Decision ID: 1dc7cf11-e7dd-4528-baec-03d06572c857
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) hatte am 11. Mai 2012 einen Autounfall erlitten,
wobei er sich eine pilontibiale Fraktur links zugezogen hatte, welche am 12. Mai 2012
im Kantonsspital St. Gallen (nachfolgend: KSSG) mit einem gelenküberbrückenden
OSG-Fixateur links operativ versorgt worden war (Fremdakten act. 1-121 f.). In der
Folge war es zu weiteren operativen Eingriffen gekommen (21. Mai 2012: Entfernung
Fixateur extern sowie Reposition/Osteosynthese [Fremdakten act. 1-111 f.]; 31. Juli
2012: bei Verdacht auf Infektion Revision und Débridement der Wunde Unterschenkel
links [Fremdakten act. 1-74 f.]; 6. Dezember 2012: Metallentfernung und
Probengewinnung Unterschenkel links [Fremdakten act. 7-43 f.]; 23. Dezember 2013:
Débridement ehemaliges Plattenlager, komplette Metallentfernung distale Tibia links,
Gelenksspülung OSG links und VAC-Anlage Unterschenkel links [Fremdakten act. 7-30
f.]; 27. Dezember 2013: Wundrevision, Débridement, Biopsieentnahme, Wund- und
Gelenkspülung sowie VAC-Wechsel unter Teilwundverschluss Unterschenkel links
[Fremdakten act. 7-36 f.]; 2. Januar 2014: Wundrevision, Débridement und
Wundverschluss Unterschenkel links [Fremdakten act. 7-32 f.]).
A.a.
Im März 2013 hatte sich der Versicherte wegen anhaltender Unfallbeschwerden
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) angemeldet (IV-act. 29).
Nach Einholung verschiedener medizinischer Berichte (IV-act. 31 ff., 55, 60) hatte der
regionale ärztliche Dienst (RAD) dem Versicherten mit Bericht vom 11. November 2013
in adaptierter Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-act. 63). Am 26.
November 2013 hatte die IV-Stelle dem Versicherten mitgeteilt, dass mangels
Arbeitsfähigkeit und bei einer anstehenden Operation kein Anspruch auf berufliche
A.b.
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Massnahmen bestehe (IV-act. 66). In der Folge hatte die IV-Stelle weitere Arztberichte
eingeholt (IV-act. 70 ff.) und diese dem RAD vorgelegt. Dieser war mit Stellungnahme
vom 30. Januar 2014 zum Schluss gekommen, dass dem Versicherten weiterhin eine
100%-ige Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten zumutbar sei (IV-act. 73).
Daraufhin hatte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 12. Februar 2014 angekündigt, dass
kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (IV-act. 75).
Dagegen liess der Versicherte am 13. Februar 2014 durch seinen Rechtsvertreter
Einwand erheben (IV-act. 77). Der RAD, welchem mittlerweile auch die Berichte des
KSSG, wo die weiteren Eingriffe aufgrund des postoperativen Infekts Ende Dezember
2013 und Anfang des Jahres 2014 vorgenommen worden waren (vgl. vorstehende lit.
A.a), vorlagen (IV-act. 79), kam gestützt darauf mit Stellungnahme vom 31. März 2014
zum Schluss, dass der Gesundheitszustand nach den Operationen weiterhin instabil
und aktuell eine abschliessende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht möglich sei (IV-
act. 81). Am 22. September 2014 wurde der Versicherte erstmals kreisärztlich
untersucht (Fremdakten act. 12).
A.c.
Am 3. Dezember 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass der weitere
Behandlungsverlauf abgewartet werde und das Verfahren mit der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (Suva) koordiniert werde. Sobald ein annähernd stabilisierter
Gesundheitszustand vorliege, werde zum Rentenanspruch nochmals Stellung
genommen (IV-act. 87). In der Folge wurde mangels eindeutiger Indikation von weiteren
Operationen abgesehen und die anhaltenden Beschwerden des Versicherten wurden
konservativ behandelt (IV-act. 93, 95). Am 18. Juni 2015 erteilte die Suva
Kostengutsprache für einen orthopädischen Spezialschuh (Fremdakten act. 42). Am 18.
Februar 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Rentenprüfung so
rasch als möglich vorgenommen werde, sobald ein Entscheid der Suva vorliege (IV-act.
109). Am 17. Mai 2016 liess der Versicherte mitteilen, dass er nun die Möglichkeit habe,
sich selbständig zu machen, indem er Geschirrspüler repariere und montiere. Aufgrund
dessen wurde bei der IV-Stelle um Kostenübernahme eines Treppenlifts ersucht (IV-
act. 110).
A.d.
Am 28. Juni 2016 wurde der Versicherte erneut kreisärztlich untersucht
(Fremdakten act. 84). Nach weiteren (medizinischen) Abklärungen (inklusive Evaluation
A.e.
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B.
der funktionellen Leistungsfähigkeit in den Kliniken Valens [Fremdakten act. 120] und
konsiliarpsychiatrischer Kurzbeurteilung [Fremdakten act. 124]) teilte die Suva dem
Versicherten am 17. Mai 2017 mit, dass die temporären Leistungen (Heilbehandlung
und [volles] Taggeld) per Ende Juni 2017 eingestellt würden (Fremdakten act. 127). Mit
Verfügung vom 13. Juni 2017 sprach sie dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad
von 20% eine entsprechende Rente und bei einer Integritätseinbusse von 20% eine
Integritätsentschädigung von Fr. 25'200.-- zu (Fremdakten act. 131). Diese Verfügung
blieb unangefochten (IV-act. 135).
Mit Vorbescheid vom 14. November 2017 stellte die IV-Stelle einen befristeten
ganzen Rentenanspruch von September 2013 bis und mit Dezember 2014 in Aussicht.
In der Folge bestehe bei einem Invaliditätsgrad von 21% kein Rentenanspruch mehr
(IV-act. 139). Dagegen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Markus
Schultz, St. Gallen, am 18. Dezember 2017 Einwand erheben (IV-act. 141). Am 19.
Februar 2018 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 145).
A.f.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 9. April
2018. Der Rechtsvertreter des Versicherten (nachfolgend: Beschwerdeführer)
beantragte darin, dass die Verfügung vom 19. Februar 2018 aufzuheben und dem
Beschwerdeführer ab 1. September 2013 bis zum Abschluss des Arbeitsversuchs,
mithin bis am 30. Juni 2017, eine ganze Rente zuzusprechen sei. Es sei dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Mai 2018 beantragte die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.b.
Mit Verfügung vom 29. Mai 2018 wurde dem Gesuch des Beschwerdeführers um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege, umfassend die Befreiung von den
Gerichtskosten und die unentgeltliche Rechtsverbeiständung, entsprochen (act. G 6).
B.c.
In der Replik vom 28. August 2018 liess der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen festhalten (act. G 9).
B.d.
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Erwägungen
1.
Zur Beurteilung steht ein (befristeter) Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
2.
Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G
13).
B.e.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn
sie mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50%
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40% ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
2.3.
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3.
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte
Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der
freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. April 2011, 8C_73/2011, E. 4.1).
2.4.
Letztlich ist einzig streitig, wie lange der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
befristete Rente hat. Während die Beschwerdegegnerin eine ganze IV-Rente von
September 2013 bis Dezember 2014 gesprochen hat, beantragt der Beschwerdeführer
eine ganze IV-Rente von September 2013 bis und mit Juni 2017. Zu Recht unbestritten
ist zum einen, dass der Rentenbeginn auf den 1. September 2013 fällt (Art. 28 Abs. 1
und Art. 29 Abs. 1 IVG) und zum andern, dass spätestens ab 1. Juli 2017 kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad (unter 40%) mehr vorliegt. Ein gegenüber der
Unfallversicherung erhöhter Invaliditätsgrad aufgrund zusätzlicher unfallfremder
Beeinträchtigungen steht auf jeden Fall nicht im Raum.
3.1.
Zu prüfen ist damit ein allfälliger Rentenanspruch über das Jahr 2014 hinaus. Ein
solcher wäre grundsätzlich zu verneinen, wenn bereits per 1. Januar 2015 gestützt auf
die (medizinische) Aktenlage eine rentenausschliessende medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten vorgelegen hätte.
3.2.
Der (medizinische) Sachverhalt präsentiert sich wie folgt: Der Beschwerdeführer
wurde nach dem Unfall vom 11. Mai 2012 mehrfach am linken Unterschenkel operiert,
letztmals am 3. Januar 2014 (vgl. vorstehende lit. A.a). Mit Arztbericht vom 14. März
3.3.
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4.
2014 konnte Dr. B._, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, KSSG, noch keine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung abgeben, da der
Heilungsverlauf noch nicht abgeschlossen war (IV-act. 79-4). Am 22. September 2014
wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der Suva kreisärztlich untersucht. Dr. C._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
FMH, kam dabei mit Beurteilung desselben Tages zum Schluss, dass aufgrund der
durchgeführten Metallentfernung sowie anschliessenden Langzeitantibiotikatherapie
der Infekt ausgeheilt scheine und keine zusätzlichen therapeutischen Massnahmen
angezeigt seien. Die behandelnden Ärzte sollten das weitere Prozedere beurteilen und
entscheiden, ob ein operativer Eingriff in Form einer OSG-Arthrodese durchführbar sei
(Fremdakten act. 12-5). In der Folge persistierten die Beschwerden, welche letztlich als
bewegungs- und belastungsabhängige Schmerzsymptomatik des linken Rückfusses
bei posttraumatischer, postinfektiöser fortgeschrittener OSG-Arthrose links
diagnostiziert wurden (Fremdakten act. 84-7), zwar weiter und der Beschwerdeführer
suchte in unregelmässigen Abständen immer wieder Ärzte auf (vgl. Arztberichte in
Fremdakten act. 13, 22 f., 28, 36, 62, 67-3); der Infekt war aber ausgeheilt, ein weiterer
Eingriff wurde nicht vorgenommen (vgl. vorstehende lit. A.d) und es sind keine
Anhaltspunkte vorhanden, dass sich der Gesundheitszustand seit der ersten
kreisärztlichen Untersuchung vom 22. September 2014 erwerbsrelevant verändert
hätte. Solche liefern weder die erwähnten Arztberichte noch die zweite kreisärztliche
Beurteilung vom 28. Juni 2016 (Fremdakten act. 84). Der Beschwerdeführer selbst
berichtete am 7. Dezember 2015 von einem mehr oder weniger unveränderten Zustand
(Fremdakten act. 59-1). Gestützt auf das Gesagte ist damit bereits per September 2014
von demjenigen Invaliditätsgrad auszugehen, den die Suva per 1. Juli 2017 festgelegt
hat (20%; vgl. Fremdakten act. 131). Damit besteht grundsätzlich – entsprechend der
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 19. Februar 2018 (IV-act. 145) – ab 1. Januar
2015 (vgl. dazu Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR
831.201]) kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente. Bereits ab diesem Zeitpunkt war
es dem Beschwerdeführer medizinisch-theoretisch zumutbar, ganztags sitzende,
körperlich leichte Tätigkeiten unter Einhaltung zusätzlicher Pausen verteilt über den Tag
von rund einer Stunde sowie mit der Möglichkeit, den linken Fuss hoch zu lagern,
auszuführen (vgl. dazu Fremdakten act. 84-6, 143).
Der Beschwerdeführer lässt ausführen, dass eine ganze Rente aufgrund des
seitens der Suva – in Kenntnis und Einverständnis mit der Beschwerdegegnerin –
geführten Arbeitsversuches bis Ende Juni 2017 hätte gewährt werden müssen, selbst
4.1.
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wenn er bereits per September 2014 zu 80% erwerbsfähig gewesen wäre. Er sei seiner
Schadenminderungspflicht nachgekommen bzw. es sei ihm durch den Arbeitsversuch
nicht möglich gewesen, einer adaptierten Tätigkeit nachzugehen. Die
Beschwerdegegnerin müsse im Rahmen der notwendigen Koordination den
Arbeitsunfähigkeitsgrad der Suva bis zum Abschluss des Arbeitsversuchs übernehmen
(act. G 1 S. 7 ff., G 11 S. 2 f.).
Beim genannten Arbeitsversuch handelte es sich nicht um eine
Eingliederungsmassnahme, welche unter Anleitung und mit Begleitung von der Suva
initiiert wurde (vgl. Fremdakten act. 79-2). Der Beschwerdeführer hat Ende des Jahres
2015 aus eigenen Stücken begonnen, in selbständiger Tätigkeit Haushaltsgeräte zu
reparieren (Fremdakten act. 59-2, IV-act. 110). Auch die Suva deklarierte diese
Tätigkeit nicht als Eingliederungsmassnahme, sondern als nicht adaptierte
Beschäftigungstherapie (vgl. wiederum Fremdakten act. 79-2) und schloss den Fall
lediglich in der Annahme, dass noch eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands zu erwarten war, und nicht, weil der Beschwerdeführer sich in
einer beruflichen Eingliederungsmassnahme befand, erst per Ende Juni 2017 ab. Zum
damaligen Zeitpunkt war diese Annahme zufolge der noch bestehenden
Operationsoptionen denn auch nicht falsch; rückwirkend betrachtet indes schon, kam
es doch – wie erwähnt – zu keinen weiteren Operationen und zu keiner wesentlichen
Veränderung des Gesundheitszustands mehr. Insbesondere gelang eine
"Eingliederung" auch nicht aufgrund des "Arbeitsversuchs", wie es der
Beschwerdeführer geltend macht (act. G 1 S. 8), und es wäre ihm bereits ab
September 2014 möglich und zumutbar gewesen, in adaptierter Tätigkeit zu arbeiten.
Warum die Suva das volle Taggeld gestützt auf eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (im
angestammten Beruf) ausgerichtet und keine Anpassung bei möglichen adaptierten
Tätigkeiten – nach einer Übergangsfrist – vorgenommen hat, ist in diesem Verfahren
nicht von Relevanz. Daraus kann der Beschwerdeführer jedenfalls nichts zu Gunsten
seiner invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche ableiten. Zusammengefasst ist
festzuhalten, dass es sich bei der selbständigen Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht
um eine berufliche Eingliederungsmassnahme im Sinne eines Arbeitsversuchs
handelte, welche die Annahme einer andauernden Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen
Tätigkeiten in Abweichung der medizinischen Aktenlage (vgl. vorstehende E. 3.3) und
damit eine verlängerte Rentendauer rechtfertigen würde.
4.2.
Letztlich beruft sich der Beschwerdeführer implizit auf den Vertrauensschutz.
Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, welcher den Bürger in seinem
berechtigten Vertrauen in behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte
4.3.
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von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen
Recht abweichende Behandlung des Rechtsuchenden gebieten. Gemäss
Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten
Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die
Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende
Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; 3.
wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte;
4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat,
die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und 5. wenn die
gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (BGE 131
V 480 f. E. 5).
Zu prüfen ist vorab, ob überhaupt eine falsche Auskunft seitens der
Beschwerdegegnerin vorlag. Missverständlich mutet der mehrfache Hinweis der
Beschwerdegegnerin darauf an, dass das Verfahren mit der Suva koordiniert werde
und die Abklärungen des Unfallversicherers abgewartet würden, bevor ihrerseits ein
Rentenentscheid ergehe (IV-act. 87, 109). Auch das lange Zuwarten mit dem
Rentenentscheid bei Argumentation, dass dieser erfolge, sobald ein annähernd
stabilisierter Gesundheitszustand vorliege (vgl. wiederum IV-act. 87), trug nicht zur
Klarheit bei. Die erwähnte Koordination mit der Suva bezog sich aber nur auf die
Berücksichtigung der von dieser erhobenen medizinischen Akten, was für den
anwaltlich vertretenen Beschwerdeführer erkennbar sein musste. So wurde dem
Beschwerdeführer auch nie ausdrücklich mitgeteilt, dass unbesehen auf die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen der Suva abgestellt und folglich eine (befristete) Rente
gesprochen werde. Damit konnte er sich aber auch nicht darauf verlassen, dass die
Beschwerdegegnerin entsprechend vorgehen werde, zumal ihm schon früh klar sein
musste, dass zwar die angestammte Tätigkeit bzw. die damit verbundenen
Belastungen nach dem Unfall bei den verbliebenen Restfolgen nicht mehr zumutbar
sein werden, dass aber durchaus die Erwartung besteht, er werde bei diesem
Beschwerdebild jedenfalls eine adaptierte Tätigkeit in einem relevanten Pensum
verrichten können (vgl. IV-act. 76). Eine rechtlich geschützte Vertrauensstellung
scheitert folglich bereits am Fehlen einer falschen Auskunft der Beschwerdegegnerin
und ein längerer befristeter Rentenanspruch unter dem Titel Vertrauensschutz, in
Abweichung vom materiellen Recht, besteht nicht. Eine Prüfung der übrigen
Voraussetzungen erübrigt sich damit. Selbst wenn man aber die Vertrauensgrundlage
zugunsten des Beschwerdeführers nicht verneinen wollte, scheiterte dessen
erfolgreiches Anrufen am nicht rechtsgenüglichen Nachweis einer im Glauben, die
4.4.
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5.