Decision ID: 44bae931-030c-47f1-aacc-c6056379a44b
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 10.02.2019 Aktenherausgabe nach Datenschutzgesetz. Art. 2 Abs. 1 und 17 f. DSG (sGS 142.1). Auf ein (zwischenzeitlich abgeschlossenes) Verwaltungsverfahren (Disziplinarverfahren) ist das DSG anwendbar. Das Verwaltungsgericht legte dar, aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer eine seiner Patientinnen als psychisch auffällig und mental behandlungsbedürftig bezeichnet habe, lasse sich zwar für sich allein betrachtet noch nicht auf eine potentielle Gefährdung von Drittpersonen im Nachgang zur anbegehrten Aktenherausgabe schliessen. Indes habe sein früher gezeigtes Verhalten gegenüber Gutachtern und Mitarbeitern des GD insbesondere verbale Repressalien von Seiten des Beschwerdeführers nach Offenlegung der Patientenanzeigen nicht zum vornherein ausschliessen lassen. Der Schluss der Vorinstanz, wonach die Haltung des Beschwerdeführers gegenüber Patientenschutzorganisationen, Nachbehandlern, Berufskollegen, Gutachtern und öffentlichen Angestellten seine Reaktion bei Einsicht in die Patientenanzeigen als nicht voraussehbar habe erscheinen lassen, erweise sich insgesamt als nachvollziehbar und im Ergebnis begründet. Sodann sei das Interesse des Beschwerdeführers an der Offenlegung der Patientenbeschwerden insofern herabgesetzt, als die Patientenbeschwerden zu einem erheblichen Teil verjährte und/oder nachträglich nicht beweisbare Sachverhalte bzw. nicht belegbare Kausalitäten betreffen würden. Sein Interesse an einer Bekanntgabe sei auch deshalb vermindert, weil die betreffenden Daten nicht zu seinen Lasten verwendet worden seien und dies auch künftig nicht beabsichtigt sei. Die direkte Zustellung der Patientenbeschwerden an den Beschwerdeführer (selbst) in anonymisierter Form könnte den gewollten Schutz der Identität der Patienten nicht zureichend gewährleisten, zumal sich aus dem Inhalt der Anzeigen auf die Identität der Patienten schliessen liesse. Die Gewährung der Einsicht an seinen Rechtsvertreter ohne Anonymisierung und inhaltliche Einschränkung, aber unter der Auflage, dem Beschwerdeführer die Dokumente nicht auszuhändigen, trage dessen Interessen insofern zureichend Rechnung, als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Rechtsvertreter ihn über den wesentlichen Inhalt der Patientenbeschwerden orientieren könne. Die Behandlung eines Gesuchs um Auskunft und Einsicht ist nach Art. 19 DSG in der Regel unentgeltlich. Aufhebung der vorinstanzlichen Kostenauferlegung durch das Verwaltungsgericht (Verwaltungsgericht, B 2018/126). Die gegen dieses Urteil erhobene Beschwerde ans Bundesgericht wurde mit Urteil vom 20. Februar 2020 teilweise gutgeheissen (Verfahren 1C_167/2019).
Entscheid vom 10. Februar 2019
Besetzung
Abteilungspräsident Zürn; Verwaltungsrichterin Reiter, Verwaltungsrichter Engeler;
Gerichtsschreiber Schmid
Verfahrensbeteiligte
Dr. med. dent. A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Peter Reetz, Reetz Sohm Rechtsanwälte,
Obere Wiltisgasse 52, Postfach 441, 8700 Küsnacht,
gegen
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32,
9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
Gegenstand
Aktenherausgabe nach Datenschutzgesetz
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
A.
a. Der Gesundheitsrat des Kantons St. Gallen erteilte Dr. med. dent. A._ am
19. September 1991 eine örtlich und zeitlich eingeschränkte und am 19. September
1996 eine für den ganzen Kanton gültige unbefristete Bewilligung zur selbständigen
Berufsausübung als Zahnarzt. Nachdem ihm das Gesundheitsdepartement (GD) im
Rahmen eines Disziplinarverfahrens die Berufsausübungsbewilligung mit Verfügung
vom 27. November 2012 vorsorglich entzogen hatte, wies es am 11. November 2013
sein Gesuch um Erteilung einer (neuen) Berufsausübungsbewilligung mangels
Vertrauenswürdigkeit ab und trat auf das Begehren um Wiedererwägung des
vorsorglichen Bewilligungsentzugs nicht ein. Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
Ein Ausstandsbegehren von Dr. A._ gegen den Kantonszahnarzt Dr. med. dent. B. (im
Amt gewesen bis Ende 2016, nachstehend: ehemaliger Kantonszahnarzt) wies das GD
mit Zwischenverfügung vom 15. September 2014 ab. Hiergegen erhob A._, vertreten
durch Rechtsanwalt PD Dr. Peter Reetz, Küsnacht, Beschwerde beim
Verwaltungsgericht (Verfahren B 2014/197). Mit Verfügung vom 10. November 2015
wies das GD ein Ausstandbegehren von Dr. A._ gegen den Verfahrensleiter C. (Ziff. 1)
sowie ein Gesuch um Einsicht in die nicht zu den Akten genommenen
Patientenbeschwerden ab (Ziff. 2). Es stellte ferner fest, dass die Vertrauenswürdigkeit
von Dr. A._ nicht gegeben und seine berufliche Eignung nachhaltig in Frage gestellt
sei (Ziff. 3). Im Weiteren trat es auf die Gesuche um Wiedererwägung der Verfügungen
vom 27. November 2012 und vom 11. November 2013 nicht ein (Ziff. 4 f.) und büsste
A._ disziplinarisch mit CHF 10‘000. Hiergegen erhob A._ Beschwerde beim
Verwaltungsgericht (Verfahren B 2015/307). Mit Entscheid vom 24. August 2017 hiess
das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2015/307 gut, soweit darauf einzutreten
oder das Verfahren nicht gegenstandslos geworden war. Die Beschwerde B 2014/197
schrieb es zufolge Gegenstandslosigkeit ab. Die angefochtenen Verfügungen wurden
aufgehoben.
b. Bereits am 2. Juni 2017 hatte A._ unter Berufung auf das st. gallische
Datenschutzgesetz (DSG; sGS 142.1) beim GD ein Gesuch um vollständige
Akteneinsicht und Auskunftserteilung mit Bezug auf die Akten des Disziplinarverfahrens
gestellt. Mit Schreiben vom 7. Juni 2017 teilte ihm das GD mit, die Zuständigkeit
betreffend das erwähnte Verfahren sei aufgrund von (damals noch) laufenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerden (Verfahren B 2014/197, B 2015/307) auf das Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen übergegangen. Für die strafrechtlichen Abklärungen sei die
Staatsanwaltschaft zuständig. Hiergegen erhob Dr. A._ Beschwerde beim
Verwaltungsgericht (Verfahren B 2017/131). Mit Entscheid vom 6. November 2017
hiess das Verwaltungsgericht die Beschwerde B 2017/131 gut und wies die Sache zur
Prüfung und neuer Verfügung bezüglich Akteneinsicht an die Vorinstanz zurück. Am
7. Dezember 2017 (act. G 8/545) verfügte das GD im Zusammenhang mit einem
weiteren Gesuch von Dr. A._ um Feststellung des Bewilligungsstatus, auf seinen
Antrag nach Edition der act. 162 f. des Disziplinarverfahrens werde unter Verweis auf E.
15.3.3. des Verwaltungsgerichtsentscheids vom 24. August 2017 (B 2015/307) im
Rahmen des Vollstreckungsverfahrens nicht eingetreten. Jedoch sei festzuhalten, dass
angesichts der E. 2.5 im Verwaltungsgerichtsentscheid vom 6. November 2017
(B 2017/131) die Sache der bisher nicht edierten Patientenbeschwerden im
Zusammenhang mit der Erledigung des Gesuchs vom 2. Juni 2017 erneut zu prüfen
sein werde (Ziff. 2). Mit Verfügung vom 4. Mai 2018 eröffnete das GD Dr. A._, ihm
werde über seinen Rechtsvertreter PD Dr. Reetz Einsicht in die nicht bearbeiteten
Patientenanzeigen (GD-act. 162 f.) gewährt; dies ohne Anonymisierung oder inhaltliche
Einschränkungen. Die Akteneinsicht wurde unter der Auflage bewilligt, dass der
Rechtsvertreter seinem Mandanten die Dokumente nicht aushändigen und ihm keine
Auskünfte geben dürfe, welche zur Identifizierung von Aufsichtsanzeigern führen
könnten. Der Rechtsvertreter dürfe seinen Mandanten ausschliesslich über Umfang,
Form und Inhalt der Patientenanzeigen orientieren (Ziff. 2). Das GD werde nach
erfolgter Akteneinsicht den Aufsichtsanzeigern die sie betreffenden Unterlagen
zurückgeben (Ziff. 3; act. G 2/2).
B.
a. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwalt Reetz für Dr. A._ mit Eingabe vom
22. Mai 2018 (act. G 1) Beschwerde mit den Rechtsbegehren, die Verfügung sei
aufzuheben (Ziff. 1) und das GD anzuweisen, dem Beschwerdeführer persönlich und
ohne Auflage Einsicht in die Patientenanzeigen (GD-act. 162 f.) zu gewähren (Ziff. 2). Es
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sei ferner anzuweisen, die Patientenanzeigen dauerhaft aufzubewahren (Ziff. 3). Unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vorinstanz (Ziff. 4).
b. In der Vernehmlassung vom 27. August 2018 beantragte die Vorinstanz in materieller
Hinsicht, die Verfügung vom 4. Mai 2018 sei zu schützen; die in der Beschwerde
gestellten Rechtsbegehren seien, soweit darauf einzutreten sei, abzuweisen, unter
Kostenfolge. Sodann stellte sie den Verfahrensantrag, dem Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers sei im Rahmen des Schriftenwechsels Einsicht in die nicht
bearbeiteten Patientenanzeigen (act. 9/162 f.) sowie in den Ordner "Nachfrage bei der
N._ AG im Rahmen Revisionsverfahren D-16-6006" unter der Auflage zu gewähren,
dass dieser dem Beschwerdeführer keinen Zugang zu diesen Akten gebe. Zur
Begründung verwies sie auf die angefochtene Verfügung und nahm Stellung zu
Vorbringen in der Beschwerde (act. G 8).
c. Dem Gesuch des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers um Zustellung der
gesamten vorinstanzlichen Akten (einschliesslich der nichtbearbeiteten
Patientenanzeigen) zur Einsicht vom 19. September 2018 (act. G 14) stimmte der
Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts mit Schreiben vom 24. September 2018
unter den in Ziff. 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung vom 4. Mai 2018
angeführten Auflagen zu (act. G 15). Auf ein weiteres Schreiben des Rechtsvertreters
vom 8. Oktober 2018 (act. G 16) liess ihm das Verwaltungsgericht den Ordner
"Nachfrage bei der N._ AG im Rahmen Revisionsverfahren D-16-6006" - mit
Ausnahme der vom GD als vertraulich bezeichneten Beilagen 2-9 der Beilage 5 - zur
Einsicht zukommen (act. G 17).
d. In der Stellungnahme zur vorinstanzlichen Vernehmlassung vom 10. Dezember 2018
bestätigte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers seinen Standpunkt und stellte
folgende prozessuale Anträge: Es sei die N._ AG zu verpflichten, dem
Verwaltungsgericht die Liste der 50 angeblichen Patienten, welche sich bei ihr
beschwert hätten, in nicht anonymisierter Form zu edieren (Ziff. 1); es sei dem
Beschwerdeführer Akteneinsicht in die Beschwerden der zwischenzeitlich verstorbenen
Patienten sowie in die Beschwerden derjenigen Patienten zu geben, welche sich auch
bei der N._ AG gemeldet hätten (Ziff. 2), es sei die Vorinstanz anzuweisen, Auskunft
darüber zu erteilen, wann, von wem und wie GD-act. 146 zu den Akten genommen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
worden sei (Ziff. 3 lit. a), und ob und wann die N._ AG den in der E-Mail vom 3. Juli
2012 erwähnten Ordner zugestellt habe; ferner auch, wo sich dieser Ordner befinde
und welche Unterlagen sich darin befänden (Ziff. 3 lit. b; act. G 23). Hierzu äusserte
sich die Vorinstanz mit Eingabe vom 19. Dezember 2018 (act. G 26) und legte eine
Verfügung vom 19. Dezember 2018 betreffend Verfahren um "Vervollständigung der
Akten" aus dem abgeschlossenen Disziplinarverfahren/Datenschutz bei (act. G 27).
Hierzu erging eine weitere Stellungnahme des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers
vom 28. Dezember 2018 (act. G 29).
e. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden

Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, VRP; sGS 951.1). Der
Beschwerdeführer ist zur Beschwerde berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 22. Mai 2018 entspricht zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 47 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs.
1 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich - d.h. mit Ausnahme von nachstehend
darzulegenden Einschränkungen - einzutreten.
2.
2.1. Im VerwGE B 2015/307 vom 24. August 2017 (www.gerichte.sg.ch) hielt das
Verwaltungsgericht zur Akteneinsicht in die bisher nicht offengelegten 15
Patientenbeschwerden fest, die Vorinstanz habe die Patientenbeschwerden weder zur
Begründung der Verfügung vom 11. November 2013 (Bewilligungsverfahren) noch zur
Begründung der dort angefochtenen Verfügung verwendet, weshalb sie im
vorinstanzlichen Verfahren auch - als für den Entscheid nicht wesentliche Beweismittel
- ausser Betracht gefallen seien und dementsprechend auch nicht der Akteneinsicht
unterstanden hätten. Auch im Beschwerdeverfahren habe sich die Prüfung der
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
streitigen Aspekte nicht auf die vorerwähnten Aktenstücke gestützt, weshalb es sich
rechtfertige, diese nicht der Akteneinsicht des Beschwerdeführers persönlich zu
unterstellen. Seinem Rechtsvertreter sei im Beschwerdeverfahren eine entsprechende
Einsichtsmöglichkeit eingeräumt worden, von welcher dieser jedoch keinen Gebrauch
gemacht habe (VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 15.3.3).
2.2. Das Datenschutzgesetz vom 20. Januar 2009 (sGS 142.1, DSG) regelt gemäss Art.
2 Abs. 1 DSG die Bearbeitung von Personendaten durch öffentliche Organe. Nach Art.
2 Abs. 2 lit. c DSG ist das DSG unter anderem in hängigen Verfahren der Zivil-, Straf-
und gerichtlichen Verwaltungsrechtspflege nicht anwendbar. Die vorliegende
Beschwerde stützt sich jedoch, wie bereits das Verfahren B 2017/131, auf
datenschutzrechtliche Einsichts- und Auskunftsansprüche betreffend das
abgeschlossene Disziplinarverfahren (vgl. VerwGE B 2015/307 a.a.O.). Das
Einsichtsgesuch wurde m.a.W. nicht in einem hängigen Straf- oder
Verwaltungsgerichtsverfahren gestellt. Auf das (zwischenzeitlich abgeschlossene)
Verwaltungsverfahren (Disziplinarverfahren) ist das DSG anwendbar. Nach Art. 17 DSG
erteilt das öffentliche Organ der betroffenen Person auf Gesuch und gegen Ausweis
über die Identität Auskunft, welche Personendaten über sie bearbeitet werden. Die
Auskunft erfolgt in der Regel schriftlich (Abs. 1). Es gewährt auf Verlangen der
betroffenen Person Einsicht in die Personendaten (Abs. 2). Bei Personendaten handelt
es sich um Angaben, die sich auf eine bestimmte oder bestimmbare Person beziehen
(Art. 1 Abs. 1 lit. a DSG). Nach Art. 18 DSG lehnt das öffentliche Organ Auskunft und
Einsicht ab, schränkt sie ein oder verbindet sie mit Auflagen, soweit öffentliche oder
schutzwürdige private Interessen Dritter überwiegen.
Das Gesuch vom 2. Juni 2017, welches der im Beschwerdeverfahren B 2017/131
angefochtenen Verfügung zugrunde lag, betraf vorab Unterlagen betreffend den
Informationsfluss zwischen der Vorinstanz und der N._ AG. Im VerwGE B 2017/131
führte das Verwaltungsgericht aus, das Gesuch des Beschwerdeführers vom 2. Juni
2017 beziehe sich auf Angaben, die ihn selbst beträfen bzw. auf Daten, die im Sinn von
Art. 17 Abs. 1 DSG „über ihn bearbeitet“ würden. Ein Einsichtsrecht nach Art. 17 Abs. 2
DSG sei somit grundsätzlich zu bejahen. Dies ungeachtet des Umstands, dass das
erstinstanzliche Verwaltungsverfahren, auf welches der Informationsanspruch sich
beziehe, bereits abgeschlossen sei. Das datenschutzrechtliche Auskunfts- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einsichtsrecht sei nicht befristet und könne auch ausserhalb eines
Verwaltungsverfahrens geltend gemacht werden (vgl. VerwGE B 2017/131 a.a.O., E.
2.4 mit Hinweisen). Im Umstand, dass die Vorinstanz in Verkennung der Rechtslage die
Bearbeitung des vom Beschwerdeführer gestellten Auskunfts-/Einsichtsgesuches
verweigert habe, sei daher eine unzulässige Rechtsverweigerung zu erblicken. Bei der
anstehenden Bearbeitung des Gesuches sei aber die Frage zu klären, ob einer
Herausgabe der Patientenbeschwerden wichtige öffentliche oder schutzwürdige private
Interessen Dritter entgegenstehen würden bzw. ob diesfalls von einer Gefährdung von
Drittpersonen durch den Beschwerdeführer auszugehen sei. Die Sache sei zur
diesbezüglichen Prüfung und Verfügung der Akteneinsicht an die Vorinstanz
zurückzuweisen (VerwGE B 2017/131 a.a.O., E. 2.5).
2.3. In der Folge erliess die Vorinstanz die nunmehr im vorliegenden Verfahren
angefochtene Verfügung. Unter Verweis auf verschiedene Vorkommnisse kam sie zum
Schluss, dass das emotional betonte Verhalten den Beschwerdeführer zu
unangebrachten, unvernünftigen Handlungen geführt habe. Offensichtlich fehlende
Impulskontrolle und mangelnde Einsicht würden eine Medizinalperson als nicht
zuverlässig erscheinen lassen. Es könne angesichts der Vorgeschichte nicht
ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer in unangebrachter Weise gegen
Patienten (Aufsichtsanzeiger) vorgehen könnte (act. G 2/2 E. 2 S. 6-8). Im Weiteren
legte die Vorinstanz dar, die Patientenanzeigen würden sowohl Daten der
behandelnden Medizinalperson als auch der behandelten (Beschwerden
vorbringenden) Person enthalten. Der Medizinalperson sei ein rechtmässiges Verhalten
zuzumuten, selbst wenn die Anzeigen ungerechtfertigt gewesen sein sollten. Die
Zusicherung des Beschwerdeführers, sich im Falle einer Offenlegung korrekt zu
verhalten, bringe angesichts der verminderten Vertrauenswürdigkeit keine Gewähr. Im
Übrigen seien die Patientenanzeigen vorliegend nicht untersucht worden und hätten
keine Grundlage für die Entscheidfindung im Disziplinarverfahren dargestellt. Für eine
anonyme Anzeige könnten achtenswerte Gründe vorliegen. Die Notwendigkeit, eine
Gewährsperson zu schützen, könne als zureichendes Interesse für die Geheimhaltung
ihres Namens in Betracht fallen. Es bestünden jedenfalls keine Anhaltspunkte dafür,
dass Aufsichtsanzeigen von Personen erhoben worden seien, welche nicht Patienten
des Beschwerdeführers (sondern von anderen Behandlern) gewesen seien. Der
Beschwerdeführer habe die Herausgabe der einschlägigen Akten seiner
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Haftpflichtversicherung nicht veranlasst. Eine allfällige Datenberichtigung (Art. 20 DSG)
würde die Herausgabe der Krankengeschichten durch den Beschwerdeführer
voraussetzen; letzteres habe er über die Jahre hinweg verweigert. Es sei daher nicht
nachvollziehbar, was er mit den Namen der Aufsichtsanzeiger zu tun beabsichtige. Das
Auskunftsrecht diene dem Betroffenen für die die Wahrnehmung des Rechts auf
informationelle Selbstbestimmung (BGE 140 V 464 E. 4.2). Sei die Akteneinsicht (wie
dies vorliegend anscheinend der Fall sei) ausschliesslich in der Verfolgung eines
Anspruchs verfahrensrechtlicher Natur begründet, so komme der Akteneinsicht keine
zusätzliche datenschutzrechtliche Dimension zu (BGE 139 V 492 E. 3.2). Gegenüber
dem Interesse des Beschwerdeführers an der Kenntnis der Namen der
Aufsichtsanzeiger würden die Interessen der Anzeiger überwiegen. Deren
Verwundbarkeit sei zu beachten, wenn der behandelnde Zahnarzt nicht davor
zurückscheue, kritische Stimmen einzuschüchtern. Es sei in antizipierter
Beweiswürdigung davon auszugehen, dass die Anzeiger in Kenntnis des Verhaltens
des Beschwerdeführers keine Einwilligung zur Einsicht in die Anzeigen erteilen würden,
zumal der Beschwerdeführer nach der aktuellen Rechtslage keine Rechenschaft für die
verjährten Behandlungsfälle abgeben müsse. Nicht stichhaltig sei das Argument, dass
die wieder erteilte Berufsausübungsbewilligung wesentlich höhere Anforderungen an
die Vertrauenswürdigkeit stelle als der blosse Erhalt von Patienteninformationen. Es sei
anzunehmen, dass der Umgang des Beschwerdeführers mit Patienten, die ihm
vertrauen würden, ganz anders ausfalle als mit Personen, die ihm kritisch begegnen
würden (act. G 2/2 S. 8-11).
Unbestritten sei, dass die Vertrauenswürdigkeit des Beschwerdeführers beeinträchtigt
sei. Die Möglichkeit einer Anonymisierung zu direkter Zustellung an den
Beschwerdeführer würde den gewollten Schutz der Identität der Patienten nicht
gewährleisten. Aus dem Inhalt der Anzeigen könnten Schlüsse auf die Identität der
Patienten gezogen werden. Eine mildere Massnahme, welche den Interessen des
Beschwerdeführers genügend Rechnung trage, bilde die Gewährung der Einsicht an
seinen Rechtsvertreter ohne Anonymisierung und inhaltliche Einschränkung, aber unter
der Auflage, dem Beschwerdeführer die Dokumente nicht auszuhändigen. Sein
Rechtsvertreter könne ihn über Form und Inhalt der Patientenbeschwerden orientieren.
Nach der Akteneinsicht seien diese (nie verwendeten) Patientendaten vom GD nicht
mehr aufzubewahren und an die Patienten zurückzugeben. Ein Verfahren um
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Berichtigung der Akten würde die Herausgabe der Krankengeschichten verlangen,
welche der Beschwerdeführer dem GD im Disziplinarverfahren immer wieder verweigert
habe. Im Rahmen der Interessenabwägung seien die schutzwürdigen Interessen der
Patienten höher zu gewichten als das Interesse des Beschwerdeführers, ihre Namen zu
erfahren (act. G 2/2 S. 11-14).
2.4. Der Beschwerdeführer wendet ein, öffentliche Interessen, welche sein
Akteneinsichtsrecht einschränken könnten, seien zum vornherein nicht erkennbar.
Sodann lägen keine überwiegenden schutzwürdigen Interessen von Dritten vor, welche
gegen die von ihm angestrebte Akteneinsicht sprechen würden. Im Entscheid des
Verwaltungsgerichts vom 24. August 2017 (B 2015/307) sei ihm die
Vertrauenswürdigkeit im Ergebnis vollumfänglich zuerkannt worden. Er habe sich bei
keinem Vorkommnis in irgendeiner Weise unangebracht oder unangemessen
gegenüber einem Patienten verhalten. Ein überwiegendes Interesse an der
Geheimhaltung der Akten sei bei Gefahr blosser Unannehmlichkeiten zu verneinen.
Vorliegend gebe es keine Anhaltspunkte für ein zu erwartendes Fehlverhalten
seinerseits gegenüber seinen Patienten. Ihm gehe es denn auch einzig darum zu
prüfen, ob die Patienten, welche sich beschwert hätten, auch tatsächlich von ihm
behandelt worden seien. Er habe jedenfalls grösste Zweifel, dass dies so sei. Nur er
selbst könne letztlich beurteilen, ob die Vorinstanz nicht jahrelang falschen
"Angaben" (falschen Patientenbeschwerden) aufgesessen sei, welche das für ihn
katastrophale Berufsverbot zur Folge gehabt hätten. Es wäre eine Vereitelung seiner
Rechte, nur seinem Rechtsvertreter, nicht jedoch ihm selbst vollständige Akteneinsicht
zu gewähren. Die Vorinstanz habe die Patientenbeschwerden jahrelang unbehandelt
gelassen. Man müsse sich fragen, ob es diese Beschwerden tatsächlich gebe und was
deren Inhalt sei, was wiederum sein Interesse an uneingeschränkter Akteneinsicht
erkläre. Die Patientenbeschwerden würden zu den Verfahrensakten der Vorinstanz
gehören, weshalb die Feststellung in der angefochtenen Verfügung nicht zutreffe, dass
sie nicht zu den Akten genommen worden seien. Verfahrensakten könnten, selbst wenn
sie im Disziplinarverfahren als nicht wesentliche Beweismittel ausser Betracht gefallen
seien, offensichtlich nicht einfach wieder zurückgegeben werden. Hierdurch würde die
Pflicht der Vorinstanz zur Aufbewahrung von Akten verletzt. Im Weiteren habe die
Vorinstanz (mit der Auferlegung einer Gebühr von CHF 1'500) seinen Anspruch auf
unentgeltliche Behandlung des Gesuchs um Auskunft und Einsicht verletzt (act. G 1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
3.1. Das Auskunftsrecht als solches steht dem Beschwerdeführer voraussetzungslos
(ohne Interessennachweis) zu. Seine Interessen werden hingegen relevant, wenn bei
der Frage der Einschränkung des Auskunftsrechts eine Interessenabwägung
vorgenommen werden muss (vgl. Beat Rudin, in: Baeriswyl/Pärli Hrsg.,
Handkommentar zum Datenschutzgesetz [Bundesgesetz über den Datenschutz, SR
235.1], Bern 2015, S. 103). Zu klären ist vorliegend, ob überwiegende öffentliche und/
oder schutzwürdige private Interessen im Sinn von Art. 18 DSG gegen eine
Offenlegung der Patientenbeschwerden (act. G 9/162 f.) sprechen. Hierfür bedarf es
nicht sämtlicher Akten des (mit VerwGE B 2015/307 vom 24. August 2017
abgeschlossenen) Disziplinarverfahrens. Der Antrag des Beschwerdeführers, diese
Akten bei der Vorinstanz anzufordern (act. G 23 S. 7), ist daher abzulehnen.
In jenem Entscheid hatte das Verwaltungsgericht bestätigt, dass sich die Vorinstanz im
Bewilligungs- und Disziplinarverfahren gar nicht auf die nicht edierten
Patientenanzeigen gestützt habe (VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 15.3.3). Es liess daher
denn auch die Frage, ob einer Herausgabe der (für die Begründung der
vorinstanzlichen Verfügung nicht verwendeten) Patientenbeschwerden wichtige
öffentliche oder schutzwürdige private Interessen entgegenstünden bzw. ob tatsächlich
von einer Gefährdung von Drittpersonen durch den Beschwerdeführer auszugehen
wäre, offen. Aus dem Umstand, dass der Beschwerdeführer eine seiner Patientinnen
als psychisch auffällig und mental behandlungsbedürftig bezeichnete (act. G 9/207;
VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 9.2), lässt sich zwar für sich allein betrachtet noch nicht
auf eine potentielle Gefährdung von Drittpersonen im Nachgang der anbegehrten
Aktenherausgabe schliessen. Indes kann hinsichtlich der Vertrauenswürdigkeit des
Verhaltens des Beschwerdeführers sein aktenkundiger Umgang mit Mitarbeitern des
GD und Berufskollegen nicht ausser Betracht bleiben. Diesbezüglich ist auf die
Ausführungen des Verwaltungsgerichts im erwähnten Entscheid („... Seine diversen
Äusserungen hinsichtlich der Qualifikation von Mitarbeitern der Vorinstanz erfolgten
sowohl von der Wortwahl her als auch inhaltlich wiederholt in nicht gerechtfertigter und
verletzender Art. ... “ usw.) zu verweisen. Das Gericht zog in jenem Entscheid den
Schluss, dass die Konfrontation mit gegenteiligen Auffassungen oder kritischen Fragen
emotionale Reaktionen beim Beschwerdeführer ausgelöst habe, die seine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vertrauenswürdigkeit herabsetzen würden (VerwGE B 2015/307, a.a.O., E. 6.3 mit
Hinweisen). Sein früher gezeigtes Verhalten gegenüber Gutachtern und Mitarbeitern
des GD liess von daher - wie die Vorinstanz zutreffend vermerkt - insbesondere verbale
Repressalien von Seiten des Beschwerdeführers nach Offenlegung der
Patientenanzeigen nicht zum vornherein ausschliessen. Ihr Schluss, wonach die
Haltung des Beschwerdeführers gegenüber Patientenschutzorganisationen,
Nachbehandlern, Berufskollegen, Gutachtern und öffentlichen Angestellten seine
Reaktion bei Einsicht in die Patientenanzeigen als nicht voraussehbar habe erscheinen
lassen (act. G 2/2 S. 8), erweist sich insgesamt als nachvollziehbar und im Ergebnis
begründet. Sodann ist das Interesse des Beschwerdeführers an der Offenlegung der
Patientenbeschwerden insofern herabgesetzt, als die Patientenbeschwerden zu einem
erheblichen Teil verjährte und/oder nachträglich nicht beweisbare Sachverhalte bzw.
nicht belegbare Kausalitäten betreffen dürften (zur Verjährung vgl. VerwGE B 2015/307,
a.a.O., E. 5). Sein Interesse an einer Bekanntgabe ist auch deshalb vermindert, weil die
betreffenden Daten nicht zu seinen Lasten verwendet wurden und dies auch künftig
nicht beabsichtigt ist.
3.2. Der Beschwerdeführer machte im Übrigen von der ihm bereits im Jahr 2014
eingeräumten Möglichkeit, in die anonymisierten Patientenbeschwerden Einsicht zu
nehmen, im Verwaltungsverfahren keinen Gebrauch und brachte stattdessen
Vorbehalte bzw. Bedingungen an (vgl. VerwGE B 2015/307 a.a.O., E. 15.3.1). Mit
verfahrensleitender Verfügung vom 12. Juli 2016 räumte sodann das
Verwaltungsgericht (ausschliesslich) dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers eine
Einsichtsmöglichkeit (in die nicht anonymisierten Patientenbeschwerden) ein, von
welcher dieser jedoch ebenfalls keinen Gebrauch machte.
Nach Lehre und Rechtsprechung kann dort, wo einem Betroffenen selber das
Akteneinsichtsrecht verwehrt wird, seinem Vertreter vertraulich Einsicht gewährt
werden. Diese sogenannt mediatisierte Akteneinsicht ermöglicht - mit Rücksicht auf
das Verhältnismässigkeitsprinzip - im Sinn eines Interessenausgleichs die
Akteneinsicht trotz entgegenstehender Geheimhaltungsinteressen mit anschliessender
(durch Auflagen beschränkter) Weitergabe der wesentlichen Erkenntnisse an den
Betroffenen (Waldmann/Oeschger, in: Waldmann/Weissenberger Hrsg.,
Praxiskommentar Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Rz. 40 und 57 zu Art. 26
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
VwVG, mit Hinweisen). Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass die direkte Zustellung
der Patientenbeschwerden an den Beschwerdeführer (selbst) in anonymisierter Form
den gewollten Schutz der Identität der Patienten nicht zureichend gewährleisten
könnte, zumal sich aus dem Inhalt der Anzeigen auf die Identität der Patienten
schliessen liesse. Die Gewährung der Einsicht an seinen Rechtsvertreter ohne
Anonymisierung und inhaltliche Einschränkung, aber unter der Auflage, dem
Beschwerdeführer die Dokumente nicht auszuhändigen, trägt dessen Interessen
insofern zureichend Rechnung, als der Rechtsvertreter ihn über den wesentlichen Inhalt
der Patientenbeschwerden orientieren kann (vgl. Dispositiv-Ziffer 2 der angefochtenen
Verfügung). Hinzu kommt, dass die Beschwerden gemäss Zusicherung der Vorinstanz
nach Gewährung der Akteneinsicht an die Patienten "zurückgegeben" werden sollen
(Dispositiv-Ziffer 3 der angefochtenen Verfügung). Dies bedeutet im Ergebnis, dass die
Aufsichtsanzeiger über die Nichtbearbeitung ihrer Anzeigen in Kenntnis gesetzt
werden, womit eine künftige Bearbeitung der Patientendaten durch die Vorinstanz
ausser Betracht fällt. In den laufenden Akten des Beschwerdeführers werden die
Patientenbeschwerden dementsprechend – wie bereits bis anhin - nicht in Erscheinung
treten, selbst wenn sie - was hier indes nicht weiter zu untersuchen ist - archivrechtlich
aufzubewahren sein sollten (vgl. Art. 10 des Gesetzes über die Aktenführung und
Archivierung, sGS 147.1; act. G 2 Beilage 4). Für eine Datenberichtigung bzw. einen
Nachweis, dass die Anzeiger gar nicht Patienten des Beschwerdeführers gewesen
seien, wie ihn der Beschwerdeführer leisten möchte, fehlt es damit an einem sachlichen
Anlass, zumal - nach Gewährung der Akteneinsicht an den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers und "Rückgabe" der betreffenden Akten an die Aufsichtsanzeiger -
das Vorhandensein von unrichtigen Akten (im Sinn von Art. 20 DSG) bei der Vorinstanz
in diesem Zusammenhang nicht mehr zur Diskussion stehen wird.
Soweit der Beschwerdeführer die Existenz der Patientenbeschwerden als solche in
Frage stellt (act. G 1 Rz. 22), erfolgt dies ohne Grund, zumal sein Rechtsvertreter sich
hierüber im Rahmen der eingeräumten Einsichtsrechte längst hätte Gewissheit
verschaffen und überdies mit einer Eingabe der Namen der Aufsichtsanzeiger in der
Patientendatei des Beschwerdeführers deren Patienteneigenschaft hätte verifizieren
können. Wenn die Vorinstanz die Interessen der Patienten an der Nichtpreisgabe ihrer
Identität höher gewichtete als das Interesse des Beschwerdeführers, ihre Namen zu
erfahren, so erscheint dies vor dem geschilderten Hintergrund nachvollziehbar, belegt,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geeignet und geboten. Die Massnahme der verfügten beschränkten Akteneinsicht
erweist sich demzufolge als verhältnismässig. Als Folge davon ist auch der in der
Eingabe vom 10. Dezember 2018 (act. G 23) gestellte prozessuale Antrag 2
abzulehnen. Auf Antrag 1 (Verpflichtung der N._ AG, dem Verwaltungsgericht die nicht
anonymisierte Liste der Personen einzureichen, welche sich bei ihr über den
Beschwerdeführer beschwert hätten) jener Eingabe ist, da er nicht das in der
angefochtenen Verfügung thematisierte Einsichtsgesuch gegenüber der Vorinstanz
betrifft, nicht einzutreten. Im Übrigen ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer nach
seinen Angaben in jene Liste anlässlich eines Treffens mit dem damaligen Verleger der
N._ AG offenbar Einsicht nehmen konnte und ihm von daher insbesondere Namen von
(zwischenzeitlich verstorbenen) Aufsichtsanzeigern möglicherweise längst bekannt sind
(act. G 23 S. 3-5).
3.3. Die Behandlung eines Gesuchs um Auskunft und Einsicht ist nach Art. 19 DSG in
der Regel unentgeltlich. Das öffentliche Organ erlässt gemäss Art. 23 DSG eine
Verfügung, wenn es ein Gesuch der betroffenen Person abweist. Vorliegend
begründete die Vorinstanz die streitige Kostenauferlegung von CHF 1'500 einzig mit
Hinweis darauf, dass für die Gewährung der Akteneinsicht unter Auflage eine
beschwerdefähige Verfügung erforderlich gewesen sei (act. G 2/2 S. 14). Dieser
Umstand vermag jedoch für sich allein betrachtet keine Ausnahme von der Regel der
Unentgeltlichkeit der Gesuchsbehandlung gemäss Art. 19 DSG zu begründen. Dies
umso weniger, als in Verfahren betreffend Auskunft und Akteneinsicht relativ häufig ein
das Verwaltungsverfahren abschliessender Erlass einer Verfügung erforderlich sein
dürfte, wenn – wie vorliegend der Fall - dem Ersuchen nicht oder nicht vollständig
entsprochen wird. Die (grundsätzlich kostenlose) Behandlung eines Gesuchs im Sinn
von Art. 19 DSG umfasst mithin sowohl für den Gesuchsteller positive als auch
abschlägige Bescheide (mit und ohne Verfügung). Die von der Vorinstanz zur
Begründung der Kostenauferlegung angeführte allgemeine Norm des VRP (Art. 94 VRP)
kommt aufgrund der Spezialregelung von Art. 19 DSG nicht zur Anwendung. Ein
besonders grosser (dem Beschwerdeführer anzulastender) Aufwand, wie er etwa
gemäss Art. 8 Abs. 5 DSG des Bundes zur Kostenauferlegung führen kann (vgl. Beat
Rudin a.a.O., S. 113) oder ein weiterer Anlass, welcher geeignet wäre, die
Kostenauferlegung zureichend zu begründen, ist vorliegend nicht ersichtlich. Ziff. 4 der
angefochtenen Verfügung ist daher aufzuheben. Der im vorinstanzlichen Verfahren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geleistete Kostenvorschuss von CHF 1'500 ist dem Beschwerdeführer von der
Vorinstanz somit zurückzuerstatten.
4.
4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde, soweit darauf
einzutreten ist, unter Aufhebung von Dispositiv-Ziffer 4 der Verfügung vom 4. Mai 2018
teilweise gutzuheissen und die Vorinstanz anzuweisen, dem Beschwerdeführer den von
ihm für das Verwaltungsverfahren geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1'500
zurückzuerstatten. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Für das vorliegende
Verfahren erscheint eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) angemessen. Dem Verfahrensausgang
entsprechend gehen diese amtlichen Kosten zu drei Vierteln (CHF 1'500) zulasten des
Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP), unter Verrechnung mit dem von ihm für das
Beschwerdeverfahren geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe. Der verbleibende
Viertel der amtlichen Kosten (CHF 500) geht zulasten des Staates (Vorinstanz); auf
dessen Erhebung wird verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP).
4.2. Ausseramtliche Kosten sind dem Beschwerdeführer nicht zu entschädigen, da er
nicht mehrheitlich obsiegt hat. Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98 VRP; Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 829). Ihr Antrag (act. G 8 S. 2), soweit er die Zusprechung ausseramtlicher
Kosten betrifft, ist abzuweisen.