Decision ID: 90d34289-5a44-4ad5-b184-53467e3addee
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), besuchte die Schulen in B._. Nach seinen
Angaben absolvierte er eine Ausbildung zum C._, ein diesbezüglicher
Ausbildungsnachweis fehlt jedoch (IV-act. 1, 22-1, 59-30, 59-89). Im Jahr 198_ kam er
erstmals als Saisonnier und im Jahr 199_ als Kriegsflüchtling permanent in die Schweiz
(IV-act. 1, 59-26, 59-30). Er arbeitete an verschiedenen Arbeitsstellen u.a. als Monteur,
Lagerist, Chauffeur und zuletzt während 21⁄3 Jahren (März 2007 bis Juli 2009) als
Fachmitarbeiter D._. In der Wahrnehmung des Versicherten verlor er die letzte
Arbeitsstelle wegen der unfallbedingten längeren Arbeitsunfähigkeit infolge der am
2. Februar 2009 bei der Arbeit zugezogenen Verletzung am rechten Arm/Ellbogen
(diesbezüglich bestand eine Vorschädigung infolge eines Unfalls im November 2000,
vgl. UV-act. 23 ff., 30). Seither ging er – mit Ausnahme zweier Einsatzprogramme –
keiner Erwerbstätigkeit mehr nach (IV-act. 7, 11-3, 15-2, 21-2, 22-1 f., 22-6 ff., 59-30
f.). Der Versicherte wohnt zusammen mit seiner nichterwerbstätigen Ehefrau und
seinem Sohn (Jahrgang 201_). Seit dem Jahr 2010 erhält die Familie Unterstützung von
der Sozialhilfe (IV-act. 1-2 f., 21-2, 59-30 f.).
A.a.
Ab dem Jahr 2013 litt der Versicherte zunehmend unter belastungsabhängigen
Rückenschmerzen mit Ausstrahlungen, Nackensteifigkeit und regelmässig auftretenden
Kopfschmerzen. Deshalb wurden in den Jahren 2013, 2015 und 2017 MRT-
Untersuchungen der HWS und LWS durchgeführt. Erhoben wurden dabei
multisegmentale degenerative Veränderungen an der Wirbelsäule (im Jahr 2015 u.a.
Diskushernien HWK4/5 und HWK5/6, Bandscheibenprotrusionen HWK2/3, HWK3/4
und HWK6/7, eine leichtgradige Einengung des Spinalkanals auf Höhe HWK4/5 und
HWK5/6, leicht- bis mittelgradige foraminale Stenosen und Spondylarthrosen sowie im
A.b.
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Jahr 2017 zusätzlich eine ausgeprägte Osteochondrose im Segment L5/S1 und eine
dehydrierte Bandscheibe L4/5; IV-act. 11-4 f., 32, 59-29, 59-37, 59-63 ff.). Im Jahr
2015 kam es auf Zuweisung des Sozialamtes zu drei psychiatrischen Konsultationen
bei Dr. med. E._, leitender Klinikarzt, im Ambulatorium der Psychiatrie F._ (IV-act.
11-2, 59-91). Der Hausarzt Dr. med. G._, Facharzt für Allgemein Medizin und
Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, bescheinigte dem Versicherten wegen
einer Depression und eines Rückenleidens eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab dem
10. April 2017 (IV-act. 3, 14). Ab dem 17. April 2019 liess sich der Versicherte erneut im
Ambulatorium der Psychiatrie F._ von Dr. E._ behandeln (IV-act. 11-2).
Am 20. Juni 2019 meldete sich der Versicherte wegen der psychischen und
somatischen Beschwerden bei der Invalidenversicherung (IV) zum Bezug von
Leistungen (berufliche Integration/Rente) an (IV-act. 1). In der Folge holte die IV-Stelle
einen Arztbericht beim behandelnden Psychiater Dr. E._ ein, welcher am 5. Juli 2019
aus psychiatrischer Sicht eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome (ICD-10: F32.2) diagnostizierte. Im Weiteren berichtete Dr. E._, dass der
Versicherte beim Erstgespräch am 17. April 2019 unter Antriebshemmung,
Frustrations- und Belastungsintoleranz, Hoffnungslosigkeit, Verzweiflung,
Grübelneigung, schweren Schlafstörungen und latenter Suizidalität gelitten habe. Die
depressive Symptomatik habe sich seit Behandlungsbeginn leicht gebessert. Das
depressive Syndrom sei verursacht worden und werde aufrecht erhalten durch die
schwierige soziale Situation (jahrelange Abhängigkeit vom Sozialamt, keine finanziellen
Ressourcen, resignative und hoffnungslose Stimmung aufgrund der jahrelangen
erfolglosen Arbeitssuche und der unzähligen Absagen und fehlende Perspektive auf
Besserung der Gesamtsituation). Aus psychiatrischer Sicht ging Dr. E._ derzeit von
keiner Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt aus, erachtete jedoch
Wiedereingliederungsmassnahmen mit einer Präsenzleistung von zirka 50 % in einem
geschützten Rahmen (beispielsweise im Sinne eines Belastungstrainings) als möglich
(IV-act. 11). Am 29. August 2019 erstellte RAD-Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gestützt auf die Aktenlage und ein mit Dr. E._
am 28. August 2019 geführtes Telefongespräch (vgl. IV-act. 16) eine Stellungnahme. So
habe ihr Dr. E._ insbesondere eine Verbesserung der Affektivität bestätigt. Die
depressive Symptomatik des Versicherten sei derzeit noch höchstens mittelgradig und
A.c.
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er scheine im Alltag trotz der pessimistischen Haltung durchaus zu funktionieren. Die
RAD-Ärztin ging wie Dr. E._ von einem Eingliederungspotential mit einer
Präsenzfähigkeit von 50 % aus. Als Adaptionskriterien nannte sie einfache
rückenadaptierte Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen und ohne Heben schwerer Lasten
sowie ein ruhiges Arbeitsumfeld (IV-act. 15).
Am 3. September 2019 führte die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle mit
dem Versicherten ein Gespräch über die Möglichkeit beruflicher Massnahmen. Am
darauffolgenden Tag erklärte der Versicherte, dass er sich nicht in der Lage fühle, bei
beruflichen Massnahmen mitzuwirken. Bei fehlendem Taggeldanspruch sei er nicht
mehr bereit, gratis zu arbeiten. Er habe in den vergangenen Jahren bereits in
Langzeitarbeitslosenprojekten gearbeitet, jedoch weder Unterstützung erhalten, noch
eine Anschlusslösung finden können. Zudem sei er sehr reizbar, weshalb das Risiko zu
hoch sei. Er werde weiterhin die Psychotherapiestunden bei Dr. E._ besuchen (in ca.
dreiwöchentlichen Abständen) und auf diesem Weg auf Besserung hoffen. Die
Eingliederungsverantwortliche informierte gleichentags Dr. E._ über den Entscheid
des Versicherten (IV-act. 21-1 ff.). Am 6. September 2019 erklärte Dr. E._, dass er
über den Entscheid des Versicherten nicht überrascht sei. Er werde ihn einmal mehr
darauf hinweisen, dass sich mit seiner Ablehnung einer beruflichen Massnahme an
seiner Situation nichts ändern werde (IV-act. 21-5). Daraufhin wurde der Fall seitens der
beruflichen Integration ohne berufliche Massnahmen abgeschlossen (IV-act. 21-3,
21-5) und mit Schreiben vom 23. Oktober 2019 dem Versicherten die Abweisung des
Leistungsbegehrens um berufliche Massnahmen mitgeteilt (IV-act. 37).
A.d.
Im Verlaufsbericht vom 15. Januar 2020 berichtete Dr. G._ über einen
unveränderten Gesundheitszustand des Versicherten. In der bisherigen Tätigkeit
bestehe keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr. Aus rheumatologischer Sicht seien
wechselbelastende Arbeiten möglich, hinsichtlich der zumutbaren Arbeitsfähigkeit sei
jedoch die psychiatrische Morbidität entscheidend (IV-act. 40). Im Verlaufsbericht vom
3. Februar 2020 erklärte Dr. E._, dass entlastende, supportive Gespräche mit dem
Versicherten stattfänden, eine veränderungsorientierte Behandlung sei jedoch nicht
möglich. Der Versicherte zeige im Gespräch leichte Konzentrationsstörungen und sei
im Denken eingeengt auf die als aussichtslos empfundene psychosoziale Problematik,
stark grüblerisch, perseverierend, jedoch kohärent und geordnet. Im Affekt sei er
A.e.
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deutlich depressiv, sehr ratlos, verzweifelt, weinerlich und hoffnungslos. Es handle sich
um einen chronifizierten Residualzustand. Eine intensivere (teilstationäre oder
stationäre) psychiatrische Behandlung sei nicht erfolgsversprechend und würde vom
Versicherten auch nicht gewünscht. Angesichts von schwerster Frustrations- und
Belastungsintoleranz mit Reizbarkeit, von Konzentrationsstörungen infolge
Grübelneigung, von schwer defizitärer Beziehungsfähigkeit und Kontaktgestaltung
infolge Reizbarkeit, von leichter Störung der Affektsteuerung und der Impulskontrolle,
von schwerer Selbstwertkrise und Störung der Intentionalität und des Antriebes
bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (IV-act. 43-2 ff.). In
der Stellungnahme vom 24. März 2020 empfahl der RAD eine polydisziplinäre
Begutachtung (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Orthopädie und Neurologie; IV-
act. 46). Der Begutachtungsauftrag wurde dem Zentrum für Interdisziplinäre
Medizinische Begutachtungen AG, Schwyz (nachfolgend: ZIMB AG), zugeteilt (IV-act.
47, 49).
Das polydisziplinäre Gutachten vom 16. Oktober 2020 (IV-act. 59) beruht auf der
Aktenlage sowie der allgemeinen internistischen Untersuchung vom 5. Juni 2020 durch
Dr. med. I._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, der orthopädischen
Untersuchung vom 12. Juni 2020 durch Dr. med. J._, Facharzt für Orthopädische
Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, der psychiatrischen
Untersuchung vom 24. Juni 2020 durch Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, und der neurologischen Untersuchung vom 29. Juni 2020 durch
Dr. med. L._, Facharzt für Neurologie (vgl. IV-act. 59-2). Die Fachärzte
diagnostizierten aus interdisziplinärer Sicht mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein
belastungsabhängig vermehrtes lumbospondylogenes Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie (ICD-10: M54.1) mit/bei muskulärer Dysbalance und
Haltungsinsuffizienz, rechtskonvexer lumbaler Skoliose, ausgeprägter Osteochondrose
im Segment L5/S1 mit aufgehobenem Zwischenwirbelfach und partieller Synostose,
fortgeschrittener Osteochondrose im Segment L4/5 mit begleitender
Facettengelenksarthrose sowie ohne radikuläre Ausfälle oder Hinweise auf eine
Myelopathie. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien die gemischte Hyperlipidämie
(ICD-10: E78.2), der Nikotinabusus, der Status nach einer im Jahr 2000 erlittenen
Partialruptur der rechtsseitigen distalen Bizepssehne, gegenwärtig ohne
A.f.
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Funktionseinschränkung (ICD-10: S46.2), das aktenkundige, belastungsabhängig
vermehrte cervicocephale Schmerzsyndrom, gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag
sowie ohne Funktionseinschränkung (ICD-10: M50.1), die chronischen Kopfschmerzen
am ehesten im Sinne von chronischen Spannungskopfschmerzen (ICD-10: G44.2), DD:
Analgetika-Übergebrauchskopfschmerzen (ICD-10: G44.4), und die Dysthymie (ICD-10:
F34.1; IV-act. 59-7). Hinsichtlich der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als D._ sowie für
überwiegend stehend und gehend ausgeübte Tätigkeiten mit der intermittierenden
Notwendigkeit von Zwangshaltungen sowie dem gelegentlichen Heben und Tragen von
Lasten über 15 kg gingen die Fachärzte aus interdisziplinärer
versicherungsmedizinischer Sicht von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit und in einer
optimal behinderungsangepassten, wechselbelastenden, überwiegend sitzend
ausgeübten, leichten Tätigkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 59-12).
Konkretisierend wurde ausgeführt, dass Tätigkeiten mit einem beidhändigen,
körperfernen/körpernahen Heben von mehr als 10 kg bzw. 15 kg bis Brustniveau, mit
mehr als gelegentlichem Treppensteigen, auf Leitern und Gerüsten oder schrägen
Ebenen, im Freien ohne Schutz vor Kälte, Zugluft, Nässe, auf regen- und eisglattem
Untergrund sowie unter Zeitdruck und Akkordarbeit zu vermeiden seien (IV-act. 59-10,
vgl. auch 59-69 ff.).
In der Stellungnahme vom 16. Februar 2021 erachtete RAD-Ärztin Dr. med. N._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, das Gutachten als ausführlich, in
sich schlüssig und nachvollziehbar, weshalb darauf abgestellt werden könne (IV-act.
62).
A.g.
Mit Vorbescheid vom 19. Februar 2021 informierte die IV-Stelle den Versicherten,
dass vorgesehen sei, das Leistungsbegehren für eine Invalidenrente abzuweisen.
Begründet wurde dies damit, dass ihm gemäss dem polydisziplinären Gutachten eine
optimal angepasste Tätigkeit zu 100 % zumutbar sei. Der vorgenommene
Einkommensvergleich gestützt auf die Tabellenlöhne für Hilfsarbeiter (LSE) des
Bundesamtes für Statistik und in Berücksichtigung eines 15%igen Leidensabzugs
aufgrund der Adaptionskriterien habe einen nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad
von 15 % ergeben (Validenlohn: Fr. 67'774.-, Invalidenlohn: Fr. 57'608.-,
Erwerbseinbusse: Fr. 10'166.-, IV-act. 65; zum Einkommensvergleich vgl. IV-act. 64).
A.h.
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B.
Am 6. März 2021 erhob der Versicherte Einwand gegen den Vorbescheid (IV-act.
66). In der ergänzenden Einwandbegründung vom 30. April 2021 (IV-act. 70-1) machte
der Versicherte unter Bezugnahme auf die miteingereichte ärztliche Stellungnahme von
Dr. E._ vom 30. April 2021 (IV-act. 70-2 ff.) geltend, dass die im psychiatrischen
Teilgutachten diagnostizierte Dysthymie zu kurz greife und seiner Situation nicht
gerecht werde, weshalb er eine erneute Überprüfung und Beurteilung seiner
gesundheitlichen Situation und Arbeitsfähigkeit sowie eine entsprechende Korrektur
des Entscheids fordere. In der Stellungnahme vom 10. Juni 2021 erklärte RAD-Ärztin
Dr. N._, dass Dr. E._ den Versicherten bereits vor der Begutachtung als
schwergradig depressiv beurteilt habe. Der Gutachter habe diese Einschätzung
diskutiert und gewürdigt und seine anderslautende Einschätzung nachvollziehbar
begründet. Insbesondere seien die klassischen Symptome der Depression aus den
Akten nicht ersichtlich (IV-act. 71).
A.i.
Mit Verfügung vom 23. Juni 2021 wies die IV-Stelle den Anspruch des Versicherten
bei einem ermittelten Invaliditätsgrad von 15 % ab. Zum Einwand vom 6./30. April 2021
wurde ausgeführt, dass die Stellungnahme von Dr. E._ vom 30. April 2021 dem RAD
vorgelegt worden sei. Die Beurteilung habe ergeben, dass keine neuen medizinischen
Erkenntnisse angegeben worden seien. Eine anhaltende schwergradige psychiatrische
Diagnose liege aufgrund der Aktenlage nicht vor (IV-act. 72).
A.j.
Gegen die Verfügung vom 23. Juni 2021 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 25. August 2021. Der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) beantragt
darin die Aufhebung der Verfügung und die Inauftraggebung eines neuen
polydisziplinären Gutachtens bei der SMAB in Bern. Eventualiter sei die Angelegenheit
zur Ergänzung des Sachverhalts an die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen. Subeventualiter sei dem Beschwerdeführer eine volle IV-Rente
zuzusprechen. Dem Beschwerdeführer sei für das vorliegenden Verfahren die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihm ein unentgeltlicher Rechtsbeistand in
der Person von Rechtsanwalt Gandi Calan zu bestellen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Gerügt wird insbesondere,
dass eine ungenügende Auseinandersetzung mit dem medizinischen Bericht von Dr.
B.a.
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E._ und mit der Zumutbarkeit einer leidensangepassten Tätigkeit stattgefunden habe
(act. G 1).
Am 19. Oktober 2021 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Ergänzung zur Beschwerde ein. Beantragt wird nun die Aufhebung Verfügung vom 23.
Juni 2021 und die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur
Ergänzung des Sachverhalts. Eventualiter seien dem Beschwerdeführer die
gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Invalidenrente, zuzusprechen. Weiterhin
wird die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung beantragt; unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Begründet
wird das Rechtsbegehren insbesondere damit, dass aufgrund der vielfältigen
physischen/orthopädischen und psychischen Einschränkungen keine Berufe mehr in
Frage kämen. Auch eine Teilzeitbeschäftigung sei unwahrscheinlich. Die von der
Beschwerdegegnerin beschriebene leidensangepasste Tätigkeit sei dem
Schweizerischen Arbeitsmarkt fremd. Es käme höchstens noch eine Bürotätigkeit in
Frage. Dabei hinderlich seien die fehlenden beruflichen Qualifikationen, die schlechten
Deutschkenntnisse und die 12-jährige Nichterwerbstätigkeit (act. G 9).
B.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 13. Dezember
2021 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung wird insbesondere ausgeführt,
dass im internistischen, neurologischen und psychiatrischen Teilgutachten keine
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden seien. Nur das
aus orthopädisch-chirurgischer Sicht erhobene belastungsabhängige
lumbospondylogene Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie wirke sich auf die
Arbeitsfähigkeit aus, weshalb der Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als
D._ nicht mehr arbeitsfähig sei. In einer optimal leidensadaptierten,
wechselbelastenden, überwiegend sitzenden und leichten Tätigkeit bestehe dagegen
aus interdisziplinärer Sicht bezogen auf ein volles Pensum eine quantitativ unlimitierte
Arbeitsfähigkeit von 100 %. Der RAD habe das Gutachten geprüft und in der
Stellungnahme vom 16. Februar 2021 dessen Korrektheit bestätigt. Zur Stellungnahme
von Dr. E._ vom 30. April 2021 habe der RAD erklärt, dass keine neuen
medizinischen Erkenntnisse vorgetragen worden seien. Der psychiatrische Gutachter
habe sich bereits mit den früheren Berichten von Dr. E._ auseinandergesetzt und
seine anderslautende Einschätzung nachvollziehbar begründet. Auch würden die
B.c.
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während der Begutachtungen gewonnen Erkenntnisse gegen eine schwergradige
Depression sprechen. Bei der neu angeführten posttraumatischen
Verbitterungsstörung handle es sich zudem nicht um eine fachärztliche Diagnose nach
einem wissenschaftlich anerkannten Klassifikationssystem. Zur Rüge der
Unverwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit wird ausgeführt, dass in Berücksichtigung des
negativen Anforderungsprofils dem Beschwerdeführer noch ein genügend breites
Spektrum an Kontrolltätigkeiten offenstehe. Zumutbar wären bspw. einfache Kontroll-,
Überwachungs-, Sortier-, Recycling-, (De-)Montage- sowie
Maschinenbedienungsarbeiten auf dem Niveau eines Hilfsarbeiters. Das Finden einer
zumutbaren Stelle sei nicht zum Vornherein ausgeschlossen, so dass die
Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers grundsätzlich verwertbar sei. Ein höherer
Tabellenlohnabzug als der gewährte von 15 % sei nicht gerechtfertigt (act. G 11).
Am 13. Dezember 2021 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor Versicherungsgericht entsprochen (act.
G 13).
B.d.
Mit Schreiben vom 28. Januar 2022 verzichtete der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers auf die Einreichung einer Replik (act. G 14).
B.e.
Mit Schreiben vom 11. März 2022 reichte er den Zwischenbericht des
Psychiatrischen Zentrums O._ vom 1. März 2022 ein (act. G 16, G 16.1). Gemäss
diesem wird der Beschwerdeführer dort seit dem 10. Januar 2022 aufgrund
zunehmender depressiver Symptome stationär integrativ-psychotherapeutisch
behandelt. Als vorläufige Diagnose wurde eine schwere depressive Episode ohne
psychotische Symptome genannt. Eine Aufgleisung einer geeigneten Tagesstruktur,
allenfalls einer psychiatrischen Spitex und später die Wiederaufnahme der ambulanten
Psychotherapie seien geplant (act. G 16.1).
B.f.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 10/22
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist der
Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von
sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1), jedoch frühestens im Monat der auf die Vollendung des 18. Altersjahrs folgt
(Art. 29 Abs. 1 IVG). Die Rente wird vom Beginn des Monats ausbezahlt, in dem der
Rentenanspruch entsteht (Abs. 3).
1.1.
Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor,
wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen, 115 V 134 E. 2).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für
die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
1.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 11/22
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2.
Zunächst ist die zwischen den Parteien umstrittene Frage zu prüfen, ob der
Sachverhalt in medizinischer Hinsicht spruchreif abgeklärt wurde.
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).
Zum Antrag des Beschwerdeführers in der Beschwerdeschrift, ein neues
polydisziplinäres Gutachten bei der SMAB (Swiss Medical Assessment- and Business-
Center) AG in Bern in Auftrag zu geben (act. G 1-2, G 1-4), ist festzustellen, dass dazu
(aus formellen Gründen) keine Notwendigkeit besteht, denn wie die Aktenlage zeigt,
erfolgte die Gutachtenszuteilung an die ZIMB AG am 23. April 2020 nach dem rechtlich
vorgesehenen Zufallsprinzip (vgl. Art. 72 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; IV-act. 47). Dass in einem nach der Zuteilung
erstellten Dokument am 24. April 2020 eine andere Gutachtensstelle, die SMAB AG,
genannt wurde (vgl. IV-act. 46-4), ist als offensichtliches Versehen einzustufen. Folglich
ist weder das Gutachten der ZIMB AG aus dem Recht zu weisen noch ein neues
Gutachten bei der SMAB AG in Auftrag zu geben. Am entsprechenden Antrag in der
Beschwerde hat der Beschwerdeführer in der Beschwerdeergänzung vom 19. Oktober
2021 denn auch nicht festgehalten.
2.1.
bis
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Abweisung des Rentenanspruchs im
Wesentlichen auf das polydisziplinäre Gutachten der ZIMB AG vom 16. Oktober 2020
(IV-act. 59) und die Stellungnahmen des RAD vom 16. Februar 2021 (IV-act. 62) und 10.
Juni 2021 (IV-act. 71). Der Beschwerdeführer bestreitet dagegen die Beweiskraft des
Gutachtens und verweist dabei auf die abweichenden Einschätzungen des Psychiaters
Dr. E._ (Verlaufsbericht vom 3. Februar 2020, IV-act. 43, und die Stellungnahme vom
30. April 2021 zum Gutachten, IV-act. 70-2 ff.) sowie den Zwischenbericht des
Psychiatriezentrums O._ vom 1. März 2022 (act. G 16.1).
2.2.
Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann zunächst nur relevant sein, wenn
sie Folge einer fachärztlich einwandfrei diagnostizierten Gesundheitsbeeinträchtigung
ist (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 15. Mai 2017, 8C_95/2017; BGE 130 V 396). Im
Weiteren ist zu beachten, dass ein den Beweisanforderungen grundsätzlich
genügendes medizinisches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a und b) nicht stets in Frage
gestellt werden und Anlass zu weiteren Abklärungen bieten kann, wenn und sobald die
behandelnden medizinischen Fachpersonen nachher zu einer unterschiedlichen
2.3.
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Beurteilung gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen
festhalten. Anders verhält es sich nur, wenn objektiv feststellbare Gesichtspunkte
vorgebracht werden, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben waren und
die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts
vom 29. Juli 2008, 9C_830/2007, E. 4.3 mit Hinweisen). Ferner kann eine
psychiatrische Exploration von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen.
Sie eröffnet einer psychiatrischen Fachperson – sei sie nun in therapeutischer oder in
begutachtender Funktion – daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb
dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig
und zu respektieren sind, sofern die Beurteilung des Experten oder der Expertin die
Beweisanforderungen erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 2009,
8C_694/2008, E. 5.1.1).
Unbestritten sind die körperlichen Beschwerden des Beschwerdeführers
(degenerativ bedingtes Rückenleiden), die diesbezügliche Diagnosestellung (vgl. IV-act.
59-7, 59-63) und die daraus resultierenden Einschränkungen hinsichtlich der
Arbeitsfähigkeit (Arbeitsunfähigkeit für überwiegend im Stehen und Gehen ausgeübte
Tätigkeiten mit der intermittierenden Notwendigkeit von Zwangshaltungen sowie dem
gelegentlichen Heben und Tragen von Lasten über 15 kg auf Dauer, IV-act. 59-12; vgl.
auch das negative Leistungsbild/die Adaptionskriterien aus orthopädischer Sicht, IV-
act. 59-10, 59-69 ff.).
2.4.
Umstritten ist dagegen die Beurteilung der vom Beschwerdeführer geltend
gemachten psychischen Beschwerden. Dies betrifft sowohl die diagnostische
Einstufung der Leiden als auch deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sowie die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit (vgl. act. G 1-4, G 9-6 f., G 11-5 ff.).
2.5.
Da die diagnostische Einordnung einer psychischen Störung allein das objektiv
bestehende tatsächliche Leistungsvermögen nicht festlegt, sind die funktionellen
Folgen der Gesundheitsschädigung qualitativ zu erfassen und quantitativ
einzuschätzen (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.1, 143 V 418 E. 4.1.2). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) sind grundsätzlich
(bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche psychischen
Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu
unterziehen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind – unter
Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von
Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – gemäss BGE 141 V 281 also in
der Regel diverse Standardindikatoren beachtlich. Diese hat das Bundesgericht wie
folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie "funktioneller Schweregrad" (E.
2.6.
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4.3) mit den Komplexen "Gesundheitsschädigung" (Ausprägung der
diagnoserelevanten Befunde und Symptome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg
oder -resistenz; Komorbiditäten [E. 4.3.1]), "Persönlichkeit" (Persönlichkeitsentwicklung
und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und "sozialer
Kontext" (E. 4.3.3) sowie Kategorie "Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens [E.
4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen
vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
2.7.
Der psychiatrische Gutachter Dr. K._ nahm eine ausführliche Anamnese (vgl.
IV-act. 59-88 ff.) und Befunderhebung (vgl. IV-act. 59-93 f.) vor, würdigte die früheren
Arztberichte von Dr. E._ (vgl. IV-act. 59-95 ff.) und stellte gestützt darauf die
Diagnose Dysthymie (ICD-10: F34.1; IV-act. 59-95). Erläuternd führte er im
Teilgutachten dazu aus, dass beim Beschwerdeführer eine reaktive abnorme
psychische Entwicklung vorliege, von überwiegend depressiv-neurotischer Prägung
(Dysthymie, ICD-10: F34.1), sowie mit einer Tendenz zur Somatisierung, die aber das
Krankheitsbild nicht dominiere, weshalb die Diagnose Somatisierungsstörung (ICD-10:
F45.0) nicht habe gestellt werden können. Es handle sich um ein subjektiv sehr intensiv
und quälend erlebtes psychisches Leidensbild, welches objektiv aber nicht den
Kriterien einer melancholischen, "biologischen", endogenomorphen, primären
Depression entspreche, wie sie in der ICD-10 unter F32 präzis definiert sei. Die
vorliegende Situation könne durchaus als Krankheit im psychiatrischen Fachbereich
bezeichnet werden, im Sinne, den dieser Begriff in der klinischen Psychiatrie und auch
in der Versicherungsmedizin habe. Man könne aber nicht von einer schweren
psychiatrischen Krankheit im eigentlichen Sinne sprechen (vgl. IV-act. 59-9 f., 59-95).
Zu den früheren ärztlichen Einschätzungen von Dr. E._ vom 5. Juli 2019 (IV-act. 11;
siehe Sachverhalt A.c) erklärte Dr. K._, dass er die Diagnose einer schweren
depressiven Episode ohne psychotische Symptome nicht stellen könne, denn es
würden die typischen Symptome wie psychomotorische Verlangsamung,
Denkhemmung, Ideenverarmung und Entschlussunfähigkeit fehlen. Auch zeige der
Beschwerdeführer nicht die für eine melancholische, endogene depressive Psychose
typische Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden, sondern im Gegenteil, er zeige ein
übersteigertes emotionelles Erleben, das er sehr präzise beschreibe (vgl. IV-act.
59-95 f.). Zum Arztbericht von Dr. E._ vom 3. Februar 2020 (IV-act. 43-2 ff.; siehe
Sachverhalt A.e) führte Dr. K._ aus, dass die beschriebenen Symptome wie
Dünnhäutigkeit und Reizbarkeit, innere Unruhe, ausgeprägte Insuffizienzgefühle und
2.7.1.
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Schuldgefühle zutreffend seien. Die genannten Verarmungsgefühle seien nach seiner
Ansicht jedoch nicht krankheitsbedingt, sondern entsprächen durchaus einer Realität
bei einem Menschen, dem es ein wichtiges Bedürfnis sei, seiner finanziellen
Verantwortung für seine Familie nachzukommen. Die Beobachtung eines schwer
gehemmten Antriebs treffe nach seiner Meinung in keiner Weise zu und könne auch
retroperspektiv für den Februar 2020 nicht rekonstruiert werden. Die geäusserten
häufigen Todessehnsüchte und Suizidgedanken, die aber nicht konkret seien und zu
keinen Vorbereitungshandlungen geführt hätten, entsprächen seiner Einschätzung.
Schwerste Konzentrationsstörungen infolge Grübelneigung hätten dagegen nicht
bestätigt werden können. Die Beziehungsfähigkeit sei zwar infolge seiner Reizbarkeit
leicht vermindert, nicht aber schwer defizitär (vgl. IV-act. 59-96 f.).
In der Stellungnahme vom 30. April 2021 zum Gutachten vom 16. Oktober 2020
wies Dr. E._ insbesondere darauf hin, dass es im Jahr 2008 beim Beschwerdeführer
zu einer existenziellen Lebenskrise und im Jahr 2009 zu einer Verletzung des rechten
Armes mit mehrmonatiger Arbeitsunfähigkeit und Auflösung des Arbeitsverhältnisses
gekommen sei. Diese Ereignisse hätten zur Entwicklung der chronifizierten Depression
und phasenweise zur Entwicklung somatoformer Symptome geführt. Die chronifizierte
Depression habe weniger die Merkmale einer Dysthymie als vielmehr einer
posttraumatischen Verhaltensstörung, was sich im ICD-10 derzeit nicht ausreichend
codieren lasse, jedoch am ehesten noch dem ICD-10 Code F43.8 (sonstige Reaktionen
auf schwere Belastung) entspreche. Kritik wird dahingehend geäussert, dass der
psychiatrische Gutachter allein aufgrund der Abwesenheit von bestimmten
depressionstypischen Symptomen die Diagnose der Dysthymie gestellt, jedoch weder
in Betracht gezogen noch diskutiert habe, dass sich eine (chronifizierte) Depression in
vielen Fällen mit atypischen Symptomen manifestiere, dies gerade und vor allem bei
Männern und Menschen aus anderen Kulturkreisen. Ein stereotyper "Abgleich" der
vorliegenden Symptome mit den im ICD-10 aufgezählten Symptomclustern greife in
solchen Fällen zu kurz und sei nicht sachgerecht. Den innerpsychischen Aspekten, die
zur Entstehung und Aufrechterhaltung des depressiven Syndroms führten, sei nicht
ausreichend Rechnung getragen worden (vgl. IV-act. 70-2 ff.). Am 10. Juni 2021 nahm
die RAD-Psychiaterin Dr. N._ zu den Aussagen von Dr. E._ Stellung. Sie erklärte,
dass es sich bei den Einschätzungen von Dr. E._ um eine andere Beurteilung des
gleichen Sachverhalts handle, und wies darauf hin, dass Dr. E._ den
Beschwerdeführer bereits vor der Begutachtung als schwergradig depressiv beurteilt
habe. Der Gutachter habe diese Einschätzung bereits diskutiert und gewürdigt sowie
seine anderslautende Einschätzung nachvollziehbar begründet. So seien insbesondere
2.7.2.
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die klassischen Symptome einer Depression aus den Akten nicht ersichtlich. Zur von
Dr. E._ neu angeführten posttraumatischen Verbitterungsstörung erklärte sie, dass
diese keinem IV-relevanten Gesundheitsschaden entspreche, da diese nicht
klassifiziert sei. Eine Reaktion auf schwere Belastung liege nicht vor, denn eine
anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei nicht begründbar, da noch keine
spezifischen (intensivierten) medizinischen und beruflichen Massnahmen erfolgt seien,
die angesichts der Reaktivität der Störung als indiziert anzusehen wären. Eine
Therapieresistenz könne daher vor dem Versuch von intensivierter Therapie nicht
angenommen werden (IV-act. 71).
Hinsichtlich des Zwischenberichts des Psychiatrischen Zentrums O._ vom 1.
März 2022 (act. G 16.1) ist anzumerken, dass sich dieser nicht zur gesundheitlichen
Situation des Beschwerdeführers vor bzw. zum Verfügungszeitpunkt äussert und auch
keine indirekten Rückschlüsse darauf zulässt, weshalb er im vorliegenden
Rechtsmittelverfahren unbeachtlich ist.
2.7.3.
Zusammenfassend ist soweit festzuhalten, dass die diagnostische Einschätzung
durch den psychiatrischen Gutachter Dr. K._ und die RAD-Ärztin Dr. N._, wonach
ausschliesslich eine Dysthymie (ICD-10: F34.1) vorliege, nachvollziehbar und schlüssig
ist. Zur Ausprägung der Gesundheitsschädigung äusserte sich der psychiatrische
Gutachter insofern, als weder eine schwere psychiatrische Krankheit noch
objektivierbare funktionelle Einschränkungen auf rein psychiatrischen Fachgebiet
vorliegen würden (vgl. IV-act. 59-95, 59-101). Die Ausführungen von Dr. K._ und Dr.
N._ zu den abweichenden diagnostischen Einschätzungen von Dr. E._ vermögen
ebenso zu überzeugen, beinhalten diese doch nicht nur versicherungsrechtlich
relevante, sondern auch versicherungsrechtlich nicht relevante psychosoziale Aspekt
wie die Folgen der lang andauernden Arbeitslosigkeit und der knappen finanziellen
Mittel. Es gibt denn auch keine Veranlassung, nicht auf die gutachterlich erhobene
psychiatrische Diagnose und deren Ausprägung abzustellen, zumal auch keine
anderweitigen Gesichtspunkte ersichtlich sind, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt geblieben waren und die geeignet sind, zu einer anderen Beurteilung zu
führen.
2.7.4.
Hinsichtlich des Behandlungs- und Eingliederungserfolgs bzw. der
Therapieresistenz fällt auf, dass sich der Beschwerdeführer gemäss Aktenlage erstmals
im Jahr 2015 in psychiatrische Behandlung begab, diese jedoch bereits nach drei
Konsultationen beendete (IV-act. 11-2). Im Spätherbst 2018 wurde wegen der
zunehmenden depressiven Symptomatik ein Klinikaufenthalt in Erwägung gezogen. Der
Beschwerdeführer entschied sich jedoch offenbar wegen der Kürzung der
2.8.
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Sozialhilfeleistungen während eines Klinikaufenthaltes dagegen (vgl. IV-act. 14-8). Erst
im April 2019 nahm er die psychiatrische Behandlung bei Dr. E._ mit einer Intensität
von ein bis zwei Konsultationen pro Monat wieder auf (IV-act. 11-2, 59-91). Dr. E._
erachtete – wohl auch angesichts der schwierigen psychosozialen Situation in Folge
der jahrelangen Abhängigkeit vom Sozialamt, fehlenden finanziellen Ressourcen,
erfolglosen jahrelangen Arbeitssuche und fehlenden Perspektive auf Besserung –
Wiedereingliederungsmassnahmen beispielsweise im Sinne eines Belastungstrainings
als sinnvoll und zeigte sich denn auch enttäuscht – jedoch nicht überrascht –, als der
Beschwerdeführer Eingliederungsmassnahmen ablehnte u.a. mit dem Argument, dass
er nicht bereit sei, gratis (ohne Taggeldanspruch) zu arbeiten (IV-act. 11, 34). Erst im
Januar 2022 und damit ein halbes Jahr nach Verfügungserlass liess sich der
Beschwerdeführer doch noch stationär behandeln (vgl. IV-act. 21-2, act. G 16.1).
Was die im Komplex Persönlichkeit zu prüfenden Merkmale
(Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen)
anbetrifft, liegt beim Beschwerdeführer eine normale Sozialisation vor. So durchlief er
die Schulen in seinem Herkunftsland, fand schnell Arbeit in der Schweiz, hatte stets
Partnerschaften und gründete auch eine Familie. Zudem hat er sich in der Schweiz
integriert und wurde im Jahr 200_ eingebürgert. Gemäss Aktenlage kümmert er sich
derzeit insbesondere um seinen im Jahr 201_ geborenen Sohn. Dass das
Aktivitätsniveau nach dem Verlust des Arbeitsplatzes im Jahr 2009 geringer wurde,
dürfte insbesondere eine Folge der zur Verfügung stehenden geringeren finanziellen
Mittel (Abhängigkeit von Sozialhilfeleistungen) sowie der verletzten Ehre/des
Statusverlustes sein. Im Gutachten wird erwähnt, dass die Verhaltensweisen des
Beschwerdeführers seiner Herkunftskultur entsprächen. Anzeichen für eine krankhafte,
abnorme Persönlichkeitsstörung lägen nicht vor (vgl. IV-act. 59-94). In Anbetracht
dessen ist die von Dr. E._ im Verlaufsbericht vom 3. Februar 2020 erwähnte
schwerste Frustrations- und Belastungsintoleranz mit Reizbarkeit,
Konzentrationsstörungen, Störung der Affektsteuerung und der Impulskontrolle in ihrer
Bedeutung/in ihrem Ausmass zu relativieren, ansonsten die Fahreignung für
Motorfahrzeuge ebenso in Frage gestellt werden müsste (vgl. IV-act. 43; vgl. die
medizinischen Mindestanforderungen gemäss Ziff. 4. psychische Störungen im Anhang
1 der Verkehrszulassungsverordnung [VZV; SR 741.51]: Keine psychischen Störungen
mit bedeutsamen Auswirkungen u.a. auf die Informationsverarbeitung und -bewertung,
das Reaktionsvermögen- und die situationsgerechte Verhaltenssteuerung. Keine
Beeinträchtigung von verkehrsrelevanten Leistungsreserven. Keine manische oder
erhebliche depressive Symptomatik. Keine erheblichen Persönlichkeitsstörungen [...]).
Folglich ist davon auszugehen, dass die Persönlichkeitsstruktur und deren
2.9.
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Ausprägungen sich im Rahmen dessen bewegen, was (noch) als normal gilt, zumal in
den Akten keine konkreten relevanten Abweichungen ersichtlich sind.
Der Beschwerdeführer dürfte auch über verwertbare Ressourcen verfügen. Dazu
gehören die von ihm erwähnte Ausbildung zum C._ sowie die mehrjährige
Berufserfahrung in verschiedenen Tätigkeitsbereichen bei verschiedenen Arbeitgebern.
Auch bewies er wiederholt, dass er fähig ist, sich gezielt weiterzubilden. So absolvierte
er erfolgreich u.a. einen Schweisskurs, einen Gabelstaplerkurs und einen
Informatikanwenderkurs (vgl. IV-act. 21-2, 22-1 ff.). Im Weiteren verfügt er zumindest
über gute mündliche Deutschkenntnisse, konnten doch die gutachterlichen
Untersuchungen ohne Dolmetscher durchgeführt werden (vgl. IV-act. 59-26, 59-42,
59-75, 59-80; wobei die psychiatrische Exploration mit Dr. K._ überwiegend in der
"gemeinsamen" B._ischen, punktuell auch in der "gemeinsamen"
schweizerdeutschen Umgangssprache stattgefunden hat [IV-act. 59-93 Ziff. 4.2]).
Ausserdem bewährte er sich in den beiden mehrmonatigen Einsatzprogrammen (vgl.
IV-act. 22-6 f.). Gemäss Dr. E._ scheint der Beschwerdeführer im Alltag trotz der
pessimistischen Haltung durchaus zu funktionieren (vgl. IV-act. 11, 16). Dr. K._s
Aussage, dass der Beschwerdeführer durchaus über verwertbare bzw. nutzbare
Ressourcen verfüge, ist daher plausibel.
2.10.
Was den sozialen Kontext anbelangt, lebt der Beschwerdeführer zusammen mit
seiner zweiten Ehefrau und seinem Sohn (IV-act. 59-31, 59-99). Zu seiner Mutter und
seinen Schwiegereltern hat er regelmässigen Kontakt (IV-act. 59-30, 59-93). Zudem
scheint er, wenn auch auf einem geringeren Niveau als früher, Kontakte zu weiteren
Bekannten und Kollegen zu pflegen (vgl. IV-act. 59-93). Er ist auch sonst nicht gänzlich
isoliert von der Umwelt, verlässt er doch regelmässig seine Wohnung bspw. für
Arztbesuche oder um seinen Sohn mit dem Auto zur Schule und zu Freizeitaktivitäten
zu bringen (vgl. IV-act. 34, 59-92). Aus den Akten ergibt sich denn auch nicht, dass die
Selbstbehauptungsfähigkeit und die Kontaktfähigkeit psychisch bedingt erheblich
eingeschränkt wären. Dass er – wie er selbst geltend macht – anderen Personen wegen
seiner Impulsivität nicht zumutbar sei (vgl. IV-act. 21-2), vermag nicht zu überzeugen,
denn sollte dies zutreffen, wäre – wie bereits erwähnt – die Fahreignung für
Motorfahrzeuge in Frage zu stellen. Nach dem Gesagten kann daher weder von
relevanten krankheitsbedingten sozialen Beeinträchtigungen noch von einer
krankheitsbedingten gleichmässigen Reduktion des Aktivitätsniveaus in allen
Lebensbelangen ausgegangen werden.
2.11.
Was den behandlungs- und eingliederungsanamnestischen ausgewiesenen
Leidensdruck angeht, fällt auf, dass dieser zum Verfügungszeitpunkt nicht ein Ausmass
2.12.
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erreicht hatte, welches den Beschwerdeführer veranlasst hätte, der Empfehlung seines
Psychiaters zu folgen und an Eingliederungsmassnahmen der IV-Stelle teilzunehmen
oder (teil-)stationäre Behandlungen in Betracht zu ziehen (vgl. IV-act. 14-8). Zum
Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchungen war das angestrebte Ziel des
Beschwerdeführers möglicherweise nicht eine Wiedereingliederung in den
Arbeitsmarkt, sondern die Zusprache einer Invalidenrente. So würden ihm zusätzliche
Fr. 500.- zur Bestreitung des Lebensunterhaltes reichen (vgl. IV-act. 59-90).
Zur Arbeitsfähigkeit führte Dr. K._ aus, dass aus rein fachpsychiatrischer Sicht
unter Absehung der körperlichen Probleme und der objektiv sehr schwierigen Situation
des Beschwerdeführers nicht von einer Arbeitsunfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt
auszugehen sei. Er erachtete es jedoch als möglich, dass einmal oder zu wiederholtem
Male kurze, psychiatrisch gerechtfertigte Arbeitsunfähigkeiten, im Rahmen
kurzdauernder und vorübergehender reaktiver Verschlechterungen des psychischen
Zustandes, bestanden hätten (IV-act. 59-9 f./95 ff.). Dr. E._ vertritt dagegen die
Ansicht, dass in Anbetracht schwerster Frustrations- und Belastungsintoleranz mit
Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen infolge Grübelneigung, schwerer defizitärer
Beziehungsfähigkeit und Kontaktgestaltung infolge Reizbarkeit, leichter Störung der
Affektsteuerung und der Impulskontrolle, schwerer Selbstwertkrise und Störung der
Intentionalität und des Antriebes selbst in einer ideal adaptierten Tätigkeit derzeit auf
dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeitsfähigkeit gegeben sei (vgl. IV-act. 43-2 ff.) bzw.
es unzutreffend sei, dass beim Beschwerdeführer aus isoliert psychiatrischer Sicht
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegen solle (vgl. IV-act. 70-2 ff.). In
Anbetracht der gutachterlich erhobenen versicherungsrelevanten Befunde sowie der
Erkenntnisse aus der Prüfung der Standardindikatoren gibt es keine beachtenswerten
Gründe, nicht der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitseinschätzung zu folgen und nicht
von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten auszugehen.
2.13.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das psychologische Teilgutachten von
Dr. K._ die erforderlichen Indikatoren des strukturierten Beweisverfahrens
ausreichend berücksichtigt. Dass auf das Gutachten abgestellt werden könne,
bestätigte der RAD auch nach Vorliegen der Einwände von Dr. E._ vom 30. April
2021 (IV-act. 70-2 ff.; vgl. RAD-Stellungnahme vom 10. Juni 2021, IV-act. 71). Für eine
abweichende rechtliche Beurteilung hinsichtlich der invalidenversicherungsrechtlichen
Relevanz der psychiatrischen Diagnosen bleibt somit kein Raum, zumal das
Teilgutachten – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – die geklagten
Beschwerden und die medizinischen Akten sehr wohl ausreichend berücksichtigt.
Insbesondere ist die gutachterliche Beurteilung gegenüber den davon abweichenden
2.14.
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3.
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen.
Einschätzungen von Dr. E._ mit Blick auf die erhobenen Befunde und Diagnosen,
aber auch mit Blick auf die Tatsache, dass der Beschwerdeführer die vom
behandelnden Psychiater als zumutbar erachteten Eingliederungsmassnahmen u.a.
aus finanziellen Gründen (er sei nicht bereit gratis zu arbeiten) ablehnte, gut
nachvollziehbar, stimmig, konsistent und vermag zu überzeugen. Seitens des
Beschwerdeführers wurde denn auch nichts vorgebracht, was die Folgerungen des
psychiatrischen Gutachters ernsthaft in Zweifel zu ziehen vermöchte (vgl. dazu
Erwägung 2.3). Folglich ist im Weiteren aus psychiatrischer Sicht auf die
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen von Dr. K._ abzustellen.
Gesamthaft bzw. aus interdisziplinärer medizinischer Sicht ist somit für die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als D._ sowie für überwiegend stehend und gehend ausgeübte
Tätigkeiten mit der intermittierenden Notwendigkeit von Zwangshaltungen sowie dem
gelegentlichen Heben und Tragen von Lasten über 15 kg von einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Für optimal leidensangepasste Tätigkeiten, welche
dem orthopädischen Anforderungsprofil entsprechen (vgl. IV-act. IV-act. 59-8 f., 59-69,
59-70 f.), ist aus interdisziplinärer versicherungsmedizinischer Sicht bezogen auf ein
volles Pensum von einer quantitativ unlimitierten Arbeitsfähigkeit von 100 %
auszugehen.
2.15.
Bei dieser Ausgangslage erübrigen sich weitere medizinische Abklärungen wie
die vom Beschwerdeführer geforderte Einholung eines Gerichtsgutachtens bzw.
Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zwecks Vornahme weiterer Abklärungen (vgl.
act. G 1, G 9).
2.16.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen, Art. 16 ATSG und
Art. 28a Abs. 1 IVG). Da vorliegend ein vor dem 1. Januar 2022 beginnender
Rentenanspruch im Streit liegt, finden die am gleichen Tag in Kraft getretenen
Anpassungen im IVG sowie in der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR
831.201) keine Anwendung (siehe das Kreisschreiben des Bundesamtes für
3.1.
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Sozialversicherungen über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab
1. Januar 2022, Rz. 9100 ff.). Nach dem bis 31. Dezember 2021 gültigen Art. 28 Abs. 2
IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 %, auf eine
halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % und auf eine Viertelsrente, wenn sie
mindestens zu 40 % invalid ist.
Der Beschwerdeführer lässt geltend machen, dass die Restarbeitsfähigkeit nicht
mehr verwertbar und deshalb kein Invalideneinkommen anzurechnen sei. Zum
angeführten Argument, dass seine Sprachkenntnisse für die in Frage kommenden
Tätigkeiten ungenügend seien, ist zu entgegnen, dass bei einem Grossteil der
Hilfsarbeitertätigkeiten die Sprachkenntnisse des Beschwerdeführers ausreichend sein
dürften, war doch während den meisten gutachterlichen Untersuchungen die
Verständigung auf Deutsch auch ohne Dolmetscher gut möglich (vgl. vorstehende
Erwägung 2.10). Ausserdem absolvierte er erfolgreich verschiedene Weiterbildungen,
die ebenfalls Deutschkenntnisse vorausgesetzt haben müssen. Die Einschränkungen in
somatischer/orthopädischer Hinsicht vermögen das in Frage kommende
Arbeitsspektrum an Hilfsarbeitertätigkeiten einzuschränken, insbesondere diejenigen
Tätigkeiten, welche mit schwerer körperlicher Arbeit verbunden sind, trotzdem dürfte
es noch genügend zumutbare Hilfsarbeitertätigkeiten bspw. im Dienstleistungs- als
auch im Produktionsbereich geben. Dem Einwand, dass der Beschwerdeführer seit
mehr als zehn Jahren keiner Erwerbstätigkeit mehr nachging, ist zu entgegnen, dass
dies (zumindest teilweise) ihm selbst anzurechnen ist, denn obwohl der ihn
behandelnde Psychiater Dr. E._ Eingliederungsmassnahmen als sinnvoll erachtete,
lehnte er die Teilnahme an solchen ab. Die orthopädisch bedingten qualitativen
Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nehmen auch nicht ein derart
aussergewöhnliches Ausmass an, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht
mehr mit zumutbaren Stellen gerechnet werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat
denn auch in zutreffender Weise mögliche Einsatzgebiete und Tätigkeiten genannt,
welche dem Beschwerdeführer grundsätzlich zumutbar wären (vgl. act. G 11-6 f.). Dass
der Beschwerdeführer mit seinen qualitativen Einschränkungen nur noch
Bürotätigkeiten wahrnehmen kann, über die dafür notwendigen Voraussetzungen und
Kenntnisse jedoch nicht verfügt (vgl. act. G 9-6 f.), ist nicht erwiesen. Einerseits dürfte
es, wie bereits ausgeführt, geeignete Tätigkeiten auch ausserhalb des Bürobereiches
geben und andererseits verfügt der Beschwerdeführer hinsichtlich einfacherer
Bürotätigkeiten durchaus über nutzbare Kenntnisse wie die Ausbildung zum Informatik-
Anwender SIZ (vgl. IV-act. 5) sowie über eine Weiterbildung in der
Lagerbewirtschaftung (Blue Office; vgl. IV-act. 22). Anzumerken ist, dass das Bundes
3.2.
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4.
gericht sehr restriktiv hinsichtlich der Unverwertbarkeit einer Restarbeitsfähigkeit ist
(vgl. dazu den Entscheid des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 16. März 2022, IV
2021/5, E. 4.2.3). Die Voraussetzungen für eine Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit sind vorliegend sicherlich nicht erfüllt. Infolgedessen kann nicht
von einer objektiven Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Mit Blick auf die Erwerbsbiographie des Beschwerdeführers kann gesagt werden,
dass er fast sein ganzes Erwerbsleben lang ein Einkommen erzielte, das deutlich unter
dem vom Bundesamt für Statistik ermittelten Medianlohn für Hilfsarbeiter lag (vgl. IV-
act. 7: bei der letzten Arbeitsstelle erzielte er im Jahr 2008 ein Einkommen von Fr.
64'643.-; das Einkommen des Jahres 2009 ist bedingt durch die lange
Arbeitsunfähigkeit und die Arbeitsvertragsauflösung per Mitte Jahr nicht hinreichend
verlässlich, als dass es zur Ermittlung des Erwerbspotentials ohne Behinderung
verwendet werden könnte). Ein über dem Hilfsarbeiter-Lohnniveau liegendes
Erwerbspotential ist jedenfalls nicht überwiegend wahrscheinlich bewiesen. Da vor
diesem Hintergrund und bei voller Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit selbst bei
Gewährung eines Tabellenlohnabzugs (welcher aber offenkundig deutlich unter dem
maximal zulässigen von 25 % bleiben müsste) kein rentenbegründender
Mindestinvaliditätsgrad von 40 % erreicht wird, kann eine genaue
Invaliditätsbemessung unterbleiben.
3.3.
Gemäss vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Anzumerken
ist, dass es dem Beschwerdeführer freisteht, sich bei einer dauerhaften
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes bei der Invalidenversicherung erneut
anzumelden (Art. 17 Abs. 1 ATSG sowie Art. 87 Abs. 3 in Verbindung mit Abs. 2 IVV)
und dabei insbesondere Eingliederungsmassnahmen/berufliche Massnahmen zu
beantragen.
4.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Gerichtskosten von Fr. 600.- erscheinen in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der vollständig
unterliegende Beschwerdeführer hat die gesamten Gerichtskosten von Fr. 600.- zu
tragen. Zufolge gewährter unentgeltlicher Rechtspflege (act. G 12) ist er von der
Bezahlung zu befreien.
4.2.
bis
Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Der Staat bezahlt zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung
4.3.
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