Decision ID: 0020200e-434f-40c2-bd0f-9666bdbc89a0
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
P._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
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gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
P._ meldete sich am 14. März 2008 zum Bezug von Ergänzungsleistungen zu ihrer
Invalidenrente an. Im Gesuchsformular gab sie auf die Frage nach ihren Einnahmen an,
sie erhalte eine Invalidenrente von Fr. 1489.- und eine Rente der Pensionskasse A._
von Fr. 27'852.-. Letztere werde aber zur Zeit nicht ausgerichtet. Ausserdem erhalte sie
ein Taggeld von Fr. 933.- monatlich. Gemäss einem Schreiben der A._ an die
Versicherte vom 20. Februar 2008 belief sich die Rente auf Fr. 2321.- pro Quartal. Am
9. April 2008 übermittelte die zuständige AHV-Zweigstelle der Versicherten eine
Verfügung der IV-Stelle St. Gallen vom 28. März 2008, mit der ein Erlassgesuch
abgewiesen und die Verrechnung der laufenden Invalidenrente im Betrag von Fr. 400.-
monatlich mit einer Rentenrückforderung verfügt worden war. Die Verrechnung setzte
am 1. April 2008 ein. Die Versicherte reichte am 5. Mai 2008 ein Schreiben der A._
vom 20. Februar 2008 ein, laut dem die Rente für das ganze Jahr 2008 mit zuviel
ausgerichteten Leistungen verrechnet wurde; Ende September 2008 sollten aber Fr.
2325.- ausbezahlt werden. Die Versicherte übermittelte der EL-Durchführungsstelle
auch ein Schreiben der B._ Versicherung vom 2. Mai 2008, laut dem ein Taggeld von
Fr. 31.10 ausgerichtet wurde. Am 8. Mai 2008 erfuhr die EL-Durchführungsstelle von
der B._ Versicherung, dass das Taggeld nur bis Ende März 2008 ausbezahlt worden
war, weil die Versicherte kein Arztzeugnis betreffend ihre Arbeitsfähigkeit mehr
eingereicht hatte. Wenn die Versicherte ein solches Zeugnis nachreichen würde,
erhielte sie die Taggelder wieder ausbezahlt. Die EL-Durchführungsstelle ermittelte den
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Jahresbetrag der Taggelder, indem sie den Betrag von Fr. 31.10 mit 335 multiplizierte.
Die B._ Versicherung sah nämlich für jedes Jahr eine Wartefrist von 30 Tagen vor.
Die EL-Durchführungsstelle setzte auf der Einnahmenseite der EL-
Anspruchsberechnung die gesamte Invalidenrente von Fr. 17'868.-, die gesamte Rente
der A._ von Fr. 9284.- und die Taggelder der B._ Versicherung von Fr. 11'351.- ein.
Dazu kam noch ein Vermögensertrag von Fr. 15.-. Da die Summe dieser Einnahmen
(Fr. 38'518.-) die Summe der anerkannten Ausgaben (Fr. 34'403.-) überstieg, wies die
EL-Durchführungsstelle das Leistungsbegehren der Versicherten mit einer Verfügung
vom 22. Mai 2008 ab.
B.
Die Versicherte liess am 5. Juni 2008 Einsprache gegen diese Verfügung erheben. Sie
verwies auf den Grundsatz, dass nur tatsächlich vereinnahmte Einkünfte, über die der
Leistungsansprecher ungeschmälert verfügen kann, angerechnet werden dürfen.
Daraus zog sie den Schluss, dass sich die anrechenbare Invalidenrente nur auf Fr.
13'068.- belaufe, weil die IV-Stelle monatlich Fr. 400.- mit der Rückforderung
verrechne. Die Rente der A._von Fr. 9284.- dürfe überhaupt nicht angerechnet
werden, weil seit September 2007 nichts mehr ausgezahlt werden. Somit beliefen sich
die anrechenbaren Einkünfte auf Fr. 24'434.-. Bei einem Ausgabentotal von Fr. 34'835.-
resultiere ein Fehlbetrag von Fr. 10'401.-.
C.
Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 26. Juni 2008 ab. Sie führte zur
Begründung aus, Art. 10 ELG, der die abzugsfähigen Schulden regle, erwähne die
Rückforderung der Invalidenrente und die damit zusammenhängenden Verrechnungen
nicht. Demnach seien letztere auch nicht als Ausgaben zu berücksichtigen. Es wäre
stossend, wenn eine IV-Rückforderung mittels Ergänzungsleistungen bezahlt werden
könnte. In bezug auf die Rente der Pensionskasse liege eine vergleichbare Situation
vor. Wofür die Renten verwendet würden, sei für die Anspruchsberechnung nicht von
Bedeutung.
D.
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Die Versicherte liess am 28. August 2008 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid erheben. Sie beantragte die Zusprache einer Ergänzungsleistung
von Fr. 1378.- monatlich ab 1. März 2008 und von Fr. 1778.- ab 1. April 2008. Zur
Begründung wies sie darauf hin, dass die Abweisung des Gesuches um den Erlass der
IV-Rückforderung beschwerdeweise angefochten worden sei. Bisher sei der
Beschwerde trotz entsprechender Anträge keine aufschiebende Wirkung erteilt
worden. Effektiv lebe sie von einer Invalidenrente von Fr. 1089.-. Die A._ zahle Ende
September 2008 Fr. 2325.- und dann erst ab dem ersten Quartal 2009 wieder Fr.
2321.-. Die B._ Versicherung bezahle keine Taggelder. Gemäss ihrem Schreiben vom
17. September 2007 hatte die A._ für November 2002 bis Ende Oktober 2006
Rentenleistungen von Fr. 37'136.- zurückgefordert und mit den effektiven, tieferen
Rentenleistungen für die Periode November 2002 bis Februar 2008 von Fr. 39'461.-
verrechnet, woraus für die Versicherte eine Zahlung im September 2008 von Fr. 2325.-
resultiert hatte. Die B._ Versicherung hatte am 25. Juli 2008 mitgeteilt, dass gar nie
ein Taggeldanspruch bestanden habe, weshalb sämtliche ausgerichteten Taggelder
von Fr. 10'449.60 zurückgefordert würden. Daraus zog die Versicherte den Schluss,
dass sie nur eine Invalidenrente von Fr. 13'489.- und die Rentenleistungen der A._
von Fr. 4646.- (Wiederaufnahme der Rentenzahlungen ab dem dritten Quartal 2008)
erhalte. Ein Vermögensertrag falle nicht mehr an. Zusätzlich seien AHV-Beiträge für
Nichterwerbstätige als Ausgaben hinzugekommen. Der Ausgabenüberschuss betrage
Fr. 16'734.-. Von einem ungeschmälerten Leistungsbezug könne also nicht die Rede
sein. Die Behauptung der IV-Stelle, eine Verrechnung von Fr. 400.- monatlich tangiere
das Existenzminimum nicht, sei hanebüchen. Die EL-Durchführungsstelle habe unter
diesen Umständen den Zweck der Ergänzungsleistung, nämlich die Existenzsicherung,
torpediert. Massgebend sei nicht, worauf ein Leistungsansprecher Anspruch habe,
sondern was ihm ungeschmälert zukomme.
E.
Die EL-Durchführungsstelle erliess am 3. September 2008 eine Verfügung, mit der sie
der Versicherten mit Wirkung ab 1. März 2008 eine Ergänzungsleistung von Fr. 603.-
monatlich zusprach. Der einzige Unterschied zur angefochtenen Anspruchsberechnung
bestand darin, dass die Einkommensposition 'Taggelder' fehlte. Die EL-
Durchführungsstelle hielt in ihrer Beschwerdeantwort vom 9. September 2008 fest, sie
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habe am 6. August 2008 von der Versicherten erfahren, dass kein Anspruch auf
Taggelder mehr bestehe. Deshalb habe sie die Taggelder aus der
Anspruchsberechnung entfernt. In diesem Umfang sei die Beschwerde gutzuheissen.
Allerdings sei keine Parteientschädigung geschuldet, weil die genannte Tatsache erst
nach dem Erlass des Einspracheentscheides mitgeteilt worden sei.
F.
Die Versicherte liess in ihrer Replik vom 18. September 2008 geltend machen, die EL-
Durchführungsstelle habe bereits am 12. August 2008 gewusst, dass seit April 2008
keine Taggelder mehr ausbezahlt würden.
G.
Die EL-Durchführungsstelle machte am 25. September 2008 unter Verweis auf ihre
interne Notiz vom 19. August 2008 geltend, die Behauptung der Versicherten in der
Replik sei nicht stichhaltig.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 53 Abs. 3 ATSG kann der Sozialversicherungsträger eine Verfügung
oder einen Einspracheentscheid, gegen die/den Beschwerde erhoben worden ist, so
lange wiedererwägen, bis er gegenüber der Beschwerdebehörde Stellung nimmt. Nach
der Bundesgerichtspraxis (vgl. dazu Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.A., N. 47 zu
Art. 53 und insbesondere N. 87 zu Art. 61) wird die Beschwerde gegenstandslos, wenn
der beschwerdebeklagte Sozialversicherungsträger lite pendente eine neue Verfügung
erlässt, mit der er die Beschwerde anerkennt. Art. 53 Abs. 3 ATSG orientiert sich
offenkundig an Art. 58 VwVG. Eine Interpretation des Art. 53 Abs. 3 ATSG muss
deshalb
– nach dem systematischen Auslegungselement – auch die Praxis zu Art. 58 VwVG
einbeziehen. Andrea Pfleiderer (in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
VwVG) führt zu Art. 58 VwVG aus, der Erlass der Verfügung pendente lite führe nicht
von sich aus zur Gegenstandslosigkeit der Beschwerde. Damit die
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Gegenstandslosigkeit angenommen werden könne, müsse mit der pendente lite
erlassenen Verfügung ein Rechtszustand geschaffen werden, bei dem ein
fortbestehendes Rechtsschutzinteresse an einem Beschwerdeentscheid verneint
werden müsse. Die Abschreibung der Beschwerde zufolge Gegenstandslosigkeit setze
allerdings voraus, dass die Beschwerdeinstanz sorgfältig geprüft habe, ob mit der
pendente lite erlassenen Verfügung den Anliegen des Beschwerdeführers
vollumfänglich entsprochen sei (vgl. N. 45 zu Art. 58 VwVG). Die neue, pendente lite
ergangene positive oder abweisende Verfügung gelte deshalb durch die bereits
erhobene Beschwerde gegen die ursprüngliche Verfügung stets als mitangefochten
(vgl. N. 46 zu Art. 58 VwVG). Aufgrund der Rechtsanwendung von Amtes wegen nach
dem Offizialprinzip sei die Beschwerdeinstanz dabei an allfällige in der neuen
Verfügung enthaltene Zugeständnisse der Verwaltung nicht gebunden. Das bedeute,
dass die Beschwerdeinstanz von ihrem Recht auf eine reformatio in peius vel melius
auch bezüglich der in Wiedererwägung gezogenen und noch Streitgegenstand
bildenden Punkte Gebrauch machen könne (vgl. N. 52 zu Art. 58 VwVG). Auch mit
diesen Ausführungen von Andrea Pfleiderer ist die Abgrenzung zwischen der
Möglichkeit des Versicherungsgerichts, in peius vel melius zu reformieren, auf der
einen Seite und der Gegenstandslosigkeit des Beschwerdeverfahrens bei einer dem
Beschwerdebegehren entgegenkommenden Verfügung pendente lite auf der anderen
Seite nicht geklärt. Kommt letzteres Prinzip zur Anwendung, ist eine reformatio in peius
vel melius ausgeschlossen, denn die Gegenstandslosigkeit des Beschwerdeverfahrens
schliesst notwendigerweise auch eine Beurteilung der pendente lite ergangenen
Verfügung auf ihre Rechtmässigkeit aus. Hat ein EL-Ansprecher also beispielsweise
eine erstmalige Leistungszusprache angefochten, weil statt eines Mietzinses von Fr.
12'000.- nur ein solcher von Fr. 9600.- angerechnet worden sei, und beantragt er nur
die Zusprache einer Ergänzungsleistung unter Berücksichtigung von Mietzinsausgaben
von Fr. 12'000.-, so ist das Beschwerdeverfahren insgesamt gegenstandslos, wenn die
EL-Durchführungsstelle pendente lite eine Verfügung erlässt, mit der sie dem
Beschwerdeführer eine Ergänzungsleistung zuspricht, die auf Mietzinsausgaben von Fr.
12'000.- beruht. In dieser Situation wäre es dem Versicherungsgericht also nicht
möglich, die gleichzeitige Berücksichtigung eines unveränderten, aber zu hohen
Erwerbseinkommens (reformatio in melius) oder die gleichzeitige Berücksichtigung
unveränderter, aber übersetzter geleisteter familienrechtlicher Unterhaltsbeiträge
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(reformatio in peius) in einem materiellen Urteil zu korrigieren, denn es könnte das
Beschwerdeverfahren ja nur wegen Gegenstandslosigkeit abschreiben. Die
Gegenstandslosigkeit bei einer Verfügung pendente lite, die dem Beschwerdebegehren
Rechnung trägt, führt also u.U. zu einer erheblichen Zurückdrängung der
Offizialmaxime und damit auch des Zwecks des Beschwerdeverfahrens, im konkreten
Einzelfall für eine objektiv richtige Rechtsanwendung zu sorgen (was im obgenannten
Beispiel nur durch eine Korrektur auch in bezug auf das Erwerbseinkommen und die
geleisteten Unterhaltsbeiträge zu erreichen wäre). Gleichzeitig entsteht eine
Manipulationsmöglichkeit für die Verwaltung, denn diese kann je nach der taktischen
Situation entweder pendente lite neu verfügen oder eine Vernehmlassung erstatten und
darin nur ein Begehren stellen, was aus der Sicht des Gleichbehandlungsgrundsatzes
bedenklich ist.
1.2 Der Konflikt zwischen dem Konzept der Gegenstandslosigkeit des
Beschwerdeverfahrens bei einer dem Beschwerdebegehren entsprechenden
Verfügung pendente lite auf der einen Seite und der Offizialmaxime gemäss Art. 61 lit.
d ATSG (und damit der Umsetzung des Legalitätsprinzips im Einzelfall) auf der anderen
Seite beruht auf einer unreflektierten Übernahme eines rein zivilprozessualen
Gedankens in das Beschwerdeverfahren: Anders als im Zivilprozess definiert nicht das
Klagebegehren, sondern der Inhalt der angefochtenen Verfügung/des angefochtenen
Einspracheentscheides den Streitgegenstand. Regelt die angefochtene Verfügung/der
angefochtene Einspracheentscheid nur ein einziges Rechtsverhältnis, so bildet
notwendigerweise dieses Rechtsverhältnis als Ganzes den Streitgegenstand des
Beschwerdeverfahrens. Im oben angeführten Beispiel besteht der Streitgegenstand
also entgegen dem Beschwerdebegehren nicht nur aus der Frage nach dem EL-
Anspruch bei einem Mietzinsabzug von Fr. 12'000.-, sondern auch aus der Frage nach
dem EL-Anspruch bei einem tieferen anrechenbaren Erwerbseinkommen und bei einem
tieferen anerkannten Abzug für geleistete Unterhaltsbeiträge. Das
Beschwerdeverfahren wird praktisch ausschliesslich von der Offizialmaxime
beherrscht. Die einzige Dispositionsfreiheit des Adressaten einer Verfügung oder eines
Einspracheentscheides besteht in der Entscheidung, Beschwerde zu erheben oder die
Verfügung/den Einspracheentscheid zu akzeptieren, und - nach der
Beschwerdeerhebung - die Beschwerde aufgrund der pendente lite ergangenen
Verfügung zurückzuziehen oder das Urteil abzuwarten. Wie das Beschwerdebegehren
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formuliert ist, ob es im obgenannten Beispiel neben der Korrektur der anzurechnenden
Mietzinsausgaben auch eine Korrektur des anrechenbaren Erwerbseinkommens
verlangt, ist somit irrelevant, da sich das eigentliche Beschwerdebegehren immer auf
das gesamte Rechtsverhältnis beziehen muss und deshalb auf den Antrag zu
reduzieren ist, die angefochtene Verfügung/den angefochtenen Einspracheentscheid
aufzuheben und das Rechtsverhältnis gesetzmässig zu regeln. Bei dieser notwendigen
Beschränkung jedes Beschwerdebegehrens kann eine pendente lite ergangene
Verfügung das Beschwerdeverfahren nur dann gegenstandslos machen, wenn sie
genau das anordnet, was im konkreten Fall gesetzmässig ist. Ob dies zutrifft, muss
vom Versicherungsgericht sorgfältig geprüft werden, d.h. die pendente lite ergangene
Verfügung muss in jeder Hinsicht auf ihre Rechtmässigkeit geprüft werden. Diese
Rechtmässigkeitsprüfung unterscheidet sich inhaltlich in nichts von einer gerichtlichen
Überprüfung einer direkt angefochtenen Verfügung. Damit macht es keinen Sinn
anzunehmen, eine pendente lite ergangene Verfügung könne ein Beschwerdeverfahren
gegenstandslos machen. Im vorliegenden Fall ist deshalb davon auszugehen, dass die
am 3. September 2008 und damit pendente lite ergangene Verfügung die
Beurteilungspflicht des Versicherungsgerichts nicht tangiert.
1.3 Die Beschwerdeführerin hat bei der Anmeldung zum EL-Bezug angegeben, sie
erhalte von der B._ Versicherung ein Taggeld von Fr. 933.- monatlich. Gemäss der
Telephonnotiz der Beschwerdeführerin vom 9. April 2008 auf dem Gesuchsformular
war die Taggeldleistung auf die Zeit bis ca. Ende April 2008 beschränkt. Gestützt auf
ein an die Beschwerdeführerin adressiertes Schreiben der B._ Versicherung vom 2.
Mai 2008 ist die Beschwerdegegnerin dann aber davon ausgegangen, dass das
Taggeld noch bis August 2009 ausgerichtet werde. Aus diesem Grund hat die
Beschwerdegegnerin jährliche Taggeldeinkünfte von Fr. 11'351.- in die
Anspruchsberechnung vom 22. Mai 2008 eingesetzt. Die Beschwerdeführerin hat sich
in ihrer Einsprache vom 5. Juni 2008 nicht dagegen zur Wehr gesetzt, was darauf
schliessen lässt, dass ihr das Taggeld zu diesem Zeitpunkt tatsächlich noch
ausgerichtet worden ist. Dementsprechend hat die Beschwerdegegnerin auch im
Einspracheentscheid vom 26. Juni 2008 noch dieselbe Einnahmenposition
berücksichtigt. Erst am 25. Juli 2008 hat die Beschwerdeführerin von der B._
Versicherung erfahren, dass ihr eigentlich gar nie Taggelder zugestanden hatten und
dass sämtliche ihr ausbezahlten Taggelder zurückgefordert wurden. Die
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Beschwerdegegnerin hat auf diesen Umstand reagiert, indem sie am 3. September
2008 - pendente lite nach der Beschwerdeerhebung am 28. August 2008 - der
Beschwerdeführerin rückwirkend ab 1. März 2008 eine Ergänzungsleistung von Fr.
603.- monatlich zugesprochen hat. Die einzige Veränderung der Anspruchsberechnung
hat im Wegfall der Einkünfte aus Taggelder von Fr. 11'351.- bestanden.
1.4 Die Beschwerdegegnerin hat damit fingiert, dass die bis und mit Juni, allenfalls bis
Juli 2008 ausbezahlten Taggelder der B._ Versicherung gar nie ausgerichtet worden
seien. Würde man den Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG seinem Wortlaut gemäss anwenden,
wäre diese Vorgehensweise der Beschwerdegegnerin ausgeschlossen. Bis Juni oder
Juli 2008 müsste das Taggeld angerechnet werden, da es der Beschwerdeführerin
effektiv ausbezahlt wurde. Erst mit dem Ende der Taggeldauszahlung dürfte auch die
Anrechnung der Einnahmen von Fr. 11'351.- enden und das Vermögen der
Beschwerdeführerin müsste auf denselben Zeitpunkt um den Betrag der
Taggeldrückforderung der B._ Versicherung reduziert werden. Im umgekehrten Fall,
der rückwirkenden Zusprache einer wiederkehrenden Leistung, müssten diese neuen
Einkünfte dem Wortlaut des Art. 11 Abs. 1 lit. d ELG gemäss ab dem Tag der effektiven
erstmaligen Auszahlung angerechnet werden und das Vermögen müsste auf denselben
Zeitpunkt um den Betrag der Leistungsnachzahlung erhöht werden. Die
Rechtsprechung sieht hier eine andere Lösung vor (vgl. etwa das Urteil des
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen vom 1. Juni 2006, EL 2005/45, Erw. 4b
ff.): Es wird fingiert, dass die rückwirkend zugesprochene wiederkehrende Leistung
bereits während des Nachzahlungszeitraums ausbezahlt worden sei. Das führt zu einer
EL-Rückforderung, weil die zusätzliche Einnahmenposition den EL-Anspruch sinken
lässt. Diese Rückforderung wird dann in aller Regel mit der Nachzahlung der neuen
wiederkehrenden Leistung verrechnet. Die Fiktion der Auszahlung bereits während des
Nachzahlungszeitraums kann aus Gleichbehandlungsgründen nicht auf jene Fälle
beschränkt sein, in denen eine Verrechnung der EL-Rückforderung mit der
Nachzahlung der wiederkehrenden Leistung möglich ist. Vielmehr wird jede
Nachzahlung einer wiederkehrenden Leistung mit einer solchen Fiktion umgesetzt, es
resultiert immer eine EL-Rückforderung. Es gibt keinen Grund, diese Praxis auf die
Nachzahlung einer wiederkehrenden Leistung zu beschränken und nicht auch auf den
rückwirkenden Entzug oder die rückwirkende Reduktion einer wiederkehrenden
Leistung anzuwenden und eine entsprechende EL-Nachzahlung auszurichten.
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Grundsätzlich könnte auch eine solche EL-Nachzahlung mit der Rückforderung der
wiederkehrenden Leistung verrechnet werden. Im vorliegenden Fall war es also korrekt,
die rückwirkende Verneinung eines Taggeldanspruchs der B._ Versicherung in der
Form einer Fiktion, dass nie ein Anspruch auf derartige Taggelder bestanden habe,
umzusetzen und der Beschwerdeführerin pendente lite gestützt auf eine entsprechend
veränderte Anspruchsberechnung rückwirkend ab 1. März 2008 eine
Ergänzungsleistung zuzusprechen und nachzuzahlen.
2.
2.1 Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen geht praxisgemäss davon aus,
dass auch ein durch das Betreibungsamt gepfändeter Lohn in das Vermögens des EL-
Ansprechers fliesst und deshalb als Einnahme anzurechnen ist. Der EL-Ansprecher ist
nämlich nur darin eingeschränkt, wie er diesen Lohn verwendet, weil er durch die
Pfändung gezwungen ist, damit eine bestimmte Schuld zu tilgen. Würde man auf die
Anrechnung eines betreibungsrechtlich gepfändeten Lohnes als Einnahme verzichten,
müsste der dadurch resultierende Einnahmenausfall durch eine entsprechend höhere
Ergänzungsleistung gedeckt werden. Der EL-Ansprecher erhielte so eine
Ergänzungsleistung, von der ein Teil nicht zur Deckung des Existenzbedarfs, sondern
ausschliesslich dazu bestimmt wäre, Schulden zu tilgen. Dies würde eine unzulässige
Bevorzugung gegenüber demjenigen EL-Bezüger bedeuten, der seinen Lohn aus
eigenem Antrieb nicht zur Deckung des Existenzbedarfs, sondern zur Schuldentilgung
verwendet, denn hier kann die Schuldentilgung nicht als anerkannte Ausgabe bei der
EL-Anspruchsberechnung Berücksichtigung finden und damit die Ergänzungsleistung
erhöhen. Die durch die Rechtsprechung zum Einnahmenverzicht (Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG) geschaffene Regel, dass nur tatsächlich vereinnahmte Einkünfte, über die
ungeschmälert verfügt werden kann, als Einnahmen anzurechnen sind (vgl. etwa BGE
110 V 21), bezieht sich nicht auf die Frage, ob die Verwendung der Einkünfte frei
bestimmt werden kann, sondern nur auf die Frage, ob Einkünfte zufliessen oder eben
aufgrund eines Verzichtsverhaltens nicht zufliessen. Deshalb ist diese Regel nicht
geeignet, das Problem der Anrechnung eines gepfändeten Lohns zu lösen (vgl. das
Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. März 2003, EL
2002/71). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat diese Praxis in einem
späteren Urteil auf die Rente einer Pensionskasse ausgedehnt, die dem EL-Ansprecher
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nicht ausbezahlt, sondern mit einer Rückforderung der Pensionskasse verrechnet
wurde (vgl. das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22.
November 2006, EL 2006/11). Das Bundesgericht hat dieses Urteil mit der Begründung
aufgehoben, die verrechnete Pensionskassenrente gelange gar nicht in den
Herrschaftsbereich des EL-Ansprechers. Es liege kein mit der Lohnpfändung
vergleichbarer Tatbestand vor, denn eine betreibungsrechtliche Pfändung sei auf ein
Jahr beschränkt und es würden nur Einkünfte betreibungsamtlich gepfändet, die das
Existenzminimum des Schuldners nicht tangierten (vgl. das Bundesgerichtsurteil vom
7. August 2008, P 68/06, Erw. 5). Dieser Argumentation ist entgegenzuhalten, dass
auch der gepfändete Lohn insoweit nicht in den Herrschaftsbereich des EL-
Ansprechers gelangt, als dieser dami seinen Lebensbedarf nicht decken kann. Die
Lohnpfändung kann zudem jeweils um ein Jahr verlängert werden, so dass kein
Unterschied zur Verrechnung besteht. Die Verrechnung steht wie die Lohnpfändung
unter der grundsätzlichen Bedingung, dass das Existenzminimum gewahrt bleiben
muss.
2.2 Obwohl die Argumentation des Bundesgerichts nicht zu überzeugen vermag, ist
dem Urteil im Ergebnis zuzustimmen. Es besteht nämlich tatsächlich ein grundlegender
Unterschied zwischen der Lohnpfändung und der Verrechnung einer laufenden PK-
Rente mit einer Rückforderung der Pensionskasse. Wird einem Invalidenrentner und
Bezüger einer Rente der Pensionskasse eine Ergänzungsleistung ausgerichtet, so wird
bei der Ermittlung der Ergänzungsleistung die gesamte PK-Rente als Einnahme
angerechnet. Stellt sich später heraus, dass die Pensionskasse dem EL-Bezüger eine
übersetzte Rente ausgerichtet hat, so hat sich die EL-Durchführungsstelle in dem
Betrag die Ausrichtung von Ergänzungsleistung "gespart", um den die ausgerichtete
PK-Rente zu hoch gewesen ist. Wäre von Anfang an die korrekte tiefere PK-Rente
ausgerichtet und bei der EL-Anspruchsberechnung angerechnet worden, so wäre die
Ergänzungsleistung nämlich höher gewesen. Fordert die Pensionskasse nun den
entsprechenden Teil der ausgerichteten PK-Rente zurück und verrechnet sie die
laufende, nun korrekte PK-Rente mit der Rückforderung, so dass dem Versicherten bis
auf weiteres keine PK-Rentenleistungen mehr ausbezahlt werden, darf die verrechnete
PK-Rente nicht als Einnahme angerechnet werden, denn sonst wird die "EL-
Einsparung" in der Vergangenheit zulasten des EL-Bezügers definitiv. Wird die
verrechnete PK-Rente nicht als Einnahme angerechnet, fällt die Ergänzungsleistung bis
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zum Ende der Verrechnung entsprechend höher aus. Wirtschaftlich betrachtet zahlt die
EL-Durchführungsstelle damit dem EL-Bezüger nach, was sie in der Vergangenheit
durch die Anrechnung einer übersetzten PK-Rente "gespart" hatte. Wirtschaftlich
betrachtet kommt es also zugunsten des EL-Bezügers zu einer "EL-Nachzahlung".
Gleichzeitig erfolgt – wiederum wirtschaftlich betrachtet – ein Ausgleich zwischen der
Pensionskasse, die in der Vergangenheit zuviel Rentenleistungen ausgerichtet hat, und
der EL-Durchführungsstelle, die - ebenfalls in der Vergangenheit - zuwenig
Ergänzungsleistungen ausgerichtet hat. Formal betrachtet dient die als Folge der
Nichtanrechnung der verrechneten PK-Rente höhere Ergänzungsleistung zwar der
Tilgung einer Schuld des EL-Bezügers, aber bei einer wirtschaftlichen Betrachtung wird
nachträglich eine korrekte EL-Ausrichtung erreicht. Das gilt für den betreibungsamtlich
gepfändeten Lohn nicht, denn dieser dient der Tilgung irgendwelcher Schulden des EL-
Bezügers. Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt weicht in einem entscheidenden
Punkt von dem eben geschilderten typischen Sachverhalt ab: Die Beschwerdeführerin
hat in der Vergangenheit zwar eine Invalidenrente und eine PK-Rente, aber keine
Ergänzungsleistung bezogen. Eine "Nachzahlung" der Ergänzungsleistung mittels der
Nichtanrechnung der verrechneten laufenden PK-Rente als Einnahme setzt voraus,
dass die Beschwerdeführerin eine Ergänzungsleistung bezogen hätte, wenn ihr keine
übersetzte PK-Rente ausgerichtet worden wäre. Da fingiert wird, dass die
Beschwerdeführerin keine Taggeldleistungen erhalten habe, kann davon ausgegangen
werden, dass die Invalidenrente zusammen mit der korrekten, tiefen PK-Rente und
allfälligen anderen Einnahmen nicht ausgereicht hätte, um den Existenzbedarf zu
decken, so dass eine Ergänzungsleistung hätte ausgerichtet werden müssen. Das
bedeutet, dass die Beschwerdegegnerin als Folge der Ausrichtung einer übersetzten
PK-Rente Ergänzungsleistungen "eingespart" hat, indem sie überhaupt keine
Ergänzungsleistungen hat ausrichten müssen. Diese "eingesparten"
Ergänzungsleistungen hat sie nun durch die Ausrichtung einer Ergänzungsleistung
"nachzuzahlen", die ohne die Einnahmenposition "verrechnete PK-Rente" berechnet
wird.
3.
Die am 3. September 2008 pendente lite ergangene Verfügung weist auf der
Ausgabenseite den AHV-Beitrag der Beschwerdeführerin aus. Auf der Einnahmenseite
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dieser Verfügung findet sich immer noch der Vermögensertrag von Fr. 15.-. Da sich
diese Verfügung auf den Sachverhalt ab März 2008 bis August 2008 bezieht, ist hier
möglicherweise im Verlauf eine Änderung eingetreten, die den Vermögensertrag hat
wegfallen lassen. Die Frage, ob und gegebenenfalls wann dies passiert ist, lässt sich
anhand der dem Gericht vorliegenden Akten nicht beantworten. Die
Beschwerdegegnerin wird dies noch weiter abklären müssen.
4.
Gemäss den vorstehenden Ausführungen erweist sich die Anspruchsberechnung zu
der am 3. September 2008 pendente lite erlassenen Verfügung in bezug auf die
Einnahmenpositionen "Vermögensertrag" und "andere Renten und Pensionen aller Art"
als rechtswidrig. Sie ist zusammen mit dem Einspracheentscheid vom 26. Juni 2008
aufzuheben. Da in bezug auf den Vermögensertrag weitere Abklärungen notwendig
sind, ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Bei diesem
Verfahrensausgang besteht an sich ein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine volle
Parteientschädigung (vgl. etwa ZAK 1987 S. 266 Erw. 5a). Nun hat die
Beschwerdegegnerin aber geltend gemacht, dass der angefochtene
Einspracheentscheid unter Berücksichtigung der damaligen Aktenlage rechtmässig
gewesen sei, weil die rückwirkende Aufhebung der Taggeldausrichtung durch die B._
Versicherung erst später erfolgt sei; wäre der angefochtene Einspracheentscheid
unangefochten in Rechtskraft erwachsen, hätte eine prozessuale Revision aufgrund
einer qualifiziert neuen Tatsache, der rückwirkenden Aufhebung der
Taggeldausrichtung, erfolgen müssen. Der Beschwerdegegnerin ist zwar darin
beizupflichten, dass der angefochtene Einspracheentscheid in bezug auf die
Einnahmenposition "Taggeld" unter Berücksichtigung des damals objektiv
ermittelbaren Sachverhalts nicht rechtswidrig gewesen ist. Das bedeutet aber nicht,
dass der angefochtene Einspracheentscheid in allen Teilen rechtmässig gewesen ist,
denn in bezug auf die Einnahmenpositionen "Vermögensertrag" und insbesondere
"andere Rente und Pensionen aller Art" beruht er auf einem in Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes unvollständig erhobenen Sachverhalt und in Verletzung des
Legalitätsprinzips auf einer fehlerhaften Rechtsanwendung. Deshalb besteht kein
Anlass, von der allgemeinen Praxis abzuweichen und der Beschwerdeführerin eine
Parteientschädigung zu verweigern oder ihr eine reduzierte Parteientschädigung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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zuzusprechen. Es besteht ein Anspruch auf eine volle Parteientschädigung. Diese
bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses (Art. 61 lit. g ATSG). Unter Berücksichtigung dieser beiden Kriterien erweist
sich eine Parteientschädigung von Fr. 3000.- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53