Decision ID: 50558553-dad7-5a99-8675-46c8d0b257dc
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie und hinduistischen Glaubens – verliess gemäss eigenen Angaben
am 25. April 2017 sein Heimatland auf dem Luftweg und gelangte in die
Türkei. Von dort reiste er über ihm unbekannte Länder am 1. Mai 2017 in
die Schweiz und stellte gleichentags ein Asylgesuch.
B.
Am 5. Mai 2017 wurde die Befragung zur Person (BzP) durchgeführt (vgl.
Akte A6).
Zu seinen persönlichen Verhältnissen trug er dabei vor, er sei in
B._, Distrikt Jaffna (Nordprovinz) geboren, habe dort von 1998 bis
2011, bis zum A-Level (ohne Abschluss), die Schule besucht und bis zu
seiner Ausreise dort gelebt. Er habe keinen Beruf erlernt, habe aber von
2011 bis 2016 in einem (...) gearbeitet. Seine Eltern und Geschwister (zwei
Schwestern) würden in B._ leben. Er habe einen eigenen Reise-
pass besessen; dieser sei ihm aber in Sri Lanka abgenommen worden,
nachdem er zwecks Ausübung seines (...)berufs ein Visum für Frankreich
beantragt, jedoch nicht erhalten habe. Seine Identitätskarte und weitere
Dokumente seien ihm vom Schlepper abgenommen worden.
Er habe sich in Sri Lanka um eine Regierungsstelle bemüht und zu diesem
Zweck einem Parlamentsmitglied namens S. seine Geburtsurkunde über-
geben. Dieser habe den Beschwerdeführer als (...) angefragt, seine Pro-
pagandaversammlungen und andere Veranstaltungen (...). Erst als er an
einer solchen Versammlung anwesend gewesen sei, habe er festgestellt,
dass es dabei um das Thema der Schicksale von verschwundenen Perso-
nen gegangen sei. Es seien viele Eltern von Betroffenen zu diesen Anläs-
sen gekommen, hätten dort geweint und ihre Beschwerden deponiert. Der
Beschwerdeführer habe dabei auch bekannt gemacht, dass sein Onkel
mütterlicherseits im Jahr 1996 verschwunden sei. S. habe ihm geraten, bei
einer Menschenrechtsorganisation eine Anzeige zu machen, was seine Fa-
milie längst vorgenommen habe. Er habe 2012 oder 2013 mit seiner Tätig-
keit für S. begonnen. Ende Februar 2017 habe er von unbekannten Perso-
nen Drohanrufe erhalten. Auch sein in England wohnhafter Onkel habe (...)
gemacht, die im «Channel 4» ausgestrahlt worden seien. Der Anrufer habe
ihm gedroht und ihn aufgefordert, mit seinen (...)tätigkeiten zugunsten von
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S. aufzuhören; er habe aber seine Arbeit für diesen fortgesetzt. Die unbe-
kannten Personen seien dann bei ihm zu Hause erschienen und hätten
seine Mutter und weitere Familienangehörige bedroht. Er selbst habe ins-
gesamt zwei Drohanrufe erhalten, aber die Unbekannten hätten sehr oft,
er denke drei bis vier Male, zu Hause vorgesprochen. Zuletzt, am
2./3. April 2017, hätten die Unbekannten seine Entführung konkret ange-
droht. Er könne nicht sagen, von wem die Drohungen ausgestossen wor-
den seien. Er habe sich in der Folge in Colombo versteckt und anschlies-
send das Heimatland verlassen. Weil er nicht mehr nach Hause telefoniert
habe, wisse er nicht, ob sich nach seiner Ausreise weitere Ereignisse zu-
getragen hätten.
Ansonsten sei er nie politisch oder religiös aktiv gewesen und habe weder
mit den heimatlichen Behörden noch mit einer Organisation oder mit Pri-
vatpersonen Probleme gehabt. Er sei nie verhaftet, angeklagt oder verur-
teilt worden. Er habe keine weiteren Asylgründe.
Vor der Durchführung der eigentlichen BzP hat der Beschwerdeführer er-
klärt, dass er den anwesenden Dolmetscher gut verstehe (vgl. A6, Einlei-
tung, Bst. h). Das BzP-Protokoll trägt die Unterschriften der Befragerin, des
Dolmetschers und des Beschwerdeführers. Der Beschwerdeführer erklärte
dabei explizit, dass seine Aussagen der Wahrheit entsprechen würden und
diese ihm in eine ihm verständliche Sprache (Tamilisch) rückübersetzt wor-
den seien.
C.
Gemäss Schreiben des Strassenverkehrsamts C._ vom
13. März 2019 reichte der Beschwerdeführer seinen sri-lankischen Führer-
schein zu den Akten. Eine Kopie dieses Ausweises befindet sich bei den
Asylakten.
D.
Am 17. Februar 2020 fand die einlässliche Anhörung des Beschwerdefüh-
rers zu den Asylgründen statt. Eingangs der Anhörung wurde der Be-
schwerdeführer darüber informiert, dass die üblicherweise anwesende
Hilfswerksvertretung aus unbekannten Gründen nicht erschienen sei; die
Hilfswerksvertretung sei nicht «zwingender Bestandteil» der Anhörung. Der
Beschwerdeführer erklärte explizit, er sei mit der Fortsetzung der Anhörung
ohne Hilfswerksvertretung einverstanden (vgl. Akte A17, S. 2 oben).
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Der Beschwerdeführer trug am 17. Februar 2020 ergänzend folgenden
Sachverhalt vor (vgl. Akte A 17):
Seine Eltern, seine jüngere Schwester sowie weitere Verwandte (Onkel
und Tante väterlicherseits) würden in D._, Jaffna, leben; weitere
Cousins seiner Eltern seien in E._ wohnhaft.
Er habe von Geburt bis zur Ausreise in D._, Jaffna, im Haus seiner
Familie gelebt. Im Kleinkindsalter sei seine Familie kriegsbedingt einmal
umgezogen. Er habe die Schule bis zur elften Klasse besucht. In Sri Lanka
habe er ab 2011 als (...) gearbeitet.
Ein jüngerer Bruder seiner Mutter sei im Jahr 1996 verschwunden. Seine
Familienangehörigen hätten nach diesem Onkel gesucht und ihn überall
als vermisst gemeldet. Den Grund des Verschwindens respektive der Fest-
nahme seines Onkels kenne der Beschwerdeführer nicht. Er habe wegen
der Suche nach diesem Onkel Probleme bekommen. Nach der Beendi-
gung seiner Schulzeit habe er bei S., Parlamentsmitglied bei der TNA (Ta-
mil National Alliance), um Arbeit nachgefragt. Er sei dann 2013/2014 von
diesem Parlamentsmitglied angeheuert worden, um an dessen Meetings
und Veranstaltungen (...). Diese Treffen hätten immer an Kriegsschauplät-
zen stattgefunden und Angehörige von verschwundenen Personen hätten
teilgenommen. Er habe dabei (...); seine Mutter sei bei den Treffen auch
dabei gewesen. Er denke, dass er wegen den (...) Probleme bekommen
habe. Er habe mehrere telefonische Drohanrufe bekommen und sei zwei
respektive vier bis fünf Male zu Hause von Unbekannten aufgesucht wor-
den. Er kenne die Gründe nicht, weshalb diese Leute an seiner Person
interessiert gewesen seien und wisse auch nicht, wer die Drohungen aus-
gestossen habe; er nehme aber an, dass die Gegenpartei der TNA respek-
tive die Regierung von seinen (...) zugunsten S. Kenntnis erhalten habe.
Er wisse auch nicht, ob S. selbst auch Probleme bekommen habe. Er habe
sich nach 2014 während vier bis fünf Monaten bei einem Onkel in
E._ verstecken müssen. Während dieses Aufenthaltes habe er ei-
nen Suizidversuch unternommen, sei dann nach Colombo gegangen und
habe mit einem Schlepper seine Ausreise organisiert. Nach seiner Aus-
reise seien seine Eltern weiterhin nach seinem Aufenthaltsort befragt und
sein Vater an seinem Arbeitsort eingeschüchtert worden. Später habe sein
Vater auch eine schriftliche Vorladung erhalten (Anmerkung des Gerichts:
der Beschwerdeführer wurde aufgefordert, diese Vorladung zu den Akten
zu reichen (vgl. A17, Frage 187).
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Ansonsten sei er weder im Heimatland noch in der Schweiz politisch aktiv
gewesen.
Im Anschluss an die eigentliche Befragung wurde der Beschwerdeführer
mit Unstimmigkeiten innerhalb seiner Schilderungen bei der BzP und der
Anhörung konfrontiert. Hierzu gab er zu Protokoll, er kenne das Datum,
wann er hätte entführt werden sollen, nicht; er könne auch die genauen
Jahreszahlen, wann er Drohanrufe erhalten habe, nicht angeben. Seit er in
der Schweiz angekommen sei, sei er glücklich und mache keine grösseren
Überlegungen mehr zu diesen Vorfällen; er habe diese vergessen.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer Kopien von
Unterlagen betreffend das Verschwinden seines Onkels zu den Akten (vgl.
Beweismittelcouvert, Akte A14:
- Schreiben des «Municipal Commissioner, Municipal Office,
B._», datiert 21. Juli 1996 (Bestätigung, dass der Onkel des Be-
schwerdeführers, F._, ab 17. Juni 1996 als Angestellter im (...)
tätig gewesen und am 20. Juli 1996 zum Dienst einberufen worden sei;
die Bestätigung sei auf Verlangen des Vaters als ehemaliger Angestell-
ter der Kommission, ausgestellt worden);
- Dokument «Information Regarding Persons Arrested & Disappeared»
(Formular ausgefüllt am 26. Februar 1998; F._ sei am 20. Juli
1996 auf dem Arbeitsweg von den Sicherheitskräften in G._
festgenommen worden; Augenzeugen [unleserlich]; Informanten: Vater
[des Verschwundenen]; die Untersuchungskommission habe am 25.
April 1997 respektive die Militärpolizei habe beim «H._» Hotel
am 10. Juli 1997 Ermittlungen durchgeführt);
- Fremdsprachiges Dokument mit Übersetzung, datiert 31. Oktober 2003
(Schreiben der Human Rights Commission of Sri Lanka [HRCSL]:
«Committee of Inquiry into Disappearances of Persons in the
B._ Region»: Complaint [...]: das Komitee habe der HRCSL be-
richtet, dass klare Hinweise vorliegen würden, wonach F._ am
20. Juli 1996 von der Armee in Gewahrsam genommen worden sei);
- Schreiben der «Guardian Association for Persons Arrested and Disap-
peared in North», datiert 10. Februar 2002 (Bestätigung, dass
F._ mit weiteren Personen am 20. Juli 1996 im Norden Sri Lan-
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kas von den bewaffneten Streitkräften verhaftet worden und ver-
schwunden sei; der Vater des Verschwundenen sei Mitglied des Ver-
bands);
- Schreiben des «International Committee of the Red Cross» (IKRK), da-
tiert 4. August 1997 (Erkundigung des IKRK bei I._ [Vater des
Onkels] in D._, ob weitere Informationen zum Verbleib von
F._ bestehen würden);
- Dokument «Extract of the C.I.B. of (...) Police Station», datiert
15. Oktober 1998 (Vermisstenanzeige [Complaint of Missing] des Va-
ters betreffend Verschwinden seines Sohnes [Onkel des Beschwerde-
führers]; F._ sei am 20. Juli 1996 von Armeetruppen beim Tem-
pel in G._ auf einem Traktor abgeführt worden und werde immer
noch vermisst);
- Dokument «Report on the Enforced or Involuntary Disappearance of a
Person», datiert 28. September 1998 (Anzeige des Vaters: dessen
Sohn sei am 20. Juli 1996 in G._ verschwunden; I._ wird
als Zeuge aufgeführt, Dokument ist mit Bestätigungsstempel des Frie-
densrichters [«Justice of the Peace»] versehen).
E.
Mit Verfügung vom 30. Juli 2020 – eröffnet am 31. Juli 2020 – lehnte das
SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers ab, weil seine Vorbringen
den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit und an die Asylrelevanz nicht
genügen würden.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Schilderungen des
Beschwerdeführers würden mehrere Widersprüche enthalten. Zudem
seien seine Vorbringen unsubstanziiert und oberflächlich ausgefallen. Es
sei ihm daher nicht gelungen, ein nachvollziehbares, flüchtlingsrechtlich re-
levantes Verfolgungsinteresse an seiner Person darzutun, woran die ein-
gereichten Beweismittel nichts zu ändern vermöchten.
Der Wegweisungsvollzug sei zulässig, zumutbar und möglich.
F.
Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 27. August 2020 liess der Be-
schwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde erheben und
beantragen, die Verfügung der Vorinstanz sei vollumfänglich aufzuheben,
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seine Flüchtlingseigenschaft sei anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewäh-
ren; eventualiter sei die Unzulässigkeit, allenfalls die Unzumutbarkeit des
Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzu-
ordnen; subeventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an das SEM zu-
rückzuweisen.
In prozessualer Hinsicht wurde die unentgeltliche Rechtspflege inklusive
Beiordnung eines amtlichen Rechtsvertreters beantragt.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, das SEM habe meh-
rere Verfahrensfehler begangen (falsche, nicht vollständige Feststellung
des rechtserheblichen Sachverhalts; Durchführung einer mangelhaften An-
hörung; Vornahme einer willkürlichen Beweiswürdigung respektive fal-
schen Beweisabnahme; Verletzung des rechtlichen Gehörsanspruchs und
des Untersuchungsgebots).
Es könne nicht von vagen und einsilbigen Angaben ausgegangen werden.
Der Beschwerdeführer habe vielmehr ausführliche Beschreibungen zu
Protokoll gegeben.
Er sei aufgrund seiner entfalteten Tätigkeiten besonders exponiert. Mit sei-
ner Vorgeschichte und seinem mehrjährigen Auslandaufenthalt falle er in
die Kategorie der vulnerabelsten Personen, die bei einer Rückkehr nach
Sri Lanka unverkennbar einer konkreten Folter- und Todesgefahr ausge-
setzt seien. Er gehöre zur bestimmten sozialen Gruppe der abgewiesenen
tamilischen Asylsuchenden und werde deshalb mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit systematisch aufgrund eines Generalverdachts der Unter-
stützung der politischen Opposition respektive der LTTE (Liberation Tigers
of Tamil Eelam) verdächtigt.
Das SEM habe eine falsche Länderanalyse vorgenommen und seinen ab-
weisenden Entscheid mit blossen summarischen Verweisen begründet.
Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug aufgrund des Gesundheitszu-
stands des Beschwerdeführers unzulässig respektive aufgrund der fragli-
chen sozialen und beruflichen Reintegration im Heimatland unzumutbar.
Auf die weitere Begründung wird in den Erwägungen eingegangen.
G.
Mit Zwischenverfügungen vom 28. August 2020 und 17. September 2020
hielt das Bundesverwaltungsgericht fest, der Beschwerdeführer könne den
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Ausgang des Asylverfahrens in der Schweiz abwarten. Gleichzeitig wurde
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege inklusive
Rechtsverbeiständung – unter Vorbehalt der Nachreichung eines Bedürf-
tigkeitsbelegs – gutgeheissen und Rajeevan Linganathan, Rechtsanwalt,
Clivia Wullimann & Partner Rechtsanwälte und Notariat, Burgdorf, als amt-
licher Rechtsvertreter eingesetzt. Die Verfahrensakten wurden dem SEM
zur Vernehmlassung überwiesen.
H.
Mit Vernehmlassung vom 1. Oktober 2020 hielt das SEM ohne weitere Er-
gänzungen an seinen bisherigen Erwägungen fest.
I.
Am 2. Oktober 2020 wurde eine Fürsorgebestätigung der Sozialen Dienste
(...) in J._ vom 23. September 2020 nachgereicht.
J.
Die Vernehmlassung des SEM wurde dem Beschwerdeführer am 28. Ja-
nuar 2021 zur Kenntnis gegeben.
K.
Mit Schreiben vom 4. Februar 2021 reichte der Rechtsvertreter seine Kos-
tennote zu den Akten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das vorliegende Verfahren richtet sich nach altem Recht (Abs. 1 der
Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG [SR 142.31] vom
25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Der vorliegend anzuwendende Ge-
setzesartikel (Art. 83) ist unverändert vom AuG ins AIG übernommen wor-
den.
1.3 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
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Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.4 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.5 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Die Vorinstanz stellt sich in ihrem Asylentscheid auf den Standpunkt,
die Sachverhaltsdarstellungen des Beschwerdeführers enthielten mehrere
gravierende Widersprüche. Seine Vorbringen seien zudem vage und ohne
Substanz ausgefallen.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, die Schilderungen des
Beschwerdeführers zum Zeitpunkt seines Engagements für das Parla-
mentsmitglied S. zu den ersten Drohanrufen, zur angedrohten Entführung,
zu den Aufenthaltsorten und zu deren zeitlicher Abfolge enthielten mass-
gebliche chronologische und inhaltliche Widersprüche. Die bei der BzP gel-
tend gemachte Drohung mit einer konkreten Entführung habe er bei der
vertieften Anhörung nicht mehr vorgetragen und erst auf Vorhalt hin er-
wähnt. Nachdem er auf die vorhandenen Unstimmigkeiten hingewiesen
worden sei, habe er diese nicht plausibel aufklären können, sondern ange-
geben, er könne sich nicht an die genauen Jahreszahlen erinnern und habe
während seines Aufenthaltes in der Schweiz «alle Sachen» vergessen. Zu-
dem habe er nicht anzugeben vermocht, wer ihn konkret bedroht habe oder
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wofür S. die von ihm gemachten (...) verwendet habe. Er habe auch nicht
gewusst, ob diese (...) jemals veröffentlicht worden seien. Auch seine Schil-
derungen zum Inhalt der erhaltenen Drohungen und Einschüchterungen
seien vage geblieben und würden jeglicher persönlicher Erlebnistiefe ent-
behren. Das geltend gemachte Verfolgungsinteresse an seiner Person sei
nicht auf plausible Weise dargelegt worden. Schliesslich habe er bis im
April 2017 in Sri Lanka gelebt und habe somit eine längere Zeitdauer nach
dem Kriegsende im Heimatland verbracht. Allfällige im Zeitpunkt seiner
Ausreise bestehende Risikofaktoren hätten kein hinreichendes behördli-
ches Verfolgungsinteresse auszulösen vermocht.
Auch die eingereichten Beweismittel im Zusammenhang mit dem Ver-
schwinden des Onkels seien insgesamt nicht geeignet, die vorgetragenen
Einschüchterungen respektive die behauptete eigene, persönliche Verfol-
gungssituation zu untermauern. Es sei auch nicht davon auszugehen, dass
Risikofaktoren im Sinne des Referenzurteils vom 15. Juli 2016 (BVGer
E-1866/2015 E. 8, 9.1) vorliegen würden.
Der Wegweisungsvollzug sei unter Verweis auf das Beziehungsnetz des
Beschwerdeführers sowie dessen Ausbildung und Berufserfahrung durch-
führbar; es liege kein Wegweisungsvollzugshindernis vor. Auch die welt-
weit herrschende Covid-19-Pandemie stehe einem Wegweisungsvollzug
nicht entgegen.
3.2 In der Beschwerde wird vorgetragen, das SEM habe den rechtserheb-
lichen Sachverhalt weder vollständig noch richtig abgeklärt. Die Anhörung
sei auf ungenügende Weise durchgeführt worden, nachdem keine Hilfs-
werksvertretung anwesend gewesen sei. Zudem sei der Beschwerdeführer
bei der Anhörung unter grossem Stress gestanden und äusserst nervös
gewesen, was aus dem diesbezüglichen Protokoll hervorgehe. Die Zeit-
spanne zwischen den ersten Drohanrufen, den Einschüchterungen, dem
Verstecktleben und der Flucht sei sehr traumatisch gewesen. Die starken
Bedrohungen seiner Person und die Einschüchterungen gegenüber seiner
Familie würden schwer wiegen. Es sei daher nachvollziehbar, dass er die
ihm gestellten Fragen teilweise falsch verstanden habe.
Das SEM habe eine willkürliche Beweiswürdigung vorgenommen und das
Untersuchungsgebot verletzt, indem es auf unwesentliche Ungereimthei-
ten abgestellt, die massgeblichen Zusammenhänge nicht erkannt und die
politischen Veränderungen im Heimatland nicht gebührend evaluiert und
berücksichtigt habe.
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Die Teilnahme des Beschwerdeführers an den Veranstaltungen und seine
Nachforschungen zum verschwundenen Onkel hätten zu den gegen ihn
ausgestossenen Drohungen geführt. Diese Umstände und die dazu einge-
reichten Beweismittel seien relevanter Bestandteil des Verfahrens.
Das SEM habe ignoriert, dass der Beschwerdeführer tatsächlich nicht
wisse, um wen es sich bei den ihn bedrohenden Personen handle bezie-
hungsweise nicht mehr Informationen geben könne über den Inhalt der
Drohungen. Er habe immerhin wortwörtlich angeben können, was die Pei-
niger gesagt hätten. Als einfacher (...) habe er nicht genau wissen können,
was ein hohes Regierungsmitglied mit den (...) mache; er habe dazu ledig-
lich Vermutungen anstellen können (S. 9/10). Über seine eigene Arbeit und
(...) habe er ausführliche Beschreibungen zu Protokoll gegeben (S. 11).
Bei der BzP sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage gewesen, sachlich
und fehlerlos über die traumatischen Ereignisse zu berichten; er habe da-
her eine versehentlich falsche zeitliche Angabe gemacht. Er habe sich re-
alistischerweise drei Jahre nach der BzP nicht mehr an die einzelnen An-
gaben erinnern können. Seine Angaben bei der Anhörung seien zutreffen-
der (S. 7). Es sei zudem absurd, angesichts der bei der BzP nicht erwähn-
ten zwei Besuche durch Unbekannte auf einen wesentlichen Widerspruch
zu schliessen. Das SEM habe zu Unrecht seine Schilderungen als vage
und einsilbig eingestuft.
Seine konkrete Bedrohung habe erst begonnen, als er seine Tätigkeit als
(...) für ein hohes Regierungsmitglied aufgenommen habe und seine Nach-
forschungen zum verschwundenen Onkel ihn in den Fokus von mutmass-
lich von den Behörden beauftragten, unbekannten Personen gerückt hät-
ten. Der vom SEM vorgenommene Bezug zum Kriegsende sei irreführend
und irrelevant. Das SEM habe durch die pauschale Feststellung der Un-
glaubhaftigkeit der Vorbringen die begründete Furcht vor asylrelevanten
Verfolgungsmassnahmen nicht geprüft. Die Familie des Beschwerdefüh-
rers sei auch nach dessen Ausreise behelligt worden.
Die Machtübernahme des Rajapaksa-Clans am 17. November 2019, die
Parlamentswahlen vom August 2020 und die Vorkommnisse bei der
Schweizer Botschaft in Colombo im November 2019 seien vorliegend zu
berücksichtigen. Der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner (...) Tätigkeit
(als [...]) besonders exponiert und gelte für die Sicherheitskräfte als «Frei-
wild» (S. 17). Diverse Berichte von Nichtregierungsorganisationen – na-
mentlich der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) – und Berichte des
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UN-Menschenrechtsrates und anderer internationaler Institutionen würden
nach wie vor von Menschenrechtsverletzungen, Misshandlungen und Fol-
ter berichten. Die vom SEM vorgenommene Länderanalyse entspreche
nicht den tatsächlichen Begebenheiten in Sri Lanka, nachdem nur summa-
risch auf die aktuelle Situation und auf die Verneinung einer Kollektivver-
folgung der ethnischen Tamilen verwiesen worden sei.
Der Beschwerdeführer habe für S. (...), die der tamilischen Opposition (...)
für das Verschwinden von Angehörigen der tamilischen Minderheit dienen
sollten. Anscheinend sei mindestens eines dieser (...) jedoch in die Hände
der Regierung geraten respektive veröffentlicht worden (S. 4 unten und S.
20). Es liege auf der Hand, dass es sich bei den «unbekannten Personen»
nicht um Kriminelle, sondern um von den Behörden speziell beauftragte
Sicherheitskräfte handle (S. 20).
Mit seiner Vorgeschichte und seinem mehrjährigen Auslandaufenthalt falle
der Beschwerdeführer in die Kategorie der vulnerabelsten Personen, die
bei einer Rückkehr nach Sri Lanka unverkennbar einer konkreten Folter-
und Todesgefahr ausgesetzt seien (S. 19); er gehöre der bestimmten sozi-
alen Gruppe der abgewiesenen tamilischen Asylsuchenden an und werde
als solcher mit überwiegender Wahrscheinlichkeit systematisch aufgrund
eines Generalverdachts der Unterstützung der politischen Opposition res-
pektive der LTTE verdächtigt.
Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug aufgrund des Gesundheitszu-
stands des Beschwerdeführers unzulässig (S. 22). Obwohl er angegeben
habe, dass es ihm in der Schweiz gut gehe, sei anzunehmen, dass die
vergangenen Ereignisse ihn psychisch schwer belasten würden; er habe
während seiner Flucht bereits versucht, sich das Leben zu nehmen
(S. 22/23). Eine Abklärung des psychischen Gesundheitszustandes von
Amtes wegen wäre unerlässlich gewesen. Es sei zweifelhaft, ob er im Hei-
matland einen wirksamen Zugang zur notwendigen Behandlung hätte. Er
verfüge über keinerlei berufliche Ausbildung; seine soziale und berufliche
Integration sei äusserst fraglich.
4.
4.1 In der Beschwerde wird eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör inklusive Verletzung der Begründungspflicht geltend gemacht.
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Seite 13
4.2 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes we-
gen fest und bedient sich nötigenfalls der unter den Buchstaben a–e auf-
gelisteten Beweismittel. Der Untersuchungsgrundsatz findet seine Grenze
an der Mitwirkungspflicht der Asylsuchenden (Art. 8 AsylG; Art. 13 VwVG).
Es ist grundsätzlich nicht die Aufgabe der Schweizer Behörden, generell in
den Herkunfts- respektive Heimatstaaten der Asylsuchenden vor Ort Ab-
klärungen durchführen zu lassen. Vielmehr ist es Sache der Beschwerde-
führenden, ihre Vorbringen substanziiert darzulegen und mit entsprechen-
den Beweismitteln zu belegen.
4.3 Nach Durchsicht der Akten erweisen sich die erhobenen formellen Rü-
gen als unbegründet.
4.3.1 Das SEM hat die relevanten Sachumstände geprüft und in seiner Ent-
scheidfindung berücksichtigt. Es ist in ausreichender Weise auf die vom
Beschwerdeführer vorgetragenen Asylgründe eingegangen und hat in den
Erwägungen dargelegt, aus welchen Überlegungen es diese als unglaub-
haft respektive unsubstanziiert eingeschätzt hat (vgl. angefochtene Verfü-
gung, Ziffer II/1.1 und 1.2).
4.3.2 Ebenso hat das SEM nachvollziehbar dargelegt, weshalb die einge-
reichten Beweismittel im Zusammenhang mit dem Verschwinden des On-
kels seiner Ansicht nach nicht geeignet sind, die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten Einschüchterungen und die daraus abgeleitete Verfol-
gungssituation zu untermauern. Der Entscheid des SEM ist insgesamt in
der gebotenen Begründungsdichte abgefasst, so dass es dem Beschwer-
deführer möglich war, ihn anzufechten.
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Seite 14
4.3.3 Entgegen der anderslautenden Behauptung ist auch keine Verlet-
zung der Untersuchungspflicht erkennbar. Der Beschwerdeführer legt nicht
dar, weshalb und welche konkreten Untersuchungsmassnahmen seitens
des SEM hätten vorgenommen werden müssen. Sein Vorbringen, er sei
aufgrund der erlebten Vorkommnisse schwer traumatisiert, weshalb sein
Gesundheitszustand hätte von Amtes wegen abgeklärt werden müssen,
genügt für sich alleine nicht, um die Anordnung einer Begutachtung durch
medizinisches Fachpersonal von Amtes wegen zu rechtfertigen. Der Be-
schwerdeführer gab im Rahmen der BzP explizit zu Protokoll, es gehe ihm
gesundheitlich gut (vgl. A6, Ziffer 8.02). Auch in der einlässlichen Anhörung
trug er vor, es gehe ihm gut, er sei gesund (vgl. A17, Antworten 3 und 71).
Im weiteren Verlauf der Anhörung wurde er ausdrücklich gefragt, ob er
nach seinem im Heimatland verübten Suizidversuch in Sri Lanka respek-
tive aufgrund einer belastenden Situation in der Schweiz (ärztlich) behan-
delt worden sei, was er verneinte. Er gab vielmehr zu Protokoll, er sei in
der Schweiz glücklich; er stelle sich keine diesbezüglichen Überlegungen
mehr an (vgl. Antworten 167ff.). Bei dieser Sachlage bestand für das SEM
kein hinreichender Anlass, eine gesundheitliche Begutachtung des Be-
schwerdeführers zu veranlassen. Auch der Umstand, dass im Protokoll
vermerkt wurde, dass der Beschwerdeführer bei der Beantwortung einiger
Fragen aufgewühlt und nervös gewirkt habe respektive bei den Gedanken
an gewisse Umstände traurig war (vgl. A17, Antworten 42, 67 und 200),
genügt ebenfalls nicht, um die amtliche Einholung eines fachärztlichen
Gutachtens als zwingend erforderlich erscheinen zu lassen. Im Weiteren
stand dem Beschwerdeführer im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens hin-
reichend Gelegenheit zur Verfügung, entsprechende fachärztliche Berichte
einzureichen, wenn er aus seinem angeblichen Gesundheitszustand Rück-
schlüsse auf sein Asylverfahren hätte ziehen wollen.
4.3.4 In Bezug auf die gerügte fehlende Anwesenheit der Hilfswerksvertre-
tung an der Anhörung hat bereits die dem Bundesverwaltungsgericht vor-
gehende Asylrekurskommission (ARK) festgestellt, dass die Anwesenheit
eines Hilfswerksvertreters respektive einer Hilfswerksvertreterin keine aus
dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessende Regel darstelle, deren Ver-
letzung zwingend die Aufhebung der angefochtenen Verfügung zur Folge
habe (vgl. statt vieler Urteil D-5461/2018 vom 15. Oktober 2019 E. 5.4 mit
Hinweis auf Entscheidungen und Mitteilungen der ARK [EMARK] 1996
Nr. 13 E. 4c und d). Demnach hat das Bundesverwaltungsgericht aufgrund
der gesamten Umstände des konkreten Falls zu beurteilen, ob der Verfah-
rensmangel von wesentlicher Bedeutung war.
E-4272/2020
Seite 15
Bei der Durchsicht des Anhörungsprotokolls können keine Hinweise fest-
gestellt werden, die auf eine mangelhafte Befragung hinweisen würden.
Der Beschwerdeführer wurde darauf hingewiesen, dass er sich melden
solle, wenn er sich nicht gut fühle (vgl. A17, Antwort 71). Ihm wurde einer-
seits Gelegenheit eingeräumt, sich im Rahmen eines freien Berichts zu
äussern (vgl. Frage 88), andererseits wurden ihm konkrete Fragen gestellt,
die er alle beantworten konnte. Die Atmosphäre während der Befragung
war weder angespannt noch einschüchternd. Es entstand nirgends der
Eindruck, dass der Beschwerdeführer in einer ungebührlichen Weise unter
Druck gesetzt worden wäre. Die verwendete Befragungstechnik und Vor-
gehensweise anlässlich der Anhörung waren sachlich geboten und sind
nicht zu beanstanden.
4.3.5 Unter dem Titel der unsorgfältig und unrichtig geprüften Vorbringen
bringt der Beschwerdeführer schliesslich seine Argumentation zur Glaub-
haftigkeitsprüfung vor. Diese Rügen richten sich somit nicht gegen die
Sachverhaltsfeststellungen der Vorinstanz, sondern gegen die ihr zugrund-
liegende Beweiswürdigung und die rechtliche Würdigung der Vorbringen.
Der Umstand, dass der Beschwerdeführer mit der materiellen Würdigung
des Sachverhalts und den Schlussfolgerungen des SEM nicht einverstan-
den ist, stellt keine Verletzung der Abklärungspflicht oder der Pflicht zur
korrekten Sachverhaltsfeststellung dar, sondern ist eine Frage der materi-
ellen Beurteilung, auf die im Folgenden einzugehen sein wird. Dies gilt
ebenso für die Vorbringen unter dem Titel der unvollständigen und unrich-
tigen Sachverhaltsabklärung.
4.3.6 Insgesamt stellt das Bundesverwaltungsgericht keine Verletzungen
der Verfahrensvorschriften fest. Es besteht kein Anlass, die Verfügung aus
formellen Gründen aufzuheben. Der entsprechende Kassationsantrag ist
deshalb abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
E-4272/2020
Seite 16
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
6.
6.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaub-
haftmachen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei stän-
diger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1;
vgl. auch Urteil des BVGer D-2282/2018 vom 5. April 2019 E. 5.1).
6.2 Nach Durchsicht der Akten gelangt das Bundesverwaltungsgericht zur
Auffassung, dass die Vorinstanz zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des
Beschwerdeführers verneint und folglich das Asylgesuch abgewiesen hat.
Das SEM ist zum Schluss gelangt, dass der Sachverhaltsvortrag des Be-
schwerdeführers insgesamt widersprüchlich und unsubstanziiert ausgefal-
len sei. Die Frage, ob die vom SEM erörterten Widersprüche zwischen den
Angaben des Beschwerdeführers in der BzP und der Anhörung hinreichend
sind, um den Sachverhaltsvortrag als unglaubhaft zu qualifizieren, muss
nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts nicht abschliessend ge-
klärt werden, da diese Vorbringen – selbst wenn als wahr angenommen –
nicht genügen, um seine Flüchtlingseigenschaft mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit darzutun.
6.2.1 Der Beschwerdeführer hat im Rahmen beider Anhörungen unmiss-
verständlich zu Protokoll gegeben, dass er im Heimatland nie politisch oder
religiös aktiv gewesen sei (vgl. A6, Ziffer 7.02 und A17, Antwort 194).
Bei dieser Sachlage erscheint es unwahrscheinlich, dass der Beschwerde-
führer alleine aufgrund seiner unterstützenden Tätigkeit für ein Parlaments-
mitglied mit der geltend gemachten Intensität ein behördliches Verfol-
gungsinteresse ausgelöst haben soll. Er und seine Familie hatten nie Kon-
takte zu den LTTE oder anderweitigen oppositionellen Gruppierungen. Ab-
gesehen von seiner Tätigkeit als (...) im Auftrag eines Parlamentariers, trat
er nie in irgendeiner Form politisch oder in einer anderweitigen exponier-
ten, pointierten Position auf, weshalb er seitens seiner heimatlichen Behör-
den kaum als politisch missliebige Person wahrgenommen werden konnte.
E-4272/2020
Seite 17
Zudem muss angesichts des bekanntlich rigorosen Vorgehens der sri-lan-
kischen Behörden bei entsprechendem Verdacht von Handlungen zur Un-
terstützung des tamilischen Widerstands mit grosser Wahrscheinlichkeit
angenommen werden, dass die Behörden es nicht mit blossen Einschüch-
terungsversuchen hätten bewenden lassen, sondern konkretere, härtere
Ermittlungsmassnahmen gegen ihn eingeleitet hätten, wenn sie ihn spezi-
fisch einer massgeblichen oppositionellen Tätigkeit verdächtigt hätten.
Der Beschwerdeführer war gemäss eigenen Angaben als (...) für S. tätig.
Entgegen der anderslautenden Angabe in der Beschwerdeschrift (vgl. S.
10) handelte es sich bei S. nicht um ein hohes Regierungsmitglied, sondern
um ein Parlamentsmitglied. Er hat anlässlich von Versammlungen zuhan-
den dieses Parlamentariers (...). Auch wenn diese Veranstaltungen einen
gewissen politischen Hintergrund aufgewiesen haben dürften, erscheint es
nicht plausibel, dass er alleine wegen seiner Hilfstätigkeit deswegen im Zu-
sammenhang mit dem Verdacht eines Aufflackerns des tamilischen Sepa-
ratismus oder als Regimekritiker betrachtet wird. Er will an diesen Veran-
staltungen zwar darauf hingewiesen haben, dass sein Onkel auch zu den
vermissten, verschwundenen Personen gehöre, über deren Schicksal
nichts bekannt sei. Er hat jedoch im Verlaufe seiner beiden Anhörungen
nie vorgetragen, für den ideologischen Inhalt der genannten Versammlun-
gen verantwortlich gewesen zu sein oder irgendwelche politischen Parolen
ausgestossen oder andere Aktivitäten vorgenommen zu haben, die das
Augenmerk der heimatlichen Behörden auf ihn gelenkt hätten. Auch den
sonstigen Schilderungen sind keinerlei Hinweise zu entnehmen, die ihn o-
der seine Familie in den Kreis der LTTE oder anderer aus Sicht der sri-
lankischen Machthaber als politisch missliebigen Gruppierungen rücken
würden.
Alleine der Umstand, dass er (...) gemacht haben will, reicht nicht, um mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf schliessen zu lassen, dass die
sri-lankischen Behörden deswegen ein Verfolgungsinteresse an seiner
Person gehabt haben.
6.2.2 Die Angaben des Beschwerdeführers zu seinen Peinigern bleiben
insgesamt sehr vage.
Die gegen den Beschwerdeführer ausgestossenen Drohungen sollen von
«unbekannten» Personen ausgesprochen worden sein. Dazu gab er expli-
zit an, nicht genau zu wissen, um wen es sich bei seinen Peinigern respek-
tive bei den Telefonanrufern gehandelt habe; er vermute, dass es sich um
E-4272/2020
Seite 18
Angehörige einer gegnerischen Partei der TNA handle (vgl. BzP Ziffer 7.02
sowie A17, Antwort 107 und 112). Er vermochte sich auch nicht an ein un-
gefähres Datum erinnern, wann diese Leute nach Hause gekommen seien
(A17, Antwort 115). Schliesslich konnte er auch nicht angeben, ob dem
Parlamentsmitglied selbst im Nachgang der Veranstaltungen Probleme mit
den sri-lankischen Behörden erwachsen seien (vgl. A17, Antwort 174).
Die Schilderungen des Beschwerdeführers beruhen zudem weitgehend
auf blossem Hörensagen durch seine Mutter und auf Mutmassungen: So
war er bei den behördlichen Vorsprachen zu Hause jeweils nicht persönlich
anwesend, sondern gemäss seinen eigenen Angaben bei der Arbeit (A17,
Antwort 118 und 162). Der Beschwerdeführer berichtet bei diesen Ereig-
nissen nicht von persönlich Erlebtem. Die Mutter hat auch die Peiniger sehr
stereotyp beschrieben: Sie hätten weisse respektive farbige Shirts getra-
gen und seien mit dem Motorrad gekommen (vgl. A17, Antwort 119). Diese
Angaben genügen an Substanziiertheit nicht, um ernsthafte Nachteile im
Sinne des Asylgesetzes als überwiegend wahrscheinlich darzutun.
Der Beschwerdeführer gab auch an, nicht zu wissen, ob das von ihm er-
stelle (...) jemals veröffentlicht worden ist. Auch hier stellt er bloss eine
Mutmassung auf, indem er zu Protokoll gibt, er «denke, dass so etwas pas-
siert» sei respektive er «denke, dass diese (...) irgendwo durchgedrungen»
seien (vgl. A17, Antwort 124).
6.2.3 Die vorgetragenen Behelligungen genügen auch von ihrer Intensität
her nicht, um Asylrelevanz zu entfalten. Die zwei bis drei Drohanrufe und
die einmalige (A17, Antwort 110) respektive vier bis fünf Male erfolgten Vor-
sprachen von Unbekannten zu Hause (A17 Antwort 131) stellen keine hin-
reichend intensive, auf einem asylbeachtlichen Motiv beruhende Verfol-
gungshandlungen dar. Die Einschüchterungsversuche selbst waren nicht
spezifisch oder konkret lebensbedrohend. Die Unbekannten hätten ge-
fragt: «Wieso machst du unnötige Sachen? Was bekommst du dadurch,
dass du (...)? Das wird unnötige Probleme herbeirufen. Hör auf mit dieser
Arbeit» (vgl. A17, Antworten 106, 121 und 138).
6.2.4 Der Beschwerdeführer hat nicht vorgetragen, dass die sri-lankischen
Sicherheitskräfte Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit aus ihrer
Sicht missliebigen politischen Tätigkeiten gegen ihn eingeleitet hätten. Er
hat vielmehr explizit zu Protokoll gegeben, dass er nie verhaftet, angeklagt
oder verurteilt worden sei (vgl. A6, Ziffer 7.02 unten). Die relativ nieder-
E-4272/2020
Seite 19
schwelligen Behelligungen ohne weitere Konsequenzen waren nicht ge-
eignet, den Beschwerdeführer in die vom Asylgesetz geforderte Zwangs-
lage zu versetzen, welcher er nur durch die Flucht hat entkommen können.
6.2.5 Auch über das Schreiben, das der Vater nach der Ausreise des Be-
schwerdeführers erhalten haben soll, kann dieser nichts Schlüssiges be-
richten. Er weiss namentlich nicht, wer der Verfasser dieses Dokumentes
war und mutmasst lediglich, dass es von einer Polizeibehörde ausgestellt
worden sein könnte. Obwohl der Beschwerdeführer in der Anhörung aus-
drücklich aufgefordert wurde, das mutmasslich zu Hause in Sri Lanka be-
findliche Schreiben einzureichen (vgl. A17, Antwort 184), hat er bis zum
heutigen Urteilsdatum keine entsprechenden Unterlagen eingereicht.
6.3 Das Gericht hat keinerlei Veranlassung daran zu zweifeln, dass der
Onkel des Beschwerdeführers aus unbekannten Umständen verschwun-
den sein und vermisst werden soll. Die diesbezüglich eingereichten Be-
weismittel werden als solche nicht in Frage gestellt.
Aus dem alleinigen Umstand, dass dieser Verwandte zu den in Sri Lanka
verschwundenen Personen zählen soll, kann jedoch keine persönliche Ver-
folgungssituation des Beschwerdeführers abgeleitet werden. Dasselbe gilt
auch für das Vorbringen, dass die Familie des Beschwerdeführers das Ver-
schwinden des Onkels bei einer Menschenrechtsorganisation, beim IRKR
oder bei der Menschenrechtskommission (vgl. A17, Antwort 7f.) gemeldet
haben will. Die diesbezüglich eingereichten Beweismittel sind nicht geeig-
net, die Asylrelevanz der Vorbringen des Beschwerdeführers zu untermau-
ern. Sie beinhalten keine Hinweise dafür, dass das Verschwinden des On-
kels im Zusammenhang mit einer gegen den Beschwerdeführer oder ge-
gen die gesamte Familie gezielten Verfolgungssituation zusammenhängt.
Der Onkel soll im Juli 1996 verschwunden sein. Zu diesem Zeitpunkt war
der Beschwerdeführer selbst im Kleinkindesalter. Er hat nie geltend ge-
macht, in der Zeitspanne nach dem Verschwinden seines Onkels bis zu
seiner eigenen Tätigkeit für den Parlamentarier S. jemals ernsthafte
Schwierigkeiten mit den Behörden, Organisationen oder Privatpersonen
gehabt zu haben, sondern er hat entsprechende Probleme vielmehr explizit
verneint (vgl. A6, Ziffer 7.02). Nach dem Gesagten gehen aus den Verfah-
rensakten keine konkreten Anhaltspunkte dafür hervor, dass er oder seine
Familie im Zusammenhang mit dem Verschwinden seines Onkels im Jahr
1996 ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten wären.
E-4272/2020
Seite 20
Auch in diesem Zusammenhang ist nochmals festzuhalten, dass der Be-
schwerdeführer das von ihm in Aussicht gestellte Beweismittel, welches
seine Eltern nach seiner Ausreise erhalten haben sollen (vgl. A17, Antwort
182), nicht nachgereicht hat.
6.4 Diese Einschätzungen werden weiter gestützt durch den Umstand,
dass die Mutter, die – zusammen mit dem Beschwerdeführer – an den Ver-
sammlungen teilgenommen haben soll, weiterhin in Sri Lanka geblieben
ist, ohne persönliche Verfolgungsmassnahmen erlitten zu haben. Auch
wenn die Familie angeblich auch nach der Ausreise des Beschwerdefüh-
rers von Unbekannten aufgesucht worden sein soll, kann alleine aufgrund
einer solchen behördlichen Vorsprache nicht mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit auf eine entsprechende asylbeachtliche Verfolgungssitua-
tion geschlossen werden.
Andere Vorfluchtgründe hat der Beschwerdeführer nicht vorgetragen.
Nach dem Gesagten muss die vom Beschwerdeführer vorgetragene an-
geblich politisch motivierte Verfolgung als insgesamt unwahrscheinlich ein-
gestuft werden.
7.
Zu prüfen bleibt, ob dem Beschwerdeführer aufgrund seiner Flucht aus
heutiger Sicht eine begründete Furcht vor Verfolgung zuzusprechen ist.
7.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich nach Beendigung des Bürger-
krieges im Mai 2009 wiederholt und eingehend mit der (nach wie vor pre-
kären) Menschenrechtslage in Sri Lanka im Allgemeinen und mit der Situ-
ation von Rückkehrenden tamilischer Ethnie im Besonderen befasst (sog.
Returnee-Problematik; vgl. insb. BVGE 2011/24 E. 8, und Urteil
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 [als Referenzurteil publiziert] E. 8 je mit
umfassender Quellenanalyse). Nach wie vor besteht seitens der sri-lanki-
schen Behörden gegenüber Personen tamilischer Ethnie, die aus dem
Ausland zurückkehren, eine erhöhte Wachsamkeit. Indessen kann nicht
generell angenommen werden, jeder aus Europa oder der Schweiz zurück-
kehrende tamilische Asylsuchende sei alleine aufgrund seines Ausland-
aufenthaltes der ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter
ausgesetzt (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.3).
Im Kern geht die Rechtsprechung davon aus, dass jene Rückkehrer eine
begründete Furcht vor ernsthaften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG
E-4272/2020
Seite 21
haben, denen seitens der sri-lankischen Behörden Bestrebungen zuge-
schrieben werden, den nach wie vor als Bedrohung wahrgenommenen ta-
milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen respektive den sri-lanki-
schen Einheitsstaat zu gefährden. Die in diesem Zusammenhang geltend
und glaubhaft gemachten Risikofaktoren sind in einer Gesamtschau, inklu-
sive ihrer allfälligen Wechselwirkung und unter Berücksichtigung der kon-
kreten Umstände, in einer Einzelfallprüfung dahingehend zu prüfen, ob sie
mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit für eine flüchtlingsrelevante Verfolgung
sprechen (vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.5.5). Als stark risikobegründende
Faktoren, welche bereits für sich allein genommen zur Bejahung einer be-
gründeten Furcht vor asylrelevanter Verfolgung bei der Rückkehr nach Sri
Lanka führen können, hat die Rechtsprechung dabei namentlich einen Ein-
trag in die sogenannte „Stop-List“ (d.h. das Vorhandensein eines Eintrags
mit Hinweis auf ein Strafurteil, eine gerichtliche Anordnung oder einen Haft-
befehl im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den LTTE; vgl. Urteil E-1866/2015 E. 8.2, 8.4.1, 8.4.3 und 8.5.2),
Verbindungen zu den LTTE (vgl. a.a.O E. 8.4.1 und 8.5.3) und die regime-
kritische Betätigung im Ausland (vgl. a.a.O. E. 8.4.2 und 8.5.4) identifiziert.
Demgegenüber stellen schwach risikobegründende Faktoren (namentlich)
dar: Das Fehlen ordentlicher Identitätsdokumente bei der Einreise in Sri
Lanka, eine zwangsweise respektive durch die IOM begleitete Rückfüh-
rung oder Narben (vgl. a.a.O. 8.4.4, 8.4.5 und 8.5.5); der Dauer eines Auf-
enthaltes im Ausland kommt keine direkte Risikorelevanz zu (vgl. a.a.O.
E. 8.4.6, 9.2.4). Diese Risikofaktoren verstehen sich nicht als abschlies-
send (a.a.O. E. 9.1).
7.2 Die Vorinstanz nahm – nach dem Hinweis darauf, dass die geltend ge-
machte Vorverfolgung nicht glaubhaft gemacht sei – eine Prüfung anhand
dieser Risikofaktoren unter Berücksichtigung der Entwicklung seit den Prä-
sidentschaftswahlen vom November 2019 vor (angefochtener Entscheid,
Ziff. II/2). Sie hielt fest, der Beschwerdeführer habe nach Kriegsende noch
knapp neun Jahre im Heimatland gelebt. Es sei anhand der Akten nicht
ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nunmehr in den
Fokus der Behörden geraten oder verfolgt werden sollte. Ein Bezug des
Beschwerdeführers zu den Präsidentschaftswahlen Ende 2019 sei weder
erkennbar noch geltend gemacht. Insgesamt erfülle er kein Risikoprofil.
7.3 Der Beschwerdeführer hält dem entgegen, er erfülle mehrere Risiko-
faktoren im Sinne des zitierten Referenzurteils. Er sei vorverfolgt worden;
er gehöre im Falle einer Rückschaffung zur sozialen Gruppe der abgewie-
E-4272/2020
Seite 22
senen tamilischen Asylgesuchsteller, die systematisch aufgrund eines Ge-
neralverdachts der politischen Opposition respektive der LTTE verhaftet,
schwer gefoltert und auf unbestimmte Zeit inhaftiert würden (vgl. Be-
schwerde, S. 21).
7.4
7.4.1 In Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist das Vorliegen eines rele-
vanten Risikoprofils zu verneinen. Der Beschwerdeführer hat gemäss ei-
genen Angaben keine Verbindungen zu den LTTE gehabt. Dasselbe gilt
auch für seine Familienangehörigen. Er war, abgesehen von seiner (...)tä-
tigkeit an Versammlungen zum Thema der verschwundenen Personen in
Sri Lanka, nie politisch aktiv. Er hat keine Beweismittel eingereicht, die die
behaupteten, angeblich anhaltenden behördlichen Repressionen gegen
ihn oder seine Familie stützen würden. Es bestehen keine Anhaltspunkte,
dass der Beschwerdeführer ein politisches Profil aufweist, welches das Au-
genmerk der heimatlichen Behörden auf ihn lenken würde.
7.4.2 Der Beschwerdeführer hat keine im Nachgang zu den im November
2019 erfolgten Präsidentschaftswahlen persönlich erlittenen Nachteile vor-
getragen.
7.4.3 Aus den Darlegungen des Beschwerdeführers lassen sich insgesamt
keine Anhaltspunkte ersehen, die den Schluss nahelegen würden, der sri-
lankische Staat könnte in ihm jemanden vermuten, der dem tamilischen
Separatismus zum Wiedererstarken verhelfen wollte. Es kann folglich nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass
er bei einer Rückkehr Ziel behördlicher Verfolgungsmassnahmen in asyl-
relevantem Ausmass werden könnte. An dieser Einschätzung vermag vor-
liegend auch die im Zuge des Regierungswechsels veränderte politische
Lage in Sri Lanka sowie der Umstand, dass sein Onkel zu den im Heimat-
land vermissten Personen gehört, nichts zu ändern. In einer Gesamtwürdi-
gung ist seine geltend gemachte subjektive Furcht, im Heimatland asylre-
levanten Nachteilen ausgesetzt zu sein, objektiv nicht begründet.
7.5 Das SEM hat zusammenfassend die Flüchtlingseigenschaft des Be-
schwerdeführers zu Recht verneint und dessen Asylgesuch zutreffend ab-
gelehnt.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
E-4272/2020
Seite 23
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
8.2 Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine auslän-
derrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Ertei-
lung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht
angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
9.2.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
9.2.2 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
E-4272/2020
Seite 24
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im
Hinblick auf eine EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die
aus einem europäischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wie-
derholt befasst (vgl. EGMR, R.J. gegen Frankreich, Urteil vom 19. Septem-
ber 2013, Nr. 10466/11; T.N. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011,
Nr. 20594/08; P.K. gegen Dänemark, Urteil vom 20. Januar 2011, Nr.
54705/08; J.G. gegen Polen, Entscheidung vom 11. Juli 2017,
Nr. 44114/14). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in genereller
Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilen drohe eine un-
menschliche Behandlung. An dieser Einschätzung vermögen die politi-
schen Entwicklungen insbesondere im Umfeld der Kommunalwahlen vom
Februar 2018 (vgl. Urteil des BVGer D-5880/2018 vom 12. Februar 2019
E. 11.2.2), die Ende 2019 erfolgten Präsidentschaftswahlen sowie die Par-
lamentswahlen vom August 2020 nichts Grundlegendes zu ändern.
Es bestehen aufgrund der Akten keine konkreten Hinweise, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann-
ten "Background Check" (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im
In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre. Seine Mutmassungen über Massnahmen seitens der Strafverfol-
gungsbehörden gegen ihn sind rein spekulativer Art.
Weder die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat noch indi-
viduelle Faktoren in Bezug auf die Situation des Beschwerdeführers lassen
E-4272/2020
Seite 25
demnach den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
9.3 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
9.3.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat die Frage der generellen Zumut-
barkeit der Wegweisung nach Sri Lanka im schon erwähnten Referenzur-
teil E-1866/2015 (E. 13) geprüft und sich im Sinne einer Aufdatierung der
davor letzten Lagebeurteilung (BVGE 2011/24) eingehend mit der aktuel-
len politischen und allgemeinen Lage in Sri Lanka auseinandergesetzt
(E. 13.2 f.). Dabei kam es zum Schluss, der Vollzug der Wegweisung in die
Nord- und Ostprovinz sei grundsätzlich zumutbar, sofern das Vorliegen der
individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden könne, insbesondere
die Existenz eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes
sowie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation.
Bezüglich der im Referenzurteil E-1866/2016 noch offen gelassenen Frage
der Zumutbarkeit des Vollzugs von Wegweisungen ins sogenannte Vanni-
Gebiet (siehe dazu BVGE 2011/24 E. 13.2.2.1) stellte das Bundesverwal-
tungsgericht mit Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (E. 9.5; als Re-
ferenzurteil publiziert) fest, dass dieser ebenfalls zumutbar ist.
Die Vorinstanz stellte im angefochtenen Entscheid (Ziff. III/2) vorab die all-
gemeine Sicherheitslage in Sri Lanka vor dem Hintergrund der neueren
Entwicklung dar und kam zum Schluss, es liege keine Situation allgemei-
ner Gewalt im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AIG vor. Ausgehend vom eben ge-
nannten Referenzurteil E-1866/2015 (E. 13.3.3), prüfte sie die individuellen
Zumutbarkeitskriterien und stufte den Wegweisungsvollzug als zumutbar
ein.
9.3.2 Der Beschwerdeführer ist ein junger, gemäss Aktenlage gesunder
Mann. Er hat sich selbst als gesund bezeichnet (vgl. A17, Antwort 3). Für
die in der Beschwerdeeingabe behauptete psychische Erkrankung liegen
keine ausreichenden Anhaltspunkte vor. An dieser Einschätzung ändert
auch der Umstand nichts, dass er gemäss Protokoll während der Anhörung
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aufgewühlt, nervös und traurig gewirkt habe. Auf den mehrere Jahre zu-
rückliegenden Suizidversuch angesprochen, hat er zu Protokoll gegeben,
seit seiner Ankunft in der Schweiz keine Probleme mehr gehabt zu haben
(vgl. A17, Antwort 171). Er hat auch im Verlauf des Beschwerdeverfahrens
keine entsprechenden Unterlagen nachgereicht.
Der Beschwerdeführer wurde in Sri Lanka sozialisiert; er hat 13 Jahre lang
die Schule respektive das College bis zum A-Level (ohne Abschluss) be-
sucht (vgl. A6, Ziffer 1.17.04). Er war mehrere Jahre in einem (...) als (...)
tätig und konnte von seinem Verdienst gut leben (vgl. A6, Ziffer 1.17.05;
A17, Antwort 51). Seine Familie (Eltern und zwei Schwestern) ist nach wie
vor in einem eigenen Haus in B._ wohnhaft und in der Landwirt-
schaft tätig (vgl. A6, Ziffer 2.02, A17, Antworten 16 ff., und 66-68). Der Be-
schwerdeführer steht gemäss eigenen Angaben mit seinen Familienange-
hörigen in sehr regelmässigem Kontakt (vgl. A17, Antworten 13 ff.). Er kann
nach dem Gesagten auf ein tragfähiges Beziehungsnetz im Heimatland zu-
rückgreifen und es ist davon auszugehen, dass er sich in seinem Her-
kunftsgebiet wieder sozial und wirtschaftlich wird reintegrieren können.
Der Vollzug der Wegweisung ist nach dem Gesagten als zumutbar zu qua-
lifizieren.
9.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätz-
lich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Mit In-
struktionsverfügung vom 17. September 2020 wurde die unentgeltliche
Prozessführung inklusive Rechtsverbeiständung gewährt.
Nachdem weiterhin von der prozessualen Bedürftigkeit auszugehen ist, ist
von einer Kostenerhebung abzusehen.
11.2 Die amtliche Rechtsvertretung ist unbesehen des Ausgangs des Ver-
fahrens für den notwendigen Aufwand zu entschädigen (vgl. Art. 7 ff.,
insb. Art. 8, des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Die Rechtsvertretung wurde in der Ernennungsverfügung über
den anwendbaren Kostenrahmen informiert.
In der am 4. Februar 2021 eingereichten Honorarnote wird ein Aufwand
von 10.5 Honorarstunden geltend gemacht, was angemessen erscheint.
Der geltend gemachte Stundenansatz von Fr. 250.– ist indessen zu kürzen.
Bei amtlicher Vertretung geht das Bundesverwaltungsgericht, wie in der
Zwischenverfügung vom 17. September 2020 angekündigt, für anwaltliche
Vertreter praxisgemäss von einem Ansatz von maximal Fr. 220.– aus (vgl.
statt vieler Urteil des BVGer E-2005/2016 vom 10. Mai 2017 E. 10.2). Aus-
gehend vom zeitlichen Vertretungsaufwand gemäss Kostennote und unter
Berücksichtigung der Auslagen von Fr. 114.50 sowie der Mehrwertsteuer
von Fr. 186.70 ergibt sich eine amtliche Entschädigung von insgesamt
Fr. 2'611.20.
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