Decision ID: 9bd1b1aa-07e1-45ae-a4e9-8f9ad0ef4fc1
Year: 2012
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts vorliege und mithin gar kein
Revisionsgrund vorliege.
13. Die Beschwerdegegnerin wies in ihrer Duplik vom 11. Januar 2012 nochmals
darauf hin, dass aufgrund der Aktenlage offensichtlich sei, dass der
Beschwerdeführer über seine Fähigkeiten wiederholt nicht nur unvollständige,
sondern insbesondere auch unehrliche Angaben gemacht habe. Die nach
Ansicht des Beschwerdeführers tendenziösen, gegen ihn gerichteten
Darstellungen des ABI Basel seien bei richtiger Betrachtung nicht parteiisch,
vielmehr entsprächen sie der Wirklichkeit. Von Parteilichkeit könne keine Rede
sein.
Die Gutachter des ABI Basel würden die adäquaten fachlichen Qualifikationen
aufweisen, um den Gesundheitszustand respektive die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu beurteilen (Stellungnahme ABI Basel vom 27. Dezember
2011 zur Beurteilung des REM Zürich vom 17. September 2011).
Demgegenüber weise Dr. med. ... (Verfasser der Beurteilung des REM Zürich)
als Neurologe keine fachliche Qualifikation auf, um das Gutachten des ABI
Basel zu kritisieren. Er sei weder Internist noch Onkologe, weder Psychiater
noch Rheumatologe. Die Beurteilung des REM Zürich vom 17. September 2011
könne nicht dazu führen, dass die Schlussfolgerungen des ABI Basel als nicht
nachvollziehbar und widersprüchlich zu betrachten wären und demnach nicht
als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden dürften. Es sei daran
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer in einer behinderungsangepassten
Tätigkeit spätestens seit Juni 2010 über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfüge.
Am Vorliegen eines Revisionsgrundes werde festgehalten. Zusätzlich sei darauf
hinzuweisen, dass der Richter eine zu Unrecht ergangene Revisionsverfügung
gegebenenfalls mit der substituierten Begründung schützen könne, dass die
ursprüngliche Rentenverfügung zweifellos unrichtig und die Berichtigung von
erheblicher Bedeutung sei (vgl. BGE 125 V 368).
14. In der Folge reichte der Beschwerdeführer am 23. Januar 2012 noch eine
Triplik ein. Das Gericht prüfe von Amtes wegen, ob ein Revisionsgrund vorliege
oder nicht. Seitens des Beschwerdeführers werde das Vorliegen eines solchen
bestritten.
Dr. med. ... mache in seiner Würdigung des Gutachtens wegen der fehlenden
onkologischen Fachausbildung konsequenterweise keine Aussagen zur Höhe
der Arbeitsfähigkeit. Er prüfe nur, ob die wesentlichen medizinischen
Fachrichtungen für die Beurteilung mit einbezogen worden seien. Diese
Kompetenz bringe Dr. med. ... als Mediziner mit.
15. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Quadruplik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und auf den
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Verfahren bildet die Verfügung der IV-Stelle
vom 29. Juli 2011. Gegenstand des Verfahrens ist die Frage, ob die seit Juni
1998 ausgerichtete ganze IV-Rente zu Recht ab dem 1. September 2011
aufgehoben worden ist. Streitig und zu prüfen sind die 100%ige Arbeitsfähigkeit
in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit und damit das Invalideneinkommen
sowie das Vorliegen eines Revisionsgrundes. Festzuhalten ist, dass die
Problematik der Stuhlinkontinenz, der psychischen Probleme und weiterer
körperlicher Beschwerden von der Beschwerdegegnerin nicht in Abrede gestellt
werden, sie verneint indessen, dass diese Leiden Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers haben.
2. a) Gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG) besteht der Anspruch auf eine Invalidenrente nach Ablauf eines Jahres,
sofern ohne wesentlichen Unterbruch eine Arbeitsunfähigkeit von
durchschnittlich mindestens 40 % vorgelegen hat und anschliessend eine
rentenbegründende Erwerbsunfähigkeit vorliegt. Die Ermittlung der Invalidität
erfolgt dabei bei erwerbstätigen Versicherten in der Regel nach der Methode
des Einkommensvergleiches (Art. 16 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]; Art. 28 Abs. 2 IVG).
Bei dieser Methode wird das gegenwärtige trotz Behinderung noch zumutbare
Erwerbseinkommen mit jenem ohne Behinderung verglichen, wobei die daraus
resultierende Differenz in Prozenten den IV-Grad ergibt. Ist ein Versicherter
hiernach mindestens 40 % invalid, so hat er Anspruch auf eine Viertelsrente,
bei mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
b) Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ein Arzt, eine
Ärztin und allenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung stellen. Aufgabe der
Ärzte und Ärztinnen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
(Befunderhebung, Diagnosestellung) und anzugeben, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die
ärztlichen Auskünfte bilden eine wichtige Grundlage für die von der Verwaltung
oder dem Gericht zu beantwortende Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person zugemutet werden können (vgl. SVR 2008 IV Nr. 40 S. 133
Erw. 3.2).
c) Für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob dieses die
dem Gutachter gestellten Fragen umfassend beantwortet, auf allseitigen
Untersuchungen beruht und auch die von der begutachteten Person geklagten
Beschwerden berücksichtigt, ob es in Kenntnis der Vorakten erstellt wurde und
sich mit diesen auseinandersetzt, ob es in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in deren Beurteilung einleuchtet, und ob der Gutachter
oder die Gutachterin ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründen, so
dass sie für die Verwaltung und das Gericht überprüfbar sind (BGE 125 V 351 E.
3b; U. Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl., Zürich
2010, S. 252; U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl., Zürich 2009, Rz 32 zu Art.
44).
3. a) Grundsätzlich stellt sich vorliegend die Frage, ob auf das Gutachten des ABI
Basel vom 14. Februar 2011 sowie auf die Erkenntnisse und Ergebnisse der
Observation (Bericht vom 5. Juli 2010) und die darauffolgende Beurteilung des
RAD Ostschweiz vom 27. Juli 2010 abgestellt werden kann. Diesbezüglich sind
unter anderem die Einwände von Prof. Dr. med. ..., Facharzt für Neurologie am
Institut für Expertisen in Medizin und Recht (REM) Zürich, im Rahmen seiner
Beurteilung vom 17. September 2011 eingehend zu prüfen.
b) Vorneweg ist festzuhalten, dass der vom Beschwerdeführer in der Replik vom
14. November 2011 (S. 4) erhobene Vorwurf der wiederholt tendenziösen, gegen
ihn gerichteten Darstellungen unbegründet erscheint. Der Beschwerdeführer
vermag nicht näher darzulegen, inwiefern sich diese äussern sollen. Aus seinem
Zitat einer Passage aus dem ABI-Gutachten, sind keine solch tendenziösen
Darstellungen ersichtlich.
c) Prof. Dr. med. ... rügt in der REM Expertise vom 17. September 2011 die
fehlende onkologische Untersuchung in der Begutachtung durch das ABI Basel.
Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass Dr. med. ... Facharzt für Innere
Medizin ist, wobei Onkologie ein Teilgebiet der inneren Medizin darstellt. Gemäss
Stellungnahme des ABI zur Beurteilung des REM Zürich vom 27. Dezember
2011 würden in Spezialfällen Onkologen hinzugezogen werden, offensichtlich
habe es Dr. med. ... jedoch nicht für notwendig erachtet, einen Onkologen
beizuziehen. Diese Einschätzung ist nicht zu bemängeln, nachdem bereits
gemäss gastroenterologischer Abklärung durch Dr. med. ... am Kantonsspital
Graubünden vom 25. August 2008 bezüglich der Krebserkrankung keine
Anhaltspunkte für ein Rezidiv festgestellt werden konnten. Auch das CT des
Abdomen/Beckens vom 22. Juni 2009 sowie die Beurteilungen von Dr. med. ...
vom 3. Juni 2010 und Dr. med. ... vom 11. Juli 2011 bestätigten, dass kein
Rezidiv vorliege, womit sich der Sachverhalt seit der Behandlung der
Krebserkrankung nicht verändert hatte. Unbestrittenermassen bestand ein
partieller Verlust der Sphinkterkontrolle mit zum Teil oft unbemerktem
Stuhlabgang. Deswegen wurde im ABI-Gutachten (S. 13) auch auf die aktuelle
Tumor-Situation eingegangen, d.h. die daraus resultierenden Einschränkungen
festgehalten. Die Behauptung des Beschwerdeführers, sich wegen eines Stomas
nicht bücken zu können, wurde durch das Observationsvideo offensichtlich
widerlegt. Denn darin sieht man den Beschwerdeführer, wie er während längerer
Zeit gebückt über dem Kofferraum seines Autos steht.
Wie der Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin angegeben hat,
müsse er alle 5 Minuten die Toilette aufsuchen (Befragung vom 30. November
2010 anlässlich der vorsorglichen Einstellung der IV-Rente durch die
Beschwerdegegnerin), ansonsten ist die Rede von 5-8 Mal (ABI-Gutachten)
respektive 5-10 Mal pro Tag (gemäss ärztlichem Bericht von Dr. med. ... vom 11.
Juli 2011). Aus dem Observationsbericht vom 5. Juli 2010 ist ersichtlich, dass es
dem Beschwerdeführer durchaus möglich ist, zwei Stunden ohne Unterbruch
Auto zu fahren. Eine Person, die jede zweite Stunde die Toilette aufsuchen
muss, ist deswegen in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht erheblich eingeschränkt, gibt es
doch auch andere Umstände, beispielsweise im Rahmen einer Schwangerschaft,
die ebenfalls häufige Toilettengänge verlangen. Dass eine solche Inkontinenz der
Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit nicht entgegensteht, hat auch bereits das
Bundesgericht festgehalten. So führte das Bundesgericht aus, es entspreche
einer Erfahrungstatsache, dass Verletzungen des Rückenmarks in vielen Fällen
zu Funktionsstörungen der Blase und des Blasenschliessmuskels wie auch zu
Störungen der Darmfunktion führen würden (vgl. Lexikon der Krankheiten und
Untersuchungen, Stuttgart/New York 2006, S. 885), so dass die Vorinstanz kein
Bundesrecht verletze, wenn sie in diesen bei Tetraplegikern weit verbreiteten
Problemen keinen Grund sehe, welcher der beruflichen Wiedereingliederung
entgegenstehen würde (Urteil des Bundesgerichts I 112/07 vom 15. Januar 2008,
E. 4.2).
Unter diesen Umständen bestand für die Ärzte des ABI Basel keine
Veranlassung, zusätzliche Abklärungen zu treffen. Die Problematik war den
Ärzten des ABI Basel bekannt und das distale Rektumkarzinom (mit allen
entsprechenden Stadien der Krankheit) wurde im Gutachten auch als Diagnose
(ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) berücksichtigt (vgl. Gutachten S. 27).
d) Die Kritik von Prof. Dr. med. ... an der psychiatrischen Anamnese, wonach
wesentliche Aspekte und Angaben zum subjektiven Krankheitskonzept fehlen
würden, vermag nicht zu überzeugen. Der Beschwerdeführer war bereits
anlässlich der Erstellung des Gutachtens durch die Medas Basel vom 23.
Dezember 2001 psychiatrisch untersucht worden und die dabei festgehaltene
persönliche und familiäre Anamnese hat Eingang in das ABI-Gutachten vom 14.
Februar 2011 gefunden. Aus dem ABI- Gutachten geht des Weiteren hervor,
dass sich der Beschwerdeführer sowohl zu seinem Krebsleiden als auch zu
seiner Medikation äussern konnte, Angaben zu seiner Biographie machte und
seinen beruflichen Werdegang kurz schilderte. Der geprüfte
Medikamentenspiegel hat alsdann Anlass zur Diskussion gegeben, ob der
Beschwerdeführer, wie behauptet, die Medikamente überhaupt einnehme.
Fälschlicherweise geht Prof. Dr. med. ... auch davon aus, dass Dr. med. ...,
psychiatrischer Gutachter der Medas Basel, in seinem Teilgutachten vom 21.
November 2001 dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
attestierte, was von den Gutachtern des ABI Basel hätte berücksichtigt werden
müssen. Wie indessen dem psychiatrischen Teilgutachten vom 21. November
2001 entnommen werden kann, erachtete Dr. med. ... nur eine körperliche
Schwerarbeit für den Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. Dem
Beschwerdeführer könne jedoch noch zugemutet werden, ganztags einer
körperlich einfachen bis mittelschweren, einfach strukturierten Tätigkeit
nachzugehen. Die psychiatrische Beurteilung des ABI Basel widerspricht damit
nicht dem vorangegangenen Beurteilung durch die Medas Basel. Eine
Fremdanamnese war demnach, entgegen der Annahme von Prof. Dr. med. ...,
nicht zwingend angebracht und es steht ohnehin im Ermessen des Gutachters,
eine solche einzuholen. Die nicht durchgeführte Fremdanamnese führt
schliesslich nicht dazu, dass nicht auf das ABI-Gutachten abgestellt werden
könnte.
e) Beim ABI Basel hat eine neurologische Untersuchung durch den Rheumatologen
Dr. med. ... stattgefunden, jedoch nach Ansicht von Prof. Dr. med. ... nur
ungenügend, weil Kopf und Hirnnerven nicht mit einbezogen worden seien.
Diese Untersuchung wäre beim vom Beschwerdeführer beklagten
Beschwerdebild „Schwindel“ jedoch erforderlich gewesen. Gemäss ABI-
Gutachten vom 14. Februar 2011 beklagte der Beschwerdeführer chronische
Verspannungen im gesamten Nackenbereich mit häufigen Kopfschmerzen sowie
chronische, nächtliche Kribbelparästhesien an beiden Händen (S. 21). Gemäss
Dr. med. ... gestaltete sich die Untersuchung jedoch äusserst schwierig, da der
Beschwerdeführer jeweils mit massivster sofortiger Gegeninnervation und
Schmerzartikulation sowie rascher Schwindelsymptomatik reagierte (ABI-
Gutachten, S. 21 ff.). Trotzdem konnte Dr. med. ... eine Myogelose im Bereich
des Nacken-Schultergürtels sowie eine verstärkte Kyphosierung im
zervikothorakalen Übergang mit Schulter- und HWS-Protraktionsfehlstellung
feststellen. Ähnlich wie bei der Wirbelsäulenprüfung provozierten die vorsichtig
und langsam durchgeführten Untersuchungsbewegungen der Schultergelenke,
ohne dass die Halswirbelsäule mitbewegt worden war, sofortige starke
Schwindelsymptome, welche ebenso schnell wieder unter Ablenkung regredient
waren (S. 22/23). Die neurologischen Befunde würden aus rein
rheumatologischer Sicht eine mögliche periphere Polyneuropathie an den oberen
sowie unteren Extremitäten differentialdiagnostisch möglich erscheinen lassen,
im Bereich der Hände könne zusätzlich ein eventuelles Karpaltunnelsyndrom
postuliert werden, wobei alle diese Tests rein auf den Aussagen des
Beschwerdeführers beruhen würden und daher nicht aus rein klinischer Sicht
objektiviert werden könnten (S. 26). Aetiologische Aussagen bezüglich einer
möglichen peripheren Polyneuropathie seien nicht eindeutig möglich. Weitere
klar fassbare pathoanatomische Veränderungen am Bewegungsapparat
könnten, gemäss Dr. med. ..., nicht festgestellt werden.
Laut Arztbericht von Dr. med. ... vom 3. Juni 2010 bestand seit 1997 ein
chronisch vestibulärer und psychogener Schwindel. Der Beschwerdeführer
erklärte auch bereits anlässlich der Begutachtung durch die Medas Basel vom
23. Dezember 2001 häufig an Schwindel zu leiden sowie chronische
Kopfschmerzen zu haben (S. 9), wobei die Medas Basel den chronischen
Schwankschwindel als Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit aufführte
(S. 15). Die Gutachter konnten sich die vom Beschwerdeführer geschilderten
Schmerzen im Nacken und die chronische Schwindelsymptomatik jedoch
somatisch nicht erklären (S. 15 f.). Auch gemäss Dr. med. ... des ABI Basel
könnten seine eventuell möglichen Diagnosen rein klinisch nicht objektiviert
werden und würden mehrheitlich auf den Aussagen des Beschwerdeführers
basieren (ABI Gutachten S. 26). Nun erscheinen diese Aussagen des
Beschwerdeführers bereits aufgrund der massiven Gegeninnervation und der
damit nur eingeschränkt möglichen Untersuchung durch Dr. med. ..., als auch
aufgrund des Observationsergebnisses als nicht glaubhaft. Aus den
Observations-DVD’s ist nämlich ersichtlich, dass der Beschwerdeführer alleine
Auto fährt, den Kopf beim Parkieren ohne Einschränkung drehen, sich beim
Autowaschen problemlos bücken und wieder erheben und sogar in der Nacht
längere Strecken Auto fahren kann. Sie erscheinen somit vor allem deshalb nicht
glaubhaft, weil der Beschwerdeführer anlässlich der Befragung zum
Observationsergebnis vom 30. November 2010 trotz der gegenteiligen Beweise
daran festhielt, er könne sich wegen des Stomas nicht bücken und drehen, auch
könne er ohne Gehstöcke nicht laufen und Autofahren sei ihm auch nicht mehr
möglich. In Kenntnis der Observationsergebnisse und der dazu durchgeführten
Befragung des Beschwerdeführers bestand somit keine Notwendigkeit, eine
separate neurologische Untersuchung durchzuführen, zumal die Beschwerden
seit längerem bekannt waren und in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
miteingeflossen sind.
f) Prof. Dr. med. ... ist der Ansicht, das Observationsmaterial hätte kritisch
diskutiert werden müssen, so etwa die Frage, wie das zeitliche Verhältnis
zwischen Gehen mit und ohne Stock gewesen sei oder ob der Beschwerdeführer
eventuell ohne Stock habe gehen können, weil er zuvor starke Schmerzmittel
eingenommen habe. Zusätzlich hätte der Beschwerdeführer mit dem
Observationsmaterial konfrontiert werden müssen.
Aus der rheumatologischen Anamnese im ABI-Gutachten vom 14. Februar 2011
geht hervor, dass der Beschwerdeführer Schmerzmittel (Dafalgan, Voltaren
retard) zu sich nimmt und keinen Schritt ohne zwei Stöcke gehen könne.
Ausserdem könne er das Haus wegen seiner Panikattacken kaum verlassen (S.
21 f.). Dieselben Aussagen machte der Beschwerdeführer bereits anlässlich
seiner Befragung vom 30. November 2010, anlässlich welcher ihm Gelegenheit
gegeben wurde, zum Observationsergebnis Stellung zu nehmen. Der
Beschwerdeführer blieb, trotz der ihm gezeigten Video-Aufnahmen, bei den
geschilderten Beschwerden. Er führte weiterhin aus, er könne sich wegen des
Stomas nicht bücken und drehen, auch könne er ohne Gehstöcke nicht laufen,
und Autofahren sei ihm auch nicht mehr möglich. Er bezeichnete sich weiterhin
als sehr krank.
Vorliegend geht es jedoch nicht um die Frage, ob der Beschwerdeführer sich nur
mit oder ohne Stock bewegen könne, sondern darum, wie diese Bewegung im
Alltag erfolgt. In den Observations-DVD’s sieht man den Beschwerdeführer, wie
er die Strasse ohne jegliches Hinken sehr schnell, das heisst fast rennend
überquert, ohne auf die Hilfe seiner Frau angewiesen zu sein, die neben ihm
ebenfalls die Strasse überquert. Auch mit hoher Schmerzmitteldosis wäre ein
plötzliches, so müheloses Gehen ohne Krücken rein muskulär gar nicht möglich,
wenn auch sonst eine Fortbewegung nur mit Krücken möglich wäre. Im Übrigen
hat auch der behandelnde Hausarzt Dr. med. ... festgehalten, dass der
Beschwerdeführer mehr könne als er zeige (Aktennotiz vom 26. April 2011 zum
Vorbescheid der IV-Stelle vom 8. April 2011, S. 5). Am Beweiswert der
Observation können daher keine Zweifel bestehen.
g) Der Einwand von Prof. Dr. med. ..., im Gutachten fehle es an Literaturangaben,
ist nicht weiter zu berücksichtigen, da er selbst bereits mit Verweis auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung darlegt, dass medizinische Literaturverweise
in einem Gutachten nicht zwingend aufgeführt werden müssen (BGE 122 V 160).
h) Insgesamt ist damit die von Prof. Dr. med. ... vorgebrachte Kritik am Gutachten
des ABI Basel vom 14. Februar 2011 nicht schlüssig und insbesondere nicht
geeignet, das ABI-Gutachten in Zweifel zu ziehen.
4. Die übrigen vorliegenden ärztlichen Berichte sind ebenfalls nicht geeignet,
Zweifel am ABI-Gutachten hervorzurufen. Aus dem Arztbericht des
behandelnden Psychiaters, Dr. med. ..., vom 20. April 2011 ergeben sich keine
diesbezüglichen Anhaltspunkte, auch nicht aus dem Bericht von Dr. med. ...,
Facharzt für Gastroenterologie FMH vom 11. Juli 2011. Letzterer spricht
ebenfalls davon, dass der Beschwerdeführer bis manchmal 10 Mal pro Tag zur
Toilette gehen müsse, was auch im ABI-Gutachten so festgehalten und
berücksichtigt worden ist. Auch aus der Aktennotiz von Dr. med. ... vom 26.
April 2011 und seiner Stellungnahme vom 20. August 2011 zur Verfügung vom
29. Juli 2011 ergeben sich keine Hinweise, die Zweifel am Beweiswert des ABI-
Gutachtens begründen könnten. Diese ärztlichen Berichte beruhen allesamt auf
den subjektiven Schilderungen des Beschwerdeführers und sind damit auf der
Basis von unvollständigen oder falschen subjektiven Angaben erfolgt und nicht
gestützt auf klinisch objektivierten Diagnosen. Wie aus den Observations-Unter-
lagen und der nachfolgenden Befragung des Beschwerdeführers vom 30.
November 2010 hervorgeht, nahm es der Beschwerdeführer mit der Wahrheit
nicht immer so genau und es ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer auch gegenüber seinen behandelnden Ärzten keine
korrekten Angaben zu seinen tatsächlichen Beschwerden und Einschränkungen
machte.
Das ABI-Gutachten erscheint damit insgesamt, das heisst auch unter
Berücksichtigung der Observationsergebnisse und der Konfrontationsbefragung
des Beschwerdeführers, schlüssig, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei und es bestehen keine ausreichenden Indizien gegen dessen
Zuverlässigkeit, weshalb ihm voller Beweiswert zukommt (BGE 125 V 351 E.
3b). Demnach ist der Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit seit Juni
2010 zu 100 % arbeitsfähig.
5. a) Der Beschwerdeführer bezweifelt in seiner Replik vom 14. November 2011,
dass die Voraussetzungen einer Rentenrevision überhaupt gegeben sind.
Anlass zu einer Rentenrevision bzw. einer Neuanmeldung gibt jede wesentliche
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Dazu ist nicht
nur eine Änderung des Gesundheitszustands, sondern auch eine Veränderung
der erwerblichen Komponente zu zählen (Meyer, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S. 371 zu Art. 30/31; BGE 134 V 132 f.
E. 3, 133 V 546 E. 6.1). Insbesondere genügt bei Erwerbstätigen, deren
Invaliditätsgrad nach der Einkommensvergleichsmethode festzusetzen ist,
wenn seitens einer der beiden Vergleichseinkommen (Invaliden- oder
Valideneinkommen) eine Änderung eintritt, die nunmehr den für den Umfang
des Rentenanspruchs massgeblichen Invaliditätsgrad verändert. So wurde der
Revisionsgrund der erheblichen Veränderung der Erwerbsmöglichkeiten in
einem Fall bejaht, in welchem der Invaliditätsgrad seinerzeit bezogen auf ein
konkretes Arbeitsverhältnis ermittelt worden war (Meyer, a.a.O., S. 374 f. zu Art.
30/31; M. Lendfers, Die IVV-Revisionsnormen [Art. 86ter - 88bis] und die
anderen Sozialversicherungen, S. 48, in: Schaffhauser/Schlauri (Hrsg.),
Sozialversicherungstagung 2009; U. Müller, Die materiellen Voraussetzungen
der Rentenrevision in der Invalidenversicherung, Diss. 2003, S. 152 ff.).
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung
bildet jeweils die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige
Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung
eines Einkommensvergleichs – bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den
erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands - beruht (BGE 133 V 114
E. 5.4).
b) Die Rentenverfügung der Beschwerdegegnerin, in welcher dem
Beschwerdeführer seit dem 1. Juni 1998 bei einem IV-Grad von 71 % eine volle
IV-Rente zugesprochen wurde, erging am 30. Januar respektive 21. März 2003.
Mit Mitteilung vom 24. Januar 2006 wurde dem Beschwerdeführer ein
unveränderter IV-Grad bescheinigt. Unter diesen Umständen ist die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des
Rentenanspruchs beruht, die ursprüngliche Rentenverfügung vom 30. Januar
respektive 21. März 2003.
Gemäss Begutachtung durch die Medas Basel vom 23. Dezember 2001, welche
die Basis für die Rentenverfügung bildete, hatte die Problematik am linken Bein
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, bereits damals
gingen die Gutachter davon aus, dass der Beschwerdeführer das linke Bein hätte
belasten können (S. 14 f.). Aus psychiatrischer Sicht wurde dem
Beschwerdeführer von Dr. med. ... eine 100%ige Arbeitsfähigkeit nur noch in
einer körperlich einfachen bis mittelschweren, jedoch einfach strukturierten
Tätigkeit attestiert (S. 14). Gemäss Dr. med. ... wäre eine Tätigkeit in einer
geschützten Werkstatt anzustreben gewesen. Aufgrund dieser eingeschränkten
Einsatzmöglichkeit des Beschwerdeführers errechnete die Beschwerdegegnerin
ein Invalideneinkommen von Fr. 14‘300.00 (Vorbescheid vom 22. April 1998).
Heute besteht eine solche Arbeitsplatzeinschränkung indessen nicht mehr.
Gemäss ABI-Gutachten vom 14. Februar 2011 ist dem Beschwerdeführer trotz
der geklagten Beschwerden aus psychiatrischer Sicht eine seinen körperlichen
Einschränkungen angepasste Tätigkeit ganztags ohne Leistungseinschränkung
zumutbar (S. 18). Somit bestehen für den Beschwerdeführer andere
Verdienstmöglichkeiten. Gemäss Berechnung in der Verfügung vom 29. Juli
2011 beläuft sich das Invalideneinkommen für das Jahr 2011 gemäss der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2008 des Bundesamtes für Statistik
(LSE 08), TA1, Zentralwert aller Wirtschaftszweige, Anforderungsniveau 4,
Männer, indexiert und bei einer Leistungsfähigkeit von 100 % auf Fr. 59‘345.86
(Fr. 4‘806.00 x 12 : 40 x 41.6 x 1.021 x 1.01 x 1.01 x 0.95). Darin enthalten sei
ein Leidensabzug von 5 %, da dem Beschwerdeführer nur noch leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten zumutbar seien. Unter diesen Umständen hat sich das
Invalideneinkommen von dannzumal Fr. 14‘300.00 (Vorbescheid vom 22. April
1998) auf Fr. 59‘345.86 verändert (Verfügung vom 29. Juli 2011). Der
Revisionsgrund liegt damit aufgrund der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und der
Arbeitsplatzbedingungen im veränderten Invalideneinkommen.
c) Obschon der Beschwerdeführer nicht geltend gemacht hat, es sei ihm aufgrund
seiner Beschwerden, wie etwa seiner (unbestrittenen) Stuhlinkontinenz, ein
höherer Leidensabzug zu gewähren, bleibt diesbezüglich festzuhalten, dass
selbst bei einem maximal möglichen Leidensabzug von 25 % (BGE 126 V 75 E.
5b/bb-cc) und damit einem Invalideneinkommen von Fr. 46‘852.-- ein nicht
rentenbegründender IV-Grad von 30 % resultieren würde (aus der
Gegenüberstellung Invalideneinkommen Fr. 46‘852.-- und Valideneinkommen
[unbestritten] Fr. 66‘940.70 würde eine Erwerbseinbusse von Fr. 20‘088.70 und
damit ein IV-Grad von 30 % resultieren). Die Berechnung der
Beschwerdegegnerin ist deshalb nicht zu beanstanden.
d) Die von der Beschwerdegegnerin aufgeworfene Frage betreffend einer
möglichen substituierten Begründung durch das Gericht für die Zulässigkeit der
Rentenrevision und der Einstellung der Rente (vgl. dazu Urteil des
Verwaltungsgerichts S 09 137 vom 23. März 2010, insbesondere E. 3a; Urteile
des Bundesgerichts 9C_582/2010 vom 25. November 2010 und 9C_845/2009
vom 10. Februar 2010 E. 3.2; BGE 125 V 368) braucht deshalb nicht weiter
behandelt zu werden.
6. Gemäss ABI-Gutachten vom 17. Februar 2011 bestand eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit bereits ab dem Zeitpunkt
des Gutachtens. Die Beschwerdegegnerin ging in der Zwischenverfügung vom
1. Dezember 2010 sogar davon aus, dass spätestens seit der Observation im
Juni 2010 eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vorliege und stellte
die Rente per 30. November 2010 vorsorglich ein. Entgegen dem Vorbescheid
vom 8. April 2011 ist die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
vom 29. Juli 2011 zugunsten des Beschwerdeführers nicht von einer
Meldepflichtverletzung ausgegangen und hat die IV-Rente gestützt auf Art. 88bis
Abs. 2 lit. a IVV „ex nunc“ auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats hin aufgehoben. Dieses Vorgehen ist nicht zu
beanstanden.
7. Nachdem vorliegend dem ABI Gutachten volle Beweiskraft zukommt und die
Beschwerdegegnerin aufgrund des veränderten Invalideneinkommens zu einer
Rentenrevision berechtigt gewesen ist, ist die Einstellung der Rente ab dem 1.
Oktober 2011 zu Recht erfolgt. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
8. a) Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Diese Kosten werden jeweils nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert der Sache im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt. Aufgrund des Ausgangs dieses Verfahrens rechtfertigt es sich hier,
dem unterliegenden Beschwerdeführer Kosten von Fr. 700.-- zu überbinden.
Der Beschwerdegegnerin steht gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG e contrario kein
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu.
b) Der Beschwerdeführer beantragt ausserdem für das vorliegende Verfahren die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung. Nach Art. 29 Abs. 3 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101) hat
jede Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf
unentgeltliche Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos
erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, hat sie
ausserdem Anspruch auf unentgeltlichen Rechtsbeistand (vgl. auch Art. 76 Abs.
1, 2 und 3 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]
sowie Art. 61 lit. f ATSG).
Dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wird
entsprochen, da im vorliegenden Fall die finanzielle Bedürftigkeit des
Beschwerdeführers aufgrund der eingereichten Akten hinreichend belegt ist,
seine Beschwerde nicht gerade zum vornherein als aussichtslos bezeichnet
werden muss und eine Verbeiständung infolge der Komplexität des
vorliegenden Falles geboten erscheint. Als unentgeltliche Rechtsbeiständin wird
dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin lic. iur. ... bestellt. Die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers sowie die Gerichtskosten werden
somit unter Vorbehalt einer Rückerstattung (Art. 77 VRG) durch die
Staatskasse übernommen.
c) Gemäss Honorarnote vom 6. Februar 2012 macht Rechtsanwältin ... ab dem 26.
Mai 2011 einen Aufwand in Höhe von Fr. 2‘912.75 (13.10 h à Fr. 160.00, Spesen
von Fr. 601.00 sowie 8 % MWST) geltend. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der
Aufwand für das vorliegende Beschwerdeverfahren frühestens ab Datum der
angefochtenen Verfügung vom 29. Juli 2011, somit die in der Honorarnote
aufgeführten Aufwendungen ab dem 8. August 2011 berücksichtigt werden
können. Sämtliche zuvor angefallenen Aufwendungen (ab dem 26. Mai 2011 bis
28. Juni 2011, total 2.7 h) betreffen das vorinstanzliche Verwaltungsverfahren,
weshalb die dazu geltend gemachten Kosten nicht zu berücksichtigen sind.
d) Die Beschwerdegegnerin befand in ihrer Stellungnahme vom 10. Februar 2012
zu der eingereichten Honorarnote, die geltend gemachten Spesen seien nicht
nachvollziehbar. Das IV-Dossier werde dem Versicherten respektive seinem
Rechtsvertreter jeweils kostenlos zugestellt. Ebenfalls sei nicht ersichtlich, wie die
Auslagen für Porti sowie die Reisekosten zustande gekommen seien. In der
Stellungnahme vom 5. März 2012 macht die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers geltend, die Reisekosten seien aufgrund einer persönlichen
Besprechung mit dem Beschwerdeführer entstanden, Fotokopien seien
notwendig geworden, da es sich um nicht eingescannte Alt-Akten der
Beschwerdegegnerin gehandelt habe, welche retourniert hätten werden müssen.
Kopien seien ebenfalls im Rahmen der Replik und dem Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege angefallen. Für die Porti-Kosten wurde eine separate
Auflistung eingereicht.
e) Unter Berücksichtigung der obigen Ausführungen ergibt sich ein Aufwand von
10.4 h, der als gerechtfertigt erscheint. Dabei ist zu berücksichtigen, dass
gemäss verwaltungsgerichtlicher Praxis Anwälten, die innerhalb einer
Hilfsorganisation tätig sind, nicht der volle Anwaltstarif entschädigt wird, weil ihre
Arbeitssituation von derjenigen der selbständigen Anwälte abweicht und ihnen
strukturbedingte Einsparungen möglich sind (Urteil des Bundesgerichts
9C_415/2009 vom 12. August 2009, E. 5.4; Urteil des Verwaltungsgerichts S 09
127 vom 2. Februar 2010, E. 3a). Der Stundenansatz für die im Rahmen der
unentgeltlichen Vertretung von der Staatskasse zu übernehmende
Parteientschädigung bei Anwälten von Hilfsorganisationen wurde vom
Verwaltungsgericht Graubünden auf Fr. 130.00 festgesetzt (Urteil S 09 194 vom
1. Juli 2010, E. 5a). Dies führt zu einer Aufwandentschädigung in Höhe von
insgesamt Fr. 1‘932.10 inklusive Mehrwertsteuer (Aufwand 10.4 h à Fr. 130.00 =
1‘352.00 plus Auslagen von Fr. 437.00 [Fr. 41.00 für Porto, Fr. 396.00 für
Fotokopien] und 8 % MWST auf Fr. 1‘789.00). Die zusätzlich geltend gemachten
Reisespesen in Höhe von Fr. 65.00 vom 26. Mai 2011 können nicht
berücksichtigt werden, da sie vor dem verwaltungsgerichtlichen Verfahren
aufgelaufen sind. In diesem Umfang (Fr. 1‘932.10) gilt der Vorbehalt von Art. 77
VRG, wonach das Erlassene zurück zu erstatten ist, wenn sich die Einkommens-
oder Vermögensverhältnisse des Beschwerdeführers dereinst verbessern und er
dazu finanziell in der Lage ist.