Decision ID: 9d0d8274-832f-44e9-89f0-c771433c6137
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.10.2019 Art. 29 ATSG. Art. 87 Abs. 3 IVV. Keine Eintretenshürde bei beruflichen Massnahmen. Eintretenshürde bei Rentenleistungen. Beim Invaliditätsgrad handelt es sich nicht um ein Sachverhaltselement, sondern um das Ergebnis einer Rechtsanwendung, weshalb er nicht direkt glaubhaft gemacht werden kann (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2019, IV 2019/7).
Entscheid vom 28. Oktober 2019
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus; Gerichtsschreiberin Annina Janett
Geschäftsnr.
IV 2019/7
Parteien
A._,
Beschwerdeführer,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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Gegenstand
IV-Leistungen (Nichteintreten)
Sachverhalt
A.
A._ war gelernter Bauschreiner und als Mitarbeiter in der Produktion bei der
Firma B._ AG im 100%-Pensum tätig. Im Februar 2014 meldete er sich unter Hinweis
auf einen seit Oktober 2013 bestehenden Morbus Paget erstmals zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (vgl. IV-act. 1, 12). Die Ärzte der Klinik Valens
hielten im Bericht über die interdisziplinäre Schmerzsprechstunde vom 4. März 2014
fest, dass der Versicherte an einem Morbus Paget linke Crista iliaca (ICD-10 M88.85),
einem lumbovertebralen Schmerzsyndrom, beginnenden Heberden-Arthrosen sowie an
belastungsabhängig verstärkten Arthralgien leide. Die zuletzt ausgeführte Tätigkeit sei
dem Versicherten nicht mehr zumutbar, da zu schwere Gewichtsbelastungen
bestünden. Eine mittelschwere Tätigkeit sei dem Versicherten jedoch sicher ganztags
zumutbar, wobei statische Haltungen wie vorgeneigtes Stehen und Arbeiten über der
Schulterhöhe nur manchmal vorkommen und die maximalen Gewichte 15 bis 22.5 kg
nicht überschritten werden sollten (Fremd-act. 1-20 ff.). Dr. med. C._ berichtete der
IV-Stelle am 17. März 2014, dass der Versicherte in der aktuellen Tätigkeit mit schwerer
körperlicher Arbeit seit dem 7. Oktober 2013 zu 100% arbeitsunfähig sei. Leichte bis
mittelschwere Arbeiten seien dem Versicherten zu 100% zumutbar (IV-act. 15). Am 22.
April 2014 notierte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD), dass der Versicherte in der
bisherigen, seit 27 Jahren ausgeübten, teilweise körperlich sehr schweren Tätigkeit
über keine Arbeitsfähigkeit mehr verfüge. In einer adaptierten, mittelschweren Tätigkeit
weise der Versicherte ab sofort eine volle Arbeitsfähigkeit auf (IV-act. 28). Daraufhin
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass das Leistungsbegehren um berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen abgewiesen werde. Die IV-Stelle hielt fest, dass
der Versicherte gemäss ihren Abklärungen in einer optimal angepassten Tätigkeit über
eine volle Arbeitsfähigkeit verfüge (Mitteilung vom 19. August 2014, IV-act. 32).
A.a.
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Am 10. August 2018 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 33). Mit einem Schreiben vom 16.
August 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass mit den eingereichten
Unterlagen eine relevante Änderung des rechtserheblichen Sachverhalts seit der
Abweisung der beruflichen Massnahmen und Rentenleistungen nicht ausreichend
dokumentiert sei. Die IV-Stelle ersuchte den Versicherten darum, durch Arztberichte,
Lohnausweise etc. den Nachweis zu erbringen, dass sich sein Gesundheitszustand
relevant verändert habe. Ohne diesen Nachweis innert Frist bis zum 3. September 2018
könne auf das Gesuch nicht eingetreten werden (IV-act. 35). In der Folge reichte der
Versicherte innert der ihm angesetzten Frist keine Arztberichte ein (vgl. IV-act. 37 f.).
Daraufhin stellte die IV-Stelle dem Versicherte mit Vorbescheid vom 4. September 2018
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 39).
A.b.
Am 11. Oktober 2018 reichte der Versicherte diverse Arztberichte ein (IV-act. 41),
insbesondere eine Verordnung über eine Wassertherapie vom Januar 2015 (IV-act. 45)
sowie einen Bericht von Dr. med. D._ vom 2. September 2016. Dr. D._ hatte
angeführt, dass der Versicherte an chronischen Rückenschmerzen leide, welche sich
unter Belastung verstärkten. Im Jahr 2014 sei ein Morbus Paget im Bereich der linken
Crista iliaca (Knochenveränderung am Becken) festgestellt worden. Seitdem hätten
sich die Beschwerden wieder etwas gebessert und die Arbeitsfähigkeit sei wieder
gegeben. Der Versicherte könne leichte wechselbelastende Tätigkeiten unter 15 bis 20
kg ganztags durchführen (IV-act. 42).
A.c.
Am 2. November 2018 berichteten die Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen, dass
der Versicherte seit 2014 an einem Morbus Paget (monostotisch) der linken Crista iliaca
leide und dass aktuell ein Rezidiv bestehe. Seit September 2018 bestehe zudem eine
Polyarthrose mit einer Heberden-Arthrose und klinisch und radiologisch einer
Rhizarthrose der Hände beidseits (IV-act. 46).
A.d.
Am 26. November 2018 notierte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD), dass aus
den eingereichten Unterlagen keine erhebliche Änderung des Gesundheitszustandes
hervorgehe. Der Morbus Paget habe zwar jetzt wohl ein Rezidiv, jedoch wieder nur
ausschliesslich an der Crista iliaca. Die Heberden-Arthrosen seien schon 2014
beschrieben worden. Die beidseitige Rhizarthrose sei neu. Die angestammte Tätigkeit
A.e.
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B.
sei dem Versicherte weiterhin nicht mehr zuzumuten, jedoch bestehe in einer
leidensangepassten Tätigkeit weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act. 47).
Gestützt darauf trat die IV-Stelle am 5. Dezember 2018 auf das Leistungsbegehren des
Versicherten nicht ein, da dieser nicht glaubhaft dargelegt habe, dass sich die
tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten (IV-
act. 48).
Am 20. Dezember 2018 machte der Versicherte gegenüber der IV-Stelle geltend,
dass er gegen die Verfügung vom 5. Dezember 2018 "rekurriere", da sich sein
körperlicher Allgemeinzustand seit August 2014 wesentlich verschlechtert habe (IV-act.
52). Die IV-Stelle leitete das Schreiben zuständigkeitshalber dem Versicherungsgericht
des Kantons St. Gallen weiter, welches die Eingabe als Beschwerde gegen die
Verfügung vom 5. Dezember 2018 entgegennahm (IV-act. 53 f.).
B.a.
Am 16. Januar 2019 ersuchte der Beschwerdeführer um die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege (act. G 5).
B.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 28. Februar 2019 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie insbesondere auf die Stellungnahme des
RAD vom 26. November 2018. Hinsichtlich der Rhizarthrose führte sie an, da es sich
dabei wie bei der Heberden-Arthrose um eine Arthrose der Fingergelenke handle,
könne nicht von einer neuen Diagnose bzw. einer wesentlichen Veränderung des
Gesundheitszustands des Beschwerdeführers gesprochen werden. Dementsprechend
sei der RAD nachvollziehbar zum Schluss gekommen, dass mit den eingereichten
medizinischen Unterlagen keine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustands
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit seit der
Mitteilung vom 19. August 2014 glaubhaft gemacht worden sei (act. G 6).
B.c.
Am 4. März 2019 wurde dem Gesuch um die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Befreiung von Gerichtskosten) für das Verfahren vor dem
Versicherungsgericht entsprochen (act. G 7).
B.d.
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Erwägungen
1.
Im August 2014 hat die Beschwerdegegnerin das erste Leistungsbegehren des
Beschwerdeführers um berufliche Massnahmen und Rentenleistungen abgewiesen (IV-
act. 32). Mit dem Formular "Berufliche Integration/Rente" hat der Beschwerdeführer im
August 2018 erneut um Leistungen der Invalidenversicherung ersucht. Mit dieser
Neuanmeldung, auf welche die Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom 5.
Mit einer Eingabe vom 28. März 2019 machte der Beschwerdeführer geltend, dass
in der Zwischenzeit eine wesentliche Sachverhaltsveränderung eingetreten sei. Er sei
zur Abklärung von neurologischen Defiziten ins Kantonsspital St. Gallen überwiesen
worden. Zudem handle es sich bei der Rhizarthrose um eine Teilarthrose des
Handgelenks und nicht der Fingergelenke, womit eine zweite Sachverhaltsveränderung
gegeben sei. Schliesslich habe der RAD die möglichen Komplikationen des Morbus
Paget völlig ausser Acht gelassen (act. G 9).
B.e.
In ihrer Duplik vom 11. April 2019 bestätigte die Beschwerdegegnerin im
Wesentlichen ihren Standpunkt, dass bis zum Zeitpunkt des Verfügungserlasses nicht
glaubhaft gemacht worden sei, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers wesentlich verschlechtert habe. Die neue Diagnose einer
Rhizarthrose ändere nichts Wesentliches an der Arbeitsfähigkeit in einer
leidensangepassten Tätigkeit. Darüber hinaus seien bereits zum Referenzzeitpunkt
Schmerzen im Handgelenk bekannt gewesen. Allerdings sei mit den in der Replik
beschriebenen neurologischen Defiziten inzwischen eine wesentliche Verschlechterung
des Gesundheitszustands geltend gemacht worden. Deshalb werde die Replik als
erneute Wiederanmeldung mit dem Eingangsdatum 29. März 2019
entgegengenommen. Gemäss der Einschätzung des RAD werde auf diese einzutreten
sei (act. G 11).
B.f.
Am 18. April 2019 fragte die damalige Verfahrensleiterin den Beschwerdeführer
an, ob er mit Blick auf die Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der Duplik bereit
sei, die Beschwerde gegen die Nichteintretensverfügung vom 5. Dezember 2018
zurückzuziehen (act. G 12). Dies verneinte der Beschwerdeführer am 2. Mai 2019
(act. G 13).
B.g.
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Dezember 2018 nicht eingetreten ist, hat der Beschwerdeführer sowohl ein Begehren
um Rentenleistungen als auch ein Begehren um berufliche Massnahmen gestellt. Zu
überprüfen ist damit einerseits das Nichteintreten der Beschwerdegegnerin auf das
Gesuch um Rentenleistungen und andererseits das Nichteintreten auf das Gesuch um
berufliche Massnahmen. Weil dieses Beschwerdeverfahren darauf abzielt, die
angefochtene Nichteintretensverfügung vom 5. Dezember 2018 auf ihre
Rechtmässigkeit zu überprüfen, kann das Gericht nur der Frage nachgehen, ob es
rechtmässig gewesen ist, nicht auf die Begehren des Beschwerdeführers einzutreten.
Die materielle Prüfung der mit der Eingabe an die Beschwerdegegnerin am 10. August
2018 gestellten Anträge auf Leistungen kann hingegen nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens sein, da dies den Streitgegenstand in einer unzulässigen
Weise ausdehnen würde.
2.
Art. 29 ATSG sieht ein jederzeitiges Anmelderecht und damit notwendigerweise
auch einen Anspruch auf das Eintreten auf jede Anmeldung vor. Da Art 29 ATSG nicht
zwischen einer erstmaligen Anmeldung und einer Neuanmeldung unterscheidet, muss
der uneingeschränkte Anspruch auf das Eintreten auf ein Leistungsbegehren auch für
Neuanmeldungen gelten. Dieser Anspruch wird von Art. 87 Abs. 3 IVV für bestimmte
Leistungen der Invalidenversicherung eingeschränkt. Der Sinn und Zweck dieser
Bestimmung besteht darin zu verhindern, dass sich der Sozialversicherungsträger nach
einer vorangegangenen rechtskräftigen Leistungsverweigerung immer wieder mit
gleichlautenden und nicht näher begründeten, d.h. keine Veränderung des
Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 117 V 198 E. 4a mit
Hinweis). Ein solch verfahrensökonomisch begründeter Schutzbedarf besteht allerdings
nur in Bezug auf die in Art. 87 Abs. 3 IVV namentlich erwähnten Leistungen, nämlich
die Rente, die Hilflosenentschädigung und den Assistenzbeitrag, denn während die
diesbezüglichen Sachverhaltsabklärungen in der Regel äusserst aufwendig sind, kann
über andere Leistungsansprüche mit einem bescheidenen Abklärungsaufwand
materiell entschieden werden (vgl. u.a. den Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 24. Januar 2018, IV 2016/268, E. 3.1).
2.1.
Die Prüfung einer Neuanmeldung betreffend berufliche oder medizinische
Massnahmen erfordert regelmässig keinen Abklärungsaufwand, der auch nur
annährend mit demjenigen für eine Rente, eine Hilflosenentschädigung oder einen
Assistenzbeitrag zu vergleichen wäre. Entsprechend besteht kein Bedarf nach einem
Schutz der Verwaltung vor dem Aufwand, der für die Prüfung eines erneuten
Begehrens um berufliche oder medizinische Massnahmen notwendig ist. Damit ist Art.
2.2.
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87 Abs. 3 IVV – seinem klaren Wortlaut gemäss – auf entsprechende Neuanmeldungen
nicht anwendbar. Der Beschwerdeführer hat also in seinem erneuten Gesuch um
berufliche Massnahmen vom August 2018 nicht glaubhaft machen müssen, dass sich
der anspruchsbegründende Sachverhalt seit der letzten Leistungsverweigerung im
August 2014 wesentlich verändert habe. Die Beschwerdegegnerin hätte folglich auf die
Neuanmeldung vom August 2018 zum Bezug beruflicher Massnahmen eintreten
müssen.
Anders verhält es sich mit dem erneuten Begehren des Beschwerdeführers um die
Ausrichtung einer Invalidenrente. Gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV muss der
Beschwerdeführer glaubhaft machen, dass sich der anspruchserhebliche Sachverhalt
seit der leistungsabweisenden Mitteilung vom 19. August 2014 erheblich geändert hat.
Dabei obliegt es dem Beschwerdeführer, zur Glaubhaftmachung der Veränderung
entsprechende ärztliche Berichte erhältlich zu machen und einzureichen. Dem
Beschwerdeführer kommt damit eine Beweisführungs- bzw. genauer eine
"Glaubhaftmachungslast" zu. Entgegen dem Wortlaut des Art. 87 Abs. 3 IVV geht diese
aber nicht so weit, dass es dem Beschwerdeführer obläge, den Grad der Invalidität
glaubhaft zu machen. Beim Invaliditätsgrad handelt es sich nämlich nicht um ein
Sachverhaltselement, sondern um das Ergebnis einer Rechtsanwendung, weshalb er
nicht direkt glaubhaft gemacht werden kann. Die Glaubhaftmachung einer relevanten
Veränderung muss sich deshalb auf jene Sachverhaltselemente beschränken, die für
die Invaliditätsbemessung relevant sind. Die glaubhaft gemachte Veränderung eines
solchen Sachverhaltselements muss so erheblich sein, dass mit der Entstehung eines
anspruchsbegründenden Invaliditätsgrades zu rechnen ist, falls sich die glaubhaft
gemachte Veränderung in einem anschliessenden umfassenden Verwaltungsverfahren
nachweisen lassen sollte. Die in Art. 87 Abs. 3 IVV aufgestellte Eintretenshürde ist also
insbesondere dann überwunden, wenn die sich neu anmeldende versicherte Person
glaubhaft machen kann, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert hat und dass
damit ihr Arbeitsunfähigkeitsgrad in einem erheblichen Ausmass angestiegen ist. Da
das Beweismass nur im Glaubhaftmachen besteht, muss es genügen, wenn die
Indizien auf den Eintritt einer solchen Verschlechterung des Gesundheitszustandes
hindeuten (vgl. den Entscheid Versicherungsgericht St. Gallen vom 19. Juni 2018, IV
2017/450 E. 1.2). Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den
Invaliditätsgrad erheblichen Tatsachen eingetreten sein könnte, beurteilt sich durch den
Vergleich des Sachverhalts, wie er im Zeitpunkt der ersten Ablehnungsverfügung
bestanden hat, mit demjenigen zur Zeit der streitigen neuen Verfügung (BGE 130 V
73 ff. E. 3).
2.3.
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3.
Aus den Akten geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit September 2018
zusätzlich zu der bereits vorbestehenden Heberden-Arthrose an einer Rhizarthrose an
beiden Händen und damit an einer Polyarthrose leidet. Zudem haben die
behandelnden Ärzte berichtet, dass hinsichtlich des Morbus Paget ein Rezidiv bestehe
(IV-act. 46). Der RAD hat diesbezüglich in seiner versicherungsmedizinischen
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit festgehalten, dass betreffend Morbus Paget zwar ein
Rezidiv vorliege, dieses aber gut behandelbar sein dürfte. Der RAD hat zudem die neue
Diagnose der beidseitigen Rhizarthrose als in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in einer
adaptierten Tätigkeit irrelevant qualifiziert, weshalb der Beschwerdeführer in einer
entsprechend leidensangepassten Tätigkeit nach wie vor weiterhin zu 100%
arbeitsfähig sei (IV-act. 47). Die Beschwerdegegnerin ist der Argumentation des RAD
gefolgt und deshalb davon ausgegangen, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht leistungserheblich
geändert habe. Dabei hat sie es unterlassen, sich näher damit auseinanderzusetzen, ob
die gesundheitlichen Veränderungen des Beschwerdeführers eine Invalidität begründen
könnten. Dabei wäre der berufliche Einsatz der Hände des Beschwerdeführers im
Vordergrund gestanden. Die Beschwerdegegnerin hätte insbesondere prüfen müssen,
ob die Greiffunktion nach wie vor erhalten ist und falls nein, ob dies einen Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer entsprechend adaptierten Tätigkeit
hat. Indem sich die Beschwerdegegnerin nicht näher mit einer möglichen Veränderung
des Invaliditätsgrades des Beschwerdeführers auseinandergesetzt hat, sondern eine
solche ohne weitere Begründung verneint hat, hat sie die Eintretensprüfung nicht
korrekt durchgeführt. Damit ist die Sache betreffend das Begehren um die Ausrichtung
einer Invalidenrente zur korrekten Eintretensprüfung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
2.4.
In Gutheissung der Beschwerde gegen die das Begehren um berufliche
Eingliederungsmassnahmen betreffende Nichteintretensverfügung vom 5. Dezember
2018 ist der entsprechende Nichteintretensentscheid aufgehoben und durch den
verfahrensleitenden Entscheid zu ersetzen, dass auf die Neuanmeldung betreffend
berufliche Eingliederungsmassnahmen einzutreten ist; die Sache ist zur materiellen
Behandlung des Begehrens der Beschwerdegegnerin zu überweisen.
3.1.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde gegen die das Rentenbegehren
betreffende Nichteintretensverfügung vom 5. Dezember 2018 ist der entsprechende
Nichteintretensentscheid aufzuheben und die Sache ist zur erneuten Eintretensprüfung
im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2.
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