Decision ID: 253259f7-ee05-5d29-b6d1-e5cacff8a7b2
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer führt auf dem B._ einen Landwirtschaftsbetrieb, der
unter anderen die Parzelle Schüpfen Grundbuchblatt Nr. C._ umfasst. Die Parzelle
liegt in der Landwirtschaftszone und im Ortsbildschutzgebiet. Im Spätsommer 2017 teilte
der Beschwerdeführer der Gemeinde im Rahmen der Aufnahme von
Entwässerungsleitungen mit, dass er im Gebäude B._ Nr. D._, das sich
auf der Parzelle Schüpfen Grundbuchblatt Nr. C._ befindet, eine Wohnung
eingebaut habe. Die Gemeinde gab dem Beschwerdeführer darauf Gelegenheit, ein
nachträgliches Baugesuch einzureichen. Am 7. Dezember 2017 reichte der
Beschwerdeführer das entsprechende Baugesuch (datierend vom 1. Dezember 2017) für
den Einbau einer Wohnung ein. Er wies darauf hin, dass der Wohnraum vor dem Umbau
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des Gebäudes im Jahre 2000/2001 bestanden habe.1 Das Amt für Gemeinden und
Raumordnung (AGR) wies mit Stellungnahme vom 18. Januar 2018 darauf hin, dass es
sich beim bestehenden Gebäude gemäss Grundstückdaten-Informationssystem GRUDIS
um einen "Einstellraum" handle; das Bauvorhaben sei weder zonenkonform noch könne
die Wohnung im Lichte von Art. 24 ff. RPG2 bewilligt werden.3 Darauf brachte der
Beschwerdeführer einen Pachtvertrag aus dem Jahre 19664 bei. Aus diesem Vertrag gehe
hervor, dass das fragliche Gebäude Nr. D._ (mit der früheren Nr. E._5)
Wohnraum enthalten habe. Dies wurde dem AGR mitgeteilt. Dieses stellte mit Verfügung
vom 11. April 2018 fest, dass der landwirtschaftliche Betrieb über eine
Betriebsleiterwohnung im Gebäude Nr. F._ (BGF 160 m2), eine Altenwohnung im
Gebäude Nr. G._ (BGF 90 m2) und im gleichen Gebäude über eine weitere
Wohnung (BGF 30 m2) verfüge, die fremdvermietet werde. Zusätzlicher Wohnraum könne
daher nicht erstellt werden. Die Wohnung im Gebäude Nr. D._ könne auch nicht
über eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. RPG bewilligt werden. Insbesondere gehe
aus den eingereichten Unterlagen nicht hervor, dass ein dauerndes Interesse an der
bestimmungsgemässen Nutzung vorgelegen habe. Schliesslich sei aus den Akten auch
nicht ersichtlich, wann die Wohnnutzung wieder aktiviert worden sei.6 Dem Mieter der
Wohnung im Gebäude Nr. D._ wurde rechtliches Gehör gewährt. Nach Angaben
der Gemeinde hat sich dieser jedoch zwischenzeitlich abgemeldet.
2. Mit Gesamtentscheid vom 2. Juli 2018 erteilte die Gemeinde Schüpfen dem
Vorhaben den Bauabschlag. Zudem verlangte sie die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands innert einer Frist von fünf Monaten ab Rechtskraft ihres
Entscheids. Sie verlangte die Ausführung folgender Arbeiten: "2.2 Sämtliche Wasser- und Abwasserleitungen, welche dazu dienen können die Räumlichkeiten
bewohnbar zu machen, sind vollständig zurückzubauen. Eine blosse Demontage der Armaturen ist
nicht ausreichend.
1 Vgl. Formular 1.0, Vorakten Verfahren 311-64/17, Ziffer 3.1 bzw. 3.3 2 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG, SR 700) 3 Stellungnahme des AGR vom 18. Januar 2018, Vorakten, Ziffern 8.9 bzw. 8.10 4 Pachtvertrag vom 30. Juli 1966 (zwischen Grossvater und Vater des Beschwerdeführers), Vorakten, Ziffer 2.33 5 Vgl. die Nummerierung gemäss Pachtvertrag von 1966, Vorakten, Ziffer 2.33. Die vom AGR in seiner Verfügung vom 11. April 2018 genannte I._ ist wohl nicht korrekt. 6 Verfügung des AGR vom 11. April 2018, Vorakten, Ziffer 8.6 ff.
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2.3 Sämtliche elektrischen Leitungen, Geräte und weiteren Einrichtungen, welche dazu dienen
können die Räumlichkeiten bewohnbar zu machen sind zurückzubauen. Der Sicherheitsnachweis
gemäss NIV ist, bis spätestens am Abnahmetermin, zu erbringen.
2.4 Sämtliches Mobiliar, welches dazu dienen kann über eine blosse Nutzung zu Lagerzwecken
hinaus verwendet zu werden, ist zu demontieren und zu entfernen.
2.5 Die vorgenannten Punkte werden nach Ablauf der gesetzten Wiederherstellungsfrist durch die
Baupolizeibehörde der Gemeinde kontrolliert. Die Festsetzung des Abnahmetermins folgt zu
gegebener Zeit schriftlich."
Gleichzeitig drohte die Gemeinde die Ersatzvornahme an.
3. Gegen den Gesamtentscheid mit Wiederherstellungsverfügung reichte der
Beschwerdeführer am 31. Juli 2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er stellt die folgenden Rechtsbegehren: "1. Der Entscheid vom 2. Juli 2018 sei aufzuheben
2. Die Verfügung des AGR vom 11. April 2018 sei aufzuheben.
3. Dem Beschwerdeführer sei die beantragte Wohnung am Standort B._
D._ zu bewilligen.
4. Die verfügte Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands sei aufzuheben.
5. Eventualiter sei die verfügte Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
darauf zu beschränken, ein Benützungsverbot für die Wohnnutzung zu erlassen.
6. Subeventualiter sei der Gesamtbauentscheid vom 2. Juli 2018 aufzuheben und
das Baubewilligungsverfahren bis zum Abschluss der Ortsplanungsrevision der
Gemeinde Schüpfen zu sistieren.
7. Sub-subeventualiter sei die verfügte Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands teilweise aufzuheben und das weitere Verfahren bis zum Abschluss der
Ortsplanungsrevision der Einwohnergemeinde Schüpfen zu sistieren.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -"
Der Beschwerdeführer widerspricht der Auffassung des AGR, dass "die betreffende
Wohnung nicht ständig bewohnt" gewesen sei. Das umstrittene Gebäude Nr. D._
sei ungefähr 1860 erstellt worden und habe den für ein Bauernhaus üblichen Wohnteil
enthalten. Der Vater des Beschwerdeführers habe 1983/1984 entschieden, den Wohnteil in
den hinteren Teil des Gebäudes bzw. in den damaligen Stallteil zu verlegen. Eine
äusserliche Veränderung habe nicht stattgefunden. Nach Übernahme des Betriebs durch
den Beschwerdeführer habe sich dieser entschieden, den nicht bewohnten Teil des
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Bauernhauses abzureissen und neu aufzubauen. Den bewohnten Teil habe er für seine
Angestellten benötigt und daher belassen. Mit dem Umbau zu "landwirtschaftlichem
Einstellraum" im Jahr 2001 sei im Gebäude Nr. D._ einzig die Dachschräge "ein
wenig" angepasst worden, was aber aus den Baugesuchsunterlagen hervorgehe und somit
bewilligt sei. Im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens im Jahr 2000 sei der Wohnraum
nicht zur Diskussion gestanden, da dieser schon existiert habe und keine Veränderungen
vorgenommen worden seien. Im Übrigen sei auch fraglich, ob für die 1983/1984 erfolgte
Verlegung des Wohnraums in den ehemaligen Stallteil eine Bewilligung erforderlich
gewesen sei. Gegebenenfalls wäre das "Beibehalten von Wohnraum" entweder als
zonenkonform oder als Ausnahme nach aArt. 24 RPG bewilligt worden. Zusammenfassend
stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass die Wohnnutzung im Gebäude
Nr. D._ nie aufgegeben worden sei. Soweit auch nach geltendem Recht eine
Bewilligungspflicht vorliege, sei entgegen der Auffassung des AGR eine
Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG möglich. Für den Beweis der ununterbrochenen
Wohnnutzung beantragt der Beschwerdeführer eine Zeugenbefragung eines ehemaligen
Bewohners und einen Augenschein. Er stellt sich zudem auf den Standpunkt, dass für
seinen Betrieb eine Angestelltenwohnung betriebsnotwendig und die Wohnung in Gebäude
Nr. D._ daher gemäss Art. 16a RPG zonenkonform wäre. Die verfügte
Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands sei aus verschiedenen Gründen
unverhältnismässig. Schliesslich weist der Beschwerdeführer darauf hin, dass im Rahmen
der Ortsplanungsrevision geprüft werde, ob die Siedlung B._ in eine Weilerzone
umgezont werde. Mit der allfälligen Wiederherstellung sei daher bis zum Abschluss der
Ortsplanungsrevision zuzuwarten.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet7, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde beantragt mit
Stellungnahme vom 30. August 2018 die Bestätigung der Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands und die Abweisung der Beschwerde. Sie weist unter anderem
darauf hin, dass die rechtswidrige Wohnnutzung für sie nicht erkennbar gewesen sei.
Anhand der Prüfung der Unterlagen könne über Jahre zurück kein Wohnraum in der
Liegenschaft B._ Nr. D._ begründet werden. Eine solche Nutzung sei nie
bewilligt worden. Was die Prüfung von Weilerzonen im Gemeindegebiet anbelange, so
7 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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könne weder der Zeithorizont noch das Ergebnis einer solchen Prüfung heute abgeschätzt
werden. Das AGR beantragt in seiner Stellungnahme vom 24. August 2018 (Eingang am
14. 9.2018) die Abweisung der Beschwerde und verweist auf seinen Entscheid vom
11. April 2018.
Das Rechtsamt holte beim Beschwerdeführer ein Betriebskonzept ein und stellte ihm
weitere Fragen zu seiner beruflichen Tätigkeit, zum längerfristigen Bestand des Betriebs
und zur Nutzung der beiden Wohnungen im Gebäude Nr. G._ (sog. Altenwohnung
und Studio). Der Beschwerdeführer reichte mit Eingabe vom 9. November 2018 einen
Betriebsvoranschlag der H._ und eine Betriebsübersicht basierend auf GELAN8
von 2017 ein. Zudem legte er dar, dass er den Betrieb als Betriebsleiter mit zwei
landwirtschaftlichen Angestellten führe. Das Rechtsamt holte dazu einen Fachbericht des
LANAT ein. Das LANAT nahm mit Fachbericht vom 17. Dezember 2018 zu den Fragen des
Rechtsamtes Stellung. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, zum
Beweisergebnis Schlussbemerkungen einzureichen und zu einer allfälligen Ergänzung des
vorinstanzlichen Entscheids Stellung zu nehmen.
5. Auf die Rechtsschriften, die Vorakten und den Fachbericht des LANAT wird, soweit
für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Bauabschlag mit einer Wiederherstellungsverfügung nach Art. 46
BauG9, der aufgrund eines nachträglichen Baugesuchs ergangen ist. Der Entscheid der
Gemeinde ist ein Gesamtentscheid im Sinne von Art. 9 KoG10, die Verfügung des AGR
eine weitere Verfügung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 Bst. b KoG. Beide sind gestützt auf
Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit Beschwerde nach Art. 40
8 Agrarinformationssystem; vgl. http://www.gelan.ch/de/ 9 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 10 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)
http://www.gelan.ch/de/
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Abs. 1 BauG bei der BVE anfechtbar. Gleiches gilt für baupolizeiliche Verfügungen, die
nach Art. 49 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE
angefochten werden können. Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde
zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist als Adressat des Bauabschlags sowie der baupolizeilichen
Verfügung durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 40 Abs. 2 BauG und Art. 65 Abs. 1 VRPG11). Auf seine
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Formelle Rechtswidrigkeit
a) Die sog. "Verlegung von Wohnraum" umfasst den Verzicht auf die ehemaligen
Wohnräume auf der Westseite und die Umnutzung des Stalls auf der Ostseite des
Gebäudes Nr. D._ zu einer Wohnung. Es ist unbestritten, dass für diese
Umnutzung keine Bewilligung erteilt worden ist. Der Beschwerdeführer macht jedoch
geltend, die Umnutzung des Stallteils in eine Wohnung sei im Jahre 1983/1984 wohl nicht
bewilligungspflichtig gewesen und sei somit rechtmässig erfolgt.
b) Die Umnutzung des Stallteils erfolgte gemäss den Angaben des Beschwerdeführers
ca. 1983/1984, was sich aus den Vorakten nicht verifizieren lässt. Im Rahmen des
Baubewilligungsverfahrens betreffend den teilweisen Abbruch und Wiederaufbau des
Gebäudes Nr. D._ im Jahre 2000 zu einer landwirtschaftlichen Einstellhalle, wurde
der fragliche Gebäudeteil in den Plänen auf jeden Fall als "Schopf" bezeichnet.12 Eine
Baubewilligung für die Umnutzung des Stalls in eine Wohnung erfolgte damals nicht.
Gemäss den Plänen für das nachträgliche Baugesuch erfordert(e) die Verlegung der
Wohnung in den Stall verschiedene bauliche Massnahmen, deren Erstellungszeitpunkt
nicht eindeutig ermittelt werden kann.13 Es ist daher von den zeitlichen Angaben des
Beschwerdeführers auszugehen.
11 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 12 Vgl. Vorakten 53/00, «Teilabbruch Gebäude D._ und Erweiterung als landw. Einstellraum», Projektplan 1:100 «Grundriss, Querschnitt» 13 Vgl. Vorakten 311-64/17, Plan «Einbau Wohnung», 1:100, EG, OG, Schnitt A-A und Fassaden
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c) Art. 22 Abs. 1 RPG14 bestimmt, dass Bauten und Anlagen nur mit behördlicher
Bewilligung errichtet oder geändert werden dürfen. Diese Bestimmung ist seit Inkrafttreten
des RPG am 1. Januar 1980 unverändert geblieben.15 Da das geltende Recht hinsichtlich
der Frage der Bewilligungspflicht von Bauten und Anlagen nicht günstiger ist als dasjenige
bei der strittigen Umnutzung des Stalls in eine Wohnung im Jahr 1983/1984, kann auf die
jüngste Rechtsprechung des Bundesgerichts dazu verwiesen werden.16 Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Bauten und Anlagen jedenfalls dann
bewilligungspflichtig, wenn sie geeignet sind, die Vorstellungen über die Nutzungsordnung
zu beeinflussen, sei es, dass sie den Raum äusserlich erheblich verändern, die
Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen.17 Das bernische BauG hat diese
bundesrechtlichen Vorgaben in Art. 1a BauG konkretisiert. Nach Abs. 2 dieser Bestimmung
sind grundsätzlich auch reine Zweckänderungen (Nutzungsänderungen) von Bauten,
Anlagen und Einrichtungen baubewilligungspflichtig. Ausgenommen von der
Baubewilligungspflicht ist das Umnutzen von Bauten und Anlagen nur, wenn keine
baurechtlich- oder umweltrechtlich relevanten Tatbestände betroffen sind (Art. 1b Abs. 1
BauG i.V. mit Art. 6 Abs. 1 Bst. c BewD18). Dies ist nicht der Fall, wenn eine
Zweckänderung z.B. Zonenvorschriften oder den Umweltschutz berührt oder wenn sie zu
einer wesentlichen Mehrbelastung der Erschliessungsanlagen führt.19 Die Umnutzung des
Stallteils zu einer Wohnung stellt eine vollständige Zweckänderung dar und unterliegt
bereits aus diesem Grund der Baubewilligungspflicht. Zudem erforderte sie verschiedene
bauliche Massnahmen (Einbau Zwischenboden, Wände OG und Fenster, innere
Erschliessung [Treppe]) sowie sänitäre Einrichtungen).
d) Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Umnutzung des Stallteils
bereits zum Zeitpunkt ihrer Verwirklichung bewilligungspflichtig gewesen ist, soweit diese
nach dem 1. Januar 1980 stattgefunden hat. Davon ist auszugehen. Auch nach heutigem
Recht ist für dieses Vorhaben ein Baubewilligungsverfahren erforderlich. Für die
Umnutzung des Stallteils zu einer Wohnung liegt keine Baubewilligung vor. Sie ist daher
formell rechtswidrig.
14 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700) 15 BBl 1979 II 368 16 Vgl. VGE 2018/183 vom 19.12.2018, E. 5.3.2, angefochten vor Bundesgericht 17 BGE 113 Ib 314 E. 2b 18 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 19 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1b N. 24
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3. Anwendbares Recht
a) Nachträgliche Baugesuche sind grundsätzlich nach dem Recht zu beurteilen, das zur
Zeit der unbewilligten Ausführung des Bauvorhabens anwendbar war. Späteres Recht ist
nur anzuwenden, wenn es für die Bauherrschaft günstiger ist oder wenn die Bauherrschaft
das Baubewilligungserfordernis in der Absicht missachtet hat, dem späteren strengeren
Recht zuvorzukommen.20
b) Das Bauvorhaben wurde gemäss den Angaben des Beschwerdeführers im Jahr
1983/1984 realisiert. Es stellt sich somit die Frage nach dem anwendbaren Recht. Art. 22
RPG, der die Frage der Bewilligungspflicht regelt, ist seit dem 1. Januar 1980 unverändert
geblieben (vgl. E. 2c). Zum Zeitpunkt der Verlegung der Wohnung galten für die
Beurteilung der Zonenkonformität von Vorhaben in der Landwirtschaftszone aArt. 16 RPG
in Verbindung mit Art. 22 RPG. Wohnbauten waren im Lichte der bis am 31. August 2000
geltenden Fassung von aArt. 16 RPG in der Landwirtschaftszone nur zonenkonform, wenn
sie hinsichtlich Standort und Ausgestaltung in einer unmittelbar funktionellen Beziehung zu
einem Landwirtschafts- oder Gartenbaubetrieb standen und im Hinblick auf die
bodenabhängige Nutzung des Landes als unentbehrlich erschienen. Die
bundesgerichtliche Rechtsprechung verlangte, dass der Wohnraum für ein
ordnungsgemässes, zonenkonformes Bewirtschaften des Bodens ein längeres Verweilen
am betreffenden Ort erforderte und dieser von der nächstgelegenen Wohnzone weit
entfernt lag. Das Vorrecht, ausserhalb der Bauzone zu wohnen, sollte einem relativ engen
Personenkreis vorbehalten bleiben. Dazu zählten nur Personen, die als Betriebsinhaber
und Hilfskräfte unmittelbar in der Landwirtschaft tätig waren und ihre
Familienangehörigen.21 Mit der Revision des RPG vom 20. März 1998 (i.K am
1. September 2000) wurde die Zonenkonformität von Bauten und Anlagen in der
Landwirtschaftszone neu umschrieben.22 An den strengen Kriterien, welche die
bundesgerichtliche Rechtsprechung für die Zonenkonformität von Wohnbauten in der
Landwirtschaftszone aufgestellt hatte, sollte gemäss den Materialien festgehalten
20 BGer 1C_179/2013 vom 15.08 2013, E. 1.2 21 Vgl. BGer 1A.19/2001 vom 22.08. 2001, in ZBl 2002 S. 582 ff., E. 2, S. 584 mit Verweis auf BGE 121 II 307 E. 3 b. Vgl. auch Waldmann/Hänni, Handkommentar zum Raumplanungsgesetz, 2006, N. 2 bzw. N. 14 ff. zu Art. 16a 22 AS 2000 2042
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werden.23 Da das anwendbare Recht hinsichtlich dieser Frage gleich streng (und damit
nicht günstiger ist) kann die Frage der Zonenkonformität der umstrittenen Wohnung im
Lichte der bisherigen Rechtsprechung zur Zonenkonformität von Wohnbauten in der
Landwirtschaftszone, die auch bezüglich der Anwendung von Art. 16a RPG i.V.m. Art. 34
RPV) gelten, beurteilt werden (vgl. die nachfolgende E. 4).24
c) Soweit ein Vorhaben nicht als zonenkonform bewilligt werden kann, stellt sich die
Frage nach der Erteilung einer Ausnahmebewilligung gemäss Art. 24 ff. RPG. Zum
Zeitpunkt der mutmasslichen Umnutzung des Stallteils in eine Wohnung galten aArt. 24
Abs. 1 und 2 RPG in der ursprünglichen Fassung (in Kraft seit 1. Januar 198025). Während
aArt. 24 Abs. 1 RPG die generelle Ausnahme für standortgebundene Bauten enthielt,
überliess es aArt. 24 Abs. 2 RPG den Kantonen, Regelungen über die erweiterte
Besitzstandsgarantie zu treffen. Im Sinne einer erweiterten, über den Rahmen der
Eigentumsgarantie hinausgehenden Besitzstandsgarantie konnten bestehende
zonenwidrige Bauten unter Wahrung der Identität erneuert, teilweise geändert und wieder
aufgebaut werden.26 Der Kanton Bern machte von dieser Kompetenz Gebrauch und erliess
mit dem Baugesetz vom 9. Juni 1985 die entsprechenden Ausführungsbestimmungen
(aArt. 83 BauG). Die Besitzstandsgarantie setzte voraus, dass die fragliche Baute oder
Anlage vor der Einführung der Trennung der Bauzonen von den Nichtbauzonen am 1. Juli
1972 erstellt worden ist.27 Das Gebäude Nr. D._ wurde 1860 als "Bauernhaus" und
damit vor dem massgeblichen Zeitpunkt erstellt. Im Zeitpunkt der Umnutzung des Stallteils
zu einer Wohnung im Jahr 1983/1984 wäre das Vorhaben jedoch nicht in den
Anwendungsbereich von aArt. 24 Abs. 2 RPG bzw. aArt. 83 BauG gefallen, da es in
diesem Moment nach wie vor dem Betrieb des Beschwerdeführers bzw. seines
Rechtsvorgängers und landwirtschaftlichen Zwecken im Sinne einer zonenkonformen
Nutzung diente.
23 Vgl. Botschaft des Bundesrats zu einer Teilrevision des Bundesgesetzes über die Raumplanung vom 11. Mai 1996, BBl 1996 III 533. Zudem Alexander Ruch in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen (Hrsg.), Kommentar zum Bundesgesetz über die Raumplanung (Ausgabe Juni 2009), Art. 16a N. 21 ff. 24 Vgl. Alexander Ruch/ Rudolf Muggli in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen (Hrsg.), Praxiskommentar RPG, Bauen ausserhalb der Bauzone, 2017, Art. 16a N. 52 ff. sowie BGer 1A.19/2001 vom 22.08. 2001 in ZBl 2002 S. 583 ff. 25 BBl 1979 II 368 26 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band II, Bern 2010, Art. 81-83 N. 1 ff. 27 BGE 127 II 227 E. 3 mit Hinweisen auf die bisherige bundesgerichtliche Rechtsprechung
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Mit der Änderung des RPG vom 20. März 1998 (in Kraft seit 1. September 2000) wurde
aArt. 24 RPG neu in die Bestimmungen Art. 24 bis 24d RPG aufgegliedert. Für die
bestehenden zonenwidrigen Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen galt die
Besitzstandsgarantie neu gestützt auf aArt. 24c Abs. 1 und 2 RPG.28 Diese Bestimmung
knüpfte zwar an aArt. 24 Abs. 2 RPG an, reduzierte den sachlichen Geltungsbereich aber
auf diejenigen baulichen Veränderungen von bestehenden Bauten, die durch eine
nachträgliche Änderung von Erlassen oder Plänen zonenwidrig geworden waren. Zudem
konnten die aus der Besitzstandsgarantie fliessenden Veränderungen und Erweiterungen
neu unmittelbar gestützt auf Bundesrecht, d.h. ohne kantonales Ausführungsrecht bewilligt
werden.29 Auch gemäss dem Wortlaut dieser Bestimmung wäre die fragliche Umnutzung
des Stallteils wegen der bestehenden zonenkonformen Nutzung (und damit fehlender
"Zonenwidrigkeit") des Gebäudes nicht in den Geltungsbereich von aArt. 24c RPG gefallen.
Mit der Teilrevision des RPG vom 23. Dezember 201130 (in Kraft seit 1. November 2012)
wurde aArt. 24c RPG erneut geändert. Gemäss dem nun geltenden Art. 24c Abs. 1 RPG
werden bestimmungsgemäss nutzbare Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzone, die
nicht mehr zonenkonform sind, in ihrem Bestand grundsätzlich geschützt. Der
Anwendungsbereich von Art. 24c RPG bezieht sich nur auf altrechtliche Bauten (vgl.
Art. 41 Abs. 1 und Art. 42 RPV). Altrechtlich bedeutet einerseits, dass die Bauten vor dem
1. Juli 1972 in Übereinstimmung mit dem materiellen Recht erstellt wurden oder zwar nach
dem 1. Juli 1972 in der Bauzone erstellt, aber nachträglich zum Nichtbaugebiet geschlagen
worden sind. Zudem fallen seit der Revision 2011 unter Art. 24c RPG auch
landwirtschaftliche Wohnbauten und zusammengebaute Ökonomiegebäude, die vor dem
1. Juli 1972 rechtmässig erstellt oder geändert worden sind.31 Aus den bisherigen
Ausführungen ergibt sich, dass das Gebäude Nr. D._ vor dem 1. Juli 1972 erstellt
und auch nach diesem Zeitpunkt noch landwirtschaftlich genutzt worden ist. Mit der
Revision 2011 kann das 1860 als "Bauernhaus" erstellte Gebäude, das nach Angaben des
Beschwerdeführers ursprünglich einen Wohn- und einen Ökonomieteil umfasste,
grundsätzlich in den Anwendungsbereich des geltenden Art. 24c RPG fallen und ist nach
28 AS 2000 2042 29 Vgl. Waldmann/Hänni, Handkommentar RPG, 2006, Art. 24c, N. 2 ff. mit Hinweis auf BGE 127 II 212 bzw. 127 II 219 sowie Rudolf Muggli in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen (Hrsg.), Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, 2017, Art. 24c N. 3 30 AS 2012 5535 31 Vgl. Rudolf Muggli in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen (Hrsg.), Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone, 2017, Art. 24c N. 18 sowie Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 81 N. 18
RA Nr. 110/2018/110 11
dem milderen Recht zu beurteilen (vgl. E. 5). Die Frage nach dem Zeitpunkt der
Umnutzung des Stallteils in eine Wohnung kann vorliegend somit letztlich offen bleiben.
4. Bewilligungsfähigkeit der Wohnung nach Art. 16a RPG / Art. 34 RPV
a) Der landwirtschaftliche Betrieb auf dem Gebiet B._ verfügt über eine
landwirtschaftliche Nutzfläche von 27,14 ha, davon 22,37 ha Ackerland und 0,433 ha Wald.
Der Beschwerdeführer betreibt Schweinezucht und Schweinemast. Weitere Betriebszweige
stellen Ackerbau sowie Futterbau dar.32 Die Schweinezucht (Mastschweine/Remonten bzw.
Zuchtschweine und Ferkel) entspricht 124,47 Grossvieheinheiten (GVE). Für die
Bewirtschaftung des Betriebs sind gemäss Betriebsvoranschlag des Beschwerdeführers
als auch gemäss Fachbericht des LANAT entgegen den Angaben in der Beschwerde
insgesamt rund 2,5 Standardarbeitskraft (SAK) erforderlich.33 Der Betrieb weist eine
Wohnung für die Betriebsleiterfamilie im Gebäude B._ Nr. F._ und eine
Wohnung für die abtretende Generation im Gebäude B._ Nr. G._ auf. Im
gleichen Gebäude befindet sich ein Studio, das fremdvermietet wird. Der Betrieb des
Beschwerdeführers liegt rund 2 km von der nächsten grösseren Bauzone in der Gemeinde
Schüpfen34 entfernt. Die beiden landwirtschaftlichen Angestellten bewohnten bisher die
umstrittene Wohnung im Gebäude Nr. D._, die über zwei Zimmer, Sanitäranlagen
und eine Küche verfügt bei einer Fläche von 83 m2.
b) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Wohnung könne auf seinem
Landwirtschaftsbetrieb als betriebsnotwendige Angestelltenwohnung gestützt auf Art. 16a
RPG bewilligt werden. Das AGR hat den Wohnraum als nicht zonenkonform beurteilt.
c) Gemäss Art. 16a RPG sind in der Landwirtschaftszone Bauten und Anlagen
zonenkonform, die zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden
Gartenbau nötig sind. Bauten für den Wohnbedarf sind dann zonenkonform, wenn der
Wohnraum für den Betrieb des entsprechenden landwirtschaftlichen Gewerbes
unentbehrlich ist, einschliesslich des Wohnbedarfs der abtretenden Generation (Art. 34
Abs. 3 RPV). Wie bereits ausgeführt, knüpft diese Regelung an die frühere
32 Vgl. Fachbericht des LANAT, Fachstelle Hochbau und Bodenrecht, vom 17. Dezember 2018 sowie Betriebsvoranschlag der Agro-Treuhand Rütti AG vom 7. November 2018 (nachfolgend Betriebsvoranschlag) 33 Vgl. Betriebsvoranschlag, a.a.O., S. 12 sowie Fachbericht des LANAT 34 Die Gemeinde Schüpfen hat 3'794 Einwohnerinnen und Einwohner.
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bundesgerichtliche Rechtsprechung an, die auch nach neuster Rechtsprechung weiterhin
wegleitend ist.35 Demnach ist Wohnraum in der Landwirtschaftszone nur zonenkonform,
wenn für die (zonenkonforme) Bewirtschaftung des Bodens eine lange Anwesenheit vor
Ort erforderlich ist und die nächstgelegene Wohnzone weit entfernt liegt.36 Neben der
Notwendigkeit der Baute oder Anlage für die in Frage stehende Bewirtschaftung darf
gemäss Art. 34 Abs. 4 RPV die Bewilligung nur erteilt werden, wenn der Baute oder Anlage
am vorgesehenen Standort keine überwiegenden Interessen entgegenstehen und der
Betrieb voraussichtlich längerfristig bestehen kann.
Ob Wohnraum im Sinne von Art. 16a Abs. 1 RPG unentbehrlich ist, beurteilt sich gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung allein nach objektiven Kriterien. Subjektive
Vorstellungen und Wünsche sind ebenso wenig massgebend wie die persönliche
Zweckmässigkeit und Bequemlichkeit. Ausschlaggebend ist eine Gesamtbetrachtung, die
sich mehr an qualitativen als an quantitativen Faktoren orientiert. Zu berücksichtigen sind
namentlich die Art und Grösse des Betriebs, seine topographische Lage und sein
wirtschaftliches Umfeld (insbesondere die Lage in einem Abwanderungsgebiet), aber auch
weitere Eigenheiten wie etwa die biologische Produktionsweise.37 Den besonderen
Bedürfnissen der Familienbetriebe ist Rechnung zu tragen. Die allfällige Notwendigkeit der
ständigen Präsenz ergibt sich aus der Gesamtheit der auf dem Hof anfallenden
Verrichtungen. Diese sind im Lichte der Erfordernisse einer zweckmässigen und
kostengünstigen Betriebsorganisation zu betrachten, wobei die technischen Möglichkeiten
zur Automatisierung und Kontrolle nicht allein massgebend sind.38
d) Als landwirtschaftliches Gewerbe gilt eine Gesamtheit von landwirtschaftlichen
Grundstücken, Bauten und Anlagen, die als Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion
dient und zu deren Bewirtschaftung mindestens eine Standardarbeitskraft (SAK) nötig ist.39
Mit einer Betriebsgrösse von 2,5 SAK untersteht der in der Talzone liegende Betrieb des
Beschwerdeführers unbestrittenermassen den Bestimmungen über die landwirtschaftlichen
Gewerbe. Es stellt sich die Frage nach der Unentbehrlichkeit für den zusätzlich geforderten
Wohnraum. Nach Auffassung des LANAT ist die betriebene Schweinezucht bzw.
35 Vgl. BGE 1C_258/2018 vom 11.12.2018, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen 36 Vgl. BGE 125 III 175 E. 2b S. 177; 121 II 307 E. 3b S. 310 f. 37 Vgl. BGE 1C_258/2018 vom 11.12.2018, E. 4.2 mit weiteren Hinweisen 38 Vgl. BGE 1C_258/2018, a.a.O., E. 4.3 39 Art. 7 Abs. 1 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB; SR 211.412.11)
RA Nr. 110/2018/110 13
Schweinemast betreuungsintensiv; insbesondere die Schweinezucht bedinge während
dem Abferkeln eine Anwesenheit vor Ort. Auch die Überwachung der Fütterung der Tiere
führe zu einem gewissen Überwachungsbedarf. Das LANAT gelangt zum Schluss, dass
auf Grund der konkreten Tierhaltung auf dem Betrieb, Wohnraum für eine Zweitperson als
"betrieblich unmittelbar begründet" beurteilt werden könne. Die ständige Anwesenheit eines
weiteren Angestellten (Drittperson) ist nach Auffassung des LANAT jedoch "nicht zuletzt
aufgrund der Lage (Distanz Bauzone) nicht nachvollziehbar gegeben". Folglich könne
neben der Betriebsleiterwohnung und der Wohnung Altenteil, ein Studio für einen
Angestellten als zonenkonform gemäss Art. 16a RPG beurteilt werden. Weiterführender
Wohnraum könne aufgrund der konkreten Situation nicht als zonenkonform beurteilt
werden und werde "effektiv auch nicht benötigt".40
Auf Grund der auf dem landwirtschaftlichen Betrieb anfallenden Überwachungs- und
Fütterungsaufwand für die Schweinezucht und Schweinemast ist von einem
betreuungsintensiven landwirtschaftlichen Betrieb auszugehen. Die erforderlichen
Verrichtungen sind auch unter Berücksichtigung der nachgewiesenen 2,5 SAK durch den
Betriebsleiter selbst und durch weitere Personen zu erfüllen. Zwar kann davon
ausgegangen werden, dass auch die abtretende Generation Überwachungsfunktionen
wahrnehmen kann. Gemäss der laut bundesgerichtlichen Rechtsprechung geforderten
Gesamtbetrachtung verlangt der anfallende und nachgewiesene Arbeitsaufwand
vorliegend eine weitere Arbeitskraft bzw. Zweitperson, deren Anwesenheit auf dem Betrieb
notwendig ist. Dies entspricht auch den Hinweisen des Beschwerdeführers, wonach
sowohl beim Abferkeln als auch bei der Versorgung der Tiere (Fütterungsalarm) entweder
seine Anwesenheit oder diejenige eines seiner Angestellten erforderlich ist. Der
Wohnbedarf für eine Zweitperson erweist sich im Sinne von Art. 16a RPG bzw. Art. 34
Abs. 3 RPV somit als unentbehrlich. Soweit der Beschwerdeführer die Anwesenheit eines
weiteren Angestellten (Drittperson) geltend macht, kann diese im Sinne der geforderten
Gesamtbetrachtung betrieblich nicht (mehr) als notwendig gelten. Den Ausführungen des
Beschwerdeführers lässt sich entnehmen, dass für die Wahrnehmung der
Überwachungsfunktionen der Schweinezucht (Abferkeln, Fütterung) jeweils die
Anwesenheit einer Person und nicht die (gleichzeitige) Präsenz von zwei oder drei
Personen erforderlich ist. Vorliegend gilt es zudem zu berücksichtigen, dass der
landwirtschaftliche Betrieb des Beschwerdeführers nur rund 2 km von der nächsten
40 Vgl. Fachbericht des LANAT, Fachstelle Hochbau und Bodenrecht, vom 17. Dezember 2018
RA Nr. 110/2018/110 14
grösseren Bauzone bzw. von der Gemeinde Schüpfen entfernt liegt. Der Arbeitsweg für
den weiteren Angestellten (Drittperson) ist unter diesen Umständen zumutbar. Die dafür
nötigen Fahrten stellen entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers keine
unzulässige Auswirkung auf Erschliessung und Umwelt dar.
e) Eine Bewilligung für zusätzlichen Wohnraum kann nur erteilt werden, wenn der
Betrieb voraussichtlich längerfristig bestehen kann. Gemäss den Angaben des LANAT wird
der Betriebsleiter mit Jahrgang 1968 "den Betrieb voraussichtlich noch bis zum Erreichen
des Pensionsalters weiterführen". Es seien – so das LANAT – "keine Angaben erkennbar",
welche auf eine frühere Aufgabe, respektive einen Betriebswechsel schliessen lassen
würden. Wie der Betrieb anschliessend weitergeführt werde, könne auf Grund der
zeitlichen Länge (15 Jahre) aus heutiger Sicht nicht sinnvoll beurteilt werden. Unter
Berücksichtigung der bewirtschafteten Nutzfläche bzw. Betriebsgrösse erscheine der
Betrieb zukunftsfähig zu sein. Es seien insbesondere keine Anzeichen erkennbar, welche
etwas anderes vermuten liessen.41
Vorliegend wurde zu Recht davon ausgegangen, dass es sich es sich um einen
voraussichtlich längerfristig existenzfähigen Betrieb handelt. Grundlage für diese
Beurteilung bilden einerseits das Alter des Betriebsleiters und andererseits die
Betriebsgrösse mit einer Nutzfläche von rund 27 ha und den für die Bewirtschaftung
erforderlichen 2,5 SAK. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die
Existenzfähigkeit besonders zu prüfen, wenn Wohnraum bei Kleinbetrieben erstellt werden
soll.42 Vorliegend handelt es sich nachweislich nicht um einen Kleinbetrieb.
Als Zwischenergebnis kann somit festgehalten werden, dass der Betrieb des
Beschwerdeführers auf Grund des Arbeitsaufwands und der erforderlichen
Überwachungsarbeiten für die Schweinezucht und Schweinemast die ständige
Anwesenheit des Betriebsleiters und einer weiteren Person erfordert. Der voraussichtliche
längerfristige Bestand des landwirtschaftlichen Betriebs kann gemessen an der
Betriebsgrösse bzw. -struktur und der bewirtschafteten Nutzfläche bejaht werden. Für
weitere Angestellte, bzw. eine Drittperson ist jedoch insbesondere auf Grund der Nähe des
Betriebs zur Bauzone kein weiterer Wohnbedarf gegeben.
41 Fachbericht LANAT, a.a.O., S. 2 42 Vgl. BGE 121 II 307; BGer 1A.184/2006 vom 15.02.2008, E. 2.3 ff.
RA Nr. 110/2018/110 15
f) Ist der Wohnbedarf der Zweitperson im Grundsatz zu bejahen, stellt sich die Frage
nach dessen Dimensionierung/Grösse. Dabei ist auch der bestehende Wohnraum zu
berücksichtigen. Das AGR hat in einem Merkblatt konkretisiert, unter welchen
Voraussetzungen es wie viel landwirtschaftlichen Wohnraum als zonenkonform erachtet.43
Als Richtwerte für den Wohnraumbedarf gelten folgende Grössen: Für eine
Betriebsleiterwohnung (inkl. Büro) 180 m2, für eine Angestelltenwohnung 140 m2 BGF und
für eine Altenteilwohnung 100 m2. Es dürfen keine ausbaubaren, nicht landwirtschaftlich
begründbaren Raumreserven geschaffen werden. "Es darf kein neuer, landwirtschaftlich
begründeter Wohnraum erstellt werden, solange vorhandener Wohnraum von nicht
überwiegend in der Landwirtschaft tätigen Personen bewohnt wird. Bestehender
Wohnraum, der zur Bewirtschaftung erforderlich ist, muss der Landwirtschaft vorbehalten
bleiben."44 Das AGR wies vorliegend in seiner Verfügung darauf hin, dass zonenkonform
kein zusätzlicher Wohnraum erstellt werden könne, wenn Wohnraum an nicht überwiegend
auf dem Betrieb tätige Bevölkerung vermietet werde.45
Das LANAT führt in seinem Fachbericht zur Frage des Wohnbedarfs folgendes aus:
"Beim zonenkonformen Wohnraum gemäss Art. 16a RPG für Angestellte muss grundsätzlich
zwischen einer «vollwertigen» Wohnung und einem Studio unterschieden werden. Die
Anforderungen im Sinne von Art. 34 Abs. 3 RPV für die Erstellung einer «vollwertigen»
Angestelltenwohnung (Bruttogeschossfläche: 140 m2) sind dabei bezüglich der Betreuungsintensität
des Tierbestandes und der Distanz zur Bauzone deutlich höher als für die Erstellung eines
Angestelltenstudios. Folglich bedeutet der Bedarf an Angestelltenwohnraum vor Ort nicht
automatisch, dass eine vollwertige Angestelltenwohnung zonenkonform erstellt werden kann."46
Der landwirtschaftliche Betrieb des Beschwerdeführers erfordert nachweislich Wohnraum
für einen landwirtschaftlichen Angestellten (Zweitperson) (vgl. E. 4e). Bezüglich
Dimensionierung des erforderlichen Wohnraums vertritt das LANAT hier die Auffassung,
dass neben der Betriebsleiterwohnung und der Wohnung für die abtretende Generation ein
Studio für einen Angestellten als zonenkonform beurteilt werden könne. "Weiterführender
Wohnraum" könne aufgrund der konkreten Situation nicht als zonenkonform beurteilt
werden, auch wenn "effektiv ein Arbeitsbedarf für weitere Personen" bestehe. Eine
"eigentliche Angestelltenwohnung" könne wohl nicht als zonenkonform beurteilt werden
43 Merkblatt L2 «Landwirtschaftliches Wohnen» einsehbar unter www.jgk.be.ch, Rubriken, «Baubewilligungen/Themen ausserhalb der Bauzonen in der Übersicht» 44 Merkblatt L2, a.a.O., S. 1/2 45 Vgl. auch Verfügung des AGR vom 11. April 2018, Akten BVE, pag. 16 46 Fachbericht LANAT, a.a.O., S. 3 oben
http://www.jgk.be.ch
RA Nr. 110/2018/110 16
und werde "effektiv auch nicht benötigt".47 Wenn auf einem Betrieb Wohnraum an
betriebsfremde Personen vermietet werde, so kann gemäss LANAT grundsätzlich kein
neuer Wohnraum gemäss Art. 16a RPG erstellt werden. Neuer zonenkonformer
Wohnraum könnte nur erstellt werden, wenn sich der fremdvermietete Wohnraum nicht für
die betriebsnotwendige Wohnnutzung eignen würde. Dies werde in den wenigsten Fällen
der Fall sein.48 Das vorhandene Studio, das fremdvermietet werde, sei dem
landwirtschaftlichen Betrieb zur Verfügung zu stellen. Erst wenn es sich nicht eignen würde
und eine Erweiterung bei einem darüber hinausgehenden Bedarf nicht möglich wäre,
könne neuer Wohnraum geschaffen werden.
g) Die Ausführungen des LANAT und des AGR überzeugen. Vorliegend ist der
Wohnbedarf für einen landwirtschaftlichen Angestellten im Grundsatz zu bejahen. Dies
bedeutet jedoch nicht zwingend, dass diesem Angestellten eine vollwertige
Angestelltenwohnung mit 140 m2 zur Verfügung zu stellen ist. Zudem darf kein
landwirtschaftlicher Wohnraum geschaffen werden, solange bestehender Wohnraum an
nicht in der Landwirtschaft tätige Personen vermietet wird. Der landwirtschaftliche Betrieb
des Beschwerdeführers erfordert wegen seiner Nähe zur Bauzone und der
Betreuungsintensität des Tierbestands keine vollwertige Angestelltenwohnung. Zudem
macht der Beschwerdeführer nicht geltend, es sei eine vollwertige Angestelltenwohnung
zur Unterbringung weiterer Personen (Familie der Zweitperson) notwendig. Und es ist der
auf dem Betrieb bestehende Wohnraum zu berücksichtigen. Nebst der Wohnung für die
Betriebsleiterfamilie und für die abtretende Generation verfügt der Betrieb des
Beschwerdeführers über ein Studio (BGF 30 m2), das zur Zeit fremdvermietet wird. Bei
dieser Ausgangslage darf kein neuer, landwirtschaftlich begründeter Wohnraum erstellt
werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass sich das Studio, das zurzeit an
betriebsfremde Personen vermietet wird, auch als Wohnung für einen landwirtschaftlichen
Angestellten eignet. Die Frage nach zusätzlichem zonenkonformem Wohnraum stellt sich
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers somit nicht. Hier gilt es auch zu
beachten, dass den beiden Angestellten, die bisher im Gebäude Nr. D._
untergebracht waren, bloss zwei Zimmer plus Küche und sanitäre Anlagen zur Verfügung
standen. Daher vermag das Studio den Wohnbedarf der Zweitperson abzudecken. Für die
Bewilligung von zusätzlichem Wohnraum ist kein Bedarf ausgewiesen.49
47 Fachbericht LANAT, a.a.O. 48 Fachbericht LANAT, a.a.O. S. 3, Frage 3 49 Vgl. auch Verfügung des AGR vom 11. April 2018
RA Nr. 110/2018/110 17
h) Zusammenfassend steht fest, dass für den Betrieb des Beschwerdeführers
Wohnbedarf für den Betriebsleiter und seine Familie, die abtretende Generation sowie für
eine Zweitperson besteht. Der gesamte Wohnbedarf kann durch den bestehenden
Wohnraum abgedeckt werden. Das fremdvermietete Studio im Gebäude B._
Nr. G._ kann dem landwirtschaftlichen Angestellten (Zweitperson) zur Verfügung
gestellt werden. Neuer Bedarf kann nicht dadurch gerechtfertigt werden, dass bestehender
Wohnraum an Nichtlandwirte vermietet oder im Wohnrecht abgegeben wird. Mangels
Zonenkonformität ist eine Bewilligung des zu einer Wohnung umgenutzten Stallteils im
Gebäude Nr. D._ gestützt auf Art. 16a RPG in Verbindung mit Art. 34 RPV
ausgeschlossen.
5. Bewilligungsfähigkeit nach Art. 24c RPG
a) Das ehemalige "Bauernhaus" Nr. D._ wurde vor dem 1. Juli 1972 erstellt. Es
verfügte über einen Wohn- und einen Stallteil. 1983/1984 wurde der westlich gelegene
Wohnteil ohne Bewilligung in den Stall im Osten des Gebäudes verlegt. Mit Baubewilligung
vom 1. November 2000 wurde der nicht bewohnte Gebäudeteil gestützt auf aArt. 16 RPG
bzw. Art. 16a RPG teilweise abgebrochen und vergrössert.50 Dieser Teil des Gebäudes
wird seither als landwirtschaftliche Einstellhalle, d.h. als Ökonomiegebäude zonenkonform
genutzt.51 Im Baubewilligungsverfahren von 2000 wurde der ohne Bewilligung als
Wohnraum genutzte Ostteil als «Schopf» bezeichnet.52
b) Nach Auffassung des Beschwerdeführers ist die Erteilung einer
Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG möglich, da das Gebäude "seit jeher"
Wohnnutzung enthalten habe. Das AGR wies in seinem Entscheid darauf hin, dass
Art. 24c RPG nur anwendbar sei, wenn im strittigen Gebäude bereits am 1. Juli 1972
rechtmässiger Wohnraum bestanden habe und ein dauerndes Interesse an der
bestimmungsgemässen Nutzung nachgewiesen werde, d.h. die rechtmässig bewilligte
50 Vgl. Vorakten 53/00, «Teilabbruch Gebäude D._ und Erweiterung als landw. Einstellraum», Verfügung des Regierungsstatthalters Aarberg vom 2. Oktober 2000, Reiter 8.1 51 Vgl. Vorakten 53/00, «Teilabbruch Gebäude D._ und Erweiterung als landw. Einstellraum» 52 Vgl. Vorakten 53/00, «Teilabbruch Gebäude D._ und Erweiterung als landw. Einstellraum», Formulare 1.0 und 1.0.1 vom 4. September 2009, Reiter 3.1 und 3.2 sowie Projektplan 1:100 «Grundriss; Querschnitt» vom 21. Juli 2000
RA Nr. 110/2018/110 18
Wohnnutzung dürfe nicht aufgegeben worden sein. Nach Auffassung des AGR hatte der
Beschwerdeführer den Nachweis nicht erbringen können, dass ein dauerndes Interesse an
der bestimmungsgemässen Nutzung (Wohnnutzung) des Gebäudes Nr. D._
vorgelegen habe. Gemäss der amtlichen Bewertung vom 17. November 2011 sei die
Wohnung als unbewohnbar bewertet und als Lagerraum eingestuft worden.53
c) Unter die Besitzstandsgarantie fallen altrechtliche Bauten, die bestimmungsgemäss
nutzbar sind, aber ausserhalb der Bauzone liegen und nicht mehr zonenkonform sind.
Diese Bauten können mit Bewilligung der zuständigen Behörde erneuert, teilweise
geändert, massvoll erweitert oder wiederaufgebaut werden, sofern sie rechtmässig erstellt
oder geändert worden sind (vgl. Art. 24c Abs. 1 und 2 RPG). Eine Änderung gilt dann als
teilweise und eine Erweiterung als massvoll, wenn die Identität der Baute einschliesslich
ihrer Umgebung in den wesentlichen Zügen gewahrt bleibt (Art. 42 Abs. 1 RPV54). Nach
dem Willen des Gesetzgebers erfasst Art. 24c RPG mit der Revision 2011 nicht nur
altrechtliche nichtlandwirtschaftliche Bauten, sondern auch landwirtschaftliche Wohnbauten
(inkl. Anbauten) (vgl. E. 3c).55 Zweck dieser Anpassung war, dass aktive Landwirte
bezüglich Erweiterungsmöglichkeiten nicht schlechter gestellt werden sollen, als solche,
die ihren Betrieb aufgegeben haben.
d) Der westliche Teil des Gebäudes Nr. D._ ist gemäss seiner aktuellen
Nutzung als landwirtschaftliche Einstellhalle keine landwirtschaftliche Wohnbaute im Sinne
des ursprünglichen "Bauernhauses" mehr, da die ehemalige Wohnung auf der Westseite
des Gebäudes mit dem teilweisen Abbruch und der Erweiterung des Gebäudes im Jahre
2001 weggefallen ist. Demzufolge ist dieser Gebäudeteil auch gemäss den Ausführungen
des AGR nicht mehr "bestimmungsgemäss nutzbar". Die umstrittene Wohnung im Ostteil
des Gebäudes wurde 1983/1984 ohne Bewilligung eingebaut und fällt deshalb nicht in den
Anwendungsbereich von Art. 24c RPG. Zudem hat der Beschwerdeführer bzw. sein
Rechtsvorgänger im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens für den teilweisen Abbruch
und die Erweiterung im Jahre 2000 als Nutzung des Gebäudes Nr. D._
"Landwirtschaft" und unter der Rubrik "allgemeine Angaben" keinerlei Hinweise auf
bestehende Wohnfläche gemacht.56 Es wurde zudem ausdrücklich darauf hingewiesen,
53 Verfügung des AGR vom 11. April 2018 54 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 55 Vgl. Rudolf Muggli/Michael Pflüger, Bestehende Wohnbauten ausserhalb Bauzone, VLP-ASPAN, Raum & Umwelt, Nr. 1/2013, S. 3 ff, insbes. S. 6 56 Vgl. Vorakten 53/00, «Teilabbruch Gebäude D._ und Erweiterung als landw. Einstellraum», Formular 1.0.1, Reiter 3.2
RA Nr. 110/2018/110 19
dass "im Einstellraum" kein Wasser installiert werde und somit kein Abwasser anfalle.
Schliesslich wurde in den Plänen der fragliche Ostteil als "Schopf" bezeichnet. Diese
Angaben sind insgesamt als Verzicht auf eine allenfalls vorgängig bestehende
Wohnnutzung im Gebäude Nr. D._ zu verstehen. Soweit mit der
Besitzstandsgarantie nach Art. 24c RPG Wohnnutzung im Gebäude Nr. D._
geschützt werden soll, kann sich der Beschwerdeführer entgegen seinen Ausführungen bei
(separater) Betrachtung der Wohnnutzungen im West- bzw. Ostteil des Gebäudes nicht auf
eine "ununterbrochene Wohnnutzung" berufen. Bei einer Beurteilung des Gebäudes
Nr. D._ als Ganzes ist die Anwendung von Art. 24c RPG von vornherein
ausgeschlossen, da es mit Bewilligung von 2000 teilweise abgebrochen und erweitert
worden ist und als landwirtschaftliche Einstellhalle bzw. Ökonomiegebäude weiterhin
zonenkonform genutzt wird. Ihm mangelt es daher gemäss Art. 24c RPG am Erfordernis
des Nichtgebrauchs bzw. der nicht mehr zonenkonformen Nutzung.57
e) Eine Ausnahmebewilligung im Sinne von Art. 24c RPG fällt vorliegend somit ausser
Betracht. Andere Ausnahmetatbestände nach Art. 24 ff. RPG kommen ebenfalls nicht in
Frage. Das umstrittene Vorhaben ist daher materiell nicht bewilligungsfähig.
6. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
a) Die Gemeinde hat die folgenden Wiederherstellungsmassnahmen verfügt:
"2.2 Sämtliche Wasser- und Abwasserleitungen, welche dazu dienen können die Räumlichkeiten
bewohnbar zu machen, sind vollständig zurückzubauen. Eine blosse Demontage der Armaturen ist
nicht ausreichend.
2.3 Sämtliche elektrischen Leitungen, Geräte und weiteren Einrichtungen, welche dazu dienen
können die Räumlichkeiten bewohnbar zu machen sind zurückzubauen. Der Sicherheitsnachweis
gemäss NIV ist, bis spätestens am Abnahmetermin, zu erbringen.
2.4 Sämtliches Mobiliar, welches dazu dienen kann über eine blosse Nutzung zu Lagerzwecken
hinaus verwendet zu werden, ist zu demontieren und zu entfernen.
2.5 Die vorgenannten Punkte werden nach Ablauf der gesetzten Wiederherstellungsfrist durch die
Baupolizeibehörde der Gemeinde kontrolliert. Die Festsetzung des Abnahmetermins folge zu
gegebener Zeit schriftlich."
57 Vgl. Rudolf Muggli in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen (Hrsg.), Praxiskommentar RPG, Bauen ausserhalb der Bauzone, 2017, Art. 24c N. 18 ff.
RA Nr. 110/2018/110 20
b) Der Beschwerdeführer beantragt die Aufhebung der Wiederherstellungsverfügung
bzw. in seinen Eventualbegehren, die Beschränkung auf ein Benützungsverbot für die
Wohnnutzung oder die teilweise Aufhebung der Wiederherstellungsverfügung und
Sistierung des weiteren Verfahrens bis zum Abschluss der Ortsplanungsrevision der
Gemeinde.
c) Gemäss den vorangehenden Ausführungen wurde das bewilligungspflichtige
Vorhaben nie bewilligt, weshalb die Wohnung formell rechtswidrig ist. Wie die
vorangehenden Erwägungen zeigen, ist auch die materielle Rechtswidrigkeit dieses
Bauvorhabens (fehlende Bewilligungsfähigkeit) zu bejahen.
Kann ein bereits ausgeführtes Bauvorhaben nachträglich nicht bewilligt werden, so
entscheidet die Baubewilligungsbehörde zusammen mit dem Bauabschlag darüber, ob und
inwieweit der rechtmässige Zustand wiederherzustellen ist (Art. 46 Abs. 2 Bst. e BauG).
Die Wiederherstellungsverfügung muss im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig
sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.58
d) Der Beschwerdeführer macht geltend, dass die Wohnnutzung im Gebäude seit rund
150 Jahren bestehe. Zudem hätten die Behörden wissen müssen, dass sein Vater die
Wohnung im Jahre 1983/1984 verlegt habe. Schliesslich beruft er sich bezüglich
Bewilligungspflicht auf den guten Glauben.
Gutgläubig kann eine Bauherrschaft sein, wenn sie bei zumutbarer Aufmerksamkeit und
Sorgfalt annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung berechtigt (z.B. aufgrund einer
mangelhaften Bewilligung oder Auskunft). Im Übrigen wird aber vorausgesetzt, dass die
Bewilligungspflicht für Bauvorhaben bekannt ist. Wer bauen und nutzen will, muss sich um
die Zulässigkeit seines Tuns kümmern.59 Die Bauherrschaft, welche die nach den
Umständen zumutbare Aufmerksamkeit und Sorgfalt vermissen lässt, verdient keinen
58 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 59 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9b, mit Hinweisen
RA Nr. 110/2018/110 21
Schutz und kann sich gegenüber einer Wiederherstellungsverfügung nicht auf ihren guten
Glauben berufen.60
Der Beschwerdeführer bzw. sein Rechtsvorgänger konnten vorliegend nicht gutgläubig
davon ausgehen, dass die Verlegung der Wohnung in den ehemaligen Stall ohne
Baubewilligung möglich war. Wie bereits unter Erwägung 2 ausgeführt, war die Verlegung
der Wohnung in den damaligen Stall gemäss den Bestimmungen des RPG
bewilligungspflichtig. Wer bauen und nutzen will, muss sich um die Zulässigkeit seines
Tuns kümmern.61 Der Beschwerdeführer bzw. sein Rechtsvorgänger hat es unterlassen,
die notwendigen Abklärungen und Vorkehren vor Beginn der Bauarbeiten zu treffen,
welche bei gebotener Sorgfalt selbst von einem Laien erwartet werden können. Er hat
entsprechend nicht gutgläubig gehandelt. Die Aussagen des Beschwerdeführers, dass die
Behörden über die Wohnung hätten Kenntnis haben sollen, lassen sich nicht stützen. Wie
ausgeführt, bezeichnete der Beschwerdeführer den fraglichen Gebäudeteil im
Bewilligungsverfahren von 2000 nachweislich als "Schopf". Auch in den Formularen zum
Baugesuch wurden keine Angaben zu einem allfälligen Bestand einer Wohnung im
Gebäude gemacht (vgl. E. 5d). Die blosse Untätigkeit der Behörde berechtigt sodann nicht
zur Annahme, das Bauen oder Nutzen sei rechtmässig. Zwar kann vorliegend nicht ganz
ausgeschlossen werden, dass der Gemeinde die unbewilligte Wohnnutzung hätte bekannt
sein müssen. Andererseits weist der Beschwerdeführer selbst darauf hin, dass der Bestand
der Wohnung gegen aussen nicht sichtbar war und keine "äusserliche Veränderung"
stattgefunden habe.62 Nach Darlegung der Gemeinde hatte sie zudem keinerlei Kenntnis
von der Wohnnutzung im fraglichen Gebäude. Zudem seien die in der Beschwerdeschrift
genannten Personen nie an dieser Adresse angemeldet gewesen. Dies wird durch die
Einwohner- und Fremdenkontrolle der Gemeinde bestätigt.63 Der Beschwerdeführer hat
somit nicht gutgläubig gehandelt.
Auf den Grundsatz der Verhältnismässigkeit kann sich auch eine Bauherrschaft berufen,
die nicht gutgläubig gehandelt hat. Sie muss aber in Kauf nehmen, dass die Behörden aus
grundsätzlichen Erwägungen, namentlich zum Schutz der Rechtsgleichheit und der
60 VGE 2008/23496 vom 28.04.2009, E. 4.2.2 61 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9b Bst. a. 62 Vgl. Beschwerdeschrift, S. 3 63 Bestätigung der Einwohner- und Fremdenkontrolle der EG Schüpfen vom 24. August 2018, Akten BVE, pag. 22
RA Nr. 110/2018/110 22
baulichen Ordnung, dem Interesse an der Wiederherstellung des gesetzmässigen
Zustandes erhöhtes Gewicht beimessen und die der Bauherrschaft allenfalls
erwachsenden Nachteile nicht oder nur in verringertem Mass berücksichtigen.64
e) Das öffentliche Interesse an den von der Gemeinde geforderten
Wiederherstellungsmassnahmen ist – entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers – zu
bejahen. So besteht an der Einhaltung der baurechtlichen Bestimmungen und der
konsequenten Verhinderung von Bauten, die der baurechtlichen Ordnung widersprechen,
generell ein erhebliches öffentliches Interesse. Dem öffentlichen Interesse am
konsequenten Vollzug des Bau-, Planungs- und Umweltrechts ausserhalb des Baugebiets
kommt dabei besonderes Gewicht zu.65 Auch präjudizielle Gründe sprechen hier für eine
Wiederherstellung. Der Bauherr, der sich nicht an die Baubewilligung hält oder ohne
Baubewilligung baut, soll nicht besser gestellt werden als ein Bauherr, der die
Baubewilligung einhält.
f) Zu prüfen bleibt, ob die angeordneten Wiederherstellungsmassnahmen
verhältnismässig, also geeignet und erforderlich sind, um den mit der Wiederherstellung
verfolgten Zweck zu erreichen. Geeignet ist eine Massnahme dann, wenn damit der
gewünschte Erfolg herbeigeführt werden kann. Erforderlich sein bedeutet, dass die
gewählte Massnahme nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen Zustandes
nötig ist. Ausserdem muss die mit der Wiederherstellung verbundene Belastung der
Pflichtigen für diese zumutbar sein, d.h. die Belastung für den Pflichtigen muss in einem
vernünftigen Verhältnis zum verfolgten Ziel stehen.66
Der Beschwerdeführer beantragte anstelle der Wiederherstellungsmassnahmen ein
Benützungsverbot. Zudem ist er der Auffassung, dass die Wiederherstellungsmassnahmen
nicht verhältnismässig seien. Insbesondere die Aufforderung, sämtliche Wasser- und
Abwasserleitungen zu entfernen, ginge zu weit. Als Erbsenproduzent müsse er sich an die
Hygienevorschriften halten. Ausser im hier interessierenden Gebäude hätten die
Angestellten keinen Zugang zu sanitären Anlagen.
64 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N 9 ff. mit Hinweisen; BVR 2006 S. 444 E. 6.1 65 BGE 1C_397/2007 vom 27.05.2008 E. 3.4; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9a 66 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9c
RA Nr. 110/2018/110 23
Nach Ansicht der Gemeinde ist das Aussprechen eines blossen Benützungsverbots nicht
ausreichend. Sie verlangt darüber hinausgehend die Entfernung sämtlicher Wasser- und
Abwasserleitungen, die Demontage sämtlicher elektrischer Leitungen, Geräten und
weiteren Einrichtungen und die Demontage bzw. Entfernung sämtlichen Mobiliars das über
die Nutzung zu Lagerzwecken hinausgehe (Ziff. 2.1 bis 2.4 der
Wiederherstellungsverfügung).
Bauten und Teile von Bauten, die ohne Bewilligung errichtet wurden und nicht
bewilligungsfähig sind, sind grundsätzlich zu beseitigen. Ein blosses Benützungsverbot
genügt in der Regel nicht, da ein solches auf Dauer meist nur mit unverhältnismässigem
Verwaltungsaufwand kontrollierbar und durchsetzbar ist. Es sind objektive Tatsachen zu
schaffen, welche die rechtswidrige Nutzung verunmöglichen oder jedenfalls erheblich
erschweren.67 Die Wiederherstellungsmassnahme betreffend die Entfernung der Wasser-
und Abwasserleitungen (Ziff. 2.1) wie auch die Entfernung des für die Wohnnutzung
notwendigen Mobiliars (Ziff. 2.3) sind geeignet, objektive Tatsachen für die Verhinderung
der Wohnnutzung zu schaffen. Für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands ist
dieser Rückbau auch notwendig. Was die geforderte Entfernung der Wasser- und
Abwasserleitungen anbelangt, so kann den Angestellten auf dem landwirtschaftlichen
Betrieb an anderer Stelle Gelegenheit bzw. Zugang zu sanitären Anlagen verschafft
werden. So steht das Gebäude Nr. G._, in welchem sich die Wohnung für die
abtretende Generation und das Studio befinden, in unmittelbarer Nähe zum Gebäude
Nr. D._. Gemäss dem angefochtenen Entscheid soll der umstrittene Wohnteil
künftig Lagerzwecken dienen. Die Wiederherstellungsmassnahmen umfassen dennoch die
Kappung sämtlicher elektrischer Leitungen (Ziff. 2.3). Damit im betroffenen Gebäudeteil
künftig die Nutzung als Lager möglich ist, erweist sich die geforderte Massnahme mit Blick
auf den Verhältnismässigkeitsgrundsatz als zu weitgehend. Daher wird Ziffer 2.3 des
vorinstanzlichen Entscheids wie folgt angepasst:
"2.3 Sämtliche elektrischen Leitungen, Geräte und weiteren Einrichtungen, welche dazu dienen können, die Räumlichkeiten bewohnbar zu machen, sind zurückzubauen. Soweit für die Nutzung der Räumlichkeiten als Schopf elektrische Anschlüsse nötig sind (Licht, Steckdose) können diese belassen werden. Der Sicherheitsnachweis gemäss NIV ist bis spätestens am Abnahmetermin zu erbringen."
67 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 10 m.w.H.
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Weitere mildere Massnahmen, mit denen dasselbe Ziel erreicht werden könnte, sind hier
nicht ersichtlich. Die Umsetzung der geforderten Wiederherstellungsmassnahmen ist für
den Beschwerdeführer zumutbar. Das öffentliche Interesse an der Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands überwiegt die Nachteile, die ihm durch die Wiederherstellung
entstehen. Angesichts der strengen Rechtsprechung68 betrifft dies auch die
Vermögensinteressen, welche dem Beschwerdeführer durch die Wiederherstellung
anfallen. Dies gilt umso mehr, als diese Nachteile angesichts des fehlenden guten
Glaubens nicht oder nur in verringertem Mass zu berücksichtigen sind.
g) Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, die Wohnung sei mit Kenntnis der
Behörden 1983/1984 in den ehemaligen Stall verlegt worden, beruft er sich sinngemäss
auf die für Wiederherstellungen geltende absolute 30-jährige Verwirkungsfrist.69
Die Beseitigung des rechtswidrigen Zustands kann längstens bis zum Ablauf von 30
Jahren seit Beendigung der rechtswidrigen Arbeiten verlangt werden. Diese 30-jährige
Verwirkungsfrist gilt gemäss neuerer bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch für Bauten
ausserhalb der Bauzonen.70 Sind Polizeigüter im engeren Sinne betroffen, ist insbesondere
die Sicherheit oder die Gesundheit von Personen gefährdet, so kann jederzeit (auch nach
30 Jahren noch) Abhilfe gefordert werden. Die Verwirkungsfrist beginnt bei Nutzungen mit
jeder wesentlichen Nutzungsänderung neu zu laufen.71 Der gute Glaube ist eine
Voraussetzung des Vertrauensschutzes, aber nicht der Verwirkung.72
Laut dem Entscheid der Gemeinde wurde ihr im Spätsommer 2017 gemeldet, dass im
Gebäude Nr. D._ eine Wohnung vorhanden sei. Im fraglichen Gebäude war
gemäss ihren Abklärungen keine Wohnung registriert und nie eine Baubewilligung für eine
Wohnung erteilt worden. Sie stellt sich somit auf den Standpunkt, dass die Zweckänderung
für sie nicht erkennbar gewesen sei (vgl. Art. 46 Abs. 3 BauG). Die Verlegung der
Wohnung erfolgte gemäss den Angaben des Beschwerdeführers ohne äussere
Veränderung des Gebäudes. Wie bereits an anderen Stellen ausgeführt, hat er bzw. sein
68 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9c mit weiteren Hinweisen 69 Vgl. BGE 132 II 21 E. 6.3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 11 70 BGE 1C_150/2016 vom 20.09.2016, E. 10.5 71 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 11/11a 72 Vgl. VLP-ASPAN, Raum und Umwelt 1/2018, "Vorgehen der Behörden bei widerrechtlichen Bauten", S. 7
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Rechtsvorgänger im Baubewilligungsverfahren 2000 es unter verschiedenen Rubriken
unterlassen, die bestehende Wohnnutzung im Gebäude anzugeben. Zudem hat er in den
Plänen den umstrittenen Teil als "Schopf" bezeichnet73 (vgl. E. 5a und d). Der
Beschwerdeführer bzw. sein Rechtsvorgänger haben somit mit diesen falschen Angaben
darauf hingewirkt, dass der baurechtswidrige Zustand unentdeckt blieb.74 Für die
Gemeinde war der Bestand der Wohnung nicht erkennbar. Selbst wenn sie im Rahmen der
Bauabnahme im Jahre 2001 Gelegenheit gehabt hätte, die Wohnung im Gebäude
Nr. D._ zu entdecken, wäre die 30-jährige Verwirkungsfrist noch nicht abgelaufen.
Die Beseitigung des rechtswidrigen Zustands kann daher nach wie vor verlangt werden.
Art. 46 Abs. 3 BauG, wonach die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands nach
Ablauf von fünf Jahren seit Erkennbarkeit der Rechtswidrigkeit nur verlangt werden kann,
wenn zwingende öffentliche Interessen es erfordern, gelangt ebenfalls nicht zur
Anwendung. Denn diese Fünfjahresfrist gilt nicht, wenn die Wiederherstellung einen
bundesrechtlich geregelten Sachverhalt (wie das Bauen ausserhalb der Bauzone) betrifft.75
Dies ist vorliegend der Fall.
h) Nach Auffassung des Beschwerdeführers soll das Verfahren sistiert werden, bis die
Ortsplanungsrevision der Gemeinde Schüpfen abgeschlossen sei. Für das Gebiet
B._ stehe die Umzonung in eine Weilerzone zur Diskussion.
Die Gemeinde weist darauf hin, dass für die Ortsplanungsrevision ein "Räumliches
Entwicklungskonzept" (REK) erarbeitet werde, welches die Prüfung von Weilerzonen im
Gemeindegebiet vorsehe. Der Zeithorizont sowie das Ergebnis einer solchen Prüfung
könne heute nicht eingeschätzt werden.76
Gemäss den Angaben der Gemeinde wurden im Sommer 2017 die Arbeiten zur
Ortsplanungsrevision aufgenommen. In einer ersten Phase wird das REK erarbeitet, das
zur öffentlichen Mitwirkung vom 28. Mai bis 29. Juni 2018 öffentlich aufgelegt worden ist.
Gemäss Mitwirkungsbericht vom 29. August 2018 beantragen zwei Privatpersonen die
73 Vgl. Vorakten 53/00, «Teilabbruch Gebäude D._ und Erweiterung als landw. Einstellraum», Formulare 1.0 und 1.0.1 vom 4. September 2009, Reiter 3.1 und 3.2 sowie Projektplan 1:100 «Grundriss; Querschnitt» vom 21. Juli 2000 74 Vgl. BGE 1C_478/2011 vom 9.02.2012, E. 2.1 ff. 75 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 11 76 Vgl. Stellungnahme der Gemeinde vom 30. August 2018, Akten BVE, pag. 20
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Umzonung des J._ als eine geschlossene Baugruppe in eine Weilerzone.77 Der
Gemeinderat stellt dazu unter anderem fest, dass die Gemeinde eine Umzonung in eine
Dorfzone B oder eine Weilerzone im Rahmen der zweiten Phase der Ortsplanungsrevision
prüfe.78
Ob das Gebiet B._ künftig einer Weilerzone zugewiesen wird, kann aus heutiger
Sicht und mit Blick auf das Mitwirkungsverfahren noch nicht gesagt werden. Gemäss Lehre
und Rechtsprechung kann eine Sistierung angezeigt sein, wenn eine Rechtsänderung, die
für den Verfahrensausgang wesentlich ist, kurz bevorsteht. Neue Vorschriften müssen aber
beschlossen sein oder zumindest öffentlich aufliegen.79 Dies trifft vorliegend nicht zu. Das
umstrittene Vorhaben ist daher nach den geltenden Vorschriften bzw. den Vorgaben für
Bauten ausserhalb der Bauzonen zu beurteilen. Der Antrag auf Sistierung des
vorliegenden Verfahrens wird abgewiesen.
i) Zusammenfassend ist die Beschwerde hinsichtlich eines teilweisen Verzichts auf die
Wiederherstellung gutzuheissen. Der Gesamtentscheid wird bezüglich der
Wiederherstellungsmassnahmen in Ziffer 2.3 angepasst. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen und der Bauabschlag zu bestätigen.
7. Beweisabnahme
Gemäss Art. 18 VRPG stellen die Behörden den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Sie
bestimmen Art und Umfang der Ermittlungen, ohne an die Beweisanträge der Parteien
gebunden zu sein. Erscheint die Sachlage umfassend abgeklärt und versprechen
zusätzliche Erhebungen keine wesentlich neuen Erkenntnisse, so brauchen keine weiteren
Untersuchungen angestellt zu werden, selbst wenn nicht alle denkbaren Möglichkeiten der
Beweisführung ausgeschöpft worden sind.80 Ergibt eine vorweggenommene
Beweiswürdigung, dass ein Beweis nicht dazu geeignet ist, das Beweisergebnis zu
verändern oder den zu treffenden Entscheid zu beeinflussen, so kann auch unter dem
77 http://www.schuepfen.ch/de/aktuelles/Ortsplanungsrevision/index.php 78 Vgl. Mitwirkungsbericht vom 29. August 2018, Ziff. 2.2.1 79 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 38 N. 6; VGE 2014/56 vom 10.12.2014 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen 80 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 18 N. 10
http://www.schuepfen.ch/de/aktuelles/Ortsplanungsrevision/index.php
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Aspekt des rechtlichen Gehörs von der Beweisabnahme abgesehen werden. Namentlich
besteht eine Pflicht zur Durchführung eines Augenscheins nur dann, wenn sich die
Verhältnisse anders nicht schlüssig klären lassen.81 Der Beschwerdeführer hat als
Beweismassnahme einen Augenschein und Zeugenbefragungen beantragt. Von diesem
Beweismittel waren hier keine weiteren, entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten,
weshalb darauf verzichtet werden konnte.
81 Statt vieler: VGE 2008/22962 vom 28.02.2008, E. 5.1 mit Hinweisen
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8. Kosten
a) Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr von
Fr. 200.– bis 4'000.– je Beschwerde erhoben (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1
GebV82). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschalgebühr festgesetzt auf
Fr. 2’000.–.
b) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Der
Beschwerdeführer beantragte unter anderem den ganzen oder teilweisen Verzicht auf die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands. Mit der Anpassung von Ziffer 3.2 des
angefochtenen Gesamtentscheids obsiegt er teilweise. Im Übrigen gilt er als unterliegend.
Es rechtfertigt sich somit, die Verfahrenskosten zu vier Fünfteln dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Der Gemeinde können keine Verfahrenskosten
auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG). Im Ergebnis hat
der Beschwerdeführer daher vier Fünftel von Fr. 2’000.–, ausmachend Fr. 1'600.–, an
Verfahrenskosten zu bezahlen. Die restlichen Verfahrenskosten trägt der Kanton.
c) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).
82 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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