Decision ID: d189ad42-dfe2-45f3-bcab-e915f8f6b913
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war seit März 2012 bei der B._ AG als Strassenbauer tätig und dadurch
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von
Unfällen obligatorisch versichert. Am 17. Juni 2015 rutschte der Versicherte beim
Schieben eines schweren Geräts aus und fiel aus ca. 20cm Höhe auf die linke Hüfte
(Suva-act. 1, 24). Der zuständige Arzt des Kantonsspitals C._, wo sich der
Versicherte vom 17. bis 19. Juni 2015 stationär befunden hatte, hielt am 19. Juni 2015
als Diagnose eine traumatische posteriore Hüftluxation links mit konsekutiver Fraktur
des Acetabulums und eine Affektion des Nervus Ischiadicus links mit Hyposensibilität
des dorsalen Oberschenkels links fest. Am Unfalltag war eine notfallmässige
geschlossene Reposition der Luxation erfolgt (Suva-act. 9, vgl. Suva-act. 24). Nach
Verlegung in das Kantonsspital D._ unterzog sich der Versicherte am 23. Juni 2015
einer operativen Revision des Hüftgelenks (Suva-act. 8, vgl. Suva-act. 31). Die
behandelnden Ärzte hatten dem Versicherten ab 17. Juni 2015 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% attestiert (Suva-act. 26 ff., 33, 42, 53). Die Suva kam für die Folgen des
Unfalls auf (Suva-act. 19, 56).
A.a.
Vom 30. Juni bis 14. August 2015 befand sich der Versicherte stationär in der
Rehaklinik Bellikon. In ihrem Austrittsbericht vom 17. August 2015 hielten die dort
zuständigen Ärzte unter anderem fest, der Versicherte sei bei Austritt an
Unterarmgehstöcken eingeschränkt mobil gewesen. Sie attestierten ihm ab dem 15.
August 2015 für seine Tätigkeit als Strassenbauer weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von
100% (Suva-act. 29).
A.b.
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Am 8. Februar 2016 berichtete PD Dr. med. E._, Chefarzt Kantonsspital D._,
über gelockerte Schrauben im Bereich des Trochanter majors links mit einer straffen
Pseudarthrose nach Trochanterosteotomie (Suva-act. 64). Am 25. Februar 2016
unterzog sich der Versicherte im Kantonsspital D._ einer
Osteosynthesematerialentfernung am Trochanter major und einer Re-Osteosynthese
der noch nicht durchbauten Osteotomie. Die behandelnden medizinischen
Fachpersonen attestieren ihm vom 25. Februar bis 6. März 2016 eine Arbeitsunfähigkeit
von 100% (Suva-act. 79 f.). Dr. med. F._, Spezialarzt FMH für Innere Medizin,
erachtete ihn auch danach weiterhin als zu 100% arbeitsunfähig (Suva-act. 83, 95).
A.c.
Eine radiologische Untersuchung vom 8. April 2016 brachte einen Abriss und eine
Dislokation eines grösseren Fragmentes des Trochanter majors sowie eine leichte
Lockerung einer Schraube zur Darstellung (Suva-act. 82). Dr. E._ befand am 11. April
2016, das kleine abgebrochene Stück zeige sich im Untersuch funktionell als nicht
relevant. Es seien keine weiteren einschränkenden Massnahmen notwendig, die
Vollbelastung sei erlaubt (Suva-act. 88). Am 20. Mai 2016 beurteilte er, ein
Arbeitsversuch im Strassenbau sei zu maximal 25% möglich (Suva-act. 99).
A.d.
Ab 13. Juni 2016 wurde der Versicherte halbtags in einer angepassten Tätigkeit
bei seiner Arbeitgeberin eingesetzt, wo er eine Leistung von rund 50% (insgesamt
25%) erbrachte (Suva-act. 112, 122 f.). Dr. F._ attestierte dem Versicherten vom 1.
Juni bis 30. September 2016 eine Arbeitsunfähigkeit von 75% (Suva-act. 124, 132). Dr.
E._ berichtete am 26. August 2016, es sei trotz der Re-Osteosynthese zu keinem
ossären Durchbau der Trochanter-Osteotomie gekommen. Er schlage die ambulante
Entfernung der beiden Schrauben samt Unterlagscheiben vor (Suva-act. 133).
A.e.
Im Auftrag der Suva wurde der Versicherte im Sinne einer Zweitmeinung (vgl.
Suva-act. 143) durch Dr. med. G._, Konservativer Oberarzt Orthopädie, Klinik H._,
untersucht. Dieser hielt in seinem Bericht vom 25. Oktober 2016 als Diagnose eine
straffe Pseudarthrose links am Trochanter major mit gelockerten Schrauben fest. Er
empfahl die Schraubenentfernung, allenfalls mit einer Re-Osteosynthese (Suva-act.
147). Am 30. Januar 2017 unterzog sich der Versicherte in der Klinik H._ einer
Schraubenentfernung links, einer Revision der Trochanterpseudarthrose, einem
Knochengrafting und einer Re-Osteosynthese (Suva-act. 160).
A.f.
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Die IV-Stelle des Kantons C._ gewährte dem Versicherten am 9. Februar 2017
Beratung und Unterstützung beim Erhalt seines Arbeitsplatzes (Suva-act. 162).
A.g.
Dr. G._ berichtete am 8. Mai 2017 über einen sehr günstigen Verlauf. Er sehe
den Versicherten langfristig nicht zu 100% als körperlich schwerarbeitenden
Strassenbauer. Der Versicherte habe jedoch erläutert, dass er mit seinem Vorgesetzten
eine Lösung finden könnte, damit er mehr als Maschinenführer arbeiten könnte. Eine
Lösung dieser Art wäre insofern erfreulich, als damit keine wesentlichen
Umschulungsmassnahmen mehr initiiert werden müssten. Eine Tätigkeit als
Strassenbauer sei bis zu 30% möglich, 70% idealerweise als Maschinenführer oder
weniger körperlich belastend (Suva-act. 170). Dr. F._ führte am 15. Mai 2017 aus, der
Versicherte sei noch zu 100% arbeitsunfähig. Es sei jedoch vorgesehen, dass er
wahrscheinlich ab Mitte Juni oder Anfangs Juli eine Teilarbeitsfähigkeit als
Maschinenführer im Baugewerbe aufnehmen könne (Suva-act. 171). Suva-Kreisärztin
med. pract. I._, Fachärztin für Chirurgie, befand am 19. Mai 2017, es sei
anzunehmen, dass eine volle Arbeitsfähigkeit in einer "normalen" Bauarbeitertätigkeit
nicht wieder erreicht werde und diese Tätigkeit auch nicht der Zumutbarkeit
entsprechen würde. Die Einschätzung von Dr. G._ sei nachvollziehbar. Unter diesen
Bedingungen könnte eine volle Arbeitsfähigkeit erzielt werden (Suva-act. 172).
A.h.
Dr. F._ hielt am 9. Juni 2017 fest, rein theoretisch wäre es problemlos möglich,
den Versicherten 50% des Tages für eine Beschäftigung einzusetzen (Suva-act. 178,
vgl. Suva-act. 179). Dr. G._ beurteilte am 11. Juli 2017, eine 70%ige Arbeitsfähigkeit,
z.B. als Maschinenführer bei der momentanen Arbeitgeberin, sei möglich (Suva-act.
188). Nach einer Untersuchung des Versicherten berichtete Kreisärztin med. pract.
I._ am 26. Juli 2017, aktuell bestünden noch funktionseinschränkende
Restbeschwerden an der Hüfte links. Der Endzustand sei erreicht. Die angestammte
Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Ob die Maschinistentätigkeit zumutbar sei, sei
ebenfalls fraglich. Eine adaptierte Tätigkeit sei generell zumutbar (Suva-act. 192). Den
Integritätsschaden schätzte sie auf 20% (Suva-act. 193).
A.i.
Mit Verfügung vom 29. August 2017 stellte die Suva die Leistungen per 31.
Oktober 2017 ein (Suva-act. 211; vgl. auch das Schreiben vom 28. Juli 2017, Suva-act.
196).
A.j.
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B.
Mit Verfügung vom 30. November 2017 sprach die Suva dem Versicherten eine
Integritätsentschädigung basierend auf einer Integritätseinbusse von 20% zu (Suva-
act. 233). Dagegen erhob der Versicherte am 15. Januar 2018 Einsprache und reichte
unter anderem eine Beurteilung von Dr. G._ vom 18. Dezember 2017 ein (Suva-act.
245).
A.k.
Die IV-Stelle sprach dem Versicherten am 12. Dezember 2017 einen Arbeitsversuch
vom 1. Dezember 2017 bis 29. Mai 2018 im Werkhof der B._ AG zu (Suva-act. 240,
vgl. Suva-act. 234, 237). Während der Massnahme entrichtete die IV-Stelle Taggelder
(vgl. Suva-act. 244, 250). Am 5. Juni 2018 teilte der Einsatzbetrieb mit, der
Arbeitsbereich des Versicherten sei entsprechend seinen Möglichkeiten angepasst
worden. Trotzdem sei nur eine maximal 50%ige Leistungsfähigkeit realistisch (Suva-
act. 270, vgl. Suva-act. 265, 267, 269).
A.l.
Seit 1. Juni 2018 war der Versicherte mit einem Pensum vom 50% bei der B._
AG angestellt gewesen (Suva-act. 271). Die IV-Stelle übernahm während der Anlern-
bzw. Einarbeitungszeit vom 1. Juni bis 27. November 2018 die Kosten eines
Einarbeitungszuschusses (Suva-act. 272).
A.m.
Mit Verfügung vom 5. September 2018 sprach die Suva dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. Juni 2018 eine Invalidenrente basierend auf einer Erwerbsunfähigkeit
von 23% zu (Suva-act. 286).
A.n.
Gegen die Verfügung vom 5. September 2018 erhob der Versicherte am 8.
Oktober 2018 Einsprache (Suva-act. 299). Am 23. Oktober 2018 ergänzte er seine
Einsprache und reichte ein Schreiben von Dr. G._ vom 17. Oktober 2018 ein, in
welchem dieser dem Versicherten eine Arbeitsfähigkeit von höchstens 50% in einer
wechselbelastenden Tätigkeit attestiert hatte (Suva-act. 305 f.).
B.a.
Mit Entscheid vom 21. November 2018 wies die Suva die Einsprachen vom 15.
Januar und 8. Oktober 2018 gegen die Verfügungen vom 30. November 2017 und 5.
September 2018 ab (Suva-act. 311).
B.b.
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C.
Mit Verfügungen vom 22. November 2018 sprach die IV-Stelle des Kantons C._
dem Versicherten für den Zeitraum vom 1. August 2016 bis 31. Oktober 2017 eine
ganze Rente und vom 1. bis 30. November 2017 eine halbe Rente zu. Vom 1.
Dezember 2017 bis 30. April 2018 stellte sie die Rente aufgrund des Bezugs von
Taggeldern während des Arbeitsversuchs ein und ab 1. Mai 2018 sprach sie ihm unter
Verrechnung der bezogenen Taggelder wieder eine halbe Rente zu. Sie ging dabei
gestützt auf die Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeine
Innere Medizin, von einer Arbeitsunfähigkeit von 100% vom 17. Juni 2015 bis 23. Juli
2017 und ab 24. Juli 2017 von einer solchen von 50% in einer adaptierten Tätigkeit aus
(Suva-act. 313 ff.).
B.c.
Gegen den Einspracheentscheid vom 21. November 2018 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) die vorliegende Beschwerde vom 7. Januar 2019. Er
beantragte dessen Aufhebung und es sei ihm eine Rente von mindestens 60%
auszurichten sowie eine Integritätsentschädigung von 30% zuzusprechen. Weiter sei
ein Gerichtsgutachten, eventuell eine medizinische Stellungnahme über die objektiv
zumutbare Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit einzuholen. Eventualiter sei die
Sache zur Neubeurteilung an die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin)
zurückzuweisen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Er machte geltend,
sowohl die IV-Stelle als auch Dr. G._ und Dr. F._ gingen lediglich von einer
Teilarbeitsfähigkeit aus. Die Beschwerdegegnerin stütze sich auf die veraltete
Einschätzung der Kreisärztin ab. Bezüglich der Integritätsentschädigung sei auf die
Beurteilung von Dr. G._ abzustellen (act. G1).
C.a.
Die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 8. Februar 2019 die
Abweisung der Beschwerde. Sie brachte vor, die kreisärztliche Beurteilung sei
beweiskräftig. Die Angaben der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers zu seiner
körperlichen Belastbarkeit und die Einschätzung von Dr. G._ seien nicht geeignet,
Zweifel an der kreisärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung zu erwecken. Mit seiner
50%igen Tätigkeit schöpfe der Beschwerdeführer seine verbliebene Arbeitsfähigkeit
nicht voll aus (act. G3).
C.b.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (act. G5).C.c.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und vorliegend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine höhere Invalidenrente und eine höhere
Integritätsentschädigung als bereits zugesprochen.
Am 23. Juni 2020 informierte die Verfahrensleitung die Parteien über den Beizug
der Akten der IV-Stelle des Kantons C._ (act. G9). Nach Einsicht in die Akten (vgl.
act. G10) hielt die Beschwerdegegnerin am 10. August 2020 an ihren Anträgen und
Ausführungen fest (act. G12).
C.d.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Sie hat zudem
Anspruch auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist die
versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie
Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person
durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die vorübergehenden Leistungen
(Heilbehandlung, Taggeld) sind einzustellen und der Anspruch auf eine Invalidenrente
zu prüfen, wenn allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV)
abgeschlossen sind und von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine
namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten Person mehr erwartet
werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird mit der
Invalidenrente festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung
der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG). Das Erreichen des
medizinischen Endzustands bildet demgemäss in Nachachtung des
Eingliederungsgrundsatzes die Voraussetzung für die Prüfung der Rentenfrage und der
Integritätsentschädigung.
1.1.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht nur für Gesundheitsschäden,
die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten Unfallereignis
zusammenhängen (vgl. Art. 6 Abs. 1 UVG; BGE 129 V 181, E. 3; Alexandra Rumo-
Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, in Erwin Murer/
1.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/17
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2.
Der Rentenbeginn per 1. Juni 2018 wird vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt
und ist aufgrund der Akten nicht zu beanstanden. Med. pract. I._ hatte bereits am 26.
Juli 2017 überzeugend einen medizinischen Endzustand festgehalten (Suva-act. 192),
was von keiner Seite angezweifelt wurde. Danach sind keine Behandlungen oder
andere medizinische Massnahmen mehr aktenkundig, welche den Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers massgeblich verbessert hätten. Die Beschwerdegegnerin
stellte ihre Leistungen mit Verfügung vom 29. August 2017 per 31. Oktober 2017 ein
(Suva-act. 211). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. In der Folge
sprach die IV-Stelle dem Beschwerdeführer vom 1. Dezember 2017 bis 29. Mai 2018
einen Arbeitsversuch zu und entrichtete Taggelder (Suva-act. 240, 244, 250). Per 1.
Juni 2018 waren die Eingliederungsmassnahmen der IV-Stelle, mit Ausnahme des an
die Arbeitgeberin ausbezahlten Einarbeitungszuschusses (vgl. Art. 18b Abs. 3 IVG),
Hans-Ulrich Stauffer (Hrsg.), Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 53 ff.).
Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den Berichten und
Gutachten, welche die Versicherungen während des Administrativverfahrens von ihren
eigenen bzw. beratenden Ärzten und Ärztinnen einholen, kann rechtsprechungsgemäss
ebenfalls Beweiswert beigemessen werden (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und BGE 125 V 353
f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch
strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen,
sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 471 E. 4.7; RKUV 1997 Nr. U
281 E. 1a S. 281 f.).
1.3.
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abgeschlossen. Die Voraussetzungen für die Rentenprüfung waren damit erfüllt. Bereits
am 30. November 2017 hatte die Beschwerdegegnerin zudem über den Anspruch auf
eine Integritätsentschädigung verfügt (Suva-act. 233).
3.
Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 31. Oktober 2017 bzw. beim Rentenbeginn
per 1. Juni 2018 lagen beim Beschwerdeführer unbestritten noch organisch
objektivierbare Unfallfolgen vor. Kreisärztin med. pract. I._ hatte am 26. Juli 2017
festgehalten, es bestünden noch funktionseinschränkende Restbeschwerden an der
Hüfte links (Suva-act. 192). Im Folgenden ist jedoch die Frage zu prüfen, ob die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers rechtsgenüglich abgeklärt wurde. Der
angefochtene Einspracheentscheid stützt sich in medizinischer Hinsicht im
Wesentlichen auf die Beurteilung von med. pract. I._ vom 26. Juli 2017 (Suva-act.
192). Der Beschwerdeführer spricht dieser die Beweiskraft ab und hält ihr die
Einschätzungen von behandelnden Ärzten sowie von Dr. J._ entgegen (act. G1).
Med. pract. I._ hielt am 26. Juli 2017 fest, die angestammte Tätigkeit als
Strassenbauer sei dem Beschwerdeführer - wie von vielen Vorbehandlern bereits
angedeutet - nicht mehr zumutbar. Ob eine Maschinistentätigkeit zumutbar sei, sei
ebenfalls fraglich, da das Fahrzeug repetitiv bestiegen und davon wieder abgestiegen
werden müsse, Vibrationen und Erschütterungen vorkämen sowie Laufen auf
unebenem Gelände nötig sei. Generell zumutbar und empfehlenswert sei eine
wechselbelastende Tätigkeit, leicht bis selten mittelschwer. Der Anteil von Sitzen,
Stehen und Gehen sollte ungefähr ausgewogen sein, das Laufen von Treppen und auf
unebenem Gelände sollte vermieden werden. Zwangshaltungen für die untere
Extremität sowie repetitives Kriechen, Kauern, Hocken oder Tragen von Lasten über
10kg seien nicht zumutbar (Suva-act. 192). Entgegen der Kritik des Beschwerdeführers
(vgl. act. G1) ist klar erkennbar, dass med. pract. I._ von einer Arbeitsfähigkeit von
100% in einer adaptierten Tätigkeit ausging. Ansonsten hätte sie sich zu einer
allfälligen Einschränkung geäussert und diese beziffert.
3.1.
Der Beschwerdeführer macht geltend, seine ab 1. Juni 2018 im Werkhof der B._
AG ausgeübte Tätigkeit sei adaptiert. Der vorangehende Arbeitsversuch habe gezeigt,
dass er dort trotz diverser Anpassungen nur zu 50% arbeitsfähig sei (act. G1). Gemäss
Stellenbeschreibung musste der Beschwerdeführer zu Beginn seines Arbeitsversuchs
im Werkhof Material (selten Zementsäcke bis zu einem Gewicht von 25kg) und
Maschinen bereitstellen und Material transportieren. Er war ausserdem für den
Unterhalt und Reinigungsarbeiten zuständig, musste bei der Inventur mithelfen und
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/17
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Rasen mähen (Suva-act. 235, vgl. auch die Vereinbarung für die Anlern- und
Einarbeitungszeit; IV-act. 103). Die zuständigen Personen der B._ AG führten
anlässlich eines Gesprächs mit der Beschwerdegegnerin am 29. November 2017 aus,
es gehe darum, Material und Geräte zu fassen, Spezialbestellungen zu rüsten und
auszuliefern. Vieles sei nicht planbar und komme spontan. Sie versuchten der
Zumutbarkeitsbeurteilung der Beschwerdegegnerin gerecht zu werden und dem
Beschwerdeführer entsprechende Tätigkeiten zuzuweisen. Natürlich gebe es aber auch
im Werkhof schwerere Arbeiten (Suva-act. 234). In der Folge passte die B._ AG den
Arbeitsplatz des Beschwerdeführers weiter an dessen Einschränkungen an. Der
Verantwortliche der Personalabteilung teilte der Beschwerdegegnerin am 17. Mai 2018
mit, wenn der Beschwerdeführer mehr als sechs Stunden arbeite, habe er Schmerzen
und müsse Schmerzmittel einnehmen, was er nicht möchte. Er wünsche sich, dass er
früher nach Hause gehen und eine kürzere Mittagspause machen könne. Aus Sicht des
Unternehmens käme eine Anstellung mit einem Pensum von 70-80% in Frage (Suva-
act. 267). Anlässlich eines Gesprächs vom 30. Mai 2018 sowie mit E-Mail vom 5. Juni
2018 hielt der Einsatzbetrieb fest, der Arbeitsbereich des Beschwerdeführers sei
entsprechend seinen Möglichkeiten angepasst worden. Er könne leichte und
wechselbelastende Tätigkeiten ausführen. Es werde weiterhin versucht, angepasste
Tätigkeiten zur Verfügung zu stellen. Beim Arbeitsplatz des Beschwerdeführers handle
es sich keineswegs mehr um eine übliche Funktion in einem Magazin in der
Baubranche. Nur dank der Grösse des Werkhofes sei es überhaupt möglich,
ausreichend wechselbelastende Arbeiten mit ausgewogenen Anteilen von sitzenden,
stehenden und gehenden Tätigkeiten anzubieten. Die tägliche Praxis während der
vergangenen sechs Monate habe gezeigt, dass bei einem sehr gut angepassten
Aufgabenbereich leider nur ein maximal 50%iges Pensum realistisch sei (Suva-act. 269
f., vgl. IV-act. 158). Der Beschwerdeführer gab am 5. Juni 2018 an, er könne maximal
ca. fünf Stunden pro Tag arbeiten. Sonst sei er am Abend so erschöpft, dass er nicht
mal mehr über die Strasse gehen und Wasser kaufen könne. Er passe sehr gut auf,
dass er nicht mehr als 10kg trage; teilweise sei das aber schwer einzuschätzen. Nach
der einstündigen Mittagspause habe er Mühe zu arbeiten, da er seine Muskeln erst
wieder aufwärmen müsse. Daher würde er eine nur halbstündige Pause sehr begrüssen
(Suva-act. 269). Wie sich aus den Akten ergibt, hat die B._ AG ihr Möglichstes getan,
um den Arbeitsplatz des Beschwerdeführers an seine Einschränkungen anzupassen.
Trotzdem ist davon auszugehen, dass es sich dabei nicht um einen ideal angepassten
Arbeitsplatz handelt, wie er auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu
finden wäre. Der Beschwerdeführer muss offenbar weiterhin gelegentlich mit gewissen
Lasten hantieren. Zudem hielt med. pract. I._ die Maschinistentätigkeit, welche der
Beschwerdeführer mindestens teilweise ausübt, als nur fraglich zumutbar (vgl. E. 3.1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/17
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Ein gewisses weiteres Verbesserungspotential bezüglich der Anpassung des
Arbeitsplatzes ist auch insofern erkennbar, als die zuständigen Personen der B._ AG
am Ende des Arbeitsversuchs Prüfungen zum Staplerfahrer und für das Führen eines
Anhängers als notwendig erachteten. Zudem wollten sie den Beschwerdeführer intern
im EDV-Bereich fördern, um ihn für Arbeiten am Computer einsetzen zu können (Suva-
act. 267, 269 f., IV-act. 158-6). Es ist davon auszugehen, dass mit diesen Massnahmen
die Arbeitsfähigkeit an seinem Arbeitsplatz weiter gesteigert werden könnte. Da die auf
dem Werkhof ausgeübte Tätigkeit trotz aller Bemühungen insgesamt nicht als optimal
adaptiert bezeichnet werden kann, ist das dort vom Beschwerdeführer geleistete und
ab 1. Juni 2018 vertraglich vereinbarte (vgl. IV-act. 103) Pensum von maximal 50%
nicht gleichzusetzen mit seiner Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit. Zudem ist
darauf hinzuweisen, dass die bei der B._ AG für den Beschwerdeführer zuständigen
Personen soweit aktenkundig medizinische Laien sind und daher seine Arbeitsfähigkeit
nicht zuverlässig schätzen können. Sie sind insbesondere nicht in der Lage, seine
Arbeitsfähigkeit für eine andere, optimal adaptierte Tätigkeit zu beurteilen.
Die IV-Stelle stützte sich bei ihren Verfügungen vom 22. November 2018 in
medizinischer Hinsicht auf die Einschätzung von RAD-Arzt Dr. J._ (Suva-act. 313 ff.).
Dieser hatte am 1. Februar 2017 noch befunden, in einer optimal angepassten Tätigkeit
sei überwiegend wahrscheinlich wieder eine ganztägige Arbeitsfähigkeit zu erreichen
(IV-act. 159-6). Am 12. September 2017 hatte er festgehalten, der Bericht von med.
pract. I._ vom 24. Juli 2017 sei versicherungsmedizinisch plausibel und es könne
darauf abgestützt werden. Die Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als
Strassenbauer betrage seit dem Unfall vom 17. Juni 2015 dauerhaft 100%. In einer
angepassten Tätigkeit sei vom Unfall bis zum 23. Juli 2017 von einer Arbeitsfähigkeit
von 0%, ab 24. Juli 2017 von einer solchen von 100% auszugehen. Er hatte im
Wesentlichen das Belastungsprofil von med. pract. I._ wiedergegeben (IV-act.
159-7). Am 7. August 2018 führte Dr. J._ sodann aus, aufgrund der Ergebnisse der
Eingliederung müsse die versicherungsmedizinische Beurteilung angepasst werden.
Abweichend von seiner vorherigen Einschätzung betrage die Arbeitsfähigkeit in einer
angepassten Tätigkeit seit dem 24. Juli 2017 50%, die Adaptionskriterien blieben
gleich (IV-act. 159-8). Dr. J._ änderte seine Beurteilung damit ausschliesslich
aufgrund der Ergebnisse des Arbeitsversuchs im Werkhof der B._ AG. Er begründete
seine Abweichung nicht weiter und setzte sich nicht mit den konkreten Anforderungen
an diesem Arbeitsplatz auseinander. Es ist nicht ersichtlich, weshalb der
Beschwerdeführer mit seinen Einschränkungen eine ideal adaptierte Tätigkeit nicht zu
100% ausüben könnte. Dr. J._ hielt fest, der Beschwerdeführer habe beim
Arbeitsversuch im Wesentlichen Maschinen bedienen müssen, und prüfte nicht, ob die
3.3.
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Anforderungen im Werkhof einer optimal adaptierten Tätigkeit entsprechen. Zudem
erachtete er das geleistete Pensum von 50% als das maximal mögliche an der
konkreten Arbeitsstelle, ohne dies zu hinterfragen bzw. näher zu begründen. Die kurze,
rein auf die Akten gestützte Beurteilung von Dr. J._ überzeugt damit bezüglich der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
nicht.
Dr. G._ hatte am 8. Mai 2017 noch beurteilt, er sehe den Beschwerdeführer
langfristig nicht zu 100% als körperlich schwerarbeitender Strassenbauer. Eine
Tätigkeit als Strassenbauer wäre mit einem Pensum von bis zu 30% möglich, 70%
idealerweise als Maschinenführer oder weniger körperlich belastet (Suva-act. 170).
Auch am 11. Juli 2017 befand er, eine 70%ige Arbeitsfähigkeit zum Beispiel als
Maschinenführer sei möglich (Suva-act. 188). Am 17. September 2018 hielt Dr. G._
fest, das ausgeübte 50%ige Arbeitspensum sei bewältigbar, vor allem das langsame
Laufen und Stehen würden dem Beschwerdeführer noch schwerfallen. Er äusserte sich
jedoch nicht zur Arbeitsfähigkeit, insbesondere nicht in einer ideal adaptierten Tätigkeit
(Suva-act. 298). Am 17. Oktober 2018 gab Dr. G._ an, er habe nochmals ein
intensives Gespräch mit dem Beschwerdeführer geführt. Der Arbeitsversuch mit einem
Pensum von 70% sei gescheitert. Sie hätten gemeinsam die Situation bilanziert und in
der Zusammenschau aller Befunde und in Berücksichtigung der Berichte des
Beschwerdeführers müsse er abschliessend eine höchstens 50%ige Arbeitsfähigkeit in
einer wechselhaft belastenden Tätigkeit attestieren (Suva-act. 305). Dr. G._ liess sich
bei dieser Beurteilung offenbar stark von den subjektiven Angaben des
Beschwerdeführers leiten. Weshalb er in objektiver Hinsicht von seiner früheren
Beurteilung - 70% Arbeitsfähigkeit in der nicht ideal adaptierten Tätigkeit als
Maschinenführer - abwich, begründete Dr. G._ nicht. Auch setzte er sich nicht mit
der Einschätzung von med. pract. I._ auseinander.
3.4.
Dr. F._ führte am 9. Juni 2017 aus, ob der Beschwerdeführer seine frühere
Tätigkeit wiederaufnehmen könne, sei offen und von der Beschwerdegegnerin
abzuklären. Rein theoretisch wäre es problemlos möglich, den Beschwerdeführer für
50% des Tages einzusetzen, das Problem sei jedoch das Finden einer entsprechenden
Beschäftigung. Einschränkungen bestünden im längeren Sitzen, längeren Stehen und
bei Gehstrecken über 150 Meter (Suva-act. 178). Weshalb in einer derart adaptierten
Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit von 100% möglich sein sollte, begründete Dr. F._
nicht und ist nicht einsichtig. Dr. F._ attestierte dem Beschwerdeführer sodann bis
zum 31. August 2018 weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100% (Suva-act. 202). Es
3.5.
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4.
Basierend auf einer Arbeitsfähigkeit von 100% in einer ideal adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln.
ist jedoch davon auszugehen, dass sich dies auf die angestammte Tätigkeit als
Strassenbauer bezog.
Zusammenfassend sind die Einschätzungen der behandelnden Ärzte sowie von Dr.
J._ nicht geeignet, die überzeugende Beurteilung von med. pract. I._ in Zweifel zu
ziehen. Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass
die kreisärztliche Beurteilung auf umfassender Aktenkenntnis sowie eigenen
Untersuchungen beruht, das gesamte unfallkausale Leidensbild des
Beschwerdeführers berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Aus den vom Beschwerdeführer vorgebrachten medizinischen
Einschätzungen ergeben sich zudem keine objektiven Gesichtspunkte, welche in der
kreisärztlichen Beurteilung ausser Acht gelassen worden wären. Weitere medizinische
Abklärungen erübrigen sich.
3.6.
Für das Valideneinkommen ist massgebend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen Fähigkeiten und ihrer persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Dabei ist in der
Regel vom zuletzt – d.h. grundsätzlich vor dem Beginn der unfallbedingten ganzen oder
teilweisen Arbeitsunfähigkeit – erzielten Verdienst auszugehen (BGE 139 V 30 E. 3.3.2,
je mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts vom 18. März 2015, 8C_590/2014, E. 5.1).
Die durch die Beschwerdegegnerin vorgenommene Festlegung des jährlichen
Valideneinkommens auf Fr. 77'370.-- (vgl. Suva-act. 274), welche sich auf die Angaben
der Arbeitgeberin bezüglich des hypothetischen Jahreslohnes des Beschwerdeführers
im Jahr 2018 ohne erlittenen Unfall stützt (Suva-act. 270-4), ist nicht zu beanstanden.
Auch der Beschwerdeführer wendet gegen die Berechnung des Validenlohns nichts ein
(vgl. act. G1, Suva-act. 299).
4.1.
4.2.
Nur unter besonderen Voraussetzungen lässt es die Rechtsprechung zu, dass
das Invalideneinkommen dem nach Eintritt der gesundheitlichen Einbussen noch
erzielten Einkommen gleichgesetzt wird. Dabei wird - kumulativ - vorausgesetzt, dass
ein besonders stabiles Arbeitsverhältnis den Bezug auf den allgemeinen Arbeitsmarkt
4.2.1.
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erübrigt, dass die verbleibende Arbeitsfähigkeit zumutbar voll ausgeschöpft wird und
dass nicht ein Soziallohn ausgerichtet wird (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl.
2020, Art. 16 N 70, mit Hinweisen). Vorliegend ist entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers (vgl. act. G1) nicht auf sein tatsächlich erzieltes Einkommen
abzustellen, da er mit diesem die ihm zumutbare Arbeitsfähigkeit von 100% nicht voll
ausschöpft (vgl. E. 3.2). Hat die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen, so können entweder LSE-Tabellenlöhne oder die DAP-
Zahlen herangezogen werden (BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 6. Januar 2010, 8C_579/2009, E. 2.1). Es ist damit grundsätzlich
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin zur Festsetzung des
Invalidenlohns DAP-Zahlen beigezogen hat. Der Beschwerdeführer beanstandet jedoch
die gewählten DAP-Profile (vgl. act. G1). Wie er zu Recht vorbringt, erscheint das DAP-
Profil Nr. 9623 für den Beschwerdeführer insofern als nicht geeignet, als nur 1-5% der
Arbeitszeit im Sitzen ausgeübt wird (vgl. Suva-act. 273-12 ff.). Beim DAP-Profil Nr.
707139 ist mehr Stehen als Sitzen notwendig, was nicht vollständig den
Adaptionskriterien entspricht (Suva-act. 273-16 ff.). Das DAP-Profil Nr. 8483 beschreibt
sodann - in gewissem Widerspruch zur Angabe in der Tabelle - eine vorwiegend
sitzende Arbeit (Suva-act. 273-20 ff.). Es erscheint daher fraglich, ob die drei
ausgewählten DAP-Arbeitsplätze den Adaptionskriterien des Beschwerdeführers,
insbesondere der ausgeglichenen Wechselbelastung zwischen Sitzen, Gehen und
Stehen, vollumfänglich entsprechen (vgl. Suva-act. 192). Wie sich nachfolgend ergibt,
ist der von der Beschwerdegegnerin errechnete Invaliditätsgrad von 23% im Ergebnis
jedoch auch dann nicht zu beanstanden, wenn zur Festlegung des
Invalideneinkommens auf die statistischen Daten der LSE abgestellt wird.
Da dem Beschwerdeführer Hilfsarbeitertätigkeiten zumutbar sind, rechtfertigt es
sich diesfalls, das Invalideneinkommen gestützt auf die LSE 2014, Total sämtlicher
Wirtschaftszweige, Kompetenzniveau 1, Männer, zu bestimmen (die LSE 2016 war zum
Zeitpunkt des Einspracheentscheids noch nicht publiziert und daher nicht anwendbar;
vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. November 2019, 8C_64/2019, E. 6.2.1). Der
entsprechende Lohn belief sich im Jahr 2014 auf Fr. 5'312.-- pro Monat bzw. Fr.
63'744.-- jährlich. Aufgerechnet auf die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.7 Stunden und angepasst an die Nominallohnentwicklung bis 2018 (Index 2014:
2'220, 2017: 2'260) ergibt sich ein massgebliches Jahreseinkommen von Fr. 67'650.--.
4.2.2.
Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten (Hilfsarbeiter-)Tätigkeiten behindert
4.2.3.
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5.
Weiter ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Integritätsentschädigung zu
beurteilen. Die Beschwerdegegnerin sprach ihm eine solche basierend auf einem
Integritätsschaden von 20% zu (Suva-act. 311).
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe
haben können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3, vgl. auch BGE 134 V 327 E. 5.2). Wie in E. 3.1
ausgeführt, hat der Beschwerdeführer qualitative Einschränkungen (vgl. Suva-act. 192).
Er ist im Vergleich zu voll leistungsfähigen Arbeitnehmern damit lohnmässig
benachteiligt und muss mit unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen (vgl. zum
Ganzen Philipp Geertsen, Der Tabellenlohnabzug, in Ueli Kieser/Miriam Lendfers
[Hrsg.]: Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht 2012, S. 139 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 28. Januar 2014, 9C_796/2013, E 3.1.2). Damit ist vorliegend die
Gewährung eines Tabellenlohnabzugs angezeigt. Die Frage nach der Höhe des
Tabellenlohnabzugs ist eine typische Ermessensfrage (BGE 137 V 71 E. 5.2 S. 73; 126
V 75 E. 6 S. 81). Deshalb drängt es sich vorliegend nicht auf, die Ermittlung des
Invaliditätsgrads durch die Beschwerdegegnerin (vgl. Suva-act. 286) unter diesem Titel
zu korrigieren, zumal mit dem halben maximal möglichen Tabellenlohnabzug ein
Invalideneinkommen von Fr. 59'194.-- und damit gerundet ebenfalls ein Invaliditätsgrad
von 23% resultiert. Ein Tabellenlohnabzug in dieser Höhe kann jedenfalls nicht als
unangemessen bezeichnet werden.
Insgesamt ist damit der von der Beschwerdegegnerin berechnete Invaliditätsgrad
von 23% nicht zu beanstanden.
4.3.
Die Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 25 Abs. 1 UVG entsprechend der
Schwere des Integritätsschadens abgestuft. Bei gleichem medizinischem Befund ist
der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und egalitär
bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 E. 3c, 113 V 221 E: 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser Acht
5.1.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf://137-V-71:de&number_of_ranks=0#page71 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf://126-V-75:de&number_of_ranks=0#page75 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf://126-V-75:de&number_of_ranks=0#page75
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zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Nach Art. 36 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) wird die Integritätsentschädigung gemäss den
Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen. Dieser Anhang enthält eine als
gesetzmässig und nicht abschliessend anerkannte Skala. Die medizinische Abteilung
der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen Skala zusätzliche
Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sogenannte Feinraster) erarbeitet.
Diese Tabellen enthalten Richtwerte, mit denen die Gleichbehandlung aller Versicherten
gewährleistet werden soll; sie sind mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32
E. 1c mit Hinweis).
Med. pract. I._ schätzte den Integritätsschaden auf 20%. Sie stützte sich dabei
auf die Suva-Tabelle 5 "Integritätsschäden bei Arthrosen". Gemäss dieser sei eine
leichte Arthrose nicht entschädigungspflichtig. Eine mässige Coxarthrose sei mit
10-30%, eine schwere mit 30-40% zu bewerten. Bei gutem Erfolg einer Endoprothese
sei von 20% auszugehen. Radiologisch finde sich auf dem Unfall-CT eine dorsale
Hüftgelenksluxation mit Azetabulumfraktur, nach Osteosynthese sodann eine
annähernd anatomische Reposition. In den Verlaufsröntgenbildern vom 8. Mai 2017
zeige sich eine leichte Inkongruenz im Bereich des Hüftgelenks, die durchaus eine
spätere Arthrose begünstigen könnte. Ausserdem sei im Bereich des Trochanters eine
Pseudarthrose bekannt. Med. pract. I._ schlussfolgerte überzeugend, in Anbetracht
der beklagten Beschwerden, der Einschränkungen, der erhobenen Befunde und der
Bildgebung sei der Integritätsschaden im mittleren Bereich der mässigen Coxarthrose
einzuordnen. Somit sei von einem Integritätsschaden von 20% auszugehen; dies
bereits unter Berücksichtigung einer Verschlimmerung und der Trochanterpathologie
(Suva-act. 193).
5.2.
Dr. G._ führte am 18. Dezember 2017 aus, die Beschwerdegegnerin gehe von
einem Integritätsschaden von 20% bei mässiger Coxarthrose aus. Er könne sich dieser
Einschätzung durchaus anschliessen, wobei bei der mässigen Coxarthrose ein
Spielraum von bis zu 30% möglich sei und er eher in die Richtung von 30% tendieren
würde. Zusätzlich müsse die Situation am Trochanter mit einer mehrfach operierten
Pseudarthrose berücksichtigt werden, da hier eine Pathologie und ein zusätzlicher
Integritätsschaden vorliege (Suva-act. 245). Dr. G._ begründete nicht, weshalb er
eher zum obersten Grenzwert des bei einer mässigen Coxarthrose vorgesehen
Integritätsschadens tendierte. Dies ist auch insofern nicht nachvollziehbar, als er am
12. Februar 2018 - bezugnehmend auf eine gleichentags durchgeführte
Röntgenuntersuchung - befand, es bestehe keine wesentliche Coxarthrose (Suva-act.
258). Mit dem von med. pract. I._ geschätzten Integritätsschaden von 20% (statt der
5.3.
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6.