Decision ID: c6d5b2db-d36b-4193-8115-5066bb566cba
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) erlitt am _ während seiner Tätigkeit als Z._
für die B._ GmbH (nachfolgend: Arbeitgeberin) eine Fräsenverletzung seiner rechten
Hand (vgl. Schadenmeldung in Suva-act. 1 und Austrittsbericht des Kantonsspitals
C._ vom 4. Juni 2014 in Suva-act. 13). Dabei zog er sich eine traumatische
Amputation von Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger rechts zu. Nach einer
Replantation kam es im Verlauf zu einem Wundinfekt. Bei zusätzlich nicht vollständig
konsolidierter Fraktur des Grundgliedes des Zeigefingers wurde am 12. August 2014
eine Plattenosteosynthese durchgeführt (vgl. Bericht des Kantonsspitals D._ vom 15.
Oktober 2014 in IV-act. 8-3 f.).
A.a.
Im September 2014 meldete der Versicherte sich unter Hinweis auf beim Unfall
vom _ erlittene gesundheitliche Beeinträchtigungen bei der Eidgenössischen
Invalidenversicherung (IV) zum Leistungsbezug an (IV-act. 3). Dabei erklärte er, die
Schule und eine abgebrochene Lehre als Koch in seinem Heimatland E._ absolviert
zu haben und im Jahr 1996 in die Schweiz eingereist zu sein (IV-act. 3-1 und 3-4).
A.b.
Am 4. November 2014 berichtete die Rehaklinik Bellikon über eine von der
zuständigen Unfallversicherung, der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva), in Auftrag gegebene berufliche Standortbestimmung mit dem
Versicherten vom 17. Oktober 2014 (IV-act. 15). Am 12. November 2014 fand ein
A.c.
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Gespräch zwischen dem Versicherten und einer Eingliederungsberaterin der IV statt
(IV-act. 19).
Am 2. Februar 2015 unterzog sich der Versicherte in der Klinik für Hand-,
Plastische- und Wiederherstellungschirurgie am Kantonsspital St. Gallen (nachfolgend:
Klinik für Handchirurgie) einer Strahlresektion IV und Handverschmälerung (Suva-act.
64).
A.d.
Am 11. September 2015 teilte die IV dem Versicherten mit, dass aufgrund seines
Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich
seien. Es werde die Operation vom September 2015 abgewartet (IV-act. 24).
A.e.
Am 14. September 2015 unterzog sich der Versicherte in der Klinik für
Handchirurgie einer Arthrodese MCP III-Gelenk rechts mit Aptus Medartis 2.0
winkelstabiler Leiterplatte (IV-act. 26-2 f. sowie IV-act. 26-4 f.).
A.f.
Am 1. März 2016 wurde der Versicherte im Auftrag der Suva von Dr. med. F._,
Facharzt für Neurochirurgie, kreisärztlich untersucht (IV-act. 37). Dieser kam zum
Schluss, dass aus den gesamten Operationen und der Verletzung eine massiv
schmerzhafte rechte Hand mit völliger Gebrauchsunfähigkeit resultiere (IV-act. 37-6 f.).
Bezüglich des aktuellen Zumutbarkeitsprofils sei der Versicherte als einhändig, in der
nicht dominanten Hand, zu beurteilen. Die rechte Hand sei nicht nur nicht einsetzbar,
erschwerend sei sie auch von einem ausgeprägten hyperpathischen Schmerzsyndrom
geprägt. Der Versicherte sei für eine einhändige, linksseitige Tätigkeit bei leichten,
gelegentlich mittelschweren Arbeiten ganztags einzusetzen. Der Heilungszustand
könne noch nicht als stabil betrachtet werden (IV-act. 37-7). Am 30. März 2016 wurde
der Versicherte im Auftrag der Suva zusätzlich von Dr. med. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, Konsiliararzt, untersucht (IV-act. 36). Dieser stellte die
Diagnosen längere depressive Reaktion sowie posttraumatische Belastungsstörung,
aktuell leichtgradige Ausprägung (IV-act. 36-11). In therapeutischer Hinsicht wäre eine
möglichst rasche Einleitung von Schritten zur beruflichen Wiedereingliederung von
höchster Bedeutung. Die berufliche Zumutbarkeit in angepassten Tätigkeiten werde
durch das vorliegende, psychiatrische Krankheitsbild nicht eingeschränkt. Nicht
angepasst seien aus psychiatrischer Sicht Tätigkeiten mit gefährlichen und/oder lauten
A.g.
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Maschinen, insbesondere, wenn diese eine Ähnlichkeit mit den beim Unfall involvierten
Bohrmaschinen aufweisen würden (IV-act. 36-12).
Am 19. April 2016 löste die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis mit dem
Versicherten per 30. Juni 2016 auf, da sie leider nicht in der Lage sei, ihm eine
geeignete Arbeitsstelle anzubieten (Suva-act. 126).
A.h.
Am 18. Mai 2016 unterzog sich der Versicherte in der Klinik für Handchirurgie einer
(rechtsseitigen) Rearthrodese und einer Zuggurtung MCP (III)-Gelenk (Suva-act. 130
und 132; vgl. IV-act. 70-1; vgl. auch Suva-act. 88).
A.i.
Am 20. September 2016 teilte die IV dem Versicherten mit, dass die Kosten für eine
berufliche Abklärung in der H._ vom 3. bis 28. Oktober 2016 übernommen würden
(IV-act. 60). Gleichentags verfügte die IV-Stelle die Zusprache eines Taggeldes für
diesen Zeitraum (IV-act. 62).
A.j.
In einem am 3. Oktober 2016 bei der IV-Stelle eingegangenen Bericht nannten die
behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrums I._, wo der Versicherte bis zum 12.
September 2016 in Behandlung gestanden hatte (vgl. IV-act. 95-1), die Diagnosen
posttraumatische Belastungsstörung sowie Anpassungsstörung bei Status nach
schwerer Verletzung der rechten, dominanten Hand bei einem Arbeitsunfall - massiv
schmerzhafte Hand mit völliger Gebrauchsunfähigkeit nach acht durchgeführten
Operationen. Laut den zuständigen Fachpersonen litt der Versicherte zu Beginn der
Behandlung stark unter Ängsten, innerer Unruhe, Gereiztheit, Schlafstörungen,
Schwitzen, Zittern und Intrusionen. Die Beschwerden liessen sich einer
posttraumatischen Belastungsstörung zuordnen. In den psychotherapeutischen
Gesprächen standen inhaltlich der Umgang mit der Verletzung der rechten Hand, die
Bewältigung der Traumatisierung durch den Arbeitsunfall, die Schmerzsymptomatik
und die funktionalen Einschränkungen im Vordergrund. Ziele der Therapie waren das
Annehmen des Schicksals und die Entwicklung einer neuen Zukunftsperspektive.
Obwohl es dem Versicherten im Verlauf gelungen sei, emotional ausgeglichener und
ruhiger zu werden, leide er aufgrund unklarer beruflicher Perspektive unter
Zukunftsängsten. Neben der stark eingeschränkten Funktionalität der Hand und
Schmerzen bestehe eine starke psychische Belastung durch erhebliche Probleme in
A.k.
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der Erziehung des _-jährigen Sohnes. Weiterhin bestünden Affektlabilität, Ratlosigkeit,
Gereiztheit und gedrückte Stimmung. Ebenso leide der Versicherte unter
lnsuffizienzgefühlen und Schlafstörungen, Vermeidung von Aktivitäten und Situationen,
die Erinnerungen an den Unfall wachrufen könnten. Die therapeutischen Erfolge seien
vor allem zu Beginn der Behandlung erzielt worden, zu signifikanten Veränderungen sei
es in den letzten zwölf Monaten nicht gekommen (IV-act. 63-3 f.).
Am 17. November 2016 erstattete die H._ ihren Schlussbericht über die 20-
tägige Abklärung des Versicherten (IV-act. 74). Die zuständigen Abklärungspersonen
schätzten dessen durchschnittliche Leistungsfähigkeit mit 50 % ein. Je nach konkret
ausgeführter Arbeit habe die Leistungsfähigkeit etwas höher oder tiefer gelegen, wobei
zusammenfassend festzustellen gewesen sei, dass auch bei sogenannten
Einhändertätigkeiten Einschränkungen vorhanden seien und der Versicherte nirgends
ganz selbständig gewesen sei, da er gewisse Arbeitsschritte nur mit Hilfe habe
ausführen können. Naheliegend seien Arbeitsfelder, in denen lediglich ein einhändiger
resp. gar kein Handeinsatz notwendig sei, also leichte Kurierdienste,
Überwachungsaufgaben, Sitzwache und damit Vergleichbares. Verschiedene
Telefonate mit potentiellen Arbeitgebern resp. bereits die Angaben in den
entsprechenden Stellenausschreibungen hätten jedoch ergeben, dass diese
Tätigkeiten für den Versicherten ebenfalls nicht in Frage kommen würden. Insgesamt
sei festzustellen, dass Tätigkeiten, welche der Versicherte ausüben könnte, auf dem
freien Arbeitsmarkt kaum bzw. nicht zu finden seien. Es wäre notwendig, dass die
entsprechende Arbeit völlig ohne Handeinsatz oder aber mit ausschliesslich einer Hand
ausführbar wäre (IV-act. 74-9). Abgesehen von den migrationsbedingt knappen
deutschsprachlichen als auch schulischen Kenntnissen hätten keine
behinderungsfremden Faktoren festgestellt werden können (IV-act. 74-10).
A.l.
Am 23. November 2016 notierte Dr. med. J._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst
(RAD), die Schlussfolgerungen der Abklärungsstelle bezüglich Gebrauchs der
dominanten rechten Hand könnten zumindest für die Zeit der H._ hinreichend
nachvollzogen werden. Der Versicherte sei als funktioneller Einhänder zu betrachten.
Rein medizinisch- theoretisch gesehen, wäre er in einer entsprechend adaptierten
Tätigkeit voll arbeitsfähig. Berücksichtigt werden müsse natürlich, dass der linke
adominante Arm/die Hand entsprechend trainiert werden müsse, was zum Zeitpunkt
A.m.
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der H._ sicherlich noch nicht ausreichend der Fall gewesen sei. Auch müsse
berücksichtigt werden, dass die vormals dominante rechte Hand möglicherweise durch
Gewöhnung wie aber auch durch weitere therapeutische Massnahmen soweit
hergestellt werden könnte, dass sie zumindest als Zudienhand brauchbar werde. Aber
ob dies geschehe, werde der Verlauf zeigen. Bezüglich der laut H._ fehlenden
Verwertbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei nicht der RAD zuständig (IV-act. 76-2).
Am 28. November 2016 schloss die zuständige Eingliederungsberaterin der IV das
Dossier des Versicherten und leitete es an die Rentenprüfung weiter. Dies aufgrund des
Abklärungsergebnisses der H._, welches gezeigt habe, dass Tätigkeiten, die der
Versicherte ausüben könne, auf dem freien Arbeitsmarkt kaum (absolute Nische) bzw.
nicht zu finden seien (IV-act. 77-2 f.).
A.n.
Anlässlich einer medizinischen Beurteilung vom 28. November 2016 schätzte
Kreisarzt Dr. F._ den vom Versicherten erlittenen Integritätsschaden auf 35 %. Dabei
ging er davon aus, dass die Situation des Versicherten mit noch vorhandener, aber
nicht einsatzfähiger Hand analog des Verlustes einer Hand zu betrachten sei. Das
Schmerzsyndrom wirke als zusätzlicher Störfaktor und verunmögliche den Einsatz der
rechten Hand selbst als Hilfshand (Suva-act. 155-2). Am 29. November 2016 befand
Dr. F._ hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Versicherten, es seien keine Ergänzungen
zur Einschätzung vom 1. März 2016 zu machen. Es sei aber daran zu erinnern, dass
nicht nur die fehlende Funktion der Hand zu beachten sei, sondern auch das
Schmerzsyndrom. Selbst bei Nicht-Einsatz der Hand erzeuge Kontakt/Berührung
starke Beschwerden, welche auch die restliche Arbeitsfähigkeit einschränkten (Suva-
act. 154).
A.o.
Mit Verfügung vom 13. Dezember 2016 sprach die Suva dem Versicherten ab 1.
Februar 2017 gestützt auf eine Erwerbsunfähigkeit von 70 % eine Rente und eine auf
einer Integritätseinbusse von 35 % basierende Integritätsentschädigung zu (Suva-act.
159). Sie ging davon aus, dass der Versicherte für eine einhändige, linksseitige
Tätigkeit bei leichten, gelegentlich mittelschweren Tätigkeiten mit einer Einschränkung
von 50 % einsetzbar sei (Suva-act. 159 S. 2).
A.p.
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Mit Mitteilung vom 3. Januar 2017 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren des
Versicherten um berufliche Massnahmen gestützt auf die Einschätzung der IV-
Eingliederungsberaterin vom 28. November 2016 (vgl. vorstehend Sachverhalt A.n) ab
(IV-act. 85).
A.q.
RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 23. Februar 2017, er bleibe dabei, dass aus rein
medizinisch-theoretischer Sicht der Versicherte als funktioneller Einhänder in einer
leidensangepassten Tätigkeit 100 % arbeitsfähig sei. Welche Einschätzung (H._
Suva, RAD) anerkannt werde, liege allein in der Kompetenz des Rechtsanwenders (IV-
act. 96-3).
A.r.
Mit Vorbescheid vom 13. März 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
er bei einem Invaliditätsgrad von 15 % keinen Anspruch auf eine Invalidenrente habe.
Dabei ging sie von einer vollen Einsatzfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten aus und
berücksichtigte einen leidensbedingten Abzug von 15 % (IV-act. 101).
A.s.
Der zuständige Case Manger der Suva bekundete am 16./17. März 2017
Unverständnis hinsichtlich diverser Aspekte der Invaliditätsbemessung der IV (IV-act.
102; vgl. auch IV-act. 107). Rechtsanwältin lic. iur. U. Reger-Wyttenbach, advokatur
Rechtsanker, Zürich, erhob als Vertreterin des Versicherten am 27. April 2017 Einwand
gegen den Vorbescheid und beantragte die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente ab
1. Mai 2015 (IV-act. 110). In Ergänzung zu diesem Einwand liess die Rechtsvertreterin
des Versicherten der IV-Stelle einen ärztlichen Bericht von Dr. med. K._, Klinik für
Handchirurgie, vom 26. April 2017 zukommen, gemäss welchem sich funktionell ein
vollständiger Ausfall der rechten Hand finde. Die Hand könne nicht als Hilfshand
eingesetzt werden. Da die vorhandene Situation mit immer auftretenden Schmerzen bei
Belastung und auch in Ruhe die Gesamtarbeitsfähigkeit zusätzlich behindere, sei der
Invaliditätsgrad von 70 % sicher angemessen. Unter anderem aus diesem Grund sehe
er eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten sehr leichten Tätigkeit von ca. 50 %
gegeben (IV-act. 114).
A.t.
Am 26. Juli 2017 teilte die IV-Stelle nach Durchführung eines Strategiegesprächs
(vgl. Strategie-Protokoll in IV-act. 115) dem Versicherten mit, dass eine polydisziplinäre
medizinische Untersuchung notwendig sei (IV-act. 120). In der Folge erteilte die IV-
A.u.
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Stelle der estimed AG, Zug, den Auftrag für eine polydisziplinäre Begutachtung
(Allgemeine Innere Medizin, Handchirurgie, Neurologie, Neuropsychologie, Psychiatrie;
IV-act. 129). Nachdem der Versicherte von Oktober bis Dezember 2017 abgeklärt
worden war, erstattete die estimed AG am 19. Februar 2018 ihr Gutachten (IV-act.
138). Diesem zufolge bestehe in der angestammten Tätigkeit aus neurologischer und
handchirurgischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und in einer Verweistätigkeit
aus handchirurgischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % (IV-act. 138-53 f.). Dem
handchirurgischen Teilgutachten ist zu entnehmen, dass eine permanente
Schmerzhaftigkeit der rechten Hand bei allen Bewegungen und Belastungen vorliege,
sodass diese nicht mal mehr als Hilfshand eingesetzt werden könne. Es würden
sodann im Alltag nur leichteste Bewegungen ausgeführt (IV-act. 138-90).
RAD-Arzt Dr. J._ notierte am 23. Februar 2018, dass er die gutachterlich
festgestellte Arbeitsunfähigkeit von 70 % in einer leidensangepassten Tätigkeit nicht
hinreichend plausibel nachvollziehen könne. Soweit es ihm bekannt sei, gehe auch die
Rechtsprechung davon aus, dass ein funktioneller Einhänder sehr wohl in einer
leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sein könne. Das Gutachten erfülle
grundsätzlich die versicherungsmedizinischen Voraussetzungen; ob die gutachterliche
Einschätzung anerkannt werde, liege in der Kompetenz des Rechtsanwenders, nicht
des RAD (IV-act. 141). Am 29. März 2018 bat die IV-Stelle die estimed AG um eine
"detaillierte und begründete Stellungnahme zur medizinisch theoretischen
Arbeitsfähigkeit unter Ausschluss der verletzten Extremität, sprich: Wie beurteilen Sie
die Arbeitsfähigkeit [...] als funktioneller Einhänder?" (IV-act. 143). Die Antwort datiert
vom 9. April 2018 und bekräftigt die früher getätigten Feststellungen (IV-act. 145). RAD-
Arzt Dr. J._ befand am 16. April 2018, das Antwortschreiben der estimed AG sei für
ihn nicht plausibel. Er gehe davon aus, dass der Versicherte unter Berücksichtigung der
funktionellen Einhändigkeit zu 100 % arbeitsfähig sei. Gerade noch zu akzeptieren
wäre aus seiner Sicht, wenn man dem Versicherten zur Schonung der linken
(gesunden) Hand einen vermehrten Pausenbedarf von 20 % zubilligen würde.
Ausgegangen werden müsse sowieso von einer Tätigkeit, welche die linke Hand/das
linke Handgelenk nicht wesentlich beanspruche (IV-act. 148-1; vgl. auch IV-
Besprechungsprotokoll vom 8. Mai 2018 in IV-act. 149 und eine weitere RAD-
Stellungnahme von demselben Datum in IV-act. 156). Vor diesem Hintergrund
A.v.
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informierte die IV-Stelle den Versicherten mit Mitteilung vom 13. Juli 2018 darüber,
dass eine weitere handchirurgische Abklärung unumgänglich sei. Das
Gutachtensinstitut asim des Universitätsspitals Basel werde damit beauftragt (IV-act.
162). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers ersuchte am 16. August 2018 um
Durchführung eines Einigungsverfahrens und schlug drei andere Gutachter vor (IV-act.
167). Mit Zwischenverfügung vom 27. August 2018 hielt die IV-Stelle an der
vorgesehenen Abklärungsstelle fest (IV-act. 171; zur entsprechenden RAD-
Stellungnahme vom 17. August 2018 vgl. IV-act. 168).
Nach einer am 17. Januar 2019 durchgeführten Untersuchung des Versicherten
erstattete Dr. med. L._, Facharzt Handchirurgie und Plastische Chirurgie, asim, am
10. Mai 2019 unter Berücksichtigung des Testbefunds der Ergotherapie Abteilung
Handrehabilitation vom 30. November 2018 (IV-act. 203) ein handchirurgisches
Gutachten (IV-act. 187). Darin attestierte er dem Versicherten in der angestammten
Tätigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit und in leidensangepassten Tätigkeiten
eine vollständige Arbeits- und Leistungsfähigkeit ab März 2018. Die 70%ige
Arbeitsunfähigkeit sei rein handchirurgisch schwierig zu begründen. Die Schmerzen
hätten seit April 2017 weiter nachgelassen und der Versicherte sei nicht mehr
regelmässig auf Schmerzmittel angewiesen. Die linke Hand könne voll eingesetzt
werden. Die rechte Hand gelte als passive Hilfshand mit einem House Score von 1-2.
Da keine sinnvolle Kontrolle des bimanuellen Griffs möglich sei, könne der Versicherte
als funktioneller Einhänder gelten (IV-act. 187-11). Dr. J._ vom RAD hielt am 15. Mai
2019 fest, das asim-Gutachten erfülle die versicherungsmedizinischen Anforderungen.
Die administrative Entscheidung könne darauf abgestützt werden (IV-act. 188-1).
A.w.
Mit dem den Vorbescheid vom 13. März 2017 ersetzenden Vorbescheid vom 6.
September 2019 teilte die IV-Stelle dem nunmehrigen Rechtsvertreter des
Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. S. Meier Rhein, advokatur rechtsanker, Zürich, mit,
dass der Versicherte vom 1. Mai 2015 bis 31. Mai 2018 Anspruch auf eine ganze Rente
der IV habe. Anschliessend bestehe bei einem Invaliditätsgrad von 32 % kein Anspruch
auf eine Rente. Für die Festsetzung des Invaliditätsgrades ging sie von einer vollen
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierten Tätigkeiten und einem leidensbedingten Abzug
von 25 % aus (IV-act. 192).
A.x.
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B.
Gegen die Befristung der ganzen Rente wandte sich Rechtsanwalt Meier Rhein mit
Einwand vom 10. Oktober 2019 (IV-act. 198). Am 27. Februar 2020 liess er der IV-Stelle
eine chirurgisch-versicherungsmedizinische Beurteilung von Dr. med. M._, Fachärztin
für Chirurgie, N._ AG, vom 28. Januar 2020 zukommen, welche dem Versicherten für
einarmige, angepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % attestierte
(IV-act. 211). Dr. J._ vom RAD notierte am 5. März 2020, Dr. M._ bringe keinerlei
neue medizinische Erkenntnisse vor, die es notwendig machen würden, die
Einschätzung von Dr. L._ in irgendeiner Form abzuändern (IV-act. 213).
A.y.
Mit Verfügung vom 26. Mai 2020 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
entsprechend dem Vorbescheid vom 1. Mai 2015 bis 31. Mai 2018 eine befristete
ganze Invalidenrente zu und verneinte einen darüberhinausgehenden Rentenanspruch
(IV-act. 219 und 214).
A.z.
Gegen diese Verfügung richtet sich die Beschwerde des Versicherten
(nachfolgend: Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt Meier Rhein, vom 6.
März 2020, mit welcher unter Kosten- und Entschädigungsfolge die Ausrichtung einer
ganzen Invalidenrente über den 31. Mai 2018 hinaus beantragt wird (act. G1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 15. September 2020 ersucht die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) um Abweisung der Beschwerde (act. G4).
B.b.
Mit Replik vom 19. November 2020 lässt der Beschwerdeführer an den Anträgen
gemäss Beschwerde festhalten (act. G8).
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1. Dezember 2020 auf die Erstattung
einer Duplik (act. G10).
B.d.
Am 13. Oktober 2021 informierte das Versicherungsgericht die Parteien darüber,
dass es die Akten der Suva beigezogen habe (act. G14). Beide Parteien verzichteten
stillschweigend auf Einsicht in diese Akten und auf die Erstattung einer Stellungnahme.
B.e.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.
Nach Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit
oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens
40 % arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40 % invalid sind (lit. c). Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht
Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf
eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente und ab einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze
Invalidenrente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen, Art. 16 ATSG).
1.2.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
1.3.
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Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des
Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen; BGE 141 V 14 E. 6.3.1).
Den medizinischen Abklärungen kommt gegenüber denjenigen der Fachleute der
Berufsberatung/beruflichen Eingliederung ein grösseres Gewicht zu. Indessen darf
Ergebnissen leistungsorientierter beruflicher Abklärungen nicht jegliche Aussagekraft
für die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit abgesprochen werden. Steht eine
medizinische Einschätzung der Leistungsfähigkeit in offensichtlicher und erheblicher
Diskrepanz zu einer Leistung, wie sie während einer ausführlichen beruflichen
Abklärung bei einwandfreiem Arbeitsverhalten/-einsatz der versicherten Person effektiv
realisiert (wird) und gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist,
vermag dies ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annahmen zu begründen und ist das
Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme grundsätzlich unabdingbar
(Urteil des Bundesgerichts vom 16. Oktober 2012, 9C_737/2011, E. 3.3). Die
arbeitsmedizinischen Einschätzungen sind grundsätzlich den Fachleuten der
Berufsberatung zur Bezeichnung konkreter Berufe zu unterbreiten. Indessen bedarf die
Beurteilung des Leistungsanspruches nicht zwingend immer einer zusätzlichen
berufsberaterischen Einschätzung. Von einer solchen kann im Einzelfall abgesehen
werden, wenn aus medizinischer Sicht körperlich leichte Tätigkeiten ohne
weitreichende Einschränkungen generell zumutbar sind und aus den ärztlichen
Abklärungen und Beschreibungen hinreichend klar hervorgeht, dass dem Versicherten
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend zumutbare Tätigkeiten offen stehen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2006, I 797/05, E. 3 mit Hinweisen).
1.4.
Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf
nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten ausgegangen werden. Insbesondere
kann von einer Arbeitsgelegenheit dort nicht gesprochen werden, wo die zumutbare
Tätigkeit nur in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine
Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) praktisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle deshalb zum Vornherein als
1.5.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/21
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ausgeschlossen erscheint. Ferner beinhaltet der Begriff des ausgeglichenen
Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem Angebot und der
Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeitsmarkt, der von seiner
Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält, und zwar sowohl
bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie
auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt
sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche
Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein rentenausschliessendes Einkommen zu
erzielen vermag oder nicht. Weder gestützt auf die Pflicht zur Selbsteingliederung noch
im Rahmen der der versicherten Person auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt offen
stehenden Möglichkeiten zur Verwertung ihrer Resterwerbsfähigkeit dürfen von ihr
Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und
subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles nicht zumutbar sind. [...] An die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind praxisgemäss
nicht übermässige Anforderungen zu stellen; diese hat vielmehr nur soweit zu gehen,
als im Einzelfall eine zuverlässige Ermittlung des Invaliditätsgrades gewährleistet ist.
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht darauf abzustellen, ob eine invalide Person
unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig
darauf, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn
die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden
(Urteil des Bundesgerichts vom 22. November 2006, I 654/05, E. 7.2.1 f. mit
Hinweisen). Die Gerichtspraxis geht davon aus, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt
für Personen, welche funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur
noch leichte Arbeiten verrichten können, genügend realistische
Betätigungsmöglichkeiten bietet. Zu denken ist etwa an einfache Überwachungs-,
Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und Überwachung von
(halb-)automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die nicht den Einsatz
beider Arme und beider Hände voraussetzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 8.
September 2009, 8C_207/2009, E. 3.2, und vom 27. August 2008, 8C_635/2007, E. 4.2
mit Hinweisen).
Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben Gericht und Verwaltung von Amtes wegen für die richtige und
vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Wenn der
entscheidrelevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde, kann das Gericht die
Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen (vgl. Ueli Kieser,
ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 111 zu Art. 61).
1.6.
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2.
Die Parteien sind sich darin einig, dass der Beschwerdeführer seine angestammte
Tätigkeit als Z._ seit dem Unfall vom _ nicht mehr ausüben kann (IV-act. 219 i.V.m.
214 sowie act. G1). Darüber hinaus gehen sie einig, dass der Beschwerdeführer bis
März 2018 aufgrund der beim Unfall an seiner rechten Hand erlittenen Verletzungen,
welche diverse Operationen nach sich zogen, auch in leidensangepassten Tätigkeiten
vollständig arbeitsunfähig war. Dies ist aufgrund der medizinischen Akten
nachvollziehbar (vgl. nachfolgend E. 3). Währenddem die Beschwerdegegnerin der
Ansicht ist, der Beschwerdeführer könnte seit März 2018 mit einer vollzeitlich
ausübbaren angepassten Tätigkeit ein rentenausschliessendes Einkommen
erwirtschaften, stellt dieser sich auf den Standpunkt, dass er über März 2018 hinaus
auch in leidensadaptierten Tätigkeiten zu 50 % arbeitsunfähig sei und unter
Berücksichtigung des von der Beschwerdegegnerin gewährten leidensbedingten
Abzugs von 25 % ein Anspruch auf eine ganze Rente resultiere (act. G1). Es gilt also zu
prüfen, ob der medizinische Sachverhalt bei der gegebenen Aktenlage feststeht (vgl.
nachfolgend E. 3) und ob gestützt darauf die adaptierte Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers festgelegt werden kann (vgl. nachfolgend E. 4).
3.
Dr. F._ kam anlässlich einer kreisärztlichen Beurteilung vom 1. März 2016 zum
Schluss, dass die rechte Hand des Beschwerdeführers nicht nur nicht einsetzbar,
sondern auch von einem ausgeprägten hyperpathischen Schmerzsyndrom geprägt sei.
Er erachtete den Beschwerdeführer als für eine einhändige, linksseitige Tätigkeit mit
leichten, gelegentlich mittelschweren Arbeiten ganztags einsetzbar, wobei er am 28.
November 2016 darauf hinwies, dass selbst bei Nicht-Einsatz der rechten Hand
Kontakt/Berührung starke Beschwerden erzeuge, welche auch die restliche
Arbeitsfähigkeit einschränkten. Der Heilungszustand sei noch nicht als stabil
anzusehen (IV-act. 37-7 und Suva-act. 154).
3.1.
Der behandelnde Handchirurg Dr. K._, Klinik für Handchirurgie, erklärte am 26.
April 2017, die bei Belastung und auch in Ruhe immer auftretenden Beschwerden
würden die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zusätzlich behindern. Unter
anderem aus diesem Grund sehe er eine Arbeitsfähigkeit in einer angepassten sehr
leichten Tätigkeit von ca. 50 % gegeben. Eine höhergradige Arbeitsfähigkeit werde
realistischerweise nicht zu erreichen sein (IV-act. 114).
3.2.
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Die estimed AG attestierte dem Beschwerdeführer mit Gutachten vom 19. Februar
2018 eine 70%ige Arbeitsunfähigkeit für Verweistätigkeiten (IV-act. 138-53 f.). Auf
Nachfrage der IV-Stelle hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als
funktioneller Einhänder erklärte der handchirurgische Teilgutachter der estimed AG; Dr.
med. O._, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie sowie diplomierter
Gesundheitsökonom, am 9. April 2018, dass die Arbeitsfähigkeit in angepassten
Tätigkeiten 30 % betrage. Problematisch sei die Gestaltung des Arbeitsplatzes.
Dadurch, dass die rechte Hand nicht einmal als Hilfshand eingesetzt werden könne,
seien nur Tätigkeiten zumutbar, die für den Beschwerdeführer und dessen Umgebung
sicher seien. Des Weiteren müssten Pausen eingeräumt werden, da bereits jetzt auf
Grund der Überbelastung der linken Hand Zeichen der chronischen Tendinitis und
Tendovaginitis nachzuweisen seien. Funktionell sei die linke Hand im Übrigen nicht
eingeschränkt und für die Tätigkeiten, die den oben beschriebenen Anforderungen
entsprechen würden, einsetzbar. Pausen sollten möglich sein, um entsprechende
Erholung der für den Beschwerdeführer extrem wichtigen linken Hand zu ermöglichen
und nicht dort eine Progredienz der Beschwerden herbeizuführen. Aus medizinischen
Erwägungen heraus sei die linke Hand so jedoch uneingeschränkt nutzbar, woraus sich
die oben beschriebene Arbeitsfähigkeitseinschätzung ableite (IV-act. 145).
3.3.
Dr. L._ vom asim erachtet den Beschwerdeführer laut handchirurgischem
Gutachten vom 10. Mai 2019 als 100% arbeitsfähig für angepasste Tätigkeiten (IV-act.
187-11). Er führte unter anderem an, die vielen Eingriffe an der rechten Hand des
Beschwerdeführers hätten ein CRPS zur Folge, welches sich ab Höhe Mittelhand
manifestiere und vor allem den Zeige- und Mittelfinger betreffe. Die klinische
Untersuchung und die angegebenen Beschwerden würden korrelieren. Der
Beschwerdeführer könne seine rechte Hand nur noch für leichteste Tätigkeiten zum
Halten nutzen. Selbst das Halten eines Pinch Gauge (Gerät zum Messen der
Fingerstärke) sei unmöglich. Sämtlicher Druck vom Daumen auf die Finger führe zu
einschiessenden neuropathischen Beschwerden. Ein Gegendruck mit der radialen
Hand (Daumen) gegen die linke Hand sei noch möglich. Die Finger würden mit livider
Verfärbung und vegetativer Dysfunktion reagieren. Die rechte Hand könne nicht die
Aufgabe einer Basic Hand (Sensibler, kontrollierbarer Daumen, weite Griffspanne und
stabiler Gegenpfosten) wahrnehmen und eine Opposition sei nur bis zur Zeigfinger-
resp. Mittelfingerkuppe möglich. Für handwerkliche Berufe qualifiziere der
Beschwerdeführer aufgrund der erhobenen Befunde nicht mehr. Haltende Tätigkeiten
mit rechts seien nicht mehr möglich. Ein bimanueller Griff sei nur noch in
eingeschränktem Mass mit der radialen rechten Hand gegen die Linke möglich (IV-act.
187-10). Eine berufliche Tätigkeit sei einhändig auch höherprozentig theoretisch
3.4.
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denkbar. Bereits in den Vorgutachten werde die Arbeitsvermittlung und die
Ausgestaltung des Arbeitsplatzes als schwierig beurteilt. Der Beschwerdeführer könne
für manuelle Tätigkeiten seine linke adominante Hand voll einsetzen. Die rechte Hand
könne als Gegenhaltehand genutzt werden. Häufige Ortswechsel mit damit
verbundenen warm/kalt Wechseln seien mit den Beschwerden nicht vereinbar. Die
70%ige Arbeitsunfähigkeit der Vorgutachter und auch der Suva seien rein
handchirurgisch schwierig zu begründen. Die Schmerzen hätten seit April 2017 weiter
nachgelassen und der Beschwerdeführer sei nicht mehr regelmässig auf Schmerzmittel
angewiesen. Die linke Hand könne voll eingesetzt werden. Die rechte Hand gelte als
passive Hilfshand mit einem House Score von 1-2. Der Erhalt des Karpus und des
Daumens ermögliche die rechte Hand als gute Gegenhaltehand nutzbar zu machen bei
zweihändiger Tätigkeit. Versicherungsmedizinisch könne dies jedoch als funktionelle
Einhändigkeit ausgelegt werden, da keine sinnvolle Kontrolle dieses bimanuellen Griffs
möglich sei. Deshalb werde eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit in
angepasster Tätigkeit festgelegt. Diese Einschätzung gelte ab ca. drei Monaten nach
Metallentfernung, also ab März 2018. Vorgängig sei eine genauere Einschätzung nicht
möglich. Da die Schmerzen ohne Belastung soweit gut kontrolliert seien, werde auch
eine weiterführende Schmerztherapie keine Änderung der Arbeitsfähigkeit zur Folge
haben (IV-act. 187-11).
Dr. M._ erklärt in ihrem aktenbasierten Gutachten vom 28. Januar 2020, medizin-
theoretisch sei der Beschwerdeführer unter der formulierten Einschränkung eines
adominanten Einhänders links voll arbeitsfähig. Es liege jedoch keine aktive
Gegenhalte- oder Hilfshand vor, sondern eine passive, nicht korrekt zu kontrollierende
Hilfshand. Der Zustand entspreche einer amputierten rechten Hand. Es sei in diesem
Fall nicht realistisch, dass auf berufliche Tätigkeiten abgestellt werde, welche im
Rahmen einer funktionellen Einhändigkeit nach einer funktionellen Hilfshand verlangten.
Beim Beschwerdeführer bestehe keine Möglichkeit eines regelmässigen kontrollierten
Zudienens mit der dominanten rechten Hand. Die Funktion rechts sei derart
rudimentär, dass bei jeglicher Tätigkeit, sei es beruflich oder zu Hause, eine
beträchtliche Leistungseinbusse resultiere infolge einer deutlich einschränkenden
Verlangsamung bei Ausführung dieser Tätigkeit. Die IV-Stelle berücksichtige in ihren
Beurteilungen weder die resultierende Verlangsamung noch die unter anderem damit in
Zusammenhang stehende Leistungsreduktion (IV-act. 211-5). Zum Schutz vor
Missempfindungen werde eine Schutzschiene getragen. In einer einhändigen Tätigkeit
mit der linken adominanten Hand ohne Hitze-, Kälte-, Nässe- und Vibrations-Exposition
sei dem Beschwerdeführer eine Leistung von maximal 50 % zumutbar. In dieser
Formulierung sei die Verlangsamung im Vergleich mit einer gesunden Person
3.5.
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4.
Hinsichtlich der vorstehend in Erwägung 1.5 aufgeführten bundesgerichtlicher
Rechtsprechung sind für funktionell Einarmige auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
Arbeitsstellen vorhanden. Genannt werden in der Rechtsprechung insbesondere
einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie die Bedienung und
Überwachung von (halb-)automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die
berücksichtigt und die funktionelle Testung der H._ integriert, welche nachgewiesen
habe, dass der Beschwerdeführer auch bei sogenannten Einhändertätigkeiten
Einschränkungen aufweise in dem Sinne, dass er keine Tätigkeit vollständig
selbständig durchführen könne, sondern jeweils gewisse Arbeitsschritte innerhalb der
Einhändertätigkeit nur mit Hilfe Dritter ausführen könne. Basierend auf der
dokumentierten Leistungsreduktion von 50 % auch in einer einhändigen Tätigkeit
ergebe sich eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % in einer strikt adaptierten Tätigkeit
als links-adominanter Einhänder (IV-act. 211-6).
Betreffend die Funktionsfähigkeit der rechten dominanten Hand lässt sich in einer
Gesamtschau der medizinischen Akten (vgl. vorstehend E. 3.1 bis 3.5) festhalten, dass
der Beschwerdeführer diese - jedenfalls bis zum vorliegend massgeblichen
Verfügungszeitpunkt am 26. Mai 2020 (vgl. BGE 143 V 411 E. 2.1; 121 V 366 E. 1b
m.H.; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober 2020, 8C_505/2020, E. 5.1) - nicht
einmal mehr als Hilfshand einzusetzen vermochte und folglich als funktioneller
Einhänder zu gelten hatte. Die Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten lässt sich
demgegenüber aufgrund von Widersprüchlichkeiten und einer teilweise von den
medizinischen Fachpersonen vorgenommenen Vermischung der Beurteilung der
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit und der Verwertbarkeit dieser
Arbeitsfähigkeit anhand der vorhandenen medizinischen Akten nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachvollziehen. Vor diesem
Hintergrund wäre grundsätzlich ein weiteres Obergutachten in Form eines
Gerichtsgutachtens einzuholen (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020,
Art. 44 N 70 f. mit Hinweisen). Da vorliegend jedoch eine medizinische Einschätzung
ohne vorgängige erwerbliche Abklärung (welche die Beschwerdegegnerin
durchzuführen haben wird) nicht zielführend ist (vgl. hierzu nachfolgend E. 4), erfolgt
ausnahmsweise eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin. Diese wird zunächst
festzulegen haben, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer tatsächlich zumutbar
sind. Basierend auf den erwerblich eruierten und klar umschriebenen Tätigkeiten wird
sie sodann eine weitere handchirurgische sowie eine neurologische Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers einzuholen haben.
3.6.
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nicht den Einsatz beider Arme und beider Hände voraussetzen (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 8. September 2009, 8C_207/2009, E. 3.2 und vom 27. August
2008, 8C_635/2007, E. 4.2, je mit Hinweisen). Hinsichtlich dieser Tätigkeiten erklärt Dr.
M._ in ihrem Gutachten, es handle sich dabei nicht um Tätigkeiten für funktionell
Einhändige ohne funktionelle Hilfshand (IV-act. 211-5), was plausibel erscheint.
Betreffend den Beschwerdeführer liegt darüber hinaus eine berufliche Abklärung bei
den Akten, welche zum Schluss führte, dass für sämtliche für den Beschwerdeführer in
Frage kommenden Tätigkeiten ein Ausschlussgrund gegeben sei. Die H._-Abklärung
zeigte laut Abschlussbericht, dass der Computer als Arbeitsinstrument für den
Beschwerdeführer lediglich für einfachste Daten-Eingaben in Frage komme (IV-act.
74-5). Streichen von Markierungspfosten, verschiedene Mess-, Sortier- und
Zählarbeiten, Lagereingangskontrolle, Gravieren mit dem PC waren die einzigen
handwerklichen/praktischen Tätigkeiten, welche in Frage kamen. Auch bei diesen
Aufgaben sei der Beschwerdeführer jedoch noch eingeschränkt gewesen, so dass er
nur verlangsamt habe vorankommen können und überall auf kleine Hilfestellungen
angewiesen gewesen sei: der Durchschnitt der Einzelleistung sei bei 50 % gelegen (IV-
act. 74-6). Leichte Kurierdienste seien näher abgeklärt worden. Da jedoch Pakete von
rund 20 kg zu transportieren wären, seien solche dem Beschwerdeführer
behinderungsbedingt nicht möglich. Als Mitarbeiter im Sicherheitsdienst komme der
Beschwerdeführer mangels "guter körperlicher und geistiger Verfassung" und mangels
beidhändiger Einsatzmöglichkeit nicht in Frage (IV-act. 74-8). Als Sitzwache komme der
Beschwerdeführer mangels sehr guter Deutschkenntnisse nicht in Frage (IV-act. 74-9).
Basierend auf diesen ausführlichen und nachvollziehbaren beruflichen Abklärungen
wurden die beruflichen Massnahmen von Seiten der IV am 3. Januar 2017 mangels
Verwertbarkeit einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
abgeschlossen (IV-act. 85 i.V.m. 77-2). Vor diesem Hintergrund ist es mehr als
stossend, das Rentenbegehren des Versicherten ab dem 1. Juni 2018 mit der dieser
Einschätzung diametral entgegenstehenden Begründung abzuweisen, er könne eine
leidensangepasste Tätigkeit mit vollzeitlichem Pensum ausüben und damit ein
rentenausschliessendes Einkommen erzielen. Es ist aber auch nicht ohne weiteres auf
die Einschätzung der H._ und der Eingliederungsberatung abzustellen und aufgrund
der festgehaltenen vollständigen Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit eine ganze
Rente zuzusprechen. Denn der Zustand der Hand hat sich seit jener Abklärung gemäss
den medizinischen Akten noch massgeblich verbessert (vgl. E. 4.3 f.) Vielmehr erweisen
sich weitere Abklärungen als unentbehrlich. Steht eine medizinisch-theoretische
Einschätzung im Gegensatz zu einer Einschätzung gestützt auf berufliche Abklärungen,
ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei diesem Widerspruch das Einholen
einer klärenden ergänzenden medizinischen Stellungnahme unabdingbar (vgl. zitiertes
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/21
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Urteil in vorstehender E. 1.4 am Schluss). Dr. L._s handchirurgisches Gutachten
wurde zwar nach der H._-Abklärung erstellt, er setzte sich in seinem Gutachten mit
der beruflichen Abklärung jedoch nicht auseinander - er brachte einzig den Hinweis an,
dass die Arbeitsvermittlung und die Ausgestaltung des Arbeitsplatzes als schwierig
beurteilt worden seien. Ob dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung seiner
fehlenden Ausbildung, seiner Validenkarriere und der konkreten, aus seinem
Gesundheitsschaden resultierenden Einschränkungen tatsächlich Tätigkeiten
offenstehen, kann das Gericht anhand der vorhandenen Akten und Abklärungen nicht
beurteilen. Die Beschwerdegegnerin hat die Bejahung dieser Frage auf die
Einschätzung des zuständigen Sachbearbeiters und des zuständigen Mitarbeiters des
Rechtsdienstes gestützt (vgl. Feststellungsblatt in IV-act. 191); ihre Sachverständigen
aus dem Bereich der Eingliederung hat sie jedoch nach Beendigung der beruflichen
Massnahmen am 3. Januar 2017 (IV-act. 85) nicht mehr beigezogen. Dies wäre jedoch
notwendig gewesen, um die Frage zu beantworten, ob auf dem allgemeinen und
ausgeglichenen Arbeitsmarkt wirklich Arbeitsstellen existieren, die als ideal
leidensadaptiert für den Beschwerdeführer qualifiziert werden können. Eine
Fachperson aus der Berufsberatung hat mögliche Tätigkeiten samt ihren
behinderungsrelevanten Anforderungen und dem jeweiligen Lohnniveau zu
beschreiben. Ohne eine berufsberaterische Abklärung und Einschätzung der Situation
des Beschwerdeführers und eine im Nachgang dazu erfolgte konkrete Einschätzung
seiner Arbeitsfähigkeit durch Fachärzte der Handchirurgie und der Neurologie erweist
sich der Sachverhalt in diesem konkreten Fall als ungenügend abgeklärt. Die von der
Fachperson aus der Berufsberatung festgelegten Tätigkeitsprofile werden einem
handchirurgischen Facharzt, beispielsweise Dr. L._, asim, in Form einer Rückfrage zu
seinem Gutachten vom 10. Mai 2019, vorzulegen sein mit der Frage nach der
Leistungsfähigkeit in den konkret in Frage kommenden Tätigkeiten. Die angefochtene
Verfügung ist in Verletzung der Untersuchungspflicht (Art. 43 Abs. 1 ATSG) ergangen
und muss folglich aufgehoben werden. Im Rahmen der weiteren Abklärungen werden
grundsätzlich auch Eingliederungsmassnahmen erneut zu prüfen sein, zumal letztere,
wie gesagt, am 3. Januar 2017, mithin fast drei Jahre vor Erlass der vorliegend
angefochtenen Verfügung, mit der Begründung abgelehnt wurden, dass keine für den
Beschwerdeführer in Frage kommenden Tätigkeiten vorhanden seien (vgl. IV-act. 85
i.V.m. 77-2). Dies widerspricht jedoch - wie ebenfalls bereits ausgeführt - dem im
Verfügungszeitpunkt von der Beschwerdegegnerin vertretenen Standpunkt, dass der
Beschwerdeführer in angepasster Tätigkeit 100 % arbeits- und leistungsfähig und
diese Arbeitsfähigkeit verwertbar sein soll. Dafür, dass der Beschwerdeführer
Eingliederungsmassnahmen nicht zugänglich sein könnte, bestehen keinerlei
Anhaltspunkte. Im Gegenteil wird der Beschwerdeführer in den Akten als arbeitswillig,
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/21
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gar bei der Arbeit aufblühend, beschrieben (vgl. beispielsweise IV-act. 74-4 und 77-2).
Er erklärte denn auch gegenüber den Gutachtern der estimed AG Ende 2017 - und
damit nach Erhalt der einen Anspruch auf berufliche Massnahmen verneinenden
Mitteilung vom 3. Januar 2017 - explizit, dass er "allfällig die Hilfestellung zur
Umschulung oder Aufnahme einer Tätigkeit, die er noch ausführen könnte, erwarte" (IV-
act. 138-88).
5.
6.
Da die Gerichtsschreiberin verhindert ist, wird der Entscheid für diese stellvertretend
von einer mitwirkenden Richterin unterzeichnet (Art. 39 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).