Decision ID: 0b4f95e5-9146-4a27-9a9f-7756a0f10426
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geboren 1973, ist nordmazedonischer Staatsangehöriger. Am 9. August 1998
reiste er in die Schweiz ein, wo er seit dem 18. August 1998 – mit Ausnahme des
Zeitraums zwischen dem 9. August 2011 und 26. Oktober 2011 – im Kanton St. Gallen
(Gesuche um Kantonswechsel nach Zürich mit Verfügungen des Migrationsamtes
Zürich vom 26. Juni 2009 und 6. Juni 2016 abgewiesen) aufenthaltsberechtigt ist. Er
wurde straffällig (mehrfache Tätlichkeit, Widerhaltung gegen das Transportgesetz,
fahrlässiger rechtswidriger Aufenthalt) und häufte Schulden an. Das Migrationsamt
St. Gallen (nachfolgend: MA) verlängerte seine Aufenthaltsbewilligung mit Verfügungen
vom 30. August 2013, 13. August 2014, 10. Oktober 2018 und 24. April 2020 unter
Vorbehalt (Tilgung der Schulden, geregelte Erwerbstätigkeit, keine neuen Schulden).
Mit Entscheid des Kreisgerichts Wil vom 18. März 2014 wurde seine am
7. November 1997 in Nordmazedonien mit der in der Schweiz
niederlassungsberechtigten C._, geboren 1978, ebenfalls nordmazedonische
Staatsangehörige, geschlossene Ehe geschieden. Er wurde zu monatlichen
Unterhaltszahlungen in der Höhe von je CHF 750 bzw. CHF 450 (sobald er eine eigene
Wohnung bezieht) an seine ehelichen Kinder K._, geboren 1999, und M._, geboren
2002, verpflichtet, welche beide in der Schweiz niederlassungsberechtigt sind. Mit
Verfügung vom 4. August 2015 verwarnte ihn das MA und verlängerte seine
Aufenthaltsbewilligung auf Zusehen und Wohlverhalten hin unter der Bedingung, sich
künftig in jeder Beziehung klaglos zu halten (Akten Migrationsamt A._ [nachfolgend:
Dossier A], S. 11, 14, 17, 22 f., 47-50, 71, 79, 86, 93, 102, 119-121, 137, 143, 145, 149,
152 f., 161, 170, 174 f., 179-183, 187, 189, 200 f., 203-206, 218-233, 237, 243,
279-281, 305, 321-328, 337-343, 346-349, 350-354, 372 f., 382-386, 425, 427-431,
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440-450, 464-482, 502, 517-531, 578-594, 636-639, 641, 651-654, 664-673, 677 f.,
680, 705-709, 790-798, 809 f., 811-813).
B.
Am 24. Februar 2015 heiratete A._ in Y._ B._, geboren 1978, nordmazedonische
Staatsangehörige. Mit Verfügung vom 4. August 2015 wies das MA ein
Familiennachzugsgesuch für B._ ab und ordnete deren Wegweisung an. Die dagegen
erhobenen kantonalen Rechtsmittel blieben erfolglos; zuletzt wies das
Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2016/184 vom 15. August 2017 eine Beschwerde
von A._ ab (Dossier A, S. 292-299, 355-391, 398-410, 559-571). Mit Verfügung vom
7. August 2017 verlängerte das MA die Aufenthaltsbewilligung von A._ nicht und
ordnete dessen Wegweisung spätestens 60 Tage nach Rechtskraft der Verfügung an.
Nachdem A._ dagegen am 21. August 2017 Rekurs beim Sicherheits- und
Justizdepartement (nachfolgend: SJD) erhoben hatte, widerrief das MA am
27. Oktober 2017 die Verfügung vom 7. August 2017 und verlängerte die
Aufenthaltsbewilligung von A._. Daraufhin schrieb das SJD den Rekurs zufolge
Gegenstandslosigkeit ab (Dossier A, S. 546-558, 595-634, 641-643, 646-648). Mit
Verfügung vom 29. April 2020 wies das MA ein Gesuch von A._ um Familiennachzug
für B._ vom 20. Juni 2019 ab (Dossier A, S. 681-732, 816-823). Mit Entscheid vom
13. August 2020 wies das SJD den dagegen von A._ am 14. Mai 2020 erhobenen
Rekurs ab (act. 2 und 10/1).
C.
Gegen den Entscheid des SJD (Vorinstanz) vom 13. August 2020 erhob A._
(Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 28. August 2020 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, es seien der angefochtene
Entscheid sowie die Verfügung des MA vom 29. April 2020 unter Kosten- und
Entschädigungsfolge, zuzüglich Mehrwertsteuer, aufzuheben und das
Familiennachzugsgesuch für B._ zu bewilligen, allenfalls unter Auflagen (act. 1). Am
25. September 2020 ergänzte er seine Beschwerde mit einer Begründung (act. 6). Mit
Vernehmlassung vom 19. Oktober 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde (act. 9).

Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer
ist zur Ergreifung der Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde vom 28. August 2020 (act. 1) wurde rechtzeitig erhoben und
erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 25. September 2020 (act. 6) in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich
einzutreten. Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit die Aufhebung der
Verfügung des MA vom 29. April 2020 beantragt wird ("Devolutiveffekt", vgl. VerwGE
B 2020/100; B 2020/101 vom 9. September 2020 E. 2 mit Hinweisen).
2.
Der 47-jährige Beschwerdeführer, der sich insgesamt während rund 22 Jahren in der
Schweiz aufgehalten hat, kann sich gemäss neuer bundesgerichtlichen
Rechtsprechung – trotz Schulden – grundsätzlich in vertretbarer Weise auf ein
gefestigtes Anwesenheitsrecht im Rahmen des Schutzes seines Privatlebens gemäss
Art. 8 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) berufen (vgl. dazu act. 6, S. 4-7 Ziff. III/B/1), auch
wenn er nur über eine Aufenthaltsbewilligung verfügt (vgl. BGE 144 I 266 E. 3.8 f. mit
Hinweisen, anders noch: VerwGE B 2016/184 vom 15. August 2017 E. 3 mit
Hinweisen). Daran ändert nichts, dass er mit Verfügung des MA vom 4. August 2015
(Dossier A, S. 350-354) einmal ausländerrechtlich verwarnt worden ist (vgl.
demgegenüber BGer 2C_194/2019 vom 10. März 2019 E. 2.3 mit Hinweisen). Beruht
die Anwesenheit des Beschwerdeführers in diesem Sinn auf einem gefestigten
Rechtsanspruch, ist trotz Fehlens eines gesetzlichen Bewilligungsanspruchs (vgl.
Art. 44 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration, Ausländer- und Integrationsgesetz; SR 142.20, AIG, und
BGer 2C_943/2018 vom 22. Januar 2020 E. 1.2.1 mit Hinweisen) das behördliche
Ermessen konventions- (Art. 8 EMRK) und verfassungsrechtlich (Art. 13 Abs. 1 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 100, BV) beschränkt.
Mit Blick auf den Schutz des Privat- und Familienlebens der betroffenen Personen sind
in diesem Fall gute Gründe erforderlich, um den Nachzug ihrer Familienangehörigen zu
verweigern, soweit die Bedingungen von Art. 44 AIG erfüllt sowie die Nachzugsfristen
eingehalten sind (Art. 47 AIG und Art. 73 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt
und Erwerbstätigkeit; SR 142.201, VZAE) und keine Widerrufsgründe vorliegen
(Art. 51 AIG, vgl. dazu BGer 2C_574/2018 vom 15. September 2020 E. 3.1 mit Hinweis
bis
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auf BGer 2C_668/2018 vom 28. Februar 2018 E. 6 mit Hinweisen, zur Publikation
vorgesehen, sowie BGer 2C_288/2020 vom 18. August 2020 E. 5.2 mit Hinweisen).
Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV enthalten praxisgemäss keinen vorbehaltslosen
Anspruch auf Einreise und Aufenthalt bzw. auf Wahl des von den Betroffenen
gewünschten Wohnorts für die Familie (vgl. BGE 142 II 35 E. 6.1; BGE 139 I 330 E. 2 je
mit Hinweisen). Soweit ein Bewilligungsanspruch besteht, gilt er nicht absolut: Liegt
eine aufenthaltsbeendende oder -verweigernde Massnahme im Schutz- und
Anwendungsbereich von Art. 8 EMRK, erweist sich diese dennoch als zulässig, falls sie
gesetzlich vorgesehen ist, einem legitimen Zweck dient und sich in einer
demokratischen Gesellschaft als notwendig erweist (BGE 142 II 35 E. 6; BGE 139 I 330
E. 2.2). Der Schutz des Privat- und Familienlebens nach Art. 8 EMRK darf nicht dazu
führen, dass ein ausländischer Staatsbürger, der die gesetzlichen Voraussetzungen
nach dem schweizerischen Recht für den Familiennachzug nicht erfüllt (hier:
Art. 44 AIG), seine Angehörigen dennoch in die Schweiz nachziehen kann (vgl.
BGer 2C_207/2017 vom 2. November 2017 E. 5.1 mit Hinweisen).
3.
Vorab zu untersuchen ist, ob der Beschwerdeführer wegen seiner Schulden den
Widerrufstatbestand von Art. 51 Abs. 2 Ingress und lit. b in Verbindung mit Art. 62
Abs. 1 Ingress und lit. c AIG und Art. 77a Abs. 1 Ingress und lit. b VZAE erfüllt.
Ein allfälliger Anspruch auf Familiennachzug erlischt, wenn gegen den Gesuchsteller
selbst Widerrufsgründe vorliegen, insbesondere dann, wenn die Ausländerin oder der
Ausländer erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in
der Schweiz verstossen hat (Art. 51 Abs. 2 Ingress und lit. b in Verbindung mit Art. 62
Abs. 1 Ingress und lit. c AIG und Art. 77a Abs. 1 Ingress und lit. b VZAE). Ein solcher
Verstoss ist unter anderem bei mutwilliger Nichterfüllung der öffentlich-rechtlichen oder
privatrechtlichen Verpflichtungen anzunehmen. Schuldenwirtschaft allein genügt nicht.
Vorausgesetzt ist zusätzlich Mutwilligkeit der Verschuldung; die Verschuldung muss mit
anderen Worten selbst verschuldet und qualifiziert vorwerfbar sein (vgl.
BGer 2C_93/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.4 mit Hinweisen, insbesondere auf
BGE 137 II 297 E. 3.3, allerdings in Bezug auf den per 1. Januar 2019 aufgehobenen
Art. 80 VZAE, AS 2018 3173).
3.1.
Gemäss Angaben des MA in dessen Verfügung vom 29. April 2020 (Beilage zu
act. 10/1, S. 6 E. 3), wie zuvor in dessen Verfügung vom 24. April 2020 betreffend
3.2.
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Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung (Dossier A, S. 811), ist der Beschwerdeführer
beim Betreibungsamt Rapperswil-Jona mit offenen Betreibungen von CHF 75'555.30
und beim Betreibungsamt Wil mit Betreibungen von CHF 7'925 und Verlustscheinen
von CHF 151'919.50 verzeichnet. Nach der Darstellung des Beschwerdeführers
belaufen sich die offenen Betreibungen auf rund CHF 40'000 und die Verlustscheine
auf CHF 120'256.20 (vgl. act. 10/3, S. 7 Ziff. III/B/4 in Verbindung mit act. 10/3/6,
S. 10 f.). Wie es sich damit letztlich verhält, kann indessen dahingestellt bleiben, da das
MA dem Beschwerdeführer in der Verfügung vom 24. April 2020 zugutegehalten hat,
dass er regelmässig Ratenzahlungen an das Betreibungsamt leiste, und seine
Aufenthaltsbewilligung deswegen verlängerte. Implizit verneinte es damit ein
mutwilliges Verhalten des Beschwerdeführers im Sinne von Art. 77a Abs. 1 VZAE.
Anlass, von dieser rechtlichen Würdigung des MA – etwa wegen veränderter
Verhältnisse – abzuweichen, besteht nicht. Daran ändert nichts, dass die erste Ehefrau
des Beschwerdeführers bereits vor der Scheidung am 18. März 2014 finanzielle
Sozialhilfe bezog und der Beschwerdeführer keinen ehelichen Unterhalt bezahlt hat;
und falls er gemäss der Vorinstanz (act. 2, S. 14 f. E. 5c/cc) im Jahr 2019 monatlich
lediglich CHF 374.35 – und nicht seinen eigenen Angaben zufolge CHF 820 – an das
Betreibungsamt zahlte, er seine laufenden Krankenkassenprämien von monatlich
CHF 420 im Jahr 2019 nicht bezahlte und die Sozialen Dienste vom Juni 2019 bis
April 2020 die Kinderalimente für seinen Sohn (CHF 450 monatlich) bevorschussten.
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4.
Nicht umstritten ist sodann im vorliegenden Fall, dass das strittige Nachzugsgesuch für
die Ehegattin des Beschwerdeführers die Frist nach Art. 47 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 3
lit. b AIG sowie Art. 73 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 VZAE einhält, weshalb dies hier nicht
mehr weiter vertieft zu werden braucht. Laut Art. 44 Abs. 1 AIG (in der Fassung vom
16. Dezember 2016, in Kraft seit 1. Januar 2019, AS 2018 3171 und AS 2017 6521) ist
dem Beschwerdeführer – wegen seines gefestigten Aufenthaltsanspruchs gestützt auf
Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1 BV – der Familiennachzug seiner Ehegattin zu
bewilligen, wenn sie mit ihm zusammenwohnt (lit. a); das Ehepaar hierfür über eine
bedarfsgerechte Unterkunft verfügt (lit. b); sie nicht auf Sozialhilfegelder angewiesen
sind (lit. c); sie sich in der am Wohnort gesprochenen Landessprache verständigen
können (lit. d und Art. 73a Abs. 1 VZAE); und die nachziehende Ehegattin keine
jährlichen Ergänzungsleistungen nach dem Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.30, ELG) beziehen
könnte. Für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung ist anstelle der Voraussetzung
nach Abs. 1 lit. d die Anmeldung zu einem Sprachförderungsangebot ausreichend
(Art. 44 Abs. 2 AIG).
Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt (act. 6, S. 2-4, 7-12 Ziff. II/5, III/A,
B/2 f.), die Vorinstanz habe den Sachverhalt unrichtig und unvollständig festgestellt.
Für die Beurteilung relevant sei, dass er seit Jahren beim gleichen Arbeitgeber, aktuell
als Geschäftsführer, arbeite und es sich beim Arbeitsvertrag zwischen der X._ GmbH
(nachfolgend: X._), und seiner Ehefrau nicht um eine Gefälligkeit handle. Allein der
Umstand, dass seiner Ehefrau vertraglich ein Lohn zugesichert worden sei, der höher
sei als der Mindestlohn gemäss Landes-Gesamtarbeitsvertrag des Gastgewerbes (L-
GAV), spreche nicht gegen die Berücksichtigung dieses Lohnes bei der
Bedarfsberechnung. Es mache für seinen Arbeitgeber aus wirtschaftlicher Sicht Sinn,
seiner Ehefrau den vereinbarten Lohn zu bezahlen. Mit der Einreichung dieses
Arbeitsvertrags habe er bewiesen, dass seine Ehefrau nach Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung einen Nettolohn von CHF 3'400 verdienen werde. Wenn dieser
Lohn berücksichtigt werde, stehe ausser Frage, dass der monatliche Bedarf des
Beschwerdeführers und seiner Ehefrau bei Gewährung des Familiennachzugs nach
dem Berechnungsmodell der Vereinigung der Migrationsämter der Ostschweiz und des
Fürstentums Liechtenstein (VOF) gedeckt sei.
4.1.
Die Durchsetzung einer restriktiven Einwanderungspolitik ist kein zulässiges Kriterium
4.2.
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im Rahmen der Prüfung des Familiennachzugs gestützt auf Art. 8 EMRK in Verbindung
mit Art. 44 AuG. Die (positive) Voraussetzung von Art. 44 Abs. 1 lit. c AIG entspricht
inhaltlich bzw. in negativer Umkehrung dem Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1
lit. e AIG (Widerruf einer Aufenthaltsbewilligung, wenn die ausländische Person oder
eine Person, für die sie oder er zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Voraussetzung von Art. 44 Abs. 1 lit. c AIG
nicht erfüllt (bzw. der Widerrufsgrund von Art. 62 Abs. 1 lit. e AIG gegeben), wenn eine
konkrete Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit besteht. Blosse finanzielle Bedenken
genügen nicht und ebensowenig kann diesbezüglich auf Hypothesen und pauschalierte
Gründe abgestellt werden. Für die Beurteilung der Gefahr der Sozialhilfeabhängigkeit
ist von den bisherigen und aktuellen Verhältnissen auszugehen und die
wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Diesbezüglich
darf nicht bloss auf das Einkommen des hier anwesenden Familienangehörigen
abgestellt werden, sondern es sind die finanziellen Möglichkeiten aller
Familienmitglieder über längere Zeit abzuwägen (BGer 2C_547/2018 vom
15. September 2020 E. 4.1 mit Hinweisen).
Für die Berechnung der notwendigen finanziellen Mittel ist die Vorinstanz von den VOF-
Richtlinien (www.vkm-asm.ch) ausgegangen. Die Anwendung der VOF-Richtlinie
entspricht an sich der Praxis des Verwaltungsgerichts, da es für die Prognose, ob der
nachziehende Ausländer auf längere Sicht effektiv in der Lage sein wird, für sich und
seine Familie aufzukommen, sinnvoll ist, möglichst von den Kosten auszugehen, die
dem nachziehenden Ausländer tatsächlich anfallen werden statt von einem erheblich
tieferen theoretischen Notbedarf, der ihm bei einem bescheidenen Lebenswandel
gerade noch zugemutet werden könnte. Das Bundesgericht bezeichnet es aber als
sachfremd, im Rahmen von Art. 62 lit. e AIG andere Kriterien anzuwenden als für die
effektive Zusprache von Sozialleistungen, weshalb es den Ergänzungsbedarf bei der
Berechnung grundsätzlich denn auch regelmässig ausklammert (vgl.
BGer 2C_685/2010 vom 30. Mai 2011 E. 2.3.3; VerwGE B 2017/197 vom 19. Mai 2018
E. 2.2.2 mit Hinweisen).
Nicht umstritten ist, dass der Beschwerdeführer mit seinem aktenkundigen
monatlichen Nettoeinkommen von CHF 4'000 aus dem, soweit ersichtlich,
unbefristeten und ungekündigten Arbeitsverhältnis mit der X._ den von der Vorinstanz
gestützt auf die VOF-Richtlinien ermittelten monatlichen Bedarf des Beschwerdeführers
und seiner Ehefrau bei Gewährung des Familiennachzugs von CHF 5'261.90 (vgl.
act. 2, S. 13 f. E. 5c/aa) nicht decken kann. Zu prüfen bleibt, ob der der Ehefrau des
4.3.
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5.
Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat der Staat (Vorinstanz) die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP und VerwGE
B 2017/76 vom 16. August 2018 E. 5 mit Hinweisen). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
Beschwerdeführers gemäss undatiertem Arbeitsvertrag (act. 10/3/5) von der X._, in
Aussicht gestellte monatliche Nettolohn von CHF 3'400 zu berücksichtigen ist.
Die Vorinstanz ging in Erwägung E. 5b des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 12 f.)
davon aus, dass es sich beim fraglichen Arbeitsvertrag um eine Gefälligkeit der
Arbeitgeberin des Beschwerdeführers handle: Diese habe dem Beschwerdeführer eine
Wohnung untervermietet und würde dessen Ehefrau – welche weder über eine
Berufsausbildung im Gastrobereich noch über Berufserfahrung in der Schweiz verfüge
und deren Deutschkenntnisse auf tiefem Niveau seien – als Küchenaushilfe/Hilfsköchin
zu einem vergleichsweise hohen Lohn von brutto CHF 4'116.30 anstellen und sie sei
zudem auch der Aufforderung des Betreibungsamtes Wil, den gepfändeten Betrag vom
Lohn des Beschwerdeführers abzuziehen, nicht nachgekommen.
Mit der Einreichung des Arbeitsvertrags zwischen seiner Ehefrau und der X._
(act. 10/3/5) hat der Beschwerdeführer, allerdings erst im vorinstanzlichen
Rekursverfahren, im Rahmen der ihm obliegenden Mitwirkungspflicht (Art. 90 Ingress
und lit. b AIG), welche den Untersuchungsgrundsatz (Art. 12 VRP) relativiert (vgl. dazu
BGer 2C_337/2020 vom 23. Juli 2020 E. 4.1 mit Hinweisen), ein Erwerbseinkommen
seiner Ehefrau geltend gemacht, mit welchem diese einen relevanten Beitrag an die
Lebenshaltungskosten der Familie beitragen kann (vgl. dazu BGer 2C_685/2010 vom
30. Mai 2011 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Die Behauptung der Vorinstanz, es handle sich
beim Arbeitsvertrag um eine Gefälligkeit der X._, vermag die mit dem Arbeitsvertrag
geschaffene Vermutung aufgrund vorliegender Aktenlage noch nicht umzustossen.
Hierzu werden vielmehr vertiefende Abklärungen erforderlich sein. Die
Schlussfolgerung der Vorinstanz, die Voraussetzung der Sozialhilfeunabhängigkeit sei
aus diesem Grund nicht erfüllt, erweist sich damit allenfalls als willkürlich und
rechtsverletzend. Im Weiteren hat sich weder die Vorinstanz noch das MA zu den
Voraussetzungen von Art. 44 Abs. 1 lit. d und e AIG geäussert. Die Beschwerde ist
bereits daher teilweise gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und die
Angelegenheit zu neuer Entscheidung im Sinne der Erwägungen und unter
Berücksichtigung des eingereichten Arbeitsvertrags der Ehefrau des
Beschwerdeführers – gestützt auf den Sachverhalt im Zeitpunkt des neuen Entscheids
– an das MA zurückzuweisen.
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GKV); auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Dem Beschwerdeführer
ist der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe zurückzuerstatten. Die amtlichen
Kosten des Rekursverfahrens im Betrag von CHF 1'000 verbleiben bei der Vorinstanz.
Diese ist anzuweisen, dem Beschwerdeführer den im Rekursverfahren geleisteten
Kostenvorschuss im Betrag von CHF 1'000 zurückzuerstatten.
Der Beschwerdeführer hat im Beschwerde- und Rekursverfahren obsiegt, weshalb ihn
der Staat (Vorinstanz) in beiden Verfahren ausseramtlich zu entschädigen hat (Art. 98
Abs. 1 und 2 sowie Art. 98 VRP). Mangels eingereichter Kostennote ist die
Entschädigung nach Ermessen festzulegen (vgl. Art. 30 lit. b Ziff. 1 und Art. 31 Abs. 1
und 2 AnwG sowie Art. 6 und Art. 19 HonO). Eine Entschädigung von insgesamt
CHF 4'000 für das Beschwerde- und das Rekursverfahren erscheint angemessen
(Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). Hinzu kommen pauschale Barauslagen in der Höhe von
CHF 160 (vier Prozent von CHF 4'000) und CHF 320.30 (7,7 Prozent von CHF 4'160)
Mehrwertsteuer (vgl. Art. 28 und Art. 29 HonO).