Decision ID: 22b0e8c2-adc8-4294-99a0-3a3f70870b6f
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend einfache Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 11. September 2019 (GG190130)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 20. Juni 2019
(Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 38 S. 28 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à Fr. 50.– (wovon
60 Tagesätze als durch Haft geleistet gelten). Eine Busse wird nicht ausgesprochen.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird bedingt aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahren fest-
gesetzt.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung in Höhe von
Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 16. März 2019 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Ge-
nugtuungsbegehren abgewiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Vertreterin der Privatklägerin für deren Aufwen-
dungen im diesem Verfahren eine Entschädigung von pauschal Fr. 1'450.– zu bezahlen.
6. Dem Beschuldigten wird für die übermässig erstandene Haft im Umfang von 7 Tagen eine
Entschädigung von pauschal Fr. 1'400.– zugesprochen.
7. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'700.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 724.10 Auslagen (Gutachten)
Fr. 242.– weitere Auslagen
Fr. 9'850.– amtliche Verteidigung.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
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9. Der amtliche Verteidiger wird pauschal mit Fr. 9'850.– (inkl. Mehrwertsteuer und Bar-
auslagen) aus der Gerichtskasse entschädigt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung wer-
den auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
10. [Mitteilungen]
11. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 6 ff.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 59 S. 1)
1. Der Beschuldigte A._ sei der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB schuldig zu
sprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten, wovon
66 Tage durch Haft erstanden sind, und einer Busse von Fr. 2'500.– zu be-
strafen. Der bedingte Strafvollzug der Freiheitsstrafe sei unter Ansetzung
einer Probezeit von 2 Jahren zu gewähren
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 61 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Dem Berufungsbeklagten sei für die Kosten der Verteidigung im Berufungs-
verfahren eine Entschädigung zum Stundenansatz von Fr. 250.– zuzgl.
Auslagen und MWST zuzusprechen.
3. Im Falle der Gutheissung der Berufung seien die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung auf die Gerichtskasse zu nehmen und definitiv abzuschreiben.
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Erwägungen:
I. Prozessuales / Prozessgeschichte
1. Prozessgeschichte
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 38 S. 3 ff.).
1.2. Gegen das eingangs wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht vom 11. September 2019 liess die Staatsanwalt-
schaft am 16. September 2019 (Datum Poststempel) fristgerecht Berufung an-
melden (Urk. 30) und mit Eingabe vom 4. Dezember 2019 ebenfalls innert Frist
die Berufungserklärung einreichen (Urk. 39; Urk. 37/1). Mit Präsidialverfügung
vom 20. Dezember 2019 wurde dem Beschuldigten und der Privatklägerin Frist
angesetzt, um ein Nichteintreten auf die Berufung der Staatsanwaltschaft zu be-
antragen oder eine Anschlussberufung zu erheben (Urk. 42). Mit Eingabe vom
3. Januar 2020 liess die Privatklägerin ein Gesuch um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung sowie Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin in
der Person von lic. iur. Y._ stellen und im Falle der Gutheissung des Ge-
suchs Anschlussberufung erheben (Urk. 44). Mit Präsidialverfügung vom
17. Januar 2020 wurde der Privatklägerin die unentgeltliche Prozessführung ge-
währt und ihr eine unentgeltliche Rechtsbeiständin für das Berufungsverfahren in
der Person von lic. iur. Y._ beigegeben. Gleichzeitig wurde der Privatkläge-
rin Frist angesetzt, um die Anschlussberufung den gesetzlichen Anforderungen
entsprechend zu ergänzen bzw. zu präzisieren (Urk. 46). Mit Eingabe vom
29. Januar 2020 liess die Privatklägerin mitteilen, ihre Anschlussberufung zu-
rückzuziehen (Urk. 48).
1.3. Zur Berufungsverhandlung vom 14. Mai 2020 erschienen der Beschuldigte
in Begleitung seines amtlichen Verteidigers sowie Staatsanwältin lic. iur.
K. Baumgartner als Vertreterin der Staatsanwaltschaft (Prot. II S. 6).
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2. Umfang der Berufung
Die Staatsanwaltschaft ficht das vorinstanzliche Urteil grundsätzlich vollumfäng-
lich an (Urk. 39; Urk. 59). Da die Privatklägerin ihre Anschlussberufung zurückzog
und mitteilen liess, die Höhe der ihr zugesprochenen Genugtuung von Fr. 1'000.–
zuzüglich Zins vom 5 % seit dem 16. März 2019 als angemessen zu erachten, ist
davon auszugehen, dass Dispositiv-Ziffer 4 des vorinstanzlichen Urteils rechts-
kräftig ist. Im Weiteren sind die Höhe der Entschädigung der Vertreterin der Pri-
vatklägerin (Dispositiv-Ziffer 5) und das Kostendispositiv (Dispositiv-Ziffer 7, 8 und
9) als rechtskräftig anzusehen (Prot. II S. 7). Es ist daher vorab mit Beschluss
festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in den Dispositivziffern 4, 5 und 7-9
in Rechtskraft erwachsen ist. In den übrigen Punkten ist das Urteil im Berufungs-
verfahren zu überprüfen.
3. Prozessuales
Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die Privatklägerin am 4. April 2019 einen
Strafantrag wegen Körperverletzung gegen den Beschuldigten stellen liess
(Urk. 2) und sich gleichentags sowohl als Straf- wie auch Zivilklägerin konstituierte
(Urk. 8/2).
4. Formelles
Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinanderzusetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; Urteil des Bundesgerichtes 6B_178/2019 vom 1. April 2020 E 4.4.11 mit
Hinweisen). Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.
II. Schuldpunkt - Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am 16./17. März 2019, mutmasslich am
16. März 2019, zwischen 16.00 und 20.00 Uhr, am Wohnort der Familie in Zürich
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der Privatklägerin, seiner Tochter B._, geboren am tt.mm.2014, zwei Mal je
eine brennende Zigarette an bzw. gegen ihren rechten Arm, Höhe mittlerer Unter-
arm Richtung Innenseite, auf die nackte Haut gedrückt zu haben. Dadurch habe
er zwei runde Hautläsionen im Sinne von Verbrennungsverletzungen im Durch-
messer von cirka 3 mm verursacht, welche der Privatklägerin Schmerzen bereitet
und eine medizinische Versorgung erforderlich gemacht hätten. Der Beschuldigte
habe wissentlich und willentlich gehandelt bzw. durch sein Tun die hervorgerufe-
nen Verletzungen zumindest in Kauf genommen.
2. Standpunkt des Beschuldigten bzw. der amtlichen Verteidigung
2.1. Der Beschuldigte zeigte sich von Beginn der Untersuchung an geständig,
die Privatklägerin am 16. März 2019, zwischen 16.00 und 18.00 Uhr, mit einer
Zigarette verletzt zu haben. Er machte jedoch konstant geltend, dass es ein Unfall
gewesen sei. Die Privatklägerin sei in seine brennende Zigarette gelaufen, als er
und seine Partnerin bzw. die Mutter der Privatklägerin auf dem Balkon geraucht
hätten (Urk. 3/1 Frage 7). Sie habe "aua" geschrien. Dabei habe sie eine oder
zwei kleine Verletzungen erlitten. Es seien danach zwei kleine rote Punkte er-
sichtlich gewesen, welche er gemäss seiner Angabe vor Vorinstanz und vor
Obergericht mit Bepanthen versorgt und mit kaltem Wasser gekühlt habe (Prot. I
S. 13 f.; Urk. 58 S. 6). Der Beschuldigte bestreitet mithin, die Privatklägerin ab-
sichtlich zweimal mit der Zigarette verletzt zu haben (Prot. I S. 20 und S. 27;
Urk. 58 S. 6; Prot. II S. 11).
2.2. Die Verteidigung brachte vor Vorinstanz und an der Berufungsverhandlung
zusammengefasst vor, dass zum Tatzeitpunkt bei der Privatklägerin keine
(schwere) Einschlafproblematik mehr bestanden und es am fraglichen Abend
auch keinen Konflikt wegen des Zubettgehens gegeben habe (Urk. 25 S. 4;
Urk. 61 S. 2). Die Wunden der Privatklägerin liessen zudem darauf schliessen,
dass es eine Berührung der Haut mit der Glut der Zigarette gegeben habe, da das
Ausdrücken eine Zigarette auf der Haut "gerichtsnotorisch" zu viel grösseren
Wunden führen müsse. Das Wort "Ausdrücken" sei aus einer Interpretation einer
Geste der Privatklägerin durch die Zeuginnen C._ und D._ entstanden
(Urk. 25 S. 5). Entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft würden die Aus-
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sagen der Zeuginnen C._, D._ und E._ bei näherer Betrachtung
nicht übereinstimmen (Urk. 61 S. 1 f.). Aufgrund der Unsicherheiten über die In-
terpretation der Aussagen der Privatklägerin, insbesondere aufgrund ihres Alters,
sei nicht mit Sicherheit erstellt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin absicht-
lich mit der Zigarette verletzt habe (Urk. 25 S. 9; Urk. 61 S. 3). Der Beschuldigte
sei daher in Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils nur der fahrlässigen Körper-
verletzung schuldig zu sprechen (Urk. 25 S. 10; Urk. 61 S. 6).
3. Ausgangslage
3.1. Die Vorinstanz kam zusammengefasst zum Schluss, dass sich aus
den von den Zeuginnen C._ [Kitabetreuerin der Privatklägerin], D._
[Familienbegleiterin], F._ [Assistenzärztin] und E._ [Beiständin der Pri-
vatklägerin] wiedergegebenen Äusserungen der Privatklägerin nicht erstellen las-
se, ob der Beschuldigte die Zigarette mit Absicht auf dem Arm der Privatklägerin
ausgedrückt habe, oder ob die Privatklägerin – so wie der Beschuldigte geltend
macht – in die Zigarette gelaufen sei. Die von der Zeugin C._ beobachtete
Dreh- respektive von der Zeugin E._ beobachtete Tippbewegung der Privat-
klägerin liessen keine wirklichen Rückschlüsse auf ein vorsätzliches Ausdrücken
der Zigarette zu. Vielmehr handle sich dabei um typische Handbewegungen beim
Rauchen, welche die Privatklägerin vermutlich bereits unzählige Male habe be-
obachten können. Das Gutachten des IRM [Instituts für Rechtsmedizin] zeige,
dass eine Entstehung durch thermische Reizung, geschweige denn eine absicht-
liche Herbeiführung der Wunden durch Ausdrücken einer Zigarette, nicht nach-
gewiesen werden könne. Auch die Grösse der Verletzungen von 0.3 cm und
0.4 cm würden nicht einem typischen Verletzungsbild einer mit Absicht ausge-
drückten Zigarette entsprechen, welche üblicherweise einen Durchmesser von
0.5 cm bis 0.8 cm aufweisen würden. Die Aussagen des Beschuldigten seien ins-
gesamt in sich stimmig, konstant und lebensnah und würden sich – zumindest in
Bezug auf das Kerngeschehen – mit denjenigen der Zeugin G._ [Lebens-
partnerin des Beschuldigten und Mutter der Privatklägerin] decken. Es sei dem-
nach in Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" zugunsten des Beschul-
digten davon auszugehen, dass die Privatklägerin in die Zigarette gelaufen und
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die zweite Verletzung durch das Abfallen von Glut entstanden sei (Urk. 38
S. 14 ff.). Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten schliesslich dem Antrag der
Verteidigung folgend nur der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 1 StGB schuldig (Art. 38 S. 16 ff.).
3.2. Die Staatsanwaltschaft hält mit ihrer Berufung zusammengefasst dagegen,
dass die Zeuginnen C._, D._ und E._ widerspruchsfrei ausgesagt
sowie deckungsgleich das Vorzeigen der Privatklägerin, wie eine Zigarette auf ih-
rem Unterarm ausgedrückt werde, beschrieben hätten. Dies lasse keinen Inter-
pretationsspielraum für "ein in eine Zigarette Hineinlaufen". Das zufällige Berüh-
ren der Zigarette in der Hand des Beschuldigten hätte sich anders dargestellt und
wäre von der Privatklägerin sicherlich auch anders gezeigt worden. Das Aussa-
geverhalten des Beschuldigten sei widersprüchlich und ausweichend und passe
insbesondere nicht zu den festgestellten Verletzungen am rechten innenseitigen
Unterarm der Privatklägerin. So wie der Beschuldigte den Sachverhalt schildere,
hätte die Verletzung am linken Arm bzw. an der linken Körperseite der Privatklä-
gerin resultieren müssen. Der Beschuldigte habe denn auch den linken Arm als
Örtlichkeit bezeichnet, wo B._ sich an seiner brennenden Zigarette verbrannt
haben soll. Es würden sich überdies auch nicht zwei identische und nahe beiei-
nanderliegende Brandverletzungen finden lassen, wenn sich der Vorfall so zuge-
tragen hätte, wie der Beschuldigte behaupte. Das Verletzungsbild der beiden
Brandnarben [wohl: Brandwunden] wäre auch nicht so schön rund ausgefallen,
wenn die Zigarette nur gestreift oder nicht frontal gegen die Haut gelangt wäre.
Die Grösse der Verletzungen als zu klein für ein bewusstes Brennen mit der Ziga-
rette zu bezeichnen, gehe nicht an. Die Aussagen der Partnerin des Beschuldig-
ten und Kindsmutter seien als Gefälligkeitsaussagen zugunsten des Beschuldig-
ten anzusehen. Das Motiv des Beschuldigten ergebe sich aus den Aussagen der
Privatklägerin. Der Beschuldigte habe sich geärgert, weil die Privatklägerin nicht
habe schlafen wollen (zum Ganzen Urk. 39; Urk. 59).
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4. Sachverhaltserstellung
4.1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze zur Sachverhaltserstellung und
Beweiswürdigung in ihrem Entscheid zutreffend wiedergegeben. Darauf kann, um
unnötige Wiederholungen zu vermeiden, verwiesen werden (Urk. 38 S. 7 f.).
4.2. Beweislage
Die Vorinstanz hat die vorhandenen Beweismittel – Aussagen des Beschuldigten
(Urk. 3/1-4 und Prot. I S. 10 ff.), die Einvernahmen von C._ (Urk. 5/1-2),
D._ (Urk. 5/6+7), F._ (Urk. 5/9), E._ (Urk. 5/11) sowie G._
(Urk. 5/4+5), die Aktennotiz der Staatsanwaltschaft über das Telefonat mit der
Assistenzärztin Dr. med. F._ vom Kinderspital Zürich (Urk. 6/2), den ärztli-
chen Bericht des Kinderspitals Zürich vom 20. März 2019 (Urk. 6/4), die dazuge-
hörige Fotodokumentation des Kinderspitals Zürich (Urk. 6/5) und das Gutachten
zur körperlichen Untersuchung des IRM vom 1. April 2019 (Urk. 6/6) – grundsätz-
lich vollständig aufgelistet. Zu ergänzen ist, dass zusätzlich eine E-Mail von
Dr. med. H._, Assistenzärztin im IRM, vom 3. April 2019 an die Staatsan-
waltschaft im Nachgang zum Gutachten vorliegt (Urk. 6/7). Die Privatklägerin
selbst machte anlässlich ihrer Videobefragung vom 4. April 2019 keine sach-
dienlichen Aussagen (Urk. 4).
Die Vorinstanz hat den Inhalt der genannten Beweismittel zwar (teilweise) bereits
in ihrem Entscheid aufgeführt, worauf grundsätzlich vorab verwiesen werden
kann. Einige Ergänzungen bzw. Präzisierungen sind indessen zwecks schlüssiger
und stringenter Sachverhaltserstellung notwendig. Die nachfolgende Wiedergabe
der Inhalte der Beweismittel ist jeweils als Zusammenfassung zu verstehen.
4.2.1. Aussagen des Beschuldigten
4.2.1.1. In der polizeilichen Einvernahme vom 20. März 2019 sagte der Beschul-
digte aus, die Privatklägerin sei am Samstagabend, 16. März 2019, voller Energie
gewesen. Er [der Beschuldigte] und seine Freundin [G._] seien auf dem Bal-
kon gewesen und hätten geraucht. B._ sei in der Wohnung herumgerannt.
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Sie hätten ihr noch gesagt, sie solle nicht rumrennen. Die Balkontüre sei hinter
ihm gewesen, wie immer nach innen offen. Die Zigarette habe er in der rechten
Hand seitlich von sich gehalten. Die Privatklägerin sei aus der Wohnung gekom-
men und mit ihrem linken Arm einmal gegen die brennende Zigarette gelaufen
(Urk. 3/1 Fragen 7, 20, 22, 24, 26 und 29). Die Privatklägerin habe "Aua" ge-
schrien und auf Nachfrage "Papi Zigi, Papi Zigi" gesagt (Urk. 3/1 Frage 25). Sie
habe sich auf der mittleren Höhe des linken Unterarms verletzt, wobei er es "nur
ein bisschen" als roten Punkt empfunden habe (Urk. 3/1 Fragen 27 f.). Er habe
kaltes Wasser darüber laufen lassen (Urk. 3/1 Frage 7). Die zwei kleinen roten
Punkte mit einem Abstand von cirka 5 bis 10 cm habe er erst am Montagabend
bemerkt, wobei sie wie Mückenstiche ausgesehen hätten (Urk. 3/1 Fragen 30 f.).
Auf Vorhalt des Fotos der Verletzungen der Privatklägerin gab der Beschuldigte
dann an, der eine Punkt sehe aus wie eine Verbrennung und der andere wie eine
Verletzung (Urk. 3/1 Fragen 43 und 48). Es stimme nicht, dass er die Privatkläge-
rin gebrannt habe, weil sie nicht habe schlafen wollen (Urk. 3/1 Frage 41). Er
könne sich nicht erklären, weshalb die Privatklägerin dies am Montag [18. März
2019] der Kitaleiterin gesagt habe. Die von der Kita wüssten eigentlich auch, dass
die Privatklägerin eine lebhafte Fantasie habe (Urk. 3/1 Frage 13). Wenn die Pri-
vatklägerin keinen Mittagsschlaf gemacht habe, schlafe sie zwischen 18.30 bis
19.30 Uhr auch ohne Probleme ein. Mit einem Mittagsschlaf sei sie am Abend
meistens noch lebhaft und aufgebracht (Urk. 3/1 Frage 55).
4.2.1.2. In der Hafteinvernahme vom 21. März 2019 gab der Beschuldigte an, er
und seine Freundin seien am Samstagabend [16. März 2019] auf dem Balkon ge-
standen. Er [der Beschuldigte] sei hinter der Balkontüre [wohl gemeint: in der
Fortsetzung der Balkontür] gestanden und habe eine Zigarette in seiner rechten
Hand schräg nach unten gehalten (Urk. 3/2 Fragen 13 und 15). Die Privatklägerin
sei in die Zigarette gelaufen und habe "Aua" geschrien (Urk. 3/2 Frage 14). Dies
sei zwischen 16.00 und 18.00 Uhr gewesen (Urk. 3/2 Frage 34). Die Privatkläge-
rin sei ein kleines Energiebündel und man kriege sie schwer ins Bett. Dies sei
nicht nur an jenem Samstag so gewesen (Urk. 3/2 Frage 18). Die Privatklägerin
habe die Zigarette mit ihrem linken, mittleren Arm berührt (Urk. 3/2 Frage 19). Er
habe die brennende Zigarette in den Aschenbecher gelegt und kaltes Wasser
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über ihren Arm laufen lassen. Dabei habe er ein oder zwei rote Pünktchen auf
ihrem Arm gesehen (Urk. 3/2 Fragen 22 und 28). Die Verletzung habe nach einer
kleinen, leichten Verbrennung ausgesehen (Urk. 3/2 Frage 29). Die zwei Punkte
hätten einen Abstand von cirka 5 bis 10 cm. Seine Freundin habe die Vermutung
geäussert, dass der zweite rote Punkt ein Mückenstich sei (Urk. 3/2 Frage 32).
Auf Vorhalt, dass die Privatklägerin am 18. März 2019 in der Kita erzählt habe, er
[der Beschuldigte] habe dies mit der Zigarette gemacht, da sie nicht habe schla-
fen wollen, gab der Beschuldigte an, dass dies nicht stimme und er es sich nicht
erklären könne (Urk. 3/2 Fragen 40 f.). Die Privatklägerin habe sich seit dem Vor-
fall in der Kita ihm und seiner Freundin bzw. ihrer Mutter gegenüber um 180 Grad
gedreht (Urk. 3/2 Frage 44). Zuvor sei alles in Ordnung gewesen (Urk. 3/2 Frage
45). Die Privatklägerin könne wohl nicht zwischen Wahrheit und Lüge vollends
unterscheiden (Urk. 3/2 Frage 47). Die Privatklägerin sei an diesem Wochenende
zu normalen Zeiten ins Bett und nach cirka 15 Minuten auch eingeschlafen
(Urk. 3/2 Frage 69).
4.2.1.3. In der Schlusseinvernahme vom 20. Juni 2019 gab der Beschuldigte an,
das Schlafproblem der Privatklägerin sei zwei, drei Monate vor dem 18. März
2019 behoben gewesen (Urk. 3/4 Frage 8). Es sei ein Unfall gewesen. Er habe
die Privatklägerin nicht vorsätzlich oder fahrlässig verletzt (Urk. 3/4 Frage 15).
4.2.1.4. Vor Vorinstanz sagte der Beschuldigte aus, es sei ein Unfall gewesen.
Die Privatklägerin sei ihm am Samstag, 16. März 2019, zwischen 16.00 bis
18.00 Uhr, einmal in die Zigarette gelaufen, habe "aua" geschrien und eine oder
zwei kleine Verbrennungen erlitten. Es seien nur zwei kleine rote Punkte ge-
wesen. Die Privatklägerin habe nicht über Schmerzen geklagt, weshalb sie es
nicht für notwendig gehalten hätten, zum Arzt zu gehen (Prot. I S. 13 f.). Er habe
Bepanthen aufgetragen und die Verletzung unter kaltes Wasser gehalten. Die
zweite Verbrennung sei möglicherweise durch eine Windverwehung passiert
(Prot. I S. 14). Er habe die Privatklägerin nicht absichtlich verletzt (Prot. I S. 20).
4.2.1.5. An der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte an seinem Stand-
punkt fest, dass die Privatklägerin aus dem Zimmer rausgeschossen auf den
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Balkon gekommen und in die Zigarette hineingelaufen sei. Die Verbrennung sei
durch die Glut verursacht worden. Er habe es dann gekühlt und eingecremt. Die
Privatklägerin habe sich später über keine Schmerzen mehr beklagt, weshalb sie
nicht zum Arzt oder ins Spital gegangen seien (Urk. 58 S. 6 f.).
4.2.2. Aussagen von Frau G._
4.2.2.1. G._, die Freundin des Beschuldigten und Mutter der Privatklägerin,
sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 20. März 2019 aus, die Privatklägerin
sei im Moment ein wildes Huhn. Sie habe am Abend zurzeit wie einen Adrenalin-
schub und renne in der Wohnung umher. Am fraglichen Samstagabend,
16. März 2019, zwischen 19.00 bis 20.00 Uhr, hätte die Privatklägerin eigentlich
zu Bett gehen sollen. Sie sei dann auf den Balkon herausgeschossen gekommen,
wo sie und der Beschuldigte am Rauchen gewesen seien, und direkt in die Ziga-
rette des Beschuldigten gerannt. Dabei habe sie "aua" gesagt (Urk. 5/4 Fragen 3
und 13). Die Privatklägerin sei vor dem Vorfall schon im Bett gewesen und dann
einfach wieder aus dem Bett rausgestiegen (Urk. 5/4 Frage 5). Manchmal brau-
che es mehrere Anläufe bis die Privatklägerin einschlafe bzw. in ihrem Bett liegen
bleibe (Urk. 5/4 Frage 5). Sie habe einen Punkt am linken oder rechten Unterarm
der Privatklägerin gesehen. Der zweite rote Punkt sei vielleicht von der Glut der
Zigarette, welche hochgespickt sei, oder ein Mückenstich (Urk. 5/4 Frage 9). Sie
habe die Verbrennung der Privatklägerin nicht behandelt und wisse nicht, ob der
Beschuldigte noch etwas gemacht habe. Er habe sie anschliessend ins Bett ge-
bracht (Urk. 5/4 Fragen 11 und 12). Die Privatklägerin sei "ja irgendwie selber
schuld", sie sei "ja in die Zigarette gerannt" (Urk. 5/4 Frage 13). Die Privatklägerin
habe ab und zu wirklich eine blühende Fantasie und ein sprachliches Defizit,
weshalb sie, wenn man sie nicht kenne, nicht in der Lage sei, zu einem Thema
verständlich Auskunft zu geben (Urk. 5/4 Fragen 15 ff.). Der Beschuldigte habe
die Privatklägerin nicht bewusst verletzt. Die Privatklägerin sei ihr vor zwei bis
drei Monaten auch schon in die Zigarette gelaufen. Damals habe sie sich auch
am Arm verletzt (Urk. 5/4 Frage 25).
4.2.2.2. In der Befragung als Zeugin vom 23. Mai 2019 gab G._ an, der Vor-
fall sei zu tausend Prozent am Sonntag [17. März 2019] gewesen. Die Privatklä-
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gerin sei an diesem Tag "sowieso" sauer auf den Beschuldigten gewesen, da er
zu Hause die Schwimm-Ente vergessen habe. Sie habe keinen Mittagsschlaf ma-
chen wollen, als sie wieder nach Hause gekommen seien. Danach hätten sie
noch verschiedene Sachen gemacht, zu Abend gegessen und dann hätte die
Privatklägerin ins Bett gehen sollen. Sie sei auch ins Bett gegangen, wobei das
mit dem Sofort-einschlafen selten gegangen sei, weil die Familienbegleitung be-
schlossen habe, dass die Privatklägerin in ihrem eigenen Zimmer schlafen müs-
se. Nach dem Gute-Nacht-Lied seien sie und der Beschuldigte auf den Balkon
rausgegangen, um zu rauchen. Die Balkontüre sei sperrangelweit offen gewesen.
Plötzlich sei die Privatklägerin auf den Balkon rausgerannt und in die Zigarette
des Beschuldigten reingerannt. Die Privatklägerin habe geweint. Sie habe eine
(und nicht zwei) Verletzung[en] bzw. Verbrennung[en] gehabt. Es gehe gar nicht
anders (Urk. 5/5 Fragen 12 und 25). Der Beschuldigte habe es geputzt, desinfi-
ziert und habe sie erneut ins Bett gebracht (Urk. 5/5 Fragen 12 und 34). Sie sei
sich nicht sicher, glaube aber, es sei am linken Unterarm gewesen (Urk. 5/5
Fragen 25 f.). Die Verletzung sei rot gewesen, habe aber nicht so schlimm aus-
gesehen wie am nächsten Tag. Die Privatklägerin sei eine, die kratze, auch bei
Mückenstichen (Urk. 5/5 Frage 29). Es könne sein, dass Glut nach hinten gefallen
sei oder der obere Punkt ein Mückenstich sei (Urk. 5/5 Frage 41). Vor cirka
sieben Monaten sei die Privatklägerin ihr schon einmal in eine Zigarette gerannt
und habe sich dabei verletzt (Urk. 5/5 Fragen 21 und 45 ff.).
Seit die Privatklägerin in ihrem eigenen Zimmer schlafen müsse, brauche es meh-
rere Anläufe bis sie schliesslich einschlafe. Dies sei zwei bis drei Wochen bevor
das Ganze passiert sei, entschieden worden (Urk. 5/5 Fragen 36 f.). Die Privat-
klägerin wehre sich immer gegen den Mittagsschlaf. Es sei normal bei der Privat-
klägerin, dass sie schwer zu Bett zu kriegen sei, insbesondere, wenn sie etwas
nicht wolle (Urk. 5/5 Fragen 39 f.). Wenn die Privatklägerin keinen Mittagsschlaf
mache, daure das Einschlafen im eigenen Zimmer 10 Minuten bis zu einer halben
Stunde (Urk. 5/5 Frage 58).
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4.2.3. Aussagen von Frau C._
4.2.3.1. C._, die Kitabetreuerin der Privatklägerin, sagte in der
polizeilichen Einvernahme vom 19. März 2019 aus, sie habe bereits am Morgen
des 18. März 2019 gemerkt, dass die Privatklägerin mehrfach ihre Nähe gesucht
habe und ihr etwas habe sagen wollen. Die Privatklägerin sei nervös gewesen.
Beim Mittagessen hätten sie das Ritual, dass die langen Ärmel zurück gerollt
würden, was die Privatklägerin jedoch nicht gemacht habe. Beim Zähneputzen
habe die Privatklägerin zuerst den rechten Ärmel nach hinten geschoben und
dann C._ angeschaut. Dabei habe sie "Ou!" gesagt und auf ihren rechten
Unterarm gezeigt. Sie [C._] habe dorthin geschaut und die Privatklägerin ge-
fragt, was sie dort habe (Urk. 5/1 Frage 27). Auf dem rechten Unterarm habe sie
zwei Verbrennungen gesehen. Umgangssprachlich nenne man dies "Brändis",
das seien Mutproben, wenn man eine Zigarette auf den Arm drücke. Ihrer Mei-
nung nach seien auf dem Unterarm, obere Seite, zwei Verbrennungen mit einer
Zigarette verursacht worden (Urk. 5/1 Frage 28).
Die Privatklägerin habe dann zu weinen begonnen und gesagt "Papi" oder "Papa
hat gemacht, weil B._ [gemeint: die Privatklägerin B._] nicht schlafen".
Dabei habe sie geweint und gezittert und habe zu ihr kommen und umarmt wer-
den wollen. Die Äusserung "B._ [gemeint: die Privatklägerin B._] nicht
schlafen" habe sie mehrfach wiederholt (Urk. 5/1 Frage 31). Auf Nachfrage, wie
der Beschuldigte dies gemacht habe, habe die Privatklägerin gesagt, "Mit Zigi
tschschsch". Gleichzeitig habe sie eine Handbewegung gemacht, die zeige, wie
eine Zigarette auf ihrem Unterarm ausgedrückt werde. Sie habe weiter geweint
und sie habe sie beruhigt (Urk. 5/1 Frage 32). Aufgrund der Schilderung der Pri-
vatklägerin gehe sie davon aus, dass der Beschuldigte sie mit einer Zigarette ver-
letzt habe (Urk. 5/1 Frage 37).
G._ habe die Privatklägerin um 16.00 Uhr abgeholt. Sie [C._] habe ihr
gesagt, dass die Privatklägerin zwei Verletzungen habe. G._ habe zunächst
in Anwesenheit der Privatklägerin gesagt, ob die Privatklägerin nicht erzählt ha-
be, was sie gemacht habe. C._ habe dann gesagt, die Privatklägerin habe es
ihr schon erzählt. G._ habe dann gesagt, die Privatklägerin sei in die Zigaret-
- 15 -
te des Beschuldigten reingelaufen (Urk. 5/1 Frage 39). Die Schilderung von
G._ sei aus ihrer Sicht nicht glaubhaft gewesen. Sie sei dem konkreten
Sachverhalt aus dem Weg gegangen (Urk. 5/1 Frage 40).
4.2.3.2. In der Zeugenbefragung vom 23. Mai 2019 gab C._ zu Protokoll, die
Privatklägerin sei am 18. März 2019 direkt zu ihr gerannt und habe einen nervö-
sen Eindruck gemacht, als habe sie ihr etwas erzählen wollen. Sie habe ihre Nä-
he gesucht. Nach dem Mittagessen habe die Privatklägerin beim Händewaschen
die Ärmel hochgezogen und sie [C._] habe zwei Verletzungen am linken
Oberarm festgestellt, wobei C._ in der Befragung zwei Punkte auf dem eige-
nen linken Unterarm zeigte (Urk. 5/2 Frage 11). Auf Vorhalt, dass sie bei der Poli-
zei vom rechten Unterarm gesprochen habe, gab C._ an, sie habe das heute
nicht mehr in Erinnerung (Urk. 5/2 Frage 25). Die Privatklägerin habe zu weinen
begonnen. Auf Nachfrage, was sie da habe, habe die Privatklägerin gesagt "Papi,
Zigi, tschtsch". Die Privatklägerin sei ganz aufgelöst gewesen (Urk. 5/2 Frage 11).
Sie habe es auch mit einer Bewegung gezeigt. C._ ahmte die Bewegung der
Privatklägerin nach, indem sie mit dem Zeigefinger in der Luft zweimal nach unten
drückte (Urk. 5/2 Frage 17).
C._ sagte zudem aus, sie kenne solche Verletzungen, weil sie früher selber
geraucht habe. Es handle sich um sog. "Brändis". Dies bedeute, dass man die Zi-
garette schnell auf die Haut drücke (Urk. 5/2 Frage 22). Über Mittag habe die Pri-
vatklägerin mehrfach gesagt, dass der Beschuldigte mit der Zigarette etwas ge-
macht habe (Urk. 5/2 Frage 38).
G._ habe ihr zunächst, als sie die Privatklägerin um 16.00 Uhr von der Kita
abholte, gar nicht richtig zugehört (Urk. 5/2 Frage 11). Nachdem sie ihr gesagt
habe, dass die Privatklägerin am Unterarm etwas habe, was nach einer Verbren-
nung ausschaue, habe G._ gesagt, die Privatklägerin sei in die Zigarette ge-
rannt (Urk. 5/2 Fragen 11 und 44). Die Privatklägerin sei am Schlafen gewesen
und wieder aus dem Bett gekommen (Urk. 5/2 Fragen 11 und 51). Sie [C._]
wisse von G._, dass die Privatklägerin Schwierigkeiten habe, am Abend ein-
zuschlafen und keinen Mittagsschlaf mehr machen wolle (Urk. 5/2 Frage 63).
- 16 -
4.2.3.3. C._ reichte zudem im Nachgang zur Einvernahme die Notizen der
Kita über die Privatklägerin ein (vgl. Urk. 5/2 Fragen 11 f.). Am 18. März 2019
steht dort sinngemäss geschrieben: Die Privatklägerin beklage sich über zwei
Verbrennungen am rechten Arm. Die habe der Beschuldigte mit der Zigarette ge-
macht, weil sie nicht habe schlafen wollen (Urk. 5/3).
4.2.4. Aussagen von Frau D._
D._, die sozialpädagogische Familienbegleiterin seit September 2018, sagte
als Zeugin am 23. Mai 2019 aus, sie habe die Privatklägerin vor dem Besuch im
Kinderspital vom 19. März 2019 auf die Verletzungen an ihrem Unterarm ange-
sprochen und darauf gezeigt. Die Privatklägerin habe gesagt "Papa" oder "Papi"
und habe mit den Fingern Drehbewegungen gegen ihren Unterarm gemacht und
"Zigarette" gesagt. D._ zeigte die Bewegung vor und machte mit der rechten
Hand, Daumen-, Zeige- und Mittelfinger, Drehbewegungen gegen den linken Arm.
Zudem habe die Privatklägerin "Aua" oder etwas Ähnliches gesagt (Urk. 5/7
Fragen 11 f.). Es seien kleine, sehr runde Verletzungen, runde Kreise gewesen.
Es würde gut zu einer Zigarette passen (Urk. 5/7 Frage 30). Sie habe zwei Ver-
letzungen gesehen. G._ habe ihr gesagt, die Privatklägerin sei in die Ziga-
rette gelaufen, als sie auf dem Balkon geraucht hätten. Die Verletzungskreise sei-
en aber sehr geschlossen gewesen. Es habe nicht nach einem Strich ausgesehen
(Urk. 5/7 Frage 31).
Als sie die Privatklägerin für den Spitalbesuch abgeholt habe, hätten ihr der Be-
schuldigte und G._ unisono gesagt, es sei seit heute und gestern ganz
schlimm, die Privatklägerin erzähle nur "Seich" und folge nicht mehr (Urk. 5/7
Frage 32). Die Eltern hätten zur Privatklägerin gesagt, sie müsse im Zimmer
bleiben. Die Privatklägerin habe sehr verstört gewirkt. Sie habe der Privatklägerin
gesagt, dass sie [D._] ihr die Erlaubnis gebe, zu ihr zu kommen. Die Privat-
klägerin sei daraufhin zu ihr gekommen und habe sie umarmt (Urk. 5/7 Frage 32).
Den Eindruck der Eltern habe sie nicht gehabt. Die Privatklägerin sei auch mit
Frau E._ sehr vertraut umgegangen und habe alles gemacht, was sie
[D._ und Frau E._] gesagt hätten. Sie hätten sich abends zwischen
- 17 -
20.00 und 21.00 Uhr bei der Privatklägerin im Kinderheim verabschiedet. Die Pri-
vatklägerin habe nie nach den Eltern gefragt (Urk. 5/7 Frage 34).
Das Schlafen sei ein Reizthema bei der Privatklägerin und ihren Eltern gewesen.
Das Einschlafen sei vor allem vor der Abklärung [Oktober/November 2018] ein
grosses Problem gewesen. Im März 2019 habe man die Situation verändert, dass
die Privatklägerin in ihrem eigenen Zimmer schlafe. Dies sei auf grossen Wider-
stand von G._ gestossen (Urk. 5/7 Fragen 26 f.). Es bestehe ein Zusam-
menhang zwischen Mittagsschlaf und abendlichen Einschlafschwierigkeiten. Die
Privatklägerin habe keinen Schlafrhythmus gehabt. G._ habe sich stark ge-
gen den Mittagsschlaf gewehrt, da die Privatklägerin dann abends nicht mehr
schlafe (Urk. 5/7 Fragen 36 f.).
4.2.5. Aussagen von Frau E._
E._, die Beiständin der Privatklägerin, sagte als Zeugin am 6. Juni 2019 aus,
sie sei dabei gewesen, als D._ die Privatklägerin am 19. März 2019 auf die
Verletzungen angesprochen habe. D._ habe den Arm der Privatklägerin be-
rührt und gefragt, ob sie ihr sagen könne, was das sei. Die Privatklägerin habe mit
dem Finger auf ihrem Arm gezeigt und gesagt "Papa Zigi, aua, nicht gut".
E._ zeigte mit dem Zeigefinger und Daumen zusammengedrückt Tippbe-
wegungen gegen den Unterarm und damit die gezeigte Geste der Privatklägerin
vor (Urk. 5/11 Fragen 13 und 16). Drehbewegungen der Finger habe sie nicht ge-
sehen. Sie sei aber auch weiter weg gewesen als D._ (Urk. 5/11 Frage 17).
Sie habe die Verletzungen am Arm gesehen. Es seien zwei runde Verletzungen
mit einer Kruste darüber gewesen. Sie hätten nicht wie Mückenstiche und auch
nicht wie eine Streifung ausgesehen, sondern platziert (Urk. 5/11 Fragen 25 f.).
Sie [E._] sei auch schon unabsichtlich mit einer Zigarette berührt worden. Ih-
re Verletzung habe anders ausgesehen als diejenige der Privatklägerin. Es sei
nur eine leichte Rötung gewesen, da sie nur gestreift worden sei (Urk. 5/11 Fra-
ge 32).
4.2.6. Medizinische Unterlagen und Zeugenaussage von Frau Dr. med. F._
- 18 -
4.2.6.1. Aktennotiz über das Telefonat mit Dr. med. F._
Der Aktennotiz der Staatsanwaltschaft vom 20. März 2019 über das gleichentags
geführte Telefonat mit Assistenzärztin Dr. med. F._ lässt sich entnehmen,
dass bei der Privatklägerin [im Rahmen der Untersuchung im Kinderspital am
19. März 2019] zwei Brandverletzungen festgestellt worden seien, welche auf-
grund deren sehr runden Form auf eine brennende Zigarette als Ursache schlies-
sen lassen würden. Gestützt auf die festgestellten Verletzungen sei davon auszu-
gehen, dass diese durch Andrücken / Ausdrücken einer brennenden Zigarette auf
der Kinderhaut und nicht durch ein zufälliges Drankommen entstanden seien. Im
Arztbericht habe sie [F._] die Verletzungen entsprechend als nicht akziden-
tielle Verbrennungen durch eine Zigarette eingeordnet. Dies sei vom IRM foren-
sisch aber noch zu verifizieren. F._ liess weiter mitteilen, dass es sich um
zwei Brandverletzungen mit Abstand handle, welche nicht durch ein und dasselbe
Handeln hätten entstanden sein können. Die beiden runden Brandverletzungen
würden aber gleich alt erscheinen. Ein zweimaliges Ausdrücken einer Zigarette
sei wahrscheinlich (Urk. 6/2). Zudem habe die Privatklägerin mehrfach un-
missverständlich erklärt, dass der Beschuldigte eine Zigarette an der Stelle der
Verletzung ausgedrückt habe. Die Privatklägerin habe dies durch Vorzeigen auch
demonstriert, nachdem sie zunächst gesagt habe, dass sie die Ursache nicht
sagen wolle und der Beschuldigte "sauer" werde, wenn sie erzähle, was er ge-
macht habe (Urk. 6/2).
4.2.6.2. Zeugenaussage von Frau Dr. med. F._
F._, welche die Privatklägerin wie erwähnt als Ärztin am 19. März 2019 un-
tersuchte, gab in der Zeugenbefragung vom 23. Mai 2019 sachdienlich zu Proto-
koll, der ärztliche Bericht vom 20. März 2019 entspreche der Wahrheit (Urk. 5/9
Frage 12). Die Privatklägerin habe einmal gesagt "Papi, Zigarette Aua" (Urk. 5/9
Fragen 13, 17 und 32). Als sie gefragt habe, habe die Privatklägerin gesagt "Papa
wütend", was sie [F._] nicht genau habe zuordnen können (Urk. 5/9 Fra-
ge 21).
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Auf Vorhalt der Aktennotiz über das Telefonat vom 20. März 2019 gab F._
an, sie sei keine Rechtsmedizinerin und könne deshalb nur von "mutmasslichen"
Brandverletzungen sprechen, welche durch eine Zigarette oder einen anderen
runden Gegenstand entstanden sein könnten. Sie könne auch nicht sagen, ob es
von einer brennenden Zigarette oder Asche stamme. Ein zweimaliges Aus-
drücken einer Zigarette sei möglich, da sie nicht wisse, ob es wirklich von einer
Zigarette stamme (Urk. 5/9 Frage 22). Die Aussage der Privatklägerin habe sie
klar verstanden. Die Privatklägerin habe bei ihr [aber] nicht gezeigt, wie es pas-
siert sei (Urk. 5/9 Frage 23).
Die beiden Verletzungen seien in Form und Grösse identisch gewesen, einfach
eine 2 mm und eine 3 mm gross. Sie hätten auch ähnliche Aspekte gehabt
(Urk. 5/9 Frage 24). Wenn das eine ein Mückenstich gewesen wäre, hätte er defi-
nitiv aufgekratzt sein müssen (Urk. 5/9 Frage 26). Die Wunden seien verkrustet
gewesen (Urk. 5/9 Frage 28).
4.2.6.3. Arztbericht des Kinderspitals Zürich
Im Arztbericht des Kinderspitals Zürich vom 20. März 2019, verfasst durch
Dr. med. F._, ist sachdienlich festgehalten, dass bei der Privatklägerin am
19. März 2019 zwei rundliche Hautläsionen am Unterarm rechts festgestellt wur-
den, welche am ehesten durch eine nicht akzidentielle Verbrennung mit einer Zi-
garette verursacht sein könnten. Im Weiteren lässt sich dem Bericht entnehmen,
dass es sich um zwei rundliche, rot-bräunlich verkrustete Läsionen mit minimal
umgebender Rötung handelte, wobei die proximale Läsion einen Durchmesser
von cirka 2 mm, die distale Läsion cirka 3 mm Durchmesser hatte. Die festgestell-
ten Läsionen seien gemäss ärztlicher Einschätzung vom Aspekt her gut vereinbar
mit einer nicht akzidentiellen Verbrennung durch eine Zigarette, hätten denselben
Aspekt und seien wahrscheinlich ohne grossen zeitlichen Abstand entstanden.
Die Wunden waren zudem im Zeitpunkt der Untersuchung verkrustet, aber noch
nicht vollständig abgeheilt (Urk. 6/4).
- 20 -
4.2.6.4. Fotodokumentation des Kinderspitals Zürich
Auf der Fotodokumentation des Kinderspitals Zürich sind die zwei Verletzungen
mit rundlicher Struktur am rechten Unterarm der Privatklägerin gut erkennbar,
wobei der Abstand zwischen den beiden Verletzungen etwa 4 bis 5 cm beträgt
und die weiter handwärts liegende Verletzung etwa einen Durchmesser von 3 mm
und die andere Verletzung einen solchen von etwa 2 mm aufweist. Zu erkennen
ist im Weiteren, dass die Verletzungen jeweils von einer leichten Rötung von etwa
1 mm umgeben sind (Urk. 6/5).
4.2.6.5. Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM
Die Privatklägerin wurde am 21. März 2019 zusätzlich forensisch untersucht.
Dabei wurden an der rechten Unterarmstreckseite zwei in Abheilung befindliche
Verletzungen festgestellt, welche eine hellbraune, festsitzende Verkrustung und
einen schwachen roten Randsaum aufwiesen. Die weiter handwärts liegende
Verletzung hatte einen Durchmesser von cirka 0.4 cm und die andere einen von
cirka 0.3 cm. Aufgrund der bereits fortgeschrittenen Wundheilung war eine diffe-
renzierte Zuordnung eines Entstehungsmechanismus nicht möglich. Somit konnte
gemäss IRM eine Entstehung durch thermische Reizung (Zigarette) weder aus-
reichend belegt noch widerlegt werden (Urk. 6/6 S. 2 f.).
Ergänzend hielt das IRM unter Einbezug der vorgelegten Fotografien des Kinder-
spitals Zürich vom 19. März 2019 mit E-Mail an die Staatsanwaltschaft vom
3. April 2019 fest, dass die Verletzungen am rechten Unterarm durchaus Kriterien
der thermischen Gewalteinwirkung aufweisen, jedoch dafür nicht beweisend sei-
en, weshalb die Entstehung durch thermische Gewalteinwirkung, namentlich
durch eine Zigarette, weder ausreichend belegt noch widerlegt werden konnte
(Urk. 6/7).
4.3. Beweiswürdigung
4.3.1. Nach dem Gesagten ist gestützt auf die medizinischen Unterlagen erstellt,
dass bei der Privatklägerin wenige Tage nach dem Vorfall am rechten Unterarm
innenseitig zwei rundliche, bereits im Abheilung befindliche, verkrustete Ver-
- 21 -
letzungen festgestellt wurden, wobei – unter Berücksichtigung auch des roten
Randsaums – der Durchmesser der einen Verletzung cirka 3 mm und der ande-
ren cirka 4 mm betrug. Die beiden Verletzungen hatten zudem einen Abstand
zueinander von je nach Messart 4 bis 5 cm. Dr. med. F._, welche die Privat-
klägerin als Erste körperlich untersucht hatte, schloss am ehesten auf nicht akzi-
dentielle Verbrennungen mit einer Zigarette, mutmasslich Brandverletzungen und
sie hielt im Arztbericht zugleich fest, dass die beiden Wunden wahrscheinlich
ohne grossen zeitlichen Abstand entstanden seien, den gleichen Aspekt hätten
und vom Aspekt her gut vereinbar mit einer Verbrennung durch eine Zigarette
seien. Dr. med. F._ relativierte ihre Angaben später im Rahmen ihrer Zeu-
genbefragung dahingehend, dass sie keine Rechtsmedizinerin sei, weshalb ein
zweimaliges Ausdrücken einer Zigarette zwar möglich sei, aber sie nicht wisse, ob
die mutmasslichen Brandverletzungen tatsächlich von einer brennenden Zigarette
oder Asche oder einem anderen runden Gegenstand stammten.
Die ärztlichen Feststellungen von Dr. med. F._ lassen demnach auf zwei
zeitlich kurz nacheinander erfolgte Handlungen als Ursachen der Verletzungen
schliessen, wobei aufgrund des praktisch gleichen Aussehens der Wunden mit
grosser Wahrscheinlichkeit derselbe rundliche Gegenstand als Ursache zu ver-
muten ist. Zudem ist aufgrund des Verletzungsbildes gemäss der Ärztin von kei-
nem unfallbedingten Geschehen wie einem zufälligen Drankommen auszugehen
(Urk. 6/2). Das IRM konnte aufgrund der fortgeschrittenen Wundheilung
zwei Tage später eine thermische Reizung (durch eine Zigarette) weder aus-
reichend belegen noch widerlegen. Die Verletzungen hatten aber gemäss IRM
durchaus Kriterien einen thermischen Gewalteinwirkung.
Im Weiteren zeigt auch die Fotodokumentation des Kinderspitals ein klares Ver-
letzungsbild, welches für zwei platzierte Handlungen mit einem rundlichen Ge-
genstand als Ursache der Verletzungen spricht, und gerade nicht für zufällige
Ereignisse. Das ergibt sich neben den genannten ärztlichen Feststellungen und
Erläuterungen auch aus logischen Überlegungen: Bei einem Touchieren durch
abfallende oder hochgeworfene resp. windverwehte Asche, wie der Beschuldigte
und G._ erwähnten, hätte sich die zweite Wunde nicht als ebenso klar abge-
- 22 -
grenzte, rundliche und positioniert erscheinende Verletzung präsentiert, sondern
eher als bloss angedeutete, dezentere Läsion ohne so präzise Konturen (vgl. da-
zu auch die vorne zitierten, persönlichen Erfahrungen und einlässlichen Beschrei-
bungen der Zeuginnen C._ und D._).
4.3.2. Der Beschuldigte selbst räumte von Beginn der Untersuchung an ein, dass
er die Privatklägerin mit einer brennenden Zigarette verletzt habe. Er machte in-
dessen stets geltend, dass die Privatklägerin in die Zigarette hineingelaufen sei,
als er Letztere in seiner rechten Hand schräg nach unten gehalten habe. Seiner
Darstellung nach war es demnach ein Unfall. Gestützt auf seine Zugabe ist mithin
erstellt, dass zumindest eine rundliche Verletzung der Privatklägerin von einer
brennenden Zigarette herrührte.
Die weiteren Aussagen des Beschuldigten zum Tatgeschehen fallen entgegen der
Auffassung der Vorinstanz nicht konstant und widerspruchsfrei aus. Zunächst fällt
auf, dass er seine Aussage betreffend die wahrgenomme(nen) Verletzung(en) der
Privatklägerin im Laufe des Verfahrens ändert und die Verletzung(en) zunächst
als "ein bisschen ein roter Punkt", dann als zwei Mückenstiche, ein oder zwei rote
Pünktchen, eine kleine, leichte Verbrennung und eine weitere Verletzung und
schliesslich als zwei kleine Verbrennungen, wobei die zweite Verbrennung mög-
licherweise durch eine Windverwehung passiert sein könnte, umschrieb. Auch
seine Aussagen bezüglich der Versorgung der Wunde(n) sind ungleich, indem er
in der Untersuchung mehrmals angab, die Verletzung unter das kühle Wasser
gehalten zu haben und vor Vorinstanz dann zusätzlich zu Protokoll gab, sie mit
Bepanthen versorgt zu haben. Dieses Aussageverhalten zeigt auch eine gewisse
Bagatellisierung des Vorfalls bzw. der Verletzungen der Privatklägerin seitens des
Beschuldigten. Im Weiteren fallen seine Aussagen bezüglich der Schlafproblema-
tik der Privatklägerin nicht gleichbleibend aus. In der Hafteinvernahme räumte der
Beschuldigte zunächst ein, dass die Privatklägerin ein kleines Energiebündel und
schwer ins Bett zu kriegen sei. Dies sei nicht nur an jenem Samstag der Fall ge-
wesen (Urk. 3/2 Frage 18). G._ bestätigte dies. Sie gab dazu in beiden Be-
fragungen an, die Privatklägerin sei vor dem Vorfall schon im Bett gewesen und
dann einfach wieder aus dem Bett rausgestiegen (Urk. 5/4 Frage 5 und Urk. 5/5
- 23 -
Frage 12). Im Widerspruch dazu beschrieb der Beschuldigte etwas später in der
Hafteinvernahme ein unproblematisches Zu-Bett-Gehen und Einschlafen der Pri-
vatklägerin am Ereignisabend (Urk. 3/2 Frage 69; ähnlich Prot. I S. 17 f.: Die Ein-
schlafproblematik hätten sie seit anfangs Jahr im Griff).
Hinzu kommt, dass die Schilderung des Vorfalls durch den Beschuldigten in kei-
ner Art und Weise mit dem Verletzungsbild der Privatklägerin in Einklang gebracht
werden kann. Der Beschuldigte gab an, er sei mit dem Rücken zur Balkontüre
gestanden und die Privatklägerin sei vom Wohnzimmer in die Zigarette gerannt.
Dies würde bedeuten, dass die Privatklägerin eine Verletzung an ihrem linken
Arm bzw. an ihrer linken Körperseite aufweisen müsste. Die Verletzungen der
Privatklägerin befanden sich aber, wie dargelegt, am rechten Unterarm. Diese
"Verwechslung" der Körperseite ist entgegen der Auffassung der Verteidigung
nicht nebensächlich (Urk. 61 S. 5). Zudem stellte der Beschuldigte klar, dass die
Privatklägerin nur einmal in die Zigarette gerannt sei. Er konnte keine überzeu-
gende Erklärung zu Protokoll geben, weshalb die Privatklägerin dennoch zwei
praktisch gleiche Wunden mit einem Abstand von etwa 4 bis 5 cm aufwies, wel-
che nach ärztlicher Einschätzung im gleichen Zeitraum und mutmasslich durch
einen rundlichen Gegenstand entstanden sind. Würde die zweite Verletzung
durch Asche der Zigarette bedingt sein, hätte sie wie vorne dargelegt mit an Si-
cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine so rundliche, geschlossene Struktur
wie die erste Verletzung, sondern es würde sich vielmehr um eine gerötete Stelle
ohne klare Struktur auf der Haut handeln. Die These eines Mückenstichs ist auf-
grund des praktisch übereinstimmenden Verletzungsbildes und der Verkrustung
beider Wunden ebenso wenig stichhaltig. Dr. med. F._ gab dazu ohnehin an,
dass im Falle eines Mückenstichs die Wunde definitiv aufgekratzt wäre (dazu
ebenso G._; Urk. 5/4 Frage 9).
G._ bestätigte zwar im Grundsatz die Version des Beschuldigten, wonach
die Privatklägerin einmal in die brennende Zigarette des Beschuldigten gelaufen
sei. Auffallend ist indessen zunächst, dass sie den Vorfall in der ersten Einver-
nahme am Abend des 16. März 2019 einordnete und in der zweiten Befragung
dann "zu tausend Prozent" sicher sein wollte, dass es am Sonntag, 17. März
- 24 -
2019, gewesen sei, wobei die Privatklägerin am Tag des Vorfalls ohnehin "sauer"
auf den Beschuldigten gewesen sei, da er zuhause die Schwimm-Ente vergessen
habe, als sie schwimmen gegangen seien (Urk. 5/5 Frage 12). Zudem sagte
G._ im Gegensatz zum Beschuldigten konstant aus, dass die Privatklägerin
vor dem Vorfall bereits im Bett gewesen und dann einfach wieder aufgestanden
sei. Ihre Aussagen erwecken ausserdem teilweise den Anschein, dass sie die
Handlung des Beschuldigten mit der Zigarette zu bagatellisieren versuchte und
entsprechend zugunsten des Beschuldigten aussagte. Dafür sprechen beispiels-
weise folgende Aussagen: Die Privatklägerin sei auch ihr schon einmal in die Zi-
garette gelaufen und habe sich dabei ebenfalls am Arm verletzt (Urk. 5/4 Frage
25 und Urk. 5/5 Frage 21). Die Privatklägerin habe ab und zu wirklich eine blü-
hende Fantasie (Urk. 5/4 Fragen 15). Der zweite Punkt sei vielleicht von der Glut
der Zigarette oder ein Mückenstich (Urk. 5/4 Frage 9). Der Beschuldigte würde
die Privatklägerin nicht bewusst verletzen (Urk. 5/4 Frage 25). Bei ihrer polizeili-
chen Einvernahme konnte sie (noch) keine Angaben zur Versorgung der Verlet-
zung machen, die Privatklägerin sei ja irgendwie selber schuld, da sie in die Ziga-
rette gerannt sei, wohingegen sie bei der Staatsanwaltschaft angab, der Beschul-
digte habe es geputzt und desinfiziert (Urk. 5/4 Fragen 11 f. und Urk. 5/5 Frage
34).
Für ein gewisses Herunterspielen des Vorfalls und eine Absprache unter den
Eltern spricht auch der Umstand, dass sowohl der Beschuldigte wie auch
G._ gegenüber der Zeugin D._ als Erstes unisono gesagt hätten, seit
gestern [18. März 2019] sei es ganz schlimm, die Privatklägerin erzähle nur
"Seich" und folge nicht mehr, als diese die Privatklägerin für den Spitalbesuch ab-
holte (Urk. 5/7 Frage 32). G._ wollte der Angelegenheit zudem wohl ohnehin
eher aus dem Weg gehen. Als C._ sie mit den Verletzungen der Privatkläge-
rin konfrontierte, sei sie [G._] gemäss C._ dem konkreten Sachverhalt
einfach ausgewichen und habe nur gesagt, die Privatklägerin sei in die Zigarette
des Beschuldigten gelaufen (Urk. 5/1 Fragen 39 f.). Die Aussagen von G._
deuten sodann darauf, dass der Vorfall sie nicht weiter kümmerte ("Wenn ich ehr-
lich bin, habe ich nicht gross geschaut"; Urk. 5/4 Frage 10) und sie die Schuld so-
gar bei der kleinen Tochter ortete ("Sie war ja irgendwie selber schuld ... so
- 25 -
schnell wie sie rennt"; Urk. 5/4 Frage 13). Ihre Angaben fallen insgesamt hinsicht-
lich des Vorfalls beschönigend und nicht authentisch aus und sind damit nur be-
grenzt sachdienlich.
4.3.3. Demgegenüber liegen die Zeugenaussagen von C._, E._ und
D._ vor, welche trotz des zugegebenermassen sehr jungen Alters der Privat-
klägerin unabhängig voneinander die Äusserungen bzw. die gezeigte Geste der
Privatklägerin zur Herkunft der Verletzungen authentisch, illustrativ und damit
nachvollziehbar zu Protokoll gaben. Das Argument der Verteidigung, aufgrund
des Alters der Privatklägerin nicht 100%-ig auf ihre Aussagen abstellen zu kön-
nen, ist daher nicht stichhaltig (Urk. 25 S. 9). Von der Privatklägerin selbst, gibt
es, wie bereits erwähnt, keine sachdienlichen Aussagen.
C._ schilderte konstant und lebensnah, dass die Privatklägerin am Morgen
des 18. März 2019 in der Kita nervös gewesen sei und ihr etwas habe sagen wol-
len. Ihr erster Eindruck von den zwei Verletzungen am rechten Unterarm der Pri-
vatklägerin waren sog. "Brändis", d.h. Mutproben, wenn man eine Zigarette auf
den Arm drücke, noch bevor die Privatklägerin etwas zur Herkunft der Verletzung
sagte. Entgegen der Auffassung der Verteidigung ist der Terminus "Ausdrücken"
einer Zigarette demnach nicht einzig aufgrund der gezeigten Geste der Privatklä-
gerin entstanden. C._ schloss vielmehr schon aufgrund des Verletzungsbil-
des auf eine solche Herkunft der Verletzung. Für ein Ausdrücken einer Zigarette
spricht zudem auch der Ausdruck "tschtsch" der Privatklägerin. Als die Privatklä-
gerin die Verletzungen zeigte, habe sie geweint, gezittert und umarmt werden
wollen. Es ist als lebensfremd zu erachten, dass die Privatklägerin eine solch er-
greifende Reaktion gezeigt hätte, wenn es sich um ein unfallbedingtes Gesche-
hen gehandelt hätte. Der Vorfall beschäftigte die Privatklägerin offensichtlich und
ging ihr sehr nahe. C._ legte im Weiteren anschaulich und aufgrund des
sprachlichen Defizits der Privatklägerin realitätsnah dar, wie die Privatklägerin ihr
die Ursache der Verletzungen erzählte, indem sie angab, "Papa hat gemacht, weil
B._ nicht schlafen", wobei die Privatklägerin "B._ nicht schlafen" mehr-
fach wiederholt habe, und auf Nachfrage "mit Zigi tschtschtsch" gesagt habe. Die
Privatklägerin habe die Handlung mit einer Handbewegung nachgeahmt und ge-
- 26 -
zeigt, wie eine Zigarette auf ihren Unterarm gedrückt werde. C._ zeigte dies
auch vor, indem sie mit dem Zeigefinger zweimal nach unten drückte. Dass
C._ die Äusserungen und Geste der Privatklägerin klar und unmissverständ-
lich verstanden hat, widerspiegelt sich zudem in ihrer Notiz über die Privatklägerin
im Buch der Kita, wonach der Beschuldigte die Privatklägerin gemäss deren
Schilderung mit einer Zigarette zweimal verletzt habe, weil sie nicht habe schlafen
wollen (Urk. 5/3). Es kommt hinzu, dass C._ für B._ eine "sehr, sehr gu-
te Bezugsperson" war, wie der Beschuldigte anlässlich seiner Anhörung vor dem
Zwangsmassnahmengericht ausführte (Urk. 11/5 S. 3). Sie kannte und betreute
das Kind seit November/Dezember 2016, als es knapp zwei Jahre alt war. Sie war
daher zweifelsfrei in der Lage, dessen Äusserungen zu verstehen, auch wenn es
sich nicht um sprachlich vollständige Sätze handelte (vgl. Urk. 5/1 Fragen 12 f.;
Fragen 12 f. und Urk. 5/2 Fragen 34 f.). Überdies wusste C._ von G._,
dass die Privatklägerin am Abend Einschlafschwierigkeiten habe (Urk. 5/2 Frage
63).
D._ gab ebenfalls an, dass die Privatklägerin "Papa" oder "Papi" und "Ziga-
rette" gesagt und dabei mit den Fingern Drehbewegungen gegen ihren Unterarm
gemacht habe. D._ konnte die Geste der Privatklägerin ebenfalls vorzeigen,
indem sie mit dem Daumen-, Zeige- und Mittelfinger eine Drehbewegung gegen
ihren linken Arm machte. D._ nahm die zwei Verletzungen als kleine, sehr
runde Kreise wahr, welche sehr geschlossen gewesen seien, wobei die Verlet-
zungen gut zu einer Zigarette als Ursache passen würden. Dass die Privatkläge-
rin Einschlafprobleme hatte und das Schlafen ein Reizthema beim Beschuldigten
und G._ gewesen sei, bestätigte auch D._.
Auch E._ konnte realitätsnah und illustrativ wiedergeben, dass die Privat-
klägerin gegenüber D._ gesagt habe, "Papa Zigi, aua, nicht gut" und mit dem
Zeigefinger und Daumen Tippbewegungen gegen den Unterarm gemacht habe.
E._ zeigte die Geste der Privatklägerin ebenfalls. Zudem nahm sie die Ver-
letzungen ebenso als rund und mit einer Kruste versehen wahr und sprach sich
für platzierte Verletzungen aus, was gegen ein unfallbedingtes Geschehen
spricht.
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Mithin liegen widerspruchsfreie Zeugenaussagen von drei unabhängigen Per-
sonen vor, welche am 18. bzw. 19. März 2019 in unmittelbarem Kontakt zur Pri-
vatklägerin standen. Dabei gaben alle übereinstimmend zu Protokoll, dass die
Privatklägerin den Beschuldigten als Verursacher der Verletzung(en) nannte.
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz handelt es sich bei den beschriebenen
Dreh- bzw. Tippbewegungen auf den Arm unter Berücksichtigung der Äusserung
der Privatklägerin "Papa" "Zigarette" "Aua" um keine typische Bewegung, welche
mit dem Rauchen allgemein zu verbinden ist, sondern es wird dadurch vielmehr
gezeigt, dass die Zigarette an bzw. gegen den Arm gedrückt wurde und deshalb
die Verletzungen resultierten. Die gezeigte Geste der Privatklägerin lässt dem-
nach in diesem Zusammenhang keinen Interpretationsspielraum übrig. Wäre die
Privatklägerin zufällig in die Zigarette des Beschuldigten gerannt, hätte sie keinen
ersichtlichen Grund gehabt, solche Dreh- bzw. Tippbewegungen gegen ihren
Unterarm zu zeigen. Das Wort "Zigarette" war der Privatklägerin nämlich aufgrund
ihrer Äusserung bekannt. Dass E._ im Gegensatz zu D._ nur eine Tipp-
und keine Drehbewegung wahrnahm, tut deren überzeugender Schilderung kei-
nen Abbruch, da E._ auch anmerkte, sie sei weiter weg gewesen als
D._. Aufgrund des beschriebenen Verhaltens sowie der Reaktion der Privat-
klägerin ist davon auszugehen, dass sie sich C._ und am Tag darauf auch
D._ anvertrauen wollte und deren Nähe suchte. Die Assistenzärztin Dr. med.
F._ bestätigte ebenfalls, dass die Privatklägerin zunächst gesagt habe "Pa-
pi, Zigarette Aua" und auf ihre Nachfrage "Papa wütend".
Im Weiteren fällt auf, dass C._, D._ und auch E._ die zwei Verlet-
zungen als rundlich, geschlossen bzw. platziert wahrnahmen. C._ vermutete
beim Anblick der Verletzungen sofort zwei Brandverletzungen, verursacht durch
eine Zigarette.
4.3.4. Dem Argument der Verteidigung, die Privatklägerin sei in einem Alter, in
welchem man nicht zu Hundert Prozent auf deren Aussagen abstellen dürfe, ob
diese nun mit Worten oder mit Gesten vorliegen würden, ist das Folgende entge-
gen zu halten:
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Die Aussagen der Zeuginnen C._, D._, F._ und E._, denen
gegenüber sich die Privatklägerin verbal sowie ergänzend dazu in Körpersprache
äusserte und an deren Befragungen der Beschuldigte in Begleitung seines amtli-
chen Verteidigers teilnehmen konnte, werden vom Beschuldigten nicht bestritten.
Namentlich anerkennt der Beschuldigte die von der Zeugin
C._ gemachten Schilderungen hinsichtlich dem, was B._ in der Kita
konkret bezüglich den festgestellten Verletzungen gesagt und vorgezeigt hat. Er
bestreitet auch nicht, dass B._ gemäss Frau C._ diese Äusserungen
und Andeutungen ebenso gegenüber drei weiteren Personen in der Kita, nämlich
I._, J._ sowie K._, gemacht bzw. gezeigt habe. Auf die Befragung
dieser drei Personen konnte deshalb verzichtet werden (Urk. 3/3 Fragen 4 ff.; Urk.
3/4 Fragen 6 ff.).
Der Beschuldigte brachte jedoch wiederholt vor, sich nicht erklären zu können,
weshalb die Privatklägerin sich so geäussert habe. Was B._ sage stimme
nicht. Seine Tochter könne wohl zwischen Wahrheit und Lüge noch nicht voll-
ständig unterscheiden. Sie könne sich zwar schon so ausdrücken, dass sie ver-
standen werde, aber den Zusammenhang zu verstehen sei manchmal schwierig.
Die von der Kita würden ja eigentlich auch wissen, dass B._ eine lebhafte
Fantasie habe (Urk. 3/1 Frage 13; Urk. 3/2 Fragen 40 ff., 47 ff.; Urk. 3/3 Fra-
gen 8 ff.; Prot. I S. 16).
Berichte und Erzählungen kleiner Kinder im Vorschulalter sind manchmal nicht
leicht zu verstehen. Das gilt erst recht, wenn ein Kind, wie vorliegend, in der
Sprachentwicklung retardiert ist. Fantasie spielt zuweilen auch mit und lässt sich
für zuhörende Erwachsene nicht immer auf Anhieb von der Wirklichkeit unter-
scheiden, vor allem wenn es um komplexere Vorgänge geht. Elementare oder
ganz spezifische Ereignisse können aber auch schon von kleinen Kindern intuitiv
richtig gedeutet sowie durchaus unmissverständlich berichtet werden und ent-
sprechend von den Adressaten, allen voran Bezugspersonen, korrekt verstanden
werden. Das trifft besonders bei – positiver oder negativer – persönlicher Betrof-
fenheit des Kindes zu und ist unabhängig vom jeweiligen Stand der sprachlichen
Entwicklung, die individuell verläuft und nicht mit den kognitiven Fähigkeiten des
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Kindes übereinstimmen muss. Zu solch einprägsamen Erlebnissen zählen einer-
seits erfreuliche Momente, z.B. wenn das Kind etwas geschenkt erhält oder gelobt
wird und anderseits Vorfälle, die beim Kind (körperliche) Schmerzen bewirken
oder Angst auslösen, exemplarisch etwa Schläge bzw. lautstarkes Schimpfen.
Ebenso besitzen schon kleine Kinder ein gutes Sensorium dafür, ob etwas verse-
hentlich geschah ("kaputt gegangen") oder absichtlich erfolgte ("extra gemacht").
Hält man sich einerseits diese allgemeinen Erfahrungswerte aus der frühkind-
lichen Entwicklung und anderseits die durch B._ in Worte gekleideten und
durch Gesten untermalten Bekundungen vor Augen, so kann es nicht zweifelhaft
sein, dass die im Zeitpunkt des zu beurteilenden Vorfalls ca. 4 1⁄4 Jahre alte Pri-
vatklägerin nicht aus der Fantasie schöpfte, als sie ihrer jahrelangen Hauptbe-
zugsperson in der Kita, C._, auf deren gezielte Frage in doppelter Weise und
wiederholt den Grund für die zwei Blessuren an ihrem Unterarm erklärte, dazu
weinte und ausgeprägt die Nähe der ihr wohlvertrauten Betreuerin suchte. Das
Kind berichtete offensichtlich ein Negativerlebnis, welches es, wie ebenfalls von
ihm erläutert, – begreiflicherweise – als Strafaktion wegen Unfolgsamkeit wahrge-
nommen hatte. So fassten auch C._ und die weiteren Zeuginnen D._,
F._ und E._ das Berichtete der Privatklägerin auf. Über diese Zeugen-
aussagen hinaus spricht sodann die Fotodokumentation (Urk. 6/5) für die Darstel-
lung der Privatklägerin.
4.3.5. Gestützt auf die Zugabe des Beschuldigten, die überzeugenden, illustrati-
ven und realitätsnahen Schilderungen von C._, D._, E._ und
Dr. med. F._, sowie die Tatsache, dass die Privatklägerin zwei praktisch
gleiche, rundliche Verletzungen, welche nach ärztlicher Einschätzung im gleichen
Zeitraum entstanden sind, aufwies, ist der Tathergang in Form eines zweimaligen
Brennens mit der Zigarette ohne Zweifel erstellt. Insbesondere auch die Um-
schreibung des Verhaltens und der Reaktion der Privatklägerin durch C._
lässt ein unfallbedingtes Geschehen gänzlich ausschliessen. Es bestünde im Fall
eines blossen Unfalles zudem kein Grund, weshalb die Privatklägerin so emotio-
nal auf das Entdecken ihrer Verletzungen reagieren und dies auch noch mit dem
Nichtschlafen als Auslöser des Vorfalls in Verbindung bringen sollte. Dass es am
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Tag des Vorfalles offensichtlich wieder zu Einschlafproblemen kam, lässt sich
entgegen den Ausführungen der Verteidigung ohnehin auch aus den Aussagen
des Beschuldigten und von G._ schliessen. Die Aussagen des Beschuldigten
und von G._, die Privatklägerin könne wohl nicht zwischen Wahrheit und Lü-
ge unterscheiden, habe ab und zu eine blühende Fantasie oder erzähle nur
"Seich", sind vor diesem Hintergrund als blosse Schutzbehauptungen zu werten.
Anzufügen ist, dass zwei Tippbewegungen und nicht Drehbewegungen gegen
den rechten Unterarm der Privatklägerin eingeklagt sind ("drückte der Beschuldig-
te ... seiner Tochter ... zwei Mal je eine brennende Zigarette ... auf die nackte
Haut" [vgl. Urk. 17 S. 2]). Ein Ausdrücken der Zigarette mit einer Drehbewegung
steht nicht zur Diskussion. Ob das Tippen auch eine Drehung enthielt, kann offen
bleiben.
4.4. Fazit
Nach dem Dargelegten ergibt sich ein überzeugendes, in sich stimmiges und
klares Bild über die Herkunft der Verletzungen, welches keine Zweifel offen
lässt. Die Privatklägerin war am Abend des Vorfalls schwer ins Bett zu kriegen.
Als sie endlich im Bett war, stand sie wieder auf oder war womöglich gar nie
richtig im Bett, was letztlich nicht weiter von Relevanz ist. Der Beschuldigte und
G._ rauchten derweil eine Zigarette auf dem Balkon. Der Beschuldigte verlor
dann die Nerven und wurde wütend, als die Privatklägerin wieder auftauchte bzw.
wider Erwarten nicht am Schlafen war und drückte ihr zweimal mit seiner bren-
nenden Zigarette gegen ihren rechten Unterarm, wodurch die zwei runden Brand-
verletzungen mit einem Durchmesser von cirka 3 bzw. 4 mm entstanden. Der An-
klagesachverhalt ist demnach erstellt.
III. Schuldpunkt - Rechtliche Würdigung
1. Einfache Körperverletzung
1.1. Wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an Körper oder Ge-
sundheit schädigt, wird, auf Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft (Art. 123 Ziff. 1 StGB). Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu drei
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Jahren oder Geldstrafe, und der Täter wird von Amtes wegen verfolgt, wenn er
die Tat an einem Wehrlosen oder an einer Person begeht, die unter seiner Obhut
steht oder für die er zu sorgen hat, namentlich an einem Kind (vgl. Art. 123 Ziff. 2
StGB). In anderer Weise schädigt der Täter jemanden an Körper oder Gesund-
heit, wenn die Verletzung weder die Voraussetzungen einer schweren Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 StGB noch diejenigen einer Tätlichkeit im Sinne
von Art. 126 StGB erfüllt (DONATSCH, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder
[Hrsg.], Kommentar zum StGB, 20. Aufl. 2018, Art. 123 N 1). Eine einfache Kör-
perverletzung ist in Abgrenzung zur Tätlichkeit gegeben, wenn nicht mehr bloss
eine harmlose Beeinträchtigung der körperlichen Integrität oder des gesundheitli-
chen Wohlbefindens gegeben ist. Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer
einfachen Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere oder äussere Verletzun-
gen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens eine gewisse Behand-
lung und Heilungszeit erfordern, auch Schürfungen, sofern sie um einiges über
blosse Kratzer hinausgehen. Dass die körperlichen Beeinträchtigungen den Bei-
zug eines Arztes nötig machen, ist jedoch nicht gefordert. Auf blosse Tätlichkeiten
ist sodann zu erkennen, wenn Schürfungen, Kratzwunden, Quetschwunden oder
bloss blaue Flecken so harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen und
ausheilen (BSK StGB II-ROTH/BERKEMEIER, 4. Aufl., 2019, Art. 123 N 3 f.). In
subjektiver Hinsicht in ein vorsätzliches Handeln im Sinne von Art. 12 Abs. 2
StGB erforderlich. Es genügt demnach ein Eventualvorsatz.
1.2. Die privilegierte Form der einfachen Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1
Abs. 2 StGB) unterscheidet sich nur bezüglich der Strafandrohung vom Grund-
tatbestand, indem der Richter die Strafe in leichten Fällen mildern kann. Der
Strafrahmen ist mithin "gegen unten" offen. Als leichte Fälle sind Angriffe auf die
körperliche Integrität in der untersten Bandbreite des Grundtatbestandes zu wer-
ten. Hierfür bedarf es jeweils einer Einzelfallbetrachtung (BSK StGB II-ROTH/
BERKEMEIER, a.a.O., Art. 123 N 7 ff.). Bei den qualifizierten Formen einer ein-
fachen Körperverletzung ist die Annahme eines leichten Falles mit der Folge einer
Strafmilderung indessen nicht möglich (BSK StGB II-ROTH/BERKEMEIER, a.a.O.,
Art. 123 N 12 m.W.H.).
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2. Würdigung
2.1. Vorliegend fügte der Beschuldigte der Privatklägerin zwei Verletzungen mit
einer brennenden Zigarette am rechten Unterarm zu, die einen Durchmesser von
cirka 3 bis 4 mm hatten. Solche Hautläsionen verursachen nach der allgemeinen
Lebenserfahrung nicht nur geringe Schmerzen. Die Verletzungen schmerzten die
Privatklägerin offenkundig, indem sie gegenüber dem Beschuldigten und G._
mit einem "aua" reagierte, weinte und dies auch wenige Tage nach dem Vorfall
gegenüber C._, D._ und E._ wiederholte. Es ist aufgrund der
Äusserung und des gezeigten Verhaltens der Privatklägerin in der Kita als auch
vor bzw. beim Spitalbesuch davon auszugehen, dass ihr die Verbrennungen zu
jenem Zeitpunkt immer noch Schmerzen bereiteten. Ein paar Tage nach dem Vor-
fall waren die Brandwunden mit einer leichten Rötung und Verkrustung zu erken-
nen, welche eine medizinische Untersuchung erforderlich machten, obschon der
Abheilungsprozess bereits eingesetzt hatte. Der Grad der körperlichen Beein-
trächtigung erfüllt damit die Intensität einer einfachen Körperverletzung im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 StGB.
2.2. In subjektiver Sicht gilt festzuhalten, dass der Beschuldigte mit seiner Part-
nerin ungestört eine Zigarette auf dem Balkon rauchen wollten. Die Privatklägerin
wollte bzw. konnte nicht einschlafen und störte die beiden beim Rauchen. Der
Beschuldigte wurde wütend und brannte sie daraufhin zweimal mit der Zigarette.
Dabei musste er wissen, dass er durch sein Handeln der Privatklägerin Brand-
wunden der eingetretenen Art zufügen kann und nahm dies mindestens billigend
in Kauf.
2.3. Da die Privatklägerin die Tochter des Beschuldigten ist, mithin unter seiner
Obhut steht, ist zudem die Qualifikation nach Art. 123 Ziff. 2 StGB erfüllt, weshalb
es sich um ein Offizialdelikt handelt und die Prüfung eines leichten Falles im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 2 StGB von Vornherein entfällt.
3. Fazit
Der Beschuldigte ist demnach der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen.
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IV. Strafzumessung
1. Anwendbares Recht
Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) gemäss der Änderung vom
19. Juni 2015 in Kraft getreten (AS 2016 1249). Der Beschuldigte hat die zu be-
urteilende Straftat nach Inkrafttreten des neuen Rechts verübt, weshalb das neue
Sanktionsrecht auf den vorliegenden Fall Anwendung findet (Art. 2 Abs. 1 StGB).
2. Allgemeines zur Strafzumessung
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze zur Strafzumessung in ihrem
Entscheid zutreffend wiedergegen. Darauf kann, um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden, vorab verwiesen werden (Urk. 38 S. 21 f.). Innerhalb des Straf-
rahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Verschulden des Täters, wobei
das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters sowie die Wirkung der
Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den
Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und BGE 136 IV 55). Bei der Wahl der Sank-
tionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkung auf
den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksich-
tigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Die Geldstrafe stellt gegenüber der Freiheitsstrafe
einen weniger massiven Eingriff in die Freiheit des Beschuldigten dar und ist
deshalb grundsätzlich die mildere Strafe.
3. Konkrete Strafzumessung
3.1. Ordentlicher Strafrahmen
Der Tatbestand der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB sieht einen ordentlichen
Strafrahmen von Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen oder Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren vor. Aussergewöhnliche Umstände, die es angezeigt erscheinen las-
sen, diesen Strafrahmen im vorliegenden Fall zu verlassen, bestehen nicht
(vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). Die Strafe ist mithin innerhalb des ordentlichen Straf-
rahmens zu bemessen.
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3.2. Tatschwere
3.2.1. Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte die Pri-
vatklägerin zweimal mit einer brennenden Zigarette brannte und ihr dadurch zwei
runde Brandverletzungen mit einem Durchmesser von cirka 3 bzw. 4 mm an ih-
rem rechten Unterarm, innenseitig, zufügte. Die Verletzungen schmerzten die
Privatklägerin auch wenige Tage nach dem Vorfall noch. Im Zeitpunkt der me-
dizinischen Untersuchung waren die Wunden bereits verkrustet, aber noch nicht
vollständig abgeheilt. Es ist aufgrund des Verletzungsbildes zugunsten des Be-
schuldigten davon auszugehen, dass er die Zigarette jeweils nur kurz auf die
Haut des Kindes drückte, ansonsten wären die Wunden wohl grösser und tiefer
ausgefallen. Bei der Privatklägerin handelt es sich um die im Tatzeitpunkt erst
4 1⁄4-jährige Tochter des Beschuldigten. Sie war dem Beschuldigten gegenüber
völlig wehrlos, was erschwerend ins Gewicht fällt. Es ist im Weiteren von einem
spontanen Entschluss des Beschuldigten auszugehen. Die Privatklägerin war
nicht oder nur schwer ins Bett zu kriegen, weshalb er die Nerven verlor, wütend
wurde und die Privatklägerin mit der Zigarette zweimal kurz und gezielt brannte.
Das Handeln des Beschuldigten erscheint im Rahmen aller denkbaren Körper-
verletzungen insgesamt als noch leicht.
3.2.2. Bei der subjektiven Tatschwere gilt zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte die Privatklägerin aus nichtigem Anlass – das Nichteinschlafen der Privat-
klägerin – mit einer brennenden Zigarette zweimal verletzte. Dabei musste er sich
im Klaren sein, dass sein Handeln zu Brandverletzungen führen kann und nahm
er mindestens in Kauf, der Privatklägerin Verletzungen der eingetretenen Art bei-
zufügen. Die Reaktion des Beschuldigten auf die Einschlafprobleme der Privat-
klägerin ist absolut unangemessen und in keiner Weise zu billigen. Das Motiv des
Beschuldigten ist demnach verwerflich. Während die Tathandlung mit direktem
Vorsatz geschah, ist hinsichtlich der Verletzungsfolgen von Eventualvorsatz aus-
zugehen, was leicht zu Gunsten des Beschuldigten zu werten ist. Die subjektive
Tatschwere wiegt insgesamt gerade noch leicht.
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3.2.3. Unter Berücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatschwere ist eine
Strafe von etwa 180 Tagessätzen Geldstrafe bzw. 6 Monaten Freiheitsstrafe dem
Verschulden angemessen.
3.3. Täterkomponente
Bezüglich der Täterkomponente kann auf die Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 38 S. 22 f.). Der Beschuldigte hat zudem keine Vorstrafe
(Urk. 41). Es ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten Kriterien.
3.4. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte zeigte sich von Beginn an teilweise geständig, indem er ein-
räumte, die Privatklägerin mit einer brennenden Zigarette verletzt zu haben. Das
Nachtatverhalten des Beschuldigten vermag die verschuldensangemessene
Strafe demnach leicht strafmindernd zu beeinflussen, weshalb eine Strafe von
150 Tagessätzen Geldstrafe bzw. 5 Monaten Freiheitsstrafe resultiert.
3.5. Wahl der Sanktionsart
3.5.1. Da der Beschuldigte Ersttäter ist (Urk. 41) ist davon auszugehen, dass er
durch eine Geldstrafe genügend beeindruckt sein wird, um ihn von der Begehung
weiterer Delikte abzuhalten. Die Ausfällung einer Freiheitsstrafe ist nicht ange-
zeigt. Entsprechend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 150 Tages-
sätzen zu bestrafen.
3.5.2. Bezüglich der theoretischen Grundsätze zur Festlegung der Höhe der
Tagessätze kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 38
S. 23).
3.5.3. Der Beschuldigte hat ein monatliches Nettoeinkommen von cirka
Fr. 4'200.– zuzüglich einen 13. Monatslohn und Schulden von etwa Fr. 2'000.–.
Vermögen hat er keines (Urk. 58 S. 4 f.). Seine Partnerin erhält eine Unter-
stützungsleistung der SUVA von Fr. 1'000.– bis Fr. 1'500.– im Monat. Die Miete
der Wohnung beträgt Fr. 2'010.– (Urk. 3/4 S. 5; Prot. I S. 10 f.; Urk. 58 S. 4). Un-
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ter Berücksichtigung dieser Verhältnisse ist die von der Vorinstanz festgelegte
Tagessatzhöhe von Fr. 50.– angemessen und zu übernehmen.
3.6. Anrechnung der Untersuchungshaft
Der Beschuldigte befand sich vom 19. März 2019 bis zum 24. Mai 2019 in Polizei-
bzw. Untersuchungshaft, mithin insgesamt 67 Tage (Urk. 11/1 und 11/5). Gestützt
auf Art. 51 StGB ist dem Beschuldigten die erstandene Haft an die Geldstrafe
anzurechnen, wobei ein Tag Haft einem Tagessatz Geldstrafe entspricht.
3.7. Verbindungsbusse
3.7.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Verbindungsbusse im Sinne von
Art. 42 Abs. 4 StGB in der Höhe von Fr. 2'500.– (Urk. 59). Die Verteidigung er-
achtet die Ausfällung einer Verbindungsbusse für nicht angezeigt (Urk. 61 S. 6).
3.8. Art. 42 Abs. 4 StGB dient in erster Linie dazu, die Schnittstellenproblematik
zwischen der Busse (für Übertretungen) und der bedingten Geldstrafe (für Ver-
gehen) zu entschärfen. Auf Massendelikte, die im untersten Bereich bloss mit
Bussen geahndet werden, soll – auch – mit einer unbedingten Sanktion reagiert
werden können, wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten. Art. 42
Abs. 4 StGB verhilft somit im Bereich der leichteren Kriminalität zu einer rechts-
gleichen Sanktionierung (BGE 134 IV 82 E. 8) und übernimmt auch Aufgaben der
Generalprävention (BGE 134 IV 1 E. 4.5.1). Die unbedingte Verbindungsgeld-
strafe bzw. Busse trägt ferner dazu bei, das unter spezial- und generalpräventiven
Gesichtspunkten eher geringe Drohpotential der bedingten Geldstrafe zu er-
höhen. Sie kommt in Betracht, wenn man dem Täter den bedingten Vollzug ge-
währen möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen mit der Auferlegung einer
zu bezahlenden Busse einen spürbaren Denkzettel verabreichen möchte, um ihm
(und soweit nötig allen anderen) den Ernst der Lage vor Augen zu führen und
zugleich zu demonstrieren, was bei Nichtbewährung droht (BGE 134 IV 1 E. 4.5.;
BGE 134 IV 60 E. 7.3.1 und 7.3.2).
3.8.1. Im vorliegenden Fall liegt keine Schnittstellenproblematik vor. Zudem darf
angenommen werden, dass dem Beschuldigten die Folgen seines Verhaltens
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auch ohne eine Verbindungsbusse deutlich genug vor Augen geführt wurden. Die
Ausfällung einer Verbindungsbusse für den nicht vorbestraften Beschuldigten ist
deshalb nicht angezeigt.
V. Strafvollzug
1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe unter Ansetzung einer
Probezeit in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig er-
scheint, um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen
abzuhalten (Art. 42 Abs. 1 StGB; Art. 44 Abs. 1 StGB).
2. Dem Beschuldigten als Ersttäter ist ohne Weiteres der bedingte Vollzug zu
gewähren. Die Probezeit ist auf das gesetzliche Minimum von zwei Jahren festzu-
legen (Art. 44 Abs. 1 StGB).
VI. Kostenfolgen
1.1 Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die Kosten des Berufungs-
verfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung nach
Art. 135 Abs. 4 StPO. Die Gerichtsgebühr ist auf Fr. 3'000.– anzusetzen.
1.2 Die amtliche Verteidigung macht ein Honorar von insgesamt Fr. 2'934.45
(inkl. MwSt.) geltend (Urk. 55 und 63), wobei anstatt mit einem Stundenansatz
von Fr. 220.– mit einem solchen von Fr. 250.– gerechnet wurde. Nach der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung ist es zudem zulässig, für das Anwaltshonorar
Pauschalen vorzusehen (BGE 143 IV 453 E. 2.5.1). Rechtsanwalt lic. iur. X._
ist demnach für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger mit Fr. 2'700.–
(Pauschalgebühr) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
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