Decision ID: a749c7ee-ee03-5694-8f20-0d7eee71668c
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich am 29. April 2009 aufgrund von psychischen Problemen zum
Bezug von IV-Leistungen (Massnahmen für die berufliche Eingliederung) an (IV-act. 1).
Sie war seit 1990 als Rayonleiterin Retail zu 100% bei einem Detailhändler angestellt
(IV-act. 12).
A.b Die Versicherte war ein erstes Mal vom 3. März bis 23. Juni 2009 in der Klinik
B._, Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, hospitalisiert (IV-act. 43). Die
Versicherte habe gemäss eigenen Angaben seit mehreren Monaten an Freudlosigkeit,
fehlendem Antrieb und inneren Spannungszuständen gelitten. Nachdem sie eine
Absage für eine neue Stelle innerhalb des Betriebs erhalten habe, habe sie einen
"Nervenzusammenbruch" erlitten. Beim Austritt aus der Klinik wurden eine (seit ca.
Januar 2009) mittelgradig depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10:
F32.10) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit selbstunsicheren Anteilen (ICD-10:
Z73.1) diagnostiziert (IV-act. 21, 43). Im Arztbericht vom 11. August 2009 bestätigte
Dr. med. C._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, die Diagnose der
Klinik B._ und bescheinigte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit der Versicherten seit
Januar 2009. Zurzeit laufe ein stundenweiser Arbeitsversuch am alten Arbeitsplatz, die
Versicherte könne mit grosser Anstrengung 3 Stunden arbeiten, wobei die
Leistungsfähigkeit ca. 60% betrage (IV-act. 21). Mit Bericht vom 20. November 2009
hielt die Eingliederungsverantwortliche der IV-Stelle unter anderem fest, die Versicherte
arbeite seit 1. September 2009 wieder zu 50% und wolle die Rayonleitung wieder zu
100% übernehmen (IV-act. 31). Die IV-Stelle teilte der Versicherten am 23. Dezember
2009 mit, nach ihren Abklärungen sei sie angemessen eingegliedert (IV-act. 33).
Nachdem die Versicherte ihr Pensum zwischenzeitlich auf 60% erhöht hatte (vgl. IV-
act. 36), wurde sie vom 18. Februar bis 30. März 2010 ein zweites Mal in der Klinik
B._ hospitalisiert. Die Einweisung erfolgte durch Dr. C._, nachdem sich das
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Befinden der Versicherten seit Dezember 2009 deutlich verschlechtert habe. Beim
Austritt wurden eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode (ICD-10: F33.1) sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge mit selbstunsicheren
und emotional instabilen Anteilen (ICD-10: Z73.1) diagnostiziert (IV-act. 44). Im
Arztbericht vom 7. Juli 2010 erklärte Dr. C._, die Versicherte arbeite zur Zeit zu 60%
am angestammten Arbeitsplatz in herabgestufter Stellung. Es würden Zweifel an der
Wiedererlangung einer höherprozentigen Arbeitsfähigkeit bestehen; die Versicherte sei
neu bei Dr. D._ in Behandlung (IV-act. 49).
A.c Im Arztbericht vom 26. August 2010 diagnostizierte Dr. med. D._, Praxis für
Psychiatrie und Psychotherapie, Sexualmedizin, eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F33.1), eine spezifische
Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen und abhängigen Zügen (ICD-10: F60.6 und
F60.7) als Folge der Probleme bei sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch eine
Person ausserhalb der engeren Familie (ICD-10: Z61.5). Dr. D._ hielt fest, sie
behandle die Versicherte nur mit Blick auf die Missbrauchsereignisse, die ihrer Meinung
nach zu der depressiven Dekompensation geführt hätten (IV-act. 53).
A.d Vom 26. September bis 16. Oktober 2010 befand sich die Versicherte im Rahmen
eines stationären Aufenthalts in der Klinik E._. Dort wurden u.a. folgende Diagnosen
gestellt: Hypersomnie, Genese unklar, DD: Narkolepsie; Insomnische Tendenzen bei
psychophysiologischen Anteilen und verstärkt im Rahmen einer rezidivierenden
depressiven Störung, St. n. Zusammenbruch, Burnout; Schilddrüsenunterfunktion,
substituiert mit Euthyrox (IV-act. 68-6 ff.).
A.e In der Stellungnahme vom 20. Oktober 2010 kam der RAD-Arzt Dr. F._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, zum Schluss, dass der Gesundheitszustand
der Versicherten weitgehend stabil sei und dass lediglich eine 40%ige Einschränkung
in der bisherigen Tätigkeit bestehe. Eine bleibende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
sei auf Basis der bisher langfristig als gut zu bezeichnenden Bewältigung zu verneinen
(IV-act. 54).
A.f Mit Schreiben vom 19. Januar 2011 berichtete Dr. D._, dass die Versicherte mit
dem Arbeitspensum von 70% seit dem 19. Oktober 2010 überfordert sei und es
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deshalb zu einer Zustandsverschlechterung mit drohender Dekompensation
gekommen sei. Aus psychiatrischer Sicht sei eine Arbeitsunfähigkeit von 40 - 50%
gegeben (IV-act. 59).
A.g Mit Vorbescheid vom 9. Februar 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Verneinung des Anspruchs auf Rentenleistungen in Aussicht. Die Abklärungen hätten
ergeben, dass es ihr bei Verwertung der medizinisch zumutbaren Arbeitsfähigkeit
möglich sei, ein Einkommen von Fr. 55'900.-- zu erzielen. Der Invaliditätsgrad betrage
7% (IV-act. 63). Mit Einwand vom 18. Februar 2011 verwies die Versicherte auf den
Krankheitsverlauf und die Schreiben von Dr. D._. Sie forderte die IV-Stelle auf, einen
Bericht bei Dr. D._ einzuholen und die psychiatrische Einschätzung bei der
Beurteilung des Invaliditätsgrades zu berücksichtigen (IV-act. 65).
A.h Im Bericht vom 10. März 2011 gab Dr. D._ an, dass sie, nach Absprache mit Dr.
C._, seit November 2010 die gesamte psychiatrische Behandlung der Versicherten
übernommen habe. Sie kam in einer ausführlichen Beurteilung zum Schluss, dass die
Versicherte bis auf Weiteres zu 50% arbeitsunfähig sei. Bei ihr bestehe ein
"Leistungszwang", der zur Pathogenese erheblich beitrage (IV-act. 68-1 ff).
A.i Der RAD-Arzt Dr. F._ führte in seiner Stellungnahme vom 8. April 2011 aus, dass
die Arbeitsunfähigkeit von 50% ab dem 21. Januar 2011 nach einer etwa drei
monatigen, stabilen Phase einer 30%igen Einschränkung von Dr. D._ nicht begründet
werde. Der RAD sei von einer Einschränkung in der bisherigen Tätigkeit als leitende
Angestellte von 40% ausgegangen. Während der absolvierten Präsenzzeit am
Arbeitsplatz zeige die Versicherte keine Leistungseinbussen. In einer adaptierten
Tätigkeit sei durch den beschriebenen Therapieverlauf eine schwankende
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit möglich, allerdings sei eine Einschränkung von
mehr als 40% nicht ausgewiesen (IV-act. 71).
A.j Am 10. Juni 2011 verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 75).
A.k Auf die Beschwerde vom 21. Juli 2011 hin widerrief die IV-Stelle die Verfügung
vom 10. Juni 2011 am 30. September 2011 zur Vornahme weiterer Abklärungen (IV-act.
84), worauf das Beschwerdeverfahren abgeschrieben wurde (IV-act. 87).
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A.l Gemäss Auftrag der IV-Stelle vom 16. Januar 2012 (IV-act. 91) wurde die
Versicherte am 12. März 2012 durch med. pract. G._, Fachärztin Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, psychiatrisch
begutachtet und am 19. März 2012 von Dr. med. H._, Fachärztin für Neurologie FMH,
klinisch-neurologisch untersucht. Gemäss Dr. H._ sei aus neurologischer Perspektive
davon auszugehen, dass das Befinden der Versicherten im Wesentlichen durch
psychische Phänomene beeinträchtigt werde. Aus rein neurologischer Perspektive
zeige sich keine Pathologie, die eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der
früheren, der aktuellen oder einer Verweistätigkeit begründen würde (IV-act. 100-26 ff.).
Im Gesamtgutachten vom 5. April 2012 wurde mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode
(ICD-10: F33.0) diagnostiziert. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional instabilen und abhängigen Anteilen
(ICD-10: Z73.1), DD: kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen und
abhängigen Zügen (ICD-10: F61), psycho-physiologische Insomnie mit konsekutiver
Tagesmüdigkeit und multiple cerebrale Demyelinisierungsherde ohne Hinweise für eine
klinisch manifeste Multiple Sklerose diagnostiziert. In der angestammten Tätigkeit als
Abteilungsleiterin sei aus psychiatrischer Sicht höchstens eine Arbeitsunfähigkeit von
20% ausgewiesen. In der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin sowie in anderen
adaptierten Tätigkeiten sei im Sinne einer Leistungsminderung eine Arbeitsunfähigkeit
von 10% im Vollzeitpensum ausgewiesen (IV-act. 100).
A.m Gemäss dem Bericht der Klinik E._ vom 21. Juni 2012 an die
Krankenversicherung sei bei der Versicherten am ehesten von einer Narkolepsie mit
Kataplexie auszugehen. Aus schlafmedizinischer Sicht habe sich die Behandlung mit
Ritalin bewährt (act. G 1.4).
A.n Mit Vorbescheid vom 16. August 2012 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Leistungsbegehren abzuweisen. Die Abklärungen hätten ergeben, dass
seit März 2009 eine Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Abteilungsleiterin von 20% ausgewiesen sei. In einer angepassten Tätigkeit, wozu auch
die aktuelle Tätigkeit als Verkäuferin zähle, bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 10%.
Der Invaliditätsgrad betrage 11% (IV-act. 104).
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A.o Mit Schreiben vom 18. September 2012 nahm die behandelnde Psychiaterin
ausführlich Stellung zum Gutachten und bezeichnete dieses als inhaltlich und formal
anfechtbar (act. 1.5). Mit Einwand vom 19. September 2012 beantragte die
Rechtsvertreterin der Versicherten, dass dieser ab März 2010 eine halbe Invalidenrente
zuzusprechen sei, allenfalls seien zusätzliche Abklärungen vorzunehmen und danach
sei neu zu entscheiden. Aufgrund der auf falschen Annahmen basierenden Schlüsse
von med. pract. G._, des Ignorierens wichtiger Befunde und der fehlenden
Auseinandersetzung mit den vorhandenen Widersprüchen könne nicht auf das
Gutachten abgestellt werden (IV-act. 105).
A.p Auf Empfehlung des RAD (IV-act. 107) wurde med. pract. G._ die Sichtweise der
behandelnden Psychiaterin zur Stellungnahme vorgelegt. Med. pract. G._ gab
diesbezüglich an, dass damit keine neuen Tatsachen festgestellt werden könnten, die
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes belegen und zu einer neuen
Beurteilung führen würden. Die Einwände der behandelnden Psychiaterin könne sie
nicht nachvollziehen oder plausibilisieren (IV-act. 114). Die Rechtsvertreterin nahm
dazu mit Schreiben vom 24. Januar 2013 Stellung und hielt an ihren Anträgen fest (IV-
act. 117).
A.q Am 5. März 2013 verfügte die IV-Stelle im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 119).
B.
B.a Gegen diese Verfügung vom 5. März 2013 richtet sich die vorliegend zu
beurteilende Beschwerde vom 22. April 2013. Die Beschwerdeführerin beantragt darin
unter Kosten- und Entschädigungsfolge, dass die Verfügung aufzuheben und die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten sei, der Beschwerdeführerin ab 1. März 2010 eine
halbe Invalidenrente auszurichten. In Würdigung der gesamten medizinischen Akten,
insbesondere derjenigen der behandelnden Psychiaterin, müsse von einer erheblich
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ausgegangen werden.
Gestützt auf die ärztlichen Beurteilungen und die wiederholt gescheiterten Versuche
einer Erhöhung des Arbeitspensums über 50% betrage die zumutbare Arbeitsfähigkeit
50%. Auf das Gutachten vom 5. April 2012 könne nicht abgestellt werden, da die
gutachterliche Beurteilung durch keinen der übrigen vorliegenden ärztlichen Berichte
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bestätigt werde. Trotz ernstzunehmender Indizien, dass sich die gesundheitliche
Situation nach dem Datum der med. pract. G._ vorliegenden Berichte seit Herbst
2011 verschlechtert habe, habe sich diese nicht um Informationen über den aktuellen
gesundheitlichen Zustand der Beschwerdeführerin bemüht (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 30. Mai 2013
die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass das Gutachten
beweistauglich und die gestützt darauf getroffene Ablehnung eines Rentenanspruchs
zutreffend sei (act. G 5).
B.c Mit Präsidialentscheid vom 4. Juni 2013 wurde dem Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) entsprochen (act. G 6).
B.d Die Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 4. Juli 2013 am gestellten Antrag
sowie dessen Begründung fest. Ergänzend beantragt sie, eventualiter sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, eine neue, eingehende psychiatrische
Begutachtung der Beschwerdeführerin durchzuführen (act. G 8).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 23. August 2013 auf die Einreichung einer
Duplik (act. G 10).
B.f Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Parteien (act. G 13 ff.)
beauftragte das Versicherungsgericht am 23. Oktober 2014 Dr. med. I._, Fachärztin
für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, mit der Erstellung eines psychiatrischen
Gerichtsgutachtens (act. G 17). Mit Schreiben vom 3. Dezember 2014 wies Dr. I._
nach der Durchführung eines Erstgesprächs den Gutachtensauftrag zurück, weil die
Beschwerdeführerin am 11. Dezember 2014 zur stationären Therapie in die Klinik B._
eintreten werde und sie unter diesen Umständen den Auftrag nicht erfüllen könne (act.
G 20). Nachdem die Beschwerdegegnerin Zweifel an einer Begutachtung durch die
Klinik B._ geäussert hatte (act. G 23), beauftragte das Versicherungsgericht nach
erneuter Gewährung des rechtlichen Gehörs (act. G 26 ff.) am 27. Januar 2015 Dr.
med. J._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Leiterin Zentrale
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Psychiatrische Gutachtenstelle, Psychiatrische Dienste Thurgau, mit der Erstellung
eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens (act. G 30).
B.g Die Beschwerdeführerin wurde am 21. September 2015 und am 14. Dezember
2015 von Dr. J._ untersucht. Im psychiatrischen Gerichtsgutachten vom 4. Februar
2016 hielt die Gutachterin fest, die Beschwerdeführerin leide an einer chronischen
mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10: F32.1) und an einer posttraumatischen
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) mit verzögertem Beginn. Im angestammten Beruf
als Rayonleiterin sowie als Verkäuferin sei die Beschwerdeführerin nicht mehr
arbeitsfähig. In einer optimal angepassten Tätigkeit betrage die Fähigkeit zur
Anwesenheit am Arbeitsplatz 50% bei einer Einschränkung der Leistungsfähigkeit von
etwa einem Drittel. Die Arbeitsfähigkeit werde bei 33% gesehen (act. G 39).
B.h Die Beschwerdegegnerin erachtet das Gerichtsgutachten als beweistauglich.
Gemäss der Stellungnahme des RAD sei das Gutachten sorgfältig erstellt und auf die
Beurteilung könne abgestellt werden. Die Beschwerdeführerin sei angestammt und in
der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin voll Arbeitsunfähig (act. G 41 und 41.1).
B.i Die Beschwerdeführerin hält fest, dass den ausführlichen Darlegungen im
Gerichtsgutachten zu folgen und auf dieses abzustellen sei. Mit grosser Klarheit habe
die Gutachterin festgestellt, dass die Beschwerdeführerin seit ihrer ersten
Hospitalisation im Jahre 2009 nie mehr voll arbeitsfähig gewesen sei. In einer optimal
angepassten Tätigkeit habe sie die Gutachterin für 50% arbeitsfähig und seit der
erheblichen Verschlechterung ab November 2014 für 33% arbeitsfähig erklärt (act. G
42).

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
Rentenleistungen der Invalidenversicherung hat.
1.1 Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die: a. ihre Erwerbsfähigkeit
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oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können; b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind; und c. nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind. Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente.
1.3 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden
können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen).
2.
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2.1 Zu prüfen ist vorab die Frage, ob das Gerichtsgutachten vom 4. Februar 2016 (act.
G 39) eine rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
erlaubt.
2.2 Bezüglich Gerichtsgutachten hat die Rechtsprechung ausgeführt, das Gericht
weiche „nicht ohne zwingende Gründe“ von den Einschätzungen des medizinischen
Experten ab. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diesbezüglich
erwogen, der Meinung eines von einem Gericht ernannten Experten komme bei der
Beweiswürdigung vermutungsweise hohes Gewicht zu (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit
Hinweisen).
2.3 Zunächst ist festzuhalten, dass sowohl die Beschwerdeführerin als auch die
Beschwerdegegnerin die gerichtsgutachterliche Beurteilung für beweiskräftig halten
(act. G 41 f.).
2.4 Bei der Würdigung des Gerichtsgutachtens fällt ins Gewicht, dass es auf
eigenständigen gründlichen Abklärungen beruht und für die streitigen Belange
umfassend ist. Die medizinischen Vorakten wurden verwertet, ausführlich diskutiert und
es wurde nachvollziehbar dargelegt, welchen diagnostischen Einschätzungen aus
welchen Gründen nicht zu folgen ist (posttraumatische dissoziative Identitätsstörung,
komplexe posttraumatische Belastungsstörung, statt Persönlichkeitsstörung auffällige
Akzentuierungen im Sinne von narzisstischen, ängstlich vermeidender und abhängigen
Züge, S. 42-47). Sodann wurden die gutachterlichen Diagnosen einer chronischen
mittelgraden depressiven Störung (ICD-10: F32.1) und einer posttraumatischen
Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) sorgfältig und umfassend gegründet. Es wurde
sodann plausibel dargelegt, dass und inwiefern die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin eingeschränkt ist. Mit den Parteien ist somit auf die gutachterliche
Einschätzung abzustellen. Aus medizinischer Sicht ist deshalb davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin in der angestammten Tätigkeit als Rayonleiterin und auch
als Verkäuferin nicht mehr arbeitsfähig ist. In einer optimal angepassten Arbeitstätigkeit
(einfache Sortier- oder Lagerarbeiten, auch Auffüllen von Regalen und Tätigen von
Bestellungen in ruhiger Arbeitsumgebung und mit geringem Anteil an kommunikativen
Anforderungen) liegt die Fähigkeit zur Anwesenheit am Arbeitsplatz bei einem 50%
Pensum. Dabei ist die Leistungsfähigkeit ab November 2014 in einem Ausmass von
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etwa einem Drittel eingeschränkt, womit die Arbeitsfähigkeit bei 33% liegt. Bezüglich
des Verlaufs hält die Gutachterin fest, es handle sich um einen chronisch progredienten
ungünstigen Verlauf der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit. Seit der ersten
Hospitalisation im Jahr 2009 sei (bis November 2014) nur eine Arbeitsfähigkeit von
50% über längere Zeit durchgehalten worden (act. G 39, S. 50 f.).
3.
3.1 Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf
von sechs Monaten nach der Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Die
Beschwerdeführerin meldete sich im April 2009 zum Bezug von Leistungen bei der IV-
Stelle an (IV-act. 1), somit ist ein allfälliger Rentenanspruch frühestens per 1. Oktober
2009 entstanden. Unter Berücksichtigung des Wartejahres gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG, welches mit dem Eintritt des Gesundheitsschadens mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit mit der Hospitalisation im Jahr 2009 (Klinikeintritt am 3. März 2009; vgl.
IV-act. 19-4) bzw. dem erstmaligen Herausfallen aus dem Arbeitsprogramm (act. G 39,
S. 52 und 55 Mitte) ausgelöst wurde, ist ein allfälliger Rentenanspruch jedoch
frühestens per 1. März 2010 entstanden.
3.2 Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person im
Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am
zuletzt erzielten, der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 322 E. 4.1).
Gemäss den Angaben der Arbeitgeberin hätte die Beschwerdeführerin als Rayonleiterin
im Jahr 2010 Fr. 59'800.-- verdient (IV-act. 47-3).
3.3 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung angemessen und
nicht als Soziallohn erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
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gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist auf Erwerbstätigkeiten abzustellen, die der
versicherten Person (nach zumutbarer Behandlung und allfälliger Eingliederung)
angesichts ihrer Ausbildung und ihrer physischen sowie intellektuellen Eignung
zugänglich wären. Rechtsprechungsgemäss werden hierzu die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
3.4 Auch wenn die Beschwerdeführerin im Jahr 2010 weiterhin bei K._ angestellt
gewesen war, kann nicht (mehr) von besonders stabilen Arbeitsverhältnissen
gesprochen werden, da es ab 2009 immer wieder zu Dekompensationen und
kompletten Arbeitsunfähigkeiten kam. Zudem kam es bei der Beschwerdeführerin zu
wesentlichen Entpflichtungen aus gewissen Tätigkeiten, womit der vereinbarte Lohn
auch nicht mehr der tatsächlichen Leistung entsprach (vgl. act. G 39, S. 50 und IV-act.
47-3). Somit sind bei der Bestimmung des Invalideneinkommens die LSE-
Tabellenwerte heranzuziehen und es ist auf den Totalwert für Frauen bei Arbeiten im
Anforderungsniveau 4 gemäss Tabelle TA1 der LSE 2010 (Fr. 4'225.--) abzustellen,
sowie von einer betriebsüblichen Arbeitszeit von 41.6 Wochenstunden auszugehen.
Daraus ergibt sich ein Jahreseinkommen von Fr. 52'728.-- (Fr. 4'225.-- / 40 x 41.6 x
12). Weiter ist zu prüfen, ob ein Tabellenlohnabzug vorzunehmen ist.
3.5 Nach der Rechtsprechung hängen die Fragen, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen und beruflichen
Umständen des konkreten Einzelfalls ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter
und Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine
schematische Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b
und 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Die leidensbedingten Einschränkungen wurden
von der Gutachterin bereits bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung berücksichtigt und auch
sonst sind keine abzugsrelevanten Umstände ersichtlich. Somit ist kein
Tabellenlohnabzug vorzunehmen und das Invalideneinkommen beträgt bei einer
Arbeitsfähigkeit von 50% Fr. 26'364.-- (Fr. 52'728.-- x 0.5).
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3.6 Bei einem Valideneinkommen von Fr. 59'800.-- und einem Invalideneinkommen von
Fr. 26'364.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 33'436.-- (Fr. 59'800.-- - Fr.
26'364.--) bzw. ein rentenbegründender Invaliditätsgrad von gerundet 56% (Fr.
33'436.-- / Fr. 59'800.-- x 100). Die Beschwerdeführerin hat damit ab 1. März 2010
Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
3.7 Ob ab der Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auf 33%
per November 2014 ein höherer Rentenanspruch besteht, bildet nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens, da sich die vorliegende gerichtliche Beurteilung auf den
massgebenden Zeitpunkt bis zum Verfügungserlass vom 5. März 2013 beschränkt.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist in Gutheissung der Beschwerde die Verfügung vom 5.
März 2013 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. März 2010 eine
halbe Rente zuzusprechen. Zur Festsetzung der Rentenhöhe ist die Sache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Aufgrund der Einholung eines
Gerichtsgutachtens und des damit verbundenen Zusatzaufwands erscheint eine
Gerichtsgebühr von Fr. 1‘000.-- in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als
angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.3 Die Kosten der Gerichtsgutachten von Fr. 1'200.-- und Fr. 7'812.40, total Fr.
9'012.40, hat die Beschwerdegegnerin zu tragen (BGE 137 V 210 E. 4.4.2).
4.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
12'000.--. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin hat keine Kostennote
eingereicht. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint unter Berücksichtigung des durch
die Einholung der Gerichtsgutachten entstandenen Mehraufwands eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 5'500.-- als angemessen. Unter diesen Umständen
erübrigt sich die Festsetzung einer Entschädigung im Rahmen der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung.