Decision ID: 9d601061-c6ea-51f6-9b20-2d48d4f8f450
Year: 2015
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Fachstelle für Personensicherheitsprüfung VBS (Fachstelle) wurde
vom Führungsstab der Armee (FST A) mit der Durchführung einer Perso-
nensicherheitsprüfung betreffend den Stellungspflichtigen A._ be-
auftragt.
B.
Am 12. Dezember 2011 entliess der Kommandant des Rekrutierungszent-
rums Windisch A._ mit sofortiger Wirkung (vorzeitig) aus der Rek-
rutierung und belegte ihn mit einem militärischen Aufgebotsstopp.
Des Weiteren wurde A._ darüber in Kenntnis gesetzt, dass in Er-
mangelung einer Beschwerde ("Einsprache") gegen die Risikoerklärung
der Fachstelle erwogen werde, ihn nicht zu rekrutieren und in der Folge
auch nicht der Schweizer Armee zuzuteilen. Das entsprechende Verfahren
werde nach unbenutztem Ablauf der Rechtmittelfrist des Entscheids der
Fachstelle ausgelöst.
C.
Am 3. Januar 2012 erliess die Fachstelle eine Risikoerklärung. Sie hielt im
Dispositiv fest, A._ werde als Sicherheitsrisiko im Sinne des Bun-
desgesetzes über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit vom
21. März 1997 (BWIS, SR 120), des Militärgesetztes vom 3. Februar 1995
(MG, SR 510.10) und der Verordnung über die Personensicherheitsprü-
fung vom 4. März 2011 (PSPV, SR 120.4) erachtet (Ziff. 1), das Überlassen
der persönlichen Waffe sei nicht zu empfehlen (Ziff. 2), ebenso wenig die
Verwendung in der Schweizer Armee (Ziff. 3).
A._ hat diese Verfügung nicht angefochten.
D.
Der FST A (Vorinstanz) erliess am 8. Juli 2015 nach Gewährung des recht-
lichen Gehörs gestützt auf die Risikoerklärung der Fachstelle den Ent-
scheid betreffend die Nichtrekrutierung von A._.
E.
Mit Eingabe vom 31. Juli 2015 bzw. 6. August 2015 gelangt A._
(Beschwerdeführer) an das Bundesverwaltungsgericht und beantragt, der
Entscheid vom 8. Juli 2015 sei aufzuheben. Er stellt insbesondere in Ab-
rede, dass er strafrechtlich geschützte Rechtsgüter erheblich verletzt habe
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und ein öffentliches Interesse an seiner Nichtrekrutierung vorliege. Da das
Sicherheitsrisiko nicht schwer wiege, stehe die Massnahme nicht in einem
vernünftigen Verhältnis zur Eingriffswirkung. Im Übrigen verweist er auf
seine Stellungnahme vom 19. Mai 2015, die er im vorinstanzlichen Verfah-
ren eingereicht hat. Er zweifelt darin die Verhältnismässigkeit der Risikoer-
klärung an und drückt sein Bedauern bezüglich des Vorgefallen aus, rela-
tiviert dessen Bedeutung und betont, sich seither gebessert zu haben.
F.
Die Vorinstanz schliesst in der Vernehmlassung vom 24. September 2015
auf Abweisung der Beschwerde.
G.
Der Beschwerdeführer lässt die Frist zur Einreichung allfälliger Schlussbe-
merkungen ungenutzt verstreichen.
H.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die sich bei den Akten be-
findlichen Dokumente wird – soweit entscheidrelevant – in den nachfolgen-
den Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt gemäss Art. 31 des Verwal-
tungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern sie von Behörden erlas-
sen wurden, die gemäss Art. 33 VGG als Vorinstanzen gelten, und über-
dies keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt. Der FST A ist eine Orga-
nisationseinheit des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Be-
völkerungsschutz und Sport (VBS). Er gehört somit zu den Behörden nach
Art. 33 Bst. d VGG und ist daher Vorinstanz des Bundesverwaltungsge-
richts. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesver-
waltungsgericht ist damit zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu-
ständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
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1.3 Zur Beschwerde ist nach Art. 48 Abs. 1 VwVG berechtigt, wer vor der
Vorinstanz am Verfahren teilgenommen hat oder keine Möglichkeit zur Teil-
nahme erhalten hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt
ist und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung
hat. Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Nichtrekru-
tierung zur Beschwerde legitimiert.
1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist daher einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung auf
Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger Fest-
stellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der Aus-
übung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit (Art. 49 VwVG). Ge-
rügt werden kann also auch die Unangemessenheit einer angefochtenen
Verfügung (Art. 49 Bst. c VwVG).
3.
Art. 113 MG regelt die Prüfung von Hinderungsgründen für die Überlassung
der persönlichen Waffe an Angehörige der Armee und sieht vor, dass das
Gewaltpotential einer Person durch eine Personensicherheitsprüfung be-
urteilt werden kann (Art. 113 Abs. 1 Bst. d MG).
Es fragt sich, inwiefern die Vorbringen des Beschwerdeführers zu seiner
persönlichen Situation und seinem strafrechtlich relevanten Verhalten in
diesem Verfahren noch berücksichtigt werden können. Dazu ist festzuhal-
ten, dass die Risikoerklärung mit unbenutztem Ablauf der Anfechtungsfrist
nach Art. 21 Abs. 3 BWIS rechtskräftig wurde und damit nicht mehr mit (or-
dentlichen) Rechtsmitteln angefochten werden kann.
3.1 Die Verbindlichkeit einer Verfügung beurteilt sich grundsätzlich nach
den gleichen Kriterien wie die Rechtskraft eines richterlichen Entscheids,
obschon auf formell rechtskräftige Verfügungen in weiterem Masse zurück-
gekommen werden kann als auf rechtskräftige Urteile (Urteil des
BGer 1A.93/2004 vom 2. September 2004 E. 4.1; vgl. auch KÖLZ/HÄ-
NER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des
Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 665). Verwaltungsrechtliche Verfügungen ge-
niessen damit – wie auch die faktischen Verwaltungshandlungen (vgl. dazu
Urteil des BGer H 97/06 vom 15. Mai 2007 E. 3.1) – eine gewisse Rechts-
beständigkeit (BGE 137 I 69 E. 2.2, BGE 128 V 89 E. 2c; FRITZ GYGI, Zur
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Rechtsbeständigkeit von Verwaltungsverfügungen, ZBl 83/1982 S.
149 ff.). Sie haben zur Folge, dass ihr Inhalt für die betroffenen Parteien
verbindlich wird und die beurteilten Fragen auch in anderen Verfahren in
der Regel nicht mehr neu aufgeworfen werden können (sog. Bindungswir-
kung; vgl. BVGE 2009/11 E. 2.1.2; Urteile des BVGer C-5918/2008 vom
17. Dezember 2010 E. 3.4, A-8636/2007 vom 23. Juni 2008 E. 5.2; vgl.
auch BGE 139 III 126 E. 3.1).
Mit der Bindungswirkung wird dem Prinzip der Einmaligkeit des Rechts-
schutzes Nachachtung verschaffen. Dieses schliesst eine nochmalige
Überprüfung einer individuell konkreten Anordnung in einem späteren Ver-
waltungsverfahren grundsätzlich aus (vgl. Urteil des BVGer
A-5301/2013 vom 18. Februar 2014 E. 1.4.2). Dadurch wird verhindert,
dass Entscheide immer wieder in Frage gestellt oder die nachteiligen Kon-
sequenzen einer verpassten Beschwerdefrist umgangen werden können
(vgl. zum ganzen Abschnitt Urteil des BVGer A-230/2015 vom 10. Juni
2015 E. 3.1).
3.2 Am Prinzip der Einmaligkeit des Rechtsschutzes vermag die Bestim-
mung von Art. 21 Abs. 4 Satz 2 BWIS nichts zu ändern. Danach ist die ent-
scheidende Instanz an die Beurteilung der Prüfbehörde nicht gebunden.
Der Vorinstanz ist es also unbenommen, der Risikoerklärung keine Folge
zu leisten, falls sie am Vorhandensein eines Hinderungsgrundes gemäss
Art. 113 MG zweifelt oder die Risiken anders einschätzt als die Fachstelle.
Ausserdem entbindet eine positive Beurteilung des Sicherheitsrisikos
durch die Fachstelle die Vorinstanz nicht von ihrer Führungsverantwortung
und von ihrer Pflicht, Personalrisiken zu identifizieren und zu bewältigen
(vgl. auch Urteil des BVGer A-4658/2014 vom 27. Mai 2015 E. 3.4.2). Eine
Pflicht zur Neubeurteilung der persönlichen Risiken durch die rekrutierende
Stelle lässt sich aus Art. 21 Abs. 4 Satz 2 BWIS hingegen nicht ableiten.
Vielmehr darf der FST A seinen Entscheid auf die Empfehlung der Fach-
stelle stützen, was er im Regelfall auch tut (vgl. bereits das Urteil des
BVGer A-5391/2011 vom 5. April 2012 E. 5.2). Es wäre denn auch nicht
sinnvoll, wenn er in jedem Fall eine eigene Sicherheitsprüfung durchführen
müsste, nachdem hierzu eine spezialisierte Fachstelle eingesetzt ist, ge-
gen deren Entscheide der Betroffene ans Bundesverwaltungsgericht ge-
langen kann (vgl. Art. 21 Abs. 3 BWIS). Aus demselben Grund ist das von
der Fachstelle festgestellte Personalrisiko auch im Beschwerdeverfahren
gegen den (Nicht-)Rekrutierungsentscheid nicht mehr zu überprüfen (Urteil
A-230/2015 E. 3.2).
http://links.weblaw.ch/BVGer-C-5918/2008 http://links.weblaw.ch/BVGer-A-8636/2007 http://links.weblaw.ch/BVGer-A-5301/2013
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3.3
3.3.1 Allerdings kann sich die Rechtsbeständigkeit der Risikoerklärung nur
auf das erstrecken, was Gegenstand der Sicherheitsüberprüfung war und
von der zuständigen Behörde entschieden wurde (Urteil des BVGer A-
6028/2013 vom 6. Januar 2014 E. 3.2, vgl. auch Urteil B-4598/2012 vom
11. März 2013 E. 5.1; RHINOW/KOLLER/KISS/THURNHERR/BRÜHL-MOSER,
Öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl., Basel 2014, Rz. 953 f. m.w.H.). Geht es
darum, einer veränderten Sach- und/oder Rechtslage Rechnung zu tragen,
steht die Verbindlichkeit der Risikoverfügung einer Berücksichtigung der
neuen Umstände in einem späteren Verfahren nicht entgegen. Demzufolge
hat die Vorinstanz Tatsachen, die erst nach Erlass der Risikoerklärung ein-
getreten sind, zu berücksichtigen, sofern sie für die Beurteilung des Risikos
massgeblich sind. Solche Umstände können auch im Beschwerdeverfah-
ren betreffend die Nichtrekrutierung vorgebracht werden (Urteil A-230/2015
E. 3.3.1).
3.3.2 Aus den Akten sind vorliegend keine Anhaltspunkte ersichtlich, wel-
che die Vorinstanz dazu hätten veranlassen müssen, von der Einschätzung
der Fachstelle abzuweichen. Soweit der Beschwerdeführer die Empfeh-
lung der Fachstelle rügt bzw. bereits auf damals bekannte Sachverhalts-
elemente Bezug nimmt, sind diese Vorbringen unbehelflich, da sie bereits
in einem allfälligen Beschwerdeverfahren gegen die Risikoerklärung hätten
vorgebracht werden können (vgl. dazu Urteil des BVGer A-3668/2013 vom
10. Februar 2014 E. 4.3). Der Beschwerdeführer wurde im Übrigen mit Ent-
scheid vom 12. Dezember 2011 über die vorzeitige Entlassung aus der
Rekrutierung auf die von der Vorinstanz beabsichtigte Nichtrekrutierung
hingewiesen, sollte er die Rechtsmittelfrist gegen die Risikoverfügung un-
benutzt verstreichen lassen.
Zwar ist anzuerkennen, dass seit der Einstellung des Strafverfahrens mit
einzelrichterlichem Beschluss vom 26. Oktober 2011 sowie der Risikoer-
klärung vom 3. Januar 2012 einige Zeit verstrichen ist. Selbst wenn sich
der Beschwerdeführer in der Zwischenzeit bewährt und in beruflicher Hin-
sicht Fuss gefasst haben sollte, hätte dies jedoch nicht zur Folge, dass
alleine aufgrund dieses Zeitablaufes von der ergangenen Risikoüberprü-
fung abgewichen werden müsste (vgl. Urteil des BVGer A-5018/2013 vom
3. März 2014 E. 4.2). Hierzu müssten vielmehr weitere Anhaltspunkte vor-
liegen, welche hier nicht ersichtlich sind. Die Wahrscheinlichkeit einer ag-
gressiven oder gewalttätigen Handlung kann demnach als im Vergleich zu
anderen jungen Männern nach wie vor erhöht bezeichnet und das Risiko
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eines Missbrauchs der persönlichen Armeewaffe nicht ausgeschlossen
werden.
3.3.3 Wenn die Vorinstanz vor diesem Hintergrund keinen Anlass sah, von
der Einschätzung der Risikoerklärung abzuweichen, ist dies nicht zu bean-
standen.
4.
Gemäss Art. 13 Abs. 1 der Verordnung über die Rekrutierung vom 10. April
2002 (VREK, SR 511.11) ist nur militärdiensttauglich, wer aufgrund seines
Leistungsprofils den Anforderungen an den Militärdienst entspricht und bei
dem kein Grund für eine Nichtrekrutierung nach Art. 21 Abs. 1 MG sowie
kein Hinderungsgrund für die Überlassung der persönlichen Waffe nach
Art. 113 MG vorliegt. Sodann wird gemäss Art. 14 Abs. 1 VREK der Armee
nur zugeteilt, wer militärdiensttauglich ist (Urteile des BVGer A-230/2015
E. 4; A-3668/2013 E. 4.1 m.w.H., A-5018/2013 E. 4.1; A-5361/2012 vom
22. April 2013 E. 4.1).
Nachdem beim Beschwerdeführer ein Hinderungsgrund im Sinne von
Art. 113 MG vorliegt, ergibt sich daraus, dass die von der Vorinstanz ver-
fügte Nichtrekrutierung zu Recht erfolgt ist. Der Entscheid ist vor diesem
Hintergrund nicht auf seine Verhältnismässigkeit, als selbstverständliche
Begleiterin der Ermessensbetätigung, zu überprüfen (vgl. Urteil
A-6028/2013 E. 4.3 m.w.H.).
5.
Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet und ist abzuwei-
sen.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als unter-
liegend. Er hat die Verfahrenskosten zu tragen, welche auf Fr. 800.00 fest-
zusetzen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 1 ff. des Reglements über
die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht vom
21. Februar 2008 [VGKE, SR 173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvor-
schuss ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
Dem Beschwerdeführer steht angesichts seines Unterliegens von vornhe-
rein keine Parteientschädigung zu (Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m. Art. 7 Abs. 1
VGKE e contrario).
http://links.weblaw.ch/BVGer-A-3668/2013
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7.
Dieses Urteil kann nicht beim Bundesgericht angefochten werden (Art. 83
Bst. i des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
Es tritt daher mit der Eröffnung in Rechtskraft.