Decision ID: 3ede2d31-8ad8-422b-a14f-ebb9ea24f813
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.02.2017 Art. 43 Abs. 1 ATSG. Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Da die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, ist eine erneute Begutachtung notwendig. Rückweisung der Sache an die IV-Stelle. Teilweise Gutheissung der Beschwerde (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Februar 2017, IV 2014/137). Entscheid vom 28. Februar 2017 Besetzung Vizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger Geschäftsnr. IV 2014/137 Parteien A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o Procap Schweiz, Frohburgstrasse 4, Postfach, 4601 Olten, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog vom 1. September 2002 bis 31. Januar 2003 wegen einer
Anpassungsstörung mit depressiv-dysphorischer Symptomatik und rezidivierender
Suizidalität bei emotional instabiler Persönlichkeit eine ganze Invalidenrente (Verfügung
vom 28. August 2003, IV-act. 28, vgl. auch IV-act. 12). Auf ein zweites Gesuch um
Rentenleistungen vom Januar/Februar 2007 trat die IV-Stelle nicht ein (IV-act. 31, 40).
A.b Im Dezember 2011 meldete sich der Versicherte zum dritten Mal bei der IV-Stelle
zum Leistungsbezug an (IV-act. 43). Am 28. Dezember 2011 forderte die IV-Stelle ihn
auf, eine relevante Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit August 2003
glaubhaft zu machen (IV-act. 44).
A.c Dr. med. B._, Facharzt für Allgemeine Medizin, berichtete der IV-Stelle am 25.
Januar 2012, dass der Versicherte seit Mai 2011 an einer Diskopathie mit
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lumboradikulärer Symptomatik links und seit Juli 2011 erneut an einer mittelschweren
bis schweren depressiven Verstimmung leide (IV-act. 54). Der Versicherte sei seit dem
2. Mai 2011 zu 100 % arbeitsunfähig. Gemäss einem beiliegenden Bericht der Klinik für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom
5. Juli 2011 (IV-act. 54-4 f.) hatte ein MRI vom 6. Mai 2011 auf der Höhe L3/4 eine
linksseitige extraforaminale Hernierung der Bandscheibe mit Nervenwurzelkompression
L3 linksseitig im extraforaminalen Anteil gezeigt. Die eher rechtsseitigen Beschwerden
hätten jedoch nicht mit dem linksseitigen Befund des MRI korreliert. Dr. med. C._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hatte in einer konsiliarischen
psychiatrischen Untersuchung vom 8. Juli 2011 angegeben (IV-act. 54-7 ff.), dass der
Versicherte wegen einer rezidivierenden depressiven Störung, mittelgradig bis schwer,
teils mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F33.1, F33.3), zu 80 % arbeitsunfähig sei.
RAD-Arzt Dr. med. D._ notierte am 6. Februar 2012, dass eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes ausgewiesen sei (IV-act. 55).
A.d Bereits im September 2011 war der Versicherte im Auftrag der
Krankentaggeldversicherung durch das Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und
Hygiene (AEH) mittels funktionsorientierter medizinischer Abklärung untersucht worden
(Gutachten vom 24. Oktober 2011, IV-act. 79-24 ff.). Die Diagnosen lauteten:
• Chronische Rückenschmerzen mit Exazerbation im Mai 2011 und mit
Ausstrahlungen ins rechte Bein
- ausgeprägte Fehlhaltung mit Shift nach links und vorgeneigter Rumpfhaltung
- degenerative Veränderungen L3-L5 und begleitende linksseitige
Bandscheibenhernien
• Zeichen eines dysfunktionalen Schmerz- und Krankheitsverhaltens.
Dr. med. E._, FMH Innere Medizin/Rheumatologie, und Dr. med. F._, FMH
Physikalische Medizin und Rehabilitation/Rheumatologie, hatten in ihrer Beurteilung
festgehalten, dass sich von klinischer Seite her keine radikuläre reiz- oder
sensomotorische Ausfallssymptomatik habe bestätigen lassen. Anlässlich der
Untersuchung habe im Wesentlichen ein dysfunktionales Schmerz- und
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Krankheitsverhalten dominiert. Aufgrund der erheblichen Selbstlimitierung mit einem
ausgeprägten Vermeidungsverhalten und Inkonsistenzen habe die Zumutbarkeit der
angestammten Tätigkeit als Produktionsassistent sowie anderer beruflicher Tätigkeiten
gestützt auf die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) nicht
abschliessend beurteilt werden können. Aufgrund der relativ geringen klinischen
Befunde und der Resultate der statisch-dynamischen Tests, die − soweit nicht durch
Selbstlimitierung begrenzt − keine funktionellen Einschränkungen gezeigt hätten,
müsste dem Versicherten eine körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit
uneingeschränkt zumutbar sein. Gemäss dem Versicherten handle es sich bei der
aktuellen Tätigkeit um eine körperlich leichte bis allenfalls knapp mittelschwere Arbeit
mit einem gewissen repetitiven Charakter. Sofern die Tätigkeit nicht das Heben von
Gewichten über 20 kg beinhalte, sei der Versicherte in der aktuellen Tätigkeit voll
arbeitsfähig.
A.e Die Psychiatrische Klinik G._ gab im Verlaufsbericht vom 4. Februar 2012 über
einen am 28. Dezember 2011 begonnenen stationären Aufenthalt als psychiatrische
Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit
psychotischen Symptomen und akuter Suizidalität (F33.3), an (IV-act. 58). Die
Klinikärzte erklärten, dass der Versicherte nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes in
eine schwere Selbstwertkrise geraten sei, die sich in einer schweren depressiven
Episode manifestiert habe. Gleichzeitig bestehe ein schwerer Familienkonflikt, der für
den Versicherten sehr belastend sei und immer wieder zu Eskalationen im häuslichen
Umfeld führe. Am 15. Februar 2012 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
aufgrund seines Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 62).
A.f Die H._ AG berichtete am 10. Mai 2012 (IV-act. 72), dass sie den Versicherten
vom 1. Dezember 2009 bis 31. Oktober 2011 als Produktionsassistenten beschäftigt
habe. Die Kündigung sei aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt; gemäss dem
beigelegten Arbeitszeugnis hatten der Kündigung allerdings gesundheitliche Gründe
zugrunde gelegen. Die Tätigkeit des Versicherten habe hauptsächlich die
Maschinenbestückung (Kleinteile aus Metall bis 300 g), manchmal den Warentransport
und selten die Wartung beinhaltet. Es habe sich um eine sitzende, gehende und
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stehende Tätigkeit gehandelt. Selten habe der Versicherte mittelschwere Gewichte
(10-25 kg) heben oder tragen müssen.
A.g Die Psychiatrische Klinik G._ erklärte im Austrittsbericht vom 26. April 2012 über
die Hospitalisation vom 28. Dezember 2011 bis 19. April 2012 (IV-act. 73), dass sich die
Stimmung des Versicherten während der Behandlung aufgehellt habe und dass er
ausgeglichener geworden sei. Die Schmerzen seien beim Abschluss der Physiotherapie
immer noch präsent gewesen, obwohl sich die lumbale Stabilität deutlich verbessert
habe. Der Physiotherapeut vermute eine sequestrierte Hernie. Dr. B._ berichtete am
18. Juli 2012 (IV-act. 78), dass der Versicherte seit der stationären Behandlung
psychisch einen unauffälligen Status zeige; je nach Belastungen und Haltung leide er
jedoch an unterschiedlich ausgeprägten Rückenbeschwerden. In der angestammten
Tätigkeit als Arbeiter in einer Metallfabrik sei der Versicherte wegen der
belastungsabhängigen Rückenbeschwerden nicht mehr arbeitsfähig. Aus somatischer
Sicht sei eine Teilarbeitsfähigkeit in einer körperlich adaptierten Tätigkeit möglich. Die
Arbeitsfähigkeit müsse aber vor allem aus psychiatrischer Sicht beurteilt werden. Dr.
C._ gab in seinem Bericht vom 25. Juli 2012 an, dass der Versicherte weiterhin an
einer rezidivierenden depressiven Störung, mittelgradig bis schwer, teils mit
psychotischen Symptomen, leide (IV-act. 79-1 ff.). Er führte weiter aus, dass der
Versicherte durch den Aufenthalt in der Psychiatrischen Klinik G._ zunächst etwas
„aufgehellt“ sei; nach der Rückkehr in das bekannte soziale System sei jedoch keine
dauerhafte Verbesserung der Depression feststellbar gewesen. Die aktuelle
Familiensituation sei weiterhin belastend. Der Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht
in seiner angestammten Tätigkeit vom 8. Juli bis 29. November 2011 zu 50 %, vom 30.
November 2011 bis 15. Januar 2012 und vom 24. April bis 14. Mai 2012 zu 100 % und
vom 15. Juni bis 2. Juli 2012 zu 90 % arbeitsunfähig gewesen. Eine leichte,
strukturierte, „beiwohnende“ Tätigkeit sei dem Versicherten bei einer Belastung von
10-20 % 2-4 Stunden pro Tag zumutbar. Als die Arbeitsfähigkeit einschränkende
Faktoren nannte Dr. C._ eine Schädigung der emotionalen Funktionen, der
Willensfunktionen sowie der Anpassungs- und Verhaltensmuster mit jeweils
resultierender Einschränkung im Verhalten.
A.h Im Dezember 2012 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle interdisziplinär
(internistisch/rheumatologisch und psychiatrisch) durch Dr. med. I._, Spezialarzt für
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Innere Medizin, speziell Rheumaerkrankungen, und Dr. med. J._, Psychiatrie und
Psychotherapie, begutachtet (Gutachten vom 8. Januar 2013, IV-act. 95). Als
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gaben die Gutachter an:
• Lumbalgie mit pseudoradikulären rechtsseitig angegebenen Parästhesien und
Hypästhesie diskret medialer Oberschenkel, medialer Unterschenkel und mediale
Fusskante rechts (vollständige Diagnose s. IV-act. 95-14)
• rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom (F33.11).
Dr. I._ führte aus, dass eine skoliotische Fehlhaltung, allerdings nicht fixiert und
während der Untersuchung in der Ausprägung wechselnd, im Vordergrund stehe. Der
Versicherte habe heftigste lumboischialgieforme Rückenschmerzen beklagt, die mit
dem neurologisch inkonstanten Befund mit wechselndem Lasègue rechts und der links
extraforaminalen Hernie Nervenwurzel L3 links extraforaminal komprimierend (MRI
06.05.2011) nicht übereinstimmten. Die sensiblen Ausfälle im Segment L5 rechts und
die inkonstante Vorfussheberschwäche rechts im Zehen- und Fersengang seien nicht
reproduzierbar gewesen. Der Versicherte habe teilweise ein demonstratives Verhalten
gezeigt und sei eindrucksmässig oft nicht an die Limite gegangen. Die Eindrücke und
Befunde entsprächen den früheren rheumatologischen Untersuchungen durch das AEH
und durch das KSSG. Obschon die angegebenen sensiblen, distalen motorischen
Ausfälle linksseitig (richtig: rechtsseitig, vgl. IV-act. 95-17 oben mit der Diagnoseliste)
mit dem MRI-Befund nicht korrelierten, erachte er den Versicherten aufgrund seiner
Wirbelsäulenfehlform, der besonders lumbalen degenerativen Veränderungen und der
Diskushernie L3/4, extraforaminal die Nervenwurzel L3 linksseitig komprimierend, in
einer körperlichen leichten Tätigkeit wegen einer verminderten Belastbarkeit und einer
raschen Ermüdbarkeit noch mindestens zu 60 % arbeitsfähig. Als Tätigkeit komme z.B.
eine Arbeit in der industriellen Kleinteilefertigung, ähnlich wie beim früheren
Arbeitgeber, in Frage (Wechselhaltung, vorwiegend sitzend, allenfalls vermehrte
Kurzpausen, kein repetitives Lastenheben über 5 kg, nicht vorwiegend gebückt oder
vorgebeugt). Der psychiatrische Gutachter Dr. J._ erklärte, dass der Charakter und
die Stärke der Symptomatik einer rezidivierenden Depression im zeitlichen Verlauf
variieren könnten. Dies erkläre, dass der Versicherte in den diversen Untersuchungen
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divergierende Symptome gezeigt habe. Aktuell hätten keine psychotischen Symptome,
jedoch eine eingeschränkte Modulation, dysthym und resigniert, eine fehlende
Arbeitsmotivation und eine Verletzung durch die aus der Sicht des Versicherten
ungerechtfertigte Kündigung festgestellt werden können. Der Versicherte habe Mühe,
seine Chancen für eine aktive Lebensgestaltung trotz seiner Beschwerden zu erkennen.
Es sei auch von einer Rentenbegehrlichkeit auszugehen. Zumindest habe der
Versicherte bewusstseinsnahe Aggravationstendenzen gezeigt, indem er sich
psychisch kränker dargestellt habe, als er wirklich sei. Die vollständige Aufhebung des
Antriebs und damit auch der Willensanspannung sei durch die jetzige psychische
Symptomatik jedenfalls nicht erklärbar. Gegebenenfalls sollte im Rahmen einer
neuropsychologischen Testung ein Beschwerdevalidierungstest durchgeführt werden.
Aus psychiatrischer Sicht betrage die Arbeitsfähigkeit für jegliche Tätigkeit ab dem
Gutachtenszeitpunkt ca. 60 %. In interdisziplinärer Hinsicht setzten die Gutachter die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf 60 % fest. RAD-Arzt Dr. med. Z._
notierte am 19. Februar 2013 (IV-act. 110), dass das Gutachten von Dr. I._ und Dr.
J._ in den wesentlichen Beurteilungen der medizinischen Situation schlüssig und
nachvollziehbar, wenn auch redundant, erscheine. Allerdings sei eine Validierung der
Beschwerden im Rahmen einer neuropsychologischen Testung notwendig.
A.i Am 14. Mai 2013 wurde der Versicherte wie von Dr. J._ empfohlen psychiatrisch/
neuropsychologisch nachbegutachtet (Gutachten vom 24. Juni 2013, IV-act. 109). Als
Diagnosen nannte Dr. J._ diesmal eine rezidivierende depressive Störung, aktuell
leichtgradige Episode mit somatischem Syndrom (F33.01) und unzulängliche soziale
Fähigkeiten, nicht andernorts klassifizierbar (Z73.4), DD kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, neurotischen und narzisstischen
Anteilen (F61.0). Dr. J._ führte aus, dass aufgrund der Biografie und der
Persönlichkeitstests, aber auch aufgrund der Vorakten, das Sozialverhalten des
Versicherten zumindest bis zu einem gewissen Grad als krankheitsrelevant akzeptiert
werden müsse. Ausserdem habe der Versicherte das „Leiden am Leben“ einer aktiven
Änderung seines Zustandes vorgezogen, weil es für ihn einfacher sei. Das Ausmass der
Persönlichkeitsstörung enttarne sich in den weiterführenden Untersuchungen durch
eine gewisse Aggravationstendenz. Es handle sich um eine bewusstseinsnahe,
verschlimmernde und überhöhte Verhaltens- und Darstellungsweise der Beschwerden,
die nur in der Testpsychologie sichtbar sei. Im Gespräch seien keine
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Verdeutlichungstendenzen erkennbar gewesen. Im Untersuchungsgespräch seien ein
dysthymer Affekt und eine fatalistisch-nihilistische Grundstimmung vorherrschend
gewesen, welche sich in den testpsychologischen Befunden als leichte depressive
Störung dargestellt habe. Die erstmals in dieser Untersuchung geäusserten Ängste
seien in der Tagesklinik offenbar kein Thema. Dort stehe eher die Verhaltensmodalität
bei Schmerzverarbeitung im Vordergrund. Ein primärer Krankheitsgewinn, welcher sich
aus der Krankheit selbst ergebe, insbesondere Erleichterungen, Schonung und
vermehrte Zuwendung aufgrund der Krankenrolle, sei beim Versicherten sicherlich
vorhanden. Ein sekundärer Krankheitsgewinn im Sinne sozialer Anreize als Folge der
Krankheit (Berentung) sei systemimmanent. Die Motivation zur Psychotherapie in der
Tagesklinik scheine eher nicht gegeben. Die Depression habe aktuell kaum mehr
Krankheitswert respektive sei mit Willenskraft überwindbar. Diesbezüglich sei also eine
Besserung eingetreten. Rezidivierende Depressionen neigten jedoch beim Auftreten
von Stress, Anforderungen der Umwelt und frustranen Erlebnissen zu Exazerbationen.
Da die komplexen Ich-Funktionen des Versicherten eingeschränkt seien, werde es ihm
nicht einfach fallen, die Willensanspannung zielgerichtet umzusetzen. Trotz gebesserter
Schmerzen habe der Versicherte grosse Mühe, seine Chancen für eine aktive
Lebensgestaltung zu erkennen. Dass er am Leiden festhalte und sich nicht um
Änderung seines schwierigen Zustandes bemühe, entspreche seiner ängstlich-
vermeidenden Persönlichkeitsstruktur. Der Versicherte sei aus psychiatrischer Sicht in
einer adaptierten Tätigkeit seit dem 14. Mai 2013 zu 70 % arbeitsfähig. Aus
interdisziplinärer Sicht sei weiterhin lediglich von einer 60 %igen Arbeitsfähigkeit
auszugehen. Dr. I._ erklärte am 25. Juli 2013, dass er sich der Gesamtbeurteilung
von Dr. J._ anschliessen könne (IV-act. 109-19 f.). Somit bestehe eine Divergenz zum
früheren AEH-Gutachten. Diese sei aus rheumatologischer Sicht auf die vermehrte
Berücksichtigung vornehmlich radiologischer Befunde, die unter kritischer
Berücksichtigung der Klinik erfolgt sei, zurückzuführen.
A.j RAD-Arzt Dr. med. D._ hielt am 11. September 2013 fest (IV-act. 111), dass auf
die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. _ abgestellt werden könne. Der
Beurteilung von Dr. I._ könne nach Rücksprache mit dem RAD-Arzt und
Rheumatologen Dr. K._ jedoch nicht zugestimmt werden. Bei der
Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. I._ handle es sich nämlich lediglich um eine
abweichende Beurteilung bei gleichem medizinischem Sachverhalt. Dr. I._ habe
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selber auf Inkonsistenzen aufmerksam gemacht. In der aktuellen psychiatrischen
Begutachtung habe sich eine gewisse Aggravationstendenz bestätigt. Insgesamt lägen
somit rheumatologisch keine dauerhaften, objektivierbaren Funktionseinschränkungen
vor, welche die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit einschränken würden. Der
Versicherte sei aus rheumatologischer Sicht in der angestammten Tätigkeit zu 100 %
arbeitsfähig.
A.k Mit Vorbescheid vom 9. Oktober 2013 (IV-act. 113) stellte die IV-Stelle dem
Versicherten bei einem IV-Grad von 0 % die Abweisung des Rentengesuchs in
Aussicht. Zur Begründung führte sie an, dass leicht- bis mittelgradige depressive
Episoden rechtsprechungsgemäss nicht invalidisierend seien. Zudem bestünden aus
rheumatologischer Sicht keine dauerhaften, objektivierbaren
Funktionseinschränkungen, welche die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
einschränken würden. Die angestammte schwere Tätigkeit sei dem Versicherten jedoch
nicht mehr zumutbar. Dagegen liess der Versicherte am 11. November/10. Dezember
2013 einwenden (IV-act. 122, 125), dass ihm eine Rente zuzusprechen und
Eingliederungsmassnahmen zu gewähren seien. Auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der
AEH-Gutachter könne nicht abgestellt werden, da diese die Nervenwurzelkompression
nicht berücksichtigt hätten. Des Weiteren habe sich Dr. J._ mit den rechtsseitig
beklagten Schmerzen, die organisch nicht erklärt werden könnten, nicht
auseinandergesetzt. Der Einschätzung von Dr. J._, wonach der Versicherte im Mai
2013 nur noch an einer leichten depressiven Störung gelitten habe, stünden die
Aussagen von zwei Fachärzten entgegen, welche mindestens von einer rezidivierenden
mittelgradigen depressiven Störung ausgingen. Dr. C._ hatte in einem beigelegten
Bericht vom 11. November 2013 ausgeführt (IV-act. 125-7 ff.), dass der von ihm am 4.
November 2013 durchgeführte HAMD-Depressionstest einen Wert von 31 ergeben
habe, was einer schweren Depression entspreche. Der Grund für die gegensätzliche
gutachterliche Beurteilung könnte darin liegen, dass der Versicherte nicht kontinuierlich
vom Gutachter gesichtet worden sei. Oft gewinne eine versicherte Person bei einem
distanzierten Verhalten des Gutachters den Eindruck, sie würde nicht richtig
verstanden. Dies verleite sie aufgrund der Ernsthaftigkeit der Situation dazu, die
Aussagen zu verdeutlichen. In einem solchen Fall wäre der versicherten Person jedoch
kein Vorwurf zu machen. Ein Gutachter sollte nämlich mit einem Minimum an Empathie
und Verständnis gegenüber einer versicherten Person auftreten. Da die Gutachter das
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Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung ausgeschlossen hätten, sei davon
auszugehen, dass die Schmerzsymptomatik und die Einschränkungen beim Gehen
somatisch begründet seien. Im Übrigen sei fraglich, ob die Deutschkenntnisse des
Versicherten für die von Dr. J._ durchgeführte Testbatterie ausreichend gewesen
seien. Der Versicherte sei derzeit aus psychiatrischer Sicht voll arbeitsunfähig. Die
Psychiatrische Klinik G._ hatte in einem Bericht vom 15. November 2013 als
Diagnosen eine rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
mit somatischem Syndrom (F33.11), eine Migräne (G43.0), eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit rigiden, anankastischen, ängstlich-abhängigen, impulsiven
und narzisstischen Zügen (F61.0) und Symptome einer posttraumatischen
Belastungsstörung mit Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit,
Konzentrationsschwierigkeiten, Hypervigilanz und erhöhter Schreckhaftigkeit, ohne
dass die Kriterien gemäss ICD-10 zur Gänze erfüllt wären, genannt (IV-act. 125-4 ff.).
Der Oberarzt hatte weiter erklärt, dass die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aktuell
schwierig sei, da bislang ein Arbeitsversuch aufgrund des stark schwankenden
Zustandsbildes des Versicherten nicht möglich gewesen sei. Unter Berücksichtigung
der krankheitsbedingt bestehenden Defizite in Bezug auf die Kognition, die Affektivität,
die Selbststeuerung, die Impulskontrolle sowie die Beziehungsgestaltung erscheine
aktuell eine Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von etwa 30-40 % als
realistisch. Etwa seit dem Frühjahr 2013 sei − trotz einer deutlichen Phase einer
Verschärfung des Krankheitsbildes im Sommer im Zusammenhang mit erschwerten
psychosozialen Problemen − insgesamt eine leichte Besserung des Zustandsbildes zu
beobachten gewesen. Der Versicherte befinde sich seit dem 7. Januar 2013 in
teilstationärer tagesklinischer Behandlung.
A.l RAD-Arzt Dr. D._ notierte am 31. Januar 2014 (IV-act. 126), dass die
Inkonsistenzen, die erkennbare Selbstlimitierung und die bewusstseinsnahen
Aggravationstendenzen die rechtsseitig beklagten Schmerzen sehr wohl erklären
könnten. Ein syndromales Leiden liege nicht vor. Es bestehe kein Anlass, von der
bisherigen Beurteilung abzuweichen. Mit Verfügung vom 6. Februar 2014 (IV-act. 127)
wies die IV-Stelle das Rentengesuch bei einem IV-Grad von 0 % aus den im
Vorbescheid angegebenen Gründen ab. Bezüglich der Einwände gab sie die RAD-
Stellungnahme vom 31. Januar 2014 wieder.
B.
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B.a Gegen diese Verfügung liess der Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
5. März 2014 Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung und die Zusprache einer IV-Rente; eventualiter sei die
Angelegenheit für weitere Abklärungen an die IV-Stelle (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen. Der Rechtsvertreter stellte ausserdem ein
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung. Zur
Begründung der Beschwerde machte er geltend, dass es seit der Begutachtung vom
30. Dezember 2012 nicht zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes
gekommen sei. Wenn eine depressive Symptomatik derart stark variiere, könne nicht
auf einen einzelnen Tag und schon gar nicht auf das beste erzielte Ergebnis abgestellt
werden. Es brauche eine längere Beobachtungsphase. Die von Dr. J._ festgestellte
Aggravationstendenz werde bestritten. Es sei davon auszugehen, dass der von ihm
durchgeführte Test nicht für die Feststellung einer Aggravation gemacht sei.
Ausserdem sei fraglich, ob die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers für die
durchgeführten Tests überhaupt genügend gewesen seien und ob demzufolge das
Gutachten vom 14. Mai 2013 überhaupt verwertbar sei. Auch in Bezug auf die
zumutbare Arbeitszeit sei das Gutachten von Dr. I._ und Dr. J._ nicht schlüssig. Es
sei nämlich ein grosser Unterschied, ob täglich reduziert oder 3 1⁄2 Tage Vollzeit
gearbeitet werde. Ein Arbeitgeber bevorzuge Personen, die an einem Tag ein volles
Pensum erbringen könnten. Sollte das dem Beschwerdeführer nicht möglich sein, sei
dies beim „Leidensabzug“ zu berücksichtigen. Unter Berücksichtigung aller
Adaptionskriterien sei ein „Leidensabzug“ von 20 % gerechtfertigt. Sollte das Gericht
wider Erwarten zur Ansicht gelangen, dass ab dem 24. Juni 2013 eine Arbeitsfähigkeit
von 70 % bestanden habe, so wäre zumindest vom 19. Dezember 2012 bis 13. Mai
2013 eine befristete Rente geschuldet.
B.b Einem vom Rechtsvertreter am 21. März 2014 eingereichten Zeugnis der
Psychiatrischen Klinik G._ vom 27. Februar 2014 war zu entnehmen (act. G 4.2), dass
der Beschwerdeführer am 29. Januar 2014 eine stationäre Behandlung angetreten
hatte. Als Diagnosen waren eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode (F33.1), und eine anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(F45.8) angegeben worden.
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B.c Die Beschwerdegegnerin beantragte am 8. April 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 6). Zur Begründung führte sie an, dass der RAD plausibel und
nachvollziehbar dargelegt habe, weshalb nicht auf die Beurteilung von Dr. I._,
sondern auf diejenige des AEH abzustellen sei. Der psychiatrischen Einschätzung von
Dr. J._ könne aus versicherungsrechtlicher Sicht nicht gefolgt werden. Der leichten
depressiven Episode sei kein Krankheitswert beizumessen. Zudem gälten leichte bis
höchstens mittelschwere psychische Störungen grundsätzlich als therapeutisch
angehbar. Dr. J._ habe selbst ausgeführt, dass die Depression aktuell kaum mehr
Krankheitswert habe respektive mit Willenskraft überwindbar sei. Die von Dr. J._
attestierte Arbeitsunfähigkeit müsse als Ausfluss der nicht korrekt abgegrenzten
Aggravation angesehen werden. Beruhe eine Leistungseinschränkung auf Aggravation
oder einer ähnlichen Konstellation, liege keine versicherte Gesundheitsschädigung vor.
B.d Am 15. April 2014 bewilligte die zuständige Abteilungspräsidentin das Gesuch des
Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren (act.
G 7).
B.e In seiner Replik vom 22. Mai 2014 machte der Rechtsvertreter ergänzend geltend
(act. G 9), die Beschwerdegegnerin habe das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers
in grober Weise verletzt, indem sie sich zu den Argumenten in der Beschwerdeantwort
nicht dezidiert geäussert habe. Die Beschwerde sei bereits aus diesem Grund
gutzuheissen. Zudem habe die Beschwerdegegnerin übersehen, dass bei den RAD-
Ärzten offensichtlich kein einheitlicher Konsens darüber herrsche, ob auf das
Gutachten des AEH oder auf jenes von Dr. I._ abzustellen sei. Dr. Z._ habe das
Gutachten von Dr. I._ am 19. Februar 2013 nämlich als schlüssig und nachvollziehbar
bezeichnet.
B.f Die Beschwerdegegnerin brachte in ihrer Duplik vom 6. Juni 2014 vor, dass sie im
Beschwerdeverfahren gar keine Gehörsverletzung begehen könne, zumal sie nicht
verpflichtet sei, sich zur Beschwerde zu äussern (act. G 11).

Erwägungen
1.
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Vorab ist zum Vorwurf des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers Stellung zu
nehmen, wonach die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf rechtliches Gehör des
Beschwerdeführers verletzt habe, indem sie sich in der Beschwerdeantwort nicht
dezidiert mit den Argumenten des Beschwerdeführers auseinandergesetzt habe. Wie
die Beschwerdegegnerin in der Duplik richtig dargelegt hat, ist sie nicht dazu
verpflichtet, sich zur Beschwerde zu äussern, weshalb sie im Beschwerdeverfahren
auch keine Gehörsverletzung begehen kann. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass
das Beschwerdeverfahren vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, d.h. das
Gericht hat von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. BGE 133 V 196 E. 4.1).
2.
Der Beschwerdeführer hat von September 2002 bis Januar 2003 eine Invalidenrente
bezogen. Bei der Anmeldung vom Dezember 2011 handelt es sich somit um eine
sogenannte Neuanmeldung. Gemäss Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
darin glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den
Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer im Jahr 2003 lediglich eine befristete Rente zugesprochen, weil ihr
der behandelnde Psychiater im Oktober 2002 von einer vollständigen Genesung und
der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit berichtet hatte (IV-act. 12). Der
Beschwerdeführer hat auf Aufforderung der Beschwerdegegnerin hin einen Bericht
seines Hausarztes vom 25. Januar 2012 einreichen lassen. Der Hausarzt hat ihm darin
wegen einer Diskopathie mit lumboradikulärer Symptomatik und einer mittelschweren
bis schweren depressiven Verstimmung eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert. Damit
hat der Beschwerdeführer eine gesundheitliche Verschlechterung seit der Verfügung
vom 28. August 2003 glaubhaft gemacht. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu Recht
auf die Neuanmeldung eingetreten.
3.
3.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 6. Februar 2014 hat die
Beschwerdegegnerin das Rentengesuch des Beschwerdeführers dann jedoch
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abgewiesen. Nachfolgend ist somit zu prüfen, ob der Beschwerdeführer in einem
rentenbegründenden Ausmass invalid ist.
3.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist
gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
3.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
4.
4.1 Um den IV-Grad ermitteln zu können, muss die Arbeitsfähigkeit bzw. die
Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen. Der Beschwerdeführer macht geltend, seit Mai 2011 in
seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt zu sein.
4.2 In somatischer Hinsicht liegen insbesondere das Gutachten des AEH vom 24.
Oktober 2011 und das Gutachten von Dr. I._ vom 8. Januar 2013 im Recht. Die
Beurteilungen der rheumatologischen Sachverständigen stimmen hinsichtlich der
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Eindrücke und der Befunde überein (s. IV-act. 95-16 f.). Demgegenüber weichen die
Arbeitsfähigkeitsschätzungen stark voneinander ab: Während Dr. E._ und Dr. F._
vom AEH von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten bis
mittelschweren Tätigkeit ausgegangen sind, hat Dr. I._ dem Beschwerdeführer auch
in einer körperlich leichten Tätigkeit lediglich eine mindestens 60 %ige Arbeitsfähigkeit
attestiert. Die Gutachter haben somit die Auswirkungen der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen auf die Arbeitsfähigkeit in qualitativer wie auch in quantitativer
Hinsicht unterschiedlich eingeschätzt. Dr. I._ hat die Diskrepanz damit begründet,
dass er vornehmlich die radiologischen Befunde, namentlich die Wirbelsäulenfehlform
und die Diskushernie L3/4 mit Wurzel¬kompression, vermehrt berücksichtigt habe.
Diese Begründung überzeugt nicht, da für die Frage, ob eine versicherte Person
arbeitsunfähig ist, nicht die bildgebenden Befunde, sondern die aus einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung resultierenden funktionellen Einschränkungen
relevant sind. Die bildgebenden Befunde sind lediglich geeignet, die festgestellten
funktionellen Einschränkungen zu plausibilisieren. Gemäss Dr. I._ haben die vom
Beschwerdeführer beklagten Rückenschmerzen jedoch nicht mit dem (inkonstanten)
neurologischen und dem bildgebenden Befund übereingestimmt. Hinzu kommt, dass
der Beschwerdeführer bei der Begutachtung durch das AEH wie auch durch Dr. I._
eine (erhebliche) Selbstlimitierung mit einem (ausgeprägten) Vermeidungsverhalten und
Inkonsistenzen gezeigt hat. Vor diesem Hintergrund sowie unter Berücksichtigt dessen,
dass klinisch keine radikuläre reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptomatik hat
festgestellt werden können, überzeugt die Einschätzung der AEH-Gutachter, dass der
Beschwerdeführer in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit voll arbeitsfähig ist, grundsätzlich. Da das
Gutachten des AEH bereits im Verfügungszeitpunkt rund dreieinhalb Jahr alt gewesen
ist und − wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird − eine psychiatrische
Neubegutachtung notwendig ist, drängt es sich jedoch auf, den Beschwerdeführer
noch einmal rheumatologisch (oder orthopädisch und/oder neurologisch) begutachten
zu lassen.
4.3 Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass es sich bei der
angestammten Tätigkeit als Produktionsassistent in der industriellen Kleinteilfertigung
um eine körperlich schwere Tätigkeit handelt, die dem Beschwerdeführer nicht mehr
zumutbar ist. Gemäss dem Arbeitgeberbericht vom 10. Mai 2012 hat es sich bei dieser
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Tätigkeit jedoch um eine körperlich leichte bis selten mittelschwere Tätigkeit gehandelt.
Je nachdem, welche körperlichen Adaptionskriterien von der neuen Gutachtensperson
aufgestellt werden, wird die Beschwerdegegnerin detaillierter abklären müssen, ob
dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit noch zumutbar ist oder nicht. Diese
Frage ist deshalb entscheidend, weil der Beschwerdeführer zuletzt, d.h. im Jahr 2010,
ein Einkommen von brutto Fr. 62'420.-- (IV-act. 51-2) und damit einen leicht
überdurchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn erzielt hat (Fr. 61'164.--, s. Anhang 2 der IVG-
Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2015).
4.4 Aus psychiatrischer Sicht liegen einerseits ein Gutachten von Dr. J._ vom 30.
Dezember 2012/8. Januar 2013 und ein Nachgutachten desselben Arztes inkl.
neuro¬psychologischer Untersuchung vom 24. Juni 2013 im Recht. Andererseits liegen
Berichte des behandelnden Psychiaters Dr. C._ und der Psychiatrischen Klinik G._
bei den Akten.
4.5 Dr. J._ hat dem Beschwerdeführer im Gutachten vom Dezember 2012 wegen
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit
somatischem Syndrom, eine 40 %ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Im Gutachten vom
Juni 2013 ist Dr. J._ lediglich noch von einer leichtgradigen Episode ausgegangen
und hat die Arbeitsunfähigkeit auf 30 % geschätzt. Dr. J._ hat in seinem ersten
Gutachten erklärt, dass der Beschwerdeführer in den diversen Untersuchungen
divergierende Symptome gezeigt habe. Er hat dies darauf zurückgeführt, dass der
Charakter und die Stärke der Symptomatik einer rezidivierenden Depression im
zeitlichen Verlauf variieren könnten. Es stellt sich allerdings die Frage, ob diese
Divergenzen nicht auch Ausdruck der von Dr. J._ festgestellten „bewusstseinsnahen
Aggravationstendenzen“ sein könnten. Dr. J._ hat in seinem zweiten Gutachten vom
Juni 2013 nämlich ausdrücklich festgehalten, dass der Beschwerdeführer seine
psychischen Beschwerden bewusstseinsnah verschlimmernd und überhöht dargestellt
habe. Bezüglich der Behauptung des Rechtsvertreters, dass der von Dr. J._
durchgeführte Test nicht für die Feststellung einer Aggravation gemacht sei, ist
einerseits festzuhalten, dass es grundsätzlich keines neuropsychologischen Tests
bedarf, um eine Aggravation festzustellen (zu den Kriterien siehe Urteil des
Bundesgerichts vom 29. Juni 2016, 9C_296/2016 E. 3.1). Andererseits hat der
Rechtsvertreter auch nicht aufgezeigt, weshalb die von Dr. J._ durchgeführten Tests
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nicht geeignet sein sollten, Unstimmigkeiten aufzudecken. Allerdings ist das zweite
Gutachten von Dr. J._ insoweit zu bemängeln, dass lediglich eine
zusammenfassende Auswertung der durchgeführten neuropsychologischen
Untersuchungen und nicht die Tests an sich im Gutachten enthalten sind. Dies wäre
gerade deshalb wichtig gewesen, weil Dr. J._ die von ihm gestellten Diagnosen und
die Aggravationstendenzen hauptsächlich mit den Ergebnissen aus diesen Tests
begründet hat. Insbesondere das zweite Gutachten von Dr. J._ überzeugt aber auch
aus anderen Gründen nicht. So ist nicht nachvollziehbar ist, weshalb Dr. J._ dem
Beschwerdeführer im zweiten Gutachten noch eine 30 %ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt hat, obwohl er davon ausgegangen ist, dass die Depression kaum mehr
Krankheitswert habe respektive mit Willenskraft überwindbar sei. Und schliesslich hat
Dr. J._ in seinem zweiten Gutachten als Differentialdiagnose eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit ängstlich-vermeidenden, neurotischen und narzisstischen
Anteilen (F61.0) angegeben und dazu ausgeführt, dass sich das Ausmass der
Persönlichkeitsstörung in den neuropsychologischen Tests enttarnt habe (IV-act.
109-9). Soweit ersichtlich, ist diese Diagnose zuvor von den behandelnden Ärzten nie
in Erwägung gezogen worden. In ihrem Bericht vom 15. November 2013 hat die
Psychiatrische Klinik G._ diesen Verdacht dann bestätigt und eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit rigiden, anankastischen, ängstlich-abhängigen, impulsiven
und narzisstischen Zügen diagnostiziert (IV-act. 125-5). Somit drängen sich weitere
Abklärungen dazu auf, ob der Beschwerdeführer tatsächlich an einer
Persönlichkeitsstörung leidet und falls ja, ob bzw. inwieweit dieser einen Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit beizumessen ist. Unter diesen Umständen kann auf die Gutachten
von Dr. J._ nicht abgestellt werden. Auch auf die Arbeitsfähigkeitsschätzungen der
behandelnden Ärzte kann nicht abgestellt werden: Die Arbeitsfähigkeitsschätzungen
von behandelnden Ärzten weisen insoweit eine generelle Schwäche auf, als Hausärzte
und behandelnde Spezialärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Vertrauensstellung
und im Hinblick auf einen möglichen Ziel- und Interessenskonflikt im Zweifel
regelmässig eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 5. April 2004, I 814/03 E 2.4.2). Hinzu kommt, dass Gutachter in der Regel über
mehr Erfahrung hinsichtlich der versicherungsmedizinisch relevanten Arbeitsfähigkeit
verfügen als Haus- und Spezialärzte. Dieses Fachwissen ist gerade in einem Fall wie
dem vorliegenden, in dem eine versicherte Person ein aggravatorisches Verhalten zeigt
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und erhebliche psychosoziale Belastungsfaktoren vorhanden sind, unabdingbar, um
die Arbeitsfähigkeit beurteilen zu können. Gegen die Einschätzungen der behandelnden
Ärzte spricht letztlich zudem, dass in der Regel nur die Gutachter über die
umfassenden Vorakten verfügen, weshalb deren Beurteilungen des
Gesundheitszustandes umfassender ausfallen als jene der Haus- und Spezialärzte.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
aus psychiatrischer Sicht nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststeht. Demzufolge ist eine erneute psychiatrische Begutachtung
notwendig. Wegen der von Dr. J._ festgestellten Aggravationstendenzen wird zudem
eine neuropsychologische Testung (inkl. Beschwerdevalidierungstest) notwendig sein.
Sofern vom Beschwerdeführer erwünscht, hat die Begutachtung in Anwesenheit eines
Dolmetschers zu erfolgen. Der psychiatrischen Gutachtensperson müssen die
vollständigen Unterlagen zu den von Dr. J._ durchgeführten Tests zur Verfügung
gestellt werden.
4.6 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die
Neubegutachtung in Auftrag geben muss, d.h. ob die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen oder ein Gerichtsgutachten zu veranlassen ist.
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung holt ein kantonales
Versicherungsgericht in der Regel dann ein Gerichtsgutachten ein, wenn es im Rahmen
der Beweiswürdigung zum Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer
Sachverhalt müsse (insgesamt oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt
werden oder eine Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht
beweiskräftig. Eine Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es
darum geht, zu einer bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen.
Ebenso steht es dem Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn
allein eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen
erforderlich ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014
E. 3.2; BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Eine Rückweisung der Sache drängt sich bereits
deshalb auf, weil die psychiatrische Klinik G._ dem Beschwerdeführer neu eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung diagnostiziert hat; Dr. J._ hat diese Diagnose
lediglich als Differentialdiagnose in Betracht gezogen. Im Übrigen ist es nicht die
Aufgabe des Versicherungsgerichts, den Sachverhalt zu ermitteln. Diese Aufgabe hat
der Gesetzgeber vielmehr der IV-Stelle zugewiesen (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Es wäre also
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gesetzwidrig, wenn das Gericht die Sachverhaltsermittlung von der IV-Stelle
„übernehmen“ würde. Die Neubegutachtung ist folglich durch die Beschwerdegegnerin
in Auftrag zu geben.
4.7 Demnach ist die angefochtene Verfügung in teilweiser Gutheissung der
Beschwerde wegen der Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1
ATSG aufzuheben und die Sache ist zur erneuten bidisziplinären (rheumatologischen
sowie psychiatrischen) Begutachtung im Sinne der vorstehenden Erwägungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Der Beschwerdeführer hat sich im Dezember
2011 zum Leistungsbezug angemeldet. Gestützt auf Art. 29 Abs. 1 IVG hätte er
frühestens ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine allfällige Rente. Unter Berücksichtigung
des Wartejahres (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) werden die Gutachter zum Verlauf der
Arbeitsfähigkeit ab dem 1. Juni 2011 Stellung nehmen müssen.
5.
5.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Auch hier gilt, dass eine Rückweisung zur
weiteren Abklärung als volles Obsiegen der beschwerdeführenden Partei zu betrachten
ist. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das
Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75)
pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat
keine Honorarnote eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine pauschale
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Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
als angemessen.