Decision ID: 0e4dab69-0f60-4152-9cc6-30c56df09c5a
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_HG
Chamber: ZH_HG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren betreffend Beklagte 1 (act. 1 S. 2, act. 19 S. 2):
"1. Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, dem Kläger 1 aus dem Unfall vom 24. (recte: 20.) November 1991 CHF 6'892'309.– unter dem Titel Schadenersatz und Genugtuung zu bezahlen, samt 5 % Zins ab 1. Juli 2006, dies unter Vorbehalt der Nachforderung eines Restschadens.
2. Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, CHF 50'000.– als Genugtuung für die Klägerin 2 zu bezahlen, samt 5 % Zins ab Unfalldatum.
3. Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, je CHF 15'000.– als  für die Kläger 3 und 4 zu bezahlen, samt 5% Zins ab .
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagte 1."
Rechtsbegehren betreffend Beklagte 2:
(act. 33/2/2 S. 2):
"1. Die Beklagte 2 sei zu verpflichten, dem Kläger 1 aus dem Unfall vom 17. März 1994 CHF 500’000.– unter dem Titel  und Genugtuung zu bezahlen, samt 5% Zins ab 23.  2006, unter ausdrücklichem Vorbehalt der Nachklage.
2. Die Beklagte 2 sei zu verpflichten, CHF 20'000.– als Genugtuung für die Klägerin 2 zu bezahlen, samt 5% Zins ab Unfalldatum.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten 2."
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Inhaltsverzeichnis
I. Prozessverlauf ............................................................................................................ 5 1. Getrennte Verfahren ............................................................................................. 5 2. Vereinigtes Verfahren ........................................................................................... 6
II. Einleitung und Sachverhalt .....................................................................................12 1. Parteien .................................................................................................................12 2. Sachverhalt ...........................................................................................................12
III. Prozessuales ........................................................................................................13 1. Anwendbares Prozessrecht ...............................................................................13 2. Teilklage ................................................................................................................13
IV. Materielles .............................................................................................................14 A. Haftung (Schadenersatz und Genugtuung - Haftungsvoraussetzungen im Überblick) ......................................................................................................................14 B. Genugtuungsforderungen Kläger/-innen 2 - 4 ....................................................15
1. Parteidarstellungen .............................................................................................15 2. Genugtuungsforderungen der Kläger 2 - 4......................................................17
C. Gesundheitszustand des Klägers 1 .....................................................................19 1. Parteidarstellungen .............................................................................................19 2. Beweiswürdigung.................................................................................................27 3. Fazit .......................................................................................................................36
D. Kausalzusammenhang...........................................................................................37 1. Einleitung ..............................................................................................................37 2. Natürlicher Kausalzusammenhang ...................................................................37 3. Adäquater Kausalzusammenhang....................................................................52
E. Schaden....................................................................................................................54 1. Solidarität ..............................................................................................................54 2. Erwerbsschaden ..................................................................................................55 3. Eigenleistungsausfallschaden ...........................................................................83 4. Haushaltschaden .................................................................................................93 5. Maltherapie/Heilbehandlungskosten ................................................................95 6. Vorprozessuale Anwaltskosten .........................................................................97
F. Genugtuung........................................................................................................... 101 1. Parteidarstellungen .......................................................................................... 101 2. Genugtuungsforderung des Klägers 1 .......................................................... 102
G. Gesamtfazit........................................................................................................... 103 1. Ansprüche gegenüber der Beklagten 1 ........................................................ 103 2. Ansprüche gegenüber der Beklagten 2 ........................................................ 104
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen ................................................................... 105 1. Streitwert ............................................................................................................ 105 2. Gerichtskosten .................................................................................................. 105 3. Prozessentschädigung .................................................................................... 107
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Das Gericht zieht in Erwägung:
I. Prozessverlauf
1. Getrennte Verfahren
1.1. Am 17. Juli 2006 liessen die Kläger 1 - 4 durch Einreichung von Wei-
sung und Klageschrift die Klage mit dem obgenannten Rechtsbegehren gegen die
Beklagte 1 hierorts anhängig machen (act. 1 und act. 2). Die Beklagte 1 erstattete
am 9. November 2006 die Klageantwort und verkündete gleichzeitig der
"F._" Versicherungs-Gesellschaft (heutige Beklagte 2) sowie der "G._"
Versicherungs-Gesellschaft bzw. G1._ AG (vormalige Beklagte 3) gestützt
auf § 46 ZPO/ZH den Streit (act. 9 S. 37). Mit Präsidialverfügung vom 14. No-
vember 2006 wurde die Streitverkündung vorgemerkt, mit dem Hinweis, dass die
Streitberufenen berechtigt sind, dem Prozess als Nebenintervenientinnen der ei-
nen oder anderen Partei beizutreten (Prot. S. 5).
1.2. Am 23. Dezember 2006 reichten die Kläger 1 und 2 am Bezirksgericht
Zürich die Weisung und die Klageschrift gegen die Beklagte 2 ein (act. 33 /2/1
und act. 33/2/2). Nach Durchführung des bezirksgerichtlichen Hauptverfahrens
und einer ergebnislos verlaufenen Vergleichsverhandlung vom 7. März 2008 wur-
de dieses Verfahren bis 31. Mai 2008 sistiert, um aussergerichtliche Vergleichs-
gespräche zu führen und den Gang des Verfahrens zwischen den Klägern 1 - 4
und der Beklagten 1 vor dem Handelsgericht des Kantons Zürich abzuwarten
(act. 33/2/51).
1.3. Am 28. März 2007 fand am Handelsgericht eine Referentenaudienz
statt (Prot. S. 6 ff.), anlässlich welcher zwischen den Parteien (Kläger 1 - 4 und
Beklagte 1) keine Einigung erzielt werden konnte (Prot. S. 6 ff.). Daraufhin er-
suchte der klägerische Rechtsvertreter mit Eingabe vom 7. Mai 2007 das hiesige
Verfahren gegen die Beklagte 1 bis auf weiteres zu sistieren, mit der Begründung,
dass am Bezirksgericht Zürich ein Verfahren gegen die Beklagte 2 laufe, in wel-
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chem der Beklagten 2 und der vormaligen Beklagten 3 der Streit verkündet wor-
den sei, und dass gleichzeitig ein Verfahren gegen die Beklagte 3 anhängig ge-
macht werde und eine Gesamtlösung nur in einem Prozess stattfinden könne, an
dem alle Parteien teilnehmen würden (act. 14). Mit Beschluss vom 18. Juni 2007
wies das Handelsgericht das Sistierungsbegehren ab und ordnete, unter Angabe
von diversen Substantiierungshinweisen, die schriftliche Fortsetzung des Verfah-
rens an (act. 16). Nach Eingang der Replik vom 31. Oktober 2007 und der Duplik
vom 15. Februar 2008 wurde das Hauptverfahren mit Verfügung vom 25. Februar
2008 als geschlossen erklärt (Prot. S. 14).
1.4. Am 9. Oktober 2007 gingen sodann die Weisung und die Klageschrift
der Kläger 1 und 2 gegen die damalige Beklagte 3 beim Bezirksgericht Zürich ein
(act. 35/2/1 und act. 35/2/2). Der darauffolgende Schriftenwechsel wurde mit Ein-
gang der Duplik vom 13. Mai 2008 abgeschlossen (act. 35/2/35).
1.5. Mit Verfügung des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 10. Februar
2009 wurde sämtlichen Parteien in den beiden dort anhängig gemachten Verfah-
ren Gelegenheit gegeben, um zur Frage der Prozessüberweisung an das Han-
delsgericht des Kantons Zürich Stellung zu nehmen (act. 33/2/62 und
act. 35/2/36). Nach Eingang der betreffenden Stellungnahmen (act. 33/2/67,
act. 33/2/69 sowie act. 35/2/41 und act. 35/2/42) überwies das Bezirksgericht Zü-
rich, 3. Abteilung, die beiden erwähnten Verfahren mit Beschluss vom 23. März
2009 an das Handelsgericht des Kantons Zürich, wo sie am 23. April 2009 eingin-
gen (vgl. act. 33/1 und act. 35/1).
2. Vereinigtes Verfahren
2.1. Mit Beschluss vom 29. April 2009 wurden die beiden oben erwähnten,
neu am Handelsgericht eingegangenen Verfahren mit dem bereits am hiesigen
Gericht gegen die Beklagte 1 rechtshängigen Verfahren vereinigt (act. 30). In der
Folge wurden alle beteiligten Parteien mit Vorladung vom 4. November 2009 zu
einer Referentenaudienz und Vergleichsverhandlung vorgeladen, welche am
15. März 2010 stattfand und zu keiner Einigung führte (Prot. S. 18 ff.).
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2.2. Mit Schreiben vom 6. Juli 2010 teilte der klägerische Rechtsvertreter
dem Gericht mit, dass die Klage in der Sache zwischen den Klägern 1 und 2 und
der damaligen Beklagten 3 zurückgezogen werde, unter vereinbarungsgemässen
Kosten- und Entschädigungsfolgen; zudem werde durch die Kläger 1 und 2 die
Streitverkündung gegenüber der (damaligen) Beklagten 3 in den die Beklagten 1
und 2 betreffenden Fällen widerrufen (act. 45). Demgemäss wurde das Verfahren
in Bezug auf die Klage gegen die vormalige Beklagte 3 mit Präsidialverfügung
vom 16. Juli 2010 als durch Klagerückzug erledigt abgeschrieben (act. 46). Nach-
dem aussergerichtliche Vergleichsbemühungen unter den verbliebenen Parteien
scheiterten, wurde den Parteien mit Verfügung vom 12. Juni 2012 mitgeteilt, dass
der Prozess nunmehr Handelsrichter Dr. H._ als Referent zugeteilt ist (Prot.
S. 22). Letzterer erklärte mit Schreiben vom 20. Juni 2012 (act. 49), den Parteien
zugestellt mit Verfügung vom 25. Juni 2012 (Prot. S. 23), dass er befangen sei.
Der Prozess wurde daher mit Verfügung vom 23. Juli 2012 Handelsrichter Dr.
Alexander Müller als Referent zugeteilt (Prot. S. 24). Sodann erging am 14. Sep-
tember 2012 der Beweisauflagebeschluss (act. 53). Die Beklagten 1 und 2 reich-
ten ihre Beweisantretungsschriften am 26. November 2012 ein (act. 58 und 59).
Die Beweisantretungsschrift der Kläger datiert vom 7. Dezember 2012, wobei die
Eingabe den Poststempel 9. Dezember 2012 trägt (act. 61 und 63). Weil den Klä-
gern die Frist zur Einreichung derselben bis zum 7. Dezember 2012 lief (Prot.
S. 30), wurde den Beklagten mit Verfügung vom 14. Dezember 2012 Frist ange-
setzt zur Erklärung, ob sie die rechtzeitige Postaufgabe der klägerischen Beweis-
antretungsschrift bestreiten (act. 64). Die Beklagte 1 erklärte mit Eingabe vom
7. Januar 2013 (act. 66), dass sie die Rechtzeitigkeit nicht bestreite. Die Beklagte
2 liess sich nicht vernehmen, weshalb androhungsgemäss davon auszugehen ist,
dass auch sie die Rechtzeitigkeit nicht bestreitet (act. 64). Daraufhin erging am
11. März 2013 der Beweisabnahmebeschluss (act. 67).
2.3. Die Parteien leisteten die ihnen auferlegten Vorschüsse für die Beweis-
abnahmen innert Frist (act. 70, 71 und 76). Die I._ AG reichte mit Eingabe
vom 8. April 2013 die von ihr zu edierenden Kontenblätter des Garagenbetriebes
des Klägers für das Jahr 1992 ein (act. 72 und 73). Die Beklagte 2 reichte am
16. April 2013 eine Stellungnahme zum Beweisabnahmebeschluss samt der von
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ihr zu edierenden technischen Unfallanalyse (act. 77 und 78) und am 8. Mai 2013
eine Noveneingabe mit Ergänzung der Beweisantretungsschrift ein (act. 82). Die
Kläger sahen sich veranlasst, zum Beweisabnahmebeschluss mit Eingaben vom
25. April und 22. Mai 2013 Stellung zu nehmen (act. 79 und 84). Mit Beschluss
vom 17. Juni 2013 wurde sodann der Beweisabnahmebeschluss vom 11. März
2013 ergänzt (act. 86). Nachdem die Parteien gegen die Einsetzung der Zentralen
Gutachtenstelle des Universitätsspitals Zürich zur Erstattung des zum Beweis ab-
genommenen interdisziplinären medizinischen Gutachtens keine Einwendungen
erhoben haben, diese sich zur Übernahme der Begutachtung bereit erklärte
(act. 85 und 96) sowie nach Eingang der von verschiedenen Dritten zu edieren-
den Urkunden, wurde mit Beschluss vom 23. August 2013 diese Gutachtensstelle
unter der Leitung von Prof. Dr. med. J._ mit der Erstattung des Gutachtens
beauftragt und Prof. Dr. med. J._ als leitender Gutachter ernannt (act. 97).
Gleichzeitig wurde allen Parteien Frist zur Leistung eines Vorschusses für die
Gutachtenskosten angesetzt. Nach Eingang der Kostenvorschüsse (act. 100) er-
folgte die schriftliche Experteninstruktion an den leitenden Gutachter am 2. Okto-
ber 2013 (act. 101) und wurde den Parteien in Kopie zugestellt (Prot. S. 91). Mit
Eingabe vom 10. Oktober 2013 stellte die Beklagte 1 eine Ergänzungsfrage an
den Gutachter (act. 103), worauf die Kläger und die Beklagte 2 ersucht wurden,
allfällige Ergänzungsfragen ihrerseits innert Frist zu stellen, andernfalls von einem
einstweiligen Verzicht ausgegangen würde (act. 104 und 105). Die Kläger stellten
in der Folge mit Eingabe vom 31. Oktober 2013 Ergänzungsfragen (act. 107).
Ausserdem reichten sie unaufgefordert eine Stellungnahme zu den in der Ergän-
zung zur Beweisantretungsschrift von der Beklagten 2 angerufenen Beweismitteln
ein (act. 108). Am 5. November 2013 wurden dem leitenden Gutachter die Ergän-
zungsfragen der Parteien mit einem entsprechend vervollständigten Fragenkata-
log übermittelt (act. 109 und 110).
2.4. Die Parteien wurden auf den 2. und 3. Juni 2014 zur Beweisverhand-
lung mit Zeugeneinvernahmen vorgeladen (act. 112 und 113). Nach Erhalt der
Vorladung reichten die Kläger am 3. März 2014 und am 18. März 2014 Eingaben
betreffend die Zeugenadressen und betreffend die Notwendigkeit der Einvernah-
me der Zeugin K._ ein (act. 114 und 115). Mit Aktennotiz des Instruktions-
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richters vom 21. und E-Mail der Zeugin K._ vom 23. März 2014 wurde der in
der Folge erfolgte Kontakt zur Zeugin dokumentiert (act. 117 und 118).
2.5. Aufgrund einer entsprechenden Mitteilung des leitenden Gutachters
Prof. Dr. med. J._ vom 14. April 2014 (act. 121) wurde den Parteien mit Ver-
fügung vom 29. April 2014 Frist zur Leistung eines zusätzlichen Kostenvorschus-
ses für die Erstellung eines weiteren Teilgutachtens sowie zur Erhebung von Ein-
wendungen gegen das darin skizzierte weitere Vorgehen angesetzt (act. 123). Die
Parteien leisteten die Kostenvorschüsse fristgerecht (act. 126, 128 und 129) und
erhoben keine Einwendungen (act. 127, 130 und 131). Aufgrund einer möglichen
Interessenkollision des vorgeschlagenen Arztes zur Erstellung des psychiatri-
schen Teilgutachtens wurde der leitende Gutachter indessen mit Schreiben vom
16. Mai 2014 um einen anderen personellen Vorschlag ersucht (act. 132). Am
2. und 3. Juni 2014 fanden die Beweisverhandlungen statt (Prot. S. 96 ff.).
2.6. Die Kläger reichten am 5. Juni 2014 eine Eingabe zum Beweisabnah-
mebeschluss (act. 134) und am 11. Juni 2014 eine Noveneingabe ein (act. 135).
Mit Verfügung vom 13. Juni 2014 wurden den Beklagten 1 und 2 Doppel der klä-
gerischen Eingaben zugestellt und ihnen Frist zur Stellungnahme zur Novenein-
gabe angesetzt (act. 136). Die Beklagten 1 und 2 nahmen am 18. und am 23. Juni
2014 Stellung (act. 139 und 140). Gestützt auf die Eingabe der Kläger zum Be-
weisabnahmebeschluss wurde dieser mit Verfügung vom 25. Juni 2014 ergänzt,
der prozessuale Antrag der Kläger in der Noveneingabe demgegenüber abgewie-
sen (act. 141). Am 10. September 2014 fand die Beweisverhandlung in Bezug auf
die bisher nicht einvernommenen Zeugen statt (Prot. S. 184 ff.). Mit Schreiben
vom 22. September 2014 wurde den Parteien das Protokoll der Beweisverhand-
lung in Kopie zugestellt und ihnen der Gutachter für das Teilgutachten Orthopädie
mitgeteilt (act. 144). Am 4. November 2014 reichten die Kläger eine Eingabe zur
Aussage des Zeugen L._ ein (act. 146). Weiter erfolgte eine Korrespondenz
mit den psychiatrischen Teilgutachtern über die diesbezügliche Kostenschätzung
(act. 148 und 148A). Am 16. Dezember 2014 informierte der beisitzende Handels-
richter Patrick Lerch über die Aufnahme einer Anwaltstätigkeit per Anfang 2015
(act. 149), weshalb die Parteien mit Verfügung vom 18. Dezember 2014 aufgefor-
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dert wurden, ein etwaiges darauf beruhendes Ausstandsbegehren zu stellen
(act. 150). Am 7. Januar 2015 ging ein Schreiben betreffend Kostenvoranschlag
für das orthopädische Teilgutachten ein (act. 152). Als Folge der mitgeteilten
Schätzungen der zusätzlichen Kosten für die einzelnen Teilgutachten wurde den
Parteien mit Verfügung vom 12. Januar 2015 Frist zur Leistung von weiteren Kos-
tenvorschüssen angesetzt (act. 153). Die Beklagten 1 und 2 leisteten den Vor-
schuss innert Frist (act. 155 und 156). Die Kläger schlugen mit Eingabe vom
27. Januar 2015 einen anderen psychiatrischen Teilgutachter vor (act. 158). Den
Klägern wurde daraufhin die Frist zur Leistung des Vorschusses mit Verfügung
vom 29. Januar 2015 erstreckt und den Beklagten Frist angesetzt, sich zur kläge-
rischen Eingabe zu äussern (act. 159). Mit Verfügung desselben Tages wurde
davon Vormerk genommen, dass die Parteien auf ein Ausstandsbegehren gegen
Handelsrichter Patrick Lerch verzichten (act. 161; vgl. auch act. 157). Nachdem
sich die Beklagten 1 und 2 mit Stellungnahmen vom 10. resp. 9. Februar 2015
gegen den von den Klägern beantragten Wechsel des psychiatrischen Teilgutach-
ters ausgesprochen hatten (act. 163 und 164) und auch der vorgeschlagene Gut-
achter dazu Stellung genommen hatte (act. 165), wurde der klägerische Antrag
mit Verfügung vom 11. Februar 2015 abgewiesen (act. 166). Die Kläger leisteten
daraufhin den ihnen mit Verfügung vom 12. Januar 2015 auferlegten Kostenvor-
schuss innert erstreckter Frist (act. 168). Am 16. November 2015 erstattete der
leitende Gutachter Prof. Dr. med. J._ das interdisziplinäre Gutachten
(act. 174) unter Beilage der neuropsychologischen, orthopädischen und psychiat-
rischen Teilgutachten (act. 175/1-3). Mit Verfügung vom 25. November 2015 wur-
den den Parteien Doppel des Gutachtens und Kopien der Teilgutachten zugestellt
und ihnen Frist zur Stellungnahme zum Beweisergebnis angesetzt (act. 176). Die
Stellungnahmen der Parteien zum Beweisergebnis gingen am 27. Januar,
12. Februar und 15. März 2016 ein und wurden den Parteien mit Verfügung vom
18. März 2016 je gegenseitig zugestellt (act. 185).
Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
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2.7. Besetzung des Gerichts
Zur aktuellen Gerichtsdelegation ist zur Wahrung der Transparenz Folgendes
auszuführen: Der jetzige Oberrichter (und frühere Ersatzoberrichter) lic. iur. Ro-
land Schmid war seit Beginn fallverantwortlicher Instruktionsrichter. Der früher als
Referent eingesetzte Handelsrichter M._ ist als Handelsrichter vor längerer
Zeit zurückgetreten (vgl. schon oben 2.2). Seit der Verfügung vom 23. Juli 2012
(Prot. S. 24) amtet Handelsrichter Dr. Alexander Müller als Referent. In den Be-
weisbeschlüssen vom 14. September 2012 (Prot. S. 25 ff.), 11. März 2013 (Prot.
S.33 ff.) und 17. Juni 2013 (Prot. S. 83 ff.) bildeten Oberrichter Dr. N._, Vize-
präsident, Ersatzoberrichter lic.iur. Roland Schmid, die Handelsrichter Dr. Alexan-
der Müller, Dr. O._ und P._ sowie die Gerichtsschreiberin lic.iur.
Q._ die Gerichtsdelegation. Oberrichter Dr. N._ hat das Handelsgericht
verlassen. Da die beiden Handelsrichter Dr. O._ und P._ als Handels-
richter ebenfalls ausgeschieden sind, wurden sie später durch Handelsrichter
lic.iur. Patrick Lerch und Handelsrichter Dr. Daniel Hüssy ersetzt (Prot. S. 90 ff.;
Beschluss vom 23. August 2013). Gerichtsschreiberin lic.iur. Q._ ist ebenfalls
nicht mehr am Handelsgericht tätig (Tätigkeit als ständige Ersatzrichterin am Be-
zirksgericht Winterthur). An den Beweisverhandlungen vom 2. Juni 2014 und 10.
September 2014 nahmen Oberrichter lic.iur. Roland Schmid, Handelsrichter Dr.
Alexander Müller und Gerichtsschreiber Dr. R._ teil (Prot. S. 96 ff.). Gerichts-
schreiber Dr. R._ hat das Handelsgericht inzwischen ebenfalls verlassen
(Tätigkeit als Anwalt). Entsprechend ist die Besetzung in den massgeblichen
Funktionen (Instruktionsrichter, Referent) zwar seit Jahren gleich geblieben, in
den erweiterten Gerichtsdelegationen erfolgten Änderungen.
2.8. Nunmehr amten für dieses Urteil neben den bisherigen Richtern (Ober-
richter lic.iur. Roland Schmid, Handelsrichter Dr. Alexander Müller, Handelsrichter
Patrick Lerch) neu Oberrichter Dr. George Daetwyler, Handelsrichter Dr. Daniel
Hüssy und Gerichtsschreiber Adrian Joss. Solche Änderungen sind zulässig (Ur-
teil des Bundesgerichts 4A_271/2015 vom 29. September 2015, Erw. 8.2; Urteil
des Bundesgerichts 4A_474/2016 vom 19. April 2016, Erw. 2.2.1).
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II. Einleitung und Sachverhalt
1. Parteien
1.1. Der Kläger 1 (A._) war vor dem 20. November 1991 als Garagist
tätig und hat Wohnsitz in S._. Er ist verheiratet mit der Klägerin 2 (B._),
die im Getränkehandel arbeitet und Wohnsitz ebenfalls in S._ hat. Die Kläge-
rin 3 (C._) sowie der Kläger 4 (D._) sind die Kinder des Ehepaars
A._/B._.
1.2. Die Beklagten 1 und 2 sind Aktiengesellschaften mit Sitz in Zürich, wel-
che den Betrieb aller Arten von Versicherungs- und Rückversicherungsgeschäften
mit Ausnahme der direkten Lebensversicherung bezwecken.
2. Sachverhalt
2.1. Der Kläger 1 erlitt insgesamt vier Verkehrsunfälle. Am 20. November
1991 schlief die Krankenschwester T._ morgens um 07:50 Uhr nach durch-
wachter Nacht am Steuer ihres Mercedes 190D ein und geriet in ... auf die Ge-
genfahrbahn, wo sie mit dem korrekt entgegenkommenden Kläger 1 kollidierte,
was auch zu einem Totalschaden an beiden Fahrzeugen führte. Der zweite Unfall
ereignete sich am 17. März 1994 in Zürich und wurde von U._ verursacht,
indem dieser dem korrekt vor einem Fussgängerstreifen in Zürich anhaltenden
Kläger 1 in das Heck hinein fuhr, wodurch das Fahrzeug des Klägers 1 nach vor-
ne über den Fussgängerstreifen geschoben und durch die Kollision stark beschä-
digt wurde. Der dritte Unfall geschah am 2. März 1995 in ...; wiederum fuhr ein
anderer Automobilist (V._) von hinten in das Heck des vom Kläger 1 gelenk-
ten Fahrzeuges. Schliesslich kam am 2. Februar 1998 das von W._ gesteu-
erte Auto im ... von der Fahrbahn ab und kollidierte auf der Gegenfahrbahn seit-
lich mit dem Subaru Kombi des Klägers 1.
2.2. Es ist unstrittig, dass der Kläger 1 bei sämtlichen vier Unfällen kein Ver-
schulden trifft. Die Unfallverursacherin des ersten Unfalles war bei der Beklag-
ten 1 und der Unfallverursacher des Unfalles 2 bei der Beklagten 2 obligatorisch
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haftpflichtversichert. Die Verursacher der Unfälle 3 und 4 waren bei der vormali-
gen Beklagten 3 versichert.
2.3. Der Kläger 1 macht gegenüber den Beklagten 1 und 2 verschiedene
Schadenersatzansprüche und je einen Genugtuungsanspruch geltend. Die Kläge-
rin 2 verlangt sowohl von der Beklagten 1 als auch von der Beklagten 2 eine Ge-
nugtuung; und die Kläger 3 und 4 beanspruchen ausschliesslich von der Beklag-
ten 1 eine Genugtuung von je Fr. 15'000.--. Die Beklagten 1 und 2 verwahren sich
demgegenüber gegen sämtliche seitens der Kläger ihnen gegenüber gestellten
Ansprüche. Auf die einzelnen Vorbringen der Parteien wird, soweit entscheidrele-
vant, nachfolgend eingegangen.
III. Prozessuales
1. Anwendbares Prozessrecht
1.1. Am 1. Januar 2011 ist die Schweizerische Zivilprozessordnung (ZPO)
vom 19. Dezember 2008 (SR 272) in Kraft getreten. Gemäss Art. 404 Abs. 1 ZPO
gilt für Verfahren, die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes rechtshängig waren, das
bisherige Verfahrensrecht bis zum Abschluss vor der betroffenen Instanz weiter.
Damit kommen vorliegend in prozessualer Hinsicht nicht die Bestimmungen der
neuen ZPO zur Anwendung, sondern diejenigen des bisherigen Verfahrensrechts
(ZPO/ZH, GVG und aGestG).
1.2. Nach Art. 404 Abs. 2 ZPO bestimmt sich die örtliche Zuständigkeit da-
gegen nach neuem Recht, wobei eine bestehende Zuständigkeit nach altem
Recht erhalten bleibt. Die örtliche Zuständigkeit des Handelsgerichts ergibt sich
aus Art. 26 Abs. 1 aGestG, die sachliche Zuständigkeit aus § 63 Ziff. 1 GVG.
Auch die übrigen Prozessvoraussetzungen sind erfüllt (§ 108 ZPO/ZH).
2. Teilklage
Der Kläger 1 macht im (nunmehr vereinigten) Verfahren gegen die beiden
Beklagten 1 und 2 jeweils bloss eine Teilklage geltend (act. 19 S. 2, act. 33/2/2
S. 4 und act. 33/2/29 S. 10). Sofern der materielle Anspruch teilbar ist, kann sei-
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tens des Klägers 1 auf Grund der Dispositionsmaxime auch nur ein Teil der be-
haupteten Schuld eingeklagt werden (VOGEL/SPÜHLER/DOLGE/GEHRI, Grundriss
des Zivilprozessrechts der Schweiz, 9. Auflage, Bern 2010, Kap. 6 N 43). Dies ist
bei Geldforderungen immer der Fall. Die vorliegend erhobenen Teilklagen erwei-
sen sich damit als zulässig, was auch seitens der Beklagten 1 und 2 nicht in Ab-
rede gestellt wird (act. 24 S. 2 und act. 33/2/15 S. 5).
IV. Materielles
A. Haftung (Schadenersatz und Genugtuung - Haftungsvoraussetzungen im
Überblick)
Wird durch den Betrieb eines Motorfahrzeuges ein Mensch getötet oder ver-
letzt oder Sachschaden verursacht, so haftet der Halter für den Schaden (Art. 58
Abs. 1 SVG). Art und Umfang des Schadenersatzes sowie die Zusprechung einer
Genugtuung richten sich nach den Grundsätzen des Obligationenrechts für uner-
laubte Handlungen (Art. 62 Abs. 1 SVG). Der Geschädigte hat im Rahmen der
vertraglichen Versicherungsdeckung seitens der obligatorischen Haftpflichtversi-
cherung für Motorfahrzeughalter ein Forderungsrecht unmittelbar gegen den Ver-
sicherer (Art. 65 Abs. 1 i.V.m. Art. 63 Abs. 1 SVG).
Eine Haftung ist demgemäss gegeben, wenn kumulativ ein Schaden, der
Betrieb eines Motorfahrzeuges sowie ein natürlicher und adäquater Kausalzu-
sammenhang zwischen dem Betrieb des Motorfahrzeuges und dem Schaden zu
bejahen sind. Das Verschulden bildet keine Haftungsvoraussetzung, da Art. 58
SVG eine Gefährdungshaftung statuiert. Eine Körperverletzung im Besonderen
gibt dem Verletzten Anspruch auf Ersatz der Kosten, sowie auf Entschädigung für
die Nachteile gänzlicher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung
der Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens (Art. 46 Abs. 1 OR). Zudem
kann das Gericht unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten
oder den Angehörigen eines Getöteten eine angemessene Geldsumme als Ge-
nugtuung zusprechen (Art. 47 OR). Ein allfälliger Genugtuungsanspruch der An-
- 15 -
gehörigen eines Schwerverletzten stützt sich demgegenüber nicht auf Art. 47 OR,
sondern dabei handelt es sich gemäss Rechtsprechung des Bundesgerichts um
einen Anwendungsfall von Art. 49 Abs. 1 OR, wonach, wer in seiner Persönlich-
keit verletzt wird, Anspruch auf Leistung einer Geldsumme als Genugtuung hat,
sofern die Schwere der Verletzung es rechtfertigt und diese nicht anders wieder-
gutgemacht worden ist (BGE 112 II 220, Urteil des Bundesgerichts 1A.69/2005
vom 8. Juni 2005 E. 2.4).
Die Beweislast für die positiven Haftungsvoraussetzungen trägt der klagen-
de Geschädigte (Oftinger/Stark, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Besonderer
Teil, Band II/2, 4. Auflage, Zürich 1989, N 294 zu § 25). Folglich hat bezüglich der
Schadenersatzforderung der Kläger 1 die Beeinträchtigung seiner Gesundheit, die
daraus resultierende Schadenshöhe und den Kausalzusammenhang zwischen
den Unfällen vom 20. November 1991 bzw. 17. März 1994 und dem entsprechend
geltend gemachten Schaden zu beweisen (vgl. BREHM, Berner Kommentar zum
Schweizerischen Privatrecht, Band IV, 1. Abteilung, 3. Teilband, 1. Unterteilband,
3. Aufl. 2006, N 18 zu Art. 42 OR).
B. Genugtuungsforderungen Kläger/-innen 2 - 4
1. Parteidarstellungen
1.1. Die Kläger/-innen 2 - 4 verlangen als Folge der Verletzungen ihres
Ehemannes resp. Vaters gegenüber der Beklagten 1 die Zusprechung folgender
Genugtuungsbeträge (act. 1 S. 29):
- Klägerin 2: CHF 50'000.– samt 5 % Zins ab Unfalldatum
- Klägerin 3: CHF 15'000.– samt 5 % Zins ab Unfalldatum
- Kläger 4: CHF 15'000.– samt 5 % Zins ab Unfalldatum
Dazu führen sie aus, die Genugtuungssumme für die Klägerin 2 entspreche
der Tatsache, dass (bildlich gesprochen) an jenem Morgen ein Rolls-Royce das
gemeinsame Haus verlassen habe und später ein Wrack zu ihr, der Klägerin 2,
zurück gekehrt sei. Die Klägerin 2 habe die Leidensgeschichte des Klägers 1
nicht nur mitgemacht, sondern sei vom skandalösen Verhalten der Versicherung
- 16 -
auch direkt betroffen, indem sie als Harassenschlepperin in einem Getränkehan-
del für die Kartoffeln auf dem Tisch der Familie ABCD._ sorgen müsse.
Schliesslich hätten die Kläger 3 und 4 ihren Vater mehr pflegen als erleben kön-
nen. Die geforderte Genugtuung von CHF 15'000.– plus Zins ab Unfalltag trage
dem zwar nur sehr beschränkt Rechnung, sei aber jedenfalls ausgewiesen (act. 1
S. 29 f.).
Die Klägerin 2 verlangt sodann von der Beklagten 2 infolge des zweiten Un-
falles des Klägers 1 unter dem Titel Genugtuung eine Zahlung von CHF 20'000.–,
mit der Begründung, sie, die Klägerin 2, sei nach der Aufbauarbeit mit dem Kläger
1 nach dem ersten Unfall durch den 2. Unfall jeder Hoffnung beraubt worden, mit
ihrem Gatten je wieder ein normales Leben führen zu können (act. 33/2/2 S. 2).
Diesen Anspruch stützt sie auf die aus der oben angeführten Begründung resul-
tierenden Ausführungen (act. 33/2/2 S. 25).
1.2. Die Beklagte 1 erhebt gegenüber den Genugtuungsforderungen der
Kläger 2 - 4, nebst den gegen den Bestand eines Anspruchs überhaupt erhobe-
nen Einwendungen, die Verjährungseinrede. Das Ausmass der behaupteten im-
materiellen Beeinträchtigung und die Person des Ersatzpflichtigen seien spätes-
tens nach der ärztlichen Abschlussuntersuchung vom Dezember 1995 bekannt
gewesen, weshalb zum Zeitpunkt der Klageeinleitung im Sommer 2006 die de-
liktsrechtliche Verjährung längst eingetreten sei. Die jeweiligen Verzichtserklärun-
gen der Beklagten 1 hätten sich ausschliesslich auf die Erhebung der Verjäh-
rungseinrede bezüglich der Ansprüche des Klägers 1 bezogen: Der jeweilige
Rechtsvertreter des Klägers 1 habe unter dem Titel "A._, Unfall vom 20. No-
vember 1991" um Abgabe eines Verjährungsverzichts zu ersuchen gepflegt, wo-
raufhin unter der Überschrift "Ihr Klient A._" die gewünschte Verzichtserklä-
rung abgegeben worden sei. Gemäss schriftlicher Vollmacht hätten die jeweils um
Verzichtserklärungen ersuchenden Anwälte einzig den Kläger 1 vertreten und es
habe für die Beklagte 1 nicht der geringste Anschein einer zusätzlichen Interes-
senwahrung für die Ehefrau und für die Kinder des Klägers 1 bestanden. Ansprü-
che für die Angehörigen des Klägers 1 seien denn auch bis zur Prozesseinleitung
- 17 -
kein einziges Mal thematisiert worden und es sei auch nie eine entsprechende
Akontozahlung an die Kläger 2 bis 4 erfolgt (act. 9 S. 35).
1.3. Auch die Beklagte 2 erhebt gegenüber der Genugtuungsforderung der
Klägerin 2, neben den übrigen Einwendungen, die Einrede der Verjährung. Das
allenfalls haftungsbegründende Ereignis habe am 17. März 1994 stattgefunden.
Ansprüche daraus verjährten nach zwei Jahren. Ab 1996 habe die Beklagte 2 pe-
riodisch die Erklärung abgegeben, gegenüber Ansprüchen aus dem Unfall vom
17. März 1994 die Einrede der Verjährung nicht zu erheben. Diese Verjährungs-
verzichtserklärungen deckten den Zeitraum bis 31. Dezember 2006 ab. Die Erklä-
rungen lauteten jedoch explizit nur dahingehend, dass gegenüber den Ansprü-
chen "von Herrn A._" auf die Einrede der Verjährung verzichtet werde. Ge-
genüber der Klägerin 2 sei nie auf die Einrede der Verjährung verzichtet worden.
Ein Genugtuungsanspruch der Klägerin 2 sei deshalb verjährt. Zudem bestreitet
die Beklagte 2 einen Genugtuungsanspruch der Klägerin 2 auch aus materiell-
rechtlichen Gründen (act. 33/2/17 S. 33).
1.4. Die Kläger 2 - 4 sind bezüglich der erwähnten Verjährungseinreden der
Beklagten 1 der Ansicht, dass mit dem Verjährungsverzicht derselben auf die Ein-
rede der Verjährung bezüglich aller Angehörigen verzichtet worden sei. Zumin-
dest müsse das für die beiden Kinder, die Klägerin 3 und den Kläger 4, gelten
(act. 19 S. 62). Weitere Ausführungen dazu machen sie nicht.
Zu der von der Beklagten 2 gegenüber der Genugtuungsforderung der Klä-
gerin 2 erhobenen Verjährungseinrede äussert sich letztere überhaupt nicht.
2. Genugtuungsforderungen der Kläger 2 - 4
2.1. Bezüglich der Genugtuungsforderungen der Kläger 2 - 4 gegenüber der
Beklagten 1 ist daher vorab zu prüfen, ob diese verjährt sind. Es blieb unbestrit-
ten, dass vor der Klageeinleitung Ansprüche der Kläger 2 - 4 nie gegenüber der
Beklagten 1 thematisiert worden sind. Die Kläger 2 - 4 behaupten einzig, dass mit
dem Verjährungsverzicht auf die Einrede der Verjährung bezüglich aller Angehö-
riger verzichtet werde. Auf was für einen Verjährungsverzicht sie sich dabei be-
ziehen, führen sie jedoch nicht aus. Die Beklagte 1 legte ihrerseits eine Verzichts-
- 18 -
erklärung vom 9. September 2002 ins Recht (act. 10/34). Unter dem Titel "Ihr Kli-
ent: A._, S._", erklärt dort die Beklagte 1, in der im Ingress erwähnten
Schadenangelegenheit auf die Einrede der Verjährung bis 31. Dezember 2004 zu
verzichten. Aus diesem Schreiben geht somit hervor, dass hier nur die Ansprüche
des Klägers 1 zur Diskussion standen. Die Angehörigen des Klägers 1 werden
dagegen nicht erwähnt. In diesem Sinne blieb auch unbestritten, dass die Kläger
2 - 4 damals nicht ebenfalls den jeweiligen Anwalt des Klägers 1 mandatiert hat-
ten, um ihre eigenen Ansprüche einzufordern. Eine andere Erklärung des Ver-
zichts auf die Einrede der Verjährung durch die Beklagte 1 wurde nicht vorge-
bracht. Demnach liegt in Bezug auf die Kläger 2 - 4 bis zur Klageeinleitung beim
Friedensrichter am 29. Mai 2006 (act. 2) keine Unterbrechungshandlung vor.
Die Genugtuungsforderungen aus Unfällen mit Motorfahrzeugen verjähren
gemäss Art. 83 Abs. 1 SVG in zwei Jahren vom Tag hinweg, an dem die Geschä-
digten Kenntnis vom Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt
haben, jedenfalls aber mit dem Ablauf von zehn Jahren vom Tag des Unfalles an.
Da die Klage aus einer strafbaren Handlung hergeleitet wird (die Verursacherin
des 1. Unfalles wurde mit Strafbefehl vom 14. Februar 1992 verurteilt; act. 3/8),
würde eine vom Strafrecht vorgesehene, längere Verjährung auch für den Zivilan-
spruch gelten (Art. 83 Abs. 1 SVG).
Es wurde nicht in Abrede gestellt, dass den Klägern 2 - 4 spätestens im De-
zember 1995 das Ausmass der immateriellen Beeinträchtigung und die Person
des Ersatzpflichtigen aus dem 1. Unfall bekannt war. Dies würde nach dem ersten
Satz von Art. 83 Abs. 1 SVG zur Verjährung der Genugtuungsforderungen Ende
1997 führen. Daran vermag vorliegend auch die strafrechtlichen Verjährungsfrist
nichts zu ändern, da diese ab dem Unfall vom 20. November 1991 bei Verurtei-
lung wegen fahrlässiger Körperverletzung nach Art. 125 Abs 1 in Verbindung mit
Art. 125 Abs. 2 aStGB (act. 3/8) am 21. November 1996 ablief (Verjährungsfrist
von 5 Jahren ab 21. November 1991, keine Teilnahme der Kläger 2 - 4 als Pro-
zesspartei im Strafverfahren; Art. 70 bis 72 aStGB). Die Klageeinleitung erfolgte
somit nach Eintritt der Verjährung und bewirkte keinen Unterbruch derselben.
- 19 -
Demnach sind die Genugtuungsforderungen der Kläger 2 - 4 gegenüber der
Beklagten 1 verjährt, weshalb die Klagen der Kläger 2 - 4 gegenüber der Beklag-
ten 1 abzuweisen sind. Damit hat keine weitere Prüfung der Voraussetzungen
dieser Ansprüche zu erfolgen.
2.2. Auch hinsichtlich der Genugtuungsforderung der Klägerin 2 gegenüber
der Beklagten 2 ist zunächst die Verjährungseinrede zu prüfen. Eine andere Un-
terbrechungshandlung als die Klageeinleitung beim Friedensrichter am 23. August
2006 (act. 33/2/1) macht die Klägerin 2 nicht geltend. Die von der Beklagten 2 ab-
gegebenen Erklärungen betreffend Verjährungseinredeverzicht erfolgten unstrittig
(vgl. Ziff. 1.4. vorstehend) nur gegenüber dem Kläger 1. Die Genugtuungsforde-
rung der Klägerin 2 gegenüber der Beklagten 2 verjährt gemäss Art. 83 Abs. 1
SVG in zwei Jahren vom Tag hinweg, an dem die Geschädigte Kenntnis vom
Schaden und von der Person des Ersatzpflichtigen erlangt hat, jedenfalls aber mit
dem Ablauf von zehn Jahren vom Tag des Unfalles an. Gemäss dieser Bestim-
mung wäre somit der Anspruch der Klägerin 2 spätestens am 18. März 2004 und
damit deutlich vor der Klageeinleitung verjährt. Eine allenfalls anwendbare straf-
rechtliche Verjährungsfrist ist im Vergleich dazu nicht länger, sondern wäre man-
gels (behaupteter) Unterbrechung bereits 5 Jahre nach dem 2. Unfall abgelaufen.
Die Genugtuungsforderung der Klägerin 2 gegenüber der Beklagten 2 ist
somit ebenfalls verjährt. Ihre Klage ist demnach ebenfalls bereits aus diesem
Grund abzuweisen. Eine weitere Prüfung der Anspruchsvoraussetzungen kann
unterbleiben.
Im Folgenden sind daher nur noch die Forderungen des Klägers 1 gegen-
über den Beklagten 1 und 2 zu prüfen.
C. Gesundheitszustand des Klägers 1
1. Parteidarstellungen
1.1. Der Kläger 1 zitiert zur Begründung seiner Klagen aus den diversen
eingereichten Arztberichten und Untersuchungsergebnissen, die in den Zeitraum
ab dem ersten Unfall bis ins Jahr 2007 reichen. Aus dessen Darstellung ist aller-
- 20 -
dings nur beschränkt zu entnehmen, ob behauptet wird, einzelne der geltend ge-
machten Beschwerden würden heute noch bestehen, oder ob sie im Zeitpunkt der
Untersuchung bestanden haben und allenfalls nicht mehr vorhanden sind. Grund-
sätzlich gilt festzuhalten, dass die beiden Beklagten die meisten in den diversen
Berichten aufgeführten Beschwerden und Diagnosen nicht grundsätzlich bestrei-
ten. Sie bezweifeln aber teilweise das Ausmass und die Dauer der betreffenden
Beschwerden und stellen sich diesbezüglich vor allem auf den Standpunkt, dass
die Ursache dafür nicht in dem Unfallereignis liegt, für welches sie als verantwort-
liche obligatorische Haftpflichtversicherer einzustehen haben (vgl. dazu detaillier-
ter unter lit. D [Kausalität] weiter unten).
1.2. Erster Unfall
1.2.1. Mit Bezug auf den ersten Unfall ist im Wesentlichen strittig, ob sich
der Kläger 1 anlässlich dieser Kollision - nebst diversen anderen, weitgehend an-
erkannten (und teilweise bleibenden) Unfallfolgen - auch Kopfverletzungen zuge-
zogen hat. Der Kläger 1 behauptet, dass es bei diesem ersten Unfallereignis vom
20. November 1991 insbesondere auch zu einer traumatischen Hirnverletzung
(Schädelhirntrauma) sowie (damit verbunden) zu einer dauernden psychischen
Persönlichkeitsveränderung gekommen sei (act. 1 S. 4 ff., act. 19 S. 7 ff.).
1.2.2. Die Beklagte 1 bestreitet dieses Vorbringen und hält dafür, dass nach
den auf den Erstunfall folgenden operativen Eingriffen und der Rekonvaleszenz
nurmehr wenige körperliche Einschränkungen wie Bewegungseinschränkungen
im Bereich des linken Ellbogens und der linken Schulter sowie gelegentliche, von
der Stimmungslage abhängige Schmerzen am linken Hemithorax verblieben sei-
en. Diese singulären Beeinträchtigungen könnten allenfalls - so die Beklagte 1
weiter - die handwerkliche Tätigkeit des Klägers 1 als Spengler geringfügig ein-
schränken, jedoch keineswegs seine von ihm selber geschilderten Fähigkeiten
zur Wertschöpfung als Geschäftsmann im Automobil- und Immobilienhandel. Die
vom Kläger 1 geltend gemachten, darüber hinausgehenden Beschwerden seien
allenfalls Folgen der anderen, seitens der Beklagte 1 nicht zu vertretenden Unfäl-
le; die Beklagte 1 habe daher jedenfalls nicht für die aus den zwei späteren Auf-
fahrunfällen von 1994 und 1995 und der zusätzlichen Frontalkollision von 1998
- 21 -
resultierenden Folgen aufzukommen (vgl. dazu auch unter lit. D [Kausalität] nach-
stehend). Die vom Kläger 1 geltend gemachten Kopfverletzungen habe es nie ge-
geben, was nur schon aus dem Umstand ersichtlich sei, dass der Kläger 1, der
den Kopf zwar angeschlagen habe, bis zum zweiten Unfall nie über entsprechen-
de Kopfbeschwerden geklagt habe. Im Übrigen seien auch keine Anhaltspunkte
dafür vorhanden, dass sich ein gegebenenfalls durch den Erstunfall verursachter
Vorzustand voraussichtlich auch ohne die späteren Unfälle ausgewirkt hätte.
Schliesslich sei zu beachten, dass der Kläger 1 die von ihm betriebene Garage
sowohl nach dem ersten Unfall als auch nach den weiteren drei Unfällen zumin-
dest bis ins Jahr 2006 weiter geführt habe; eine von Mai bis Oktober 2004 durch-
geführte Observation habe denn auch entsprechend ergeben, dass der Kläger 1
nach der Rekonvaleszenz von den vier Strassenverkehrsunfällen im Jahre 2004
ohne weiteres im Stande gewesen sei, als Garagist zu arbeiten und insbesondere
an Autos Reparaturarbeiten auszuführen (vgl. dazu act. 9 S. 12 ff. und act. 24
S. 8 ff.).
1.3. Zweiter Unfall
1.3.1. Hinsichtlich des zweiten Unfalls macht der Kläger 1 geltend, ein HWS-
Schleudertrauma mit posttraumatischem Cervikovertebralsyndrom erlitten zu ha-
ben. Nebst einer mittelstarken muskulären Symptomatik habe sich eine schmerz-
hafte Einschränkung der HWS-Beweglichkeit bei Rotation und Seitenneigung
nach links gefunden. Der linke Arm werde spontan kaum bewegt und eine
Schmerzhaftigkeit im ganzen Ellbogengelenk angegeben. Im Vergleich zur Ge-
genseite werde im Ellbogen ein Beuge- und Streckdefizit von je ca. 20° festge-
stellt. Die Supination (Auswärtsdrehung der Hand) sei um ca. 30° eingeschränkt.
Auch im Schultergelenk seien nur eine Beuge- und Streckmöglichkeit von je 25°
möglich. Ferner seien nach dem zweiten Unfall neuropsychologische Funktions-
störungen sowie depressive Tendenzen und Schmerzverarbeitungsprobleme mit
einer somatoformen Schmerzstörung aufgetreten. Die Situation bezüglich seiner
Schmerzen habe sich in der Folge derart kumuliert, dass ein Intensivaufenthalt in
der Rheuma- und Rehabilitations-Klinik Leukerbad nötig geworden sei. Vor dem
zweiten Unfall sei er, der Kläger 1, noch kämpferisch und optimistisch gewesen.
- 22 -
Seitdem habe er aber seinen Optimismus völlig verloren; er leide vor allem unter
starken Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindelattacken sowie Gedächtnis- und
Konzentrationsstörungen. Zudem habe sich eine depressive Grundstimmung breit
gemacht, welche sich zunehmend verschlimmert habe. Diese Beschwerden seien
durch die weiteren Unfälle (Nr. 3 und 4) noch chronifiziert worden und würden bis
heute andauern. In Bezug auf die Restfolgen der HWS-Distorsionen seien ge-
genwärtig nach wie vor insbesondere intermittierende Kopf-, Nacken-, Schulter-
gürtelbeschwerden mit zeitweiser Schmerzausstrahlung in den rechten Arm, mit
Kribbelparästhesien sowie mit einhergehenden Krämpfen vorhanden (vgl. dazu
act. 33/2/2 S. 17, act. 33/2/29 S. 5 ff., Prot. S. 7 und S. 18/19 sowie Prot. S. 10 in
act. 33/2).
1.3.2. Die Beklagte 2 stellt zwar nicht in Abrede, dass der Kläger 1 durch
den zweiten Unfall ein HWS-Schleudertrauma erlitten hat. Die Beklagte 2 bestrei-
tet aber unter Bezugnahme auf diverse ärztliche Untersuchungsberichte das
Ausmass und die Dauer der vom Kläger 1 daraus abgeleiteten Verletzungsfolgen.
So sei aus dem Arztzeugnis des Hausarztes des Klägers 1, Dr. AA._, vom
14. Juni 1994 zu schliessen, dass die Verletzung nicht schwer gewesen sei, in-
dem Dr. AA._ ausdrücklich festgehalten habe, die Behandlung bezüglich der
HWS-Problematik sei voraussichtlich in ca. drei Monaten abgeschlossen. Darauf
weise auch der Umstand hin, dass der Anlass für die in der Folge durchgeführte
Kur des Klägers 1 in der Rheuma- und Rehabilitations-Klinik Leukerbad nicht so
sehr das HWS-Trauma des zweiten Unfalls bilde, sondern stets noch die „persis-
tierende schwere Schmerzproblematik“, die von den Folgen des ersten Unfalls
herrühren würde. Der betreffende Kreisarzt der SUVA habe es für sinnvoll gehal-
ten, anlässlich der Kur „nochmals die Anstrengungsdyspnoe“ abklären und eine
Ergospirometrie durchführen zu lassen. Dementsprechend finde sich im Schrei-
ben von Dr. AA._ für die Überweisung des Klägers 1 an die Rheuma- und
Rehabilitations-Klinik Leukerbad vom 26. September 1994 auch kein Hinweis auf
das HWS-Schleudertrauma als Überweisungsgrund. Als aktuelle Leiden habe Dr.
AA._ vielmehr angegeben: „Chronische neurogene periphere Schmerzen der
linken Thoraxwand und chronische Schmerzen der linken oberen Extremität“; von
Verspannungen oder dergleichen im Nackenbereich sei dagegen nicht die Rede
- 23 -
gewesen. Die Beklagte 2 bestreitet im Übrigen, dass der zweite Unfall depressive
Tendenzen beim Kläger 1 hervorgebracht habe und stützt sich dabei zunächst auf
den Bericht des Psychologen lic. phil. AB._, welcher den Kläger 1 anlässlich
des Kuraufenthaltes in Leukerbad beurteilte. In diesem Bericht halte lic. phil.
AB._ ausdrücklich fest, dass eine solche depressive Tendenz bereits auf den
ersten Unfall zurückzuführen sei. Der Kläger 1 habe zwar Mühe, vor allem die Be-
schwerden zu akzeptieren, die eine Folge des zweiten Unfalls seien (Kopf-
schmerzen, Schwindelgefühle etc.). Dies bedeute aber, dass das gestörte Ver-
hältnis des Klägers 1 zu seinen Beschwerden auf den ersten Unfall zurückgehe,
es mitunter eine Folge des ersten Unfalls sei, wenn er diesbezüglich in psychi-
scher Hinsicht Probleme habe. Auch Dr. med. AC._, welcher den Kläger 1 im
Frühjahr 1998 psychiatrisch begutachtet habe, komme zu diesem Schluss. Auf
die Frage, ob der Kläger 1 vor dem zweiten Unfall an psychischen Beschwerden
gelitten habe, halte Dr. med. AC._ fest, dass der Kläger 1 nach dem Unfall
1991 mit Wahrscheinlichkeit eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt
habe. Es sei nicht auszuschliessen, dass diese Störung hirnorganische Sympto-
me maskiert habe, resp. die Ätiologie vorhandener Symptome aufgrund der
psychoreaktiven Beschwerden fehl interpretiert worden seien. Dr. med. AC._
vermute gar, dass die Belastungsstörung nach dem ersten Unfall hirnorganische
Symptome habe übersehen lassen. Damit stehe fest, dass die Ursache für eine
bestehende psychische Schädigung (welche bestritten werde) der erste Unfall
gesetzt habe. Jedenfalls hätten allfällige aus dem zweiten Unfall herrührende
psychische Schäden mittels entsprechender Behandlung behoben - jedenfalls
stark gemindert - werden können, wenn nicht durch ein vom ersten Unfall stam-
mender Defekt die Bereitschaft zu einer derartigen Behandlung genommen wor-
den wäre. Insgesamt werde bestritten, dass beim Kläger 1 aus dem zweiten Un-
fall bleibende, invalidisierende psychische oder physische Schäden zurückgeblie-
ben seien (act. 33/2/15 S. 13 ff. und act. 33/2/37 S. 7 ff.).
1.4. Nachdem die nach dem Unfallereignis vom 17. März 1994 von ver-
schiedener Seite ergangene ärztliche Diagnose HWS-Distorsion seitens der bei-
den Beklagten dem Grundsatze nach unbestritten geblieben ist, muss darüber
nicht grundsätzlich Beweis geführt werden. Dasselbe gilt auch für die im Grund-
- 24 -
satz anerkannten Bewegungseinschränkungen im Bereich des linken Ellbogens
und der linken Schulter sowie der geltend gemachten Schmerzen am linken He-
mithorax. Das Ausmass dieser Beschwerden und der natürliche und adäquate
Kausalzusammenhang zu den Unfällen ist aber strittig und die gesundheitliche
Beeinträchtigungen und der natürlicher Kausalzusammenhang daher im Beweis-
verfahren zu klären.
Der Kläger 1 räumt im Übrigen selber ein, dass im Hinblick auf den von ihm
geltend gemachten Schaden (insbesondere aus Erwerbsausfall) die gesundheitli-
chen Einschränkungen im Arm, Genick und Kopf im Vordergrund stünden (vgl.
act. 19 S. 17 sowie auch S. 8). Mit Bezug auf die seitens der Beklagten bestritte-
nen oder teilweise bestrittenen Verletzungen bzw. Beschwerden trägt der Kläger
1 die Beweislast. Dem Kläger 1 wurde daher der Beweis dafür auferlegt, dass er
beim Unfall vom 20. November 1991 eine traumatische Hirnverletzung (Schädel-
hirntrauma) erlitten hat; dass er seit dem Unfall vom 20. November an Schmerzen
im linken Hemithorax leidet, die über gelegentliche, von der Stimmungslage ab-
hängige Schmerzen hinausgehen, sowie an Schmerzen in der linken oberen Ext-
remität (Oberarm und Schulterbereich) und im linken Unterarm (Ellenbogenbe-
reich sowie unterhalb des Ellenbogens), an posttraumatischen Störungen der
körperlichen Belastbarkeit, Hirnfunktionsstörungen mit Persönlichkeitsverände-
rung und an Atembeschwerden (act. 67). Als Beweismittel des Klägers 1 wurden
dazu abgenommen: Polizeirapport vom 24. November 1991, Fotodossier Unfall
vom 20. November 1991, Gutachten AD._, Bericht SUVA vom 6. September
1992, Anfrage SUVA-Akten 9, Kostengutschrift SUVA-Akten 10, Gutachten
AC._, Gutachten AE._ vom 1. November 1995, Notiz Kreisarzt SUVA-
Akten 7, Prof. Werner Platzer, Grundstein medizinischen Wissens, 10. Aufl.,
S. 110 f., 138 - 143, Bericht Neurochirurgische Klinik Dr. AF._, Kreisärztlicher
Untersuchungsbericht vom 2. Juni 1994, ärztliches Attest Dr. AG._ vom
17. November 1992, SUVA-Bericht vom 23. September 1992, SUVA-Akten 12
vom 2. Juni 1992, Bericht Neurochirurgie USZ Dr. AF._ vom 8. Februar
1994, Kreisarztbericht SUVA vom 16. September 1994, Kreisärztlicher Untersu-
chungsbericht vom 25. August 1992, Untersuchungsbericht Kreisarzt vom 2. Juni
1993, sämtliche bildgebende Darstellungen des Klägers 1 bei der SUVA ... und
- 25 -
bei Dr. AA._, ein interdisziplinäres medizinisches Gutachten sowie die Zeu-
genaussagen von AH._, AI._ und AJ._ und die persönliche Befra-
gung der Klägerin 2. Als Gegenbeweismittel der Beklagten 1 wurden zusätzlich
abgenommen: Austrittsbericht Kantonsspital Winterthur vom 6. Januar 1992, Ver-
laufsbericht Kantonsspital Winterthur vom 24. Januar 1992, Bericht Kantonsspital
Winterthur vom 9. Januar 1992, Bericht des SUVA-Inspektors vom 2. Juni 1992,
Kreisarztbericht vom 25. August 1992, Kreisarztbericht vom 12. Dezember 1995,
Bericht des leitenden Arztes SUVA-Unfallmedizin vom 8. Januar 1997, Bericht
des leitenden Arztes SUVA-Unfallmedizin vom 14. Januar 2000 und Bericht Dr.
AK._ vom 26. Januar 1993 (vgl. bezüglich der im Einzelnen zu den jeweili-
gen Beweissätzen abgenommenen Beweismitteln inkl. Aktenstelle den Be-
weisabnahmebeschluss vom 11. März 2013, act. 67).
Weiter wurde dem Kläger 1 der Beweis dafür auferlegt, dass er beim Unfall
vom 17. März 1994 eine traumatische Hirnverletzung (Schädelhirntrauma) erlitten
hat sowie dass er seit diesem Unfall an eingeschränkter Beweglichkeit im Na-
ckenbereich, starken Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindelattacken, Gedächt-
nis- und Konzentrationsstörungen, Schulterbeschwerden mit zeitweiser Schmerz-
ausstrahlung in den rechten Arm mit Kribbelparästhesien und einhergehenden
Krämpfen, starken psychischen Stimmungsschwankungen und einer Verschlech-
terung des Gehörs leidet (act. 67). Als Beweismittel des Klägers 1 wurden dazu
abgenommen: Unfallrapport der Stadtpolizei Zürich vom 17. März 1994, Scha-
denexpertise "F._", Anhang zum Unfallrapport der Stadtpolizei Zürich vom
17. März 1994, Schadenanzeige Unfallverursacher vom 21. März 1994, Neu-
ropsychologisches/verhaltensneurologisches Gutachten Dr. med. AE._ vom
1. November 1995, Psychiatrisches Gutachten Dr. med. AC._ vom 10. Juli
1998, Gutachten vom 10. August 1999 von PD Dr. AD._, Arztbericht Rheu-
maklinik Leukerbad, SUVA-Akten 12 vom 2. Juni 1992, SUVA-Akten 58 (= 3 des
2. Unfalles), Bericht Dr. AL._, Bericht Dr. AM._, sämtliche bildgebende
Darstellungen des Klägers 1 bei der SUVA ... und bei Dr. AA._ und Ver-
kehrstechnisches Gutachten bezüglich des Unfalls vom 17. März 1994 der Be-
klagten 2, ein interdisziplinäres medizinisches Gutachten, die Zeugenaussage von
AJ._ sowie die persönliche Befragung der Klägerin 2. Als Gegenbeweismittel
- 26 -
der Beklagten 2 wurden zusätzlich abgenommen: Gutachten Dr. med. AN._
vom 25. März 2013 und Gutachten AO._ vom 12. Februar 2013 (vgl. bezüg-
lich der im Einzelnen zu den jeweiligen Beweissätzen abgenommenen Beweismit-
teln inkl. Aktenstelle den Beweisabnahmebeschluss vom 11. März 2013, act. 67,
sowie die beiden Ergänzungen dazu gemäss act. 86 und 141).
1.5. Ferner wurden aus den mit den Ergebnissen der Observation einerseits
sowie den gegenüber der AP._ AG deponierten Wahrnehmungen von
AQ._ andererseits in Zusammenhang stehenden Behauptungen der Beklag-
ten 1 und 2 im Hinblick auf den strittigen Gesundheitszustand des Klägers 1 die
folgenden Gegenbeweissätze zum Beweis verstellt: Dass der Kläger 1 gegenüber
AQ._ erklärte, er richte Unfallschäden, restauriere Oldtimer und handle mit
Autos; dass der Kläger 1 den Opel Kadett von AQ._ eigenhändig restauriert
hat; dass der Kläger 1 am 29./30. September 2004 von 22:20 bis 3:20 Uhr Auto-
reparaturen im Motorraum von einem PW Opel Astra verrichtet hat; dass der Klä-
ger 1 am 1. Oktober 2004 um 12:05 in kniender Körperhaltung ein Motorrad repa-
riert hat; dass der Kläger 1 am 1./2. Oktober 2004 ab ca. 20 Uhr bis 1:10 Uhr an
verschiedenen Personenwagen (Opel Astra, Opel Kadett) Reparaturen und War-
tungsarbeiten (u.a. Abgaswartung) ausgeführt hat; dass der Kläger 1 am 7. Okto-
ber 2004 ab 14:55 und ab 19:30 Uhr an einem Opel Kadett Restaurationsarbeiten
ausgeführt hat; dass der Kläger 1 am 27./28. Oktober 2004 ab 21:45 bis 0:15 Uhr
am Motorbereich eines Subaru Justy gearbeitet hat und dass es dem Kläger 1
problemlos möglich ist, sich zu bücken, niederzuknien, mit der linken Hand Ge-
genstände zu transportieren sowie die Autotüren mit Kraftaufwand zu öffnen und
zu schliessen und den Oberkörper sowie den linken Ellbogen stark zu verrenken.
Als Beweismittel der Beklagten 1 und 2 hierzu wurden abgenommen: Befra-
gungsprotokoll vom 24. Januar 2005 (nicht vom 21. Januar 2005; act. 10/24 ent-
spricht act. 60/1), Observationsbericht AP._ AG vom 9. November 2004, di-
verse Videosequenzen aus den Videoaufnahmen zur Observation der AP._
AG vom 18. Juni 2004, 28. September 2004, 1., 7. und 8. Oktober 2004 sowie die
Zeugenaussagen von AQ._, L._, AR._, AS._ und AT._.
Als Gegenbeweismittel des Klägers 1 wurden zusätzlich abgenommen: Jahresab-
schluss der Garage A1._ 2004, Kontoblatt Fremdaufwand, Zeugenaussagen
- 27 -
von AI._, AU._, AV._, K._ und AW._ sowie das bereits
zum Hauptbeweis angerufene interdisziplinäre medizinische Gutachten (vgl. wie-
derum bezüglich der im Einzelnen zu den jeweiligen Beweissätzen abgenomme-
nen Beweismitteln inkl. Aktenstelle den Beweisabnahmebeschluss vom 11. März
2013, act. 67).
2. Beweiswürdigung
2.1. Vorab ist festzuhalten, dass Arztberichte grundsätzlich in die Beweis-
würdigung einzubeziehen sind, soweit keine Anhaltspunkte bestehen, dass es
sich um Falsch- oder Gefälligkeitsdiagnosen handelt. Entgegen der Ansicht des
Klägers 1, welcher insbesondere den Beweiswert der Einschätzung von Dr. med.
BA._, leitender SUVA-Arzt, und das neuropsychologische Gutachten von
AO._ vom 12. Februar 2013 beanstandet (vgl. act. 19 S. 10 und 11, act. 108
S. 4 ff.), sind Berichte von Ärzten, die für die SUVA tätig sind, nicht als parteiisch
und im Beweiswert entsprechend reduziert anzusehen. Die SUVA ist als obligato-
rische Unfallversicherung in beweisrechtlicher Hinsicht vielmehr ein zur Objektivi-
tät verpflichtetes gesetzesvollziehendes Organ, welches mit Bindung an die Un-
tersuchungsmaxime unparteiisch ermittelt, weshalb gemäss konstanter bundes-
gerichtlicher Rechtsprechung den Berichten und Gutachten der versicherungsin-
ternen Kreisärzte ohne weiteres Beweiswert zukommt (vgl. BGE 122 V 157
E. 1.c) sowie Urteil des Bundesgerichts U 222/06 vom 27. Dezember 2006). Hin-
sichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist im Übrigen entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfol-
gerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a). In diesem Sinne
ist vor allem das im Rahmen des Beweisverfahrens vom Gericht entsprechend
den Beweisanträgen aller Parteien eingeholte, interdisziplinäre medizinische Gut-
achten zu beurteilen.
2.2. Hinsichtlich der Terminologie ist zu bemerken, dass die Diagnose die
Bestimmung einer Krankheit oder Verletzung bezeichnet, während unter dem Be-
- 28 -
fund der nach einer Untersuchung oder Prüfung festgestellte Zustand zu verste-
hen ist. Der objektive Befund lässt sich pathologisch nachweisen, der subjektive
beruht auf dem persönlichen Empfinden des Patienten (ZR 102 Nr. 36). Gerade
HWS-Verletzungen können eine Vielzahl unspezifischer Beschwerden auslösen,
wie Nackenschmerzen, Bewegungsschmerzen der HWS mit diffuser Schmer-
zausstrahlung in den Hinterkopf, die Brustwirbelsäule und den Schulter-Arm-
Bereich, Schluckbeschwerden, Seh- und Hörstörungen, Schwindel und Übelkeit,
Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten (BGE 117 V 360, BGE 123 III
111). Diese Beschwerden sind unter Umständen pathologisch nicht nachweisbar
und damit auch medizinisch nicht sicher diagnostizierbar (vgl. LÖHLE, Zu geringer
Fahrzeugabstand und Unfallkausalität, in: Collezione Assista, Genf 1998, S. 359
f.). In Bezug auf solche nicht nachweisbaren Beschwerden sind das Gericht und
auch die untersuchenden Ärzte auf die Aussagen des Klägers 1 angewiesen.
2.3. Der Kläger 1 wurde in der Zeit vom Mai 2004 bis Oktober 2004 durch
Mitarbeiter der AP._ AG observiert. Ein entsprechender mit Video- und Foto-
aufnahmen dokumentierter Bericht der AP._ AG vom 9. November 2004 liegt
bei den Akten (act. 3/50 und act. 10/27). Gestützt auf die in diesem Bericht fest-
gehaltenen Aufzeichnungen ziehen die beiden Beklagten Schlüsse hinsichtlich
des Gesundheitszustandes des Klägers 1 und halten - wie eingangs bereits er-
wähnt - insbesondere fest, dass der Kläger 1 ohne weiteres in der Lage sei, im
angestammtem Beruf zu arbeiten (act. 9 S. 21 ff., act. 24 S. 36 ff., act. 33/2/15
S. 23 ff. und act. 33/2/37 S. 4 ff.). Nach Ansicht des Klägers 1 ist der Bericht gar
nicht verwertbar, da die Erhebungen unter Verletzung des Datenschutzgesetzes
erfolgt seien und es überdies am für die Überwachung erforderlichen Anfangsver-
dacht gefehlt habe (act. 1 S. 3, act. 19 S. 49 ff., act. 33/2/29 S. 3 und 4).
Zur dieser Observation des Klägers 1 ist zu bemerken, dass gemäss der
neueren bundesgerichtlichen Praxis die seitens einer Versicherung bezüglich ei-
ner Privatperson vorgenommene Überwachung dann nicht widerrechtlich ist,
wenn das fragliche Vorgehen durch ein überwiegendes privates und öffentliches
Interesse gerechtfertigt ist, was vorliegend der Fall ist, da zunächst weder die be-
treffenden Versicherungen noch die dahinterstehenden Versicherungsgemein-
- 29 -
schaften zu Unrecht Leistungen erbringen sollen und bereits allein durch den Um-
stand, dass die Garage des Klägers 1 auch nach den vier Unfällen weiter geführt
worden ist, ein Anfangsverdacht zu bejahen ist. Nachdem der Kläger 1 gegenüber
den Beklagten 1 und 2 finanzielle Ansprüche erhebt, welche unmittelbar mit sei-
nem Gesundheitszustand und der sich daraus ergebenden Frage der Arbeitsfä-
higkeit zusammenhängen, hat dieser (Kläger 1) diesbezügliche Eingriffe in die
Persönlichkeit zu erdulden, zumal teilweise somatisch nicht objektivierbare son-
dern subjektive Beschwerden geltend gemacht werden. Da im Weiteren die Pri-
vatsphäre des Klägers 1 durch die im öffentlichen Raum bzw. im Gemeinbereich
erfolgte Überwachung gewahrt worden ist, und die Observation sodann das ge-
eignete und erforderliche Mittel für die Klärung eines allfälligen Missbrauchs dar-
stellt, ist gemäss Art. 13 und 14 DSG die Überwachung durch einen Privatdetekti-
ven unter den genannten Voraussetzungen als rechtmässig zu betrachten (vgl.
dazu BGE 135 I 169, BGE 129 V 323, Urteil des Bundesgerichts 8C_272/2011
vom 11. November 2011, Urteil des Bundesgerichts 5A_57/2010 vom 2. Juli 2010
sowie AEBI-MÜLLER/GÄCHTER/ALIOTTA, HAVE 2011, S. 153 ff. und DETTWILER/
HARDEGGER, HAVE 2003, S. 247 f.).
Der Ermittlungsbericht der AP._ AG vom 9. November 2004 sowie das
dazugehörige Bildmaterial, umfassend den Zeitraum Mai bis Oktober 2004, ist
damit gemäss der gefestigten bundesgerichtlichen Rechtsprechung rechtmässig
erlangt worden und es kann darauf abgestellt werden. In beweisrechtlicher Hin-
sicht ist aber festzuhalten, dass der Observationsbericht der AP._ AG im
Auftrag der Beklagten 1 angefertigt worden ist (vgl. act. 3/50 S. 2). Insofern haben
die darin aufgeführten Feststellungen (aus Sicht der Beklagten 1) lediglich die
Bedeutungen von Parteibehauptungen ohne Beweiswert (vgl. dazu
FRANK/STRÄULI/MESSMER, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung,
3. Auflage, Zürich 1997, N 4 vor §§ 171 ff. ZPO/ZH m.w.H. sowie VO-
GEL/SPÜHLER/DOLGE/GEHRI, Grundriss des Zivilprozessrechts der Schweiz, 9. Auf-
lage, Bern 2010, 10. Kap. N 152).
2.4. Des Weiteren hat der vom Kläger als Gegenbeweismittel zu den Ge-
genbeweissätzen der Beklagten angerufene Zeuge AW._ seinen Wohnsitz
- 30 -
nach Bangkok verlegt. Der Kläger 1 wurde deshalb im Rahmen der Beweisver-
handlung vom 10. September 2014 angefragt, ob er an diesem Zeugen festhalte,
was sein Rechtsvertreter noch überdenken wollte (Prot. S. 201). Eine Äusserung
des Klägers 1 zum Verzicht auf diesen Zeugen ist in der Folge aber nicht erfolgt.
Indessen hat er zum Beweisergebnis Stellung genommen, ohne an dieser Zeu-
geneinvernahme noch festzuhalten (act. 184). Angesichts dessen ist anzuneh-
men, dass der Kläger 1 auf die rechtshilfeweise Einvernahme des Zeugen
AW._ verzichtet.
2.5. Sämtliche von den Parteien zum Beweis abgenommenen Urkunden,
namentlich die ärztlichen Erhebungen über den Kläger 1 wie auch die bildgeben-
den Darstellungen des Klägers 1 bei der SUVA ... und bei Dr. AA._, der Ob-
servationsbericht und die dazugehörigen Videoaufnahmen, befinden sich bei den
Akten. Die Akten fanden Eingang in das interdisziplinäre, medizinische Gerichts-
gutachten unter Leitung von Prof. Dr. med. J._ von der Gutachtenstelle der
Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich vom 16. November 2015
(act. 174) und wurden von den einzelnen Teilgutachtern und dem leitenden Gut-
achter in medizinischer Hinsicht beurteilt und zusammen mit ihren eigenen medi-
zinischen Untersuchungen ausgewertet (§ 175 Abs. 3 ZPO/ZH). Insbesondere auf
die Videosequenzen der Observation ist der orthopädische Teilgutachter speziell
eingegangen (175/2 S. 25 ff.). Das interdisziplinäre Hauptgutachten unter Leitung
der Neurologen kombiniert die zuvor eingeholten Teilgutachten der Neuropsycho-
logie (act. 175/1), Orthopädie (act. 175/2) und Psychiatrie (act. 175/3) mit den ei-
genen Feststellungen und zieht daraus die disziplinenübergreifenden medizini-
schen Schlussfolgerungen. Die Parteien hatten Gelegenheit, zum Gutachten Er-
gänzungsfragen zu stellen (§ 175 Abs. 2 ZPO/ZH) und nahmen dazu in ihren Stel-
lungnahmen zum Beweisergebnis Stellung (§§ 147 und 180 ZPO/ZH; act. 181,
183 und 184). Die vom Kläger 1 behaupteten, zum Beweis verstellten körperli-
chen Beeinträchtigungen, welche er durch den Unfall vom 20. November 1991
resp. denjenigen vom 17. März 1994 erlitten hatte, wurden im eingeholten inter-
disziplinären medizinischen Gerichtsgutachten im Einzelnen abgeklärt. Es ist in
dieser Hinsicht auf die Ergebnisse des sehr sorgfältig erstellten und begründeten
sowie überzeugenden medizinischen Gerichtsgutachtens abzustellen. Es beste-
- 31 -
hen weder Widersprüche noch andere zwingende Gründe für ein Abweichen von
diesem Gerichtsgutachten (BGE 152 V 351 E. 3.b.aa).
Das Gerichtsgutachten kommt in Bezug auf den Unfall vom 20. November
1991 zum Schluss, dass keine belastbaren Hinweise darauf bestehen, dass der
Kläger 1 bei diesem Unfall eine traumatische Hirnverletzung erlitten hat, und zwar
ebenso wenig wie beim Unfall vom 17. März 1994 (act. 174 S. 46 und 48). Damit
ist nicht bewiesen, dass der Kläger 1 bei einem dieser beiden Unfälle eine trau-
matische Hirnverletzung erlitt.
Bezüglich der weiteren, vom Kläger 1 behaupteten, seit dem Unfall vom
20. November 1991 bestehenden körperlichen Beeinträchtigungen kommt das in-
terdisziplinäre medizinische Gerichtsgutachten zu folgendem Untersuchungser-
gebnis: Der Kläger 1 erlitt bei diesem Unfall eine komplexe Ellbogenfraktur mit
Beteiligung des distalen Humerus sowie der beiden Unterarmknochen der Ulna
und des Radius. Seither leidet er an heftigen Schmerzen im Bereich des linken
Ellbogens, welche in den Ober- und Unterarm ausstrahlen und durch die ausge-
prägte Ellbogenarthrose erklärbar sind. Dabei handelt es sich um eine ausgepräg-
te postoperative Ellbogenarthrose, die seit dem Unfall zunahm und sich bereits
bei der Osteosynthesematerialentfernung sowie Resektion des Radiusköpfchens
am 19. Mai 1992 zeigte (act. 175/2 S. 15). In der linken oberen Extremität finden
sich sodann postoperative trophische Störungen und eine stark wechselnde In-
nervation der Muskulatur des linken Armes, wobei aber für die Schmerzen und
Schwäche in diesem Bereich kein organisches Korrelat gefunden wurde und die
linke Schulter selbst nicht schmerzhaft und frei beweglich ist. Weiter wurde fest-
gestellt, dass die psychophysische Belastbarkeit des Klägers 1 im Sinne einer
eingeschränkten Durchhaltefähigkeit mittelgradig reduziert und die körperliche Be-
lastbarkeit des linken Armes herabgesetzt ist. In Bezug auf die behaupteten Hirn-
funktionsstörungen mit Persönlichkeitsveränderung hält das Gutachten fest, dass
beim Kläger 1 leichte bis höchstens mittelschwere Einschränkungen im Tempo, in
einzelnen Aufmerksamkeitsfunktionen und in einzelnen exekutiven Funktionen
erst in der Folge des 2. Unfalles klar dokumentiert sind und nicht mit hinreichen-
der Wahrscheinlichkeit auf den Unfall vom 20. November 1991 zurückgeführt
- 32 -
werden können. Weiter hält das Gerichtsgutachten fest, dass linksseitige Thorax-
schmerzen in den ersten Wochen und wahrscheinlich auch Monaten nach dem
Unfall bzw. der operativen Revision nachvollziehbar seien. Nach Angaben des
Klägers 1 seien diese Schmerzen aber seither mehr oder weniger unverändert
vorhanden. In der gutachterlichen Untersuchung findet sich eine unspezifische
Sensibilitätsstörung praktisch der gesamten linken Körperhälfte. Über die anam-
nestische Schilderung des Klägers 1 hinaus wurde aber aus neurologischer Sicht
kein somatisches Korrelat für die beschriebenen hemithorakal links gelegenen
Schmerzen festgestellt und aus orthopädischer Sicht konnten diese Schmerzen
nicht objektiviert werden. Für die vom Kläger 1 berichteten Atembeschwerden
wurde kein fassbares somatisches Korrelat und keine organische Ursache festge-
stellt (vgl. im Einzelnen act. 174 und act. 175/1-3, zur Zusammenfassung insbe-
sondere act. 174 S. 46 - 48). Obwohl über die interdisziplinäre medizinische Be-
gutachtung hinaus weitere Beweismittel abgenommen wurden, ist festzuhalten,
dass sich aus diesen durch die Gutachter ebenfalls berücksichtigten Urkunden
und Zeugenaussagen keine über die Feststellungen des Gutachtens hinausge-
henden Erkenntnisse gewinnen lassen und diese auch keine rechtserheblichen
Zweifel an der Richtigkeit des Gutachtens erwecken. Insbesondere die von der
Beklagten 1 angerufenen Zeugen, die an der Observation des Klägers 1 beteiligt
waren, konnten keine Aussagen machen, die tatsächlich eine andere gesundheit-
liche Konstitution des Klägers 1 belegen würden. Damit ist dem Kläger 1 der Be-
weis der seit dem Unfall vom 20. November 1991 bestehenden körperlichen Be-
einträchtigungen im Umfang der Feststellungen des Gutachtens erbracht. Zu-
sammengefasst kommt das interdisziplinäre medizinische Gutachten zum
Schluss, dass der Kläger 1 auf Grund der festgestellten Unmöglichkeit, den linken
Arm für handwerkliche Tätigkeiten zu benutzen, für den Beruf des Autospenglers
und -mechanikers voll arbeitsunfähig sei und dass dies mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit seit dem 1. Unfall der Fall sei (act. 174 S. 55). Auch an dieser me-
dizinischen Beurteilung der körperlichen Beeinträchtigungen des Klägers 1 am
linken Ellbogen ändert die zum Gegenbeweis angerufene Videosequenz und die
Feststellungen in der Observation nichts, insbesondere war für die Gutachter
auch dort die deutliche Einschränkung in der Funktion des Ellbogens ersichtlich.
- 33 -
Ausserdem halten sie fest, dass sich in der Zwischenzeit der Zustand noch derart
verschlechtert hatte, dass der Kläger 1 die in der Videosequenz vom 8. Oktober
2004 ab 10:25:14 aufgezeichnete Bewegung im Untersuchungszeitpunkt nicht
mehr hätte ausführen können (act. 174 S. 56 f.).
2.6. Entsprechend den obigen Ausführungen zum Beweis in Bezug auf den
1. Unfall ist auch bezüglich der seit dem 2. Unfall bestehenden körperlichen Be-
einträchtigungen des Klägers 1 auf die überzeugende gerichtliche, interdisziplinä-
re medizinische Begutachtung abzustellen. Demnach ist zu den behaupteten Be-
schwerden des Klägers 1 seit dem Unfall vom 17. März 1994 Folgendes festzu-
halten: Eine traumatische Hirnverletzung des Klägers 1 wurde verneint. Festge-
stellt wurde aber eine objektivierbare, leichte bis höchstens mittelschwere Ein-
schränkung im Tempo, in einzelnen Aufmerksamkeitsfunktionen und in einzelnen
exekutiven Funktionen, welche zur Feststellung einer Lernstörung führen. Dies-
bezüglich muss mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Verarbeitungs-
störung des Klägers 1 ausgegangen werden. Aufgrund der anamnestischen An-
gaben des Klägers 1 und in Einklang mit der zeitnahen medizinischen Dokumen-
tation entwickelten sich innert weniger Stunden nach dem Unfallereignis Nacken-
und Kopfschmerzen und es wird eine eingeschränkte Nackenbeweglichkeit be-
schrieben. Aufgrund des Unfallmechanismus und der einwirkenden Be- und Ent-
schleunigungskräfte stellt dies keine ungewöhnliche Entwicklung dar. Derartige
Nackenbeschwerden sind aber in der Regel vorübergehender Natur und heilen
innerhalb weniger Monate ab. Weswegen sich beim Kläger 1 eine Chronifizierung
der Nackenbeschwerden einstellte, diese mithin immer noch vorhanden sind,
kann nicht erklärt werden. Die HWS-Beweglichkeit ist jedenfalls für Reklination,
Seitneigung und Rotation nach links leicht eingeschränkt, im Seitenvergleich um 5
bis 10°. In unbeobachteten Momenten kann der Kläger 1 seinen Kopf scheinbar
uneingeschränkt mindestens in einem Spielraum von 45° seitwärts bewegen, führt
aber kaum spontan Reklination und Inklination (Rückwärts- und Vorwärtsneigen)
aus. Es wird kein muskulärer Hartspann ertastet und am Nacken finden sich auch
keine druckdolenten Muskelansätze. Insgesamt kommt das Gerichtsgutachten
zum Schluss, dass kein klar unfallbedingtes Korrelat vorliege, welches eine ein-
geschränkte Nackenbeweglichkeit des Klägers 1 erklären könnte. Die vom Kläger
- 34 -
1 berichteten und in den medizinischen Dokumenten enthaltenen belastungsab-
hängigen Nackenschmerzen und vom Nacken ausstrahlenden Kopfschmerzen in-
terpretiert das Gutachten in den ersten Monaten nach dem 2. Unfall im Rahmen
des cervico-cephalen Sydroms. Im Gutachtenszeitpunkt finden sich dagegen kei-
ne pathologischen neurologischen oder muskuloskeletalen Befunde, welche so-
matisches Korrelat dieser Schmerzen darstellen könnten. Die Schmerzen erfüllen
die Kriterien eines "chronischen Kopfschmerzes nach HWS" (G44.841). Aus neu-
rologischer Sicht wird aber als unzulässig erachtet, eine zwangsläufige natürliche
Kausalitätsbeziehung der Kopfschmerzen mit dem erlittenen HWS-
Distorsionstrauma abzuleiten. Bei regelmässiger Einnahme von Schmerzmittel
könnte man für diese Schmerzen auch ein zumindest überlagerndes, Analgetika-
induziertes Kopfschmerzsyndrom annehmen und ist eine somatoforme Schmerz-
störung in Betracht zu ziehen. Die vom Kläger 1 beschriebenen Schwindelatta-
cken konnten die Gutachter nicht auf eine fassbare Störung des Vestibularappa-
rates bzw. cerebellärer oder anderweitiger zentraler Strukturen zurückführen. Ein
organisches Korrelat bezüglich der Schwindelattacken fehlt aus neurologischer
Sicht.
Weiter sind Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen des Klägers 1 erst-
mals in der Folge zweiten Unfalls und zwar in einem mehrwöchigen zeitlichen Ab-
stand aufgetreten. Als mögliche Faktoren dafür nennt das Gutachten eine
schmerzassoziierte kognitive Störung sowie eine Interaktion mit den eingenom-
menen teilweise psychotropen Medikamenten, und es begründet diese Störungen
im Rahmen der aus psychiatrischer Sicht gestellten Diagnosen, wobei die von
den Beklagten hierzu angeführten Simulationstendenzen des Klägers 1 mit gröss-
ter Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die Glaubhaftigkeit der geklagten
Beschwerden wurde damit durch das Gerichtsgutachten klar bestätigt.
Keinerlei Hinweise fanden die Gerichtsgutachter dagegen für Schulterbe-
schwerden mit zeitweiser Schmerzausstrahlung in den rechten Arm. Es wurden
normale Schulter- und Armfunktionen auf der rechten Seite ohne Kribbelparäs-
thesien und ohne einhergehende Krämpfe festgestellt. Eine derartige Beeinträch-
tigung des Klägers 1 seit dem 2. Unfall ist damit nicht bewiesen. In Bezug auf die
- 35 -
geltend gemachten starken psychischen Stimmungsschwankungen wurde im
Gutachten eine chronische affektive Störung leichten Ausmasses und eine
Schmerzstörung festgestellt, in deren Rahmen die mittelgradig ausgeprägten,
emotionalen Auffälligkeiten, Gereiztheit und schwankende Befindlichkeit des Klä-
gers 1 zu sehen sind. Diese Beeinträchtigung bestand aber wahrscheinlich bereits
nach dem ersten und damit schon vor dem zweiten Unfall. Für eine funktionelle
Hörstörung im Rahmen des Schmerzsyndroms des Klägers 1 bestehen gemäss
Gutachten Verdachtsmomente, wohingegen keine Verletzung des Innenohrs oder
des Hörorgans festgestellt wurde (act. 174 S. 48 bis 51). Zusammengefasst wird
im Gutachten zu den körperlichen Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit
dem 2. Unfall festgehalten, dass der Kläger 1 nach diesem Ereignis in seiner Leis-
tungsfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht zu 10-20 % eingeschränkt sei und
aus psychiatrischer Sicht unter Berücksichtigung dieser Einschätzung in einer op-
timal angepassten Tätigkeit ohne Schichtdienst, ohne Führungs- und Leistungs-
aufgaben, mit klar geregelter Arbeitszeit und ohne hohe Ansprüche an kognitive
Funktionen und kommunikative Kompetenzen von einer dauerhaften fünfzigpro-
zentigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (act. 174 S. 55). Rechtserhebliche
Zweifel an den durch das interdisziplinäre Gerichtsgutachten festgestellten, chro-
nifizierten Beschwerden nach dem HWS-Distorsionstrauma und den im Rahmen
der psychiatrischen Diagnose festgestellten kognitiven Beeinträchtigungen des
Klägers 1 werden weder durch die abgenommen Gegenbeweismittel noch durch
die im Rahmen der Gegenbeweissätze erhobenen Beweismittel geweckt. Diesbe-
züglich wird auf die Protokolle der Zeugeneinvernahmen und die Akten verwiesen
und auf eine detaillierte Wiedergabe der Aussagen der Zeugen verzichtet. Über-
dies haben die Gutachter eine vollständige Unfähigkeit des Klägers 1 für die Ar-
beit als Autospengler und Automechaniker sowie in handwerklichen Berufen ge-
nerell festgestellt und anschliessend umschrieben, in welchen Tätigkeiten in wel-
chem Umfang nach welchem der beiden Unfälle aufgrund der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen noch eine Arbeitsfähigkeit des Klägers 1 bestanden hätte
resp. besteht. Aus diesem Grund kann entgegen der Beklagten 2 auch ohne die
Erstellung eines Funktionsprofils des Klägers 1 für seinen Garagenbetrieb auf das
Gerichtsgutachten abgestellt werden. Es ist festzuhalten, dass dem Kläger 1 der
- 36 -
Beweis der gesundheitlichen Beeinträchtigungen im beschriebenen Umfang ge-
mäss Gerichtsgutachten gelungen ist.
3. Fazit
Damit stehen die körperlichen Beeinträchtigungen des Klägers seit dem Un-
fall vom 20. November 1991 und dem Unfall vom 17. März 1994 fest, und es ist
nachfolgend (unter lit. D) zu prüfen, ob und allenfalls inwiefern diese natürlich und
adäquat kausal auf die beiden Unfälle zurückzuführen sind.
- 37 -
D. Kausalzusammenhang
1. Einleitung
Die Haftung der Beklagten ist nur dann gegeben, wenn zwischen dem
Schaden, der dem Kläger 1 aus seinem Gesundheitszustand erwächst, und dem
Betrieb des jeweiligen bei den Beklagten 1 oder 2 haftpflichtversicherten Motor-
fahrzeugs resp. dem durch diese verursachten Unfallereignis vom 20. November
1991 (Beklagte 1) bzw. dem Unfall vom 17. März 1994 (Beklagte 2) je ein natürli-
cher und adäquater Kausalzusammenhang besteht.
2. Natürlicher Kausalzusammenhang
2.1. Der natürliche Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn das pflichtwid-
rige Verhalten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch der eingetretene
Erfolg entfiele, es mithin conditio sine qua non für den Schaden darstellt. Ursa-
chen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne
deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als
in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden
kann (OFTINGER/STARK, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Bd I: Allgemeiner Teil,
5.A. Zürich 1995, § 3 N 10 f.; BREHM, a.a.O., N 106 und N 109 zu Art. 41 OR;
BGE 132 III 715 ff., BGE 128 III 180 E. 2.d), BGE 125 IV 195 E. 2.b und BGE 117
V 359 E. 4.a). Für den Begriff des natürlichen Kausalzusammenhanges genügt
es, dass das schädigende Ereignis (als conditio sine qua non) zusammen mit an-
deren Bedingungen zu den eingetretenen Folgen geführt hat; es muss nicht deren
alleinige oder unmittelbare Ursache sein (BGE 125 IV 195 E. 2.b), BGE 96 II 392,
E. 1; BREHM, a.a.O., N 109a Art. 41 OR). Der natürliche Kausalzusammenhang ist
aber dann nicht erstellt, wenn gegenüber den vom Geschädigten geltend ge-
machten Umständen andere überwiegen oder diese zumindest den ausschlagge-
benden Charakter der geltend gemachten Ursache zweifelhaft erscheinen lassen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_540/2010 vom 8. Februar 2011 sowie BGE
119 Ib 334 E. 3.c). Die Anforderungen an den Beweis des natürlichen Kausalzu-
sammenhangs im Haftpflichtrecht des Motorfahrzeughalters unterscheiden sich
nicht von denjenigen, die nach dem übrigen Schadenersatzrecht zu erfüllen sind.
- 38 -
Weder im einen noch im anderen Bereich braucht der Geschädigte den Kausal-
zusammenhang zwischen dem schädigenden Ereignis und dem Unfall mit wis-
senschaftlicher Genauigkeit nachzuweisen. Auch darf die Gewissheit, die der Be-
weis dem Gericht über den Eintritt eines Ereignisses verschaffen soll, nicht mit
dem absoluten Ausschluss jeder anderen Möglichkeit gleichgesetzt werden. Zu-
mindest wenn nach der Natur der Sache kein direkter Beweis geführt werden
kann, muss genügen, wenn das Gericht die Überzeugung gewinnt, dass die
überwiegende Wahrscheinlichkeit für einen bestimmten Kausalverlauf spricht.
Anders verhält es sich indes, wenn nach den besonderen Umständen des Falles
weitere Möglichkeiten bestehen, die neben der behaupteten Ursachenfolge eben-
so ernst in Frage kommen oder gar näher liegen (BGE 107 II 272 f.). In einem
neueren Entscheid hat das Bundesgericht in Präzisierung seiner Rechtsprechung
ausdrücklich festgehalten, dass diesfalls das Beweismass der "überwiegenden
Wahrscheinlichkeit" genügt (BGE 130 III 321 ff.; vgl. auch BGE 133 III 462 ff. und
BGE 132 III 715). Zur "überwiegenden Wahrscheinlichkeit" äusserte sich das
Bundesgericht wie folgt: "Die Möglichkeit, dass es sich auch anders verhalten
könnte, schliesst die überwiegende Wahrscheinlichkeit zwar nicht aus, darf aber
für die betreffende Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch ver-
nünftigerweise in Betracht fallen" (BGE 130 III 321, 325 m.w.H.). Nach dem Be-
weismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit gilt ein Beweis mithin dann als
erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung nach objektiven Gesichts-
punkten derart gewichtige Gründe sprechen, dass andere denkbare Möglichkeiten
vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen (vgl. BGE 131 III 12, E.2
sowie BREHM, a.a.O., N 117 zu Art. 41 OR).
Im Weiteren betonte das Bundesgericht, dass auch bei Schleudermecha-
nismen der HWS zuallererst die medizinischen Fakten, wie die fachärztliche Er-
hebung über Anamnese, objektiven Befund, Diagnosen, Verletzungsfolgen, unfall-
fremde Faktoren, Vorzustand usw. die massgeblichen Grundlagen für die Kausali-
tätsbeurteilung bilden. Das Vorliegen eines Schleudertraumas wie seine Folgen
müssen durch zuverlässige ärztliche Angaben gesichert sein. Wesentlich ist, dass
die Gesundheitsschädigung als überwiegend wahrscheinliche Folge des Unfaller-
eignisses anzusehen ist, und nicht als Folge eines krankhaften Vorzustandes,
- 39 -
wobei der Unfall als eine Teilursache für die Bejahung des natürlichen Kausalzu-
sammenhanges genügt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_540/2010 vom 8. Feb-
ruar 2011, Urteil des Bundesgerichts 4A_444/2010 vom 22. März 2011 sowie
BGE 119 V 335 E. 2.b). Nach der Praxis des Bundesgerichts ist bei diagnostizier-
tem Schleudertrauma der HWS und Vorliegen des für diese Verletzung typischen
Beschwerdebildes mit einer Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmer-
zen, Schwindel, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Er-
müdbarkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensver-
änderung usw. der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und
der danach eingetretenen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzu-
nehmen. Ausgehend von den Ergebnissen der medizinischen Forschung kann ein
Unfall mit Schleudertrauma der HWS in der charakteristischen Erscheinungsform
einer Häufung von typischen Beschwerden eine Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit
verursachen, auch wenn die festgestellten Funktionsausfälle organisch nicht
nachweisbar sind (BGE 134 V 109 m.w.H.).
2.2. Vorliegend ist zur Beurteilung des natürlichen Kausalzusammenhanges
daher anhand der medizinischen Fakten sowie aufgrund von weiteren relevanten
Fakten (wie z.B. des jeweiligen Unfallherganges, des unmittelbar folgenden Ver-
laufes des gesundheitlichen Vorzustandes des Klägers 1 etc.) zu untersuchen, ob
bzw. inwiefern diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen des Klägers 1 mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit durch die Unfallereignisse vom 20. November
1991 bzw. 17. März 1994 natürlich kausal verursacht worden sind. Demgegen-
über wird den weiteren Unfällen vom 2. März 1995 und 2. Februar 1998 keine vor-
rangige Bedeutung beigemessen. Der Kläger 1 selber erachtet diese als weit we-
niger gravierend als die ersten beiden Unfälle und führt entsprechend dazu aus,
dass die geltend gemachte Arbeitsunfähigkeit nicht wesentlich durch den dritten
und vierten Unfall beeinflusst worden sei (vgl. act. 1 S. 4, act. 19 S. 6 und
act. 33/2/29 S. 5). Die Beklagten 1 und 2 ihrerseits beschränken sich in diesem
Zusammenhang grundsätzlich auf den Hinweis, dass allfällige (von ihnen bestrit-
tene) schadensrelevante gesundheitliche Beeinträchtigungen des Klägers 1 auf
die anderen, sie nicht betreffenden Unfallereignisse zurückzuführen sind, ohne
sich allerdings im Einzelnen zu den Folgen der Unfälle vom 2. März 1995 und 2.
- 40 -
Februar 1998 zu äussern (vgl. dazu act. 9 S. 18 ff., act. 24 S. 8 ff., act. 33/2/15
S. 17 ff. und act. 33/2/37 S. 6 ff.).
Die Beweislast für den natürlichen Kausalzusammenhang liegt beim Kläger 1. Er
hat demnach einerseits die natürlich kausal durch die jeweiligen Unfälle verur-
sachten körperlichen Beeinträchtigungen sowie die von ihm behauptete, seit dem
ersten Unfall bestehende und durch diesen natürlich kausal verursachte 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit für den Beruf eines Autospenglers und Automechanikers sowie
eine durch den 2. Unfall natürlich kausal verursachte Arbeitsunfähigkeit auch im
Hinblick auf jede andere Erwerbstätigkeit zu beweisen (vgl. act. 1 S. 9 ff., act. 19
S. 6 ff. und act. 33/2/29 S. 6 ff.). Die beiden Beklagten ihrerseits haben die von
ihnen geltend gemachten Reserveursachen zu beweisen. Sie haben darzutun,
dass der Schaden mit Sicherheit oder zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit
auch ohne den Unfall, für den sie grundsätzlich einzustehen haben, früher oder
später eingetreten wäre (MARKUS SCHMID, Natürliche und adäquate Kausalität im
Haftpflicht- und Sozialversicherungsrecht, Haftpflicht und Versicherungstagung
1997 S. 188 f.), bzw. sie haben darzutun, dass der eingetretene Schaden nicht
aufgrund der Unfälle vom 20. November 1991 (Beklagte 1) bzw. 17. März 1994
(Beklagte 2) eingetreten ist.
2.3. Zum Beweisverfahren betreffend die natürlich kausalen Folgen des
zweiten Unfalles des Klägers 1 ist zunächst noch das Folgende festzuhalten: Bei
behaupteten Dauerinvaliditäten nach Schleudertraumata kann die Schwere des
Unfallereignisses durchaus als Kriterium zur Prüfung sowohl der natürlichen wie
auch der adäquaten Kausalität herangezogen werden. Aufgabe einer einzelfallge-
rechten Problemlösung ist es dabei, die Schwere des Unfallereignisses in all ihren
Facetten abzuklären und auf Grund der vorgegebenen Beweisanforderungen zu
entscheiden, welche Kriterien im Gesamtzusammenhang betreffend natürliche
und adäquate Kausalität hinreichen, um anzunehmen, es liege ein Dauerschaden
nach Schleudertrauma vor. Dabei kann insbesondere die objektive Schwere des
Unfallgeschehens (Kollisionsschwere und biomechanische Schwere) eine mass-
gebende Rolle spielen (vgl. dazu STEINEGGER in SJZ 87 [1991] 385 ff. sowie BGE
131 III 12, Urteile des Bundesgerichts 4A_45/2009 vom 25. März 2009 und
- 41 -
4A_540/2010 vom 8. Februar 2011). Mit Bezug auf die vier streitgegenständlichen
Unfallereignisse ist - soweit ersichtlich - einzig hinsichtlich des zweiten Unfalls
vom 17. März 1994 der Unfallhergang strittig, indem die Darstellung des Klägers
1, wonach das von U._ gelenkte Fahrzeug mit ca. 40 km/h ungebremst auf
das Auto des Klägers 1 aufgefahren sei, von der Beklagten 2 in Abrede gestellt
wird. So habe U._ selber lediglich ausgeführt, dass er nicht mehr rechtzeitig
habe bremsen können. Damit sei aber nicht gesagt, dass der Aufprall ohne Einlei-
tung eines Bremsvorganges durch das hintere Fahrzeug zustande gekommen sei.
Bei der gegebenen Aktenlage könne daher bezüglich des 2. Unfalls ebenso gut
von einem leichten Unfall ausgegangen werden (act. 33/2/29 S. 4, act. 33/2/37
S. 6).
Aus den Akten geht nirgends hervor, dass U._ ungebremst auf das Au-
to des Klägers 1 aufgefahren war. Im Polizeirapport vom 17. März 1994 wird
U._ so zitiert, dass er nicht mehr "rechtzeitig" habe bremsen können (vgl.
act. 3/9 S. 3). Dies kann nur so verstanden werden, dass U._, der angab, vor
dem Unfall mit einer Geschwindigkeit von ca. 40 km/h etwa 10 Meter hinter dem
Fahrzeug des Klägers 1 gefahren zu sein, zwar den Bremsvorgang noch einleiten
konnte, dies aber die Kollision letztlich nicht mehr zu verhindern vermochte. Im
Übrigen ist unklar, wann genau und wie intensiv U._ gebremst hatte bzw. mit
welcher Endgeschwindigkeit es zum Aufprall gekommen war (darüber haben sich
auch die Parteien nicht verbreitet, so dass auch diesbezüglich Weiterungen un-
terbleiben können, zumal es nachträglich ohnehin äusserst schwierig sein dürfte,
hierüber näher Aufschluss zu erhalten). Trotzdem ist auch aufgrund des Scha-
densbildes und der hohen Reparaturkosten (CHF 10'700.– beim Kläger 1 und
CHF 5'400.– beim Auto von U._; vgl. act. 3/9 und act. 3/10) und dem von der
Beklagten 2 eingeholten und von ihr im Beweisverfahren edierten technischen
Unfallanalyse (act. 78) insgesamt jedenfalls nicht mehr von einem Bagatellunfal-
lereignis auszugehen, sondern vielmehr von einer Heftigkeit der Kollision, die
nicht mehr im unerheblichen Bereich liegt.
2.4. Entsprechend der Beweislast wurde dem Kläger 1 sodann der Haupt-
beweis dafür auferlegt, dass die Schmerzen am linken Hemithorax, sofern diese
- 42 -
über gelegentliche, von der Stimmungslage abhängige Schmerzen hinausgehen,
die Schmerzen an der linken oberen Extremität (Oberarm und Schulterbereich),
im linken Unterarm (Ellbogenbereich sowie unterhalb des Ellbogens), die post-
traumatische Störung der körperlichen Belastbarkeit sowie die Atembeschwerden
einzig auf den Unfall vom 20. November 1991 zurückzuführen sind und dass er
seit dem Unfall vom 20. November 1991 für den Beruf eines Autospenglers und
Automechanikers vollständig arbeitsunfähig ist. Als Beweismittel des Klägers 1
abgenommen wurden dazu der Austrittsbericht Kantonsspital Winterthur vom
6. Januar 1992, das Gutachten PD Dr. AD._ vom 10 August 1999, der Be-
richt Neurochirurgische Klinik Dr. AF._, der Bericht des Kantonsspitals Win-
terthur vom 28. April 2009, der Bericht des Kantonsspitals Winterthur vom 24. Ja-
nuar 1992, die kreisärztliche Untersuchung, das Gutachten Dr. AE._, der Be-
richt Neurochirurgische Klinik Dr. AF._, der Bericht des Kantonsspital
St. Gallen vom 15. März 1994 sowie sämtliche bildgebenden Darstellungen des
Klägers 1 bei der SUVA ... und bei Dr. AA._ und ein interdisziplinäres medi-
zinisches Gutachten. Zum Gegenbeweis der Beklagten 1 in Bezug auf die Ar-
beitsunfähigkeit als Autospengler und Automechaniker des Klägers 1 abgenom-
men wurden zusätzlich das Befragungsprotokoll vom 21. Januar 2005, der Ob-
servationsbericht AP._ AG, die Videoaufnahmen zur Observation AP._
AG und insbesondere speziell angeführte Sequenzen daraus, ebenfalls ein medi-
zinisches Gutachten sowie die Zeugenaussagen von AQ._, L._,
AR._, AS._ und AT._. Der Beklagten 1 wurde ferner entsprechend
ihren Behauptungen zu den natürlich kausalen Folgen des ersten Unfalles in Be-
zug auf die Gesundheit des Klägers 1 und seine Arbeitsfähigkeit der Gegenbe-
weis insbesondere dafür auferlegt, dass der Erstunfall lediglich eine vorüberge-
hende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt hätte, dass er keine bleibende
Einschränkung in der handwerklichen Arbeitsverrichtung nach sich zog, dass der
Kläger 1 vor dem zweiten Unfall vom 17. März 1994 namentlich mit Bezug auf
kaufmännisch-administrative Tätigkeitsgebiete bzw. Berufsbereiche vollumfäng-
lich arbeitsfähig war, dass allfällige invalidisierende gesundheitliche Beeinträchti-
gungen nach dem zweiten Unfall vom 17. März 1994 ausschliesslich auf dieses
Unfallereignis zurückzuführen sind und dass die berufliche Selbsteingliederung
- 43 -
des Klägers 1 - wie sie geplant und von diesem beabsichtigt gewesen wäre - nach
dem ersten Unfall ohne die Folgen der weiteren Unfälle bis Ende 1995 abge-
schlossen gewesen wäre. Zum Gegenbeweis abgenommen wurden folgende
Beweismittel: Kreisarztbericht vom 22. Dezember 1995, Bericht des leitenden Arz-
tes SUVA-Unfallmedizin vom 14. Januar 2000, Observationsbericht AP._
AG, Videoaufnahmen zur Observation der AP._ AG, Bericht BB._ vom
25. Februar 1994 sowie ein medizinisches Gutachten. Die vom Kläger 1 zum Ge-
gengegenbeweis angerufenen Beweismittel wurden bereits zum Hauptbeweis ab-
genommen (vgl. bezüglich der im Einzelnen zu den jeweiligen Beweissätzen ab-
genommenen Beweismitteln inkl. Aktenstelle den Beweisabnahmebeschluss vom
11. März 2013, act. 67).
2.5. In Bezug auf den 2. Unfall wurde dem Kläger 1 weiter der Hauptbeweis
dafür auferlegt, dass die geltend gemachte, eingeschränkte Beweglichkeit im Na-
ckenbereich, die starken Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindelattacken, Ge-
dächtnis- und Konzentrationsstörungen, starke psychische Stimmungsschwan-
kungen und die Verschlechterung des Gehörs einzig auf den zweiten Unfall vom
17. März 1994 zurückzuführen sind sowie dass er seit dem zweiten Unfall vom
17. März 1994 generell auch für jeden anderen Beruf vollständig arbeitsunfähig
ist. Weiter wurde dem Kläger 1 der Beweis dafür auferlegt, dass der zweite Unfall
vom 17. März 1994 allfällige aus dem Unfall vom 20. November 1991 resultieren-
den Beschwerden zusätzlich verstärkt und den Heilungsprozess derselben ent-
sprechend vermindert hat sowie dass sich der durch den ersten Unfall vom
20. November 1991 verursachte Gesundheitszustand auf die aus dem zweiten
Unfall vom 17. März 1994 herrührenden Beschwerden ausgewirkt und diese ver-
schlimmert hat. Als Beweismittel des Klägers 1 abgenommen wurden das Gut-
achten vom 10. August 1999 von PD Dr. AD._, der Arztbericht Rheumaklinik
Leukerbad, das Protokoll Besprechung SUVA vom 2. Juni 1992, das neurologi-
sche/verhaltenspsychologische Gutachten Dr. med AE._ vom 1. November
1995, der Bericht von Dr. AL._, das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
AC._ vom 10. Juli 1998, der Bericht von Dr. AM._, der Austrittsbericht
vom 9. Oktober 2007 der Klinik St. Katharinental, SUVA-Akten 43 Bericht vom
18. August 1993, Bericht KSSG vom 15. März 1994, sämtliche bildgebenden Dar-
- 44 -
stellungen des Klägers 1 bei der SUVA ... und bei AA._, ein interdisziplinä-
res medizinisches Gutachten sowie die Zeugenaussage von AJ._ und die
persönliche Befragung der Klägerin 2. Als Gegenbeweismittel der Beklagten 2
abgenommen wurde zusätzlich der Austrittsbericht der Rheuma- und Rehabilitati-
onsklinik Leukerbad an Dr. med. AA._ vom 3. Januar 1995. Und auch die
Beklagten 1 (bezüglich der Frage, ob der durch den ersten Unfall verursachte Ge-
sundheitszustand sich auf die aus dem zweiten Unfall vom 17. März 1994 herrüh-
renden Beschwerden ausgewirkt und diese verschlimmert hat) und 2 riefen zum
Gegenbeweis ein interdisziplinäres medizinisches Gerichtsgutachten an.
Hinsichtlich des natürlichen Kausalzusammenhangs betreffend die vom Klä-
ger 1 vorgebrachten kognitiven Beeinträchtigungen wurde diesem der Hauptbe-
weis dafür auferlegt, dass allfällige kognitive Beeinträchtigungen (Hirnfunktions-
störungen) mit Persönlichkeitsveränderungen gleichermassen sowohl auf den
ersten Unfall vom 20. November 1991 als auch auf den zweiten Unfall vom
17. März 1994 zurückzuführen sind. Als Beweis dazu abgenommen wurden das
neurologische/verhaltenspsychologische Gutachten Dr. med AE._ vom
1. November 1995, das psychiatrische Gutachten Dr. Med. AC._ vom 10. Juli
1998, das Gutachten vom 10. August 1999 von PD Dr. AD._ sowie sämtliche
bildgebenden Darstellungen des Klägers 1 bei der SUVA ... und bei Dr. AA._
und ein interdisziplinäres medizinisches Gerichtsgutachten. Zusätzlich wurden als
Gegenbeweismittel der Beklagten 1 und 2 abgenommen der Bericht des SUVA-
Inspektors vom 2. Juni 1992, der Kreisarztbericht vom 25. August 1992, der Ab-
klärungsbericht SUVA Arbeitsmedizin vom 7. Oktober 1992, Attest Dr. AG._
vom 17. November 1992, Kreisarztbericht vom 2. Juni 1994, Bericht des leitenden
Arztes SUVA-Unfallmedizin vom 8. Januar 1997, Bericht des leitenden Arztes
SUVA-Unfallmedizin vom 14. Januar 2000, das Zeugnis von Dr. med. AA._
vom 14. Juni 1994 sowie der Brief Dr. med. AA._/Rheuma- und Rehabilitati-
onsklinik Leukerbad vom 26. September 1994.
In Bezug auf die ebenfalls zum Beweis verstellten Behauptungen zu den
Schulterbeschwerden mit zeitweiser Schmerzausstrahlung in den rechten Arm,
mit Kribbelparästhesien und einhergehenden Krämpfen können hingegen Weite-
- 45 -
rungen unterbleiben, zumal gemäss den obigen Erwägungen der rechtsgenügen-
de Beweis, dass diese körperlichen Beeinträchtigungen ebenfalls bestehen, nicht
erbracht werden konnte. Darüber hinaus wurde der Beklagten 2 gestützt auf ihre
Sachverhaltsdarstellungen insbesondere der Gegenbeweis dafür auferlegt, dass
der zweite Unfall vom 17. März 1994 keine bleibenden, invalidisierenden Ge-
sundheitsschäden zur Folge hatte und beim Kläger 1 nicht zu einer vollständigen
Arbeitsunfähigkeit geführt hat sowie dass allfällige bleibenden und bestehenden
gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die anderen Unfallereignisse (Unfall 1, 3
und 4) zurückzuführen sind. Dazu als Gegenbeweismittel abgenommen wurden
das Arztzeugnis UVG von Dr. med. AA._ vom 14. Juni 1994, der Brief von
Dr. med. AA._/Rheuma- und Rehabilitationsklinik Leukerbad vom 26. Sep-
tember 1994, Bericht der Rheuma- und Rehabilitationsklinik Leukerbad vom
3. Januar 1995, Bericht von Dr. med. AC._ vom 8. Juli 1998 sowie ein inter-
disziplinäres medizinisches Gutachten. Als Gegengegenbeweismittel rief der Klä-
ger 1 nur bereits zum Hauptbeweis abgenommene Beweismittel an (vgl. bezüg-
lich der im Einzelnen zu den jeweiligen Beweissätzen abgenommenen Beweismit-
teln inkl. Aktenstelle den Beweisabnahmebeschluss vom 11. März 2013, act. 67)
2.6. Auch zur Frage, welche gesundheitlichen Folgen und Auswirkungen
derselben auf die Arbeitsfähigkeit des Klägers 1 in seinem Beruf als Autospengler
und Automechaniker natürlich kausal auf den ersten Unfall vom 20. November
1991 zurückzuführen sind, ist das von allen Parteien angerufene, interdisziplinäre
medizinische Gerichtsgutachten das Hauptbeweismittel. Wie bereits dargelegt,
wurden darin die in den Akten befindlichen und (zumindest teilweise) ebenfalls
zum Beweis angerufenen Urkunden und bildgebenden Darstellungen des Klägers
1 sowie der Observationsbericht und die dazugehörigen Videoaufnahmen und
-sequenzen mit ausgewertet und berücksichtigt. Die involvierten Gutachter konn-
ten sich so trotz der lange zurückliegenden Unfälle ein akkurates Bild verschaffen
und ein auf fundierte Befunden beruhendes, überzeugendes Gerichtsgutachten
erstellen.
Das Gerichtsgutachten kam zu den folgenden Untersuchungsergebnissen:
Die Schmerzen im Bereich des linken Hemithorax traten in der Folge des Unfalls
- 46 -
vom 20. November 1991 auf. Vor dem Unfall hatte der Kläger 1 keinerlei Be-
schwerden in diesem Bereich. Es gibt keine Hinweise, dass die drei weiteren Un-
fälle zu einer richtungsgebenden Veränderung der Schmerzen in diesem Bereich
geführt hätten. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wurden diese Beschwerden durch
den Unfall vom 20. November 1991 ausgelöst und im Verlauf trat eine Chronifizie-
rung der Beschwerden auf. Demnach besteht mit mindestens überwiegender
Wahrscheinlichkeit ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall
vom 20. November 1991 und diesen Schmerzen im linken Hemithorax. Die
Schmerzen an der linken oberen Extremität (Oberarm und Schulterbereich) resp.
im Scapulabereich waren in der Folge des Unfallereignisses vom 20. November
1991 aufgetreten. Keine richtungsgebende Veränderung bewirkten diesbezüglich
die vom Nacken in den Schulterbereich ausstrahlenden Schmerzen, zu denen der
zweite Unfall führte, und die sich in Qualität und Lokalisation eindeutig von diesen
unterscheiden. Die Schmerzen der linken oberen Extremität entwickelten sich auf
Grund des gestörten Bewegungsmusters im Rahmen der komplexen Ellbogen-
fraktur. Mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wird daher ein natürlicher Kausal-
zusammenhang dieser Schmerzen zum Unfall vom 20. November 1991 ange-
nommen. Die Schmerzen im linken Unterarm traten in der Folge des 1. Unfalls
vom 20. November 1991 erstmals auf und sind aus orthopädischer Sicht eindeutig
auf diesen Unfall zurückzuführen. Aus den zur Verfügung stehenden Akten konn-
te abgeleitet werden, dass sich die Armfraktur nach dem Sturz im Jahre 1992 auf
den Status quo ante zurückgebildet hat und die weiteren drei Unfallereignisse
keine richtungsweisenden Veränderungen ergaben. Der natürliche Kausalzu-
sammenhang zum 1. Unfall ist gegeben.
Verneint wurde demgegenüber, dass der Unfall vom 20. November 1991 zu
posttraumatischen Störungen der körperlichen Belastbarkeit (über die Einschrän-
kungen im Zusammenhang mit den ansonsten festgestellten Beschwerden hin-
aus) führten (siehe dazu aber nachfolgend das Beweisergebnis in Bezug auf den
zweiten Unfall zu den Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen und den psychi-
schen Stimmungsschwankungen). Die Atembeschwerden traten wohl mit dem
Unfall vom 20. November 1991 ebenfalls zum ersten Mal auf, sind aber als solche
medizinisch nicht bewiesen, weshalb diesbezüglich auf den natürlichen Kausalzu-
- 47 -
sammenhang nicht weiter einzugehen ist. Namentlich geht aber auch der Kläger 1
davon aus, dass die behaupteten Atembeschwerden für die Frage der Leistungs-
fähigkeit im Beruf und den eingeklagten Schadenersatz keine Rolle mehr spielen
werden (act. 184 S. 9). Sodann wurde im Gutachten keine traumatische Hirnver-
letzung des Klägers 1 festgestellt, sondern festgehalten, dass bei den kognitiven
Beeinträchtigungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Verarbei-
tungsstörung ausgegangen werden muss und dass bei diesen möglicherweise
Schmerz-assoziierten kognitiven Funktionsstörungen aus neurologischer und
neuropsychologischer Sicht der zweite Unfall vom 17. März 1994 massgebend ist.
Beim ersten Unfall bestehen keine Anhaltspunkte für das Vorliegen von kognitiven
Störungen, wohingegen als überwiegend wahrscheinlich erachtet wird, dass die
für den Alltag relevanten kognitiven Störungen in der Folge des zweiten Unfalles
auftraten. Damit steht fest, dass die kognitiven Beeinträchtigungen nicht auf den
ersten Unfall zurückzuführen sind.
Insgesamt kommt das Gerichtsgutachten hinsichtlich der Frage der Arbeits-
fähigkeit des Klägers 1 für den Beruf eines Autospenglers und Automechanikers
zum Schluss, dass er aufgrund der Unmöglichkeit, den linken Arm für handwerkli-
che Tätigkeiten zu benutzen, im Gutachtenszeitpunkt vollständig arbeitsunfähig
gewesen sei. Ferner kommt das Gutachten zum Ergebnis, dass der Kläger 1 für
diese berufliche Tätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit dem Unfall
vom 20. November 1991 aufgrund der natürlich kausal durch diesen Unfall verur-
sachten Verletzungen des linken Armes und Ellbogens arbeitsunfähig sei
(act. 174 S. 51-52, 55 und 58). Die von der Beklagten 1 neben dem Gutachten
angerufenen Beweismittel vermögen die überwiegende Wahrscheinlichkeit für
diesen natürlichen Kausalzusammenhang nicht in Zweifel zu ziehen. Im Besonde-
ren bestätigten auch die Videosequenzen der Observation des Klägers 1 die Ge-
richtsgutachter in ihrem Untersuchungsbefund, indem dort zwar das Öffnen einer
Autotüre mit der linken Hand durch den Kläger 1 im Jahre 2004 dokumentiert ist,
aber ohne Kraftaufwand. Ferner erkannte der Orthopäde in den Videoaufnahmen
die deutliche Funktionseinschränkung und die Arthrose mit deutlicher Bewe-
gungseinschränkung des linken Ellbogens (act. 174 S. 56 f.). Entgegen der An-
sicht der Beklagten 1 (act. 183 S. 4 f.) widerspricht es diesem Beweisergebnis
- 48 -
nicht, dass der Kläger 1 den Autoreparaturbetrieb weiterhin im Handelsregister
eingetragen liess oder dass sein linker Arm allenfalls für Hilfsfunktionen einsetz-
bar ist, wie dies durch die Observation und die darin involvierten Zeugen doku-
mentiert ist, zumal es hier um die Haupterwerbstätigkeit des Klägers 1 in einem
handwerklichen Beruf geht. Jedenfalls bestätigte das Gerichtsgutachten aber
auch die Darstellung der Beklagten 1, dass die berufliche Selbsteingliederung des
Klägers 1 ohne die Folgen der weiteren Unfälle bis Ende 1995 in eine rein kauf-
männisch-administrative Tätigkeit wohl möglich gewesen wäre, wobei mangels
ausreichender Informationen über den psychiatrischen Verlauf zwischen dem ers-
ten und zweiten Unfall eine Einschätzung betreffend Einschränkungen aus psy-
chiatrischer Sicht nicht mit genügender Wahrscheinlichkeit erfolgen konnte
(act. 174 S. 59). Die daraus resultierende Beweislosigkeit, was durch den ersten
Unfall verursachte, gesundheitliche Beeinträchtigungen aus psychiatrischer Sicht
betrifft, hat der Kläger 1 zu vertreten. Daher ist anzunehmen, dass keine solchen
vorhanden waren.
Zusammengefasst ist zumindest mit überwiegender Wahrscheinlichkeit be-
wiesen, dass der erste Unfall vom 20. November 1991 conditio sine qua non ist
für die Beschwerden des Klägers 1 am linken Arm, Ellbogen und der oberen lin-
ken Extremität sowie für die Chronifizierung der damit im Zusammenhang ste-
henden Schmerzen im Bereich des linken Hemithorax. Als Folge dieser gesund-
heitlichen Beeinträchtigungen ist der Kläger 1 im handwerklichen Beruf als Auto-
spengler und Automechaniker seit dem Unfall vom 20. November 1991 vollstän-
dig arbeitsunfähig. Und eine Selbsteingliederung des Klägers 1 in eine rein kauf-
männisch-administrative Tätigkeit wäre ohne die weiteren Unfallereignisse bis
Ende 1995 abgeschlossen gewesen.
2.7. Im weiteren hat das Beweisverfahren - insbesondere unter Würdigung
des interdisziplinären medizinischen Gerichtsgutachtens - bezüglich der durch
den Unfall vom 17. März 1994 natürlich kausal verursachten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen des Klägers 1 und deren Folgen für seine Erwerbstätigkeit
das Folgende ergeben:
- 49 -
In Bezug auf die eingeschränkte Beweglichkeit des Klägers 1 im Nackenbe-
reich, die starken Kopf- und Nackenschmerzen sowie die Schwindelattacken stell-
ten die Gerichtsgutachter fest, dass diese Beschwerden erst nach dem Unfaller-
eignis vom 17. März 1994 aufgetreten sind und relevant wurden. Solche Be-
schwerden sind gemäss Gutachten aufgrund des Unfallmechanismus und der
einwirkenden Be- und Entschleunigungskräfte keine ungewöhnliche Entwicklung,
wobei sich beim Kläger 1 eine Chronifizierung eingestellt hat, die nicht erklärt
werden kann. In Bezug auf die eingeschränkte Nackenbeweglichkeit lag zum
Gutachtenszeitpunkt kein klares unfallbedingtes Korrelat vor, welches diese erklä-
ren könnte. Was die Kopf- und Nackenschmerzen betrifft, kommt das Gutachten
sodann zum Schluss, dass diese zeitnah nach dem Unfall in den medizinischen
Akten dokumentierte Symptomatik in den ersten Monaten nach dem Unfall als
sog. cervico-cephales Syndrom zu interpretieren (und damit auf den Unfall zu-
rückzuführen) ist. Zum Gutachtenszeitpunkt fanden sich aber keine pathologi-
schen neurologischen Befunde, welche ein somatisches Korrelat für diese Be-
schwerden sind. Die Schmerzen erfüllen die Kriterien eines chronischen Kopf-
schmerzes nach HWS-Distorsionstrauma. Doch hält das Gutachten fest, dass es
aus neurologischer Sicht nicht zulässig ist, auf Grund der rein zeitlichen Definition
und in Abwesenheit von supportiven somatischen Befunden in Form von klaren
tendomyopathischen Veränderungen im Kopf- und Nackenbereich eine zwangs-
läufige natürliche Kausalitätsbeziehung dieser Schmerzen mit dem erlittenen
HWS-Distorsionstrauma abzuleiten. Angenommen werden müsse bei regelmäs-
siger Einnahme von Schmerzmittel das Vorliegen eines, zumindest überlagern-
den, Analgetika-induzierten Kopfschmerzsyndroms. Und auch eine somatoforme
Schmerzstörung müsse in Betracht gezogen werden. Schliesslich fehlt gemäss
Gutachten bezüglich der Schwindelattacken des Klägers 1, welche sich ebenfalls
in der Folge des 2. Unfalles eingestellt haben, ein organisches Korrelat, welche
diese in einen kausalen Zusammenhang mit dem Unfall vom 17. März 1994 füh-
ren würde (act. 174 S. 48 f.). Trotz des Fehlens von organischen Korrelaten für
diese Beschwerden des Klägers 1 und der Möglichkeit der Entwicklung einer so-
matoformen Schmerzstörung oder eines überlagernden Analgetika-induzierten
Kopfschmerzsyndroms aus den zunächst festgestellten Beschwerden eines diag-
- 50 -
nostizierten Schleudertrauma der HWS ist aber vorliegend in Übereinstimmung
mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung der natürliche Kausalzusammen-
hang zum Unfall vom 17. März 1994 dennoch mit der dafür rechtlich notwendigen,
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu bejahen. Zunächst haben die medizini-
schen Gerichtsgutachter in Einklang mit der zeitnahen medizinischen Dokumenta-
tion, welche vom Kläger 1 auch als Beweismittel angerufen wurde, klar festgehal-
ten, dass sich bei ihm innert weniger Stunden nach dem Unfallereignis Nacken-
und Kopfschmerzen entwickelten, die die Kriterien eines chronischen Kopf-
schmerzes nach HWS-Distorsionstrauma erfüllten, und dass dort ebenfalls eine
eingeschränkte Nackenbeweglichkeit beschrieben wird. Auch die Schwindelatta-
cken stellten sich in der Folge des 2. Unfalles ein (act. 174 S. 49 f., 53). Ausser-
dem ist bei diagnostiziertem HWS-Distorsionstrauma und Vorliegen des typischen
Beschwerdebildes gerade nicht notwendig, dass die Beschwerden organisch
nachweisbar sind. Dass sich im Gutachtenszeitpunkt eine Chronifizierung der
eingeschränkten Beweglichkeit des Nackens eingestellt hat und ebenfalls eine
somatoforme Schmerzstörung oder Überlagerung durch ein Analgetika-
induziertes Kopfschmerzsyndrom wegen der regelmässigen Einnahme von
Schmerzmitteln in Betracht zu ziehen ist, ändert daran nichts. Auslöser der Be-
schwerden und Ursache im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs bleibt
auch bei einer derartigen Entwicklung in der Zukunft mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit der Unfall vom 17. März 1994. Sodann wurde nach den Unfällen 3
und 4 gemäss den Untersuchungsergebnissen der Gerichtsgutachter jeweils nach
wenigen Wochen oder Monaten zweifellos wieder der Status quo ante erreicht,
weshalb diese Unfälle als Ursache für die Beschwerden ausser Betracht fallen.
In Bezug auf die festgestellten Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen
und die starken psychischen Stimmungsschwankungen ist gemäss Gerichtsgut-
achten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer Verarbeitungsstörung
auszugehen, und mögliche Faktoren sind zudem eine schmerzassoziierte kogniti-
ve Störung, eine Interaktion mit den eingenommenen teilweise psychotropen Me-
dikamenten und eine chronische affektive Störung leichten Ausmasses sowie eine
Schmerzstörung. Insgesamt stehen diese Beschwerden im Zusammenhang mit
den im psychiatrischen Teilgutachten gestellten Diagnosen (act. 174 S. 48 ff.; vgl.
- 51 -
Psychiatrisches Teilgutachten act. 175/3 S. 86). Dabei ist gemäss Gerichtsgut-
achten überwiegend wahrscheinlich, dass die für den Alltag relevanten kognitiven
Störungen und psychischen Stimmungsschwankungen in der Folge des zweiten
Unfalles vom 17. März 1994 auftraten (act. 174 S. 53 f.). Gemäss dem Gerichts-
gutachten ist daher der 2. Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Ursa-
che im Sinne einer conditio sine qua non für diese Beschwerden zu sehen; erst
mit diesem Unfall hat eine Chronifizierung der Beschwerden eingesetzt, welche
den Heilungsverlauf ungünstig tangierte. Nach dem ersten Unfall verfügte der
Kläger 1 dagegen aus psychiatrischer Sicht noch über einige Kompensationsme-
chanismen und Ressourcen (act. 174 S. 56). Insofern wurde aus psychiatrischer
Sicht eine Auswirkung des durch den ersten Unfall verursachten Gesundheitszu-
stands auf die aus dem zweiten Unfall herrührenden Beschwerden festgestellt,
wobei entscheidend ist, dass es sich in Bezug auf die Chronifizierung gerade nur
um eine konstitutionelle Prädisposition handelte und für die Chronifizierung einzig
der zweite Unfall conditio sine qua non darstellt, sie demnach durch den ersten
Unfall alleine nicht eingetreten wäre (act. 174 S. 56). So führte aus psychiatri-
scher Sicht der zweite Unfall zu bleibenden Gesundheitsschäden, die zwar keine
vollständige Arbeitsunfähigkeit bewirkten (act. 174 S. 59), doch ist der zweite Un-
fall Ursache im Sinne eines natürlichen Kausalzusammenhangs dafür, dass der
Kläger 1 selbst in einer optimal angepassten Tätigkeit ohne Schichtdienst, ohne
Führungs- und Leistungsaufgaben, mit klar geregelter Arbeitszeit und ohne hohe
Ansprüche an kognitive Funktionen und kommunikative Kompetenzen dauerhaft
zu 50 % arbeitsunfähig ist, wohingegen nach dem 1. Unfall eine Eingliederung in
eine rein kaufmännisch-administrative Tätigkeit möglich gewesen wäre (act. 174
S. 59).
Auf die nicht bewiesenen Schulterbeschwerden mit zeitweiser Schmerzaus-
strahlung in den rechten Arm, mit Kribbelparästhesien und einhergehenden
Krämpfen und die Verschlechterung des Gehörs ist nicht mehr einzugehen.
2.8. Zusammengefasst ist hinsichtlich der in einem natürlichen Kausalzu-
sammenhang zu den Unfällen stehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des
Klägers 1 festzuhalten, dass dieser durch den Unfall vom 20. November 1991 für
- 52 -
den Beruf eines Autospenglers und -mechanikers vollständig arbeitsunfähig war,
aber bis Ende 1995 noch eine Selbsteingliederung des Klägers 1 in eine rein
kaufmännisch-administrative Tätigkeit möglich gewesen wäre. Der Unfall vom
17. März 1994 ist sodann conditio sine qua non in Bezug auf die eingeschränkte
Beweglichkeit im Nackenbereich, die Kopf- und Nackenschmerzen, die Schwin-
delattacken, die kognitiven Beeinträchtigungen und die Gedächtnis- und Konzent-
rationsstörungen sowie dafür, dass der Kläger 1 auch ab dem Jahr 1996 dauer-
haft nur in einer optimal angepassten Tätigkeit ohne Schichtdienst, ohne Füh-
rungs- und Leistungsaufgaben, mit klar geregelter Arbeitszeit und ohne hohe An-
sprüche an kognitive Funktionen und kommunikative Kompetenzen zu 50 % ar-
beitsfähig war.
3. Adäquater Kausalzusammenhang
3.1. Im soeben festgehaltenen Umfang, in dem die gesundheitlichen Beein-
trächtigungen des Klägers 1 und seine dadurch bestehende Arbeitsunfähigkeit
sowie der natürliche Kausalzusammenhang zum jeweiligen Unfallereignis
(20. November 1991 oder 17. März 1994) bewiesen ist, stellt sich die weitere Fra-
ge der Adäquanz. Dabei handelt es sich um eine allein vom Gericht zu beurtei-
lende Rechtsfrage (ZR 102 Nr. 36). Ein Ereignis hat dann als adäquate Ursache
eines Erfolges (z.B. eines Schadens) zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen
Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist,
einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt des Erfol-
ges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 132 III 715,
123 III 112 E. 3a; 122 V 415 E. 2a; 121 V 49 E 3.a; 121 III 363 E. 5). Für die Beur-
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ist kein allzu strenger, sondern ein
realitätsgerechter Massstab anzulegen. Haftpflichtrechtlich ist die Adäquanz im
Unterschied zur Sozialversicherung nicht nach der Schwere des Unfallereignisses
zu beurteilen. Damit ein Ereignis als adäquate Ursache eines Erfolges gilt, ge-
nügt, dass der Schädiger eine Schadensursache gesetzt hat, ohne die es nicht
zum Schaden gekommen wäre, während Mitursachen wie etwa die konstitutionel-
le Prädisposition der geschädigten Person den adäquaten Kausalzusammenhang
in der Regel weder zu unterbrechen noch auszuschliessen vermögen (Urteil des
- 53 -
Bundesgerichts 4C.79/2001 vom 21. Juni 2001 E. 3.a) m.w.H. [nicht publizierte
Erwägung von BGE 127 III 403]). Die Kausalverhältnisse wirken sich - mit Aus-
nahme der Unterbrechung des Kausalzusammenhangs - bei der Schadenersatz-
bemessung aus (OFTINGER/STARK, N 83 ff.). Ein allfälliger mitverursachender Vor-
zustand, eine Veranlagung des Klägers 1 bzw. die Auswirkungen des ersten Un-
falls auf die nachfolgenden Unfallereignisse und insbesondere auf den 2. Unfall
(bzw. auf die Folgen daraus), sind daher nach Würdigung der betreffenden Be-
weisergebnisse im Rahmen der Schadenersatzbemessung für den 2. Unfall zu
berücksichtigen. Dabei muss festgestellt werden, ob sich diese auch ohne haf-
tungsbegründende Ursache ausgewirkt hätten. Führt erst die Haftungsursache
zusammen mit der Prädisposition zu einem Schaden, so kann keine Ausschei-
dung von unfallfremden Wirkungen vorgenommen werden, hätte das eine doch
ohne das andere keine Folgen gezeigt (WEBER/SCHAETZLE, Meilensteine und ak-
tuelle Entwicklungen in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Personen-
schaden, in Aktuelle Anwaltspraxis 2003, Bern 2004, S. 265 f.).
3.2. Sowohl eine Frontalkollision (wie der Unfall vom 20. November 1991)
als auch ein heftiger Auffahrunfall (wie der Unfall vom 17. März 1994) sind nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung grund-
sätzlich geeignet, die mit diesen Unfallereignissen in natürlichem Kausalzusam-
menhang stehenden, bewiesenen Beeinträchtigungen des Klägers 1 herbeizufüh-
ren. Selbst leichte Auffahrkollisionen können nach der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts zu einer Distorsion der HWS führen und die adäquate Kausalität ist
zu bejahen, wenn die unmittelbaren Unfallfolgen feststehen (BGE 131 III 12, nicht
publizierte Erw. 3; vgl. auch ZR 2003 Nr. 36 S. 172). Die Adäquanz kann daher
insbesondere für den Fall einer HWS-Distorsion durch eine Kollision mit einem
schweren Wagen, sei es mit einem Lieferwagen wie im vorliegenden Fall, sei es
mit einem Autobus (wie im Entscheid des Bundesgerichts vom 19. August 2008,
4C_303/2004, Erw. 4), kaum verneint werden, wenn ein natürlicher Kausalzu-
sammenhang einmal bejaht wurde.
3.3. Schliesslich ist anzumerken, dass die Unfälle 3 und 4 nicht zu einer Un-
terbrechung des adäquaten Kausalzusammenhangs in Bezug auf die natürlich
- 54 -
kausalen Folgen des 2. Unfalles geführt haben, sondern dass nach diesen Ereig-
nissen jeweils nach einigen Wochen bis Monaten der Status quo ante wieder er-
reicht war (act. 174 S. 53).
E. Schaden
Der Kläger 1 verlangt Schadenersatz für Haupt- und Nebenerwerbsausfall,
Haushaltschaden sowie weiteren Schaden wie Maltherapie und vorprozessuale
Anwaltskosten. Dabei hat er gegenüber der Beklagten 1 einen Betrag von
CHF 6'892'309.– (act. 1 S. 2; Teilklage) eingeklagt, von der Beklagten 2 verlangt
er die Zahlung von CHF 500'000.– (act. 33/2/2 S. 2; Teilklage). In beiden Beträ-
gen ist zudem die von ihm jeweils geforderte Genugtuung enthalten.
1. Solidarität
1.1. Der Kläger 1 führt aus, da er durch vier Unfälle geschädigt worden sei
und der am Schluss feststehende Gesamtschaden zu ersetzen sei, stelle sich die
Frage der Solidarität. Er vertritt die Auffassung, letztlich hätten alle drei Versiche-
rungen aus vier Ereignissen für den Gesamtschaden aufzukommen. Es gebe gute
Gründe, die Versicherer solidarisch für den Ersatz des Schadens nach dem vier-
ten Unfall zu verpflichten (act. 19 S. 3).
1.2. Die Beklagten bestreiten eine Solidarität und verweisen darauf, dass
kein gemeinschaftliches Zusammenwirken und keine Teilursachen vorlägen und
es sich bei jedem Unfall um ein separates, eventuelle Haftungsfolgen auslösen-
des Ereignis handle (act. 24 S. 3, act. 33/2/15 S. 3 f.).
1.3. Art. 60 Abs. 1 SVG sieht vor, dass, falls bei einem Unfall, an dem ein
Motorfahrzeug beteiligt ist, mehrere für den Schaden eines Dritten ersatzpflichtig
sind, diese solidarisch haften. Vorliegend sind die beiden Beklagten jedoch un-
strittig aus zwei verschiedenen zeitlich auseinander liegenden Unfällen ersatz-
pflichtig, weshalb diese Bestimmung nicht zur Anwendung gelangt und sie keine
Solidarität der Beklagten begründet.
- 55 -
Auch gemäss der Regelung im Obligationenrecht hat der Ersatzpflichtige nur
für den durch das Haftungsereignis, für das er verantwortlich ist, verursachten
Einkommensausfall einzustehen. Erleidet der Geschädigte infolge eines anderen
Haftungsereignisses oder aus anderen Gründen einen Erwerbsausfall, hat der Er-
satzpflichtige dafür nicht Ersatz zu leisten. Das Ersatzeinkommen, das der Ge-
schädigte aus einem haftungsfremden Grund, z.B. einer früheren Invalidität erhält,
ist zwar nicht anrechenbar, beeinflusst aber gleichwohl die Berechnung des zu-
künftigen Einkommensausfalls. Das Ersatzeinkommen verringert sich mitunter als
Folge des haftungsbegründenden Ereignisses oder fällt aus einem anderen
Grund weg (LANDOLT, Zürcher Kommentar, 3. Auflage 2007, N 850 ff. zu Art. 46
OR). Die Unfallfolgen sind aufgrund der Gutachtensergebnisse den einzelnen Un-
fällen zuordenbar, weshalb kein Fall von Solidarität vorliegt.
Somit ist wiederum festzuhalten, dass die aus zwei verschiedenen Unfällen
haftbaren Beklagten 1 und 2 nur für den durch denjenigen Unfall, der durch das
bei ihnen versicherte Motorfahrzeug verursacht wurde, bewirkten Einkommens-
ausfall des Klägers 1 einzustehen haben und keine Solidarität der Beklagten 1
und 2 für den Gesamtschaden besteht. Ein allfälliges Ersatzeinkommen, das der
Kläger 1 aufgrund des ersten Unfalles erhält, beeinflusst aber die Berechnung des
fraglichen Einkommensausfalles beim zweiten Unfall.
2. Erwerbsschaden
2.1. Allgemeines zum Erwerbsschaden
Gemäss Art. 62 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 46 Abs. 1 OR hat das Opfer von
Körperverletzungen Anspruch auf Entschädigung für den Nachteil, der sich aus
seiner gänzlichen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit ergibt, sowie für die Erschwe-
rung seines wirtschaftlichen Fortkommens. Der Nachteil ist im wirtschaftlichen
Sinn zu verstehen; massgebend ist die Verminderung der Erwerbsfähigkeit. Das
Gericht hat vom medizinischen (oder theoretischen) Invaliditätsgrad auszugehen
und dessen Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit oder das wirtschaftliche Fort-
kommen des Geschädigten zu ermitteln. Um die finanziellen Folgen der Arbeits-
unfähigkeit zu bestimmen, muss der Verdienst berechnet werden, den der Ge-
- 56 -
schädigte aus seiner beruflichen Tätigkeit erzielt hätte, wenn er keinen Unfall erlit-
ten hätte (BGE 129 III 135 E. 2.2 [Pra 2003 Nr. 69 S. 341 ff., S. 346]; BREHM,
a.a.O., N 56 zu Art. 46 OR). Das Gericht ist dabei an die Schlussfolgerungen der
medizinischen Experten nicht gebunden. Besonders bei der Schätzung des Inva-
liditätsschadens entscheidet es nach seinem Ermessen, mit Rücksicht auf den
gewöhnlichen Lauf der Dinge. Es hat nämlich sämtliche weiteren Schadenskom-
ponenten zu berücksichtigen, etwa die mutmassliche Entwicklung des Arbeits-
marktes, die beruflichen Chancen des Geschädigten unter Berücksichtigung sei-
nes Milieus und seines Charakters und die Zumutbarkeit eines Berufswechsels
(Brehm, a.a.O., N 67 und N 70-71 zur Art. 46 OR mit zahlreichen Bundesge-
richtsentscheiden). Meistens ist das Gericht nicht in der Lage, den künftigen,
durchschnittlichen Erwerb, den der Geschädigte ohne Unfall erzielt hätte, genau
zu ermitteln. Es verfügt aber über eine grosse Ermessensfreiheit (BREHM, a.a.O.,
N 12a zu Vorbemerkungen zu Art. 45 und 46 OR).
Bei selbständig Erwerbenden ist der infolge Arbeitsunfähigkeit eintretende
Gewinnausfall zu entschädigen. Der Gewinnausfall entspricht der Differenz zwi-
schen dem mutmasslich erzielbaren Validengewinn und dem mutmasslich erziel-
baren Invalidengewinn (LANDOLT, a.a.O., N 697 zu Art. 46 OR). Der Schaden ist
vom Geschädigten grundsätzlich ziffernmässig nachzuweisen (Art. 42 Abs. 1 OR).
Ist das nicht möglich, ist der Schaden vom Richter "mit Rücksicht auf den ge-
wöhnlichen Lauf der Dinge" abzuschätzen (Art. 42 Abs. 2 OR). Diese Bestimmung
bezieht sich sowohl auf das Vorhandensein wie auf die Höhe des Schadens (BGE
132 III 379 E. 3.1; 122 III 219 E. 3a). Eine Anwendung von Art. 42 Abs. 2 OR setzt
voraus, dass ein strikter Schadensbeweis nach der Natur der Sache nicht möglich
oder nicht zumutbar ist. Dies trifft insbesondere auf den zukünftigen Schaden zu
(BREHM, a.a.O., N 63 zu Art. 42 OR). Die Herabsetzung des Beweismasses darf
im Ergebnis nicht zu einer Umkehr der Beweislast führen. Die beweispflichtige
Partei hat alle Umstände, die für die Verwirklichung des behaupteten Sachver-
halts sprechen, soweit möglich und zumutbar zu behaupten und zu beweisen
(BGE 128 III 271 E. 2b/aa). Soweit geschätzt wird, unterbleibt eine Beweisauf-
nahme. Ein Beweisverfahren ist über die Grundlagen der Schätzung nach Art. 42
Abs. 2 OR durchzuführen, soweit diese streitig sind. Generell gilt die Schätzung
- 57 -
des Einkommens eines Selbständigerwerbenden als schwieriger als bei anderen
Personen (Entscheid des Bundesgerichts 4C.324/2005 vom 5. Januar 2006
E. 3.4, unter Verweis auf OFTINGER/STARK, Schweizerisches Haftpflichtrecht All-
gemeiner Teil, 5. Aufl. 1995, N. 155 zu § 6; OTT, a.a.O., S. 104). Eine einheitliche
Methode besteht nicht. Je nach den konkreten Umständen des Einzelfalles sind
Validen- und Invalideneinkommen anhand einer Expertenmeinung, anhand der
Aufwendungen für eine Ersatzkraft, anhand eines Einkommensvergleiches oder
anhand statistischer Erfahrungswerte zu ermitteln. Als Ausgangs- und Anhalts-
punkt dienen stets die tatsächlichen Einkommensverhältnisse vor dem Unfall (OF-
TINGER/STARK, a.a.O., N 145 zu § 6).
2.2. Medizinischer Grad der Beeinträchtigung als Ausgangspunkt
Zur Beeinträchtigung des Klägers ist entsprechend den obigen Erwägungen
festzuhalten, dass er durch den Unfall vom 20. November 1991 für den Beruf ei-
nes Autospenglers und -mechanikers vollständig arbeitsunfähig war, aber bis En-
de 1995 eine Selbsteingliederung in eine rein kaufmännisch-administrative Tätig-
keit möglich gewesen wäre. Der Unfall vom 17. März 1994 führte sodann dazu,
dass der Kläger 1 auch ab dem Jahr 1996 dauerhaft nur in einer optimal ange-
passten Tätigkeit ohne Schichtdienst, ohne Führungs- und Leistungsaufgaben,
mit klar geregelter Arbeitszeit und ohne hohe Ansprüche an kognitive Funktionen
und kommunikative Kompetenzen zu 50 % arbeitsfähig war.
2.3. Aufgelaufener Gewinnausfall
2.3.1. Zur Berechnung des Schadens ist zunächst der bis zum Urteilstag
(Rechnungstag) aufgelaufene Gewinnausfall im Hinblick auf die konkreten Ver-
hältnisse des Geschädigten bzw. seines Unternehmens zu berechnen. Der ohne
Eintritt der Verletzung erzielbare Unternehmensgewinn (Validengewinn) ist dem
tatsächlich erzielten Unternehmensgewinn (Invalidengewinn) resp. einem allfälli-
gen Invalideneinkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit gegenüberzustel-
len (LANDOLT, a.a.O., N 728 zu Art. 46 OR). Wie beim Lohnausfall- ist auch beim
Gewinnausfallschaden eines Unternehmers auf den Reingewinnausfall (abzüglich
Sozialversicherungsbeiträge, aber vor Steuern) abzustellen (KIESER/LANDOLT, Un-
- 58 -
fall - Haftung - Versicherung, 2012, N 1644). Ein Gewinnausfall kann ferner ent-
stehen, weil verletzungsbedingt höhere Betriebskosten anfallen. Dazu gehören
insbesondere Lohnzusatzkosten, wenn der Geschädigte zur Kompensation seiner
(teilweisen) Arbeitsunfähigkeit zusätzliches Personal bzw. einen Stellvertreter ein-
stellen muss (LANDOLT, a.a.O., N 722 zu Art. 46 OR).
2.3.2. Teilvergleich des Klägers 1 und der Beklagten 1 zum Validengewinn
Der Kläger 1 macht geltend, dass er mit der Beklagten 1 einen Teilvergleich
bezüglich des Erwerbsausfalls geschlossen habe, gemäss welchem sich die Be-
klagte 1 zur Zahlung eines Erwerbsschadens von Fr. 200'000.– pro Jahr verpflich-
tet habe; dazu seien im Sinne einer möglichen Schadenminderung jeweils auch
noch die Verluste der Garage getragen worden. Die Vergleichsgespräche seien
wohl frühestens im Jahr 2004 gescheitert. Es könne also davon ausgegangen
werden, dass zumindest bis im Jahr 2004 der vereinbarte Erwerbsausfall von
CHF 200'000.– pro Jahr für die Beklagte 1 massgebend zu sein habe aufgrund
des Vergleichs (act. 1 S. 4, act. 19 S. 5 f.).
Die Beklagte 1 bestreitet dieses Vorbringen und weist darauf hin, dass in
dem vom Kläger 1 angerufenen Schreiben vom 14. Juni 1994 (act. 3/3) lediglich
die Bereitschaft bekundet worden sei, für den Fall eines Vergleichs von einem
Einkommen von CHF 200'000.– auszugehen; zu einem Vergleich sei es dann
aber in der Folge nicht gekommen (act. 9 S. 3 ff., act. 24 S. 4).
Den Abschluss einer Vereinbarung zwischen Kläger 1 und Beklagter 1 über
die Höhe des Valideneinkommens resp. bei einem selbständig Erwerbenden des
Validengewinns von CHF 200'000.– erkennt der Kläger 1 in den Schreiben vom
2. (Offerte) und vom 14. (Akzept) Juni 1994 (act. 3/2 und 3/3). Diese Schreiben
enthalten jedoch nur eine Einigung über die Höhe des zugrunde gelegten Vali-
dengewinns des Klägers 1 für den Fall eines Vergleiches. So lässt der Kläger 1 im
Schreiben vom 2. Juni 1994 ausrichten, er sei zu einer Fortsetzung der Bemü-
hungen um eine vergleichsweise Schadenerledigung nur unter der Bedingung be-
reit, dass die Beklagte 1 zusichere, bei der Schadensberechnung von einem Er-
werbseinkommen von mindestens CHF 200'000.– (ohne Berücksichtigung des
- 59 -
Betriebsverlusts) als Basis auszugehen (act. 2/3). Daraufhin teilte die Beklagte 1
mit Schreiben vom 14. Juni 1994 mit, sie sei für den Vergleichsfall bereit, von ei-
nem Einkommen von CHF 200'000.– auszugehen (act. 3/3). Einigkeit herrscht
sodann darüber, dass der Vergleich gescheitert ist. Da die Vereinbarung nur für
den Fall der vergleichsweisen Schadenerledigung Geltung erlangen sollte, ist sie
demnach für die Bestimmung des Validengewinns des Klägers 1 im vorliegenden
Verfahren nicht massgeblich. Der Umstand, dass die Beklagte 1 eine gewisse Zeit
gleichwohl entsprechende Akontozahlungen geleistet hat, vermag daran nichts zu
ändern, da in diesem Zusammenhang selbst seitens des Klägers 1 von gutem
Willen die Rede war (act. 10/7). Schliesslich haben sich der Kläger 1 und die Be-
klagte 1 im Juli 2001 auf die Ermittlung des Erwerbsausfallschadens durch einen
Experten (BC._) schriftlich geeinigt und auf der Grundlage dieses Gutach-
tens während eines mehrjährigen Zeitraumes über die Schadensregulierung ver-
handelt, ohne dass aber seitens des Klägers 1 die Einigung auf einen jährlichen
Erwerbsausfallschaden in der Höhe von Fr. 200'000.-- geltend gemacht worden
wäre (vgl. dazu act. 10/7-12).
Es besteht somit keine Einigung des Klägers 1 mit der Beklagten 1 über die
Höhe des Validengewinns, welche vorliegend anzuwenden wäre. Eine Einigung
mit der Beklagten 2 über den Validengewinn wird nicht geltend gemacht.
2.3.3. Ermittlung des Validengewinns
a) Das Valideneinkommen umfasst den Verdienst, den der Kläger 1 ohne
den Unfall verdient hätte. Ausgehend vom Einkommen im Zeitpunkt des Unfalles
ist die mutmassliche Entwicklung abzuschätzen. Das Gericht muss künftig wahr-
scheinlichen Lohnerhöhungen (BGE 116 II 295 E. 3a.aa) oder -reduktionen (BGE
100 II 352 E. 6) des Geschädigten während der berücksichtigten Zeitspanne
Rechnung tragen. Allerdings muss es dabei über ein Mindestmass an konkreten
Angaben verfügen. Es obliegt dem Kläger 1 bzw. der beklagten Partei, die tat-
sächlichen Umstände glaubhaft zu machen, aus denen das Gericht auf die Wahr-
scheinlichkeit der behaupteten Lohnerhöhung bzw. Lohnreduktion des Geschä-
digten zu befinden hat (BGE 129 III 135 E. 2.2). Diese Grundsätze gelten auch für
die Berücksichtigung von Gewinnsteigerungen oder -rückgängen. Zu berücksich-
- 60 -
tigen ist weiter, dass ein eigenes Unternehmen eine gewisse Anlaufs- und Ent-
wicklungszeit benötigt. Dem Risiko von Startschwierigkeiten und dem Umstand,
dass die Gewinnerwartung in der Startphase eines Unternehmens auf Grund der
Notwendigkeit finanzieller Investitionen reduziert ist, sind angemessen Rechnung
zu tragen (LANDOLT, a.a.O., N 710 zu Art. 46 OR). Ist die tatsächliche Lohnent-
wicklung nicht bekannt, ist das mutmassliche Valideneinkommen der jeweiligen
Nominallohnentwicklung bis zum Urteilstag anzupassen (LANDOLT, a.a.O.,
N 557 zu Art. 46 OR).
b) Nach der Darstellung des Klägers 1 ist sein Gewinnausfall seit 20. No-
vember 1991 entweder basierend auf einem jährlichen Gewinn von
CHF 200'000.– mit Anpassung an die Teuerung erst ab 1999 zufolge des bis
1995 zu tragenden Defizits der Garage (act. 1 S. 19 f., act. 33/2/2 S. 19 f.) oder
gestützt auf seine gesamte, nicht mehr mögliche Wertschöpfung zu Marktpreisen
von CHF 287'000.– pro Jahr bis 2001 und mit einer Erhöhung von 1 % pro Jahr
ab 2002 zu berechnen (act. 19 S. 37 ff., act. 33/2/29 S. 8). Ab dem Datum der
Klageeinleitung geht der Kläger 1 gegenüber der Beklagten 1 von einer Kapitali-
sierung des Gewinnausfalles aus (act. 19 S. 44 ff.).
Die Beklagte 1 hält dafür, dass der auch aufgrund der Folgen des 2. und 3.
Unfalles bis Ende 1995 aufgelaufene Ausfallschaden des Klägers 1
CHF 513'858.– ausmache. Ab 1996 geht sie unter Einbezug einer Einkom-
mensdynamisierung von einem durchschnittlichen Jahresnettoeinkommen des
Klägers 1 von CHF 100'000.– aus, welches konstant bleibe bis zur Pensionierung
und bezüglich des künftigen Erwerbsausfalles zu kapitalisieren sei (act. 9 S. 29).
Die Beklagte 2 vertritt die Auffassung, ihr gegenüber könne als Basis höchs-
tens die Einkommenssituation 1993, allenfalls 1992 massgebend sein, welche
negativ gewesen sei. Sie bestreitet daher, dass ab dem Zweitunfall noch ein Di-
rektschaden entstanden sei, welcher zu ihren Lasten gehe (act. 33/2/15 S. 29 f.).
c) Die Entwicklung des durch den Kläger 1 ohne Unfälle durch den Gara-
genbetrieb erzielbaren Validengewinns ist vom Gericht gestützt auf Art. 42 Abs. 2
OR zu schätzen. Diesbezüglich ist zunächst festzuhalten, dass aussagekräftige
- 61 -
Gewinnzahlen als Vergleichsgrössen nur für die zwei Jahre 1990 und 1991 vor-
liegen. Für 1987/88, das erste Geschäftsjahr der selbständigen Erwerbstätigkeit
des Klägers 1, fehlen jegliche Zahlenangaben und das folgende Jahr 1989 ist in-
sofern nicht repräsentativ, weil in diesem Jahr die Garage umgebaut und sich das
Geschäft unbestrittenermassen im Aufbau befand.
Für das Jahr 1990 macht der Kläger 1 einen Nettogewinn aus seiner Ge-
schäftstätigkeit im Umfang von CHF 200'000.– geltend, mit dem Hinweis, dass er
in diesem Jahr mindestens diesen Betrag für sich und seine Familie aufgewendet
habe (act. 19 S. 34). Nach der Ansicht des Klägers 1 ist dieser Betrag auch für
das Jahr 1991 und danach für die folgenden Jahre (ab 1992) als mutmassliches
Einkommen heranzuziehen (vgl. act. 1 S. 19, act. 19 S. 35, act. 33/2/2 S. 19 und
act. 33/2/29 S. 17 ff.). Dazu ist zu bemerken, dass nur dann auf die Lebenshal-
tungskosten der Familie abgestellt werden muss, wenn die Akten und die erhobe-
nen Beweise keinerlei einigermassen sichere Rückschlüsse über den Gewinn,
den der Geschädigte vor Eintritt des Gesundheitsschadens erzielt hat, zulassen
(Urteil des Bundesgerichts 4P.85/2000 vom 24. Juli 2000 E. 2.d, LANDOLT, a.a.O.,
N 707 zu Art. 46 OR). Aus den im Recht liegenden diversen Buchhaltungsunter-
lagen ergibt sich für das Geschäftsjahr 1990 ein Reingewinn von CHF 50'528.–
und für das Jahr 1991 ein solcher von CHF 170'130.–. Diese Zahlen basieren auf
den Abschlüssen der für die Geschäftsbuchhaltung des Klägers 1 zuständigen
Treuhandfirma I._ AG, welche in der Folge sowohl von der BD._ als
auch - aufgrund eines von den Parteien [Beklagte 1 und Kläger 1] gemeinsam
veranlassten Gutachtens - vom Treuhandbüro BE._ AG geprüft und für in
Ordnung befunden worden sind (vgl. dazu act. 20/96, act. 20/97, act. 20/100 und
act. 20/101 sowie act. 10/14). Anhaltspunkte dafür, dass diese buchhalterisch er-
mittelten Gewinnzahlen nicht korrekt sein könnten, liegen nicht vor, zumal der
Kläger 1 selber der BD._ eine sehr sorgfältige Prüfung attestiert (vgl.
act. 33/2/29 S. 10). Es ist damit grundsätzlich auf diese Zahlen abzustellen und
davon auszugehen.
Mit Bezug auf das Jahr 1991 hält der Kläger 1 ergänzend fest, dass vom
ausgewiesenen Gewinn von CHF 170'130.– rund CHF 32'000.– aus dem Benzin-
- 62 -
verkauf stammen würden, wofür er wenig habe tun müssen, da der Unterhalt der
Tankstelle Sache der BF._ gewesen sei und es sich um eine Tankstelle mit
Selbstbedienung gehandelt habe (act. 33/2/29 S. 18). Zudem weisen beide Be-
klagten darauf hin, dass der Handel mit Occasionsfahrzeugen grossen Schwan-
kungen unterliege, was insbesondere aus dem Bericht der BD._ und den
stark variierenden Gewinnzahlen der Jahre 1990 und 1991 deutlich hervorgehe.
Das Jahr 1991 sei im Gegensatz zum Jahr 1990 ausserordentlich erfolgreich ge-
wesen. Es gehe daher nicht an, den Abschluss für 1991 als alleinige Grundlage
heranzuziehen, um eine realistische Hypothese für die künftige Einkommensent-
wicklung des Klägers 1 vorzunehmen. Aus diesem Grund sei im Übrigen die
Hausbank des Klägers 1 ab Ende 1989 auch nicht mehr bereit gewesen, den Oc-
casionshandel im gleichen Umfange zu finanzieren. Erst 1991 habe der Kläger
wieder auf seine Hausbank für den Occasionshandel zählen können (act. 9 S. 8
ff., act. 24 S. 32, act. 33/2/15 S. 28 f. und act. 33/2/37 S. 18 ff.).
Es trifft zu, dass von dem für das Jahr 1991 ausgewiesenen Gewinn von
CHF 170'130.– ein Anteil von CHF 32'000.– aus Benzinverkauf stammt, der für
den Kläger 1, wie dieser selber einräumt (vgl. act. 33/2/29 S. 18), nur einen sehr
geringfügigen Aufwand verursachte (vgl. dazu auch act. 10/14, Tabelle II A S. 5).
In diesem Bereich ist daher durch seinen Unfall auch keine Einbusse entstanden
und der Gewinn für den Rest des Jahres 1991 nach dem Unfall dennoch erzielt
worden. Ausgehend vom ausgewiesenen Gewinn ohne Benzin von
CHF 138'130.– (bis 20. November 1991) ist der Gewinn für das ganze Jahr 1991
von 320 Tagen auf 360 Tage hochzurechnen. Daraus resultiert ein Gewinn ohne
Benzin von CHF 155'396.– resp. inkl. Benzin von CHF 187'396.– für das gesamte
Jahr 1991. Dem Einwand der Beklagten 1, wonach der Umsatz in der Zeit nach
dem 1. Unfall im Jahr 1991 durchwegs im Rahmen anderer Vormonate im Jahr
1991 gelegen habe (act. 24 S. 33 f.), kann schon deshalb nicht gefolgt werden,
weil sich diese Behauptung nicht auf den hier massgeblichen Gewinn bezieht,
sondern nur auf den Umsatz, welchem noch der - bei einem Betrieb der Werkstatt
durch Angestellte anstatt durch den Kläger 1 selbst mutmasslich höhere - Auf-
wand dieser Monate gegenüber gestellt werden müsste. Nachdem sodann selbst
seitens des Klägers 1 nicht bestritten wird, dass der Occasionshandel grossen
- 63 -
Schwankungen unterliegt, rechtfertigt es sich vorliegend, im Sinne einer Schät-
zung auf die ausgewiesenen Durchschnittswerte der beiden Jahre 1990 und 1991
abzustellen. Damit ist aufgrund dieser Vergleichsperiode 1990/1991 der Validen-
gewinn des Klägers 1 aus der selbständigen Erwerbstätigkeit in einer Garage im
Zeitpunkt des ersten Unfalls auf jährlich CHF 118'962.– (CHF 50'528.– plus
CHF 187'396.– = CHF 237'924.– für zwei Jahre) zu schätzen.
Die Garagenliegenschaft an der BG._-Strasse ... in Zürich-... war mit
einem Beseitigungsrevers belastet; der Kläger 1 wusste somit von Anfang an,
dass er den von ihm geführten Garagenbetrieb längstens bis Ende März 1997 be-
treiben konnte und danach ein Betriebswechsel bevorstand (vgl. act. 1 S. 6 ff. so-
wie act. 3/17). Hinsichtlich der Erwerbstätigkeit nach dem Verkauf der Garage an
der BG._-Strasse ... beruft sich der Kläger 1 auf Mutmassungen betreffend
Führung einer Garage mit grosser Tankstelle und Shop sowie Waschbox oder al-
lenfalls Umschulung zum Schadeninspektor nach dem ersten Unfall (act. 33/2/29
S. 19). Dennoch stützt der Kläger 1 seine Schadensberechnung auf den Gewinn
aus der selbständigen Erwerbstätigkeit in der resp. einer eigenen Garage wie der
bisherigen an der BG._-Strasse. Ausserdem entspricht es der empirischen
Erfahrung, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt
worden wäre (BGE 134 V 322 E.4.1; BGE 129 V 222 E.4.3.1; Urteil des Bundes-
gerichts 9C_476/2009 vom 7. Dezember 2009 E.3.1). Nicht zuletzt stimmt die An-
nahme der Fortsetzung der bisherigen Tätigkeit - hier in einem neuen Betrieb -
auch mit den Tatsachen überein; blieb doch unbestritten, dass nach dem Abbruch
der Werkstatt an der BG._-Strasse ... in Zürich der Garagenbetrieb in der
Liegenschaft an der BH._-Strasse ... in BI._ weitergeführt wurde (act. 9
S. 20, act. 24 S. 10). Dies belegt auch der Handelsregisterauszug des Klägers 1
(act. 10/21).
Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Betriebswechsels rechtfertigt
es sich, für das Jahr 1997 von einem tieferen Validengewinn des Klägers 1 aus-
zugehen, da bereits im Zeitpunkt des Kaufs der Garage an der BG._-Strasse
klar war, dass der Kläger 1 diese schon bald wieder verkaufen und mit einem an-
deren Betrieb neu wird starten müssen. Dieser Betriebswechsel hätte - wie vor-
- 64 -
stehend bereits erwähnt - spätestens im Jahr 1997 stattgefunden. Die Situation im
Jahr 1997 dürfte in etwa mit derjenigen im Jahre 1989 vergleichbar sein, als das
Geschäft des Klägers 1 zwar schon rentierte, aber immer noch im Aufbau war.
Einerseits hätte der Kläger 1 in BI._ vermutungsweise nicht völlig neu begin-
nen müssen wie damals im Jahr 1988 in Zürich, sondern hätte zumindest einen
Teil der Kunden mitnehmen können. Andererseits wäre durch den Umzug zweifel-
los diverser zusätzlicher Aufwand entstanden und durch den Domizilwechsel wohl
auch ein Verlust an Kunden eingetreten. Der Validengewinn für das Jahr 1997 ist
deshalb gestützt auf den vergleichbaren Gewinn des Jahres 1989 in der Höhe
von CHF 63'091.– sowie unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung (vgl.
dazu http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/03/04/blank/data/02.
html, Schweizerischer Lohnindex nach Branche, Schweizerischer Lohnindex: In-
dex und Veränderung auf der Basis 1993 = 100 für 1993 bis 2010 und Schweize-
rischer Lohnindex insgesamt (1939 = 100), Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpreise und der Reallöhne, Abrufdatum: 25. August 2016) auf
CHF 79'513.74 zu schätzen. Dieser tiefere Gewinn ist indessen nur für ein Jahr
zu veranschlagen, da der Umzug des Garagenbetriebes mutmasslich keine län-
gere Phase des erneuten Geschäftsaufbaus verursacht hätte.
d) In Anbetracht der vorstehenden Erwägungen wäre im Jahr 1991 in den
restlichen 40 Tagen nach dem Unfallereignis - ausgehend vom oben ermittelten
Validengewinn - ein Gewinn von CHF 13'218.– erzielt worden (CHF 118'962.– /
360 * 40).
Für die nachfolgenden Jahre (ab 1992) ist der Validengewinn gestützt auf
den oben geschätzten Gewinn von CHF 118'962.– entsprechend der massgebli-
chen Nominallohnentwicklung zu erhöhen (vgl. dazu unter www.bfs.admin.ch/bfs/
portal/de/index/themen/03/04/blank/data/02.html, Schweizerischer Lohnindex
nach Branche, Schweizerischer Lohnindex: Index und Veränderung auf der Basis
1993 = 100 für 1993 bis 2010 und Schweizerischer Lohnindex: Index und Verän-
derung auf der Basis 2010 = 100 für 2011 bis 2015 sowie Schweizerischer Lohn-
index insgesamt (1939 = 100), Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumenten-
preise und der Reallöhne, 1976 - 2011 für vor 1993; Sektor Handel; Instandhal-
- 65 -
tung und Reparaturen von Motorfahrzeugen). Für das Jahr 1997 ist die Nominal-
lohnentwicklung von 1989 bis 1997 (von 1427 auf 1818 Pte) zu berücksichtigen.
Damit ist von folgendem Validengewinn des Klägers 1 auszugehen:
Jahr Nominallohnentwicklung
(Veränderung in % ggü Vorjahr) Validengewinn
(Basis CHF 118'962.–)
1991 (40 d) CHF 13'218.00
1992 4.9 CHF 124'791.14
1993 1 CHF 126'039.05
1994 1.1 CHF 127'425.48
1995 1.1 CHF 128'827.16
1996 1.6 CHF 130'888.39
1997 (0.9) hier: Basis CHF 63'091.– 1989
CHF (63'091.– x 1818/1427=) 79'513.74
1998 1.1 CHF 133'519.12
1999 0.2 CHF 133'786.16
2000 0.3 CHF 134'187.52
2001 3.3 CHF 138'615.70
2002 0.9 CHF 139'863.25
2003 1.0 CHF 141'261.88
2004 1.0 CHF 142'674.50
2005 1.5 CHF 144'814.61
2006 0.7 CHF 145'828.32
2007 0.7 CHF 146'849.11
2008 2.2 CHF 150'079.80
2009 2.0 CHF 153'081.39
2010 0.3 CHF 153'540.64
2011 1.4 CHF 155'690.20
2012 0.9 CHF 157'091.42
2013 0.6 CHF 158'033.96
2014 0.8 CHF 159'298.24
2015 0.4 CHF 159'935.43
2016 (327 )
0.5 (Schätzung) CHF (160'735.11 / 365 x 327=) 144'001.04
Total: CHF 3'522'855.25
- 66 -
Der Validengewinn des Klägers 1 aus dem Garagenbetrieb an der
BG._-Strasse in Zürich sowie ab 1997 in BI._ seit dem 1. Unfall am
20 November 1991 bis zum Urteilstag ist somit auf CHF 3'522'855.25 zu schät-
zen. Davon entfällt der Betrag von CHF 520'300.83 auf die Zeit seit dem 1. Unfall
bis zum 31. Dezember 1995.
e) Zusätzlich zum Erwerbsgewinn aus dem Garagenbetrieb macht der Klä-
ger 1 Ausführungen zu einem Nebenerwerb aus Bauleistungen an eigenen Lie-
genschaften. Er ist der Meinung, er habe neben seinem Erwerb in den Jahren
1989/90/91 Eigenleistungen an seinen Liegenschaften gemacht im Rahmen von
mindestens CHF 117'300 an der BJ._-Strasse ... in S._ sowie
CHF 61'100.– und CHF 24'290.– in BK._, total demnach CHF 202'690.–.
Diese wirtschaftlichen Leistungen seien zu seinem Lohn hinzuzurechnen, wenn
seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit während der Jahre 1989-1991 beurteilt
werden solle. Er, der Kläger 1, habe nämlich jederzeit die Möglichkeit gehabt, vor
dem ersten Unfall entweder Autos zu reparieren oder Häuser zu renovieren
(act. 19 S. 27).
Entgegen der klägerischen, bestrittenen Ansicht sind die behaupteten Bau-
leistungen an eigenen Liegenschaften nicht unter Berücksichtigung einer wirt-
schaftlichen Leistungsfähigkeit des Klägers 1 bei der Ermittlung des Validenge-
winns heranzuziehen, sondern es handelt sich dabei allenfalls um einen Eigen-
leistungsausfall. Dieser würde einen Schaden darstellen, wenn geldwerte Arbei-
ten in seinem eigenen Interesse ausgeführt worden wären, welche er aufgrund
einer durch einen oder beide Unfälle verursachte Freizeitarbeitsunfähigkeit nicht
mehr ausführen kann (LANDOLT, a.a.O., N 529 f. zu Art. 46 OR mit weiteren Hin-
weisen). Ein allfälliger Eigenleistungsausfallschaden wird nachfolgend unter Ziffer
IV.E.3. behandelt.
2.3.4. Invalidengewinn/-verlust aus dem Garagenbetrieb
a) Für den Rest des Jahres 1991 ist ein Gewinn aus dem Benzinverkauf zu
berücksichtigen, da dieser auch ohne Arbeitsfähigkeit des Klägers 1 erzielt wer-
- 67 -
den konnte und der dafür vorgebrachte Gewinn von rund CHF 32'000.– im Jahr
1991 somit das ganze Jahr betraf. Für die letzten 40 Tage von 1991 ist daher ein
Invalidengewinn von CHF 3'556.– (CHF 32'000 / 360 x 40) anzurechnen.
b) Nach der Darstellung des Klägers 1 sind sodann zum aufgelaufenen
Schaden die folgenden Beträge hinzu zu zählen: CHF 58'509.– Verlust 1992,
CHF 43'193.45 für den Verlust 1993, CHF 59'844.– für den Verlust 1994,
CHF 50'401.– für den Verlust 1995 plus CHF 7'000.– Fixkostenanteil 1991
(act. 19 S. 48). Die Beklagte 1 hält dagegen fest, die aufgeführten Betriebsverlus-
te sowie ein Fixkostenanteil für 1991 seien nicht substantiiert aufgezeigt und wür-
den daher bestritten (act. 24 S. 36). Dem Kläger 1 wurde deshalb der Hauptbe-
weis dafür auferlegt, dass bei seinem Garagenbetrieb an der BG._-Strasse
... in Zürich 1991 zusätzliche Fixkosten von CHF 7'000.– angefallen sind und
dass 1992 ein Verlust von CHF 58'509.–, 1993 ein Verlust von CHF 43'193.45,
1994 ein Verlust von CHF 59'844.– und 1995 ein Verlust von CHF 50'401.– ent-
standen ist. Als Beweismittel des Klägers 1 abgenommen wurden die Bilanz und
Erfolgsrechnung mit Korrekturen 1992, sämtliche Kontenblätter für das Jahr 1992
bei I._ AG und die Jahresabschlüsse der Jahre 1993 bis 1995. Zum Beweis
der zusätzlichen Fixkosten von CHF 7'000.– für das Jahr 1991 nannte der Kläger
1 dagegen keine Beweismittel. Aufgrund der Beweislosigkeit dieser Fixkosten im
Jahr 1991 sind diese nicht ausgewiesen und bei der Schadensberechnung nicht
zu berücksichtigen. Damit bleibt es für die Zeit vom 1. Unfall am 20. November
1991 bis zum 31. Dezember 1991 bei einem Invalidengewinn des Klägers 1 von
CHF 3'556.–. Demgegenüber sind die vom Kläger 1 für die Jahre 1992 bis 1995
geltend gemachten Betriebsverluste gestützt auf die Bilanz und Erfolgsrechnung
mit Korrekturen 1992 sowie die von der I._ AG erstellten Jahresabschlüsse
1993 bis 1995 ausgewiesen und dem Kläger 1 ist der diesbezügliche Beweis ge-
lungen (act. 44/130 und 131, act. 62/7 und 8). Demnach sind bei der  folgende Verluste des Betriebs des Klägers 1 zu berücksichtigen:
Für das Jahr 1992 CHF 58'509.–, für 1993 CHF 43'193.45, für 1994
CHF 59'844.– und für 1995 CHF 50'401.–.
- 68 -
c) Mit Bezug auf die anrechenbaren Invalidengewinne ist ferner folgende
Bemerkung anzubringen: Der Kläger 1 wies in seinem Jahresabschluss 2004 für
das Jahr 2003 als Betriebsergebnis einen Gewinn von CHF 19'449.– aus
(act. 3/53 S. 3 f.). Dieser Gewinn ist als Invalidengewinn des Jahres 2003 zusätz-
lich zu berücksichtigen.
d) Die Beklagte 2 erwähnt im Weiteren, dass sich der Kläger 1 Einnahmen
aus dem Benzinverkauf auch bei Erwerbsunfähigkeit anrechnen lassen müsse, da
dieser nach eigenen Angaben wenig dafür habe tun müssen (act. 33/2/37 S. 19).
Die Beklagte 2 unterlässt es aber darüber hinaus im Einzelnen darzutun, welche
Beträge dem Kläger 1 als Invalideneinkommen aus Benzinverkauf aufgrund einer
Schadenminderungspflicht anzurechnen wären resp. welche Gewinne er damit
hätte erzielen können. Aufgrund der mangelnden Substantiierung erübrigt es sich
daher, weiter auf das pauschale Vorbringen der Beklagten 2 einzugehen.
2.4. Einkommen nach Eingliederung ohne 2. Unfall
2.4.1. Welches Invalideneinkommen der Kläger 1 hypothetisch ab dem
1. Januar 1996 ohne den zweiten Unfall hätte erzielen können, das wiederum das
für die Berechnung des Erwerbsausfallschadens des Klägers 1 aus dem zweiten
Unfall massgebliche Valideneinkommen des Klägers 1 darstellt, kann nicht genau
ermittelt und einzig im Rahmen des richterlichen Ermessens mit Rücksicht auf
den gewöhnlichen Lauf der Dinge aufgrund einer Schätzung festgelegt werden.
Dabei sind die Vorbringen der Parteien und sämtliche weiteren Schadenskompo-
nenten wie die beruflichen Chancen des Klägers 1, die mutmasslichen Entwick-
lungen auf dem Markt und die Kosten einer Ersatzkraft zu berücksichtigen.
2.4.2. Die Ausführungen des Klägers 1 in seinen separaten Rechtsschriften
betreffend die beiden Beklagten in dieser Hinsicht sind unterschiedlich und wider-
sprechen sich. In Bezug auf die Beklagte 1 macht er - auch unter Berufung auf ei-
ne solidarische Haftung der Beklagten - sein gesamtes Valideneinkommen als
Erwerbsausfallschaden geltend und bestreitet, dass er, der zwar gut deutsch
spreche, aber nicht schreibe, zur Ausübung einer anderen Tätigkeit als einer
handwerklichen in der Lage wäre oder je eine andere Erwerbstätigkeit gewinn-
- 69 -
bringend hätte ausüben können. Zudem ist der Kläger 1 der Ansicht, dass im
Rahmen dieses Verfahrens nur zu entscheiden ist, wie gross der Anteil jeden Un-
falls auf den Schaden ist, also nicht auf die theoretische Arbeitsfähigkeit, sondern
auf den konkreten Schaden (act. 19 S. 10, 17 f.). Im Verhältnis zur Beklagten 2
rechnet der Kläger 1 demgegenüber mit einer Quotenteilung der beiden Beklag-
ten von je 50 % des Schadens aus einem vollständigen Erwerbsausfall aus der
Tätigkeit vor dem ersten Unfall. Zur Frage, wie sich sein Einkommen entwickelt
hätte, wenn er den zweiten Unfall nicht gehabt hätte, führt er aus, vielleicht wäre
die Führung einer Garage mit grosser Tankstelle und Shop sowie Waschbox
möglich gewesen oder er hätte sich umgeschult und wäre als Schadensinspektor
zur Regulierung von Sachschäden angestellt worden. Zur Höhe des erzielbaren
Einkommens fordert er sodann die Beklagte 2 auf, die durchschnittlichen Löhne
ihrer Schadensinspektoren offen zu legen. Welches Einkommen er nach dem 1.
Unfall und der Eingliederung noch hätte erzielen können, legt der Kläger 1 aber
nicht dar. Indessen hält er klar fest, dass die erzielten hohen Margen im Occasi-
onshandel nicht nur Handelsertrag seien, sondern darin seien fast immer auch
Spengler- und Automechanikerarbeiten enthalten, da es sich um Unfallfahrzeuge
gehandelt habe, die er aufgerüstet habe, wenn gerade kein dringender Auftrag zu
erledigen gewesen sei. Nur dadurch erkläre sich eine solch hohe Wertschöpfung,
wie sie der Kläger 1 erreicht habe (act. 33/29 S. 18 f.).
2.4.3. Gemäss der Sachverhaltsdarstellung der Beklagten 1 (act. 9 S. 27 f.;
act. 24 S. 13) und in Übereinstimmung mit dem Beweisergebnis zu den durch den
Unfall vom 20. November 1991 natürlich kausal verursachten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen (act. 174 S. 59), bei denen auch die Adäquanz zu diesem Un-
fall gegeben ist, wäre nach dem 1. Unfall ohne den 2. Unfall vom 17. März 1994
die Selbsteingliederung des Klägers 1 bis zum 31. Dezember 1995 möglich ge-
wesen. In welcher Form dabei ein kontinuierlicher Einstieg des Klägers 1 ab
Sommer 1994 hätte stattfinden sollen, legt die Beklagte 1 aber nicht dar. Sie führt
aus, der Kläger 1 hätte durch Verlagerung der Tätigkeit vom handwerklichen Ein-
satz auf die Geschäftsführung und den Fahrzeughandel die Einschränkung bei
der handwerklichen Tätigkeit kompensieren können. Konkret wäre das Schwer-
gewicht seiner Tätigkeit auf den Kauf und Verkauf beschädigter Fahrzeuge zu le-
- 70 -
gen gewesen und deren Instandstellung hätte gemäss seiner fachkundigen Anlei-
tung ein angestellter Werkstattarbeiter ausführen können. Damit hätte eine Zeitre-
serve resultiert, die für die Ausdehnung des im Vergleich zur Werkstattarbeit ein-
träglicheren Fahrzeughandels zu nutzen gewesen wäre. Gestützt darauf vertritt
die Beklagte 1 die Auffassung, dass der Unfall vom 20. November 1991 nach Ab-
schluss der Selbsteingliederung Ende 1995 keine wirtschaftlichen Folgen mehr
gehabt hätte, d.h. dass das Invalideneinkommen des Klägers 1 ab diesem Zeit-
punkt die Höhe seines Valideneinkommens erreicht hätte (act. 9 S. 27 f.; act. 24
S. 33; act. 183 S. 6).
2.4.4. Die Beklagte 2 schliesslich bestreitet die Darstellung des Klägers 1,
dass er die Möglichkeit zur Führung einer BF._-Tankstelle mit Waschbox und
Shop gehabt hätte oder als Schadensinspektor zur Regulierung von Sachschäden
angestellt worden wäre, als durch nichts belegt und macht geltend, dass der Klä-
ger 1 im Zeitpunkt des zweiten Unfalles vor dem Nichts gestanden habe. Darüber
hinaus bestreitet die Beklagte 2 ganz allgemein, dass ein allfälliger Erwerbsaus-
fallschaden des Klägers 1 durch den 2. Unfall verursacht wurde, und ist der Mei-
nung, falls der Kläger 1 überhaupt arbeitsunfähig sei, sei dies ausschliesslich auf
den ersten Unfall zurückzuführen (act. 33/37 S. 10, 20 f.). Der erste Unfall habe
jedenfalls als konstitutionelle Prädisposition für allfälligen Schaden aus dem 2.
Unfall zu gelten, was die Ersatzpflicht der Beklagten 2 drastisch reduziere
(act. 181 S. 26).
2.4.5. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und unter Berücksichtigung
der englischen Muttersprache des Klägers 1, der die deutsche Sprache nur münd-
lich beherrscht, mit den entsprechenden Folgen auf dem Arbeitsmarkt, erscheint
die Darstellung der Beklagten 1, dass der Kläger 1 nach dem 1. Unfall per 1. Ja-
nuar 1996 mit Unterstützung durch einen angestellten Werkstattarbeiter eine Ein-
gliederung in den bereits vor dem Unfall in einem gewissen Ausmass neben dem
sonstigen Garagenbetrieb praktizierten Occasionshandel mit Kauf, Restaurierung
und Verkauf von Unfallfahrzeugen aufgenommen und einer anderen kaufmän-
nisch-administrativen Tätigkeit vorgezogen hätte, realistisch und zumutbar. Dass
der Kläger 1 eine andere Tätigkeit hätte aufnehmen können, zieht die Beklagte 1
- 71 -
nicht in Betracht. Ausserdem ist mit der Beklagten 2 festzuhalten, dass keine An-
haltspunkte dafür bestehen, dass der Kläger 1 eine Umschulung zum Scha-
densinspektor gemacht hätte. Auch deutet nichts darauf hin, dass er die Möglich-
keit gehabt hätte, eine grössere Tankstelle mit Waschbox und Shop zu führen. In-
dessen scheint es entgegen der Darstellung der Beklagten 1 völlig ausgeschlos-
sen, dass der Kläger 1 durch den Handel mit restaurierten Unfallfahrzeugen einen
Gewinn erzielt hätte, der denjenigen aus der früheren Tätigkeit als selbständiger
Autospengler und -mechaniker und Occasionshändler sowie Tankstelleninhaber
annähernd erreicht. Vielmehr hätte er mit einer solchen Geschäftstätigkeit nur ei-
nen erheblich tieferen Gewinn erzielen können, zumal die Grösse des Marktes für
solche Fahrzeuge ebenso wie die durch die Arbeitsunfähigkeit des Klägers 1 im
handwerklichen Bereich bedingte Anstellung eines Automechanikers/-spenglers
für die Restaurierung der Fahrzeuge in die Schätzung einzubeziehen sind. Der
erzielbare Umsatz würde wohl zu einem grossen Teil für die Lohnkosten der not-
wendigerweise anzustellenden Handwerker verbraucht. Die vom Kläger 1 vor
dem 1. Unfall erzielte Marge war nämlich nur wegen der eigenhändigen Restau-
rierung der Unfallfahrzeuge möglich. Gestützt auf diese in die Schätzung einflies-
senden Aspekte erscheint es angemessen, das durch den Kläger 1 nach dem
1. Unfall in dieser Tätigkeit erzielbare Invalideneinkommen auf (maximal) die Hälf-
te des bisherigen Gewinnes, mithin auf CHF 65'444.20 für das Jahr 1996 zu
schätzen. Diese Schätzung entspricht letztlich auch der klägerischen Darstellung,
die davon ausgeht, dass der Schaden aus dem Gewinnausfall zu 50 % von der
Beklagten 1 zu tragen ist. Und gleichzeitig handelt es sich dabei um das bei der
Schadensberechnung für den 2. Unfall massgebliche Valideneinkommen des
Klägers 1. Es erscheint nämlich nicht nur zur Vermeidung eines widersprüchli-
chen Entscheides geboten, bei der Berechnung des Schadens aus dem Unfall
vom 20. November 1991 und aus dem Unfall vom 17. März 1994 auf dasselbe
nach dem ersten Unfall ohne den zweiten Unfall ab Abschluss der Selbsteinglie-
derung am 1. Januar 1996 noch erzielbare Erwerbseinkommen des Klägers 1 ab-
zustellen. Vielmehr ist darüber hinaus gestützt auf die dargestellte Situation des
Klägers 1 mit Rücksicht auf den gewöhnlichen Lauf der Dinge und unter Berück-
sichtigung sämtlicher Schadenskomponenten trotz der teilweise abweichenden
- 72 -
Sachverhaltsvorbringen der Parteien keine andere Schätzung angemessen und
geboten. Zusammengefasst ist somit davon auszugehen, dass der Kläger 1 ab
dem 1. Januar 1996 ohne den zweiten Unfall ein Invalideneinkommen in Bezug
auf die Schadensberechnung gegenüber der Beklagten 1 resp. ein Validenein-
kommen in Bezug auf die Beklagte 2 in der Höhe von der Hälfte des oben darge-
stellten, ohne Unfälle geschätzten Validengewinnes seines Unternehmens hätte
erzielen können.
2.5. Invalideneinkommen nach 2. Unfall
Was im Weiteren das Invalideneinkommen anbelangt, dass der Kläger 1
nach dem 2. Unfall noch hätte erzielen können, ist zunächst das Ergebnis des in-
terdisziplinären medizinischen Gerichtsgutachtens zu beachten, gemäss welchem
der Kläger 1 nur in einer optimal angepassten Tätigkeit ohne Schichtdienst, ohne
Führungs- und Leistungsaufgaben, mit klar geregelter Arbeitszeit und ohne hohe
Ansprüche an kognitive Funktionen und kommunikative Kompetenzen zu 50 %
arbeitsfähig war. Zusätzlich zu beachten ist, dass eine handwerkliche Tätigkeit
ausser Betracht fällt, und es sich bei der eben umschriebenen Tätigkeit um eine
kaufmännisch-administrative Tätigkeit handeln müsste. An das Ergebnis des me-
dizinischen Gerichtsgutachtens hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit des Klägers 1 ist
das Gericht aber, wie bereits ausgeführt, bei der Schätzung des Schadens nicht
gebunden, sondern es hat im Rahmen eines Ermessensentscheides nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge zu entscheiden und sämtliche weiteren Schadens-
komponenten einzubeziehen. Der Kläger 1 führt in dieser Hinsicht in seiner Stel-
lungnahme zum Beweisergebnis aus, seine noch mögliche Arbeitsleistung könne
von einem Arbeitgeber nicht einkalkuliert werden, weil sie unstet sei und er an
schlechten Tagen erst am Nachmittag oder gar nie angepasst leistungsfähig wer-
de. Die im Gerichtsgutachten umschriebene Tätigkeit, die dem Kläger 1 in der
50 % verbleibenden Arbeitsfähigkeit überhaupt zugemutet werde, sei eine Ni-
schentätigkeit, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht verwertbar sei (act. 184
S. 33). Die Wahrscheinlichkeit, dass der Kläger 1 die ihm nach dem 2. Unfall ver-
bleibende Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt zur Erzielung eines Er-
werbseinkommen erfolgreich einsetzen kann, ist in der Tat als äusserst gering
- 73 -
einzuschätzen. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge ist nicht damit zu rech-
nen, dass er unter diesen Umständen eine Anstellung in einer optimal angepass-
ten Tätigkeit finden könnte resp. gefunden hätte; nicht zuletzt auch deshalb, weil
er zuvor nie eine vergleichbare kaufmännisch-administrative Tätigkeit ausgeübt
hat, die deutsche Sprache nur mündlich beherrscht und seine gesundheitlichen
Beeinträchtigungen für einen Arbeitgeber auf dem freien Markt doch eine be-
trächtliche Belastung darstellen würden. Es ist deshalb festzuhalten, dass die
dem Kläger 1 nach dem 2. Unfall verbleibende Restarbeitsfähigkeit nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge nicht mehr verwertet werden kann und er somit seit
diesem Unfall vom 17. März 1994 nicht mehr in der Lage ist, ein Invalidenein-
kommen zu erzielen.
2.6. Reduktion der Haftungsquote der Beklagten 2 wegen konstitutioneller
Prädisposition aus 1. Unfall
Die von der Beklagten 2 sodann als reduzierender Faktor bei der Schaden-
ersatzbemessung geltend gemachte konstitutionelle Prädisposition betreffend die
psychiatrischen Diagnosen des Klägers 1 verursacht durch den 1. Unfall führt
entgegen ihrer Meinung in Übereinstimmung mit der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung nicht zu einer Reduktion der Haftungsquote der Beklagten 2. Aufgrund
der oben geschilderten Verhältnisse in Bezug auf den Kausalzusammenhang ist
erwiesen, dass sich die Folgen einer allfälligen psychiatrischen Beeinträchtigung
des Klägers 1 nach dem 1. Unfall nicht auf dessen Erwerbsfähigkeit ausgewirkt
haben und ohne den 2. Unfall auch keine derartigen Auswirkungen gezeigt hät-
ten. Aus diesem Grund ist im Rahmen der Schadenersatzbemessung auch keine
Reduktion der Haftungsquote der Beklagten 2 gestützt auf diese konstitutionelle
Prädisposition vorzunehmen.
2.7. Aufgelaufener Erwerbsausfall und Anrechnung kongruente Sozialversi-
cherungsleistungen
2.7.1. Der aufgelaufene Erwerbsausfall ist gestützt auf die obigen Ergebnis-
se zum Validen- und Invalidengewinn für den Unfall vom 20. November 1991 und
für denjenigen vom 17. März 1994 zu ermitteln. Es ist daran zu erinnern, dass bis
- 74 -
zum 31. Dezember 1995 der gesamte Erwerbsausfallschaden des Klägers 1 auf
den ersten Unfall vom 20. November 1991 zurückzuführen ist, während ab dem
1. Januar 1996 der Schaden aus der Erwerbsunfähigkeit nur noch im Umfang der
Hälfte des vor dem ersten Unfall erzielten Gewinnes durch diesen Unfall verur-
sacht ist. Die andere Hälfte ist demgegenüber auf den zweiten Unfall zurückzu-
führen. Demzufolge kann der Kläger 1 von den Beklagten 1 und 2 ab dem 1. Ja-
nuar 1996 je den Ersatz der Hälfte des Direktschadens verlangen.
2.7.2. Zu dessen Berechnung sind vom aufgelaufenen Erwerbsausfall die
kongruenten Sozialversicherungsleistungen in Abzug zu bringen (BGE 126 III 41
E. 2). Die Kongruenz muss sowohl ereignisbezogen als auch in persönlicher,
sachlicher, zeitlicher Hinsicht bestehen (LANDOLT, a.a.O., N 849 zu Art. 46 OR).
Die Parteien ziehen bei ihrer Schadensberechnung übereinstimmend die Renten-
zahlungen der IV sowie der SUVA vom aufgelaufenen Erwerbsausfall ab (act. 19
S. 40 ff., act. 33/2/2 S. 20 ff.; act. 9 S. 22, act. 33/2/15 S. 31). Die Beklagte 2 be-
streitet die vom Kläger 1 vorgebrachten Beträge der IV- und SUVA-Leistungen mit
Nichtwissen, da sie die betreffenden Taggeldabrechnungen und Rentenverfügun-
gen nicht kenne. Sie geht aber ohne nähere Begründung von Rentenleistungen in
der Höhe von rund CHF 5'000.– monatlich aus (act. 33/2/15 S. 31 und
act. 33/2/37 S. 18). Die vom Kläger 1 präzis aufgeschlüsselten jährlichen Renten-
leistungen erreichen indes stets den von der Beklagte 2 angenommenen Betrag
von rund CHF 60'000.– (act. 33/2/2 S. 2 ff.). Die Beklagte 1 verweist demgegen-
über bezüglich der Leistungen bis 1995 auf die Tabelle der Klägers 1 (vgl. dazu
act. 19 S. 40) und berechnet die IV- und SUVA-Leistungen ab 1996 gestützt auf
die Beilagen 28 bis 30 ihrer Klageantwort (act. 10/28-30), bei welchen es sich um
die Berechnungen der SUVA zu Regresszwecken handelt. Ihre Berechnung der in
Abzug zu bringenden Sozialversicherungsleistungen stimmt mit Ausnahme der
IV-Leistungen von 2006 und der SUVA-Leistungen für das Jahr 2000 mit derjeni-
gen des Klägers 1 überein.
2.7.3. Mit Bezug auf das Jahr 2006 behauptet der Kläger 1 IV-Leistungen
von CHF 23'520.–, die Beklagte 1 solche von CHF 24'442.–. Was diese Differenz
von CHF 922.– betrifft, so ist der Regressberechnung der SUVA (act. 10/29) zu
- 75 -
entnehmen, dass bei der klägerischen Berechnung die bis Ende Februar 2006
ausgerichtete Kinderrente von CHF 461.– monatlich, insgesamt CHF 922.–, für
die am 2. Februar 2006 volljährig gewordene Tochter des Klägers 1 nicht berück-
sichtigt wurde. Es wurden demnach im Jahr 2006 IV-Leistungen im Umfang von
CHF 24'442.– erbracht. Für das Jahr 2000 verbucht der Kläger 1 SUVA-
Leistungen von CHF 45'513.–. Demgegenüber macht die Beklagte 1 einen Betrag
von CHF 45'840.– geltend. Dieser Betrag stimmt mit den SUVA-
Taggeldzahlungen bis Ende August 2000 von insgesamt CHF 34'892.–
(act. 10/28 S. 10) sowie der SUVA-Rente ab 1. September 2000 von CHF 2'737.–
monatlich, CHF 10'948.– für vier Monate (act. 10/30 S. 1) überein, weshalb in die
Berechnung für das Jahr 2000 SUVA-Leistungen von CHF 45'840.– einzusetzen
sind. Unter Berücksichtigung dieser beiden Korrekturen kann somit auf die vom
Kläger 1 vorgebrachten Zahlen abgestellt werden. Die Leistungen der Sozialver-
sicherer ab dem Jahr 2007 sind sodann aufgrund von act. 10/28-30 ausgewiesen
und anzurechnen. Auf den 1. Januar 2013 und den 1. Januar 2015 hat die pro-
zentuale Anpassung der IV-Renten entsprechend den auf diesen Termin vorge-
nommenen Erhöhungen (1. Januar 2013 Minimalrente neu CHF 1'170.– statt
CHF 1'160.–, 1. Januar 2015 Minimalrente neu 1'175.–; vgl.
http://www.bsv.admin.ch/aktuell/medien/00120/index.html?lang=de&msg-
id=46056 und https://www.ahv-iv.ch/p/1.2015.d, Abrufdatum: 30. August 2016) zu
erfolgen. Die UVG-Renten wurde dagegen aufgrund der negativen Teuerung des
Landesindexes per September des Vorjahres auf diese Termine nicht erhöht).
2.7.4. Entgegen der Ansicht des Klägers 1 (act. 19 S. 36) genügt es für die
Anrechnung, dass es sich um kongruente Sozialversicherungsleistungen handelt,
die der Kläger 1 erhalten hat (resp. bezüglich der zukünftigen Leistungen erhalten
wird). Ein Beweis der Beklagten, welche Regressleistungen sie tatsächlich schon
erbracht haben, ist nicht Voraussetzung für die Anrechnung dieser Leistungen.
2.7.5. Damit berechnet sich der nach Anrechnung der IV- und SUVA-
Leistungen verbleibende Schaden des Klägers 1 wie folgt:
- 76 -
Jahr  (CHF)
 (CHF)
 Ausfall (CHF)
IV
(CHF)
SUVA
(CHF)
 Ausfall (CHF)
1991 13'218.00 -3'444.00 16'662.00 0 5'950.00 10'712.00
1992 124'791.14 -58'509.00 183'300.14 3'834.00 51'848.00 127'618.14
1993 126'039.05 -43'193.45 169'232.50 25'896.00 51'706.00 91'630.50
1994 127'425.48 -59'844.00 187'269.48 25'896.00 51'706.00 109'667.48
1995 128'827.16 -50'401.00 179'228.16 26'724.00 51'706.00 100'798.16
1996 130'888.39 130'888.39 26'724.00 51'848.00 52'316.39
1997 79'513.74 79'513.74 27'408.00 51'706.00 399.74
1998 133'519.12 133'519.12 27'408.00 51'706.00 54'405.12
1999 133'786.16 133'786.16 27'708.00 51'706.00 54'372.16
2000 134'187.52 134'187.52 27'708.00 45'840.00 60'639.52
2001 138'615.70 138'615.70 28'368.00 33'276.00 76'971.70
2002 139'863.25 139'863.25 28'368.00 33'276.00 78'219.25
2003 141'261.88 19'449.00 121'812.88 29'052.00 33'660.00 59'100.88
2004 142'674.50 142'674.50 29'052.00 33'660.00 79'962.50
2005 144'814.61 144'814.61 29'052.00 33'660.00 82'102.61
2006 145'828.32 145'828.32 24'442.00 33'660.00 87'726.32
2007 146'849.11 146'849.11 23'520.00 33'660.00 89'669.11
2008 150'079.80 150'079.80 20'754.00 38'170.00 91'155.80
2009 153'081.39 153'081.39 17'988.00 39'072.00 96'021.39
2010 153'540.64 153'540.64 17'988.00 43'131.00 92'421.64
2011 155'690.20 155'690.20 17'988.00 44'484.00 93'218.20
2012 157'091.42 157'091.42 17'988.00 44'484.00 94'619.42
2013 158'033.96 158'033.96 18'149.90 44'484.00 95'400.06
2014 159'298.24 159'298.24 18'149.90 44'484.00 96'664.34
2015 159'935.43 159'935.43 18'227.50 44'484.00 97'223.93
2016 bis RT
144'001.04
144'001.04
(18'227.50 / 365 x 327
=) 16'329.84
(44'484.00 / 365 x 327 =)
39'852.78 87'818.41
Total: 3'522'855.25 3'718'797.70 574'723.14 1'083'219.79 2'060'854.77
- 77 -
2.8. Akontozahlungen der Beklagten 1
Die Beklagte 1 legt dar, sie habe dem Kläger 1 Zahlungen im Gesamtbetrag
von CHF 1'130'000.– erbracht (Überweisungen zu CHF 10'000.– vom 28. Februar
1992 und CHF 20'000.– vom 2. Juli 1992 und CHF 30'000.– vom 24. Dezember
1992 und total 10 Mal je CHF 100'000.– am 21. Mai 1993, 13. Dezember 1993,
5. August 1994, 16. März 1995, 30. November 1995, 6. Juni 1996, 1. Januar
1997, 7. November 1997, 29. November 1999 und am 15. Juni 2001,
CHF 50'000.– am 2. Juni 2004 sowie CHF 20'000.– am 20. September 2004;
act. 9 S. 37). Der Kläger 1 anerkennt den Abzug der Akontozahlungen der Be-
klagten 1, spricht allerdings von CHF 1'120'000.–, ohne jedoch eine der von der
Beklagten 1 aufgeführten Zahlungen explizit zu bestreiten oder diese Abweichung
zu erläutern (act. 19 S. 48). Es ist deshalb von den von der Beklagten 1 dargeleg-
ten Akontozahlungen von CHF 1'130'000.– auszugehen.
2.9. Fazit
a) Der Gewinn- resp. Erwerbsausfall des Klägers 1 ist wie festgestellt bis
Ende 1995 vollständig auf die durch den 1. Unfall vom 20. November 1991 verur-
sachten Gesundheitsschädigungen, ab 1996 je zur Hälfte auf die durch den 1.
und auf die durch den 2. Unfall verursachten Gesundheitsschädigungen zurück-
zuführen. Entsprechend ist der dem Kläger 1 nach Anrechnung der Sozialversi-
cherungsleistungen verbleibende Schaden wie folgt von den Beklagten zu tragen:
Jahr Verbleibender Gewinnausfall
(CHF)
1. Unfall Beklagte 1
(CHF)
2. Unfall Beklagte 2
(CHF)
1991 10'712.00 100 % 10'712.00
1992 127'618.14 100 % 127'618.14
1993 91'630.50 100 % 91'630.50
1994 109'667.48 100 % 109'667.48
1995 100'798.16 100 % 100'798.16
1996 52'316.39 50 % 26'158.20 50 % 26'158.20
1997 399.74 50 % 199.87 50 % 199.87
1998 54'405.12 50 % 27'202.56 50 % 27'202.56
- 78 -
1999 54'372.16 50 % 27'186.08 50 % 27'186.08
2000 60'639.52 50 % 30'319.76 50 % 30'319.76
2001 76'971.70 50 % 38'485.85 50 % 38'485.85
2002 78'219.25 50 % 39'109.63 50 % 39'109.63
2003 59'100.88 50 % 29'550.44 50 % 29'550.44
2004 79'962.50 50 % 39'981.25 50 % 39'981.25
2005 82'102.61 50 % 41'051.31 50 % 41'051.31
2006 87'726.32 50 % 43'863.16 50 % 43'863.16
2007 89'669.11 50 % 44'834.56 50 % 44'834.56
2008 91'155.80 50 % 45'577.90 50 % 45'577.90
2009 96'021.39 50 % 48'010.70 50 % 48'010.70
2010 92'421.64 50 % 46'210.82 50 % 46'210.82
2011 93'218.20 50 % 46'609.10 50 % 46'609.10
2012 94'619.42 50 % 47'309.71 50 % 47'309.71 2013 95'400.06 50 % 47'700.03 50 % 47'700.03 2014 96'664.34 50 % 48'332.17 50 % 48'332.17 2015 97'223.93 50 % 48'611.97 50 % 48'611.97 2016 bis RT
87'818.41 50 % 43'909.21 50 % 43'909.21
Total: 2'060'854.77 1'250'640.53 810'214.25
b) Gegenüber der Beklagten 2 hat der Kläger 1 nur eine Teilklage über
CHF 500'000.– erhoben (act. 33/2/2 S. 2). Aufgrund des aufgelaufenen Gewinn-
resp. Erwerbsausfalls im Umfang von CHF 810'214.25, für den die Beklagte 2 einzustehen hat, ist ihm deshalb der eingeklagte Betrag zuzusprechen. Die Be-
klagte 2 ist demnach zu verpflichten, dem Kläger 1 für aufgelaufenen - resp- Erwerbsausfall seit dem 1. Januar 1996 bis Mitte Mai 2010
CHF 500'000.– zu bezahlen. Bezüglich der gegenüber der Beklagten 2 erhobe-
nen Teilklage kann damit an dieser Stelle (abgesehen von den Zinsen) die An-
spruchsprüfung abgeschlossen werden.
c) Die Beklagte 1 hat Akontoleistungen von CHF 1'130'000.– erbracht und
damit den von ihr zu ersetzenden, aufgelaufenen Schaden des Klägers 1 bis En-
de 2013 (CHF 1'109'787.21) vollständig gedeckt sowie zusätzlich die ersten knapp 5 Monate des Jahres 2014. Damit ist die Beklagte 1 zu verpflichten,
- 79 -
dem Kläger 1 noch CHF 120'640.53 für aufgelaufenen Gewinnausfall zu be-
zahlen.
2.10. Zins auf dem aufgelaufenen Gewinn- und Erwerbsausfall/ Genugtuung
2.10.1. Zum Schaden gehört nach konstanter Rechtsprechung der Zins vom
Zeitpunkt an, in dem das schädigende Ereignis sich finanziell ausgewirkt hat. Er
läuft bis zum Tag der Zahlung des Schadenersatzes. Der bis zum massgebenden
Zeitpunkt entstandene, tatsächlich berechnete Schaden ist ohne Aufrechnung der
bisherigen Zinsen ab Entstehung bis zur Bezahlung mit 5 % zu verzinsen, wobei
der Nachweis eines höheren Schadens vorbehalten bleibt. Bei periodisch anfal-
lendem Schaden rechtfertigt sich aus Praktikabilitätsgründen, einen mittleren Ver-
fall anzunehmen, soweit die Schadenshöhe konstant bleibt, oder den Verfalltag
aufgrund der gewichteten Schadenshöhe festzulegen (BGE 131 III 12 E. 9.1 und
9.5 mit weiteren Hinweisen). Mangels einer Spezialbestimmung ist im ausserver-
traglichen Haftungsrecht der gesetzliche Zinssatz von 5 % nach Art. 73 Abs. 1 OR
anzuwenden.
2.10.2. Gegenüber der Beklagten 1 verlangt der Kläger 1 Zinszahlung auf
dem Forderungsbetrag ab 1. Juli 2006 (act. 1 S. 2). Der mittlere Zinsverfall des
von der Beklagten 1 noch zu ersetzenden, aufgelaufenen Gewinnausfalls von
insgesamt CHF 120'640.53 sowie von der Genugtuung in Höhe von CHF 10'000.–
(vgl. lit. F. nachfolgend) ist für die Zeit von Mai 2014 bis und mit Rechnungstag
der 18. Dezember 2015 (die Gewinnausfallschäden 2014 und 2015 würden per
Jahresabschluss fällig, die Genugtuung zu Beginn Juni 2014). Die Beklagte 1 ist daher zur Zahlung von 5 % Zins auf dem Betrag von CHF 120'640.53 zzgl.
einer Genugtuung von CHF 10'000.– (vgl. lit. F. nachfolgend) ab diesem Da-
tum zu verpflichten.
2.10.3. Bezüglich der Beklagten 2 beantragt der Kläger 1 die Verpflichtung
zur Zahlung von 5 % Zins ab 23. Dezember 2006 auf dem eingeklagten Betrag
von CHF 500'000.– (act. 33/2/2 S. 2). Mit Bezug auf den aufgelaufenen Gewinn-
resp. Erwerbsausfall des Klägers 1, für welchen die Beklagte 2 einzustehen hat,
resultiert ein mittlerer Verfall am 23. April 2006. Da der Kläger 1 den Schadens-
- 80 -
zins erst ab 23. Dezember 2006 geltend macht, ist die Beklagte 2 zu verpflich-
ten, dem Kläger 1 auf dem zugesprochenen Betrag von CHF 500'000.– Zins
zu 5 % seit 23. Dezember 2006 zu bezahlen.
2.11. Zukünftiger Gewinn- resp. Erwerbsausfall
Ausgangspunkt der Schätzung des zukünftigen Gewinnausfalls bildet der
Gewinnausfall im Urteilszeitpunkt. Hernach sind die zukünftige Entwicklung von
Validen- und Invalidengewinn zu prognostizieren und der zukünftige Gewinnaus-
fall zu berechnen (KIESER/LANDOLT, a.a.O., N. 1665; LANDOLT, a.a.O., N 733. zu
Art. 46 OR). Der künftige Schaden ist vom Urteilstag an zu kapitalisieren (BGE
125 III 312), und zwar anhand der Aktivitätstafeln. Mit Anwendung des Kapitalisie-
rungszinsfusses von 3.5 % ist die künftige Teuerung ausgeglichen (BGE 125 III
312, Erw. 5a).
2.11.1. Zukünftiger Validengewinn
a) Als Ausgangspunkt ist der mutmassliche Validengewinn des Klägers 1 im
Jahr 2016 von CHF 160'735.11 der Berechnung zu Grunde zu legen.
b) Der Kläger 1 nimmt für den zukünftigen Erwerbsschaden eine durch-
schnittliche Einkommenszunahme von 1 % mit degressiver Kurve an (act. 1
S. 20). Demgegenüber geht die Beklagte 1 von einem gleichbleibenden Einkom-
men aus (act. 9 S. 29). Für stetige mässige Gewinnsteigerungen resp. Reallohn-
erhöhungen besteht nach der Rechtsprechung zumindest bei jüngeren Erwerbstä-
tigen eine gewisse Vermutung. Für den im Kapitalisierungszeitpunkt 58-jährigen
Kläger 1 bedürfte eine solche Annahme hingegen weiterer Anhaltspunkte. Derar-
tige Anhaltspunkte sind vorliegend jedoch nicht ersichtlich. Es ist daher von einem
gleich bleibenden Validengewinn von jährlich CHF 160'735.11 auszugehen.
c) Der Kläger 1 sieht bei seiner Berechnung des künftigen Validengewinnes
ab Pensionierung eine Abnahme von 5 % jährlich bis auf CHF 10'000.– bei Endal-
ter Aktivität mit 95 Jahren. Dies begründet er damit, dass er einerseits zweifellos
noch immer verdient hätte und sich das eine oder andere feine Auto noch hätte
vergolden lassen auf dem Markt, anderseits jedoch seine Schaffenskraft zweifel-
- 81 -
los abgenommen hätte. Wenn er auch seinen Betrieb mit 65 Jahren verkauft hätte
(was sicher sinnvoll wäre), so widerspiegle das zukünftige Einkommen den Ertrag
aus dem Verkauf (act. 1 S. 20, act. 19 S. 48, act. 33/2/2 S. 20 f.). Die Beklagte 1
stimmt dem Kläger 1 zwar zu, dass die Betriebsaufgabe mit 65 Jahren sinnvoll
wäre, hält indessen fest, dass die Kapitalisierung eines zukünftigen Erwerbsscha-
dens bis zum Alter 65 zu erfolgen habe; das Einkommen aus einem ohnehin nicht
substantiierten und bestrittenen hypothetischen Erlös aus dem Geschäftsverkauf
stelle keine Schadenposition dar (act. 9 S. 29). Nach der Rechtsprechung ent-
spricht die Einstellung jeglicher Erwerbstätigkeit im Pensionierungsalter, zumin-
dest für abhängige Beschäftigte, zweifellos dem gewöhnlichen Lauf der Dinge.
Diese Praxis, die erst kürzlich im Falle eines selbstständig Erwerbstätigen vom
Bundesgericht bestätigt worden ist (Urteil des Bundesgerichts 4A_481/2009 vom
26. Januar 2010 E. 5.2.3), stellt die allgemeine Regel auf, dass das Alter, das den
Anspruch auf eine AHV-Rente eröffnet, für alle Beschäftigtenkategorien der zeitli-
chen Grenze der Berufstätigkeit entspricht. Es schliesst nicht aus, dass unter be-
sonderen Gegebenheiten, beispielsweise je nach dem ausgeübten Beruf, dem
allgemeinen Gesundheitszustand oder den finanziellen Verhältnissen des Ge-
schädigten, diese Grenze für selbstständig Erwerbende hinausgeschoben wird.
Diese Annahme ist jedoch nur gerechtfertigt, wenn der Geschädigte konkrete An-
haltspunkte für eine Weiterführung eines Unternehmens nach der Pensionierung
vorbringt (BGE 136 III 310 = Pra 100 (2011) Nr. 8, E. 4.2.2 mit weiteren Hinwei-
sen). Solche konkreten Anhaltspunkte für eine Weiterführung des Unternehmens
nach der Pensionierung bringt der Kläger 1 nicht vor. Im Gegenteil führt auch er
aus, dass es sinnvoll sei, den Betrieb mit 65 Jahren zu verkaufen. Für die Kapita-
lisierung ist somit davon ausgehen, dass der Kläger 1 seine Erwerbstätigkeit im
Alter von 65 Jahren beenden wird.
d) Demnach ist der Validengewinn des Klägers 1 von CHF 160'735.11 bis
zum Endalter 65 mit dem Kapitalisierungssatz von 3,5 % anhand der Aktivitätsta-
feln zu kapitalisieren (Alter des Klägers 1 58 Jahre, Schlussalter 65, Tafel A3x,
Faktor 5.97; STAUFFER/SCHÄTZLE/WEBER, Barwerttafeln und Berechnungspro-
gramme, Band I, 6. Aufl. 2013, S. 290). Damit resultiert ein kapitalisierter Validen-
gewinn des Klägers 1 von CHF 959'588.60 (CHF 160'735.11 x 5.97).
- 82 -
e) Bezüglich der vom Kläger 1 vertretenen Ansicht, dass das von ihm über
das Pensionierungsalter hinaus geltend gemachte Einkommen dem Ertrag aus
dem Verkauf seines Betriebes entspreche, ist Folgendes festzuhalten: Eine Wert-
verminderung des im Alleineigentum des Klägers 1 stehenden Unternehmens wä-
re zusätzlich zum Gewinnausfallschaden zu ersetzen (LANDOLT, a.a.O., N 664 zu
Art. 46 OR). Eine solche Wertverminderung seines Garagenbetriebs an der
BG._-Strasse in Zürich macht der Kläger 1 aber nicht geltend. Für den Er-
satz des Ausfalls des Verkaufserlöses eines künftigen Garagenbetriebes, den der
Kläger 1 aufgrund der vollständigen Erwerbsunfähigkeit nach den streitgegen-
ständlichen Unfällen nach dem Verkauf der Garage an der BG._-Strasse nie
aufgebaut und in den er auch nicht investiert hat, besteht hingegen neben dem
Ersatz des vollen Gewinnausfalles kein Raum. Dafür ist ihm kein Schadenersatz
zuzusprechen.
2.11.2. Zukünftiger Invalidengewinn resp. zukünftiges Invalideneinkommen
Der Kläger 1 wird keinen zukünftigen Invalidengewinn resp. kein zukünftiges
Invalideneinkommen erzielen. Dabei ist aber theoretisch zu erwähnen, dass der
Erwerbsausfall des Klägers 1 infolge des zweiten Unfalles dem Invalideneinkom-
men des ersten Unfalles entspricht, wobei der jeweilige Ausfall aus den beiden
Unfällen je die Hälfte des geschätzten ursprünglichen Gewinnes ausmacht.
2.11.3. Anrechnung künftiger, kapitalisierter Sozialversicherungsleistungen
Die Leistungen der IV und der SUVA sind aufgrund der im Kapitalisierungs-
zeitpunkt ausgerichteten jährlichen Renten von CHF 18'227.50 IV und
CHF 44'484.– SUVA ebenfalls mit dem Faktor 5.97 zu kapitalisieren (Alter des
Klägers 1 58, Schlussalter 65, Tafel 11; STAUFFER/SCHÄTZLE/WEBER, a.a.O.,
S. 290) und vom kapitalisierten Validengewinn in Abzug zu bringen. Die kapitali-
sierten Renten machen von der IV CHF 108'818.18 (CHF 18'227.50 x 5.97) und
CHF 265'569.48 (CHF 44'484.– x 5.97) von der SUVA aus.
- 83 -
2.11.4. Fazit
Vom kapitalisierten zukünftigen Gewinnausfall von CHF 959'588.60 sind
somit CHF 108'818.18 sowie CHF 265'569.48 an kapitalisierten, zukünftigen So-
zialversicherungsleistungen in Abzug zu bringen. Es resultiert ein zukünftiger Ge-
winnausfallschaden des Klägers 1 von CHF 585'200.94. Dieser Gewinnausfall ist
zu 50 % auf den 1. Unfall, für welchen die Beklagte 1 haftet, zurückzuführen. Die
Beklagte 1 hat demnach vom kapitalisierten künftigen Erwerbsausfall den Betrag
von CHF 292'600.47 zu entschädigen. Die Beklagte 1 ist somit zur Zahlung von CHF 292'600.47 für kapitalisierten künftigen Erwerbsausfall zu verpflich-
ten.
2.11.5. Zins ab Urteilsdatum für zukünftigen Schaden
Für zukünftigen Schaden ist ein Schadenszins ab dem Kapitalisierungszeit-
punkt geschuldet, der gewöhnlich - wie hier - dem Urteilstag (der letzten kantona-
len Instanz) entspricht (LANDOLT, a.a.O., N 201 zu Vorbemerkungen zu Art. 45/46
OR; BGE 131 III 12 E. 9.5).
Die Beklagte 1 ist somit zur Zahlung von 5 % Zins ab 24. November 2016
auf dem Betrag von CHF 292'600.47 zu verpflichten. Insgesamt ist der mittlere Verfall der Beträge von total CHF 423'241.–, zu deren Zahlung die Beklagte 1 zu
verpflichten ist (Zins zu 5 % seit dem 18. Dezember 2015 auf CHF 120'640.53
sowie auf CHF 10'000.– Genugtuung und seit dem 24. November 2016 auf CHF 292'600.47), am 10. August 2016.
3. Eigenleistungsausfallschaden
3.1. Zu den Eigenleistungen erklärt der Kläger 1, kaum sei er fertig gewesen
mit dem Umbau der Garage, habe er für sich und seine Familie in S._ ein Ei-
genheim gekauft. Dieses habe er mit Hilfe von Kollegen und Freunden, zum Teil
mit seinem Angestellten eigenhändig umgebaut. Die erledigten Umbauarbeiten
seien vom Architekten BL._ geschätzt worden auf den Betrag von
CHF 117'130.– für die Liegenschaft an der BJ._-Strasse ... in S._. Der
Umbau habe vom Kaufdatum am 15. Dezember 1989 bis 1991 gedauert. Bezeu-
- 84 -
gen könnten die damalige Schaffenskraft und Arbeitswut des Klägers 1 die glei-
chen Leute, die bereits beim Umbau der Garage geholfen hätten: diese hätten oft
am Abend auch noch beim Umbau am BJ._ geholfen und seien schwarz be-
zahlt worden dafür oder hätten Naturalleistungen (Autos) erhalten, zum Teil hät-
ten sie auch gratis gearbeitet (act. 1 S. 7, act. 33/2/2 S. 7). Zwischen dem 15. De-
zember 1989 und dem 27. Januar 1990 habe der Kläger den mittleren Stock be-
wohnbar gemacht, danach den oberen. Es sei eine Gesamtrenovation der beiden
oberen Stockwerke vorgenommen worden. Insgesamt habe er bis zum Unfalltag,
das heisse in knapp zwei Jahren, CHF 117'130.– Eigenleistungen im Haus er-
bracht, wobei ihm ab und zu Leute zur Hand gegangen seien (act. 1 S. 27,
act. 33/2/2 S. 23).
Weiter führt der Kläger 1 aus, seit er im Garagengewerbe tätig sei, habe er
immer gebaut: Er habe die eigene Garage eigenhändig umgebaut in drei Schrit-
ten, er habe ein Haus in ... gekauft, umgebaut, verkauft (innerhalb weniger Mona-
te), er habe ein Haus in BK._ und eines in S._ gekauft, wo er ebenfalls
Umbauarbeiten vorgenommen habe. Schliesslich habe er nach Abschluss des
Vergleichs mit der E._ noch ein Ferienhaus in ... gekauft, das auch habe
umgebaut werden müssen. Der Wert der Umbauarbeiten an der BJ._-
Strasse und der Wert der möglichen Umbauarbeiten in BK._ und ..., die er
selber hätte machen können, sei von BL._ auf CHF 449'440.– geschätzt
worden. Der Kläger 1 ist der Meinung, dass er immer irgendwo noch etwas ge-
baut hätte. Für die neue Garage an der BG._-Strasse hätte er vermutlich ei-
nen grossen Teil der Baumeisterarbeiten selber erledigen können. Die Liegen-
schaft in BK._ bedürfe dauernden Unterhalts. Die BJ._-Strasse sei noch
nicht fertig umgebaut. Der Kläger 1 habe konservativ gerechnet und pro Jahr
CHF 30'000.– angenommen (mit einer jährlichen Anpassung an die Teuerung von
1 %), die er mit eigenen Umbauarbeiten hätte sparen können, wobei als Substitu-
tionswert Handwerkerpreise genommen worden seien (gemäss dem Experten
zum durchschnittlichen Stundenansatz von CHF 70.–). Weiter habe der Kläger 1
angenommen, dass die Umbauleistungen ab dem 50. Altersjahr leicht rückläufig
sein würden (keine Teuerung mehr gerechnet) und ab 65. Altersjahr zurückgehen
würden (Knick von CHF 35'000.– pro Jahr auf CHF 20'000.–). Das ergebe einen
- 85 -
konservativ gerechneten Gesamtschaden für die Umbauleistungen an eigenen
Liegenschaften von CHF 1'188'560.–, der sich aufteile auf CHF 474'431.– Scha-
den aus Umbauleistungen eigene Liegenschaften bis Rechnungstag sowie
CHF 158'624.– Schaden Maltherapie und Paracelsus-Klinik und CHF 555'505.–
Schaden Umbauleistungen eigene Liegenschaften ab Rechnungstag (act. 1 S. 28
f., act. 33/2/2 S. 23 f.).
3.2. Zu diesen Ausführungen des Klägers 1 zu seinen Umbauleistungen an
eigenen Liegenschaften in den Klagebegründungen ergingen nicht nur von den
Beklagten Substantiierungshinweise (act. 9 S. 9, 30; act. 33/2/15 S. 31), sondern
im Beschluss vom 18. Juni 2007 wurden ihm solche auch vom Gericht erteilt: Er
wurde darauf hingewiesen, dass er im Einzelnen zu substantiieren habe, wann er,
der Kläger 1, in welcher Zeit was genau an welcher Liegenschaft ausgeführt habe
(Umbauarbeiten). Es sei insbesondere nicht nachvollziehbar, wie sich die vom
Kläger 1 in der Klagebegründung genannten Beträge von Fr. 1'188'560.– (act. 1
S. 28) bzw. Fr. 474'431.– und Fr. 555'505.– (act. 1 S. 29 und S. 31) im Einzelnen
zusammensetzten (Prot. S. 6 und S. 11 f.).
Nach diesen Substantiierungshinweisen legt der Kläger 1 zu den Eigenleis-
tungen in den Replikschriften dar, auf wie viele Arbeitsstunden zu CHF 70.– der
Gutachter die eigenen Leistungen des Klägers 1 beim Umbau BJ._-Strasse
... geschätzt habe. Die Eigenleistung beim Umbau sei Wertschöpfung. Damit
würden Handwerkerkosten gespart und trotzdem habe man am Schluss das glei-
che Resultat, wie wenn man Handwerker eingesetzt hätte. Die CHF 117'130.–
seien somit nicht Schaden, sondern sie würden zeigen, zu welcher Wertschöp-
fung der Verunfallte in der Lage gewesen sei. Sie müssten zum grössten Teil zum
Erwerbseinkommen des Jahres 1990 hinzu gezählt werden, wenn die tatsächliche
Leistungsfähigkeit des Klägers 1 ermittelt werden solle. Im Jahr 1991 sei dann
auch noch das Erdgeschoss für die Wiedervermietung vorbereitet worden. Alle
Zimmer seien gemalt, die Teppiche alle ersetzt, diverse Reparaturarbeiten ausge-
führt worden. Diese Arbeitsleistung sei im Gutachten des Architekten BL._
nicht aufgeführt. Im 2. OG sei im Badezimmer und Elternschlafzimmer alles für
den Elektriker vorbereitet und die Kabel eingezogen worden, die Küche im Eltern-
- 86 -
schlafzimmer sei abgebrochen, die Wände gemacht, auf der Treppe vom 1. zum
2. Stock Parkett montiert, der Gang gestrichen worden. Die Eigenleistung für den
Umbau habe zum kleinen Teil das Jahr 1989 (Abbruch) betroffen, vor allem das
Jahr 1990, zum Teil noch das Jahr 1991. Die Umbauarbeiten seien schwerge-
wichtig im Jahr 1990 geleistet worden (act. 19 S. 20 ff.).
Zudem führt der Kläger aus, die Wohnung im Erdgeschoss an der BJ._-
Strasse ... müsste vermietet werden. Der letzte Mieter habe auf Ende Juli 1999
gekündigt. Die Wohnung müsste jetzt umgebaut werden. Die für die Vermietung
möglichen Eigenleistungen für den Umbau der Wohnung an der BJ._-
Strasse ... lägen bei CHF 45'450.– und seien detailliert in der Kostenschätzung
von BL._ enthalten. Der Schaden liege im Mietzinsausfall: Der Kläger 1 kön-
ne die Wohnung nicht renovieren, weil er keine handwerkliche Tätigkeit mehr
ausübe, er könne sie nicht renovieren lassen, weil die Bank keinen Kredit gebe
und die Haftpflichtversicherungen nicht bereit seien, irgendetwas an diese Sanie-
rung zu leisten. Der Schaden liege im monatlichen Mietzinsausfall seit der Kündi-
gung und könne kapitalisiert werden. Die Wohnung sei im heutigen Zustand nicht
vermietbar. Die renovierte Wohnung mit direktem Zugang zum Garten könnte
womöglich CHF 1'500.– brutto an dieser Lage generieren. Davon wären zwar et-
wa CHF 200.– Nebenkosten, wobei ein Teil für Heizung ohnehin anfalle. Dieser
Teil werde auf CHF 50.– pro Monat geschätzt, so dass der Mietzinsausfall realis-
tisch CHF 1'350.– pro Monat sei (act. 19. S. 23).
In BK._ sei beim Kauf der Liegenschaft am 22. März 1989 der ganze
mittlere Stock als 1-Zimmer-Wohnungen an Ausländer vermietet gewesen. Dies
sei geändert und eine 5-Zimmer-Wohnung mit Dachzimmer gemacht worden.
Diese Wohnung sei 1989 umgebaut worden. Die dafür eingesetzten Umbauleis-
tungen des Klägers 1 seien gutachterlich festgehalten worden. Der Aufwand für
den Umbau von 1989 sei vom Gutachter auf CHF 61'100.– geschätzt worden. Die
Schätzung der möglichen Eigenleistung bei der sanften Renovation 2003 sei
durch ein Gutachten festzulegen. Vom Gutachter geschätzt worden sei der Auf-
wand für den Umbau der unteren und der oberen Wohnung (EG und 2. OG). Die-
se Wohnungen seien bei Besitzantritt lediglich gemalt worden und hätten nach
- 87 -
Auszug der Mieter 2006 renoviert werden müssen. Der Schätzer habe die mögli-
chen Eigenleistungen des Klägers 1 auf CHF 29'500.– geschätzt und detailliert
begründet. Sie seien je CHF 29'500.– wert, zusammen also CHF 59'000.–. Diese
nicht mehr mögliche Eigenleistung sei im Jahr 2006 als Schaden angefallen. Aus-
serdem sei seit der Kündigung der letzten Mieter dort ein Leerstand, da der Klä-
ger 1 nicht mehr in der Lage sei, die Wohnungen herzurichten. Der Mietzinsaus-
fall sei direkter Schaden. Das Büro bzw. der Laden im Erdgeschoss sei 1991
umgebaut worden. Aufgrund der Intervention der Gemeinde habe nach dem Un-
fall ein nachträgliches Baugesuch eingereicht werden müssen, weshalb die Bau-
bewilligung aus dem Jahr 1992 stamme. Der Kläger 1 habe damals den Umbau
des Kiosks in ein Büro selber gemacht. Die vom Kläger 1 geleisteten Umbauar-
beiten in BK._ für das Büro/Ladenlokal hätten einen Wert von CHF 24'290.–
und seien vor dem Unfall vom November 1991 beendet gewesen. Nach dem ers-
ten Unfall sei die Liegenschaft nach und nach schlechter unterhalten worden. Aus
dem Renditeobjekt könne keine Rendite fliessen, wenn der Unterhalt an Dritt-
handwerker vergeben werden müsse. Der Kläger 1 habe die Liegenschaft, die er
für CHF 700'000.– gekauft und danach renoviert habe, nun wegen des Zerfalls
seit dem 1. Unfall für CHF 320'000.– verkaufen müssen. Es sei zwar richtig, dass
die Liegenschaft zum höchsten Zeitpunkt des Immobilien-Hype gekauft worden
sei, aber die Liegenschaft hätte trotzdem Geld abgeworfen, wenn es dem Kläger
möglich gewesen wäre, sie selber zu verwalten und zu unterhalten. Die Liegen-
schaft habe verkauft werden müssen, weil sie der Kläger aus dem Ertrag nicht
mehr habe unterhalten können. Der Verlust von CHF 380'000.– sei somit direkte
Folge des Unfalls (act. 19 S. 23 ff.).
In ... habe er nach seinem ersten Unfall das Elternhaus der Skispringerle-
gende BM._ gekauft. Er habe dies im Vertrauen auf die Vereinbarung über
den Erwerbsausfall getan, die man mit der Haftpflichtversicherung geschlossen
habe. Die Liegenschaft sei umgebaut worden. Sodann listet der Kläger 1 die Ar-
beiten auf, die er seiner Meinung nach hätte leisten können (act. 19 S. 25). Der
Wert der möglichen Arbeiten sei vom Gutachter auf CHF 143'300.– geschätzt
worden. Da diese Arbeiten auswärts gegeben worden seien, sei dem Kläger 1 ein
Schaden entstanden. Dabei sei zu berücksichtigen, dass er tatsächlich gewisse
- 88 -
Bauführungsaufgaben übernommen habe (Handwerker anrufen, koordiniert), so
dass hier noch ein Abzug gemacht werden könne von CHF 8'000.–, was einen
Schadenanteil durch nicht mehr mögliche Leistungen von CHF 135'300.– ergäbe.
Die Eigenleistung bei den Fassaden hätte CHF 70'000.– sein können, die Fassa-
den seien heute noch nicht fertig saniert, respektive bedürften ständiger Auffri-
schung. Die Schindeln seien einmal bestellt worden und lägen immer noch vor
Ort, denn die finanzielle Lage bei den Klägern sei zur Zeit zu angespannt, als
dass ein Handwerker beauftragt werden könnte mit dieser Arbeit. Zusammen ha-
be Herr A._ in den vergangenen zehn Jahren (von 1996 bis 2006) also einen
Schaden aus nicht mehr möglichen Leistungen bei der Liegenschaft ... von
CHF 205'300.– gehabt. Dazu kämen laufende Unterhaltsarbeiten, die der Kläger
1 auch nicht erbringen könne und deren Nachklage vorbehalten werde (act. 19
S. 26).
3.3. Die Beklagte 1 bestreitet, dass der Kläger 1 beim Umbau an der Lie-
genschaft BJ._-Strasse ... in S._ Eigenleistungen im Gesamtbetrag von
CHF 117'130.– erbracht hat. Weiter bestreitet sie, dass an den Häusern in ... und
BK._ wertschöpfende Eigenleistungen des Klägers 1 für Umbau- oder Reno-
vationsarbeiten erfolgt sind, und dass derartige geldwerte Leistungen in Bezug
auf das (erst nach dem von der Beklagten 1 zu vertretenden Unfall erworbene)
Haus in ... sowie bezüglich eines Garagenneubaus an der BG._-Strasse in
Zürich künftig erbracht worden wären. Schliesslich hält sie fest, dass die unsub-
stantiierte Behauptung bestritten bleibe, dass der Kläger 1 immer irgendwo noch
irgendetwas gebaut hätte (act. 9 S. 9, 30). Mit Bezug auf das Quantitativ stellt die
Beklagte 1 in Abrede, dass der Wert der Umbau- und Renovationsarbeiten, wel-
che der Kläger 1 erbracht habe, CHF 449'440.– betrage und dass er in Zukunft
Umbau- und Renovationsarbeiten mit einer Wertschöpfung von jährlich
CHF 30'000.– zuzüglich 1 % jährlicher Teuerungszuschlag erbringen würde. Im
Einzelnen bestreitet die Beklagte 1, dass der Kläger 1 ohne die Folgen des von
der Beklagten 1 zu vertretenden Unfalls für das Haus in S._, das Haus in
BK._ und das Haus in ... die aufgeführten Arbeiten geleistet hätte, er dazu
fachlich fähig gewesen wäre und die dafür nötigen Konzessionen besitze. Dar-
über hinaus bestreitet die Beklagte 1 auch die Angemessenheit der für die einzel-
- 89 -
nen Positionen veranschlagten Höhe des Arbeitsaufwands sowie die Angemes-
senheit des veranschlagten Stundenansatzes von CHF 70.– für eine nicht fach-
kundige Arbeitskraft (act. 9 S. 30 ff.). Duplicando bestreitet die Beklagte 1 sodann,
dass der Kläger 1 im Jahr 1991 im Erdgeschoss der Liegenschaft in S._ alle
Zimmer gemalt, alle Teppiche ersetzt und diverse Reparaturarbeiten ausgeführt
sowie im zweiten Obergeschoss das Bade- und Elternschlafzimmer für den Elekt-
riker vorbereitet, Kabel eingezogen, die Küche im Elternschlafzimmer abgebro-
chen, die Wände gemacht, das Parkett auf der Treppe vom 1. zum 2. Stock mon-
tiert und den Gang gestrichen habe (act. 24 S. 24). Sie hält fest, es sei nicht
nachvollziehbar, dass die Mietwohnung, welche gemäss der klägerischen Be-
hauptungen im Jahr 1991 vollständig neu gestrichen und in allen Räumen mit
neuen Teppichen ausstaffiert worden sein solle, sieben Jahr später nicht mehr
vermietbar gewesen wäre. Ganz abgesehen davon habe sie, die Beklagte 1, bis
Juni 2001 sehr grosszügige Akontozahlungen erbracht, welche mit den hohen
Leistungen aus Unfall- und Invalidenversicherung sowie weiteren Privatversiche-
rungen kumulierten und ohne Weiteres die Deckung allenfalls erforderlicher In-
standstellungsarbeiten an der Mietwohnung ermöglich hätten (act. 24 S. 25).
Zur Liegenschaft in BK._ führt die Beklagte 1 aus, dass sich der Kläger
1 offensichtlich ein weiteres Mal - wie dies bereits beim Fehlgriff mit der Liegen-
schaft in ... der Fall gewesen sei - verspekuliert habe, indem er das Haus in
BK._ Ende der 1980er Jahre "zum höchsten Zeitpunkt der Immobilien-Hype"
überteuert gekauft habe und dieses sich später nur mit Verlust habe verkaufen
lassen. Der offenbar weit über zehn Jahre nach dem Erstunfall realisierte Speku-
lationsverlust resultiere nicht aus ungenügendem Unterhalt, sondern aus den seit
dem Hauskauf veränderten Marktverhältnissen, stelle mithin keine Unfallfolge dar
und lasse sich ihr demnach auch nicht anlasten (act. 24 S. 27).
3.4. Ein Schaden tritt als Folge einer Freizeitarbeitsunfähigkeit erst dann ein,
wenn geldwerte Arbeiten ausgeführt wurden, deren Nutzen der Betroffene nicht
mehr ziehen kann, oder im Eigen- bzw. Drittinteresse ausgeführt worden wären.
Dazu zählen insbesondere häusliche Reparaturarbeiten und die Baum- und Gar-
tenpflege. Schadenersatz wegen unterbliebener Eigenleistungen im Zusammen-
- 90 -
hang mit einem Hausbau kann aber nur verlangen, wer Umstände beweist, aus
denen sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ergibt, dass er ohne den Unfall
tatsächlich gebaut und Eigenleistungen erbracht hätte. Der Eigenleistungsausfall-
schaden entspricht den Handwerkskosten, die aufgewendet wurden bzw. werden
müssen. Zu entschädigen sind auch allfällige Zinskosten, wenn die fraglichen
Kosten fremdfinanziert wurden, und der Verlust von Einsparungen (LANDOLT,
a.a.O., N 529 f. zu Art. 46 OR mit weiteren Hinweisen).
3.5. Die in der Klagebegründung als Schaden aus Eigenleistungsausfall gel-
tend gemachten Beträge von CHF 474'431.– bis zum Rechnungstag und
CHF 555'505.– ab Rechnungstag (vgl. act. 1 S. 28 und S. 29) hat der Kläger 1
trotz ausdrücklicher Bestreitung der beiden Beklagten und wiederholt angebrach-
ten Substantiierungshinweisen (sowohl der Beklagten 1 und 2 als auch seitens
des Gerichts; vgl. act. 9 S. 30 ff., act. 24 S. 23 ff., act. 33/2/15 S. 31, act. 33/2/37
S. 12 ff. sowie Prot. S. 6 und S. 12) nicht weiter erläutert. Damit bleiben diese Be-
träge, wie im Beschluss vom 18. Juni 2007 bereits unmissverständlich festgehal-
ten (Prot. S. 12), in keiner Weise nachvollziehbar. Insofern fehlt es an der nötigen
Grundlage, um dem Kläger 1 diese Beträge als Schadenersatz zuzusprechen.
Der weiteren Darstellung des Klägers 1 ist zu entnehmen, dass er einen
jährlichen Betrag von CHF 30'000.– mit Berücksichtigung der Teuerung von 1 %
bis Alter 50 und Abnahme nach dem 65. Altersjahr schätzt, welchen er durch Ei-
genleistungen bei Umbauten an eigenen Liegenschaften hätte sparen können
(act. 1 S. 28). Auch diesen nur in der Klagebegründung erwähnten Betrag hat der
Kläger 1 nicht näher begründet. So bleibt völlig unklar, gestützt auf welche Um-
stände er diesen Betrag für die Zukunft schätzt. Mangels Substantiierung kann
zur Schadensberechnung auch darauf nicht abgestellt werden.
3.6. Hinsichtlich der in der Replik vorgebrachten Positionen zum angebli-
chen Schaden aus Eigenleistungsausfall des Klägers 1 ist Folgendes festzuhal-
ten:
3.6.1. Der Kläger 1 führt zunächst einen Betrag von CHF 45'450.– gemäss
Kostenschätzung eines Architekten sowie monatlicher Mietzinsausfall von
- 91 -
CHF 1'350.– seit 1999 an, welchen er als Schaden aufgrund nicht mehr möglicher
Eigenleistungen bei der Renovation der Einlegerwohnung in S._ geltend
macht. Bezüglich der Kosten für die Renovation fehlen jedoch jedwelche näheren
Darstellungen, wie sich dieser Betrag zusammensetzt, welche Arbeiten zu diesem
Preis gemacht werden müssten und was davon der Kläger 1 weshalb selbst hätte
übernehmen können. Dieser behauptete Schaden erweist sich daher als nicht ge-
nügend substantiiert. Hinzu kommt, dass die Einlegerwohnung nach dem Kauf
der Liegenschaft 1989 und noch vor dem 1. Unfall gemäss klägerischer Darstel-
lung ebenfalls renoviert worden ist. In Bezug auf diese Renovation behauptet der
Kläger 1 jedoch keine Eigenleistungen. Insbesondere schliesst auch das von ihm
vorgelegte Gutachten zu den Arbeiten an der Liegenschaft in S._ die Einle-
gerwohnung explizit aus (act. 19 S. 22). Da der Kläger 1 demnach beim Umbau
der Einlegerwohnung vor dem 1. Unfall keine Eigenleistungen behauptet, und für
die gegenwärtig anstehende Renovationen nichts vorbringt, woraus sich ergeben
könnte, dass und welche Arbeiten er bei dieser erneuten Renovation dennoch
übernommen hätte, erscheinen Eigenleistungen des Klägers 1 bei der Einleger-
wohnung in S._ nicht überwiegend wahrscheinlich. Es ist dem Kläger 1 da-
her kein Schadenersatz im Umfang von CHF 45'450.– für Handwerkskosten we-
gen nicht mehr möglichen Eigenleistungen bei der Liegenschaft in S._ zuzu-
sprechen. Als Folge ist auch der vorgebrachte Mietzinsausfall wegen fehlender
Renovation dieser Wohnung nicht auf eine Unfähigkeit des Klägers 1 zur Erbrin-
gung von Eigenleistungen zurückzuführen. Damit ist dem Kläger 1 auch unter
dem Titel Mietzinsausfall kein Schadenersatz zuzusprechen.
3.6.2. Wie dargelegt, sind bei einem Eigenleistungsausfallschaden die
Handwerkerkosten, die aufgewendet wurden bzw. werden müssen, zu ersetzen.
Damit fallen bezüglich der Liegenschaft in BK._ nur die vom Kläger 1 ge-
nannten möglichen Eigenleistungen im Umfang von je CHF 29'500.– beim Umbau
der Wohnungen EG und 2. OG im Jahr 2006 in Betracht. Der Verlust beim Ver-
kauf der Liegenschaft stellt demgegenüber keinen wegen nicht mehr möglichen
Eigenleistungen zu ersetzenden Schaden dar.
- 92 -
Welche Renovationsarbeiten, die der Kläger 1 durch Eigenleistungen hätte
ausführen können, im Jahr 2006 im Betrag von je CHF 29'500.– für die zwei
Wohnungen in BK._ angefallen sind, legt der Kläger 1 jedoch nicht näher
dar. Das klägerische Vorbringen lässt insbesondere keine Einschätzung zu, ob
der Kläger 1 die erforderlichen Arbeiten wirklich alle selbst hätte vornehmen kön-
nen. Ferner bliebe auch bei einer Auflistung der Arbeiten - sogar wenn es sich um
solche handeln würde, deren Vornahme der Kläger 1 bereits für den Umbau der
Familienwohnung in S._ vor dem 1. Unfall behauptet - offen, ob der Kläger 1
diese persönlich hätte erbringen können. Denn bei den von ihm ausführlich aufge-
listeten Leistungen für die Familienwohnung in S._, welche er bewerkstelligt
habe, handelt es sich seiner Darstellung zufolge gar nicht ausschliesslich um Ei-
genleistungen, zumal er erläutert, er habe diese Arbeiten mit Hilfe seines Ange-
stellten, von Freunden und von in Naturalien oder schwarz bezahlten Helfern be-
wältigt. Welche Arbeiten davon er in der Tat selbst ausgeführt hat, bleibt bei sei-
ner Aufstellung über sämtliche Arbeiten unklar. Als Folge davon ist auch für die
Zukunft nicht dargelegt, welche anfallenden Bauleistungen er mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit übernommen hätte und hätte übernehmen können. Dem Klä-
ger 1 ist deshalb auch für einen Eigenleistungsausfallschaden bezüglich der Lie-
genschaft in BK._ kein Ersatz zuzusprechen.
3.6.3. Im Übrigen erwähnt der Kläger 1, er hätte bestimmt auch bei einem
neuen Garagenbetrieb Eigenleistungen beim Bau erbracht. Die für den Garagen-
betrieb erbrachten Leistungen des Klägers 1 wären indes im Rahmen seiner selb-
ständigen Erwerbstätigkeit durch den damit erzielten Gewinn entlöhnt gewesen.
Sie stellen deshalb nicht einen über den Gewinnausfall hinaus zu ersetzenden
Schaden dar.
Schliesslich ist auch der für Eigenleistungen in ... geltend gemachte Scha-
den von CHF 205'300.– nicht ausgewiesen. Denn der Kläger 1 erklärt zum einen,
er habe diese Liegenschaft im Vertrauen auf die Vereinbarung über den Erwerb-
sausfall wegen des 1. Unfalles gekauft. Damit ist gerade nicht davon auszugehen,
dass er auch ohne diesen Unfall dort gebaut und Eigenleistungen erbracht hätte.
Zum anderen legt der Kläger 1 seinen Schaden nicht konkret dar, sondern stützt
- 93 -
ihn auf eine Schätzung. Eine Schätzung des Schadens mit Rücksicht auf den ge-
wöhnlichen Lauf der Dinge setzt voraus, dass der Beweis durch eine zahlenmäs-
sige Berechnung, die sich auf reale Daten stützt, unmöglich ist (Art. 42 Abs. 2 OR;
BREHM, a.a.O., N 47 zu Art. 42 OR). Da der Kläger 1 bezüglich der Arbeiten in ...
jedoch vorbringt, sie seien auswärts gegeben worden, hätte er gestützt auf die
entsprechenden Rechnungen der Handwerker eine konkrete Schadensberech-
nung vornehmen und den Schaden gestützt darauf behaupten müssen. Da somit
die zahlenmässige Berechnung gestützt auf reale Daten nicht unmöglich ist, ist für
diese Schadensposition eine Schätzung unzulässig. Indem der Kläger 1 dennoch
eine Schätzung vornimmt, ist er seiner Substantiierungspflicht nicht nachgekom-
men. Ferner kann der Darstellung des Klägers 1 nicht entnommen werden, dass
er die Reparatur der Schindeln-Fassaden dieses Gebäudes selbst hätte durchfüh-
ren können, weshalb für diese teilweise noch ausstehende Arbeit eine Eigenleis-
tung ohnehin nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint. Aus all diesen Gründen
ist dem Kläger 1 auch wegen nicht mehr möglicher Eigenleistungen am Ferien-
haus in ... kein Schadenersatz zuzusprechen.
3.6.4. Zusammengefasst ist die Beklagte 1 nicht zur Zahlung von Schaden-
ersatz wegen nicht mehr möglichen Eigenleistungen des Klägers 1 zu verpflich-
ten.
4. Haushaltschaden
4.1. Parteidarstellungen
4.1.1. Der Kläger 1 macht gegenüber der Beklagten 1 erstmals in der Replik
einen Haushaltschaden geltend (vgl. act. 19 S. 52 ff.). Dabei sei, so der Kläger 1,
der aktuelle Haushalt zu begutachten; wenn das Gericht die Wertschöpfungsbe-
rechnung als Ausgangspunkt für die Berechnung des Schadens annehme, so
müsse ein Teil der im Haushalt anfallenden Arbeiten (Reparatur und Unterhalt),
die bereits als wertschöpfend eingerechnet sei, typischerweise bei der Hausarbeit
wieder abgezogen werden. Hier sei die SAKE-Statistik zu Hilfe zu nehmen. Zur
Eruierung des Haushaltschadens seien die Kinder des Klägers 1 und die Klägerin
2 zu befragen, wie sie ihren Vater erlebt hätten nach dem ersten und den weite-
- 94 -
ren Unfällen. Erfahrungsgemäss verbrächten Väter am ehesten Zeit mit den Kin-
dern, wenn die Mutter Vollzeithausfrau sei (act. 19 S. 52). Gestützt darauf geht
der Kläger 1 von einem bisherigen Haushaltschaden von CHF 397'616.– (bis zum
Rechnungstag) und einem zukünftigen Haushaltschaden von CHF 221'087 (ab
Rechnungstag), total somit CHF 618'703.– aus (act. 19 S. 53 ff.).
4.1.2. Die Beklagte 1 hält in diesem Zusammenhang fest, Ersatz für Haus-
haltschaden könne nur verlangen, wer ohne Unfall überhaupt eine Haushalttätig-
keit ausgeübt habe. Zur Substantiierung des Haushaltschadens seien daher kon-
krete Vorbringen zum Haushalt, in dem der Geschädigte lebt, und zu den Aufga-
ben, die ihm darin ohne den Unfall zugefallen wären, unerlässlich. Erst wenn fest-
stehe, inwiefern der Ansprecher durch den Unfall bei diesen Leistungen für den
Haushalt tatsächlich beeinträchtigt sei, stelle sich die Frage der Quantifizierung,
bei der auf statistische Werte zurückgegriffen werden könne. Es werde bestritten,
dass der Kläger 1 vor dem Erstunfall 29.9 Wochenstunden Haushaltarbeit verrich-
tet habe und er wegen der Folgen des Erstunfalls in der Verrichtung irgendwel-
cher Hausarbeiten eingeschränkt sei. Mangels der erforderlichen Substantiierung
- einerseits in Bezug auf die konkreten Aufgaben, welche dem Kläger 1 ohne den
Erstunfall zugefallen wären, und anderseits hinsichtlich der konkreten unfallbe-
dingten Einschränkung - falle auch die vom Kläger 1 beantragte Begutachtung
des aktuellen Haushaltes ausser Betracht (act. 24 S. 41 f.).
4.2. Allgemeine Ausführungen zum Haushaltschaden
Der Geschädigte, der einen Haushaltschaden geltend macht, hat den Um-
fang seiner Hausarbeitstätigkeit, die er neben seiner Erwerbstätigkeit ausgeübt
hat, gehörig zu substantiieren. Ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass der
Geschädigte sich an den Haushaltarbeiten beteiligte, ist nicht von einer mutmass-
lichen Hausarbeitstätigkeit auszugehen. Bei einem Ehegatten, der pro Woche 50
Stunden im eigenen Betrieb arbeitet, kann nur von einer bescheidenen Mitarbeit
im Haushalt ausgegangen werden (KIESER/LANDOLT, a.a.O., N 1711 zu Art. 46
OR).
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4.3. Konkreter Haushaltschaden
Der Kläger 1 behauptet nicht, dass er überhaupt und allenfalls welche
Hausarbeiten er vor dem ersten Unfall ausgeübt hätte. Im Gegenteil erklärt er
selbst, er habe aufgrund der beruflichen Tätigkeit wenig Zeit und Musse gehabt
(act. 33/2/29 S. 20). Da sich aus seiner Darstellung keine Anhaltspunkte dafür er-
geben, dass er sich vor dem 1. Unfall an den Haushaltarbeiten beteiligt hatte, ist
nicht von einer mutmasslichen Hausarbeitstätigkeit des Klägers 1 vor dem 1. Un-
fall auszugehen. Im Übrigen hat der Kläger 1 nicht einmal geltend gemacht, dass
er vor dem 1. Unfall die im eigenen Haushalt (unabhängig von einer Renovation)
regelmässig anfallenden Reparaturarbeiten ausgeführt habe. Dem Kläger 1 ist
somit aus dem 1. Unfall kein Haushaltschaden erwachsen.
Zusammengefasst ergeben sich aus der Darstellung des Klägers 1 weder
Hinweise für eine Beteiligung desselben an den Hausarbeiten vor dem 1. Unfall
noch dafür, dass er vor dem 2. Unfall neben der durch eine Teilinvalidität einge-
schränkten Erwerbstätigkeit noch irgendwelche Hausarbeiten (welche genau?)
hätte ausführen können. Das Vorliegen eines entsprechenden Haushaltschadens
ist daher zu verneinen.
5. Maltherapie/Heilbehandlungskosten
5.1. Zur Maltherapie macht der Kläger 1 vorab geltend, dass diese ihm ge-
nützt habe. Er habe diese Therapie allerdings, seit die Leistungen seitens der
Versicherer eingestellt worden seien, nicht mehr bezahlen können. Sie koste
CHF 3'000.– pro Jahr und sei nicht kassenpflichtig (act. 1 S. 30). Maltherapie wir-
ke wie Musiktherapie ausgleichend und aktiviere Hirnfunktionen und dämpfe den
Schmerz. Warum Maltherapie für Hirngeschädigte sinnvoll sei, müsse ein Neuro-
loge gefragt werden. Die Kosten der Maltherapie seien von einer Maltherapeutin
zu schätzen (act. 19 S. 62).
Bezüglich der in der Klagebegründung geltend gemachten Kosten von
CHF 5'000.– pro Jahr für eine alternative medizinische Behandlung mit Medika-
mentenentzug bei der Paracelsus-Klinik hält der Kläger 1 in der Replik betreffend
die Beklagte 1 fest, die SUVA habe einen Klinikaufenthalt in St. Katharinental be-
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zahlt. Es sei der Austrittsbericht abzuwarten, um zu entscheiden, ob ein Medika-
mentenentzug überhaupt Thema sei (act. 19 S. 62).
5.2. Die Beklagte 1 erklärt, es sei nicht nachvollziehbar substantiiert und es
werde bestritten, dass dem Kläger 1 für Maltherapie und alternative medizinische
Behandlung mit Medikamentenentzug Kosten von jährlich CHF 8'000.– anfallen
würden. Die obligatorische Unfallversicherung habe auch nach Festlegung der
Rente alle angemessenen Heilbehandlungskosten zu bezahlen, welche zur Auf-
rechterhaltung des Gesundheitszustandes und zur Bewahrung vor dessen we-
sentlicher Beeinträchtigung notwendig seien. Für medizinisch nicht indizierte und
somit von der leistungspflichtigen SUVA nicht geschuldete Behandlungskosten
habe auch der Haftpflichtige nicht einzustehen. Es sei denn auch absolut nicht
nachvollziehbar, dass zur Behandlung der von der Beklagten 1 zu vertretenden
Gesundheitsschäden Maltherapien und anderweitige alternative Applikationen er-
forderlich wären.
5.3. Ist der Geschädigte auf eine ambulante Behandlung angewiesen, sind
die von den beteiligten Sozial- und Privatversicherern nicht gedeckten ambulan-
ten Behandlungskosten zu ersetzen. Soweit sich eine Nichtleistungspflicht als
notwendig und angemessen erweist, sind die entsprechenden Kosten vom Er-
satzpflichtigen zu übernehmen (Landolt, a.a.O., N 160 zu Art. 46 OR). Der Kläger
1 wurde auch in diesem Zusammenhang (Maltherapie und alternative medizini-
sche Behandlung) zusätzlich durch das Gericht wiederholt zur Substantiierung
angehalten (vgl. Prot. S. 7 und S. 12).
Zunächst ist - worauf die Beklagte 1 zu Recht hinweist - nicht nachvollzieh-
bar, dass die Maltherapie und eine alternative medizinische Behandlung in der
Paracelsus-Klinik in einem Zusammenhang mit den gesundheitlichen Folgen des
Erstunfalls stehen. Zudem behauptet der Kläger 1 weder die Notwendigkeit der
Maltherapie noch deren Angemessenheit. Beides sind Voraussetzungen dafür,
dass die Kosten vom Ersatzpflichtigen zu übernehmen sind. Bezüglich der alter-
nativen medizinischen Behandlung mit Medikamentenentzug bei der Paracelsus-
Klinik ist selbst nach der Darstellung des Klägers 1 gegenwärtig die Notwendigkeit
einer solchen Behandlung zu verneinen. Zudem hält der Kläger 1 in der Klagebe-
- 97 -
gründung fest, er bemühe sich seit über einem Jahr um eine Kostengutsprache
für diese Behandlung (act. 1 S. 30), womit es sich hier nach seiner eigenen An-
sicht nicht um eine Nichtleistungspflicht zu handeln scheint, sondern vielmehr um
eine Behandlung, welche die Sozial- und Privatversicherer bei Notwendigkeit zu
übernehmen hätte.
Damit ist dem Kläger 1 kein Ersatz für die Kosten der Maltherapie und die al-
ternative medizinische Behandlung in der Paracelsus-Klinik zuzusprechen.
6. Vorprozessuale Anwaltskosten
6.1. Der Kläger 1 vertritt die Ansicht, die von ihm gegenüber der Beklagten 1
geltend gemachten, vorprozessualen Anwaltskosten lägen mit CHF 305'000.– im
Rahmen dessen, was bei einem so komplizierten Fall und der über 15-jährigen
Betreuung erwartet werden dürfe (act. 1 S. 30).
Nach den diversen Substantiierungshinweisen sowohl seitens der Beklagten
1 (act. 9 S. 37) als auch durch das Gericht ("Die Klägerschaft hat im Einzelnen zu
substantiieren, durch welche Bemühungen des klägerischen Rechtsvertreters
welche Kosten entstanden sind. Die Klägerschaft hat somit detailliert darzutun,
wann genau welche Anwaltsleistungen zu welchem Ansatz getätigt worden sind";
vgl. dazu Prot. S. 7 und S. 12) beschränkt sich der Kläger 1 in den Replikschriften
gegenüber beiden Beklagten im Wesentlichen auf das folgende pauschale Vor-
bringen: Die vorprozessualen Rechtskosten seien Schadennebenkosten und ab
dem zweitem Unfall auf beide Unfallverursacher aus dem 1. und 2. Unfall je hälftig
aufzuteilen. Die vorprozessualen Anwaltskosten seien notwendig geworden durch
den Versuch, den Schaden aussergerichtlich zu liquidieren. Die Bemühungen um
Klärung des Schadenersatzes im 1. Fall kämen dabei auch im 2. Fall der Beklag-
ten "zugut", da der Schaden aus dem ersten Unfall ohnehin hätte definiert werden
müssen (act. 19 S. 60, act. 33/2/29 S. 21). Sodann hält der Kläger 1 fest, dass die
vorprozessualen Rechtskosten von BN._ bis zu deren Rechnung unter "G"
vom 26. Juli 1995 vollumfänglich von der Beklagten 1 zu tragen seien; vom Rest
habe die Beklagte 1 noch einen Drittel zu übernehmen, was neben den
CHF 57'834.40 noch ein Drittel des Restbetrages von CHF 45'978.70, also noch
- 98 -
CHF 15'326.25 ausmache (act. 19 S. 60). Zusätzlich bringt er jedoch auch vor,
dass sich die Beklagte 2 zu 50 % an sämtlichen vorprozessualen Rechtskosten
von BN._ beteiligen müsse (act. 33/2/29 S. 21).
Im Weiteren erklärt der Kläger 1, im Jahr 2001 habe es einen Anwaltswech-
sel gegeben. Seither sei der Fall hauptsächlich vom jetzigen Rechtsvertreter des
Klägers 1 in der Kanzlei BO._ und Partner sowie danach bei BP._ und
Partner und neu in der eigenen Anwaltskanzlei bearbeitet worden. Die Schluss-
rechnung von BP._ und Partner laute auf CHF 104'043.80 (act. 19 S. 60 f.,
act. 33/2/29 S. 21). Davon habe die Beklagte 1 einen Drittel zu zahlen, denn die
Rechtskosten seien nicht analog zum Anteil am Gesamtschaden, sondern zur
Kausalität zu berücksichtigen. Das heisse, die Beteiligung der Beklagten 1 an der
Auseinandersetzung habe zu dieser Rechnung geführt, von der sie einen Drittel
zu tragen habe. Die Rechnung sei ab Fälligkeit mit 5 % zu verzinsen. Es ergebe
sich daher ein Schadenposten von CHF 34'681.–. Unter dem Titel vorprozessuale
Anwaltskosten habe somit die Beklagte 1 mindestens CHF 57'834.– plus den Be-
trag von CHF 15'326.– der Rechnung BN._ und dazu CHF 34'681.– der
Rechnung BO._ + Partner zu bezahlen, total demnach CHF 107'841.25
(act. 19 S. 61).
Schliesslich führt der Kläger aus, es stelle sich die Frage, ob nicht alle Ver-
sicherer voll zahlen müssten ab Unfalldatum unter interner Rückgriffsmöglichkeit,
da der Schaden für die vorprozessualen Anwaltskosten ja ein Nebenschaden sei,
der nicht einem Ereignis zugeordnet werden könne. Vielmehr würden dafür alle
drei Schadenverursacher gemeinsam haften, weil ihre Versicherungen nämlich
nicht in der Lage gewesen seien, sich über die Schadenabwicklung zu einigen.
Unter diesem Titel gehe der Kläger 1 davon aus, dass es korrekt sei, den Betrag
von CHF 207'896.90 zu verlangen, weshalb diese Summe bei der Beklagten 1
eventualiter auch eingefordert werde (act. 19 S. 61).
6.2. Die Beklagte 1 bestreitet die vom Kläger 1 geltend gemachten vorpro-
zessualen Anwaltskosten und wendet dagegen ein, sie habe nicht für den Auf-
wand einzustehen, welcher aus dem wiederholten Wechsel des Rechtsvertreters
sowie aus den Umtrieben im Zusammenhang mit den von ihr nicht zu vertreten-
- 99 -
den weiteren 3 Unfällen entstanden seien. Weiter habe der Anwaltsaufwand der
Prozessvorbereitung gedient, weshalb ihm gemäss der stehenden und mit dem
Bundesrecht vereinbaren Praxis bei der Bemessung der Prozessentschädigung
Rechnung zu tragen sei und er keine eigenständige haftpflichtrechtlich relevante
Schadensposition darstelle (act. 9 S. 37).
In ihrer Duplik hält die Beklagte 1 zudem fest, der Kläger 1 unterlasse es, die
gemäss konstanter Rechtsprechung erforderliche Detaillierung des nunmehr neu
behaupteten Anwaltsaufwands von CHF 107'841.25 bzw. 207'896.90 vorzuneh-
men. Die vorgelegten Anwaltsrechnungen würden lediglich die pauschale Be-
hauptung betreffend Zeitkosten und Barauslagen für irgendwelche anwaltliche Be-
ratung des Klägers 1, welche in einem gewissen, meist mehrmonatigen Zeitraum
angefallen sein sollen, beinhalten. Dieses Vorbringen erlaube es der Beklagten 1
nicht, die ihr zustehende materielle Prüfung, ob überhaupt und allenfalls in wel-
chem Umfang der behauptete Anwaltsaufwand den Erstunfall betreffe, ob die An-
forderungen an die wirtschaftliche Mandatführung erfüllt seien und ob der Auf-
wand angemessen sei, vorzunehmen. Mangels gehöriger Substantiierung müsse
sie pauschal bestreiten, dass die Anwaltsrechnungen der Firma BN._ über
CHF 103'8013.10 und des Anwaltsbüros BP._ + Partner über
CHF 104'043.80 im Zusammenhang mit dem Erstunfall stünden, dass der be-
hauptete Anwaltsaufwand erbracht worden sei sowie dass dieser die Anforderung
an eine wirtschaftliche Mandatsführung erfülle und angemessen sei (act. 24 S. 42
f.). Wegen der unterlassenen Substantiierung lasse sich die Schadenposition der
vorprozessualen Anwaltskosten weder anteilsmässig noch - bei offensichtlich feh-
lender Solidarität - vollumfänglich der Beklagten 1 anlasten (act. 24 S. 43).
6.3. Das Bundesgericht hielt bezüglich vorprozessualer Anwaltskosten im
Haftpflichtrecht wiederholt fest, dass solche Kosten nur dann einen haftpflicht-
rechtlichen Bestandteil des Schadens bilden, wenn sie notwendig und angemes-
sen waren, der direkten Durchsetzung der Schadenersatzforderung dienen und
nicht durch die nach kantonalem Recht zuzusprechende Parteientschädigung ge-
deckt sind (BGE 117 II 106 (= Pra 80 (1991) Nr. 163); 117 II 394 E. 3.a, Urteil des
Bundesgerichts 4C.55/2006 vom 12. Mai 2006 E. 4). Nach zürcherischer Praxis
- 100 -
sind vorprozessuale Rechtsverfolgungskosten - zu den die vorprozessualen An-
waltskosten gehören - nicht als Schadensposten geltend zu machen, sondern bei
der Bemessung der Prozessentschädigung nach Massgabe des beidseitigen Un-
terliegens bzw. Obsiegens zu berücksichtigen. Folgerichtig kann der Kläger 1 als
haftpflichtrechtlichen Teil des Schadens und somit ausserhalb der Prozessent-
schädigung nur jene Kosten geltend machen, welche nicht mehr als vorprozessu-
ale Rechtsverfolgungskosten qualifiziert werden können. Vorprozessuale Rechts-
verfolgungskosten werden als Kosten definiert, die den Parteien durch ihre Be-
mühungen im Kampf ums Recht vor Einleitung eines Zivilprozesses erwachsen,
aber Prozesscharakter haben. Sie weisen dann Prozesscharakter auf, wenn sie
im Zeitpunkt des Endentscheides, retrospektiv betrachtet, in Bezug auf die Vorbe-
reitung oder auch die versuchte Verhinderung des Prozesses notwendig oder
nützlich und angemessen waren und eine adäquate Folge des schliesslich zum
Prozess führenden Ereignisses darstellten (Urteils des Handelsgerichts des Kan-
tons Zürich vom 6. Juli 2007 E. 15, in: ZR 2008 Nr. 14 mit weiteren Hinweisen).
Ungeachtet der wiederholt angebrachten Substantiierungshinweise (vgl.
Prot. S. 7 und S. 12) unterliess es der Kläger 1 darzutun, welcher Teil der von ihm
angeführten, vorprozessualen Anwaltskosten auf die Bemühungen mit Prozess-
charakter gemäss obiger Definition entfällt, und welcher Teil nicht mehr als vor-
prozessuale Rechtsverfolgungskosten qualifiziert werden kann. Er begnügte sich
vielmehr mit dem Hinweis, dass sämtliche vor Einreichung der Klage entstande-
nen Aufwendungen durch die Beklagte 1 zu entschädigen seien, und dies unab-
hängig davon, mit welchem Unfall sie im Zusammenhang stehen. Da der Kläger 1
trotz der diversen Substantiierungshinweise sowohl des Gerichts als auch der Be-
klagten 1 keinerlei Ausführungen dazu machte, durch welche Bemühungen der
(wechselnden) klägerischen Rechtsvertreter welche Kosten entstanden sind und
zudem auch nicht (detailliert) dartut, wann genau welche Anwaltsleistungen zu
welchem Ansatz getätigt worden sind, fehlt es diesbezüglich an der nötigen
Schadenssubstantiierung.
Daher ist dem Kläger 1 im Verhältnis zur Beklagten 1 unter dem Titel vor-
prozessuale Anwaltskosten kein Schadenersatz zuzusprechen.
- 101 -
F. Genugtuung
1. Parteidarstellungen
1.1. Der Kläger 1 verlangt gegenüber der Beklagte 1 die Zusprechung einer
Genugtuung von CHF 150'000.– samt 5 % Zins seit 1. Juli 2006 (act. 1 S. 29).
Seine Genugtuungsforderung begründet der Kläger 1 damit, dass die bei der Be-
klagten 1 versicherte Unfallverursacherin durch ihr Verhalten einen äusserst vita-
len und produktiven Menschen aus der Blüte seines Lebens in einen dauerinvali-
den "Dröselzustand" geschickt habe. Die geforderte Genugtuungssumme von
CHF 150'000.– berücksichtige auch das Verhalten der Beklagten 1, die einen mit
dem Kläger 1 geschlossenen Teilvergleich nicht einhalte und so versuche, den
Verunfallten an den Rand des finanziellen Ruins zu drängen.
1.2. Von der Beklagten 2 verlangt der Kläger 1 eine im eingeklagten Betrag
von CHF 500'000.– bereits enthaltene Genugtuungssumme und beziffert diese in
seiner Begründung mit CHF 50'000.– (act. 33/2/2 S. 24 f., act. 33/2/29 S. 22 f.).
Da der geforderte Betrag von CHF 500'000.– bereits durch den aufgelaufenen
Gewinnausfall erreicht ist, erübrigt es sich, auf die Genugtuungsforderung des
Klägers 1 gegenüber der Beklagten 2 weiter einzugehen.
1.3. Die Beklagte 1 hält zur Genugtuungsforderung des Klägers 1 fest, aus
der durch den Erstunfall bewirkten, vorübergehenden Einschränkung sowie aus
der bleibenden Beeinträchtigung der Gebrauchsfähigkeit des nicht dominanten
linken Arms des Klägers 1 und den gelegentlichen Thoraxschmerzen resultiere
eine immaterielle Beeinträchtigung, welche durch die seitens der SUVA im August
2001 ausgerichtete Integritätsentschädigung von CHF 63'180.– sehr grosszügig
abgegolten worden sei, so dass weitergehende Leistungen der Beklagten ausser
Betracht fielen: Die Beeinträchtigung des linken Arms entspreche einem medizi-
nisch theoretischen Integritätsschaden von 15 %; hingegen sei die von der SUVA
mit zusätzlichen 10 % veranschlagte Schädigung am Handgelenk keine Folge des
von der Beklagten 1 zu vertretenden Erstunfalls (act. 9 S. 35).
- 102 -
2. Genugtuungsforderung des Klägers 1
2.1. Wie bereits dargelegt, bestimmt sich gemäss Art. 62 Abs. 1 SVG der
Umfang der Genugtuung nach den Grundsätzen des Obligationenrechts über un-
erlaubte Handlungen. Das Gericht kann gemäss Art. 47 OR bei Tötung eines
Menschen oder Körperverletzung dem Verletzten oder den Angehörigen des Ge-
töteten unter Würdigung der besonderen Umstände eine angemessene Geld-
summe als Genugtuung zusprechen. Voraussetzung ist, dass der Verletzte durch
die Körperverletzung eine immaterielle Unbill erleidet und dass der körperliche
bzw. seelische Schmerz eine gewisse Schwere erreicht. Die immaterielle Unbill
kann durch starke Schmerzen bedingt sein, aber auch wenn der Verletzte längere
Zeit im Krankenhaus verbringen oder sich mehreren Operationen unterziehen
muss. Bleibende körperliche Beeinträchtigungen sowie der seelische Druck we-
gen dauernder Arbeitsunfähigkeit können ebenfalls als immaterielle Unbill gelten
und die Leistung einer Genugtuung rechtfertigen (REY, Ausservertragliches Haft-
pflichtrecht, 4. Auflage, Zürich 2008, N 456). Eine Invalidität gilt grundsätzlich als
"besonderer Umstand" im Sinne von Art. 47 OR und rechtfertigt meistens die Zu-
sprechung einer Genugtuungssumme. Dies gilt ausnahmslos, wenn die physische
Beeinträchtigung so bedeutend ist, dass sie sich auch nachteilig auf die Berufs-
ausübung auswirkt (BREHM, a.a.O., N 165 zu Art. 47 OR).
Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene Unbill, indem das
Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die Beeinträchtigung erträglicher ge-
macht wird. Bemessungskriterien sind vor allem die Art und Schwere der Verlet-
zung, die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Be-
troffenen, der Grad des Verschuldens des Haftpflichtigen, ein allfälliges Selbst-
verschulden des Geschädigten sowie die Aussicht auf Linderung des Schmerzes
durch die Zahlung eines Geldbetrags. Die Höhe der Summe, die als Abgeltung er-
littener Unbill in Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern
nur schätzen (BGE 132 II 117 E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). Die Genugtuung
ist im Urteilszeitpunkt (unter Berücksichtigung der seit dem Schadensereignis er-
gangenen Präjudizien) zu bemessen und ab dem Schadensereignis ist ein Scha-
denszins (Genugtuungszins) als Ausgleich für die vorenthaltene Nutzung des Ka-
- 103 -
pitals zwischen dem Verletzungs- und dem Urteilstag zuzusprechen (BGE 132 II
117 E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen).
2.2. Ausgehend von den durch den Unfall vom 20. November 1991 verur-
sachten Beschwerden des Klägers 1 vor allem am linken Arm, Ellbogen und der
oberen linken Extremität sowie der Chronifizierung von damit im Zusammenhang
stehenden Schmerzen im Bereich des linken Hemithorax, welche eine dauernde
Arbeitsunfähigkeit des Klägers 1 in seinem bisherigen handwerklichen Beruf als
Autospengler und -mechaniker bewirkten, und unter Berücksichtigung der Recht-
sprechung in teilweise vergleichbaren Fällen (vgl. dazu insbes. Hütte/Duksch,
Genugtuung, 3. Aufl. 1996 ff., VIII/ 36-40, KIESER/LANDOLT, a.a.O., S. 611 ff.) ist
festzuhalten, dass die von der SUVA im August 2001 ausgerichtete Integritätsent-
schädigung von Fr. 63'180.– die durch den 1. Unfall als Folge der oben erwähn-
ten Verletzungen erlittene immaterielle Unbill grösstenteils deckt. Zu erwähnen
bleibt, dass namentlich der vom Kläger 1 angeführte "Dröselzustand" vom medi-
zinischen Gerichtsgutachten so nicht festgestellt wurde und überdies kognitive
Beeinträchtigungen in keinem Zusammenhang zum ersten Unfall stehen. Das
Verhalten der Beklagten 1 im Zusammenhang mit der Schadenserledigung ist im
Übrigen für die Beurteilung der angemessenen Höhe der Genugtuung aufgrund
des Unfalles entgegen der Ansicht des Klägers 1 nicht von Bedeutung. Insgesamt
erscheint es angemessen, dem Kläger 1 noch einen Genugtuungsbetrag von
CHF 10'000.– zuzusprechen.
Die Beklagte 1 ist somit zur Zahlung einer Genugtuung von CHF 10'000.–
nebst Zins seit 18. Dezember 2015 (mittlerer Verfall; vgl. Zinsberechnung beim
Erwerbsausfallschaden; Lit. E. Ziff. 2.10.2 hiervor) an den Kläger 1 zu verpflich-
ten.
G. Gesamtfazit
1. Ansprüche gegenüber der Beklagten 1
Die Beklagte 1 ist zu verpflichten, dem Kläger 1 CHF 423'241.– nebst Zins
zu 5 % seit dem 10. August 2016 zu bezahlen (vgl. dazu lit. E Ziff. 2.11.5 hiervor).
- 104 -
Im Mehrbetrag ist die gegen die Beklagte 1 erhobene Klage des Klägers 1 abzu-
weisen. Ferner sind die Klagen der Kläger 2 bis 4 gegenüber der Beklagten 1 ab-
zuweisen.
2. Ansprüche gegenüber der Beklagten 2
Die Beklagte 2 ist zu verpflichten, dem Kläger 1 CHF 500'000.– nebst Zins
zu 5 % seit dem 23. Dezember 2006 zu bezahlen. Die Klage der Klägerin 2 ge-
genüber der Beklagten 2 ist abzuweisen.
- 105 -
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Streitwert
Der Streitwert richtet sich nach den Rechtsbegehren der Kläger zur Zeit des
Eintritts der Rechtshängigkeit, wobei die mehreren Rechtsbegehren zusammen-
zuzählen sind (§§ 18 Abs. 1 und 19 Abs. 1 ZPO/ZH). Vorliegend beträgt der
Streitwert somit CHF 7'492'309.– (CHF 6'892'309.– plus CHF 50'000.– plus 2 x
CHF 15'000.– plus CHF 500'000.– plus CHF 20'000.–).
2. Gerichtskosten
2.1. Die Gerichtsgebühr ist in Anwendung von §§ 2, 4 Abs. 1 und 2 und 9
Ziff. 1 der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 4. April 2007 auf
CHF 130'000.– festzulegen. Die weiteren Kosten betragen:
- Zeugenentschädigungen CHF 2'402.00
- Gutachtenskosten CHF 62'095.50;
(davon Balgrist CHF 7'871.80, Universitätsspital Zürich CHF 27'720.–,
CHF 22'000 und CHF 4'503.70).
2.2. Die Gerichtskosten werden in der Regel der unterliegenden Partei auf-
erlegt. Obsiegt keine Partei vollständig, werden die Kosten verhältnismässig ver-
teilt (§ 64 Abs. 1 und 2 ZPO/ZH). Von dieser Regel kann insbesondere dann ab-
gewichen werden, wenn die unterliegende Partei sich in guten Treuen zur Pro-
zessführung veranlasst sah oder wenn dem Kläger die genaue Bezifferung seines
Anspruchs nicht zuzumuten war und seine Klage grundsätzlich gutgeheissen
wurde (§ 64 Abs. 3 ZPO/ZH). Häufiges Beispiel hierfür ist der Haftpflichtprozess,
wenn sowohl die Haftung als auch das Quantitativ umstritten sind. Im Grundsatz –
Haftung wird bejaht – obsiegt der Kläger 1, im Quantitativ und damit im Ergebnis
unterliegt er aber zum grösseren Teil; das Obsiegen im Grundsatz muss gegen-
über der allgemeinen Verteilungsregel als Korrekturfaktor berücksichtigt werden,
wobei das Mass der "Überklagung" einen massgebenden Einfluss behält (SCHMID,
Kurzkommentar zur ZPO, 2. Aufl., N. 2 zu Art. 107; Urteil des Handelsgerichts Zü-
- 106 -
rich HG120057 vom 26. Januar 2016, in plädoyer 3/16, S. 58 ff., E. 9.1). Bei Streitgenossen bestimmt das Gericht die Anteile der Streitgenossen an den Kos-
ten und Entschädigungen. Es kann anordnen, dass ein Streitgenosse für den An-
teil des andern ganz oder teilweise subsidiär oder solidarisch mithaftet (§ 70
ZPO/ZH).
2.3. Zu berücksichtigen ist, dass der Kläger 1 seinen Anspruch hinsichtlich
eines erheblichen Teils überklagt hat (insbesondere hinsichtlich der Nichtanrech-
nung der kongruenten Sozialversicherungsleistungen). Indes obsiegt er betreffend
die Haftungsvoraussetzungen vollumfänglich. Deshalb rechtfertigt es sich, die
Kosten zu 47% dem Kläger 1 aufzuerlegen. Die Kläger 2 bis 4 unterliegen infolge
eingetretener Verjährung; deren Ansprüche bilden jedoch nur untergeordnete
Punkte im vorliegenden Prozess. Der Klägerin 2 sind deshalb unter Berücksichti-
gung des Streitwerts und Verfahrensaufwands 2%, der Klägerin 3 0.5% und dem
Kläger 4 0.5% der Kosten aufzuerlegen.
Die Beklagte 2 hat im Gegensatz zur Beklagten 1 die Haftungsvoraussetzungen
dem Grundsatz nach bestritten, was es bei der Kostenverteilung nach dem Aus-
geführten ebenfalls zu ihren Lasten zu berücksichtigen gilt. Es rechtfertigt sich
daher, der Beklagten 1 20% und der Beklagten 2 30% der noch verbleibenden
Gerichtskosten aufzuerlegen.
Damit sind die Kosten wie folgt aufzuerlegen:
- Kläger 1: 47%
- Klägerin 2: 2%
- Klägerin 3: 0.5 %
- Kläger 4: 0.5 %
- Beklagte 1: 20%
- Beklagte 2: 30%
2.4. Die von den Parteien geleisteten Kostenvorschüsse für Barauslagen
nach § 83 ZPO/ZH sind vorab zur Deckung der ihnen jeweils auferlegten weiteren
Kosten des Beweisverfahrens (Zeugenentschädigungen und Gutachtenskosten)
zu verwenden und ein allfälliger Überschuss ist sodann mit den ihnen auferlegten
- 107 -
Gerichtskosten zu verrechnen (FRANK/STRÄULI/MESSMER, a.a.O., N 6 zu § 83
ZPO/ZH).
3. Prozessentschädigung
3.1. Die Prozessentschädigungen zwischen dem Kläger 1 und den Beklag-
ten 1 und 2 sind aufgrund obiger Erwägungen zur Kostenverteilung wettzuschla-
gen.
3.2. Die Prozessentschädigungen sind im Übrigen in Anwendung von §2 ff.
der Verordnung des Obergerichts über die Anwaltsgebühren vom 21. Juni 2006
festzusetzen. Die Klägerin 2 ist ausgangsgemäss zu verpflichten, der Beklagten 1
und der Beklagten 2 eine Prozessentschädigung von je CHF 1'500.– zu bezahlen,
und die Kläger 3 und 4 sind zur Zahlung einer Prozessentschädigung an die Be-
klagte 1 von CHF 750.– zu verpflichten.
Demnach erkennt das Gericht:
1. Die Beklagte 1 wird verpflichtet, dem Kläger 1 CHF 423'241.– nebst Zins zu
5 % seit dem 10. August 2016 zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die gegen die Beklagte 1 erhobene Klage des Klägers 1
abgewiesen.
2. Die Klagen der Kläger 2 bis 4 gegenüber der Beklagten 1 werden abgewie-
sen.
3. Die Beklagte 2 wird verpflichtet, dem Kläger 1 CHF 500'000.– nebst Zins zu
5 % seit 23. Dezember 2006 zu bezahlen.
4. Die Klage der Klägerin 2 gegenüber der Beklagten 2 wird abgewiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 130'000.–. Die weiteren Kosten
betragen CHF 2'402.– für Zeugenentschädigungen und CHF 62'095.50 für
Gutachtenskosten.
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6. Die Kosten werden
- dem Kläger 1 zu 47%
- der Klägerin 2 zu 2%
- der Klägerin 3 zu 0.5%
- dem Kläger 4 zu 0.5%
- der Beklagten 1 zu 20%
- der Beklagten 2 zu 30%
auferlegt. Die von den Parteien geleisteten Kostenvorschüsse für Barausla-
gen werden vorab zur Deckung der ihnen jeweils auferlegten weiteren Kos-
ten des Beweisverfahrens (Zeugenentschädigungen und Gutachtenskosten)
verwendet. Ein allfälliger Überschuss wird mit den ihnen auferlegten Ge-
richtskosten verrechnet.
7. Die Prozessentschädigungen zwischen dem Kläger 1 und den Beklagten 1
und 2 werden wettgeschlagen.
8. Die Klägerin 2 wird verpflichtet, der Beklagten 1 eine Prozessentschädigung
von CHF 1'500.– sowie der Beklagten 2 eine Prozessentschädigung von
CHF 1'500.– zu bezahlen.
9. Die Klägerin 3 und der Kläger 4 werden verpflichtet, der Beklagten 1 je eine
Prozessentschädigung von CHF 750.– zu bezahlen.
10. Schriftliche Mitteilungen an die Parteien und an die FINMA, 3003 Bern.
11. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 7'492'309.–.
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