Decision ID: 87e9df34-c76f-4ccc-95f6-444eec6773c1
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Progrès Versicherungen AG, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdeführerin 1,
und
B._,
Beschwerdeführerin 2,
vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach, 9001 St. Gallen
gegen
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St.Galler Gerichte
SWICA Versicherungen AG, Römerstrasse 37, Postfach, 8401 Winterthur,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1980 geborene B._ war bei der A._ als Geschäftsführerin tätig und
dadurch bei der SWICA Versicherungen AG obligatorisch gegen die Folgen von
Unfällen versichert, als sie am 1. August 2003 bei einem Auffahrunfall ein
Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS) erlitt (UV-act. 1 und 5). Die SWICA
anerkannte ihre Leistungspflicht für das Unfallereignis und erbrachte in der Folge die
gesetzlichen Leistungen (UV-act. 6 und 26).
A.b Mit Verfügung vom 25. August 2005 eröffnete die SWICA der Versicherten, dass
ab 30. Juni 2005 kein Anspruch mehr auf weitere Versicherungsleistungen bestehe, da
der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und den geltend
gemachten Beschwerden nicht mehr gegeben sei (UV-act. 128). Eine gegen die
Verfügung erhobene Einsprache wurde mit Einspracheentscheid vom 13. März 2006
abgewiesen (UV-act. 160). Das Versicherungsgericht des Kantons Zürich hob diesen
Entscheid mit Urteil UV.2006.00214 vom 27. September 2007 in teilweiser Gutheissung
der Beschwerde auf und wies die Sache zur Vornahme weiterer medizinischer
Abklärungen an die SWICA zurück, damit diese anschliessend neu verfüge (UV-act.
166). Der Sachverhalt sowie die medizinische Aktenlage wurden im erwähnten Urteil
bis zum Einspracheentscheid vom 13. März 2006 ausführlich dargelegt, diesbezüglich
kann auf jenes Urteil verwiesen werden. Auf eine Beschwerde der SWICA gegen das
Urteil vom 27. September 2007 ist das Bundesgericht nicht eingetreten (UV-act. 176).
A.c Die SWICA veranlasste entsprechend dem Urteil des Sozialversicherungsgerichts
des Kantons Zürich vom 27. September 2007 am 16. Mai 2008 eine bidisziplinäre
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(psychiatrisch-rheumatologisch) Begutachtung in der Klinik Valens (UV-act. 178). Das
entsprechende Gutachten datiert vom 6. Mai 2009 (UV-act. 192). Mit Schreiben vom
18. Mai 2009 stellte die SWICA Rückfragen bezüglich des Gutachtens vom 6. Mai
2009, welche die Gutachter am 5. Juni 2009 beantworteten (UV-act. 194 und 195).
A.d Mit Verfügung vom 25. September 2009 teilte die SWICA mit, dass die Versicherte
ab 1. Juli 2005 keinen Anspruch mehr auf Heilbehandlung und Kostenvergütungen aus
der Unfallversicherung habe. Die Adäquanz gemäss Bundesgerichtsentscheid 117 V
359 sei spätestens ab 1. Juli 2005 nicht mehr gegeben (UV-act. 206). Gegen diese
Verfügung erhoben sowohl die Versicherte, als auch deren Krankenversicherung, die
Progrès Versicherungen AG, Einsprache (UV-act. 207, 209 und 212). Mit
Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2009 wurden die Einsprachen teilweise
gutgeheissen und der Zeitpunkt der Leistungseinstellung auf den 31. Juli 2005
verschoben. Im Übrigen wurden die Einsprachen abgewiesen (UV-act. 213).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richten sich die von der Progrès am 19.
Januar 2010 und von Rechtsanwalt Werner Bodenmann, St. Gallen, im Namen der
Versicherten am 21. Januar 2010 erhobenen Beschwerden (act. UV 2010/7 G1 und UV
2010/8 G1).
Die Progrès (Beschwerdeführerin 1) beantragt unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 9. Dezember 2009 und der Verfügung vom 25. September
2009, dass die Beschwerdegegnerin die gesetzlichen UVG-Leistungen zu erbringen
habe. Gestützt auf das Gutachten der Klinik Valens vom 5. Juni 2009 sei eine namhafte
Besserung durch die entsprechende Therapie zu erwarten, weshalb der Endzustand
am 31. Juli 2005 noch nicht erreicht gewesen wäre und die Adäquanz zu diesem
Zeitpunkt nicht hätte geprüft werden dürfen. Sollte der Endzustand bereits erreicht
gewesen sein, wäre in jedem Fall die Adäquanz zu bejahen.
Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 2 beantragt ebenfalls Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 9. Dezember 2009 und der Verfügung vom 25. September
2009 und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, die zustehenden Leistungen
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auch ab dem 1. Juli 2005 weiterhin zu erbringen; unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen. Der Endzustand sei im Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch
nicht erreicht gewesen. Dem Gutachten der Klinik Valens sei zu entnehmen, dass durch
ein intensives Trainingsprogramm eine wesentlich höhere Leistungsfähigkeit hätte
erreicht werden können. Der Unfall vom 1. August 2003 sei eine überwiegend
wahrscheinliche Ursache der immer noch anhaltenden Gesundheitsstörung. Ebenso sei
aufgrund der Aktenlage ersichtlich, dass bei der Adäquanzprüfung verschiedene
Kriterien in besonders ausgeprägter Weise bzw. die Kriterien gehäuft erfüllt seien.
B.b In der Beschwerdeantwort vom 10. Februar 2010 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerden. Die aktuell attestierte
Arbeitsunfähigkeit von 25% bestehe aus unfallfremden Gründen. Die vorgeschlagenen
Trainingstherapien würden der Kräftigung der Haltungsmuskulatur und Mobilisation der
HWS und BWS dienen. Die Fehlhaltung und Fehlstatik der Wirbelsäule seien
vorbestehend. Eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit sei somit seit Ende Juli 2005 nicht
mehr ausgewiesen (act. UV 2010/7 G5 und UV 2010/8 G3).
B.c In den Repliken vom 8. und 11. März 2010 hielten die Beschwerdeführerinnen
vollumfänglich an den gestellten Anträgen fest (act. UV 2010/7 G7 und UV 2010/8 G5).
Die Beschwerdegegnerin hat auf die Einreichung einer Duplik verzichtet (act. UV
2010/7 G9 und UV 2010/8 G7).

Erwägungen:
1.
Beide Beschwerden richten sich gegen denselben Einspracheentscheid der
Beschwerdegegnerin. Beiden Verfahren liegt derselbe Sachverhalt zu Grunde, es
stellen sich dieselben Rechtsfragen und die Vorbringen der beiden
Beschwerdeführerinnen sind in beiden Fällen im Wesentlichen gleich. Es rechtfertigt
sich daher, die Verfahren zu vereinigen und in einem Urteil zu erledigen (vgl. BGE 128 V
124 E. 1 S. 126 und 128 V 192 E. 1, je mit Hinweisen).
2.
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2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht
per 31. Juli 2005 eingestellt hat.
2.2 Im Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 27. September
2007 wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin 2 beim Unfall vom 1. August
2003 ein Distorsionstrauma der HWS erlitten habe und in der Folge Beschwerden
aufgetreten seien, welche zum typischen Beschwerdebild einer Distorsionsverletzung
der HWS gehörten. Sodann wurde ausgeführt, dass die Beschwerdeführerin 2 im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit an solchen
zum typischen Beschwerdebild gehörenden Beschwerden (Kopf- und
Nackenschmerzen, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Depressivität) gelitten habe
und zumindest eine Teilkausalität dieser Beschwerden unter Würdigung der
medizinischen Akten nicht in Zweifel zu ziehen sei. Auf diese - grundsätzlich
unbestritten gebliebenen - Feststellungen ist abzustellen (UV-act. 166).
2.3 Im erwähnten Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich wurden
die rechtlichen Grundlagen für die Leistungspflicht des Unfallversicherers (natürlicher
und adäquater Kausalzusammenhang) zutreffend dargelegt (UV-act. 166, Urteil UV.
2006.00214, E. 2), auch darauf kann verwiesen werden.
3.
3.1 Das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich verlangte in seinem
Rückweisungsentscheid u.a. weitere medizinische Abklärungen zur Beantwortung der
Frage, ob bei der Beschwerdeführerin 2 im Zeitpunkt der Leistungseinstellung noch
objektiv nachweisbare organische Befunde vorgelegen haben. Im Bereich klar
ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von nachweisbaren strukturellen
Veränderungen (organisches Substrat konnte mit Bild gebenden
Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG] nachgewiesen
werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers praktisch keine
Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu bejahen (BGE
127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb mit
Hinweisen).
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3.2 Dem rheumatologischen Teilgutachten der Klinik Valens vom 23. März 2009 ist
diesbezüglich zu entnehmen, dass die subjektiv beklagten Beschwerden dahingehend
objektiviert werden könnten, dass sich seit dem Unfall vom 1. August 2003 eine Funk
tionsstörung der HWS mit myostatischen Belastungsreaktionen mit der Präsentation
von anhaltenden Nackenverspannungen und ausstrahlenden Schmerzen, die typisch
für diesen Befund seien, zeigen würde. Auch die segmentalen Funktionsstörungen im
Bereich der oberen BWS mit den daraus folgenden Atembeschwerden, teilweise auch
Übelkeit könnten in der aktuellen Untersuchung objektiviert werden. Die radiologischen
Untersuchungen hätten bereits im November 2003 wie aber auch in den aktuellen
Untersuchungen bildgebend auf die Funktionsstörungen in der HWS hingewiesen.
Diese Störungen stellen allerdings keine strukturell-organische Veränderungen an der
HWS im Sinn der Rechtsprechung dar. So sind beispielsweise ein Thoracic outlet
Syndrom (TOS), myofasziale und tendinotische bzw. myotendinotische Befunde für
sich allein nicht als organisch-strukturell hinreichend nachweisbare Unfallfolgen zu
betrachten. Auch Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur, Druckdolenzen im
Nacken sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können für sich allein nicht als
klar ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden qualifiziert werden.
Gleiches gilt für Nackenverspannungen bei Streckhaltung der HWS mit Retrohaltung
(Urteil des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008 i/S H.B.-G. [8C_124/2008] mit vielen
Hinweisen, sowie vom 7. Februar 2008 i/S D. [U13/07] Erw. 3.2 und 3.3).
I
m Weiteren ist dem Gutachten zu entnehmen, dass keine typischen Verletzungsfolgen
im Sinn von zentralnervösen oder spinalen Veränderungen, Läsionen von
Facettengelenken oder ligamentären Läsionen im Bereich der HWS festgestellt worden
seien. Somit ist davon auszugehen, dass der Unfall keine ossären Läsionen oder
strukturell-organischen Veränderungen an der HWS zur Folge hatte, was im Übrigen
von den Beschwerdeführerinnen auch nicht geltend gemacht wurde.
4.
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4.1 Streitig ist hingegen, ob die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss per 31. Juli
2005 vornehmen durfte. Für die Klärung der Frage des Fallabschlusses hat das
Bundesgericht Art. 19 Abs. 1 UVG für sinngemäss anwendbar erklärt. Demnach hat der
Fallabschluss in demjenigen Zeitpunkt zu geschehen, in dem von der Fortsetzung der
ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der
versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (BGE 134 V
113 f. E. 4.1).
4.2 Das rheumatologische Teilgutachten der Klinik Valens führt diesbezüglich aus,
dass sich im Anschluss an den Rehabilitationsaufenthalt in der Klinik Valens im
Sommer 2005 keine wesentlichen weiteren therapeutischen Massnahmen über längere
Zeit etabliert hätten. Aufgrund dessen müsse angenommen werden, dass sich ab Juli
2005 ein vorläufig gleich bleibender Verlauf ohne weitere namhafte Verbesserung
aufgrund der Behandlung eingestellt hätte. Somit kann davon ausgegangen werden,
dass im Juli 2005 der Endzustand erreicht war und von weiteren medizinischen
Massnahmen keine namhafte Verbesserung mehr erwartet werden durfte. Insoweit das
rheumatologische Teilgutachten der Klinik Valens eine namhafte Besserung durch eine
kräftigungs- und ausdauerfördernde Therapie für die Haltungsmuskulatur der
Wirbelsäule, gleichzeitig einhergehend mit einer Haltungsverbesserung und
Mobilisation der HWS aber auch der BWS vorsieht, gilt es zu bemerken, dass diese
Massnahmen ausschliesslich auf konditionelle Mängel der Beschwerdeführerin 2
zurückzuführen sind. Diese konditionellen Defizite sind gemäss dem
rheumatologischen Teilgutachten auch für eine Leistungsminderung in einer
adaptierten Tätigkeit im Umfang von zwei Stunden (25% einer ganztägigen Tätigkeit)
verantwortlich (UV-act. 195, Rheumatologisches Teilgutachten S. 46). Da die
leistungsmindernden konditionellen Defizite eine unfallfremde Problematik darstellen,
können die im Gutachten erwähnten Massnahmen zur Verbesserung des
Gesundheitszustands vorliegend nicht berücksichtigt werden. Der Fallabschluss per
Ende Juli 2005 ist somit auch bezüglich der im Gutachten weiterhin empfohlenen
Therapiemassnahmen nicht zu beanstanden.
5.
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5.1 Nachdem wie bereits erwähnt, im Urteil des Sozialversicherungsgerichts des
Kantons Zürich vom 27. September 2007 festgehalten wurde, dass die
Beschwerdeführerin 2 beim Unfallereignis vom 1. August 2003 eine HWS-Distorsion
erlitten hatte und im Nachgang dazu sich ein typisches Beschwerdebild ausbildete,
welches zumindest teilweise bis im Zeitpunkt der Leistungseinstellung persistierte
sowie dass diese Beschwerden zumindest eine Teilkausalität zum Unfallereignis
darstellen, ist der kumulativ erforderliche adäquate Kausalzusammenhang zu prüfen.
Diesbezüglich erwähnte das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, dass
gestützt auf die momentane Aktenlage die Adäquanzprüfung nach der
Schleudertrauma-Praxis durchzuführen sei. Diese Auffassung bestätigt sich im
bidisziplinären Gutachten der Klinik Valens vom 6. Mai 2009, wonach die somatischen
Gesundheitsstörungen gegenüber den psychischen deutlich im Vordergrund stehen.
Die Adäquanzprüfung hat daher nach der Schleudertraumapraxis gemäss BGE 117 V
359 und BGE 134 V 109 zu erfolgen.
5.2 Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist im Einzelfall zu
verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit
eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine
gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Für die
Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend
vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen
einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden
mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in
der Regel bei schweren Unfällen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unfällen
verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem
mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es
sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, die unmittelbar mit dem Unfall in
Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in
eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dabei müssen die weiteren unfallbezogenen
Kriterien entweder in gehäufter oder auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann
(vgl. BGE 134 V 109 E. 10.1; BGE 117 V 359 E. 6, mit Hinweisen). Als in die
Adäquanzbeurteilung einzubeziehende Kriterien nennt die Rechtsprechung (BGE 134 V
109 E. 10.3) abschliessend: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
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Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzungen; fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche
Beschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen und
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
5.3 Rechtsprechungsgemäss werden einfache Auffahrkollisionen auf ein haltendes
Fahrzeug regelmässig als ein mittelschweres Ereignis im Grenzbereich zu den leichten
Unfällen qualifiziert (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06 E. 5.2; RKUV 2005 Nr. U 549
S. 236, U 380/04 E. 5.1.2 mit Hinweisen; Urteil 8C_714/2009 vom 14. April 2010 E. 6.2).
Vorliegend sind aufgrund des Unfallhergangs keine Gründe ersichtlich, um vom
Regelfall abzuweichen. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist daher zu
bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien in
gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind.
5.4
5.4.1 Die Beschwerdeführerinnen machen zu Recht nicht geltend, die Kriterien
der besonders dramatischen Begleitumstände oder der besonderen Eindrücklichkeit
des Unfalls und der ärztlichen Fehlbehandlung seien erfüllt.
5.4.2 Der Unfall hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen
besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer
schleudertrauma-ähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere
Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hierzu einer
besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder
besonderer Umstände, die das Beschwerdebild beeinflussen können (BGE 134 V 109
E. 10.2.2). Solche besondere Umstände sind den vorliegenden Akten nicht zu
entnehmen. Im Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 27.
September 2007 wurde nachvollziehbar dargelegt, dass die von Dr. med. C._, FMH
für Chirurgie, diagnostizierte Commotio cerebri nicht hinreichend ausgewiesen sei,
wobei selbst eine solche Verletzung für sich allein das Kriterium der besonderen
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Schwere bzw. der besonderen Art der erlittenen Verletzung nicht zu begründen
vermöge (UV-act. 5 und 166).
5.4.3 Für das Vorliegen des Kriteriums der ärztlichen Behandlung ist
entscheidwesentlich, dass nach dem Unfall bis zum Fallabschluss eine fortgesetzt
spezifische, die versicherte Person belastende Behandlung notwendig war. Entgegen
der Auffassung der Beschwerdeführerin 2 vermag ein stationärer
Rehabilitationsaufenthalt das Kriterium noch nicht zu erfüllen. Auch medizinische
Untersuchungen und ärztliche Kontrollen sind im Rahmen des Kriteriums der
fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung nicht zu berücksichtigen.
Die ärztlichen Massnahmen beschränkten sich auf medikamentöse
Schmerzbehandlung, Kraniosakraltherapie, Farb- und Lichttherapie, Atlaslogie und eine
physiotherapeutische Behandlung. Belastende ärztliche Behandlungen sind den
medizinischen Akten somit nicht zu entnehmen, weshalb das Kriterium nicht erfüllt ist.
5.4.4 Beim Kriterium der erheblichen Beschwerden beurteilt sich die
Erheblichkeit nach den glaubhaften Beschwerden und der Beeinträchtigung, welche
die verunfallte Person in ihrem Lebensalltag erfährt (BGE 134 V 109 E. 10.2.4). Die
Beschwerdeführerin 2 beklagt sich über unterschiedlich ausgeprägte, nahezu tägliche
Nackenschmerzen mit gelegentlicher Ausstrahlung in die rechte Schulter und den
Hinterkopf. Der 5. Brustwirbel sei wie blockiert, wodurch es zu ziehenden Schmerzen
entlang der Rippen und zu damit verbundenen Atembeschwerden komme. Bei
dauerhaften Belastungen der oberen Extremitäten komme es zu einer
Schmerzverstärkung in beiden Schultern (UV-act. 192). Die von der
Beschwerdeführerin 2 geklagten Beschwerden werden nicht angezweifelt. Allerdings
kann aus diesen Beschwerden - insbesondere bei Ausschluss der unfallfremden
Einschränkungen - nicht von einer erheblichen Einschränkung im Lebensalltag im Sinn
des zu erfüllenden Kriteriums ausgegangen werden. Aufgrund der rein unfallbedingten
Beschwerden ist das Kriterium deshalb zu verneinen.
5.4.5 Von einem schwierigen Heilungsverlauf und erheblichen Komplikationen ist
vorliegend nicht auszugehen. Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und
der geklagten Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf
geschlossen werden. Hierzu bedarf es besonderer Gründe, welche die Heilung
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beeinträchtigt haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 7. Februar 2008, U 590/06,
E. 4.3.2 und vom 10. Juli 2008, 8C_61/2008, E. 7.6). Solche Gründe sind vorliegend
eindeutig nicht ersichtlich.
5.4.6 Das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener
Anstrengungen setzt voraus, dass die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen
unternimmt, die Arbeitsunfähigkeit zu überwinden. Nur wer in der Zeit bis zum
Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und
solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V
109 E. 10.2.7 mit Hinweisen). Die erste Arbeitsunfähigkeit resultierte erst mehr als vier
Monate nach dem Unfallereignis vom 1. August 2003 (UV-act. 8). Ab 13. April 2004
wurde der Beschwerdeführerin 2 bereits wieder eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert
(UV-act. 14). In der Folge variierte die Arbeitsunfähigkeit zwischen 0 und 100%. Eine
Beurteilung der rein unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit ist aufgrund der medizinischen
Aktenlage nicht durchgehend möglich. Allerdings kann aufgrund der Akten
offensichtlich nicht von einer durchgehend erheblichen Arbeitsunfähigkeit
ausgegangen werden, damit das Kriterium als erfüllt zu betrachten wäre.
5.5 Da somit keines der massgeblichen Kriterien bejaht werden kann, ist die
Adäquanz eines allfälligen Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom 1.
August 2003 und den über den 31. Juli 2005 hinaus anhaltend geklagten Beschwerden
zu verneinen.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen sind die Beschwerden gegen den
Einspracheentscheid vom 9. Dezember 2009 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP