Decision ID: dd6d64ea-f1e4-5017-8085-de775750e55f
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Reto Diggelmann, Neugasse 14, 9401 Rorschach,
gegen
CSS Versicherung AG, Tribschenstrasse 21, Postfach 2568, 6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ war als unselbstständig Erwerbender obligatorisch bei der CSS
Versicherung AG gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten versichert, als
er am 10. Januar 2009 ein Trauma im Rahmen einer Gasexplosion in einer Grossküche
erlitt. Die am 12. Januar 2009 behandelnden Ärzte der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) diagnostizierten im Bericht vom 13. Januar 2009
einen Verdacht auf eine traumatische Innenohrläsion, einen Verdacht auf eine
Ulnarisläsion links und einen Verdacht auf eine arterielle Hypertonie (act. G 8.10; zum
Unfallhergang vgl. auch den Rapport der Kantonspolizei vom 26. Januar 2009, act.
G 8.13). Die behandelnden Ärzte der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG
diagnostizierten im Bericht vom 19. Januar 2009 eine HWS-Distorsion Grad I, einen
sensomotorischen Ausfall C8 links, ein Knalltrauma am linken Ohr sowie eine
Hypästhesie in der linken Gesichtshälfte (act. G 8.2). Am 2. Februar 2009 wurde der
Versicherte in der Klinik für Neurologie des KSSG erneut untersucht. Im Bericht vom
6. Februar 2009 hielten die medizinischen Fachpersonen fest, klinisch sei der Befund
vereinbar mit einer Läsion des Nervus ulnaris proximal des Handgelenks. Differential
diagnostisch müsse eine präganglionäre Läsion bedacht werden (act. G 8.30). Der
Unfallversicherer erbrachte vom 13. Januar bis 19. Februar Taggeld- und
Heilbehandlungsleistungen. In der am 23. Februar 2009 begonnenen Kalenderwoche
nahm der Versicherte die Arbeit wieder zu 100% auf (act. G 8.14).
A.b Am 23. November 2009 berichtete der Hausarzt des Versicherten Dr. med. B._,
Facharzt FMH für Innere Medizin, dass trotz sechsmonatiger Ruhigstellung in der
Schiene eine unveränderte Nervus ulnaris-Symptomatik bestehe (act. G 8.46). Vom
13. bis 15. Januar 2010 befand sich der Versicherte in der Klinik für Neurologie des
KSSG (vgl. Austrittszeugnis vom 19. Januar 2010, act. G 8.53). Der dort behandelnde
Arzt diagnostizierte im Bericht vom 22. Februar 2010 eine axonale Läsion des
Faszikulas medialis des Plexus brachialis links mit Beteiligung der C8- und Th1-Fasern.
Diese Läsion sei am ehesten mit dem Unfallereignis in Verbindung zu bringen. Ferner
bestünden ein Verdacht auf eine Gehörknöchelluxation links und eine traumatische
Innenohrläsion bei Status nach Gasexplosionstrauma am 10. Januar 2009 sowie eine
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arterielle Hypertonie (act. G 8.57; vgl. auch Berichte vom 14. Dezember 2009, vom
15. Januar und vom 9. Februar 2010, act. G 8.82). Dr. B._ bescheinigte dem
Versicherten im Bericht vom 1. April 2010 für leidensangepasste Tätigkeiten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit (act. G 8.67). Im Bericht vom 19. Mai 2010 diagnostizierte
Dr. med. C._, Spezialarzt FMH für Ohren-Nasen-Halskrankheiten, eine
posttraumatische Mittelohrschwerhörigkeit links. Das Trommelfell sei beidseits reizlos
und intakt (act. G 8.75).
A.c Dr. med. D._, Facharzt FMH für Ohren-, Nasen- und Halskrankheiten, Abteilung
Arbeitsmedizin der Suva, berichtete am 29. Juli 2010, dass der Hörverlust links,
begleitet von Tinnitus und Drehschwindel, keinen Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung begründe (act. G 8.85). Im Schreiben vom 16. August 2010
teilte die Unfallversicherung mit, sie übernehme die Kosten für eine
Hörgeräteversorgung (act. G 8.86).
A.d Dr. med. E._, u.a. Facharzt für Neurologie FMH, Abteilung Versicherungsmedizin
der Suva, kam im Aktenbericht vom 9. September 2010 zum Schluss, mit
wahrscheinlich unfallbedingten strukturellen Schädigungen des zentralen und
peripheren Nervensystems könne keine Einschränkung der zeitlichen oder
leistungsmässigen Arbeitsfähigkeit des Versicherten und kein Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung begründet werden (act. G 8.88).
A.e Mit Schreiben vom 15. Oktober 2010 teilte der Unfallversicherer dem Versicherten
mit, dass der Fall mangels Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom
10. Januar 2009 und den ab Februar 2010 geklagten Symptomen und Beschwerden
per 31. Januar 2010 abgeschlossen und die Versicherungsleistungen (Taggeld und
Heilkosten) eingestellt würden. Davon ausgenommen sei der linksseitige Hörschaden
(act. G 8.90). Hierzu nahm der Versicherte am 7. Februar 2011 Stellung, wobei er um
die Einholung eines unabhängigen Gutachtens ersuchte (act. G 8.98). Gemäss
Arbeitsvertrag vom 4. März 2011 nahm der Versicherte am 1. Januar 2011 eine
Vollzeittätigkeit im Bereich Bauführung auf (act. G 8.101).
A.f Am 28. Februar 2011 verfügte der Unfallversicherer die Einstellung der
Versicherungsleistungen per 31. Januar 2010. Ein Anspruch auf eine Invalidenrente
bestehe nicht (act. G 8.102).
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A.g Die dagegen gerichtete - nicht in den Akten liegende - Einsprache vom 30. März
2011 wies der Unfallversicherer mit Entscheid vom 7. Oktober 2011 ab (act. G 8.106).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 7. Oktober 2011 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 9. November 2011. Der Beschwerdeführer beantragt darin dessen
Aufhebung und die Erbringung von Versicherungsleistungen über den 31. Januar 2010
hinaus, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er bringt im Wesentlichen vor, dass
der Aktenbericht von Dr. E._ nicht beweiskräftig und die darin vorgenommene
Verneinung einer natürlichen Unfallkausalität unzutreffend sei (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 2. März 2012
die Abweisung der Beschwerde. Sie hält den Aktenbericht von Dr. E._ für
beweiskräftig. Gestützt darauf sei die natürliche Kausalität zu Recht verneint worden.
Im Übrigen sei auch die adäquate Kausalität zu verneinen, da das Unfallereignis vom
10. Januar 2009 aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung nicht geeignet gewesen
sei, die vom Beschwerdeführer ab Februar 2010 geltend gemachten Beschwerden zu
verursachen (act. G 8).
B.c In der Replik vom 16. Juli 2012 hält der Beschwerdeführer unverändert an den
gestellten Anträgen fest (act. G 18).
B.d Die Beschwerdegegnerin hält ihrerseits in der Duplik vom 20. September 2012 an
der beantragten Beschwerdeabweisung fest (act. G 22).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf UVG-Leistungen
umstritten.
1.1 Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) werden Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
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Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinn des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität
der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele. Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die
Verwaltung oder im Beschwerdefall das Gericht nach dem im Sozialversicherungsrecht
üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die
blosse Möglichkeit eines Kausalzusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 und 119 V 337 f. E. 1). Die Leistungspflicht
des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und
dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der
Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten,
wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen
herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das Ereignis allgemein als
begünstigt erscheint (BGE 129 V 181 und 119 V 337 f. E. 1).
1.2 Ebenso wie der leistungsbegründende natürliche Kausalzusammenhang muss das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen sein. Da es sich um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt
die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher
Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen). Dabei muss nicht
etwa der Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht werden. Welche Ursachen ein
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nach wie vor geklagtes Leiden hat, ob es Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen
oder degenerative Veränderungen sind, ist unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der
Unfallversicherer bei einmal bejahter Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde
Ursachen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag.
Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre
kausale Bedeutung verloren haben, also dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206
S. 329 E. 3b).
1.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden Arztberichten den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist
grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten
(BGE 125 V 351 E. 3a mit Hinweisen).
2.
Zwischen den Parteien ist vorab die Frage nach dem Vorhandensein der natürlichen
Kausalität zwischen den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und dem
Unfallereignis vom 10. Januar 2009 umstritten. Die Beschwerdegegnerin verneinte
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diese Frage gestützt auf den Aktenbericht von Dr. E._ vom 9. September 2010 (act.
G 8.106). Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, der
Sachverhalt sei diesbezüglich medizinisch noch nicht rechtsgenüglich abgeklärt und
der Bericht von Dr. E._ sei nicht beweiskräftig (act. G 1).
2.1 Bei der Würdigung des Aktenberichts von Dr. E._ ist zu beachten, dass es sich
hierbei um eine versicherungsinterne ärztliche Stellungnahme handelt. Soll ein Ver
sicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, sind an
die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 470 E. 4.4
mit Hinweis; bestätigt etwa in Urteil des Bundesgerichts vom 23. November 2012,
8C_592/2012, E. 5.3).
2.2 Gegen die Beweiskraft des Berichts von Dr. E._ bringt der Beschwerdeführer
zunächst vor, dass er nicht auf eigenen Untersuchungen beruhe (act. G 1, S. 4).
2.2.1 Eine reine Aktenbeurteilung bzw. ein reines Aktengutachten sind nicht an sich
beweisuntauglich. Die direkte ärztliche Auseinandersetzung mit der zu begutachtenden
Person rückt dann in den Hintergrund, wenn es im Wesentlichen nur um die
Beurteilung eines feststehenden medizinischen Sachverhalts geht und sich neue
Untersuchungen erübrigen; in einem solchen Fall kann auch ein reines Aktengutachten
voll beweiswertig sein (Urteil des Bundesgerichts vom 27. Juni 2012, 8C_681/2011,
E. 4.1 mit Hinweisen).
2.2.2 Dr. E._ begründete seine Auffassung, dass es sich bei den Kopfschmerzen des
Beschwerdeführers nicht um einen chronischen auf den Unfall zurückzuführenden
Gesundheitsschaden handle u.a. damit, dass im Lauf des Jahres 2009 kein die
Arbeitsfähigkeit einschränkendes Kopfschmerzsyndrom geklagt wurde (act. G 8.88,
S. 5). Vorab ist zu bemerken, dass in den Akten kein medizinischer Bericht vorliegt, der
aussagekräftige Feststellungen zu den Schmerzempfindungen des Beschwerdeführers
enthalten würde. Es wäre allein schon deshalb angezeigt gewesen, bezüglich des
Kopfschmerzverlaufs den Beschwerdeführer persönlich zu befragen. Aus den Akten
ergibt sich im Übrigen, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfall durchaus
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regelmässig an starken, leistungsbeeinträchtigenden Kopfschmerzen litt (E-Mail vom
25. Februar 2010, act. G 8.58, worin der Beschwerdeführer auch auf alltäglichen
Schwindel hinweist; Rapporte vom 10. November 2009, act. G 8.43, und vom 20. April
2009, act. G 8.25; zum Hinweis des Beschwerdeführers, wonach die Beschwerden
immer noch dieselben seien und er deswegen seiner Haupterwerbstätigkeit nicht mehr
habe nachgehen können vgl. E-Mails vom 17. Oktober 2009, act. G 8.40, vom 31. Juli
2009, act. G 8.38, und vom 12. Juni 2009, act. G 8.35), was zusätzlich gegen die
Beurteilung von Dr. E._ spricht.
2.2.3 Ebenfalls keine Stütze in den Akten findet die Annahme von Dr. E._, der
Beschwerdeführer habe im Februar 2010 über "spontan aufgetretene, neuartige
Symptome" im Bereich des linken Arms und der linken Hand (act. G 8.88, S. 7)
berichtet, was der Beschwerdeführer zu Recht beanstandet. Das Gesagte gilt im
Übrigen auch für die Aussage von Dr. E._, die ursprünglichen Unfallfolgen seien
zunächst weitgehend abgeklungen und dann später erneut beklagt worden (act.
G 8.88, S. 7). Vielmehr ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer an der
linken Hand unter anhaltenden Beschwerden litt (Bericht der Klinik für Neurologie des
KSSG vom 14. Dezember 2009, worin von einer sich seit dem Unfallereignis
zunehmenden Beschwerdeintensität die Rede war).
2.2.4 Damit kann Dr. E._ der Vorwurf nicht erspart bleiben, seiner
Kausalitätsbeurteilung eine teilweise nicht mit den Akten zu vereinbarende
anamnestische Ausgangslage zu Grunde gelegt zu haben. Dies weckt erhebliche
Zweifel an seiner Beurteilung und zeigt für den vorliegenden Fall gerade die Wichtigkeit
der persönlichen Befragung und Kenntnis des Exploranden für eine sorgfältige
Anamneseerhebung. Hinzu kommt, dass Dr. E._ die medizinische Voraktenlage
teilweise hinterfragte und er darin
gemachte Feststellungen korrigierte bzw. davon abwich (vgl. etwa betreffend
chronisch-neurogene Veränderungen, act. G 8.88, S. 6; Korrektur der Diagnose einer
Plexus brachialis-Schädigung zur Verdachtsdiagnose, act. G 8.88, S. 6 und S. 7 unten;
betreffend unfallbedingter chronisch-neurogener Veränderung bzw. axonaler Läsion
des Faszikulus medialis des Plexus brachialis links mit Beteiligung der C8- und Th1-
Fasern vgl. act. G 8.88, S. 6, und den Bericht des KSSG vom 22. Februar 2010, act.
G 8.57), weshalb nicht die Rede davon sein kann, er habe einen feststehenden
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Sachverhalt beurteilt. Dies umso weniger, als die Akten teilweise gegensätzliche
Auffassungen enthalten (vgl. bezüglich der Frage nach der Unfallkausalität der
Hypertonie S. 5 des Berichts von Dr. E._, act. G 8.88).
2.3 Schliesslich bildeten die vom Beschwerdeführer geklagten Handschwellungen
bislang noch nicht Gegenstand einer auf einer persönlichen Untersuchung beruhenden
fachärztlichen neurologischen Einschätzung. Die Verneinung einer neurologischen
Unfallfolge durch Dr. E._ (act. G 8.88, S. 7) fehlt die Beweiskraft, da sie ohne
Begründung sowie ohne eigene Untersuchung erfolgte und hierzu auch keine
verlässliche Voraktenlage besteht.
2.4 In den Akten fehlt bislang auch eine eingehende Beurteilung des von der
Beschwerdegegnerin als unfallbedingt anerkannten Gehörschadens (act. G 8.86 und
G 8.106, S. 8, Rz 2.10; zur kurzen versicherungsinternen Stellungnahme von Dr. D._
betreffend apparative Hörgeräteversorgung und Integritätsschaden vom 29. Juli 2010
vgl. act. G 8.85). Es wurde bislang nicht abgeklärt, ob und in welchem Zusammenhang
der Gehörschaden zu einer - insbesondere qualitativen - Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit führt.
2.5 Nach dem Gesagten lässt die medizinische Aktenlage nicht darauf schliessen, dass
das Unfallereignis vom 10. Januar 2009 mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit per Ende Januar 2010 jede - auch nur teilweise -
kausale Bedeutung hinsichtlich der darüber hinaus vom Beschwerdeführer geklagten
Leiden verloren hat. Der von der Beschwerdegegnerin vertretenen Auffassung, wonach
von weiteren Abklärungen keine neuen entscheidwesentlichen Erkenntnisse zu
erwarten wären (act. G 8.106, Rz 2.8, S. 7), kann unter den gegebenen Umständen
nicht gefolgt werden. Die Sache ist daher zur - auf einer persönlichen Untersuchung
des Beschwerdeführers beruhenden - gutachterlichen Beurteilung der Unfallkausalität
der ab 1. Februar 2010 geklagten Beschwerden an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Es kann vor diesem Hintergrund offen gelassen werden, ob die vom
Beschwerdeführer zusätzlich gegen die Einschätzung von Dr. E._ erhobenen Rügen
(etwa bezüglich Unfallhergang) zutreffen.
3.
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Da die medizinische Aktenlage unvollständig ist, kann insbesondere das Bestehen
somatischer Unfallfolgen nicht ausgeschlossen werden. Die Adäquanz als rechtliche
Eingrenzung der sich aus dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung
des Unfallversicherers bei organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen spielt
praktisch keine Rolle, weil sich hier adäquate und natürliche Kausalität weitgehend
decken (BGE 134 V 112 E. 2). Deshalb kann - entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 8, S. 8 unten) - ohne eine umfassend medizinisch
abgeklärte Situation die Verneinung eines Leistungsanspruchs nicht allein und
unabhängig des Vorliegens der natürlichen Kausalität mit dem Fehlen der Adäquanz
begründet werden.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 9. November 2011
unter Aufhebung des angefochtenen Einspracheentscheids vom 7. Oktober 2011
teilweise gutzuheissen und die Streitsache zu ergänzender Abklärung im Sinn der
Erwägungen und anschliessend neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
4.3 Die obsiegende Beschwerde führende Partei hat gemäss Art. 61 lit. g ATSG
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Als volles Obsiegen gilt auch die Rückweisung
der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen (BGE 127 V 234 E. 2b/
bb). Unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierigkeit
des Prozesses rechtfertigt es sich, die Parteientschädigung auf pauschal Fr. 4'000.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird dahingehend gutgeheissen, dass der Einspracheentscheid
vom 7. Oktober 2011 aufgehoben und die Streitsache zu ergänzenden medizinischen
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Abklärungen im Sinn der Erwägungen und anschliessend neuer Verfügung an die
Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.
3. Die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer eine Parteientschädigung von
Fr. 4'000.-- zu bezahlen.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 23.01.2013 Art. 6 UVG. Versicherungsinterner Aktenbericht für die Beantwortung der Frage nach der natürlichen Unfallkausalität nicht beweiskräftig. Rückweisung zur auf einer persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers beruhenden gutachterlichen Beurteilung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Januar 2013, UV 2011/91).
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