Decision ID: f466e527-6c67-45a6-8f37-9d16e477832d
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl, Poststrasse 22, Postfach 118,
9410 Heiden,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A._, meldete sich am 19./21. Januar 2005 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an und beantragte namentlich Berufsberatung, Umschulung und
Arbeitsvermittlung. Sie habe keinen Beruf erlernt, sei 1990 in die Schweiz gekommen
und sei seit März jenes Jahres hier erwerbstätig. Sie sei Mutter von drei Kindern
(geboren 199_, 199_ und 200_). Seit ca. dem Jahr 2000 leide sie an Arm- und
Brustschmerzen und Atemnot. - In der Arbeitgeberbescheinigung vom 14. Februar
2005 (act. 8) wurde angegeben, die Versicherte sei seit dem 1. September 1995
angestellt gewesen und bleibe es noch bis zum 28. Februar 2005. Das Arbeitsverhältnis
sei wegen Umstrukturierungsmassnahmen gekündigt worden. Bis April 2003 habe die
Versicherte H._-Arbeiten an I._-Maschinen erledigt, danach
Maschinenüberwachungs-, Sortier- und Verpackungsarbeiten. Im Jahr 2002 habe sie
insgesamt Fr. 39'035.50, 2003 Fr. 39'946.70 und 2004 Fr. 39'091.-- verdient. Seit dem
1. Januar 2004 habe der Monatslohn (bei vollzeitlicher Anstellung) Fr. 3'220.--
betragen. - Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, gab im Arztbericht vom 23. März
2005 (act. 10) an, es lägen (seit 2000) eine chronische Hyperventilation (mit Attacken),
(seit 1999) ein Thorax-Chassis-Schmerz links, Armschmerzen beidseits, linksbetont,
und
andere wechselnde Schmerzen sowie (seit 2004) ein St. n. Nasenoperation (Septum
und NNH) vor. Die bisherige Tätigkeit sei wegen der Hyperventilationen und Schmerzen
nicht mehr zumutbar; sie sei ohnehin gekündigt worden. Leichte Arbeiten ohne
stereotype Bewegungen und Exposition gegenüber Lungenreizstoffen wären ganztags
zumutbar. Seit Behandlungsbeginn im Jahr 1998 seien immer wieder körperliche
(rheumatische, Atem- und vegetative) Beschwerden aufgetreten, vor allem infolge von
Arbeits-, aber auch von privatem Stress (vier [wohl: drei] Kinder, durch Sarkom des
Femurs behinderter Ehemann usw.). Intermittierend sei Arbeitsunfähigkeit aufgetreten.
Beigelegt waren unter anderem ein pneumologischer, ein neurologischer und ein
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radiologischer Bericht sowie ein Rapport über eine arbeitsmedizinische Abklärung der
Suva im Hinblick auf ein allfälliges allergisches Asthma infolge von Berufssubstanzen. -
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 15. Juli 2005
(act. 11) dafür, versicherungsmedizinisch gesehen sei kein
invalidenversicherungsrelevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen. Mit Verfügung
vom 21. Juli 2005 (act. 14) lehnte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons
St. Gallen das Leistungsbegehren, namentlich Arbeitsvermittlung, ab. Ein
Gesundheitsschaden, der die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigen würde, bestehe derzeit
nicht.
B.
B.a Am 11./12. Januar 2010 (act. 18) meldete sich die Versicherte erneut bei der
Invalidenversicherung an und ersuchte um berufliche Eingliederung und eine Rente.
Seit Juli 2009 sei sie mit einem Pensum von drei Stunden pro Woche als
Reinigungsangestellte tätig. Seit 2001 bestünden Erschöpfung, Kraftlosigkeit, diffuse
Schmerzen in der linken Körperhälfte, Schlafstörungen, ausserdem
Konzentrationsstörungen, Minderwertigkeitsgefühle und latent Suizidgedanken.
B.b Auf die Aufforderung hin, eine Veränderung glaubhaft zu machen, berichtete das
Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums C._ am 1. Februar 2010 (act. 27) für die
Versicherte unter anderem, diese sei ihm erstmals am 19. Oktober 2006 zugewiesen
worden. Am 6. Mai 2008 sei sie notfallmässig in die Psychiatrische Klinik D._
eingewiesen worden. Nach der Stabilisierung des Zustands sei sie am 30. Juni 2008 in
die ambulante Behandlung entlassen worden. Am 29. Oktober 2008 sei sie zur
teilstationären Behandlung in der Tagesklinik angemeldet worden, die bis zum 10. Juli
2009 durchgeführt worden sei. Seit dem 28. September 2009 erfolge nun wieder die
ambulante Behandlung. Es bestünden eine depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis
schwergradige depressive Episode, eine generalisierte Angststörung, eine
somatoforme autonome Funktionsstörung respiratorisches System, eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung und der V. a. eine posttraumatische
Belastungsstörung. Es werde davon ausgegangen, dass sie aus psychiatrischer Sicht
zu 50 % arbeitsunfähig sei.
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B.c Dr. B._ teilte am 8. Februar 2010 (act. 29) mit, es sei für ihn eindeutig, dass neue
schwerwiegende und invalidenversicherungsrelevante Erkrankungen dazugekommen
seien. Neu bestünden eine schwere, chronisch kontinuierliche Depression, eine
Durchschlafstörung und eine chronische Cephalea sowie Hals-/Nackenschmerzen
nach Treppensturz am 2. Juni 2009 mit Commotio und HWS-Trauma. Einzig die
chronische Hyperventilation habe unter jahrelanger Psychotherapie gebessert. Seit
2005 sei die Versicherte auch nicht annähernd in der Lage gewesen, eine geregelte
Arbeit zu verrichten. Berufliche Massnahmen würden nach seiner Erfahrung keinen
Sinn machen, sinnvoller wäre eine Rente, von der auch ein positiver gesundheitlicher
Effekt zu erwarten wäre.
B.d Im daraufhin eingeholten Austrittsbericht vom 30. Juni 2008 (act. 36) hatte die
Psychiatrische Klinik D._ (bei den vom Ambulatorium des Psychiatrischen Zentrums
C._ im Bericht vom 1. Februar 2010 übernommenen, oben erwähnten Diagnosen)
bekanntgegeben, die Versicherte sei vom 6. Mai 2008 bis 30. Juni 2008 hospitalisiert
gewesen und habe in gleich bleibend gebessertem Allgemeinzustand entlassen werden
können. Wegen der Überforderung durch die chronische psychosoziale
Belastungssituation sei zur langfristigen Stabilisierung eine dauerhafte ambulante
Weiterbetreuung nötig.
B.e Am 1. Juni 2010 (act. 39) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des
Kantons St. Gallen in der Folge mit, berufliche Eingliederungsmassnahmen seien
zurzeit aufgrund des Gesundheitszustands nicht möglich.
B.f In einem Arztbericht vom 20. Juli 2010 (act. 42) hielt das Psychiatrische Zentrum
C._ fest, aktuell sei die Versicherte zu 20 bis 30 % arbeitsfähig und bei günstigem
Verlauf könnte sich die Einsatzfähigkeit auf 50 % erhöhen (act. 42-4), aber auch, die
Versicherte sei seit dem 28. September 2009 zu 50 % arbeitsunfähig (act. 42-3). Seit
2006 sei eine Verschlechterung eingetreten. Es lägen eine ängstlich-depressive
Symptomatik und Störungen der Vitalgefühle (Erschöpfbarkeit, Müdigkeit, Konzentra
tionsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, Niedergeschlagenheit) vor. Diagnostiziert wurden
(nebst der Angststörung und der somatoformen autonomen Funktionsstörung) eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (die
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undifferenzierte Somatisierungsstörung und der V. a. eine posttraumatische
Belastungsstörung nicht mehr).
B.g Der RAD hielt am 4. August 2010 (act. 43) dafür, es sei von einer Arbeitsfähigkeit
als Reinigungsangestellte wie in einer adaptierten Tätigkeit von 50 % auszugehen.
B.h Die Versicherte gab in einem Fragebogen am 26. August 2010 (act. 44) an, sie sei
an einer Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung - bei zumutbarem
Arbeitspensum von 50 % - interessiert, doch dürfe die Arbeit nicht zu schwer sein.
Beim Beschrieb der zumutbaren Verweistätigkeit erwähnte sie eine Tätigkeit als
Putzhilfe an fünf Stunden pro Woche, während sie zurzeit drei Stunden pro Woche
arbeite (beides act. 44-1).
B.i Mit Vorbescheid vom 14. Oktober 2010 (act. 48 f.) stellte die Sozialversicherungs
anstalt/IV-Stelle der Versicherten den Abschluss der Arbeitsvermittlung in Aussicht, da
diese nicht erfolgversprechend sei, weil sie sich als nur an fünf Stunden pro Woche
arbeitsfähig erachte. Am 29. November 2010 (act. 50) wurde entsprechend verfügt.
B.j Nachdem die Versicherte am 16. Dezember 2010 (act. 51) Angaben zur Renten
abklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt gemacht hatte, fand am 20. Juni 2011
(act. 56) eine Abklärung an Ort und Stelle statt. Die Versicherte sei als Vollerwerbstätige
zu betrachten, womit sich gemäss der RAD-Stellungnahme vom August 2010 eine
halbe Rente ergebe. Es sei bald eine Revision durchzuführen, da die Versicherte noch
sehr jung sei und sich die Situation allenfalls nach Beruhigung der finanziellen Situation
verbessern könnte.
B.k Das Psychiatrische Zentrum C._ erklärte in einem Verlaufsbericht vom
19. September 2011 (act. 57), der Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär.
Sie werde verhaltenstherapeutisch (psychoedukativ mit dem Effekt einer leichten Ent
lastung) und medikamentös behandelt. Die Arbeitsfähigkeit sei um bis zu 60 % redu
ziert. Die Versicherte sei in einer adaptierten Tätigkeit zu 30 bis 40 % arbeitsfähig. Eine
Tätigkeit könnte an drei bis vier Stunden pro Tag mit einer Einschränkung der
Leistungsfähigkeit um 10 % zumutbar sein.
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B.l Dr. B._ berichtete am 14. November 2011 (act. 61) ebenfalls von einem
stationären Gesundheitszustand. Nach einem Sturz habe die Versicherte ihre Arbeit
aufgeben müssen. Es liege eine schwerste Depression vor, die seit Jahren therapie
resistent sei. Die Versicherte sage, sie wolle arbeiten, doch ihr Körper wolle nicht.
B.m Am 16. Januar 2012 erfolgte eine rheumatologische und psychiatrische Begut
achtung. In den miteinander koordinierten Gutachten vom 24. Januar 2012 (Dr. med.
E._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin, act. 67) und vom 25. Januar
2012 (Dr. med. F._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, act. 66)
wurden eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (seit etwa 1999 bekannt) und
eine Depression mittleren Grades (seit Mai 2008) als Hauptdiagnosen bekannt
gegeben. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien ein intermittierendes
lumbovertebrales bis -spondylogenes Syndrom (mit Wirbelsäulenfehlhaltung und
muskulärer Dysbalance bei Bewegungsmangel und Dekonditionierung infolge Schon
verhaltens, mit geringem organischem Korrelat und einer Schmerzverarbeitungsstörung
bei psychosozialer Problemkonstellation?), anamnestisch intermittierende
cervicocephale Symptome (aktuell ohne fassbares Korrelat), ein St. n.
Hyperventilationsanfällen und eine Neigung zu Temestaabusus. Die Versicherte sei
rheumatologisch betrachtet in körperlich leicht belastenden, wirbelsäulenadaptierten
Tätigkeiten ohne schweres Heben und Tragen von Lasten, wie etwa in einer leichten
Putztätigkeit, der Führung des eigenen Haushalts oder einer Vielzahl gewerblicher
Aufgabenstellungen, voll arbeitsfähig. Seit Mitte 2008 sei die Arbeitsfähigkeit aber aus
psychiatrischen Gründen zu 50 % eingeschränkt. Die mittelgradig ausgeprägte
Depression dürfe nicht als reine Begleiterscheinung zur Schmerzstörung gewichtet
werden.
B.n Der RAD befürwortete am 3. Februar 2012 (act. 68), auf das Gutachten
abzustellen. - Der Rechtsdienst hielt am 6. Februar 2011 (act. 70) dafür, aus
invalidenversicherungsrechtlicher Sicht könne keine Arbeitsunfähigkeit angenommen
werden.
B.o Mit Vorbescheid vom 5. März 2012 (act. 73 f.) kündigte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Versicherten an, einen Rentenanspruch
abzulehnen, worauf die Versicherte am 26. April 2012 (act. 79) die Zusprache
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mindestens einer halben Rente und eine Prüfung von Integrationsmassnahmen und
beruflicher Massnahmen beantragen liess. Mit Verfügung vom 30. April 2012 (act. 80)
wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen den
Rentenanspruch ab und verwies für den Anspruch auf berufliche Massnahmen auf die
Rechtskraft der Verfügung vom 29. November 2010.
C.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. Simon Kehl für die
Betroffene am 31. Mai 2012 erhobene Beschwerde. Der Rechtsvertreter beantragt, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, der
Beschwerdeführerin ab dem 1. Juli 2009 mindestens eine halbe Rente auszurichten.
Sämtliche behandelnden Ärzte würden der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit
von maximal 50 % attestieren. Die Sachbearbeitung (die Abklärungsperson) habe eine
Berentung bei 50 % Arbeitsfähigkeit empfohlen. Das Administrativgutachten bestätige
diese Arbeitsfähigkeit. Der RAD bezeichne das Gutachten als umfassend, konsistent,
nachvollziehbar und widerspruchsfrei und schliesse sich der Beurteilung an. Die
Beurteilung des Rechtsdienstes der Beschwerdegegnerin, wonach keine eigenständige
psychiatrische Störung vorliegen solle, stelle demgegenüber einen unzulässigen
juristischen Übergriff auf medizinische Fragen dar; sie sei daher nicht zu hören. Der
Hinweis auf die Rechtsprechung gehe fehl, denn in allen zitierten Urteilen sei den
Versicherten medizinisch eine rentenausschliessende Arbeitsfähigkeit attestiert
worden, hier aber eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Selbst wenn nicht von einer
eigenständigen psychischen Störung ausgegangen werden müsste, läge stattdessen
eine psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer vor.
Auch für sich allein wäre eine mittelgradige depressive Episode ausreichend schwer
und als zumindest teilweise invalidisierend anzusehen, da ein Patient mit dieser
Diagnose gemäss ICD-10 soziale, häusliche und berufliche Aktivitäten nur unter
erheblichen Schwierigkeiten fortsetzen könne. Hieran änderten auch die Zitate aus den
Akten nichts, mit denen der Standpunkt des Rechtsdiensts begründet worden sei. Eine
gesunde Person müsse im Gegensatz zur Beschwerdeführerin nicht dauernd
zahlreiche Medikamente ein- und zahlreiche stationäre, halbstationäre und ambulante
Therapien in Anspruch nehmen, leide nicht unter Konzentrationsstörungen und
dissoziativen Zuständen, wirke nicht hilf- und hoffnungslos, klage nicht über
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Schmerzen, leide nicht unter Angstzuständen usw. Unverständlich sei, weshalb die
Beschwerdegegnerin entgegen dem ausdrücklichen Wunsch und der Bereitschaft der
Beschwerdeführerin auf die Durchführung von Eingliederungsmassnahmen verzichtet
habe. Allenfalls wäre es nach der Rentenzusprache sinnvoll, Integrationsmassnahmen
durchzuführen. - Zugleich lässt die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege stellen
D.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 26. Juni 2012 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Entgegen der Ansicht des Gutachters gehe aus den Akten
hervor, dass der depressiven Symptomatik keine teilweise Eigenständigkeit zukomme
und das Schmerzgeschehen dominiere. So heisse es etwa, die Beschwerdeführerin sei
reizbar, wenn sie Schmerzen habe, und wenn das nicht der Fall sei, habe sie mehr
Freude, oder, die Schmerzen seien bei der Arbeit immer der limitierende Faktor
gewesen. In der Tagesklinik habe sie alle Tätigkeiten nach wenigen Minuten aufgrund
der Schmerzen aufgegeben. Das Psychiatrische Zentrum C._ spreche sodann von
einer klassischen Schmerzstörung. Aus dem Umstand, dass sich die
Beschwerdeführerin im Jahr 2008 habe hospitalisieren lassen, sei nicht zwangsläufig
auf eine teilweise Eigenständigkeit der Depression zu schliessen. Die beiden
Hauptdiagnosen vermöchten in der Regel keine Invalidität im Rechtssinn zu
begründen. Eine Komorbidität sei aus der psychopathologischen Befundlage nicht
herzuleiten. Auch die von der Rechtsprechung entwickelten Kriterien für ein
ausnahmsweises Abweichen vom Grundsatz seien nicht erfüllt, wie sich aus dem
Gutachten (act. 66-14) ergebe. Selbst wenn die Depression als eigenständiges Leiden
zu taxieren wäre, so wiese sie nicht den Schweregrad auf, der für die Bejahung einer
Invalidität notwendig wäre. Das Beschwerdebild sei durch psychosoziale
Belastungsfaktoren geprägt, so etwa eine Mehrfachbelastung, einen erkrankten
Ehemann, das Fehlen einer harmonischen Beziehung und finanzielle Probleme. Die
Beschwerdeführerin nehme zudem die Psychopharmaka nicht adäquat ein, was dafür
spreche, dass sie sich selbst nicht als besonders depressiv oder anderweitig psychisch
beeinträchtigt erlebe. Der Gutachter erwähne ferner Konzentrationsstörungen. Solche
hätten jedoch nicht objektiviert werden können. Dasselbe gelte für die angegebene
Vergesslichkeit. Diesen Faktoren dürfe daher kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
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zugemessen werden. Die beruflichen Massnahmen seien aufgrund der subjektiven
Krankheitsüberzeugung der Beschwerdeführerin abgeschlossen worden. Es sei nicht
ersichtlich, was sich an ihrer Einstellung geändert haben sollte.
E.
Die Verfahrensleitung hat am 3. Juli 2012 dem Gesuch um Bewilligung der unentgelt
lichen Rechtspflege entsprochen.
F.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat am 3. September 2012 auf die Er
stattung einer Replik verzichtet.

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 30. April 2012 hat die Beschwerdegegnerin ein
Gesuch der Beschwerdeführerin vom Januar 2010 (nach einer ersten rechtskräftigen
Gesuchsabweisung im Jahr 2005) um eine Rente abgewiesen. Beantragt werden im
Gerichtsverfahren Rentenleistungen, hernach allenfalls berufliche Massnahmen bzw.
Integrationsmassnahmen. Strittig ist demnach zunächst ein allfälliger Anspruch auf eine
Rente. Ergäbe sich allerdings, dass ohne Eingliederungsmassnahmen ein
Rentenanspruch in Frage stünde, so gehörte zum Streitgegenstand, auch wenn die
Beschwerdegegnerin am 29. November 2010 die Arbeitsvermittlung abgeschlossen
hatte, notwendigerweise auch die Frage, ob die Verwaltung den Grundsatz
"Eingliederung vor Rente" beachtet und eine allfällige Pflicht der Beschwerdeführerin
zu Massnahmen korrekt in Anspruch genommen habe.
2.
2.1 Nach Art. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
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besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2 Allgemein gilt, dass Invalidität Folge unter anderem von Krankheit sein kann (vgl.
Art. 4 Abs. 1 IVG). Eine (durch eine Gesundheitsschädigung bedingte) Beeinträchtigung
der Erwerbsfähigkeit muss in jedem Einzelfall unabhängig von der Diagnose und
grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt
sein (vgl. BGE 127 V 294, BGE 99 V 28). Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit,
welche die versicherte Person bei Aufbietung allen guten Willens, Arbeit in
ausreichendem Masse zu verrichten, zu vermeiden in der Lage wäre, sind nicht als
Auswirkungen einer krankhaften (dort: seelischen) Verfassung zu betrachten (vgl. BGE
102 V 165).
2.3 In Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden
Beweisschwierigkeiten genügen dementsprechend die subjektiven Schmerzangaben
der versicherten Person für die Begründung einer (teilweisen) Invalidität allein nicht;
vielmehr muss verlangt werden, dass die Schmerzangaben durch damit korrelierende,
fachärztlich schlüssig feststellbare Befunde hinreichend erklärbar sind (BGE 130 V 352
E. 2.2.2). Das Vorliegen eines fachärztlich ausgewiesenen psychischen Leidens mit
Krankheitswert ist jedoch aus rechtlicher Sicht zwar Voraussetzung, aber nicht auch
schon hinreichende Basis für die Annahme einer invalidisierenden Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit (vgl. BGE 130 V 352 E. 2.2.3). Bei weitgehendem Fehlen eines
somatischen Befundes genügt (selbst) die (rein) psychiatrische Erklärbarkeit der
Schmerzsymptomatik allein für eine sozialversicherungsrechtliche
Leistungsbegründung nicht (BGE 130 V 352 E. 2.2.4). Der begutachtenden Fachperson
der Psychiatrie obliegt im Rahmen der - naturgemäss mit Ermessenszügen behafteten
- ärztlichen Stellungnahme zur Arbeits(un)fähigkeit die Aufgabe aufzuzeigen, ob und
inwiefern eine versicherte Person über psychische Ressourcen verfügt, die es ihr
erlauben, mit ihren Schmerzen umzugehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.4).
2.4 Eine depressive Störung stellt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
für sich keinen pathogenetisch (ätiologisch) unklaren syndromalen Zustand dar, bei
welchem die Rechtsprechung zu den somatoformen Schmerzstörungen (s. unten
E. 4.3) zur Anwendung gelangen würde (vgl. Bundesgerichtsentscheide i/S M. vom
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20. September 2011, 8C_302/11, und i/S H. vom 17. Januar 2013, 9C_521/12). Die
Annahme einer invalidisierenden Wirkung einer (mittelschweren) depressiven Störung
bedingt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts jedenfalls, dass es sich dabei
nicht bloss um die Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit handelt, sondern um ein
selbstständiges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden.
Fehlt es daran, ist nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts in der Regel keine
invalidisierende Wirkung des Gesundheitsschadens anzunehmen (vgl.
Bundesgerichtsentscheid vom 22. Juli 2014, 9C_690/13 E. 4.2). In ständiger
Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Übrigen daran festgehalten, dass beim
Zusammentreffen einer zuverlässig diagnostizierten depressiven Episode und einer
somatoformen Schmerzstörung in erster Linie die (fach-) ärztlichen Feststellungen zur
Beurteilung des Gesundheitszustands und der Arbeitsunfähigkeit massgeblich sind
(Bundesgerichtsentscheid i/S U. vom 14. Februar 2014, 8C_251/13 E. 4.2.2).
2.5 Entscheidend ist im Ergebnis die nach einem weitgehend objektivierten Massstab
vorzunehmende Beurteilung, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres
Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten
offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch zumutbar sei (vgl. BGE 127 V 294;
vgl. zum Ganzen auch BGE 139 V 547). - Steht fest, dass ein Krankheitszustand mit
(unüberwindlichem, d.h. ganze oder teilweise Unzumutbarkeit einer Tätigkeit
bewirkendem) Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit vorliegt, ist unerheblich, ob auch soziale,
invalidenversicherungsfremde Faktoren als (Teil-) Ursache bei dessen Entstehung eine
wesentliche Rolle gespielt haben (vgl. dazu BGE 139 V 547 E. 3.2.2).
3.
3.1 Im Rahmen ihrer Neuanmeldung vom Januar 2010 wurde der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin bidisziplinär begutachtet. Bei der rheumatologischen
Abklärung zeigte sich kein die Arbeitsfähigkeit einschränkendes Leiden. Der Gutachter
stützte sich auf eine Kenntnisnahme von den Vorakten und erfragte die Beschwerden.
Die Beschwerdeführerin beklagte stetige Rückenschmerzen (an ganzer LWS) und dass
sie darauf achtgeben müsse, keinen Hexenschuss zu provozieren, denn dann müsse
sie zuhause meistens liegen. Sie könne maximal eine Stunde sitzen. Später habe sie
noch Nackenschmerzen erinnert, die seit zwei Jahren fast immer vorhanden seien. Den
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aktuellen Schmerzpegel habe sie gelassen und in ausgeglichener Stimmungslage mit
7.5 (auf einer Skala zwischen Null und maximal vorstellbarem Schmerz bei 10)
angegeben (act. 67-12). Der Gutachter erstellte Aufnahmen der LWS (ap/seitlich).
Ausserdem stand ihm ein MRI der HWS vom 4. November 2009 zur Verfügung. Damit
und mit seiner Untersuchung erhob er eine Fehlhaltungstendenz der Wirbelsäule mit
konsekutiver Überlastung des lumbosakralen und zervikothorakalen Übergangs im
Bereich der Weichteilstrukturen sowie im Bereich des Beckengürtels mässiggradige
myofasziale Triggerpunkte. Infolge einer wegen Schon- und Meideverhaltens
eingetretenen Dekonditionierung sei die Belastbarkeit für schwere und
rückenbelastende Arbeiten, welche die Beschwerdeführerin aber bis anhin nicht
ausgeübt habe, eingeschränkt. Diese gutachterliche Einschätzung überzeugt. Die von
Dr. B._ (welcher der Beschwerdeführerin gesamthaft eine volle Arbeitsunfähigkeit
attestiert) erwähnten Hals-/Nackenschmerzen (nach Treppensturz mit Commotio und
HWS-Trauma) sind damit berücksichtigt (Cephalea wurde in der Begutachtung nicht
beklagt). Wie den Akten zur ersten IV-Anmeldung samt dem Arztzeugnis von Dr. B._
vom 23. März 2005 zu entnehmen ist, hat die Beschwerdeführerin schon seit
Behandlungsbeginn 1998 immer wieder körperliche Beschwerden gehabt und es
waren pneumologische und neurologische (einschliesslich Radiologie-) Abklärungen
durchgeführt worden, bei denen aber keine relevanten Befunde gefunden worden
waren. Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass somatisch kein die
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit einschränkendes Leiden vorhanden ist.
3.2 Im Gutachten wird der Beschwerdeführerin jedoch eine Arbeitsunfähigkeit aus
psychischen Gründen attestiert, und zwar eine solche von 50 %. Dr. B._ befürwortet
wie erwähnt insgesamt eine volle Arbeitsunfähigkeit. Das behandelnde Psychiatrische
Zentrum C._ ging im Februar 2010 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus. Seine
Arbeitsfähigkeitsschätzung vom Juli 2010 ist nicht eindeutig, es werden eine
Arbeitsunfähigkeit von 70 bis 80 und eine solche von 50 % angegeben. Auch das
Attest vom September 2011 erwähnt gleichzeitig eine Reduktion bis zu 60 % und eine
Arbeitsunfähigkeit von 60 bis 70 %.
3.3 Der Gutachter der Psychiatrie hat sich mit der Diagnosestellung und den Arbeits
fähigkeitsschätzungen der psychiatrisch behandelnden Stelle auseinandergesetzt und
auf (weitere) Unklarheiten und Unvollständigkeit hingewiesen (act. 66-15). Namentlich
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ist, wie er zutreffend darlegt, nicht nachvollziehbar, weshalb bei verringerter Depression
(mittelgradig statt mittel- bis schwergradig) eine höhere Arbeitsunfähigkeit bestehen
sollte. Die betreffenden Arbeitsfähigkeitsschätzungen sind insgesamt nicht
überzeugend.
3.4 Selber hat der Gutachter der Psychiatrie eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung und eine Depression mittleren Grades diagnostiziert. Als im
Vordergrund stehendes Leiden bezeichnet er die somatoforme Schmerzstörung. Stets
seien die Schmerzen der die Beschwerdeführerin limitierende Faktor gewesen, eine
somatische Erklärung habe sich aber nicht finden lassen. Stattdessen seien immer
wieder psychosoziale Belastungsfaktoren erwähnt worden (act. 66-14). In der
Untersuchungssituation war ein Schmerzerleben erst nach rund zwei Stunden spürbar
gewesen (act. 66-15). Der Gutachter hält fest, der diesbezügliche Verlauf sei
schwankend. Anlässlich des Aufenthalts in der Tagesklinik sei ferner eine
Selbstlimitierung festzustellen gewesen. Der Schmerzmittelkonsum der
Beschwerdeführerin sei gering. Ein sozialer Rückzug habe nicht stattgefunden. Ein
primärer Krankheitsgewinn sei zumindest nicht auszuschliessen (Überforderung durch
die Doppelrolle als Mutter und voll Erwerbstätige; schwere Erkrankung des
Ehemannes).
3.5 Der Gutachter führt des Weiteren aus, die Depression mittleren Grades bilde eine
Komorbidität zur anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und dürfe nicht als reine
Begleitdepression gewichtet werden (act. 66-14 unten). Es dürfe ihr eine teilweise
Eigenständigkeit zugesprochen werden, auch wenn das Ausmass der Depressivität mit
den Schmerzen schwanke (act. 66-14 oben). Sie habe nämlich Mitte 2008 immerhin zu
einer fast zwei Monate dauernden psychiatrischen Hospitalisation geführt (act. 66-14
unten). Dieser Umstand für sich genommen ist indessen, selbst wenn berücksichtigt
wird, dass die Beschwerdeführerin ab dem 29. Oktober 2008 bis zum 10. Juli 2009
ausserdem noch in teilstationärer Behandlung in der Tagesklinik war, als Begründung
für eine solche Schlussfolgerung ungenügend. Zu berücksichtigen sind die konkreten
Umstände und der konkrete Verlauf. Was die psychiatrische Vorgeschichte samt
Hospitalisation der Beschwerdeführerin betrifft, hatte, wie das Psychiatrische Zentrum
C._ berichtete (act. 27), erstmals Dr. B._ sie im Oktober 2006 für eine
psychiatrische Abklärung und Behandlung an dieses Zentrum gewiesen. Dort seien
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eine generalisierte Angststörung und ein Hyperventilationssyndrom bei psychosozialen
Belastungssituationen, insbesondere bei Erkrankung des Ehemannes, diagnostiziert
worden. Im Jahr 2008 dann sei die Beschwerdeführerin in einem Schock ähnlichen
Zustand in suizidaler Absicht auf die Autobahn gefahren. Am nächsten Tag habe sie
beim Zentrum Hilfe gesucht und dieses habe sie am 6. Mai 2008 bei psychischer
Dekompensation mit latenter Suizidalität und Fremdaggressivität notfallmässig in die
Klinik eingewiesen. Gemäss dem Austrittsbericht der Psychiatrischen Klinik D._
(act. 36-1 f.) war sie, da sie sich beim Aufnahmegespräch nicht glaubhaft von akuter
Suizidalität habe distanzieren können, zunächst auf die geschlossene Akutstation
aufgenommen worden, habe jedoch rasch verlegt werden können, da eine
Stabilisierung erfolgt sei und keine Suizidalität bestanden habe. Unter der Behandlung
sei die depressive Symptomatik zunehmend rückläufig gewesen und die
Beschwerdeführerin sei in gleich bleibend gebessertem Allgemeinzustand (Status: im
formalen Denken leicht verlangsamt, umständlich, eingeengt, Grübelneigung, im Affekt
leicht ratlos, innerlich unruhig, klagsam) entlassen worden. Es wurde eine
Überforderung durch eine chronische psychosoziale Belastungssituation festgestellt.
Wie der Gutachter der Psychiatrie kritisch festhält, entsprach der Austrittsbefund
eindeutig einer höchstens mittelgradigen depressiven Störung (act. 66-15). Damit
ergeben sich Zweifel an der gutachterlichen Annahme, die Depression sei als teilweise
eigenständiges Leiden zu betrachten.
3.6 Dazu kommt, dass selbst die - allerdings anerkanntermassen fachärztlich-gut
achterliche - Diagnostizierung einer Depression mittleren Grades als solche nicht ohne
weiteres fassbar ist. Die Beschwerdeführerin klagte bei der psychiatrischen
Untersuchung hauptsächlich über Schmerzen, die etwas gebessert hätten, aber
Haupthindernis für die Wiederaufnahme einer Arbeit seien, ferner über Vergesslichkeit,
rasche Ermüdbarkeit, freudlose Stimmung, gestörten Schlaf, empfindlichen Magen,
Neigung zu Blasenentzündungen und blitzartige Empfindungen in den Ohrmuscheln
(act. 66-11). Wird aber der vom Gutachter vorgefundene psychiatrische Befund
betrachtet, wird erkennbar, dass die affektive Modulation der Beschwerdeführerin
erhalten war, die Stimmung leicht gedrückt und die Psychomotorik frei waren, ohne
vegetative Angstsymptome. Aufmerksamkeit und Konzentration waren während der
mehr als zwei Stunden dauernden Untersuchung nicht relevant beeinträchtigt. Erst
gegen Ende habe die Beschwerdeführerin ziehende Schmerzen im Rücken gespürt und
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sei aufgestanden (ebenfalls act. 66-11). Seine Diagnose begründet der Gutachter
jedoch nicht nur mit der festgestellten leicht bedrückt-resignierten Stimmung, sondern
auch mit Vergesslichkeit und beeinträchtigter Konzentration, Erschöpfbarkeit,
Antriebsverminderung und Schlafstörung. Dabei stützte er sich somit offenbar auf
Vorakten und auf die entsprechenden Angaben der Beschwerdeführerin, insbesondere
auf jene, dass diese Störungen abhängig seien von den Schmerzen und mit ihnen
schwankten. Dass sich diese beklagten Störungen von ihm hatten objektivieren lassen,
kann dem Gutachten nicht entnommen werden; gemäss den dortigen Ausführungen
wurden sie bei der Begutachtung selbst wie erwähnt nicht festgestellt. Hingegen
konnte der Gutachter in die Beurteilung mit einbeziehen, zu welchen Leistungen die
Beschwerdeführerin in ihrem Tagesablauf nach ihren Angaben fähig ist (vgl. act. 66-14
und 66-10). Die entsprechenden Schilderungen sprechen nicht für eine weitreichende
Arbeitsunfähigkeit. Dem Gutachter der Rheumatologie gegenüber machte die
Beschwerdeführerin im Übrigen wie erwähnt eine submaximale Schmerzangabe und
befand sich dabei nach dessen Einschätzung in aufgeräumtem Gemütszustand (vgl.
act. 67-17).
3.7 Es ergeben sich damit Zweifel an der gutachterlich festgehaltenen
Arbeitsunfähigkeit von 50 % für eine Zeit ab Mitte 2008, als die Beschwerdeführerin die
psychiatrische Hospitalisation angetreten hatte. Befundbeschreibung und Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit lassen sich nicht ohne weiteres vereinbaren. Die Diagnose bzw. der
Schweregrad der Depression sowie die Qualifikation deren Bedeutung als (teilweise
eigenständige, erhebliche) psychiatrische Komorbidität zur somatoformen
Schmerzstörung sind im Gutachten nicht ausreichend nachvollziehbar gemacht
worden. Es kann darauf daher nicht abgestellt werden. Angesichts der allerdings in
allen relevanten ärztlichen Berichten gestellten Diagnose (so hat sich etwa der RAD
dem Gutachten angeschlossen) und der Behandlungen der Beschwerdeführerin ist
aber auch nicht ausgeschlossen, dass eine Depression von erheblichem Schweregrad
vorliegt.
3.8 Der Sachverhalt erweist sich damit als ungenügend abgeklärt, weshalb die Sache
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist. Die erforderlichen ergänzenden
medizinischen Abklärungen werden aufzuzeigen haben, ob, in welcher Hinsicht (zeitlich
sowie bezüglich welcher Funktionen, etwa von Aufmerksamkeit, Konzentration,
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Auffassungsvermögen, Belastbarkeit) und in welchem Ausmass die
Beschwerdeführerin allenfalls nach einem weitgehend objektivierten Massstab
beeinträchtigt ist, Arbeit zu leisten.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 30. April 2012 teilweise gutzuheissen und die Sache ist
zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und zu entsprechender neuer Verfügung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Eine solche Rückweisung stellt praxisgemäss aus prozessualer Sicht ein vollstän
diges Obsiegen dar (vgl. BGE 137 V 57). Die Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) vom 3. Juli 2012 ist damit obsolet geworden.
4.3 Angesichts des Unterliegens der Beschwerdegegnerin rechtfertigt es sich, ihr die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG), gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1
VRP/SG, sGS 951.1). Eine Entscheidgebühr von Fr. 600.-- erscheint angemessen.
4.4 Die Beschwerdeführerin hat bei diesem Ausgang des Verfahrens gegenüber der
Beschwerdegegnerin Anspruch auf Ersatz der Parteikosten, die vom Gericht ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff.
VRP/SG). Der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand angemessen erscheint (bei
einfachem Schriftenwechsel) eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht