Decision ID: cd79bd1e-ecc7-5443-b8f2-2c229bcc0114
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A. _ bewohnt die von ihr im Jahr 2013 erworbene Liegenschaft
Z. _ bei der Ortschaft X. _ in der Gemeinde V. _
ganzjährig. Zuvor wurde diese als Ferienhaus genutzt und nicht mit Haus-
zustellung durch die Post CH AG bedient. In unmittelbarer Nähe gibt es
keine weiteren ganzjährig genutzten Liegenschaften.
Das Haus liegt etwas oberhalb der Route de Y. _, welche die Ort-
schaften X. _ und Y. _ verbindet, und ist durch eine ca.
200 m lange Fahrstrasse erschlossen. Diese zweigt ca. 1 km vom Ortsrand
von X. _ von der Route de Y. _ ab (nachfolgend: Abzwei-
gung Y. _/Z._). Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 40 km/h
beschränkt. Die Zustellroute des Postboten führt von X. _ über die
Route de Y. _ an dieser Abzweigung vorbei weiter ins Tal, wo die
Post CH AG zumindest einen Bauernhof bedient. Ausserdem bedient diese
zwischen X. _ und der Abzweigung Y. _/Z._ weitere
Häuser von der Route de Y. _ aus.
B.
Nach dem Zuzug von A. _ lehnte die Post CH AG die Aufnahme der
Hauszustellung ab und bot ihr ein Postfach (8x16cm) bei der Poststelle
X. _ an. Da diese Zustellsituation unbefriedigend war, wandte sich
A. _ im Februar 2014 an die Post CH AG und ersuchte um Zustel-
lung in einen Briefkasten bei der Abzweigung Y. _/Z._. Zu-
nächst sicherte die Post die Hauszustellung zu, widerrief die Zusage je-
doch anderntags mit der Begründung, A. _ habe keinen Anspruch
auf Hauszustellung.
C.
Mit Schreiben vom 19. November 2014 gelangte A. _ an die Eidge-
nössischen Postkommission (PostCom) und beantragte sinngemäss die
Hauszustellung, wobei sie sich bereit erklärte, an der Abzweigung
Y. _/Z._ einen Briefkasten aufzustellen.
Mit Schreiben vom 16. Dezember 2014 bestätigte die Post CH AG
A. _ deren Gesuch vom 19. November 2014 um Hauszustellung bei
der PostCom und teilte ihr mit, in der Gemeinde X. _ sei eine neue
Postfachanlage mit Fächern für grossformatige Briefe und Pakete eröffnet
worden. Sie wies darauf hin, dass diese eine Ersatzlösung darstelle und
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sie deshalb aufgrund der gesetzlichen Regelung nicht verpflichtet sei, im
konkreten Fall die Hauszustellung bei A. _ vorzunehmen.
Mit Schreiben von 23. Dezember 2014 beantragte die Post CH AG mit Ein-
verständnis von A. _ die Sistierung. Sie begründete dies damit,
dass sie die Hauszustellung in der Region überprüfen wolle. Am 7. Januar
2015 sistierte die PostCom das Verfahren bis auf Widerruf durch eine der
Parteien.
Am 1. März 2015 eröffnete A. _ ein grösseres Postfach in der neuen
Postfachanlage. Sie wurde in der Folge durch die Post CH AG aufgefordert,
ihr Gesuch bei der PostCom zurückzuziehen. A. _ gelangte wiede-
rum an die PostCom und erklärte, die Übernahme eines neuen Postfachs
sei aufgrund der Schliessung der alten Anlage geschehen und bedeute
keine Einverständniserklärung. Sie beantragte die Aufhebung der Sistie-
rung, was am 13. März 2015 durch die PostCom geschah.
D.
Mit Verfügung vom 27. August 2015 hiess die PostCom das Gesuch von
A. _ betreffend Hauszstellung / Ersatzlösung gut. Insbesondere
verpflichtete sie die Post CH AG dazu, im Sinne einer Ersatzlösung täglich
die Zustellung in einen von der Gesuchstellerin aufzustellenden Briefkas-
ten mit Paketablagefach bei der Abzweigung Y. _/Z._ zu er-
bringen.
E.
Mit Eingabe vom 1. Oktober 2015 erhebt die Post CH AG (Beschwerdefüh-
rerin) gegen die Verfügung der PostCom (Vorinstanz) vom 27. August 2015
Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht und beantragt, die Verfügung
sei aufzuheben. Sie begründet dies im Wesentlichen damit, dass die Lie-
genschaft der Beschwerdegegnerin ausserhalb des Siedlungsbereiches
liege, sie deshalb nicht zur Hauszustellung verpflichtet sei und dass das
Angebot eines Postfaches in X. _ eine angemessene Ersatzlösung
darstelle. Ausserdem rügt sie, die Vorinstanz habe Bundesrecht verletzt,
indem sie der Beschwerdegegnerin Parteistellung eingeräumt habe. Es
handle sich vorliegend richtigerweise um eine Aufsichtsbeschwerde, wel-
che eine Parteistellung des Anzeigers ausschliesse. Im Übrigen verletze
die Vorinstanz Bundesrecht auch dadurch, indem sie Massnahmen treffe,
ohne dass eine Rechtsverletzung vorliege.
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F.
Mit Eingabe vom 2. Dezember 2015 beantragt A. _ (Beschwerde-
gegnerin), es sei der Beschwerde vom 1. Oktober 2015 per sofort die auf-
schiebende Wirkung zu entziehen und es sei eventualiter die Beschwerde-
führerin im Sinne vorsorglicher Massnahmen zu verpflichten, täglich die
Zustellung der Post in den von der Beschwerdegegnerin aufgestellten
Briefkasten mit Paketablagefach bei der Abzweigung
Y. _/Z._ für die Dauer des Verfahrens zu erbringen.
G.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 17. Dezember 2015,
das Verfahren sei zu sistieren, bis über ein weiteres bei der Vorinstanz hän-
giges Gesuch (gestellt von B. _ in X. _) betreffend Hauszu-
stellung entschieden worden sei. Dieses Verfahren weise einen ähnlichen
Sachverhalt auf und präjudiziere allenfalls aufgrund der geografischen Ge-
gebenheit das vorliegend zu beurteilende Verfahren. Die Vorinstanz ver-
zichtet indessen auf eine Stellungnahme zum Antrag der Beschwerdegeg-
nerin betreffend Entzug der aufschiebenden Wirkung bzw. Erlass vorsorg-
licher Massnahmen. Im Weiteren verweist sie im Wesentlichen auf ihren
Entscheid vom 27. August 2015 und hält an ihrer vorgenommenen materi-
ellen Begründung – vorbehältlich neuer Tatsachen – fest. Betreffend an-
wendbares Verfahren und Parteistellung der Beschwerdeführerin führt sie
aus, das Rechtsverhältnis zwischen der Beschwerdegegnerin und der Be-
schwerdeführerin beruhe auf einer öffentlichrechtlichen Verpflichtung im
Rahmen des gesetzlichen Grundversorgungsauftrags. Die Beschwerde-
gegnerin sei deshalb direkt vom Entscheid der Beschwerdeführerin be-
rührt, habe ein schutzwürdiges Interesse, sei stärker als jedermann von
der Streitsache betroffen und stehe in einer nahen Beziehung zur Streitsa-
che. Aus diesem Grund müsse der Beschwerdegegnerin im konkreten Fall
Parteistellung eingeräumt werden, wodurch sich das Aufsichtsverfahren ei-
nem ordentlichen Verwaltungsverfahren annähere. Im Weiteren legt die
Vorinstanz dar, sie habe kein Recht verletzt, zumal eine Verletzung des
Verhältnismässigkeitsgrundsatzes sowie eine Ermessensunterschreitung
vorliegen würden.
H.
Mit Eingabe vom 21. Dezember 2015 beantragt die Beschwerdeführerin,
der Antrag auf Entzug der aufschiebenden Wirkung sowie der Eventualan-
trag auf Verpflichtung der Beschwerdeführerin zur täglichen Zustellung der
Postsendungen der Beschwerdegegnerin in den Briefkasten bei der Ab-
zweigung Y. _/Z._ seien abzuweisen.
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Seite 5
I.
Mit Zwischenentscheid vom 7. Januar 2016 heisst das Bundesverwal-
tungsgericht, das Gesuch der Beschwerdegegnerin vom 2. Dezember
2015 um Entzug der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde gut.
J.
Mit Zwischenentscheid vom 10. Februar 2016 weist das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch der Vorinstanz vom 17. Dezember 2015 um Sis-
tierung des vorliegenden Verfahrens ab.
K.
Mit Beschwerdeantwort vom 14. März 2016 beantragt die Beschwerdegeg-
nerin, die Beschwerde vom 1. Oktober 2015 sei vollumfänglich abzuweisen
und die Verfügung Nr. 20/2015 der Vorinstanz vom 27. August 2015 sei zu
bestätigen. Sie begründet ihren Antrag im Wesentlichen damit, dass der
Grundversorgungsauftrag dem einzelnen Postkunden individuelle verwal-
tungsrechtliche Rechtsansprüche verleihe, weshalb Streitigkeiten betref-
fend Hauszustellung nicht im Aufsichtsverfahren zu führen seien und der
Beschwerdegegnerin demzufolge zu Recht Parteistellung eingeräumt wor-
den sei. Im Weiteren schliesse die Prüfungsbefugnis der Vorinstanz im
Rahmen der Überwachung der Einhaltung des Postgesetzes vom 17. De-
zember 2010 (PG, SR 783.0) und dessen Ausführungsbestimmungen auch
die Zuständigkeit und Entscheidbefugnis der Vorinstanz bei Streitigkeiten
über die Hauszustellung oder eine Ersatzlösung ein. Somit liege es auch
in der Kompetenz, die im Gesetz aufgeführten Massnahmen anzuordnen.
Was die von der Beschwerdeführerin beschlossene Ersatzlösung angehe,
so sei diese unverhältnismässig. Die Zustelltour der Beschwerdeführerin
führe nach wie vor am Standort des von ihr aufgestellten Briefkastens an
der Abzweigung Y. _/Z._ vorbei, weshalb sich die Zustellung
in diesen Briefkasten gegenüber dem Postfach in X. _ als milderes
Mittel erweise. Durch die Verweigerung dieser Hauszustellung verletze die
Beschwerdeführerin somit die rechtlichen Vorschriften betreffend die Haus-
zustellung resp. das Anbieten von Ersatzlösungen und damit ihren Grund-
versorgungsauftrag.
L.
In ihren Schlussbemerkungen vom 15. April 2016 hält die Beschwerdefüh-
rerin an ihren Rechtsbegehren vom 1. Oktober 2015 sowie deren Begrün-
dung fest.
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Seite 6
M.
Auf die Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten befindlichen
Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgenden Erwä-
gungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Bundesgesetzes über das Bundesverwaltungsge-
richt vom 17. Juni 2005 (Verwaltungsgerichtsgesetz, VGG, SR 173.32) be-
urteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren vom
20. Dezember 1968 (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG, SR 172.021),
sofern eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG entschieden hat und
keine Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist.
Beim angefochtenen Entscheid handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 VwVG, die von einer eidgenössischen Kommission im
Sinne von Art. 33 Bst. f VGG (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-4175/2013 vom 13. Dezember 2013 E. 1.1) erlassen wurde. Eine Aus-
nahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist
daher für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach dem
VwVG, soweit das VGG nichts anderes vorsieht (Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin hat sich am vorinstanzlichen Verfahren betei-
ligt und ist als Adressatin des angefochtenen Entscheides, sowohl formell
als auch materiell beschwert. Sie erfüllt somit die Legitimationsvorausset-
zungen des Art. 48 Abs. 1 Bst. a-c VwVG, weshalb auf die frist- und form-
gerecht eingereichte Beschwerde (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG)
einzutreten ist.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht stellt den rechtserheblichen Sachverhalt,
unter Vorbehalt der Mitwirkungspflicht der Parteien (Art. 13 VwVG), von
Amtes wegen fest (Art. 12 VwVG) und wendet das Recht grundsätzlich frei
an, ohne an die Anträge oder die rechtlichen Begründungen der Parteien
gebunden zu sein (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es entscheidet grundsätzlich mit
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uneingeschränkter Kognition, überprüft also die angefochtene Verfügung
auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der
Ermessensausübung – sowie auf Angemessenheit hin (Art. 49 VwVG).
Bei der Angemessenheitsprüfung auferlegt sich das Bundesverwaltungs-
gericht eine gewisse Zurückhaltung und greift nicht in den Beurteilungs-
spielraum der rechtsanwendenden Behörde ein, wenn diese den örtlichen,
technischen und persönlichen Verhältnissen näher steht als die Beschwer-
deinstanz. Vorliegend ist die Vorinstanz indessen keine gewöhnliche Voll-
zugsbehörde, sondern eine verwaltungsunabhängige Kollegialbehörde mit
besonderen Kompetenzen. Als Fachorgan ist sie Regulierungsinstanz mit
besonderer Verantwortung. Ihr steht ein eigentliches "technisches Ermes-
sen" zu, was eine gewisse Zurückhaltung des Bundesverwaltungsgerichts
bei der Überprüfung des vorinstanzlichen Entscheides rechtfertigt. Es be-
freit das Bundesverwaltungsgericht aber nicht davon, die Rechtsanwen-
dung auf ihre Vereinbarkeit mit Bundesrecht zu überprüfen. Es hat eine
unangemessene Entscheidung zu korrigieren, muss aber der Vorinstanz
die Wahl zwischen mehreren sachgerechten Lösungen überlassen. Wenn
es um die Beurteilung ausgesprochener Spezialfragen geht, in denen die
Vorinstanz über besonderes Fachwissen verfügt, weicht das Bundesver-
waltungsgericht nicht ohne Not von der Auffassung der Vorinstanz ab. Dies
gilt jedenfalls für den Fall, dass Letztere die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte geprüft und die erforderlichen Abklärungen getroffen hat
(Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-670/2015 vom 22. Mai 2015
E. 2.2 und A-5801/2014 vom 25. März 2015 E. 2, je m.w.H.; ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl., Basel 2013, Rz. 2.154 f.).
3.
In prozessualer Hinsicht ist vorab zu klären, ob der Beschwerdegegnerin
im Vorverfahren zu Recht eine Parteistellung zuerkannt wurde.
3.1 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde vom 1. Oktober
2015 geltend, vorliegend handle es sich um eine Aufsichtsbeschwerde ge-
mäss Art. 71 VwVG, wobei eine Parteistellung des Anzeigers explizit aus-
geschlossen sei. Sie begründet dies damit, dass es sich bei der Hauszu-
stellung um einen Teil des öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftra-
ges der Post handle, welcher gemäss Art. 92 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) eine
Bundesaufgabe darstelle und an die Post ausgelagert worden sei. Er habe
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zum Inhalt, die Bevölkerung ausreichend und preiswert mit Postdiensten
zu versorgen. Der Grundversorgungsauftrag verleihe jedoch der Einzelper-
son keine individuellen verwaltungsrechtlichen Rechtsansprüche auf eine
bestimmte Art und Weise der Versorgung, was insbesondere auch für die
Hauszustellung zu gelten habe. Insbesondere sei er nicht darauf ausge-
legt, dass jeder Einzelperson der identische Service Public zukomme, wes-
halb Haushaltungen, welche sich ausserhalb der Siedlungen befänden,
eine Ersatzlösung angeboten werde. Bei der Grundversorgung gehe es in-
dessen darum, dass die Schweizer Bevölkerung als Ganzes ausreichend
und preiswert mit Postdienstleistungen versorgt werde. Ob dies der Fall
sei, könne hingegen nur aus einer Gesamtbetrachtung heraus beurteilt
werden. Aus diesem Grund seien Streitigkeiten über die Hauszustellung
als Aufsichtsverfahren zu führen. Die Vorinstanz sei deshalb dazu ver-
pflichtet, über die Erfüllung des Grundversorgungsauftrags zu wachen und
bei einer festgestellten Verletzung gegenüber der Post zu verfügen. Dabei
könne indessen nicht über individuelle Ersatzlösungen entschieden wer-
den, weshalb der Beschwerdegegnerin auch keine Parteistellung in die-
sem Verfahren zukomme. Würde eine Parteistellung für individuelle Ersatz-
lösungen zuerkannt, so könne dies zu einer Flut von Beschwerden führen.
Indem die Vorinstanz der Beschwerdegegnerin Parteistellung einräume,
verletze sie Bundesrecht.
3.2 Die Vorinstanz verweist in ihrer Stellungnahme vom 17. Dezember
2015 auf ihre Ausführungen in ihrer Verfügung vom 27. August 2015. Sie
begründet ihren Entscheid, der Beschwerdegegnerin eine Parteistellung im
Verfahren zu gewähren, im Wesentlichen damit, dass diese durch den Ent-
scheid der Beschwerdeführerin, keine Hauszustellung zu erbringen, stär-
ker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen, beachtenswerten
und nahen Beziehung zur Streitsache stehe. Auch habe die Beschwerde-
gegnerin ein schutzwürdiges Interesse an der Abwendung eines materiel-
len sowie ideellen Nachteils.
3.3 Die Beschwerdegegnerin macht in ihrer Beschwerdeantwort vom
14. März 2016 geltend, der Grundversorgungsauftrag verleihe dem einzel-
nen Postkunden individuelle verwaltungsrechtliche Rechtsansprüche, ins-
besondere auch im Bereich der Hauszustellungen, handle es sich dabei
doch um einen Anspruch aus der Grundversorgungspflicht der Beschwer-
deführerin. Diesbezügliche Streitigkeiten seien daher nicht im Aufsichtsver-
fahren zu führen und die Vorinstanz habe deshalb auch kein Bundesrecht
verletzt, wenn sie der Beschwerdegegnerin ein Parteirecht eingeräumt
habe.
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Seite 9
3.4 Dass die vorliegend zu beurteilende Frage zur Hauszustellung den Auf-
trag der Beschwerdeführerin zur Grundversorgung durch Postdienstleis-
tungen betrifft, ist nicht bestritten.
3.4.1 Bei der Beurteilung der Frage, ob der Beschwerdegegnerin durch die
Vorinstanz zu Recht eine Parteistellung eingeräumt wurde, folgt das Bun-
desverwaltungsgericht seiner früheren Rechtsprechung (vgl. dazu einge-
hend die Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-6192/2015 vom 11. Ja-
nuar 2017 E. 2.4.1. ff. und A-6119/2015 vom 26. Mai 2016 E. 1.2.4 – 1.2.12
m. w. H.).
Die im Rahmen des Grundversorgungsauftrages zu gewährleistende
Hauszustellung (Art. 29 ff. der Postverordnung vom 29. August 2012 [VPG,
SR 783.01]) stellt ein Dienstleistungsverhältnis mit öffentlich-rechtlichem
Charakter dar. Betroffene haben sich bei diesbezüglichen Streitigkeiten an
die Vorinstanz zu wenden, welche überprüft, ob die Bestimmung zur Haus-
zustellung von der Beschwerdeführerin korrekt angewendet wird und die-
ser gegenüber mittels Verfügung entscheidet (vgl. Erläuterungsbericht zur
Postverordnung, S. 18, [nachfolgend: Erläuterungsbericht VPG]). Der Be-
schwerdeführerin ist somit insofern zuzustimmen, als sie geltend macht,
die vorliegende Streitigkeit sei in einem Aufsichtsverfahren zu erledigen
und nicht – wie Vorinstanz und Beschwerdegegnerin ausführen – in einem
ordentlichen verwaltungsrechtlichen Verfahren.
3.4.2 Ein Aufsichtsverfahren gegen die Beschwerdeführerin richtet sich
grundsätzlich nach den Vorgaben des Art. 71 VwVG. Diese Bestimmung
sieht vor, dass jederzeit bei der Aufsichtsbehörde ein Handeln oder Unter-
lassen von Behörden oder ihres Personals angezeigt und damit einer Auf-
sichtsbeschwerde zugeführt werden kann. Nach dem Wortlaut dieser Be-
stimmung (vgl. Art. 71 Abs. 2 VwVG) verleiht die Einreichung einer Auf-
sichtsbeschwerde grundsätzlich keine Parteirechte (vgl. OLIVER ZIEBUNG,
Art. 71, in: Bernhard Waldmann/Philippe Weissenberger [Hrsg.], Praxis-
kommentar Verwaltungsverfahrensgesetz [VwVG], 2. Aufl., Zürich/Ba-
sel/Genf 2016, Rz. 3 ff., 12 ff., 33 [nachfolgend: Praxiskommentar VwVG];
VERA MARANTELLI/SAID HUBER, Art. 6, in: Praxiskommentar VwVG, Rz. 59
f.; DAVID CHAKSAD, Die verwaltungsrechtliche Aufsichtsanzeige, Diss., Zü-
rich/Basel/Genf 2015, S. 103 ff.; GREGOR BACHMANN, Aufsichtsbe-
schwerde: Zeit für eine Praxisänderung?, in: Aktuelle Juristische Praxis,
AJP 2015, S. 1493).
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3.4.3 Die Beschwerdegegnerin hat das vorliegende Verfahren durch Be-
schwerde resp. Anzeige bei der Vorinstanz angestossen. Somit wäre ihr –
wie von der Beschwerdeführerin dargestellt – grundsätzlich keine Partei-
stellung zu gewähren. Der Rechtsprechung von Bundesgericht und Bun-
desverwaltungsgericht folgend, kann sich allerdings im Verfahren der Auf-
sichtsbeschwerde eine Parteistellung resp. Legitimation aus der allgemei-
nen Regelung von Art. 6 i.V.m. Art. 48 VwVG ergeben (vgl. BGE 139 II 279
ff.; vgl. auch Urteile des Bundesverwaltungsgerichts A-6192/2015 vom
11. Januar 2017 E. 2.4, A-6119/2015 vom 26. Mai 2016 E. 1.2.8 ff., A-
5664/2014 vom 18. November 2015 E. 8.4 ff. und A-678/2015 vom 28. Juli
2015 E. 4.1; MARANTELLI/HUBER, Art. 6, in: Praxiskommentar VwVG,
Rz. 59).
3.4.4 Wer im Sinne von Art. 6 i.V.m. 48 VwVG zur Beschwerde legitimiert
ist, hat auch Parteistellung im erstinstanzlichen Verfügungsverfahren und
ist Träger der damit verbundenen Parteipflichten und -rechte. In diesem
Sinne wird für das Erlangen der Parteistellung für jenen, der bei einer Auf-
sichtsbehörde eine Anzeige erstattet oder ein aufsichtsrechtliches Vorge-
hen gegen einen Dritten fordert, vorausgesetzt, dass er durch die Verfü-
gung oder Handlung der beaufsichtigten Stelle besonders berührt bzw. auf-
grund einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsa-
che stärker als die Allgemeinheit betroffen ist. Um eine Legitimation zu be-
gründen fordert das Bundesgericht ausserdem ein derart prägendes
schutzwürdiges Interesse, d.h. einen aus der Sicht der Rechtspflege ge-
würdigt ausreichenden Anlass, dass sich die Organe der Verwaltungs-
rechtspflege mit der Sache zu befassen haben (vgl. BGE 139 II 279 E. 2.3,
Urteil des Bundesgerichts 2C_959/2014 vom 24. April 2015 E. 3.1; Urteile
des Bundesverwaltungsgerichts A-5664/2014 vom 18. November 2015
E. 8.5 mit weiteren Hinweisen; MARANTELLI/HUBER, Art. 48, in: Praxiskom-
mentar VwVG, Rz. 12; GIOVANNI BIAGGINI, Aufsichtsrecht, in: Giovanni Bi-
aggini/Isabelle Häner/Urs Saxer/Markus Schott [Hrsg.], Fachhandbuch
Verwaltungsrecht, Zürich/Basel/Genf 2015, Rz. 19.118, [nachfolgend:
Fachhandbuch Verwaltungsrecht]; CHAKSAD, S. 108 ff.). Bezeichnend da-
bei ist, dass der Anzeiger einen praktischen Nutzen aus einer allfälligen
Aufhebung oder Änderung des beanstandeten Entscheides ziehen muss,
das heisst seine Situation muss durch den Ausgang des Verfahrens in re-
levanter Weise beeinflusst werden können. Das schutzwürdige Interesse
besteht im Umstand, einen materiellen oder ideellen Nachteil zu vermei-
den, den der bemängelte Entscheid mit sich bringen würde (BGE 139 III
504 E. 3.3, 139 II 279 E. 2.2; Urteil des Bundesgerichts 2C_73/2014 vom
28. Januar 2015 E. 2.1).
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Seite 11
3.4.5 Das Interesse an einer Hauszustellung liegt darin, die täglichen Post-
zustellungen möglichst direkt zur Liegenschaft – d.h. an das Domizil – ge-
liefert zu bekommen, also mit möglichst kleinem Aufwand in deren Besitz
zu gelangen. Als schützenswert hat dieses Interesse insbesondere des-
halb zu gelten, da die Grundversorgung mit einer Dienstleistung der Post
die Verwirklichung der in der Bundesverfassung niedergelegte Grundfrei-
heit der Meinungsäusserungs- und Informationsfreiheit (Art. 16 BV) betrifft.
Die Hauszustellung der Post verkörpert damit einen Teil der Kommunika-
tion, da sie den Empfang privater Korrespondenz oder die Versorgung mit
Informationen, beispielsweise durch die Zustellung von Print-Medien, er-
möglicht (vgl. PETER HETTICH/THOMAS STEINER, Art. 92, in: Bernhard Eh-
renzeller/Rainer J. Schweizer/Benjamin Schindler/Klaus A. Vallender
(Hrsg.), Die Schweizerische Bundesverfassung, St.Galler Kommentar,
3. Aufl., Zürich/St.Gallen 2014, Rz. 14). Selbst wenn die Bedeutung der
Post angesichts der weit verbreiteten Verwendung moderner Telekommu-
nikations- und Informationsmitteln nachgelassen hat, muss berücksichtigt
werden, dass diese Technologien nicht für alle Menschen im Land gleich-
ermassen erreichbar sind. Insbesondere kann die Paketpost nicht durch
elektronische Kommunikation ersetzt werden. Eine besondere Bedeutung
hat die Postzustellung ins Haus für Menschen, deren Mobilität einge-
schränkt ist, sei es beispielsweise aus technischen oder körperlichen Grün-
den. Zu denken ist dabei an Angehörige der älteren Generation oder an
Menschen mit einer Behinderung, aber auch an Menschen, welche nicht
über geeignete Transportmittel verfügen, um eine Poststelle, ein Postfach
oder einen anderen Zustellpunkt zu erreichen.
Im vorliegend zu beurteilenden Sachverhalt ist es offensichtlich, dass die
Zustellung der Post in einen Briefkasten an der Abzweigung
Y. _/Z._ für die Beschwerdegegnerin einen erheblichen Nut-
zen bedeutet, der darin besteht, die Dienstleistung nicht in der Postfachan-
lage X. _ aufsuchen zu müssen, sondern an den Zustellpunkt in der
Nähe der Liegenschaft direkt zugestellt zu bekommen. Der angefochtene
Entscheid verfügt eine alternative Ersatzlösung, nämlich die Zustellung der
Post an einen ca. 200 Meter vom Haus entfernten Zustellpunkt anstelle der
Zustellung in ein ca. 1'200 Meter vom Haus entferntes Postfach in
X. _. Somit ist er geeignet, einen materiellen oder ideellen Nachteil
von der Beschwerdegegnerin fernzuhalten. Deshalb ist ein unmittelbares,
besonders schutzwürdiges Interesse der Beschwerdegegnerin gegeben.
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3.4.6 Dass im vorliegenden Fall eine Beschreitung des zivilrechtlichen We-
ges aufgrund des Charakters der Hauszustellung als Teil des Grundversor-
gungsauftrages nicht in Frage kommt, steht fest (vgl. E. 3.4.1). Es stellt
sich im Weiteren die Frage, ob eine Zulassung der Beschwerdegegnerin
als Partei zu einer übermässigen Erschwerung des Verwaltungsaufwandes
führen kann.
Wird einem Anzeiger Parteistellung eingeräumt, nähert sich das Aufsichts-
verfahren einem ordentlichen Verwaltungsverfahren an, was einen aus-
führlichen Schriftenwechsel, die Erhebung des Sachverhaltes, die Gewäh-
rung des rechtlichen Gehörs etc. mit sich bringt. Letztendlich dürfte die Auf-
sichtsbehörde in einem solchen Fall mittels begründeter Verfügung über
die Aufsichtsbeschwerde zu entscheiden haben, was die Vorinstanz vorlie-
gend mit ihrem Entscheid vom 27. August 2015 gemacht hat (vgl. Botschaft
zum Postgesetz vom 20. Mai 2009, BBl 2009 5219, zu Art. 25, 5231 [nach-
folgend: Botschaft PG]; MARANTELLI/HUBER, Art. 6, in: Praxiskommentar
VwVG, Rz. 60).
Diese Zunahme des Verwaltungsaufwandes für die Beschwerdegegnerin
ist in Abwägung des – wie in E. 3.4.4 und im Urteil des Bundesverwaltungs-
gerichts A- 6119/2015 E. 1.2.10 ausgeführt – besonders schützenswerten
Interesses der betroffenen Öffentlichkeit allerdings in Kauf zu nehmen.
3.4.7 Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen,
dass die Beschwerdegegnerin stärker betroffen ist als jedermann, eine be-
sondere Beziehungsnähe zur Sache aufweist und ein besonders schüt-
zenswertes Interesse an der Sache besitzt. Im Weiteren ist das vorliegende
– in Analogie zu einem verwaltungsrechtlichen Verfahren geführte – Auf-
sichtsverfahren der einzige Weg, um ihrem Anspruch Nachdruck zu verlei-
hen. Ein erhöhter Verwaltungsaufwand ist dabei zwar nicht ausgeschlos-
sen, jedoch in Kauf zu nehmen. Demzufolge ist das Vorgehen der Vo-
rinstanz – entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin – nicht zu be-
anstanden, wenn sie der Beschwerdegegnerin im Vorverfahren Partei-
rechte zugestanden hat (vgl. zum Ganzen die Urteile des Bundesverwal-
tungsgerichts A- 6192/2015 vom 11. Januar 2017 E. 2.4.2 und A-6119/2015
vom 26. Mai 2016 E. 1.2.4 ff.). Die Vorinstanz hat demzufolge kein Bun-
desrecht verletzt, wenn sie der Beschwerdegegnerin eine Parteistellung
einräumte.
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Seite 13
4.
Es ist nicht bestritten, dass der Vorinstanz die Aufsichtskompetenz über die
Einhaltung resp. Erfüllung des gesetzlichen Grundversorgungsauftrages
zukommt. Umstritten ist, ob die Vorinstanz ihre Prüfungsbefugnis (Kogni-
tion) überschritten hat.
4.1 Die Beschwerdeführerin macht in ihrer Beschwerde vom 1. Oktober
2015 sowie in ihren Schlussbemerkungen vom 15. April 2016 im Wesentli-
chen geltend, die Vorinstanz habe in erster Linie die Erfüllung des Grund-
versorgungsauftrages zu beaufsichtigen. Nur wenn eine Rechtsverletzung
seitens Postdienstanbieter vorliege, könne sie die notwendigen Massnah-
men verfügen, und zwar nur im Rahmen ihrer expliziten gesetzlichen Auf-
gaben. Wenn und solange die Post in Ausübung ihres Ermessens anstelle
der Hauszustellung eine Ersatzlösung anbiete, erfülle sie den Grundver-
sorgungsauftrag pflichtgemäss. Im vorliegenden Fall habe sie deshalb fest-
gelegt, welche Ersatzlösung für die Beschwerdegegnerin in Frage komme.
Es stehe der Vorinstanz lediglich zu, unverhältnismässige – d.h. untrag-
bare – und somit rechtsverletzende Entscheide zu korrigieren, nicht jedoch
unangemessene. Der Umfang der Aufsicht der Vorinstanz beschränke sich
dabei auf die Prüfung, ob ein getroffener Entscheid bezüglich Ersatzlösung
das Recht verletze. Liege keine Rechtsverletzung vor und verfüge die Vo-
rinstanz dennoch, welche Ersatzlösung die Post im konkreten Fall anzu-
bieten habe, verletze sie ihre Prüfungsbefugnis und gehe über ihre Zustän-
digkeit hinaus. Dies bedeute eine Verletzung von Bundesrecht.
4.2 Die Vorinstanz hält in ihrer Stellungnahme vom 17. Dezember 2015
fest, die Beschwerdeführerin bringe zur Untermauerung der von ihr be-
stimmten Ersatzlösung vor, die Zustellung in den Briefkasten an der Ab-
zweigung Y. _/Z._ komme einer Hauszustellung gleich. Zu-
mal der Briefkasten in einer Entfernung von ca. 200 Metern von der Lie-
genschaft der Beschwerdegegnerin stehe, könne jedoch nicht von einer
solchen gesprochen werden. Ausserdem vermöge die Beschwerdeführerin
nicht darzulegen, weshalb ihre angebotenen Ersatzlösungen unter den
zum Zeitpunkt der Verfügung vom 27. August 2015 bekannten tatsächli-
chen Verhältnissen dem Verhältnismässigkeitsprinzip genügten. Dessen
Verletzung stelle indessen – wie auch von der Beschwerdeführerin aner-
kannt – einen Ermessensmissbrauch und damit eine Rechtsverletzung dar,
welche von ihr als Aufsichtsbehörde überprüft werden könne. Indem die
Beschwerdeführerin weitere Ersatzlösungen ausser Acht lasse und sich
auf die von ihr vorgeschlagenen Alternativen beschränke, begehe sie eine
A-6195/2015
Seite 14
Ermessensunterschreitung, welche wiederum eine Rechtsverletzung dar-
stelle.
4.3 In ihrer Beschwerdeantwort vom 14. März 2016 bestreitet die Be-
schwerdegegnerin im Wesentlichen, dass die Vorinstanz mit ihrem Vorge-
hen Bundesrecht verletzt, dass sich der Umfang der Aufsicht auf die Prü-
fung einer Rechtsverletzung durch den getroffenen Entscheid bezüglich
Ersatzlösung beschränkt und dass die Vorinstanz ihre Prüfungsbefugnis
verletzt, wenn sie Verfügungen über Ersatzlösungen trifft. Sie macht im
Weiteren geltend, die Vorinstanz könne bei festgestellter Rechtsverletzung
gemäss Art. 24 Abs. 2 PG Massnahmen anordnen, so auch im Fall einer
Verletzung des Grundversorgungsauftrags. Dadurch, dass die Zustelltour
der Beschwerdeführerin nach wie vor am Haus der Beschwerdegegnerin
vorbeiführe, sei die angebotene Ersatzlösung mit einem Postfach in X.
_ unverhältnismässig und stehe nicht in einem vernünftigen Ver-
hältnis zu den Belastungen, welche der Beschwerdegegnerin auferlegt
würden. Aus diesem Grund liege eine Rechtsverletzung durch die Be-
schwerdeführerin vor und die Vorinstanz sei befugt, Massnahmen anzu-
ordnen. Eine Verletzung von Bundesrecht durch die angefochtene Verfü-
gung liege deshalb nicht vor.
4.4 Zunächst gilt es zu klären, welche Funktion und welche Aufgaben der
Vorinstanz zukommen. Im Weiteren gilt es, die Handlungsfreiheit der Be-
schwerdeführerin im Rahmen des Grundversorgungsauftrags zu erörtern.
4.4.1 Im Zuge der Marktöffnung wurden bereits verschiedene Bundesauf-
gaben auf Träger ausserhalb der Bundesverwaltung übertragen, dies ins-
besondere in den Bereichen Energiemarkt, Finanzmarkt, Telekommunika-
tion und Postwesen. Die Gewährleistung der ursprünglich staatlichen Auf-
gaben wird durch die zu diesem Zweck eingesetzten Behörden beaufsich-
tigt. Ihre Aufgabe besteht darin, die Einhaltung der einschlägigen rechtli-
chen Vorschriften in bestimmten Wirtschaftsbereichen zu überwachen so-
wie durchzusetzen und sicherzustellen, dass die Beaufsichtigten den Ver-
pflichtungen nachkommen, welche ihnen durch Gesetz bzw. durch konkre-
tisierenden Einzelakt auferlegt werden. Im Einzelnen verfolgt der Gesetz-
geber in den verschiedenen Aufsichtsbereichen unterschiedliche Zwecke.
Diese sind jeweils im konkreten Fall genau zu identifizieren (vgl. Botschaft
PG, 5200 ff., PIERRE TSCHANNEN/ULRICH ZIMMERLI/MARKUS MÜLLER, Allge-
meines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014, §11 Rz. 7; BIAGGINI, Fach-
handbuch Verwaltungsrecht, Rz. 19.1 ff., 19.12, 19.17 ff., 19.28; NADINE
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Seite 15
MAYHALL, Aufsicht und Staatshaftung, Diss. Zürich/Basel/Genf 2008, S. 94,
132 ff.).
4.4.2 Gemäss Art. 24 PG ist im Postwesen die Vorinstanz mit der Aufsichts-
funktion betraut. Sie wacht im Rahmen ihres gesetzlichen Auftrages über
die Tätigkeiten der gewerbsmässigen Anbieterinnen von Postdienstleistun-
gen, so auch über die Beschwerdeführerin. Diese steht gemäss Art. 13
Abs. 1 PG in der Verantwortung, im öffentlichen Interesse die Grundver-
sorgung der Bevölkerung mit Postdiensten sicherzustellen (vgl. Art. 14–17
PG; vgl. Botschaft PG, 5202, 5218). Auch die Aufsicht über die Einhaltung
dieses Grundversorgungsauftrages obliegt – wie von allen Verfahrensbe-
teiligten übereinstimmend ausgeführt – der Vorinstanz. Gemäss Art. 22
Abs. 1 PG trifft diese die Entscheidungen und erlässt die Verfügungen, wel-
che gemäss Gesetz und Ausführungsbestimmungen in ihrer Kompetenz
liegen. Der Aufgabenbereich der Vorinstanz umfasst gemäss Art. 22 Abs. 2
PG i.V.m. Art. 59 – 61 VPG insbesondere die Registrierung der Anbieterin-
nen, die Überwachung der branchenüblichen Arbeitsbedingungen sowie
der Einhaltung von Informations- und Auskunftspflichten und die Beobach-
tung von Entwicklungen auf dem Postmarkt. Im Weiteren entscheidet sie
Streitigkeiten über den Zugang zu Postfachanlagen sowie das Bearbeiten
von Adressdaten und gibt Empfehlungen im Falle von geplanten Schlies-
sungen und Verletzungen bedienter Zugangspunkte ab. Bezüglich Grund-
versorgungsauftrag stehen die Beaufsichtigung dessen Einhaltung inklu-
sive der rechtlichen Vorgaben zu den Preisen sowie die Sicherstellung der
Qualität im Vordergrund (vgl. dazu Urteil des Bundesverwaltungsgerichts
A-173/2015 vom 8. Juni 2015 E. 6.1).
Art. 24 Abs. 1 PG hält fest, dass die Vorinstanz im Rahmen ihrer Aufgaben
zu gewährleisten hat, dass die rechtlichen Grundlagen der Postgesetzge-
bung eingehalten werden. Stellt sie eine Rechtsverletzung fest, kann sie
aufgrund ihrer sachlichen Zuständigkeit Massnahmen nach Art. 24 Abs. 2
PG treffen, sofern die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind (vgl.
zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 2C_118/2014 vom 22. März 2015
E. 3.1).
4.4.3 Die Aufstellung der Aufgaben und Zuständigkeiten der Vorinstanz als
institutionell unabhängige Behördenkommission zeigt, dass der Gesetzge-
ber eine Aufsichtsbehörde wünscht, welche überregional handelt und das
Postwesen mit Blick auf das Gesamtsystem umfassend überwacht. Ihre
Tätigkeiten zielen insbesondere darauf ab, die Funktionalität des Postwe-
A-6195/2015
Seite 16
sens als Ganzes zu erhalten, eine landesweite Grundversorgung mit Post-
dienstleistungen zu gewährleisten, die Marktbedingungen zu überwachen
und die Leistungserbringer bei ihrem Handeln am Markt zu beaufsichtigen.
Die Sicht der Vorinstanz hat demzufolge eine ganzheitliche zu sein, welche
in erster Linie das System der Erbringung der Postdienstleistungen umfas-
send betrachtet und eine landesweite Umsetzung der gesetzlichen Best-
immungen nach einheitlichen Vorgaben gleichermassen gewährleistet,
d.h. die Rechtmässigkeit des Handelns durchsetzt. Nichts anderes geht
aus dem Willen des Gesetzgebers hervor, wenn er die Vorinstanz mit der
Aufsicht über das Postwesen beauftragt. Die Vorinstanz handelt dabei ei-
nerseits mit Empfehlungen an die Beschwerdeführerin, wobei der Ent-
scheid letztendlich in deren Autonomiebereich verbleibt (beispielsweise bei
Entscheiden im Zusammenhang mit der Verlegung oder Schliessung von
bedienten Zugangspunkten). Andererseits stehen der Vorinstanz aufsichts-
rechtliche Massnahmen zur Verfügung, um im Falle von festgestellten
Rechtsverletzungen die Qualität der Postdienstleistungen durchzusetzen
oder den fairen Wettbewerb wieder herzustellen (Botschaft PG, 5183,
5201 f., 5207 f., 5218, 5228, 5220, 5222, 5230 f.; Erläuterungsbericht VPG,
S. 29 f.; BIAGGINI, Fachhandbuch Verwaltungsrecht, Rz. 19.35, 19.106;
ALFRED KÖLZ/ISABELLE HÄNER/MARTIN BERTSCHI, Verwaltungsverfahren
und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf
2013, Rz. 764; MAYHALL, a.a.O., S. 136 ff.)
4.4.4 Die Beschwerdeführerin wurde durch Gesetzesakt als spezialgesetz-
liche Aktiengesellschaft konstituiert. Diese Organisationsform bringt zum
Ausdruck, dass die Beschwerdeführerin nach dem gesetzgeberischen Wil-
len mit weitgehender unternehmerischer Handlungsfreiheit resp. Entschei-
dungsautonomie ausgestattet wurde. Diese Autonomie erstreckt sich
ebenso auf die Erbringung des verfassungsmässigen Grundversorgungs-
auftrags, den die Beschwerdeführerin im Rahmen der gesetzlichen Vorga-
ben effizient zu erbringen hat (vgl. insbesondere Art. 3, 6, 8 f., 11 des Bun-
desgesetzes über die Organisation der Schweizerischen Post vom 17. De-
zember 2010 [Postorganisationsgesetz, POG; SR 783.1]; Botschaft PG, S.
5218; ISABELLE HÄNER, Organisationsrecht (ausgewählte Fragen), in: Biag-
gini, Fachhandbuch Verwaltungsrecht, Rz. 28.9, 28.49; ULRICH HÄFE-
LIN/GEORG MÜLLER/FELIX UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7.
Aufl., Zürich/St.Gallen 2016, Rz. 1695; ISABELLE HÄNER/ANDREAS LIEN-
HARD/PIERRE TSCHANNEN/FELIX UHLMANN/STEFAN VOGEL, Ausgewählte
Gebiete des Bundesverwaltungsrechts, 8. Aufl., Basel/Zürich 2014, 109 f.;
MAYHALL, a.a.O., S. 96, 98, 119 f.,122 ff.)
A-6195/2015
Seite 17
4.5 Im Folgenden wird die Überprüfungsbefugnis der Vorinstanz im Rah-
men ihrer Aufsichtstätigkeit konkretisiert. Der Begriff der "Kognition" wird in
der Regel im Zusammenhang mit der Prüfung eines Entscheids durch eine
Rechtsmittelinstanz verwendet. Es geht dabei um die Frage, ob der ange-
fochtene Entscheid nur eingeschränkt, d.h. nur auf Rechtsfehler, oder voll,
d.h. auch auf Angemessenheit, überprüft wird bzw. inwiefern sich die
Rechtsmittelinstanz bei der Prüfung eine Zurückhaltung auferlegt (vgl.
dazu E. 2). Die Vorinstanz hatte vorliegend erstinstanzlich über eine Er-
satzlösung im Sinne von Art. 31 Abs. 3 VPG zu entscheiden, wobei nicht
ein Entscheid einer unteren Instanz vorlag, den die Vorinstanz im obge-
nannten Sinn hätte überprüfen können. Im Vordergrund steht damit die
Frage der Kognition im Sinne einer Prüfungsbefugnis der Vorinstanz resp.
inwiefern diese befugt ist, in die Autonomie der beaufsichtigten Beschwer-
deführerin einzugreifen.
4.5.1 Entgegen der in Art. 31 Abs. 1 VPG festgehaltenen Voraussetzungen
für die Hauszustellung – und von den Parteien nicht bestritten – liegt die
Liegenschaft der Beschwerdegegnerin ca. 1'200 m Wegdistanz vom Orts-
rand von X. _ entfernt, was bei den zugelassenen 40 km/h – wie
von der Beschwerdegegnerin nicht bestritten – einer Wegzeit für die Be-
dienung von insgesamt rund 4 Minuten entspricht. Aus der Argumentation
der Beschwerdegegnerin, die Liegenschaft resp. die von der Vorinstanz
verfügte Ersatzlösung erfülle die Kriterien der Hauszustellung, liege sie
doch 1'000 m vom Ortsrand von X. _ und nur 600 m von der im
Hauszustellungsperimeter der Beschwerdeführerin gelegenen Abzwei-
gung Route de Y. _/W. _ entfernt, kann sodann nichts zu
deren Gunsten abgeleitet werden: Das Gesetz verlangt ausdrücklich eine
Messung der Distanz von einer mit Hauszustellung bedienten Siedlung,
bestehend aus mindestens fünf ganzjährig bewohnten Häusern auf einer
maximalen Fläche von einer Hektare (Art. 31 Abs. 1 Bst. a VPG). Vorlie-
gend treffen diese Voraussetzungen auf die Ortschaft X. _ zu. Mit
der Hauszustellung wird klar die Zustellung der Post ins Domizil resp. an
die Grundstücksgrenze bezeichnet und nicht in einen Briefkasten an einer
Wegverzweigung (vgl. Art. 10 PG, Art. 74 VPG), sei es jene der Route de
Y. _/Z._ oder jene der Route de Y. _/W. _. Im
Weiteren wird durch die Wegzeit für die Bedienung einer Liegenschaft (Art.
31 Abs. 1 Bst. b VPG) der Hin- und Rückweg erfasst. Selbst die verfügte
Ersatzlösung liegt somit ausserhalb der zwei-Minuten-Regel (vgl. Erläute-
rungsbericht zur VPG, S. 17). Demzufolge fällt vorliegend ohnehin ausser
Betracht, dass die Beschwerdeführerin zur Hauszustellung verpflichtet ist.
A-6195/2015
Seite 18
4.5.2 Sofern die Beschwerdeführerin gemäss der gesetzlichen Regelung
nicht zur Hauszustellung verpflichtet ist, hat sie gemäss Art. 31 Abs. 3 VPG
dem Empfänger oder der Empfängerin von Postdienstleistungen im Rah-
men der Grundversorgung eine Ersatzlösung anzubieten. Dabei kann sie
die Frequenz der Zustellung reduzieren oder einen anderen Zustellpunkt
bezeichnen. Diese Bestimmung räumt der Beschwerdeführerin – in Be-
rücksichtigung ihrer unternehmerischen Handlungsfreiheit zur effizienten
Erbringung der Postdienstleistungen – ein Auswahlermessen bei der Wahl
der Ersatzlösungen ein. Bei ihren Entscheiden hat die Beschwerdeführerin
den Empfänger oder die Empfängerin vorgängig anzuhören. Daraus geht
allerdings hervor, dass kein Anspruch auf eine bestimmte Ersatzlösung be-
steht (Erläuterungsbericht VPG, a.a.O., S. 17). Der Vorinstanz steht es in-
dessen zu, im Rahmen ihrer Befugnis (vgl. Art. 22 Abs. 2 Bst. e PG i.V.m.
Art. 13 und 14 Abs. 3 PG) die Erfüllung des Grundversorgungsauftrags –
und damit die vorgeschlagenen Ersatzlösungen – zu überprüfen. Dabei ist
sie gemäss Art. 24 Abs. 2 Bst. c PG befugt, bei Feststellung einer Rechts-
verletzung die notwendigen Massnahmen für die Erfüllung des gesetzli-
chen Grundversorgungsauftrages anzuordnen.
Die der Beschwerdeführerin zugestandene unternehmerische Handlungs-
freiheit resp. Entscheidungsautonomie (vgl. E. 4.4.4) lässt darauf schlies-
sen, dass sich der Gesetzgeber eine gewisse Zurückhaltung bei der Auf-
sichtstätigkeit der Vorinstanz wünscht. Insbesondere erblickt er die Auf-
gabe der Vorinstanz – wie vorliegend bei der Überprüfung von Ersatzlö-
sungen – nicht darin, in Entscheide der Beschwerdeführerin einzugreifen,
welche in deren unternehmerischen Autonomie liegen, also beispielsweise
die Ausgestaltung des operativen Geschäfts betreffen. Bereits die im Wort-
laut von Art. 24 Abs. 2 Bst. c PG genannte Beschränkung auf Rechtsver-
letzungen bringt zum Ausdruck, dass eine Prüfung der Angemessenheit
einer Massnahme demzufolge nicht von der Prüfungsbefugnis der Vo-
rinstanz erfasst ist. Eine solche Beschränkung der Kognition ist im Übrigen
durch die Ordnung der sachlichen Zuständigkeit gerechtfertigt (vgl. dazu
analog BGE 136 II 457 E. 3.1 sowie Urteil des Bundesgerichts
2C_681/2015 vom 20. Juli 2016 E. 4.5.2; KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O.,
Rz. 1027; CHAKSAD, a.a.O., S. 131).
A-6195/2015
Seite 19
4.6 Im Folgenden ist zu erörtern, ob eine Rechtsverletzung vorliegt, welche
die Vorinstanz berechtigte, eine Massnahme zu verfügen.
4.6.1 Eine Rechtsverletzung liegt unter anderem dann vor, wenn die an und
für sich zutreffende Norm fehlerhaft angewandt wird. Dies ist auch dann
der Fall, wenn die Ermessensausübung fehlerhaft erfolgt, d.h. wenn das
Ermessen (Entschliessungsermessen oder Auswahlermessen) miss-
braucht oder über- resp. unterschritten wird. Ein Missbrauch des Ermes-
sens liegt dann vor, wenn die Behörden zwar in den Grenzen ihres Ermes-
sens handeln, sich aber von unsachlichen, dem Zweck der massgebenden
Vorschriften fremden Erwägungen leiten lassen oder allgemeine Rechts-
prinzipien verletzen. Unter Letztere fallen das Willkürverbot, die Rechts-
gleichheit, das Gebot von Treu und Glauben oder – wie vorliegend durch
die Beschwerdegegnerin gerügt – der Grundsatz der Verhältnismässigkeit.
Keine Rechtsverletzung stellt hingegen ein unangemessener Entscheid
dar. Ein solcher liegt vor, wenn das Ermessen in unzweckmässiger Weise
ausgeübt wird und somit einen Ermessensfehler darstellt. Ein Ermessens-
missbrauch liegt hingegen nicht vor (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, a.a.O., Rz.
1037, 1047 f.; MARCO DONATSCH, Kommentar zum Verwaltungsrechtspfle-
gegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. Aufl., §50 Rz. 25 ff.; RENÉ RHI-
NOW/HEINRICH KOLLER/CHRISTINA KISS/DANIELA THURNHERR/DENISE
BRÜHL-MOSER, Öffentliches Prozessrecht, 2. Aufl., Basel 2010, Rz. 1593;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., §26 Rz. 8, 11, ff.).
4.6.2 Die Beschwerdeführerin hat der Beschwerdegegnerin im Mai 2014
vier Vorschläge für eine Ersatzlösung zur Auswahl vorgelegt:
- Wechsel auf ein grösseres Postfach in der neuen Fachanlage in
X. _
- Wechsel auf ein Postfach in einer anderen Poststelle der Zustellzone De-
lémont
- Eröffnung einer kostenpflichtigen Swiss Post Box
- Beibehaltung status quo (Postfach 16 x 8 cm in X. _) bis zur Er-
öffnung der neuen Postfachanlage in X. _
Damit hat sich die Beschwerdeführerin ihres Auswahlermessens bedient.
Zumal die Vorinstanz ihre Massnahme dadurch rechtfertigt, die von der Be-
schwerdeführerin angebotenen Ersatzlösungen – resp. die Bezeichnung
der Postfachanlage in X. _ als Zustellpunkt – würden der Verhält-
nismässigkeitsprüfung nicht standhalten und das Vorgehen würde sich
A-6195/2015
Seite 20
deshalb als Ermessensmissbrauch resp. Rechtsverletzung erweisen, gilt
es im Folgenden diese Frage abzuklären.
4.6.3 Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit hat im ganzen Bereich des
öffentlichen Rechts und für jedes staatliche Handeln Geltung. Er findet vor
allem in der Eingriffsverwaltung Anwendung, spielt aber auch in der Leis-
tungsverwaltung eine Rolle. Wenn die Vorinstanz prüft, ob die Massnahme
geeignet, erforderlich und zumutbar ist, bedient sie sich der Elemente, wie
sie bei der Verhältnismässigkeitsprüfung von Massnahmen der Eingriffs-
verwaltung zum Tragen kommen. Eine solche Prüfung wird vor allem in
jenen Fällen durchgeführt, in welchen der Verwaltungsträger hoheitlich in
die Rechte von Privatpersonen eingreift. Vorliegend ist hingegen vielmehr
zu beurteilen, ob die von der Beschwerdeführerin angebotenen Ersatzlö-
sungen für die Hauszustellung die Grundversorgung durch Postdienstleis-
tungen sicherstellen. Es geht somit um eine Prüfung der Verhältnismässig-
keit im Rahmen der Leistungsverwaltung, wobei der aufgrund der gesetz-
lichen Regelung eingeschränkte Leistungsanspruch der Beschwerdegeg-
nerin auf Hauszustellung durch eine Ersatzlösung ersetzt wird (vgl. Art. 31
VPG; Urteil des Bundesgerichts 9C_293/2016 vom 18. Juli 1016 E. 3.2.2;
Urteil des Bundesverwaltungsgerichts B-1024/2013 vom 6. Januar 2014
E. 6.1; Urteile des Berner Verwaltungsgerichts VGE 100.2015.211 und
VGE 100.2015.82 jeweils vom 13. September 2016 E. 7.2 m.w.H.; HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 33 ff., 520; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜL-
LER, a.a.O., § 20 Rz. 11; ULRICH HÄFELIN/WALTER HALLER/HELEN KEL-
LER/DANIELA THURNHERR, Schweizerisches Bundesstaatsrecht, 9. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 304 ff., 320 ff.; THOMAS LOCHER/THOMAS
GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl., Bern 2014,
Rz. 26 f.).
Wird die Verhältnismässigkeit im Rahmen einer Massnahme der Leis-
tungsverwaltung in Bezug auf den konkreten Fall beurteilt, so richtet sich
die Prüfung insbesondere auf die Frage, ob die Massnahme einer Notwen-
digkeit entspricht, um der Leistungspflicht gerecht zu werden. Dabei darf
die Massnahme in sachlicher, räumlicher, zeitlicher und personeller/per-
sönlicher Hinsicht nicht über das Notwendige hinausgehen. Im Weiteren
hat sie aber auch geeignet resp. zwecktauglich zu sein, um das im öffent-
lichen Interesse angestrebte Ziel zu erreichen. Ungeeignet ist eine Mass-
nahme dann, wenn sie am Ziel vorbeischiesst, d.h. keinerlei Wirkung im
Hinblick auf den angestrebten Zweck entfaltet oder dessen Erreichen so-
gar erschwert oder verhindert. Letztendlich hat eine Massnahme für die
betroffene Person zumutbar zu sein und sich insgesamt als angemessen
A-6195/2015
Seite 21
zu erweisen, d.h. das angestrebte Ziel und die Einschränkung der Leistung
haben in einem vernünftigen Verhältnis zu stehen (Verhältnismässigkeit im
engeren Sinne). Dieses ergibt sich aufgrund einer wertenden Abwägung
der betroffenen Positionen (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-
7711/2015 vom 23. August 2016 E. 9.1; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts B-1024/2013 vom 6. Januar 2014 E. 6.1; BEATRICE WEBER-DÜRLER,
Zur neuesten Entwicklung des Verhältnismässigkeitsprinzips, in: Mélanges
pour Pierre Moor, Bern 2005, 549 ff.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O.,
Rz. 521 ff.; RENÉ WIEDERKEHR/PAUL RICHLI, Praxis des allgemeinen Ver-
waltungsrechts, Bd. I, Bern 2012, § 5 Rz. 1844 ff.; ULRICH MEYER/MARCO
REICHMUTH, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl.,
Zürich 2014, Art. 8 Rz. 16 ff.; ERWIN MURER, Stämpflis Handkommentar
zum Invalidenversicherungsgesetz, Bern 2014, Art. 8 Rz. 42 f.).
Da es sich bei den durch die Beschwerdeführerin vorliegend vorgeschla-
genen Ersatzlösungen um eine Auswahl zugunsten der Beschwerdegeg-
nerin handelt, hat mindestens eine davon verhältnismässig zu sein. Die
Beschwerdeführerin verletzt demnach erst dann ihre Verpflichtung, eine
valable Ersatzlösung anzubieten (und damit ihren Grundversorgungsauf-
trag), wenn sich sämtliche ihrer Vorschläge als unpraktikabel, d.h. unver-
hältnismässig, erweisen.
4.6.3.1 Die Zustellung in ein Postfach ist im Allgemeinen als tauglich zu
bezeichnen, um den angestrebten Zweck einer effizienten Erbringung der
Grundversorgung zu erreichen (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz.
522). Sie erfüllt demzufolge das Erfordernis der Geeignetheit, so auch –
wie von den Parteien unbestritten – im konkreten Fall die Zustellung in ein
Postfach in der Ortschaft X. _.
4.6.3.2 Im Weiteren ist zu prüfen, ob die Ersatzlösung einer Notwendigkeit
entspricht, damit der Grundversorgungsauftrag erfüllt wird. Dabei ist zu be-
achten, dass kein Anspruch des Leistungsempfängers auf die bestmögli-
che Lösung besteht, sondern lediglich auf die den Umständen angemes-
sene, notwendige Massnahme. Die Voraussetzung der Notwendigkeit ist
demnach bereits dann erfüllt, wenn der Grundversorgungsauftrag massvoll
– allenfalls sogar nur minimal – wahrgenommen, aber immerhin erfüllt wird.
Dies ist vorliegend der Fall, wenn sich die von der Beschwerdeführerin vor-
geschlagene – und für Fälle einer fehlenden Verpflichtung zur Hauszustel-
lung generell vorgesehene – Ersatzlösung der Zustellung in das nächstge-
legene Postfach als zweckmässig erweist (vgl. Urteil des Bundesgerichts
A-6195/2015
Seite 22
9C_293/2016 vom 18. Juli 2016 E. 3.2.1; Urteil des Bundesverwaltungsge-
richts B-1024/2013 vom 6. Januar 2014 E. 6.1; WIEDERKEHR/RICHLI, Pra-
xiskommentar, a.a.O., Rz. 1844; MURER, a.a.O., Art. 8 Rz. 41, 43).
Wenn die Vorinstanz nach ihrer Prüfung die Erforderlichkeit verneint hat,
da sie angesichts der nach ihrem Kenntnisstand nach wie vor stattfinden-
den Zustelltour des Postboten via Route de Y. _ darauf schloss,
eine Zustellung in einen Briefkasten an der Abzweigung
Y. _/Z._ entlang dieser Route stelle ein milderes Mittel dar,
so hat sie implizit die Notwendigkeit der vorgeschlagenen Ersatzlösungen
verneint. Die Argumentation, der Postbote sei in der Lage, den Briefkasten
auf seiner Vorbeifahrt zu bedienen, ist an sich nicht falsch (vgl. auch Zwi-
schenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 7. Januar 2016 in
der vorliegenden Sache; Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-
6119/2015 vom 26. Mai 2016 E. 4.1.3 f.). Dennoch verkennt sie, dass die
Verfügung dieser Ersatzlösung eine Überschreitung der Kognition durch
die Vorinstanz darstellt (vgl. E. 4.6.5.2 und 5) und dass es im Ermessen
der Beschwerdeführerin liegt, im Rahmen ihrer operativen Planung die für
ihren Zustellvorgang passenden Ersatzlösungen zu bestimmen.
Die Zustellung in die Postfachanlage in X. _ erweist sich in sachli-
cher Hinsicht als notwendig, um den Grundversorgungsauftrag zu erfüllen,
ermöglicht sie es der Beschwerdeführerin doch, ihre Leistung effizient zu
erbringen, d.h. mit verhältnismässig wenig logistischem und personellem
Aufwand sowie in kurzer Zeit die Empfängerinnen und Empfänger zu be-
dienen. Angesichts der in Zukunft neu organisierten Zustelltouren ist die
Ersatzlösung auch in räumlicher Hinsicht als notwendig und zweckmässig
zu bezeichnen: Es handelt sich einerseits insbesondere um den der Lie-
genschaft der Beschwerdegegnerin am nächsten gelegenen Zustellpunkt,
andererseits ist dieser insofern günstig gelegen, als sich der Gang zum
Postfach für die Beschwerdegegnerin mit anderen Kommissionen verbin-
den lässt. In zeitlicher Hinsicht ist die Ersatzlösung zwar unbeschränkt und
bedeutet damit auf unbestimmte Zeit eine gewisse Belastung der abseits
der Siedlung wohnhaften Beschwerdegegnerin. Zumal der Gesetzgeber je-
doch die Voraussetzungen für den Zustellperimeter festgelegt hat (vgl.
Art. 31 Abs. 1 VPG) ist ein gewisser Aufwand für den Empfang der Post-
sendungen durch die Beschwerdegegnerin in Kauf zu nehmen und er-
scheint auch in persönlicher Hinsicht somit nicht als übermässig. Insge-
samt geht somit die vorgeschlagene Ersatzlösung nicht über das Notwen-
dige hinaus (vgl. WIEDERKEHR/RICHLI, Praxiskommentar, a.a.O., Rz. 1849;
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 527 ff.).
A-6195/2015
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In Abwägung des öffentlichen Interesses an einer effizienten Zustellung
resp. der Erfüllung des Grundversorgungsauftrags und der Belastung der
Beschwerdegegnerin ist diese Ersatzlösung selbst dann als zweckmässig
zu beurteilen, wenn der Empfang von Sendungen für die Beschwerdegeg-
nerin mit einem Mehraufwand verbunden ist: Das Interesse an der effizien-
ten Erfüllung des Grundversorgungsauftrags überwiegt das private Inte-
resse der Beschwerdegegnerin an einer möglichst nahe an ihrer Liegen-
schaft gelegenen Zustellung, ist sie doch auch weder in ihrer Mobilität ein-
geschränkt, noch macht sie anderweitige Erschwernisse geltend, welche
ihr eine Abholung der Post in X. _ verunmöglichen oder als unzu-
mutbar (vgl. E. 4.6.3.3) erscheinen lassen würden.
In Anbetracht der gesamten Umstände der absehbaren betrieblichen Or-
ganisation der Beschwerdeführerin stellt die Ersatzlösung ein angemesse-
nes und massvolles Mittel dar, um insbesondere im vorliegend zu beurtei-
lenden Fall ihr Ziel zu erreichen (vgl. BGE 132 V 215 E. 3.2.2; Urteile des
Berner Verwaltungsgerichts VGE 100.2015.211 und VGE 100.2015.82 je-
weils vom 13. September 2016 E. 7.2 m.w.H.TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜL-
LER, a.a.O., §26 Rz. 21 f.; ULRICH MEYER-BLASER, Zum Verhältnismässig-
keitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht, Diss., Bern 1985, S. 83 ff.;
MURER, a.a.O., Art. 8 Rz. 42).
4.6.3.3 Die Zumutbarkeit dieser Ersatzlösung ist ebenso gegeben: Die Be-
schwerdegegnerin hat diese Lösung zunächst ausgewählt und ihr Einver-
ständnis dazu gegeben, im Übrigen macht sie keine Unzumutbarkeit dieser
Ersatzlösung geltend.
4.6.4 Die durch die Beschwerdeführerin vorgeschlagene Ersatzlösung ei-
nes Postfaches in der neuen Postfachanlage in X. _ erweist sich
demnach insgesamt als verhältnismässig sowie in Anbetracht der wirt-
schaftlichen und politischen Vorgaben als angemessen (vgl. E. 4.4.1 f.,
4.4.4; Botschaft PG, S. 5197, 5201, 5218; MEYER-BLASER, a.a.O., S. 83).
Die Beschwerdeführerin ist somit ihrer Verpflichtung nachgekommen, min-
destens eine verhältnismässige Ersatzlösung anzubieten und dadurch ih-
ren Grundversorgungsauftrag zu erfüllen. Ein Ermessensmissbrauch – und
damit eine Rechtsverletzung – liegt nicht vor.
4.6.5 Im Weiteren gilt es auch zu prüfen, ob – wie die Vorinstanz geltend
gemacht – die Beschwerdeführerin beim Angebot von Ersatzlösungen ihr
Ermessen unterschritten hat.
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Insbesondere macht die Vorinstanz diesbezüglich geltend, die Beschwer-
deführerin habe zu Unrecht die Ersatzlösung eines Briefkastens an der Ab-
zweigung Y. _/Z._ im Sinne einer milderen Massnahme
nicht berücksichtigt und dadurch ihr Ermessen unterschritten.
4.6.5.1 Eine Ermessensunterschreitung liegt vor, wenn sich die entschei-
dende Behörde als gebunden betrachtet, obschon ihr vom Rechtssatz Er-
messen eingeräumt wird oder wenn sie auf die Ermessensausübung zum
Vorneherein ganz oder teilweise verzichtet. Eine Ermessensunterschrei-
tung stellt eine Rechtsverletzung dar (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
a.a.O., Rz. 439 f.).
4.6.5.2 Gemäss Angaben der Beschwerdeführerin überprüfte sie bereits
seit längerem (gemäss Angaben der Vorinstanz seit Dezember 2014) ver-
schiedene Höfe und Häuser in der Region bezüglich Hauszustellungsver-
pflichtung und in diesem Zusammenhang auch die Zustelltour via die Route
de Y. _. Im Herbst 2015 kündigte sie sodann konkret eine Überprü-
fung der Zustellrouten im Allgemeinen und eine Einstellung der genannten
Zustelltour per 1. November 2015 an.
4.6.5.3 Die Beschwerdeführerin führt als spezialgesetzliche Aktiengesell-
schaft ihre operativen Geschäfte selbständig und handelt diesbezüglich im
Rahmen ihrer unternehmerischen Handlungsfreiheit (vgl. E. 4.4.4). In die-
sem Rahmen fällt sie auch Entscheide betreffend die Planung ihrer Be-
triebsabläufe sowie der Modalitäten der Postzustellung zur Erfüllung ihres
Grundversorgungsauftrages. Wenn die Beschwerdeführerin nun ihre Zu-
stellrouten in der Region überprüft und in Kenntnis dieser Planung Ersatz-
lösungen für einzustellende Hauszustellungen anbietet, so handelt sie in
ihrem Ermessensspielraum. Wenn sie dabei die Ersatzlösung, die Zustel-
lung in einen Briefkasten an der Abzweigung Y. _/Z._ vor-
zunehmen, nicht berücksichtigt hat, weil eine solche Lösung ohnehin nicht
in die Planung der zukünftigen Zustelltouren in der Region passen würde,
kann ihr auch nicht vorgeworfen werden, ihr Ermessen unterschritten zu
haben. Auch diesbezüglich liegt somit keine Rechtsverletzung vor.
5.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin im Rah-
men der durch den Gesetzgeber gewünschten und gewährten unterneh-
merischen Handlungsfreiheit von ihrem Auswahlermessen Gebrauch ge-
macht und eine verhältnismässige Ersatzlösung für die Hauszustellung ge-
mäss Art. 13 Abs. 1 PG i.V.m. Art. 31 Abs. 3 VPG angeboten hat. Eine
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Rechtsverletzung liegt somit nicht vor. Indem sich die Vorinstanz allerdings
nicht auf die Prüfung der durch die Beschwerdeführerin vorgeschlagenen
Ersatzlösungen beschränkt, sondern die von der Beschwerdegegnerin er-
suchte Ersatzlösung angeordnet hat, hat sie ihre Kognition überschritten
und Bundesrecht verletzt. Die Beschwerde ist deshalb gutzuheissen und
die Verfügung vom 27. August 2015 aufzuheben.
6.
Es bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Beschwerdever-
fahrens zu befinden.
6.1 Die Kosten des Beschwerdeverfahrens sind in der Regel von der un-
terliegenden Partei zu tragen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Obsiegen und Unter-
liegen im Prozess ist grundsätzlich nach den Rechtsbegehren der be-
schwerdeführenden Partei, gemessen am Ergebnis der Anfechtung des
vorinstanzlichen Entscheids, zu beurteilen. Dabei ist auf das materiell wirk-
lich Gewollte abzustellen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_527/2014
vom 25. März 2015 E. 2 m.w.H.; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz.
4.43). Verfahrenskosten können einer unterliegenden Partei ausnahms-
weise ganz oder teilweise erlassen werden, wenn Gründe in der Sache
oder der Person der Partei es als unverhältnismässig erscheinen lassen,
sie ihr aufzuerlegen (vgl. Art. 6 Bst. b des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Eine solche Ausnahme rechtfertigt sich
beispielsweise dann, wenn der angefochtene Entscheid in Gutheissung
der Beschwerde infolge eines gravierenden, vom Beschwerdegegner nicht
zu vertretenden, Verfahrensfehlers aufgehoben wird (vgl. MO-
SER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 4.41; HANSJÖRG SEILER, in:
Hansjörg Seiler/Nicolas von Werdt/Andreas Güngerich/Niklaus Oberholzer
[Hrsg.], Bundesgerichtsgesetz [BGG], 2. Aufl., Bern 2015, Art. 66 Rz. 19).
Die Bemessung der Verfahrenskosten richtet sich nach den Art. 1 ff. VGKE.
6.1.1 Die Beschwerdegegnerin hat als formelle Verfügungsadressatin
ohne weiteres Parteistellung und gilt auf Grund der Aufhebung der ange-
fochtenen Verfügung als unterliegend. Es ist jedoch in Betracht zu ziehen,
dass ihrem Unterliegen eine Überschreitung der Prüfungsbefugnis durch
die Vorinstanz zu Grunde liegt Angesichts des Verfahrensfehlers der Vo-
rinstanz, der zur Aufhebung des Entscheides führt, ist es aus Billigkeits-
gründen gerechtfertigt, von der Auferlegung von Verfahrenskosten zu Las-
ten der Beschwerdegegnerin abzusehen (Art. 6 Bst. b VGKE).
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Seite 26
6.1.2 Keine Verfahrenskosten werden Vorinstanzen oder beschwerdefüh-
renden und unterliegenden Bundesbehörden auferlegt (Art. 63 Abs. 2
VwVG).
6.2 Im Weiteren ist über die Kosten der Zwischenentscheide vom 7. Januar
2016 betreffend Entzugs der aufschiebenden Wirkung und vom 10. Feb-
ruar 2016 betreffend Sistierung des Verfahrens zu befinden.
6.2.1 Im Zwischenentscheid vom 7. Januar 2016 betreffend das Gesuch
der Beschwerdegegnerin um Entzug der aufschiebenden Wirkung und An-
ordnung vorsorglicher Massnahmen unterlag die Beschwerdeführerin mit
ihrem Antrag. Die Verfahrenskosten sind von ihr im Umfang eines Fünftels
der auf Fr. 1'000.-- festzusetzenden gesamten Verfahrenskosten, d.h.
Fr. 200.--, zu tragen. Der von der Beschwerdeführerin geleistete Kosten-
vorschuss in der Höhe von Fr. 800-- ist zur Deckung dieser auferlegten
Verfahrenskosten zu verwenden und im Übrigen zurückzuerstatten.
6.2.2 Im Zwischenentscheid vom 10. Februar 2016 betreffend das Ersu-
chen der Vorinstanz um Sistierung des Verfahrens unterlag die Vorinstanz
mit ihrem Begehren. Ihr sind jedoch keine Kosten aufzuerlegen (vgl. Art. 63
Abs. 2 VwVG).
6.3 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist von Amtes wegen oder
auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und ver-
hältnismässig hohe Kosten zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Bei nur
teilweisem Obsiegen ist die Entschädigung entsprechend zu kürzen (Art. 7
Abs. 2 VGKE). Die Entschädigung wird in der Entscheidungsformel bezif-
fert und der Körperschaft oder autonomen Anstalt auferlegt, in deren Na-
men die Vorinstanz verfügt hat, soweit sie nicht einer unterliegenden Ge-
genpartei auferlegt werden kann (Art. 64 Abs. 2 VwVG).
6.3.1 Da die im Hauptverfahren obsiegende Beschwerdeführerin durch ih-
ren eigenen Rechtsdienst vertreten ist, hat sie keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (vgl. Art. 7 ff., insb. Art. 9 Abs. 2 des VGKE).
6.3.2 Demgegenüber ist zu entscheiden, in welchem Umfang Parteient-
schädigungen im Zusammenhang mit den Zwischenverfügungen vom
7. Januar 2016 und 10. Februar 2016 zuzusprechen sind.
Betreffend das Gesuch um Entzug der aufschiebenden Wirkung und An-
ordnung vorsorglicher Massnahmen obsiegte die anwaltlich vertretene Be-
schwerdegegnerin vollumfänglich. Nachdem keine Kostennote eingereicht
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wurde, ist die Entschädigung für das gesamte Verfahren aufgrund der Ak-
ten auf Fr. 2'400.-- festzusetzen (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Die Parteient-
schädigung für die Aufwendungen der Beschwerdegegnerin im Zusam-
menhang mit der Zwischenverfügung vom 7. Januar 2016 ist gestützt auf
Art. 64 Abs. 2 und 3 VwVG der Beschwerdeführerin als im Zwischenent-
scheid unterliegender Gegenpartei in Form eines Pauschalbetrages von
Fr. 500.-- aufzuerlegen.
Betreffend das Gesuch um Sistierung des Verfahrens, in welchem die Vo-
rinstanz mit ihrem Begehren nicht durchzudringen vermochte, ist die pau-
schale Entschädigung zugunsten der Beschwerdegegnerin auf Fr. 300.--
festzusetzen. Zumal die Entschädigung aufgrund der gleichlautenden Be-
gehren der Beschwerdegegnerin sowie der Beschwerdeführerin nicht Letz-
terer auferlegt werden kann, ist er von der Vorinstanz zu tragen. Dieser
Betrag ist von der Vorinstanz an die Beschwerdegegnerin zu entrichten.
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