Decision ID: 8105721a-a7cf-5127-9d92-1be0a586f1d3
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am 19. November 2019 um Asyl in der
Schweiz. Er wurde dem Bundesasylzentrum (BAZ) B._ zugewie-
sen. Die Eltern C._ und D._ (N_), der (Nennung Ver-
wandter) E._ (N_) sowie die (Nennung Verwandte)
F._ (N_) reichten zusammen mit dem Beschwerdeführer
Asylgesuche ein. Am 26. November 2019 fand die Personalienaufnahme
(PA) statt.
A.b Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank (Zentral-
einheit Eurodac) ergab, dass der Beschwerdeführer am (...) bereits in Grie-
chenland ein Asylgesuch eingereicht hatte und ihm am (...) dort Schutz ge-
währt worden war.
A.c Anlässlich des persönlichen Dublin-Gesprächs und des rechtlichen
Gehörs zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid und zur Möglichkeit
der Rückführung nach Griechenland vom 29. November 2019 (vgl. Proto-
koll in den SEM-Akten: 1057058-15/2) machte der Beschwerdeführer in
Anwesenheit seiner Rechtsvertretung im Wesentlichen geltend, er habe im
Camp in Griechenland nur einen Ausweis erhalten, es sei ihm aber nicht
kommuniziert worden, dass ihm Asyl gewährt worden sei. Er sei (Nennung
Dauer) auf der Strasse geblieben und es könne nicht sein, dass er in so
kurzer Zeit einen Schutzstatus erhalten habe. Die Menschen in Griechen-
land seien liebenswert, jedoch sei die Lage in ihrem Camp schwierig ge-
wesen. So hätten (Nennung Personen) Probleme wegen den Kurden ge-
macht, diese angegriffen und überdies mit Drogen gehandelt und/oder kon-
sumiert. Auch hätten sich Personen im Camp befunden, die irgendwelchen
Organisationen angehört und dort weitergemacht hätten, wo sie aufgehört
hätten. Einmal habe er mit einer Person gesprochen, die dem syrischen
Regime angehört habe. Dies sei ein Problem für ihn gewesen, da er vom
syrischen Militärdienst desertiert sei. Ausserdem sei ihm seine Familie
wichtiger als er selber; diese habe in Griechenland viel gelitten und es gebe
dort auch keine Arbeit, um die Familie zu versorgen. Zudem sei ihm dort
gesagt worden, dass man keine Verantwortung für einen politischen
Flüchtling übernehmen könne. Ferner seien die Zahlungen der Behörden
(Nennung Zeitpunkt) eingestellt worden und man habe ihn aus dem Camp
hinausgeworfen. Gleichzeitig habe er auch eine Verfügung erhalten, wo-
nach er das Camp verlassen müsse. Zu seinem Gesundheitszustand be-
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fragt gab der Beschwerdeführer an, er habe (Nennung Leiden). Seit (Nen-
nung Dauer) könne er nicht schlafen, er habe gestern im Camp (Nennung
Medikament) erhalten und sei auch psychisch angeschlagen.
B.
B.a Am 29. November 2019 ersuchte das SEM die griechischen Behörden
gestützt auf die Richtlinie 2008/115/EG des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 16. Dezember 2008 über gemeinsame Normen und Ver-
fahren in den Mitgliedstaaten zur Rückführung illegal aufhältiger Dritt-
staatsangehöriger (sog. Rückführungs-Richtlinie) und auf das Abkommen
zwischen dem Schweizerischen Bundesrat und der Regierung der Helleni-
schen Republik über die Rückübernahme von Personen mit irregulärem
Aufenthalt vom 28. August 2006 (SR 0.142.113.729) um Rückübernahme
des Beschwerdeführers.
B.b Am 4. Dezember 2019 stimmten die griechischen Behörden dem
Rückübernahmeersuchen des SEM zu. Gleichzeitig informierten sie da-
rüber, dass sie dem Beschwerdeführer am (...) den Flüchtlingsstatus ge-
währt hätten und dieser in Griechenland über eine bis am (...) gültige Auf-
enthaltsbewilligung verfüge.
C.
Gemäss den Arztberichten vom (...) wurden beim Beschwerdeführer (Nen-
nung Diagnose). Hierzu wurden ihm zur Behandlung (Nennung Therapie).
D.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2019 reichte der Beschwerdeführer wei-
tere Beweismittel (Nennung Beweismittel) zu den Akten.
E.
Mit Schreiben des SEM vom 20. Dezember 2019 erhielt der Beschwerde-
führer nochmals Gelegenheit, sich zur Absicht der Vorinstanz, auf das Asyl-
gesuch nicht einzutreten und ihn nach Griechenland wegzuweisen zu äus-
sern.
F.
In seiner Stellungnahme vom 6. Januar 2020 verwies der Beschwerdefüh-
rer zunächst auf seine bisherigen Ausführungen und Beweismittel und
teilte sodann mit, dass er am (...) einen Folgetermin zur Besprechung der
(Nennung Therapieresultate). Er leide nach wie vor (Nennung Leiden). Mit
einer Wegweisung nach Griechenland müsse zwingend zugewartet wer-
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den, bis der medizinische Sachverhalt ausreichend abgeklärt sei. Es be-
stünden klare Hinweise, dass die benötigte medizinische Versorgung in
Griechenland nicht gewährleistet sei. In Griechenland habe er (Nennung
Dauer) täglich eine Tablette zur Behandlung seiner (Nennung Leiden) ein-
genommen. Da sich die Schmerzen nicht gebessert hätten, habe er einen
Arzttermin erhalten. Dafür hätte er aber im über (...) km entfernten
G._ in einem Hotel übernachten müssen, was er sich nicht habe
leisten können. Somit sei ihm nicht ermöglicht worden, die für ihn notwen-
dige Behandlung in Anspruch zu nehmen. Zu seinen individuellen Erleb-
nissen in Griechenland führte der Beschwerdeführer ergänzend zu seinen
Aussagen im Dublin-Gespräch an, dass er und seine Familie, nachdem sie
am (...) aus der Unterkunft, in welcher Sie auf kleinsten Raum zusammen-
gelebt hätten, verstossen worden seien, noch etwa (Nennung Dauer) auf
der Strasse beziehungsweise im Wald in der Nähe von G._ gelebt
hätten. Die finanzielle Unterstützung seitens der griechischen Behörden
sei eingestellt worden. Diese finanzielle Perspektivenlosigkeit sowie die
Angst vor dem Übernachten auf der Strasse und die daraus entstehende
Notlage hätten entscheidend zu ihrem Ausreiseentschluss aus Griechen-
land beigetragen. Zudem sei die Sicherheitslage im Camp äusserst desolat
gewesen und als Folge der bekannten Ineffizienz der griechischen Polizei
habe deswegen viel Unruhe geherrscht. Es sei regelmässig zu Diebstählen
und Schlägereien auf dem Gelände des Camps gekommen. Verhaftete
seien nach kurzer Zeit freigelassen worden. Da das Camp während Mona-
ten ohne Leitung gewesen sei, habe ein Zustand von ständiger Unruhe und
Unsicherheit geherrscht. Sodann hätten anerkannte Schutzberechtigte in
Griechenland auch angesichts der Wirtschaftskrise keinen Zugang zu Ar-
beit oder zu Sozialleistungen. Durch verschiedene Sparmassnahmen sei
auch das Recht auf Gesundheit ausgehöhlt worden. Insgesamt führe seine
Wegweisung nach Griechenland zu einer unzulässigen, existentiellen Not-
lage und somit zu einer Verletzung des Art. 3 EMRK.
G.
Gemäss dem (Nennung Beweismittel) leidet der Beschwerdeführer weiter-
hin an (Nennung Leiden und bisherige Behandlungen). Ferner wurde der
Beschwerdeführer für eine (Nennung Untersuchung) angemeldet. Diese
wurde am (...) durchgeführt, wobei gemäss dem Arztbericht gleichen Da-
tums ein (Nennung Resultat der Untersuchung) festgestellt wurde.
H.
Am 11. Februar 2020 übermittelte das SEM den Entwurf des Nichteintre-
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tensentscheids mit allen relevanten Akten an die Rechtsvertretung zur Stel-
lungnahme. In der Stellungnahme vom 12. Februar 2020 erklärte der Be-
schwerdeführer, er sei mit dem geplanten Entscheid nicht einverstanden.
Er wolle nicht nach Griechenland zurück, wo es keine Sicherheit und kaum
medizinische Versorgung gebe. Weiter leide er trotz der (Nennung Thera-
pie) nach wie vor ununterbrochen an starken Schmerzen, welche auf (Nen-
nung Körperteile) ausstrahlen würden. Für seine Beschwerden habe man
ihm in Griechenland ausschliesslich Schmerzmittel gegeben und als man
ihn einmal in ein Krankenhaus verwiesen habe, sei er vergeblich angereist,
da man ihn gar nicht behandelt habe. Aufgrund der Situation in Griechen-
land, welches seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen nach wie vor nicht
nachkomme, sei davon auszugehen, dass er die von ihm benötigte medi-
zinische Versorgung in Griechenland nicht erhalten werde. Zudem erhiel-
ten anerkannte Schutzberechtigte keinerlei staatliche finanzielle oder an-
derweitige Unterstützung. Es lägen erhärtete Anhaltspunkte vor, dass er
bei einer Wegweisung nach Griechenland dort einer unmenschlichen und
erniedrigenden Behandlung gemäss Art. 3 EMRK ausgesetzt sei. Es be-
stünden individuelle Vollzugshindernisse sozialer, wirtschaftlicher und ge-
sundheitlicher Art, was einen Wegweisungsvollzug als unzulässig und/oder
als unzumutbar erscheinen lasse.
I.
Mit Verfügung vom 14. Februar 2020 – eröffnet am 17. Februar 2020 – trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein, wies ihn aus der
Schweiz weg und forderte ihn auf, die Schweiz am Tag nach Eintritt der
Rechtskraft dieser Verfügung zu verlassen, ansonsten er in Haft genom-
men und unter Zwang nach Griechenland zurückgeführt werden könne.
Ferner beauftragte das SEM den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der
Wegweisung und ordnete die Aushändigung der editionspflichtigen Akten
gemäss Aktenverzeichnis an den Beschwerdeführer an.
J.
Mit Eingabe vom 24. Februar 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde. Er beantragte, die angefochtene Ver-
fügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf das Asylge-
such einzutreten. Eventualiter sei die Verfügung des SEM im Wegwei-
sungspunkt aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, die Unzulässig-
keit oder die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs festzustellen und
die vorläufige Aufnahme in der Schweiz anzuordnen. Subeventualiter sei
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die Sache zwecks vollständiger Abklärung des Sachverhalts und Neubeur-
teilung zurückzuweisen. Subsubeventualiter sei die Vorinstanz anzuwei-
sen, individuelle Garantien betreffend die adäquate Unterbringung und den
benötigten Zugang zur nahtlosen fachärztlichen Weiterbehandlung von
den griechischen Behörden einzuholen. Es sei die unentgeltliche Prozess-
führung zu gewähren, insbesondere sei von der Erhebung eines Kosten-
vorschusses abzusehen.
K.
Die vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungsgericht am
26. Februar 2020 in elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).
L.
Das Gericht bestätigte dem Beschwerdeführer den Eingang der Be-
schwerde am 4. März 2020.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG).
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Be-
schwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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Seite 7
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz
zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (BVGE 2012/4 E. 2.2
m.w.H.).
3.2 Bezüglich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb dem
Bundesverwaltungsgericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe
den Untersuchungsgrundsatz verletzt beziehungsweise den Sachverhalt
unrichtig oder unvollständig festgestellt. Diese verfahrensrechtliche Rüge
ist vorab zu prüfen, da sie allenfalls geeignet wäre, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
4.1.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10
E. 3.2 m.w.H.). Die Behörde ist dabei jedoch nicht verpflichtet, zu jedem
Sachverhaltselement umfangreiche Nachforschungen anzustellen. Zu-
sätzliche Abklärungen sind vielmehr nur dann vorzunehmen, wenn sie auf-
grund der Aktenlage als angezeigt erscheinen (vgl. dazu AUER/BINDER, in:
Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum Bundesgesetz über das
Verwaltungsverfahren [VwVG], 2. Aufl. 2019, Rz. 16 zu Art. 12).
4.1.2 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung dargelegt, auf-
grund welcher Überlegungen sie zum Schluss gekommen ist, dass die Vo-
raussetzungen für einen Nichteintretensentscheid gemäss Art. 31a Abs. 1
Bst. a AsylG erfüllt sind und der Wegweisungsvollzug als zulässig, zumut-
bar und möglich zu erachten ist. Sie hat sich namentlich auch mit den gel-
tend gemachten gesundheitlichen Beeinträchtigungen, insbesondere auch
den diversen in den Akten liegenden Arztberichten, den darin gestellten Di-
agnosen und Therapien sowie den Lebensbedingungen in Griechenland
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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(vgl. angefochtene Verfügung, S. 3-4 und S. 9-10) und dem in der Stellung-
nahme vom 6. Januar 2020 geäusserten Ersuchen, es sei mit einer Weg-
weisung nach Griechenland zwingend zuzuwarten, bis dass der medizini-
sche Sachverhalt abgeklärt sei respektive bis dass der (Folge)Termin vom
(...) für eine Besprechung der (Nennung Therapieresultate) habe wahrge-
nommen werden können, hinreichend auseinandergesetzt. Diesbezüglich
führte das SEM an, die in der Zwischenzeit zu den Akten gereichten ärztli-
chen Berichte würden klare Diagnosen und weiterführende Behandlungs-
massnahmen in Bezug auf die gesundheitliche Situation des Beschwerde-
führers liefern. Es erachte den medizinischen Sachverhalt zum jetzigen
Zeitpunkt als ausreichend erstellt, um die Zulässigkeit und die Zumutbar-
keit einer Wegweisung nach Griechenland beurteilen zu können, auch
wenn weitere Arzttermine anstehen sollten. Diese Beurteilung ist vorlie-
gend nicht zu beanstanden, zumal sich das SEM bei seiner Würdigung auf
Abklärungsergebnisse einiger Arztberichte stützte, die beim Beschwerde-
führer im ersten Arztbericht gestellten Diagnosen in der Folge bestätigt
wurden und aus der geplanten Besprechung der (Nennung Therapieresul-
tate) in der Tat als Ergebnis keine (erheblich) veränderte Diagnose oder
Behandlung zu erwarten war. Aus diesem Vorgehen der Vorinstanz ist so-
mit keine unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts zu
erkennen. Soweit der Beschwerdeführer rügt, es liege bezüglich der aktu-
ellen allgemein vorherrschenden Situation in Griechenland und insbeson-
dere hinsichtlich der dortigen Verschärfung des Asylgesetzes eine unvoll-
ständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts vor, beschlägt dies
die rechtliche Würdigung des Sachverhalts. Im Übrigen liegt darin auch
keine Verletzung der Begründungspflicht, zumal nicht erforderlich ist, dass
sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinander-
setzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136
I 184 E. 2.2.1 m.w.H.). Ausserdem zeigt die vorliegende Beschwerde, dass
eine sachgerechte Anfechtung möglich war.
4.2 Zusammenfassend erweist sich die formelle Rüge als unbegründet,
weshalb dem Rückweisungsantrag zwecks vollständiger Abklärung und
Neubeurteilung nicht stattzugeben ist.
5.
5.1 Das SEM tritt gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG auf ein Asylgesuch
nicht ein, wenn Asylsuchende in einen sicheren Drittstaat nach Art. 6a
Abs. 2 Bst. b AsylG zurückkehren können, in welchem sie sich vorher auf-
gehalten haben.
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Seite 9
5.2 Griechenland wurde durch den Bundesrat am 14. Dezember 2007 als
sicherer Drittstaat im Sinne von Art. 6a Abs. 2 Bst. b AsylG bezeichnet. Der
Beschwerdeführer hat sich vor der Einreise in die Schweiz unbestrittener-
massen in Griechenland aufgehalten und dort ein Asylverfahren durchlau-
fen, es wurde ihm der Flüchtlingsstatus zuerkannt und er hat auch eine
entsprechende Aufenthaltsbewilligung erhalten. Die griechischen Behör-
den haben seiner Rückkehr zugestimmt (vgl. Bst. B.b.).
5.3 Griechenland ist unter anderem Signatarstaat des Abkommens vom
28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (Flüchtlingskonven-
tion, FK; SR 0.142.30) und bietet grundsätzlich Gewähr für die korrekte
Durchführung von Asylverfahren. So hat denn auch der Beschwerdeführer
nicht behauptet, sein Asylverfahren in Griechenland sei fehlerhaft gewesen
beziehungsweise es würde ihm dort die Rückschiebung in seinen Heimat-
staat Syrien unter Verletzung des Refoulement-Verbots drohen. Ferner
enthält die Beschwerde keine diesbezüglichen Einwände, so dass das
SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. a AsylG zu Recht auf die Asyl-
gesuche des Beschwerdeführers nicht eingetreten ist (vgl. auch das Urteil
des BVGer E-2617/2016 vom 28. März 2017 E. 3).
6.
6.1 Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das Staatssekretariat in der Regel die
Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug an, wenn es das
Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt. Es berücksichtigt dabei den
Grundsatz der Einheit der Familie. Bezüglich der Frage der Wegweisung
und des Vollzugs hat das SEM eine materielle Prüfung vorgenommen,
weshalb dem Gericht diesbezüglich volle Kognition zukommt.
6.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Auslände-
rinnen und Ausländern (Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG). Bei der Geltend-
machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss ständiger
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der
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strikte Beweis möglich ist, andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen
(vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2).
Vorliegend ist einzig der Vollzug der Wegweisung nach Griechenland einer
Prüfung zu unterziehen, nicht aber ein solcher in den Heimatstaat Syrien.
7.2 Unzulässig ist der Vollzug der Wegweisung, wenn völkerrechtliche Ver-
pflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Aus-
länders in den Heimat-, Herkunfts- oder in einen Drittstaat entgegenstehen
(Art. 83 Abs. 3 AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise
in ein Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit
aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie
Gefahr läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5
Abs. 1 AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden. Auch weitere Verletzungen völkerrechtli-
cher Verpflichtungen der Schweiz, die sich unter anderem aus der EMRK
ergeben, können einem Wegweisungsvollzug entgegenstehen.
Unzumutbar kann der Vollzug der Wegweisung für Ausländerinnen und
Ausländer gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG dann sein, wenn sie im Heimat- oder
Herkunftsstaat auf Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemei-
ner Gewalt und medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine
konkrete Gefährdung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7
AIG – die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
7.3 Gemäss Art. 6a AsylG besteht zugunsten sicherer Drittstaaten – wie
Griechenland es ist (vgl. E. 5) – die Vermutung, dass diese ihre völker-
rechtlichen Verpflichtungen, darunter im Wesentlichen das Refoulement-
Verbot und grundlegende menschenrechtliche Garantien, einhalten
(vgl. FANNY MATTHEY, in: Cesla Amarelle/Minh Son Nguyen, Code annoté
de droit des migrations, Bern 2015, Art. 6a AsylG N 12 S. 68). Gestützt auf
Art. 83 Abs. 5 AIG besteht ferner die Vermutung, dass eine Wegweisung
in einen EU- oder EFTA-Staat in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der
betroffenen Person, diese beiden Legalvermutungen umzustossen. Dazu
hat sie ernsthafte Anhaltpunkte dafür vorzubringen, dass die Behörden des
in Frage stehenden Staates im konkreten Fall das Völkerrecht verletzen,
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Seite 11
ihr nicht den notwendigen Schutz gewähren oder sie menschenunwürdi-
gen Lebensumständen aussetzen würden respektive dass sie im in Frage
stehenden Staat aufgrund von individuellen Umständen sozialer, wirt-
schaftlicher oder gesundheitlicher Art in eine existenzielle Notlage geraten
würde (vgl. statt vieler das Urteil des BVGer E-2617/2016 vom 28. März
2017 E. 4).
8.
8.1 Das SEM erachtete die Vorbringen des Beschwerdeführers im ange-
fochtenen Entscheid nicht für geeignet, die Regelvermutung des verfol-
gungssicheren Drittstaates im konkreten Fall umzustossen. Griechenland
habe ihn als Flüchtling anerkannt, es stünden ihm damit alle Rechte aus
der Flüchtlingskonvention zu. Die zitierten Quellen zur generellen Situation
von Schutzberechtigten in Griechenland stellten Berichte oder Stellung-
nahmen mit allgemeinem Charakter dar, welche keinen direkten und kau-
salen Zusammenhang zu seiner persönlichen Situation hätten. Zudem sei
Griechenland an die Qualifikationsrichtlinie (2011/95/EU) gebunden. Da-
nach würden Personen mit Schutzstatus in Bezug auf die medizinische
Versorgung, den Zugang zum Arbeitsmarkt und die Sozialversicherungen
die gleichen Rechte besitzen wie griechische Staatsbürger. Die allgemein
schwierigen ökonomischen Lebensbedingungen und die Wohnungsnot in
Griechenland würden die ganze Bevölkerung treffen, weshalb sie die Zu-
mutbarkeit des Wegweisungsvollzugs nicht widerlegen könnten. Allfällige
Versäumnisse der griechischen Behörden im Zusammenhang mit Sozial-
leistungen, Wohnraum und medizinischer Versorgung könnten dort gericht-
lich geltend gemacht werden. Die Qualifikationsrichtlinie verpflichte den
griechischen Staat zudem auch zur Sicherstellung der medizinischen
Grundversorgung für anerkannte Flüchtlinge, inklusive allfällige weiterfüh-
rende und notwendige Untersuchungen sowie Kontrolltermine. Die nötige
medizinische Versorgung sei demnach auch in Griechenland gewährleis-
tet; der Beschwerdeführer sei gehalten, sich an die zuständigen griechi-
schen Institutionen zu wenden. Überdies werde seinem Gesundheitszu-
stand im Rahmen der Überstellung Rechnung getragen. Ferner werde das
SEM die zuständige Vollzugsbehörde darüber informieren, dass der Voll-
zug des Beschwerdeführers, (Nennung Verwandte) nach Möglichkeit ge-
meinsam durchgeführt werden solle. Auch davon ausgehend, dass die Le-
bensbedingungen in Griechenland nicht einfach seien, sei – auch in Anbe-
tracht der (Nennung Beweismittel) zur Wohnsituation und zur Sicherheits-
lage im Camp – nicht von einer unmenschlichen oder entwürdigenden Be-
handlung im Sinne von Art. 3 EMRK respektive einer Notlage auszugehen.
Im Übrigen stelle ein Wegweisungsvollzug nach Griechenland auch unter
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Seite 12
Berücksichtigung des neuen griechischen Asylgesetzes keine Verletzung
der völkerrechtlichen Verpflichtungen der Schweiz dar. Das Bundesverwal-
tungsgericht habe zudem in seiner jüngsten Rechtsprechung die Wegwei-
sung von Familien mit flüchtlingsrechtlichem Schutzstatus als zulässig und
zumutbar bejaht (mit Verweis auf die Urteile des BVGer E-2451/2019 vom
31. Mai 2019 und D-367/2019 vom 2. Mai 2019). Sodann spreche weder
die in Griechenland herrschende Sicherheitslage noch andere Gründe ge-
gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs. Griechenland verfüge
über eine funktionierende Polizeibehörde, die sowohl als schutzwillig als
auch als schutzfähig gelte. Der Beschwerdeführer könne sich an die zu-
ständigen Behörden wenden, sollte er sich vor Übergriffen durch Privatper-
sonen fürchten oder sogar solche erleiden. Mithin gelte Griechenland als
sicherer Drittstaat, in dem keine Situation allgemeiner Gewalt herrsche.
Der Vollzug sei technisch möglich und praktisch durchführbar, eine ent-
sprechende Zusicherung Griechenlands liege vor.
8.2 In der Beschwerdeeingabe wurde dargelegt, dass aufgrund der beson-
deren, individuellen Verletzlichkeit des Beschwerdeführers die Regelver-
mutung, wonach Griechenland seinen völkerrechtlichen Verpflichtungen
nachkomme, nicht aufrechterhalten werden könne. In genereller Hinsicht
wiederholte der Beschwerdeführer zunächst die bereits in den Stellung-
nahmen zum rechtlichen Gehör vom 6. Januar 2020 und vom 12. Februar
2020 dargelegten Bedingungen, denen anerkannte Schutzberechtigte in
Griechenland ausgesetzt seien (fehlende Möglichkeiten zur Integration in
die griechische Gesellschaft; unzulängliche humanitäre Standards; pre-
käre sozioökonomische Situation; eingeschränkter Zugang zu medizini-
scher Behandlung). (Nennung Zeitpunkt) nach der Anerkennung als
Flüchtling habe er zusammen mit seinen Familienangehörigen die Asylun-
terkunft verlassen und auf der Strasse sowie im Wald leben müssen. Zu-
dem sei ihm der Zugang zur notwendigen und adäquaten Gesundheitsver-
sorgung in Griechenland – abgesehen von der Verschreibung von Medika-
menten – verwehrt geblieben. Der erhebliche Mangel an Arzt- und Pflege-
personal in Griechenland habe dazu geführt, dass man andere Patienten
priorisiert habe und es ihm in den (Nennung Dauer) in Griechenland nie
möglich gewesen sei, einen Arzt zu konsultieren beziehungsweise sich un-
tersuchen zu lassen. Seine Vergangenheit, als er vom syrischen Militär de-
sertiert sei, hole ihn nachts immer wieder ein, weshalb er an (Nennung
Leiden) leide. Überdies leide er seit (Nennung Dauer) – als er entführt, ge-
foltert und dabei gestürzt sei – an (Nennung Leiden), welche bis (Nennung
Körperteile) ausstrahlen würden und sich zu einem chronischen Leiden
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Seite 13
entwickelt hätten. Angesichts der in Griechenland bestehenden grundle-
genden Defizite mit Blick auf die Aufnahmebedingungen, sei aufgrund sei-
ner besonderen Verletzlichkeit seine Rückführung nach Griechenland we-
der zulässig im Sinne der einschlägigen völkerrechtlichen Verpflichtungen
der Schweiz noch als zumutbar zu erachten. Es müsse davon ausgegan-
gen werden, dass er aufgrund der fehlenden Integrationsmassnahmen
nicht in der Lage sein werde, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Es lä-
gen erhärtete Anhaltspunkte dafür vor, dass er im Fall der Rückkehr in eine
unmenschliche und erniedrigende Situation geraten würde. Sofern die
Schweizer Asylbehörden am Vollzug der Wegweisung festhalten würden,
seien sie gehalten, von den griechischen Behörden entsprechende Zusi-
cherungen betreffend adäquater Unterbringung und adäquater medizini-
scher Behandlung einzuholen.
8.3 Das Vorliegen eines Vollzugshindernisses unter dem Aspekt der Zuläs-
sigkeit bei Personen, denen von den griechischen Behörden ein Schutz-
status verliehen wurde, wird vom Bundesverwaltungsgericht praxisgemäss
nur unter sehr strengen Voraussetzungen bejaht. Grundsätzlich geht das
Gericht davon aus, dass in Griechenland Schutzberechtigte dort Schutz
vor Rückschiebung im Sinne von Art. 5 Abs. 1 AsylG finden sowie, dass
Griechenland als Signatarstaat der EMRK, der FoK und der FK sowie des
Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) seinen ent-
sprechenden völkerrechtlichen Verpflichtungen grundsätzlich nachkommt.
Zwar anerkennt das Gericht – auch aufgrund der verschiedenen vom Be-
schwerdeführer zitierten Berichte –, dass die Lebensbedingungen in Grie-
chenland schwierig sind. Das griechische Fürsorgesystem steht nicht nur
für Asylsuchende, sondern auch für Personen mit Schutzstatus in der Kritik
(vgl. dazu auch: EGMR, Saidoun gegen Griechenland [Beschwerde
40083/07] und Fawsie gegen Griechenland [Beschwerde 40080/07], beide
vom 28. Oktober 2010). So wurde davon berichtet, dass die Unterstützung
von Personen, denen in Griechenland internationaler Schutz zuerkannt
worden sei, häufig unzulänglich sei. Da das Land nicht über ein Sozialwoh-
nungssystem verfüge, sei es für Personen mit Schutzstatus aus wirtschaft-
lichen Gründen oft schwierig, eine Unterkunft zu finden. Angesichts der ho-
hen Arbeitslosigkeit, die neben der Wirtschaftskrise unter anderem auf den
Mangel einer nationalen Strategie zurückgeführt wird, die Beschäftigung –
insbesondere auch von Personen mit anerkanntem Schutzstatus – zu för-
dern, seien die Betroffenen dabei im Wesentlichen auf die beschränkten
Fürsorgeleistungen des Staates angewiesen. Mit Bezug auf die staatlichen
Unterstützungsleistungen komme es in der Praxis ferner immer wieder zu
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Diskriminierungen von Personen mit Schutzstatus gegenüber griechischen
Staatsangehörigen, wobei dies auch damit zusammenhänge, dass die be-
troffenen Ausländerinnen und Ausländer nicht an die kompetenten Behör-
den verwiesen würden. Dennoch ist gemäss Rechtsprechung diesbezüg-
lich nicht von einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung im
Sinne von Art. 3 EMRK respektive einer existenziellen Notlage auszuge-
hen (vgl. Urteil des BVGer D-5016/2017 vom 12. März 2018 E. 6.4 m.w.H.;
bestätigt in den Urteilen des BVGer E-2360/2019 vom 22. Mai 2019
E. 8.3.1 f.; E-4866/2019 vom 2. Oktober 2019 E. 10.1). Personen mit
Schutzstatus sind griechischen Bürgerinnen und Bürgern gleichgestellt in
Bezug auf Fürsorge, den Zugang zu Gerichten und den öffentlichen Schul-
unterricht respektive gleichgestellt mit anderen Ausländern und Auslände-
rinnen beispielsweise in Bezug auf Erwerbstätigkeit oder die Gewährung
einer Unterkunft (vgl. Art. 16-24 FK). Unterstützungsleistungen und weitere
Rechte können direkt bei den zuständigen Behörden eingefordert werden,
falls notwendig auf dem Rechtsweg. Nicht zuletzt können Schutzberech-
tigte sich auch auf die Garantien in der Richtlinie 2011/95/EU über Normen
für die Anerkennung von Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen als
Personen mit Anspruch auf internationalen Schutz, für einen einheitlichen
Status für Flüchtlinge oder für Personen mit Anrecht auf subsidiären Schutz
und für den Inhalt des zu gewährenden Schutzes; sog. Qualifikationsricht-
linie) berufen, auf die sich Griechenland als EU-Mitgliedstaat behaften las-
sen muss. Von Interesse dürften diesbezüglich insbesondere die Regeln
betreffend den Zugang von Personen mit Schutzstatus zu Beschäftigung
(Art. 26), zu Bildung (Art. 27), zu Sozialhilfeleistungen (Art. 29), zu Wohn-
raum (Art. 32) und zu medizinischer Versorgung (Art. 30) sein. Im Falle
einer Verletzung der Garantien der EMRK steht gestützt auf Art. 34 EMRK
letztlich der Rechtsweg an den Europäischen Gerichtshof für Menschen-
rechte (EGMR) offen (vgl. statt vieler das Urteil E-5134/2018 vom 26. Ok-
tober 2018 E. 9.5.4 f.).
8.4
8.4.1 Der Beschwerdeführer war am (...) in Griechenland als Flüchtling an-
erkannt worden. Es besteht daher kein Anlass zur Annahme, es drohe ihm
eine Verletzung des in Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) verankerten
Grundsatzes der Nichtrückschiebung. Aufgrund der Akten liegen ferner
keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach
Griechenland dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3
EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt
wäre.
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8.4.2 Hinsichtlich der gesundheitlichen Probleme geht aus den Akten her-
vor, dass beim Beschwerdeführer (Nennung Leiden und bisherige Thera-
pien). Der in der Stellungnahme vom 6. Januar 2020 erwähnte Folgetermin
vom (...) – und allfällig daraus sich ergebene Resultate – wurden von der
Vorinstanz vor Erlass ihres Entscheids abgewartet.
8.4.3 Die medizinischen Sachverhalte des Beschwerdeführers können
nicht unter die vom EGMR in seinem Urteil vom 13. Dezember 2016
(Nr. 41738/10 Paposhvili gg. Belgien), §183, genannten «other very excep-
tional cases» subsumiert werden. Trotz der Diagnosen handelt es sich
beim Beschwerdeführer nicht um eine schwerkranke Person, bei dem die
ernsthafte Gefahr besteht, dass er bei einer Rückschaffung nach Griechen-
land einer schwerwiegenden, rapiden und irreversiblen Verschlechterung
seines Gesundheitszustandes, verbunden mit übermässigem Leiden oder
einer bedeutenden Verkürzung der Lebenserwartung, ausgesetzt wäre, zu-
mal die medizinische Versorgung in Griechenland gewährleistet ist. Weder
die Vorbringen des Beschwerdeführers noch die eingereichten Arztberichte
lassen darauf schliessen, dass die geltend gemachten gesundheitlichen
Probleme derart gravierend wären, als dass eine adäquate Behandelbar-
keit im EU-Staat Griechenland nicht gegeben wäre.
8.4.4 Soweit der Beschwerdeführer die schlechte Sicherheitslage in Grie-
chenland kritisiert, ist festzuhalten, dass Griechenland ein Rechtsstaat ist,
der über einen funktionierenden Polizei- und Justizapparat verfügt (vgl. Ur-
teil des BVGer E-4234/2018 vom 30. Juli 2018 E. 6.3.3, m.w.H.). Das SEM
führte demnach zu Recht aus, der Beschwerdeführer könne sich bei Un-
terstützungsbedarf oder allfälligen Problemen mit Drittpersonen an die
griechischen Behörden wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf
dem Rechtsweg einfordern (vgl. act. 1057052-54/14, S. 11).
8.5 Es liegen somit keine konkreten Hinweise vor, dass der Beschwerde-
führer im Falle seiner Rückkehr nach Griechenland einer unmenschlichen
oder erniedrigenden Behandlung im Sinne von Art. 3 EMRK ausgesetzt
wäre. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
9.
9.1 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Herkunftsstaat auf Grund von Si-
tuationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizinischer
Notlage konkret gefährdet sind. Gestützt auf Art. 83 Abs. 5 AIG besteht fer-
ner die Vermutung, dass eine Wegweisung in einen EU- oder EFTA-Staat
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in der Regel zumutbar ist. Es obliegt der betroffenen Person, diese Vermu-
tungen umzustossen.
9.2 Soweit der Beschwerdeführer auf die prekären Lebensbedingungen
von Migranten in Griechenland sowie die ungenügende ärztliche Versor-
gung hinweist, wurde bereits in E. 8.3 oben festgehalten, dass das griechi-
sche Fürsorgesystem auch für Personen mit Schutzstatus in der Kritik
steht. Gleichwohl die Lebensbedingungen in Griechenland nicht als ein-
fach zu bezeichnen sind, vermag der Beschwerdeführer aber die Vermu-
tung, dass eine Rückkehr dorthin als zumutbar zu erachten ist, nicht um-
zustossen. Griechenland ist ein sicherer Drittstaat, in dem keine Situation
von allgemeiner Gewalt herrscht. Der Staat ist an die Richtlinie 2011/95/EU
gebunden. Im Kapitel VII werden die den Flüchtlingen und Personen mit
subsidiärem Schutzstatus zu gewährenden Rechte geregelt (Art. 26 [Zu-
gang zu Beschäftigung], Art. 29 Abs. 2 [Sozial- und Nothilfe] und Art. 30
Abs. 2 [medizinische Versorgung]). Es bestehen keine Hinweise darauf,
Griechenland würde dem Beschwerdeführer dauerhaft die gemäss der
Richtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten und
ihn einer existenziellen Notlage aussetzen. Es darf von ihm zudem erwartet
werden, sich bei Unterstützungsbedarf an die griechischen Behörden zu
wenden und die erforderliche Hilfe nötigenfalls auf dem Rechtsweg einzu-
fordern. Daran vermag auch seine Rüge, er und seine Familienangehöri-
gen hätten nach Verlassen des Camps keine Unterkunft gefunden und auf
der Strasse respektive im Wald leben müssen, wodurch ihnen – implizit –
die griechischen Behörden den nötigen Schutz nicht hätten zukommen las-
sen, nichts zu ändern. So muss sich der Beschwerdeführer den Umstand,
dass er freiwillig aus Griechenland ausgereist ist, anstelle sich (erneut) an
die zuständigen Institutionen zu wenden, zu seinen Ungunsten entgegen-
halten lassen und ist nicht griechischen Behörden anzulasten. Der Weg-
weisungsvollzug ist zumutbar.
Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass für die Einholung individuel-
ler Garantien (vgl. hierzu BVGE 2017 VI/10 E. 5), weshalb der entspre-
chende Antrag (Rechtsbegehren Ziff. 5) abzuweisen ist.
9.3 Der Vollzug der Wegweisung ist schliesslich nach Art. 83 Abs. 2 AIG
möglich, da die griechischen Behörden einer Rückübernahme des Be-
schwerdeführers ausdrücklich zugestimmt haben, dieser dort über eine
Aufenthaltsbewilligung verfügt und den Akten keine Hinweise auf eine lang-
fristige Reiseunfähigkeit aus medizinische Gründen zu entnehmen sind.
Den gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers kann
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bei der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitäten – wie vom SEM im ange-
fochtenen Entscheid bereits in Aussicht gestellt – angemessen Rechnung
getragen werden.
10.
Nach den vorstehenden Erwägungen ist der von der Vorinstanz verfügte
Vollzug der Wegweisung zu bestätigen.
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Mit dem vorliegenden Urteil in der Sache wird der Antrag auf Verzicht
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses gegenstandlos.
12.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten den Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kos-
ten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass
sein Begehren nicht von vornherein aussichtlos war. Während seines Auf-
enthalts im Bundeszentrum unterliegt er einem Arbeitsverbot und ist mittel-
los (Art. 43 Abs. 1 AsylG). Die Voraussetzungen des Art. 65 Abs. 1 VwVG
sind demnach erfüllt und das Gesuch ist gutgeheissen. Auf die Erhebung
der Verfahrenskosten ist zu verzichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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