Decision ID: 55612c20-8554-4f84-9ad5-2cb8eee0053a
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend Versicherter) meldete sich am 17. Juni 2013 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an. In der Anmeldung gab er als gesundheitliche
Beeinträchtigungen Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, keine Lust zu
leben, Aggressivität, sexuelle Lustlosigkeit, Übelkeit, Kraftlosigkeit sowie schnelle
Überforderung, bestehend seit 2010, an (IV-act. 1).
A.b Am 1. Mai 2007 war durch Dr. med. B._, Allgemeine Innere Medizin FMH, eine
Abdomensonographie durchgeführt worden. In seinem Bericht hatte Dr. B._
festgehalten, dass er keine Ursachen für die beklagte Symptomatik habe feststellen
können (IV-act. 27 – 13/16). Bei einer Untersuchung der Lenden-, Brust und
Halswirbelsäule am 26. Oktober 2011 hatte Dr. med. C._, Leitender Arzt Radiologie,
Spital D._, im Bereich der gesamten Wirbelsäule keine Frakturen oder Sinterungen,
hingegen regelrechte Zwischenwirbelräume ohne spondylochondrotische
Veränderungen sowie keine Anthaltspunkte für einen Morbus Scheuermann festgestellt
(IV-act. 27 – 5/18). Am 5. April 2012 war im Spital E._ eine Magnetresonanz-
Untersuchung der Lendenwirbelsäule nativ durchgeführt worden. In seiner Beurteilung
vom 10. April 2012 hatte Dr. med. F._, Facharzt für Radiologie FMH, Spital E._,
eine leichte Chondrose mit Discusbulging auf Höhe von LWK4/5 und LWK5/SWK1
sowie leichte Veränderungen der Facettengelenke insbesondere auf Höhe LWK5/
SWK1 festgehalten. Weiter hatte Dr. F._ ausgeführt, dass keine Anhaltspunkte für
eine Neurokompression sowie magnetresonanztomographisch keine eindeutigen
Anhaltspunkte für eine Instabilität erkennbar seien (IV-act. 27/1).
A.c Seit dem 27. August 2012 hatte sich der Versicherte in ambulanter psychiatrischer
Behandlung bei Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie, befunden (IV-act. 18).
In einem telefonischen Gespräch mit Dr. med. H._ vom IV-internen regionalen
ärztlichen Dienst (RAD) am 29. Juli 2013 gab Dr. G._ als Diagnosen mit
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beeinträchtigendem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine (komplexe) posttraumatische
Belastungsstörung ICD-10 F32.1, eine aktuell mittelgradige depressive Episode ICD-10
F32.1 sowie einen Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
narzisstischen und dissozialen Zügen an. Sie ging von einer 100%-igen
Arbeitsunfähigkeit bis voraussichtlich 31. August 2013 aus (IV-act. 18).
A.d Am 17. September 2013 fand im Spital E._ eine Röntgenuntersuchung des
Beckens statt. Im Untersuchungsbericht hielt Dr. med. I._, Facharzt für Radiologie,
einen Beckenschiefstand bei links etwa 15mm höherer Femurkopftangente, eine
rechtsbetonte bilaterale Taillierungsstörung des Femurkopfes beidseitig sowie eine
vermehrte Überdachung des Fermurkopfes durch das Acetabulum beidseitig mit einem
Zentrum-Ecken-Winkel von rechts über 50 und links über 46°prädisponierend für ein
gemischtes femoroacetabuläres Impingement fest. Im Übrigen fand er keine auffälligen
Coxarthrosezeichen, keine Hinweise auf eine Hüftkopfnekrose und keine
Frakturhinweise (IV-act. 32). Anlässlich einer Röntgenuntersuchung beider Knie am 13.
März 2014 stellte Dr. I._ eine geringfügige Verschmälerung des medialen
Gelenkspaltes beidseitig, keine auffälligen Randosteophyten oder vermehrte
subchondrale Sklerosierung, keine Randosteophyten femoropatellar, keine
Frakturhinweise sowie keinen destruktiven Prozess fest (IV-act. 42).
A.e Dr. G._ teilte der IV-Stelle am 10. September 2014 mit, der Versicherte sei seit
ihrem Bericht vom Mai 2014 zweimal zur Behandlung ins Psychiatrie-Zentrum J._
gegangen. Danach habe er die Massnahme aber plötzlich abgebrochen (IV-act. 46). Im
Verlaufsbericht für die Zeit ab dem 29. Juli 2013 gab Dr. G._ als Diagnosen eine
vermutlich kulturell bedingte Verhaltens- und Persönlichkeitsstörung antisozial/
narzisstisch (F61.0) sowie einen Verdacht auf eine anhaltende mittelschwere bis
schwere Depression an (F32.2). Dr. G._ hielt weiter fest, dass es aufgrund der
schlechten Kooperation und Compliance erst zum damaligen Zeitpunkt zur
Behandlung in der Akut-Tagesklinik J._ gekommen sei (IV-act. 45). Am 18.
September 2014 teilte Dr. G._ der IV-Stelle mit, dass die psychische Situation
unverändert und der Leidensdruck hoch seien. Das Zustandsbild sei depressiv mit im
Vordergrund stehenden, anhaltenden Schlafstörungen und Aggressionen. Aufgrund
mangelnder Kapazität habe sie den Beschwerdeführer an das Psychiatrie-Zentrum
K._ zur Weiterbehandlung übergeben (IV-act. 47).
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A.f Vom 10. Mai 2012 bis 27. Juni 2014 sowie vom 30. September bis zum 21.
November 2014 befand sich der Versicherte in ambulanter Behandlung im Psychiatrie-
Zentrum K._ (IV-act. 54). In seinem Bericht vom 15. Dezember 2014 hielt Dr. L._,
Oberarzt Psychiatrie-Zentrum K._, fest, dass im Widerspruch zu den angegebenen
Schmerzen und der depressiven Symptomatik bei den Gesprächen keine Hinweise auf
die vom Versicherten angegebenen Symptome hätten beobachtet werden können.
Vielmehr habe sich der Versicherte aggressiv und bedrohlich verhalten. Dr. L._ hielt
weiter fest, dass eine psychotherapeutische Arbeit unter diesen Umständen nicht
möglich gewesen sei. Die Behandlung sei nach dem letzten Termin am 21. November
2014 durch den Versicherten beendet worden (IV-act. 54).
A.g Mit einem Vorbescheid vom 13. Januar 2015 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
die Abweisung des Rentenanspruches in Aussicht (IV-act. 58). Am 20. Januar 2015
ging bei der IV-Stelle eine Kopie des Berichts von Dr. I._ über eine
Röntgenuntersuchung der Lendenwirbelsäule vom 12. Dezember 2014 ein (IV-act. 59).
Mit einem Schreiben vom 21. Januar 2015 wies die IV-Stelle den Versicherten darauf
hin, dass ein allfälliger Einwand gegen den Vorbescheid eingehend begründet werden
müsse, so dass die blosse Einsendung eines Arztberichtes nicht genüge (IV-act. 60).
Mit einem Schreiben, eingehend bei der IV-Stelle am 28. Januar 2015, teilte der
Versicherte mit, dass er mit dem Entscheid nicht einverstanden sei. Er beantragte, dass
seine Arbeitsfähigkeit an einem Institut der Invalidenversicherung überprüft werde (IV-
act. 63). Mit einer Verfügung vom 5. Februar 2015 lehnte die IV-Stelle den Antrag des
Versicherten auf eine Invalidenrente ab (IV-act. 65).
B.
B.a Am 7. März 2015 (Postaufgabe) erhob der Versicherte Beschwerde gegen die
rentenablehnende Verfügung vom 5. Februar 2015. Er beantragte sinngemäss, diese
sei aufzuheben und es sei ihm eine Invalidenrente zuzusprechen. Weiter beantragte der
Beschwerdeführer sinngemäss, es sei eine Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit durch
die Vertrauensärzte der IV-Stelle einzuholen (act. G 1). Zur Begründung brachte er im
Wesentlichen vor, dass ihm aufgrund seiner langjährigen Rücken- und chronischen
Bauchschmerzen eine Invalidenrente zustehe. Zudem machten ihm sein Blutdruck,
seine Psyche sowie Schlafprobleme zu schaffen. Er sei im Alltag eingeschränkt und er
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müsse immer durch seine Frau begleitet werden. Er habe zudem ein Anrecht auf eine
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte der Beschwerdegegnerin. Auf die

weitere Begründung wird, soweit entscheidrelevant, im Rahmen der Erwägungen
eingegangen.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 21. Mai 2015 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, dass gemäss den
Angaben der Behandler des Psychiatriezentrums K._ gestützt auf die Diagnosen
„kombinierte Persönlichkeitsstörung“ sowie „Anpassungsstörung“ keine
Einschränkungen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hätten festgestellt werden
können. Einschränkungen ergäben sich nur, weil der Beschwerdeführer unmotiviert sei
und daher die geforderte Leistung nicht erbringe. Da jedoch keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit habe festgestellt werden können, sei ein
Rentenanspruch nicht begründet. Auf die weiteren Ausführungen der
Beschwerdegegnerin wird, soweit entscheidrelevant, im Rahmen der Erwägungen
eingegangen.
B.c Nachdem die Frist zur Einreichung einer Replik unbenutzt verstrichen war, erklärte
das Gericht den Schriftenwechsel mit Schreiben vom 17. Juli 2015 als beendet (act. G
6).
Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers.
2.
2.1 Eine versicherte Person hat gemäss dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung, wenn sie ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
kann, wenn sie während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach
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dem Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der
Invalidität einer erwerbstätigen versicherten Person wird das Erwerbseinkommen, das
diese nach dem Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in
Beziehung zu jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie
gesund geblieben wäre (Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG).
2.2 Bei der Beurteilung eines Rentenanspruches sind die rechtsanwendenden
Behörden auf die Einschätzung der medizinischen Lage durch Fachpersonen
angewiesen, die den Gesundheitszustand beurteilen und dazu Stellung nehmen, in
welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person
arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Aufgabe der IV-Stelle und der
Sozialversicherungsgerichte ist es, zu würdigen, ob die ärztlichen Aussagen und
Einschätzungen eine zuverlässige Beurteilung des Leistungsanspruchs erlauben. Eine
allfällige Arbeitsunfähigkeit muss dabei mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehen. Ist dies der Fall, so ist gestützt auf diese
medizinischen Feststellungen und, in der Regel, anhand eines Einkommensvergleichs
(Art. 16 ATSG) der Invaliditätsgrad zu bemessen.
2.3 Der Sozialversicherungsträger hat den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären
(Art. 43 Abs. 1 ATSG). Mit welchen Mitteln die Sachverhaltsabklärung erfolgt, liegt im
Ermessen des Versicherungsträgers. Im Rahmen der Verfahrensleitung kommt ihm ein
grosser Ermessenspielraum bezüglich Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit
von medizinischen Erhebungen zu. Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der jeweiligen
Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt
soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann.
3.
3.1 Zu beurteilen gilt es vorliegend in erster Linie, welche Schlüsse aus den
vorhandenen ärztlichen Unterlagen zu ziehen sind bzw. ob die Sache medizinisch
ausreichend abgeklärt ist.
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3.2 Der Beschwerdeführer hat in der Beschwerdeschrift sinngemäss angegeben, er
leide an Rückenschmerzen sowie an chronischen Bauchschmerzen; zudem lägen
psychische Leiden vor (act. G 1). In der IV-Anmeldung vom 17. Juni 2013 hatte er
ausgeführt, dass er vier Autounfälle gehabt habe, bei denen der Rücken betroffen
gewesen sei, und dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen darauf zurückzuführen
seien (IV-act. 1).
3.3 In Bezug auf die Bauchschmerzen hat Dr. B._ bei einer am 1. Mai 2007
durchgeführten Abdomensonographie keine Ursachen für die beklagte Symptomatik
feststellen können (IV-act. 27 – 13/16). Weitere Hinweise auf die geltend gemachten
Bauchschmerzen finden sich in den Akten nicht. Die Röntgenuntersuchung der
Wirbelsäule vom 26. Oktober 2011 (IV-act. 27 – 5/18), die Magnetresonanz-
Untersuchung der Lendenwirbelsäule am 5. April 2012 sowie die Röntgenuntersuchung
des Beckens am 17. September 2013 (IV-act. 32) haben lediglich geringfügige
Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule und des Beckens aufgezeigt, die keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirken können. Auch bei der
Röntgenuntersuchung beider Knie des Beschwerdeführers am 13. März 2014 ist
lediglich eine geringfügige Verschmälerung des medialen Gelenkspaltes beidseitig
festgestellt worden (IV-act. 42). Auch daraus kann nicht auf eine gesundheitliche
Einschränkung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit geschlossen werden. Auch der
nach Verfügungserlass bei der Beschwerdegegnerin noch eingereichte Bericht der
Röntgenuntersuchung vom 12. Dezember 2014 zeigt lediglich geringfüge
Veränderungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, aus denen keine gesundheitliche
Beeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit abgeleitet werden kann (IV-
act. 59). Die somatischen Beschwerden sind im Spital E._ mittels Röntgen und
Magnetresonanztomographie gemäss den voranstehend zitierten Berichten umfassend
untersucht worden und es haben sich dabei keine gesundheitlichen Einschränkungen
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ergeben. Von weiteren medizinischen Abklärungen
im somatischen Bereich sind keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu
erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 136 I 236
E. 5.3, 134 I 140 E. 5.3 und BGE 124 V 94 E. 4b).
4.
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4.1 Es bleibt zu prüfen, ob arbeitsfähigkeitsrelevante psychisch bedingte
Gesundheitseinschränkungen vorliegen. Hierzu sind in den Akten die Beurteilungen der
behandelnden Ärzte Dr. G._ und Dr. L._ enthalten.
4.2 Dr. G._ hat als Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine (komplexe)
posttraumatische Belastungsstörung ICD-10 F32.1, eine aktuell mittelgradige
depressive Episode ICD-10 F32.1 sowie einen Verdacht auf eine kombinierte
Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und dissozialen Zügen festgestellt. Sie ist
von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit bis voraussichtlich am 31. August 2013
ausgegangen (IV-act. 18). Am 18. September 2014 hat Dr. G._ die psychische
Situation als unverändert und den Leidensdruck als hoch beurteilt. Das Zustandsbild
sei depressiv mit im Vordergrund stehenden anhaltenden Schlafstörungen und mit
Aggressionen (IV-act. 47). Aus diesen Ausführungen von Dr. G._ wird deutlich, dass
sich gemäss ihrer Ansicht der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit ihrer
Diagnosestellung am 31. Juli 2013 (IV-act. 18) in keiner Weise verbessert hat. Vielmehr
lassen ihre Ausführungen auf eine Verschlechterung der psychischen Verfassung des
Beschwerdeführers schliessen. Gestützt auf die Berichte von Dr. G._ wäre aufgrund
der psychischen Leiden somit weiterhin von einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit
auszugehen.
4.3 Dieser Einschätzung von Dr. G._ steht jedoch die Beurteilung des behandelnden
Arztes Dr. L._, Psychiatrisches-Zentrum K._, entgegen. Dieser hat in seinem
Bericht vom 15. Dezember 2014 eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers in seiner angestammten Tätigkeit festgehalten (IV-act. 54). Auch er
hat eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und dissozialen Anteilen
(ICD-10 F6) sowie eine Anpassungsstörung diagnostiziert. Im Unterschied zu Dr. G._
hat er keine Depression diagnostiziert und er hat die psychischen Einschränkungen als
mit zumutbarer Willensanstrengung überwindbar beurteilt. Die beiden Beurteilungen
unterscheiden sich in diesen Punkten massgeblich.
5.
5.1 Zusammenfassend ist somit festzustellen, dass mit den Einschätzungen von Dr.
G._ und Dr. L._ zwei sich widersprechende Beurteilungen zu den Auswirkungen
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der psychisch bedingten Gesundheitseinschränkungen auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegen. Dr. L._ hat sich in seiner zeitlich später erfolgten Beurteilung mit diesen
Unterschieden zudem nicht auseinandergesetzt und er hat die Abweichungen auch
nicht begründet.
5.2 Der Beschwerdeführer war sowohl bei Dr. G._ wie auch bei Dr. L._ in
psychiatrischer Behandlung und beide Beurteilungen haben somit gemeinsam, dass
sie durch einen behandelnden Arzt ergangen sind. Daher ist bei der Würdigung zu
berücksichtigen, dass der Behandlungsauftrag eine andere Sichtweise als der reine
Begutachtungsauftrag erfordert sowie dass behandelnde Ärzte aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Stellung erfahrungsgemäss dazu neigen, zugunsten ihrer Patienten
auszusagen (BGE 125 V 353). Entscheidender ist jedoch, dass sowohl die Berichte von
Dr. G._, wie auch die Beurteilung durch Dr. L._ darauf schliessen lassen, dass
weder Dr. G._ noch Dr. L._ einen Zugang zum Beschwerdeführer gefunden haben.
So führte Dr. G._ gemäss ELAR-Notiz vom 10. September 2014 gegenüber der
Beschwerdegegnerin aus, dass der Beschwerdeführer sich nur selten und
unregelmässig gemeldet sowie dann meist nach Schlafmedikamenten verlangt habe
(IV-act. 46). Diese Unregelmässigkeit in Bezug auf die Wahrnehmung der
Behandlungstermine wiederspiegelt sich auch in der ELAR-Notiz vom 18. September
2014 worin Dr. G._ der Beschwerdegegnerin mitteilte, dass sie am 11. September
2014 einen Termin mit dem Beschwerdeführer gehabt, ihn davor jedoch seit dem 2.
Mai und damit über vier Monate nicht gesehen habe (IV-act. 47). Diese Ausführungen
von Dr. G._ lassen darauf schliessen, dass eine eigentliche psychiatrische
Behandlung nicht hatte erfolgen können, da sich der Beschwerdeführer einer solchen
weitgehend entzog.
5.3 Beim Studium der Beurteilung durch Dr. L._ vom 15. Dezember 2014 fällt auf,
dass sich der Beschwerdeführer im Gegensatz zu den früher erfolgten
Behandlungsversuchen zunächst kooperativ gezeigt sowie auch mehrere Termine
wahrgenommen hat (vgl. Ausführungen im Arztbericht vom 15. Dezember 2014, Ziff. 3;
IV-act. 54-7/8). Zu wie vielen Behandlungsstunden es im Rahmen der ambulanten
Behandlung gekommen ist, wird aus dem Bericht von Dr. L._ jedoch nicht ersichtlich.
Die Behandlung ist schliesslich am 21. November 2014 von Seiten des
Beschwerdeführers beendet worden. Dabei sei der Beschwerdeführer gemäss den
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Ausführungen von Dr. L._ unvermittelt bedrohlich und aggressiv geworden und habe
dann das Zimmer verlassen. In seiner Beurteilung ist Dr. L._ dann zur Einschätzung
gelangt, dass der Beschwerdeführer keine Motivation für eine Verhaltensänderung
zeige. Ebenfalls wird aus der Beurteilung durch Dr. L._ deutlich, dass er den
Beschwerdeführer nicht kooperativ erlebt und keine Motivation für eine
Verhaltensänderung erblickt hat. Gestützt auf diese Ausführungen ist davon
auszugehen, dass auch Dr. L._ im Rahmen seiner Behandlung, wie bereits zuvor das
Psychiatrie-Zentrum J._ und auch Dr. G._, keinen Zugang zum Beschwerdeführer
gefunden hat. Gerade für eine Beurteilung, die gestützt auf eine psychiatrische
Behandlung erfolgt, erscheint ein solcher jedoch unabdingbar für eine sorgfältige
Diagnosestellung und eine überzeugende Beurteilung der Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit. Daher vermag weder die Beurteilung durch Dr. G._ noch diejenige
durch Dr. L._ zu überzeugen. Zumindest kann gestützt darauf keine dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit genügende
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit angenommen werden. Damit ist eine objektive
Beurteilung durch eine neutrale Gutachterstelle unerlässlich.
5.4 Gemäss den voranstehenden Ausführungen erweist sich der medizinische
Sachverhalt im Hinblick auf die psychischen Beeinträchtigungen als nicht ausreichend
abgeklärt. Eine objektive Beurteilung durch eine neutrale Gutachterstelle ist jedoch
noch nicht erfolgt.
6.
6.1 Zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin oder das Gericht die psychiatrische
Begutachtung in Auftrag geben muss, d.h. ob die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen oder ein Gerichtsgutachten zu veranlassen ist. Gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung holt ein kantonales Versicherungsgericht in der
Regel dann ein Gerichtsgutachten ein, wenn es im Rahmen der Beweiswürdigung zum
Schluss kommt, ein bereits erhobener medizinischer Sachverhalt müsse (insgesamt
oder in wesentlichen Teilen) noch gutachtlich geklärt werden oder eine
Administrativexpertise sei in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig. Eine
Rückweisung an die IV-Stelle bleibt hingegen möglich, wenn es darum geht, zu einer
bisher vollständig ungeklärten Frage ein Gutachten einzuholen. Ebenso steht es dem
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Versicherungsgericht frei, eine Sache zurückzuweisen, wenn allein eine Klarstellung,
Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 11. Dezember 2014, 8C_633/2014 E. 3.2; BGE 137 V
210 E. 4.4.1.4). Diese bundesgerichtliche Praxis vermag aus den folgenden Gründen
nicht zu überzeugen: Die IV-Stellen sind gestützt auf Art. 43 Abs. 1 ATSG verpflichtet,
die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen. Sie haben somit unter
anderem den medizinischen Sachverhalt soweit abzuklären, dass die
Arbeitsunfähigkeit der versicherten Person mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststeht. Die Beschwerdegegnerin hat die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers in psychiatrischer Hinsicht nur ungenügend abgeklärt. Würde das
Versicherungsgericht nun ein Gerichtsgutachten in Auftrag geben, würde es die der
Beschwerdegegnerin obliegende Aufgabe der Sachverhaltsermittlung „übernehmen“.
Dies wäre gesetzwidrig, da der Gesetzgeber diese Aufgabe, d.h. die rechtsgenügliche
Ermittlung des Sachverhalts, der Beschwerdegegnerin zugewiesen hat. Eine solche
Rechtsverletzung kann durch die vom Bundesgericht angeführten Vorteile von
Gerichtsgutachten, namentlich der Straffung des Gesamtverfahrens und der
beschleunigten Rechtsgewährung (siehe BGE 137 V 210 E. 4.4.1.2), nicht „geheilt“
werden. Hinzu kommt, dass in einem Gerichtsgutachten nur der Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit bis zum Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung zu beurteilen
sind, während eine Rückweisung der Beschwerdegegnerin die Möglichkeit gibt, den
gesamten Verlauf der Arbeitsfähigkeit bis zu einer neuen Verfügung zu berücksichtigen.
Zu beachten ist auch, dass einer versicherten Person durch die Einholung eines
Gerichtsgutachtens die Möglichkeit genommen wird, den Rentenentscheid von zwei
Instanzen überprüfen zu lassen. Dies ist insbesondere auch deshalb problematisch,
weil das Bundesgericht nur über eine eingeschränkte Kognition verfügt, d.h. es kann
den vom kantonalen Versicherungsgericht festgestellten Sachverhalt nur eingeschränkt
überprüfen (siehe Art. 97 des Bundesgerichtsgesetzes, SR 173.110). Die Einholung
eines Gerichtsgutachtens ist deshalb nur in jenen Fällen angezeigt, in denen die
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt zwar rechtsgenüglich abgeklärt hat, für die
rechtliche Würdigung aber trotzdem die Einholung eines weiteren Gutachtens
notwendig ist, namentlich weil zwei (oder mehr) überzeugende, sich jedoch
widersprechende Arbeitsfähigkeitsschätzungen im Recht liegen. In der vorliegenden
Angelegenheit hat die Beschwerdegegnerin jedoch überhaupt keine psychiatrische
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Begutachtung eingeholt, womit sie ihrer Pflicht zur Sachverhaltsermittlung nicht
rechtsgenüglich nachgekommen ist.
6.2 Die angefochtene Verfügung ist daher in teilweiser Gutheissung der Beschwerde
aufgrund einer Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes nach Art. 43 Abs. 1 ATSG
aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
7.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Praxisgemäss ist die
Rückweisung der Sache zur ergänzenden Abklärung und neuen Beurteilung an die
Verwaltung als volles Obsiegen des Beschwerdeführers zu werten (BGE 132 V 215 E.
6.2). Dementsprechend ist die Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- vollumfänglich der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss ist dem
Beschwerdeführer zurückzuerstatten.