Decision ID: 9ca672dc-cfa3-5ce9-9e80-aecbbbdbf2ac
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im März 2013 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu einer
Altersrente der AHV an (EL-act. 130). Mit einer Verfügung vom 27. Juni 2013 sprach die
EL-Durchführungsstelle ihr mit Wirkung ab dem 1. März 2013 eine Ergänzungsleistung
von 2’685 Franken pro Monat zu (EL-act. 124). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie
die kantonalen Durchschnittsprämien für die obligatorische Krankenpflegeversicherung
der EL-Ansprecherin und des Ehemannes, einen Drittel eines Mietzinses von 13’560
Franken (Abzug von zwei Dritteln als „Anteil Mitbewohner“) sowie die
Lebensbedarfspauschale für ein Ehepaar als Ausgaben und einen Zehntel eines
anrechenbaren Vermögens von 37’042 Franken, die Altersrente der AHV von 5’100
Franken, einen Sparzins von einem Franken sowie einen Vermögensertrag aus einem
BVG-Freizügigkeitsguthaben von 289 Franken als Einnahmen angerechnet (EL-act.
122). Als anrechenbares Vermögen hatte sie ein Sparguthaben von 569 Franken und
ein hypothetisches Vermögen im Betrag des BVG-Freizügigkeitsguthabens des
Ehemannes von 96’473 Franken berücksichtigt, da der Ehemann bereits das 60.
Altersjahr vollendet hatte und das Freizügigkeitsguthaben deshalb hätte beziehen
können. Am 13. August 2013 liess die EL-Bezügerin darauf hinweisen, dass ihr
Ehemann „in keiner Art und Weise“ über das BVG-Freizügigkeitsguthaben verfügen
könne (EL-act. 121). Die EL-Durchführungsstelle teilte der EL-Bezügerin am 3. März
2014 mit (EL-act. 117), der Betrag des angerechneten Freizügigkeitsguthabens ergebe
sich aus einem eingereichten Beleg vom 7. Mai 2013. Sollte der Ehemann nachweisen
können, dass er das Freizügigkeitsguthaben tatsächlich nicht beziehen könne, werde
die EL-Berechnung entsprechend angepasst.
A.a.
Das Versicherungsgericht sprach dem Ehemann der EL-Bezügerin mit einem Urteil
vom 29. Oktober 2014 rückwirkend ab dem 1. März 2005 eine Viertelsrente und ab
dem 1. Juni 2005 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (IV 2012/73; vgl. EL-
A.b.
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act. 116). Auf eine telefonische Rückfrage einer Sachbearbeiterin der EL-
Durchführungsstelle hin gab ein Sachbearbeiter der IV-Stelle an, dass das Urteil beim
Bundesgericht angefochten werde, weshalb es noch einige Zeit dauern werde, bis ein
allfälliger Rentenanspruch des Ehemannes rechtskräftig feststehe (elektronische Notiz
zu EL-act. 116–1). Die EL-Durchführungsstelle forderte die EL-Bezügerin am 20.
November 2014 auf, eine spätere Rentenverfügung innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt
an die EL-Durchführungsstelle weiterzuleiten (EL-act. 115). Das Bundesgericht hob das
Urteil des Versicherungsgerichtes mit einem Urteil vom 17. September 2015
(9C_862/2014) auf. Es wies die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung an die IV-
Stelle zurück.
Im April 2016 füllte die EL-Bezügerin ein Formular zur periodischen Überprüfung
der Ergänzungsleistung aus (EL-act. 104). Die EL-Durchführungsstelle tätigte in der
Folge verschiedene Abklärungen. Mit einer Verfügung vom 29. November 2016 setzte
sie die laufende Ergänzungsleistung rückwirkend per 1. Januar 2016 herab (EL-act. 89).
Die Anspruchsberechnung (EL-act. 88) war im Wesentlichen unverändert geblieben;
nur die Beträge der Ausgaben- und Einnahmenpositionen hatten sich verändert.
Namentlich das hypothetische Vermögen im Betrag des Freizügigkeitsguthabens des
Ehemannes und die hypothetischen Erträge daraus hatten sich wesentlich erhöht.
A.c.
Der Ehemann der EL-Bezügerin vollendete im Januar 2017 sein 65. Altersjahr. Die
AHV sprach ihm mit einer Verfügung vom 11. Januar 2017 mit Wirkung ab dem 1.
Februar 2017 eine Altersrente zu (EL-act. 79). Mit einer Verfügung vom selben Tag
passte sie den Betrag der Altersrente der EL-Bezügerin an (EL-act. 80). Die berufliche
Vorsorgeeinrichtung hatte in einem Schreiben vom 17. Oktober 2016 bestätigt (EL-act.
95–4), dass sie dem Ehemann eine Teilrente und eine Teilkapitalabfindung von 85’000
Franken ausrichten werde. Den Kapitalanteil werde sie Valuta 1. Februar 2017
überweisen; die Altersrente werde sie in monatlichen Raten, jeweils am fünften
Kalendertag des Monats, erstmals am 5. Februar 2017, auszahlen. Auf eine
telefonische Rückfrage der EL-Durchführungsstelle hin gab ein Sachbearbeiter der
beruflichen Vorsorgeeinrichtung im Februar 2017 an, die Leistungen hätten noch nicht
ausgerichtet werden können, weil noch ein Gerichtsverfahren hängig sei, dessen
Ausgang abgewartet werden müsse (elektronische Notiz zu EL-act. 93). Mit einer
Verfügung vom 3. März 2017 setzte die EL-Durchführungsstelle die laufende
A.d.
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Ergänzungsleistung mit Wirkung ab dem 1. Februar 2017 herab (EL-act. 74). Sie wies
ausdrücklich darauf hin, dass diese Verfügung unter dem Vorbehalt einer späteren
Berichtigung aufgrund des Entscheides der beruflichen Vorsorgeeinrichtung ergehe.
Bei der Anspruchsberechnung hatte sie die kantonalen Durchschnittsprämien für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung des Ehepaars, einen Drittel des Mietzinses
sowie die Lebensbedarfspauschale für ein Ehepaar als Ausgaben und einen Zehntel
des den Freibetrag von 60’000 Franken übersteigenden Anteils des hypothetischen
Vermögens im Betrag des BVG-Freizügigkeitsguthabens des Ehemannes, die beiden
Altersrenten der AHV sowie hypothetische „Erträge aus dem BVG-
Freizügigkeitsguthaben“ als Einnahmen berücksichtigt (EL-act. 73).
Die IV-Stelle sprach dem Ehemann der EL-Bezügerin im Mai 2018 rückwirkend ab
dem 1. Oktober 2007 eine Viertelsrente und ab dem 1. Januar 2008 eine ganze Rente
zu, was für die Zeit bis zum 31. Januar 2017 (Erreichen des ordentlichen Rentenalters)
eine Rentennachzahlung von insgesamt 113’539 Franken sowie eine rückwirkende
Erhöhung der Altersrente der EL-Bezügerin um insgesamt 8’501 Franken ergab (EL-
act. 69). Mit einer Verfügung vom 28. Mai 2018 sprach die Ausgleichskasse der EL-
Bezügerin eine Nachzahlung von 9’962 Franken (= 8’501 Franken Rentennachzahlung
+ 1’461 Franken Verzugszins) zu (EL-act. 68). Mit einer Verfügung vom selben Datum
sprach die IV-Stelle dem Ehemann für die Zeit vom 1. März 2012 bis zum 31. Januar
2017 eine Nachzahlung von 51’642.75 Franken zu (einschliesslich eines Verzugszinses
von 437 Franken und nach Abzug einer Verrechnung mit einer Sozialhilferückforderung
von 8’453.25 Franken; EL-act. 67). Die Rentennachzahlung für die Zeit vom 1. Januar
2008 bis zum 29. Februar 2012 wurde vollumfänglich mit einer Sozialhilferückforderung
verrechnet (EL-act. 66). Auch die Rentennachzahlung für die Monate Oktober,
November und Dezember 2007 wurde vollumfänglich mit einer Sozialhilferückforderung
verrechnet (EL-act. 65). Mit einer Verfügung vom 30. Mai 2018 setzte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung rückwirkend per 1. März 2013 neu fest
(EL-act. 61). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie nun den erhöhten Betrag der
Altersrente der EL-Bezügerin und zusätzlich die IV-Rente des Ehemannes
berücksichtigt (EL-act. 56 ff.). Die Neuberechnung hatte für die Zeit vom 1. März 2013
bis zum 31. Januar 2017 eine Rückforderung von insgesamt 49’683 Franken zur Folge.
Mit einer Verfügung vom 4. Juni 2018 setzte die Ausgleichskasse die Altersrente des
A.e.
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Ehemannes rückwirkend per 1. Februar 2017 neu fest; daraus resultierte eine
Rentennachzahlung von 1’173 Franken für die Zeit vom 1. Februar 2017 bis zum 30.
Juni 2018 (EL-act. 55). Mit einer Verfügung vom 18. Juni 2018 forderte die EL-
Durchführungsstelle für denselben Zeitraum Ergänzungsleistungen von 1’173 Franken
zurück (EL-act. 53).
Am 11. Oktober 2018 teilte die berufliche Vorsorgeeinrichtung mit (EL-act. 40–3 f.),
dass sie dem Ehemann der EL-Bezügerin für die Zeit vom 1. Oktober 2007 bis zum 31.
Januar 2017 eine Nachzahlung von insgesamt 138’450.70 Franken ausrichten werde;
zusätzlich habe sie 20’613.70 Franken bereits zu einem früheren Zeitpunkt ausbezahlt.
Am 27. November 2018 überwies sie dem Ehemann der EL-Bezügerin 137’082.50
Franken (EL-act. 40–1). Dieser überwies am Folgetag 67’000 Franken an das
Sozialamt, 30’000 Franken an einen „Freund“ zur Begleichung von Schulden und
20’000 Franken an seinen Sohn. Das Sozialamt bestätigte am 28. November 2018,
dass es 60’000 Franken vom Ehemann der EL-Bezügerin erhalten habe (EL-act. 34).
Am 10. Dezember 2018 teilte die berufliche Vorsorgeeinrichtung mit (EL-act. 33), dass
sie das Altersguthaben im Teilbetrag von 85’000 Franken als Kapitalzahlung und im
Restbetrag als eine monatliche Altersrente von 378.70 Franken ab dem 1. Februar 2017
auszahlen werde. Mit einer Verfügung vom 12. April 2019 setzte die EL-
Durchführungsstelle die Ergänzungsleistung rückwirkend per 1. März 2013 neu fest
(EL-act. 31). Bei der Anspruchsberechnung hatte sie neu ab März 2013 die rückwirkend
zugesprochene Invalidenrente und ab Februar 2017 die Altersrente der beruflichen
Vorsorge als Einnahme angerechnet. Das Freizügigkeitsguthaben wurde dagegen bei
der Anspruchsberechnung (für den gesamten Zeitraum ab März 2013) nicht mehr
berücksichtigt. Mit Wirkung ab dem 1. Februar 2017 rechnete die EL-
Durchführungsstelle das Alterskapital von 85’000 Franken als Vermögensbestandteil
an. Als Rückzahlung an das Sozialamt berücksichtigte sie einen Betrag von 60’000
Franken. Die Überweisung an den Sohn über 20’000 Franken qualifizierte sie als einen
Vermögensverzicht. Aus der Neuberechnung resultierte eine Rückforderung von
insgesamt 49’110 Franken. Diese Rückforderung zog die EL-Durchführungsstelle für
die Zeit ab dem 1. Mai 2019 als Schuld vom anrechenbaren Vermögen ab.
A.f.
Am 14. Mai 2019 liess die EL-Bezügerin eine Einsprache gegen die Verfügung
vom 12. April 2019 erheben (EL-act. 17). Ihr Rechtsvertreter beantragte die
A.g.
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Neuberechnung der Ergänzungsleistung ohne die Anrechnung des Alterskapitals von
85’000 Franken. Zur Begründung führte er aus, der Ehemann habe das Alterskapital
effektiv gar nicht beziehen können, bis der Rentenentscheid der beruflichen
Vorsorgeeinrichtung gefällt gewesen sei. Bei der Überweisung von 20’000 Franken an
den Sohn habe es sich um eine Schuldentilgung gehandelt. Das Ehepaar habe zudem
über 28’000 Franken Steuerschulden begleichen müssen. Die Rentennachzahlung der
beruflichen Vorsorge könne selbstverständlich nicht als Vermögenszuwachs
angerechnet werden, denn dadurch würden die Rentenleistungen ja doppelt – einmal
als fiktive monatliche Rentenzahlungen und einmal als Nachzahlung – berücksichtigt.
Die EL-Durchführungsstelle wies die EL-Bezügerin am 25. Juni 2019 darauf hin (EL-act.
15), dass bei einer Kontrolle der Vermögensbewegungen hohe Bargeldbezüge
aufgefallen seien: 67’000 Franken für das Sozialamt, 2’000 Franken, 20’000 Franken für
den Sohn und 30’000 Franken für eine Schuldentilgung bei einem Freund Ende
November 2018, 50’000 Franken im Dezember 2018, 6’000 Franken, 3’100 Franken
und 25’000 Franken im Januar 2019 sowie 3’000 Franken und 21’500 Franken im April
2019. An Schulden seien nur jene beim Sozialamt von 60’000 Franken und
Steuerschulden von insgesamt 28’693.05 Franken belegt. Die EL-Bezügerin habe die
Möglichkeit, eine Aufstellung einzureichen, aus der hervorgehe, welche Schulden mit
welchen Barabhebungen beglichen worden seien. Für allfällige private
Schuldentilgungen seien Belege einzureichen, aus denen hervorgehe, wann, in welcher
Höhe und für welchen Zweck diese Schulden angehäuft worden seien. Die mit der
Einsprache eingereichte handschriftliche Bestätigung des Sohnes, dass der Ehemann
der EL-Bezügerin Schulden gehabt habe, könne nicht akzeptiert werden. Diesbezüglich
sei ebenfalls zu belegen, warum, in welchem Umfang und wofür diese Schulden
angehäuft worden seien. Die EL-Bezügerin liess am 31. Juli 2019 geltend machen (EL-
act. 13), es liege auf der Hand, dass das Ehepaar nicht von 800 bis 1’200 Franken pro
Monat habe leben können und dass die EL-Bezügerin und ihr Ehemann folglich
gezwungen gewesen seien, Schulden zu machen. Mit einem Entscheid vom 1. Oktober
2019 hiess die EL-Durchführungsstelle die Einsprache teilweise gut (EL-act. 11). Sie
hielt fest, das Vermögen und die Einnahmen müssten strikt voneinander getrennt
werden. Deshalb sei es richtig gewesen, die Rentennachzahlung sowohl als (fiktive)
Einnahme als auch als (realen) Vermögenszuwachs zu berücksichtigen. Falsch wäre es
dagegen gewesen, die Rente als rückwirkende (fiktive) Einnahme und dann nochmals
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B.

Erwägungen
1.
als eine Einnahme in der Höhe der Nachzahlung anzurechnen. Die Tilgung der
Steuerschulden sei dagegen als Vermögensreduktion zu berücksichtigen. Ebenso sei
zu berücksichtigen, dass der Ehemann der EL-Bezügerin die Sozialhilfeschulden sofort
nach dem Erhalt der Rentennachzahlung beglichen habe. Ausgehend von der
Hypothese, dass er das Alterskapital bereits im Februar 2017 erhalten habe, sei zu
fingieren, dass er damit die Sozialhilfeschulden bereits im Februar 2017 beglichen
habe. Die EL-Rückforderung reduziere sich durch diese beiden Korrekturen auf 43’796
Franken.
Am 31. Oktober 2019 liess die EL-Bezügerin (nachfolgend: die
Beschwerdeführerin) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 1.
Oktober 2019 erheben (act. G 1). Ihr Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheides und die Neuberechnung der
Ergänzungsleistung ohne die Berücksichtigung eines Vermögensverzehrs für die Zeit
ab dem 1. Dezember 2018 und ohne die Anrechnung eines Vermögensverzichtes von
20’000 Franken. Zur Begründung führte er aus, die Berücksichtigung sowohl der
Rentennachzahlung der beruflichen Vorsorge als (realen) Vermögenszuwachs als auch
der (fiktiven) Rentenzahlungen für die Vergangenheit stelle eine unzulässige
Doppelbelastung dar. Bei der Überweisung an den Sohn habe es sich um eine
Schuldenrückzahlung gehandelt. Selbstverständlich sei familienintern nicht genau Buch
über gegenseitige Schulden geführt worden. Angesichts der langjährigen
Sozialhilfeabhängigkeit der EL-Bezügerin und des Ehemannes liege auf der Hand, dass
auch private Schulden entstanden seien.
B.a.
Die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte
am 21. November 2019 unter Hinweis auf die Erwägungen im angefochtenen
Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
B.b.
Die Beschwerdeführerin liess am 16. Januar 2020 an ihrem Antrag festhalten (act.
G 7). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 9).
B.c.
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Dieses Beschwerdeverfahren bezweckt die Überprüfung des angefochtenen
Einspracheentscheides auf dessen Rechtmässigkeit. Deshalb muss sein Gegenstand
jenem des Einspracheverfahrens entsprechen. Auch beim Einspracheverfahren hat es
sich um ein („echtes“) Rechtsmittelverfahren gehandelt, was bedeutet, dass sich sein
Zweck auf die Überprüfung der einspracheweise angefochtenen Verfügung beschränkt
hat und dass sein Gegenstand folglich jenem des vorangegangenen
Verwaltungsverfahrens hat entsprechen müssen. Das mit der Verfügung vom 12. April
2019 abgeschlossene Verwaltungsverfahren hat auf eine Korrektur der
Ergänzungsleistung auf den Zeitpunkt des ursprünglichen Leistungsbeginns hin
abgezielt. Bei diesem Verfahren hat es sich aber nicht um eine „typische“
Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder sogenannt prozessuale Revision (Art. 53
Abs. 1 ATSG) gehandelt, denn die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung
vom 27. Juni 2013 hat nicht an einer zweifellosen Unrichtigkeit im Sinne des Art. 53
Abs. 2 ATSG gelitten und es hat auch keine „neue“ (eigentlich: neu bekannt
gewordene) Tatsache im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG vorgelegen. Den Grund für die
rückwirkende Korrektur der am 27. Juni 2013 formell rechtskräftig zugesprochenen
Ergänzungsleistung hat nämlich die Fiktion gebildet, der Ehemann der
Beschwerdeführerin habe die – real erst Ende November 2018 nachträglich
ausbezahlte – Invalidenrente der beruflichen Vorsorge schon ab März 2013 in der Form
von regelmässigen Rentenzahlungen bezogen. Das Auswechseln des realen
Sachverhaltes ab März 2013 durch einen fiktiven Sachverhalt ab März 2013 könnte
zwar als eine qualifiziert neue Tatsache im Sinne des Art. 53 Abs. 1 ATSG betrachtet
werden, aber die Beschwerdegegnerin hat bereits bei der ursprünglichen Zusprache
einer Ergänzungsleistung ab März 2013 gewusst, dass ein Rentenanspruch des
Ehemannes im Raum stehen könnte. Zumindest bezüglich der Berechnungsposition
„Renteneinnahmen“ hat die ursprüngliche leistungszusprechende Verfügung deshalb
von Beginn weg nicht auf einem mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststehenden Sachverhalt beruhen können, was
der Beschwerdegegnerin bewusst gewesen sein muss. Folglich hat die
Beschwerdegegnerin damals noch gar keine „definitive“ Ergänzungsleistung
zusprechen können. Bei der ursprünglichen Verfügung vom 27. Juni 2013 kann es sich
also nur um eine „vorsorgliche“ Verfügung gehandelt haben, mit der die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin im Sinne einer „Vorschussleistung“ eine
vorläufige Ergänzungsleistung zugesprochen hat. Als „vorsorgliche“ rechtsgestaltende
Anordnung muss die Verfügung vom 27. Juni 2013 unter dem Vorbehalt des
Dahinfallens respektive unter der auflösenden Bedingung einer Korrektur nach dem
Abschluss des Rentenverfahrens gestanden haben. Sie ist also nach dem Abschluss
des IV-Rentenverfahrens und des BVG-Rentenverfahrens „automatisch“ dahingefallen
1.1.
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und dann durch die Verfügung vom 12. April 2019 ersetzt worden. Bei der Verfügung
vom 12. April 2019 handelt es sich deshalb um die erste „definitive“ materielle
leistungszusprechende Verfügung, das heisst erst diese Verfügung hat das im März
2013 angestossene Verwaltungsverfahren abgeschlossen.
Bei einer sich nur am Wortlaut der massgebenden ELG-Bestimmungen
orientierenden Rechtsanwendung wäre der Erlass einer auflösend bedingten
„vorsorglichen“ Verfügung verbunden mit einer späteren rückwirkenden Korrektur
infolge einer Rentennachzahlung allerdings zum Vorneherein ausgeschlossen, denn der
Wortlaut der massgebenden ELG-Bestimmungen sieht für einen solchen Fall vor, dass
die höhere Rente nur für die Zukunft, also nur für die Zeit nach der Eröffnung den
Rentenentscheides beziehungsweise der anschliessenden monatlichen
Rentenauszahlung, nicht aber für den Zeitraum zwischen dem (in der Vergangenheit
liegenden) Wirkungszeitpunkt der Rentenzusprache und dem Zeitpunkt der Eröffnung
des Rentenentscheides als Einnahme (Renten und Pensionen im Sinne des Art. 11 Abs.
1 lit. c ELG) anzurechnen sei. Die Summe der auf den vergangenen Zeitraum
entfallenden Rentenleistungen wäre nur als ein Vermögenszuwachs auf das Datum der
Rentennachzahlung hin zu berücksichtigen. Das hätte aber eine Überentschädigung
des EL-Bezügers zur Folge, denn er erhielte sowohl die (als Folge der
Nichtberücksichtigung des Rentenanspruchs) zu hohe Ergänzungsleistung als auch (in
der Form einer Nachzahlung) die Invalidenrente. Diese Überentschädigung würde
durch die Berücksichtigung der Nachzahlung als Vermögenszuwachs nicht beseitigt,
weil sich die Anrechnung eines entsprechend erhöhten Vermögens nur in der Form
eines teilweisen Vermögensverzehrs und in der Form von Vermögenserträgen auf den
EL-Anspruch auswirken würde. In der Verwaltungspraxis wird im Umstand, dass das
ELG keine Bestimmung enthält, die das Vermeiden einer solchen Überentschädigung
ausdrücklich anordnen würde, eine ausfüllungsbedürftige Lücke erblickt. Diese Lücke
wird so gefüllt, dass nicht auf den realen Sachverhalt (Ausrichtung der Invalidenrente
erst ab dem Zeitpunkt der Eröffnung des entsprechenden Rentenentscheides)
abgestellt, sondern fingiert wird, der Rentenentscheid sei rechtzeitig, das heisst
unmittelbar auf den (in der Vergangenheit liegenden) Wirkungszeitpunkt – und nicht
„verspätet“ – ergangen. Diese Fiktion hat zur Folge, dass dem EL-Bezüger unterstellt
wird, er habe die höhere Rente bereits in der Vergangenheit, nämlich ab dem
Wirkungszeitpunkt des (erst später ergangenen) Rentenentscheides, bezogen (und
nicht erst nachträglich in der Form einer Nachzahlung erhalten). Das erlaubt es, die
Ergänzungsleistung rückwirkend, das heisst auf den Zeitpunkt in der Vergangenheit,
auf den hin der Rentenentscheid wirksam geworden ist, zu korrigieren. Daraus
resultiert eine Rückforderung der zwischen dem Wirkungszeitpunkt des
1.2.
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2.
Im März 2013 haben sowohl die Beschwerdeführerin als auch ihr Ehemann die
Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug einer Ergänzungsleistung erfüllt (vgl. Art. 4
ELG). Die Anspruchsvoraussetzungen sind im gesamten hier massgebenden Zeitraum
erfüllt gewesen.
3.
Als Ausgaben sind für den gesamten Zeitraum (mit den entsprechenden betraglichen
Anpassungen) die kantonalen Durchschnittsprämien für die obligatorische
Rentenentscheides und dem Zeitpunkt der Eröffnung der Verfügung betreffend die
rückwirkende Korrektur der Ergänzungsleistung zu Unrecht ausgerichteten
Ergänzungsleistungen. Diese EL-Rückforderung entspricht im Normalfall dem Betrag
der Rentennachzahlung und kann deshalb mit dieser verrechnet werden. Mit der
Fiktion der rechtzeitigen (also nicht – real – verspäteten) Rentenausrichtung wird somit
erreicht, dass der EL-Bezüger für den gesamten massgebenden Zeitraum insgesamt
nur jene Ergänzungsleistung erhält, die seinem tatsächlichen Existenzbedarf entspricht.
Dadurch wird jene unzulässige Ungleichbehandlung verhindert, die in Einzelfällen in
einer rein zufällig auftretenden Überentschädigung bestehen würde (vgl. statt vieler den
Entscheid EL 2017/20 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 21. November 2018,
E. 3, mit Hinweisen).
Folglich ist es zulässig gewesen, die ursprüngliche leistungszusprechende
Verfügung vom 27. Juni 2013 respektive die diese ersetzende Verfügung vom 30. Mai
2018 unter dem Vorbehalt einer späteren integralen Korrektur nach dem Abschluss des
Rentenverfahrens, also „vorsorglich“, zu erlassen und später ausgehend von der
Fiktion, der Ehemann der Beschwerdeführerin habe bereits im März 2013 eine
Invalidenrente der beruflichen Vorsorge bezogen, zu korrigieren beziehungsweise
durch eine „definitive“ materielle Verfügung zu ersetzen. Folglich hat es sich bei der
Verfügung vom 12. April 2019 um die erste „definitive“ leistungszusprechende
Verfügung gehandelt, das heisst das im März 2013 angestossene
Verwaltungsverfahren ist erst mit dieser Verfügung vom 12. April 2019 abgeschlossen
worden. Daraus folgt, dass die Anspruchsvoraussetzungen für den Bezug einer
Ergänzungsleistung ab März 2013 umfassend haben geprüft werden müssen und dass
auch der Ergänzungsleistungsanspruch für die Zeit ab März 2013 vollständig neu hat
festgesetzt werden müssen. In diesem Beschwerdeverfahren muss der Gegenstand
genauso weit respektive umfassend sein.
1.3.
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Krankenpflegeversicherung des Ehepaares, ein Drittel des Mietzinses der von
insgesamt sechs Personen bewohnten Wohnung sowie die Lebensbedarfspauschale
für ein Ehepaar zu berücksichtigen. Die von der Beschwerdeführerin, dem Ehemann
und vier weiteren nicht in die Anspruchsberechnung mit einzubeziehenden Personen
bewohnte Wohnung hat im Eigentum des Sohnes der Beschwerdeführerin gestanden.
Für die Berechnung der Wohnkosten hat die Beschwerdegegnerin den steuerlich
geschätzten Eigenmietwert von 11’880 Franken und eine Nebenkostenpauschale von
1’680 Franken berücksichtigt (vgl. EL-act. 134–4 und elektronische Notiz zu EL-act.
130–3). Das hat – für die Zeit bis Ende Dezember 2015 – einen Betrag von 13’560
Franken ergeben, von dem die Beschwerdegegnerin einen Drittel, also 4’520 Franken,
als Wohnkosten berücksichtigt hat. Dieser Betrag ist geringfügig höher als der vom
Sozialamt für die Bemessung der Sozialhilfeunterstützung berücksichtigte Betrag von
361.25 Franken pro Monat respektive 4’335 Franken pro Jahr gewesen (vgl. EL-act.
131). Da sich die Berechnung des Sozialamtes nicht an den effektiven Wohnkosten,
sondern an einem generell vorgegebenen Wert der massgebenden Richtlinie (z.B.
SKOS-Richtlinie) orientiert hat, rechtfertigt es sich nicht, bei der rückwirkenden
Korrektur auf diesen tieferen Wert abzustellen. Eigentlich müsste für die Berechnung
der Wohnkosten statt auf den steuerlichen Eigenmietwert auf den höheren
Marktmietwert abgestellt werden, selbst wenn der Sohn seine Eltern günstiger in seiner
Wohnung wohnen liesse. Ein teilweises „Gratiswohnen“ wäre nämlich als eine
Verwandtenunterstützung im Sinne des Art. 11 Abs. 3 lit. a ELG oder als eine private
Leistung mit einem ausgesprochenen Fürsorgecharakter im Sinne des Art. 11 Abs. 3 lit.
c ELG zu qualifizieren, wobei es systematisch und teleologisch irrelevant wäre, dass
diese Unterstützung statt in Geldzahlungen in natura erbracht würde. Es kann nämlich
keine Rolle spielen, ob der Sohn seinen Eltern monatlich Geld gibt, mit dem sie einen
Teil ihrer Mietkosten bezahlen können, oder ob er ihnen direkt einen Teil des an sich
geschuldeten Mietzinses erlässt (vgl. dazu auch den Entscheid EL 2017/27 des St.
Galler Versicherungsgerichtes vom 22. Juni 2018, E. 2.1, mit Hinweisen). Würde auf die
effektiv anfallenden (tieferen) Kosten anstatt auf die eigentlich geschuldeten (höheren)
Kosten abgestellt, würde die Unterstützung des Sohnes in der Form eines teilweisen
„Gratiswohnens“ dazu missbraucht, Ergänzungsleistungen einzusparen, womit im
Ergebnis diese sozialhilfeähnlichen Unterstützungsleistungen der Ergänzungsleistung
vorgingen, was gegen den Art. 11 Abs. 3 (lit. a oder c) ELG verstossen würde. Nun
lässt sich der Marktmietwert für den lange zurückliegenden Zeitraum aber in
antizipierender Beweiswürdigung objektiv nicht mehr mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ermitteln. Folglich liegt bezüglich
der den massgebenden Anteil am amtlichen Eigenmietwert übersteigenden objektiv
geschuldeten Wohnkosten eine objektive Beweislosigkeit vor, deren Nachteil die
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Beschwerdeführerin zu tragen hat, weshalb für die Zeit bis und mit Dezember 2015 ein
auf dem amtlichen Eigenmietwert basierender Mietzinsanteil von 4’520 Franken und für
die Zeit ab Januar 2016 ein solcher von 4’814 Franken zu berücksichtigen ist (vgl. EL-
act. 92).
4.
Als Einnahme hat der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann (nebst einem minimalen
Vermögensertrag von wenigen Franken) real zunächst lediglich die AHV-Rente der
Beschwerdeführerin zur Verfügung gestanden. Ab dem 1. Februar 2017 ist eine
Altersrente des Ehemannes als weitere Einnahme hinzugekommen. Im Mai 2018 hat
die IV-Stelle dann allerdings dem Ehemann rückwirkend per 1. Oktober 2007 eine
Invalidenrente zugesprochen. Real hat diese nachträgliche Rentenzusprache und
Rentennachzahlung lediglich zu einem Vermögenszuwachs im Mai 2018 geführt. Zur
Vermeidung einer EL-spezifischen Überentschädigung muss aber in diesem
Zusammenhang von der Realität abstrahiert und fingiert werden, der Ehemann habe
die Invalidenrente bereits im Oktober 2007 zugesprochen erhalten und bezogen (vgl. E.
1.2). Das bedeutet, dass rückwirkend ab dem ursprünglichen EL-Anspruchsbeginn im
März 2013 sowohl die Invalidenrente des Ehemannes als auch die infolge der
Invalidenrentenzusprache erhöhte Altersrente der Beschwerdeführerin als Einnahmen
zu berücksichtigen sind. Dasselbe muss sinngemäss natürlich auch für die rückwirkend
zugesprochene Invalidenrente der beruflichen Vorsorge gelten, da die
Berücksichtigung der Rentennachzahlung als (realer) Vermögenszufluss anstelle der
(fiktiven) Rentenzahlungen in der Vergangenheit ebenso zu einer EL-spezifischen
Überentschädigung führen würde, wie wenn die IV-Rentennachzahlung als ein (realer)
Vermögenszufluss und nicht als eine (fiktive) Einnahme berücksichtigt würde. Die
Invalidenrente der beruflichen Vorsorge hat sich während des gesamten Zeitraums auf
17’215 Franken pro Jahr belaufen. Per 1. Februar 2017 ist sie durch eine Altersrente
von 4’544 Franken abgelöst worden.
5.
Der Ehemann der Beschwerdeführerin hat sein Altersguthaben aus der beruflichen
Vorsorge teilweise als Rente und teilweise als Kapital bezogen. Den entsprechenden
Kapitalbetrag von 85’000 Franken hätte er sich frühestens im Februar 2017 auszahlen
lassen können. Effektiv ist der Kapitalbezug damals zwar noch nicht möglich gewesen,
weil noch nicht festgestanden hat, ob der Ehemann der Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine Invalidenrente habe, aber die Beschwerdegegnerin hat zu Recht
festgehalten, dass die Fiktion des schon beim EL-Anspruchsbeginn im März 2013
5.1.
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laufenden Invalidenrentenbezuges aus der beruflichen Vorsorge (vgl. E. 4) auch zur
Fiktion zwinge, der Ehemann der Beschwerdeführerin habe damals sein Alterskapital –
wie ursprünglich geplant – beziehen können und (fiktiv) auch bezogen. Da der
Ehemann der Beschwerdeführerin nach dem tatsächlichen Erhalt der Kapitalleistung
umgehend Sozialhilfeschulden von 60’000 Franken beglichen hat, hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht auch fingiert, dass er diese Schulden beim (fiktiven)
Kapitalbezug im Februar 2017 noch im Februar 2017 beglichen hätte (respektive hätte
begleichen müssen). Die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben im
Zusammenhang mit der (real) erst später erfolgten (höheren, da auch die
Invalidenrentennachzahlung enthaltenden) Kapitalauszahlung der Vorsorgeeinrichtung
Steuern von insgesamt 28’693 Franken bezahlen müssen. Die Beschwerdegegnerin hat
diese Steuerschuld zu Recht vom Vermögen abgezogen. Allerdings hätte sie im
Zusammenhang mit der (fiktiven) Auszahlung des Alterskapitals von 85’000 Franken
per 1. Februar 2017 nur die auf jene Kapitalauszahlung entfallenden Teil der
Steuerschuld berücksichtigen dürfen. Die Berücksichtigung einer zu hohen
Steuerschuld hat sich aber nicht auf das Ergebnis ausgewirkt, denn die
Beschwerdeführerin und ihr Ehemann haben über kein nennenswertes Sparvermögen
verfügt, weshalb das ausbezahlte Alterskapital den einzigen relevanten
Vermögensbestandteil gebildet hat und folglich schon nach dem Abzug der
Sozialhilfeschulden von 60’000 Franken und dem Ehegatten-Freibetrag von 60’000
Franken kein anrechenbares Vermögen mehr vorhanden gewesen ist. Für die Zeit ab
dem 1. Dezember 2018 – nach der realen Kapitalauszahlung Ende November 2018 – ist
die Berücksichtigung der gesamten Steuerforderung als Schuld rechtmässig gewesen,
denn unabhängig davon, ob man von einem fiktiven laufenden Rentenbezug in der
Vergangenheit oder von der realen Rentennachzahlung als Vermögenszufluss ausgeht,
hat auf dem Rentenanspruch eine entsprechende Steuerlast gelegen. Die Sondersteuer
nach einem Kapitalbezug aus der beruflichen Vorsorge bezweckt den Ausgleich der
während der steuerrechtlich privilegierten Äufnung des Vorsorgekapitals entgangenen
direkten Steuern, weshalb sie denselben Zweck wie die direkte Besteuerung von
einzelnen Rentenzahlungen verfolgt.
Der Ehemann der Beschwerdeführerin hat geltend gemacht, er habe noch weitere
Schulden begleichen müssen. Unter anderem habe er seinem Sohn 20’000 Franken
geschuldet. Belege für diese Schuld existierten nicht, weil es unter
Familienangehörigen nicht üblich sei, über gegenseitige Schulden Buch zu führen. Das
mag zwar zutreffen, ändert aber nichts am Umstand, dass für die Rechtsanwendung
nur auf Tatsachen abgestellt werden kann, die mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Ohne jeden Beleg kann nicht
5.2.
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6.
überwiegend wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass es sich bei der
Überweisung von 20’000 Franken an den Sohn um eine Schuldentilgung gehandelt
habe. Da nach den Angaben des Ehemannes der Beschwerdeführerin keine Belege
existieren, hätte die Beschwerdegegnerin den Sohn der Beschwerdeführerin als
Zeugen einvernehmen müssen. Dasselbe gilt grundsätzlich auch in Bezug auf den
„Freund“, an den der Ehemann der Beschwerdeführerin 30’000 Franken – angeblich
zur Schuldentilgung – überwiesen hat. Die entsprechenden Abklärungen haben aber
unterbleiben können, weil selbst dann kein anrechenbares Vermögen bei der
Anspruchsberechnung für den hier massgebenden Zeitraum zu berücksichtigen wäre,
wenn diese Schuldentilgungen nicht berücksichtigt würden.
Nicht rechtmässig ist es gewesen, mit Wirkung ab dem 1. Dezember 2018 den aus
der Rentennachzahlung aus der beruflichen Vorsorge resultierenden realen
Vermögenszuwachs per Ende November 2018 zu berücksichtigen. Das von der
Vorsorgeeinrichtung ausbezahlte Kapital hat nämlich zu einem wesentlichen Teil aus
einer Rentennachzahlung jener Invalidenrente bestanden, die die Beschwerdegegnerin
zu Recht für die gesamte Dauer des EL-Anspruchs als fiktive laufende Einnahme
angerechnet hat. Der Ehemann der Beschwerdeführerin kann aber nur entweder die
reale Rentennachzahlung erhalten oder die fiktive Rente laufend bezogen haben. Wird
ihm eine fiktive laufende Rente angerechnet, kann er nicht später zusätzlich eine
Rentennachzahlung erhalten haben. Angesichts der trotz der Berücksichtigung der
fiktiven Renten nicht existenzsichernden Einnahmen rechtfertigt sich auch nicht die
fiktive Annahme, er hätte bei einem laufenden Rentenbezug ein Vermögen von 77’236
Franken ansparen können, wie die Beschwerdegegnerin behauptet hat (vgl. EL-act. 8–
1). Die Fiktion des laufenden Rentenbezuges in der Vergangenheit zwingt folglich zur
Fiktion, dass es Ende November 2018 gar nicht zu einem Vermögenszufluss
gekommen sei, zumal der Ehemann der Beschwerdeführerin ja – fiktiv – auch das
Alterskapital bereits per 1. Februar 2017 bezogen hatte. Auch über den 1. Dezember
2018 hinaus muss deshalb von einem unter dem Ehegatten-Freibetrag liegenden
Vermögen ausgegangen werden, was die Anrechnung eines Vermögensverzehrs als
zusätzliche Einnahme ausschliesst. Da die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann das
fiktiv bereits im Februar 2017 bezogene Alterskapital fiktiv umgehend zur
Schuldentilgung verwendet haben und da sie fiktiv auch keine weitere
Kapitalauszahlung erhalten haben, haben sie fiktiv nie über ein nennenswertes
Sparvermögen verfügt, das Sparzinsen hätte abwerfen können. Die Anrechnung von
Vermögenserträgen erweist sich damit ebenfalls als rechtswidrig.
5.3.
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Damit stehen sich für die Zeit vom 1. März 2013 bis zum 31. Dezember 2013
Ausgaben von insgesamt 41’303 Franken (die Prämienpauschalen für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung von 7’968 Franken, der Mietzinsanteil von
4’520 Franken sowie die Lebensbedarfspauschale für ein Ehepaar von 28’815 Franken)
und Einnahmen von 36’176 Franken (die IV-Rente der Beschwerdeführerin von 6’828
Franken, die IV-Rente des Ehemannes von 12’132 Franken, die Rente der beruflichen
Vorsorge von 17’215 Franken sowie ein Vermögensertrag von einem Franken)
gegenüber. Das ergibt für diesen Zeitraum einen Ausgabenüberschuss von 5’127
Franken, womit ein Anspruch auf die den kantonalen Durchschnittsprämien für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung entsprechende sogenannte
„Minimalgarantie“ von 7’968 Franken pro Jahr respektive 664 Franken pro Monat
besteht. Für das Jahr 2014 resultiert bei einem Ausgabentotal von 41’591 Franken und
einem Einnahmentotal von 36’176 Franken ein Ausgabenüberschuss von 5’415
Franken, sodass auch für das Jahr 2014 ein Anspruch auf die sogenannte
Minimalgarantie von 8’256 Franken pro Jahr respektive von 688 Franken pro Jahr
besteht. Für das Jahr 2015 sind Ausgaben von 42’119 Franken und Einnahmen von
36’260 Franken zu berücksichtigen, was einen Ausgabenüberschuss von 5’859
Franken ergibt. Folglich besteht auch für das Jahr 2015 ein Anspruch auf die
sogenannte Minimalgarantie von 8’664 Franken pro Jahr respektive 722 Franken pro
Monat. Für das Jahr 2016 resultiert ein leicht höheres Ausgabentotal, da ab Januar
2016 ein Mietzinsanteil von 4’814 Franken anzurechnen ist. Das Total beträgt 42’701
Franken. Diesem stehen Einnahmen von 36’259 Franken gegenüber. Damit ergibt sich
ein Ausgabenüberschuss von 6’442 Franken. Folglich besteht ein Anspruch auf die
sogenannte Minimalgarantie von 8’952 Franken pro Jahr respektive 746 Franken pro
Monat. Für den Monat Januar 2017 sind Ausgaben von insgesamt 43’133 Franken und
Einnahmen von insgesamt 36’259 Franken zu berücksichtigen, was einen
Ausgabenüberschuss von 6’874 Franken und damit einen Anspruch auf die
sogenannte Minimalgarantie von 782 Franken ergibt. Ab Februar 2017 haben den
Ausgaben von insgesamt 43’133 Franken lediglich noch Einnahmen von 22’784
Franken gegenüber gestanden, weil der Ehemann der Beschwerdeführerin von der
beruflichen Vorsorgeeinrichtung anstelle der Invalidenrente von 17’215 Franken
lediglich noch eine Altersrente von 4’544 Franken erhalten hat. Folglich hat ein
Ausgabenüberschuss von 20’349 Franken vorgelegen, weshalb für die Zeit von Februar
bis und mit Dezember 2017 ein Anspruch auf eine monatliche Ergänzungsleistung von
1’696 Franken besteht. Für das Jahr 2018 ergibt sich bei einem Ausgabentotal von
43’397 Franken und einem Einnahmentotal von 22’964 Franken ein
Ausgabenüberschuss von 20’433 Franken, weshalb für das Jahr 2018 ein Anspruch auf
eine monatliche Ergänzungsleistung von 1’703 Franken besteht. Für die Zeit ab Januar
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7.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 1. Oktober 2019 ist zusammenfassend zu
korrigieren, da der Ergänzungsleistungsanspruch der Beschwerdeführerin für die Zeit
ab Februar 2017 höher als von der Beschwerdegegnerin angesetzt gewesen ist.
Gerichtskosten sind gemäss dem Art. 61 lit. a ATSG in der bis zum 31. Dezember 2020
gültigen Fassung (vgl. Art. 83 ATSG) keine zu erheben. Die obsiegende
Beschwerdeführerin hat einen Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese wäre
angesichts des als durchschnittlich zu qualifizierenden erforderlichen
Vertretungsaufwandes gemäss der bisherigen Praxis des Versicherungsgerichtes des
Kantons St. Gallen auf 3’000 Franken festzusetzen. In einer Plenarsitzung vom 25. Mai
2021 hat die Mehrheit der Versicherungsrichterinnen und Versicherungsrichter
beschlossen, die durchschnittlichen Ansätze für die Parteientschädigungen um 500
Franken zu erhöhen. Aus Praktikabilitätsgründen soll diese Praxisänderung sofort auf
alle hängigen Fälle Anwendung finden, obwohl diese Übergangslösung zu einem
Nachteil für die Beschwerdegegnerin führt, denn diese muss allein deshalb eine um
500 Franken höhere Parteientschädigung ausrichten, weil die Beurteilung dieser
Beschwerde „zufällig“ erst nach dem Plenumsbeschluss vom 25. Mai 2021 erfolgt ist.
Dies soll gemäss dem Plenumsbeschluss allerdings aus Praktikabilitätsgründen
bewusst in Kauf genommen werden. Für den vorliegenden Fall ist die
Parteientschädigung deshalb auf 3’500 Franken (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festzusetzen.