Decision ID: 729a1f31-c38a-415f-aea7-d818e31518a1
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Schändung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, Einzelgericht, vom 14. Januar 2013 (GG120013)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 26. Septem-
ber 2012 (Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (berichtigte Fassung, Urk. 35)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.–
(entsprechend Fr. 3'600.–), wovon 1 Tagessatz als durch Haft erstanden ist.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 2'000.– zuzüglich 5 % Zins ab
14. Oktober 2011 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 15. Dezember 2011 beschlagnahmten
Gegenstände werden von der für die Lagerung zuständigen Stelle, FOR Zürich, vernichtet.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'412.75 Gebühr für die Führung das Vorverfahren
Fr. amtl. Verteidigung (ausstehend)
Fr. 4'912.75
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
Der Beschuldigte wird überdies verpflichtet, der Privatklägerin eine Parteientschädigung in
der Höhe von Fr. 7'377.90 zu bezahlen.
9. (Mitteilungen)
10. (Berufung)"
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Berufungsanträge
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 59 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Schändung freizusprechen.
2. Die Anträge der Staatsanwaltschaft gemäss Anschlussberufung vom
24. Juli 2013 seien abzuweisen.
3. Die Gerichtskosten und die Kosten der amtlichen Verteidigung seien
auf die Staatskasse zu nehmen.
4. Dem Beschuldigten sei eine Genugtuung von Fr. 1'000.– (für 1 Tag
Haft Fr. 300.– und Fr. 700.– Aufwand [EV plus HV]) zuzusprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 60 S. 1)
1. Die Berufung des Beschuldigten A._ sei abzuweisen.
2. Das Urteil des Einzelrichters des Bezirksgerichts Dielsdorf vom
14. Januar 2013 sei im Schuldpunkt zu bestätigen.
3. Der Beschuldigte und Berufungskläger sei anklagegemäss mit einer
Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 30.– (entsprechend Fr. 9'000.–)
sowie einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen.
4. Die erstandene Haft (1 Tag) sei anzurechnen.
5. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer
Probezeit von zwei Jahren.
6. Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse sei
auf 5 Tage festzusetzen.
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7. Die Kosten des Verfahrens und des Berufungsverfahrens seien dem
Beschuldigten aufzuerlegen.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
c) Der Vertreterin der Privatklägerin:
(Urk. 62 S. 1)
1. Gutheissung der Berufung der Staatsanwaltschaft und im Übrigen
Bestätigung des Urteils der Vorinstanz vom 14.1.2013.
2. Dem Beschuldigten seien die Kosten des Berufungsverfahrens aufzu-
erlegen und er sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine Prozessent-
schädigung von Fr. 3'769.30 zu bezahlen.

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit (begründetem und berichtigtem) Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf,
Einzelgericht, vom 14. Januar 2013 wurde der Beschuldigte der Schändung im
Sinne von Art. 191 StGB schuldig gesprochen und mit einer bedingten Geldstrafe
von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– bestraft, unter Anrechnung von einem Tag Haft
und unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. Er wurde verpflichtet, der
Privatklägerin eine Genugtuung in Höhe von Fr. 2'000.– zuzüglich 5% Zins ab
14. Oktober 2011 zu bezahlen, im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbegehren
der Privatklägerin abgewiesen. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin
wurde auf den Zivilweg verwiesen. Ferner wurden die Vernichtung diverser
beschlagnahmter Gegenstände angeordnet, die Kosten festgesetzt und diese
sowie diejenigen der amtlichen Verteidigung dem Beschuldigten auferlegt.
Schliesslich wurde der Beschuldigte verpflichtet, der Privatklägerin eine Partei-
entschädigung in Höhe von Fr. 7'377.90 zu bezahlen (Urk. 31 S. 26).
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1.2. Gegen das schriftlich im Dispositiv eröffnete Urteil (Urk. 26) meldeten
der Beschuldigte mit Eingabe vom 23. Januar 2013 und die Staatsanwaltschaft
mit Eingabe vom 24. Januar 2013 fristgerecht Berufung an (Urk. 29, Urk. 30).
Die anschliessenden Berufungserklärungen erfolgten ebenfalls innert Frist
(Urk. 36, Urk. 38).
1.3. Nach Zustellung der Berufungserklärungen an die jeweiligen Gegenparteien
(Urk. 40) ging das Datenerfassungsblatt des Beschuldigten am 23. August 2013
hierorts ein (Urk. 42 bis Urk. 44/1). Anschlussberufung wurde nicht erhoben und
es wurden weder Beweisanträge noch Anträge im Hinblick auf die personelle
Zusammensetzung des Gerichts gestellt.
1.4. Auf Antrag der Privatklägerin wurde mit Präsidialverfügung vom 7. Oktober
2013 die Publikumsöffentlichkeit von der Berufungsverhandlung ausgeschlossen.
Akkreditierten Gerichtsberichterstattern wurde die Teilnahme an der Berufungs-
verhandlung mit der Auflage gestattet, in ihrer Berichterstattung nichts zu erwäh-
nen, das die Identifikation der Privatklägerin erlauben würde (Urk. 50 S. 4).
1.5. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte
in Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt Dr. X._, der
Staatsanwalt lic. iur. S. Keel sowie die erbetene Vertreterin der Privatklägerin,
Rechtsanwältin lic. iur. Y._, erschienen sind (Prot. II S. 6), waren weder Vor-
fragen zu entscheiden noch Beweise abzunehmen (Prot. II S. 8-9). Das vorlie-
gende Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 16-18).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuld-
spruchs (Dispositiv-Ziffer 1), der Sanktion (Dispositiv-Ziffern 2 und 3), der zu-
gunsten der Privatklägerin festgesetzten Genugtuung (Dispositiv-Ziffer 6) sowie
der Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 8) anfechten (Urk. 59; Prot. II S. 8-9).
2.2. Die Staatsanwaltschaft beschränkt die Berufung auf das Strafmass (Disposi-
tiv-Ziffer 2; Urk. 38 S. 2 und Urk. 60 S. 1).
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2.3. Damit ist das vorinstanzliche Urteil in den folgenden Punkten unangefochten
geblieben und demnach in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Ver-
bindung mit Art. 402 und 437 StPO; Prot. II S. 8):
- Verweis des Schadenersatzbegehrens der Privatklägerin auf den Zivilweg
(Dispositiv-Ziffer 4),
- Vernichtung der beschlagnahmten Gegenstände (Dispositivziffer 6),
- Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 7).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
3. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
3.1. Anklagesachverhalt und Standpunkt des Beschuldigten
3.1.1. Die Anklage führt zusammengefasst aus, die Privatklägerin habe den
Beschuldigten am Abend des 13. Oktober 2011 kennengelernt und ihn wenige
Stunden später bei sich zu Hause in einem separaten Zimmer übernachten
lassen. Um ca. 01.30 Uhr bis 03.00 Uhr des 14. Oktober 2011 habe sich der
Beschuldigte in das Zimmer der Privatklägerin begeben. Er sei auf dem Bett über
sie gestiegen und habe sich zu ihr ins Bett gelegt. Daraufhin habe er sie, währen-
dem sie geschlafen habe, ca. 5 Minuten an ihrer rechten Brust berührt und ihr
während 15 bis 20 Minuten zwischen die Beine gefasst und sie an der Scheide
berührt, wobei er schliesslich versucht habe, unter der Unterhose mit einem
Finger in die Scheide der Geschädigten einzudringen. Infolge dieser Berührungen
sei sie erwacht und habe, noch benommen von Schlaf und Alkohol, gedacht, dass
ihr Freund neben ihr liege. Aufgrund der fordernden Berührungen habe sie nach
einer nicht näher bestimmbaren Zeitdauer bemerkt, dass nicht ihr Freund neben
ihr gelegen sei. Sie habe sich anfänglich im Halbschlaf gegen die Berührungen
des Beschuldigten nicht wehren können. Erst nach einer gewissen Zeit, in wel-
cher sich die Geschädigte über die Situation richtig bewusst geworden sei, habe
sie den Beschwerdeführer unverzüglich aus dem Zimmer gewiesen (vgl. Urk. 15).
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3.1.2. Die Vorinstanz hat den bestrittenen und unbestrittenen Anklagesachverhalt
korrekt wiedergegeben, worauf vorab verwiesen werden kann (Urk. 35 S. 5-7,
Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend und präzisierend ist Folgendes festzuhalten:
Der Beschuldigte anerkennt den Sachverhalt grösstenteils, wobei namentlich die
Zeitangaben in der Anklageschrift auf seinen Aussagen beruhen. Er macht aber
im Berufungsverfahren - wie schon vor Vorinstanz - im Wesentlichen geltend, die
Privatklägerin sei nicht widerstandsunfähig gewesen. Sie sei bereits erwacht, als
er zu ihr ins Bett gestiegen bzw. neben ihr gelegen sei. Entsprechend habe er die
sexuellen Handlungen an der wachen Privatklägerin vorgenommen und aufgrund
ihren Reaktionen sei er davon ausgegangen, dass sie damit einverstanden
gewesen sei. Zudem habe er auch deshalb von einem Einverständnis der Privat-
klägerin ausgehen dürfen, da sie ihn nach Hause genommen habe, sie ihm ange-
boten habe, in ihr Zimmer zu kommen, wenn er nicht schlafen könne, und
schliesslich habe sie sich vor seinen Augen ausgezogen und ihm zu guter Letzt
auch noch einen Klaps auf den Hintern gegeben, als er sich zur Bettruhe
verabschiedet habe (Urk. 58 S. 3 ff.; Urk. 59 S. 4 ff.; Urk. 25 S. 2 ff.).
3.1.3. Es ist somit in der Folge zu prüfen, ob der vom Beschuldigten bestritte
Anklagesachverhalt aufgrund der vorliegenden Beweismittel rechtsgenügend
erstellt ist.
3.2. Grundsätze der Beweiswürdigung
3.2.1. In einem Strafprozess sind an den Beweis von Täterschaft und Schuld
hohe Anforderungen zu stellen. Gemäss der aus Art. 8 und 32 Abs. 1 BV
fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime 'in dubio pro reo' ist
bis zum gesetzlichen Nachweis ihrer Schuld zu vermuten, dass die wegen einer
strafbaren Handlung beschuldigte Person unschuldig ist (BGE 127 I 40, BGE 120
Ia 31 E. 2b). Angesichts der Unschuldsvermutung, die auch in Art. 10 Abs. 1 der
neuen Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO) statuiert ist, besteht somit
Beweisbedürftigkeit, das heisst, der verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle
objektiven und subjektiven Tatbestandselemente nachzuweisen, woraus folgt,
dass der Beschuldigte seine Unschuld nicht zu beweisen hat (BGE 127 I 40 f.).
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3.2.2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, sind die
Depositionen frei zu würdigen (vgl. Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher
Umstände, die sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu unter-
suchen, welche Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den
inneren Gehalt der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die
Angaben erfolgen. Beim Abwägen von Aussagen ist zwischen der Glaubwürdig-
keit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Angaben zu unterscheiden.
Während erstere die Grundlage dafür liefert, ob einer Person getraut werden
kann, ist letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungsvoll,
ob sich der behauptete Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht
(Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozess, Zürich 1974, S. 312 ff.). Die all-
gemeine Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich nebst ihrer prozessualen
Stellung auch aus ihrem wirtschaftlichen Interesse am Ausgang des Verfahrens
sowie vor allem aus deren persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den
übrigen Prozessbeteiligten. Bei der Würdigung von Aussagen darf jedoch nicht
einfach auf die Persönlichkeit oder allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden
abgestellt werden, denn dies lässt nach neueren Erkenntnissen keinen allge-
meinen Rückschluss auf die Glaubhaftigkeit von Aussagen zu. Massgebend ist
vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Äusserungen.
Bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen ist generell auf Struktur-
brüche innerhalb einer Aussage, auf Über- oder Untertreibungen, auch auf Wider-
sprüche, vor allem aber auf das Vorhandensein einer hinreichenden Zahl von
Realitätskriterien und das Fehlen von Lügensignalen zu achten (Bender/Nack/
Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 3. Auflage, München 2007, S. 72 ff.,
vgl. auch Rolf Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaus-
sagen, SJZ 81, 1985, S. 53 ff.).
3.2.3. Im Bereich rechtfertigender Tatsachen trifft den Beschuldigten indes eine
gewisse Beweislast. Seine Behauptungen müssen plausibel sein; es muss ihnen
eine gewisse Überzeugungskraft zukommen. Zumindest bedarf die Behauptung
des Beschuldigten gewisser Anhaltspunkte, sei es in Form konkreter Indizien oder
einer natürlichen Vermutung für seine Darstellung, damit sie als Entlastungstat-
sache dem Urteil zugrunde gelegt wird. Ein strikter Beweis kann hingegen vom
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Beschuldigten nicht verlangt werden; doch muss seine Behauptung glaubhaft
sein. Wenn die belastenden Beweise nach einer Erklärung rufen, welche der
Beschuldigte geben können müsste, dies jedoch nicht tut, darf nach Massgabe
des gesunden Menschenverstandes der Schluss gezogen werden, es gebe keine
mögliche Erklärung und er sei schuldig. Nichts anderes kann gelten, wenn er zwar
eine Erklärung gibt, diese aber unglaubhaft oder gar widerlegt ist. Der Grundsatz
"in dubio pro reo" zwingt somit nicht dazu, jede entlastende Angabe des Beschul-
digten, für deren Richtigkeit oder Unrichtigkeit kein spezifischer Beweis vor-
handen ist, als unwiderlegt zu betrachten. Nicht jede aus der Luft gegriffene
Schutzbehauptung braucht durch einen hieb- und stichfesten Beweis widerlegt
zu werden (Bundesgerichtsentscheide 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011,
E. 1.6, und 6B_562/2010 vom 28. Oktober 2010, E. 2.1; vgl. auch Beschlüsse des
Kassationsgerichts des Kantons Zürich vom 5. Oktober 2005, AC050005, S. 10 f.;
Pra 90 (2001) Nr. 110 S. 43, und vom 3. September 1991, 91/177S, S. 5 f.).
3.3. Rechtliches im Allgemeinen
Den Tatbestand der Schändung nach Art. 191 StGB erfüllt, wer eine urteilsunfähi-
ge oder eine zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum
Beischlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung
missbraucht. Widerstandsunfähig im Sinne von Art. 191 StGB ist, wer nicht
imstande ist, sich gegen ungewollte sexuelle Kontakte zu wehren. Die Bestim-
mung schützt somit Personen, die einen zur Abwehr ausreichenden Willen zum
Widerstand gegen sexuelle Übergriffe nicht oder nicht sinnvoll bilden, äussern
oder betätigen können. Dabei genügt, dass das Opfer nur vorübergehend zum
Widerstand unfähig ist. Erforderlich ist, dass die Widerstandsfähigkeit gänzlich
aufgehoben und nicht nur beeinträchtigt oder eingeschränkt ist. Bei blosser - z.B.
alkoholbedingter - Herabsetzung der Hemmschwelle ist keine Widerstands-
unfähigkeit gegeben. Widerstandsunfähigkeit wird nach der Rechtsprechung unter
anderem bejaht, wenn es dem Opfer unmöglich ist, den Angriff auf seine
geschlechtliche Integrität abzuwehren, weil er von ihm nicht wahrgenommen wird.
Aber auch ein Opfer, welches den Angriff wahrnimmt, kann nach der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung widerstandsunfähig sein. So wurde die Wider-
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standsunfähigkeit eines Opfers bejaht, welches sich nach dem Erwachen, schläf-
rig und alkoholisiert, über die Identität des Sexualpartners irrte und daher in die
sexuellen Handlungen einwilligte (BGE 119 IV 230). Widerstandsunfähigkeit
wurde ferner bejaht, wo das (wache) Opfer während einer Massage zu sexuellen
Handlungen missbraucht wurde (BGE 133 IV 49 E. 7.2. und E. 7.4.; vgl. auch die
Urteile des Bundesgerichts 6B_140/2007 vom 30. Juli 2007 E. 5.2, 6B_128/2012
vom 21. Juni 2012).
3.4. Widerstandsunfähigkeit
3.4.1. Die Vorinstanz hat die massgeblichen Aussagen des Beschuldigten aus-
führlich wiedergegeben und ist mit überzeugenden Erwägungen zum Schluss
gekommen, dass der Beschuldigte bereits sexuelle Handlungen an der Privat-
klägerin vorgenommen hatte, bevor sie erwachte, mithin als sie noch am Schlafen
war (Urk. 35 S. 8-11). Diesen Erwägungen ist zuzustimmen. Es kann somit voll-
umfänglich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachstehenden
Ausführungen sind damit lediglich ergänzender und präzisierender Natur.
3.4.1.1. Anlässlich der ersten Einvernahme am Tag des Vorfalls (14. Oktober
2011) führte der Beschuldigte bei der Polizei klar und unmissverständlich aus,
dass die Privatklägerin geschlafen habe, als er sich zu ihr ins Bett gelegt und ihr
an die Brust und zwischen die Beine gefasst habe. Dann sei sie erwacht und
habe sogleich um sich geschlagen (Urk. 2/1/1 S. 6). Weiter gab er in dieser ersten
Einvernahme an, es sei richtig, dass er sie mit seinem Finger gestreichelt und
stimuliert habe. Er gebe auch zu, dass er mit seinem Finger in sie habe ein-
dringen wollen. So weit sei es aber nicht gekommen, da die Privatklägerin aufge-
wacht sei (Urk. 2/1/1 S. 7). Diese erste Aussage erfolgte unmittelbar nach dem
fraglichen Vorfall und wirkt sehr glaubhaft.
3.4.1.2. Im weiteren Verlauf der Untersuchung schwächte der Beschuldigte aller-
dings die bereits gemachten Aussagen vor der Polizei kontinuierlich ab. So mach-
te er in der zweiten Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft am 6. Juni 2012
geltend, die Privatklägerin hätte spätestens dann erwachen müssen, als er zu ihr
ins Bett gestiegen sei. Er würde erwachen, wenn sich jemand in sein Bett legen
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würde (Urk. 2/1/2 S. 3). Auf die Frage, ob die Privatklägerin erwacht sei, als er ins
Bett gestiegen sei oder als er sie berührt habe, erklärte der Beschuldigte:
"Das zweite" (Urk. 2/1/2 S. 8). Dass die Privatklägerin aber tatsächlich wach
gewesen sei, stellte er indes nicht explizit fest. Angesichts der zuvor bei der
Polizei gemachten klaren Aussagen wirkt diese neue Behauptung konstruiert und
ist als blosse Schutzbehauptung zu würdigen, was die Vorinstanz zu Recht fest-
stellte (Urk. 35 S. 9 f.). Der Beschuldigte wusste beim Betreten des Zimmers der
Privatklägerin, dass es mitten in der Nacht war, dass sie schlief und dass sie
zuvor (mit ihm) Alkohol getrunken hatte. Somit konnte er nicht einfach davon aus-
gehen, dass sie allein durch das ins Bett Steigen des Beschuldigten zwingend
aufwachen würde.
3.4.1.3. Eine noch weiter abgeschwächte Version gab der Beschuldigte schliess-
lich anlässlich der Berufungsverhandlung an. So führte er aus, die Privatklägerin
habe es wahrgenommen, als er über sie gestiegen sei und sie zu streicheln be-
gonnen habe (Urk. 58 S. 4), bzw. sie sei dann erwacht, als er über sie gestiegen
sei und er begonnen habe, sie zu berühren (Urk. 58 S. 6). Er habe die Beschul-
digte aber nicht geweckt, indem er beispielsweise an der Tür geklopft oder sie zu-
erst angesprochen habe (Urk. 58 S. 7). Aus welchen Umständen der Beschuldigte
hätte schiessen können, dass die Privatklägerin tatsächlich wach gewesen sei
bzw. sie bewusst wahrgenommen habe, dass er über sie ins Bett gestiegen ist,
machte der Beschuldigte indessen nicht geltend und ist auch nicht ersichtlich.
Wenn der Beschuldigte dies allein aus dem Umstand, dass die Privatklägerin
nichts dagegen gehabt habe, als er sie gestreichelt habe (Urk. 58 S. 4), bzw. dass
sie auf seine intimen Berührungen mit Stöhnen und tiefem Atmen reagiert habe
(Urk. 58 S. 5; vgl. ebenso die Verteidigung, Urk. 59 S. 6), ableiten will, kann dem
nicht gefolgt werden. Es entspricht dem Wesen eines sexuellen Übergriffs bei
einem schlafenden Opfer, dass dieses die sexuellen Handlungen nicht bewusst
wahrnehmen kann. Somit ist es naheliegend, dass das schlafende Opfer ent-
weder gar nicht oder dann unbewusst auf die sexuellen Handlungen reagiert.
Selbst wenn die Privatklägerin aufgrund der sexuellen Handlungen des Beschul-
digten lauter zu atmen und zu stöhnen begonnen hätte, liesse sich daraus weder
schliessen, dass die Privatklägerin erwacht sei, noch dass sie sein Handeln
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toleriere. Auch in diesem Punkt erscheint die spätere Aussage des Beschuldigten
als reine Schutzbehauptung, während seine ursprüngliche Aussage, die Privat-
klägerin habe während seiner Handlungen geschlafen und sich nach dem
Erwachen sogleich gewehrt (Urk. 2/1/1 S. 6), viel realistischer wirkt.
3.4.1.4. Sodann ergibt sich auch aus den Aussagen der Privatklägerin, dass
bereits erste sexuelle Handlungen stattgefunden haben, als sie noch am Schlafen
war. So führte sie in der ersten Einvernahme bei der Polizei aus, sie sei dann ins
Bett gegangen und eingeschlafen. Sie sei dann erwacht und habe gedacht, ihr
Freund sei jetzt da. Sie habe eine Umarmung gespürt und dass sie jemand
anfasse (Urk. 2/2/1 S. 9). Auf die Frage, wieso sie erwacht sei, gab die Privat-
klägerin an, sie habe das Gefühl gehabt, dass sexuell etwas abgehe. Sie habe
gespürt, dass sie unten jemand anfasse (Urk. 2/2/1 S. 10). Ebenso führte die
Privatklägerin in der zweiten Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft aus, sie sei
schlafen gegangen und an das Nächste, woran sie sich erinnern könne, sei, dass
sie aufgewacht sei und gemerkt habe, dass sie nicht alleine sei (Urk. 2/2/2 S. 5).
Sie habe nicht gemerkt, dass der Beschuldigte in ihr Bett gestiegen sei und sich
neben sie gelegt habe. Sie sei erst erwacht, als sie gemerkt habe, dass jemand
hinter ihr liege. Sie habe dann realisiert, dass fremde Hände unter ihrem T-Shirt
gewesen seien (Urk. 2/2/2 S. 10). Die Privatklägerin führte somit klar, konstant
und nachvollziehbar aus, dass sie erst dann erwachte, als der Beschuldigte
bereits bei ihr im Bett lag und sie berührte. Entsprechend kann daraus kein
anderer Schluss gezogen werden, als dass der Beschuldigte - entgegen den Aus-
führungen der Verteidigung (Urk. 59 S. 2-3) - bereits sexuelle Handlungen an der
Privatklägerin vornahm, als diese noch am Schlafen war.
3.4.1.5. Wenn die Verteidigung aus den Aussagen der Privatklägerin, in welchen
sie die sexuellen Handlungen des Beschuldigten beschreibt, zu schliessen ver-
sucht, dass sie während sämtlichen Handlungen des Beschuldigten wach
gewesen sein soll (Urk. 59 S. 3), so verkennt sie, dass die Privatklägerin - wie
vorstehend erwähnt - klar, konstant und unmissverständlich aussagte, dass sie
eben erst dann erwachte, als sie die Berührungen des Beschuldigten wahr-
genommen hat. Folglich musste der Beschuldigte die Privatklägerin bereits
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berührt bzw. gestreichelt haben, als diese noch schlief. Die Verteidigung macht
sodann geltend, dass identische Aussagen der Parteien vorlägen (Urk. 59 S. 3-4).
Dies stimmt allerdings nur in Bezug auf die erste Einvernahme des Beschuldigten,
in welcher er - wie dargelegt - ausführte, die Privatklägerin habe geschlafen, als
er sich zu ihr ins Bett gelegt und ihr an die Brust und zwischen die Beine gefasst
habe. Da der Beschuldigte in den weiteren Einvernahmen aber diese Darstellung
abschwächte, liegen gerade keine identische Aussagen der Parteien mehr vor.
Und wenn die Verteidigung schliesslich ausführt, der Beschuldigte habe nicht
ansatzweise das Gefühl gehabt, er habe etwas Unrechtes getan, er habe kein
Unrechtbewusstsein, da er davon ausgegangen sei, der Sex sei einvernehmlich
gewesen (Urk. 59 S. 9), so wird übersehen, dass der Beschuldigte in seiner
ersten Einvernahme Reue und Einsicht bekundete. So gab er auf die Frage, wie
er sein Verhalten bezeichnen würde, klar und unmissverständlich an: "Ich bereue
es. Es tut mir leid. Es ist mir klar, dass dies falsch von mir war" (Urk. 2/1/1 S. 7).
Und weiter fügte er an: "Es tut mir leid" (Urk. 2/1/1 S. 7). Damit kann - entgegen
der Verteidigung - ohne Weiteres von einem Unrechtbewusstsein des Beschuldig-
ten gesprochen werden.
3.4.1.6. Es steht damit zweifelsfrei fest, dass die Privatklägerin schlief und damit
widerstandsunfähig im Sinne von Art. 191 StGB war, als der Beschuldigte die
ersten sexuellen Handlungen an ihr vornahm. Weder die Aussagen des Beschul-
digten noch die Ausführungen der Verteidigung vermögen diesen Schluss in
Zweifel zu ziehen.
3.4.1.7. Die Vorinstanz hat allerdings offen gelassen, wie lange der Beschuldigte
an der schlafenden und damit widerstandsunfähigen Privatklägerin sexuelle
Handlungen vornahm, bis diese erwachte (vgl. Urk. 35 S. 7-13). Die Zeitdauer
dieser Handlungen ist aber im Hinblick auf die Strafzumessung für die Beurteilung
der objektiven Tatschwere massgeblich. Entsprechend ist nachstehend zu prüfen,
wie lange der Beschuldigte die Privatklägerin sexuell berührte, bis diese erwachte
und diese Handlungen wahrnahm.
Die Privatkläger führte hierzu in der ersten Einvernahme bei der Polizei aus, sie
sei erwacht und habe gedacht, ihr Freund sei jetzt da. Sie habe eine Umarmung
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gespürt und dass sie jemand anfasse. Es sei dann relativ intim geworden
(Urk. 2/2/1 S. 9). Auf die Frage, wieso sie erwacht sei, führte die Privatklägerin
aus, sie habe das Gefühl gehabt, dass sexuell etwas abgehe. Sie habe gespürt,
dass jemand sie unten, zwischen den Beinen, also an der Scheide, anfasse
(Urk. 2/2/1 S. 10). Ebenso schilderte die Privatklägerin in der zweiten Einvernah-
me vor der Staatsanwaltschaft, sie sei aufgewacht und habe gemerkt, dass sie
nicht alleine sei. Im ersten Moment, das heisst in der ersten Sekunde, habe sie
gedacht, ihr Freund sei gekommen. Plötzlich seien da Hände gewesen, die sie
berührt hätten. Sie habe dann gewusst, dass es nicht ihr Freund sein könne, da
dieser sie nie an solch intimen Orten anfassen würde, wenn sie schlafe. Sie habe
dann zunächst nicht gewusst, was sie tun solle und sei schockiert gewesen. Im
ersten Moment habe sie dann versucht, sich im Bett zu wehren, habe sich abge-
wendet und mit den Beinen um sich geschlagen; der Beschuldigte habe aber ein-
fach nicht aufgehört. Die Hand sei immer wieder unter die Decke gekommen und
habe sie zurückgedrückt (Urk. 2/2/2 S. 5).
Der Beschuldigte seinerseits legte in der polizeilichen Einvernahme am Tattag
dar, er habe der - noch immer schlafenden - Privatklägerin mit seiner rechten
Hand an die rechte Brust und danach zwischen ihre Beine gefasst. Dies habe er
von vorne wie auch von hinten gemacht. Er habe sie ca. eine Minute lang auf
der Unterhose bei ihrer Vagina gestreichelt. Dann sei sie erwacht und habe so-
gleich um sich geschlagen (Urk. 2/1/1 S. 6). In der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 6. Juni 2012 sagte der Beschuldigte dann, er habe die Privat-
klägerin während ca. 3 bis 5 Minuten an der Brust angefasst (Urk. 2/1/2 S. 6) und
ca. 15 bis 20 Minuten zwischen den Beinen stimuliert (Urk. 2/1/2 S. 7). In der
Einvernahme vom 26. September 2012 (nach der Befragung des Freundes der
Privatklägerin als Zeuge) erklärte der Beschuldigte demgegenüber, er wisse nicht
mehr, wie lange er die Privatklägerin intim berührt habe (Urk. 2/1/4 S. 2).
Wie aus den vorstehend wiedergegebenen Aussagen des Beschuldigten ersicht-
lich ist, hat er die schlafende Privatklägerin zunächst an der Brust und hernach
zwischen den Beinen berührt. Diese Reihenfolge der Geschehnisse stimmt
damit insofern mit den Angaben der Privatklägerin überein, wonach sie nach dem
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Erwachen gespürt habe, dass jemand sie zwischen den Beinen anfasst habe.
Durchaus realistisch und mit sämtlichen Aussagen vereinbar ist, dass der
Beschuldigte die Privatklägerin zunächst während "ca. 3 bis 5 Minuten" an der
Brust angefasst hatte. Wenn der Beschuldigte sodann die Privatklägerin
"ca. 15 bis 20 Minuten" zwischen den Beinen stimuliert haben will, so beschlägt
das in Beachtung der Aussagen der Privatklägerin offensichtlich zu einem
grossen Teil die Zeit, in welcher die Privatklägerin bereits (halb-) wach war und
sich zu wehren begann. Aus diesem Grund ist vielmehr von seiner ersten hierzu
gemachten Angabe auszugehen, wonach er sie während "ca. einer Minute"
zwischen den Beinen stimuliert hat und dann merkte, dass sie aufwachte und sich
wehrte.
Zusammengefasst kann damit festgehalten werden, dass der Beschuldigte die
Privatklägerin während knapp fünf Minuten an der Brust und zwischen den Beinen
sexuell berührte, bis sie aufwachte und diese Handlungen wahrnahm.
3.4.2. Der Beschuldigte setzte sodann die sexuellen Handlungen fort, nachdem
die Privatklägerin erwacht war und die Berührungen bemerkt hatte. Dies hat die
Vorinstanz als nicht weiter beachtlich qualifiziert, da zu diesem Zeitpunkt der Tat-
bestand der Schändung bereits erfüllt gewesen sei (Urk. 35 S. 15; vgl. ebenso die
Staatsanwaltschaft, Urk. 60 S. 3-4). Dieser Auffassung kann so nicht gefolgt
werden. Da die Privatklägerin geltend macht, sie hätte nach dem Aufwachen
gedacht, ihr Freund liege neben ihr im Bett (Urk. 2/2/1 S. 9), stellt sich die Frage,
ob die Widerstandsunfähigkeit der Privatklägerin nach ihrem Aufwachen noch
fortbestand. Diese Frage ist deshalb relevant, da sich die Dauer der Schändung
- wie bereits ausgeführt - auf das Verschulden und damit die Strafe auswirkt.
Es ist somit zu prüfen, ob und gegebenenfalls wie lange die Privatklägerin auch
nach ihrem Erwachen widerstandsunfähig im Sinne von Art. 191 StGB war.
3.4.2.1. Die Privatklägerin gab in der polizeilichen Einvernahme an, sie habe, als
sie erwacht sei, zuerst gedacht, es sei ihr Freund, der neben ihr im Bett liege und
sie intim angefasst habe. Doch ihr Freund würde sie aber nie so anfassen, wenn
sie im Bett schlafe. "Die Berührungen waren fordernd, sexuell, beängstigend. Ein
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komisches Gefühl hat mich überfallen, etwas war hier ganz falsch. Ich nahm mein
Handy und leuchtet zum vermeintlichen Freund rüber. Mein Freund würde mich
nie so anfassen. Er kam immer wieder unter mein T-Shirt, unter meine Unterhose.
Ich habe dann einen Finger gespürt und ich wusste, dass dies falsch sei"
(Urk. 2/2/1 S. 9). Erwacht sei sie, weil sie das Gefühl gehabt habe, dass sexuell
etwas abgehe. Sie habe gespürt, dass sie unten jemand anfasse (Urk. 2/2/1
S. 10). Sie habe deshalb die Decke genommen und um sich gewickelt. Er habe
aber die Decke wieder weggezerrt und ihr wieder in die Hose gefasst. Da habe
sie sich gedacht, dass das definitiv nicht ihr Freund sein könne. Er habe die
Decke zwei- oder dreimal weggerissen (Urk. 2/2/1 S. 11). "In der ersten Sekunde"
habe ihr Körper schon auf die Stimulation reagiert, weil sie geglaubt habe, dass
es ihr Freund sei. Dann habe sie aber heftig reagiert und ihn immer wieder weg-
gedrückt, weil er weiter "herumgefingerlet" und immer wieder versucht habe,
zwischen ihre Beine zu gelangen, wo er versucht habe, sie zu stimulieren und
herumgerieben habe "wie ein Wilder" (Urk. 2/2/1 S. 11-12). Auf Nachfrage
schilderte die Privatklägerin dann nochmals, wie sie sich gewehrt habe: "Im ersten
Moment rollte ich mich ab und nahm die Decke und rollte mich darin ein. Ich halte
sie dann auch fest. Er riss die Decke richtiggehend von mir. Ich nahm die Decke
wieder und schlang sie schützend um mich. Ich fing auch an mit meinen Beinen
wie auszuschlagen". Als sie es dann "richtig gecheckt" habe, habe sie ihn ange-
schrien (Urk. 2/2/1 S. 13). Sehr authentisch und absolut nachvollziehbar schilder-
te die Privatklägerin weiter ihre Gefühle: "Es ist unbeschreiblich, es sind so viele
Gefühle. Ich bin erwacht, Schockzustand, dann gelähmt, nicht gewusst wie
wehren, ausgenützt blossgestellt, eine Art verkauft, gezwungen zu etwas. Dann
ein riesen Hass und Wut; nein nicht mit mir. Dann kam eine Hilflosigkeit, was
mache ich jetzt. Dann muss ich das Ungeheuer weg bringen. Irgendwie ist da
auch Scham, dass es überhaupt jemand schafft, einen so anzufassen" (Urk. 2/2/1
S. 14).
Diese Aussagen bestätigte die Privatklägerin in der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme weitgehend deckungsgleich. Sie wiederholte, dass sie "in der ersten
Sekunde" gedacht habe, ihr Freund sei gekommen. An den Händen und am
Vorgehen habe sie aber gemerkt, dass er es nicht war ("Es hat sich total falsch
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angefühlt. Mein Freund würde mich nie an solch intimen Orten anfassen, wenn
ich schlafe"). Sie habe dann zunächst nicht gewusst, was sie tun solle und sei
schockiert gewesen. Im ersten Moment habe sie dann versucht, sich im Bett zu
wehren, habe sich abgewendet und mit den Beinen um sich geschlagen; der
Beschuldigte habe aber einfach nicht aufgehört. Die Hand sei immer wieder unter
die Decke gekommen und habe sie zurückgedrückt (Urk. 2/2/2 S. 5). Sie wisse
nicht, wie lange das gedauert habe; gefühlsmässig habe es ewig gedauert. Sie
habe einfach dagelegen und nicht gewusst, wie sie sich wehren solle. Dann
hätten sich aber ihre Gefühle von Scham und Hilflosigkeit in eine Wut umge-
wandelt (Urk. 2/2/2 S. 6). Auch hier wiederholte die Privatklägerin, dass der
Beschuldigte versucht habe, ihr mit seiner Hand zwischen die Beine zu greifen
und mit seinen Fingern einzudringen, obwohl sie sich gewehrt habe. Auf die
Frage, weshalb sie sich nicht sofort gewehrt habe, erklärte die Privatklägerin, sie
habe erstens sehr tief geschlafen und zweitens eine gewisse Zeit gebraucht, um
zu realisieren, dass es sich nicht um ihren Freund gehandelt habe. Sie habe
schon gespürt, dass es nicht ihr Freund sein konnte, da sie dieser nicht derart
anfasse. Sie habe es aber zuerst nicht begriffen, da sie auch gedacht habe, es
könne nicht sein und sei absurd (Urk. 2/2/2 S. 10). Sie wiederholte, das Gefühl
gehabt zu haben, ewig so dagelegen zu haben; sie habe sich nicht früher wehren
können, sei schockiert und wie gelähmt gewesen. Sie habe sich versteift, wohl
aus Angst auch intensiver geatmet und versucht, sich abzuschotten und die
Decke um sich zu ziehen, damit der Beschuldigten nicht mehr so nahe war
(Urk. 2/2/2 S. 11). Auf Nachfrage der Verteidigung wiederholte die Privatklägerin,
dass sie "innert ein paar Sekunden" gemerkt habe, dass es sich nicht um ihren
Freund gehandelt habe, als sie berührt worden sei (Urk. 2/2/2 S. 13).
3.4.2.2. Der Beschuldigte gab hierzu in der ersten Einvernahme zu Protokoll, dass
die Privatklägerin - nachdem er sie auf der Unterhose bei ihrer Vagina gestreichelt
habe - erwacht sei und sogleich um sich geschlagen habe (Urk. 2/1/1 S. 6).
Anlässlich der zweiten Einvernahme meinte er sodann, er habe gemerkt, dass sie
auf seine Berührungen mit "Schnaufen" reagiert habe. Ab diesem Moment sei ihm
klar gewesen, dass sie das auch wolle. Mit Schrecken habe er festgestellt, dass
sie plötzlich um sich geschlagen bzw. herumgeschrien habe (Urk. 2/1/2 S. 3-4).
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Er nehme an, sie sei darüber erschrocken, dass sie ihn mit ihrem Freund ver-
wechselt habe (Urk. 2/1/2 S. 8). Auf Ergänzungsfrage des Verteidigers bestätigte
er die Aussagen der Privatklägerin, wonach sie sich versteift und deshalb ver-
sucht habe, die Decke um sich zu winden. Dieses Verhalten der Privatklägerin
habe er aber nicht als "Nein" verstehen müssen, denn sonst hätte sie ja etwas
gesagt (Urk. 2/1/2 S. 12). Anlässlich der Hauptverhandlung meinte der Beschul-
digte hierzu sogar, er habe gemeint, dieses Verhalten der Privatklägerin (das Ver-
steifen und der Versuch, die Decke um sich zu winden) gehöre dazu (Urk. 22
S. 7).
3.4.2.3. Die Aussagen der Privatklägerin sind übereinstimmend, plausibel und
wirken erlebt. Demgegenüber vermögen die - teilweise widersprüchlichen und
insbesondere im Laufe des Verfahrens immer mehr abgeschwächten - Ausfüh-
rungen des Beschuldigten die Schilderungen der Privatklägerin nicht in Zweifel zu
ziehen. Vielmehr bestätigte er selber, dass die Privatklägerin sich zu wehren
begonnen habe, dass sie sich versteift und versucht habe, die Decke um sich zu
winden.
3.4.2.4. Es ist somit - gestützt auf die Aussagen der Privatklägerin - davon auszu-
gehen, dass die Privatklägerin nach dem Erwachen im ersten Moment meinte, ihr
Freund liege neben ihr im Bett und berühre bzw. streichle sie. Aufgrund der
konkreten Berührungen hat sie allerdings bereits "innert ein paar Sekunden"
gemerkt, dass es nicht ihr Freund ist, weshalb sie sich zu wehren begann, wenn
auch zunächst in einem etwas eingeschränkt wachen Zustand (versteifen, weg-
drehen, Decke um sich ziehen, wegdrücken, mit den Beinen um sich schlagen)
und zuerst nicht erfolgreich, weil sich der Beschuldigte über ihren Widerstand
hinwegsetzte ("Ich habe gedacht, das gehöre dazu", Urk. 22 S. 7) und er weiter-
hin versuchte, der Privatklägerin zwischen die Beine zu greifen und ihr auch die
Decke mehrmals wegzog.
3.4.2.5. Die Privatklägerin befand sich während des Erwachens bis zum Zeit-
punkt, als sie realisierte, dass nicht ihr Freund neben ihr lag, in einer Situation, die
mit der Konstellation in BGE 119 IV 230 vergleichbar ist. Sie wurde durch die
Handlungen des Beschuldigten mitten in der Nacht allmählich wach und befand
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sich damit in einem schläfrigen Zustand. Zudem war sie am fraglichen Abend
alkoholisiert, was vom Beschuldigten selbst bemerkt wurde. So führte er aus, die
Privatklägerin sei "ebenfalls ein wenig betrunken" gewesen. Das habe er bemerkt,
weil sie aus dem Mund nach Alkohol gerochen habe "und wie sie herumlief"
(Urk. 2/1/2 S. 13). Und schliesslich befand sich die Privatklägerin in einer
Situation, in der sie nicht damit rechnen musste, von einem Fremden sexuell
angegangen zu werden. Entsprechend ging sie im ersten Moment von der irrigen
Annahme aus, ihr Freund, den sie zu dieser Zeit auch tatsächlich erwartete, liege
neben ihr und berühre bzw. streichle sie.
Die Schläfrigkeit, die Alkoholisierung sowie der Irrtum in Bezug auf die Person
des Täters haben - insbesondere aufgrund der Summierung all dieser Faktoren
- die Widerstandsfähigkeit der Privatklägerin - entgegen der Verteidigung (Urk. 59
S. 10-13) - vollumfänglich aufgehoben. Damit war sie während diese Zeitspanne -
mithin für "ein paar Sekunden" - noch immer widerstandsunfähig im Sinne von
Art. 191 StGB.
3.4.2.6. Nachdem die Privatklägerin aber realisiert hatte, dass nicht ihr Freund
neben ihr liegt und sie berührt, begann sie sich - wie bereits dargelegt - gegen
diese Berührungen zu wehren. Auch wenn diese Abwehrhandlungen zunächst
aufgrund des wohl immer noch schläfrigen Zustands nicht wirkungsvoll waren
bzw. sich der Beschuldigte über diesen Widerstand hinwegsetzen konnte, kann
ab diesem Zeitpunkt nicht mehr von einer vollumfänglichen Aufhebung der Wider-
standsfähigkeit und damit von einer Widerstandsunfähigkeit im Sinne von Art. 191
StGB ausgegangen werden.
Ob das Verhalten des Beschuldigten ab dem Zeitpunkt, als die Privatklägerin
bemerkt hatte, dass nicht ihr Freund bei ihr im Bett lag, gegebenenfalls unter
einen anderen Tatbestand (insbesondere denjenigen der sexuellen Belästigung
gemäss Art. 198 StGB) fällt, kann vorliegend bereits aus prozessrechtlichen
Gründen (Verbot der reformatio in peius) offen gelassen werden.
- 20 -
3.5. Keine Einwilligung
3.5.1. Den Aussagen des Beschuldigten in der ersten Einvernahme vom
14. Oktober 2011 lässt sich entnehmen, dass ihm von Anfang an bewusst war,
dass sexuelle Kontakte von der Privatklägerin nicht erwünscht waren. So führte er
hierzu aus: "Sie sagte mir vorgängig klar, dass zwischen uns nichts sein werde,
da sie in einer Beziehung stehe (Urk. 2/1/1 S. 4)." Auf die Frage, ob er sich insge-
heim erhofft habe, die Privatklägerin werde ihre Meinung ändern und sich mit ihm
vergnügen, erklärte er: "Nein, solche Gedanken hatte ich nicht. Es war für mich
klar, dass ich zu ihr übernachten gehe. Mehr nicht (Urk. 2/1/1 S. 5)." Spätere
Andeutungen der Privatklägerin, die er als Meinungsänderung interpretiert hätte
oder hätte interpretieren können, brachte er in dieser ersten Einvernahme nicht
vor. Das Ausziehen der Privatklägerin vor ihm stand nach seinen Schilderungen
offenkundig im Zusammenhang mit ihrem Zubettgehen bzw. Umziehen und nicht
mit einem Annäherungsversuch. Auch der in späteren Einvernahmen vorgebrach-
te Klaps der Privatklägerin auf seinen Po oder annähernde Berührungen in der
Bar wurden von ihm in jener ersten Einvernahme nicht erwähnt. Gemäss seiner
Schilderung wollte er die Privatklägerin zum sexuellen Kontakt umstimmen, ohne
dass diese ihm zuvor Andeutungen gemacht hätte, dies zu wünschen (vgl.
Urk. 2/1/1 S. 5 f.). Diese Sachdarstellung fügt sich widerspruchsfrei in die
Beschreibung des Vorfalls durch die Privatklägerin (vgl. Urk. 2/2/1 S. 6 ff.,
Urk. 2/2/2 S. 4 ff.).
3.5.2. Im Verlauf der Untersuchung änderte der Beschuldigte seine Aussagen und
stellte sich in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 6. Juni 2013 auf den
Standpunkt, nicht die Privatklägerin, sondern er sei das Opfer, und sie habe ihn
getäuscht (Urk. 2/1/2 S. 2). Sie habe ihm durch das Umziehen vor ihm sexuelle
Avancen gemacht und diese durch den Klaps auf den Hintern verstärkt (Urk. 2/1/2
S. 3; ebenso Urk. 2/1/3 S. 2). In der Folge gab er sodann an, sie habe ihm ange-
boten, dass er zu ihr ins Zimmer kommen könne, wenn irgend etwas wäre
(Urk. 2/1/3 S. 2) bzw. wenn er nicht schlafen könne (Urk. 22 S. 4). Diese ent-
lastenden Ausführungen sind als blosse Schutzbehauptungen zu werten. Wenn
ihm die Privatklägerin tatsächlich sexuelle Avancen gemacht haben sollte, wäre
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wohl davon auszugehen, dass der Beschuldigte bereits in der ersten Einvernah-
me ein derartiges Verhalten der Privatklägerin erwähnt hätte, um seine Handlun-
gen zu rechtfertigen. Dies hat er aber - wie gesehen - gerade nicht getan.
3.5.3. Beim Umziehen stand die Privatklägerin gemäss den Aussagen des
Beschuldigten mit dem Rücken zu ihm. Sie sah nicht, dass er ihr dabei zusah. Als
Begründung, weshalb er von einem bewussten Ausziehen vor ihm ausgegangen
sei, führte der Beschuldigte aus, "man" merke das einfach und fühle sich
beobachtet (Urk. 2/1/2 S. 11). Dem ist zu widersprechen. Das Verhalten der
Privatklägerin war unverkennbar weder als Annäherungsversuch beabsichtigt,
noch konnte es als solcher verstanden werden. Offenkundig wechselte die Privat-
klägerin lediglich ihre Kleider für das Zubettgehen. Dass "man" schliesslich ohne
Weiteres bemerken soll, wenn jemand einem beim Umziehen von hinten zusieht,
kann schliesslich nicht - insbesondere nicht in dieser Absolutheit - im Ernst
behauptet werden.
3.5.4. Auch dass die Privatklägerin ihm einen Klaps auf den Po gegeben haben
soll, der als sexuelle Avance hätte gedeutet werden können, erscheint unglaub-
haft, nachdem die Privatklägerin dem Beschuldigten gegenüber - gemäss seiner
eigenen Darstellung - im Vorfeld klar ausdrückte, dass keine sexuellen Kontakte
stattfinden würden, mehrfach ihren Freund erwähnte und den Beschuldigten in
einem separaten Zimmer unterbrachte.
3.5.5. Sodann erfolgte die erwähnte Einladung der Privatklägern, er könne zu ihr
ins Zimmer kommen, wenn irgend etwas wäre (Urk. 2/1/3 S. 2) bzw. wenn er nicht
schlafen könne (Urk. 22 S. 4), offenkundig erst in Anpassung an die Aussagen
der Privatklägerin, welche im Rahmen der polizeilichen Einvernahme vom
14. Oktober 2011 erklärt hatte, sie habe eine gute Gastgeberin sein wollen und zu
ihm gesagt habe, wenn er nicht schlafen könne, könne er sie wecken, also fürs
Reden (Urk 2/2/1 S. 9). Unter diesen Umständen ist zwar erstellt, dass die Privat-
klägerin die genannte Aussage machte. Dass dabei eine Einladung zu sexuellen
Handlungen gemeint war, erscheint im geschilderten Kontext jedoch abwegig und
wurde auch vom Beschuldigten nicht in dieser Weise verstanden, zumal er
andernfalls bereits in der ersten Einvernahme davon berichtet hätte.
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3.5.6. Wie erwähnt trifft den Beschuldigten im Bereich der rechtfertigenden Tat-
sachen eine gewisse Beweislast. Demzufolge kann aus der Unschuldsvermutung
nicht abgeleitet werden, dass zu Gunsten des Beschuldigten von seiner späteren
Sachverhaltsdarstellung auszugehen ist. Vielmehr ist zu prüfen, ob diese Version
insgesamt plausibel ist und ihr eine gewisse Überzeugungskraft zukommt. Dies ist
vorliegend nicht der Fall. Die im späteren Verlauf des Verfahrens geschilderten
Beteuerungen des Beschuldigten wirken - wie gezeigt - konstruiert und lebens-
fremd. Demgegenüber erscheint der vom Beschuldigten bei der Polizei geschil-
derte Geschehensablauf, welcher keine Hinweise auf eine Einwilligung oder ein
widersprüchliches Verhalten der Privatklägerin beinhaltet, glaubhaft und realitäts-
nah. Diese Aussage erfolgte unmittelbar nach dem Vorfall, also zu einem Zeit-
punkt, zu welchem die Erinnerung noch frisch war, womit dieser Aussage beson-
dere Glaubhaftigkeit zukommt. Da der Beschuldigte dabei keinerlei Andeutungen
oder Hinweise machte, wonach die Privatklägerin ihm widersprüchliche Signale
gesendet habe, erscheint die anderslautende Behauptung des Beschuldigten
unglaubhaft und ist - wie erwähnt - als reine Schutzbehauptung zu würdigen.
3.5.7. Es ist somit festzuhalten, dass die Privatklägerin keine sexuellen Avancen
oder entsprechende Andeutungen machte, woraus der Beschuldigte hätte
schliessen können, dass sie sexuelle Handlungen mit ihm wünscht. Folglich liegt
keine vorgängige Einwilligung in die inkriminierten Berührungen vor. Sodann ist
zu berücksichtigen, dass die Privatklägerin während den ersten sexuellen Berüh-
rungen schlief. Folglich konnte die Privatklägerin in dieser Zeit keine Einwilligung
in die inkriminierten Berührungen geben. Schliesslich hat die Privatklägerin,
nachdem sie erwachte, für "ein paar Sekunden" in diese Handlungen des
Beschuldigten eingewilligt bzw. sich zumindest nicht dagegen gewehrt. Dass sie
in diese Handlungen einwilligte bzw. sich dagegen nicht wehrte, geschah aller-
dings nur in der Annahme, der Beschuldigte sei ihr Freund. Eine allfällige Einwilli-
gung der Privatklägerin während dieser Zeit schliesst damit den Tatbestand von
Art. 191 StGB nicht aus (vgl. BGE 119 IV 230 E. 3a).
- 23 -
3.6. Subjektiver Tatbestand
3.6.1. In Bezug auf den subjektiven Tatbestand kann vorab vollumfänglich auf die
ausführlichen und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 35 S. 13-15; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend und präzisierend ist folgendes
anzumerken:
3.6.2. Wie vorstehend ausgeführt, wusste der Beschuldigte, dass die Privat-
klägerin schlief als er über sie ins Bett stieg und an ihr die ersten sexuellen Hand-
lungen vornahm. Dem Beschuldigten war bewusst, dass er mit seinen Handlun-
gen gegen den zuvor unmissverständlich erklärten Willen der Privatklägerin
verstiess. Den wehrlosen Zustand der Privatklägerin hat der Beschuldigte - mit
der Staatsanwaltschaft (Urk. 60 S. 3) - gezielt ausgenutzt, um an ihr sexuelle
Handlungen vornehmen zu können (so hatte der Beschuldigte nicht - wie er dies
bereits zuvor gemacht hatte - zuerst an der Tür geklopft, Urk. 2/2/2 S. 5, bzw. die
Privatklägerin geweckt, Urk. 58 S. 7, sondern "schlich sich langsam in ihr dunkles
Zimmer hinein", um sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen, Urk. 2/1/1 S. 6).
Der Beschuldigte hat somit während der Dauer, als die Privatklägerin schlief,
vorsätzlich gehandelt und damit den subjektiven Tatbestand von Art. 191 StGB
erfüllt.
Da der Beschuldigte wusste, dass die Privatklägerin nicht vorgängig in seine
sexuellen Handlungen eingewilligt hatte und dass sie während des Schlafens in
diese Handlungen nicht einwilligen konnte, kann folglich auch kein Sach-
verhaltsirrtum im Sinne von Art. 13 StGB für die Zeitdauer, als die Privatklägerin
schlief, angenommen werden.
3.6.3. Dem Beschuldigten musste sodann bewusst gewesen sein, dass sich
die Privatklägerin, nachdem sie mitten in der Nacht aufgrund seiner sexuellen
Berührungen erwachte, in einem schläfrigen Zustand befand und sie durch
den gemeinsamen Alkoholkonsum noch immer alkoholisiert war. Entsprechend
musste er zumindest damit rechnen, dass es der Privatklägerin nach dem Auf-
wachen nicht sogleich möglich sein wird, die gesamte Situation korrekt zu erfas-
sen. Folglich nahm er zumindest in Kauf, dass sich die Privatklägerin auch kurz
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nach dem Aufwachen, mithin während der Zeit, als sie meinte, ihr Freund liege
neben ihr im Bett und berühre sie, nicht in der Lage war, sich gegen seine sexuel-
len Handlungen zu wehren. Der Beschuldigte hat damit während der Zeitdauer,
als die Privatklägerin erwachte und meinte, ihr Freund liege neben ihr, eventual-
vorsätzlich gehandelt und damit gleichwohl den subjektiven Tatbestand von
Art. 191 StGB erfüllt.
Wie dargelegt, hatte die Privatklägerin keine sexuellen Avancen oder ent-
sprechende Bemerkungen gemacht, wonach der Beschuldigte hätte schliessen
können, dass sie mit den sexuellen Handlungen einverstanden wäre. Vielmehr
war dem Beschuldigten aufgrund der Äusserungen und des Verhaltens der Pri-
vatklägerin klar, dass sie keine solche Handlungen wünschte. Entsprechend
konnte der Beschuldigte auch nicht ohne Weiteres mit einer solchen Einwilligung
rechnen, als diese durch seine Berührungen aufwachte und sich nicht sogleich
dagegen zu wehren begann. Damit ist auch während dieser Zeitdauer, kurz nach-
dem die Privatklägerin aufwachte und sich in der Person des neben ihr liegenden
Mannes irrte, ein Sachverhaltsirrtum gemäss Art. 13 StGB ausgeschlossen.
3.7. Fazit
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte in Bezug auf die
sexuellen Berührungen der Privatklägerin während des Schlafens (während
knapp fünf Minuten) sowie nachdem diese erwacht war und sich in der Person
des Beschuldigten geirrt hatte (während ein paar Sekunden) der Schändung im
Sinne von Art. 191 StGB schuldig machte.
4. Strafzumessung
4.1. Die Vorinstanz benannte in ihrem Entscheid den korrekten Strafrahmen
und führte die nötigen theoretischen Strafzumessungskriterien auf (vgl. Urk. 35
S. 15 f., Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.2. Sie hat die objektive Tatschwere im Hinblick auf das weite Spektrum der
möglichen Tathandlungen im Rahmen des Tatbestands der Schändung gemäss
Art. 191 StGB im noch eher geringen Bereich angesiedelt (Urk. 35 S. 17), welcher
- 25 -
Einschätzung zuzustimmen ist. Die Handlungen des Beschuldigten stellen einen
empfindlichen Angriff auf die körperliche und psychische Integrität der Privat-
klägerin dar, weshalb dieses Ereignis - mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 60 S. 5) -
zweifelsohne als belastend empfunden wurde. Zu beachten ist aber dennoch,
dass die vorliegend zu berücksichtigenden Handlungen knapp fünf Minuten
dauerten. Zudem drang der Beschuldigte nicht mit dem Finger in die Scheide der
Privatklägerin ein.
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zunächst zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte zuerst mit direktem Vorsatz (während dem die Privatklägerin schlief)
und hernach zumindest mit Eventualvorsatz (nachdem die Privatklägerin erwacht
war und sich in der Person des Beschuldigten geirrt hatte) handelte. Sodann
führte die Vorinstanz aus, der Beschuldigte habe perfid und hinterhältig gehan-
delt. Dabei habe er sämtliche von der Privatklägerin zuvor gesetzte Grenzen aus-
ser Acht gelassen und ihr Vertrauen schamlos ausgenützt (Urk. 35 S. 18). Diesen
Erwägungen kann grundsätzlich zugestimmt werden. Indes kann dem Beschuldig-
ten - entgegen der Vorinstanz - nicht zugute gehalten werden, dass er sich gewis-
se Hoffnungen gemacht hatte und "zu der Tat hinreissen liess" (Urk. 35 S. 18).
Sein Handeln erfolgte mitten in der Nacht aus dem spontanen Bedürfnis, mit der
Privatklägerin sexuellen Kontakt zu haben, und damit nicht im Anschluss an ein
Vorverhalten, aufgrund dessen er sich hätte "hinreissen lassen" können. Es ist
zudem daran zu erinnern, dass dem Beschuldigten vorgängig unmissverständlich
klar gemacht wurde, dass es zu keinen sexuellen Handlungen kommen werde,
und er dies nach eigenen Angaben akzeptiert hatte. Seine Hoffnung, sie werde
ihre Meinung ändern, war somit unberechtigt, auch wenn er in gleichem Masse
alkoholisiert war, wie sie selbst (Urk. 2/2/1 S. 7).
4.3. Wenn die Vorinstanz das objektive und subjektive Tatverschulden als nicht
mehr leicht qualifiziert und hierfür eine Einsatzstrafe von 5 Monaten Freiheits-
strafe bzw. 150 Tagessätzen Geldstrafe festlegt (Urk. 35 S. 18), so erscheint dies
angemessen und ist zu übernehmen.
4.4. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persönli-
chen Verhältnisse aus den anlässlich der Untersuchung und der Hauptverhand-
- 26 -
lung gewonnenen Informationen des Beschuldigten korrekt aufgeführt, worauf zu
verweisen ist (Urk. 35 S. 18, Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung ergänzte der Beschuldigte, dass er im dritten Lehrjahr sei und aktuell
Fr. 1'200.– pro Monat verdiene. Er verfüge über ein Vermögen in Höhe von rund
Fr. 8'000.–. Er wohne noch bei seinen Eltern. Er sei ledig. Er habe eine Freundin,
mit der er aber nicht zusammen lebe (Urk. 58 S. 2).
4.4.1. Aus dem Vorleben und den persönlichen Verhältnissen ergeben sich keine
strafzumessungsrelevante Faktoren. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz
(Urk. 35 S. 18) sind die stabilen persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kein
Strafminderungsgrund.
4.4.2. Soweit die Vorinstanz dem Beschuldigten ein grundsätzliches Geständnis
attestiert, ist daran zu erinnern, dass die Berücksichtigung von Geständnissen im
Rahmen der Strafzumessung hauptsächlich auf zwei Gründen beruht. Zum einen
kann das Geständnis (vorbehältlich seiner kritischen Prüfung im Rahmen der
freien richterlichen Beweiswürdigung) zur Vereinfachung und Verkürzung des
Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen. Zum andern kann das Opfer
durch die Schuldanerkennung des Täters bereits eine gewisse immaterielle
Genugtuung erfahren. Bei umfangreichen und prozessentscheidenden Geständ-
nissen kann die Strafreduktion nach der bundesgerichtlichen Praxis daher bis zu
einem Drittel betragen (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Geständnisse sind ins-
besondere strafmindernd zu berücksichtigen, wenn sie Ausdruck von Einsicht und
Reue des Täters sind (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d; 118 IV 342 E. 2d).
Im vorliegenden Fall gestand der Beschuldigte den Vorfall zu Beginn der Unter-
suchung ein, widerrief jedoch Teile davon später und stellte sich selbst als Opfer
dar, welcher von der täuschenden Privatklägerin hereingelegt worden sei. Unter
diesen Umständen erscheint das Geständnis heute nicht mehr als Ausdruck von
Reue oder Einsicht ins Unrecht der Tat. Demgegenüber belastete sich der
Beschuldigte mit seinen offen geschilderten Vorgehen teilweise selbst erheblich,
zumal die Privatklägerin schlief bzw. zum Übergriff weniger detailliert Angaben
machen konnte. Dies vereinfachte das vorliegende Verfahren, weshalb es sich mit
der Vorinstanz rechtfertigt, das Geständnis strafmindernd zu berücksichtigen.
- 27 -
4.4.3. Die Vorstrafenlosigkeit ist strafzumessungsneutral zu werten (BGE 136 IV 1
E. 2.6.). Die Vorinstanz berücksichtigte die Erziehungsverfügung der Jugend-
anwaltschaft See / Oberland vom 12. August 2004 wegen einer Kollision mit
einem Fahrradfahrer zu Recht als nicht ins Gewicht fallend.
4.4.4. Die persönlichen Verhältnisse wirken sich damit insgesamt leicht straf-
mindernd gegenüber der objektiven und subjektiven Tatschwere aus.
4.5. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich
daher eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen als dem Verschulden und den per-
sönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen. Die von der Vorinstanz
ausgesprochene Strafe ist damit zu bestätigen.
4.6. Die Höhe des Tagessatzes ist angesichts der finanziellen Verhältnisse des
Beschuldigten auf Fr. 30.– festzusetzen. Hiervon gilt ein Tagessatz als durch
1 Tag Untersuchungshaft geleistet.
5. Strafvollzug
5.1. Der Vorinstanz ist hinsichtlich ihrer Erwägungen zum bedingten Vollzug
und zur Legalprognose beizupflichten (Urk. 35 S. 20, Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu
ergänzen bleibt, dass auch die aktuellen persönlichen Verhältnisse des Beschul-
digten den Schluss nicht zulassen, es liege eine ungünstige Prognose vor.
5.2. Mit der Vorinstanz ist die Geldstrafe bedingt auszufällen und die Probezeit
auf zwei Jahre festzusetzen.
6. Verbindungsbusse
6.1. Die Staatsanwaltschaft beantragt nebst der Ausfällung einer bedingten
Geldstrafe die Festsetzung einer Busse in Höhe von Fr. 500.– (Urk. 38 S. 2;
Urk. 60 S. 1, 8).
6.2. Gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB kann eine bedingte Strafe mit einer unbeding-
ten Geldstrafe oder mit einer Busse nach Art. 106 StGB verbunden werden.
Dadurch soll zum einen im Bereich der Massendelinquenz die Möglichkeit
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geschaffen werden, eine spürbare Sanktion zu verhängen. Die Bestimmung dient
in erster Linie dazu, die Schnittstellenproblematik zwischen der Busse (für Über-
tretungen) und der bedingten Geldstrafe (für Vergehen) zu entschärfen (Botschaft
2005 S. 4695, 4699 ff. und 4705 ff.). Auf Massendelikte, die im untersten Bereich
bloss mit Bussen geahndet werden, soll - auch - mit einer unbedingten Sanktion
reagiert werden können, wenn sie die Schwelle zum Vergehen überschreiten
(BGE 134 IV 75). Zum anderen trägt die unbedingte Verbindungsgeldstrafe bzw.
Busse dazu bei, das unter spezial- und generalpräventiven Gesichtspunkten eher
geringe Drohpotenzial der bedingten Geldstrafe zu erhöhen. Sie kommt gemäss
Bundesgericht insbesondere in Betracht, wenn dem Täter zusätzlich zur beding-
ten Grundstrafe ein sofort spürbarer „Denkzettel“ verpasst werden soll; die
Verbindungsstrafe habe damit – ähnlich wie der teilbedingte Vollzug bei Strafen
bis zu zwei Jahren – auch eine spezialpräventive Bedeutung (BGE 134
IV 82, BGE 134 IV 8, BGE 134 IV 75).
6.3. Angesichts des Verschuldens des Beschuldigten und unter Berücksichtigung
sämtlicher relevanter Strafzumessungskriterien erscheint ein "Denkzettel" bzw.
eine Verbindungsbusse als nicht angezeigt. Es ist davon auszugehen, dass den
jungen Beschuldigten das vorliegende Verfahren sowie die Verurteilung und der
damit einhergehende Eintrag im Strafregister genügend beeindruckt haben. Vom
Ausfällen einer Verbindungsbusse ist daher abzusehen.
7. Fazit
Zusammenfassend ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen
zu Fr. 30.– zu bestrafen, wovon 1 Tagessatz als durch Untersuchungshaft
geleistet gilt. Der Vollzug der Geldstrafe ist aufzuschieben und die Probezeit auf
2 Jahre festzusetzen.
8. Zivilansprüche
8.1. Die Vorinstanz legte die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genug-
tuung zutreffend dar und erkannte der Privatklägerin in nicht zu beanstandender
Wertung der massgebenden Kriterien und in Ausübung des ihr zustehenden
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Ermessens eine Genugtuung von Fr. 2'000.– nebst 5 % Zins seit 14. Oktober
2011 zu (Urk. 35 S. 23 f.). Auf die vorinstanzlichen Erwägungen kann vollumfäng-
lich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
8.2. Der Beschuldigte ist daher in Bestätigung der Vorinstanz zu verpflichten,
der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 2'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit
14. Oktober 2011 zu bezahlen.
9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Ausgangsgemäss - es bleibt bei der Verurteilung des Beschuldigten - sind
die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Verfahrens, mit Ausnah-
me derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten aufzuerlegen
(Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung für die Unter-
suchung und das erstinstanzliche Verfahren von insgesamt Fr. 6'265.10 (Urk. 55)
sind - entgegen der Vorinstanz (Urk. 35 S. 26) - einstweilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO ist vorzubehalten.
9.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostentragung nach Massgabe des
Obsiegens oder Unterliegens der Parteien (Art. 428 Abs. 1 StPO). Nachdem so-
wohl der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft mit ihren Berufungen voll-
umfänglich unterliegen, sind - unter Gewichtung der angefochtenen Punkte - die
Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-
chen Verteidigung, zu zwei Dritteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu
einem Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Vertei-
digung in der Höhe von Fr. 3'500.– (Urk. 57, zuzüglich die Aufwendungen für die
Berufungsverhandlung) sind zu zwei Dritteln einstweilen und zu einem Drittel
definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Umfang der einstweilen auf die
Gerichtskasse genommenen zwei Dritteln ist die Rückzahlungspflicht gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.
9.3. Angesichts der tatsächlichen und rechtlichen Komplexität des vorliegenden
Falles war es - entgegen der Verteidigung (Urk. 59 S. 17) - geboten, dass sich die
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Privatklägerin im vorliegenden Verfahren zur Wahrung ihrer Interessen anwaltlich
vertreten liess. Der Beschuldigte ist damit ausgangsgemäss und entsprechend
ihrem der Sache angemessenen Antrag zu verpflichten, der Privatklägerin eine
Prozessentschädigung für das gesamte Verfahren von Fr. 11'147.20 zu bezahlen
(für die Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren: Fr. 7'377.90, vgl.
Urk. 35 S. 26; für das Berufungsverfahren: Fr. 3'769.30, vgl. Urk. 56 und Urk. 62).