Decision ID: 6de29b87-266b-4a9b-8837-a0a13a422d6c
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2015 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an (IV-act. 1). Er hatte
eine Lehre als Koch absolviert und war danach in temporären Arbeitsverhältnissen
angestellt gewesen, zuletzt bis zum 1. August 2014 als Allrounder Industrie (vgl. IV-act.
1, 8, 17).
A.a.
Vom 3. Februar bis 3. Juli 2015 war der Versicherte im Psychiatrie-Zentrum B._
in einer teilstationären, tagesklinischen Behandlung. Die behandelnden Ärzte hielten
fest, der Versicherte leide an einer einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung
(ADHS; ICD-10 F90.0), an Problemen bei der Lebensbewältigung bei akzentuierten
Persönlichkeitszügen (ICD-10 Z73.1), an einer Anpassungsstörung mit einer
verlängerten depressiven Reaktion sowie an einer Migräne (ICD-10 G43.9). Die Ärzte
erachteten die Tätigkeit als Koch zum aktuellen Zeitpunkt als nicht empfehlenswert.
Eine an die Symptomatik angepasste Tätigkeit sei zumutbar, wobei die
Leistungsfähigkeit schrittweise und symptomadaptiert gesteigert werden könne. Dem
Versicherten wurde vom 3. Februar bis 30. Juni 2015 eine 100%ige und ab dem 1. bis
31. Juli 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit mit schrittweiser Steigerung attestiert. Die
Prognose sei vom Verlauf der weiteren ambulanten Behandlung abhängig (Arztberichte
vom 23. April 2015, IV-act. 12, sowie vom 27. Juli 2015, IV-act. 19).
A.b.
Infolge der Verschlechterung seines Gesundheitszustands war der Versicherte
vom 19. August bis 5. Oktober 2015 erneut im Psychiatrie-Zentrum in einer
teilstationären Behandlung. In den Berichten vom 27. und 28. November 2015 gab Dr.
A.c.
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med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zusätzlich zur
vordiagnostizierten ADHS und Migräne, als Diagnosen kombinierte und andere
Persönlichkeitsstörungen mit vor allem emotional instabilen impulsiven und
narzisstischen Anteilen (ICD-10 F61), Hinweise auf das Vorliegen von Anteilen einer
Entwicklungsstörung (Autismus-Spektrum) sowie psychische und Verhaltensstörungen
durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2) an. Er führte aus, der
Versicherte habe Schwierigkeiten beim Erhalt einer Tagesstruktur und er leide an einer
Selbstwertdefizienz, an narzisstischen Zügen mit einer hohen Kränkbarkeit und an einer
Externalisierungsneigung. Dr. C._ hielt fest, dass eine berufliche Integration auf dem
2. Arbeitsmarkt anzustreben sei; die Einschränkung betrage "mehr als" 50% (IV-act.
32). Nach dem Abschluss der teilstationären Behandlung war der Versicherte in einer
ambulanten Psychotherapie und in Ergo-Gruppen-Therapien (IV-act. 32-7).
Ab Februar 2016 fanden berufliche Eingliederungsmassnahmen statt. Am 17.
Februar 2016 erteilte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining
im Reha-Zentrum Valens, EVAL Klinik Valens, vom 8. Februar bis zum 8. Mai 2016 (IV-
act. 44, vgl. auch IV-act. 41). Ab dem 9. Mai 2016 wurde ein Aufbautraining
durchgeführt, das bis zum 13. November 2016 verlängert wurde (Kostengutsprachen
vom 16. Juni 2016, IV-act. 56, sowie vom 11. Juli 2016, IV-act. 62). Nachdem der
Versicherte aufgrund der Verschlechterung seiner Gesundheitssituation nicht mehr im
EVAL erschienen war, wurde das Aufbautraining am 18. Oktober 2016 abgebrochen
(vgl. den Schlussbericht vom 28. Oktober 2016, IV-act. 73). Am 8. November 2018 hielt
die zuständige Eingliederungsverantwortliche fest, dass aktuell auf dem 1. Arbeitsmarkt
keine Arbeitsfähigkeit gegeben sei; eine Umschulung sei nicht möglich (IV-act. 78). Am
23. Dezember 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie das Begehren um
berufliche Massnahmen abweise, da aufgrund seines Gesundheitszustands keine
(weiteren) beruflichen Massnahmen möglich seien (IV-act. 84).
A.d.
In der Folge tätigte die IV-Stelle ergänzende medizinische Abklärungen und holte
diverse Arztberichte ein (vgl. IV-act. 72, 86, 88). Am 2. Mai 2017 notierte der Regionale
Ärztliche Dienst (RAD), dass mit Blick auf die vorliegenden Berichte eine
polydisziplinäre Begutachtung erforderlich sei (IV-act. 97). Daraufhin wurde der
Versicherte im Oktober 2017 durch die Ärztliches Begutachtungsinstitut (ABI) GmbH
internistisch, gastroenterologisch, neuropsychologisch sowie psychiatrisch
A.e.
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begutachtet (IV-act. 101 f.). Im Gutachten vom 4. Januar 2018 (IV-act. 104) hielten die
Sachverständigen fest, dass beim Versicherten ein ADHS (F90.0) sowie ein Status nach
einer rezidivierenden Sigmadivertikulitis (K57.32) bestehe. Ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden eine Cannabisabhängigkeit (F10.25), eine soziale Phobie
(F40.1), narzisstische Persönlichkeitszüge (Z73.1), eine Adipositas (E66.0), eine Migräne
anamnestisch (G43.9) sowie ein Nikotinabusus (F17.1; IV-act. 104-21). Der
internistische Gutachter hielt fest, dass er keine Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit habe stellen können und dass die Arbeitsfähigkeit aus
allgemeininternistischer Sicht nicht eingeschränkt sei (IV-act. 104-8). Der
psychiatrische Gutachter führte aus, er habe beim Versicherten mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit eine ADHS diagnostiziert. Diese sei mit Ritalin adäquat behandelt. Die
Schwierigkeiten bei der Emotions- und Impulskontrolle seien im Rahmen des ADHS
einzuordnen. Daneben bestehe eine erhöhte Kränkbarkeit. Der Versicherte fühle sich
sehr schnell in Frage gestellt, sei innerlich unsicher und sein Selbstwertgefühl sei
erniedrigt. Folglich könnten auch narzisstische Persönlichkeitszüge im Rahmen der
ADHS festgestellten werden. Der Versicherte sei im Alltag durch die
Konzentrationsstörungen und die Schwierigkeiten bei der Emotions- und
Impulskontrolle beeinträchtigt. Die sich daraus ergebenden Schwierigkeiten führten zu
einem sozialen Rückzug und es könne auch eine soziale Phobie diagnostiziert werden.
Der Versicherte betreibe seit Jahren einen massiven Cannabiskonsum; er rauche
täglich zwischen drei und fünf Joints. Es bestehe eine ausgeprägte
Cannabisabhängigkeit. Diese sei ebenso wie die soziale Phobie und die narzisstischen
Persönlichkeitszüge ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Der psychiatrische
Gutachter hielt fest, dass die angestammte Tätigkeit des Versicherten als Koch eine
gute Konzentrationsfähigkeit und die Notwendigkeit, verschiedene Tätigkeiten
gleichzeitig auszuüben, erfordere. Der Versicherte sei in dieser Tätigkeit nur während
weniger Monate tätig gewesen. Bei dieser Tätigkeit bestehe seit dem Lehrabschluss
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer Tätigkeit, die der Versicherte in einer ruhigen
Atmosphäre leisten könne und bei der er nicht gleichzeitig verschiedene Vorgänge
überwachen und koordinieren müsse, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 80%. Dabei sei
davon auszugehen, dass die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit seit dem Eintritt in die
Berufswelt bestehe. Der Versicherte sehe sich selbst kaum in der Lage, einer
geregelten beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Aufgrund der ADHS allein könne aber
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keine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Die Schwierigkeiten mit der
Pünktlichkeit und die vielen Absenzen würden mit hoher Wahrscheinlichkeit mit der
Cannabisabhängigkeit zusammenhängen und die mangelnde Motivation, sich für eine
berufliche Tätigkeit zu engagieren, würde sich mit hoher Wahrscheinlichkeit
zurückbilden, wenn der Versicherte auf den Konsum von Cannabis verzichten würde.
Vom Versicherten könne gefordert werden, auf den Konsum von Cannabis zu
verzichten. Dabei handle es sich um eine primäre Abhängigkeit und es fänden sich
keine Hinweise für eine schwere psychiatrische Störung. Der psychiatrische
Sachverständige erachtete einen Cannabisentzug als dringend notwendig. Zudem
sollte die ambulante psychiatrische Behandlung weitergeführt werden. Erst nach einem
erfolgten Cannabisentzug mit einer nachweislichen Abstinenz von mindestens sechs
Monaten könnten erneut berufliche Massnahmen durchgeführt werden (IV-act. 104-11
ff.). Der neuropsychologische Gutachter hielt fest, dass das neuropsychologische
Testprofil unter der Einwirkung des bestehenden Substanzgebrauchs (3 Joints am
Vorabend) als nicht valide angesehen werden könne. Deshalb könne er zur
Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht keine definitive Aussage machen (IV-
act. 104-19 f.). Der gastroenterologische Sachverständige diagnostizierte einen Status
nach rezidivierender Sigmadivertikulitis. Die Verdauungstätigkeit und die Symptomatik
adaptierten sich meistens bis 12 Monate nach der Resektion. Eine symptomatische
Therapie sei möglich und bis jetzt scheinbar nicht voll ausgeschöpft worden. Aus
gastroenterologischer Sicht bestehe aufgrund des erhöhten Pausenbedarfs mit
Toilettenbesuch eine Arbeitsunfähigkeit von 20% (IV-act. 104-20). Die Gutachter hielten
zusammenfassend fest, die Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht bestünden seit
dem Eintritt in die Berufswelt, diejenigen aus gastroenterologischer Sicht seit fünf
Monaten. Die Selbsteinschätzung des Versicherten, in der freien Wirtschaft nicht mehr
arbeitsfähig zu sein, könne nicht nachvollzogen werden. Ein Cannabisentzug sei
dringend notwendig. Insgesamt bestehe in der angestammten Tätigkeit als Koch eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit. In angepassten Tätigkeiten liege eine vollschichtig
realisierbare Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80% vor. Berufliche Massnahmen
könnten aufgrund der subjektiven Krankheits- und Behinderungsüberzeugung nicht
empfohlen werden. Um eine bessere Motivation des Versicherten zu erreichen, müsste
ein Cannabisentzug durchgeführt werden. Dies sei zumutbar, jedoch scheine der
Versicherte dazu nicht motiviert zu sein (IV-act. 104-21 ff.).
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Am 28. Februar 2018 notierte der RAD, dass auf das polydisziplinäre Gutachten
abgestellt werden könne. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit angestammt und die 80%ige
Arbeitsfähigkeit adaptiert seit Abschluss der Lehre könnten übernommen werden. Vor
erneuten beruflichen Massnahmen wäre eine mindestens sechsmonatige
Cannabisabstinenz mit monatlichen Urinkontrollen notwendig. Diese wäre dem
Versicherten auch zumutbar. Allerdings sei eine Erhöhung der Arbeitsfähigkeit auch
dadurch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Verbessert würden
die Motivation, der Antrieb und die Zuverlässigkeit; die Einschränkungen im Rahmen
der ADHS würden weiterbestehen (IV-act. 108).
A.f.
Am 2. März 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des
Begehrens um eine Invalidenrente in Aussicht. Sie führte an, dass der
Beschwerdeführer gemäss dem polydisziplinären ABI-Gutachten in adaptierten
Tätigkeiten zu 20% in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt sei. Beim
Einkommensvergleich sei auf die Tabellen der Lohnstrukturerhebungen (LSE) des
Bundesamtes für Statistik abzustellen. Bei einer 20%igen Einschränkung ergebe sich
ein Invaliditätsgrad von 20% und damit kein Rentenanspruch (IV-act. 111).
A.g.
Dagegen wandte der Versicherte am 26. März 2018 ein, dass er aufgrund seiner
Erkrankungen auf dem 1. Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sei (IV-act. 115). Am 16. April
2018 nahmen die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrum B._ zum
psychiatrischen ABI-Teilgutachten Stellung. Sie machten geltend, dass das Gutachten
fachlich mangelhaft und unseriös sei, da insbesondere weder fremdanamnestische
Informationen eingeholt noch Daten aus Behandlungsberichten konsultiert worden
seien. Die psychiatrische Beurteilung bestehe aus einer Aneinanderreihung von
Behauptungen. Auch sei der Ausschluss der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
nicht leitlinienorientiert begründet worden (IV-act. 116).
A.h.
Am 4. Mai 2018 notierte der RAD, dass an der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im
ABI-Gutachten festgehalten werden könne. Bei der Kritik des Psychiatrie-Zentrums
B._ handle es sich um eine allgemein formulierte Kritik am psychiatrischen
Teilgutachten bzw. an der fachlichen Qualifikation des psychiatrischen Gutachters. Ein
neuer medizinischer Sachverhalt für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit werde aber
nicht angeführt. Das Gutachten des ABI überzeuge und die gestellten Fragen seien
A.i.
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B.
umfassend beantwortet worden. Der psychiatrische Gutachter habe über die ganze
Aktenlage verfügt und somit genug Informationen gehabt, um eine
Persönlichkeitsstörung ausschliessen zu können. Weiter seien die Gutachter auf die
Darmproblematik eingegangen und sie hätten diese bei der Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit berücksichtigt. Der massive Cannabiskonsum werde von den
Behandlern bagatellisiert. Ein langjähriger exzessiver Cannabiskonsum könne deutliche
Auswirkungen auf die Motivation haben. Um die Einschränkungen, die nicht auf den
massiven Cannabiskonsum zurückzuführen seien, von den Folgen des
Cannabiskonsums abgrenzen zu können, wäre eine mindestens sechsmonatige
Abstinenz mit anschliessender Verlaufsbegutachtung notwendig (IV-act. 117).
Am 7. Mai 2018 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt die Abweisung des
Leistungsbegehrens bei einem Invaliditätsgrad von 20%. Zu den Einwänden verwies
sie auf die Stellungnahme des RAD vom 4. Mai 2018 (IV-act. 119).
A.j.
Dagegen erhob der Versicherte am 7. Juni 2018 Beschwerde. Seine
Rechtsvertreterin beantragte die Aufhebung der Verfügung vom 7. Mai 2018 und die
Zusprache einer Invalidenrente sowie von beruflichen Massnahmen mit Wirkung "ab
wann rechtens". Zudem ersuchte sie um Gewährung der unentgeltliche
Rechtsverbeiständung. Zur Begründung hielt sie fest, dass das Gutachten nicht
umfassend und der Einkommensvergleich zu bemängeln sei (act. G 1). Mit der
Beschwerdeergänzung vom 4. Juli 2018 machte die Rechtsvertreterin im Wesentlichen
das bereits im Vorbescheidverfahren Dargelegte geltend. Sie führte insbesondere an,
dass der Ausschluss der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht leitlinienorientiert
begründet worden sei und die Feststellungen im psychiatrischen Gutachten knapp und
oberflächlich seien (act. G 3).
B.a.
Am 15. August 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, dass die beruflichen Massnahmen nicht
Gegenstand des Verfahrens bildeten. Entgegen den Vorbringen des
Beschwerdeführers sei das Gutachten beweiskräftig. Insbesondere spreche das
Unterlassen des Einholens einer Fremdanamnese nicht gegen den Beweiswert des
Gutachtens. Die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten sei in erster Linie durch
B.b.
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Erwägungen
1.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind diejenigen Rechtsverhältnisse
zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde
vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung – Stellung genommen hat. Insoweit
Ärzte und nicht durch Eingliederungsfachleute zu beantworten. Schliesslich würde bei
der Bemessung des Invaliditätsgrades selbst bei der Anrechnung eines
Valideneinkommens im Kompetenzniveau 2 der LSE Tabelle TA1 kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad resultieren (act. G 5).
Am 23. August 2018 bewilligte das Gericht das Gesuch um die unentgeltliche
Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor dem Versicherungsgericht (act. G 6).
B.c.
Mit Replik vom 21. September 2018 hielt der Beschwerdeführer an seinen
Anträgen und Standpunkten fest. Er reichte zudem einen Bericht des Psychiatrie-
Zentrum B._ vom 30. August 2018 ein (act. G 8). Darin hatten die behandelnden
Ärzte festgehalten, dass der Beschwerdeführer die Kriterien nach ICD-10 für eine
selbstunsichere und paranoide Persönlichkeitsstörung erfülle. Zudem gebe es
deutliche Hinweise auf Persönlichkeitsakzentuierungen im zwanghaften, depressiven,
schizoiden und narzisstischen Spektrum (act. G 8.1).
B.d.
Am 18. Oktober 2018 nahm der RAD zu diesem Bericht Stellung. Er hielt fest, dass
die Symptome der diagnostizierten selbstunsicheren Persönlichkeitsstörung eine Folge
des Cannabiskonsums sein könnten. Der eingereichte Bericht begründe somit nicht
das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung beim Beschwerdeführer. Zudem sei diese
Diagnose in erster Linie eine klinisch-psychiatrische und keine testpsychologische.
Schliesslich gehe mit der Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht zwangsläufig
auch eine Arbeitsunfähigkeit einher (act. G 10.1).
B.e.
Am 24. Oktober 2018 bestätigte die Beschwerdegegnerin ihren Antrag auf
Abweisung der Beschwerde und verwies dabei auf die Stellungnahme des RAD vom
18. Oktober 2018 (act. G 10).
B.f.
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bestimmt die Verfügung (bzw. der Einspracheentscheid) den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und damit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn keine
Verfügung (bzw. kein Einspracheentscheid) ergangen ist (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1).
Die Beschwerdegegnerin hat mit der angefochtenen Verfügung vom 7. Mai 2018 das
Begehren des Beschwerdeführers um eine Invalidenrente abgewiesen (IV-act. 119).
Verfügungsinhalt ist nur der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
gewesen; über einen allfälligen Anspruch des Beschwerdeführers auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen ist nicht verfügt worden. Streitgegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens kann demnach einzig die Frage bilden, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers verneint
hat. Auf den Antrag des Beschwerdeführers, ihm seien berufliche Massnahmen
zuzusprechen, kann das Versicherungsgericht also nicht eintreten.
2.
Einen Rentenanspruch haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäss
Art. 28a Abs. 1 des IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
2.1.
Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
adaptierten Tätigkeit feststehen. Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit
hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer durch das ABI polydisziplinär
2.2.
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begutachten lassen. Die Gutachter haben u.a. eine Cannabisabhängigkeit
diagnostiziert. Der neuropsychologische Gutachter hat festgehalten, dass beim
Beschwerdeführer ein "aktiver "Substanzgebrauch" des Beschwerdeführers mit drei
Cannabis-Joints am Vorabend vorliege, weshalb die neuropsychologischen
Testergebnisse als nicht verwertbar angesehen werden müssten. Er ist zum Schluss
gekommen, dass er aufgrund des Cannabiskonsums des Beschwerdeführers keine
definitive Aussage zu dessen Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit machen könne
und er hat für eine Arbeitsfähigkeitsschätzung auf das psychiatrische Gutachten
verwiesen (IV-act. 104-19). Da eine neuropsychologische Abklärung für die
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers als zwingend notwendig
erachtet worden ist (ansonsten wäre sie nicht veranlasst worden), lässt sich nicht
nachvollziehen, weshalb bei der Begutachtung im Ergebnis auf eine
neuropsychologische Beurteilung verzichtet worden ist. Hätte der neuropsychologische
Gutachter eine valable neuropsychologische Abklärung nicht mehr als notwendig
erachtet, hätte er dies entsprechend begründen müssen. Ansonsten hätte die
Abklärung (unter vorgängigem Verzicht des Beschwerdeführers auf den Konsum von
Cannabis, dazu sogleich E. 3) ergänzt werden müssen. Folglich ist die vorliegende
neuropsychologische Begutachtung als nicht beweistauglich zu erachten.
Das psychiatrische Teilgutachten vermag ebenfalls nicht zu überzeugen. Wie der
neuropsychologische Gutachter hat auch der psychiatrische Gutachter eine
Cannabisabhängigkeit diagnostiziert und festgehalten, dass einige der erhobenen
Befunde (u.a. Schwierigkeiten mit der Pünktlichkeit, Motivationslosigkeit) mit der
jahrelangen Cannabisabhängigkeit zusammenhingen und sich "mit hoher
Wahrscheinlichkeit" bei einem Cannabisverzicht zurückbilden würden. Ein
Cannabisentzug und eine nachweisliche Abstinenz von mindestens sechs Monaten
seien dringend angezeigt (IV-act. 104-12 f.) und ohne weiteres zumutbar (IV-act.
104-15). Auf den Umstand, dass die neuropsychologische Begutachtung insbesondere
im Hinblick auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers praktisch
ohne Beweiswert gewesen ist, ist der psychiatrische Gutachter nicht eingegangen. Er
scheint die neuropsychologische Testung bei seiner Beurteilung ausgeblendet zu
haben; jedenfalls hat er sich in seinem Gutachten nicht mit dieser Problematik
auseinandergesetzt. Die psychiatrische Arbeitsfähigkeitsschätzung vermag aber schon
aus einem anderen Grund nicht zu überzeugen: Einerseits ist der Gutachter zum
Schluss gelangt, dass nicht wenige Symptome des Beschwerdeführers auf den
Cannabiskonsum und nicht auf eine psychische Gesundheitsbeeinträchtigung
zurückzuführen seien. Andererseits scheinen diese Befunde dennoch in die
gutachterliche Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeflossen zu sein, denn der
2.3.
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3.
In den echtzeitlichen Berichten des Psychiatrie-Zentrums B._ wird der
Cannabiskonsum des Beschwerdeführers zwar erwähnt bzw. es wird sogar die
Diagnose einer Cannabisabhängigkeit angegeben (vgl. den Bericht vom 27. November
2015, IV-act. 32). Diese Berichte enthalten aber keine weiterführende
Auseinandersetzung mit einem allfälligen Einfluss der Cannabisabhängigkeit auf die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers. In ihrer Stellungnahme zum Gutachten vom
16. April 2018 führen die behandelnden Ärzte des Psychiatrie-Zentrum B._ lediglich
an, dass der Cannabiskonsum während des Arbeitstrainings als nicht
motivationsbeeinträchtigend wahrgenommen worden sei (IV-act. 116). Aufgrund der
fehlenden (überzeugenden) Auseinandersetzung der Behandler mit dem Einfluss der
Cannabisabhängigkeit des Beschwerdeführers auf dessen Arbeitsfähigkeit vermögen
auch deren Berichte die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer ideal
leidensadaptierten Tätigkeit nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu belegen. Hinzu kommt, dass gemäss der
bundesgerichtlichen Auffassung der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen ist, dass
behandelnde Spezialärzte (ebenso wie Hausärzte) mitunter wegen ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung im Zweifel eher zugunsten ihrer Patienten
psychiatrische Gutachter hat einen Cannabisentzug (zur Minderung dieser Symptome)
als dringend notwendig bezeichnet. Würde ein Cannabisentzug durchgeführt, wäre
also – zumindest aus Sicht eines medizinischen Laien – nicht auszuschliessen, dass
einige der als arbeitsfähigkeitsrelevant erachteten Symptome nicht mehr bzw. nicht
mehr in der gleichen Intensität vorhanden wären. Dies wiederum hätte wohl einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers, was notwendigerweise die
Arbeitsfähigkeitsschätzung des psychiatrischen Gutachters in Frage stellt. Da die
Befunderhebung also – aus der Sicht eines medizinischen Laien - nicht losgelöst vom
Cannabiskonsum des Beschwerdeführers erfolgen kann, hat der Gutachter gestützt auf
die von ihm aufgelisteten Befunde keine überzeugende Arbeitsfähigkeitsschätzung
abgeben können.
Somit hätten – wiederum aus der Sicht eines medizinischen Laien - sowohl der
psychiatrische als auch der neuropsychologische Gutachter zum Schluss gelangen
müssen, dass vor der Durchführung eines Cannabisentzugs und der Einhaltung einer
mindestens sechsmonatigen Abstinenz keine Untersuchung möglich sei, die geeignet
wäre, die Grundlage einer überzeugenden Arbeitsfähigkeitsschätzung zu bilden. Das
ABI-Gutachten ist deshalb nicht geeignet, die massgebende Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers zu belegen.
2.4.
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aussagen. Namentlich in umstrittenen Fällen kann deshalb nicht ohne Weiteres auf die
Angaben eines behandelnden Arztes abgestellt werden (vgl. etwa Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 5. April 2004, I 814/03 E. 2.4.2, Urteil des
Bundesgerichts vom 27. Oktober 2017, 9C_337/2017, E. 3.3.6).
4.
5.
Zusammenfassend erweist sich der massgebliche medizinische Sachverhalt als
ungenügend abgeklärt, so dass keine überwiegend wahrscheinlich richtige
Arbeitsfähigkeitsschätzung vorliegen kann (Art. 43 Abs. 1 ATSG). Die angefochtene
Verfügung beruht demnach auf einer Sachverhaltsgrundlage, die nicht das erforderliche
Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erreicht. Diese Verletzung der
Untersuchungspflicht hat die Rechtswidrigkeit der angefochtenen Verfügung zur Folge.
Die Sache ist deshalb zur Ergänzung des neuropsychologischen und des
psychiatrischen Teilgutachtens an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.1.
Der Beschwerdeführer hat durch seinen Cannabiskonsum verhindert, dass die
Gutachter seine Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit haben ermitteln können. Damit
hat der Beschwerdeführer objektiv seine Mitwirkungspflicht bei der
Sachverhaltsabklärung verletzt. Kommt eine versicherte Person ihrer Mitwirkungspflicht
bei der Sachverhaltsabklärung in unentschuldbarer Weise nicht nach, kann der
Versicherungsträger gemäss dem Art. 43 Abs. 3 ATSG aufgrund der Akten verfügen
oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss die
versicherte Person vorher aber schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen
und er muss ihr eine angemessene Bedenkfrist einräumen. (Der Art. 7b Abs. 2 IVG, laut
dem die Leistungen ohne Mahn- und Bedenkzeitverfahren verweigert oder gekürzt
werden können, ist hier nicht anwendbar, da es sich beim Cannabiskonsum des
Beschwerdeführers offensichtlich nicht um die Verweigerung einer Auskunft gemäss
dem Art. 7b Abs. 2 lit. d IVG handelt.) Die Beschwerdegegnerin wird den
Beschwerdeführer gestützt auf Art. 43 Abs. 3 ATSG abmahnen müssen, sich einem
Cannabisentzug und anschliessend einer sechsmonatigen, ärztlich kontrollierten
Cannabisabstinenz zu unterziehen, und sie wird ihn auf die möglichen Rechtsfolgen
(gemäss Art. 7b Abs. 1 IVG diejenigen des Art. 21 Abs. 4 ATSG) bei einer Verweigerung
dieser Mitwirkungspflichten hinweisen, bevor sie die Ergänzung des
neuropsychologischen und der psychiatrischen Begutachtung in Auftrag geben wird.
4.2.
Auf die Beschwerde betreffend berufliche Eingliederungsmassnahmen ist nicht
einzutreten. Die Beschwerde betreffend Invalidenrente ist teilweise gutzuheissen und
5.1.
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