Decision ID: 746041bc-de33-443d-b4c0-1dc16894bd47
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 24.01.2006 Schulrecht, Ausschluss von der Kantonsschule, Art. 47 Abs. 2 lit. b MSG (sGS 215.1). Ein einem Mitglied des Erziehungsrates auf dem Dienstweg zugegangenes Schreiben, worin ein Lehrer und Abteilungsvorstand seine Bedenken gegenüber dem geplanten Schulausschluss eines Schülers geäussert hat, ist dem Erziehungsrat vorgängig seines Entscheids zuzustellen. Dem betroffenen Schüler ist in das Schreiben Einsicht zu gewähren. Der Entscheid des Erziehungsrates wurde aufgehoben und die Streitsache zur vollständigen Sachverhaltsabklärung und Neubeurteilung zurückgewiesen (Verwaltungsgericht, B 2005/201).
Anwesend: Präsident Prof. Dr. U. Cavelti; Verwaltungsrichter Dr. E. Oesch-Frischkopf,
lic. iur. A. Linder, Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener; Gerichtsschreiberin Dr. R. Hirt
_
In Sachen
X. Y.,
Beschwerdeführer,
vertreten durch
A.Y.,–
B.Y.,–
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diese wiederum vertreten durch Rechtsanwalt K.S.,
gegen
Erziehungsrat des Kantons St. Gallen, Davidstrasse 31, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
Ausschluss von der Schule
hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Mit Schreiben vom 21. Februar 2005 teilte das Rektorat der Kantonsschule C. B.
und A.Y. mit, dass die Klassenkonferenz der Schulleitung die Disziplinarstrafe
"Androhung des Ausschlusses von der Schule" gegen ihren Sohn, X. Y., beantragt
habe. Begründet werde der Antrag damit, dass X. Y. eine fäkalische Zeichnung erstellt
habe, die einen Angriff auf den Chemielehrer, Prof. Dr. N. S., beinhalte. Die
Rektoratskommission werte dies als Verstoss gegen das Mittelschulgesetz sowie die
Schulordnung. Vor dem Beschluss der Rektoratskommission über die Disziplinarstrafe
werde den Eltern die Gelegenheit eingeräumt, zur Wahrung des rechtlichen Gehörs um
einen Besprechungstermin bis zum 28. Februar 2005 zu ersuchen.
Nachdem die Eltern von X. Y. die Möglichkeit der Anhörung nicht wahrgenommen
hatten, beschloss die Rektoratskommission anlässlich der Sitzung vom 28. Februar
2005, die angedrohte Disziplinarstrafe zu verhängen und befristete die Androhung des
Ausschlusses bis zum Ende des laufenden Schuljahres. Dieser Beschluss wurde den
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Eltern am 6. März 2005 durch das Rektorat mitgeteilt. Zugleich äusserte das Rektorat
die Hoffnung, X. Y. werde sich tadellos in die Rahmenbedingungen der Schule
eingliedern. Nach der herabgesetzten Betragensnote im Januarzeugnis sei dies bereits
die zweite Disziplinarstrafe gegen X. Y..
B./ Mit Schreiben vom 1. Juli 2005 wurde den Eltern von X. Y. mitgeteilt, dass die
Klassenkonferenz der Schulleitung den Ausschluss von X. Y. beantragt habe, weil er
sich auch während des Ultimatums nicht entsprechend verhalten habe. Den Eltern
wurde Gelegenheit gegeben, bis zum 12. Juli 2005 Stellung zu nehmen. Am 8. Juli
2005 fand eine Aussprache mit den Eltern von X. Y. statt.
Mit Schreiben vom 16. August 2005 beantragte die Schulleitung beim Erziehungsrat
den Ausschluss von X. Y..
Mit Schreiben vom 23. August 2005 wurden die Eltern vom Amt für Mittelschulen
eingeladen, zur vorgesehenen Beschlussfassung über X. Y.'s Schulausschluss bis zum
9. September 2005 Stellung zu nehmen. Nach gewährter Fristerstreckung nahmen die
Eltern durch ihren Rechtsvertreter mit Schreiben vom 23. September 2005 Stellung und
beantragten, vom Ausschluss sei abzusehen und das Ultimatum angemessen zu
verlängern. Sie begründeten dies im wesentlichen damit, dass sich X. Y. nur kleinerer
Verfehlungen schuldig gemacht habe und deshalb der Ausschluss unverhältnismässig
sei.
Anlässlich der Sitzung vom 19. Oktober 2005 beschloss der Erziehungsrat, dass X. Y.
von der Kantonsschule C. ausgeschlossen werde und die amtlichen Kosten in der
Höhe von Fr. 800.-- zu übernehmen habe. Der Erziehungsrat erwog im wesentlichen,
dass es für das Aussprechen von Disziplinarmassnahmen nicht zum vornherein eines
schwerwiegenden Verstosses bedürfe. So vermöge auch die Summe mehrerer, für sich
genommen nicht schwerwiegender fehlbarer Verhaltensweisen eine
Disziplinarmassnahme zu begründen. Dies namentlich, wenn wie im vorliegenden Fall
ein Schüler seine fehlbare Verhaltensweise selbst unter dem Damoklesschwert des
Ultimatums nicht ablege. Hinzu komme, dass an den Ausschluss aus der
Sekundarstufe II auch nicht die gleich hohen Anforderungen zu knüpfen seien, welche
beim Ausschluss aus dem Grundschulunterricht gelten würden. Das Mittelschulwesen
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sei Teil der Leistungsverwaltung und somit freiwilliger Natur. Die Aufnahme der Schüler
hänge von deren Leistungsfähigkeit ab. Zudem handle es sich bei Mittelschülerinnen
und Mittelschülern um angehende oder junge Erwachsene, die eine akademische
Ausbildung anstreben würden und von denen deshalb ein besonders hohes Mass an
Eigenverantwortung, Motivation, Leistungsbereitschaft, Mitwirkung und Anstand zu
fordern sei. Weil X. Y. sein untragbares Verhalten trotz angedrohtem Ausschluss nicht
abgelegt habe, sei der Ausschluss verhältnis- und somit rechtmässig.
C./ Mit Schreiben vom 9. November 2005 erhob X. Y. durch seine Eltern A. und B.Y.
und diese wiederum durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde beim Verwaltungsgericht
und beantragt, der Beschluss des Erziehungsrates vom 19. Oktober 2005 sei
aufzuheben und er sei von der Kantonsschule C. nicht auszuschliessen. Eventualiter
sei der Beschluss des Erziehungsrates aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung
an die Vorinstanz zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, dass der Anspruch auf rechtliches
Gehör, vorliegend in der Ausprägung des Anspruchs auf Akteneinsicht verletzt worden
sei. Zudem sei der Sachverhalt unrichtig resp. unvollständig festgestellt worden. In
materieller Hinsicht habe der Erziehungsrat das ihm im Rahmen der Verhängung von
Disziplinarmassnahmen zustehende Ermessen überschritten, indem er von seiner
eigenen Definition des Ultimatums abgewichen sei. Darüber hinaus liege ein
Ermessensmissbrauch insofern vor, als die schwerste Disziplinarmassnahme aus
Gründen angeordnet worden sei, die X. Y. so nicht kommuniziert worden seien.
Ausserdem sei die Massnahme in einem Zeitpunkt erfolgt, als X. Y. nicht mehr damit
habe rechnen müssen.
Mit Vernehmlassung vom 29. November 2005 beantragt der Erziehungsrat die
Abweisung der Beschwerde.
Mit Schreiben vom 13. Dezember 2005 nahm der Vertreter von X. Y. unaufgefordert zur
Vernehmlassung des Erziehungsrates Stellung. Er hielt im wesentlichen fest, dass die
Feststellung in der Vernehmlassung, wonach die Rektoratskommission den Antrag auf
Schulausschluss mit 10:0 Stimmen gefällt habe, aktenwidrig sei.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 9. November 2005
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Zuzulassen ist sodann die
unaufgefordert eingereichte Eingabe des Beschwerdeführers vom 13. Dezember 2005
zur Vernehmlassung der Vorinstanz vom 29. November 2005. Die in der
vorinstanzlichen Stellungnahme enthaltene Aussage, wonach die Klassenkonferenz
den Antrag auf Ausschluss von der Schule einstimmig gefällt habe, erweist sich als
aktenwidrig. Im Schreiben vom 21. August 2005 an das Amt für Mittelschulen hat der
Rektor festgehalten, dass der Antrag mit 10 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung gefällt
worden ist. Es muss dem Vertreter des Beschwerdeführers gestattet sein, auf diese
Aktenwidrigkeit aufmerksam zu machen (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 951). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ a) Der Beschwerdeführer rügt zunächst, sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei
verletzt. So habe er von einem Schreiben von Prof. G. G., Abteilungsvorstand und
Geschichtslehrer, an eine Erziehungsrätin erst nach der Beschlussfassung durch den
Erziehungsrat Kenntnis erhalten. In diesem Schreiben habe Prof. G. G. seine Bedenken
hinsichtlich der Vorgehensweise der Schule geäussert. Weil das Schreiben der
zuständigen Erziehungsrätin und somit der Vorinstanz vor der Beschlussfassung
zugegangen sei, hätte es dem Beschwerdeführer im Rahmen der Akteneinsicht
offengelegt und von der Vorinstanz anlässlich der Beschlussfassung gewürdigt werden
müssen. Habe die Vorinstanz das Schreiben als zu wenig bedeutsam erachtet, um es
zu erwähnen, so läge darin aufgrund mangelhafter Würdigung von vorhandenem
Beweismaterial eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts. Falls die Vorinstanz das
Schreiben hingegen überhaupt nicht beachtet habe, habe sie entscheidrelevante
Umstände nicht bzw. nicht ausreichend abgeklärt.
b) Den Akten liegt das vom Beschwerdeführer erwähnte Schreiben von Prof. G. G.
nicht bei. In ihrer Vernehmlassung vom 29. November 2005 hält die Vorinstanz dazu
fest, dass ihr das genannte Schreiben ebenfalls nicht vorgelegen habe und nach wie
vor nicht vorliege. Aufgrund der Aktenlage muss jedoch davon ausgegangen werden,
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dass die Erziehungsrätin M. G., welche gleichzeitig das Amt der Präsidentin der
Aufsichtskommission über die Kantonsschule C. bekleidet, das fragliche Schreiben
erhalten hat: Im E-mail vom 2. November 2005 des Rektors der Kantonsschule C. an
den stellvertretenden Leiter des Amts für Mittelschulen antwortete ersterer auf die
Frage, um was für ein Schreiben es sich handle, wie folgt:
"[...] Das war ein Schreiben von Ga auf dem Dienstweg an M. G.. Ein seltsames
Schreiben, in dem er sich plötzlich als wenig beteiligt im Verfahren schildert und
Position für den Schüler bezog, der jetzt wieder brav arbeitet... M. hat es von mir
erhalten, aber sie muss es natürlich nicht dem Amt weiterleiten, wenn sie nicht will. [...]"
Zum Inhalt selbst gibt lediglich das E-mail vom 31. Oktober 2005 von Prof. G. G. an
den Vater des Beschwerdeführers einen Hinweis. Er führt darin aus, dass er das
Schreiben auf dem Dienstweg an die zuständige Erziehungsrätin geschickt habe und
darin mit deutlichen Worten sein zunehmendes Unbehagen gegenüber dem
Ausschluss bekundet und dieses auch begründet habe.
c) Die Unvollständigkeit der Sachverhaltsermittlung betrifft die Beweiserhebung und ist
gegeben, wenn entscheidrelevante Umstände nicht oder nicht ausreichend abgeklärt
wurden (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 587). Beweiserheblich sind alle Akten, die geeignet
sind, die Entscheidfindung zu beeinflussen. In diese Akten kann unter dem Aspekt des
Anspruchs auf rechtliches Gehör auch Einsicht verlangt werden (M. Albertini, Der
verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im Verwaltungsverfahren des
modernen Staates, Diss. Bern 1999, S. 227 mit weiteren Hinweisen).
aa) Aufgrund der Akten ist bekannt, dass Prof. G. G. im fraglichen E-mail an die
Erziehungsrätin Gloor sein zunehmendes Unbehagen gegenüber dem Ausschluss des
Beschwerdeführers bekundet hat. Diesem Schreiben kann entgegen der Auffassung
der Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 29. November 2005 nicht zum vornherein
die Beweiserheblichkeit abgesprochen werden, zumal Prof. G. G. seine Bedenken nach
eigenen Angaben begründet hat. Hinzu kommt, dass es sich bei Prof. G. G. nicht nur
um den Geschichtslehrer des Beschwerdeführers, sondern auch um den damaligen
Abteilungsvorstand handelt. Ob seine Bedenken rein persönlicher Natur waren, wie der
Rektor im Mail-Schreiben vom 2. November 2005 an den stellvertretenden Leiter des
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Amts für Mittelschulen festgehalten hat, ist ohne Kenntnis des Wortlauts des
Schreibens nicht nachvollziehbar. Ausserdem trifft, wie bereits erwähnt, die Aussage
der Vorinstanz in der Vernehmlassung vom 29. November 2005 nicht zu, wonach der
Entscheid über den Schulausschluss in der Klassenkonferenz einstimmig gefallen sei.
Nachdem nicht bekannt ist, welcher Lehrer sich der Stimme enthalten hat, kann Prof.
G. G. entgegen der Auffassung der Vorinstanz im jetzigen Zeitpunkt sodann keine
"nachträgliche Meinungsänderung" vorgeworfen werden.
bb) Unter den beschriebenen Umständen kann nicht ausgeschlossen werden, dass
dem Schreiben von Prof. G. G. Bedeutung für die verfügungswesentliche
Sacherhaltsabklärung zugekommen wäre, wenn es dem Erziehungsrat vorgelegen
hätte. Dementsprechend wäre die Erziehungsrätin M. G. – entgegen der vom Rektor im
E-mail vom 2. November 2005 an den stellvertretenden Leiter des Amts für
Mittelschulen geäusserten Auffassung – gehalten gewesen, das Mail-Schreiben dem
Kollegium offen zu legen. Im weiteren hätte dem Beschwerdeführer in das Schreiben
Einsicht gewährt werden müssen; es handelt sich mit Blick auf die mögliche
Beweisrelevanz nicht um eine verwaltungsinterne Akte, die vom Anspruch auf
Akteneinsicht ausgenommen wäre.
d) Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz gestützt auf eine unvollständige
Sachverhaltserhebung entschieden hat. Eine unvollständige Sachverhaltserhebung
hindert die Anwendung des Rechts und gebietet in der Regel die Rückweisung der
Streitsache. Ein kassatorischer Entscheid ist auch vorliegend angezeigt, da dem
Verwaltungsgericht nicht die gleiche Überprüfungsbefugnis wie der Vorinstanz zusteht
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1029 und 1031). Der angefochtene Entscheid des
Erziehungsrates ist aufzuheben und die Streitsache gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP in dem Sinne zur Ergänzung des Sachverhalts an
die Vorinstanz zurückzuweisen, als das fragliche Mail-Schreiben von Prof. G. G. zu den
Akten zu nehmen ist. Alsdann ist dem Beschwerdeführer Akteneinsicht in das fragliche
Schreiben zu gewähren. Sollte das Mail-Schreiben nicht mehr erhältlich sein, wäre
Prof. G. G. dazu als Zeuge zu befragen. Gestützt auf diese Erkenntnisse hat der
Erziehungsrat neu zu entscheiden. Nachdem die Rückweisung der Streitsache auf
mangelnde Sachverhaltsabklärung durch die Behörden zurückzuführen ist, wird die
Vorinstanz bei ihrem neuerlichen Entscheid unter dem Gesichtspunkt der
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Verhältnismässigkeit auch das Verhalten von X. Y. seit dem Ablauf des Ultimatums zu
berücksichtigen haben. Zwar trifft die im angefochtenen Entscheid geäusserte
Auffassung der Vorinstanz grundsätzlich zu, wonach das Verhalten nach Änderung des
Antrags auf Schulausschluss nicht mehr beachtlich ist. Dieser Grundsatz ist indes in
einem Fall wie dem vorliegenden, wo die Verzögerung des Verfahrens nicht vom
Schüler zu vertreten ist, zu relativieren. In diesem Zusammenhang ist auch
festzuhalten, dass es mit Blick auf den Grundsatz der Beurteilung einer Streitsache
innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft, SR 101) fragwürdig erscheint, dass bis zum Entscheid über den
Schulausschluss rund dreieinhalb Monate seit der Mitteilung des Antrags der
Klassenkonferenz vom 1. Juli 2005 an die Eltern vergangen sind. Es steht ausser Frage,
dass der Schulausschluss für den betroffenen Schüler eine einschneidende
Massnahme darstellt. Es sollte deshalb grundsätzlich so entschieden werden, dass der
Schüler das neue Schuljahr nicht mit der Ungewissheit antreten muss, die Schule
jederzeit verlassen zu müssen. Unverständlich ist vorliegend namentlich, dass die
Antragstellung an den Erziehungsrat erst am 16. August 2005 erfolgt ist, nachdem den
Eltern des Beschwerdeführers bereits am 8. Juli 2005 das rechtliche Gehör gewährt
worden ist.
3./ Der Verfahrensausgang entspricht einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde,
nachdem über den Ausschluss des Beschwerdeführers nicht entgültig entschieden
wird. Ausschlaggebend für die Rückweisung ist die mangelnde
Sachverhaltsfeststellung durch die Vorinstanz. Da mithin nicht der Beschwerdeführer
den Verfahrensausgang zu vertreten hat, wäre es stossend, ihm amtliche Kosten für
das Beschwerdeverfahren aufzuerlegen. In analoger Anwendung von Art. 266 des
Zivilprozessgesetzes (sGS 961.2, abgekürzt ZPO; vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 785)
sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens deshalb vollumfänglich dem
Staat aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3
VRP). Der einbezahlte Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
Gestützt auf das Verursacherprinzip (Art. 98ter VRP in Verbindung mit Art. 265 ZPO) ist
dem Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren auch eine ausseramtliche
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Entschädigung zuzusprechen. Nachdem sein Rechtsvertreter keine Kostennote
eingereicht hat, ist die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen. Ein Betrag von Fr.
3'000.-- (zuzügl. MWSt) ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 19
der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).
Demnach hat das Verwaltungsgericht