Decision ID: 9ef13a06-573c-443a-8c85-44ac9f90429e
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Werner Bodenmann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 16. Februar 2007 zum Bezug von IV-Rentenleistungen an.
In der Anmeldung brachte er vor, an einer Immunkrankheit und an Depressionen zu
leiden (act. G 6.1.67). Der behandelnde Dr. B._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, diagnostizierte im Bericht vom 4. April 2007 mit Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit einen Morbus Behçet, ein mittelgradig depressives
Zustandsbild ohne psychotische Symptome bei "rez. depressiven Episoden" (ICD-10:
F33.2) mit Angstsymptomen, eine Persönlichkeit mit ängstlich vermeidendem Verhalten
(ICD-10: F60.6) sowie einen Verdacht auf eine somatoforme Schmerstörung (ICD-10:
F45.0). Seit März 2006 sei der Versicherte in der angestammten Tätigkeit als
Fabrikmitarbeiter zu 100% arbeitsunfähig. Andere Tätigkeiten seien ihm nicht zumutbar
(act. G 6.1.56).
A.b Die IV-Stelle orientierte den Versicherten am 12. November 2007 über die in
Auftrag gegebene Begutachtung bei der ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH
(act. G 6.1.48). Im Schreiben vom 15. November 2007 lehnte der Versicherte eine
Begutachtung bei der ABI ab (act. G 6.1.47). In der Zwischenverfügung vom
6. Dezember 2007 entschied die IV-Stelle, dass an der ABI als Abklärungsstelle
festgehalten werde (act. G 6.44). Dagegen erhob der Versicherte am 8. Januar 2008
Beschwerde, die er am 16. April 2008 zurückzog (vgl. Abschreibungsverfügung des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 18. April 2008, act. G 6.1.30).
A.c Vom 6. Mai bis 2. Juni 2008 befand sich der Versicherte zur psychosomatischen
Rehabilitation in der Luisenklinik, Reha-Abteilung für psychische und
psychosomatische Erkrankungen. Die dort behandelnden Ärzte stellten folgende
Diagnosen: Anpassungsstörung, depressiv (ICD-10: F43.21) bei Morbus Behçet
(ICD-10: M35.2); eine Zolpidem-Abhängigkeit, hier entzogen (ICD-10: F13.21); ein G-6-
PD-Mangel ohne Anämie (ICD-10: D55.0). Trotz Besserung der depressiven
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Stimmungslage bestehe "zunächst aufgrund der Behçet-bedingten Schmerzen
weiterhin" eine Arbeitsunfähigkeit (Austrittsbericht der Luisenklinik vom 6. Juni 2008,
act. G 6.1.21-2 ff.).
A.d Am 21. November 2008 wurde der Versicherte in der ABI polydisziplinär
(internistisch, psychiatrisch und rheumatologisch) untersucht. Im Gutachten vom
16. Dezember 2008 diagnostizierten die Experten mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
eine leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden ein Morbus Behçet (ICD-10: M32.2), eine Periarthropathia Coxae beidseits
(ICD-10: M24.8), ein Nikotinabusus (ICD-10: F17.1) sowie eine Leukozytose unklarer
Aetiologie (ICD-10: D72.8). Aufgrund der leichten depressiven Episode bestehe aus
psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20%. Aus
rheumatologischer, internistischer und "anderweitiger somatischer" Sicht könne keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden. Die 80%ige
Restarbeitsfähigkeit für die angestammte wie auch andere leichte bis mittelschwere
Tätigkeiten könne vollschichtig umgesetzt werden. Die 20%ige Einschränkung könne
ab dem Zeitpunkt der ABI-Untersuchung (November 2008) bestätigt werden.
Retrospektiv bescheinigten die ABI-Gutachter ab dem März 2006 bis zum Oktober
2008 über die Zeit gemittelt eine maximale 50%ige Arbeitsunfähigkeit aus
psychiatrischer Sicht (act. G 6.1.17-2 ff.).
A.e Mit Vorbescheid vom 15. Mai 2009 stellte die IV-Stelle dem Versicherten in
Aussicht, einen Rentenanspruch zu verneinen. Unter Berücksichtigung einer 80%igen
Restarbeitsfähigkeit ermittelte sie einen Invaliditätsgrad von 20% (act. G 6.1.13).
A.f Im dagegen gerichteten Einwand vom 15. Juni 2009 beantragte der Versicherte
eine Invalidenrente basierend auf einem 50%igen Invaliditätsgrad. Eventualiter sei ihm
für den Zeitraum vom 1. März 2007 bis 30. November 2008 eine Invalidenrente
basierend auf einem 50%igen Invaliditätsgrad zuzusprechen. Allenfalls seien weitere
medizinische Abklärungen vorzunehmen. Er führte aus, dass gestützt auf das ABI-
Gutachten zumindest für die Dauer vom 1. März 2006 bis 20. November 2008 von einer
50%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Für die Zeit danach sei keine
Verbesserung ausgewiesen. Aus der Stellungnahme des behandelnden Psychiaters
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zum ABI-Gutachten (vgl. hierzu Stellungnahme vom 8. Juni 2009, act. G 6.1.11) gehe
hervor, dass die gutachterliche Beurteilung nicht beweistauglich sei (act. G 6.1.10).
A.g In Auseinandersetzung mit den einwandweise vorgebrachten Rügen am ABI-
Gutachten kam der RAD-Arzt in der Stellungnahme vom 8. Juli 2009 zum Schluss,
dass auf das ABI-Gutachten abgestellt werden könne und kein weiterer
Abklärungsbedarf bestehe (act. G 6.1.9). Am 10. Juli 2009 verfügte die IV-Stelle
entsprechend dem Vorbescheid und lehnte einen Rentenanspruch des Versicherten ab
(act. G 6.1.6).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 10. Juli 2009 richtet sich die vorliegend zu beurteilende
Beschwerde vom 14. September 2009. Der Beschwerdeführer beantragt unter Kosten-
und Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer Invalidenrente
basierend auf einem 50%igen Invaliditätsgrad. Eventualiter sei ihm für den Zeitraum
vom 1. März 2007 bis 30. November 2008 eine Invalidenrente basierend auf einem
50%igen Invaliditätsgrad zuzusprechen. Es seien zur Feststellung des
Arbeitsfähigkeitsgrades weitere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten. Die
Begründung lautet im Wesentlichen gleich wie diejenige des Einwands vom 15. Juni
2009. Ergänzend bringt der Beschwerdeführer vor, dass die Ausführungen des RAD in
der Stellungnahme vom 8. Juli 2009 nicht zutreffend seien (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 9. November
2009 die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung stellt sie sich auf den
Standpunkt, dass das ABI-Gutachten beweiskräftig sei. Betreffend den Zeitraum vor
der ABI-Begutachtung vom 21. November 2008 führt sie aus, der Beschwerdeführer
habe es zu verantworten, dass die ABI-Begutachtung nicht vorher stattgefunden habe.
Seit 2006 sei der Morbus Behçet vollständig ausgeheilt. Es sei davon auszugehen,
dass die Arbeitsunfähigkeit bei einer zumutbaren Wiederaufnahme der Arbeit bereits im
Sommer 2006 schrittweise hätte gesteigert werden können. Auf jeden Fall bestehe
spätestens seit Herbst 2006 keine rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit mehr (act.
G 6).
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B.c In der Replik vom 19. Januar 2010 hält der Beschwerdeführer unverändert an
seinen Anträgen fest. Es sei bezeichnend, dass die Beschwerdegegnerin selbst
einräume, dass für den Zeitraum vor dem 21. November 2008 eine rückwirkende
Beurteilung nicht möglich sei. Dies dürfe allerdings nicht dazu führen, dass für den
entsprechenden Zeitraum von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werde.
Zudem sei es nicht richtig, dass die Experten der Luisenklinik eine vollständige
Ausheilung des Morbus Behçet festgestellt hätten (act. G 12).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Duplik verzichtet (act. G 14).

Erwägungen:
1. Zwischen den Parteien ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers streitig.
2. Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten
Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20),
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG;
SR 830.1) in Kraft getreten. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine
übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu
legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die
angefochtene Verfügung ist am 10. Juli 2009 (act. G 6.1.6) ergangen, wobei ein
Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen
der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Entsprechend den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln ist für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die damals
geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-
Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese übergangsrechtliche Lage
zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5. IV-Revision hinsichtlich des
Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine substantiellen Änderungen gegenüber
der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage gebracht hat. Neu normiert wurde
demgegenüber der Zeitpunkt des Rentenbeginns, der, sofern die entsprechenden
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Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (Art. 28 Abs. 1 IVG), gemäss Art. 29 Abs. 1
IVG frühestens 6 Monate nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29
Abs. 1 ATSG entsteht. Da ein allfälliger Rentenanspruch im vorliegend zu beurteilenden
Fall vor dem 1. Januar 2008 entstanden wäre, wirkt sich diese Neuerung auf den hier
zu prüfenden Fall nicht aus (IV-Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007; Urteil
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5,
E. 2, bestätigt in Urteil des Bundesgerichts vom 12. Februar 2010, 9C_1029/09).
Nachfolgend werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und
IVG wiedergegeben, soweit nicht ausdrücklich auf die altrechtlichen Bestimmungen
verwiesen wird.
2.1 Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich bleibende oder
länger dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Nach Art. 28 Abs. 2 IVG
bzw. aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung) hat die
versicherte Person Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70%, auf
eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie
mindestens zu 50% oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid
ist.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, die aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
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besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
3. Vorab ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der angefochtenen Verfügung vom 10. Juli
2009 (act. G 6.1.6) auf das ABI-Gutachten vom 16. Dezember 2008 (act. G 6.1.17). Der
Beschwerdeführer hält dieses aus verschiedenen Gründen für nicht beweiskräftig.
3.1 Der Beschwerdeführer bringt gegen das ABI-Gutachten vor, dass es sich nicht
mit den Einschätzungen des behandelnden Psychiaters vereinbaren lasse (G 1, S. 5).
Dieser hielt weder die angestammte noch andere Tätigkeiten für zumutbar und
bescheinigte dem Beschwerdeführer seit März 2006 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
(act. G 6.1.56). Am 8. Juni 2009 nahm er kritisch Stellung zum ABI-Gutachten (act.
G 6.1.11).
3.1.1 Mit Blick auf psychische Leiden gilt es zu beachten, dass - behandelnde
und begutachtende - Psychiater, mit der gleichen Person als Patientin oder
Explorandin in verschiedenen Zeitpunkten und Situationen konfrontiert, zu
unterschiedlichen Beurteilungen der psychischen Beeinträchtigungen und -
invalidenversicherungsrechtlich entscheidend - deren Schweregrades mitsamt den sich
daraus ergebenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit gelangen können. Diese in
der Natur der Sache begründete weitgehend fehlende Validierbarkeit ("Reliabilität")
psychiatrischer Diagnosen, namentlich im depressiven Formenkreis sowie bei den
neurotischen, Belastungs- und somatoformen Störungen gemäss ICD-10, kann nicht
automatisch zu Beweisweiterungen bei sich widersprechenden psychiatrischen
Berichten und Expertisen führen, sofern die gutachterliche Einschätzung die
Anforderungen an beweiskräftige Gutachten erfüllt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
29. September 2009, 9C_661/09, E. 3.2).
3.1.2 Der psychiatrische ABI-Gutachter berücksichtigte die Feststellungen des
behandelnden Psychiaters und setzte sich damit - wenn auch knapp - auseinander
(act. G 6.1.17-12). In der Kritik des behandelnden Psychiaters vom 8. Juni 2009
benennt dieser keine objektiven Gesichtspunkte, die anlässlich der ABI-Begutachtung
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unberücksichtigt geblieben wären. Vielmehr bemängelt er das gutachterliche Vorgehen.
Es habe eine "komplementäre Gegenübertragung" stattgefunden. Der Gutachter habe
aus der Untersuchung nur das herausfinden wollen, was für eine Arbeitsfähigkeit
spreche. Dies zeige sich etwa aus der gutachterlichen Umschreibung der
psychopathologischen Befunde (act. G 6.1.11). Dem kann nicht gefolgt werden. Die
psychopathologische Befunderhebung ist sachlich gehalten. Es bestehen keine
Anhaltspunkte für ein gezielt zulasten des Beschwerdeführers gewähltes Vorgehen. Der
Gutachter hat auch nicht bloss "positive Aspekte" berücksichtigt. Vielmehr beschrieb
er einen verlangsamten Gang, leichte Resignation und Enttäuschung. Er nahm auch die
geklagten Morgentiefs, die gesteigerte Ermüdbarkeit, Konzentrationsstörungen, Sorgen
sowie Ängste zur Kenntnis. Die Stimmung wurde als leicht depressiv beschrieben (act.
G 6.1.17-10). Hinzu kommt, dass die von Dr. B._ aufgezählten "positiven Aspekte" in
der eigentlichen Beurteilung nicht erwähnt werden, sondern der Gutachter den Akzent
vielmehr auf die einschränkenden Gesichtspunkte legte (act. G 6.1.17-10 f.). Im
Übrigen lässt sich die Befunderhebung des ABI-Gutachters weitgehend mit derjenigen
von Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 2. Juni
2006 (act. G 6.2), mit derjenigen der Klinik Gais vom 11. Januar 2007 (act. G 6.1.50)
sowie der Luisenklinik vom 6. Juni 2008 (act. G 6.1.21-5) vereinbaren.
3.1.3 Dr. B._ rügt ferner, dass bei der psychiatrischen ABI-Begutachtung der
Fokus auf eine schädliche Benzodiazepin- und Hypnotika-Einnahme gelegt worden sei
(act. G 6.1.11-2). Bei diesem Vorbringen wird übersehen, dass der ABI-Gutachter zwar
Erwägungen zur einer regelmässigen Benzodiazepin- und Hypnotika-Einnahme machte
(diese könnten die depressive Symptomatik verstärken) und Anzeichen für einen
schädlichen Gebrauch sah. Hingegen spielten diese Ausführungen für die
gutachterliche diagnostische Beurteilung keine Rolle. Sie fanden auch keinen
Niederschlag in der Einschätzung der verbliebenen Leistungsfähigkeit (act.
G 6.1.17-11).
3.1.4 Insoweit der behandelnde Psychiater die im ABI-Gutachten enthaltenen
Vorschläge für medizinische Massnahmen in Frage stellt (act. G 6.1.11-2), erübrigen
sich Weiterungen. Denn die entsprechenden Vorschläge stehen nicht im
Zusammenhang mit der vorliegend wesentlichen Beurteilung der Restleistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers.
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3.1.5 Schliesslich bezeichnet der behandelnde Psychiater die
Arbeitsfähigkeitsschätzung von 80% "als schlechter Hohn" und verweist zur
Begründung auf das fehlgeschlagene Care Management mit der
Krankentaggeldversicherung und dem ehemaligen Arbeitgeber (act. G 6.1.11). Aus dem
Kündigungsschreiben des ehemaligen Arbeitgebers vom 22. September 2006 ergibt
sich, dass der damalige Arbeitsversuch hauptsächlich wegen des Verhaltens des
Beschwerdeführers sowie der Zerstörung des Vertrauensverhältnisses scheiterte (der
Beschwerdeführer habe sich im Rahmen eines von der Krankentaggelversicherung
begleiteten Arbeitsversuchs geweigert, an den Arbeitsplatz zurückzukehren; ferner ist
er an eine Besprechung des weiteren Vorgehens ohne Abmeldung nicht erschienen,
act. G 6.1.62-5). Allein schon aus diesem Grund lässt der gescheiterte Arbeitsversuch
keinen Zweifel am ABI-Gutachten entstehen.
3.2 Gegen das ABI-Gutachten führt der Beschwerdeführer den Bericht der
Luisenklinik vom 6. Juni 2008 ins Feld (G 1, S. 5 f.). Darin wurde im Wesentlichen eine
depressive Anpassungsstörung (ICD-10: F43.21) festgestellt. Unter Verweis auf das
Gutachten der Klinik Gais vom 1. November 2007 (richtig: 11. Januar 2007; vgl. zur
Arbeitsfähigkeitsschätzung act. G 6.1.50-4) wurde der Beschwerdeführer für weiterhin
vollständig arbeitsunfähig gehalten (act. G 6.1.21-8). Die Experten der Klinik Gais
begründeten die "sicherlich weitgehende" Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mit der
"noch deutlich ausgeprägt depressiv ängstlich gefärbten Verfassung" sowie den nach
wie vor bestehenden Schmerzbeschwerden, mit denen der Beschwerdeführer in seiner
derzeitigen Verfassung nicht umgehen könne (act. G 6.1.50-4). Es erscheint fraglich, ob
diese Verfassung und der beschriebene mangelhafte Umgang mit den Schmerzen für
die Bescheinigung einer vollständigen invalidenversicherungsrechtlich relevanten
Arbeitsunfähigkeit ausreichen. Vorliegend ist entscheidend, dass sich der
psychiatrische ABI-Gutachter mit den Einschätzungen der Luisenklinik und der Klinik
Gais - wenn auch knapp - auseinandersetzte (act. G 6.1.17-12). Hinzu kommt, dass
sich aus dem von der Luisenklinik und der Klinik Gais erhobenen Psychostatus keine
Gesichtspunkte ergeben, die anlässlich der psychiatrischen ABI-Begutachtung ausser
Acht gelassen worden wären (vgl. vorstehende E. 3.1.2). Ergänzend kann auf die
plausiblen RAD-Stellungnahmen vom 25. August 2008 (act. G 6.1.20) und vom 8. Juli
2009 (act. G 6.1.9) verwiesen werden.
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3.3 Gegen den rheumatologischen Teil des ABI-Gutachtens, worin eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigt wird (act. G 6.1.17-16), bringt der Beschwerdeführer keine
Rügen vor. Es ergibt sich auch aus den Akten keine Veranlassung, am
rheumatologischen Teilgutachten zu zweifeln, zumal sich die darin geäusserte
Einschätzung mit den früheren rheumatologischen Beurteilungen deckt (vgl. Berichte
von Dr. med. D._, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie FMH, vom
30. August 2006, und von Dr. med. E._, Fachärztin für Innere Medizin und
Rheumatologie FMH, vom 26. April 2006, act. G 6.2).
3.4 Bei der Würdigung des ABI-Gutachtens fällt weiter ins Gewicht, dass es auf um-
fassenden polydisziplinären Untersuchungen beruht, das gesamte Leidensbild des
Beschwerdeführers berücksichtigt und die auf dieser Grundlage gezogenen Schlüsse
nachvollziehbar sind. Vor diesem Hintergrund ist ein weiterer Abklärungsbedarf zu
verneinen.
4.
Nach dem Gesagten ist gestützt auf das ABI-Gutachten vom 16. Dezember 2008
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer für die angestammte und andere
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten grundsätzlich über eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
verfügt, indessen retrospektiv für die Zeit von März 2006 bis zum Oktober 2008 "über
die Zeit gemittelt" eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (act. G 6.17-18).
Dieser Einschätzung pflichtete der RAD-Arzt ausdrücklich bei mit der zusätzlichen
Begründung, dass in der Zeitspanne März 2006 bis November 2008 noch kein stabiler
Gesundheitszustand gegeben gewesen sei (Bericht vom 15. Januar 2009, act. G 6.16).
Hinzu kommt, dass echtzeitliche Arztberichte in dieser Zeitspanne von jedenfalls 50%
Arbeitsunfähigkeit ausgehen (vgl. Gutachten Dr. C._ vom 2. Juni 2006, act. G 6.2
Fremdakten, Gutachten Klinik Gais vom 11. Januar 2007, act. G 6.50; Austrittsbericht
der Lusienklinik vom 6. Juni 2008 betreffend die stationäre Behandlung vom 6. Mai bis
2. Juni 2008, act. G 6.21). Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen.
4.1 Für den Erwerbsbereich ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 28 IVG aufgrund
eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Dazu wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
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Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (sogenanntes Valideneinkommen).
4.2 Unter Berücksichtigung des im Jahr 2005 gemäss IK-Auszug erzielten
Einkommens von Fr. 62'284.-- (act. G 6.1.64) resultiert nach Anpassung an die bis
2008 eingetretene Nominallohnentwicklung (2006: + 1.2%, 2007: + 1.6%, 2008:
+ 2.0%) ein Valideneinkommen von Fr. 65'321.--.
4.3 Die Ermittlung des Invalideneinkommens von Fr. 51'744.-- nahm die
Beschwerdegegnerin auf der Grundlage eines Valideneinkommens von Fr. 64'680.--
vor.
4.3.1 Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht, sofern
kumulativ besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass die versicherte Person die ihr verbleibende Leistungsfähigkeit in zumutbarer
Weise voll ausschöpft und das Einkommen aus der Arbeitsleistung angemessen und
nicht als Soziallohn erscheint. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen
hat, so ist rechtsprechungsgemäss auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt
für Statistik periodisch herausge-gebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen
(BGE 129 V 475 E. 4.2.1 mit Hinweisen).
4.3.2 Da der Beschwerdeführer unbestrittenermassen keine Erwerbstätigkeit
mehr ausübt, ist nach dem Gesagten für die Bemessung des Invalideneinkommens auf
die LSE-Tabellenlöhne abzustellen. Gemäss Tabelle TA1, 2008, Total,
Anforderungsniveau 4, Männer, betrug das durchschnittliche monatliche Einkommen
Fr. 4'806.--. Angepasst an eine betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von
41.6 Stunden für das Jahr 2008 resultiert ein monatliches Einkommen von Fr. 4'998.--
bzw. ein Jahreseinkommen von Fr. 59'976.--.
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4.3.3 Wird zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf die LSE-Tabellenlöhne
abgestellt, so kann zusätzlich ein Abzug vom Invalideneinkommen von maximal 25%
(Leidensabzug oder auch Tabellenabzug genannt) vorgenommen werden (eingehend
hierzu BGE 129 V 481 E. 4.2.3). Mit Blick auf das noch nicht weit fortgeschrittene Alter
des Beschwerdeführers, auf die teilweise Restleistungsfähigkeit, deren Verwertung
aber auch bei mittelschweren Tätigkeiten zumutbar ist, sowie auf die nicht
weitgehenden Anforderungen an zumutbare Stellen erscheint ein Tabellenabzug von
höchstens 10% als angemessen.
4.3.4 Für die Dauer von März 2006 bis und mit Oktober 2008 bescheinigten die
ABI-Gutachter eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit (act. G 6.1.17-18). Bei einer 50%igen
Restarbeitsfähigkeit und einem 10%igen Tabellenabzug resultiert ein
Invalideneinkommen von Fr. 26'989.-- (Fr. 59'976.-- x 0.5 x 0.9), eine Erwerbseinbusse
von Fr. 38'332.-- (Fr. 65'321.-- - Fr. 26'989.--) und ein Invaliditätsgrad von aufgerundet
59% ([Fr. 38'332.-- / Fr. 65'321.--] x 100). Bei einem Invaliditätsgrad von 59% hat der
Beschwerdeführer einen Anspruch auf eine halbe Rente. Unter Berücksichtigung der
einjährigen Wartefrist gemäss aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der bis 31. Dezember 2007
gültigen Fassung) beginnt der Rentenanspruch am 1. März 2007. Die 50%ige
Restarbeitsfähigkeit endet am 31. Oktober 2008 ("bis zum Oktober 2008" 50%ige
Arbeitsunfähigkeit, "ab November 2008 bis auf weiteres" 20%ige Arbeitsunfähigkeit,
act. G 6.1.17-18). In Nachachtung der bei der Rentenanpassung gemäss Art. 88a
Abs. 1 IVV geltenden dreimonatigen Frist und mit Blick darauf, dass gemäss Art. 19
Abs. 3 ATSG Renten für den ganzen Kalendermonat im Voraus ausbezahlt werden,
endet der Anspruch auf eine halbe Rente am 31. Januar 2009. Die
Beschwerdegegnerin wendet gegen einen befristeten Rentenanspruch ein, dass dieser
wegen der vom Beschwerdeführer im Rahmen der Gutachtensanordnung gewählten
Verzögerungstaktik konstruiert und nicht gerechtfertigt sei (act. G 6). Dabei verkennt sie
indessen, dass für die Beurteilung des Rentenanspruchs allein die medizinisch
bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von Bedeutung ist - welche die Beschwerdegegnerin
nicht substanziiert in Zweifel zieht - und nicht das Verhalten des Beschwerdeführers im
Vorfeld einer Begutachtung. Sowohl gutachterlich wie auch durch echtzeitliche
Arztberichte wurde jedenfalls eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (vgl.
vorstehende E. 4). Es bestehen im Übrigen keine Anhaltspunkte dafür, dass die
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Gutachter oder der RAD bei einer früher stattgefundenen Untersuchung zu einer für
den Beschwerdeführer ungünstigeren Einschätzung gekommen wären.
4.3.5 Unter Berücksichtigung der ab November 2008 gutachterlich bescheinigten
80%igen Restleistungsfähigkeit und eines 10%igen Tabellenabzugs resultiert ein
Invalideneinkommen von Fr. 43'183.-- (Fr. 59'976.-- x 0.8 x 0.9), eine Erwerbseinbusse
von Fr. 22'138.-- (Fr. 65'321.-- - Fr. 43'183.--) und ein nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 34% ([Fr. 22'138.-- / Fr. 65'321.--] x 100). Demnach besteht ab
1. Februar 2009 kein Rentenanspruch mehr.
5.
5.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
10. Juli 2009 aufzuheben und dem Beschwerdeführer ist rückwirkend eine halbe Rente
für die Zeit vom 1. März 2007 bis 31. Januar 2009 zuzusprechen. Die Sache ist zur
Festsetzung und Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der
Gutheissung des Eventualantrags des Beschwerdeführers bzw. dem teilweisen
Obsiegen entsprechend bezahlen die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführer
die Gerichtsgebühr je im Betrag von Fr. 300.--. Der geleistete Kostenvorschuss von
Fr. 600.-- ist dem Beschwerdeführer im Umfang von Fr. 300.-- daran anzurechnen und
im Umfang von Fr. 300.-- zurückzuerstatten.
5.3 Da der Beschwerdeführer teilweise obsiegt, hat er einen reduzierten Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist. Bei vollständigem Obsiegen wäre eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) angemessen. Wegen des nur teilweisen
Obsiegens erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 1'750.-- als gerechtfertigt. Die
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Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer somit eine Parteientschädigung von
Fr. 1'750.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP