Decision ID: 8b1d0f3b-f9a4-42f6-a35f-a09a8aec45e7
Year: 2021
Language: de
Court: NW_OG
Chamber: NW_OG_001
Canton: NW
Region: Central_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Aufgrund einer Verdachtsmeldung der Meldestelle für Geldwäscherei vom 26. Januar 2021
eröffnete die Staatsanwaltschaft Nidwalden gegen den Beschuldigten eine Strafuntersuchung
wegen Betrugs und Urkundenfälschung. Der Beschuldigte steht unter Verdacht, mit unwahren
überhöhten Umsatzangaben einen Covid-19-Kredit erlangt und nicht vereinbarungsgemäss
verwendet zu haben.
Mit Verfügung vom 27. Januar 2021 verlangte die Staatsanwaltschaft von der Obwaldner
Kantonalbank verschiedene Auskünfte und die Zustellung von Unterlagen. Sie wies die Bank
an, das Unternehmenskonto des Beschuldigten zu sperren und verhängte ein
Mitteilungsverbot.
B.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 10. Februar 2021 Beschwerde und beantragte die
Aufhebung der Kontosperre, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates.
C.
Die Staatsanwaltschaft schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 19. Februar 2021 auf
Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen zu Lasten des Beschwerdeführers und
übermittelte die eingeforderten Akten. Dies wurde dem Beschwerdeführer zur Kenntnis
gebracht. Damit war der Rechtsschriftenwechsel abgeschlossen.
D.
Die Beschwerdeabteilung in Strafsachen des Obergerichts Nidwalden hat die vorliegende
Streitsache anlässlich ihrer Sitzung vom 27. Mai 2021 in Abwesenheit der Parteien
abschliessend beraten und beurteilt. Auf die Vorbringen der Parteien wird – soweit erforderlich
– in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
3│12

Erwägungen:
1.
1.1
Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann innert 10 Tagen
schriftlich und begründet Beschwerde erhoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a und Art. 396
Abs. 1 StPO). Zuständig für deren Beurteilung ist die Beschwerdeabteilung in Strafsachen des
Obergerichts Nidwalden, die in Dreierbesetzung entscheidet (Art. 29 i.V.m. Art. 22 Ziff. 2 GerG
[NG 261.1]). Bei der angeordneten Kontosperre handelt es sich um eine Beschlagnahme im
Sinne von Art. 266 Abs. 4 StPO. Der Beschwerdeführer ist als Kontoinhaber von dieser
Beschlagnahme direkt betroffen und hat ein unmittelbares Interesse an der Aufhebung der
Kontosperre (BStGer BB.2017.17-25 vom 12. April 2017 E. 5 mit Hinweis auf BB.2013.189-
190 vom 4. Juni 2014 E. 1.3). Auf die im Übrigen form- und fristgerecht erhobene Beschwerde
ist einzutreten.
1.2
Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und
Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (Art. 393 Abs. 2
lit. a); die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die
Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden. Da mit der Beschwerde alle Mängel der
angefochtenen Verfügung geltend gemacht werden können, verfügt die Rechtsmittelinstanz
über volle Kognition (PATRICK GUIDON, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar
zum Schweizerischen Strafprozessrecht, 2. Aufl. 2014, N. 15 zu Art. 393).
2.
Die Staatsanwaltschaft begründete die strittige Kontosperre wie folgt:
«Der Beschuldigte wird verdächtigt, für das Einzelunternehmen «B._» unter Angaben eines Umsatzerlöses von
Fr. 409'399.-- auf dem Antragsformular, datierend vom 17. Juli 2020, einen COVID-19-Kredit in der Höhe von
Fr. 40'900.-- erwirkt zu haben. Der Beschuldigte soll den Grossteil des so erhaltenen COVID-19-Kredits entgegen
des vereinbarten Verwendungszwecks nicht für die Sicherung laufender Liquiditätsbedürfnisse des Unternehmens,
sondern für private Zwecke verwendet haben. Aufgrund der bisherigen Ergebnisse des Strafverfahrens besteht der
Verdacht, dass die sich auf den Bankkonten und Depots der betroffenen Person befindlichen Vermögenswerte
durch strafbare Handlungen erlangt worden sind.
4│12
Gegenstände oder Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson werden beschlagnahmt,
wenn sie als Beweismittel oder zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und
Entschädigungen gebraucht werden, dem Geschädigten zurückzugeben oder einzuziehen sind (Art. 263 Abs. 1
StPO).»
In ihrer Stellungnahme vom 19. Februar 2021 präzisierte die Staatsanwaltschaft, die
Kontosperre sei gestützt auf Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO zum Zwecke einer späteren Restitution
an die geschädigte Person gemäss Art. 70 Abs. 1 in fine StGB und nicht zur Kostendeckung
(Art. 263 Abs. 1 lit. c StPO) erfolgt. Eine solche Restitution gehe einer Einziehung stets vor.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer rügt zunächst sinngemäss eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Die
Staatsanwaltschaft halte nicht detailliert fest, weshalb die Beschlagnahme bzw. die
Kontosperre erfolgt sei. Es werde einfach auf den allgemeinen Text von Art. 263 Abs. 1 StPO
mit allen Varianten verwiesen. Ausserdem fehle die Summe des deliktisch erworbenen und
zweckwidrig verwendeten Vermögens.
3.2
Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 107 Abs. 1 StPO). Die
Begründungspflicht ist Ausfluss davon (FRANZ RIKLIN, Orell Füssli Kommentar StPO, 2. Aufl.
2014, N. 3 zu Art. 107 StPO). Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Seine
Verletzung führt ungeachtet der materiellen Begründetheit eines Rechtsmittels zu dessen
Gutheissung und zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids (BGE 144 IV 302 E. 3.1 mit
weiteren Hinweisen), weshalb entsprechende Rügen vorab zu prüfen sind.
3.3
3.3.1
Die Beschlagnahme ist mit einem schriftlichen, kurz begründeten Befehl anzuordnen (Art. 263
Abs. 2 Satz 1 StPO). Die Begründungspflicht stellt nicht nur ein bedeutsames Element
transparenter Entscheidfindung dar, sondern dient zugleich auch der wirksamen
Selbstkontrolle der verfügenden Behörde (BGE 118 V 56 E. 5b, 112 Ia 107 E. 2b). Die
Begründung soll der Staatsanwaltschaft ihre Überlegungen vor Augen führen und so eine
Prüfung der Plausibilität des eigenen Entscheids bewirken, um zu verhindern, dass sie sich
von unsachlichen Motiven leiten lässt. Überdies soll die Begründung die betroffene Person in
5│12
die Lage versetzen, sachgerecht über einen Weiterzug des Entscheids zu befinden und diesen
gegebenenfalls in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterzuziehen (vgl.
STEFAN HEIMGARTNER, Strafprozessuale Beschlagnahme; Wesen, Arten und Wirkungen –
Unter Berücksichtigung der Beweismittel-, Einziehungs- Rückgabe- und
Ersatzforderungsbeschlagnahme, 2011, S. 107 mit weiteren Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts 1B_163/2013 vom 4. November 2013, E. 4.8). Zudem soll der
Beschwerdeinstanz die Prüfung des angefochtenen Entscheids ermöglicht werden.
Dementsprechend muss die Staatsanwaltschaft wenigstens kurz ihre Überlegungen nennen,
von denen sie sich hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (BGE 142 III 433
E. 4.3.2).
3.3.2
Der Beschlagnahmebefehl ist summarisch zu begründen. Inhaltlich sollte die betreffende
Verfügung Ausführungen zum inkriminierten Sachverhalt sowie zur Beweislage enthalten,
welche den Tatverdacht begründet sowie, im Falle von Ersatzforderungs- oder Deckungs-
beschlagnahmen, den mutmasslichen Konnex zwischen Delikt und Beschlagnahmeobjekt
aufzeigen. Auch hat aus der Verfügung hervorzugehen, zu welchem Zweck
(Beschlagnahmeart) das Beschlagnahmeobjekt beschlagnahmt wird sowie die anwendbaren
Gesetzesbestimmungen (Stefan HEIMGARTNER, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers
[Hrsg.], Kommentar StPO, 3. Aufl. 2020, N. 23 zu Art. 263 StPO; BOMMER Felix/GOLDSCHMID
Peter, in: BSK-StPO, a.a.O., N. 62 zu Art. 263).
Weist der Beschlagnahmebefehl Begründungsmängel auf, können diese durch die
Rechtsmittelinstanz geheilt werden, soweit diese über die gleiche Kognition wie die Vorinstanz
verfügt und die Frage im Beschwerdeverfahren zumindest thematisiert worden ist (STEFAN
HEIMGARTNER, Strafprozessuale Beschlagnahme, a.a.O., S. 107 mit weiteren Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts 1B_163/2013 vom 4. November 2013 E. 4.8).
3.4
Die Staatsanwaltschaft hat sich in der angefochtenen Verfügung tatsächlich nur pauschal zum
Beschlagnahmezweck geäussert, diesen Punkt allerdings in ihrer Stellungnahme vom
19. Februar 2021 konkretisiert. Diese wurde dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht. Er
verzichtete jedoch darauf sein Replikrecht zu wahren und sich zum nun hinreichend klaren
Beschlagnahmungszweck zu äussern. Nachdem der Beschwerdeinstanz volle Kognition
zukommt, sind die Voraussetzungen für die «Heilung» dieses formellen Mangels erfüllt.
6│12
Anders als vom Beschwerdeführer dargetan, wurde der Umfang des allenfalls deliktisch
erworbenen Vermögens festgehalten. Aus der summarischen Begründung der
Staatsanwaltschaft geht hervor, dass der Beschwerdeführer einen Covid-19-Kredit im Betrage
von Fr. 40'900.‒ erwirkte und der Verdacht besteht, dass die auf dem Bankkonto befindlichen
Vermögenswerte durch strafbare Handlungen erlangt worden sind. Der präzise Wert der
deliktisch erlangten Vermögenswerte ist im Zeitpunkt ihrer Beschlagnahme kaum je bekannt
und seine präzise Ermittlung in diesem Zeitpunkt auch kaum je möglich (sie bildet Gegenstand
des Urteils). Der Beschlag hat demnach die Werte in dem Ausmass zu erfassen, in dem sie
als mit der Straftat verknüpft erscheinen (BOMMER/GOLDSCHMID, BSK-StPO, a.a.O., N. 43 zu
Art. 263 StPO). Dies ist vorliegend der Fall und damit der Begründungspflicht Genüge getan.
3.5
Insgesamt fällt eine Gutheissung der Beschwerde aus formellen Gründen ausser Betracht.
4.
4.1
In materieller Hinsicht bestreitet der Beschwerdeführer das Vorliegen eines dringenden
Tatverdachts. Er habe das Antragsformular korrekt ausgefüllt, seine Angaben entsprächen
den tatsächlichen Verhältnissen. Die Kontosperre sei auch unhaltbar, weil der Kredit in erster
Linie zur Deckung der Kosten des Einzelunternehmens verwendet worden sei. Zwar habe er
über das Konto nicht nur sämtliche Geschäfte seiner Einzelfirma abgewickelt, sondern auch
seine Lohnzahlungen. Wie bei vielen Einzelunternehmen werde nicht monatlich eine zum
Voraus festgelegte Lohnsumme ausgerichtet, sondern durch jeweilige Gegenrechnung auf
dem Konto entsprechend dem Einkommen als Einzelunternehmen im Jahresüberblick
rückwirkend festgelegt und abgerechnet.
4.2
Die Staatsanwaltschaft bringt zusammengefasst vor, dass der bereits aufgrund der
Geldwäschereianzeige des Bundesamtes für Polizei bestandene dringende Tatverdacht sich
durch die beigezogenen Bankunterlagen erhärtet habe. Zum einen verzeichne das Konto des
Einzelunternehmens des Beschuldigten im Jahre 2019 lediglich Zahlungseingänge von
Fr. 181'109.75 (exkl. zweier Zahlungseingänge für den Verkauf der Betriebseinrichtung im
Betrage von insgesamt Fr. 228'290.‒). Zum anderen zeigten die relativ spärlichen
Zahlungseingänge auf den Bankkontoauszügen vom 1. Januar 2020 bis 28. Januar 2021 der
7│12
vorangehenden Veräusserung der Betriebseinrichtung entsprechend, dass bereits anfangs
2020, mithin vor der Corona-Pandemie, praktisch keine Geschäftstätigkeit mehr vorhanden
war. Der deklarierte Umsatzerlös von Fr. 409'399.‒ sei nicht annähernd mit den auf dem
Unternehmenskonto verzeichneten Zahlungseingängen kongruent. Auch sei der Covid-19-
Kredit nicht primär für die Kosten des Einzelunternehmens verwendet worden. Vielmehr legen
die Belastungen eine grösstenteils private Verwendung des ausbezahlten Covid-19-Kredits
nahe. Vor der Auszahlung des Kredits habe das Saldo des besagten Unternehmenskontos
Fr. 2'754.50 betragen und bis zur erfolgten Kontosperre seien (nebst der Covid-19-Kredit-
Auszahlung) total Fr. 2'391.85 gutgeschrieben worden. Die Ausgaben ab Gutschrift des Covid-
19-Kredits würden die Zahlungseingänge bei Weitem übersteigen. Die mit Beschlagnahme
belegten Vermögenswerte auf dem Unternehmenskonto stammten gänzlich aus dem
betrügerisch erlangten Covid-19-Kredit und stellten direkten Deliktserlös dar.
5.
5.1
Die Kontosperre stellt eine besondere Vollzugsform der Forderungsbeschlagnahme nach
Art. 266 Abs. 4 StPO dar (Urteil des Bundesgerichts 1B_195/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.2 mit
Verweis auf BGE 126 II 462 E. 5b; BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., N. 8 Vor Art. 263-268 StPO
und N. 15 zu Art. 266 StPO; HEIMGARTNER, Kommentar StPO, a.a.O., N. 7 zu Art. 266 StPO).
Mittels der Kontosperre wird die Forderung bereits beschlagnahmt (vgl. DÖBELI Thirza,
Blockieren – Beschlagnahmen – Einfrieren, in: AJP, 2015 S. 1240, mit weiteren Hinweisen,
wonach die Kontosperre eine strafprozessuale Beschlagnahme nach Art. 263 ff. StPO und
eine Zwangsmassnahme i.S.v. Art. 196 StPO darstellt).
5.2
Gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. c StPO i.V.m. Art. 70 Abs. 1 in fine StGB können Gegenstände
und Vermögenswerte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt
werden, wenn die Gegenstände und Vermögenswerte voraussichtlich den Geschädigten
zurückzugeben sind (sog. Restitutionsbeschlagnahme). Die Restitutionsbeschlagnahme
bezweckt die vorläufige Sicherstellung von Gegenständen und Vermögenswerten im Hinblick
auf die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes. Sie setzt voraus, dass die
betreffenden Vermögenswerte durch eine Straftat erlangt worden sind (vgl. Art. 70 Abs. 1
StGB).
8│12
Die Beschlagnahme stellt lediglich eine provisorische, sichernde Massnahme dar. Sie soll den
Erhalt der fraglichen Vermögenwerte während dem Strafverfahren sicherstellen, damit das
urteilende Gericht namentlich die Rückgabe an den Berechtigten oder die Einziehung
anordnen kann. Sie stellt sozusagen die vorsorgliche Massnahme zur Durchführung des
materiellen Rechts dar (Urteil des Bundesgerichts 1B_684/2012 vom 24. Januar 2012 E. 2.1;
HEIMGARTNER, Kommentar StPO, a.a.O., N. 11 zu Art. 263 StPO). Daher genügt es, wenn ein
blosser Verdacht auf eine Verbindung zwischen dem Vermögenswert und der Straftat besteht
(BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., N. 41 zu Art. 263 StPO). Die Beschlagnahme ist so lange
aufrechtzuerhalten, wie eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Einziehung oder Restitution
besteht (Urteile des Bundesgerichts 1B_684/2012 vom 24. Januar 2012 E. 2.1; 1B_300/2013
vom 14. April 2014 E. 6).
Die Beschlagnahme setzt als Zwangsmassnahme im Sinne von Art. 196 StPO einen
hinreichenden Tatverdacht sowie einen Beschlagnahmegrund voraus, muss verhältnismässig
und durch die Bedeutung der Straftat gerechtfertigt sein (Art. 197 Abs. 1 StPO;
BOMMER/GOLDSCHMID, a.a.O., N. 11 ff. zu Vor Art. 263-268 StPO; Urteile des Bundesgerichts
1B_352/2019 vom 30. Oktober 2019 E. 3.1; 1B_258/2017 vom 2. März 2018 E. 2.2).
5.3
Die Beschwerdeabteilung entscheidet nicht über das endgültige Schicksal der
Vermögenswerte. Dementsprechend sind bei der Zulässigkeitsbeurteilung nicht alle Tat- und
Rechtsfragen abschliessend zu prüfen. Eine Beschlagnahme ist nur dann aufzuheben, wenn
ihre Voraussetzungen offensichtlich nicht erfüllt sind (BGE 139 IV 250 E. 2.1).
6.
6.1
Dem Beschwerdeführer wird vorgeworfen, dass er mit unwahren Angaben zum effektiven
Umsatz seiner Einzelunternehmung einen Covid-19-Kredit von Fr. 40'900.‒ erhältlich gemacht
und die Gelder hauptsächlich für private Zwecke verwendet hat.
6.2
Der Beschwerdeführer hatte im Antragsformular «Covid-19-Kredit» vom 17. Juli 2020 einen
Umsatzerlös von Fr. 409'399.‒ angegeben (STA-act. 2.17). In der Folge erhielt er einen Covid-
19-Kredit im Betrage von Fr. 40'900.‒.
9│12
6.3
Der Umsatzerlös wird als Geld- oder Güterzugang aus Lieferungen und Leistungen im
Rahmen der normalen Geschäftstätigkeit verstanden, abzüglich allfälliger Minderungen des
Erlöses (z.B. Rabatte, Skonti, Debitorenverluste usw.; vgl. GRETER/ZIHLER in: Pfaff/Glanz/
Stenz/Zihler [Hrsg.], Rechnungslegung nach Obligationenrecht, veb.ch Praxiskommentar mit
Berücksichtigung steuerrechtlicher Vorschriften, 2. Aufl. 2019, N. 10 zu Art. 957 OR). Laut den
aktenkundigen Kontoauszügen verzeichnete das Unternehmenskonto im Jahre 2019
Zahlungseingänge von total Fr. 409'399.75. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass über
die Hälfte der Gutschriften, mithin rund Fr. 228'290.‒, aus dem Verkauf der Betriebseinrichtung
stammt (STA-act. 6.46 und 6.49). Der Erlös aus dem Verkauf einer Betriebseinrichtung bzw.
Sachanlage ist aber nicht als Umsatz aus der normalen Geschäftstätigkeit, sondern als Ertrag
aus dem Verkauf von Anlagevermögen und somit als ausserordentlicher Ertrag zu
qualifizieren. Wird also der durch den Verkauf der Betriebseinrichtung gelöste Betrag vom
deklarierten Umsatzerlös abgezogen, bleibt für das Jahr 2019 ein Umsatz aus
Geschäftstätigkeit von bloss Fr. 181'109.75. Damit hätte der Beschwerdeführer keinen Covid-
19-Kredit in ausbezahltem Umfang erhalten.
Gemäss Kreditvereinbarung (vgl. dortige Ziff. 5) ist der Kredit ausschliesslich zur Sicherung
der laufenden Liquiditätsbedürfnisse des Kreditnehmers zu verwenden. Der Covid-19-Kredit
von Fr. 40'900.‒ wurde am 17. Juli 2020 dem Unternehmenskonto gutgeschrieben. Die
edierten Kontoauszüge (Juli 2020 bis Dezember 2020) zeigen, dass der Beschwerdeführer
nach Gutschrift des Covid-19-Kredits knapp einen Viertel der Kreditsumme bzw. Fr. 8'276.‒
für die Bezahlung von Auslandreisen (Übernachtungen Fr. 4'833.‒, Reiseagenturen
Fr. 1'639.‒, Benzin Fr. 822.‒, Transportkosten [Fähre, Maut u.ä.] Fr. 475.‒ sowie für
Spielwaren und Möbel Fr. 507.‒ verwendet hat. Einen weiteren Viertel des Kreditbetrages
(rund Fr. 12'595.‒) bezog er in den Monaten Juli 2020 bis Dezember 2020 in Deutschland,
Italien und der Schweiz. Aus den Akten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass diese
Kosten mit der Sicherung der laufenden Liquiditätsbedürfnisse des Unternehmens,
insbesondere der Deckung der Fixkosten dienten. Vielmehr war die für eine aktive
Geschäftstätigkeit notwendige Betriebseinrichtung bereits im November 2019 verkauft
worden. Der Einwand, dass Einzelunternehmen grundsätzlich über das
Einzelunternehmenskonto Lohnzahlungen vornehmen dürfen, ist grundsätzlich korrekt. Hierfür
bedürfte es aber einer Geschäftstätigkeit. Anhand der edierten Kontoauszügen lässt sich aber
bereits nach dem Verkauf der Betriebseinrichtung im Oktober/November 2019, mithin vor der
Corona-Pandemie, praktisch keine Geschäftsaktivität mehr ausmachen. Ausserdem wurde
10│12
der Kredit, wie soeben dargelegt, eben nicht für die Deckung des Grundbedarfs, sondern für
Auslandreisen verwendet. Insgesamt ist bei der aktuellen Aktenlage der erforderliche
hinreichende Tatverdacht ohne weiteres zu bejahen.
7.
7.1
Der Restitutionsbeschlagnahme unterliegen sämtliche Gegenstände und Vermögenswerte,
die voraussichtlich dem Verletzten zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
gemäss Art. 70 Abs. 1 StGB auszuhändigen sind. Eine Restitution an den Geschädigten
kommt in Betracht, wenn die betreffenden Beschlagnahmeobjekte Originialwerte oder unechte
Surrogate verkörpern. Eine Restitutionsbeschlagnahme kommt demgemäss nur in Betracht,
wenn es sich voraussichtlich um einen Originalwert handelt oder sich wahrscheinlich etwa
anhand einer Papierspur nachweisen lässt, dass der betreffende Wert aus dem inkriminierten
(gleichartigen) Originalwert stammt.
7.2
Der Covid-19-Kredit im Umfang von Fr. 40'900.‒ wurde am 17. Juli 2020 dem
Unternehmenskonto gutgeschrieben (STA-act. 6.20 und 6.71). Vor der Auszahlung des
Kredits belief sich das Saldo des besagten Unternehmenskontos auf Fr. 2'754.50. Bis zur
erfolgten Kontosperre vom 27. Januar 2021 sind (nebst der Covid-19-Kredit-Auszahlung) bloss
Gutschriften von total Fr. 2'391.85 dokumentiert. Der im Zeitpunkt der Kontosperre
gutgeschriebene und mit Beschlagnahme belegte Vermögenswert von Fr. 12'165.30 stammt
vollumfänglich aus dem Covid-19-Kredit. Die Höhe des beschlagnahmten Geldbetrags erweist
sich angesichts des Deliktsbetrages von Fr.40'900.‒, des überwiegend öffentlichen Interesses
an der Rückerstattung unrechtmässig erlangter staatlicher Hilfsgelder und der Tatsache, dass
eine Rückerstattung in Anwendung des Strafrechts wahrscheinlich ist, als verhältnismässig.
8.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Beschlagnahmeverfügung rechtens und die
hiergegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
11│12
9.
9.1
Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittelverfahrens nach
Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Die Entscheidgebühr im Verfahren vor dem
Obergericht als Beschwerdeinstanz beträgt Fr. 200.‒ bis Fr. 3'000.‒ (Art. 11 Ziff. 2 PKoG [NG
261.2]).
9.2
Bei diesem Verfahrensausgang sind die Kosten des Beschwerdeverfahrens, bestimmt auf
Fr. 800.‒, dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
9.3
Die Entschädigung des amtlichen Verteidigers für seine Aufwendungen im
Beschwerdeverfahren ist durch die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht im
Endentscheid festzusetzen (Art. 135 Abs. 2 StPO).
12│12