Decision ID: b04004a3-e9f6-5b75-a8ce-14dbce2a67ef
Year: 2009
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision (Nichteintreten auf neues Leistungsbegehren)
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Sachverhalt:
A.
M._ meldete sich am 10. November 2003 zum Bezug von IV-Leistungen an. Dr. med.
A._ berichtete am 23. Januar 2004, die Versicherte leide an einem
zervikospondylogenen Schmerzsyndrom (St. n. Diskektomie HWK 4/5 und Einlage
einer Prothese 2/03), an rezidivierenden Migräneattacken (multiple supratentorielle
Glioseherde), an chronischen Spannungskopfschmerzen und an einem rechtsseitigen
Skalenus-Syndrom bei Halsrippe rechts. Nur die beiden erstgenannten Diagnosen
beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit. Als Sekretärin sei die Versicherte zu 50%
arbeitsfähig. Die Versicherte hatte sich im September 2003 stationär zur Rehabilitation
in der Rheinburgklinik aufgehalten. Gemäss dem Austrittsbericht umfasste die
chronische Schmerzsymptomatik drei Problemkreise: Migräneanfälle, dauernd
bestehende Spannungskopfschmerzen okzipital-temporal, meist beidseits, und teils
invalidisierende Nacken- und Hinterkopfschmerzen mit pseudoradikulärer Ausstrahlung
in die Arme. Die Rehabilitation blieb erfolglos. Die Arbeitsfähigkeit der Versicherten als
Sekretärin wurde auf 50% geschätzt. Mit einer Verfügung vom 14. Januar 2005 sprach
die IV-Stelle der Versicherten eine halbe Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von
50% zu.
B.
Dr. med. B._ teilte der IV-Stelle am 6. September 2005 mit, dass eine Rentenrevision
durchgeführt werden müsse. Er berichtete am 6. Dezember 2005, dass seit dem 15.
September 2004 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Während der nun zwei
Jahre andauernden Arbeitsunfähigkeit seien die Attacken etwas seltener geworden. Die
Persönlichkeitsstörung verbunden mit einer ausgeprägten depressiven Ausrichtung
habe sich hingegen verschlimmert. In Absprache mit Dr. med. C._ betrage die
Arbeitsunfähigkeit seit dem 15. September 2004 100%. Er schlage eine
interdisziplinäre neurologische und psychiatrische Begutachtung vor. Der Neurologe
Dr. med. C._ hatte am 21. September 2004 über einen chronifizierten
Mischkopfschmerz mit Migräne ohne Aura, über Spannungskopfschmerzen und über
rezidivierende Bewusstlosigkeiten berichtet. Am 3. Januar 2006 führte er gegenüber Dr.
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med. B._ aus, die Migräneprophylaxe habe zunächst zu einer deutlichen Abnahme
der Migräneattacken geführt. Nun komme es aber wieder zu sieben bis acht
Migräneattacken monatlich. Die Versicherte sei mehrmals wöchentlich aufgrund von
den ganzen Tag anhaltenden Kopfschmerzen sehr beeinträchtigt. Es bestünden dann
schwere Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, so dass für die Tätigkeit als
Sekretärin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestehe.
C.
Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. D._ mit einer psychiatrischen Abklärung. Dieser
berichtete in seinem neurologischen und psychiatrischen Gutachten vom 26. Mai 2006,
die Versicherte habe eine sorgfältige Dokumentation vorgelegt, die im Schnitt für fünf
bis acht Tage monatlich Migränekopfschmerzen ausgewiesen habe. Diese Schmerzen
hätten jeweils einen Tag gedauert. Durchschnittlich einmal im Monat habe sich eine
Episode über zwei bis drei Tage erstreckt. Weiter führte Dr. med. D._ aus, während
der 90 Minuten dauernden Exploration sei die Nackenbeweglichkeit der Versicherten
aktiv und passiv in allen Achsen frei gewesen. Die Versicherte habe die ganze Zeit in
entspannter Körperhaltung dagesessen. Ihre Psychomotorik und ihre Gestik seien
unbehindert und frei gewesen. Die Versicherte sei wach, bewusstseinsklar und zu allen
Qualitäten scharf orientiert gewesen. Während der Exploration hätten weder die
Aufmerksamkeit noch die Konzentration nachgelassen. Biographische und
anamnestische Inhalte seien überwiegend rasch und präzis memoriert und abgerufen
worden. Die Versicherte habe spontane Schmerzangaben gemacht, aber gelegentlich
habe Ratlosigkeit geherrscht bei Nachfragen bezüglich "maximaler" Schmerzintensität
oder "täglichem" Auftreten. Dann sei die Versicherte auf Argumente wie "Gewöhnung"
oder "Vergessen" ausgewichen. Erheblich unscharf sei die Beschwerdeschilderung bei
den "Ohnmachtsanfällen" gewesen. Die Versicherte habe immer wieder
Krankheitsvorstellungen thematisiert, bagatellisiert, Floskeln verwendet und eine
parathyme Heiterkeit entwickelt. Dr. med. D._ stellte folgende Diagnosen: Migräne
und zervikozephales Syndrom. Weiter gab er an, bezüglich des zervikozephalen
Syndroms seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Auch in bezug auf die
Migräne habe die Versicherte in der Untersuchungssituation nicht beeinträchtigt
gewirkt, obwohl sie angegeben habe, die Kopfschmerzen seien seit der eben
durchgemachten viertägigen Attacke noch am Abklingen. Bezüglich der Häufigkeit der
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Attacken gebe es keine Widersprüche zwischen den Angaben in der Abklärung und
den Akten. Bezüglich des Schweregrades und der Dauer der Migräneattacken
hingegen zeigten sich Widersprüche zwischen den mündlichen Angaben und den
Aufzeichnungen im Kopfschmerzkalender. Eine Diskrepanz bestehe zwischen dem –
überwiegend mit maximalen Begriffen geschilderten – Beschwerdebild und dem
Ausmass der Therapiemassnahmen. Die vom Hausarzt am 6. Dezember 2005
angegebene Diagnose einer massiv ausgeprägten Depression könne aktuell nicht
gestellt werden. Es fänden sich zwar Hinweise für eine akzentuierte
Persönlichkeitsstörung, aber diese rechtfertige die Diagnose einer
Persönlichkeitsstörung nicht. Die Schmerzschilderung sei zu wenig vital bzw.
authentisch, um eine Schmerzverarbeitungsstörung zu diagnostizieren. Eine
Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit 2004 sei nicht ausgewiesen. Die
Versicherte sei nach wie vor in einer adaptierten Erwerbstätigkeit zu 50% arbeitsfähig.
D.
Mit einem Vorbescheid vom 6. September 2006 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass sie das Erhöhungsgesuch abweisen werde. Die Versicherte zweifelte am 5.
Oktober 2006 die Qualität der Begutachtung durch Dr. med. K._ an. Sie kündigte
einen aktuellen Bericht von Dr. med. C._ sowie die Durchführung einer
neuropsychologischen Abklärung an. Dr. med. C._ führte am 13. Oktober 2006 aus,
es liege ein therapieresistentes Kopfschmerzsyndrom mit nahezu täglich bestehenden,
invalidisierenden Kopfschmerzen vor, so dass die Versicherte aus neurologischer Sicht
vollständig arbeitsunfähig sei. Zudem bestehe eine zervikale Beschwerdesymptomatik,
die von Dr. med. E._ als Fibromyalgie qualifiziert worden sei. Die Versicherte sei auch
neurokognitiv beeinträchtigt. Die Psychologin Dr. phil. G._ vom Kantonsspital St.
Gallen berichtete am 28. November 2006, aus neuropsychologischer Sicht hätten sich
mittelschwere kognitive Funktionsstörungen gezeigt. Die Belastbarkeit sei reduziert und
dürfte nicht mehr als ca. drei Stunden betragen, wobei immer wieder Pausen
notwendig seien. Die verwertbare Arbeitsleistung dürfte nicht mehr als 30-40%
betragen. Eine cranio-cerebrale Kernspintomographie hatte am 30. Oktober 2006
multiple Herde chronischer Marklagerischämien supratentoriell parietal bevorzugt
aufgezeigt. Dr. med. C._ wies am 22. Dezember 2006 darauf hin, dass diese für die
neurokognitiven Auffälligkeiten verantwortlich sein könnten, zumal auch eine leichte
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frontale Hirnatrophie bestehe. Dr. med. I._ vom RAD Ostschweiz bezeichnete am 5.
April 2007 eine Restarbeitsfähigkeit von 35% als plausibel. Die IV-Stelle ermittelte
ausgehend von diesem Arbeitsfähigkeitsgrad einen Invaliditätsgrad von 68,36%. Mit
einer Verfügung vom 27. September/4. Dezember 2007 sprach sie der Versicherten mit
Wirkung ab 1. Februar 2007 eine Dreiviertelsrente zu.
E.
Bereits am 18. November 2007 stellte die Versicherte erneut ein
Rentenrevisionsgesuch. Sie gab an, ihr Gesundheitszustand habe sich drastisch
verschlechtert. Laut dem beigelegten Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 5.
November 2007 litt die Versicherte an einem chronischen Schmerzsyndrom bei
somatoformer Schmerzstörung (DD: Fibromyalgie), bei degenerativem HWS-Syndrom
mit St. n. ventraler Diskektomie und Einlage einer Bandscheibenprothese C4/5 bei
medianer Diskushernie 2/2003, bei chronischer Migräne ohne Aura seit Kindheit mit
konsekutiver Mischkopfschmerz-Problematik und bei Thoracic-Outlet-Symptomatik
rechts bei hypertrophem Processus transversus C7, an Osteoporose, an einer
unspezifischen mittelschweren kognitiven Funktionsstörung, an multiplen
Medikamenten-Unverträglichkeiten und an einem St. n. ischämischer Colitis 12/2005
unter intensivierter Triptan-Medikation. Dazu wurde ausgeführt, im Rahmen der
klinischen Untersuchung seien weder die umschriebenen neurologischen Ausfälle noch
muskuläre Atrophien zu erkennen gewesen. Nativ-radiologisch bestünden zervikal bis
auf eine Chondrose C7/Th1 und einem hypertrophen Processus transversus C7 rechts
regelrechte Verhältnisse mit unauffälligen ossären Strukturen, passend zu einer klinisch
guten globalen HWS-Beweglichkeit. Das vorbeschriebene Thoracic-outlet-Syndrom
habe bestätigt werden können. Es weise jedoch derzeit eine geringe klinische Relevanz
auf. Diffuse Klopfschmerzen über dem Achsenorgan seien mit der nachgewiesenen
Osteoporose gut vereinbar. Ansonsten bestehe ein guter Funktionsbefund von Seiten
des Achsenorgans mit noch befriedigenden statischen Verhältnissen. Es gebe keine
Anzeichen für eine entzündliche rheumatische Erkrankung. Die Kriterien eines
Fibromyalgiesyndroms seien bei lediglich vier Tenderpoints nicht erfüllt. Es sei von
einer anhaltenden Schmerzverarbeitungsstörung im Sinne einer somatoformen
Schmerzstörung auszugehen. Dr. med. H._ vom RAD Ostschweiz hielt dazu am 11.
Dezember 2007 fest, neu sei lediglich die Diagnose der Osteoporose. Diese begründe
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aber keine zusätzliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer optimal adaptierten
Erwerbstätigkeit. Im klinischen Status seien keine neuen objektivierbaren Befunde
erhoben worden. Mit einer Verfügung vom 19. März 2008 trat die IV-Stelle nicht auf das
Revisionsgesuch ein.
F.
Die Versicherte erhob am 7. April 2008 Beschwerde gegen diese Verfügung. Sie
machte geltend, sie habe meist unerträgliche Muskelschmerzen am ganzen Körper, die
sie weder schlafen noch arbeiten liessen. Sie habe einen Untersuchungstermin bei dem
auf Muskelerkrankungen spezialisierten Neurologen Dr. med. J._ vom Kantonsspital
St. Gallen. Die IV-Stelle sei zu veranlassen, nach Vorliegen des Untersuchungsberichts
zu entscheiden. Am 21. August 2008 reichte die Versicherte einen Bericht von PD Dr.
med. J._ vom 2. Juli 2008 ein. Laut diesem Bericht lag ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom vor. Das Routinelabor hatte keine wesentlichen Auffälligkeiten
gezeigt. Differentialdiagnostisch bestand die Möglichkeit einer Polymyalgia rheumatica.
Empfohlen wurde ein Therapieversuch mit Steroiden. Zudem bestand die Möglichkeit
einer diagnostischen Muskelbiopsie, auch wenn sich daraus wohl wenig therapeutische
Konsequenzen ergeben würden. Immerhin könnte ein Normalbefund die Versicherte
vielleicht überzeugen, dass andere Wege für die Bewältigung der Beschwerden
einzuschlagen seien. Dr. med. C._ hatte am 14. März 2008 berichtet, die Versicherte
klage jetzt über massive Gelenksschmerzen in den Finger-, Hand- und Fussgelenken.
Diese Schmerzen beeinträchtigten die Versicherte im Moment sehr. Abschliessend hielt
Dr. med. C._ fest, die angegebene chronifizierte Schmerzsymptomatik sei
möglicherweise therapieresistent, weil die Hirnatrophie und die dadurch ausgelösten
neurokognitiven Beeinträchtigungen eine verminderte Introspektionsfähigkeit und damit
eine verminderte Schmerztolerabilität zur Folge hätten.
G.
Die IV-Stelle beantragte am 10. Oktober 2008 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, bis zum Datum der angefochtenen Verfügung sei keine seit dem
27. September 2007 eingetretene Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft
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gemacht worden. Auch die im Sommer erfolgten Untersuchungen belegten keine
Verschlechterung.
H.
Die Versicherte wandte am 28. Oktober 2008 ein, der Grund für die ärztliche
Neubeurteilung sei die Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit einer weiteren
Reduktion der Leistungsfähigkeit gewesen. Die fachärztlichen Unterlagen hätten bis
zum Erlass der angefochtenen Verfügung noch nicht vorgelegen. Die Sache sei zur
gutachterlichen Beurteilung oder mindestens zur weiteren Abklärung bei den
behandelnden Fachärzten an die IV-Stelle zurückzuweisen.
I.
Die IV-Stelle verzichtete am 31. Oktober 2008 auf eine weitere Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV ist in einem Rentenrevisionsgesuch glaubhaft zu machen,
dass sich der Invaliditätsgrad in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise
geändert habe. Kann keine erhebliche Veränderung glaubhaft gemacht werden, wird
kein Revisionsverfahren eröffnet, d.h. nicht auf das Rentenrevisionsbegehren
eingetreten. Der Sinn dieser Verfahrensbestimmung besteht zur Hauptsache darin, aus
verfahrensökonomischen Gründen überflüssige aufwendige Sachverhaltsabklärungen
zu vermeiden. Mit der Glaubhaftmachung einer erheblichen Veränderung des
Invaliditätsgrades soll also "belegt" werden, dass die aufwendigen
Sachverhaltsabklärungen, die mit der Frage nach dem Vorliegen einer erheblichen
Änderung des Invaliditätsgrades notwendigerweise verbunden sind, nicht überflüssig
sind. Mit dem Glaubhaftmachen i.S. von Art. 87 Abs. 3 IVV kann nicht der allgemeine
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gemeint sein, denn damit würde im
Ergebnis dem Gesuchsteller die volle Beweisführungslast überbunden. Dem Zweck
dieser Eintretenshürde gemäss muss es sich bei der Glaubhaftmachung um eine
deutlich reduzierte Beweisanforderung handeln. Praxisgemäss genügt es, wenn
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gewisse Indizien für die behauptete erhebliche Veränderung des Invaliditätsgrades
sprechen, selbst wenn mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass eine eingehende
Sachverhaltsabklärung die behauptete Veränderung nicht bestätigen wird. Die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen i.S. von Art. 87 Abs. 3 IVV sind deshalb auch
weniger streng als im Zivilprozessrecht (vgl. das Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 3. Januar 2000, I 294/98, Erw. 1 a.E.). Die Pflicht zur
rechtsgleichen Behandlung aller Personen, die ein Rentenrevisionsgesuch stellen,
verbietet es den IV-Stellen, in einzelnen Fällen die Hürde der Glaubhaftmachung höher
anzusetzen, als es ihrer Praxis entspricht. Im vorliegenden Fall ist deshalb anhand einer
gerichtsnotorisch zugunsten der Versicherten grosszügigen Interpretation des Art. 87
Abs. 3 IVV durch die Beschwerdegegnerin zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin eine
im Vergleich zur Situation am 27. September 2007 erhebliche Veränderung ihres
Invaliditätsgrades glaubhaft gemacht hat.
2.
2.1 Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich
verschlechtert. Die Behauptung einer Veränderung des Gesundheitszustandes vermag
für sich allein keine Veränderung des Invaliditätsgrades glaubhaft zu machen. Es ist
vielmehr erforderlich, dass mittels einer glaubhaft gemachten Veränderung des
Gesundheitszustandes auch eine leistungserhebliche Veränderung der Arbeitsfähigkeit
glaubhaft gemacht wird. Zu prüfen ist vorliegend also, ob eine Erhöhung des
Arbeitsunfähigkeitsgrades der Beschwerdeführerin auf mehr als 65% glaubhaft
gemacht ist. Als Mittel zur Glaubhaftmachung kommen im vorliegenden Fall nur die vor
dem Erlass der angefochtenen Nichteintretensverfügung der Beschwerdegegnerin
eingereichten medizinischen Unterlagen in Betracht, da nur diese der
Beschwerdegegnerin bei ihrem Entscheid über das Eintreten auf das Revisionsgesuch
vom 18. November 2007 zur Verfügung gestanden haben. Da Art. 87 Abs. 3 IVV den
Untersuchungsgrundsatz – vorläufig, d.h. nur für die Eintretensprüfung – ausschaltet
und vollumfänglich durch die Glaubhaftmachungslast der gesuchstellenden Person
ersetzt, ist es ausgeschlossen, eine Nichteintretensverfügung auch anhand der erst
während des Beschwerdeverfahrens von der gesuchstellenden Person eingereichten
Unterlagen zu beurteilen. Der Einbezug dieser verspätet eingereichten Unterlagen
würde nämlich den Vorwurf an die IV-Stelle beinhalten, dass sie ihre
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Untersuchungspflicht verletzt habe, indem sie die von der gesuchstellenden Person
aufgestellte Behauptung einer Erhöhung des Invaliditätsgrades nicht auf ihre Richtigkeit
geprüft, d.h. keine eigenen Abklärungen vorgenommen habe. Gerade diese
Untersuchungspflicht ist durch Art. 87 Abs. 3 IVV ausgeschlossen worden. Das
bedeutet, dass es in einem gegen eine gestützt auf Art. 87 Abs. 3 IVV erlassene
Nichteintretensverfügung gerichteten Beschwerdeverfahren keine Möglichkeit geben
darf, dem Versicherungsgericht weitere Akten zur Beurteilung vorzulegen. Im
vorliegenden Fall ist also ausschliesslich anhand der von der Beschwerdeführerin vor
dem 19. März 2008 eingereichten Unterlagen zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin zu
Recht nicht auf das Revisionsgesuch vom 18. November 2007 eingetreten ist.
2.2 Die Beschwerdeführerin hat mit ihrem Revisionsgesuch nur den Bericht des
Kantonsspitals St. Gallen vom 5. November 2007 eingereicht. Dr. med. H._ vom RAD
Ostschweiz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass der Bericht des Kantonsspitals
St. Gallen nur eine einzige neue Diagnose, nämlich diejenige der Osteoporose enthalte
und dass diese die Restarbeitsfähigkeit nicht vermindere. Hinzu kommt, dass es sich
nicht um eine revisionsrechtlich relevante Veränderung handelt, denn die Diagnose der
Osteoporose ist bereits seit März 2007, also vor dem Erlass der Verfügung vom
27. September 2007 (Erhöhung der halben auf eine Dreiviertelsrente) gesichert
gewesen. Die von der Beschwerdeführerin behauptete Verschlechterung des
Gesundheitszustandes könnte sich also nur aus dem veränderten Schweregrad der
bestehenden Erkrankungen ergeben. Diese Veränderung müsste zudem nach dem 27.
September 2007 eingetreten sein. Dafür fehlt im Bericht des Kantonsspitals St. Gallen
vom 5. November 2007 jeder Hinweis. Die Untersuchungen sind am 4. und am 16.
Oktober 2007, also wenige Tage nach dem Erlass der Revisionsverfügung am 27.
September 2007, erfolgt. Sie haben weder die umschriebenen neurologischen Ausfälle
noch muskuläre Dysbalancen aufgezeigt. Die Wirbelsäulenbeweglichkeit war gut, das
Thoracic-outlet-Syndrom klinisch kaum relevant. Anzeichen für eine entzündliche
Krankheit fehlten, die Kriterien eines Fibromyalgiesyndroms waren nicht erfüllt. Die
Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen hatten einen interdisziplinären Therapieansatz unter
Einbezug der psychologischen Aspekte empfohlen. In diesem Bericht fehlt also jeder
Hinweis auf eine Verschlechterung. Im Gegenteil könnte durchaus argumentiert
werden, die Abklärungsbefunde deuteten sogar auf eine leichte Verbesserung hin.
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Grundsätzlich ist die Beschwerdegegnerin also zu Recht nicht auf das Revisionsgesuch
vom 18. November 2007 eingetreten.
2.3 Gemäss Art. 57a Abs. 1 Satz 1 IVG teilt die IV-Stelle der versicherten Person den
vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsgesuch oder über den Entzug oder die
Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels eines Vorbescheides mit.
Gegenstand eines Vorbescheides sind laut Art. 73 Abs. 1 IVV aber nur jene Fragen,
die in den Aufgabenbereich der IV-Stellen gemäss Art. 57 Abs. 1 lit. a bis d IVG fallen.
Gemeint ist damit die frühere, bis zur 5. IV-Revision geltende Fassung des Art. 57 Abs.
1 IVG. Somit ist ein Vorbescheid zu erlassen, wenn die vorgesehene Verfügung die
Abklärung der versicherungsmässigen Voraussetzungen (lit. a), die Abklärung der
Eingliederungsfähigkeit, die Berufsberatung und die Arbeitsvermittlung (lit. b), die
Bestimmung und Überwachung der Eingliederungsmassnahmen (lit. c) oder die
Bemessung des Invaliditätsgrades (lit. d) voraussetzt. Wäre die Beschwerdegegnerin
auf das Rentenrevisionsgesuch der Beschwerdeführerin eingetreten, hätte sie eine
Invaliditätsbemessung vornehmen müssen. Die anschliessend zu erlassende Verfügung
wäre also "vorbescheidspflichtig" gewesen. Dies rechtfertigt es - über den allzu engen
Gesetzeswortlaut hinausgehend und dem Sinn und Zweck des Vorbescheides
Rechnung tragend - auch für das Nichteintreten auf ein Rentenrevisionsgesuch von
einer "Vorbescheidspflicht" auszugehen. In diesem Vorbescheid hätte nicht nur das
Nichteintreten auf das Rentenrevisionsgesuch angekündigt, sondern auch der Grund
für den vorgesehenen Nichteintretensentscheid genannt werden müssen. Die
Beschwerdeführerin wäre also darüber zu informieren gewesen, dass sie selbst mittels
Indizien eine revisionsrechtlich erhebliche Sachverhaltsveränderung glaubhaft machen
müsse und dass die von ihr bis dahin eingereichten medizinischen Unterlagen nicht
genügten, um eine solche Sachverhaltsveränderung glaubhaft zu machen. Im
Vorbescheid hätte die Beschwerdeführerin also darauf aufmerksam gemacht werden
müssen, dass sie es mit dem Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 5. November
2007 allein noch nicht geschafft habe, die behauptete Erhöhung ihrer
Arbeitsunfähigkeit und damit ihres Invaliditätsgrades glaubhaft zu machen.
2.4 Eine "Heilung" der Verletzung der "Vorbescheidspflicht" ist nicht angebracht, da
die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur Durchführung eines
Vorbescheidsverfahrens (und damit einer Beurteilung der Eintretensfrage unter
bis
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Berücksichtigung der während des Beschwerdeverfahrens eingereichten und allfälliger
weiterer medizinischer Unterlagen) nur einen bescheidenen Zeitaufwand erfordert, so
dass von einer "Heilung" der Verletzung der "Vorbescheidspflicht", d.h. von einer
direkten gerichtlichen Beurteilung der Eintretensfrage anhand aller (nach der
Aufforderung an die Beschwerdeführerin, allfällige weitere Unterlagen noch
nachzureichen) dem Gericht vorliegenden medizinischen Akten kein relevanter
verfahrensökonomischer Vorteil zu erwarten ist. Zudem wird so gewährleistet, dass der
Beschwerdeführerin wieder der gesamte Rechtsmittelzug zur Verfügung steht, während
gegen ein Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen über die
Eintretensfrage nur noch die Beschwerde an das in seiner Kognition stark
eingeschränkte Bundesgericht möglich wäre.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die angefochtene Verfügung vom 19.
März 2008 aufzuheben und die Sache ist zur Durchführung eines korrekten
Vorbescheidsverfahrens und zur anschliessenden neuen Entscheidung über die Frage
des Eintretens auf das Rentenrevisionsgesuch an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-
bis Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Aufgrund des unterdurchschnittlichen
Verfahrensaufwandes wird die Gerichtsgebühr auf Fr. 400.- festgesetzt. Diese
Gerichtsgebühr ist von der vollumfänglich unterliegenden Beschwerdegegnerin zu
tragen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG