Decision ID: fef2bbb8-d5d6-40b6-98b3-41166f4fe803
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) Am 7. September 1982 erteilte der Gemeinderat Z._ C._,
Y._, die Baubewilligung für den Neubau einer Lagerhalle (anstelle
der vorbestehenden Baute Vers.-Nr. 001) auf dem damaligen Stamm-
grundstück Nr. 002, Grundbuch Z._, am M._weg in Y._. Nach
dem damals geltenden Zonenplan der Gemeinde Z._ befand sich
das Grundstück im übrigen Gemeindegebiet, weshalb die
Baubewilligung der Zustimmung der zuständigen kantonalen Stelle
bedurfte. Mit Verfügung vom 7. Oktober 1982 erteilte das damals dafür
zuständige Amt für Wasser- und Energiewirtschaft (AWE) die
Zustimmung zum Lagerhallenneubau. Dabei ging das AWE unter
Abschnitt II Ziff. 2 der besonderen Bedingungen davon aus, dass der
Neubau ausschliesslich als Lagerhalle für Holz und Isoliermaterialien
verwendet wird, keine Bodenabläufe versetzt und innerhalb wie
ausserhalb der Baute keine Wasseranschlüsse installiert werden.
b) In der Folge erwarben D._, Y._, das inzwischen vom
Stammgrundstück Nr. 002 abparzellierte Grundstück Nr. 003 mit der
inzwischen erstellten Lagerhalle Vers.-Nr. 004. Bei den beiden Erwer-
bern handelte es sich um ein Landwirteehepaar, welches mit Bauge-
such vom 2. September 2002 beim Gemeinderat Z._ beantragte, an
der Lagerhalle Vers.-Nr. 004 ein Vordach anzubauen, um darunter
Heu und Stroh zu lagern. Mit Bewilligung vom 22. April 2004 erteilte
der Gemeinderat Z._ die nachgesuchte Baubewilligung. Aus der Zu-
stimmungsverfügung des damals dafür zuständigen Amtes für Raum-
entwicklung (ARE) vom 12. Dezember 2003 ergibt sich, dass das ARE
dabei vom Sachverhalt ausging, dass die Lagerhalle Vers.-Nr. 004, die
inzwischen von den Landwirten an ein Gewerbeunternehmen vermie-
tet war, nach wie vor ähnlich genutzt wurde wie zum Zeitpunkt ihrer
Erstellung, nämlich als Lagerhalle für Isolations- und Baustoffe.
c) Seit 20. Dezember 2018 ist die B._, Y._, Eigentümerin des
Grundstücks Nr. 003 mit Lagerhalle Vers.-Nr. 004. Das Grundstück
liegt gemäss geltendem Teilzonenplan "M._-X._" der Gemeinde
Z._ vom 14. Mai 2010 inzwischen in der Wohn-Gewerbezone für
dreigeschossige Bauten (WG3). In der Lagerhalle betreibt die Grund-
eigentümerin seit November des Jahres 2018 eine Landmaschinen-
werkstatt und einen Baumaschinenhandel. Gemäss der eigenen
Homepage bietet sie in der Halle Vers.-Nr. 004 Service, Reparaturen,
Wartung und Umbauten von Bau- und Landmaschinen an.
B.
a) Mit Baugesuch vom 28. Juni 2019 beantragte die B._ beim
Gemeinderat Z._ die Baubewilligung (im vereinfachten Verfahren)
für den Umbau der Lagerhalle in ein Werkstatt-Gebäude. Nach dem
Plan "Werkstatt-Gebäude" (Massstab 1:100 vom 27. Juni 2019) soll-
ten an der Südwestfassade ein 5 m x 4,5 m grosses Schiebetor und
eine 3 m x 1,5 m grosse, dreifach verglaste Fensterfront eingebaut
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 3/17
werden. Zudem sollte mitten durch die Halle eine rund 18 m lange
Wand gezogen werden, welche das Gebäude in zwei gleich grosse
Werkstatträume zu je 200 m2 trennt, wobei der eine Raum mit isolierter
Gebäudehülle erstellt und der andere Raum ohne Isolation bleiben
sollte.
b) Während der im vereinfachten Verfahren nach Art. 140 des Pla-
nungs- und Baugesetzes (sGS 731.1; abgekürzt PBG) angesetzten
Auflagefrist vom 9. bis 22. Juli 2019 erhob der Eigentümer des
südöstlich angrenzenden Grundstücks Nr. 005, A._, Y._, dessen
Wohnhaus Vers.-Nr. 006 unmittelbar an die Südostfassade der Lager-
halle Vers.-Nr. 004 angebaut ist, vertreten durch MLaw Severin
Gabathuler, Rechtsanwalt, Sargans, öffentlich- und privatrechtliche
Einsprache gegen das Bauvorhaben mit folgenden Anträgen:
1. Es sei unverzüglich und unter Strafandrohung nach
Art. 292 StGB im Widerhandlungsfall ein  betreffend die beantragte Umnutzung auf dem Grundstück Nr. 003, X._, zu verfügen.
2. Das Bauvorhaben Nr. V 2019-0063 betreffend  / Umnutzung Gewerbehalle, Parzelle Nr. 003, X._, sei nicht zu bewilligen;
3. Eventualiter sei das Bauvorhaben Nr. V 2019-0063  Umbau / Umnutzung Gewerbehalle, Parzelle Nr. 003, X._, mit den folgenden Auflagen zu :
a. Die Gesuchstellerin hat unter Strafandrohung nach Art. 292 StGB im Widerhandlungsfall , dass Angestellte und Besucher ihres Betriebs nicht auf dem M._weg parkieren.
b. Die Gesuchstellerin hat unter Strafandrohung nach Art. 292 StGB im Widerhandlungsfall , dass auf dem Grundstück Nr. 003, X._, nur werktags, von 08.00 Uhr bis 12.00 Uhr sowie von 13.30 Uhr bis 17.00 Uhr, gearbeitet wird.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gesuchstellerin.
Zur Begründung wurde ausgeführt, die Umnutzung sei bereits im No-
vember 2018 vorgenommen worden; seither werde in der Halle ohne
Bewilligung eine Werkstatt betrieben. Die Umnutzung sei nicht zonen-
konform und führe zu übermässigen Lärmimmissionen. Erschliessung
und Parkplatzangebot seien unzureichend; zudem fehle ein Brand-
schutzkonzept.
c) Am 15. August 2019 nahm die Baugesuchstellerin zur Einspra-
che Stellung. Sie brachte u.a. vor, die Zonenkonformität sei gegeben;
dies sei im Vorfeld bei der Politischen Gemeinde abgeklärt worden.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 4/17
Der Einsprecher betreibe in derselben Zone eine Schreinerei. Es sei
geplant, den einen Hallenteil, in dem gearbeitet werde, mittels einer
mobilen Heizung auf 10 ° bis 13 ° Celsius zu heizen, der andere Teil
bleibe als Lagerfläche unbeheizt. Büro und Aufenthaltsraum würden in
einem "Condecta Mobil Büro" untergebracht, das auf über 20 ° Celsius
geheizt werden könne. Durch die geplante Isolation der östlichen Seite
der Halle, an die das Wohnhaus des Einsprechers grenze, würden die
Lärmemissionen aus der Werkstatt beträchtlich begrenzt. Im gegen-
wärtigen Zeitpunkt, ohne Isolation, könnten die Lärmimmissionen noch
nicht abschliessend beurteilt werden.
d) In der Folge reichte die Gesuchstellerin dem Gemeinderat Z._
einen überarbeiteten Baugesuchsplan "Werkstatt-Gebäude" (Mass-
stab 1:100 vom 22. November 2019) ein. Nach diesem Plan soll an
der Südwestfassade neben dem 5 m x 4,5 m grossen Schiebetor –
anstelle der ursprünglich geplanten 3 m x 1,5 m grossen Fenster-
front – ein zusätzliches 4,5 m x 4 m grosses Tor eingebaut werden.
Zudem sieht der Plan vor, den als Werkstatt genutzten Teil der Halle
von innen zu isolieren und darin einen Waschraum einzubauen. Im
Weiteren soll über einem Teil der Lagerhalle eine Stahlbetondecke
eingezogen und darüber ein Büro eingebaut werden.
e) Die Stellungnahme der Baugesuchstellerin und der Korrektur-
plan vom 22. November 2019 wurden dem Vertreter des Einsprechers
am 18. Dezember 2019 zugestellt. Mit Eingabe vom 16. Januar 2020
erinnerte dieser daran, dass über seinen Antrag auf Erlass eines Nut-
zungsverbots noch immer nicht entschieden sei, weshalb er sich eine
Rechtsverweigerungsbeschwerde vorbehalte. Weiter teilte er mit,
dass das Korrekturgesuch wohl nochmals dem Bewilligungsverfahren
zu unterstellen sei. Zudem informierte er, dass in der rechtswidrig um-
genutzten Lagerhalle im letzten Jahr werktags stets von 07.00 Uhr
durchgehend bis 19.00 Uhr und – von einzelnen Ausnahmen abgese-
hen – auch am Samstag bis jeweils etwa 18.30 Uhr gearbeitet worden
sei. Am 21. Dezember 2019 sei sodann die Fassade der Halle mit Tra-
pezblech verkleidet worden.
f) Die Gesuchstellerin reichte dem Gemeinderat Z._ anschlies-
send einen abermals überarbeiteten Baugesuchsplan "Werkstatt-Ge-
bäude" (Massstab 1:100 vom 1. Juli 2020) ein. In diesem Plan, der
ansonsten jenem vom 22. November 2019 entsprach, war neu auch
die Liegenschaftsentwässerung eingezeichnet. Dieser Korrekturplan
und die inzwischen zum Baugesuch eingegangenen kantonalen Stel-
lungnahmen wurden dem Vertreter des Einsprechers am 28. August
2020 zugestellt. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, dass die Bauverwal-
tung Z._ inzwischen mehrere unangekündigte Augenscheine durch-
geführt habe, an denen weder eine übermässige Lärmbelästigung
noch ein Verstellen des M._wegs mit Fahrzeugen habe festgestellt
werden können.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 5/17
g) Mit Schreiben vom 11. September 2020 wies der Vertreter des
Einsprechers darauf hin, dass nun also offenbar eine weitere Pro-
jektänderung vorliege, ohne dass diese publiziert worden wäre. Zur
beanstandeten Verkleidung der Fassaden mit Trapezblech seien of-
fenbar von der Bauverwaltung keine weiteren Abklärungen gemacht
worden und über den Antrag auf Erlass eines Nutzungsverbots sei
noch immer nicht entschieden worden.
h) Mit Eingabe vom 20. Oktober 2020 verlangte der Vertreter des
Einsprechers von der Bauverwaltung Z._ den unverzüglichen Erlass
eines Baustopps, weil auf Grundstück Nr. 003 Bauarbeiten im Gang
seien.
i) Am 21. Oktober 2020 stellte die Bauverwaltung Z._ dem Ver-
treter des Einsprechers per E-Mail eine Aktennotiz eines Augen-
scheins vom gleichen Tag zu. Aus dieser ergab sich, dass es sich bei
den Arbeiten, die im Innern des Gebäudes Vers.-Nr. 004 stattfänden,
um reine Unterhaltsarbeiten handle, die nicht Gegenstand des hängi-
gen Baugesuchs seien. Es würden einerseits nicht tragende Teilstü-
cke der Innenwand und des Dachbodens ersetzt, andererseits seien
Teile des befestigten Bodens entfernt worden, um ein Feuchtigkeits-
leck zu beheben. Die Arbeiten seien nicht bewilligungspflichtig.
j) Mit Schreiben vom 3. November 2020 erhob A._ durch seinen
Vertreter Rechtsverweigerungsbeschwerde beim Baudepartement
(Verfahren Nr. 20-8610) mit folgenden Anträgen:
1. Es sei gegen die Beschwerdebeteiligte betreffend das
Grundstück Nr. 003, M._weg, Y._, bis zum  einer rechtskräftigen Baubewilligung und  allfälliger planerischer Auflagen mit sofortiger Wirkung eine Baueinstellung und ein Nutzungsverbot zu verfügen, unter Entzug der aufschiebenden  einer allfälligen Beschwerde gegen die .
2. Eventualiter sei der Beschwerdegegner anzuweisen, gegen die Beschwerdebeteiligte betreffend das Grundstück Nr. 003, M._weg, Y._, bis zum  einer rechtskräftigen Baubewilligung und  allfälliger planerischer Auflagen mit sofortiger Wirkung eine Baueinstellung und ein Nutzungsverbot zu verfügen, unter Entzug der aufschiebenden  einer allfälligen Beschwerde gegen die .
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzgl. MwSt. zu Lasten des Beschwerdegegners.
Zur Begründung wurde geltend gemacht, entgegen der Aktennotiz der
Beschwerdegegnerin vom 21. Oktober 2020 seien auf dem Grund-
stück Nr. 003 bislang verschiedene bauliche Änderungen ausgeführt
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 6/17
worden. So seien etwa ein Fassadenabschnitt mit Trapezblech ver-
kleidet, die Ostfassade neu isoliert, Teile der Aussenwand abgebro-
chen und erneuert, ein zwei Meter breiter Mauerdurchbruch erstellt
und ein Betonboden zum Ausgleich bestehender Höhendifferenzen
gegossen worden. Weiter seien diverse Türen, Rolltore und Fenster in
die Nordfassade eingebaut und die Lagerhalle umgebaut worden.
Diese Arbeiten seien baubewilligungspflichtig und zudem sei die La-
gerhalle bereits ohne Bewilligung in eine Werkstatt umgenutzt worden.
Folglich seien der Erlass eines Baustopps und eines Nutzungsverbots
zwingend erforderlich.
k) An der Gemeinderatssitzung vom 3. November 2020 beschloss
der Gemeinderat Z._, die Begehren um Erlass vorsorglicher Mass-
nahmen abzuweisen. Am 13. November 2020 wurde folgender Be-
schluss, der als "Zwischenentscheid" bezeichnet wurde, eröffnet:
1. Der Antrag um Erlass eines Benützungsverbots wird
abgelehnt.
2. Der Antrag um Erlass eines Baustopps wird abgelehnt.
3. Bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen  werden folgende Massnahmen angeordnet:
a. Die Werkstatt wird werktags zwischen 07.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 19.00 Uhr betrieben.  ist der Betrieb für lärmarme Arbeiten . Die Ruhezeiten sind einzuhalten.
b. Arbeiten mit lärmintensiven Maschinen und  sind nach Möglichkeit vor Ort bei Kunden zu .
(Strafandrohung)
4. Zur Beurteilung der Lärmimmissionen hat der  durch einen professionellen Gutachter die  der Belastungsgrenzwerte berechnen zu . Der Nachweis ist bis 10.12.2020 der  einzureichen. Andernfalls erteilt die  den Auftrag und stellt die Kosten der  in Rechnung.
5. Die Gebühren werden mit dem Endentscheid bei der Bauherrschaft erhoben.
Zur Begründung wurde ausgeführt, die Umnutzung der Lagerhalle in
das Werkstattgebäude sei ohne Bewilligung erfolgt. Um diesen formell
rechtswidrigen Zustand zu beseitigen, habe der Gemeinderat das
nachträgliche Baubewilligungsverfahren eingeleitet. Das Betreiben ei-
ner Landmaschinenwerkstatt mit drei Mitarbeitern sei in der WG3 mit
Sicherheit zonenkonform und damit auch bewilligungsfähig. Die Lärm-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 7/17
immissionen auf die Nachbarschaft könnten derzeit mangels Unterla-
gen aber noch nicht abschliessend beurteilt werden. Ein Nutzungsver-
bot erscheine unter diesen Umständen als unverhältnismässig. Als
mildere Massnahme sei es indessen vertretbar, die Betriebszeiten der
Werkstatt einzuschränken. Der Erlass eines Baustopps sei nicht an-
gezeigt, weil bislang nur Unterhaltsmassnahmen ausgeführt worden
seien.
l) Nachdem der Gemeinderat Z._ mit diesem Beschluss vom
3./13. November 2020 über das vom Beschwerdeführer gestellte Ge-
such um Erlass eines Baustopps und eines Nutzungsverbots entschie-
den und diese Verfügung am 13. November 2020 eröffnet hatte, wurde
die Rechtsverweigerungsbeschwerde vom 3. November 2020 (Verfah-
ren Nr. 20-8610) in der Sache gegenstandslos und mit Entscheid vom
25. November 2020 von der Geschäftsliste des Baudepartementes
abgeschrieben.
C.
Gegen den Beschluss (Zwischenentscheid) des Gemeinderates Z._
vom 3./13. November 2020 erhob A._ durch seinen Vertreter am
19. November 2020 Rekurs beim Baudepartement (Verfahren Nr. 20-
9208) mit folgenden Anträgen:
1. Die Ziff. 1 – 2 des vorinstanzlichen Zwischenentschei-
des (Baugesuch Nr. V 2019-0063) seien aufzuheben;
2. Ziff. 3 des vorinstanzlichen Zwischenentscheides (Baugesuch Nr. V 2019-0063) sei insoweit , als darin der Betrieb der Werkstatt auf dem Grundstück Nr. 003, M._weg, Y._, erlaubt wird;
3. Es sei gegen die Rekursbeteiligte betreffend das Grundstück Nr. 003, M._weg, Y._, bis zum  einer rechtskräftigen Baubewilligung und  allfälliger planerischer Auflagen mit sofortiger Wirkung eine Baueinstellung und ein Nutzungsverbot zu verfügen, unter Entzug der aufschiebenden  einer allfälligen Beschwerde gegen die ;
4. Eventualiter sei die Vorinstanz anzuweisen, gegen die Rekursbeteiligte betreffend das Grundstück Nr. 003, M._weg, Y._, bis zum Vorliegen einer  Baubewilligung und Erfüllung allfälliger  Auflagen mit sofortiger Wirkung eine  und ein Nutzungsverbot zu verfügen, unter  der aufschiebenden Wirkung einer allfälligen  gegen die Verfügung;
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzgl. MwSt. zu Lasten der Vorinstanz.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 8/17
Zur Begründung wird ausgeführt, es sei unbestritten, dass die frühere
Lagerhalle nun seit November 2018 als Werkstatt genutzt werde. Die
Einleitung des nachträglichen Bewilligungsverfahrens entbinde nicht
vom Erlass des beantragten Nutzungsverbots, zumal die Umnutzung
nicht zonenkonform, die Lärmimmissionen übermässig und die Er-
schliessung ungenügend seien. Die an der Lagerhalle bereits ausge-
führten Arbeiten stünden sehr wohl mit dem nachträglichen Bauge-
such in Zusammenhang, weshalb auch ein Baustopp verfügt werden
müsse, um weitere bauliche Massnahmen zu unterbinden.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 4. Dezember 2020 beantragt die
Vorinstanz, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begrün-
dung wird geltend gemacht, ein gänzliches Nutzungsverbot sei insbe-
sondere wegen des geringen öffentlichen Interesses und der langen
Duldungsdauer der Behörde unverhältnismässig, zumal das Bauvor-
haben voraussichtlich bewilligungsfähig sei. Die angeordneten milde-
ren Massnahmen genügten vollends. Ein Baustopp sei unnötig, weil
derzeit keine Arbeiten getätigt würden. Jene Arbeiten, wegen derer der
Rekurrent den Erlass des Baustopps verlangt habe, seien erstens
reine Unterhaltsmassnahmen und zweitens seien diese längst abge-
schlossen. Zudem sei es nicht nötig einer allfälligen Beschwerde ge-
gen den Rekursentscheid die aufschiebende Wirkung zu entziehen,
weil keine bedeutenden und dringlichen öffentlichen Interessen er-
sichtlich seien und die Umnutzung voraussichtlich ohnehin bewilli-
gungsfähig sei.
b) Mit Vernehmlassung vom 7. Dezember 2020 beantragt die
Rekursgegnerin, vertreten durch lic.iur. Daniel Perret, Rechtsanwalt,
Sargans, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begründung
wird geltend gemacht, das nachträgliche Baugesuch werde ohne wei-
teres bewilligt werden können; es sei nicht die Schuld der Rekursgeg-
nerin, dass dieser Entscheid noch nicht erfolgt sei. Der Erlass eines
Nutzungsverbots sei jedenfalls unverhältnismässig, weil er eine Be-
triebsschliessung zur Folge hätte und zum wirtschaftlichen Ruin der
Rekursgegnerin führte. Dadurch gingen drei Arbeitsplätze und eine
Lehrstelle verloren, was bei der momentan schwierigen Wirtschafts-
lage nicht vertretbar sei.

Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis i.V.m. Art. 44 des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-
pflege (sGS 951.1; abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 9/17
2.
Der Rekurrent beantragt, es sei gegenüber der Rekursgegnerin bis
zum Vorliegen einer rechtskräftigen Baubewilligung ein Nutzungsver-
bot zu verfügen. Er ist der Ansicht, es sei unzulässig, dass die Rekurs-
gegnerin in der ehemaligen Lagerhalle – ohne dafür eine Baubewilli-
gung zu besitzen – eine Landmaschinenwerkstatt betreibe, obwohl
das nachträgliche Baubewilligungsverfahren noch immer erstinstanz-
lich hängig sei.
2.1 Die Behörde kann zur Erhaltung des Zustands oder zur Siche-
rung bedrohter rechtlicher Interessen vorsorgliche Massnahmen tref-
fen (Art. 18 Abs. 1 VRP). Vorsorgliche Massnahmen sind dazu be-
stimmt, einen tatsächlichen oder rechtlichen Zustand einstweilen un-
verändert zu erhalten oder bedrohte rechtliche Interessen einstweilen
sicherzustellen. Der Hauptzweck des einstweiligen Rechtsschutzes ist
seine Sicherungsfunktion im Hinblick auf das Ergebnis des Hauptsa-
chenverfahrens (B. MÄRKLI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxiskom-
mentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Zürich/St.Gal-
len 2020, Art. 18 N 12; F. GYGI, Bundesverwaltungsrechtspflege,
2. Aufl., Bern 1983, S. 246; CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbar-
keit im Kanton St.Gallen, St.Gallen 2003, Rz. 1107). Für den Entscheid
über vorsorgliche Massnahmen sind die Interessen des Gesuchstel-
lers sowie die der übrigen Beteiligten und der Öffentlichkeit gegenei-
nander abzuwägen. In diese Abwägung können – mit Zurückhaltung –
auch die Aussichten des Ausgangs des Verfahrens einbezogen wer-
den, sofern diese eindeutig sind. Besondere Bedeutung kommt dabei
dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu (VerwGE B 2019/160 vom
23. Januar 2020 Erw. 2.1; VerwGE B 2012/171 vom 10. Oktober 2012
Erw. 4.1; MÄRKLI, a.a.O., Art. 18 N 28; CAVELTI/VÖGELI, a.a.O.,
Rz. 1111). Einstweiliger Rechtsschutz ist in allen Verfahrensarten und
in allen Verfahrensstadien und durch alle Instanzen hindurch möglich
und gefordert, da jedes Verfahren auch tatsächlich effektiv sein soll.
Das VRP konzentriert die Bestimmungen dazu auf der erstmals mög-
lichen Stufe, also für die vorsorglichen Massnahmen auf der Stufe der
Verwaltungsbehörden. Es können aber auch die höheren Instanzen
gestützt auf Art. 18 VRP ursprüngliche vorsorgliche Massnahmen er-
lassen (vgl. MÄRKLI, a.a.O., Art. 18 N 3 und N 14, BDE Nr. 75/2020
vom 14. August 2020 Erw. 4.1). Nach der Praxis ist es insbesondere
zulässig, ein Verbot der Nutzung einer formell nicht bewilligten Baute
als vorsorgliche Massnahme anzuordnen (vgl. GVP 2009 Nr. 66, be-
stätigt vom Bundesgericht im Entscheid 1C_123/2009 vom 17. Juli
2009). Entsprechend sieht auch Art. 159 Abs. 1 Bst. b PBG vor, dass
ein Benützungsverbot verfügt wird, wenn durch die Errichtung von
Bauten und Anlagen ohne Bewilligung oder auf andere Weise ein un-
rechtmässiger Zustand geschaffen wird.
2.2 An der Einhaltung und Durchsetzung der Rechtsordnung be-
steht grundsätzlich ein gewichtiges öffentliches Interesse (vgl. Urteil
des Bundesgerichtes 1P.708/2006 und 1P.710/2006 vom 13. April
2007 Erw. 5.4 und 5.5.1; VerwGE B 2006/42, B 2006/43, B 2006/44
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 10/17
vom 14. September 2006 Erw. 3.c). Eigenmächtiges Vorgehen und
das Schaffen von baurechtswidrigen Zuständen stellen eine Störung
der öffentlichen Ordnung dar, die möglichst frühzeitig unterbunden
werden soll; ein erhebliches öffentliches Interesse besteht zudem in
Bezug auf die grundsätzliche Gleichbehandlung aller Bürger sowie auf
die Glaubwürdigkeit der Verwaltung (M. RUOSS FIERZ, Massnahmen
gegen illegales Bauen, Zürich 1999, S. 100). Ein vorsorgliches Nut-
zungsverbot im Besonderen bezweckt die möglichst frühzeitige Unter-
bindung von formell widerrechtlichen Nutzungen und soll verhindern,
dass der sich eigenmächtig über Vorschriften hinwegsetzende Bau-
herr aus seinem widerrechtlichen Vorgehen Vorteile zieht (RUOSS
FIERZ, a.a.O., S. 94). Bei Feststellung der formellen Baurechtswidrig-
keit ist der Erlass eines Nutzungsverbots daher grundsätzlich geboten
und erforderlich; ein solches rechtfertigt sich umso mehr, wenn fest-
steht oder zu vermuten ist, dass zusätzlich eine materielle Rechtswid-
rigkeit vorliegt (RUOSS FIERZ, a.a.O., S. 99; BDE Nr. 75/2020 vom
14. August 2020 Erw. 4.1 f.). Nach der Rechtsprechung des Verwal-
tungsgerichtes ist allein schon mit Blick auf die (unbestrittene) Bewilli-
gungspflicht einer Baute, Anlage oder Nutzung – die ohne Bewilligung
ausgeführt wurde – in der Regel ein vorsorgliches Nutzungsverbot ge-
rechtfertigt. Es besteht ein gewichtiges öffentliches Interesse daran,
dass der Bauherrschaft verboten wird, Bauten und Anlagen zu nutzen,
solange die erforderliche Bewilligung noch nicht vorhanden ist. An-
dernfalls würde derjenige, der eigenmächtig oder gar wider besseres
Wissen bauliche Veränderungen oder Zweckänderungen vornimmt,
bessergestellt als all jene, die ordnungsgemäss zuerst eine Baubewil-
ligung dafür einholen (VerwGE B 2013/127 vom 12. Juli 2013 Erw. 4
mit Hinweisen; BDE Nr. 107/2020 vom 6. November 2020 Erw. 3.2).
2.3 Die Rekursgegnerin hat am 28. Juni 2019 bei der Vorinstanz ein
nachträgliches Baugesuch für den Umbau der ehemals als reine La-
gerhalle bewilligten Baute Vers.-Nr. 004 in ein Werkstatt-Gebäude ein-
gereicht, wobei diese Umnutzung nach den unbestritten gebliebenen
Aussagen des Rekurrenten bereits im November des Jahres 2018 er-
folgt sein soll. Im Lauf des nun seit rund eineinhalb Jahren dauernden
Baubewilligungsverfahrens wurden inzwischen mehrfach neue, je-
weils geänderte bzw. um weitere bauliche Massnahmen ergänzte Kor-
rekturpläne eingereicht, die bis heute allerdings noch nicht förmlich
Eingang ins Baubewilligungsverfahren gefunden haben, sondern je-
weils (wenn überhaupt) nur dem Rekurrenten zur Kenntnis gebracht
wurden. Die Vorinstanz ist der Auffassung, das Betreiben einer Land-
maschinenwerkstatt mit drei Mitarbeitern sei in der WG3 zonenkon-
form und bewilligungsfähig. Einzig die Lärmimmissionen auf die Nach-
barschaft könnten derzeit mangels Unterlagen noch nicht abschlies-
send beurteilt werden, weshalb nun noch ein Lärmgutachten in Auftrag
gegeben werden müsse. Ein Entscheid über das nachträgliche Bau-
gesuch ist unter diesen Umständen in nächster Zeit nicht zu erwarten.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass für die geänderten bzw. ergänz-
ten Baugesuchsunterlagen nach Vorliegen des besagten Lärmgutach-
tens wohl auch noch das Baubewilligungsverfahren nachgeholt wer-
den muss und der formell rechtswidrige Zustand damit noch länger
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 11/17
andauern wird. In materieller Hinsicht ist der Vorinstanz zwar zuzu-
stimmen, dass eine Landmaschinenwerkstatt in der vorgesehenen
Grössenordnung in einer WG abstrakt gesehen wohl als zonenkon-
form betrachtet werden kann. Was aber die konkrete Beurteilung des
Baugesuchs ergeben wird, ist derzeit noch völlig offen, weil sich in den
von der Vorinstanz zugestellten Baugesuchsunterlagen keinerlei Ab-
klärungen zur konkreten Immissionssituation und zur Erschliessung
finden. Nachdem also die formelle Rechtswidrigkeit der bereits erfolg-
ten Umnutzung der Lagerhalle vorliegend völlig unbestritten und die
materielle Rechtmässigkeit noch offen ist, ist nach dem oben Gesag-
ten der Erlass vorsorglicher Massnahmen grundsätzlich gerechtfertigt.
2.4 Vorinstanz und Rekursgegnerin sind der Ansicht, die vom Re-
kurrenten beantragte vorsorgliche Massnahme sei unverhältnismäs-
sig, weil sie eine länger dauernde Betriebsschliessung und damit den
wirtschaftlichen Ruin der Rekursgegnerin zur Folge hätte. Unter die-
sen Umständen sei es sachgerecht und verhältnismässig gewesen,
nur die Betriebszeiten des Werkstattbetriebs einzuschränken. Bei
Würdigung der allgemeinen verfassungs- und verwaltungsrechtlichen
Prinzipien, insbesondere der in Art. 5 der Bundesverfassung (SR 101)
festgehaltenen Grundsätze der Verhältnismässigkeit und des Schut-
zes des guten Glaubens, erweisen sich die Einwände der Vorinstanz
und der Rekursgegnerin als unbegründet. Die Rekursgegnerin ist
vorab nicht als gutgläubig anzusehen. Selbst wenn sie die Frage der
Zonenkonformität vor der Betriebsaufnahme mit der Vorinstanz abge-
klärt hat, musste sie wissen, dass die Umnutzung der Lagerhalle in
eine Landmaschinenwerkstatt einer Baubewilligung bedarf. Wenn sie
das dennoch ohne Bewilligung machte und erst rund ein halbes Jahr
nach der Betriebsaufnahme das dafür nötige Baugesuch bei der
Vorinstanz einreichte, hat sie sich das selbst zuzuschreiben. Im Übri-
gen ist es auch nicht so – wie der Vertreter der Rekursgegnerin be-
hauptet – dass diese nichts dafür kann, dass über ihr nachträgliches
Baugesuch bis heute noch nicht entschieden wurde. Ganz im Gegen-
teil war es doch die Rekursgegnerin, die ihr Baugesuch im Lauf des
Verfahrens wiederholt änderte und ergänzte und damit einen raschen
Entscheid verunmöglichte. Hinzu kommt, dass die Gesuchsunterlagen
offenbar bis heute unvollständig sind, weil es an dem für die Bearbei-
tung entscheidenden Lärmgutachten fehlt. Zwar kann sich auch ein
Bauherr, der nicht gutgläubig gehandelt hat, auf den Grundsatz der
Verhältnismässigkeit berufen. Er muss indessen in Kauf nehmen, dass
die Behörden aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz
der Rechtsgleichheit und der baurechtlichen Ordnung, die dem Bau-
herrn erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Mass be-
rücksichtigen (BGE 123 II 255 mit Hinweisen). Würde der Rekursgeg-
nerin also erlaubt, das Gebäude Vers.-Nr. 004 während der Dauer des
nachträglichen Baubewilligungsverfahrens weiterhin als Landmaschi-
nenwerkstatt zu nutzen, wäre sie gegenüber Dritten, die vor einer sol-
chen Nutzungsänderung ein Baugesuch einreichen und den Ausgang
des Verfahrens abwarten, bessergestellt, was bereits aus grundsätzli-
chen Überlegungen nicht zu rechtfertigen ist (BDE Nr. 107/2020 vom
6. November 2020 Erw. 3.4). Finanzielle Gründe können – genauso
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 12/17
wie der Umstand, dass derzeit aufgrund der Corona-Pandemie allen-
falls eine etwas schwierigere wirtschaftliche Lage besteht – jedenfalls
nicht berücksichtigt werden, weil die Rekursgegnerin beim Kauf der
Lagerhalle davon ausgehen musste, dass sie diese nicht ohne vorgän-
gige Einholung einer Baubewilligung als Werkstattgebäude nutzen
kann. Der Vertreter der Rekursgegnerin führt in Ziff. 10 der Vernehm-
lassung vom 7. Dezember 2020 aus, bereits heute würden viele Arbei-
ten soweit als möglich nicht in der Werkstatt, sondern mobil, also bei
den Kunden vor Ort, ausgeführt. Unter diesen Umständen ist es der
Rekursgegnerin aber auch zuzumuten, dies weiterhin und in Zukunft
eben noch vermehrt so zu halten und für unumgängliche Reparaturar-
beiten, die nicht direkt beim Kunden ausgeführt werden können, für
die Dauer des nachträglichen Bewilligungsverfahrens eine leerste-
hende, bereits bewilligte Räumlichkeit für ihre Bedürfnisse anzumie-
ten. Der Erlass eines Nutzungsverbots ist damit vorliegend angezeigt
und verhältnismässig.
2.5 Demgegenüber erweist sich die in Ziff. 3 der angefochtenen Ver-
fügung von der Vorinstanz angeordnete vorsorgliche Massnahme, die
im Wesentlichen lediglich auf die Festlegung ortsüblicher Betriebszei-
ten für einen Werkstattbetrieb hinausläuft, als völlig ungeeignet. Sie
würde namentlich genau dazu führen, dass die Rekursgegnerin ge-
genüber Dritten, die vor einer solchen Nutzungsänderung ein Bauge-
such einreichen und den Ausgang des Verfahrens abwarten, klar bes-
sergestellt würde (VerwGE B 2013/127 vom 12. Juli 2013 Erw. 4 mit
Hinweisen). Das wiederum ist nicht der Sinn einer vorsorglichen Mass-
nahme, die einen tatsächlichen oder rechtlichen Zustand einstweilen
unverändert zu erhalten oder bedrohte rechtliche Interessen solange
sicherzustellen hat, bis das Hauptverfahren abgeschlossen ist.
2.6 Somit ergibt sich, dass die Ziffn. 1 bis 3 der angefochtenen Ver-
fügung vom 3./13. November 2020 aufzuheben sind. Der Antrag des
Rekurrenten auf Erlass einer vorsorglichen Massnahme wird
gutgeheissen. Die Nutzung der Lagerhalle Vers.-Nr. 004 auf Grund-
stück Nr. 003 als Landmaschinenwerkstatt wird – unter Berücksichti-
gung der anstehenden Feiertage und des Jahreswechsels – ab dem
28. Februar 2021 bis zur rechtskräftigen Erteilung der Baubewilligung
untersagt.
3.
Der Rekurrent verlangt weiter den Erlass eines Baustopps, weil in der
ehemaligen Lagerhalle verschiedenste Bauarbeiten stattgefunden
hätten bzw. noch immer stattfänden.
3.1 Gemäss Art. 159 Abs. 1 Bst. a PBG wird die Einstellung der Ar-
beiten verfügt, wenn durch die Errichtung von Bauten und Anlagen
ohne Bewilligung oder auf andere Weise ein unrechtmässiger Zustand
geschaffen wird. Unter einem Baustopp versteht man den Befehl der
Baubehörde an den Bauherrn, sämtliche oder näher umschriebene
Bauarbeiten unverzüglich einzustellen und bis zu einer gegenteiligen
Anordnung ruhen zu lassen. Der gewöhnlich unbefristete Baustopp
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 13/17
bleibt so lange in Kraft, bis eine abweichende vorsorgliche Mass-
nahme verbunden mit der Baufreigabe oder aber der baurechtliche
Entscheid in der Sache selbst bzw. eine andere Anordnung ergeht
(CH. MÄDER, Das Baubewilligungsverfahren, Diss. Zürich 1991,
N 631 ff. zu § 43; M. RUOSS FIERZ, a.a.O., S. 95; BDE Nr. 20/2020
vom 20. März 2020 Erw. 2.2 ff. mit Hinweisen). Beim Baustopp im Sinn
von Art. 159 Abs. 1 Bst. a PBG handelt es sich ebenfalls um eine vor-
sorgliche Massnahme (VerwGE B 2019/160 vom 23. Januar 2020
Erw. 2.1).
3.2 Die Baueinstellung kommt zunächst bei formell baurechtswidri-
gen Bauarbeiten in Frage. Eine formelle Baurechtswidrigkeit ist gege-
ben, wenn keine Bewilligung vorliegt, von einer solchen abgewichen
wurde oder Bedingungen bis vor Baubeginn bzw. bis zu einem in der
Baubewilligung bestimmten Zeitpunkt nicht erfüllt werden. Mit einem
Baustopp bei Vorliegen einer formellen Baurechtswidrigkeit kann die
Baubehörde sicherstellen, dass der Baubewilligungszwang nicht ohne
Folgen umgangen werden kann, die präventive Kontrolle, welche die
Baubehörde durch das Baubewilligungsverfahren gewährleistet, nicht
unterlaufen wird, der illegal Bauende oder Nutzende gegenüber dem
rechtstreuen Bürger keinen zeitlichen Vorteil hat sowie allfällige mate-
rielle Baurechtswidrigkeiten nicht verstärkt werden (M. RUOSS FIERZ,
a.a.O., S. 20 ff. und S. 98 f.; BDE Nr. 20/2020 vom 20. März 2020
Erw. 2.2 ff. mit Hinweisen).
3.3 Der Rekurrent bringt vor, an und in der Lagerhalle sei bereits
eine Vielzahl von Bauarbeiten ausgeführt worden. So seien etwa ein
Fassadenabschnitt mit Trapezblech verkleidet, die Ostfassade neu
isoliert, Teile der Aussenwand abgebrochen und erneuert, ein zwei
Meter breiter Mauerdurchbruch erstellt und ein Betonboden zum Aus-
gleich bestehender Höhendifferenzen gegossen worden. Weiter seien
diverse Türen, Rolltore und Fenster in die Nordfassade eingebaut und
die Halle umgebaut worden. Diese Darstellung des Rekurrenten wird
sowohl von der Vorinstanz als auch von der Rekursgegnerin nicht be-
stritten. Ohne Umfang und Ausmass dieser Arbeiten genau zu kennen,
ist jedenfalls mit dem Rekurrenten davon auszugehen, dass diverse
Arbeiten bereits vorgenommen werden mussten, um die ehemalige
Lagerhalle überhaupt erst als Werkstatt nutzen zu können. Der Gross-
teil der aufgezählten Arbeiten ist ohne Weiteres baubewilligungspflich-
tig. Sie stellen wohl bereits Teile jener Umbauarbeiten dar, die Gegen-
stand des nachträglichen Baugesuchs sind. Nachdem somit mit den
Umbauarbeiten begonnen wurde, bevor die dafür notwendige Baube-
willigung vorlag, waren diese jedenfalls im Zeitpunkt ihrer Ausführung
formell baurechtswidrig. Daran ändert nichts, dass derzeit möglicher-
weise gerade keine Arbeiten mehr stattfinden. Der geplante Umbau
der Lagerhalle ist jedenfalls noch nicht abgeschlossen und allfällige
weitere Umbauarbeiten wären aktuell immer noch unrechtmässig. In-
wiefern die Einstellung der Arbeiten unverhältnismässig sein könnte,
ist deshalb nicht ersichtlich und wurde von der Rekursgegnerin auch
nicht dargelegt. Im Gegenteil wäre sie vom Erlass eines Baustopps
gar nicht betroffen, wenn sie ab jetzt ohnehin keine Umbauarbeiten vor
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 14/17
Erteilung der Baubewilligung mehr auszuführen gedenkt. Damit über-
wiegt das öffentliche Interesse an der Einstellung bzw. am Untersagen
weiterer Bauarbeiten die privaten Interessen der Rekursgegnerin an
der Fortführung der (formell baurechtswidrigen) Umbauarbeiten. Die
Vorinstanz wäre vor diesem Hintergrund verpflichtet gewesen, einen
Baustopp zu erlassen. Nachdem sie dies unterlassen hat, ist der Re-
kurs auch in diesem Punkt begründet und die Einstellung sämtlicher
Bauarbeiten im vorliegenden Rekursverfahren zu verfügen. Weil die
dafür nachgesuchte Baubewilligung noch fehlt, rechtfertigt es sich,
sämtliche Umbauarbeiten an der Lagerhalle Vers.-Nr. 004 ab sofort
bis zum Vorliegen der rechtskräftigen Baubewilligung zu untersagen.
4.
Nach Art. 106 Abs. 1 VRP kann die Behörde die für den Fall des Un-
gehorsams gesetzlich vorgesehene Strafe androhen. Enthält der Er-
lass keine Strafbestimmung, so kann die in Art. 292 des Schweizeri-
schen Strafgesetzbuchs (SR 311; abgekürzt StGB) vorgesehene
Strafe angedroht werden (Art. 106 Abs. 2 VRP). Allerdings kommt
Art. 292 StGB nur subsidiär dort zur Anwendung, wo keine andere Be-
stimmung des (Neben-)Strafrechts oder des kantonalen Strafrechts
den entsprechenden Ungehorsam als solchen mit Strafe bedroht
(RIEDO/BOHNER, Basler Kommentar II zum Strafrecht, StGB II,
Art. 111-392, 2. Aufl., Basel 2007, N 28a zu Art. 292). Der im Raum
stehende Ungehorsam gegen ein von der Rechtsmittelinstanz verfüg-
tes Nutzungsverbot wird durch keine andere strafrechtliche Bestim-
mung mit Strafe bedroht. Die Anwendung von Art. 292 StGB ist dem-
nach zulässig und der Rekursgegnerin eine entsprechende Strafe bei
Missachtung des Nutzungsverbots anzudrohen.
5.
Der Rekurrent beantragt weiter, einer allfälligen Beschwerde gegen
das Nutzungsverbot sei die aufschiebende Wirkung zu entziehen.
5.1 Gemäss Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 Abs. 1 VRP hat die
Beschwerde grundsätzlich aufschiebende Wirkung. Während nach der
früheren Fassung von Art. 51 Abs. 1 VRP für den Entzug der aufschie-
benden Wirkung Gefahr im Verzug erforderlich war, was nach der Pra-
xis eine unmittelbare und schwere Gefährdung wichtiger öffentlicher
Interessen, die sich mit erheblicher Überzeugungskraft zeigt, voraus-
setzte (GVP 1997 Nr. 74), genügt nach geltendem Recht ein wichtiger
Grund. Als wichtiger Grund gilt insbesondere ein öffentliches Inte-
resse, das den sofortigen Vollzug einer Verfügung erfordert. Der Ent-
scheid über die aufschiebende Wirkung erfordert im Rahmen der Ver-
hältnismässigkeitsprüfung eine Interessenabwägung (Botschaft der
Regierung vom 28. Februar 2006 zum V. Nachtrag zum Gesetz über
die Verwaltungsrechtspflege, ABl 2006, 837; vgl. auch BDE
Nr. 75/2020 vom 14. August 2020 Erw. 6 mit Hinweis).
5.2 An der Einhaltung und Durchsetzung der Rechtsordnung be-
steht wie dargelegt ein gewichtiges öffentliches Interesse. Bei einem
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 15/17
Weiterzug dieses Entscheids würden ausserdem weitere Monate ver-
gehen, bis eine rechtskräftige Beurteilung des Nutzungsverbots und
des Baustopps vorliegt. Weiter liegt wie ausgeführt noch keine rechts-
kräftige Baubewilligung vor, auf die sich der Betrieb der Landmaschi-
nenwerkstatt stützen könnte. Im Interesse der Einhaltung des korrek-
ten Verfahrensablaufs, der Rechtssicherheit und der Gleichbehand-
lung aller Baugesuchsteller ist es deshalb gerechtfertigt, einer allfälli-
gen Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Die dies-
bezüglichen privaten Interessen der Rekursgegnerin vermögen daran
nichts zu ändern und verdienen keinen Schutz.
6.
Zusammenfassend erweist sich der Rekurs als begründet. Die Ziffn. 1
bis 3 des Beschlusses der Vorinstanz vom 3./13. November 2020 sind
aufzuheben und die Nutzung der Lagerhalle Vers.-Nr. 004 auf Grund-
stück Nr. 003 als Landmaschinenwerkstatt ist ab dem 28. Februar
2021 bis zur rechtskräftigen Erteilung der Baubewilligung unter Straf-
androhung zu verbieten. Im Weiteren sind ab sofort sämtliche Umbau-
arbeiten an der Lagerhalle Vers.-Nr. 004 bis zur rechtskräftigen Ertei-
lung der Baubewilligung zu untersagen. Einer allfälligen Beschwerde
gegen diesen Entscheid ist zudem die aufschiebende Wirkung zu ent-
ziehen. Damit ist der Rekurs im Sinn der Erwägungen gutzuheissen.
7.
7.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten der Rekursgegnerin zu überbinden.
7.2 Der vom Rekurrenten am 27. November 2020 geleistete Kos-
tenvorschuss von Fr. 1'800.– ist zurückzuerstatten.
8.
Rekurrent, Rekursgegnerin und Vorinstanz stellen jeweils ein Begeh-
ren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten.
8.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
8.2 Der Rekurrent obsiegt mit seinen Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 127/2020), Seite 16/17
VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschä-
digung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Hono-
rarordnung (sGS 963.75; abgekürzt HonO) und unter Berücksichti-
gung des Umstands, dass der Rekurrent bereits im Verfahren
Nr. 20-8610 betreffend Rechtsverweigerungsbeschwerde im Ent-
scheid des Baudepartementes vom 25. November 2020 die volle Pau-
schalentschädigung von Fr. 2'750.– zugesprochen erhalten hatte und
für die Begründung dieses Rekurses deshalb nur mehr ein reduzierter
Aufwand geltend gemacht werden kann, ermessensweise auf
Fr. 1'500.– festzulegen; sie ist von der Rekursgegnerin zu bezahlen.
Da kein begründeter Antrag um Zusprechung der Mehrwertsteuer ge-
stellt wurde, ist diese aufgrund des per 1. Januar 2019 geänderten
Art. 29 HonO nicht zum Honorar hinzuzurechnen.
8.3 Da die Rekursgegnerin mit ihren Anträgen unterliegt, hat sie von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Ihr Begehren ist deshalb abzuweisen.
8.4 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen. Ihr Begehren ist daher abzuweisen.