Decision ID: 49d66ffb-9486-5a5e-a32f-5ad6fd1a8c41
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. X._ wurde am 1. November 1981 in S._ in der Türkei geboren und reiste am
15. November 2013 in die Schweiz ein. Am 29. November 2013 heiratete er in R._ eine
österreichische Staatsangehörige. Diese verfügte seit April 2009 über eine
Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz und erhielt am 15. April 2014 eine
Niederlassungsbewilligung. Das Ehepaar lebte an der H._strasse 30 in R._. Im
Rahmen des Familiennachzuges erhielt X._ eine Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA,
gültig bis zum 31. Dezember 2018.
b. Am 28. Juli 2016 teilte die Ehefrau von X._ dem Einwohneramt R._ mit, dass sie
seit dem 5. Juli 2016 getrennt leben würden. X._ informierte am 10. Oktober 2016,
dass er an einer neuen Adresse in R._ wohne. Am 28. Oktober 2016 sprachen die
Eheleute X._ persönlich auf dem Einwohneramt R._ vor und gaben an, dass sie
wieder zusammen seien und die Ehefrau per 1. November 2016 wieder bei X._
einziehe. Kurz darauf, am 8. November 2016, wurde gemeldet, dass die Ehefrau bereits
wieder ausgezogen sei. Auf Nachfrage des Migrationsamts hin bezüglich der
Ehesituation erklärte X._ im Schreiben vom 27. Februar 2017, dass er den aktuellen
Wohnort seiner Ehefrau nicht kenne. Sein Ehewille sei erloschen und er wolle sich von
ihr trennen.
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c. Mit Strafbefehl vom 6. März 2017 wurde X._ wegen Verletzung der Verkehrsregeln
(Nichtbeherrschen des Fahrzeugs infolge ungenügenden Abstandes und dadurch
Verursachung einer Auffahrkollision) für schuldig erkannt. Gleichentags wurde im
Amtsblatt die Eröffnung und Einstellung des Konkursverfahrens gegen X._
veröffentlicht. Er war Inhaber des im Handelsregister gelöschten Einzelunternehmens
"A._".
d. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt mit Verfügung
vom 25. April 2017 die Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA von X._ und wies ihn an, die
Schweiz spätestens 60 Tage nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Der
Entscheid wurde im Wesentlichen damit begründet, dass die Ehe lediglich zwei Jahre
und acht Monate gedauert habe und damit die dreijährige gesetzliche Frist nicht
eingehalten werde. Ein nachehelicher Härtefall aufgrund von häuslicher Gewalt müsse
verneint werden, da sich in den Akten keine Hinweise auf die von X._ vorgebrachten
Vorkommnisse finden lassen würden. Eine Rückkehr ins Heimatland nach der kurzen
Aufenthaltszeit in der Schweiz sei ihm zumutbar. Den gegen diesen Entscheid
erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom
10. September 2018 ab.
B. X._ (Beschwerdeführer) reichte am 26. September 2018, vertreten durch seinen
Rechtsvertreter, Beschwerde gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein mit dem Rechtsbegehren,
der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 12. November 2018 die
Abweisung der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
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1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 26. September 2018 rechtzeitig
erhoben und erfüllt formal wie inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher
einzutreten.
2.
2.1. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Anhang I des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA) haben die
Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und
ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei ihr Wohnung zu nehmen. Es handelt sich dabei
um ein abgeleitetes Aufenthaltsrecht des Ehegatten, das dazu bestimmt ist, durch
Ermöglichung des gemeinsamen Familienlebens die Wirksamkeit der Freizügigkeit der
EU-Angehörigen sicherzustellen und, das nur so lange dauert, als das originäre
Aufenthaltsrecht des EU-Angehörigen besteht (BGE 144 II 1 E. 3.1, BGE 139 II 393 E.
2.1). Nach der Rechtsprechung setzt dieses Recht grundsätzlich nur das formale
Bestehen einer Ehe voraus, doch steht es unter dem Vorbehalt des
Rechtsmissbrauchs; fehlt der Wille zur Gemeinschaft und dient das formelle Eheband
ausschliesslich (noch) dazu, die ausländerrechtlichen Zulassungsvorschriften zu
umgehen, fällt der Anspruch dahin. Art. 3 des Anhangs I FZA spricht ausdrücklich
davon, dass die Familienangehörigen eines Bürgers der Vertragsparteien das Recht
haben, "bei ihr Wohnung zu nehmen", was ein minimales Zusammenleben bzw. eine
minimale eheliche Verbundenheit voraussetzt. Die vom originär
anwesenheitsberechtigten EU-Bürger abgeleitete Bewilligung des
Drittstaatsangehörigen kann bei deren Fehlen mangels Fortbestehens der
Bewilligungsvoraussetzungen gestützt auf Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über die
Einführung des freien Personenverkehrs (SR 142.203, VEP) in Verbindung mit Art. 62 lit.
d des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration
(SR 142.20, AIG, Nichteinhalten einer mit der Verfügung verbundenen Bedingung)
bis
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widerrufen oder nicht mehr verlängert werden, da das Freizügigkeitsabkommen
diesbezüglich keine eigenen abweichenden Bestimmungen enthält (vgl. Art. 2 Abs. 2
AIG). Nur wenn die Voraussetzungen eines Verbleiberechts (vgl. Art. 4 Anhang I FZA
und die Verordnung EWG Nr. 1251/70 vom 29. Juni 1970 [ABl. Nr. L 142 vom 30. Juni
1970 S. 24 ff.] sowie die Richtlinie 75/34/EWG vom 17. Dezember 1974 [ABl. Nr. L 014
vom 20. Januar 1975 S. 10 ff.]) oder eines eigenständigen Anwesenheitsrechts erfüllt
sind, gilt freizügigkeitsrechtlich ein Aufenthaltsanspruch fort (BGE 139 II 393 E. 2).
2.2. Der Beschwerdeführer hatte als Ehegatte einer EU-Bürgerin gestützt auf das
Freizügigkeitsrecht Anspruch auf eine aus deren Anwesenheit abgeleitete Bewilligung,
solange die Ehe formell andauerte (Art. 7 lit. d und e in Verbindung mit Art. 3 Anhang I
FZA). Es ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seit dem 5. Juli 2016 von seiner
Ehefrau getrennt lebt (mit ganz kurzem Unterbruch anfangs November 2016) und der
Ehewille erloschen ist. Die Zeiten sporadischen und kurzen Zusammenwohnens,
vorliegend anfangs November 2016, werden bei der Berechnung der dreijährigen
Ehedauer nicht mitgezählt, wenn keine ernsthafte Führung des Ehe- und
Familienlebens mehr beabsichtigt wurde (BGE 140 II 289 E. 3.5.1). Inzwischen liegen
laut Angaben des Beschwerdeführers Scheidungsdokumente vor, welche gemäss dem
Schreiben vom Amt für Bürgerrecht und Zivilstand vom 17. August 2018 geprüft
werden. Seit dem Zeitpunkt der Trennung und dem Erlöschen des Ehewillens entfällt
für den Beschwerdeführer somit der aus dem FZA abgeleitete Anspruch auf ein
Aufenthaltsrecht in der Schweiz.
3.
3.1. Art. 50 AIG gewährt den ehemaligen Familienangehörigen einen selbständigen
Aufenthaltsanspruch nach Auflösung der Familiengemeinschaft. Dieser Anspruch geht
weiter als die abgeleiteten Ansprüche von Familienangehörigen von EU-Angehörigen
nach FZA. Art. 50 AIG ist damit günstiger als das FZA und mithin gemäss Art. 2 Abs. 2
AIG auch auf EU-Angehörige anwendbar (BGE 144 II 1 E. 4.3). Laut Art. 50 Abs. 1 lit. a
AIG besteht nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft der Anspruch des
Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
nach den Art. 42 und 43 AIG weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre
bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht.
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3.2. Am 29. November 2013 ging der Beschwerdeführer den Bund der Ehe ein und
trennte sich im Juli 2016 von seiner Ehefrau. Damit dauerte die Ehe
unbestrittenermassen zwei Jahre und acht Monate und somit weniger als drei Jahre.
Bei dieser Sachlage kann der Beschwerdeführer aus Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG keinen
Anspruch auf Verlängerung seiner Aufenthaltsbewilligung ableiten. Hingegen macht er
einen Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung aufgrund eines
nachehelichen Härtefalls geltend.
3.3. Nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG besteht der Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach Art. 42 und 43 AIG weiter, wenn wichtige persönliche
Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (lit. b). Wichtige
persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b können namentlich vorliegen, wenn die
Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus
freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland
stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AIG und Art. 77 Abs. 2 VZAE). Die beiden
Elemente der ehelichen bzw. häuslichen Gewalt und der sozialen Wiedereingliederung
(Art. 77 Abs. 2 VZAE) sind nicht kumulativ zu verstehen (vgl. BGE 138 II 229 E. 3.2.2).
Eheliche Gewalt liegt insbesondere dann vor, wenn Personen innerhalb einer
bestehenden oder aufgelösten ehelichen Beziehung psychische, physische oder
sexuelle Gewalt ausüben oder androhen (vgl. M. Caroni, in: Caroni/Gächter/Thurnherr
(Hrsg.), Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Handkommentar, Bern
2010, Rz. 32 zu Art. 50 AuG). Das Bundesgericht hat hierzu ausgeführt, dass häusliche
Gewalt eine systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle
auszuüben, bedeute. Eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale Beschimpfung im
Verlauf eines eskalierenden Streits reichen dagegen nicht aus. Vielmehr müsse die
physische oder psychische Zwangsausübung und deren Auswirkungen von einer
gewissen Konstanz bzw. Intensität geprägt sein (BGE 138 II 229 E. 3.2.1, Caroni,
a.a.O., Rz. 34 zu Art. 50 AIG). Auch nicht jede unglückliche, belastende und nicht den
eigenen Vorstellungen entsprechende Entwicklung einer Beziehung rechtfertigt bereits
die Annahme, es liege ein nachehelicher Härtefall vor.
3.4. Gerade weil der Nachweis ehelicher Gewalt in den wenigsten Fällen direkt erbracht
werden kann, trifft die ausländische Person bei der Feststellung des entsprechenden
Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 90 AIG, BGE 138 II 229 E.
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3.2.3). Dabei genügen allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle
Spannungen nicht. Vielmehr muss die Systematik der Misshandlung bzw. deren
zeitliches Andauern und die daraus entstehende Belastung objektiv nachvollziehbar
konkretisiert und beweismässig unterlegt werden (vgl. BGer 2C_873/2013 vom 25.
März 2014 E. 4.4, M. Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.],
Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N. 10 zu Art. 50, Art. 77 Abs. 5 VZAE). Als
Hinweise für eheliche Gewalt gelten nach Art. 77 Abs. 6 und 6 VZAE insbesondere
entsprechende Arztzeugnisse, Polizeirapporte, Strafanzeigen, zivilrechtliche
Fernhaltemassnahmen (Art. 28b des Zivilgesetzbuches SR 210, ZGB) oder
entsprechende strafrechtliche Verurteilungen bzw. Hinweise und Auskünfte von
spezialisierten Fachstellen (BGer 2C_339/2018 vom 16. November 2018 E. 5.3).
3.5. Der Beschwerdeführer führt an, dass sich seine damalige Ehefrau sehr dominant,
gewalttätig und auch über seine Person bestimmend, ihm gegenüber benommen habe.
Er sei während der Ehe von seiner Ehefrau täglich unter Druck gesetzt, gedemütigt und
teilweise auch geschlagen worden. Sowohl Zeugen als auch die Fotoaufnahmen,
welche Kratzspuren in seinem Gesicht zeigen würden, würde die herrschende
häusliche Gewalt dokumentieren. Die Vorinstanz habe es unterlassen, eine Befragung
der von ihm genannten Zeugen vorzunehmen. Diese hätten jedoch die über die lange
Zeit andauernde Gewalttätigkeiten und Misshandlungen der Ehefrau gegenüber ihm
belegen können.
3.6. In den Akten liegen einige undatierte Fotos, auf welchen Kratzspuren am Hals und
Gesicht, Rötungen im Gesicht sowie Verletzungen an der rechten Hand des
Beschwerdeführers zu sehen sind. Diese sollen von einem Vorfall vom 30. Juni 2016
stammen. Über diesen Vorfall wurde ein Schreiben eingereicht, welches von zwei vom
Beschwerdeführer aufgezählten Zeugen unterzeichnet wurde. Darin wird geschildert,
dass die beiden Zeugen, eine weitere Person und der Beschwerdeführer in einer Bar
etwas trinken waren. Der Beschwerdeführer habe einen Anruf der Ehefrau erhalten und
nach Hause gehen müssen. Einige Zeit später, ca. 10 bis 15 Minuten, sei er mit
Kratzspuren und Rötungen im Gesicht in die Bar zurückgekehrt. Er habe den Kollegen
erzählt, was zu Hause passiert sei. Die Ex-Frau habe ihm eine Ohrfeige gegeben,
angefangen zu schreien und ihn mit einem Messer angegriffen. Sie habe ihn verletzt, er
habe sich aber befreien können und das Haus verlassen. Die Kollegen hätten ihm
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geraten, sich von der Frau zu trennen und Anzeige zu erstatten. Da er sich jedoch dafür
geschämt habe, habe er dies unterlassen. Die Kollegen könnten bezeugen, dass die
Frau ihn vor andern immer erniedrigt habe.
Ein Anspruch nach Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG wird nicht bereits durch eine einmalige
tätliche Auseinandersetzung begründet (BGE 138 II 229 E. 3.2.1 und 136 II 1 E. 5, insb.
E. 5.3 mit Hinweisen), da ein solches Ereignis allein nicht geeignet ist, die von der
Rechtsprechung verlangte Intensität und Konstanz der ehelichen Gewalt zu belegen.
Weitere Vorfälle werden vom Beschwerdeführer nicht konkret beschrieben,
insbesondere werden seine Darlegungen, aufgrund derer auf eheliche bzw. häusliche
Gewalt geschlossen werden müsste, weder durch Arztberichte noch Strafanzeigen,
Scheidungsakten oder wenigstens die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die Ex-
Frau gestützt (vgl. BGer 2C_320/2017 vom 21. Dezember 2017 E. 3.4.4). Aufgrund der
weitreichenden Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers obliegt es jedoch ihm, die
erforderliche Intensität und Konstanz der Gewalteinwirkungen glaubhaft zu machen.
Dies ist ihm vorliegend nicht gelungen, weshalb die Vorinstanz nicht gehalten war,
aufgrund dieses einmalig geschilderten Ereignisses weitere Abklärungen hinsichtlich
der vom Beschwerdeführer angegebenen möglichen Zeugen zu tätigen. Somit hat der
Beschwerdeführer weder die Systematik von Misshandlungen bzw. deren zeitliches
Andauern noch die daraus entstehende subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar
konkretisiert oder belegt. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz das Vorliegen von häuslicher Gewalt im ausländerrechtlichen Sinne bzw. im
Sinne der Härtefallklausel von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG verneint hat.
3.7. Nebst der ehelichen Gewalt stellt auch die starke Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung im Herkunftsland für sich allein einen wichtigen persönlichen
Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG und Art. 77 Abs. 2 VZAE dar. Daher ist weiter zu
prüfen, ob aufgrund dessen die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu verlängern
ist. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass er gewichtige private Interessen am
Verbleib in der Schweiz habe. Die Vorinstanz habe auf die Prüfung der herrschenden
politischen Verhältnisse in der Türkei verzichtet. Eine genauere Überprüfung hätte
jedoch ergeben, dass die Menschen aus der Türkei auswandern, weil sie wirtschaftlich
oder auch politisch keine Perspektive sehen würden. Es liege auf der Hand, dass er im
Falle einer Rückweisung in die Türkei mit grosser Wahrscheinlichkeit den Repressalien
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des Regimes ausgesetzt und aufgrund seiner politischen Einstellung mit
lebensbedrohlichen Massnahmen zu rechnen habe. Daher sei ihm eine Rückkehr nicht
zumutbar sei.
3.8. Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen
zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen,
wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme darstellt
(BGE 138 II 229 E. 3.1, Botschaft AuG, BBl 2002 3709, 3754 Ziff. 1.3.7.6). Bei der
sozialen Wiedereingliederung ist entscheidend, ob die persönliche, berufliche und
familiäre Wiedereingliederung der betroffenen ausländischen Person bei einer
Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte und nicht, ob ein Leben in
der Schweiz einfacher wäre und vorgezogen würde (BGer 2C_17/2012 vom 24. Januar
2012, E. 2.3.1; BGE 137 II 345, E. 3.2.3).
Es gilt dasselbe Beweismass wie bei der Geltendmachung von ehelicher Gewalt als
wichtigem Grund (vgl. E. 3.2). Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht; die
befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände
glaubhaft erscheinen (BGer 2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.1).
3.9. Der 37-jährige Beschwerdeführer reiste erst im November 2013 in die Schweiz ein
und verbrachte damit den grössten Teil seines Lebens in der Türkei. Dort besuchte er
die Schulen und absolvierte seine Ausbildung zum Mechaniker. Er arbeitete jahrelang
als Maschinentechniker und bildete sich mit Kursen weiter. Nachdem er die prägende
Schul- und Jugendzeit, wie auch einen grossen Teil seines Erwachsenen- und
Erwerbslebens in seinem Heimatland verbracht hat, darf davon ausgegangen werden,
dass sein soziales Netz aus Familienmitgliedern und Freunden in der Türkei nach wie
vor besteht bzw. er bei seiner Rückkehr in die Heimat an frühere Beziehungen wieder
anknüpfen kann. Die Behauptung des Beschwerdeführers, dass im Heimatland
überhaupt keine familiäre Bande mehr bestehe, erscheint bei einer lediglich
fünfjährigen Abwesenheit vom Heimatland als unglaubwürdig. Der blosse Umstand,
dass die Sicherheits-, Wirtschafts- und gesundheitliche Versorgungslage in der
Schweiz allenfalls besser sind als im Heimatland, genügt nicht, das Vorliegen eines
nachehelichen Härtefalls zu bejahen, auch wenn der Beschwerdeführer geltend macht,
dass er sich um die Erlernung der deutschen Sprache bemüht, eine Arbeitsstelle hat
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und in einer neuen Beziehung lebt bzw. sich verlobt hat (vgl. BGer 2C_139/2017 vom
21. August 2017 E. 2.3.3, 2C_837/2016 vom 23. Dezember 2016 E. 4.3.2). Nicht ins
Gewicht fällt auch, dass die wirtschaftliche und politische Situation in der Türkei
schwieriger ist. Der Beschwerdeführer macht lediglich allgemeine Hinweise auf
mögliche Repressalien seitens der Regierung, konkretisiert jedoch nicht, weshalb
insbesondere er speziell gefährdet sein soll. Gestützt auf die vom Beschwerdeführer
gemachten Angaben zu seiner Person lässt er sich zumindest nicht einer besonders
gefährdeten Gruppe, zu welcher zum Beispiel kritische Medienschaffende,
Menschenrechts-, Bürgerrechts- oder politische Aktivisten oder sich sonst in den
Medien regierungskritisch äussernden Menschen, zählen (vgl. www.fluechtlingshilfe.ch/
herkunftslaender/europa/tuerkei.html Gefährdungsprofile vom 19. Mai 2017). Die
Rückkehr in Lebensverhältnisse, die im Herkunftsland allgemein üblich sind, stellt nach
der bundesgerichtlichen Praxis keinen wichtigen persönlichen Grund dar, welcher
einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz rechtfertigen würde (BGer 2C_293/2017 vom
30. Mai 2017 E. 3.4). Es sind daher keine Gründe ersichtlich, die gegen die soziale
Wiedereingliederung des Beschwerdeführers im Heimatland nach bloss rund fünf
Jahren Abwesenheit sprechen. Zudem spricht für ihn, dass er sich bei der
Übersiedelung in die Schweiz im November 2013 die Eingliederung in ein völlig
fremdes Land ebenfalls zugetraut hat.
4.
4.1. Soweit kein gesetzlicher oder völkerrechtlicher Bewilligungsanspruch besteht, liegt
die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im Ermessen der Behörde (vgl. P. Bolzli,
Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N 4 zu Art. 33 AuG). Die zuständigen Behörden haben
bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen
Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer zu
berücksichtigen (Art. 96 Abs. 1 AIG). In die Ermessensausübung der Vorinstanzen wird
vom Verwaltungsgericht nicht eingegriffen, solange diese nicht mit Rechtsfehlern
behaftet ist (vgl. Art. 61 Abs. 1 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 739 ff., VerwGE B 2015/45 vom 19. Juli 2016
E. 6.1, B 2016/131 vom 16. Januar 2018 E. 3.6, www.gerichte.sg.ch).
http://www.fluechtlingshilfe.ch/herkunftslaender/europa/tuerkei.html http://www.fluechtlingshilfe.ch/herkunftslaender/europa/tuerkei.html http://www.gerichte.sg.ch/
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4.2. Die Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik
höher gewichtet als die privaten Interessen des erst seit relativ kurzer Zeit hier
lebenden Beschwerdeführers am weiteren Verbleib in der Schweiz. Der 37-jährige
Beschwerdeführer hat den prägenden Teil seines Lebens im Heimatland verbracht hat.
Er ist mit dessen Sitten und Gebräuchen nach wie vor vertraut. Dass die
Wiedereingliederung nicht mit besonderen Schwierigkeiten verbunden sein wird, hat
das Gericht bereits in E. 3.9 ausgeführt. Der Beschwerdeführer arbeitet zwar in der
Schweiz, bemüht sich seit Januar 2017 aktiv um die Erlernung der deutschen Sprache
(Teilnahme an einem Sprachkurs in der Migros Klubschule) und führt gemäss eigenen
Angaben eine Liebesbeziehung mit einer hier ansässigen Frau. Diese Umstände allein
lassen die vorinstanzliche Ermessensausübung jedoch nicht als rechtsfehlerhaft
erscheinen. Insbesondere ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch
nicht weiter nachgewiesen, inwiefern er in der Schweiz besonders intensive, über eine
normale Integration hinausgehende private Bindungen gesellschaftlicher oder
beruflicher Natur bzw. entsprechend vertiefte soziale Beziehungen zum
ausserfamiliären bzw. ausserhäuslichen Bereich unterhält. Wie die Vorinstanz zu Recht
ausführte, besteht ein öffentliches Interesse daran, dass Ausländerinnen und
Ausländer, bei denen die familiären Voraussetzungen, die für die Erteilung des
Aufenthaltsrechts massgebend waren, nach kurzer Zeit wegfallen, die Schweiz wieder
verlassen (VerwGE B 2018/76 vom 25. Juli 2018 E. 5.2, B 2012/105 vom 13. November
2012 E. 7, www.gerichte.sg.ch).
5. Zusammenfassend können der Vorinstanz keine Rechtsfehler vorgeworfen werden,
wenn sie den Rechtsanspruch des Beschwerdeführers auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung verneinte und die Nichtverlängerung als verhältnismässig
erachtete. Folglich erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
6. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Die Kosten werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2‘000
verrechnet.
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).bis
http://www.gerichte.sg.ch/
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