Decision ID: 29386266-375a-4398-b9a4-084396e3b938
Year: 2002
Language: de
Court: ZH_VG
Chamber: ZH_VG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

I. Im Rahmen einer Strafuntersuchung beschlagnahmte die Stadtpolizei Zürich anlässlich einer Hausdurchsuchung am 1. Juli 2001 bei A ein Faltpapier mit 0,3 Gramm Kokain sowie ein Weiteres mit Kokainrückständen. Zugleich wurde A der Führerausweis zuhanden der Entzugsbehörde vorläufig abgenommen. Mit in Rechtskraft erwachsener Verfügung des Polizeirichters der Stadt Zürich vom 29. August 2001 wurde A in der Folge wegen unbefugtem Umgangs mit Betäubungsmitteln mit einer Busse von Fr. 300.-- bestraft.
II. Mit Verfügung vom 24. Juli 2001 ordnete die Direktion für Soziales und Sicherheit (Strassenverkehrsamt, Abteilung Administrativmassnahmen) unter Hinweis auf den festgestellten Drogenkonsum eine amtsärztliche Untersuchung an und verpflichtete A nebst Bezahlung der Verfahrenskosten von Fr. 150.-- zur Leistung eines Kostenvorschusses in der Höhe von Fr. 500.-- binnen 30 Tagen; zugleich wurde einem eventuellen Rekurs die aufschiebende Wirkung entzogen. Gleichentags wurde der Führerausweis A zurück erstattet.
III. Mit Rekurs vom 23. August 2001 beantragte A die Aufhebung der verfügten amtsärztlichen Untersuchung, eventualiter sei die ärztliche Untersuchung bei einem Arzt seines Vertrauens anzuordnen, ferner sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung zu gewähren. Mit Entscheid vom 3. April 2002 wies der Regierungsrat des Kantons Zürich den Rekurs kostenpflichtig ab (ohne einer allfälligen Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen). Das Begehren, die aufschiebende Wirkung wieder herzustellen, erachtete er zufolge Endentscheids in der Sache als gegenstandslos.
IV. Mit Beschwerde vom 10. Mai 2002 erneuerte A seine Anträge in der Sache. Der Regierungsrat liess am 12. Juni 2002 Abweisung der Beschwerde beantragen, wogegen von der Beschwerdegegnerin keine Stellungnahme einging.

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Die Beschwerdegegnerin ordnete die amtsärztliche Untersuchung des Beschwerdeführers an. Dabei handelt es sich um einen Zwischenschritt auf dem Weg zur Endverfügung (dem allfälligen Führerausweisentzug), womit die Behörde eine Zwischenverfügung erliess (vgl. § 19 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959, VRG, sowie analog den vorsorglichen Führerausweisentzug betreffend BGE 122 II 359 E. 1a). Die
vorliegende Zwischenverfügung unterliegt letztinstanzlich der Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht, da gegen die Endverfügung – den allfälligen Führerausweisentzug – ebenfalls die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegeben ist (Art. 101 lit. a des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943, OG, e contrario; Art. 24 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes vom 19. Dezember 1958, SVG). Das Verwaltungsgericht ist somit als letzte kantonale Instanz für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig (Art. 98a Abs. 1 OG).
2. Eine Partei ist zur Anfechtung einer Zwischenverfügung legitimiert, wenn diese einen Nachteil zur Folge hat, der sich später voraussichtlich nicht mehr beheben lässt (§ 48 Abs. 2 VRG). Diese besondere Voraussetzung tritt zum allgemeinen Erfordernis des schutzwürdigen Interesses hinzu (vgl. § 21 lit. a in Verbindung mit § 70 VRG).
a) Die Legitimation zur Beschwerde ans Verwaltungsgericht muss mindestens im selben Umfang gewährleistet sein wie für die Verwaltungsgerichtsbeschwerde ans Bundesgericht (Art. 98a Abs. 3 OG). Dort wird für die Anfechtung von Zwischenverfügungen ein nicht wieder gutzumachender Nachteil verlangt (Art. 97 Abs. 1 OG in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968, VwVG; vgl. Peter Karlen, in: Thomas Geiser/Peter Münch [Hrsg.], Prozessieren vor Bundesgericht, 2.A., Basel/Frankfurt a.M. 1998, Rz. 3.13). Damit umschreiben eidgenössisches und kantonales Recht die Legitimationsvoraussetzungen grundsätzlich gleich: Legitimiert ist, wer ein schutzwürdiges Interesse an der umgehenden Änderung oder Aufhebung der Zwischenverfügung hat (BGE 112 Ib 417 E. 2c; BGE 126 V 244 E. 2a; Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2.A., Zürich 1999, § 19 Rz. 47 ff.). Im Gegensatz zur Legitimation bei der staatsrechtlichen Beschwerde (vgl. Art. 87 Abs. 2 OG) genügt auch ein tatsächliches Interesse, um eine Zwischenverfügung anzufechten (BGE 125 II 613 E. 2a; RB 1998 Nr. 33). Ein schutzwürdiges Interesse liegt etwa dann vor, wenn eine Partei Einwendungen erhebt, die sich auf die Verfügung selbst und die darin geregelten Belange beziehen und später nicht mehr vorgebracht werden können (BGE 124 II 215 E. 2). Diese Voraussetzung ist nach der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts in der Regel dann erfüllt, wenn eine ärztliche Untersuchung Grundlage des späteren Endentscheids über den Fortbestand einer Polizeibewilligung bildet. Auch wenn die Behörde dem Betroffenen diese Erlaubnis belässt, wird damit der Nachteil, der durch die Untersuchung entstanden ist, nicht behoben (VGr, 5. Juni 2000, VB.2000.00074, E. 1; VGr, 23. August 2001, VB.2001.00236, E. 1b; vgl. auch VGr, 24. Januar 2002, VB.2001.00377, E. 2b; www.vgrzh.ch/rechtsprechung). In ihrem Hauptpunkt erfüllt die vorliegende Beschwerde diese Voraussetzung: Sie bezweckt eine vorgängige Überprüfung der Anordnung der amtsärztlichen Untersuchung, die im Rahmen der Beschwerdeerhebung gegen den Endentscheid (den allfälligen Führerausweisentzug) – jedenfalls präventiv – nicht mehr möglich wäre.
b) In einem Entscheid über eine Zwischenverfügung stellte das Verwaltungsgericht bei der Prüfung des aktuellen Interesses fest, dass die angeordnete Arztuntersuchung einen schweren Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Beschwerdeführers bewirken würde (VGr, 5. Juni 2000, VB.2000.00074, E. 1). Anders als bei der staatsrechtlichen Beschwerde gegen Zwischenverfügungen muss allerdings nicht ein geradezu irreparabler Schaden zu befürchten sein; vielmehr reicht es aus, wenn der zu erwartende Nachteil ein gewisses Gewicht aufweist (RB 1998 Nr. 33; Isabelle Häner, Vorsorgliche Massnahmen im Verwaltungsverfahren und Verwaltungsprozess, ZSR NF 116/1997 II 253, 379 f.; Thomas Merkli/ Arthur Aeschlimann/Ruth Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im Kanton Bern, Bern 1997, Art. 61 Rz. 5 je mit Hinweisen). Insofern kann die Voraussetzung des ”nicht wieder gutzumachenden Nachteils” auch nicht pauschal mit jener des schweren Grundrechtseingriffs gleichgesetzt werden; die Abgrenzung gegenüber leichten Eingriffen zielt vielmehr auf das Erfordernis der Gesetzesform (Art. 36 Abs. 1 Satz 2 BV). Im Folgenden ist deshalb zu prüfen, ob die angeordnete Untersuchung das für eine selbständige Anfechtung verlangte Gewicht aufweist.
Im Gesundheitsrecht gilt der zentrale Grundsatz, dass jede medizinische Untersuchung die vorgängige Einwilligung des Betroffenen voraussetzt (BGE 114 Ia 350 E. 6). Das Prinzip ist Bestandteil des Selbstbestimmungsrechts des Patienten und wird in § 18 der Zürcher Patientenrechtsverordnung vom 28. August 1991 ausdrücklich festgehalten (LS 813.13; vgl. Tomas Poledna/Brigitte Berger, Öffentliches Gesundheitsrecht, Bern 2002, Rz. 113). Der Grundsatz bildet das eigentliche Kernstück der Bioethik-Konvention des Europarates (Art. 5 des von der Schweiz unterzeichneten aber noch nicht ratifizierten Übereinkommens vom 4. April 1997 zum Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin, BBl 2002 340, 342; Tobias Jaag/Corinne Schaerer, Die Konventionen des Europarates, SZIER 12/2002, S. 103, 109; Frank Bodendiek/Karsten Nowrot, Bioethik und Völkerrecht, Archiv des Völkerrechts 37/1999, S. 177, 182 f., 185; Gabriele Wolfslast, Einwilligungsfähigkeit im Lichte der Bioethik-Konvention, Kritische Vierteljahresschrift für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft 81/1998, S. 74, 75 f.). Eine zwangsweise angeordnete Untersuchung fällt überdies stets in den Schutzbereich der persönlichen Freiheit gemäss Art. 10 Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV) bzw. Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention (BGE 124 I 40, E. 3c; EGMR, 5. Juli 1999, Matter gegen Slovakei, 31534/96, Ziff. 64, http://hudoc.echr.coe.int; vgl. Mark E. Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. A., Zürich 1999, Rz. 556 sowie Stephan Breitenmoser, Der Schutz der Privatsphäre gemäss Art. 8 EMRK, Basel/Frankfurt a.M. 1986, S. 169 f. je mit Hinweisen). In einem älteren Urteil hat das Bundesgericht die Zwangsuntersuchung im Rahmen eines Entmündigungsverfahrens zwar als leichten Eingriff eingestuft (BGE 110 Ia 117 E. 5). Dort war für den Entscheid jedoch ausschlaggebend, dass für die Eröffnung des Verfahrens ein hinreichender Anlass bestand und die Begutachtung ausserdem gesetzlich zwingend vorgeschrieben war. Ansonsten weist das Element des Zwanges stets auf einen schweren Eingriff hin (BGE 126 I 112 E. 3b betreffend Zwangsmedikation; in diese Richtung nun richtigerweise BGE 124 I 40 E. 3c betreffend Zwangsuntersuchung). Im Bereich der Religionsfreiheit fällt der Schutz vor Zwang (Art. 15 Abs. 4 BV) gar unter die Kerngehaltsgarantie (Art. 36 Abs. 4 BV; Markus Schefer, Die Kerngehalte von Grundrechten, Bern 2001, S. 459). In Extremfällen kann sogar bei Zwangsuntersuchungen der Kerngehalt verletzt sein (vgl. Satz 2 von Art. 7 des Internationalen Paktes vom 16. Dezember 1966 über bürgerliche und politische Rechte).
Eine Untersuchung wegen Verdachts auf Drogenkonsum reicht unter Umständen ähnlich weit wie der Eingriff der psychiatrischen Untersuchung. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung verlangt eine umfassende Abklärung der persönlichen Verhältnisse, insbesondere auch des Drogenkonsums (BGE 127 II 122 E. 3b). So müssen sich etwa Cannabiskonsumenten zu Häufigkeit, Menge und Umständen ihres Konsums äussern, ebenso zur Frage, ob sie in der Lage sind, Strassenverkehr und Haschischkonsum ausreichend voneinander zu trennen (BGE 127 II 122 E. 4b; BGE 124 II 559 E. 4e). Einzuräumen bleibt, dass im Strassenverkehrsrecht auch Zwangsuntersuchungen denkbar sind, die nur einen leichten Eingriff in die persönliche Freiheit bewirken. So stellt etwa die blosse Blutentnahme in der Regel nur einen leichten Eingriff dar (BGE 124 I 80 E. 2d; BGE 91 I 31, 35) – aber eben nur in der Regel (BGE 128 II 259 E. 3.3): So berührt die Blutentnahme bei einem Zeugen Jehovas zusätzlich dessen Religionsfreiheit (Art. 15 BV); ähnliche Probleme können sich aufgrund der jüdischen Religionsgesetze auch bei einem orthodoxen Juden stellen; bei älteren Personen kann die Anordnung einer Untersuchung ausserhalb des Wohnortes entwürdigend sein (BGE 124 I 40 E. 4b), und so weiter. Dies abschliessend festzustellen ist Aufgabe der Gerichte, ebenso, ob der Eingriff notwendig und zumutbar ist (Art. 5 Abs. 2 BV). Weil die Verwaltung dem öffentlichen Interesse (an der Sicherung des Verkehrs, an der Vornahme der Untersuchung, etc.) stets besonderes Gewicht beimessen wird, muss die Möglichkeit zur Reflexion aus gegenläufiger Perspektive bestehen (Andreas Kley-Struller, Der richterliche Rechtsschutz gegen die öffentliche Verwaltung, Zürich 1995, § 17 Rz. 8 ff., 10). Anderenfalls würde der Grundsatz, nach dem Grundlage und Schranke allen staatlichen Handelns das Recht ist (Art. 5 Abs. 1 BV), schnell zur Leerformel verkommen. Die Bioethik-Konvention verpflichtet denn auch in ihrem Art. 23 die Vertragsstaaten, einen gerichtlichen Rechtsschutz zur Verfügung zu stellen; dieser Schutz muss bereits dann greifen, wenn eine Verletzung von Grundsätzen des Übereinkommens
droht
und nicht erst dann, wenn sie bereits erfolgt ist (so insbesondere auch eine Verletzung des erwähnten Selbstbestimmungsrechts; Botschaft des Bundesrates vom 12. September 2001 zum Übereinkommen, BBl 2002 271, 324). Zudem müssen die Grundrechte aufgrund von Art. 35 Abs. 1 BV in der gesamten Rechtsordnung zur Geltung kommen, mithin auch im Prozessrecht. Dieses hat auch insoweit dienende Funktion, als es einen ausreichenden Schutz der Rechte aller Verfahrensbeteiligten sicherzustellen hat. Damit ist auf die Beschwerde einzutreten, soweit sie sich gegen die angeordnete ärztliche Untersuchung richtet.
c) Der Beschwerdeführer setzt sich gegen den vorinstanzlichen Entscheid als Ganzes zur Wehr, mithin auch gegen die bestätigte Verpflichtung zur Leistung eines Kostenvorschusses. Diese ist ebenso nur dann selbständig anfechtbar, wenn sie für den Vorschusspflichtigen einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirkt. Ist eine Partei jedoch, wie hier, tatsächlich zur Erbringung der geforderten Zahlung in der Lage, entsteht ihr aus der Vorschusspflicht kein Nachteil, der sich nicht mehr beheben liesse. Ein zu Unrecht auferlegter Vorschuss kann später ohne weiteres zurückgefordert werden. Ueber die Kosten wird in aller Regel erst im Endentscheid befunden und die Kostenauflage kann zusammen
mit diesem gerichtlich überprüft werden (RB 1990 Nr. 18; Kölz/Bosshart/Röhl § 13 Rz. 29,
§ 15 Rz. 5, § 19 Rz. 52). Ist hingegen eine Partei mittellos, so ist ihr auf Gesuch hin unter den Voraussetzungen von § 16 VRG die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (vgl. zum Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege im Verfahren von Verwaltungsbehörden RB 2001 Nr. 6). Der Entscheid über die unentgeltliche Rechtspflege hat in Form eines selbständig anfechtbaren Zwischenentscheids zu erfolgen (Kölz/Bosshart/Röhl, § 16 Rz. 17), der im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens daraufhin überprüft werden kann, ob die Voraussetzungen für die unentgeltlichen Rechtspflege erfüllt sind (§ 16 VRG bzw. Art. 29 Abs. 3 BV; Kölz/Bosshart/Röhl § 15 Rz. 34). Falls der Kostenvorschuss nicht geleistet wurde und sich daraus für die rechtsuchende Partei (prozessuale) Nachteile ergeben (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl § 15 Rz. 18), kann noch bei der Anfechtung des Endentscheids geltend gemacht werden, die Voraussetzungen von § 15 VRG für einen Kostenvorschuss seien nicht erfüllt gewesen. Auch dem Mittellosen droht damit durch die Kautionsauflage kein nicht mehr behebbarer Nachteil. In diesem Zusammenhang ist im Hinblick auf die angedrohten Säumnisfolgen (vgl. nachstehend E. 5) festzuhalten, dass gemäss § 15 Abs. 1 VRG ein Kostenvorschuss für Barauslagen nur verlangt werden kann, wenn die Untersuchung ”im Interesse eines Privaten” veranlasst wird. Soll einem Privaten der Führerausweis aus Gründen der Verkehrssicherheit entzogen werden, ist diese Voraussetzung nicht erfüllt. Dagegen dürfte ein privates Interesse vorliegen, wenn die Wiedererteilung des bereits entzogenen Führerausweises von einem günstig lautenden Gutachten abhängt (vgl. Kölz/Bosshart/Röhl § 15 Rz. 16).
3. Der Beschwerdeführer macht in der Sache geltend, die Beschwerdegegnerin hätte keine Kontrolluntersuchung anordnen dürfen.
a) Wer nicht fahrtüchtig ist, darf kein Fahrzeug führen (Art. 31 Abs. 2 SVG). Fahruntüchtigkeit kann neben Alkohol und Medikamenten auch auf Drogen zurückzuführen sein (Art. 2 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962, VRV). Ist die Fahruntüchtigkeit dauernder Natur, ist die medizinische Eignung des Fahrzeugführers in Frage gestellt, sei es, weil eine Krankheit vorliegt oder eine Sucht (Art. 14 Abs. 2 lit. b und c SVG). Beides zieht zwingend den Sicherungsentzug des Führerausweises aus medizinischen Gründen nach sich (Art. 16 Abs. 1 SVG). Erhält die Verwaltungsbehörde einen Hinweis, der auf einen Entzugsgrund hindeutet (zum Beispiel durch eine Meldung der Polizei nach Art. 104 Abs. 1 SVG oder Art. 123 Abs. 3 der Verkehrszulassungsverordnung vom 27. Oktober 1976, VZV), hat sie den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, namentlich durch die Einholung eines spezialärztlichen Gutachtens (René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III, Bern 1995, Rz. 2086; analog für den Warnungsentzug BGE 125 II 492 E. 3). Dies ergibt sich zwar weder unmittelbar aus dem Strassenverkehrsgesetz noch aus einer der zahlreichen Ausführungsverordnungen, ist jedoch eine Folge der in § 7 Abs. 1 VRG verankerten Untersuchungsmaxime. Obwohl sich Art. 7 Abs. 1 VZV einzig auf die ärztliche Untersuchung bei der Erteilung von
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fahrausweisen bezieht, rechtfertigt es sich angesichts der verwandten Problematik, die Vorschrift sinngemäss heranzuziehen. Danach ist eine Person zur Untersuchung an einen Vertrauensarzt oder eine von der kantonalen Behörde bestimmte Spezialuntersuchungsstelle zu weisen, wenn Zweifel über die körperliche oder psychische Eignung bestehen (analog auch Art. 9 Abs. 1 VZV betreffend der psychiatrischen Untersuchung). Solche Zweifel können naturgemäss bereits anhand weniger Anhaltspunkte bestehen; die ärztliche Untersuchung dient der Erhärtung oder eben der Widerlegung jener Hinweise (vgl. Rudolf Hauri-Bionda, Drogen/Medikamente: Anlass und Möglichkeiten der Fahreignungsuntersuchung aus medizinischer Sicht, AJP 1994, S. 457, 458 f.). Die Schwelle zur Anordnung einer ärztlichen Untersuchung liegt somit niedriger als jene zum vorsorglichen Entzug des Führerausweises gemäss Art. 35 Abs. 3 VZV (dort müssen im Gegensatz zu hier ernsthafte Bedenken an der Fahreignung bestehen; BGE 125 II 492 E. 2b; BGE 122 II 359 E. 3a; BGr, 12. Juli 1996, 2A.162/1996 E. 2b, Dokument Nr. 5116 auf www.tcs.ch/assistalex; René Schaffhauser, Band III, Rz. 1996).
b) Die Behörde verfügt bei der Frage, ob eine Untersuchung anzuordnen sei oder nicht, naturgemäss über einen gewissen Ermessensspielraum, den das Verwaltungsgericht nur auf Ermessensüberschreitung hin untersucht (§ 50 Abs. 2 lit. c VRG; vgl. analog für die Anordnung einer Kontrollfahrt BGE 127 II 129 E. 3a). Nach der Rechtsprechung ist eine Abklärung der Fahreignung bereits dann anzuordnen, wenn Hinweise dafür bestehen, dass eine Person regelmässig Cannabis konsumiert (BGE 127 II 122 E. 4b). Im Gegensatz zu Cannabis verfügt Kokain über ein Suchtpotential, und zwar über ein ausserordentlich hohes. Die enthemmende Wirkung von Kokain macht die Droge im Strassenverkehr sogar noch gefährlicher als Heroin. Damit besteht bereits dann ein Abklärungsbedarf, wenn die Behörde vom einmaligen Kokainkonsum erfährt, wobei die Einnahme der Droge nicht notwendigerweise einen Bezug zum Strassenverkehr haben muss (Expertengruppe Verkehrssicherheit, Verdachtsgründe fehlender Fahreignung, Leitfaden vom 26. April 2000, S. 4, Ziff. II 4.1., Dokument Nr. 7002 auf www.tcs.ch/assistalex). Bei einem Verdacht auf eine eigentliche Kokainabhängigkeit wäre sogar der vorsorgliche Führerausweisentzug nach Art. 35 Abs. 3 VZV gerechtfertigt (BGr, 12. November 1997, 2A.376/1997, E. 3b, Dokument Nr. 5120 auf www.tcs.ch/assistalex). Angesichts der beträchtlichen Risiken, die mit dem Führen eines Motorfahrzeuges verbunden sind, erweist sich die Anordnung einer medizinischen Untersuchung bereits bei einem einmaligen Kokainkonsum als erforderlich, um die Sicherheit des Verkehrs zu gewährleisten. Die Untersuchung ist für den Betroffenen weiter zumutbar; der Schutz der Bevölkerung vor Fahrzeugführern, die den Verkehr potentiell gefährden, beansprucht bei festgestelltem Kokainkonsum den Vorrang (vgl. Art. 57 Abs. 1 BV). Die Anordnung der Untersuchung durch die Beschwerdegegnerin erweist sich nach dem Gesagten als verhältnismässig (Art. 5 Abs. 2 BV), womit die dagegen erhobene Beschwerde insoweit abzuweisen ist.
4. Der Beschwerdeführer beantragt eventualiter die Untersuchung bei einem Arzt seiner Wahl. Könnte er die untersuchende Person jedoch frei wählen, bestünde von vornherein die Gefahr von Interessenkonflikten (BGE 127 II 122 E. 4b). So wird beispielsweise der Hausarzt bis zu einem gewissen Grad stets die Interessen seines Patienten im Auge haben und im Zweifelsfall einen günstigen Bericht abliefern (René Schaffhauser, Band III, Rz. 2653). Um solche Interessenkollisionen zu vermeiden, wird der untersuchende Arzt als Person im Sinne von § 5a Abs. 1 VRG angesehen, die eine Anordnung vorzubereiten hat (Kölz/Bosshart/Röhl § 5a Rz. 9). Damit muss die Unabhängigkeit und Unbefangenheit des begutachtenden Arztes den Anforderungen von Art. 29 Abs. 1 BV genügen (Benjamin Schindler, Die Befangenheit der Verwaltung, Zürich 2002, S. 75). Bei einer freien Wahl des Gutachters durch den Beschwerdeführer wären diese Anforderungen offensichtlich nicht erfüllt, womit der Eventualantrag abzulehnen ist.
5. Die Beschwerdegegnerin drohte in ihrer Verfügung an, den Führerausweis ”auf unbestimmte Zeit” zu entziehen, falls der Beschwerdeführer (a) nicht zur angeordneten Untersuchung erscheine oder falls er (b) den auferlegten Kostenvorschuss nicht leiste.
a) Dem Betroffenen obliegt es grundsätzlich, an einer angeordneten Untersuchung mitzuwirken; dies ergibt sich zwar nicht ausdrücklich aus dem Gesetz (vgl. § 7 Abs. 2 lit. b VRG), kann jedoch aus dem Grundsatz von Treu und Glauben abgeleitet werden (Art. 5 Abs. 3 BV; vgl. Alfred Kölz/Isabelle Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. A., Zürich 1998, Rz. 273; René Schaffhauser, Band III, Rz. 2650). Verweigert der Betroffene die Mitwirkung, kann dies bei der Beweiswürdigung berücksichtigt werden (§ 7 Abs. 4 VRG; Kölz/Bosshart/Röhl § 7 Rz. 68). Aus der Verweigerung zur Mitwirkung darf jedoch keinesfalls automatisch auf den Entzug des Führerausweises geschlossen werden; noch viel weniger darf ein solcher Entzug in der Anordnung einer ärztlichen Untersuchung angedroht werden.
b) Eine Behörde hat in ihrem Kautionierungsentscheid auf die Folgen der Nichtleistung hinzuweisen (BGE 96 I 521, 523). Diese Folgen müssen jedoch auf einer gesetzlichen Grundlage beruhen und verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 1 und 2 BV). Vorliegend ist keine dieser Voraussetzungen erfüllt, womit sich die Verfügung der Beschwerdegegnerin auch insoweit als rechtswidrig erweist. Sie wäre in diesem Punkt im Übrigen auch schon deshalb aufzuheben, weil sich bereits die der angedrohten Unterlassungsfolge zugrunde liegende Verpflichtung – die Kautionierung – als rechtswidrig erweist (E. 2c).
6. Soweit auf die Beschwerde einzutreten ist, ist sie zusammenfassend insoweit gutzuheissen, als sie sich gegen die Androhung des Führerausweisentzuges in der erstinstanzlichen Verfügung bzw. die entsprechende Bestätigung durch die Vorinstanz richtet. Im Übrigen ist sie abzuweisen. Damit sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen (§ 13 Abs. 2 in Verbindung mit § 70 VRG). Die Kosten des Rekursverfahrens sind in derselben Weise neu zu verlegen. Dagegen hat der Beschwerdeführer aufgrund von § 17 Abs. 2 VRG keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Kölz/Bosshart/Röhl § 17 Rz. 32).