Decision ID: ea0f02cd-bf26-53e4-9aa6-1a507b4e9dfe
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 9. Juni 2015 erstmals in der Schweiz um
Asyl nach.
Er machte im Wesentlichen geltend, seine Mutter habe sich den Liberation
Tigers of Tamil Eelam (LTTE) angeschlossen. Nach Kriegsende sei sie im
(...) aus einem Rehabilitationszentrum entlassen worden und beim Crimi-
nal Investigations Department (CID) unterschriftspflichtig gewesen. Er sei
ebenfalls aufgefordert worden, Unterschrift zu leisten, habe dieser Auffor-
derung jedoch keine Folge geleistet. Die Behörden hätten ihn verdächtigt,
für den Geheimdienst der LTTE zu arbeiten und ihn deswegen zuhause
gesucht. In seiner Abwesenheit sei seine Mutter festgenommen und (...)
Monate in B._ in Haft gewesen. Später sei er einige Male bei seinen
Eltern gesucht worden. Im Jahr (...) habe man seiner Mutter gedroht, dass
man ihn auslöschen werde, weshalb sein Vater seine Ausreise mit einem
gefälschten Pass organisiert habe. Seine Mutter habe später in einer Zei-
tung über (...) berichtet, woraufhin sie misshandelt worden sei. Nach seiner
Ausreise habe sich sein jüngerer Bruder versteckt und später Sri Lanka
ebenfalls verlassen.
B.
Mit Verfügung vom 7. Dezember 2017 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte das Asylge-
such ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Voll-
zug an. Die Vorinstanz begründete die Verfügung im Wesentlichen mit der
Unglaubhaftigkeit der Verfolgungsvorbringen und der im Übrigen fehlenden
Asylrelevanz der Vorbringen.
C.
Die gegen diese Verfügung am 11. Januar 2018 beim Bundesverwaltungs-
gericht erhobene Beschwerde wurde mit Urteil E-241/2018 vom 7. August
2020 abgewiesen.
Das Gericht erwog im Wesentlichen, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, eine Verfolgung in Sri Lanka zum Zeitpunkt seiner Ausreise
glaubhaft zu machen. Mit Blick auf das Referenzurteil E-1866/2015 vom
15. Juli 2016 seien bei einer Rückkehr nach Sri Lanka auch keine ausrei-
chenden risikobegründenden Faktoren zu erkennen. Der Umstand, dass
seine Mutter früher für die LTTE tätig gewesen sei, sei für sich alleine be-
trachtet kein Risikofaktor, der zur Bejahung einer begründeten Furcht
E-2658/2021
Seite 3
führe. Auch die vorgebrachten exilpolitischen Tätigkeiten seien weder für
sich alleine noch in Verbindung mit der LTTE-Vergangenheit der Mutter ge-
eignet, ein Risikoprofil zu begründen. Es sei nicht davon auszugehen, dass
er bei einer Rückkehr ins Heimatland von den sri-lankischen Behörden ver-
dächtigt würde, sich während seines längeren Aufenthalts in der Schweiz
exponiert exilpolitisch betätigt zu haben und damit ein Wiederaufleben der
LTTE anzustreben. Daran änderten auch die jüngsten Ereignisse in Sri
Lanka im Nachgang der Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi-
denten Sri Lankas – ungeachtet einer möglichen Akzentuierung der Ge-
fährdungslage – nichts. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären und es bestehe vorliegend auch kein
persönlicher Bezug des Beschwerdeführers zur Präsidentschaftswahl res-
pektive deren Folgen. An der Lageeinschätzung des Referenzurteils
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 sei weiterhin festzuhalten. Aus den Akten
sei auch unter Berücksichtigung der aktuellen Lage in Sri Lanka keine auf
die Person des Beschwerdeführers bezogene konkrete Gefährdung er-
kennbar.
Hinsichtlich des Wegweisungsvollzugs führte das Gericht aus, dass sich
aus den Akten keine konkreten Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen sogenann-
ten «Background Check» (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im
In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre. Damit erweise sich der Vollzug der Wegweisung als zulässig und
überdies auch als zumutbar (in allgemeiner sowie individueller Hinsicht)
und möglich.
D.
Mit als «Asylgesuch resp. Mehrfachgesuch, eventualiter Wiedererwä-
gungsgesuch, subeventualiter qualifiziertes Wiedererwägungsgesuch» be-
zeichneter Eingabe vom 3. Mai 2021 gelangte der Beschwerdeführer er-
neut an die Vorinstanz.
Darin machte er im Wesentlichen geltend, dass er mit der Machtergreifung
durch den Rajapaksa-Clan und die kürzlich durchgesetzte Konsolidierung
seiner Herrschaftsgewalt bei einer Rückkehr nach Sri Lanka gefährdet sei.
Die veränderte Macht-, Politik- und Sicherheitslage in Sri Lanka bedinge
eine neue Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft und der Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzugs. Ferner missbrauche die autoritäre Regierung
E-2658/2021
Seite 4
die neu eingeführten COVID-19 Massnahmen, indem sie die in die Persön-
lichkeitsrechte eingreifenden Ausnahmeregelungen für die Eliminierung
der Opposition verwende. Innerhalb der letzten zwei Monate sei es unter
dem Deckmantel der Nichteinhaltung der COVID-19 Regelungen zu zahl-
reichen Verhaftungen gekommen. Sodann seien die Überwachungs- und
Kontrollmassnahmen, spezifisch im Norden und der Provinz Jaffna, erhöht
worden. Zudem seien im Rahmen der drakonischen Gesetzesgrundlage
des Prevention of Terrorism Act (PTA) willkürliche Verhaftungen, Folter und
Menschenrechtsverletzungen begangen worden. Die Gefährdungslage
habe sich – vor allem für Minderheiten wie Tamilen, insbesondere, wenn
sie in Verbindung mit den LTTE gebracht würden – intensiviert.
Ferner sei die bisherige Beurteilung der Echtheit von der im ordentlichen
Verfahren unterbreiteten Bestätigung der Haftentlassung seiner Mutter zu
kritisieren. Die (bisherige) Feststellung der Asylbehörden, die Inhaftierung
der Mutter stehe nicht in Relation mit seiner (Reflex-)Verfolgung, sei spä-
testens nach den neusten Entwicklungen in Sri Lanka als nicht plausibel
zu qualifizieren. Bei einer Rückkehr sei er einem erhöhten Inhaftierungsri-
siko ausgesetzt, da die Behörden nach seiner Ausreise mehrmals zu
Hause in Sri Lanka nach ihm gesucht und dabei insbesondere nach seinem
Aufenthaltsort gefragt hätten. Diese Behelligungen dauerten bis heute an,
weshalb davon auszugehen sei, dass die sri-lankischen Behörden weiter-
hin an seiner Person interessiert seien – auch weil sein Bruder ebenfalls
aus Sri Lanka habe fliehen müssen. Hinzu kämen seine seit (...) nunmehr
(...) Landesabwesenheit und ein Asylgesuch in der Schweiz, wo die LTTE
nicht verboten sei. Es sei wahrscheinlich, dass auch er verstärkt in den
Fokus der Sicherheitskräfte geraten sei und bei einer Rückkehr unmittelbar
einem Verhaftungsrisiko ausgesetzt würde.
Überdies lägen Vollzugshindernisse vor. Seine psychische Gesundheit sei
angeschlagen. Gemäss einem kürzlich veröffentlichten Themenpapier der
Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) sei die medizinische Behandlung
psychisch erkrankter Menschen in Sri Lanka unzulänglich. Gleichzeitig sei
er aufgrund der traumatischen Erlebnisse im Heimatland dringend auf re-
gelmässige psychische Unterstützung angewiesen. Die Morddrohungen,
Verfolgung und das jahrelange Untertauchen hätten zu Belastungs- und
Angststörungen geführt, die er gemäss bisherigen Sitzungen mit einem
Psychologen nicht alleine habe bewältigten können. Angesichts seiner fort-
geschrittenen Integration sowie der prekären finanziellen und wirtschaftli-
chen Aussichten im Heimatstaat habe er sich von seinem Heimatland ent-
fremdet. Ihm sei daher kaum zuzumuten, sich im Falle einer Wegweisung
E-2658/2021
Seite 5
erfolgreich in das soziale, kulturelle und wirtschaftliche Leben des Her-
kunftslandes einzugliedern, zumal sich nun die Sicherheitslage exponenti-
ell verschärft habe.
E.
Mit Verfügung vom 31. Mai 2021 (eröffnet am 1. Juni 2021; ersetzte die
ursprüngliche Verfügung vom 27. Mai 2021 aufgrund eines fehlerhaften
Dispositivs betreffend den vollzugsbeauftragten Kanton) trat das SEM in
Anwendung von Art. 111c AsylG (SR 142.31) i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG
auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers sowie die Vorbringen betref-
fend Kritik an der Glaubhaftigkeitsprüfung im Zusammenhang mit der Haft-
entlassungsbestätigung nicht ein (Letzteres mangels funktioneller Zustän-
digkeit), ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an
und erhob eine Gebühr in der Höhe von Fr. 600.–.
F.
Mit Eingabe vom 4. Juni 2021 erhob der Beschwerdeführer beim Bundes-
verwaltungsgericht Beschwerde gegen diese Verfügung und beantragte
dabei die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Rückweisung
der Sache an das SEM zur materiellen Behandlung und Neubeurteilung,
eventualiter die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft und die Gewäh-
rung von Asyl, subeventualiter die Feststellung der Unzulässigkeit respek-
tive der Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs mit Gewährung der
vorläufigen Aufnahme. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Anwei-
sung an die kantonalen Migrationsbehörden, den Vollzug der Wegweisung
auszusetzen, sowie die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege in-
klusive Kostenvorschussverzicht.
G.
Mit Verfügung vom 7. Juni 2021 stellte der Instruktionsrichter den einstwei-
ligen legalen Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz für die
Dauer des Verfahrens fest.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 10. Juni 2021 wies der Instruktionsrichter das
Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung unter Hinweis auf die Aussichtslosigkeit der Beschwerde ab
und erhob einen Kostenvorschuss. Dieser wurde in der Folge fristgerecht
bezahlt.
E-2658/2021
Seite 6
I.
Die vollständigen vorinstanzlichen Akten lagen dem Bundesverwaltungs-
gericht am 10. Juni 2021 vor (vgl. Art. 109 Abs. 3 AsylG).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 3 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.). Wie bereits in der Zwischenverfügung vom
E-2658/2021
Seite 7
10. Juni 2021 festgehalten bilden die Fragen der Anerkennung der Flücht-
lingseigenschaft und der Gewährung von Asyl demgegenüber nicht Ge-
genstand des angefochtenen Nichteintretensentscheides und damit auch
nicht des vorliegenden Verfahrens. Auf die entsprechenden Beschwerde-
anträge ist deshalb ankündigungsgemäss nicht einzutreten.
3.2 Hinsichtlich der Frage der Wegweisung und des Wegweisungsvollzugs
hat die Vorinstanz eine materielle Prüfung vorgenommen, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht diese Punkte insoweit ohne Einschränkung
prüft.
4.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb das
Urteil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
5.
5.1 Zur Begründung seines Entscheids führte das SEM im Wesentlichen
aus, Mehrfachgesuche müssten gehörig begründet sein, so dass die Be-
hörde in der Lage sei, über das Gesuch entscheiden zu können, auch ohne
dass sie die gesuchstellende Person vorher anhöre. Sofern eine asylsu-
chende Person ihrer Begründungspflicht nicht nachkomme, habe die Be-
hörde gemäss Art. 111c Abs. 1 AsylG in Verbindung mit Art. 13 Abs. 2 VwVG neben der formlosen Abschreibung die Option, auf das Gesuch
nicht einzutreten (BVGE 2014/39 E. 7). Hinsichtlich des Profils des Be-
schwerdeführers könne ganz generell zunächst auf die Verfügung des
SEM im ordentlichen Asylverfahren und auf das Urteil E-241/2018 vom
7. August 2020 des Bundesverwaltungsgerichts verwiesen werden. Dabei
sei unter anderem bereits rechtskräftig festgestellt worden, dass bei ihm
keine ausreichenden risikobegründenden Faktoren vorlägen. Auch seine
exilpolitischen Tätigkeiten – welche unbelegt geblieben seien – liessen
keine Exponiertheit erkennen. Es sei demnach im Rahmen des ersten Asyl-
verfahrens rechtskräftig festgestellt worden, dass keine hinreichenden Hin-
weise dafür ersichtlich seien, dass er aufgrund einer tatsächlichen oder
bloss unterstellten Verbindung zu den LTTE bei einer Rückkehr ins Visier
E-2658/2021
Seite 8
der sri-lankischen Behörden geraten könnte. Er habe bisher nichts vorbrin-
gen können, was geeignet gewesen sei, seine Flüchtlingseigenschaft
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen. Dasselbe gelte für die
behaupteten neuen Behelligungen zuhause, die bis dato andauern wür-
den. Auch diesem unbelegten und nicht weiter ausgeführten Vorbringen
könnten keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung entnommen wer-
den. Dasselbe gelte auch für das separat erhaltene Schreiben seiner Ehe-
frau vom 28. April 2021. Im Zusammenhang mit dem Haftentlassungs-
schreiben seiner Mutter führe er keine konkreten neuen Gründe an, wes-
halb aus heutiger Sicht von einer Reflexverfolgung auszugehen sein sollte.
Selbst bei Wahrunterstellung und der Annahme, dass jenes Beweismittel
als echt einzustufen wäre und die diesbezüglichen Vorbringen demnach
glaubhaft wären, sei bereits das Bundesverwaltungsgericht im erwähnten
Urteil nicht von einem für seine Person risikobegründenden Faktor ausge-
gangen. Er habe dazu vorliegend keine neuen persönlichen Elemente ein-
gebracht, weshalb auf seine mit der aktuellen Lage in Sri Lanka ergänzten
Kritik hierin wegen Haltlosigkeit nicht einzutreten sei. Auch hinsichtlich sei-
nes nunmehr längeren Aufenthalts in der Schweiz, wo die LTTE nicht ver-
boten sei, habe er bloss generelle Überlegungen, aber keine neuen per-
sönlichen Vorbringen in der aktuellen Eingabe geltend gemacht. Darin
habe er keine neuen Argumente oder Beweismittel in Bezug auf exilpoliti-
sche Tätigkeiten aufgeführt. Es liege deshalb diesbezüglich nichts vor, was
materiell zu prüfen gewesen wäre. Das Bundesverwaltungsgericht habe
sein exilpolitisches Engagement geprüft und festgestellt, dass bei ihm ein
konkretes Gefährdungsprofil nicht vorhanden gewesen sei, dies auch im
Lichte seines längeren Aufenthalts in der Schweiz. Diese Feststellung sei
weiterhin gültig.
Weder der Umstand, dass er in seinem Mehrfachgesuch eine gewisse An-
zahl neuer, allgemeiner Länderinfomationen zu Sri Lanka eingereicht habe,
noch die wiederholte Darlegung seines Risikoprofils durch Auflisten von
bereits vorgebrachten und in den vorangegangenen Verfahren entspre-
chend bereits beurteilten Risikofaktoren, vermögen zu einer anderen Ein-
schätzung zu führen. So reiche es nicht aus, pauschal auf politische Ent-
wicklungen der jüngeren Vergangenheit oder mögliche Zukunftsszenarien
zu verweisen. Ein persönlicher Bezug zu den Präsidentschaftswahlen und
deren Folgen oder zu den angeblich missbräuchlichen COVID-19 Mass-
nahmen in Sri Lanka sei vorliegend nicht ersichtlich. Zusammengefasst
seien die neuen Vorbringen als nicht genügend substanziiert respektive in-
dividualisiert auf seinen Einzelfall zu erachten. Weil er keinen individuellen
E-2658/2021
Seite 9
Konnex zwischen der angeblich seit dem Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts veränderten allgemeinen Lage und seiner Person habe darlegen
können, seien seine Vorbringen trotz einer gewissen Quantität im Ergebnis
als nicht gehörig begründet zu bezeichnen.
Betreffend die Glaubhaftigkeitsprüfung der eingereichten Haftentlassungs-
bestätigung seiner Mutter hielt das SEM unter Hinweis auf die mit dem Ur-
teil E-241/2018 des Bundesverwaltungsgerichts in Rechtskraft erwach-
sene Verfügung vom 7. Dezember 2017 fest, dass dies eine «res iudicata»
darstelle. Demnach obliege es dem Bundesverwaltungsgericht zu prüfen,
ob Revisionsgründe vorliegen, weshalb das SEM auf die diesbezügliche
Kritik mangels funktioneller Zuständigkeit nicht eintrete.
5.2 In der Beschwerdeeingabe wurde im Wesentlichen gerügt, dass das
SEM den rechtserheblichen Sachverhalt falsch abgeklärt habe, womit eine
Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie eine Verletzung von Art. 12
VwVG vorliege. Das SEM habe verkannt, dass die veränderte allgemeine
Sicherheitslage in Sri Lanka verantwortlich dafür sei, dass ihm nunmehr
eine (Reflex-) Verfolgung drohe. Denn durch die neuerlich intensivierte Ver-
folgung von Personen tamilischer Ethnie mit Verbindungen zu den LTTE
gelange er – zwar mit gleichbleibendem Risikoprofil – spätestens jetzt ins
Visier der sri-lankischen Behörden, weshalb ihm nun asylrelevante Verfol-
gungsmassnahmen drohten. Er habe in seinem Mehrfachgesuch ausführ-
lich über die relevanten jüngeren Ereignisse berichtet. Diese Vorfälle, wel-
che allesamt nach dem 7. August 2020 stattgefunden hätten, seien daher
die tatsächlichen und hauptsächlichen Gründe für das Mehrfachgesuch ge-
wesen. Aufgrund dieser Ereignisse und seines vorbestehenden Profils sei
die persönliche Gefährdung wesentlich erhöht worden. Das SEM hätte die
veränderte Gefährdungslage unter Respektierung des Untersuchungs-
grundsatzes prüfen müssen. Sodann habe das SEM die Beurteilung der
Zulässigkeit der Wegweisung weder korrekt noch vollständig vorgenom-
men, zumal aus der Begründung nicht hervorgehe, inwiefern im konkreten
Fall die Wegweisung zulässig sei; insbesondere fehle eine Risikofaktoren-
prüfung vollständig. Auch wäre das SEM unter Beachtung des Untersu-
chungsgrundsatzes verpflichtet gewesen, eine Abklärung seines psychi-
schen Gesundheitszustands vorzunehmen.
6.
6.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben, die vorab zu be-
urteilen sind, da diese bei berechtigtem Vorbringen zur Kassation der an-
gefochtenen Verfügung führen können (vgl. BVGE 2013/34 E. 4.2;
E-2658/2021
Seite 10
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes; 3. Aufl. 2013, Rz. 1043 ff. m.w.H.).
6.2 Die Ausführungen des Beschwerdeführers unter dem Titel der unrichti-
gen Sachverhaltsabklärung, der Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie
von Art. 12 VwVG richten sich im Resultat nicht gegen die Sachverhalts-
feststellungen der Vorinstanz, sondern gegen die entsprechende Würdi-
gung der Gesuchsvorbringen bezogen auf sein Risikoprofil unter dem As-
pekt der aktuellen Ländersituation respektive der Feststellung des SEM,
dass diese Vorbringen nicht gehörig begründet seien. Damit werden diese
Rügen mit der rechtlichen Würdigung der Vorbringen vermengt. Er ver-
kennt zudem, dass die Vorinstanz keine materielle Prüfung seiner Vorbrin-
gen vorgenommen hat, weil sie wegen fehlender substanziierter Begrün-
dung auf das Mehrfachgesuch nicht eingetreten ist. Die Vorinstanz hat in
ihrer Verfügung – im angemessenen Rahmen der Begründung eines Nicht-
eintretensentscheids, in welchem gerade keine materielle Prüfung stattfin-
den soll – hinreichend und nachvollziehbar dargelegt, weshalb sie das
Mehrfachgesuch für unzureichend begründet und als nicht genügend indi-
vidualisiert auf seinen Einzelfall erachtete, als dass es auf das Gesuch
hätte eintreten müssen. Allein aus dem Umstand, dass das SEM die im
Gesuch neu geltend gemachten Sachvorbringen nicht so beurteilt wie vom
Beschwerdeführer gewünscht, lässt sich weder auf eine unrichtige Sach-
verhaltsfeststellung noch auf eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, na-
mentlich der Begründungs- respektive Untersuchungspflicht, schliessen.
Sodann wird eine Risikofaktorenprüfung im Sinne des Referenzurteils ent-
gegen der Rüge des Beschwerdeführers bei der Beurteilung der Flücht-
lingseigenschaft der gesuchstellenden Person vorgenommen und nicht bei
der Rechtskonformität des Wegweisungsvollzugs. Mangels hinreichend in-
dividualisierter und konkreter Begründung hat das SEM diesbezüglich zu
Recht auf die bereits im vorangehenden Verfahren vorgenommene Risiko-
faktorenprüfung verwiesen. Im Übrigen ist hinsichtlich seines (psychi-
schen) Gesundheitszustandes auch keine Verletzung der Untersuchungs-
pflicht ersichtlich. Es hätte vom ihm im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht
nach Art. 8 AsylG vorliegend erwartet werden können, sich selber um einen
entsprechenden Arztbericht zu bemühen und diesen mit seinem Mehrfach-
gesuch respektive seiner Beschwerdeeingabe einzureichen. Dies insbe-
sondere, nachdem er den Akten zufolge bereits einmal eine psychologi-
sche Behandlung einseitig abgebrochen habe (weil er vom «Therapie-Kon-
zept» nicht überzeugt gewesen sei, vgl. Urteil des BVGer E-241/2018
E-2658/2021
Seite 11
Bst. R) und nachdem das Gericht im Urteil E-241/2018 aufgrund der (dies-
bezüglich vorliegend unverändert gebliebenen) Aktenlage keine medizini-
schen Vollzugshindernisse erkennen konnte.
6.3 Die formellen Rügen erweisen sich damit als unbegründet, weshalb
keine Veranlassung besteht, die angefochtene Verfügung aufzuheben und
an das SEM zurückzuweisen. Die diesbezüglichen Rechtsbegehren sind
abzuweisen. Das Gericht hat demnach in der Sache zu entscheiden
(Art. 61 Abs. 1 VwVG).
7.
7.1 Nach einem erfolglos durchlaufenen Asylverfahren eingereichte Folge-
gesuche um Feststellung der Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3
AsylG sind unter den Voraussetzungen von Art. 111c AsylG (sog. Mehr-
fachgesuch) zu prüfen; gemäss Rechtsprechung gelten im Rahmen von
Mehrfachgesuchen erhöhte Formerfordernisse (vgl. BVGE 2014/39 E. 4.3
und 4.6).
7.2 Vorliegend ist mit dem SEM festzustellen, dass das Erfordernis einer
(materiell) ausreichenden Begründung im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG
als nicht erfüllt zu erachten ist (vgl. zum Nichteintretensgrund der mangel-
haften Begründung BVGE 2014/39 E. 7).
Die Schlussfolgerung des SEM in der angefochtenen Verfügung, das
Mehrfachgesuch sei nicht hinreichend begründet, erweist sich vor dem Hin-
tergrund der Praxis des Bundesverwaltungsgerichts auch im vorliegenden
Fall als zutreffend (vgl. statt vieler Urteile des BVGer E-2408/2021 vom
28. Mai 2021 E. 8; E-5931/2019 vom 5. Mai 2021 E. 8.3; D- 4743/2020
vom 14. Oktober 2020 E. 6.2; E-723/2020 vom 4. März 2020 E. 6.3). Es
gelang dem Beschwerdeführer in seinem Mehrfachgesuch allein mit dem
Hinweis auf die jüngste politische Entwicklung in Sri Lanka und daraus ab-
geleiteten hypothetischen allgemeinen Gefährdungsszenarien sowie unter
Hinweis auf die bereits im ordentlichen Asylverfahren vorgebrachten, für
unglaubhaft respektive flüchtlings- und asylrechtlich irrelevant befundenen,
Vor- und Nachfluchtgründe nicht, einen konkreten Bezug zu seiner Person
darzutun. Auch wenn mit dem aufgrund der Präsidentschaftswahl erfolgten
Machtwechsel von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage
von Personen mit einem Risikoprofil im Sinne des Referenzurteils
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 (vgl. a.a.O. E. 8) auszugehen ist, besteht
zum heutigen Zeitpunkt kein Grund zur Annahme, dass ganze Bevölke-
rungsgruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären (vgl.
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015
E-2658/2021
Seite 12
hierzu beispielhaft Urteile des BVGer D-3367/2020 vom 30. Juni 2021 E.
7.1; D-4810/2020 vom 14. Juni 2021 E. 7.3). Der Beschwerdeführer konnte
im ordentlichen Verfahren eine asylrechtlich relevante Verfolgung nicht
glaubhaft machen und er vermag weder im Gesuch vom 3. Mai 2021 noch
in der vorliegenden Beschwerde hinreichend individualisiert zu begründen,
inwiefern er aufgrund der seit dem Urteil E-241/2018 vom 7. August 2020
in Sri Lanka erfolgten Entwicklung und insbesondere der sich aufgrund der
Präsidentschaftswahl ergebenden Situation persönlich betroffen und nun-
mehr konkret gefährdet sein soll. Die im Gesuch und in der Beschwerde
vertretene, von der aktuellen Rechtspraxis abweichende Ansicht, jeder
nach Sri Lanka zurückgeschaffte tamilische oder muslimische Gesuchstel-
ler respektive solche mit einem Profil wie der Beschwerdeführer – dies vor
allem im Lichte der Machtergreifung von Gotabaya Rajapaksa und der da-
rauffolgenden Machtkonsolidierung – werde mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit jederzeit Opfer einer Verhaftung und von Verhören unter An-
wendung von Folter, stellt sich letztlich als appellatorische Kritik an der ak-
tuellen Rechtsprechung zu Sri Lanka dar. Als solche kann sie jedoch nicht
Grundlage einer erneuten Überprüfung des Asylgesuches des Beschwer-
deführers im Rahmen eines Mehrfachgesuchs bilden. Demnach hat die Vo-
rinstanz zutreffend und rechtskonform das Erfordernis einer ausreichenden
Begründung im Sinne von Art. 111c Abs. 1 AsylG als nicht erfüllt betrachtet
und ist zu Recht in Anwendung von Art. 13 Abs. 2 VwVG auf das Gesuch
nicht eingetreten (vgl. BVGE 2014/39 E. 7 sowie etwa die beispielhaft in
vergleichbaren Konstellationen ergangenen und oben zitierte Urteile des
BVGer). Eine falsche Rechtsanwendung ist zu verneinen.
7.3 Das SEM ist demnach in Anwendung von Art. 111c Abs. 1 AsylG i.V.m.
Art. 13 Abs. 2 VwVG zu Recht auf das Mehrfachgesuch des
Beschwerdeführers nicht eingetreten.
8.
8.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an. Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.2 Das SEM hat sodann zutreffend festgestellt, dass es dem Beschwer-
deführer nicht gelungen sei, hinreichend darzulegen, inwiefern er aufgrund
der jüngsten politischen Entwicklung in Sri Lanka im Sinne von Art. 3 EMRK
E-2658/2021
Seite 13
und Art. 33 FK (Abkommen vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der
Flüchtlinge, SR 0.142.30) konkret gefährdet sein soll. Auch wenn, wie zu-
vor erwogen, mit dem erfolgtem Machtwechsel von einer möglichen Akzen-
tuierung der Gefährdungslage von Personen mit einem Risikoprofil auszu-
gehen ist, ist nicht ersichtlich, inwiefern sich die Sachlage seit dem Urteil
E-241/2018 vom 7. August 2020 dergestalt geändert haben soll, dass nun-
mehr davon auszugehen wäre, der Vollzug der Wegweisung sei im Sinne
von Art. 83 Abs. 2–4 AIG unzulässig, unzumutbar oder unmöglich. Im Üb-
rigen kann auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung (E. V) und
im erwähnten Urteil (a.a.O. E. 8) verwiesen werden.
8.3 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt
Fr. 1’500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008
über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht
[VGKE, SR 173.320.2]). Der am 19. Juni 2021 geleistete Kostenvorschuss
ist zur Begleichung der Verfahrenskosten zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
E-2658/2021
Seite 14