Decision ID: bf89e5d7-0087-5c18-8112-cc93d7d86189
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2013 unter Hinweis auf "geschwollene Beine, Knie, Fuss,
Zehen, Rücken (Bandscheibe), linke Hand geschwollen, beide Arme, rechte Hüfte" zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Sie gab als "erlernten
Beruf" Hausfrau an. Der Hausarzt Dr. med. B._, Allgemeinmedizin FMH, berichtete
am 19. August 2013 (IV-act. 11), die Versicherte habe nie gearbeitet. Infolge von LWS-
Schmerzen sei sie "rein theoretisch" seit dem 22. März 2013 zu 100% arbeitsunfähig.
Er legte mehrere medizinische Berichte bei, insbesondere einen Bericht von Dr. med.
Z._, Facharzt für Rheumatologie FMH, vom 10. Juli 2013 (IV-act. 11-12), auf welchen
er hinsichtlich der Befunde und Diagnosen verwies. Dr. Z._ hatte darin die Diagnosen
eines chronischen Schmerzsyndroms, einer Periarthropathia genu bds., einer
Grosszehengrundgelenkarthrose rechts und einer unklaren Beinschwellung bds.
angegeben. Im Fragebogen zu den Einschränkungen im Haushalt gab die Versicherte
am 17. Februar 2014 an (IV-act. 13), ihr Ehemann verrichte praktisch sämtliche
Arbeiten. Am 17. März 2014 teilte Dr. B._ die folgenden Diagnosen mit: Chronisch
rezidivierendes "lumb." Schmerzsyndrom, Gonarthrose bds., PHS rechte Schulter, DD
Impingement, V.a. Lipödem Beine bds., "aktuell ... li" (Anmerkung: nicht lesbar),
Adipositas, arterielle Hypertonie (IV-act. 14). Er gab an, auch bei einer leichten Tätigkeit
sei die Versicherte infolge der multiplen Beschwerden kaum mehr arbeitsfähig. Für die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit empfehle sich eine Abklärung durch einen Facharzt.
Nachdem Dr. med. C._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) am 8. Mai 2014
festgehalten hatte (IV-act. 15), seines Erachtens sei die Versicherte aufgrund der in den
medizinischen Berichten enthaltenen Angaben in körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeiten vollständig arbeitsfähig, teilte die IV-Stelle mit einem
Vorbescheid vom 22. Mai 2014 mit (IV-act. 20), sie sehe vor, das Rentengesuch
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abzuweisen. Am 9. Juli 2014 verfügte die IV-Stelle entsprechend ihrem Vorbescheid
(IV-act. 22). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hiess eine dagegen
erhobene Beschwerde teilweise gut. Es hob die angefochtene Verfügung vom 9. Juli
2014 auf und wies die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle zurück. Es hielt
fest, in den medizinischen Berichten hätten Hinweise auf verschiedene relevante
Gesundheitsbeeinträchtigungen vorgelegen, denen die IV-Stelle nicht nachgegangen
sei. Insbesondere verwies es auf einen Bericht des D._ vom 31. Dezember 2010,
welcher einen Hinweis auf eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung enthalten
habe. Im Weiteren führte es aus, dass die Versicherte im fiktiven "Gesundheitsfall" als
vollerwerbstätige Hilfsarbeiterin zu qualifizieren sei (Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. April 2015, IV 2014/400, IV-
act. 36). Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
B.
Am 21. Juni 2015 berichtete Dr. B._ (IV-act. 42), die Versicherte leide an einem
lumbospondylogenen Schmerzsyndrom, Polyarthrosen (v.a. Knie) und einer Adipositas.
Die Beschwerden seien seit Jahren zunehmend. Er legte zwei Berichte bei: Fachärzte
der Y._ hatten am 2. Februar 2015 die Diagnosen eines chronischen lumbo- und
zervikospondylogenen Schmerzsyndroms bei degenerativen Veränderungen und
muskulärer Dysbalance, einer Knie TP rechts 23.10.2014 bei Gonarthrose, Arthralgien
(Schulter, Ellbogen, Hände) bei Arthrose und muskulärer Dysbalance, einer arteriellen
Hypertonie, einer Adipositas und einer Hypovitaminose D mitgeteilt. Fachärzte der
E._ hatten am 11. Mai 2015 über einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom
19. März 2015 bis 15. April 2015 berichtet. Sie hatten im Wesentlichen dieselben
Diagnosen wie im Bericht der Y._ vom 2. Februar 2015 angegeben. Zusätzlich hatten
sie Lip- und Lymphödeme bds. diagnostiziert. Sie hatten ausgeführt, die Versicherte
habe sich von Anfang an motiviert gezeigt und die Therapieeinheiten kognitiv gut
umsetzen können. Die Schmerzsymptomatik habe nicht wesentlich beeinflusst werden
können. Bei initial ausgeprägter, muskulärer Insuffizienz, Dysbalance und starker
allgemeiner Dekonditionierung habe sich keine messbare Kräftigung der
Körpermuskulatur gezeigt. In ihrem Alltag habe sich die Versicherte dennoch aktiv und
mobil gezeigt.
B.a.
Der RAD-Arzt Dr. C._ notierte am 28. Juli 2015 (IV-act. 45), gemäss dem
Entscheid des Versicherungsgerichts sollte eine gutachterliche Abklärung der
B.b.
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Leistungsfähigkeit der Versicherten in den Disziplinen Orthopädie und Psychiatrie
erfolgen.
Am 23. und 28. September 2015 wurde die Versicherte von der F._ bidisziplinär
(orthopädisch und psychiatrisch) untersucht. Im Gutachten vom 30. Oktober 2015
gaben die Sachverständigen als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine geringe anteromediale Instabilität rechtes Kniegelenk nach Knie-TEP-Implantation
am 23. Oktober 2014 und eine medial und retropatellar betonte Gonarthrose links an.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie: Allgemeine
Dekonditionierung bei Adipositas (BMI 36.4 kg/m ), geringes zervikales
Schmerzsyndrom beidseits ohne radikuläre Reizung, geringes lumbales
pseudoradikuläres Schmerzsyndrom beidseits ohne radikuläre Reizung,
Beinschwellung beidseits, DD: Lipödem, Lymphödem, Heberden- und Bouchard-
Arthrose beidseits, rechts betont, bei Polyarthrose, Tendovaginitis stenosans De
Quervain links, Verdacht auf Epicondylitis humeri radialis links, Senk-Spreiz-Plattfuss
beidseits (IV-act. 50-8). Die orthopädische Sachverständige Dr. G._ führte aus
(orthopädisch-/traumatologisches Teilgutachten vom 29. September 2015, IV-
act. 50-21 ff.), die klinischen und radiologischen Befunde erklärten gelegentliche
belastungsabhängige Schmerzen im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule
aufgrund der Haltungsinsuffizienz, der fehlenden muskulären Konditionierung und der
mässigen degenerativen Veränderungen, jedoch nicht in dem von der Versicherten
geschilderten Ausmass. Für die fehlende Demonstration der groben Kraft der linken
Hand fehle jegliches Korrelat. Die eingeschränkt demonstrierte Fingerstreckung sei
schmerzbedingt mit dem Verdacht auf das Vorliegen einer Tendovaginitis stenosans de
Quervain und einer Epicondylitis humeri radialis links vereinbar. Passend dazu sei die
Angabe von Spritzen alle drei Monate im Bereich des linken Ellenbogens, die
vorübergehend eine Linderung bringen würden. Für das Tragen der
Handgelenksorthese links bestehe bei einem regelrechten Befund und einer
Beweglichkeit des linken Handgelenks keine Indikation. Für die angegebenen
Schmerzen im rechten Arm bei der Retroversion fehle jegliches Korrelat bzw. bestehe
eine Inkonsistenz zwischen den Angaben der Versicherten und dem klinischen Befund.
Die Beweglichkeit beider Schultergelenke sei nahezu identisch. In Bezug auf das rechte
Knie habe sich eine geringe anteromediale Instabilität des Kniegelenks bei einer guten
B.c.
2
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Beweglichkeit mit einer Kniegelenksprothese gefunden. Dies erkläre jedoch nicht das
betont langsame Gangbild mit einer Unterarmgehstütze rechts aufgrund einer Un
sicherheit im rechten Kniegelenk, da eine Unterarmgehstütze rechts nur eine
Entlastung des linken Kniegelenks bedinge. Im Vergleich mit dem linken Kniegelenk
bestehe mit einer 100° Beugung eine Einschränkung der Beweglichkeit des rechten
Kniegelenks sowie eine leichte Instabilität, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
für Tätigkeiten im Knien und in der Hocke sowie auf Leitern bedinge. Die medial und
retropatellär betonte Gonarthrose links vermindere zudem die Belastbarkeit der
Versicherten bei längerem Stehen und Gehen. Die permanent auftretenden massiven
Schmerzen im Bereich der linken Grosszehe hätten nicht nachvollzogen werden
können. Der Senk-Spreiz-Plattfuss beidseits stelle keine die Arbeitsfähigkeit
einschränkende Diagnose dar. Insgesamt bestünden erhebliche Diskrepanzen
zwischen den angegebenen Schmerzstärken und den dazugehörigen klinischen
Befunden. Passend dazu sei, dass sämtliche von der Versicherten angegebenen
notwendigen Schmerzmittel im Blut nicht nachweisbar gewesen seien (siehe das
psychiatrische Gutachten), also nicht eingenommen würden. Zusammengefasst ergebe
sich für die Tätigkeit der Versicherten als Hausfrau eine Einschränkung von 20-30%
ohne eine zeitliche Einschränkung. Dies entspreche schätzungsweise dem Anteil der
Tätigkeiten im Haushalt, die mit einem Knien, einem Hocken, einem auf Leitern Steigen
oder einem längeren Stehen und Gehen verbunden seien. Unter Beachtung des
Belastungsprofils, also leichte bis gelegentlich mittelschwere wechselbelastende
Tätigkeiten ohne kniebelastende Zwangshaltungen, ohne Steigen auf Leitern und
Gerüste sowie ohne repetitives Treppensteigen und unter Vermeidung von ständigem
ungünstigem Witterungseinfluss, bestehe für jedwede Verweistätigkeiten keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Retrospektiv habe während der stationären
Behandlungen und Rehabilitationsmassnahmen sowie postoperativ für ca. sechs
Monate nach der Implantation der Knie-TEP rechts eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestanden. Danach sei in der Tätigkeit als Hausfrau von einer Arbeitsunfähigkeit von
20-30% auszugehen. Unter Beachtung des formulierten Belastungsprofils sei für die
vorgenannten Zeitangaben eine volle Arbeitsunfähigkeit sowie sechs Monate nach der
Implantation der Knie-TEP rechts eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit zu postulieren. Die psychiatrische Sachverständige Dr. H._
erklärte (psychiatrisches Teilgutachten vom 8. Oktober 2015, IV-act. 50-29 ff.), die
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Versicherte sei bewusstseinsklar und zu den Qualitäten von Raum, Zeit, Person sowie
der Begutachtungssituation voll orientiert gewesen. Die Beschwerdeschilderung sei
häufig unpräzis gewesen. Hier hätten auch Inkonsistenzen bestanden. Die Versicherte
habe häufig angegeben, sich an Daten oder Begebenheiten nicht erinnern zu können,
habe aber an anderer Stelle ähnlich gelagerte Fakten problemlos referieren können. Die
Versicherte habe durchgehend aufmerksam und konzentriert gewirkt. Der
Spannungsbogen habe während des gesamten Gesprächs gehalten werden können.
Bei erheblichen subjektiv angeführten mnestischen Störungen hätten sich objektiv
keine Einschränkungen des Lang- und Kurzzeitgedächtnisses oder der Merkfähigkeit
gefunden. Formale oder inhaltliche Denkstörungen seien nicht erkennbar gewesen.
Sprache, Wortwahl, Artikulation und Modulation des Redeflusses seien auch nach
Auskunft der Übersetzerin normal gewesen. Die Ich-Funktion sei ungestört gewesen,
krankhafte Persönlichkeitsmerkmale hätten nicht vorgelegen. Die Willens- und
Antriebsbildung habe keine krankhaften Beeinträchtigungen gezeigt. Mimik, Gestik und
körperlicher Gesamtausdruck hätten im Bereich der Norm gelegen. Bei der
Beschwerdeschilderung habe die Versicherte zwischenzeitlich geweint. Ansonsten
habe eine ausgeglichene, gut schwingungsfähige Affektlage ohne depressive
Auslenkung bestanden. Die angegebenen Medikamente (unter anderem Trazodon
[Trittico] und Duloxetin [Cymbalta]) seien im aktuellen Spiegel nicht nachweisbar
gewesen. In der Beurteilung hielt Dr. H._ fest, die psychiatrische Vorgeschichte sei
unauffällig. Auch aktuell würden keine störungsspezifischen psychischen Symptome
referiert. Die Versicherte klage im Wesentlichen über Beeinträchtigungen und
Schmerzen im Bereich des Bewegungsapparats. Diese würden im orthopädischen
Gutachten ausführlich gewürdigt. Sie klage zudem über Schlafstörungen. Diese fussten
aber ebenfalls auf nächtlichen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Weder auf
der Symptomebene noch im psychiatrischen Befund liessen sich Psychopathologika
objektivieren. Eine psychiatrische Morbidität könne nicht diagnostiziert werden. Das
Schmerzerleben werde nicht durch psychopathologische Faktoren moduliert. Die
Arbeitsfähigkeit sei in der bisherigen Tätigkeit als Hausfrau auf dem psychiatrischen
Fachgebiet uneingeschränkt. In einer Verweistätigkeit bestehe ebenfalls eine
vollständige Arbeitsfähigkeit. Retrospektiv bestehe weder nach den vorliegenden
Unterlagen noch nach den Angaben der Versicherten ein Anhalt für eine längerfristige,
höhergradige Arbeitsunfähigkeit auf dem psychiatrischen Fachgebiet. In der
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Konsensbeurteilung gaben Dres. G._ und H._ an (IV-act. 50-8 ff.), für die Tätigkeit
als Hausfrau sei die Versicherte mit voller Arbeitszeit und 70-80%iger Leistung
arbeitsfähig. Unter Beachtung des formulierten Belastungsprofils bestehe für jedwede
Verweistätigkeit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Retrospektiv habe während
der stationären Behandlungen und Rehabilitationsmassnahmen sowie postoperativ für
ca. sechs Monate nach der Implantation der Knie-TEP rechts eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Danach werde von einer Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit von 20-30% für die Tätigkeit als Hausfrau ausgegangen. Unter
Beachtung des formulierten Belastungsprofils sei für die vorgenannten Zeitangaben
eine volle Arbeitsunfähigkeit sowie sechs Monate nach der Implantation der Knie-TEP
rechts eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten zu postulieren.
Der RAD-Arzt Dr. C._ notierte am 11. November 2015 (IV-act. 51), auf das
Gutachten könne abgestellt werden.
B.d.
Mit einem Vorbescheid vom 4. Januar 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 0% die Abweisung des Begehrens um eine
Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 57). Am 30. März 2016 reichte der Rechtsvertreter
der Versicherten einen Austrittsbericht der E._ vom 15. März 2016 ein (IV-act. 60). Er
machte geltend, aus dem Bericht gingen Symptome hervor, welche die Ausführungen
im Gutachten vom 30. Oktober 2015 widerlegten. Es sei festgestellt worden, dass ein
depressives Zustandsbild bestehe, welches durch eine beginnende Demenz verstärkt
werde. Die Versicherte sei in der I._ angemeldet worden. Er beantrage das Abwarten
des entsprechenden Berichts. Fachärzte der E._ hatten am 15. März 2016 über eine
stationäre Behandlung vom 22. Februar 2016 bis 18. März 2016 berichtet (IV-act. 61).
Sie hatten folgende Diagnosen angegeben: Fibromyalgie, mittelschwere Demenz
unklarer Ätiologie mit/bei MMST 18/30, bei vorwiegend Gedächtnis- und
Auffassungsproblemen, zeitlichen und räumlichen Orientierungsproblemen und bei
depressiven Symptomen, chronisches panvertebrales Syndrom, belastungsabhängige
Knieschmerzen beidseits mit/bei St. n. Knie TEP rechts 10/2014 im Rahmen einer
Gonarthrose beidseits, Polyarthrose der Schulter/Ellenbogen, Knie und Hand links,
arterielle Hypertonie, Adipositas per magna. Die Fachärzte hatten ausgeführt, eingangs
habe sich die Versicherte nicht nur dekonditioniert und schmerzbedingt reduziert,
sondern auch in einem depressiven Zustandsbild präsentiert. Sie sei psychosomatisch
B.e.
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mit einer Übersetzung betreut worden. Hierbei habe sich vordergründig ein
demenzielles Zustandsbild unklarer Ätiologie gezeigt. Die neuropsychologischen
Testungen hätten ein MMST von 18/30 mit Defiziten vor allem im Gedächtnis-,
Auffassungs- und Orientierungsbereich ergeben. In der häuslichen Umgebung scheine
die Problematik durch den Ehemann gut kompensiert zu sein. Im stationären Bereich
sei die Problematik aber durch anhaltende Orientierungsprobleme aufgefallen. Die
Beinkraft habe gesteigert und das Gangbild verbessert werden können. Am 12. August
2016 beantragte der Rechtsvertreter der Versicherten (IV-act. 65), dieser sei die
Gelegenheit zu geben, eine neutrale Gutachterstelle vorzuschlagen, welche die Frage
der Arbeitsfähigkeit abkläre. Zur Begründung machte er geltend, die psychiatrische
Gutachterin habe ihre Erkenntnis nicht aufgrund eines direkten Gesprächs, sondern
mittelbar aufgrund der Übersetzungen geschöpft. Der unmittelbare Eindruck, der für
eine psychiatrische Beurteilung zentral sei, habe damit gefehlt. Dieses Vorgehen sei
mangelhaft. Es sei bekannt, dass sich Personen aus X._ bezüglich psychischer
Störungen kaum dazu durchringen könnten, solche zuzugeben, weil dies als Makel der
Persönlichkeit angesehen werde. Dies treffe auch auf die Versicherte zu.
Am 14. November 2016 ging bei der IV-Stelle ein Bericht der W._ vom 7. Juni
2016 ein (IV-act. 71). Die Fachärzte hatten die folgenden Diagnosen mitgeteilt:
Ausgeprägte kognitive Defizite, a.e. im Rahmen einer depressiven Entwicklung,
zusätzlich mögliche Anteile einer vaskulären Demenz, mittelgradige depressive Episode
mit Panikattacken (ICD-10 F32.1), chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41), chronisches lumbo- und zervikospondylogenes
Schmerzsyndrom, Polyarthrose (Schulter, Knie, Ellbogen, Hände), Knie TP rechts
23.10.2014 bei Gonarthrose, arterielle Hypertonie, Adipositas, Hypovitaminose D. Die
Fachärzte hatten ausgeführt, die Versicherte habe von vielen verschiedenen
Schmerzen am gesamten Körper und am Kopf berichtet. Sie habe angegeben, oft
nervös und traurig zu sein, viel zu weinen und vieles zu vergessen. Zu etwaigen
kognitiven Defiziten habe sie keine Auskünfte geben können. Selbstständig einkaufen
würde sie praktisch nicht. Auf die Frage, ob sie koche, habe die Versicherte praktisch
keine Auskunft geben können. Offensichtlich bestehe eine Inkontinenz. Zum
neurologischen Untersuchungsbefund hatten sie angegeben, die Versicherte sei zu
sämtlichen Qualitäten unscharf oder nicht orientiert gewesen (sie habe ihren Namen
B.f.
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gewusst, nicht sicher aber das Geburtsdatum, sie habe die Stadt gewusst, aber nicht
sicher, dass sie sich im Spital befinde). Im Gespräch habe sie leidend und ausgeprägt
verlangsamt gewirkt. Es hätten Aspekte eines depressiven Syndroms, eine Adynamie
und eine fragliche leichtgradige Armparese links bestanden. Am 25. Mai 2016 sei eine
neuropsychologische Testung und am 26. Mai 2016 seien eine MRI-Untersuchung des
Neurocranium, Laboruntersuchungen und eine Liquordiagnostik durchgeführt worden.
Klinisch-neurologisch habe sich eine fragliche leichtgradige Armparese links bei sonst
fehlenden wegweisenden pathologischen Befunden gezeigt. Die kranielle MRT habe
eine mässige vaskuläre Leukencephalopathie gezeigt. Liquordiagnostisch hätten sich
keine Auffälligkeiten ergeben; die Befunde der neurodegenerativen Marker stünden
noch aus. In der neuropsychologischen Testung hätten sich in fast allen Bereichen
mittelschwere bis schwere Defizite gezeigt, die jedoch keinem typischen Muster eines
klassischen demenziellen Syndroms entsprochen hätten, sondern am ehesten der
schweren Antriebsminderung und Verlangsamung zuzuschreiben sein dürften. Die
Befundkonstellation wäre mit einem subkortikalen Demenzmuster im Sinne einer
vaskulären Leukenzephalopathie vereinbar; die Ausprägung der kognitiven Defizite
entspreche jedoch einem mittelschweren bis schweren demenziellen Syndrom, was mit
dem verhältnismässig noch gut erhaltenen Funktionsniveau im Alltag nicht vereinbar
sei. Auch wenn sich hier deutliche Einschränkungen hätten eruieren lassen, so scheine
die Versicherte doch noch in der Lage zu sein, verschiedene Alltagsaktivitäten
selbstständig und in Eigeninitiative zu verrichten (kleine Einkäufe, Kochen, Telefonieren,
Benutzung eines Natels). Zusammenfassend hätten sich diskordante Ergebnisse zum
offensichtlich alltäglichen Funktionsniveau ergeben. Hinweise auf eine
(neurodegenerative) Demenz bestünden nicht. Im Kontakt bestehe der Eindruck eines
ausgeprägten depressiven Syndroms. Am ehesten sei von durchaus ausgeprägten
kognitiven Defiziten im Rahmen einer depressiven Störung auszugehen.
Differentialdiagnostisch bzw. zusätzlich komme eine beginnende vaskuläre Demenz mit
ausgeprägten affektiven (depressiven) Anteilen in Betracht.
Der RAD-Arzt Dr. C._ notierte am 9. Dezember 2016 (IV-act. 72), wie bereits im
Gutachten vom 30. Oktober 2015 hätten sich bei der neurologischen Abklärung im
W._ deutliche Hinweise auf Inkonsistenzen ergeben. Eine Demenz sei als nicht
wahrscheinlich beschrieben und motivationelle Faktoren seien nicht ins Kalkül gezogen
B.g.
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C.
worden. Die neurologischerseits gestellte psychiatrische Diagnose gebe es im ICD-10
nicht. Aus dem Bericht könne keine Änderung des Gesundheitszustands mit einer
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit im Vergleich zur Situation, die dem Gutachten
zugrunde gelegen habe, abgeleitet werden.
Mit einer Verfügung vom 6. Februar 2017 wies die IV-Stelle das Begehren um eine
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 0% ab (IV-act. 74).
B.h.
Die Versicherte liess eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Februar 2017
erheben (IV-act. 75). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Sistierung des Verfahrens bis
zur Beendigung der Komplextherapie am W._ und dem Ergebnis der Abklärungen
der I._. Eventuell sei eine halbe Rente, eventuell eine Viertelsrente zuzusprechen. Zur
Begründung machte er geltend, es sei befremdend, wenn die Vorinstanz entscheide,
ohne das Ergebnis der Therapie und der Abklärungen der I._ abzuwarten. Das
Versicherungsgericht sistierte das Verfahren am 14. März 2017 (IV-act. 76). Am 27. Juni
2017 liess die Versicherte den Bericht der W._ vom 7. Juni 2016 sowie einen Bericht
der V._ vom 19. April 2017 einreichen (IV-act. 81-6). Fachpersonen der I._ der
V._ hatten berichtet, sie hätten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige depressive Episode, ein chronisches Schmerzsyndrom und eine
Adipositas diagnostiziert. Der Ehemann der Versicherten habe angegeben, dass sich
seit ca. vier Jahren Veränderungen in den Gedächtnisleistungen der Versicherten
bemerkbar gemacht hätten. Seit ca. einem Jahr hätten sich die Symptome deutlich
verschlechtert. Aus neuropsychologischer Sicht bestünden bei der Versicherten
insgesamt schwere kognitive Funktionsstörungen. Der MMS-Score betrage 18/29, im
Uhrentest erreiche die Versicherte vier von sieben möglichen Punkten. Im Vordergrund
stünden Beeinträchtigungen im mnestischen und sprachlichen Bereich. Das kognitive
Störungsmuster sei am ehesten gemischter Genese. In der Beurteilung hielten sie
zudem fest, in der kranialen MRI-Untersuchung vom 26. Mai 2016 hätten sich mehrere
leichte Mikroangiopathien gezeigt. Ein Nachweis einer Hirnatrophie habe sich nicht
ergeben. Fremdanamnestisch und während der Untersuchung hätten sich einige
Hinweise auf eine Depression gezeigt. Es sei davon auszugehen, dass die schweren
kognitiven Funktionsstörungen durch die rezidivierenden depressiven Episoden
C.a.
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D.
verursacht seien. Die kognitiven Defizite könnten erst nach einer konsequenten
psychiatrischen Behandlung weiter eingeordnet werden. Eine Anmeldung im U._ sei
erfolgt.
Der RAD-Arzt Dr. C._ notierte am 15. August 2017 (IV-act. 85), im Vergleich zur
Situation, die dem Gutachten vom 30. Oktober 2015 zugrunde gelegen habe, sei im
April 2017 eine mittelschwere depressive Störung beschrieben worden; allerdings
scheine es sich nicht um eine fachärztlich-psychiatrisch gestellte Diagnose zu handeln.
Er empfahl, beim U._ einen Bericht einzuholen.
C.b.
Die IV-Stelle widerrief am 23. August 2017 die Verfügung vom 6. Februar 2017 (IV-
act. 90). Ein Telefonat mit dem U._ vom 28. August 2017 ergab, dass die Versicherte
dort nicht bekannt war (IV-act. 91). Am 27. September 2017 schrieb das
Versicherungsgericht das Beschwerdeverfahren als gegenstandslos ab (IV 2017/107,
IV-act. 96).
C.c.
Der Hausarzt Dr. B._ berichtete am 9. Oktober 2017 (IV-act. 98), der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich verschlechtert. Insgesamt hätten die
Schmerzen zugenommen; auch der psychische Zustand habe sich verschlechtert. Die
Versicherte sei in der Psychiatrie in J._ in Behandlung. Er legte einen
Aufnahmebericht des K._ vom 14. Februar 2017 und einen Bericht der Y._ vom
29. März 2017 bei (IV-act. 98-9, 98-14). Eine Fachärztin des K._ hatte mitgeteilt, bei
der Versicherten handle es sich um eine Patientin mit Symptomen einer depressiven
Erkrankung, akustischen Halluzinationen sowie deutlichen kognitiven Defiziten, die
aktuell am ehesten im Rahmen der depressiven Erkrankung zu erklären seien und
differentialdiagnostisch zusätzlich mögliche Anteile einer vaskulären Demenz haben
könnten. Fachärzte der Y._ hatten angegeben, die Versicherte sei vom 28. Februar
2017 bis 14. März 2017 zur multimodalen Schmerztherapie hospitalisiert gewesen. Sie
nannten folgende Diagnosen: Chronisches Schmerzsyndrom mit psychischen und
somatischen Faktoren, Gonarthrose links, panvertebrales Syndrom, PHS rechts bei
degenerativen Veränderungen, ausgeprägte kognitive Defizite, Polyarthrose (Schulter,
Knie, Ellbogen, Hände), Knie TP rechts 23.10.2014 bei Gonarthrose, kardiovaskuläre
Risikofaktoren (arterielle Hypertonie, Adipositas). Der Rechtsvertreter der Versicherten
D.a.
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teilte am 3. Februar 2018 mit (IV-act. 103), die Versicherte sei im U._ in Behandlung.
Ein Telefonat mit U._ am 23. April 2018 ergab, dass die Versicherte vor ca. einem
Jahr lediglich einmal dort in Behandlung gewesen war (IV-act. 106). Am 15. Juni 2018
berichtete der Hausarzt Dr. B._ über einen stationären Gesundheitszustand (IV-
act. 107). Er gab an, die Diagnosen seien unverändert zum Bericht der Y._ vom
29. März 2017. Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 50-100%. Er legte einen
Bericht der W._ vom 6. April 2018 bei (IV-act. 107-5). Fachärzte hatten darin die
Diagnose eines moderaten Carpaltunnelsyndroms links genannt.
Gestützt auf eine Besprechung zwischen dem RAD-Arzt Dr. C._, einem
Rechtsdienstmitarbeiter und einem Sachbearbeiter vom 4. Juli 2018 (IV-act. 108) teilte
die IV-Stelle dem Rechtsvertreter der Versicherten am 29. August 2018 mit (IV-
act. 115), dass eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung notwendig sei und dass Dr.
med. L._ von der F._ damit beauftragt werde. Zusatzfragen könnten bis
10. September 2018 eingereicht werden. Der Rechtsvertreter teilte der F._ am
6. Oktober 2018 mit, dass er an der Begutachtung teilnehmen wolle. Die F._
antwortete ihm, dass ein Gutachter im Einzelfall entscheiden könne, ob er dies für
erforderlich halte. Vorliegend sei dies nicht der Fall (vgl. die E-Mail-Korrespondenz vom
6./8. Oktober 2018, IV-act. 118).
D.b.
Am 17. Oktober 2018 wurde die Versicherte durch Dr. L._ von der F._
psychiatrisch abgeklärt. Im Gutachten vom 28. November 2018 gab Dr. L._ als
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine gemischte Demenz (Alzheimer
und vaskulär, ICD-10 F00.2) und eine organische depressive Störung (ICD-10 F06.32)
an. Eine Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er nicht (IV-
act. 119-12). Dr. L._ erklärte (IV-act. 119-8 ff.), die sprachliche Verständigung sei
über eine Dolmetscherin erfolgt und ausreichend gegeben gewesen. Die Versicherte sei
zurückhaltend, aber ausreichend kooperativ gewesen. Sie habe im Erstkontakt hilf- und
ratlos gewirkt. Sie habe die Fragen offen und ohne erkennbare Vorbehalte, aber oft mit
einer verzögerten Antwortlatenz beantwortet. Sie habe Schwierigkeiten gehabt, das
Explorationsgeschehen durchgehend aufmerksam zu verfolgen. Sie sei zur Person
unzureichend, zeitlich nicht, örtlich unsicher und situativ wechselhaft orientiert
gewesen. Formalgedanklich sei sie träge, einförmig und streckenweise depressiv
gehemmt gewesen. Eindeutige Hinweise auf Halluzinationen hätten nicht vorgelegen;
D.c.
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allerdings habe sie zweimal vor sich hingemurmelt. Die Versicherte habe
Schwierigkeiten beim Abruf von Informationen (Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis)
gehabt. Die Antriebslage sei deutlich zum negativen Pol verschoben und aspontan
gewesen. In der emotional-affektiven Schwingungsfähigkeit habe die Versicherte nicht
über das gesamte Ausdrucksspektrum verfügt. Die Urteils- und Kritikfähigkeit seien
beeinträchtigt gewesen; die Versicherte sei nicht vollständig handlungsfähig gewesen.
Im Mini-Mental-Status-Test (MMST) habe sie 10 von maximal 30 Punkten und im
Uhrentest nach Shulman habe sie 3 von maximal 6 Punkten erreicht. Die
Blutkonzentration des Antidepressivums Duloxetin habe im Referenzbereich gelegen.
Fremdanamnestisch sei der Ehemann der Versicherten befragt worden. Dieser habe
mitgeteilt, er müsse immer bei der Versicherten sein. Die Versicherte könne nicht
alleine einkaufen gehen, da sie alles vergesse. Bei der Körperpflege benötige sie
Unterstützung. Harninkontinenz komme vor. In der Küche vergesse sie Sachen auf
dem Kochherd. Sie koche nicht mehr allein, helfe aber beim Kochen durch
Kommentare. Sie habe nur einen Hausarzt. Sie rede in der Regel nicht spontan. Ab und
zu führe sie Selbstgespräche. Ihr jetziger Zustand bestehe seit vier bis fünf Jahren.
Dr. L._ hielt fest, es stehe ausser Zweifel, dass ein depressives Syndrom vorliege.
Dafür sprächen die ausgeprägte dynamische Reduktion im Affekt, Antrieb und Denken.
Hierzu passten auch die häufigen "weiss ich nicht" Antworten der Versicherten. Diese
stellten vor dem Hintergrund des depressiven Syndroms eine sogenannte depressive
Pseudodemenz dar. Andererseits lägen kognitive Störungen vor, die in ihrem Ausmass
nicht ausreichend durch das depressive Syndrom erklärbar seien. In diesem
Zusammenhang sei insbesondere die zeitliche Orientierungsstörung zu nennen. Auch
das Ergebnis der beiden Demenz-Screening-Tests sei mit einer Depression nicht
ausreichend erklärbar. Vor allem die Fehler in der Visuokonstruktion und in der Praxie
(siehe Uhrentest) liessen in der Zusammenschau mit den anderen kognitiven
Beeinträchtigungen, die nicht ausschliesslich oder überhaupt depressiogen sein
könnten, an eine demenzielle Entwicklung denken. Hierzu passten auch die
fremdanamnestischen Angaben, wonach die Versicherte in den Aktivitäten des
täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen sei. Das Symptompattern und die Kenntnis des
MRT-Befundes aus dem Jahre 2016 (mässige vaskuläre Leukenzephalopathie) liessen
am ehesten an eine gemischte Ätiologie – Alzheimer und vaskuläre Komponente
(chronische Durchblutungsstörung der hirnversorgenden Gefässe) – denken. Somit
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ergäben sich das Bild einer demenziellen Entwicklung und dasjenige einer Depression.
Nun könnten verschiedene Erklärungsmodelle diskutiert werden. Aus gutachterlicher
Sicht werde, auch unter Berücksichtigung der bisher ausgebliebenen Wirkung der
antidepressiven Medikation, eine Kombination aus einer Demenz und einer
organischen Depression favorisiert. In der Beurteilung gab Dr. L._ an, es liege ein
Rückzug aus sozialen Bereichen vor, der krankheitsbedingt zu verstehen sei. Das
unmittelbare soziale Umfeld sei intakt. Äusserst irritierend sei, dass die Versicherte
nicht neurologisch/psychiatrisch betreut werde. Offensichtlich habe die bisherige
antidepressive Medikation keinen durchgreifenden Effekt gezeigt. Dieser
Behandlungsansatz müsse ergänzt oder modifiziert werden. In Bezug auf die
Konsistenz hielt er fest, es bestehe eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen. Die Versicherte habe ihre
Autonomie weitgehend verloren und sei auf Unterstützung angewiesen.
Bemerkenswert sei, dass bereits im F._-Gutachten vom 30. Oktober 2015 häufige
Schwierigkeiten der Versicherten angegeben worden seien, sich an Daten oder
Begebenheiten zu erinnern, wobei diese an anderer Stelle offenbar problemlos hätten
referiert werden können. Bisher seien die kognitiven Defizite vor dem Hintergrund der
Depression interpretiert worden. Allerdings sei nicht nachvollziehbar, dass z.B. im
Bericht der V._ vom 19. April 2017 von rezidivierenden depressiven Episoden die
Rede sei. Diese liessen sich anamnestisch, fremdanamnestisch und
aktenanamnestisch nicht verifizieren. Vielmehr handle es sich um ein chronisches
depressives Syndrom. Immerhin sei im Bericht der W._ vom 7. Juni 2016 die
Überlegung angestellt worden, dass zusätzlich eine vaskuläre Demenz vorliegen
könnte. Dies könne nach der aktuellen Exploration bestätigt werden. Vor diesem
Hintergrund würden auch die seinerzeit festgestellten neuropsychologischen Defizite in
fast allen Bereichen nachvollziehbar. Das damals noch verhältnismässig gut erhaltene
Funktionsniveau im Alltag sei aktuell nicht mehr vorhanden. Die Ressourcen der
Versicherten seien erheblich eingeschränkt und für ein selbstständiges Leben nicht
mehr ausreichend. Die fremdanamnestischen Angaben, wonach die Versicherte seit
vier bis fünf Jahren an den aktuellen Beeinträchtigungen leide, seien unzutreffend. Im
Rahmen der Begutachtung im Jahr 2015 seien diese nicht festgestellt worden. Aber
bereits ein Jahr später (Mitte 2016) sei von ausgeprägten kognitiven Defiziten
gesprochen worden und auch die Depression scheine mittelschwer vorgelegen zu
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E.
haben. Es sei davon auszugehen, dass es seitdem zu einer schrittweisen
Verschlechterung der psychischen und kognitiven Funktionen gekommen sei. Dr. L._
attestierte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Hausfrau sowie in
adaptierten Tätigkeiten. Er gab an, retrospektiv dürften die kognitiven
Beeinträchtigungen seit Anfang 2016 vorliegen. Bereits wenig später seien diese als
ausgeprägt eingeschätzt und eine mittelschwere Depression sei diagnostiziert worden.
Es sei davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit seit Anfang 2016 praktisch
aufgehoben sei.
Der RAD-Arzt Dr. C._ schlug am 11. Dezember 2018 vor, auf das
Verlaufsgutachten abzustellen (IV-act. 120).
D.d.
Mit einem Vorbescheid vom 24. Januar 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Abweisung des Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht (IV-act. 123). Zur
Begründung gab sie an, die F._ habe am 30. Oktober 2015 ein Gutachten erstattet.
Am 6. Februar 2017 sei das Leistungsbegehren aufgrund einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten abgewiesen worden. Nachdem die
Verfügung widerrufen worden sei, sei eine Verlaufsbegutachtung erfolgt. Gemäss dem
Gutachten der F._ vom 28. November 2018 liege eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit seit Anfang 2016 (1. Januar 2016) vor. Der Beginn des Wartejahres
sei per 1. Januar 2016 anzusetzen, nachdem die angestammte Tätigkeit im Gutachten
vom 30. Oktober 2015 noch mit 70-80% beurteilt worden sei (adaptiert 100%). Damit
sei keine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% während eines Jahres ausgewiesen.
Die Abklärungen bei der zuständigen Ausgleichskasse hätten ergeben, dass die
Versicherte seit dem 1. Juni 2016 eine AHV-Altersrente beziehe. Damit sei das
Wartejahr nicht erfüllt und das Gesuch um Rentenleistungen werde abgewiesen. Die
Versicherte liess dagegen keinen Einwand erheben. Mit einer Verfügung vom 11. März
2019 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 126).
D.e.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) liess am 11. April 2019 eine
Beschwerde gegen die Verfügung vom 11. März 2019 erheben (act. G 1). Ihr
Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer
ganzen Rente. Eventualiter sei eine halbe Rente, subeventualiter eine Viertelsrente
E.a.
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zuzusprechen. Zudem beantragte er die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und Rechtsverbeiständung und einer Frist zur Nachreichung einer
Begründung. Zur Begründung machte er geltend, Dr. L._ habe seine Praxis in T._
und sei eigens für die Untersuchung in die Schweiz eingeflogen worden. Er habe
verlangt, bei der Untersuchung anwesend zu sein, was ihm durch die F._ nicht
bewilligt worden sei. Er habe weiter verlangt, Ergänzungsfragen stellen zu können. Dies
sei nicht möglich gewesen, weil der Gutachter nach der Untersuchung wieder nach
Deutschland zurückgekehrt sei. Die F._ habe – wie von ihm verlangt – eine
Übersetzerin beigezogen. Diese habe mit der Beschwerdeführerin aber nicht gehörig
kommunizieren können und dementsprechend seien verschiedene Fragen nicht
verstanden worden. Er rüge dieses Vorgehen sowohl bezüglich der Übersetzung wie
auch des Gutachters. Es sei schleierhaft, weshalb eine Person mit Praxis in T._ für
die Begutachtung beigezogen werde. Weiter werde beanstandet, dass keine
Möglichkeit bestanden habe, dem Gutachter Fragen zu stellen. Am 24. Mai 2019
reichte er eine Beschwerdeergänzung ein (act. G 5). Er hielt an den gestellten Anträgen
fest. Zusätzlich beantragte er die Abnahme der von ihm beantragten Beweise.
Ergänzend machte er geltend, Dr. L._ habe einseitig und kritiklos auf die Angaben im
Gutachten vom 30. Oktober 2015 abgestellt. Es sei eine Tatsache, dass Personen aus
X._ die Frage, ob sie psychisch krank seien, deutlich verneinten. Dies sei ihm bei
diversen Gesprächen mit der Beschwerdeführerin aufgefallen. Dabei sei schon im Jahr
2015 eine schwere Depression auch für Laien feststellbar gewesen. Ihre äusserst
melancholische Grundstimmung sei auch der Umgebung, namentlich dem Ehemann
und dem Sohn aufgefallen. Der Ehemann und der Sohn seien als Zeugen zu befragen.
Auch dem Hausarzt Dr. B._ sei aufgefallen, dass bei der Beschwerdeführerin schon
im Sommer 2015 ein schweres psychisches Leiden vorhanden gewesen sei. Bei
Dr. B._ sei ein ergänzender Bericht einzuholen.
Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 25. Juli 2019 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 9). Zur Begründung verwies sie auf die Verfügung,
die Stellungnahme Fachbereich und die RAD-Stellungnahmen. In der Stellungnahme
des Fachbereichs vom 21. Juni 2019 hatte ein Sachbearbeiter festgehalten (IV-
act. 134), bei der vorliegenden Aktenlage (vgl. das Gutachten vom 30. Oktober 2015)
E.b.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 11. März 2019
einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin verneint. Sie hat dies damit begründet,
dass das Wartejahr bis zum Zeitpunkt des AHV-Rentenbezugs am 1. Juni 2016 nicht
erfüllt gewesen sei. Strittig ist somit, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
eine Invalidenrente hat.
2.
sei in keiner Weise nachvollziehbar, dass bereits im Jahr 2015 eine schwere
Depression vorgelegen haben solle (keine Behandlung, keine Medikation).
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege wegen fehlender Prozessarmut am 17. September 2019
(formlos) ab (act. G 14).
E.c.
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Replik (vgl. act. G 16).E.d.
Am 20. Januar 2021 bat das Versicherungsgericht die Beschwerdegegnerin um
die Zustellung der AHV-Rentenverfügung der Beschwerdeführerin (act. G 17). Am
8. Februar 2021 sandte die Beschwerdegegnerin die AHV-Rentenverfügung vom
4. April 2016 zu. Gemäss dieser Verfügung bezog die Beschwerdeführerin seit dem
1. Juni 2016 eine AHV-Rente (act. G 18, 18.1).
E.e.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40% invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende
oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG,
SR 830.1). Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/27
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3.
Die Beschwerdeführerin hat sich im Juni 2013 zum Leistungsbezug angemeldet.
Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG kann ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs
Monaten nach der Anmeldung, vorliegend also am 1. Dezember 2013, entstehen. Da
ein Rentenanspruch mit der Entstehung des Anspruchs auf eine Altersrente der Alters-
und Hinterlassenenversicherung erlischt und da die Beschwerdeführerin seit dem
1. Juni 2016 eine AHV-Rente bezieht (act. G 18.1), ist im Folgenden lediglich zu prüfen,
ob die Beschwerdeführerin in der Zeit vom 1. Dezember 2013 bis zum 31. Mai 2016
einen Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
4.
Das Versicherungsgericht hat im Entscheid vom 9. April 2015 festgehalten, die
Beschwerdeführerin wäre im fiktiven "Gesundheitsfall" zu 100% als Hilfsarbeiterin
erwerbstätig (IV 2014/400, E. 1.2, IV-act. 36). Die Beschwerdegegnerin hat dies zu
Recht als verbindliche Vorgabe im Sinne von Art. 56 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP, sGS 951.1) interpretiert und die Beschwerdeführerin in
der Folge als Vollerwerbstätige eingestuft (vgl. die am 23. August 2017 widerrufene
Verfügung vom 6. Februar 2017, IV-act. 74). In der angefochtenen Verfügung vom
11. März 2019 hat die Beschwerdegegnerin nur deshalb keinen Einkommensvergleich
vorgenommen, weil sie den Rentenanspruch mit der Begründung, das Wartejahr sei bis
zum Zeitpunkt des AHV-Rentenbezugs nicht erfüllt gewesen, verneint hat.
Anhaltspunkte dafür, dass sich an der finanziellen Situation der Beschwerdeführerin
und damit an der Notwendigkeit, im fiktiven "Gesundheitsfall" zu 100% erwerbstätig zu
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.2.
Ein Rentenanspruch erlischt mit der Entstehung des Anspruchs auf eine
Altersrente der Alters- und Hinterlassenenversicherung oder mit dem Tod des
Berechtigten (Art. 30 IVG).
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/27
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sein, etwas geändert hätte, bestehen nicht. Die Beschwerdeführerin ist also nach wie
vor als Vollerwerbstätige einzustufen. Da sie keinen Beruf erlernt hat, besteht die
Validenkarriere in einer Tätigkeit als Hilfsarbeiterin.
5.
Um das zumutbare Invalideneinkommen ermitteln zu können, muss der
verbliebene Arbeitsfähigkeitsgrad der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Die Beschwerdegegnerin hat dazu die
F._ im Jahr 2015 mit der Erstellung eines bidisziplinären (orthopädischen und
psychiatrischen) Gutachtens und im Jahr 2018 mit der Erstellung eines psychiatrischen
Verlaufsgutachtens beauftragt. Strittig und im Folgenden zu prüfen ist, ob den beiden
Gutachten voller Beweiswert zukommt, das heisst, ob es die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
belegt.
5.1.
Ein Gutachten hat vollen Beweiswert, wenn es für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (BGE
125 V 352 E. 3a). Notwendig ist zudem, dass die psychiatrischen Gutachter die vom
Bundesgericht in Bezug auf anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und
vergleichbare psychosomatische Leiden geschaffenen und später auf alle psychischen
Erkrankungen, insbesondere auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen,
anwendbar erklärten Standardindikatoren berücksichtigt haben (vgl. BGE 141 V 281;
143 V 409 und 143 V 418).
5.2.
5.3.
In einem ersten Schritt ist zu prüfen, ob die Einwände des Rechtsvertreters der
Beschwerdeführerin Zweifel am Beweiswert des psychiatrischen Teilgutachtens von
Dr. H._ vom 8. Oktober 2015 wecken. Er hat geltend gemacht, Dr. H._ habe ihre
Erkenntnis nicht aus einem direkten Gespräch, sondern mittelbar aus den
Übersetzungen geschöpft. Der unmittelbare Eindruck, der für eine psychiatrische
Beurteilung zentral sei, habe damit gefehlt. Bekannt sei, dass sich Personen aus dem
X._ bezüglich psychischer Störungen kaum dazu durchringen könnten, solche
zuzugeben, weil dies als Makel der Persönlichkeit angesehen werde. Dies treffe auch
auf die Beschwerdeführerin zu. Betreffend die Übersetzung des Gesprächs ist
5.3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/27
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festzuhalten, dass diese durch eine professionelle Übersetzerin erfolgt ist (IV-
act. 50-26). Anhaltspunkte dafür, dass bei der Übersetzung Schwierigkeiten
aufgetreten wären, bestehen nicht. Im Weiteren bestehen auch keine Anhaltspunkte
dafür, dass sich die Beschwerdeführerin aufgrund des Beizugs einer professionellen
Übersetzerin gegenüber Dr. H._ nicht hätte öffnen können und dadurch eine lege
artis durchzuführende psychiatrische Begutachtung nicht möglich gewesen wäre. Zu
berücksichtigen ist auch, dass für eine psychiatrische Beurteilung nicht nur die
verbalen, sondern auch die nonverbalen Äusserungen relevant sind. Dr. H._ hat also
durchaus einen unmittelbaren Eindruck gewinnen können. Die Behauptung des
Rechtsvertreters, dass sich Personen aus dem X._ kaum dazu durchringen könnten,
psychische Störungen zuzugeben, lässt sich nicht belegen. Im Übrigen wäre damit
nicht erstellt, dass dies auch auf die Beschwerdeführerin zutreffen würde. Die
Einwände des Rechtsvertreters wecken damit keine Zweifel am Beweiswert des
psychiatrischen Teilgutachtens vom 8. Oktober 2015 und damit am Gutachten der
F._ vom 30. Oktober 2015.
Im Folgenden ist das Gutachten vom 30. Oktober 2015 auf seinen Beweiswert zu
prüfen. Dr. H._ und die orthopädische Sachverständige Dr. G._ haben umfassende
Kenntnis von den Vorakten gehabt und diese gewürdigt. Sie haben die
Beschwerdeführerin persönlich untersucht, die subjektiven Klagen aufgenommen und
die erhobenen objektiven Befunde im Gutachten wiedergegeben. Dr. G._ hat als die
Arbeitsfähigkeit einschränkende Diagnosen eine geringe anteromediale Instabilität des
rechten Kniegelenks nach einer Knie-TEP-Implantation am 23. Oktober 2014 sowie
eine medial und retropatellar betonte Gonarthrose links genannt. Den weiteren im
Gutachten aufgeführten Diagnosen hat sie keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zugemessen. Dr. G._ hat insbesondere auf erhebliche Diskrepanzen zwischen den
angegebenen Schmerzstärken und den dazugehörigen klinischen Befunden
hingewiesen. Auch sind sämtliche von der Beschwerdeführerin angegebenen
Schmerzmittel im Blut nicht nachweisbar gewesen. In Anbetracht der objektiv
festgestellten Bewegungseinschränkung des rechten Knies und der verminderten
Belastbarkeit des linken Knies ist das von ihr formulierte Belastungsprofil (leichte bis
gelegentlich mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten ohne kniebelastende
Zwangshaltungen, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste sowie ohne repetitives
Treppensteigen und unter Vermeidung von ständigem ungünstigem Witterungseinfluss)
überzeugend. Ebenso überzeugt die Attestierung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit
für adaptierte Tätigkeiten. Ob die Berichte des Y./W._ vom 29. März 2017 (IV-act. 98)
und vom 6. April 2018 (IV-act. 107), worin die im Gutachten vom 30. Oktober 2015
5.3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/27
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nicht aufgeführten Diagnosen eines PHS rechts bei degenerativen Veränderungen und
eines moderaten Carpaltunnelsyndroms links genannt worden sind, eine relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustands mit einem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
belegen, kann offengelassen werden. Diese Berichte betreffen nämlich einen Zeitraum,
als die Beschwerdeführerin bereits eine AHV-Rente bezogen hat und damit ein
allfälliger Anspruch auf eine Invalidenrente ohnehin erloschen wäre. Retrospektiv hat
Dr. G._ während der stationären Behandlungen und Rehabilitationsmassnahmen
sowie postoperativ für ca. sechs Monate nach der Implantation der Knie-TEP rechts
am 23. Oktober 2014 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Anschliessend hat
in einer dem formulierten Belastungsprofil angepassten Tätigkeit eine vollständige
Arbeitsfähigkeit bestanden. Zur Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten für die Zeit
vor dem 23. Oktober 2014 hat sich Dr. G._ nicht explizit geäussert; eine stationäre
Behandlung hat lediglich im Dezember 2010 im D._ stattgefunden (IV-act. 11-7). Bei
einer sorgfältigen Interpretation ihrer Angaben ist jedoch davon auszugehen, dass
Dr. G._ nur gemeint haben kann, dass damals eine vollständige Arbeitsfähigkeit in
adaptierten Tätigkeiten bestanden hat. Dr. G._ hat sich nämlich primär zu den
Zeiträumen geäussert hat, in welchen eine Arbeitsunfähigkeit bestanden hat; e
contrario hat in den übrigen Zeiträumen eine vollständige Arbeitsfähigkeit bestanden.
Auch die retrospektive Arbeitsfähigkeitsschätzung ist deshalb überzeugend. Dr. H._
hat aufgezeigt, dass sie anlässlich der Untersuchung keine Psychopathologika hat
objektivieren können. Auch die psychiatrische Vorgeschichte ist unauffällig gewesen.
Im Weiteren sind die von der Beschwerdeführerin angegebenen Medikamente im
Spiegel nicht nachweisbar gewesen. Dr. H._ hat deshalb festgehalten, dass sie keine
psychiatrische Morbidität diagnostizieren könne. Sie hat keine Diagnose mit oder ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt und hat eine vollständige Arbeitsfähigkeit in
der Tätigkeit als Hausfrau und in einer Verweistätigkeit attestiert. Auch retrospektiv hat
kein Anhalt für eine längerfristige, höhergradige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Eine
Prüfung der Standardindikatoren ist nicht erfolgt. In Anbetracht dessen, dass keine
psychiatrische Diagnose hat gestellt werden können, ist eine Prüfung der
Standardindikatoren für die Arbeitsfähigkeitsschätzung auch nicht nötig gewesen. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. H._ ist damit überzeugend.
Der Rechtsvertreter hat die Abnahme von neuen Beweismitteln beantragt. Er hat
geltend gemacht, schon im Jahr 2015 sei bei der Beschwerdeführerin auch für Laien
eine schwere Depression feststellbar gewesen. Er hat beantragt, den Ehemann und
den Sohn der Beschwerdeführerin als Zeugen zu befragen sowie bei Dr. B._ einen
ergänzenden Bericht einzuholen. Auf die Einholung dieser Beweismittel ist im Sinne
5.3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/27
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einer antizipierenden Beweiswürdigung zu verzichten. Von der Befragung des
Ehemannes und des Sohnes der Beschwerdeführerin als Zeugen ist nämlich kein
Beweisfortschritt zu erwarten, da der Ehemann und der Sohn aufgrund des nahen
Verwandschaftsverhältnisses als befangen zu qualifizieren sind und da wegen des
langen Zeitablaufs mit keinen verlässlichen Aussagen über den Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin im Sommer 2015 zu rechnen ist. Auch von der Einholung eines
ergänzenden Berichts von Dr. B._ ist kein Beweisfortschritt zu erwarten, da auch er
keine verlässlichen Angaben über den psychischen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin im Sommer 2015 mehr zu liefern vermöchte. Zudem wäre der
Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
auszusagen pflegen und dazu neigen, die pessimistischen Beschwerdeschilderungen
ihrer Patienten als objektiv ausgewiesen zu qualifizieren (vgl. BGE 125 V 353, E. 3b.cc;
Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I814/03, E. 2.4.2).
Im Folgenden ist das psychiatrische Verlaufsgutachten der F._ vom
28. November 2018 auf seinen Beweiswert zu prüfen.
5.4.
Vorab ist zu klären, ob die nachfolgend aufgeführten Einwände des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin Zweifel am Beweiswert des
Verlaufsgutachtens wecken: Der Rechtsvertreter hat geltend gemacht, der
psychiatrische Gutachter Dr. L._ habe seine Praxis in T._ und sei eigens für die
Untersuchung in die Schweiz eingeflogen worden. Er (der Rechtsvertreter) habe
verlangt, bei der Untersuchung anwesend zu sein, was ihm durch die F._ nicht
bewilligt worden sei. Er habe weiter verlangt, Ergänzungsfragen stellen zu können. Dies
sei nicht möglich gewesen, weil der Gutachter nach der Untersuchung wieder nach
Deutschland zurückgekehrt sei. Die F._ habe – wie von ihm verlangt – eine
Übersetzerin beigezogen. Diese habe mit der Beschwerdeführerin aber nicht gehörig
kommunizieren können und dementsprechend seien verschiedene Fragen nicht
verstanden worden. Zum letzten Vorbringen ist festzuhalten, dass Dr. L._ im
Gutachten ausdrücklich festgehalten hat, die sprachliche Verständigung sei über eine
Dolmetscherin erfolgt und sie sei ausreichend gegeben gewesen. Der Rechtsvertreter
hat nicht näher ausgeführt, inwiefern die Kommunikation zwischen der Dolmetscherin
und der Beschwerdeführerin nicht gehörig gewesen sein und welche Fragen die
Beschwerdeführerin nicht verstanden haben soll. Diese pauschale Kritik vermag
deshalb keine Zweifel an der Angabe von Dr. L._, die Kommunikation sei
ausreichend gewesen, zu wecken. Ob Dr. L._ eine Praxis in T._ hat, kann
offengelassen werden. Selbst wenn dies zutreffen sollte, ist nicht ersichtlich, inwiefern
5.4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/27
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dies die Qualität des Gutachtens vom 28. November 2018 beeinträchtigt haben könnte.
Für eine gutachterliche Tätigkeit ist keine Praxistätigkeit in der Schweiz erforderlich.
Massgebend ist vielmehr, dass ein Gutachter über das notwendige medizinische
Fachwissen und über eine ausreichende Praxiserfahrung auf dem entsprechenden
Fachgebiet sowie über die für eine korrekte Abwicklung des Gutachtensauftrags
notwendigen versicherungsmedizinischen Kenntnisse verfügt (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 19. Mai 2020, 8C_767/2019, E. 3.3). Dr. L._ ist gemäss der
Angabe im Gutachten Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (und Facharzt für
Neurologie). Es ist damit davon auszugehen, dass er über das nötige Fachwissen und
die nötige Praxiserfahrung auf dem Fachgebiet der Psychiatrie verfügt. Anhaltspunkte
dafür, dass er nicht über die notwendigen versicherungsmedizinischen Kenntnisse
verfügen würde, finden sich weder im Gutachten noch in den dem Gericht vorliegenden
übrigen Akten. Die Beschwerdegegnerin hat dem Rechtsvertreter am 29. August 2018,
also vor der Begutachtung, die Gelegenheit gegeben, Ergänzungsfragen zu stellen (IV-
act. 115). Der Rechtsvertreter hat diese Gelegenheit nicht genutzt. Die
Beschwerdegegnerin hat damit den Anspruch auf das Stellen von Ergänzungsfragen
(vgl. Art. 55 ATSG in Verbindung mit Art. 19 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021] und Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Bundeszivilprozess [BZP, SR 273]) ausreichend gewahrt. Ein Anspruch des
Rechtsvertreters darauf, an einer Begutachtung teilzunehmen, besteht gemäss der
überzeugend begründeten bundesgerichtlichen Auffassung nicht (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 8. August 2007, I 874/06, E. 4.1.2; BGE 132 V 446, E. 3.4 f.).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass diese Einwände des Rechtsvertreters keine
Zweifel am psychiatrischen Verlaufsgutachten der F._ vom 28. November 2018
wecken.
Dr. L._ hat anlässlich der Begutachtung vom 17. Oktober 2018 im Rahmen
einer eingehenden persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin eindeutig
depressive Symptome feststellen können. Im Gutachten vom 28. November 2018 hat
er nämlich festgehalten, es stehe ausser Zweifel, dass ein depressives Syndrom
vorliege; er ist sich diesbezüglich also sicher gewesen. Im Weiteren hat er kognitive
Störungen festgestellt, die in ihrem Ausmass jedoch nicht durch das depressive
Syndrom erklärbar gewesen sind. Er hat die kognitiven Störungen mit dem Bestehen
einer zeitlichen Orientierungsstörung und den Ergebnissen der beiden Demenz-
Screening-Tests (Mini-Mental-Status-Test und Uhrentest nach Shulman) begründet.
Dr. L._ hat erklärt, vor allem die Fehler in der Visuokonstruktion und in der Praxie
(siehe Uhrentest) liessen in der Zusammenschau mit den anderen kognitiven
5.4.2.
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Beeinträchtigungen, die nicht ausschliesslich oder überhaupt depressiogen sein
könnten, an eine demenzielle Entwicklung denken. Die fremdanamnestischen Angaben
des Ehemannes der Beschwerdeführerin, wonach die Beschwerdeführerin in den
Aktivitäten des täglichen Lebens auf Hilfe angewiesen sei, hat er als zu einer
demenziellen Entwicklung passend beurteilt. Im Weiteren hat er das Resultat der MRI-
Untersuchung vom 26. Mai 2016 (mässige vaskuläre Leukenzephalopathie)
berücksichtigt und er ist zum Schluss gelangt, das Symptompattern und der Befund
der MRI-Untersuchung liessen am ehesten an eine gemischte Ätiologie – Alzheimer
und vaskuläre Komponente (chronische Durchblutungsstörung der hirnversorgenden
Gefässe) – (gemeint wohl: der demenziellen Entwicklung) denken. Dieser Befund einer
demenziellen Entwicklung stimmt mit den Angaben im Bericht vom 7. Juni 2016 der
W._ (IV-act. 71) überein. Die Fachärzte hatten darin nämlich festgehalten, dass –
nebst der depressiven Störung – differentialdiagnostisch bzw. zusätzlich eine
beginnende vaskuläre Demenz als Ursache für die (bereits damals im Rahmen einer
neuropsychologischen Testung festgestellten mittelschweren bis schweren) kognitiven
Defizite in Betracht komme. Weil das alltägliche Funktionsniveau der
Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt noch verhältnismässig gut gewesen war,
hatten die Fachärzte aber festgehalten, im Untersuchungsbefund hätten sich
diskordante Ergebnisse zum offensichtlichen alltäglichen Funktionsniveau gezeigt. Im
Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. L._ (17. Oktober 2018) ist die
Beschwerdeführerin in den Alltagsaktivitäten im Vergleich zum Mai 2016 auf mehr
Unterstützung angewiesen gewesen. Beispielsweise hat sie nicht mehr alleine kochen
oder (kleine) Einkäufe tätigen können (vgl. die Angaben des Ehemannes anlässlich der
Begutachtung, IV-act. 119-10 f., und die Angaben im Bericht vom 7. Juni 2016, IV-
act. 71). In Anbetracht dessen ist die Einschätzung von Dr. L._, dass nebst einem
depressiven Syndrom auch das Bild einer demenziellen Entwicklung vorliege,
überzeugend. Im Weiteren ist Dr. L._ in einer sorgfältigen Würdigung verschiedener
Erklärungsmodelle zum Schluss gelangt, dass er eine Kombination aus einer Demenz
und einer organischen Depression favorisiere. Gestützt darauf hat er die Diagnosen
einer gemischten Demenz (Alzheimer und vaskulär, ICD-10 F00.2) und einer
organischen depressiven Störung (ICD-10 F06.32) gestellt. Schliesslich hat sich
Dr. L._ zu den Standardindikatoren, insbesondere zur Konsistenz und zu den
Ressourcen, geäussert. Er hat dargelegt, dass die Beschwerdeführerin ihre Autonomie
weitgehend verloren habe und auf Unterstützung angewiesen sei. Die Erhebung der
Befunde und die gestützt darauf gestellten Diagnosen überzeugen. Ebenso überzeugt
die Attestierung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der Tätigkeit als Hausfrau
sowie in jeglichen Verweistätigkeiten im Zeitpunkt der Begutachtung. In Bezug auf den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/27
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Verlauf der Arbeitsfähigkeit seit dem Erstgutachten der F._ vom 30. Oktober 2015 hat
Dr. L._ angegeben, damals seien die kognitiven und psychischen Beeinträchtigungen
noch nicht festgestellt worden. Bereits Mitte 2016 sei von ausgeprägten kognitiven
Defiziten gesprochen worden und auch die Depression scheine mittelschwer
vorgelegen zu haben. Es sei davon auszugehen, dass es seitdem zu einer schrittweisen
Verschlechterung der psychischen und kognitiven Funktionen gekommen sei. Unter
Berücksichtigung der Aktenlage dürften die kognitiven Beeinträchtigungen bereits seit
Anfang 2016 vorgelegen haben. Er hat eine "praktisch aufgehobene" Arbeitsfähigkeit
seit Anfang 2016 attestiert. In Anbetracht des Berichts der E._ vom 15. März 2016
über einen stationären Aufenthalt vom 22. Februar 2016 bis 18. März 2016 (IV-act. 60),
worin über Defizite vor allem im Gedächtnis-, Auffassungs- und Orientierungsbereich
berichtet worden ist, ist diese Einschätzung von Dr. L._ überzeugend. Ob seit dem
Beginn des Jahres 2016 eine vollständige oder eine teilweise Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen hat, kann offenbleiben, da, selbst wenn eine so hohe Arbeitsunfähigkeit
bestanden hat, dass daraus ein Rentenanspruch resultiert hätte, mangels Erfüllung des
Wartejahres kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestanden hat (vgl. E. 5.5). Aus
diesem Grund kann auch offenbleiben, aufgrund von welchen verschlechterten
objektiven Befunde und Symptomen die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Zeitraum nach der ersten psychiatrischen Begutachtung vom 23. September 2015 bis
Anfang des Jahres 2016 praktisch vollständig aufgehoben worden ist; an sich wäre
dies von Dr. L._ zu erklären gewesen.
Das Wartejahr ist erfüllt, wenn während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG). Ein wesentlicher Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit liegt vor,
wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll
arbeitsfähig war (Art. 29 IVV). Da die Beschwerdeführerin im fiktiven "Gesundheitsfall"
als Hilfsarbeiterin erwerbstätig gewesen wäre (vgl. E. 4), ist in Bezug auf das Wartejahr
die Arbeitsunfähigkeit in einer (fiktiven) Hilfsarbeiterinnentätigkeit und nicht die
Arbeitsunfähigkeit in der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit als Hausfrau massgebend.
Gemäss dem überzeugenden Gutachten der F._ vom 30. Oktober 2015 ist die
Beschwerdeführerin bis zum 22. Oktober 2014 in adaptierten Tätigkeiten vollständig
arbeitsfähig gewesen. Ab dem 23. Oktober 2014 (Implantation der Knie-TEP rechts) ist
sie für ca. sechs Monate vollständig arbeitsunfähig gewesen. Anschliessend, also ab
dem 1. Mai 2015, hat in einer dem formulierten Belastungsprofil angepassten Tätigkeit,
also in einer körperlich leichten bis gelegentlich mittelschweren wechselbelastenden
Tätigkeit ohne kniebelastende Zwangshaltungen, ohne Steigen auf Leitern und Gerüste
sowie ohne repetitives Treppensteigen und unter Vermeidung von ständigem
5.5.
ter
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6.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erweist
sich als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Sie ist durch den von dieser
geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt.