Decision ID: f13509c7-d479-4aae-ab06-0010e287177f
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Arbeitslosenentschädigung (Rahmenfristen)
Sachverhalt:
A.
A._ war vom 15. Oktober 2001 bis 30. November 2004 bei der A._ AG bzw. der
B._ AG tätig, zuerst zu 50%, dann ab 1. Februar 2003 zu 20% (vgl. act. G 3.2, 3.3,
3.7). Vom 20. Januar 2003 bis 30. April 2004 war der Versicherte zu ca. 30% bei der
ganzheitlichen Praxis in Herisau angestellt (Arbeitszeugnis der ganzheitlichen Praxis
vom 30. April 2004 im Originaldossier RAV Heerbrugg [Nr. 19]). Ab dem 1. Mai 2004
war der Versicherte bei verschiedenen kantonalen Ausgleichskassen als
Selbstständigerwerbender (als Tachyon-Gesundheitsberater) im Neben- oder
Haupterwerb erfasst (vgl. act. G 3.4, 3.10, 3.12). Die Ausgleichskasse des Kantons
Thurgau entliess den Versicherten per 31. Dezember 2005 als
Selbstständigerwerbenden im Haupterwerb (act. G 3.18). Am 20. Februar 2006 stellte
der Versicherte bei der Arbeitslosenkasse des Kantons Thurgau Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung ab dem 16. Februar 2006 und gab an, im Rahmen von 50%
arbeitsfähig zu sein und eine Arbeit zu suchen (act. G 3.19). Diese Arbeitslosenkasse
eröffnete ab 16. Februar 2006 eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug und richtete
dem Versicherten bis 31. Mai 2006 Arbeitslosentaggeld auf der Basis eines
versicherten Verdienstes von Fr. 1'582.-- aus, wobei Einkommen aus selbstständiger
Erwerbstätigkeit als Zwischenverdienst berücksichtigt wurde (vgl. act. G 1.3, 3.42, 3.43
und 3.45). Im Rahmen einer Invalidität von 50% bezog der Versicherte ausserdem eine
IV-Rente (vgl. act. G 3.6). Die Regionalstelle Amriswil des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) des Kantons Thurgau meldete den Versicherten am
20. Juli 2006 per 31. Mai 2006 wegen Selbstständigkeit von der Arbeitsvermittlung ab
(act. G 3.42). Nach seinem Umzug in den Kanton St. Gallen meldete sich der
Versicherte mit Antrag vom 1. August 2006 beim RAV Heerbrugg wieder zum Bezug
von Arbeitslosenentschädigung ab 27. Juli 2006 an (act. G 3.47, 3.49). Mit Verfügung
vom 18. April 2007 lehnte die Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen den Antrag
des Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 16. Februar 2006 ab, da der
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Versicherte in der ordentlichen Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 16. Februar 2004
bis 15. Februar 2006 eine Beitragszeit von lediglich 9.467 Monaten nachweise (act. G
3.106).
B.
Der Versicherte liess am 21. Mai 2007 Einsprache gegen die Verfügung vom 18. April
2007 erheben. Er habe seine selbstständige Erwerbstätigkeit vollständig aufgegeben
und sich bei der Ausgleichskasse abgemeldet. Die Rahmenfrist sei deshalb gestützt auf
Art. 9a Abs. 2 AVIG zu verlängern (act. G 3. 108). Die kantonale Arbeitslosenkasse wies
das Begehren mit Einspracheentscheid vom 24. Mai 2007 ab. Es sei nicht ausreichend
nachgewiesen, dass der Versicherte seine Selbstständigkeit aufgegeben habe. Die
Löschung im Handelsregister und die Abmeldung bei der Ausgleichskasse seien zwar
wichtige Indizien für die Aufgabe einer Selbstständigkeit. Aber auch wenn der
Versicherte als Selbstständigerwerbender abgemeldet sei und keine Einzelfirma
besitze, bedeute dies nicht, dass er seine Selbstständigkeit zwingend aufgegeben
habe. Der Versicherte führe weiterhin regelmässig kleinere Aufträge auf eigene
Rechnung durch und habe nie bestritten, dass er seine selbstständige Tätigkeit
weiterführe; auch habe er diese jeweils gegenüber der Arbeitslosenkasse als
Zwischenverdienst korrekt deklariert. Deshalb könne die Rahmenfrist für die
Beitragszeit nicht verlängert werden (act. G 3.109).
C.
C.a Am 20. Juni 2007 (Postaufgabe: 21. Juni 2007) lässt der Versicherte Beschwerde
erheben und beantragen, die Verfügung vom 18. April 2007 sowie der
Einspracheentscheid vom 24. Mai 2007 seien aufzuheben und es sei festzustellen,
dass die Rahmenfrist des Versicherten verlängert worden und er deshalb
anspruchsberechtigt sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung
wird geltend gemacht, der Beschwerdeführer sei in der für ihn massgebenden
Rahmenfrist (16. Februar 2004 bis 15. Februar 2006) während 9.467 Monaten einer
unselbstständigen Erwerbstätigkeit nachgegangen. Während der laufenden
Rahmenfrist habe er sich ohne Bezug von Leistungen selbstständig gemacht. Die
Beschwerdegegnerin gehe zu Unrecht davon aus, dass er, indem er weiterhin kleinere
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Aufträge ausführe, seine Selbstständigkeit nie aufgegeben habe. Es sei ihm mitgeteilt
worden, dass Zwischenverdienste erwünscht seien und sich für ihn vorteilhaft
auswirken würden. Diese Auskünfte dürften ihm nun nicht zum Nachteil gereichen. Er
hätte nicht damit rechnen müssen, dass im Kanton Thurgau die Rahmenfrist verlängert
werden würde, im Kanton St. Gallen aber nicht. Er habe mit seinen Tätigkeiten ein
durchschnittliches Einkommen von monatlich ca. Fr. 550.-- netto realisieren können. Es
handle sich also nicht um eine selbstständige Erwerbstätigkeit im Haupterwerb,
sondern um einen typischen Zwischenverdienst. Die Tätigkeit habe weder der
Fortsetzung der aufgegebenen Selbstständigkeit noch dem verdeckten Aufbau einer
Selbstständigkeit gedient. Er habe nur seine Schadenminderungspflicht gegenüber der
Arbeitslosenkasse erfüllt (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 9. Juli 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Der Beschwerdeführer erreiche in der ordentlichen
Rahmenfrist nur eine Beitragszeit von 9.467 Monaten. Aus den
Zwischenverdienstbescheinigungen ab dem Monat September 2006 sei ersichtlich,
dass der Beschwerdeführer monatlich im Rahmen von 6-7 Stunden einer
selbstständigen Erwerbstätigkeit nachgehe. Aus der Verfügung des Amtes für Arbeit
vom 19. Januar 2007 gehe hervor, dass die damalige Gewährung des Anspruches auf
Arbeitslosenentschädigung ab dem 16. Februar 2006 durch die Arbeitslosenkasse
Thurgau fraglich gewesen sei. Der Beschwerdeführer habe sich per 31. Mai 2006 bei
der Kasse Thurgau aufgrund seiner Selbstständigkeit abgemeldet. Gemäss Auskunft
seines Personalberaters beim RAV Heerbrugg sei ein grösserer Auftrag storniert
worden, weshalb sich der Beschwerdeführer wieder angemeldet habe (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 3. September 2007 bestreitet der Beschwerdeführer, dass er sich
aufgrund seiner angeblichen Selbstständigkeit bei der Kasse Thurgau abgemeldet
habe. C._ vom Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Thurgau habe ihn
eigenmächtig zufolge seines Wegzugs in den Kanton St. Gallen abgemeldet. Per
31. Mai 2006 sei seitens des Beschwerdeführers keine Abmeldung sondern eine
Orientierung erfolgt, dass er seinen Wohnsitz vom Kanton Thurgau in den Kanton St.
Gallen verlege. Ausserdem sei unzutreffend, dass angeblich ein grösserer Auftrag
storniert worden sein soll, weshalb sich der Beschwerdeführer wieder beim RAV
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angemeldet habe (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G
7).
C.d Das Versicherungsgericht zieht die Originaldossiers des RAV Heerbrugg und der
Regionalstelle Amriswil des RAV Thurgau bei. Der Beschwerdeführer verzichtet nach
Einsicht in die Akten auf eine weitere Stellungnahme (act. G 13 bis 16). Die
Beschwerdegegnerin verzichtet auf Akteneinsicht (act. G 12).

Erwägungen:
1.
Im angefochtenen Einspracheentscheid hat die Beschwerdegegnerin in
Übereinstimmung mit ihrer Verfügung vom 18. April 2007 den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung ab dem 16. Februar 2006 abgelehnt, weil der
Beschwerdeführer die 12-monatige Mindestbeitragszeit in der ordentlichen
Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 16. Februar 2004 bis 15. Februar 2006 nicht erfüllt
habe und die Voraussetzungen für eine Verlängerung dieser Rahmenfrist nicht gegeben
seien. Die Arbeitslosenkasse des Kantons Thurgau hatte für den Beschwerdeführer mit
Wirkung ab 16. Februar 2006 eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug eröffnet und bis
Ende Mai 2006 Taggelder ausgerichtet. Die örtliche Zuständigkeit für die Festsetzung
des Taggeldanspruchs richtet sich gemäss Art. 128 AVIV in Verbindung mit Art. 119
Abs. 1 lit. a AVIV nach dem Ort, wo der Versicherte die Kontrollpflicht erfüllt, wobei
diese Pflicht an der für den Wohnort zuständigen Stelle wahrzunehmen ist (Art. 17 Abs.
2 AVIG); massgebend ist der Zeitpunkt der Verfügung (Art. 119 Abs. 2 AVIV).
Unbestrittenermassen erfüllte der Beschwerdeführer die Kontrollpflicht im Kanton St.
Gallen erst ab dem Zeitpunkt der Anmeldung für die Arbeitsvermittlung beim RAV
Heerbrugg, d.h. ab 27. Juli 2006 (act. G 3.49), nachdem er den Wohnsitz auf 1. Juli
2006 in den Kanton St. Gallen verlegt hatte (act. G 3.46). Entsprechend kann die
Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Arbeitslosenentschädigung erst ab 27. Juli 2006 beurteilen. Soweit im angefochtenen
Einspracheentscheid der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung rückwirkend ab 16.
Februar 2006 verneint wird, ist der Entscheid mangels Zuständigkeit der
Beschwerdegegnerin aufzuheben.
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2.
Für den Leistungsbezug und für die Beitragszeit gelten, sofern das Gesetz (AVIG; SR
837.0) nichts anderes vorsieht, zweijährige Rahmenfristen. Die Rahmenfrist für den
Leistungsbezug beginnt mit dem ersten Tag, für den sämtliche
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Die Rahmenfrist für die Beitragszeit beginnt
zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 1 bis 3 AVIG). Die Rahmenfrist für den
Leistungsbezug von Versicherten, die den Wechsel zu einer selbstständigen
Erwerbstätigkeit ohne Bezug von Leistungen nach den Artikeln 71a–71dAVIGvollzogen
haben, wird nach Art. 9a Abs. 1 AVIG (in Kraft seit 1. Juli 2003) um zwei Jahre
verlängert, wenn im Zeitpunkt der Aufnahme der selbstständigen Erwerbstätigkeit eine
Rahmenfrist für den Leistungsbezug läuft (lit. a) und der Versicherte im Zeitpunkt der
Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit die Anspruchsvoraussetzung der
genügenden Beitragszeit wegen Ausübung der selbstständigen Erwerbstätigkeit nicht
erfüllt (lit. b). Die Rahmenfrist für die Beitragszeit von Versicherten, die den Wechsel zu
einer selbstständigen Erwerbstätigkeit ohne Bezug von Leistungen vollzogen haben,
wird um die Dauer der selbstständigen Erwerbstätigkeit, höchstens jedoch um zwei
Jahre verlängert (Art. 9a Abs. 2 AVIG). Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der
dafür vorgesehenen Rahmenfrist (Art. 9 Abs. 3 AVIG) während mindestens zwölf
Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG).
3.
Zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung in
der Zeit ab dem 27. Juli 2006 bzw. die Frage der Erfüllung der Beitragszeit (Art. 8 Abs.
1 lit. e AVIG) und der Verlängerung der Rahmenfrist gemäss Art. 9a Abs. 2 AVIG.
3.1 Es ist unbestritten, dass bezüglich einer vom 16. Februar 2004 bis 15. Februar 2006
dauernden Rahmenfrist aufgrund der Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der B._
AG lediglich eine Beitragszeit von 9.467 Monaten (16. Februar 2004 bis 30. November
2004) als nachgewiesen gelten kann. Der Beschwerdeführer macht jedoch eine
Verlängerung der Rahmenfrist geltend, weil er in dieser Zeit eine selbständige Tätigkeit
ausgeübt habe, die von ihm aufgegeben worden sei. Es steht fest, dass der
Beschwerdeführer den Wechsel zur selbstständigen Tätigkeit im Sinn von Art. 9a Abs.
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2 AVIG ohne Bezug von ALV-Leistungen vollzog. Ebenso steht fest, dass der
Beschwerdeführer vom 1. Mai 2004 bis zum 31. Dezember 2005 bei der
Ausgleichskasse als Selbstständigerwerbender (erst im Nebenerwerb, dann im
Haupterwerb) erfasst war (vgl. act 3.4, 3.10 und 3.24). Umstritten ist hingegen, ob er
seine selbstständige Erwerbstätigkeit aufgegeben hat oder nicht.
3.2 Die definitive Aufgabe der selbstständigen Erwerbstätigkeit ist grundsätzlich nach
den Kriterien gemäss der mit BGE 123 V 234 begründeten Rechtsprechung zu
beurteilen (vgl. BGE vom 21. Juni 2006 C 188/06= ARV 2007, S. 200-203 mit
Hinweisen). Der im Rahmen der am 1. Juli 2003 in Kraft getretenen AVIG-Revision neu
eingefügte Art. 9a AVIG erfasst jene Personen, die eine selbstständige Erwerbstätigkeit
ohne Unterstützung der Arbeitslosenversicherung (Art. 71a ff. AVIG) aufgenommen und
wieder definitiv aufgegeben haben und bei (Wieder-) Anmeldung bei der
Arbeitslosenversicherung die Mindestbeitragszeit im Sinne von Art. 9 Abs. 3 in
Verbindung mit Art. 13 Abs. 1 AVIG nicht erfüllen (vgl. Thomas Nussbaumer,
Arbeitslosenversicherung, Rz 106, in: Ulrich Meyer [Hrsg.], Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, Band XIV: Soziale Sicherheit, 2., aktualisierte und ergänzte
Auflage, Basel 2007). Wie Art. 71d Abs. 2 AVIG trägt Art. 9a AVIG dem erhöhten Risiko
Rechnung, das mit der Aufnahme einer selbstständigen Erwerbstätigkeit verbunden ist.
Nach der ratio legis soll die Tatsache allein, dass aufgrund einer nicht
beitragswirksamen (vgl. Art. 3 a Abs. 1 AVIV) selbstständigen Erwerbstätigkeit keine
genügende Beitragszeit generiert werden konnte, bei (Wieder-) Anmeldung zum
Taggeldbezug den Anspruch nicht ausschliessen (BGE 133 V 82 E. 3.1 S. 85f.). Zwar
umfasst Art. 9a AVIG zwei grundsätzlich verschiedene Sachverhalte, deren
Tatbestandsmässigkeit zu je unterschiedlichen Rechtsfolgen führt (zum Verhältnis von
Art. 9a Abs. 1 und 9a Abs. 2 AVIG: BGE 133 V 82 E. 3 S. 85ff.). Dass aber eine
Verlängerung der Rahmenfrist gestützt auf Art. 9a Abs. 2 AVIG ebenso wie die
Leistungsrahmenfristverlängerung nach Art. 9a Abs. 1 AVIG die definitive Aufgabe der
selbstständigen Erwerbstätigkeit voraussetzt, steht ausser Frage (Urteil C 225/06 vom
22. Januar 2007, E. 3). Dies dient der Vermeidung von Missbräuchen, besteht doch wie
bei der arbeitgeberähnlichen Stellung das Risiko des missbräuchlichen Bezugs bei
Weiterführung der Tätigkeit, liegt diese doch allein in der Dispositionsfreiheit des
Selbstständigerwerbenden (vgl. BGE 123 V 234).
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&query_words=c+188%2F06&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-V-82%3Ade&number_of_ranks=0#page82 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&query_words=c+188%2F06&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-V-82%3Ade&number_of_ranks=0#page82
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3.3 Aus den Zwischenverdienstbescheinigungen des Beschwerdeführers geht hervor,
dass dieser auch nach der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung Einkünfte aus
selbstständiger Tätigkeit erzielte (act. G 3.71, 3.77, 3.88, 3.93, 3.95; vgl. auch act. G
3.43 und 3.45). Der Beschwerdeführer räumt in der Beschwerde ein, dass er aus
selbstständiger Tätigkeit monatlich durchschnittlich ein Einkommen von ca. Fr. 550.--
netto realisiere, was immerhin rund einem Drittel des versicherten Verdienstes von Fr.
1'582.-- entspricht. Dabei handelt es sich um die gleiche Tätigkeit, welcher der
Beschwerdeführer zuvor als Selbstständigerwerbender nachgegangen ist. Für die
Verlängerung der Rahmenfrist muss der Beschwerdeführer aber seine selbstständige
Erwerbstätigkeit definitiv aufgegeben haben; dies bedeutet auch, dass die bisherige
Tätigkeit nach der Anmeldung bei der Arbeitslosenversicherung nicht als
Zwischenverdienst weitergeführt werden kann. Da der Beschwerdeführer die gleiche
Tätigkeit in reduziertem Umfang als Zwischenverdienst ausübt, kann nicht von einer
definitiven Aufgabe seiner selbstständigen Erwerbstätigkeit gesprochen werden.
4.
Gemäss Art. 27 ATSG sind die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der
einzelnen Sozialversicherungen verpflichtet, im Rahmen ihres Zuständigkeitsbereiches
die interessierten Personen über ihre Rechte und Pflichten aufzuklären (Abs. 1). Jede
Person hat Anspruch auf grundsätzlich unentgeltliche Beratung über ihre Rechte und
Pflichten. Dafür zuständig sind die Versicherungsträger, denen gegenüber die Rechte
geltend zu machen oder die Pflichten zu erfüllen sind.
4.1 Nach Artikel 19a AVIV klären die in Art. 76 Abs. 1 lit. a-d AVIG genannten
Durchführungsstellen die Versicherten über ihre Rechte und Pflichten auf,
insbesondere über das Verfahren der Anmeldung und über die Pflicht, Arbeitslosigkeit
zu vermeiden und zu verkürzen.
4.2 Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, welcher den Bürger in
seinem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt, können falsche
Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom
materiellen Recht abweichende Behandlung des Rechtsuchenden gebieten. Gemäss
Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx837x02xA19a&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx837x02&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx837x0xA76&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=DEx837x0&AnchorTarget=
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Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die
Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende
Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; 3.
wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte;
4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat,
die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und 5. wenn die
gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (BGE 127
I 31 E. 3a S. 36, 126 II 377 E. 3a S. 387; Urteil K 23/98 vom 9. Mai 2000, publ. in: RKUV
2000 KV Nr. 126 S. 223; zu Art. 4 Abs. 1 aBV ergangene, weiterhin geltende
Rechtsprechung: BGE 121 V 65 E. 2a S. 66).
4.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe von den Personalberatern die klare
Auskunft erhalten, dass Zwischenverdienste erwünscht seien. Dies dürfe ihm nicht zum
Nachteil gereichen. Er habe nur seine Schadenminderungspflicht gegenüber der
Arbeitslosenversicherung erfüllt. Ob dem Beschwerdeführer eine falsche bzw.
unvollständige Auskunft bezüglich Rahmenfristverlängerung erteilt wurde, kann
dahingestellt bleiben. Der Beschwerdeführer macht jedenfalls nicht geltend, er hätte
bei korrekter Information die selbstständige Tätigkeit als Gesundheitsberater
vollständig aufgegeben. Eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung ist
daher aus Gründen des Vertrauensschutzes nicht gerechtfertigt.
5.
Zusammenfassend lässt sich in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin
festhalten, dass die Voraussetzungen für eine Verlängerung der Rahmenfrist nicht
erfüllt sind und dem Beschwerdeführer mangels Erfüllung der Beitragszeit die (weitere)
Anspruchsberechtigung nicht zugestanden werden kann; die Beschwerde ist daher
abzuweisen. Formell hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung rückwirkend ab Antragsstellung (16. Februar 2006)
abgelehnt, wozu sie – wie in Erwägung 1 ausgeführt – örtlich nicht zuständig ist;
richtigerweise hat sie denn auch nicht eine Rückforderungsverfügung bezüglich der im
Kanton Thurgau ausbezahlten Taggelder erlassen. Der angefochtene
Einspracheentscheid ist daher insoweit aufzuheben, als der Anspruch auf
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx127xIx31_37&AnchorTarget=E3a https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx127xIx31_37&AnchorTarget=E3a https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx126xIIx377_398&AnchorTarget=E3a https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=AZAxKx23x98&AnchorTarget= https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=BGEx121xVx65_71&AnchorTarget=E2a
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Arbeitslosenentschädigung für die Zeit vom 16. Februar 2006 bis 26. Juli 2006 verneint
wird.
6.
Gerichtskosten sind keine zu erheben. Da der Beschwerdeführer mit seinem Begehren
um weitere Ausrichtung von Arbeitslosenentschädigung unterliegt und die
zuständigkeitshalber vorzunehmende Korrektur der rückwirkenden
Anspruchsaberkennung rein formeller Natur ist, rechtfertigt es sich, bezüglich
Vergütung der Parteikosten von einem Unterliegen des Beschwerdeführers auszugehen
und von der Zusprache einer Parteientschädigung abzusehen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG