Decision ID: c2234b2f-5a2f-527d-abc3-6889f5eb8502
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Donnerstag, 18. Dezember 2008, lenkte X den Personenwagen "Opel Vectra"
um 07.15 Uhr in Altstätten auf der Bahnhofstrasse mit einer Geschwindigkeit von 40 -
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45 km/h in Richtung Bahnhof. Dabei übersah er einen Fussgänger, der beim
Klosterguet, wo es einen Fussgängerstreifen gibt, die Strasse von links nach rechts
überquerte. Der Fussgänger wurde vom Personenwagen erfasst und zu Boden
geschleudert. Er erlitt dabei schwerste Verletzungen (schwere Hirnschädigung und
diverse Brüche im rechten Bein). Am Personenwagen wurden die Stossstange
beschädigt, die Motorhaube vorne rechts sowie die rechte A-Säule leicht eingedrückt
und die Frontscheibe durchschlagen.
B.- Das Untersuchungsamt Altstätten verurteilte X mit Strafbescheid vom 15.
Dezember 2009 wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu einer bedingten
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 90.-- und zu einer Busse von Fr. 1'400.--. Mit
Verfügung vom 22. Februar 2010 entzog ihm das Strassenverkehrsamt den
Führerausweis wegen Verursachens eines Verkehrsunfalls zufolge Missachtens des
Vortrittsrechts eines Fussgängers im Bereich eines Fussgängerstreifens für die Dauer
von drei Monaten.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 5. März
2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom 22. Februar
2010 aufzuheben und ein Führerausweisentzug von höchstens einem Monat
auszusprechen. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung. Auf die
Ausführungen zur Begründung der Rechtsbegehren wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 5. März 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
bis
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2.- Im Rekurs wird eine Verletzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz geltend
gemacht. Die angefochtene Verfügung gehe mit keinem Wort auf die rechtlichen
Argumente in der Stellungnahme vom 18. Februar 2010 ein.
Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101) als persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des Betroffenen
tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung
berücksichtigt. Die Behörde ist grundsätzlich verpflichtet, ihren Entscheid zu
begründen. Der Bürger soll wissen, warum entgegen seinem Antrag entschieden
wurde. Die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass der Betroffene den
Entscheid gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn
sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheides
ein Bild machen können. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr
Entscheid stützt. Das bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrücklich mit jeder
tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand auseinandersetzen
muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte
beschränken (vgl. BGE 126 I 97 E. 2b mit Hinweisen; Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP).
Die Vorinstanz hält in der angefochtenen Verfügung den Stellungnahmen des
Rechtsvertreters entgegen, mit dem Schuldspruch wegen fahrlässiger schwerer
Körperverletzung werde die Gefährdung der allgemeinen Verkehrssicherheit und die
konkrete Gefährdung der verletzten Person abgegolten. Sowohl die Widerhandlung
gegen die Verkehrsvorschriften als auch die fahrlässige schwere Körperverletzung
seien selbständige Straftatbestände, von denen jeder unabhängig vom andern erfüllt
werden könne. Im vorliegenden Fall sei die Körperverletzung aufgrund einer
Widerhandlung gegen die Verkehrsvorschriften erfolgt. Demnach schliesse die
strafrechtliche Verurteilung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung auch
diejenige wegen Gefährdung ein. Der Rekurrent habe wichtige Verkehrsbestimmungen
in objektiv schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet.
Die Vorinstanz hat damit zur Unterscheidung zwischen Straf- und Gefährdungsdelikt
Stellung genommen und ausgeführt, dass von einem schweren Verschulden und einer
ernstlichen Gefährdung der Verkehrssicherheit ausgegangen werde. Der Rekurrent
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wusste somit, womit er sich bei der allfälligen Ergreifung eines Rechtsmittels
auseinanderzusetzen hatte. Es war ihm ohne weiteres möglich, den Rekurs
sachgerecht zu begründen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist nicht ersichtlich.
3.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
4.- Gestützt auf den rechtskräftigen Strafbescheid ist davon auszugehen, dass der
Rekurrent am 18. Dezember 2008, um 07.15 Uhr, auf der Bahnhofstrasse in Altstätten
im Bereich eines Fussgängerstreifens einen Fussgänger übersehen, diesen mit seinem
Fahrzeug erfasst, zu Boden geschleudert und ihm schwerste Verletzungen zugefügt
hat. Dies wird im Rekurs nicht bestritten.
5.- Gemäss Art. 33 Abs. 2 SVG hat der Fahrzeugführer vor Fussgängerstreifen
besonders vorsichtig zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern den
Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im Begriffe sind, ihn
zu betreten. Art. 6 Abs. 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV)
konkretisiert die Pflichten des Fahrzeuglenkers dahingehend, dass er vor
Fussgängerstreifen ohne Verkehrsregelung jedem Fussgänger, der sich bereits auf dem
Streifen befindet oder davor wartet und ersichtlich die Fahrbahn überqueren will, den
Vortritt gewähren muss. Er muss die Geschwindigkeit rechtzeitig mässigen und
nötigenfalls anhalten, damit er dieser Pflicht nachkommen kann.
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Im Rekurs wird angeführt, im Rahmen der Strafuntersuchung habe nicht festgestellt
werden können, wo genau der Fussgänger über die Strasse gesprungen sei.
Vermutlich habe dieser auf den vor dem Fussgängerstreifen liegenden Fussweg zur
Oberrieterstrasse gelangen wollen. Dies und der Endstandort des Fahrzeugs des
Rekurrenten liessen den Schluss zu, dass sich die Kollision vor dem
Fussgängerstreifen ereignet habe. Dabei fällt auf, dass der Rekurrent erst behauptete,
die Kollision mit dem Fussgänger habe sich vor dem Fussgängerstreifen ereignet,
nachdem er einen Verteidiger beigezogen hatte. Gegenüber der Polizei gab der
Rekurrent noch an, die Kollision sei ca. 20-30 Meter nach dem Fussgängerstreifen
erfolgt. Sein Fahrzeug kam aber bereits 10,7 Meter nach dem Ende des
Fussgängerstreifens zum Stillstand. Ob der Fussgänger sich bei der Überquerung
genau auf dem Fussgängerstreifen oder etwas daneben befand, ist nicht entscheidend,
da im gesamten Bereich eines Fussgängerstreifens erhöhte Aufmerksamkeit geboten
ist. Im Weiteren ist aufgrund der rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung davon
auszugehen, dass der Fussgänger die Strasse auf dem Fussgängerstreifen überquerte.
Mit der im Strafurteil verwendeten Formulierung "im Bereich des Fussgängerstreifens"
ist örtlich unmittelbar beim, d.h. auf dem Fussgängerstreifen gemeint. Dies wird auch
durch die Skizze im Polizeirapport bestätigt. Zudem gab die Auskunftsperson, welche
in die gleiche Richtung fuhr wie der Rekurrent und diesem in einem Abstand von ca. 50
m folgte, zu Protokoll, dass der Fussgänger die Strasse beim markierten
Fussgängerstreifen ("unmittelbar beim Fussgängerstreifen") überquerte (vgl. act. 8/1).
Indem der Rekurrent mangels ausreichender Aufmerksamkeit den Fussgänger, der sich
bereits auf dem Fussgängerstreifen befand, nicht wahrnahm und seine Fahrt
unterbrach, um ihm das Vortrittsrecht zu gewähren, hat er Art. 33 Abs. 2 SVG in
Verbindung mit Art. 6 Abs. 1 VRV schuldhaft verletzt.
b) Die Vorinstanz hat die Verkehrsregelverletzung als schwere Widerhandlung
qualifiziert und dem Rekurrenten den Führerausweis gestützt auf Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG entzogen.
Der Rekurrent erachtet die Widerhandlung demgegenüber als mittelschwer. Er
beantragt zur Unfallsituation und zum Schuldvorwurf eine Amtsauskunft des
zuständigen Untersuchungsrichters des Untersuchungsamts Altstätten einzuholen.
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Dieser habe eine geringe und unbewusste Fahrlässigkeit festgestellt. Damit liegen
keine grobe Verkehrsregelverletzung und keine schwere Widerhandlung vor.
c) Der Strafrichter hat den Rekurrenten einzig der fahrlässigen schweren
Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR
311.0), und nicht auch gestützt auf eine Strafnorm des Strassenverkehrsrechts,
schuldig gesprochen. Verwirklicht sich die Gefahr und wird eine Person durch den
Verkehrsregelverstoss verletzt, konsumiert das Erfolgsdelikt das
strassenverkehrsrechtliche Gefährdungsdelikt. Mit der Bestrafung wegen fahrlässiger
Körperverletzung wird die durch die Verletzung der entsprechenden Verkehrsregel
geschaffene Gefährdung der allgemeinen Verkehrssicherheit und die Gefährdung der
verletzten Personen abgegolten, weshalb in einem solchen Fall nur Art. 125 StGB zur
Anwendung kommt. Echte Idealkonkurrenz zwischen Art. 90 SVG und Art. 125 StGB ist
nur gegeben, wenn neben der getöteten oder verletzten Person eine oder mehrere
weitere Personen konkret gefährdet werden. Stellt eine verletzte Person keinen
Strafantrag oder verzichtet sie darauf, so bleibt in Bezug auf die begangene konkrete
Gefährdung für Leib und Leben das Offizialdelikt des Art. 90 SVG anwendbar (vgl. zum
Ganzen: A. Donatsch [Hrsg.], StGB-Kommentar, 18. Auflage, Zürich 2010, N 3 zu Art.
125 StGB; Urteil des Bundesgerichts 6S.628/2001 vom 20. November 2001, E. 2a mit
Hinweisen; BGE 91 IV 211). Da der Rekurrent durch die Verkehrsregelverletzung
abgesehen vom verletzten Fussgänger, dessen Verletzungen schwer waren und das
Ereignis deshalb von Amtes wegen verfolgt wurde, keine weiteren Personen
gefährdete, hat der Strafrichter zu Recht von einer zusätzlichen Verurteilung des
Rekurrenten wegen Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 SVG abgesehen.
Im Strafverfahren ging der Untersuchungsrichter beim subjektiven Tatbestand der
schweren Körperverletzung von einer geringen und unbewussten Fahrlässigkeit aus.
Den subjektiven Tatbestand des Verkehrsgefährdungdelikts konnte er offen lassen (vgl.
oben). Im vorliegenden Verfahren ist diese Frage zu beantworten. Die Unfallsituation
ergibt sich genügend klar aus den Akten, weshalb auf die beantragte Amtsauskunft des
Untersuchungsrichters zu verzichten ist.
d) Gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer durch
grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer
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hervorruft oder in Kauf nimmt. Der Gesetzgeber hat den Wortlaut von Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG gänzlich dem Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 SVG angeglichen. Art. 90 Ziff. 2
SVG ist objektiv erfüllt, wenn der Täter eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv
schwerwiegender Weise missachtet und die Verkehrssicherheit abstrakt oder konkret
gefährdet hat. Subjektiv erfordert der Tatbestand, dass dem Täter aufgrund seines
rücksichtslosen oder sonst wie schwerwiegend regelwidrigen Verhaltens zumindest
eine grobe Fahrlässigkeit vorzuwerfen ist. Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
anderer im Sinn von Art. 90 Ziff. 2 SVG ist bereits bei einer erhöhten abstrakten
Gefährdung gegeben. Die erhöhte abstrakte Gefahr setzt die naheliegende Möglichkeit
einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (vgl. BGE 123 II 106 E. 2a und 37
E. 1b). Grobe Fahrlässigkeit ist immer dann zu bejahen, wenn der Täter sich der
allgemeinen Gefährlichkeit seiner krass verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Sie
kann aber auch vorliegen, wenn er die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen
Fällen bedarf jedoch die Annahme grober Fahrlässigkeit einer sorgfältigen Prüfung. Sie
wird nur zu bejahen sein, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer ebenfalls auf Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders
vorwerfbar ist (vgl. BGE 118 IV 283 E. 4). Die Annahme einer schweren Widerhandlung
bedarf damit nach wie vor sowohl einer qualifizierten objektiven Gefährdung als auch
eines qualifizierten Verschuldens. Ist das Verschulden gross, die Gefährdung aber
gering oder umgekehrt das Verschulden gering und die Gefährdung gross, so handelt
es sich um eine mittelschwere Widerhandlung (BBl 1999 S. 4489).
aa) Bei Art. 33 Abs. 2 SVG handelt es sich um eine zentrale Verkehrsvorschrift; deren
Missachtung führt regelmässig zu schweren Unfällen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6A.80/2006 vom 24. Januar 2007, E. 3.3). Der Fussgänger zog sich bei der Kollision
schwerwiegende Verletzungen zu. Die vom Rekurrenten verursachte Gefährdung wiegt
schwer. Dies wird im Rekurs nicht bestritten.
bb) Zu prüfen bleibt das Verschulden. Der Rekurrent fuhr von der Post in Richtung
Bahnhof. Die Entfernung von der Post bis zum Fussgängerstreifen auf der Höhe
Klostergut beträgt ca. 250 Meter. Es ist eine gerade Strecke und der
Fussgängerstreifen ist auf der rechten Strassenseite ordnungsgemäss mit der Tafel
"Standort eines Fussgängerstreifens (Signalisationsverordnung, SR 741.21, abgekürzt:
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SSV, Anhang 2, 4.11) signalisiert. Am Unfallmorgen war die Fahrbahn nass, es gab
aber keine Niederschläge. Um 07.15 Uhr war es noch dunkel. Die durchgehende
künstliche Strassenbeleuchtung war eingeschaltet. Der ortskundige Rekurrent fuhr
gemäss eigenen Angaben mit einer Geschwindigkeit von 40-45 km/h. Er hat den
Fussgänger auf dem Fussgängerstreifen bis zum Aufprall nicht gesehen, obwohl der
Fussgängerstreifen aufgrund der langen geraden Strasse für ihn bereits von weitem
sichtbar war. Es muss daher davon ausgegangen werden, dass er dem
Fussgängerstreifen keinerlei Beachtung geschenkt hat. Da gerade innerorts und zu
einer Zeit, zu welcher viele Personen zur Arbeit und damit zum Bahnhof unterwegs
sind, mit Fussgängern zu rechnen ist und der fragliche Fussgängerstreifen ordentlich
signalisiert war, hätte der Rekurrent seine Aufmerksamkeit in besonderem Mass auf
allfällige Fussgänger richten müssen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_377/2007 vom
6. Februar 2008, E. 2.6). Dass es noch dunkel und die Strassen nass, die
Sichtverhältnisse also ungünstig waren, hätte den Rekurrenten erst recht zu einer
erhöhten Vorsicht und besonderen Aufmerksamkeit anhalten müssen. Da der
Fussgänger den Fussgängerstreifen von links nach rechts überquerte und erst kurz vor
dem rechten Fahrbahnrand vom Fahrzeug des Rekurrenten erfasst wurde, ist im
Weiteren davon auszugehen, dass der Rekurrent schon während einiger Zeit
unaufmerksam gewesen sein muss (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6A.78/2006
vom 28. Dezember 2006, E. 2). Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass die
Fahrzeugführerin hinter dem Personenwagen des Rekurrenten den Fussgänger auf
dem Fussgängerstreifen trotz grösserer Entfernung gesehen hat (vgl. Aussage
gegenüber der Polizei, act. 8/1).
Der Fahrzeugführer hat die Pflicht, vor Fussgängerstreifen besonders vorsichtig und
aufmerksam zu fahren. Hätte der Rekurrent sein Augenmerk auf das ganze
Verkehrsgeschehen und damit auch auf den Fussgängerstreifen gerichtet, hätte er den
Fussgänger aufgrund der örtlichen Verhältnisse rechtzeitig bemerken müssen und
angemessen reagieren können. Es genügt für die Annahme einer groben Fahrlässigkeit,
dass der Rekurrent in einer momentanen Unachtsamkeit nicht bedachte, mit seiner
Unaufmerksamkeit Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer zu gefährden,
namentlich der vortrittsberechtigten Fussgänger, mit denen er auf einem
Fussgängerstreifen rechnen musste (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_402/2009 vom
17. Februar 2010, E. 4.4). Der Rekurrent war in hohem Masse unaufmerksam und hat
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damit seine erhöhte Vorsichtspflicht verletzt. Dadurch hat er elementare Sorgfaltsregeln
in schwerer Weise missachtet. Sein Fehlverhalten ist deshalb als rücksichtslos und
grobfahrlässig einzustufen. Das Verschulden wiegt demnach schwer und der
Tatbestand des Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ist damit auch in subjektiver Hinsicht erfüllt.
6.- Schliesslich ist die von der Vorinstanz verfügte Dauer des Entzugs des
Führerausweises von drei Monaten zu prüfen.
a) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer schweren
Widerhandlung mindestens für drei Monate entzogen.
b) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von drei
Monaten entzogen. Da das Gesetz eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer
ausschliesst (Art. 16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände
wie eine berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten auf das Führen eines
Motorfahrzeugs (vgl. zum früheren Recht SJZ 97/2001 S. 524 f.) oder den
automobilistischen Leumund zu prüfen. Die verfügte Entzugsdauer von drei Monaten
ist damit nicht zu beanstanden.
7.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- erscheint
angemessen (vgl. Art. 13 Ziff. 522 des Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.