Decision ID: 3141671b-5564-4403-bb3b-e97da2eef4b4
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Mit Schreiben vom 17. Dezember 2014 reichte die Y._ ein Gesuch gestützt auf das
Öffentlichkeitsgesetz bei der X._ ein und ersuchte um Zustellung der
„Spartenrechnung“ der X._ des Jahres 2013, der Jahresrechnung der X._ 2012, der
nach Projekten aufgeschlüsselten Jahresrechnung des Z._ des Jahres 2013 sowie des
Handbuches der H._. Nach Durchführung des Anhörungsverfahrens beim Sicherheits-
und Justizdepartement des Kantons St. Gallen (SJD) und beim S._ erliess die X._ am
5. Februar 2015 eine Verfügung und hielt fest, dass der Y._ die Ziff. 57 der internen
Jahresrechnung 2013 mit einem Detaillierungsgrad Stufe 4 zugestellt werde. Das
Begehren um Zustellung der „Spartenrechnung“ des Jahres 2013 werde abgewiesen.
Die Jahresrechnung 2012 werde ihr in gleicher Form wie die veröffentlichte
Jahresrechnung 2013 zugestellt, ebenso die Jahresrechnung des Z._ 2013. Das H._-
Handbuch könne ihr aus urheberrechtlichen Gründen nicht ausgehändigt werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B. Am 23. Februar 2015 erhob die Y._ durch ihre Rechtsvertreterin Rekurs gegen die
Verfügung der X._ beim SJD. Sie verlangte, dass die X._ Ziff. 57 der Erfolgsrechnung
für das Jahr 2013 sowie die detaillierte Spartenrechnung des Jahres 2014 vorlege,
Details der Konten „Flüssige Mittel“, „Finanzanlagen“ und „Verbindlichkeiten“ der
Bilanz des Jahres 2013, die detaillierte Bilanz des Jahres 2012, Details der Konten Nrn.
5705, 5802 und 5803 der Erfolgsrechnung des Jahres 2012 offenlege sowie ihr das
H._-Handbuch überlasse. Die X._ hielt in ihrer Vernehmlassung vom 23. April 2015 an
ihrem Entscheid fest und wies darauf hin, dass ihre Jahresrechnungen durch interne
sowie externe Revisionsstellen geprüft würden und keine dieser Stellen die praktizierte
Rechnungslegung je beanstandet habe. In der Replik vom 5. Juni 2015 zog die Y._
Ziff. 1 (Spartenrechnung) des Rekursantrags zurück und erachtete die Auskunft über
die Konto Nr. 5705 der Erfolgsrechnung als erledigt. Falls sich die X._ weiterhin
weigere, ihren Begehren nachzukommen, werde wenigstens um Beantwortung
konkreter Fragen zu den einzelnen Positionen gemäss den Anträgen im
Rekursschreiben vom 23. Februar 2015 gebeten. Am 7. August 2015 hielt die X._ in
ihrer Duplik an ihrem Entscheid nach wie vor fest. Die einzelnen Fragen bezüglich der
Konten beantwortete sie jedoch. Zudem wurde dem SJD ein persönliches Exemplar
des 189-seitigen H._-Handbuchs des X._-Geschäftsführers in der Fassung des
Jahres 2009 zur Einsicht zugestellt. Nachdem die X._ in ihrem Schreiben vom 7.
August 2015 die konkreten Fragen beantwortet hatte, bereinigte die Y._ in ihrer
Eingabe vom 19. Oktober 2015 ihre Anträge. Sie ersuchte unter anderem um Vorlage
der Bilanz des Jahres 2012 in der Detaillierungsstufe 4 sowie eine Erklärung zum
Anstieg der A._kosten zwischen den Jahren 2011 und 2013.
Mit Entscheid vom 3. Juli 2017 hiess das SJD den Rekurs der Y._ gut, soweit darauf
eingetreten werden könne. Die X._ werde eingeladen, der Y._ Einsicht in die
vollständigen Jahresrechnungen 2012 und 2013 und in eine aktuelle Version des H._-
Handbuches zu geben. Die X._ habe die Y._ mit CHF 2‘000 zuzüglich
Mehrwertsteuer ausseramtlich zu entschädigen.
C. Die X._ (Beschwerdeführerin) erhob mit Eingabe vom 14. Juli 2017 beim
Verwaltungsgericht Beschwerde gegen den Entscheid des SJD. Sie beantragte die
Aufhebung des Rekursentscheides unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. In der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeergänzung vom 27. September 2017 konkretisierte die Beschwerdeführerin
ihren Antrag. Der Entscheid sei insoweit aufzuheben, als sie eingeladen werde, der Y._
Einsicht in die vollständigen Jahresrechnungen 2012 und 2013 zu geben und die Y._
mit CHF 2‘000 ausseramtlich zu entschädigen. Die Herausgabe des H._-Handbuches
bestritt sie nicht.
Das SJD (Vorinstanz) stellte in seiner Vernehmlassung vom 23. Oktober 2017 Antrag

auf Abweisung der Beschwerde und verwies auf die Erwägungen in seinem Entscheid.
Die Rechtsvertreterin der Y._ (Beschwerdegegnerin) verwies in ihrer Stellungnahme
vom 6. November 2017 auf den Entscheid der Vorinstanz, verzichtete auf Ergänzungen
und stellte keinen Antrag.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1; VRP). Nach Art. 18 Abs. 1
Gesetz über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, sGS
140.2, OeffG) ist für den Rechtsschutz das VRP anwendbar. Die Beschwerde gegen
den Entscheid vom 3. Juli 2017 wurde rechtzeitig innerhalb der Frist von vierzehn
Tagen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP) eingereicht. Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin des Entscheids und des Gesuchs nach OeffG und
somit zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 64 VRP in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 3. Juli 2017 erfüllt - unter Berücksichtigung
der Ergänzung vom 27. September 2017 - formal und inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1. Die Behörden informieren von sich aus oder auf Anfrage über ihre Tätigkeit, soweit
keine öffentlichen oder schützenswerten privaten Interessen entgegenstehen (Art. 60
Abs. 1 der Kantonsverfassung des Kantons St.Gallen [sGS 111.1, KV]). Nach Art. 60
Abs. 2 KV regelt das Gesetz (Öffentlichkeitsgesetz) die Informationsverbreitung und
den Zugang zu amtlichen Informationen. Der Gesetzgeber hat gestützt auf Art. 60 KV
und mit dem Erlass des OeffG einen Paradigmenwechsel vollzogen und den Grundsatz
der Geheimhaltung der Verwaltungstätigkeit („Geheimhaltung mit
Öffentlichkeitsvorbehalt“) zu Gunsten des Öffentlichkeitsprinzips („Grundsatz der
Öffentlichkeit mit Geheimhaltungsvorbehalt“) umgekehrt (Botschaft und Entwurf der
Regierung vom 21. März 2013 zum Informationsgesetz [nachfolgend Botschaft], S. 4
[ABl 2013, 1478]). Die Interessierten sollen von sich aus, ohne den Nachweis eines
schutzwürdigen Interesses, um Information nachsuchen können (VerwGE B 2016/39
vom 28. September 2017 E. 2.1, www.gerichte.sg.ch).
2.2. Nach Art. 1 Abs. 3 OeffG sind Private den öffentlichen Organen gleichgestellt,
wenn sie Staatsaufgaben erfüllen. Die Beschwerdeführerin ist ein privatrechtlich
organisierter Verein, nimmt jedoch gewisse öffentliche Aufgaben im Bereich [...] für die
Gemeinden wahr, welche ihr auf Verordnungsstufe [...] sowie durch die Vereinbarung
[...] übertragen wurden. Von den Parteien ist denn auch unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin als private juristische Person einem öffentlichen Organ im Sinn von
Art. 1 Abs. 3 OeffG gleichgestellt ist. Dazu ist auch auf die zutreffenden Ausführungen
im Entscheid der Vorinstanz zu verweisen (E. 1a). Zu Recht unbestritten ist ebenfalls,
dass auch für Dokumente, welche vor Inkrafttreten des OeffG erstellt wurden, eine
Offenlegungspflicht besteht (siehe ausführlicher VerwGE B 2018/171 vom 21. Januar
2019 E. 3.2.2 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch).
3. Im angefochtenen Entscheid der Vorinstanz wurde die Beschwerdeführerin in der
Dispositiv-Ziff. 2 angewiesen, der Beschwerdegegnerin Einsicht in die vollständigen
Jahresrechnungen 2012 und 2013 zu geben. Mit Eingabe vom 5. Juni 2015 hatte die
Beschwerdeführerin den Antrag Ziff. 1 des Rekurses vom 23. Februar 2015 hinsichtlich
der Herausgabe der Ziff. 57 der Erfolgsrechnung der Beschwerdegegnerin des Jahres
2013 allerdings zurückgezogen (act. 10/9 Ziff. IV). Damit ging der Entscheid der
Vorinstanz hinsichtlich der Jahresrechnung 2013 über das präzisierte Rechtsbegehren
der Beschwerdegegnerin hinaus. Daran vermag auch der bereinigte Antrag vom
http://www.gerichte.sg.ch http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
19. Oktober 2015 nichts zu ändern, gemäss welchem die Beschwerdegegnerin um
Erklärung der A._kosten zwischen den Jahren 2011 und 2013 ersuchte. Die Höhe der
Gesamtkosten sind der Beschwerdegegnerin gemäss ihren Angaben in der Eingabe
vom 19. Oktober 2015 bekannt; eine Erklärung über die Entwicklung der Kosten kann
sie gestützt auf das OeffG nicht verlangen. Im Übrigen ging der Entscheid der
Vorinstanz auch über das Rechtsbegehren betreffend die Jahresrechnung 2012 hinaus
(vgl. E. 4.3). Gegen die Einsicht in eine aktuelle Version des H._-Handbuch wendet die
Beschwerdeführerin nichts ein, und dementsprechend bleibt die Dispositiv-Ziff. 3 des
angefochtenen Entscheids unbestritten.
Strittig bleibt damit vorliegend, ob die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin
Einsicht in die die vollständige Jahresrechnung 2012 geben muss. Zu prüfen ist im
Folgenden, ob der Bekanntgabe der vollständigen Jahresrechnungen schützenswerte
private Interessen (Personendaten in Kontenblättern) entgegenstehen. Falls dies zu
verneinen ist, ist abzuwägen, ob die Beschwerdeführerin ein öffentliches Interesse im
Sinne eines unverhältnismässigen Verwaltungsaufwands geltend machen kann, wenn
vor der Einsicht jedes einzelne Kontenblatt auf Personendaten überprüft werden muss.
Da die Beschwerdeführerin ein solches Interesse nicht geltend macht, kann diese
Frage indessen offenblieben.
3.1. Die Vorinstanz führte aus, dass die Beschwerdeführerin gegenüber der
Finanzkontrolle der Stadt St. Gallen bereits erklärt habe, nicht nur eine
Spartenrechnung, sondern auch die A._rechnung, die Berechnung der
betriebsnotwendigen Reserven sowie die Verwendung der Bundesgelder offenzulegen.
Die der Finanzkontrolle vorgelegten Jahresrechnungen, die einen grösseren
Detaillierungsgrad als die im Geschäftsbericht publizierte Fassung aufweisen, seien
somit bereits vorhanden. Mit Blick auf die Zielsetzung des OeffG seien keine Gründe
ersichtlich, weshalb der Beschwerdegegnerin die Einsicht in die vollständige
Jahresrechnung, d.h. die einzelnen Konten der Bilanz und Erfolgsrechnung, in der
existierenden und der Finanzkontrolle vorgelegten Form verwehrt werden könne.
Allfällige öffentliche oder schützenswerte private Interessen oder sonstige
Geheimhaltungsinteressen, die einer Offenlegung der detaillierten Jahresrechnungen
der Beschwerdeführerin entgegenstehen könnten, seien nicht ersichtlich. Die geltend
gemachten Einschränkungen des Informationszugangs mit Hinweis auf Art. 6 und 7
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
OeffG seien nicht substantiiert. Das Allgemeininteresse an der Verwendung öffentlicher
Mittel überwiege das private Interesse an der Geheimhaltung.
3.2. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen vor, dass die Herausgabe der
vollständigen Jahresrechnung dem Persönlichkeits-, Datenschutz und Amtsgeheimnis
entgegenstehe. Ihre Jahresrechnung habe Breite und Tiefe. Breite nach den
Kontenrahmen und Kontenplan, Tiefe nach dem Detaillierungsgrad bis hin zum
einzelnen Kontenblatt, verbunden mit den zugehörigen Belegen. Das einzelne
Kontenblatt weise einzelne Buchungen aus und gebe damit unter Umständen über die
dahinterstehenden Personen Auskunft, die den Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte nach
Art. 6 Abs. 3 lit. a OeffG, wenn nicht gar den Datenschutz nach Art. 2 Abs. 2 OeffG in
Verbindung mit dem Datenschutzgesetz (sGS 142.1, DSG) beanspruchen könnten,
oder lege einen Sachverhalt offen, der unter das strafrechtlich geschützte
Amtsgeheimnis falle. Einem Gesuch um Zugang zur Jahresrechnung bis hin zum
Detaillierungsgrad 4 könne stattgegeben werden, da diesfalls keine schutzwürdigen
Interessen entgegenstehen würden. Wenn aber Einsicht in die einzelnen Kontenblätter
gegeben würde, müsse jedes einzelne Kontenblatt überprüft werden, ob allenfalls der
Persönlichkeits-, Datenschutz und Amtsgeheimnis verletzt würde. Unter dem
Gesichtspunkt der Praktikabilität habe der Gesetzgeber bei der Gewährung des
Informationsrechts Rechnung getragen, indem ein unverhältnismässiger
Verwaltungsaufwand eine Einschränkung des Informationszugangs zulasse (Art. 6 Abs.
2 OeffG). Dem Gesetzgeber dürfe vielmehr ein einzelnes amtliches Dokument
vorgeschwebt haben, welches ein Interesse an der Offenlegung wecke.
4.
4.1. Jede Person hat, ohne dass sie ein besonderes Interesse geltend machen muss,
nach Massgabe des OeffG ein Recht auf Information über die Tätigkeit des öffentlichen
Organs und Zugang zu amtlichen Dokumenten (Art. 5 OeffG). Als amtliches Dokument
im Sinn des Gesetzes gilt nach Art. 12 OeffG jede Aufzeichnung, die auf einem
beliebigen Datenträger enthalten ist (lit. a), sich im Besitz eines öffentlichen Organs
befindet, von dem sie stammt oder dem sie mitgeteilt worden ist (lit. b), die Erfüllung
einer Staatsaufgabe betrifft (lit. c) und nicht ausschliesslich zum persönlichen
Gebrauch bestimmt ist (lit. d). Einschränkungen betreffend den Zugang zu amtlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dokumenten bestehen in entgegenstehenden öffentlichen oder schützenswerten
privaten Interessen (Art. 6 OeffG mit einer nicht abschliessenden Aufzählung). Sodann
werden besondere Fälle, die vom Recht auf Informationszugang ausgenommen sind, in
Art. 7 OeffG geregelt (hängige Geschäfte, nicht öffentliche Verhandlungen, Teilnahme
am wirtschaftlichen Wettbewerb).
4.2. Entgegenstehende schützenswerte private Interessen können im Fall einer durch
die Bekanntgabe hervorgerufenen Beeinträchtigung von Persönlichkeitsrechten
bestehen (vgl. dazu die nicht abschliessende Aufzählung in Art. 6 Abs. 3 OeffG).
Nachdem einerseits das OeffG den Zugang zu amtlichen Dokumenten gewährleistet,
das DSG diesem Zugang jedoch Grenzen setzt, sind gemäss Art. 2 Abs. 2 OeffG die
Voraussetzungen für eine Datenbekanntgabe nach dem DSG zu beachten. Bei
Namens- und Adressangaben handelt es sich um Personendaten, nicht jedoch um
besonders schützenswerte Daten im Sinne von Art. 1 Abs. 1 lit. b DSG (wie z.B.
Angaben über die Gesundheit, Massnahmen der sozialen Hilfe, Rassenzugehörigkeit,
strafrechtliche oder disziplinarische Verfahren). Die Bearbeitung von Personendaten -
darunter fällt auch deren Bekanntgabe (Art. 1 Abs. 1 lit. e DSG) - ist aus
datenschutzrechtlicher Sicht unter anderem dann zulässig, wenn dafür eine
Rechtsgrundlage (Erlass mit allgemein verbindlichen Bestimmungen, insbesondere
Gesetz und Verordnung; Art. 1 Abs. 1 lit. k DSG) besteht oder die Bearbeitung zur
Erfüllung einer gesetzlichen Aufgabe erforderlich ist (Art. 5 Abs. 1 DSG). Konkret
besteht für die Datenbekanntgabe eine Rechtsgrundlage im OeffG, und sie ist zur
Erfüllung der dort statuierten gesetzlichen Aufgabe erforderlich (VerwGE B 2015/273
vom 27. April 2016 E. 3.1.2, www.gerichte.sg.ch). Somit ist die Bekanntgabe von
„gewöhnlichen“ Personendaten (Name, Vorname, Adresse und Geburtstag) - im
Gegensatz zu besonders schützenswerten Daten und Persönlichkeitsprofilen (Art. 5
Abs. 2 lit. c DSG) - grundsätzlich möglich (vgl. Cottier/Schweizer/Widmer, in: Brunner/
Mader (Hrsg.), Handkommentar zum Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ), Bern 2008, N 83 zu
Art. 7). Ebenfalls keine besonders schützenswerten Personendaten im Sinne des DSG
stellen Angaben über Einkommens- und Vermögensverhältnisse dar, soweit sie nicht
einen besonderen Schutz über das Steuerrecht oder im privatrechtlichen Bereich über
das Bankenrecht geniessen (B. Rudin, in: Baeriswyl/Pärli, Handkommentar zum
Datenschutzgesetz, Bern 2015, N 23 zu Art. 3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.3. Im vorliegenden Fall konkretisiert die Beschwerdeführerin nicht, welche Personen
bei einer Bekanntgabe der vollständigen Jahresrechnung überhaupt betroffen sein
könnten und ob es sich um besonders schützenswerte Daten im Sinne von Art. 1 Abs.
1 lit. b DSG handelt. Sie gibt lediglich an, dass „unter Umständen das Kontenblatt
einzelne Buchungen ausweise, die über die dahinterstehenden Personen Auskunft
geben könnten“. Den vorliegenden Akten sind einzig Details zum Konto Nr. 5801
(A._auslagen diverse) der Erfolgsrechnung des Jahres 2012 zu entnehmen. Dieses
Konto weist keine Personennamen aus. Inwiefern und inwieweit andere Konten
Informationen über einzelne Personen enthalten, substantiiert die Beschwerdegegnerin
nicht. Festzuhalten ist, dass die Bekanntgabe „gewöhnlicher“ Personendaten die
Persönlichkeitsrechte Dritter (Art. 6 Abs. 3 lit. a OeffG) nicht zu beeinträchtigen vermag.
Im bereinigten Antrag in der im Rekursverfahren vor der Vorinstanz eingereichten
Eingabe vom 19. Oktober 2015 (act. 10/11C Ziff. 1) verlangte die Beschwerdegegnerin
nur noch Einsicht in die Bilanz des Jahres 2012 in der Detaillierungsstufe 4. In der
Beschwerdeschrift vom 27. September 2017 erklärte sich die Beschwerdeführerin
bereit, Einsicht in die Jahresrechnung 2012 bis zu diesem Detaillierungsgrad zu
gewähren (Ziff. 3 der Begründung). In diesem Punkt widersetzt sich die
Beschwerdeführerin dem Begehren der Beschwerdegegnerin nicht mehr. Die
Herausgabe der vollständigen Jahresrechnung 2012 ist damit nicht mehr strittig.
4.4. Zusammengefasst erweist sich die Beschwerde als teilweise begründet. Der
Entscheid der Vorinstanz ging hinsichtlich der Jahresrechnungen 2012 und 2013 über
die massgeblichen Rechtsbegehren der Beschwerdegegnerin hinaus. In
Übereinstimmung der Anträge der Beschwerdegegnerin gemäss Eingabe vom 19.
Oktober 2015 und Ausführungen der Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift ist
der Beschwerdegegnerin Einsicht in die Bilanz 2012 bis zum Detaillierungsgrad Stufe 4
zu gewähren. Ein darüberhinausgehendes Rechtsbegehren wurde von der
Beschwerdegegnerin nicht gestellt. In diesem Sinne ist die Dispositiv-Ziff. 2 des
angefochtenen Entscheides der Vorinstanz aufzuheben und zu korrigieren.
5.
5.1. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 41 AnwG in Verbindung mit Art. 95 Abs. 1
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VRP). Es gilt der Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und
Unterliegens (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 93 und 96). Nach den konkreten
Umständen obsiegt die Beschwerdeführerin zwar nicht vollständig, aber immerhin zu
drei Vierteln. Entsprechend erscheint es daher angemessen, die amtlichen Kosten von
CHF 2'500 (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) zu drei
Vierteln der Beschwerdegegnerin und zu einem Viertel der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen. Auf die Erhebung des Kostenanteils der Beschwerdeführerin ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der geleistete Kostenvorschuss von CHF 2'500 ist der
Beschwerdeführerin zurückzuerstatten. Die Beschwerdegegnerin kann sich trotz
Verzicht auf eine Antragstellung im Beschwerdeverfahren nicht vom Kostenrisiko
befreien (R. Hirt, a.a.O. S. 82) und hat deshalb CHF 1'875 zu bezahlen.
5.2. Eine Partei, die sich nicht vertreten lässt, hat - mangels eines besonderen
Aufwandes - grundsätzlich keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 98
VRP in Verbindung mit Art. 95 Abs. 3 lit. c ZPO). Dass ihr gleichwohl Kosten für
Umtriebe erwachsen und zu vergüten sind, bedarf einer besonderen Begründung.
Konkret macht die Beschwerdeführerin für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren
keine Angaben über getätigte (erhebliche) Aufwände. Auch sind die übrigen
Voraussetzungen für eine Umtriebsentschädigung nicht erfüllt (vgl. VerwGE B 2013/178
vom 12. Februar 2014 E. 4.4, www.gerichte.sg.ch). Überdies steht ihr als öffentliches
Organ im Sinn von Art. 1 Abs. 3 OeffG grundsätzlich kein Anspruch auf Kostenersatz
zu (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003,
Rz. 414, R. Hirt, a.a.O., S. 176). Daher kann der Beschwerdeführerin keine
ausseramtliche Entschädigung zugesprochen werden.
5.3. Bei (teilweiser) Gutheissung eines Rechtsmittels ist zugleich von Amtes wegen
über die amtlichen Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens zu entscheiden. In der
Regel erfolgt die entsprechende Kostenverlegung in Bezug auf die Beteiligten und
deren Anteile analog dem Rechtsmittelentscheid (R. Hirt, a.a.O., S. 103). Im
Rekursverfahren wurde auf die Erhebung der amtlichen Kosten verzichtet. An dieser
Kostenregelung kann festgehalten werden.
ter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Nachdem die Beschwerdegegnerin gemäss vorliegend korrigiertem Rekursentscheid
im Rekursverfahren mit ihren Anträgen nicht mehrheitlich durchgedrungen ist, hat sie
im Rekursverfahren keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung (Art. 98
VRP, R. Hirt, a.a.O., S. 183f.).