Decision ID: 64957d9f-2a2e-44a9-a802-29f825a0c364
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend grobe Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht in Strafsachen, vom 18. August 2011 (GB110010)
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Anklage:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 28. April 2011 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 6).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der groben Verletzung der Verkehrs-
regeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 2 und
3 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV sowie Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 59 Abs. 1
SSV und Art. 89 Abs. 2 lit. a SSV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 30.– sowie mit einer Busse von Fr. 160.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.
5. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.– Gebühr Anklagebehörde
6. Die Kosten gemäss vorstehender Ziffer werden dem Beschuldigten
auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 37 S. 2)
1. Das Urteil des Bezirkgerichtes Uster vom 18. August 2011 sei vollum-
fänglich aufzuheben.
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2. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Eventualiter sei der Beschuldigte wegen einer einfachen Verletzung
der Verkehrsregeln schuldig zu sprechen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, letztere zuzüglich der
gesetzlichen MWST, zu Lasten der Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(schriftlich, Urk. 33)
Verzicht auf Antragsstellung.
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Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 28. April 2011
wurde der Beschuldigte wegen grober Verkehrsregelverletzung mit einer Geld-
strafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 140.-- und einer Busse von Fr. 350.-- bestraft,
wobei der Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung einer dreijährigen Probezeit
aufgeschoben wurde (Urk. 6). Der Strafbefehl wurde vom Beschuldigten am
3. Mai 2011 in Empfang genommen (Urk. 7). Gleichentags liess er dagegen Ein-
sprache erheben (Urk. 8). Nach durchgeführter Untersuchung wurde der Strafbe-
fehl (nachfolgend: Anklage, vgl. Art. 356 Abs. 1 StPO) mit Verfügung vom 10. Juni
2011 an das Einzelgericht am Bezirksgericht Uster überwiesen (Urk. 14). Das Be-
zirksgericht Uster führte am 18. August 2011 die Hauptverhandlung durch und
sprach den Beschuldigten im Anschluss daran der groben Verkehrsregelverlet-
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zung schuldig und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 30.-- und einer Busse von Fr. 160.--, wobei der Vollzug der Geldstrafe aufge-
schoben und die Probezeit auf 3 Jahre angesetzt wurde (Urk. 23).
2. Gegen diesen Entscheid liess der Beschuldigte mit Eingabe vom 22. August
2011 fristgerecht Berufung anmelden (Urk. 25). Das begründete Urteil wurde dem
Verteidiger am 18. November 2011 zugestellt (Urk. 27). Am 7. Dezember 2011
wurde die Berufungserklärung eingereicht (Urk. 30/1-2). Mit Präsidialverfügung
vom 15. Dezember 2011 wurde der Staatsanwaltschaft See/Oberland eine Kopie
der Berufungserklärung zugestellt und ihr Frist angesetzt, um zu erklären, ob An-
schlussberufung erhoben oder Nichteintreten auf die Berufung beantragt wird
(Urk. 31). Mit Eingabe vom 22. Dezember 2011 gab die Staatsanwaltschaft
See/Oberland bekannt, dass sie auf Anschlussberufung und Stellung eines An-
trages verzichte und sich am weiteren Verfahren nicht aktiv beteiligen werde
(Urk. 33). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte
die eingangs aufgeführten Anträge stellen und einen vollumfänglichen Freispruch
beantragen (Prot. II S. 3). Das Urteil der Vorinstanz wurde demnach umfassend
angefochten, so dass keine Teilrechtskraft vorliegt.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 17. September 2010 auf der
...autobahn B._ in Fahrtrichtung C._ vor dem Autobahnende "D._"
nach der Hinweistafel "Anzeige der Fahrstreifen" zunächst einen neutralen
Dienstwagen der Kantonspolizei und danach einen Lieferwagen überholt zu ha-
ben, obwohl der Überholstreifen "abgebaut" worden sei. Der Lenker des Liefer-
wagens habe, um eine sonst drohende Kollision mit dem vor der Sperrfläche vor
ihm einbiegenden Personenwagen des Beschuldigten zu verhindern, abbremsen
müssen. Der Beschuldigte habe diese Gefahr zumindest in Kauf genommen, da
er aufgrund des angezeigten Fahrstreifenabbaus auf ein Überholen hätte verzich-
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ten und sich rechtzeitig auf dem Normalfahrstreifen hätte einordnen müssen
(Urk. 6 S. 3).
2. a) Der Beschuldigte hat den äusseren Ablauf der Geschehnisse so wie in der
Anklage beschrieben in weiten Teilen anerkannt. Er gab zusätzlich an, dass er
wohl vorgehabt habe frühzeitig, also noch vor dem Polizeifahrzeug, einzubiegen,
dies aber auf Grund eines beschleunigenden Fahrzeuges auf der Normalspur
nicht möglich gewesen sei und er deshalb das Polizeifahrzeug und den Lieferwa-
gen auch noch überholt habe, weil er gesehen habe, das vor letzterem ein Wech-
sel auf die Normalspur mit dem nötigen Sicherheitsabstand möglich gewesen sei
(Urk. 10 S. 2, Urk. 19 S. 3).
b) Entgegen der Auffassung der Vorinstanz bestreitet der Beschuldigte auch
nicht, dass der Lieferwagen abgebremst hat (Urk. 28 S. 4). Er hat einzig bestrit-
ten, dass der Lieferwagen stark abgebremst habe (vgl. Urk. 19 S. 5). Das
Bremsmanöver als solches hielt er aber für grundsätzlich möglich, wenn er auch
geltend machte, eventuell habe der Lieferwagen aufgrund einer sich dort befindli-
chen 80ger-Tafel gebremst (Urk. 10 S. 5, Urk. 19 S. 5, Urk. 36 S. 4). Von einer
starken Bremsung war denn anfänglich, insbesondere in Polizeirapport und -
protokoll, nicht die Rede, selbst der rapportierende Polizeibeamte hat dem Be-
schuldigten aus eigener Wahrnehmung keine solche vorgeworfen. Dementspre-
chend findet sich in der Anklage auch kein entsprechender Vorwurf und ist nicht
von einer "starken" Bremsung die Rede, sondern lediglich von einem "abbrem-
sen" (Urk. 6 S. 3). Deshalb braucht hier nicht weiter darauf eingegangen zu wer-
den, wie die Frage des Staatsanwaltes "War es eine starke Bremsung" und das
darauf abgegebene "Ja" des Zeugen zu würdigen sind (Urk. 12 S. 5), denn es
wird dem Beschuldigten nicht vorgeworfen, dass nur durch eine starke Bremsung
eine Kollision habe vermieden werden können.
c) Somit bleiben als einzig bestrittene Anklagevorwürfe, dass der Lieferwagen
aufgrund des Fehlverhaltens des Beschuldigten gebremst hat und dass es zu ei-
ner Kollision gekommen wäre, wenn der Lieferwagen nicht gebremst hätte
(Urk. 10 S. 4 f., Urk. 19 S. 4 f., Urk. 36 S. 4 f.).
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3. a) Der Polizeibeamte E._ hielt hierzu im Polizeirapport fest, der vor ihm
fahrende Lieferwagen habe abbremsen müssen, um eine Kollision zu vermeiden
bzw. genügend Platz für das Fahrzeug des Beschuldigten zu schaffen (Urk. 1
S. 2 f.). Im Polizeiprotokoll vermerkte E._, der Beschuldigte sei im allerletzten
Moment eingebogen. Um genügend Platz zu machen, habe der vom Beschuldig-
ten überholte Lieferwagen bremsen müssen (Urk. 2 S. 1). Diese Sachdarstellung
wurde von E._ auch anlässlich seiner Zeugeneinvernahme bestätigt, wenn er
auch darauf hinwies, dass er sich nur noch bedingt an das Ereignis erinnern kön-
ne und er deshalb nochmals seinen Rapport gelesen habe. So gab E._ an,
der Beschuldigte sei kurz vor der Sperrfläche auf den Normalfahrstreifen gefah-
ren. Der hinterherfahrende Lieferwagen habe abbremsen müssen, damit es zu
keiner Kollision oder zumindest zu keiner gefährlichen Situation gekommen sei
(Urk. 12 S. 3). Der Lieferwagen habe stark bremsen müssen, damit der Beschul-
dige nicht die Sperrfläche habe befahren müssen und vor ihm einbiegen konnte
(Urk. 12 S. 5).
b) In Übereinstimmung mit den Erwägungen der Vorinstanz ist festzuhalten,
dass diese Aussagen von E._ glaubhaft sind (Urk. 28 S. 12 f.). Insbesondere
ist davon auszugehen, dass er aufgrund der örtlichen Nähe zum Geschehen, aber
auch aufgrund der zeitlichen Nähe zwischen dem Einbiegen des Beschuldigten
und dem Bremsmanöver des Lieferwagens, einschätzen konnte, dass das
Bremsmanöver durch ein Fehlverhalten des Beschuldigten und nicht etwa durch
eine signalisierte Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 km/h provoziert wurde.
Dies gilt umso mehr, als E._ als Polizeibeamter in Bezug auf derartige
Wahrnehmungen geschult ist. Zudem ist nicht ersichtlich, weshalb E._ den
Beschuldigten zu Unrecht hätte belasten sollen bzw. den Vorfall hätte zur Anzeige
bringen sollen, wenn er nicht zumindest eine auffällige Situation wahrgenommen
hätte.
c) Aufgrund der Aussagen des Polizeibeamten E._ ist somit davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte nach seinem Überholmanöver mit so geringem Ab-
stand vor dem Lieferwagen einbog, dass er letzteren behinderte, ja dieser gar
bremsen musste. Ob das Bremsmanöver des Lieferwagens dazu diente, eine Kol-
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lision zu vermeiden, oder nur dazu, wieder einen genügenden Abstand herzustel-
len, kann vorliegend jedoch aufgrund der fehlenden Distanzangaben nicht beur-
teilt werden. So lassen sich den Akten keine Hinweise entnehmen, welche Anga-
ben zum Abstand des Fahrzeugs des Beschuldigten zum Lieferwagen im Moment
des Spurwechsels enthalten. Dies wird vom Beschuldigten denn auch entspre-
chend gerügt (Urk. 30/2 S. 2). Der Beschuldigte führte auf Befragen dazu aus, er
habe genügend Abstand zum Lieferwagen gehabt, ohne dies jedoch genauer zu
umschreiben (Urk. 10 S. 4). Auch der rapportierende Polizeibeamte E._
machte keine Distanzangaben, weder in seinem Polizeirapport bzw. -protokoll
(Urk. 1 S. 3, Urk. 2 S. 1) noch in seiner Befragung als Zeuge (Urk. 12 S. 5). Wohl
gab der Polizeibeamte E._ an, ohne das Bremsmanöver des Lieferwagens
hätte es nicht genügend Raum gehabt, dass der Beschuldigte ohne Befahren der
Sperrfläche wieder hätte einbiegen können (Urk. 12 S. 5, Urk. 1 S. 3, Urk. 2 S. 1).
Alleine aus dem Umstand, dass der Lieferwagenfahrer gebremst hat, lassen sich
jedoch keine zwingenden Schlussfolgerungen hinsichtlich des Abstandes zwi-
schen den beiden Fahrzeugen im Moment des Spurwechsels oder über eine
sonst wie gelagerte Gefährlichkeit des Manövers des Beschuldigten ziehen. Ob
der Beschuldigte durch sein Verhalten eine erhöhte abstrakte Gefahr geschaffen
hat, kann vorliegend aber offen bleiben, ist der Tatbestand der groben Verkehrs-
regelverletzung doch zumindest in subjektiver Hinsicht nicht erfüllt.
d) In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG ein
rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend verkehrsregelwidriges Verhalten, das
heisst ein schweres Verschulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe
Fahrlässigkeit. Letztere ist auch dann zu bejahen, wenn der Täter die Gefährdung
anderer Verkehrsteilnehmer pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht. Die Annahme
einer groben Verkehrsregelverletzung setzt in diesem Fall aber voraus, dass das
Nichtbedenken der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer auf Rücksichtslosig-
keit beruht (BGE 131 IV 133 E. 3.2 mit Hinweisen).
e) Die Sachdarstellung des Beschuldigten, wonach er aus einer gewissen Be-
drängnis heraus gehandelt hat, lässt sich nicht widerlegen. Insbesondere ist in
dubio pro reo davon auszugehen, dass der Beschuldigte bereits nach der ersten
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Tafel mit dem Hinweis auf den Fahrstreifenabbau - mithin noch bevor er sich auf
der Höhe des neutralen Dienstwagens der Polizei befand - versuchte, wieder auf
den Normalfahrstreifen einzuspuren. Dies wurde ihm jedoch dadurch verunmög-
licht, dass das letzte Fahrzeug, welches er überholen wollte, Gas gab und auf das
Dienstfahrzeug der Polizei aufschloss. Zudem konnte er nicht abbremsen, um hin-
ter dem vorgenannten Fahrzeug einzuspuren, da ihm auf der Überholspur ein
Fahrzeug folgte (Urk. 10 S. 2 f., Urk. 19 S. 3 f., Urk. 36 S. 4 f.). Dass der Polizei-
beamte E._ anlässlich seiner Zeugeneinvernahme angab, kein Fahrzeug
wahrgenommen zu haben, welches auf ihn aufgeschlossen sei (vgl. Urk. 12 S. 4),
lässt zwar gewisse Bedenken an der Darstellung des Beschuldigten aufkommen,
schliesst diese jedoch nicht aus. Dasselbe gilt für die Argumentation der Vo-
rinstanz, dass das dem Beschuldigten auf der Überholspur folgende Fahrzeug of-
fenbar problemlos auf die Normalspur habe wechseln können (Urk. 28 S. 12). Vor
diesem Hintergrund kann aber nicht von einem rücksichtslosen Verhalten im Sin-
ne von Art. 90 Ziff. 2 SVG ausgegangen werden.
4. Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass der Beschuldigte durch sein zu
knappes Einbiegen seine Pflicht verletzte, beim Überholen auf die übrigen Stras-
senbenützer besonders Rücksicht zu nehmen (Art. 35 Abs. 3 SVG), ohne dass er
dabei rücksichtslos gehandelt hätte. Damit ist der Beschuldigte der einfachen Ver-
letzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit
Art. 35 Abs. 3 SVG schuldig zu sprechen.
III. Strafzumessung
1. Bei der vom Beschuldigten begangenen Verkehrsregelverletzung handelt es
sich um eine Übertretung, welche mit Busse bis zu Fr. 10'000.-- bedroht ist
(Art. 90 Ziff. 1 SVG in Verbindung mit Art. 103 StGB und Art. 106 StGB). Das Ge-
richt bemisst die Busse je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser die
Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB).
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2. Das Verschulden des Beschuldigten wiegt eher leicht. Zwar schuf er mit sei-
nem Verhalten zumindest eine abstrakte Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer,
doch befand er sich in einer bedrängten Situation. Leicht straferhöhend fällt die
einschlägige Vorstrafe vom 16. April 2002 ins Gewicht. Damals wurde der Be-
schuldigte mit Strafverfügung des Verhöramtes des Kantons Appenzell Ausser-
rhoden wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln (Geschwindigkeitsüber-
schreitung) mit einer Busse von Fr. 520.-- bestraft (Urk. 5/1 und Beizugsakten des
Verhöramtes des Kantons Appenzell Ausserrhoden Unt.Nr.: SV-02-353). Aller-
dings ist zu berücksichtigen, dass diese Vorstrafe schon bald zehn Jahre zurück
liegt. Der ledige Beschuldigte hat keine Unterstützungspflichten und verfügt über
ein durchschnittliches Nettomonatseinkommen zwischen Fr. 4'000.-- bis
Fr. 5'000.-- (Urk. 36 S. 2). Aufgrund des Verschuldens und der persönlichen Ver-
hältnisse rechtfertigt es sich, eine Busse von Fr. 300.-- auszufällen. Die Ersatz-
freiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist auf drei
Tage festzusetzen (vgl. Art. 106 Abs. 2 StGB).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenfestset-
zung (Ziff. 5) zu bestätigen.
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem der Be-
schuldigte vorliegend zwar mit seinem Hauptantrag auf Freispruch unterliegt, je-
doch mit seinem Eventualantrag auf Würdigung des Vorfalles als Übertretung im
Sinne einer einfachen Verkehrsregelverletzung obsiegt, sind ihm die erst- und
zweitinstanzlichen Kosten (inklusive diejenigen der Anklagebehörde) zur Hälfte
aufzuerlegen und zur andern Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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3. Ausgangsgemäss ist dem Beschuldigten eine reduzierte Prozessentschädi-
gung für das gesamte Verfahren von Fr. 4'200.-- (inkl. Mehrwertsteuer) zuzuspre-
chen (Art. 436 Abs. 1 und 2 StPO i.V.m. Art. 429 Abs. 1 lit. a. StPO).