Decision ID: 2bd074aa-28c0-459d-a87c-c0e33eb2dcbc
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
versuchter Raub
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung - Einzelgericht, vom 4. März 2013 (GG120255)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 2. Oktober 2012
(Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 49)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 11 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute
81 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt.
4. Der Antrag der Staatsanwaltschaft betreffend Widerruf des mit Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft See/Oberland vom 22. November 2011 ausgefällten bedingten Strafanteils von
400 Stunden gemeinnütziger Arbeit wird abgewiesen.
5. Der Privatkläger B._ wird mit seinem Schadenersatz- bzw. Genugtuungsbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 1'600.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 57.99 Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. 13'762.65 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der
amtlichen Verteidigung wird separat entschieden.
9. (Mitteilungen)
10. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 66 S. 19 f.)
1. Es sei gestützt auf Art. 19 Abs. 1 StGB festzustellen, dass der Beru-
fungskläger zur Zeit der Tat nicht fähig gewesen sei, das Unrecht sei-
ner Tat einzusehen und somit von Schuld und Sprache (recte: Strafe)
freizusprechen.
2. Eventualiter sei der Berufungskläger gestützt auf Art. 19 Abs. 2 StGB
milde mit einer Geldstrafe zu bestrafen, sollte das Gericht davon
ausgehen, dass der Beschuldigte nur teilweise fähig gewesen sei, das
Unrecht seiner Taten einzusehen.
3. Es seien die gesamten Kosten des Berufungsverfahrens auf
die Staatskasse zu nehmen und es seien die Kosten der amtlichen
Verteidigung ebenfalls auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 55 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 4. März 2013 wurde der
Beschuldigte des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingt
auf 4 Jahre aufgeschobenen Freiheitsstrafe von 11 Monaten bestraft, wovon
81 Tage durch Haft erstanden waren. Der Antrag der Staatsanwaltschaft
betreffend Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland
vom 22. November 2011 ausgefällten bedingten Strafanteils von 400 Stunden
gemeinnütziger Arbeit wurde abgewiesen und der Privatkläger mit seinem
Schadenersatz- bzw. Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens
wurden dem Beschuldigten auferlegt und die Kosten der amtlichen Verteidigung
unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen
auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 49 S. 42 f.).
1.2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte am 11. März 2013 fristgerecht die
Berufung anmelden (Urk. 43). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 46 =
Urk. 49; Urk. 48/2) liess der Beschuldigte am 21. Juni 2013 ebenfalls innert Frist
die Berufungserklärung einreichen (Urk. 50). Mit Präsidialverfügung vom
7. August 2013 wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2
und 3 StPO dem Privatkläger sowie der Staatsanwaltschaft zugestellt, um gege-
benenfalls Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen (Urk. 53). Am 12. August 2013 teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass
auf Anschlussberufung verzichtet und die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
beantragt werde (Urk. 55). Der Privatkläger liess sich nicht vernehmen.
1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschien ausschliesslich der amtliche
Verteidiger Rechtsanwalt Dr. iur. X._ (Prot. II S. 3). Dem Beschuldigten wur-
de zwar die Vorladung für die Berufungsverhandlung persönlich zugestellt (vgl.
Urk. 58), doch blieb er dieser unentschuldigt fern (Prot. S. 3 f.). Die Berufungsver-
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handlung fand damit in Abwesenheit des anwaltlich vertretenen Beschuldigten
statt (vgl. Art. 407 Abs. 1 lit. a StPO). Zu Beginn der Verhandlung waren keine
Vorfragen zu entscheiden (Prot. II S. 4). Das vorliegende Urteil erging im An-
schluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 8 ff.).
2. Umfang der Berufung / Prozessuales
2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuld-
punkts (Dispositiv-Ziffer 1), der Strafzumessung (Dispositiv-Ziffer 2) und des
Strafvollzugs (Dispositiv-Ziffer 3) anfechten (Prot. II S. 5/6).
Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den folgenden Punkten unangefochten
geblieben und demnach in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 StPO in
Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO; Prot. II S. 5/6):
- Entscheid betreffend Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 22. November 20011 ausgefällten bedingten Strafanteils
(Dispositiv-Ziffer 4);
- Entscheid betreffend Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen des
Privatklägers (Dispositiv-Ziffer 5);
- Kostenfestsetzung und Kostenauferlegung (Dispositiv-Ziffern 6 bis 8).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
2.2. Der amtliche Verteidiger stellte – wie bereits vor Vorinstanz (vgl. Urk. 38
S. 10) – den Beweisantrag, es sei der Blutalkoholgehalt des Beschuldigten im
Tatzeitpunkt gutachterlich feststellen zu lassen (Prot. II S. 6; vgl. auch Urk. 66,
insb. S. 17-19). Auf diesen Beweisantrag ist nachstehend an geeigneter Stelle
einzugehen.
3. Sachverhalt
3.1. Nachdem der Beschuldigte sowohl im Vorverfahren als auch vor Vorinstanz
zwar einräumte, er habe die ihm vorgeworfene Tat begangen, er aber zudem
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geltend machte, er könne sich aufgrund seines alkoholisierten Zustandes im Tat-
zeitpunkt nicht mehr daran erinnern, hat die Vorinstanz den Anklagesachverhalt
erstellt. Sie hat zunächst die vorliegenden Beweismittel, insbesondere die
Einvernahmen des Beschuldigten, des Privatklägers B._ sowie der beiden
weiteren bei der Tat anwesenden Personen, namentlich C._ und
D._, korrekt zusammengefasst und anschliessend daraus die richtigen
Schlüsse gezogen. Auf diese Ausführungen kann vollumfänglich verwiesen
werden (Urk. 49 S. 6-20; Art. 82 Abs. 4 StPO). Der Beschuldigte liess auch im
Berufungsverfahren den äusseren Tatvorwurf nicht bestreiten (Urk. 66, insb. S. 13
und S. 17-19).
Damit ist der objektive Sachverhalt, wie er in der Anklageschrift umschrieben ist,
rechtsgenügend erstellt und der nachstehenden rechtlichen Würdigung zu Grunde
zu legen.
3.2. Was der Täter wusste und wollte bzw. in Kauf nahm, gehört zum subjektiven
Tatbestand. Es geht dabei um einen inneren Vorgang, auf den nur anhand einer
Würdigung des äusseren Verhaltens des Täters sowie allenfalls weiterer Umstän-
de geschlossen werden kann. Die Feststellung des subjektiven Tatbestands ist
damit Bestandteil der Sachverhaltsabklärung. Da in diesem Bereich Tat- und
Rechtsfragen (insbesondere bei der Frage des Eventualvorsatzes) sehr eng
miteinander verbunden sind, drängt sich regelmässig auf, diese Fragen lediglich
einmal unter dem Aspekt der rechtlichen Würdigung zu behandeln (Praxis
82/1993 Nr. 237 S. 881 f.; BGE 119 IV 242 ff., 248). Hiezu ist deshalb auf die
folgenden Erwägungen zu verweisen.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten des versuchten Raubes im Sinne
von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig.
Sodann hielt sie fest, dass der Beschuldigte zwar auch den Tatbestand der
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt habe.
Dieser Tatbestand werde aber durch den Tatbestand des versuchten Raubes
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konsumiert. Entsprechend erfolgte diesbezüglich – entgegen der Anklageschrift
(vgl. Urk. 20 S. 2) – kein separater Schuldspruch (Urk. 49 S. 21-31 und S. 42).
4.2. Die Vorinstanz hat in Bezug auf den objektiven Tatbestand des versuchten
Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB die rechtliche Würdigung zutreffend vorgenommen (Urk. 49 S. 21-22). Zur
Begründung kann dafür auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.3. Wie bereits vor Vorinstanz macht die Verteidigung auch im Berufungs-
verfahren geltend, der Beschuldigte sei aufgrund des massiven Alkoholkonsums
im Tatzeitpunkt im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB schuldunfähig gewesen. Der
Beschuldigte sowie C._ und D._ seien am fraglichen Abend sturzbe-
trunken gewesen und hätten grösstenteils einen Filmriss gehabt, nachdem sie zu-
sammen drei Flaschen Jägermeister getrunken hätten. Entsprechend habe der
1.85 cm grosse und rund 60 kg schwere Beschuldigte im fraglichen Zeitpunkt 4.88
Promille aufgewiesen. Dies bedeute, dass er nahe an einer Alkoholvergiftung und
somit nicht mehr in der Lage gewesen sei, einsichtsgemäss zu handeln (Urk. 38
S. 5-14; Urk. 50; Urk. 66 S. 8 ff.)
4.3.1. Die Vorinstanz hielt hierzu fest, es lägen vom Beschuldigten sowie von
C._ und D._ bezüglich der Trinkzeiten, der Art des konsumierten Alko-
hols und der von ihnen zusammen und insbesondere der vom Beschuldigten kon-
sumierten Alkoholmenge keine übereinstimmenden Aussagen vor. Der vom Ver-
teidiger errechnete Blutalkoholgehalt von 4.88 Promille hätte für den gemäss ei-
genen Aussagen nicht trinkgewohnten Beschuldigten mit grösster Wahrschein-
lichkeit zum Tod geführt. Zusätzlich müsse berücksichtigt werden, dass der Blut-
alkoholgehalt von weiteren Kriterien, wie beispielsweise der damaligen körperli-
chen Verfassung oder der jenem Tag aufgenommenen Nahrungsmenge, abhän-
gig sei. Weiter gäbe es Hinweise darauf, dass es sich bei der vom Beschuldigten
geltend gemachten fehlenden Erinnerung an die Tat um eine nachgeschobene
Schutzbehauptung handle, denn sowohl C._ als auch D._ hätten ange-
geben, dass der Beschuldigte am Folgetag mit der Tat angegeben habe. Auffal-
lend sei sodann, dass sich C._ und D._ an die Geschehnisse hätten er-
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innern können. Der Privatkläger habe sodann ausgeführt, er könne nicht sagen,
ob die Täter nüchtern gewesen seien. Geschwankt oder
getorkelt sei aber keiner. Insgesamt könne somit nicht davon ausgegangen
werden, dass der Beschuldigte in einem schuldunfähigen Zustand gehandelt
habe. Im Rahmen der Strafzumessung sei aber zu prüfen, ob eine Verminderung
der Schuldfähigkeit vorgelegen habe (Urk. 49 S. 23-28).
4.3.2. Nach Art. 19 Abs. 1 StGB ist der Täter nicht strafbar, wenn er zur Zeit
der Tat nicht fähig war, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser
Einsicht zu handeln. Gemäss Art. 19 Abs. 2 StGB mildert das Gericht die Strafe,
wenn der Täter zur Zeit der Tat nur teilweise fähig war, das Unrecht seiner Tat
einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln.
Nach der Rechtsprechung fallen bei einer Blutalkoholkonzentration von über
2 Gewichtspromille eine Verminderung der Schuldfähigkeit und bei einer Blut-
alkoholkonzentration von mindestens 3 Gewichtspromille Schuldunfähigkeit in
Betracht. Der Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beurteilung der Schuldfä-
higkeit allerdings nicht alleinige bzw. keine vorrangige Bedeutung zu. Sie bietet
lediglich eine grobe Orientierungshilfe. Im Sinne einer groben Faustregel kann
davon ausgegangen werden, dass bei einer Blutalkoholkonzentration von unter
2 Promille in der Regel keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit vorliegt, im Be-
reich zwischen 2 und 3 Promille im Regelfall eine verminderte Schuldfähigkeit und
bei einer solchen von 3 Promille und darüber meist Schuldunfähigkeit gegeben
ist. Diese Vermutung kann jedoch im Einzelfall durch Gegenindizien umgestossen
werden. Der Faustregel liegt kein allgemeiner medizinischer Erfahrungsgrundsatz
zu Grunde. Gemäss medizinischem Schrifttum besteht keine feste Korrelation
zwischen Blutalkoholkonzentration und darauf beruhender forensisch relevanter
Psychopathologie. Gewöhnung, Persönlichkeit und Tatsituation sind stets in die
Beurteilung einzubeziehen. Konkrete Feststellungen über die Alkoholisierung oder
Nüchternheit haben prinzipiell Vorrang gegenüber Blutalkoholwerten. Ausschlag-
gebend für die Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit ist der psycho-pathologische
Zustand (der Rausch) und nicht dessen Ursache, die Alkoholisierung, welche sich
in der Blutalkoholkonzentration widerspiegelt (Entscheide des Bundesgerichts
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6B_725/2009 vom 26. November 2009, E. 2.2., und 6S.4/2004 vom 23. April
2004, E. 2.1.; BGE 122 IV 49 E. 1b).
Von einer aufgehobenen Steuerungsfähigkeit kann aus psychiatrischer Sicht erst
ausgegangen werden, wenn sich psychotische Störungen des Realitätsbezugs
feststellen lassen. Dies ist der Fall bei Störungen der Orientierung mit Situations-
und Personenverkennung sowie bei Zuständen, die von Halluzinationen oder
Wahnvorstellungen determiniert sind, wie beispielsweise Fehlen der Ansprech-
barkeit oder fehlende Reagibilität auf Aussenreize (Entscheid des Bundesgerichts
6B_725/2009 vom 26. November 2009, E. 2.2.).
4.3.3. Da der Beschuldigte erst mehr als vier Monate nach der Tat festgenommen
werden konnte (vgl. 14/2), konnte dessen Blutalkoholkonzentration für die Ereig-
niszeit nicht mittels Atemlufttest oder Blutprobe ermittelt werden. Zur Beurteilung
seiner Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit im Tatzeitpunkt kann damit
ausschliesslich auf Aussagen der einvernommenen Personen, mithin jene des
Beschuldigten selber, jene von C._ und D._ sowie jene des Privatklä-
gers, abgestellt werden. Massgeblich ist dabei aber nicht alleine die Art und Men-
ge des konsumierten Alkohols, sondern vielmehr auch das Verhalten des Be-
schuldigten bei der Tatbegehung, welches Rückschlüsse auf eine allfällige ver-
minderte Schuldfähigkeit bzw. gänzliche Schuldunfähigkeit zulässt.
4.3.4. Der Beschuldigte führte anlässlich der Hafteinvernahme vor der Staats-
anwaltschaft vom 25. Februar 2012 aus, er sei damals sehr stark betrunken
gewesen. Zu Beginn dieser Einvernahme meinte er zwar, er könne sich an "diese
Geschichte" erinnern. Wenige Antworten später erklärte er aber auf die Frage, ob
es richtig sei, dass er dem Privatkläger die Autoschlüssel weggenommen habe,
das wisse er nicht mehr, er wisse nur noch, dass er ihn nach Geld gefragt habe
(Urk. 3/1 S. 2). Der Alkoholkonsum bzw. der alkoholisierte Zustand des Beschul-
digten im Tatzeitpunkt wurde in dieser Einvernahme nicht weiter thematisiert.
In der polizeilichen Einvernahme vom 30. März 2012 erklärte der Beschuldigte auf
den Vorwurf, er solle in der fraglichen Nacht bei einem Geschäftsladen eine
Sachbeschädigung begangen haben, er könne dazu nichts sagen, davon wisse er
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nichts mehr. Er sei sehr stark alkoholisiert gewesen. Es sei viel mehr als ange-
trunken gewesen. Er sei "besoffen" gewesen. Sein Kollege C._ habe ihm am
anderen Tag erzählt, sie seien nach Zürich gegangen. Zuerst hätten sie bei
C._ zuhause "eingeleert". In Zürich seien sie an der ...strasse in eine Bar ge-
gangen. Dort hätten sie etwas getrunken. Und dann irgendwann sei eine Scheibe
kaputt gegangen. Dies habe ihm C._ am nächsten Tag erzählt. Er könne sich
aber nicht mehr daran erinnern. Er sei so "durch gewesen". Es sei durchaus mög-
lich, dass er das gewesen sei. Er erinnere sich aber nicht mehr daran. Weiter
führte der Beschuldigte aus, er wisse, dass sie in der Bar in Zürich gewesen sei-
en. Er wisse aber nicht, wie sie nach Zürich gegangen und wann sie dort ange-
kommen seien. Auch auf die Frage, ob er kein Geld im Ausgang gebraucht habe,
meinte der Beschuldigte, er wisse es nicht mehr. Es könne schon sein, dass
C._ und D._ für ihn bezahlt hätten. Er habe einen "Filmriss" gehabt. Am
Abend vor der Tat habe er zunächst alleine bei sich zuhause angefangen zu trin-
ken. Dann sei es bei C._ weiter gegangen. Sie hätten ca. drei oder vier Fla-
schen Jägermeister getrunken. Sie hätten auch Whisky und Gin getrunken. Be-
reits bei C._ habe er sich total besoffen gefühlt. Angesprochen auf den wei-
teren Vorwurf, er solle in einem Take-Away einen Diebstahlversuch begangen zu
haben, erklärte der Beschuldigte, er könne sich daran nicht erinnern, da er stark
betrunken gewesen sei. Auch in Bezug auf den Vorwurf des versuchten Raubes
meinte er, er habe keine Ahnung. Er könne es kaum glauben, er schäme sich
richtiggehend (Urk. 3/2 S. 4 ff.).
Anlässlich der Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft vom 3. April 2012 gab der
Beschuldigte an, er sei nicht Herr seiner eigenen Lage gewesen. Als er am
nächsten Tag aufgewacht sei, habe er geschaut, ob er sein Portemonnaie und so
weiter habe. Er sei sehr stark alkoholisiert gewesen (Urk. 3/3 S. 1).
Ebenso schilderte der Beschuldigte in der Einvernahme vom 4. Juli 2012, er sei
am Nachmittag aufgewacht und habe geschaut, ob er alles habe. Dann sei er
hinunter zu C._ gegangen. D._ sei dann auch gekommen. Ihm sei dann
alles wieder Stück für Stück in den Sinn gekommen (Urk. 3/6 S. 2).
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Auch vor Vorinstanz führte der Beschuldigte aus, er sei damals stark alkoholisiert
gewesen. Wäre er normal gewesen, hätte er das nicht gemacht. Er wisse nicht,
was in ihn gefahren sei. Als ihm der Kollege am nächsten Tag davon erzählt ha-
be, habe er kaum glauben können, dass er so etwas gemacht habe (Urk. 39 S. 7).
4.3.5. D._ machte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 22. März
2012 geltend, er sei zusammen mit dem Beschuldigten, C._ sowie zwei
Frauen zunächst bei C._ zuhause gewesen. Sie hätten es lustig gehabt und
getrunken (Urk. 4/1 S. 4). Er sei "mega-besoffen" bzw. " mega-angetrunken" ge-
wesen. Sie hätten, bevor sie mit dem Zug nach Zürich gegangen seien, drei Fla-
schen Jägermeister getrunken. Er glaube, sie hätten auch noch Wodka getrun-
ken. Die beiden Frauen hätten weniger getrunken. Er glaube, er habe am meisten
getrunken. Nachdem sie in Zürich angekommen seien, hätten sei weiter getrun-
ken. Der Beschuldigte habe Bier und Jack Daniels konsumiert (Urk. 4/1 S. 11).
In der Konfrontationseinvernahme vom 12. Juni 2012 führte D._
sodann aus, er sei zusammen mit C._ und dem Beschuldigten
nach Zürich gegangen. Sie hätten schon zuhause getrunken und seien "mega
besoffen" gewesen. Bei C._ zuhause hätten sie drei Flaschen Jack Daniels
getrunken. Sie hätten alle etwa gleich viel getrunken (Urk. 3/5 S. 2). Auf entspre-
chende Frage hin meinte D._, es seien entweder drei Flaschen Jack Daniels
oder drei Flaschen Jägermeister gewesen. Er glaube eher Jack
Daniels (Urk. 3/5 S. 4 f.).
4.3.6. C._ gab in der polizeilichen Einvernahme vom 16. März 2012 zu Pro-
tokoll, er sei zusammen mit D._ und dem Beschuldigten zuerst bei ihm zu-
hause gewesen und sie hätten Alkohol getrunken. Anschliessend seien
sie zu dritt mit dem Zug nach Zürich gefahren. Sie seien an die ...strasse
gegangen. Der Beschuldigte habe ein Bier kaufen wollen, habe aber nicht
genügend Geld bei sich gehabt. Da habe der Beschuldigte eine Frau gefragt, ob
sie ihm ein Bier spendieren könne. Die Frau habe dies gemacht. In der Folge
seien sie, so glaube er zumindest, in Richtung ...platz gegangen. Er sei schon
recht betrunken gewesen. Deshalb habe er nicht mehr die volle Erinnerung an die
Geschehnisse (Urk. 5/1 S. 3 ff.).
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Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 24. Mai 2012 gab C._ an, sie
hätten drei Flaschen Jägermeister getrunken. Danach seien sie nach
Zürich an die ...strasse gegangen. Der Beschuldigte habe ein Bier kaufen
wollen. Er habe aber zu wenig Geld gehabt. Eine Frau habe ihnen dann zu dritt
das Bier bezahlt. Die Frau habe gesehen, dass sie alle "sturzbetrunken" gewesen
seien. An diesem Abend hätten alle drei gleich viel getrunken. Sie seien alle stark
betrunken gewesen.
4.3.7. Wie den vorstehenden Aussagen des Beschuldigten entnommen werden
kann, führte dieser konstant aus, er habe zusammen mit C._ und
D._ vor der Tat eine erhebliche Menge Alkohol konsumiert und
sie seien deshalb stark alkoholisiert gewesen. Diese Angaben werden durch die
Aussagen von D._ und C._ gestützt. Zwar divergieren die einzelnen
Aussagen insbesondere in Bezug auf die konkrete Art und Menge des konsumier-
ten Alkohols. Aufgrund der wiedergegebenen Aussagen der drei
Personen muss aber davon ausgegangen werden, dass sie bei C._ mindes-
tens drei Flaschen Jägermeister getrunken haben. Unklar ist allerdings, ob sie
diese drei Flaschen ausschliesslich zu dritt oder zusammen mit zwei Frauen kon-
sumiert haben. Da lediglich D._ erwähnte, dass auch zwei Frauen – aller-
dings weniger – mitgetrunken hätten, der Beschuldigte und auch C._ die bei-
den Frauen jedoch nie erwähnten, ist – zugunsten des Beschuldigten und im Sin-
ne dessen, was auch der Verteidiger annimmt (Urk. 38 S. 5 ff.; Urk. 66 S. 8 ff.) –
davon auszugehen, dass der Beschuldigte sowie D._ und C._ zu dritt
und je in gleichem Masse drei Flaschen Jägermeister – mithin eine Flasche pro
Person – getrunken haben, bevor sie nach Zürich gefahren sind.
Der Beschuldigte sowie D._ und C._ konnten sodann keine klaren An-
gaben machten, wann sie nach Zürich gefahren sind. So gab der
Beschuldigte an, er wisse nicht, um welche Zeit sie in Zürich angekommen seien
(Urk. 3/2 S. 6). Ebenso führte C._ aus, er könne sich nicht mehr
erinnern, wann genau sie nach Zürich gegangen seien, es sei aber Abend
gewesen (Urk. 5/1 S. 3). D._ führte hierzu aus, er wisse nicht, wann genau
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sie in Zürich angekommen seien. Er denke, es sei kurz vor Mitternacht
gewesen (Urk. 4/1 S. 5).
Die mutmassliche Alkoholkonzentration im Blut des Beschuldigten lässt sich an-
hand der "Widmark'schen Formel" wie folgt berechnen:
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Faktoren (konsumierter Alkohol in Gramm; Körpergewicht des Beschuldigten;
mittlerer Verteilungsfaktor; Zeitspanne zwischen Alkoholkonsum und Tat; Abbau
der Alkoholkonzentration im Blut) auszugehen wäre. Entsprechend würde sich am
Ergebnis, dass beim Beschuldigten von einer mutmasslichen Blutalkohol-
konzentration im Tatzeitpunkt von rund 3.86 Promille auszugehen ist, nichts
ändern. Folglich erübrigt sich der Beizug eines Gutachters für diese Berechnung.
Der Beweisantrag des Verteidigers ist damit abzuweisen.
4.3.8. Aufgrund der berechneten mutmasslichen Blutalkoholkonzentration beim
Beschuldigten muss – gemäss vorstehend zitierter Rechtsprechung des Bundes-
gerichts – grundsätzlich eine Schuldunfähigkeit in Betracht gezogen werden.
Diese Vermutung wird aber – wie nachstehend zu zeigen ist – im vorliegenden
Fall durch diverse Gegenindizien umgestossen. Massgeblich für die Beurteilung
der Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit ist – wie vorstehend dargelegt – nicht
die Alkoholisierung, also die Blutalkoholkonzentration, sondern vielmehr der
tatsächliche Rauschzustand.
Zunächst ist zu bemerken, dass der Beschuldigte – entgegen der Verteidigung
(vgl. Urk. 38 S. 5) – durchaus als trinkgewohnt bezeichnet werden kann. So
gab er selber an, es sei zwar nicht so gewesen, dass er jeden Abend "die Lampe
fülle". Er habe aber ab und zu "ein Feierabendbier getrunken". Weiter führte
er aus, er habe im Herbst 2011 – und damit im Zeitpunkt der Tat – keinen Job
gehabt. Er habe mehr getrunken und die Wohnung verloren (Urk. 3/2 S. 13).
Entsprechend diesen Aussagen kann durchaus von einer gewissen Gewöhnung
an den Konsum von Alkohol ausgegangen werden.
Zu seiner Verfassung im Tatzeitpunkt gab der Beschuldigte zunächst an, er habe
damals nicht mehr richtig laufen können (Urk. 3/ S. 13). In der Folge meinte er
dann aber, er könne sich nicht mehr erinnern, ob er noch habe gerade gehen
können, wahrscheinlich nicht. Er habe auch keine Ahnung, ob er gelallt bzw. ob er
nicht mehr richtig habe sprechen können (Urk. 39 S. 10). C._ bestätigte,
dass der Beschuldigte schon geschwankt habe, sie seien ja stark besoffen gewe-
sen. Er sei aber nicht voll rechts oder links auf die Seite gefallen. Zudem
habe er noch klar reden können (Urk. 3/4 S. 5). D._ gab an, er wisse nicht,
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ob der Beschuldigte noch habe normal gehen und sprechen können (Urk. 3/5 S.
3). Wie bereits vorstehend ausgeführt, hat sowohl der Beschuldigte als auch
C._ und D._ konstant ausgeführt, sie seien an jenem Abend stark be-
trunken gewesen. Entsprechend erscheint es durchaus nachvollziehbar, wenn der
Beschuldigte geltend macht, er habe aufgrund des alkoholisierten Zustandes nicht
mehr richtig gehen können. Diese Einschätzung ist auch aufgrund der konsumier-
ten Alkoholmenge durchaus plausibel. Zudem wird dies von C._ bestätigt
und von D._ zumindest nicht in Abrede gestellt.
Weitergehende Anhaltspunkte, wonach der Beschuldigte im Tatzeitpunkt nicht
mehr fähig gewesen sein soll, das Unrecht seiner Tat einzusehen bzw. gemäss
dieser Einsicht zu handeln, sind allerdings nicht ersichtlich. So führte der
Privatkläger hierzu als Auskunftsperson aus, er könne nicht sagen, ob die Täter
– mithin der Beschuldigte sowie C._ und D._ – nüchtern gewesen seien.
Sie seien aber weder geschwankt noch getorkelt. Der Beschuldigte habe normal
gesprochen, er habe nicht gelallt. Er habe ihn gut verstanden. Er habe eigentlich
auch nicht nach Alkohol gerochen (Urk. 7/2 S. 6). Diese
Ausführungen des Privatklägers sprechen gegen eine derart schwere Störung des
Bewusstseins des Beschuldigten aufgrund des konsumierten Alkohols, dass in
Bezug auf die Tatbegehung eine volle Schuldunfähigkeit angenommen werden
müsste. Ein entsprechender Rauschzustand hätte dem Privatkläger auffallen und
er hätte hierzu entsprechende Angaben machen müssen. Dass der Privatkläger
solche Hinweise auf einen massiven Rauschzustand absichtlich nicht angegeben
und er damit den Beschuldigten zu unrecht mehr belastet hätte, ist nicht ersicht-
lich. Vielmehr erscheinen seine Aussagen erlebt, nachvollziehbar und nicht
übertrieben. Zudem decken sie sich insofern mit jenen von C._, als dass die-
ser – wie dargelegt – ausführte, der Beschuldigte habe noch klar reden können
(vgl. Urk. 3/4 S. 5). Schliesslich kann der Beschuldigte auch aus den
Aussagen des am fraglichen Vorfall unbeteiligten E._ nichts für sich ableiten.
So führte dieser als Auskunftsperson gegenüber der Polizei aus, dass ihm drei
Jugendliche (der Beschuldigte sowie C._ und D._) entgegen gerannt
seien. Er habe dann auf die andere Strassenseite gewechselt, um ihnen auszu-
weichen. Sie seien an ihm vorbei gerannt. Sie seien sehr schnell gerannt, schnel-
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ler als er hätte rennen können. Sie hätten sehr gut trainiert gewesen sein müssen
(Urk. 6 S. 3). Die Aussagen von E._ erscheinen erlebt und weisen keine Brü-
che oder Übertreibungen auf. Sie wirken glaubhaft, weshalb darauf – mit nach-
stehender Einschränkung – abgestellt werden kann. Diese Sachdarstellung
spricht damit ebenfalls gegen eine Schuldunfähigkeit des Beschuldigten. Wäre
dieser in einem derartigen Vollrausch gewesen, sodass von einer Schuldunfähig-
keit ausgegangen werden müsste, wäre ein schnelles Davonrennen vom Tatort
sicherlich nicht mehr – jedenfalls nicht mehr einigermassen "unauffällig" – möglich
gewesen. E._ wurde aber von der Polizei nicht in Anwesenheit des Beschul-
digten bzw. dessen Verteidigers einvernommen (Urk. 6 S. 1). Entsprechend konn-
te der Beschuldigte seine Teilnahmerechte gemäss Art. 147 StGB nicht wahr-
nehmen. Die Aussagen von E._ dürfen damit nicht zu Ungunsten des Be-
schuldigten verwendet werden. Sie entlasten den Beschuldigten aber auch nicht.
Gegen eine derart schwere Störung des Bewusstseins des Beschuldigten, dass in
Bezug auf die Tatbegehung von einer Schuldunfähigkeit auszugehen wäre,
spricht sodann – mit der Vorinstanz (Urk. 49 S. 27 f.) – das konkrete Vorgehen
des Beschuldigten anlässlich der Tat. Zwar bedarf ein derartiges Verhalten,
wie es der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger zeigte, keiner besonderen
Intelligenz. Das Vorgehen erscheint aber dennoch zielgerichtet und zeigt, dass
der Beschuldigte die Geschehnisse durchaus aufnehmen und er sich der
jeweiligen Situation anpassen konnte. So verlangte er immer mehr Geld vom
Privatkläger, setzte den Fahrzeugschlüssel als Druckmittel ein, begann sodann,
den Privatkläger zu bedrohen und als er erkannte, dass der Privatkläger über kein
weiteres Geld mehr verfügte, forderte er ihn schliesslich auf, am nahe gelegenen
Bankomaten Geld zu beziehen. Das Verhalten des Beschuldigten anlässlich der
Tat zeigte auf, dass ein gewisser Realitätsbezug durchaus vorhanden war.
Wenn der Beschuldigte schliesslich geltend macht, während der gesamten Tat
einen "Filmriss" gehabt zu haben, weshalb er sich an den Vorfall nicht mehr
erinnern vermag, erscheint dies zweifelhaft. Aufgrund der konsumierten Alkohol-
menge ist zwar nachvollziehbar, wenn er über gewisse Erinnerungslücken
verfügt. So gab auch C._ an, er habe nicht mehr die volle Erinnerung (Urk.
- 17 -
5/1 S. 4). Ebenso gab D._ auf die Frage, ob er noch gewusst
habe, was er an diesem Abend getan habe, zu Protokoll, "teilweise ja, teilweise
weniger" (Urk. 3/5 S. 3). Gegen einen gänzlichen "Filmriss" des Beschuldigen
spricht aber, dass D._ schliesslich angab, der Beschuldigte hätte
sicher noch gewusst, was er gemacht habe, weil er am nachfolgenden Tag mega
angegeben habe, wie krass er den anderen geschlagen habe (Urk. 3/5 S. 3).
Hierzu bleibt zwar zu bemerken, dass D._ gemäss seinen Angaben gegen-
über dem Beschuldigten nicht (mehr) gut gesinnt ist ("Er soll in seiner Zelle verre-
cken, dieser Hurensohn.", Urk. 3/5 S. 5). Es ist aber nicht ersichtlich, dass
D._ den Beschuldigten zu Unrecht belasten wollte. Seine Aussagen erschei-
nen nicht übertrieben, sondern vielmehr erlebt und insgesamt glaubhaft, weshalb
darauf abgestellt werden kann. Entsprechend führte auch C._ aus, am
nächsten Tag habe der Beschuldigte realisiert, was alles passiert sei. Er habe ge-
sagt, dass er dem Privatkläger eins gegeben habe und dieser voller Blut gewesen
sei (Urk. 3/4 S. 5). Aufgrund der Aussagen von D._ und C._ muss somit
davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte sich – zumindest teilweise –
an die ihm vorgeworfene Tat erinnert.
4.3.9. Nach dem Gesagten bestehen hinreichende Anhaltspunkte, die gegen
einen Vollrausch und damit – mit der Vorinstanz (Urk. 49 S. 28) – gegen eine
Schuldunfähigkeit des Beschuldigten im Sinne von Art. 19 Abs. 1 StGB sprechen.
Eine verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB ist
nachstehend im Rahmen der Strafzumessung zu berücksichtigen.
4.4. Die von der Vorinstanz vorgenommene rechtliche Würdigung in Bezug auf
den subjektiven Tatbestand des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB ist zutreffend (Urk. 49 S. 29).
Auf die entsprechenden Erwägungen kann damit verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
Ergänzend ist festzuhalten, dass der Verteidiger vor Vorinstanz geltend machte,
der Schlag, den der Beschuldigte dem Privatkläger unbestrittenermassen
gegeben hat, habe nicht dazu gedient, den Privatkläger zur Begehung des Raubs
- 18 -
widerstandsunfähig zu machen. Da man bereits über den Fahrzeugschlüssel ver-
fügt habe, habe es gar keinen Sinn gemacht, den Privatkläger zu schlagen. Ent-
sprechend sei nachvollziehbar, dass der Beschuldigte nie einen Raub habe be-
gehen wollen. Da man das Fahrzeug nicht ausgeräumt und da der Beschuldigte
den Privatkläger geschlagen habe, nachdem man bereits über alles verfügt habe,
was man bei einem Raub hätte erbeuten können, beweise, dass der Beschuldigte
den Geschädigten nur aus purer Lust oder aus purem Unsinn geschlagen habe.
Entsprechend könne der Beschuldigte nur wegen Körperverletzung, nicht aber
wegen versuchten Raubes bestraft werden (Urk. 38 S. 14-15).
Diesen Ausführungen kann nicht gefolgt werden. Wie dem erstellten Sachverhalt
zu entnehmen ist, hat der Beschuldigte dem Privatkläger gedroht, ihn nieder
zu schlagen, wenn er kein Geld besorgen könne. Der Beschuldigte hat damit
willentlich und wissentlich auf den Privatkläger eingewirkt, um ihn einzuschüch-
tern und so Geld von ihm zu erhalten, auf das er keinen Anspruch hatte. Bereits
damit hat der Beschuldigte – mit der Vorinstanz (Urk. 49 S. 29) – den subjektiven
Tatbestand des ihm vorgeworfenen versuchten Raubes erfüllt. Selbst wenn
der Schlag gegen den Privatkläger – gemäss Verteidiger – lediglich aus purer
Lust oder aus purem Unsinn erfolgt sein sollte, so änderte dies nichts an der
genannten rechtlichen Würdigung.
Anlässlich der Berufungsverhandlung hat der Verteidiger die rechtliche Würdigung
der Vorinstanz dem Grundsatz nach nicht mehr angefochten (Urk. 66 S. 8 ff.).
4.5. Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz
erwogen hat, dass der Beschuldigte zudem den Tatbestand der einfachen
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB erfüllt habe, dieser
aber vom begangenen versuchten Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB konsumiert werde (Urk. 49 S. 23 und 30).
Diese Ausführungen sind zutreffend. Auf die entsprechenden Erwägungen kann
damit vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
- 19 -
4.6. In diesem Sinne ist der vorinstanzliche Schuldspruch zu bestätigen und der
Beschuldigte demnach des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
5. Strafzumessung
5.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten wegen des versuchten Raubes im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB mit
einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten, wovon 81 Tage durch Untersuchungshaft
erstanden sind, bestraft (Urk. 49 S. 42).
5.2. Die Vorinstanz ging zutreffenderweise vom ordentlichen Strafrahmen
von einer Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder einer Geldstrafe zwischen 180 bis
360 Tagessätzen aus (Urk. 49 S. 33; Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Zudem hat
die Vorinstanz zutreffend darauf hingewiesen, dass der ordentliche Strafrahmen
nur zu verlassen ist, wenn ausserordentliche Umstände vorliegen und die für die
betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde
erscheint (Urk. 49 S. 33; vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). Damit ist vorliegend sowohl
der Versuch (Art. 22 Abs. 1 StGB) als auch die verminderte Schuldfähigkeit
(Art. 19 Abs. 2 StGB) grundsätzlich innerhalb des ordentlichen Strafrahmens
entsprechend zu berücksichtigen.
5.3. Die Vorinstanz hat sodann die Grundsätze, nach welchen eine Strafe
zuzumessen ist, richtig zusammengefasst (Urk. 49 S. 32-34). Darauf und auf die
aktuelle Rechtsprechung des Bundesgerichts zu diesem Thema (BGE 136 IV 55
E. 5.4 ff; BGE 135 IV 130 E. 5.3.1; BGE 132 IV 102 E. 8.1, je mit Hinweisen;
Bundesgerichtsentscheide 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1, und
6B_274/2013 vom 5. September 2013, E. 1.2.2) kann vorab verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO).
Zu ergänzen bleibt Folgendes: Das Gericht hat in einem ersten Schritt das
Gesamtverschulden (die objektive und subjektive Tatschwere) zu qualifizieren
und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich zu benennen, wobei von
einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregrad auszugehen ist. Hierauf ist
- 20 -
in einem zweiten Schritt – was die Vorinstanz unterlassen hat – innerhalb des zur
Verfügung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die
diesem Verschulden entspricht. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenen-
falls in einem dritten Schritt aufgrund eines blossen Versuchs im Sinne von Art. 22
Abs. 1 StGB sowie aufgrund wesentlicher Täterkomponenten verändert werden
(BGE 136 IV 55 E. 5.7). Im Falle einer verminderten Schuldfähigkeit ist diese bei
der Strafzumessung im Rahmen der subjektiven Tatschwere zu berücksichtigen.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist dabei keine lineare Reduktion
nach einem bestimmten Tarif vorzunehmen. Eine leichte, mittelgradige oder
schwere Herabsetzung der Zurechnungsfähigkeit führt daher nicht zwingend zu
einer rein mathematischen Reduktion der Strafe um 25, 50 oder 75 % (BGE 136
IV 55 E. 5.6, mit Hinweisen). Liegt eine verminderte Schuldfähigkeit vor, ist
– gegebenenfalls aufgrund der tatsächlichen Feststellungen eines Gutachters –
zu entscheiden, in welchem Umfange die Schuldfähigkeit des Täters in rechtlicher
Hinsicht eingeschränkt ist und wie sich dies insgesamt auf die Einschätzung des
Tatverschuldens auswirkt (BGE 136 IV 55 E. 5.7).
5.4. Tatkomponente
5.4.1. Als Ausgangskriterium für die Verschuldensbewertung ist die objektive
Tatschwere festzulegen und zu bemessen. Im Falle eines Versuchs im Sinne von
Art. 22 Abs. 1 StGB ist diese Bewertung zunächst für das mutmasslich vollendete
Delikt vorzunehmen (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.7). Es gilt zu prüfen, wie stark das
strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist bzw.
wäre. Darunter fallen etwa das Ausmass des Erfolges, wie insbesondere der
Deliktsbetrag, die Gefährdung, das Risiko und der Sachschaden etc., sowie
die Art und Weise des Vorgehens. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie,
wie sie durch die Tat und die Tatausführung offenbart wird. Auch die Grösse
des Tatbeitrages bei mehreren Tätern und die hierarchische Stellung sind von
Bedeutung (BSK StGB I - Wiprächtiger, 3. Auflage, Basel 2013, Art. 47 N 91 ff.;
Trechsel/Affolter-Eijsten, StGB Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen
2013, Art. 47 N 18 f.).
- 21 -
In objektiver Hinsicht fällt – mit der Vorinstanz (Urk. 49 S. 34) – in Betracht, dass
der Beschuldigte seine Tat gegenüber einer Person verübte, die zunächst bereit
war, ihm freiwillig etwas Geld zu schenken. Der Beschuldigte hat den Privatkläger
nicht nur verbal unter Druck gesetzt, um Geld von diesem zu erhalten. Vielmehr
versetzte er dem Privatkläger schliesslich einen Schlag bzw. einen Kick ins
Gesicht und fügte ihm dadurch eine 3 cm lange Wunde an der Oberlippe
und Mundschleimhaut zu, die genäht werden musste (Urk. 11/7). Der mögliche
Deliktsbetrag wäre zwar durch eine übliche Bezugslimite am Bankomat
beschränkt und damit nicht erheblich gross gewesen. Für eine Privatperson wäre
der mögliche Schaden aber doch jedenfalls empfindlich spürbar gewesen.
Das objektive Tatverschulden für das mutmasslich vollendete Delikt wiegt – mit
der Vorinstanz (Urk. 49 S. 35) – nicht mehr leicht.
5.4.2. Sodann ist eine Bewertung des subjektiven Verschuldens vorzunehmen.
Es stellt sich hier die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere tatsächlich
anzurechnen ist. Zum subjektiven Verschulden gehören etwa die Frage der
Zurechnungs- bzw. der Schuldfähigkeit sowie das Motiv. Ferner sind die weiteren
subjektiven Verschuldenskomponenten, wie beispielsweise einige der in Art. 48
StGB aufgeführten Gründe, zu berücksichtigen.
In subjektiver Hinsicht ist zunächst eine Verminderung der Schuldfähigkeit im
Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB aufgrund des Alkoholkonsums vor der Tat zu prü-
fen. Die Vorinstanz hielt hierzu im Wesentlichen fest, dass unter Berücksichtigung
der Vorgehensweise bei der Tatbegehung höchstens von einer leichten Herab-
setzung der Schuldfähigkeit ausgegangen werden könne (Urk. 49 S. 35-36). Die-
sen Ausführungen kann so nicht gefolgt werden. Wie vorstehend ausgeführt, ist
aufgrund der konsumierten Alkoholmenge vor der Tat (eine Flasche Jägermeister
à 0.7 Liter) davon auszugehen, dass der Beschuldigte im Deliktszeitpunkt eine
Blutalkoholkonzentration von rund 3.86 Promille aufgewiesen haben muss. Eine
derart massive Alkoholisierung spricht – gemäss vorstehend zitierter Rechtspre-
chung des Bundesgerichts – grundsätzlich für eine massive Einschränkung der
Schuldfähigkeit bzw. für eine Schuldunfähigkeit. Ausgehend von dieser Alkoholi-
sierung erscheint es denn auch durchaus nachvollziehbar und plausibel, wenn der
- 22 -
Beschuldigte seit Beginn der Strafuntersuchung konstant und in Übereinstimmung
mit C._ und D._ geltend macht, er sei sehr stark betrunken gewesen
und er habe nicht mehr normal gehen können. Zu berücksichtigen
ist aber, dass der Beschuldigte gemäss seinen eigenen Angaben gelegentlich und
im Herbst 2011, mithin im Zeitpunkt der Tat, öfter Alkohol konsumierte und er
damit an die entsprechende Wirkung in gewissem Masse durchaus gewohnt war.
Zu beachten ist sodann, dass die konkrete Tatausführung darauf schliessen lässt,
dass der Beschuldigte die Geschehnisse aufnehmen und sein Verhalten der je-
weiligen Situation anpassen konnte. Entsprechend ist von einem gewissen Reali-
tätsbezug im Tatzeitpunkt auszugehen. Zudem fiel dem Privatkläger ein massiver
Rauschzustand des Beschuldigten nicht auf. Selbst C._ führte aus, der Be-
schuldigte habe noch klar reden können. Schliesslich kann der Beschuldigte aus
den Aussagen des unbeteiligten E._, wonach der Beschuldigte sehr schnell
an ihm vorbei gerannt sei, nichts für sich ableiten. Entsprechend ist – wie vorste-
hend dargelegt – zwar davon auszugehen, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt
nicht schuldunfähig war. Aufgrund sämtlicher Umstände muss aber davon ausge-
gangen werden, dass der Beschuldigte aufgrund des Alkoholkonsums nicht mehr
fähig war, vollumfänglich das Unrecht seiner Tat einzusehen bzw. gemäss dieser
Einsicht zu handeln. Vorliegend ist aufgrund des Gesagten von einer im mittleren
Masse verminderten Schuldfähigkeit auszugehen. Diese Einschränkung der
Schuldfähigkeit ist bei der Strafzumessung erheblich strafmindernd zu berücksich-
tigen.
Sodann ist in Betracht zu ziehen, dass der Beschuldigte mit direktem Vorsatz
handelte. Er hat diese Tat aus finanziellen Beweggründen begangen, ohne in
einer finanziellen Notlage gewesen zu sein. Das Motiv erweist sich daher als rein
egoistisch.
Das objektive Verschulden wird damit durch die subjektive Tatkomponente
erheblich relativiert.
5.4.3. Unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatschwere für
den mutmasslich vollendeten Raub erscheint eine Einsatzstrafe von rund
240 Tagessätzen Geldstrafe oder 8 Monaten Freiheitsstrafe als gerechtfertigt.
- 23 -
5.4.4. Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht
die Strafe mildern. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem
– wie vorliegend – vollendeten Versuch hängt unter anderem von der Nähe des
tatbestandsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121
IV 55 E. 1).
Mit der Vorinstanz ist zu berücksichtigen, dass es zwar bei einer versuchten Tat-
begehung blieb. Dies ist dem Beschuldigten allerdings nicht gross zuzurechnen.
Vielmehr gelang es dem Privatkläger, Dritte auf die Situation aufmerksam zu
machen, was den Beschuldigten und seine beiden Begleiter schliesslich
veranlasste, die Flucht zu ergreifen.
Der Umstand, dass es bei der versuchten Tat blieb, rechtfertigt daher lediglich
eine leichte Reduktion der Strafe.
5.5. Täterkomponente
5.5.1. Persönliche Verhältnisse
Die Vorinstanz hat den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten ausführlich angeführt, worauf zu verweisen ist (Urk. 49 S. 36-37).
Die Vorinstanz hat hierzu erwogen, die schwierigen persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten während seiner Kindheit und Jugend seien leicht strafmindernd zu
berücksichtigen (Urk. 49 S. 37). Es wurde allerdings nicht begründet, inwiefern
sich die schwierige Kindheit und Jugend des Beschuldigten in Bezug auf das
vorliegend zu beurteilende Delikt strafmindernd auswirken sollte. Entsprechende
Gründe für eine Strafreduktion sind auch nicht ersichtlich. Die persönlichen
Verhältnisse wirken sich damit bei der Strafzumessung neutral aus.
5.5.2. Vorstrafen
Der Beschuldigte weist gemäss Strafregisterauszug zwei Vorstrafen auf (Urk. 52).
So wurde der Beschuldigte mit Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 21. Februar
2008 wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Geldstrafe
von 5 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt, wobei die Strafe unter Ansetzung einer
- 24 -
Probezeit von 2 Jahren bedingt aufgeschoben wurde. Zudem wurde der Beschul-
digte mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 10. August 2009
der Hehlerei, des Diebstahls, der Sachbeschädigung, der Hinderung einer
Amtshandlung sowie der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt, wobei die Strafe
unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren bedingt aufgeschoben wurde.
Dieser bedingte Strafvollzug wurde dann später mit einem weiteren Strafbefehl
vom 22. November 2011 widerrufen (s. dazu auch später).
Diese beiden Vorstrafen sind zwar nicht direkt einschlägig. Es ist aber zu berück-
sichtigen, dass der Beschuldigte bei letztgenannter Vorstrafe unter anderem
wegen Diebstahls verurteilt wurde. Dies stellt – wie der vorliegend zu beurteilende
Raub – ebenfalls ein Delikt gegen das Vermögen dar. Die beiden Vorstrafen fallen
insgesamt – mit der Vorinstanz (Urk. 49 S. 38) – leicht straferhöhend ins Gewicht.
5.5.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte war seit Beginn der Strafuntersuchung bezüglich des objektiven
Sachverhalts grundsätzlich geständig. Dass er demgegenüber den subjektiven
Sachverhalt insofern nicht anerkannte, als er geltend machte, er könne sich
an die Tat nicht mehr erinnern und sei schuldunfähig gewesen, kann dem
Beschuldigten in diesem Zusammenhang nicht zum Nachteil gereichen.
Sodann sind – mit der Vorinstanz (Urk. 49 S. 38-39) – die Bekundungen des
Beschuldigten, wonach es ihm leid tue, es unverzeihbar sei und er sich schäme
(Urk. 3/2 S. 12), zu einem rechten Teil als Selbstmitleid zu werten. Gegen
tatsächliche Einsicht und Reue spricht auch die Aussage des Beschuldigten vor
Vorinstanz, wonach er Wichtigeres zu tun habe, als an diesen Vorfall zu denken
(Urk. 39 S. 9). Auch das unentschuldigte Fernbleiben von der Berufungsverhand-
lung ändert an diesem Eindruck nichts.
Das Nachtatverhalten ist aufgrund des Geständnisses aber gleichwohl merklich
strafmindernd zu berücksichtigen.
- 25 -
5.5.4. Fazit Täterkomponente
Nach dem Gesagten kann festgehalten werden, dass sich die Täterkomponente
insgesamt spürbar strafmindernd auswirkt.
5.6. Vorläufige Würdigung
5.6.1. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich
eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen als dem Verschulden und den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. Eine Freiheitsstrafe ist damit nicht
in Betracht zu ziehen (vgl. Art. 40 StGB), weshalb sich weitere Ausführungen
hierzu erübrigen.
5.6.2. Diese Strafe liegt damit unterhalb des ordentlichen Strafrahmens gemäss
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Der ordentliche Strafrahmen darf aber nur dann ver-
lassen werden, wenn ausserordentliche Umstände vorliegen und die für die be-
treffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint.
Dies ist vorliegend der Fall: Zunächst ist zu berücksichtigen, dass schon die
objektive Tatschwere allein – im Vergleich zu allen möglichen Tatbegehungen
eines Raubes – lediglich eine Sanktion am untersten Rand des möglichen
Strafrahmens rechtfertigt. Entsprechend hat denn auch die Staatsanwaltschaft in
ihrer Anklage nur eine Strafe von 8 Monaten beantragt. Sodann liegen gleich
mehrere Strafmilderungsgründe (erheblich verminderte Schuldfähigkeit; Versuch)
und ein Strafminderungsgrund (Geständnis) vor. Aus diesen Gründen ist
vorliegend von ausserordentlichen Umständen auszugehen, die es rechtfertigen,
den ordentlichen Strafrahmen zu unterschreiten: Ausgehend von dem zwar nicht
mehr leichten, aber gleichwohl noch im untersten Bereich des Möglichen
liegenden objektiven Tatverschulden widerspräche es angesichts der sich
insgesamt sehr deutlich verschuldens- und strafreduzierend auswirkenden
weiteren Faktoren dem Rechtsempfinden, eine Strafe von mehr als 180 Tages-
sätzen Geldstrafe bzw. 6 Monaten Freiheitsstrafe auszufällen.
- 26 -
6. Höhe des Tagessatzes
6.1. Bei der Geldstrafe richtet sich die Höhe des Tagessatzes nach den persönli-
chen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils,
namentlich nach Einkommen und – soweit er davon lebt – Vermögen, ferner nach
seinem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten und
nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt für die Tages-
satzberechnung ist das Einkommen, welches dem Täter durchschnittlich an
einem Tag zufliesst. Abzuziehen ist, was gesetzlich geschuldet ist oder dem Täter
wirtschaftlich nicht zufliesst, so etwa die laufenden Steuern und die obligatori-
schen Versicherungsbeiträge. Ausserdem ist das Nettoeinkommen um die Unter-
halts- und Unterstützungsbeiträge zu reduzieren, soweit der Verurteilte ihnen
tatsächlich nachkommt. Nicht zu berücksichtigen sind Schulden und in der Regel
auch nicht die Wohnkosten (BGE 134 IV 68 ff.).
6.2. Der Beschuldigte erhält – gemäss seinen Angaben vor Vorinstanz – vom
Sozialamt monatlich Fr. 930.– sowie zusätzlich eine Integrationszulage von
monatlich Fr. 300.–. Die Kosten für die Wohnung, die Krankenkasse und die
Betreuung werden vom Sozialamt bezahlt (Urk. 39 S. 3).
6.3. Angesichts dieser finanziellen Verhältnisse erscheint ein Tagessatz in der
Höhe von Fr. 30.– angemessen.
7. Zusatzstrafe
7.1. Die Vorinstanz führte aus, es sei nicht möglich, vorliegend eine Zusatzstrafe
zur mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 22. November 2011
ausgesprochenen bedingten Strafe von 400 Stunden gemeinnützige Arbeit auszu-
fällen, da keine gleichartigen Strafen (gemeinnützige Arbeit und Freiheitsstrafe)
vorliegen würden (Urk. 49 S. 31-32). Diese Ausführungen sind zutreffend. Es
kann darauf vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). An diesem
Ergebnis ändert nichts, dass heute – im Unterschied zur Vorinstanz – eine Geld-
strafe ausgefällt wird: auch das ist eine im Verhältnis zur am 22. November 2011
angeordneten gemeinnützigen Arbeit andersartige Strafe.
- 27 -
7.2. Wie dem Strafregisterauszug entnommen werden kann, wurde der Beschul-
digte schliesslich mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
5. Januar 2013 wegen versuchten Diebstahls sowie Übertretung des Betäu-
bungsmittelgesetzes zu einer (unbedingten) Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu
Fr. 30.– sowie einer Busse von Fr. 200.– verurteilt (Urk. 52). Dem vorliegenden
Urteil liegt ein Delikt zugrunde, welches der Beschuldigte vor dem vorstehend ge-
nannten Strafbefehl begangen hat. Es liegt damit eine Konstellation retrospektiver
Konkurrenz im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB vor.
7.3. Gemäss Art. 49 Abs. 2 StGB bestimmt das Gericht, wenn es eine Tat zu
beurteilen hat, die der Täter beging, bevor er wegen einer anderen Tat verurteilt
wurde, die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird,
als wenn die strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt worden wären. Somit
soll das Asperationsprinzip auch bei retrospektiver Konkurrenz gewährleistet
werden. Der Täter soll durch die getrennte Beurteilung von Straftaten, über
die zeitlich zusammen hätte befunden werden können, nicht benachteiligt und
soweit als möglich auch nicht besser gestellt werden. Die Zusatzstrafe gleicht
dementsprechend die Differenz zwischen der ersten Einsatz- oder Grundstrafe
und der hypothetischen Gesamtstrafe aus, die nach Auffassung des Richters bei
Kenntnis der später beurteilten Straftat ausgefällt worden wäre. Eine Zusatzstrafe
kann aber nur dann ausgefällt werden, wenn eine zur Grundstrafe gleichartige
Strafe gegeben ist (BGE 137 IV 57).
7.4. Die vorliegend auszusprechende Geldstrafe hat somit als Zusatzstrafe zur
am 5. Januar 2013 angesprochenen Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu Fr. 30.–
zu ergehen.
7.5. Damals hatte der Beschuldigte versucht, im Fahrzeug der Geschädigten
deren Handtasche samt Inhalt im Gesamtwert von ca. Fr. 350.– zu behändigen
(Urk. 61; Urk. 62). Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips wäre deshalb
für sämtliche massgeblichen Delikte eine hypothetische Gesamtstrafe von
210 Tagessätzen Geldstrafe ausgesprochen worden.
- 28 -
Damit ist vorliegend – nach Abzug der Grundstrafe (Geldstrafe von 80 Tages-
sätzen) – eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen als Zusatzstrafe zur Geldstrafe
gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 5. Januar 2013
auszusprechen.
8. Gesamtwürdigung
8.1. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte mit einer
Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu Fr. 30.–, als Zusatzstrafe zur Geldstrafe
gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 5. Januar 2013,
zu bestrafen ist.
8.2. An diese Geldstrafe sind die durch Untersuchungshaft erstandenen 82 Tage
– entgegen der Vorinstanz nicht nur 81 Tage (Urk. 49 S. 39) – anzurechnen
(Art. 51 StGB; Urk. 20 S. 1; Urk. 14/1, Urk. 14/18).
9. Strafvollzug
Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten den bedingten Strafvollzug gewährt
(Urk. 49 S. 24). Von dieser Regelung kann bereits aus prozessualen Gründen
nicht abgewichen werden (Verschlechterungsverbot, Art. 391 Abs. 2 StPO). Der
bedingte Strafvollzug ist damit zu bestätigen.
Angesichts der beiden Vorstrafen, der beiden weiteren inzwischen ergangenen
Verurteilungen sowie des neusten gegen den Beschuldigten geführten Verfahrens
wegen Raub (Untersuchung C-4/2013/4279 bei der Staatsanwaltschaft
See/Oberland, in welchem der Beschuldigte zumindest in Bezug auf den objekti-
ven, ihm vorgeworfenen Sachverhalt geständig ist; vgl. Urk. 60, Urk. 63, Urk. 64)
erscheint die von der Vorinstanz angesetzte Probezeit von 4 Jahren durchaus
gerechtfertigt und ist zu übernehmen. Der Vollzug der Strafe scheitert jedenfalls
am Verschlechterungsverbot.
Entsprechend ist der Vollzug der auszusprechenden Geldstrafe aufzuschieben
und eine Probezeit von 4 Jahren anzusetzen.
- 29 -
10. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Ausgangsgemäss – der Beschuldigte unterliegt zwar mit seinem Antrag auf
Freispruch, obsiegt aber in Bezug auf die Strafhöhe und Strafart – sind die Kosten
des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung,
zur Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen und zur Hälfte dem Beschuldigten
aufzuerlegen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung in der Höhe von Fr. 2'827.45 (Urk. 67;
abzüglich der nicht stattgefundenen Besprechung mit dem Beschuldigten vom
15. Januar 2014 von 60 Minuten, zuzüglich der Entschädigung für die Berufungs-
verhandlung von 30 Minuten, sowie unter Berücksichtigung des üblichen
Ansatzes für amtliche Verteidigungen von Fr. 200.– pro Stunde) sind zur Hälfte
einstweilen und zur Hälfte definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei im
Umfang einer Hälfte die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 vorbehalten
bleibt.