Decision ID: c2958efe-92d0-5019-96f1-356317365545
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass der Beschwerdeführer am 30. September 2021 in die Schweiz ein-
reiste und tags darauf im Bundesasylzentrum (BAZ) B._ um Asyl
nachsuchte,
dass ein Abgleich seiner Fingerabdrücke mit der europäischen Fingerab-
druck-Datenbank ("Eurodac") durch das SEM ergab, dass er am 7. Sep-
tember 2021 in Italien aufgegriffen und am 8. September 2021 daktylosko-
pisch erfasst worden war,
dass das SEM die italienischen Behörden am 6. Oktober 2021 gestützt auf
Art. 13 Abs. 1 der der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen
Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien
und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung ei-
nes von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mit-
gliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
(nachfolgend: Dublin-III-VO) um Übernahme des Beschwerdeführers er-
suchte,
dass die italienischen Behörden innerhalb der festgelegten Frist zum Über-
nahmeersuchen keine Stellung nahmen,
dass am 7. Oktober 2021 die Personalienaufnahme (PA) stattfand und er
dabei vom SEM zu seiner Person, zu seinen Reise- und Identitätspapieren
sowie zu seinem Reiseweg befragt wurde,
dass der Beschwerdeführer mit Vollmacht vom 8. Oktober 2021 die ihm
gemäss Art. 102f ff. AsylG zugewiesene Rechtsvertretung mandatierte,
dass am 18. Oktober 2021 das persönliche Dublin-Gespräch durchgeführt
wurde, wobei dem Beschwerdeführer – im Beisein seiner Rechtsvertre-
tung – das rechtliche Gehör zur mutmasslichen Zuständigkeit Italiens für
die Durchführung des Asyl- und Wegweisungsverfahrens, zu einer allfälli-
gen Rückkehr nach Italien sowie zum medizinischen Sachverhalt gewährt
wurde,
dass er bezüglich der Zuständigkeit Italiens und der allfälligen Wegweisung
dorthin vorbrachte, er habe sein Heimatland vermutlich in diesem Jahr ver-
lassen und sei mit dem Boot nach Italien gelangt,
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dass er nach der Abgabe der Fingerabdrücke keinen weiteren Kontakt mit
den italienischen Behörden gehabt und auch nicht versucht habe, ein Asyl-
gesuch zu stellen,
dass er nicht nach Italien zurückkehren wolle, weil es dort Drogenbanditen
und Personen gebe, welche mit Waffen rumlaufen würden und er mit sol-
chen Leuten nichts zu tun haben wolle,
dass er von einer Person mit einer Waffe angegriffen worden sei und er
einer solchen Situation nicht nochmals ausgesetzt werden wolle,
dass er ein guter Mensch sei und nur arbeiten wolle,
dass er hinsichtlich seines Gesundheitszustandes vorbrachte, es gehe ihm
gut, wobei er zurzeit erkältet sei und deshalb in der Nacht an Atemproble-
men leide,
dass durch das SEM getätigte Abklärungen bei der Pflege des BAZ
C._ ergaben, dass sich der Beschwerdeführer nie bei Medic-Help
gemeldet hatte und entsprechend keine medizinischen Datenblätter oder
Arztberichte existieren,
dass das SEM mit Verfügung vom 8. Dezember 2021 – eröffnet am 10. De-
zember 2021 – in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG auf das
Asylgesuch nicht eintrat, die Wegweisung aus der Schweiz in den zustän-
digen Dublin-Staat (Italien) anordnete, den Beschwerdeführer – unter An-
drohung von Zwangsmitteln im Unterlassungsfall – gleichzeitig aufforderte,
die Schweiz spätestens am Tag nach Ablauf der Beschwerdefrist zu ver-
lassen und den Kanton D._ mit dem Vollzug der Wegweisung be-
auftragte, dem Beschwerdeführer die editionspflichtigen Akten gemäss Ak-
tenverzeichnis aushändigte und feststellte, einer allfälligen Beschwerde
gegen die Verfügung komme keine aufschiebende Wirkung zu,
dass aus den vorinstanzlichen Akten nicht ersichtlich ist, dass die Rechts-
vertretung das Mandat gestützt auf Art. 102h Abs. 4 AsylG i.V.m. Art. 52b
Abs. 3 und Art. 52e der Asylverordnung vom 11. August 1999 (AsylV 1;
SR 142.311) niederlegte und den Beschwerdeführer entsprechend über
seine weiteren rechtlichen Möglichkeiten informierte (Art. 52e AsylV 1),
dass die Rechtsvertretung innerhalb der gesetzlichen Frist keine Be-
schwerdeeingabe einreichte,
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dass vielmehr der Beschwerdeführer selbständig mit Eingabe vom 13. De-
zember 2021 (Datum des Poststempels: 15. Dezember 2021; Posteingang
BVGer: 16. Dezember 2021) gegen diesen Entscheid beim Bundesverwal-
tungsgericht Beschwerde erhob und dabei sinngemäss beantragte, die an-
gefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, auf
sein Asylgesuch einzutreten,
dass er zur Begründung vorbrachte, ihm seien in Italien die Fingerabdrücke
unter Zwang von Polizeibeamten abgenommen worden,
dass er auf der Strasse habe schlafen müssen und sich in seiner Unter-
kunft Kriminelle aufgehalten hätten,
dass er nur durch Italien gereist sei, um zu seiner Freundin in die Schweiz
zu gelangen,
dass er beantragte, zu ihr in ihre Privatunterkunft ziehen zu können,
dass die vorinstanzlichen Akten dem Bundesverwaltungsgericht am
16. Dezember 2021 in elektronischer Form vorlagen (vgl. Art. 109
Abs. 3 AsylG),

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht auf dem Gebiet des Asyls – in der Re-
gel und auch vorliegend – endgültig über Beschwerden gegen Verfügun-
gen (Art. 5 VwVG) des SEM entscheidet (Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 31‒
33 VGG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass der Beschwerdeführer am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist, ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung hat und daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert ist
(Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und Art. 48 Abs. 1 VwVG),
dass es sich vorliegend um eine Laienbeschwerde handelt, an die keine
hohen formellen Anforderungen zu stellen sind,
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dass somit auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzu-
treten ist (Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art. 105 AsylG i.V.m. Art. 37 VGG und
Art. 52 Abs. 1 VwVG),
dass darauf hinzuweisen ist, dass die Rechtsvertretung, welche das Man-
dat gestützt auf Art. 102h Abs. 4 AsylG i.V.m. Art. 52b Abs. 3 und
Art. 52e AsylV 1 niederlegt, im Sinne einer geordneten Verfahrensführung
die Mandatsniederlegung schriftlich zuhanden der Vorakten kundzutun
hätte,
dass über offensichtlich unbegründete Beschwerden in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden wird (Art. 111 Bst. e AsylG) und es sich,
wie nachfolgend aufgezeigt wird, um eine solche handelt, weshalb das Ur-
teil nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG),
dass gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet wurde,
dass mit asylrechtlicher Beschwerde die Verletzung von Bundesrecht (ein-
schliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die un-
richtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden können (Art. 106 Abs. 1 AsylG),
dass bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1‒3 AsylG), die Beurteilungskompetenz des Gerichts grund-
sätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu Recht auf das
Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1; 2012/4
E. 2.2, je m.w.H.),
dass auf Asylgesuche in der Regel nicht eingetreten wird, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG) und das SEM in diesem Fall in der Regel die Wegwei-
sung der Schweiz verfügt und den Vollzug anordnet (Art. 44 AsylG),
dass diesbezüglich die Dublin-III-VO zur Anwendung kommt,
dass gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO jeder Asylantrag von einem einzi-
gen Mitgliedstaat geprüft wird, der nach den Kriterien des Kapitels III
(Art. 8–15 Dublin-III-VO) als zuständiger Staat bestimmt wird,
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dass das Verfahren zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ein-
geleitet wird, sobald in einem Mitgliedstaat erstmals ein Asylantrag gestellt
wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO),
dass im Fall eines sogenannten Aufnahmeverfahrens (engl.: take charge)
die in Kapitel III (Art. 8–15 Dublin-III-VO) genannten Kriterien in der dort
aufgeführten Reihenfolge (Prinzip der Hierarchie der Zuständigkeitskrite-
rien; vgl. Art. 7 Abs. 1 Dublin-III-VO) anzuwenden sind, und dabei von der
Situation in demjenigen Zeitpunkt auszugehen ist, in dem der Asylsu-
chende erstmals einen Antrag in einem Mitgliedstaat gestellt hat (Art. 7
Abs. 2 Dublin-III-VO),
dass demgegenüber im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.:
take back) grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapi-
tel III stattfindet (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1,
m.w.H.),
dass wenn eine antragsstellende Person, aus einem Drittstaat kommend,
die Land-, See- oder Luftgrenze eines Mitgliedstaates illegal überschritten
hat, dieser Mitgliedstaat gemäss Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-VO für die Prü-
fung des Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist,
dass die Zuständigkeit gemäss dieser Norm zwölf Monate nach dem Tag
des illegalen Grenzübertritts endet,
dass gestützt auf das Ergebnis des Abgleichs der Fingerabdrücke (Euro-
dac-Datenbank) feststeht, dass der Beschwerdeführer am 7. Septem-
ber 2021 in Italien aufgegriffen und tags darauf daktyloskopisch erfasst
worden war (vgl. SEM-Akte 1110729-7/1 und 1110729-8/1), was von die-
sem nicht bestritten wurde,
dass das SEM deshalb die italienischen Behörden am 6. Oktober 2021 um
Übernahme des Beschwerdeführers gestützt auf Art. 13 Abs. 1 Dublin-III-
VO ersuchte (vgl. SEM-Akte 1110729-10/7),
dass die italienischen Behörden das Übernahmeersuchen innert der in
Art. 22 Abs. 1 Dublin-III-VO vorgesehenen Frist unbeantwortet liessen, wo-
mit sie die Zuständigkeit Italiens implizit anerkannten (Art. 22 Abs. 7 Dub-
lin-III-VO),
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dass die grundsätzliche Zuständigkeit Italiens für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens des Beschwerdeführers damit gegeben
ist,
dass sein Wunsch um Verbleib in der Schweiz daran nichts zu ändern ver-
mag, zumal die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht einräumt,
den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/40 E. 8.3),
dass der Beschwerdeführer die sich aus der Dublin-III-VO ergebende Zu-
ständigkeit Italiens zudem weder mit den Vorbringen in der Befragung vom
18. Oktober 2021 noch den Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe vom
13. Dezember 2021 zu negieren vermag,
dass nachfolgend im Sinne von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO zunächst zu prü-
fen ist, ob es wesentliche Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren
und die Aufnahmebedingungen für Asylsuchende in Italien würden syste-
matische Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschli-
chen oder entwürdigenden Behandlung im Sinne des Art. 4 der Charta der
Grundrechte der Europäischen Union (2012/C 326/02, nachfolgend: EU-
Grundrechtecharta) mit sich bringen würden und ob nach Art. 17
Abs. 1 Dublin-III-VO das Selbsteintrittsrecht auszuüben ist,
dass Italien Signatarstaat der der Konvention zum Schutze der Menschen-
rechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK; SR 0.101),
des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere
grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe
(FoK; SR 0.105) und des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge (FK; SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der
FK vom 31. Januar 1967 (SR 0.142.301) ist und seinen diesbezüglichen
völkerrechtlichen Verpflichtungen nachkommt, was vom SEM zutreffend
festgehalten wurde,
dass die Schweiz gleichzeitig auch davon ausgehen darf, dieser Staat an-
erkenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den
Richtlinien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben,
http://links.weblaw.ch/
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dass weder das Bundesverwaltungsgericht noch der Europäische Ge-
richtshof für Menschenrechte (EGMR) oder der Europäische Gerichtshof
(EuGH) bislang systemische Schwachstellen im italienischen Asylverfah-
ren erkannt haben,
dass zwar das italienische Fürsorgesystem für Asylsuchende und Perso-
nen mit Schutzstatus in der Kritik steht, gemäss den bisherigen Erkennt-
nissen des Bundesverwaltungsgerichts indes davon auszugehen ist, Italien
halte die Verfahrens- und Aufnahmerichtlinien ein (vgl. etwa das Referenz-
urteil des Bundesverwaltungsgerichts [BVGer] E-962/2019 vom 17. De-
zember 2019 E. 6.3; vgl. ferner Urteil des BVGer E-685/2021 vom 23. Feb-
ruar 2021 E. 6),
dass am 20. Dezember 2020 das Umwandlungsgesetz Nr. 173/2020 zum
Gesetzesdekret Nr. 130/2020 vom 21. Oktober 2020 in Kraft getreten ist,
welches eine umfassende Reform des Aufnahmesystems für Asylsu-
chende in Italien vorsieht, indem zentrale Bestimmungen des sog. Salvini-
Dekrets geändert wurden und ein engverflochtenes Aufnahme- und Integ-
rationssystem implementiert wurde,
dass das neue Aufnahmesystem vergleichbar ist mit jenem, das vor Erlass
des Salvini-Dekrets bestanden hat,
dass nach dem Anmeldeverfahren die Asylsuchenden in das Aufnahme-
und Integrationssystem SAI (Sistema di accoglienza e integrazione) über-
führt werden, welches nunmehr wieder allen Asylsuchenden, also auch
den im Rahmen des Dublin-Verfahrens nach Italien überstellten Personen,
offensteht,
dass Schutzbedürftige Personen, die einer besonderen Form der Unter-
stützung bedürfen, bei der Überstellung von einem Erstaufnahmezentrum
in das SAI Priorität geniessen (vgl. zum Ganzen: Referenzurteil des BVGer
F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 10.5),
dass der EGMR im Urteil M.T. gegen die Niederlande vom 23. März 2021,
Nr. 46595/19 zur selben Einschätzung gelangt ist,
dass sich das Bundesverwaltungsgericht hierzu im eben zitierten Refe-
renzurteil explizit geäussert hat (siehe dort a.a.O. E. 10.6),
dass nachdem der Beschwerdeführer im Dublin Gespräch angegeben hat,
in Italien nie ein Asylgesuch gestellt zu haben, seiner allgemeinen Kritik am
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Gesetzesdekret Nr. 130 einerseits und dem Vorgehen der Behörden in sei-
nem konkreten Fall andererseits ohnehin zum Vornherein die Grundlage
entzogen ist,
dass unter diesen Umständen die Anwendung von Art. 3 Abs. 2
Satz 2 Dublin-III-VO nicht gerechtfertigt ist,
dass ferner die Anwendung der Ermessensklausel von Art. 17 Abs. 1 Dub-
lin-III-VO respektive der – das Selbsteintrittsrecht im Landesrecht konkre-
tisierenden – Bestimmung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 zu prüfen ist, ge-
mäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitären Gründen" auch
dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-VO ein anderer Staat
zuständig wäre,
dass zwar die Vermutung, Italien halte seine völkerrechtlichen Verpflich-
tungen ein, im Einzelfall widerlegt werden kann, es hierfür aber konkreter
und ernsthafter Hinweise bedarf, die gegebenenfalls vom Betroffenen
glaubhaft darzutun sind (vgl. BVGE 2010/45 E. 7.4 f.),
dass vorliegend kein Grund zur Annahme besteht, dass die italienischen
Behörden dem Beschwerdeführer, der sich gemäss eigenen Angaben auf
seiner Durchreise durch Italien nicht um Aufnahme in das italienische Asyl-
verfahren bemüht habe, die Aufnahme oder den Zugang zum Asylverfah-
ren verweigern,
dass den Akten auch keine Hinweise zu entnehmen sind, Italien werde in
seinem Fall den Grundsatz des Non-Refoulement missachten und ihn zur
Ausreise in ein Land zwingen, in dem sein Leib, sein Leben oder seine
Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in
dem er Gefahr laufen würde, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen
zu werden,
dass der Beschwerdeführer ebenso wenig dargetan hat, die ihn bei einer
Rückführung erwartenden Bedingungen in Italien seien derart schlecht,
dass sie zu einer Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharte,
Art. 3 EMRK oder Art. 3 FoK führen könnten,
dass zwar nicht auszuschliessen ist, dass er in Italien den geltend gemach-
ten Angriff durch eine bewaffnete Person tatsächlich erlebt hat,
dass er im Rahmen der Dublin-Überstellung erneut eines solchen ausge-
setzt wäre, indessen nicht wahrscheinlich ist,
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dass es sich – wie das SEM zu Recht festgehalten hat – bei Italien um
einen Rechtsstaat mit funktionierendem Justizsystem handelt, weshalb
sich der Beschwerdeführer bei Bedarf an die zuständigen Stellen wenden
kann, sollte er sich von den italienischen Behörden oder Drittpersonen un-
gerecht oder rechtswidrig behandelt fühlen,
dass der Beschwerdeführer auch keine konkreten und ernsthaften Hin-
weise für die Annahme dargetan hat, Italien würde ihm dauerhaft die ihm
gemäss Aufnahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen
vorenthalten, und er sich bei einer vorübergehenden Einschränkung im Üb-
rigen nötigenfalls an die italienischen Behörden wenden und die ihm zu-
stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern könnte
(vgl. Art. 26 Aufnahmerichtlinie),
dass sich darüber hinaus – neben den staatlichen Strukturen – auch zahl-
reiche private Hilfsorganisationen der Betreuung von Asylsuchenden in Ita-
lien annehmen, bei denen der Beschwerdeführer bei Bedarf ebenfalls um
Unterstützung nachsuchen kann,
dass damit nicht davon auszugehen ist, er würde in Italien wegen fehlen-
den Zugangs zum Asylverfahren oder ungenügenden Aufenthaltsbedin-
gungen in eine existenzielle Not geraten,
dass soweit der Beschwerdeführer in seiner Rechtsmitteleingabe geltend
machte, er habe auf der Strasse schlafen müssen, festzuhalten ist, dass
Italien, wie erwähnt, die Aufnahmerichtlinie umgesetzt hat und er sich da-
her – allenfalls mit Unterstützung einer karikativen oder kirchlichen Orga-
nisation – an die zuständigen Behörden wenden könnte, um eine Unter-
kunft und soziale Unterstützung zu erhalten,
dass bezüglich dem Vorbringen des Beschwerdeführers, er wolle arbeiten,
festzuhalten ist, dass von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten ein Gross-
teil der italienischen Bevölkerung betroffen ist und in Italien, ebenso wenig
wie in anderen Ländern, kein grundsätzlicher Anspruch auf eine Arbeits-
stelle besteht, er sich im Falle einer vorübergehenden Einschränkung je-
doch ebenso an die italienischen Behörden wenden könnte,
dass der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen ist, dass Italien grund-
sätzlich über eine ausreichende medizinische Infrastruktur verfügt
(vgl. statt vieler: Urteil des BVGer F-2009/2020 vom 24. April 2020 E. 8.7
m.w.H.) und der Zugang für asylsuchende Personen zum italienischen Ge-
sundheitssystem über die Notversorgung hinaus ist derzeit grundsätzlich
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gewährleistet, auch wenn es in der Praxis zu zeitlichen Verzögerungen
kommen kann (vgl. hierzu etwa Urteil des BVGer D-2846/2020 vom
16. Juli 2020 E. 6.2.1 m.H. oder seit Inkrafttreten des Dekrets Nr. 130
ebenfalls Urteil F-6330/2020 vom 18. Oktober 2021 E. 10.5 und 11.1),
dass zudem keine Anhaltspunkte vorliegen, wonach Italien dem Beschwer-
deführer eine allenfalls nötige adäquate medizinische Behandlung für die
von im Dublin-Gespräch erwähnten gesundheitlichen Beeinträchtigungen
(vgl. SEM-Akte 1110729-16/2) verweigern würde,
dass die geltend gemachte Erkältung im Übrigen ohnehin nicht als schwer
oder akut erscheint, da er sich – obwohl er von der Vorinstanz auf die Mög-
lichkeit einer Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe im BAZ hingewiesen wurde
(vgl. SEM-Akte 1110729-16/2) – nicht in ärztliche Behandlung begab
(vgl. SEM-Akte 1110729-24/1),
dass sich aus der Überstellung nach Italien mithin auch unter Berücksich-
tigung der gesundheitlichen Vorbringen des Beschwerdeführers keine Ver-
letzung von Art. 3 EMRK oder anderer völkerrechtlicher Verpflichtungen
ergibt,
dass sich somit ein Selbsteintritt gestützt auf Art. 17 Dublin-III-VO und
Art. 3 EMRK vorliegend nicht gebietet,
dass sodann hinsichtlich des Vorbringens des Beschwerdeführers, er
möchte mit seiner Freundin in der Schweiz zusammenleben, darauf hinzu-
weisen ist, dass Art. 8 EMRK unter dem Aspekt von Art. 17 Abs. 1 Dublin-
III-VO zu berücksichtigen ist, soweit eine tatsächlich gelebte Beziehung
besteht, wobei diesbezüglich als wesentliche Faktoren das gemeinsame
Wohnen respektive der gemeinsame Haushalt, die finanzielle Verflochten-
heit, die Länge und Stabilität der Beziehung sowie das Interesse und die
Bindung der Partner aneinander zu berücksichtigen sind (vgl. CHRISTOPH
GRABENWARTER / KATHARINA PABEL, Europäische Menschenrechtskon-
vention, 7. Aufl., 2021, S. 304; MARK E. VILLIGER, Handbuch der Europäi-
schen Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., 1999, S. 365 und statt vieler
Urteile des BVGer D-3768/2020 vom 17. November 2020 E. 6.2 oder E-
736/2019 vom 2. November 2020 E. 8.2.2),
dass vorliegend aufgrund mangelnder Angaben des Beschwerdeführers
zur Beziehung mit seiner angeblich in der Schweiz lebenden Freundin, wel-
che er erstmals auf Beschwerdeebene erwähnte, nicht von einer gefestig-
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ten, bereits längere Zeit andauernden respektive eheähnlichen Gemein-
schaft im Sinne der Rechtsprechung zu Art. 8 EMRK (Recht auf Achtung
des Privat und Familienlebens) ausgegangen werden kann,
dass der Beschwerdeführer und seine Freundin somit nicht als Familien-
angehörige im Sinne von Art. 2 Bst. g Dublin-III-VO respektive Art. 8 EMRK
erachtet werden können, womit der Beschwerdeführer keine Rechtsan-
sprüche zu seinen Gunsten abzuleiten vermag,
dass nach dem gesagten keine Veranlassung zu einem Selbsteintritt im
Sinne von Art. 17 Dublin-III-VO und Art. 8 EMRK besteht,
dass es angesichts der vorstehenden Erwägungen keine Gründe für eine
Anwendung der Ermessensklauseln von Art. 17 Dublin-III-VO gibt,
dass dem SEM bei der Anwendung von Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts Ermessen zukommt (vgl.
BVGE 2015/9 E. 7 f.) und den Akten keine Hinweise auf eine gesetzeswid-
rige Ermessensausübung (vgl. Art. 106 Abs. 1 Bst. a AsylG) durch die Vor-
instanz zu entnehmen sind,
dass das Bundesverwaltungsgericht sich unter diesen Umständen weiterer
Ausführungen zur Frage eines Selbsteintritts enthält,
dass andere Gründe, die der Schweiz Anlass geben könnten oder sie gar
verpflichten würden, von ihrem Selbsteintrittsrecht nach Art. 17 Abs. 1
Satz 1 Dublin-III-VO Gebrauch zu machen, weder geltend gemacht wer-
den noch ersichtlich sind,
dass somit Italien der für die Behandlung des Asylgesuchs des Beschwer-
deführers zuständige Mitgliedstaat gemäss Dublin-III-VO bleibt,
dass allfällige Verzögerungen aufgrund der herrschenden Situation im Zu-
sammenhang mit der Covid-19-Pandemie – gemäss aktuellem Kenntnis-
stand – lediglich temporäre Vollzugshindernisse darstellen und am Aus-
gang des vorliegenden Verfahrens nichts zu ändern vermögen (vgl. etwa
Urteile des BVGer F-4786/2021 vom 5. November 2021 E. 8.6 oder
F-868/2021 vom 5. März 2021 E. 6.9, je m.w.H),
dass das SEM demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1
Bst. b AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten
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ist und – weil der Beschwerdeführer nicht im Besitz einer gültigen Aufent-
halts- oder Niederlassungsbewilligung ist – in Anwendung von
Art. 44 AsylG die Überstellung nach Italien angeordnet hat (Art. 32
Bst. a AsylV 1),
dass nach dem Gesagten die Beschwerde als offensichtlich unbegründet
abzuweisen ist und die Verfügung des SEM zu bestätigten ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten von Fr. 750.– (Art. 1‒
3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädi-
gungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE; SR 173.320.2]) dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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