Decision ID: 79fad19d-add8-5025-82e6-943fa17deb9e
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 21. September 2011 wegen "Herzleiden" zum Bezug von
Leistungen der Invaliditätsversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-
act. 1).
A.b Am 5. Oktober 2011 erstattete die B._ GmbH der IV-Stelle einen
Arbeitgeberbericht, wonach der bei ihnen als "Gerüstbau Dachdecker und
Bauspengler" tätig gewesene Versicherte seit dem 23. September 2011 wegen
Herzproblemen zu 100% krankgeschrieben sei. Sie legte ein ärztliches Zeugnis des
Hausarztes des Versicherten, Dr. med. C._, Arzt für Allgemeinmedizin FMH, bei,
welches dem Versicherten bis auf Weiteres eine krankheitsbedingte 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit ab dem 23. September 2011 attestierte (IV-act. 9).
A.c Gemäss Frühinterventions(FI)-Gesprächsprotokoll des IV-internen Regional Ärzt
lichen Dienstes (RAD) vom 18. Oktober 2011 teilte Dr. C._ mit, dass der Versicherte
an einer koronaren Herzkrankheit sowie einem schwergradigen obstruktiven
Schlafapnoesyndrom leide. Weiter gab er an, dass der Versicherte in der körper
lich schweren Tätigkeit als Dachdecker gemäss Einschätzung der Kardiologen des
Kantonsspitals St. Gallen nicht mehr arbeitsfähig sei. Demgegenüber bestehe im Falle
idealer Voraussetzungen am Arbeitsplatz eine volle Arbeitsfähigkeit in einer körperlich
leichten, nicht auf Gerüsten, Leitern oder Dächern auszuübenden Tätigkeit. Beim Ver
sicherten handle es sich um einen eher indolenten Menschen, was sich auch dadurch
gezeigt habe, dass er nach einer ICD-Implantation am 12. Oktober 2011 bereits wieder
bei der Arbeit auf einem Dach beobachtet worden sei. Angesichts dieser Ressourcen
dürfte es leicht sein, für ihn eine ideale adaptierte Tätigkeit zu finden (IV-act. 16). Am
20. Oktober 2011 schickte Dr. C._ das Gesprächsprotokoll unterschrieben an den
RAD zurück und reichte gleichzeitig Berichte des Kantonsspitals St. Gallen ein.
A.d Gemäss den Berichten vom 2. und 26. September 2011 der kardiologischen
Abteilung des Kantonsspitals St. Gallen zu Handen des Hausarztes bestand beim Ver
sicherten seit Jahren eine koronare Herzkrankheit mit schwer eingeschränkter links
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ventrikulärer Pumpfunktion, was anhand der kardialen MRI-Untersuchung vom
13. September 2011 bestätigt worden war (IV-act 15). Weiter wurde festgehalten, dass
der Versicherte an einem schwergradigen obstruktiven Schlafapnoesyndrom leide,
wobei die nasale CPAP-Beatmung Ende 2004 bzw. Anfang 2005 wegen Problemen mit
der Maske und Nichteinhaltung ärztlicher Weisungen habe abgebrochen werden
müssen (IV-act. 15). Die seit Ende April 2011 aufgetretenen Thoraxschmerzen seien als
extrakardial zu beurteilen. Aktuell bestünden eine Anstrengungsdyspnoe NYHA II sowie
gelegentlich auftretende Beschwerden im Sinne einer stabilen Angina pectoris (CCS II).
Im Arbeitsversuch sei die Symptomatik bereits bei deutlich submaximaler Belastung
reproduzierbar. Aufgrund der aktuellen Situation sei der Versicherte als Dachdecker
nicht mehr arbeitsfähig (IV-act. 15-5 ff.).
A.e Im Rahmen der Abklärung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen teilte der
zuständige Eingliederungsverantwortliche im FI-Assessmentprotokoll vom 23.
Dezember 2011 mit, dass dem Versicherten von seinem Hausarzt weiterhin und
vorläufig bis zum 31. Dezember 2011 eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit attestiert
worden sei. Der Eingliederungsverantwortliche hielt weiter fest, dass der Versicherte
angegeben habe, sein Gesundheitszustand habe sich verschlechtert und er fühle sich
nicht in der Lage, zu arbeiten. Ein Erstgespräch mit dem Arbeitgeber habe ergeben,
dass ein alternativer Einsatz des Versicherten, welcher als Hilfsarbeiter schwere
körperliche Arbeit geleistet habe, im Betrieb nicht möglich sei. Ein Einsatz als Fahrer
komme nicht in Frage, da der Versicherte keinen Führerausweis besitze. Dem
Versicherten müsse daher gekündigt werden. Abschliessend hielt der
Eingliederungsverantwortliche fest, dass weitere Eingliederungsbemühungen mangels
Bereitschaft des Versicherten, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen, keinen
Sinn machten und ein Rentenanspruch geprüft werden solle (IV-act. 20).
A.f Mit Schreiben vom 30. Dezember 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass er keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen habe. Gemäss dem Ergebnis der
getroffenen Abklärungen sei es ihm nämlich möglich, eine körperlich leichte Tätigkeit
auszuüben. Zudem fehle es an seiner Bereitschaft, an beruflichen Eingliederungsmass
nahmen teilzunehmen (IV-act. 22).
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A.g Die IV-Stelle nahm einen Einkommensvergleich vor, woraus ein Invaliditätsgrad
von 0% resultierte (IV-act. 23). Mit Vorbescheid vom 25. Januar 2012 stellte sie dem
Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte
sie an, dem Versicherten sei aus medizinischer Sicht eine leichte, am Boden
auszuübende Tätigkeit weiterhin zu 100% zumutbar (IV-act. 25). Mit Verfügung vom 9.
März 2012 wies die IV-Stelle das Gesuch um eine Rente entsprechend dem
Vorbescheid ab (IV-act. 26).
B.
B.a Gegen diese Verfügung vom 9. März 2012 erhob der Versicherte am 13. April
2012 "Einsprache" bei der IV-Stelle (IV-act. 35). Diese leitete die Eingabe als
Beschwerde zuständigkeitshalber an das Versicherungsgericht weiter (IV-act. 30). Da
die Eingabe vom 13. April 2012 die Minimalanforderungen an eine Beschwerde nicht
erfüllte, setzte die Verfahrensleitung dem Versicherten mit Schreiben vom 23. April
2012 eine Nachfrist zur Verbesserung bis 9. Mai 2012 an (act. G 2). Innerhalb der
gesetzten Nachfrist reichte der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 3. Mai 2012 eine
begründete Beschwerde ein. Darin beantragt er sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und Zusprache einer Rente bzw. die Rückweisung der
Sache zur weiteren Abklärung. Zur Begründung führt er an, dass es ihm aufgrund
seines Alters, seiner bisherigen Tätigkeit, der Verfügbarkeit auf dem Arbeitsmarkt sowie
seiner gesundheitlichen Situation nicht möglich sei, eine angepasste Tätigkeit zu
finden, wie sie ihm von der Beschwerdegegnerin zu 100% zugemutet werde. Zudem
habe sich sein Gesundheitszustand weiter verschlechtert, was vom Kantonsspital St.
Gallen bestätigt werden könne (act. G 3).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 7. Juni 2012
die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass der
Beschwerdeführer gemäss der Einschätzung seines Hausarztes, Dr. C._, in einer
angepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Als mögliche geeignete Tätigkeiten für den
Beschwerdeführer nennt sie leichtere Maschinenbedienungs-, Kontroll-, Sortier-, Prüf-
sowie Verpackungsarbeiten, leichtere Arbeiten bei der Lager- und
Ersatzteilbewirtschaftung sowie Kurier- und leichte Lieferdienste. Auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt stünden genügend Stellen zur Verfügung, wobei auch
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das fortgeschrittene Alter keinen Hinderungsgrund darstelle. Sie sei daher zu Recht
von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen (act. G 6).
B.c Mit Replik vom 9. Juli 2012 hält der Beschwerdeführer an seinen Vorbringen in der
Beschwerde fest. Zur Arbeitsfähigkeit führt er konkretisierend aus, dass er körperlich
nicht in der Lage sei, über einem Pensum von 40 – 45% tätig zu sein. Vor ca. einem
Monat habe er einen Bewusstseinsverlust erlitten, was ihm seine Leistungsfähigkeits
grenze aufgezeigt habe. Unter Bezugnahme auf die von der Beschwerdegegnerin vor
geschlagenen angepassten Tätigkeiten hält er fest, dass er aufgrund seines Gesund
heitszustandes nicht in der Lage sei, längere Strecken zu laufen, Velo zu fahren,
Maschinen zu bedienen sowie Auto zu fahren, wofür er insbesondere auch keinen
Führerausweis besitze (act. G 8). Er gibt an, weiterhin in Behandlung im Kantonsspital
St. Gallen zu sein, und legt einen entsprechenden Bericht vom 1. Juni 2012 bei. In
diesem wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer seit 2,5 Wochen an neu auf
getretenen linksseitigen Thoraxschmerzen leide. Diese unterschieden sich vom be
kannten Myokardinfarktschmerz und seien auf Druck auslösbar, weshalb von einem
extrakardialen Thoraxschmerz auszugehen sei. Die durchgeführte Ergometrie sei nicht
aussagekräftig, da sie vom Beschwerdeführer aufgrund von Beinschmerzen habe ab
gebrochen werden müssen. Da die Beinschmerzen zudem anamnestisch nach einer
Gehstrecke von 200 – 300 Metern regelmässig aufträten, bestehe der Verdacht auf eine
periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Diesbezüglich sei eine angiologische
Untersuchung zu empfehlen. Seit der letzten Kontrolle im Januar 2012 sei im Weiteren
ein Diabetes mellitus Typ 2 entdeckt worden, welcher medikamentös behandelt werde.
Das im Oktober 2011 implantierte ICD funktioniere einwandfrei. Die Ursache des vom
Beschwerdeführer angegebenen Bewusstseinsverlustes von Mitte April 2012 bleibe un
klar, sei jedoch nicht auf das ICD-Implantat zurückzuführen (act. G 8.1).
B.d Am 21. August 2012 reichte der Beschwerdeführer einen Bericht von Dr. med.
D._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 18. Juni 2012 ein. Diese
hielt fest, dass sich der Beschwerdeführer seit dem 21. Mai 2012 bei ihr in Behandlung
befinde. Er leide wahrscheinlich an einer rezidivierenden depressiven Störung, die
aktuell mittelgradig ausgeprägt sei. Die erste Episode sei wohl im Jahr 2003 nach dem
Tod der Ehefrau des Beschwerdeführers aufgetreten. Aufgrund des depressiven
Syndroms sei die Arbeitsfähigkeit aktuell auf 50% reduziert (act. G 11).
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B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 13).

Erwägungen:
1. Zwischen den Parteien umstritten ist der Rentenanspruch des
Beschwerdeführers, da nur dieser Gegenstand der angefochtenen Verfügung vom 9.
März 2012 darstellt. Sollte die Anspruchsprüfung einen rentenbegründenden
Invaliditätsgrad ergeben, wäre vor einer Rentenzusprache zu prüfen, ob berufliche
Massnahmen vorzunehmen wären (Eingliederung vor Rente).
1.1 Invalidität im Sinne von Art. 8 ATSG ist die voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
besteht gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%,
derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 % invalid ist. Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, wird eine halbe Rente zugesprochen und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente. Eine Invalidität von
weniger als 40 % wird von der Invalidenversicherung rentenmässig nicht entschädigt.
1.2 Um den Grad der Arbeitsunfähigkeit, der Erwerbsunfähigkeit und der Invalidität
bemessen zu können, sind Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine
wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der ver
sicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen).
Unter Berücksichtigung des Grundsatzes der freien Beweiswürdigung hat das Gericht
alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen. Hin
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sichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist deshalb allein entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des
Experten begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
2. Zu klären ist vorweg die Frage, ob die medizinische Aktenlage eine rechtsge
nügende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt. Rechtsge
nügend ist die Beurteilung, wenn sie anhand der medizinischen Akten mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden kann.
2.1 Die Beschwerdegegnerin stellt für die Beurteilung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auf die Angaben des Hausarztes, Dr. C._, im
FI-Gesprächsprotokoll des RAD vom 18. Oktober 2011 ab (vgl. IV-act. 16). Gestützt auf
die Berichte des Kantonsspitals St. Gallen vom 2. und 26. September 2011 hat Dr.
C._ angegeben, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit als
Dachdecker nicht mehr arbeitsfähig sei (vgl. IV-act. 15-1 und 15-5). Zu einer möglichen
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit haben sich die
Berichte des Kantonsspitals hingegen nicht geäussert. Dr. C._ hat gemäss Ge
sprächsprotokoll ausgeführt, dass der Beschwerdeführer in der körperlich schweren
Tätigkeit als (Hilfs-) Dachdecker gemäss Einschätzung der Kardiologen des Kantons
spitals St. Gallen über keine Arbeitsfähigkeit mehr verfüge. In einer körperlich leichten,
nicht auf Gerüsten, Leitern oder Dächern auszuübenden Tätigkeit sei er hingegen voll
arbeitsfähig (vgl. IV-act. 16).
2.2 Zu beurteilen ist der Beweiswert der Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. C._.
Dazu ist zu bemerken, dass sich seine Einschätzung in erster Linie auf die in den
Berichten des Kantonsspitals St. Gallen festgehaltene kardiologische Erkrankung des
Beschwerdeführers bezieht. Ob und inwiefern Dr. C._ die Diagnose des schwer
gradigen obstruktiven Schlafapnoesyndroms in seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
miteinbezogen hat, kann dem Protokoll nicht entnommen werden. Auch die als extra
kardial beurteilten Thoraxschmerzen, welche gemäss Bericht des Kantonsspitals
St. Gallen Ende April 2011 aufgetreten sind und zu einer Hospitalisation geführt haben
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(vgl. IV-act. 15-5), werden von ihm nicht erwähnt. Es ist im Weiteren darauf hinzu
weisen, dass er auch keine psychischen Beeinträchtigungen beim Beschwerdeführer
festgestellt hat, währenddessen die behandelnde psychiatrische Fachärztin, Dr. med.
D._ mit Bericht vom 18. Juni 2012 Hinweise auf ein bereits länger zurückliegendes
Auftreten einer psychischen Störung gegeben hat (vgl. act. G 11). Vor diesem
Hintergrund erscheinen die Angaben von Dr. C._ betreffend den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers nicht umfassend, womit ohne weitere Abklärungen nicht auf
seine Beurteilung einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
abgestellt werden kann.
2.3 Der Beschwerdeführer macht im Weiteren mit der Eingabe vom 3. Mai 2012 eine
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend.
2.4 Für die richterliche Beurteilung eines Falles sind grundsätzlich die tatsächlichen
Verhältnisse zur Zeit des Erlasses der angefochtenen Verfügung massgebend (BGE
121 V 366 E. 1b mit Hinweisen). Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, sind je
doch insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegenstand in engem Sach
zusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Ver
fügungserlasses zu beeinflussen.
2.5 Der vom Beschwerdeführer mit der Replik eingereichte Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 1. Juni 2012 hat sich über damals seit 2,5 Wochen neu
aufgetretene extrakardiale Thoraxschmerzen geäussert (vgl. act. G 8.1). Bereits im
Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 2. September 2011 ist die Rede von
unklaren extrakardialen Thoraxschmerzen gewesen, welche Ende April 2011
aufgetreten seien und zu einer Hospitalisation des Beschwerdeführers geführt hätten
(vgl. IV-act. 15-5). Weitere Abklärungen der Schmerzen, welche angezeigt gewesen
wären, sind nicht durchgeführt worden. Dies wohl deshalb, weil es dem
Beschwerdeführer laut Bericht des Kantonsspitals St. Gallen nach der Hospitalisation
gut gegangen sei und er sogar seine Tätigkeit als Dachdecker zu 100% wieder
aufgenommen habe (vgl. IV-act. 15-5). Weiter ist im Bericht vom 1. Juni 2012 von
Beinschmerzen des Beschwerdeführers berichtet worden, welche anamnestisch nach
einer Gehstrecke von 200 – 300 Metern regelmässig aufträten. Seit wann diese
Beschwerden bestehen, kann dem Bericht nicht entnommen werden. Eine empfohlene
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angiologische Untersuchung wird gemäss Aussage des Beschwerdeführers in der
Replik vom 9. Juli 2012 noch folgen (vgl. act. G 8) und diesbezüglich allenfalls
Aufschluss geben. Im Weiteren hat das Kantonsspital St. Gallen festgehalten, dass seit
der letzten Kontrolle im Januar 2012 offenbar noch ein Diabetes mellitus Typ 2
diagnostiziert worden sei, welcher medikamentös behandelt werde. Die Ursache des
anamnestisch einmaligen Bewusstseinsverlustes des Beschwerdeführers Mitte April
2012 bleibt bis auf den Ausschluss einer rhythmogenen Ursache unklar. Aufgrund des
Berichts von Dr. D._ vom 18. Juni 2012 gibt es schliesslich auch Anhaltspunkte für
eine beim Beschwerdeführer seit längerem vorliegende psychische Beeinträchtigung.
Dr. D._ ist davon ausgegangen, dass die wahrscheinlich bestehende depressive
Störung, aktuell mittelgradiger Ausprägung, wohl erstmals schon 2003 aufgetreten sei
(vgl. act. G 11.1).
2.6 Bei den erst nach Erlass der angefochtenen Verfügung vom 9. März 2012
bekannt gewordenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers,
namentlich den Beinschmerzen, des Diabetes sowie einer psychische Störung, handelt
es sich um Erkrankungen, die sich allmählich entwickeln und manifestieren. Da die
Befunde bereits wenige Monate nach Verfügungserlass im Bericht des Kantonsspitals
St. Gallen vom 1. Juni 2012 sowie im Arztbericht von Dr. D._ vom 18. Juni 2012
festgehalten wurden, ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass diese bereits vor Erlass der Verfügung vorlagen und sich allenfalls auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auswirkten.
2.7 Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die vorliegende medizinische
Aktenlage keine zuverlässige Beurteilung des Gesundheitszustands und folglich der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zulässt. Weder aus der
Arbeitsfähigkeitsschätzung des Hausarztes, Dr. C._, worauf sich die
Beschwerdegegnerin ausschliesslich stützt, noch aus den Berichten des
Kantonsspitals St. Gallen ist ersichtlich, ob insbesondere das schwergradige, seit
Jahren bestehende Schlafapnoesyndrom sowie die ätiologisch unklaren
Thoraxschmerzen, welche im April 2011 zur Hospitalisation geführt haben und ca. Mitte
Mai 2012 erneut aufgetreten sind, berücksichtigt wurden. Im Weiteren handelt es sich
bei den nach Verfügungserlass bekannt gewordenen Befunden, namentlich den
anamnestisch nach einer Gehstrecke von 200 - 300 Metern auftretenden Bein
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schmerzen, welche den Verdacht auf eine Verschlusskrankheit begründen, den Dia
betes mellitus Typ 2 sowie einer wohl seit Jahren bestehenden psychischen Störung,
um gesundheitliche Beeinträchtigungen, welche sich erst allmählich entwickeln und mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit bereits vor Verfügungserlass vorlagen. All dies weist
auf die Notwendigkeit einer weiteren, alle Aspekte umfassenden medizinischen Ab
klärung hin. Die Sache ist folglich zur weiteren medizinischen Abklärung an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.
Nach erfolgter medizinischer Abklärung wird abhängig vom Ergebnis auch der
Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche Massnahmen neu zu prüfen sein.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 9. März 2012 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Sache zur weiteren
Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Ver
sicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt.
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint vorliegend als angemessen. Die
Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V
215 E. 6.2). Somit unterliegt die Beschwerdegegnerin vollumfänglich. Sie hat deshalb
die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP