Decision ID: 5f9afcc0-3369-4b53-a4f9-fde6fa0fa185
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973 und Mutter zweier Kinder, meldete sich im November 2004 unter Hinweis auf ein psychisches Leiden erstmals bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbe
zug an (
Urk.
9/
1
). Nach getätigten Abklärungen, namentlich nach Einholung eines medi
zinischen Gutachtens beim Zentrum
Y._
(MEDAS; Gutachten vom 13. März 2007;
Urk.
9/
20), ve
r
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. Mai
2007 den Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
9/
24). Diese Verfügung blieb unangefochten.
Nachdem die Versicherte in der Folge wieder verschiedenen Erwerbstätigkei
ten nachgegangen war und dabei zuletzt bei der
Z._
AG als Betriebsmitarbeiterin gearbeitet hatte (
Urk.
9/
39 und
Urk.
9/
52), mel
dete sie sich im Februar 2011 durch eine behandelnde Ärztin erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/
29-32). Ab dem 7. März 2011 war die Versicherte
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben, weswegen die Arbeitgeberin das Ar
be
its
verhältnis später per 31. August 2011 auflöste (vgl.
Urk.
9/
52 S. 7). Die IV-Stelle tätigte wiederum Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hin
sicht und veranlasste aber
mals eine polydisziplinäre Begutachtung durch das
Y._
(Gutachten vom 12. April
2012;
Urk.
9/
47). Gestützt auf die getä
tigten Abklärungen verfügte die IV-Stelle am 6. September 2012 die Abweisung des Leistungsbegeh
rens (
Urk.
9/
62).
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 15. September 2012 (
Urk.
9/
64) beim hiesigen Gericht Beschwerde. Mit Urteil vom 27. März 2014 (Prozess Nr. IV.2012.01065;
Urk.
9/
79) hob das hiesige Gericht die Verfügung der IV-Stelle auf und führte aus, dass der
Sachverhalt im massgeblichen Beurteilungszeitraum nicht hinlänglich erstellt sei. Es
wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese, nach ergänzenden Abklärungen, über den An
spruch der Versicherten neu verfüge.
Die IV-Stelle tätigte weitere medizinische Abklärungen und liess die Ver
sicherte durch das Zentrum
A._
polydisziplinär be
gutachten (Expertise vom 31. August 2015;
Urk.
9/
116). Nach durchge
führ
tem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
9/
120,
Urk.
9/
124) wies sie das Renten
be
geh
ren mit Verfügung vom 24. Mai 2016 (
Urk.
9/
133) ab. Das hiesige Gericht wies die dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil vom 18. Januar 2017 ab (
Urk.
9/
146).
1.2
Noch während des laufenden Beschwerdeverfahrens hatte sich die Beschwerde
führerin am 16. September 2016 (
Urk.
9/
139) unter Hinweis auf eine Verschlech
terung des Gesundheitszustands erneut zum Leistungsbezug angemeldet. Die IV-Stelle tätigte medizinische Abklärungen und veranlasste am 3. August 2017 eine polydisziplinäre Begutachtung (
Urk.
9/
166), welche durch die
B._
durchgeführt wurde (vgl. Expertise vom 12. Dezem
ber 2017;
Urk.
9/
176).
Daraufhin verneinte die IV-Stelle nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/
183, Urk. 7/187,
Urk.
9/
191) mit Verfügung vom 21. August 2018 einen Leistungsanspruch (Urk.
2/
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 21. September 2018 (Urk.
2/
1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 21. August 2018 sei aufzuheben und
e
s
sei
ihr
mindestens eine halbe Invalidenrente auszurich
ten (1.); unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7 % Mehrwert
steuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin (2.).
Die IV-Stelle schloss am 22. Oktober 2018 (Urk.
2/
6) auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Urteil vom 2
9.
November 2019 (Prozess-Nr. IV.2018.
00
815;
Urk.
2/9) wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich die Beschwerde ab. Dabei erwog es, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht ausgewie
sen sei (E.
5.3). Die von der Beschwerdeführerin dagegen erhobene
Beschwerde hiess das Bundesgericht mit Urteil 9C_66/2020 vom
9.
Juni 2020 (
Urk.
1) gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und
wies
die Sache zu neuer Entscheidung an das hiesige Gericht zurück.
Mit Gerichtsverfügung vom
3.
September 2020 (
Urk.
3) wurde den Parteien Ge
legenheit gegeben, zu den gesamten Prozessakten Stellung zu nehmen. Die Beschwerdeführerin liess sich am 1
9.
Oktober 2020 (
Urk.
7) und die Beschwerde
geg
nerin
am 1
9.
November 2020 (
Urk.
8) v
ernehmen, was den Parteien am 2
2.
Dezem
ber 2020 (
Urk.
10) angezeigt wurde.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen Grundlagen und Grundsätze betreffend den Leistungsanspruch und die Invaliditätsbemessung (Art. 28 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG) sind im vorangegangenen Gerichtsurteil umfassend wiederge
geben worden (Urk.
2/
9 E. 1.1 bis E. 1.5
). Darauf kann, mit de
n
nach
folgenden Ergänzung
en
, verwiesen werden.
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E.
2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die
gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweis
belastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 21. August 2018 (Urk.
2/
2) zusammengefasst, die vorgenommenen medizinischen Unter
su
chungen hätten in internistischer sowie rheumatologischer Sicht keine Diag
nosen ergeben. Aus psychiatrischer Sicht sei eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom erstellt. Die angegebenen Beschwerden und der grosse Leidensdruck stünden im Widerspruch zur Behandlungshäufigkeit und
–
intensi
tät
. Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine ausgeprägte Krankheits- und Inva
liditätsüberzeugung. Die im privaten Umfeld liegende
n
Faktoren könnten bei der Bestimmung eines Anspruchs keine Berücksichtigung finden. Es bestehe folglich keine langandauernde und erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 2).
2.2
Dagegen
wandte
die Beschwerdeführerin (Urk.
2/
1) im Wesentlichen ein, die Beschwerdegegnerin und der Gutachter seien bei ihrer Beurteilung von einer falschen Therapiefrequenz ausgegangen. Es müsse von einer langandauernden
und erheblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden. Mittels
des strukturierten Beweisverfahrens könne der Nachweis des funktionel
len Schwere
grads und der Konsistenz erbracht werden, weshalb auch die Teilar
beits
un
fähig
keit zu berücksichtigen sei. Aufgrund der gutachterlich bescheinigten Arbeitsun
fähig
keit von 50 % bestehe der Anspruch auf mindestens eine halbe Invaliden
rente.
2.3
Mit Rückweisungsentscheid vom
9.
Juni 2020 (
Urk.
1) hielt das Bundesgericht fest,
n
ach der letzten abweisenden Rentenverfügung vom
2
4.
Mai 2016 sei eine Veränderung im Schweregrad der depressiven Störung erfolgt. Diese gesund
heit
liche Verschlechterung betreffe einen Zeitraum von deutlich über einem Jahr, nämlich vom
6.
Juni 2016 bis im September 2017
(E
.
4.1)
,
und sei folglich zu berücksichtigen
.
Der Verlauf und Ausgang von Therapien - wie auch die im Gutachten festgestellten Inkonsist
enzen -
würden wichtige Schweregradindi
ka
toren darstellen, welche im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens ge
samthaft zu prüfen seien. Gestützt darauf sei zu klären, ob die Einschätzung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem Zeitpunkt der Begutachtung normorientiert erfolgt sei oder umgekehrt ein triftiger Grund vorliege, dass davon abgewichen werden müsse (E. 4.2).
3.
3.1
Die leistungsabweisende Verfügung vom 21. August 2018 (Urk. 2/2) basiert auf den folgenden medizinischen Unterlagen:
3.2
Im Bericht der integrierten Psychiatrie
C._
vom 26. Juli 2016 (Urk. 2/3/3) über die vom 11. bis 30. Juni 2016 dauernde
Hos
pi
talisation
hielten Oberarzt Dr. med.
D._
und Psychologin
MSc
E._
als Diagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2) fest (S. 1). Die Beschwer
deführerin sei per Fürsorgerischer Unterbringung (FU) zur Krisenintervention aufgrund einer Selbstgefährdung im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Erkrankung am 11. Juni 2016 eingetreten. Die Beschwerdeführerin habe bei Ein
tritt ein schwer depressives Zustandsbild gezeigt. Es habe eine stark ausgeprägte Antriebsminderung, Lustlosigkeit, Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit bestanden (S. 1). Sie habe Suizidgedanken bejaht und sich nicht klar von Suizid
plänen distanzieren können (S. 2). Zudem hätten seit mehreren Monaten Suizid
gedanken und -handlungen bestanden, welche die Beschwerdeführerin ihrem familiären und therapeutischen Umfeld verschwiegen habe (S. 3). Im Rahmen der Grunderkrankung und starker sozialer familiärer Belastungen habe sich die Be
schwerdeführerin während des gesamten Aufenthalts erhöht suizidal gezeigt. Hin
sichtlich der Inanspruchnahme zusätzlicher Unterstützung in Bezug auf eine Beratung zur finanziellen Situation habe sich die Beschwerdeführerin ablehnend gezeigt. Auch der Ehemann habe keine zusätzliche Unterstützung in Anspruch nehmen wollen. Trotz starker Belastung habe sich die Beschwerdeführerin im Verlauf von akuter Suizidalität distanzieren können und sich absprachefähig gezeigt, weshalb die FU habe aufgehoben werden können (S. 2).
3.3
In ihrem vom 6. Juni 2017 (Urk. 2/3/4) datierten Arztbericht zuhanden des Rechts
vertreters der Beschwerdeführerin stellten die behandelnden Ärzte, Dr. med
.
F._
, Facharzt für Allgemeinmedizin FMH, und Dr. phil.
G._
, Klinischer Psychologe und Supervisor, vom Zentrum
H._
, folgende Diag
nosen:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.2)
-
Generalisierte Angststörung (F41.1)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.40)
-
Übergewicht (BMI=28)
-
Störung durch Tabak (F17.25)
-
St. n. 3 Suizidversuchen 2011 (X61)
Sie führten aus, dass die Beschwerdeführerin im Juni 2016 einen deutlichen Suizidplan mit Medikamenten gehabt habe (S. 1). Seit Juli 2016 hätten insgesamt 15 Sitzungen im Abstand von jeweils zwei Wochen stattgefunden. Trotz einer Vielzahl von stationären, ambulanten und tagesklinischen Behandlungen sei die Depression seit 2002 progredient auf heute schwerem Niveau. Die Situation sei daher sicher therapieresistent (S. 2).
3.4
Die für das
B._
-Gutachten vom 12. Dezember 2017 (Urk. 9/176) verantwortlich zeichnenden medizinischen Fachpersonen Prof. Dr. med.
I._
, Innere Medizin FMH, Dr. med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie FMH, Mediziner
K._
, Allgemeine Innere Medizin FMH und Rheuma
tologie FMH, nannten als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9):
-
Mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom bei rezidivie
render depressiver Störung (mit mittelschweren bis schweren Episoden) (ICD-10: F33.11)
Folgenden Diagnosen massen die Gutachter keine Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit bei (S. 9):
-
St. n. chronischer Schmerzstörung mit somatischen psychischen Faktoren (F45.41)
-
Fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ICD-10: F17.1)
-
Leichte
Leukozyste
(ist im Rahmen des fortgesetzten Nikotinkonsums)
Dazu führten sie aus, die Beschwerdeführerin zeige aktuell ein depressives Be
schwerdebild mit den Hauptsymptomen einer anhaltenden depressiven Stimmung
, einer Interesse- und Freudeminderung und einer ausgeprägten Antriebsstörung. An weiteren depressiven Beschwerden seien Klagen über Konzentrations
minde
rung, psychomotorische Agitiertheit, Schlaf- und Appe
titstörungen vorhanden gewesen, so dass insgesamt eine depressive Episode von mittlerem Ausprägungs
grad zu diagnostizieren sei. Die Kriterien für das Vorlie
gen eines sog. somatischen Syndroms seien ebenfalls erfüllt. Die Ergebnisse der eingesetzten Fragebögen würden die gestellte Diagnose unterstützen. Die Diag
nosekriterien für die vor
diag
nostizierte Schmerzstörung seien nicht mehr erfüllt, da die Beschwerde
führerin Schmerzen von Relevanz nachdrücklich verneint habe (S. 9).
Die begutachtenden Fachärzte gaben weiter an, dass aus psychiatrischer Sicht gewisse Inkonsistenzen bestünden. Die Explorandin habe sehr ausgeprägte Be
schwerden und einen grossen Leidensdruck angegeben. Dazu im Kontrast stehe die Behandlungsfrequenz und -intensität. Die Behandlung sei mit 14-tägigen Kon
sultationen, die zwischen 15 und 45 Minuten dauerten und manchmal ersatz
los ausfallen würden, eher wenig intensiv. Es hätten sich auch gewisse Diskre
panzen zwischen dem geschilderten Beschwerdeausmass und dem aktuellen psychischen Befund gezeigt (S. 11).
Zur Veränderung der gesundheitlichen Situation legten die Gutachter dar, dass die Beschwerdeführerin vom 11. bis 30. Juni 2016 aufgrund einer schweren de
pressiven Episode stationär psychiatrisch hospitalisiert gewesen sei. Im Bericht des Zentrums
H._
vom 6. Juni 2017 sei die Diagnose einer damals schweren depressiven Episode angegeben worden, ohne dass explizit zur Arbeitsfähigkeit Stellung bezogen worden sei. Es sei somit davon auszugehen, dass sich der psychiatrische Gesundheitszustand vom Zeitpunkt der letzten Ver
fügung vom 24. Mai 2016 zunächst verschlechtert habe und wohl bis spätes
tens zum Gutachtenszeitpunkt eine volle Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht vorgelegen sei. Zum Gutachtenszeitpunkt präsentiere sich der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin gleich wie im Gutachten des Zentrums
A._
vom 31. August 2015 (S. 11).
Betreffend die Arbeitsfähigkeit sei aufgrund der vorliegenden Berichte davon aus
zugehen, dass von Juni 2016 bis spätestens zum Gutachtenszeitpunkt aus psy
chiatrischer Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen habe. Ab dem Gut
achtenszeitpunkt bestehe in sämtlichen Tätigkeiten auf dem ersten Arbeits
markt eine 50%ige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 12).
4
.
4
.1
Das Bundesgericht stellte in seinem Urteil vom
9.
Juni 2020 (
Urk.
1) fest, dass im Vergleich zum Verfügungszeitpunkt am 2
4.
Mai 2016 (letztmalige Leistungsab
lehnung) eine gesundheitliche Verschlechterung eingetreten ist, welche
von den
B._
-Gutachtern beweiskräftig festgestellt worden ist, und
den Zeitraum vom
6.
Juni 2016 bis September 2017 betrifft
(E. 3.3
)
.
4
.2
Damit ist vom
6.
Juni 2016 bis September 2017 von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Im höchstrichterlich als beweiskräftig befundenen
B._
-Gutachten legten die Ärzte dar, dass die Be
schwerdeführerin vom 1
1.
bis 3
0.
Juni 2016 aufgrund einer schweren depressiven Episo
de hospitalisiert worden war und attestierten eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit in jeglicher Tätigkeit. Ab dem Zeitpunkt der Begutachtung im September 2017 attestierten die Ärzte wiederum eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Hiervon ist auszugehen.
5
.
5
.
1
Sodann trug das Bundesgericht dem hiesigen Gericht auf, die Schweregrad
indika
toren Verlauf und Ausgang von Therapien - wie auch die im
B._
-Gutachten festgestellten Inkonsistenzen - im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens gesamthaft zu prüfen.
5
.2
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Die Frage der Notwendigkeit in diesem Sinne beurteilt sich nach dem konkre
ten Beweis
bedarf. Sie fehlt ganz allgemein in Fällen, die sich durch die Erhebung prägnan
ter Befunde und übereinstimmende fachärztliche Einschätzungen hin
sichtlich Diagnose und funktioneller Auswirkungen im Rahmen beweiswertiger Arztbe
richte und Gutachten
auszeichnen (BGE 143 V 418 E. 7.1).
Für die Periode der attestierten vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit vom
6.
Juni 2016 bis September 2017 ergibt sich bereits aus dem Schweregrad der Erkran
kung, dass
der Beschwerdeführerin die Ausübung einer Arbeitstätigkeit nicht möglich war. Sie litt in dieser Periode an einer schweren depressiven Störung
samt Suizidgedanken und auch -handlungen (
Urk.
2/3/3 S. 3) und musste
zu Be
ginn
mittels fürsorgerischen Freiheitsentzuges hospitalisiert werden.
Die fürsor
gerische Unterbringung konnte aufgehoben werden, nachdem sich die Beschwer
de
führerin von ak
ut
er Suizidalität distanziert hatte, die starke Belastung hielt indes an (
Urk.
2/3/3 S. 2 unten).
Dass der Beschwerdeführerin beim geschilderten Gesundheitszustand keine Arbeitstätigkeit möglich war, liegt auf der Hand. Die funktionellen Auswirkungen
waren nach der Schilderung der Ärzte derart gravierend, dass
an
eine Arbeits
tätigkeit nicht zu denken war.
5
.3
Für die Periode ab September 2017, als es zu einer Verbesserung des Gesund
heitszustandes kam, ergibt sich Folgendes:
5
.3.1
Was den Komplex «Gesundheitsschädigung» respektive den Indikator der «Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde» angeht, ist festzuhalten, dass nur dort, wo bereits in den Diagnosekriterien ein Bezug zum Schweregrad gefordert wird, ein solcher nicht erreichter Schweregrad gegebenenfalls bereits den Ausschluss einer krankheitswertigen Störung erlauben würde. Verallgemeinert auf sämtliche psychische Diagnosen angewendet, greift diese Auffassung jedoch zu kurz. Fehlt in der Diagnose die Schweregradbezogenheit, zeigt sich die Schwere der Störung in ihrer rechtlichen Relevanz erst bei deren funktionellen Auswirkungen (vorge
nannter BGE 143 V 418 E. 5.2.2).
Die Beschwerdeführerin leidet nach Aussagen
der Gutachter an einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syn
drom bei einer rezidivierenden depressiven Störung mit 50%iger Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. In Bezug auf den funktionellen Schweregrad erweist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde damit als mittelgradig ausgeprägt.
Das Beschwerdebild ebenfalls mitprägende psychosoziale und soziokulturelle Be
lastungsfaktoren sind, soweit sie unmittelbar die Symptomatik beeinflussen, als
nicht invalidisierende und damit nicht versicherte Umstände auszuscheiden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_549/2015 vom 29. Januar 2016 E. 4.3). Dr.
J._
nannte in ihrem psychiatrischen Teilgutachten (
Urk.
9/
176/26-47) als psychosoziale Faktoren, welche die Symptomatik der Depression beeinflussten, die länger bestehenden Eheschwierigkeiten mit aktuellen Trennungsabsichten, die längere Arbeitslosigkeit des Ehemannes, die Abhängigkeit vom Sozialamt und Geldsorgen, die eigene längere Abwesenheit vom Arbeitsprozess, eine fehlende Ausbildung und die wenigen und eher negativen beruflichen Vorerfahrungen
(S.
9 f
f
.)
.
Psychosoziale Faktoren, welche rechtlich keine Invalidität zu begründen vermögen, sind somit vorhanden,
doch zieht sich das vorliegende psychische Krankheitsbild der Beschwerdeführerin
nun schon seit Jahren hin. Bereits im Gut
achten des
A._
vom 31. August 2015 (
Urk.
9/
116
)
war
die Diagnose einer mittel
gradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom bei einer rezidivieren
den depressiven Störung gestellt
worden
. Die
Symptomatik erschöpft sich nicht in den psychosozialen Belastungsfaktoren, sondern
ist
als eigenständiges
psy
chisches Leiden mit Krankheitswert zu
fassen,
wenn
auch diese Auslöser der Krankheit gewesen sein sollten
.
5
.3.2
Bezüglich des Indikators «Behandlungs- und Eingliederungserfolg resp. –
resi
stenz
» ist zu bemerken, dass sich die Beschwerdeführerin bereits in stationäre Behand
lung begab, nach welcher sich ihr Zustandsbild jeweils verbesserte.
Sie ist in den vergangenen Jahren somit sowohl stationär als auch ambulant behandelt worden.
Des Weiteren
ist sie auch psychopharmakologisch, psychotherapeutisch und mit Elektrokrampftherapie behandelt worden,
wobei
sie anlässlich der Begutachtung alle therapeutischen Bemühungen al
s
letztlich nicht erfolgreich bewertet
e
. Laut
den Laborergebnissen
nimmt sie ihre verordneten Psychopharmaka
in ausrei
chen
dem Masse
ein. Eingliederungsmassnahmen haben bisher nicht stattgefunden (
Urk.
9/
176/45).
5
.3.3
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be
deutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 V 418 E. 8.1). Vorliegend sind keine somatischen Gesundheitsschäden ausgewiesen, welche als Komorbiditäten
zu berücksichtigen wären.
Die Beschwerdeführerin hat diesbezüglich selbst an
gegeben, körperlich keine grossen Probleme zu haben (
Urk.
9/
176/39).
5
.3.4
Bei den Komplexen «Persönlichkeit» und «sozialer Kontext» ergibt sich Folgendes: Die Beschwerdeführerin scheint zufriedenstellend familiär integriert zu sein, auch wenn sie zum Zeitpunkt der Begutachtung mit Scheidungsabsichten beschäftigt war
und von ihrem Ehemann auch schon geschlagen wurde
. Sie lebte aber noch mit ihrem Ehemann zusammen. Sie hat einen engen Kontakt zu ihren beiden Töchtern, wobei die jüngere noch bei ihr in der ehelichen Wohnung gelebt hat. Die ältere Tochter wohnt mit ihrem Mann in der Nähe und es besteht ein gegen
seitiger Besuchskontakt. Darüber hinaus sind auch die Eltern der Beschwer
deführerin in der Nähe wohnhaft und es besteht ein wöchentlicher Besuchskon
takt. Zu ihren zwei in
L._
lebenden Brüdern und anderen Verwandten hat die Beschwerdeführerin ein prinzipiell gutes Verhältnis, auch wenn sie sich eher selten gegenseitig besuchen.
S
ie
ist
im Allgemeinen sprachlich und kulturell gut integriert (
Urk.
9/
176/10).
Die Beschwerdeführerin steht jeweils irgendwann am Vormittag auf, rauch
t
eine Zigarette und trink
t
einen Kaffee,
nimmt
ihre Medi
kamente und legt sich dann wieder hin. Wenn sie gegen Mittag aufsteht, fällt es ihr schwer zu duschen und sich anzuziehen. Sie versucht dann
etwas im Haushalt zu erledigen,
hat aber nicht die Kraft viel zu machen und lässt die Arbeit an gewissen Tagen auch liegen. Die nicht erledigten Hausarbeiten werden dann vom Ehemann oder der Tochter gemacht. Manchmal geht die Beschwerdeführerin aus der Wohnung raus, aber nur schnell um Brot oder etwas Kleines zu kaufen. Zum Zeitvertreib schaut sie TV. Zeitungen oder Bücher liest sie nicht, da sie dafür keine Geduld und kein Interesse hat. Sie isst zu unregelmässigen Zeiten, was von ihrem Appetit abhängig ist. Manchmal isst sie auch nur am Abend etwas, wenn ihr Mann eine Mahlzeit zubereitet hat. Ab ca. 21.30 Uhr nimmt sie ihre Tabletten ein und geht ca. eine halbe Stunde später schlafen (
Urk.
9/
176/38). Hinsichtlich ihrer Persönlichkeit bestehen bei der Beschwerdeführerin keine auffallenden Per
sönlichkeitsakzentuierungen oder -störungen im klinischen Sinn. Gemäss
B._
-Gutachten wirkt sie in ihrer Persönlichkeitsstruktur lediglich ein wenig unreif und kindlich, daher wenig reflektier
t
und differenziert (
Urk.
9/
176/10).
Im Ergebnis verfügt d
ie Beschwerdeführerin zwar über soziale Ressourcen, ist jedoch nur be
schränkt fähig
,
einen Tagesablauf zu bewältigen. Es sind keine limitierenden Persönlichkeitsmerkmale, jedoch ein gewisser sozialer Rückzug erkennbar. Als Ressource ist die enge und im Alltag unterstützende Beziehung zu den Töchtern und ihren Eltern anzusehen.
5
.3.5
In der Kategorie «Konsistenz» zielt der Indikator «gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen» auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (beziehungsweise bei Nichterwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebens
bereichen (z.B. Freizeitgestaltung) anderseits gleich ausgeprägt ist, wobei das Aktivitätsniveau der versicherten Person stets im Verhältnis zur geltend ge
machten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Gemäss oben geschil
dertem Tagesablauf kann auf eine gewisse Beschränkung geschlossen werden, was
auch von den Gutachtern festgestellt wurde. Die Beschwerdeführerin verfügt zwar über eine Fahrerlaubnis, ist
jedoch
aufgrund ihrer schlechten Konzentration schon lange nicht mehr Auto gefahren. Sie ist gläubige Muslimin, geht aber praktisch nie in die Moschee. Vor zwei
oder
drei Jahren ist sie das letzte Mal in Mazedonien gewesen, als damals die Hochzeit ihrer älteren Tochter stattgefunden hat. Ansonsten ist sie schon länger nicht mehr in den Ferien gewesen (
Urk.
9/
176/37).
5
.3.6
Der in die gleiche Kategorie (
„
Konsistenz") fallende Aspekt des behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdrucks betrifft die Frage nach der Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen. Das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergän
zend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
resistenz
) im Regelfall auf den tatsächlichen Leidensdruck hin
(Urteil des Bundesgerichts 9C_539/2015 vom 21. März 2016 E. 4.5). Die
B._
-Gutachter hielten diesbezüg
lich fest, die Beschwerdeführerin habe sehr ausgeprägte Beschwerde
n
und einen
grossen
Leidensdruck angegeben. Dazu im Kontrast steht jedoch die Behand
lungs
frequenz und -intensität. Die Behandlungen waren mit 14-tägigen Konsul
tationen, welche zwischen 15 und 45 Minuten dauern und manchmal ersatzlos aufgrund Absagen durch die Beschwerdeführerin ausgefallen sind, wenig inten
siv. Im Zeitraum von Juli 2016 bis Juni 2017 haben 15 Konsultationen stattge
funden, somit etwas mehr als einmal monatlich. Im Rahmen der Begutachtung haben sich zudem gewisse Diskrepanzen zwischen dem geschilderten
Beschwer
de
ausmass
und dem aktuellen psychischen Befund gezeigt (
Urk.
9/
176/44).
Die Beschwerdeführerin hat damit für sie sehr wichtige Therapiemassnahmen nicht voll
ständig
genutzt. In Anbetracht der bereits durchgeführten stationären sowie ambulanten psychiatrischen Behandlungen, ist insgesamt behandlungs- und ein
gliederungsanamnestisch von einem mittleren Leidensdruck auszugehen.
5
.3.
7
Bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren ist – überein
stimmend mit den Gutachtern - eine medizinisch-gesundheitliche Anspruchs
grund
lage, welche zur Anerkennung einer aus psychischen Gründen eingeschrän
kten Arbeitsfähigkeit
von 50
%
in angestammter sowie angepasster Tätigkeit führt, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.
Die Mehrzahl der Indi
ka
toren
sprechen für eine Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit, auch wenn diese nicht in besonderem Ausmass vorhanden sind. Die geschilderten Inkonsistenzen bestehen lediglich im Rahmen der nicht sehr intensiven Behand
lung, welche die Beschwerdeführerin indes als wenig hilfreich erlebt. Eine abwei
chende Einschätzung käme einer unzulässigen Parallelüberprüfung gleich (BGE 144 V 50
E.
4.3)
.
5
.4
Gestützt auf das beweiskräftige und nachvollziehbare
B._
-Gutachten und die übrigen Arztberichte
ist nach dem Gesagten
eine medizinisch-gesundheitliche An
spruchsgrundlage, welche zur Anerkennung einer vom
1.
Juni
2016
bis
September
2017 bestehenden 100%igen und seither 50%igen Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit aus psychischer Sicht führt, mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen.
6
.
Bei dieser Ausgangslage stehen Rentenleistungen ab
1.
Juni 2017 im Raum. Das Wartejahr
gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG
begann im Juni 2016, als eine voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde und diese auch in rechtlicher Hinsicht relevant war. Vorgängig
war
der
attestierte
n
Arbeitsunfähigkeit
von
50
%
- aufgrund der damals anwendbaren Rechtsprechung - eine invalidisierende Wirkung abgesprochen
worden
, da, o
bwohl eine
depressive Symptomatik vorl
ag
, lediglich
eine
mittelschwere Störung und
k
eine konsequente Depressionstherapie
vorlag (
Urk.
9/
146 E. 5.4)
.
Damit war die Arbeitsunfähigkeit rechtlich nicht von Relevanz. Dies wurde sie erst bei Eintritt der vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit im Juni 2016, als der Schweregrad sich derart entwickelt hatte, dass ihr die Ausübung einer Arbeitstätigkeit objektiv nicht mehr zumutbar war. Bei Ablauf des Wartejahres im Juni 2017 lag auch die Anmeldung zum Leistungsbezug (September 2016) mehr als sechs Monate zurück
(
Art.
29
Abs.
1 IVG).
7
.
7
.1
Bei vollständiger Arbeitsunfähigkeit resultiert ein Invaliditätsgrad von 100
%
. Für
die
Zeit ab September 2017 und der 50%igen Arbeitsfähigkeit ergibt sich folgender Einkommensvergleich.
7
.2
Die Beschwerdeführerin arbeitete
vor ihrer Erkrankung
zuletzt bis 31. August
2011 als Betriebsmitarbeiterin
bei der
Z._
AG. Die Arbeit
geberin bestätigte am
1
3.
Juni
2012 ein Einkommen als Gesunde von Fr.
45'175.--. Ausgehend davon, dass die Beschwerdeführerin bei intakter Ge
sund
heit nach wie vor in diesem Betrieb tätig wäre, ergibt sich unter Berücksich
tigung der Nominallohnentwicklung bis ins massgebende Jahr 2017 (Index 102.0 auf Index 106.2, Nominallohnindex Frauen 2011-2018, Bundesamt für Statistik, Tabelle T1.2.10,
Ziff.
10-33 verarbeitendes Gewerbe) ein
Valideneinkommen
von
Fr.
47'598.--.
Es ist nicht erkennbar, aus welchen Gründen die Beschwerde
füh
rerin bei intakter Gesundheit nicht mehr an diesem Ort arbeiten sollte. Der lange Zeitablauf allein ist jedenfalls kein Argument (
Urk.
7 S. 3).
7
.
3
Für die Beschwerdeführerin kommen
einfache
Tätigkeiten
körperlicher oder handwerklicher Art in Frage. Dabei resultiert nach den Tabellenlöhnen des Bun
desamtes für Statistik im Jahr 2014 (aktuellste Werte im Zeitpunkt der Verfügung) für Frauen ein Einkommen von
Fr.
4‘300.-- (LSE 2014 Tabelle TA1). Angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Betriebsüb
liche Arbeitszeit nach Wirtschaftszweigen, Bundesamt für Statistik, Tabelle T03.02.03.01.04.01) sowie an die Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2017 (Index 103.3 auf Index 105.4, Total) ergibt sich beim noch möglichen Pensum von 50
%
ein Invalideneinkommen von
Fr.
27‘444
.--.
Für einen Abzug vom Tabellenlohn bestehen keine Gründe, ist die Beschwerdeführerin
doch
in sämt
lichen Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt einsetzbar
(
Urk.
9/
176/12)
und wirkt sich d
ie noch mögliche Teilzeitarbeit der Beschwerdeführerin eher lohner
höhend aus (LSE 2014, Monatlicher Bruttolohn nach Beschäftigungsgrad, beruf
licher Stellung und Geschlecht).
7
.4
Angesichts des massiv unterdurchschnittlichen
Valideneinkommens
ist dieses zu parallelisieren und auf 95
%
des Tabellenlohnes für Hilfsarbeiterinnentätigkeiten anzuheben (
BGE 135 V 297 E. 6.1.2
). Dem
Valideneinkommen
von
Fr.
52'143.--(95
%
von
Fr.
54'887.--) steht ein Invalid
en
einkommen von
Fr.
27'444.-- gegenüber, was einem Invaliditätsgrad von 47
%
entspricht.
7
.5
Die Beschwerdeführerin hat nach dem Gesagten vom 1. Juni bis 31. Dezember 2017 (Zeitpunkt Verbesserung plus drei Monate,
Art. 88a Abs. 1 IVV
) Anspruch auf eine ganze und ab 1. Januar 2018 Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Inva
liden
ver
siche
rung. Die Beschwerde ist demnach teilweise gutzuheissen.
8
.
8
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), auf Fr. 800.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
8
.2
Aufgrund ihres
teilweisen
Obsiegens steht der anwaltlich vertretenen Beschwer
deführerin gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG und § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) eine Parteientschädigung zu. Diese wird ohne Rück
sicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
) und ist ermessensweise auf Fr.
2’3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen.