Decision ID: d338a59e-1bf6-42e4-8973-f2dc6f0b68af
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X erwarb am 27. September 1979 den Führerausweis für die Kategorien B, D1, BE
und D1E; seit 2013 ist er zudem für die Fahrzeugkategorie A1 fahrberechtigt. Im
Administrativmassnahmen-Register ist er nicht verzeichnet.
B.- Am Dienstag, 22. November 2016, 13.05 Uhr, fuhr X mit einem Personenwagen auf
der Toggenburgerstrasse in Wil; er kam von der Rudenzburgkreuzung. Im Rösslikreisel
nahm er die erste Ausfahrt in die Mattstrasse. Dort kollidierte er mit einem Fussgänger
(Jahrgang 1938), der die Mattstrasse auf dem Fussgängerstreifen überqueren wollte.
Durch die Kollision zog sich der Fussgänger leichte Verletzungen zu. Er wurde mit dem
Rettungswagen ins Spital gebracht.
Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts Gossau vom 14. Dezember 2016 wurde X im
Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall vom 22. November 2016 wegen einfacher
Verletzung der Verkehrsregeln (Verursachen eines Verkehrsunfalls mit Verletzten,
Missachten der Anhaltepflicht vor Fussgängerstreifen) zu einer Busse von Fr. 700.–
verurteilt. Der Strafbefehl ist rechtskräftig.
C.- Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen leitete wegen
des Vorfalls vom 22. November 2016 ein Administrativmassnahmeverfahren gegen X
ein. Es gewährte ihm mit Schreiben vom 16. Februar 2017 das rechtliche Gehör und
gab ihm die Möglichkeit, eine Stellungnahme einzureichen; davon machte er am
28. März 2017 Gebrauch. Mit Verfügung vom 20. März 2017 (zugestellt am 4. April
2017) entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis für drei Monate wegen
schwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften.
D.- Dagegen erhob X am 28. April 2017 durch seinen Rechtsvertreter Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
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sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und der Führerausweis maximal für einen
Monat zu entziehen. Die Vorinstanz verzichtete mit Schreiben vom 23. Mai 2017 auf
eine Vernehmlassung. Auf die Ausführungen des Rekurrenten wird, soweit erforderlich,

in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 28. April 2017 wurde – unter
Berücksichtigung des Stillstands der Fristen vom siebten Tag vor Ostern (9. April 2017)
bis und mit dem siebten Tag nach Ostern (23. April 2017; Art. 30 Abs. 1 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP und Art. 145 Abs. 1 lit. a
ZPO, SR 272) – rechtzeitig eingereicht und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht
die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 VRP). Auf den Rekurs ist
einzutreten.
2.- Umstritten ist, ob der Rekurrent eine mittelschwere oder eine schwere
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsregeln begangen hat.
Das Gesetz unterscheidet zwischen der leichten, mittelschweren und schweren
Widerhandlung (Art. 16a bis c des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01; abgekürzt:
SVG). Gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft. Nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG begeht
eine mittelschwere Widerhandlung, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Gestützt auf Art. 16c
Abs. 1 lit. a SVG begeht eine schwere Widerhandlung, wer durch grobe Verletzung von
Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf
nimmt. Die mittelschwere Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG stellt einen
Auffangtatbestand dar. Sie liegt vor, wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer
leichten Widerhandlung gemäss Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG und nicht alle
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qualifizierenden Elemente einer schweren Widerhandlung nach Art. 16c Abs. 1 lit. a
SVG gegeben sind. Die Annahme einer schweren Widerhandlung setzt kumulativ eine
qualifizierte objektive Gefährdung und ein qualifiziertes Verschulden voraus. Ist die
Gefährdung gering, aber das Verschulden gross, oder umgekehrt die Gefährdung gross
und das Verschulden gering, liegt eine mittelschwere Widerhandlung vor (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_327/2012 vom 27. Februar 2013 E. 2.1 mit Hinweisen zur
Rechtsprechung und Lehre).
3.- Vorab ist auf den Einwand des Rekurrenten einzugehen, die Vorinstanz sei nicht
berechtigt gewesen, von der rechtlichen Qualifikation des Unfallereignisses vom
22. November 2016 durch die Staatsanwaltschaft abzuweichen. Im Strafverfahren
wurde der Rekurrent wegen einer Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG
verurteilt. Dieser Straftatbestand entspricht im Administrativmassnahmeverfahren
entweder einer leichten (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG) oder einer mittelschweren
Widerhandlung (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Die schwere Widerhandlung gemäss
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG im Administrativmassnahmenrecht entspricht demgegenüber
einer groben Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Abs. 2 SVG. Das straf- und das
administrativrechtliche Sanktionensystem sind insoweit nicht deckungsgleich (BGer
1C_259/2011 vom 27. September 2011 E. 3.4; 1C_282/2011 vom 27. September 2011
E. 2.4). Im Weiteren stellt sich die Frage nach einer allfälligen Bindungswirkung des
Strafurteils für das Administrativmassnahmeverfahren.
Nach Strassenverkehrsdelikten befindet das Strafgericht über die strafrechtlichen
Sanktionen (Freiheitsstrafe, Geldstrafe, Busse) und die Verwaltungsbehörde in einem
separaten Verfahren über Administrativmassnahmen (insbesondere
Führerausweisentzug, Verwarnung). Die Zweispurigkeit des Verfahrens ist zulässig,
kann aber – bei fehlender Koordination – dazu führen, dass derselbe Lebensvorgang zu
voneinander abweichenden Sachverhaltsfeststellungen von Verwaltungs- und
Justizbehörden führt und die erhobenen Beweise abweichend gewürdigt und rechtlich
beurteilt werden. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, hat die Verwaltungsbehörde im
Interesse von Rechtseinheit und Rechtssicherheit gemäss konstanter
bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich mit ihrem Entscheid zuzuwarten,
bis ein rechtskräftiges Strafurteil vorliegt. Denn das Strafverfahren bietet durch die
verstärkten Mitwirkungsrechte des Beschuldigten, die umfassenderen persönlichen
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und sachlichen Ermittlungsinstrumente sowie die weiterreichenden prozessualen
Befugnisse besser Gewähr dafür, dass das Ergebnis der Sachverhaltsermittlung näher
bei der materiellen Wahrheit liegt als im nicht durchwegs derselben Formstrenge
unterliegenden Verwaltungsverfahren. Massgeblich ist also grundsätzlich der
Sachverhalt, wie er im Strafverfahren festgestellt wurde. Die Verwaltungsbehörde darf
von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur dann abweichen, wenn sie
Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter
unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt,
deren Würdigung zu einem anderen Entscheid führt, wenn die Beweiswürdigung durch
den Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der
Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche
Rechtsfragen abgeklärt hat, namentlich die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln
übersehen hat (BGE 124 II 103 E. 1c; Urteil der Verwaltungsrekurskommission [VRKE]
IV-2016/141 vom 23. Februar 2017 E. 3, im Internet abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch). Die Verwaltungsbehörde hat vor allem dann auf die Tatsachen im
Strafurteil abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren ergangen ist (BGE 119 Ib
158 E. 3c/aa).
Bei der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts ist die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich nicht an das Strafurteil gebunden. Eine Ausnahme besteht dann, wenn
die rechtliche Beurteilung sehr stark von der Würdigung von Tatsachen abhängt, die
der Strafrichter besser kennt als die Verwaltung, etwa wenn er den Beschuldigten
persönlich einvernommen hat (BGE 119 Ib 158 E. 3c und 136 II 447 E. 3.1). Folglich ist
die Verwaltungsbehörde in Fällen, wo der Strafrichter seine Verfügung lediglich
aufgrund eines Polizeirapports und ohne untersuchungsrichterliche Einvernahme des
Betroffenen oder von Zeugen erlassen hat, nicht an die rechtliche Qualifikation des
Sachverhalts im Strafverfahren gebunden. Die Verwaltungsbehörde hat aber auch
dabei den Grundsatz der Vermeidung widersprüchlicher Urteile gebührend zu
berücksichtigen (BGer 1C_413/2014 vom 30. März 2015 E. 2.2 mit Hinweis auf
1C_424/2012 vom 15. Januar 2013 E. 2.3; vgl. auch VRKE IV-2016/2 vom 4. Juli 2016
E. 3b). Der Rekurrent wurde durch die Staatsanwaltschaft weder befragt noch hat diese
weitere Untersuchungen vorgenommen. Unter diesen Umständen war die Vorinstanz
nicht an die rechtliche Würdigung der Strafverfolgungsbehörde gebunden. Zu prüfen
bleibt gleichwohl, ob sie in Abweichung von der rechtlichen Qualifikation im
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Strafverfahren zu Recht von einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften ausgegangen ist.
4.- Eine schwere Widerhandlung begeht, wer durch grobe Verletzung von
Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf
nimmt (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Nach der Rechtsprechung ist der Tatbestand
objektiv erfüllt, wenn der Fahrzeugführer eine wichtige Verkehrsvorschrift in objektiv
schwerer Weise missachtet und die Verkehrssicherheit ernstlich gefährdet. Eine
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ist
bereits beim Vorliegen einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Die erhöhte
abstrakte Gefahr setzt die nahe liegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung oder
Verletzung voraus (BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.1).
Subjektiv erfordert der Tatbestand ein rücksichtsloses oder sonst schwerwiegend
regelwidriges Verhalten, d.h. ein schweres Verschulden, mindestens grobe
Fahrlässigkeit. Dies ist immer dann zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen
Gefährlichkeit seiner verkehrswidrigen Fahrweise bewusst ist. Grobe Fahrlässigkeit
kann aber auch vorliegen, wenn der Täter die Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
pflichtwidrig gar nicht in Betracht zieht, also unbewusst fahrlässig handelt. In solchen
Fällen bedarf die Annahme grober Fahrlässigkeit einer sorgfältigen Prüfung. Sie wird
nur zu bejahen sein, wenn das Nichtbedenken der Gefährdung anderer
Verkehrsteilnehmer ebenfalls auf Rücksichtslosigkeit beruht und daher besonders
vorwerfbar ist. Mit dem Begriff der Rücksichtslosigkeit wird eine besondere
Gleichgültigkeit bzw. ein bedenken- oder gewissenloses Verhalten gegenüber fremden
Rechtsgütern umschrieben, das nicht nur im bewussten "Sich-Hinwegsetzen", sondern
auch im blossen Nichtbedenken der Gefährdung fremder Interessen liegen kann (BGer
6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.1).
a) In tatsächlicher Hinsicht ist in Übereinstimmung mit den Strafakten und dem
Strafbefehl von folgendem unbestrittenen Sachverhalt auszugehen: Der Rekurrent
kollidierte bei der Ausfahrt vom Rösslikreisel in die Mattstrasse mit einem Fussgänger
auf dem Fussgängerstreifen. Der Fussgänger stürzte in der Folge und zog sich leichte
Verletzungen zu (vgl. act. 9/15). Gegenüber der Polizei führte der Rekurrent aus, dass
es plötzlich einen Knall gegeben und er etwas von rechts gesehen habe. Zunächst
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habe er nicht bemerkt, was passiert sei. Er habe sofort angehalten und gesehen, wie
eine Frau auf dem Trottoir am Auto vorbeigerannt sei, um einer Person hinter dem
Fahrzeug zu helfen. Erst da habe er realisiert, dass er mit dem Auto gegen einen
Fussgänger geprallt sei. Er sei höchstens 20 km/h gefahren und nicht abgelenkt
gewesen. Vor der Kollision habe er den Fussgänger nicht wahrgenommen; wenn dieser
schon länger beim Fussgängerstreifen gestanden wäre, dann hätte er ihn sicher
gesehen. Er glaube nicht, dass er den Unfall hätte verhindern können (act. 9/9 f.).
b) Gemäss Art. 33 Abs. 1 SVG ist den Fussgängern das Überqueren der Fahrbahn in
angemessener Weise zu ermöglichen. Vor Fussgängerstreifen hat der Fahrzeugführer
besonders vorsichtig zu fahren und nötigenfalls anzuhalten, um den Fussgängern den
Vortritt zu lassen, die sich schon auf dem Streifen befinden oder im Begriff sind, ihn zu
betreten (Abs. 2). Diese Regelung wird durch Art. 6 Abs. 1 der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV) konkretisiert: Der
Fahrzeugführer muss vor Fussgängerstreifen ohne Verkehrsregelung jedem
Fussgänger oder Benützer eines fahrzeugähnlichen Gerätes, der sich bereits auf dem
Streifen befindet oder davor wartet und ersichtlich die Fahrbahn überqueren will, den
Vortritt gewähren. Er hat die Geschwindigkeit rechtzeitig zu mässigen und nötigenfalls
anzuhalten, damit er dieser Pflicht nachkommen kann. Art. 6 Abs. 1 VRV verweist damit
auf die nach den Umständen angemessene Geschwindigkeit. Gemäss Art. 32 Abs. 1
SVG ist die Geschwindigkeit stets den Umständen anzupassen, namentlich den
Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie den Strassen-, Verkehrs- und
Sichtverhältnissen. Nach der Rechtsprechung darf die in Ortschaften zulässige
allgemeine Höchstgeschwindigkeit nach Art. 4a Abs. 1 VRV nur bei günstigen
Verhältnissen gefahren werden. Das Mass an Sorgfalt, das vom Fahrzeuglenker
verlangt wird, richtet sich nach den gesamten Umständen, namentlich der
Verkehrsdichte, den örtlichen Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und den
voraussehbaren Gefahrenquellen. Nach dem aus der Grundregel von Art. 26 Abs. 1
SVG abgeleiteten Vertrauensgrundsatz darf jeder Strassenbenützer darauf vertrauen,
dass sich die anderen Verkehrsteilnehmer ordnungsgemäss verhalten. Ein solches
Vertrauen ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich ein
Strassenbenützer nicht richtig verhalten wird oder wenn ein Fehlverhalten eines
anderen Verkehrsteilnehmers aufgrund einer unklaren Verkehrssituation nach der
allgemeinen Erfahrung unmittelbar in die Nähe rückt. Dies wird von Art. 26 Abs. 2 SVG
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dahingehend umschrieben, dass besondere Vorsicht geboten ist gegenüber Kindern,
Gebrechlichen und alten Leuten, ebenso wenn Anzeichen dafür bestehen, dass sich
ein Strassenbenützer nicht richtig verhalten wird. Bei Art. 32 Abs. 1, Art. 33 Abs. 1 und
2 SVG, Art. 4 Abs. 1 und 6 Abs. 1 VRV handelt es sich um grundlegende
Verkehrsregeln. Sie sind wesentlich für die Gewährleistung der Sicherheit des
Strassenverkehrs (vgl. zum Ganzen BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.4);
deren Missachtung führt regelmässig zu schweren Unfällen (vgl. BGer 1C_327/2012
vom 27. März 2013 E. 2.2 mit Hinweis auf 6A.80/2006 vom 24. Januar 2007 E. 3.3).
c) Der Fussgänger zog sich bei der Kollision Prellungen an beiden Knien, zwei
Rippenbrüche auf der linken Seite, Verstauchungen zweier Finger und eine Schürfung
im Gesicht zu. Er wurde demnach nicht nur gefährdet, sondern verletzt. Eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer lag damit vor und der objektive Tatbestand der
schweren Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG ist erfüllt. Zu prüfen bleibt
die Frage des Verschuldens.
d) Eine schwere Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG liegt nur dann vor,
wenn dem Rekurrenten zusätzlich ein schweres Verschulden, mindestens grobe
Fahrlässigkeit, vorzuwerfen ist.
Der Umfang der Sorgfalt, welchen der Fahrzeugführer zu beachten hat, richtet sich
nach den einschlägigen Bestimmungen des SVG und der VRV. Er muss Sicht auf die
gesamte Strasse und das Trottoir in der Nähe des Fussgängerstreifens haben und hat
– sofern dies nicht der Fall ist – die Geschwindigkeit so zu verlangsamen, dass er
jederzeit bei überraschend auftauchenden Fussgängern anhalten kann (Philippe
Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 33 SVG N 5). Kann der
Fussgängerstreifen nicht voll überblickt werden, ist mit Fussgängern im verdeckten
Bereich stets zu rechnen (BGer 6P.54/2002 vom 22. November 2002 E. 2.2.5).
Der Rekurrent kam von Rossrüti, überquerte die Rudenzburgkreuzung, fuhr auf der
Toggenburgerstrasse, lenkte sein Fahrzeug in den Rösslikreisel und nahm dort die
erste Ausfahrt in die Mattstrasse. Der Fussgängerstreifen befindet sich wenige Meter
nach der Kreiselausfahrt, ist durch eine Verkehrsinsel geteilt und in der Mitte
ordnungsgemäss mit der Tafel "Standort eines
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Fussgängerstreifens" (Signalisationsverordnung, SR 741.21, Anhang 2, 4.11)
signalisiert (vgl. act. 9/7). Am Unfalltag war die Fahrbahn trocken bei bedeckter
Witterung. Die Sicht war nicht eingeschränkt (vgl. act. 9/4). Der Fussgänger führte bei
der polizeilichen Einvernahme aus, er sei von der Rudenzburgkreuzung her gekommen
und habe den Fussgängerstreifen auf der Mattstrasse beim Rösslikreisel überqueren
wollen. Etwa einen halben Meter vor dem Fussgängerstreifen habe er nach links und
nach rechts geschaut. Da die Fahrbahn frei gewesen sei und keine Fahrzeuge
gekommen seien, sei er losgegangen. Er habe den Fussgängerstreifen eher rechts
betreten. Nach ca. 1-2 Schritten habe es einen Knall gegeben und ein Fahrzeug habe
ihn erwischt. Es sei sehr schnell gegangen, weshalb er nicht genau wisse, was genau
geschehen sei. Das Fahrzeug habe er erst wahrgenommen, als er wieder aufgestanden
sei (vgl. act. 9/13). Der Rekurrent fuhr gemäss eigenen Angaben mit einer
Geschwindigkeit von ca. 20 km/h und sah den Fussgänger bis zum Aufprall nicht. Er
meinte vor der Polizei, schneller gehe es dort fast nicht (vgl. act. 9/9).
Der Fussgängerstreifen befindet sich an einer übersichtlichen Stelle, wenige Meter
nach dem Kreisel. Entgegen den Ausführungen des Rekurrenten ist dieser nicht
besonders klein oder eng. Immerhin befindet sich nach dem Fussgängerstreifen die
Bushaltestelle Rössli, an welcher die Busse der Linie 703, 732 und 738 halten (vgl.
Fahrplan der WilMobil, im Internet abrufbar unter: http://www.busost.ch/fahrplan).
Diese befahren den Kreisel ebenfalls. Da der Rekurrent den Fussgänger bis zum
Aufprall nicht gesehen hat, ist davon auszugehen, dass er dem Verkehr und
insbesondere dem Fussgängerstreifen nicht die notwendige Beachtung schenkte.
Hinzu kommt, dass innerorts und zu gegebener Zeit mit Fussgängern zu rechnen ist
und sich überdies nach Kreiselausfahrten regelmässig Fussgängerstreifen befinden.
Unter den gegebenen Umständen hätte der Rekurrent, nachdem er in den Kreisel
gefahren war, seine volle Aufmerksamkeit dem Fussgängerstreifen und allfälligem
Verkehr von Passanten zuwenden müssen. Hätte er dies getan, hätte er den
Fussgänger sehen müssen, denn dieser bewegte sich bis zum Fussgängerstreifen
parallel zur Fahrbahn auf dem Trottoir. Dieser Umstand hätte den Rekurrenten zu
erhöhter Vorsicht veranlassen müssen. Aus dem Strafbefehl vom 14. Dezember 2016
ergeben sich zudem keine Hinweise, dass der Fussgänger den Fussgängerstreifen
überraschend betreten hätte. Vielmehr wird dem Rekurrenten vorgeworfen, den
vortrittsberechtigten Fussgänger auf dem Fussgängerstreifen übersehen zu haben (vgl.
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act. 9/15). Überdies bewegen sich ältere Personen in der Regel langsamer fort als
jüngere Fussgänger, weshalb es fraglich erscheint, ob der 78-jährige Fussgänger den
Fussgängerstreifen überraschend betreten und damit Art. 49 Abs. 2 SVG verletzt hat
(vgl. BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.8). Abgesehen davon gibt es im
Administrativmassnahmenrecht – gleich wie im Strafrecht – keine Schuldkompensation
(vgl. BGer 6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.3; VRKE IV-2011/27 vom 30. Juni
2011 E. 3d). Dies bedeutet, dass die einem Fahrzeuglenker anzulastende
Sorgfaltspflichtverletzung durch ein allfälliges schuldhaftes Verhalten eines Dritten
grundsätzlich nicht beseitigt werden kann. Ein Drittverschulden, welches derart schwer
wiegen würde, dass es den Tatbeitrag des Rekurrenten in den Hintergrund drängen
und dessen Verschulden in einem günstigeren Licht erscheinen lassen würde, ist nicht
ersichtlich und wurde auch im Strafbefehl nicht erwähnt (vgl. BGer 6B_377/2007 vom
6. Februar 2008 E. 2.3 und 6B_16/2008 vom 11. April 2008 E. 3.2 f.). Schliesslich
wurde das Fahrzeug des Rekurrenten gemäss Polizeirapport vom 24. November 2016
durch den Unfall an der Windschutzscheibe, am rechten Seitenspiegel und am
vorderen rechten Kotflügel beschädigt (vgl. act. 9/3). Daraus lässt sich jedoch ebenfalls
nicht ableiten, dass der Fussgänger den Fussgängerstreifen überraschend betrat.
Mithin lässt auch das Schadenbild am Fahrzeug das Verschulden des Rekurrenten
nicht in einem günstigeren Licht erscheinen (vgl. unten).
Der Fahrzeugführer hat die Pflicht, vor Fussgängerstreifen besonders vorsichtig und
aufmerksam zu fahren. Hätte der Rekurrent sein Augenmerk auf das ganze
Verkehrsgeschehen und damit auch auf den Fussgängerstreifen gerichtet, hätte er den
Fussgänger aufgrund der örtlichen Verhältnisse rechtzeitig bemerkt und angemessen
reagieren können. Es genügt für die Annahme einer groben Fahrlässigkeit, dass der
Rekurrent in einer momentanen Unachtsamkeit nicht bedachte, mit seiner
Unaufmerksamkeit Leib und Leben anderer Verkehrsteilnehmer zu gefährden,
namentlich vortrittsberechtigter Fussgänger, mit denen er auf einem
Fussgängerstreifen rechnen musste (vgl. BGer 1C_402/2009 vom 17. Februar 2010
E. 4.4). Er war in hohem Masse unaufmerksam, verletzte damit seine erhöhte
Vorsichtspflicht grob und missachtete elementare Sorgfaltsregeln in schwerer Weise.
Sein Fehlverhalten ist deshalb als rücksichtslos und grobfahrlässig einzustufen,
weshalb beim subjektiven Tatbestand von Grobfahrlässigkeit auszugehen ist (vgl. BGer
6B_377/2007 vom 6. Februar 2008 E. 2.9).
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e) Zusammengefasst ist daher nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von der
rechtlichen Beurteilung durch die Strafbehörden abwich und das Verhalten des
Rekurrenten als schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im
Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG qualifizierte.
5.- Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Der Führerausweis
wird nach einer schweren Widerhandlung für mindestens drei Monate entzogen
(Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG). Diese Mindestentzugsdauer hat die Vorinstanz verhängt,
weshalb die angefochtene Verfügung auch hinsichtlich der Massnahmedauer zu
bestätigen ist.
6.- Somit ist der Rekurs abzuweisen. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.– ist
damit zu verrechnen.
Bei diesem Ausgang besteht kein Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98 VRP).