Decision ID: b505c89d-69ae-58c1-a375-4ee714b741b5
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968, meldete sich am 2
8.
November 2000 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/5). Die
Sozi
alversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein, das von den Ärzten des
Y._
am 2
7.
November 2003 erstattet wurde (
Urk.
7/42), und verneinte mit Verfügung vom
8.
Januar 2004 einen Rentenanspruch (
Urk.
7/44).
Auf eine erneute Anmeldung am 2
8.
Juli 2011 trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
0.
Dezember 2011 nicht ein (
Urk.
7/64).
1.2
Nach erneuter Anmeldung am 1
3.
Juni 2013 (
Urk.
7/69) holte die IV-Stelle unter anderem ein polydisziplinäres Gutachten ein, das von den Ärzten des
Z._
am 2
7.
Mai 2014 erstattet wurde (
Urk.
7/86). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/93-94,
Urk.
7/99) verneinte sie mit Verfügung vom
8.
Januar 2015 einen
Leistungsan
spruch
(
Urk.
7/102 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
9.
Februar 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
Januar 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm mindestens eine halbe Rente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit
Beschwerdeantwort vom 1
7.
März 2015 (
Urk.
6)
die Abweisung der Beschwerde.
Am 2
7.
März 2015 wurde antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
2) die unentgelt
liche Prozessführung bewilligt (
Urk.
8). Am
5.
Mai 2015 erstattete der Beschwerdeführer eine Replik (
Urk.
9) und am 2
7.
Mai 2015 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf Duplik (
Urk.
11), was dem Beschwerdeführer am 2
8.
Mai 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychi
scher, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesge
richts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das ganze für die Alko
holsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tra
gen ist (Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01 vom 19. Juni 2002 E. 2b).
Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkoholsucht betrifft, ist für die
inva
li
denversicherungsrechtliche
Relevanz der Abhängigkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Ent
wicklung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alkoholsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002 E. 1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz untergeordnete Teilursache han
delt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähig
keit einschränkt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil des Bundesgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.2; erwähntes Urteil I 758/01 E. 3.1). Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alkoholsucht und krankheitswertigem psychi
schem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entstehung der Alkoholsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen Komorbidität auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zusammenhang zwischen den
beiden Aspekten ange
wiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestimmung der Inva
lidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis, 99 V 28 E. 2; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E. 2.2 und 4.2 mit Hinweisen und 8C_672/2010 vom 27. September 2010 E. 2).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert,
und tritt
die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräfti
gen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die glei
che materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbe
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, es liege kein versicherungsrelevanter Gesundheitsschaden vor; es sei dem Beschwerdeführer zumutbar, einer Tätigkeit vollzeitig nachzugehen und ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (S. 2 oben).
Der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung stünden bestimmte, näher bezeichnete Ressourcen gegen
über (S. 2 unten).
Zudem stelle die im
Z._
-Gutachten 2014 diagnostizierte
Persönlichkeits
störung
eine andere Beurteilung des gleichen, dem
Y._
-Gutachten 2003 zugrundeliegenden Sachverhalts dar (
Urk.
6 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), es sei bezüglich der Arbeitsfähigkeit auf die Feststellungen im
Z._
-Gutachten abzustellen (S. 8 f.). Sodann werde im Gutachten klar festgehalten, dass es zwi
schenzeitlich zu einer Wesensänderung gekommen sei (
Urk.
9 S. 2 oben)
,
und die von der Beschwerdegegnerin postulierte Überwindbarkeit werde im Gutach
ten verneint (
Urk.
9 S. 2 unten).
2.3
Strittig und zu
prüfen ist, ob im Vergleich zur Anspruchsprüfung im Jahr 2003 eine Verschlechterung eingetreten ist, und bejahendenfalls, wie es sich aktuell mit der Arbeitsfähigkeit und einem allfälligen Invaliditätsgrad verhält.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in seinem Bericht vom 1
9.
Dezember 2000 (
Urk.
7/8) unter anderem aus, er behand
le den Beschwerdeführer seit März 1998 (
Ziff.
4) und nannte als Diag
nosen eine Adipositas
permagna
, eine Abhängigkeit vom Morphintyp,
Metha
donsubstitution
(ICD-10 F11.2) und e
ine latente Depression (
Ziff.
3
). Der Beschwer
deführer sei wahrscheinlich seit 1994 infolge seiner Adipositas
per
magna
nicht
mehr arbeitsfähig (
Ziff.
2).
3.2
Im
Y._
-
Gutachten vom 2
7.
November 2003 (
Urk.
7/42)
wurden folgende Diag
nosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit genannt (S. 12
Ziff.
4):
Adipositas
simplex
(BMI = 47)
belastungsabhängiges
lumbovertebrales
Syndrom bei
leichter
Fehlform
und Fehlhaltung der Wirbelsäule
retropatelläres
Beschwerdesyndrom bei
Valgusstellung
der Beinachsen
Abhängigkeitssyndrom vom Morphintyp, Methadonsubstitution, gele
gentli
cher Substanzgebrauch (ICD-10 F11.2)
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein
Nikotinabu
sus
genannt (S. 12
Ziff.
4).
In der Beurteilung
wurde unter anderem ausgeführt, l
aut eigenen Angaben sei der Beschwerdeführer erstmals im Alter von 19 Jahren in Kontakt mit Heroin gekommen
, gefolgt vom
Gebrauch von Kokain, sogenannte
n
‚
Totalabstürze
n‘, L
eben am Platzspitz
,
Gefängnisaufenthalt mit Entzug, nachdem zuvor mehrere Entzugsbehandlungen in der psychiatrischen Universitätsklinik gescheitert seien. Seit etwa 1993
bestehe ein
methadongestützter Entzug
und t
rotzdem weiterhin
ein
Gebrauch von Heroin und Kokain sowie Nikotin, letzteres in grossen Mengen. Zurzeit fühle sich
der Beschwerdeführer
psychisch recht stabil und ausgeglichen, im Grund sei sein einziges Problem das Übergewicht. Kli
nisch sei er bewusstseinsklar und orientiert. Es bestehe kein Anhalt
s
punkt für Denkstörungen
;
Konzentration, Aufmerksamkeit, Antrieb und Sozialverhalten seien unauffällig.
Es bestehe k
ein Anhalt für Suizidalität. Aus psychiatrischer Sicht bestehe jetzt eine Abhängigkeit vom Morphintyp mit
Methadonsubstitu
tion
, gelegentlichem Substanzgebrauch. Eine depressive Störung sei zurzeit nicht festzustellen. Aufgrund
seines
Suchtverhaltens sowie
der
Methadonsubsti
tution
komme
der Versicherte
für Arbeite
n
, bei welchen eine hohe Reaktions
geschwindigkeit oder besondere Aufmerksamkeit notwendig sei, nicht in Frage. Im Übrigen sei seine Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht nicht
einge
schränkt (S. 14).
Zusammenfassend und bei Beurteilung aller Gegebenheiten und Befund
e
sei der
Beschwerdeführer
nicht geeignet für körperliche Schwerarbeit, er sei a
uch nicht geeignet für Arbeiten
mit repetitivem Gewichtheben über 15 kg oder repetitivem Treppensteigen bzw. Bergaufgehen. Ausserdem sei er wegen Drogenkonsums nicht geeignet für Arbeiten, welche besondere Aufmerksamkeit oder Reaktions
geschwindigkeit erforderten. Für alle anderen, leichte
n
, wechselbelastenden Tätig
keiten eher einfacher Natur bestehe dagegen eine normale Arbeitsfähigkeit
(S. 14 Mitte)
.
3.3
Mit Verfügung vom
8.
Januar 2004 hielt die Beschwerdegegnerin fest, Adiposi
tas oder Drogensucht begründeten für sich alleine keine Invalidität. Beides sei vorliegend weder Folge einer psychischen oder körperlichen Störung mit Krankheitswert noch habe es zu einer solchen geführt (
Urk.
7/44 S. 2).
4.
4.1
Am 3
0.
Januar 2013 wurde der Beschwerdeführer von einem Auto angefahren und zog sich ein
Thoraxtrauma
mit
undislozierter
Fraktur der
6.
Rippe, fraglich auch der
7.
Rippe, links sowie eine
Humeruskopffraktur
links zu (
Urk.
7/89/59-60).
4.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender Arzt des
Stadtärztliche
n Dienstes, und
lic
. phil. D.
D._
, erstatteten a
m
1
9.
September 2013
einen Bericht
(
Urk.
7/79)
. Sie nannten die folgenden, hier gekürzt angeführten Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0)
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, vorwiegend unauf
merk
sa
mer Typus (DSM-IV 314.00, ICD-10 F98.8)
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Osteoporose der Wirbelsäule
Zum Verlauf führten sie unter anderem aus, der Explorand sei im November 2011 nach 25-jähriger Opiatabhängigkeit in die Poliklinik eingetreten; es sei gelungen, ihn adäquat zu substituieren und sein Zustand stabilisiere sich auf sehr tiefem Niveau (S. 3 Mitte).
D
ie Persönlichkeitsstörung habe eine deutliche Zunahme der Dynamik gezeigt, was zum Abbruch der Tätigkeit in der Recyclingwe
r
kstatt vor drei Monaten geführt habe. Die Persönlichkeitsstörung ziehe eine mangelnde Teamfähigkeit und wiederkehrende Unzuverlässigkeit nach sich. Der Beschwerdeführer könne sich schwer an Vorschriften halten und habe unzählige Gesetzesbrüche verübt, was zu mehreren Gefängnisaufenthalten geführt habe. Der Explorand wirke äusserlich angepasst, sei fast ohne Emotionen und Affekte, zeige aufgrund seiner depressiven Störung aber immer wieder
dysphorisches
Verhalten mit schwa
nkender Motivation, hervorgerufen durch seine starke Angstabwehr
(S. 3 unten)
. Er zeige ausgesprochen starke Stimmungsschwankungen. Im Normalfall scheine er im Leben wohl oberflächlich recht gut zu funktionieren, breche ab
er in Belastungssituationen ein (S. 3 f.).
Es bestünden heute eine dynamisch aktive Persönlichkeitsstörung und eine affek
tive Störung; krankheitsbedingt betrage die Arbeitsunfähigkeit 60
%
im Beobachtungszeitraum sei
t
November 2011 (S. 4 unten).
4.3
Im
Z._
-Gutachten vom 2
7.
Mai 2014 (
Urk.
7/89/1-43
)
wurden folgende
Diagno
sen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
genannt (S.
37
Ziff.
7):
Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psy
chotroper Substanzen (Heroin, Methadon, Alkohol und Nikotin)
gegenwärtig Teilnahme an einem ärztlich überwachten
Ersatzdro
gen
pro
gramm
aktive Abhängigkeit von Äthyl
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
emotional instabilen, abhängigen und dissozialen Anteilen
Status nach mehrfragmentärer
Humeruskopffraktur
links am 3
1.
Januar 2012 mit
Einschränkung in Abduktion in der linken Schulter
Status nach
undislozierter
Fraktur
6.
Rippe links, fraglich au
ch
7.
Rippe
rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
mit/bei
leichter Spondylose der oberen Lendenwirbelsäule (LWS) und leichte bis mittelgradige
Spondylarthrosen
mittlere und untere LWS,
Bastrupp
-Arthrosen und
Status nach thorakalem Morbus Sche
u
e
rmann
Hyperkyphose thorakal, leichte Skoliose lumbal, links-konvex
ungünstige statische Belastung durch abdominal-betonte Adipositas
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden ein Status nach Magenbypass-Operation 2006, eine axiale
Hiatushernie
, eine Adipositas per magna (BMI 40), ein
retropatelläres
Beschwerdesyndrom, eine
Osteopenie
, eine
chronische Bronchitis bei
Nikotinabusus
und ein
Status nach Hepatitis A, B, C
genannt (S. 37 f
. Ziff.
8).
In der Beurteilung wurde unter anderem ausgeführt, p
sychiatrisch finde sich ein seit gut 20 Jahren bestehender, regelmässiger Konsum von psychotropen Sub
stanzen mit einer Abhängigkeit sowohl von Alkohol, Heroin und Methadon, wobei letztere zwei Substanzen in einem geschützten, ärztlichen Ersatzprogram regelmässig abgegeben würden. Daneben rauche der Beschwerdeführer auch regelmässig Tabak
(S. 38 unten)
. Basis dieser Drogensucht sei eine erheblich gestörte Persönlichkeit, deren Entwicklung sich bis in die frühe Kindheit nach
zeichnen lasse
(S. 38 f.)
. Er sei sozial randständig als einziges Kind einer Pros
tituierten aufgewachsen, sei einerseits von dieser Frau verwöhnt, andererseits dann aber in ein Kinderheim versorgt
worden
, als sie ein Restaurant
habe
eröff
nen wollen. Er
sei
bereits mit 17 Jahren in die Drogenszene
gekommen
und habe sich aus eigener Kraft nur ein einziges Mal, zu Beginn, für eine kurze Periode daraus herauslösen können. Erstaunlicherweise habe er bis heute weni
ge somatische Folgen, dies obwohl seit längerem ein erheblicher
Alkohol
kon
sum
bestehe. Rein kognitiv sei die Leistungsfähigkeit bei primär guter
Intel
li
genz
anlage
genügend gut,
cerebral
-bedingt bestehe kaum eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für wenig anspruchsvolle Tätigkeiten trotz
Wesensverände
rung
(S. 39 oben)
.
Rein psychiatrisch sei der Beschwerdeführer in einer Tätigkeit in geschütztem Rahmen voll arbeitsfähig. Im Bereich einer Tätigkeit auf dem freien Arbeits
markt
werde
er aufgrund seiner
Polytoxikomanie
und seiner äthylbedingten Wesensveränderung als zu 50
%
in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
beur
teilt
, d
ies unabhängig von allfälligen rechtlichen Überlegungen zur Zumutbar
keit einer Willensanstrengung der chronischen Medikamenten- und Alkohol
sucht.
Allerdings verträten sie (die Gutachter) hier medizinisch die Meinung, dass der Versicherte nach einem Abusus von 20 Jahren und bei entsprechender Persönlichkeitsstruktur nicht in der Lage sei, seine Abhängigkeit von psycho
tropen Substanzen zu überwinden (S. 39).
Ferner führten die Gutachter aus, bezüglich der Diagnose einer ganz erheblichen Persönlichkeitsstörung, deren Quellen sich bis in die Kindheit und Jugend zu
rückverfolgen liessen, kämen sie zur gleichen Beurteilung wie
Dr.
B._
. Es handle sich um eine Mischform mit verschiedenen Anteilen narziss
tischer, auch ängstlich vermeidender und dissozialer sowie emotional-instabiler
Persön
lichkeitszüge
. Es müsse auch davon ausgegangen werden, dass der Versichert
e
auch eine zentralnervöse Schädigung habe, dies allerdings bei vorbestehenden guten Ressourcen. Eine Wesensveränderung aufgrund des jah
relangen Drogen
konsums und auch des Alkoholkonsums in den letzten vier Jahren müsse aber festgestellt werden. Für eine adaptierte, einfache und wenig anspruchsvolle Tätigkeit kämen sie zu einer etwas höheren Arbeitsfähigkeit als
Dr.
B._
; im Übrigen sähen sie zu dessen Beurteilung keine wesentlichen Differenzen (S.
41
Ziff.
14).
Zur Suchterkrankung führten sie aus, es bestehe zweifellos eine in der Kindheit und Jugend mit sehr schwierigen Entwicklungsbedingungen begründete erheb
liche Persönlichkeitsstörung. Von einer leichten Schädigung des Zentralner
vensystems (ZNS) sei auszugehen, allerdings verfüge der Versicherte über
primär gute intellektuelle Ressourcen, so dass sich dieses Defizit für eine adap
tierte, ihm mögliche Tätigkeit (noch) nicht auswirke. Eine leichte
Wesensverän
derung
sei vorhanden, sie verwische sich allerdings mit der gesamten Sympto
matik der Persönlichkeitsstörung (S. 42
Ziff.
15.2).
4.4
Med.
pract
.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
führte am
3.
Juni 2014 unter anderem aus (
Urk.
7/96 S. 3 f.), das Gutachten sei weithin schlüssig und nachvollziehbar, aber in seinen Folgerungen zur Arbeitsunfähigkeit nicht voll plausibel. Der postulierten Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
könnten die teils überdurch
schnittlichen, teils guten und durchschnittlichen, teils randständigen Ergebnisse der umfangreichen neuropsychologischen Abklärung entgegengehalten werden. Die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung sei nur wenig belegt
. Beim mit 17 Jahren einsetzenden Drogenkonsum handle es sich um ein primäres
Drogenge
schehen
ohne
nachweisbare vorangehende gravierende psychische Erkrankung (S. 3 Mitte). Versicherungspsychiatrisch betrage die Arbeitsfähigkeit 100
%
(S. 4 oben).
5.
5.1
Der erst im Beschwerdeverfahren vorgebrachten Einschätzung der
Beschwerde
gegner
in
, es
sei
seit 2003 zu keinen revisionsrelevanten Veränderungen gekommen (vorstehend E. 2.1), kann nicht gefolgt werden
:
2003 wurde die Adipositas als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit genannt (vorstehend E. 3.1), 2014 als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 4.3). 2003 wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Abhängigkeitssyndrom vom Morphintyp (ICD-10 F11.2) genannt, 2014 Störungen durch multiplen Substanzgebrauch, namentlich Heroin, Methadon, Alkohol und Nikotin
(
was nach ICD-10
wohl
der Diagnose F19.9 entspräche
)
. Zusätzlich zu den 2003 gestellten Diagnosen wurden 2014 eine kombinierte Persönlichkeitsstörung (was
nach ICD-10
F61.0 entspräche
)
und
ein
Status nach
Humeruskopffraktur
2012 genannt.
Ferner wurde
2014
im Gutachten
mit entsprechender Begründung von einer leichten Wesensveränderung berichtet.
Dies lässt gesamthaft darauf schliessen, dass sich der 2014 untersuchte Gesund
heitszustand so weit von dem 2003 untersuchten unterscheidet, dass das Gut
achten von 2014 nicht einfach als unterschiedliche
Beurteilung eines gleich gebliebenen Sachverhalts qualifiziert (und damit unbeachtet) bleiben könnte.
5.2
Im
Z._
-Gutachten (vorstehend E. 4.3) wurde u
nter anderem aus
geführt
, die fortgesetzte Alkoholproblematik
habe bis heute erstaunlich wenige somatische Folgen, rein kognitiv sei die Leistungsfähigkeit genügend gut
,
und
cerebral
-bedingt bestehe kaum eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für wenig anspruchsvolle Tätigkeiten trotz Wesensveränderung (S. 39 oben). Die postulier
te Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 50
%
wurde sodann aber doch mit der
Polytoxikomanie
und der äthylbedingten Wesensveränderung begründet, dies verbunden mit der medizinischen Einschätzung, wonach der Beschwerde
führer nach einem Abusus von 20 Jahren und bei entsprechender Persönlich
keitsstruktur kaum mehr in der Lage sein dürfte, seine Abhängigkeit zu über
winden (S. 39).
5.3
Die postulierte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wurde von den Gutachtern somit mit der Suchtproblematik (und der ihr nachfolgenden - leichten
–
Wesens
veränderung
) begründet. Damit stellt sich nicht die rechtliche Frage der Überwindbarkeit, sondern es kommt die gefestigte Rechtsprechung zur Anwen
dung,
anhand derer die Versicherungsrelevanz
von Abhängigkeitserkrankungen zu beurteilen ist (vorstehend E. 1.2). Mithin ist zu prüfen, ob die
Suchtprob
le
ma
tik
durch eine ihr vorangegangene psychische Beeinträchtigung mit
Krank
heitswert
verursacht wurde oder nicht.
Die
Ausführungen im
Z._
-Gutachte
n können so verstanden werden, dass
dies bejaht
wurde. Die Gutachter haben eine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert, „deren Quellen sich bis in die Kindheit und Jugend zurückverfolgen“ liessen (S.
41 oben),
und
sie haben ausgeführt, die Basis der Drogensucht sei eine erheblich gestörte Persönlichkeit, „deren Entwicklung sich bis in die frühe Kindheit nachzeichnen“ lasse (S. 3
8 f.
). Damit haben sie
jedenfalls sinngemäss zum Ausdruck gebracht,
die Persönlichkeitsstörung
habe die spätere
Abhängig
keitsproblematik
verursacht.
D
ie
Gutachter
wiesen darauf hin, dass der
Beschwerdeführer
sozial randständig aufgewachsen sei, als einziges
Kind einer
Prostituier
ten, die ihn
einmal verwöhnt, dann aber in einem Heim platziert
habe. Bereits mit 17 Jahren sei er in die Drogenszene gekommen (S. 39 oben)
.
Nun ist durchaus nachvollziehbar, dass eine dergestalt schwierige und belas
tende Kindheit ein entscheidender Faktor für das Abgleiten in die Drogenszene gewesen sein könnte.
Das ist aber nicht, was die Gutachter ausführten. Vielmehr setzten sie die schwierigen Lebensumstände dem frühen Vorhandensein einer Persönlichke
itsstörung gleich
.
Ihre Annahme, die Persönlichkeitsstörung bestehe seit der Kindheit, stützt sich einzig darauf, dass der Beschwerdeführer als Kind und Jugendlicher in schwierigen und belastenden Verhältnissen aufgewachsen (und früh in die Drogenszene geraten) ist.
Dem RAD-Psychiater ist
deshalb
zuzustimmen, dass die diagnostizierte
Persön
lich
keitsstörung
nur wenig belegt ist (vorstehend E. 4.4). Sie wurde als Diagnose erstmals 2013 erwähnt (vorstehend E. 4.2), mithin zu einem Zeitpunkt, in welchem der Beschwerdeführer immerhin schon 45-jährig war. In früheren ärztlichen Beurteilungen finden sich keinerlei Hinweise darauf, dass eine ent
sprechende Diagnose auch nur in Betracht gezogen
worden wäre
, weder seitens des behandelnden Arztes im Jahr 2000 (vorstehend E. 3.1) noch im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung 2003 (vorstehend E. 3.2).
Dies führt insgesamt zum Schluss, dass nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt ist, dass die
Abhängigkeitsprob
lematik
durch eine Beeinträchtigung mit Krankheitswert (namentlich die 2014 diagnostizierte Persönlichkeitsstörung) verursacht wurde. Damit ist die von ihr bewirkte Arbeitsunfähigkeit nicht versicherungsrelevant.
5.4
Somit ist der Sachverhalt dahingehend erstellt, dass keine
versicherungsrelevan
ten
Beeinträchtigungen von Krankheitswert bestehen, womit auch keine
versi
cherungsrelevante
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen ist.
Die angefochtene Verfügung, mit welcher ein versicherungsrelevanter
Gesund
heitsschaden
verneint wurde, erweist sich damit als zutreffend. Sie ist zu bestä
tigen und die dagegen erhobene Beschwerde entsprechend abzuweisen.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invali
denversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen, ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen und infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das
Sozialversicherungs
gericht
(
GSVGer
).