Decision ID: 4ace55e3-bee7-40fc-812c-7827646bf340
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1956 geborene
X._
war
von 1988 bis Ende 2011 bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
als
Schadens
achbearbeiter an
gestellt
und ab
dem 5.
März 2011 freigestellt (
Urk. 6/17/1
-2,
Urk.
6/52/3).
Am
12. September 2012
meldete sich der Versicherte bei der Invali
denver
siche
rung
wegen psychischer Beschwerden seit 2010 (in Behandlung seit Januar 2012) zum Leistungsbezug
an (Urk.
6/4
). Die
Sozialversi
cherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle),
klärte die
beruf
lichen
und medi
zinischen Verhältnisse
ab. Ausserdem beteiligte sich die IV-Stelle an den Kosten für ein von
der SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend:
Swica
;
Krankentaggeldversicherung des Versicherten,
Urk.
6/5)
in Auftrag gegebenes
Coaching
durch die Firma
Y._
(Verfü
gung vom 23.
November 2012, Urk. 6/20)
. Des Weiteren
übernahm
die IV-Stelle
die Kosten für den Lehrgang ECDL
(
European Com
puter
Driving
Licence
)
Cor
e
, Office 2010,
bei der
Schule Z._
vom 1. Dezember 2012 bis 8. Juni 2013 (Urk. 6/21
-22
)
sowie die Kosten für den
Lehr
gang Sozialversicherungs
fach
mann mit e
id
genössischem
Fach
ausweis
vom 17. De
zember 2012 bis 3
0.
November 2013
(Verfü
gung vom 14.
De
zember 2012, Urk. 6/26)
.
V
om
6.
Mai
bis 5.
November
2013
wurde
zudem
ein sechs
monatiger Arbeitsversuch bei der Ausgleichskasse
A._
in einem 50
80%igen Pensum
durchgeführt
(Ver
fügung vom 1
4.
Mai 2013, Urk. 6/32; vgl. auch Urk.
6/50
).
Die Berufsprüfung für Sozialversicherungs-Fachleute 2013 hatte der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nicht angetreten (Abmel
dung am 6. Oktober 2013; Urk. 6/49). Im Oktober 2013 wurde der Ver
sicherte an der linken Hüfte operiert (Urk. 6/52/5).
Mit Mitteilung vom 1
7.
Februar 2014 stellte die IV-Stelle den Abschluss der Eingliederungsberatung ohne Einglie
de
rung in den Arbeitsmarkt fest (Urk. 6/54).
Am 17. Januar 2014
erstellte
Dr. med.
B._
, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychologie,
ein psychiatrisches Gutachten zuhanden der
Swica
(
Urk.
6/52/2-12
)
.
Gestützt hierauf kündigte die IV-Stelle m
it Vorbescheid vom
28. Feb
ruar 2014 die Abweisung
des Leistungsbegehren
s
an (Urk. 6/58
), woge
gen der Versicherte am 25. März 2014
Einwände zu Protokoll gab (Urk. 6/64/1).
M
it Verfügung vom
26. Mai 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren
wie an
gekündigt ab (Urk. 2)
.
2.
Dagegen
liess
der Versicherte mit Eingabe
durch
PD
Dr.
med.
C._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 24. Juni 2014
Be
schwerde
erheben
und
sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 26. Mai 2014 und die
Zusprechung
von invalidenversicherungsrechtlichen Leistun
gen
beantragen
(
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin schloss m
it
der
Beschwerdeantwort vom
14. August 2014
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5
).
M
it Eingaben vom 19. November 2014
(Urk. 8
=
Urk.
10
),
vom
2
1.
und
vom 22.
April 2015
(
Urk.
15, Urk. 17
) reichte der Beschwerdeführer
diverse
Urkunden ein (Urk. 9/1-4,
Urk. 16/1-3, Urk. 18)
.
Die Beschwerdegegnerin v
erzichtete mit Eingaben vom 11.
Dezember 2013 (Urk. 13) und vom 6. Mai 2015 (Urk. 20)
auf eine Stellung
nahme.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankhei
t oder Unfall sein (Art. 4 Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsun
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliede
rung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (
Art.
7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbs
unfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
träch
tigung zu be
rück
sichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitge
hend objektiv bestimmt. Festzu
stellen ist, ob und in welchem Umfang die Aus
übung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung verein
bar ist.
Ein psychischer Gesundheitsscha
den führt
also nur soweit zu einer Er
werbs
unfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als ange
nommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Bestimmungen geben bei einem
Inva
liditätsgrad
von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Ver
bindung mit
Art.
28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mens
vergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkom
mens
ver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
es sei aufgrund der vorliegenden medizinischen Unterlagen und des psychiatrischen Gutachtens
von Dr.
B._
vom 17.
Januar 2014 eine mittlere bis schwere depressive Episode ausgewiesen. Medizinisch möge die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit zwar gerechtfertigt sein, sie sei jedoch nicht als invalidisierend zu werten.
Die Arbeitsunfähigkeit sei aus
invalidenver
sicherungs
rechtlicher
Sicht überwindbar
, da die Beschwerden behandelbar und die Arbeitsunfähigkeit nicht dauerhaft beziehungsweise längerfristi
g einge
schränkt sei. Damit sei
kein Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher An
spruch auf Leistungen der
Invalidenversicherung begründe
.
Der Beschwerde
führer werde ausserdem auf seine Schadenminderungspflicht hingewiesen und darauf aufmerksam gemacht, dass die Leistungsfähigkeit durch eine Intensi
vie
rung der fachpsychiatrischen Therapie verbessert werden beziehungs
weise
erhalten werden könne.
Wenn diese Massnahmen nicht durchgeführt wür
den, we
rde bei einem allfälligen neu
en Gesuch der Sachverhalt geprüft werden, als wären diese Massnahmen durchgeführt worden
(Urk. 2 S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer
lässt
dagegen
durch PD
Dr.
C._
vor
bringen
,
er sei seit März 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig und
er
sei es auch damals im August 2013 ge
wesen. Die psychische Störung habe sich als viel schwerer erwiesen, als da
mals im Bericht der Psychotherapeutischen Praxis
D._
vom 2
8.
August 2013 angege
ben worden sei. Dies betreffe sowohl die depressive Kom
ponente als auch ins
besondere die Symptomatik der zwanghaften
Persön
lich
keitsstörung
und der zusätzlich bestehenden Zwangsstörung (
Urk. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdegegnerin die
Gesundheits
be
schwer
den
des Beschwerdeführers zu Recht
als
überwindbar und als
nicht invali
disie
renden
Gesundheitsschaden qualifizierte
und daher
zu Recht einen
Anspruch auf
(weitere)
Leistun
gen der Invalidenversicherung, namentlich eine Invaliden
rente, verneinte
.
Die angefoch
tene Ver
fügung
vom 2
6.
Mai 2014
bildet da
bei
recht
sp
re
chungs
gemäss
die zeitliche Grenze der richter
lichen Über
prüfungs
be
fugnis (BGE 132 V 220 E. 3.1.1,
122 V 77 E. 2b, Urteil des Bundes
ge
richts
8C_76/2009 vom 19. Mai 2009 E. 2, je mit Hin
weis).
Zu beachten ist ausserdem, dass die Anmeldung des Beschwerdeführers zum Leistungsbezug im September 2012 (
Urk.
6/4) erfolgte und daher ein Anspruch auf eine Rente aufgrund von
Art.
29 Abs. 1 IVG gege
be
nenfalls frühestens a
b März 2013 bestehen kann. Ein
allenfalls ab März 2013 entstandener Rentenanspruch kann durch das Taggeld, das der Be
schwerdeführer vom 6. Mai bis 5. November 2013 bezogen hat (Urk. 6/37/1), je nach dessen Höhe unterbrochen werden (vgl. Art. 20
ter
IVV; Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage 2014, Art. 29
Rz
11-12).
Ein Renten
anspruch entsteht zudem nicht, solange
Eingliederungsmassnahmen
durchgeführt werden und
(kumulativ)
die versicherte Person
dafür ein Taggeld bezieht (Art.
22
Abs.
2 Satz 2 IVG; BGE 126 V 241 E. 5 mit Hinweisen).
Falls der hypo
thetische Rentenbeginn daher in die Zeit des Taggeldanspruchs fallen sollte, ist
Art.
29
Abs.
2 IVG zu beachten, wonach ein allfälliger Anspruch auf eine Rente nicht ent
steht, solange die versicherte Person - wie hier - ein Taggeld nach Art. 22 IVG bean
spruchen kann.
3.
3.1
3.1.1
Gemäss den Berichten von
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
18. April und 13.
August 2012
behandelte er den Be
schwerde
führer wegen einer mittelschweren depressiven Episode mit soma
ti
schem Syndrom (ICD-10 F32.11). Der Beschwerdeführer habe berichtet, schon seit Jahren (ca. 10 Jahre) unter dem steigenden Leistungsdruck und dem schlech
ten Arbeitsklima an seinem ehemaligen Arbeitsplatz gelitten zu haben. Diese Belastungen hätten sich zudem verstärkt durch ein mobbing-artiges Ver
halten der Vorgesetzten. Unter diesen Belastungen habe sich seit zirka 2000 zu
nehmend eine depressive Symptomatik entwickelt, welche seine Leistungs
fähig
keit zusätzlich beeinträchtigt habe.
Diese Entwicklung habe dann im Frühjahr 2011 zur Kündigung und Freistellung durch den Arbeitgeber geführt.
In den letzten Wochen und Monaten seien zudem weitere familiäre Belastungen mit schweren Krisen bei drei von neun Kindern und Konflikten in der Ehe, die schon seit längerem bestünden, hinzugekommen
. Die gestellte Diagnose beein
flusse selbstredend die aktuelle Arbeitsfähigkeit und die Arbeitssuche massiv. In einem unterstützenden Arbeitsumfeld, in dem der Beschwerdeführer in seinem Tempo und gemäss seinen hohen Qualitätsansprüchen tätig sein könne, könne mit einer deutlichen Verbesserung seiner Leistungsfähigkeit, unter günstigen Be
dingun
gen bis zu 100
%
, gerechnet werden
(
Urk.
6/3).
3.1.2
P
D Dr.
C._
,
bei dem respektive bei dessen delegiertem
Psychologen
F._
der
Beschwerde
führer seit Januar 2012 wöchentlich, gelegentlich einmal alle zwei Wochen in psycho
thera
peutischer Behandlung stand,
stellte laut dem Bericht vom 28. August 2013 die folgenden Diagnosen:
Ursprünglich schwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11), zu
min
dest seit Frühjahr 2011, dann mittelschwere depressive Episode, gebessert; rezidivierende kurze depressive Störung (ICD-10 F38.10) mittelgradig bis schwer, in den letzten Monaten im Vordergrund; schwere
anankastische
Per
sönlichkeitsstörung
(ICD-10 F60.5) seit Jahren manifest; Zwangsstörung, vor
wiegend Zwangshandlungen (ICD-10 F42.1), gebessert.
Der Beschwerde
führer leide vermutlich schon seit vielen Jahren an einer chronischen depres
siven Ver
stim
mung (
Dysthymia
, ICD-10 F34.1). Nach der Freistellung habe sich der Beschwerdeführer lange Zeit von der Familie zurückgezogen und allein in der vorübergehend unbewohnten Wohnung seines Sohnes gelebt. Im Laufe der psy
cho
therapeutischen Behandlung ab Januar 2012 sei insgesamt eine lang
same Besserung eingetreten. Eine deutliche Besserung sei wohl lange Zeit durch die best
ehende
ehelich-familiäre Belastung verhindert worden.
Seit Anfang 2013
beschränke sich die mittelschwere depressive Symptomatik auf jeweils wenige Tage in grösseren, zirka monatlichen Abständen, weshalb man aktuell von einer rezidivierenden kurzen depressiven Störung ausgehen könne. Abge
sehen von den akuten depressiven Symptomen, sei
e
ine durchgehende Ver
min
derung des Antriebes weiterhin gegeben. Trotz der in grösseren Abstän
den auf
tretenden depressiven Symptomen habe er bisher die Massnah
men der beruf
lichen Ein
glie
derung durch
Y._
im Grossen und Ganzen psychisch eini
germas
sen bewältigen und einen begleitenden
Wieder
einstieg
bei der
Aus
gleichskasse
A._
bei begrenzter beruflicher Belastbarkeit auf sich nehmen können
. Nach Abschluss seiner Weiterbildung sei eine vollzeitliche Tätigkeit möglich, die sei
ner psychischen Beeinträchtigung angepasst sei.
Der Be
schwerde
führer
werde nach einer Einarbeitungszeit vermutlich die Anfor
derungen an die Qualität recht gut erfüllen können, nicht jedoch die vollen Anforderungen an die quan
titative Leistung.
Dies sei möglicherweise eine sehr optimistische Darstellung der Entwicklung.
Die tatsächliche Leistungsfähigkeit und ihre Entwicklung könne nur in einer längeren beruflichen Tätigkeit zutref
fend beurteilt werden
(
Urk.
6/44
)
.
3.1.3
Die Gutachterin
Dr.
B._
untersuchte den Beschwerdeführer gemäss dem Gutachten vom 17. Januar 2014 (
Urk.
6/52) am 1
3.
Dezember 2013 und schloss auf die Diagnose einer mittleren bis schweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11/21) vor dem Hintergrund einer
An
pas
sungs
störung
(
Urk.
6/52/11).
Hinweise für eine manifeste krankheitswertige Persönlichkeitsstörung oder eine Zwangsstörung hätten nicht gefunden werden können.
Eine verwertbare Arbeitsfähigkeit liege beim Beschwerdeführer aktuell und zumindest für die nächsten Wochen nicht vor. In welchem Zeitrahmen eine verwertbare/vollständige Arbeitsfähigkeit hergestellt werden könne, müsse offen bleiben und sei unter anderem vom weiteren, therapeutischem Verlauf und dessen Umsetzung abhängig (
Urk.
6/52/8). Es müsse offen bleiben, weshalb trotz des nun sehr langen Krankheitsverlaufs und der (von den behandelnden Ärzten) attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit ohne Besserung keine andere oder intensivere Therapie oder Massnahme erwogen worden sei.
Eine adäquate, leitliniengestützte Behandlung einer Depression beinhalte in diesem Fall eine engmaschige, mindesten zwei- bis dreimal wöchentliche Psychotherapie und die Etablierung einer medikamentösen Therapie mit Gewährleistung therapeutisch wirksamer Blutspiegel (Laborkontrolle). Nach Beginn einer solchen Therapie sei innerhalb von 6 Wochen von einer Belastbarkeit für eine dem ursprünglichen Anforderungsniveau entsprechende Tätigkeit von 20
%
auszugehen. Danach sollte die Belastung etwa alle zwei Wochen um 20
%
schrittweise gesteigert werden. In etwa 3 Monaten sollte rein aus psychiatrischer Sicht eine volle
Arbeits
fähigkeit rein theoretisch vorliegen, da es sich bei der attestierten Depression um ein behandelbares Leiden handle. Sollte innerhalb von ein bis zwei Monaten keine Besserung eingetreten sein, sollte eine stationäre Behand
lung eingeleitet werden. Krankheitsfremde Gründe seien bei dieser Beurteilung strikt ausser Acht gelassen worden, wobei sich die
aktuelle depressive Störung wo
möglich vor dem Hintergrund einer Anpassungsstörung unter einer seit ge
raumer Zeit bestehenden Belastungssituation entwickelt habe (Urk. 6/52/9-12).
3.2.
3.2.1
Mit dem Gutachten von Dr.
B._
vom 1
7.
Januar 2014, das insofern mit den Einschätzungen der behandelnden Fachärzten übereinstimmt, ist ent
ge
gen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ausge
wiesen, dass beim Be
schwerde
führer
eine depressive Störung
vorlag
, die seine Arbeitsfähigkeit in jeg
licher Tätigkeit vollständig einschränkt
e
.
Denn
Dr.
B._
hat mit ihrer Ein
schätzung einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit die Überwindbarkeit der psychi
schen Symptomatik
mit
nachvollziehbar
er
B
egründ
ung
verneint.
Zwar bezeichnet eine
mittlere bis
schwere depressive Episode im Sinne von ICD
10
F32.11/21
grundsätzlich eine vorübergehende Störung (vgl. Daniel Hell und Andere, Kurzes Lehrbuch der Psychiatrie,
3.
Aufl. 2011
,
S. 117 unten). Län
ger (mehr als sechs, selten zwölf Monate) dauernde Störungen werden unter ICD-10 F33 (rezidivierende depressive Störung) oder ICD-10 F34 (anhaltende affektive Störung) erfasst (Urteil des Bundesgerichts
8C_80/2011 vom 1
4.
Juni 2011 E.
6.3.2 mit Hinweis).
Jedoch bestand die depressive Symptomatik im Zeit
punkt der Beurteilung durch Dr.
B._
bereits deutlich über ein Jahr und eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit von über 40
%
in der angestamm
ten Tätig
keit (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
war
von den behandelnden
psychi
a
trischen
Fach
ärzten
gemäss
deren Arztzeugnissen bereits ab März 2011
(Urk. 6/18-19
, Urk. 6/34, Urk. 6/38, Urk. 6/56/5
)
attestiert worden
.
Von einer mindestens 50%igen Arbeitsunfähigkeit in der an
ge
stammten Tätigkeit als
Ver
si
cherungs-Schadensachbearbeiter
ab März 2011 ging
überdies
selbst die
Beschwer
degeg
nerin
im Rahmen der
gewährten
beruf
lichen
Massnahmen
aus (Urk. 6/66/2).
Eine auch für den Rentenanspruch erhebliche Arbeitsunfähigkeit kann bei ge
gebener Aktenlage daher nicht ausgeschlossen werden.
Auch entsprach die Einschätzung von
Dr.
B._
, dass
die Chance
bestehe
, den Gesundheitszustand und damit die erwerbliche Leistungs
fähigkeit durch eine intensivierte psychiatrisch-psychotherapeutische und allenfalls
psycho
pharmakologische
Therapie zu verbessern
, lediglich einer Prognose.
Die
Behandelbarkeit einer psychischen Störung
sagt
, für sich allein betrachtet, nichts über deren invalidisierenden Charakter aus (
BGE 127 V 294
E.
4c).
N
amentlich sind
Chronifizierung
oder Fixierung eines Leidens keine Vor
aus
set
zungen für das Vorliegen einer Invalidität. Auch bei einer
behandelbar
en oder therapierbaren gesundheitlichen Beeinträchtigung kann eine Invalidität gegeben sein. Für die Entstehung des Anspruchs auf eine Invalidenrente im Be
sonderen ist immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentli
chen Unterbruch) eine mindestens 40%ige A
rbeitsunfähigkeit (
Art.
28 Abs.
1
lit
. b
IVG
) bestanden hat und eine anspruchsbegründende Erwerbs
un
fähigkeit wei
terhin besteht (
Art.
28
Abs.
1
lit
. c
IVG
,
Art.
28a
IVG
; BGE 127 V 294 E. 4c; Urteil des Bundesgerichts I 72/01 vom 1
6.
September 2002 E. 2.2).
Auch
kann aus dem Fehlen einer (zureichenden) psychiatrischen oder psycho
therapeuti
schen Behandlung nicht auf das Fehlen eines psychischen Gesund
heitsschadens geschlossen werden (
Urteil des Bundesgerichts 9C_947/2012 vom 1
9.
Juni 2013 E. 3.2.2).
Die Akten enthalten hier keine Hinweise darauf, dass die von
Dr.
B._
abgegebene Prognose eingetreten ist.
3.2.2
Die
von
Dr.
B._
Ende 2013
attestierte
vollständige Arbeitsunfähigkeit ist
auch
unter Be
rück
sichtigung der geltenden Schadenminderungs
pflicht (Art. 7 und 7b IVG in Ver
bindung mit Art. 21 Abs. 4 ATSG, Art. 43 Abs. 3 ATSG)
nicht
in Frage zu stellen, zumal die Beschwerdegegnerin
den Be
schwerde
führer
erst
in der angefochtenen Verfügung
und ohne weitere Konkre
tisierung zur
Intensi
vierung der
fach
psychiatrischen
Therapie
aufgefordert
hat
und
ohne
ihn
über die Folgen der Ver
letzung der Schadenminderungspflicht gemäss Art. 43 Abs. 3 ATSG
aufzuklären
(Urk.
2 S. 2
). Welche Therapien im Einzelnen gefordert seien, wurde
ebenso wenig aufgeführt, wie ein
Hinweis auf die
Thera
pie
empfehlungen
von
Dr.
B._
gemäss dem Gutachten vom
17. Januar 201
4.
Auch wurde
dem Beschwerdeführer
keine Bedenkzeit einge
räumt.
3.2.3
Sodann ist e
ine
mögliche
Invalidität
auch
nicht bereits allein deshalb
zu ver
nei
nen, weil im gutach
terlichen Diagnosekatalog
(auch)
eine mittel
gradige depres
sive Episode aufge
führt
ist
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_980/2010
vom 20.
Juni 2011
E. 5.3)
. Zwar
wurden
nach der
bundesgerichtlichen
Recht
spre
chung
zuweilen
leicht-
bis
mittelgradige Episoden einer Depres
sion und selbst mittel
gradige depressive Episoden regelmässig nicht als von depressiven
Ver
stim
mungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depres
sion im Sinne eines verselbst
ständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person ver
unmöglichte, die Folgen der bestehenden
Schmerz
problematik
zu überwinden (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4 mit Hin
weisen). Diese Rechtsprechung
bezog
sich jedoch
regelmässig
auf Sach
verhalte, bei denen die depressive Symptomatik reaktiv und untrennbar mit
einer
Schmerz
proble
matik
in Zusammenhang
stand
, die auf eine anhaltende somatoforme
Schmerz
störun
gen
(ICD-10 F45.4) oder andere
patho
genetisch-ätiologisch
un
klare
syn
dromale
Be
s
chwerdebilder ohne nachweisbare orga
ni
sche Grundlage (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) zurückzuführen
waren. Die Recht
sprechung zu solchen
Be
schwerde
bildern
wurde mit dem
Leit
entscheid
BGE 141 V 281 nunmehr aufge
geben. Zudem galt schon vorher, dass
bei einer mittel
schweren depressiven Störung
die Annahme einer
invalidisierende
n
Wir
kung
dann nicht ausgeschlossen ist, wenn es sich dabei
nicht
bloss
um die Begleiter
scheinung einer Schmerzkrankheit handelt, sondern um ein selbst
stän
diges, vom psychogenen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden (
Urteil
des Bundesgerichts
8C_689/2014 vom 1
9.
Januar 2015
E. 2.3 mit Hin
weisen).
Hinzu kommt, dass hier von den behandelnden Ärzten ab März 2011 nebst der mit
telschweren zuweilen auch eine schwere depressive Symp
toma
tik aufgeführt worden ist.
3.2.4
Zu beachten ist
sodann
,
dass recht
sprechungsgemäss f
ür
die
Anspruchs
erheb
lich
keit
eines Gesundheitsschadens nicht bedeutsam
ist
, ob soziale Um
stände bei seiner Entstehung
- wie hier -
eine
massgebende
Rolle spielten,
wenn
ein verselbstän
digter Gesundheitsschaden, namentlich eine von depres
siven
Ver
stimmungs
zu
ständen
klar unterscheidbare
andauernde De
pres
sion im
fachme
di
zinischen
Sinne
gegeben ist
(vgl. BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil
e
des Bun
des
ge
richts 9C_776/2010
vom 20. De
zember 2011 E. 2.3.3 und
8C_830/2013 vom 2
9.
April 2014
E. 5.
2.2).
Hier
klammerte
Dr.
B._
psychosoziale
Belastungsfaktoren bei
ihrer
Ein
schätzung
einer 100%igen
Arbeitsunfähigkeit
sogar
explizit aus
(Urk. 6/52/12)
, was bei einem ver
selbständigten psychischen Leiden
recht
spre
chungs
gemäss
nicht
einmal
gefordert wäre.
3.2.
5
Auch
sonst
besteht kein Grund, weshalb nicht auf die Einschätzung
von
Dr.
B._
einer
10
0%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
in Bezug auf den Zeitraum
Ende 2013
/Anfang 2014
(Urk.
6/52/8
) abgestellt
wer
den sollte.
Ihr
Gutachten
vom 17. Januar 2014
erfüllt
denn auch
alle
recht
spre
chungs
gemäss
erforderlichen Krite
rien für beweis
kräftige ärztliche
Entschei
dungs
grundlagen
(vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Hinzu kommt, dass
gemäss dem Bericht der
Y._
vom 27. November 2013 der Arbeitsversuch im Teilzeitpensum von 50
%
mit Steigerung bei der Ausgleichskasse
A._
eine stark reduzierte Leistungsfähigkeit ergab und die Weiterbildung zum
Sozialver
sicherungs
fachmann
aus gesundheitlichen Grün
den abgebrochen wurde (Urk. 6/50/3). Die
b
e
ruflichen Eingliederungs
mass
nah
men
wurden
am 1
7.
Februar 2014
erfolglos eingestellt (Urk. 6/54/4).
3.2.6
Es ist nach dem Gesagten somit nicht auszuschliessen, dass ein invalidisierender Gesundheitsschaden eingetreten ist
, der Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung, namentlich einer Rente begründet
.
3.3.
3.3.1
Da dem Gutachten von Dr.
B._
indes keine retrospektive Ein
schät
zung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
in der angestammten und in einer
leidens
an
ge
passten
Tätigkeit
für die hier
mit Blick auf
den Rentenanspruch mass
gebliche Zeit ab März 2012 (ein Jahr vor dem
f
rühest
möglichen
Renten
beginn
,
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG)
zu entnehme
n
ist
(Urk. 6/52/
8-12
)
,
kann über den Ren
tenan
spruch bei gegebener Aktenlage nicht abschliessend entschieden werden. Es
ist diesbezüglich eine Er
gänzung des Sachverhaltes angezeigt.
Den
n die Berichte von
Dr.
E._
vom 1
8.
April und 1
3.
August 2012 (
Urk.
6/3) und von PD
Dr.
C._
vom 2
8.
August 2013 (
Urk.
6/44) enthalten keine spezi
fischen Angaben zur
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
(
Beginn und
Umfang in Bezug auf die angestammte und eine leidensangepasste Tätigkeit). Die diversen
Arztzeug
nisse
der behandelnden Ärzte
mit den je unbegründeten Angaben zur
Arbeits
(
un
)
fä
hig
keit
ge
nügen hierzu nicht, zumal für die Zeit von Nove
mber 2012 bis am 2
3.
April 2013,
vom 1. Juni bis am 2
6.
September 2013
und
vom 2
9.
Oktober bis
zur gutachterlichen Beurteilung vom
1
3.
Dezember 2013
(
Urk.
6/52/1)
keine Atteste in den Akten liegen
(
Urk.
6/18-19, Urk. 6/38, Urk. 6/53/2-4).
Zu klären gilt
es
in Bezug auf die
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
zudem
insbesondere ab Januar 2013 auch die Einschränkungen aufgrund der somatischen Beschwerden.
Denn de
n
ä
rztlichen Zeugnissen
der Chirurgischen Kliniken des
Spitals G._
vom
3.
Oktober und vom 1
5.
Oktober 2013
ist
das Attest einer
100%ige
n
Arbeitsunfähigkeit
,
unter anderem aufgrund stationärer Behandlung,
vom 27. Septem
ber bis 1
1.
Oktober 2013 sowie vom 15. Oktober 2013 zu ent
neh
men (
Urk.
6/53/2-3). Das Spital
H._
attestierte im Anschluss ausser
dem eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis am 2
8.
Oktober 2013 (Urk. 6/53/4).
Aus d
em Schluss
bericht der
Firma
Y._
vom 2
7.
November 2013 geht hervor, dass der Beschwerdeführer im September 2013 zunehmend an
Hüft
be
schwerden
und am 2
6.
September 2013 unter akuten Fussbeschwerden gelitten habe, woraufhin ein operativer Eingriff erfolgt sei und
er
aufgrund der auf
ge
treten
en
Kompli
kationen vom 2
7.
September bis
4.
Oktober 2013 hospi
talisiert worden sei.
Vom 1
5.
bis 2
8.
Oktober 2013 sei er erneut hospitalisiert wor
den. Im Anschluss sei die Hüftarthrose erfolgreich operiert worden (Urk. 6/50/3).
Auch hierzu und zum weiteren Verlauf mit Bezug auf allfällige somatische
Befunde und
Einschrän
kungen
sind
den Akten
aus medizinischer Sicht
keine weiteren
Angaben
zu
entnehmen
.
V
or
einer
ergänzenden gutach
ter
lichen Beur
teilung
sind
von den behandelnden Ärzten Berichte einzuholen.
3
.3.3
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten in dem Sinne gutzuheissen, dass die an
ge
fochtene Verfügung vom 26. Mai 201
4
(
Urk.
2) aufzuheben ist und die Sache an Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergän
zenden Abklä
rungen zur
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
in der angestammten und in einer
lei
densangepassten
Tätigkeit ab März 2012 unter
Berücksichtigung der psychi
schen und der somatischen Beschwerden im Sinne der Erwägungen
über die Leistungsansprüche des Be
schwerdeführers neu
entscheide
.
4
.
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Nach ständiger Recht
spre
chung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und un
abhängig vom Streitwert
ermessens
weise
auf Fr.
7
00.-- an
zusetzen und ent
spre
chend dem Ausgang des Verfahrens der
Be
schwerdegegnerin
aufzu
erlegen.