Decision ID: 09d79517-3c12-401f-ac1f-044b499a4001
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
H._,
Beschwerdeführerin,
bevormundet und vertreten durch A._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rückerstattung von Ergänzungsleistung zur IV
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Sachverhalt:
A.
H._ wurde durch ihren Vormund am 29. August 2005 zum Bezug einer
Ergänzungsleistung zur Invalidenrente angemeldet. Mit einer Verfügung vom 5. Oktober
2005 sprach ihr die EL-Durchführungsstelle eine Ergänzungsleistung zu. In der Folge
hielt sich die Versicherte verschiedentlich in der psychiatrischen Klinik auf. Am 19.
November 2007 teilte der Vormund mit, die Versicherte wohne wieder bei der Mutter,
worauf die EL-Durchführungsstelle bei der Anspruchsberechnung einen Teil des
Eigenmietwertes der Wohnung der Mutter als Ausgabe berücksichtigte. Auch die
Verfügung vom 5. Februar 2008, mit der die Ergänzungsleistung ab 1. Januar 2008
festgesetzt wurde, beruhte auf einer Anspruchsberechnung unter Berücksichtigung
dieses Anteils am Eigenmietwert. Am 24. April 2008 füllte der Vormund das Formular
für die periodische Überprüfung der Ergänzungsleistung aus. Er gab an, die Versicherte
halte sich seit dem 7. März 2008 in einem Heim im Kanton Zürich auf. Die Tagestaxe
belaufe sich auf Fr. 165.-, der Pflegezuschlag nach RAI auf Fr. 96.- und der weitere
Pflegezuschlag auf Fr. 50.-. Die VISANA hatte am 18. April 2008 einen Pflegebeitrag
von Fr. 96.- angegeben. Bei der Revision der laufenden Ergänzungsleistung wechselte
die EL-Durchführungsstelle zur sogenannten Heimberechnung. Sie berücksichtigte die
gesamten Heimkosten von Fr. 311.- bzw. Fr. 113'515.-. Mit einer Verfügung vom 19.
Juni 2008 sprach sie der Versicherten rückwirkend ab 1. März 2008 eine monatliche
Ergänzungsleistung von Fr. 5681.- zu.
B.
Der Vormund der Versicherten meldete am 11. Dezember 2008 eine Erhöhung der
Heimkosten auf Fr. 321.-. Die Leistung der VISANA betrug weiterhin Fr. 96.-. Die EL-
Durchführungsstelle erliess am 23. Dezember 2008 eine Revisionsverfügung, mit der
sie die Ergänzungsleistung nur einer Erhöhung des Pauschalbetrages für persönliche
Auslagen und der Erhöhung der Invalidenrente anpasste. Sie berücksichtigte weiterhin
Heimkosten von Fr. 311.- statt von Fr. 321.-. Die Ergänzungsleistung sank dadurch per
1. Januar 2009 von Fr. 5681.- auf Fr. 5661.-. Am 5. März 2009 erliess die EL-
Durchführungsstelle eine Verfügung für die Zeit ab 1. Januar 2009, bei der sie statt der
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Heimkosten von Fr. 321.- nicht mehr Fr. 311.-, sondern sogar nur noch Fr. 300.-
berücksichtigte. Dadurch betrug die Ergänzungsleistung rückwirkend ab 1. Januar
2009 nicht Fr. 5661.-, sondern nur Fr. 5326.-. Die EL-Durchführungsstelle hatte damit
erstmals ein Heimkostenmaximum von Fr. 109'500.- zur Anwendung gebracht. Sie
unterliess es, einer allfälligen Einsprache gegen diese Verfügung die aufschiebende
Wirkung zu entziehen. Am 19. März 2009 verfügte die EL-Durchführungsstelle dann die
Rückforderung der von Januar bis März 2009 zu Unrecht ausgerichteten
Ergänzungsleistung von Fr. 1005.-. Sie begründete diese Verfügung damit, dass seit
dem 1. Januar 2009 nur noch das Maximum von Fr. 300.- (bzw. Fr. 109'500.-) für die
RAI/RUE-Stufe 5 verrechnet werden könne. Auch hier unterliess es die EL-
Durchführungsstelle, einer allfälligen Einsprache die aufschiebende Wirkung zu
entziehen. Ebenfalls am 19. März 2009 erging eine Verfügung, mit der die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung ab 1. April 2009 auf Fr. 5326.- festsetzte.
Nur hier entzog die EL-Durchführungsstelle einer allfälligen Einsprache die
aufschiebende Wirkung.
C.
Der Vormund der Versicherten hatte bereits am 17. März 2009 Einsprache gegen die
Verfügung vom 5. März 2009 erhoben. Er hatte geltend gemacht, nach rund 25
Klinikaufenthalten habe die Vormundschaftsbehörde die Einweisung in die
geschlossene Abteilung eines Zürcher Heims verfügt. Es habe keine
Platzierungsmöglichkeit innerhalb des Kantons St. Gallen gegeben, weil es keine
geeigneten Institutionen gebe. Die Versicherte sei im RAI-System in der Stufe 5
eingeteilt. Sie sei aber gar nicht pflegebedürftig, sondern müsse 24 Std. pro Tag
überwacht werden. Aufgrund dieser Einstufung würde die Krankenkasse bei einem
Aufenthalt in St. Galler Institution nur Fr. 58.50 bezahlen, womit eine Nettotagestaxe
von insgesamt Fr. 241.50 verbliebe. Bei dem im Kanton Zürich effektiv ausgerichteten
Krankenkassenanteil von Fr. 96.- betrage die gesamte Nettotagestaxe aber nur Fr.
225.-. Er beantrage die Anrechnung nur dieser Nettotagestaxe von Fr. 225.- gestützt
z.B. auf Art. 1 Abs. 3 der st. gallischen Verordnung über die anrechenbare
Tagespauschale. Die Tagestaxe für Invalidenheime betrage nämlich maximal Fr. 270.-,
wobei aber keine Krankenkassenleistungen erbracht würden. Die Versicherte bleibe
deutlich unter diesem Maximum. Im übrigen berufe er sich auf Treu und Glauben, denn
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bisher sei die volle Tagestaxe von Fr. 311.- übernommen worden. Es habe sich nämlich
mit Ausnahme einer Erhöhung der in Rechnung gestellten Tagestaxe nichts geändert.
Aufgrund der aufschiebenden Wirkung der Einsprache sei weiterhin die bisherige
Ergänzungsleistung auszuzahlen. Am 24. März 2009 erhob der Vormund der
Versicherten auch gegen die beiden Verfügungen vom 19. März 2009 Einsprache.
D.
In ihrem Einspracheentscheid vom 15. April 2005 machte die EL-Durchführungsstelle
geltend, die Verfügung vom 5. März 2009 (EL-Anspruch ab 1. Januar 2009) sei
stillschweigend durch die Verfügung vom 19. März 2009 (EL-Anspruch ab April 2009)
ersetzt worden. Die Einsprache gegen die Verfügung vom 5. März 2009 werde deshalb
als gegenstandslos abgeschrieben. Die EL-Durchführungsstelle begründet das damit,
dass sie die laufende Ergänzungsleistung nicht rückwirkend hätte anpassen dürfen.
Stattdessen habe sie eine Rückforderungsverfügung erlassen müssen. Zudem sei
irrtümlicherweise die aufschiebende Wirkung nicht entzogen worden. Da die
Einsprache abgewiesen werde, könne ihr zum vornherein keine aufschiebende Wirkung
zuerkannt werden. In materieller Hinsicht argumentierte die EL-Durchführungsstelle
damit, dass die Anrechnung nur einer Nettotaxe (Heimkosten nach Abzug der
Krankenkassenleistung) gesetzlich nicht vorgesehen sei. Eine Berufung auf den
Grundsatz von Treu und Glauben sei nicht möglich, da der unrechtmässige
Leistungsbezug als Voraussetzung einer Rückforderung ausschliesslich nach
normativen Kriterien zu prüfen sei. Erst in einem allfälligen Erlassverfahren sei ein
gutgläubiger Bezug der zu Unrecht ausgerichteten Leistung relevant. Die Verfügung
vom 23. Dezember 2008 habe auf einer fehlerhaften Rechtsanwendung beruht und
habe deshalb wiedererwägungsweise korrigiert werden müssen. Die EL-
Durchführungsstelle wies die Einsprache ab, soweit sie nicht gegenstandslos war.
Einer allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung.
E.
Der Vormund der Versicherten erhob am 4. Mai 2009 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid. Er beantragte die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung, die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung und die
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Anrechnung der gesamten Kosten des Zürcher Heims. Zur Begründung führte er aus,
die Versicherte sei nicht betagt, so dass die Absätze 1 und 2 des Art. 1 der kantonalen
Verordnung über die anrechenbare Tagespauschale nicht anwendbar seien. Es handle
sich aber auch nicht um ein IV-Heim, so dass auch Art. 1 Abs. 3 dieser kantonalen
Verordnung nicht zur Anwendung gelange. Effektiv werde nur die Nettotaxe von Fr.
225.- in Rechnung gestellt, da der Krankenkassenanteil direkt zwischen Klinik und
Krankenkasse abgerechnet werde. Im Kanton St. Gallen bezahle ein IV-Bezüger eine
beschränkte Heimtaxe, während die Restkosten vom Kanton übernommen würden. Im
Kanton Zürich gebe es stattdessen hohe Krankenkassenanteile. Die Zürcher
Verhältnisse könnten deshalb nicht "1:1" übernommen werden. Es dürfe nur die
Nettotaxe von Fr. 225.- in die Anspruchsberechnung eingesetzt werden. Die Tagestaxe
sollte nämlich nicht künstlich um den Anteil Dritter aufgebläht und so eine
Heimtaxenbegrenzung provoziert werden. Das RAI/RUG-System sei nur aus
Kostenanalogiegründen auf die Versicherten angewendet worden. Die Versicherte sei
nämlich gar nicht pflegebedürftig, sondern müsse rund um die Uhr überwacht werden.
F.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 12. Mai 2009 die Abweisung der
Beschwerde und des Gesuchs um die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung
der Beschwerde.

Erwägungen:
1.
Mit der Verfügung vom 23. Dezember 2008 hat die Beschwerdegegnerin in Anwendung
von Art. 17 Abs. 2 ATSG i.V.m. Art. 25 ELV die monatliche Ergänzungsleistung per
1. Januar 2009 von Fr. 5681.- auf Fr. 5661.- herabgesetzt. Mit dieser Revision der
Ergänzungsleistung hat die Beschwerdegegnerin mehreren Veränderungen des
leistungsrelevanten Sachverhalts Rechnung getragen, die per 1. Januar 2009
eingetreten sind, nämlich der Erhöhung der Invalidenrente, des Betrags für persönliche
Auslagen, der pauschalen Krankenkassenprämie und des Mindestbeitrages der AHV.
Am 5. März 2009 hat die Beschwerdegegnerin nochmals mit Wirkung ab 1. Januar
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2009 verfügt. Sie hat erneut der Erhöhung der genannten Positionen revisionsweise
Rechnung getragen. Zusätzlich hat sie die anrechenbaren Heimkosten von Fr. 311.- auf
Fr. 300.- reduziert, obwohl diese Kosten am 1. Januar 2009 von Fr. 311.- auf Fr. 321.-
angestiegen waren. Die Beschwerdegegnerin hat also nicht auf per 1. Januar 2009
angestiegene Heimkosten reagiert, sondern sie hat die am 1. Januar 2009 in Kraft
getretene neue Fassung des Art. 1 Abs. 1 der kantonalen Verordnung über die nach
ELG anrechenbare Tagestaxe (sGS 351.52) zur Anwendung gebracht. Dabei hat es
sich nicht um eine Revision nach Art. 17 Abs. 2 ATSG (die gemäss Art. 25 Abs. 2 lit. c
ELV wohl rechtswidrig wäre), sondern um eine Anpassung an einen veränderten
Rechtszustand (vgl. U. Meyer-Blaser, Die Abänderung formell rechtskräftiger
Verwaltungsverfügungen in der Sozialversicherung, ZBl 1994 S. 350) gehandelt. Dazu
hat die Beschwerdegegnerin (ohne dies in der Verfügung vom 5. März 2009 auch nur
andeutungsweise festzuhalten) die Revisionsverfügung vom 23. Dezember 2008 in
Wiedererwägung gezogen, soweit diese - formell rechtskräftige – Verfügung es
unterlassen hat, neues Recht zur Anwendung zu bringen. Die
Rückforderungsverfügung vom 19. März 2009 ist das Ergebnis dieser
wiedererwägungsweisen Anpassung an neues Recht, denn nur die Anpassung, nicht
die Revision hat zu einer rückwirkenden Herabsetzung der Ergänzungsleistung von Fr.
5661.- auf Fr. 5326.- geführt. Warum die Beschwerdegegnerin am 19. März 2009
nochmals eine Revisions- und Anpassungsverfügung, diesmal allerdings mit Wirkung
ab 1. April 2009 – erlassen hat, ist nicht nachvollziehbar. Noch weniger nachvollziehbar
ist die Behauptung im angefochtenen Einspracheentscheid, die Verfügung vom 19.
März 2009 (mit Wirkung ab 1. April 2009) habe stillschweigend die (ab 1. Januar 2009
wirkende) Verfügung vom 5. März 2009 ersetzt. Wäre die Anpassung an das neue
Recht und damit die entsprechende Herabsetzung der Ergänzungsleistung von Fr.
5661.- auf Fr. 5326.- tatsächlich erst am 1. April 2009 erfolgt, gäbe es für die Periode
Januar bis März 2009 keinen die Rückforderung rechtfertigenden unrechtmässigen
Leistungsbezug. Das bedeutet, dass die Verfügung vom 19. März 2009 betreffend
Revision und Anpassung per 1. April 2009 überflüssig und deshalb als rechtswidrig zu
qualifizieren ist. Demnach erweist sich auch der Einspracheentscheid als rechtswidrig,
soweit er die Einsprache gegen die Verfügung vom 5. März 2009 als gegenstandslos
abgeschrieben hat.
2.
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2.1 Zu prüfen bleibt, ob die Verfügung vom 5. März 2009 – und damit im Ergebnis der
angefochtene Einspracheentscheid - rechtmässig ist. Diese Verfügung hat neben der
Bezifferung der ab 1. Januar 2009 auszurichtenden Ergänzungsleistung nur den
Hinweis "Neuberechnung infolge Änderung des Pensionspreises" enthalten. Jeder
Hinweis darauf, dass damit die Verfügung vom 23. Dezember 2008 ersetzt werden
sollte, hat gefehlt. Im übrigen ist der zitierte Hinweis inhaltlich falsch gewesen, denn die
Erhöhung des Taxe von Fr. 311.- auf Fr. 321.- ist nicht die Ursache für die
Herabsetzung der Ergänzungsleistung von Fr. 5661.- auf Fr. 5326.- gewesen. Dies alles
ändert nichts daran, dass die Verfügung vom 5. März 2009 - dem mit ihr verfolgten
Zweck gemäss - nur als eine Teilwiedererwägung der Verfügung vom 23. Dezember
2008 verstanden werden kann (wobei offen bleiben kann, ob es sich bei jener
Verfügung um eine Revisionsverfügung oder aber – dem sogenannten
"Kalenderjahrkonzept" des Bundesgerichts gemäss – um eine Neufestsetzung der
Ergänzungsleistung ab 1. Januar 2009 gehandelt hat). Das Fehlen eines
entsprechenden Verfügungsdispositivs oder auch nur einer entsprechenden
Begründung war ein Versehen. Die Beschwerdegegnerin hat das Fehlende zwar im
angefochtenen Einspracheentscheid nicht nachgeliefert. Aber aus
verfahrensökonomischen Gründen rechtfertigt es sich, den Blick nur auf die von der
Beschwerdegegnerin effektiv wiedererwägungsweise angeordnete Anpassung an eine
Rechtsänderung zu richten.
2.2 Art. 1 der kantonalen Verordnung über die nach ELG anrechenbare
Tagespauschale (sGS 351.52), der die Höchstbeträge der anrechenbaren
Tagespauschalen bei einem Heimaufenthalt regelt, unterscheidet verschiedene
Kategorien von Heimbewohnern: Personen ohne Pflegebedürftigkeit, pflegebedürftige
Betagte in stationären, nicht in der kantonalen Pflegeheimliste aufgeführten
Einrichtungen, pflegebedürftige Betagte in anerkannten Pflegeheimen und Personen,
die sich in einem Invalidenwohnheim aufhalten. Die Beschwerdeführerin ist invalid und
sie verursacht durch ihre ununterbrochene persönliche Überwachungsbedürftigkeit
einen hohen Pflegeaufwand. Sie hält sich nicht in einem Invalidenwohnheim, sondern in
einem Pflegeheim auf. Da sie also weder eine Person ohne Pflegebedürftigkeit noch
eine betagte pflegebedürftige Person ist und da sie nicht in einem Invalidenwohnheim
lebt, fällt sie unter keine der in Art. 1 der genannten Verordnung aufgeführten
Kategorien von Heimbewohnern, deren Tagespauschale auf einen bestimmten
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Höchstbetrag beschränkt ist. Es könnte also argumentiert werden, die von der
Beschwerdeführerin zu entrichtende Tagespauschale sei unbeschränkt anrechenbar,
da eine Beschränkung fehle. Damit würde von einem qualifizierten Schweigen des
Verordnungsgebers ausgegangen, d.h. es würde angenommen, der Verordnungsgeber
habe für invalide pflegebedürftige Personen, die sich in einem Pflegeheim und nicht in
einem Invalidenwohnheim aufhielten, die Anrechnung der effektiven Tagespauschale
ohne Obergrenze angeordnet. Warum die pflegebedürftigen invaliden Personen im
Pflegeheim besser gestellt sein sollten als die pflegebedürftigen betagten Personen im
Pflegeheim, ist allerdings nicht einzusehen. Es käme nämlich zu einer vor dem
Gleichbehandlungsgrundsatz nicht zu rechtfertigenden Besserstellung der invaliden
pflegebedürftigen Personen gegenüber den betagten pflegebedürftigen Personen. Das
lässt nur den Schluss zu, dass das Fehlen einer Regelung für die pflegebedürftigen
invaliden Personen, die im Pflegeheim leben, kein qualifiziertes Schweigen, sondern ein
Versehen des Verordnungsgebers ist. Es liegt eine Verordnungslücke vor. Diese ist
richterrechtlich durch eine analoge Anwendung der Bestimmung betreffend die
Beschränkung der Tagespauschale bei pflegebedürftigen betagten Personen zu
schliessen. Die der Beschwerdeführerin anrechenbare Tagespauschale ist deshalb
entsprechend dem Pflegeaufwand gemäss Art. 1 Abs. 1 lit. b bis d der kantonalen
Verordnung über die nach ELG anrechenbare Tagespauschale zu beschränken.
2.3 Das Zürcher Pflegeheim, in dem sich die Beschwerdeführerin vor und nach dem
1. Januar 2009 aufgehalten hat, hat am 11. April 2008 angegeben, der Pflegebedarf der
Beschwerdeführerin entspreche der RAI-Stufe 5. Die Tagespauschale belaufe sich auf
insgesamt Fr. 311.-. Diese Tagespauschale hat in der Anspruchsberechnung ab März
2008 (Heimeintritt) ungekürzt Berücksichtigung gefunden. Da die bis 31. Dezember
2008 geltende Fassung des Art. 1 Abs. 1 der kantonalen Verordnung über die nach
ELG anrechenbare Tagespauschale für die Abstufung der Pflegebedürftigkeit und
damit des Höchstansatzes nur die BESA-Einstufung kannte, ist die
Beschwerdegegnerin nämlich davon ausgegangen, dass eine gesetzliche Grundlage
für eine Beschränkung der anzurechnenden Tagespauschale fehle, denn der Grad der
Pflegebedürftigkeit sei ja anhand der RAI-Methode ermittelt worden. Mit der am 1.
Januar 2009 in Kraft getretenen neuen Fassung des Art. 1 Abs. 1 der genannten
kantonalen Verordnung ist neu auch die Abstufung der Höchstbeträge anhand des
nach der RAI-Methode ermittelten Pflegebedarfs eingeführt worden. Damit hat sich die
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Rechtslage verändert. Zu prüfen bleibt, ob diese Veränderung für die der
Beschwerdeführerin ausgerichtete Ergänzungsleistung relevant gewesen ist.
Übernimmt man die Auffassung der Beschwerdegegnerin, laut der die Tagespauschale
der Beschwerdeführerin nach der ursprünglichen Fassung des Art. 1 Abs. 1 keiner
Beschränkung unterlegen hat, so ist die Leistungsrelevanz der Verordnungsänderung
offenkundig, denn sie hat die erstmalige Anwendung der Beschränkung der
Tagespauschale auf Fr. 300.- zur Folge. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin setzt
voraus, dass der Verordnungsgeber ursprünglich bewusst für ausserkantonal
untergebrachte Personen, deren Pflegebedarf nach der RAI-Methode bemessen
worden ist, auf eine Beschränkung der Tagespauschale verzichtet, also qualifiziert
geschwiegen hat, oder dass es objektiv unmöglich gewesen ist, die ununterbrochene
Überwachungsbedürftigkeit einer bestimmten BESA-Stufe zuzuordnen. Die erste
Möglichkeit scheidet offensichtlich aus, denn ein qualifiziertes Schweigen des
Verordnungsgebers hätte eine Besserstellung der RAI-eingestuften gegenüber BESA-
eingestuften Personen zur Folge gehabt, die sich vor dem
Gleichbehandlungsgrundsatz nicht hätte rechtfertigen lassen. Das Gericht geht davon
aus, dass es der Beschwerdegegnerin vor dem 1. Januar 2009 nicht möglich gewesen
ist (und dass es deshalb auch rückwirkend unmöglich ist), der ununterbrochenen
Überwachungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin eine bestimmte BESA-Stufe
zuzuordnen, so dass die Begrenzung der Tagespauschale auf Fr. 300.- bis zum 31.
Dezember 2008 am Fehlen eines durch die Verordnung vorgegebenen
Begrenzungskriteriums gescheitert ist. Die am 1. Januar 2009 in Kraft getretene
Fassung des Art. 1 Abs. 1 der kantonalen Verordnung über die nach ELG anrechenbare
Tagespauschale ist also für die laufende Ergänzungsleistung der Beschwerdeführerin
erhebliche Rechtsänderung. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb grundsätzlich zu
Recht mit Wirkung ab 1. Januar 2009 eine Anpassung der rechtskräftig
zugesprochenen laufenden Ergänzungsleistung an eine Rechtsänderung
vorgenommen, bei der sie die anerkannte Tagespauschale auf Fr. 300.- beschränkt
hat. Ein schutzwürdiges Vertrauen in die Beibehaltung eines überholten
Rechtszustandes, im Ergebnis also ein Ausschluss der Anpassung an einen veränderte
Rechtszustand im Sinne einer Besitzstandgarantie, ist nicht gegeben, da durch die
Rechtsänderung eine unbefriedigende Rechtslage beseitigt wird.
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2.4 Da die Anpassung an die Verordnungsänderung per 1. Januar 2009 grundsätzlich
zulässig ist, bleibt zu prüfen, ob nur die sogenannte "Nettotagestaxe" als Ausgabe in
die Anspruchsberechnung einzusetzen ist, wie die Beschwerdeführerin geltend macht,
oder ob die volle Tagestaxe als Ausgabe und die Leistungen der Krankenkasse als
Einnahmen anzurechnen ist. Das Gericht hat in einem Urteil vom 28. Februar 2006 i.S.
politische Gemeinde X (EL 2006/3) ausgeführt, weder Art. 3b Abs. 2 lit. a i.V.m. Art. 5
Abs. 3 lit. d ELG (in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung) noch Art. 3c Abs. 1
lit. d ELG (ebenfalls in der bis 31. Dezember 2007 geltenden Fassung) liessen die
Anrechnung nur einer "Nettotagestaxe" zu. Der Wortlaut des Art. 3b Abs. 2 lit. a ELG
sei eindeutig: Als Tagestaxe könne nur das Total aller dem Heimbewohner in Rechnung
gestellten, regelmässig anfallenden Kosten des Heimaufenthalts gemeint sein.
Dasselbe gelte für die Regelung betreffend die Begrenzung der anrechenbaren
Tagestaxe. Auch diese Regelung meine unmissverständlich das Total aller Heimkosten.
Eine ausfüllungsbedürftige Gesetzeslücke, die mit der (Ausnahme-) Regelung zu füllen
wäre, dass immer dann, wenn die effektive Tagestaxe die Höchstgrenze überschreite,
zur "Nettotagestaxe" gewechselt werden müsse, liege nicht vor. Bei der Schaffung der
entsprechenden Gesetzesbestimmungen sei in Kauf genommen worden, dass
Heimbewohner als Folge der Begrenzung der anrechenbaren Tagestaxe u.U. zusätzlich
auf Sozialhilfeleistungen angewiesen seien (Erw. 5). Die am 1. Januar 2008 in Kraft
getretene revidierte Fassung des ELG hat den Wortlaut der massgebenden
Bestimmungen nicht verändert. Sie hat lediglich die bisher in Art. 3b Abs. 2 lit. a i.V.m.
Art. 5 Abs. 3 lit. d ELG enthaltenen Regelungen in Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG
zusammengefasst. Der Gesetzgeber hat bei dieser Revision keine Veranlassung
gesehen, eine Ausnahmeregelung zu schaffen, die einen Wechsel zur "Nettotagestaxe"
zuliesse. Auch der kantonale Verordnungsgeber hat in seiner Verordnung über die nach
ELG anrechenbare Tagespauschale keine solche Ausnahmeregelung vorgesehen.
Somit besteht keine Veranlassung, anders zu entscheiden als im genannten Urteil vom
28. Februar 2006. Die gesamte Tagespauschale ist als Ausgabe anzurechnen und die
Leistungen der Krankenkasse finden als Einnahmen in der Anspruchsberechnung
Berücksichtigung. Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich somit im
Ergebnis als korrekt.
3.
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3.1 Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen. Damit
ist das Begehren um die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde gegenstandslos. Die vollumfänglich unterliegende Beschwerdeführerin hat
zwar ein Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gestellt.
Dieses kann aber in bezug auf die unentgeltliche Rechtsverbeiständung nicht bewilligt
werden, denn diese Funktion ist den Rechtsanwälten und Rechtsagenten vorbehalten
(Art. 99 VRP i.V.m. Art. 283 Abs. 1 ZPG). Das entsprechende Begehren ist abzuweisen.
Da das Beschwerdeverfahren kostenlos ist (Art. 61 lit. a ATSG), erweist sich das
Gesuch um die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegenstandslos.
3.2 Gemäss Art. 10 Abs. 2 lit. a zweiter Halbsatz können die Kantone die Kosten
begrenzen, die wegen des Aufenthalts in einem Heim berücksichtigt werden. Der
Kanton St. Gallen hat diese Kompetenz mit seiner Verordnung über die nach dem ELG
anrechenbaren Tagespauschalen (sGS 351.52) beansprucht, um eine
Heimtaxenbeschränkung einzuführen. Art. 13 Abs. 2 ELG überträgt die Finanzierung
der durch den Heimaufenthalt entstehenden Kosten, soweit sie über die Kosten
hinausgehen, die im betreffenden Fall bei einem Aufenthalt zuhause entstehen würden,
den Kantonen. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die Kantone mit einer
Heimtaxenbeschränkung nur ihre eigenen Ausgaben beschränken. Die entsprechenden
Bestimmungen betreffen also nur kantonale Interessen. Trotzdem muss aufgrund des
Umstandes, dass die grundlegende Bestimmung in Art. 10 Abs. 2 lit. a ELG enthalten
ist, das Bundesgericht als Rechtsmittelinstanz betrachtet werden. Eine allfällige
Anfechtung des vorliegenden Urteils hätte also beim Bundesgericht zu erfolgen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht