Decision ID: 49f5fcc1-c1f1-4c98-8d2d-0d15f70459f9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
B._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank, 9313
Muolen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV (Anpassung); Rückerstattung und Verrechnung
Sachverhalt:
A.
A.a Die Ehefrau von B._ bezieht seit 1998 eine ganze Rente der
Invalidenversicherung (IV) bei einem Invaliditätsgrad von 100%. Im August 2003
meldete sie sich zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) an (EL-act. 1), die ihr
schliesslich ab jenem Monat ausgerichtet wurden. In der erstmaligen
leistungszusprechenden Verfügung vom 6. Oktober 2003 wurde festgehalten, für den
Ehemann B._ werde zurzeit kein Einkommen berücksichtigt. Sobald jedoch der IV-
Entscheid vorliege, werde allfällig ein Einkommen angerechnet und die zuviel
ausbezahlten Leistungen würden zurückgefordert (EL-act. 7).
A.b Mit Verfügung vom 16. April 2004 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
rückwirkend ab 1. Juni 2002 eine halbe IV-Rente bei einem Invaliditätsgrad von 58%
zu. Mit einer gleichentags erlassenen Verfügung forderte die EL-Durchführungsstelle
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) vom Versicherten seit
August 2003 an seine Ehefrau zuviel ausbezahlte EL von Fr. 1'565.- zurück und ordnete
die Verrechnung mit der IV-Rentennachzahlung an. Zudem teilte sie dem Versicherten
in derselben Verfügung mit, die Zahlung der laufenden EL, die bisher unter der AHV-
Nummer der Ehefrau gelaufen sei, werde per 1. Mai 2004 eingestellt. Es sei eine
Neuanmeldung einzureichen (Beilagen zu EL-act. 12). Diese Neuanmeldung des
Versicherten vom 23. April 2004 ging der EL-Durchführungsstelle am 3. Juni 2004 zu
(EL-act. 12). Mit Schreiben vom 19. Juli 2004 forderte sie den Versicherten auf, Fragen
zur Zumutbarkeit der Erzielung eines Erwerbseinkommens zu beantworten. Den
ausgefüllten Fragebogen erhielt sie am 20. August 2004 (EL-act. 15). Nachdem der
Versicherte geltend gemacht hatte, er könne nicht arbeiten, weil er sich nicht gesund
fühle, verlangte sie bei ihm mit Schreiben vom 20. August 2004 ein Arztzeugnis ein, das
ihr am 8. September 2004 zugestellt wurde (EL-act. 18).
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A.c Mit einer dem Versicherten eröffneten Verfügung vom 18. No¬vember 2004
forderte die EL-Durch¬führungs¬stelle von 1. August 2003 bis 30. April 2004 zu viel
bezahlte EL in der Höhe von Fr. 6'855.- zurück. Sie rechnete in der EL-Berechnung der
Ehefrau rückwirkend per August 2003 eine BVG-Rente und ein hypothetisches
Erwerbseinkommen für den Versicherten an (EL-act. 21). Mit einer weiteren Verfügung
vom 18. Novem¬ber 2004 sprach sie dem Versicherten rückwirkend ab 1. Mai 2004 EL
in der Höhe von Fr. 673.- monatlich zu. Die EL-Nachzahlung für die Zeit von Mai bis
und mit November 2004 verrechnete sie mit der Rückforderung (EL-act. 24).
A.d Eine gegen die IV-Rentenverfügung vom 16. April 2004 vom Versicherten am 17.
Mai 2004 erhobene Einsprache wies der Rechtsdienst der SVA in Vertretung der IV-
Stelle mit Entscheid vom 25. November 2004 ab (EL-act. 26). Dagegen erhob
Rechtsanwalt Dr. Kreso Glavas in Vertretung des Versicherten am 17. Dezember 2004
Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen und beantragte die
Ausrichtung einer Dreiviertelsrente (EL-act. 28; IV 2004/130). Ebenfalls am 17.
Dezember 2004 erhob er Einsprache gegen die beiden Verfügungen der EL-
Durch¬führungs¬stelle vom 18. November 2004 (EL-act. 27). Mit Schreiben vom 23.
Dezember 2004 sistierte der Rechtsdienst der SVA das EL-Einspracheverfahren bis
zum Vorliegen des IV-Entscheids des Versicherungsgerichts (EL-act. 29). Am 29.
Dezember 2004 setzte die EL-Durchführungs¬stelle den EL-Anspruch des Versicherten
ab 1. Januar 2005 auf Fr. 454.- monatlich fest (EL-act. 30). Am 4. Januar 2005 erhob
der Rechtsvertreter des Versicherten auch dagegen Einsprache (EL-act. 31). Der
Rechtsdienst der SVA sistierte am 17. Januar auch dieses Verfahren (EL-act. 32).
A.e Das Versicherungsgericht wies im Verfahren IV 2004/130 die Beschwerde gegen
den IV-Einspracheentscheid vom 25. November 2004 mit Entscheid vom 13.
Sep¬tember 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 55% ab (EL-act. 33). Der
Rechtsdienst der SVA hob die Sistierung der EL-Einspracheverfahren am 25. Oktober
2005 auf, vereinigte diese sinngemäss und gab dem Rechtsvertreter des Versicherten
Gelegenheit zur ergänzenden Begründung der Einsprachen (EL-act. 35). Dieser bat mit
Schreiben vom 7. Dezember 2005 um Erlass der Rückforderung und um Verzicht auf
die Verrechnung, da der Notbedarf des Versicherten nicht gedeckt gewesen sei, als die
Verrechnung der Rückforderung vorgenommen worden sei. Er ersuchte darum, die EL
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ungeschmälert weiterzubezahlen, was sich aufgrund der äusserst dürftigen Situation
des Versicherten ohne weiteres rechtfertige (EL-act. 37).
A.f Mit Entscheid vom 1. Juni 2006 wies der Rechtsdienst der SVA die Einsprachen ab.
Der Versicherte habe keine invaliditätsfremden Umstände geltend gemacht, die es ihm
verunmöglichen würden, seine Restarbeitsfähigkeit zu verwerten. Unter diesen
Umständen sei die Vermutung von Art. 14a Abs. 2 ELV nicht als umgestossen zu
betrachten. Dem Versicherten sei ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen.
Die Rückforderung sei rechtmässig. Das Erlassgesuch könne erst geprüft werden,
wenn ein rechtskräftiger Entscheid betreffend Rückforderung vorliege. Die Verrechnung
sei zulässig (act. G 1.1.1).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die Beschwerde des Rechtsvertreters des
Versicherten vom 3. Juli 2006. Er beantragt die teilweise Aufhebung des
Einspracheentscheids. Dem Beschwerdeführer sei ab 30. Juli 2005 eine ungekürzte EL
mit entsprechender Aufhebung der Rückforderung zu gewähren. Eventualiter sei eine
medizinische Abklärung über den Unfall vom 30. Juli 2005 und dessen Folgen in
Auftrag zu geben, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin. Der Rechtsvertreter führt aus, der Beschwerdeführer habe ihm
erst nach Eingang des Einspracheentscheids mitgeteilt, dass er am 30. Juli 2005 in
seinem Haus in Bosnien bei einem Sturz im Treppenhaus einen schweren Unfall erlitten
habe. Er habe sich die rechte Hand, insbesondere den Kleinfinger, verletzt.
Diesbezüglich stehe im August 2006 eine Operation im Kantonsspital St. Gallen bevor.
Aus diesem Grund sei das hypothetische Einkommen mindestens ab Unfalldatum bis
heute zu Unrecht angerechnet worden. Das Gleiche gelte für die entsprechende
Rückforderung (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 11. Juli 2006 die
Abweisung der Beschwerde. Ob der vom Beschwerdeführer am 30. Juli 2005 erlittene
Unfall Auswirkungen auf seine Arbeits- und Erwerbsfähigkeit habe, müsse im Rahmen
eines IV-Revisionsverfahrens abgeklärt werden. Die IV-Stelle werde die vorliegende
Beschwerde deshalb als Revisionsgesuch ansehen. Wenn revisionsrechtlich erhebliche
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Erkenntnisse über den Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeits-
und Erwerbsfähigkeit vorlägen, sei dies im Rahmen eines EL-Anpassungsverfahrens zu
berücksichtigen (act. G 3).
B.c Auf Gesuch des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers sistierte die zuständige
Verfahrensleitung des Versicherungsgerichts das Beschwerdeverfahren am 26. Juli
2006 bis zum rechtskräftigen Entscheid betreffend IV-Rentenrevision (act. G 6, 7, 10).
Mit Schreiben vom 27. März 2007 reichte der Rechtsvertreter zwei Arztberichte von Dr.
med. A._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, ein (act. G 13). Am 28. Juni 2007 ersuchte er um Aufhebung der
Sistierung, weil die Ausgleichskasse die Frage des hypothetischen
Erwerbseinkommens nicht entscheiden könne, da das Verfahren beim Gericht hängig
sei. Zudem reichte er einen Verlaufsbericht des Psychiaters Dr. med. C._ vom 22.
Juni 2007 ein (act. G 16).
B.d Die Verfahrensleitung hob die Sistierung des Beschwerdeverfahrens am 2. Juli
2007 auf und gab der Beschwerdegegnerin Gelegenheit zur Einreichung einer Duplik
(act. G 17). Mit Schreiben vom 9. Juli 2007 hält sie an ihrem Abweisungsantrag fest.
Die vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen Unterlagen würden keine
überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung zulassen, weshalb die Frage nach einem
allfälligen hypothetischen Erwerbseinkommen gestützt darauf nicht beantwortet
werden könne. Derzeit werde der IV-Rentenanspruch des Beschwerdeführers in einem
IV-Revisionsverfahren überprüft. Eventualiter werde deshalb beantragt, dass das EL-
Beschwerdeverfahren bis zum Vorliegen des medizinischen Abklärungsergebnisses im
IV-Rentenrevisionsverfahren sistiert bleibe (act. G 18).
B.e Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nahm zur Duplik der
Beschwerdegegnerin am 3. September 2007 Stellung. Ihre Eingaben seien
widersprüchlich, weil sie einerseits an ihrer Verfügung festhalte und gleichzeitig die
Ergebnisse der medizinischen Abklärung abwarten wolle. Die Tatsache, dass soeben
eine Begutachtung in Auftrag gegeben worden sei, ändere nichts daran, dass gemäss
Beurteilung von Dr. A._ im Februar 2007 nach der Operation immer noch Schmerzen
im Bereich des Kleinfingers mit Bewegungseinschränkung bestanden hätten.
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Mindestens während der Operation und der nachfolgenden Rehabilitation habe der
Beschwerdeführer das verfügte Erwerbseinkommen nicht verdienen können (act. G 20).
B.f Die Verfahrensleitung des Gerichts sistierte das EL-Beschwer¬de¬verfahren am 11.
September 2007 erneut bis zum Vorliegen der medizinischen Abklärungsergebnisse im
IV-Rentenrevisionsverfahren (act. G 21). Die Beschwerdegegnerin reichte mit Schreiben
vom 19. September 2007 weitere medizinische Akten ein (act. G 22), woraufhin die
Sistierung wiederum aufgehoben wurde (act. G 23). In seiner Stellungnahme vom 25.
September 2007 verwies der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers nochmals auf
dessen Handoperation und ihre Folgen (act. G 24).

Erwägungen:
1.
Auf den 1. Januar 2008 ist das neue Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft getreten.
Es ersetzt das ELG vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung.
Die Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (ELV; SR 831.301) wurde einer Revision unterzogen, die auf den
1. Januar 2008 in Kraft getreten ist. Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen
Rechtssätze massgebend sind, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden
Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V 467 Erw. 1), und weil bei der Beurteilung
ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses des strittigen Einspracheentscheids vom
1. Juni 2006 eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366 Erw. 1b), sind
auf die angefochtene Verfügung die bis zum 31. De¬zember 2007 geltenden
Bestimmungen anzuwenden.
2.
Mit Verfügung vom 18. November 2004 wurden dem Beschwerdeführer erstmals
rückwirkend ab 1. Mai 2004 EL zugesprochen. Gleichzeitig wurden beim
Beschwerdeführer zwischen August 2003 und April 2004 zuviel an seine Ehefrau
ausbezahlte EL zurückgefordert und die Rückforderung teilweise mit der EL-
Nachzahlung für den Beschwerdeführer verrechnet. Zu überprüfen ist nun einerseits
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die erstmalige EL-Zusprache an den Beschwerdeführer. Andererseits ist die
Rechtmässigkeit der beim Beschwerdeführer erfolgten Rückforderung zuviel an die
Ehefrau bezahlter EL und die Verrechnung mit dem Nachzahlungsanspruch des
Beschwerdeführers zu beurteilen.
3.
3.1 Gemäss Art. 3a Abs. 4 aELG (in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) sind
die anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen von Ehegatten
zusammenzurechnen (vgl. auch Rz. 2032 der vom Bundesamt für Sozialversicherung
herausgegebenen Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und IV [WEL]).
Der EL-Anspruch beginnt mit dem Monat der Anmeldung für die Invalidenrente,
frühestens jedoch mit der Rentenberechtigung, wenn die EL-Anmeldung innert sechs
Monaten seit der Zustellung der Verfügung über die Invalidenrente eingereicht wurde
(Art. 22 Abs. 1 ELV).
3.2 Nach Art. 53 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) müssen formell rechtskräftige
Verfügungen und Einspracheentscheide in Revision gezogen werden, wenn die
versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue
Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung vorher nicht
möglich war. Demgegenüber ist der Versicherungsträger berechtigt, nicht aber
verpflichtet, wiedererwägungsweise auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide zurückzukommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und
wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
3.3 Vorliegend bezog die Ehefrau des Beschwerdeführers bereits seit längerem eine
Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 100% und seit dem 1. August 2003
zudem EL. Der Beschwerdeführer war in die EL-Berech¬nung seiner Ehefrau
miteinbezogen. Sein Anspruch auf eine Invalidenrente war zu jenem Zeitpunkt noch
nicht geklärt; die Anmeldung bei der IV-Stelle war pendent. Mit Verfügung der IV-Stelle
vom 16. April 2004 wurde ihm ein eigener Anspruch auf eine halbe Invalidenrente
eingeräumt, und zwar rückwirkend per 1. Juni 2002. Da er sich innert sechs Monaten
nach Erhalt der IV-Renten¬verfügung vom 16. April 2004 zum EL-Bezug anmeldete
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(EL-act. 12), ist er bei Vorliegen eines Ausgabenüberschusses grundsätzlich seit dem
Zeitpunkt der Anmeldung für die IV-Rente, frühestens aber ab 1. Juni 2002, EL-
anspruchsberechtigt (Art. 22 Abs. 1 ELV; Rz. 7025 WEL). Es ist zu fingieren, dass die
Invalidenrente nicht im April 2004 nachbezahlt, sondern bereits ab Juni 2002 monatlich
ausbezahlt worden sei. Mit einer solchen Fiktion wird auch in anderen
Sozialversicherungszweigen operiert, etwa wenn Arbeitslosentaggelder
zurückgefordert werden, weil dem Bezüger rückwirkend eine Invalidenrente
zugesprochen wurde. Durch die rückwirkende Rentenzusprache stellte sich
nachträglich heraus, dass die versicherte Person beim Leistungsbezug nicht arbeitslos,
sondern invalid war, weshalb die IV von Beginn an leistungspflichtig gewesen wäre. Es
handelt sich also um das koordinationsrechtliche Problem der Vermeidung von
Überentschädigungen. Der vorliegende Fall ist mit einer solchen Konstellation wie folgt
vergleichbar: EL-rechtlich werden die Ehegatten als wirtschaftliche Einheit betrachtet.
Die EL der Ehefrau des Beschwerdeführers musste vor dem Entscheid über dessen IV-
Renten¬berech¬tigung den Existenzbedarf beider Ehegatten decken. Da dem
Beschwerdeführer schliesslich ab 1. Juni 2002 eine halbe Invalidenrente zugesprochen
wurde, hat er seit jenem Datum bei Vorliegen eines Ausgabenüberschusses einen
selbstständigen EL-Anspruch. Seine Ehefrau ist folglich in seine Berechnung
miteinzubeziehen (Art. 3a Abs. 4 aELG). Bei dieser Konstellation kann nur durch die
Fiktion der Ausrichtung der Rente samt EL für den Beschwerdeführer bereits ab
Anspruchsbeginn eine Überentschädigung vermieden werden. Geht man also von
dieser Fiktion aus, so konnte die Ehefrau keinen selbstständigen EL-Anspruch mehr
begründen. Am Rande sei bemerkt, dass sich in grundsätzlicher Hinsicht die Frage
aufdrängt, ob sich anstelle des formell alleinigen Anspruchs des zuerst EL-
anspruchsbegründenden Ehegatten (bzw. gemäss Praxis der EL-
Durch¬führungs¬stelle jeweils des Ehemanns) nicht ein gemeinsamer Anspruch der
Ehegatten aufdrängt, wenn beide rentenberechtigt sind (vgl. dazu RALPH JÖHL,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit, 2. Aufl.,
Basel 2007, S. 1659 Rz. 29 f.).
3.4 Da die ursprünglichen Verfügungen vom 6. Oktober 2003 angesichts der damaligen
effektiven wirtschaftlichen Situation der Ehegatten korrekt waren, ist die zweifellose
Unrichtigkeit im Sinne der Wiedererwägung nicht gegeben. Zum Verfügungszeitpunkt
im Oktober 2003 bestand hingegen noch keine (gesicherte) Kenntnis über
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Rentenanspruch, Rentenhöhe und Rentenbeginn und damit auch nicht über eine
allfällige eigene EL-Anspruchs¬berech¬tigung des Beschwerdeführers. Die Fiktion der
Rentenauszahlung und der grundsätzlichen EL-Berechtigung ab Juni 2002 stellt
demnach eine neue Tatsache dar, sodass die Voraussetzungen für die prozessuale
Revision grundsätzlich gegeben sind (vgl. dazu das Urteil EL 2005/45 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 1. Juni 2006, Erw. 4a).
4.
4.1 Obwohl die Beschwerdegegnerin die Verfügungen vom 6. Oktober 2003 also
grundsätzlich zu Recht prozessual revidierte, sind die Rückforderungsverfügungen vom
16. April 2004 und 18. No¬vem¬ber 2004 dennoch nicht rechtsbeständig, wie
nachfolgend zu zeigen ist.
4.2 Die Ehefrau des Beschwerdeführers begründete gemäss den Verfügungen vom 6.
Oktober 2003 selbstständig einen EL-Anspruch. Laut jenen Verfügungen war sie selbst
und nicht etwa der Beschwerdeführer bezugsberechtigt. Die Beschwerdegegnerin war
durch die IV-Rentenzusprache an den Beschwerdeführer der Ansicht, dass diesen
persönlich eine EL-Rückzahlungspflicht treffe, adressierte sie die
Rückforderungsverfügungen vom 16. April und 18. November 2004 doch explizit und
ausschliesslich an ihn. Da er jedoch betreffend die an seine Ehefrau für August 2003
bis April 2004 ausbezahlte EL nicht anspruchsberechtigt war, ist dieses Vorgehen nicht
korrekt. Der Beschwerdeführer kann nicht für eine Leistung rückerstattungspflichtig
sein, auf die er keinen Anspruch hatte und die er auch nie empfangen hat. Ebenso
wenig kann in einer Verfügung, die die EL-Durch¬führungs¬stelle bewusst dem
Beschwerdeführer eröffnete, die Einstellung der Anspruchsberechtigung der Ehefrau
rechtsverbindlich geregelt werden. Die als Rückforderungsverfügungen bezeichneten
Verfügungen vom 16. April 2004 und vom 18. November 2004 weisen somit derart
schwerwiegende Mängel auf, dass sie nichtig sind.
4.3 Die von der Beschwerdegegnerin angestrebten Rückforderungen müssen sich
persönlich gegen die Ehefrau des Beschwerdeführers als Leistungsberechtigte richten.
Dasselbe gilt für die Einstellung der Ehefrau in der Anspruchsberechtigung. Gegenüber
der Ehefrau wurden jedoch weder Rückforderungen noch die Leistungseinstellung
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verfügt. Somit können diese Entscheide ihr gegenüber auch keine Rechtswirksamkeit
entfalten (vgl. dazu HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5.
Aufl. 2006, S. 203 Rz. 977).
4.4 Durch die Nichtigkeit der Rückforderungsverfügungen vom 16. April 2004 und vom
18. November 2004 leben die ursprünglichen leistungszusprechenden Verfügungen
vom 6. Oktober 2003 bzw. die Anpassungsverfügung vom 30. Dezember 2003 wieder
auf. Diese Verfügungen können im vorliegenden Verfahren nicht rechtswirksam
überprüft werden, da in diesem Verfahren der Beschwerdeführer alleine Partei ist und
ausschliesslich sein eigener EL-Anspruch, seine allfällige eigene Rückerstattungspflicht
sowie die Zulässigkeit der Verrechnung mit ihm zustehenden Nachzahlungen zu
beurteilen sind. Allerdings ist festzuhalten, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers ab
dessen grundsätzlicher (fiktiver) EL-Anspruchs¬berechti¬gung in seine Berechnung
miteinzubeziehen ist. Ihre selbstständige EL-Anmeldung rechtfertigt keinen eigenen EL-
An¬spruch, zumal eine getrennte EL-Berechnung bei nicht getrennt lebenden
Ehegatten nicht in Frage kommt (vgl. Rz. 2032 WEL). Da die Ehefrau formell also gar
nicht EL-anspruchs¬berech¬tigt ist, kann bei ihr in der Konsequenz auch keine
rückwirkende Anrechnung von Invaliden- bzw. BVG-Rente und hypothetischem
Erwerbseinkommen für den Beschwerdeführer erfolgen. Sämtliche an sie für die Zeit
vom 1. August 2003 bis 30. April 2004 aus eigenem Recht ausbezahlten EL sind
rechtsgrundlos geworden. Die Beschwerdegegnerin hat die Verfügungen vom 6.
Oktober/ 30. De¬zember 2003 also durch prozessuale Revision aufzuheben und die
gesamte Leistungsausrichtung an die Ehefrau rückabzuwickeln. Freilich ist die
entsprechende Verfügung der Ehefrau selbst zu eröffnen. Soweit der angefochtene
Einspracheentscheid vom 1. Juni 2006 die Rückforderungsverfügung vom 18.
November 2004 bestätigt, ist er aufzuheben.
4.5 Die Verrechnung der Rückforderung aus der Rückabwicklung der
Leistungsausrichtung an die Ehefrau mit der EL-Nachzahlung für den
Beschwerdeführer wird möglich sein, obwohl Rückforderungsschuldnerin (die Ehefrau)
und Nachzahlungsgläubiger (der Beschwerdeführer) keine Einheit bilden. Das
Bundesgericht hat nämlich das sozialversicherungsrechtliche Institut der Verrechnung
für solche Sachverhaltskonstellationen erweitert, indem es die Verrechnung einer
offenen Beitragsforderung eines Ehemanns mit dem Rentenanspruch der Ehefrau
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zuliess mit dem Argument, die Rentenhöhe hänge direkt von der Summe der bezahlten
Beiträge ab. Dieser versicherungsrechtliche Zusammenhang erlaube die Verrechnung,
auch wenn der Schuldner der Beitragsforderung nicht mit dem Gläubiger der
Rentenforderung identisch sei (ZAK 1990, 192). Obwohl vorliegend ein derartiger
"technischer" Zusammenhang fehlt, sind auch hier die Voraussetzungen einer
spezifisch sozialversicherungsrechtlichen Verrechnung erfüllt. Der Einbezug der
wirtschaftlichen Verhältnisse des nicht EL-berechtigten Ehegatten in die EL-
Anspruchsberechnung des anderen Ehegatten hat nämlich zur Folge, dass die EL es
dem berechtigten Ehegatten erlaubt, einen Beitrag an den Unterhalt des nicht
berechtigten Ehegatten zu leisten. Ein EL-Anspruch eines verheirateten Versicherten
dient also nach dem Willen des Gesetzgebers wirtschaftlich betrachtet auch dem nicht
berechtigten Ehegatten. Erhält dieser später rückwirkend selbst eine
Sozialversicherungsleistung, so wäre nicht einzusehen, warum er die ihm durch die EL
indirekt gewährte Unterstützung nicht sollte "zurückzahlen" müssen, da er nun ja
rückblickend keinen derartigen Unterstützungsbedarf gehabt hat (und deshalb
eigentlich keiner rückwirkenden Nachzahlung seiner eigenen
Sozialversicherungsleistung bedürfte; vgl. den Entscheid EL 2002/65 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 15. April 2003, Erw. 4). Würden
vorliegend die Invalidenrentennachzahlung und die EL-Nachzahlung an den
Beschwerdeführer nicht der Verrechnung mit der EL-Rück¬forderung gegenüber seiner
Ehefrau unterliegen, wäre das Ehepaar im Ergebnis ungerechtfertigt bereichert, hätte
es doch von August 2003 bis April 2004 doppelte EL bezogen. Diese wären zudem
betragsmässig zu hoch, da die IV-Rente für den Beschwerdeführer bei der EL der
Ehefrau nicht angerechnet wurde. Die Verrechnung der EL- und Rentennachzahlung für
den Beschwerdeführer mit der EL-Rück¬forderung bei der Ehefrau für die Zeit von
August 2003 bis April 2004 wird sich somit grundsätzlich als zulässig und notwendig
erweisen.
5.
5.1 Eine der Verfügungen vom 18. November 2004 regelte erstmals den EL-Anspruch
des Beschwerdeführers. Der Anspruchsbeginn wurde auf den 1. Mai 2004 festgesetzt.
Dies lässt sich rechtlich nicht begründen. Der Beschwerdeführer reichte seine
Anmeldung zum EL-Bezug innert der Frist von Art. 22 Abs. 1 ELV ein. Daher hat er wie
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erläutert seit Anmeldung zur IV-Rente, frühestens seit Beginn des Rentenanspruchs am
1. Juni 2002, Anspruch auf EL, sofern die anerkannten Ausgaben des Ehepaars dessen
anrechenbare Einnahmen übersteigen. Die EL-zuspre¬chende Verfügung vom 18.
No¬vember 2004 bzw. der diese bestätigende Einspracheentscheid ist also zumindest
be¬treffend Leistungsbeginn aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit diese den EL-Anspruchsbeginn prüfe und neu darüber verfüge.
5.2 Neben den IV-Renten beider Ehegatten stellen auch deren BVG-Renten
anrechenbare Einnahmen im Sinne von Art. 3c Abs. 1 lit. d aELG dar. Dies wird vom
Beschwerdeführer anerkannt. Beginn und Höhe der BVG-Renten sind den Akten nicht
lückenlos zu entnehmen. Die Beschwerdegegnerin rechnete für die Monate August
2003 bis und mit Dezember 2003 BVG-Leistungen von insgesamt Fr. 14'794.- an, was
den Auszügen der D._ vom 26. Januar 2004 und der E._ vom 18. Mai 2004
entspricht (Beilagen zu EL-act. 12; Berechungsblätter in EL-act. 21). Das
Berechnungsblatt für den Zeitraum 1. Januar bis 30. April 2004 weist jedoch nur noch
BVG-Leistungen von Fr. 1'494.- aus (EL-act. 21). Dieser Betrag ist aktenmässig nicht
belegt. Aufgrund der Zahlenfolge ist wahrscheinlich, dass es sich dabei um einen
Tippfehler handelt. Im Rahmen der Neuverfügung über den EL-Anspruch des
Beschwerdeführers wird die Beschwerdegegnerin jedenfalls die BVG-
Rentenberechtigung beider Ehegatten seit EL-Anspruchsbeginn abzuklären haben.
5.3 Streitig ist sodann noch die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens
für den Beschwerdeführer. Invaliden unter 60 Jahren mit einem Invaliditätsgrad von
50% bis unter 60% ist als Erwerbseinkommen mindestens der Höchstbetrag für den
Lebensbedarf von Alleinstehenden nach Art. 3b Abs. 1 lit. a aELG anzurechnen (Art.
14a Abs. 2 lit. b ELV). Nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung kann im Hinblick
auf die berechtigten Interessen der Vereinfachung und der rascheren Behandlung von
Einzelfällen grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass es einer teilinvaliden
versicherten Person vermutungsweise möglich und zumutbar ist, im Rahmen ihres von
den Organen der IV festgestellten verbliebenen Leistungsvermögens die in Art. 14a ELV
festgelegten Grenzbeträge zu erzielen. Die gesetzliche Vermutung kann durch den
Beweis des Gegenteils umgestossen werden, indem der Ansprecher auch Umstände
geltend machen kann, die bei der Bemessung der Invalidität ohne Bedeutung waren,
ihm jedoch verunmöglichen, seine theoretische Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich zu
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nutzen (BGE 117 V 156 Erw. 2c). Zu eigenen Abklärungen im Sinne des
Untersuchungsgrundsatzes ist die EL-Durchführungsstelle in den Fällen von Art. 14a
(und 14b) ELV nur (aber immerhin) gehalten, wenn aus den Akten hervorgeht, dass die
versicherte Person ausserstande ist, das fragliche Einkommen zu erzielen, oder wenn
die versicherte Person selber geltend macht, sie sei aus invaliditätsfremden Gründen
nicht in der Lage, ein entsprechendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl. BGE 117 V
205). Spricht dann das Ergebnis der umfassenden Abklärung nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit für die Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Ausübung einer
Erwerbstätigkeit, so kommt die genannte Vermutung als Regel zur Verteilung der
materiellen Beweislast zur Anwendung. Trotz fehlenden Nachweises eines
Einkommensverzichts ist der versicherten Person ein hypothetisches
Erwerbseinkommen anzurechnen (vgl. den höchstrichterlichen Entscheid P 43/05 vom
25. Oktober 2006; die Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen EL
2006/40 vom 3. Mai 2007 und mit Kritik zur herrschenden Praxis EL 2004/35 vom 5.
Juli 2005; JÖHL, a.a.O., S. 1766 ff.).
5.4 Im den Beschwerdeführer betreffenden Verfahren IV 2004/130 kam das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen nach umfassender Würdigung
insbesondere der medizinischen Aktenlage zum Schluss, dass der Beschwerdeführer
einen Invaliditätsgrad von 55% aufweise (EL-act. 33). Das Urteil vom 13. September
2005 erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers macht in der Beschwerde vom 3. Juli 2006 im vorliegenden EL-
Verfahren erstmals geltend, der Beschwerdeführer sei seit einem bereits am 30. Juli
2005 erlittenen Unfall gar nicht mehr arbeitsfähig, weshalb ihm spätestens seit diesem
Zeitpunkt kein hypothetisches Einkommen anzurechnen sei. Die Ermittlung der
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers im Rahmen des IV-Verfahrens hat für das
vorliegende Verfahren präjudizielle Bedeutung, zumal Doppelspurigkeiten bei der
Sachverhaltsabklärung und im weitesten Sinn widersprüchliche Entscheide vermieden
werden sollen (vgl. den Entscheid EL 2006/30 vom 9. Februar 2007, Erw. 3c).
Zumindest bis zum Unfall vom 30. Juli 2005 ist daher von einem Invaliditätsgrad von
55% auszugehen. Der Beschwerdeführer bringt keine Gründe vor, die die Vermutung
des Art. 14a ELV widerlegen würden. Gegen die Anrechnung eines hypothetischen
Einkommens wandte er sich ursprünglich, weil er der Ansicht war, sein Invaliditätsgrad
sei höher als von der IV-Stelle anerkannt (EL-act. 27 und 28). Er berief sich also nicht
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auf invaliditätsfremde Gründe, die ihm eine Arbeitsaufnahme verunmöglichen würden.
Obwohl er den Gerichtsentscheid IV 2004/130 vom 15. Sep¬tem¬ber 2006 und damit
die Festsetzung des Invaliditätsgrads auf 55% schliesslich akzeptierte, hielt er daran
fest, dass kein hypothetisches Einkommen anzurechnen sei, wobei sein
Rechtsvertreter dies lediglich noch mit der knappen finanziellen Situation des
Beschwerdeführers begründete (EL-act. 37). Er brachte also zu keinem Zeitpunkt des
Verfahrens objektive Gründe vor, die bei der Invaliditätsbemessung bedeutungslos
gewesen wären, dem Beschwerdeführer aber dennoch die Verwertung seiner
Restarbeitsfähigkeit verunmöglichen würden. Derartige Gründe sind auch aus den
Akten nicht ersichtlich, weshalb die Beschwerdegegnerin diesbezüglich gemäss der
zitierten Praxis nicht zu eigenen umfassenden Abklärungen verpflichtet ist. Die
Vermutung des Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV ist damit nicht widerlegt, weshalb dem
Beschwerdeführer seit EL-Anspruchsbeginn zumindest bis zum Unfall vom 30. Juli
2005 ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen ist.
5.5 Zu prüfen bleibt, ob die geltend gemachte Verschlechterung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers aufgrund des Unfalls vom 30. Juli 2005
die Anrechnung des hypothetischen Erwerbseinkommens nach diesem Datum in Frage
stellt. Der Unfall war Anlass zur Einleitung eines zurzeit noch pendenten IV-
Rentenrevisionsverfahrens. Sollte dieses Verfahren eine Erhöhung des Invaliditätsgrads
belegen, so wäre ein EL-Anpassungsverfahren zu eröffnen und bei der EL-Berechnung
gegebenenfalls nur ein tieferes hypothetisches Einkommen anzurechnen oder auf eine
Anrechnung gänzlich zu verzichten. Das Ergebnis des IV-Verfahrens, das also
grundsätzlich geeignet ist, sich auf den EL-Anspruch des Beschwerdeführers
auszuwirken, kann für das vorliegende Verfahren jedoch aus folgenden Gründen nicht
von Bedeutung sein: Für dieses Verfahren ist grundsätzlich der Sachverhalt relevant,
wie er sich bis zum Erlass des Einspracheentscheids vom 1. Juni 2006 zugetragen hat.
Nach Art. 25 Abs. 1 lit. c ELV ist die EL bei Eintritt einer voraussichtlich längere Zeit
dauernden Verminderung der anrechenbaren Einnahmen zu erhöhen. Bei Erhöhung
des Ausgabenüberschusses ist die EL auf Beginn des Monats neu zu verfügen, in dem
die Änderung gemeldet wurde, frühestens aber des Monats, in dem diese eingetreten
ist (Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV). Der Beschwerdeführer liess erstmals mit
Beschwerdeerhebung im Juli 2006 melden, er habe am 30. Juli 2005 einen Unfall
erlitten. Er hat damit seine Meldepflicht verletzt (Art. 24 ELV). Somit kann der Unfall
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gegebenenfalls frühestens auf Beginn des Monats der Meldung, also auf den 1. Juli
2006, EL-rechtliche Relevanz erlangen. Auch der IV-Stelle hatte der Beschwerdeführer
den Unfall nicht gemeldet, sodass das IV-Rentenrevisionsverfahren erst als Reaktion
auf die EL-Beschwerde vom 3. Juli 2006 eingeleitet werden konnte (act. G 3). Auch hier
käme infolge der Meldepflichtverletzung eine Rentenerhöhung frühestens auf den 1.
Juli 2006 in Frage (Art. 88bis Abs. 1 lit. a der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Für den vorliegend massgebenden Zeitraum
bis 1. Juni 2006 vermag der Unfall vom 30. Juli 2005 also keinesfalls eine Erhöhung der
EL zu begründen. Dadurch besteht keine Gefahr widersprüchlicher Entscheide, sodass
der Abschluss des IV-Rentenrevisionsverfahrens nicht abgewartet werden muss. Die
vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 27. März 2007 eingereichten Berichte
von Dr. A._ vom 23. Oktober 2006 und 11. De¬zem¬ber 2006 (act. G 14) und der
Verlaufsbericht von Dr. C._ vom 22. Juni 2006 (act. G 16.1) können sich auf den EL-
Anspruch des Beschwerdeführers im vorliegend massgebenden Zeitraum also
ebenfalls nicht auswirken. Für die Zeit ab Juli 2006 wird die Beschwerdegegnerin je
nach Ergebnis des IV-Rentenrevisionsverfahrens ein EL-Anpassungsverfahren
durchführen. Am Rande ist anzumerken, dass sich der Unfall vom 30. Juli 2005 nach
Angaben des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers in dessen Haus in Bosnien
ereignet hat (act. G 1, S. 2 Ziff. 3). In den EL-Berechnungen ist bisher kein
unbewegliches Vermögen ausgewiesen worden. Die Beschwerdegegnerin wird
abzuklären haben, ob der Beschwerdeführer über Vermögen im Ausland verfügt. Ein
solches wird sie gegebenenfalls bei der Berechnung zu berücksichtigen haben.
6.
6.1 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen
und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie hat den EL-Anspruch
des Beschwerdeführers sowie den Anspruchsbeginn zu ermitteln, wobei sie auf der
Einnahmenseite für ihn das hypothetische Erwerbseinkommen nach Art. 14a Abs. 2 lit.
b ELV sowie die korrekten BVG-Einkünfte und allenfalls Vermögen anzurechnen hat.
Betreffend EL der Ehefrau des Beschwerdeführers für die Zeit von 1. August 2003 bis
30. April 2004 liegt es an ihr, die infolge Nichtigkeit der EL-Verfügung vom 16. April
2004 und der Rückforderungsverfügung vom 18. November 2004 rechtswirksam
gebliebenen Verfügungen vom 6. Oktober und 30. Dezember 2003 prozessual zu
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revidieren und die ganze an die Ehefrau ausbezahlte EL zurückzufordern, wobei einer
Verrechnung der Rückforderung mit der EL-Nachzahlung an den Beschwerdeführer
nichts entgegensteht. Die bereits getätigten Verrechnungen mit IV-Ren¬ten- und EL-
Nachzahlungen für den Beschwerdeführer sind freilich anzurechnen. Die
Rückforderung und die Verrechnung sind zweckmässigerweise mit zwei separaten
Verfügungen zu eröffnen, wobei Adressatin der Rückforderungsverfügung die Ehefrau
ist und die Verrechnungsverfügung sowohl der Ehefrau als auch dem
Beschwerdeführer zu eröffnen ist.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
6.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hat am 3. September 2007 eine Honorarnote über Fr. 3'110.35
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) eingereicht (act. G 20.2). Der angefochtene
Einspracheentscheid wurde aufgehoben, der Beschwerdeführer obsiegt jedoch nur
teilweise und unterliegt in der von ihm als zentral erachteten Frage der Anrechnung des
hypothetischen Erwerbseinkommens. Das Honorar ist demnach zu kürzen. Als
angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 2'000.- (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht