Decision ID: b146378d-17ee-4a53-afb6-fc71f99468c0
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ leidet spätestens seit 1986 (Erstdiagnose 1990) unter den Folgen einer
Multiplen Sklerose (IV-act. 5). Dr. med. B._, Innere Medizin, speziell Rheumatologie
FMH, berichtete am 26. Juli 1998 unter anderem über erstmals ca. ein Jahr zuvor
aufgetretene wechselnde Arthralgien in den Handgelenken, den Knien beidseits und
der linken Schulter. Im Vordergrund stünden Störungen der Feinmotorik (IV-act. 5-3 ff.).
Am 31. Juli 2005 erlitt der Versicherte einen akuten inferoposterioren Myokardinfarkt
mit Rechtsherzbeteiligung (IV-act. 24-3). Dr. med. C._, Fachärztin FMH für
Neurologie, diagnostizierte am 4. September 2006 eine Encephalomyelitis disseminata
(Multiple Sklerose) mit sekundär chronisch progredienter Verlaufsform, eine
Polyneuropathie unklarer Ätiologie und eine koronare Herzkrankheit. Der Versicherte
habe unverändert eine eingeschränkte Gehfähigkeit und Feinmotorikstörungen der
oberen Extremitäten mit Handicap beim Handeinsatz. Seit einiger Zeit sei er in
urologischer Behandlung (IV-act. 42-7 f.).
A.b Am 7. Februar 2007 stellte der Versicherte bei der IV-Stelle ein Gesuch um
Kostenübernahme der krankheitsbedingt notwendigen baulichen Veränderungen der
neu bezogenen Eigentumswohnung (IV-act. 34, vgl. auch Schreiben vom 21. November
2005; IV-act. 26).
A.c Dr. med. D._, Allgemeinmedizin FMH, berichtete am 23. Februar 2007 über
einen chronischen Verlauf der Multiplen Sklerose mit zunehmender Geh- und
feinmotorischer Störung. Er attestierte dem Versicherten seit 1. Oktober 2005
durchgehend eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (volle Präsenzzeit bei halber Leistung).
Bei der Arbeit als Regressspezialist führten die Behinderungen insbesondere in der
Feinmotorik zu einer starken Verlangsamung. Er könne deshalb nur sehr langsam am
Computer arbeiten und brauche für vergleichbare Arbeiten doppelt so lange wie früher
(IV-act. 42-3 f.). Dr. C._ hielt am 28. Februar 2007 unter anderem eine deutlich links
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
betonte eingeschränkte Feinmotorik der Finger und Zehen beidseits fest. Im Finger-
Nase-Versuch bestehe ein leichter, links betonter Intensionstremor (IV-act. 43).
A.d Mit Verfügung vom 8. November 2007 sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit
Wirkung ab 1. Juni 2006 eine halbe Invalidenrente zu (IV-act. 59 f.).
A.e Am 6. August 2008 übermittelte die IV-Stelle dem SAHB Hilfsmittel-Zentrum St.
Gallen die inzwischen vom Versicherten erhaltenen Rechnungen für die baulichen
Änderungen der Wohnung, welche unter anderem ein Motorschloss für die
Wohnungstüre inkl. Telefonanlage beinhalteten (IV-act. 70, vgl. IV-act. 69, 64). In seiner
fachtechnischen Beurteilung vom 30. Oktober 2008 führte das SAHB bezüglich des
Motorschlosses aus, die Ehefrau des Versicherten sei der Meinung, dieser habe
Anspruch auf ein solches Schloss, weil er so zittere. Dies müsste ein ärztliches Zeugnis
belegen. Das SAHB empfahl der IV-Stelle einen Kostenbeitrag in der Höhe des
eingeholten Kostenvorschlags für einen einfachen Türautomaten mit Funkauslöser in
der Höhe von Fr. 6‘000.-- zu leisten (IV-act. 72).
A.f Gestützt auf die Beurteilung des SAHB übernahm die IV-Stelle mit Verfügung vom
7. April 2009 einen Kostenbeitrag von Fr. 6‘000.-- an einen elektrischen Türöffner. Sie
hielt fest, Reparaturkosten würden vergütet, wenn sie trotz sorgfältigem Gebrauch
entstünden und kein Dritter dafür hafte (IV-act. 83).
A.g Dr. C._ befand am 3. September 2009, seit 1. September 2009 betrage die
gesamte Arbeitsleistung des Versicherten 25 bis 30% (IV-act. 102). Gestützt darauf
stellte der Versicherte am 8. September 2009 ein Gesuch um Rentenerhöhung (IV-act.
101). Dr. C._ führte in ihrem Bericht vom 23. September 2009 aus, unter anderem
bestehe eine zunehmende Gangataxie und Extremitätenataxie mit Intensionstremor der
oberen Extremitäten beidseits. In zunehmendem Masse manifestierten sich auch
kognitive Einschränkungen und eine ausgeprägte Bradyphrenie (IV-act. 104). Bei einer
neuropsychologischen Abklärung in der Rheinburg-Klinik, St. Gallen, vom 23. und 24.
September 2009 stellten die untersuchenden medizinischen Fachpersonen eine
mittelschwer eingeschränkte neuropsychologische Leistungsfähigkeit mit
eingeschränkter Belastbarkeit fest (IV-act. 108). Mit Verfügung vom 16. Dezember 2009
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab 1. Dezember 2009 eine ganze IV-
Rente zu (IV-act. 117).
B.
B.a Am 10. September 2017 beantragte der Versicherte unter anderem sinngemäss
die Übernahme der Kosten einer Video-Gegensprechanlage mit Türöffner; er reichte
eine Offerte im Gesamtbetrag von Fr. 3‘896.75 ein (IV-act. 138 f.). Die IV-Stelle teilte
dem Versicherten mit Schreiben vom 25. September 2017 unter Verweis auf Ziffer
13.05* der Liste im Anhang zur Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die
Invalidenversicherung (HVI; SR 831.232.51) mit, eine Gegensprechanlage inkl. Türöffner
käme nur für Personen in Frage, welche letzteren für die Überwindung des
Arbeitsweges benötigten. Da er nicht arbeitstätig sei, könne sie die Kosten nicht
übernehmen (IV-act. 141). Der Versicherte brachte am 4. Oktober 2017 dagegen vor, er
habe gestützt auf Ziffer 4.03 (gemeint wohl: 14.04) einen Anspruch auf das Hilfsmittel,
da es seine Fähigkeit, den Kontakt zur Umwelt zu ermöglichen, erhalte. Der 2009
installierte Türöffner sei leider technisch total veraltet und eine Reparatur nicht mehr
wirtschaftlich (IV-act. 142).
B.b Mit Vorbescheid vom 31. Oktober 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, das Begehren um eine Kostengutsprache für den elektrischen Türöffner und
die Video-Gegensprechanlage abzuweisen. Zur Begründung führte sie aus, eine Video-
Gegensprechanlage stelle kein Hilfsmittel der IV dar und könne deshalb nicht
übernommen werden. Da der Versicherte nicht mehr arbeitstätig sei, bestehe kein
Anspruch auf einen elektrischen Türöffner. Rechtsprechungsgemäss sei der Anspruch
auf einen solchen ausschliesslich gestützt auf Ziffer 13.05* der HVI zu prüfen (IV-act.
145).
B.c Am 27. November 2017 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid (IV-
act. 147).
C.
C.a Gegen die Abweisungsverfügung erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 29. Dezember 2017 Beschwerde. Er beantragte sinngemäss,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Verfügung sei aufzuheben sowie ihm Kostengutsprache für einen Türöffner mit
Video-Gegensprechanlage zu erteilen. Er machte geltend, ein Anspruch auf Hilfsmittel
bestehe ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit. Die beantragten Hilfsmittel
ermöglichten ihm den Kontakt mit der Umwelt und das selbständige Fortbewegen. Bei
seinen Blasen- und Darmproblemen eile es immer sehr. Wegen seiner zittrigen Hände
gelinge es ihm nicht, die Tür schnell genug mit dem Schlüssel zu öffnen, um die
Toilette rechtzeitig zu erreichen. Ausserdem habe ihm die IV-Stelle 2009 eine
Kostengutsprache für einen elektrischen Türöffner inklusive Reparaturkosten erteilt und
er habe im Sinne der Besitzstandswahrung weiterhin Anspruch darauf (act. G1).
C.b Am 21. Februar 2018 beantragte die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin),
die Beschwerde sei abzuweisen. Sie brachte vor, eine Video-Gegensprechanlage stelle
kein Hilfsmittel im Sinne der HVI dar und könne daher nicht übernommen werde. Der
automatische Türöffner falle unter die Hilfsmittel, welche nur abgegeben werden
könnten, wenn sie für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im
Aufgabenbereich notwendig seien. Da der Beschwerdeführer nicht erwerbstätig sei und
keine regelmässige Tätigkeit im Haushalt angenommen werden könne, seien die
Voraussetzungen nicht erfüllt (act. G4).
C.c Der Beschwerdeführer liess die Frist zur Einreichung einer Replik unbenützt
ablaufen (act. G6).

Erwägungen
1.
Nach Art. 8 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20)
haben invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen, zu denen unter anderem die Abgabe von Hilfsmitteln (Art.
8 Abs. 3 lit. d IVG) gehört. Versicherte haben im Rahmen einer vom Bundesrat
aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, derer sie für die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit oder einer Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder
zum Zweck der funktionellen Angewöhnung bedürfen (Art. 21 Abs. 1 Satz 1 IVG). Der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Versicherte, der infolge seiner Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des
Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedarf, hat im
Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die
Erwerbsfähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Art. 21 Abs. 2 IVG). Der Bundesrat
hat diese Aufgabe an das zuständige Departement delegiert (Art. 14 der Verordnung
über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Dieses hat eine Verordnung über die
Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) erlassen. Gemäss Art. 2
Abs. 2 HVI besteht ein Anspruch auf die in der Liste im Anhang aufgeführten Hilfsmittel,
soweit diese für die Fortbewegung, die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt oder
für die Selbstsorge notwendig sind. Auf die in dieser Liste mit einem Stern (*)
bezeichneten Hilfsmittel besteht nur dann ein Anspruch, wenn dieses Hilfsmittel für die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder einer Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die
Schulung, für die Ausbildung, für die funktionelle Angewöhnung oder für eine
ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig ist (Art. 2 Abs. 2 HVI). Im Anhang der HVI
werden fünfzehn Hilfsmittelkategorien aufgezählt. Diese Auflistung ist abschliessend.
Im Einzelfall ist innerhalb einer Hilfsmittelkategorie zu prüfen, ob die Aufzählung der
einzelnen Hilfsmittel ebenfalls abschliessend oder bloss beispielhaft ist. Damit die
Kosten für eine Sache übernommen werden können, muss diese unter eine
Hilfsmittelkategorie bzw. unter ein bestimmtes Hilfsmittel subsumiert werden können.
Ist dies nicht der Fall, fällt eine Kostenübernahme ausser Betracht.
2.
Für die Beantwortung der Frage, ob die Kosten der Video-Gegensprechanlage
aufgrund der HVI übernommen werden können, muss deren allfällige Einordnung in
eine Hilfsmittelkategorie überprüft werden. Eine Video-Gegensprechanlage ist in keiner
Hilfsmittelkategorie aufgeführt. Denkbar wäre einzig eine Subsumption unter dem Titel
der Herstellung des Kontakts mit der Umwelt, Ziffer 15.05 (Umweltkontrollgeräte).
Diese Ziffer bedingt jedoch, dass die versicherte Person schwerstgelähmt ist und nur
durch diese Vorrichtung mit der Umwelt in Kontakt treten kann oder dass nur dadurch
die selbständige Fortbewegung mit dem Elektrofahrstuhl innerhalb des Wohnbereichs
ermöglicht wird. Diese Voraussetzungen sind vorliegend offensichtlich nicht erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb den Antrag auf Übernahme der Kosten einer Video-
Gegensprechanlage zu Recht abgewiesen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Weiter beantragt der Beschwerdeführer die Kostengutsprache für einen elektrischen
Türöffner. Er macht sinngemäss geltend, da ihm die Beschwerdegegnerin bereits 2009
eine Kostengutsprache für einen Türöffner inklusive Reparaturkosten erteilt habe,
bestehe im Sinne einer Besitzstandsgarantie weiterhin ein Anspruch darauf (act. G1).
Zur Prüfung dieses Vorbringens ist vorerst der Inhalt der Verfügung vom 7. April 2009
(IV-act. 83) zu interpretieren. Es stellt sich dabei die Frage, ob die Beschwerdegegnerin
mittels einer Feststellungsverfügung grundsätzlich über einen unbefristeten Anspruch
auf das Hilfsmittel “elektrischer Türöffner“ entschieden hat oder ob sie nur
rechtsgestaltend einen Kostenbeitrag an einen konkret bestimmten Türöffner geleistet
hat.
3.1 Der Beschwerdeführer hatte an seiner Wohnungstüre ein Motorschloss mit
Telefonanlage einbauen lassen und der IV-Stelle die Rechnung dafür am 14. Juli 2008
zugestellt (IV-act. 69). Das SAHB hatte sich in seiner Beurteilung vom 30. Oktober 2008
auf den Standpunkt gestellt, die verrechnete Lösung könne nicht als einfach und
zweckmässig bezeichnet werden. Sie stelle für den Beschwerdeführer sicher die
bestmögliche Lösung dar, ihres Erachtens hätte ein einfacher Türautomat mit
Funkauslöser aber genügt (IV-act. 72). Das SAHB hatte eine approximative Offerte für
eine solch einfache Lösung eingeholt, welche sich auf rund Fr. 6‘000.-- belaufen hatte
(IV-act. 72-6 ff.). Die Beschwerdegegnerin übernahm mit der Verfügung vom 7. April
2009 einen Kostenbeitrag von Fr. 6‘000.-- “an einen“ elektrischen Türöffner. Sie hielt
weiter fest, der Kostenbeitrag belaufe sich auf eine einfache und zweckmässige
Lösung für einen Türautomaten mit Funkauslöser (IV-act. 83). Entgegen dem Wortlaut
der Verfügung ist jedoch nicht davon auszugehen, dass sich der Beitrag auf
irgendeinen beliebigen Türöffner bezog. Die Kostengutsprache erfolgte wohl nur
deshalb nicht für die Anlage, welche der Beschwerdeführer tatsächlich hatte einbauen
lassen, weil er keinen Anspruch darauf hatte. Gestützt auf die Einschätzungen des
SAHB erachtete die Beschwerdegegnerin jene Installation als nicht einfach und
zweckmässig im Sinne von Art. 2 Abs. 4 HVI. In solchen Fällen haben Versicherte im
Rahmen der Austauschbefugnis i.S.v. Art. 21bis Abs. 2 IVG Anspruch auf Ersatz der
Kosten bis höchstens zu dem Betrag, den die Versicherung für das Hilfsmittel aus der
Liste aufgewendet hätte (Art. 8 Abs. 1 HVI). Die IV-Stelle hielt in ihrer Verfügung zudem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
fest, sie vergüte Reparaturkosten, wenn sie trotz sorgfältigem Gebrauch entstünden
und kein Dritter dafür hafte (IV-act. 83). Damit sicherte sie die Übernahme allfälliger
Reparaturkosten des konkreten Türöffners und nicht den Ersatz durch ein
gleichwertiges Gerät bei fehlender Reparaturmöglichkeit zu.
3.2 Zusammenfassend übernahm die Beschwerdegegnerin mit der
Gestaltungsverfügung vom 7. April 2009 einen Kostenbeitrag von Fr. 6‘000.-- an den
tatsächlich eingebauten Türöffner. Daraus ergibt sich kein Daueranspruch des
Beschwerdeführers auf die Kostenübernahme eines beliebigen elektrischen Türöffners,
welcher den Voraussetzungen der HVI entspricht. Im Weiteren ist daher der Anspruch
auf Kostenübernahme neu zu prüfen.
4.
4.1 Bei Hilfsmitteln gilt die Invalidität dann als eingetreten, wenn der
Gesundheitsschaden objektiv erstmals die Versorgung mit einem solchen Gerät
notwendig macht. Die Invalidität i.S.v. Art. 21 IVG wird in Anlehnung an die
Begriffsmerkmale von Art. 4 Abs. 1 und Art. 8 Abs. 1 IVG konkretisiert: So ist die
Voraussetzung der längeren Zeit dauernden Beeinträchtigung dann erfüllt, wenn das
Hilfsmittel voraussichtlich während mindestens eines Jahres benötigt wird (ULRICH
MEYER/MARCO REICHMUTH, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl., Rz 11
f. zu Art. 21-21quater). Im Folgenden ist zu beurteilen, ob ein elektrischer Türöffner aus
medizinischer Sicht für den Beschwerdeführer objektiv notwendig ist.
4.2 Bedingt durch die Erkrankung an einer Multiplen Sklerose leidet der
Beschwerdeführer unbestritten an Störungen der Feinmotorik, welche den Einsatz
seiner Hände erschweren (vgl. IV-act. 5-3 ff., 42 f., 104). Das bedeutet jedoch nicht,
dass der Beschwerdeführer nicht fähig wäre, die Türe ohne elektrischen Türöffner zu
öffnen. Der Beschwerdeführer macht vorliegend selbst geltend, aufgrund seiner
Blasen- und Darmprobleme eile es immer sehr. Wegen seiner zittrigen Hände gelinge
es ihm nicht, die Tür schnell genug mit dem Schlüssel zu öffnen, um die Toilette
rechtzeitig zu erreichen (act. G1). Daraus ist zu folgern, dass er grundsätzlich in der
Lage ist, die Wohnungstür selbst mit einem Schlüssel aufzuschliessen und zu öffnen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nur in Stresssituationen, wenn er krankheitsbedingt möglichst schnell in die Wohnung
gelangen sollte, bekundet er Schwierigkeiten, den Schlüssel in das Schlüsselloch
einzuführen und zu drehen. Dies reicht jedoch nicht aus, um die Notwendigkeit eines
elektrischen Türöffners zu bejahen. Allenfalls könnte dem Beschwerdeführer auch eine
einfachere Massnahme, wie etwa eine Vergrösserung des Schlüsselkopfes, eine
gewisse Erleichterung bei der Türöffnung verschaffen. Aus den aktenkundigen
medizinischen Einschätzungen ergibt sich ebenfalls keine Notwendigkeit für einen
elektrischen Türöffner. Dr. C._ berichtete am 23. September 2009 zwar über eine
zunehmende Extremitätenataxie mit Intensionstremor der oberen Extremitäten
beidseits. Sie hielt jedoch keine dadurch bedingten weitergehenden Einschränkungen,
als die bereits vor der Verfügung vom 7. April 2009 bekannten Schwierigkeiten bei
Computerarbeiten fest (IV-act. 104, vgl. IV-act. 42-3 f.). Die Rentenerhöhung mit
Wirkung ab 1. Dezember 2009 erfolgte sodann vorwiegend aufgrund neu aufgetretener
bzw. stärker gewordener kognitiver bzw. neuropsychologischer Einschränkungen; die
Probleme der Feinmotorik standen nicht im Vordergrund (vgl. IV-act. 104, 108, 117).
Insgesamt ist medizinisch keine spezifische Hilflosigkeit und damit auch keine
Notwendigkeit eines neuen elektrischen Türöffners ausgewiesen.
5.
Somit ist die Beschwerde vollumfänglich abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist
dem Beschwerdeführer anzurechnen.