Decision ID: 06cdebd1-82dc-44a1-8a26-5f44ac67912c
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.
1
X._
, geboren
1966
,
ledig
,
Mutter einer am 29. Dezember 2002 geborenen Tochter,
ist gelernte Floristin
(Urk. 7/
1 S. 1 und S.
5
).
Sie arbeitete zuletzt bis
im Dezember
2007
zu 100 % als
selbständige
Floristin (Urk. 7/1 S. 4).
Am
30
.
September
2008
meldete
sie
sich
unter
Hinweis
auf
eine Unterschenkelfraktur
bei
der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(Urk. 7/1).
Nach medizi
nischen und erwerblichen Abklärungen
(
ins
besondere
Abklärungsber
icht für
Selbständigerwerbende
[Urk. 7/35])
und
Einholung der Akten des Kranken
tag
geld
versicherers AXA Winterthur AG
(Urk. 7/13
)
sowie der Veranlassung eines
bidisziplinären
rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten
s
, welches von Dr.
m
ed. u
nd Dr. sc.
nat. ETH
Y._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin spezialisiert auf Rheumaerkrankungen, und Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie sowie Chefarzt der
A._
, am
2
0.
respektive
am
25. Februar 2010
(vgl. Urk. 7/25
und Urk. 7/27
)
erstattet wurde,
sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
der
Versicherten
mit Verfügung
en
vom 2
4
. Juni
2010 (Urk. 7/
37
und Urk. 7/
41
)
eine
ganze I
nvaliden
r
ente mit Wirkung ab 1.
Januar 2009
zu.
1.2
Im Rahmen eines
Ende
2010
von Amtes wegen initiierten Revisionsverfahrens
(vgl.
Urk. 7/5
0
)
tätigte die IV-Stelle medizinische sowie erwerbliche Abklärungen
(
inkl
usive
Abklärung für
Selbständigerwerbende
vom 23.
August
2011 [Urk. 7/126])
und
veranlasste
ein
e rheumatologische-
psychiatrische
Expertise
. Das
psychiatrische
Gutachten
von Dr.
Z._
wurde am 30. Mai 2013 (Urk. 7/84), das rheumatologische Gutachten von Dr.
Y._
am 13. Juni 2013 (Urk. 7/85) und die interdisziplinäre Zusammenfassung von Dr.
Z._
und Dr.
Y._
am
21. Juni 2013
(Urk. 7/86)
erstattet.
In der Folge
veranlasste die IV-Stelle
eine
weitere
rheumatologische-
psy
chia
trische Expertise. Das psychiatrische Gutachten erstattete
Prof. Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie FMH, am 28. Januar 2016 (Urk. 7/140), Dr.
Y._
ihr rheumatologisches Gutachten
am 20. Februar 2016 (Urk. 7/145 und U
rk. 7/146)
und eine
bidisziplinäre
Zusammen
fassung
wurde am 20. Februar 2016
erstatte
t
(Urk. 7/147
; vgl. auch Ergänzungen vom 8. März 2016, Urk. 7/149-151und vom 2. April 2016, Urk. 7/155/2
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/162, Urk. 7/165, Urk. 7
/170
172, Urk. 7/173-177) verfügte die IV-Stelle am 3.
November
2016 rückwirkend per 1. Januar 2012 die Einstellung der Invalidenrente (Urk. 2) und am 24. November 2016 die Rückforderung der zu Unrecht ausgerichteten Renten
zahlungen in der Höhe von Fr. 70'651.-- (Urk. 7/180).
2.
2.1
Sowohl gegen die
Verfügung vom
3
. November 2016 (Urk. 2)
als auch gegen die Verfügung vom 24. November 2016 (Urk. 11/2)
erhob
die
Versicherte
mit der
sel
ben Eingabe
am
5
.
Dezember
2016 Beschwerde (Urk. 1
, Urk. 11/1
) mit
den
Anträ
gen
(S. 2), es sei die Verfügung
der IV-Stelle vom 3.
November 2016
aufzuheben und ihr die bisherige Inv
alidenrente weiter auszurichten; e
ine Meldepflicht
ver
letzung sei zu verneinen
und
die mitangefochtene Verf
ügung vom 24.
November 2016
über die Rückforderung von Fr.
70'651.
--
sei
aufzuheben beziehungsweise ihre Nichtigkeit festzustellen.
2.2
Das Verfahren bezüglich der Verfügung
vom
3
. November 2016 (Urk. 2)
wurde am hiesigen Gericht unter der Prozessnummer IV.2016.01356 angelegt.
Die IV-
Stelle beantragte
in selbigem Verfahren
mit
Beschwerdeantwort
vom
26
.
Januar
201
7
(Urk.
6
) Abweisung der Beschwerde, was
der
Versicherten mit Verfügung vom
27
.
Januar
201
7
(Urk.
7
) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 20.
Juli 2018 (Urk. 9) reichte die IV-Stelle
eine
n
IK-Auszug vom 20.
Juli 2018 (Urk. 10)
ein
,
wovon
der Beschwe
rdeführerin mit Verfügung vom 26
. Juli 2018 (Urk. 12)
Kenntnis gegeben
wurde.
2.3
Das Verfahren bezüglich der Verfügung
vom
24. November 2016 (Urk. 11/2) wurde am hiesigen Gericht unter der Prozessnummer IV.2016.01357 angelegt. Die IV-Stelle beantragte in
diesem
Verfahren mit Beschwerdeantwort vom 26. Januar 2017 (Urk. 11/6) Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten mit Verfügung vom 27. Januar 2017 (Urk. 11/8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Dem Begehren der Beschwerdeführerin entsprechend wurden sodann die
Einlegerakten
aus dem ebenfalls am hiesigen Gericht hängig gewesenen Verfahren in Sachen der Beschwerdeführerin gegen die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, Ausgleichskasse (Prozess FL.2017.00001), als Urk. 11/9 zu den Akten genommen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Die Parteien in den Verfahren
Nr.
IV.2016.01356 und
Nr.
IV.2016.01357 sind identisch und zwischen den beiden Prozessen besteht ein so enger sachlicher und rechtlicher Zusammenhang, dass es angezeigt ist, das Verfahren IV.2016.0
1357
mit dem
vorliegenden
Prozess
Nr.
IV.2016.0135
6
zu vereinigen
und unter dieser Prozessnummer weiterzuführen. Das Verfahren Nr. IV.2016.01357 ist als dadurch
erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess
als Urk. 11/0-9
geführt
.
2.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
gli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2
.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nic
ht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2
.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs.
1
ATSG
). Anlass zur Rentenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Liegt in diesem Sinn ein
Rückkommenstitel
vor, gilt es grundsätzlich, mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
einen rechtskonformen Zustand herzustellen. Dabei ist auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts der Invalidi
tätsgrad im Zeitpunkt der Verfügung über die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente zu ermitteln (SVR 2017 IV Nr. 4 S. 7, 9C_770/2015 E. 2.2).
2
.
5
Die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente erfolgt rückwirkend ab Eintritt der für den Anspruch erheblichen Änderung, wenn der Bezüger die Leistung zu Un
recht erwirkt hat oder der ihm nach
Art.
77
der Verordnung über die Inva
liden
versicherung (IVV)
zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist (
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV, sowohl in der bis Ende 2014 als auch in der seither geltenden Fassung).
Jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen ist von den Bezügerinnen und Bezügern, ihren Angehörigen oder Dritten, denen die Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen Durchführungsorgan zu melden (
Art.
31
Abs.
1 ATSG). Der Berech
tigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, haben jede für den Leistungsanspruch wesentliche Änderung, insbesondere eine solche des Gesundheitszustandes, der Arbeits- oder Erwerbs
fähigkeit sowie der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten unverzüglich der IV-Stelle anzuzeigen (A
rt.
77
IVV).
Für den Tatbestand der Meldepflichtverletzu
ng ist ein schuldhaftes Fehlver
h
a
lten erforderlich, wobei nach ständiger Rechtsprechung bereit
s
eine leichte Fahrlässig
keit genügt (BGE 118 V 214 E. 2a
; SVR 2012 IV Nr. 12 S. 61 E.
4.2.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_127/2013 vom
2
2.
April 2013 E. 4.1
)
.
2
.6
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzuer
statten (Art. 25 Abs.
1 Satz 1
ATSG). Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Im Zusammenhang mit der Rückforderung infolge einer Rentenaufhebung betrachtet das Bundesgericht in der Regel die Rechtskraft der Rentenaufhebung als fristaus
lösendes Moment (Urteile 8C_85/2016
vom
2
6.
August 2016 E. 7.4; 8C_642/2014 vom 2
3.
März 2015 E. 3.2; 9C_399/2013 vom 3
0.
November 2013 E. 3.1.1-3.1.3 und 9C_68/2011 vom 1
6.
Mai 2011 E.
4.2). Der Erlass des Vorbescheids gilt als fristwahrend (BGE 133 V 579 E. 4.3.1 SVR 2011 IV Nr. 52 S. 155, 8C_699/2010 E. 2).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die
rückwirkend per 1.
Januar 2012
angeordnete
Aufhebung der
Rente in ihrer
Verfügung vom
6
.
November
2016 (Urk. 2) damit, dass
die Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2011 ein rentenausschlies
sendes Einkommen aus selbständiger Tätigkeit erzielt
und
von diesem spätestens
am 1.
Januar 2012 Kenntnis gehabt habe
. Dies hätte sie
zwingend melden müssen
. Damit habe die Beschwerdeführerin eine Meldepflichtverletzung begangen. Die Veränderung der erwerblichen Situation (Einkommen erwirtschaftet) stelle einen Revisionsgrund dar. Rein körperlich sei die Beschwerdeführerin voll arbeitsfähig. Die attestierte volle Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht sei nicht nach
vollziehbar, da die Beschwerdeführerin nicht ausreichend therapiert werde. Zudem seien die beschriebenen Einschränkungen nicht konsistent.
Die Beschwer
deführerin
besitze viele Ressourcen, die sie in die Führung ihres Hofes stecke
.
3
.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellte sich demgegenüber
in
ihrer
Beschwerde vom
5
.
Dezember
2016 (Urk. 1)
auf den Stan
dpunkt
,
aus den medizinischen Grund
lagen der Akten der Beschwerdegegnerin folge, dass sie psychisch in erheblichem Ausmass krank und ihre Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt sei. Sie bestreite nicht, dass sie einzelne Tätigkeiten ausübe. Sie bestreite aber, dass sie in der Lage wäre, einen Pferdezuchtbetrieb vollu
mfänglich zu führen (vgl. S. 7 f.
).
Im Wei
teren
habe
sie
nie eine Meldepflichtverletzung begangen und sie sei nach der Erstberentung nie in wirtschaftliche Verhältnisse gelangt, die eine Rentenauf
hebung rechtfertigen würden. Die betrieblichen wirtschaftlichen Verhältnisse liessen sich feststellen und hätten sich entgegen der Ansicht der Beschwer
de
gegnerin seit 2010 nur unwesentlich verbessert (S. 11).
3
.3
Umstritten ist
, ob
ein Revisionsgrund
vorliegt
, indem sich
die erwerbliche Situation (Einkommen aus selbständiger Tätigkeit) verbessert hat. Zudem ist
gegebe
nenfalls
zu prüfen, ob eine Meldepflichtverletzung
vorliegt
.
4
.
Am
2
4
. Juni
2010 (Urk. 7/
37
und Urk. 7/
41
)
s
prach die
Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin
bei einem Invaliditätsgrad von 1000 %
eine ganze I
nvaliden
r
ente mit Wirkung ab 1. Januar 2009 zu
. Sie ging dabei - gestützt auf das
rheu
matologisch
e-psychiatrische
Gutachten
von Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
vom
2
0.
respektive
2
5.
Februar 2010
(Urk. 7/25 und Urk.
7/27)
- von
einer
Arbeits
unfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
von 100
%
aus
.
D
ie
Zusprache
erfolgte
dementsp
r
echend
ohne Einkommensvergleich
(vgl.
Urk. 7/
37 S. 2
)
.
V
on der Beschwer
deführerin
waren
keine Zahlen zu den Einkommensverhältnissen erhältlich
und IK-Auszüge
(vgl. auch Urk. 7/19/3)
lagen
nur bis zum Jahr 2004
vor
(vgl. Urk. 7/30 S. 8).
Die Beschwerdegegnerin
stützte
sich
auf die vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
2008
und ging von einem hypothetischen
Valideneinkommen
von Fr. 63'301.20
im Jahr 2009
aus (
vgl.
Urk. 7/35 S. 5
; Tabelle 7:
Position 27, Spalte 1+2
;
Frauen
; betriebs
übliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden; indexiert per 2009
).
Sie
wies die Beschwerdeführerin in ihrer Verfügung vom 2
4
. Juni 2010 (
Urk. 7/
37 S. 2) ausdrücklich auf ihre Meldepflicht
mit folgendem Wortlaut
hin:
«
Meldepflicht
Jede Änderung in persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen, welche den Leistungsanspruch beeinflussen kann, ist der IV-Stelle unverzüglich mitzuteilen.
Das ist insbesondere notwendig bei
[...]
-
Änderungen in den Einkommens- und Vermögensverhältnissen, z
. B.
Aufnahme oder
Aufgabe einer Erwerbstätigkeit
[...]
Bei Verletzung der Meldepflicht können die Leistungen der Invalidenversicherung gekürzt, verweigert (
Art.
7b
Abs.
2 Bst. b IVG) und zurückgefordert
werden.»
5
.
5.1
Mit Blick auf die erwerblichen Auswirkungen eines an sich gleich gebliebenen
oder verschlechterten
Gesundheitsschadens
bei ganzer Invalidenrente
mangelt es an einem Revisionsgrund, wenn die Sachverhaltsänderung lediglich in einer Reduktion oder Erhöhung des erwerblichen Pensums liegt und dieser Umstand für sich allein nicht anspruchsre
levant ist (vgl. BGE 141 V 9 E.
2.3 und E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bu
ndesgerichts 8C_844/2016 vom 2.
März 2017 E.
6.2 mit Hinweisen).
Die Einkommensermittlung hat so konkret wie möglich zu erfolgen. Dabei
kann das Einkommen von
Selbst
ändigerw
erbenden
angesichts der in Art.
25 Abs.
1 IVV vorgeschriebenen Parallelisierung der IV-rechtlich massgebenden hypothe
tischen Vergleichseinkommen mit den AHV-rechtlich beitragspflichtigen Ein
kommen
grundsätzlich aufgrund der IK-Einträge bestimmt werden. Der versicherten Person als auch der IV-Stelle steht jedoch der Gegenbeweis offen, dass das tatsächlich erzielte (beitragspflichtige) Einkommen höher oder tiefer ist
als die
verabgabten
IK
-Einkünfte (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2017 vom 2
9.
Mai 2018 E. 3.6.1
mit Hinweisen).
5.2
Vorliegend stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt, dass nicht auf die IK
-Auszüge abgestellt werden könn
e, da diese nicht der Realität entspr
ächen
.
Es sei unrealistisch und nicht haltbar, von den viel zu hohen Einkommenszahlen auszugehen. Vielmehr sei davon auszugehen, dass die für die Beitragspflicht massgeblichen Einkommenszahlen nach wie vor von bes
cheidenem Ausmass seien und ein
30-prozentiges Invalideneinkommen
keinesfalls überschreiten würden
. Die aus dem Pferdezuchtbetrieb erzielten Einnahmen bestünden zum grösseren Teil aus Direktzahlungen. Die Ausgaben seien nahezu so hoch wie die Einnahmen
(vgl.
Urk. 1 S. 8-11).
Die Beschwerdeführerin legte nicht dar, inwiefern
allfällig erhaltene
Direkt
zah
lungen einen
Anteil an den in den IK-Auszügen abgebildeten Einkommen aus
machen. Sie reichte lediglich eine von Hand geschriebene Auflistung der angeb
lich erhaltenen Direktzahlungen ein (vgl. Urk. 3/2).
Damit ist nicht belegt
, dass allfällige Direktzahlungen Niederschlag in den IK-Auszügen
gefunden hätten.
W
enn die Zahlen der handgeschriebenen Notiz mit den IK-Auszügen verglichen werden
,
s
o übersteigen die Direktzahlungen die Einkommen gemäss IK-Auszügen in
d
en Jahren
2013 bis 2015
bei Weitem (vgl. Urk. 3/2 und Urk. 10; beispielsweise 2013: IK-Auszug: Fr. 9'600.--; Direktzahlung: Fr. 46'287.35)
und konnten folg
lich keine Berücksichtigung in den IK-Auszügen gefunden haben
.
Damit ist
der Gegenbeweis
nicht erbracht, dass die IK-Auszüge nicht
auch
das tatsächlich generierte Einkommen der Beschwerdeführerin wiedergeben
. Somit ist
für das relevante Einkommen zur Berechnung des Invalideneinkommens
auf die IK-Auszüge abzustellen.
5.3
Nach
dem die Beschwerdeführerin
zeitweise steuerlich
nach Ermessen
einge
schätzt w
o
rde
n war
, beruhen zumindest die Steuern der Jahre 2011-2013
laut eigenen Aussagen auf ihren Betriebsbuchhaltungen
(vgl. Urk. 1 S. 12).
Davon ausgehend wurde gemäss
IK-Auszug vom 20. Juli 2018 für das Jahr 2011
ein Einkommen von Fr. 74'600.-- und
für das Jahr 2012 ein Einkommen von Fr. 35'
4
00.--
verabgabt
(Urk. 10).
Da das erzielte Einkommen starke und unver
hältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen aufweist, ist dabei auf den Durchschnittswert abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_771/2017 vom 2
9.
Mai 2018 E. 3.6.1).
Damit resultiert ein durchschnittliches Ei
nkommen über die Jahre 2011-2012
von Fr.
55
'
000.--.
Stellt man dieses tatsächlich erzielte Einkommen als Invalidene
inkommen für die Jahre 2011-2012
einem auf das entsprechende Jahr
aufindex
ierten
Validenein
kommen
–
ausgehend von einem
Valideneinkommen
2009 von Fr. 63'301.20 (vgl.
E. 4 vorstehend)
– gegenüber, resultiert nicht nur eine anspruchsrelevante Verän
d
erung des Invaliditätsgrads, sondern ein
rentenausschliessen
d
er Invalidi
täts
grad
. Das
Valideneinkommen
entspricht unter Berücksichtigung der geschlechts
spezi
fischen Nominallohnentwicklung (Basis 1939 [= 100]; Index 2009: 2552, Ind
ex 2011: 2604, Index 2012: 2630
; vgl. Bundesamt für Statistik Tabelle
T
39 Ent
wicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reall
öhne, 1976-2016 [2/2]) einem Jahreseinkommen 2011 von
Fr. 64'
591.
05
und
2012 von
Fr. 65'235.95
.
Daraus resultierte für
die Jahre
2011
-201
2
jeweils
ein
errechneter
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von
höchstens 16 % (
100 .
/. [
100 :
Fr.
65'235.95 x Fr. 55'000.
]
vgl. E. 2.2 und E. 2.3)
.
5.4
Damit ist der Beschwerdegegnerin
beizupflichten
, dass spätestens ab dem 1. Januar
2012 von veränderten erwerblichen Verhältnissen der Beschwerde
füh
rerin in anspruchsrelevanter Höhe und damit von dem Vorliegen eines Revi
sions
grundes auszugehen ist
(vgl. E. 2.4)
.
Soweit die
Gutachten im
Jahr
2013 (Urk. 7/84, Urk. 7/85 und Urk. 7/86)
wie
auch im Jahr 2016
(Urk. 7/140, Urk. 7/145, U
rk
. 7/146 und Urk. 7/147
, Urk. 7/151 und Urk. 7/155/2
)
einen seit der Rentenzusprache
verschlechterten
Gesundheitszu
stand dokumentierten,
vermag das
mit Blick auf das
erwies
enermassen erzielte Einkommen der Beschwerdeführerin
am Ergebnis
nicht
s
zu ändern
. Dass sie die von der Beschwerdeführerin tatsächlich erwirtschafteten Einkünfte ausser Acht liessen, spricht
den
Gutachten jeglichen Beweiswert ab.
Denn selbst wenn sich aus medizinisch-theoretischer Sicht der Gesundheitszustand verschlechtert haben sollte, was
offen bleiben
kann, ist belegt, dass die Beschwerdeführerin faktisch in der Lage war, während mehreren Jahren massgebliche Einkommen zu erwirt
schaften, die sie sich jedenfalls anrechnen lassen muss.
Dass
eine Verbesserung ihre
r
Erwerbsfähigkeit
ausgewiesen ist, hat die Be
schwer
deführerin über mehrere Jahre unter Beweis gestellt
(vgl. E. 5.3
und Urk. 10
)
. Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin
davon ausging, die Beschwerdeführerin sei
spätestens ab dem 1.
Januar 2012
in der Lage
g
ewe
sen
, mindestens das
durchschnittliche
Erwerbseinkommen
der
Jahr
e
2011
-
2012
und somit
bei weiterer Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit
ein
r
entenaus
schliessendes Einkommen
auch
2013 und in Zukunft zu erzielen
.
Es sind keine
Gründe ersichtlich, weshalb sie die selbständige Erwerbstätigkeit ab dem Jahr 2013
zunächst reduziert und ab dem Jahr 2014 gänzlich eingestellt hat (Urk. 10). Vielmehr ist von einem (freiwilligen) Verzicht auf die Realisierung des selbstän
digen Erwerbseinkommens auszugehen, da nicht anzunehmen ist, dass sie nicht auch in der Lage wäre, auf dem freien Arbeitsmarkt ein eben solches Einkommen zu erwirtschaften. Da sie im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht gehalten
ist, die verbliebene Erwerbsfähigkeit bestmöglich zu verwerten, besteht keine Veranlassung, auf eine wesentliche Veränderung der Erwerbsv
erhältnisse für die Zeit ab 2013
und die Zukunft zu schliessen.
Es hat daher mit der Renteneinstellung sein Bewenden.
6
.
6.1
Die
Beschwerdeführer
in
wehrt sich gegen die rückwirkende Aufhebung der Inva
lidenrente
(Urk. 1
; vgl. zu den Vorausse
t
zungen E. 2.5 und E. 2.6)
.
Indessen bestreitet sie
nicht, dass
sie
zumindest in den Jahren ab
2011
ein steuerlich relevantes Einkommen erzielte, welches sie in
den Steuererklärungen 2011-2013
selbst
deklarierte
hatte
(vgl. Urk. 1
S. 12)
, ohne dies
der Beschwerdegegnerin
zu
melden
, obwohl sie von dieser in der rentenzusprechenden Verfügung vom 2. Juni
2010 (Urk. 7/37 S. 2) ausdrücklich
auf die Meldeplicht
hingewiesen worden ist
(
vgl. E. 4
)
.
Während die Rechtsprechung bis anhin für eine rückwirkende Renten
aufhebung oder -herabsetzung verlangt hatte, dass die Verletzung der Melde
pflicht
(Art.
77
IVV) für den unrechtmässigen Leistungsbezug kausal war (BGE 142 V 259 E. 3.2.1 S. 261; Urteil
des Bundesgerichts
8C_387/2008 vom 3
0.
Januar 2009 E. 2.2), ist diese Voraussetzung mit der Änderung von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV am
1.
Januar 2015 dahingefallen (AS 2014 3177 ff., 3180; vgl. dazu die Erläuterungen zur Verordnungsänderung,
www.news.admin.ch/NSB Subscriber/
message
/
attachments
/36545.pdf
, besucht am 3. Februar 2017).
Ob diese Be
stimmung mit Blick auf die intertemporalrechtlichen Grundsätze anzuwenden ist, kann hier offenbleiben.
Für die
Beschwerdegegnerin
war ausschlaggebend, dass
das
unbestritten
erma
ssen
nicht gemeldete
,
spätestens ab 1.
Januar 2012
erzielte
steuerbare
und rentenrele
vante
Einkommen
nicht von vornherein irrelevant gewesen
war
. Nach
Art.
31
Abs.
1 IVG wird die Rente revidiert, wenn eine rentenberechtigte Person neu ein Erwerbseinkommen erzielen oder ein bestehendes Erwerbseinkommen erhöhen kann, sofern die Einkommensverbesserung jährlich mehr als
Fr.
1'500
.--
beträgt.
Im vorliegenden Fall hat
die
Beschwerdeführer
in
gemäss IK-Auszug bereits im
Ja
hr 2011
ein steuerbares Erwerbseinkommen
von Fr. 74
'
600.--
pro Jahr verdient.
Sie war
in der Lage, eine entsprechende Erwerbstätigkeit auszuüben,
und trotz durch
wegs
medizinisch
attestierter Arbeitsunfähigkeit ein rentenausschliessendes Ein
kommen zu erzielen
(vgl. E. 5)
. Mit
der Beschwerdegegnerin
ist
der
Beschwerde
führer
in
deshalb diesbezüglich
spätestens ab 1.
Januar 2012
eine
ohne Zweifel
zumindest leicht fahrlässige
Meldepflichtverletzung vorzuwerfen. Der von
ihr
vorgebrachte Einwand,
sie
habe keine Kenntnis von einer Verbesserung
ihres Erwerbseinkommens
gehabt,
ist
angesichts der
erzielten Einkomme
n
(
Urk. 10
)
,
welche
auf Angaben eigenhändiger
Steuererklärungen
be
ruhte
,
ohne Weiteres zu entkräften.
Damit liegt eine Meldepflichtverletzung spätestens ab dem
1.
Januar 2012 vor.
6.2
Am 24.
November 2016 (Urk.
11/2)
verfügte die Beschwerdegegnerin die Rück
forderung
von Fr. 70'651.-- für in der Zeit vom 1. Januar 2012 bis 31. Dezember 2014 aufgrund der Meldepflichtverletzung zu Unrecht bezogener
Leistungen.
Die Höhe der Rückforderung
blieb zu Recht unbestritten
(vgl. Urk. 1, Urk. 11/2).
Nachdem eine Meldepflichtverletzung zumindest ab dem
1.
Januar 2012
nachge
wiesen ist
(vgl. E. 6.1
vorstehend)
,
und die Rückforderung fristgerecht erfolgte (vgl. E. 2.6, Urk. 7
/
158, Urk. 7/173), ist festzustellen, dass die Rückforderung
auch
bezüglich
der Höhe
in
der Verfügung vom 24. November
2016 (Urk.
11/2)
rechtens ist
.
6.3
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde folglich abzuweisen.
7
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen
geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
I
VG) und ermessensweise auf Fr.
1
'
0
00.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie
von der
u
nterliegenden Beschwerdeführerin
zu tragen.
Das Gericht beschliesst
Der Prozess IV.2016.01357 in Sachen der Parteien wird mit dem vorliegenden Prozess IV.2016.01356 vereinigt und als dadurch erledigt abgeschrieben,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
1
'
0
00
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt. Rechnung
und Einzahlungsschein werden
der
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Jürg Maron
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.