Decision ID: dd00d6f6-5d50-4650-b4a8-f4622e29681e
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Y._
, geboren 1965, ist Geschäftsführer der am 2. Dezember 2019 neu im Handelsregister eingetragenen
X._
GmbH (Urk. 6/1 und www.zefix.ch). Am 11. November 2020
respektive
6. Januar
2021 (Eingangsdatum
)
meldete die
X._
GmbH
Y._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse, zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung (wesentliche Einschränkung
der Erwerbstätigkeit)
ab 17. September 2020
gestützt auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-
19-Verordnung Erwerbsaufall) an
.
Dies
mit der Begründung
, dass sie eine Umsatzeinbusse erlitten habe, weil
die Taxifahrten infolge der
Corona-P
andemie stark zurück
gegangen seien
(Urk. 6/5 und Urk. 6/9-10)
.
Mit Verfügung vom
15.
Februar 2021
verneinte die Aus
gleichskasse einen Anspruch
von
Y._
auf eine Corona-Erwerbsausfallentschädigung (Urk.
6/16
).
Geg
en diese Verfügung erhob die
X._
GmbH mit Eingabe vom
16
.
Februar 2021
Einsprache
(Urk.
6/25
), welche die
Aus
gleichskasse mit Entscheid vom
1. April
2021
abwies
(Urk. 2)
.
2.
Dagegen erhob die
X._
GmbH
am 29. April 2021 Beschwerde und beantragte
sinngemäss
, es sei
der angefochtene Entscheid aufzuheben und ein Anspruch
von
Y._
auf
eine
Corona-Erwerbsausfallentschädigung zu bejahen
(
Urk. 1
). Die Be
schwer
degegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
27. Mai
2021 a
uf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5
), was der
Beschwerdeführer
in
am
2. Juni
2021 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verord
nun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohen
de
n schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusse
ren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf
maximal sechs Monate; vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Ver
wal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise auch auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Covid-19-
Verordnung Erwerbsausfall. Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rück
wirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeitraum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Seit Inkrafttreten h
at die Ver
ordnung mehrfach
Änderung
en
erfahren und gilt nunmehr bis zum 30. Juni 2021 (Art. 11 Abs. 5). Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
1
.2
Gemäss
dem
(rückwirkend) seit dem 17. September 2020
geltenden
Art. 2 Abs. 3
bis
Covid-19-Verordnung
Erwerbsausfall (
eingefügt mit der Änderung vom 4. Novem
ber 2020
)
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12
des Bun
des
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
und
Personen nach Artikel 31
Absatz 3 Buchstaben b und c des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(
AVIG
; d.h. Personen in arbeitgeber
ähnlicher Stellung sowie ihre mitarbeitenden Ehegatten bzw. die Ehegatten des Arbeitgebers
),
die nicht zur Schliessung des Betriebs verpflichtet oder direkt vom Veranstaltungsverbot betroffen waren, an
spruchsberechtigt wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c.
sie im Jahr
2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbsein
kommen von mindest
ens Fr. 10'000.-- erzielt haben;
diese Voraussetzung gilt sinnge
mäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde; wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese Vor
aus
setzung proportional zu deren Dauer
.
Die Erwerbstätigkeit gilt
gemäss
Art. 2 Abs. 3
ter
Covid-19-Verordnung Erwerbs
ausfall
(
in der vom 17. September bis 18. Dezember 2020 gültigen Fassung
)
als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine Umsatzeinb
usse von min
destens 55 Prozent
im Vergleich zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015–2019 vorliegt
;
vom 19. Dezember 2020 bis 31. März 2021
betrug
die
erforderliche Mindestumsatzeinbusse
40 Prozent und ab 1. April 2021
beträgt sie
30 Prozent
. Wurde die Tätigkeit nach 2015 und vor 2020 aufgenommen, so ist der Durch
schnitt der entsprechenden Erwerbsdauer massgebend. Personen, die ihre Erwerbstätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen haben, müssen nach
weisen, dass pro Monat eine Umsatzeinbusse von mindestens 55 Prozent (ab 1. April 2021: 30 Prozent) im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz von min
destens drei Monaten vor
liegt; massgebend ist der Durchschnitt der drei Mon
ate mit den höchsten Um
sätzen
.
1.3
Bei Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung wird
gemäss
Rz
. 1069.1 des
Kreis
schreibens
über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coro
navirus
- Corona-Erwerbsersatz (KS CE, Stand: 3. Juli 2020)
für die Er
mittlung des
massgebenden
durchschnittlichen Einkommens auf das für das Jahr 2019 deklarierte AHV-pflichtige Einkommen abgestellt. Wurde das Einkommen in weniger als einem Jahr erzielt,
erfolgt die Umrechnung des Einkommens ent
sprechend
der Regelung
bei
Selb
ständigerwerbenden
(
Rz
. 1069.1 in Verbindung mit
Rz
. 1067 KS CE, Stand: 4. November 2020). Wurde die Erwerbstätigkeit im Jahr 2020 aufgenommen, so wird für die Bemessung der Entschädigung auf das Einkommen
gemäss
den Lohnabrechnungen des ersten Quartals 2020 abgestützt (
Rz
. 1069.2 KS CE, Stand:
3. Juli 2020 und
4. November 2020
).
Die Regelung zur Ermittlung des
massgebenden
durchschnittlichen Einkommens bei Personen in arbeitgeberähnlicher Stellung entspricht weitgehend derjenigen bei
Sel
b
ständigerwerbenden
, wonach
Grundlage für die Bemessung
der Ent
schädigung für
Selb
ständigerwerbende
grundsätzlich das Erwerbseinkommen
bildet
, welches im Jahr 2019 erzielt wurde. Als Basis ist das Einkommen zu ver
wenden, welches für die Festsetzung der Beitragsrechnungen für das Jahr 2019 (
Akontorechnungen
) herangezogen wurde
(
KS CE
,
Rz
. 1065,
Stand:
18. Dezember
2020)
.
Wurde das Einkommen in weniger als einem Jahr erwirtschaftet, erfolgt die Umrechnung des Einkommens auf den Tag entsprechend dieser Erwerbsdauer (BGE 133 V 431). Diese Erwerbsdauer muss b
elegt
werden (bspw. Status als
Selb
ständige
rwerbe
nde
, Beleg aus der Buchhaltung;
Rz
. 1067).
Sobald die Höhe der Entschädigung festgesetzt wurde, kann sie nicht auf der Grundlage einer aktuelleren Berechnungsgrun
dlage neu berechnet werden (
Rz
.
1068).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid damit,
dass ein Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung
wegen wesentlicher Einschränkung der Erwerbstätigkeit nur
für Personen b
estehe, welche im Jahr
2019
bei ihr
mindestens ein Jahreseinkommen von Fr. 10'000.-- abgerechnet hätten. Die Beschwerdeführerin habe für die Jahre 2019
und 2020
jedoch
kein Einkommen abgerechnet (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
machte demgegenüber geltend,
da
ss
Y._
nach der Firmengründung im Dezember 2019
noch kein Lohn ausgerichtet worden sei.
Anfang 2020 hätte
d
er ehemalige Treuhänder der Beschwerdeführerin die voraussichtliche Lohnsumme f
ür das Jahr 2020 melden sollen. Der Treuhänder habe jedoch keine Meldung
erstattet
und sei längere Zeit nicht erreichbar ge
wesen. Die Beschwerdefü
hrerin habe deshalb einen neuen Buchhalter suchen müssen.
Daraufhin hätten
Y._
und seine
Ehefrau
beim Kundendienst der Beschwerdegegnerin
vorgesprochen und mitgeteilt
, dass sie bis Ende Mai 2020 Kurzarbeitsentsch
ädigung bezogen hätten. In den restlichen
Monaten hätten sie mit dem erzielten Umsatz
lediglich ihre Fixkosten
decken können.
Die
Mit
arbeiterin der Beschwerdegegnerin
habe
die Lohndeklaration am Schalt
er nicht korrekt ausgefüllt
.
Dies deshalb, weil sie Kurzarbeitsentschädigungen bezogen hätten
und einen Angestellten beschäftigen würden
.
Die Beschwerdeführerin habe seit Monaten Um
satzeinbussen und Lohnausfälle
zu beklagen
(Urk. 1).
3.
3.1
Aktenkundig ist, dass
die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 25. Januar 2021 aufforderte, den Lohnausweis von 2019 und die Lohnabrechnungen des Jahres 2020 einzureichen (Urk. 6/14).
Mit
Einga
be vom 4. Februar 2021 teilte die Beschwerdeführerin mit
, dass
Y._
im Jahr 2019
noch keinen Lohn erhalten
habe (Urk. 6/15/13)
. In der Beilage stellte sie der Beschwerdegegnerin die Lohnabrechnungen von
Y._
von Januar bis Dezember 2020 zu, welche einen
monatlichen Lohn von brutto Fr.
4'500.-- ausweisen (Urk. 6/15
/1-12
).
Mit Verfügung vom 15. Februar 2021 verneinte die Beschwerdegegnerin einen Anspruch
von
Y._
auf
eine
Corona-Erwerbsausfallentschädigung
für die Monate September bis Dezember 2020
mit der Begründung, dass
er
gemäss den nachgereichten Unterlagen (Lohnabrechnungen) und den Angaben auf seiner Anmeldung zum Leistungsbezug
im fraglichen Zeitraum
ke
inen Lohnausfall erlitten habe
(Urk. 6/16).
In der Einsprache vom 16. Februar 2021 erklärte die Beschwerdeführerin, dass es ein Missverständnis
gegeben habe. Die Beschwerdeführerin
habe ihrer Buch
hal
terin mitgeteilt
, dass die Beschwerdegegnerin die Lohnabrechnung
en des Jahres 2020 benötige
, um zu sehen,
welchen
Lohn
Y._
eigentlich hätte erhalten sollen. Das Geld sei ihm aber gar nicht ausbezahlt worden.
Die Einkünfte der Beschwerdeführerin seien aktuell sehr gering und würden lediglich di
e Fixkosten decken (Urk. 6/25).
In der Lohndeklaration vom 2. März 2021 gab die Beschwerdeführerin an, dass sie im Jahr 2020 keine beitragspflichtigen Löhne ausbezahlt habe (Urk. 6/24).
3.2
Wie aufgrund der dargelegten Akten erhellt, hat die Beschwerdeführerin
Y._
weder im Jahr 2019 noch im
Ja
hr 2
020
einen
beitragspflichtigen
Lohn aus
bezahlt.
Y._
hat demnach
zu keinem Zeitpunkt das
erforderliche Min
dest
einkommen erreicht
und in der Folge offensichtlich auch
k
einen Lohnausfall erlitten.
Ausführungen
zu den
nicht
entscheidrelevanten
Vorbrin
gen der Be
schwerdeführerin, wonach ihr ehemaliger Treuhänder die Lohndeklaration Anfan
g 2020 nicht eingereicht und eine
Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin die Lohn
deklaration
in der Folge
nicht korrekt ausgefüllt
habe, erübrigen sich.
4.
Der angefochtene Entscheid, mit dem ein
Anspruch von Tunay Sen
auf
eine
Corona-Erwerbsausfallentschädigung verneint wurde, erweist sich damit als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.