Decision ID: f110836c-18f1-592a-8b5d-b8668b335249
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Rekurrent,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Pius Buchmann, Sonnenplatz 1, Postfach,
6020 Emmenbrücke 2,
gegen
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
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Genugtuung (Opferstellung eines Geschwisters)
Sachverhalt:
A.
A.a Am 12. Oktober 2005 wurde H._, geboren 1985 (act. G 3.1/6a), Opfer eines
Tötungsdeliktes. Mit Urteil des Kreisgerichts vom 5. Juli 2007 wurde Z._ wegen
mehrfachen Mordes schuldig gesprochen (act. G 3.1/3b). Gegen dieses Urteil liess
dieser Berufung erheben und beantragte, dass er der mehrfachen vorsätzlichen Tötung
schuldig zu sprechen sei (act. G 3.1/4a).
A.b Der Bruder der getöteten H._, P._, geboren 1986 (act. G. 3.1/6b), stellte am
12. Oktober/20. Dezember 2007 ein Gesuch um Genugtuung nach Opferhilfegesetz. Er
machte geltend, mit seiner Schwester ein sehr intensives und enges Verhältnis gepflegt
zu haben. Sie hätten in ihrem Leben verschiedene Entwurzelungen gemeinsam erleben
müssen und dadurch eine starke Bindung zueinander aufgebaut. Bis zum Tode seiner
Schwester hätten sie zusammen bei der Grossmutter, D._, gelebt. Der Verlust seiner
Schwester habe bei ihm einen aussergewöhnlichen seelischen Schmerz hinterlassen.
Aufgrund des vorsätzlichen Handelns des Täters, des plötzlichen und sinnlosen Todes,
des jugendlichen Alters der verstorbenen Schwester, der langen Dauer des
Zusammenlebens der Geschwister, der engen Beziehung der Geschwister und des
Verlusts seiner engsten Bezugsperson erscheine die Ausrichtung einer Genugtuung
von Fr. 50'000.-- als angemessen (act. G 3.1/1 und 3a).
A.c Am 15. Januar 2008 ersuchte das Sicherheits- und Justizdepartement St. Gallen
(SJD) das Einwohneramt um Auskunft betreffend die Wohnadressen des
Gesuchstellers und seiner Schwester für die Zeit vor dem Tötungsdelikt (act. G 3.1/5).
Die Stadtverwaltung teilte mit, dass die Verstorbene seit ihrem Zuzug im Jahr 2005 an
der A._ wohnhaft gewesen sei (act. G 3.1/6a). Bezüglich des Gesuchstellers
berichtete sie, dass dieser vom 5. Januar 2003 bis 8. Januar 2006 unter der Adresse
B._ gemeldet gewesen sei (act. G 3.1/6b).
A.d Mit Schreiben vom 21. Januar 2008 berichtete das SJD dem Gesuchsteller, dass
Abklärungen beim Einwohneramt ergeben hätten, er hätte nicht bis zum Tode seiner
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Schwester mit ihr zusammengelebt. Es gab ihm Gelegenheit für eine Stellungnahme
(act. G 3.1/7).
A.e In der Stellungnahme vom 25. März 2008 führte der Gesuchsteller aus, es sei
richtig, dass die verstorbene Schwester von ihm formell zeitweise getrennten Wohnsitz
gehabt hätte. Tatsächlich hätten sie sich aber beide vorab in der Wohnung ihrer
Grossmutter aufgehalten. Er sei formell bei seiner Tante N._ an der C._ gemeldet
gewesen, weil diese – auf Veranlassung seiner Grossmutter D._ – sämtliche
organisatorische Vorkehren getroffen habe, die im Zusammenhang mit seiner Einreise
als damals noch Minderjähriger in die Schweiz erforderlich gewesen seien. Dies
könnten nebst der Grossmutter folgende Personen als Zeugen bestätigen: V._
(Grossvater des Gesuchstellers), , C._ (Tante des Gesuchstellers) und E._ (Cousin
des Gesuchstellers), beide wohnhaft an der F._, sowie G._ (Cousine des
Gesuchstellers), I._. Allenfalls könnten auch Nachbarn eruiert werden, die als Zeugen
dasselbe wahrgenommen hätten (act. G 3.1/11).
A.f Am 7. April 2008 verfügte das SJD die Abweisung des Genugtuungsbegehrens.
Es begründete die Verfügung damit, gestützt auf die Wohnsitznachweise sei erwiesen,
dass der Gesuchsteller in den letzten Jahren vor der Tat vom 12. Oktober 2005 nicht
mit seiner Schwester zusammengelebt habe. Da die vom Gesuchsteller genannten
Zeugen zu ihm ausschliesslich in einem engeren Verwandtschaftsverhältnis stünden,
könne nicht davon ausgegangen werden, dass sie unvoreingenommen zur Ermittlung
des Sachverhalts beizutragen vermöchten. Ihre Befragung stelle daher kein taugliches
Beweismittel dar. Selbst wenn sich der Gesuchsteller und seine Schwester seit ihrer
Volljährigkeit öfters bei ihrer Grossmutter getroffen hätten, zeuge dies zwar von einer
guten, engen Beziehung, stelle aber kein aussergewöhnlich enges Verhältnis dar, wie
es zum Beispiel beim Zusammenleben von minderjährigen Geschwistern oder bei der
täglichen Pflege eines betagten Geschwisters durch ein anderes bestehe. Die
geschilderte Beziehung vermöge keinen Genugtuungsanspruch zu begründen (act. G
1.1).
B.
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B.a Gegen diese Verfügung richtet sich der vorliegend zu beurteilende Rekurs vom
22. April 2008. Der Rekurrent beantragt darin die Rückweisung der Angelegenheit an
die Vorinstanz zur Vornahme ergänzender Abklärungen betreffend die tatsächlichen
Wohnverhältnisse und zur neuen Verfügung. Eventualiter sei ihm eine Genugtuung von
Fr. 50'000.-- nebst 5% Zins seit 12. Oktober 2005 zuzusprechen. Zur Begründung führt
er aus, dass er in Abweichung der formellen Wohnsitzmeldung tatsächlich mit seiner
Schwester zusammen bei der Grossmutter gelebt habe. Indem die Vorinstanz aus
unsachlichen Gründen auf die Befragung der angebotenen Zeugen verzichtet habe und
keine anderen massgeblichen Beweismittel vorlägen, habe die Vorinstanz den
Sachverhalt nicht vollständig festgestellt und eine unzulässige antizipierte
Beweiswürdigung vorgenommen. Die Geschwister hätten sich bei ihrer Grossmutter
nicht bloss öfters getroffen, sondern dort in einem gemeinsamen Haushalt zusammen
gelebt bzw. gewohnt. Dies könne von den vorgeschlagenen Zeugen bestätigt werden.
Aufgrund gemeinsam erlebter Schicksale (frühe Trennung von der Mutter; Ausweisung
des Vaters aus der Schweiz) sei eine starke Bindung zwischen den Geschwistern
entstanden, die durch das Zusammenleben in der Schweiz gefestigt worden sei. Die
Grossmutter habe den beiden Kindern die Eltern ersetzt (act. G 1).
B.b In der Vernehmlassung vom 28. April 2008 beantragt die Vorinstanz unter Hinweis
auf die Begründung in der angefochtenen Verfügung vom 7. April 2008 die Abweisung
des Rekurses (act. G 3).
B.c Der Rekurrent hält replicando unter Kosten- und Entschädigungsfolge an seinen
Anträgen fest. Die Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige des
Rekurses (act. G 9).
B.d In der Duplik vom 2. Juli 2008 beantragt die Vorinstanz, die Replik des Rekurrenten
sei aus dem Recht zu weisen. Sie macht geltend, sie habe mit Schreiben vom 28. April
2008 auf eine Rekursvernehmlassung verzichtet. Damit fehle das Objekt, auf welches
sich die Replik beziehen könne (act. G 11).

Erwägungen:
1.
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Während der Rekurrent in formeller Hinsicht in der Replik die nicht näher begründete
Vernehmlassung der Vorinstanz beanstandet, beantragt die Vorinstanz, die Replik als
überflüssig aus dem Recht zu weisen. Beide Rügen erscheinen unangebracht. Zwar
könnte die Eingabe der Vorinstanz vom 28. April 2008 als sehr kurze Vernehmlassung
aufgefasst werden, enthielt sie doch Antrag und eine kurze Bestreitung der
Ausführungen im Rekurs, aber sie war zweifellos nicht geeignet, nach einer
einlässlichen Gegenäusserung zu rufen. Der Rekurrent wurde von der Verfahrensleitung
lediglich eingeladen, eine "allfällige Replik" (act. G 4) einzureichen (vgl. zum Replikrecht
ZBJV 2002, 281 ff. sowie 133 I 98). Er äusserte sich denn auch entsprechend kurz. Im
Übrigen werden in der Praxis des Versicherungsgerichts Eingaben nicht förmlich aus
dem Recht gewiesen, was sich mit der in diesem Rekursverfahren geltenden
Untersuchungsmaxime (Art. 58 Abs. 1 i.V.m. Art. 12 des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]) und das Gericht eine freie
Überprüfungsbefugnis besitzt (Art. 17 des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von
Straftaten [OHG; SR 312.5]) auch kaum vereinbaren liesse. Allfällig unnötiger Aufwand
bleibt aber bei der Bemessung einer Parteientschädigung unberücksichtigt.
2.
2.1 Gemäss Art. 11 Abs. 1 OHG können Opfer einer in der Schweiz verübten Straftat
im Kanton, in welchem die Tat verübt wurde, eine Entschädigung oder Genugtuung
geltend machen. Als Opfer gelten Personen, welche durch eine Straftat in ihrer
körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden
sind (Art. 2 Abs. 1 OHG). Der Begriff der Straftat hat im Opferhilfegesetz grundsätzlich
die gleiche Bedeutung wie im Strafgesetzbuch. Darunter fällt ein tatbestandsmässiges
und rechtswidriges Verhalten; eine schuldhafte Tatbegehung ist jedoch ausdrücklich
nicht vorausgesetzt (vgl. Art. 2 Abs. 1 OHG; BGE 122 II 320; BBl 1990 II 977). Ein
Tötungsdelikt fällt ohne weiteres unter den Anwendungsbereich des OHG. Dem Opfer
gleichgestellt werden dessen Ehegatte, dessen Kinder und Eltern sowie andere
Personen, die ihm in ähnlicher Weise nahestehen (sogenannte indirekte Opfer). Letztere
sind insbesondere auch legitimiert, eine Entschädigung oder Genugtuung geltend zu
machen, soweit ihnen Zivilansprüche gegenüber dem Täter zustehen (vgl. Art. 2 Abs. 2
lit. c OHG). Es ist unbestritten, dass der Bruder der Getöteten grundsätzlich eine dem
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Opfer gleichgestellte Person sein kann. Zu prüfen ist, welche Voraussetzungen erfüllt
sein müssen, damit dieser Anspruch auf eine Genugtuung nach OHG hat.
2.2 Gemäss Art. 12 Abs. 2 OHG kann dem Opfer (bzw. einer dem Opfer
gleichgestellten Person) unabhängig von seinem Einkommen eine Genugtuung
ausgerichtet werden, wenn es schwer betroffen ist und besondere Umstände es
rechtfertigen. Bei der Geltendmachung von Genugtuungsansprüchen wird der Kreis der
indirekten Opfer enger gezogen und keine vollständige Gleichstellung mit dem direkten
Opfer vollzogen. In diesem Bereich erfolgt eine Gleichstellung von direkten und
indirekten Opfern nur, soweit letzteren Zivilansprüche gegenüber dem Täter zustehen
(vgl. Art. 2 Abs. 2 lit. c OHG). Das bedeutet, dass bei der Geltendmachung von
opferhilferechtlichen Genugtuungsansprüchen nur indirektes Opfer sein kann, wer bei
einem Tötungsdelikt Anspruch auf eine Genugtuung gemäss Art. 47 des
Obligationenrechts (OR; SR 220) hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember
2000 i.S. A., 1A.196/2000, E. 2b). Zu prüfen ist demnach, ob die Voraussetzungen für
eine Genugtuung nach Art. 47 OR erfüllt sind.
2.3 Bei Tötung eines Menschen oder bei Körperverletzung kann das Gericht gemäss
Art. 47 OR unter Würdigung der besonderen Umstände der verletzten Person oder den
Angehörigen der getöteten Person eine angemessene Geldsumme als Genugtuung
zusprechen. Was unter "Angehörigen" zu verstehen ist, umschreibt das Gesetz nicht.
Einerseits muss ein Angehöriger nicht unbedingt ein Verwandter sein; anderseits erhält
nicht jedes Familienmitglied einzig aufgrund des Verwandtschaftsverhältnisses ein
Anrecht auf Genugtuung. Es kommen nur diejenigen Geschädigten in Frage, welche
vom Tod schwer betroffen werden, also enge familiäre Beziehungen zur verstorbenen
Person unterhielten. Die strenge Auslegung des Begriffs "Angehörige" wird damit
gerechtfertigt, dass aktivlegitimierte Reflexgeschädigte im Haftpflichtrecht eine
Ausnahmeerscheinung darstellen und ihnen gegenüber deshalb Zurückhaltung
geboten sei (Roland Brehm, Berner Kommentar, 2. Auflage, OR 47 N 133 f.). Heinz Rey
(Ausservertragliches Haftpflichtrecht, 3. Auflage, 2003, N 458) hält ebenfalls dafür, dass
eine Genugtuung nur bei engen familiären Beziehungen zum Getöteten zugesprochen
werden soll.
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2.4 Nach höchstrichterlicher Rechtsprechung gelten Geschwister als Angehörige
(BGE 118 II 409 E. 3b/cc; bestätigt in Urteil des Kassationshofes in Strafsachen vom 7.
November 2002 i.S. A., 6S.700/2001, E. 4.3). Ihr Anspruch auf Genugtuung hängt
jedoch von den Umständen ab. Der Tatsache, dass ein Geschwister mit dem Opfer
zusammen gewohnt hat, kommt regelmässig eine grosse Bedeutung zu, weil darin ein
wichtiger Anhaltspunkt für die Intensität einer Beziehung liegt. In der Regel wird daher
der Anspruch auf Genugtuung geschützt, wenn das Geschwister mit dem getöteten
Geschwister noch im gleichen Haushalt lebte. Hingegen ist, wer den gemeinsamen
Haushalt mit dem getöteten Geschwister schon vor dem Schadenereignis aufgegeben
hat, nur dann noch genugtuungsberechtigt, wenn sehr enge Kontakte zueinander
bestanden und der Verlust des Geschwisters einen aussergewöhnlichen seelischen
Schmerz verursacht (Urteil des Kassationshofes in Strafsachen vom 7. November 2002
i.S. A., 6S.700/2001, E. 4.3 mit Hinweisen). Die Aktivlegitimation von Verwandten hängt
daher nicht zwingend davon ab, dass sie mit der getöteten Person im gleichen
Haushalt gelebt haben (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Dezember 2000 i.S. A., 1A.
196/2000, E. 3c mit Hinweisen; Zehntner, Handkommentar zum Opferhilfegesetz, 2005,
Art. 2 OHG N 49).
3.
3.1 Der Rekurrent nannte mehrere Zeugen, die das Zusammenleben der Geschwister
bei der Grossmutter vor dem Tötungsdelikt belegen könnten (act. G 3.1/11). Die
Vorinstanz verzichtete auf die Einvernahme der vom Rekurrenten angebotenen Zeugen.
Sie begründete den Verzicht damit, dass die genannten Personen ausschliesslich
engere Verwandte des Rekurrenten seien und von ihnen keine unvoreingenommenen
Aussagen erwartet werden könnten. Gestützt auf die Auskünfte des Einwohneramtes
stehe fest, dass die Geschwister nicht zusammen gelebt hätten (act. G 1.1). Der
Rekurrent rügt diese antizipierte Beweiswürdigung (act. G 1). Nachfolgend ist daher die
Frage zu prüfen, unter welchen Bedingungen auf die Erhebung gehörig angebotener
Beweismittel verzichtet werden kann bzw. wann eine antizipierte Beweiswürdigung
zulässig ist.
3.2 Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst u.a. das Recht, Beweisanträge zu
stellen, und – als Korrelat – die Pflicht der Behörde zur Beweisabnahme. Bei der
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Zulassung von Beweismitteln gilt es daher zu beachten, dass die Wahrung des
rechtlichen Gehörs grundsätzlich verlangt, die angebotenen Beweise abzunehmen.
Davon darf aber im Sinne einer vorweggenommenen (antizipierten) Beweiswürdigung
abgesehen werden, wenn aufgrund bereits abgenommener Beweise der rechtlich
erhebliche Sachverhalt für genügend geklärt erachtet wird und ohne Willkür vorweg die
Annahme getroffen werden kann, die rechtliche Überzeugung würde durch weitere
Beweiserhebungen nicht geändert (BGE 122 V 162 mit Hinweisen; Kölz/Häner,
Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Auflage 1998, Rz
111). Unproblematisch ist die Ablehnung von Beweismitteln, die objektiv untauglich
sind, einen bestimmten Beweis zu erbringen. Blosse Zweifel an der Tauglichkeit und
Ergiebigkeit eines Beweismittels dürfen jedoch dessen Abnahme nicht verhindern.
Zurückhaltung bei der Ablehnung eines Beweismittels ist auch bei subjektiv
untauglichen Beweismitteln angebracht, etwa dann, wenn das Gericht bei einem stark
befangenen Zeugen zur Auffassung gelangt, dass es selbst bei dessen Befragung nicht
zur gebotenen Überzeugung gelangen könnte (Leuenberger/Uffer-Tobler, Kommentar
zur Zivilprozessordnung des Kantons St. Gallen, S. 287 f., mit Hinweisen).
3.3 Vorliegend bot der Rekurrent die Befragung diverser Zeugen aus der
Verwandtschaft (Grossmutter, Grossvater, Tante, Cousin und Cousine) und auch
allgemein aus der Nachbarschaft an (act. G 3.1/11).
3.3.1 Die Vorinstanz vermag keine konkreten Anhaltspunkte zu benennen,
weshalb die angebotenen Zeugen objektiv oder subjektiv zum Vorneherein untauglich
sind. Auch aus den Akten ergeben sich keine derartigen Anhaltspunkte. Die
verwandtschaftliche Beziehung allein vermag eine solche Untauglichkeit nicht zu
begründen. Es ist daher bezüglich der angebotenen Zeugen entgegen der Auffassung
der Vorinstanz davon auszugehen, dass sie sowohl in objektiver als auch subjektiver
Hinsicht grundsätzlich taugliche Zeugenbeweise darstellen. Soweit die
verwandtschaftliche und persönlich Beziehung zum Rekurrenten die Aussagen der
Zeugen beeinflussen sollten, ist diesem Umstand im Rahmen der Beweiswürdigung
Rechnung zu tragen.
3.3.2 Der Verzicht auf die Abnahme der angebotenen Zeugenbeweise kann
auch nicht allein mit den Wohnsitznachweisen des Einwohneramtes (act. G 3.1/6a und
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6b) gerechtfertigt werden. Wie der Rekurrent zu Recht vorbringt, handelt es sich hierbei
vor allem um die Wiedergabe eines formellen Zustandes. Allein gestützt auf die bei der
Wohnsitznahme gemeldeten Adressen kann im Bestreitungsfall nicht ohne weiteres als
erwiesen betrachtet werden, dass der Rekurrent seit der Wohnsitznahme bis zum
Deliktstag seinen Aufenthaltsort bzw. seinen Lebensmittelpunkt an der gemeldeten
Adresse hatte. Dabei fällt vorliegend ins Gewicht, dass unabhängig der strittigen
Wohnadressangaben der Wohnsitz X._ ist. Der Wohnsitznachweis stellt aber
immerhin ein Indiz gegen das Zusammenleben der Geschwister dar. Es erscheint aber
nicht ausgeschlossen, dass weitere Beweismittel zu einem im Vergleich zu den
Wohnsitznachweisen anderen Ergebnis führen könnten.
3.3.3 Die von der Vorinstanz vorgenommene pauschale antizipierte
Beweiswürdigung ist nach dem Gesagten nicht zulässig. Vielmehr hat sie in
Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 16 Abs. 2 OHG) die notwendigen
Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte
einzuholen. Dabei kann die Behörde Beteiligte, Auskunftspersonen oder Zeugen
befragen (Art. 12 Abs. 1 VRP). Entsprechend dem Hauptantrag des Rekurrenten ist
daher die Streitsache zur Abnahme der beantragten Beweise sowie der Abklärung der
Wohnverhältnisse vor Ort an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung gutzuheissen und die Streitsache zur Vornahme weiterer
Abklärungen und anschliessender Neuverfügung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 16 Abs. 1 OHG).
4.3 Ausgangsgemäss hat die obsiegende rekursführende Partei Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar für das Verfahren vor
Versicherungsgericht pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.-- (vgl. Art. 22 Abs. 1 lit. b
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HonO in der ab 1. Juli 2007 geltenden Fassung; sGS 963.75). Der Rechtsvertreter hat
keine Kostennote eingereicht, so dass die Parteientschädigung ermessensweise
festzusetzen ist. In Anbetracht der relativ einfachen Problemstellung und des
entsprechend eher bescheidenen Aufwandes erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 2'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht