Decision ID: fa8ea9af-002c-4b65-8a9e-072f6603c84c
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 198
0
geborene
X._
erlernte
nach der obligatorischen Schulzeit keinen Beruf und war
von Dezember 2010 bis Ende Januar 2012 bei
der Y._
als Gipser in e
inem 100%-Pensum tätig (
Urk.
7/
18/175
). Am 10.
Januar 2011 wurde der Versicherte von einem Auto angefahren und zog sich dabei
eine
Fraktur des
Processus
transversus
LWK4 rechts und eine Zerrung des Plexus
brachialis
links
zu (vgl. Schadenmeldung UVG vom
3
1.
März 2011
[Urk.
7/
18/159
], Arztberic
ht
des Universitätsspital
Z._
vom 1
4.
Januar 2011 [
Urk.
7/18/77]
).
In der Folge
war er 100 % arbeitsunfähig. Ab dem
5.
Dezember 2011 attestierten ihm die Ärzte eine 75%ige, ab dem 2
6.
Dezember 2011 eine 50%ige und ab dem 1
6.
Januar 2012 eine 25%ige
Arbeitsunfähigkeit (vgl.
Au
stritt
sbericht der Rehaklinik A._
vom
2.
Dezember 2011,
Urk.
7/18/16
ff.). Ge
stützt darauf stellte die Unfallversicherung die Taggeldleistungen per 16. Januar 2012 ein (vgl. Schreiben vom 1
5.
Dezember 2011,
Urk.
7/18/29).
Weitere Leistun
gen wies sie mit Entscheid vom 12. Juni 2013 ab (Urk. 7/31).
Am 2
7.
Dezember 2011 (Eingangsdatum)
hatte
sich
der Versicherte unter Hin
weis auf die Rückenfraktur und die Nackenverletzung sowie auf eine
«
post
trau
ma
tische
(
Belastungs
)
Störung
»
und psychische Folgen
bei der Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
ver
sicherung an
gemeldet
(Urk. 7/
7
).
Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medi
zini
schen Ver
hältnisse ab und zog die Akten der zustän
di
gen Unfallver
sicherung (Urk. 7/18,
Urk.
7/21-23,
Urk.
7/25,
Urk.
7/31) bei. Weiter holte sie Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 7/14, Urk. 7/16-17, Urk. 7/19) sowie einen Aus
zug aus dem In
divi
duellen Konto des Versicherten (IK
Auszug, Urk. 7/15) ein.
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre Unter
suchung bei
der Abklärungsstelle B._
, welches am 1
0.
Dezember 2013 erstattet wurde (
Urk.
7/41). Gestützt darauf ver
neinte die IV-Stelle nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
einen An
spruch auf eine Rente der Invalidenversicherung mit Verfügung vom 1
1.
März 201
4 (Urk.
7/52).
Seit
März 2015
ist der Versicherte
bei
der C._
in einem 50%-Pensum
(4h/d)
angestellt (Urk.
7/59
,
Urk.
7/76
).
1.2
A
m 3
1.
August 2020
(Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/62).
In der Folge holte die IV-Stelle die Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
7/65,
Urk.
7/70,
Urk.
7/71,
Urk.
7/74) sowie einen aktuellen IK-Auszug des Versicherten (
Urk.
7/67) ein
und er
suchte die Ar
beit
geberin um Auskünfte (vgl. Arbeitgeberfrage
bogen vom
9.
Februar
2021, Urk. 7/76). Ferner veranlasste sie eine aktenbasierte Einschätzung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD;
vgl. Feststellungsblatt, Urk.
7/77
), gestützt worauf sie mit Vorbescheid vom
9.
März 2021
die Abweisung des Leistungs
begehrens in Aussicht stellte (Urk.
7/78
).
Nach
hiergegen erhobene
m
Einwand vom
21. April 2021
(Urk
. 7/82)
verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Mai 2021
einen Anspruch auf Invalidenleistungen
(Urk. 7/85 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 11. Juni 2021 (Urk. 1)
Be
schwer
de und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf
zu
heben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ihm ab dem
1.
März 2021 mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen.
Die Sache sei zu
r
Vornahme einer inter
disziplinären Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
.
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Juli 2021 (Urk. 6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom 2
9.
Juli 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [
A
TSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
in der vorliegend anwendbaren, bis 3
1.
Dezember 2021 in Kraft gewesenen Fassung
).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über
die Invalidenversicherung [IVV]
), so ist im Beschwerdever
fahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 11. Mai 2021 (Urk. 2) hielt die Be
schwer
degegnerin fest,
medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass eine ge
sund
heit
liche Verschlechterung nicht ausgewiesen sei. Es seien keine neuen Diagnosen gestellt worden, die einen länger dauernden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten.
Der Beschwerdeführer sei trotz gesundheitlicher Beeinträchtigungen
in
seiner jetzigen Tätigkeit
voll arbeitsfähig, weshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung bestehe.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 11. Juni 2021 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
seit der letzten Verfügung vom 1
1.
März 2014 sei es aufgrund von Exazerbationen des chronischen Schmerzsyndroms mit somatischen und psychischen Faktoren sowie neuen Diagnosen zu einer massiven Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen, welche seine Arbeits
fähigkeit erheblich einschränken würden. Er habe aufgrund der vorliegenden Tatsachen mindestens Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
3
1.
August 2020
(Eingangsdatum, Urk.
7/62
) eingetreten. Streitig und zu prüfen ist demnach, ob seit der mit Verfügung vom
1
1.
März 2014
(Urk.
7/52
) erfolgten Ren
ten
abweisung bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
1
1.
Mai 2021
(Urk. 2) eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Verschlechterung des
Ge
sund
heitszustands des Beschwerdeführers eingetreten ist.
3.
3.1
Der rentenverneinenden Verfügung vom 1
1.
März 2014 (
Urk.
7/52) lag in medi
zi
nischer Hinsicht im Wesentlichen das
B._
Gutachten vom 1
0.
Dezember 2013 (
Urk.
7/
41
) zugrunde.
3.2
Im
B._
-Gutachten vom
1
0.
Dezember 2013
wurden
keine
Diagnosen mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt
. Ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit seien
die
(
Urk.
7/41
S. 22
):
-
Leichte depressive Episode mit Symptomen einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10: F32.0)
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10: F54)
-
Anamnestisch chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit Aus
strahlung ins rechte Bein (ICD-10: M54.2)
-
a
us orthopädischer Sicht aktuell unauffälliger klinischer Befund
-
Chronischer Spannungskopfschmerz (ICD-10: G44.2)
-
m
it Analgetika-induzierter Kopfschmerzkomponente
-
Leberwerterhöhung unklarer Ätiologie (ICD-10: E66.9)
-
Nikotinabusus (ICD-10: F17.1)
-
Übergewicht mit BMI von 26 (ICD-10: E66.9)
3.2.1
Im Rahmen ihrer Konsensbeurteilung hielten d
ie B._
-Gutachter
fest
, bei der ortho
pädischen Untersuchung habe sich im Bereich des Rumpfes keine wesent
liche Einschränkung der Beweglichkeit ge
zeigt.
Zwar hätten b
ei der fokussierten Untersu
chung der unteren Extremitäten Ein
schränkungen bestanden, in ab
ge
lenkter Situation
seien diese
jedoch nicht mehr reprodu
zier
bar gewesen. Auch an den übrigen Gelenken hätten sich keine objekti
vier
baren Einschränkungen erge
ben. An den oberen Extremitäten habe sich eine freie Beweglichkeit sämtlicher Ge
lenke gezeigt, wobei die Kraft auf der rechten Seite deutlich geringer entfaltet gewesen sei als links. Dies sei im Kontrast zu den Umfängen an Ober- und Unter
armen gestanden, die an der dominanten rechten Seite etwas grösser gewesen seien als links. Es würden Hinweise für eine Schmerzausweitung und Verdeut
lichungs
tendenz bestehen.
Eine Magnetresonanztomographie (MRI)
der L
enden
wirbel
säule (L
WS
)
habe ein unauffälliges Zustandsbild mit nur noch knapp
ab
grenz
baren Residuen nach stattgehabter Fraktur des
Pro
cessus
transversus
LWK4 rechts gezeigt. Zusammenfassend würden sich die vom Beschwerdeführer beklag
ten Beschwerden aus orthopädischer Sicht nicht ein
deutig objektivieren lassen. Ins
gesamt könne aus Sicht des Bewegungsapparates keine Einschränkung der Ar
beitsfähigkeit formuliert werden und es würden für sämtliche Tätigkeiten, für die der Beschwerdeführer aufgrund seiner ausbildungs
mässi
gen Voraussetz
ung qua
li
fiziert sei, eine zeitlich und leistungsmässig unein
ge
schränkte Arbeits
fähig
keit bestehen
(
Urk.
8/41
S. 23
)
.
3.2.2
Bei der neurologischen Untersuchung habe der Beschwerdeführer über persistie
ren
de Kopfschmerzen, Nackenschmerzen und lumbale Rückenschmerzen sowie über sensomotorische Störungen am rechten Bein und Arm geklagt. Klinisch hätten keine Befunde objektiviert werden können, welche eine neurologische Ur
sache dieser Störungen nahelegen würden. Die Kraftentwicklung sei am rech
ten Bein praktisch normal und es würden sich keine muskulären Atrophien fest
stellen lassen und die Muskeleigenreflexe seien symmetrisch auslösbar ge
wesen. Aus somatischer-neurologischer Sicht bestehe eine vollständige Arbeits
fähigkeit ohne Einschränkungen
(
Urk.
8/41
S. 23
)
.
3.2.3
Auch bei der allgemeininternistischen Untersuchung habe keine Diagnose mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werden können
(
Urk.
8/41
S. 23
)
.
3.2.4
Bei der psychiatrischen Untersuchung sei aufgefallen, dass sich das Ausmass der vom Beschwerdeführer beklagten Beschwerden durch die somatischen Befunde nicht
hinreichend objektivieren lasse
. Es handle sich dabei um eine Schmerzver
arbeitungsstörung. Die Diagnosekriterien für eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung seien nicht erfüllt. Als weitere
Diagnose
könne eine leichte
depressive Epi
sode mit leichten depressiven Verstimmungen, erhöhter Ermüdbar
keit, leichten Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und posttraumatischen Symptomen mit Al
p
träumen und wiederholten traumatischen Erinnerungen an ein Unfall
ereignis festgestellt werden. Die psychiatrische Diagnose bedinge jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und es bestehe auch aus psychi
a
tri
scher Sicht eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit
(
Urk.
8/41
S. 23 f.
)
.
3.2.5
Insgesamt kamen die B._
-Gutachter aus polydisziplinärer Sicht zum Schluss, dass beim Beschwerdeführer für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeits- und Leistungs
fähigkeit bestehe (
Urk.
7/41
S. 24
).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit der Neuanmeldung
des Beschwerdeführers vom
31. Au
gust 2020
liegen im Wesentlichen die B
erichte
de
r Spitäler
D._
und
E._
(
Urk.
7/
70-
7
1
)
sowie die Aktenbeurteilun
g von RAD-Arzt Dr. med. F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie, (Urk. 7/77)
vor
.
4.2
Aufgrund von
Schmerzexazerbation
bei vorbestehenden starken Kopf-, Nacken- und Rückenschmerzen sowie neurologischen Ausfällen im Sinne von Sensi
bi
li
täts
störungen im rechten Bein und Arm wurde der Beschwer
de
führer mehrmals notfallmässig im Spital
D._
vorstellig (vgl.
Urk.
7/70/
3-13
)
und begab sich schliesslich zu
Dr.
med. G._
, Facharzt Allgemeine Innere Medizin und Oberarzt Palliativmedizin, in die Schmerzsprechstunde. Dieser konstatierte in seinem Bericht vom 3
0.
November 2017 (
Urk.
7/70/1),
die Schmerzanamnese sei bestens bekannt und seit dem Autounfall im Jahre 2011 nahezu unverändert. I
m Vordergrund stünden die Schmerzen im rechten Arm und im gesamten Rücken, wobei sich die Schmer
zen im Arm bei der Arbeit intensivieren würden, sodass er jeweils nach 30-45 Minuten
(VAS 10/10)
eine Pause einlegen müsse. Der Beschwerdeführer habe auch über rezidivierende
holocephale
Kopfschmerzepiso
den heftiger Intensität
(VAS 7-10/10)
ohne beglei
ten
de
Photo
- oder Phonophobie oder begleitende vege
ta
tive Symptomatik berich
tet.
Die Schmerzen würden meistens innert Stunden, manch
mal auch Tagen, verschwinden. Medikamente habe er schon diverse aus
probiert. Er habe alle Medikamente nach Monaten und zum Teil Jahren wieder abgesetzt, da sie seine Lebensqualität nicht wesentlich zum Positiven verändert hätten. Er ziehe es vor, ohne Medikamente die Schmer
zen zu ertragen, als die neben
wir
kungs
reichen Medikamente einzunehmen.
Dr.
G._
führte aus, es handle sich zweifelsohne um eine
schwergradige
chronifizierte
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Er empfehle eine vermehrte körper
liche Aktivierung (insbesondere im Sinne von
Ausdauer- und/oder Kraft-Trai
ning) sowie gezieltes Entspannungstraining
(vgl. auch
Urk.
7/70/25)
.
Der Be
schwer
deführer habe angegeben, mit regelmässiger Physiotherapie zur Span
nungs
lösung im Nacken beginnen
zu wollen
(
Urk.
7/70/13).
Ein regelmässiges Ausdauer- und/oder K
rafttraining ging er nicht an (
Urk.
7/70/25).
4.3
Bei
ausbleibendem anhaltendem Erfolg durch Analgetika erfolgte im Juli 2018 ein Therapie-Versuch mit Cannabis-Tinktur
(vgl.
Urk.
7/70/25)
.
Im Rahmen der Schmerzsprechstunde am
7.
November 2018 habe der Beschwerdeführer über eine deutlich spürbare Besserung berichtet. Er fühle sich wesentlich besser und merke, dass durch die Entspannung der Schmerz deutlich nachlasse. Helfen würden auch die täglichen Entspannungsübungen. Unangenehme Nebenwirkun
gen habe er
keine. Da die Krankenkasse die Kosten
für die Cannabis-Tinktur
jedoch nicht übernehme, könne er sich die Weiterführung der Therapie nicht leisten. In der Folge schlug
Dr.
G._
dem Beschwerdeführer zur Etablierung einer Schmerz
therapie andere Möglichkeiten von intra
venöser Medikamenten-Testungen vor
(Urk.
7/70/23)
. Es erfolgte eine
Ultiva
-Infusion, durch die der Beschwerdeführer eine wesentliche Verbesserung der Schmerzsituation habe verzeichnen können (vgl. Sprechstundenbericht vom 4. Dezember 2018,
Urk.
7/70/27).
4.4
Bei anhaltender massiver Exazerbation der chronischen Schmerzproblematik so
wie
nicht nachvollziehbarer Ausfallsymptomatik
und unauffälligem bildge
ben
dem Befund
meldete
Dr.
G._
den Beschwerdeführer für eine
Elektroneuro
myo
graphie
des rechten Arm
s und Beins
an
. Ferner erachtete er
eine ambulante oder stationäre multimodale Schmerztherapie
als indiziert
(vgl. Sprech
stun
den
bericht
e vom 21. Mai 2019 [
Urk.
7/70/31] und 28.
No
vember 2019 [
Urk.
7/70/33
]
).
Der Beschwerdeführer wünsche jedoch ke
ine
Hospitalisation
, sondern eine intra
ve
nöse Analgetika-Gabe
(vgl. Bericht vom 8. Dezember 2019, Urk. 7/70/36)
.
Da
durch sei es jeweils zur kompletten S
chmerzlinderung gekom
men (vgl. Arzt
be
richt vom
4.
August 2020,
Urk.
7/70/40).
Die Situation sei gleich
bleibend stabil. Es gebe bessere und schlechtere Tage, die Schmerzen seien jedoch anhal
tend sehr stark und beeinträchtigend, sowohl aufgrund der Schmerzin
ten
si
tät als auch aufgrund des
mit den Schmerzen einhergehenden wechselnden Funktions
verlust
s
vor allem der rechten Hand. Der Beschwerdeführer könne nicht länger als eine Stunde am Stück arbeiten. Dann würde ihm der rechte Arm einschlafen und er habe Ver
spannungs
gefühle im Nacken mit heftigen Schmer
zen. Er müsse sich ausruhen und könne nach einer Stunde wieder weiterarbeiten.
Dr.
G._
empfahl erneut eine stationäre Schmerzrehabilitation (vgl.
Urk.
7/70/39). Der Be
schwerde
führer wolle es jedoch ambulant versuchen, da er seine Arbeit auf keinen Fall
verlieren wolle. Dr.
G._
befürwortete ausserdem eine Körpertherapie im Sinne einer Physio
therapie und/oder medizinischen Trainingstherapie und/oder Schwimmen, min
des
tens zweimal wöchentlich. Ausserdem solle der Beschwerde
führer regel
mäs
si
ge Entspannungsübungen durchführen und täglich 7 Minuten meditieren, um den die Schmerzen unterhal
tenden
Sympathikotonus
zu redu
zie
ren. Schliesslich emp
fahl er einen Therapie
versuch mit
Catapresan
(vgl. Sprech
stunden
bericht vom 30. Sep
tember 2020,
Urk.
7/70/43).
Dr.
G._
attestierte zwar keine Arbeitsunfähigkeit, führte jedoch aus, falls ein Arbeitsplatz mit Wech
sel
belastung, Pausen und reduziertem Pensum gefunden werde, sei eine 50%ige Arbeitsfähigkeit möglich. Ansonsten sei aufgrund der langjährigen Invalidität die Prognose für den normalen Arbeits
markt schlecht. Er beurteilte die medizinische Symptomatik und Situation seit dem Unfall im Jahr 2011 unverändert (vgl. Arzt
bericht vom 2
3.
Oktober 2020,
Urk.
7/65).
4.5
In der aktenbasierten Einschätzung vom
3.
März 2021 (
Urk.
7/77) konstatierte RAD-Arzt Dr.
F._, seit der Begutachtung des B._
vom 1
0.
Dezember 2013 seien keine neuen Diagnosen gestellt worden, die einen länger dauernden Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. In den neuen Arztberichten werde die bekannte Schmerzverarbeitungsstörung in den Vordergrund gerückt und die Arbeitsun
fähig
keit deswegen mit 50 % beurteilt. Mithin werde der gleiche medizinische Sach
verhalt nun anders bewertet. Es sei weiterhin kein Gesundheitsschaden vorhanden. Bei der aktuell ausgeführten Tätigkeit handle es sich um eine gesund
heit
lich optimale Tätigkeit, wobei der Beschwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit nicht gänzlich ausschöpfe.
5.
5.1
Die Beschwerdegegne
rin ist auf die Neuanmeldung des
Beschwerdeführer
s
vom
31. August 2020
(Eingangsdatum;
Urk. 7/62
) eingetreten und hat damit eine erheb
liche Verschlechterung
seines
Gesundheitszustands seit Erlass der renten
verneinenden
Verfügung vom
1
1.
März 2014
(
Urk. 7/52
) als glaubhaft erachtet. Im Rahmen der materiellen Abklärung der Sache ist sie jedoch zum Schluss gelangt, dass kein
Revisionsgrund
einge
tre
ten sei. Die Beschwerdegegnerin stützte sich dabei im Wesentlichen auf die Stel
lung
nahme
von RAD-A
rzt
Dr.
F._
vom
3.
März 2021
(
E. 4.5
).
5.2
RAD-Arzt
Dr.
F._
wies darauf hin, dass die von den Ärzten des
Spitals
D._
im Rahmen des vorliegenden Neuanmeldungsverfahrens gestellte
n
Diagnose
n
- namentlich diejenige der
chronifizierten
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
- bereits seit vielen Jahren bzw. schon seit der letztmaligen Begutachtung durch
das B._
im
Dezember 2013
bekannt seien.
I
n diesem Zu
sam
menhang
ist
jedoch
z
u beachten, dass eine revisionsbegründende Ände
rung des Gesundheitszustands auch dann gege
ben sein kann, wenn sich ein Lei
den bei glei
cher Diagnose in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit verändert hat (vgl. BGE 141 V 9 E. 6.3.2 mit Hinweis).
Diesbezüg
lich
brachte der Beschwerdeführer vor, seit der Begutachtung habe sich die Schmerz
sympto
matik
massiv
verschlechtert und
er habe aufgrund von
Schmerz
exazerbationen
mehrfach notfallmässig im Spital behandelt werden müs
sen. A
ktuell liege eine
schwergradige
chronifizierte
Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren
vor. Dies unter Hinweis auf die Beur
teilung der behan
delnden Ärzte
des Spitals
D._
(
Urk.
7/70
).
Dr.
G._
führte in seiner vom Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens ins Recht gelegten Stel
lung
nahme vom 2
6.
Mai 2021 (
Urk.
3/11) zwar aus, dass sich der Gesund
heits
zustand des Beschwerdeführers sei
t
März 2014 wesentlich verschlechtert habe und der Beschwerdeführer sehr bemüht sei, trotz massiver Einschränkungen seiner Funktionsfähigkeit infolge massiver Schmerzen auf der rechten Seite, ein 50%ige
s
Arbeitspensum auszuführen. In seinem zu Händen der Beschwerde
geg
ne
rin aus
ge
füllten Arztbericht vom 2
3.
Oktober 2020
(
Urk.
7/65) hielt er jedoch eine seit Jahren
, seit dem Unfall,
unveränderte medizinische Symptomatik fest
, wovon er auch anlässlich seiner ersten Sprechstunde am 2
2.
November 2017 berichtete (
Urk.
7/70/1)
. Dies ergibt sich denn auch aus den A
kten.
Bereits im Rahmen der orthopädischen und neuro
log
ischen Exploration durch das B._
hat der Beschwerdeführer angegeben, die aktive Beweglichkeit seines rechten Arms sei im Vergleich zur Gegenseite redu
ziert (Urk. 7/41
S. 14
). Wenn er versuche, etwas mit dem rechten Arm zu machen, komme es rasch zu Müdigkeit und Erschöpfungsgefühl. Die Kraft sei massiv ein
ge
schränkt. Zusätzlich seien am rechten Arm und am rechten Bein sensible Stö
run
gen vorhanden. Es bestehe andauernd ein Taubheitsgefühl und Kribbeln im Bereich der Fingerspitzen, welches sich weniger stark in den ganzen Arm aus
brei
te. Beim Bücken oder Heben von Lasten komme es rasch zum Auftreten von starken Schmerzen im lumbalen Bereich, welche sich dann auch diffus in das gan
ze rechte Bein ausbreiten würden. Er habe dann das Gefühl, als ob er einen inneren Krampf im Bein habe (Urk. 7/41
S. 19
).
Soweit der Beschwerdeführer also
Schmerzen und
eine schnelle Ermüdung des rechten Armes nach Belastung (vgl.
Urk.
7/70/1),
(belastungsinduzierte)
Hypäst
h
esien
im rechten Bein und rechten Arm sowie in
den Fingern rechts (vgl.
Urk.
7/70/8,
Urk.
7/70/15,
Urk.
7/70/29,
Urk.
7/70/34, Urk. 7/70/37),
krampfartige Schmer
zen im rechten Bein (vgl. Urk. 7/70/30) sowie
eine
insgesamt
abgeschwächte Kraft in der ge
samten rech
t
en Körperhälfte (vgl. U
rk. 7
/70/8)
beklagt, handelt es sich hierbei
um ein im Wesentlichen unver
än
dertes Beschwerdebild.
Dasselbe gilt für die beklagten Rücken-, Kopf- und Nacken
schmerzen. So hat der Beschwerdeführer im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung im Dezember 2013 über Kopfschmerzen im Bereich des ganzen Kopfes, Nackenschmerzen, welche dauernd vorhanden seien und verstärkt bei kalten Temperaturen oder bei zu viel Bewegung
,
wie zum Beispiel Arbeiten im Haushalt
,
auftreten würden,
sowie über lumbal
e
Rückenschmerzen geklagt (vgl. Urk. 7/41/8). Im Zuge einer notfallmässigen Vorstellung im Spital
D._
im September 2015
bestätigte
der Beschwerdeführer, dass ihm sämtliche Symptome bekannt seien
(vgl. Arztbericht vom 1
8.
September 2015,
Urk.
7/70/8). Diesbe
züglich ist darauf hinzuweisen, dass
Schmerzen,
Druckdolenzen
, klinisch feststell
bare Bewegungs
ein
schrän
kun
gen,
Muskulaturverhärtungen
und Ver
span
nun
gen jedenfalls aus juristischer Sicht für sich allein kein klar fass
bares organisches Korrelat eines Beschwerde
bildes zu begründen
vermögen
(vgl. etwa Urteil U 9/05 des damaligen Eid
genös
sisch
en Versicherungsgerichts vom 3.
August 2005 E. 4; Urteile des Bun
desge
richts
U
354/06 vom
4.
Juli 2007 E. 7.2, U 328/06 vom 2
5.
Juli 2007 E. 5.2 sowie 8C_369/2007 vom
6.
Mai 2008 E. 3)
und sich hieraus auch noch keine Arbeits
unfähigkeit ableiten lässt
.
Vorliegend konnte trotz eingehenden Untersuchungen kein organisches Substrat für die geklagten Beschwerden gefunden werden
. Dr.
G._
äusserte, das aufgrund peripher-anatomisch nicht nachvollziehbarer neurologischer Ausfallsymptomatik in Auftrag gegebene MRI der LWS sei normal ausgefallen (vgl.
Urk.
7/70/32
,
Urk.
7/70/34
)
.
Bereits der psychiatrische B._
-Gut
achter berichtete von einer Schmerzver
arbei
tungs
störung mit diffus ausgewei
te
ten Schmerzen im Bewegungs
apparat, deren Ausmass sich durch die somatischen Befunde nicht hin
rei
chend objektivieren lasse (
Urk.
7/41
S. 11
).
Anhaltspunkte für eine invalidenver
sicherungsrelevante Schmerzverarbeitungsstörung im Sinne einer die Arbeits
fähigkeit einschränkenden anhalten
den somatoformen Schmerz
störung finden sich in der vorliegenden medizinischen Aktenlage jedoch keine.
Da eine psychi
atrische Behandlung nie geltend gemacht wurde, kann von weite
ren Abklärungen abgesehen werden.
Vor diesem Hinter
grund sowie an
ge
sichts dessen, dass
die analgetische Therapie
in der Regel zu einer Besserung der Beschwerden geführt hat (vgl.
Urk.
7/70/7,
Urk.
7/70/13, U
rk.
7/70/16, U
rk.
7/70/27, Urk.
7/70/34, Urk. 7/70/37,
Urk.
7/70/41), ist
mit über
wiegender Wahrscheinlich
keit
weiterhin
keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende
Schmerzsympto
ma
tik ausge
wie
sen. Die von Dr.
G._
be
scheinigte Arbeitsun
fähigkeit von 50 % aufgrund eines chronischen Schmerz
syndroms mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) beruht auf einer unter
schied
lichen Beur
teilung eines im Grunde gleichen Sachverhalts.
Weshalb aus medizinischen Gründen
neu eine zeitliche
Limite
von 4
Stunden pro Tag zu berücksichtigen ist, wird
im Arztbericht
denn auch
nicht dargelegt und findet in den
spezialärztlichen Berichten
keinen Niederschlag
.
Neue, die Arbeitsfähigkeit ein
schränkende Dia
gno
sen sind entge
gen
der Vorbringen
des Be
schwerdeführers (vgl.
Urk.
1 S.
6
f.) nicht aus
gewiesen. Dr.
G._
hielt zwar eine Hashimoto-Thyreoiditis, eine
chronische
Gastritis so
wie eine rezidivierende Epistaxis fest, mass jedoch keiner dieser Dia
gnosen einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei (
Urk.
7/65). Insofern ist s
eit der renten
ver
neinenden Verfügung im Jahr 2014 keine invaliden
versicherungs
recht
lich rele
van
te Verschlechterung des Gesund
heits
zustandes des Beschwerdeführers einge
treten.
Daran vermag auch die Stellungnahme des Arbeitgebers des Be
schwer
de
führer
s
vom
9.
Februar 2021 (
Urk.
7/76/9)
nichts zu ändern. Der Stel
lung
nahme lässt sich zwar entnehmen, dass der Beschwerdeführer gesund
heitlich sehr angeschlagen sei, die Arbeiten nur mit Mühe ausführe und dabei immer starke Medikamente nehmen müsse. Es komme oft zu Absenzen, die er dann nachhole, wenn es sein Gesundheitszustand zulasse
,
oder er führe sie nicht mehr aus. Neue Aspekte
im Zusammenhang mit der Schmerzsymptomatik wurden jedoch keine genannt.
Ein neu aufgetretenes Leiden respektive eine wesent
liche Verschlechte
rung sei
t der Begutachtung durch das B._
wird durch die Stel
lung
nahme des Arbeitgebers nicht dargetan.
5.3
Nach Lage der Akten ist eine Veränderung der krankheitsbedingten Arbeitsun
fähigkeit seit der letztmaligen Überprüfung des Rentenanspruchs im Sinne einer revisionsrechtlich relevanten Verschlechterung daher nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Aufgrund dessen braucht die Bemessung des Invaliditätsgrades nicht überprüft zu werden, zumal die Beschwerdegegnerin bereits im Rahmen der erstmaligen Rente
nprüfung davon ausging, dass der
Beschwerdeführer
in der
angestammte
n
Tätigkeit als
Hilfs
arbeiter
zu 100 % arbeitsfähig ist, woran die seither eingetretenen gesund
heit
lichen Veränderungen nichts ändern würden. Die den Anspruch auf eine Rente verneinende Verfügung vom 1
1.
Mai 2021 besteht damit zu Recht und die Beschwerde ist abzuweisen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kos
ten sind dabei nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert
festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m Beschwerdeführer
aufzuerlegen.