Decision ID: 13646d1c-d1c6-4041-ad88-30fe555dd37b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter), war als Produktionsmitarbeiter bei der B._ AG,
angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
unfallversichert, als er sich am 8. November 2012 anlässlich eines Berufsunfalls am
linken Knie verletzte (Suva-act. I-1). Am 21. Dezember 2012 wurde er bei der Diagnose
einer vorderen Kreuzbandruptur links erstmals am Knie operiert (Suva-act. I-23). Die
Suva anerkannte ihre Leistungspflicht, erbrachte Taggeldleistungen und kam für die
Kosten der Heilbehandlung auf (Suva-act. I-27). Nach einer offenbar im Januar 2013
erfolgten Rückkehr zum Arbeitsplatz mit vollem Arbeitspensum (vgl. Suva-act. I-30 und
I-31) liess der Versicherte der Suva am 9. August 2013 einen Rückfall zum Ereignis vom
8. November 2012 melden (Suva-act. I-32), für den diese ihre Leistungspflicht
wiederum anerkannte (Suva-act. I-49). Aufgrund einer beim Versicherten
diagnostizierten komplexen Kniegelenksinstabilität links wurden am 6. Mai 2014 eine
diagnostische Kniearthroskopie links, eine proximale biplanare Tibiaosteotomie Open-
Wedge mit Proximalisation der Tuberositas und Fixation mittels Tomofixplatte, eine
Refixation des medialen femoralen Seitenbandansatzes sowie eine laterale Larson-
Seitenbandrekonstruktion mittels Semitendinosussehne durchgeführt (Suva-act. I-107).
Ein weiterer operativer Eingriff mit Osteosynthesematerialentferung, diagnostischer
Arthroskopie, arthroskopisch assistierter Revisionsplastik des vorderen Kreuzbandes
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und medialer Seitenbandplastik folgte am 16. April 2015 (Suva-act. I-179). Vom 16. bis
24. September 2015 nahm der Versicherte an einer stationären Rehabilitation in der
Klinik C._ teil. Im Austrittsbericht vom 29. September 2015 hielten die behandelnden
Ärzte fest, dass eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden sei, die
teilweise auf eine psychische Störung zurückzuführen sei. Das Ausmass der
demonstrierten Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren pathologischen
Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den
Diagnosen nicht erklären. Die Beurteilung der Zumutbarkeit stütze sich daher primär
auf medizinisch-theoretische Überlegungen unter Berücksichtigung der
Beobachtungen im Behandlungsprogramm. Die bisherige Tätigkeit als Hilfsarbeiter im
Lager sei dem Versicherten aufgrund zu hoher Anforderungen nicht mehr zumutbar.
Eine leichte, optimal angepasste Tätigkeit sei ihm jedoch ganztags zumutbar. Von der
Fortsetzung der Behandlung könne keine namhafte Besserung mehr erwartet werden
(Suva-act. I-222). Anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung vom 15. Dezember
2015 kam med. pract. D._, Facharzt für Neurochirurgie, zum Schluss, dass ein
stabiler Gesundheitszustand vorliege. Von weiteren medizinischen Massnahmen seien
keine Verbesserungen mehr zu erwarten und dem Versicherten seien sehr leichte bis
leichte optimal adaptierte Tätigkeiten zuzumuten. Für den Erhalt des erlangten
Gesundheitszustandes seien pro Jahr zwei Serien Physiotherapie zuzugestehen (Suva-
act. I-242). Die Integritätsentschädigung setzte med. pract. D._ auf 15 % fest (Suva-
act. I-243). Mit Schreiben vom 5. Januar 2016 stellte die Suva – mit Ausnahme zweier
Serien Physiotherapie pro Jahr – die Heilkosten- und Taggeldleistungen per 31. Januar
2016 ein, da von der Fortsetzung der medizinischen Behandlung keine namhafte
Besserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten sei (Suva-act. I-251). Mit
Verfügung vom 15. Januar 2016 sprach die Suva dem Versicherten ab dem 1. Februar
2016 bei einem Invaliditätsgrad von 16 % eine Invalidenrente in der Höhe von
monatlich Fr. 786.10 und bei einer Integritätseinbusse von 15 % eine
Integritätsentschädigung von Fr. 18'900.-- zu (Suva-act. I-255).
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess der anwaltlich vertretene Versicherte am 17. Februar
2016 Einsprache erheben mit den Anträgen, die Verfügung vom 15. Januar 2016 sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufzuheben und es seien ihm eine höhere Invalidenrente sowie eine höhere
Integritätsentschädigung zuzusprechen (Suva-act. I-260).
B.b Am 10. März 2016 teilte die damalige Rechtsvertreterin des Versicherten der Suva
telefonisch mit, dass dieser einen neuen Unfall erlitten habe (Suva-act. I-268). Am 31.
März 2016 liess der Versicherte der Suva durch die Arbeitslosenkasse ein neues
Unfallereignis vom 22. Februar 2016 melden, bei dem er vorwärts gefallen und dabei
seine Bänder am Fussgelenk gerissen habe (Suva-act. II-2). In einem
Sprechstundenbericht der Klinik E._ vom 4. April 2016 nannten die behandelnden
Ärzte als Diagnose einen Zustand nach einem Distorsionstrauma des oberen
Sprunggelenks rechts vom 22. Februar 2016 mit einer Ruptur des Ligamentum
Fibulotalare anterior und Fibulocalcaneare, einer Teilruptur der vorderen Syndesmose
sowie einer osteochondralen Läsion an der lateralen Talusschulter (Suva-act. II-9). Am
15. April 2016 anerkannte die Suva ihre Leistungspflicht für die Folgen des
Schadenfalls vom 22. Februar 2016 (Suva-act. II-18). Mit einem Schreiben vom 22.
April 2016 machte die damalige Rechtsvertreterin einen Einfluss des Unfallereignisses
vom 22. Februar 2016 auf die Arbeitsfähigkeit geltend (Suva-act. I-275). Anlässlich
einer Sprechstunde vom 27. Juni 2016 erörterte ein behandelnder Arzt der Klinik E._
dem Versicherten eine Operationsoption (vgl. Suva-act. II-30). In einem Telefonat vom
29. Juli 2016 liess der Versicherte der Suva ausrichten, dass er sich nicht operieren
lassen werde (Suva-act. II-36). In einer kreisärztlichen Aktenbeurteilung vom 3. August
2016 hielt med. pract. D._ fest, dass eine Physiotherapie zur Verbesserung der
Stabilität und der normalen Gangfunktion sinnvoll erscheine, wofür eine
Kostengutsprache für zwei Serien Physiotherapie zu erteilen sei. Weiter verneinte er
einen aufgrund des Unfallereignisses vom 22. Februar 2016 resultierenden
Anpassungsbedarf des von ihm anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 15.
Dezember 2015 attestierten Zumutbarkeitsprofils. Eine Arbeitsfähigkeit sei im Rahmen
der Rente voll gegeben. Schliesslich verneinte er den Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung aufgrund des Unfalls vom 22. Februar 2016 (Suva-act. II-38).
In einer gleichentags erlassenen Mitteilung informierte die Suva den Versicherten
darüber, dass sie den Anspruch auf Versicherungsleistungen neu zu überprüfen habe,
da er die durch die Klinik vorgeschlagene Operation am oberen Sprunggelenk nicht
durchführen lassen möchte. Weitere Behandlungsmassnahmen könnten gemäss dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
medizinischen Dienst nicht mehr zu einer namhaften Verbesserung des
Gesundheitszustandes führen. Daher würden die Versicherungsleistungen per 31.
August 2016 eingestellt. Im Rahmen der Rente werde per 1. September 2016 von einer
vollen Erwerbsfähigkeit ausgegangen. Zumutbar seien Tätigkeiten gemäss der
Verfügung vom 15. Januar 2016 (Suva-act. II-39). Am 10. Oktober 2016 erteilte die
Suva Kostengutsprache, nachdem Dr. med. F._, Facharzt allgemeine innere Medizin,
am 29. September 2016 um Übernahme der Bandagen zur Langzeitbehandlung von
Unfallfolgen nachgesucht hatte (Suva-act. II-42 und II-44). Am 6. Januar 2017 ersuchte
die Tochter des Versicherten die Suva um Zustellung der Taggeldabrechnungen für die
Zeit von September bis Dezember 2016, worauf die Suva erklärte, dass sie lediglich bis
zum 31. August 2016 Taggeldleistungen erbracht habe. Daraufhin bat die Tochter des
Versicherten die Suva darum, ihr eine entsprechende Abrechnung zukommen zu lassen
(Suva-act. II-46). Noch gleichentags stellte die Suva dem Versicherten die Mitteilung
vom 3. August 2016 erneut zu (Suva-act. II-47).
B.c Mit Einspracheentscheid vom 25. Januar 2019 wies die Suva die Einsprache des
Versicherten vom 17. Februar 2016 gegen die Verfügung vom 15. Januar 2016 ab
(Suva-act. I-300 und II-48).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer), vertreten durch Rechtsanwalt M. Loher, am 25. Februar 2019
Beschwerde. Darin beantragte er, der angefochtene Einspracheentscheid sei
aufzuheben, es sei ein medizinisches Gutachten in Auftrag zu geben und alsdann sei
neu über die Rente und den Integritätsschaden zu entscheiden; unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin; act. G 1).
In formeller Hinsicht stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor Versicherungsgericht (act. G 1, 8 und 13).
C.b In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Juli 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt C. Leupi, die Beschwerde vom 25. Februar 2019 sei
vollumfänglich abzuweisen, der Einspracheentscheid vom 25. Januar 2019 sei zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bestätigen und die Kosten seien bei Kostenlosigkeit des Verfahrens wettzuschlagen
(act. G 11).
C.c Am 16. Juli 2019 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 14).
C.d Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G 15
f.).

Erwägungen
1.
Anfechtungsgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der
Einspracheentscheid vom 25. Januar 2019 (Suva-act. I-300). Dem
Einspracheenetscheid liegt die Verfügung vom 15. Januar 2016 zu Grunde, mit welcher
dem Beschwerdeführer für die Folgen des Unfallereignisses vom 8. November 2012
eine Rente und eine Integritätsentschädigung zugesprochen worden sind (vgl. Suva-
act. I-262). Thema des Einspracheentscheides sind folgerichtig ebenfalls die
Ansprüche auf Rente und Integritätsentschädigung gewesen (vgl. Suva-act. I-300).
Während der Beschwerdeführer in der Begründung seiner Beschwerde verlangt, dass
für die Festsetzung dieser Leistungen auch die Folgen des zweiten Unfallereignisses
vom 22. Februar 2016 zu berücksichtigen seien (vgl. act. G 1 S. 5 f.), vertritt die
Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort die Auffassung, das Unfallereignis
vom 22. Februar 2016 sei nicht Thema des Beschwerdeverfahrens (vgl. act. G 11 S. 4).
Auch wenn die Beschwerdegegnerin sich in den Erwägungen des angefochtenen
Einspracheentscheides zur Hauptsache mit den Folgen des ersten Unfalls befasst hat,
so hat sie in einer Erwägung gleichwohl auch Bezug auf das zweite Unfallereignis vom
22. Februar 2016 genommen. Sie hat festgehalten, dass dieses lediglich zu einer
vorübergehenden Verschlimmerung des Gesundheitszustandes geführt habe, weshalb
seitens dieses Ereignisses keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mehr bestünden
(vgl. Suva-act. I-300 S. 6). Daraus ist grundsätzlich zu schliessen, dass die
Beschwerdegegnerin auch die Auswirkungen des Unfallereignisses vom 22. Februar
2016 zum Gegenstand des Einspracheentscheids gemacht hat, mithin die Ansprüche
auf Rente und Integritätsentschädigung unter Berücksichtigung der Folgen beider
Unfälle beurteilt hat. Dafür spricht auch, dass auf dem Einspracheentscheid die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schadennummern beider Unfälle aufgeführt sind (vgl. Suva-act. I-300 S. 1). Die
Mitteilung vom 3. August 2016 (Suva-act. II-39) hat einer Gesamtbeurteilung der
Ansprüche aus beiden Unfällen im Einspracheentscheid nicht entgegengestanden, da
sie aufgrund der bestrittenen bzw. fehlerhaften Zustellung (vgl. act. G 1 S. 4 f.) gar nicht
in Rechtskraft erwachsen sein kann, trägt doch die Beschwerdegegnerin die
Beweislast für die korrekte Zustellung (BGE 103 V 65 E. 2a mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts vom 25. März 2015, 9C_282/2014 E. 3.2 mit Hinweisen) und scheint
doch die Mitteilung tatsächlich nicht an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
adressiert worden zu sein (vgl. Suva-act. II-39). Unabhängig des Inhalts der Mitteilung
kann somit nicht angenommen werden, die Beschwerdegegnerin habe über die
Ansprüche auf Rente und Integritätsentschädigung aus dem zweiten Unfallereignis
bereits rechtskräftig befunden. Trotz fehlerhafter Mitteilung ist die Einstellung der
vorübergehenden Versicherungsleistungen (Taggeld und Heilbehandlung) hinsichtlich
des Unfallereignisses vom 22. Februar 2016 im vorliegenden Fall jedoch als
unbestritten anzunehmen, da sich der Beschwerdeführer weder gegen die faktische
Einstellung der Taggelder gewehrt hat noch im Beschwerdeverfahren geltend macht,
der Fallabschluss sei zu Unrecht vorgenommen worden (vgl. Suva-act. II-46; act. G 1).
Demzufolge hatte die Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Erlasses des
angefochtenen Einspracheentscheides die vorübergehenden Versicherungsleistungen
für das Unfallereignis vom 22. Februar 2016 bereits eingestellt, jedoch noch nicht über
die Dauerleistungen (Rente und Integritätsentschädigung) befunden. Folglich hat sich
im Einspracheentscheid eine Gesamtbeurteilung der aus beiden Unfallereignissen
allfällig resultierenden Ansprüche auf Rentenleistungen und Integritätsentschädigung
aufgedrängt, da gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätzlich derjenige
Sachverhalt zu berücksichtigen ist, wie er sich bis zum Erlass des
Einspracheentscheides ereignet hat (BGE 142 V 341 E. 3.2.2). Nach dem Gesagten ist
der angefochtene Einspracheentscheid derart aufzufassen, dass darin über die
Ansprüche auf Integritätsentschädigung und Invalidenrente für die Folgen der Unfälle
vom 8. November 2012 und 22. Februar 2016 gesamthaft befunden worden ist.
Vorliegend zu prüfen ist somit, ob die Beschwerdegegnerin diese Ansprüche korrekt
festgesetzt hat.
2.
Aufgrund der in den Akten liegenden medizinischen Berichte können die
Unfallfolgen hinsichtlich des Ereignisses vom 22. Februar 2016 nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit beurteilt werden. Die kreisärztliche
Beurteilung vom 3. August 2016 enthält keine Begründung, weshalb das Unfallereignis
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
vom 22. Februar 2016 keine dauerhaften Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit oder
das Adaptionsprofil für mögliche Tätigkeiten zeitigt. Es wird aus der Beurteilung nicht
einmal klar, welche strukturellen Restfolgen als unfallkausal anerkannt werden und
welche Verbesserungen von einer allfälligen Operation des Fusses zu erwarten wären
(Suva-act. II-38). Entsprechend den Sprechstundenberichten der Klinik E._ sind
strukturelle Unfallfolgen jedenfalls einst vorhanden gewesen, zumal auch eine
Operation zur Diskussion gestanden hat (vgl. Suva-act. II-27 und II-30). Eine
Begründung, warum aufgrund der Unfallfolgen des Ereignisses vom 22. Februar 2016
kein Integritätsschaden entstanden ist, fehlt in der kreisärztlichen Beurteilung ebenfalls
gänzlich (Suva-act. II-38). Gerade angesichts der strukturellen Verletzungen wäre hierzu
eine Begründung notwendig. Vor diesem Hintergrund kann die kreisärztliche
Beurteilung vom 3. August 2016 nicht als umfassend, vollständig und schlüssig
betrachtet werden.
Schliesslich macht der Beschwerdeführer eine Veränderung der Situation am Knie
seit der kreisärztlichen Beurteilung vom 15. Dezember 2015 geltend (vgl. act. G 1 S. 6
N 21 f., S. 7 N 23 und 29). Zwar stellt der Zeitablauf den Beweiswert einer ärztlichen
Abklärung nicht automatisch in Frage, solange keine Hinweise dafür bestehen, dass
sich der Gesundheitszustand verändert hat. Angesichts der unter Hinweis auf Berichte
der Klinik E._ aufgestellten Behauptung des Beschwerdeführers wird die
Beschwerdegegnerin jedoch abzuklären haben, ob bzw. inwiefern sich die Situation am
Knie verändert hat.
2.2.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der angefochtene Einspracheentscheid in
Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes ergangen ist (Art. 43 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Er ist
daher im Sinne der Erwägungen aufzuheben und die Angelegenheit ist zur weiteren
Abklärung sowie neuer Verfügung über die Ansprüche auf Rente und
Integritätsentschädigung für die Folgen der Unfälle vom 8. November 2012 und 22.
Februar 2016 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.1.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).3.2.
Gemäss Art. 61 lit g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Als volles Obsiegen gilt auch die Rückweisung
der Sache an die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen (BGE 132 V 235 E. 6.2).
Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte