Decision ID: e0f045e7-5177-5e25-b04a-e34be7fbfe95
Year: 2021
Language: de
Court: BE_VG
Chamber: BE_VG_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die 1956 geborene A._ bezieht seit dem 1. April 2015 Ergänzungsleistungen zur Witwenrente der Alters- und Hinterlassenenver sicherung (Verfügung vom 8. Mai 2015 [Antwortbeilagen {AB} der Ausgleichskasse des Kantons Bern {AKB bzw. Beschwerdegegnerin} 1, 4]). Im Zusammenhang mit der periodischen Überprüfung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Februar 2019 (AB 19) erfuhr die AKB, dass die Versicherte über Freizügigkeitskonten bei der C._ Freizügigkeitsstiftung verfügte (AB 26 bis 28). In der Folge nahm die AKB mit zwei Verfügungen vom 13. März 2019 (AB 29 f.) eine Neuberechnung der Ergänzungsleistungen ab dem 1. April 2015 vor, wobei sie die Freizügigkeitsguthaben als verzehrbarer Vermögenswert berücksichtigte, und forderte von der Versicherten die für die Zeit vom 1. April 2015 bis 31. Dezember 2016 resp. vom 1. Januar 2017 bis 31. März 2019 zu viel ausgerichteten Ergänzungsleistungen im Gesamtbetrag von Fr. 16'901.-- (Zeitraum vom 1. April 2015 bis 31. Dezember 2016: Fr. 8'076.--; Zeitraum vom 1. Januar 2017 bis 31. März 2019: Fr. 8'825.--) zurück. Eine gegen diese zwei Verfügungen erhobene Einsprache (AB 36) wies die AKB mit Entscheid vom 13. Mai 2019 (AB 37) ab.
B.
Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt B._, am 7. Juni 2019 Beschwerde und stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Der Einspracheentscheid vom 13. Mai 2019 sei aufzuheben.
2. Die Rückerstattungsverfügungen (2) vom 13. März 2019 (Zeitraum: 1. April 2015
bis 31. Dezember 2016 und 1. Januar 2017 bis 31. März 2019) seien
aufzuheben.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 26. Mai 2021, EL/19/458, Seite 3
3. Der Beschwerdeführerin seien die ihr monatlich zustehenden
Ergänzungsleistungen auszuzahlen.
4. Es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin der Ausgleichskasse des
Kantons Bern die von ihr erhaltenen Ergänzungsleistungen in der Zeit vom 1.
April 2015 bis 31. März 2019 von total Fr. 16'901.-- nicht zurückzuerstatten hat.
5. Die Parteikosten betreffend Einspracheverfahren sind der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
6. Eventuell: Der Beschwerdeführerin sei für das Einspracheverfahren die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und der Unterzeichnende sei ihr als
Rechtsbeistand zuzuordnen.
7. Die Verfahrens- und Parteikosten seien für das vorliegende Verfahren der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8. Eventuell: Der Beschwerdeführerin sei für das vorliegende Verfahren die
unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und der Unterzeichnende sei ihr als
Rechtsbeistand zuzuordnen.
Mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde.
Am 14. September 2020 reichte die Beschwerdeführerin eine Stellungnahme ein.
Mit prozessleitender Verfügung vom 3. März 2021 gab der Instruktionsrichter der Beschwerdegegnerin Gelegenheit zur Stellungnahme. Am 20. Mai 2021 ging eine entsprechende Eingabe beim Gericht ein.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 26. Mai 2021, EL/19/458, Seite 4

Erwägungen:
1.
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Die Sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Verwaltungsgerichts beurteilt gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) i.V.m. Art. 54 Abs. 1 lit. a des kantonalen Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft (GSOG; BSG 161.1) Beschwerden gegen solche Entscheide. Die Beschwerdeführerin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen, durch den angefochtenen Entscheid berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 58 ATSG). Da auch die Bestimmungen über Frist (Art. 60 ATSG) sowie Form (Art. 61 lit. b ATSG; Art. 81 Abs. 1 i.V.m. Art. 32 des kantonalen Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde grundsätzlich einzutreten (vgl. E. 1.2 hiernach).
1.2 Anfechtungsobjekt bildet der Einspracheentscheid vom 13. Mai 2019 (AB 37). Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Rückforderung der Beschwerdegegnerin in der Höhe von Fr. 16'901.-- für zu viel ausgerichtete Ergänzungsleistungen im Zeitraum vom 1. April 2015 bis 31. März 2019 (AB 37 S. 1 und 4) und diesbezüglich einzig die Frage der Anrechenbarkeit der Freizügigkeitsguthaben der Beschwerdeführerin als verzehrbarer Vermögenswert resp. der Berücksichtigung der Schulden. Die richterliche Beurteilung hat sich praxisgemäss auf diese Punkte zu beschränken, wenn - wie hier - aufgrund der Akten kein Anlass besteht, die übrigen unbestritten gebliebenen Punkte in die Prüfung miteinzubeziehen (BGE 131 V 329 E. 4 S. 330).
Soweit die Beschwerdeführerin eine zusätzliche Auszahlung der ihr zustehenden monatlichen Ergänzungsleistungen beantragt (vgl.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Bern vom 26. Mai 2021, EL/19/458, Seite 5
Beschwerde, S. 2 Ziff. I.3), hat die Beschwerdegegnerin hierüber in den Verfügungen vom 13. März 2019 (AB 29 f.) bzw. im angefochtenen Einspracheentscheid vom 13. Mai 2019 (AB 37) nicht befunden. Folglich ist diesbezüglich mangels Anfechtungsobjektes auf die Beschwerde nicht einzutreten (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1 S. 164; SVR 2011 UV Nr. 4 S. 13 E. 2.1).
1.3 Der Streitwert liegt unter Fr. 20'000.--, weshalb die Beurteilung der Beschwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit fällt (Art. 57 Abs. 1 GSOG).
1.4 Das Gericht überprüft den angefochtenen Entscheid frei und ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden (Art. 61 lit. c und d ATSG; Art. 80 lit. c Ziff. 1 und Art. 84 Abs. 3 VRPG).
2.
2.1 In formellrechtlicher Hinsicht macht die Beschwerdeführerin geltend, die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör fliessende Begründungspflicht (vgl. Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung [BV; SR 101]; Art. 49 Abs. 3 ATSG) sei mit den mangelhaft begründeten Rückerstattungsverfügungen vom 13. März 2019 (AB 29 f.) verletzt worden, weshalb diese nichtig seien (vgl. Beschwerde, S. 4 Ziff. III.1).
2.2 Über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, hat der  gemäss Art. 49 Abs. 1 ATSG schriftlich Verfügungen zu erlassen. Die Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3 Satz 2 ATSG). Gegen Verfügungen kann innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden Stelle Einsprache erhoben werden; davon ausgenommen sind prozess- und verfahrensleitende Verfügungen (Art. 52 Abs. 1 ATSG). Einsprachen müssen ein Rechtsbegehren und eine Begründung enthalten (Art. 10 Abs. 1 der Verordnung vom 11. September 2002 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSV; SR 830.11]). Das Einspracheverfahren ist kostenlos. Parteientschädigungen werden in der Regel nicht
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