Decision ID: 95f379f3-5e29-4d3b-b09a-4c4a82b99006
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VB
Chamber: SG_VB_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
a) Die A._ AG ist Baurechtsnehmerin am Baurechtsgrundstück
Nr. 001, welches das im Eigentum der O._ AG, Z._, stehende
Grundstück Nr. 002, Grundbuch Z._, belastet. Das Grundstück liegt
gemäss geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ vom 16. August
2002 in der Industriezone.
b) D._ und E._ sind Eigentümer von Grundstück Nr. 003, wel-
ches südöstlich des Grundstücks Nr. 002 liegt und mit einem Wohn-
haus überbaut ist. Es liegt im übrigen Gemeindegebiet (üG). Das
ebenfalls südöstlich gelegene Grundstück Nr. 004 befindet sich im Ei-
gentum der Erbengemeinschaft F._, bestehend aus G._, H._,
I._, D._, J._, K._, Z._, L._, M._ und N._. Das
Grundstück der Erbengemeinschaft ist der Landwirtschaftszone zuge-
wiesen.
c) Die A._ AG vermietet das im Baurecht stehende Grundstück
Nr. 002 an die B._ AG, Zweigniederlassung Z._, welche auf ei-
nem Teil des Grundstücks einen Lager- und Werkplatz (nachfolgend
Werkplatz) für Gerüstteile betreibt. Der Werkplatz basiert auf der Bau-
bewilligung, welche der Gemeinderat Z._ am 30. September 2015
der P._ AG, Z._, erteilt hat. Der bewilligte Werkplatz erstreckt sich
über eine Fläche von 1'900 m2 und befindet sich im westlichen Bereich
des Grundstücks. Im Jahr 2017 wurde die P._ AG in die heutige
B._ AG umfirmiert.
B.
a) Mit Baugesuch vom 29. Mai 2018 beantragte die A._ AG bei
der Gemeinde Z._ die Baubewilligung für die Erweiterung des Werk-
platzes. Im Baugesuch wurde das Grundstück Nr. 002 in drei Teilflä-
chen unterteilt. Die Teilfläche 1 entspricht dem bestehenden und im
Jahr 2015 bewilligten Werkplatz. Die Teilfläche 2 schliesst direkt an
den bestehen Werkplatz an und reicht bis zum Q._bach. Die Teilflä-
che 3 liegt östlich des Q._bachs.
b) Innert der Auflagefrist erhoben mehrere Anwohner Einsprache
gegen die Erweiterung des Werkplatzes. Daraufhin konkretisierte die
A._ AG das Baugesuch dahingehend, dass die geplante Erweite-
rung des Werkplatzes nur noch die Teilfläche 2 umfasste. Für die Teil-
fläche 3 reichte die A._ AG am 20. Juli 2018 ein konkretisiertes Bau-
gesuch ein. Die Teilfläche 3 sollte planiert und gekoffert werden, um
darauf einen allgemeinen offenen Lagerplatz zu betreiben. Die Nut-
zung des Lagerplatzes für Gerüste wurde im Baugesuch ausdrücklich
ausgeschlossen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 3/12
c) Da in beiden Baugesuchsverfahren insbesondere die Einhal-
tung der massgeblichen Belastungsgrenzwerte für Lärm strittig waren,
gab die Gemeinde Z._ bei der R._ AG ein Lärmgutachten in Auf-
trag. Bei den daraufhin von der R._ AG durchgeführten Messungen
wurde der Lärmpegel des bestehenden Betriebs auf Teilfläche 1 ge-
messen. Gestützt auf sechs Messungen kam die R._ AG mit Gut-
achten vom 4. Dezember 2018 (nachfolgend Gutachten R._ AG)
zum Schluss, dass die massgeblichen Planungswerte für Industrie-
und Gewerbelärm von 60 dB(A) [Tag] bzw. 50 dB(A) [Nacht] bei einem
mittleren Beurteilungspegel von 64,5 dB(A) [Tag] bzw. 50,5 dB(A)
[Nacht] überschritten seien. Die Lärmemissionen schätzte die R._
AG nicht als ein primäres Problem des Gerüstlagers und Umschlag-
platzes, sondern als ein Personalproblem ein. Sofern mittels Personal-
schulung hinsichtlich lärmarmer Arbeitsweise keine entscheidenden
Verbesserungen erreicht werden könnten, empfehle sich der Bau ei-
ner Halle.
d) Mit Einsprache- und Bauentscheid vom 4. Februar 2019 erteilte
der Gemeinderat Z._ die Baubewilligung für die Teilfläche 3 unter
Bedingungen und Auflagen und wies die Einsprachen ab. Den hierge-
gen von D._ und E._ sowie der Erbengemeinschaft F._ erho-
benen Rekurs wies das Baudepartement mit BDE Nr. 39/2020 vom
8. Mai 2020 ab. Der Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
e) Mit Beschluss vom 7. März 2019 hiess der Gemeinderat Z._
die Einsprachen gegen das Vorhaben auf Teilfläche 2 gut und verwei-
gerte die Baubewilligung für die Erweiterung des Werkplatzes. Den
hiergegen von der A._ AG erhobenen Rekurs wies das Baudepar-
tement mit BDE Nr. 40/2020 vom 8. Mai 2020 ab. Der Entscheid wurde
von der A._ AG mit Beschwerde ans Verwaltungsgericht weiterge-
zogen, wo die Sache unter der Verfahrensnummer B 2020/94 derzeit
noch hängig ist. Zentraler Streitpunkt vor Verwaltungsgericht ist das
Gutachten R._ AG.
C.
Parallel zu den Baubewilligungs- und den nachfolgenden Rechtsmit-
telverfahren reichten D._ und E._ beim Kreisgericht S._ eine
zivilrechtliche Klage auf Immissionsschutz ein. Mit einzelrichterlichem
Entscheid vom 20. Mai 2020 wurde die A._ AG unter Strafandro-
hung verpflichtet, sicherzustellen, dass der Gerüstbaubetrieb die
Lärmbelastung auf maximal 60 dB(A) am Tag bzw. 50 dB(A) in der
Nacht beschränke. Der Entscheid wurde von der A._ AG mit Beru-
fung ans Kantonsgericht weitergezogen, wo die Sache unter der Ver-
fahrensnummer ZV.2020.178-K1 derzeit noch hängig ist.
D.
a) Mit Schreiben vom 31. August 2020 erhoben D._ und E._
sowie die Erbengemeinschaft F._, beide – wie bereits in den vor-
gängigen öffentlich-rechtlichen und zivilrechtlichen Verfahren – vertre-
ten durch M.A. HSG in Law Peter Schumacher, Rechtsanwalt,
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 4/12
Sargans, schliesslich beim Gemeinderat Z._ eine Immissionsklage.
Die Kläger stellten folgende Anträge:
1. Der B._ AG, Zweigniederlassung Z._, als Pächte-
rin bzw. Inhaberin und Betreiberin des  auf dem Grundstück-Nr. 002 bzw. . 001 sei das Verursachen von mehr als 60 dB(A) am Tag und mehr als 50 dB(A) in der Nacht unter  der Betriebsschliessung im  unverzüglich zu verbieten.
2. Die Einhaltung der öffentlich-rechtlichen  auf dem Grundstück-Nr. 002 bzw. -Nr. 001 sei unverzüglich hoheitlich .
3. Es seien geeignete Massnahmen an der Lärmquelle auf dem Grundstück-Nr. 002 bzw. Baurechts-Nr. 001 gemäss den nachstehenden Anträgen anzuordnen.
4. Es seien geeignete lärmschützende bauliche , auf dem Grundstück-Nr. 002 bzw. -Nr. 001 namentlich der Bau einer Werkhalle, anzuordnen.
5. Soweit für eine Reduktion der übermässigen  erforderlich, seien weitere Massnahmen der Emissionsbegrenzung, namentlich zeitliche und  Betriebseinschränkungen auf dem . 002 bzw. Baurechts-Nr. 001 nötigenfalls ein Verbot des Gerüstumschlags auf offener Fläche bzw. eine Betriebsschliessung anzuordnen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten der B._ AG.
Die Immissionsklage wurde im Wesentlichen damit begründet, dass
zwischenzeitlich drei Instanzen, nämlich das Kreisgericht S._ das
Baudepartement sowie der Gemeinderat Z._, bestätigt hätten, dass
die aktuelle Situation den geltenden privatrechtlichen und öffentlich-
rechtlichen Bestimmungen widerspreche.
b) Mit Schreiben vom 1. September 2020 stellte der Gemeinderat
Z._ lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, St.Gallen die Immissionsklage
zur Stellungnahme zu und stellte zugleich folgende Fragen zum Be-
trieb: «(1) Was hat das Unternehmen seit dem Gutachten R._ AG in
Bezug auf die Lärmsituation unternommen? Wie haben sich die ge-
troffenen Massnahmen ausgewirkt? (3) Wie sieht die Situation aus
Sicht der Betreiberin bald zwei Jahre später aus?»
c) Mit Schreiben vom 30. September 2020 nahm lic.iur. Urs Pfister
in Vertretung seiner Mandanschaft Stellung und beantragte, dass auf
die Immissionsklage nicht einzutreten sei. Eventualiter sei das Verfah-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 5/12
ren zu sistieren bis das öffentlich-rechtliche Verfahren vor Verwal-
tungsgericht und das zivilrechtliche Verfahren vor Kantonsgericht
rechtskräftig entschieden seien. Subeventualiter seien die Anträge ab-
zuweisen. Sofern die Sache materiell behandelt werde, sei die R._
AG aufzufordern, dem Gemeinderat sämtliche Messdaten zur Verfü-
gung zu stellen. Zur Frage (1) teilte der Rechtsvertreter mit, dass die
Betriebsfläche verkleinert und der Abstand zur Liegenschaft der Lärm-
kläger vergrössert worden sein. Sodann sei das Personal geschult
worden. Hinsichtlich der Frage (2) wurde festgehalten, dass die Pla-
nungswerte stets eingehalten worden seien. Durch die getroffenen
Massnahmen sei die Situation verbessert worden. Abschliessend zur
Frage (3) machte der Rechtsvertreter geltend, dass der Gerüstbaube-
trieb in der Industriezone zonenkonform sei und trotz zahlreicher
Rechtsverfahren seiner Mandantschaft auch nach zwei Jahren noch
immer nicht alle Messdaten offengelegt worden seien.
d) Nach zwei weiteren Stellungnahmen der Beteiligten wies der
Gemeinderat Z._ mit Beschluss vom 18. Oktober 2020 den Sistie-
rungsantrag ab.
e) Mit Schreiben vom 23. Oktober 2020 ersuchte der Gemeinderat
Z._ die R._ AG um Beurteilung der Frage, wie der bestehende
Gerüstbaubetrieb auf der Teilfläche 1 unter Berücksichtigung der Pla-
nungswerte betrieben werden müsste. Mit Schreiben vom 5. Novem-
ber 2020 teilte die R._ AG mit, dass aufgrund der zwischenzeitlich
eingeleiteten Massnahmen (gemeint Personalschulung sowie Verklei-
nerung und Verschiebung der Betriebsfläche) wiederum umfassende
Messungen notwendig seien. Hierzu reiche eine Messung nicht aus,
sondern es müsste eine Messserie unter verschiedenen Bedingungen
durchgeführt werden. Die technischen Randbedingungen solcher
Messungen seien im Gutachten R._ AG sowie im Schreiben der
R._ AG vom 25. Mai 2019 eingehend beschrieben worden. Um die
Emissionen wirksam einzuschränken, gebe es nur wenige Möglichkei-
ten. Als Massnahmen nennt der Gutachter die Einhausung des ge-
samten Areals oder mindestens des lärmintensiven Teils, die Verlage-
rung des Betriebs in eine andere Industriezone sowie die Personal-
schulung, welche anscheinend bereits durchgeführt worden sei. Letzt-
lich bestünde noch die Möglichkeit, die Emissionen durch eine zeitli-
che Beschränkung des Betriebs zu reduzieren. Damit der Planungs-
wert von 60 dB(A) am Tag eingehalten werden könnte, müsste – aus-
gehend vom mittleren Beurteilungspegel von 64,5 dB(A) gemäss Gut-
achten R._ AG – die tägliche Betriebsdauer von derzeit 2,57 Stun-
den auf 0,9 Stunden reduziert werden. In der Nacht sei eine Reduktion
der Betriebszeit um zwei Minuten notwendig.
f) Der Rechtsvertreter der Lärmkläger nahm mit Schreiben vom
13. November 2020 zur Einschätzung der R._ AG Stellung. Der
Rechtsvertreter der Lärmbeklagten nahm mit Schreiben vom
3. Dezember 2020 ebenfalls Stellung und brachte unter anderem vor,
dass seiner Mandantschaft das von der R._ AG erwähnte Schreiben
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 6/12
vom 25. Mai 2019 nicht bekannt sei und er daher um dessen
Zustellung bitte.
g) Mit E-Mail vom 9. Dezember 2020 wurde den Beteiligten an-
tragsgemäss das Schreiben der R._ AG vom 25. Mai 2019 zuge-
stellt.
h) Mit Beschluss vom 21. Dezember 2020 (versandt am 24. De-
zember 2020) hiess der Gemeinderat Z._ die Lärmklage mit folgen-
dem Dispositiv gut:
1. Die Beklagte wird angewiesen, erforderliche bauliche
Massnahmen zu ergreifen, die den Lärm nachhaltig und dauerhaft auf das zulässige Mass reduzieren. Im Vordergrund steht die Einhausung mindestens der lärmintensiven Arbeiten (Gerüstumschlag) auf dem Werkplatz auf Grundstück Nr. 002.
2. Bis zur Bauvollendung der lärmreduzierenden  (Ziffer 1) darf der Gerüstumschlag auf offener bewilligter Fläche nur unter Einhaltung der  erfolgen und zwar werktags während drei  zwischen 13.30 und 16.30 Uhr. Die zeitliche  gilt ab 1.2.2021.
3. Der verfahrensrechtliche Antrag zur Herausgabe der Messdaten wird abgewiesen. Die Unterlagen sind .
4. Nichtbefolgung wird nach Art. 292 StGB unter Strafe gestellt: "Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen  nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft."  bleiben bei wiederholten Verstössen weitere verwaltungsrechtliche Massnahmen (insbesondere Erlass eines Nutzungsverbots) vorbehalten.
5. Einem allfälligen Rekurs gegen Ziff. 2 des  Entscheids wird die aufschiebende Wirkung .
6. Die Kosten für diesen Entscheid werden der Beklagten in Rechnung gestellt. Sie betragen CHF 3'021.80 (CHF 1'500 Entscheidgebühr, CHF 1'521.80 Auslagen R._ AG für Stellungnahme).
Seinen Beschluss begründet der Gemeinderat damit, dass der derzei-
tige Betrieb die massgebenden Planungswerte überschreite. Dabei sei
auf das Gutachten R._ AG abzustellen, welches auch vom Baude-
partment sowie vom Kreisgericht S._ bestätigt worden sei. Weil die
Planungswerte nicht eingehalten werden könnten, seien Massnahmen
notwendig. Als mögliche Massnahmen erwog der Gemeinderat die
zeitliche Einschränkung des Betriebs, die Einhausung des Areals oder
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 7/12
zumindest des lärmintensiven Teils sowie die Verlegung des Werkbe-
triebs. Er beurteilte bauliche Massnahmen als technisch und betrieb-
lich möglich sowie wirtschaftlich zumutbar. Bis zur Fertigstellung der
baulichen Massnahmen sei aber zum Schutz der Gesundheit der An-
wohner übergangshalber eine zeitliche Beschränkung des Betriebs
notwendig. Werktags werde durchschnittlich neun Stunden gearbeitet.
Zumal der Gutachter R._ AG eine Reduzierung auf 35% empfehle,
ergebe sich eine tägliche Nutzung von drei Stunden. Sinnvollerweise
sollten die Stunden zusammenhängend geleistet werden können. Ide-
alerweise sollte der Arbeitseinsatz auf den Nachmittag verlegt werden,
so könnten Gerüstteile des Vortags abgeladen und Fahrzeuge mit den
Gerüstteilen für den Folgetag beladen werden. Hinsichtlich des Ent-
zugs der aufschiebenden Wirkung erwog der Gemeinderat, dass die
gesundheitliche Situation der Kläger keinen weiteren Aufschub recht-
fertige. Weil im Fall des Weiterzugs des Beschlusses wiederum wei-
tere Monate vergehen würden, rechtfertige es sich die aufschiebende
Wirkung in Bezug auf die zeitliche Beschränkung für ein allfälliges Re-
kursverfahren zu entziehen.
E.
Gegen diesen Beschluss erhoben die A._ AG, die B._ AG und
C._, alle vertreten lic.iur. Urs Pfister, Rechtsanwalt, St.Gallen, mit
Schreiben vom 27. Dezember 2020 Rekurs beim Baudepartement. Mit
Rekursergänzung vom 11. Januar 2021 werden folgende Anträge ge-
stellt:
1. Die Verfügung des Gemeinderates Z._ vom 21. De-
zember 2020 sei aufzuheben, soweit diese nicht von vornherein nichtig ist;
2. Dem Rekurs sei die aufschiebende Wirkung wieder zu gewähren; Ziff. 5 der angefochtenen Verfügung vom 21. Dezember 2020 sei aufzuheben;
Über das Rechtsbegehren Nr. 2 sei vorneweg und  zu entscheiden;
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, für das  wie für das erstinstanzliche Verfahren.
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass die Vorinstanz für lärm-
begrenzende Massnahmen nicht zuständig sei und sie die Vorschrif-
ten über die Ausstandspflicht sowie das rechtliche Gehör der Rekur-
renten verletzt habe. Materiell bringen die Rekurrenten vor, dass der
Sachverhalt unvollständig und unrichtig abgeklärt worden sei und der
Entscheid insbesondere hinsichtlich der Festlegung der Betriebszeiten
willkürlich sei. Schliesslich wird gerügt, dass die Gebührenrechnung
auf den Rekurrenten 3 persönlich ausgestellt worden sei. Für einen
Entzug der aufschiebenden Wirkung würden desweilen keine wichti-
gen Gründe im Sinn von Art. 51 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwal-
tungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt VRP) vorliegen. Damit sei
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 8/12
Ziff. 5 des angefochtenen Beschlusses rechtswidrig und entsprechend
aufzuheben.
F.
a) Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2021 beantragt die
Vorinstanz, vertreten durch lic.oec. HSG Thomas Frey, Rechtsanwalt,
St.Gallen, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen, soweit darauf
einzutreten sei. Sofern auf den Rekurs eingetreten werde, sei das Ge-
such um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung abzuweisen.
Die formellen und materiellen Einwände der Rekurrenten werden von
der Vorinstanz bestritten. Hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung
bringt die Vorinstanz vor, dass die übermässige Lärmbelastung seit
dem Gutachten R._ AG vom 4. Dezember 2018 feststehe, ohne das
etwas dagegen unternommen worden sei. Die Gesundheit der Nach-
barn gehe fraglos den wirtschaftlichen Interessen der Rekurrenten vor.
b) Mit Vernehmlassung vom 25. Januar 2021 beantragen die
Rekursgegner, weiterhin vertreten durch M.A. HSG in Law Peter
Schumacher, Rechtsanwalt, Sargans, den Rekurs unter Kostenfolge
abzuweisen. Der Entzug der aufschiebenden Wirkung sei zu bestäti-
gen. Die formellen und materiellen Einwände der Rekurrenten werden
ebenfalls bestritten. Hinsichtlich der aufschiebenden Wirkung wird gel-
tend gemacht, dass Lärm die Lebensqualität einschränke und phy-
sisch wie auch psychisch krank mache. Folge davon seien hohe Kos-
ten für Medikamente, Arztbesuche und Kuraufenthalte. Diese externen
Folgen würden seit nunmehr drei Jahren die Nachbarn des Gerüst-
baubetriebs bezahlen. Die Situation der Rekursgegner sei vor Einrei-
chung der vorliegend strittigen Lärmklage derart akut gewesen, dass
notfallmässige Klinikaufenthalte notwendig geworden seien.
G.
Weil die in Ziff. 2 des angefochtenen Beschlusses vorgesehene Be-
schränkung der täglichen Betriebszeiten ab dem 1. Februar 2021 gel-
ten soll und die Vorinstanz diesbezüglich die aufschiebende Wirkung
des Rekurses entzogen hat, ist vorab über den Antrag zur Wiederher-
stellung zu befinden, und zwar vor Abschluss des Schriftenwechsels.
H.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Zuständig für die Wiederherstellung oder den nachträglichen
Entzug der aufschiebenden Wirkung des Rekurses ist die Rekurs-
instanz, die in der Hauptsache zuständig ist (T. ZUBER in: Rizvi/
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 9/12
Schindler/Cavelti [Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über die Ver-
waltungsrechtspflege [VRP], Zürich/St.Gallen 2020, Art. 51 N 60). Vor-
liegend ist dies das Baudepartement (Art. 43bis VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Verfügungen und Entscheide betreffend den Entzug
der aufschiebenden Wirkung bzw. die Anordnung der Vollstreckung
können in der ordentlichen Rechtsmittelfrist von 14 Tagen gemäss
Art. 47 Abs. 1 VRP angefochten werden (U.P. CAVELTI in:
Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., Art. 47 N 13).
1.3 Die Rekursberechtigung (Art. 45 VRP) der Rekurrenten 1 und 2
ist unbestritten. Vorinstanz und Rekursgegner bringen jedoch vor,
dass der Rekurrent 3 nicht beschwert sei. Diesbezüglich ist festzuhal-
ten, dass über die Legitimation erst im Endentscheid zu befinden ist.
Bis dahin hat jeder Rekurrent Anspruch darauf, dass ihm effektiver
Rechtsschutz gewährt und die aufschiebende Wirkung seines Rekur-
ses nicht in ermessensfehlerhafter Weise entzogen wird. Die fehlende
Legitimation in der Hauptsache kann jedoch, sofern sie eindeutig ist,
im Rahmen der Interessenabwägung berücksichtigt werden, d.h. bei
der materiellen Beurteilung des Antrags über den Entzug bzw. die Wie-
derherstellung der aufschiebenden Wirkung (vgl. BGE 129 II 286
Erw. 1.3).
2.
Mit dem vorliegenden Entscheid wird vorerst nur über den Entzug der
aufschiebenden Wirkung des Rekurses befunden. Dafür werden im
Rekursverfahren keine Beweise erhoben und keine zusätzlichen
Sachverhaltsabklärungen getroffen. Sodann sind die Beweisanforde-
rungen reduziert, indem das Glaubhaftmachen der Tatsachen genügt
(T. ZUBER, a.a.O., Art. 51 N 67).
3.
Die Vorinstanz hat dem vorliegenden Rekurs in Bezug auf Ziff. 2 des
angefochtenen Entscheids – die zeitliche Beschränkung der Nutzung
ab 1. Februar 2021 – die aufschiebende Wirkung entzogen. Die Re-
kurrenten verlangen, dass die aufschiebende Wirkung wiederherge-
stellt werde.
3.1 Der Rekurs hat nach Art. 51 Abs. 1 VRP grundsätzlich aufschie-
bende Wirkung, wenn die Vorinstanz nicht aus wichtigen Gründen die
Vollstreckbarkeit anordnet. Die Rekursinstanz kann eine gegenteilige
Verfügung treffen (Art. 51 Abs. 2 VRP). Die aufschiebende Wirkung
gemäss Art. 51 Abs. 1 VRP bedeutet, dass eine Verfügung oder ein
Entscheid während dem Lauf einer Rechtsmittelfrist sowie dem (allen-
falls) anschliessenden Rechtsmittelverfahren noch keine Wirkung ent-
faltet. Sie tritt unabhängig von der Zulässigkeit, Gültigkeit oder materi-
ellen Begründetheit des Rekurses – allenfalls unter dem Vorbehalt des
Rechtsmissbrauchs – ein (T. ZUBER, a.a.O., Art. 51 N 27). Dadurch
werden Vollzug und Wirksamkeit der Anordnung aufgeschoben. Der
Grund dafür liegt darin, dass Verfügungen und Entscheide zunächst
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 10/12
einer justizmässigen Überprüfung unterliegen sollen, bevor sie ver-
bindlich und durchsetzbar werden. Ein Abrücken von diesem Grund-
satz soll deshalb nicht leichthin erfolgen, und der Entscheid über die
aufschiebende Wirkung erfordert eine einzelfallbezogene Abwägung
entgegenstehender Interessen. Gemäss Art. 51 Abs. 1 VRP vermögen
deshalb nur wichtige Gründe einen Entzug der aufschiebenden Wir-
kung zu rechtfertigen. Das Gesetz regelt nicht näher, wann wichtige
Gründe für den Entzug der aufschiebenden Wirkung gegeben sind.
Fest steht aber, dass mit dem Inkrafttreten des V. Nachtrags zum VRP
(nGS 42.55) am 1. März 2007 die Anforderungen an den Entzug der
aufschiebenden Wirkung verringert worden sind. Als wichtiger Grund
gilt insbesondere ein öffentliches Interesse, das den sofortigen Vollzug
einer Verfügung gebietet. Auch private Interessen können unter Um-
ständen den Entzug der aufschiebenden Wirkung rechtfertigen. Als
zulässige öffentliche Interessen gelten Anliegen, die in der Rechtsord-
nung allgemein ausgewiesen sind (zum Beispiel Schutz gefährdeter
Polizeigüter) oder Gründe, die sich aus der Gesetzgebung ergeben
und die mit dem Entzug der aufschiebenden Wirkung beschleunigt
durchgesetzt werden sollen. Das betroffene Interesse ist dann mit den
allenfalls entgegenstehenden – öffentlichen oder privaten – Interessen
in Abwägung zu bringen (VerwGE B 2012/96 vom 19. Juni 2012
Erw. 2).
3.2 Als öffentliche Interessen für den Entzug der aufschiebenden
Wirkung hinsichtlich der per 1. Februar 2021 angeordneten Betriebs-
zeiten bringen die Vorinstanz und die Rekursgegner zusammenge-
fasst die Einhaltung der Rechtsordnung sowie den Gesundheitsschutz
vor. Unbestritten handelt es sich hierbei um gewichtige öffentliche –
und in Bezug auf den Gesundheitsschutz auch private – Interessen.
Diesen gewichtigen Interessen steht der Einwand der Rekurrenten
entgegen, wonach der angefochtene Entscheid unter formellen und
materiellen Gesichtspunkten rechtswidrig sei. Der Eingriff in die recht-
mässig erteilte Baubewilligung sei nur im Rahmen eines Widerrufs ge-
mäss Art. 28 Abs. 1 VRP möglich. Die angeordnete Reduktion der Be-
triebszeiten komme einem Nutzungsverbot gleich. Insbesondere die
Rekurrentin 2 habe ein gewichtiges wirtschaftliches Interesse an der
vorgängigen Überprüfung der angeordneten Massnahmen. Somit sind
die aufgezeigten öffentlichen und privaten Interessen an der sofortigen
Einschränkung der Betriebszeiten und das private Interesse an der
vorgängigen Überprüfung der Einschränkung gegeneinander abzuwä-
gen.
3.3 Mit Baubewilligung vom 30. September 2015 hat die Vorinstanz
den Betrieb eines offenen Lagerplatzes für Gerüstbau auf der Teilflä-
che 1 bewilligt. Damit beruht der heutige Betrieb grundsätzlich auf ei-
ner rechtkräftigen Baubewilligung. Betriebszeiten sieht die Baubewilli-
gung nicht vor. Der vorliegend angefochtene Beschluss ändert die
rechtskräftige Baubewilligung, indem neu Betriebszeiten von 13.30 bis
16.30 Uhr vorgesehen sind. Die Änderung bzw. der Widerruf von Ver-
fügungen ist in Art. 28 VRP geregelt. Die Änderung setzt – sofern sie
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 11/12
wie vorliegend zum Nachteil des Betroffenen erfolgt – wichtige öffent-
liche Interessen voraus. Nach der Rechtsprechung des Verwaltungs-
gerichtes bedeutet dies, dass das öffentliche Interesse an der belas-
tenden Änderung der Verfügung das schutzwürdige Interesse des Be-
troffenen an deren Aufrechterhaltung klar überwiegen muss
(T. TSCHUMI in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., Art. 28 N 8). Zu-
mal die Änderung einer rechtskräftigen Baubewilligung klar überwie-
gende öffentliche Interessen voraussetzt, muss das private Interesse
an der vorgängigen Überprüfung der Änderung hoch gewichtet wer-
den.
3.4 Die umgehende Einschränkung der Betriebszeiten hätte insbe-
sondere für die Rekurrentin 2 Nachteile verschiedener Art zur Folge.
Die neu angeordneten Betriebszeiten widersprechen diametral den
heutigen – im Gutachten R._ AG ausgewiesenen und grundsätzlich
unbestrittenen – Betriebszeiten der Rekurrentin 2. Der Betrieb müsste
demnach komplett umorganisieren werden. Daran ändert auch nichts,
dass die Rekurrentin 2 – wie die Vorinstanz im Beschluss ausführt –
in T._ einen weiteren Werkplatz besitzt. Mit der Umorganisation sind
Kosten verbunden. Auftragsverluste und Entlassungen sind ebenfalls
nicht ausgeschlossen. Davon geht auch die Vorinstanz aus, hält sie
doch im angefochtenen Entscheid selbst fest, dass die Einschränkung
der Betriebszeiten auf Dauer massive Auswirkungen auf den Betriebs-
standort hätten und mit massiven Einbussen zu rechnen sei. Insge-
samt sind die Nachteile der umgehenden Einschränkung der Betriebs-
zeiten als gewichtig zu bezeichnen.
3.5 Zwar ist das Gutachten R._ AG – und damit die Frage der
Überschreitung der Belastungsgrenzwerte – derzeit Streitpunkt in ei-
nem vor Verwaltungsgericht hängigen Beschwerdeverfahren. Zumin-
dest besteht aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die Grenz-
werte überschritten sein könnten. Entsprechend kann nicht von der
Hand gewiesen werden, dass die Rekursgegner durch den Lärm
Nachteile in psychischer und physischer Hinsicht erfahren. Diese
Nachteile sind sicherlich ebenfalls gewichtig und in ihrer Auswirkung –
jedenfalls subjektiv betrachtet – auch intensiv. Zumal aber der Betrieb
rechtskräftig bewilligt ist und die Änderung der Baubewilligung klar
überwiegende öffentliche Interessen voraussetzt, muss das private In-
teresse an der vorgängigen Überprüfung der Änderung höher gewich-
tet werden. Dies umso mehr, als es sich vorliegend um einen länger
bestehenden Zustand handelt. Zumindest für die Vorinstanz und die
Rekursgegner steht eine übermässige Lärmbelastung seit längerer
Zeit fest. So monieren beide in ihren Vernehmlassungen, dass nichts
unternommen worden sei, obwohl die Lärmbelastung seit mehr als
zwei Jahren feststehe. Kennt eine Behörde einen Zustand und duldet
diesen über eine längere Zeit, bevor sie mittels Verfügung dessen Auf-
hebung oder Sanierung anordnet, deutet dies auf keine besondere
Dringlichkeit hin. Dazu kommt, dass einem Rechtsmittel die aufschie-
bende Wirkung eher zurückhaltend entzogen wird, wenn die Dringlich-
keit darauf zurückzuführen ist, dass die Behörde in Kenntnis der Sach-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 11/2021) Seite 12/12
lage (zu) lange untätig geblieben ist. Somit ist einem Rechtsmittel ge-
gen einen Verwaltungsakt, der sich gegen einen länger bestehenden
Zustand richtet, die aufschiebende Wirkung regelmässig zu belassen
bzw. zu erteilen. Dies entspricht der überwiegenden Haltung in der
Rechtsprechung (X. BAUMBERGER, Aufschiebende Wirkung bundes-
rechtlicher Rechtsmittel im öffentlichen Recht, Zürich/Basel/Genf
2006, S. 200). Nach dem Gesagten vermag das gewichtige öffentliche
Interesse an der Einhaltung der Rechtsordnung und dem Gesund-
heitsschutz das private Interesse der vorgängigen Überprüfung der
neu angeordneten Betriebszeiten nicht zu überwiegen.
4.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass das private Interesse der Re-
kurrenten an der vorgängigen Überprüfung überwiegt. Entsprechend
ist das Begehren um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
gutzuheissen.
5.
Die Kosten dieses Entscheids verbleiben bei der Hauptsache.