nehmen ausdrücklich auf das Vor
gutachten Bezug (Fremdakten, act. 5-35): Aus orthopädische Sicht sei eine
leichtgradige Verschlechterung der objektiven Befunde festzustellen (IV-act. 168-42),
während die neurologische Einschätzung im Wesentlichen unverändert zur
neurologischen Begutachtung im Oktober 2013 sei (IV-act. 168-48). Dies erscheint
plausibel, denn der Beschwerdeführer berichtete nicht über eine Zunahme der
Beschwerden seit der Vorbegutachtung, und zwischen den Begutachtungen sind keine
orthopädischen oder neurologischen Abklärungen oder Behandlungen aktenkundig,
und aufgrund des Resultats der MRI-Untersuchung wurde keine Änderung der
Therapie veranlasst. Wie bereits im Vorgutachten (Fremdakten, act. 5-29, 39),
attestierten die N._-Gutachter aus orthopädischer und neurologischer Sicht in
angepassten Tätigkeiten eine volle Arbeitsfähigkeit (IV-act. 168-43, 49).
Nach Erstattung des der angefochtenen Verfügung zugrundeliegenden
Gutachtens der N._ AG vom 16. April 2018 wurde am 12. September 2018 erneut
eine MRI-Untersuchung der Wirbelsäule durchgeführt. Diese zeigte im Gegensatz zur
Voruntersuchung vom 29. August 2013 nachweisbare und nicht bloss mögliche
Kompressionen bzw. Irritationen der Nervenwurzeln C6 und C7 links, eine vom
orthopädischen Gutachter nicht (mehr) als vorhanden betrachtete Ödemzone und eine
aktivierte Osteochondrose HWK 6/7 (vgl. IV-act. 183-6 f.).
4.1.4.
Massgebend sind aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht die bildgebenden
Befunde, sondern ob sie und gegebenenfalls welche klinischen und arbeitsfähigkeits
relevanten Einschränkungen sie hervorrufen. Die neurologischen und der
orthopädische Gutachter kamen im Gutachten vom 16. April 2018 zum Fazit, in
Zusammenschau aller vorliegenden Befunde sei die Einschätzung im Wesentlichen
unverändert zur Begutachtung vom Oktober 2013 (IV-act. 168-42, 49). Der
orthopädische und die neurologischen Gutachter haben nachvollziehbar dargelegt,
4.1.5.
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dass sich die Befunde seit der ersten Begutachtung nicht in relevantem Ausmass
verschlechtert haben (vgl. E. 4.1.3). Die im MRI vom 12. September 2018 ersichtlichen
Veränderungen haben sich somit bis zur N._-Begutachtung nicht auf die funktionelle
Leistungsfähigkeit ausgewirkt. Eine Zunahme der Beschwerden im Zeitraum zwischen
der zweiten Begutachtung und dem aktuellen MRI-Befund wird nicht geltend gemacht
und geht aus den Akten nicht hervor. Der neue MRI-Befund wurde dem RAD vorgelegt
und dieser führte aus, aus versicherungsmedizinischer Sicht ergebe sich aus dem
neuen MRI-Befund keine relevante Veränderung gegenüber den Voruntersuchungen
(Stellungnahme vom 9. November 2018, IV-act. 184). Auch berichtete der
Beschwerdeführer nicht über eine Zunahme der Schmerzen. Dies spricht ebenfalls
gegen eine bedeutende klinische Verschlimmerung der Nacken-, Kopf-, Arm- und
Handbeschwerden. Somit ist davon auszugehen, dass sich die Befunde zwar
bildgebend verschlechtert haben, der klinische Befund und die
arbeitsfähigkeitsrelevanten Einschränkungen für adaptierte Tätigkeiten jedoch in ihrer
Schwere etwa konstant geblieben sind. Auf das orthopädische und das neurologische
Teilgutachten kann somit abgestellt werden.
Der kardiologische Gutachter attestierte eine volle Arbeitsfähigkeit für körperlich
leichte Tätigkeiten bzw. Arbeiten mit geringer körperlicher Belastung ohne plötzlichen
und schnellen intrathorakalen Druckanstieg (IV-act. 168-53 f.). Er stimmt darin überein
mit der Klinik für Kardiologie des KSSG, welche im Konsiliarbericht vom 13. Oktober
2015 ausführte, aus kardiologischer Sicht sei der Beschwerdeführer für leichte
körperliche Arbeiten 100 % einsatzfähig. Auch aus den Berichten des behandelnden
Kardiologen Dr. H._, insbesondere jenem vom 11. Februar 2015 (IV-act. 98), ergibt
sich kein Anlass, das kardiologische Teilgutachten in Frage zu stellen.
4.2.
Zum psychiatrischen Teilgutachten bringt der Beschwerdeführer zusammengefasst
vor, es seien echtzeitliche Diagnosen der behandelnden Fachärzte nicht berücksichtigt;
(vor allem) retrospektiv hätten zusätzliche psychische Beeinträchtigungen und eine
relevant höhere Arbeitsunfähigkeit bestanden. Darauf ist im Folgenden einzugehen.
4.3.
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte dem Beschwerdeführer eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unreifen, emotional instabilen und impulsiven
Anteilen (ICD-10: F61.0; IV-act. 33 f.) und bestätigte aufgrund dieser eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 %, die seit Beginn der beruflichen Tätigkeit im Jahr 1979
bestehe (IV-act. 168-35). Weiter stellte er die Diagnose einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4), die keinen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit habe (IV-act. 168-35). Die von ihm attestierte 20%ige
4.3.1.
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Arbeitsunfähigkeit begründete er (jedoch) mit depressiven Stimmungseinbrüchen (IV-
act. 168-34). Diesen scheinbaren Widerspruch löste RAD-Arzt U._ nachvollziehbar
auf, indem er erklärte, der Gutachter sehe die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
wegen wiederkehrender depressiver Stimmungen als Folge der Persönlichkeitsstörung
und nicht im Rahmen der gegenwärtig remittierten depressiven Störung
(Stellungnahme vom 25. Mai 2018, IV-act. 170).
Beim Beschwerdeführer wurden seitens behandelnder Fachärzte die Diagnosen
einer bipolaren affektiven Störung (Austrittsbericht psychiatrische Klinik B._ vom
12. Juli 2012, IV-act. 135-12 ff.; Arztbericht med. pract. I._ vom 19. Februar 2015, IV-
act. 95; Arztbericht Dr. L._ vom 23. August 2016, IV-act. 125; Berichte Klinik K._
vom 29. Juli 2016, IV-act. 130, und vom 22. Mai 2017, IV-act. 151-2 f.) und einer
posttraumatischen Belastungsstörung (Berichte med. pract. I._ vom 30. Juli 2014, IV-
act. 84, vom 10. März 2016, IV-act. 95, und vom 10. März 2016, IV-act. 119,
Austrittsbericht psychiatrisches Zentrum M._ vom 20. März 2017, IV-act. 142-2 ff.)
gestellt bzw. bestätigt. Der psychiatrische Gutachter führte zum Psychostatus aus, die
Kriterien gemäss ICD-10 für eine depressive Episode hätten sich nicht erheben lassen,
der Test mittels semiquantitativen Fragebogens habe einen leicht auffälligen Befund
ergeben. Die gezielte Befragung nach Symptomen einer posttraumatischen
Belastungsstörung mittels Fragebogens habe ergeben, dass keine Kriterien für eine
posttraumatische Belastungsstörung vorhanden seien. Wiederholungen,
Vermeidungsverhalten, kognitive Phänomene oder typische Veränderungen der
Persönlichkeit seien nicht beschrieben oder berichtet worden (IV-act. 168-29). Ebenso
fand er keine Hinweise auf eine affektive bipolare Störung bzw. auf manische oder
hypomanische Phasen (IV-act. 168-33). Auch RAD-Ärztin Dr. med. V._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, stellte die Diagnose in Frage, da keine entsprechende
Anamnese/Fremdanamnese vorliege und die medikamentöse Therapie diesbezüglich
unzureichend erscheine (Stellungnahme vom 6. Februar 2017, IV-act. 133). Der
psychiatrische Experte legte auch dar, dass die Diagnosekriterien in den Berichten der
behandelnden Ärzte nicht ausreichend nachvollziehbar befundlich begründet worden
seien (vgl. IV-act. 168-31 ff.). Retrospektiv führte er an, der Beschwerdeführer habe
ohne Zweifel mehrere depressive Episoden unterschiedlichen Schweregrades
durchgemacht. Diese hätten zeitweise, jedoch nicht dauerhaft, zu einer
Arbeitsunfähigkeit geführt (IV-act. 168-33).
4.3.2.
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4.4.
Für psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen ist der Beweis nach
dem strukturierten Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 141 V 281
und BGE 143 V 428, E. 7.1). Der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche
gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit kann nur dann als geleistet betrachtet werden,
wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden
Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen
(Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143 V 427, E. 6 a. E.).
4.4.1.
Der psychiatrische Gutachter attestierte dem Beschwerdeführer aufgrund der
diagnostizierten Persönlichkeitsstörung eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (E. 4.3.1).
Obwohl dieser in den letzten Jahren ca. 10 % der Zeit in stationärer Behandlung oder
der Tagesklinik verbracht und während der übrigen Zeit nach seinen Angaben ohne
feste Tagesstruktur gelebt habe, gebe es keine klaren und anhaltenden psychiatrisch
bedingten arbeitsfähigkeitsrelevanten Einschränkungen. In Zeiten ohne klare
depressive Symptomatik sei die Einschränkung der Funktionsfähigkeit gering (IV-
act. 168-33). Die Fähigkeiten gemäss Mini-ICF-APP beurteilte er als intakt bis
ausserhalb von depressiven Episoden höchstens leicht eingeschränkt. Insgesamt sei
die Funktionsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht leicht beeinträchtigt (IV-act. 168-34).
Demgegenüber attestierten med. pract. I._ und Dr. L._ dem Beschwerdeführer
jeweils keine Arbeitsfähigkeit. Med. pract. I._ hielt hierzu fest, während manischen
Phasen sei der Beschwerdeführer unkonzentriert und überschätze sich (Arztbericht
vom 19. Februar 2015, IV-act. 95), aufgrund der wegen der schwergradigen
Herabgestimmtheit mit der Ein- und Durchschlafstörungen leide der Beschwerdeführer
unter deutlicher Tagesmüdigkeit. Es seien ihm fast alle Ressourcen im Alltag verloren
gegangen (Verlaufsbericht vom 10. März 2016, IV-act. 119). Dr. L._ führte an, der
Beschwerdeführer leide unter Ängsten, die ein hohes Stresserleben und eine reduzierte
Belastbarkeit bewirkten. Aufgrund von rigiden Glaubenssätzen und Ängsten dürfte er
kaum integrierbar sein (Arztbericht vom 23. August 2016, IV-act. 125).
4.4.2.
Dass die durch die behandelnden Ärzte attestierten Arbeitsunfähigkeiten
wesentlich höher sind als die gutachterlich geschätzte Arbeitsunfähigkeit, ist
massgeblich Folge davon, dass erstere nicht genügend objektivierte Diagnosen in ihre
Beurteilung mit einbezogen haben. Zudem erkannte der psychiatrische Gutachter im
Gespräch eine gewichtige Rolle invaliditätsfremder psychosozialer Faktoren,
namentlich in der Aussage des Beschwerdeführers, dass ihm die IV-Anerkennung eine
Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz ermöglichen könne (IV-act. 168-33).
4.4.3.
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Motivationale Faktoren beziehungsweise Anhaltspunkte, die gegen einen sehr grossen
gesundheitlichen Leidensdruck sprechen, finden auch in den Berichten über die
stationären und teilstationären Klinikaufenthalte Ausdruck: Am 31. Dezember 2016 trat
der Beschwerdeführer vorübergehend aus der stationären Therapie im psychiatrischen
Zentrum M._ aus, um persönliche Angelegenheiten in Italien zu regeln. Bezüglich der
medikamentösen Therapie war zudem die Compliance nicht optimal. Im
Austrittsbefund wurde festgehalten, es seien keine formalen oder inhaltlichen
Denkstörungen, keine Befürchtungen, Ängste oder Zwänge eruierbar. Im Gespräch
ergäben sich keine Anhaltspunkte für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen
(Austrittsbericht vom 18. Januar 2017, IV-act. 135-7). Während der zweiten
Therapiephase empfand der Beschwerdeführer das stationäre Therapiesetting
zunehmend als zu einschränkend und verliess die Klinik vier Tage früher als
vorgesehen, da sein Sohn bereits früher anreisen wollte (Austrittsbericht vom 20. März
2017, IV-act. 142-4). Bei Austritt aus der tagesklinischen Behandlung in der Klinik K._
wurde festgehalten, die Beteiligung am Programm habe sich im Verlauf verbessert und
gegen Ende wieder schwer abgenommen. Die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der
reduzierten Compliance nicht einschätzbar. In einer adaptierten Tätigkeit würde eine
Teilarbeitsfähigkeit von 30 % bis 50 % gutgeheissen (Bericht vom 22. Mai 2017, IV-
act. 151-4).
Der RAD hat dem Gutachten der N._ AG einwandfreie Qualität bescheinigt und
ausführlich dargelegt, weshalb den dort getroffenen Schlussfolgerungen zuzustimmen
ist (RAD-Stellungnahme vom 25. Mai 2018, IV-act. 170). Der psychiatrische Gutachter
habe sich ausführlich mit den Berichten und Diagnosen der behandelnden Psychiater
auseinandergesetzt (Seiten 31 und 32) und plausibel begründet, weshalb er deren
diagnostische Einschätzung nicht teile. Er habe überzeugend dargelegt, warum weder
die Kriterien für eine bipolare affektive Störung noch für eine posttraumatische
Belastungsstörung erfüllt seien. Er habe zudem plausibel begründet, dass aktuell keine
depressive Episode vorliege. Übereinstimmend mit dem Vorgutachter bestätige er die
Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung, messe dieser im Gegensatz zu
jenem nachvollziehbar eine geringere Einschränkung der Funktionsfähigkeit und eine
um lediglich 20 % verminderte Arbeitsfähigkeit zu. Aus dem Kontext des Gutachtens
gehe hervor, dass der Gutachter die Einschränkung mit wiederkehrenden depressiven
Stimmungen als Folge der Persönlichkeitsstörung begründe und nicht im Rahmen der
gegenwärtig remittierten rezidivierenden depressiven Störung sehe. Weiter führe der
Gutachter aus, dass die wiederkehrenden depressiven Einbrüche lediglich zeitweise,
nicht aber dauerhaft zur Arbeitsunfähigkeit führten. In Zeiten ohne klare depressive
Symptomatik sei die Einschränkung der Funktionsfähigkeit gering. Obwohl der
4.5.
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Beschwerdeführer nur wenige Jahre regulär in einer Festanstellung gearbeitet habe, sei
dies trotz der Persönlichkeitsstörung möglich gewesen. Da sich die Auswirkungen von
Persönlichkeitsstörungen im frühen Erwachsenenalter manifestierten, seien diese
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit schon bei Einreise in der Schweiz vorhanden
gewesen und nicht Folge des Unfallereignisses 2012. Vom psychiatrischen Gutachter
werde auch erwähnt, dass psychosoziale Faktoren wie namentlich der Umstand, dass
nur eine IV-Anerkennung ihm eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz ermöglichen
würde, eine Rolle spielen würden. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei
nachvollziehbar, dass diese motivationale Problematik mit dazu beigetragen habe, die
Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit zu verunmöglichen. In diesem Zusammenhang
werde auch auf die neuropsychologische Begutachtung mit stark auffälliger
Symptomvalidierung verwiesen. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könnten die
50%ige Arbeitsunfähigkeit aus kardiologischer Sicht für körperlich schwere Tätigkeiten
im Rahmen des Aortenaneurysmas sowie die diesbezüglichen Adaptionskriterien geteilt
werden. Ein erhöhter intrathorakaler Druck würde die lebensbedrohliche Gefahr einer
Ruptur des Aneurysmas beinhalten. Aus orthopädischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit um 20 % eingeschränkt aufgrund der eingeschränkten
Kopfbeweglichkeit. Zusammenfassend sei die Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation bei allen Teilgutachten einleuchtend,
die Schlussfolgerungen der Experten seien begründet. Die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit im polydisziplinären Konsens sei plausibel und nachvollziehbar. Aus
versicherungsmedizinischer Sicht könne daher auf das polydisziplinäre Gutachten
abgestellt werden. Die 50%ige Arbeitsfähigkeit angestammt seit Juli 2014 und eine
80%ige Arbeitsfähigkeit seit dem Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung
(18. Januar 2018) könnten übernommen werden (IV-act. 170). Auch aus der
ausführlichen RAD-Stellungnahme vom 25. Mai 2018 ergibt sich somit schlüssig, dass
die Vorbringen des Beschwerdeführers die gutachterliche Beurteilung nicht zu
entkräften vermögen.
Auf die Ergebnisse der Gutachten bzw. die dortigen Arbeitsfähigkeitsschätzungen
ist abzustellen. Mit dem RAD ist davon auszugehen, dass seit Juli 2014 von einer 50%-
igen Einschränkung in der angestammten Tätigkeit als Allrounder in einer Pizzeria und
seit dem Zeitpunkt der psychiatrischen Begutachtung von Januar 2018 von einer
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten von 80 % auszugehen ist. Retrospektiv kann
von der Einschätzung der Medas Ostschweiz von Oktober 2013 abgestellt werden,
mithin von einer erhaltenen bzw. lediglich um 20 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit
für angepasste Tätigkeiten für den gesamten Zeitraum ausgegangen werden.
4.6.
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5.
Zu prüfen ist nun, ob und wann der Versicherungsfall hinsichtlich einer allfälligen IV-
Rente eingetreten ist. Solange die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit
lediglich 20 % betrug, konnte das Wartejahr nicht beginnen. Ab der Diagnose des
Herzleidens bzw. den entsprechenden zu berücksichtigenden gesundheitlichen
Einschränkungen (folglich ab Juli 2014) ist für angestammte Tätigkeiten von einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen. Demnach betrug die durchschnittliche
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im Verlauf des Juni 2015 während
eines Jahres 40 % und war das Wartejahr erfüllt. Da der Beschwerdeführer gemäss
vorstehend festgestelltem medizinischen Sachverhalt weder bleibend und ebenso zu
keiner Zeit längerdauernd im Umfang von mindestens 40 % erwerbsunfähig (d.h. auch
in adaptierten Tätigkeiten in einem Ausmass von ungefähr 40 % arbeitsunfähig) war, ist
im Hinblick auf eine IV-Rente im Verlauf des Juni 2015 sowie auch zu keinem anderen
Zeitpunkt eine Invalidität eingetreten. Mit anderen Worten hat die Art und Schwere der
Einschränkungen nie einen Eintritt der Invalidität in einem eine Rente begründenden
Ausmass bewirkt. Somit kann bis und mit Verfügungszeitpunkt kein Eintritt der
Invalidität hinsichtlich eines Rentenanspruches anerkannt werden und dessen
Abweisung erfolgte zu Recht. Gleichzeitig konnte die Prüfung des Vorhandenseins der
versicherungsmässigen Voraussetzungen gemäss Art. 4 ff. IVG im Hinblick auf eine
Rente gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG unterbleiben.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem unterliegenden
Beschwerdeführer sind die Gerichtskosten vollumfänglich aufzuerlegen. Zufolge
unentgeltlicher Rechtspflege ist er von der Bezahlung zu befreien.
6.2.
bis
Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung (HonO; sGs 963.75)
6.3.
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