Decision ID: 96321234-f15c-44fd-b336-000e64a93f8d
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Die B._ AG war seit dem 1. Oktober 2013 bei der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, als beitragspflichtige Arbeitgeberin erfasst,
nachdem sie am 17. September 2013 ihren Firmensitz von C._ nach D._ verlegt
hatte. A._ war seit 15. Oktober 2008 als Präsident des Verwaltungsrats mit
Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen (zuvor: Delegierter des
Verwaltungsrats mit Einzelunterschrift [vgl. Online-Handelsregister der Kantone St.
Gallen, Schwyz und Zürich, sowie act. G 3.2/370).
A.a.
Die Gesellschaft hatte die Akontobeiträge für die Sozialversicherungen jeweils
quartalsweise abzuliefern. Dabei mussten praktisch sämtliche Quartalsrechnungen ab
Oktober 2013 sowie die auszugleichenden Beiträge gemahnt, betrieben und verfügt
werden. Am 24. November 2015 erhielt die Ausgleichskasse einen
Pfändungsverlustschein über Fr. 6'982.-- betreffend die Akontobeiträge Januar bis
März 2015 samt Nebenkosten (Kontoauszug Posten 2015/0002 [act. G 3.1/7 und
3.2/276]). Am 30. Dezember 2016 und 27. April 2017 folgten weitere
Pfändungsverlustscheine in Höhe von Fr. 5'378.05 für die Akontobeiträge April bis Juni
2015 (Posten 2015/0004), Fr. 545.85 für die auszugleichenden Beiträge 2014 (Posten
2015/0005), Fr. 7'179.10 für die Akontobeiträge Juli bis September 2015 (Posten
A.b.
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2015/0006), Fr. 7'113.20 für die Akontobeiträge Oktober bis Dezember 2015 (Posten
2015/0007) sowie Fr. 7'083.85 für die Akontobeiträge Januar bis März 2016 (Posten
2016/0001), jeweils inklusive Nebenkosten (act. G 3.1/7 und G 3.2/123, 165, 169, 170
und 171).
Am 17. Mai 2017 stellte die Sozialversicherungsanstalt St. Gallen beim
Kreisgericht E._ ein Konkursbegehren gegen die B._ AG (Konkurs ohne vorgängige
Betreibung [Art. 190 Abs. 1 Ziff. 2 SchKG] [act. G 3.2/117]). Das Gesuch wurde mit
einzelrichterlichem Entscheid vom 4. September 2017 abgewiesen, da die Gesellschaft
glaubhaft gemacht habe, dass sie in Kürze ein grösseres Kapital zur Verfügung haben
werde, um die offenen und laufenden Schulden zu begleichen, und damit (gerade) noch
nicht von der dauerhaften Einstellung der Zahlungen auszugehen sei (act. G 3.2/92).
A.c.
Am 24. Juli 2017 teilte die SVA A._ mit, er sei ab 13. Dezember 2005 als
Verwaltungsratspräsident der B._ AG im Handelsregister eingetragen und deshalb
verpflichtet, für die korrekte Beitragsablieferung zu sorgen. Er unterstehe der
Schadenersatzordnung von Art. 52 AHVG, weshalb er verpflichtet sei, den
entstandenen Schaden in Höhe von Fr. 31'831.25 zu ersetzen (act. G 3.1/23). Mit
Stellungnahme vom 25. August 2017 machte A._ geltend, die Gesellschaft werde
den ausstehenden Betrag von Fr. 31'831.25 in den nächsten Tagen begleichen. Die
entsprechenden Massnahmen, um dies zu realisieren, seien bereits eingeleitet (act.
G 3.1/22.3).
A.d.
Mit Verfügung vom 11. September 2017 forderte die SVA von A._
Schadenersatz für entgangene bundesrechtliche Beiträge von Fr. 28'258.40 sowie
kantonalrechtliche Beiträge von Fr. 3'123.65, total somit Fr. 31'382.05. Er sei als
Verwaltungsrat der B._ AG verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Gesellschaft als
Arbeitgeberin ihrer Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht nachkommt. Dies
habe er offensichtlich unterlassen. Der Schaden bestehe aus den bereits infolge
Verlustscheinen abgeschriebenen Beiträgen. Teilzahlungen würden mit weiteren noch
offenen Forderungen verrechnet (act. G 3.1/16).
A.e.
Mit Einsprache vom 16. Oktober 2017 machte der Einsprecher im Wesentlichen
geltend, es treffe nicht zu, dass er seinen Pflichten nicht nachgekommen sei. Vielmehr
A.f.
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sei der Zahlungsrückstand auf den Umstand zurückzuführen, dass das Unternehmen
seit mehr als sieben Jahren mit der F._ in einem Rechtsstreit liege, da die Bank zu
Unrecht Vermögenswerte gesperrt habe und diese der Gesellschaft noch immer nicht
zur Verfügung ständen. Trotzdem nehme die B._ AG regelmässig Zahlungen vor, um
die Schuld zu begleichen. Zur Tilgung der Verlustscheine werde der SVA ein
Abzahlungsplan vorgeschlagen, wonach der Betrag von Fr. 31'382.05 in drei Raten bis
31. Dezember 2017 zu begleichen sei (act. G 3.1/14.1 - 3).
Am 31. Oktober 2017 bewilligte die SVA den vorgeschlagenen Zahlungsplan (act.
G 3.1/12). Nachdem die erste Rate vom 15. November 2017 nicht bezahlt worden war,
behandelte die SVA die Einsprache vom 16. Oktober 2017 und wies diese mit
Entscheid vom 5. Juni 2018 ab. Die Schadenersatzforderung sei zeitlich und masslich
genügend spezifiziert und der Einsprecher habe dagegen weder substantiierte
Einwendungen vorgebracht noch seien solche aus den Akten ersichtlich. Die
Nichtbezahlung von Sozialversicherungsbeiträgen könne entschuldbar sein, wenn bei
ungenügender Liquidität eine Arbeitgeberin zunächst für das Überleben des
Unternehmens wesentliche andere Forderungen befriedige, sofern sie auf Grund der
objektiven Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen dürfe, sie
werde die geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können. Eine relativ
kurze Dauer bzw. eine "nützliche Frist" sei jedoch überschritten, wenn die
Beitragszahlungspflicht über ein Jahr lang verletzt werde, zumal wenn kein konkretes
Sanierungskonzept vorliege. Vorliegend vermöge der geltend gemachte Rechtsstreit
mit der Bank den Einsprecher nicht von seiner Schadenersatzpflicht zu befreien,
dauere jener doch offenbar schon mehr als sieben Jahre. Auch hätten allenfalls
durchgeführte Massnahmen keinen Erfolg gezeigt, habe der Einsprecher doch seine in
der Einsprache vorgeschlagenen Ratenzahlungen nicht leisten können. Es sei der
Gesellschaft bzw. dem Einsprecher nicht gelungen, die Beiträge innert nützlicher Frist
nachzuzahlen. Der Einsprecher habe damit als verantwortliches Organ in erheblicher
Weise und über einen längeren Zeitraum gegen elementare Vorschriften der
Beitragsablieferung verstossen und in Kauf genommen, dass der Ausgleichskasse im
Fall der Uneinbringlichkeit ein Schaden entstehe, weshalb sein Verhalten als
grobfahrlässig zu beurteilen sei (act. G 3.1/5).
A.g.
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B.

Erwägungen
1.
Fügt ein Arbeitgeber durch absichtliche oder grobfahrlässige Missachtung von
Vorschriften der Versicherung einen Schaden zu, so hat er diesen zu ersetzen. Handelt
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 9. Juli 2018
mit dem Antrag auf Aufhebung der Schadenersatzverfügung. Der Beschwerdeführer
bringt einerseits vor, ihn treffe kein Verschulden, da die Gesellschaft seit sieben Jahren
mit der F._ in einem Rechtsstreit liege, weil diese zu Unrecht Vermögenswerte der
Gesellschaft gesperrt habe. Vorliegend sei nicht von einem vorsätzlichen oder
grobfahrlässigen Verschulden der Gesellschaftsorgane auszugehen, da diese am
Rechtsstreit mit der Bank kein Verschulden treffe. Der Zahlungsausfall sei durch
unvorhergesehene Umstände eingetreten, die bei grösster Sorgfalt und Überprüfung
nicht hätten vermieden werden können. Der Rechtsstreit sei nach wie vor aktuell, da
sich die Bank nicht an die Schlussverfügung der Staatsanwaltschaft des Kantons G._
vom 28. März 2012 halte und damit widerrechtlich das Vermögen der Gesellschaft
sperre. Im Weiteren macht der Beschwerdeführer geltend, das Unternehmen habe in
den vergangenen Jahren immer wieder Zahlungen an die Beschwerdegegnerin
geleistet. Im Jahr 2015 sei ein Betrag von Fr. 9'967.95, 2016 ein solcher von
Fr. 32'548.30 und 2017 nochmals Fr. 19'143.55 abbezahlt worden. Es seien bereits
zwei Drittel der Beitragsforderungen bezahlt worden und auch der Rest werde bis Ende
2018 erledigt (act. G 1).
B.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 20. August 2018 beantragt die Verwaltung die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf den angefochtenen
Einspracheentscheid und ergänzt, dass seit dem 28. November 2017 keine Zahlungen
mehr eingegangen seien. Die geltend gemachte Schadenersatzforderung sei demnach
immer noch offen (act. G 3).
B.b.
Mit Replik vom 5. Oktober 2018 wiederholt der Beschwerdeführer die in der
Beschwerdeschrift gemachten Ausführungen (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin
verzichtet auf eine Duplik (act. G 7).
B.c.
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es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder
der Verwaltung und alle mit der Geschäftsführung oder Liquidation befassten
Personen. Sind mehrere Personen für den gleichen Schaden verantwortlich, so haften
sie für den ganzen Schaden solidarisch (Art. 52 Abs. 1 und 2 des Bundesgesetzes über
die Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVG, SR 831.10). Die Arbeitgeber sind
verpflichtet, von dem von ihnen ausgerichteten Einkommen aus unselbstständiger
Erwerbstätigkeit die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen, mit der
Ausgleichskasse abzurechnen sowie die erforderlichen Angaben zu machen, und die
Beiträge zusammen mit dem Arbeitgeberbeitrag periodisch der Ausgleichskasse zu
entrichten (Art. 14 Abs. 1 und Art. 51 AHVG, Art. 34 und 36 der Verordnung über die
Alters- und Hinterlassenenversicherung; AHVV, SR 831.101). Die Missachtung dieser
Pflichten verletzt Vorschriften der Versicherung im Sinne von Art. 52 AHVG. Art. 52
Abs. 1 AHVG sieht eine Verschuldenshaftung nach öffentlichem Recht vor. Damit eine
Schadenersatzpflicht entstehen kann, müssen alle Haftungsvoraussetzungen gegeben
sein, d.h. es muss ein Schaden eingetreten sein, der auf ein widerrechtliches und
schuldhaftes Verhalten des verantwortlichen Organs zurückzuführen ist. Zudem muss
zwischen dem Verhalten der belangten Person und dem eingetretenen Schaden ein
adäquater Kausalzusammenhang gegeben sein. Diese Haftungsordnung gilt auch für
die Beitragsforderungen der Familienausgleichskasse (Art. 25 lit. c des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen; SR 836.2). Die Schadenersatzforderung
verjährt zwei Jahre, nachdem die zuständige Ausgleichskasse vom Schaden Kenntnis
erhalten hat, spätestens aber fünf Jahre nach Eintritt des Schadens. Diese Fristen
können unterbrochen werden. Der Arbeitgeber kann auf die Einrede der Verjährung
verzichten. Sieht das Strafrecht eine längere Frist vor, so gilt diese (Art. 52 Abs. 3
AHVG).
2.
Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seit dem 15. Oktober 2008
bis zum Konkurs der B._ AG am 22. Februar 2019 als deren
Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen war
und damit eine Organstellung innehatte (vgl. auch Online-Handelsregister der Kantone
Zürich, Schwyz und St. Gallen). Weiter sind weder das Bestehen offener
Beitragsforderungen sowie deren Höhe und Zusammensetzung noch die
Rechtzeitigkeit der Schadenersatzverfügung umstritten. Der Beschwerdeführer
bestreitet hingegen implizit - mangels definitiver Einstellung der Zahlungen durch die
Arbeitgeberin - das Vorliegen eines der subsidiären Organhaftung unterliegenden
Schadens sowie explizit das Vorliegen eines qualifizierten Verschuldens seinerseits.
2.1.
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2.2.
Die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers bzw. des verantwortlichen Organs
setzt zunächst den Eintritt eines Schadens bei der Ausgleichskasse voraus. Nach der
Rechtsprechung gilt der Schadeneintritt als erfolgt, sobald die Beiträge wegen
Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers nicht mehr im ordentlichen Verfahren erhoben
werden können, beispielsweise bei Erhalt von Pfändungsverlustscheinen oder bei
Konkurseröffnung über eine juristische Person (BGE 112 V 256 E. 3c; 123 V 16 E. 5b).
Der Schaden kann unbezahlt gebliebene paritätische AHV/IV/EO- und ALV-Beiträge,
Verwaltungskostenbeiträge, Mahngebühren, Veranlagungs- und Betreibungskosten
sowie Verzugszinsen für rückständige Beiträge umfassen (Thomas Nussbaumer, Das
Schadenersatzverfahren nach Art. 52 AHVG, in Schaffhauser/Kieser [Hrsg.], Aktuelle
Fragen aus dem Beitragsrecht der AHV, St. Gallen 1998, S. 100). Die
schadenersatzpflichtige Person hat auf Grund ihrer Mitwirkungspflichten den
Schadensbetrag substantiiert zu bestreiten, soweit die Forderung nicht auf
rechtskräftigen Verfügungen beruht (ZAK 1991 S. 125, AHI-Praxis 1993 S. 172, SVR
2001 AHV S. 51 Nr. 15).
2.2.1.
Die Beschwerdegegnerin macht einen Schaden von Fr. 31'382.05 geltend.
Dieser setzt sich aus den offen gebliebenen Akontobeiträgen für den Zeitraum von
Januar 2015 bis März 2016 sowie für die auszugleichenden Beiträge 2014 zusammen
(vgl. Kontoauszug vom 28. Mai 2018, Posten 2015/0002 - 0007 und 2016/0001 [act. G
3.1/7]). Dafür liegen entsprechende definitive Pfändungsverlustscheine vor (act.
G 3.2/123, 165, 169, 170, 171 und 276), wobei beim Posten 2015/0002 noch drei
Zahlungen in Höhe von je Fr. 1'000.-- angerechnet werden konnten, abzüglich eines
Haben-Übertrags von Fr. 100.--, sodass der abgeschriebene Betrag schliesslich nur
Fr. 4'082.-- anstatt Fr. 6'982.-- betrug (vgl. act. G 3.1/7.2 und G 3.2/276; vgl. auch die
Schadensberechnungsblätter [act. G 3.1/15, 17 - 21]). Der Schaden ist damit genügend
substantiiert und wird vom Beschwerdeführer betragsmässig wie gesagt nicht
bestritten, so dass darauf abzustellen ist. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers ist durch das Vorliegen der Pfändungsverlustscheine belegt, dass
die Arbeitgeberin ihrer Beitragsablieferungspflicht nicht nachgekommen ist und
realistischerweise auch der Schadenersatzpflicht nicht nachkommen kann (vgl. BGE
113 V 256 E. 3c S. 258). So sind die fraglichen Beiträge (inkl. Nebenkosten) - trotz der
erneuten Zahlungsversprechen des Beschwerdeführers in diesem Verfahren - bis zur
Konkurseröffnung nicht bei der Beschwerdegegnerin eingegangen. Der
Beschwerdeführer kann somit als subsidiär haftendes Organ in Anspruch genommen
werden.
2.2.2.
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2.3.
Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Vorschriften absichtlich oder grobfahrlässig
missachtet wurden. Nach der Rechtsprechung ist nicht jede Verletzung der öffentlich-
rechtlichen Aufgaben durch die Arbeitgeberin ohne weiteres einem qualifizierten
Verschulden ihrer Organe gleichzusetzen. Vorausgesetzt ist vielmehr ein Normverstoss
von einer gewissen Schwere. Eine Nichtabrechnung oder Nichtbezahlung der Beiträge
genügt noch nicht, um ein qualifiziertes Verschulden anzunehmen. Vielmehr sind die
gesamten Umstände zu würdigen. Die Frage der Dauer des Normverstosses ist dabei
ein Beurteilungskriterium, das im Rahmen der Gesamtwürdigung zu berücksichtigen ist
und im Sinne der Rechtsprechung zu den Entlastungsgründen zur Verneinung der
Schadenersatzpflicht führen kann (BGE 121 V 244 E. 4b mit Hinweisen). Von einem
qualifizierten Verschulden ist in der Regel auszugehen, wenn etwa eine Arbeitgeberin
über längere Zeit ihre Abrechnungs- und/oder Ablieferungspflichten nur schleppend
oder bloss teilweise erfüllt. Gegen ein qualifiziertes Verschulden kann beispielsweise
eine relativ kurze Dauer des Beitragsausstands sprechen oder der Umstand, dass eine
Arbeitgeberin bei ungenügender Liquidität zunächst für das Überleben des
Unternehmens wesentliche andere Forderungen (insbesondere solche der
Arbeitnehmer und Lieferanten) befriedigt, sofern sie auf Grund der objektiven
Umstände und einer seriösen Beurteilung der Lage annehmen darf, sie werde die
geschuldeten Beiträge innert nützlicher Frist nachzahlen können (BGE 121 V 244 E. 4b
mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 18. Januar 2011, 9C_330/2010, E. 3.4). Bei
der Verschuldensbeurteilung gilt ein objektiver Verschuldensmassstab, weshalb
subjektive Entschuldbarkeit oder die Gründe für die Mandatsübernahme unbeachtlich
sind (Ueli Kieser, Alters- und Hinterlassenenversicherung, in: Ulrich Meyer [Hrsg.],
Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht, Band XIV, Soziale Sicherheit, 3. Auflage,
G 460 mit Hinweisen). Das Mass der gebotenen Sorgfalt hängt immer von den
Umständen ab, wozu auch die Grösse der Firma und die Anzahl Verwaltungsräte
gehören. Bei einem einzigen Verwaltungsrat gilt ein strengerer Massstab (Urteil des
Bundesgerichts vom 10. Dezember 2010, 9C_325/2010, E. 5.1).
2.3.1.
Vorliegend ist die B._ AG ihrer Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht
während längerer Zeit nur schleppend bzw. überhaupt nicht nachgekommen. So
musste die Beschwerdegegnerin seit Oktober 2013 (Beginn der Beitragspflicht im
Kanton St. Gallen) bis zur Konkurseröffnung am 22. Februar 2019 praktisch jede
Quartalsrechnung sowie die auszugleichenden Beiträge mahnen, betreiben und
verfügen (vgl. Kontoauszüge vom 28. Juni 2016 und 28. Mai 2018 [act. G 3.2/190.7 ff.
und act. G 3.1/7]; act. G 3.2/50, 72, 73, 128, 161, 227, 255, 281, 287, 302, 325, 342,
2.3.2.
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355, 368). Ebenso mussten sämtliche Jahresabrechnungen 2013 bis 2017 gemahnt
werden. Für 2016 ging die Jahresabrechnung gar erst nach Androhung der
revisionsweisen Einholung durch die Beschwerdegegnerin ein (act. G 3.2/36, 40 ff., 47,
134, 228, 340, 365). Die Gesellschaft hat sich somit praktisch während der gesamten
Zeit ihres Bestehens (mindestens aber seit der Eintragung im Handelsregister des
Kantons Schwyz am 11. Oktober 2012 [vgl. auch Verfahren AHV 2018/17]) nur sehr
ungenügend um ihre Beitragsabrechnungs- und -ablieferungspflichten gekümmert.
Gemäss Schreiben der Beschwerdegegnerin vom 25. September 2017 summierten
sich die Ausstände auf Fr. 55'989.20 (exkl. weiterer Verzugszinsen und Kosten [act.
G 3.2/79 und 190.13 ff.]). Bis 28. Mai 2018 beliefen sich die Ausstände auf
Fr. 68'731.20 und am 6. August 2018 bereits auf Fr. 75'512.40 (exkl. weiterer
Verzugszinsen und Kosten [act. G 3.1/7.10 und G 3.2/4 ff.]). Wie schliesslich die
Betreibungen und vorliegend zur Diskussion stehenden Pfändungsverlustscheine bzw.
Abschreibungen im Kontoauszug zeigen, hat die Gesellschaft den Betrieb allein im
Kanton St. Gallen während rund fünf Jahren unter anderem auf Kosten der AHV
geführt. Unter diesen Umständen kann ein grobes Verschulden der Arbeitgeberin nicht
zweifelhaft sein.
Der Beschwerdeführer war vom 15. Oktober 2008 bis zum Konkurs der
Gesellschaft am 22. Februar 2019 als Präsident des Verwaltungsrats mit
Einzelunterschrift im Handelsregister eingetragen. Somit gehörten die Festlegung der
Organisation der Gesellschaft im Rahmen von Gesetz und Statuten, die Ausgestaltung
des Rechnungswesens und der Finanzkontrolle sowie die Aufsicht über die Personen,
denen Teile der Geschäftsführung übertragen sind, namentlich im Hinblick auf die
Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen zu seinen
unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben (Art. 716a Abs. 1 Ziff. 2, 3 und 5 des
Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
[Fünfter Teil: Obligationenrecht [OR, SR 220]]). Dies beinhaltet grundsätzlich auch die
Überwachung und Einhaltung der Beitragsabrechnungs- und Ablieferungspflicht
betreffend Sozialversicherungsbeiträge, zumal weder geltend gemacht noch ersichtlich
ist, dass diese Aufgabe dem Delegierten des Verwaltungsrats H._ zugekommen
wäre. Der Beschwerdeführer führt denn auch selber aus, dass er als
Verwaltungsratspräsident die Verantwortung über das Unternehmen habe (Beschwerde
S. 2 [act. G 1]). Zudem war er es, der gegenüber der Beschwerdegegnerin - etwa bei
den Verhandlungen um Zahlungspläne - jeweils als Ansprechpartner in Erscheinung
trat (etwa act. G 3.2/13, 190.26, 195, 215). Der Beschwerdeführer war mithin als
zuständiges Gesellschaftsorgan verpflichtet, für eine korrekte und pünktliche
2.3.3.
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Abrechnung und Ablieferung dieser Beiträge zu sorgen. Dieser Pflicht ist er
offensichtlich nicht vollumfänglich nachgekommen. Zur Entschuldigung bringt er
sowohl im vorinstanzlichen Einspracheverfahren als auch im hier zu beurteilenden
Beschwerdeverfahren vor, die Gesellschaft habe unter einem Liquiditätsengpass
gelitten, da die F._ widerrechtlich Vermögenswerte blockiert habe (act. G 1 und
G 3.1/14.2). Dem ist zunächst entgegen zu halten, dass dieses Vorbringen unbelegt
geblieben ist. So ergibt sich aus den vorliegenden Akten weder, dass bei der F._
tatsächlich ein Guthaben von umgerechnet rund 2,7 Millionen Franken existiert (vgl.
Zahlungsbefehl vom 2. Oktober 2017 [act. G 1.3]), noch aus welchen Gründen die
F._ trotz der Verfügung der Staatsanwaltschaft G._ vom 28. März 2012, wonach
einem Gesuch der britischen Strafverfolgungsbehörde (Crown Prosecution Service,
Central Fraud Group, London [act. G 1.2]) auf Aufhebung der Kontosperre
stattgegeben wurde, an dieser festhalten sollte. Im Weiteren ist völlig schleierhaft,
weshalb ein Bankguthaben von rund 2,7 Millionen Franken, welches gemäss der
genannten Verfügung der Staatsanwaltschaft G._ aus einem
Stahlvermittlungsgeschäft unter Drittparteien stammte und im Zuge eines
Strafverfahrens in Grossbritannien gegen einen deutschen Staatsangehörigen gesperrt
worden war, auf dem Geschäftskonto der B._ AG eingegangen sein sollte. Fraglich
ist auch der Betrag selber, ist doch in der Verfügung der Staatsanwaltschaft G._ von
einem Betrag von GBP 2'225'000.-- die Rede, welcher nach Angaben des dort
Beschuldigten auf das Konto der B._ AG überwiesen worden sein soll, während
diese in der von ihr angestrengten Betreibung vom 2. Oktober 2017 gegen die F._
AG von einem Betrag von EUR 2'224'975.-- spricht (was bei einem Eurokurs von
Fr. 1.20 besagten Betrag von rund 2,7 Mio. Franken ergibt [act. G 1.2 f.]). Am 22.
Februar 2019 wurde sodann der Konkurs über die Gesellschaft eröffnet und bereits am
20. Juni 2019 mangels Aktiven wieder eingestellt, was jedenfalls nicht für das
Vorhandensein von Vermögenswerten in Millionenhöhe spricht (vgl. online-
Handelsregisterauszug). Merkwürdig ist schliesslich die Tatsache, dass die Belegschaft
eines Unternehmens, das gemäss - immer noch aufgeschalteter - Website Uhren und
Uhrwerke im Luxussegment entwickelt und herstellt, lediglich aus drei
Familienmitgliedern des Beschwerdeführers bestehen soll (wobei der
Beschwerdeführer selber angeblich keinen Lohn bezogen hat). Diese Fragen können
indessen sämtlich offenbleiben. Selbst wenn tatsächlich ein Millionenbetrag auf dem
Geschäftskonto der B._ AG vorhanden gewesen und die behauptete Kontosperre
von der F._ AG tatsächlich widerrechtlich aufrechterhalten worden wäre, würde dies
nicht zu einer Entlastung des Beschwerdeführers in Bezug auf die
Beitragsablieferungspflicht führen. Wie er selber ausführt, dauert der (behauptete)
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Rechtsstreit mit der F._ seit nunmehr über sieben Jahren an. Die fragliche Verfügung
der Staatsanwaltschaft G._ datiert vom 28. März 2012 und damit aus einer Zeit vor
dem im vorliegenden Verfahren zu beurteilenden Zeitraum von Januar 2015 bis März
2016. Mit der Beschwerdegegnerin ist deshalb festzustellen, dass der
Beschwerdeführer nach einem derart langen Zeitraum nicht mehr damit rechnen
konnte, die offenen Beiträge innert nützlicher Frist, d.h. innerhalb eines Jahres, aus den
behaupteten blockierten Vermögenswerten bezahlen zu können, zumal er keinerlei
Angaben zum Stand des Verfahrens oder zu den von der F._ genannten Gründen für
die Aufrechterhaltung der Kontosperre macht. Nachdem aus dem laufenden
Geschäftsbetrieb offensichtlich nicht genügend Einnahmen resultiert haben, um die
Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen, hätte die Gesellschaft jedenfalls nicht einfach
weiterhin Löhne in ungekürzter Höhe ausrichten dürfen (Immerhin bezog J._ im Jahr
2016 nur von Januar bis Juni Lohn [act. G 3.2/42].). Vielmehr hätte der
Beschwerdeführer als verantwortliches Organ - gerade auch angesichts der
offensichtlich angespannten finanziellen Lage - dafür sorgen müssen, dass nur noch so
viele Löhne ausgerichtet werden, als die unmittelbar darauf anfallenden
Sozialversicherungsbeiträge hätten bezahlt werden können. Zwar hatte die
Gesellschaft am 14. und 15. September 2016 (Valutadatum 16. und 19. September
2016) sowie am 4. September 2017 (Valutadatum 6. September 2017) unter anderem
noch drei grössere Zahlungen von je Fr. 15'000.-- geleistet (G 3.2/198, G 3.2/95), die
an die offenen Beiträge Oktober 2013 bis Dezember 2014 (Posten 2014/0001, 0003 -
0006 und 2015/0005), die Akontorechnung April bis Juni 2015 (Posten 2015/0004)
sowie an die Akontobeiträge Oktober 2016 bis Juni 2017 (Posten 2016/0008,
2017/0001 und 0004) angerechnet wurden (act. G 3.1/6, 7.7 f., 7.12 f. und G 3.2/94 f.
und 195 - 200), und damit einen noch grösseren Schaden verhindert. Trotzdem
wuchsen die Ausstände wie oben dargelegt immer weiter an. Angesichts des sehr
langen Zeitraums der Beitragsausstände und der Tatsache, dass sich die wiederholten
Zahlungsversprechen des Beschwerdeführers, zuletzt noch in der vorliegenden
Beschwerde vom 9. Juli 2018, S. 4, letztlich als leer erwiesen und offenbar lediglich auf
der Hoffnung beruhten, die Schulden aus (wohl) betriebsfremden Mitteln unklarer
Herkunft und Rechtmässigkeit begleichen zu können, kann nicht mehr von leichter
Fahrlässigkeit ausgegangen werden. Vielmehr ist dem Beschwerdeführer vorzuwerfen,
dass er (allein im Kanton St. Gallen) während fast fünf Jahren (September 2013 bis
Erlass Einspracheentscheid) nicht dafür gesorgt hat, die Lohnsumme an die finanziellen
Möglichkeiten der Arbeitgeberin anzupassen, wodurch der Beschwerdegegnerin der
vorliegend zu beurteilende Schaden entstanden ist. Dies trifft auch auf die
Beitragsabrechnungspflicht zu, würden die geltend gemachten Umstände den
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3.
Schliesslich ist unbestritten, dass die Schadenersatzverfügung vom 11. September
2017 rechtzeitig ergangen ist, nachdem die massgebenden definitiven
Pfändungsverlustscheine vom 24. November 2015, 30. Dezember 2016 und vom
27. April 2017 datieren (act. G 3.2/123, 165, 169, 170, 171 und 276). Damit hat die
Beschwerdeführer doch selbst bei Zutreffen nicht entlasten. Indem er sich als
verantwortliches Organ der Gesellschaft nicht um diese grundlegenden Pflichten
gekümmert hat, ist dem Beschwerdeführer zumindest ein grobfahrlässiges Verhalten
vorzuwerfen.
Auch die weiteren Voraussetzungen für die Geltendmachung von Schadenersatz sind
erfüllt. So musste die Beschwerdegegnerin nach der Erfassung der Gesellschaft am
17. Dezember 2013 (Eingang Fragebogen 3 [act. G 3.2/401]) bereits die erste
Quartalsrechnung (Januar bis März 2014 [Posten 2014/0001]), die Jahresabrechnung
2013 sowie die nachzuzahlenden Beiträge für den Zeitraum Oktober bis Dezember
2013 (Posten 2014/0003) mahnen und die Geldforderungen in Betreibung setzen (act.
G 3.2/376, 384, 385, 390 - 397). Auch in der Folgezeit mussten praktisch sämtliche
Quartalsrechnungen sowie die auszugleichenden Beiträge gemahnt, betrieben und
verfügt werden; ebenso mussten die Jahresabrechnungen jeweils gemahnt werden
(vgl. Kontoauszüge vom 28. Juni 2016 und vom 28. Mai 2018 [act. G 3.2/190.7 ff. und
G 3.1/7]). Insgesamt hat die B._ AG von zu entrichtenden Beiträgen (inkl.
Verwaltungskosten) in Höhe von rund Fr. 150'000.-- nur knapp die Hälfte, nämlich rund
Fr. 74'000.-- bezahlt (Kontoauszug vom 14. August 2018 [act. G 3.1/2], wobei bei den
Gutschriften [mindestens] auch die vorliegend massgebenden Abschreibungen von
Fr. 31'382.05 enthalten sind, so dass dieser Betrag noch von den Einzahlungen in
Abzug zu bringen ist [Fr. 105'261.50 - Fr. 31'382.05 = Fr. 73'879.45]). Schliesslich
blieben die Beiträge im Wesentlichen für den Zeitraum von Januar 2015 bis Dezember
2016 sowie für das dritte und vierte Quartal 2017 unbezahlt (act. G 3.1/7). Damit hat die
Gesellschaft gegen die in Art. 14 Abs. 1 AHVG in Verbindung mit Art. 34 ff. AHVV
statuierte Beitragsablieferungspflicht verstossen, womit die Widerrechtlichkeit als
Haftungsvoraussetzung gegeben ist. Zwischen dem schuldhaften Verhalten der
Arbeitgeberin und des Beschwerdeführers und dem Schadenseintritt besteht sodann
ein adäquater Kausalzusammenhang. Hätte der Beschwerdeführer ordnungsgemäss
für die Beitragsabrechnung und -ablieferung gesorgt, wäre der Beschwerdegegnerin
kein Schaden in der genannten Höhe entstanden.
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin die zweijährige relative Verwirkungsfrist ab Kenntnis sowie die
fünfjährige absolute Verwirkungsfrist nach Eintritt des Schadens gewahrt (vgl. Art. 52
Abs. 3 AHVG). Die Geltendmachung von Schadenersatz ist auch nicht während des
Einsprache- oder Beschwerdeverfahrens verjährt, nachdem diese Verfahren die
Verjährung unterbrechen und die Verjährungsfrist nach Abschluss des
Gerichtsverfahrens von Neuem zu laufen beginnt (Art. 138 Abs. 1 OR, BGE 141 V 487
E. 2.3 S. 489 f. mit Hinweisen).
4.
Zusammenfassend sind die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme des
Beschwerdeführers als schadenersatzpflichtiges Organ erfüllt. Fr. 31'382.05
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG, SR 830.1).