Decision ID: d67880f0-7325-49ee-bf35-1bb58d53d531
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend qualifizierte grobe Verletzung der Verkehrsregeln etc.
Berufung gegen ein Urteil und Beschluss des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 19. September 2017 (DG170097)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 30. März 2017
(Urk. 28) sowie die Nachtragsanklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat vom 21. August 2017 (Urk. 40/12) sind diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
– der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art.
90 Abs. 3 und Abs. 4 lit. c SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG,
Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 22 Abs. 1 SSV
– des mehrfachen vorsätzlichen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von
Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG
– der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 22 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 2 Tage
durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen
zu Fr. 50.00.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 14 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (8 Monate, abzüg-
lich 2 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheits-
strafe vollzogen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
4. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 3'000.00 ; die weiteren Kosten betragen: Fr. 1'100.00 Gebühr Strafuntersuchung § 4 GebStrV Fr. 1'935.00 Kosten Kantonspolizei Zürich Fr. 6'627.75 Gutachten/Expertisen etc. Fr. 4'647.25 Auslagen Untersuchung
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Fr. 191.15 Diverse Kosten Fr. 6'009.10 amtliche Verteidigung
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
7. Rechtsanwalt X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten mit Fr. 6'009.10 (inkl. Barauslagen und Mehrwert-
steuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 59 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 1 des ange-
fochtenen Urteils schuldig zu sprechen der groben Verkehrsregelver-
letzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG, des mehrfachen vorsätzli-
chen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b
SVG sowie der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286
StGB.
2. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 2 des ange-
fochtenen Urteils zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten
(unter Anrechnung der erstandenen Haft von 2 Tagen), sowie einer
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.–.
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3. In Abänderung der Dispositivziffer 3 des angefochtenen Urteils sei der
Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe aufzuschieben unter An-
setzung einer Probezeit von 3 Jahren.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(schriftlich, Urk. 53)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
I. Prozessverlauf
1. Am 30. März 2017 erhob die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat gegen den
Beschuldigten Anklage beim Bezirksgericht Zürich wegen qualifizierter grober
Verletzung von Verkehrsregeln (Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwin-
digkeit), Führen eines Motorfahrzeuges trotz Entzug des Führerausweises und
Hinderung einer Amtshandlung (Urk. 28). Am 21. August 2017 reichte die Staats-
anwaltschaft Zürich-Limmat beim nämlichen Gericht eine Nachtragsanklage we-
gen Fahrens ohne Berechtigung ein (Urk. 40/12). Anlässlich der auf den 19. Sep-
tember 2017 angesetzten Hauptverhandlung wurde über beide Anklagen zusam-
men verhandelt (Urk. 40/13; Prot. I S. 6).
2. Mit gleichentags ergangenem Beschluss und Urteil vereinigte das Bezirks-
gericht Zürich das Verfahren der Nachtragsanklage mit demjenigen der Hauptan-
klage, sprach den Beschuldigten im Sinne des eingangs wiedergegebenen
Urteilsdispositivs schuldig und bestrafte ihn mit einer teilbedingten Freiheitsstrafe
von 22 Monaten, wovon 14 Monate unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren
aufgeschoben wurden, sowie mit einer unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessät-
zen zu Fr. 50.– (Urk. 46).
3. Mit Eingabe vom 27. September 2017 liess der Beschuldigte durch seinen
amtlichen Verteidiger innert Frist Berufung anmelden (Urk. 41). Das begründete
Urteil der Vorinstanz wurde diesem am 25. Januar 2018 zugestellt (Urk 45/2). Die
Berufungserklärung ging hierorts am 13. Februar 2018 (Poststempel 12. Februar
2018) und somit rechtzeitig innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399
Abs. 3 StPO ein (Urk. 48).
4. Die Staatsanwaltschaft beantragte am 8. März 2018 die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 53). Der Beschuldigte liess am 28. März 2018 das
Datenerfassungsblatt mit Angaben zu seinen finanziellen Verhältnissen einrei-
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chen (Urk. 55). Beweisanträge wurden vor der Berufungsverhandlung von keiner
Seite gestellt.
II. Umfang der Berufung
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung. Die Rechtskraft des angefochtenen Urteils wird somit im
Umfang der Berufungsanträge gehemmt, während die von der Berufung nicht er-
fassten Punkte in Rechtskraft erwachsen (Art. 437 StPO).
2. Die Berufungserklärung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuld-
spruch im angefochtenen Urteil wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverlet-
zung (Dispositivziffer 1, Alinea 1), gegen die Höhe der ausgefällten Freiheitsstrafe
(Dispositivziffer 2, 1. Teil) sowie gegen die Anordnung des teilbedingten Vollzugs
der Freiheitsstrafe und des unbedingten Vollzugs der Geldstrafe (Dispositivzif-
fer 3). Die von der Vorinstanz wegen Hinderung einer Amtshandlung ausgefällte
Geldstrafe wurde vom Beschuldigten zwar akzeptiert. Vor dem Hintergrund, dass
bei Deliktsmehrheit zu prüfen ist, ob die Voraussetzungen zur Bildung einer Ge-
samtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB gegeben sind, hat diese jedoch als
mitangefochten zu gelten.
Anerkannt wird vom Beschuldigten der vorinstanzliche Schuldspruch wegen
mehrfachen vorsätzlichen Fahrens ohne Berechtigung und wegen Hinderung ei-
ner Amtshandlung. Ebenfalls nicht angefochten ist das Kostendispositiv sowie die
Entschädigung für die amtliche Verteidigung (Urk. 48). In diesem Umfang ist das
vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels Beschluss fest-
zustellen ist. Nicht Gegenstand der Berufung bildet der Beschluss der Vorderrich-
ter betreffend Verfahrensvereinigung. Eine diesbezügliche Vormerknahme im vor-
liegenden Berufungsverfahren erübrigt sich.
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III. Materielles
1. Vorbemerkung
Mit seiner Berufung wendet sich der Beschuldigte gegen den vorinstanzlichen
Schuldspruch wegen qualifizierter grober Verkehrsregelverletzung im Sinne von
Art. 90 Abs. 3 und 4 SVG. Er ist der Ansicht, dass sein Verhalten lediglich den
Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG
erfüllt (Urk. 48 S. 2; Urk. 38 S. 1 und 3).
2. Rechtliches
Wer durch vorsätzliche Verletzung elementarer Verkehrsregeln das hohe Risiko
eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht, namentlich durch
besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, waghalsi-
ges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten Rennen mit Motorfahr-
zeugen, macht sich der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung i.S.v.
Art. 90 Abs. 3 SVG strafbar. Nach Art. 90 Abs. 2 SVG wird bestraft, wer durch
grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit an-
derer hervorruft oder in Kauf nimmt. Die missverständliche Formulierung Inkauf-
nehmen hat dabei nicht den Sinn, den Tatbestand von Art. 90 Abs. 2 SVG zu ei-
nem Vorsatzdelikt (Eventualvorsatz) zu machen, vielmehr genügt grobfahrlässige
Tatbegehung. Demgegenüber kann die qualifizierte grobe Verkehrsregelverlet-
zung im Sinne von Art. 90 Abs. 3 SVG – als Sonderregelung zu Art. 100 Ziff. 1
Satz 1 SVG – nur vorsätzlich begangen werden. Nach Art. 90 Abs. 4 SVG ist
Abs. 3 in jedem Fall erfüllt, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit um min-
destens 40 km/h, wo diese höchstens 30 km/h beträgt (lit. a), um mindestens 50
km/h, wo diese höchstens 50 km/h beträgt (lit. b), um mindestens 60 km/h, wo
diese höchstens 80 km/h beträgt (lit. c) und um mindestens 80 km/h, wo diese
mehr als 80 km/h beträgt (lit d) überschritten wird. Mit dieser Bestimmung hat der
Gesetzgeber nicht nur die Tatbestandsvariante der besonders krassen Missach-
tung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit konkretisiert, sondern zugleich selbst
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verbindlich die Abgrenzung zwischen der groben und der qualifiziert groben Ver-
kehrsregelverletzung vorgenommen (WEISSENBERGER, Kommentar SVG, 2. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2015, N 134 zu Art. 90 SVG). Die Vorinstanz führt unter Hinweis
auf den nämlichen Autor in diesem Zusammenhang richtig aus, dass die vom
Tatbestand in Abs. 3 verlangte Schaffung eines hohen Risikos eines Unfalls mit
Schwerverletzten oder Todesopfern in den Fällen von Abs. 4 unwiderlegbar ver-
mutet wird und dem Gericht insoweit kein Ermessensspielraum bleibt, selbst
wenn die qualifizierte Gefahrschaffung im konkreten Fall bloss theoretisch ist
(Urk. 46 S. 7). Mit anderen Worten ist die Qualifikation in objektiver Hinsicht stets
erfüllt, wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit um die in Abs. 4 genannten
Werte überschritten wird. Ob der Tatbestand diesfalls auch in subjektiver Hinsicht
erfüllt ist, ist jedoch entgegen der Vorinstanz, welche insoweit von einer unwider-
legbaren gesetzlichen Vermutung ausgeht (Urk. 46 S. 9, E. 2.9.), noch nicht ge-
sagt (s. BGE 142 IV 137 ff. = Pra 106 [2017] Nr. 42; s. näher Ziff. 4.6).
Art. 90 SVG ist kein eigenständiger Straftatbestand. Er kann als Blankettstrafnorm
nur zusammen mit genau zu bezeichnenden Verkehrsregeln angewandt werden
und dient der Qualifikation von Schwere und Gefährdung eines Verstosses gegen
dieselben.
3. Anklagevorwurf
3.1 Der Vorwurf der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung in Verbindung
mit den massgebenden Vorschriften über die Geschwindigkeit wird in der Ankla-
geschrift vom 30. März 2017 erhoben.
3.2 Dem Beschuldigten wird insoweit vorgeworfen, am 21. April 2016 kurz nach
Mitternacht seinen Personenwagen durch die ...-strasse in Zürich stadtauswärts
gelenkt zu haben. Als ihn die Kantonspolizei auf der Höhe der Socar-Tankstelle
(...-strasse ...) einer Kontrolle habe unterziehen wollen, habe er die Flucht in
Richtung B._ ergriffen, weil er gewusst habe, dass ihm vom Strassenver-
kehrsamt des Kantons Zürich mit Verfügung vom 12. April 2016 der Führeraus-
weis auf unbestimmte Zeit vorsorglich entzogen worden sei. Bei seiner Flucht ha-
be er die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h wissentlich extrem
stark überschritten. Seine Geschwindigkeiten hätten auf dem Gemeindegebiet
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C._ und B._ nach der Verzweigung mit der ...-strasse 105 km/h, nach
der Verzweigung mit der ...-strasse 115 km/h und vor der Verzweigung mit der
...-strasse 123 km/h betragen; die Geschwindigkeiten habe er in diesem Umfang
auch in Kauf genommen. Durch die Überschreitung der zulässigen Höchstge-
schwindigkeit von 60 km/h um bis zu 63 km/h habe er eine sehr hohe abstrakte
Gefahr eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern verursacht. Bei der
letztgenannten Verzweigung sei er mit einer Geschwindigkeit von 74 km/h vom
linken Fahrstreifen aus nach rechts in die...-strasse abgebogen. Da er die Haft-
grenze der Reifen (Kurvengrenzgeschwindigkeit) überschritten gehabt habe, sei
er ins Schlingern geraten, habe die Herrschaft über das Fahrzeug verloren, sei in
der ...-strasse auf die Mittelinsel geraten und auf der Insel mit 71 km/h mit dem
Kandelaber der Lichtsignalanlage kollidiert. Es habe die hohe abstrakte Gefahr
bestanden, dass allfällig sich auf der Insel befindliche Fussgänger vom Auto er-
fasst und schwer verletzt oder gar getötet hätten werden können. Der Beschuldig-
te habe gewusst, dass als Folge seines Geschwindigkeitsexzesses die Wahr-
scheinlichkeit eines Unfalls mit Schwerverletzten oder gar Todesopfern sehr stark
erhöht gewesen sei (Urk. 28 S. 2 f.).
4. Sachverhaltserstellung
4.1 Der eingeklagte Vorfall wird vom Beschuldigten im Grundsatz nicht bestrit-
ten. Zu recht stellt der Beschuldigte nicht in Abrede, dass auf der massgeblichen
Strecke die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h galt, was er wusste,
und dass er mit übersetzter Geschwindigkeit unterwegs war. Zwar führte der Be-
schuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung relativierend aus, er habe da-
mals, während er das Auto gelenkt habe, nicht gewusst, dass er nur 60 km/h hät-
te fahren dürfen bzw. er habe gewusst, dass dort 60 km/h signalisiert sei, aber
habe damals unter Schock gestanden (Prot. II S 11 f.). Doch ist er diesbezüglich
auf seiner tatnahen Aussage in der polizeilichen Einvernahme vom 21. April 2016
zu behaften, wo er die Frage, ob er wisse wie hoch die maximal erlaubte Ge-
schwindigkeit auf der fraglichen Strecke auf der ...-strasse sei, bejahte und von
sich aus antwortete, diese sei maximal 60 km/h (Urk. 3 S. 4). Darüber hinaus ak-
zeptierte der Beschuldigte im Berufungsverfahren die im technischen Gutachten
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des Sachverständigen D._ vom 7. September 2016 vorgenommenen Be-
rechnungen, aufgrund welcher ihm eine Höchstgeschwindigkeit von 123 km/h an-
gelastet wird. Weiter räumt er ein, dass der Vorwurf, die Höchstgeschwindigkeit
um bis zu 63 km/h überschritten zu haben, den (objektiven) Tatbestand von Art.
90 Abs. 3 und 4 SVG erfüllt (Urk. 59 S. 2).
4.2 Die Fahrt des Beschuldigten wurde ab der Verzweigung ...-strasse von den
ihn mit einem Patrouillenfahrzeug verfolgenden Polizeibeamten der Kantonspoli-
zei Zürich mit dem Videonachfahrmesssystem SAT-Speed aufgezeichnet (Urk. 2).
Auf der Grundlage der so gemessenen Daten errechnete der Sachverständige
D._, ein anerkannter Experte im Bereich Verkehrsunfallrekonstruktion (s.
Urk. 21/5 S. 2), die Geschwindigkeit des Beschuldigten während der polizeilichen
Nachfahrt. Zusammenfassend gelangte der Gutachter zum Schluss, dass der Be-
schuldigte auf dem ersten Streckenabschnitt mit einer Mindestgeschwindigkeit
von 108 km/h, auf dem zweiten Abschnitt mit einer durchschnittlichen Geschwin-
digkeit von 118,7 km/h und auf dem dritten Streckenabschnitt (bevor der Beschul-
digte nach rechts in die ...-strasse abbog und mit dem Kandelaber auf der Ver-
kehrsinsel kollidierte) mit einer solchen von 126 km/h fuhr (Urk. 8 S. 13 ff.). Von
den gutachterlich errechneten Geschwindigkeiten des Beschuldigten nahm die
Staatsanwaltschaft einen zusätzlichen Abzug von 3 km/h vor. Und dies, obschon
der Gutachter selbst keinen solchen angewandt hatte, sondern einen Abzug in
dieser Höhe nur für den Fall vorsah, dass von den Geschwindigkeiten des Pat-
rouillenfahrzeugs auf diejenige des Beschuldigten zu schliessen wäre (Urk. 8
S. 14 oben und S. 16). Zudem rundete sie die 115,7 km/h vom zweiten Strecken-
abschnitt zugunsten des Beschuldigten auf 115 km/h ab, wie dies auch der Gut-
achter im Rahmen der Beantwortung der ihm unterbreiteten Fragen getan hatte.
Das Gutachten legt grundsätzlich schlüssig und nachvollziehbar dar, von welchen
Durchschnittsgeschwindigkeiten des Beschuldigten während der polizeilichen
Nachfahrt auszugehen ist. Eine kleine Unstimmigkeit betrifft zwar die Berechnung
der Geschwindigkeit auf dem letzten Streckenabschnitt von der Verzweigung ...-
strasse bis zur Kreuzung ...-strasse. Der Gutachter hat hier die von ihm bezeich-
nete Ungenauigkeit auf der Aufnahme von einem Bild und 4 Meter versehentlich
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zu Ungunsten des Beschuldigten berücksichtigt, indem er von der gemessenen
Zeit von 12,24 Sekunden 0.04 Sekunden abgezogen anstatt hinzugezählt hat
(Urk. 8 S. 15). Die korrekt errechnete mittlere Geschwindigkeit auf diesem Stre-
ckenabschnitt beträgt mithin 125.179 km/h (427 m / 12.28 s x 3.6). Dieses gering-
fügige Versehen tut der grundsätzlichen Qualität des Gutachtens aber keinen Ab-
bruch.
4.3 Das Geständnis des Beschuldigten deckt sich demnach mit dem Untersu-
chungsergebnis, weshalb erstellt ist, dass der Beschuldigte am 21. April 2016
kurz nach Mitternacht sein Auto auf der ...-strasse von der Verzweigung ...-
strasse bis zur Verzweigung ...-strasse in B._ mit den ihm in der Anklage
vorgeworfenen Geschwindigkeiten von 105 km/h, 115 km/h und (unter Berück-
sichtigung des Versehens gemäss Gutachten) 122 km/h lenkte. Beizufügen bleibt,
dass der Beschuldigte in seiner Einvernahme vom 22. März 2017 auf Vorhalt der
entsprechenden Werte erklärte, er habe nicht auf den Tacho geschaut, aber er
glaube der Polizei (Urk. 10 S. 2). Der Sachverhalt ist daher in objektiver Hinsicht
erstellt.
4.4 In subjektiver Hinsicht bestreitet der Beschuldigte, die Geschwindigkeit wis-
sentlich und willentlich in diesem Ausmass überschritten zu haben. Weiter bestrei-
tet er, das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern ge-
wollt oder auch nur in Kauf genommen zu haben. Als er die Polizei gesehen habe,
habe er, da er keinen Führerschein gehabt habe, eine so grosse Angst bekom-
men, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle gehabt habe. Er sei unter Schock
gestanden und habe nicht mehr realisiert, wie schnell er gefahren sei (Urk. 10
S. 2 ff.).
4.5 Art. 90 Abs. 3 SVG ist wie gesehen nur bei vorsätzlichem Handeln strafbar,
wobei Eventualvorsatz genügt. Der Täter muss wissen oder für möglich halten,
dass er elementare Verkehrsregeln verletzt und dadurch das hohe Risiko eines
Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern eingeht. Anderseits muss er die
Verletzung grundlegender Verkehrsregeln und die dadurch bedingte Eingehung
des Risikos eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern zumindest in
Kauf nehmen, d.h. sich damit abfinden, auch wenn er das nicht wünscht. Dabei
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darf die Inkaufnahme eines Risikos nicht mit der Inkaufnahme eines Unfalls mit
dessen Folgen gleichgesetzt werden.
Aus der Formulierung des Gesetzes, wonach Art. 90 Abs. 3 SVG bei Erreichen
der vorgesehenen Schwellenwerte in Abs. 4 in jedem Fall erfüllt sei, hat das Bun-
desgericht zunächst gefolgert, dass die Erfüllung des objektiven Tatbestands von
Art. 90 Abs. 4 SVG die unwiderlegbare Vermutung des Tatvorsatzes begründe,
weshalb es weder nötig noch zulässig sei darüber zu befinden, ob ein Lenker vor-
sätzlich gehandelt und ob er das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten
oder Todesopfern eingegangen sei (Urteil des Bundesgerichts 1C_397/2014 vom
20. November 2014, E. 2.4.1). Demgegenüber hat das Bundesgericht in BGE 142
IV 137 = Pra 106 (2017) Nr. 42 erkannt, dass gewisse Überschreitungen der zu-
lässigen Höchstgeschwindigkeit die objektiven Voraussetzungen des Rasertatbe-
standes erfüllen, ohne indessen einen Vorsatz zu beinhalten, und dass das mit
der Sache befasste Strafgericht demnach einen gewissen, wenn auch beschränk-
ten Ermessensspielraum geniesse, der es ihm erlaube, unter besonderen Um-
ständen auch bei einer von Art. 90 Abs. 4 SVG erfassten Geschwindigkeitsüber-
schreitung die Erfüllung des subjektiven Tatbestandes dieser Bestimmung auszu-
schliessen. An dieser Rechtsprechung hat es seither festgehalten (Urteil des
Bundesgerichts 6B_700/2015 vom 14. September 2016, E. 2.2 = Pra 106 (2017)
Nr. 86 und 6B_1215/2015 vom 23. November 2016; BGE 143 IV 508).
4.6 Was der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsa-
chen und ist damit eine Tatfrage. Eine Rechtsfrage ist hingegen, ob im Lichte der
festgestellten Tatsachen der Schluss auf Eventualvorsatz begründet ist.
Die Vorinstanz hat den vom Beschuldigten geltend gemachten Schock- und
Angstzustand als "nicht besonders glaubhaft" erachtet und daher seine Aussage,
wonach er sich der massiven Tempoüberschreitung nicht bewusst gewesen sei,
als Schutzbehauptung gewertet. Dieser Einschätzung ist zumindest im Ergebnis
beizupflichten. Zwar wirkt der vom Beschuldigten von allem Anfang an und wäh-
rend des ganzen Verfahrens geschilderte Angst- und Schockzustand entgegen
der Vorinstanz durchaus glaubhaft (Urk. 3 S. 2 ff.; Urk. 10 S. 2 f.). Es ist nachvoll-
ziehbar, dass die bevorstehende Polizeikontrolle den Beschuldigten in Angst ver-
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setzte, weil er wusste, dass er nicht hätte fahren dürfen, aber an jenem Tag trotz-
dem gefahren war. Wenige Tage zuvor war ihm der Führerausweis vorsorglich
auf unbestimmte Zeit entzogen worden, nachdem er am 6. Januar 2016 erneut
ohne Führerausweis ein Motorfahrzeug gelenkt hatte (Urk. 23/15; 23/6). Der Be-
schuldigte hatte Angst vor einer Bestrafung (Urk. 3 S. 5). Er wusste nicht, was
machen und fuhr einfach weiter (Urk. 6 S. 2). Er sah sich in einer unangenehmen
Situation und wollte sich dieser entziehen, auch wenn er "eigentlich" nicht vor der
Polizei fliehen wollte (Urk. 10 S. 2). Dazu passt seine Schilderung, er wisse nur
noch, dass er "voll auf das Gaspedal" gedrückt habe (Urk. 3 S. 3). Das ihn mit
eingeschaltetem Blaulicht und Wechselklanghorn CIS-GIS verfolgende Polizeiau-
to bemerkte und hörte er (Urk. 3 S. 4), wobei er seine Geschwindigkeit im Verlauf
der Fluchtfahrt noch auf 122 km/h erhöhte, bevor er mit 74 km/h in die ...-strasse
abbog (s. Gutachten). Dabei wusste er sehr genau, dass die zulässige Höchstge-
schwindigkeit auf der fraglichen Strecke nur 60 km/h beträgt (vgl. Urk. 3 S. 4).
Dem Beschuldigten kann somit durchaus zugebilligt werden, dass sein Verhalten
damals einzig und allein auf die Flucht und nicht auf die Geschwindigkeitsüber-
schreitung an sich gerichtet war, wie die Verteidigung in Urk. 38 S. 5 betont. All
dies zeigt aber gerade, dass der Beschuldigte in der Absicht, sich der Polizei zu
entziehen, die massive Tempoüberschreitung in Kauf nahm. Auch die Verteidi-
gung räumt im Übrigen ein, dass der Beschuldigte sich ein mehr oder weniger
bewusstes Inkaufnehmen der Geschwindigkeitsüberschreitung unter dem Titel
der groben Verkehrsregelverletzung wohl vorwerfen lassen müsse (Urk. 38 S. 5).
Weshalb der Beschuldigte allerdings eine Geschwindigkeitsüberschreitung im
Umfang einer groben Verkehrsregelverletzung, nicht aber im Umfang einer quali-
fiziert groben Verkehrsregelverletzung in Kauf genommen haben soll, wenn er ei-
genen Angaben zufolge gar nicht auf den Tachometer geschaut haben will, ver-
mag letztlich nicht einzuleuchten.
4.7 Mit Bezug auf das hohe Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder To-
desopfern und dessen Inkaufnahme durch den Beschuldigten erwog die Vor-
instanz, dass der Beschuldigte die Geschwindigkeitsüberschreitungen an einem
Donnerstag, kurz nach Mitternacht begangen habe, und dass auch unter der Wo-
che auf der ...-strasse um diese Uhrzeit grundsätzlich noch mit verschiedenen
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Verkehrsteilnehmern, insbesondere auch mit Fussgängern zu rechnen sei. Dazu
komme, dass sich auf der gesamten Wegstrecke zahlreiche Strassenverzweigun-
gen, Ein- und Zufahrten zu Wohnhäusern sowie Fussgängerstreifen befänden.
Der Beschuldigte habe also jederzeit damit rechnen müssen, dass ein anderer
Verkehrsteilnehmer – wenn auch vortrittsbelastet – in die ...-strasse einbiege oder
dass Fussgänger die Strasse überquerten. Diese Verkehrsteilnehmer hätten ih-
rerseits nicht damit rechnen müssen, dass der Beschuldigte mit einer massiv
übersetzten Geschwindigkeit von bis zu 123 km/h (bzw. 122 km/h) unterwegs ge-
wesen sei. Es hätte zu einer Kollision kommen können, wenn ein Lenker eines
vortrittsbelasteten Fahrzeugs oder ein Fussgänger fälschlicherweise von einem
gefahrlosen Einbiegen oder Überqueren der Strasse ausgegangen wäre und auf-
grund der erhöhten Geschwindigkeit und des damit einhergehenden verlängerten
Bremsweges ein rechtzeitiges Bremsen und zum Stillstand-Kommen des Be-
schuldigten nicht mehr möglich gewesen wäre. Daran würden auch die im Tat-
zeitpunkt trockenen Strassen und guten Sichtverhältnisse nichts ändern. Mit der
von ihm geschaffenen Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer habe sich der
Beschuldigte abgefunden, auch wenn für ihn der Eintritt des Risikos nicht wün-
schenswert gewesen sein möge (Urk. 46 S. 11 f.).
Auf diese überzeugenden Ausführungen kann vollumfänglich verwiesen werden.
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass sich das Risiko, welches der Beschuldig-
te mit seinem Handeln in Kauf nahm, selbstredend auf eine Kollision mit Schwer-
verletzten oder Todesopfern bezieht. Es ist allgemein bekannt, dass bei Unfällen
zufolge massiv übersetzter Geschwindigkeit stets die naheliegende Gefahr von
Schwerverletzten oder Todesopfern besteht.
Als überzeugend erweisen sich auch die Erwägungen der Vorinstanz zum vom
Beschuldigten eingegangenen Risiko, als er kurz vor Ende seiner Fluchtfahrt mit
massiv übersetzter Geschwindigkeit in die ...-strasse einbog, ins Schlingern kam,
die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor, auf der Mittelinsel mit einer Geschwin-
digkeit von 71 km/h mit dem Kandelaber der Lichtsignalanlage kollidierte und
schliesslich auf der Gegenfahrbahn zum Stillstand kam (Urk. 46 S. 12; Art. 82
Abs. 4 StPO). Es ist offensichtlich, dass der Beschuldigte, als er mit einem über
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der Kurvengrenzgeschwindigkeit liegenden Tempo von 74 km/h bei der fraglichen
Kreuzung abbog, das Risiko eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern
einging. Wie gefährlich das Tun des Beschuldigten war, lässt sich eindrücklich an
den bei den Akten liegenden Unfallbildern des schwer beschädigten Autos und
zerstörten Kandelabers erkennen. Hätte sich zu jener Zeit ein Fussgänger auf der
Verkehrsinsel befunden, wäre dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit getötet oder
schwer verletzt worden. Glücklicherweise hielten sich zur fraglichen Zeit keine
anderen Verkehrsteilnehmer auf der Kreuzung ...-strasse - ...-strasse auf.
5. Rechtliche Würdigung
5.1 Gemäss erstelltem Sachverhalt fuhr der Beschuldigte zur massgeblichen
Tatzeit auf der Teilstrecke Verzweigung ...-strasse bis zur ...-strasse mit einer
durchschnittlichen Geschwindigkeit von 122 km/h, womit er die zulässige Höchst-
geschwindigkeit von 60 km/h um 62 km/h überschritt. Der Beschuldigte nahm die
massive Geschwindigkeitsüberschreitung wie auch das damit verbundene Risiko
eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern in Kauf. Er muss sich des-
halb eventualvorsätzliches Handeln vorwerfen lassen. In diesem Zusammenhang
ist noch einmal auf den gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung lediglich be-
schränkten Spielraum des Gerichts hinzuweisen, die Erfüllung des subjektiven
Tatbestands in besonderen Konstellationen auszuschliessen, wenn – wie hier –
die objektiven Tatbestandselemente von Art. 90 Abs. 4 SVG erfüllt sind. Dies trifft
beispielsweise bei technischen Defekten des Fahrzeugs zu wie Fehlfunktionen
der Bremsen oder des Tempomats oder wenn Geschwindigkeitsbeschränkungen
auf einem bestimmten Strassenabschnitt unwahrscheinlich oder schwer erkenn-
bar sind (BGE 142 IV 137, E. 10.1). Eine derartige Konstellation liegt hier klarer-
weise nicht vor. Wie gesehen war dem Beschuldigten die signalisierte Höchstge-
schwindigkeit bestens bekannt. Die Fahrzeuguntersuchung durch den Gutachter
ergab keinen Hinweis auf technische Defekte des Fahrzeugs (Urk. 8 S. 5). Solche
wurden vom Beschuldigten auch nicht geltend gemacht. Der Beschuldigte hat mit
seinem Handeln sowohl den objektiven als auch den subjektiven Tatbestand von
Art. 90 Abs. 3 und 4 lit. c SVG i.V. mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 1 SVG und
Art. 22 Abs. 1 SSV erfüllt.
- 16 -
5.2 Auf den anderen in der Anklage genannten Teilstrecken fuhr der Beschuldig-
te demgegenüber mit Geschwindigkeiten, die unter den in Art. 90 Abs. 4 SVG ge-
nannten Schwellenwerten lag, nämlich mit 105 km/h, mit 115 km/h und schliess-
lich mit 74 km/h beim Abbiegen. Es fragt sich, ob sich der Beschuldigte gleichwohl
der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 3
SVG schuldig gemacht hat. Die Vorinstanz hat dies implizit und mit Bezug auf das
Abbiegen auf die ...-strasse ausdrücklich bejaht, ohne sich mit der Frage näher
zu befassen.
a) Art. 90 Abs. 3 SVG bestraft die vorsätzliche Verletzung elementarer Ver-
kehrsregeln, unter Eingehung des hohen Risikos eines Unfalls mit Schwerverletz-
ten oder Todesopfern. Was elementare Verkehrsregeln sind, wird durch konkrete
Verhaltensweisen (besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstge-
schwindigkeit, waghalsiges Überholen oder Teilnahme an einem nicht bewilligten
Rennen mit Motorfahrzeugen) verdeutlicht. Diese verstehen sich als beispielhafte
und nicht abschliessende Aufzählung. In Frage kommen deshalb grundsätzlich al-
le Verkehrsregeln, sofern die Handlungen den von Art. 90 Abs. 3 SVG vorausge-
setzten extremen objektiven und subjektiven Schweregrade erreichen. Mit Bezug
auf die besonders krasse Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
kann Abs. 3 deshalb auch erfüllt sein, ohne dass die Schwellenwerte gemäss
Abs. 4 erreicht werden. Auch kann Art. 90 Abs. 3 SVG im Falle einer Häufung von
groben Verkehrsregelverletzungen zur Anwendung kommen, wenn beispielsweise
auf einer Fahrt die einzelnen Handlungen für sich allein den von Art. 90 Abs. 3
und 4 SVG geforderten Schweregrad jeweils knapp nicht erreichen, in ihrer Ge-
samtheit aber entsprechend zu qualifizieren sind (WEISSENBERGER, a.a.O., N 119
zu Art. 90 SVG).
b) Das Abbiegen mit massiv übersetzter Geschwindigkeit vom linken Fahrstrei-
fen der ...-strasse auf die ...-strasse ist zweifellos als vorsätzliche Verletzung einer
elementaren Verkehrsregel, nämlich die Geschwindigkeit stets den Verhältnissen
anzupassen, zu qualifizieren. Dabei musste der Beschuldigte um das hohe Risiko
eines Unfalls mit Schwerverletzten oder Todesopfern wissen, wie zuvor dargelegt
wurde. Dass die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale der qualifizier-
- 17 -
ten groben Verkehrsregelverletzung erfüllt sind, hat die Vorinstanz vor dem Hin-
tergrund des erstellten Sachverhalts somit zutreffend bejaht. Die mit der Vo-
rinstanz als rücksichtslos zu bezeichnende Fahrweise erreicht sowohl objektiv wie
subjektiv den von Art. 90 Abs. 3 SVG vorausgesetzten Schweregrad.
c) Was die Geschwindigkeit des Beschuldigten auf der ...-strasse nach der
Verzweigung ...-strasse bis zur Verzweigung ...-strasse betrifft, so lag diese mit
105 km/h zunächst deutlich und danach mit 115 km/h immer noch klar unter den
Schwellenwerten, die Abs. 4 in Anbetracht der signalisierten Höchstgeschwindig-
keit von 60 km/h zur Erfüllung des Rasertatbestandes verlangt; tatbestandsmäs-
sig wäre eine Geschwindigkeit so gesehen erst ab 120 km/h gewesen. Mit Abs. 4
hat der Gesetzgeber eine verbindliche Abgrenzung zwischen Art. 90 Abs. 2 und
Abs. 3 SVG in dem Sinne vorgenommen, dass Geschwindigkeitsüberschreitun-
gen ab einer bestimmten, von der zulässigen Geschwindigkeit abhängigen Höhe
stets als besonders krasse Missachtung gelten. Es kann daher grundsätzlich nicht
angehen, diesen gesetzgeberischen Entscheid über die allgemeine Definition von
Art. 90 Abs. 3 SVG bei hohen Geschwindigkeitsüberschreitungen zu unterlaufen
und die Grenzen zwischen dem als Verbrechen ausgestalteten Straftatbestand
von Abs. 3 und dem ein Vergehen darstellenden Straftatbestand von Abs. 2 auf-
zulösen. Vorliegend verhält es sich allerdings so, dass der Beschuldigte auf sei-
ner gesamten Fluchtfahrt, soweit sie Gegenstand des relevanten Anklagesach-
verhalts bildet, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h durchwegs
massiv überschritt. Auf der fraglichen Strecke, auf der sich mehrere Kreuzungen,
Fussgängerstreifen und zahlreiche Ein- und Zufahrten zu Wohnhäusern befinden
(siehe nächtliche SAT-Speed-Aufnahme und Videoaufzeichnung des Gutachters),
fuhr der Beschuldigte mit einem Tempo, welches Autobahnfahrten vorbehalten ist.
In der Folge erfüllte er mit seiner Fahrweise erstelltermassen den Rasertatbe-
stand, indem er mit 122 km/h auf die Kreuzung ...-strasse - ...-strasse zuraste,
und, nachdem er kurz abgebremst hatte, vom linken Fahrstreifen aus unter Über-
schreitung der Kurvengrenzgeschwindigkeit nach rechts in die ...-strasse abbog,
dabei die Herrschaft über sein Fahrzeug verlor und einen Unfall mit erheblichem
Sachschaden verursachte. Seine rücksichtslose, elementare Strassenverkehrsre-
geln verletzende Fluchtfahrt erscheint dabei als Handlungseinheit, weshalb auch
- 18 -
die übersetzte Geschwindigkeit auf der ...-strasse nach der Verzweigung ...-
strasse bis zur Verzweigung ...-strasse unter Art. 90 Abs. 3 SVG zu subsumieren
ist, ungeachtet dessen, dass das dort erreichte Tempo unter den in Abs. 4 SVG
genannten Schwellenwerten liegt.
d) Anzumerken bleibt, dass es – entgegen der Argumentation der Verteidigung
(Urk. 59 S. 5) – nicht gegen die Inkaufnahme eines hohen Risikos eines Unfalls
mit Schwerverletzten oder Todesopfern durch den Beschuldigten spricht, dass
den Polizeibeamten, welche dem Beschuldigten mit ähnlicher Geschwindigkeit
gefolgt sind, die Fahrt offensichtlich noch vertretbar erschien (vgl. Urk. 59 S. 5).
Es gehört zu den Aufgaben der Polizei, durch geeignete Massnahmen zur Auf-
rechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung beizutragen. Die Polizei
trifft insbesondere Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und Verhü-
tung von Unfällen im Strassenverkehr (§ 3 des Polizeigesetzes des Kantons Zü-
rich vom 23. April 2007; PolG; LS 550.1). Die Polizei hat bei ihrem Handeln ab-
zuwägen, ob die von ihr geschaffene Gefahr noch vertretbar ist, um die vom ver-
folgten Fahrzeuglenker verursachte Gefahr abzuwenden (vgl. § 10 PolG). Sie ist
– im Gegensatz zum Beschuldigten – in der Gefahrenabwehr geschult, weshalb
aus einer von der Polizei noch als vertretbar erachteten Nachfahrt nicht der
Schluss gezogen werden kann, dass die vom verfolgten Fahrzeuglenker unter-
nommene Fahrt kein hohes Risiko birgt.
5.3 Zusammenfassend ist der Beschuldigte daher – zusätzlich zu den rechts-
kräftigen Schuldsprüchen wegen mehrfachen vorsätzlichen Fahrens ohne Be-
rechtigung und Hinderung einer Amtshandlung – der qualifizierten groben Verlet-
zung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 27
Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 22 Abs. 1 SSV, teilweise in Verbindung
mit Art. 90 Abs. 4 lit. c SVG, schuldig zu sprechen.
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IV. Strafe
1. Ausgangslage
1.1 Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB sieht als Sankti-
on einzig Geldstrafe vor, während Art. 90 Abs. 3 SVG ausschliesslich Freiheits-
strafe und Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG Geldstrafe oder Freiheitsstrafe androht. Aus-
gehend davon hat die Vorinstanz den Beschuldigten für die begangene Hinderung
einer Amtshandlung mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.– und für
die übrigen Delikte mit 22 Monaten Freiheitsstrafe, abzüglich der erstandenen
Haft von zwei Tagen, bestraft. Sie hat richtigerweise zwei Strafen ausgefällt und
die für die Hinderung einer Amtshandlung ausgesprochene Geldstrafe nicht nach
den Regeln über die Gesamtstrafe gebildet, da es sich um verschiedene Strafar-
ten handelt und Art. 49 Abs. 1 StGB insoweit keine Anwendung findet
(BGE 137 IV 57 E. 4.3.1).
1.2 Die von den Vorderrichtern für die Hinderung einer Amtshandlung ausgefäll-
te Geldstrafe wurde vom Beschuldigten nicht angefochten und ist – wie nachfol-
gend aufzuzeigen ist – zu bestätigen. Gegenstand der nachfolgenden Erwägun-
gen zur Strafzumessung bilden somit nur die qualifizierte grobe Verkehrsregelver-
letzung sowie das mehrfache Fahren ohne Berechtigung. Auf die Frage des Voll-
zugs ist separat unter Ziff. V. einzugehen.
2. Strafzumessungsregeln und Strafrahmen
2.1 Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundlagen zur Strafzumessung kor-
rekt wiedergegeben und auch den Strafrahmen richtig abgesteckt. Zur Vermei-
dung von Wiederholungen kann vorab darauf verwiesen werden (Urk. 46 S. 14).
2.2 In Ergänzung zu den vorinstanzlichen Erwägungen ist zu erwähnen, dass
der Beschuldigte eine der ihm in diesem Verfahren zur Last gelegten Taten (Fah-
ren ohne Berechtigung am 20. Januar 2016; Vorfall gemäss Nachtragsanklage
vom 21. August 2017) beging, bevor er mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis am 28. Januar 2016 wegen Führens eines Motorfahrzeugs ohne
- 20 -
erforderlichen Führerausweis mit einer Geldstrafe in Höhe von 45 Tagessätzen zu
Fr. 100.– bestraft wurde (Urk. 23/6). Da heute – wie nachfolgend aufzuzeigen ist –
für das Fahren ohne Berechtigung eine Freiheitsstrafe auszufällen ist, liegt kein
Fall der retrospektiven Konkurrenz im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB vor, weshalb
auch keine teilweise Zusatzstrafe zum erwähnten Strafbefehl auszusprechen ist.
3. Einsatzstrafe
3.1 Bezüglich der qualifizierten groben Verkehrsregelverletzung ist die objektive
Tatschwere als noch leicht zu bewerten. Die in Art. 90 Abs. 4 SVG festgelegten
Grenzwerte überschritt der Beschuldigte nur geringfügig, und zwar auf einer Stre-
cke von 427 Metern bzw. während 12.28 Sekunden (s. Ziff. III./4.2.b; Urk. 8
S. 15). Auf den anderen, unmittelbar vorangehenden Streckenabschnitten der ...-
strasse (41 Meter bzw. 1.36 Meter / 314 Meter bzw. 9.52 Sekunden) und danach
beim Abbiegen auf die ...-strasse war der Beschuldigte zwar ebenfalls mit massiv
übersetzter Geschwindigkeit unterwegs, weshalb er sich auch insoweit den Vor-
wurf der besonders krassen Missachtung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
gefallen lassen muss, jedoch erreichte er die Schwellenwerte von Art. 90 Abs. 4
SVG nicht. Dies muss beim Tatverschulden berücksichtigt werden. Nicht richtig ist
es, wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten zur Last legt, dass seine Fluchtfahrt
über eine Strecke von 2.6 Kilometern geführt habe. Die Fahrt des Beschuldigten
wurde erst ab der Verzweigung ...-strasse mit dem Videonachfahrmesssystem
SAT-Speed aufgezeichnet. Es ist zwar durchaus möglich, dass der Beschuldigte
während seiner ganzen Fluchtfahrt, d.h. schon ab der Tankstelle SOCAR mit Ge-
schwindigkeiten, welche den Rasertatbestand erfüllen, unterwegs war. Mit Si-
cherheit erstellen lässt sich dies allerdings nicht. Zu bedenken ist auch, dass die
Polizeibeamten, welche die Verfolgung des davonfahrenden Beschuldigten auf-
nahmen, erst noch in ihr Fahrzeug steigen mussten; trotzdem gelang es ihnen
schon nach kurzer Zeit, den Beschuldigten einzuholen. Es ist daher ebenso gut
möglich, dass der Beschuldigte zunächst die zulässige Geschwindigkeit zwar
überschritt, jedoch nicht "besonders krass", wie dies Art. 90 Abs. 3 SVG voraus-
setzt. Dafür könnte auch der Umstand sprechen, dass der Beschuldigte seine
Geschwindigkeit während der laufenden SAT-Speed-Aufnahme erhöhte (von 105
- 21 -
km/h auf 122 km/h). Die SAT-Speed-Aufnahme beginnt, nachdem es den Polizis-
ten gelungen war, zum Fahrzeug des Beschuldigten bis auf ca. 100 Meter aufzu-
schliessen. Entsprechend ist es nicht ausgeschlossen, dass die Geschwindigkeit
des Beschuldigten zuvor, d.h. nach der SOCAR-Tankstelle bis zur Verzweigung
...-strasse noch tiefer war.
3.2 Erschwerend wirkt sich aus, dass der Beschuldigte die Geschwindigkeits-
überschreitung um 62 km/h auf einer Strasse beging, auf welcher die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h betrug. Die Vorinstanz hat zutreffend – wenn-
gleich bei der rechtlichen Würdigung – darauf hingewiesen, dass eine Tempo-
überschreitung, welche bereits im üblicherweise mit 80 km/h signalisierten Aus-
serortsbereich unter den Rasertatbestand von Art. 90 SVG fällt, innerhalb einer
Ortschaft schwerer zu gewichten ist, da das zumindest abstrakte Risiko eines Un-
falls mit Schwerverletzten oder Toten in bebautem und bewohntem Gebiet un-
gleich höher ist (Urk. 46 S. 8). Ein Verstoss gegen das Doppelverwertungsverbot
liegt – entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 59 S. 7) – nicht vor.
Vielmehr hat das Gericht bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, in welchem
Ausmass ein qualifizierender oder privilegierender Tatumstand gegeben ist (Urteil
des Bundesgerichts 6B_708/2017 vom 13. November 2017 mit Hinweis auf
BGE 120 IV 67 E. 2b). Des Weiteren kann der Verteidigung nicht gefolgt werden,
wenn sie vorbringt, es sei dem Beschuldigten zugute zu halten, dass er keine an-
deren Verkehrsteilnehmer verletzt habe, ja nicht einmal eine konkrete Gefährdung
geschaffen habe (Urk. 59 S. 7). Hätte der Beschuldigte eine konkrete Gefahr ge-
schaffen oder eine Person verletzt, wäre dies vielmehr straferhöhend zu berück-
sichtigen gewesen oder hätte gar zur Anwendung eines weiteren Straftatbestan-
des geführt.
Die Fahrt fand bei guter Witterung und trockenem Strassenbelag statt. Gemessen
an den nächtlichen Verhältnissen herrschte gute Sicht. Die Strasse war, bis auf
einen Fahrradfahrer, welchen der Beschuldigte mit ausreichend Abstand überhol-
te, menschenleer, auch wenn, wie bereits erwähnt, auch zu dieser Zeit grundsätz-
lich mit Strassen- und Fussverkehr zu rechnen war. Der Beschuldigte lenkte das
Fahrzeug weder unter Alkohol- noch Drogeneinfluss. All dies wirkt zwar nicht ent-
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=str&query_words=Doppelverwertung+Ausmass+der+qualifizierung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F120-IV-67%3Ade&number_of_ranks=0#page67
- 22 -
lastend, aber auf jeden Fall auch nicht erschwerend. Vor dem Hintergrund der
noch leichten objektiven Tatschwere erweist sich eine Einsatzstrafe von 15 Mona-
ten als angemessen.
3.3 Die geltend gemachte Angst vor der Polizei resp. Bestrafung ist zwar als
Tatmotiv psychologisch nachvollziehbar, vermag den Beschuldigten aber nicht zu
entlasten. Ebensowenig kann der Umstand, dass der Beschuldigte an jenem Tag
offenbar schlechte Nachrichten aus seinem Heimatland bekommen hatte (Urk. 3
S. 4), sein Verhalten entschuldigen oder rechtfertigen. Sein Verhalten war egois-
tisch motiviert, wollte er sich doch den drohenden Konsequenzen wegen seines
erneuten Fahrens ohne Führerausweis entziehen. Das hohe Risiko eines Unfalls
mit Toten oder Schwerverletzten nahm er dabei in Kauf. Eine Strafmilderung oder
-minderung zufolge heftiger Gemütsbewegung ist bei dieser Sachlage nicht vor-
zunehmen. Ebensowenig ist dem Beschuldigten schwere Betroffenheit durch sei-
ne Taten zu attestieren. Solches wäre allenfalls dann angebracht, wenn er bei
dem infolge seiner massiven Geschwindigkeitsüberschreitung verursachten Unfall
selbst erheblich verletzt worden wäre. Der Beschuldigte hatte aber vorliegend
grosses Glück, zog er sich doch lediglich Prellungen im Brustbereich zu. Zugute
gehalten werden kann ihm immerhin, dass er nicht mit direktem Vorsatz handelte.
Für die Gewichtung der subjektiven Tatschwere kann im Übrigen auf die Ausfüh-
rungen der Vorinstanz verwiesen werden, welche zum zutreffenden Schluss ge-
langte, dass das subjektive Tatverschulden die objektive Tatschwere nicht zu re-
lativieren vermöge. Damit bleibt es bei einer Einsatzstrafe von 15 Monaten.
4. Asperation
4.1 Die Vorinstanz hat die Einsatzstrafe in Anwendung des Asperationsprinzips
für die weiteren Taten, konkret das zweimalige Fahren ohne Berechtigung, um
insgesamt fünf Monate erhöht. Das Ausfällen einer Freiheitsstrafe für das mehrfa-
che Fahren ohne Berechtigung und die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 StGB erscheinen vorliegend sachgerecht, da der Beschuldigte ein-
schlägig vorbestraft ist und sich auch durch unbedingt vollziehbare Geldstrafen
nicht hat beeindrucken lassen (vgl. Urk. 47). Im Rahmen der Gewichtung der ob-
jektiven Tatschwere hat die Vorinstanz mit ausführlicher und überzeugender Be-
- 23 -
gründung den Einwand der Verteidigung entkräftet, wonach die Taten weniger
schwer wiegen würden, wenn – wie hier – eine Person als Inhaberin eines aus-
ländischen Führerausweises des Fahrens mächtig sei und es nur am Besitz des
schweizerischen Führerausweises mangle. Sie hat dabei auf den Umstand ver-
wiesen, dass der Beschuldigte die am 6. März 2012 zwecks Umschreibung seines
ausländischen Führerausweises absolvierte Kontrollfahrt nicht bestand und auch
die Tatsache berücksichtigt, dass gemäss Richtlinie Nr. 19 der Vereinigung der
Strassenverkehrsämter vom 26. September 2010 bei der Beurteilung von Kon-
trollfahrten dem Umstand Rechnung getragen wird, dass die Ausbildung einige
Zeit zurückliegt und nicht in der Schweiz erfolgte (Urk. 46 S. 18).
Ergänzend ist auszuführen, dass die vom Beschuldigten ohne Führerausweis zu-
rückgelegten Strecken jedenfalls nicht ganz kurz waren. Wenn die Vorinstanz
zum Schluss gelangte, dass die objektive Tatschwere bezüglich des zweimaligen
Fahrens ohne Berechtigung innerhalb des dafür geltenden Strafrahmens als nicht
mehr leicht einzustufen sei, ist dies nicht zu beanstanden.
4.2 Im Rahmen der subjektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschul-
digte aus egoistischen Beweggründen sein Auto lenkte. Eine Situation, welche
das Verhalten des Beschuldigten auch nur annähernd rechtfertigen oder ent-
schuldigen könnte, bestand klarerweise nicht. Beim Vorfall vom 21. April 2016,
kurz nach Mitternacht, befand sich der Beschuldigte auf dem Nachhauseweg
nach einem Barbesuch (Urk. 3 S. 3 f.). Er hätte ohne Weiteres auf andere Weise
nach Hause gelangen können. Weshalb der Beschuldigte beim Vorfall vom Mitt-
wochnachmittag, den 20. Januar 2016, sein Auto lenkte, konnte oder wollte er
nicht sagen (Urk. 40/7 S. 2). Möglicherweise wollte er zum Einkaufen (s. dazu
40/2 S. 2). Der Beschuldigte benützte das Auto jeweils aus Bequemlichkeit. Zu-
dem handelte er mit direktem Vorsatz, wusste er doch, dass er in der Schweiz
mangels gültigen Führerausweises nicht fahren durfte. Das subjektive Verschul-
den wiegt ebenfalls nicht mehr leicht.
Im Rahmen der Asperation erscheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe um fünf
Monate allerdings als eher hoch. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände
- 24 -
erweist sich vielmehr eine Erhöhung um drei Monate auf 18 Monate für die Tat-
komponente gerechtfertigt.
5. Täterkomponente
5.1 Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten im
Rahmen der Täterkomponente ausführlich dargestellt und daraus zutreffend ge-
schlossen, dass sich der Lebenslauf des Beschuldigten weder straferhöhend
noch strafmindernd auswirkt. Darauf kann verwiesen werden. Weiter hat sie im
angefochtenen Urteil auch auf die verschiedenen Vorstrafen des Beschuldigten
hingewiesen, die an dieser Stelle noch einmal in Erinnerung zu rufen sind:
Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 3. Juli 2014 wurde der Be-
schuldigte der Fälschung von Ausweisen, der groben Verletzung der Verkehrsre-
geln, des Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug oder Aberkennung des
Ausweises sowie eines geringfügigen Vermögensdeliktes zu einer bedingten
Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 30.– bei einer Probezeit von zwei Jahren
und einer Busse von Fr. 300.– bestraft (Urk. 23/4). Am 30. April 2015 wurde er
von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis wegen Führens eines Motorfahrzeu-
ges ohne erforderlichen Führerausweis mit einer unbedingten Geldstrafe von 45
Tagessätzen zu Fr. 60.– bestraft. Gleichzeitig wurde die bedingt ausgesprochene
Strafe aus dem Jahre 2014 widerrufen (Urk. 23/5). Mit Strafbefehl der Staatsan-
waltschaft Limmattal/Albis vom 28. Januar 2016 wurde der Beschuldigte schliess-
lich wegen Führens eines Motorfahrzeuges ohne den erforderlichen Ausweis mit
einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 100.– bestraft (Urk. 23/6); auf dieses
Strafmandat wurde bereits unter Ziff. 2.2 vorstehend hingewiesen.
5.2 Es versteht sich von selbst, dass die zumeist einschlägigen Vorstrafen im
Bereich Strassenverkehrsdelinquenz deutlich straferhöhend zu veranschlagen
sind. Dies gilt nicht nur in Anbetracht des wiederholten Führens eines Motorfahr-
zeugs ohne Führerausweis, sondern auch bezüglich der groben Verkehrsregel-
verletzung. Der Beschuldigte war damals mit stark übersetzter Geschwindigkeit
auf der Autobahn von Sirnach Richtung Zürich am späten Abend des 9. März
2014 unterwegs, wobei er die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h
- 25 -
nach Abzug der Sicherheitsmarge von 5 km/h um 35 km/h überschritt (Urk. 23/4 =
Urk. 28A/9). Erheblich strafmindernd ist demgegenüber zu berücksichtigen, dass
sich der Beschuldigte knapp drei Stunden nach seiner Flucht und dem Selbstun-
fall aus eigenem Antrieb der Polizei stellte. Zudem zeigte er sich von allem An-
fang an geständig. Dass er den Vorwurf der qualifizierten groben Verkehrsregel-
verletzung nicht gegen sich gelten lassen will und in diesem Zusammenhang
durch seine Verteidigung auch die ihm vorgeworfenen Geschwindigkeiten nicht
vollumfänglich akzeptiert, ändert daran nichts.
Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass die strafmindernden Faktoren
die straferhöhenden Umstände aufwiegen.
6. Die von der Vorinstanz für die Hinderung einer Amtshandlung ausgefällte
Geldstrafe wurde vom Beschuldigten nicht angefochten und ist zu bestätigen.
7. Zusammenfassend ist der Beschuldigte somit mit 18 Monaten Freiheitsstra-
fe, wovon 2 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind, sowie mit einer Geld-
strafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.– zu bestrafen.
V. Vollzug
1. Die Vorinstanz verweigerte dem Beschuldigten sowohl für die Geld- als auch
für die Freiheitsstrafe den bedingten Vollzug. Die Geldstrafe fällte sie unbedingt,
die Freiheitsstrafe teilbedingt aus bei einem zu vollziehenden Strafteil von 8 Mo-
naten. Die Probezeit für den bedingt aufgeschobenen Strafteil von 14 Monaten
setzte sie auf drei Jahre fest.
Der Beschuldigte verlangt berufungsweise für beide Strafen die Gewährung des
bedingten Vollzugs, unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren.
2. Gemäss Art. 42 Abs. 1 aStGB schiebt das Gericht den Vollzug einer Geld-
strafe oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens
zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig er-
scheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen ab-
- 26 -
zuhalten. Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu einer
bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten oder
zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt, so ist der Auf-
schub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen (Art. 42
Abs. 2 StGB). Die Bestimmung wurde auf den 1. Januar 2018 leicht geändert,
was hier aber nicht weiter von Bedeutung ist.
Bei der Prüfung, ob der Verurteilte für dauerndes Wohlverhalten Gewähr bietet,
hat das Gericht eine Gesamtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzuneh-
men. In die Beurteilung miteinzubeziehen sind neben den Tatumständen auch
das Vorleben und der Leumund sowie alle weiteren Tatsachen, die gültige
Schlüsse auf den Charakter des Täters und die Aussichten seiner Bewährung zu-
lassen. Relevante Faktoren sind etwa strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisati-
onsbiographie und Arbeitsverhalten, das Bestehen sozialer Bindungen und Hin-
weise auf Suchtgefährdungen (BGE 134 IV 1 E. 4.2.1).
3. Der Beschuldigte ist bereits vorbestraft, doch wurde er in den letzten fünf
Jahren vor der Tat weder zu einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten
noch zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt. Für die Ge-
währung des bedingten Strafvollzugs sind vorliegend deshalb keine besonders
günstigen Umstände erforderlich. Hinsichtlich der Vollzugsfrage ist bei kumulier-
ten ungleichartigen Strafen nicht auf die aus Freiheits- und Geldstrafe zusam-
mengesetzte Gesamtsanktion (wie bei gleichartigen asperierten Strafen) abzustel-
len, sondern die Geldstrafe und die Freiheitsstrafe sind je für sich zu betrachten
(BGE 138 IV 120, 123, E. 6 mit Verweis auf Urteil des Bundesgerichts
6B_165/2011 vom 19. Juli 2011, E. 2.3.4). Die Voraussetzungen für die Gewäh-
rung des bedingten Vollzugs sowohl der Geld- als auch der Freiheitsstrafe sind
somit in objektiver Hinsicht erfüllt.
4. Art. 43 StGB erlaubt es, teilbedingte Strafen auszusprechen. Mit der am
1. Januar 2018 in Kraft getretenen Revision ist dies an sich nur noch für Freiheits-
strafen möglich. Zu beachten bleibt allerdings der in Art. 2 StGB verankerte
Grundsatz, wonach – unter dem Vorbehalt der lex mitior – das zur Tatzeit gelten-
de Recht Anwendung findet. Eine rückwirkende Anwendung einer Gesetzesände-
- 27 -
rung ist unzulässig, wenn sie sich zulasten des Täters auswirken würde, weshalb
vorliegend auch für die Geldstrafe bei Vorliegen der entsprechenden Vorausset-
zungen der bedingte Strafvollzug gewährt werden könnte.
Sowohl nach der neuen als auch nach der bis am 31. Dezember 2017 geltenden
Fassung kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens ei-
nem Jahr und höchstens drei Jahren teilweise aufschieben, wenn dies notwendig
ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung zu tragen. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der Strafaufschub nach Art. 42 Abs. 1
StGB bei Freiheitsstrafen zwischen einem und zwei Jahren die Regel, von der nur
bei ungünstiger oder höchst ungewisser Prognose abgewichen werden darf. Der
teilbedingte Vollzug bildet dazu die Ausnahme. In solchen Fällen ist deshalb vor-
gängig zu prüfen, ob der bedingte Strafvollzug, kombiniert mit einer Verbindungs-
geldstrafe bzw. Busse (Art. 42 Abs. 4 StGB), spezialpräventiv ausreichend ist
(BGE 134 IV 1, E. 5.5.2).
5. Wie sich aus den vorstehenden Erwägungen ergibt, ist der Beschuldigte
mehrfach und überwiegend einschlägig vorbestraft. Hinsichtlich des Fahrens ohne
Führerausweis muss er sich nun bereits zum vierten sowie fünften Mal verantwor-
ten. Der Sachverhalt, welcher der qualifizierten groben Verletzung der Verkehrs-
regeln zugrunde liegt, weist deutliche Parallelen zu demjenigen auf, welcher am
3. Juli 2014 zur Bestrafung wegen grober Verkehrsregelverletzung führte. In bei-
den Fällen hielt sich der Beschuldigte nicht an die geltenden Höchstgeschwindig-
keiten, sondern überschritt diese massiv, und in beiden Fällen war er mit hohem
Tempo nachts unterwegs. Weder bedingt noch unbedingt ausgesprochene Geld-
strafen vermochten ihn bis anhin zu beeindrucken resp. von weiterer Delinquenz
abzuhalten, ebensowenig der Widerruf des für die erste Geldstrafe gewährten be-
dingten Vollzugs. Damit kann dem Beschuldigten in Bezug auf die für die Hinde-
rung einer Amtshandlung ausgefällte Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 50.–
keine günstige Prognose mehr gestellt werden. Diese ist vielmehr zu vollziehen.
6. Der Beschuldigte wurde bis anhin noch nie von einem Gericht mit einer
Freiheitsstrafe belegt. Es fragt sich daher, ob eine heute erstmals auszuspre-
chende Freiheitsstrafe allenfalls doch genügend Warnwirkung zeitigen würde, so
- 28 -
dass vom Fehlen einer ungünstigen Prognose auszugehen und dem Beschuldig-
ten der bedingte Strafvollzug zu gewähren wäre. Dies muss unter Berücksichti-
gung der gesamten Umstände verneint werden. Allerdings verbietet es sich allei-
ne schon aufgrund des Verschlechterungsgebotes, von einer eigentlichen
Schlechtprognose auszugehen. Darüber hinaus ist dem Beschuldigten zugute zu
halten, dass er sich mittlerweile seit über zwei Jahren wohl zu verhalten scheint.
Schliesslich ist nicht unberücksichtigt zu lassen, dass die für die Hinderung einer
Amtshandlung ausgefällte Geldstrafe zu vollziehen ist, auch wenn sich die Prog-
nose dadurch nur marginal verbessert.
Bei dieser Sachlage erweist sich ein teilbedingter Vollzug der Freiheitsstrafe als
gerechtfertigt, da mit dem nun anzuordnenden Teilvollzug von einer verstärkten
Warnwirkung des Teilaufschubs auszugehen ist, wodurch sich die Legalprognose
deutlich verbessert. In Anwendung von Art. 43 Abs. 3 aStGB ist der zu vollzie-
hende Teil auf sechs Monate und der aufzuschiebende Teil auf 12 Monate festzu-
setzen. Die Probezeit ist in Übereinstimmung mit der Vorinstanz auf drei Jahre
festzusetzen.
VI. Kosten
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind nach Obsiegen und Unterliegen
aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt im Schuldpunkt,
obsiegt aber zu einem kleinen Teil im Strafpunkt. Die Kosten des Berufungsver-
fahrens sind deshalb zu einem Sechstel auf die Staatskasse zu nehmen und zu
fünf Sechsteln dem Beschuldigten aufzuerlegen.
2. Insgesamt ist die amtliche Verteidigung für Aufwand und Barauslagen pau-
schal mit Fr. 4'000.– inklusive Mehrwertsteuer (Urk. 57/2-3, zuzüglich Aufwand für
die Berufungsverhandlung, Wegentschädigung und Nachbesprechung) zu ent-
schädigen. Die Kosten für die amtliche Verteidigung sind im Umfang von 5/6
einstweilen und im Umfang von 1/6 definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt im Umfang der einstweilen auf
die Gerichtskasse genommenen Kosten vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
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