Decision ID: 9983adf7-a2d5-5841-9b90-8986f6964fa1
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 28. Dezember 2009 unter Hinweis auf eine
Bandscheibenproblematik sowie eine rezidivierende depressive Störung zum
Leistungsbezug bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1-1 ff.).
A.b Am 15. Januar 2010 erstattete Dr. med. B._, Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, einen Bericht. Darin wurden als Diagnosen eine rezidivierende depressive
Störung, aktuell mittelgradige bis schwere Episode (ICD-10 F33.11/F33.2), eine
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1), ein Status nach Kontusion der Sakralregion
bei Treppensturz am 24. Februar 2009 und eine Spondylolisthesis L5/S1 mit
Osteochondrose und Spondylarthrose/Zervikalgie genannt und eine ab Januar 2010
aus psychiatrischer Sicht bestehende 50 %ige Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-act. 21-1
ff.).
A.c Im Frühinterventions-Gesprächsprotokoll vom 28. Januar 2010 führte Dr. med.
C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) nach einem gleichentags geführten Telefonat mit Dr. B._ aus,
die Versicherte werde voraussichtlich zukünftig wieder die volle (ursprüngliche)
Arbeitsfähigkeit erreichen; derzeit bestünden jedoch grosse Ängste vor einer
beruflichen Integration (IV-act. 17-1 f.). Dr. B._ unterzeichnete das Protokoll am
2. Februar 2010 (IV-act. 17-2).
A.d Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Hausarzt Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Allgemeinmedizin, am 17. März 2010 einen Arztbericht. Er wiederholte die von
Dr. B._ am 15. Januar 2010 genannten Diagnosen, erwähnte zusätzlich eine
Diskushernie L5/S1 bei Facettenarthrose und bilateraler Foramenstenose L5 nach
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Trauma und attestierte eine seit 15. April 2009 bestehende 100 %ige Arbeitsunfähigkeit
(IV-act. 25-1 f.).
A.e Am 17. Mai 2010 erstattete das Institut für medizinische und ergonomische
Abklärungen (IME) im Auftrag der involvierten Krankentaggeldversicherung ein
interdisziplinäres medizinisches Gutachten, basierend auf einer psychiatrischen
Untersuchung vom 23. Februar 2010, einer rheumatologischen Untersuchung vom
11. März 2010 sowie einer Evaluation der arbeitsbezogenen funktionellen
Leistungsfähigkeit vom 18. März 2010. Die Gutachter nannten die Diagnosen eines
chronischen lumbospondylogenen Schmerzsyndroms beidseits linksbetont (M54.4),
eines rezidivierenden zervikozephalen Schmerzsyndroms (M53.0) und Polyarthralgien
unklarer Ursache sowie einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte
Episode (ICD-10 F33.0), und einer Agoraphobie (ICD-10 F40.0). Sie attestierten aus
interdisziplinärer Sicht eine 50 %ige Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit.
Es bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 4 Stunden am Tag, wobei die Erholungszeit
sowohl auf den Morgen als auch den Nachmittag verteilt werden und die zweistündige
Arbeitszeit mindestens durch eine Pause von 30 Minuten unterbrochen werden sollte
(IV-act. 31-2 ff.).
A.f Der RAD-Arzt Dr. C._ hielt am 4. Juni 2010 in einer internen Stellungnahme fest,
dass das Gutachten insgesamt zur Entscheidungsbildung vollumfänglich herangezogen
werden könne (IV-act. 32).
A.g Am 18. Juni 2010 forderte die IV-Stelle die Versicherte dazu auf, für weitere
Beratung und Unterstützung bei der Stellensuche einen Fragebogen auszufüllen. Ihr sei
ein Arbeitspensum von 50% zumutbar (IV-act. 35-1 f.).
A.h Mit Mitteilung vom 14. Dezember 2010 brachte die IV-Stelle der Versicherten zur
Kenntnis, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien.
Das ab 1. September 2010 stattgefundene Eingliederungsprogramm E._ sei nach
zwei Monaten abgebrochen worden (IV-act. 50-1 f.).
A.i Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Ausrichtung einer Viertelsrente ab 1. Juli 2010 in Aussicht (IV-act. 66-1 ff.). Der
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Invaliditätsgrad betrage 48 % (Valideneinkommen Fr. 43'979.--, Invalideneinkommen
Fr. 23'089.--).
A.j Die Versicherte liess am 22. Februar 2011 Einwand gegen den Vorbescheid
erheben und die Ausrichtung einer halben Rente beantragen (IV-act. 67).
A.k Am 24. Mai 2011 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid (IV-act. 75-1 ff., 71-1
ff.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas am
20. Juni 2011 für die Versicherte erhobene Beschwerde. Er beantragt, die Verfügung
vom 24. Mai 2011 sei teilweise aufzuheben und der Beschwerdeführerin eine halbe IV-
Rente zu gewähren. Die Beschwerdeführerin habe sich auf die schriftliche, von
kompetenter und zuständiger Stelle abgegebene Erklärung der Beschwerdegegnerin
vom 18. Juni 2010 verlassen und sich im Umfang von 50 % bei RAV/ALK angemeldet.
Wenn ihr nunmehr eine Viertelsrente gewährt werde, erleide sie aufgrund der schriftlich
erteilten Auskunft und Aufklärung der Beschwerdegegnerin einen finanziellen Schaden
(entgangene ALK-Taggelder). Sodann habe die Beschwerdegegnerin unverständlicher
weise ohne jegliche Parallelisierung als Vergleichseinkommen bei der Berechnung des
Invalideneinkommens einen Betrag von Fr. 51'368.-- eingesetzt, welcher eindeutig um
ca. 15 % das von der Beschwerdeführerin effektiv verdiente Einkommen vor der
Erkrankung übersteige. Das Invalideneinkommen sei zufolge Parallelisierung um 15 %
herabzusetzen. Allein aus diesem Grund komme die Beschwerdeführerin in den
Genuss einer halben Rente. Vorliegend würde sich zudem die Gewährung eines
Leidensabzugs von mindestens 10 % rechtfertigen (act. G 1).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 9. September 2011 beantragt die
Beschwerdegegnerin, es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin keinen
Rentenanspruch habe. Zur Begründung führt sie im Wesentlichen aus, das
Bundesgericht habe in BGE 135 V 58 festgehalten, dass es keinen Grund gebe, ein aus
wirtschaftlichen Gründen unterdurchschnittliches Valideneinkommen auf ein
durchschnittliches hochzurechnen, wenn tatsächlich oder zumutbarerweise ein
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durchschnittliches Invalideneinkommen erzielt werden könne. Im Jahr 2008 habe die
Versicherte an der letzten Stelle Fr. 41'363.-- verdient. Im gleichen Jahr habe der
Tabellenlohn für Hilfsarbeiterinnen bei einem üblichen Wochenpensum von 41.6
Stunden Fr. 51'368.-- betragen. Bei einer Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 50 %
betrage das Invalideneinkommen Fr. 25'684.--. Bei einem Valideneinkommen von
Fr. 41'363.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 25'684.-- ergebe sich die
Erwerbseinbusse Fr. 15'679.--, was einem IV-Grad von 37 % entspreche. Die
Beschwerdeführerin habe keinen Rentenanspruch. Selbst wenn eine
Einkommensparallelisierung vorzunehmen wäre, hätte die Beschwerdeführerin lediglich
Anspruch auf eine Viertelsrente. Der IV-Grad würde 47.5 % betragen (act. G 4).
B.c Am 19. September 2011 lässt die Beschwerdeführerin Replik erstatten. Zusätzlich
zu den beschwerdeweise gestellten Rechtsbegehren wird eine öffentliche Verhandlung
samt Befragung von Zeugen beantragt (act. G 6).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom 28. September 2011 auf
eine Duplik (act. G 9).
B.e Mit Schreiben vom 5. Oktober 2011 (act. G 10) lässt die Beschwerdeführerin ein
Schreiben des Bundesamts für Statistik (BFS) vom 4. Oktober 2011 samt Beilagen ins
Recht legen (G 10.1). Aus diesen Unterlagen gehe hervor, dass die Löhne der vom
Ausland eingewanderten Arbeitskräfte eindeutig tiefer lägen als jene der hiesigen
Bevölkerung.
B.f Am 16. Juli 2013 (act. G 14) kündigte die zuständige Verfahrensleiterin dem
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine mögliche Schlechterstellung (reformatio in
peius) an und bot ihm Gelegenheit zum Beschwerderückzug. Davon machte die
Beschwerdeführerin keinen Gebrauch (Schreiben vom 29. Juli 2013, act. G 15).

Erwägungen:
1.
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1.1 Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG hat
die versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %,
auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu 50 % oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 %
invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität von erwerbstätigen Versicherten ist
gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG Art. 16 ATSG anwendbar. Demnach wird für die
Bestimmung des Invaliditätsgrads das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und
allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden.
1.2 Eine der Grundlagen der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens ist
die Arbeitsfähigkeitsschätzung. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen zu
können, ist die Verwaltung - und im Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu
stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher
Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Das Gericht
hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die
vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem Grundsatz der
freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte
Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die
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Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb; siehe auch BGE 137
V 210).
2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stützt sich bezüglich Arbeitsfähigkeitsschätzung auf die
Begutachtung durch das IME vom März 2010 (IV-act. 31-2 ff.).
2.1.1 Die rheumatologische Begutachtung ist durch Dr. med. F._, Facharzt für
Rheumatologie und Innere Medizin FMH, erfolgt, der seine Diagnosen unter anderem
auf die am 24. Februar, 4. März sowie 15. April 2009 angefertigten Röntgenbilder bzw.
MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) und des Beckens abgestützt hat (IV-act. 31-10 f.).
Der Gutachter hat folgendes berichtet: In der klinischen Untersuchung sei eine
schmerzhafte Funktionsstörung der LWS, weniger ausgeprägt der HWS, sowie ein sehr
auffälliges verbales und nonverbales Schmerzverhalten im Vordergrund gestanden.
Durch das Verhalten der Versicherten sei die Untersuchbarkeit beeinträchtigt gewesen.
Soweit ersichtlich habe jedoch weder ein lumboradikuläres noch ein zervikoradikuläres
Reiz- oder Ausfallssyndrom bestanden. In der Evaluation der arbeitsbezogenen
funktionellen Leistungsfähigkeit habe das auffällige Verhalten der Versicherten
objektiviert und quantifiziert werden können. Die Leistungsbereitschaft der Versicherten
sei als schlecht beurteilt worden. Es hätten sich erhebliche Hinweise auf eine
Symptomausweitung gefunden. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor allem in rückenbelastenden Tätigkeiten. In einer
ideal angepassten Tätigkeit – die einer leichten wechselbelastenden Tätigkeit
entspreche mit der Möglichkeit, zwischen sitzender, gehender und stehender
Arbeitstätigkeit bei Bedarf zu wechseln, mit maximalen Gewichtsbelastungen von ca.
7.5 kg selten am Tag – bestehe eine Arbeitsfähigkeit. Tätigkeiten, die eine
Zwangshaltung der Hals- oder Lendenwirbelsäule, repetitive Rotationsbewegungen der
Wirbelsäule, längeres Arbeiten in vorgeneigter Körperhaltung sowohl im Sitzen als auch
im Stehen bedingten, sowie Tätigkeiten, bei denen man stärkeren Vibrationen oder
Erschütterungen ausgesetzt sei, sollten vermieden werden. Aufgrund der
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schmerzhaften Funktionsstörung der Wirbelsäule, insbesondere der LWS, den
nachgewiesenen morphologischen Veränderungen sowie einer sich im Verlauf
entwickelten Dekonditionierung bestehe ein Bedarf für vermehrte Pausen im Ausmass
von 40 % über den Tag verteilt. Somit bestehe aus rheumatologischer Sicht in einer
ideal angepassten Tätigkeit nach der Installation einer ausgebauten analgetischen
Therapie eine 60 %ige Arbeitsfähigkeit (40 %ige Arbeitsunfähigkeit). Der Einstieg sollte
schrittweise über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten erfolgen. Im Verlauf sollte
nach Stabilisierung der psychischen Situation und Ausbau der analgetischen und
psychopharmakologischen Therapie eine Rehabilitationsbehandlung für Patienten mit
chronischen Schmerzzuständen möglich sein. Im Anschluss sollte eine Steigerung der
körperlichen Aktivität mit dem Ziel einer Stabilisierung und Kräftigung der Rumpf- und
Rückenmuskulatur und somit auch eine Verbesserung der Stabilisationsfähigkeit der
LWS möglich sein. Alternativ müsste auch eine Spondylodese L5/S1 in Erwägung
gezogen werden. Durch diese therapeutischen Massnahmen sollte eine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit in vier bis acht Monaten möglich sein.
Bezüglich Prognose bestünden jedoch Unsicherheiten aufgrund einer ausgeprägten
Verhaltensproblematik bei gleichzeitig psychischen Beschwerden und chronifiziertem
Schmerzsyndrom (IV-act. 31-13 f.).
2.1.2 Der Gutachter Dr. med. G._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
ist in seinem Teilgutachten vom 21. März 2010 (IV-act. 31-28 ff.) von einer leichten
depressiven Episode bei wahrscheinlich rezidivierender depressiver Störung
ausgegangen. Es sei nicht ganz klar, ob es sich wirklich um eine rezidivierende
depressive Störung handle. In den Akten und der Anamnese würden frühere Episoden
beschrieben, in denen es der Explorandin viel schlechter gegangen sei, wobei nicht
ganz klar sei, ob damals tatsächlich eine depressive Episode vorgelegen habe oder die
Angststörung stärker ausgeprägt gewesen sei. Unbestritten bestünden
Angstsymptome, man könne aber nicht sagen, dass es sich um eine generalisierte und
anhaltende Angst handle. Die beschriebenen Symptome passten viel eher zur
Diagnose einer Agoraphobie. Dr. G._ hat das Vorliegen einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung explizit verneint. Er hat die Grundstimmung als zum
depressiven Pol hin verschoben beschrieben. Die affektive Modulationsfähigkeit sei
eingeschränkt gewesen. Die Beschwerdeführerin habe über eine innere Leere, eine
Minderung der Vitalgefühle geklagt, sie sei deprimiert, ängstlich, innerlich unruhig, sie
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habe Insuffizienzgefühle und habe über eine Ambivalenz und eine Minderung des
Antriebs geklagt. Sie habe einen ausgeprägten sozialen Rückzug beschrieben. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe eine 40 %ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(bezogen auf eine 100 %ige Anstellung). Diese Einschränkungen bestünden bei jeder in
Frage kommenden Tätigkeit. Es sei davon auszugehen, dass durch das Weiterführen
der bisherigen ambulanten, psychiatrischen und medikamentösen Behandlung die
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht noch weiter gesteigert werden könne. Der
Gutachter wies darauf hin, nach Ablauf von drei Monaten eine weitere deutliche
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten (IV-act. 31-45 ff.).
2.2 Interdisziplinär ist im Gutachten ausgeführt worden, dass eine 50 %ige
Arbeitsfähigkeit in einer ideal adaptierten Tätigkeit attestiert werde. Aufgrund der
Kombination von psychischen und somatischen Beschwerden sowie
Verhaltensproblemen komme es bei der Beschwerdeführerin zu einer leichten
Summierung der jeweils 40 %igen Arbeitsunfähigkeit, so dass insgesamt eine 50 %ige
Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit attestiert werde. Sowohl aus psychiatrischer
als auch rheumatologischer Sicht bestehe kein Endzustand, durch weiterführende
medizinische Massnahmen sei eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zumindest
medizinisch-theoretisch möglich (IV-act. 31-18).
2.3 Ohne das gutachterlich attestierte und einlässlich begründete
Steigerungspotential in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit sowohl in rheumatologischer als
auch in psychiatrischer Hinsicht zu überprüfen bzw. den weiteren Verlauf zu erheben,
hat die Beschwerdegegnerin am 24. Mai 2011, also ein Jahr und zwei Monate nach der
Begutachtung durch das IME, gestützt auf eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % die
angefochtene Verfügung erlassen. Zu jenem Zeitpunkt hätte sich bereits zeigen
müssen, ob die von den Gutachtern erwähnten Therapieoptionen umgesetzt wurden
bzw. ob die prognostizierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit sich eingestellt hatte. Wäre
dies nicht der Fall gewesen, so hätte die Beschwerdegegnerin die Gründe dafür
abklären bzw. erheben müssen, ob die Beschwerdeführerin die von ihr im Rahmen der
ihr obliegenden Schadenminderungspflicht zu erwartende Mitwirkung gezeigt hat oder
ob sie allenfalls entsprechend abzumahnen gewesen wäre. Eine Überprüfung des
Verlaufs vor Verfügungserlass gestützt auf die Angaben der Gutachter wäre schon
allein deswegen sinnvoll gewesen, weil diese ihr Gutachten zuhanden der auf eher
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kurzfristige Leistungen ausgerichteten Krankentaggeldversicherung erstattet haben.
Hinweise auf eine Steigerbarkeit der Arbeitsfähigkeit auf jedenfalls über 50 % lieferten
neben den Gutachtern im Übrigen auch die behandelnden Psychiater. So hatten med.
pract. H._ und Dr. B._ am 5. Januar 2010 gegenüber der
Krankentaggeldversicherung festgehalten, die ab Januar 2010 attestierte
Arbeitsfähigkeit von 40% sei psychotherapeutisch und psychopharmakologisch
durchaus noch steigerbar (IV-act. 21-5). Gemäss FI-Gesprächsprotokoll vom
28. Januar 2010, von Dr. B._ unterzeichnet am 2. Februar 2010, war dieser
grundsätzlich sogar von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit ausgegangen (IV-
act. 17). Dr. med. I._, Neurochirurgie FMH, hatte zuhanden der Unfallversicherung in
einem Schreiben vom 20. Oktober 2009 für die somatischen Pathologien ebenfalls von
einer günstigen Prognose berichtet (IV-act. 21-17).
2.4 Bei dieser medizinischen Aktenlage war zum Verfügungszeitpunkt im Mai 2011
nicht rechtsgenüglich bewiesen, dass die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 50 % noch immer bestanden hat. Die nach der Begutachtung und vor
Verfügungserlass durchgeführte berufliche Abklärung (insbesondere ein Einsatz im
Programm E._; vgl. IV-act. 42) war nicht geeignet, weitere medizinische Abklärungen
zu ersetzen. Die Invaliditätsbemessung, die sich auf eine nicht hinlänglich bewiesene
Arbeitsfähigkeitsschätzung stützt, war folglich nicht gesetzmässig.
3.
3.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 24. Mai 2011 insofern gutzuheissen, als die Sache zur
ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinn der Erwägungen und zur
anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
3.2 Eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung stellt
praxisgemäss aus prozessualer Sicht ein vollständiges Obsiegen dar (vgl. SVR 1995 IV
Nr. 51 S. 143; ZAK 1987 S. 266 E. 5a). Bei dieser Sachlage erübrigt sich die
Durchführung der im Zusammenhang mit dem Einkommensvergleich beantragten
mündlichen Verhandlung.
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3.3 Bei diesem Verfahrensausgang rechtfertigt es sich, der Beschwerdegegnerin die
Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im
Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt werden (Art. 69 Abs. 1 IVG),
gesamthaft aufzuerlegen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP/SG). Eine Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- erscheint als angemessen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
3.4 Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung, die vom
Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch
Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP