Decision ID: 848130a3-cf55-5b80-b91a-616b178bb63f
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführer,
gegen
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St.Galler Gerichte
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
T._ (Jg. 1932) bezog eine Ergänzungsleistung zur Altersrente. Am 2. Mai 2007
heiratete er. Seine Ehefrau ging einer Erwerbstätigkeit nach. Die EL-
Durchführungsstelle berücksichtigte einen Bruttolohn von Fr. 50'700.-. Damit resultierte
neu ein Einnahmenüberschuss, weshalb die EL-Durchführungsstelle die laufenden
Ergänzungsleistungen des Versicherten per 31. März 2008 revisionsweise aufhob. Die
entsprechende Verfügung erging am 3. April 2008. Sie erwuchs unangefochten in
Rechtskraft. Der Versicherte ersuchte später um eine Vergütung von Krankheitskosten
für das Jahr 2007. Mit einer Verfügung vom 3. September 2008 sprach ihm die EL-
Durchführungsstelle eine Kostenvergütung zu. Der Versicherte erhob am 8. Oktober
2008 Einsprache gegen diese Verfügung. Er verlangte, dass ihm wieder
Ergänzungsleistungen ausgerichtet würden. Die EL-Durchführungsstelle trat auf diesen
Teil des Einsprachebegehrens nicht ein. Sie wies die Einsprache gegen die Verfügung
betreffend Krankheitskostenvergütung am 21. Januar 2009 ab. Der Versicherte erhob
Beschwerde gegen den Einspracheentscheid. Er ersuchte um eine Neuberechnung, da
der Einnahmenüberschuss nicht stimme. Seine Ehefrau habe nicht Fr. 50'700.-,
sondern nur Fr. 41'177.- verdient. Zudem bezahle sie Unterhaltsbeiträge für ihre drei
Kinder. Das Versicherungsgericht ordnete in seinem Urteil vom 20. März 2009 in bezug
auf die Krankheitsvergütung eine Rückweisung zur Neuberechnung der verfügbaren
Quote an. Ausserdem enthielt das Urteil folgende Erwägung: "Schliesslich hat die
Beschwerdegegnerin zu prüfen, ob die Einsprache vom 8. Oktober 2008 nicht auch als
formunrichtige Anmeldung für jährliche Ergänzungsleistungen zu interpretieren
ist" (Erw. 3.3).
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B.
Bereits am 17. Februar 2009 hatte der Versicherte erneut eine Anmeldung zum Bezug
von Ergänzungsleistungen eingereicht. Dabei hatte er angegeben, seine Ehefrau sei
Wochenaufenthalterin in A._. Ihr gesetzlicher Wohnsitz sei seit Januar 2009 in B._.
Gemäss einer Telephonnotiz der EL-Durchführungsstelle hatte das Einwohneramt
B._ bestätigt, dass sich die Ehefrau des Versicherten, zugezogen von A._, am 8.
Januar 2009 in B._ angemeldet hatte. Weiter hatte der Versicherte im
Anmeldeformular angegeben, seine Ehefrau sei in erster Ehe verwitwet. Sie habe drei
Kinder (Jg. 1992, 1993 und 1995). Er habe als Stiefvater im Jahr 2008 monatlich
Fr. 500.- als Unterhaltsleistungen für die Kinder bezahlt. Mit Ausnahme des Autos habe
er kein Vermögen. Seine Ehefrau verdiene Fr. 3500.- brutto monatlich. Der Mietzins für
eine in Untermiete genutzte Wohnung in A._ belief sich auf Fr. 1258.- monatlich
(ohne TV-Pauschale). Gemäss einem Lohnausweis vom 12. Februar 2009 hatte die
Ehefrau des Versicherten im Jahr 2008 einen Bruttolohn von Fr. 46'800.- erzielt. Der
Versicherte verlangte in einem Begleitschreiben vom 23. Februar 2009 zur
Neuanmeldung eine rückwirkende Ausrichtung von Ergänzungsleistungen. Er legte
zwei Quittungen der C._ vom 30. Dezember 2008 und vom 6. Januar 2009 bei. Laut
diesen beiden Belegen hatte er einmal 200 Euro und einmal 100 Euro in den Kosovo
überwiesen. Gemäss vier Quittungen von M.D._ und A.D._ in A._ vom
3. November 2008, vom 4. Dezember 2008, vom 13. Januar 2009 und vom 3. Februar
2009 hatte der Versicherte jeweils 500 Euro in bar ausbezahlt, damit dieses Geld an die
im Kosovo lebende Mutter der Ehefrau weitergeleitet werde. Die EL-
Durchführungsstelle berücksichtigte auf der Ausgabenseite den Mietzins der Wohnung
in A._ von Fr. 15'096.- und einen Mietzins in B._ von Fr. 8400.-, zusammen
beschränkt auf den gesetzlichen Höchstbetrag von Fr. 20'000.- (bundesrechtlich: Fr.
15'000.-), die pauschalen Krankenkassenprämien für zwei Erwachsene, zusammen Fr.
6408.-, und den gesetzlichen Pauschalbetrag für den Lebensbedarf eines Ehepaares
von Fr. 28'080.-. Daraus resultierte ein Ausgabentotal von Fr. 54'488.-. Auf der
Einnahmenseite berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle ein
Bruttoerwerbseinkommen der Ehefrau von Fr. 46'800.-, was einen anrechenbaren
Betrag von Fr. 26'451.- ergab, und die Rentenleistungen von Fr. 22'548.-. Das
Einnahmentotal von Fr. 48'999.- unterschritt das Ausgabentotal um Fr. 5489.-. Daraus
resultierte ein EL-Anspruch von Fr. 951.- monatlich, nämlich die sogenannte
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"Minimalgarantie" von Fr. 534.- als ordentliche Ergänzungsleistung und Fr. 417.- als
ausserordentliche, kantonale Ergänzungsleistung. Die EL-Durchführungsstelle gab
abschliessend an, sie habe Mietzinse von Fr. 700.- und von Fr. 1258.- (ohne TV-
Gebühren) berücksichtigt. Die Unterhaltsleistungen an die Kinder könnten nicht
angerechnet werden, da kein entsprechender Unterhaltsvertrag vorliege. Sollte es
einen Unterhaltsvertrag geben, ersuche man darum, ihn innert dreissig Tagen
einzureichen. Mit einer Verfügung vom 3. April 2009 sprach die EL-Durchführungsstelle
dem Versicherten rückwirkend ab Februar 2009 Ergänzungsleistungen von Fr. 951.-
monatlich zu.
C.
Am 21. Mai 2009 nahm die EL-Durchführungsstelle eine Anspruchsberechnung für die
Zeit ab Oktober 2008 vor. Die pauschale Krankenkassenprämie für zwei Erwachsene
hatte 2008 Fr. 6696.- betragen, der pauschale Lebensbedarf für ein Ehepaar
Fr. 27'210.-. Zusammen mit dem Mietzinsmaximum von Fr. 20'000.- (bundesrechtlich:
Fr. 15'000.-) hatte das einem Ausgabentotal von Fr. 53'906.- entsprochen. Das
anrechenbare Erwerbseinkommen von Fr. 26'451.- hatte zusammen mit den
Rentenleistungen von Fr. 21'852.- Fr. 48'303.- ausgemacht. Die Differenz von Fr.
5603.- ergab eine ordentliche Ergänzungsleistung im Ausmass der "Minimalgarantie"
von Fr. 558.- und eine ausserordentliche Ergänzungsleistung von Fr. 417.- monatlich.
Mit einer Verfügung vom 21. Mai 2009 sprach die EL-Durchführungsstelle dem
Versicherten rückwirkend ab Oktober 2008 monatliche Ergänzungsleistungen von Fr.
975.- und rückwirkend ab Januar 2009 von Fr. 951.- zu. Die Verfügungsbegründung
enthielt den Vermerk: "Neuberechnung, gemäss Urteil des kantonalen
Versicherungsgerichts". Für den Nachzahlungszeitraum Oktober bis Dezember 2008
ordnete die EL-Durchführungsstelle eine Auszahlung von dreimal Fr. 722.- statt von
dreimal Fr. 975.- an. Die Verfügung enthielt keine Begründung für diese
Vorgehensweise.
D.
Der Versicherte erhob am 19. Juni 2009 Einsprache gegen die Verfügung vom 21. Mai
2009 betreffend EL-Nachzahlung. Er machte geltend, es sei für ihn nicht
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nachvollziehbar, weshalb für Oktober bis Dezember 2008 ein Abzug von Fr. 253.-
monatlich vorgenommen werde. Er habe einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen für
das gesamte Jahr 2008. In der Abrechnung fehlten die Monate Januar bis September
2008. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 15. September 2009 ab. Sie
führte zur Begründung dieses Entscheides aus, für das Jahr 2008 sei der E._
Versicherung eine individuelle Prämienverbilligung von Fr. 3036.- ausbezahlt worden.
Die Prämienverbilligung sei auch in EL-Anspruchsberechnung berücksichtigt. Sie
belaufe sich auf Fr. 253.- monatlich. Deshalb sei dieser Betrag für die Monate Oktober
bis Dezember 2008 von der Ergänzungsleistung abgezogen worden. Da der EL-
Anspruch gemäss Art. 12 Abs. 1 ELG ab dem Monat bestehe, in dem die Anmeldung
eingereicht worden sei, könne der frühestmögliche Anspruchsbeginn der Monat
Oktober 2008 sein, wenn man davon ausgehe, dass die Einsprache vom 8. Oktober
2008 eine formwidrige Anmeldung gewesen sei.
E.
Der Versicherte erhob am 14. Oktober 2009 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid. Er stellte den Antrag, die EL-Durchführungsstelle sei zu
verpflichten, ihm Ergänzungsleistungen von Fr. 975.- monatlich auch für die Zeit von
April bis September 2008 zu entrichten. Eventualiter seien diese Ergänzungsleistungen
um die Prämienverbilligung von Fr. 253.- monatlich zu reduzieren. Zur Begründung
machte der Versicherte geltend, er habe am 19. Juni 2009 Einsprache gegen die
Verfügung vom 21. Mai 2009 erhoben, weil die Aufstellung der EL-Durchführungsstelle
absolut unverständlich gewesen sei, so dass er von einem Rechnungsfehler
ausgegangen sei, und weil die Ausrichtung von Ergänzungsleistungen zu Unrecht
eingestellt worden sei. Er gehe davon aus, dass ihm auch für die Zeit von April bis
September 2008 Ergänzungsleistungen zustünden. Die EL-Durchführungsstelle nehme
an, dass die Einsprache vom 8. Oktober 2008 als formungültige Anmeldung zu werten
sei. Diese Interpretation sei nicht nachvollziehbar, da die Leistungen fälschlicherweise
per 1. April 2008 eingestellt worden seien. Durch die Wiederaufnahme der Leistungen
aufgrund des Urteils vom 20. März 2009 sei er der Meinung gewesen, dass es keiner
neuen Anmeldung bedürfe.
F.
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Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 1. Dezember 2009 die Abweisung der
Beschwerde.

Erwägungen:
1.
Die Verfügung vom 3. April 2008, mit der die Beschwerdegegnerin die Ausrichtung der
damals laufenden Ergänzungsleistungen per 31. März 2008 revisionsweise eingestellt
hatte, ist unangefochten in formelle Rechtskraft erwachsen, da der Beschwerdeführer
es unterlassen hatte, Einsprache zu erheben. Die formelle Rechtskraft bewirkt, dass die
Verfügung vom 3. April 2008 wirksam ist, d.h. dass sie es der Beschwerdegegnerin
verbietet, über den 31. März 2008 hinaus die früher formell rechtskräftig
zugesprochenen Ergänzungsleistungen auszurichten. Daran ändert die Neuanmeldung
des Beschwerdeführers nichts, denn eine aufgrund einer Neuanmeldung erlassene
Leistungsverfügung will und kann nichts an der formellen Rechtskraft und damit an der
Wirksamkeit einer früheren Einstellungsverfügung ändern. Das mit dem Eintreten auf
die Neuanmeldung eröffnete Verwaltungsverfahren beinhaltet nämlich nur die
Ermittlung eines allfälligen aktuellen Leistungsanspruchs und nicht die Überprüfung der
Rechtmässigkeit einer früheren, formell rechtskräftigen Einstellungsverfügung. Dazu
wären nur die Verfahren der prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder der
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) geeignet. Dem formrichtigen Gesuch vom 17.
Februar 2009 lässt sich nicht entnehmen, dass der Beschwerdeführer damit etwas
anderes als eine Neuanmeldung zum Leistungsbezug bezweckt hätte. Der
Beschwerdeführer hat nämlich weder das Vorliegen neuer Tatsachen oder neuer
Beweismittel für das am 3. April 2008 abgeschlossene Revisionsverfahren nach Art. 17
Abs. 2 ATSG noch die zweifellose Unrichtigkeit der entsprechenden
Einstellungsverfügung behauptet, obwohl er offenbar der Auffassung gewesen ist, dass
die Beschwerdegegnerin aufgrund seines neuen Gesuchs den EL-Anspruch
rückwirkend ab 1. April 2008 prüfen müsse. Dasselbe gilt für das von der
Beschwerdegegnerin als formwidrige, aber gültige Neuanmeldung qualifizierte
Begehren vom 8. Oktober 2008. Die Beschwerdegegnerin war also berechtigt, die
beiden Eingaben des Beschwerdeführers als Neuanmeldung und nicht als Gesuch um
eine prozessuale Revision oder um eine Wiedererwägung der Verfügung vom 3. April
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2008 zu qualifizieren. Demnach hat sie zu Recht nur ein Verwaltungsverfahren zur
Prüfung eines Leistungsanspruchs ab dem Eingang der Neuanmeldung eröffnet.
Dieses Verwaltungsverfahren ist grundsätzlich korrekt mit der Zusprache von
Ergänzungsleistungen ab Oktober 2008 abgeschlossen worden. Die Frage, ob die
formell rechtskräftige Einstellungsverfügung vom 3. April 2008 aufzuheben und
durchgehend über den 31. März 2008 hinaus die früher zugesprochenen
Ergänzungsleistungen auszurichten seien, hat also nicht Gegenstand des
Verwaltungsverfahrens und damit der Verfügung vom 21. Mai 2009 gebildet. In einer
Eingabe vom 11. Dezember 2008 und in seiner Einsprache vom 19. Juni 2009 hat der
Beschwerdeführer dann aber wieder geltend gemacht, er habe rückwirkend ab April
2008 einen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Obwohl er diese Auffassung nicht mit
einer Rechtswidrigkeit der Einstellungsverfügung vom 3. April 2008 begründet, sondern
auf das Versicherungsgerichtsurteil vom 26. März 2009 verwiesen hat, aus dem er
offenbar abgeleitet hat, dass ihm rückwirkend ab April 2008 Ergänzungsleistungen
zustünden, ist das Gericht der Auffassung, dass darin ein Wiedererwägungsgesuch zu
erblicken sei. Die Beschwerdegegnerin hat diese Eingaben aber nicht als
Wiedererwägungsgesuch entgegen genommen und sich deshalb auch nicht zum
Eintreten auf ein solches Gesuch geäussert. Dementsprechend hat sie im
Einspracheentscheid vom 15. September 2009 nur die Rechtsfolgen der
Neuanmeldung geprüft. Die Frage nach einer Wiedererwägung der
Einstellungsverfügung vom 3. April 2008 kann also nicht Gegenstand des
Einspracheentscheides gebildet haben. Eine allfällige wiedererwägungsweise (Art. 53
Abs. 2 ATSG) Aufhebung der formell rechtskräftigen Verfügung vom 3. April 2008 kann
deshalb auch nicht Teil des Streitgegenstandes des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens bilden. Eine Ausdehnung des Streitgegenstandes auf diese
Frage ist ausgeschlossen, weil damit kein ausreichender verfahrensökonomischer
Vorteil verbunden wäre und weil die in Art. 53 Abs. 2 ATSG vorgesehene
ausschliessliche Befugnis der Beschwerdegegnerin, zu entscheiden, ob sie ein
Verfahren eröffnen will, rechtswidrigerweise durch das Gericht usurpiert würde.
Allerdings wird die Beschwerdegegnerin noch zu prüfen haben, ob sie auf das gegen
die formell rechtskräftige Einstellungsverfügung vom 3. April 2008 gerichtete
Wiedererwägungsgesuch eintreten will. Im vorliegenden Fall prüft das Gericht nur die
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Rechtmässigkeit der Entscheidung der Beschwerdegegnerin über die Folgen der
Neuanmeldung.
2.
Der Beschwerdeführer hat am 17. Februar 2009 ein Anmeldeformular ausgefüllt und
eingereicht. Gemäss Art. 12 Abs. 1 ELG (für die ausserordentliche Ergänzungsleistung
i.V.m. Art. 13 ELG/SG) besteht deshalb ab Februar 2009 ein Anspruch auf
Ergänzungsleistungen. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin in der
Verfügung vom 3. April 2009 mit Wirkung ab Februar 2009 monatliche
Ergänzungsleistungen von Fr. 951.- zugesprochen. Das Gericht hatte die
Beschwerdegegnerin im Urteil vom 20. März 2009 darauf hingewiesen, dass sie noch
zu prüfen habe, ob es sich bei der Einsprache vom 8. Oktober 2008 gleichzeitig um
eine formwidrige Neuanmeldung gehandelt habe (Erw. 3.3). Bei diesem Hinweis
handelte es sich ganz offensichtlich nicht um eine durch den im Urteilsdispositiv
enthaltenen Verweis auf die Urteilserwägungen rechtskräftigen gerichtlichen Entscheid,
dass in der Einsprache vom 8. Oktober 2008 tatsächlich eine Neuanmeldung enthalten
gewesen sei, die von der Beschwerdegegnerin noch behandelt werden müsse.
Vielmehr hat das Gericht nur auf eine solche Möglichkeit aufmerksam gemacht und es
vollständig der Beschwerdegegnerin überlassen, wie sie mit dem Inhalt der Einsprache
vom 8. Oktober 2008 umgehen wolle. Die Beschwerdegegnerin hat der Einsprache den
Charakter einer formwidrigen, aber gültigen Neuanmeldung beigemessen. Zwar scheint
sie dies in einem Irrtum über den Inhalt des Urteilsdispositivs getan zu haben, aber
angesichts der komplexen Situation, in welcher sich die Parteien damals befanden (für
den Beschwerdeführer dürfte es kaum zu durchschauen gewesen sein, dass eine
Anspruchsberechnung nur der Prüfung eines allfälligen Anspruchs auf eine Vergütung
von Krankheitskosten diente), hätte sich die Qualifikation der Einsprache vom 8.
Oktober 2008 als formwidrige Neuanmeldung innerhalb des Ermessens der
Beschwerdegegnerin bei der Interpretation dieser Eingabe des Beschwerdeführers
bewegt. Das Abstellen auf das Datum der Einsprache erweist sich somit als eine
korrekte Anwendung des Art. 12 Abs. 1 ELG. Mit der Verfügung vom 21. Mai 2009 hat
die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom 3. April 2009 notwendigerweise
aufgehoben, ohne dies allerdings ausdrücklich anzuordnen, denn wenn abgestufte
rückwirkende Leistungszusprachen nach ständiger Rechtsprechung nur mittels einer
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einzigen Verfügung erfolgen können, dann muss dies erst recht für nicht abgestufte
rückwirkende Leistungszusprachen gelten. Da die Beschwerdegegnerin natürlich um
diese Rechtsprechung gewusst hat, kann die Verfügung vom 21. Mai 2009 nur als
Widerruf und Ersatz der Verfügung vom 3. April 2009 interpretiert werden. Da zum
Zeitpunkt des Erlasses der neuen Verfügung die Beschwerdefrist als Folge der
Zustelldauer und der Gerichtsferien (Art. 60 Abs. 2 i.V.m. Art. 38 Abs. 4 lit. a ATSG)
noch nicht abgelaufen war, konnte der Widerruf und der Ersatz der Verfügung vom 3.
April 2009 voraussetzungslos erfolgen. In bezug auf den Zeitpunkt, ab dem ein
Anspruch auf Ergänzungsleistungen besteht, erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid somit als korrekt.
3.
Geleistete familienrechtliche Unterhaltsbeiträge sind als Ausgaben anzurechnen (Art.
10 Abs. 3 lit. e ELG). Die Beschwerdegegnerin hat keine Unterhaltsleistungen der
Ehefrau des Beschwerdeführers an deren im Herkunftsland lebenden drei Kinder
(Halbwaisen) als Ausgaben berücksichtigt. Dieses Vorgehen beruht auf einer Verletzung
der Untersuchungspflicht. Die Beschwerdegegnerin hat es nämlich unterlassen, die
familienrechtliche Unterhaltspflicht und deren Erfüllung abzuklären, so dass weder das
Erbringen noch das Nichterbringen von Unterhaltsleistungen mit der erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. In der – später
widerrufsweise aufgehobenen – Verfügung vom 3. April 2009 hat die
Beschwerdegegnerin diese Verletzung der Untersuchungspflicht dadurch zu
kompensieren versucht, dass sie dem Beschwerdeführer eine Korrektur der Verfügung
in Aussicht gestellt hat, falls er innert dreissig Tagen einen "Unterhaltsvertrag" vorlegen
könne. Statt im Rahmen der Untersuchungspflicht die familienrechtliche
Unterhaltspflicht und deren Erfüllung abzuklären und nötigenfalls die Mitwirkungspflicht
des Beschwerdeführers (und/oder der Ehefrau) bei der Sachverhaltsermittlung
abzumahnen, hat die Beschwerdegegnerin also eine Vermutung aufgestellt, dass die
Ehefrau des Beschwerdeführers nicht unterhaltspflichtig sei oder dass sie keine
Unterhaltsleistungen erbringe. Gestützt auf diese Sachverhaltsvermutung hat die
Beschwerdegegnerin dann am 3. April 2009 verfügt. Immerhin hat sie dem
Beschwerdeführer in dieser Verfügung noch die Möglichkeit eingeräumt, diese
Sachverhaltsvermutung "post festum" noch zu widerlegen und damit eine Korrektur
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der Verfügung zu erreichen. Dabei ist sie offenbar davon ausgegangen, dass die
Verfügungskorrektur nur vor dem Eintritt der formellen Rechtskraft der Verfügung
möglich sei, denn sie hat dem Beschwerdeführer lediglich dreissig Tage Zeit gegeben,
um die für ihn nachteilige Sachverhaltsvermutung zu widerlegen. Eine gesetzliche
Grundlage für diese abenteuerliche verfahrensrechtliche Konstruktion fehlt sowohl im
ELG als auch im ATSG. Deshalb muss die Verfügung vom 3. April 2009 bzw. der sie
ersetzende, gleichlautende Einspracheentscheid trotz der früher einmal zugesicherten
Korrekturmöglichkeit als rechtswidrig qualifiziert werden. Erst recht gilt dies für den auf
der Verfügung vom 21. Mai 2009 beruhenden angefochtenen Einspracheentscheid,
denn weder die Verfügung noch der Einspracheentscheid enthalten einen Hinweis auf
eine derartige Korrekturmöglichkeit für den Fall, dass der Beschwerdeführer die gegen
ihn gerichtete Sachverhaltsvermutung nachträglich wiederlegen könnte. Damit erweist
sich der angefochtene Einspracheentscheid in bezug auf die Ausgabenposition
"geleistete familienrechtliche Unterhaltsbeiträge" als rechtswidrig, da nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad feststeht, ob die Ehefrau für die drei Halbwaisen
unterhaltsverpflichtet ist und ob sie einer allfälligen Unterhaltspflicht nachkommt. Die
dem Gericht vorliegenden Akten erlauben es nicht, über die Anrechnung allfälliger
Unterhaltsleistungen als Ausgaben zu entscheiden. Deshalb ist die Sache zur weiteren
Abklärung in diesem Punkt an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei wird zu
berücksichtigen sein, dass Geldüberweisungen in das Herkunftsland der Ehefrau des
Beschwerdeführers oft nicht mittels Bank- oder Postüberweisung erfolgen können,
sondern andere, sicherere Wege gesucht werden müssen. Zur Abklärung der offenen
Fragen wird die Beschwerdegegnerin nötigenfalls die Mitwirkungspflicht des
Beschwerdeführers und der Ehefrau bei der Sachverhaltsabklärung abrufen.
4.
Gemäss einer internen Notiz der Beschwerdegegnerin vom 9. Juli 2009 war mit einer
Verfügung vom 14. Februar 2007 angeordnet worden, dass der Anteil an den
ordentlichen Ergänzungsleistungen, welcher der gesetzlichen Pauschale für die
Krankenkassenprämie entsprach, direkt der Krankenkasse ausbezahlt werde. Gestützt
auf diese Verfügung vom 14. Februar 2007 hatte die Beschwerdegegnerin am 19.
Februar 2008 auch für das Jahr 2008 den entsprechenden Betrag für das ganze Jahr
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(Fr. 3036.-) direkt der Krankenkasse ausbezahlt. Dies entsprach einem monatlichen
Anteil von Fr. 253.-. Auch wenn es die Beschwerdegegnerin unverständlicherweise
unterlassen hat, die entsprechenden Akten dem Gericht vorzulegen, ist davon
auszugehen, dass die interne Notiz korrekt ist. Das bedeutet, dass der
Beschwerdeführer - wirtschaftlich betrachtet - bereits am 19. Februar 2008 für Oktober
bis Dezember 2008 ordentliche Ergänzungsleistungen von Fr. 253.- monatlich erhalten
hat, denn in diesem Betrag sind seine Krankenversicherungsprämien für das vierte
Quartal 2008 von der Beschwerdegegnerin vorausbezahlt worden. Hätte die
Beschwerdegegnerin die mit Verfügung vom 21. Mai 2009 für Oktober bis Dezember
2008 nachbezahlten ordentlichen Ergänzungsleistungen nicht um Fr. 253.- monatlich
gekürzt, wäre es zu einem unzulässigen Doppelbezug ordentlicher
Ergänzungsleistungen gekommen. Die Reduktion um Fr. 253.- monatlich erweist sich
somit als rechtmässig.
5.
5.1 Entsprechend den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise
gutzuheissen. Die Sache ist zur Ermittlung der Leistungshöhe an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In bezug auf den Anspruchsbeginn und die
Reduktion der ordentlichen Ergänzungsleistungen in den Monaten Oktober bis
Dezember 2008 erweist sich die Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin als korrekt.
Trotzdem muss der angefochtene Einspracheentscheid insgesamt aufgehoben werden.
Die Beschwerdegegnerin wird im Anschluss an die noch vorzunehmenden
Sachverhaltsabklärungen neu verfügen und dabei die Vorgaben im vorliegenden Urteil
umsetzen.
5.2 Soweit sich das Urteil auf die bundesrechtlichen Ergänzungsleistungen bezieht,
kann gegen es innert 30 Tagen beim Bundesgericht Beschwerde in öffentlich-
rechtlichen Angelegenheiten geführt werden. Soweit es die ausserordentlichen,
kantonalrechtlichen Ergänzungsleistungen betrifft, steht - innert einer kürzeren Frist von
14 Tagen - das Rechtsmittel der Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
St. Gallen zur Verfügung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53
GerG entschieden:
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1. In teilweiser Gutheissung der Beschwerde wird der Einspracheentscheid vom
15. September 2009 aufgehoben und die Sache wird zur weiteren Abklärung und zur
neuen Verfügung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 13.04.2010 Art. 20 Abs. 1 ELV, Art. 53 Abs. 1 und Abs. 2 ATSG. Ausfüllen eines Anmeldeformulars: Neuanmeldung nach einer vorausgegangenen, formell rechtskräftigen revisionsweisen Leistungsaufhebung oder Gesuch um prozessuale Revision bzw. Wiedererwägung der Aufhebungsverfügung? Art. 28 Abs. 2 ATSG. Mitwirkung der versicherten Person bei der Abklärung des Sachverhalts. Die EL-Durchführungsstelle kann nicht auf die Geltendmachung dieser Mitwirkungspflicht verzichten und stattdessen eine für die versicherte Person nachteilige Sachverhaltsvermutung aufstellen, die keine Grundlage in den bereits vorhandenen Akten hat, anschliessend in Anwendung dieser nachteiligen Sachverhaltsvermutung verfügen und gleichzeitig der versicherten Person die Möglichkeit einräumen, diese Vermutung zu widerlegen und damit eine Korrektur der Verfügung zu erreichen (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. April 2010, EL 2009/41).
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2021-09-19T18:10:15+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen