Decision ID: fa0e67a0-ce8e-5855-809c-febb9dc700b9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer, procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a H._, Jahrgang 1949, meldete sich am 23. Februar 2005 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte die Ausrichtung einer
Rente (IV-act. 6). Im Arztbericht vom 31. März 2005 diagnostizierte Dr. med. A._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, eine mediale Arthrose am linken Kniegelenk bei
Varusüberlastung sowie einen Zustand nach aufklappender Valgisationsosteotomie des
Tibiakopfs. Vom 18. Dezember 2003 bis 31. Mai 2004 sei der Versicherte vollständig,
seit 1. Juni 2004 bis auf Weiteres zu 50% arbeitsunfähig (IV-act. 11-1). Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, berichtete im Verlaufsbericht vom 29. August
2005 von einem stationären Gesundheitszustand (IV-act. 62-1). In einem weiteren
Verlaufsbericht vom 9. April 2006 bescheinigte Dr. B._ erneut einen stationären
Gesundheitszustand. Der Versicherte habe am 19. Dezember 2005 einen Sturz auf die
rechte Schulter erlitten und sei bis 9. Januar 2006 voll und anschliessend bis 8. Februar
2006 zu 50% arbeitsunfähig gewesen. Seither sei er von Seiten der Schulter nicht mehr
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Wegen des Knieleidens bestehe nach wie vor
eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (IV-act. 72).
A.b Am 30. Juni 2006 führte die IV-Stelle eine Abklärung in der H._ GmbH durch, in
welcher der Beschwerdeführer als Sanitär- und Heizungsinstallateur tätig ist. Gestützt
auf die Angaben des Versicherten ermittelte die Abklärungsperson im
Abklärungsbericht vom 17. Juli 2006 eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von
45%. Der zudem durchgeführte Einkommensvergleich ergab bei einem
angenommenen Valideneinkommen von Fr. 75'700.- und einem Invalideneinkommen
von Fr. 50'700.- einen Invaliditätsgrad von 33% (IV-act. 87). Dr. med. C._ vom IV-
internen Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) bezeichnete es in seiner Stellungnahme
vom 5. September 2006 als aus medizinischer Sicht gerechtfertigt, die Arbeitsfähigkeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
als Sanitärinstallateur bezogen auf die Knieproblematik mit 50% zu bemessen. Die
Situation an der rechten Schulter könne nicht beurteilt werden, da weder aktenkundig
sei, welche Verletzungen dort vorgelegen hätten, noch welche Operationen
durchgeführt worden seien, noch wie sich der entsprechende Gesundheitszustand
aktuell manifestiert habe (IV-act. 88).
A.c Mit Vorbescheid vom 26. September 2006 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 33% die Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht
(IV-act. 90). In Vertretung des Versicherten nahm Rechtsanwalt lic. iur. Stefan Hagmann
von der Procap, Schweizerischer Invalidenverband, dazu am 13. November 2006
Stellung. Eine zuverlässige Ermittlung des Einkommens des Versicherten sei nicht
möglich, weshalb die Invaliditätsbemessung anhand des Betätigungsvergleichs
vorzunehmen sei (IV-act. 96).
A.d In einer offenbar unzutreffend mit 2. November 2006 datierten Verfügung wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren ab. Aus den Buchhaltungsunterlagen lasse sich klar
herauslesen, dass die Umsatzzahlen und die Lohnkosten mit Ausnahme des Jahres
2002 immer gleich ausgefallen seien und auch der Lohnbezug des Versicherten nicht
verändert worden sei. Mit Blick auf den Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) sei
das Valideneinkommen zugunsten des Versicherten höher angesetzt worden als der
Jahresdurchschnitt. Dabei sei auch berücksichtigt worden, dass teuerungs- und
konjunkturbedingte Faktoren eine Rolle spielen könnten. Da die wirtschaftlichen
Einkommensfaktoren klar feststünden, könne der Invaliditätsgrad nicht über den
Betätigungsvergleich ermittelt werden (IV-act. 97). In der mit 2. November 2006
datierten Verfügung wurde schliesslich handschriftlich das Datum auf 20. November
2006 geändert (act. G 1.1; act. G 1.2).
B.
B.a Gegen diese Verfügung vom 20. November 2006 richtet sich die Beschwerde des
Rechtsvertreters des Versicherten vom 2. Januar 2007. Er beantragt die Aufhebung der
Verfügung. Dem Beschwerdeführer sei bei einem Invaliditätsgrad von mehr als 40%
eine Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren
Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Für die Gerichtskosten sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen, alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen. Der angefochtene Entscheid sei zuerst an die
falsche Adresse zugestellt worden. Im Weiteren sei die Verfügung von der IV-Stelle
handschriftlich umdatiert worden. Die Beschwerdefrist sei jedenfalls gewahrt. Das
Betriebsergebnis des Beschwerdeführers weise über Jahre hinweg erhebliche
Schwankungen auf. Konjunkturelle Faktoren hätten offensichtlich vor und nach dem
Unfall des Beschwerdeführers einen starken Einfluss auf sein Einkommen gehabt.
Diese Verzerrungen dürften ihm aber nicht zum Nachteil gereichen. Unter diesen
Umständen könne einzig auf den Abklärungsbericht vor Ort abgestellt werden. Bei dem
dort ermittelten Invaliditätsgrad von 45% bestehe ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
Aber selbst abgesehen davon werde dem Beschwerdeführer von ärztlicher Seite eine
Restarbeitsfähigkeit von 50% attestiert. In der Stellungnahme zum Vorbescheid habe
der Beschwerdeführer von einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustands
berichtet, dies, obwohl schwere Arbeiten vermieden worden seien. Die
Beschwerdegegnerin habe es dennoch unterlassen, aktuelle ärztliche Befunde zu
erheben, weshalb eine Beweislücke vorliege (act. G 1).
B.b Die IV-Stelle holte daraufhin einen weiteren Verlaufsbericht bei Dr. B._ ein und
verlangte Auskunft über den postoperativen Verlauf bis zum 26. November 2006 in
Bezug auf die Schulter des Beschwerdeführers. Dr. B._ berichtete von einer auf die
volle Arbeitsfähigkeit vom 9. Februar bis 21. März 2006 folgenden Arbeitsunfähigkeit
variierenden Ausmasses in Bezug auf die Schulter bis Ende August 2007. Seit dem
1. September 2007 sei der Beschwerdeführer betreffend Schulter nicht mehr in der
Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (IV-act. 106).
B.c In der Beschwerdeantwort vom 17. April 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Die im Rahmen der Abklärung vor Ort ermittelte
Arbeitsfähigkeit von 55% sei mit Zurückhaltung zu betrachten, da sie sich in
wesentlichen Teilen auf die Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers stütze. Dieser
sei – dem Grundsatz 'Eingliederung vor Rente' folgend – verpflichtet, alles Zumutbare
zu unternehmen, um die Folgen des Gesundheitsschadens zu mildern. Dazu gehöre
zunächst, dass er sich innerbetrieblich so organisiere, dass er soweit wie möglich sich
selber die leichteren Arbeiten zuteile und die schwereren Verrichtungen seinen
Angestellten überlasse. In der Zeit nach dem Unfall hätten sich die wesentlichen Zahlen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gemäss Betriebsbuchhaltung nur in unbedeutendem Umfang verändert. Daraus könne
geschlossen werden, dass es dem Beschwerdeführer durch betriebsorganisatorische
Massnahmen gelungen sei, die erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitsschadens
praktisch vollständig aufzufangen. Eine rentenbegründende Invalidität lasse sich daher
kaum nachweisen. Selbst wenn die Einschränkung ein rentenbegründendes Ausmass
annehmen würde, wäre zu prüfen, ob vom Beschwerdeführer die Veräusserung des
Betriebs und ein Berufswechsel verlangt werden könnten. Der Beschwerdeführer habe
sich in den Jahren 1998 bis 2002 Löhne ausbezahlt, deren durchschnittliche Höhe nur
unwesentlich über dem Einkommen liege, das auch Hilfsarbeiter im gleichen Zeitraum
durchschnittlich verdient hätten. Da der Beschwerdeführer nur durch die
Kniebeschwerden eingeschränkt sei, könne ohne Weiteres davon ausgegangen
werden, dass er in einer knieschonenden Tätigkeit voll arbeitsfähig sei. Daher könne
von ihm der Wechsel in eine adaptierte Tätigkeit verlangt werden. Der Rentenanspruch
sei auch unter diesem Gesichtspunkt zu verneinen (act. G 6).
B.d Mit Schreiben vom 25. Juni 2007 liess der Beschwerdeführer das ausgefüllte
Gesuchsformular für die unentgeltliche Prozessführung samt Beilagen einreichen
(act. G 8). Die Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts wies ihn mit Schreiben vom
27. Juni 2007 darauf hin, dass er über ein Reinvermögen von über Fr. 200'000.-
verfüge, weshalb ihm der Rückzug des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege
empfohlen wurde (act. G 9). Rechtsanwältin lic. iur. Irja Zuber Hofer von der Procap zog
das Gesuch in Vertretung des Beschwerdeführers mit Schreiben vom 4. Juli 2007
zurück (act. G 10).
B.e In der Replik vom 5. September 2007 lässt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen festhalten. Den Abklärungsberichten werde in der Regel ein grosser
Beweiswert zugemessen. Die Beschwerdegegnerin selbst versuche sich nun von ihren
Feststellungen zu distanzieren, indem sie geltend mache, dass es sich dabei um
Selbsteinschätzungen des Beschwerdeführers handle. Dies überzeuge nicht. Wie
immer bei solchen Abklärungen vor Ort schicke die Invalidenversicherung speziell
ausgebildete Mitarbeiter, die sich aufgrund der Situation vor Ort und den Angaben der
versicherten Person ein Bild machen würden. Die Abklärungsperson erarbeite
schliesslich unter Beizug der vorhandenen Akten den Abklärungsbericht. Wieso gerade
hier von einer reduzierten Glaubwürdigkeit auszugehen sei, werde in der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeantwort nicht begründet. Der Beschwerdeführer habe längst alle
möglichen Umstrukturierungen vorgenommen, um seine Arbeitsfähigkeit zu steigern.
Fraglich sei, ob ein Berufswechsel, wie ihn die Beschwerdegegnerin anspreche,
erfolgreich wäre. Der Beschwerdeführer sei bald 60 Jahre alt und könne keine
Computerkenntnisse aufweisen, die ihn qualifizieren würden, eine angepasste Arbeit in
einem Büro zu übernehmen. Die Beschwerdegegnerin schliesse gestützt auf die
Betriebsbuchhaltung darauf, dass die gesundheitlichen Beschwerden keine
erwerblichen Auswirkungen haben würden. Sie habe jedoch übersehen, dass in diesem
Zeitraum noch Gelder der Krankentaggeldversicherung geflossen seien. Mit deren
Auslaufen per 15. Dezember 2005 habe sich ein Unternehmensverlust eingestellt.
Betreffend allfällige Unternehmensaufgabe müsse berücksichtigt werden, dass
insbesondere die Ehefrau des Beschwerdeführers am Betrieb wirtschaftlich beteiligt
sei. Sie arbeite im Büro mit. Mit einer Liquidation des Betriebs wäre auch die
Arbeitsstelle der Ehefrau verloren, was dem Ehepaar nicht zumutbar sei (act. G 13).
B.f Die Beschwerdegegnerin hält mit Schreiben vom 11. September 2007 an ihren
Ausführungen in der Beschwerdeantwort und an ihrem Antrag vollumfänglich fest (act.
G 15).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
Erw. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
In den von der Beschwerdegegnerin eingereichten Akten trägt die angefochtene
Verfügung das Datum des 2. November 2006. Dieses Datum ist offensichtlich falsch,
enthält die Verfügung doch Ausführungen zur Stellungnahme zum Vorbescheid vom
13. November 2006 (IV-act. 97). In der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
eingereichten Verfügung wurde das Datum 2. November 2006 überdeckt und von Hand
in "20. November 2006" abgeändert. Zudem trägt die Verfügung einen Stempel
"18. November 2006" (act. G 1.1). Mangels zuverlässiger Anhaltspunkte für das
Gegenteil ist davon auszugehen, dass die Beschwerde vom 2. Januar 2007 rechtzeitig
erfolgte.
3.
3.1 Streitig und im vorliegenden Verfahren zu beurteilen ist, ob der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine IV-Rente hat. Umstritten ist dabei insbesondere die Wahl der
Methode zur Invaliditätsbemessung.
3.2 Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente,
wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente,
wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
50 % besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente. Für die Bemessung der Invalidität
von erwerbstätigen Versicherten ist gemäss aArt. 28 Abs. 2 IVG Art. 16 ATSG
anwendbar. Danach wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Der Einkommensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach Massgabe der im Einzelfall
bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 119). Es kann ferner auch eine
Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (Prozentvergleich; vgl. BGE 114 V
312 E. 3a). Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für
Nichterwerbstätige (aArt. 28 Abs. 2 IVG; Art. 27 IVV) ein Betätigungsvergleich
anzustellen und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen
der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu
bestimmen (vgl. BGE 128 V 30 f. E. 1; AHI 1998 S. 119).
4.
Obwohl von den Parteien unbestritten, ist vorab zu prüfen, ob der Beschwerdeführer
als Selbstständigerwerbender zu qualifizieren ist. In der Steuererklärung 2005
klassifizierte er sich formal als unselbstständigerwerbend (act. G 8.1.17). Er ist bei der
1994 gegründeten H._ GmbH angestellt. Im Handelsregister ist er weder als
Gesellschafter noch als Geschäftsführer eingetragen, sondern lediglich als finanziell
nicht beteiligter Einzelzeichnungsberechtigter. Als alleinige Geschäftsführerin
eingetragen ist seine Ehefrau (IV-act. 81). Im Abklärungsbericht vom 17. Juli 2006
wurde festgehalten, in der GmbH mache er die Geschäftsleitung und das
Administrative nicht mehr. Hierfür seien seine Ehefrau und D._ zuständig, ebenso für
das Büro und die Planungsarbeiten. Der Beschwerdeführer mache nur noch die
Besprechungen mit den Architekten, was die praktische Seite anbelange (IV-act. 87-7).
Im Rahmen der Abklärung vor Ort hatte der Beschwerdeführer erklärt, er sei praktisch
veranlagt und verstehe nicht viel vom Büro. Deshalb habe er auch in E._ Konkurs
anmelden müssen. Seit er seine Firma in eine GmbH umgewandelt habe, habe er sich
von den administrativen Arbeiten zurückgezogen und sei nun vermehrt auf der
Baustelle und in der Werkstätte beschäftigt (IV-act. 87-9). Der Beschwerdeführer war
gemäss IK-Auszug von 1969 bis 1996 selbstständigerwerbend (IV-act. 4), offenbar als
Einzelunternehmer. Seine in der GmbH zumindest formell als alleinige
Geschäftsführerin eingesetzte Ehefrau war früher Verkäuferin im Eisenhandel. Für ihre
Tätigkeit in der GmbH, die sich anscheinend auf sechs Stunden wöchentlich
beschränkt, erzielt sie gemäss Angaben des Beschwerdeführers im Rahmen der
Abklärung vor Ort ein Einkommen von Fr. 1'300.- monatlich (IV-act. 87-2; 87-4). Ihre
Tätigkeit in der GmbH ist also nicht sehr umfassend, was darauf schliessen lässt, dass
der Beschwerdeführer als gelernter Sanitärinstallateur weiterhin zumindest faktisch als
Selbstständigerwerbender fungiert. Entsprechend kann nicht unbesehen auf die im
Arbeitgeberfragebogen vom 1. April 2005 aufgeführten Einkommenszahlen abgestellt
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
werden. Die Beschwerdegegnerin hat ihn zu Recht als Selbstständigerwerbenden
qualifiziert (vgl. auch den Entscheid I 534/06 des Bundesgerichts [damals
Eidgenössisches Versicherungsgericht] vom 14. Dezember 2006, Erw. 2).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer erlitt im Februar 2003 einen Skiunfall, der mehrere
Knieoperationen nach sich zog. Die Folgeschäden führten zu einer anhaltenden
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit, die seit Dezember 2003
durchgehend mindestens 50% betrug (IV-act. 87-2). Im Arztbericht vom 31. März 2005
hielt der Hausarzt Dr. A._ fest, der Beschwerdeführer sei von Seiten des Kniegelenks
nicht ganz beschwerdefrei und in den körperlich belastenden Aktivitäten weiterhin
eingeschränkt (IV-act. 11-2). Dr. B._ berichtete am 29. August 2005 und am 9. April
2006 von einem seitens des Knieleidens stationären Zustand (IV-act. 62-1; 72). In
seiner Beurteilung vom 5. September 2006 hielt der RAD-Arzt Dr. C._ fest, bei der
Arbeit als Sanitärinstallateur handle es sich um eine körperlich anspruchsvolle Tätigkeit,
die einerseits mit Heben und Tragen von Lasten über 15 kg und andererseits mit
Zwangspositionen der Kniegelenke verbunden sei. Aus medizinischer Sicht erscheine
es gerechtfertigt, die Arbeitsfähigkeit als Sanitärinstallateur mit 50% zu bemessen (IV-
act. 88-2). Die medizinische Aktenlage liefert keine Hinweise darauf, dass der
Beschwerdeführer in körperlich leichter Tätigkeit in seiner Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist. Aufgrund seines Knieleidens hat er lediglich repetitives Heben
schwerer Lasten und Zwangshaltungen der Kniegelenke weitgehend zu vermeiden.
5.2 In der Stellungnahme vom 13. November 2006 zum Vorbescheid hatte der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers noch darauf hingewiesen, es könne nicht
ausgeschlossen werden, dass sich die Prognose der anhaltenden Arbeitsfähigkeit von
50% weiter verschlechtert habe (IV-act. 96-2). Gemäss Verlaufsbericht von Dr. B._
vom 19. März 2007 war der Beschwerdeführer betreffend Schulter seit September
2006 nicht mehr eingeschränkt; Hinweise auf eine Verschlechterung der
Arbeitsfähigkeit liefert Dr. B._ nicht (IV-act. 106). Im Rahmen der Replik wird eine
Verschlechterung denn auch nicht mehr behauptet. Es ist also davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer zumindest bis zum für die vorliegende Beurteilung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
relevanten Verfügungszeitpunkt im November 2006 in der angestammten Tätigkeit
eines Sanitär- und Heizungsinstallateurs zu etwa 50% arbeitsfähig war.
6.
6.1 Obwohl die Beschwerdegegnerin eine Abklärung im Betrieb durchführte, ermittelte
sie den Invaliditätsgrad schliesslich gestützt auf die allgemeine Methode des
Einkommensvergleichs. Dieses Vorgehen ist nur gerechtfertigt, wenn sich die beiden
hypothetischen Vergleichseinkommen zuverlässig ermitteln oder schätzen lassen. Der
IK-Auszug des Beschwerdeführers weist für die Jahre 1997 bis 1999 ein
Jahreseinkommen von Fr. 48'000.-, für 2000 eines von Fr. 54'000.-, für 2001 eines von
Fr. 69'500.-, für 2002 eines von Fr. 65'000.- und für 2003 eines von Fr. 29'232.- aus (IV-
act. 4). Gemäss Arbeitgeberfragebogen vom 1. April 2005 (falsch datiert mit 2004)
erzielte der Beschwerdeführer im Jahr 2004 ein Jahreseinkommen von Fr. 21'808.- (IV-
act. 10-2). Im Bericht der Abklärung vor Ort hielt die Abklärungsperson fest, dass der
Beschwerdeführer ohne Behinderung Fr. 63'700.- erzielen würde. In Berücksichtigung,
dass er im Jahr 2002 bei höherem Umsatz als 2005 mehr Gewinn und weniger
Lohnkosten gehabt habe, werde ein Valideneinkommen von Fr. 75'700.- erreicht (IV-
act. 87-9). Aus den Akten ist nicht ersichtlich, wie diese Zahl bestimmt wurde. In der
Begründung der angefochtenen Verfügung wurde festgehalten, mit Blick auf den IK-
Auszug sei das Valideneinkommen zugunsten des Versicherten höher als der
Jahresdurchschnitt angesetzt worden, und dabei sei berücksichtigt worden, dass
teuerungsbedingte und konjunkturelle Faktoren eine Rolle spielen könnten (act. G 1.1).
Diese Begründung erklärt den Wert von Fr. 75'700.- für das Valideneinkommen nicht
zufriedenstellend. Gemäss Ziff. 3.3 des Abklärungsberichts erzielte der Versicherte ein
Einkommen von Fr. 3'800.- monatlich. Unter Ziff. 6.2 "Bemerkungen (Gründe für die
Erwerbseinbusse, z.B. rezessionsbedingt und diesbezügliche Angaben des
Versicherten. Andere, nicht invaliditätsbedingte Gründe)" wurde ohne jegliche weitere
Erklärung angegeben, der Lohn des Versicherten betrage Fr. 4'900.-. Zum
Invalideneinkommen wurde in Ziff. 5.2 darauf hingewiesen, der Versicherte arbeite mit
Behinderung noch 24 Stunden. Fr. 3'800.- würden etwa dem Leistungslohn
entsprechen. Die abschliessende Stellungnahme nennt einen Leistungslohn des
Beschwerdeführers pro Jahr von "weiterhin Fr. 50'700.-" (IV-act. 87-9). Insgesamt sind
diese Ausführungen ungenügend begründet und nicht nachvollziehbar. Weder aus dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitgeberfragebogen noch aus der Buchhaltung des Betriebs noch aus dem IK-
Auszug geht hervor, dass der Beschwerdeführer nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
noch in der Lage wäre, ein Einkommen in der Höhe von Fr. 50'700.- zu erzielen.
Ebenso wenig lassen die aktenkundigen Unterlagen den Schluss zu, dass der
Beschwerdeführer als Gesunder ein Einkommen von Fr. 75'700.- erzielen würde.
6.2 Die GmbH verzeichnete folgende Umsätze: 1999: Fr. 692'243.-; 2000:
Fr. 776'733.-; 2001: Fr. 816'598.-; 2002: Fr. 965'820.-; 2003: Fr. 874'043.-; 2004:
Fr. 778'600.-; 2005: Fr. 873'145.-; 2006: Fr. 737'545.- (IV-act. 76-80, act. G 8.1.18 und
11.1). Obwohl der Beschwerdeführer seit 2003 praktisch durchgehend mindestens
50% arbeitsunfähig geschrieben war, ist kein namhafter, anhaltender Umsatzeinbruch
zu erkennen. Zwar liegen Schwankungen vor; diese lassen sich jedoch nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit auf die gesundheitlichen Einschränkungen des
Beschwerdeführers zurückführen. Invaliditätsfremde Einflussfaktoren wie die
konjunkturelle und die Konkurrenzsituation könnten sich ebenfalls auf die Umsatz- und
Gewinnzahlen ausgewirkt haben. Es lässt sich gestützt darauf nicht zuverlässig
ermitteln, welches die Auswirkungen allein des verschlechterten Leistungsvermögens
des Beschwerdeführers sind. Somit ist grundsätzlich die ausserordentliche
Bemessungsmethode anzuwenden. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist
es jedoch nicht gerechtfertigt, die Invalidität nun ohne weiteres anhand eines
erwerblich nicht näher gewichteten Betätigungsvergleichs zu ermitteln.
6.2.1 In der Abklärung an Ort und Stelle wurde der Tätigkeitsbereich "Betriebsführung,
administrative Tätigkeit, Kontrollen, Planen, Besprechen mit Architekten" mit 10%
gewichtet. In diesen körperlich leichten, nicht oder kaum belastenden Tätigkeiten ist
der Beschwerdeführer durch seinen Gesundheitsschaden nicht eingeschränkt, wie er
selbst anerkennt. Den Bereich Werkstattarbeit wurde mit ebenfalls 10% gewichtet, die
verbleibenden 80% entfielen auf den Bereich "Baustellenarbeiten, Transporte,
Montageleiter". Offenbar in Anlehnung an die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. B._
gab der Beschwerdeführer an, in diesen Bereichen je zu 50% eingeschränkt zu sein. Er
müsse sich in allen Bereichen schonen, Gewichte über 20 kg könne er nicht mehr
tragen. Überwachung und Anleitung seien möglich. Er müsse immer wieder aussetzen
und seine Arbeiter müssten fertig machen. Insgesamt beläuft sich die ermittelte
Arbeitsunfähigkeit auf 45% (IV-act. 87-7). Die vom Beschwerdeführer deklarierte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einschränkung von je 50% in den Bereichen gemäss Ziff. 7.2 und 7.3 des
Abklärungsberichts erscheint als eher hoch, ist doch davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer im Aufgabenbereich der handwerklichen Arbeit mit leichteren Waren
nicht nennenswert eingeschränkt ist und er sämtliche körperlich nicht belastenden
Arbeiten wie Anleitung, Überwachung, Kontrolle und Vorarbeiten (Inspektion und
Beurteilung eines Ortes, Abmessungen etc.) weiterhin ausführen kann. Doch selbst
wenn man von einer Arbeitsunfähigkeit von 45% ausginge, ist der Betätigungsvergleich
noch erwerblich zu gewichten.
6.2.2 Nach der Rechtsprechung ist die Teilerwerbsfähigkeit von
Selbstständigerwerbenden in der Regel höher zu bewerten als die medizinische
Schätzung der körperlichen Arbeitsfähigkeit, weil die für den Betriebsertrag
wesentlichen leitenden Funktionen von körperlichen Behinderungen kaum
beeinträchtigt werden (ZAK 1971 S. 338). Der Beschwerdeführer lässt sich primär als
handwerklich tätiger Mitarbeiter beschreiben. Er sei praktisch veranlagt und verstehe
nicht viel vom Büro. Deshalb habe er in E._ Konkurs anmelden müssen. Er sei heute
vermehrt auf der Baustelle und in der Werkstätte beschäftigt und habe sich von den
administrativen Arbeiten zurückgezogen (IV-act. 87-9). Bei diesen Gegebenheiten ist
durchaus möglich, dass die Tätigkeiten des Beschwerdeführers keine wesentlich
voneinander abweichenden Wertanteile aufweisen. Für die Invaliditätsbemessung ist
dies aber nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass der
Beschwerdeführer in einem Betrieb mit drei handwerklichen Angestellten über die
Möglichkeit verfügt, durch eine adäquate Umverteilung der Arbeit eine bessere
Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit zu erlangen. Grundsätzlich ist davon
auszugehen, dass es in einem Sanitär- und Heizungsinstallationsbetrieb mit der
Struktur desjenigen des Beschwerdeführers dem Chef möglich ist, eigenen körperlich
stark belastenden Einsatz weitestgehend zu vermeiden. Unter dem Aspekt der
Schadenminderungspflicht (vgl. AHI 1998 S. 119) ist es ihm zumutbar, die körperlich
belastende Arbeit an die Mitarbeiter zu delegieren und sich selber stattdessen vermehrt
der leichteren körperlichen Arbeit zu widmen, welche diese vorher ausübten. Im Betrieb
des Beschwerdeführers generieren im Wesentlichen vier handwerklich tätige Personen
den Umsatz. Ginge man in einer schematischen Betrachtung davon aus, dass jeder
dieser Mitarbeiter im Umfang von etwa 50% körperlich schwere Arbeit verrichtet und
ist solche Arbeit nun einem von ihnen, dem Chef, gesundheitsbedingt nicht mehr
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
möglich, so sind seine 50% – also 1/8 des Arbeitstotals der vier Mitarbeiter – auf die
verbleibenden drei aufzuteilen. Wenn der gesundheitlich beeinträchtigte Chef die
körperlich schwere Arbeit auch nur teilweise abgibt bzw. abgeben kann und er dafür
den "gesunden" drei Mitarbeitern leichtere Arbeiten abnimmt, optimiert er die
Verwertung seiner Restarbeitsfähigkeit und gelangt bereits bei unvollständiger
Verlagerung der schweren körperlichen Arbeiten mit seinem Invaliditätsgrad in den
rentenausschliessenden Bereich von unter 40%. Zu beachten ist zudem, dass auch vor
Eintritt der Knieprobleme des Beschwerdeführers wohl kaum 1/8 der körperlich
schweren Arbeit des Betriebs auf ihn entfiel, da er als Chef – der zudem offenbar
bereits seit einer Rückenoperation 1992 keine sonderlich schwere Arbeit mehr
verrichtete (IV-act. 87-1 unten) – überwiegend wahrscheinlich deutlich mehr körperlich
leichte Arbeit verrichtete als seine Angestellten. Es kann also davon ausgegangen
werden, dass durch Arbeitsumverteilung aus dem gesamten Ausfall an
Betätigungsmöglichkeiten von maximal 45% (nämlich dem ganzen Bereich der
schweren Arbeit) in erwerblicher Hinsicht ein Ausfall im nicht rentenbegründenden
Bereich von deutlich unter 40% resultiert. Aus den Akten ist nicht etwa zu schliessen,
dass der Beschwerdeführer im Tagesablauf aus gesundheitlichen Gründen erhebliche
Ausfälle wegen unproduktiver Arbeitszeiten hinzunehmen hätte. Auch ist medizinisch
nicht begründet, weshalb er nur noch 24 Stunden pro Woche sollte arbeiten können,
wie er gegenüber der Abklärungsperson aussagte. Zu vermeiden resp. zu vermindern
hat er aus medizinischen Gründen lediglich körperlich schwere Arbeit und
Zwangshaltungen der Kniegelenke; es ist nicht ersichtlich, inwiefern seine
Knieproblematik einer ganztägigen adaptierten Arbeitstätigkeit im Weg stehen sollte.
Mit einer zumutbaren Arbeitsverlagerung kann vorliegend eine erwerbliche Auswirkung
rentenbegründenden Ausmasses somit vermieden werden (zur erwerblichen
Gewichtung vgl. auch den unveröffentlichten Entscheid IV 2005/101 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 3. Mai 2006 [vgl. EVGE I 534/06
vom 14. Dezember 2006, Erw. 3.3 in fine]).
7.
7.1 Die Invalidität des Beschwerdeführers erreicht gemäss den vorstehenden
Erwägungen kein rentenbegründendes Ausmass. Die angefochtene Verfügung ist im
Ergebnis nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Sie ist dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der von
ihm geleistete Kostenvorschuss in derselben Höhe ist anzurechnen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht