Decision ID: a4c71d03-97d8-4cef-ba98-8bac2696f82f
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1957
geborene
X._
, welcher
am
Marfan
-Syndrom leidet, war nach verschiedenen Anstellungen von August 1992 bis Juli 1996 als Mitarbeiter in der Abteilung Rollenoffset der Druckerei
Z._
tätig (Lebenslauf,
Urk.
12/10). Nach dem Verlust dieser Stelle war er arbeitslos und bezog ab 16. September 1996 Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Bestätigung der Arbeitslosenkasse vom 1
7.
März 1997, Urk. 12/4/1-2). Im März 1997
ersuchte
X._
die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, um berufliche Massnahmen und um Rentenleistungen (
Urk.
12/1). Mit Verfügung vom 1
4.
Mai 1998 verneinte die IV-Stelle bei einem Invaliditätsgrad von 29
%
sowohl einen Anspruch auf Umschulung als auch einen solchen auf
eine
Invali
denrente (
Urk.
12/17). Ab dem
8.
Oktober 1998
arbeitete
X._
in einem Pensum von 60
%
bei der
A._
(Arbeitgeberbescheinigung vom 1
9.
Dezember 2002,
Urk.
12/61). Die von
X._
gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 14. Mai 1998 erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 15. November 1999 ab, wobei es den Invaliditätsgrad
auf 33
%
festsetzte und anordnete, dass die Akten nach Rechtskraft der Invalidenversi
cherung überwiesen werden, damit diese prüfe, ob nach Erlass der Verfügung vom 1
4.
Mai 1998 eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten ist (
Urk.
12/34). Das
Eidgenössische Versicherungsgericht hiess mit Urteil vom 1
9.
April 2000 die von
X._
gegen das Urteil des hiesigen Gerichts erhobene Beschwerde in dem Sinne teilweise gut, als es die Sache in Bezug auf den Anspruch auf berufliche Massnahme an die IV-Stelle zurückwies. Im Übri
gen wies es die Beschwerde ab (
Urk.
12/37). Nachdem sich
X._
auf
Aufforderung der IV-Stelle nicht gemeldet hatte, schrieb diese das Begehren um berufliche Eingliederungsmassnahmen mit Verfügung vom 1
5.
September 2000 ab (
Urk.
12/52). Ab dem
1.
Dezember 2000
arbeitete
X._
als
Linien
führer
bei der
B._
und war dabei beim
Y._
berufsvorsorgeversichert (Arbeitgeberbescheinigung vom 1
9.
Dezember 2002,
Urk.
12/62).
Die
B._
kündigte das Arbeitsverhältnis am 2
4.
Mai 2002 per 3
1.
Juli
2002 (
Urk
.
2/4).
Am 1
8.
November 2002 meldete sich
X._
bei IV-Stelle zum Rentenbezug an (
Urk.
12/54). Nach Vornahme medi
zinischer und erwerblicher Abklärungen
sprach die IV-Stelle ihm mit Verfügung vom 1
9.
Mai bzw. 1
1.
Juni 2004 ab
1.
Oktober 2002 eine auf einem
Invalidi
tätsgrad
von 100 % beruhend
e ganze Rente zu (
Urk.
12/78-79
). Ein im Jahr 2008 durchgeführtes Rentenrevisionsverfahren schloss die IV-Stelle mit Mitte
i
lung vom 2
6.
Mai 2008 unter Feststellung eines
unveränderten
Invaliditätsgra
des
von 100
%
ab (
Urk.
12/97). Nachdem
X._
den
Y._
um
die Ausrichtung einer
Invalidenpension ersucht hatte, verneinte die
ser mit Schreiben vom 2
6.
Oktober 2009 eine Leistungspflicht (
Urk.
2/6).
2.
Am 1
5.
März
2010 liess
X._
durch Rechtsanwalt Yves
Blöchlinger
Klage gegen den
Y._
erheben und beantragen, es sei die grundsätzliche Leistungspflicht der
Beklagten als Vorsorgeeinrichtung ihm gegenüber als
Destinär
festzustellen, und es sei die Beklagte zu verpflichten, dem Kläger die gesetzlichen und vertraglichen Pensionskassenleistungen basie
rend auf einem IV-Grad von 100
%
zu erbringen (
Urk.
1). Der Beklagte ersuchte mit Klageantwort vom
9.
Juni 2010 um Abweisung der Klage (
Urk.
7). Nachdem die Akten der Eidgenössischen Invalidenversicherung in Sachen des Klägers beigezogen
worden waren
(
Urk.
12/1-103) hielt sowohl der Kläger mit Replik vom 2
6.
August 2010 (
Urk.
15) als auch der Beklagte mit Duplik vom 3. November 2010 (
Urk.
20) an den jeweils gestellten Anträgen fest. Die Duplik wurde dem Kläger am
8.
November 2010 zur
Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 21). Mit Verfügung vom
8.
September 2011 wurde die
B._
um ergänzende Informationen zur Arbeitstätigkeit des Klägers ersucht (
Urk.
23
), worauf sie am 2
3.
September 2011 mitteilte, dass sie keine detaillierten Anga
ben zum Arbeitsplatz des Klägers mehr machen könne (
Urk.
28 und
Urk.
29/1-21). Nachdem der Kläger die Ärzte des
C._,
Herz
KreislaufZentrum
, Klinik für Kardiologie, vom Berufsgeheimnis entbunden hatte (Erklärung von 1
7.
September 2011,
Urk.
27), wurde
das
C._
mit Verfügung vom 1
2.
Oktober 2011 um Bericht zum Verlauf des Gesundheitszustandes des Klägers ersucht (
Urk.
30). Der Bericht des
C._
ist am 2
1.
Mai 2012 beim Gericht eingegangen (Bericht vom 1
7.
April 2012,
Urk.
38). Während der Kläger sich hierzu am
8.
Juni 2012 vernehmen liess (
Urk.
41)
,
reichte der Beklagte keine
Stellungnahme ein. Am 2
4.
Juli 2012 wurde den Parteien die Auskunft der
B._
vom 2
3.
September 2011 inklusive d
ie
dazu eingereichten Beilagen (
Urk.
29/1-21) zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
44). Der Kläger liess sich hierzu am 2
7.
Juli 2012 vernehmen (
Urk.
45), was dem Beklagten am 3
0.
Juli 2012 mitgeteilt wurde (
Urk.
46). Mit Beschluss vom 2
1.
November 2012 stellte das Gericht den Parteien in Aussicht, bei der MEDAS
D
._
, (
Medas
) ein
Gutachten in Auftrag zu geben. Den Parteien wurde Frist angesetzt, um sich hierzu und zu den vom Gericht beab
sichtigten Fragen Stellung zu nehmen (
Urk.
49). Während sich der Kläger am 2
7.
November 2012 vernehmen liess und Antrag auf eine Ergänzungsfrage stellte (
Urk.
51), reichte der Beklagte keine Stellungnahme ein. Mit Verfügung vom
7.
Januar 2013 wurde das Gutachten bei der
Medas
unter Stellung der vom Kläger beantragten Ergänzung
sfrage in Auftrag gegeben (Urk.
52 und
Urk.
53). Die
Medas
erstattete ihr Gutachten am
8.
August 2013 (
Urk.
57). Dieses wurde den Parteien mit Verfügung vom 13. August 2013 zur Stellungnahme zugestellt (
Urk.
59). Der Kläger reichte am 1
6.
August 2013 eine Stellungnahme ein (
Urk.
61), welche dem Beklagten am 1
2.
September 2013 zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
62).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Kläger bringt zur Begründung seiner Klage im Wesentlichen vor, die
IV-Verfügungen vom 1
1.
Juni 2004 und 1
9.
Mai 2004, mit welchen ihm
m
it Wir
kung ab
1.
Oktober 2002 eine ganze Rente zugesprochen worden sei, seien dem Beklagten ordentlich zugestellt worden. Damit sei der Beklagte an den Entscheid der IV-Stelle gebunden und habe eine volle Invalidenpension auszurichten. Aber auch für den Fall, dass die betreffenden IV-Verfügungen dem Beklagten nicht ordentlich zugestellt worden wären, wäre er verpflichtet, den Entscheid der IV-Stelle bei seinem eigenen Rentenentscheid
mitzuberücksichtigen
, und
er
könnte nicht ohne Grund von der Einschätzung der IV-Stelle betreffend Höhe des Invaliditätsgrades und Zeitpunkt der Entstehung des Rentenanspruchs abweichen. Es gebe vorliegend keinen nachvollziehbaren Grund, von der
Inva
liditätsfestsetzung
der IV-Stelle abzuweichen. Aus den vorliegenden IV-Akten gehe hervor, dass er bis zum 17. Oktober 2001 durchgehend in einem vollen Arbeitspensum gearbeitet habe. Ausnahme habe einzig das Arbeitsverhältnis mit der
A._
vom 1. Oktober 1998 bis zum 3
1.
August 2000 gebildet, während desse
n
er infolge diverser Augenoperationen in einem reduzierten Arbeitspensum von 50
%
, später 60
%
gearbeitet habe. Seit dem
1.
Dezember 2000 habe er wieder in einem vollen Pensum bei
der
B._
gear
beitet. Die Arbeitsunfähigkeit, welche letztlich zur Invalidität geführt habe, sei somit am 1
8.
Oktober 2001, mithin 10,5 Monate nach der Anstellung bei der
B._
, eingetreten
. Seit dem 1
8.
Oktober 2001 sei er zu 100
%
, seit dem 5. November 2001 zu 50
%
und schliesslich seit dem 1
9.
November 2001 durchgehend zu 100
%
arbeitsunfähig und auch erwerbsunfähig. Die ab 1. Oktober 2001 eingetretene 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei vollumfänglich somatisch bedingt. Das heisse, die später hinzugetretene depressive Entwicklung ändere an der bereits bestehenden 100%ige
n
Arbeitsunfähigkeit nichts. Da er während des Arbeitsverhältnisses bei
der
B._
arbeitsunfähig
geworden sei, sei der Beklagte leistungspflichtig. Die aufgetretenen psychischen Beschwerden seien eine direkte Folge der ab
1.
Oktober 2001 aufgetretenen somatischen Störungen, weshalb der Beklagte auch hierfür zuständig sei (
Urk.
1 und
Urk.
15).
1.2
Der Beklagte wendet hiergegen im Wesentlichen ein, er bestreite, dass ihm die Verfügungen der IV-Stelle ordentlich zugestellt worden seien. Es bestehe daher keine formelle Bindung an den Entscheid der IV-Stelle. Es sei richtig, dass der Kläger am
1.
Dezember 2000 eine Stelle als Betriebsmitarbeiter bei
der
B._
angetreten habe. Formell habe dieses Arbeitsverhältnis bis zum 31. Juli 2002 gedauert. Der Kläger führe aber selber aus, dass er seit dem 18. Oktober 2001, mit einem kurzen Unterbruch durch eine 50%ige Arbeitsun
fähigkeit im
November 2001, zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Er habe somit effek
tiv bei der
B._
vom Dezember 2000 bis Mitte Oktober 2001 gear
beitet. Aus dem Mahnschreiben der
B._
gehe hervor, dass der Kläger an diesem Arbeitsplatz trotz längerer Einarbeitungszeit
offensichtlich keine genügende Leistung habe erbringen können. Er bestreite, dass mangel
hafte Maschinen für die ungenügenden Arbeitsleistungen des Klägers verant
wortlich seien und dass die diesbezüglichen Vorhaltungen von dessen Vorge
setzten ungerechtfertigt gewesen seien. Wie aus dem Kündigungsschreiben vom 2
4.
November 2002 weiter hervorgehe, sei dem Kläger nicht einfach infolge Restrukturierung gekündigt worden. Gemäss den Abklärungen der IV-Stelle bestehe beim Kläger auf jeden Fall seit 1997 eine substantielle Einschränkung im bisherigen Beruf und als Folge davon ein Invaliditätsgrad von 29
%
. Der Kläger sei somit bei ih
m
eingetreten, als bereits ein Invaliditätsgrad von 29
%
bestanden habe. Der Kläger habe nach 1997 auch in einer angepassten Tätigkeit nie mehr eine volle Arbeitsfähigkeit erreicht. Auch die Tätigkeit bei
der
B._
müsse im Ergebnis als gescheiterter Arbeitsversuch gewertet werden, der den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen der 1997 aufgetretenen Arbeitsunfähigkeit und der schliesslich eingetretenen Invalidität nicht zu unter
brechen habe vermögen. Damit entfalle seinerseits eine Leistungspflicht. Falls er dem Kläger eine Invalidenrente auszurichten hätte, wäre
lediglich eine
BVG-Rente und
diese nur dann in ungekürztem Ausmass zu erbringen, wenn der Kläger ih
m
das mit
der
Freizügigkeitsleistung überwiesene
BVG-Altersguthaben von Fr. 49‘838.
samt seither aufgelaufenen Zinsen wieder zurückerstatte. Alle vor dem 2
6.
Mai 2004 fällig gewordenen
Rentenbetreffnisse
seien im Übrigen sowieso verjährt (
Urk.
7 und
Urk.
20).
2.
2.1
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invalidenversi
cherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach dem
Bun
desgesetz
über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge
(BVG) ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der glei
che ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der gesetzlichen Mindestvorsorge (
Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überle
gung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen auf
wändigen Abklärungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilungen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entschei
dend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmel
dung zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüfbarkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung bzw. das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_49/2010 vom 2
3.
Februar 2010 E. 2.1).
Diese Bindungswirkung setzt voraus, dass die Vorsorgeeinrichtung ins Verfah
ren einbezogen und ihr die Rentenverfügung formgültig eröffnet wurde (Urteil des Bundesgerichts 9C_81/2010 vom 1
6.
Juni 2010 E. 3.1, mit Hinweisen). Dem BVG-Versicherer steht ein selbständiges Beschwerderecht im Verfahren nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) zu. Unterbleibt ein sol
ches Einbeziehen der Vorsorgeeinrichtungen, ist die IV-rechtliche Festsetzung des Invaliditätsgrades (grundsätzlich,
masslich
und zeitlich)
berufsvorsorge
rechtlich
nicht verbindlich (BGE 130 V 270 E. 3.1).
2.2
2.2.1
Nach
Art.
24
Abs.
1 BVG
in der Version gültig bis 3
1.
Dezember 2004
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Inva
lidenversicherung mindestens zu
zwei Drittel
n
und auf eine
halbe Rente
, wenn er mindestens zu
5
0
%
invalid ist. Gemäss
Abs.
1 von
Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung (
Art.
29 IVG). Die Invalidenleistungen nach BVG werden von der
jenigen
Vorsorgeein
richtung
geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlossen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeitpunkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsun
fähigkeit zusammen, deren Ursache zur Invalidität geführt hat (vgl.
Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die ver
si
cherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von einem Jahr gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG in Ver
bin
dung mit
Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säu
le bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit ein
tritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Ar
beits
ver
hältnis ausgeschieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unter
standen hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
2.2.2
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer
Vorsorgeeinrich
tungen
gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversicherung zugesprochen wird. Der Anspruch auf
Invalidenleistun
gen
nach
Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen
Vor
sorgeeinrichtung
, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeit
punkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitneh
mer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses eingetretene Invaliditätsrisiko aufzu
kommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Inva
lidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang besteht (BGE 130
V
270 E. 4.1). In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesundheitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Sodann setzt die Annahme
eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde. Die frühere Vorsorgeeinrichtung hat nicht für Rückfälle oder Spätfolgen einer Krankheit einzustehen, die erst Jahre nach Wiedererlan
gung der vollen Arbeitsfähigkeit eintreten. Demnach darf nicht bereits eine Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs angenommen werden, wenn die Person bloss für kurze Zeit wieder an die Arbeit zurückgekehrt ist. Ebenso wenig darf die Frage des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Arbeitsunfähig
keit und Invalidität in schematischer (analoger) Anwendung der Regeln von
Art.
88a
Abs.
1 IVV beurteilt werden, wonach eine anspruchsbeeinflussende Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit in jedem Fall zu berücksichtigen ist, wenn sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussicht
lich andauern wird. Zu berücksichtigen sind vielmehr die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische ärztliche Beurteilung und die Beweggründe, die die versicherte Person zur Wiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 123 V 262 E.
lc
, 120 V 112 f. E. 2c/
aa
und;
bb
mit Hinweisen).
2.2.3
Von einer relevanten Arbeitsunfähigkeit ist
rechtsprechungsgemäss
dann auszuge
hen, wenn diese mindestens 20 % beträgt und sich auf das Arbeitsver
hältnis sinnfällig auswirkt oder ausgewirkt hat. Es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leis
tungsvermögen
eingebüsst
hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Eine erst nach Jahren rück
wirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Vielmehr muss der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevan
ten Arbeitsunfähigkeit mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (vgl.
hiezu
etwa Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2009 vom 17. September 2009 E. 2.1 und 9C_178/2008 vom 15. Juli 2008 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.3
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der me
d
izinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fach
kenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stel
len, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfas
sen. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die
Gerichtsexper
tise
widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingehol
tes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schluss
folgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner ge
rechtfer
tigt sein, wenn gegensätzliche Mei
nungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als trif
tig genug erschei
nen, die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutach
tens
in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer
Ober
expertise
für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine sol
che vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schluss
folgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
2.
4
Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abwei
chendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der über
wiegenden Wahr
scheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglich
keit eines bestimmten Sachver
halts genügt den Beweisanfor
derungen nicht. Das Gericht folgt vielmehr jener
Sachver
halts
darstel
lung
, die es von allen möglichen
Ge
schehensabläu
fen
als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b S. 360 mit Hinweisen; vgl. BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3 S. 324 f.).
3.
Gemäss Mitteilungsliste der Verfügungen der IV-Stelle vom 1
9.
Mai 2004 (Urk. 12/78) und vom 1
1.
Juni 2004 (
Urk.
12/79) wurden diese Verfügungen dem Beklagten nicht zugestellt
, was vom Kläger anerkannt wird (
Urk.
15 S. 4)
. Da auch sonst keine Hinweise dafür vorliegen, dass diese Verfügungen dem Beklagten eröffnet wurden, ist er nicht an den Entscheid der IV-Stelle gebun
den.
4.
4.1
Das hiesige Gericht ging im Urteil vom 1
5.
November 1999 (
Urk.
12/34), wel
ches hinsichtlich der Sachverhaltsermittlung betreffend Rentenanspruch mit Urteil vom 1
9.
April 2000 (
Urk.
12/36) durch das damalige Eidgenössischen Versicherungsgericht bestätigt wurde, davon aus, dass der Kläger seit Geburt am
Marfan
-Syndrom leidet, welches zu einem Augenleiden führte. Dieses sei aber ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Zusätzlich zum Augenleiden bestehe eine zunehmende Ausweitung der Aorta mit leichter Insuffizienz sowie eine verminderte Belastbarkeit des Bewegu
ngsapparates. Im Urteil vom 15.
November 1999 wurde dementsprechend festgehalten, dass der Kläger kei
ne
n
körperlich anstrengenden Arbeiten mehr nachgehen könne, dagegen aber bei einer entsprechend leidensangepassten Tätigkeit vollständig arbeitsfähig sei. Das hiesige Gericht ging dabei von einem Invaliditätsgrad von rund 33
%
aus. Diese Feststellungen galten bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vom 1
4.
Mai 199
8.
Hinsichtlich des weiteren Verlaufs wies es die
Sache an die IV-Stelle zur Prüfung, ob eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes eingetreten sei, zurück (E. III 2b, E 2d und. E. 3).
4.2
Dr.
med
.
E._
,
Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin, attestierte dem Kläger mit Zeugnis vom 2
4.
August 2000 (
Urk.
12/39) ab
1.
September 2000 in einer körperlich leichten Arbeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
4.3
Dr.
med.
F._
,
Facharzt FMH für Innere Medizin, diagnostizierte mit Bericht vom 1
3.
Dezember 2002 (
Urk.
12/59) (1) ein
Marfan
-Syndrom mit (a)
Aorteninsuffizienz
Grad II, (b) Aneurysma
verum
der Aorta
descendens
und (c)
Aphakie
beidseits,
Aphakieglaukom
beidseits, Status nach
A
motio
retinae
beidseits und Status nach mehreren
ophtalmologischen
Operationen, (2) eine
Nephrolithiasis
beidseits bei Status nach
Extrakorporaler Stosswellenlithotripsie
(ESWL), (3) eine Nierenzyste rechts, (4) eine
Septumdeviation
, (5) einen Hohlfuss beidseits und
ein
Streckdefizit Ellbo
g
en, (6) eine Eier-Allergie und (7) eine
Vari
kosis
. Der Kläger sei vom
5.
November 2002 (richtig: 2001) bis am 1
8.
November 2001 zu 50
%
und seit dem 1
9.
November 2001 bis auf
Weiteres
zu
100
%
arbeitsunfähig. Es sei dem Kläger keine Tätigkeit mehr zumutbar
. Dr.
F._
hatte zuvor mit
ä
rztlichen Zeugnissen vom 1
7.
Oktober, vom 2
6.
Oktober und vom 1
9.
November 2001 (
Urk.
12/71)
dem Kläger vom 18. Oktober
bis
4.
November
eine 100%ige, vom
5.
November bis 1
8.
November 2001 eine 50%ige und ab 1
9.
November 2001 wieder eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit attestiert.
4.4
Das
HerzKreislaufZentrum
des
C._
hielt mit Bericht vom 13./1
6.
Dezember 2002 (
Urk.
12/60) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ein seit Kindheit bestehendes
Marfan
-Syndrom (ICD-10 Q87.4) fest. Als Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führte es eine solitäre Nierenzyste und eine
Nephrolithiasis
beidseits an. Der Kläger sei in der Tätigkeit als Koch seit April 2002 zu 100
%
arbeitsunfähig. Für andere mittlere bis schwere kör
perliche Arbeiten sei der Kläger ebenfalls arbeitsunfähig.
4.5
Mit Bericht vom 1
8.
September 2003 an die IV-Stelle
(
Urk.
12/66)
hielt das
Herz
KreislaufZentrum
des
C._
als Diagnosen (1) ein
Marfan
-Syndrom mit (a) Aneurysma
verum
im Bereich der linken A.
subclavia
, (b) leichter
Aorteninsuffi
zienz
und (c) Status nach
Amotio
retinae
, (2) einen Status n
ach Varizenstripping wegen
Varik
osis
im Bereich beider Unterschenkel, (3) ein Glaukom beidseits, (4) eine Fussdeformität und (5) eine depressive Verstimmung
fest
. Als Diagnose ohne Auswirkungen nannte das
C._
eine
Nierensteinvertrümmerung
bei
Nephroli
thias
is
links im September 200
0.
Der Kläger
sei bis auf
W
eiteres
zu 100
%
arbeitsunfähig. Aus kardiovaskulären Gründen sei der Kläger generell für Tätig
keiten mit mittlerer körperlicher Belastung zu 100
%
arbeitsunfähig. In
behin
derungsangepasster
Tätigkeit wäre eine Arbeit ohne schwere physische Belas
tung möglich, wobei der Kläger sehr schlecht sehe und Probleme beim Laufen habe
.
4.6
Dr
.
med.
G._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
der den Kläger seit dem 2
1.
Juli 2003 behandelt hatte,
hielt mit Bericht vom 2
4.
September 2003 (
Urk.
12/67) neben den somatischen Diagnosen auch eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome fest (ICD-10 F32.2). Der Kläger sei seit November 2001 zu 100
%
arbeitsunfähig. Die psychiatrische Diagnose bestehe seit dem Jahr 2002 und früher.
4.7
Mit
Bericht vom
6.
Juli 2005 an
Dr.
F._
erklärte das
HerzKreislaufZent
rum
des
C._
(
Urk
.
12/82), der Kläger sei in ihrer Sprechstunde zur kardialen Verlaufskontrolle bei
Marfan
-Syndrom mit bekannter Dilatation der
Sinuspor
tion
und Ektasie der Aorta
ascendens
gewesen
. Klinisch bestehe kein Anhalt
s
punkt
für
eine
Progredienz der
aortalen
Dilatation. Echokardiographisch zeige sich jedoch von 2001 (5,0 cm) bis zur heutigen Untersuchung 2005 (5,4) eine leichte aber stetige Progredienz der Dilatation der
aortalen
Sinusportion. Dies sei aus ihrer Sicht
-
bei einer Operationsindikation ab 5,0 cm
–
Anlass
,
eine herzchirurgische Intervention mit Implantation eines Composite-
Grafts
in näherer Zukunft zu veranschlagen.
4.8
Das
HerzKreislaufZentrum
des
C._
antwortete
am 1
7.
April 2012 auf die vom Gericht gestellten Fragen (
Urk.
38) und stellte dabei die Arbeitsfähigkeit des Klägers in der Vergangenheit tabellarisch wie folgt dar:
Tätigkeit
Empfohlene Arbeitsfähigkeit
Erfolgte Arbeit
6/84-7/85
Hilfskoch
-
100
%
8/85-2/88
Hilfskoch
-
100
%
3/88-3/92
Operator
Microprozessor
-
100
%
8/92-6/96
Druckerei-Mitarbeiter
-
100
%
1996-1998
arbeitslos
10/98-9/00
Stelle als Stellvertreter
50
%
50
%
Die Beurteilung von
Dr.
E._
vom
2
4.
August 2000, in welchem dem Kläger ab
1.
September 2000 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert werde, decke sich insofern mit ihrer kardiologischen Beurteilung, als dass zwar eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für mittelschwere Arbeiten bestanden habe, aber eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit für körperlich leichte Arbeiten aus kardiologischer Sicht ver
tretbar gewesen sei.
12/00-7/02
Linienführer (
bei B._
)
50
%
100
%
05.11.2001
Ärztlichen Zeugnis
Dr.
F._
, Arbeitsunfähigkeit 50
%
19.11.2001
Ärztlichen Zeugnis
Dr.
F._
, Arbeitsunfähigkeit 100
%
11/02
Beurteilung ihrerseits, bis auf Weiteres Arbeitsunfähigkeit 100
%
09/03
Empfehlung zur 100
%
Invalidenrente
Aktenanamnestisch bestehe in einem Kardiologie-Bericht vom 07/02 ein Ver
merk, dass der Kläger seit 3 Monaten (04/02) zu 100
%
arbeitsunfähig sei.
4.9
Die
Medas
nannte in ihrem Gutachten vom
8.
August 2013 (
Urk.
57
S. 26-28
) als Diagnosen mit wesentlichem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ein
Marfan
-Sy
nd
rom mit (1) kardiovaskulärer Beteiligung bei (a) Status nach
Tirone
-David-Operation mit
Aortenklappenersatz
und Ersatz der Aorta
ascendens
mittels einem
Gelweave
Valsalva
Graft am 2
6.
März 2007 bei (
aa
) Aneurysma der Aorta
ascendens
mit leichter
Aorteninsuffizienz
und (
bb
) aktuell: leichte
residuelle
Aortensinsuffizienz
, stabile Aorta
ascendens
und (b) Aneurysma
verum
im Bereich des A.
subclavia
links, (2)
okulärer
Beteiligung mit (a)
Myopia
magna, (b)
Aphakie
mit Status nach Linsenextraktion 1981 zur Korrektur der hohen Myopie, wahrscheinlich bei subluxierten Linsen, (c) Status nach
Amotio
retinae
beidseits bei (
aa
) Status nach eindellender Operation 1996 rechts, (
bb
) Status nach eindellender Operation 1998 links und (cc) Status nach Pars
plana
Vitrek
tomie
1999 links
bei
Reamotio
, (c) primärem Offenwinkelglaukom, Differential
diagnose sekundäres
Aphakie
-Glaukom bei
dysgenetischem
Kammerwinkel, (d) Status nach
Zyklophotokoagulation
2009 bei Druckdekompensation, (e) aktuell: akute Druckdekompensation – Augendruck links 38
mmHg
, rechts 23
mmHg
, und (f)
Sicca
-Symptomatik, (3)
skelettaler
Beteiligung mit Hohlfuss mit
Fussde
formität
beidseits und (4) Heredität ohne Spontanmutation, Vererbung an Sohn. Ohne wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien (1) eine
Atheromatose
der
Koronarien
ohne signifikante Sklerose, (2) eine chronisch-venöse Insuffizi
enz, (3) ein Status nach rezidivierenden
Thrombophlebitiden
, (4) eine
Nephroli
thiasis
beidseits, anamnestisch wiederholte Koliken bei Status nach ESWL, wie
derholt u.a. im Jahr 2000 und (5) koronare Risikofaktoren (Adipositas I WHO, Bewegungsmangel und Status nach
Nikotinabusus
bis 1982). Als Nebenbefunde lägen (1) eine solitäre Nierenzyste rechts, (2) ein Status nach reaktiver depressi
ver Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2), Ausmass und Intensität entsprechend einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2), (3) ein Status nach
Chalazion
-O
peration
Oberlid
rechts 201
2
, (4) ein
Status nach Maltafieber etwa 1993 und (5)
ein
Status nach Varizenoperation Bein beidseits
vor
.
Der Kläger sei in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, die kardiologischen Befunde erwiesen sich
dabei als limitierender Faktor. A
ufgrund der Schwere der kardialen Erkrankung sowie der am 2
6.
März 2007 durchgeführten Herzopera
tion bestehe seither zweifelsfrei eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit für körperlich leichte, mittelschwere und auch schwere Tätigkeiten. Bei der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bei
der
B._
habe es sich offenbar um eine körperlich schwere Tätigkeit gehandelt, die dem Kläger ab dem 2
0.
November 2001 aus kardialen, allenfalls auch psychischen Gründen nicht mehr möglich gewesen sei
- möglicherweise treffe diese Einschätzung ab jenem Zeitpunkt auch für eine körperlich leichte Verweistätigkeit zu; retrospektiv seien aufgrund der Akten
lage präzisere Angaben nicht möglich.
Im kardiologischen Teilgutachten (Urk. 57 S. 9) wird zum Verlauf der
Arbeitsfä
higkeit näher ausgeführt, gemäss Arbeitszeugnis (richtig: Arztzeugnis) von
Dr.
E._
vom 2
4.
August 2000 sei dem Kläger eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für eine leichte Tätigkeit ab dem
1.
September 2000 bescheinigt worden. Eine nächste kardiologische Kontrolle im
HerzKreislaufZentrum
des
C._
habe im August 2001 stattgefunden, welcher Bericht nicht vorliege, womit über die
damalige Arbeitsfähigkeitsbeurteilung keine Aussage gemacht werden könne. Bei einer weiteren Belastungs-EKG-Untersuchung im Juli 2002 habe der Kläger 150 Watt
geleistet, was einer Sollkapazität von 71 % entspreche und was rein theoretisch für eine leichte körperliche Tätigkeit ausreichen sollte. Im Wider
spruch dazu habe jedoch das
HerzKreislaufZentrum
des
C._
dem Kläger ab April 2002 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Bereits zuvor habe
Dr.
F._
ab dem 1
9.
November 2
001 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Aufgrund der heutigen Untersuchung, welche gut 10-12 Jahre nach dem strittigen Zeitpunkt erfolge, könne kein genauer Zeitpunkt bestimmt wer
den, ab wann der Kläger auch für eine leichte körperliche Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig gewesen sei.
5.
5.1
Der Kläger arbeitete vom
1.
Dezember 2000 bis zum 3
1.
Juli 2002
bei der
B._
und war in diesem Zeitraum inklusive allfälliger Nachdeckungsfrist gemäss Art. 10
Abs.
3 BV beim Beklagten versichert (
Urk.
12/62). Nachdem er bereits vor Beginn dieser Tätigkeit in der ursprünglichen Tätigkeit als Mitarbei
ter in einer Druckerei nicht mehr arbeitsfähig war, ist der Beklagte von vornhe
rein nur leistungspflichtig, wenn durch die Tätigkeit bei der
B._
de
r zeitliche
Zusammenhang zur bereits vorbestehenden Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit unterbrochen wurde. Hierzu ist zunächst erforder
lich, dass der Kläger die Tätigkeit bei
der
B._
überhaupt ausüben konnte. Retrospektiv lässt sich nicht mehr mit Sicherheit klären, wie stark kör
perlich belastend die Tätigkeit des Klägers bei der
B._
war,
und inwieweit diese Anforderungen aufgrund der Umstrukturierung änderten (vgl.
Urk.
28 und
Urk.
29/1-21).
Diese Fragen können jedoch mit Blick auf die nach
folgenden Erwägungen offen gelassen werden.
5.2
Falls - im Sinne einer ersten Sachverhaltsvariante - die am
1.
Dezember 2000 bei
der
B._
aufgenommene Tätigkeit eine mittelschwere gewesen ist, ist gestützt auf die Stellungnahme des
HerzKreislaufZentrums
des
C._
vom 1
7.
April 2012 (E. 4.8) - und widerspruchsfrei zum Zeugnis von
Dr.
E._
vom 2
4.
August 2000, welcher dem Kläger (lediglich) in einer körperlich leichten
Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestiert hatte (E. 4.1) - davon auszu
gehen, dass der Kläger diese Vollzeit-Stelle bereits zu 50
%
arbeitsunfähig angetreten hat, mithin die berufsvorsorgerechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % (E. 2.2.3) bereits früher eingetreten war. Damit entfällt bei dieser Sachverhaltsvariante eine Leistungspflicht der Beklagten, da sie bedingt, dass allfällige frühere, die
Erheblichkeitsschwelle
von 20 % überschreitende Arbeitsunfähigkeiten wegen desselben Gesundheitsschadens in zeitlicher Hin
sicht unterbrochen worden wären und im Zeitpunkt des Stellenantritts keine relevante Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hätte (Urteil des Bundesgerichts 9C_73/2009 vom
4.
Februar 2010 E. 2.1, mit Hinweisen).
5.3
Wenn - im Sinne einer zweiten Sachverhaltsvariante - davon ausgegangen wird, dass die fragliche Tätigkeit eine
leichte gewesen ist, steht nicht fest, dass die relevante Arbeitsunfähigkeit tatsächlich während der Tätigkeit bei der
B._
eingetreten ist. Zwar schrieb
Dr.
F._
den Kläger ab dem 1
8.
Oktober 2001 zu 100
%
arbeitsunfähig, doch weder ist er Herzspezialist, der kompetent über die hauptsächlich durch kardiologische Befunde eingeschränkte Arbeitsfähigkeit (vgl.
Medas
-Gutachten E. 4.9 zweiter Absatz) Auskunft geben könnte, noch ist erstellt, dass er von einer leichten Tätigkeit ausging (was bei der vorliegend zu diskutierenden Sachverhaltsvariante jedoch Bedingung wäre). Entsprechendes gilt für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch das
Herz
KreislaufZentrum
des
C._
, welches den Kläger zwar seit April 2002 zu 100 % arbeitsunfähig schrieb, dabei jedoch implizit von ein
er mittelschweren Tätigkeit ausgegangen war, da es gemäss Stellungnahme vom 1
7.
April 2012 bereits
ini
tial
lediglich ein Pensum von 50
%
empfohlen hatte, was mit seiner Beurteilung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit für mittelschwere Tätigkeiten korrelierte (E. 4.8). Demgegenüber stellte das
Medas
-Gutachten fest, bei
einer weiteren Belastungs-
EKG-Untersuchung im Juli 2002 habe der Kläger
noch
150 Watt, was einer Sollkapazität von 71
%
entspreche, geleistet, was rein theoretisch für eine leichte körperliche Tätigkeit
hätte ausreichen sollen. Diese Untersuchung war im letzten Monat seiner Anstellung
bei der
B._
erfolgt. Mithin wäre bei der Annahme, dass die Tätigkeit bei der
B._
eine körperlich leichte gewesen ist, der Eintritt einer Arbeitsunfähigkei
t des Klägers während der Dauer seines Versicherungsverhältnisses mit der Beklagten, nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit erstellt.
5.4
Für die Sachverhaltsvariante, dass der Kläger zunächst eine leichte Tätigkeit angetreten hatte und ihm in der Folge erst durch interne
Umstrukturierungs
massnahmen
eine körperlich mittelschwere zugeteilt wurde, bestehen keine gewichtigen Anhaltspunkte, die
diese Sachverhaltsvariante
als überwiegend wahrscheinlich erscheinen liesse
n
. Überdies wäre
sie
nicht anders als die erste zu beurteilen, da auch hier die massgebliche Arbeitsunfähigkeit bereits vor Stellenantritt bestanden hätte.
5.5
Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass die Attestierung einer psychisch
beding
ten Arbeitsunfähigkeit während des Zeitraums, in welchem der Kläger ve
rsichert gewesen ist, durch den
den
Kläger erst seit Juli 2003 behandelnden Psychiater
Dr.
G._
rückwirkend erfolgte (E. 4.6). Darauf kann von vornherein nicht abgestellt
werden, da der Zeitpunkt des Eintritts einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit rechtsprechungsgemäss mit dem im
Sozialversi
cherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit echtzeitlich nachgewiesen sein muss, was nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden darf (E. 2.2.3). Von dieser Recht
sprechung ausnahmsweise abzuweichen besteht vorliegend umso weniger Anlass, als das
M
edas
-Gutachten aktuell keine die Arbeitsfähigkeit einschrän
kende Diagnosen mehr stellen konnte (
Urk.
57, psychiatrisches Teilgutachten) und das Gericht bei Stellungnahmen
v
on Hausärztinnen und Hausärzten
und behandelnden Spezialärzten
der Erfahrungstatsache Rechnung tragen darf und soll, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstel
lung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussa
gen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
5.6
Demnach ist ein Anspruch des Klägers unabhängig davon, ob es sich bei der Tätigkeit bei
der
B._
um eine leichte oder mittelschwere oder nach innerbetrieblicher Restrukturierung
mittelschwer gewordene Tätigkeit gehandelt hatte, zu verneinen. Dies führt zur Abweisung der Klage.