Decision ID: b69990ea-3a1d-4a64-a08d-4c75cb4a30e8
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 21. Februar 2012 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 3). Am 20. Juli 2010 hatte der Rheumatologe Dr. med.
B._ über ein statisch-myalgisches Wirbelsäulensyndrom der Lendenwirbelsäule
berichtet und festgehalten, dass er dem Versicherten nach einer länger dauernden
Phase mit einer Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent angesichts der hohen
Gewichtsbelastungen am Arbeitsplatz vorübergehend eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit attestiert habe, woraufhin eine Besserung des
Gesundheitszustandes des Versicherten eingetreten sei (IV-act. 4–8 f.). Ein Kreisarzt
der Suva hatte am 9. Dezember 2009 über eine Mittelfuss- und Zehenproblematik
sowie über eine Vierecken-Arthrodese an der linken Hand berichtet (IV-act. 4–6 f.). Am
2. März 2012 teilte der Versicherte mit (IV-act. 8), er habe sich zum Maler und zum
Industrielackierer ausbilden lassen. Allerdings habe er keine Prüfungen abgelegt. In den
letzten 40 Jahren habe er aber immer mit Farben zu tun gehabt. Die Arbeitgeberin des
Versicherten berichtete am 4. April 2012 (IV-act. 18), sie habe diesen seit Juli 2000 als
Spritzlackierer beschäftigt. Aktuell arbeite der Versicherte als Qualitätskontrolleur. Der
Lohn belaufe sich seit dem 1. Januar 2011 auf 59'845 Franken (recte: 80'223 Franken;
vgl. IV-act. 28) pro Jahr. Bei einer Abklärung am Arbeitsplatz gab der Versicherte an
(IV-act. 19), der Wechsel vom Spritzlackierer zum Qualitätskontrolleur sei wegen der
Rückenbeschwerden nach einem Verhebetrauma erfolgt, doch müsse er nach wie vor
häufig schwere Lasten heben und bewegen. Bereits anlässlich eines vorgängig
durchgeführten IV-internen Triagegesprächs hatte ein Arzt des regionalen ärztlichen
Dienstes (RAD) festgehalten, die angestammte Tätigkeit als Qualitätskontrolleur sei
dem Versicherten nicht mehr zumutbar (IV-act. 14). Für eine adaptierte Tätigkeit hatte
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er dagegen eine Arbeitsfähigkeit von 50 Prozent, steigerbar auf 100 Prozent attestiert.
Die Eingliederungsverantwortliche notierte nach der Arbeitsplatzabklärung (IV-act. 19),
dass der Arbeitsplatz erhalten bleiben müsse. Zugleich sei aber eine Umplatzierung
notwendig. Am 21. September 2012 berichtete der Neurochirurg Prof. Dr. med. C._,
dem Versicherten könnten Tätigkeiten mit Gewichtsbelastungen von maximal zehn
Kilogramm im Umfang von 50 Prozent zugemutet werden (IV-act. 22). In Absprache mit
der Arbeitgeberin des Versicherten wurde in der Zeit vom 2. April 2013 bis zum 30. Mai
2013 ein Arbeitsversuch durchgeführt (vgl. IV-act. 36). Für die Dauer dieses
Arbeitsversuchs entrichtete die Invalidenversicherung dem Versicherten ein Taggeld,
das sie direkt an die Arbeitgeberin ausbezahlte, die ihrerseits dem Versicherten
weiterhin den bisherigen Lohn ausrichtete (vgl. IV-act. 40 f.). Am 14. Juni 2013 schloss
die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle die berufliche Eingliederung ab (IV-act.
43). Sie hielt in ihrem Schlussbericht fest, der Versicherte habe das Pensum nie über 50
Prozent steigern können und werde nun zu 50 Prozent weiter beschäftigt. Der Hausarzt
Dr. med. D._ berichtete im September 2013 (IV-act. 51), schwere Tätigkeiten seien
dem Versicherten nicht mehr zumutbar. Für leidensadaptierte Tätigkeiten könne
dagegen eine Arbeitsfähigkeit von etwa 50 Prozent attestiert werden. Allerdings müsse
unbedingt eine fachärztliche Beurteilung veranlasst werden. Am 10. September 2013
berichtete Prof. Dr. C._ (IV-act. 52), er schätze die Arbeitsfähigkeit auf etwa 50
Prozent. Eine zuverlässige Arbeitsfähigkeitsschätzung würde allerdings eine Evaluation
der funktionellen Leistungsfähigkeit voraussetzen. Am 18. November 2013 notierte der
RAD-Arzt Dr. med. E._, die Angaben der behandelnden Ärzte Dres. D._ und C._
seien überzeugend (IV-act. 55). Mit einer Verfügung vom 24. März 2014 sprach die IV-
Stelle dem Versicherten per 1. Oktober 2012 eine halbe Rente der
Invalidenversicherung zu (IV-act. 65).
A.b Am 15. Januar 2015 teilte ein Staatsanwalt der IV-Stelle mit (IV-act. 66), der
Versicherte habe in einer Strafuntersuchung ausgesagt, dass er zu 50 Prozent für die
bisherige Arbeitgeberin tätig sei und daneben noch einen eigenen Laden betreibe. Auf
eine telefonische Nachfrage der IV-Stelle hin führte der Staatsanwalt am 21. Januar
2015 aus (IV-act. 67), es handle sich um einen Antiquitätenhandel. Morgens arbeite der
Versicherte als Angestellter, nachmittags halte er sich von 14 Uhr bis 18.30 Uhr in
seinem Laden auf. Seinen eigenen Angaben zufolge sitze er in erster Linie da und warte
auf Kunden. Die Einkünfte, die sich gemäss den Angaben des Versicherten nach Abzug
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der Miete auf etwa 500–1'000 Franken pro Monat beliefen, habe dieser in den
Steuererklärungen jeweils deklariert. In der Folge forderte die IV-Stelle die
Steuerveranlagungsverfügungen für die Steuerjahre 2009–2013 an (IV-act. 68). Diesen
liess sich entnehmen (IV-act. 69 ff.), dass der Versicherte in jenen Jahren keine
Nebenerwerbseinkünfte deklariert hatte. Am 21. April 2015 erstellte ein Mitarbeiter der
IV-Stelle eine Aktennotiz über einen „Augenschein“ im Verkaufsgeschäft des
Versicherten, der am 20. April 2015 durchgeführt worden war (IV-act. 76). Er notierte,
ihm sei vor allem der rege Betrieb vor dem Laden aufgefallen. Es müsse sich um eine
Art Treffpunkt für Leute handeln, die „offensichtlich nicht oder nicht regelmässig im
Arbeitsprozess integriert“ seien. Im Geschäft habe sich ein junger Mann aufgehalten,
der wohl ein Angestellter des Versicherten sei. Die Auslagen seien teilweise als „Trödel-
Ware“ zu bezeichnen. Der Versicherte biete aber zweifellos auch wertvolle Artikel an,
namentlich Armbanduhren im Wert von 4'000–18'000 Franken. Nur schon die
Tatsachen, dass der Versicherte ein Ladenlokal an guter Lage betreibe und damit ein
unternehmerisches Risiko trage und dass er auch teure Uhren und Sammlerstücke
anbiete, liessen darauf schliessen, dass die selbständige Tätigkeit nicht als Zeitvertrieb
qualifiziert werden könne, sondern einen „wirtschaftlichen Sinn“ ergeben müsse. Bei
der Basler Versicherung hatte der Versicherte eine KMU-Versicherung abgeschlossen.
In der Versicherungspolice (IV-act. 80–27 ff.) waren ein Jahresumsatz von 80'000
Franken im Geschäftsjahr 2013 und eine AHV-Jahreslohnsumme von 40'000 Franken
erwähnt worden (IV-act. 80–30). Anlässlich einer ersten untersuchungsrichterlichen
Einvernahme am 3. November 2014 hatte der Versicherte angegeben, er halte sich
jeweils von 14 Uhr bis 18.30 Uhr in seinem Lokal auf. Arbeit könne man diese Tätigkeit
aber nicht nennen, denn er sitze nur herum und warte auf Kunden, die er dann jeweils
bediene. Er habe diese Nebenerwerbstätigkeit der Invalidenversicherung und dem
Steueramt gemeldet. Nach Abzug der Miete belaufe sich der Ertrag auf etwa 500–1'000
Franken pro Monat. Bei einer weiteren Einvernahme am 19. November 2014 hatte der
Versicherte angegeben, er habe das Geschäftslokal im April oder Mai 2014
übernommen; die meisten Verkaufsgegenstände habe er zusammen mit dem Lokal
übernommen (IV-act. 81–9). Am 1. Mai 2015 gingen der IV-Stelle diverse Unterlagen zu
(IV-act. 86), nämlich ein Mietvertrag betreffend das Ladenlokal (Mietbeginn April 2014),
ein Mietvertrag für einen Einstellraum („Lager“; Mietbeginn 1. Januar 2015), eine
Rechnung für eine schriftliche Werbeanzeige und eine Gegenüberstellung der
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Ausgaben und Einnahmen im Steuerjahr 2014/ 2015, laut der bei einem Umsatz von
rund 43'000 Franken ein Gewinn von rund 500 Franken resultiert hatte. Die Vermieterin
der Lagerräumlichkeit gab am 18. Mai 2015 telefonisch an (IV-act. 87), der Versicherte
habe den Einstellraum erstmals ab dem 1. April 2011 gemietet. Die befristete Mietdauer
sei über den 31. Dezember 2012 und dann über den 31. Dezember 2014 hinaus
verlängert worden (vgl. IV-act. 89 und 91). Am 21. Mai 2015 füllte der Versicherte einen
Fragebogen aus, wobei er angab (IV-act. 94), er betreibe im Sinne einer
Freizeitbeschäftigung einen kleinen Laden. Am 26. Mai 2015 fand ein Standortgespräch
statt, bei dem der Versicherte mitteilte (IV-act. 95), ihm sei nicht bewusst gewesen,
dass er seine Freizeittätigkeit der IV-Stelle hätte melden müssen. Er habe im Oktober
oder November 2013 in einer kleinen Ecke des früheren Geschäfts seine Waren
anbieten können. Ab Mai 2014 habe er dann den ganzen Laden übernommen.
Warenhandel betreibe er aber schon seit seiner Schulzeit. Im Jahr 2011 habe er eine
Lagerräumlichkeit gemietet. Zweimal pro Jahr habe er seine Waren auf dem Flohmarkt
in der Stadt angeboten. Er arbeite nun jeweils von 14 Uhr bis etwa 18 Uhr oder 18.30
Uhr sowie samstags durchgehend von 9 Uhr bis 16.30 Uhr (mit einer Unterbrechung für
eine Mittagspause) in seinem Geschäft. Beim jungen Mann, der in der Aktennotiz über
den „Augenschein“ erwähnt werde, handle es sich um einen Schulkollegen seines
Sohnes. Am 12. Juni 2015 berichtete Dr. D._ über einen unveränderten
Gesundheitszustand (IV-act. 96).
A.c Mit einem Vorbescheid vom 12. September 2015 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie die Aufhebung der Verfügung vom 12. April 2006 (gemeint
wohl: 24. März 2014) und die Abweisung des Rentengesuchs vorsehe (IV-act. 101). Zur
Begründung führte sie aus, der Versicherte habe sein Geschäft am 1. September 2013
und damit während des laufenden ursprünglichen Rentenverfahrens eröffnet, ohne die
IV-Stelle darüber zu informieren. Damit liege eine neue Tatsache vor, die zu einer
(sogenannt prozessualen) Revision der leistungszusprechenden Verfügung zwinge. Bei
einem Valideneinkommen von 80'300 Franken und einem Invalideneinkommen von
38'352 Franken (effektiver, aktueller Lohn) resultiere ein Invaliditätsgrad von 52 Prozent.
Die Berücksichtigung eines Nebenerwerbseinkommens von lediglich 1'900 Franken
habe zur Folge, dass sich der Invaliditätsgrad auf weniger als 50 Prozent reduziere. Bei
einem Nebenerwerbseinkommen von „deutlich über 9'900 Franken“ resultiere kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad. Zwar habe der Versicherte angegeben, sein
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Nebenerwerbseinkommen belaufe sich nur auf 2'500–5'000 Franken pro Jahr. Diese
Angabe sei aber nicht plausibel. Angesichts der im Laden angebotenen Ware und der
beobachteten regen Betriebsamkeit sei zu erwarten, dass der Versicherte ein
Einkommen von mindestens 2'500 Franken pro Monat erziele. Buchhaltungsunterlagen
existierten nicht. Der Versicherte habe angegeben, wöchentlich etwa 30 Stunden im
Laden zu arbeiten. Bereits bei einem „weit unterdurchschnittlichen“ Stundenlohn von
15 Franken würde ein Jahreseinkommen von 20'700 Franken resultieren.
Zusammenfassend könne kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vorliegen, weshalb
die ursprüngliche, rentenzusprechende Verfügung vom 24. März 2014 aufzuheben und
das Rentenbegehren abzuweisen sei. Der Versicherte werde die unrechtmässig
bezogenen Leistungen zurückerstatten müssen. Dagegen wandte der Versicherte am
25. September 2015 ein (IV-act. 103), er leide jeden Tag an Schmerzen. Er habe bei der
IV-Stelle telefonisch nachgefragt, ob er sich ein Ladengeschäft mieten dürfe. Die
Lagerhalle habe er hauptsächlich für seinen Sohn und dessen Kollegen gemietet, die
dort an Autos herumschraubten. Eine Uhr für 18'000 Franken haben er nie im Sortiment
gehabt. Er habe jene Uhr prüfen und schätzen lassen. Der Neuwert habe nur 7'500
Franken betragen. Der Eingabe lag ein Kündigungsschreiben betreffend das Ladenlokal
bei. Am 6. Oktober 2015 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt; sie hob die Verfügung
vom 12. April 2006 (gemeint wohl: 24. März 2014) auf, wies das Rentengesuch ab und
kündigte die Rückforderung der ausgerichteten Rentenleistungen in einer separaten
Verfügung an (IV-act. 105).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) am 26.
Oktober 2015 eine Beschwerde (act. G 1). Er machte geltend, die Verfügung beruhe in
mehrerlei Hinsicht auf falschen Annahmen. Er habe beispielsweise nie einen
Jahresumsatz von 80'000 Franken oder eine Lohnsumme von 40'000 Franken erzielt.
Die Aufnahme der Erwerbstätigkeit habe er einer Frau F._ von der IV-Stelle
(nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) gemeldet. Diesbezüglich habe er zwei
Telefongespräche geführt, die in den Akten vermerkt sein müssten. Die
Nebenerwerbstätigkeit sei eher eine Freizeitbeschäftigung, die er seit mittlerweile 50
Jahren ausübe. Damit verdiene er kaum Geld.
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 7. Januar 2016 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, weder bei ihr noch bei einem
anderen, der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen angegliederten
Sozialversicherungsträger arbeite eine Frau F._. Folglich habe sie, die
Beschwerdegegnerin, keine Kenntnis von der Aufnahme der Nebenerwerbstätigkeit
haben können, weshalb es sich dabei um eine qualifiziert neue Tatsache im Sinne des
Art. 53 Abs. 1 ATSG handle. Der Beschwerdeführer habe bewiesen, dass er aus
medizinischer Sicht ohne Weiteres in der Lage sei, nebst der Verrichtung der
angestammten Tätigkeit im Pensum von 50 Prozent lange Präsenzzeiten im eigenen
Geschäft durchzustehen. Auch wenn er mit seiner Nebenerwerbstätigkeit effektiv nur
wenig verdienen sollte, sei er rein medizinisch betrachtet in der Lage, ein wesentlich
höheres – rentenausschliessendes – Einkommen zu erzielen.
B.c Der Beschwerdeführer hielt am 1. Februar 2016 fest (act. G 6), der
Beschwerdegegnerin wäre es ein Leichtes gewesen, den Namen jener
Sachbearbeiterin zu ermitteln, die seine Meldungen über die Aufnahme einer
Nebenerwerbstätigkeit entgegen genommen habe. Diese sei auch einige Male bei
Gesprächen mit der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers anwesend gewesen. Die
Tätigkeit im eigenen Geschäft könne er sich frei einteilen; grösstenteils sei er nur im
Laden anwesend, ohne wirklich arbeiten zu müssen.
B.d Die Beschwerdegegnerin wies am 17. Februar 2016 bezugnehmend auf eine
Telefonnotiz vom selben Tag (act. G 8 und G 8.1) darauf hin, dass der
Beschwerdeführer nur die Eingliederungsverantwortliche Frau G._ gemeint haben
könne, die aber mit Sicherheit die Erwähnung eines Antiquitätenhandels
ausgeschlossen habe.

Erwägungen
1.
Die Beschwerdeschrift enthält kein spezifisches Rechtsbegehren. Gemäss dem
Wortlaut des Art. 61 lit. b ATSG hätte das Versicherungsgericht dem Beschwerdeführer
deshalb eine angemessene Frist zur Verbesserung der Beschwerdeschrift setzen und
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ihm androhen müssen, dass es ansonsten nicht auf die Beschwerde eintreten werde.
Nun ist das Gericht gemäss dem Art. 61 lit. d ATSG aber gar nicht an die
Parteibegehren gebunden. Im Beschwerdeverfahren sind die Parteibegehren also
weitgehend irrelevant. Ihre Bedeutung beschränkt sich praxisgemäss darauf, dem
Versicherungsgericht einen Eindruck darüber zu verschaffen, worum sich das
Beschwerdeverfahren drehen könnte. Folglich dürfen – gerade bei nicht anwaltlich
vertretenen Beschwerdeführern – keine hohen Anforderungen an die Formulierung der
Rechtsbegehren gestellt werden. Das wäre angesichts der weitgehenden
Bedeutungslosigkeit der Rechtsbegehren im Beschwerdeverfahren überspitzt
formalistisch. Wenn das Bundesgericht zudem sogar so weit geht, die Erklärung des
Beschwerdewillens gegenüber einer unzuständigen Stelle – trotz mehrerer Hinweise
jener Stelle auf ihre Unzuständigkeit – als hinreichende Beschwerde zu qualifizieren, auf
die das Versicherungsgericht einzutreten habe (Urteil des Bundesgerichtes
9C_211/2015 vom 21. September 2015), dürfen auch an den Inhalt einer
Beschwerdeschrift nur minimalste Anforderungen gestellt werden. Es muss
zusammenfassend genügen, wenn der Beschwerdewille erkenntlich ist. Das ist bei der
vorliegenden Beschwerdeschrift der Fall, denn aus ihr geht zweifellos hervor, dass der
Beschwerdeführer aus verschiedenen Gründen mit der nachträglichen Abweisung
seines Rentengesuchs respektive mit der Aufhebung der Rente nicht einverstanden ist.
Auf die fristgerecht erhobene Beschwerde ist deshalb ohne Weiteres einzutreten.
2.
2.1 Bei der angefochtenen Verfügung vom 6. Oktober 2015 handelt es sich eindeutig
um eine sogenannte prozessuale Revisionsverfügung im Sinne des Art. 53 Abs. 1
ATSG. Laut dieser Bestimmung müssen formell rechtskräftige Verfügungen in Revision
gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach
deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren
Beibringung zuvor nicht möglich war. Als „neu“ gelten nicht Tatsachen, die erst nach
dem Erlass der formell rechtskräftigen Verfügung eingetreten sind, denn solchen
nachträglichen Sachverhaltsveränderungen wird mit der Anwendung des Art. 17 Abs. 1
ATSG begegnet. Der Art. 53 Abs. 1 ATSG bezweckt dagegen die Korrektur einer von
Anfang an bestehenden qualifizierten Unrichtigkeit. Folglich muss es sich um
Tatsachen handeln, die im Zeitpunkt des Erlasses der formell rechtskräftigen Verfügung
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bereits bestanden haben, aber damals noch nicht bekannt gewesen sind. Die
Beschwerdegegnerin hat in der Eröffnung respektive Übernahme eines Geschäftslokals
zwecks Beitreibung eines Antiquitätenhandels eine qualifiziert neue Tatsache im Sinne
des Art. 53 Abs. 1 ATSG erblickt. Tatsächlich hat der Beschwerdeführer bereits gegen
Ende des Jahres 2013 einen Teil des Geschäftslokals für seinen Antiquitätenhandel
genutzt. Diese Tatsache hätte die Beschwerdegegnerin vor dem Erlass der
leistungszusprechenden Verfügung vom 24. März 2014 – beispielsweise mittels einer
Rückfrage beim Beschwerdeführer – in Erfahrung bringen können, weshalb es sich
dabei nicht um eine qualifiziert neue Tatsache im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG
handeln kann. Zudem ist für die Bemessung der Invalidität einer versicherten Person in
aller Regel nicht massgebend, wie hoch das effektiv von dieser erzielte
Erwerbseinkommen ist. Laut dem Art. 16 ATSG ist vielmehr entscheidend, was die
versicherte Person durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen
Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Für die Berechnung des Invaliditätsgrades ist es also
völlig unerheblich, ob die versicherte Person ihre zumutbare Resterwerbsfähigkeit voll,
teilweise oder gar nicht verwertet. Die Übernahme eines Geschäftslokals und das
Betreiben eines Antiquitätenhandels haben also den Invaliditätsgrad des
Beschwerdeführers gar nicht beeinflussen können. Folglich kann die
Nebenerwerbstätigkeit nicht für die Beantwortung der Frage, ob die ursprüngliche
leistungszusprechende Verfügung vom 24. März 2014 an einem qualifizierten Mangel
im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG gelitten habe, massgebend sein.
2.2 Allerdings ist der Umstand, dass der Beschwerdeführer nicht nur die von Prof. Dr.
C._, Dr. D._ und dem RAD-Arzt Dr. E._ attestierte zumutbare Arbeitsfähigkeit von
50 Prozent voll ausgenutzt, sondern daneben noch einen eigenen Antiquitätenhandel
betrieben hat, wobei er seinen eigenen Angaben zufolge während rund 30 Stunden pro
Woche im Geschäftslokal anwesend gewesen ist, ein starkes Indiz dafür, dass die für
die ursprüngliche Leistungszusprache in der Verfügung vom 24. März 2014 als
massgebend qualifizierte Arbeitsfähigkeitsschätzung falsch gewesen sein könnte. Die
Frage, ob jene Arbeitsfähigkeitsschätzung allenfalls qualifiziert falsch gewesen sei,
kann allerdings nicht gestützt auf die effektive Ausübung einer selbständigen
Nebenerwerbstätigkeit beantwortet werden, da diese keine ausreichend zuverlässigen
Rückschlüsse auf die massgebende medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit zulässt.
Immerhin erscheint es als plausibel, dass der Beschwerdeführer während seiner
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Anwesenheit im Geschäftslokal mehrheitlich tatsächlich nichts anderes getan hat, als
was er auch zuhause getan hätte, nämlich herumzusitzen, sich gelegentlich zu
bewegen und sich mit Bekannten zu unterhalten. Andererseits hatten sowohl Prof. Dr.
C._ als auch Dr. D._ schon im ursprünglichen Rentenverfahren auf die
Notwendigkeit weiterer medizinischer Abklärungen hingewiesen, was der RAD-Arzt Dr.
E._ dann aber ohne eine überzeugende Begründung als nicht erforderlich erachtet
hat. Für die Beantwortung der Frage nach einer allfälligen Unrichtigkeit der
ursprünglichen Arbeitsfähigkeitsschätzung wäre deshalb also eine weitergehende
medizinische Abklärung unabdingbar gewesen. Diesbezüglich ist das Vorliegen einer
qualifiziert neuen Tatsache im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG aber ausgeschlossen, da
die Beschwerdegegnerin angesichts der Hinweise von Prof. Dr. C._ und Dr. D._
bereits vor dem Erlass der ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügung vom 24.
März 2014 entsprechende Abklärungen hätte tätigen müssen, um den massgebenden
medizinischen Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu erstellen. Auch mit einer neuen medizinischen Abklärung könnte
also kein Revisionsgrund im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG gefunden werden, weshalb
sich die angefochtene Verfügung vom 6. Oktober 2015 jedenfalls als rechtswidrig
erweist. Sie ist deshalb in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.
2.3 Der Beschwerdegegnerin steht es aber selbstverständlich frei, doch noch eine
weitere medizinische Abklärung im Sinne der obigen Ausführungen vorzunehmen und
die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung vom 24. März 2014 gestützt auf
deren Ergebnis gegebenenfalls in Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) zu ziehen.
Das gehört aber nicht zum Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens, sondern müsste
Teil eines noch zu eröffnenden Wiedererwägungsverfahrens bilden.
3.
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten von 600 Franken der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Dem Beschwerdeführer wird der
von ihm geleistete Kostenvorschuss von 600 Franken selbstverständlich
zurückerstattet.