Decision ID: 17e11357-a7cd-5b7e-8eb0-dce8cdd657a4
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer verliess Sri Lanka gemäss eigenen Angaben am
8. November 2016 mit Hilfe eines Schleppers und einem gemäss seinen
eigenen Angaben gefälschten Pass auf dem Luftweg. Am 9. November
2016 reiste er in die Schweiz ein und suchte gleichentags um Asyl nach.
B.
Der Beschwerdeführer wurde am 17. November 2016 zu seinen Persona-
lien, dem Reiseweg sowie summarisch zu den Asylgründen befragt (Befra-
gung zur Person [BzP]). Eine eingehende Anhörung fand am 19. August
2019 sowie am 23. September 2019 statt.
Der Beschwerdeführer macht geltend, er stamme aus B._ (Nord-
provinz) und sei zuletzt in C._, Gemeinde D._, B._
District, registriert gewesen. Nach dem (...) habe er in der (...) der Familie
gearbeitet. Vor der Ausreise aus Sri Lanka im November 2016 habe er sich
noch einen Monat in E._ aufgehalten. Zur Begründung seines Asyl-
gesuchs brachte er Folgendes vor: Am (...) sei er auf dem Weg zum (...)
mit seinem Motorrad an einem (...) vorbeigekommen, vor dem eine De-
monstration stattgefunden habe. Anlass sei der Freispruch der Vergewalti-
ger und Mörder von F._ gewesen. Die Polizei habe die Demonstra-
tion mit Tränengas aufgelöst. Er habe sein Motorrad liegen lassen und sei
zu Fuss weggegangen. In der Folge habe die Polizei das Motorrad be-
schlagnahmt. Aus Angst vor der Polizei habe er seinen Vater gebeten, das
Motorrad für ihn abzuholen. Diese habe es dem Vater nicht aushändigen
wollen, ihm aber mitgeteilt, dass gegen ihn drei Verfahren hängig seien:
Eines wegen Beteiligung am Streik, eines wegen Zerstörung der Scheiben
am Auto eines (...) und eines, weil er das (...) beworfen habe. Nach etwa
einem Monat habe er sein Motorrad abholen können, mit der Auflage, es
nicht zu verkaufen. Danach habe er diesbezüglich keine Probleme mehr
mit den Behörden gehabt.
Sein Onkel habe seit 20(...) in B._ einen (...)laden geführt. Am (...)
habe ihn sein Onkel gebeten, sich ein paar Tage um den Laden zu küm-
mern, da er nach Colombo müsse. Dieser Onkel sei von 20(...) bis 20(...)
im G._ gewesen und habe für die LTTE gearbeitet. Wie vom Onkel
gewünscht, habe er den Laden aufgemacht. Als er Fragen zum Betrieb des
Ladens gehabt habe, habe er vergeblich versucht, den Onkel telefonisch
zu erreichen. Nach vier oder fünf Tagen seien zwei Leute des CID in den
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Laden gekommen und hätten sich nach dem Verbleib des Onkels und des-
sen Ehefrau erkundigt. Einer der Männer habe eine Glatze gehabt und
H._ geheissen. Er habe Auskunft gegeben, nicht zu wissen wo der
Onkel sei. Die Männer hätten sich seine Telefonnummer notiert und die ID-
Karte kopiert. Er habe seinen Onkel über diesen Vorfall informieren wollen,
ihn aber erneut nicht erreichen können. Am Sonntag sei er vom CID tele-
fonisch zu einer Befragung auf den (...)posten von B._ aufgeboten
worden. Dieser Vorladung sei er nachgekommen und vom Posten von
H._ in einem Van an einen unbekannten Ort gebracht worden. Dort
sei er nach dem Verbleib des Onkels gefragt und beschuldigt worden, mit
diesem «die Bewegung» wieder aufleben lassen zu wollen; er sei gefes-
selt, geschlagen, mit einem Tuch um den Hals gewürgt sowie getreten wor-
den (vgl. act. A24/15 F49). Nach dem Verhör sei er zum Posten zurückge-
bracht und freigelassen worden, nachdem die Beamten seinen Pass ein-
gezogen hätten. Es sei ihm danach so schlecht gegangen, dass sich sein
jüngerer Bruder um den Laden des Onkels habe kümmern müssen. Als
dieser den Laden am nächsten Tag habe öffnen wollen, hätten zwei CID-
Leute bereits auf diesen gewartet. Nach zwei bis drei Tagen hätten die Be-
amten den jüngeren Bruder aufgefordert, den Laden zu schliessen. Sie
hätten die Ware mitgenommen und dem Bruder den Schlüssel des Ladens
abgenommen. Der Bruder habe von diesem Ereignis Fotos gemacht, auf
welchen auch H._ zu sehen sei (vgl. act. A24/15 F9). Einige Tage
später habe der Onkel angerufen und mitgeteilt, dass er wegen den Prob-
lemen mit dem CID in der Schweiz sei. Aufgrund dieser Ereignisse habe
der Beschwerdeführer für einen Monat das Haus nicht mehr verlassen.
Manchmal seien die CID-Leute in die (...) des Vaters gekommen und hät-
ten nach dem Onkel gefragt. Im (...) 20(...) sei er erneut auf den Polizei-
posten vorgeladen worden. Zusammen mit dem Vater sei er zum Posten
gegangen. Die Polizei habe den Vater weggeschickt und die CID-Leute
hätten ihn erneut an einen unbekannten Ort gebracht, dort befragt, bedroht
und misshandelt. Es sei vor allem um den Onkel gegangen, aber auch um
die Ereignisse anlässlich der Demonstration nach der Ermordung von
F._. Er sei beschuldigt worden, an der Demonstration teilgenom-
men und am (...) eine Scheibe eingeschlagen zu haben. Erneut sei er be-
schuldigt worden, Kontakt zu den LTTE zu haben. Er sei aufgefordert wor-
den, den Onkel zu verraten, dessen Kontakte zu nennen und die Pläne zur
Wiedererschaffung der «Tiger» bekannt zu geben (vgl. act. A24/15 F28).
Schliesslich sei er mit der Auflage freigelassen worden, er dürfe weder
nach I._ noch J._ gehen und müsse im Dorf bleiben. Sie
hätten ihm gedroht, dass er nicht zum Anwalt gehen solle und alle seine
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Schritte und Kontakte überwacht würden. In der Folge sei er immer wieder
von den CID-Leuten behelligt worden.
Nach der Ermordung der Studenten K._ und L._ am (...) in
B._ hätten die CID-Leute ihm gesagt, er werde genauso enden wie
K._. Dieser sei ein (...) gewesen und er habe ihn noch eine Woche
vor seinem Tod getroffen. Gegenüber dem CID habe er gesagt, er kenne
K._ nur von (...) und habe politisch nichts mit ihm zu tun gehabt.
Seit der Ermordung von K._ habe er Angst gehabt, weshalb er sich
nach E._ begeben und dort bei einer Tante bis zur Ausreise ver-
steckt habe.
Im Rahmen der Anhörung am 19. August 2019 erklärte der Beschwerde-
führer, sein Vater sei nach seiner Ausreise einige Male von Leuten des CID
aufgesucht worden. Der Vater habe den CID-Leuten jeweils Geld gegeben,
um sie zu beruhigen. Bei den Behelligungen sei es wieder darum gegan-
gen, was der Onkel mache, welche Kontakte bestehen würden und was
geplant sei.
Schliesslich habe er Sri Lanka verlassen, weil er verdächtigt worden sei
und der CID ihn bedroht habe, dies wegen dem Fall von F._, dem
Laden des Onkels und weil sein ehemaliger (...) K._ erschossen
worden sei und der CID auch ihm das gleiche Schicksal angedroht habe.
Als Beweismittel reichte der Beschwerdeführer seine Identitätskarte, sei-
nen sri-lankischen Führerschein, Kopien des Geburtsscheins und seiner
Heiratsurkunde, ein Formular der Polizei («Message form») sowie Fotogra-
phien des zerstörten Ladens seines Onkels ein.
C.
Mit Verfügung vom 10. Januar 2020 lehnte das SEM das Asylgesuch des
Beschwerdeführers ab, verfügte die Wegweisung und ordnete den Vollzug
an.
D.
Diese Verfügung focht der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 12. Februar
2020 beim Bundesverwaltungsgericht an. Er beantragt die Rückweisung
der Verfügung vom 10. Januar 2020 an die Vorinstanz wegen Verletzung
des Anspruchs auf das rechtliche Gehör, eventualiter wegen Verletzung
der Begründungspflicht sowie zwecks Feststellung des vollständigen und
richtigen Sachverhalts. Eventualiter sei er als Flüchtling anzuerkennen und
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es sei ihm in der Schweiz Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die Dispo-
sitivziffern vier und fünf der vorinstanzlichen Verfügung aufzuheben und die
Unzulässigkeit oder zumindest die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs festzustellen. Zudem wurde die unverzügliche Bekanntgabe des
Spruchgremiums sowie die Bestätigung verlangt, dass dieses zufällig zu-
sammengesetzt worden sei.
Mit der Beschwerdeeingabe reichte der Beschwerdeführer ein Rechtsgut-
achten von Prof. Walter Kälin vom 23. Februar 2014, eine Medienmitteilung
des SEM vom 26. Mai 2014 betreffend die Berichte zur Verhaftung von
zwei Asylsuchenden in Sri Lanka, eine Eingabe des International Truth and
Justice Project (ITJP) an den UN-Ausschuss zur Verhütung der Folter
(Commitee against Torture, CPT) vom 16. Oktober 2016, eine Eingabe der
Organisation Freedom from Torture vom 12. Oktober 2016 sowie eine CD-
Rom ein, auf der sich nebst den genannten Beweismitteln zahlreiche Be-
richte/Zeitungsartikel zur allgemeinen Lage in Sri Lanka, das Lagebild der
Vorinstanz vom 16. August 2016 mit durch den Rechtsvertreter geschwärz-
ten Stellen sowie eine vom Rechtsvertreter zusammengestellte Sammlung
von Länderinformationen zu Sri Lanka (Stand 12. Februar 2020) mit 482
Beilagen befinden. Ausserdem legte er einen von seinem Rechtsvertreter
verfassten «Sri Lanka – Bericht zur aktuellen Lage» vom 23. Januar 2020
ins Recht (Beilage 6).
E.
Am 26. Februar 2020 gab die Instruktionsrichterin dem Beschwerdeführer
das voraussichtliche Spruchgremium bekannt.
F.
Mit Zwischenverfügung vom 4. März 2020 verzichtete die Instruktionsrich-
terin auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und lud die Vorinstanz zur
Vernehmlassung ein, insbesondere zum Vorbringen, dass sich die Sicher-
heitslage nach der Wahl von Gotabaya Rajapaksa am 16. November 2019
zum Präsidenten Sri Lankas und der Einsetzung seines Bruders als Pre-
mierminister verschärft habe. Ferner wurde das SEM um eine Stellung-
nahme gebeten betreffend die diplomatische Krise zwischen der Schweiz
und Sri Lanka, die sich unter anderem in der Festhaltung und Entführung
einer einheimischen Mitarbeiterin der Schweizer Vertretung in Colombo
manifestiert hatte.
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G.
Mit Vernehmlassung vom 19. März 2020 äusserte sich das SEM zur Be-
schwerdeschrift und zu den aufgeworfenen Fragen. Gemäss Auskünften
der Botschaft in Colombo gebe es keine Hinweise dafür, dass abgewiesene
Asylsuchende infolge des Vorfalls auf der Schweizer Vertretung bei der
Rückkehr aus der Schweiz einer Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären.
H.
In der Replik vom 6. April 2020 stellte der Beschwerdeführer die Normali-
sierung der Beziehungen Schweiz-Sri Lanka in Frage und zweifelte die
Darstellung des SEM betreffend die Auswertung des Mobiltelefons an. So-
dann reichte er eine aktualisierte Dokumentation betreffend die Lage in Sri
Lanka sowie eine CD-Rom mit 58 Beweismitteln zu den Akten.
I.
Die Instruktionsrichterin ersuchte die Vorinstanz mit Zwischenverfügung
vom 24. April 2020 erneut um Stellungnahme und lud das SEM ein, anhand
einer Auswertung der öffentlichen Quellen darzulegen, welchen Verlauf
das Strafverfahren der Botschaftsmitarbeiterin nehme und welche politi-
schen Folgen sich aus diesem Verfahren ergeben hätten. Ferner bat sie
um Beantwortung der noch offenen Fragen im Zusammenhang mit dem
Mobiltelefon der Botschaftsmitarbeiterin.
J.
Diesem Ersuchen kam das SEM mit der Duplik vom 6. Mai 2020 nach und
hielt fest, zu keinem Zeitpunkt hätten sich Daten von Asylsuchenden auf
dem Mobiltelefon der Botschaftsmitarbeiterin befunden.
K.
Die Instruktionsrichterin übermittelte dem Beschwerdeführer die Duplik des
SEM am 11. Mai 2020 zur Kenntnis.
L.
Mit Eingabe vom 12. Mai 2020 beantragte der Beschwerdeführer um An-
setzung einer Frist zur Einreichung einer Duplik.
M.
Diesen Antrag lehnte die Instruktionsrichterin mit Zwischenverfügung vom
18. Mai 2020 unter Verweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG ab.
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N.
In der Eingabe vom 19. Mai 2020 hielt der Beschwerdeführer weiter an
seinem Standpunkt fest.
O.
Infolge der Wahl der bisherigen Gerichtsschreiberin zur Richterin wurde
das vorliegende Verfahren auf Gerichtsschreiber Olivier Gloor übertragen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.2 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwer-
deführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legitimiert
(Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist
– unter nachstehendem Vorbehalt – einzutreten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG
und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
1.3 Nicht einzutreten ist auf den Antrag, es sei die Zufälligkeit der Spruch-
körperbildung zu bestätigen beziehungsweise es seien die konkreten Aus-
wahlkriterien bekannt zu geben (vgl. Teilurteil des BVGer [...] vom 2. Mai
2018 E. 4.2 f.).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
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politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
Das Bundesverwaltungsgericht hat die Anforderungen an das Glaubhaft-
machen der Vorbringen in verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt
dabei ständiger Praxis. Darauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE
2015/3 E. 6.5.1 m.w.H.).
4.
4.1 Zur Begründung des Asylentscheids führte die Vorinstanz aus, die Vor-
bringen des Beschwerdeführers seien weder glaubhaft noch asylrelevant.
Er habe sich anlässlich der Befragungen in mehrere, teilweise grundle-
gende Widersprüche verstrickt, welche nicht nur die Abläufe rund um das
Betreiben des Ladens des Onkels und die Verhöre durch den CID beträfen,
sondern auch die Frage, wie er den Brief der Polizei erhalten und wem der
Onkel mitgeteilt habe, dass er in der Schweiz sei. Ferner habe er den Dia-
log mit seinem (...) K._ in der ersten Anhörung vom 19. August
2019 viel weniger detailliert widergegeben als in der Anhörung vom
23. September 2019, was den Schluss nahelege, dass er die von ihm wie-
dergegebenen Dialoge beliebig der Situation anzupassen scheine. Un-
wahrscheinlich sei angesichts der politischen Situation und des Verhaltens
der sri-lankischen Behörden, dass er – wie in der zweiten Anhörung be-
hauptet – gegenüber dem CID in Bezug auf seine Gespräche mit
K._ Bemerkungen betreffend eine fehlende Führung der Tamilen
und der Zustände im Staat gemacht haben wolle. Obwohl seine Schilde-
rungen der Ereignisse sehr umfangreich ausgefallen seien, fehle es diesen
an Substanz, Originalität und Präzision sowie an der zu erwartenden
Dichte von Realkennzeichen. Dies gelte für alle Bereiche der Fluchtge-
schichte gleichermassen, sowohl für die Ereignisse betreffend die De-
monstration, als auch für die geltend gemachte Reflexverfolgung aufgrund
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der Aktivitäten des Onkels sowie für die Bedrohung aufgrund der Bekannt-
schaft mit dem ermordeten Studenten K._. Das SEM gehe deshalb
davon aus, dass der Beschwerdeführer um die drei allgemein oder ihm
persönlich bekannten Ereignisse einen Sachverhalt und eine Begründung
für sein Asylgesuch konstruiert habe.
Zu den Beweismitteln hielt das SEM fest, dass beim Meldeformular der
Polizei («Message form») erstaune, dass der Beschwerdeführer ein Origi-
nal dieser innerpolizeilichen Nachricht vorlegen könne, sei doch zu erwar-
ten, dass er nur eine Kopie oder einen Durchschlag erhalten haben würde.
Bemerkenswert sei ferner, dass sich der Inhalt nicht nur an den Polizeichef
des Empfängerpostens richte, sondern auch direkte Anweisungen an den
Beschwerdeführer selbst enthalte. Diese Auffälligkeiten sprächen gegen
die Echtheit des Dokuments; überdies seien entsprechende Dokumente
käuflich, leicht zu manipulieren und zu fälschen. Auch die vorgelegten Fo-
tos seien ungeeignet, um Auskunft über die geltend gemachte Verfolgung
zu geben: Sie könnten in irgendeinem Zusammenhang, an irgendeinem
Ort und zu irgendeiner Zeit aufgenommen worden sein. Zudem erscheine
es unwahrscheinlich, dass der Bruder des Beschwerdeführers im Beisein
der Beamten diese hätte fotografieren dürfen, insbesondere, wenn einer
dieser Beamten im Auftrag des CID gearbeitet haben solle.
Auch betreffend die übrigen Vorbringen sei eine zukünftige Verfolgungsge-
fahr im Falle einer Rückkehr zu verneinen. Der Beschwerdeführer habe
nicht glaubhaft darzulegen vermocht, vor seiner Ausreise Verfolgungs-
massnahmen ausgesetzt gewesen zu sein. Allfällige, im Zeitpunkt der Aus-
reise bestehende Risikofaktoren hätten folglich kein Verfolgungsinteresse
seitens der sri-lankischen Behörden auszulösen vermocht. Es sei aufgrund
der Aktenlage nicht ersichtlich, weshalb er bei einer Rückkehr nunmehr in
den Fokus der Behörden geraten und verfolgt werden könnte.
Rückkehrer, welche illegal aus Sri Lanka ausgereist seien, über keine gül-
tigen Identitätsdokumente verfügen würden, im Ausland ein Asylverfahren
durchlaufen hätten oder behördlich gesucht würden, würden am Flughafen
zu ihrem Hintergrund befragt. Diese Befragung allein und das allfällige Er-
öffnen eines Strafverfahrens wegen illegaler Ausreise stelle keine asylre-
levante Verfolgungsmassnahme dar. Regelmässig würden Rückkehrer
auch am Herkunftsort zwecks Registrierung, Erfassung der Identität, bis
hin zur Überwachung der Aktivitäten der Person, befragt. Auch diese Kon-
trollmassnahmen würden grundsätzlich kein asylrelevantes Ausmass an-
nehmen.
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Zum heutigen Zeitpunkt bestehe ferner kein Grund zur Annahme, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Dem Beschwerdeführer gelinge
es nicht, eine Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden glaubhaft dar-
zulegen. Zudem bestehe kein persönlicher Bezug des Beschwerdeführers
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Fol-
gen.
Insgesamt sei nicht davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer auf-
grund der aktuellen Lage in Sri Lanka bei einer Rückkehr asylrelevante
Nachteile drohen würden. Daran vermöchten auch die Asylakten des On-
kels nichts zu ändern.
4.2 Auf Beschwerdeebene macht der Beschwerdeführer geltend, das SEM
habe die Verfolgungsgeschichte seines Onkels, die eng mit seinen eigenen
Vorbringen verknüpft sei, weder im Zusammenhang mit der Glaubhaftig-
keitsprüfung noch als Risikofaktor berücksichtigt, obwohl die Verfolgung
des Onkels im Kern auch der Auslöser für die behördliche Repressalien
gegen ihn gewesen sei und anerkannt sei, dass familiäre Beziehungen zu
(ehemaligen) Mitgliedern und Anhängern der LTTE einen der Hauptrisiko-
faktoren darstelle, weshalb in seinem Fall vom Vorliegen gewichtiger Risi-
kofaktoren auszugehen sei. Der Onkel habe in der Schweiz Asyl erhalten,
dessen Fluchtgründe stünden in direktem Zusammenhang mit den seinen.
Angesichts der aktuellen Entwicklungen nach der Wahl von Gotabaya
Rajapaksa und der deutlichen Verschärfung der Situation der tamilischen
Bevölkerung sowie die Zunahme der Repressionen gegen als regierungs-
kritisch wahrgenommene Personen, müsse davon ausgegangen werden,
dass den sri-lankischen Behörden seine Verbindung zu seinem Onkel be-
kannt sei, weshalb auch er bei den Behörden im Verdacht stehe, sich am
Widerbeleben des tamilischen Separatismus zu beteiligen. Das SEM habe
diese Faktoren nicht in seine Prüfung einbezogen und dadurch den rechts-
erheblichen Sachverhalt nur ungenügend erstellt.
Des Weiteren sei er exilpolitisch aktiv; er nehme regelmässig am «Heroes-
Day» in M._ teil, was er durch noch nachzureichende Beweise zu
belegen vermöchte. Auch weil er gemäss eigenen Angaben schon früher
von der Polizei festgehalten worden sei, sei nicht auszuschliessen, dass
sich sein Name auf einer «Stop-List» befinde. Das SEM habe diesbezüg-
lich keine Abklärungen vorgenommen und somit das rechtliche Gehör ver-
letzt. Es habe ferner seinen Gesundheitszustand nicht abgeklärt, obwohl
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er darauf hingewiesen habe, dass er von den Misshandlungen eine Narbe
trage und unter Rückenschmerzen leide. Diesbezüglich sei ihm eine ange-
messene Frist zur Vorlage eines Arztberichts einzuräumen.
Das SEM habe auch in Bezug auf den Aspekt «Rückkehr aus der Schweiz»
nur eine ungenügende Abklärung vorgenommen. Seit der Machtüber-
nahme von Gotabaya Rajapaksa und dessen Absicht, auch zurückliegende
LTTE-Aktivitäten systematisch zu verfolgen, habe sich das asylrelevante
Verfolgungsrisiko für Personen wie ihn – der sich seit mehreren Jahren in
der Schweiz aufhalte – gravierend erhöht. Gerade Rückkehrende aus der
Schweiz seien angesichts der jüngsten Entwicklungen – die auch zu einer
Entführung einer Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft führten –, beson-
ders gefährdet, und stünden im Fokus der Behörden. In diesem Zusam-
menhang werde der Antrag gestellt, es sei abzuklären, ob sich Daten des
Beschwerdeführers auf dem konfiszierten Mobiltelefon der Botschaftsmit-
arbeiterin befänden.
In der Beschwerde wird des Weiteren ausgeführt, die Würdigung der vor-
gelegten Beweismittel sei nicht angemessen erfolgt, vielmehr habe das
SEM den Beweisen pauschal die Eignung abgesprochen und sich von ei-
genen spekulativen Fehlschlüssen leiten lassen. Die Aussagen des Onkels
des Beschwerdeführers in dessen Anhörung stimmten jedoch mit den
durch die Fotos belegten Vorgängen überein.
4.3 In der Stellungnahme vom 19. März 2020 führt das SEM aus, gemäss
Auskunft der Botschaft in Colombo habe der Vorfall betreffend die Entfüh-
rung der Botschaftsmitarbeiterin zwar zunächst die diplomatischen Bezie-
hungen zwischen der Schweiz und Sri Lanka belastet, mittlerweile hätten
sich die Beziehungen jedoch weitestgehend normalisiert. Das nach dem
Vorfall eröffnete Strafverfahren richte sich ausschliesslich gegen die lokale
Mitarbeiterin. Die seit dem Vorfall erfolgten Rückführungen nach Sri Lanka
seien reibungslos durchgeführt worden, es gebe keine Hinweise, dass in-
folge des Vorfalls auf der Schweizer Vertretung abgewiesene Asylsu-
chende bei der Rückkehr aus der Schweiz einer Verfolgungsgefahr ausge-
setzt wären. Betreffend die Handydaten der entführten Botschaftsmitarbei-
terin habe die Schweizer Botschaft in Colombo dem SEM versichert, dass
alle Massnahmen zur vertraulichen Behandlung von Botschaftsanfragen
getroffen worden seien und sich keine vertraulichen Informationen, inklu-
sive über sich in der Schweiz befindende Asylsuchende, auf den privaten
Mobiltelefonen der lokalen Botschaftsangestellten befänden. Dies sei auch
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bei der entführten Mitarbeiterin der Fall gewesen. Zum exilpolitischen En-
gagement des Beschwerdeführers hielt das SEM fest, ein solches habe er
– auch auf Nachfrage – im Rahmen des ordentlichen Asylverfahrens nicht
vorgetragen.
4.4 In der Replik vom 6. April 2020 führt der Beschwerdeführer aus, das
SEM habe sich nicht zum Vorwurf der mangelhaften Würdigung der aktu-
ellen Ländersituation geäussert. Er stellte auch weiterhin die Normalisie-
rung der Beziehungen Schweiz-Sri Lanka in Frage. Tatsächlich seien seit
November 2019 kaum noch zwangsweise Rückführungen nach Colombo
durchgeführt worden. Betreffend die Daten auf dem Mobiltelefon könne es
sich wohl angesichts der Auskünfte des SEM nicht um das Diensthandy,
sondern nur um ein privat genutztes Gerät gehandelt haben. Gemäss In-
formationen in sri-lankischen Medien habe die Botschaftsmitarbeiterin mit
diesem Mobiltelefon mit den früheren Chef N._ sowie (...) Kontakt
gehabt; es sei davon auszugehen, dass sich auf ihrem privaten Mobiltele-
fon keine vertraulichen Daten befunden hätten, sondern auf dem der
Schweizer Botschaft gehörenden Mobiltelefon, welches die Botschaftsan-
gestellte bewiesenermassen genutzt habe. Deshalb hätte sich das SEM
auch zu den Daten auf dem Diensthandy der Botschaftsmitarbeiterin äus-
sern müssen, um mögliche Gefährdungen von Asylsuchenden auszu-
schliessen.
4.5 Im Rahmen der Duplik vom 6. Mai 2020 legte das SEM den Verlauf des
Strafverfahrens der Botschaftsmitarbeiterin unter Zuhilfenahme öffentlich
verfügbarer Quellen dar und führte aus, dass die Botschaftsmitarbeiterin
Ende Dezember 2019 auf Kaution und unter Verhängung einer Ausreise-
sperre freigelassen worden sei. Die Schweiz und Sri Lanka hätten darauf-
hin gleichzeitig eine diplomatische Note der Schweiz veröffentlicht, in wel-
cher der Wille einer Normalisierung der Beziehungen unterstrichen und mit
der das Ende der diplomatischen Krise eingeläutet worden sei. Im Dezem-
ber 2019 habe Präsident Gotabaya Rajapaksa verlauten lassen, dass die
Schweiz und die Schweizer Vertretung in Sri Lanka nichts mit den Vorwür-
fen, mit welchen sich die Botschaftsmitarbeiterin konfrontiert sehe, zu tun
habe. Es handle sich um ein Strafverfahren betreffend diese Person, wel-
ches von den zuständigen Justizbehörden untersucht und beurteilt werde.
Die betroffene Botschaftsmitarbeiterin habe des Weiteren nie Zugang zu
einem Diensttelefon gehabt, im Gerichtsverfahren sei es ausschliesslich
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und immer um ihr privates Telefon gegangen. Zu den vom Beschwerdefüh-
rer erwähnten Kontakten sei festzuhalten, dass diese Information von den
Medien nicht korrekt weitergegeben worden sei.
4.6 In der weiteren Eingabe vom 19. Mai 2020 hielt der Beschwerdeführer
daran fest, dass die Beziehungen Schweiz-Sri Lanka sich keineswegs nor-
malisiert hätten; noch immer sei von einer nur eingeschränkten Handlungs-
fähigkeit der Schweizer Botschaft in Colombo auszugehen; die Lage be-
treffend Rückführungen habe sich nicht normalisiert. Bedenklich sei über-
dies, dass die von der neuen Regierung eingeführte Behördenstruktur dem
sri-lankischen Militär nun den Zugriff auf Daten ermögliche, welche im Rah-
men des Migrationsabkommen Schweiz-Sri Lanka gesammelt würden. Un-
ter diesen Umständen sei fraglich, ob die Schweizer Behörden ihren Ver-
pflichtungen zum Schutz von rückzuübernehmenden Personen überhaupt
noch genügend nachkommen könnten. Zu den Vorfällen mit der Bot-
schaftsmitarbeiterin erklärte er, dass sein Rechtsvertreter Kenntnis von
verschiedenen Personen habe, die von der besagten Botschaftsmitarbei-
terin aufgesucht worden seien und/oder mit ihr in telefonischem Kontakt
gestanden hätten. Es gebe Hinweise, dass die Botschaftsmitarbeiterin
auch in Abklärungen betreffend Asylantragstellende involviert gewesen sei,
was das SEM – informell – in einem Asylverfahren bestätigt habe. Die Ak-
ten dieses Verfahrens (N [...]) seien ausdrücklich beizuziehen.
5.
Der Beschwerdeführer erhebt in der Rechtsmitteleingabe vorab verschie-
dene formelle Rügen, namentlich die Verletzung des Anspruchs auf recht-
liches Gehör inklusive Verletzung der Begründungspflicht sowie eine un-
vollständige und unrichtige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts.
Diese sind vorab zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kas-
sation der vorinstanzlichen Verfügung zu bewirken.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör, welches als Mitwirkungsrecht alle Befugnisse umfasst, die einer
Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt
wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 144 I 11 E. 5.3; BVGE
2009/35 E. 6.4.1). Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Be-
hörden, die Vorbringen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer
Entscheidfindung angemessen zu berücksichtigen. Die Begründung muss
so abgefasst sein, dass sie eine sachgerechte Anfechtung ermöglicht.
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Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunk-
ten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrück-
lich widerlegt (vgl. BGE 143 III 65 E. 5.2).
Unrichtig ist die Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher
und aktenwidriger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch
gewürdigt worden sind; unvollständig ist sie, wenn nicht alle für den Ent-
scheid rechtswesentlichen Sachumstände berücksichtigt werden (vgl.
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechts-
pflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 1043).
5.2 Der Beschwerdeführer erblickt eine Gehörsverletzung darin, dass der
Sachbearbeiter sich in der angefochtenen Verfügung fast ausschliesslich
auf angebliche Widersprüche und Spitzfindigkeiten in seinen Aussagen
zwischen der BzP und der Anhörung beziehe, wobei diese drei Jahre aus-
einandergelegen hätten. Das SEM sei nicht gewillt gewesen, sich mit den
Aussagen vertieft auseinander zu setzen. Dies zeige sich auch an der man-
gelhaften Berücksichtigung der angeblich beigezogenen Akten des Onkels.
In einem Rechtsgutachten zur Praxis der Vorinstanz in Bezug auf Sri Lanka
vom 24. März 2014 sei unter anderem die Empfehlung ausgesprochen
worden, die zeitliche Nähe zwischen Befragung zur Person und Anhörung
zu wahren. Das SEM wiederum habe in der Folge in einer Medienmitteilung
vom 26. Mai 2014 versprochen, dieser Empfehlung zu folgen. Der Um-
stand, dass das SEM dies vorliegend missachtet habe, sei dem Beschwer-
deführer zum Nachteil gereicht.
Die Argumentation des Beschwerdeführers verfängt nicht, da er die Frage
der Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts mit der Frage der
rechtlichen Würdigung vermengt. Die Auseinandersetzung mit den von der
Vorinstanz geltend gemachten Widersprüchen ist Teil der materiellen Prü-
fung der Glaubhaftigkeit der Vorbringen.
Des Weiteren ist festzuhalten, dass sich aus dem Anspruch auf rechtliches
Gehör keine zeitlichen Vorgaben für die Vorinstanz ergeben (vgl. etwa Ur-
teile des BVGer E-4282/2018 vom 4. März 2020 E. 4.3.4 und E-4679/2018
vom 31. Januar 2020 E. 3.5). Bei dem vom Beschwerdeführer zitierten
Rechtsgutachten handelt es sich lediglich um eine Empfehlung von Prof.
Dr. Walter Kälin an das SEM, aus welcher der Beschwerdeführer keine An-
sprüche ableiten kann. Dasselbe gilt für die Medienmitteilung des SEM
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-4282/2018 http://links.weblaw.ch/BVGer-E-4679/2018
E-964/2020
Seite 15
vom 26. Mai 2014. Der Länge des zwischen Befragung und Anhörung ver-
strichenen Zeitraums ist indes bei der Würdigung der Aussagen Rechnung
zu tragen.
5.3 Die weitere Rüge der Verletzung des rechtlichen Gehörs begründet der
Beschwerdeführer mit dem Erlass der Verfügung durch eine andere Per-
son als diejenige, welche die Anhörung durchgeführt habe. Dadurch habe
die Vorinstanz das Gutachten von Prof. Dr. Walter Kälin missachtet.
Auch in diesem Punkt gilt, dass das zitierte Rechtsgutachten lediglich Emp-
fehlungen an das SEM enthält, aus welchen der Beschwerdeführer keine
Ansprüche ableiten kann. Dasselbe gilt für die Medienmitteilung des SEM
vom 26. Mai 2014. Überdies ist nicht ersichtlich, inwiefern ihm aus der Be-
handlung seines Falles durch verschiedene Personen ein Nachteil entstan-
den sein soll. Solches substantiiert er denn auch nicht. Die Rüge geht somit
fehl.
5.4 Weiter macht der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit individuel-
len Asylgründen sowie der Einschätzung der länderspezifischen Lage in
Sri Lanka und der Quellenverwendung durch die Vorinstanz eine unvoll-
ständige und unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend.
Hierzu ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die individuellen Asylgründe
genügend abgeklärt hat. Aus der Verfügung geht hervor, dass der Be-
schwerdeführer in B._ gelebt hat und dass sein Onkel wegen seiner
LTTE-Vergangenheit und Problemen mit dem CID in die Schweiz flüchtete,
wo er inzwischen Asyl erhalten hat. Das SEM hat diesen Aspekt zwar nicht
vertieft. Indes geht aus dem angefochtenen Entscheid hervor, weshalb es
nicht davon ausgeht, dass der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit
den Asylvorbringen seines Onkels von Reflexverfolgung bedroht ist. Soweit
das SEM zu einer anderen Beurteilung der Asylvorbringen gelangt als der
Beschwerdeführer, kann dies einer mangelhaften Sachverhaltserstellung
nicht gleichgesetzt werden. Zum Vorbringen des exilpolitischen Engage-
ments ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer solches erstmals in der
Beschwerde vorbrachte (vgl. act. A25/15 F39-41) und auch an dieser Stelle
nur sehr vage Angaben macht. Zudem ist er den Beweis für exilpolitische
Aktivitäten in der Schweiz bisher schuldig geblieben. Dieser Einwand kann
somit nicht gehört werden. Zu den Gesundheitsproblemen ist festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer in der BzP angab, Rückenschmerzen zu ha-
ben, und im Rahmen der Anhörung erklärte, vom Schlag mit einer Waffe
(...) sei eine Narbe zurückgeblieben (vgl. act. A24/15 F51). Ansonsten
E-964/2020
Seite 16
machte er keine gesundheitlichen Leiden geltend (vgl. act. A24/15 F3-7).
Bei dieser Sachlage ist nicht ersichtlich, weshalb das SEM weitere Abklä-
rungen zum Gesundheitszustand hätte vornehmen müssen. Im Übrigen ist
auf die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 8 AsylG zu verweisen, in deren Rah-
men es dem Beschwerdeführer obliegt, relevante Arztdokumente einzu-
reichen und ihm dazu während des Asylverfahrens genügend Zeit zur Ver-
fügung gestanden hat. Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat auf
Beschwerdeebene keine entsprechenden Beweismittel eingereicht.
5.5 Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen sind die Beweisanträge
(Abklärung des Gesundheitszustandes von Amtes wegen und Ansetzung
einer Frist zur Beibringung eines ärztlichen Berichts und von Beweismitteln
zu Verwandten des Beschwerdeführers und deren Verbindungen zu den
LTTE) abzuweisen.
5.6 Die Vorinstanz setzte sich sodann mit der aktuellen Lage in Sri Lanka
auseinander und berücksichtigte die Situation seit dem Regierungswech-
sel im November 2019 und dessen Folgen für die tamilische Bevölkerung.
Allein der Umstand, dass die Vorinstanz in ihrer Länderpraxis zu Sri Lanka
einer anderen Linie folgt als vom Beschwerdeführer vertreten, und sie aus
sachlichen Gründen zu einer anderen Würdigung der Vorbringen gelangt,
spricht nicht für eine ungenügende Sachverhaltsfeststellung.
5.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die formellen Rügen als
unbegründet erweisen, weshalb keine Veranlassung besteht, die Sache
aus formellen Gründen aufzuheben und an die Vorinstanz zurückzuweisen.
6.
6.1 Der Beschwerdeführer stellt für den Fall einer materiellen Beurteilung
seiner Beschwerde durch das Bundesverwaltungsgericht verschiedene
Beweisanträge.
6.1.1 Der Beschwerdeführer beantragt, sein Gesundheitszustand sei fach-
ärztlich abzuklären. Nach der Abklärung sei eine Frist zur Nachreichung
eines Arztberichts einzuräumen und er sei durch das Bundesverwaltungs-
gericht unter Beachtung seines Gesundheitszustandes erneut anzuhören.
Angesichts der vorliegenden Akten sieht sich das Bundesverwaltungsge-
richt nicht veranlasst, einen Bericht zum Gesundheitszustand des Be-
schwerdeführers einzuholen oder ihn erneut anzuhören. Diesbezüglich
E-964/2020
Seite 17
kann auf das in den vorstehenden Erwägungen Gesagte verwiesen wer-
den, wonach der Beschwerdeführer im Verlauf des erstinstanzlichen Ver-
fahrens keine gravierenden gesundheitlichen Probleme geltend gemacht
oder Arztberichte eingereicht hat und es ihm im Rahmen seiner Mitwir-
kungspflicht (Art. 8 AsylG) oblegen hätte, einen Arztbericht beizubringen.
In der Beschwerde wird des Weiteren auch keine Begründung dafür ange-
führt, weshalb er erneut angehört werden sollte. Die entsprechenden An-
träge sind abzuweisen.
6.1.2 Auch der Antrag auf Befragung des Onkels O._ als Zeuge ist
abzuweisen; das Bundesverwaltungsgericht berücksichtigt die Akten aus
dessen Verfahren von Amtes wegen.
6.1.3 Was den Antrag auf Fristansetzung zur Beibringung von Gerichtsak-
ten aus dem Strafverfahren in Sri Lanka belangt, ist auch diesbezüglich auf
die Mitwirkungspflicht des Beschwerdeführers gemäss Art. 8 AsylG hinzu-
weisen. Im Übrigen hatte er seit Einreichung des Asylgesuchs im Novem-
ber 2016 hinreichend Zeit, entsprechende Unterlagen einzureichen. Der
Antrag ist daher abzuweisen.
6.1.4 Zum Antrag betreffend die Abklärung, ob sich unter den erpressten
Handy-Daten im Zusammenhang mit der Entführung der einheimischen
Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Colombo auch der Name des Be-
schwerdeführers zu finden sei und ob sich allgemein Daten von Asylsu-
chenden in der Schweiz auf dem Mobiltelefon der Botschaftsmitarbeiterin
befunden hätten, ist vorab auf die Ausführungen im Rahmen der mehreren
Schriftenwechsel zwischen dem Gericht und dem SEM zu verweisen. So-
dann ist festzustellen, dass der Beschwerdeführer in seinen Eingaben nicht
substanziiert dargelegt hat , in Verbindung zu dieser Botschaftsmitarbeite-
rin gestanden zu haben. Er hat auch nicht vorgetragen, sich um die Ertei-
lung eines humanitären Visums bei der Schweizer Vertretung in Colombo
bemüht zu haben. In der Anhörung erklärte der Beschwerdeführer, der
Schlepper habe alles für ihn erledigt, er habe ihm einen Pass beschafft, er
selbst habe nur ein Foto abgeben müssen (vgl. act. A26/9 F19–20). Aus
den Aussagen des Beschwerdeführers ergeben sich keinerlei Anhalts-
punkte, dass er überhaupt in Kontakt mit der Botschaft in Colombo gestan-
den haben könnte. Unter diesen Umständen ist nicht vorstellbar, dass sich
Daten auf dem Mobiltelefon der Botschaftsmitarbeiterin befunden haben
könnten, welche Rückschlüsse auf den Beschwerdeführer zulassen wür-
den. Der Antrag ist daher abzulehnen.
E-964/2020
Seite 18
6.1.5 Der Antrag betreffend die Offenlegung der Quellen, auf welche das
SEM seine Beurteilung abstütze, ist ebenfalls abzuweisen (vgl. etwa Urteil
des BVGer D-4547/2017 vom 26. August 2019 E. 5.7).
7.
7.1 Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe den Massstab des
Glaubhaftmachens gemäss Art. 7 AsylG nicht richtig angewendet und ihn
zu Unrecht nicht als Flüchtling anerkannt, mithin Bundesrecht verletzt.
7.2 Die Flüchtlingseigenschaft gemäss Art. 3 AsylG erfüllt eine asylsu-
chende Person nach Lehre und Rechtsprechung dann, wenn sie Nachteile
von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungsweise mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft begründeterweise befürch-
ten muss, welche ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive
durch Organe des Heimatstaates oder durch nichtstaatliche Akteure zuge-
fügt worden sind beziehungsweise zugefügt zu werden drohen (vgl. BVGE
2011/51 E. 6.1 m.w.H.). Dabei genügt es nicht, dass diese Furcht lediglich
mit Vorkommnissen oder Umständen, die sich früher oder später möglich-
erweise ereignen könnten, begründet wird. Es müssen hinreichende An-
haltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die bei jedem
Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und damit den Ent-
schluss zur Flucht hervorrufen würden. Diese objektivierte Betrachtungs-
weise ist zusätzlich durch das von der betroffenen Person bereits Erlebte
und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu ergänzen.
Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war, hat ob-
jektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE
2010/9 E. 5.2; Entscheidungen und Mitteilungen der Schweizerischen
Asylrekurskommission [EMARK] 2004 Nr. 1 E. 6.a; 2005 Nr. 21 E. 7.1).
7.3 Die erlittene Verfolgung beziehungsweise begründete Furcht vor künf-
tiger Verfolgung muss sodann sachlich und zeitlich kausal für die Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat und grundsätzlich auch im Zeitpunkt
des Asylentscheids noch aktuell sein.
7.4 Es ist der Vorinstanz beizupflichten, dass der Beschwerdeführer be-
stimmte Aspekte seiner Vorbringen nicht glaubhaft machen konnte im
Sinne des Art. 7 AsylG.
7.4.1 Dies gilt zunächst für den angeblich ersten Kontakt mit der Polizei
anlässlich der Demonstration vor dem (...)gebäude von B._ im (...)
20(...). Die Angaben des Beschwerdeführers zu diesem Vorfall sind vage
http://links.weblaw.ch/BVGer-D-4547/2017 http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/51 http://links.weblaw.ch/BVGE-2011/51 http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/9 http://links.weblaw.ch/BVGE-2010/9 http://links.weblaw.ch/EMARK-2004/1
E-964/2020
Seite 19
sowie unpräzise und es ist der Vorinstanz beizupflichten, dass nicht klar
wird, aus welchen Beweggründen der Beschwerdeführer sich überhaupt in
die Nähe der Demonstration begeben hat und weshalb er nicht mit seinem
Motorrad weiterfuhr, sobald er bemerkte, dass die Polizei gewaltsam ge-
gen die Demonstranten vorging, um die Kundgebungen aufzulösen. Die
entsprechenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid überzeugen.
Darüber hinaus fällt ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer zu diesem
Vorfall, dessentwegen er gemäss seinen Angaben drei Anklagen zu ge-
wärtigen hatte, keinerlei Dokumente vorgelegt hat, obwohl «der (...) invol-
viert war» und eine Fallnummer vergeben worden sei und er einen Anwalt
kontaktiert habe (vgl. act. A24/15 F49, S. 7). Es wäre zu erwarten gewesen,
dass er die angeblichen Anschuldigungen wegen Demonstration und
Sachbeschädigung hätte dokumentieren können, zumal gemäss seinen
Angaben die Ermittlung gegen ihn eingestellt wurde, ansonsten ihm sein
Motorrad nicht wieder ausgehändigt worden wäre (vgl. act. A24/15 F49, S.
7, «dass die Fahrzeuge von Personen, die nicht involviert sind, wieder frei-
gegeben werden»). Die Erklärungen im Rahmen der Beschwerde sind
nicht geeignet, die Unglaubhaftigkeit dieses Vorbringens zu widerlegen.
7.4.2 Betreffend das Vorbringen, der Beschwerdeführer sei vom CID ein-
geschüchtert worden, da er Freund des am (...) erschossenen Studenten
K._ gewesen sei (vgl. act. A24/15 F52, 53), ist festzuhalten, dass
es auch dem Gericht zweifelhaft erscheint, wenn der Beschwerdeführer
gegenüber dem CID im Verhör freimütig politisch motivierte Aussagen von
K._ über das Schicksal verschwundener Personen oder die tamili-
sche Minderheit zugegeben haben will (vgl. act. A26/9 F11). Dies erstaunt
umso mehr, als der Beschwerdeführer selbst nach eigenen Angaben vor-
her bereits zwei Mal durch den CID verhört und misshandelt worden sein
soll und durch entsprechende Aussagen betreffend die Beziehung zu
K._ dem CID Anlass zu weiteren Nachforschungen in Hinblick auf
seine Person gegeben hätte. Es ist dem SEM beizupflichten, dass es an-
gesichts der öffentlich zugänglichen Dokumentation der Abläufe betreffend
die Ermordung der Studenten K._ und L._ wenig plausibel
erscheint, dass der CID bereits tags darauf gerade den Beschwerdeführer
hätte aufsuchen sollen. Die Ausführungen im angefochtenen Entscheid,
weshalb dem Beschwerdeführer nicht geglaubt werden kann, dass ein Ver-
hör im Zusammenhang mit der Ermordung von K._ ihn letztlich zur
Ausreise aus Sri Lanka bewegt haben sollte, erscheinen nachvollziehbar.
Auch auf Beschwerdestufe konnte der Beschwerdeführer die betreffend
diesen Sachverhaltsaspekt bestehenden Zweifel nicht ausräumen, die ent-
sprechenden Erläuterungen überzeugen nicht.
E-964/2020
Seite 20
7.4.3 Betreffend die Aussagen des Beschwerdeführers zu einer erlittenen
Reflexverfolgung im Zusammenhang mit seinem Onkel und dessen Prob-
lemen mit dem CID ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild: Die Schil-
derungen des Beschwerdeführers betreffend die Ereignisse nach der Ab-
reise des Onkels stimmen mit den knappen Angaben des Onkels in dessen
Asylverfahren überein. Der Onkel gab an, Sri Lanka am (...) verlassen zu
haben (vgl. N [...], act. A5/12 F5.01), nachdem er am (...) 20(...) vom CID
verhört worden war (vgl. N [...], act. A27/26 F50, S. 12 f., F52-60). In der
Anhörung vom 6. Dezember 2016 erklärte der Onkel, er habe, nachdem er
den Ausreiseentschluss gefasst und die Vorbereitungen getroffen hatte,
seinen Laden in B._ in die Obhut seines Neffen gegeben, der der
Sohn seiner älteren Schwester sei. Er habe ihm gesagt, er müsse in Co-
lombo (...) kaufen, weil er nicht gewollt habe, dass jemand erfahre, dass
er das Land verlassen wolle (vgl. N [...] a.a.O. F46). Er habe von seinem
Neffen gehört, dass der CID den Laden geplündert habe. Der Laden sei
geschlossen worden, wahrscheinlich durch den Neffen oder die Familie;
das Ladenlokal sei nur gemietet gewesen (vgl. N [...] a.a.O. F47). Der Neffe
habe ihm gesagt, er solle nicht mehr anrufen. Inzwischen habe er erfahren,
dass sein älterer Neffe auch das Land verlassen habe, er wisse aber nicht
wo dieser sich aufhalte (vgl. N [...] a.a.O. F46-49); diese Informationen gab
auch der Beschwerdeführer zu Protokoll (vgl. act. A24/15 F50). Weiter gab
der Onkel in seinem Asylverfahren zu Protokoll, nach seiner Ausreise habe
der CID seinen Schwager (Vater des Beschwerdeführers, Anmerkung des
Gerichts) nach seinem Verbleib befragt, die Angehörigen hätten geantwor-
tet, sie wüssten nicht, wo er sei. Bisher habe es noch keine Konsequenzen
gegeben, die Verwandten seien beschimpft worden (vgl. N [...], a.a.O. F26
f.). Im Rahmen seines Beschwerdeverfahrens reichte der Onkel als Be-
weismittel dieselben Fotos des Ladens ein, die auch der Beschwerdeführer
vorgelegt hat (vgl. act. A23/1, Beweismittelverzeichnis, Nr. 2). Wie der On-
kel identifizierte der Beschwerdeführer den Beamten des CID als
H._ (vgl. Verfahren Onkel [...], Beschwerdeakten Ziff. 7, Beilage
47; betreffend den Beschwerdeführer, vgl. act. A26/9 F12). Der Beschwer-
deführer gab an verschiedenen Stellen an, dass es stets H._ gewe-
sen sei, der ihn verhört und misshandelt habe (vgl. act. A24/15 F49, S. 8,
«Und die Person mit der Glatze, die war dort (...)»; S. 10, Verweis auf Be-
weismittel 10; F50, «Der Mann in der Mitte, zwischen den zwei Leuten»;
A26/9 F12, F39). Diese Angaben könnten darauf hindeuten, dass derselbe
Beamte des CID erst den Onkel und später, nach dessen Ausreise, auch
den Beschwerdeführer befragt haben könnte.
E-964/2020
Seite 21
In diesem Zusammenhang erscheint überraschend, dass der Onkel in sei-
ner Anhörung am 6. Dezember 2016 keine Hinweise oder Bemerkungen
über mögliche Repressalien des CID gegen seinen Neffen, dem Beschwer-
deführer, angeführt hat. Vielmehr gab er in der Anhörung an, er wisse nicht,
wo sich der Neffe befinde (vgl. N [...], act. A27/26 F49). Demgegenüber hat
der Beschwerdeführer in seiner nur kurz davor stattgefundenen BzP vom
17. November 2016 den Onkel als «weitere Bezugsperson» in der Schweiz
genannt (vgl. act. A6/13, F3.02). Im Rahmen der drei Jahre später stattge-
fundenen eigenen Anhörungen, machte er dann relativ unkonkrete Anga-
ben zu den Asylgründen des Onkels (vgl. diesbezüglich die Ausführungen
im angefochtenen Entscheid, Ziff. II. 1, S. 6). Das SEM wertete dies als
aussagetaktisches Verhalten: Der Beschwerdeführer habe vermeiden wol-
len, sich im Vergleich zum Onkel und dessen Aussagen in Widersprüch-
lichkeiten zu verstricken. Dies ist indes eine blosse Annahme seitens des
SEM. Dennoch fällt auf, dass der Onkel gegenüber dem SEM keinerlei Re-
pressalien des CID gegen seinen Neffen erwähnt hat (vgl. N [...], act.
A27/26 F49), obwohl seine Flucht nach Angaben des Beschwerdeführers
ursächlich für die Behelligungen Seitens des CID gewesen sei. Die Anga-
ben dazu, was die Flucht für Konsequenzen für die im Land verbliebene
Verwandtschaft hatte, namentlich für den Neffen, fallen sehr spärlich aus;
mithin ist keine Rede davon, dass der Beschwerdeführer wie von ihm be-
hauptet intensiv von den Mitarbeitenden des CID befragt und misshandelt
worden sei. Das Aussageverhalten des Onkels lässt Zweifel zu, ob der Be-
schwerdeführer tatsächlich wie behauptet aufgrund des Onkels Reflexver-
folgungshandlungen hat erleiden müssen.
Betreffend den Vorhalt des SEM, der Beschwerdeführer habe seine Asyl-
vorbringen nicht genügend konkret geschildert, beziehungsweise fehle es
an der individuellen Färbung und an Realkennzeichen, ist festzustellen,
dass der Beschwerdeführer durchaus detailliert das Verhör sowie auch die
Verhör-Methoden des CID schilderte (vgl. act. A24/15 F49) und gewisse
Details auf Realkennzeichen hindeuten (vgl. die Bemerkung, es habe (...)
und er habe (...) bekommen [vgl. act. A24/15 F49]). Andererseits wird für
das Bundesverwaltungsgericht letztlich nicht schlüssig, weshalb die Flucht
des Onkels für den Beschwerdeführer so gravierende Konsequenzen ge-
habt haben sollte, dass er (...) verhört und misshandelt worden wäre, er
dem Onkel nach seiner Ankunft in der Schweiz diese wichtigen Tatsachen
jedoch nicht mitgeteilt hat.
E-964/2020
Seite 22
Beachtlich ist ferner, dass es wenig überzeugend erscheint, dass nur der
Beschwerdeführer derart starke Repressalien wegen der Flucht des On-
kels hat erleiden müssen, sein jüngerer Bruder, der ebenfalls in die Ange-
legenheit involviert und im Laden des Onkel tätig war, und sogar die Fotos
in Anwesenheit der Beamten des CID gemacht haben will, keine weiteren
Behelligungen von Seiten des CID erfahren hat, sondern der CID nach der
Flucht des Beschwerdeführers seine Nachforschungen angeblich auf den
Vater konzentriert habe (vgl. act. 24/15, F10, F19 f., F24-27, F31; act
A26/9, F6-8, F34-39).
Das SEM hielt die Angaben des Beschwerdeführers ferner in wesentlichen
Punkten für widersprüchlich. Zu Gunsten des Beschwerdeführers ist fest-
zuhalten, dass er, wie in der Beschwerde aufgezeigt, bestimmte Wider-
sprüchlichkeiten noch in der Anhörung aufzulösen vermochte. Teilweise
erscheinen die im angefochtenen Entscheid als «gravierend» ausgemach-
ten Widersprüche (zum Beispiel die Frage, wer das Dokument der Polizei
übergeben, beziehungsweise entgegengenommen hat, mit wem der Onkel
telefonierte) dem Gericht weniger bedeutsam als dem SEM, insofern ist
den Ausführungen in der Beschwerde beizupflichten. Zudem fällt zu Guns-
ten des Beschwerdeführers ins Gewicht, dass zwischen BzP und Anhörung
der verhältnismässig lange Zeitabschnitt von drei Jahren liegt. Die in der
Verfügung genannten Widersprüche alleine vermögen die Einschätzung
des SEM betreffend die Unglaubhaftigkeit der Vorbringen aus Sicht des
Gerichts nicht zu begründen.
7.4.4 Zum vorgelegten Polizei-Formular «Message-form», welches das
SEM als gefälscht bezeichnete, insbesondere weil der Beschwerdeführer
das Original einreichte und angeblich direkt angesprochen worden war,
was unüblich sei, ist folgendes zu sagen: Nach Informationen des Bundes-
verwaltungsgericht müssen die Betroffenen nicht unbedingt (...) erhalten,
es zirkulieren in den Medien auch Bilder von Originalen der Messageforms,
die (...) und (...) sind (vgl. [...]; alle besucht am 03.02.2022). Zudem ist
festzuhalten, dass die Adressaten auf dem vom Beschwerdeführer vorge-
legten Beweismittel – (...) – die einzelnen Polizeidienststellen sind – vor-
liegend das (...) das sich an (...) von B._ richtet. Auch der Umstand,
dass dem Formular nicht zu entnehmen ist, (...), ist vergleichbar mit ande-
ren öffentlich zugänglichen Message-forms (vgl. [...], besucht am
03.02.2022). In den Berichten über die Police-Message-forms ist jeweils
auch davon die Rede, dass (...) wird (vgl. [...], abgerufen am 03.02.2022).
Genau diesen Umstand hatte das SEM beim Beschwerdeführer moniert.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Police-Message-forms zwar
E-964/2020
Seite 23
(...) sind, andererseits die vom SEM aufgrund seiner Erkenntnisse (...) ge-
genüber dem vom Beschwerdeführer vorgelegten Dokument (...), wie von
der Vorinstanz behauptet. Es ist nicht auszuschliessen, dass der Be-
schwerdeführer die Vorladung wie vorgelegt von der Polizei (...) erhalten
hat.
Zu den vorgelegten Fotos ist festzustellen, dass diese auch der Onkel des
Beschwerdeführers in dessen Asylverfahren als Beweismittel eingereicht
hat und diese stimmig in dessen Vorbringen ebenso wie in die des Be-
schwerdeführers einpassen. Im Verfahren des Onkels wurde zusätzlich ein
Hinweis auf den genauen Standort des Ladenlokals gegeben (vgl. Verfah-
ren [...], Beschwerdeakten Ziff. 7, Beilage 38). Angesichts der Glaubhaf-
tigkeit der Vorbringen des Onkels (vgl. Urteil [...] vom [...] 20[...] E. [...]),
geht das Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass die Aufnahmen tat-
sächlich den Laden des Onkels zeigen. Allerdings erscheint in diesem Zu-
sammenhang wenig nachvollziehbar, dass der jüngere Bruder des Be-
schwerdeführers die «Aufräumaktion» des CID im Laden völlig unbehelligt
hat dokumentieren können (vgl. act. A24/15, F10). Zu dieser Schlussfolge-
rung gelangte auch die Vorinstanz.
7.4.5 Insgesamt lassen die Schilderungen des Beschwerdeführers betref-
fend die Verfolgungshandlungen, welche die Reflexverfolgung im Nach-
gang zur Flucht des Onkels begründen sollen, viele Fragen offen.
Als glaubhaft gemacht erachtet das Gericht aber, dass der Beschwerde-
führer den Laden des Onkels in dessen Abwesenheit geführt hat, solange
bis dieser vom CID geschlossen wurde. Ob es sich bei den Personen, wel-
che auf den Beweisfotos zu sehen sind, um den nämlichen Beamten des
CID H._ handelt, kann letztlich offenbleiben. Glaubhaft gemacht ist,
dass der Laden geplündert und geschlossen wurde. In diesem Punkt sind
die Schilderungen des Beschwerdeführers und seines Onkels stimmig.
Fest steht für das Gericht auch, dass die sri-lankischen Sicherheitsbehör-
den nach der Ausreise des Onkels Nachforschungen unternommen haben
und dabei auch die Familie des Beschwerdeführers behelligten. Ob der
Beschwerdeführer tatsächlich (...) vom CID derart befragt und misshandelt
wurde, bleibt angesichts der Unstimmigkeiten fraglich. Es muss jedoch da-
von ausgegangen werden, dass den Behörden die Verbindung zwischen
dem Beschwerdeführer und seinem Onkel, einem ehemaligen LTTE-Mit-
glied, bekannt ist.
E-964/2020
Seite 24
Im Rahmen einer Gesamtwürdigung erachtet das Bundesverwaltungsge-
richt die Einschätzung der Vorinstanz als zutreffend, wonach es dem Be-
schwerdeführer nicht gelingt, eine auch zukünftig begründete Furcht vor
einer ihm drohenden asylbeachtlichen Verfolgung aufgrund der von ihm
geschilderten Vorfluchtgründe glaubhaft zu machen. Die Schilderungen
des Beschwerdeführers betreffend die verschiedenen Sachverhaltsas-
pekte sind wie dargelegt in verschiedener Hinsicht zweifelhaft und es
spricht viel dafür, dass der Beschwerdeführer die als glaubhaft zu erach-
tende Übernahme der Verantwortung für den Laden des Onkels nach des-
sen Flucht um weitere nicht stattgefundene Verfolgungshandlungen durch
den CID ergänzt hat. Als unglaubhaft erachtet das Bundesverwaltungsge-
richt auch die Vorbringen rund um die Verhaftung und die nachfolgenden
Strafverfahren anlässlich der Demonstration (vgl. E. 8.4.1) sowie die Vor-
bringen in Zusammenhang mit einem direkten Bezug des Beschwerdefüh-
rers zu der Ermordung des am (...) erschossenen Studenten K._
(vgl. E. 8.4.2).
7.5 In der Beschwerde wird des Weiteren vorgetragen, der Beschwerde-
führer sei aufgrund der jüngsten Entwicklungen in Sri Lanka als Tamile ge-
fährdet. Dazu ist festzuhalten, dass die Lage in Sri Lanka seit Einreichung
des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer im November 2016 ver-
schiedenen Veränderungen unterworfen war, wobei namentlich politische
Spannungen, die verheerenden Terroranschläge an Ostern 2019 sowie zu-
letzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa am 16. November 2019 zum Prä-
sidenten von Sri Lanka zu erwähnen sind (vgl. Neue Zürcher Zeitung
[NZZ], In Sri Lanka kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück,
17.11.2019; The Guardian, Gotabaya Rajapaksa elected president of Sri
Lanka, 17.11.2019, https://www.theguardian.com/world/2019/nov/1
7/sri-lanka-presidential-candidate-rajapaksa-premadas-count-continues,
abgerufen am 03.02.2022).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich der jüngsten Veränderungen in Sri
Lanka – insbesondere im Zusammenhang mit dem Machtwechsel nach
den Präsidentschaftswahlen im November 2019 – bewusst. Es beobachtet
die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt sie bei seiner Ent-
scheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand durchaus von einer
möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszugehen, der Perso-
nen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind beziehungsweise
bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des Bundesverwal-
tungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human Rights Watch, Sri
Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Es gibt aber
http://links.weblaw.ch/BVGer-E-1866/2015
E-964/2020
Seite 25
zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem Macht-
wechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer Verfol-
gungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Einzelfall
zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen zur Prä-
sidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren Folgen be-
steht (vgl. [statt vieler]: Urteil des BVGer D-4668/2021 vom 9. November
2021 E. 8.5 sowie Referenzurteil des Bundesverwaltungsgerichts
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016; Human Rights Watch [HRW], Sri Lanka:
Families of "Disappeard" Threatened, 16.02.2020). Ein solcher Bezug ist
vor dem Hintergrund der vorstehenden Erwägungen nicht ersichtlich.
7.6 Im Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 hat das Bundesver-
waltungsgericht eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen. Es gelangte zur Einschätzung, dass Angehörige der
tamilischen Ethnie bei einer Rückkehr nach Sri Lanka nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt sind (vgl.
a.a.O. E. 8.3). Zur Beurteilung des Risikos von Rückkehrenden, Opfer
ernsthafter Nachteile in Form von Verhaftung und Folter zu werden, wur-
den verschiedene Risikofaktoren identifiziert. Eine tatsächliche oder ver-
meintliche, aktuelle oder vergangene Verbindung zu den LTTE, ein Eintrag
in der «Stop List» und die Teilnahme an exilpolitischen regimekritischen
Handlungen wurden als stark risikobegründende Faktoren eingestuft, da
sie unter den im Entscheid dargelegten Umständen bereits für sich alleine
genommen zur Bejahung einer begründeten Furcht führen könnten (vgl.
a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und über-
prüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erforderli-
chen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangsweise
nach Sri Lanka zurückgeführt werden oder die über die Internationale Or-
ganisation für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren sowie Perso-
nen mit gut sichtbaren Narben (sog. schwach risikobegründende Faktoren,
vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die
konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante
Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht,
dass insbesondere jene Rückkehrer eine begründete Furcht vor ernsthaf-
ten Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-
lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt sind, den ta-
milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
7.7 Betreffend den Onkel des Beschwerdeführers hielt das Bundesverwal-
tungsgericht im Urteil (...) vom (...) fest, dass dieser das Risikoprofil einer
Person erfülle, welche im Verdacht steht, ernstzunehmende Verbindungen
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zu den LTTE zu haben und deshalb im Fall der Rückkehr einer aktuellen
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wäre.
Praxisgemäss kann eine Person auch ein Risikoprofil erfüllen, sofern ihr
von den sri-lankischen Sicherheitsbehörden tatsächliche oder vermeintli-
che, aktuelle oder vergangene Verbindungen zu den LTTE unterstellt wer-
den. Es ist zu prüfen, ob beim Beschwerdeführer ein solches Risikoprofil
erfüllt sein könnte. Beachtlich ist dabei, dass der Onkel erst relativ spät,
nämlich im (...) 20(...), in den Fokus der Sicherheitsbehörden geraten war,
so dass seine LTTE-Vergangenheit überprüft wurde, nachdem er zuvor
jahrelang unbehelligt in B._ gelebt und ein Geschäft betrieben hatte
(vgl. Urteil [...] E. [...]). Unter diesen Umständen ist davon auszugehen,
dass der «Fall» des Onkels des Beschwerdeführers den Sicherheitsbehör-
den noch immer präsent war und ist.
7.8 Das Gericht geht in Würdigung aller Aspekte des vorliegenden Sach-
verhalts jedoch nicht davon aus, dass dem Beschwerdeführer im Fall der
Rückkehr eine asylbeachtliche Verfolgung drohen könnte, welche über
eine Routinekontrolle bei der Einreise hinausgehen würde.
Vor dem Hintergrund, dass das Bundesverwaltungsgericht die vom Be-
schwerdeführer vorgetragenen Fluchtgründe betreffend die Behelligungen
durch die Mitarbeitenden des CID und die gegen ihn gerichteten Ermittlun-
gen nicht für glaubhaft gemacht erachtet (vgl. E. 8.5) und er die geschilder-
ten Verfolgungshandlungen und Ermittlungen gegen ihn nicht hat belegen
können, und selbst erklärt hatte, in Sri Lanka vor der Ausreise nie politisch
aktiv gewesen zu sein, ist wenig wahrscheinlich, dass die sri-lankischen
Sicherheitsbehörden ihn in einen Zusammenhang mit der LTTE oder
anderer separatistischer Bewegungen bringen könnten.
Es ist ferner unwahrscheinlich, dass die Sicherheitsbehörden dem Be-
schwerdeführer vor dem Hintergrund der Ermittlungen gegen seinen Onkel
eine asylbeachtliche Verbindung zu den LTTE unterstellen, welche ihn im
Sinne einer ihm drohenden Reflexverfolgung gefährden könnte. Für diese
Einschätzung spricht, dass die Familie nach der Ausreise des Beschwer-
deführers nicht weiter nennenswert behelligt wurde und der CID darauf ver-
zichtet hatte, beispielsweise den jüngeren Bruder des Beschwerdeführers,
der ebenfalls im Laden geholfen haben soll, zu befragen oder zu belangen.
Beachtlich ist zudem, dass der Beschwerdeführer bis anhin keine exilpoli-
tische Tätigkeit dargetan hat, noch hat er sich vor der Ausreise in Sri
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Lanka regimekritisch betätigt; gemäss eigenen Angaben ist er nie als Be-
fürworter des tamilischen Separatismus in Erscheinung getreten.
7.9 Aus Europa respektive der Schweiz nach Sri Lanka zurückkehrende
tamilische Asylsuchende sind nicht per se einer ernstzunehmenden Gefahr
ausgesetzt, bei ihrer Rückkehr ernsthafte Nachteile im Sinne von Art. 3
AsylG zu erleiden, sondern nur dann, wenn die sri-lankischen Behörden
das Verhalten der zurückkehrenden Person mutmasslich als staatsfeind-
lich einstufen. Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht erfüllt. Der Be-
schwerdeführer ist den Beweis für seine Festhaltungen durch den CID
in Sri Lanka schuldig geblieben, er konnte die von ihm geltend gemachten
eigenen Probleme mit den heimatlichen Behörden in Bezug auf die LTTE-
Beziehungen seines Onkels nicht glaubhaft machen. Das Gericht ist nicht
davon überzeugt, dass die Ausreise des Beschwerdeführers, wie von ihm
geltend gemacht, von den sri-lankischen Sicherheitsbehörden registriert
worden sei. Es ist deshalb nach Aktenlage nicht davon auszugehen, dass
er in Sri Lanka einschlägig registriert ist oder gar auf einer Fahndungsliste
der heimatlichen Behörden steht und im Falle seiner Rückkehr einer er-
höhten Verfolgungsgefahr unterliegt. Das Gericht geht nicht davon aus,
dass für ihn ein Eintrag in der «Stop-List» gemacht wurde, er also nicht als
Person gespeichert ist, welcher der Verbindung zu den LTTE oder terroris-
tischer Aktivitäten verdächtigt wird oder gegen die eine gerichtliche Verfü-
gung oder ein Haftbefehl besteht beziehungsweise ein Strafverfahren er-
öffnet wurde.
7.10 Aus diesen Erwägungen ist auch nicht davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer durch seine Flucht aus Sri Lanka Umstände geschaffen
hat, welche im Sinne von subjektiven Nachfluchtgründen im Sinne des
Art. 54 AsylG zu berücksichtigen wären. Die in der Beschwerde geltend
gemachten exilpolitischen Tätigkeiten des Beschwerdeführers wurden bis-
her nur behauptet und durch nichts belegt.
7.11 Die im Beschwerdeverfahren eingereichten Beweismittel, sofern sie
nicht bereits gewürdigt wurden oder überhaupt rechtserheblich sind, führen
zu keiner anderen Einschätzung. Dabei handelt es sich grossmehrheitlich
um Dokumente, welche die allgemeine Lage in Sri Lanka und die politische
Situation beschreiben. Der Beschwerdeführer kann daraus keine individu-
elle Verfolgung ableiten und sie sind auch nicht geeignet, seine Vorbringen
als glaubhaft erscheinen zu lassen.
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7.12 Zusammenfassend ist festzustellen, dass die geltend gemachten
Asylgründe nicht geeignet sind, eine asyl- respektive flüchtlingsrechtlich
relevante Verfolgung im Sinne von Art. 3 AsylG glaubhaft zu machen. Dem-
nach hat die Vorinstanz die Flüchtlingseigenschaft zurecht verneint und
das Asylgesuch abgelehnt.
8.
Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder nicht
möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
In Bezug auf die Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Be-
weisstandard wie bei der Flüchtlingseigenschaft, das heisst, sie sind zu
beweisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.1 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
8.1.1 So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land
gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25
Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen
Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behand-
lung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf nie-
mand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Be-
handlung unterworfen werden.
8.1.2 Das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot schützt nur Personen,
welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Beschwerdeführer
nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich erhebliche Gefährdung nachzu-
weisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG verankerte
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Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren keine An-
wendung finden. Eine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach unter dem
Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
8.1.3 Weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch aus den Ak-
ten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung nach Sri
Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK
oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. Ge-
mäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte
(EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses müsste der Be-
schwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachweisen oder glaub-
haft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter oder unmensch-
liche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse Kammer], Saadi ge-
gen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde Nr. 37201/06,
§§ 124 – 127, m.w.H.). Der EGMR hat zudem wiederholt festgestellt, dass
nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri Lanka eine
unmenschliche Behandlung. Vielmehr müsse eine Risikoeinschätzung im
Einzelfall vorgenommen werden (vgl. beispielsweise das EGMR-Urteil R.J.
gegen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11, Ziff. 37). Die
Einzelfallprüfung fällt mangels hinreichender Anhaltspunkte vorliegend ne-
gativ aus (vgl. vorstehend E. 8). Die vom EGMR genannten Faktoren sind
im Wesentlichen durch die im Referenzurteil des Bundesverwaltungsge-
richts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 in den Erwägungen 8.4 und 8.5 iden-
tifizierten Risikofaktoren abgedeckt. Vorliegend wurde bereits festgestellt,
dass aufgrund der Aktenlage nicht davon auszugehen ist, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr aus der Schweiz nach Sri Lanka die
Aufmerksamkeit der sri-lankischen Behörden in einem flüchtlingsrechtlich
relevanten Ausmass auf sich ziehen wird. Demnach bestehen auch keine
Anhaltspunkte dafür, dass ihm aus denselben Gründen eine menschen-
rechtswidrige Behandlung im Heimatland drohen würde. Die allgemeine
Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegweisungsvollzug im
heutigen Zeitpunkt ebenfalls nicht als unzulässig erscheinen. Dies gilt auch
unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen von
November 2019 und des diplomatischen Konflikts zwischen der Schweizer
Botschaft und den sri-lankischen Behörden.
8.2 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
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festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.2.1 Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Zurzeit herrscht in Sri Lanka
weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt. In den beiden Refe-
renzurteilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Ok-
tober 2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine Einschätzung der Lage
in Sri Lanka vorgenommen. Dabei hat es festgestellt, dass der Wegwei-
sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorliegen von be-
stimmten individuellen Zumutbarkeitskriterien (insbesondere Existenz ei-
nes tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes sowie Aussicht
auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation) bejaht werden kann.
Daran vermögen weder die in der Beschwerde vorgebrachten Einschät-
zungen zur Lage noch die in der Replik erwähnten Ausführungen zur aktu-
ellen Situation in Sri Lanka etwas zu ändern (vgl. statt vieler Urteil des
BVGer E-895/2020 vom 15. April 2020 E. 9.3).
8.2.2 Das SEM hat demnach den Vollzug der Wegweisung des Beschwer-
deführers an seinen Herkunftsort im Distrikt B._, Nordprovinz, zu
Recht als generell zumutbar erachtet. Die mit der Beschwerdeeingabe und
der Replik eingereichten Unterlagen führen nicht zu einer anderen
Schlussfolgerung.
8.2.3 In Bezug auf die individuellen Zumutbarkeitskriterien ist festzustellen,
dass es sich beim Beschwerdeführer um einen heute (...)-jährigen Mann
ohne aktenkundige gesundheitliche Probleme und mit abgeschlossener
Schulbildung ([...]) handelt, welcher vor der Ausreise in der (...) tätig war,
die seinem Vater gehört und der Familie ein Auskommen sichert (vgl. act.
A6/13 F1.17.05). Es ist ihm daher ohne weiteres zuzumuten, sich nach
seiner Rückkehr nach Sri Lanka erneut eine wirtschaftliche Lebensgrund-
lage aufzubauen. Seinen Angaben zufolge leben mehrere Verwandte nach
wie vor im Distrikt B._, namentlich seine Eltern sowie die Geschwis-
ter und mehrere Onkel und Tanten. Der Beschwerdeführer hat nicht vorge-
tragen, dass die Familie finanzielle Probleme habe (vgl. act. A14 F23).
Demnach kann festgestellt werden, dass der Beschwerdeführer an seinem
Herkunftsort über ein tragfähiges soziales Beziehungsnetz sowie eine ge-
sicherte Wohnmöglichkeit verfügt. Insgesamt ist der Vollzug der Wegwei-
sung auch in individueller Hinsicht als zumutbar zu erachten.
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8.3 Der Beschwerdeführer verfügt über eine sri-lankische Identitätskarte
und es obliegt ihm, sich bei der zuständigen Vertretung des Heimatstaates
die für eine Rückkehr weiteren notwendigen Reisedokumente zu beschaf-
fen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE 2008/34 E. 12 S. 513–
515), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu bezeich-
nen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.4 Schliesslich steht auch die Corona-Pandemie dem Wegweisungsvoll-
zug nicht entgegen. Bei dieser handelt es sich - wenn überhaupt - um ein
temporäres Vollzugshindernis, welchem im Rahmen der Vollzugsmodalitä-
ten durch die kantonalen Behörden Rechnung zu tragen ist, indem etwa
der Zeitpunkt des Vollzugs der Situation in Sri Lanka angepasst wird
(vgl. EMARK 1995 Nr. 14 E. 8d und e sowie das Urteil des BVGer
D-4796/2019 vom 27. April 2020 E. 8.9 m.w.H.). Zusammenfassend ist
festzustellen, dass die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu Recht als
zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet hat. Eine Anordnung der vor-
läufigen Aufnahme fällt damit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und
vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und zufolge der sehr umfangrei-
chen Beschwerde mit zahlreichen Beilagen ohne individuellen Bezug zu
ihm auf insgesamt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1-3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]).
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