Decision ID: ad7ba395-c5c3-5c30-8768-78a8a1174c87
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 6./9. Dezember 2011 (IV-act. 1) zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung an. Sie habe die Grundschule im Heimatland besucht und sei
in der Schweiz seit 1989 als Produktionsmitarbeiterin tätig. Sie sei Mutter von zwei
Kindern (geboren 19_ und 19_). Seit 2010 leide sie an einer Diskushernie.
A.a.
Gemäss dem Gesprächsprotokoll vom 3. Januar 2012 (IV-act. 11 und 14) gab
Dr. med. B._, FMH Allgemeine Medizin, dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
Invalidenversicherung als Diagnosen bekannt (verkürzt wiedergegeben): lumbale
Diskushernie L4/5, L5/S1, ausgedehnte Lungenembolie, Entwicklung einer depressiven
Komponente. Die Versicherte sei seit dem 10. August 2011 voll arbeitsunfähig. -
Dr. med. C._, Facharzt FMH für Neurochirurgie, hatte in einem Bericht vom
2. Dezember 2011 (IV-act. 12) als Diagnose einen Verdacht auf ein
Facettengelenkssyndrom rechtsseitig bei Status nach mikrochirurgischer Fenestration
L4 - S1 links am 22. September 2011 angegeben. Es liege noch eine massive
Einschränkung der Rückenbeweglichkeit vor (Finger-Boden-Abstand [FBA] 50 cm). Die
Facettenprovokationszeichen an der LWS seien rechts und links positiv. Eine Lähmung
bestehe ganz leicht bei der Grosszehen-Hebung und bei der Fuss-Hebung. Rechts
bestehe infolge der linksseitigen Fenestration ein statisches Problem. Wegen der
Antikoagulation dürfe er zurzeit (bis mindestens März 2012) keine [nötigen]
Facetteninfiltrationen durchführen. Bis Dezember 2011 habe er die Versicherte
krankgeschrieben; danach wolle sie selber einen Arbeitsversuch mit einem Pensum
von 50 % starten. In der Arbeitgeberbescheinigung vom 10. Januar 2012 (IV-act. 15)
wurde angegeben, die Versicherte verdiene einen Monatslohn von Fr. 5'110.--
A.b.
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zuzüglich Schichtzulagen von Fr. 85.80. Im Jahr 2009 habe sie Fr. 69'202.10, 2010
Fr. 59'564.25 und 2011 Fr. 41'838.15 verdient. - In seinem IV-Arztbericht vom
14. Februar 2012 (Eingang, IV-act. 19) gab Dr. C._ bekannt, vom 23. September 2011
bis 31. Januar 2012 (IV-act. 19-2) habe volle Arbeitsunfähigkeit bestanden, seither sei
bei ihm keine Konsultation mehr erfolgt. In rückenadaptierter Tätigkeit sei die
Versicherte zurzeit zu 50 % arbeitsfähig (dies sollte ab Januar 2012 der Fall sein, wobei
ihm diesbezüglich kein genauer Bericht vorliege, IV-act. 19-3 f.), ab Juni 2012 sollte die
Versicherte zu 100 % arbeitsfähig sein (IV-act. 19-3). In einem Bericht an Dr. B._ vom
16. März 2012 (IV-act. 22-2 f.; vgl. IV-Verlaufsbericht vom 2. April 2012, IV-act. 22-1)
erklärte der Arzt, die Beinschmerzen der Versicherten seien komplett verschwunden
und die Lähmung im linken Bein habe sich fast komplett zurückgebildet, dagegen
bestünden noch eine leichte Hypästhesie an der linken Grosszehe und am Vorfuss
linksseitig sowie Rückenschmerzen im Zugangsbereich. Wenn ab dem 3. April 2012
keine Antikoagulation mehr stattfinde, könne man ab dem 10. April 2012 eine
Facetteninfiltration LW4-S1 machen. Leider sei der Verlauf ein Klassiker; er hätte schon
vor der Operation sagen können, dass die Versicherte wegen postoperativer
Rückenschmerzen schwer in Mitleidenschaft gezogen sei. Er sehe relativ wenig
langfristig positive Therapie-Optionen. Die Versicherte arbeite zurzeit zu 20 % bis zum
3. April 2012; dann sollte ein 40-prozentiger Arbeitsversuch erfolgen. Langfristig werde
man eine Beschäftigung in rückenadaptierter Tätigkeit zu 50 % anstreben können. Am
30. April 2012 (IV-act. 26) gab Dr. C._ auf Anfrage an, der Gesundheitszustand der
(sicherlich motivierten) Versicherten, deren Beschwerden durch die Abnutzungen der
LWS erklärt würden, sei stationär und weitere Therapieoptionen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden nicht. Die Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit
betrage maximal 33 %, jene in optimal angepasster Tätigkeit zurzeit 50 % und
prognostisch wahrscheinlich 75 %, bei gutem Verlauf auch 100 %. - Die Versicherte
hatte am 29. März 2012 (IV-act. 21) erklärt, sie habe anfangs Februar 2012 die Tätigkeit
wieder zu etwa 20 % aufnehmen können. Die Arbeitgeberin hatte am 2. März 2012 (IV-
act. 24) mitgeteilt, die Versicherte erbringe (in den 20 %) eine gute Leistung (IV-
act. 24-2). Die Krankentaggeldversicherung erklärte am 4. April 2012 (IV-act. 24),
Dr. B._ werde eine Zweitmeinung (zur Auffassung von C._, wonach längerfristig
eine Besserung mit 50 % Arbeitsfähigkeit möglich und eine volle Arbeitsfähigkeit
fraglich sei) veranlassen; bis dahin werde die Versicherte zu 20 % weiterarbeiten. -
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Dr. D._, Chiropraktorin, teilte am 11. Mai 2012 (IV-act. 29) mit, ein MRI vom April
2010 habe eine kleine mediane Diskushernie L5/S1 und eine Protrusion L4/5 gezeigt.
Im Juni 2011 habe sich die Versicherte mit einer progredienten unteren Lumbalgie
gezeigt. Der Pseudo-Lasègue-Test sei links endphasig positiv gewesen mit
Schmerzprovokation lumbal. Durch die Behandlung habe sie zunächst eine
kontinuierliche Besserung erfahren. Nach einem einmonatigen Behandlungsunterbruch
im Sommer und langem Verharren im Auto sei eine deutliche Exazerbation erfolgt. Ein
MRI vom 12. August 2011 habe nahezu stationäre Diskopathien L4/5 und L5/S1
gezeigt. Ende Dezember 2011 sei die Versicherte frustriert gewesen, da nach der
Operation und den Komplikationen trotz maximaler Brufen-Einnahme ständig
Schmerzen bestanden hätten. - Am 11. Mai 2012 stellte die Versicherte zufolge
Schmerzzunahme die Arbeit ein (KV-act. 2-19). - In einem IV-Verlaufsbericht vom
16. Juli 2012 (IV-act. 31) erklärte Dr. B._, sie sei zurzeit in jeglicher Tätigkeit zu
maximal zwei Stunden pro Tag arbeitsfähig, das heisse zu 20 %. Seit dem 25. Juni
2012 mache sie einen erneuten Arbeitsversuch mit zweistündigem Einsatz. Es bestehe
ein Failed back surgery-Syndrom. Beigelegt waren Berichte der Neurochirurgie am
Kantonsspital St. Gallen vom April und Mai 2012 und von Dr. med. E._, Facharzt für
Neurochirurgie, vom 12. Juni 2012. Letzterer hatte wie die Abteilung Neurochirurgie am
Kantonsspital zu Facettengelenksinfiltrationen geraten. Diese Abteilung (Bericht von
Assistenzärztin F._) hatte unter anderem das Failed back surgery-Syndrom bei
therapieresistenten mittelstarken bis starken Lumbalgien und gering-gradiger
Grosszehenheberschwäche linksseitig diagnostiziert. Bezüglich der empfohlenen
gestaffelten Facettengelenksinfiltration auf Höhe LWK3/4 und LWK4/5 habe die
Versicherte Ängste geäussert, zumal es nach zweifacher lumbaler periradikulärer
Therapie postinterventionell zu akuter Schmerzexazerbation und vorübergehender
selbstlimitierender Paraparese gekommen sei. - Am 25. Juli (recte [gemäss Dr. B._]:
Juni) 2012 hatte die Versicherte die Arbeit bei unveränderten Schmerzen wieder
aufgenommen (vgl. KV-act. 2-14). Auch am 15. August 2012 übte sie noch das Pensum
von etwa zwei Stunden pro Tag aus (vgl. KV-act. 2-11). - In einem IV-Arztbericht vom
7. September 2012 (IV-act. 34) gab die Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen an,
die Versicherte sei erstmals am 4. September 2011 ambulant vorstellig geworden. Es
sei der Verdacht auf ein ISG-Syndrom links bei akut exazerbierter Lumbalgie geäussert
worden. Eine ISG-Infiltration habe die Versicherte damals wegen bisher äusserst
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schlechter Erfahrung (massive Schmerzzunahme und stundenlang anhaltende
Paraparese der unteren Extremitäten nach zwei periradikulären Therapien) abgelehnt.
Sie leide weiterhin an therapieresistenten mittelstarken und teilweise invalidisierenden
Lumbalgien mit sensomotorischem Defizit im Bereich der linken unteren Extremität.
Unter der aktuellen konservativen Therapie mit oralen Analgetika und
physiotherapeutischen Massnahmen sei es bisher zu keiner Besserung des
Beschwerdebildes gekommen. Zu empfehlen seien eine weitere Abklärung durch das
Schmerzzentrum mit Ausbau der vorbestehenden oralen Analgetikatherapie und -
aufgrund des bewegungsabhängigen Schmerzes, der tief lumbalen Druckdolenzen
über dem Prozessus spinosi und eines bildmorphologischen Nachweises von
entzündlich veränderten Spondylarthrosen - eine gestaffelte diagnostische
therapeutische Facettengelenksinfiltration. Die erstgenannte Massnahme könnte eine
Besserung grösstenteils bewirken; in wie weit die Infiltrationen eine dauerhafte
Reduzierung der Beschwerdesymptomatik bewirken werde, sei nicht abzusehen. In
erster Linie sollte die Schmerzursache genau lokalisiert werden. Aufgrund der
invalidisierenden Schmerzen und einer proximalen Schwäche der Beinmuskulatur sei
für die Versicherte ein Stehen am Fliessband für längere Zeit mit Heben in
Rotationsbewegungen kritisch. Es müsste erhoben werden, wie hoch die maximale
Belastung sei und ob die Versicherte am Fliessband zeitweise sitzen könne, und es sei
eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit in einer Rehabilitationsklinik zu
empfehlen.
Am 10. September 2012 (IV-act. 36) berichtete Dr. B._, er habe die Versicherte
wegen zunehmend psychisch bedingter Arbeitsunfähigkeit zur ambulanten psycho
somatischen Rehabilitation in die Klinik G._ gewiesen. - Diese Klinik (Dr. med. H._,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH) hatte am 16. August 2012 (IV-act. 37) berichtet,
es liege eine Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt bei anhaltenden
muskulo-skelettalen Schmerzen vor. Ab 27. August 2012 sei eine mindestens vier
Wochen dauernde ambulante integrative psychosomatische Behandlung geplant.
A.c.
Dr. B._ teilte im Verlaufsbericht vom 11. Dezember 2012 (IV-act. 40) mit, ab
22. November 2012 habe die Versicherte ihre Tätigkeit unter starken Schmerzen wieder
zu 50 % aufgenommen. Die Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen (F._) gab am
11. Dezember 2012 (IV-act. 42) (so weit ersichtlich) nochmals den gleichen Bericht ab
A.d.
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wie am 7. September 2012. Am 7. September 2012 (IV-act. 42-5) hatte sie Dr. B._
erklärt, die Versicherte habe (vor einer allfälligen Facettengelenksinfiltration) den
Therapieerfolg der vierwöchigen Behandlung in der Klinik G._ abwarten wollen. - Am
31. Januar/8. Februar 2013 (IV-act. 46) wurde eine Zielvereinbarung betreffend den
Eingliederungsplan getroffen (Arbeitsplatzerhalt, Einsatzmöglichkeiten wahrnehmen,
Arbeitsfähigkeit von 50 % verwerten, Steigerung nach medizinischer Situation). -
Gemäss einem Assessmentprotokoll vom 13. Februar 2013 (IV-act. 47) hatte die
Krankentaggeldversicherung vorgesehen, eine Evaluation der funktionellen
Leistungsfähigkeit zu veranlassen. - Am 14. Februar 2013 (IV-act. 48) sprach die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten Beratung
und Unterstützung bei der Erhaltung des Arbeitsplatzes (Arbeitsvermittlung) zu.
Die Klinik G._ gab am 4. März 2013 (IV-act. 49) an, die Versicherte sei vom
27. August 2012 bis 5. Oktober 2012 aus rein psychiatrischer Sicht voll arbeitsunfähig
gewesen und sei ab 7. Oktober 2012 diesbezüglich wieder voll arbeitsfähig. - In einem
Bericht an Dr. B._ vom 9. November 2012 (IV-act. 54-6 ff.) nannte Dr. med. I._,
Innere Medizin und Rheumatologie FMH, als Diagnosen (verkürzt wiedergegeben) ein
chronisches lumbal-betontes Panvertebralsyndrom mit spondylogenen Ausstrahlungen
in die Extremitäten, chronische Fersenschmerzen bds., postoperative Lungenembolien,
Anpassungsstörung mit Angst und Depression gemischt anamnestisch und Adipositas.
Eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit über drei Stunden hinaus (mit dieser ausgeübten
Tätigkeitsdauer scheine sie völlig am Limit zu sein) dürfte vorderhand nicht möglich
sein. Die von der Versicherten beklagten Schmerzen der Extremitäten seien nach seiner
Auffassung auf spondylogene Ausstrahlungen zurückzuführen, insbesondere auch die
plantaren Fersenschmerzen bei Tendomyosen der Wadenmuskulatur. Medikamentös
könnte ein Versuch mit einem stärkeren Opiat gemacht werden. Beim ausführlich
beschriebenen Status war in einer Hinsicht (beidseits deutlich verminderte Greifkraft
der Hände) eine eingeschränkte Compliance erwähnt worden. Die Abduktion/Elevation
der Arme sei aktiv bis 120° möglich gewesen, mit starken Schmerzen im Bereich der
BWS und der LWS, passiv habe volle Beweglichkeit bestanden. Die Aussenrotation der
Hüftgelenke beidseits sei deutlich eingeschränkt gewesen bei Gegenspannen (IV-
act. 54-8). Im IV-Verlaufsbericht vom 19. März 2013 (IV-act. 54) gab Dr. I._ an, die
bisherige Tätigkeit sei der Versicherten noch an zwei bis drei Stunden pro Tag
A.e.
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zumutbar, leichte Arbeiten in Wechselbelastung wären ihr, soweit rückblickend
beurteilbar, wahrscheinlich für etwa drei bis vier Stunden pro Tag möglich. Ob dabei
eine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe, lasse sich nicht beurteilen, weil nicht
bekannt sei, welche Arbeiten sie durchführen könnte. Angesichts unter anderem der
Multimorbidität sei eine multidisziplinäre Begutachtung nötig. - Das Schmerzzentrum
am Kantonsspital St. Gallen erklärte am 26. März 2013 (IV-act. 58), nach nur einer
Konsultation sei das Ausmass der sicherlich bestehenden Verminderung der
Leistungsfähigkeit schwer zu beurteilen.
Am 4. Juni 2013 reichte die Krankentaggeldversicherung der Versicherten ihre
Akten ein (IV-act. 62). Darunter befanden sich ein orthopädisches Gutachten von
Dr. med. J._, Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom 20. März 2013 (KV-act. 6-1 bis 13) und ein psychiatrisches
Gutachten des K._ (Dr. med. L._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH) vom 5. April 2013 (KV-act. 6-14 bis 26). Dr. J._ hatte angegeben, es bestünden
bei der Versicherten erhebliche Beschwerden lumbal bei Fehlstatik, einer
Haltungsinsuffizienz, muskulärem Hartspann und verschmächtigter Rumpfmuskulatur
nach Bandscheibenoperation in den unteren zwei Etagen 9/2011, kein
nervenwurzelbezogenes neurologisches Defizit, eine Epicondylitis humeri ulnaris
beidseits und eine Fehl- und Überlastung des Bewegungsapparates bei steigendem
Körpergewicht und einem Übergewicht von derzeit 17 kg. Zurzeit bestehe bei der
Versicherten kein Arbeitsvermögen. Sinnvoll seien eine Miederversorgung und
Physiotherapie zur Stärkung der Rumpfmuskulatur. Nach Linderung der Beschwerden
sollte zügig mit medizinischer Trainingstherapie begonnen werden. Nach Beginn
intensiver Therapiemassnahmen sollte eine Wiederaufnahme der zuletzt ausgeübten
Tätigkeit möglich sein, nach etwa sechs Wochen mit einem Pensum von 50 %, unter
rascher Steigerung auf 75 % und auf 100 % nach jeweils vierzehn Tagen. Dr. L._
hatte bei der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit deutlich reaktiven
Anteilen erklärt, sechs Wochen nach dem Begutachtungstermin (vom 26. März 2013)
könne aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 50 % (bei voller Leistung)
erreicht und die Arbeitsfähigkeit dann nach je vierzehn Tagen um 25 % gesteigert
werden, so dass ab Juni 2013 wieder volle Arbeitsfähigkeit bestehe.
A.f.
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Der RAD nahm am 8. Mai 2013 einen stabilen Gesundheitszustand und volle
Arbeitsunfähigkeit der Versicherten an (vgl. IV-act. 78-2). - Am 21. Juni 2013 (IV-act. 64)
wurde bekannt, dass die Versicherte seit dem 10. Juni 2013 bis voraussichtlich 24. Juni
2013 im Kantonsspital St. Gallen hospitalisiert sei. - In einem Arztbericht vom 5. Juli
2013 (IV-act. 66) gab Dr. B._ an, sie sei seit dem 3. Juni 2013 zu 25 % (zwei Stunden)
arbeitsfähig, ab dem 1. Juli 2013 dreieindrittel Stunden und ab dem 15. Juli 2013
versuchsweise an viereinviertel Stunden (also ohne Berücksichtigung Hospitalisation
vom 10. bis 24. Juni 2013). - Bei Dr. med. M._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
hatte die Versicherte gemäss einem Protokoll des RAD über ein Gespräch vom
4. September 2013 (IV-act. 69 f.) drei Mal in Behandlung gestanden. - Die Abteilung
Rheumatologie und Rehabilitation des Departements Innere Medizin am Kantonsspital
St. Gallen gab im Kurzbericht Ambulante Konsultation vom 24. Oktober 2013 (IV-
act. 74-6 f.) als Diagnosen (verkürzt) an (erstens) eine axiale Spondyloarthritis,
(zweitens) ein chronifizierendes Schmerzsyndrom lumbal, Gerbershagen-Stadium 3,
(drittens) eine posttraumatische Belastungsstörung bei St. n. Infiltrations-Paraparese
2011 und St. n. Lungenembolie perioperativ 24.09.2011, (viertens) eine mittel- bis
schwergradige Depression und (fünftens) ein St. nach postoperativer bilateraler
Lungenembolie perioperativ. Im Rahmen der (stationären) rheumatologischen
Komplexbehandlung (vgl. IV-act. 85-7, Austrittsbericht) hatte auch die Psychosomatik
des Departements Innere Medizin am 10. Juli 2013 konsiliarisch Bericht erstattet (IV-
act. 74-10 f.). - Dr. B._ gab am 12. November 2013 (IV-act. 74) bekannt, die
Versicherte arbeite zurzeit an vier Stunden pro Tag. - Die Schmerzklinik am
Kantonsspital St. Gallen hielt im Bericht vom 14. November 2013 (IV-act. 75) fest, es
sei bei der Versicherten ein positives HLA-B27 nachgewiesen worden. - In einem
Verlaufsprotokoll der IV-Eingliederungsberatung vom 30. Dezember 2013 (IV-act. 78)
wurde festgehalten, nach Auslaufen der Krankentaggelder im Juni 2013 sei der
Arbeitsvertrag auf ein Pensum von 50 % angepasst worden. Eine weitere Steigerung
habe die Versicherte nicht erreichen können. Nach ihrer Auffassung könne sie erst
dann eventuell wieder mehr arbeiten, wenn die Schmerzen weg seien. Nach einem
Strategie-Protokoll vom 7. Januar 2014 (IV-act. 79) würden die beruflichen
Massnahmen abgeschlossen und die Rente geprüft. - Der RAD veranlasste am
7. Januar 2014 (IV-act. 80) eine weitere Aktenergänzung. - Am 8. Januar 2014 (IV-
act. 82) teilte die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der
A.g.
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Versicherten mit, es seien keine weiteren beruflichen Massnahmen mehr angezeigt. - In
einem IV-Arztbericht vom 16. Januar 2014 (IV-act. 85) gab die Abteilung Rheumatologie
und Rehabilitation des Departements Innere Medizin am Kantonsspital St. Gallen
(Dr. med. N._, Facharzt Physikalische und Rehabilitative Medizin) an, die Versicherte
sei zu 50 % arbeitsunfähig. In einem beigelegten Bericht vom 31. Dezember 2013 an
Dr. B._ (IV-act. 85-18 f.) hatte sie unter anderem eine Ovarialzyste rechts mit V. a.
Übertragungsschmerz diagnostiziert. - Der RAD veranlasste am 12. März 2014 (IV-
act. 87) das Einholen weiterer Angaben. - Dr. med. O._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie, gab in ihrem IV-Arztbericht vom 31. Mai 2014 (IV-act. 93) an, sie
behandle die Versicherte seit dem 7. Dezember 2013. Es lägen eine Dysthymia, die
axiale Spondyloarthritis HLA-B27 positiv, eine posttraumatische Belastungsstörung, ein
Verdacht auf ängstlich vermeidende, selbstunsichere, abhängige
Persönlichkeitsakzentuierung, ein Zustand nach Lungenembolie und ein chronifiziertes
Schmerzsyndrom lumbal vor. Die Versicherte arbeite zurzeit zu 50 % in Schicht (IV-
act. 93-7) bzw. sei in diesem Ausmass arbeitsunfähig (IV-act. 93-2). Die bisherige
Tätigkeit sei aber kaum zumutbar, eventuell in geringerem Pensum als zurzeit.
Zumutbar seien Tätigkeiten mit wechselnder Körperhaltung und in geringerem
Arbeitspensum. Die Leistungsfähigkeit sei zu 70 bis 80 % vermindert (IV-act. 93-8). -
Dr. B._ berichtete am 3. Juli 2014 (IV-act. 96), der Zustand der Versicherten habe
sich verschlechtert. Eine Kryorhizotomie des ISG links vom 14. Mai 2014 sei ohne
Erfolg geblieben. Wegen der subjektiv empfundenen massivsten Schmerzen sei die
Versicherte gemäss der behandelnden Psychiaterin vom 10. Juni 2014 bis 30. Juni
2014 voll arbeitsunfähig geschrieben worden. Danach sei die bisherige Tätigkeit
wahrscheinlich wieder zu 50 % (ohne Einschränkung) zumutbar. - Am 8. Oktober 2014
(IV-act. 98) nahm die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle eine polydisziplinäre
medizinische Untersuchung der Versicherten in Aussicht (Auftrag am 1. Mai 2015, IV-
act. 103, vgl. auch IV-act. 108).
Am 25. August 2015 erstattete die Medexperts AG das Gutachten (IV-act. 109).
Bei zahlreichen orthopädischen (Haupt-) Diagnosen (etwa chronische
lumbospondylogene und intermittierende lumboradikuläre Schmerzen,
Osteochondrose LWK5/SWK1 und mässige Spondylarthrosen mit kleinvolumigen
Rezidiv-Diskushernien L4/5 und L5/S1 ohne Nervenwurzelkompression, Status nach
A.h.
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Sequestrotomie DH LW4/5 und L5/S1, St. nach zweimaliger periradikulärer Infiltration
L4/5, nach Denervation des linken ISG, Chronifizierte Rückenschmerzen [Gerbershagen
Stadium 3, nozizeptiv], Knieschmerzen links bei gering symptomatischer
Innenmeniskushinterhornläsion, Fasciitis plantaris links und Achillodynie links, Knick-
Senk-Spreizfuss beidseits) und einer rheumatologischen Diagnose (Chronifizierendes
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom beidseits mit Schmerzausweitung im Sinn von
unspezifischen Polyarthralgien und eines panvertebralen Schmerzsyndroms; mit
diversen Unteraspekten) sowie bei der psychiatrischen (Haupt-) Diagnose einer leichten
bis mittelgradigen depressiven Störung (nebst verschiedenen Nebendiagnosen; IV-
act. 109-67 f.) wurde der Versicherten für die angestammte Tätigkeit eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % attestiert (IV-act. 109-75 f.). In einer adaptierten,
erwähnten Kriterien entsprechenden Tätigkeit bestehe polydisziplinär gesehen ab
22. November 2012 eine Arbeitsfähigkeit von 70 %. Die Kriterien seien erfüllt in
körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten ohne wirbelsäulenbelastende
Arbeiten (wie Heben oder Tragen von Lasten über fünf bis 7.5 kg, ohne repetitive
Wirbelsäulenflexionen/-extensionen/-torsionen, ohne Wirbelsäulenzwangshaltungen)
und (wegen der Kniepathologie links) ohne Arbeiten im Knien oder in der Hocke. 70 %
betrage auch die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (IV-act. 109-76). Aus
rheumatologischer Sicht seien die Behandlungsmöglichkeiten weitgehend
ausgeschöpft; nach einer ganzheitlich ausgerichteten medizinischen Rehabilitation
wäre eine Steigerung möglich. Auch aus orthopädischer Sicht sei eine Steigerung der
Arbeits- und Leistungsfähigkeit danach möglich (IV-act. 109-77). Eine psychiatrisch-
psychotherapeutische Therapie sei unabdingbar (a.a.O.). Aus aktueller
rheumatologischer und orthopädischer Sicht scheine eine Steigerung des aktuell 50 %
betragenden Pensums in der (bisherigen) überwiegend im Stehen auszuübenden
Tätigkeit als Betriebsmitarbeiterin aufgrund der objektivierbaren pathologischen
klinischen und radiologischen Befunde nicht realisierbar. Die Stelle sei der Versicherten
allerdings auf den 31. Dezember 2015 gekündigt worden (IV-act. 109-78).
Der RAD hielt am 15. September 2015 (IV-act. 110) dafür, auf das Gutachten könne
abgestellt werden. Bei sehr tiefer Selbsteinschätzung der körperlichen
Leistungsfähigkeit hätten sich bei der klinischen Untersuchung Inkonsistenzen gezeigt:
der Finger-Boden-Abstand sei nicht lege artis prüfbar gewesen, doch sei das Lasègue-
A.i.
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Zeichen beidseits negativ gewesen, habe der Langsitz problemlos ausgeführt werden
können und hätten sich klinisch keine Hinweise für eine lumboradikuläre Reiz- oder
sensomotorische Ausfall-Symptomatik gefunden. In den vorgängig durchgeführten
postoperativen MRI-Verlaufsuntersuchungen der LWS hätten sich im Verlauf
unveränderte kleinvolumige Discushernien L4/5 und L5/S1 ohne Neurokompression
gezeigt.
Mit Vorbescheid vom 13. November 2015 (IV-act. 114) stellte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen der Versicherten die
Zusprache einer Viertelsrente ab 1. August 2012 in Aussicht. Mit der Arbeitsfähigkeit
von 70 % könnte sie in angepasster Tätigkeit jährlich Fr. 36'010.-- erzielen, weshalb im
Vergleich zum Valideneinkommen von Fr. 67'724.-- ein Invaliditätsgrad von 47 %
vorliege.
A.j.
Die Versicherte liess mit Einwand vom 7. Dezember 2015 (IV-act. 115) die
Zusprache der gesetzlichen Leistungen und eventualiter weitere Abklärungen
beantragen. Am 15. April 2016 brachte Rechtsanwältin Karin Herzog, M.A. HSG in Law,
unter Beilage von drei medizinischen Berichten (Kliniken Valens, 7. Oktober 2015;
Psychiatrische Klinik P._, 28. Januar 2016; Dr. Q._, 13. April 2016) ergänzend vor,
das Gutachten der Medexperts AG sei unklar, unvollständig und widersprüchlich. Die
Abklärungen seien ungenügend. - Am 7. Oktober 2015 (IV-act. 125) hatte die Abteilung
Psychosomatik an den Kliniken Valens in Ergänzung zu einem interdisziplinären
Austrittsbericht (so weit ersichtlich nicht vorhanden) berichtet, es liege eine
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom vor. Bei Eintritt der
Beschwerdeführerin sei diese (depressive Episode) bereits wirksam antidepressiv
behandelt gewesen, unter medikamentöser Therapie habe sie bei sehr ungünstigen
psychosozialen verlaufsbestimmenden Faktoren persistiert und im Vorfeld der
Entlassung exazerbiert. Sie sei zunehmend mit Panikattacken und soziophoben
Tendenzen vergesellschaftet gewesen. Zunächst habe die Beschwerdeführerin keine
spezifischen psychischen Beschwerden beklagt. Mit zunehmender Therapiedauer habe
sie sich geöffnet und von ihrer über weite Strecken der Hospitalisation dissimulierten
seelischen Not berichtet. Es beschäftigten sie vor allem der Verlust der langjährigen
Arbeitsstelle und die seit geraumer Zeit als sehr unglücklich bezeichnete eheliche
Situation. - Die Psychiatrische Klinik P._ hatte am 28. Januar 2016 (IV-act. 126)
A.k.
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erklärt, als psychiatrische Diagnose bestünden bei der Beschwerdeführerin eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, mit
somatischem Syndrom, und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung. Die
Beschwerdeführerin sei von den Kliniken Valens zugewiesen worden (sie habe von
einem Suizidversuch berichtet). Wegen ausgeprägter Nebenwirkungen sei eine
medikamentöse Umstellung erfolgt. Ein Medikament sei sistiert worden. Da die
Beschwerdeführerin mit zunehmenden Schmerzen reagiert habe, sei in Absprache mit
der Abteilung Rheumatologie und Rehabilitation des Departements Innere Medizin am
Kantonsspital St. Gallen ein anderes Mittel installiert worden, worunter sich die
Schmerzen etwas gebessert hätten. Mit der körperlichen Erkrankung und dem
Arbeitsplatzverlust sei der Beschwerdeführerin das selbstverständliche Funktionieren
(bzw. die Flucht in die Arbeit) nicht mehr möglich. Das habe eine schwere narzisstische
Krise ausgelöst und es verbleibe ihr weniger Raum für andere Möglichkeiten der
Kompensation der ehelichen Krise. - Dr. Q._ hatte am 13. April 2016 (IV-act. 127)
geschrieben, die gestellten Diagnosen der Persönlichkeitsakzentuierung und die
Dysthymia seien im ambulanten Behandlungsverlauf über 30 Monate hinweg
abzuwandeln in jene einer phobischen Störung (soziale Phobie) und einer
Traumafolgestörung (aufgrund der Lungenembolie und der Spondyloarthritis HLA-B27
positiv).
Am 14. Juni 2016 übermittelte die Krankentaggeldversicherung der Versicherten
der Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen wiederum ihre Akten
(KV-act. 7-46). Sie verfügte über ein orthopädisches (weiteres) [Teil-] Gutachten von
Dr. J._ vom 6. Juni 2016 (Begutachtungsdatum; KV-act. 7-31 bis 38) und ein
psychiatrisches Teilgutachten von Dr. med. R._, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 9. Juni 2016 (KV-act. 7-1 bis 28). Dr. J._ hatte erklärt, aus
orthopädischer Sicht sei für körperlich leichte Tätigkeiten, bevorzugt in wechselnder
Ausgangslage zu verrichten, (Zumutbarkeit für) "ein volles Pensum in Bezug auf 50 %"
gegeben (KV-act. 7-38). In der zusammenfassenden Beurteilung hatte sie angegeben,
es bestehe für solche Tätigkeiten ein Arbeitsvermögen von 8.5 Stunden pro Tag ohne
Einschränkungen (KV-act. 7-37). Die Diagnose der Wirbelsäule mit Status nach
Operation der unteren LWS "und der schmächtige Habitus bei einer Körpergrösse von
nur 1_0 cm" hätten qualitativen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Einschränkungen der
A.l.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/41
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Arbeitsfähigkeit ergäben sich bei verminderter Belastbarkeit der Wirbelsäule und
schmächtigem Habitus für mittelschwere und schwere Tätigkeiten, die in Kombination
mit Heben und Tragen, häufigem Bücken und ständigen Zwangshaltungen verrichtet
werden müssten (KV-act. 7-37 f.). – Dr. R._ seinerseits hatte bei den Diagnosen einer
rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig maximal leichter Episode, ohne
somatisches Syndrom, eines primär reaktiven depressiven Geschehens aufgrund von
psychosozialen Belastungen, akzentuierter ängstlich-vermeidender, selbstunsicherer
und abhängiger Persönlichkeitszüge, einer Aggravation, passiven Copings sowie
selbstlimitierenden Schon- und Vermeidungsverhaltens, eines Verdachts auf
(bewusstseinsnahe) Symptom-Präsentation im Sinn einer Rentenbegehrlichkeit, und
eines Verdachts auf somatoforme Schmerzstörung bei multiplen körperlichen
Schmerzen und St. n. Rückenoperation 2011 eine Einschränkung von maximal 20 bis
30 % attestiert. Das wirkliche Ausmass der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei
wegen der Neigung zur Aggravation nicht mit Sicherheit zu beziffern. Die Versicherte
habe nur eine leichte Depression und scheine daher in den diversen Funktionen nur
leicht eingeschränkt zu sein. Nach Remission der Depression sei auch wieder eine
Arbeitsfähigkeit von 100 % zumutbar. Es sollten berufliche Massnahmen eingeleitet
werden, um der weiteren Fixierung und Chronifizierung der psychischen Problematik
und der somatoformen Schmerzstörung entgegenzuwirken.
Der RAD befürwortete am 26. August 2016 (IV-act. 132), auf das bidisziplinäre
Gutachten vom 9. Juni 2016 abzustellen. Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle ging
in der Folge am 29. August 2016 (IV-act. 133) davon aus, dass aus juristischer Sicht
eine volle Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bestehe.
A.m.
Mit einem (neuen) Vorbescheid vom 31. August 2016 (IV-act. 136) teilte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle mit, sie sehe eine Abweisung des
Leistungsgesuchs bei einer vollen Arbeitsfähigkeit und einem Invaliditätsgrad von 22 %
vor.
A.n.
Die Versicherte liess am 28. September 2016 (IV-act. 137) einwenden, es fehle
immer noch an einer tauglichen Entscheidungsgrundlage. Die Arbeitsfähigkeit sei aber
sicherlich um mindestens 30 % eingeschränkt, so dass ihr bei Anwendung der LSE
2012 (Fr. 52'097.--) jedenfalls mindestens eine Viertelsrente zustehe.
A.o.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/41
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B.
Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin Karin Herzog, M.A. HSG in
Law, für die Betroffene am 30. Januar 2017 erhobene Beschwerde. Die
Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin beantragt, die angefochtene Verfügung
aufzuheben und der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen auszurichten,
eventualiter eine Rückweisung der Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin. Bei der stets überdurchschnittlich leistungsfähigen
Beschwerdeführerin, die seit ihrem 17. Altersjahr (mit Ausnahme nur kurzer Zeiten vor
den Geburten ihrer Kinder und der Mutterschaftsurlaube, dann nebst der
Kindererziehung und der Haushaltführung) vollzeitlich im Schichtdienst bei der
ehemaligen Arbeitgeberin gearbeitet habe, bestünden seit vielen Jahren
Rückenbeschwerden. Wegen eines Bandscheibenvorfalls habe sie die Arbeit
niederlegen und operiert werden müssen. Die Arbeitsunfähigkeit habe infolge der
postoperativen Lungenembolie und des Facettensyndroms länger gedauert. Mit der
Arbeitsunfähigkeit sei die Beschwerdeführerin nur schwer zurechtgekommen; sie habe
unbedingt wieder an die Arbeit zurückkehren wollen und habe deshalb ab Januar 2012
einen Arbeitsversuch unternommen. Trotz ihrer enormen Anstrengungen habe das
Pensum aber von 50 % auf 20 % reduziert werden müssen. Aufgrund der schwierigen
gesundheitlichen Situation und der Angst um die Gesundheit sei es zu psychischen
Die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle erkundigte sich am 10. Oktober 2016 (IV-
act. 138) bei der Krankentaggeldversicherung nach dem Arbeitsfähigkeitsgrad, von
welchem sie - angesichts der beiden unterschiedlichen Angaben (uneingeschränktes
tägliches Arbeitsvermögen von 8.5 Stunden bzw. volles Pensum in Bezug auf 50 %) im
Gutachten von Dr. J._ vom 6. Juni 2016 - ausgehe. Diese antwortete am 27. Oktober
2016 (IV-act. 139), es müsse sich bei den beiden ärztlichen Angaben nicht um einen
Widerspruch handeln; sie habe keine Mängel am Gutachten festgestellt. Für sie sei das
Pensum von 50 % massgebend, in welchem die Versicherte bei ihrem
Versicherungsnehmer (der Arbeitgeberin) angestellt gewesen sei. Daraufhin gab die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle am 28. Oktober 2016 (IV-act. 140) bekannt, sie
halte am vorgesehenen Entscheid fest. Die Versicherte hielt ebenfalls an ihren
Ausführungen fest (IV-act. 141).
A.p.
Mit Verfügung vom 14. Dezember 2016 (IV-act. 142) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen den Anspruch der
Versicherten auf eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 22 % ab.
A.q.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/41
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Problemen gekommen, die mit der Zeit zugenommen hätten. Daneben sei es
zunehmend zu ehelichen Schwierigkeiten und zu einer weiteren Verschlechterung des
Gesundheitszustands gekommen. Vom 14. September 2015 bis 7. Oktober 2015 sei
die Beschwerdeführerin in den Kliniken Valens behandelt worden und hernach bis
21. Januar 2016 in der Psychiatrischen Klinik P._. Seit August 2012 werde das
Vorliegen einer depressiven Störung von keinem Facharzt in Frage gestellt. Es handle
sich um ein eigenständiges Krankheitsbild. Die psychische Gesundheit der
Beschwerdeführerin sei daher klar eingeschränkt. Während keiner der anderen
behandelnden und untersuchenden Ärzte eine Aggravation festgestellt habe, habe dies
Gutachter Dr. R._ - ohne Auseinandersetzung mit der Abweichung - getan, und zwar
solle nach ihm eine Aggravationsneigung sehr gravierender Art vorliegen. Das sei nicht
nachvollziehbar. Einzig bei der orthopädisch-rheumatologischen Begutachtung - und
nicht etwa bei der psychiatrischen - seien gewisse Inkonsistenzen festgehalten
worden. Der Gutachter (Dr. R._) habe es für nicht nachvollziehbar gehalten, dass die
Beschwerdeführerin zuerst für eine volle Arbeitsunfähigkeit gekämpft und dann eine
volle Anstellung gewollt habe und nach Erhalten der 50 %-Stelle ohne Krankschreibung
habe arbeiten können. Nach seiner Auffassung sei es erst nach der erneuten
psychosozialen ehelichen Belastung und dem negativen Ausgang des polydisziplinären
Gutachtens 2015 zu einem Nachlassen der Leistung und erneuter Krankschreibung
gekommen. Diese Erläuterungen seien indessen aktenwidrig; die Auseinandersetzung
mit der Krankengeschichte sei ungenügend gewesen. In den Jahren 2012 und 2013
habe die Beschwerdeführerin immer wieder versucht, ihr Pensum zu steigern, leider
ohne Erfolg. Im Juni 2013 sei deshalb der Arbeitsvertrag auf eine Anstellung zu 50 %
geändert worden. Teilweise sei der Beschwerdeführerin gelungen, diese Leistung zu
erbringen. Gegen Ende 2013 sei es indessen zu der Verschlechterung gekommen,
doch habe die Beschwerdeführerin das Pensum so lange wie möglich aufrechterhalten.
Erst im Juni 2014 (also mehr als ein Jahr vor der Begutachtung) sei es zu einer vollen
Arbeitsunfähigkeit gekommen. Dr. R._ habe seine Diagnose auf die Hamilton
Depressionsskala gestützt, eine Fremdbeurteilungsskala, bei welcher eine festgestellte
Aggravation schon bei der Punktevergabe berücksichtigt werde. Die ermittelten 17 bis
20 Punkte entsprächen einer leichten bis mittelschweren Depression. Indem der
Gutachter festgehalten habe, aufgrund des aggravierenden Verhaltens der
Beschwerdeführerin liege höchstens eine leichte depressive Episode vor, habe er die
angenommene Aggravation doppelt berücksichtigt. Ausserdem sei anzunehmen, dass
das Testverfahren nicht korrekt angewendet oder zumindest eine falsche
Schlussfolgerung gezogen worden sei, habe der Gutachter doch erklärt, die 17 bis 20
Punkte würden nicht mit dem klinischen Eindruck übereinstimmen. Bei rezidivierenden
depressiven Störungen, mittelgradigen Episoden, sei regelmässig von rund 50 %
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/41
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Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Die Arbeitsunfähigkeit von 30 % sei unter
Ausklammerung der ehelichen Probleme, der Isolation in der Schweiz und der
fehlenden Ausbildung der Beschwerdeführerin attestiert worden. Indessen hätte hier
eine Gesamtbeurteilung erfolgen müssen, weil die sozialen Faktoren so eng mit der
verselbständigten Gesundheitsschädigung verbunden seien, dass der gesamte
Ursachenkomplex zu berücksichtigen gewesen wäre. Die Arbeitsfähigkeit sei aus
psychischen Gründen sicherlich mehr als zu 30 % eingeschränkt. Dass die leichte
depressive Störung therapierbar und nicht invalidisierend sei, sei daher nicht haltbar.
Die psychiatrisch unterschiedlich beurteilte Frage, ob eine Persönlichkeitsstörung oder
eine -akzentuierung vorliege, könnte mit einem Testverfahren (z.B. einem strukturierten
klinischen Interview zur Erfassung von Persönlichkeitsstörungen, Achse II nach DSM-
IV, SKID-II) geklärt werden. Gutachter Dr. R._ habe sich nicht für eine der beiden
Diagnosen entscheiden können, habe aber keine Testung durchgeführt. Sein
Gutachten sei offensichtlich unvollständig und unklar. Im Gutachten der
Medexperts AG werde nachvollziehbar erwähnt, dass die Beurteilung einer
Persönlichkeitsstörung nach nur einem Termin schwierig sei. Abzustellen sei
diesbezüglich also auf die Beurteilung von Dr. Q._. Die psychiatrisch bedingte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin betrage mindestens 50 %.
Auch hinsichtlich der somatischen Einschränkungen könne nicht auf die vorhandenen
Gutachten abgestellt werden. Dr. J._ habe die Kniebeschwerden weder erkannt noch
berücksichtigt, ebenso wenig wie das rheumatologische Teilgutachten der Medexperts
AG. Der Gutachter habe die Beschwerdeführerin bereits im Juli 2002 untersucht und
Oligo-/Polyarthralgien bei generalisierter ligamentärer Hyperlaxität, muskulärer
Dysbalance und Insuffizienz, Skoliose und tiefgezogener BWS-Kyphose gefunden. In
den Ausführungen im August 2015 fänden sich diese Diagnosen nicht mehr, obwohl
nicht anzunehmen sei, dass sie verschwinden könnten. Trotz der beschriebenen
Einschränkungen in leichter Tätigkeit halte der Gutachter die Fliessbandarbeit der
Beschwerdeführerin, die aber regelmässig Wirbelsäulenzwangshaltungen und repetitive
Wirbelsäulentorsionen verlange, für adaptiert. Es werde angegeben, es liege eine
Arbeitsunfähigkeit von 20 % vor, und auch, es sei in adaptierter Tätigkeit keine
Arbeitsunfähigkeit vorhanden, andernorts auch, sie betrage 50 % für adaptierte und für
die angestammte Arbeit. Ohne Gesundheitsschaden hätte die Beschwerdeführerin im
Jahr 2012 (bei frühestmöglichem Rentenbeginn am 1. August 2012) ein
Jahreseinkommen von Fr. 67'724.65 erzielt. Für das Invalideneinkommen sei auf die
LSE-Tabellenlöhne abzustellen, die für 2012 ein Jahreseinkommen von Fr. 51'441.10
enthielten. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50 % resultiere ein
Invaliditätsgrad von 62 %. Die Beschwerdeführerin habe mindestens auf eine
Dreiviertelsrente Anspruch.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/41
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C.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Februar 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Gemäss der Stellungnahme des RAD vom
15. September 2015 zum Gutachten der Medexperts AG hätten sich bei der
Beschwerdeführerin Inkonsistenzen gezeigt. Dr. R._ habe also nicht allein eine
Aggravation festgestellt. Er beschreibe das aggravatorische Verhalten ausserdem
nachvollziehbar. Die Beschwerdeführerin berufe sich zu Unrecht auf die angebliche
Objektivität der Depressionsskala. Es sei schlüssig höchstens eine leichte Depression
diagnostiziert worden. Leicht- bis mittelgradige depressive Episoden oder Störungen
würden zudem nur als invalidisierende Erkrankung gelten, wenn sie erwiesenermassen
therapieresistent seien. Das sei bei der Beschwerdeführerin nicht der Fall, weshalb
auch die von der Medexperts AG diagnostizierte mittelgradige depressive Episode
nicht als invalidisierend gelte. Psychosoziale und soziokulturelle Belastungen, die
direkte negative Folgen auf die Befindlichkeit einer versicherten Person zeigten,
müssten bei der Bemessung der Invalidität ausgeklammert werden, es sei denn, es
läge daneben eine davon abschichtbare, ausgeprägte psychische Störung vor.
Letzteres sei hier nicht der Fall. Die von Dr. Q._ diagnostizierte posttraumatische
Belastungsstörung sei nicht ausgewiesen und werde nur aus subjektiven Angaben der
Beschwerdeführerin abgeleitet. Die geltend gemachten Rückenleiden würden die
Arbeitsfähigkeit höchstens in qualitativer Hinsicht einschränken. Dr. J._ habe also zu
Recht volle Arbeitsfähigkeit bescheinigt. Im Gutachten der Medexperts AG fänden sich
keine körperlichen Befunde, die eine quantitative Einschränkung von 20 bis 30 % aus
orthopädischer Sicht plausibilisieren könnten. Die vom Gutachten geltend gemachten
Schmerzen seien befundmässig nicht nachvollziehbar und müssten daher
unberücksichtigt bleiben. Die Kniebeschwerden schränkten die Arbeitsfähigkeit nicht
ein, zumindest nicht quantitativ. Es sei also davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin in adaptierter Tätigkeit voll arbeitsfähig sei.
D.
Mit Replik vom 29. März 2017 bringt die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vor,
der Gutachter der Rheumatologie der Medexperts AG habe unter Berücksichtigung der
Inkonsistenzen eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % attestiert, ebenso Dr. R._ unter
Berücksichtigung der Aggravation eine solche von 20 bis 30 %. Mehrere fachärztliche
Meinungen hielten die psychische Gesundheit der Beschwerdeführerin für deutlich
beeinträchtigt. Daher könne nicht korrekt sein, diese Beurteilungen durch die Annahme
einer Therapierbarkeit der Leiden auszuhebeln. Durch ein solches Vorgehen würden die
Beschwerdebilder der leichten und mittelgradigen depressiven Störung nicht objektiv
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/41
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beurteilt, sondern einzig aufgrund einer vermuteten Therapierbarkeit und damit
entgegen Art. 7 Abs. 2 ATSG und Art. 8 Abs. 2 BV. Es könne bei so vagen
prognostischen Einschätzungen nicht von einer überwiegend wahrscheinlich erstellten
Genesung ausgegangen werden. Seit der Diagnosestellung im August 2012 sei die
Beschwerdeführerin ununterbrochen in ambulanter oder stationärer psychiatrischer
Behandlung, ergänzend auch in medikamentöser. Die immer wieder erreichten
Erhöhungen der Arbeitsfähigkeit seien nicht stabil geblieben. Die Beschwerdeführerin
habe sich stets sehr bemüht, den Einstieg ins Erwerbsleben wieder zu finden. Es
handle sich nicht um ein vorübergehendes Leiden. Die belastende Situation der
langwierigen medikamentösen Behandlung nach der Lungenembolie sei kein
invaliditätsfremder Faktor, auch wenn die dadurch ausgelöste psychische Erkrankung
durch psychosoziale Umstände verschlimmert worden sei. Die Gutachter der
Medexperts AG hätten sich ausdrücklich mit den krankheitsfremden Aspekten
auseinandergesetzt, diese nicht berücksichtigt und ausgeführt, die depressive Störung
stelle ein eigenständiges Krankheitsbild dar. Schliesslich werde von der
Beschwerdegegnerin nicht dargelegt, dass die langjährige, selbständige depressive
Erkrankung mit einem Wegfall der psychosozialen Faktoren verschwände.
E.
Die Beschwerdegegnerin hat auf die Erstattung einer Duplik verzichtet.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 14. Dezember 2016 (IV-
act. 142), mit welcher ein Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 22 %
abgelehnt wurde. Die Beschwerdeführerin lässt Ausrichtung der gesetzlichen
Leistungen beantragen, eventualiter eine Rückweisung zu weiteren Abklärungen.
2.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/41
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Anspruch auf eine Rente haben nach Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen,
erhalten oder verbessern können (lit. a), während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen
sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG)
sind (lit. c). Nach Art. 49 IVG hat der Entscheid über die Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen (Art. 28 Abs. 1 lit. a) spätestens zwölf Monate nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG zu erfolgen. Ein
wesentlicher Unterbruch der Arbeitsfähigkeit im Sinn von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG liegt
vor, wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll
arbeitsfähig war (Art. 29 IVV; Bundesgerichtsentscheide vom 16. Februar 2018,
8C_633/2017 E. 3.4, und vom 10. August 2016, 9C_289/2016 E. 3.2). Nach Art. 29
Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die
Schaffung dieser Bestimmung hat keine Veränderung des (nämlich in Art. 4 IVG und
Art. 28 IVG geregelten) Zeitpunkts des Eintritts des Versicherungsfalls mit sich gebracht
(vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 14. Dezember 2015, 9C_655/2015 E. 4; Entscheide
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Oktober 2015, IV 2013/52
E. 1.2, vom 2. Mai 2016, IV 2013/641 E. 1.1, vom 15. März 2016, IV 2013/572 E. 6.4).
2.2.
ter
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben nach
Art. 8 Abs. 1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit diese notwendig
und geeignet sind, die (u.a.) Erwerbsfähigkeit wieder herzustellen, zu erhalten oder zu
verbessern (lit. a); und die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen
Massnahmen erfüllt sind (lit. b). Die Eingliederungsmassnahmen bestehen unter
anderem in medizinischen Massnahmen (Art. 8 Abs. 3 lit. a; vgl. Art. 12 bis 14 IVG) und
in Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung,
Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b). Nach Art. 18 Abs. 1 IVG haben
arbeitsunfähige (Art. 6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, Anspruch
auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (lit. a); und auf
begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (lit. b).
2.3.
Im Fall einer rückwirkenden Rentenfestsetzung ist es unter Umständen notwendig,
den Invaliditätsgrad für verschiedene zurückliegende Zeitabschnitte nach Massgabe
der jeweiligen Erwerbsunfähigkeit unterschiedlich hoch zu bemessen (vgl. BGE
106 V 16; BGE 109 V 125). Nicht nur in medizinischer, auch in erwerblicher Hinsicht
können sich im Zeitablauf allenfalls relevante Veränderungen ergeben.
2.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/41
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Bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist die anspruchsbeeinflussende
Änderung nach Art. 88a Abs. 1 IVV für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung
von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen werden kann, dass sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen,
nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird. - Nach Art. 88a Abs. 2 IVV ist eine
anspruchsbeeinflussende Änderung bei einer Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit zu
berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert
hat. Art. 29 ist sinngemäss anwendbar.
2.5.
bis
Für die Invaliditätsbemessung sind zunächst die medizinischen Vorbedingungen
von Bedeutung. Der Arzt sagt, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen
bzw. geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist (vgl. BGE 107 V 17 =
ZAK 1982 S. 34). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beschreiben und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte
sind im Weiteren eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (vgl. BGE
132 V 99 f. E. 4, BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
2.6.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) sind
grundsätzlich (bei Ausnahmen nach dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche
psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281
zu unterziehen. Für die Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens sind gemäss
BGE 141 V 281 (vom 3. Juni 2015) also in der Regel diverse Standardindikatoren
beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich einerseits in der
Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der Konsistenz. Zum
funktionellen Schweregrad sind die Komplexe "Gesundheitsschädigung" (mit den
Aspekten der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, des Behandlungs- und
Eingliederungserfolgs oder der entsprechenden Resistenz und der Komorbiditäten),
"Persönlichkeit" (mit Persönlichkeitsdiagnostik und persönlichen Ressourcen) und
"Sozialer Kontext" zu berücksichtigen. In der Kategorie der Konsistenz geht es um
Gesichtspunkte des Verhaltens, namentlich um eine gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen und um behandlungs- und
eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck (vgl. BGE 141 V 281
E. 4.1.3). Soweit die festgestellte Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer
ähnlichen Erscheinung beruht oder unter dem Einfluss der Folgen der Erzielung eines
sekundären Krankheitsgewinns steht (der rechtlich grundsätzlich unbeachtlich zu
2.7.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/41
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bleiben hat, vgl. BGE 130 V 352), liegt nach der Rechtsprechung regelmässig keine
versicherte Gesundheitsschädigung vor. Hinweise darauf ergeben sich (im
Zusammenhang mit einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung entwickelt)
namentlich, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen
und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen
angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische
Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene
Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken; schwere Einschränkungen im
Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitgehend intakt ist (BGE
141 V 281 E. 2.2).
Die Rechtsanwender überprüfen die ärztlichen bzw. gutachterlichen Angaben nach
der Rechtsprechung (vgl. BGE 141 V 281 E. 5.2.2) frei, insbesondere darauf hin, ob die
Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das
heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (vgl. Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie,
ob die versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter
Grundlage erfolgt ist (vgl. Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG).
2.8.
Im Rahmen der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) darf sich die
Verwaltung - und im Streitfall das Gericht - weder über die (den beweisrechtlichen
Anforderungen genügenden) medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen
noch sich die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur (Rest-)
Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz
und Tragweite zu eigen machen (Bundesgerichtsentscheid vom 24. August 2016,
8C_399/2016 E. 2.2). Die rechtsanwendenden Behörden haben mit besonderer Sorgfalt
zu prüfen, ob die ärztliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde
Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren)
mitberücksichtigt, die vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus
unbeachtlich sind (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 15. März 2017, 8C_14/2017 E. 5.3,
BGE 140 V 193; 130 V 352 E. 2.2.5). Weil aber Recht und Medizin in der
Invalidenversicherung zur Feststellung ein und derselben Arbeitsfähigkeit beitragen,
gibt es keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prüfung einer
medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit. Wenn und soweit die
medizinischen Experten die rechtlichen Vorgaben beachten, scheidet daher eine
rechtliche Parallelüberprüfung im Sinn einer "freihändigen Anwendung" der zu
beachtenden Standardindikatoren aus (vgl. Bundesgerichtsentscheid vom 18.
November 2015, 9C_125/2015 E. 5.5, BGE 141 V 281 E. 5.2.3).
2.9.
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3.
4.
Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist rechtsprechungsgemäss
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen
Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als
Gesunde tatsächlich verdienen würde. Dabei ist in der Regel am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Lohn
anzuknüpfen (vgl. etwa Bundesgerichtsentscheid 9C_422/2015 vom 7. Dezember
2015).
2.10.
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die
ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als
Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist
aber kein solches effektives Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung statistische Werte beigezogen werden (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
7. April 2016, 9C_783/2015; BGE 139 V 592 E. 2.3; BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
2.11.
Der massgebliche Sachverhalt erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, in
welchem sich nach der gegenwärtigen Aktenlage - medizinisch und erwerblich
betrachtet - Veränderungen ergeben haben (verschiedene Phasen, s. unten).
3.1.
Zum Gesundheitszustand und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sind
zahlreiche medizinische Berichte vorhanden. Bis zum Zeitpunkt von März/April 2013
stammen sie von behandelnden Ärzten; dann erfolgte eine erste Begutachtung für die
Krankentaggeldversicherung, eine zweite fand im Juni 2016 statt. Dazwischen wurde
am 25. August 2015 ein IV-Gutachten der Medexperts AG erstattet.
3.2.
Nach den Berichten der behandelnden Ärzte trat bei der Beschwerdeführerin am
10. August 2011 (Phase 1) eine volle Arbeitsunfähigkeit ein, am 22. September 2011
wurde sie operiert und erlitt danach schwere Komplikationen (danach St. n.
Infiltrations-Paraparese 2011 und St. n. Lungenembolie perioperativ 24.09.2011, IV-
act. 74-6). - Sie wollte die Arbeitstätigkeit aus eigenem Antrieb ab 2012 wieder (zu
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/41
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50 %) aufnehmen (IV-act. 12-1) und wurde teilweise arbeitsfähig geschrieben.
Schliesslich arbeitete sie ab Februar 2012 im Umfang von 20 %. - Gemäss dem Bericht
von Dr. C._ vom 16. März 2012 hatte sich eine Lähmung im linken Bein bis dahin fast
komplett zurückgebildet. Das Pensum des Arbeitsversuchs sollte nach seiner
Beurteilung ab 3. April 2012 von 20 % auf 40 % angehoben werden können. Langfristig
erwartete der Operateur damals eine Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von
50 % in adaptierter Tätigkeit. Die Beschwerden würden (sc. durch die Befunde) erklärt.
Am 30. April 2012 nannte der Arzt eine Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Arbeit
von mindestens zwei Dritteln. Die Neurochirurgie am Kantonsspital St. Gallen
diagnostizierte im Frühjahr 2012 ein Failed back surgery-Syndrom bei
therapieresistenten mittelstarken bis starken Lumbalgien und eine geringgradige
Grosszehenheberschwäche links (und beschrieb auch am 7. September 2012 noch
invalidisierende Schmerzen und eine proximale Schwäche der Beinmuskulatur).
Dr. B._ schrieb die Beschwerdeführerin noch am 16. Juli 2012 (vgl. IV-act. 31-4) zu
mindestens 80 % arbeitsunfähig (sie arbeitete im Übrigen seit Juni 2012 [wieder] an
zwei Stunden pro Tag). - Am 10. August 2012 lief eine mögliche Wartezeit ab (zur
Würdigung der ärztlichen Berichte vgl. unten E. 5.3).
Nach einer vorübergehenden Phase voller Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischen
Gründen vom 27. August 2012 bis 5. Oktober 2012 (mit anschliessend psychiatrisch
gesehen wieder voll erreichter Arbeitsfähigkeit) - die Beschwerdeführerin arbeitete nach
Angaben im Gutachten von Dr. J._ ab Oktober 2012 an drei Stunden pro Tag (vgl.
KV-act. 6-3) - nahm die Beschwerdeführerin am 22. November 2012 (Phase 2) die
Arbeit zu 50 % wieder auf. Dr. I._ erachtete (am 19. März 2013, unter Hinweis auf
seinen Bericht vom 9. November 2012, bei letzter Kontrolle am 7. November 2012) eine
Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin in einer adaptierten Tätigkeit an etwa drei bis
vier Stunden pro Tag als wahrscheinlich zumutbar - entsprechend einer
Arbeitsunfähigkeit von gut 50 bis 65 % -, wobei er offen liess, ob dabei eine
verminderte Leistungsfähigkeit bestehe, und unter Hinweis auf die Multimorbidität der
Beschwerdeführerin eine Begutachtung empfahl (zur Würdigung vgl. unten E. 5.3).
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/41
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Ab Februar 2013 (Phase 3) bestand gemäss gutachterlicher Beurteilung von
Dr. J._ (nochmals) volle Arbeitsunfähigkeit: Ca. eineinhalb Monate vor der
orthopädischen Begutachtung durch sie für die Krankentaggeldversicherung vom
20. März 2013 (also ca. anfangs Februar 2013) ist nach Angaben in ihrem Gutachten
erneut eine volle Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin eingetreten (KV-act. 6-3).
Die Gutachterin gelangte zum Schluss, dass bei dieser zur Zeit der Begutachtung unter
orthopädischem Aspekt keine Arbeitsfähigkeit bestehe.
4.3.
Bei der Begutachtung durch Dr. J._ (Gutachten vom 20. März 2013) erfolgte
eine eingehende Befundaufnahme. Es waren unter anderem festgestellt worden eine
Haltungsinsuffizienz, eine Fehlstatik mit geringer Protraktion des Kopfes, deutlich
abgeflachter tiefgezogener Brustkyphose und vermehrter Lendenlordose,
Gewebswassereinlagerungen beidseits in den distalen Unterschenkeln, ein FBA von
50 cm, eine deutlich eingeschränkte Inklination, Seitneigung und Seitdrehung,
Druckschmerzen am Epicondylus humeri ulnaris, eine beidseitig verkürzte
Ischiokruralmuskulatur, schmerzhafte Weichteilverquellungen nuchal, eine deutlich
verschmächtigte dorsale Rumpfmuskulatur, ein lumbosacraler Überstreckschmerz
beidseits, eine geringe Überstreckbarkeit der Hüftgelenke und beidseits eine isolierte
Druckschmerzhaftigkeit der kleinen Glutealmuskulatur. Die Fusssohlen hatten nahezu
keine Gebrauchsbeschwielung aufgewiesen. Die Überprüfung der groben Kraft mittels
Händedrucks habe eine seitengleiche Kraftminderung ergeben. In diesem
Zusammenhang (bei der Greifkraftprüfung, wie schon von Dr. I._) wurde nach einem
allenfalls mangelnden Willen zur vollen Belastung gefragt (KV-act. 6-7). Die Gutachterin
hielt indessen fest, die von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Beschwerden
fänden klinisch ihr Korrelat. Und sehr wahrscheinlich liege auch eine psychische
Überlagerung der Beschwerden vor. Da Entlordosierung eine Linderung der
Beschwerden bringe, seien eine Miederversorgung und Physiotherapie zur Stärkung
der Rumpfmuskulatur sinnvoll. Nach Linderung der Beschwerden sollte zügig mit
medizinischer Trainingstherapie begonnen werden.
4.3.1.
Der Gutachterin Dr. J._ lagen bei der Erstellung des Gutachtens vom 20. März
2013 kaum so umfangreiche Akten vor, wie sie die Invalidenversicherung besass (vgl.
KV-act. 6-2, 9, 10). Ausserdem erscheint fraglich, inwiefern die Ausrichtung auf die
Belange der Krankentaggeldversicherung den Beweiswert für die Invalidenversicherung
mindert (was beides für den gesamten Zeitraum der Phasen gemäss E. 4.3 und 4.4
bedeutsam ist). Die Gutachterin hat allerdings auf eine Objektivierung geachtet, hat sie
doch bei der Prüfung der Handkraft einen genügenden (Leistungs-) Willen der
Beschwerdeführerin in Frage gestellt. - Das (mitbegutachtende) K._ gelangte aus
4.3.2.
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psychiatrischer Sicht bei der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit
deutlich reaktiven Anteilen zum ganz genau gleichen Ergebnis - wie Dr. J._ aus
rheumatologischer Sicht -, nämlich, dass die Beschwerdeführerin zur
Begutachtungszeit vom 20. März 2013 aus (hier:) psychiatrischen Gründen für alle
Tätigkeiten voll arbeitsunfähig sei, durch psychiatrische Behandlung aber innert sechs
Wochen ab Begutachtung (d.h. ab anfangs Mai 2013) wieder eine Arbeitsfähigkeit von
50 % (und hernach eine solche von 75 % und von 100 %) zu erwarten sei. - Die
Medexperts AG erachtete später diese aus psychiatrischen Gründen angegebene volle
Arbeitsunfähigkeit angesichts der Diagnose nicht für nachvollziehbar, ebenso wenig
wie die prospektive psychiatrische Beurteilung deren weiteren Verlaufs (vgl. IV-
act. 109-42, 5.10; zur Würdigung des Gutachtens vom 20. März 2013 vgl. auch unten
E. 5.1 und 5.3).
Prospektiv erwartete Dr. J._ wie erwähnt, dass sechs Wochen nach der
Begutachtung - d.h. ab anfangs Mai 2013 (Phase 4) - bei intensiven
Therapiemassnahmen wieder eine Arbeitsfähigkeit von 50 % sollte erreicht werden
können, je zwei Wochen später dann eine solche von 75 % und dann von 100 % (also
ab anfangs Juni 2013). - Der Gutachter der Rheumatologie der Medexperts erklärte zu
dieser Beurteilung von Dr. J._, aus aktueller rheumatologischer Sicht scheine eine
Steigerung des aktuellen Arbeitspensums von 50 % aufgrund der objektivierbaren
pathologischen klinischen und radiologischen Befunde realisierbar; die Stelle sei aber
gekündigt (IV-act. 109-62). Im polydisziplinären Teil des Medexperts-Gutachten wurde
dazu festgehalten, infolge der psychiatrischen Erkrankung (und der hinzugetretenen
therapierefraktären chronifizierten WS-Schmerzen) sei es zu dieser Steigerung der
Arbeitsfähigkeit nicht gekommen (vgl. IV-act. 109-75 und IV-act. 109-78; vgl. zur
Würdigung auch unten E. 5.1 und 5.3). - Nach der Hospitalisation vom 10. bis 24. Juni
2013 mit entsprechender vorübergehender voller Arbeitsunfähigkeit hat die
Beschwerdeführerin im Übrigen auch tatsächlich wieder zu 50 % gearbeitet.
4.4.
4.5.
Im August 2015 (Gutachten vom 25. August 2015; Phase 5) wurde die
Beschwerdeführerin bei der Medexperts AG polydisziplinär untersucht. Der Gutachter
der Rheumatologie erhob die Befunde und hielt fest, in der aktuell ausgeübten
Berufstätigkeit, die als adaptiert zu betrachten sei, lasse sich aus aktueller Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im Umfang von höchstens 20 %
begründen, bedingt durch die Notwendigkeit vermehrter und über das betriebsübliche
Mass hinausgehender Pausen zur Einnahme von Entlastungsstellungen und
4.5.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/41
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Durchführung von Entspannungsübungen (IV-act. 109-60; 7.6.1). Das aktuell ausgeübte
Pensum von 50 % in der adaptierten angestammten Tätigkeit scheine - nach
Durchführung einer intensiven stationären Rehabilitation mit Behandlung nach
multimodalem Therapieschema und Work Hardening - aus rheumatologischer Sicht bis
31. Dezember 2015 (Ablauf der Kündigungsfrist) noch steigerungsfähig (IV-act. 109-61).
In körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeiten ohne wirbelsäulenbelastende
Arbeiten bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Eine Steigerung der körperlichen
Leistungsfähigkeit erscheine nach Durchführung der genannten Massnahmen möglich
(IV-act. 109-60; 7.6.3). Die aktuell objektivierbaren pathologischen klinischen und
radiologischen Befunde würden eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % in
der aktuell ausgeübten, körperlich adaptierten Berufstätigkeit und in anderen körperlich
adaptierten Berufstätigkeiten nur schwer begründen lassen (IV-act. 109-61; 7.9). Die
Hyperlaxität (am 17. Juli 2002, IV-act. 109-50, waren Oligo-/Polyarthralgien bei
generalisierter ligamentärer Hyperlaxität, muskulärer Dysbalance und Insuffizienz,
Skoliose und tiefgezogener BWS-Kyphose gefunden worden, IV-act. 109-55; alte
Bilder vgl. IV-act. 109-53; erste Gelenksblockaden schon mit 25 Jahren, also 1997,
KV-6-4) war übrigens gemäss den Angaben des Gutachters der Rheumatologie vom
22. Juni 2015 auch bei der Begutachtung noch vorhanden (vgl. IV-act. 109-53; zu
weiteren Ausführungen des Medexperts-Gutachters der Rheumatologie unten E. 5.2).
Zur orthopädischen Disziplin hielt die Medexperts AG im polydisziplinären Teil
(die Gutachterin der Orthopädie war Hauptgutachterin und erstellte kein separates
Teilgutachten) fest, dass zusammenfassend die Funktionseinschränkungen der LWS
der Beschwerdeführerin durch eine mögliche Fazettenproblematik und myofasziale
Problematik erklärbar und schmerzbedingt seien (IV-act. 109-72). Im Bereich der LWS
habe sich mit Ausnahme einer subtotal aufgebrauchten Bandscheibe im Abschnitt
LWK5/S1 eine normale Höhe der Intervertebralräume gezeigt, ausserdem lägen eine
knöcherne Einengung der Neuroforamina LWK5/S1 und eine Spondylarthrose im
lumbosacralen Übergang vor. Das Baastrup-Phänomen L3 bis 5 weise auf eine
ligamentäre Ursache bei muskulärer Dysbalance mit Fehlhaltung und Fehlbelastung
hin. Die beklagten belastungsabhängigen Fersenschmerzen könnten durch die
Fussfehlstatik bei Knick-/Senk-Spreizfuss beidseits und eine plantare Fasziitis bei
Fersensporn beidseits ausgelöst werden. Beidseits habe sich eine angedeutete
Haglund-Ferse gezeigt. Die Beschwerdeführerin sei zurzeit wegen der anhaltenden
Fersenschmerzen bei ständigem Stehen und Gehen handicapiert. Ihre Wirbelsäule sei
eingeschränkt belastbar. Die Dekonditionierung wirke sich ungünstig aus; diese sei
jedoch behandelbar. Durch die Meniskusläsion links sei die Beschwerdeführerin zurzeit
4.5.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/41
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nur geringgradig eingeschränkt. Die geringgradige HWS-Symptomatik und die
ebenfalls leichten Ansatztendopathien im Bereich der Ellbogengelenke könnten durch
physikalische Massnahmen gelindert werden (IV-act. 109-72 f.). Möglich seien aus
orthopädischer Sicht leichte wechselbelastende adaptierte Tätigkeiten; wegen
Verlangsamung und chronifizierter Schmerzen werde "ein Rendement von 20 bis
30 % ... angenommen" (IV-act. 109-73, gemeint wohl eine Verminderung des
Rendements, vgl. IV-act. 109-76).
Internistisch waren keine Diagnosen von Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu
erheben gewesen (IV-act. 109-65). - Neurologisch gesehen bestanden gemäss dem
Medexperts-Gutachten ein chronisches Schmerzsyndrom lumbal und ein myofasziales
Schmerzsyndrom der Schulter-/Nackenregion, beide ohne neurologische Ausfälle. Von
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien beide nicht. Tangentiale Drehbewegungen der
LWS sollten auf ein Minimum beschränkt werden und es sei ein Sitzhocker zur
Verfügung zu stellen (IV-act. 109-47 f.). Hinweise auf ein suboptimales
Leistungsverhalten seien nicht aufgetreten (IV-act. 109-49).
4.5.3.
Bei der psychiatrischen Begutachtung ergab sich als Diagnose mit Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit eine leichte bis mittelgradige depressive Störung. Diese bewirke
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im IV-rechtlichen Sinn um ca. 30 % (IV-
act. 109-41), und zwar sowohl in der zuletzt ausgeübten wie einer adaptierten Tätigkeit.
Diese Einschränkung habe sich vermutlich in den letzten Monaten bzw. Jahren
aufgebaut und sei sicherlich seit dem Untersuchungstermin vorhanden. Beim Befund
waren eine depressive Symptomatik mit herabgesetzter Grundstimmung und
Schwingungsfähigkeit, Ängste, Schlafstörungen, ein eingeschränkter Antrieb und eine
deutlich verminderte Vitalität festgestellt worden. Es sei davon auszugehen, dass
schon im August 2012 eine ähnliche Problematik bestanden habe, die sich aber in den
letzten Jahren chronifiziert habe, weshalb (da die Anpassungsstörung gemäss ICD 10
nach zwei Jahren umcodiert werden müsse) von einer leichten bis mittelgradigen
depressiven Störung auszugehen sei. Diese stelle ein eigenständiges Krankheitsbild
dar (IV-act. 109-40). Daneben gebe es IV-fremde Faktoren wie die
Beziehungsproblematik, die Isolation hierzulande und die fehlende Ausbildung, welche
die Arbeitsfähigkeit zusätzlich einschränkten, aber nicht IV-relevant seien. - Unter
diesen Umständen ist davon auszugehen, dass der Gutachter die Diagnosen erklärt
hat. Er hat auch Augenmerk auf das Auseinanderhalten von gesundheitlich bedingter
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und mitwirkenden, hierfür nicht relevanter Faktoren
gelegt. Des Weiteren hat er sich auch zu den Handicaps geäussert. Bei der
Beschwerdeführerin seien aufgrund der psychischen Erkrankung im Rahmen des Mini-
4.5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 28/41
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ICF die Kontaktfähigkeit zu Dritten und die familiären bzw. intimen Beziehungen
mittelgradig bis schwer eingeschränkt. In der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, der
Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, der Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit
sei die Beschwerdeführerin leicht bis mittelgradig eingeschränkt, leicht eingeschränkt
in der Spontanaktivität. In der Anpassung an Regeln und Routine, in der Planung und
Strukturierung von Aufgaben und in der Anwendung fachlicher Kompetenzen sei sie
nicht eingeschränkt. Der Gutachter hat sich somit unter dem Aspekt der
Standardindikatoren mit dem Schweregrad der Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunde und mit der Krankheitsgeschichte ebenso auseinandergesetzt wie mit der
Persönlichkeit der Beschwerdeführerin (anamnestische Hinweise auf eine ängstliche
vermeidende, selbstunsichere, abhängige Persönlichkeitsakzentuierung als Diagnose
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit) und den sozialen Verhältnissen. Zur Konsistenz
hielt der Gutachter dafür, eine somatoforme Schmerzstörung oder ein vergleichbares
syndromales Zustandsbild liege nicht vor. Bei der Tagesstruktur wurde darauf
hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin nach viereinhalb Stunden Arbeit, während
welcher sie sich durchbeissen könne, völlig erschöpft sei (IV-act. 109-36 f.). Seit zwei
Jahren stand die Beschwerdeführerin alle zwei Wochen in psychiatrisch/
psychotherapeutischer Behandlung (IV-act. 109-38). Der Medikamentenspiegel für
Duloxetin war im therapeutischen Bereich (IV-act. 109-38). Diskrepanzen sind hier
(anders unten E. 4.5.6) so weit ersichtlich nicht festgestellt worden. Die psychiatrische
Begutachtung genügt den Anforderungen der Rechtsprechung und das Ergebnis ist
überzeugend.
Polydisziplinär wurde schliesslich festgehalten, aufgrund der objektivierbaren
und führenden Gesundheitsstörungen des Bewegungsapparates liege rheumatologisch
(recte wohl: orthopädisch, vgl. IV-act. 109-75 unten) eine Arbeitsunfähigkeit in der
bisherigen und in einer adaptierten körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeit
von 50 % vor (IV-act. 109-74 unten; die Angabe zur Arbeitsfähigkeit von 50 % in
adaptierter Tätigkeit scheint angesichts der Beantwortung der Fragen bei IV-
act. 109-76 ein Versehen darzustellen, richtig wohl: somatisch gesehen Arbeitsfähigkeit
von 70 bis 80 %). In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bestehe zur Zeit der
Begutachtung wegen der leichten bis mittelgradigen Funktionsdefizite der Wirbelsäule,
der leichtgradigen Kniepathologie links, der Fussschmerzen und der
Schmerzchronifizierung Grad 3 aus orthopädischer (und aus rheumatologischer, s.
oben) Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50 %, aus psychiatrischer Sicht eine solche
von 30 % (IV-act. 109-75 f.). Bei leichten, wechselbelastenden, angepassten
Tätigkeiten bestehe rheumatologisch gesehen eine Arbeitsunfähigkeit von 20 %, aus
4.5.5.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 29/41
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orthopädischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 70 bis 80 %, aus psychiatrischer Sicht
eine Arbeitsfähigkeit von 70 %; polydisziplinär werde eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in
Bezug auf ein Vollpensum angenommen (IV-act. 109-76).
Der RAD wies in seiner Stellungnahme vom 15. September 2015 (IV-act. 110)
zum Gutachten der Medexperts AG darauf hin, dass sich bei der klinischen
Untersuchung bei sehr tiefer Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Inkonsistenzen gezeigt hätten. Der Gutachter der Rheumatologie hatte denn auch
darauf hingewiesen, dass die subjektive Einschätzung der körperlichen
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin (sc. im PACT-Test) weit unter der
Belastungsgrenze für eine leichte Berufstätigkeit liege und mit der Ausübung einer
Berufstätigkeit - die Beschwerdeführerin arbeite zu 50 % - nicht vereinbar wäre (IV-
act. 109-61 und -58). Es zeigt sich somit, dass der PACT-Test einen unter dem für eine
Berufstätigkeit erforderlichen Wert ergab, während die Beschwerdeführerin allerdings
nach der gegenwärtigen Aktenlage damals eine Arbeitstätigkeit von 50 % tatsächlich
ausübte. Der Aussagewert des PACT-Tests ist entsprechend zu würdigen. Ausserdem
ist bezüglich dieses Testergebnisses mitzuberücksichtigen, dass psychiatrisch
gesehen eine leichte bis mittelgradige depressive Störung der Beschwerdeführerin
festgestellt wurde (IV-act. 109-78). - Als Inkonsistenzen nannte der Gutachter der
Rheumatologie, dass der Finger-Boden-Abstand nicht lege artis prüfbar gewesen sei
(keine Wirbelsäulenflexion lumbal ohne gleichzeitige Flexion der Hüft- und
Kniegelenke), das Lasèguezeichen aber beidseits negativ gewesen sei und der
Langsitz problemlos habe ausgeführt werden können (IV-act. 109-58). Diese
Inkonsistenzen hat der Gutachter in seine Beurteilung miteinbezogen. Das Ergebnis ist
ausreichend objektiviert worden.
4.5.6.
Auf das Ergebnis des Medexperts-Gutachtens kann, wie der RAD es
befürwortete, bei der gegenwärtigen Aktenlage aufgrund seiner gutachterlichen
Befundaufnahme und Würdigung (samt Kenntnis etwa des Ergebnisses des PACT-
Tests und der Inkonsistenzen) sowie der auf die beschriebenen Befunde abgestützten
Begründung für die betreffende Zeit (der Begutachtung) abgestellt werden. Es ist nach
gegenwärtiger Aktenlage somit für die damalige Zeit von einer Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 50 % in angestammter und von 70 % in adaptierter Tätigkeit
auszugehen.
4.5.7.
Die rückblickende Beurteilung dagegen ist davon abweichend zu würdigen (vgl.
unten E. 5.1 bis 5.3).
4.5.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 30/41
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Gemäss den Berichten der Abteilung Psychosomatik an den Kliniken Valens vom
7. Oktober 2015 und der Psychiatrischen Klinik P._ vom 28. Januar 2016 war die
Beschwerdeführerin daraufhin vom 14. September 2015 (Phase 6) bis 7. Oktober 2015
und vom 8. Oktober bis 21. Januar 2016, also insgesamt rund vier Monate lang,
hospitalisiert und somit voll arbeitsunfähig gewesen.
4.6.
In der Folge - gemäss KV-act. 7-2 auf den 31. Mai 2016 - hat die
Beschwerdeführerin ihre Anstellung verloren. - Damals, im Juni 2016 (Phase 7), fand
auch die weitere Begutachtung für die Krankentaggeldversicherung statt.
4.7.
Dr. J._ gelangte darin unter orthopädischem Gesichtspunkt zum Schluss, dass
der Beschwerdeführerin für körperlich leichte Tätigkeiten in wechselnder Ausgangslage
eine volle Arbeitszeit zumutbar sei (KV-act. 7-37). Die Gutachterin gab an, es lägen eine
verminderte Belastbarkeit der Wirbelsäule bei Status nach OP, eine Fehlstatik der
Wirbelsäule, eine Haltungsinsuffizienz, ein muskulärer Hartspann und eine
verschmächtigte Rumpfmuskulatur, degenerative Veränderungen der mittleren/unteren
HWS und der unteren LWS, aktuell eine aktivierte Osteochondrose in Höhe L5/S1,
beidseits eine verkürzte Ischiokruralmuskulatur, und eine Fehl- und Überlastung des
Bewegungsapparates (bei Übergewicht von etwa 25 kg in den letzten drei Jahren) vor.
Der Befundaufnahme ist unter anderem weiter zu entnehmen, dass der FBA 56 cm
betrug, und dass deutliche Gewebswassereinlagerungen in den Beinen, eine
abgeflachte tiefgezogene Brustkyphose und vermehrte Lendenlordose, ein
eingeschränktes Seitneigen/Seitdrehen beidseits mit Schmerzen am unteren
Rippenbogen/Beckenkamm, ein lumbosacraler Überstreckschmerz beidseits, eine
geringe Überstreckbarkeit der Hüftgelenke, insgesamt sehr wenig
Gebrauchsbeschwielung der Fusssohlen und schmerzhafte Weichteilverquellungen
nuchal vorlagen.
4.7.1.
Neu waren bei der Begutachtung vom Juni 2016 so weit ersichtlich orthopädisch
gesehen eine aktivierte Osteochondrose in Höhe L5/S1 (die Gutachterin konnte ein
MRT vom 1. Juni 2016 mitbeurteilen; keine Wiedergabe des Befundes; nicht bekannt,
welche Region), und degenerative Veränderungen der mittleren/unteren HWS, wobei
der Kinn-Jugulum-Abstand (vorher 2/17, neu) 2/16 ausmachte. Die Funktionsprüfung
war so weit ersichtlich nicht mehr schmerzhaft. Nicht mehr beschrieben wurden so weit
ersichtlich gemäss dem Befund die (vormaligen) Druckschmerzen am Epicondylus
humeri ulnaris und die beidseits isolierte Druckschmerzhaftigkeit der kleinen
Glutealmuskulatur. Eine ausdrückliche Auseinandersetzung mit einer allfälligen
Veränderung seit der letzten Begutachtung erfolgte nicht. Es fragt sich zudem, ob nicht
4.7.2.
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der Fokus der Auftrag gebenden Taggeldversicherung auf das versicherte Pensum von
nur 50 % die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit beeinflusste (vgl. oben E. 4.3.2). Indessen
kann angesichts der umfassenden Befunderhebung bei der gegebenen Aktenlage auf
die Beurteilung abgestellt werden, wonach die zumutbare Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin unter orthopädischem Aspekt für ein volles Arbeitspensum von
8.5 Stunden pro Tag für adaptierte Tätigkeiten ausreicht. Im Vergleich zur Beurteilung
der Medexperts AG einer damaligen (Juni 2015) Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um
20 bis 30 % für adaptierte Tätigkeiten ist somit bei der gegenwärtigen Aktenlage von
einer gewissen Verbesserung des somatischen Gesundheitszustands auszugehen.
Die psychiatrische Begutachtung ergab gemäss dem Gutachten von Dr. R._
vom 9. Juni 2016 diagnostisch, dass (erster Punkt) eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig maximal leichte Episode, ohne somatisches Syndrom vorliege,
daneben (zweiter Punkt) ein primär reaktives depressives Geschehen aufgrund von
psychosozialen Belastungen (vor allem chronischer Ehekonflikt sowie Stellenverlust;
DD emotionale Reaktion/Anpassungsstörung mit depressiven und anderen Gefühlen
[Kränkung, Wut, Verbitterung]), (dritter Punkt) akzentuierte ängstlich-vermeidende,
selbstunsichere und abhängige Persönlichkeitszüge, DD: kombinierte
Persönlichkeitsstörung, (vierter Punkt) eine Aggravation, passives Coping sowie
selbstlimitierendes Schon- und Vermeidungsverhalten, Verdacht auf
(bewusstseinsnahe) Symptom-Präsentation im Sinn einer Rentenbegehrlichkeit, und
(fünfter Punkt) ein Verdacht auf eine somatoforme Schmerzstörung bei multiplen
körperlichen Schmerzen und St. n. Rückenoperation 2011 (KV-act. 7-18). Der
Gutachter schloss, aufgrund der leichten psychiatrischen Symptomatik sei die
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zurzeit zu 20 bis
30 % eingeschränkt, nach einer Remission der Depression sei die Arbeitsfähigkeit auch
wieder voll vorhanden (KV-act. 7-27).
4.7.3.
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Gutachter der Psychiatrie darlegte,
die Beschwerdeführerin habe einen deutlichen Hang zur Aggravation mit Diskrepanzen
zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiven Befunden und etlichen
Widersprüchen und Inkonsistenzen, die sich zum Teil bei genauerer Nachfrage
relativierten oder auflösten. Es bestehe auch eine Diskrepanz zwischen subjektiv
wahrgenommenem und affektiv spürbarem Leidensdruck. Er nannte ein
demonstratives Klagen beim Aufstehen und Gehen vor und nach der Untersuchung,
während die Beschwerdeführerin bei der eineinhalb stündigen Untersuchung ruhig und
unauffällig auf dem Stuhl gesessen habe (vgl. KV-act. 7-16).
4.7.4.
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Auf den starken Verdacht auf eine relativ bewusstseinsnahe Aggravation mit dem
Ziel einer Rentenbegehrlichkeit schliesst der Gutachter der Psychiatrie aber auch aus
der Vorgeschichte und dem Krankheitsverlauf. Auffallend sei, dass die
Beschwerdeführerin bei immer nur relativ geringen psychischen und körperlichen
Befunden eine mehrjährige Phase mit bis zu 100 % Arbeitsunfähigkeit gehabt habe. Als
sie die Stelle deswegen dann verloren habe, habe sie plötzlich sehr aktiv um eine
Neuanstellung gekämpft. Nachdem sie diese dann erhalten habe - die Arbeitgeberin
habe ihr allerdings entgegen ihrem Wunsch nach einem Vollzeitpensum lediglich eine
50 %-Stelle gegeben -, habe sie dann längere Zeit ohne Krankschreibung arbeiten
können. Es frage sich, weshalb sie plötzlich vollzeitlich habe arbeiten wollen, nachdem
sie vorher doch so lange für eine volle Arbeitsunfähigkeit gekämpft habe. Erst unter
erneuten psychosozialen Belastungen und dem negativen Ausgang der
polydisziplinären Begutachtung im Jahr 2015 sei es zur erneuten Krankschreibung
gekommen (vgl. KV-act. 7-22).
4.7.5.
Was diese der Beurteilung zugrundeliegenden Annahmen des Gutachters zur
Vorgeschichte betrifft, ist allerdings einerseits auf Folgendes hinzuweisen: Die
Beschwerdeführerin hatte Lähmungen erlitten und es waren zumindest (selbst gemäss
dem Medexperts-Gutachten, vgl. unten E. 5.2) kernspintomographisch aktivierte
Spondylarthrosen L3 bis S1 nachgewiesen worden. Von der Klinik für Neurochirurgie
am Kantonsspital St. Gallen war echtzeitlich (am 7. September 2012, vgl. IV-act. 34-2)
ein bildmorphologischer Nachweis von entzündlich veränderten Spondylarthrosen (vom
Gutachten der Medexperts AG nach neueren Kriterien diagnostisch anders betrachtet)
festgestellt worden. Die somatischen Beschwerden und Funktionseinschränkungen
waren wiederholt als durch die Befunde begründet betrachtet worden (vgl. namentlich
IV-act. 109-72 f.). Die Beschwerdeführerin hat im Übrigen auch beispielsweise nach
einem Wechsel der Medikation oder nach Spitalaufenthalten von einer Besserung der
Schmerzen und der Beschwerden berichtet. Auch gab sie etwa bekannt, dass sie die
Symptomatik, welche zur Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung geführt
hatte (Infiltrationsparaparese und Lungenembolie), überwunden habe. Sie nahm nach
Phasen der (u.a. vollen) Arbeitsunfähigkeit ihre Arbeit mehrfach teilweise tatsächlich
wieder auf. Ihre Stelle, die sie bereits seit ihrem 17. Altersjahr innehatte, behielt sie
auch nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit bei. Die Arbeitstätigkeit wurde ihren
krankheitsbedingt erforderlichen Einschränkungen angepasst (vgl. KV-act. 2-11: vorher
Maschinen[-...], danach leichte Arbeiten [...]). Die Beschwerdeführerin hat sich zwar für
voll arbeitsunfähig gehalten (vgl. IV-act. 109-42), ist ihrer Arbeit jedoch wie erwähnt
trotzdem teilweise (nach der Aktenlage längere Zeit zu 50 %) nachgegangen (vgl. IV-
4.7.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 33/41
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act. 109-38). Das von der Arbeitgeberin noch angebotene Pensum von 50 % übte sie
aus. Die Beschwerdegegnerin unterstützte sie im Übrigen bei der Erhaltung dieses
Arbeitsplatzes (vgl. Zielvereinbarung betreffend den Eingliederungsplan vom
31. Januar/8. Februar 2013, kurz nach der Frist von zwölf Monaten ab der Anmeldung
gemäss Art. 49 IVG; Leistungszusprache vom 14. Februar 2013 für berufliche
Massnahmen im Sinn von Beratung und Unterstützung bei der Erhaltung des
Arbeitsplatzes, also für Arbeitsvermittlungsmassnahmen nach Art. 18 Abs. 1 lit. b IVG)
ebenso wie die Taggeldversicherung und die Arbeitgeberin. Am Ende hatte das
während ihres gesamten Erwerbslebens aufrechterhaltene Arbeitsverhältnis etwa
26 Jahre gedauert. - Im Bericht der Abteilung Psychosomatik an den Kliniken Valens
vom 7. Oktober 2015 war ausserdem angegeben worden, die Beschwerdeführerin
habe sich mit zunehmender Therapiedauer geöffnet und von ihrer über weite Strecken
der Hospitalisation dissimulierten seelischen Not berichtet (IV-act. 125-3). - Dr. B._
hatte im Übrigen bereits am 3. Juli 2014 (IV-act. 96) berichtet, der Zustand der
Beschwerdeführerin habe sich verschlechtert. Eine Kryorhizotomie des ISG links vom
14. Mai 2014 sei ohne Erfolg geblieben. Wegen der subjektiv empfundenen massivsten
Schmerzen sei die Versicherte gemäss der behandelnden Psychiaterin vom 10. Juni
2014 bis 30. Juni 2014 voll arbeitsunfähig geschrieben worden.
Anderseits war in einer früheren klinischen Untersuchung bei der Prüfung der
Handkraft (erstmals am 9. November 2012) eine eingeschränkte Compliance
festgestellt und später ebenfalls bei der Handkraft ein mangelnder Wille in Erwägung
gezogen worden. - In einem Verlaufsprotokoll der IV-Eingliederungsberatung vom
30. Dezember 2013 (IV-act. 78) war zudem festgehalten worden, nach Auslaufen der
Krankentaggelder im Juni 2013 sei der Arbeitsvertrag auf ein Pensum von 50 %
angepasst worden. Eine weitere Steigerung habe die Beschwerdeführerin nicht
erreichen können. Das Pensum von 50 % habe für sie oberste Grenze dargestellt. Nach
ihrer Auffassung müssten die Ärzte alles unternehmen, damit die Schmerzen behoben
würden. Erst dann könne sie eventuell wieder mehr arbeiten. Eine Haltungsänderung
von der passiven in die aktive Rolle habe nicht erreicht werden können (IV-act. 78-5).
Der Umdenkprozess werde nicht einfach sein und viel Zeit und Energie kosten, wenn
sie sich überhaupt darauf einlasse. Sie müsse jedoch einsehen, dass auch sie aktiv
werden müsse und es kein Wundermittel gegen die Schmerzen gebe (IV-act. 78-3).
4.7.7.
Der Gutachter der Psychiatrie hat jedenfalls den Einfluss der Aggravation und
des Verdachts auf eine bewusstseinsnahe Symptompräsentation bei seiner Beurteilung
mitberücksichtigt (vgl. auch unten E. 4.7.10). Er hat festgehalten, dass nur ein Teil der
subjektiv beklagten Beschwerden habe objektiviert werden können (KV-act. 7-24).
4.7.8.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 34/41
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Was die depressive Störung betrifft, hat die Testung mit der Hamilton-
Depressionsskala (HAMDS-21, mit 21 Items) nach Angaben des Gutachters maximal
etwa 17 bis 20 Punkte ergeben, was einer leichten bis grenzwertig mittelschweren
Depression entsprechen würde und nicht mit dem klinischen Eindruck übereinstimme
(KV-act. 7-18, vgl. 7-14). - Zu erwähnen ist diesbezüglich, dass solchen Testmethoden
nach der Rechtsprechung im Rahmen psychiatrischer Begutachtungen denn auch
höchstens eine ergänzende Funktion zukommt, während die klinische Untersuchung
mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung
entscheidend bleibt (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 23. Januar 2017, 8C_772/2016
E. 6.1). - Bei der Beschreibung der aktuellen psychischen Symptomatik (nach
HAMDS-21 und AMDP, d.h. gemäss der Arbeitsgemeinschaft für Methodik und
Dokumentation in der Psychiatrie) wurde festgestellt, dass die Beschwerdeführerin vor
allem an Einsamkeitsgefühl leide (von Depressionen erzähle sie von sich aus nichts),
daneben auch an Schuldgefühlen. Sie mache sich Selbstvorwürfe. Während des
Klinikaufenthalts habe sie eine Lebensverleiderstimmung und Suizidgedanken gehabt;
nun sei es bezüglich dieses Leidens viel besser. Antrieb, Tatkraft und Energie seien
vermindert. Sie habe kein Interesse und keine Motivation für soziale Aktivitäten und
mache nur, was sie müsse. Alles sei für sie zu schwierig, eine Lösung sei nicht in Sicht
und sie sei immer allein. Teilweise habe sie (als vegetatives Symptom) Herzklopfen (KV-
act. 7-13 f.). Bei den objektiven Befunden (gemäss HAMDS-21 und AMDP, KV-
act. 7-16 f.) beschrieb der Psychiater unter anderem auch, die affektive
Grundstimmung sei schwach zum negativen/depressiven Pol gedrängt gewesen, nicht
wirklich spürbar depressiv, sondern mehr klagend. Das Denken sei inhaltlich eingeengt
und um die psychosozialen Belastungen kreisend gewesen. Der Schlaf sei nur mässig
gestört und bei der Exploration sei die Beschwerdeführerin nur geringfügig verlangsamt
gewesen. Weder sei der Appetit vermindert noch bestünden circadiane
Stimmungsschwankungen. Die Beschwerdeführerin gehe täglich spazieren.
4.7.9.
Der Gutachter der Psychiatrie gab an, bei der Beschwerdeführerin liege - unter
Berücksichtigung der Neigung zur Aggravation (IV-act. 7-21) - eine "maximal leichte,
anhaltende Depression" (IV-act. 7-20) vor.
4.7.10.
Diese Depression sei ausgelöst durch die anhaltenden schweren Eheprobleme
der Beschwerdeführerin und nun auch noch durch den Verlust der Arbeitsstelle nach
26 Jahren der Anstellung, nachdem sie dort seit ihrem 17. Altersjahr gearbeitet habe
(KV-act. 7-20). Die depressive Problematik sei grundsätzlich theoretisch unter
fortgesetzter Therapie auch remittierbar. Aber wegen der starken reaktiven Triggerung
durch die Eheproblematik bestehe grösste Gefahr der weiteren Fixierung und
4.7.11.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 35/41
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Chronifizierung (IV-act. 7-21). - Eine solche Fixierung ist demnach bereits eingetreten.
Zu berücksichtigen ist diesbezüglich aber des Weiteren, dass soziale Belastungen,
soweit sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, nach der Rechtsprechung
ausgeklammert bleiben (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 31. Oktober 2018, 8C_628/2018
E. 4.5.1.1; BGE 141 V 281 E. 4.3.3). Ein invalidisierender psychischer
Gesundheitsschaden kann nur gegeben sein, wenn das klinische Beschwerdebild nicht
einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet,
sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 15. März 2017, 8C_14/2017 E. 5.3). Erhalten diese Umstände
jedoch bloss mittelbar eine (verselbstständigte) Gesundheitsschädigung aufrecht oder
verschlimmern sie ihre (unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen
bestehenden) Folgen, so sind sie mitzuberücksichtigen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom
15. März 2017, 8C_14/2017 E. 5.3). Psychosoziale und soziokulturelle Faktoren sind
also mittelbar invaliditätsbegründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der -
unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen des
Gesundheitsschadens beeinflussen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 7. Februar 2012,
9C_736/2011 E. 2.3.3, m.H.). - Vorliegend fällt diesbezüglich ins Gewicht, dass der
Gutachter bereits in der Diagnose die rezidivierende depressive Störung einerseits und
das primär reaktive depressive Geschehen aufgrund von psychosozialen Belastungen
(mit der Differenzialdiagnose einer emotionalen Reaktion/Anpassungsstörung mit
depressiven und anderen Gefühlen) anderseits auseinandergehalten hat. Das lässt
darauf schliessen, dass er die entsprechenden Anteile bereits separiert hat.
Bei der weiteren Beweiswürdigung der gutachterlichen psychiatrischen
Ausführungen (Standardindikatoren) ist zudem festzuhalten, dass, wie sich aus E. 4.7.3
ergibt, mehrere psychiatrische Diagnosen (namentlich eine depressive Störung und
akzentuierte Persönlichkeitszüge bzw. eine Persönlichkeitsstörung)
zusammenkommen. Das ist als Erschwernis zu betrachten. Der Gutachter erklärte, die
Beschwerdeführerin verarbeite die emotionalen Schmerzen auch im Rahmen ihrer
somatoformen Schmerzverarbeitungsstörung körperlich, so dass seit Jahren eine
somatoforme Schmerzstörung vorliege. Der Umgang mit den psychischen wie
körperlichen Schmerzen geschehe auf dem Hintergrund einer Persönlichkeit mit
ausgeprägten ängstlich-vermeidenden, selbstunsicheren, abhängigen Zügen (gemäss
ICD 10 Z73.0 bzw. F61.0: kombinierte Persönlichkeitsstörung). Demnach liegt eine
somatoforme Schmerzstörung seit Jahren vor. Der Umgang mit den psychischen und
körperlichen Schmerzen ist aufgrund der Persönlichkeit erschwert. Der Gutachter hielt
fest, das depressive Leiden sei ebenfalls langwierig bzw. habe einen rezidivierenden
4.7.12.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 36/41
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Verlauf (KV-act. 7-20). Der Heilungsverlauf sei seit Jahren gleichförmig mit inzwischen
immer stärkerer Neigung zur Fixierung und Chronifizierung aufgrund der
psychosozialen Belastungen, die im letzten Jahr massiv zugenommen hätten (KV-
act. 7-21). Der Gutachter bestätigte des Weiteren, dass als Symptom der Depression
und im Rahmen der akzentuierten Persönlichkeitszüge ein sozialer Rückzug vorliege,
den die behandelnde Psychiaterin fälschlicherweise als phobische Angststörung
betrachte (KV-act. 7-21). Im Übrigen hatte bereits im März 2013 der gutachterliche
Psychiater des K._s berichtet, es seien regressive Aspekte deutlich geworden. - Im
Bericht der Abteilung Psychosomatik an den Kliniken Valens vom 7. Oktober 2015 war
ausserdem angegeben worden, bei Eintritt der Beschwerdeführerin sei die
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom bereits wirksam
antidepressiv behandelt gewesen, unter medikamentöser Therapie habe sie bei sehr
ungünstigen psychosozialen verlaufsbestimmenden Faktoren persistiert und im Vorfeld
der Entlassung exazerbiert. Sie sei zunehmend mit Panikattacken und soziophoben
Tendenzen vergesellschaftet gewesen.
Da der Gutachter der Psychiatrie (Dr. R._) die Aspekte der von ihm
diagnostizierten Aggravation bei seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin bereits berücksichtigt und ausgeschieden hat, und zwar schon bei
der Benennung der Diagnose der depressiven Störung, und weil dasselbe auch für den
Einfluss der psychosozialen Faktoren gilt, kann nach dem oben Dargelegten nach der
gegenwärtigen Aktenlage auf sein Ergebnis einer (psychiatrisch bedingten)
Einschränkung der für die Beschwerdeführerin zumutbaren Arbeitsfähigkeit um
durchschnittlich 25 % in adaptierter Tätigkeit abgestellt werden. Nach gutachterlicher
Auffassung drohte im Übrigen eine weitere Fixierung und Chronifizierung der
psychischen Problematik und der somatoformen Schmerzstörung, weshalb berufliche
Massnahmen empfohlen wurden, um diesem Vorgang entgegenzuwirken. Bei der
gegenwärtigen Aktenlage zeigt sich soweit ersichtlich kein Hinweis darauf, dass die
Depression (im vorliegend massgeblichen Zeitraum) später entfallen wäre.
4.7.13.
Zur Retrospektive erwähnte der Gutachter der Psychiatrie schliesslich, die
früheren Beurteilungen hätten in den letzten Jahren ein relativ einheitliches
Beschwerdebild mit nur leichten bis maximal mittelschweren depressiven Symptomen
gezeichnet, schwankend in der Intensität je nach psychosozialer Belastung, insgesamt
jedoch reaktiver Genese. So wäre bis dahin die Diagnose einer depressiven Reaktion/
Anpassungsstörung angebracht, nur aufgrund des langwierigen bzw. rezidivierenden
Verlaufs habe aber eine depressive Episode bzw. hätten rezidivierende Depressionen
codiert werden müssen (IV-act. 7-20). Die Medexperts AG habe psychiatrisch gesehen
4.7.14.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 37/41
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5.
aufgrund des nur noch leichten Grades des eigenständigen depressiven
Krankheitsbildes eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 30 % angenommen (KV-act. 7-20).
Nach seiner eigenen Einschätzung beträgt die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit wie
erwähnt - trotz massiver Zunahme der psychosozialen Belastungen - noch (20 bis
30 %, d.h.) durchschnittlich 25 %.
Auf die Ergebnisse der Begutachtung der Medexperts AG vom August 2015 und
der Begutachtung durch Dr. J._/Dr. R._ vom Juni 2016 kann wie erwähnt für die
jeweils damalige Zeit abgestellt werden. Das Medexperts-Gutachten vom August 2015
hat sich jedoch auch rückblickend zum Verlauf der Arbeitsfähigkeit in der Zeit ab
August 2011 geäussert. Für die angestammte Tätigkeit hat es eine volle
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin ab August 2011 (bis 2. April 2012)
angenommen, anschliessend weiterhin eine (rentenerhebliche, vgl. unten E. 6.3)
Teilarbeitsunfähigkeit (vgl. IV-act. 109-76): Zum "Beginn der Arbeitsunfähigkeit
angestammt" schrieben die Gutachter: "Der Beginn der AUF in der angestammten
Tätigkeit wurde ab 08/2011 zu 100 % und ab dem 03.04.2012 zu 20-30 % angegeben.
Der Beginn der AUF Einschränkung zu 50 %, ausgehend von einem Vollpensum, wird
ab 22.11.2012 festgelegt. Mit Ausnahme der kurzfristigen 100 % AUF-
Einschränkungen auf [psychiatrischem] Gebiet wird von einer durchgängigen 50 %-
[igen] AUF in der angestammten Tätigkeit ausgehend von einem Vollpensum
ausgegangen. Die von den behandelnden Ärzten (gemäss IV-Fragebogen für
Arbeitgebende vom 10.01.2012) attestierten Arbeitsunfähigkeiten sind aus somatischer
Sicht nachvollziehbar" (IV-act. 109-76; 10.1.2). - Ab dem 3. April 2012 dürfte (statt einer
Arbeitsunfähigkeit) eine "Arbeitsfähigkeit" von 20 bis 30 % gemeint gewesen sein, wie
sich aus IV-act. 109-75 (Ziff. 10.1: die Beschwerdeführerin wurde ab 03.04.2012 zu
20-30 % AF eingeschätzt und arbeitete in diesem Pensum) und der Aktenlage (Bericht
Dr. C._, IV-act. 22-2 f.: ab 3. April 2012 statt 20 % Arbeitsversuch mit 40 %
Arbeitsfähigkeit; Bericht vom 30. April 2012, IV-act. 26: Arbeitsfähigkeit der
[motivierten] Beschwerdeführerin in angestammter Tätigkeit maximal 33 %) ergibt. Die
Frage kann allerdings vorerst offen bleiben (vgl. unten E. 5.2 ff.). - Ab 22. November
2012 nahm die Medexperts AG dann retrospektiv für die angestammte Tätigkeit der
Beschwerdeführerin die (bei der Begutachtung vorgefundene) Arbeitsfähigkeit von
50 % (dem tatsächlichen Pensum der Beschwerdeführerin entsprechend) und von
70 % für adaptierte Tätigkeiten an (IV-act. 109-76 unten). Im polydisziplinären Teil des
Medexperts-Gutachtens wurde zum retrospektiven Verlauf wie erwähnt dargelegt,
Dr. J._ sei von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen. Sie habe zwar im März/
5.1.
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April 2013 eine rasche Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 75 % und auf
100 % für realisierbar gehalten. Die anhaltende Depression und die hinzugetretenen
therapierefraktären chronischen Wirbelsäulenschmerzen hätten eine Steigerung jedoch
nicht zugelassen. Aufgrund der objektivierbaren pathologischen klinischen und
radiologischen Befunde sei aus aktueller rheumatologischer und orthopädischer Sicht
eine Steigerung des Arbeitspensums von 50 % in der überwiegend im Stehen
ausgeübten bisherigen Tätigkeit nicht realisierbar; die aktuelle Stelle sei allerdings
gekündigt worden (IV-act. 109-78). Die zumutbare Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit sei (im Verlauf) gleichbleibend mit 50 % zu beurteilen (vgl. IV-
act. 109-78).
Nach den rückblickenden Angaben des Gutachters der Rheumatologie der
Medexperts AG im Besonderen ist die von den Rheumatologen des Kantonsspitals
St. Gallen (gemeint wohl im Bericht vom 24. Oktober 2013) gestellte und unter anderem
auf ein MRI von Mai 2012 gestützte Diagnose eines chronifizierenden lumbalen
Schmerzsyndroms Gerbershagen Stadium III, überwiegend nozizeptiv, nach
mikrochirurgischer Fensterung L4/5 und L5/S1 und Sequestrektomie am 22.09.2011
wegen Diskushernie mit L5-Parese links und kernspintomographischem Nachweis
aktivierter Spondylarthrosen L3 bis S1, flacher breitbasiger Rezidiv-/Restdiskushernien
L4/5 und L5/S1 ohne Neurokompression und Osteochondrose L5/S1 (MRI 05/2012)
nachvollziehbar (vgl. IV-act. 109-58). - Es wurde aber weiter darauf hingewiesen, dass
Dr. I._ ehemals (im November 2012/März 2013) keine Hinweise für eine Erkrankung
aus dem entzündlichen rheumatischen Formenkreis gefunden habe (IV-act. 109-58). -
Die von den Rheumatologen des Kantonsspitals St. Gallen im Oktober 2013 postulierte
HLA-B27 positive axiale und periphere Spondyloarthritis lasse sich aufgrund der
zugestellten medizinischen Akten, der vorliegenden radiologischen Befunde und der
aktuellen anamnestischen Angaben und klinischen Befunden nicht belegen (vgl. IV-
act. 109-58). Aktuell hätten sich (allerdings unter installierter medikamentöser
Behandlung mit Infliximab) keinerlei Hinweise für eine Entzündungsaktivität der axialen
und peripheren Spondyloarthritis gezeigt (vgl. IV-act. 109-58). Im polydisziplinären Teil
wurde dazu dargelegt, dieses Leiden habe anlässlich des aktuellen rheumatologischen
Gutachtens nicht festgestellt werden können. Die Diagnose scheine daher aus Sicht
des Gutachters der Rheumatologie fraglich (vgl. IV-act. 109-73). - Zum Beginn der
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit hielt der Gutachter der Rheumatologie
schliesslich fest, die "von den behandelnden Ärzten ab 08/2011 (gemäss IV-
Fragebogen für Arbeitgebende vom 10.01.2012) attestierten Arbeitsunfähigkeiten in der
von der Versicherten ausgeführten, körperlich adaptierten Berufstätigkeit [seien] aus
heutiger rheumatologischer Sicht schwer nachvollziehbar" (IV-act. 109-60;
5.2.
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6.
polydisziplinär insgesamt somatisch jedoch wurden sie wie erwähnt als nachvollziehbar
betrachtet, IV-act. 109-76; 10.1.2; vgl. E. 5.1).
Angesichts des Begutachtungsergebnisses vom Juni 2016 mit der Diagnose einer
Aggravation (vgl. insbesondere E. 4.7.8, auch 4.7.10 und 4.7.13) und der (in E. 5.2)
erwähnten rückblickenden rheumatologischen Bedenken bestehen für das Gericht bei
diesen Gegebenheiten relevante Zweifel an der Stichhaltigkeit der früheren, vor der
Medexperts-Begutachtung liegenden Arbeitsunfähigkeit-Angaben (der behandelnden
Ärzte und auch der darauf abgestützten rückblickenden Annahmen der Medexperts
AG), namentlich jener für die massgebliche Zeit des möglichen Ablaufs eines
Wartejahrs am 10. August 2012. Es ist danach denkbar und ohne ergänzende
Abklärungen nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auszuschliessen, dass ein
aggravierendes Verhalten bereits früher bestanden hat und nicht ausgeschieden
worden ist.
5.3.
Da nach gegenwärtiger Aktenlage eine langdauernde, ununterbrochene
weitreichende Arbeitsunfähigkeit ab August 2011 in Frage steht und ein
Einkommensvergleich selbst bei einer Arbeitsunfähigkeit von 30 % (Medexperts AG)
und von 25 % (Dr. J._/Dr. R._) für adaptierte Tätigkeiten einen Rentenanspruch
ergibt (vgl. unten E. 6), ist die Sache zu entsprechenden ergänzenden Abklärungen der
medizinischen Verhältnisse von August 2011 bis zur Begutachtung durch die
Medexperts AG (vom August 2015) - die allenfalls auch durch den RAD vorgenommen
werden können - an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.4.
Es kann, was das Valideneinkommen betrifft, angenommen werden, dass die
Beschwerdeführerin als Gesunde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auch an einer
anderen Stelle wieder ein vergleichbares (überdurchschnittliches) Einkommen
(einschliesslich Schichtzulagen) erzielt hätte. Vom Zeitablauf sind keine relevanten
Änderungen der Proportionen zu erwarten, weshalb es beim Vergleich der Einkommen
im Jahr 2012 bleiben kann.
6.1.
Auch wenn (bzw. wann) zur Ermittlung des Invalideneinkommens auf die
Tabellenlöhne abzustellen ist, verbleiben der Beschwerdeführerin auch mit der
gesundheitlichen Beeinträchtigung ausreichend viele Arbeitsmöglichkeiten auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für einfache Tätigkeiten (Kompetenzniveau 1) bekamen
Frauen 2012 durchschnittlich ein Jahreseinkommen von Fr. 51'441.-- (vgl. Anhang 2
der Textausgabe Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des
Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2018, herausgegeben von der
6.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 40/41
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7.
Informationsstelle AHV/IV, S. 222, basierend auf der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik). Da nach der Aktenlage
medizinisch nicht ausgeschlossen ist, dass die Beschwerdeführerin die angepasste
leichte Tätigkeit bei vorhandenem Gesundheitsschaden ebenfalls wieder in
Schichtarbeit leistet, ist der entsprechende Lohnanteil auch beim Invalideneinkommen
hinzuzuschlagen. Vom Valideneinkommen waren knapp 2 % Schichtzulagen.
Auszugehen ist somit von einem Jahreseinkommen von rund Fr. 52'441.-- (bei
Einschluss von knapp 2 % oder rund Fr. 1'000.-- Schichtzulagen). - Bestehen im
Einzelfall Anhaltspunkte dafür, dass die versicherte Person ihre gesundheitlich bedingte
(Rest-) Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten kann, ist ein Abzug von den
Tabellenlöhnen zu machen. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss
aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der
Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25 %
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. BGE 134 V 322 E. 5.2 und BGE 126 V 75). Die
gesundheitlich bedingten Einschränkungen der Beschwerdeführerin sind in der
Arbeitsfähigkeitsschätzung vollumfänglich zum Ausdruck gekommen. Eine vollzeitliche
Beschäftigung ist als zumutbar zu betrachten. Als Abzugsgrund fällt einzig ein
Ausgleich des lohnrelevanten Vorteils der langen Betriebszugehörigkeit in Betracht.
Indessen nimmt die Rechtsprechung diesbezüglich an, dass ein solcher Nachteil durch
eine positive Wirkung der durch die langjährige Betriebstreue ausgewiesenen
Zuverlässigkeit und Tüchtigkeit auf den Anfangslohn bei einem anderen Arbeitgeber
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausgeglichen wird (vgl. Bundesgerichtsentscheid
vom 18. Januar 2018, 8C_552/2017 E. 5.4.1). Von einem Abzug ist daher abzusehen.
Bei einem Valideneinkommen von Fr. 67'724.-- (berechnet anhand der Angaben
zum Jahr 2012; IV-act. 112) und einem Invalideneinkommen (einschliesslich
Schichtzulagen) von Fr. 39'330.-- (ausgehend von Fr. 52'441.--, bei 75 %
Arbeitsfähigkeit) betrüge der Invaliditätsgrad rund 42 %. Ohne Zuzug von
Schichtzulagen würde das Invalideneinkommen Fr. 38'580.-- ausmachen (75 % von
Fr. 51'441.--) und es ergäbe sich ein Invaliditätsgrad von 43 %, der ebenfalls zu einer
Viertelsrente berechtigen würde.
6.3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung der
angefochtenen Verfügung vom 14. Dezember 2016 teilweise gutgeheissen und die
Sache ist zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinn der Erwägungen und zu
entsprechender neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
7.1.
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