Decision ID: 66c4a066-f536-449a-be56-c9f07c24d4bb
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X.Y. (geb. 13. November 1981) stammt aus dem Kosovo. Er reiste am 10. April 2011
mit einem alten jugoslawischen Reisepass und ohne Visum in die Schweiz ein,
heiratete am 26. April 2011 in St. Gallen A.B. (geb. 5. Juni 1989), die Schweizerin ist,
und erhielt am 16. Mai 2011 eine bis 25. April 2012 gültige Aufenthaltsbewilligung.
Im August und September 2011 wurden X.Y. und A.B. sowie verschiedene Personen in
ihrem Umfeld zum Verdacht der Scheinehe polizeilich befragt. A.B. ersuchte am 7.
Dezember 2011 wegen eines Ehestreits um eine polizeiliche Intervention im häuslichen
Bereich. Die Scheidungsklage, welche sie am 23. Januar 2012 eingereicht hatte, zog
sie am 17. Februar 2012 wieder zurück. Am 13. März 2012 reichte sie gegen den
Bruder ihres Ehemannes Strafantrag wegen Drohung ein. Sie gab an, er habe sie und
ihre Familie am 8. März 2012 telefonisch mit dem Tod bedroht, wenn sie "die
Scheidung durchbringe". Von ihrem Ehemann sei sie mehrfach geschlagen worden.
Am 3. Mai 2012 teilte A.B. dem kantonalen Migrationsamt mit, sie habe erneut eine
Scheidungsklage eingereicht. Es sei ihr nicht möglich, die Ehe mit X.Y. weiterzuführen,
da er nicht zum ersten Mal handgreiflich geworden sei.
Das kantonale Migrationsamt ging davon aus, es liege eine Scheinehe vor, die lediglich
zur Umgehung der ausländerrechtlichen Vorschriften eingegangen worden sei,
verlängerte mit Verfügung vom 15. August 2012 die Aufenthaltsbewilligung von X.Y.
nicht mehr und wies ihn an, die Schweiz bis spätestens 28. Oktober 2012 zu verlassen.
Am 19. Oktober 2012 erkundigte sich A.B., wann ihr Mann "endlich gehen" müsse.
B./ Das Sicherheits- und Justizdepartement, bei welchem X.Y. durch seinen
Rechtsvertreter Rekurs gegen die Verfügung erhoben hatte, hielt am 31. Oktober 2012
nach Durchsicht der Akten fest, die Eheleute hätten höchstens bis 3. Mai 2012
zusammengelebt und die Voraussetzungen für eine Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung seien schon aus diesem Grund nicht erfüllt. X.Y. verzichtete am
16. November 2012 darauf, dazu Stellung zu nehmen. Das Sicherheits- und
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Justizdepartement wies den Rekurs am 9. Januar 2013 ab. Zur Begründung führte es
im Wesentlichen aus, die eheliche Gemeinschaft habe weniger als drei Jahre gedauert
und wichtige persönliche Gründe für einen weiteren Aufenthalt von X.Y. in der Schweiz
lägen nicht vor. Ob eine Scheinehe vorliege, müsse nicht entschieden werden.
C./ X.Y. (nachfolgend Beschwerdeführer) erhob gegen den am 10. Januar 2013
versandten Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (nachfolgend
Vorinstanz) durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe 24. Januar 2013 und Ergänzung
vom 8. März 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, den
vorinstanzlichen Entscheid unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die
Aufenthaltsbewilligung zu verlängern, eventualiter das Verfahren bis zum
rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens wegen Scheinehe zu sistieren. Auf die
Ausführungen zur Begründung des Begehrens wird, soweit notwendig, in den
Erwägungen eingegangen. Die Vorinstanz verzichtete am 12. März 2013 auf eine
Vernehmlassung und beantragte die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Umstritten ist die Verlängerung der dem Beschwerdeführer bis 25. April 2012 zum
Verbleib bei seiner Schweizer Ehefrau erteilten Aufenthaltsbewilligung.
2.1. Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer (sGS 142.20, abgekürzt AuG) haben ausländische Ehegatten von
Schweizerinnen und Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Das Erfordernis des
Zusammenlebens der Ehegatten soll die Missbrauchsbekämpfung erleichtern. Die
Gewährung eines Aufenthaltsanspruchs setzt eine tatsächlich gelebte eheliche
Beziehung und damit einen entsprechenden Ehewillen voraus (vgl. Botschaft vom 8.
März 2002 zum Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, nachfolgend
Botschaft, in: BBl 2002 S. 3709 ff., S. 3753).
Ab Mai 2012 war der Aufenthaltsort des Beschwerdeführers unbekannt; seit Juli 2012
ist er an der C.-strasse 0 in St. Gallen, wo seine Nichte wohnt, angemeldet (vgl act. 10/
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Akten des Migrationsamtes 205, 219 und 224; Adressangabe im
Beschwerdeverfahren). Soweit aus den Akten ersichtlich wird, wohnt seine Ehefrau an
der Q.-strasse 01 in St. Gallen. Der Beschwerdeführer macht deshalb zu Recht nicht
geltend, er lebe mit seiner Ehefrau in einem gemeinsamen Haushalt. Er kann mithin aus
Art. 42 Abs. 1 AuG grundsätzlich keinen Anspruch auf die Verlängerung seiner
Aufenthaltsbewilligung ableiten.
2.2. / 2.2.1. Gemäss Art. 49 AuG besteht das Erfordernis des Zusammenwohnens nach
Art. 42 nicht, wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden
und die Familiengemeinschaft weiter besteht. Solche wichtigen Gründe können
gemäss Art. 76 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit (SR
142.201, abgekürzt VZAE) insbesondere durch berufliche Verpflichtungen oder durch
eine vorübergehende Trennung wegen erheblicher familiärer Probleme entstehen.
Ausnahmen sind namentlich "aus wichtigen und nachvollziehbaren beruflichen oder
familiären Gründen" möglich (vgl. Botschaft, a.a.O., S. 3795). Die Gründe müssen
objektivierbar sein und ein gewisses Gewicht aufweisen. Von einem wichtigen Grund
kann desto eher gesprochen werden, je weniger die Ehegatten auf die Situation des
Getrenntlebens Einfluss nehmen können, ohne einen grossen Nachteil in Kauf nehmen
zu müssen. Dagegen stellt ein freiwilliger Entscheid für ein "living apart together" für
sich allein genommen keinen wichtigen Grund im Sinn von Art. 49 AuG dar (BGer
2C_505/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen auf weitere
bundesgerichtliche Rechtsprechung). Ein wichtiger Grund können auch
vorübergehende Schwierigkeiten in der Ehe sein, welche zu einem kurzfristigen
Getrenntleben führen (BGE 138 II 229 E. 2).
Weder mit Art. 49 AuG noch mit Art. 76 VZAE sollte – gleichsam durch die Hintertür –
die Praxis wieder eingeführt bzw. fortgesetzt werden, dass das Aufenthaltsrecht des
Ehepartners eines Schweizers erst endet, wenn feststeht, dass die Ehe definitiv
gescheitert und daher eine weitere Berufung auf sie rechtsmissbräuchlich ist. Zum
einen stünde das mit dem Ziel des (neuen) Erfordernisses des Zusammenwohnens im
Widerspruch. Zum andern käme Art. 49 AuG nicht mehr der ihm zugewiesene
Ausnahmecharakter zu. Daher ist nicht nach jeder Trennung von Eheleuten bereits von
einer Ausnahmesituation nach dieser Bestimmung auszugehen. Vielmehr kann es nur
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um besondere Konstellationen bei der Trennung von Eheleuten gehen. Das kommt
auch in den Wortlauten von Art. 49 AuG und der Botschaft hierzu sowie von Art. 76
VZAE zum Ausdruck. Diese nennen nur Trennungen aus "wichtigen" Gründen bzw.
wegen "erheblicher" familiärer Probleme. Dazu wurden im Parlament Fälle häuslicher
Gewalt genannt. Der damalige Bundesrat Blocher erwähnte als besondere Situationen,
die Ausnahmen nach Art. 49 AuG rechtfertigen die Lage ausländischer Frauen, die
unter ehelicher Gewalt leiden und deshalb vorübergehend in einem Frauenhaus oder
an einem anderen Ort wohnen (BGer 2C_635/2009 vom 26. März 2010 E. 4; vgl. auch
BGer 2C_891/2012 vom 7. Juni 2013 E. 2.3). In diesen Ausnahmefällen ist stets
erforderlich, dass die Familien- beziehungsweise die Ehegemeinschaft als solche trotz
zeitweilig getrenntem Wohnort fortbesteht (vgl. BGer 2C_155/2013 vom 30. Mai 2013
E. 4.3 mit Hinweis auf 2C_647/2010 vom 10. Februar 2011 E. 3; 2C_207/12011 vom 5.
September 2011), so dass mit einer baldigen Wiederaufnahme der Hausgemeinschaft
zu rechnen ist (BGer 2C_635/2009 vom 26. März 2010 E. 4.3 mit Hinweis auf BGE 130
II 113 E. 4.1).
Es obliegt der um das Aufenthaltsrecht nachsuchenden Person, die wichtigen Gründe
im Sinn von Art. 49 AuG und die trotz getrennter Wohnorte weiterhin bestehende
Familiengemeinschaft darzutun (Art. 90 AuG). Dies gilt umso mehr, je länger die
Situation andauert, weil eine gewisse Länge der Trennung die Beendigung der Ehe-
und Familiengemeinschaft vermuten lässt (vgl. BGer 2C_654/2010 vom 10. Januar
2011 E. 2.2).
2.2.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, es sei während des Zusammenlebens
aufgrund kultureller Unterschiede der Eheleute zu erheblichen ehelichen Problemen
beziehungsweise häuslicher Gewalt gekommen, die aus Sicht der Ehefrau auch
mindestens eine polizeiliche Intervention nötig machten. Die Eheleute hätten deshalb
entschieden, dass ein Auszug des Beschwerdeführers aus der gemeinsamen Wohnung
sinnvoll sei, bis er ganz in der Schweiz "angekommen" sei und sich mit Unterstützung
seiner in der Schweiz wohnhaften Familie akklimatisiert habe. Damit wollten die
Ehegatten die noch junge Ehe retten.
2.2.3. Aus den Akten und den Vorbringen des Beschwerdeführers kann nicht auf ein
kurzfristiges Getrenntleben (vgl. dazu nachfolgend 2.2.3.1.) wegen vorübergehender
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ehelicher Schwierigkeiten (vgl. dazu nachfolgend E. 2.2.3.2.) bei weiter bestehendem
gegenseitigem Ehewillen (vgl. dazu nachfolgend E. 2.2.3.3.) geschlossen werden.
2.2.3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung lässt eine Trennung der
Eheleute von mehr als einem Jahr vermuten, dass die eheliche Gemeinschaft
gescheitert ist (vgl. BGer 2C_308/2011 vom 7. September 2011 E. 3.2 mit Hinweis auf
2C_575/2009 vom 1. Juni 2010 E. 3.5; vgl. auch BGer 2C_195/2010 vom 23. Juni 2010
E. 3, wo das Bundesgericht nach einer Trennung während eineinhalb Jahren von einem
definitiven Scheitern der Ehe ausgeht).
Der Beschwerdeführer und seine Ehefrau leben zumindest seit Mai 2012 und damit seit
rund eineinhalb Jahren getrennt. Dafür, dass sich an diesem Zustand in absehbarer
Zeit etwas ändern wird, lassen sich den Akten und den Vorbringen des
Beschwerdeführers zudem keine konkreten Anhaltspunkte entnehmen. Offenbar hat
auch der angebliche Rückzug der Scheidungsklage durch die Ehefrau des
Beschwerdeführers im Dezember 2012 nicht dazu geführt, dass die Eheleute wieder in
einem gemeinsamen Haushalt leben oder in der Absicht, in naher Zukunft das
Zusammenleben wieder aufzunehmen, gemeinsame konkrete Massnahmen getroffen
haben. Unter den dargelegten Umständen kann nicht von einem kurzfristigen
Getrenntleben ausgegangen werden.
2.2.3.2. Wegen Ehestreitigkeiten war am 7. Dezember 2011 eine polizeiliche
Intervention im häuslichen Bereich erforderlich (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamtes
204-206). Die Ehefrau des Beschwerdeführers schilderte anlässlich der Strafanzeige
wegen Drohung, welche sie am 13. März 2012 erstattete, der Beschwerdeführer habe
sie bereits am dritten Tag nach der Eheschliessung geschlagen; auch später sei sie ab
und zu geschlagen worden (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamtes 195). Spätestens
am 3. Mai 2012 verliess der Beschwerdeführer die gemeinsame Wohnung dauerhaft.
Das Zusammenleben der Eheleute war mithin von Beginn weg problembehaftet und
auch später mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden.
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten kulturellen Unterschiede liessen sich
offenbar während über zweieinhalb Jahren nicht in einem Mass überbrücken, welches
ein dauerhaftes Zusammenleben zugelassen hätte. Bereits seit Beginn seines
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Aufenthalts in der Schweiz im April 2011 hat der Beschwerdeführer die Unterstützung
durch seine Familie, mit welcher er sich in der Schweiz akklimatisieren soll,
beanspruchen können und tatsächlich auch beansprucht, indem er relativ engen
Kontakt zu seinen Verwandten, so zum Bruder in Flawil (vgl. act. 10/Akten des
Migrationsamtes 220, 154 Frage 26, 132 Frage 12, 124 Frage 6) und zu seiner Nichte in
St. Gallen gepflegt hat (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamtes 205). Diese
Unterstützung hat sich allerdings unter anderem darin niedergeschlagen, dass sich
seine Ehefrau veranlasst sah, gegen seinen Bruder Strafantrag wegen Drohung – er soll
sie, ihre Eltern, ihre Grosseltern und ihren kleinen Bruder mit dem Tod bedroht haben,
für den Fall, dass sie "die Scheidung durchbringe", zehn Jahre Gefängnis seien ihm
egal – zu erheben (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamtes 190-200).
Die ehelichen Schwierigkeiten erscheinen damit nicht von vorübergehender Natur. Es
bestehen denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die eheliche Gemeinschaft unter
aktiver, zielgerichteter Aufarbeitung der vom Beschwerdeführer geschilderten
Eheprobleme wieder aufgenommen werden sollte. Ob die Ehe geschieden wurde oder
die Eheleute entsprechende Schritte unternommen haben, ist nicht von Belang (vgl.
beispielsweise BGer 2C_443/2011 vom 24. November 2011 E. 2.2).
2.2.3.3. Der Beschwerdeführer bringt mit Ausnahme der – nicht belegten –
Behauptung, die Ehefrau habe eine neuerliche Scheidungsklage wieder zurückgezogen
und das Verfahren sei vom Kreisgericht St. Gallen am 11. Dezember 2012 als erledigt
abgeschrieben worden, keine äusseren Umstände vor, in denen der gegenseitige Wille
der Eheleute zur Weiterführung der Familiengemeinschaft und zur Verbesserung ihrer
Beziehung zum Ausdruck kommen könnte.
Aus den Akten kann insbesondere nicht auf einen ernsthaften Willen der Ehefrau des
Beschwerdeführers geschlossen werden, die Ehe weiterzuführen. In der polizeilichen
Befragung vom 13. März 2012 führte sie aus, indem der Beschwerdeführer sie
geschlagen habe, habe er die Liebe zerstört (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamtes
190-200). Er solle sich einfach nicht mehr bei ihr melden. Am 30. April 2012 erkundigte
sich ein Kollege des Beschwerdeführers beim Migrationsamt nach dem Stand des
Verfahrens betreffend Aufenthaltsbewilligung (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamtes
202). In diesem Zeitpunkt schien die Ehefrau des Beschwerdeführers jedenfalls nicht an
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einer Verlängerung des Aufenthalts des Beschwerdeführers interessiert gewesen zu
sein. Am 3. Mai 2012 bestätigte sie dem Migrationsamt schriftlich, sie lebe von ihrem
Ehemann, der sie mehrmals geschlagen habe, getrennt und habe die Scheidungsklage
eingereicht. Bereits am Vortag hatte sie dem Migrationsamt telefonisch mitgeteilt, jetzt
sei "Schluss" (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamts 208/209). Noch am 19. Oktober
2012 erkundigte sich die Ehefrau am Schalter des Migrationsamtes, wann der
Beschwerdeführer "endlich gehen müsse". Sie wolle, dass er gehen müsse, dafür hätte
das Amt zu sorgen (vgl. act. 10/Akten des Migrationsamts 256).
Weder im Rekurs- noch im Beschwerdeverfahren hat die Ehefrau des
Beschwerdeführers ihren ernsthaften Ehewillen bekundet. Im Übrigen hat das
Bundesgericht schon mehrfach erklärt, dass bei getrennt wohnenden Ehepartnern
selbst rein freundschaftliche Kontakte, auch zwei oder drei Mal die Woche, für die
Annahme einer gelebten Ehegemeinschaft nicht genügen (vgl. BGer 2C_575/2009 vom
1. Juni 2010 E. 3.6 mit Hinweis auf 2C_278/2008 vom 18. Juni 2008 E. 4.2 und 4.3
sowie 2C_285/2009 vom 4. Februar 2010 E. 2.2). Das System des Ausländerrechts ist
schliesslich nicht darauf angelegt, dass ausländische Eheleute längere Zeit
voneinander getrennt in der Schweiz leben können, um sich über ihre Beziehung klar
zu werden (vgl. BGer 2C_891/2012 vom 7. Juni 2013 E. 2.3).
2.3. Der Beschwerdeführer beruft sich nicht auf Art. 50 Abs. 1 Ingress und lit. b AuG,
wonach der Anspruch des Ehegatten auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehe- oder Familiengemeinschaft weiter
besteht, wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderlich machen. Vielmehr nimmt er selbst den Standpunkt ein, die Trennung
dauere erst seit ein paar wenigen Monaten an und aus Sicht des Beschwerdeführers
sei eine Annäherung zur Ehefrau bzw. ein Aufheben des Getrenntlebens aufgrund der
aktuellen Entwicklungen realistisch. Der Ehewille sei nicht erloschen und es könne
somit fraglos von einem Weiterbestand der Familiengemeinschaft ausgegangen
werden.
Der Beschwerdeführer beantragt, bei Zweifeln an der Qualität der ehelichen Beziehung
beziehungsweise am – potentiellen – Weiterbestand der Familiengemeinschaft sei der
Abschluss des Strafverfahrens wegen Scheinehe abzuwarten. Ob der Eheschluss des
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Beschwerdeführers im April 2011 allein auf ausländerrechtliche Beweggründe
zurückzuführen war und die Eheleute eine Ehegemeinschaft weder beabsichtigten
noch tatsächlich lebten, ist nicht von Belang, nachdem der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aus Art. 42 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 49 AuG ableiten kann.
Ein Härtefall im Sinn von Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG, wonach der Anspruch
aus wichtigen persönlichen Gründen, namentlich wenn der Ehegatte Opfer ehelicher
Gewalt wurde, die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale
Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint, liegt nicht vor. Der
Beschwerdeführer bringt vor, mit Blick auf die Verhältnismässigkeit sei zu beachten,
dass er seit seiner Einreise beim selben Arbeitgeber – Z. GmbH, St. Gallen –
beschäftigt sei und ein regelmässiges Einkommen erziele. Dabei erlerne er gleichzeitig
auch die deutsche Sprache. Er halte sich – abgesehen von den Vorwürfen betreffend
Scheinehe, für welche die Unschuldsvermutung gelte – an die hiesige Rechtsordnung
und ein grosser Teil seiner Familie wohne in der Ostschweiz.
Der 32-jährige Beschwerdeführer hält sich erst seit rund zweieinhalb Jahren in der
Schweiz auf. Seine persönlichen Beziehungen in der Schweiz beschränken sich auf die
– zurzeit nicht gelebte – Ehe und zu Verwandten. Er hat den grössten Teil seines
bisherigen Lebens nicht in der Schweiz verbracht. Es ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer mit den Verhältnissen in seinem Heimatland vertraut ist, dort über
verwandtschaftliche und weitere soziale Beziehungen verfügt und sich
dementsprechend ohne Weiteres wieder integrieren kann. Unter diesen Umständen
stehen auch seine stabile wirtschaftliche Situation und die bisherige strafrechtliche
Unbescholtenheit einer Beendigung seiner Anwesenheit in der Schweiz nicht entgegen.
Da wichtige Gründe weder für getrennte Wohnsitze im Sinne von Art. 49 AuG noch für
einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz im Sinn von Art. 50 AuG vorliegen, kann auch
Art. 96 Abs. 1 AuG, welcher die Ermessensausübung regelt, zu keinem anderen
Ergebnis führen.
4. (...).