Decision ID: 726f7b75-3474-56e3-aac3-c536e6bd24d1
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Juni 2003 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 1). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische
Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz am 28. September 2005 ein polydisziplinäres
Gutachten (IV-act. 29). Die Sachverständigen hielten fest, die Versicherte leide an
einem chronifizierten lumbo-spondylogenen Schmerzsyndrom mit einer sekundären
Ausweitung sowie an einer Anpassungsstörung, die sich in einem chronischen
Schmerzsyndrom, depressiv-dysphorischen Zuständen, Angst, Sorgen und
dissoziativen Verhaltensweisen äussere. Diese Anpassungsstörung schränke die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten für sämtliche Tätigkeiten um 50 Prozent ein; aus rein
rheumatologischer Sicht wäre die Versicherte für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten
uneingeschränkt arbeitsfähig. Mit einer Verfügung vom 19. Juni 2006 sprach die IV-
Stelle der Versicherten mit Wirkung ab dem 1. Mai 2003 eine halbe Rente bei einem
Invaliditätsgrad von 55 Prozent zu (IV-act. 43). Mit einem Einspracheentscheid vom 8.
Januar 2007 wies sie eine gegen diese Verfügung erhobene Einsprache ab (IV-act. 56).
Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen wies eine gegen den
Einspracheentscheid vom 8. Januar 2007 erhobene Einsprache mit einem Urteil vom
17. Juni 2008 ab (IV 2007/74; vgl. IV-act. 67).
A.a.
Im Mai 2014 eröffnete die IV-Stelle ein Verfahren zur Überprüfung des
Rentenanspruchs der Versicherten (vgl. IV-act. 89). Im August 2014 notierte Dr. med.
B._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), aus dem Gutachten der
MEDAS Ostschweiz ergebe sich, dass die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit nicht
überwiegend mit einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebild ohne eine nachweisbare organische Genese („Päusbonog“) begründet
A.b.
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worden sei, weshalb im aktuellen Verfahren die Frage nach einer allfälligen
Veränderung des Gesundheitszustandes der Versicherten nach der Rentenzusprache
im Vordergrund stehe (IV-act. 98). Am 8. September 2015 erstattete das Zentrum für
medizinische Begutachtung (ZMB) im Auftrag der IV-Stelle ein polydisziplinäres
Gutachten (IV-act. 116). Der psychiatrische Sachverständige führte aus, bei der
Untersuchung habe klinisch keine depressive Störung nachgewiesen werden können.
Die Versicherte leide an akzentuierten Persönlichkeitszügen mit abhängigen Anteilen,
an einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren
sowie an einer gemischten Angst- und depressiven Störung. Die vom psychiatrischen
Sachverständigen der MEDAS Ostschweiz gestellte Diagnose decke sich mit der
aktuell gestellten Diagnose. Nicht nachvollziehbar sei allerdings das Attest einer
Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent, da die Versicherten ihren Alltag nicht nur aktuell,
sondern bereits damals gut gemeistert habe. Aus psychiatrischer Sicht unterscheide
sich der Gesundheitszustand der Versicherten nicht von jenem bei der ersten
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz im Juni 2005. Auch der orthopädische
Sachverständige des ZMB hielt fest, dass der Gesundheitszustand der Versicherten
seit September 2005 weitgehend unverändert geblieben sei. Aus orthopädischer, aber
auch aus internistischer Sicht sei die Versicherte nach wie vor für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht
sei eine Verminderung des Rendements um 20 Prozent (rückwirkend ab dem Jahr
2003) zu attestieren. Der RAD-Arzt Dr. B._ qualifizierte das Gutachten als
überzeugend und merkte an, dass mit diesem eine wesentliche Verbesserung des
Gesundheitszustandes im Verlauf seit der Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz
mit einer deutlichen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nachgewiesen sei (IV-act. 119).
Mit einem Vorbescheid vom 24. März 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit (IV-
act. 122), dass sie die Aufhebung der laufenden Rente vorsehe. Zur Begründung führte
sie aus, der Gesundheitszustand der Versicherten habe sich seit der Rentenzusprache
erheblich verbessert. Unter Berücksichtigung der Arbeitsfähigkeitsschätzung des ZMB
ergebe sich lediglich noch ein – nicht rentenbegründender – Invaliditätsgrad von acht
Prozent. Dagegen liess die Versicherte am 10. Mai 2016 einwenden (IV-act. 127), hier
liege kein Anwendungsfall der Schlussbestimmungen zum ersten Massnahmenpaket
der sechsten IVG-Revision („IVG-Revision 6a“) vor, da die ursprüngliche
Rentenzusprache bereits in Kenntnis der Rechtsprechung des Bundesgerichtes zur
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B.
somatoformen Schmerzstörung ergangen sei. Auch die Voraussetzungen für eine
Rentenrevision seien nicht erfüllt, denn gemäss dem Gutachten des ZMB habe sich der
Gesundheitszustand der Versicherten seit der ursprünglichen Rentenzusprache nicht
massgebend verändert. Mit einer Verfügung vom 12. August 2016 hob die IV-Stelle die
laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf
(IV-act. 130). Bezugnehmend auf die Einwände der Versicherten hielt sie fest, sie habe
keine Neuüberprüfung im Sinne der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
vorgenommen, sondern vielmehr eine „amtliche Rentenrevision“ durchgeführt. Der
Gesundheitszustand der Versicherten habe sich in der Zeit zwischen der Begutachtung
durch die MEDAS Ostschweiz und der Begutachtung durch das ZMB wesentlich
verbessert, weshalb ein „medizinischer Revisionsgrund ausgewiesen“ sei.
Mit einem Urteil vom 12. März 2019 hob das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen die Verfügung vom 12. August 2016 auf (IV 2016/298). Zur Begründung führte es
aus, das Verwaltungsverfahren, das mit der angefochtenen Verfügung abgeschlossen
worden sei, habe sich ausschliesslich auf eine Rentenrevision im Sinne des Art. 17 Abs.
1 ATSG beschränkt, denn die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe
selbst mehrfach bekräftigt, dass es nicht um eine Rentenanpassung im Sinne der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a gegangen sei. Erst in der
Beschwerdeantwort und damit erst nach dem Abschluss des Verwaltungsverfahrens
habe die Beschwerdegegnerin geltend gemacht, dass die Rente an sich in einer
Anwendung der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a hätte aufgehoben werden
müssen, aber dadurch könne der Gegenstand des abgeschlossenen
Verwaltungsverfahrens nicht mehr beeinflusst worden sein. Ein Revisionsgrund im
Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG liege nicht vor, denn in den Akten finde sich nicht ein
einziger Hinweis auf eine relevante Sachverhaltsveränderung nach der ursprünglichen
Rentenzusprache. Eine „Rettung“ der angefochtenen Verfügung mittels einer
„Motivsubstitution“ sei nicht möglich, weil das Gericht als Rechtsmittelinstanz nicht
den Verfahrensgegenstand eigenmächtig auswechseln könne. Hier handle es sich um
einen „klassischen“ Anwendungsfall der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a,
da die Rentenzusprache massgeblich mit einer Anpassungsstörung auf eine
körperliche Krankheit, ausgedrückt in einem chronischen Schmerzsyndrom, begründet
B.a.
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worden sei, wobei es sich um ein typisches „Päusbonog“ handle. Die „Päusbonog“-
Rechtsprechung sei zwar bereits im März 2004 begründet worden, aber
erfahrungsgemäss dauere es in der Praxis regelmässig eine gewisse Zeit, bis sich eine
neue bundesgerichtliche Rechtsprechung bei der Verwaltung definitiv etabliert habe. In
dieser Übergangszeit würden die alte und die neue Praxis erfahrungsgemäss parallel
angewendet. Rein faktisch habe die „Prä-Päusbonog-Ära“ also teilweise über das Jahr
2004 hinaus noch eine Weile angedauert. Das zeige auch der vorliegende Fall, denn bei
der ursprünglichen Rentenzusprache im Juni 2006 sei nicht einmal ansatzweise geprüft
worden, ob die im BGE 130 V 352 neu formulierten Voraussetzungen für eine
Rentenzusprache bei einem sogenannten „Päusbonog“ erfüllt gewesen seien.
Allerdings fordere der Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
eine Einleitung der „Überprüfung“ innerhalb von drei Jahren seit dem Inkrafttreten der
IVG-Revision 6a am 1. Januar 2012, also bis spätestens am 31. Dezember 2014. Diese
Frist sei hier augenscheinlich nicht gewahrt worden, denn die Beschwerdegegnerin
habe im Verwaltungsverfahren, das im Mai 2014 eröffnet worden sei, immer wieder klar
gemacht, dass es sich dabei ausschliesslich um ein Rentenrevisionsverfahren im Sinne
des Art. 17 Abs. 1 ATSG gehandelt habe. Würde man nun nachträglich unterstellen,
dass mit der Eröffnung des Revisionsverfahrens im Mai 2014 auch ein Verfahren zur
Rentenanpassung in Anwendung der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
eröffnet worden sei, obwohl die Beschwerdegegnerin mehrfach erklärt habe, dass dies
nicht ihre Absicht gewesen sei, würde man die im Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a enthaltene Frist in einer
rechtsmissbräuchlichen Weise umgehen.
Das Bundesgericht hob den Entscheid IV 2016/298 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 12. März 2019 mit einem Urteil vom 27. Juni 2019 auf
(8C_214/2019). Zur Begründung führte es an, der Streitgegenstand bestimme sich
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung allein durch das Dispositiv des
angefochtenen Entscheides. Es gehe deshalb bei der „Motivsubstitution“ nicht um eine
Auswechslung des Streitgegenstandes, sondern um eine Frage der Rechtsanwendung
von Amtes wegen. Der Zeitpunkt der mit Blick auf den Abs. 4 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision fristwahrenden Einleitung der
Rentenüberprüfung richte sich nach dem mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
B.b.
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Erwägungen
1.
Die allgemein gehaltenen und sich nur auf die eigene Rechtsprechung und nicht auf die
entsprechenden gesetzlichen Verfahrensbestimmungen stützenden Ausführungen des
Bundesgerichtes zur „Motivsubstitution“ führen im vorliegenden Fall zu einem
stossenden Ergebnis: Obwohl die Beschwerdegegnerin während des gesamten
Verwaltungsverfahrens eindeutig keine Anpassung der Rente in Anwendung der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a hat vornehmen wollen und obwohl sie die
dreijährige Übergangsfrist für eine entsprechende Überprüfung offensichtlich verpasst
nachgewiesenen tatsächlichen Beginn des Verfahrens. Dabei komme es weiter nicht
darauf an, unter welchem Titel das Verfahren eröffnet worden sei. Die Zulässigkeit der
substituierten Begründung gelte gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in
jedem möglichen Verhältnis unter den in Betracht fallenden Rückkommenstiteln. Die
Sache sei an das Versicherungsgericht zurückzuweisen, damit es die Rentenaufhebung
mittels substituierter Begründung gestützt auf die Schlussbestimmungen materiell
beurteile und bezüglich allfälliger Weiterungen (vgl. lit. a Abs. 2 und 3 SchlB IVG) das
Nötige veranlasse.
Die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin) liess am 8. Juli 2019
geltend machen (act. G 2), die ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung sei bereits
in Beachtung der „Päusbonog“-Rechtsprechung ergangen. Es bleibe folglich kein
Raum für ein Rückkommen. Selbst wenn dies zulässig wäre, müsste die angefochtene
Verfügung aufgehoben werden, denn das Gutachten des ZMB entspreche nicht den
Anforderungen der neuen („Post-Päusbonog“-) Rechtsprechung. Die Abs. 2 und 3 der
lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a sähen eine Weiterausrichtung der
Rente während der Durchführung von Wiedereingliederungsmassnahmen vor.
Bezüglich der Kostenverlegung sei zu beachten, dass die Beschwerdegegnerin in der
Verfügung vom 12. August 2016 und in der Beschwerdeantwort vom 4. November
2016 gänzlich konträre Standpunkte eingenommen habe. Die dadurch bewirkten
zusätzlichen anwaltlichen Aufwendungen seien deshalb unabhängig vom Ausgang des
Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin nahm dazu keine Stellung (vgl. act. G 3).B.d.
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hat, muss nun gestützt auf die im – direkt mit seiner Eröffnung verbindlich gewordenen
– Urteil des Bundesgerichtes geschaffenen Möglichkeit der Überprüfung der Rente der
Beschwerdeführerin in Anwendung der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a die
formell rechtskräftig und damit verbindlich zugesprochene Rente mit Wirkung ex nunc
et pro futuro umfassend und ohne Bindung an die ursprüngliche rentenzusprechende
Verfügung überprüft werden. Dies verstösst gegen den Abs. 4 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a, denn diese Bestimmung kann nur so
interpretiert werden, dass innert dieser Frist ein Anpassungsverfahren gemäss der
Schlussbestimmung zur intertemporalrechtlichen Bewältigung der Praxisänderung des
Bundesgerichtes eröffnet worden sein muss. Weder die Eröffnung eines
Revisionsverfahrens nach Art. 17 Abs. 1 ATSG noch die Einleitung eines Verfahrens zur
sogenannten prozessualen Revision (Art. 53 Abs. 1 ATSG) oder eines
Wiedererwägungsverfahrens (Art. 53 Abs. 2 ATSG) erfüllt diesen
intertemporalrechtlichen Gesetzestatbestand. Im vorliegenden Fall bleibt dem
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen angesichts des bindenden Urteils des
Bundesgerichtes nichts anderes übrig, als die angefochtene Verfügung so zu
überprüfen, wie wenn sie in Anwendung der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision
6a ergangen wäre.
2.
Hier liegt ein geradezu „klassischer“ Anwendungsfall der Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a vor, da die Rentenzusprache massgeblich mit einer
Anpassungsstörung auf eine körperliche Krankheit begründet worden ist, die sich in
einem chronischen Schmerzsyndrom ausgedrückt hat. Dabei handelt es sich um ein
typisches „Päusbonog“. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist bei der
ursprünglichen Rentenzusprache nicht die – damals bereits vom Bundesgericht
eingeführte – „Päusbonog“-, sondern die „Prä-Päusbonog“-Praxis angewendet
worden, denn die Beschwerdegegnerin hat damals nicht einmal ansatzweise geprüft,
ob die im BGE 130 V 352 neu formulierten Voraussetzungen für eine Rentenzusprache
bei einem „Päusbonog“ erfüllt gewesen sind. Da die Beschwerdeführerin das 55.
Altersjahr noch nicht vollendet und die Rente noch nicht seit 15 Jahren bezogen hatte,
ist die umfassende Überprüfung der laufenden Rente in Anwendung des Abs. 1 der lit.
a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a materiell zulässig gewesen.
2.1.
Für die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung vom 12. August 2016 kommt dem Gutachten des ZMB vom
8. September 2015 eine entscheidende Bedeutung zu, denn die Hausärztin Dr. med.
C._ hat am 12. November 2018 überzeugend dargelegt, dass der
2.2.
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Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin im Sommer 2016 jenem im Zeitpunkt der
Begutachtung entsprochen habe. Das Gutachten des ZMB beruht auf einer lege artis
durchgeführten Untersuchung der Beschwerdeführerin und auf einer sorgfältigen
Aktenwürdigung. Die Sachverständigen sind also bestens mit dem massgebenden
medizinischen Sachverhalt vertraut gewesen. Sie haben ihre Diagnosestellung und ihre
Arbeitsfähigkeitsschätzung mit einer überzeugenden Begründung aus dieser
Sachverhaltskenntnis respektive aus dem objektiven klinischen Befund hergeleitet. Der
psychiatrische Sachverständige hat sich detailliert mit der abweichenden
Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. D._
auseinandergesetzt und überzeugend dargelegt, inwiefern und aus welchen Gründen
die Diagnosestellung und die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. D._ nicht
überzeugten. Der RAD-Arzt Dr. B._ hat das Gutachten als in jeder Hinsicht
überzeugend qualifiziert. Auch das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat in
seinem Entscheid IV 2016/298 vom 12. März 2019 vollumfänglich auf das Gutachten
des ZMB abgestellt, was bedeutet, dass es dieses als beweiskräftig qualifiziert hat.
Zwar trifft es zu, dass das Gutachten vor der Ablösung der „Päusbonog“- durch die
„Post-Päusbonog“-Praxis erstellt worden ist und dass es deshalb – nun nicht mehr
relevante – Aussagen zu den sogenannten „Foerster’schen Kriterien“ enthält. Aber
deshalb kann es nicht als beweisuntauglich qualifiziert werden. Die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Sachverständigen des ZMB beruht
nämlich nicht primär auf dem Ergebnis der Prüfung anhand der „Foerster’schen
Kriterien“, sondern auf den von ihm objektiv klinisch erhobenen Einschränkungen und
Ressourcen der Beschwerdeführerin. Das Gutachten enthält jene Angaben, die für eine
„ergebnisoffene“ Arbeitsfähigkeitsschätzung im Sinne des BGE 141 V 281 erforderlich
sind, weshalb darauf abzustellen ist. Folglich steht mit dem erforderlichen Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt
der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 12. August 2016 für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten zu 80 Prozent arbeitsfähig gewesen ist.
Sowohl die Validen- als auch die Invalidenkarriere bestehen in der Verrichtung
einer Hilfsarbeit. Da also der Betrag des Valideneinkommens und der Ausgangswert
zur Ermittlung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens identisch sind,
ist der Invaliditätsgrad anhand eines sogenannten Prozentvergleichs zu berechnen. Er
entspricht folglich dem Arbeitsunfähigkeitsgrad, allenfalls korrigiert um einen
zusätzlichen Abzug von maximal 25 Prozent. Bei einem Arbeitsunfähigkeitsgrad von
lediglich 20 Prozent würde nur bei einem maximalen zusätzlichen Abzug von 25
Prozent ein rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren (100% – 80% × 75% =
40%). Der maximale zusätzliche Abzug ist vorliegend offensichtlich nicht gerechtfertigt.
2.3.
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3.
Laut dem Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a besteht
während der Dauer der Durchführung von Wiedereingliederungsmassnahmen,
längstens aber während zwei Jahren ein Anspruch auf die Weiterausrichtung der
Rente. Bei dieser „Übergangsrente“ handelt es sich nicht um die bisherige (ordentliche)
Rente, sondern um eine eigenständige Leistung, die mit dem ordentlichen
Rentenanspruch nichts zu tun hat (vgl. den Entscheid IV 2014/151 des St. Galler
Versicherungsgerichtes vom 29. November 2016). Folglich muss die Zusprache einer
solchen Leistung unabhängig von der Herabsetzung oder Aufhebung der ordentlichen
Rente verfügt werden, was offenbar auch der tatsächlichen Verwaltungspraxis der
Beschwerdegegnerin entspricht. Über einen allfälligen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Wiedereingliederungsmassnahmen und auf eine
„Übergangsleistung“ im Sinne des Abs. 3 der lit. a der Schlussbestimmungen der IVG-
Revision 6a wird die Beschwerdegegnerin – nach einer entsprechenden
Sachverhaltsabklärung – erstinstanzlich verfügen. Dafür ist ihr die Sache zu
überweisen.
4.
Praxisgemäss könnte er höchstens 15 Prozent betragen. Jedenfalls beträgt der
Invaliditätsgrad nicht mindestens 40 Prozent, weshalb die Beschwerdeführerin keinen
Anspruch mehr auf eine Rente der Invalidenversicherung haben kann.
Die Beschwerde ist in Nachachtung des Urteils des Bundesgerichtes 8C_214/2019
vom 27. Juni 2019 abzuweisen.
4.1.
Die Gerichtskosten von 600 Franken sind der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen; sie sind durch den von ihr im Beschwerdeverfahren IV 2016/298
geleisteten Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Die amtlichen Kosten von
64.85 Franken für die Stellungnahme von Dr. C._ sind nach dem Verursacherprinzip
von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen, denn diese Kosten sind nur deshalb
angefallen, weil es die Beschwerdegegnerin in Verletzung ihrer Untersuchungspflicht
(Art. 43 Abs. 1 ATSG) versäumt hatte, Abklärungen bezüglich allfälliger Veränderungen
des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin im – immerhin knapp ein Jahr
umfassenden – Zeitraum zwischen der Begutachtung und der Eröffnung der
angefochtenen Verfügung zu tätigen.
4.2.
Die unterliegende Beschwerdeführerin hat grundsätzlich keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Allerdings hat die Beschwerdegegnerin mit ihrem unerwarteten
4.3.
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