Decision ID: 81defb21-a82d-5a99-9374-685b68aeba57
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Am (...) suchte der Beschwerdeführer in der Schweiz um Asyl nach. In
der Folge wurde er dem Bundesasylzentrum (BAZ) B._ zugewie-
sen. Am 22. Juli 2021 fand die Personalienaufnahme (PA), am 11. August
2021 die Befragung nach Art. 26 Abs. 3 AsylG (SR 142.31) und am 24.
August 2021 die Anhörung des Beschwerdeführers zu den Asylgründen
durch das SEM statt.
A.b Zur Begründung seines Gesuchs führte der aus C._ stam-
mende Beschwerdeführer aus, er habe nach dem Gymnasium die (Nen-
nung Ausbildung) absolviert und in der Folge in verschiedenen Bereichen
als (Nennung Tätigkeit) und zuletzt als (Nennung Funktion) am (Nennung
Örtlichkeit) gearbeitet. Nebenbei habe er noch (Nennung zusätzliche Aus-
bildung). Am (...) sei er an seinem Arbeitsplatz – gestützt auf einen zwei
Tage vorher erlassenen Haftbefehl des (Nennung Behörde) – wegen des
Verdachts des (Nennung Vorwurf)s verhaftet und (Nennung Dauer) in
Hausarrest verbracht worden. Anschliessend habe das Gericht die Mass-
nahme gemildert und eine Meldepflicht bei der Polizei angeordnet. Zudem
sei er gleichentags seines Amtes als (Nennung Funktion) enthoben wor-
den. Die Anschuldigungen hätten sich auf einen Vorfall vom (...) bezogen.
Damals habe er den Auftrag erhalten, zusammen mit einem Kollegen den
Passagier D._ insbesondere auf das allfällige Mitführen von ge-
fälschten Dokumenten zu kontrollieren. In der Folge hätten sie diese Per-
son gewissenhaft kontrolliert, wobei eine Kamera das Geschehen aufge-
nommen habe. Da sie nichts Verdächtiges gefunden hätten, hätten sie den
Mann – nach Rücksprache mit seinem Vorgesetzten – gehen lassen. Kurz
darauf habe die von ihnen kontrollierte Person zwei Mal telefoniert und ge-
genüber dem jeweiligen Gesprächspartner behauptet, trotz des Auffindens
von einem beziehungsweise mehreren gefälschten Dokumenten, hätten
ihn (D._) die kontrollierenden Beamten gehen lassen. Diese beiden
Telefongespräche seien abgehört worden und hätten ausgereicht, um ein
Verfahren gegen ihn und seinen (Nennung Kollege) einzuleiten. Die Behör-
den würden ihnen vorwerfen, sie hätten (Nennung Vorwurf). Im Untersu-
chungsverfahren habe er feststellen müssen, dass der Sachverhalt nicht
ordentlich aufgenommen worden sei und ihn entlastende Beweise nicht
berücksichtigt worden seien. Im Gegensatz zu seinem Kollegen sei nur er
(...) entlassen worden; gegen diese Entlassung habe er sich erfolgreich
beim Verwaltungsgericht von C._ gewehrt. Nach jenem Urteil hätte
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er wieder ins (Nennung Einheit) aufgenommen werden sollen. Da die (Nen-
nung Behörde) dagegen Rekurs eingelegt habe, sei die Angelegenheit der-
zeit beim Appellationsgericht hängig. Sodann habe er sich in dieser Sache
bei (Nennung Behörden) schriftlich beschwert. Der (Nennung Person)
habe sich aber nach einigen Monaten als nicht zuständig erklärt. Ferner
sei am (...) versucht worden, ihn in eine kriminelle Machenschaft zu verwi-
ckeln: er habe bei einem Spaziergang in einem Park seine Weste auf eine
Bank gelegt, um an den in der Nähe aufgestellten Sportgeräten zu trainie-
ren. Bei seiner Rückkehr habe er realisiert, dass ihm jemand eine (Nen-
nung Dokument), die später als gefälscht erachtet worden sei, in seine
Weste gesteckt habe. Er habe diesen Vorfall der Polizei gemeldet und
überdies eine Anzeige erstatten wollen, welche die Beamten jedoch nicht
entgegengenommen hätten, obwohl dies in einem solchen Fall gesetzlich
vorgeschrieben sei. Nachdem sich weder ein Polizeibeamter noch ein Be-
amter der Gerichtspolizei mit der Sache habe beschäftigen wollen, sei er
nach Hause gegangen. In der Folge habe er das Haus nur noch selten
verlassen und bei der (Nennung Behörde) in dieser Sache eine Strafan-
zeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft habe jedoch wider Erwarten auf Un-
tersuchungshandlungen verzichtet und die Nichtanhandnahme verfügt. Er
befürchte, dass die Behörden ihm ein Delikt hätten anhängen wollen, um
ihn als Straftäter abzustempeln, falls er diesen Vorfall nicht gemeldet hätte.
Dies um ihn im noch laufenden Strafverfahren zu diskreditieren. Am (...)
habe er wegen seiner Entlassung gegen den (Nennung Person) Anzeige
wegen (Nennung Vorwurf)s erstattet. Drei Tage später habe er sodann ge-
gen die (Nennung Behörde), welche seinen Ausschluss von der (Nennung
Einheit) bestätigt habe, eine Strafanzeige eingereicht. Die Staatsanwalt-
schaft habe seine Anzeige gegen den (Nennung Person) überprüft und die-
ser keine Folge gegeben. Gegen diesen Entscheid habe er eine Be-
schwerde beim Gericht eingelegt. Nach seiner Ausreise habe er erfahren,
dass das Gericht die Verfügung der Staatsanwaltschaft bestätigt habe. Im
Falle der Strafanzeige gegen die (Nennung Behörde) habe er trotz seiner
Nachfragen bis heute keine Kenntnis über den Stand des Verfahrens er-
halten. Am (...) habe er via WhatsApp eine Nachricht von einer unbekann-
ten Person erhalten, welche ihm wegen von ihm eingeleiteten juristischen
Schritte mit dem Tod gedroht habe. Dies habe ihn dann zur Ausreise ver-
anlasst, da er Angst bekommen und auch kein Vertrauen mehr in die alba-
nische Justiz gehabt habe. Vor seiner Ausreise habe er am (...) schriftlich
eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen dieser Drohung ein-
gereicht. Bis heute habe er keine Antwort auf dieses Schreiben erhalten.
Ferner sei er nach seiner Entlassung der (...) Partei beigetreten, ohne je-
doch für diese politisch aktiv zu werden.
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A.c Zum Beleg seiner Identität und seiner Vorbringen legte der Beschwer-
deführer (Aufzählung Beweismittel) ins Recht.
A.d Mit Entscheid des SEM vom 26. August 2021 wurde das Asylgesuch
des Beschwerdeführers gemäss Art. 26d AsylG dem erweiterten Verfahren
zugewiesen.
B.
Mit Verfügung vom 24. September 2021 stellte das SEM fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein
Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die Wegweisung des Beschwerde-
führers aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug an. Ferner händigte
es ihm die editionspflichtigen Akten gemäss Aktenverzeichnis aus. Sodann
hielt es bezüglich der anzusetzenden Beschwerdefrist fest, dass diese ge-
mäss Art. 108 Abs. 3 AsyIG bei Entscheiden nach Art. 40 AsyIG (Ableh-
nung ohne weitere Abklärungen) in Verbindung mit Art. 6a Abs. 2 lit. a
AsyIG fünf Arbeitstage betrage.
C.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2021 erhob (Nennung Person), Zürcher Bera-
tungsstelle für Asylsuchende (ZBA), im Namen des Beschwerdeführers
beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei die
angefochtene Verfügung vom 24. September 2021 aufzuheben und das
SEM anzuweisen, den Asylentscheid unter Gewährung der üblichen Be-
schwerdefrist von 30 Tagen neu zu eröffnen. Ferner seien die Akten zu
edieren. Sodann sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und ihm in der Per-
son von lic. iur. (Nennung Person) ein amtlicher Rechtsbeistand beizuord-
nen.
D.
Am 4. Oktober 2021 (Postaufgabe; Eingang Bundesverwaltungsgericht:
5. Oktober 2021) liess der Beschwerdeführer dem Bundesverwaltungsge-
richt das unterschriebene Original seiner Telefax-Rechtsmitteleingabe vom
1. Oktober 2021 unaufgefordert zukommen.
E.
Mit Verfügung vom 6. Oktober 2021 teilte die Instruktionsrichterin dem Be-
schwerdeführer mit, dass ungeachtet einer fünf Arbeitstage oder 30 Tage
dauernden Beschwerdefrist die eingereichte Beschwerde fristgerecht, mit-
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hin innerhalb der vom SEM angesetzten Beschwerdefrist von fünf Arbeits-
tagen, eingegangen sei. Es bleibe dem Beschwerdeführer indes unbenom-
men, die Beschwerde innert der seiner Auffassung nach noch laufenden
30-tägigen Beschwerdefrist zu ergänzen. Sodann wies die Instruktionsrich-
terin den Antrag auf Edition der Akten ab, verzichtete einstweilen auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und überwies für die Behandlung der
weiteren Verfahrensanträge auf einen späteren Zeitpunkt
F.
Mit (persönlich verfasster) Eingabe vom 5. Oktober 2021 (Eingang BVGer:
6. Oktober 2021) beantragte der Beschwerdeführer, es sei die Verfügung
des SEM vom 24. September 2021 aufzuheben und die Sache zwecks wei-
terer Abklärungen für eine Neubeurteilung an das SEM zurückzuweisen,
eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft anzuerkennen und ihm Asyl
zu gewähren, subeventualiter sei die Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und
Unmöglichkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und die vorläufige
Aufnahme anzuordnen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er sinngemäss
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung. Ferner begründete
der Beschwerdeführer seine Begehren in materieller Hinsicht.
Seiner Eingabe lagen (Nennung Beweismittel) bei.
G.
Mit Verfügung vom 12. Oktober 2021 stellte die Instruktionsrichterin (Nen-
nung Person) eine Kopie der Rechtsschrift des Beschwerdeführers vom
5. Oktober 2021 zu und forderte ihn auf, bis am 27. Oktober 2021 Auskunft
über das Bestehen eines Vertretungsverhältnisses zwischen ihm und dem
Beschwerdeführer zu erteilen, wobei im Unterlassungsfall vom Weiterbe-
stehen des Vertretungsverhältnisses ausgegangen werde.
H.
(Nennung Person) teilte mit Schreiben vom 18. Oktober 2021 mit, er habe
sich im Sinne der Vollmacht vom 1. Oktober 2021 lediglich für die Frage
der Beschwerdefrist bevollmächtigen lassen. Der Beschwerdeführer führe
das Beschwerdeverfahren in eigenem Namen.
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Seite 6

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend
– endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
1.2 Der Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, ist durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung; er ist daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 48 Abs.
1 VwVG). Die Beschwerde ist ferner formgerecht eingereicht worden
(Art. 52 Abs. 1 VwVG)
1.3 Das SEM hat in der Rechtsmittelbelehrung eine fünftägige Beschwer-
defrist gemäss Art. 108 Abs. 3 AsylG angegeben. Diese Frist traf es in der
Annahme, es handle sich bei seinem Entscheid um einen ablehnenden
Asylentscheid ohne weitere Abklärungen im Sinne von Art. 40 AsylG i.V.m.
Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. act. 1102879-31/10 Ziffer IV S. 8). Zutref-
fend ist dabei die Annahme des SEM, dass es sich bei Albanien um ein
sogenanntes "safe country" im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG han-
delt. Hingegen liegt kein Asylentscheid vor, der ohne weitere Abklärungen
im Sinne von Art. 40 AsylG getroffen worden ist. Dies zeigt sich daran, dass
das SEM mit Entscheid vom 26. August 2021 eine Zuteilung ins erweiterte
Verfahren vorgenommen und den Beschwerdeführer in der Folge ergän-
zend angehört hat (vgl. act. 1102879-16/2 und 1102879-19/2). Mithin han-
delt es sich um einen Entscheid, der in Anwendung von Art. 6a Abs. 2 Bst a
AsylG i.V.m. Art. 31 Abs. 4 AsylG im erweiterten Verfahren ergangen ist
und gemäss dem die Beschwerdefrist folglich nach Art. 108 Abs. 2 AsylG
dreissig Kalendertage beträgt. In diesem Sinne liegt eine fehlerhafte Eröff-
nung vor.
Vorliegend hat dies jedoch keine Folgen, bewirkte doch die falsche Rechts-
mittelbelehrung keine Rechtsnachteile für den Beschwerdeführer, zumal er
durch seinen (ausschliesslich) für die Frage der Länge der Beschwerdefrist
mandatierten Vertreter (Nennung Vertreter) die fragliche Verfügung des
SEM vom 24. September 2021 innerhalb der unzutreffenden Frist von fünf
Arbeitstagen und fristgerecht innerhalb der Beschwerdefrist von 30 Tagen
mittels Beschwerde vom 1. Oktober 2021 anfechten und in der Folge eine
(selbst verfasste) Ergänzung mit materieller Begründung einreichen
konnte.
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Auf die Beschwerde ist demnach einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG.
3.
3.1 In der Beschwerde rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Un-
tersuchungspflicht durch die Vorinstanz. Diese formelle Rüge ist vorab zu
beurteilen, da sie gegebenenfalls geeignet ist, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken. Der Beschwerdeführer bringt in die-
sem Zusammenhang in seiner Rechtsmitteleingabe (S. 5, letzter Absatz)
vor, das SEM habe keine umfassende behördliche Untersuchung vorge-
nommen und auch die von ihm eingereichten Unterlagen nicht übersetzen
lassen. Das habe dazu geführt, dass sein Asylantrag nicht exakt geprüft
und seine Situation – anstatt auf der Grundlage von Fakten – von einem
imaginären Standpunkt aus beurteilt worden sei.
3.2 Gemäss Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 12 VwVG stellen die Asylbehörden den
Sachverhalt von Amtes wegen fest (Untersuchungsgrundsatz). Dabei
muss die Behörde die für das Verfahren erforderlichen Sachverhaltsunter-
lagen beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abklären und darüber
ordnungsgemäss Beweis führen. Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung
dann, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidriger oder nicht weiter
belegbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde. Unvollständig ist sie, wenn
die Behörde trotz Untersuchungsmaxime den Sachverhalt nicht von Amtes
wegen abgeklärt oder nicht alle für die Entscheidung wesentlichen Sa-
chumstände berücksichtigt hat (vgl. dazu CHRISTOPH AUER/ANJA MARTINA
BINDER, in: Kommentar zum Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren
[VwVG], 2. Aufl. 2019, Art. 12 N 16).
3.3 Die Rüge der Verletzung der Untersuchungspflicht ist unbegründet. Die
Vorinstanz hatte gestützt auf die Vorbringen des Beschwerdeführers und
die von ihm eingereichten zahlreichen Unterlagen keinen Anlass, weitere
Abklärungen vorzunehmen. Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertre-
tenen Ansicht wird aus den Akten ohne Weiteres ersichtlich, dass die die
fluchtauslösenden Asylgründe belegenden Unterlagen im Rahmen des
vorinstanzlichen Verfahrens in den wesentlichen Zügen durch das SEM
übersetzt wurden (vgl. act. 1102879-20/4, 1102879-21/5, 1102879-22/2,
1102879-23/1 und 1102879-24/2). Weiter listete es die vom Beschwerde-
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führer eingereichten Unterlagen – wenn auch nicht einzeln – jedoch in in-
haltlich unterteilten Gruppen auf und nahm in seinen Erwägungen darauf
Bezug. Dazu führte die Vorinstanz rechtsgenüglich aus, dass seine Vor-
bringen aufgrund diverser Aspekte flüchtlingsrechtlich nicht relevant seien,
weshalb aus Zeit- und Kostengründen auf eine vollumfängliche – mithin
eine wortwörtliche – Übersetzung all dieser Dokumente verzichtet werde
(vgl. act. 1102879-31/10, S. 7, 4. Abschnitt). In diesem Vorgehen ist kein
formeller Mangel zu erkennen. Sodann legte die Vorinstanz ebenso rechts-
genügend dar, aus welchen Gründen die fluchtauslösenden Vorbringen
des Beschwerdeführers offensichtlich der flüchtlingsrechtlichen Relevanz
entbehrten und begründete dies ausführlich. Ferner spricht alleine der Um-
stand, dass die Vorinstanz zu einer anderen Würdigung der Vorbringen ge-
langt, als vom Beschwerdeführer verlangt, nicht für eine ungenügende
Sachverhaltsfeststellung. Den Akten sind demnach keine Hinweise auf
eine Verletzung der Untersuchungspflicht und mithin des rechtlichen Ge-
hörs durch die Vorinstanz zu entnehmen.
Nach dem Gesagten besteht keine Veranlassung, den angefochtenen Ent-
scheid aus formellen Gründen aufzuheben und zwecks weiterer Abklärun-
gen und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Das entspre-
chende Begehren ist abzuweisen.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungsgericht hat die
Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in verschiedenen
Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier
verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 m. Verw.).
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Seite 9
5.
5.1 Die Vorinstanz kommt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss,
die Vorbringen des Beschwerdeführers erfüllten die Voraussetzungen für
die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG in mehr-
facher Hinsicht nicht. Es sei nicht grundsätzlich zu bezweifeln, dass er als
(Nennung Funktion) aufgrund einer wohl fehlgegangenen Kontrolle am
(Nennung Örtlichkeit) aus dem (Nennung Dienst) entlassen, gegen ihn ein
Strafverfahren wegen (Nennung Vorwurf) eingeleitet worden sei und er in
der Folge diverse juristische Bemühungen bei verschiedenen nationalen
Institutionen unternommen habe. Jedoch weise sein Vorbringen grundsätz-
lich kein Motiv gemäss Art. 3 AsyIG auf. Überdies seien der staatliche
Schutzwille und die Schutzfähigkeit des albanischen Staates gegeben, das
gegen ihn eingeleitete Strafverfahren wegen (Nennung Vorwurf)s sei als
rechtsstaatlich legitim zu erachten und weder die unrechtmässige Entlas-
sung aus dem (Nennung Dienst), noch das wohl abgeschlossene arbeits-
rechtliche Gerichtsverfahren wegen dieser Entlassung, noch das hängige,
aber rechtsstaatlich legitime Strafverfahren wegen (Nennung Vorwurf),
noch der subjektive Verdacht, es sei ihm absichtlich eine möglicherweise
gefälschte (Nennung Dokument) untergeschoben worden, noch die ein-
zelne Drohnachricht per Whatsapp erfüllten die verhältnismässig hohen
Anforderungen an die Intensität gemäss Art. 3 AsylG. Im Einzelnen führte
das SEM an, die Entlassung aus dem Polizeidienst beruhe nicht auf politi-
schen Motiven, auch wenn der Beschwerdeführer in der Folge einer oppo-
sitionellen Partei beigetreten sei, allerdings ohne in dieser aktiv zu sein.
Die diversen juristischen Bemühungen des Beschwerdeführers zeigten,
dass der albanische Staat auch in seinem Fall schutzwillig und schutzfähig
sei. Seine Beschwerde an das Verwaltungsgericht sei gutgeheissen und
ihm vom (Nennung Behörde) in der Folge Unterstützung angeboten wor-
den, um ein Schreiben aufzusetzen, das seine Wiedereinstellung bei der
(Nennung Einheit) bezwecke. Das eigentliche Strafverfahren wegen (Nen-
nung Vorwurf) sei überdies noch immer hängig. Er habe offensichtlich Zu-
gang zu einem Anwalt und zudem die ihm zur Verfügung stehenden
Rechtsmittel – gerade in Bezug auf das Strafverfahren – längst nicht aus-
geschöpft. Zudem werde seine Anzeige wegen Drohung aktuell noch durch
die Staatsanwaltschaft untersucht. Dass gewisse Institutionen – wie die di-
rekt betroffene und daher befangene (Nennung Behörde) – nicht in seinem
Sinne entscheiden oder sich nicht als zuständig erachten würden, ändere
nichts an der Tatsache, dass der albanische Staat über funktionierende und
wirksame Polizei- und Justizorgane verfüge, zu denen der Beschwerdefüh-
rer nachweislich Zugang habe. Zudem sei es auch in westlichen Staaten
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Seite 10
nicht wahrscheinlich, dass die Polizei wegen eines mutmasslich zuge-
steckten (Nennung Dokument) konkrete Ermittlungen aufnähme. Weiter
hätten die albanischen Behörden öffentlichen Quellen zufolge eine mafia-
ähnliche Gruppe (...) ausgehoben, zu denen der vom Beschwerdeführer
kontrollierte D._ zu gehören scheine. Es sei daher rechtsstaatlich
legitim, dass der albanische Staat vor diesem Hintergrund abkläre, ob der
Beschwerdeführer und sein Arbeitskollege seinen Kontrollaufgaben am
(Nennung Örtlichkeit) pflichtgetreu nachgekommen sei oder ob er allenfalls
mit dieser kriminellen Gruppe in Verbindung stehe. Er könne im Gerichts-
verfahren seine Sicht der Dinge darlegen und das Gericht von seiner Un-
schuld überzeugen. Ausserdem sei nicht abzusehen, wie das Urteil ausfal-
len werde, weshalb nicht von Vornherein von einer unrechtmässigen Ver-
urteilung ausgegangen werden könne. Schliesslich seien die fluchtauslö-
senden Vorbringen zu wenig intensiv und daher flüchtlingsrechtlich nicht
relevant, auch wenn der Beschwerdeführer seine Lage verständlicher-
weise als belastend und schwierig empfinde. Ergänzend sei anzuführen,
dass die eingereichte Drohnachricht per WhatsApp grundsätzlich keine re-
levante Beweiskraft entfalte. So sei beispielsweise auch denkbar, dass hin-
ter der angegebenen Telefonnummer eine ihm nahestehende Person ste-
cken könnte, welche ihm diese nichtssagenden Nachrichten auf sein Ge-
heiss hin zugeschickt habe. An dieser Einschätzung vermöchten die ein-
gereichten Beweismittel nichts zu ändern, belegten diese lediglich die nicht
bestrittenen, jedoch als asylirrelevant zu beurteilenden Vorbringen.
5.2 Dagegen hielt der Beschwerdeführer in seiner (ergänzenden) Be-
schwerdeschrift vom 5. Oktober 2021 zunächst an seiner bisherigen Sach-
verhaltsdarstellung fest. Weiter entgegnete er, das SEM nehme in seiner
Argumentation den Vorfall vom (...) nicht ernst, zumal es auf die Bedeutung
dieses Ereignisses nicht näher eingehe. Da die Staatsanwaltschaft keine
weiteren Ermittlungen in dieser Sache durchgeführt habe, könnte ihn die-
ses "inszenierte Schema" die Freiheit kosten. Zudem bestünden keine An-
haltspunkte für die Behauptung des SEM, dass die Drohnachricht vom (...)
von einer ihm bekannten Person geschickt worden sei. Sodann treffe es
bezüglich des Vorhalts eines rechtsstaatlichen Verfahrens zu, dass es das
Recht des albanischen Staates sei, zu ermitteln. Jedoch hätten sich die
ermittelnden Personen in seinem Verfahren nicht an das Gesetz gehalten
und die Staatsanwaltschaft habe nach (Nennung Dauer) dauernden Ermitt-
lungen kein einziges Beweisstück gefunden, ihn aber dennoch angeklagt,
anstatt das Verfahren einzustellen. Er befürchte daher, dass ihn das Ge-
richt zu Unrecht bestrafen könnte. Weiter habe das SEM die Rolle des
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Seite 11
(Nennung Organisation), einer Nichtregierungsorganisation, falsch darge-
stellt, was bei ihm bezüglich der Art und Weise, wie das SEM seinen Fall
bearbeitet habe, einen fahlen Geschmack hinterlasse. Bei einer Rückkehr
in seine Heimat werde er erneut Gegenstand von Angriffen und müsse un-
gerechtfertigte Strafen sowie lebensgefährliche Bedrohungen befürchten.
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht gelangt nach Abwägung der Argu-
mente zum Schluss, dass die Vorinstanz das Asylgesuch des Beschwer-
deführers zu Recht abgelehnt hat. Dem Beschwerdeführer gelingt es mit
seinen Entgegnungen auf Beschwerdeebene nicht, die vom SEM ge-
troffene Einschätzung umzustossen.
6.2 Bei Albanien handelt es sich um einen verfolgungssicheren Staat im
Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. a AsylG (vgl. dazu Anhang 2 der Asylverord-
nung 1 vom 11. August 1999 [AsylV 1, SR 142.311]). Die Bezeichnung ei-
nes Landes als sogenanntes "safe country" beinhaltet die Regelvermu-
tung, dass eine flüchtlingsrechtlich bedeutsame staatliche Verfolgung nicht
stattfindet und der behördliche Schutz vor nichtstaatlicher Verfolgung ge-
währleistet ist. Es handelt sich dabei um eine relative Verfolgungssicher-
heit, weshalb im Einzelfall auf Grund konkreter und substantiierter Hin-
weise diese Regelvermutung umgestossen werden kann (vgl. Urteil des
BVGer E-4982/2020 vom 15. Januar 2021 E. 5).
6.3 Der Beschwerdeführer vermag mit seinen Vorbringen im vorinstanzli-
chen Verfahren und den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom
5. Oktober 2021 die vorgenannte Regelvermutung nicht umzustossen. Das
SEM hat das vom Beschwerdeführer angeführte und gegen ihn eingelei-
tete Strafverfahren wegen (Nennung Vorwurf) und die damit einhergehen-
den Weiterungen (Nennung Weiterungen) zu Recht und mit zutreffender
Begründung als asylunbeachtlich eingestuft. So sind bezüglich dieser Vor-
kommnisse die Elemente des Flüchtlingsbegriffs entweder infolge eines
fehlenden Verfolgungsmotivs im Sinne von Art. 3 AsylG und/oder fehlender
asylbeachtlicher Intensität klarerweise nicht erfüllt. Gemäss den Ausfüh-
rungen des Beschwerdeführers ist das Strafverfahren wegen (Nennung
Vorwurf) noch immer hängig, wie auch das Verfahren als Folge seiner
Strafanzeige wegen Drohung (vgl. act. 1102879-20/4, F44-49). Es liegen
demnach weder Hinweise dafür vor, dass es dem Beschwerdeführer nicht
möglich gewesen wäre, sich gegen die gegen ihn erhobenen Anschuldi-
gungen auf dem Rechtsweg und mit Hilfe eines Anwalts zur Wehr zu set-
zen oder dass die Behörden nicht willens und nicht in der Lage wären, ihm
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Seite 12
wegen der erhobenen Todesdrohung Schutz zu bieten. Wie das SEM in
seiner Verfügung mit zutreffender Begründung ausführte, hat der Be-
schwerdeführer sodann hinsichtlich des Vorwurfs des (Nennung Vorwurf)
die Möglichkeit, im Falle eines zu seinen Ungunsten ausfallenden Urteils
weitere ihm zur Verfügung stehende rechtstaatliche Rechtsmittel zu ergrei-
fen. Überdies legt alleine der Umstand, dass die dabei ermittelnde Staats-
anwaltschaft nach Ansicht des Beschwerdeführers ihre Aufgabe nicht kor-
rekt, ja gar ungesetzlich erledigt habe, noch nicht die Vermutung nahe –
wie dies der Beschwerdeführer suggeriert – dass ihn demnach das in die-
ser Frage aktuell zuständige Gericht zu einer ungerechtfertigten Strafe ver-
urteilen werde. Sodann erscheint die Argumentation des Beschwerdefüh-
rers in sich widersprüchlich, wenn er anführt, die seitens der Staatsanwalt-
schaft eingestellten Ermittlungen zum Vorfall vom (...) (Nennung Vorfall)
könnten ihm schaden, zumal mit der Einstellung des Verfahrens gerade
keine strafrechtliche Verwicklung seiner Person erreicht oder festgestellt
worden ist. Sodann gibt es keinen Grund anzunehmen, der Beschwerde-
führer könnte nach seiner Rückkehr in den Heimatstaat den Schutz der
albanischen Behörden nicht in Anspruch nehmen. Festzuhalten ist bezüg-
lich der angeführten Todesdrohung seitens Unbekannter ferner, dass von
einem Staat nicht eine faktische Garantie für einen langfristigen individuel-
len Schutz der von nichtstaatlicher Verfolgung bedrohten Personen zu ver-
langen ist, weil es keinem Staat gelingen kann, die absolute Sicherheit sei-
ner Bürgerinnen und Bürger jederzeit und überall zu garantieren (vgl.
BVGE 2011/51 E. 7.3 m.w.H.). Der Beschwerdeführer vermag mit seinen
Entgegnungen der Argumentation des SEM insgesamt nichts Konkretes
entgegenhalten. Unter diesen Umständen braucht auf die Rüge des Be-
schwerdeführers, das SEM habe die Rolle des (Nennung Organisation)
falsch dargestellt, nicht weiter eingegangen zu werden, zumal dies auch
nur einen Nebenpunkt in der vorinstanzlichen Argumentation betrifft (vgl.
act. 1102879-31/10, S. 6, 2. Abschnitt, 2. Satz).
6.4 Das SEM hat demzufolge die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerde-
führers gemäss Art. 3 AsylG zu Recht verneint und das Asylgesuch folge-
richtig abgelehnt.
7.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
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Seite 13
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]). Beim Geltendmachen von Wegweisungs-
vollzugshindernissen gilt gemäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts
der gleiche Beweisstandard wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigen-
schaft; das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Beweis möglich
ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24
E. 10.2 m.w.H.).
8.2
8.2.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
8.2.2 Der Vollzug der Wegweisung ist hier in Beachtung dieser massgebli-
chen völker- und landesrechtlichen Bestimmungen zulässig, da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, weshalb das in Art. 5 AsylG
verankerte Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement im vorlie-
genden Verfahren keine Anwendung findet und sodann keine Anhalts-
punkte für eine im Heimat- oder Herkunftsstaat drohende menschenrechts-
widrige Behandlung im Sinne von Art. 25 Abs. 3 BV, von Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR
0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK ersichtlich sind. Im Fall des Be-
schwerdeführers ist, wie oben dargelegt, davon auszugehen, dass er sich
im Strafverfahren mit rechtsstaatlichen Mitteln zur Wehr setzen und bei all-
fälligen Bedrohungen von Seiten Dritter an die grundsätzlich schutzwilligen
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und schutzfähigen albanischen Behörden wenden kann. Auch die allge-
meine Menschenrechtssituation in Albanien lässt den Wegweisungsvollzug
zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesag-
ten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der
völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.3
8.3.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.3.2 Vorliegend lassen weder die allgemeine Lage im Heimatstaat des Be-
schwerdeführers noch individuelle Gründe auf eine konkrete Gefährdung
im Falle einer Rückkehr schliessen. Das SEM hat diesbezüglich zu Recht
auf die sehr gute Ausbildung und die Berufserfahrungen des Beschwerde-
führers sowie das familiäre Beziehungsnetz, auf dessen Hilfe er bereits
vorher zurückgreifen konnte (vgl. act. 1102879-31/10, S. 8, Ziff. 2), hinge-
wiesen. Sodann stehen auch gesundheitliche Gründe der Zumutbarkeit ei-
nes Wegweisungsvollzugs nicht entgegen. Namentlich kann davon ausge-
gangen werden, dass der Beschwerdeführer die in der Beschwerdeschrift
angeführten (Nennung Leiden) im Bedarfsfall im Heimatland adäquat wird
behandeln lassen können, zumal er vor der Ausreise seinen letzten Wohn-
sitz in C._ gehabt hat und dort entsprechende medizinische Ein-
richtungen vorhanden sind (vgl. hierzu: Urteil des BVGer E-6319/2018 vom
20. Januar 2021 E. 8.4). Demnach besteht kein Grund zur Annahme, dass
er bei einer Rückkehr in Gefahr geraten würde, einer ernsten, raschen und
unwiederbringlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes aus-
gesetzt zu werden. Schliesslich ist anzumerken, dass dem Beschwerde-
führer im Rahmen der individuellen Rückkehrhilfe (vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d
AsylG und Art. 75 der Asylverordnung 2 vom 11. August 1999 [AsylV 2,
SR 142.312]) die Möglichkeit offensteht, medizinische Hilfeleistungen zu
beantragen.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
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8.4 Schliesslich verfügt der Beschwerdeführer über einen bis am (Nennung
Dauer) gültigen Reisepass, weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
10.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das sinngemäss Ersuchen
um Erlass des Kostenvorschusses gegenstandslos geworden.
10.2 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf
Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Be-
gehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei verfügt
eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie ohne Be-
einträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die Prozesskosten
nicht zu bestreiten vermag. Eine Beschwerde gilt ferner dann als aussichts-
los, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlust-
gefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl.
BGE 125 II 265 E. 4b S. 275).
Es ist gestützt auf die (Nennung Beweismittel) von der Bedürftigkeit des
Beschwerdeführers auszugehen. Nachdem überdies die Rechtsbegehren
mit Blick auf die in der Rechtsmitteleingabe vom 1. Oktober 2021 gestellten
Rechtsbegehren im Rahmen einer summarischen Aktenprüfung nicht als
aussichtslos zu beurteilen waren, ist das Gesuch um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung gutzuheissen. Demnach sind dem Be-
schwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuerlegen.
10.3 Gemäss Art. 102m Abs. 1 Bst. a AsylG bestellt das Bundesverwal-
tungsgericht bei Beschwerden gegen ablehnende Asyl- und Wegweisungs-
entscheide nach den Artikeln 31a und 44 im Rahmen des erweiterten Ver-
fahrens auf Antrag der asylsuchenden Person, welche von der Bezahlung
der Verfahrenskosten befreit wurde, eine amtliche Rechtsbeiständin oder
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einen amtlichen Rechtsbeistand. Nachdem dem Beschwerdeführer die un-
entgeltliche Prozessführung gewährt wurde, ist auch das Gesuch um Ge-
währung der amtlichen Rechtsverbeiständung gutzuheissen und der von
ihm "betreffend die Länge der Beschwerdefrist im Asylverfahren" (vgl. Voll-
macht vom 1. Oktober 2021) beauftragte Rechtsvertreter, (Nennung Per-
son), als amtlicher Rechtsbeistand beizugeben.
Aufgrund der Gutheissung des Gesuchs hat der Beschwerdeführer An-
spruch auf Übernahme der ihm notwendigerweise erwachsenen Parteikos-
ten durch das Bundesverwaltungsgericht (vgl. Art. 102m Abs. 1 Bst. a
AsylG i.V.m. Art. 8–14 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Nach Praxis des Bundesverwaltungsgerichts werden
nicht-anwaltliche Vertreterinnen und Vertreter mit einem Stundensatz von
Fr. 100.– bis 150.– entschädigt (vgl. Art. 12 i.V.m. Art. 10 Abs. 2 VGKE).
Lic. iur. (Nennung Person) hat keine Kostennote zu den Akten gereicht. Auf
eine entsprechende Nachforderung kann indessen verzichtet werden, da
sich die Vertretungskosten aufgrund der Akten abschätzen lassen (Art. 14
Abs. 2 VGKE). (Nennung Person) ist demnach durch das Bundesverwal-
tungsgericht ein Honorar gestützt auf die in Betracht zu ziehenden Bemes-
sungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) in der Höhe von Fr. 600.– (inkl. Auslagen)
auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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