Decision ID: 2e057ada-8dff-43bb-9158-901d8a625dd1
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 24.02.2010 Art. 42 Abs. 3 IVG, Art. 38 IVV. Hilflosigkeit bei Bedarf nach einer lebenspraktischen Begleitung. Sachverhaltsermittlung ausschliesslich anhand der Erwartungen darüber, wie sich der Sachverhalt entwickeln werde? (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Februar 2010, IV 2009/410).
Abteilungspräsidentin Karin Huber-Studerus, Versicherungsrichterin Monika Gehrer-
Hug, Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Ralph Jöhl
Entscheid vom 24. Februar 2010
in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch A._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Hilflosenentschädigung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
Die IV-Stelle erteilte S._ (Jg. 1985) am 12. August 2003 die Kostengutsprache für
eine zweijährige erstmalige Ausbildung zum Kleinteilemonteur in der beruflichen
Schulungsstätte des B._. Der B._ berichtete am 14. Juli 2005, der Versicherte
erbringe sowohl im praktischen als auch im theoretischen (schulischen) Bereich
Leistungen, die denjenigen eines BBT-Anlehrlings am unteren Durchschnitt
entsprächen. Das sei nicht auf mangelnden Einsatz oder auf eine schlechte
Arbeitshaltung, sondern auf die erheblichen behinderungsbedingten Einschränkungen
(Sehbehinderung, Lernbehinderung, Wahrnehmungsstörungen) zurückzuführen. Der
Versicherte sei pflichtbewusst und zuverlässig und er zeige viel Interesse für die
Berufsarbeit. Die gute Arbeitshaltung und das Bestreben, sich zu verbessern, seien
ausgeprägt. Infolge seiner Wahrnehmungsstörungen habe der Versicherte aber grosse
Mühe, seine eigene Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen. Er sei leicht ablenkbar
und er leide unter Konzentrationsschwäche. In einer neuen Arbeitssituation sei er recht
unflexibel; er brauche eine gewisse Anlaufzeit, bis er seine tatsächliche
Leistungsfähigkeit erreiche. Die Stellensuche sei aufgrund der massiven
behinderungsbedingten Einschränkungen nicht erfolgreich gewesen. Deshalb werde
der Versicherte weiterhin in der Industriewerkstatt des B._ arbeiten. Der
Wohngruppenleiter hatte am 24. Mai 2005 u.a. berichtet, der Versicherte vermöge oft
seine wahrgenommenen Informationen und Erlebnisse nicht zu ordnen. Er gebe sie
dann verkehrt und verdreht wieder. Durch diese Wahrnehmungsprobleme geschehe es
öfters, dass der Versicherte ein Erlebnis oder eine Situation als nur schlecht oder als
absolut perfekt einstufe. Realistische Bezüge und Einschätzungen könne er dann nicht
gut nachvollziehen. Seine Körperhygiene und seine Ordnung im persönlichen Zimmer
verrichte der Versicherte mittlerweile zur vollsten Zufriedenheit. Arbeitsaufträge
(Kochen, Einkaufen, Putzen, Aufräumen) führe er gut aus. Er gehe jedoch manchmal
noch den Weg des geringsten Widerstandes. Termine, Abmachungen usw. nehme er
meistens verantwortungsbewusst wahr. Auch für seine einfachen administrativen
Angelegenheiten (Ämter, Bank usw.) zeige er inzwischen mehr Interesse und er
übernehme Verantwortung. Die IV-Stelle sprach dem Versicherten am 5. Dezember
2005 eine ganze Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 79% zu.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B.
Der Versicherte wurde von seiner Beiständin im Februar 2009 zum Bezug einer
Hilflosenentschädigung angemeldet. Die Beiständin verneinte alle im Anmeldeformular
gestellten Fragen zu einer allfälligen Hilflosigkeit bei den alltäglichen
Lebensverrichtungen. Sie bejahte hingegen die Fragen zum Bedarf nach einer
lebenspraktischen Begleitung. Dabei gab sie an, dem Versicherten müssten ab
Sommer 2009 Hilfeleistungen erbracht werden, die das selbständige Wohnen
ermöglichten. Ausserdem werde der Versicherte für Erledigungen und Kontakte
ausserhalb der Wohnung (Beziehungsgestaltung mit der Partnerin) begleitet werden
müssen und er werde die regelmässige Anwesenheit einer Drittperson (Planung und
Animation zur Kontaktpflege und Freizeitgestaltung) benötigen. Die Leistung werde
durch den "C._" erbracht werden. Der zeitliche Aufwand werde voraussichtlich zwei
Stunden wöchentlich betragen. Die Beiständin gab ergänzend an, der Versicherte
werde im Sommer 2009 von der Wohngemeinschaft in eine eigene Wohnung wechseln.
Er werde Hilfe beim Führen der Agenda/Planen der Wochenstruktur (15 Min.), bei der
Menüplanung und ab und zu beim Kochen (20 Min.), bei der Geldeinteilung und dem
Erledigen und Weiterleiten der Post (15 Min.), Anleitung und Kontrolle bei der
Haushaltführung (15 Min.), Hilfe beim Waschen (15 Min.), bei der Menüplanung (15
Min.) und beim Erstellen der Einkaufsliste (10 Min.) benötigen. Bei Bedarf werde man
ihn bei den Behördengängen begleiten müssen (10 Min.) und man werde ihm beim
Aufrechterhalten des Kontakts mit der Partnerin helfen müssen. Alle zeitlichen Angaben
seien ein voraussichtlicher Bedarf. Die administrativen Angelegenheiten (Finanzen)
würden durch die Beiständin erledigt. Die IV-Stelle richtete am 25. Mai 2009
verschiedene Fragen an die Beiständin, die diese am 4. Juni 2009 beantwortete. Die
Beiständin gab dabei an, der Versicherte werde am 15. Juli 2009 eine eigene Wohnung
beziehen. Er werde allein wohnen. In der Wohngruppe werde er aktuell auf die
selbständige Wohnform vorbereitet. Das Wohntraining (Einkaufen, Kochen, Waschen,
Kassabuchführen, Einzahlungen, Planen der Wochenstruktur) erfordere einen Tag pro
Woche. Bei der Alltagsbewältigung werde der Versicherte Unterstützung bei folgenden
Aufgaben benötigen: Planung der Wochenstruktur, Menüplanung/Kochen zum Erhalten
des Erlernten, Hilfe bei der Geldeinteilung, Erledigen und Weiterleiten der Post,
Anleitung und Kontrolle bei der Haushaltführung, Begleitung bei Behördengängen und
Unterstützung bei der Beziehungsgestaltung. Gemäss einer Telephonnotiz der IV-Stelle
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 19. August 2009 gab die Beiständin an, der Versicherte könne nicht mit Geld
umgehen. Zudem werde ihm im Haushalt geholfen werden müssen. Der Versicherte
wisse sich in einer Notsituation zu helfen, indem er sich bei der C._, bei der
Beiständin oder bei den Eltern melde.
C.
Mit einem Vorbescheid vom 21. August 2009 orientierte die IV-Stelle die Beiständin des
Versicherten darüber, dass sie das Leistungsgesuch abweisen werde, weil der
Versicherte keine lebenspraktische Begleitung benötige. Es bestünden nämlich keine
kognitiven Beeinträchtigungen, welche die Organisation eines Haushalts
verunmöglichen würden. Die Beiständin des Versicherten wandte am 7. September
2009 insbesondere ein, ohne eine konstante Begleitung in den lebenspraktischen
Aufgaben wäre der Versicherte ernsthaft gefährdet. Ob längerfristig eine
Wohnbegleitung ausreiche oder ob doch eine engere Betreuung notwendig sein werde,
werde sich erst aufgrund der praktischen Erfahrung abschätzen lassen. Die IV-Stelle
wies das Leistungsgesuch mit einer Verfügung vom 30. September 2009 ab. Zur
Begründung machte sie ergänzend geltend, der Versicherte sei in der Lage, sich wenn
nötig selbständig Hilfe zu organisieren. Die Voraussetzungen gemäss der Ziffer 8047.2
KSIH seien nicht erfüllt.
D.
Die Beiständin erhob am 3. November 2009 für den Versicherten Beschwerde gegen
diese Abweisungsverfügung. Sie machte geltend, es werde nach wie vor eine
Wohnbegleitung erforderlich sein. Die bisherigen Förderungsmassnahmen seien
ernsthaft gefährdet, wenn keine lebenspraktische Begleitung bestehe. Im Ergebnis
habe die IV-Stelle die Notwendigkeit einer Wohnbegleitung bestätigt.
E.
Die IV-Stelle beantragte am 7. Januar 2010 die Abweisung der Beschwerde. Zur
Begründung führte sie insbesondere aus, der Versicherte benötige ausser einer
gewissen Überwachung keine Hilfe. Weder lägen kognitive Einschränkungen vor noch
mache die Hilfe die erforderlichen zwei Stunden pro Woche aus. Der Versicherte könne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sich ausserdem bei Problemen bei der Wohnbegleitung, bei der Beiständin oder bei
den Eltern melden. Im Bericht der Bildungsstätte vom 14. Juli 2005 sei festgehalten
worden, dass der Versicherte selbstsicherer geworden sei und gelernt habe, für sich
einzustehen und seine Bedürfnisse anzumelden.
F.
Die Beiständin des Versicherten führte am 22. Januar 2010 aus, es habe sich seit
Sommer 2009 herausgestellt, dass der Versicherte an mehr als zwei Stunden
wöchentlich eine Begleitung benötige. Er habe keinen Überblick in der Wohnung. In
kurzer Zeit bilde sich jeweils eine Unordnung und die Wohnung verwahrlose
zusehends. Der Versicherte habe auch die Sauberkeit und die Hygiene nicht im Griff.
Das sei vor Ort sehr gut und eindrücklich ersichtlich. Innert kürzester Zeit bildeten sich
Berge von Unerledigtem, Gesammeltem und Angefangenem. Der Versicherte putze die
Wohnung nur oberflächlich. Er brauche eine Kontrolle, um nicht zu verwahrlosen.
Anleitung und Unterstützung brauche der Versicherte auch bei der Partnerbeziehung,
da diese sonst auseinanderbreche. Die kognitive und die körperlichen
Beeinträchtigungen indizierten eine Wohnbegleitung.
G.
Die IV-Stelle verzichtete am 10. Februar 2010 auf eine materielle Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung ihrer Gesundheit für
alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen
Überwachung bedarf (Art. 9 ATSG). Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem
Aufenthalt in der Schweiz haben einen Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung. Es
ist zu unterscheiden zwischen schwerer, mittelschwerer und leichter Hilflosigkeit (Art.
42 Abs. 1 und 2 IVG). Eine leichte Hilflosigkeit liegt auch dann vor, wenn eine zuhause
lebende versicherte Person dauernd auf eine lebenspraktische Begleitung angewiesen
ist (Art. 42 Abs. 3 Satz 1 IVG und Art. 37 Abs. 3 lit. e IVV). Ein Bedarf nach einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
lebenspraktischen Begleitung besteht gemäss Art. 38 Abs. 1 IVV, wenn eine volljährige
versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge einer Beeinträchtigung der
Gesundheit ohne eine Begleitung durch eine Drittperson nicht selbständig wohnen
kann (lit. a), für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf die
Begleitung durch eine Drittperson angewiesen ist (lit. b) oder ernsthaft gefährdet ist,
sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren (lit. c). Zu berücksichtigen ist nur
diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmässig notwendig ist (Art. 38 Abs. 3
IVV). Praxisgemäss ist eine lebenspraktische Begleitung regelmässig, wenn sie über
eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens während zwei
Stunden nötig ist (Rz 8053 KSIH). Die IV-Stelle beschafft die erforderlichen Unterlagen.
Dazu kann sie Berichte und Auskünfte verlangen, Gutachten einholen, Abklärungen an
Ort und Stelle vornehmen und Spezialisten der öffentlichen und privaten Invalidenhilfe
beiziehen (Art. 69 Abs. 2 IVV).
2.
Die Beschwerdegegnerin hat in der angefochtenen Verfügung geltend gemacht, es
bestünden keine erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen, die dem
Beschwerdeführer die Organisation eines eigenen Haushalts verunmöglichen würden.
Sie ist also davon ausgegangen, dass allfällige Probleme beim selbständigen Leben in
einer Wohnung nicht auf die Gesundheitsbeeinträchtigung zurückzuführen sein
würden. Tatsächlich ist der Beschwerdeführer aber insbesondere aufgrund kognitiver
Beeinträchtigungen auf eine berufliche Ausbildung in einer geschützten Umgebung und
auf einen Aufenthalt in einer Wohngruppe angewiesen gewesen. Die
Beschwerdegegnerin hätte also, wenn sie am Vorliegen einer relevanten
Gesundheitsbeeinträchtigung gezweifelt hätte, eine medizinische Abklärung
veranlassen müssen. Gestützt auf die damals vorliegenden Akten war die Verneinung
einer erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigung jedenfalls unzulässig.
3.
Die Beschwerdegegnerin ist aber auch davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit gar nicht in der spezifischen
Form der lebenspraktischen Begleitung hilflos sein könne. Sie hat sich dabei auf die ihr
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorliegenden Angaben der Beiständin und den Bericht der Wohngruppe abgestützt.
Der Bericht der Wohngruppe kann keinen ausreichenden Beweiswert aufweisen, denn
das Verhalten des Beschwerdeführers in der Wohngruppe lässt keinen zuverlässigen
Schluss auf das zu erwartende Verhalten in der eigenen Wohnung zu. In der
Wohngruppe war der Beschwerdeführer nämlich in jeder Hinsicht lebenspraktisch
begleitet, soweit ihm die Alltagsentscheidungen und -aufgaben nicht sogar vollständig
abgenommen waren. Dass er in der Wohngruppe ein Wohntraining absolvierte und
dass er dadurch in den entsprechenden Aufgaben wie Einkaufen, Kochen, Waschen
usw. selbständiger geworden war, wie es im Bericht vom 4. September 2009
angegeben worden ist, hat entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin nicht
den Schluss zugelassen, dass der Beschwerdeführer in seiner eigenen Wohnung ohne
lebenspraktische Begleitung selbständig werde leben können. Die Beiständin hat ihre
Angaben gemacht, bevor der Beschwerdeführer das Leben in der eigenen Wohnung
aufgenommen hatte. Sie hat zwar im Fragebogen nur in bezug auf den zeitlichen
Aufwand für die Begleitung angegeben, es handle sich um den voraussichtlichen
Bedarf. Tatsächlich hat sie aber bei all ihren Angaben nur ihre Erwartungen, allenfalls
sogar ihre Hoffnungen in bezug auf die Selbständigkeit des Beschwerdeführers in der
eigenen Wohnung zum Ausdruck gebracht. Derartige Erwartungen sind nicht geeignet,
den zukünftigen Sachverhalt mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu belegen. Das bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin am 21.
August 2009 einen Vorbescheid erlassen hat, ohne zu wissen, wie sich der effektive
Sachverhalt darstellte.
4.
In ihrer Stellungnahme zu diesem Vorbescheid hat die Beiständin des
Beschwerdeführers lediglich darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer ohne
konstante Begleitung stark gefährdet sei. Damit hat die Beiständin ihre früheren
optimistischen Erwartungen stark relativiert. Obwohl diese Angaben der Beiständin auf
den ersten Erfahrungen mit dem selbständigen Leben des Beschwerdeführers
beruhten und deshalb beweisrechtlich betrachtet eine ungleich höhere Qualität als die
früheren Angaben aufwiesen, hat es die Beschwerdegegnerin unterlassen, die
unbedingt notwendigen Abklärungen nachzuholen und so die noch zu erlassende
Verfügung auf einen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
belegten Sachverhalt abstützen zu können. Sie hat stattdessen weiterhin auf die
Richtigkeit und die Überzeugungskraft der früher geäusserten Erwartungen der
Beiständin vertraut. Spätestens mit den detaillierten Angaben in der Replik zur
konkreten Situation des Beschwerdeführers ist klar geworden, dass sich die
Erwartungen der Beiständin nicht erfüllt haben. Der Beschwerdeführer scheint nicht in
der Lage zu sein, ohne erhebliche Hilfe und Begleitung selbständig zu leben.
Angesichts der Diskrepanz zwischen dem – mehrheitlich fiktiven – Sachverhalt, von
dem die Beschwerdegegnerin beim Erlass der angefochtenen Verfügung ausgegangen
ist, und den später angegebenen konkreten Problemen des Beschwerdeführers muss
davon ausgegangen werden, dass die angefochtene Verfügung auf einem
unzureichend abgeklärten und deshalb nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehenden Sachverhalt beruht. Diese Verletzung
der Untersuchungspflicht hat zur Folge, dass die angefochtene Verfügung als
rechtswidrig zu qualifizieren und deshalb aufzuheben ist. Die Sache ist an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie anhand der effektiven Situation in der
eigenen Wohnung ab August 2009 beurteilt, ob der Beschwerdeführer dauernd auf eine
erhebliche lebenspraktische Begleitung angewiesen und damit leicht hilflos ist. Es steht
ihr frei, auch in medizinischer Hinsicht weitere Abklärungen vorzunehmen.
5.
Entsprechend den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise
gutzuheissen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat für die Verfahrenskosten
aufzukommen. Diese bemessen sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1
IVG). Da das Beschwerdeverfahren einen unterdurchschnittlichen Aufwand verursacht
hat, wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 400.- festgesetzt. Der Kostenvorschuss von Fr.
600.- wird dem Beschwerdeführer zurückerstattet.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG