Decision ID: 8f0fc6d7-8e48-587d-a293-3b9f616c3076
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_004
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
1. Mit Verfügung vom 6. Oktober 2020 (act. 2.4) widerrief das Amt für Inneres, Abteilung
Migration, die Aufenthaltsbewilligungen von A1., A2., A3., A4., A5. sowie A6.. Gleichzeitig
verfügte es, dass diese die Schweiz innert 30 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung zu
verlassen hätten. Dagegen liessen A1., A2., A3., A4., A5. sowie A6., alle vertreten durch
RA AA., mit Eingabe vom 27. Oktober 2020 (act. 2.3) beim Departement Inneres und
Sicherheit Rekurs erheben. Dabei wurde u.a. die unentgeltliche Rechtspflege beantragt.
2. Mit Verfügung vom 11. November 2020 (act. 2.2) bestätigte das Departement Inneres und
Sicherheit den Eingang des Rekurses. Gleichzeitig setzte es eine Frist an, innert
10 Tagen einen Kostenvorschuss von Fr. 500.00 zu leisten mit der Androhung, dass
ansonsten nicht auf den Rekurs eingetreten werde. Einer allfälligen Beschwerde wurde
die aufschiebende Wirkung entzogen.
3. Gegen diese Verfügung liessen A1., A2., A3., A4., A5. sowie A6. (im Folgenden:
Beschwerdeführer), alle vertreten durch RA AA., mit Eingabe vom 13. November 2020
(act. 1) Beschwerde beim Obergericht erheben, wobei sie die eingangs erwähnten
Rechtsbegehren stellten.
4. Mit undatiertem Schreiben, eingegangen am 25. November 2020 (act. 4), liess sich das
Departement Inneres und Sicherheit (im Folgenden: Vorinstanz) zur Beschwerde
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vernehmen. Dabei hielt sie fest, dass sie das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
das damit verbundene Gesuch um Verzicht auf einen Kostenvorschuss nicht behandelt
habe, wobei es sich um ein Versäumnis handle. Die Vorinstanz sei bereit, von einem
Kostenvorschuss abzusehen und über die unentgeltliche Rechtspflege zu entscheiden,
sobald die erforderlichen Akten vorlägen. Dem entsprechenden Antrag der Beschwerde-
führerin könne entsprochen werden. Dazu liessen die Beschwerdeführer mit Eingabe vom
4. Januar 2021 (act. 6) eine Replik einreichen.

Erwägungen
1. Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2)
kann das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen
auf dem Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt. Zirku-
larbeschlüsse bedürfen der Einstimmigkeit (Art. 52 Abs. 2 des Justizgesetzes, bGS
143.51). Da im vorliegenden Verfahren keine Durchführung einer Verhandlung vorge-
schrieben ist und die Parteien auf die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das
Obergericht das vorliegende Urteil einstimmig im Zirkularverfahren gefällt.
2. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form-
und Fristerfordernisse erfüllt sind. Die sachliche bzw. funktionale Zuständigkeit des
Obergerichts ergibt sich aus Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungs-
rechtspflege (VRPG, bGS 143.1), wonach das Obergericht zur Behandlung von
Beschwerden gegen letztinstanzliche Verfügungen der Verwaltungsbehörden zuständig
ist. Auf die Beschwerde ist damit einzutreten.
3. Aus der Vernehmlassung der Vorinstanz geht hervor, dass es sich bei der Kosten-
vorschussverfügung offenbar um ein Missverständnis gehandelt hat. Da die Vorinstanz
damit die Beschwerde sinngemäss anerkennt, ist diese ohne Weiteres gutzuheissen und
die angefochtene Verfügung aufzuheben. Die Gesuche um superprovisorische Erteilung
der aufschiebenden Wirkung und unentgeltliche Rechtspflege im Beschwerdeverfahren
erweisen sich damit als gegenstandslos.
4. Nach Art. 19 Abs. 3 i. V. m. Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor Oberge-
richt gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf dessen
Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Für dieses Verfahren wird eine Entscheidgebühr von
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Fr. 800.-- erhoben, welche der Vorinstanz auferlegt wird, wobei in Anwendung von Art. 22
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1) auf die
Erhebung zu verzichten ist.
5. Nach Art. 53 Abs. 3 VRPG hat die obsiegende Partei in der Regel Anspruch auf eine Ent-
schädigung für ihre notwendigen Kosten und Auslagen. Die Parteientschädigung geht
zulasten der unterliegenden Partei. Ausgangsgemäss ist dem Entschädigungsbegehren der
Beschwerdeführer zu entsprechen. Die Entschädigung setzt sich zusammen aus einem
Honorar und den Barauslagen; die Mehrwertsteuer wird als Zuschlag in Rechnung gestellt
(Art. 3 der Verordnung über den Anwaltstarif, AT, bGS 145.53). In Verfahren vor dem
Obergericht in Verwaltungssachen wird das Honorar pauschal festgelegt (Art. 13 Abs. 1 lit.
c AT) und beträgt Fr. 1‘000.-- bis Fr. 10‘000.-- (Art. 16 Abs. 1 AT). Innerhalb des für eine
Pauschale gesetzten Rahmens richtet sich das Honorar nach den besonderen Umständen
des Falles. In Betracht fallen namentlich Art und Umfang der Bemühungen, die
Schwierigkeiten des Falles sowie die wirtschaftlichen Verhältnisse der Beteiligten (Art. 17
AT). Grundsätzlich kann die mögliche Bandbreite der Honorare unterteilt werden in
a) einfache, unterdurchschnittlich aufwändige Fälle, in denen ein Honorar von
Fr. 1‘000.-- bis zu Fr. 4‘000.-- zu sprechen ist;
b) mittlere Fälle, die durchschnittlich schwierige Rechts- und/oder Sachverhaltsfragen
betreffen und einen durchschnittlichen Aufwand benötigten, in denen ein Honorar in
der Grössenordnung von Fr. 4‘000.-- bis Fr. 7‘000.-- angemessen erscheint; und
c) schwierige Fälle sowohl bezüglich Sachverhalts- und/oder Rechtsfragen, in denen
überdurchschnittlich umfangreiche Eingaben notwendig waren und umfangreiche
Akten zu studieren waren, was ein Honorar von Fr. 7‘000.-- bis Fr. 10‘000.--, bzw. in
aussergewöhnlichen Fällen bis zu Fr. 15‘000.-- rechtfertigt.
Vorliegend ist von einem einfachen Fall mit unterdurchschnittlichem Aufwand auszugehen.
Demzufolge erscheint eine Entschädigung von Fr. 1‘000.-- für das Beschwerdeverfahren
als angemessen, zuzüglich 4% Barauslagen sowie 7.7% für die MwSt. (total Fr. 1‘120.10).
Diese Entschädigung hat die Vorinstanz zu bezahlen.
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