Decision ID: c2e16d28-b3a0-4179-b2e8-ad757601773b
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
41, meldete sich am 26
.
Februar 2017
zum Bezug von Zusatzleistungen zur
Altersrente
an
(
Urk.
7/59)
. Mit Verfügung vom
2
8.
Septem
ber 2017
verneinte
die Gemeinde Maur, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV, einen Leistungsanspruch der
Versicherten unter Berücksichtigung eines Vermögens
verzicht
s von Fr.
495‘600
.--
(vgl.
Urk.
7/72-73)
. Die dagegen er
hobe
ne Einsprache vom
12
.
November 2017
(Urk.
7/75
) wies sie mit
Einsprache
entscheid
vom
16
.
Januar 2018
ab
(
Urk.
7/79
=
Urk.
2)
.
2.
Vertreten durch ihren Sohn
Y._
,
liess
die Versicherte am 1
5.
Februar 2018 Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid
der Gemeinde Maur, Durchführungs
stelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV, vom 1
6.
Januar 2018 (
Urk.
2) erheben und beantragte
sinngemäss
,
die an die
Z._
und die
A._
gewähr
ten Investitionen respektive Darlehen seien nicht als Verzichtsvermögen anzu
rechnen
(
Urk.
1
S. 1 f.
). Mit Beschwerdeantwort vom
9.
März 2018 (
Urk.
6) bean
tragte die Gemeinde Maur, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur AHV/IV, die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
1
2.
März 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht
gemäss
Art. 9 Abs. 1 des Bundesge
setzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver
sicherung (ELG) dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenba
ren Einnahmen übersteigen. Zu den anrechenbaren Einnahmen zählen nament
lich Renten, Pensionen und andere wiederkehrende Leistungen,
einschliesslich
der Renten der AHV und IV (Art. 11 Abs. 1
lit
. d ELG), Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Vermögen (Art. 11 Abs. 1
lit
. b ELG), das Reinvermögen (Art. 11 Abs. 1
lit
. c ELG) und insbesondere Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
1.2
Eine
Verzicht
shandlung im Sinne von Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegen
leistung
auf Einkünfte oder Vermögen
verzicht
et hat, wenn sie einen Rechtsan
spruch auf bestimmte Einkünfte und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht oder ihre Rechte nicht durchsetzt, oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumut
baren Erwerbstätigkeit absieht (BGE 140 V 267 E. 2.2). Die beiden Voraussetzun
gen „ohne Rechtspflicht“ und „ohne angemessene Gegenleistung“ müssen nicht kumulativ vorliegen. Es reicht aus, wenn alternativ eines der beiden Elemente gegeben ist (BGE 131 V 329 E. 4.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010 E. 4.2).
1.3
Ist ein einmal bestehendes Vermögen nicht mehr vorhanden, so trägt die leis
tungsansprechende Person die Beweislast dafür, dass es in Erfüllung einer recht
lichen Verpflichtung oder gegen adäquate Gegenleistung hingegeben worden ist, wobei der Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt (BGE 121 V 204 E. 6a, Urteil des Bundesgerichts 9C_934/2009 vom 28. April 2010 E. 3).
Derje
nige, der nicht darzutun vermag, dass seine Geldhingabe im Austausch gegen eine adäquate Gegenleistung erfolgt ist, kann sich mithin nicht auf den gegebe
nen Vermögensstand berufen, sondern muss sich die Frage nach den Gründen für den Vermögensrückgang gefallen und mangels entsprechender Beweise hypothe
tisches Vermögen entgegenhalten lassen (BGE 121 V 204 E. 4b).
1.4
Art. 17a der Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) bestimmt, dass der anzurechnende Betrag von Vermögenswerten, auf die
verzicht
et worden ist, jährlich um Fr. 10‘000.-- zu ver
mindern ist (Abs. 1), dass der Wert des Vermögens im Zeitpunkt des
Verzicht
es unverändert auf den 1. Januar des Jahres, das auf den
Verzicht
folgt, zu übertra
gen und dann jeweils nach einem Jahr zu vermindern ist (Abs. 2), und dass für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung der verminderte Betrag am 1. Januar des Bezugsjahres
massgebend
ist (Abs. 3).
Nach Art. 23 Abs. 1 ELV sind für die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleis
tung in zeitlicher Hinsicht in der Regel die während des vorausgegangenen Ka
lenderjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das am 1. Januar des Be
zugsjahres vorhandene Vermögen
massgebend
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete in
ihrem
Einspracheentsche
id
(Urk. 2)
die Anrechnung eines Verzichtsvermögens von
insgesamt
Fr.
495‘600.--
unter ande
rem
damit, dass
für die
Vermögensrückgänge im Jahr 2000 von
Fr.
285‘000.--, im Jahr 2002 von
Fr.
54‘000.-- sowie im Jahr 2006 von
Fr.
229‘000.-- keine ent
sprechende
n Gegenleistungen belegt worden
seien. Soweit geltend gemacht werde, dass es sich dabei um verschiedene Darlehen der Beschwerdeführerin an die mittlerweile im Rahmen von Konkursverfahren liquidierten Gesellschaften, in welchen der Sohn der Beschwerdeführerin jeweils Präsident des Verwaltun
g
srates respektive Gesellschafter gewesen sei, handle, welche aufgrund von Rangrück
trittserklärungen
hätten abgeschrieben werden müssen, sei dies in keiner Weise belegt. Selbst wenn die geltend gemachten Darlehen tatsächlich gewährt worden wären, deute dies infolge der kurz aufeinanderfolgenden Konkurse sowie
auf
grund
der Rangrücktrittserklärungen bestehenden Gefahr der
Uneinbringlichkeit
dennoch auf eine Verzichtshandlung hin (S. 3 f.
lit
. c)
.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, bei den beiden
grossen
Abschreibern bei der
Z._
und der
A._
handle es sich um Investitionen respektive Darlehen an juristische Personen, welche nicht in die Berechnung miteinbezogen werden dürften. Die Verluste durch Kon
kurse seien fälschlicherweise als Vermögensverzicht betrachtet worden. Zudem sei belegt worden, dass der Kapitalverzehr bei ihr pro Jahr
Fr.
18‘000.-- und nicht
Fr.
10‘
000.-- betrage (S. 1 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der für die Vermögensrückgänge in den Jahren 2000, 2002 und 2006 von der Beschwerdegegnerin angerechnete Vermögensverzicht rechtens ist.
3.
3.1
Unbestritten
und übereinstimmend mit der Aktenlage (vgl.
Urk.
7/40
)
ist vorlie
gend, dass es im Jahr 2000 zu einem Vermögensrückgang von
Fr.
285'000.--
(
Fr.
702'000.-- auf
Fr.
417'000.--)
, im Jahr 2002 zu einem von
Fr.
54'000.--
(
Fr.
388’00
0
.-- auf
Fr.
334’00.--)
und im Jahr 2006 zu einem Vermögensrückgang von
Fr.
229'000.
-- (
Fr.
529'000.-- auf
Fr.
300'000.--)
gekommen ist.
3.2
Wie ausgeführ
t (vgl. vorstehend E. 1.3
), ist der Umstand,
d
ass eine Vermögenshin
gabe gegen eine adäquate Gegenleistung oder aufgrund einer Rechtspflicht er
folgt ist, als anspruchsbegründende Tatsache von der leistungsa
nsprechenden Person zu beweisen.
Massgebend
ist
der Beweisgrad der überwiegenden Wa
hr
scheinlichkeit.
Demnach
genügt es nicht,
bloss
allgemeine Behauptungen aufzu
stellen und unspezifisch
Unterlagen zum Beweis anzubieten (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_186/20
11 vom 14. April 2011 E. 4.2.3).
Vermag die leistungsansprechende Person die adäquate Gegenleistung oder die rechtliche Verpflichtung nicht darzutun, kann sie sich nicht auf den gegebenen Vermögensstand berufen, sondern muss sich die Frage nach den Gründen für den Vermögensrückgang gefallen und mangels entsprechender Beweise hypotheti
sches Vermögen anrechnen lassen.
3.3
Die Angaben der Beschwerdeführerin, dass es sich bei den Vermöge
nsrückgängen in den Jahren 2000, 2002 und
2006
im Wesentlichen
um Darlehen respektive Investitionen in die mittlerweile
konkursiten
Gesellschaften
Z._
und
A._
gehandelt habe
n soll
,
sowie im Jahr 2002 noch Möbel angeschafft worden seien,
blieben bis dato
unbe
legt
und basieren demnach
auf reinen Be
hauptungen
(vgl.
Urk.
7/29
-34).
Darlehensverträge liegen nicht vor.
Auch liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit diesen Beträgen eine adäquate Gegenleistung erhalten hätte.
3.4
Aufgrund des Gesagten sind demnach weder der Grund der Vermögensrückgänge noch das Vorliegen einer adäquaten Gegenleistung hinreichend belegt, weshalb die Beschwerdeführerin die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen hat und die Be
schwerdegegnerin demnach die Vermögensrückgänge in den Jahren 2000, 2002 und 2006 zu Recht als Vermögensverzicht qualifiziert hat.
4.
Soweit die
Beschwerdeführer
in
geltend macht
(vgl. vorstehend E. 2.2)
, das anzu
rechnende Vermögen sei nicht um
Fr.
10'000.-- sondern um
Fr.
18'000.-- zu ver
mindern (vgl. vorstehend E. 2.2)
,
ist
sie
darauf hinzuweisen, dass der Amortisa
tionsb
etrag von jährlich
Fr.
10'000.-- in
Art.
17a
Abs.
1 ELV verankert ist
(vgl. vorstehend E. 1.4
), weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht von diesem Wert ausgegangen ist.
5
.
Nach Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin bei der Beme
ssung des Leistungsanspruchs die Vermögensrückgänge in den Jahren 2000, 2002 und
2006 als
Vermögensverzicht
berücksichtigt hat
und mit Verfügung vom 2
8.
September 2017 (
Urk.
7/72-73)
und dem diese bestätigenden
Einspracheent
scheid
vom
16
.
Januar 2018
(Urk
. 2) einen Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin
für die Zeit ab 1
.
Februar 2017
verneinte. Demnach ist die Beschwerde abzuweisen.
6
.
Das Verfahren ist kostenlos.