Decision ID: 8404d584-6e25-44a2-abbf-f6f0e70618c4
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 197
4 geborene X._
war seit dem 1. November 2016 als
Logistiker
bei der Y._
AG
angestellt und
über die Arbeitgeberin
bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Scha
denmeldung vom 3. Oktober 2019 teilte die Arbeitgeberin mit, der Versicherte habe am 2. September normal gearbeitet, sei nach Hause gegangen und habe zu Hause Schmerzen
in der Schulter und der Halswirbelsäule
verspürt;
er
habe
Schmerzmittel eingenommen. Am nächsten Morgen habe er starke Schmerzen gehabt und nicht aufstehen können, weshalb er sich bei seinem Hausarzt gemelde
t habe;
bis am 6. September 2019
sei er noch
krank gewesen (Urk. 8/1).
Am 9. September 2019 wu
rde im Universitätsspital Z._
ein MRI der Halswi
rbelsä
ule erstellt (Urk. 8/12) und dem
Versicherte
n
durch
Dr.
med. A._
, Assistenzarzt, unfallbedingt bis am 15. September 2019
eine Arbeitsun
fähigkeit attestiert (Urk. 8/16).
Der Versicherte wurde
vom 1
3.
bis 16.
September 2019 nach notfallmässiger Zuweisung der Hausärztin bei N
ackenschmerzen seit drei Wochen
stationär im Spital B._
zwecks Physiotherapie und Analgesie
behandelt
(Urk. 8/15).
Am 17. September 2019 fand eine Erstkonsultation in der Universitätsklinik
C._
statt (Urk. 8/11).
Nach Einholung kreisärztlicher Stellungnahmen (Urk. 8/32, 8/41
, 8/74
) verneinte die Suva mit
Verfügung
vom
11. August 2020
ihre Leistungspflicht mit der Begründung, aus den Schilde
rungen des Sachverhaltes sowie
den
medizinischen Unterlagen
und der kreis
ärztlichen Beurteilung
gehe hervor, dass die Beschwerden an der rechten Schulter und der Halswirbelsäule
nicht
auf einen Unfall oder eine unfallähnliche Körper
schädigung zurückzuführen
seien
(Urk. 8/
79
).
Die dagegen erhobene Einsprache des Versicherten vom 7. September 2020 (Urk. 8/84) wies die Suva mit Entscheid vom 13. November 2020 ab (
Urk.
2 [= Urk. 8/87]).
2.
2.1
Dagegen liess der Versicherte am 10. Dezember 2020 Beschwerde erheben und beantragen, es sei der
Einspracheentscheid
vom 13. November 2020 aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen und allfällige vertraglichen Leistungen zuzu
spre
chen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 8. Januar 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Einreichung einer umfassen
den Beschwerdeantwort
und schloss auf Abweisung der Beschwerde
(Urk. 7). Mit Verfügung vom 11. Januar 2021 wurde dem Beschwerdeführer dies zur Kenntnis gebracht und
von der Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels abgesehen (Urk. 9).
Der Be
schwerdeführer liess sich in der Folge nicht mehr vernehmen.
2.2
Auf telefonische Aufforderung
(vgl. Urk. 10)
reichte die Beschwerdegegnerin
die Akten betreffend den Schadenfall-Nr. 25.20924.19.4
des Beschwerdeführers
vom 1. Juni 2019 als Urk. 12/1-8 zu den Akten.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen K
örper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
1.3.1
Nach der Rechtsprechung bezieht sich
das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktor
s, sondern nur auf diesen selbst
. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er – nach einem objektiven Massstab – den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ausschlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelt
ein
wirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.1 und E. 4.3.1 mit
Hinweis
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E. 4.2 mit Hinweisen
).
1.3.2
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam «programmwidrig» beeinflusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor
zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aus
sen
welt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein unge
wöhnlicher Faktor (
Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf
BG
E 130 V 117 E. 2.1
). Ohne besonderes Vorkommnis ist bei einer Sportverletzung das Merkmal der Ungewöhnlichkeit und damit das Vor
liegen eines Unfalles zu verneinen (BGE 130 V 117 E. 2.2 mit Hinweis)
.
1.4
Seit dem Inkrafttreten der Revision des UVG und der dazugehörigen Verordnung
über die Unfallversicherung
(UVV) per 1. Januar 2017 ist das Bestehen einer vom Unfallversicherer zu übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung nicht länger vom Vorliegen eines äusseren Ereignisses abhängig. Die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 UVG genannte Körperschädigung vorliegt, führt zur Ver
mutung, dass es sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung handelt, die vom Unfallversicherer übernommen werden muss. Dieser kann sich aber von der Leistungspflicht befreien, wenn er beweist, dass die Körperschädigung vor
wiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen ist (Zusatzbotschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [Unfallversicherung und Unfallverhütung; Organisation und Nebentätigkeiten der Suva] vom 19. September 2014,
BBl
2014 7922 7934 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
im Wesentlichen damit, dass
in den diversen ärztlichen Berichten vom September 2019 und in der Schadenmeldung vom 3. Oktober 2019 noch über kein bestimmtes Ereignis, das die Beschwerden ausgelöst haben könnte, berichtet wurde. Sodann
habe der Be
schwerdeführer unterschiedliche
Angaben bezüglich des Begin
ns der Beschwer
den gemacht
.
Erst am 10. Oktober 2019 habe
er über ein bestimmtes Ereignis am
3.
September 2019 berichtet. Für die unterschiedlichen Sachverhaltsangaben seien keine Erklärungen ersichtlich, weshalb die Angaben des Beschwerdeführers
nicht glaubwürdig
erscheinen würden. Des Weiteren könne das später vom Be
schwerdeführer als Auslöser der Beschwerden genannte Heben und Tragen eines Pakets von 15 Kilogramm oder eines sonstigen «schweren» Paktes nicht als unge
wöhnlich für einen Logistikmitarbeiter gelten. Der Unfallbegriff sei nicht erfüllt. Ärztlicherseits sei auch keine Listendiagnose gemäss Art. 6
Abs.
2 UVG gestellt worden, so
dass auch gestützt darauf kein Anspruch auf Versicherungsleistungen bestehe (Urk. 2 S. 5).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, es sei am 3. September 2019 beim Bewegen eines schweren Paketes zu extremen Schulter- und HWS-Beschwerden gekommen. Deswegen habe er sich am 9. September 2019 in ärzt
liche Behandlung begeben. Der Unfallhergang sei durch die Beschwerdegegnerin nicht weiter erforscht worden. Aufgrund von
Art.
43 ATSG wäre es ihre ge
setzliche Pflicht, den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären. Dieser Pflicht sei sie nicht nachgekommen und habe
damit
Bundesrecht verletzt.
Er gehe bei seinen Beschwerden von Unfallfolgen aus, weshalb er mit dem Entscheid nicht einver
standen sei (
Urk.
1 S. 4).
3.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Unfall im Rechtssinne sowie eine unfallähnliche Körperschädigung verneint und gestützt darauf eine Leistungspflicht abgelehnt hat.
Vorab ist festzuhalten, dass
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens der
Einspracheentscheid
vom 13. November 2020
ist
.
Dieser stützt sich auf Art. 52 ATSG und betrifft allein die Leistungen nach dem UVG. Dementsprechend ist an dieser Stelle auch nur über diese Leistungen zu befinden. Soweit der Be
schwerdeführer beantragt, ihm seien auch «allfällige vertraglichen Leistungen» zuzusprechen (Urk. 1 S. 2
)
, kann darauf nicht eingetreten werden.
4.
4.1
Gemäss Schadenmeldung vom 3. Oktober 2019 arbeitete der Beschwerdeführer am 2. September 2019 den ganzen Tag normal und ging am Abend nach Hau
se. Zu Hause habe er Schmerzen v
e
r
spürt und Schmerzmittel eingenommen. Am nächsten Tag habe er wegen den starken Schmerzen nicht aufstehen und zur Arbeit gehen können. Er sei zu seinem Hausarzt gegangen und noch bis am 6. September 2019 krank gewesen (Urk. 8/1).
4.2
Am
9.
September 2019 wurde im Z._
ein MRI der Halswirbelsäule (HWS) ange
fertigt, wobei mässige
Bandscheibenprotrusionen
HWK 3-6, eine diskrete Retro
spondylose sowie eine konsekutiv mittelgradige Einengung der
Neuroforamina
HWK 4/5 und 5/6 beidseits festgestellt wurden. Gemäss Beurteilung von
Dr.
med. D._
, Facharzt Radiologie und Diagnostische Neuroradio
logie, sei eine Tangierung der Nervenwurzeln C5/6 beidseits möglich, jedoch keine
ein
deutige Nervenkompression. Eine relevante Spinalkanalstenose, ein pathologisches
Myelonsignal
wie auch eine pathologische KM-Aufnahme oder eine Raumforderung konnten verneint werden (Urk. 8/12). Gemäss gleichentags erstelltem Kurzbericht vom
9.
September 2019 di
agnostizierten die Ärzte des Z._
ein
cervikoradikuläres
Schmerz-
und Reizsyndrom rechts im Rahmen einer mässi
ge
n
Bandscheibenprotrusion
. Anamnestisch würden die rechtsseitigen Schulter
schmerzen seit zwei Wochen ohne
eruierbaren
Auslöser bestehen (Urk. 8/13/1).
Gemäss A
ustrittsbericht des Spitals B._ und E._
vom 16. September 2019 wurde der Beschwerdeführer vom 1
3.
bis 16. September 2019 hospitalisiert. Als Diagnosen führten die Ärzte ein
cervikoradikuläres
Schmerz- und Reiz
syndrom rechts sowie eine
Polyglobulie
unklarer Genese auf. Der Beschwerde
füh
rer sei am 9. September 2019 notfallmässig durch die Hausärztin bei Nacken
schmerzen seit drei Wochen zugewiesen
und
aufgrund des
cervikoradikulären
Schmerzsyndroms zwecks Physiotherapie und Analgesi
e stationär aufgenommen worden
(Urk. 8/15).
4.
3
Gemäss
Anamnese im
Bericht
der Universitätsklinik
C._
vom 17. September 2019
habe
der Beschwerdeführer seit drei Monaten an ausstrahlenden Schmerzen von zervikal über die rechte
Scapula
in den dorsalen Ober- und Unterarm
gelitten
. Sodann habe er über Sensibilitätsstörungen der radialen drei Finger berichtet.
Dem Beschwerdeführer
sei auch eine ausgeprägte Einschränkung der rechten Armbeweglichkeit aufgefallen. Vier Monate zuvor habe er einen grippalen Infekt mit hohem Fieber gehabt sowie vor zweieinhalb Monaten bei einem Motor
rad
unfall ein zusätzliches Trauma der rechten Schulter erlitten. Seit vier Jahren sei er in
der Logistik bei der Y._
tätig
und müsse täglich drei- bis achttausend Pakete von jeweils fünf bis zehn Kilogramm auf ein Förderband heben.
Dr.
med. F._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates, diagnostizierte eine schmerzhafte sensorische C6
Radikulopathie
linksseitig bei
Diskusprotusion
C3-6 und
neuroforaminaler
Enge C5/6 beidseits. Es bestehe ein Verdacht auf
Frozen
Shoulder
rechts (Urk. 8/11).
Mit Bericht vom
5. Dezember 2019 führte
der Oberarzt der Orthopädie der Universitätsklinik
C._
,
Dr.
med. G._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des
Bewegungsapparates, unklare Schulterschmerzen rechts bei
Scapuladys
kinesie
rechts mit sekundärer
subacromialer
Bursitis und
Verhebetrauma
Schulter rechts sowie eine chronische
Radikulopathie
C6 und C7 rechts bei
neurofo
ra
minaler
Enge C5/6 beidseits auf. Von Seiten der Schulter habe sich eine Besserung gezeigt, unverändert
würden
jedoch Beschwerden im Bereich der
Scapula
, teil
weise auch im lateralen Oberarm proximal
bestehen
. Der Beschwerdeführer habe von progredientem Kraftverlust der rechten
Hand
berichtet, weshalb er eine nochmalige wirbelsäulenchirurgische Beurteilung wünsche (Urk. 8/39).
Gemäss Bericht
derselben Klinik
vom 12. Mai 2020 fand im September 2019 eine Infi
l
tration der Nervenwurzel C6 rechts statt, welche zu einer 50%igen
Schmerzre
gredienz
geführt habe. Neue Diagnosen wurden nicht gestellt. Klinisch-neuro
logisch
habe
sich eine periphere
radikuläre
oder andere neurogene Störung nicht nachweisen
lassen
(Urk. 8/69).
4.4
Am 10. Oktober 2019 wurde der Beschwerdeführer telefonisch zum Unfall
he
r
gang befragt. In der Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin wurde notiert, der Beschwerdeführer arbe
ite bei der Y._
in der Logistik. Er habe beim Arbeiten eine falsche Bewegung gemacht, als er ein Paket habe zu Boden bringen wollen. Er habe einen Schmerz verspürt. Am 2
8.
Oktober 2019 habe er die Arbeit wieder zu 50 % aufnehmen können (Urk. 8/2). Gemäss Telefonnotiz vom 21. Oktober 2019 teilte der Beschwerdeführer mit, er habe am Ereignistag ein schweres Paket von 15 Kilogramm Gewicht gehoben und sofort Schmerzen verspürt. Im Sommer habe er einen Motorradunfall gehabt, er sei angefahren worden. Seit diesem Tag habe er bereits Beschwerden im Schulterbereich rechts und im Rücken gehabt. Er müsse täglich viertausend bis achttausend Pakete heben (Urk. 8/22).
4.5
Die Hausärztin
Dr.
med. H._
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin, notierte im Arztzeugnis vom 15. Oktober 2019
die Erstbehandlung habe am 3.
beziehungsweise 1
3.
September 2019 stattgefunden. Ein Unfallereignis sei ihr nicht bekannt (Urk. 8/10).
Mit gleichentags datiertem Arztzeugnis (Eingang 1
4.
November 2019) ergänzte
Dr.
H._
, anamnestisch sei es vor circa zweiein
halb Monaten zu einer Kontusion Schulter rechts nach einem Motorradunfall vom 1. Juni 2019 gekommen. Die erhobenen Befunde seien nicht mit dem geltend gemachten Ereignis vereinbar und würden nicht plausibel erscheinen. Nach ihrem Wissen habe am 3. September 2019 kein Unfall stattgefunden. Es sei
aber
am 1. Juni 2019 beim Parkieren mit dem Motorrad zu einem Sturz gekommen. Die aktuellen Beschwerden könnten durch dieses Ereignis
«
aggraviert
»
worden sein (Urk. 8/31).
4.6
Am 15. November 2019 nahm
Kreisarzt med.
pract
. I._
, Facharzt Chirurgie
,
Stellung. Er kam aufgrund der erhobenen Befunde an der rechten Schulter zum Schluss, dass keine Listendiagnose gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG aus
gewiesen
sei
. Es liege vielmehr eine Symptomatik basierend auf Bandschei
ben
veränderungen im Halswirbelsäulenbereich zugrunde (Urk. 8/32/1). Am 10. Dezem
ber 2019 ergänzte der Kreisarzt, die Behandlungsdiagnose würde sich auf degenerative Veränderungen im Bereich der HWS beziehen, die zu einem neurologischen Ausfall im Arm- und Schulterbereich führen würden. An der Schulter selber bestehe kein
behandlungsbedürftiger
Befund von Krankheitswert (Urk. 8/41).
In der ärztlichen Beurteilung vom 15. Juli 2020 bestätigte Kreisarzt
I._
, die gestellte Diagnose einer chronische
Radikulopathie
C6 und C7 rechts bei
neurof
orami
naler
Enge C5/C6 beidseits bei
Disusprotrusion
C3-6 sei nach
vollziehbar und belegt. Dabei handle es sich nicht um eine i
n Art. 6 Abs. 2 UVG aufgeführte
Listendiagnose (Urk. 8/74).
4.7
Am 20. Januar 2020 wurde der Beschwerdeführer im Zentrum für Chirurgie der Wirbelsäule und Skoliose bei
der Fachärztin für Neurologie
J._
vorstellig. Als Diagnosen
wurde
n
eine neuralgische
Schulteramyotrophie
rechts
(
Parsonage
-
Turner-Syndrom) sowie mehrsegmentale degenerative Verände
rungen
der Halswirbelsäule mit
Foramenstenosen
C4/5 und C5/6 beidseits genannt. Aus dem Bericht geht hervor, das Schmerzsyndrom der Schulter rechts sei am 3. September 2019 aufgetreten. Der Beschwerdeführer könne sich daran erinnern, mit heftigen Schulterschmerzen rechts aufgewacht zu sein. Zunächst habe die Behandlung in der Universitätsklinik
C._
stattgefunden. Im Verlauf sei d
er Arm zunehmend steif geworden, mit der nun durchgeführten Therapie könne der Beschwerdeführer langsam aber sicher den Arm wieder besser bewegen. In erster Linie habe sich die Symptomatik durch die Therapie mit Tabletteneinnahme von Cortison gebessert. Die Schmerzen seien hierdurch deutlich rückläufig gewesen und der Arm könne besser bewegt werden (Urk. 8/67).
4.8
Dr.
med. K._
, Facharzt Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
Klinik
L._
,
notierte im Bericht vom 1. Juli 2020, der Beschwerdeführer sei seit Oktober 2019 wegen dem
cervicoradikulären
Schmerz- und Reizsyndrom C6 rechts bei ihm in Behandlung. Dieses sei am 3. September 2019 bei der Arbeit beim Anheben eines schweren Paketes ausgelöst worden. Es würden weiterhin persistierende Beschwerden im Rahmen dieses Ereignisses bestehen. Er sehe einen direkten Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallgeschehen und den heute noch anhaltenden Beschwerden (Urk. 8/71).
5.
Vorab ist zu prüfen, ob ein Unfallereignis
im Sinne von Art. 4 ATSG
vorliegt.
5.1
In
sachverhaltlicher
Hinsicht liegen bezüglich des umstrittenen Ereignisses unter
schiedliche Darstellungen bei den Akten.
In der Schadenmeldung vom 3. Oktober 2019 sind keine Angaben bezüglich eines Unfallereignisses vom September 2019 enthalten.
Die Meldung erfolgte am 3. Oktober 2019
(E. 4.1)
, mithin einen Monat nach dem geltend gemachten Ereignis.
D
ie
erst
behandelnde Ärztin
Dr.
H._
er
klärte
sodann
, ihr sei
kein Unfall bekannt. Mit ergänzendem
Arztbericht bestä
tigte
Dr.
H._
zwar, dass der Beschwerdeführer
einen
Motorradunfall
vom
1.
J
uni 2019 erwähnt
habe
,
nach ihrem Wissen habe aber am 3. September 2019 kein Unfall stattgefunden (E. 4.5
)
.
Sod
ann geht aus dem Bericht des Z._
vom 9. September 2019 hervor, dass kein
erui
erbarer
Auslöser bestehe (E. 4.2
).
Betref
fend das Ereignis vom 3. September 2019 machte der Beschwerdeführer erstmals im Telefongespräch vom 10. Oktober 2019 geltend, er habe beim Tragen eines Pakete
s einen Schmerz verspürt (E. 4.4
).
Unabhängig davon, ob das erstmals am 1
0.
Oktober 2019 geltend gemachte
Verhebetrauma
den Unfallbegriff erfüllen würde, was rechtsprechungsgemäss nur bei einem ganz ausserordentlichen Kraft
auf
wand in Betracht fällt
(BGE 116 V 136 E. 3b
), welcher beim blossen Tragen eines Pakets
von zirka 15 kg
kaum anzunehmen wäre, lassen die zeitnahen Anga
ben des Beschwerdeführers zum Auftreten der Beschwerden und deren Anlass den Schluss auf einen ungewöhnlichen äusseren Faktor nicht zu.
Aufgrund der Angaben
von
Dr.
H._
sowie
der behandelnden Ärzte des Z._
und
de
n
Angaben in der
Unfallmeldung ist unter Berücksichtigung, dass die Gerichte im Bereich des Sozialversicherungsrechts in der Regel auf die «Aussagen der ersten Stunde» abstellen, denen in
beweismässiger
Hinsicht
grösseres
Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Über
legungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE
121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis), ein Unfallereignis ni
cht über
wiegend wahrscheinlich. Die Beschwerdegegnerin verneinte einen
am 3. Septem
ber 2019 erlittenen
Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG zu Recht.
Im Übrigen ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin i
n Bezug auf das Ereig
nis vom 1. Juni 2019 betreffend Schadenfall-Nr. 25.20924.19.4 mit
unwider
spro
chenem
Schreiben vom 13. Dezember 2019 (Urk. 8/42) einen Rückfall verneinte (Urk. 12/1-8). Gemäss Schadenmeldung vom 12. Juni 2019 wurde der Beschwer
de
führer auf einem Parkplatz von einem Auto angefahren. Als Verletzung wurde
einzig
eine Entzündung im Unterschenkel links notiert
;
anderweitige gesund
heitliche Störungen sind dem Schadendossier nicht zu entnehmen
(Urk. 12/1). Ein Kausalzusammenhang zwischen der Unterschenkelentzündung und den vorlie
gend geklagten Beschwerden ist nicht ersichtlich und wurde vom Beschwerde
fü
h
rer auch nicht geltend gemacht. Mithin ist
nicht zu beanstanden, dass die
Beschwerdegegnerin einen Rückfall verneinte.
Weiterungen hierzu erübrigen sich
.
5.2
Soweit
der Beschwerdeführer geltend macht, die Beschwerdegegnerin habe in Verletzung ihrer Untersuchungspflicht den Sachverhalt ungenügend abgeklärt (Urk.
1 S. 4)
, kann ihm nicht gefolgt werden.
Praxisgemäss sind die einzelnen
Umstände des Unfallgeschehens von der versicherten Person glaubhaft zu machen
. Kommt sie dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines unfallmässigen Scha
dens als unglaubhaft erscheinen lassen, besteht keine Leistungspflicht des Unfall
versicherers.
Ist
das Vorliegen eines Unfallereignisses nicht wenigstens mit Wahr
scheinlichkeit erstellt – die blosse Möglichkeit genügt nicht –, so hat dieses als unbewiesen zu gelten, was sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt (BGE 116 V 136 E. 4b, 114 V 298 E. 5b; Urteil des Bundesgerichts 8C_358/2016 vom 28. September 2016 E. 3.4 mit Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin war bei dieser Aktenlage nicht verpflichtet, weitere Sachverhaltsabklärungen zu tätigen; eine Verletzung von Bundesrecht liegt nicht vor.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin infolge einer unfallähnlichen Körperschädigung
im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG
leistungspflichtig ist.
6.2
Die Beschwerdegegnerin verneinte eine Leistungspflicht
in diesem Zusammen
hang
mit der Begründung
,
es liege
keine Listendiagnose im Sinne dieses Artikels vor (Urk. 2 S. 5).
Sowohl die
behandelnden Ärzte
als auch der Kreisarzt
führen die Beschwerden auf eine
chronische
Radikulopathie
C6 und C7 rechts bei
neuro
foramonaler
Enge C5/C6 beidseits bei
Diskusprotrusion
C3-6
respektive ein
Par
so
nage-Turner-Syndrom
, eine neurologische Erkrankung unbekannter Ursache,
(E. 4.
2
-4.
3, 4.6-4.8
)
zurück
.
Eine Listenverletzung wurde fachärztlich nicht dia
gnostiziert
, was vom Beschwerdeführer denn auch nicht substantiiert geltend ge
macht wurde
,
weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht eine Leistungspflicht aufgrund einer unfallähnlichen Körperschädigung verneinte.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass
weder ein Unfalle
reignis im Sinne von Art. 4 ATSG
erstellt werden konnte
, noch die Voraussetzungen für die Bejahung einer unfallähnlichen Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG erfüllt sind. Die Beschwerdegegnerin hat den Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung
demnach zu Recht verneint, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist
, soweit darauf einzutreten ist.