Decision ID: e6b3bc66-3c84-5f4c-a97b-3a2a95a55e2f
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
E._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision
Sachverhalt:
A.
A.a E._ leidet an einem chronischen lumbospondylogenem Syndrom rechts (ICD-10
M 54.4) bei/mit Wirbelsäulenfehlform, muskulärer Dysbalance, Haltungsinsuffizienz,
degenerativen Veränderungen, Symptomausweitung und DD: anhaltender
somatoformer Schmerzstörung (act. G 3.1/25.15). Aus psychiatrischer Sicht wurde am
17. September 2002 eine Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik und
anhaltender somatoformer Schmerzstörung diagnostiziert (act. G 3.1/34.4). Dem
Versicherten wurde mit Verfügung vom 16. Januar 2003 rückwirkend ab 1. Januar 2000
basierend auf einem ermittelten Invaliditätsgrad von 90% eine ganze Rente der
Invalidvenversicherung zugesprochen (act. G 3.1/42.2 f.).
A.b Gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 6. Juni 2006 (act. G 3.1/73.1 ff.) stellte
die IV-Stelle St. Gallen mit Vorbescheid vom 6. September 2006 eine revisionsweise
Einstellung der Invalidenrente in Aussicht. Infolge eines verbesserten
Gesundheitszustandes sei der Versicherte in einer leidensadaptierten Tätigkeit wieder
zu 100% arbeitsfähig (act. G 3.1/81).
B.
B.a Gegen den Vorbescheid vom 6. September 2006 erhob der Versicherte Einwand
und machte geltend, sein Gesundheitszustand habe sich seit der ursprünglichen
Rentenzusprechung nicht erheblich verändert. Dies könne auch der beigelegten
Stellungnahme der behandelnden Ärzte vom 5. Oktober 2006 (act. G 3.1/85.3 f.)
entnommen werden (act. G 3.1/85.1 f.)
B.b Mit Verfügung vom 20. Oktober 2006 hob die IV-Stelle St. Gallen den bisherigen
Rentenanspruch revisionsweise auf. Aus dem beweistauglichen MEDAS-Gutachten
vom 6. Juni 2006 gehe eine Verbesserung des Gesundheitszustandes hervor. Auf die
vom Versicherten beantragte Prüfung der Arbeitsfähigkeit anhand einer beruflichen
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Abklärung im EVAL sowie berufliche Massnahmen bestehe aufgrund eines
Invaliditätsgrades von lediglich 10% kein Anspruch (act. G 3.1/87.1 ff.).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 20. Oktober 2006 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 20. November 2006 mit den unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen gestellten Anträgen auf Aufhebung der angefochtenen
Verfügung sowie Zusprechung der gesetzlichen Leistungen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Der Beschwerdeführer stellt des Weiteren die Anträge auf Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung sowie auf Befreiung von der Pflicht zur Leistung eines
Kostenvorschusses. Im Wesentlichen macht der Beschwerdeführer geltend, es liege
mangels verbesserten Gesundheitszustands kein Revisionsgrund vor. In formeller
Hinsicht rügt er eine Verletzung der Begründungspflicht, da der vorgenommene
Einkommensvergleich nicht nachvollziehbar sei. Den MEDAS-Gutachtern wirft er vor,
sie seien voreingenommen gewesen und ihre Beurteilungen seien fragwürdig. Dem
MEDAS-Gutachten könne daher kein Beweiswert zukommen (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 9. Januar 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde und verneint das Vorliegen einer Verletzung der
Begründungspflicht. Die Renteneinstellung sei zu Recht erfolgt. Dem MEDAS-
Gutachten komme voller Beweiswert zu, weshalb gestützt auf die darin festgestellte
Verbesserung des Gesundheitszustandes und die attestierte 100%-ige Arbeitsfähigkeit
in einer leidensadaptierten Tätigkeit die revisionsweise Rentenaufhebung zutreffend sei
(act. G 3).
C.c Der Beschwerdeführer verzichtet auf die Einreichung einer Replik (act. G 8).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 29 Abs. 2 der
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Bundesverfassung (BV; SR 101) ist der Versicherungsträger verpflichtet, sich mit den
Vorbringen der Partei auseinander zu setzen, um dem Anspruch der Versicherten auf
rechtliches Gehör Genüge zu tun. Dies schliesst etwa aus, dass der
Versicherungsträger stillschweigend über Einwendungen hinweggeht (Kieser, ATSG-
Kommentar, Art. 42 Rz 5). Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör folgt auch ein
Mindestanspruch auf Begründung einer Verfügung. Die Begründung entspricht den
Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Betroffenen dadurch in die Lage
versetzt werden, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller
Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber
nicht verpflichtet, sich zu allen Vorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es genügt,
wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die Behörde leiten liess (Häfelin/
Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, N 1705 f.).
1.2 Der Beschwerdeführer lässt in der Beschwerde vom 20. November 2006 die Rüge
vorbringen, die Beschwerdegegnerin verletze die Begründungspflicht, da der
vorgenommene Einkommensvergleich nicht nachvollziehbar sei.
1.3 Die Beschwerdegegnerin hat ordnungsgemäss eine Verfügung erlassen (act. G
3.1/87). Die vom Beschwerdeführer erhobenen Einwände beschränkten sich im
Wesentlichen auf die Behauptung, dass eine Revision mangels verbesserten
Gesundheitszustandes nicht zulässig sei. In formeller Hinsicht wurden einwandweise
noch keine Rügen erhoben (act. G 3.1/85.1 f.). Erst in der Beschwerdeeingabe vom 20.
November 2006 findet sich die Rüge, dass der vorgenommene Einkommensvergleich
nicht nachvollziehbar sei und eine Verletzung der Begründungspflicht vorliege. Der
Beschwerdegegnerin wird aber nicht vorgeworfen, sie habe sich nicht mit den
einwandweise erhobenen Vorwürfen auseinandergesetzt (act. G 1). Sowohl im
Vorbescheid vom 6. September 2006 (act. G 3.1/81) als auch in der angefochtenen
Verfügung vom 20. Oktober 2006 (act. G 3.1/87) wird unter Hinweis auf Art. 16 ATSG
fassbar ausgeführt, dass für die Bemessung der Invalidität das gegenwärtig zumutbare
Erwerbseinkommen mit jenem Einkommen verglichen werde, das bei voller Gesundheit
erzielt werden könnte. Die konkrete Höhe des Invaliden- und Valideneinkommens wird
genannt. Vor diesem Hintergrund kam die Beschwerdegegnerin – wenn auch sehr
knapp – ihrer Begründungspflicht nach. Der Umstand, dass der Einkommensvergleich
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im Einwand vom 10. Oktober 2006 (act. G 3.1/85) nicht gerügt wurde, deutet ebenfalls
auf das Vorliegen einer ausreichenden Begründung hin. Eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs des Beschwerdeführers ist demnach zu verneinen.
2.
2.1 In materieller Hinsicht ist die Frage streitig, ob die revisionsweise Einstellung der
ganzen Invalidenrente durch die Beschwerdegegnerin zu Recht erfolgt ist und sich der
Sachverhalt im massgebenden Zeitraum vom 16. Januar 2003 (Zeitpunkt
Rentenverfügung; act. G 3.1/42) bis zum 20. Oktober 2006 (Zeitpunkt angefochtene
Verfügung; act. G 3.1/87) revisionserheblich verändert hat.
2.2 Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20, in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) besteht der Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen
Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V
261 E. 4 mit Hinweisen).
2.3 Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente
gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben. Anlass zu einer Rentenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist,
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Ob eine solche
Änderung eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhaltes, wie er im
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Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit
der streitigen Revisionsverfügung (vgl. BGE 125 V 369 E. 2 mit Hinweis). Nach der
Rechtsprechung ist die Invalidenrente nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung
des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen
Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich
verändert haben (BGE 130 V 349 E. 3.5). Eine bloss unterschiedliche Beurteilung eines
im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts stellt praxisgemäss keine
revisionsbegründende Änderung dar (BGE 112 V 372 E. 2 mit Hinweisen). Eine
anspruchsbeeinflussende Änderung – zum Beispiel eine massgebliche Verbesserung
oder Verschlimmerung des Gesundheitszustandes – ist zu berücksichtigen, sobald sie
ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat (Art. 88a der Verordnung
über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
3.
3.1 Zu prüfen ist die Frage, ob sich die für den Invalditätsgrad massgeblichen
Verhältnisse seit der Zusprechung der ganzen Invalidenrente (Verfügung vom 16.
Januar 2003 [act. G 3.1/42.2 f.]) bis zur angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober
2006 (act. G 3.1/87) in revisionserheblicher Weise geändert haben.
3.2 Der ursprünglichen Rentenverfügung lagen in medizinischer Hinsicht der Bericht
des behandelnden Arztes Dr.med. A._, Allgemeine Medizin, vom 18. April 2001 (act.
G 3.1/17.1 ff.), das Gutachten der Klinik Valens vom 4. Februar 2002 (act. G 3.1/25.1
ff.) und der Bericht von Dr.med. B._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 17.
September 2002 (act. G 3.1/34.1 ff.) zugrunde.
3.2.1 Dr.med. A._ stellte in seinem Bericht folgende Diagnose: lumbosakroiliakales
Schmerzsyndrom rechts bei Spondylarthrose L5/S1 und bei Bogenschlussanomalie L5,
inguinale, genitale Schmerzen rechts bei Kryptochismus rechts, chronisch
rezidivierende Gastritis und Status nach Appendektomie 1996. Dr.med. A._
attestierte dem Beschwerdeführer im Hinblick auf körperliche Arbeiten eine bleibende
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 80%. Die körperliche Belastbarkeit sei minim (act. G
3.1/17.1).
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3.2.2 Die Gutachter der Klinik Valens diagnostizierten mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers: 1. ein chronisches lumbospondylogenes
Syndrom rechts (ICD M 54.4) bei/mit Wirbelsäulenfehlform, muskulärer Dysbalance,
Haltungsinsuffizienz, degenerativen Veränderungen, Symptomausweitung und
differentialdiagnostisch anhaltende somatoforme Schmerzstörung sowie 2. Verdacht
auf Depression (ICD-10 F 32) bei/mit Status nach leichter depressiver Episode 1996
(act. G 3.1/25.15). Trotz intensiver medizinischer Abklärung habe kein ausreichender
somatischer Befund gefunden werden können. Aus rheumatologischer Sicht bestehe
eine mindestens 50%-ige Arbeitsfähigkeit für eine leidensadaptierte Tätigkeit. Es
müsse von einer ungünstigen Prognose ausgegangen werden (act. G 3.1/25.16 – 19).
Allenfalls bestehe zusätzlich aus psychiatrischer Sicht eine verminderte
Leistungsfähigkeit (act. G 3.1/25.20).
3.2.3 In seinem Bericht vom 17. September 2002 stellte Dr.med. B._ folgende
Diagnosen: Anpassungsstörung mit depressiver Symptomatik und anhaltende
Schmerzstörung, DD: Dysthymie; Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der
Lebensbewältigung (i.S. Erschöpfungssyndrom und akzentuierte Persönlichkeitszüge);
somatisch: chronisches lumbovertebrales Syndrom rechts mit Wirbelsäulenfehlform,
muskuläre Dysbalance, Haltungsinsuffizienz sowie Symptomausweitung (act. G
3.1/34.4). Die Anpassungsstörung im Sinne einer längeren depressiven Reaktion sei auf
die Rückenproblematik und die kontinuierlich anhaltenden Schmerzen und
Bewegungseinschränkungen zurückzuführen, wobei die anhaltenden
Rückenschmerzen und eventuell auch die Miktionsbeschwerden als somatisches
Äquivalent dieser depressiven Erkrankung zu werten seien, die sich langsam
progredient auf Basis einer chronischen Überforderungssituation entwickelt habe. Wie
auch im Falle des Beschwerdeführers würden die Betroffenen mitunter über Tage oder
Wochen hinweg zusammenhängende Perioden erleben, in denen sie ein relativ
passables Befinden beschreiben. Die Betroffenen würden sich dann aber wieder
monatelang müde, depressiv, überanstrengt und genussunfähig fühlen. Diese Phasen
seien durch die Schmerzen ausgelöst und würden durch äussere ungünstige Faktoren
noch verstärkt. Hinzu kämen noch Prostata-Beschwerden, die sich ebenfalls belastend
auswirken würden (act. G 3.1/34.4 f.). An einem für den Beschwerdeführer
"wohlgesinnten geschützten Arbeitsplatz, z.B. Tagesklinik oder in IV-Werkstatt" sei
dieser aus psychiatrischer Sicht zu ungefähr 50% arbeitsfähig (act. G 3.1/34.5).
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3.2.4 Aufgrund eines mutmasslichen Invalideneinkommens von Fr. 4'800.-- in einem
geschützten Rahmen (12 x 800.-- x 50%) und einem Valideneinkommen als
Vorwerksarbeiter von Fr. 47'000.-- ermittelte die Beschwerdegegnerin ein
Invaliditätsgrad von 90% und sprach dem Beschwerdeführer ab 1. Januar 2000 eine
ganze Invalidenrente zu (act. G 3.1/42).
3.3 Der angefochtenen Verfügung (act. G 3.1/87) wurde das Gutachten der Aerztlichen
Begutachtungsinstitut GmbH (ABI) vom 6. Juni 2006 (act. G. 3.1/73.1 ff.)
zugrundegelegt. Vor dem Gutachtensauftrag an die ABI holte die Beschwerdegegnerin
bei Dr.med. A._ sowie Dr.med. B._ medizinische Stellungnahmen ein.
3.3.1 Dr.med. A._ stellt im Verlaufsbericht vom 9. Dezember 2004 fest, dass der
Gesundheitszustand im Vergleich zu früher stationär sei. Die Schmerzsymptomatik sei
gleich geblieben. Der Beschwerdeführer sei in einer leidensadaptierten Tätigkeit
höchstens zu 25-30% arbeitsfähig (act. G 3.1/56.3).
3.3.2 Im Bericht vom 31. Januar 2006 diagnostiziert Dr.med. B._ eine depressive
Verstimmung als Ausdruck einer Anpassungsstörung bei einem chronischen
Schmerzsyndrom infolge körperlicher Krankheit; Schwierigkeiten bei der kulturellen
Eingewöhnung, Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung,
Probleme bei der Erziehung; somatisch: chronisches lumbovertebrales Syndrom rechts
mit Wirbelsäulenfehlform, muskuläre Dysbalance, Haltungsinsuffizienz (act. G 3.1/66.6).
Er kommt zum Schluss, dass sich das psychiatrische Krankheitsbild seit 2002 im
Wesentlichen nicht verändert habe. Der Beschwerdeführer scheine aber eher weniger
depressiv und entspannter als im Jahr 2002 zu sein (act. G 3.1/66.10). Aus rein
psychiatrischer Sicht könne dem Beschwerdeführer eine 60 bis 70%-ige
Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit als Hilfsarbeiter zugemutet werden (4 bis
höchstens 5 Stunden täglich bei normalem Arbeitstempo). Die rheumatologische
Einschränkung müsse noch zusätzlich berücksichtigt werden (act. G 3.1/66.10).
3.3.3 Die Beschwerdegegnerin stützt die revisionsweise Einstellung der Rentenleistung
auf das ABI-Gutachten vom 6. Juni 2006 (act. G 3.1/73.1 ff.) ab. Der Beschwerdeführer
rügt, dass dem ABI-Gutachten keinerlei Beweiswert zukomme und die Gutachter
voreingenommen gewesen seien (act. G 1, S. 6). In der Tat ist darauf hinzuweisen, dass
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erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit des ABI-Gutachtens bestehen. Betreffend die
Auswirkung der festgestellten Schmerzverarbeitungsstörung verhalten sich die ABI-
Gutachter widersprüchlich. Während sie bei der Konsens-Diagnose einen Einfluss der
Schmerzverarbeitungsstörung auf die Arbeitsfähigkeit explizit bestätigen (act. G
3.1/73.18, Ziffer 5.1), verneint der psychiatrische Gutachter einen Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit (act. G 3.1/73.18, Ziffer 4.2.7 in fine). Des Weiteren vermögen die ABI-
Gutachter – bei im Vergleich zu den Vorakten im Wesentlichen gleichlautender
Diagnose – ihre Abweichungen zu den anderslautenden medizinischen Einschätzungen
von Dres.med. A._ und B._ sowie von der Klinik Valens nicht schlüssig zu
begründen. Die ABI-Gutachter beschränken sich bei ihrer Auseinandersetzung mit den
Vorakten vor allem auf die Kritik, die Vorakten seien nicht nachvollziehbar. Überdies
beziehen sie diese Kritik wesentlich nicht auf den vorliegend für die Revisionsfrage
massgeblichen Bericht von Dr.med. B._ vom 17. September 2002, sondern auf
denjenigen vom 31. Januar 2006. Das Vorgehen des ABI-Rheumatologen, zur
Beurteilung allfälliger gesundheitlicher Veränderungen lediglich auf das Röntgenbild der
Vorakten vom 11. Oktober 2001 abzustellen, ohne ein aktuelles Vergleichsbild zu
erstellen (vgl. act. G 3.1/73.12), weckt zusätzliche erhebliche Zweifel. Dies gilt umso
mehr als die Röntgenaufnahme eine Standarduntersuchung ist und in der Regel die
Untersuchungen der zur Diskussion stehenden Regionen wiederholt werden, falls die
zur Verfügung stehenden Bilder älter als 6 Monate sind (vgl. Leitlinien für die
Begutachtung rheumatologischer Krankheiten und Unfallfolgen, in: Schweizerische
Ärztezeitung, 2007, S. 738). Fragwürdig ist auch das Vorgehen, dass die internistische,
rheumatologische sowie psychiatrische Untersuchung an einem einzigen Tag (26. April
2006) stattfanden (act. G 3.1/73.1). Insbesondere im Hinblick auf das deutlich
schwankende Beschwerdebild (act. G 3.1/73.9; act. G 3.1/34.4) erscheint eine lediglich
eintägige Untersuchung Ende April 2006 dem Beschwerdebild des Beschwerdeführers
kaum angemessen. Im Übrigen ist nicht ersichtlich, inwiefern die ABI-Gutachter die
Schlafstörungen (act. G 3.1/73.10) sowie die Schwindelsymptomatik (act. G 3.1/73.11)
bei der Beurteilung des Leistungsvermögens gewürdigt haben. Aufgrund der
dargestellten Mängel erscheint die Beweistauglichkeit des ABI-Gutachtens höchst
fraglich. Jedenfalls lässt sich dem ABI-Gutachten eine revisionsrelevante Verbesserung
des Gesundheitszustandes, wie sie die Beschwerdegegnerin der angefochtenen
Verfügung zugrunde gelegt hat, nicht rechtsgenüglich entnehmen.
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3.3.4 Die ABI-Gutachter führen aus, es müsse wie bereits bei früheren fachärztlich
rheumatologischen Untersuchungen klar festgestellt werden, dass für die vom
Beschwerdeführer seit Jahren geklagten anhaltenden und therapieresistenten
gesundheitlichen Beschwerden kein adäquates somatisches Korrelat bestehe (act.
G 3.1/73.22). Als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit stellten die ABI-
Gutachter ein chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom (ICD-10 M 54.4) fest
bei/mit: Wirbelsäulenfehlform, Haltungsinsuffizienz bei deutlicher muskulärer
Dysbalance mit Abschwächung der abdominellen und rückenstabilisierenden
Muskelgruppen und rückenstabilisierenden Muskelgruppen, radiomorphologisch
beginnender Spondylarthrosen LKW4-SWK1 und Schmerzverarbeitungsstörung (act. G
3.1/73.18). Die ABI-Gutachter kamen zum Schluss: Seit Februar 1999 beständen
persistierende, chronifizierte lumbale Rückenbeschwerden, bei Wirbelsäulenfehlform,
Haltungsinsuffizienz und muskulärer Dysbalance, derzeit ohne Hinweise für eine
objektive psychiatrische Comorbidität. Es bestehe eine bleibende Arbeitsunfähigkeit für
eine körperlich schwer belastende Tätigkeit wie im angestammten Beruf. Für adaptierte
leichte bis intermittierend mittelschwer belastende berufliche Tätigkeiten bestehe aus
interdisziplinärer Sicht seit spätestens dem 26. April 2006 hingegen eine
uneingeschränkt zumutbare und normale Arbeitsfähigkeit. Es könnten weder
medizinische noch berufliche Massnahmen vorgeschlagen werden (act. G 3.1/73.21).
Die Frage, ob es objektivierbare Befundänderungen bezüglich Diagnosen und
Funktionsausfälle im Vergleich zu den Gutachtenssituationen in den Jahren 2001 und
2002 gegeben habe, verneinen die ABI-Gutachter (act. G 3.1/73.21).
3.3.5 Werden die Diagnosen des ABI-Gutachtens mit den Diagnosen der medizinischen
Aktenlage der Jahre 2001 und 2002 verglichen, so zeigt sich in tatsächlicher Hinsicht
keine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes. Die ABI-Gutachter
bestätigten bei der Diagnosestellung in der Konsensbeurteilung die Diagnose des
chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms sowie der
Schmerzverarbeitungsstörung (act. G 3.1/73.18). Die Diagnose der ABI-Gutachter
deckt sich damit mit denjenigen von Dr.med. A._ vom 18. April 2001 und der Klinik
Valens vom 4. Februar 2002 (act. G 3.1/17, 3.1/25). Lediglich im Rahmen der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung in einer leidensadaptierten Tätigkeit ergeben sich
Unterschiede. Im Gegensatz zur 80%-igen Arbeitsunfähigkeitseinschätzung von
Dr.med. A._ bzw. 50%-igen Arbeitsunfähigkeitseinschätzung der Klinik Valens gehen
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die ABI-Gutachter von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
aus. In psychiatrischer Hinsicht stellen die ABI-Gutachter "leichte depressive
Verstimmungen" sowie eine Schmerzverarbeitungsstörung fest, lehnen aber in diesem
Teil des Gutachtens eine Auswirkung – im Gegensatz zur eigenen Konsensdiagnose
(act. G 3.1/73.18) – auf die Arbeitsfähigkeit ab. Diese Einschätzung begründen die ABI-
Gutachter grundsätzlich nicht mit einer Veränderung des Gesundheitszustandes,
sondern hauptsächlich mit einer Kritik an den Einschätzungen von Dr.med. B._ (act.
G 3.1/73.17 f.). Entsprechend stellten die ABI-Gutachter in der Konsensbeurteilung
selbst fest, dass sich insgesamt keine Befundänderung ergeben habe (act.
G 3.1/73.21; zu den "aktuell unverändert persistierenden" rheumatologischen
Beschwerden vgl. auch act. G 3.1/73.10 sowie die Einschätzung des RAD vom 10.
Februar 2005 [act. G 3.1/58.2]). Lediglich in psychischer Hinsicht nehmen die ABI-
Gutachter an, dass früher "akzentuiertere Befunde" vorgelegen hätten (act. G
3.1/73.20). Allein daraus lässt sich nicht ableiten, dass eine erhebliche Verbesserung
eingetreten ist.
3.4
3.4.1 Zu prüfen bleibt, ob sich dem ärztlichen Verlaufsbericht von Dr.med. B._ vom
31. Januar 2006 (act. G 3.1/66.1 ff.) eine erhebliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes entnehmen lässt. Dieser kommt zum Schluss, eine
Wiederherstellung der beruflichen Belastungsfähigkeit für eine Halbtagstätigkeit als
Hilfsarbeiter sei durchaus möglich und für eine Arbeit von mehr als drei bis vier
Stunden täglich wahrscheinlich. Das "psychische Energieniveau" sei klinisch und
psychometrisch berufsrelevant krankheitsbedingt nicht mehr oder nur diskret
vermindert (act. G 3.1/66.8). Der Explorand erscheine weniger depressiv und
entspannter als im Jahr 2002 zu sein (act. G 3.1/66.10). An anderer Stelle erwähnt
Dr.med. B._, dass der Verlauf der Symptomatologie stationär sei (act. G 3.1/66.8 in
fine) und das psychiatrische Krankheitsbild seit 2002 im Wesentlichen keine
Veränderung erfahren habe. Im Hinblick auf die depressiven Symptome und das
Schmerzverhalten des Exploranden seien tägliche kurze Einsätze zumutbar und
wünschenswert (z.B. täglich 4 bis höchstens 5 Stunden Beschäftigung bei normalem
Arbeitstempo; act. G 3.1/66.10).
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3.4.2 Dem Verlaufsbericht von Dr.med. B._ vom 31. Januar 2006 lassen sich
Anhaltspunkte entnehmen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
verbessert hat. Die Frage, ob und in welchem Umfang sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers revisionserheblich verbessert hat, kann aber weder anhand
des Verlaufsberichts von Dr.med. B._ noch anhand der übrigen medizinischen
Aktenlage schlüssig beurteilt werden. Die Sache ist deshalb zur ergänzenden
medizinischen Beurteilung an die Verwaltung zurückzuweisen. Diese wird abzuklären
haben, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang sich der Gesundheitszustand und
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer geeigneten Verweisungstätigkeit
vom 16. Januar 2003 (Zeitpunkt ursprüngliche Rentenverfügung) bis am 20. Oktober
2006 (Erlasszeitpunkt der angefochtenen Verfügung; act. G 3.1/87) mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit entwickelte. Sollte sich ergeben, dass bis am 20. Oktober 2006 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine relevante Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
eingetreten ist, wird die Verwaltung eine neue Invaliditätsbemessung durchzuführen
haben. In der Folge wird die Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch
revisionsweise neu zu verfügen haben. Da es vorliegend um die Beurteilung eines
Gesundheitsverlaufes geht, hat die Beschwerdegegnerin zweckmässigerweise die
ergänzenden Abklärungen bei denjenigen Ärzten vorzunehmen, welche den
Beschwerdeführer bereits vor Erlass der Rentenverfügung vom 16. Januar 2003 (act. G
3.1/42) untersucht und beurteilt haben. In psychiatrischer Hinsicht wurde der
Beschwerdeführer bereits durch den Gutachter Dr.med. B._ untersucht und beurteilt
(act. G 3.1/66.1 ff.). Allerdings ist seine Beurteilung bezüglich des Gesundheitsverlaufes
und der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit noch zu wenig schlüssig. In Ergänzung zu
seinem Verlaufsbericht vom 31. Januar 2006 wird daher Dr.med. B._ nachvollziehbar
die Fragen zu beantworten haben, ob und in welchem Ausmass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem 16. Januar 2003 (Zeitpunkt
Rentenverfügung; act. G 3.1/42) verbessert hat und wie hoch die in der freien
Wirtschaft verwertbare Arbeitsfähigkeit ist. Sollte aufgrund dieser
Ergänzungsbeurteilung keine nachvollziehbare Einschätzung des Verlaufs der
psychischen Beschwerden möglich sein, so steht es der Beschwerdegegnerin frei,
weitere psychiatrische Abklärungen vorzunehmen. Zur Beurteilung des Verlaufes der
somatischen Beschwerden und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hat die
Beschwerdegegnerin die Klinik Valens insbesondere unter Beilage der medizinischen
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Stellungnahmen – namentlich auch der Antworten zu den Ergänzungsfragen – von
Dr.med. B._ und allfälliger weiterer psychiatrischer Beurteilungen zu beauftragen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 20. Oktober 2006 aufzuheben und die
Sache zur Anordnung ergänzender medizinischer Abklärungen im Sinne der
Erwägungen und zu entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr.
600.-- erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (ZAK 1987 S. 268 E. 5a). Somit unterliegt die
Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Da sie gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. b des st.
gallischen Einführungsgesetzes zur Bundesgesetzgebung über die Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (sGS 350.1) Teil der
Sozialversicherungsanstalt und damit Teil einer selbständigen öffentlich-rechtlichen
Anstalt ist, kommt Art. 95 Abs. 3 VRP (Befreiung von der Pflicht zur Übernahme
amtlicher Kosten) nicht zur Anwendung (vgl. Urs Peter Cavelti/Thomas Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen – dargestellt an den Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., 2003, Rz 792). Die Beschwerdegegnerin hat deshalb
die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Auf die Erhebung eines
Kostenvorschusses wurde aufgrund der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
verzichtet, weshalb eine entsprechende Rückerstattung vorliegend entfällt.
4.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen
werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung
der Streitsache und dem Aufwand erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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