Decision ID: a892bd00-ad37-5ece-8ce6-b9f908fa7e5c
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 15. Januar 2022 in der Schweiz um Asyl
nachsuchte,
dass er am 19. Januar 2022 der im Bundesasylzentrum (BAZ) Region
B._ tätigen Rechtsvertretungsorganisation Vollmacht erteilte,
dass er gemäss der Fingerabdruck-Datenbank (Zentraleinheit Eurodac)
am (...) in Slowenien sowie am (...) in Österreich um Asyl nachsuchte und
das SEM am 31. Januar 2022 die österreichischen Behörden um Wieder-
aufnahme des Beschwerdeführers ersuchte, die das Ersuchen am 11. Feb-
ruar 2022 guthiessen,
dass dem Beschwerdeführer anlässlich des Dublin-Gesprächs vom 28. Ja-
nuar 2022 das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Öster-
reichs und zu seinem Gesundheitszustand gewährt wurde,
dass das SEM mit Verfügung vom 11. Februar 2022 (eröffnet am 14. Feb-
ruar 2022) auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eintrat, des-
sen Wegweisung aus der Schweiz nach Österreich anordnete, eine Aus-
reisefrist ansetzte, den zuständigen Kanton mit dem Vollzug der Wegwei-
sung beauftragte, die editionspflichtigen Akten aushändigte und feststellte,
einer Beschwerde komme keine aufschiebende Wirkung zu,
dass die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers ihr Mandat am 14. Feb-
ruar 2022 niederlegte,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 16. Februar 2022 beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde einreichte,
dass er beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und
das SEM anzuweisen, auf das Asylgesuch einzutreten,
dass eventualiter das SEM anzuweisen sei, sich gestützt auf Art. 29a
Abs. 3 der Asylverordnung 1 über Verfahrensfragen (Asylverordnung 1,
AsylV 1, SR 142.311) für das Asylverfahren für zuständig zu erklären,
dass subeventualiter die Sache aufgrund der Verletzung des rechtlichen
Gehörs an die Vorinstanz zurückzuweisen sei,
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dass im Sinne vorsorglicher Massnahmen die aufschiebende Wirkung zu
erteilen und die Vollzugsbehörden anzuweisen seien, von einer Überstel-
lung nach Österreich abzusehen, bis das Bundesverwaltungsgericht über
die vorliegende Beschwerde entschieden habe,
dass auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten und die un-
entgeltliche Prozessführung zu gewähren sei,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel
– und so auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen des SEM entscheidet (vgl. dazu Art. 105 des Asylgesetzes [AsylG,
SR 142.31] i.V.m. Art. 31‒33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG),
dass sich die Kognition des Gerichts bzw. die zulässigen Rügen im Asyl-
bereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten,
dass der Beschwerdeführer zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 48 Abs. 1 VwVG), seine Eingabe den formellen Anforderungen an
eine Beschwerde genügt (Art. 52 Abs. 1 VwVG) und er seine Beschwerde
fristgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3 AsylG), womit auf diese einzu-
treten ist,
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es die
Vorinstanz ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu über-
prüfen (Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), die Beurteilungskompetenz der Be-
schwerdeinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die
Vorinstanz zu Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE
2017 VI/5 E. 3.1, 2012/4 E. 2.2),
dass sich die Beschwerde – wie nachfolgend aufgezeigt – als offensichtlich
unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zuständig-
keit mit Zustimmung einer zweiten Richterin oder eines zweiten Richters
zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel zu verzichten und der Ent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
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dass der Beschwerdeführer eine Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und Rückweisung der Sache an das SEM beantragt, weil das rechtliche
Gehör verletzt worden sei,
dass er dies jedoch nicht ansatzweise begründet und eine Gehörsverlet-
zung auch nicht ersichtlich ist, weshalb eine Rückweisung an die
Vorinstanz ausser Betracht fällt und das Subeventualbegehren abzuwei-
sen ist,
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG),
dass das SEM zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen Staates
die Zuständigkeitskriterien nach der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festle-
gung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der
für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen
in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zu-
ständig ist (Dublin-III-VO) prüft,
dass wenn diese Prüfung zur Feststellung führt, dass ein anderer Mitglied-
staat für die Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, das SEM, nachdem
der betreffende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zu-
gestimmt hat – oder bei fingierter Zustimmung –, auf das Asylgesuch
grundsätzlich nicht eintritt (vgl. BVGE 2015/41 E. 3.1),
dass die Vorinstanz anhand der Zentraleinheit Eurodac zu Recht die Zu-
ständigkeit Österreichs erkannte und die österreichischen Behörden – ge-
stützt auf Art. 18 Abs. 1 Bst. b Dublin-III-VO – um Wiederaufnahme er-
suchte und die österreichischen Behörden diesem Gesuch am 11. Februar
2022 zustimmten,
dass damit die Grundlage für einen Nichteintretensentscheid in Anwendung
von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG und die Anordnung einer Wegweisung
nach Österreich gegeben ist,
dass sich der Beschwerdeführer anlässlich des rechtlichen Gehörs vom
28. Januar 2022 im Wesentlichen mit der Begründung gegen eine Über-
stellung nach Österreich aussprach, dort Gewicht verloren, Stress gehabt
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und Drogen konsumiert zu haben sowie nach jeder Kontrolle inhaftiert wor-
den zu sein, wobei er jeweils in Ausschaffungshaft Medikamente erhalten
habe, von denen er schwach und müde geworden sei; er wünsche, in der
Schweiz psychologisch behandelt zu werden,
dass er diesbezüglich auf Beschwerdeebene ergänzt, aufgrund der neuen
österreichischen Gesetzeslage nur noch erschwert Zugang zu unabhängi-
ger Rechtsberatung zu haben, zudem würden dort vulnerable Personen
inhaftiert und er sei psychisch sehr angeschlagen,
dass aufgrund der Aktenlage indessen keine Sachverhaltsumstände er-
sichtlich sind, die in rechtserheblicher Weise gegen eine Wegweisung in
den für ihn zuständigen Dublin-Vertragsstaat sprechen würden,
dass in dieser Hinsicht festzuhalten ist, dass Österreich Signatarstaat der
EMRK (SR 0.101), des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR 0.142.30) sowie des Zu-
satzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist, wobei
Österreich nach Auffassung der Schweiz seinen diesbezüglichen völker-
rechtlichen Verpflichtungen nachkommt,
dass die Schweiz gleichzeitig davon ausgeht, Österreich anerkenne und
schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richtlinien des
Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom 26. Juni 2013
zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aberkennung des in-
ternationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) und 2013/33/EU vom
26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Aufnahme von Personen,
die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnahmerichtlinie), ergeben,
dass die unsubstanziierten Beschwerdeausführungen hieran nichts zu än-
dern vermögen und ebenfalls keinen Anlass zur Annahme geben, der Be-
schwerdeführer wäre in Österreich ernsthaft gefährdet, zumal sich eine
Verletzung völkerrechtlicher Normen auch nicht aus dem Umstand ergibt,
dass mit dem am 20. Juni 2019 in Kraft getretenen österreichischen Errich-
tungsgesetz die Rechtsberatung im österreichischen Asylverfahren verstaat-
licht wurde und der Rechtsanspruch seither gewissen Einschränkungen un-
terliegt,
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dass schliesslich auch die vom Beschwerdeführer behaupteten gesundheit-
lichen Probleme kein Hindernis für seine Überstellung nach Österreich dar-
stellen, zumal Österreich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur
verfügt und es keinen Grund zur Annahme gibt, dem Beschwerdeführer
werde dort notwendige medizinische Behandlung verweigert,
dass demgemäss kein Grund für einen Selbsteintritt auf das Asylgesuch
respektive für eine Anwendung der Ermessensklausel nach Art. 17 Abs. 1
Dublin-III-VO in Verbindung mit Art. 29a Abs. 3 AsylV1 ersichtlich ist, wes-
halb das entsprechende Eventualbegehren abzuweisen ist,
dass in diesem Zusammenhang festzustellen bleibt, dass sich das SEM
aufgrund der Aktenlage auf eine summarische Würdigung der vorliegenden
Sache unter dem Aspekt von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 beschränken durfte,
da es sich beim Beschwerdeführer gemäss Aktenlage – wie vom SEM zu
Recht erkannt – nicht um eine besonders verletzliche Person handelt,
dass nach dem Gesagten der Nichteintretensentscheid in Anwendung von
Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG in keinem Punkt zu bemängeln ist,
dass gleichzeitig die Anordnung der Wegweisung nach Österreich der Sys-
tematik des Dublin-Verfahrens entspricht und im Einklang mit der Bestim-
mung von Art. 44 (erster Satz) AsylG steht,
dass schliesslich der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen ist, dass
allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zusam-
menhang mit der COVID-19-Pandemie gemäss aktuellem Kenntnisstand
lediglich temporäre Vollzugshindernisse darstellen und daher am Ausgang
des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern vermögen (vgl. Urteil des
BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020 E. 5.2),
dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be-
stätigen und die eingereichte Beschwerde als offensichtlich unbegründet
abzuweisen ist,
dass das Beschwerdeverfahren mit vorliegendem Urteil abgeschlossen ist,
weshalb die Begehren auf Erteilung der aufschiebenden Wirkung mit ent-
sprechender Anweisung an die zuständigen Behörden und auf Erlass des
Kostenvorschusses gegenstandslos geworden sind,
dass das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung abzuweisen ist, da die Begehren – wie sich aus
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den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Verfahrenskosten von
Fr. 750.– (Art. 1‒3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]) dem Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1
VwVG).
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