Decision ID: 0c541636-ce67-4d7f-8bb0-f00916232675
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1936
, wurde im Jahr 1990 von ihrem Ehemann geschieden (vgl. das Scheidungsurteil in
Urk.
6/49). Sie lebte bis Ende 1991 im Kanton Zürich und danach bis Juni 2009 im
Kanton Tessin
. Per 1. Juli 2009 zog
sie wieder in den Kanton Zürich (vgl. die Angaben der verschiedenen Wohnge
meinden in
Urk.
6/22
-27).
Im April 2012 meldete
sich
X._
bei der Stadt
Y._
zum Bezug von Zusatzleistungen zu ihrer AHV-Rente an (vgl.
die Angaben vom 5. April 2012 im Fragebogen,
Urk.
6/61, und
die Korrespondenz
in
Urk.
6/1-4)
. Die Durch
führungsstelle holte von
X._
Unterlagen
ein (
vgl. die Korrespondenz und die Unterlagen in
Urk.
6/
5-20 und
Urk.
6/29-59)
, füllte anhand
der dort
igen Angaben das Gesuchsformular aus (
Urk.
6/66) und stellte dieses der Gesuch
stellerin zur Unterschrift
zu. Mit
Verfügung
vom
2.
August 2012 teilte die Durchführungsstelle der Gesuchstellerin mit,
dass sie die Bearbeitung des Gesuchs einstelle, da sie - die Gesuchstellerin - das Gesuchsformular nicht zurückgesandt habe (
Urk.
6/
64).
X._
liess der Durchführungsstelle daraufhin das am 21. August 2012 unterschriebene Gesuchsformular zukom
men, das sie mit handschriftlichen Änderungen versehen
hatte
(
Urk.
6/66; vgl. auch das Begleitschreiben
von
X._
vom 14. August 2012,
Urk.
6/70).
Mit Verfügung vom 23. August 2012 kam die Durchführungsstelle auf ihre Verfü
gung vom
2.
August 2012 zurück, berechnete den Zusatzleistungsan
spruch von
X._
für die Zeit ab
April
2012 und verneinte ihn (
Urk.
6/67
; vgl. auch das Begleitschreiben gleichen Datums in
Urk.
6/68
).
X._
erhob mit Eingabe vom 28. August 2012 Einsprache (
Urk.
6/71).
Mit Entscheid
vom 24. Oktober 2012 wies die Durchführungsstelle die Einsprache ab (
Urk.
2 =
Urk.
6/74).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 24. Oktober 2012
erhob
X._
mit Eingabe vom 17. November 2012 Beschwerde (
Urk.
1). Auf die Aufforderung zur Beschwerdeantwort hin (Verfügung vom 20. November 2012,
Urk.
3) reichte die Durchführungsstelle mit Eingabe vom 5. Dezember 2012 (
Urk.
5) die Unter
lagen ein (
Urk.
6/1-76) und verzichtete im Übrigen auf weitere Ausführungen.
X._
nahm die ihr eingeräumte Gelegenheit zur Stellungnahme zu den eingereichten Unterlagen
(Verfügung vom 10. Dezember 2012,
Urk.
7)
mit Ein
gabe
vom
9. Januar 2013 wahr (
Urk.
9). Die Durchführungsstelle machte von der Möglichkeit, ebenfalls nochmals Stellung zu nehmen (Verfügung vom 14. Januar 2013,
Urk.
10), keinen Gebrauch, was der Gesuchstellerin am 1
2.
Februar 2013 mitgeteilt wurde (
Urk.
13).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1
.
1.
1
N
ach Art. 3 Abs.
1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversiche
rung
(ELG) bestehen die Ergänzungsleis
tungen aus der jährlichen Ergänzungs
leistung (lit. a) und aus der Vergütung von Krankheits- und Behinde
rungskosten (lit. b).
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht gemäss Art. 9 Abs. 1 ELG dem Betrag,
um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen über
steigen.
1.2
Die anerkannten Ausgaben sind in Art. 10 ELG, die anrechenbaren Einnahmen in
Art. 11 ELG aufgelistet.
Bei Personen, die nicht dauernd oder längere Zeit in einem Heim oder Spital leben,
also bei zu Hause lebenden Personen, bestehen die anerkannten Ausga
ben in einem nach oben begrenzten jährlichen Betrag für den allgemeinen Le
bens
bedarf (Art. 10 Abs. 1 lit. a ELG; bei alleinstehenden Personen
Fr.
19‘050.-- in den Jahren 2011 und 2012 gemäss der Verordnung 11 über Anpassungen bei den Ergänzungsleistungen zur AHV/IV) und im ebenfalls auf einen jährlichen Höchstbetrag begrenzten Mietzins einer Wohnung (Art. 10 Abs. 1 lit. b ELG; bei alleinstehenden Personen
Fr.
13‘200.-- gemäss Art. 10
Abs.
1 lit. b Ziffer 1 ELG).
Eine weitere anerkannte Ausgabe ist ein jährlicher Pauschalbetrag für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, welcher der kantonalen Durch
schnittsprämie für die obligatorische Krankenpflegeversicherung (inklusive Unfalldeckung) entspricht (Art. 10 Abs. 3 lit. d ELG).
Zu den anrechenbaren Einnahmen
gehören unter anderem die Renten, Pensio
nen und anderen wiederkehrenden Leistungen, einschliesslich der Renten der AHV und der
IV (Art. 11
Abs.
1 lit. d ELG), die familienrechtlichen Unterhalts
beiträge
(Art. 11
Abs.
1 lit. h ELG),
die Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden i
st (Art. 11
Abs.
1 lit. g ELG), und bei Altersrentnerinnen und -rentnern ein Zehntel des Reinvermögens, soweit es bei alleinstehenden Perso
nen den Betrag von
Fr.
37‘500.-- übersteigt (Art. 11
Abs.
1 lit. c ELG).
1.3
Die Gewährung von
Beihilfen nach dem kantonale
n Gesetz über die Zusatzleistun
gen zur eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invaliden
versicherung (Z
usatzleistungsgesetz [ZLG]
)
setzt nach
§
13
Abs.
1 ZLG voraus, dass die Person in den letzten 25 Jahren vor der Gesuchstellung während einer Mindestdauer im Kanton gewohnt hat, die für Personen mit Schweizer Bürger
recht zehn und für ander
e
Personen 15 Jahre beträgt.
1.4
Gemäss § 20 ZLG können die Gemeinden Gemeindezuschüsse zu den Beihilfen gewähren, die nicht als Einkommen anzurechnen sind. In der Stadt
Y._
hängt der Anspruch auf Gemeindezuschüsse davon ab, dass die persönlichen Voraussetzungen zum Bezug der kantonalen Beihilfe gemäss ZLG erfüllt sind (Art. 2 lit. a der
städtischen
Verordnung über den Vollzug der Zusatzleistungen zur AHV/IV und die Gewährung von Gemeindezuschüssen vom 21. Juni 2004).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf Ergänzungs
leistungen nach
Art. 3
Abs.
1 lit. a
ELG hat. Möglicher Anspruchsbeginn ist gestützt auf Art. 12
Abs.
1 ELG der Anfang des Monats, in dem die Anmeldung eingereicht worden ist.
Da die Beschwerdeführerin ihre Anmeldung im April 2012 eingereicht hat (
Urk.
6/61), steht ihr Anspruch ab dem 1. April 2012 zur Diskussion, also ab dem Monat, der in der Verfügung vom 23. August 2012 mit „Berechnungsbegi
nn“ bezeichnet worden ist (Urk.
6/67 S. 1). Die vorangegan
gene Verfügung vom
2.
August 2012, mit der die Beschwerdegegnerin die Bear
beitu
ng des Gesuchs eingestellt und die Beschwerdeführerin auf den Weg der Neuanmeldung verwiesen hatte
(Urk.
6/64), wurde mit der Verfügung vom 23. August 2012 - zu Recht - sinngemäss rückgängig gemacht, da sie ohne Anset
zung der erforderlich
en
Mahnung und Fristansetzung (vgl. Art. 43
Abs.
3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) ergangen war.
2.2
Im vorliegenden Verfahren noch strittig ist die Höhe der
Unterhaltsbeiträge,
die
der geschiedene Ehemann der Beschwerdeführerin gemäss dem Scheidungsurteil des Jahres 1990 (
Urk.
6/49) zu leisten hat
und die g
estützt auf Art. 11
Abs.
1 lit.
h ELG anz
u
rechnen sind.
Die Beschwerdegegnerin rechnete einen monatl
ichen Unterhaltsbeitrag von Fr.
1‘307.-- beziehungsweise einen auf das Jahr umgerechneten
Betrag von Fr.
15‘684.-- an (
Urk.
6/67 S. 4).
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin ein, sie habe bis September 2012 lediglich einen monatl
ichen Unterhaltsbeitrag von Fr.
1‘230.-- erhalten; erst für die Zeit ab Oktober 2012 bezahle ihr der geschie
dene Ehemann den angerechneten monatlichen Betrag von
Fr.
1‘307.-- (
Urk.
1 und
Urk.
9; vgl. auch
Urk.
6/66
S. 3
und
Urk.
6/71
).
Es ist nicht daran zu zweifeln, dass
der geschiedene Ehemann
bis September 2012 lediglich Unterhaltsleistungen von
Fr.
1‘23
0.-- im Monat überwiesen hat
, wie dies für Dezember 2011/Januar 20
12 durch den Bankauszug vom
18.
Januar 2012 belegt ist (
Urk.
6/50). Dass die Beschwerdegegnerin dennoch
einen höheren Betrag an
ge
rechnet hat
, hängt damit zusammen, dass im Schei
dungsurteil
die jährliche Anpassung der zugesprochenen monatlichen Unter
haltsrente an die Teuerung vorgesehen ist (
Urk.
6/49 S. 6). Die Beschwerdegeg
nerin errechnete daraus, ausgehend vom Betrag von
Fr.
1‘000.-- für
August
1990
(vgl.
Urk.
6/49 S. 6), den Betrag von
Fr.
1‘307.-- für Dezember 2011 (vgl. das Resultat des Teuerungsrechners unter
www.portal-stat.admin
.ch
,
Urk.
6/52); für
Februar 2012, den Monat, auf den gemäss dem Scheidungsurteil die jährli
che Anpassung vorzunehmen ist, ergäbe
sich
ein Betr
ag von Fr.
1‘30
6
.
. Die Differenz des angepassten Betrags zum effektiv ausgerichteten Betrag stellt nach der Auffassung der Beschwerdegegnerin Einkommen dar, auf das die Beschwerdeführerin im Sinne von Art.
1
1 lit. g ELG verzichtet hat (vgl.
Urk.
2
S. 3).
Diese Auffassung ist zutreffend; das Bundesgericht hat sich in einem kürz
lich ergangenen Urteil mit
einem
Fall
befasst, in dem eine Person sich mit
tie
feren Unterhaltsbeiträ
gen begnügte, als sie aus der festgelegten Indexierung resultierten, und ist zum Schluss gelangt, hierbei liege ein ergänzungsrechtlich rel
ev
anter Einkommensverzicht vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_558/2013 vom 1
2.
November 2013, E. 3.2)
.
Damit
ist bei der Berechnung der Ergänzungsleistu
n
gen ab April 2012, entspre
chend dem richtigen Vorgehen der Beschwerdegegnerin, der auf das Jahr umgerechnete Betrag anzurechnen, welcher der Beschwerdeführerin aufgrund des Scheidungsurteils unter Berücksichtigung der festgelegten Anpassung an die Teuerung zugestanden hätte.
2.3
Die übrigen Berechnungsfaktoren sind im vorliegenden Verfahren nicht mehr strittig, und es besteht auch kein Anlass zu einer Korrektur von Amtes wegen. Insbesondere ist die Beschwerdegegnerin
der Korrektur der Beschwerdeführerin hinsichtlich der anrechenbaren Höhe der
p._i
schen Rente gefolgt und hat diese von ur
s
prünglich
Fr.
966.-- auf
Fr.
914.-- herabgesetzt (vgl.
Urk.
6/66 S. 2
und
Urk.
6/67 S. 3
)
. Und auf der Seite der
anerkannten Ausgaben
hat die Beschwerdegegnerin für den Mietzins den maximal möglichen Jahresbetrag von
Fr.
13‘200.-- berücksichtigt (
Urk.
6/67 S. 3), sodass hier ungeachtet der effektiv höheren Auslagen (vgl. den Mietvertrag vom 6. September 2009,
Urk.
6/39) keine Änderung zu Gunsten der Beschwerdeführerin vorgenommen werden kann.
2.4
Damit stehen den anerkannten Ausgaben von
Fr.
36‘738.-- anrechenbare Einnah
men von auf jeden Fall
Fr.
37‘705.-- (bei einem anrechenbaren monatlichen Unterhaltsbeitrag von
Fr.
1‘306.-- anstelle von
Fr.
1‘307.--) gegenüber. Aufgrund dieses Einnahmenüberschusses hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch der
Beschwerdeführerin auf Ergänzungsleistungen ab April 2012 zu Recht verneint. Er wäre im Übrigen selbst dann zu verneinen, wenn entsprechend der Ansicht der Beschwerdeführerin lediglich ein monatlicher Unterhaltsbeitrag in der Höhe von
Fr.
1‘230.-- angerechnet würde. Die anrechenbaren Einnahmen würden sich dadurch um
Fr.
912.-- (12 x
Fr.
76.--) auf
Fr.
36‘793.-- vermindern (
Fr.
37‘705.-- abzüglich
Fr.
912.--), und es bestünde immer noch ein (geringfügiger) Einnahmenüberschuss.
2.5
Dass die Beschwerdeführerin ab April 2012
mangels
Bestehens der zehnjährigen Karenzfrist (noch) keinen Anspruch auf kantonale Beihilfe und Gemeindezu
schüsse hat (vgl.
Urk.
6/67 S. 3), ist sodann unbestritten und korrekt, da sie in
nert der letzten 25 Jahre vor der Gesuchstellung
(April 1987 bis April 2012)
nicht während mindestens zehn Jahren im Kanton Zürich gewohnt hat (vgl.
§
13
Abs.
1 ZLG und Art. 2 lit. a der Verordnung der Stadt
Y._
über den Vollzug der Zusatzleistungen zur AHV/IV und die Gewährung von Gemeinde
zuschüssen vom 21. Juni 2004).
2.6
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.
3.
Die Beschwerdeführerin
machte in der Einspracheschrift auch geltend, sie habe verschiedene
Kostenbeteiligungen
für ärztliche Behandlungen und Medikamente zu tragen, die sie nicht bezahlen könne,
und habe des Weiteren Aufwendungen für eine Diät wegen einer Laktose-Intoleranz (
Urk.
6/71 S. 2).
Diese Kosten sind für die Berechnung des Ergänzungsleistungsanspruchs nach Art. 9
Abs.
1 lit. a ELG nicht relevant, sondern sie gehören zu den Krankheits- und Behinderungskosten nach Art. 9
Abs.
1 lit. b ELG
, die in Art. 14
Abs.
1 ELG aufgelistet sind (
Art.
14
Abs.
1
lit. d
ELG
: Diät, Art. 14
Abs.
1 lit. g ELG:
Kos
tenbeteiligungen)
. Dabei sind es n
ach Art. 14 Abs. 2 ELG die Kantone, welche die
zu vergütenden
Kosten
bezeichnen, und der Kanton Zürich hat Regelungen dazu in
§
9 ZLG und
§
9 ZLV getroffen. Anspruch auf die Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten haben
gemäss
Art.
14 Abs.
6 ELG neben den Bezügern von Ergänzungsleistungen
nach
Art.
9
Abs.
1 lit. a ELG
auch Personen, die aufgrund eines Einnahmenüberschusses keinen Anspruch auf eine jährliche Ergänzungsleistung haben,
und zwar in dem Umfang, als sie
den Ein
nahmenüberschuss übersteigen.
Da die Beschwerdeführerin einen Einnahmenüb
erschuss von lediglich rund Fr.
1‘000.-- aufweist, ist nicht ausgeschlossen, dass sie Anspruch auf die Ver
gütung eines Teils ihrer Krankheitskosten hat.
Gegenstand des
angefochtenen
Einspracheentscheids und damit des
vorliegenden Verfahrens ist
allerdings
le
diglich der Anspruch
a
uf
Ergänzungsleistungen nach
Art.
9
Abs.
1 lit. a ELG (sowie
kantonale Beihilfe
und
Gemeindezuschüsse)
;
d
ie Erwägungen im Ein
spracheentscheid zu den Diätkosten (
Urk.
2 S. 3) haben keinen Entscheidcha
rakter, da
sie lediglich „der Ordnung halber“ angefügt worden sind, und
es an einer Verfügung zur Übernahme von Krankheits- und Behinderungskosten fehlt.
Im vorliegenden Urteil ist daher über den Anspruch der Beschwerdeführer
in
auf Vergütung von Krankheits- und Behinderungskosten nicht zu entscheiden, son
dern die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zu überweisen, damit sie darüber mittels anfechtbarer Verfügung befinde.