Decision ID: 94400f4b-af6e-4d13-826c-9cfb9fb07c17
Year: 2022
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die 1954 geborene A._ (Versicherte bzw. Beschwerdeführerin) wurde aufgrund ihrer seit der Kindheit bestehenden Schwerhörigkeit wiederholt von der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV) beidseitig (binaural) mit Hörgeräten versorgt (Akten der Ausgleichskasse des Kantons Bern [AKB bzw. Beschwerdegegnerin], Antwortbeilage [AB] 1.1 S. 1 f., S. 17 f., S. 42, S. 67 f. und S. 79, 13, 36, 147, 154). Mit Verfügung vom 21. Januar 2016 (AB 154) sprach ihr die IV-Stelle Bern (IVB) eine Härtefallversorgung zu, weshalb auch die invaliditätsbedingten Mehrkosten vergütet wurden.
Nachdem die Versicherte das Rentenalter erreicht hatte, ersuchte sie im August 2021 die AKB um Übernahme der Kosten für eine Hörgeräteanpassung (AB 165). Mit Mitteilung vom 24. August 2021 (AB 166) wurde ihr für eine beidseitige Hörgeräteversorgung eine Pauschale von Fr. 1'650.-- zugesprochen. Hiermit erklärte sich die Versicherte mit einem als „Einsprache gegen den Entscheid für Hörgeräte“ betitelten Schreiben (AB 167 S. 1) nicht einverstanden und ersuchte zusätzlich um Übernahme der über die Pauschale hinausgehenden Kosten. Mit Entscheid vom 20. Dezember 2021 (AB 170) wies die AKB die Einsprache ab.
B.
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 17. Januar 2022 (Postaufgabe) Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es sei der angefochtene Einspracheentscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, auch die über der Pauschale hinausgehenden Kosten zu übernehmen.
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin unter Verweis auf die Ausführungen im
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. April 2022, AHV/22/35, Seite 3
angefochtenen Einspracheentscheid auf eine ausführliche Beschwerdeantwort und beantragte die Abweisung der Beschwerde.

Erwägungen:
1.
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 84 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVG; SR 831.10]). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 20. Dezember 2021 (AB 170). Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Hörgeräteversorgung und dabei insbesondere, ob sie Anspruch auf Übernahme der über die Pauschale von Fr. 1'650.-- hinausgehenden Kosten hat.
1.3 Gemäss Offerte vom 20. Dezember 2021 (Beschwerdebeilage [BB] 3) beträgt der Gesamtbetrag für die Hörgerät- und Zubehörabgabe
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 1. April 2022, AHV/22/35, Seite 4
Fr. 6'408.20. Gewährt wurde eine Hörgerätepauschale von Fr. 1'650.--. Der Streitwert liegt daher unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).
1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).
2.
2.1.1 Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]). Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Verfahrensbeteiligten beim Erlass von Verfügungen dar, die ihre Rechtsstellung betreffen. Dazu gehört insbesondere das Recht der Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 143 V 71 E. 4.1 S. 72; SVR 2021 AHV Nr. 17 S. 53 E. 2.1).
2.1.2 Die Frage einer allfälligen Verletzung des Gehörsanspruchs prüft das Sozialversicherungsgericht grundsätzlich nicht nur aufgrund von Parteibegehren und im Rahmen gestellter Rechtsbegehren, sondern auch von Amtes wegen. Anlass zur Aufhebung eines Entscheides von Amtes wegen geben indessen nur Verletzungen wesentlicher Verfahrensvorschriften (BGE 120 V 357 E. 2a S. 362; SVR 1999 UV Nr. 25 S. 75 E. 1a).
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