Decision ID: 9efeca6d-7b73-5aa8-9140-76dd3fac9a83
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob,
St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision (Erhöhung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ machte mit Schreiben vom 2. Januar 2011 an die Invalidenversicherung (IV)
bzw. die Sozialversicherungsanstalt (SVA) des Kantons St. Gallen eine
Verschlechterung ihrer Situation geltend und beantragte die Überprüfung ihrer halben
Invalidenrente (IV-act. 45-1). Diese war ihr mit Verfügung vom 5. Dezember 2007 bei
einem Invaliditätsgrad von 50% ab 1. März 2007 aufgrund langdauernder Krankheit
zugesprochen worden, nachdem ihre Gesundheitsbeeinträchtigungen im Medas-
Gutachten vom 23. Mai 2007 festgehalten worden waren (Hauptdiagnosen chronisches
cerviko- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom und anhaltende somatoforme
Schmerzstörung, einhergehend mit einer mittelschweren depressiven Störung mit
somatischem Syndrom und vorherrschendem Gefühl von Angst, IV-act. 26 f., 36, 43 f.).
Die Versicherte legte ihrem Revisionsgesuch ein Gesundheits-Belastungs-Profil bei
(datiert vom 25. November 2010, IV-act. 45-3). Auf diesem hatte sie ihr Hausarzt,
Dr. med. B._, Facharzt FMH für Innere Medizin, am 6. Dezember 2010, für
verschiedene Tätigkeiten als dauerhaft nicht geeignet erklärt, die sie im Rahmen ihres
Arbeitspensums von 20.5 Stunden pro Woche als Reinigungskraft im Z._ mindestens
gelegentlich ausführte. Weiter legte sie die Kopie des Schreibens vom 24. September
2010 an die Personalabteilung ihrer Arbeitgeberin bei, in welchem sie Probleme am
Arbeitsplatz monierte und Mobbing durch Mitarbeitende und Vorgesetzte geltend
machte (IV-act. 45-4 ff.).
A.b Die IV-Stelle tätigte die nötigen Abklärungen (IV-act. 46 ff.). Am 13. Januar 2011
nahm Dr. med. C._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und zertifizierte
medizinische Gutachterin (SIM), vom Regionalen Ärztlichen Dienst der IV (RAD) mit
dem Hausarzt der Versicherten Kontakt auf und befragte ihn zu deren gesundheitlichen
Beeinträchtigungen (IV-act. 48; von Dr. B._ am 20. Februar 2011 unterzeichnet, IV-
act. 54). Zusätzlich zu den im Medas-Gutachten vom 23. Mai 2007 festgehaltenen
Gesundheitsbeeinträchtigungen seien ab Dezember 2009 abdominale Eingriffe
hinzugekommen. Die orthopädischen bzw. neurochirurgischen Probleme der
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Versicherten würden aktuell abgeklärt. Die behandelnde Psychiaterin, Dr. med. D._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete der IV-Stelle am
21. Januar 2011 (IV-act. 52-1 ff., 52-15 f.) und reichte Belege über stationäre
medizinische Behandlungen der Versicherten zwischen Dezember 2009 und Mai 2010
bei (Revisionslaparoskopie und offene Revision über Rippenbogenrandschnitt mit
Gallengangübernähungen und Lavage, Anlage eines Dauerkatethers bei
aszendierendem Harnweginfekt und Blasenentleerungsstörung sowie zur Entfernung
der Gebärmutter; IV-act. 52-5 ff.), darunter den Austrittsbericht der Klinik I._ vom
18. Juni 2010 über die stationäre psychosomatische Rehabilitation vom 6. bis 25. April
2010 (IV-act. 52-10 ff.). Die von Dr. B._ angeordneten ambulanten Untersuchungen
der Versicherten an der Klinik für Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom
25. Januar 2011 (Bericht vom 28. Januar 2011, IV-act. 60-4 f.) und an der Klinik für
Orthopädische Chirurgie am Kantonsspital St. Gallen vom 8. Februar 2011 (Bericht
vom 9. Februar 2011, IV-act. 60-2 f.) zeigten keine Veränderungen gegenüber früheren
Untersuchungen und keine sensomotorischen Defizite. Die empfohlene
Facettengelenksinfiltration C5/6 lehnte die Versicherte ab. Da die entsprechenden
Berichte der IV-Stelle erst Anfang Juli 2011 zugestellt wurden, liess RAD-Ärztin
Dr. C._ bei Dr. D._ und Dr. B._ aktuelle Verlaufsberichte einholen (IV-act. 62, 64).
Der Hausarzt legte auch die Berichte über sämtliche Operationen und Behandlungen
der Versicherten seit dem 3. Dezember 2009 bei (IV-act. 64-3 ff.). Da nicht klar wurde,
ob sich der Gesundheitszustand der Versicherten und ihre Arbeitsfähigkeit gegenüber
dem im Medas-Gutachten vom 23. Mai 2007 Beschriebenen verändert hatten,
veranlasste RAD-Ärztin Dr. C._ eine Verlaufsbegutachtung durch die Medas (IV-act.
65 ff.).
A.c Die Untersuchungen der Versicherten durch die Ärzte der Medas Ostschweiz,
St. Gallen, fanden am 6. und 9. Februar 2012 statt. PD Dr. med. E._, Facharzt für
Neurologie FMH sowie für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, Dr. med. F._,
Facharzt für Innere Medizin/Rheumatologie FMH, sowie Dr. med. G._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, kamen im Gutachten vom 14. Juni 2012 (IV-act.
71) zum Schluss, wegen der zwischenzeitlich durchgeführten Operationen und des
stationären Aufenthalts in der Klinik I._, hätte vorübergehend volle Arbeitsunfähigkeit
bestanden, aktuell sei jedoch die im Medas-Gutachten vom 23. Mai 2007 attestierte
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Arbeitsfähigkeit zu bestätigen und sowohl in der angestammten als auch in einer
adaptierten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 50% auszugehen.
A.d Aufgrund des Medas-Verlaufsgutachtens vom 14. Juni 2012 und von Abklärungen
bei der ehemaligen Arbeitgeberin der Versicherten (ihr Arbeitsverhältnis war per Ende
Februar 2012 gekündigt worden [IV-act. 73-2]) kam die IV-Stelle zum Schluss, dass
kein Grund für die beantragte Rentenerhöhung vorliege (IV-act. 72 ff.). Dies teilte sie
der Versicherten mit Vorbescheid vom 7. August 2012 mit. Deren Einwendungen vom
18. August 2012 gegen den Vorbescheid (IV-act. 77) beurteilte die IV-Stelle nicht als
neue Tatsachen und verfügte am 3. Oktober 2012 formell, die bisherige halbe
Invalidenrente werde nicht erhöht (IV-act. 78).
B.
B.a Gegen die Verfügung der IV-Stelle vom 3. Oktober 2012 erhob die Versicherte, neu
vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, St. Gallen, am 1. November 2012
Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei vollumfänglich
aufzuheben und es sei ihr spätestens ab Juni 2012 eine ganze Invalidenrente
zuzusprechen und zu entrichten (act. G 1). Eventualiter sei die Angelegenheit an die
Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der nachfolgenden
Erwägungen zurückzuweisen und anschliessend sei ihr eine ganze Invalidenrente
spätestens ab Juni 2012 zuzusprechen und zu entrichten; alles unter gesetzlicher
Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Zur
Begründung führte der Rechtsvertreter aus, das Medas-Verlaufsgutachten habe die
konkreten Einschränkungen der Beschwerdeführerin am Arbeitsplatz laut Gesundheits-
Belastungs-Profil vom 6. Dezember 2010 (IV-act. 45-3) nicht zur Kenntnis genommen
und sich damit nicht rechtsgenüglich auseinandergesetzt. Daher sei das
Verlaufsgutachten nicht beweistauglich. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sei in
beiden Medas-Gutachten nicht zutreffend, auch nicht für adaptierte Tätigkeiten.
Vielmehr sei auf die nachvollziehbare Beurteilung von Dr. D._ mit 30% von 100% bei
einer um 20% herabgesetzten Leistung abzustellen. Faktisch könne die
Beschwerdeführerin nur an einem geschützten Arbeitsplatz tätig sein und selbst das
nur bei einer reduzierten Leistungsfähigkeit. Bei einer solchen Restarbeitsfähigkeit
könne sie bei Annahme einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage kein Einkommen
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erzielen, spätestens ab Aufgabe ihrer Arbeitsstelle per Ende Februar 2012. Sollte der
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente zum jetzigen Zeitpunkt nicht als ausgewiesen
beurteilt werden, wäre die Angelegenheit zur Erstellung eines polydisziplinären
Obergutachtens und anschliessender Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2013 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, die
vorgebrachten Rügen insbesondere gegen die medizinischen Grundlagen im
Verlaufsgutachten seien nicht stichhaltig und letzteres sei - auch laut erneuter
Stellungnahme durch RAD-Ärztin Dr. C._ vom 5. Dezember 2012 (IV-act.84) -
beweiskräftig.
B.c Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit Befreiung von den Gerichtskosten
und unentgeltlicher Rechtsverbeiständung stellte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit der Beschwerde vom 3. Oktober 2012 und vervollständigte es
am 6. November 2012 (act. G 1 f.). Nach Eingang der Beschwerdeantwort am
14. Januar 2013 bewilligte die verfahrensleitende Abteilungspräsidentin das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege am 30. Januar 2013, befreite die Beschwerdeführerin
von den Gerichtskosten und setzte Fürsprecher Küng als ihren unentgeltlichen
Rechtsbeistand ein (act. G 5).
B.d Mit Eingabe vom 10. April 2013 verzichtete der Rechtsvertreter der Beschwerde
führerin darauf, einlässlich zu replizieren (act. G 12). Der Schriftenwechsel wurde
deshalb am 23. April 2013 abgeschlossen (act. G 13).
C.
Auf die weiteren Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen:
1.
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Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 3. Oktober
2012 zu Recht die Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführer
und die Änderung ihres Invaliditätsgrads verneint und ihr Gesuch vom 2. Januar 2011
um Erhöhung ihrer Invalidenrente abgewiesen hat.
2.
2.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR
830.1]). Der Veränderung des Invaliditätsgrads ist immer dann mittels Rentenerhöhung,
Rentenherabsetzung oder Rentenaufhebung Rechnung zu tragen, wenn sich der der
Leistung zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat. Bei der
Anpassung einer Invalidenrente im Sinn von Art. 17 Abs. 1 ATSG geht es darum, eine
ursprünglich tatsächlich und rechtlich korrekte, formell rechtskräftige Verfügung über
eine Dauerleistung (Rente) an nach Eintritt der formellen Rechtskraft eingetretene
Veränderungen tatsächlicher Natur anzupassen.
2.2 Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der
Rente wie auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (vgl. BGE 133 V 108).
2.3 Anlass zur Rentenrevision gibt nach der Rechtsprechung jede wesentliche
Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und
damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die Invalidenrente ist nicht nur bei einer
wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustands, sondern auch dann revidierbar,
wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustands erheblich verändert haben (BGE 130 V 349 f. E. 3.5).
3.
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3.1 Um beurteilen zu können, ob eine Rentenrevision begründet ist, sind Verwaltung
und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der ärztlichen Sachverständigen ist
es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts
ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis
der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 134 V 232 E. 5.1, 125 V
352 E. 3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 352 E. 3a am Ende).
3.2 In einem zweiten Schritt erfolgt sodann eine juristische bzw. erwerbliche
Bewertung der medizinischen Beurteilungen. Aufgabe der IV-Stelle und des
Versicherungsgerichts ist es, diese Tatsachen rechtlich zu würdigen, das heisst zu
beurteilen, ob die ärztlichen Aussagen und Schätzungen die zuverlässige Beurteilung
des Leistungsanspruchs erlauben und, falls dies der Fall ist, gestützt darauf sowie auf
die Feststellungen zu den beiden Vergleichseinkommen, inklusive eines allfälligen
Abzugs vom Tabellenlohn, den Invaliditätsgrad zu bemessen (vgl. BGE 132 V 398 f.
E. 3.2 f.).
4.
4.1 Vorliegend ist demnach zu prüfen, ob sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin derart verändert hat, dass eine Anpassung der Rentenleistung
vorgenommen werden muss. Ihr Gesundheitszustand, der ursprünglich zur
(rückwirkenden) Zusprechung der halben Rente per 1. März 2007 geführt hatte (IV-act.
36, 43 f.), war im Medas-Gutachten vom 23. Mai 2007 (IV-act. 26) dokumentiert
worden. Anlass für das vorliegend zu prüfende Revisionsbegehren der
Beschwerdeführerin waren ihre Phasen mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit seit Dezember
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2009 und ihr Eindruck, dass sich ihr Gesundheitszustand allgemein verschlechtert
habe.
4.2
4.2.1 Bei der Verlaufsbegutachtung vom 6. und 9. Februar 2012 erhoben
Dr. E._, Dr. F._ und Dr. G._ grundsätzlich die gleichen Diagnosen, die sich auf
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkten, wie sie Dr. F._ und Dr. G._
zusammen mit dem damaligen Medas-Chefarzt, Dr. med. H._, im ersten Medas-
Gutachten vom 23. Mai 2007 festgehalten hatten (IV-act. 26). Im Gutachten vom
14. Juni 2012 (IV-act. 71) stellten die Ärzte die Beeinträchtigung der psychischen
Gesundheit - entsprechend der Darstellung der Explorandin (IV-act. 71-13) - in den
Vordergrund und hielten als solche Hauptdiagnosen mit Einschränkung der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit fest (IV-act. 71-19): Mittelgradige depressive Störung mit
somatischem Syndrom und mit dem vorherrschenden Gefühl von Angst (ICD-10:
F32.11); chronifiziertes cerviko- und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit
Schmerzausweitung im Sinne eines generalisierten, diffusen Schmerzsyndroms
(ICD-10: M54.9) mit bzw. bei cervikaler Streckhaltung, Hyperkyphose des
cervikothorakalen Übergangs, leichter lumbaler Hyperlordose; Chondrose C5/6 mit
subligamentärer medianer bis paramedian linksseitiger Diskushernie C5/6 ohne
Neurokompression (MRI vom 15. März 2006); Diskusprotrusion L5/S1 ohne
Neurokompression und hypertrophierende Spondylarthrosen L4/5 und L5/S1 (MRI vom
15. März 2006); Sakralisation von LWK5; segmentaler Dysfunktion sowie muskulärer
Dysbalance. Als Nebendiagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
stellten die Gutachter ebenfalls die Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit in
den Vordergrund und listeten wegen der zwischenzeitlich durchgeführten Operationen
auch weitere Diagnosen auf (IV-act. 71-19): Anhaltende somatoforme Schmerzstörung
(ICD-10: F45.4); ängstlich-dysthyme Persönlichkeitsstruktur (ICD-10: F61.0);
Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10: Z60.3); Status nach
Familienzerrüttung durch Scheidung (ICD-10: Z63.5); laparoskopische
Cholecystektomie am 3. Dezember 2009 wegen Cholecystolithiasis und
aktenanamnestisch Cholecystitis sowie Revisionslaparoskopie und offene Revision mit
Gallengangübernähung und Lavage am 10. Dezember 2009 wegen Cholaskos und
Abszess im Gallenblasenbett bei Leckage aus aberranten Gallengängen nach
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laparoskopischer Cholecystektomie; laparoskopische Hysterektomie am 31. Mai 2010
wegen grossem Uterus myomatosus mit Hypermenorrhoe und Harnverhaltung (April
2010) und Revisionslaparoskopie wegen Nachblutung am 31. Mai 2010;
aszendierender Harnwegsinfekt mit beginnender Pyelonephritis rechts im April 2010;
Spreizfüsse mit Hallux valgus beidseits; zystische Raumforderung im oberen vorderen
Mediastinum unklarer Ätiologie (Zufallsbefund Dezember 2009) und im Verlauf
regredient (CT Thorax Januar 2010). Eine Verschlechterung des Gesundheitszustands
konnten die Gutachter trotz subjektiver Beschwerdezunahme weder aus
psychiatrischer noch aus somatischer Sicht objektivieren (Ziffer 7.1.1. des Gutachtens,
IV-act. 71-23). Sie beurteilten die Arbeitsfähigkeit der Versicherten sowohl in der
angestammten als auch in einer adaptierten Tätigkeit unverändert mit 50%. Diese
umschrieben sie als körperlich leichte, wechselbelastende berufliche Tätigkeit ohne
Arbeiten in ausgesprochenen Wirbelsäulenzwangshaltungen sowie ohne Heben/Tragen
von Gewichten über 10 bis 12,5 kg. Aus psychiatrischer Sicht könnte die Versicherte
diese körperlich adaptierten Tätigkeiten in einem ganztägigen Arbeitspensum mit 50%
reduziertem Rendement ausüben (IV-act. 71-23 f.).
4.2.2 Bei der Ermittlung der aktuellen Diagnosen berücksichtigten die Gutachter
sowohl die Erhebungen bei der Medas-Begutachtung vom 23. Mai 2007 (IV-act. 26)
und die Berichte über sämtliche zwischenzeitlichen Untersuchungen und
Behandlungen als auch die Ergebnisse ihrer eigenen Untersuchungen vom 6. und
9. Februar 2012 und der polydisziplinären Konferenz vom 9. Februar 2012 (vgl. IV-act.
71-1 ff.). Dr. G._ setzte sich unter Ziffer 5.4.2. ausdrücklich mit früheren
psychiatrischen Einschätzungen, insbesondere derjenigen durch Dr. D._,
auseinander (IV-act. 71-16). In der polydisziplinären versicherungsmedizinischen
Beurteilung und in der Stellungnahme zur aktuellen gesundheitlichen Situation und
Begründung der hauptgutachterlichen und polydisziplinären Diagnosefindungen taten
dies die Gutachter für alle Disziplinen (Ziffer 6.2.2. f. des Gutachtens, IV-act. 71-20 ff.).
4.2.3 Das Medas-Verlaufsgutachten vom 14. Juni 2012 erfüllt die Anforderungen
an ein beweiskräftiges medizinisches Gutachten (vgl. vorstehende E. 3.1). Es schildert
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin umfassend, beruht auf allseitigen
Untersuchungen und berücksichtigt die geklagten Beschwerden. Die Gutachter
dokumentieren ihre Kenntnisse der Vorakten. Ihre Darlegung der medizinischen
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Zusammenhänge und ihre Beurteilung der medizinischen Situation leuchten ein und
ihre Schlussfolgerungen sind begründet und plausibel.
4.3
4.3.1 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin macht gegen das Medas-
Verlaufsgutachten vom 14. Juni 2012 insbesondere geltend, es berücksichtige den
Arbeitsplatzbeschrieb (bezeichnet als "Gesundheits-Belastungs-Profil", IV-act. 45-3)
nicht, der von Hausarzt Dr. B._ mitunterzeichnet worden sei und den sie der IV-Stelle
zusammen mit dem Revisionsbegehren vom 2. Januar 2011 eingereicht habe. Daher
fehle es an der rechtsgenüglichen Berücksichtigung der Vorakten und an der
Beweiskraft des Verlaufsgutachtens. Das Gesundheits-Belastungs-Profil listet die
verschiedenen Tätigkeiten und deren Häufigkeit auf, aus denen sich die
Reinigungsarbeit der Beschwerdeführerin im Z._, in der Zeit um den 25. November
2010 (Datum der Erhebung), zusammensetzte. Dr. B._ prüfte am 6. Dezember 2010
die aufgelisteten Tätigkeiten unter medizinischen Gesichtspunkten auf ihre Eignung für
die Versicherte. Dabei kam er für mehrere Tätigkeiten, auch für solche, die die
Beschwerdeführerin sehr häufig ausführte, zum Schluss, dass sie dauerhaft nicht
geeignet seien. Den Inhalt dieser Einschätzung wiederholte der Hausarzt im Beiblatt
zum Arztbericht vom 16. September 2011 (IV-act. 64-3) und die Medas-Gutachter
gaben letzteres in der Aktenzusammenfassung ausführlich wieder (IV-act. 71-5). Die
Kritik der Beschwerdeführerin bzw. ihres Rechtsvertreters am Medas-
Verlaufsgutachten, es berücksichtige das Gesundheits-Belastungs-Profil und damit die
Vorakten nicht (genügend), ist daher nicht gerechtfertigt. Das genannte Gesundheits-
Belastungs-Profil bestätigt vielmehr, dass der Beschwerdeführerin jedenfalls Ende
2010 Tätigkeiten zugemutet wurden, für die sie aufgrund ihres Gesundheitszustands
nicht geeignet war und für die sie bereits im Medas-Gutachten vom 23. Mai 2007 als
nicht geeignet erklärt worden war (vgl. IV-act. 26-10 f.). Ein Widerspruch mit dem
Medas-Verlaufsgutachten vom 14. Juni 2012, das - wie bereits das Medas-Gutachten
vom 23. Mai 2007 - die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin entsprechend dem
Zumutbarkeitsprofil und damit in erster Linie theoretisch umschreibt, ist nicht
auszumachen. Auch die Beweiskraft des Verlaufsgutachtens ist durch das
Gesundheits-Belastungs-Profil vom 25. November 2010 bzw. 6. Dezember 2010 nicht
in Frage gestellt.
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4.3.2 Weiter führt der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus, der
Arbeitsfähigkeitseinschätzung der Medas Ostschweiz sei auch bezüglich adaptierten
Tätigkeiten nicht zuzustimmen. Vielmehr sei auf die Beurteilung von Dr. D._
abzustellen. Es sei nachvollziehbar und einleuchtend, wenn sie schildere, dass die
Beschwerdeführerin 30% von 100% in einer sehr den Beschwerden angepassten
Tätigkeit bei einer um 20% herabgesetzten Leistung arbeitsfähig sei. Die behandelnde
Psychiaterin hielt im Bericht vom 21. Januar 2011 an die IV-Stelle (IV-act. 52) fest, die
Versicherte leide - mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - an einer rezidivierenden
depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradiger Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10: F33.11) und weise eine ängstlich-abhängige Persönlichkeitsstruktur (ICD-10:
Z73.1) auf. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4). Diese Diagnosen hatte sie
bereits im Bericht vom 7. April 2007 (IV-act. 16) angegeben, der mit dem Attest einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit einherging und im Medas-Gutachten vom 23. Mai 2007
(auch bezüglich Arbeitsunfähigkeit von 50%, IV-act. 26, 26-14 ff.) bestätigt wurde. Im
Verlaufsbericht vom 31. August 2011 (IV-act. 62-1) an die IV-Stelle hielt Dr. D._ fest,
der Gesundheitszustand der Versicherten sei gegenüber dem Bericht vom 21. Januar
2011 stationär und die Diagnose unverändert. Unter Verlauf gab sie an, es habe eine
affektive Stabilisierung stattgefunden und mit sehr angepasster Tätigkeit zu 30%
hätten sich die Schmerzen nicht intensiviert. In den gegebenen Arbeitsbedingungen
ging sie von einer optimalen Prognose aus. Sowohl sehr leichte Reinigungsarbeiten als
auch leichte körperliche Tätigkeiten ohne stereotype Bewegungen vor allem der oberen
Extremitäten hielt die behandelnde Psychiaterin gemäss Beiblatt zum Arztbericht vom
31. August 2011 (IV-act. 62-2 f.) zu 30% von 100% für zumutbar und attestierte der
Versicherten bei beiden Arten von Tätigkeiten eine um 20% verminderte
Leistungsfähigkeit. Dr. G._ diskutierte im Medas-Verlaufsgutachten die Beurteilung
der Arbeitsunfähigkeit durch Dr. D._ (IV-act. 71-16). Er hielt dazu fest, bei der
Diagnosestellung einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung und einer
mittelschweren depressiven Störung mit somatischem Syndrom bestehe Einigkeit mit
der behandelnden Psychiaterin. Dr. D._ stelle zudem die Diagnose einer ängstlich-
abhängigen Persönlichkeitsstruktur. Aufgrund der Vorgeschichte der Versicherten bzw.
ihrem Unglücklichsein seit ihrer Kindheit mit Gewalterlebnissen durch den Vater und
später durch den Ehemann sei es nachvollziehbar, dass sie ängstlich-dysthyme Züge
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in ihrer Persönlichkeitsstruktur entwickelt habe. Bei diesen Diagnosen habe Dr. D._
eine Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert, was aus gutachterlicher Sicht
nachvollziehbar sei. Nicht nachvollziehbar sei beim selben psychopathologischen
Zustand bzw. bei denselben psychiatrischen Diagnosen die Erhöhung der
Arbeitsunfähigkeit auf 70% in Zusammenhang mit körperlichen Beschwerden bzw.
somatischen Diagnosen. Diese Kritik des psychiatrischen Gutachters an der
Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit durch Dr. D._ ist begründet und nachvollziehbar.
Der kritisierten Beurteilung mangelt es demgegenüber genau an den angeführten
Punkten. Hätten das von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Mobbing und die
Probleme am Arbeitsplatz Krankheitswert (gehabt), wären sie mit zusätzlichen
Diagnosen sowohl in den Berichten von Dr. D._ als auch im Verlaufsgutachten
dokumentiert worden, was nicht der Fall ist. Daher kann nicht auf die durch Dr. D._
geschätzte Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin abgestellt werden, auch wenn
die Beschwerdeführerin dieselbe aufgrund ihres subjektiven Erlebens als die einzig
richtige empfindet.
4.3.3 Zusammenfassend ist die Kritik der Beschwerdeführerin und ihres
Rechtsvertreters am Medas-Verlaufsgutachten vom 14. Juni 2012 nicht stichhaltig.
4.4 Aufgrund des beweiskräftigen Medas-Verlaufsgutachtens vom 14. Juni 2012 (IV-
act. 71) steht fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin nicht
massgeblich verschlechtert hat. Weiterhin ist ihr eine körperlich leichte,
wechselbelastende berufliche Tätigkeit ohne Arbeiten in ausgesprochenen
Wirbelsäulenzwangshaltungen sowie ohne Heben/Tragen von Gewichten über 10 bis
12,5 kg zumutbar, wobei sie aus psychiatrischer Sicht diese körperlich adaptierten
Tätigkeiten in einem ganztätigen Arbeitspensum mit 50% reduziertem Rendement
ausüben könnte (IV-act. 71-23 f.). Die Voraussetzungen für die Erhöhung des
Invaliditätsgrads und allenfalls die Zusprechung einer höheren Invalidenrente sind
daher nicht gegeben. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 3. Oktober 2012
erweist sich damit als zutreffend.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 1. November
2012 abzuweisen.
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St.Galler Gerichte
5.2 Der Beschwerdeführerin wurde am 30. Januar 2013 die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) bewilligt (act. G 5).
5.2.1 Die Kosten für dieses Verfahren, die auf Fr. 600.-- festzusetzen sind, hätte
an sich die Beschwerdeführerin zu bezahlen. Da ihr aber die unentgeltliche
Rechtspflege bewilligt worden ist, ist sie von der Bezahlung der Gerichtskosten zu
befreien.
5.2.2 Da der Staat zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten
ist, für die Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen, steht
dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar zu (vgl.
Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, [AnwG; sGS 963.70]). Das Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen spricht in invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren gestützt
auf Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten
(HonO; sGS 963.75) regelmässig eine (ungekürzte) pauschale Entschädigung zwischen
Fr. 3'000.-- und Fr. 4'000.-- zu. Der vorliegende Streitfall erscheint nicht besonders
aufwändig. In Würdigung der Umstände ist die Parteientschädigung auf Fr. 2'800.--
(80% von Fr. 3'500.-- einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen.
5.2.3 Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse es gestatten, kann die
Beschwerdeführerin zur Nachzahlung der vom Staat entschädigten Prozesskosten
(Gerichts- und Parteikosten) verpflichtet werden (Art. 123 der Schweizerischen
Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272] in Verbindung mit Art. 99 Abs. 2 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP