Decision ID: 96fd7159-7d8b-47d1-8cee-f78b97a420ea
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 6. Mai 2015 zum Bezug von IV-Leistungen bei der
Invalidenversicherung an. Als gesundheitliche Problematik nannte sie eine Operation
der Wirbelsäule im Dezember 2014 (IV-act. 1; soweit nicht anders vermerkt, handelt es
sich bei den Verweisen um die Akten des Verfahrens IV 2018/354). Mit Arztzeugnis vom
22. Mai 2015 attestierte Dr. med. B._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, Klinik C._,
der Versicherten ein chronisches therapieresistentes Lumbovertebralsyndrom bei
Segmentdegeneration L5/S1 nach Operation (Dekompression und Spondylodese L5/
S1) vom 6. Dezember 2014 (IV-act. 24).
A.a.
Am 4. September 2015 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, aufgrund ihres
Gesundheitszustands seien derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich. Deshalb werde der Anspruch auf Rentenleistungen geprüft (IV-act. 35). In der
Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen (vgl. insbesondere IV-act. 67 ff.).
A.b.
Mit Vorbescheid vom 7. Juni 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung ihres Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 80). Gegen diesen Vorbescheid
liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Rudolf Sutter, am 12. Juli 2016
Einwand erheben (IV-act. 86). Aufgrund der erhobenen Einwände holte die IV-Stelle
weitere Berichte bei den behandelnden Ärzten ein (IV-act. 89 ff.).
A.c.
Am 18. November 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie eine
umfassende medizinische Begutachtung (Allgemeine / Innere Medizin, Orthopädie,
A.d.
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Neurologie, Psychiatrie) als notwendig erachte (IV-act. 143). Mit der Begutachtung
wurde die medexperts AG Interdisziplinäre Medizin (nachfolgend: medexperts)
beauftragt (IV-act. 149).
Mit Gutachten vom 14. März 2017 stellten die medexperts-Gutachter folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: chronifiziertes therapieresistentes
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit eingeschränkter Belastbarkeit beim
Stehen, Gehen bei muskulärer Insuffizienz der Rückenstreckmuskulatur mit
myofascialer und myotendinogener WS-Symptomatik; St. n. Spondylodese L5/S1 und
Dekompression Dezember 2014; Reizzustand ISG links, Schmerzzunahme (IV-
act. 171-66). Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Z._ sei weitgehend, aber nicht
absolut adaptiert, indem die Versicherte ihre Arbeitszeit frei einteilen könne, einen
höhenverstellbaren Tisch nutze und wechselnd sitzen, stehen und gehen könne. In
dieser Tätigkeit bestehe ab dem 16. August 2016 eine Arbeitsfähigkeit von 30%, wobei
die Arbeitsfähigkeit ab dem Gutachtenszeitpunkt in monatlichen Abständen um 10%
bis auf 60% gesteigert werden könne (vgl. IV-act. 171-72 f.). In einer voll adaptierten
Tätigkeit könne die Arbeitsfähigkeit ab dem Gutachtenszeitpunkt alle vier bis sechs
Wochen um 10% bis auf 80% gesteigert werden. Durch die Schmerzchronifizierung
werde von einem vermehrten Pausenbedarf und einer Verlangsamung ausgegangen.
Als eine adaptierte Tätigkeit werde eine leichte wechselbelastende Tätigkeit,
überwiegend im Wechsel zwischen Stehen und Gehen, mit der Möglichkeit die Position
frei zu wählen und ggf. vermehrte Pausen einzulegen (z.B. nach ein bis zwei Stunden
ca. 15 Minuten), angesehen. Qualitativ eingeschränkt seien Tätigkeiten mit schwerem
Heben und Tragen von Lasten über 5 kg und einseitige Zwangshaltungen der
Wirbelsäule, gebückte, regelhaft kauernde Positionen, Stauch- und Stoss- sowie
Vibrationsbelastungen. Regelhafte Rotation und Lateralflexion der Wirbelsäule seien
nicht möglich. Tätigkeiten im Nachtschichtbetrieb seien eher ungünstig (IV-act.
171-73).
A.e.
Mit Stellungnahme vom 9. Juni 2017 erachtete RAD-Ärztin Dr. med. D._ das
medexperts-Gutachten als umfassend, sorgfältig erstellt und konklusiv, sodass die
Arbeitsfähigkeit auf dieser Grundlage abschliessend beurteilt werden könne (IV-
act. 175).
A.f.
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Mit Vorbescheid vom 3. Juli 2017 stellte die IV-Stelle der Versicherten bei einem
IV-Grad von 40% die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Dezember 2015 in Aussicht
(IV-act. 181). Dagegen erhob die Versicherte am 5. September 2017 Einwand. Sie
führte insbesondere aus, die medexperts-Gutachter hätten die Arbeitsfähigkeit von
höchstens 30% im Zeitpunkt der Erstellung des Gutachtens ausdrücklich bestätigt. Sie
habe deshalb bis mindestens 15. März 2017 (Datum des Gutachtens) Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente. Die Steigerung der Arbeitsfähigkeit um 10% alle vier bis
sechs Wochen ab Datum des Gutachtens sei eine prognostische Annahme, die sich
leider noch nicht bewahrheitet habe. Bei der letzten Untersuchung bei Dr. B._ habe
sich ein neuer Befund ergeben. Die CT-Verlaufskontrolle habe eine auffällige
Gewebeathrophie rechtsseitig paravertebral mit unklarer Ätiologie ergeben. Das
Gewebe habe sich über dem nach aussen stehenden Schraubenkopf zurückgebildet.
Für den 15. September 2017 sei eine neue Operation angesetzt worden, um die
Metallteile (ausser Puffer) zu entfernen. In der Folge werde sie auf unbestimmte Zeit
arbeitsunfähig sein (IV-act. 186).
A.g.
Dr. B._ attestierte der Versicherten im Zusammenhang mit der operativen
Implantat-Entfernung und Narbenrevision vom 15. September 2017 eine volle
Arbeitsunfähigkeit vom 14. September 2017 bis 12. November 2017. Ab dem
13. November 2017 attestierte er ihr wieder eine Arbeitsfähigkeit von 30% (IV-act. 199
und 201). Mit E-Mail vom 21. bzw. 29. November 2017 teilte die Versicherte der IV-
Stelle mit, sie habe am 18. November 2017 einen Unfall erlitten (IV-act. 204). Am
11. Dezember 2017 nahm sie ihr Arbeitspensum von 30% wieder auf (vgl. IV-act. 209).
A.h.
Mit Stellungnahme vom 16. Januar 2018 hielt RAD-Ärztin Dr. D._ fest, der
Gesundheitszustand habe sich nicht verschlechtert. Metallentfernung und
Narbenrevision seien aus Komfortgründen durchgeführt worden. Eine substanzielle
Veränderung des LWS-Befunds sei nicht eingetreten. Dies bestätige auch der
behandelnde Neurochirurg, indem er die Arbeitsfähigkeit ab 13. November 2017 wieder
gleich beurteile wie präoperativ. Somit habe eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit
vorgelegen. Die Arbeitsfähigkeit angestammt bzw. adaptiert betrage spätestens ab
Januar 2018 60% bzw. 80%. Leider entstehe zunehmend der Eindruck einer
Rentenbegehrlichkeit (IV-act. 214).
A.i.
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Mit Schreiben vom 16. Januar 2018 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör (IV-act. 215). Die Versicherte, nun vertreten durch Rechtsanwältin
Karin Herzog, führte mit Eingabe vom 2. März 2018 namentlich aus, sie habe am
18. November 2017 einen Unfall erlitten und sei auf die linke Schulter gestürzt. Dr.
B._ habe im Dezember 2017 ein MR der HWS und MTT sowie Physiotherapie
veranlasst. Die Befunde (Streckstellung der HWS, osteochondrotische Veränderungen,
Diskusherniation sowie osteodiskogene Einengung der Neuroforamina bei HWK 4/5
und 5/6 bds.) würden die Nackenbeschwerden, welche auch in die Schulter
ausstrahlten, erklären. Die Versicherte leide zunehmend auch unter Beschwerden in der
BWS. Das am 1. Februar 2018 durchgeführte MRI zeige eine kleinvolumige
Diskushernie BWK 8/9, leichtgradige degenerative Veränderungen im mittleren Bereich
der BWS sowie einen diskret akzentuierten Zentralkanal des thorakalen Myelons. Im
medexperts-Gutachten seien nur die LWS-Beschwerden berücksichtigt worden. Die
neuerliche Operation, der Unfall mit Schulterbeschwerden und die BWS- und HWS-
Beschwerden seien noch nicht berücksichtigt. Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit seit
der Begutachtung sei aufgrund der Entwicklung des Gesundheitszustands nicht
möglich gewesen. Wegen einer akuten Schmerzsymptomatik habe die MTT noch nicht
begonnen werden können. Vorerst müssten die vorhandenen akuten Schmerzen und
Entzündungen behandelt werden. Der behandelnde Chiropraktiker habe den Verdacht
auf eine Bindegewebeschwäche geäussert. Der Gesundheitszustand sei demnach
instabil (IV-act. 223).
A.j.
Mit Stellungnahme vom 9. März 2018 führte RAD-Ärztin Dr. D._ aus, die
radiologischen Befunde der HWS und BWS würden leichtgradige degenerative
Veränderungen ohne relevante Beeinträchtigung neuraler Strukturen zeigen und die
Schmerzen an BWS und HWS nicht überzeugend erklären. Die von der Versicherten
erwähnten akuten Schmerzen und Entzündungen könnten nicht nachvollzogen werden.
Aus den medizinischen Berichten ergebe sich kein Hinderungsgrund für einen
unverzüglichen Beginn der MTT. Es entstehe zunehmend der Eindruck, dass geradezu
nach Gründen gesucht werde, um die Diagnoseliste zu verlängern und eine
Verlaufsbegutachtung zu erzwingen. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könnten
weder neue gesundheitliche Einschränkungen mit Arbeitsfähigkeit-Relevanz noch die
A.k.
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anhaltend tiefe Arbeitsfähigkeit und auch nicht die Notwendigkeit einer erneuten
Begutachtung bestätigt werden (IV-act. 231).
Nachdem die IV-Stelle der Versicherten erneut das rechtliche Gehör gewährt hatte
(IV-act. 232), tat diese mit Schreiben vom 29. März 2018 unter Einreichung weiterer
medizinischer Unterlagen dar, sie leide an starken Rückenschmerzen, wobei neu auch
Gefühlsstörungen in den oberen Extremitäten hinzugekommen seien, welche durch die
breitbasige Diskushernie in der HWS verursacht würden. Im MRI vom 13. Dezember
2017 sei festgehalten worden, dass eine bilaterale Einengung der Neuroforamina mit
möglicher Irritation der austretenden Wurzel C5 beidseits vorliege. Es sei daher nicht
nachvollziehbar, weswegen die neuen gesundheitlichen Einschränkungen keine
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben sollten. Der Vorwurf, es ginge nur um die
Verlängerung der Diagnoseliste und Erzwingen einer Verlaufsbegutachtung, sei haltlos
(IV-act. 233).
A.l.
Mit Kurzaustrittsbericht vom 18. September 2018 attestierte die Chirurgie des
Spitals E._ der Versicherten eine Cholezystitis bei Cholezystolithiasis, welche am 16.
September 2018 eine Cholezystektomie nach sich gezogen hatte. Bis zum
30. September 2018 liege eine volle Arbeitsunfähigkeit vor. Wassertherapie und MTT
sollten bis zur gesicherten Wundheilung vermieden werden (IV-act. 251).
A.m.
Mit Verfügung vom 24. September 2018 sprach die IV-Stelle der Versicherten eine
Viertelsrente ab dem 1. Oktober 2018, mit Verfügung vom 21. November 2018 eine
Viertelsrente ab dem 1. Dezember 2015 zu. Nach dem wirbelsäulenchirurgischen
Eingriff im Dezember 2014 habe bis April 2015 ein postoperativ instabiler
Gesundheitszustand vorgelegen. Anschliessend sei der strukturelle Heilungsverlauf
soweit abgeschlossen gewesen, dass mit der beruflichen Wiedereingliederung habe
begonnen werden können. Dass sich die günstige Prognose nicht erfüllt habe, sei dem
zunehmend chronifizierten Schmerzsyndrom geschuldet, nicht einem objektivierbaren
strukturellen Korrelat. Die gutachterliche Beurteilung habe deshalb auch rückblickend
ab April 2015 Gültigkeit. Nach der Begutachtung sei keine relevante Veränderung des
Gesundheitszustands eingetreten (IV-act. 241 i.V.m. IV-act. 248 und IV-act. 263).
A.n.
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B.
Gegen die Verfügung vom 24. September 2018 erhebt A._ am 25. Oktober 2018
Beschwerde. Sie beantragt, die Verfügung vom 24. September 2018 sei aufzuheben
und ihr seien die gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventualiter seien weitere
Abklärungen im Sinne der Beweisanträge durchzuführen. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zzgl. Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdegegnerin. Die
medexperts-Gutachter hätten im März 2017 eine volle Arbeitsunfähigkeit bis am
15. August 2016 bestätigt, danach eine Arbeitsfähigkeit von 30%, welche ab dem
Begutachtungszeitpunkt alle vier bis sechs Wochen um 10% gesteigert werden könne.
Leider habe diese Steigerung aus diversen Gründen nicht erreicht werden können. Erst
im Frühling 2018 habe das Arbeitspensum auf 50% gesteigert werden können. Jedoch
habe auch dieses Pensum wegen der akuten Gallenblasenentzündung unterbrochen
werden müssen. Aufgrund der gesundheitlichen Entwicklung nach der Begutachtung
im Februar 2017 umfasse das medexperts-Gutachten nicht mehr den vollständigen
Sachverhalt und berücksichtige nicht mehr alle vorhandenen Beschwerden. Sollte auf
die Einschätzung der behandelnden Ärzte nicht abgestellt werden, seien weitere
Abklärungen angezeigt. Die Einholung einer Verlaufsbegutachtung bei der medexperts
erscheine sinnvoll. Die Beschwerdeführerin habe vom 1. Dezember 2015 bis
mindestens Februar 2017 bei einem IV-Grad von 100% bzw. 70% Anspruch auf eine
ganze Rente. Die Zusprache einer Viertelsrente ab 1. Dezember 2015 widerspreche der
fachärztlichen und gutachterlichen Einschätzung. Entgegen der Hoffnung der
Beschwerdeführerin habe sich die Prognose der medexperts-Gutachter nicht
bewahrheitet. Unter Berücksichtigung der Einschätzung der behandelnden Fachärzte
sei davon auszugehen, dass der Anspruch auf eine ganze Rente bis Ende März 2018
bestanden habe. Ab 1. April 2018 habe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit und folglich ein
Anspruch auf eine halbe Rente bestanden. Die langfristige Restarbeitsfähigkeit sei
noch nicht abschätzbar, ein stabiler Gesundheitszustand bestehe nicht, weswegen der
abschliessende Rentenentscheid in Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes verfrüht
erfolgt sei. Die Stabilisierung des Gesundheitszustands sei abzuwarten und im
Anschluss im Rahmen einer Verlaufsbegutachtung die verbleibende längerfristige
Arbeitsfähigkeit zu beurteilen (act. G1).
B.a.
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Mit Beschwerdeantwort vom 7. Januar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. September 2018. Zur
Begründung führt sie im Wesentlichen aus, aus den nach der medexperts-
Begutachtung eingereichten medizinischen Unterlagen gehe keine relevante
Verschlechterung des Gesundheitszustands hervor. Es hätten höchstens
vorübergehende Arbeitsunfähigkeiten bestanden. Auf das medexperts-Gutachten
könne abgestellt werden. Es liege auch nicht derart lange zurück, dass es zur
Beurteilung des Gesundheitszustands im massgebenden Zeitpunkt der Verfügung vom
24. September 2018 nicht dienen könne. Eine Rentenzusprache erfolge gestützt auf
den Sachverhalt im Verfügungszeitpunkt. Die Arbeitsfähigkeit werde also immer
gestützt auf eine Prognose für die Zukunft geschätzt. Eine solche Prognose könne nur
gestellt werden, wenn der Gesundheitszustand im Verfügungszeitpunkt stabil gewesen
sei. Da lediglich vorübergehende Arbeitsunfähigkeiten bestanden hätten, sei der
Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Verfügung stabil gewesen (act. G6).
B.b.
Am 10. Januar 2019 erhebt A._ gegen die Verfügung vom 21. November 2018
Beschwerde. Sie beantragt, diese Verfügung sei aufzuheben und ihr seien die
gesetzlichen Leistungen auszurichten. Eventualiter seien weitere Abklärungen im Sinne
der Beweisanträge durchzuführen. Die beiden vorliegenden Verfahren seien zu
vereinigen und in einem Urteil zu erledigen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zuzüglich Mehrwertsteuer zulasten der Beschwerdegegnerin. Sie habe gestützt auf die
ärztlichen und gutachterlichen Beurteilungen mindestens befristet ab 1. Dezember
2015 bis Februar 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Unter Berücksichtigung
der Einschätzung der behandelnden Fachärzte sei davon auszugehen, dass der
Anspruch auf eine ganze Rente bis Ende März 2018 bestanden habe. Ab 1. April 2018
sei der Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 50% attestiert worden, woraus
der Anspruch auf eine halbe Rente resultiere (act. G1 im Verfahren IV 2019/9).
B.c.
Mit Schreiben vom 17. Januar 2019 teilt das Gericht den Parteien mit, es sehe vor,
die beiden Verfahren IV 2018/354 und IV 2019/9 zu vereinigen (act. G2 im Verfahren
IV 2019/9).
B.d.
Mit Beschwerdeantwort vom 20. Februar 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde gegen die Verfügung vom 21. November 2018. Das
B.e.
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medexperts-Gutachten sei beweiskräftig. Für die Beurteilung des Leistungsanspruchs
seien folglich keine weiteren Abklärungen mehr notwendig. Allerdings habe die RAD-
Ärztin in der medizinischen Stellungnahme vom 30. August 2018 festgehalten, nach
Abschluss des postoperativen Heilungsverlaufs im April 2015 seien bis August 2016
keine relevanten strukturellen Veränderungen an der Wirbelsäule aufgetreten oder
vorgenommen worden. Die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit habe
deswegen auch rückblickend ab April 2015 bis zum Zeitpunkt der Begutachtung
Gültigkeit. Dies scheine in Anbetracht der Aktenlage als überwiegend wahrscheinlich.
Folglich bestehe kein befristeter Anspruch auf eine höhere Rente (act. G4 im Verfahren
IV 2019/9).
Mit Replik vom 27. März 2019 führt die Beschwerdeführerin aus, aufgrund der
Rückenoperation im Dezember 2014, welche von den Gutachtern als umfangreicher
Eingriff bezeichnet worden sei, und des prolongierten Heilverlaufs aufgrund von
Dauerschmerzen und deutlich reduzierter Belastbarkeit in der Lendenwirbelsäule sei
nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin überdurchschnittlich lange vollständig
arbeitsunfähig gewesen sei. Entsprechend sei in Übereinstimmung mit den Gutachtern
bis am 15. August 2016 von einer vollen und im Anschluss von einer 70%igen
Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Vorliegend habe eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
trotz erheblicher Bemühungen der Beschwerdeführerin nicht erreicht werden können.
Aufgrund der sich entwickelnden Gewebsatrophie und entsprechender Beschwerden
habe im September 2017 das Osteosynthesematerial entfernt und eine Narbenrevision
durchgeführt werden müssen. Im November 2017 sei noch ein Unfallereignis mit
Schulterkontusion hinzugekommen, welches ebenfalls zu einer Verlängerung der
Genesung geführt habe. Das Muskelaufbautraining habe daher erst Anfang 2018
intensiv aufgenommen werden können. Dies habe Wirkung gezeigt, sodass die
Beschwerdeführerin ihr Arbeitspensum per 1. April 2018 von 30% auf 50% habe
steigern können. Trotz bester Bemühungen der Beschwerdeführerin habe das Pensum
wegen der akuten Gallenblasenentzündung und operativen Gallenblasenentfernung im
September 2018 nicht weiter gesteigert und das intensive Trainings- und
Therapieprogramm habe für mehrere Wochen unterbrochen werden müssen.
Glücklicherweise sei der Eingriff gut verheilt, sodass die Beschwerdeführerin ab
November 2018 ihr Arbeitspensum auf 60% habe steigern können. Die Prognose der
B.f.
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Erwägungen
1.
Gutachter sei folglich mit etwas mehr als einjähriger Verspätung eingetroffen. Die
Beschwerdeführerin behaupte nicht, dass die Implantatentfernung vom September
2017, der Unfall vom November 2017 und die Gallenblasenoperation vom September
2018 langfristigen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Jedoch hätten diese
Rückschläge die Regeneration beeinflusst und die Heilungsphase verlängert,
weswegen die Steigerung der Arbeitsfähigkeit im Gegensatz zur gutachterlichen
Einschätzung nur verzögert habe durchgeführt werden können. Unter Berücksichtigung
der gutachterlichen Beurteilung und der Einschätzung der behandelnden Fachärzte
bestehe bei der Beschwerdeführerin ab 1. Dezember 2015 bis mindestens Februar
2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Mangels Eintritts der gutachterlichen
Prognose bestehe Anspruch auf eine ganze Rente bis März 2018. Unter
Berücksichtigung der gesundheitlichen Verbesserung sei der Anspruch von April bis
Oktober 2018 auf eine halbe Rente und ab November 2018 auf eine Viertelsrente
festzusetzen (act. G10).
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G12).B.g.
Am 18. April 2019 reicht Rechtsanwältin Herzog eine Honorarnote über Fr.
4'998.35 (inkl. Mehrwertsteuern) ein und bat darum, zu berücksichtigen, dass es sich
um einen komplexen medizinischen Verlauf handle und zwei Verfügungen hätten
geprüft sowie zwei Beschwerden hätten eingereicht werden müssen (act. G14).
B.h.
Mit Stellungnahme vom 29. April 2019 beantragt die Beschwerdegegnerin, die
Honorarnote beim Entscheid über eine allenfalls zu entrichtende Parteientschädigung
angemessen zu kürzen (act. G16).
B.i.
In den Verfahren IV 2018/354 und IV 2019/9 stehen sich dieselben Parteien
gegenüber und ihnen liegt derselbe Sachverhalt sowie dieselbe Rechtslage zugrunde.
In beiden Fällen geht es um die Rentenzusprache gestützt auf denselben
Gesundheitsschaden. Dass zwei Verfügungen erlassen wurden, war einzig der
Tatsache geschuldet, dass die rückwirkend zugesprochene Viertelsrente mit
Leistungen anderer Versicherer (namentlich der Arbeitslosenkasse und des jeweiligen
1.1.
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2.
Krankentaggeldversicherers) koordiniert werden musste (vgl. IV-act. 263), während die
für die Zukunft zugesprochene Rente der Beschwerdeführerin direkt ausbezahlt werden
konnte. Die Beschwerdeführerin hat denn auch explizit eine Vereinigung beantragt und
die Beschwerdegegnerin hat keine Einwände dagegen erhoben. Im Sinne der
Prozessökonomie rechtfertigt es sich daher, die Verfahren IV 2018/354 und IV 2019/9
zu vereinigen.
Streitig und zu prüfen ist nachfolgend die Höhe des Rentenanspruchs der
Beschwerdeführerin.
1.2.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) versicherte Personen, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40% invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.1.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach
Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung. Er entsteht nicht, solange die
versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann. Die Rente wird
vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (vgl.
Art. 29 IVG).
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
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3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen).
2.3.
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (BGE 122 V 157 E. 1a).
Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den
streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben
Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche Abklärungen
stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebenden Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 E. 4a). Im Sozialversicherungsrecht hat
das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht,
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V
353 E. 5b; BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
2.4.
Die Beschwerdeführerin war vor der Operation vom 6. Dezember 2014 nur für
kurze Zeiträume arbeitsunfähig. Ab dem 5. Dezember 2014 (Spitaleintritt) attestierte
Dr. B._ ihr eine Arbeitsunfähigkeit von zunächst 100%, später von 60%, dann wieder
von 100% (vgl. act. G6.2/3-18 und act. G6.2/5-14 ff.). Das Wartejahr gemäss Art. 28
Abs. 1 IVG begann somit am 5. Dezember 2014 zu laufen und war im Dezember 2015
erfüllt. Zu diesem Zeitpunkt war die sechsmonatige Karenzfrist nach der Anmeldung
der Beschwerdeführerin bei der Beschwerdegegnerin gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG
ebenfalls abgelaufen. In Übereinstimmung mit den Parteien ist somit festzuhalten, dass
der Rentenanspruch per 1. Dezember 2015 entstand.
3.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
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Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin, wie von der
Beschwerdegegnerin vorgebracht, eine Viertelsrente zusteht, oder ob sie, wie sie selbst
geltend macht, einen weitergehenden Anspruch hat. Beide Parteien stützen sich für
ihre Einschätzung grundsätzlich auf das medexperts-Gutachten ab. Dieses erfüllt
unstreitig die Anforderungen an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. E. 2.3 vorstehend),
weshalb grundsätzlich darauf abzustellen ist. Uneinig sind sich die Parteien, ob und
inwieweit die rückwirkende Arbeitsfähigkeitsschätzung der medexperts-Gutachtern und
deren prognostizierte Entwicklung der Arbeitsfähigkeit zutreffend ist.
3.2.
Die Beschwerdeführerin hält zutreffend fest, dass die medexperts-Gutachter
gestützt auf die früheren orthopädischen Einschätzungen und analog dazu ihre
Arbeitsfähigkeit für den Zeitraum vom 5. Dezember 2014 bis zum 15. August 2016 auf
0%, und für den Zeitraum vom 16. August 2016 bis zum Gutachten auf 30% bezifferten
(vgl. IV-act. 171-52 und IV-act. 171-72 f.). Die Beschwerdegegnerin hält gestützt auf
die Einschätzung von RAD-Ärztin Dr. D._ dagegen, nach dem
wirbelsäulenchirurgischen Eingriff vom Dezember 2014 habe bis zum April 2015 ein
postoperativ instabiler Gesundheitszustand vorgelegen. Anschliessend sei der
strukturelle Heilungsverlauf so weit abgeschlossen gewesen, dass gemäss allseits
übereinstimmender medizinischer Einschätzung mit der beruflichen
Wiedereingliederung habe begonnen werden können. Dass sich die günstige Prognose
nicht erfüllt habe, sei dem zunehmend chronifizierten Schmerzsyndrom geschuldet und
nicht einem objektivierbaren strukturellen Korrelat (IV-act. 241-2 mit Bezug auf IV-
act. 237). Die Beschwerdegegnerin bezieht sich in diesem Zusammenhang auf den
Bericht Dr. B._s vom 22. Mai 2015 (act. G6.2/5-23). Sie gibt den Bericht Dr. B._s
indes verkürzt wieder. Dr. B._ hielt darin namentlich fest: "Aktuell unter der 40%
Arbeitsbelastung ordentlicher Verlauf, bei vermehrter Belastung rasche Exazerbation
der Beschwerden so dass wir nur eine langsame Steigerung ins Auge fassen und eine
50% Arbeitsfähigkeit geschrieben haben". Weiter führte er aus: "Gerne werde ich in 6
Wochen eine Verlaufskontrolle durchführen und dann die weitere Arbeitsfähigkeit
festlegen, geplant ist in den nächsten Wochen und Monaten auf eine 100%
Arbeitsfähigkeit zu kommen." (act. G6.2/5-23).
3.3.
Unerwähnt lässt die Beschwerdegegnerin, dass Dr. B._ damit eine deutlich zu
positive Prognose stellte und dass er seine Einschätzung zudem zu einem späteren
Zeitpunkt anpasste. Er attestierte der Beschwerdeführerin nur für knapp dreieinhalb
Monate und mit Unterbruch eine Arbeitsfähigkeit von 40% (vgl. act. G6.2/18 und
act. G6.2/5-14 ff.). Die von ihm erwartete volle Arbeitsfähigkeit war zu optimistisch. Aus
dem medexperts-Gutachten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin selbst in einer
3.4.
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optimal adaptierten Tätigkeit lediglich eine Arbeitsfähigkeit von 80% erreichen kann.
Dass Dr. B._ seine Prognosen für die Arbeitsfähigkeit mehrfach anpassen musste,
ergibt sich aus seinen Berichten (vgl. beispielhaft IV-act. 114, 116, 118 und 120). Aus
diesen Berichten geht auch hervor, dass stets eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit
geplant war, diese jedoch trotz Therapien, medikamentöser Behandlung und guter
Compliance nicht erreicht wurde. Dafür scheint es nebst den Schmerzen der
Beschwerdeführerin auch somatische Gründe gegeben zu haben. So hielt Dr. B._ im
Bericht vom 21. Februar 2017 fest, es zeige sich eine eindrückliche Abnahme der
autochthonen lumbalen Muskulatur trotz intensivem Training (IV-act. 169). Insofern ist
die Argumentation der Beschwerdegegnerin, die berufliche Wiedereingliederung hätte
gemäss allseits übereinstimmender medizinischer Einschätzung bereits im April 2015
begonnen werden können, in dieser Form unzutreffend und greift zu kurz.
Die Arbeitsfähigkeitsschätzung für die Vergangenheit wird im medexperts-
Gutachten nicht sehr ausführlich begründet. Immerhin ist diesem jedoch zu
entnehmen, dass die Gutachter, insbesondere die orthopädische Gutachterin, ebenso
wie die Behandler von einem protrahierten Heilverlauf sowie einer anhaltend deutlich
verminderten Belastbarkeit nach der Operation vom Dezember 2014 ausgingen und die
Beweglichkeit der Beschwerdeführerin deutlich reduziert gewesen sei (vgl. etwa IV-
act. 171-51). Im medexperts-Gutachten wird sodann darauf Bezug genommen, dass
Dr. B._ ab dem 16. August 2016 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 20% attestierte
(vgl. IV-act. 171-28 und IV-act. 171-56) und die Beschwerdeführerin selbst äusserte, ab
dann 20%, ab Dezember 2016 30% gearbeitet zu haben, wozu sie sehr viel Disziplin
gebraucht habe (IV-act. 171-48). Die Gutachter, insbesondere die orthopädische
Gutachterin, sahen demnach die Einschätzung des behandelnden Facharztes Dr. B._
als zutreffend an. Sie wichen namentlich in ihrer Stellungnahme zu früheren
diagnostischen orthopädischen Einschätzungen nicht von dessen
Arbeitsfähigkeitsschätzung ab (IV-act. 171-52).
3.5.
Mehrfach erwähnt haben die medexperts-Gutachter die bis zum
Gutachtenszeitpunkt deutlich eingeschränkte Beweglichkeit der LWS (vgl. etwa IV-
act. 171-68). Die orthopädische Gutachterin hielt fest, die Beschwerdeführerin sollte
neben den nötigen Trainingseinheiten wieder lernen, sich ohne Schon- und Fehlhaltung
zu bewegen, gegebenenfalls unter Einzelphysiotherapie und Ergotherapie. Sie nur zum
Training zu schicken, reiche nicht aus (IV-act. 171-53). Zur Verbesserung der
Arbeitsfähigkeit machten die Gutachter folgende Vorschläge: Physiotherapie,
Ergotherapie, gegebenenfalls Einzeltherapie mit Anleitung zum Eigentraining,
Wassergymnastik, Optimierung der Schmerztherapie (Einbeziehen eines
3.6.
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4.
nichtsteroidalen Antirheumatikums). Zudem empfahlen sie eine ambulante Abklärung
beim Rheumatologen bei ISG-Affektion beidseits (IV-act. 171-73). Sie erachteten einen
Aufbau der Muskulatur als erforderlich, wobei dazu eine vitamin- und eiweissreiche
Ernährung und ein regelmässiges Training 3x/Woche notwendig sei, möglichst in einem
multimodalen Behandlungskonzept mit Entspannungstraining und Coaching. Geeignet
seien auch Biofeedback-Übungen, Wasser-Einzeltherapie und Ergotherapie (IV-
act. 171-75).
Die Gutachter erhoben somit objektive Befunde, welche ihre Einschätzung,
wonach bei der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Begutachtung eine
Arbeitsfähigkeit von lediglich 30% vorgelegen habe, einleuchtend erscheinen lässt.
Zudem ist nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin die Schon- und Fehlhaltung
ablegen muss und erst die therapeutische Behandlung, namentlich verbunden mit
einem entsprechenden Muskelaufbau, die schrittweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit
ermöglicht.
3.7.
Von einem externen Gutachten darf nicht ohne Weiteres gestützt auf eine
versicherungsinterne Einschätzung abgewichen werden. Auf die Berichte
verwaltungsinterner medizinischer Fachpersonen kann nur dann abgestellt werden,
wenn auch keine geringen Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit ihrer
Feststellungen bestehen. Diese Voraussetzung ist regelmässig nicht erfüllt, wenn die
verwaltungsinterne medizinische Fachperson zu einem anderen Ergebnis gelangt als
die externen Gutachter (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.6 und Urteil des Bundesgerichts vom
14. Februar 2014, 8C_874/2013, E. 3.3).
4.1.
Vorliegend weicht die Einschätzung der RAD-Ärztin betreffend Arbeitsfähigkeit bis
zum Begutachtungszeitpunkt erheblich von jener der medexperts-Gutachter ab. Das
externe Gutachten ist, wie die Beschwerdegegnerin auch selbst einräumt,
beweiskräftig. Die früheren Ausführungen der RAD-Ärztin lassen die
Arbeitsfähigkeitsschätzung der Gutachter nicht als offensichtlich und unzweifelhaft
unrichtig erscheinen (vgl. hierzu E. 3.3 ff. vorstehend). Durch das Gutachten wurden die
früheren Stellungnahmen der RAD-Ärztin zum einen überholt, nachdem der RAD zur
Klärung der medizinischen Sachlage ja eigens eine Begutachtung angeordnet hatte.
Zum anderen hat sich die RAD-Ärztin in ihrer Stellungnahme zum Gutachten zur
retrospektiven Arbeitsfähigkeit nicht mehr geäussert.
4.2.
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5.
6.
Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren geltend, sie habe ihre Arbeitsfähigkeit
aus gesundheitlichen Gründen nicht steigern können. Sie macht dafür namentlich die
zweite Rückenoperation, einen Unfall mit Sturz auf die Schulter sowie die operative
Gallenblasenentfernung, aber auch Veränderungen der BWS und HWS verantwortlich.
Die Beschwerdegegnerin geht gestützt auf die RAD-Beurteilung davon aus, dass diese
Ereignisse und Befunde die Arbeitsfähigkeit nicht massgeblich beeinflussten. Auf die
Tatsache, dass die medexperts-Gutachter die Arbeitsfähigkeit von 60% (angestammt,
bzw. 80% adaptiert) erst nach einer graduellen Steigerung von jeweils 10% alle vier bis
sechs Wochen als gegeben ansahen, geht die Beschwerdegegnerin nicht weiter ein. Zu
Unrecht hat sie gleich ab Begutachtung die Arbeitsfähigkeit von 80% angenommen.
5.1.
In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die medexperts-Gutachter
hierfür keine invaliditätsfremden Gründe (etwa eine Dekonditionierung, psychosoziale
oder soziokulturelle Belastungsfaktoren) benannten. Hinweise auf eine
Dekonditionierung ergeben sich aus den Akten nicht, zumal die Beschwerdeführerin
stets versuchte, ihre Arbeitsfähigkeit zu steigern, und dementsprechend
vorübergehend in Teilzeit erwerbstätig war (vgl. act. G6.2/3-18 und act. G6.2/5-14 ff.).
Sie befolgte die ärztlichen Anweisungen und nahm Therapieoptionen in Anspruch,
konnte aber trotzdem keinen Muskelaufbau erzielen (vgl. beispielhaft IV-act. 169). Aus
dem medexperts-Gutachten ergibt sich zumindest eine ansatzweise Begründung,
weshalb die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht nur
graduell steigerbar ist (vgl. hierzu E. 3.6 vorstehend). Wenn die stufenweise Steigerung
der Arbeitsfähigkeit aber somatische Ursachen hat und medizinisch begründet ist, ist
denkbar, dass gesundheitstangierende Ereignisse oder weitere (wenn auch eher milde)
medizinische Befunde sie behindern oder vorübergehend verunmöglichen. War
beispielsweise ein über mehrere Monate dauernder Muskelaufbau erforderlich, damit
die Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 60% (angestammt) erreichen konnte,
so war die Arbeitsfähigkeit nach der Rekonvaleszenz von der zweiten Rückenoperation
zufolge des damit verbundenen Muskelabbaus erneut während längerer Zeit erheblich
reduziert, weil zunächst erneut mittels Therapien ein Muskelaufbau erzielt werden
musste. Ebenso ist nachvollziehbar, dass ein Unfall mit Sturz auf die Schulter die
Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit behindert hat.
5.2.
Soweit die RAD-Ärztin seitens der Beschwerdeführerin eine Rentenbegehrlichkeit
vermutet, ergeben sich aus den Akten keine Anhaltspunkte, welche eine vorsätzliche
6.1.
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Verzögerung des Arbeitsfähigkeitsaufbaus ausweisen würden. Insbesondere gab die
Beschwerdeführerin schon bei der Begutachtung ein Schweregefühl im Rücken an (sie
"habe das Gefühl, man habe ihr einen Ziegelstein implantiert"; IV-act. 171-36), welches
mit der zweiten Rückenoperation verbessert werden konnte (vgl. IV-act. 213-1). Auch
die Gallenblasenentfernung war offenbar medizinisch indiziert (Cholezystitis bei
Cholezystolithiasis, IV-act. 251), sodass auch sie nicht mit Blick auf eine allenfalls
höhere Rente bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit hätte vorgeschoben werden
können.
Die Stellungnahme der RAD-Ärztin vom 16. Januar 2018 (act. G6.3) greift zu kurz,
da sie jeweils ohne darauf Bezug zu nehmen von einer Arbeitsfähigkeit adaptiert von
80% ausging und unberücksichtigt liess, dass diese nicht für den Gutachtenstermin
bereits bestätigt wurde. Es ist ohne Weiteres nachvollziehbar, dass das intensive
Trainings- und Therapieprogramm aufgrund der zweiten Rückenoperation
(Materialentfernung vom 15. September 2017) nicht wie von den Gutachtern
vorgesehen hatte durchgeführt werden können bzw. unterbrochen werden musste.
Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist für die Herabsetzung des Rentenanspruchs
erst von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann,
dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird, in jedem Fall aber, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird (vgl. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]). Vorliegend stellte sich in den sechs Monaten zwischen dem Gutachten
und der zweiten Rückenoperation jedenfalls kein stabiler Gesundheitszustand ein. Eine
kurzfristige Verbesserung der Arbeitsfähigkeit in diesem Zeitraum ist für die
Rentenleistung nicht zu berücksichtigen. Dass ein Sturz auf die Schulter mit
Kontusionsfolge (Unfall vom 18. November 2017) eine weitere Verzögerung
verursachte, leuchtet ebenfalls ein. Danach war ein Aufbau der Arbeitsfähigkeit
wiederum möglich und wurde von der Beschwerdeführerin auch angestrebt. Wird mit
der Beschwerdeführerin und ihrem Behandler davon ausgegangen, dass ab dem 11.
Dezember 2017 wieder eine Arbeitsfähigkeit von 30% bestand (IV-act. 209), so hätte
die Beschwerdeführerin diese Arbeitsfähigkeit gemäss der gutachterlich festgelegten
Steigerungsmöglichkeit alle vier bis sechs Wochen per 15. Januar 2018 auf 40%, per
19. Februar 2018 auf 50% und per 26. März 2018 auf 60% erhöhen können.
6.2.
Effektiv gearbeitet hat die Beschwerdeführerin zunächst 30%, ab Frühling 2018
50% und ab November 2018 schliesslich 60%. Da sie in ihrer angestammtenTätigkeit
arbeitet, war eine weitere Steigerung des Arbeitspensums danach nicht mehr möglich.
In einer besser adaptierten Tätigkeit könnte zwar eine höhere Arbeitsfähigkeit erreicht
6.3.
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7.
werden, die Beschwerdeführerin verfügt aber über keine andere verwertbare
Berufsausbildung und würde in einer Hilfsarbeitertätigkeit in einem 80%-Pensum
weniger verdienen als in ihrer angestammten Tätigkeit in einem 60%-Pensum (vgl.
betreffend Jahreslohn für Hilfsarbeit Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV
herausgegebenen IV-Textausgabe, Ausgabe 2019, S. 228, basierend auf der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik und
betreffend Jahreslohn der Beschwerdeführerin IV-act. 178). Da somit sowohl für das
Validen- wie auch für das Invalideneinkommen auf den Lohn abzustellen ist, den die
Beschwerdeführerin als Z._ verdient, kann zur Bestimmung des Invaliditätsgrades ein
Prozentvergleich erfolgen (zum Prozentvergleich siehe Urteil des Bundesgerichts vom
23. Mai 2019, 9C_851/2018, E. 5.1 mit Hinweisen). Demnach entspricht der Grad der
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin gleichzeitig dem Grad ihrer Invalidität.
Gründe, die einer Steigerung der Arbeitsfähigkeit von Januar bis März 2018 auf
60% entgegenstehen würden, sind aus den Akten nicht ersichtlich. Insbesondere fand
die Gallenblasenentfernung erst über fünf Monate später, im September 2018, statt
und führte nur zu einer kurzen Arbeitsunfähigkeit von rund zwei Wochen. Sie ist daher
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mangels andauernder Auswirkung nicht
relevant. Demnach ist von der vorstehend erläuterten gutachterlich festgelegten
Steigerungsmöglichkeit auszugehen und nicht von der effektiven Steigerung des
Pensums. Gestützt auf Art. 88a Abs. 1 IVV ist die Verbesserung des
Gesundheitszustands bzw. der Arbeitsfähigkeit erst zu berücksichtigen, nachdem sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird, in jedem Fall aber, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin
andauern wird. Vorliegend erfolgte die Steigerung der Arbeitsfähigkeit graduell um
jeweils 10% alle vier bis sechs Wochen. Eine länger dauernde stabile höhere
Arbeitsfähigkeit lag angesichts dieser relativ raschen Steigerung demnach erst vor,
nachdem die Beschwerdeführerin das Pensum von 60% hätte erreichen können
(26. März 2018, vgl. E. 6.2 vorstehend). Da der Grad der Arbeitsfähigkeit auch dem
Grad der Invalidität entspricht, hat die Beschwerdeführerin von Dezember 2015 (siehe
E. 3.1 vorstehend) bis zum 30. Juni 2018 bei einem Invaliditätsgrad von 70% Anspruch
auf eine ganze Rente. Ab 1. Juli 2018 (drei volle Monate nach dem 26. März 2018) hat
die Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 40% Anspruch auf eine
Viertelsrente. Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen.
6.4.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
7.1.
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