Decision ID: 774b6f91-f3f4-43df-9764-27c8d1624078
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_001
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: civil_law

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Der Kläger erhob am 26. Oktober 2016 gegen den Beklagten eine
Feststellungsklage im Sinne von Art. 107 Abs. 5 SchKG und beantragte:
1. Es sei festzustellen, dass der Kläger rechtmässiger Grundpfandgläubiger der Inhaberschuldbriefe im 5.-9. Rang, alle lastend auf X-Strasse in Q. (Grundstück-Nr. aaa) ist und es sei die vom Beklagten bestrittene grundpfandgesicherte Forderung im Lastenverzeichnis vom 19. September 2016 des Betreibungsamtes Siggenthal-Lägern, Betreibung Nr. bbb, im vollen Betrage von insgesamt CHF 1'194'652.80 (Positionen 6, 7, 8, 9 und 10) zu belassen.
2. Die vom Betreibungsamt Siggenthal-Lägern, Betreibung Nr. bbb, auf 10. November 2016 angesetzte Versteigerung sei bis zur Zulassung der Ansprüche des Klägers im Lastenverzeichnis vom 19. September 2016 gemäss Ziff.1 aufzuschieben.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen und zusätzlichem Mehrwertsteuerzusatz zulasten des Beklagten.
1.2.
Mit Eingabe vom 28. November 2016 ergänzte der Kläger seinen
Parteivortrag und reichte weitere Beweismittel ein.
1.3.
Der Beklagte erstattete am 20. Dezember 2016 die Klageantwort und
beantragte die Klageabweisung, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
zulasten des Klägers.
1.4.
Die Parteien hielten in der Replik vom 6. März 2017 und in der Duplik vom
19. Juni 2017 an den in der Klage und Klageantwort gestellten Anträgen
fest.
1.5.
Am 7. Juli 2017, 24. Juli 2018 sowie am 4. September 2018 reichten der
Beklagte und am 27. Juni 2018 der Kläger jeweils eine Noveneingabe ein,
zu denen die Parteien in der Folge jeweils Stellung bezogen.
2.
2.1.
Am 10. September 2019 fand die Hauptverhandlung vor dem
Bezirksgericht Baden mit Befragung der Zeugen E. und F. sowie der
- 3 -
Parteibefragung des Klägers statt. Der Beklagte wurde von der Teilnahme
an der Verhandlung dispensiert.
2.2.
Das Bezirksgericht Baden erkannte am 10. September 2019:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Gerichtskosten, bestehend aus der Entscheidgebühr von Fr. 33'500.00 und den Beweiskosten von Fr. 29.25, insgesamt Fr. 33'529.25, werden dem Kläger auferlegt und mit seinem Kostenvorschuss von Fr. 25'600.00 verrechnet. Der Kläger hat der Gerichtskasse Baden den Betrag von Fr. 7'929.25 nachzuzahlen.
3. Der Kläger wird verpflichtet, dem Beklagten eine Parteientschädigung von Fr. 82'575.00 zu bezahlen.
3.
3.1.
Der Kläger erhob am 24. Februar 2020 Berufung gegen das ihm am
24. Januar 2020 zugestellte Urteil des Bezirksgerichts Baden vom
10. September 2019 und beantragte:
1. Es sei der Entscheid des Bezirksgerichts Baden, Zivilgericht, vom 10. September 2019, OZ.2016.38, vollumfänglich aufzuheben und die Klage sei gutzuheissen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten des Berufungsbeklagten.
2. Eventualiter sei der Entscheid des Bezirksgerichts Baden, Zivilgericht, vom 10. September 2019, OZ.2016.38, aufzuheben und die Klage zur Neubeurteilung im Sinne der obergerichtlichen Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten des Berufungsbeklagten.
3. Subeventualiter für den Fall der Abweisung der vorgenannten Rechtsbegehren Ziff. 1 und Ziff. 2 seien Dispositiv Ziff. 2 und Ziff. 3 des Entscheids des Bezirksgerichts Baden, Zivilgericht, vom 10. September 2019, OZ.2016.38, bezüglich der Gerichtskosten und der Parteientschädigung aufzuheben und im Sinne der obergerichtlichen Erwägungen und zugunsten des Berufungsklägers angemessen anzupassen.
3.2.
Der Beklagte erstattete am 11. Mai 2020 die Berufungsantwort und
beantragte, die Berufung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zulasten des Klägers abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
3.3.
Mit Urteil vom 30. Oktober 2020 hob das Obergericht den
bezirksgerichtlichen Kostenentscheid in teilweiser Gutheissung der
Berufung auf. Im Übrigen wies es die Berufung ab.
- 4 -
4.
4.1.
Gegen den obergerichtlichen Entscheid reichte der Kläger am
10. Dezember 2020 Beschwerde in Zivilsachen ans Bundesgericht ein und
beantragte die Feststellung, dass er rechtmässiger Grundpfandgläubiger
der Inhaberschuldbriefe im 5. bis 9. Rang, alle lastend auf X-Strasse[sic!],
in Q. (Grundstück-Nr. aaa), sei, und dass die vom Beklagten bestrittene
grundpfandgesicherte Forderung im Lastenverzeichnis vom 19. September
2016 des Betreibungsamtes Siggenthal-Lägern, Betreibung Nr. bbb, im
vollen Betrag von insgesamt Fr. 1'194'652.80 (Positionen 6,7,8,9 und 10)
zu belassen sei. Eventualiter sei das Urteil des Obergerichts aufzuheben
und die Sache an das Obergericht, allenfalls das Bezirksgericht
zurückzuweisen.
4.2.
Am 16. Dezember 2021 erkannte das Bundesgericht, dass das Obergericht
in seinem Urteil vom 30. Oktober 2020 (ZOR.2020.10) den Beweis-
führungsanspruch des Klägers gemäss Art. 152 Abs. 1 ZPO bzw. Art. 8
ZGB und damit Bundesrecht verletzt habe, indem es im Zusammenhang
mit der Prüfung des eingeklagten Anspruchs die Beweiswürdigung auf
einzelne Beweismittel beschränkt und gestützt darauf ein offenes
Beweisergebnis zulasten des Klägers angenommen habe, ohne sich zu
den übrigen Beweismitteln zu äussern oder zu begründen, weshalb keine
weiteren Beweisabnahmen erfolgt seien (Urteil des Bundesgerichts
5A_1028/2020 vom 16. Dezember 2021 E. 4.4). Gestützt darauf hob es
das obergerichtliche Urteil auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an
das Obergericht zurück.
5.
5.1.
Mit Stellungnahme vom 15. Februar 2022 hielt der Beklagte an den
erstinstanzlich gestellten Anträgen fest und beantragte die Abweisung der
Klage.
5.2.
Mit Stellungnahme vom 17. Februar 2022 beantragte der Kläger die
kostenfällige Gutheissung der Klage vom 26. Oktober 2016 unter
vollumfänglicher Aufhebung des Entscheids OZ.2016.38 vom
10. September 2019. Eventualiter beantragte er die Aufhebung des
besagten Entscheids und die Rückweisung der Klage an die Vorinstanz zur
Neubeurteilung, subeventualiter die Abänderung des besagten Entscheids
in den Dispositiv-Ziffern 2 und 3 bezüglich der Gerichtskosten und der
Parteientschädigung zugunsten des Klägers.
- 5 -

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Dem vorinstanzlichen Verfahren ist ein umfangreicher Schriftenwechsel
vorangegangen, indem die Parteien mehrfach von Noveneingaben und
darauf bezogenen Stellungnahmen Gebrauch gemacht haben.
Entsprechend stellt sich die Frage nach der prozessualen Zulässigkeit der
von den Parteien in den Prozess eingebrachten Tatsachenbehauptungen
und Beweismittel.
1.2.
Im ordentlichen Zivilprozess unter Geltung der Verhandlungsmaxime
gemäss Art. 55 Abs. 1 ZPO steht den Parteien je ein zweimaliges
Äusserungsrecht zu. Nach Eintritt des Aktenschlusses haben sie nur noch
unter den eingeschränkten Voraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 ZPO das
Recht, neue Tatsachen und Beweismittel in den Prozess einzubringen (vgl.
statt vieler BGE 146 III 55 E. 2.3.1). Wird ein zweiter Schriftenwechsel
angeordnet (Art. 225 ZPO), haben die Parteien in dessen Rahmen
letztmals Gelegenheit, voraussetzungslos Tatsachenbehauptungen und
Beweismittel vorzubringen (vgl. SOGO/NAEGELI, in: Kurzkommentar
Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2021, N. 3 zu Art. 229 ZPO).
Dasselbe gilt insbesondere auch für die Entgegnung von Dupliknoven, d.h.
neue Tatsachen oder Beweismittel, die von der beklagten Partei (erst) in
der Duplik vorgetragen werden (BGE 146 III 55 E. 2.5.2 m.w.H.). Ist die
klagende Partei zur Entgegnung der in der Duplik vorgetragenen und sich
auf neue Tatsachen und Beweismittel stützenden Behauptungen auf echte
Noven angewiesen, dürfen diese gemäss Art. 229 Abs. 1 lit. a ZPO ohne
Weiteres vorgebracht werden. Bei unechten Noven ist gemäss Art. 229
Abs. 1 lit. b ZPO hingegen erforderlich, dass diese trotz zumutbarer Sorgfalt
nicht vorher vorgebracht werden konnten. Erforderlich ist einerseits, dass
(erst) die Dupliknoven das Vorbringen der unechten Noven veranlasst
haben, andererseits dass die unechten Noven in technischer bzw.
thematischer Hinsicht als Reaktion auf die Dupliknoven aufzufassen sind
(BGE 146 III 55 E. 2.5.2).
1.3.
Die Vorinstanz hat einen doppelten Schriftenwechsel angeordnet, weshalb
sich das zweifache Äusserungsrecht beider Parteien grundsätzlich mit der
Einreichung der Replik bzw. Duplik erschöpft hat. Sämtliche zeitlich
nachfolgenden Parteivorbringen sind daher nur noch unter den
Voraussetzungen von Art. 229 Abs. 1 ZPO zulässig.
- 6 -
Der Beklagte hat in seiner Duplik vom 19. Juni 2017 erstmals behauptet,
die vom Kläger geltend gemachten Darlehensverträge seien simuliert und
in Tat und Wahrheit als Kaufverträge zu qualifizieren (vgl. Duplik
Rz. 103 ff.). Entgegen der Vorinstanz (vgl. vorinstanzliches Urteil E. I.2.3)
folgt daraus indessen nicht, dass sämtliche der mit Triplik vom
13. November 2017 in den Prozess eingeführten Parteibehauptungen des
Klägers gemeinhin zulässig wären. Vielmehr sind diese unter Verweis auf
die Ausführungen unter Ziffer 1.2 hiervor unter dem Vorbehalt zulässig,
dass zwischen den klägerischen Parteibehauptungen und Beweismitteln
der erforderliche Kausalzusammenhang zu den Dupliknoven des
Beklagten besteht.
Ebenfalls zulässig ist die erstmalige Noveneingabe des Beklagten vom
7. Juli 2017, zumal die damit eingereichten Einvernahmeprotokolle aus
dem Strafverfahren gegen F. erst nach Abschluss des ordentlichen
Schriftenwechsels entstanden sowie ohne Verzug vorgebracht worden
sind. Insoweit der Kläger mit Eingabe vom 13. November 2017 dazu
Stellung genommen hat, sind diese Ausführungen grundsätzlich ebenfalls
zu beachten. Ob dies auch für die nachfolgenden Eingaben der Parteien
gilt, kann an dieser Stelle offen bleiben, da diese keine entscheidrelevanten
Inhalte enthalten und damit das Beweisergebnis nicht zu beeinflussen
vermögen.
2.
Die Vorinstanz gelangte in Würdigung der Beweismittel zur Auffassung,
dass der Kläger und F. bei der Ausstellung der im Recht liegenden
Inhaberschuldbriefe im Jahre 2011 übereinstimmend sowie unter
Ausschluss einer Novation eine Sicherungsübereignung vereinbart hätten.
Die Schuldbriefe seien im Anschluss jedoch im Besitz von F. bzw. dessen
Rechtsvertreter verblieben, eine physische Übergabe an den Kläger sei
nicht erfolgt, weshalb der Kläger mangels gültigen Verfügungsgeschäfts
kein Eigentum daran erworben habe. Da dem Kläger folglich der Beweis
seiner Grundpfandeigentümerstellung nicht gelinge, könne offen bleiben,
ob die behauptete Darlehensforderung des Klägers gegen F. überhaupt
bestehe. Gestützt darauf hat die Vorinstanz die Klage abgewiesen.
Der Kläger beantragt mit Berufung die Aufhebung des vorinstanzlichen
Entscheids und die kostenfällige Gutheissung der Klage. Zur Begründung
führt er im Wesentlichen aus, die Vorinstanz habe infolge unrichtiger
Feststellung des Sachverhalts sowie unrichtiger Anwendung der
massgeblichen Rechtsnormen seine Grundeigentümerstellung zu Unrecht
verkannt und in Verletzung seines Beweisführungsrechts den Bestand der
gesicherten Darlehensforderung offengelassen (Berufung Rz. 50 ff. und
60 ff.).
- 7 -
3.
3.1.
Durch den Schuldbrief wird eine persönliche Forderung begründet, die
grundpfändlich sichergestellt ist (Art. 842 Abs. 1 ZGB). Gleichzeitig wird ein
Wertpapier oder Registerpfandrecht geschaffen, das vom Gesetz mit
einem besonderen Vertrauensschutz ausgestattet wird. Es entsteht mit der
Eintragung ins Grundbuch, wobei das Rechtsgeschäft auf Errichtung der
öffentlichen Beurkundung bedarf (Art. 799 Abs. 1 und 2 ZGB i.V.m. Art. 793
Abs. 1 ZGB).
Gemäss Art. 842 Abs. 2 ZGB tritt die Schuldbriefforderung neben die
Grundforderung, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Es handelt sich
dabei um die gesetzliche Vermutung der Sicherungsverwendung, welche
im Zuge der Sachenrechtsrevision per 1. Januar 2012 an die Stelle der
altrechtlich geltenden Vermutung der Novation getreten ist. Die Parteien
sind und waren jedoch unter beiden Rechtsordnungen frei, den Schuldbrief
als Sicherungsmittel auf unterschiedliche Arten zu verwenden, was jeweils
mit unterschiedlichen Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen
Grundforderung und Darlehensforderung verbunden ist (vgl. STAEHELIN, in:
Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch II, 6. Aufl. 2019, N. 36 ff. zu Art. 842
ZGB; SCHMID/HÜRLIMANN, Das Sachenrecht, 5. Aufl. 2017, N. 1804 und
1820d; STEINAUER, Zürcher Kommentar, 2. Aufl. 2015, N. 55 zu Art. 842
ZGB).
Ungeachtet der Verwendungsart des Schuldbriefes ist die Schuldbrief-
forderung dadurch bedingt, dass die Grundforderung gültig besteht (vgl.
STEINAUER, a.a.O., N. 54 zu Art. 842 ZGB). Dem sachrechtlichen
Kausalitätsprinzip folgend (vgl. Art. 974 Abs. 2 ZGB) ist daher zunächst die
Grundforderung, konkret der vom Kläger behauptete Rückzahlungs-
anspruch aus Darlehen zu prüfen, zumal sich im Falle der Ermangelung
desselben die Prüfung der Schuldbriefforderung erübrigt.
3.2.
Zwischen den Parteien ist nach wie vor umstritten, ob den fraglichen
Inhaberschuldbriefen ein gültiges Grundgeschäft zugrunde liegt, konkret,
ob eine Forderung des Klägers gegen F. besteht. Der Kläger beruft sich
diesbezüglich auf die zwei am 26. Februar 1998 mit F. geschlossene
Darlehensverträge, gestützt auf welche er Letzterem Fr. 1'200'000.00 resp.
Fr. 1'300'000.00 ausbezahlt habe und deren Rückzahlung im Umfang von
Fr. 2'390'000.00 nach wie vor ausstehend sei (Klage Rz. 12 ff.; Berufung
Rz. 17 S. 5). Der Beklagte bestreitet einen Rückzahlungsanspruch des
Klägers im Wesentlichen mit dem Argument, dass es sich bei den
behaupteten Darlehen um simulierte Rechtsgeschäfte handle und die
fraglichen Zahlungen in Tat und Wahrheit als Kaufpreiszahlungen für den
Erwerb von Aktien der B. AG erfolgt seien (Klageantwort Rz. 21; Duplik
Rz. 103 ff.; Berufungsantwort Rz. 158 S. 27). Er bestreitet explizit, dass der
- 8 -
Rechtsgrund für die vom Kläger behaupteten Zahlungen die Übergabe der
Darlehenssummen war (Duplik Rz. 121; Berufungsantwort Rz. 27 Punkt 4).
3.3.
Wesentliche Bestandteile eines Darlehensvertrages (essentialia negotii)
sind einerseits die Pflicht des Darleihers, dem Borger Eigentum an einer
bestimmten Summe Geld oder an anderen vertretbaren Sachen zu
verschaffen, sowie anderseits die entsprechende Rückgabeverpflichtung
des Borgers (Art. 312 OR). Nicht zwingend ist die Vereinbarung einer
Verzinsung (Art. 313 Abs. 1 OR; vgl. HONSELL, Schweizerisches
Obligationenrecht, 10. Aufl. 2017, S. 285). Das Darlehen untersteht keiner
gesetzlichen Formvorschrift, weshalb auch die mündliche Vertragsabrede
rechtsgültig ist (vgl. Art. 11 Abs. 1 OR).
3.4.
Bei Geltendmachung des Rückforderungsanspruches hat der Darleiher
sowohl die Hingabe des Kapitals als auch die Rückzahlungsverpflichtung
zu beweisen (Art. 8 ZGB; BGE 83 II 209 E. 2; HONSELL, a.a.O., S. 293).
Gemäss Art. 8 ZGB hat derjenige das Vorhandensein einer behaupteten
Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet. Als Regelbeweismass
gilt der volle Beweis. Dieser ist erbracht, wenn das Gericht nach objektiven
Gesichtspunkten von der Wahrheit einer Behauptung und damit vom
Vorliegen einer Tatsache voll überzeugt ist. Zum Vollbeweis muss
genügen, dass vernünftigerweise von der Wahrheit einer Behauptung
auszugehen ist, mithin kein die Lebensverhältnisse klar überschauender
Mensch noch zweifelt. Dafür reicht es aus, wenn das Vorliegen einer
Tatsache mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit feststeht, selbst
wenn eine abweichende Möglichkeit nicht völlig auszuschliessen ist
(WALTER, Berner Kommentar, 2012, N. 134 und 136 zu Art. 8 ZGB). Dem
Beweisgegner steht der Gegenbeweis offen, indem er beim Gericht Zweifel
an der Wahrheit der tatsächlichen Behauptung der beweisbelasteten Partei
weckt und damit den Hauptbeweis erschüttert. Der Gegenbeweis gelingt
bereits, wenn er den Hauptbeweis erschüttert, nicht erst, wenn das Gericht
die Gegendarstellung für wahr hält (WALTER, a.a.O., N. 66 f. zu Art. 8 ZGB).
Das Gericht bildet sich seine Überzeugung nach freier Würdigung der
Beweise (Art. 157 ZPO). Dabei sind die Beweismittel und der weitere
Tatsachenstoff nach richterlicher Überzeugung zu bewerten, ohne dass
dabei förmliche Regeln für die Überzeugungskraft der einzelnen
Beweismittel zu beachten wären (HASENBÖHLER, in: Kommentar zur
Schweizerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 5 ff. zu Art. 157
ZPO). Die Beweiskraft der vorhandenen Beweismittel ist auch in ihrem
gegenseitigen Verhältnis zu bestimmen und die Beweise sind in ihrer
Gesamtheit zu würdigen. Bei der Beweiswürdigung darf auch das
Verhalten der Parteien im Prozess berücksichtigt werden. Die
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Beweiswürdigung beeinflussen können insbesondere widersprüchliche
Parteibehauptungen, die Art und Weise der Auskunftserteilung, das
Verweigern von Informationen, das Vorenthalten oder Beseitigen von
Beweismitteln oder der Widerruf eines Geständnisses ohne
einleuchtenden Grund (HASENBÖHLER, a.a.O., N. 16 und N. 19 zu Art. 157
ZPO).
3.4.1.
Der Kläger hat als Beweis für den zwischen ihm und F. vereinbarten
Darlehensvertrag und seinen gestützt darauf geltend gemachten
Rückzahlungsanspruch zwei vom 26. Februar 1998 datierende
Darlehensverträge ins Recht gelegt (Klagebeilage [KB] 2 und 3). Nach dem
Wortlaut der beidseitig unterzeichneten Vertragsurkunden hat sich der
Kläger darin verpflichtet, F. gegen Entrichtung eines Zinses von jährlich
6 % sowie gegen Hinterlegung von Aktien der B. AG im entsprechenden
Gegenwert als Sicherheit den Betrag von Fr. 1'200'000.00 bzw.
Fr. 1'300'000.00 als Darlehen zu gewähren (KB 2 und 3).
Die schriftlichen und unterzeichneten Vertragsurkunden bilden ein starkes
Indiz dafür, dass der Kläger und F. am 26. Februar 1998 zwei
Darlehensverträge geschlossen haben, zumal weder Anhaltspunkte für
eine Fälschung der Dokumente bestehen, noch solche geltend gemacht
werden. Dass die Parteien die Rückzahlungsverpflichtung von F. als
Darlehensnehmer nicht explizit erwähnt haben, steht der Annahme eines
Darlehensvertrages vorliegend nicht entgegen. Einerseits sind die
Vertragsparteien geschäftserfahren, weshalb ihnen die Begrifflichkeit eines
Darlehens und damit einhergehend die wesensbestimmende
Rückzahlungsverpflichtung geläufig sein dürften. Andererseits haben sie in
Ziffer 3 des Vertrages die Laufzeit des Darlehens und damit auch die
Rückzahlung implizit geregelt. Damit ist der Beweis für den Abschluss des
Darlehensvertrages grundsätzlich als erbracht zu betrachten. Dem
Beklagten steht der Gegenbeweis offen. Ob ihm dieser gelingt, weil sich
namentlich aufgrund einer Simulation erhebliche Zweifel am tatsächlichen
Willen der Parteien betreffend die Vereinbarung einer Rückzahlungs-
verpflichtung aufdrängen, kann an dieser Stelle offen gelassen werden,
weil dem Kläger jedenfalls der ihm obliegende Vollbeweis für die Hingabe
der beiden Darlehenssummen nicht gelingt bzw. es diesbezüglich bereits
an einem schlüssigen Parteivortrag fehlt (siehe dazu im Folgenden).
3.4.2.
3.4.2.1.
Der Kläger behauptet, er habe die Darlehenssumme von Fr. 1'200'000.00
am 6. März 1998 auf ein Konto bei der Aargauischen Kantonalbank,
lautend auf F., überwiesen. Er selbst habe den Betrag mittels eines auf ein
Jahr befristeten Kredites von der Norddeutschen Landesbank Luxembourg
S.A. finanziert (Klage Rz. 13; Replik Rz. 13). F. habe die Auszahlung in der
- 10 -
Aktennotiz vom 25. Mai 1998 am 1. Oktober 1998 unterschriftlich bestätigt
(Replik Rz. 14).
Als Beweis für die entsprechenden Behauptungen hat er zwei Bankbelege
sowie eine Aktennotiz von F. vom 25. Mai 1998 ins Recht gelegt. Bei den
Bankbelegen handelt es sich zum einen um eine Gutschriftanzeige der
Aargauischen Kantonalbank vom 6. März 1998 über den Betrag von
Fr. 1'199'987.00, der im Auftrag des Klägers einem auf F. lautenden Konto
gutgeschrieben wurde (KB 5). Als Zahlungsgrund ist dabei «./. Spesen
CHF 13.00» vermerkt. Zum anderen handelt es sich um eine
Kreditbestätigung der Norddeutschen Landesbank vom 3. März 1998 über
den Betrag von Fr. 1'200'000.00, der auf das Konto von F. bei der
Aargauischen Kantonalbank ausbezahlt werden sollte (KB 4). Aus der mit
der Replik zunächst nur in geschwärzter Form unter Offenlegung von
Ziffer 4 und der handschriftlichen Ergänzungen eingereichten Aktennotiz
(KB 30) ist schliesslich Folgendes zu entnehmen:
HE hat _ CHF. 2.500.000.- wie folgt belegt:
a.) Bareinzahlung über total CHF 150.000.- b.) Zwei US$ Checks über total US$ 200.000.- c.) Dollar Guthaben bei F. US$ 571.115.-
Total US$ 771.115.-
Umgetauscht am 23.2.98 zum Kurs von 1.4532 CHF 1.120.584.-
TOTAL angeschaffte CHF per 23.2.98 CHF 1.120.584.-
d.) Transfer zweite Tranche am 06.03.98 an AKB CHF 1.200.000.-
Dies ergibt einen Saldo über total CHF 2.470.584.-
Kaufpreisrestanz CHF 29.416.00
3.4.2.2.
Der Beklagte bringt dagegen in der Duplik vor, die fragliche Zahlung sei im
Austausch gegen Aktien der B. AG erfolgt. Rechtsgrund der Zahlung sei
deshalb ein Kaufvertrag gewesen, während das Darlehen lediglich simuliert
worden sei. Durch Überführung der Aktien ins Eigentum des Klägers sei
die Forderung getilgt worden (Duplik Rz. 103 ff.).
Dabei stützt er sich einerseits auf die vorstehende, auf Aufforderung durch
die Vorinstanz am 7. April 2017 schliesslich vollständig eingereichte
Aktennotiz vom 25. Mai 1998 (KB 30u). Dem ungeschwärzten Dokument
mit dem Betreff «Erwerb einer Beteiligung von 10 % am Kapital der B. AG
per 20.02.1998» ist zu entnehmen, dass der Kläger und F. am
bezeichneten Datum den Erwerb von 10 % der Aktien der B. AG durch den
Kläger aus dem Bestand von F. vereinbart haben. Zur Finanzierung des
Kaufpreises in Höhe von Fr. 2'500'000.00 seien aus steuerlichen Gründen
- 11 -
zwei Darlehensverträge zwischen dem Kläger und F. vereinbart worden,
welche erlöschen würden, sobald dem Kläger nach der ausserordentlichen
Generalversammlung im März 1998 die neuen Stückzahlen der Aktien
mitgeteilt würden. Derweil solle F. als Treuhänder amten. In Ziffer 4 der
Aktennotiz werden die vom Kläger bereits geleisteten Teilzahlungen des
Kaufpreises und die Kaufpreisrestanz aufgeführt (KB 30u; Duplik
Rz. 103 ff.).
Andererseits stützt der Beklagte den behaupteten Nichtbestand der
eingeklagten Darlehensforderung auf die Aussagen des Klägers sowie von
F. in einem im Jahr 2014 gegen Letzteren geführten Strafverfahren. Sowohl
der Kläger als auch F. hätten im Rahmen ihrer Einvernahmen als
Auskunftsperson bzw. als Beschuldigter bestätigt, dass der Kläger im
Umfang der Darlehenssumme Aktien erhalten habe und ihm daher kein
Rückzahlungsanspruch mehr zustehe (vgl. Duplik Rz. 45 ff.; Duplikbeilage
8 S. 12 und 15 f.; Duplikbeilage 9 S. 10; Duplikbeilage 10 S. 18 f.).
3.4.2.3.
Unbestritten und angesichts der eingereichten Bankbelege erstellt ist, dass
der Kläger den Betrag von Fr. 1'199'987.00 am 6. März 1998 auf das Konto
von F. bei der Aargauischen Kantonalbank überwiesen hat. Angesichts der
Tatsache, dass die Geschäftsbeziehung zwischen dem Kläger und F.
unbestritten nicht auf die streitgegenständlichen Darlehen beschränkt war,
sondern diverse weitere Transaktionen wie namentlich die Beteiligung an
der D. AG, ein Treuhandverhältnis sowie ein weiteres Darlehen umfasste
(vgl. Triplik Rz. 44 und 39; Duplikbeilage 26), kann aus den eingereichten
Bankbelegen alleine jedoch mangels Angabe eines Zahlungsgrundes nicht
abgeleitet werden, dass es sich dabei um den vom Kläger geschuldeten
Darlehensbetrag gehandelt hat.
Für die Darstellung des Klägers spricht, dass der dem Kläger von der
Norddeutschen Landesbank gewährte Kredit betragsmässig mit der
vereinbarten Darlehensvaluta übereinstimmt. Dass dem Konto von F.
anschliessend nur ein Betrag von Fr. 1'199'987.00 gutgeschrieben wurde,
steht der Position des Klägers nicht grundsätzlich entgegen, zumal die
Darlehensverträge diesbezüglich keine Regelung enthalten und
Transaktionsgebühren in Höhe von Fr. 13.00 im internationalen Kontext
nicht schlechthin abwegig und deren Übernahme durch den Borger im
Geschäftsverkehr nicht unüblich sind (vgl. WEBER, in: Berner Kommentar,
2013, N. 45 Art. 312 OR). Auch die zeitliche Abfolge vom Abschluss des
Darlehensvertrages, der Kreditaufnahme bzw. Kreditbestätigung bei der
Norddeutschen Landesbank und die anschliessende Überweisung des
Kredites auf das Konto von F. ist als Indiz dafür zu werten, dass die Zahlung
durch das Darlehen veranlasst war.
- 12 -
Was der Beklagte dagegen vorbringt, erscheint jedoch angesichts der vom
Kläger selbst eingereichten Aktennotiz (KB 30u) nicht minder wahr-
scheinlich. Wie sich aus der vollständig offen gelegten Aktennotiz ergibt,
hat der Kläger den Kaufpreis für den Erwerb der Beteiligung an der B. AG
unter anderem mittels einer Banküberweisung vom 6. März 1998 im Betrag
von Fr. 1'200'000.00 geleistet (vgl. KB 30u Ziffer 4). Damit stimmen sowohl
der Kläger als Auftraggeber der fraglichen Zahlung, das
Ausführungsdatum, der Betrag und das Empfängerkonto bei der
Aargauischen Kantonalbank mit den Angaben aus der vom Kläger
eingereichten Gutschriftanzeige überein (KB 5). Der fraglichen
Überweisung könnte damit zumindest ebenso gut ein Kaufvertrag zugrunde
gelegen haben, wie er in KB 30u verurkundet ist, was sich im Übrigen mit
den Aussagen des Klägers sowie von F. im gegen Letzteren geführten
Strafverfahren deckt. Damals wurde der Kläger ebenfalls zu den beiden
streitgegenständlichen Darlehensverträgen befragt, woraufhin er zu
Protokoll gab, als Gegenwert für sein Investment von Fr. 2'500'000.00
Aktien erhalten zu haben (vgl. Duplikbeilage 9, Fragen 8, 13 und 14, S. 3 f.).
Auch F. führte anlässlich seiner Einvernahme als Beschuldigter im
Strafverfahren aus, dass ihm der Kläger Fr. 2'500'000.00 übertragen habe,
damit er für ihn Aktien kaufe (Duplikbeilage 10 Frage 93 S. 18).
3.4.2.4.
Angesichts der vorstehend geschilderten geschäftlichen Beziehung des
Klägers mit F. sowie des Umstands, dass für die strittige Überweisung kein
Zahlungsgrund angegeben ist, lässt sich diese nicht zweifelsfrei der
Auszahlung des vorliegend strittigen Darlehens zuordnen. Auch die
weiteren, vom Kläger offerierten Beweismittel vermögen daran nichts zu
ändern:
Der Kläger hat als Nachweis für den Bestand der behaupteten
Darlehensforderung die Steuererklärungen von F. der Jahre 1999 bis 2015
(KB 43-58) ins Recht gelegt. Darin hat F. den Steuerbehörden gegenüber
jährlich den Betrag von Fr. 2'390'000.00 als Privatschuld deklariert und den
Kläger als Gläubiger angegeben. Zudem hat der Kläger seinem Schuldner
den Saldo der Forderung regelmässig unterschriftlich bestätigt (KB 59-66).
Weder die Steuererklärungen noch die Saldobestätigungen sagen jedoch
etwas darüber aus, welcher Zweck der Zahlung vom 6. März 1998
zugrunde gelegen hat. Auch der Bestand der Darlehensforderung an sich
ist dadurch nicht zweifelsfrei belegt, zumal die Dokumente die referenzierte
Schuld wiederum nicht näher bezeichnen und der Kläger F. unbestritten
auch ein weiteres Darlehen gewährt hat (vgl. Replik Rz. 39).
Schliesslich vermag auch die Zeugenaussage von F. anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung die Zweifel an der Auszahlung der
Darlehenssumme nicht auszuräumen. Einerseits sind die entsprechenden
Aussagen mit Bezug auf den Bestand des vorliegenden Darlehens im
- 13 -
Vergleich zu seinen früheren Aussagen im Strafverfahren widersprüchlich,
ohne dass dafür eine plausible Erklärung bestünde (vgl. Protokoll der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung S. 16; Duplikbeilage 8 S. 15 f.). Zudem
ist nicht von der Hand zu weisen, dass im Vorfeld des Prozesses zwischen
dem Kläger und F. eine gewisse Abstimmung bzw. ein Zusammenwirken
erfolgt sein muss. Andernfalls wäre der Kläger kaum in der Lage gewesen,
F.s Kontoauszüge und Steuererklärungen (vgl. KB 4 sowie KB 43-58) bzw.
Schuldbriefe ins Recht zu legen, die sich eigenen Angaben zufolge nie in
seinem Besitz befunden hätten (vgl. Protokoll der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung S. 11 f.). Es entsteht der Eindruck, als hätte F., obwohl
nicht Partei des vorliegenden Verfahrens, durchaus ein eigenes Interesse
am Obsiegen des Klägers. In Anbetracht dieser Tatsache sowie unter
Berücksichtigung der Widersprüche zu seinen früheren Aussagen ist die
Glaubhaftigkeit der Zeugenaussage von F. somit erheblich herabgesetzt,
so dass darauf nicht abzustellen ist.
3.4.2.5.
In Gesamtwürdigung der rechtzeitig anerbotenen sowie massgeblichen
Beweismittel ergibt sich zusammenfassend, dass in Anbetracht der
geschäftlichen Beziehung des Klägers zu F. die Zahlung vom 6. März 1998
ebenso wahrscheinlich durch ein anderes Geschäft als das umstrittene
Darlehen, namentlich durch einen Aktienkaufvertrag veranlasst gewesen
sein könnte. Damit gelingt dem Kläger der ihm obliegende Vollbeweis für
die Auszahlung des ersten Darlehens über den Betrag von Fr. 1'200'000.00
nicht. Die Berufung ist in diesem Punkt somit abzuweisen.
3.4.3.
Hinsichtlich der Auszahlung des Darlehens über den Betrag von
Fr. 1'300’000.00 fehlt es bereits an einem schlüssigen Parteivortrag, so
dass darüber kein Beweis abgenommen werden kann. Der Kläger
behauptet diesbezüglich, die Auszahlung sei aus von ihm gehaltenen US-
Beteiligungen (G. Funds) bzw. aus Rückflüssen von aufgelösten
Beteiligungen erfolgt. In der Klageschrift bzw. mit Eingabe vom
28. November 2016 führt er dazu aus, er habe die Auszahlung über zwei
Checks über umgerechnet Fr. 297'610.00, fünf Checks über umgerechnet
Fr. 218'658.00, drei Checks über umgerechnet Fr. 40'247.90 sowie eine
Überweisung von Fr. 750'000.00 vorgenommen, welche zusammengezählt
den Betrag von Fr. 1'306’515.00 (abzüglich Kommissionen bei der
Einlösung der Checks) ergeben würden (Klage Rz. 14; Eingabe vom
28. November 2016). Demgegenüber macht er mit Replik geltend, die
Auszahlung sei durch drei Ausschüttungen in Höhe von umgerechnet
Fr. 836'712.00, zwei Checkzahlungen von insgesamt umgerechnet
Fr. 297'610.00 sowie eine Barzahlung von Fr. 150'000.00 erfolgt, was
einen Betrag von Fr. 1'284'322.00 ergebe. Daraus resultiere mit einer
währungsbedingten Abweichung von Fr. 15'678.00 der vereinbarte
Darlehensbetrag von Fr. 1'300'000.00. Die zuvor mit Klage bzw. Eingabe
- 14 -
vom 28. November 2016 eingereichten Belege würden zwar in
unmittelbarem Zusammenhang zu den US-Investitionen des Klägers, nicht
jedoch mit der Auszahlung des zweiten Darlehens stehen und hätten
aufgrund der komplizierten Verhältnisse und der verstrichenen Zeitdauer
vorerst nicht korrekt zugeordnet werden können (vgl. Replik Rz. 16 ff. und
Rz. 39).
Wie sich aus dem Vorstehenden ergibt, behauptet der Kläger in seinen
Rechtsschriften unterschiedliche Zahlungsflüsse. Seine Ausführungen sind
damit einerseits widersprüchlich, andererseits sind beide vorgetragenen
Varianten auch nicht schlüssig, zumal in beiden Fällen eine Differenz zur
behaupteten Darlehenssumme verbleibt, ohne dass sich aus den
klägerischen Ausführungen oder den Vertragsdokumenten erschliessen
liesse, was die Parteien diesbezüglich vereinbart haben.
Im Ergebnis ist der klägerische Tatsachenvortrag bezüglich der
Auszahlung des Darlehens im Betrag von Fr. 1'300'000.00 ungenügend, so
dass darüber kein Beweis geführt werden kann. Der nicht schlüssig oder
nicht substantiiert vorgebrachte Sachverhalt ist im Geltungsbereich der
Verhandlungsmaxime dem nicht bewiesenen Sachverhalt gleichzusetzen
(Urteil des Bundesgerichts 4A_210/2009 vom 7. April 2010 E. 3.2;
OBERHAMMER/WEBER, in: Kurzkommentar Schweizerische Zivilprozess-
ordnung, 3. Aufl. 2021, N. 12 zu Art. 55 ZPO). Dem Kläger gelingt somit
auch bezüglich des zweiten Darlehens der ihm obliegende Nachweis der
Auszahlung nicht und die Berufung ist abzuweisen.
4.
4.1.
Die Vorinstanz hat die erstinstanzlichen Gerichtskosten vollumfänglich dem
unterliegenden Kläger auferlegt (vorinstanzliches Urteil E. III.2), was
angesichts des vorliegenden Ausgangs des Berufungsverfahrens keiner
Korrektur bedarf.
Infolge des grossen Umfangs des Verfahrens hat die Vorinstanz den
Grundansatz für die erstinstanzliche Gerichtsgebühr gestützt auf § 7 Abs. 3
VKD um 30 % auf gerundet Fr. 33'500.00 erhöht. Mit Berufung wendet der
Kläger dagegen ein, dass allein der Beklagte den Prozess durch unnötige
Noveneingaben sowie durch Erweiterung des Prozessthemas
ungebührlich in die Länge gezogen habe. Ein übermässiger Aufwand des
Gerichts liege nicht vor, weshalb sich eine Erhöhung der Gerichtsgebühr
nicht rechtfertige (vgl. Berufung Rz. 71 ff.).
Mit Bezug auf die Höhe der erstinstanzlichen Gerichtsgebühr kann
grundsätzlich auf die nach wie vor zutreffenden Erwägungen in Ziffer 4.1
des Entscheids des Obergerichts ZOR.2020.10 vom 30. Oktober 2020
verwiesen werden: Es ist festzuhalten, dass zwar mit der Vorinstanz das
- 15 -
erstinstanzliche Verfahren durch zahl- und umfangreiche Eingaben, welche
für das Ergebnis des vorliegenden Verfahrens weitgehend unbeachtlich
waren, über Gebühr ausgeweitet wurde. Dennoch rechtfertigt der
zusätzlich entstandene Aufwand eine Erhöhung der erstinstanzlichen
Gerichtsgebühr angesichts der aufgrund des Streitwerts vergleichsweise
hohen Grundgebühr von Fr. 25'600.00 nicht, sondern ist damit bereits
mitabgegolten (vgl. Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau
ZOR.2020.10 vom 30. Oktober 2020 E. 4.1).
Gestützt darauf ist die Berufung in diesem Punkt gutzuheissen und die
erstinstanzlichen Verfahrenskosten, bestehend aus der Gerichtsgebühr in
Höhe von Fr. 25'600.00 und den unangefochten gebliebenen Beweis-
kosten von Fr. 29.25, auf gesamthaft Fr. 25'629.25 festzusetzen. Sie sind
dem Kläger aufzuerlegen und mit dem von ihm geleisteten
Kostenvorschuss zu verrechnen. Die Restanz von Fr. 29.25 hat der Kläger
der erstinstanzlichen Gerichtskasse nachzuzahlen.
4.2.
Die Vorinstanz hat den Kläger ausgangsgemäss verpflichtet, dem
Beklagten eine Parteientschädigung zu entrichten. Unter Berücksichtigung
eines Zuschlags von 10 % für die Eingabe vom 21. März 2017, eines
Zuschlags von 30 % für die Duplik sowie eines Zuschlags von 20 % für die
Noveneingabe vom 7. Juli 2017 und einer Auslagenpauschale von 3 % hat
sie die Parteientschädigung des Beklagten auf Fr. 82'575.00 festgesetzt
(vorinstanzliches Urteil III. E. 3. S. 35).
Der Kläger hat für den Fall seines Unterliegens in der Hauptsache mit
Berufung den Kostenpunkt des vorinstanzlichen Entscheids angefochten
und die Anpassung der erstinstanzlichen Prozesskosten im Sinne der
obergerichtlichen Erwägungen verlangt. Entgegen dem Vorbringen des
Beklagten (vgl. Berufungsantwort Rz. 198 f.) liegt diesbezüglich ein
rechtsgenüglicher Antrag vor, auf den einzutreten ist.
Der Kläger rügt die zugesprochene Parteientschädigung als zu hoch.
Angesichts des bescheidenen Aufwands, den der Rechtsvertreter des
Beklagten bis zur Einreichung der Duplik betrieben habe, sei die
Grundentschädigung um 50 % zu kürzen. Für die zusätzliche prozessuale
Eingabe vom 21. März 2017 sei maximal ein Zuschlag von 5 % und für die
Duplik maximal ein solcher von 5 bis 10 % zu gewähren. Die Eingabe vom
7. Juli 2017 sei nicht zuschlagsberechtigt. Es resultiere eine Partei-
entschädigung zwischen Fr. 26'305.80 und Fr. 28'811.10 (Berufung N. 83
S. 21 f.).
Gestützt auf § 7 Abs. 2 des Dekrets des Kantons Aargau über die
Entschädigung der Anwälte vom 10. November 1987 (AnwT) vermindert
sich die Grundentschädigung um bis zu 50 %, wenn ein Verfahren nur
- 16 -
geringe Aufwendungen erfordert. Freigestellte Eingaben, die zwar zulässig
sind, sich aber als überflüssig erweisen und objektiv einen nicht
gerechtfertigten Mehraufwand bedeuten, werden bei der Festsetzung einer
allfälligen Entschädigung nicht berücksichtigt (Urteil des Bundesgerichts
5A_313/2013 vom 11. Oktober 2013 E. 7.2). Vorliegend erscheint eine
Reduktion der streitwertbedingt Fr. 50'106.30 betragenden Grund-
entschädigung angesichts der eingereichten Rechtsschriften sowie des
Prozessstoffes nicht angezeigt. Jedenfalls vermag entgegen dem
Vorbringen des Klägers der Umstand, dass die Klageantwort noch in
gedrängter Form daherkam, während erst die Duplik dem klägerischen
Parteivortrag substantielle Einwände entgegenbrachte, eine solche nicht
zu rechtfertigen. Für die Duplik ist mit der Vorinstanz gestützt auf § 6 Abs.
3 AnwT ein Zuschlag von 20 % zu gewähren. Für die weiteren Eingaben
des Beklagten ist unter Verweis auf die vorstehende Rechtsprechung kein
weiterer Zuschlag geschuldet, zumal diese für den Ausgang des
vorliegenden Verfahrens weitgehend ohne Bedeutung waren. Unter
Berücksichtigung einer Auslagenpauschale von 3 % resultiert nach dem
Gesagten eine Parteientschädigung von gerundet Fr. 61'930.00, zu deren
Ersatz der Kläger verpflichtet ist. Die Berufung ist in diesem Punkt somit
gutzuheissen.
5.
Der Kläger unterliegt im Berufungsverfahren hinsichtlich seines Antrages
auf Feststellung des Bestandes der klägerischen Forderung und deren
Grundpfandsicherung. In Bezug auf die beantragte Reduktion der
erstinstanzlichen Gerichts- und Parteikosten ist die Berufung teilweise
gutzuheissen. Ausgehend vom Streitwert von Fr. 1'194’652.80 unterliegt
der Kläger im Berufungsverfahren im Ergebnis mit seinen Anträgen zu rund
98 %, weshalb es sich rechtfertigt, ihm die obergerichtlichen Prozesskosten
vollumfänglich, d.h. mit Fr. 25'600.00 (§ 7 Abs. 1 VKD i.V.m. § 11 Abs. 1
VKD) aufzuerlegen. Sie sind mit dem vom ihm geleisteten Kostenvorschuss
in gleicher Höhe zu verrechnen.
Die dem Beklagten für das Berufungsverfahren zustehende Partei-
entschädigung ist ausgehend von der streitwertbedingten Grund-
entschädigung von Fr. 50'106.30, unter Berücksichtigung eines Abzuges
von 20 % für die nicht stattgefundene Verhandlung sowie eines weiteren
Abzuges von 25 % im Rechtsmittelverfahren und pauschaler Auslagen von
3 % auf gerundet Fr. 30'966.00 festzusetzen (§ 3 Abs. 1 lit. a, § 6 Abs. 2,
§ 8 und § 13 AnwT).
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