Decision ID: 3e809728-1037-4dc6-ae26-b4e09b2ba05d
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer ersuchte am 5. Oktober 2021 um die Gewäh-
rung von Asyl in der Schweiz. Das SEM nahm die Behandlung seines Ge-
suches im Bundesasylzentrum (BAZ) B._ an die Hand, wo am
8. Oktober 2021 die Personalienaufnahme (PA), am 14. Oktober 2021 das
Dublin-Gespräch, am 27. Januar 2022 die Erstanhörung und am 24. März
2022 – nach erfolgter Zuteilung des Beschwerdeführers ins erweiterte Ver-
fahren – die ergänzende Anhörung stattfanden.
A.b Im Rahmen des Dublin-Gesprächs und der nachfolgenden Anhörun-
gen wurde vom Beschwerdeführer auf Nachfrage hin vorab bestätigt, dass
er seine Heimat schon früher einmal verlassen und anschliessend ein Asyl-
verfahren in Griechenland durchlaufen habe. Dazu lag dem SEM ein Euro-
dac-Auszug vor, in welchem eine Antragstellung in Griechenland am
10. Mai 2019 verzeichnet ist. Zur erstmaligen Ausreise und Antragstellung
führte der Beschwerdeführer im Verlauf des Verfahrens aus, er sei im Jahre
2019 aufgrund seiner damaligen Probleme – über welche er aber nichts
mehr berichten könne und wolle, da ihm die damaligen Umstände nicht
mehr präsent seien – über Kongo-Brazzaville nach Gabun gereist, von wo
er auf dem Luftweg in die Türkei gereist sei. Im April 2019 sei er auf dem
Seeweg nach Griechenland gelangt, wo er ein Asylgesuch gestellt habe.
Nach dessen negativem Ausgang sei er von Griechenland in die Türkei
abgeschoben worden und von dort in seine Heimat zurückgekehrt.
A.c Der Beschwerdeführer brachte weiter vor, er stamme aus Kinshasa,
wo seine Familie ein Haus besitze, welches bis heute von seiner Mutter
bewohnt werde, und er habe noch weitere familiäre Beziehungen in dieser
Stadt. Dabei machte er einerseits geltend, er habe jeden Kontakt zu seinen
Angehörigen verloren. Andererseits reichte er unter Verweis auf seine an-
dauernden Kontakte zur Mutter durch Vermittlung seiner Freunde und via
Facebook und E-Mail das Foto eines vom 18. November 2016 datierenden
Geburtsregisterauszuges zu den Akten. Daneben machte er Angaben zu
seinem schulischen Werdegang sowie zu seiner beruflichen Tätigkeit bis
zu seiner erneuten Ausreise vom 18. September 2021.
A.d Auf die Frage nach dem Grund für sein Asylgesuch brachte der Be-
schwerdeführer vor, er habe seine Heimat verlassen, weil er dort mit dem
Tode bedroht worden sei. Dazu führte er vorab aus, dass er als Mitglied
der C._ ([...]) an der grossen Demonstration in Kinshasa vom
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15. September 2021 teilgenommen habe, welche von der Oppositionsplatt-
form Lamuka gegen die Politisierung der CENI (Commission Electorale Na-
tionale Indépendante) organisiert und von der Polizei mit dem Einsatz von
Gewalt und Tränengas gegen die Demonstranten beantwortet worden sei.
Anlässlich der Demonstration sei er von der Polizei mit Tränengas be-
schossen, geschlagen und dann auf dem Polizeiposten D._ (...)
eingesperrt worden. Noch am gleichen Abend sei er dann zusammen mit
fünf anderen Gefangenen an einen unbekannten Ort verbracht worden.
Dort sei einer seiner Mithäftlinge schon anlässlich der Ankunft wegen eines
vermeintlichen Fluchtversuchs getötet worden. An diesem Ort habe es
zwei Wächter gegeben, welche in der Folge jeweils des nachts zwei Häft-
linge aus der Zelle geholt und anschliessend wohl getötet hätten. Als am
dritten Tag nur noch er und ein schon zuvor dort inhaftierter Junge übrig
gewesen seien und die Reihe eigentlich an ihnen gewesen wäre, hätten
sich die zwei Wächter jedoch umentschieden. Statt auch sie zu töten, hät-
ten ihnen die beiden Wächter zur Flucht verholfen, weil sie ihren Angaben
zufolge für ihre Arbeit schon lange keinen Lohn mehr bekommen hatten.
Die beiden Wächter seien mit ihm und dem Jungen – dessen Namen er
aber ebenso wenig kenne wie die Namen seiner getöteten Mitgefangenen
– mit einem Auto zu einem Fluss gefahren. Anschliessend hätten sie alle
gemeinsam in einer Piroge nach Kongo-Brazzaville übergesetzt. Das sei
am 18. September 2021 gewesen. Nach ihrer Ankunft in Kongo-Brazzaville
hätten sie sich aufgeteilt, indem je ein ehemaliger Wächter mit einem ehe-
maligen Gefangenen weitergezogen sei. Sein Wächter habe ihm in der
Folge geraten, nie mehr in die Heimat zurückzukehren. Der Mann habe
seine Ausreise sowohl finanziert als auch organisiert, indem er ihn auf dem
Landweg nach Gabun begleitet habe, wo er ihn an einen Dritten übergeben
habe. Mit diesem Mann sei er ohne Bezahlung und unter Verwendung des
Reisepasses einer anderen Person auf dem Luftweg über E._ und
F._ in die Schweiz gereist.
A.e Im Verlauf des Verfahrens berichtete der Beschwerdeführer über ge-
sundheitliche Probleme, an welchen er seit seiner Ausreise respektive ei-
gentlich schon seit 2018 leide. Vom SEM wurden in der Folge mehrere
Arztberichte zu den Akten genommen. Vor dem Entscheid in der Sache
nahm es zusätzlich eine amtsinterne Auskunft (sog. Medizinisches Consul-
ting) aus dem Jahre 2018 mit Titel "Kongo-Kinshasa: Einseitige Gehörlo-
sigkeit" zu den Akten, soweit darin Ausführungen zur Frage der Verfügbar-
keit von Routinekontrollen bei Gehörlosigkeit gemacht wurden.
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B.
Das SEM stellte im Rahmen des erweiterten Verfahrens mit Verfügung vom
19. Mai 2022 (eröffnet am 23. Mai 2022) fest, der Beschwerdeführer erfülle
die Flüchtlingseigenschaft nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab, verbunden
mit der Anordnung der Wegweisung aus der Schweiz und des Wegwei-
sungsvollzuges. Auf die Entscheidbegründung wird, soweit wesentlich,
nachfolgend eingegangen.
C.
Gegen diesen Entscheid erhob der Beschwerdeführer am 22. Juni 2022
– handelnd durch seinen Rechtsvertreter – beim Bundesverwaltungsge-
richt Beschwerde. In seiner Eingabe beantragte er die Aufhebung der an-
gefochtenen Verfügung (1), verbunden mit der Feststellung der Flüchtlings-
eigenschaft und Gewährung von Asyl, allenfalls sei er als Flüchtling vorläu-
fig aufzunehmen (2), eventualiter verbunden mit der Feststellung der Un-
zulässigkeit oder Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges und Anord-
nung einer vorläufigen Aufnahme in der Schweiz (3), subeventualiter ver-
bunden mit der Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur hinreichen-
den Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts (4). In prozessualer
Hinsicht ersuchte er um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht, Gewäh-
rung der unentgeltlichen Prozessführung und Beiordnung seines Rechts-
vertreters als amtlicher Rechtsbeistand (5). Auf die Beschwerdebegrün-
dung und die mit der Beschwerde vorgelegten Beweismittel – neben be-
reits bei den Akten liegenden medizinischen Unterlagen und Berichten das
Foto eines Mitgliederausweises der C._ – wird, soweit wesentlich,
nachfolgend eingegangen.
D.
Mit Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 4. Juli 2022
wurde für den Entscheid über die Gesuche um Gewährung der unentgelt-
lichen Prozessführung und amtlichen Verbeiständung auf einen späteren
Zeitpunkt verwiesen, verbunden mit der Aufforderung an den Beschwerde-
führer, innert Frist eine Bestätigung seiner Bedürftigkeit nachzureichen. Auf
die Erhebung eines Kostenvorschusses (gemäss Art. 63 Abs. 4 VwVG)
wurde an dieser Stelle verzichtet. Gleichzeitig wurde das SEM zur Ver-
nehmlassung eingeladen (Art. 57 Abs. 1 VwVG).
E.
Am 13. Juli 2022 reichte der Beschwerdeführer über seinen Rechtsvertre-
ter eine aktuelle Sozialhilfebestätigung zu den Akten.
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F.
In seiner Vernehmlassung vom 19. Juli 2022 hielt das SEM unter Verweis
auf seine bisherigen Erwägungen an der angefochtenen Verfügung fest.
Die vorinstanzliche Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer vom
Gericht am 22. Juli 2022 zur Kenntnisnahme zugestellt.
G.
Die vorinstanzlichen Akten liegen dem Gericht seit dem 23. Juni 2022 in
elektronischer Form vor (vgl. Art. 109 Abs. 2 AsylG [SR 142.31]).

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht ist unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM; dabei entschei-
det das Gericht auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser – was vorlie-
gend nicht der Fall ist – bei Vorliegen eines Auslieferungsersuchens des
Staates, vor welchem die beschwerdeführende Person Schutz sucht
(vgl. Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31–33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
1.4 Der Beschwerdeführer ist legitimiert (Art. 48 Abs.1 VwVG) und die Be-
schwerde wurde frist- und formgerecht eingereicht (Art. 108 Abs. 2 AsylG;
Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde einzutreten ist.
2.
2.1 Vom Beschwerdeführer wird im Sinne eines Eventualbegehrens die
Aufhebung der angefochtenen Verfügungen und Rückweisung der Sache
beantragt. Dabei führt er zur Begründung an, die Vorinstanz habe den Un-
tersuchungsgrundsatz nach Art. 12 VwVG verletzt, indem sie nicht alle für
den Entscheid relevanten Sachverhaltsumstände berücksichtigt, die bei
den Akten liegenden Belege nicht genügend geprüft, die Berichte zu der
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von ihm benannten Demonstration nicht beigezogen und seine Vorbringen
teilweise auf eine selektive Art zu seinen Ungunsten geprüft habe.
2.2 Diese Rügen gehen vorab deshalb fehl, weil der Beschwerdeführer in
seinen Vorbringen über weite Strecken die Frage der Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts mir der Frage der rechtlichen Würdigung
der Sache vermengt. Aufgrund der Aktenlage ist sodann von einem in ent-
scheidrelevanter Hinsicht hinreichend erstellten Sachverhalt auszugehen,
da es weder zu der vom Beschwerdeführer benannten Demonstration in
Kinshasa vom 15. September 2021 noch zu den anderen Elementen seiner
Vorbringen weiterer Abklärungen oder Untersuchungen bedarf. Dazu bleibt
anzumerken, dass die Vorinstanz dem Beschwerdeführer in den beiden
Anhörungen den Raum geboten hat, sich umfassend zu seinen Gesuchs-
gründen zu äussern, womit sich ihr Entscheid auf eine rechtsgenügliche
Grundlage stützt. Entgegen den anders lautenden Beschwerdevorbringen
bedarf es auch keiner weiteren Abklärungen zu den vom Beschwerdefüh-
rer geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden (vgl. dazu auch
nachfolgend, E. 6.3.3). Es kann daher im Sinne einer antizipierten Beweis-
würdigung auf die Einholung des in der Beschwerde in Aussicht gestellten
Arztberichts, welchen der Beschwerdeführer bis heute nicht vorgelegt hat,
verzichtet werden (Art. 31 Abs. 1 VwVG).
Da nach dem Gesagten der rechtserhebliche Sachverhalt hinreichend er-
stellt ist und im Übrigen auch keine Verletzung des Anspruchs auf das
rechtliche Gehör (nach Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 29 ff. VwVG) ersichtlich
ist, fällt die eventualiter beantragte Rückweisung der Sache ausser Be-
tracht (Art. 61 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
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Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1 sowie 2012/5 E. 2.2).
4.
4.1 Das SEM gelangt in der angefochtenen Verfügung zum Schluss, die
Vorbringen des Beschwerdeführers über die von ihm angeblich im Nach-
gang zur Demonstration vom 15. September 2021 erlittenen Nachteile
seien als unglaubhaft zu erkennen, da seine diesbezüglichen Angaben und
Ausführungen – anders als jene zur vorgebrachten Demonstrationsteil-
nahme – in praktisch keinem Punkt substanziiert seien. Seine Schilderun-
gen zu den angeblich ausreiserelevanten Ereignissen würden sich viel-
mehr in stereotypen, realitätsfernen und unsubstanziierten Aussagen er-
schöpfen. Es mangle dabei bereits an grundlegenden Angaben und Detail-
schilderung, wie namentlich zur Person seiner angeblichen Peiniger res-
pektive angeblichen späteren Befreier, zu seinen angeblichen Mitgefange-
nen und zur Örtlichkeit der angeblichen Ereignisse. Selbst auf mehrfache
Nachfrage hin sei der Beschwerdeführer in seinen Angaben und Ausfüh-
rungen an der Oberfläche geblieben, soweit er nicht ausgewichen sei.
Schliesslich habe er in seinen Ausführungen auch keinen nachvollziehba-
ren persönlichen Bezug zu den behaupteten Ereignissen erkennen lassen.
Er sei in seinen Aussagen dem angeblichen Ereignisablauf verhaftet ge-
blieben. Seine Aussagen seien ohne nachvollziehbare Realkennzeichen,
welche auf ein tatsächliches Erleben schliessen liessen. Aufgrund seiner
diesbezüglichen Schilderungen sei demgegenüber nicht zu bezweifeln,
dass er am 15. September 2021 in Kinshasa an der Demonstration der
C._ teilgenommen habe. Das Ereignis sei gut dokumentiert, da es
unter anderem auch zu Übergriffen auf Journalisten gekommen sei. Mit
Blick darauf sei durchaus vorstellbar, dass der Beschwerdeführer auch in
Polizeigewahrsam gekommen sei, als es anlässlich der Demonstration zu
gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des Präsi-
denten und jenen des Oppositionsführers gekommen sei. Es lägen hinge-
gen keine Berichte vor, wonach es im Nachgang zur Demonstration über
die bekannten Verhaftungen hinaus auch noch zu den vom Beschwerde-
führer behaupteten Verschleppungen und Tötungen gekommen wäre.
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4.2 Der Beschwerdeführer hält im Rahmen seiner Beschwerde an seinen
Vorbringen fest, da diese keineswegs ohne konkrete Realkennzeichen
seien und sich gleichzeitig der vorinstanzliche Vorhalt der Realitätsfremd-
heit verbiete, da das SEM schlicht keine sichere Kenntnis der realen Um-
stände vor Ort habe. Da es bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit um eine
Gesamtbeurteilung aller Elemente gehe, sei in seinem Fall auf das Vorlie-
gen glaubhafter Vorbringen zu schliessen, zumal von der Vorinstanz nicht
bestritten werde, dass er an der Demonstration vom 15. September 2021
teilgenommen habe. Von der Vorinstanz werde verkannt, dass er eben
nicht nur zu seinen Erlebnissen anlässlich der Demonstration detaillierte
Angaben gemacht habe, sondern auch zu der von ihm anschliessend er-
standenen Haft. Seine diesbezüglichen Angaben und Ausführungen wür-
den auch klare Realkennzeichen aufweisen, welche für die Glaubhaftigkeit
sprächen. Es sei zudem gebührend zu berücksichtigen, dass die ergän-
zende Anhörung erst drei Monate nach der Erstanhörung stattgefunden
habe, was sich negativ auf sein Aussageverhalten ausgewirkt habe, nach-
dem ihm die Schilderung seiner Erlebnisse ohnehin schon schwer falle.
Dennoch habe er den Faden in der ergänzenden Anhörung wiederaufneh-
men können, wobei er wiederum verschiedenste Detailangaben gemacht
habe. In seinen Erwägungen zur angeblich mangelnden Plausibilität seiner
Gesuchsvorbringen könne sich das SEM schliesslich bloss auf seine sub-
jektive Einschätzung stützen, hingegen nicht auf eine objektivierbare
Grundlage. Die Quellenlage spreche aber ohnehin nicht gegen, sondern
vielmehr für die Glaubhaftigkeit seiner Vorbringen, da jedenfalls viele Be-
richte über gewaltsame und willkürliche Verhaftungen in seiner Heimat vor-
lägen.
4.3 Nach Prüfung der Sache ist festzustellen, dass die mit der Beschwerde
eingebrachten Einwände zwar einlässlich begründet sind, jedoch keines
der Beschwerdevorbringen geeignet ist, den vorinstanzlichen Schluss be-
treffend die Mangelhaftigkeit seines Sachverhaltsvortrages und die Un-
glaubhaftigkeit seiner Vorbringen über die angeblich ausreiserelevanten
Ereignisse zu erschüttern. Insbesondere weisen die Vorbringen des Be-
schwerdeführers über diese Ereignisse nicht die Qualität seiner Angaben
und Ausführungen zu seiner vorgängigen Demonstrationsteilnahme auf. In
seinen diesbezüglichen Beschreibungen ist der Beschwerdeführer einfach,
stringent und insgesamt schlüssig geblieben und er war auch auf Nach-
frage hin in der Lage, seine Ausführungen mit nachvollziehbaren Detailan-
gaben zu unterlegen. Seine Vorbringen über die vorgeblich erst im Nach-
gang zur Demonstration vom 15. September 2021 erlebten Ereignisse –
also seine Ausführungen über eine angeblich erstandene Haft an einem
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unbekannten Ort, wo die Gefangenen nach und nach jeweils paarweise
umgebracht worden seien, bis sich die Wächter unvermittelt entschlossen
hätten, den letzten beiden Gefangenen nicht nur zur Flucht zu verhelfen,
sondern mit ihnen gemeinsam das Land zu verlassen – sind demgegen-
über im Rahmen der erforderlichen Gesamtbetrachtung, welche ausdrück-
lich auch vom Beschwerdeführer verlangt wird, als geradezu haltlos zu er-
kennen. Der Beschwerdeführer erschöpft sich in seinem diesbezüglichen
Sachverhaltsvortrag – wie vom SEM zu Recht erkannt – in einer Wieder-
gabe vom im Wesentlichen rein plakativen Elementen, ohne dabei auch
nur ansatzweise eine konkrete persönliche Betroffenheit erkennen zu las-
sen. Die Vorbringen des Beschwerdeführers über die angeblich ausreise-
relevanten Ereignisse sind daher in Übereinstimmung mit dem SEM als
unglaubhaft zu erkennen.
4.4 Der Beschwerdeführer hat mit seiner Beschwerde als neues Beweis-
mittel das Foto eines ECiDé-Ausweises vorgelegt, welcher ihm laut dem
Dokument am 13. April 2020 ausgestellt worden ist. Seine Mitgliedschaft in
dieser Partei ist allerdings von der Vorinstanz nicht bestritten worden.
Gleichzeitig ist im Resultat mit dem SEM darin einig zu gehen, dass alleine
aufgrund dieser Mitgliedschaft kein relevantes Gefährdungspotential er-
sichtlich ist. Der Beschwerdeführer muss sich im Übrigen entgegenhalten
lassen, dass er gerade mit der Vorlage dieses Ausweises einen konkreten
Widerspruch geschaffen hat, da ihm dieser Ausweis seinen bisherigen An-
gaben zufolge anlässlich seiner Verhaftung vom 15. September 2021 ab-
genommen worden sei, er diesen auch nicht habe wiedererlangen können
und er von diesem Ausweis auch keine Kopie gehabt habe (act. 30/15
S. 10 f.).
4.5 Da nach dem Gesagten die angebliche Gefährdungslage nicht nach-
gewiesen oder zumindest glaubhaft gemacht ist (Art. 7 AsylG), hat das
SEM zu Recht die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers verneint
und sein Asylgesuch abgelehnt.
5.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
[erster Satz] AsylG). Da der Beschwerdeführer weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen verfügt, ist die Anordnung der Wegweisung zu Recht erfolgt
(vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4 und 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
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6.
6.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 [zweiter
Satz] AsylG i.V.m. Art. 83 Abs. 1–4 AIG [SR 142.20]).
In diesem Zusammenhang bleibt festzuhalten, dass bezüglich der Geltend-
machung von Wegweisungsvollzugshindernissen gemäss Praxis des Bun-
desverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht-
lingseigenschaft gilt; das heisst, allfällige Vollzugshindernisse sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
6.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG). So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 FK [SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 FoK [SR 0.105] und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf so-
dann niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe
oder Behandlung unterworfen werden.
Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich
relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der
in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückführung in den Heimat-
staat ist demnach unter dem Aspekt dieser Bestimmung rechtmässig. So-
dann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch
aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung
in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Men-
schenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste
der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachweisen oder
glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder un-
menschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR Saadi ge-
gen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124-127
m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
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lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
6.3
6.3.1 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren (vgl. BVGE 2014/26 E. 7.3 ff. m.w.H.).
6.3.2 Der Beschwerdeführer stammt aus Kinshasa, wo weder Krieg noch
eine Situation allgemeiner Gewalt herrschen. Zwar erweisen sich die wirt-
schaftlichen Gegebenheiten vor Ort für die Bevölkerung häufig als schwie-
rig, alleine dieser Umstand spricht jedoch nach ständiger Praxis nicht ge-
gen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges. Der Beschwerdeführer
verfügt seinen Angaben gemäss über eine gute Schulbildung und insbe-
sondere über langjährige Berufserfahrung als selbständiger (... [Handwer-
ker]). Er habe sich dabei insbesondere auf (... [ein Produkt]) spezialisiert,
womit er bis zu seiner Ausreise ein ausreichendes Auskommen erzielt
habe. Seine Familie besitzt sodann in Kinshasa ein eigenes Haus, in wel-
chem seine Mutter bis heute lebt. Da gleichzeitig davon auszugehen ist, er
verfüge in Kinshasa auch weiterhin über ein umfangreiches Beziehungs-
netz, welches ihm bei der Reintegration konkret behilflich sein werde, ist
von der Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges auszugehen (vgl. auch
Referenzurteil E-731/2016 vom 20. Februar 2017 E. 7.3.2 m.w.H.). Daran
vermögen auch – wie nachfolgend aufgezeigt – die Vorbringen des Be-
schwerdeführers über das Vorliegen gesundheitlicher Beschwerden nichts
zu ändern.
6.3.3 So wendet der Beschwerdeführer unter Bezugnahme auf die bei den
Akten liegenden Arztberichte ein, aufgrund der generell prekären Verhält-
nisse in seiner Heimat und insbesondere der notorisch schlechten medizi-
nischen Versorgungslage sei der Wegweisungsvollzug in seinem Fall un-
zulässig oder doch zumindest als unzumutbar zu erkennen. Er leide an
einer Hepatitis-B, welche behandlungsbedürftig sein dürfte, deren Behand-
lungsbedarf von der Vorinstanz aber noch gar nicht genügend abgeklärt
worden sei. Zur Hepatitis-B liege bloss ein rudimentäres Schreiben vor,
was als Grundlage zur Würdigung des Wegweisungsvollzug nicht genügen
könne. Zu dem komme hinzu, dass auch die Frage der Behandlung seiner
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einseitigen Gehörlosigkeit alleine mit dem Verweis auf das Medizinische
Consulting des SEM nicht genügend abgeklärt sei. Schliesslich müsse auf-
grund der Aktenlage davon ausgegangen werden, dass er an einer schwer-
wiegenden psychischen Erkrankung leide, da sich den Akten diesbezügli-
che Hinweise entnehmen liessen. Es sei jedoch auch dieser Aspekt nicht
hinreichend abgeklärt worden, da er die von ihm benötigte Behandlung bis
heute nicht habe aufnehmen können.
Diese Vorbringen vermögen allerdings nicht zu überzeugen, weil insge-
samt nichts dafür spricht, dass der Beschwerdeführer effektiv auf eine Be-
handlung angewiesen wäre, welche zudem nicht im Heimatstaat erbracht
werden könnte. Die vom Beschwerdeführer angerufenen gesundheitlichen
Beschwerden sind als nicht rechtserheblich zu erkennen, weil bei objekti-
ver Betrachtung keines der Leiden eine relevante Schwere und aktuellen
Behandlungsbedarf erkennen lässt. Gemäss den bei den Akten liegenden
Berichten vom 15. Oktober 2021, vom 1., 3., 16. und 22. November 2021
sowie vom 17., 20. und 30. Dezember 2021 wurde er bis dahin konkret
wegen Lumbago (Hexenschuss), Schlaflosigkeit und einer Lungenentzün-
dung behandelt. Im Verlauf der Abklärungen betreffend die Lungenentzün-
dung wurde das Vorliegen einer chronischen Hepatitis-B festgestellt, wel-
che aktuell keiner Behandlung bedürfe, aber in sechs Monaten kontrolliert
werden sollte. Daraus folgt mit hinreichender Klarheit, dass beim Be-
schwerdeführer zwar eine chronische Infektion mit dem Hepatitis-B-Virus
(HBV) diagnostiziert worden ist, aber eben keine weitergehende Erkran-
kung, welche weiterer Abklärung oder gar einer konkreten Behandlung be-
dürfen würde. Insofern schadet auch nicht, dass diese Erkenntnis von der
dafür zuständigen, leitenden Ärztin am Kantonspital (...) nur im Rahmen
einer kurzen Notiz festgehalten wurde. Der Beschwerdeführer wurde so-
dann wegen seiner Rückenschmerzen eine Röntgenuntersuchung der
Lendenwirbelsäule (LWS) unterzogen, was allerdings bis auf die Feststel-
lung einer geringen Hüftdysplasie keine Diagnose erbrachte. Eine weitere
Untersuchung durch einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenerkrankungen
(HNO) erbrachte wiederum, dass der Beschwerdeführer auf dem rechten
Ohr an einer Pantonalen Innenohrschwerhörigkeit leidet, nachdem er 2018
rechtsseitig ein Schädeltrauma erlitten habe. Eine entsprechende Schwer-
hörigkeit ist jedoch weder einer Behandlung zugänglich, da sie einer dau-
erhaften Schädigung geschuldet ist, noch bedarf es diesbezüglich regel-
mässiger Kontrollen. Das SEM hätte bereits mit Blick darauf auf den Beizug
des Medizinische Consulting aus dem Jahre 2018 verzichten können. Im
Zusammenhang mit seinen damaligen Schlafproblemen wurde anlässlich
des ersten Arztbesuchs vom damals konsultierten Hausarzt der Verdacht
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Seite 13
auf eine PTBS geäussert. Anlässlich weiterer Arztbesuche brachte der Be-
schwerdeführer ausserdem vor, neben seinen Schlafstörungen auch an
Angstzuständen und teilweise akustischen Halluzinationen zu leiden. Dies-
bezüglich hat der Beschwerdeführer allerdings gemäss Akten nie eine kon-
krete Behandlung aufgenommen, also auch nicht nach dem erfolgten
Wechsel in die kantonalen Strukturen, wo ihm ein entsprechendes Behand-
lungsangebot mit Sicherheit zur Verfügung gestanden hätte. Vor dem Hin-
tergrund des seitherigen Zeitablaufs spricht bereits dieser Umstand sehr
deutlich gegen das Vorliegen einer rechtserheblichen Erkrankungslage.
Das Vorbringen, er warte bis heute auf die Aufnahme einer Behandlung, ist
dabei als offensichtliche Schutzbehauptung zu erkennen. Aufgrund der
diesbezüglichen Beschwerdevorbringen bleibt im Übrigen festzuhalten,
dass dem Beschwerdeführer zwar gemäss Aktenlage anlässlich seiner
Erstkonsultation (... [ein spezifisches Medikament]) verschrieben und von
der später konsultierten Ärztin an diesem Medikament noch länger festge-
halten wurde. Es spricht jedoch auch dieser Umstand nicht für das Vorlie-
gen einer rechtserheblichen Erkrankungslage. Zwar handelt es sich dabei
um ein potentes Medikament aus der Gruppe der atypischen Neuroleptika,
mithin um ein atypisches Antipsychotikum, welches zur Behandlung von
Schizophrenie sowie von manischen und depressiven Episoden bei Vorlie-
gen einer bipolaren Störung eingesetzt wird. Es geht jedoch sowohl aus
den bei den Akten liegenden Berichten als auch seinen eigenen Angaben
mit hinreichender Deutlichkeit hervor, dass dem Beschwerdeführer dieses
Medikament vom damals konsultierten Hausarzt nicht in diesem spezifi-
schen Zusammenhang verschrieben wurde, für welchen es zugelassen ist,
sondern vielmehr wegen seiner damaligen Schlafprobleme. Es ist denn
auch bekannt, dass das Medikament von einigen Ärzten im Sinne eines
"Off-Label-Use" als Ein- und Durchschlafmittel eingesetzt wird. Beim Be-
schwerdeführer habe sich jedenfalls eine deutliche subjektive Besserung
dann eingestellt, als er das Medikament wieder abgesetzt habe. Dabei gab
er gleichzeitig an, seit dem Absetzen dieses Medikaments nehme er auch
keine anderen Medikamente ein (vgl. Protokoll der ergänzenden Anhörung,
F. 7–10). Da nach dem Gesagten insgesamt nichts dafür spricht, dass der
Beschwerdeführer derzeit auf eine konkrete Behandlung angewiesen
wäre, überzeugen seine Beschwerdevorbringen über angeblich rechtser-
hebliche gesundheitliche Probleme, welche jedenfalls noch weiterer Abklä-
rungen bedürften, nicht.
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6.3.4 Der Beschwerdeführer hat diesen Erwägungen gemäss keine rechts-
erhebliche Erkrankungslage nachgewiesen oder zumindest glaubhaft ge-
macht, womit im Sinne des vorstehend Gesagten von der Zumutbarkeit
des Wegweisungsvollzuges auszugehen ist.
6.4 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4 AsylG; BVGE 2008/34 E. 12),
weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeichnen ist
(Art. 83 Abs. 2 AIG).
6.5 Zusammenfassend hat das SEM den Wegweisungsvollzug zu Recht
als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
7.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
zu überprüfen (vgl. dazu oben, E. 1.3) – auch angemessen ist. Die Be-
schwerde ist daher abzuweisen.
8.
8.1 Im Rahmen der Zwischenverfügung vom 4. Juli 2022 wurde für den
Entscheid über die Gesuche um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung (im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG) und amtlichen Verbeiständung
(nach Art. 102m Abs. 1 AsylG) auf einen späteren Zeitpunkt verwiesen.
Nachdem der Beschwerdeführer innert ihm angesetzter Frist einen Beleg
seiner Bedürftigkeit nachgereicht hat und im Urteilszeitpunkt auch nicht zu
schliessen ist, die Beschwerde habe sich als von Anfang an aussichtslos
erwiesen, ist den genannten Gesuchen im Rahmen des vorliegenden Ur-
teils zu entsprechen. Dem Beschwerdeführer sind demgemäss trotz Unter-
liegens keine Verfahrenskosten aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 i.V.m. Art. 65
Abs. 1 VwVG) und es ist antragsgemäss der rubrizierte Rechtsvertreter als
amtlicher Rechtsbeistand zu bestellen (Art. 102m Abs. 1 i.V.m. Art. 102m
Abs. 3 AsylG), welcher für seinen Aufwand unbesehen des Ausgangs des
Verfahrens zu entschädigen ist, soweit dieser sachlich notwendig war
(Art. 12 i.V.m. Art. 8 Abs. 2 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
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8.2 Der Rechtsbeistand hat es unterlassen, eine Kostennote einzureichen,
weshalb der notwendige Vertretungsaufwand aufgrund der Aktenlage zu
bestimmen ist (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Das amtliche Honorar ist daher
aufgrund der Aktenlage, der massgebenden Bemessungsfaktoren (Art. 12
i.V.m. Art. 9–11 VGKE) und des praxisgemässen Stundenansatzes für amt-
liche Rechtsbeistände (gemäss Art. 102m Abs. 1 i.V.m. Art. 102m Abs. 3
AsylG) auf Fr. 1'150.– festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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