Decision ID: 7c33df4c-eb3e-47e0-a438-59ec523b336a
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X ist unverheiratet und wohnt in A. Er betreibt in B seit 2008 einen Coiffeursalon.
Bis 1. Juli 2012 führte er diesen als Einzelfirma X; auf jenes Datum hin wandelte er
diese in die X GmbH um. In der Steuererklärung für 2012 deklarierte X Einkünfte aus
selbständiger Erwerbstätigkeit von Fr. 65'589.–, was dem Geschäftsabschluss der
Einzelfirma für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2011 bis 30. Juni 2012 entsprach.
Einkünfte aus unselbständiger Tätigkeit deklarierte er keine. Für das Steuerjahr 2013
reichte er einen Lohnausweis der X GmbH ein, worin für die Zeit vom 1. Januar bis 31.
Dezember 2013 ein Bruttolohn von Fr. 48'000.– bzw. ein Nettolohn Fr. 40'433.–
deklariert waren. Die Veranlagungsbehörde rechnete für die Zeit vom 1. Juli bis
31. Dezember 2012 die Hälfte des im Lohnausweis für 2013 ausgewiesenen Nettolohns
von Fr. 20'216.– dem steuerbaren Einkommen zu. X wurde dementsprechend für die
Kantons- und Gemeindesteuern 2012 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr.
70'100.– und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 35'000.– und für die direkte
Bundessteuer 2012 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 70'800.– veranlagt.
Gegen diese Veranlagungen erhob X durch seine Vertreterin mit Eingabe vom 18. Juni
2014 Einsprache und beantragte, die Aufrechnung von Einkünften von Fr. 20'216.– sei
vollumfänglich fallen zu lassen. Zur Begründung wurde vorgebracht, die Einzelfirma sei
per 1. Juli 2012 in eine GmbH umgewandelt worden. Die Lohngutschrift sei im
Kontokorrent erstmals per 30. Juni 2013 erfolgt, weshalb der Lohn in die Steuerperiode
2013 falle. Das kantonale Steueramt wies die Einsprachen mit Entscheiden vom 26.
Juni 2014 ab. Es erwog, der Steuerpflichtige habe ab 1. Juli 2012 regelmässig
Privatbezüge um den 25. getätigt, wobei für die Zeit vom 1. Juli 2012 bis 30. Juni 2013
ein Jahreslohn von netto Fr. 40'433.– ausgerichtet worden sei. Dieser Betrag sei von
der Gesellschaft per 30. Juni 2013 dem Kontokorrentkonto von X gutgeschrieben
worden. Bei einem Arbeitnehmer werde der Lohnanspruch mangels anderweitiger
Abrede am Ende jedes Monats fällig, womit das Einkommen grundsätzlich realisiert sei.
Die am 30. Juni 2013 abgerechnete Entschädigung sei für das ganze Jahr geschuldet.
Der Steuerpflichtige habe als alleiniger Inhaber der GmbH den Zeitpunkt der
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Lohnauszahlung frei bestimmen können. Für die Steuerperiode 2012 sei daher der
Nettolohn für den Zeitraum von 1. Juli bis 31. Dezember 2012 massgebend.
B.- Gegen die Einspracheentscheide vom 26. Juni 2014 erhob X durch seine Vertreterin
mit Eingabe vom 21. Juli 2014 Rekurs und Beschwerde mit dem Antrag, die
Aufrechnungen für Einkünfte aus unselbständigem Haupterwerb von Fr. 20'216.– sowie
die entsprechenden Berufskosten von Fr. 2'400.– seien fallen zu lassen. Zur
Begründung wird vorgebracht, in den früheren Jahren seien mindestens bis und mit
Steuerperiode 31. Dezember 2011 immer die per Mitte Jahr verbuchten Gewinne der
Einzelfirma für das Geschäftsjahr vom 1. Juli bis 30. Juni als "Jahreseinkommen"
erfasst worden. Ebenso sei der Gewinn aus der Einzelfirma für die Geschäftsperiode
vom 1. Juli 2011 bis 30. Juni 2012 für die Steuerperiode 2012 in der persönlichen
Steuererklärung des Pflichtigen deklariert worden. Um diese Kontinuität beizubehalten
sei entschieden worden, dass der Lohn für die Geschäftsperiode vom 1. Juli 2012 bis
30. Juni 2013, ebenso komplett (Valuta 30. Juni 2013) einmal jährlich auf dem
Kontokorrent des Gesellschafters mit brutto Fr. 48'000.– gutgeschrieben werde. Das
Vorgehen der Veranlagungsbehörde führe zu einer unsachgemässen und
unverhältnismässigen Steuerbelastung. In der Steuerperiode 2012 seien Einkünfte aus
12 Monaten zu erfassen und nicht von 18 Monaten. Die Bezüge vom 1. Juli 2012 bis
31. Dezember 2012 seien keine Kontokorrentbezüge im Soll zu Gunsten der GmbH
gewesen, sondern vollumfänglich Bezüge zu Lasten der Kapitaleinlage und zu Gunsten
des Steuerpflichtigen aus der Umwandlung der Sacheinlage.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 3. September 2014 die
Abweisung des Rekurses und der Beschwerde. Der Steuerpflichtige erhielt
Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Dies tat er mit Eingabe seiner Vertreterin vom 29.
September 2014. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich zur Beschwerde
nicht vernehmen.

Auf weitere Einzelheiten wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Angefochten sind die Einspracheentscheide hinsichtlich der Veranlagungen der
Kantons- und Gemeindesteuern 2012 sowie der direkten Bundessteuer 2012. Zwar
müssen für Rekurs und Beschwerde verschiedene Entscheide ergehen; sie können
indessen in einem einzigen Dokument mit Verweisungen und einem gemeinsamen
Dispositiv, das die beiden Steuern allerdings ausdrücklich auseinanderhält, enthalten
sein (vgl. BGE 130 II 509 = Pra 2005 Nr. 114 E. 8.3, BGE 135 II 260 = Pra 2010 Nr. 37
E. 1.3.1).
2.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs und die Beschwerde vom 21. Juli 2014
sind rechtzeitig eingereicht worden. Sie erfüllen in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 194 Abs. 1 des St. Galler Steuergesetzes, sGS 811.1,
abgekürzt: StG; Art. 140 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer,
SR 642.11, abgekürzt: DBG; Art. 7 der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 41 lit. h Ziff. 1 und Art. 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs und die
Beschwerde ist einzutreten.
3.- Nach Art. 29 Abs. 1 StG bzw. Art. 16 Abs. 1 DBG unterliegen alle wiederkehrenden
und einmaligen Einkünfte der Einkommenssteuer. Insbesondere sind alle Einkünfte aus
privatrechtlichem Arbeitsverhältnis mit Einschluss der Nebeneinkünfte wie
Entschädigungen für Sonderleistungen, Provisionen, Gratifikationen und Trinkgelder
steuerbares Einkommen (Art. 17 Abs. 1 DBG und Art. 30 StG), insbesondere auch alle
Einkünfte aus einem freien Beruf sowie aus jeder selbständigen Erwerbstätigkeit (Art.
18 Abs. 1 DBG und Art. 31 Abs. 1 StG).
Vorliegend ist nicht streitig, dass die vom Rekurrenten und Beschwerdeführer erzielten
Einkünfte aus selbständiger und aus unselbständiger Tätigkeit steuerbares Einkommen
sind. Bis 30. Juni 2012 war er als Inhaber der Einzelfirma X selbständig erwerbstätig;
nach der Umwandlung der Einzelfirma in die X GmbH ist er steuerlich als unselbständig
Erwerbender tätig.
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a) Die Steuergesetze enthalten keine genauen Bestimmungen über den Zeitpunkt des
Zuflusses von Einkünften bzw. zum Zeitraum der Erfassung der steuerbaren Einkünfte.
Art. 67 Abs. 1 StG bzw. Art. 210 Abs. 1 aDBG bestimmen, dass sich das steuerbare
Einkommen nach den Einkünften in der Steuerperiode bemisst. Bei selbständiger
Erwerbstätigkeit bestimmen Art. 67 Abs. 2 StG und Art. 210 Abs. 2 aDBG, dass für die
Ermittlung des Einkommens das Ergebnis der in die Steuerperiode fallenden
Geschäftsabschlüsse massgebend ist. Somit ist für die Steuerperiode 2012 der
Geschäftsabschluss der Einzelfirma per 30. Juni 2012 massgebend. Daran ändert der
Umstand nichts, dass die erste Hälfte des diesem Abschluss zugrundeliegenden
Geschäftsjahres im Vorjahr 2011 lag. Das Geschäftsjahr muss nicht mit dem
Kalenderjahr abschliessen, und es können auch zwei Abschlüsse in das gleiche
Kalenderjahr einbezogen werden. Selbständig Erwerbende haben in jeder
Steuerperiode und am Ende der Steuerpflicht einen Geschäftsabschluss zu erstellen
(vgl. Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, S. 176). Auch
bei unterjährigen oder überjährigen Abschlüssen findet keine Umrechnung auf ein
Jahresergebnis statt.
Demgegenüber werden Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit in jenem
Zeitpunkt erfasst, in welchem der Steuerpflichtige eine Leistung vereinnahmt oder
einen festen Anspruch darauf erworben hat, über welchen er tatsächlich verfügen kann.
Nach Art. 323 OR ist dem Arbeitnehmer der Lohn am Ende jedes Monats auszurichten,
wenn nicht kürzere Fristen oder andere Termine verabredet oder üblich sind. Ein
unselbständig Erwerbender erzielt deshalb sein Erwerbseinkommen in der Regel in
jener Periode, in der er seine Arbeitsleistung erbringt. Bezüge, deren
Auszahlungszeitpunkt der Unselbständige dank seiner beherrschenden Stellung in der
Arbeitgeberfirma frei bestimmen kann, sind in jener Periode zu erfassen, in welcher die
Arbeitsleistung erbracht wurde, falls für eine spätere Auszahlung keine
unternehmerischen Gründe sprechen.
b) Im vorliegenden Fall trifft es zu, dass in der Steuerperiode 2012 sowohl ein ganzer
Jahresgewinn aus der Tätigkeit als selbständig Erwerbender wie auch das Einkommen
aus unselbständiger Erwerbstätigkeit von Juli bis Dezember 2012 erfasst wird. Die
gesetzlichen Vorschriften bieten keine Handhabe, diese als "Überbesteuerung"
bezeichnete Steuerbelastung auszugleichen bzw. zu verringern. Die überproportionale
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Steuerbelastung hat ihren Grund darin, dass die Einkünfte aus selbständiger und aus
unselbständiger Tätigkeit nicht nach denselben Grundsätzen erfasst werden und beim
Wechsel von der selbständigen Tätigkeit, bei der das Geschäftsjahr im Laufe des
Kalenderjahres endet, zur unselbständigen Tätigkeit in einem Kalenderjahr ein
überproportional hohes Einkommen erfasst werden kann. Art. 67 Abs. 3 StG bestimmt
zwar, dass dann kein Geschäftsabschluss zu erstellen ist, wenn die Erwerbstätigkeit
erst im letzten Quartal der Steuerperiode aufgenommen wird. Im vorliegenden Fall ist
aufgrund der Akten nicht ersichtlich, wann der Rekurrent und Beschwerdeführer seine
selbständige Erwerbstätigkeit aufgenommen hat. Die Einzelfirma X wurde am 22.
September 2008 im Handelsregister eingetragen. Ob er im Jahr 2008 noch einen
Geschäftsabschluss erstellt hat, ist nicht bekannt. Falls dies nicht der Fall war, musste
er die Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit des Jahres 2008 bzw. des letzten
Quartals 2008 in jenem Jahr nicht versteuern. Dies bildet einen gewissen Ausgleich zur
Überbesteuerung im Jahr 2012. Die gesetzliche Regelung mag für den
Steuerpflichtigen unbefriedigend erscheinen. Sie ist allerdings vom Gesetzgeber so
gewollt, und sowohl die Verwaltungsrekurskommission als auch das
Verwaltungsgericht haben sich wiederholt mit den Auswirkungen dieser gesetzlichen
Regelung beim Wechsel von der selbständigen zur unselbständigen Tätigkeit befasst,
insbesondere nach der Umstellung des Systems der Veranlagung mit zweijähriger
Vergangenheitsbemessung zur Veranlagung mit einjähriger Gegenwartsbemessung,
und die daraus entstehenden zusätzlichen Belastungen nicht als rechtswidrig
qualifiziert (VRKE I/1-2007/111 vom 13. Dezember 2007, nicht publiziert; und VerwGE
B 2004/189 vom 5. April 2005 in: www.gerichte.sg.ch; und SGE 2005 Nr. 3). Dieselben
Grundsätze gelten auch für die direkte Bundessteuer (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N 125 ff. zu Art. 210 DBG).
Insbesondere verletzt im vorliegenden Fall die zusätzliche Steuerbelastung den
Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht, da die
zusätzliche Belastung im Ergebnis nicht übermässig ist.
c) Im vorliegenden Fall ändert die Verbuchung der Bezüge des Rekurrenten und
Beschwerdeführers durch die GmbH nichts am Umstand, dass die Lohneinkünfte
jeweils per Ende Monat fällig werden und im vorliegenden Fall die Lohnforderungen
des Steuerpflichtigen nicht gefährdet waren. Da dieser Inhaber und Geschäftsführer
der X GmbH ist, konnte er über die Art der Verbuchung selber bestimmen. Es spielt
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daher keine Rolle, ob die Lohnbezüge von jeweils Fr. 5'000.– gegen Ende des Monats
dem Kontokorrentkonto belastet oder auf eine andere Art und Weise verbucht wurden.
d) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass der Rekurs
und die Beschwerde abzuweisen sind.
4.- Dem Verfahrensausgang entsprechend hat der Rekurrent und Beschwerdeführer
die Verfahrenskosten zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP; Art. 144 Abs. 1 DBG). Da der
Rekurs und die Beschwerde in ein demselben Entscheid behandelt werden, rechtfertigt
sich eine Entscheidgebühr von gesamthaft Fr. 800.– (Art. 144 Abs. 5 DBG i.V.m. Art. 7
Ziff. 122 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Dem Rekurrenten und
Beschwerdeführer ist der Rest des Kostenvorschusses von Fr. 800.–
zurückzuerstatten.