Decision ID: de8ce3fc-b5c8-48d6-9a3c-d96c03219ba8
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._, (...), ist (...) 1967 in O._, Deutschland, geboren. Y._ (Jg. 1942) anerkannte die
Vaterschaft zu X._ am 7. August 1967 beim Amtsgericht O._. Die
Vaterschaftsanerkennung wurde am 20. November 1967 im deutschen
Geburtenregister eingetragen. (...) 2016 verstarb Y._ und hinterliess gemäss
Erbenbescheinigung (...) seine Ehefrau A._ (Jg. 1947) und die gemeinsame Tochter
B._ (Jg. 1988) als gesetzliche Erbinnen.
B. Am 15. März 2017 übermittelte das Zivilstandsamt P._ dem Amt für Bürgerrecht
und Zivilstand (AfBZ) ein Gesuch samt Unterlagen zur Prüfung der Anerkennung und
Eintragung des Kindesverhältnisses zwischen X._ und Y._ sel. ins schweizerische
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Personenstandsregister. Mit Verfügung vom 24. April 2018 anerkannte das AfBZ
sowohl die deutsche Geburtsurkunde als auch die Anerkennungsurkunde vom
7. August 1967 – und damit das gemäss deutschem Recht begründete rechtliche
Kindesverhältnis zwischen X._ und Y._ sel. – für den schweizerischen Rechtsbereich
nicht an und wies entsprechend das Gesuch um Eintragung in das schweizerische
Personenstandsregister ab. Den dagegen erhobenen Rekurs wies das kantonale
Departement des Innern mit Entscheid vom 1. Februar 2019 ab. Der ablehnende
Entscheid wurde im Wesentlichen damit begründet, dass gestützt auf Art. 196 IPRG
das Prinzip der Nichtrückwirkung zur Anwendung komme. Massgebend sei das
schweizerische Heimatrecht von Y._ sel. Mit der damaligen Anerkennung der
Vaterschaft habe er lediglich eine sogenannte Zahlvaterschaft zu X._ begründet,
welche nicht in ein Kindesverhältnis mit Standesfolgen aufgewertet worden sei. Eine
nachträgliche, die Zahlvaterschaft aufwertende Anerkennung habe nicht stattgefunden.
Demgemäss bestehe kein rechtliches Kindesverhältnis zwischen Y._ sel. und X._,
welches für den schweizerischen Rechtsbereich anerkannt und in das schweizerische
Personenstandsregister eingetragen werden könne.
C. X._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 4. Februar 2019 zugestellten
Entscheid des Departements des Innern (Vorinstanz) mit Eingabe ihres Rechtsvertreters
vom 18. Februar 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und das
AfBZ sei zu verpflichten und anzuweisen, das in Deutschland begründete rechtliche
Kindesverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin als Tochter und Y._ sel. als Vater
für den schweizerischen Rechtsbereich anzuerkennen und im schweizerischen
Personenstandsregister einzutragen. Mit Vernehmlassung vom 12. März 2019
beantragte die Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung

auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid. A._ und B._
(Beschwerdegegnerinnen) trugen mit Eingabe ihres gemeinsamen Rechtsvertreters
vom 3. Mai 2019 ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde an, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zuzüglich 7.7 % Mehrwertsteuer. Mit Eingabe vom 23. Mai 2019
äusserte sich die Beschwerdeführerin zu den Vernehmlassungen der Vorinstanz und
der Beschwerdegegnerinnen; dazu nahmen Letztere mit Eingabe vom 6. Juni 2019,
welche den Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis gebracht wurde, Stellung.
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Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
2. Umstritten ist zunächst, ob auf den vorliegenden Sachverhalt das Bundesgesetz
über das Internationale Privatrecht (SR 291, IPRG), welches am 1. Januar 1989 in Kraft
getreten ist, oder ob darauf noch das bis am 31. Dezember 1988 gültige Bundesgesetz
betreffend die zivilrechtlichen Verhältnisse der Niedergelassenen und Aufenthalter (aSR
142.20, aNAG) anwendbar ist.
2.1. Art. 196-199 IPRG enthalten die übergangsrechtlichen Regeln für die
internationale Zuständigkeit, das anwendbare Recht sowie für die Anerkennung und
Vollstreckung ausländischer Entscheidungen. Damit wird versucht, einerseits eine
Kontinuität und damit eine gewisse Rechtssicherheit zu gewährleisten (Zuständigkeit)
und anderseits Fälle, die im Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes noch nicht
entschieden sind, dem neuen Recht zu unterstellen (anwendbares Recht sowie
Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Entscheidungen). Einer Regelung
bedurfte insbesondere auch die Frage, welche Bedeutung dem Inkrafttreten des IPRG
in Bezug auf die zu diesem Zeitpunkt hängigen Begehren auf Anerkennung oder
Vollstreckung ausländischer Entscheidungen zukommt. Art. 199 IPRG ordnet
entsprechend an, dass sich die Voraussetzungen hierfür nach dem IPRG richten. Die
Bestimmung dient der Prozessökonomie, indem sie unabhängig vom
Verfahrensstadium, in dem sich die Anerkennung und Vollstreckung befindet, dem
neuen Recht Geltung verschafft. Auf diese Weise verleiht Art. 199 IPRG den indirekten
Zuständigkeitsregeln des IPRG quasi rückwirkend Geltung, da ein ausländischer Titel –
unabhängig von der Frage, wann er ergangen ist – in der Schweiz mit Inkrafttreten des
IPRG anerkannt werden muss, wenn dies nach den neuen Bestimmungen möglich ist.
War also vor dem 1. Januar 1989 über die Anerkennung und die Vollstreckbarerklärung
ausländischer Entscheidungen zu entscheiden, so hatte die schweizerische
Anerkennungsbehörde nach früherem Recht zu entscheiden. Ist aber der
Anerkennungs- bzw. Vollstreckungsentscheid durch schweizerische Behörden nach
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dem 1. Januar 1989 zu fällen, so gelten nach Art. 199 IPRG neu die Art. 25 ff. IPRG,
selbst wenn der Entscheid im Ausland vor dem Stichdatum 1. Januar 1989 gefällt
worden ist. Begehren um Anerkennung und Vollstreckung, die nach Inkrafttreten des
IPRG eingereicht werden, sind demnach nach dem IPRG zu prüfen (siehe D. Trüten, in:
Müller-Chen/Widmer Lüchinger [Hrsg.], Zürcher Kommentar zum IPRG, 3. Aufl. 2018,
N 1 ff. zu Art. 199 IPRG; M. Kähr, Der Kampf um den Gerichtsstand – Forum Shopping
im internationalen Verfahrensrecht der Schweiz, in: SSZR – Schriften zum
Schweizerischen Zivilprozessrecht, Band Nr. 4 [2010], S. 53; vgl. auch Botschaft zum
IPRG vom 10. November 1982, BBl 1983 I 263 ff., S. 469).
2.2. Die Beschwerdeführerin ersuchte am 2. März 2017 um Auskunft, unter welchen
Voraussetzungen das im Jahre 1967 in Deutschland anerkannte Kindsverhältnis
zwischen ihr und ihrem zwischenzeitlich verstorbenen Vater nachträglich im
schweizerischen Zivilstandsregister eingetragen werden könne; ebenso, welche
formellen Voraussetzungen die deutschen Abstammungsurkunden erfüllen müssten
(act. 7/7/1). In zeitlicher Hinsicht erfolgte damit das Begehren um Anerkennung
offensichtlich lange nach dem Inkrafttreten des IPRG vom 1. Januar 1989. Entgegen
den Ausführungen im angefochtenen Entscheid richtet sich daher die Antwort auf die
Frage, ob das 1967 in Deutschland urkundlich festgestellte Kindesverhältnis in der
Schweiz anzuerkennen sei, nicht nach den Bestimmungen des aNAG, sondern nach
jenen des IPRG.
2.3. Art. 32 IPRG enthält eine Sonderbestimmung für die Anerkennung und Eintragung
ausländischer Akte im Bereich des Zivilstandswesens. Der Vorschrift kommt lediglich
Rahmencharakter zu; im Übrigen sind ergänzend die allgemeinen Bestimmungen der
Art. 25 ff. IPRG, die Anerkennungsnormen aus dem Besonderen Teil (vorliegend:
Art. 73 IPRG) sowie die einschlägigen Verfahrensvorschriften betreffend Organisation
und Führung der Zivilstandsregister (namentlich die Eidgenössische
Zivilstandsverordnung, SR 211.112.2, ZStV) heranzuziehen (vgl. Däppen/Mabillard, in:
Honsell/Vogt/Schnyder/Berti [Hrsg.], Basler Kommentar – Internationales Privatrecht,
3. Aufl. 2013, N 1 zu Art. 32 IPRG).
Indem sowohl das AfBZ als auch die Vorinstanz die Anwendbarkeit des IPRG verneint
und auf das im vorliegenden Zusammenhang nicht mehr anwendbare aNAG abgestellt
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haben, haben sie bei ihrer Entscheidfindung die Weichen in einem derart frühen
Zeitpunkt falsch gestellt, dass die Streitsache von ihnen als materiell ungeprüft
erscheint. Die Beschwerde ist entsprechend bereits aus diesem formellen Grunde
gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Angelegenheit gestützt
auf Art. 64 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zu neuem Entscheid an das AfBZ
zurückzuweisen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen –
dargestellt an den Verfahren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl. 2003, Rz. 1032). Das
AfBZ wird dabei materiell zu prüfen und entscheiden haben, ob im konkreten Fall die
Voraussetzungen der Art. 25-27 IPRG erfüllt sind (Art. 32 Abs. 2 IPRG), und formell, ob
eine Eintragung im Zivilstandsregister nach den schweizerischen Grundsätzen über die
Registerführung erfolgen kann. Sind die Voraussetzungen erfüllt, muss das Gesuch um
Eintragung bewilligt werden (BGer 5A_644/2013 vom 7. November 2013 E. 2.2).
3.
3.1. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz (mit noch offenem
Ausgang) für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der
Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen, unabhängig davon, ob sie beantragt
oder ob das entsprechende Begehren im Haupt- oder im Eventualantrag gestellt wird
(vgl. BGer 5A_845/2016 vom 2. März 2018 E. 3.2 mit Hinweisen). Das
Verwaltungsgericht hat sich dieser Praxis in Abänderung seiner bisherigen Praxis mit
Entscheid vom 16. August 2018 angeschlossen (vgl. VerwGE B 2017/76 vom
16. August 2018 E. 5, www.gerichte.sg.ch).
Die amtlichen Kosten des Rekurs- und des Beschwerdeverfahrens sind somit den
Beschwerdegegnerinnen aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die von der Vorinstanz
festgesetzte Entscheidgebühr von CHF 1'500 ist unbestritten und nicht zu
beanstanden. Für den Beschwerdeentscheid ist eine Gebühr von CHF 2'500
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Beschwerdeführerin sind die von ihr geleisteten Kostenvorschüsse von CHF 1'500 für
das Rekursverfahren und von CHF 2'500 für das Beschwerdeverfahren
zurückzuerstatten.
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3.2. Die Beschwerdeführerin ist für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren
ausseramtlich zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP). Ihr Rechtsvertreter
hat keine Kostennoten eingereicht. In der Verwaltungsrechtspflege ist die
Honorarpauschale innerhalb des von Art. 22 Abs. 1 Ingress der Honorarordnung
(sGS 963.75, HonO) festgelegten Rahmens vor Verwaltungsbehörden zwischen
CHF 500 und CHF 6'000 (lit. a) und vor Verwaltungsgericht zwischen CHF 1'500 und
CHF 15'000 (lit. b) festzulegen. Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens
wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und
Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falls und den wirtschaftlichen
Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, AnwG; vgl. dazu BGE 141 I 124 E. 4 und BGer
1C_53/2015 vom 12. Mai 2015 E. 2.5). Im Rekursverfahren erscheint ein Honorar von
CHF 1'500 zuzüglich CHF 60 Barauslagen (4 % von CHF 1'500) und im
Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht ein solches von CHF 3'000 zuzüglich
CHF 120 pauschale Barauslagen (4 % von CHF 3'000) als angemessen. Entsprechend
dem Verfahrensausgang haben die Beschwerdegegnerinnen die Beschwerdeführerin
daher mit CHF 1'560 für das Rekursverfahren und CHF 3'120 für das
Beschwerdeverfahren zu entschädigen. Da die Beschwerdeführerin ihren Wohnsitz im
Ausland hat, ist die Mehrwertsteuer nicht hinzuzurechnen (vgl. MWST-Branchen-Info
18, Rechtsanwälte und Notare, Ziff. 2.1, www.estv.admin.ch / Mehrwertsteuer /
Fachinformationen / Publikationen / webbasierte Publikationen MWST).
Nachdem die Beschwerdegegnerinnen mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen sind,
haben sie weder im Beschwerde- noch im Rekursverfahren Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung.