Decision ID: 2b900f70-efec-423e-8c6c-a37b8c3d5a3d
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_004
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. A._, wohnhaft in C._, ist Eigentümerin des überbauten
Grundstücks Nr. D._, E._, in der Gemeinde B._. Mit
Dienstbarkeitsvertrag vom G._, eingetragen am H._ im
Grundbuchamt der Region F._, vereinbarten A._ und
I._ als Gegenleistung für die vereinbarte Grunddienstbarkeit
(Pflanzen- und Bauhöhenbeschränkung) zulasten des Grundstücks
Nr. D._ bzw. zugunsten des Nachbargrundstücks Nr. J._
die Summe von CHF 1 Mio.
2. Diese Leistung wurde durch die Steuerverwaltung des Kantons
Graubünden mit definitiven Veranlagungsverfügungen vom 16. Januar
2020 gestützt auf Art. 22 Steuergesetz für den Kanton Graubünden
betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2018 sowie die direkte
Bundessteuer 2018 als Einkommen aus unbeweglichem Vermögen
besteuert. Dagegen erhob A._ am 11. Februar 2020 Einsprache, die
mit Einspracheentscheiden vom 14. Oktober 2020 betreffend die direkte
Bundessteuer 2018 und die Kantons- und Gemeindesteuern 2018
abgewiesen wurde. Die Steuerverwaltung begründete ihre Entscheide im
Wesentlichen damit, dass die Belastung des Grundstückes mit der
Grunddienstbarkeit als steuerbarer Vermögensertrag zu qualifizieren und
damit gemäss Art. 22 Abs. 1 StG als Ertrag aus unbeweglichem
Vermögen als Einkommenssteuer zu besteuern sei. Die Besteuerung
werde auch durch das Doppelbesteuerungsabkommen nicht
eingeschränkt.
3. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) am
14. November 2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden mit den Anträgen, die Einspracheentscheide vom 14.
Oktober 2020 betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern sowie die
direkte Bundessteuer für das Steuerjahr 2018 seien kostenfällig
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aufzuheben und die Sache an die Steuerverwaltung Graubünden zur
neuen Veranlagung zurückzuweisen, indem die
Veranlagungsverfügungen dahingehend zu bereinigen seien, dass der
Betrag von CHF 1 Mio. nicht mehr einkommenswirksam erfasst würde. In
formeller Hinsicht beantragte sie die Erteilung der aufschiebenden
Wirkung. Die Beschwerdeführerin führte dazu im Wesentlichen aus, dass
gemäss ständiger Praxis und Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
Besteuerung von Nutzniessung, Wohnrechten, Dienstbarkeiten,
Grundlasten und vorgemerkten persönlichen Rechten
Einmalentschädigungen für die Einräumung bzw. eine Ablösung einer auf
unbegrenzten Zeit (aber nicht wesentlichen) errichteten
Grunddienstbarkeit weder der Einkommenssteuer noch der
Grundstückgewinnsteuer unterlägen, da die Einmalleistung einen Ersatz
für den Minderwert des Grundstücks darstelle. Das Grundstück der
Beschwerdeführerin sei durch die Grunddienstbarkeit dauernd belastet
worden. Diese Belastung sei als unwesentlich zu qualifizieren, da die
Pflanzenhöhenbeschränkung das Grundstück nur leicht belaste.
4. Mit Vernehmlassung vom 8. Dezember 2020 beantragte die
Steuerverwaltung des Kantons Graubünden (nachfolgend
Beschwerdegegnerin 1) die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Sie
führte dazu im Wesentlichen aus, dass bei Erhebung eines Rechtsmittels
gegen die Veranlagung für die betreffenden Steuern das Inkasso
ausgesetzt werde bis ein rechtskräftiger Entscheid vorliege. Auch wenn
sie im vorliegenden Fall keinen nicht leicht wiedergutzumachenden
Nachteil ausmachen könne, könne die aufschiebende Wirkung erteilt
werden. Vorliegend bestehe keine Verminderung der bestehenden
Vermögenssubstanz i.S.v. Art. 42 Abs. 2 lit. c StG, da durch die Pflanzen-
und Bauhöhenbeschränkung kein wesentlicher Teil der bisherigen
Bewirtschaftung oder des bisherigen Veräusserungswerts der Parzelle
D._ verloren gehe und die Entschädigung nicht einmal 2 % des
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Verkehrswertes des Grundstückes ausmache, so dass die Entschädigung
demnach nicht mit der Grundstückgewinnsteuer erfasst werden könne und
damit nach herrschender Lehre und ihrer Praxis als Vermögensertrag der
Einkommenssteuer unterliege.
5. Mit Replik vom 4. Februar 2021 hielt die Beschwerdeführerin unverändert
an ihren Rechtsbegehren fest und führte im Wesentlichen ergänzend aus,
dass die Steuerrechtspraxis – entgegen der Ausführungen der
Beschwerdegegnerin – weitere Fälle/Konstellationen festlege, für die die
Steuerbefreiung vorgesehen sei. Die Einmalleistung für die Einräumung
einer dauernden aber nicht wesentlichen Grunddienstbarkeit stelle eine
steuerneutrale Vermögensumschichtung dar, wobei der
Vermögenszugang (Entgelt) der Wertverminderung des belasteten
Grundstücks gegenüber stünde. Das auf praktisch einem Drittel der
Baulandfläche bestehende beschränkte Bauverbot führe zu einer
Wertverminderung des Grundstücks, die entsprechend entschädigt
worden sei. Das Entgelt diene dem Ausgleich der materiellen Einbusse
und führe nicht zu einer Vermögensvermehrung, so dass es bei der
Beschwerdeführerin auch kein steuerbares Einkommen darstelle. Im
Bestreitungsfalle sei durch das Gericht oder die Beschwerdeführerin beim
Amt für Immobilienbewertungen ein Gutachten über den Verkehrswert der
Liegenschaft ohne und mit Belastung einzuholen.
6. Am 5. Februar 2021 erkannte der Instruktionsrichter der Beschwerde
gestützt auf Art. 53 VRG die aufschiebende Wirkung zu.
7. In ihrer Duplik vom 16. Februar 2021 hielt die Beschwerdegegnerin 1
unverändert an ihren Rechtsbegehren fest und vertiefte ihre Argumente.
Sie führte ergänzend an, dass der steuerpflichtigen Person die
Beweisbeschaffungspflicht für die das Rechtsbegehren begründenden
Tatsachen obliege, so dass das Gericht keine Pflicht treffe, die beantragte
amtliche Bewertung zu veranlassen oder eine Frist zur Einreichung einer
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solchen zu gewähren und das Beweisangebot der Beschwerdeführerin
zudem auch nicht fristgerecht erfolgt sei.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekte des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bilden die
Einspracheentscheide vom 14. Oktober 2020 betreffend die Kantons- und
Gemeindesteuern 2018 sowie die direkte Bundessteuer 2018, mit welchen
die Beschwerdegegnerin 1 die Einsprache der heutigen
Beschwerdeführerin vom 11. Februar 2020 abwies und gleichzeitig die im
Rahmen der definitiven Veranlagungsverfügungen vom 16. Januar 2020
vorgenommene Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen bestätigte.
Solche Entscheide können gemäss Art. 140 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) und Art. 50 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden (StHG; SR 642.14) i.V.m. Art. 139 Abs. 1 des
Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG; BR 720.000) mit
Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
angefochten werden. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 49 Abs. 1 lit. b des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100), wonach das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Dienststellen der
kantonalen Verwaltung und von unselbständigen Anstalten des
kantonalen Rechts beurteilt, soweit das kantonale Recht den direkten
Weiterzug vorsieht, was vorliegend der Fall ist. Folglich fällt die
Beurteilung der vorliegenden Streitsache in die Zuständigkeit des
angerufenen Gerichts. Die Beschwerdeführerin ist als formelle und
materielle Adressatin der angefochtenen Einspracheentscheide
beschwert und damit ohne Weiteres zur Beschwerdeerhebung befugt (vgl.
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Art. 50 Abs. 1 VRG). Auf die zudem frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist demnach einzutreten.
2. Mit der Beschwerde wurde beantragt, die Entschädigung in der Höhe von
CHF 1 Mio. für die Steuerperiode 2018 nicht zu berücksichtigen, so dass
für die Kantonssteuer 2018 ein Einkommensteuerbetrag von
CHF 15'862.00 (gemäss Veranlagung CHF 125'862.00, Differenz:
CHF 110'000.00), für die Gemeindesteuer 2018 ein
Einkommenssteuerbetrag von CHF 9'517.00 (gemäss Veranlagung
CHF 75'517.00, Differenz CHF 66'000.00) und für die direkte
Bundessteuer 2018 ein Steuerbetrag von CHF 12'799.50 (gemäss
Veranlagung CHF 127'799.50, Differenz CHF 115'000.00) resultierten.
Damit beläuft sich der Streitwert für das vorliegende Verfahren auf
CHF 291'000.00.
3. Beschwerdegegenstand bildet vorliegend die Frage, ob das Entgelt für die
Einräumung der Grunddienstbarkeit der Einkommensbesteuerung aus
unbeweglichem Vermögen unterliegt oder ob diese Entschädigung
steuerfrei bleibt.
4.1. Sowohl das Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer als auch das
Steuergesetz für den Kanton Graubünden folgen bei der Aufzählung und
Umschreibung der steuerbaren und steuerfreien Einkünfte der
gesetzlichen Konzeption einer Einkommensgeneralklausel, die durch
beispielhafte Aufzählung diverser Einkommensbestandteile ergänzt und
durch die Befreiung bestimmter Einkünfte präzisiert wird (vgl. LOCHER,
Kommentar zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, I. Teil,
Art. 1–48 DBG, 2. Aufl., Basel 2019, Art. 16 Rz. 5). Im Sinne einer
Generalklausel halten Art. 16 Abs. 1 DBG und Art. 16 Abs. 1 StG zunächst
fest, dass alle wiederkehrenden und einmaligen Einkünfte der
Einkommenssteuer unterliegen. Die hauptsächlichen steuerbaren
Einkünfte werden anschliessend in Art. 17–23 DBG und in Art. 17–29 StG
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beispielhaft genannt. Vorbehalten bleiben die Kapitalgewinne aus der
Veräusserung von Privatvermögen (Art. 16 Abs. 3 DBG) und die im
Negativkatalog von Art. 30 StG bzw. Art. 24 DBG abschliessend
aufgezählten Fälle (vgl. LOCHER, a.a.O., Art. 16 Rz. 7).
4.2. Nach Art. 21 Abs. 1 lit. a DBG bzw. Art. 22 Abs. 1 lit. a StG sind Erträge
aus unbeweglichem Vermögen, insbesondere alle Einkünfte aus
Vermietung, Verpachtung, Nutzniessung oder sonstiger Nutzung
steuerbar. Unter Erträge sind sämtliche Zuflüsse zu verstehen, die dem
wirtschaftlich Berechtigten für die Einräumung eines Nutzungsrechts
zukommen, ohne dass sie die Vermögensmasse beeinflussen. Die
Vermögenssubstanz als solche wird damit nicht beeinträchtigt und
verzehrt (vgl. RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, Kommentar zum Zürcher
Steuergesetz, 4. Aufl., Zürich 2021, § 21 Rz. 17; ZWAHLEN/LISSI in:
ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.], Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer
[DBG], 3. Aufl., Zürich 2017, Art. 21 Rz. 1). Die Aufzählung der
Einkommensquellen, die unter Art. 21 DBG fallen, ist nicht abschliessend.
Danach sind alle Einkünfte aus unbeweglichem Privatvermögen
steuerbar, unbesehen um die Form, die Bezeichnung und den Zeitpunkt
ihrer Erbringung, was sich aus Art. 21 I DBG Ingress ergibt (vgl.
RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl.,
Zürich 2016, Art. 21 Rz. 33; RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER,
Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, a.a.O., § 21 Rz. 20). Mit "sonstige
Nutzung" gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. a DBG bzw. Art. 22 Abs. 1 lit. a StG
sind unter anderem die Entschädigungen für die Einräumung von
dinglichen Rechten bzw. für die Belastung einer Grunddienstbarkeit
(Art. 730–740 ZGB) gemeint (vgl. ZWAHLEN/LISSI, a.a.O., Art. 21 Rz. 12).
4.3. Von der Einkommenssteuer abzugrenzen ist die
Grundstückgewinnsteuer, wonach die Steuerpflicht durch jede
Veräusserung begründet wird, mit welcher Eigentum an einem Grundstück
übertragen wird (Art. 42 Abs. 1 StG). Der Veräusserung gleichgestellt ist
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insbesondere die Belastung eines Grundstücks mit privatrechtlichen
Dienstbarkeiten oder öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkungen,
wenn diese die unbeschränkte Bewirtschaftung oder den
Veräusserungswert des Grundstückes dauernd und wesentlich
beeinträchtigen und dafür ein Entgelt entrichtet wird (Art. 42 Abs. 2 lit. c
StG). Bei der entgeltlichen Einräumung einer Grunddienstbarkeit an einem
Grundstück hängt die steuerrechtliche Qualifikation des Entgelts davon
ab, ob die bestehende Vermögenssubstanz vermindert wird
(Substanzverzehr) oder ob es sich um eine Nutzung handelt, welche die
Substanz nicht antastet. Bei Substanzverzehr stellt das Entgelt
Veräusserungserlös dar, was der Fall ist, wenn die Belastung mit
Dienstbarkeiten die unbeschränkte Bewirtschaftung oder den
Veräusserungswert "dauernd und wesentlich" beeinträchtigt (vgl. Art. 12
Abs. 2 lit. c StHG; ZWAHLEN/NYFENEGGER, in: ZWEIFEL/BEUSCH [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone
und Gemeinden [StHG], 3. Aufl., Basel 2017, Art. 12 Rz. 39;
HÖHN/WALDBURGER, Steuerrecht, Band II, 9. Aufl., Bern/Stuttgart/Wien
2002, § 41 Rz. 46).
Steuerbares Einkommen und damit ein Vermögensertrag des belasteten
Eigentümers liegt im Umkehrschluss dann vor, wenn die
Vermögenssubstanz nicht geschmälert wird, d.h. wenn die
Beeinträchtigung der Bewirtschaftung oder des Veräusserungswertes
entweder nicht dauernd oder nicht wesentlich ist (vgl. HÖHN/WALDBURGER,
a.a.O., § 41 Rz. 46). Eigentumsbeschränkungen sind dann "dauernd",
wenn sie zeitlich unbegrenzt sind und eine dauernde
Eigentumsbeschränkung ist dann "wesentlich", wenn ein grosser Teil der
bisherigen Bewirtschaftung oder des bisherigen Veräusserungswertes
verloren geht (vgl. RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, Kommentar zum
Zürcher Steuergesetz, § 216 Rz. 121 ff.). Nicht wesentlich sind in der
Regel die Belastung mit Pflanzenhöhebeschränkungsrechten (vgl. KLÖTI-
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WEBER/SIEGRIST/WEBER, Kommentar zum Aargauer Steuergesetz, 3.
Aufl., Band 2, Muri-Bern 2009, § 96 Rz. 44).
5.1. Gemäss Dienstbarkeitsvertrag vom G._ hat der jeweilige
Eigentümer des Grundstücks Nr. D._ den bezeichneten Bereich,
der die Pflanzen- und Bauhöhenbeschränkung betrifft, ab einer Höhe von
2015.4 Metern über Meer stets freizuhalten, so dass weder Bauten noch
Pflanzen diese Höhe überragen dürfen. Diese Grunddienstbarkeit
(Art. 730 ff. ZGB) wurde gegen eine Entschädigung von CHF 1 Mio.
eingeräumt. Wie bereits ausgeführt, hängt die steuerrechtliche
Qualifikation dieser Entschädigung davon ab, ob als Folge der
Einräumung der Pflanzen- und Bauhöhenbeschränkung die
unbeschränkte Bewirtschaftung
oder der Veräusserungswert des Grundstücks im Sinne von Art. 42 Abs. 2
lit. c StG dauernd und wesentlich beeinträchtigt werden. Gemäss
Beschwerdegegnerin 1 besteht vorliegend keine derartige Verminderung
der bestehenden Vermögenssubstanz, da durch die Pflanzen- und
Bauhöhenbeschränkung kein wesentlicher Teil der bisherigen
Bewirtschaftung oder des bisherigen Veräusserungswerts der Parzelle
Nr. D._ verloren gehe. Dass die Grunddienstbarkeit nicht
"wesentlich" in diesem Sinne sei, gehe auch daraus hervor, dass die
Entschädigung für die Einräumung der Grunddienstbarkeit von CHF 1 Mio.
nicht einmal 2 % des Verkehrswertes des Grundstücks
(CHF 52'511'000.00) ausmache. Vorliegend kann von einem wesentlichen
Substanzverzehr durch die Grunddienstbarkeit nicht die Rede sein, wird
doch der Wert des Grundstücks durch die Belastung nicht substantiell
beeinträchtigt. Wie die Beschwerdegegnerin 1 zu Recht ausführt, weist die
Belastung des Grundstücks Nr. D._ keine derartige Intensität auf,
die einer Preisgabe wesentlicher oder sogar der hauptsächlichsten
Eigentümerbefugnisse gleichkäme. Die Beschwerdegegnerin 1 geht
zudem auch zu Recht davon aus, dass die Höhe der Entschädigung ein
- 11 -
Indiz dafür darstellt, ob eine wesentliche Beeinträchtigung gegeben ist
(vgl. RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, Kommentar zum Zürcher
Steuergesetz, § 216 Rz. 127). Die Beschwerdeführerin hat dazu nichts
vorgebracht bzw. ihre Vorbringen auch nicht mit Beweisen unterlegt, was
dieser Folgerung entgegenstehen würde. Da damit die Voraussetzungen
von Art. 42 Abs. 2 lit. c StG nicht gegeben sind, ist die ausgerichtete
Entschädigung nicht durch die Grundstückgewinnsteuer zu erfassen, was
denn auch durch die Beschwerdeführerin nicht bestritten wird.
5.2. Kann das Entgelt für die Einräumung einer Grunddienstbarkeit nicht mit
der Grundstückgewinnsteuer erfasst werden, unterliegt es als
Vermögensertrag der Einkommenssteuer gemäss Art. 22 Abs. 2 lit. a StG
bzw. Art. 21 Abs. 1 lit. a DBG (vgl. HÖHN/WALDBURGER, a.a.O., § 41 Rz. 46
und 55; RICHNER/FREI/KAUFMANN/MEUTER, a.a.O., Art. 21 Rz. 63;
RICHNER/FREI/KAUFMANN/ROHNER, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz,
§ 21 Rz. 50 und § 216 Rz. 116; ZWAHLEN/LISSI, a.a.O., Art. 21 Rz. 12;
KLÖTI-WEBER/SIEGRIST/WEBER, Kommentar zum Aargauer Steuergesetz,
3. Aufl., Band 2, Muri-Bern 2009, § 96 Rz. 42; Praxisfestlegung der
Steuerverwaltung Graubünden "Grundstückgewinnsteuer: Wirtschaftliche
Veräusserung und Belastung mit
Dienstbarkeiten/Eigentumsbeschränkungen", Ziff. 2.1.1; vgl. https://www.
gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/
stv/dokumentation/praxis/Grundstückgewinnsteuer/042-02.pdf; zuletzt
besucht am 24. Juni 2021).
5.3. Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, dass das Entgelt ein Ersatz
für den Minderwert des Grundstücks darstelle und deshalb nicht steuerbar
bzw. eine steuerfreie Schadenersatzleistung darstelle, verfängt ihr
Einwand nicht. Wie die Beschwerdegegnerin 1 zu Recht erkannt hat, liegt
eben gerade keine Schmälerung der Vermögenssubstanz vor, da die
Beeinträchtigung der unbeschränkten Bewirtschaftung oder des
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/%20stv/dokumentation/praxis/Grundst%C3%BCckgewinnsteuer/042-02.pdf https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/%20stv/dokumentation/praxis/Grundst%C3%BCckgewinnsteuer/042-02.pdf https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dfg/%20stv/dokumentation/praxis/Grundst%C3%BCckgewinnsteuer/042-02.pdf
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Veräusserungswertes des Grundstücks nicht wesentlich ist und deshalb
zu Recht nicht von der Grundstückgewinnsteuer erfasst wurde. Zumal die
Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde selbst angeführt hat, dass die
Belastung als unwesentlich zu qualifizieren sei, da die
Pflanzenhöhenbeschränkung das Grundstück nur leicht belaste. Nach
herrschender Lehre und Praxis der Beschwerdegegnerin 1 unterliegt das
Entgelt für die Einräumung der Grunddienstbarkeit deshalb der
Einkommensteuer. Überdies trägt im Steuerrecht die
Veranlagungsbehörde grundsätzlich die Beweislast für die
steuerbegründenden und erhöhenden, die steuerpflichtige Person
wiederum jene für die steueraufhebenden und –mindernden Tatsachen
(vgl. BGE 140 II 248 E.3.5). Der Beschwerdeführerin oblag damit der
Nachweis derjenigen Tatsachen, welche die Steuerschuld mindern oder
aufheben (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_16/2015 vom 6. August 2015
E.2.5.4 m.w.H.). Sie hat jedoch vorliegend den Nachweis dafür, dass die
Entschädigung der Abgeltung eines Schadens entspricht, nicht erbracht
und damit die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Da aufgrund des
Gesagten keine steuerneutrale Schadenersatzleistung vorliegt, hat die
Beschwerdegegnerin 1 die Entschädigung über CHF 1 Mio. somit zu
Recht als Einkommen aus unbeweglichem Vermögen besteuert.
6. Die Beschwerdeführerin hat ihren Wohnsitz in C._. Damit ist zu
prüfen, ob das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen dem
Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Republik K._
zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen (DAB) der vollen Besteuerung durch die
Schweiz entgegensteht. Gemäss dem DBA können Einkünfte, die eine in
einem Vertragsstaat ansässige Person aus unbeweglichem Vermögen
(einschliesslich der Einkünfte aus land- und forstwirtschaftlichen
Betrieben) bezieht, das im anderen Vertragsstaat liegt, im anderen Staat
besteuert werden. Das Doppelbesteuerungsabkommen weist das
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Besteuerungsrecht für Einkünfte aus unbeweglichem Vermögen somit
dem Staat zu, in welchem das Grundstück liegt. Folglich ist die
Besteuerung der Entschädigung im Kanton Graubünden bzw. in der
Schweiz nicht zu beanstanden.
7. Aufgrund des Gesagten erweisen sich die angefochtenen
Einspracheentscheide vom 14. Oktober 2020 somit als rechtens, was zur
vollumfänglichen Bestätigung derselben und zur Abweisung der
Beschwerde führt.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gehen die Gerichtskosten gestützt
auf Art. 73 Abs. 1 VRG zulasten der Beschwerdeführerin. Bund, Kanton
und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten
Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein
Anlass.