Decision ID: 91942ec7-5b20-40d3-a0bc-82038cd2d240
Year: 2015
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X erwarb den Führerausweis der Fahrzeugkategorie B am 5. Mai 2011 auf Probe.
Am 8. Mai 2013 beging er eine mittelschwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, indem er beim Hintereinanderfahren einen
ungenügenden Sicherheitsabstand einhielt. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt
des Kantons St. Gallen verfügte daraufhin am 23. Juli 2013 einen Führerausweisentzug
von einem Monat, der vom 23. Juli bis 22. August 2013 vollzogen wurde. Zudem wurde
die Probezeit um ein Jahr verlängert.
B.- Am Sonntag, 21. Dezember 2014, um 23.23 Uhr, lenkte X einen Lieferwagen mit
den Kontrollschildern AR 000‘000 auf der St. Gallerstrasse in Gossau in Richtung
St. Gallen. Nach den Feststellungen einer Patrouille der Kantonspolizei St. Gallen hielt
er dabei auf der Höhe des oberen Bereichs des Lenkrades in der linken Hand ein
Mobiltelefon und richtete seinen Blick für mehrere Sekunden auf das leuchtende
Display. Bei der Nachfahrt sei er Schlangenlinien gefahren und habe mit den linken
Fahrzeugrädern die Mittellinie mehrmals um 20 bis 30 cm überfahren. Zudem habe X
bei der polizeilichen Kontrolle keinen gültigen Führerausweis vorweisen können.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau vom 14. Januar 2015 wurde X wegen
mehrfacher Verletzung der Verkehrsregeln (Vornahme von Verrichtungen an einem
Mobiltelefon während der Fahrt und ungenügendes Rechtsfahren) sowie des
Nichtmitführens des Führerausweises schuldig gesprochen und zu einer Busse von
Fr. 300.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C.- Am 28. Januar 2015 teilte das Strassenverkehrsamt X mit, dass wegen des Vorfalls
vom 21. Dezember 2014 eine Annullierung des Führerausweises auf Probe vorgesehen
sei. Gleichzeitig verfügte es einen vorsorglichen Führerausweisentzug. Einen dagegen
bei der Verwaltungsrekurskommission erhobenen Rekurs zog der Rechtsvertreter von
X am 12. Februar 2015 zurück. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs annullierte
das Strassenverkehrsamt mit Verfügung vom 19. März 2015 den Führerausweis auf
Probe und entzog einem allfälligen Rekurs die aufschiebende Wirkung.
D.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 19. März 2015 erhob X mit
Eingabe seines Rechtsvertreters vom 31. März 2015 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei
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vollumfänglich aufzuheben und von einer Annullierung des Führerausweises auf Probe
sei abzusehen. Ferner sei die mit der angefochtenen Verfügung vom 19. März 2015
entzogene aufschiebende Wirkung wiederzuerteilen und eine mündliche Verhandlung
durchzuführen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des
Rekursgegners. Die Vorinstanz verzichtete am 27. April 2015 auf eine Vernehmlassung.
E.- Mit Verfügung vom 15. Mai 2015 wies der Verfahrensleiter das Gesuch um Erteilung
der aufschiebenden Wirkung ab. Den Antrag auf Durchführung einer mündlichen
Verhandlung zog der Rechtsvertreter des Rekurrenten am 1. Juni 2015 zurück.
Auf die Ausführungen des Rekurrenten zur Begründung seiner Anträge wird, soweit

erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 31. März 2015 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS
951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Da der Sachverhalt insbesondere in Bezug auf die mangelnde Aufmerksamkeit im
Strassenverkehr umstritten ist, ist vorab zu klären, auf welche tatsächlichen
Feststellungen abzustellen ist.
a) Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das Strafgericht über die strafrechtlichen
Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die Verwaltungsbehörde in einem
separaten Verfahren über Administrativmassnahmen (insbesondere
Führerausweisentzüge, Verwarnungen). Die Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig,
kann aber – bei fehlender Koordination – dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu
voneinander abweichenden Sachverhaltsdarstellungen von Verwaltungs- und
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich
beurteilt werden. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde im
Interesse von Rechtseinheit und Rechtssicherheit gemäss konstanter
bis
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bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzuwarten,
bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das Strafverfahren bietet durch die
verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die umfassenderen persönlichen
und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die weiterreichenden prozessualen
Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung näher
bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht durchwegs derselben Formstrenge
unterliegenden Verwaltungsverfahren. Massgeblich ist also grundsätzlich der
Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt wurde. Nach konstanter
Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen Feststellungen im
Strafurteil nur dann abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu
Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat,
wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen Entscheid
führt, wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den feststehenden Tatsachen
klar widerspricht, oder wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c; VRKE IV-2012/126
vom 21. März 2013 im Internet abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Die
Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im Strafurteil abzustellen,
wenn dieses im ordentlichen Verfahren ergangen ist (BGE 119 Ib 158 E. 3c/aa). Die
Bindungswirkung an die Sachverhaltsdarstellung besteht aber auch dann, wenn die
Strafsache mit Bussenverfügung erledigt wurde, welche sich ausschliesslich auf den
Polizeirapport stützt, sofern der Betroffene wusste oder angesichts der Schwere der
ihm angelasteten Übertretung voraussehen musste, dass gegen ihn auch ein Verfahren
wegen Führerausweisentzuges eingeleitet wird oder er darüber informiert worden ist,
und er es im Rahmen des summarischen Strafverfahrens unterlassen hat, seine
Verteidigungsrechte wahrzunehmen. Unter diesen Umständen darf er nicht das
Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und Beweisanträge
zu stellen (BGE 123 II 97 E. 3c/aa).
b) Der Rekurrent macht geltend, sowohl die Strafbehörde als auch die Vorinstanz seien
von einem unzutreffenden und unvollständigen Sachverhalt ausgegangen. Mit dem
Strafbefehl vom 14. Januar 2015 sei er nicht einverstanden gewesen. Bereits bei der
Befragung durch die Polizei vor Ort habe er die Benützung eines Mobiltelefons und das
Schlangenlinienfahren in Abrede gestellt. Im Wissen darum, dass er seinen
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Führerausweis tatsächlich nicht mitgeführt habe und sich eine Busse somit
rechtfertige, sowie davon ausgehend, dass man in einem Einspracheverfahren sowieso
der Polizei glauben würde, und schliesslich auch in der irrigen Annahme, mit der
Bezahlung der Busse sei die ganze Sache erledigt, habe er den Strafbefehl zunächst
nicht angefochten. Nach Erhalt des Schreibens der Vorinstanz vom 28. Januar 2015
habe er aber umgehend am 30. Januar 2015 Einsprache erhoben, was allerdings
bereits zu spät gewesen sei. In der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz vom
19. März 2015 sei unzutreffend festgestellt worden, dass er durch die Benützung eines
Mobiltelefons abgelenkt gewesen sei bzw. er während der Fahrt Verrichtungen an
einem Mobiltelefon vorgenommen habe. Sein Mobiltelefon habe er gar nicht bei sich
gehabt. Dieses habe sich, eingesteckt am Akkuladegerät, bei ihm zuhause befunden.
Entsprechend sei sein Mobiltelefon bei der polizeilichen Kontrolle auch nicht gefunden
worden. Im Weiteren ergebe sich aus der Bestätigung seines Mobilfunkanbieters, dass
er in der Zeit von 21.40 Uhr bis 24.00 Uhr keine eingehenden oder ausgehenden Anrufe
(auch keine Internetverbindungen) gehabt habe, womit der Beweis erbracht sei, dass er
es nicht benutzt habe. Dies könne auch sein Arbeitskollege, der zur fraglichen Zeit mit
ihm mitgefahren und bei der polizeilichen Kontrolle anwesend gewesen sei, bezeugen.
Sein Arbeitskollege könne ferner bestätigen, dass er kein anderes Mobiltelefon,
namentlich auch nicht dasjenige seines Arbeitskollegen, in der Hand gehalten oder gar
benutzt habe. Dass das Mobiltelefon seines Arbeitskollegen zur fraglichen Zeit nicht
benutzt worden sei, ergebe sich im Übrigen auch aus der Bestätigung des
Mobilfunkanbieters seines Arbeitskollegen. Dem Sachbearbeiter mit staatsanwaltlichen
Befugnissen seien die Verbindungsnachweise der Mobilfunkanbieter nicht bekannt
gewesen, weshalb sie nicht beachtet worden seien. Gestützt auf die nun im Recht
liegenden Akten sowie die offerierten Beweismittel erweise sich die vom Strafrichter
vorgenommene Beweiswürdigung als den Tatsachen klar widersprechend. Die
Rekursinstanz müsse daher – wenn dies die Vorinstanz schon nicht getan habe – in
Abweichung vom Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt worden sei,
entscheiden. Den Lieferwagen habe er zum besagten Zeitpunkt zwar gelenkt. Dabei
habe er aber weder sein Mobiltelefon noch dasjenige seines mitfahrenden
Arbeitskollegen benutzt. Er habe überhaupt kein Mobiltelefon in der Hand gehalten und
sei mithin auch nicht Schlangenlinie gefahren. Demzufolge sei auch kein
Administrativmassnahmeverfahren zu eröffnen. Dann aber entfalle die leichte
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Verkehrsregelverletzung, weshalb die Annullierung des Führerausweises auf Probe
nicht zur Anwendung gelangen könne.
c) Im Strafbefehl des Untersuchungsamtes Gossau vom 14. Januar 2015 wurde zum
Sachverhalt festgehalten, dass der Rekurrent während der Fahrt eine ablenkende
Verrichtung vorgenommen habe, indem er auf der Höhe des Lenkrades in seiner linken
Hand ein Mobiltelefon gehalten und seinen Blick während mehreren Sekunden auf das
leuchtende Display gerichtet habe. Der Rekurrent sei Schlangenlinien bzw.
ungenügend rechts gefahren und habe mindestens dreimal die Mittelleitlinie
überfahren. Der Sachbearbeiter mit staatsanwaltlichen Befugnissen stützte sich allein
auf die Feststellungen im Polizeirapport; er nahm keine weiteren Abklärungen,
insbesondere auch keine Einvernahme des Angeschuldigten, seines mitfahrenden
Arbeitskollegen oder der beteiligten Polizisten vor. Der Rekurrent, der infolge der
Verkehrsregelverletzung vom 8. Mai 2013 bereits einmal von der Strafbehörde verurteilt
und vom Strassenverkehrsamt mit einer Administrativmassnahme belegt worden war,
musste aber aufgrund der Verurteilung wegen mehrfacher Verletzung der
Verkehrsregeln wissen, dass gegen ihn in der Folge auch ein
Administrativmassnahmeverfahren eröffnet wird. In Ziffer 5 des Dispositivs des
Strafbefehls vom 14. Januar 2015 wurde zudem vermerkt, dass der Strafbefehl nach
unbenutzter Rechtsmittelfrist der Vorinstanz zugestellt werden würde. Ferner wurde
dem Rekurrenten bereits anlässlich der polizeilichen Befragung vom 21. Dezember
2014 mitgeteilt, dass eine Kopie des Polizeirapports an die Administrativbehörde
gesandt werde und diese für die Prüfung eines allfälligen Administrativverfahrens
zuständig sei. Ebenso wurde der Rekurrent schon in der Verfügung der Vorinstanz vom
23. Juli 2013 darauf aufmerksam gemacht, dass er bei neuerlichen Verstössen gegen
das Strassenverkehrsrecht mit deutlich einschneidenderen Massnahmen zu rechnen
habe und der Führerausweis auf Probe mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug
des Ausweises führe, verfalle. Dessen ungeachtet focht der Rekurrent den Strafbefehl,
worin ihm das Vornehmen von Verrichtungen an einem Mobiltelefon während der Fahrt
sowie ungenügendes Rechtsfahren vorgeworfen werden, nicht (rechtzeitig) an. Selbst
wenn er der Meinung war, die "ganze Sache" wäre mit der Bezahlung der Busse für ihn
erledigt, so hätte er aufgrund der Vorkenntnisse und den ihm zugekommenen
Informationen mit einer Administrativmassnahme rechnen müssen. In
Übereinstimmung mit dem Strafbefehl ist deshalb auch im Administrativverfahren in
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tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass der Rekurrent am 21. Dezember 2014
während der Fahrt für mehrere Sekunden auf das leuchtende Display eines
Mobiltelefons schaute, welches er auf Höhe des Lenkrades in seiner linken Hand
festhielt, und er deshalb seine Aufmerksamkeit nicht hinreichend der Strasse und dem
Verkehr zuwandte, was zur Folge hatte, dass er Schlangenlinie fuhr. Die
Beweiswürdigung des Sachbearbeiters mit staatsanwaltlichen Befugnissen deckt sich
mit den Schilderungen im Polizeirapport vom 25. Dezember 2014. Demnach konnten
zwei Polizisten aus nur wenigen Metern Entfernung beobachten, wie der Rekurrent
während der Fahrt in seiner linken Hand auf der Höhe des oberen Bereichs des
Lenkrades ein Mobiltelefon gehalten habe. Das Display habe in der dunklen
Führerkabine geleuchtet und der Rekurrent habe seinen Blick mehrere Sekunden auf
das Display gerichtet gehabt. Bei der Nachfahrt sei der Rekurrent Schlangenlinie
gefahren und mehrmals mit den linken Fahrzeugrädern um 20 bis 30 cm über die
Mittelleitlinie hinaus gekommen. Es gibt keinen Grund, an diesen detaillierten
Feststellungen zu zweifeln. Abgesehen davon sind die Aussagen des Rekurrenten
widersprüchlich. Bei der polizeilichen Befragung vor Ort stellte er zwar in Abrede,
während der Fahrt Verrichtungen an einem Mobiltelefon vorgenommen zu haben. Er
machte dagegen nicht geltend, kein Mobiltelefon dabei gehabt zu haben. Vielmehr
behauptete er, dass das Mobiltelefon in der Halterung der Mittelkonsole geleuchtet
habe. Erst im Verlauf des Verfahrens brachte er vor, dass bei der polizeilichen Kontrolle
kein Mobiltelefon habe gefunden werden können und er sein Mobiltelefon zuhause
vergessen habe. Auf dem polizeilichen Fotoblatt ist zudem klar ersichtlich, dass sich
ein Mobiltelefon in der Mittelkonsole des Lieferwagens befand. Ob es sich dabei um
das Mobiltelefon des Rekurrenten, seines Arbeitskollegen oder ein anderes
Mobiltelefon handelt, steht nicht fest. Tatsache ist aber, dass anlässlich der
Polizeikontrolle ein Mobiltelefon im Fahrzeug des Rekurrenten gefunden wurde. Soweit
der Rekurrent das Gegenteil behauptet, sind seine Aussagen aktenwidrig. Weiter lässt
sich dem Fotoblatt der Polizei entnehmen, dass der Innenraum des Lieferwagens
aufgrund der niedrigeren Sitzposition im Patrouillenfahrzeug von den Polizisten nicht
wahrgenommen werden konnte. Auch die diesbezüglichen Aussagen des Rekurrenten
sind somit nicht schlüssig. Schliesslich ist kein Grund ersichtlich, weshalb die
Polizisten ihn bewusst falsch belasten sollten. Die von der Darstellung der Polizisten
abweichenden Angaben des Rekurrenten müssen daher als Schutzbehauptungen
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betrachtet werden. Aus den Bestätigungen der Mobilfunkanbieter, wonach zur
fraglichen Zeit (sowie einige Zeit davor und danach) weder vom Mobiltelefon des
Rekurrenten noch von demjenigen seines mitfahrenden Arbeitskollegen
Telefongespräche geführt worden sind, kann der Rekurrent nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Dem Rekurrenten wird nicht vorgeworfen, während der Fahrt durch ein
Telefongespräch abgelenkt gewesen zu sein, sondern ein Mobiltelefon auf der Höhe
des Lenkrades gehalten und während mehreren Sekunden auf das leuchtende Display
gesehen zu haben und deshalb ungenügend rechts gefahren zu sein. An diesen
tatsächlichen Feststellungen vermöchten die beantragten Befragungen des
Rekurrenten und seines Mitfahrers nichts zu ändern. Auf entsprechende
Beweisabnahmen kann deshalb verzichtet werden.
3.- Weiter ist zu prüfen, ob das Verhalten des Rekurrenten in rechtlicher Hinsicht eine
Verkehrsregelverletzung darstellt, welche eine Administrativmassnahme nach sich
zieht.
a) Nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 (SR 741.03, abgekürzt:
OBG) ausgeschlossen ist, wird der Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen (Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt:
SVG). Dies ist so zu verstehen, dass bei einer Erledigung im Ordnungsbussenverfahren
grundsätzlich keine Administrativmassnahme zu erfolgen hat (Philippe Weissenberger,
Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 16 SVG N 23). Die
Widerhandlungen gegen Strassenverkehrsvorschriften, die mit Ordnungsbussen
geahndet werden, sind in der Bussenliste in Anhang 1 zur Ordnungsbussenverordnung
abschliessend aufgezählt (vgl. Art. 1 der Ordnungsbussenverordnung, SR 741.031,
abgekürzt: OBV). Nach Ziff. 311 des Anhangs beträgt die Ordnungsbusse für das
Verwenden eines Telefons ohne Freisprechanlage während der Fahrt Fr. 100.–.
b) Wer ein Fahrzeug lenkt, muss dieses ständig so beherrschen, dass er seinen
Vorsichtspflichten nachkommen kann (Art. 31 Abs. 1 SVG). Er hat dafür zu sorgen,
dass er nicht behindert wird (Art. 31 Abs. 3 SVG). Er muss seine Aufmerksamkeit der
Strasse und dem Verkehr zuwenden und darf beim Fahren keine Verrichtung
vornehmen, welche die Bedienung des Fahrzeugs erschwert. Insbesondere darf seine
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Aufmerksamkeit nicht durch Tonwiedergabegeräte sowie Kommunikations- und
Informationssysteme beeinträchtigt werden (Art. 3 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung, SR 741.11, abgekürzt: VRV). Gesetz und Verordnung gehen
mithin davon aus, dass bestimmte Verrichtungen an sich die notwendige Beherrschung
des Fahrzeugs beeinträchtigen und dadurch – im Sinne eines Gefährdungsdelikts –
stets zumindest eine abstrakte Gefahr für die übrigen Verkehrsteilnehmer schaffen
(Urteil des Bundesgerichts [BGer] 6B_2/2010 vom 16. März 2010 E. 1.3). Der
Fahrzeuglenker muss das Lenkrad mindestens mit der einen Hand halten (Art. 3 Abs. 3
VRV) und hat so die andere, wenn sie nicht zum Lenken gebraucht wird, für Handgriffe
wie die Betätigung der Warnsignale, der Richtungsanzeiger, gegebenenfalls des
Schalthebels, der Scheibenwischer, des Lichtschalters und dergleichen zur Verfügung.
Ob eine Verrichtung das Lenken oder einen dieser Handgriffe erschwert bzw.
verunmöglicht, hängt grundsätzlich von der Art der Verrichtung, dem Fahrzeug und der
Verkehrssituation ab. Dauert eine solche Verrichtung nur kurz und muss dabei weder
der Blick vom Verkehr abgewandt noch die Körperhaltung geändert werden, so kann
eine Erschwerung der Fahrzeugbedienung in der Regel verneint werden. Ist die
Verrichtung jedoch von längerer Dauer oder erschwert sie in anderer Weise die
nötigenfalls sofortige Verfügbarkeit der sich nicht am Lenkrad befindlichen Hand, so ist
die Fahrzeugbedienung in unzulässiger Weise behindert. Hält ein Lenker einen
Gegenstand während nicht nur einem kurzen Augenblick in der einen Hand, so
erschwert dies die Ausführung der für die Erfüllung der Vorsichtspflichten unter
entsprechenden Umständen unerlässlichen Verpflichtungen. Je nachdem, mit welcher
Hand der Lenker den Gegenstand hält, kann dann beispielsweise beim Abbiegen der
Richtungsanzeiger nicht gestellt oder bei einem überraschend notwendig werdenden
Ausweichmanöver das Lenkrad nicht rasch genug in der erforderlichen Weise betätigt
werden (vgl. BGE 120 IV 63 E. 2d; BGer 6P.68/2006 vom 6. September 2006 E. 3.2).
Das Mass der Aufmerksamkeit, das vom Fahrzeugführer zu verlangen ist, richtet sich
nach den gesamten konkreten Umständen, namentlich der Verkehrsdichte, den
örtlichen Verhältnissen, der Tageszeit, der Sicht und den voraussehbaren
Gefahrenquellen. Der Fahrzeuglenker ist verpflichtet, dorthin zu schauen, wo er hinfährt
(BGer 6B_184/2011 vom 24. Mai 2011 E. 1.4.1). Gleichzeitig darf er aber nicht einfach
nur geradeaus schauen, sondern hat den Blick schweifen zu lassen (BGer
6B_867/2009 vom 3. Dezember 2009 E. 5.4). Daraus geht hervor, dass die Anwendung
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/06033c52-4709-4cd6-bd8b-bd096a47378b/5eac31ae-d46c-49c2-8dea-609199a50e27?source=document-link&SP=6|lrbm1t https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/06033c52-4709-4cd6-bd8b-bd096a47378b/5eac31ae-d46c-49c2-8dea-609199a50e27?source=document-link&SP=6|lrbm1t
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des mittels Ordnungsbusse zu ahndenden Tatbestands nicht mehr möglich ist, sobald
ein Fahrzeuglenker seine Aufmerksamkeit nebst der die Fahrzeugbedienung
erschwerenden Verrichtung nicht mehr der Strasse und dem Verkehr zuwendet. Dazu
gilt nach Art. 34 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 VRV grundsätzlich ein
Rechtsfahrgebot, welches verhüten soll, dass sich Fahrzeuge gegenseitig gefährden,
die in entgegengesetzter oder gleicher Richtung fahren (vgl. Giger, OFK-SVG, 8. Aufl.
2014, SVG 34 N 1).
c) In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass der Rekurrent bei seiner Fahrt am
21. Dezember 2014 für mehrere Sekunden auf das leuchtende Display eines
Mobiltelefons schaute, welches er auf Höhe der Oberkante des Lenkrades in seiner
linken Hand festhielt. Dies hatte zur Folge, dass er seine Aufmerksamkeit während
längerer Zeit als nur einen kurzen Augenblick nicht auf die Strasse und den Verkehr
richtete; entsprechend fuhr er bei der polizeilichen Nachfahrt Schlangenlinie. Die
sofortige Verfügbarkeit der Hand, die das Mobiltelefon hielt, war nicht gegeben. Die
Ausführung der für die Erfüllung der Vorsichtspflichten unter entsprechenden
Umständen unerlässlichen Verrichtungen war damit erschwert. Der Rekurrent war im
Innerortsbereich unterwegs und die nächtlichen Verhältnisse erforderten eine erhöhte
Aufmerksamkeit. Unter diesen Umständen scheidet die Anwendung des
Ordnungsbussentatbestandes von Ziff. 311 des Anhangs zur OBV von Vornherein aus.
Im Strafverfahren wurde somit zu Recht ein Strafbefehl erlassen und nicht eine
Ordnungsbusse ausgesprochen. Demzufolge ist in rechtlicher Hinsicht von einer
Verletzung von Art. 31 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 VRV sowie Art. 34
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 VRV auszugehen.
d) Gemäss Art. 16 Abs. 2 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem OBG
ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung
ausgesprochen. Das Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG),
mittelschweren (Art. 16b SVG) und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine
leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in
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Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und
wird dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in
Kauf genommen, ist die Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Die
mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen
Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer
leichten Widerhandlung und nicht alle qualifizierenden Elemente einer schweren
Widerhandlung gegeben sind (BGE 135 II 138 E. 2.2.2).
Eine Gefahr für die Sicherheit anderer ist gegeben, wenn die körperliche Integrität einer
Person entweder konkret oder zumindest abstrakt gefährdet wurde. Im Recht der
Administrativmassnahmen wird dabei zwischen der einfachen und der erhöhten
abstrakten Gefährdung unterschieden. Erstere zieht keine Administrativmassnahme
nach sich (Art. 16 Abs. 2 SVG). Von einem solchen Fall ist jedoch nur dann
auszugehen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Fehlverhalten hätten
betroffen werden können. Führte dieses hingegen zu einer Verletzung eines Rechtsguts
oder einer konkreten bzw. erhöhten abstrakten Gefährdung der körperlichen Integrität,
hat dies eine Administrativmassnahme zur Folge (R. Schaffhauser, Die neuen
Administrativmassnahmen des Strassenverkehrsgesetzes, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2003, St. Gallen 2003, S. 181, Rz. 43 ff.). Innerhalb der erhöhten
abstrakten Gefährdung ist auf die Nähe der Verwirklichung der Gefahr abzustellen. Je
näher die Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder Verletzung liegt, umso
schwerer wiegt die erhöhte abstrakte Gefahr (vgl. BGE 118 IV 285 E. 3a). Eine konkrete
Gefahr liegt vor, wenn für einen bestimmten, tatsächlich daherkommenden
Verkehrsteilnehmer oder einen Mitfahrer des Täters die Gefahr einer Körperverletzung
oder gar Tötung bestand (J. Boll, Grobe Verkehrsregelverletzung, Davos 1999, S. 12).
Zudem ist das Ausmass der üblicherweise entstehenden Schädigung bei Eintritt der
Rechtsgutverletzung zu berücksichtigen (vgl. VRKE IV-2011/113 vom 24. November
2011 E. 3b).
e) Bei seiner spätabendlichen Fahrt durch den Innerortsbereich von Gossau hatte der
Rekurrent seine Aufmerksamkeit für mehrere Sekunden auf ein Mobiltelefon gerichtet.
Er unterliess es damit, seinen Blick auf die Strasse und den Verkehr zu richten, um
allfällige Gefahren oder andere Verkehrsteilnehmer rechtzeitig zu erkennen. Er widmete
der Strasse über längere Zeit keine genügende Aufmerksamkeit, sondern war durch
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das Mobiltelefon abgelenkt. In der Folge überfuhr er mit den linken Fahrzeugreifen
mehrmals die Mittelleitlinie um 20 bis 30 cm. Dadurch schuf er eine erhöhte abstrakte
Gefährdung für andere Verkehrsteilnehmer und zwar unabhängig davon, wie
übersichtlich der von ihm gefahrene Streckenabschnitt ist. Eine konkrete Gefährdung
hingegen ist nicht dargetan. Bei dieser Beweislage kann ihm mindestens die
Verursachung einer geringen Gefährdung vorgehalten werden. Sodann ist die
mangelnde Aufmerksamkeit des Rekurrenten verschuldensmässig noch als leicht
einzustufen. Dementsprechend handelt es sich vorliegend um eine leichte
Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG; davon ist auch die Vorinstanz
ausgegangen.
4.- a) Der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen wird
zunächst mit einer Probezeit von drei Jahren erteilt (vgl. Art. 15a Abs. 1 SVG). Wird
dem Inhaber der Ausweis auf Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die
Probezeit um ein Jahr verlängert. Dauert der Entzug über die Probezeit hinaus, so
beginnt die Verlängerung mit der Rückgabe des Führerausweises (Art. 15a Abs. 3
SVG). Der Führerausweis auf Probe verfällt gemäss Art. 15a Abs. 4 SVG mit der
zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des Ausweises führt. Die Bestimmung
bezweckt, Neulenker, welche noch nicht über die nötige Reife zum sicheren und
verkehrsregelkonformen Führen eines Personenwagens verfügen, vom Strassenverkehr
einstweilen fernzuhalten. Nach dem klaren Wortlaut der Bestimmung verfällt der
Führerausweis auf Probe mit der zweiten zu einem Entzug führenden Widerhandlung
und damit unabhängig von deren Schwere. Er verfällt deshalb auch dann, wenn es sich
beim zweiten Fall um eine leichte Widerhandlung im Sinn von Art. 16a SVG handelt, die
unter Berücksichtigung der gegebenen Umstände, insbesondere der Vorgeschichte
des Lenkers, den Entzug des Führerausweises nach sich ziehen würde (vgl. BGE 136 I
345 E. 6.1).
b) Da der Führerausweis dem Rekurrenten innerhalb der vorangegangenen zwei Jahre
bereits einmal entzogen war – und zwar vom 23. Juli bis 22. August 2013 –, führt
bereits eine leichte Widerhandlung erneut zu einem Führerausweisentzug (Art. 16a Abs.
2 SVG); zumindest um eine solche handelt es sich bei der Widerhandlung vom
21. Dezember 2014 (vgl. E. 3). Daran vermag auch das Schreiben des Arbeitgebers des
Rekurrenten, wonach das Führen eines Fahrzeuges für die Funktion des Rekurrenten
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als Montage- und Servicetechniker unumgänglich und Bedingung für die
Weiteranstellung sei, nichts zu ändern. Dementsprechend hat die Vorinstanz zu Recht
die Annullierung des Führerausweises auf Probe verfügt. Der Rekurs ist folglich
abzuweisen.
5.- Mit der Annullierung des Führerausweises auf Probe soll sichergestellt werden,
dass der Rekurrent ohne Nachweis seiner Fahrfähigkeit zum Schutz der Sicherheit der
übrigen Verkehrsteilnehmer keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet,
würde ihm der Führerausweis während eines Beschwerdeverfahrens wiedererteilt.
Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende
Wirkung zu entziehen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 51 VRP).
6.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist zu verrechnen. Bei diesem Verfahrensausgang ist
keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (Art. 98 VRP).