Decision ID: 3622a985-8d7e-4ae8-ae8e-3797a97d58c6
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Horgen vom 17. Juni 2021 (EE200068-F)
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Rechtsbegehren: (vgl. Urk. 92 S. 2 ff.)
Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Horgen vom 17. Juni 2021: (Urk. 92 S. 77 ff.)
1. Der Antrag der Gesuchstellerin auf Verpflichtung des Gesuchsgegners zur
Leistung eines Prozesskostenbeitrages wird abgewiesen.
2. Der Antrag des Gesuchsgegners auf Verpflichtung der Gesuchstellerin zur
Leistung eines Prozesskostenbeitrages wird abgewiesen.
3. Den Parteien wird das Getrenntleben bewilligt. Es wird vorgemerkt, dass die
Parteien seit dem 31. Juli 2020 getrennt leben.
4. Die Tochter, C._, geboren am tt.mm.2019, wird unter der gemeinsamen
elterlichen Sorge der Parteien belassen.
5. Die Tochter, C._, geboren am tt.mm.2019, wird unter die Obhut des
Gesuchsgegners gestellt.
6. Die Gesuchstellerin wird berechtigt und verpflichtet, die Tochter C._,
geboren am tt.mm.2019, wie folgt zu besuchen resp. zu sich oder mit sich
auf Besuch zu nehmen:
1. Phase: Ab Erlass dieser Verfügung begleitet an einem Tag pro
Woche nach Massgabe der Beistandsperson, jedoch je-
weils mindestens für drei Stunden. Die begleiteten Besuche
finden entweder via den D._, E._ [Strasse] ...,
F._ oder das G._ (G'._), H._ [Strasse]
..., F._, statt. Die Parteien werden verpflichtet, die
Kosten für die begleiteten Besuche je zur Hälfte zu tragen.
2. Phase: Sobald das Kindeswohl keine Begleitung mehr erfordert
unbegleitet an drei von vier aufeinander folgenden Wo-
chenenden jeweils von Freitag, 13.00 Uhr bis Sonntag,
15.00 Uhr. Die Gesuchstellerin holt C._ jeweils am
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Freitag vor dem Besuchswochenende in F._ beim Ge-
suchsgegner ab und der Gesuchsgegner holt C._ je-
weils am Sonntag des Besuchswochenendes in L._
bei der Gesuchstellerin ab. Jede Partei übernimmt die Kos-
ten für das Abholen der Tochter (inkl. Fahrtkosten für die
Tochter) selbst.
7. Die durch das hiesige Gericht mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 für die
Tochter errichtete Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB
wird weitergeführt. Die Aufgaben der Beistandsperson werden wie folgt an-
gepasst:
− Überwachung und Begleitung des Besuchsrechts gemäss  6 (begleitetes und unbegleitetes Besuchsrecht) sowie Festlegung der jeweiligen Modalitäten, insbesondere raschmöglichste Organisation der begleiteten Besuchskontakte sowie Bestimmung des Zeitpunkts des Übergangs von der ersten Phase der begleiteten Besuchskontakte zur zweiten Phase der unbegleiteten Betreuung durch die , sobald die Begleitung durch eine Fachperson mit Blick auf das Kindeswohl nicht mehr erforderlich erscheint;
− bei Bedarf Anpassung der Übergabemodalitäten in der zweiten Phase;
− Unterstützung der Eltern mit Rat und Tat die Kinderbelange betreffend;
− Vermittlung zwischen den Eltern bei Konflikten die Kinderbelange ;
− Förderung der Kommunikationsfähigkeit der Eltern in Bezug auf die Kinderbelange, z.B. durch Moderation von gemeinsamen Gesprächen mit den Eltern;
− Aufbewahrung der Ausweisschriften der Tochter.
8. Das Tribunal de protection de l'adulte et de l'enfant, F._, wird mit dem
Vollzug der Anpassung der Aufgaben der Beistandsperson gemäss Ziffer 7
beauftragt.
9. Beiden Parteien wird es verboten, mit der Tochter C._, geboren am
tt.mm.2019, aus der Schweiz auszureisen, die Tochter anderweitig ins Aus-
land zu verbringen oder verbringen zu lassen.
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Im Falle der Widerhandlung gegen das vorstehende Verbot wird die Bestra-
fung mit Busse bis zu CHF 10'000.– wegen Ungehorsams gegen amtliche
Verfügungen nach Art. 292 StGB angedroht.
Art. 292 StGB lautet wie folgt: Wer der von einer zuständigen Behörde oder einem  Beamten unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn  Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft.
10. Die Kantonspolizei Zürich wird im Sinne von Art. 15 Abs. 1 lit. i des Bundes-
gesetzes über die polizeilichen Informationssysteme des Bundes in Verbin-
dung mit Art. 4 Abs. 1 lit. f der Verordnung über das automatisierte Polizei-
fahndungssystem angewiesen, dem Bundesamt für Polizei (fedpol) Aus-
schreibungen im Sinne vorstehender Dispositivziffer 9 für die Eingabe in das
automatisierte Polizeifahndungssystem (RIPOL) und in das Schengener In-
formationssystem (SIS) zu melden.
11. Auf den Antrag des Gesuchsgegners auf Genehmigung eines Aufenthalts-
und Wohnsitzwechsels von C._ wird nicht eingetreten.
12. Es werden keine Unterhaltsbeiträge für C._ zugesprochen.
Es wird festgestellt, dass der gebührende Bedarf von C._ nicht gedeckt
ist. Derzeit fehlt monatlich ein Betrag von Fr. 1'257.55 (Fr. 826.55 Bar- und
Fr. 431.– Betreuungsunterhalt), ab November 2021 monatlich ein Betrag von
Fr. 599.– (Barunterhalt).
13. Es werden keine Unterhaltsbeiträge für die Gesuchstellerin persönlich zuge-
sprochen.
14. Im Übrigen werden die Anträge der Parteien abgewiesen.
15. Die Entscheidgebühr (Pauschalgebühr) wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'680.– Dolmetscherkosten
Fr. 6'680.– Total
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16. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch zufolge
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die
Gerichtskasse genommen. Eine Nachforderung im Sinne von Art. 123 ZPO
bleibt vorbehalten.
17. Die Parteientschädigungen werden wettgeschlagen.
18. [Schriftliche Mitteilung]
19. [Rechtmittel]
Berufungsanträge zur Erstberufung:
des Gesuchsgegners, Erstberufungsklägers und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 91 S. 2 ff.):
"1. Es sei die Urteilsdispositiv-Ziffer 4 des Urteils und der Verfügung vom 17. Juni 2021 des Bezirksgerichts Horgen im Verfahren mit der Geschäfts-Nr. EE200068 aufzuheben und, wie folgt, zu :
"4. Die Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, wird  die alleinige Sorge des Gesuchsgegners gestellt."
2. Es sei die Urteilsdispositiv-Ziffer 6 des Urteils und der Verfügung vom 17. Juni 2021 des Bezirksgerichts Horgen im Verfahren mit der Geschäfts-Nr. EE200068 aufzuheben und, wie folgt, zu :
"6. Die Gesuchstellerin wird berechtigt und verpflichtet, die Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, wie folgt zu besuchen resp. zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
1. Phase: Ab Erlass dieser Verfügung nach Massgaben
der Beistandsperson begleitet an einem Tag mindestens alle zwei Wochen und jeweils mindestens für eine . Die begleiteten Besuche finden entweder via den D._, E._ ..., F._ oder das G._ (G'._), H._ ..., F._, statt. Die  wird verpflichtet, die Kosten für die begleiteten  vollständig zu tragen.
2. Phase: Sobald das Kindeswohl keine Begleitung mehr erfordert jedoch frühestens ab Januar 2022 unbegleitet
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an einem Tag pro Woche, jeweils am Samstag von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr, davon ausgenommen sind sechs Wochen pro Jahr, währenddem der  mit C._ Ferien verbringt. Die Gesuchstellerin holt C._ in F._ beim Gesuchsgegner ab und bringt sie am Abend wieder dorthin zurück. Die Kosten für die Ausübung des Besuchsrechts inkl. für das  und Bringen der Tochter übernimmt die .
3. Phase: Sobald das Kindeswohl eine Übernachtung
zulässt, jedoch frühestens ab dem C._ sechs Jahre alt ist, an jedem zweiten Wochenende jeweils von , 16:00 Uhr bis Sonntag, 18:00 Uhr. Die  holt C._ jeweils am Freitag in F._ beim Gesuchsgegner ab und bringt sie am Sonntag zurück zum Gesuchsgegner nach F._. Die Kosten für die Ausübung des Besuchsrechts inkl. für das Abholen und Bringen der Tochter (inkl. Fahrtkosten für die Tochter) übernimmt die Gesuchstellerin."
3. Es sei die Urteilsdispositiv-Ziffer 9 des Urteils und der Verfügung vom 17. Juni 2021 des Bezirksgerichts Horgen im Verfahren mit der Geschäfts-Nr. EE200068 aufzuheben und, wie folgt, zu :
"9.1 Der Gesuchstellerin wird es verboten, mit der Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, aus der Schweiz auszureisen, die Tochter anderweitig ins Ausland zu verbringen oder verbringen zu lassen.
Im Falle der Widerhandlung gegen das vorstehende
Verbot wird die Bestrafung mit Busse bis zu CHF 10'000.– wegen Ungehorsams gegen amtliche  nach Art. 292 StGB angedroht.
Art. 292 StGB lautet, wie folgt: Wer der von einer  Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn erlassene Verfügung nicht Folge leistet, wird mit Busse bestraft.
9.2 Es wird mit sofortiger Wirkung das gegenüber dem Ge-
suchsgegner mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 ausgesprochene Verbot (Dispositiv-Ziffer 4), mit der Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, aus der Schweiz auszureisen, die Tochter anderweitig ins Aus-
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land zu verbringen oder verbringen zu lassen, .
Eventualiter:
9.2 Es wird mit sofortiger Wirkung das gegenüber dem Ge-
suchsgegner mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 ausgesprochene Verbot (Dispositiv-Ziffer 4), mit der Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, aus der Schweiz auszureisen, die Tochter anderweitig ins  zu verbringen oder verbringen zu lassen, in Bezug auf Frankreich aufgehoben und nur für andere Länder aufrechterhalten."
4. Es sei die Urteilsdispositiv-Ziffer 10 des Urteils und der Verfügung vom 17. Juni 2021 des Bezirksgerichts Horgen im Verfahren mit der Geschäfts-Nr. EE200068 aufzuheben und, wie folgt, zu :
"10.1 Die Kantonspolizei Zürich wird im Sinne von Art. 15 Abs. 1 lit. i des Bundesgesetzes über die polizeilichen Informationssysteme des Bundes in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. f der Verordnung über das  Polizeifahndungssystem angewiesen, dem  für Polizei (fedpol) die Ausschreibung im Sinne  Dispositivziffer 9.1 für die Eingabe in das  Polizeifahndungssystem (RIPOL) und in das Schengener Informationssystem (SIS) zu melden.
10.2 Die Kantonspolizei Zürich wird im Sinne von Art. 15
Abs. 1 lit. i des Bundesgesetzes über die polizeilichen Informationssysteme des Bundes in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. f der Verordnung über das  Polizeifahndungssystem angewiesen, dem  für Polizei (fedpol) die Ausschreibung im Sinne  Dispositivziffer 9.2 für die Eingabe in das  Polizeifahndungssystem (RIPOL) und in das Schengener Informationssystem (SIS) zu löschen."
5. Eventualiter für den Fall, dass das Gericht die Rechtsbegehren Ziffer 3 und 4 nicht antragsgemäss gutheisst sei das Urteil und die Verfügung des Bezirksgerichts Horgen vom 17. Juni 2021 im Verfahren mit der Geschäfts-Nr. EE200068 um eine weitere -Ziffer, wie folgt, zu ergänzen:
"xx. Die bei der KESB F._ hinterlegten Ausweisschriften von der Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, sind dem Gesuchsgegner zurückzugeben."
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6. Bei Gutheissung vorstehender Rechtsbegehren 3 und 4 oder 5 sei der letzte Aufzählungspunkt des Aufgabenbereichs der  ("Aufbewahrung der Ausweisschriften der Tochter.") gemäss Urteilsdispositiv-Ziffer 7 des Urteils und der Verfügung vom 17. Juni 2021 des Bezirksgerichts Horgen im Verfahren mit der Geschäfts-Nr. EE200068 ersatzlos zu streichen und die  bzw. die KESB F._ anzuweisen, die  von der Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, dem  zurückzugeben.
7. Es sei die Urteilsdispositiv-Ziffer 12 des Urteils und der Verfügung vom 17. Juni 2021 des Bezirksgerichts Horgen im Verfahren mit der Geschäfts-Nr. EE200068 aufzuheben und, wie folgt, zu :
"12. Bis November 2021 werden keine Unterhaltsbeiträge für C._ zugesprochen.
Es sei die Gesuchstellerin zu verpflichten, ab November
2021 dem Gesuchsgegner monatlich mind. CHF 500.– (im Voraus zahlbar) zzgl. Kinderzulage an den Unterhalt von C._, geboren am tt.mm.2019, zu bezahlen.
Es wird festgestellt, dass der gebührende Bedarf von
C._ nicht gedeckt ist. Derzeit fehlt monatlich ein  von CHF 1'885.75, (CHF 1'015.- Bar- und CHF 870.75 Betreuungsunterhalt), ab November 2021  ein Betrag von CHF 1'385.75 (CHF 515.– Bar- und CHF 870.75 Betreuungsunterhalt)."
8. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten der Gesuchstellerin und Berufungsbeklagten."
Prozessuale Anträge (Urk. 91 S. 6 f.):
"1. Es seien die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens beim  Horgen (Geschäfts-Nr. EE200068) beizuziehen;
2. Es sei der Vollzug der Urteilsdispositiv-Ziffer 6 des  Horgen vom 17. Juni 2021 aufzuschieben und das gemäss vorstehender Ziffer 2 beantragte und abzuändernde Besuchsrecht im Sinne einer vorsorglichen Massnahme bereits für die Dauer des vorliegenden Verfahrens anzuordnen;
3. Es sei die Gesuchstellerin und Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Gesuchsgegner und Berufungskläger einen  für das vorliegende Verfahren in der Höhe von CHF 5'000.– zu bezahlen;
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4. Eventualiter sei dem Gesuchsgegner und Berufungskläger im  der Abweisung vorstehender Ziffer 3 für das vorliegende  die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und ihm in der Person von Rechtsanwältin X._, I._ AG, eine  Rechtsbeiständin zu bestellen."
Ergänzender prozessualer Antrag vom 28. Oktober 2021 (Urk. 123 S. 3):
"Es seien die Akten der Kindesschutzbehörde in F._ (Services de protection des mineurs) über die Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, beizuziehen."
der Gesuchstellerin, Erstberufungsbeklagten und Zweitberufungsklägerin (Urk. 122 S. 2, sinngemäss):
Die Berufung des Gesuchsgegners, Erstberufungsklägers und  sei vollumfänglich abzuweisen.
Berufungsanträge der Zweitberufung:
der Gesuchstellerin, Erstberufungsbeklagten und Zweitberufungsklägerin (Urk. 113/91B S. 3 f.; vgl. auch Urk. 113/91A S. 2):
"1. Das Urteil und die Verfügung des Bezirksgerichts Horgen vom 17. Juni 2021 im Verfahren EE200068-F/UB/EB sei(en)  die Ziffern 3, 5, 6 und 12 teilweise aufzuheben;
2. Den Parteien sei das Getrenntleben zu bewilligen und der  Haushalt per 10. August 2020 aufzuheben;
3. Für die Dauer der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts sei C._, geb. tt.mm.2019, nach einer kurzen Übergangsphase unter die alleinige Obhut der Berufungsführerin zu stellen und der Wohnsitz bei ihr festzusetzen;
4. Eventualiter: C._, geb. tt.mm.2019, sei für die Dauer der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts unter die gemeinsame Obhut (alternierende Obhut) der Parteien zu stellen und der Wohnsitz bei der Berufungsführerin festzusetzen;
5. [Der] Berufungsbeklagte sei zu berechtigen und zu verpflichten, seine Tochter C._, geb. tt.mm.2019, nach einer kurzen Übergangsphase jedes zweite Wochenende von Freitag, 18.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr, zu sich auf Besuch zu nehmen;
6. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, der Berufungsführerin zugunsten von C._, geb. tt.mm.2021 [recte: 2019], für die Dauer der Aufhebung des gemeinsamen Haushalts einen  im Voraus zu bezahlenden Unterhaltsbeitrag von CHF 4'300.00 zu bezahlen;
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7. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten der Berufungsführerin einen monatlich und im Voraus geschuldeten ehelichen  in der Höhe von mindestens CHF 1'000.00 zu ;
8. Eventualiter: Im Falle einer gemeinsamen Obhut sei der  zu verpflichten, der Berufungsführerin einen  im Voraus zu bezahlenden ehelichen Unterhaltsbeitrag von mindestens CHF 1'000.00 zu bezahlen
9. Es sei ein Erziehungsfähigkeitsgutachten zum Berufungsgegner zu erstellen, mit speziellem Fokus auf dessen Bindungstoleranz;
10. Der Berufungsführerin sei im vorliegenden Berufungsverfahren das Recht auf unentgeltliche Rechtspflege zu erteilen und der  Rechtsanwalt sei der Berufungsführerin als  Anwalt beizuordnen;
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Ergänzender Antrag vom 15. Juli 2022 (Urk. 174):
"Es sei eine Mediation zwischen den Parteien anzuordnen."
des Gesuchsgegners, Erstberufungsklägers und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 123 S. 2):
"1. Es sei die Berufung der Gesuchstellerin, Erstberufungsbeklagten und Zweitberufungsklägerin vom 26. Juli 2021 vollumfänglich , soweit darauf einzutreten ist;
2. Es sei die Berufung des Gesuchsgegners, Erstberufungsklägers und Zweitberufungsbeklagten vom 26. Juli 2021 antragsgemäss gutzuheissen und das Urteil und die Verfügung vom 17. Juni 2021 des Bezirksgerichts Horgen mit der Geschäfts-Nr. EE200068 in diesem Sinne aufzuheben und die Dispositiv-Ziffern  zu ersetzen;
3. Es sei eine Vor-Ort-Abklärung über die Wohnsituation der , Erstberufungsbeklagten und Zweitberufungsklägerin durchzuführen, um zu überprüfen, ob eine kindsgerechte  besteht;
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zu Lasten der Gesuchstellerin, Erstberufungsbeklagten und ."
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Erwägungen:
I.
1. Die Gesuchstellerin, Erstberufungsbeklagte und Zweitberufungsklägerin
(fortan Gesuchstellerin) und der Gesuchsgegner, Erstberufungskläger und Zweit-
berufungsbeklagte (fortan Gesuchsgegner) haben am tt.mm.2019 in J._ ge-
heiratet. Sie sind die Eltern der gemeinsamen Tochter C._, geboren am
tt.mm.2019. Die Gesuchstellerin hat zudem eine Tochter aus früherer Ehe,
K._, geboren am tt.mm.2011, welche unter ihrer Obhut steht.
2. Die Gesuchstellerin gelangte am 2. Oktober 2020 an die Vorinstanz und er-
suchte um Anordnung von Eheschutzmassnahmen (Urk. 1). Der weitere Prozess-
verlauf vor Vorinstanz kann dem angefochtenen Entscheid vom 17. Juni 2021
entnommen werden (Urk. 87 S. 5 ff. = Urk. 92 S. 5 ff.).
3.1 Gegen diesen Entscheid erhoben sowohl der Gesuchsgegner (Urk. 91) als
auch die Gesuchstellerin (Urk. 113/91A i.V.m. Urk. 113/91B) Berufung mit den
eingangs wiedergegebenen Anträgen. Mit Beschluss vom 5. August 2021 wurde
das Gesuch des Gesuchsgegners um Erteilung der aufschiebenden Wirkung hin-
sichtlich Dispositiv-Ziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils sowie sein Begehren um
Erlass vorsorglicher Massnahmen hinsichtlich der Betreuungsregelung abgewie-
sen (Urk. 97 S. 14). Mit Beschluss vom 5. Oktober 2021 wurden die zunächst un-
ter den Geschäfts-Nr. LE210044-O und LE210045-O geführten Verfahren verei-
nigt; letzteres Berufungsverfahren wurde als dadurch erledigt abgeschrieben und
unter der vorliegenden Geschäftsnummer weitergeführt (Urk. 111 f.). Im Rahmen
der am 7. Oktober 2021 durchgeführten Vergleichsverhandlung (Prot. S. 7 ff.)
schlossen die Parteien eine Vereinbarung über vorsorgliche Massnahmen betref-
fend das Besuchsrecht der Gesuchstellerin für die Dauer des Berufungsverfah-
rens (Urk. 118). Zudem verpflichtete sich die Gesuchstellerin zur Löschung von
Videos von C._ auf den sozialen Netzwerken (Urk. 119). Ansonsten blieben
die Vergleichsgespräche ergebnislos. Mit Beschluss der Kammer vom 12. Okto-
ber 2021 wurde erstere Vereinbarung genehmigt; gleichzeitig wurde den Parteien
Frist angesetzt, um die Berufung der jeweiligen Gegenpartei zu beantworten
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(Urk. 120). Die fristgerecht eingegangene Berufungsantwort der Gesuchstellerin
datiert vom 25. Oktober 2021 (Urk. 122), diejenige des Gesuchsgegners vom 28.
Oktober 2021 (Urk. 123). Den Parteien wurde die Berufungsantwortschrift der je-
weiligen Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 135).
3.2 Mit Eingabe vom 12. Dezember 2021 stellte der Gesuchsgegner ein Gesuch
um Erlass superprovisorischer Massnahmen und beantragte die sofortige Abän-
derung der für die Dauer des Berufungsverfahrens installierten Besuchsrechtsre-
gelung (Urk. 136). Das Begehren wurde mit Präsidialverfügung vom
15. Dezember 2021 abgewiesen; gleichzeitig wurde der Gesuchstellerin Frist zur
Stellungnahme angesetzt (Urk. 139). Diese liess sich mit Eingabe vom 10. Januar
2022 vernehmen (Urk. 143). Darauf replizierte der Gesuchsgegner mit Eingabe
vom 31. Januar 2022 und ergänzte sein Begehren um Anordnung vorsorglicher
Massnahmen zudem um eine neue Ziffer 4 betreffend Anmeldung von C._
beim Personenmeldeamt in F._ (Urk. 145). Hierzu wurde der Gesuchstellerin
wiederum Frist zur Stellungnahme angesetzt (Urk. 148), woraufhin sich die Ge-
suchstellerin mit Eingabe vom 24. Februar 2022 vernehmen liess (Urk. 149). Da-
rauf replizierte der Gesuchsgegner mit Eingabe vom 28. März 2022 (Urk. 155).
3.3 Am 23. Mai 2022 wurde das Gericht durch den Rechtsvertreter der Gesuch-
stellerin darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Kindesschutzbehörde des Kantons
F._ demnächst einen Bericht über den bisherigen Verlauf der Beistandschaft
sowie der Besuche der Gesuchstellerin bei C._ in F._ verfassen würde
(Prot. S. 20). Am 23. Juni 2022 gingen sowohl ein Bericht der Kindesschutzbe-
hörde des Kantons F._, datierend vom 21. Juni 2022, wie auch ein solcher
des G._ (fortan G'._), datierend vom 30. April 2022, beim Gericht ein
(Urk. 163 und Urk. 164). Die hierzu ergangenen Stellungnahmen der Parteien da-
tieren vom 15. Juli 2022 (Urk. 171 und 174).
3.4 Mit ihrer Stellungnahme vom 15. Juli 2022 ersuchte die Gesuchstellerin um
Erlass superprovisorischer Massnahmen und verlangte, es sei umgehend die al-
ternierende Obhut, die Überprüfung ihrer Wohnsituation sowie eine Mediation an-
zuordnen (Urk. 174 S. 3). Mit Verfügung vom 26. Juli 2022 wurde das Begehren
um Erlass superprovisorischer Massnahmen abgewiesen sowie die Stellungnah-
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men zu den Berichten zur Kenntnisnahme zugestellt. Zudem wurde den Parteien
die Spruchreife bzw. der Übergang des Berufungsverfahrens in die Phase der Ur-
teilsberatung angezeigt (Urk. 176).
4. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 1-90). Auf die Vorbrin-
gen der Parteien ist nur insoweit einzugehen, als für die Rechtsfindung erforder-
lich.
II.
1. Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Entscheids nur im
Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Vorab ist daher festzuhalten, dass
das vorinstanzliche Urteil in den nicht angefochtenen Dispositiv-Ziffern 1, 2, 8, 11
und 14 in Rechtskraft erwachsen ist. Dies ist vorzumerken.
2.1 Mit der Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch die
unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO).
Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und
Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (Angemes-
senheitsprüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). In der Beru-
fungsschrift ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Ent-
scheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an ei-
nem der genannten Mängel leidet. Das setzt (im Sinne einer von Amtes wegen zu
prüfenden Eintretensvoraussetzung) voraus, dass der Berufungskläger die vo-
rinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, sich argumentativ mit die-
sen auseinandersetzt und mittels genügend präziser Verweisungen auf die Akten
aufzeigt, wo die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen und
Einreden erhoben wurden bzw. aus welchen Aktenstellen sich der geltend ge-
machte Berufungsgrund ergeben soll. Die pauschale Verweisung auf frühere Vor-
bringen oder deren blosse Wiederholung genügen nicht (BGE 138 III 374 E. 4.3.1;
BGer 5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1; BGer 5A_247/2013 vom
15. Oktober 2013, E. 3.2). Was nicht oder nicht in einer den gesetzlichen Begrün-
dungsanforderungen entsprechenden Weise beanstandet wird, braucht von der
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Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden; diese hat sich – abgesehen von of-
fensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der Beanstandungen
zu beschränken, die in der schriftlichen Begründung formgerecht gegen den erst-
instanzlichen Entscheid erhoben werden (BGE 142 III 413 E. 2.2.4; BGer
5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3; BGer 4A_258/2015 vom
21. Oktober 2015, E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom 1. September 2014, E. 3.1
und 5). Die Anforderungen an die Berufung gelten sinngemäss auch für die Beru-
fungsantwort (BGer 4A_496/2016 vom 8. Dezember 2016, E. 2.2.2 mit weiteren
Hinweisen). Diese Grundsätze gelten auch im Bereich der unbeschränkten Unter-
suchungsmaxime (BGer 5A_800/2019 vom 9. Februar 2021, E. 5.1).
2.2 Für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten – wie sie vorlie-
gend zu beurteilen sind – statuiert Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO den Untersuchungs-
und Offizialgrundsatz, weshalb das Gericht in diesem Bereich den Sachverhalt
von Amtes wegen erforscht und ohne Bindung an die Parteianträge entscheidet.
In Verfahren, welche der umfassenden Untersuchungsmaxime unterstehen, kön-
nen die Parteien zudem im Berufungsverfahren neue Tatsachen und Beweismittel
unbeschränkt vorbringen; Art. 317 Abs. 1 ZPO kommt nicht zum Tragen (BGE
147 III 301 E. 2.2; BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
3. Die Vorinstanz hat die prozessualen Grundsätze des Eheschutzverfahrens
zutreffend dargelegt (Urk. 92 S. 10 ff.). Darauf ist zu verweisen.
4. Sowohl der Gesuchsgegner (vgl. Urk. 136 und Urk. 145) als auch die Ge-
suchstellerin (Urk. 174) ersuchten im Verlaufe des Berufungsverfahrens um die
Anordnung vorsorglicher Massnahmen. Mit Erlass des vorliegenden Endent-
scheids erübrigt sich die Beurteilung dieser Begehren, weshalb die Gesuche –
soweit noch aufrechterhalten – infolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben sind.
5. Infolge der Neukonstituierung der erkennenden Kammer sowie der Pensio-
nierung von Oberrichterin Dr. L. Hunziker Schnider wirkt am vorliegenden Ent-
scheid Oberrichter lic. iur. A. Huizinga als Vorsitzender mit.
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III.
A. Getrenntleben
1. Vor Vorinstanz beantragten die Parteien übereinstimmend, es sei ihnen das
Getrenntleben zu bewilligen. Betreffend den Trennungszeitpunkt zeigten sie sich
demgegenüber uneinig: Während die Gesuchstellerin diesbezüglich vom 10. Au-
gust 2020 ausging, beantragte der Gesuchsgegner die Festsetzung des Tren-
nungszeitpunkts auf den 31. Juli 2020 (Urk. 15 S. 2 und Urk. 43 S. 2; Urk. 45
S. 1). Mit dem angefochtenen Entscheid bewilligte die Vorinstanz den Parteien
das Getrenntleben und merkte als Trennungsdatum den 31. Juli 2020 vor (Urk. 92
S. 77). Dagegen wendet sich die Gesuchstellerin berufungsweise und beantragt
wie bereits vor Vorinstanz, es sei den Parteien das Getrenntleben zu bewilligen
und der gemeinsame Haushalt per 10. August 2020 aufzuheben (Urk. 113/91B S.
3).
2. Die Eheleute können sich einvernehmlich darauf einigen, den gemeinsamen
Haushalt aufzuheben und getrennte Haushalte zu führen. Dazu bedarf es keiner
gerichtlichen Bewilligung (BSK ZGB-SCHWANDER, Art. 175 N 1; FamKomm Schei-
dung/VETTERLI, Art. 175 ZGB N 1). Des Weiteren besteht gemäss der Praxis der
Kammer im Rahmen eines Eheschutzverfahrens dann kein rechtliches Interesse
an der gerichtlichen Feststellung des Trennungszeitpunktes, wenn dieser Zeit-
punkt keinen konkreten Einfluss auf die anzuordnenden Nebenfolgen im Ehe-
schutzverfahren hat. Das Scheidungsgericht wäre denn auch im Hinblick darauf,
ob die zweijährige Trennungszeit nach Art. 114 ZGB eingehalten worden ist, nicht
an den im summarischen Verfahren ergangenen Eheschutzentscheid gebunden
(OGer ZH LE200009 vom 12.02.2021, E. III.B.4 m.w.H. insbesondere auf ZR
102/2003 Nr. 13).
3. Demzufolge ist den Parteien weder gerichtlich das Getrenntleben zu bewilli-
gen noch haben die Parteien ein schutzwürdiges Interesse an der gerichtlichen
Feststellung des Trennungszeitpunktes. Auf das betreffende Begehren ist man-
gels Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten. Es ist indessen vorzumerken, dass
die Parteien zum Getrenntleben auf unbestimmte Dauer berechtigt sind.
- 16 -
B. Elterliche Sorge
1. Die Vorinstanz beliess C._ unter der gemeinsamen elterlichen Sorge
der Parteien (Urk. 92 S. 78). Der Gesuchsgegner verlangt berufungsweise wie be-
reits vor Vorinstanz, es sei ihm die alleinige elterliche Sorge über C._ zuzu-
teilen (Urk. 91 S. 2).
2. Diesbezüglich erwog die Vorinstanz im Wesentlichen, an der Erziehungsfä-
higkeit der Gesuchstellerin bestünden keine grundsätzlichen Zweifel. Indes sei
evident, dass zwischen den Parteien ein Konflikt bestehe, welcher sich zulasten
von C._ auswirke. Dennoch sei – aus nachfolgenden Gründen – von der
Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge auf einen Elternteil abzusehen. Da
C._ derzeit erst zwei Jahre alt sei, sei in Bezug auf sie in absehbarer Zukunft
nicht mit grösseren Entscheidungen zu rechnen. Hiervon ausgenommen sei die
Frage der Obhut, welche aber durch das Gericht beurteilt werde. Des Weiteren
sei im Rahmen des Verfahrens eine Beistandschaft für C._ errichtet worden,
welche nun bestätigt werde. Es sei ausdrücklicher Auftrag der Beiständin, die El-
tern betreffend die Kinderbelange zu unterstützen, zwischen ihnen zu vermitteln
und ihre diesbezügliche Kommunikationsfähigkeit zu fördern. Ferner handle es
sich vorliegend um ein Summarverfahren, welches ein rasches richterliches Ein-
greifen ermögliche, jedoch keine endgültige Regelung gewährleiste. Vor diesem
Hintergrund wäre die Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge auf einen El-
ternteil ein Eingriff, welcher derzeit weder erforderlich noch angemessen sei
(Urk. 92 S. 16 f.).
3. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Prämissen korrekt wiedergegeben
(vgl. Urk. 92 S. 14 ff.). Darauf ist zu verweisen. Hervorzuheben ist, dass die ge-
meinsame elterliche Sorge nach der gesetzlichen Konzeption den Regelfall bildet,
von dem nur in eng begrenzten Ausnahmefällen abgewichen werden darf. Die Al-
leinsorge darf daher nicht schon dort ausgesprochen werden, wo sie dem Kin-
deswohl am besten gerecht würde, sondern kommt nur in Frage, wenn sie zur
Wahrung des Kindeswohls nötig ist. Mit anderen Worten muss das Kindeswohl
durch die Beibehaltung der gemeinsamen elterlichen Sorge konkret gefährdet
werden und die Alleinzuteilung eine Verbesserung der Lage versprechen. Nach
- 17 -
der Rechtsprechung kann Grund für die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge ins-
besondere ein schwerwiegender elterlicher Dauerkonflikt oder eine anhaltende
Kommunikationsunfähigkeit der Eltern sein. Die Alleinzuteilung der elterlichen
Sorge kommt aber in einem solchen Fall nur in Frage, wenn sich die zwischen
den Eltern bestehenden Probleme auf die Kinderbelange als Ganzes beziehen.
Punktuelle Auseinandersetzungen oder Meinungsverschiedenheiten, welche bei
Trennungen oder Scheidungen häufig zu beobachten sind, können demgegen-
über nicht Anlass für eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge sein. So genügen
denn auch Dauerkonflikte, welche überwiegend das Besuchsrecht tangieren,
nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht für die Zuteilung der Alleinsorge
(BGE 141 III 472 E. 4.6 f.; BGer 5A_106/2019 vom 16. März 2020, E. 5.4; BGer
5A_81/2016 vom 2. Mai 2016, E. 5).
4. Der Gesuchsgegner begründet seinen Antrag auf Alleinzuteilung der elterli-
chen Sorge in erster Linie damit, dass zwischen ihm und der Gesuchstellerin ein
schwerwiegender Dauerkonflikt herrsche, welcher sich negativ auf das Kindes-
wohl auswirke (Urk. 91 S. 14 ff.).
Dass sich die Parteien in einem schweren Dauerkonflikt befinden, dokumen-
tieren die Akten in eindrücklicher Weise. Dieser entbrannte im Juni 2020, als die
Gesuchstellerin zusammen mit C._ und K._ von Russland in die
Schweiz gekommen war, um hier mit dem Gesuchsgegner zusammenzuleben.
Offenbar kam es von Anfang an zu Auseinandersetzungen. Im August 2020, wäh-
rend eines gemeinsamen Aufenthalts in der Türkei, spitzte sich der Konflikt weiter
zu, bis es schliesslich zur endgültigen Trennung der Parteien und damit einherge-
hend am 2. September 2020 am Flughafen in Istanbul zur Trennung der Gesuch-
stellerin von C._ kam. Seither befindet sich C._ (faktisch) in der alleini-
gen Obhut des Gesuchsgegners, wobei es nach dem 2. September 2020 für über
zehn Monate – mithin bis zum 17. Juli 2021 – nicht gelang, ein Wiedersehen zwi-
schen Mutter und Tochter zu realisieren.
Seit sich C._ in der (faktischen) Obhut des Gesuchsgegners befindet,
dreht sich der Konflikt der Parteien in allererster Linie um die Frage, bei wem
C._ leben soll. Die Gesuchstellerin vertritt die Ansicht, C._ solle bei ihrer
- 18 -
Mutter und Halbschwester aufwachsen, der Gesuchsgegner will C._ unter
seiner alleinigen Obhut wissen. Damit zusammenhängend bildet das Besuchs-
recht der Gesuchstellerin bzw. zeitweise überhaupt ihr Kontakt zu C._ ein
grosser Konfliktherd. Bis dato haben sich die konfliktbelasteten Verhältnisse –
trotz errichteter Beistandschaft – nicht verbessert: Bezüglich der Obhutsfrage sind
die Fronten nach wie vor verhärtet, und es scheint dem Gesuchsgegner auch
heute noch erhebliche Schwierigkeiten zu bereiten, einen angemessenen Kontakt
zwischen C._ und ihrer Mutter zuzulassen. Zudem gelingt es den Parteien
bis heute nicht, vernünftig und respektvoll miteinander umzugehen.
Der elterliche Konflikt vermag allerdings die Alleinzuteilung der elterlichen
Sorge, zumindest zum heutigen Zeitpunkt, nicht zu rechtfertigen: Erstens bilden
die Obhut und das Besuchsrecht Streitpunkte, welche von der elterlichen Sorge
weitgehend unabhängig sind und überdies Gegenstand der gerichtlichen Beurtei-
lung bilden. Diesbezügliche Diskussionen dürften sich nach Beendigung des vor-
liegenden Berufungsverfahrens weitgehend erübrigen. Zweitens ist weder ersicht-
lich noch dargetan, dass sich der elterliche Konflikt über besagte Streitpunkte hin-
aus bereits auf verschiedene Lebensbereiche von C._ erstreckt hätte, so-
dass nötige Entscheidungen in Bezug auf sie nicht getroffen oder verschleppt
worden wären. Eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls durch Beibehaltung
der gemeinsamen elterlichen Sorge ist daher zu verneinen. Drittens ist mit dem
vorliegenden Entscheid, wie noch zu zeigen sein wird, eine Pflichtmediation zwi-
schen den Parteien anzuordnen, mit welcher bezweckt wird, dass sich die Eltern-
zusammenarbeit und die Kommunikation betreffend Kinderbelange massgeblich
verbessert (vgl. unten, Ziffer III.F.).
5. Sodann erhebt der Gesuchsgegner im Berufungsverfahren – wie bereits vor
Vorinstanz – diverse pauschale Vorwürfe gegen die Gesuchstellerin und be-
schreibt Verhaltensweisen derselben, welche eine Kindeswohlgefährdung impli-
zieren sollen. Diese Vorbringen des Gesuchsgegners scheinen vorab den Zweck
zu haben, Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin zu wecken, mit-
hin einen Grund für die Zuteilung der Alleinsorge zu konstruieren. Zur Illustration
sei das Folgende genannt: Der Gesuchsgegner äusserte wiederholt die Ansicht,
- 19 -
die Gesuchstellerin interessiere sich gar nicht für C._, sondern wolle nur den
Gerichtsprozess gewinnen bzw. komplizierter machen, um ihm zu schaden (Urk.
91 S. 18; Urk. 101 S. 2). Dem widerspricht die Aktenlage: Die Gesuchstellerin
reist seit über einem Jahr regelmässig nach F._, um C._ zu sehen; seit
dem 20. November 2021 nimmt sie die Reise von L._ nach F._ und zu-
rück wöchentlich auf sich. Von mangelndem Interesse an ihrer Tochter kann da-
her keine Rede sein. Weiter brachte der Gesuchsgegner verschiedentlich vor, die
Gesuchstellerin würde gegen ihre Kinder Gewalt anwenden. Zuletzt setzte er das
Gericht mit Eingabe vom 28. März 2022 darüber in Kenntnis, dass die Gesuch-
stellerin C._ im Rahmen ihres Besuchs vom 5. März 2022 auf die rechte
Wange geschlagen habe (Urk. 155 S. 8 ff.). Auch bezüglich dieses Vorwurfs er-
geben sich aber keinerlei bestätigende Hinweise aus den Akten: Gemäss ihrem
aktuellen Bericht nahm die Beiständin von C._ nach Kenntnisnahme dieser
Anschuldigung mit der verantwortlichen Fachperson des G'._, M._,
Rücksprache. Dieser habe sie dahingehend informiert, dass C._ den Be-
suchstreff weder mit Striemen im Gesicht betreten noch verlassen habe. Er habe
die Gesuchstellerin und C._ regelmässig im Blick gehabt und weder Schrei-
en noch Weinen gehört. Nach seiner Einschätzung sei das Treffen gut verlaufen,
und die Striemen könnten auch vom Spielen herrühren (Urk. 163 S. 2 f. ["Nous
avons échangé à ce sujet avec Monsieur M._ qui nous informés que, lors de
la visite du 5 mars 2022, C._ n'est ni arrivée, ni repartie du centre avec des
marques au visage. Monsieur M._ a régulièrement vu mère et fille; il n'a en-
tendu ni cris, ni pleurs. Toujours selon le thérapeute, la visite s'est bien passée. II
ajoute que, parfois, C._ joue au trampoline et avec d'autres jeux, et que, un
enfant de cet âge, peut aussi se faire des marques quand il joue."]). Derartige
Vorbringen des Gesuchsgegners sind somit nicht nur unzutreffend, sondern über-
dies unglaubhaft, weshalb sich diesbezügliche Weiterungen erübrigen.
Entgegen den Vorbringen des Gesuchsgegners ist es vielmehr so, dass sich
den Akten keinerlei Hinweise entnehmen lassen, welche auf eine mangelhafte Er-
ziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin hindeuten würden. So ist bereits dem Be-
richt der Kindesschutzbehörde des Kantons F._ vom 29. September 2021 zu
entnehmen, dass hinsichtlich der elterlichen Fähigkeiten der Gesuchstellerin kei-
- 20 -
nerlei Bedenken bestünden (Urk. 115 S. 1 ["II ressort des observations des pro-
fessionnels que les visites se déroulent favorablement et qu'aucune inquiétude
n'a été observée quant aux capacités parentales de Madame A._ dans sa re-
lation avec sa fille"]). Diese Einschätzung wird im aktuellen Bericht vom 21. Juni
2022 wiederholt (Urk. 163 S. 1 ["II ressort des observations des professionnels
que les visites se déroulent favorablement. Aucune inquiétude n'a été soulevée
quant aux capacités parentales de Madame B._ dans sa relation avec sa
fille. Madame identifie de manière adéquate les besoins et les demandes de sa
fille et est capable d'y répondre, sans l'intervention d'un tiers."]).
6. Der Gesuchsgegner bringt schliesslich vor, es sei zu bedenken, dass die
gemeinsame elterliche Sorge aufgrund der Sprachbarriere nur zu zusätzlichen
Schwierigkeiten, Komplikationen und Konflikten führen werde. Da die Gesuchstel-
lerin kein Französisch spreche, habe sie gar nicht die Möglichkeit, im Interesse
von C._ zu entscheiden, da sie sich nicht bei den zuständigen Stellen infor-
mieren könne (Urk. 91 S. 22). Auch diese Argumentation überzeugt nicht. Zwar
mag die Ausübung der gemeinsamen elterlichen Sorge aufgrund der örtlichen und
sprachlichen Gegebenheiten mit Mehraufwand verbunden sein. Die geographi-
sche Distanz stellt aber angesichts der zur Verfügung stehenden modernen
Kommunikationskanäle kein grundsätzliches Hindernis zur effektiven Ausübung
des Sorgerechts dar, und die Kommunikation kann, wie bisher auch, auf Englisch
stattfinden.
7. Nach dem Gesagten erscheint es zum gegenwärtigen Zeitpunkt zur Wah-
rung des Kindeswohls nicht notwendig, die elterliche Sorge über C._ einem
Elternteil alleine zuzuteilen. Der Entscheid der Vorinstanz ist zu bestätigen, wo-
nach C._ unter der gemeinsamen elterlichen Sorge der Parteien zu belassen
ist, und die Berufung des Gesuchsgegners in diesem Punkt abzuweisen.
Die Parteien sind daran zu erinnern, dass es sich beim elterlichen Sorge-
recht um ein Pflichtrecht handelt. Die mit der elterlichen Sorge verbundenen
Rechte und Pflichten sind zum Wohle des Kindes auszuüben. Die Eltern haben
mithin im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles zu unternehmen, was zur gedeihli-
chen Entwicklung des Kindes erforderlich ist. Daraus folgt, dass sie sich zu be-
- 21 -
mühen haben, zwischen der konfliktbehafteten Elternebene einerseits sowie dem
Eltern-Kind-Verhältnis andererseits zu unterscheiden und das Kind aus dem elter-
lichen Konflikt herauszuhalten. Beide Elternteile haben ein kooperatives Verhalten
an den Tag zu legen und sämtliche zumutbaren Anstrengungen bei der gegensei-
tigen Kommunikation zu unternehmen, ohne die ein gemeinsames Sorgerecht
nicht in effektiver Weise und zum Vorteil des Kindes ausgeübt werden kann. Soll-
te es den Parteien in Zukunft – trotz aller behördlicher Bemühungen – nicht gelin-
gen, in einer dem Kindeswohl entsprechenden Weise zusammenzuwirken, wird
die elterliche Sorge über C._ erneut Gegenstand gerichtlicher Beurteilung
bilden müssen.
C. Obhut
1. Die Vorinstanz stellte C._ unter die Obhut des Gesuchsgegners (Urk.
92 S. 78). Die Gesuchstellerin beantragt berufungsweise, C._ sei unter ihre
alleinige Obhut zu stellen; eventualiter sei eine alternierende Obhut einzurichten
(Urk. 113/91A S. 2).
2. Zur Obhutsfrage erwog die Vorinstanz zusammengefasst was folgt: Grund-
sätzlich seien beide Parteien erziehungsfähig, und es hätten auch beide Parteien
gleichermassen die Möglichkeit und die Bereitschaft, C._ persönlich zu be-
treuen (Urk. 92 S. 35 ff.). Da somit weder die Erziehungsfähigkeit der Parteien
noch ihre Möglichkeit und ihr Wille, C._ persönlich zu betreuen, für die Ob-
hutszuteilung an einen der beiden Elternteile spreche, sei im Folgenden zu prü-
fen, mit welcher Obhutszuteilung die Stabilität der örtlichen und familiären Ver-
hältnisse eher gewahrt sei. C._ befinde sich seit September 2020 in der fak-
tischen Obhut des Gesuchsgegners, werde also seit nunmehr neun Monaten
ausschliesslich von ihm betreut. Demgegenüber hätten sich die Gesuchstellerin
und C._ seither nicht mehr gesehen. Die Stabilität im Leben eines Kleinkin-
des hänge vorderhand von der Anwesenheit derjenigen Person ab, die das Kind
täglich betreue. Da C._ die letzten neun Monate ausschliesslich beim Ge-
suchsgegner verbracht habe, bedeute eine Obhutszuteilung an den Gesuchsgeg-
ner für C._ daher grössere Stabilität bezüglich ihrer Betreuungsperson und
- 22 -
damit ihrer Lebensumstände (Urk. 92 S. 39 ff.). Schliesslich zu berücksichtigen
sei die Kooperationsbereitschaft der Eltern bezüglich erzieherischer Belange so-
wie ihre Bereitschaft, Kontakte des Kindes zum anderen Elternteil zu bejahen und
zuzulassen. Die Gesuchstellerin habe seit der Trennung nicht die Gelegenheit
gehabt, ihre diesbezügliche Bereitschaft unter Beweis zu stellen. Der Gesuchs-
gegner lasse bisher seine Bereitschaft, einen Kontakt zwischen der Gesuchstelle-
rin und C._ zuzulassen oder gar zu fördern, weitgehend vermissen. C._
befinde sich seit dem 2. September 2020 faktisch in seiner Obhut, weshalb es
seither in seiner Hand gelegen hätte, einen Kontakt zwischen C._ und ihrer
Mutter zu ermöglichen. Sodann habe der Gesuchsgegner ausgeführt, er wolle die
Gesuchstellerin nie wiedersehen, da diese sein Vertrauen komplett zerstört habe.
Er habe offensichtlich Schwierigkeiten, die Spannungen zwischen den Parteien im
Interesse seines Kindes zu überwinden bzw. einen Umgang damit zu finden, so-
dass sich diese nicht nachteilig auf das Kindeswohl auswirkten. So erscheine ins-
gesamt die Bereitschaft des Gesuchsgegners, eine Beziehung zwischen der Ge-
suchstellerin und C._ zuzulassen und mit der Gesuchstellerin in erzieheri-
schen Belangen zu kooperieren, fraglich (Urk. 92 S. 42 f.).
In Würdigung dieser Umstände erscheine es derzeit für das Wohlergehen
von C._ besonders wichtig, dass sie in ihren Lebensumständen grösstmögli-
che Stabilität erfahre. Diesem Faktor komme gegenüber den weiteren zu berück-
sichtigenden Umständen, welche mit Ausnahme der Kooperationsbereitschaft wie
dargelegt bei beiden Parteien eine Eignung zur Wahrnehmung der Obhut ergeben
würden, besonderes Gewicht zu. Ein abrupter Wechsel der Hauptbetreuungsper-
son sei zu vermeiden, insbesondere nachdem es trotz aller Bemühungen bislang
offenbar nicht gelungen sei, eine Wiederannäherung, geschweige denn einen re-
gelmässigen Kontakt zwischen der Gesuchstellerin und C._ herzustellen. Bei
dieser Ausgangslage erscheine heute eine Zuteilung der Obhut an die Gesuch-
stellerin bzw. die Veränderung der aktuellen faktischen Obhutssituation als nicht
mit dem Kindswohl vereinbar. Es sei daher die Obhut über C._ bis auf weite-
res dem Gesuchsgegner zuzuteilen (Urk. 92 S. 44).
- 23 -
3. Die Gesuchstellerin hält dem berufungsweise im Wesentlichen was folgt
entgegen: Sei die Erziehungsfähigkeit bei beiden Elternteilen grundsätzlich gege-
ben – was spezifisch in Bezug auf die Kooperationsfähigkeit und Bindungstole-
ranz des Gesuchsgegners bestritten werde – sollten wenn möglich beide Eltern
gleichermassen in den Genuss der elterlichen Hauptverantwortung kommen. Sei
dies nicht möglich, sei auf weitere Kriterien abzustützen, wobei der Vorrang dem-
jenigen Elternteil zukomme, welcher auf Dauer die grössere Bereitschaft aufwei-
se, das Kind in eigener Obhut zu haben, unmittelbar zu betreuen und zu pflegen.
Gerade Kleinkinder seien demjenigen zuzuteilen, der die Möglichkeit habe und
bereit dazu sei, sie persönlich zu betreuen. Sie habe sowohl C._ als auch
K._ seit jeher persönlich und liebevoll betreut, was vom Gesuchsgegner bis
zu diesem Verfahren nie bestritten worden sei. Die Rollenverteilung sei klar ge-
wesen; sie komme in die Schweiz und betreue die Kinder, während der Gesuchs-
gegner das Geld für die Familie verdiene. Sie spreche keine Landessprache und
habe nun auch keinen sicheren Aufenthaltstitel mehr. Folglich werde es ihr in der
nächsten Zeit nur schwer möglich sein, eine Arbeitsstelle zu finden. Da sie zudem
sowieso bereits ein Kind betreue, wolle und könne sie die persönliche Betreuung
von C._ vollumfänglich wahrnehmen. So müssten auch nicht die Eltern, die
Schwester und die Nachbarn des Gesuchsgegners einbezogen werden, auch
wenn der Gesuchsgegner wieder arbeite. Diesem Umstand trage die Vorinstanz
viel zu wenig Rechnung. Die Aussage, wonach beide Elternteile neben der Erzie-
hungsfähigkeit auch die Voraussetzung der persönlichen Betreuung in etwa glei-
cher Weise erfüllen würden, werde folglich klar zurückgewiesen (Urk. 113/91A S.
6 f.). Sodann habe die Vorinstanz dem Kriterium der Stabilität viel zu grosses
Gewicht zugemessen, während sie die Kooperationsfähigkeit bzw. Bindungstole-
ranz nur als nebensächlich betrachtet habe. So sei mittlerweile unbestritten, wie
wichtig der Kontakt zu beiden Elternteilen für die psychische und physische Ent-
wicklung von Kleinkindern sei. Sie habe sich, als sie noch in Russland gewesen
sei, stets um einen ausgiebigen Kontakt zwischen dem Gesuchsgegner und
C._ gekümmert. Auch seither habe sie vor Gericht und anderswo stets be-
kräftigt, dass C._ ein Recht auf ihren Vater und umgekehrt habe. Demge-
genüber habe der Gesuchsgegner erwiesenermassen dafür gesorgt, dass sie ihre
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damals noch zu stillende Tochter seit nunmehr über neun Monate nicht habe se-
hen können. Auch könne den Aussagen und Eingaben des Gesuchsgegners
zweifelsfrei entnommen werden, dass er absolut keine Bindungstoleranz aufweise
und keinen Kontakt zwischen ihr und C._ zulassen könne. Durch die vom
Gesuchsgegner gestellten Rechtsbegehren werde klar seine Absicht ersichtlich,
die derzeitige Situation weiterzuführen. Somit lägen entgegen den Ausführungen
der Vorinstanz objektive Belege vor, welche klar gegen die Erziehungsfähigkeit
bzw. Kooperationsfähigkeit und Bindungstoleranz des Gesuchsgegners sprächen
(Urk. 113/91A S. 7 f.). Die Zusprechung der Obhut über C._ an den Ge-
suchsgegner würde schliesslich zum stossenden Ergebnis führen, dass der Ge-
suchsgegner dafür, dass er C._ ihrer Mutter entzogen und seither alles daran
gesetzt habe, dass sich Mutter und Tochter nicht mehr sehen könnten, belohnt
würde (Urk. 113/91A S. 9).
4. Für die Zuteilung der Obhut an einen Elternteil im Eheschutzverfahren gel-
ten grundsätzlich die gleichen Kriterien wie im Scheidungsfall. Nach der Recht-
sprechung hat das Wohl des Kindes Vorrang vor allen anderen Überlegungen,
insbesondere vor den Wünschen der Eltern. Vorab muss die Erziehungsfähigkeit
der Eltern geklärt werden. Ist diese bei beiden Elternteilen gegeben, sind vor al-
lem Kleinkinder und grundschulpflichtige Kinder demjenigen Elternteil zuzuteilen,
der die Möglichkeit hat und dazu bereit ist, sie persönlich zu betreuen. Erfüllen
beide Elternteile diese Voraussetzung ungefähr in gleicher Weise, kann die Stabi-
lität der örtlichen und familiären Verhältnisse ausschlaggebend sein. Schliesslich
ist – je nach Alter der Kinder – ihrem eindeutigen Wunsch Rechnung zu tragen.
Diesen Kriterien lassen sich die weiteren Gesichtspunkte zuordnen, namentlich
die Bereitschaft eines Elternteils, mit dem anderen in Kinderbelangen zusammen-
zuarbeiten (BGer 5A_972/2013 vom 23. Juni 2014, E. 3, m.w.H.).
5.1 Vorab ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass die Parteien die Ereignisse
rund um ihre Trennung im Sommer 2020 sehr unterschiedlich darstellen. Es lässt
sich daher tatsächlich nicht zweifelsfrei nachvollziehen, was sich insbesondere in
der Türkei und am 2. September 2020 am Flughafen in Istanbul abgespielt hat,
sodass der Gesuchsgegner C._ schliesslich (faktisch) in seiner alleinigen
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Obhut hatte. Tatsache ist, dass C._ nun seit zwei Jahren in der Obhut des
Gesuchsgegners lebt und die Frage, wie sie in diese gelangte, soweit das Kin-
deswohl gewahrt ist, nicht mehr ausschlaggebend sein kann.
5.2 Beide Parteien stellen die Erziehungsfähigkeit des jeweils anderen Eltern-
teils in Frage. Den Akten lassen sich aber keine Hinweise entnehmen, welche ge-
gen die grundsätzliche Erziehungsfähigkeit beider Parteien sprächen. Bezüglich
der Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin kann auf obige Ausführungen verwie-
sen werden (vgl. oben, Ziffer III.B.5.). Was den Gesuchsgegner anbelangt, so
stellt er seine erzieherischen Fähigkeiten bereits seit geraumer Zeit unter Beweis.
Er ist seiner Aufgabe offensichtlich gewachsen. Die Tatsache, dass er bei der Er-
füllung seiner Erziehungsaufgabe die Hilfe seiner Mutter oder Schwester in An-
spruch nimmt, ist nicht zu beanstanden und lässt auch nicht den Schluss auf eine
eingeschränkte Erziehungsfähigkeit zu.
Die Gesuchstellerin stellt die Erziehungsfähigkeit des Gesuchsgegners ins-
besondere in Bezug auf seine Kooperationsfähigkeit und Bindungstoleranz in
Frage. Bereits die Vorinstanz kam zum Schluss, dass der Gesuchsgegner die Be-
reitschaft, einen Kontakt zwischen der Gesuchstellerin und C._ zuzulassen
oder gar zu fördern, weitgehend vermissen lasse. Die mangelhafte Kooperations-
fähigkeit und Bindungstoleranz des Gesuchsgegners ist ihr somit nicht entgan-
gen. Dieselbe Tendenz zeigt sich auch im Berufungsverfahren: Das Verhältnis der
Parteien ist nach wie vor von gegenseitigem Misstrauen geprägt, und es gelingt
dem Gesuchsgegner nicht, zwischen dem Konflikt auf der Paarebene einerseits
und dem Elternsein andererseits zu unterscheiden. Entsprechend fällt es dem
Gesuchsgegner schwer, einen angemessenen Kontakt zwischen der Gesuchstel-
lerin und C._ zuzulassen. Dies geht zweifellos zu Lasten von C._, wird
ihr doch dadurch der Zugang zu ihrer Mutter erschwert bzw. wurde ihr dieser wäh-
rend Monaten gar verunmöglicht. Allerdings vermag dieser Umstand derzeit keine
Umteilung der Obhut an die Gesuchstellerin zu rechtfertigen. Dem Kriterium der
Stabilität der örtlichen und familiären Verhältnisse ist, wie nachfolgend zu zeigen
sein wird, der Vorzug zu geben. Dies, zumal es momentan keine Anzeichen gibt,
welche darauf hindeuten, dass sich der Gesuchsgegner den gerichtlichen Anord-
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nungen zum Besuchsrecht widersetzen würde. Der Kontakt zwischen der Ge-
suchstellerin und C._ erscheint daher trotz der derzeit mangelhaften Koope-
rationsfähigkeit und Bindungstoleranz des Gesuchsgegners gewährleistet.
Folglich ist der Antrag der Gesuchstellerin auf Einholung eines Erziehungs-
fähigkeitsgutachten über den Gesuchsgegner abzuweisen. Die mangelhafte Ko-
operationsfähigkeit und Bindungstoleranz des Gesuchsgegners ist dem Gericht
wie dargelegt bekannt, was aber nichts daran zu ändern vermag, dass dem Krite-
rium der Stabilität der örtlichen und familiären Verhältnisse vorliegend Vorrang
zukommen muss. Daran vermag ein Erziehungsfähigkeitsgutachten nichts zu än-
dern.
5.3 Des Weiteren ist der Vorinstanz zuzustimmen, dass beide Elternteile gleich-
ermassen die Möglichkeit und die Bereitschaft aufweisen, C._ persönlich zu
betreuen. Dies hat sich in der Vergangenheit gezeigt. Dass es aus finanzieller
Sicht sinnvoller wäre, wenn der Gesuchsgegner seine wirtschaftliche Leistungsfä-
higkeit voll ausschöpfen würde und die Gesuchstellerin neben ihrer Tochter
K._ auch noch C._ betreuen würde, trifft zwar zu, ändert aber nichts da-
ran, dass auch der Gesuchsgegner grundsätzlich die Möglichkeit hat und die Be-
reitschaft zeigt, C._ – auch in Zukunft – persönlich zu betreuen.
5.4 Aus dem Gesagten folgt, dass beide Elternteile nicht nur gewillt und fähig,
sondern auch in gleicher Weise in der Lage sind, C._ persönlich zu betreuen.
Bei dieser Ausgangslage kommt es nach der Rechtsprechung entscheidend auf
die Stabilität der örtlichen und familiären Verhältnisse an (BGer 5A_972/2013 vom
23. Juni 2014, E. 3). Dieses Kriterium ist gerade im vorliegenden Fall – mit Blick
auf die Unbeständigkeit in der Vergangenheit – von herausragender Bedeutung.
So verbrachte C._ ihr erstes Lebensjahr in Russland, kam dann zusammen
mit ihrer Mutter und K._ in die Schweiz, wurde hernach in der Türkei abrupt
von ihrer Mutter und ihrer Halbschwester getrennt und lebt seither zusammen mit
dem Gesuchsgegner und dessen Mutter in F._. Dies seit nunmehr fast zwei
Jahren. Die Beziehung zu ihrem Vater und wohl auch zu ihrer Grossmutter ist
stabil, und es gibt keine Anzeichen, dass es C._ beim Gesuchsgegner nicht
gut gehen würde. Wie dargelegt hat das Kindeswohl oberste Priorität, mithin Vor-
- 27 -
rang vor allen anderen Überlegungen und insbesondere auch den Wünschen der
Eltern. Eine abermalige Umteilung der Obhut und damit verbunden nicht nur der
Wechsel der Hauptbezugsperson, sondern auch des Wohnorts und der gesamten
gewohnten Umgebung wäre für C._ äusserst belastend und erscheint mit
dem Kindeswohl nicht vereinbar.
Festzustellen ist indessen erneut, dass beide Elternteile alles zu unterlassen
haben, was die Beziehung des jeweils anderen Elternteils zu C._ beeinträch-
tigt. Der Aufbau einer tragfähigen Beziehung zu ihrer Mutter und Schwester er-
scheint in Zukunft als absolut zentral für das Kindeswohl. Dabei ist der Gesuchs-
gegner gehalten, aktiv an diesem Aufbau mitzuwirken und diesen zu fördern. Soll-
te seine mangelhafte Kooperationsfähigkeit und Bindungstoleranz dagegen anhal-
ten, wird sich die Frage stellen, ob diesem Umstand zur Wahrung des Kindes-
wohls mit einer Umteilung der Obhut begegnet werden müsste. Im heutigen Zeit-
punkt erscheint dies nicht als angezeigt.
6. Die Gesuchstellerin beantragt eventualiter, C._ sei unter die alternie-
rende Obhut der Parteien zu stellen (Urk. 91A S. 2 und 10 f.). Dies empfiehlt auch
die Kindesschutzbehörde des Kantons F._, welche im aktuellen Bericht die
Anordnung der alternierenden Obhut bis zum Eintritt von C._ in den Kinder-
garten empfiehlt (Urk. 163 S. 2 f.).
6.1 Die alternierende Obhut stellt hohe Anforderungen an Eltern und Kinder. Sie
ist nur praktisch umsetzbar, wenn die Eltern fähig und bereit sind, in Kinderbelan-
gen laufend miteinander zu kommunizieren und im Hinblick auf die notwendigen
organisatorischen Vorkehrungen zu kooperieren. Unter diesem Aspekt ist von ei-
ner alternierenden Obhut abzusehen, wenn das Verhältnis unter den Eltern hin-
sichtlich anderer Kinderbelange von einer Feindseligkeit gezeichnet ist, die an-
nehmen lässt, eine alternierende Obhut würde das Kind dem gravierenden El-
ternkonflikt in einer Weise aussetzen, die seinen Interessen offensichtlich zuwi-
derläuft. Weiter kommt es auf die geographische Situation an, namentlich die Dis-
tanz zwischen den Wohnungen der beiden Eltern (BGE 142 III 612 E. 4.3; BGer
5A_72/2016 vom 2. November 2016, E. 3.3.2).
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6.2 Diese von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung entwickelten Vorausset-
zungen liegen vorliegend nicht vor, so dass die Anordnung einer alternierenden
Obhut ausser Betracht fällt. Mithin ist dieses Betreuungsmodell insbesondere aus
zwei Gründen weder möglich noch mit dem Wohl von C._ vereinbar: Erstens
befinden sich die Parteien in einem erheblichen Dauerkonflikt, sodass gar die Zu-
teilung der Alleinsorge einer näheren Prüfung unterzogen werden musste. Die
Parteien sind daher den hohen Anforderungen, welche eine alternierende Obhut
mit sich bringt, derzeit bei Weitem nicht gewachsen. Diesbezüglich besteht die
Hoffnung, dass die angeordnete Mediation die erwünschte Beruhigung des Ver-
hältnisses zwischen den Eltern sowie eine verbesserte Kommunikation bringen
wird. Selbst wenn dies der Fall wäre, liegt jedoch zwischen den Wohnorten der
Parteien eine Distanz von mehreren hundert Kilometern, was einer alternierenden
Obhut entgegensteht. Die weite Entfernung zwischen den Wohnorten der Eltern
verhindert rein praktisch eine rasche Erreichbarkeit und eine beidseitige gleich-
wertige Anteilnahme im Alltag. Mit Eintritt in den Kindergarten wird sich diese
Problematik noch deutlich verstärken, zumal in diesem Zeitpunkt auch davon
auszugehen ist, dass C._ für sie wichtige soziale Kontakte ausserhalb der
Familie knüpfen wird. Die weite Entfernung der Haushalte der Eltern und die da-
mit verbundene lange Reisezeit schliesst häufiges Wechseln und damit eine al-
ternierende Obhut klar aus, da dies auf Dauer nicht mit den Interessen von
C._ vereinbar ist.
7. Nach dem Gesagten wird dem Kindeswohl mit der Zuteilung der Obhut allein
an den Gesuchsgegner nach wie vor am besten Rechnung getragen. Die Beru-
fung der Gesuchstellerin ist in diesem Punkt abzuweisen.
D. Besuchsrecht
1. Ausgangslage
1.1 Nachdem es am 2. September 2020 am Flughafen in Istanbul zur Trennung
der Gesuchstellerin und C._ gekommen war, gelang es während der gesam-
ten erstinstanzlichen Verfahrensdauer – trotz Anordnung diesbezüglicher vorsorg-
licher Massnahmen (Urk. 47) – nicht, ein Wiedersehen von Mutter und Tochter zu
- 29 -
realisieren. Erst nach einem Kontaktunterbruch von über zehn Monaten kam es
im Rahmen des ersten begleiteten Besuches der Gesuchstellerin in F._ am
17. Juli 2021 zum Wiedersehen der beiden (Urk. 115 f.). Seither stehen Mutter
und Tochter wieder in regelmässigem Kontakt zueinander.
1.2 Die Vorinstanz sah im angefochtenen Entscheid die eingangs wiedergege-
bene Besuchsrechtsregelung vor (Urk. 92 S. 78). Dazu erwog sie im Wesentli-
chen, nach einer ersten Phase der Wiederannäherung zwischen Mutter und Toch-
ter hätten in einer zweiten Phase relativ rasch unbegleitete Kontakte stattzufin-
den. Eine Aufteilung der Besuche auf verschiedene Wochentage sei aufgrund der
geographischen Distanz nicht praktikabel. Weiter rechtfertige sich aufgrund des
Alters von C._ ein ausgedehntes Besuchsrecht, welches der Gesuchstellerin
und C._ regelmässige und intensive Kontakte ermögliche (Urk. 92 S. 46 f.).
Mit der Überwachung und Begleitung des Besuchsrechts sowie mit der Festle-
gung der jeweiligen Modalitäten betraute die Vorinstanz die mit Entscheid des
Kindes- und Erwachsenenschutzgerichts des Kantons F._ vom 23. Dezem-
ber 2020 eingesetzte Beiständin von C._, N._ (Urk. 92 S. 78 f.;
vgl. Urk. 55).
1.3 Gegen diese Regelung erhob der Gesuchsgegner Berufung mit dem ein-
gangs erwähnten Rechtsbegehren (Urk. 91 S. 2 f.). Gleichzeitig verlangte er be-
treffend das Besuchsrecht die Erteilung der aufschiebenden Wirkung sowie die
Anordnung vorsorglicher Massnahmen, was mit Beschluss vom 5. August 2021
abgewiesen wurde (Urk. 97).
1.4 Im Verlaufe des Berufungsverfahrens reichte O._ – in Vertretung der
Beiständin von C._ – im Hinblick auf die anberaumte Vergleichsverhandlung
einen Bericht vom 29. September 2021 über den bisherigen Verlauf der begleite-
ten Besuche der Gesuchstellerin ein (Urk. 115). Darin äusserte sie Bedenken be-
treffend die von der Vorinstanz vorgesehene Besuchsrechtsregelung. Erstens
seien die Fahrten an drei von vier Wochenenden von F._ nach Zürich und
zurück für C._, welche das Reisen nicht gewohnt sei, zu anstrengend und
ermüdend. Zweitens müsse zuerst die Wohnsituation der Gesuchstellerin über-
prüft werden, bevor sie C._ mit sich auf Besuch nehmen könne. Drittens sei
- 30 -
zwischen den begleiteten Besuchen und den unbegleiteten Besuchen mit Über-
nachtungen bei der Gesuchstellerin eine weitere Phase vorzusehen, in deren
Rahmen Mutter und Tochter außerhalb der Räumlichkeiten des G'._ und oh-
ne Anwesenheit einer dritten Person miteinander Zeit verbringen könnten. Nach
dieser Zwischenphase könnten Besuche bei der Gesuchstellerin an jedem zwei-
ten Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend – mithin mit Übernachtun-
gen – ins Auge gefasst werden (Urk. 115 S. 2 f.).
1.5 Gestützt auf diese Empfehlung vereinbarten die Parteien im Rahmen der
Vergleichsverhandlung vom 7. Oktober 2021 eine Besuchsrechtsregelung für die
Dauer des Berufungsverfahrens (Urk. 118). Diese wurde mit Beschluss der Kam-
mer vom 12. Oktober 2021 genehmigt und lautet wie folgt (Urk. 120 S. 5):
"1. Die Gesuchstellerin wird für die Dauer des Berufungsverfahrens für berechtigt und  erklärt, die Betreuungsverantwortung über die Tochter C._, geboren am tt.mm.2019, wie folgt zu übernehmen:
Phase 1) Bis zum 14. November 2021 alle zwei Wochen für eineinhalb Stunden in Begleitung einer Fachperson im Centre de Consultations Enfants  Famille (G'._), H._ ..., F._.
Phase 2) Ab dem 15. November 2021 ohne Begleitung an jedem Samstag,  am 20. November 2021, für vier Stunden. Die Übergaben finden im Centre de Consultations Enfants Adolescents Famille (G'._), H._ ..., F._, statt und sind von einer Fachperson zu ."
1.6 Seit dem 15. November 2021 und bis heute übt die Gesuchstellerin ihr nun-
mehr unbegleitetes Besuchsrecht an jedem Samstag für viereinhalb Stunden aus,
wobei die Übergaben von C._ jeweils im G'._ in F._ stattfinden
(vgl. Urk. 131 und 163 f.).
2. Standpunkte der Parteien
- 31 -
2.1 Der Gesuchsgegner kritisiert die vorinstanzliche Besuchsrechtsregelung –
im Wesentlichen und soweit noch relevant – wie folgt: Die Vorinstanz sei in kras-
ser Weise von dem gemäss Lehre und Rechtsprechung festgelegten üblichen
Besuchsrecht abgewichen, obwohl dazu kein Grund bestehe. Entgegen der Vorin-
stanz sei mit Blick auf das Alter von C._ gerade kein ausgedehntes Besuchs-
recht zuzusprechen (Urk. 91 S. 25). Hinzu komme, dass vorliegend nicht von ei-
ner guten und nahen Beziehung zwischen C._ und der Gesuchstellerin ge-
sprochen werden könne, weshalb sich auch aus diesem Grund ein ausgedehntes
Besuchsrecht mit Übernachtungen nicht rechtfertigte (Urk. 91 S. 25 f.). Eine
Übernachtung bei der Gesuchstellerin würde C._ überfordern und sich
schliesslich negativ auf ihr Schlafverhalten und damit auf ihre Entwicklung auswir-
ken. Aufgrund dieser Umstände seien Übernachtungen erst vorzusehen, nach-
dem C._ sechs Jahre alt geworden sei. So habe C._ genügend Zeit, um
Vertrauen und eine Beziehung zu ihrer Mutter aufzubauen (Urk. 91 S. 26 f.). Auch
könnten frühestens Besuche mit Übernachtungen stattfinden, wenn die Gesuch-
stellerin über eine angemessene Wohnung verfüge, wo C._ ein eigenes Bett
und die Möglichkeit habe, sich zurückzuziehen (Urk. 91 S. 29).
Hinzu komme, dass sich C._, würde das von der Vorinstanz vorgese-
hene Besuchsrecht umgesetzt, in drei von vier aufeinanderfolgenden Wochen je-
weils zwei Mal pro Woche mit einer Trennungssituation auseinandersetzen müss-
te. Dadurch würde sie ein emotionales Gefühlschaos erleben, welches sie auf-
grund ihres jungen Alters nicht bewältigen könnte. Zudem müsste C._ pro
Monat sechs Mal zwischen F._ und Zürich hin und her reisen, wobei diese
Reisen aufgrund der von der Vorinstanz festgesetzten Abholzeiten während ihrer
Schlaf- und Essenszeiten stattfinden würden. Dies könne C._ nicht zugemu-
tet werden (Urk. 91 S. 27 f.). Überdies sei das von der Vorinstanz eingeräumte
Besuchsrecht aufgrund der sehr knappen finanziellen Verhältnisse beider Partei-
en höchst stossend, da es mit enormen Kosten verbunden sei, welche die Partei-
en nicht tragen könnten (Urk. 91 S. 28 f.).
Weiter obliege es gemäss Lehre und Rechtsprechung der Gesuchstellerin,
C._ abzuholen und zurückzubringen. Es sei nicht nachvollziehbar, wieso die
- 32 -
Vorinstanz von diesem Grundsatz abgewichen sei (Urk. 91 S. 29 f.). Sodann sei-
en die Besuchskosten praxisgemäss vom Besuchsberechtigten zu tragen, wes-
halb die Gesuchstellerin für die Besuchskosten alleine aufzukommen habe (Urk.
91 S. 32).
2.2 Die Gesuchstellerin verlangt für den Fall, dass die Obhut über C._ dem
Gesuchsgegner zugeteilt wird, die Bestätigung der vorinstanzlichen Besuchs-
rechtsregelung (Urk. 122 S. 5 ff.).
3. Ausgestaltung des Besuchsrechts
3.1 Nach Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Sorge oder
Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf ange-
messenen persönlichen Verkehr. Dabei handelt es sich um ein gegenseitiges
Pflichtrecht, das in erster Linie den Interessen des Kindes dient. Oberste Richt-
schnur für die Ausgestaltung des Besuchsrechts ist das Kindeswohl. Entspre-
chend hat sich das Gericht in erster Linie an den Bedürfnissen des Kindes zu ori-
entieren; die Interessen der Eltern haben hinter dem vorrangig massgebenden
Kindeswohl zurückzustehen. In diesem Sinne hat denn der persönliche Verkehr
auch zum Zweck, die positive Entwicklung des Kindes zu gewährleisten und zu
fördern. In der Entwicklung des Kindes sind seine Beziehungen zu beiden Eltern-
teilen wichtig, weil sie bei seiner Identitätsfindung eine entscheidende Rolle spie-
len können (BGer 5A_530/2018 vom 20. Februar 2019, E. 4.1 m.w.H.).
Bei der Ausgestaltung des Besuchsrechts kommt dem Alter des Kindes eine
entscheidende Bedeutung zu. Ein Kleinkind hat diesbezüglich andere Bedürfnisse
als ein Jugendlicher. Insbesondere ist das Zeitgefühl bei einem Kleinkind anders.
Längere Zeitabstände zwischen den Besuchen können bei Kleinkindern zur Un-
gewissheit führen, ob sie den entsprechenden Elternteil je wieder sehen. Deshalb
geht es grundsätzlich nicht um einen Kontakt von einigen Stunden alle zwei Wo-
chen, sondern um Kontakte von einigen Stunden innerhalb zweier Wochen. Zu-
dem ist die Bindung an einen Elternteil und die Intensität der Beziehung zum Be-
suchsberechtigten bei Kleinkindern zentral. Wichtig ist auch die vor der Trennung
der Eltern gelebte Betreuung. Die Ausgestaltung hängt zudem von der Lebensge-
- 33 -
staltung der Eltern und des Kindes, den räumlichen Gegebenheiten und zeitlichen
Verfügbarkeiten der Eltern ab (vgl. BGer 5A_290/2020 vom 8. Dezember 2020, E.
2.3).
3.2 Was die konkrete Regelung des Besuchsrechts anbelangt, so ist vorauszu-
schicken, dass aufgrund der geographischen Distanz zwischen den Wohnorten
der Eltern, dem jungen Alter von C._ sowie dem konfliktbelasteten Verhältnis
der Parteien kein Idealzustand zu erreichen sein wird. Die zu installierende Be-
suchsrechtsregelung ist zwangsläufig ein Kompromiss, oberste Prämisse bildet
wie dargelegt das Kindeswohl. Für C._ erscheint es einerseits äusserst wich-
tig, dass sie die Beziehung zu ihrer Mutter und Halbschwester weiter vertiefen
kann. Dazu muss das Besuchsrecht der Gesuchstellerin weiter ausgebaut wer-
den. Andererseits liegt zwischen F._ und Zürich gerade für ein Kind im Alter
von C._ eine nicht zu unterschätzende Distanz.
3.3 Der Gesuchsgegner kritisiert zunächst, die Vorinstanz sei in krasser Weise
von dem gemäss Lehre und Rechtsprechung festgelegten üblichen Besuchsrecht
abgewichen und habe der Gesuchstellerin – obwohl dies aufgrund des Alters von
C._ gerade nicht geboten sei – ein ausgedehntes Besuchsrecht eingeräumt.
Dabei verkennt er, dass sich der angemessene persönliche Verkehr zwischen El-
tern und Kind nicht objektiv und abstrakt umschreiben lässt und nicht durch Ver-
weis auf standardisierte Praktiken zu bestimmen ist. Die Besuchsrechtsregelung
ist vielmehr an den Besonderheiten des Einzelfalls auszurichten. Dem vorliegend
zu beurteilenden Fall liegen aussergewöhnliche Umstände zugrunde, weshalb die
gemäss Lehre und Rechtsprechung festgelegten Grundsätze nicht unbesehen
dieser Besonderheiten zur Anwendung gebracht werden können. Zum einen sind
vorliegend häufige und kurze Besuchsintervalle – wie sie in der Praxis bei Klein-
kindern häufig vorgesehen werden – aufgrund der räumlichen Verhältnisse weder
praktikabel noch umsetzbar. Zum anderen erscheint es nach dem langen Kontak-
tunterbruch zwischen Mutter und Tochter – welcher dem Kindeswohl diametral
widersprach – umso wichtiger, dass C._ die Möglichkeit hat, in nächster Zu-
kunft eine nahe und intensive Beziehung zu ihrer Mutter sowie zu ihrer Halb-
schwester K._ (wieder-)aufzubauen. Dazu ist die Zusprechung eines ausge-
- 34 -
dehnten Besuchsrechts – einschliesslich Übernachtungen bei der Gesuchstellerin
– unerlässlich. So sieht es denn auch das Bundesgericht für die Entwicklung einer
nahen Eltern-Kind-Beziehung als massgeblich an, dass auch bei Kleinkindern
möglichst schnell Übernachtungen eingeschlossen werden (vgl. BGer
5A_290/2020 vom 8. Dezember 2020, E. 3.4.1).
3.4 Der Gesuchsgegner stellt sodann die Intensität der Beziehung der Gesuch-
stellerin und C._ in Frage und äussert die Ansicht, Übernachtungen bei der
Gesuchstellerin würden C._ emotional überfordern. Die Gesuchstellerin und
C._ stehen seit Mitte Juli 2021 wieder in regelmässigem Kontakt zueinander.
Seit Mitte November 2021 besucht die Gesuchstellerin C._ in der Regel je-
den Samstag für jeweils viereinhalb Stunden im Rahmen unbegleiteter Treffen in
F._. Die Übergaben finden weiterhin im G'._ statt. Lässt es das Wetter
zu, verlassen die Gesuchstellerin und C._ den Besuchstreff und gehen in ei-
nen Park, ansonsten verbleiben sie im Besuchstreff (vgl. Urk. 164). Bereits im
September 2021, mithin kurz nach Beginn der begleiteten Besuche, berichteten
die involvierten Fachpersonen vom G'._ von einer starken, liebevollen und
vertrauten Mutter-Kind-Beziehung (Urk. 116 S. 1 ["Je peux observer que mère et
fille partagent un lien fort et réciproque"]). Im aktuellen Bericht des G'._ vom
30. April 2022 wird die Beziehung zwischen C._, ihrer Mutter und ihrer Halb-
schwester K._ wiederum als stark und auf Gegenseitigkeit beruhend be-
schriebe (Urk. 164 ["Nous constatons que le lien entre C._, sa mère et sa
demi-soeur est fort et réciproque"]. Dem aktuellen Bericht des G'._ ist des
Weiteren zu entnehmen, dass C._ den Wechsel von Vater zu Mutter im
Rahmen der Besuche in einer sehr sanften Weise vollziehe und keine Anzeichen
von Trennungsschwierigkeiten zeige (Urk. 164 ["Nous observons que C._ fait
la transition entre sa famille paternelle et maternelle de manière très douce et ne
montre aucun signe de difficulté de séparation"]). Vor diesem Hintergrund dürfte
mittlerweile – nach über einem Jahr der (Wieder-)Annäherung – eine Beziehungs-
intensität zwischen der Gesuchstellerin und C._ erreicht sein, welche den
umgehenden Übergang zu einem Besuchsrecht mit Übernachtungen bei der Ge-
suchstellerin zulässt. Diese Einschätzung teilt auch die Beiständin von C._,
gemäss welcher es in Bezug auf die persönliche Beziehung zwischen der Ge-
- 35 -
suchstellerin und C._ aktuell nichts gebe, was gegen eine Ausweitung des
Besuchsrechts spreche (Urk. 163 S. 1 ["S'agissant des relations personnelles ent-
re la mineure et sa mère, il ne résulte actuellement pas d'inquiétudes, selon le re-
tour des professionnels, pouvant contre-indiquer un élargissement des visites."]).
3.5 Der Gesuchsgegner kritisiert sodann, das von der Vorinstanz vorgesehene
Besuchsrecht verursache hohe Kosten, welche die Parteien nicht tragen könnten.
Dabei verkennt er, dass der gegenseitige Anspruch von C._ und der Ge-
suchstellerin auf angemessenen persönlichen Verkehr nicht aufgrund fehlender
finanzieller Mittel eingeschränkt werden kann. Auch dieses Argument vermag da-
her nicht zu überzeugen.
3.6 Betreffend die Bedenken des Gesuchsgegners, was die Wohnsituation der
Gesuchstellerin anbelangt, ist was folgt festzuhalten: Die Gesuchstellerin teilte
dem Gericht mit Eingabe vom 24. Februar 2022 mit, dass sie per 1. Juli 2022 eine
neue Wohnung an der P._-gasse ... in L._ beziehen werde (Urk. 149).
Zudem reichte sie den Mietvertrag (Urk. 151/6) sowie einen Grundriss und diverse
Fotografien des Mietobjekts ein (Urk. 151/7). Daraus geht hervor, dass es sich bei
der neuen Wohnung der Gesuchstellerin um eine Altbauwohnung handelt, welche
sich über zwei Stockwerke erstreckt. Toilette und Schlafzimmer sind im Erdge-
schoss, im Obergeschoss befindet sich das Wohnzimmer, die abgeschlossene
Küche sowie ein Bereich hinter der Treppe mit Fenster, welcher als – offenes –
Kinderzimmer dienen kann. Die Wohnung bietet offensichtlich ausreichend Platz
für die Gesuchstellerin und K._, und wird auch C._ genügend Rück-
zugsmöglichkeiten bieten, wenn sie das Wochenende bei der Gesuchstellerin und
ihrer Halbschwester verbringt. Dass sie dabei kein eigenes Zimmer haben wird,
ändert nichts an dieser Einschätzung. Was das Mietreglement angeht, so ist die-
sem tatsächlich in Ziffer 2 eine Bestimmung zu entnehmen, wonach über Nacht
nicht mehr als zwei Personen in der Wohnung erlaubt sind (Urk. 151/6). Diese
Regelung erscheint aber nicht auf ein Kleinkind zugeschnitten, welches pro Monat
einige wenige Nächte bei seiner Mutter übernachtet.
Der Gesuchsgegner stellt den Antrag, es sei betreffend die Wohnsituation
der Gesuchstellerin eine Vor-Ort-Abklärung durchzuführen, um zu überprüfen, ob
- 36 -
diese kindesgerecht sei (Urk. 123 S. 2). Dieser Ansicht ist auch die Kindesschutz-
behörde des Kantons F._, welche ebenfalls eine solche Überprüfung emp-
fiehlt, bevor C._ bei der Gesuchstellerin übernachtet (Urk. 163 S. 3). Aller-
dings erscheint eine solche Abklärung aus mehreren Gründen entbehrlich: Ers-
tens handelt es sich bei der neuen Wohnung der Gesuchstellerin um eine her-
kömmliche Altbauwohnung in der Gemeinde L._. Sie bietet wie beschrieben
ausreichend Platz für eine erwachsene Person und zwei Kinder, und birgt keine
aussergewöhnlichen Gefahren, welche eine behördliche Abklärung nötig machen
würden. Dies ergibt sich bereits aus dem Grundriss und den eingereichten Foto-
grafien der Räume. Zweitens bewohnt die Gesuchstellerin diese Wohnung bereits
mit einem Kind, nämlich der mittlerweile elfjährigen K._. Die sozialen Dienste
L._ – welche nach wie vor für die Wohnkosten der Gesuchstellerin aufkom-
men dürften – hätten dem Umzug an die P._.gasse ... kaum zugestimmt,
wäre die Wohnung nicht kindertauglich. Drittens bezeichnet auch die Beiständin
von C._ die neue Wohnung der Gesuchstellerin als "très adéquat" (Urk. 163
S. 2 f.), weshalb nicht nachvollziehbar ist, weshalb sie dennoch eine Vor-Ort-
Überprüfung als notwendig erachtet. In diesem Zusammenhang sei zudem an-
gemerkt, dass, würde man der Argumentation des Gesuchsgegners folgen, kon-
sequenterweise auch seine Wohnsituation einer Überprüfung zu unterziehen wä-
re. Nach dem Gesagten ist dieser Antrag des Gesuchsgegners abzuweisen.
3.7 Was die Intervalle zwischen den einzelnen Besuchen betrifft, so ist dem Ge-
suchsgegner bzw. der Kindesschutzbehörde des Kantons F._ zuzustimmen:
Die Reisen von F._ nach Zürich und zurück dürften für die erst dreijährige
C._ anstrengend und belastend sein, ist doch – ob mit dem Zug oder dem
Auto – mit einer Reisezeit von etwa vier Stunden pro Weg zu rechnen (vgl. Urk.
95/8 f.). In Abweichung der erstinstanzlichen Regelung ist daher ein Wochenend-
besuchsrecht der Gesuchstellerin alle zwei Wochen vorzusehen. Damit hat
C._ den Weg von F._ nach Zürich und zurück immerhin nur noch zwei-
mal monatlich zurückzulegen. Selbstredend geht auch damit eine gewisse Belas-
tung für C._ einher. Diese scheint aber vertretbar und muss zugunsten einer
nahen und intensiven Mutter-Kind-Beziehung sowie einer intakten Geschwister-
Beziehung hingenommen werden.
- 37 -
Betreffend Beginn der Besuche am Freitag, 13:00 Uhr und Ende der Besu-
che am Sonntag, 15:00 Uhr, ist die vorinstanzliche Regelung nicht zu beanstan-
den. Die zwei Übernachtungen steigern zum einen die Qualität der Besuche und
bewirken zum anderen, dass die für C._ anstrengenden Reisen nicht an zwei
aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Es verbleibt sowohl am Freitag wie auch
am Sonntag genügend Zeit für den Transfer zwischen den Wohnorten der Eltern,
sodass die Gesuchstellerin am Freitag bzw. der Gesuchsgegner am Sonntag das
Abendessen mit C._ einnehmen und anschliessend das Zu-Bett-gehen-
Ritual durchführen kann.
Die vorinstanzliche Regelung sieht weiter vor, dass die Gesuchstellerin
C._ jeweils am Freitag des Besuchswochenendes in F._ beim Ge-
suchsgegner abholt und der Gesuchsgegner C._ jeweils am Sonntag des
Besuchswochenendes in L._ bei der Gesuchstellerin abholt, wobei jede Par-
tei die Kosten für das Abholen von C._ (inkl. Fahrkosten) selber übernimmt.
Auch diese Regelung ist entgegen der Auffassung des Gesuchsgegners zu bestä-
tigen, trägt sie doch den vorliegenden besonderen Verhältnissen Rechnung. Da-
mit verteilt sich der mehrstündige Reiseaufwand in zeitlicher und finanzieller Hin-
sicht auf beide Parteien, was mit Blick auf die Ereignisse, die zur heutigen, kom-
plexen Situation geführt haben, durchaus angemessen erscheint. Der mit dieser
Regelung einhergehende Eingriff in die persönliche Freiheit des Gesuchsgegners
ist ohne Weiteres gerechtfertigt.
3.8 Zusammenfassend ist die Gesuchstellerin ab Erlass dieses Urteils für be-
rechtigt und verpflichtet zu erklären, die Betreuungsverantwortung für C._ an
jedem zweiten Wochenende jeweils von Freitag, 13:00 Uhr bis Sonntag, 15:00
Uhr zu übernehmen. Die Gesuchstellerin hat C._ jeweils am Freitag vor dem
Besuchswochenende in F._ beim Gesuchsgegner abzuholen und der Ge-
suchsgegner hat C._ jeweils am Sonntag des Besuchswochenendes in
L._ bei der Gesuchstellerin abzuholen. Die Kosten für das Abholen von
C._ (inkl. die Fahrkosten von C._) hat jede Partei selber zu überneh-
men. Die Beiständin von C._ bleibt mit der Überwachung des Besuchsrechts
betraut.
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Ein weitergehendes Besuchsrecht und insbesondere häufigere, auch kürze-
re Betreuungszeiten von C._ bei der Mutter wären zwar wünschenswert, sind
aber aufgrund der langen Reisezeit nicht praktikabel. Sollte die Gesuchstellerin
dagegen ihren Wohnsitz nach F._ oder in die nahe Umgebung von F._
verlegen, müsste dies aufgrund der Verhältnisse im dannzumaligen Zeitpunkt neu
beurteilt werden.
Die Parteien – und vorab der Gesuchsgegner – sind daran zu erinnern, dass
aufgrund des schicksalhaften Eltern-Kind-Verhältnisses die Beziehung von
C._ zu beiden Elternteilen wichtig ist und bei ihrer Identitätsfindung eine ent-
scheidende Rolle spielen kann (BGE 130 III 585 E. 2.2.2; BGE 131 III 209 E. 4).
Deshalb haben beide Elternteile mit Blick auf das Wohl von C._ die Pflicht,
eine gute Beziehung zum jeweils anderen Elternteil zu fördern (vgl. auch Art. 274
Abs. 1 ZGB). Namentlich hat der hauptbetreuende Elternteil bzw. der Gesuchs-
gegner C._ positiv auf Kontakte mit der Gesuchstellerin vorzubereiten (BGE
142 III 1 E. 3.4; BGer 5A_505/2013 vom 20. August 2013, E. 6.3). Sollte das Ver-
halten des Gesuchsgegners den Besuchen von Mutter und Tochter aber entge-
genstehen, müsste dies als Zeichen einer fehlenden Bindungstoleranz gewertet
werden, was sich auf die Beurteilung seiner Erziehungsfähigkeit auswirken würde.
4. Telefonische Kontakte
4.1 Das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht des Kantons F._ bewilligte
mit Entscheid vom 9. August 2021 zweimal wöchentlich stattfindende Telefonkon-
takte zwischen der Gesuchstellerin und C._ (Urk. 103/1). Der Gesuchsgeg-
ner steht dieser Anordnung offenbar ablehnend gegenüber und bringt vor, die
Gesuchstellerin habe an diesen Kontakten gar kein echtes Interesse und rufe nur
unregelmässig an, obwohl er sich jeweils bereithalte (Urk. 101 S 1 f.; Urk. 155 S.
9). Die Gesuchstellerin dementiert diesen Vorwurf und betont, dass diese Anrufe
für sie sehr wichtig seien; es sei vielmehr der Gesuchsgegner, welcher die Tele-
fonkontakte teilweise verweigere (Urk. 180).
4.2 Weder die Gesuchstellerin noch der Gesuchsgegner beantragen im Beru-
fungsverfahren formell die Aufhebung bzw. Bestätigung dieser Anordnung. An-
- 39 -
lass, den Entscheid des Kindes- und Erwachsenenschutzgerichts des Kantons
F._ umzustossen, besteht denn auch nicht, ergänzen doch regelmässige
Kontakte per Telefon bzw. Videotelefon das mit dem vorliegenden Entscheid an-
geordnete Wochenendbesuchsrecht. Damit kann insbesondere den längeren
Zeitabständen zwischen den Besuchen bei der Gesuchstellerin wirksam begegnet
werden. Allenfalls gibt der vorliegenden Entscheid bzw. die damit erlassene Be-
suchsrechtsregelung Anlass zur Anpassung der Modalitäten der telefonischen
Kontakte. Solches in die Wege zu leiten ist Sache der Beiständin von C._.
Dass die Telefonate bisher nicht immer reibungslos verlaufen sind oder teilweise
gar nicht stattfinden konnten, verwundert angesichts der stark konfliktbehafteten
Elternbeziehung nicht.
5. Kostentragung begleitete Besuche
5.1 Aufgrund des langen Kontaktunterbruchs zwischen C._ und ihrer Mutter
ordnete die Vorinstanz – in einer ersten Phase – begleitete Besuche der Gesuch-
stellerin an. Sie verpflichtete die Parteien, die Kosten für die begleiteten Besuche
je zur Hälfte zu tragen (Urk. 92 S. 78). Dagegen wendet sich der Gesuchsgegner
berufungsweise und stellt sich auf den Standpunkt, die begleiteten Besuche seien
allein aufgrund des Verhaltens der Gesuchstellerin notwendig geworden, weshalb
diese die betreffenden Kosten allein zu tragen habe (Urk. 91 S. 30 f.).
5.2 Es ist unbestritten, dass sich C._ seit dem 2. September 2020 in der
faktischen Obhut des Gesuchsgegners befindet. Demzufolge wäre es, wie dies
bereits die Vorinstanz ausführte, am Gesuchsgegner gewesen, einen Kontakt
zwischen der Gesuchstellerin und C._ zuzulassen bzw. einen solchen zu
fördern. Stattdessen beharrte der Gesuchsgegner entgegen dem Kindeswohl auf
seiner Verweigerungshaltung und trug damit in massgeblicher Weise dazu bei,
dass sich die Gesuchstellerin und C._ für über zehn Monate nicht sehen
konnten, womit eine (Wieder-)Annäherung von Mutter und Tochter im Rahmen
begleiteter Besuche überhaupt erst notwendig wurde. Die vorinstanzliche Rege-
lung der hälftigen Kostentragung ist vor diesem Hintergrund nicht zu beanstan-
den.
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E. Ausreisesperre und Ausweisschriften
1. Die Vorinstanz hat beiden Parteien verboten, mit C._ aus der Schweiz
auszureisen oder sie anderweitig ins Ausland zu verbringen bzw. verbringen zu
lassen, und ordnet zur Durchsetzung der Ausreisesperre die Ausschreibung von
C._ im RIPOL sowie im SIS an (Urk. 92 S. 79 f.). Damit bestätigte sie ihre
bereits am 15. Dezember 2020 vorsorglich verfügte Anordnung (Urk. 47). Die Vor-
instanz erwog diesbezüglich im Wesentlichen, es würden zwar von keiner Partei
Anhaltspunkte auf eine bevorstehende Verbringung von C._ ins Ausland
vorgebracht. Jedoch sei zu bedenken, dass das Familienleben der Parteien ge-
mäss übereinstimmenden Aussagen während der gesamten Beziehungsdauer
und auch noch danach in verschiedenen Ländern stattgefunden habe. Demge-
genüber sei die gemeinsame Familienzeit in der Schweiz von sehr kurzer Dauer
gewesen. Es bestünden vorliegend Bezüge beider Parteien zum Ausland und
beide Parteien hätten Familienangehörige sowie Wohnmöglichkeiten im Ausland.
Im Weiteren sei das Eheschutzverfahren hochstrittig geführt worden, wobei der
Hauptstreitpunkt die Frage der Obhutszuteilung über die gemeinsame Tochter
C._ gebildet habe. Damit bestehe zumindest eine abstrakte Gefahr, dass ei-
ne der Parteien mit C._ ins Ausland reisen und die Tochter so dem anderen
Elternteil entziehen könnte. Zudem habe das Ausreiseverbot ein wesentliches Be-
ruhigungsmoment hinsichtlich der angespannten Betreuungs- und Besuchs-
rechtssituation. Es begegne den seitens beider Parteien geäusserten Befürchtun-
gen einer Verbringung C._s ins Ausland gegen den Willen des jeweils ande-
ren Elternteils angemessen. Es sei geeignet, zumindest diesen Konfliktherd zwi-
schen den Eltern zu entschärfen und damit ein Einpendeln der Betreuungsrege-
lung zu fördern. Die Interessen der Parteien, mit C._ ins Ausland zu reisen,
seien letzterem Ziel klar untergeordnet. Es erscheine daher insgesamt als ver-
hältnismässig, das Ausreiseverbot vorerst aufrechtzuerhalten (Urk. 92 S. 53 ff.).
2. Der Gesuchsgegner wendet sich berufungsweise gegen diese Anordnung
und beantragt, es sei die Ausreisesperre in Bezug auf seine Person vollumfäng-
lich, eventualiter betreffend Frankreich, aufzuheben, in Bezug auf die Gesuchstel-
lerin jedoch beizubehalten (Urk. 91 S. 3 ff.). Zur Begründung führt er aus, es be-
- 41 -
stehe in Bezug auf seine Person keine Gefahr der Entführung. Er sei Schweizer,
sei in der Schweiz geboren und aufgewachsen, habe sein gesamtes Umfeld in
der Schweiz und habe nie längere Zeit im Ausland gelebt. Es gebe daher keine
Anhaltspunkte, dass er beabsichtige, C._ ins Ausland zu verschaffen. Er ha-
be kein Interesse, seinen Wohnsitz in die Türkei zu verlegen. In der Türkei habe
seine Familie eine Ferienwohnung, welche lediglich zu Ferienzwecken genutzt
werden könne. Zudem verfüge C._ nicht über die türkische Staatsangehörig-
keit, weshalb es gar nicht möglich wäre, dass er mit C._ in der Türkei Wohn-
sitz nehmen könnte. Die Gesuchstellerin demgegenüber habe keinen Bezug zur
Schweiz und habe sich dahingehend geäussert, dass sie zurück nach Russland
gehen wolle. Sie habe zudem auch klar vorgebracht, dass sie nicht getrennt von
C._ lebe wolle. Es sei daher davon auszugehen, dass sie beabsichtige, nach
Russland zurückzukehren, und zwar zusammen mit C._. Die Gesuchstellerin
sei in Russland geboren, dort aufgewachsen und habe ihr ganzes Umfeld dort,
und auch C._ sei in Russland geboren und verfüge über einen russischen
Pass. Für die Gesuchstellerin wäre es daher ein Leichtes, C._ nach Russ-
land zu schaffen. Da die Parteien verschiedene Ausgangslagen vorweisen wür-
den, sei es gerechtfertigt, sie verschieden zu behandeln. Hinzu komme, dass
F._ und die Region Rhone Alpe in Frankreich wie eine einzige Stadt seien
und deshalb der tägliche Grenzübergang normal sei. Aufgrund dieses Umstands
greife die Ausreisesperre enorm in das Privatleben des Gesuchsgegners ein und
sei keineswegs verhältnismässig. Sollte an der Ausreisesperre festgehalten wer-
den, so solle diese gegenüber dem Gesuchsgegner zumindest dahingehend ge-
lockert werden, dass es ihm erlaubt sei, mit C._ nach Frankreich zu gehen.
Stimme das Gericht diesem Antrag nicht zu, so seien ihm zumindest die bei der
KESB F._ hinterlegten Ausweisschriften, zumindest der Schweizer Pass, zu-
rückzugeben. Er sei darauf angewiesen, dass er vorzeigen könne, dass es sich
bei C._ um seine Tochter handle (Urk. 91 S. 32 ff.).
3. Die Gesuchstellerin beantragt demgegenüber die Bestätigung der vo-
rinstanzlichen Regelung (Urk. 122 S. 9 f.).
- 42 -
4. Der Gesuchsgegner ist Schweizer, ist in der Schweiz geboren und aufge-
wachsen und fühlt sich hier bzw. in F._ zweifellos zu Hause. Daneben besitzt
er aber auch die türkische Staatsbürgerschaft. Seine Wurzeln liegen in der Türkei,
er spricht türkisch und seine Familie verfügt über ein (Ferien-)Domizil in der Tür-
kei. Er hat damit, wie auch die Gesuchstellerin, einen engen Bezug zu einem an-
deren Land. Im Kern liegen damit gerade nicht unterschiedliche Ausgangslagen
vor, welche eine Ungleichbehandlung der Parteien im Sinne einer einseitigen
Aufhebung der Ausreisesperre zugunsten des Gesuchsgegners rechtfertigen
würden. Auch eine beidseitige Aufhebung der Ausreisesperre fällt ausser Be-
tracht, da sie von keiner der Parteien beantragt wird. Im Übrigen kann auf die zu-
treffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Damit fällt auch eine
teilweise Lockerung mit Blick auf Frankreich ausser Betracht.
Die Berufung des Gesuchsgegners ist somit auch in diesem Punkt abzuwei-
sen. Infolgedessen sind auch die bei der KESB F._ hinterlegten Ausweis-
schriften dem Gesuchsgegner nicht herauszugeben, bzw. diese sind gemäss Dis-
positiv-Ziffer 7 weiterhin bei der Beiständin aufzubewahren.
F. Mediation
1. Die Kindesschutzbehörde des Kantons F._ empfiehlt die gerichtliche
Anordnung einer Mediation zwischen den Parteien. Dies, da der Konflikt zwischen
den Parteien nach wie vor vorherrschend sei, die Parteien aktuell aber offensicht-
lich nicht in der Lage seien, ihren Disput zugunsten einer respektvollen Elternbe-
ziehung und im Interesse von C._ zu überwinden (Urk. 163 S. 3).
2. Die Gesuchstellerin spricht sich für die Durchführung einer Mediation aus
(vgl. Urk. 174 S. 3). Der Gesuchsgegner lehnt dies demgegenüber ab, stellt aber
nicht in Abrede, dass eine Mediation – in Zukunft – sinnvoll und hilfreich sein
könnte (Urk. 171 S. 14 f.).
3. Nach der Rechtsprechung kann das Gericht im Sinne einer auf Art. 307
Abs. 3 ZGB gestützten Kindesschutzmassnahme eine Mediation anordnen; dies
grundsätzlich auch gegen den Willen eines Elternteils (BGer 5A_457/2009 E. 4.3;
- 43 -
BGer 5A_852/2011 vom 20. Februar 2012, E. 6; vgl. sodann OGer ZH PQ140093,
E. III.2.). Diese orientiert sich an den Interessen und Rechten des Kindes. Dabei
werden hochstrittige Eltern, die sich erfahrungsgemäss zumeist von ihren Ängs-
ten, Verletzungen und hauptsächlich von ihren Erwachseneninteressen leiten las-
sen, mit den Interessen und Bedürfnissen ihrer Kinder konfrontiert. Eltern erfah-
ren, wie sich ihr Konflikt auf die Befindlichkeit ihrer Kinder auswirkt und was sie für
ihre Kinder tun können (BK-AFFOLTER-FRINGELI/VOGEL, Art. 307 N 51).
4. Die Empfehlung der Kindesschutzbehörde des Kantons F._ überzeugt:
Der schwerwiegende Konflikt zwischen den Parteien ist in einer Weise vorherr-
schend, so dass das gemeinsame Elternsein stark in den Hintergrund gedrängt
wird. Das Verhältnis der Parteien ist von Misstrauen, gegenseitigen Anschuldi-
gungen und destruktivem Verhalten dem anderen Elternteil gegenüber geprägt.
Entsprechend ist die Kooperations- und Kommunikationsfähigkeit zwischen den
Parteien erheblich gestört; ein vernünftiger, sachlicher und respektvoller Aus-
tausch erscheint derzeit unmöglich. Dagegen vermochte auch die von der Vorin-
stanz errichtete Beistandschaft offenkundig nichts auszurichten. Dieser Zustand
stellt, wird er auch in Zukunft aufrechterhalten, zweifellos eine Bedrohung für die
Entwicklung von C._ dar. Der Gesuchsgegner räumt ein, dass eine Mediati-
on – in Zukunft – sinnvoll und hilfreich sein könnte. Er spricht sich also nicht in
grundsätzlicher Weise gegen die Durchführung einer Mediation aus, sondern hält
lediglich den Zeitpunkt für verfrüht. Damit dürfte auch der Gesuchsgegner eine
gewisse Bereitschaft zur Konfliktbewältigung mitbringen. Sodann gebietet es das
Kindeswohl, dass die Parteien die Konfliktbewältigung schnellstmöglich – und mit
professioneller Hilfe – in Angriff nehmen.
5. Vor diesem Hintergrund erscheint es angezeigt, auf der Elternebene zu in-
tervenieren. Die Parteien sollen im Interesse von C._ lernen, einander mit ih-
ren gegensätzlichen Ansichten und Bedürfnissen anzuerkennen und ihre Konflikte
auf einer sachlichen Ebene auszutragen. Es ist daher gestützt auf Art. 307 Abs. 3
ZGB eine Mediation anzuordnen, mit dem Ziel, die Elternzusammenarbeit und die
Kommunikation betreffend Kinderbelange zu verbessern.
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6. Die Kindesschutzbehörde des Kantons F._ bzw. die Beiständin von
C._ ist zu ersuchen, für die Parteien eine Mediation im genannten Sinne zu
organisieren.
G. Kinderunterhalt
1. Ausgangslage
1.1 Zur Berechnung des Kinderunterhalts wandte die Vorinstanz die zweistufige
Berechnungsmethode an (Existenzminimumberechnung mit allfälliger Über-
schussverteilung; Urk. 92 S. 57). Dabei ging sie von drei – sich am Einkommen
der Parteien orientierenden – Phasen aus (Urk. 92 S. 62):
- Phase I: Oktober und November 2020;
- Phase II: Dezember 2020 bis Oktober 2021;
- Phase III: ab November 2021.
Nach Ermittlung von Einkommen und Bedarf und deren Gegenüberstellung ge-
langte die Vorinstanz zur Auffassung, die Gesuchstellerin könne mangels Leis-
tungsfähigkeit in keiner der Phasen verpflichtet werden, Kinderunterhalt für
C._ zu bezahlen (Urk. 92 S. 73). Entsprechend sprach sie keine Unterhalts-
beiträge zu, stellte fest, dass der gebührende Bedarf von C._ nicht gedeckt
sei und hielt das resultierende Manko betragsmässig fest (Urk. 92 S. 80).
1.2 Die Unterhaltsberechnung der Vorinstanz wird vom Gesuchsgegner in Be-
zug auf Phase III, mithin ab November 2021, teilweise bestritten (Urk. 91 S. 35
ff.). Die Gesuchstellerin beantragt demgegenüber – für den Fall, dass ihr die Ob-
hut über C._ nicht zugeteilt wird – die Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils (Urk. 113/91A S. 12; Urk. 122 S. 10 f.).
1.3 Die Unterhaltsberechnung der Vorinstanz blieb betreffend die Phasen I und
II unbeanstandet. Sie gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die nachfolgenden
Erwägungen beziehen sich somit allein auf die Phase III, mithin den Zeitraum ab
November 2021.
- 45 -
2. Einkommen der Gesuchstellerin
2.1 Die Vorinstanz rechnete der Gesuchstellerin ab November 2021 ein hypo-
thetisches Einkommen in Höhe von monatlich Fr. 1'750.– an. Sie ging davon aus,
dass die Ausbildung der Gesuchstellerin in der Schweiz nicht als gleichwertig an-
erkannt werden würde und sie deshalb eine Stelle in einem ausbildungsfremden
Bereich im Niedriglohnsektor werde antreten müssen. Bei einem zumutbaren Ar-
beitspensum von 50% werde sie daher maximal Fr. 2'000.– erwirtschaften kön-
nen, weshalb ihr ein hypothetisches Einkommen von Fr. 1'750.– anzurechnen sei
(Urk. 92 S. 59 f.).
2.2 Der Gesuchsgegner moniert, die Vorinstanz habe das hypothetische Ein-
kommen der Gesuchstellerin zu tief festgesetzt und beantragt berufungsweise, es
sei die Gesuchstellerin ab November 2021 zu verpflichten, monatliche Kinderun-
terhaltsbeiträge für C._ von mindestens Fr. 500.– zzgl. Kinderzulagen zu
leisten (Urk. 91 S. 6). Die Gesuchstellerin sei Ärztin und auf den Bereich Zytopa-
thologie spezialisiert. Sie habe bereits über drei Jahre Berufserfahrung in Russ-
land. Zwar könne es für die Gesuchstellerin schwierig sein, in der Schweiz eine
Stelle als Zytopathologin zu finden, da die Ausübung dieses Berufs vom Bundes-
amt für Gesundheit (BAG) erst bewilligt werden müsse. Die Vorinstanz nehme
aber fälschlicherweise an, dass die Gesuchstellerin aus diesem Grund sehr wahr-
scheinlich nur Chancen auf eine Stelle aus einem ausbildungsfremden Bereich im
Niedriglohnsektor habe. So gebe es im Ausbildungsstamm der Gesuchstellerin
noch andere Zweige, so beispielsweise eine Stelle als biomedizinische Analytike-
rin oder Zytotechnikerin. Beide Berufe würden nicht der Bewilligungspflicht des
BAG unterstehen und es sei auch nicht zwingend das Beherrschen einer Landes-
sprache vorausgesetzt. Sodann sei davon auszugehen, dass die Gesuchstellerin
aufgrund ihres universitären Abschlusses mit dem Erlernen einer Fremdsprache
vor keine grossen Probleme gestellt werde. Der durchschnittliche Jahreslohn ei-
ner Zytotechnikerin bewege sich zwischen Fr. 72'000.– und Fr. 75'000.–, wobei
der Lohn je nach Alter, Berufserfahrung etc. auch deutlich höher ausfallen könne.
Bei einem 50% Pensum wäre der Gesuchstellerin folglich ein hypothetisches Ein-
kommen von über Fr. 3'000.– anzurechnen. Es sei somit entgegen der Vorinstanz
- 46 -
ab November 2021 von einem hypothetischen Einkommen der Gesuchstellerin
von mindestens Fr. 3'000.– auszugehen.
2.3 Die Gesuchstellerin bezeichnet diese Darlegungen des Gesuchsgegners als
schlicht utopisch. Ihre Ausbildung werde in der Schweiz nicht anerkannt, und sie
sei meilenweit entfernt von der Beherrschung der notwendigen Fachausdrücke
und der Möglichkeit, sich konstruktiv und speditiv mit Mitarbeitenden und Klienten
auszutauschen. Es sei gerichtsnotorisch, dass Personen mit einem Migrationshin-
tergrund, welche über keine ausreichenden Sprachkenntnisse verfügen würden,
nahezu ausschliesslich im Niedriglohnsektor Anstellung fänden (Urk. 122 S. 10 f.).
2.4 Mit Blick auf die Betreuung der elfjährigen K._ ist der Gesuchstellerin
eine Erwerbstätigkeit im Umfang von 50% zumutbar (BGE 144 III 481 E. 4.7.6).
Dies wird vom Gesuchsgegner nicht in Frage gestellt. Die Gesuchstellerin ist in
Russland studierte Ärztin im Fachbereich Zytologie (Prot. I S. 31; Urk. 44/15). Al-
lerdings dürfte ihre Ausbildung in der Schweiz nicht anerkannt werden. So ist
denn auch der Webseite des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zu entnehmen,
dass ein Diplom der Humanmedizin von ausserhalb der EU/EFTA in der Schweiz
grundsätzlich nicht anerkannt werde (https://www.bag.admin.ch). Es muss daher
davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin in der Schweiz weder als
Ärztin im Fachbereich Zytologie noch in einem verwandten Tätigkeitsbereich –
beispielsweise, wie dies der Gesuchsgegner vorschlägt, als biomedizinische Ana-
lytikerin oder Zytotechnikerin – wird arbeiten können. Das Problem der fehlenden
Anerkennung der Ausbildung stellt sich nämlich ebenso bei verwandten Arbeits-
gebieten im Gesundheitssektor. Erschwerend kommt hinzu, dass die Gesuchstel-
lerin seit Mai 2019 nicht mehr auf ihrem erlernten Beruf gearbeitet hat und über
keinerlei Berufserfahrung ausserhalb von Russland verfügt. Zudem spricht sie
keine der schweizerischen Amtssprachen bzw. verfügt nicht über die erforderli-
chen Sprachkenntnisse, um in der Schweiz einen Medizinalberuf – sei es auch
nur im Labor – auszuüben.
Angesichts dieser Gegebenheiten überzeugt die Einschätzung der Vorin-
stanz: Die Gesuchstellerin wird eine Erwerbstätigkeit in einem ausbildungsfrem-
den Bereich im Niedriglohnsektor antreten müssen. Dass sie das hypothetische
- 47 -
Einkommen der Gesuchstellerin daher auf – brutto – nicht über Fr. 2'000.– bzw.
netto Fr. 1'750.– festsetzte, ist nicht zu beanstanden. Der Gesuchsgegner bringt
denn auch nicht vor, die Gesuchstellerin könnte im Rahmen einer Arbeitstätigkeit
im Niedriglohnsektor ein höheres Einkommen generieren.
2.5 Ein hypothetisches Einkommen darf grundsätzlich nicht rückwirkend, son-
dern erst nach Ablauf einer angemessenen Übergangsfrist angerechnet werden.
Entscheidend ist dabei, inwieweit die geforderte Umstellung für die betroffene
Person voraussehbar war, womit es massgebend auf den Zeitpunkt der Zustel-
lung des erstinstanzlichen Urteils ankommt (OGer ZH LE170065 vom 16. April
2018, E. IV.B.4.2.4; OGer ZH LE180003 vom 2. Juli 2018, E. III.B.4.5; OGer ZH
LE190054 vom 27. Januar 2020, E. III.2.2.1; OGer ZH LE150010 vom 9. Juli
2015, E. III.C.3.3; BGer 5A_224/2016 vom 13. Juni 2016, E. 3.3).
Das Urteil der Vorinstanz wurde der Gesuchstellerin am 14. Juli 2021 zuge-
stellt (Urk. 89/1). Ab diesem Zeitpunkt war es für sie voraussehbar, dass sie sich
eine Arbeitsstelle wird suchen müssen. Die von der Vorinstanz gesetzte Frist bis
Ende Oktober 2021 erscheint zwar eher kurz bemessen, ist aber aufgrund der
knappen finanziellen Verhältnisse und der vergleichsweise langen erstinstanzli-
chen Verfahrensdauer gerechtfertigt, und wurde überdies auch nicht beanstandet.
2.6 Nach dem Gesagten ist mit der Vorinstanz ab November 2021 von einem
hypothetischen Nettoeinkommen der Gesuchstellerin von monatlich Fr. 1'750.–
auszugehen.
3. Einkommen des Gesuchsgegners
3.1 Die Vorinstanz rechnete dem Gesuchsgegner ab November 2021 ein hypo-
thetisches Einkommen in Höhe von Fr. 3'120.– an. Dies, da der Gesuchsgegner
nach eigenen Angaben beabsichtige, sich eine 50% Stelle suchen zu wollen, um
C._ eine gewisse finanzielle Sicherheit bieten zu können (Urk. 92 S. 60). Da-
gegen bringt der Gesuchsgegner vor, aufgrund seiner Betreuungsverantwortung
für C._ könne er zurzeit nicht verpflichtet werden, einer Arbeit nachzugehen
(Urk. 91 S. 35 f.).
- 48 -
3.2 Die Rüge des Gesuchsgegners ist begründet: C._, welche unter der al-
leinigen Obhut des Gesuchsgegners steht, ist derzeit erst drei Jahre alt und noch
nicht obligatorisch eingeschult. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung bzw.
dem zur Anwendung gelangenden Schulstufenmodell ist es dem Gesuchsgegner
daher bis zur obligatorischen Einschulung von C._ nicht zumutbar, einer Er-
werbstätigkeit nachzugehen (vgl. BGE 144 III 481 E. 4.7.6). Folglich kann ihm bis
dahin auch kein hypothetisches Einkommen angerechnet werden, sondern es ist
auch in Phase III unverändert von den Leistungen der Arbeitslosenkasse in Höhe
von – unangefochten – Fr. 2'450.– auszugehen.
3.3 Nach dem Gesagten ist ab November 2021 mit einem monatlichen Netto-
einkommen des Gesuchsgegners in Höhe von Fr. 2'450.– zu rechnen.
4. Einkommen von C._
4.1 Die Vorinstanz rechnete ab November 2021 mit monatlichen Kinderzulagen
in Höhe von Fr. 300.–. Dazu erwog sie, der Gesuchsgegner beabsichtige nach ei-
genen Angaben, mit C._ in F._ wohnen zu bleiben. Es sei daher davon
auszugehen, dass er sich eine neue Stelle im Kanton F._ suchen werde, wo
die monatliche Kinderzulage Fr. 300.– betrage (Urk. 92 S. 61). Dagegen bringt
der Gesuchsgegner vor, solange er C._ in L._ nicht abmelden könne
bzw. in F._ keinen Job gefunden habe, seien bei C._ lediglich Kinderzu-
lagen in der Höhe von Fr. 200.– zu berücksichtigen (Urk. 91 S. 38).
4.2 Der Gesuchsgegner erhält die Kinderzulage, da er zurzeit Arbeitslosentag-
gelder bezieht, über die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich (vgl. Urk. 95/28).
Gemäss Art. 22 Abs. 1 Satz 2 AVIG erhält der Versicherte einen Zuschlag, der
den auf den Tag umgerechneten gesetzlichen Kinder- und Ausbildungszulagen
entspricht, auf die er Anspruch hätte, wenn er in einem Arbeitsverhältnis stünde.
Der Zuschlag für die Kinder- und Ausbildungszulagen richtet sich gemäss Art. 34
Abs. 1 AVIV nach dem Familienzulagengesetz des Kantons, in dem die versicher-
te Person wohnt. Die Höhe der Kinderzulage für C._ richtet sich mit anderen
Worten nach dem Familienzulagengesetz des Wohnsitzkantons der Arbeitslosen-
- 49 -
taggelder beziehenden Person, mithin nach dem Wohnsitz des Gesuchsgegners
(vgl. BGer 8C_910/2012 vom 3. Juni 2012, E. 6.2).
Gemäss Einwohnerregister des Gemeindesamts des Kantons Zürich ist der
Gesuchsgegner am 30. September 2021 aus L._ weggezogen mit Zieladres-
se "Q._ [Strasse] ..." in F._ (vgl. dazu auch Urk. 147/5). Es ist daher
nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz ab November 2021 die Kinderzulage
nach dem Familienzulagengesetz des Kantons F._ in Höhe von monatlich
Fr. 300.– angerechnet hat (vgl. Art. 8 Abs. 2 lit. a LAF [Loi sur les allocations fami-
liales des Kantons F._; J 5 10]).
4.3 Es ist somit mit der Vorinstanz ab November 2021 mit einem monatlichen
Nettoeinkommen von C._ in Höhe von Fr. 300.– zu rechnen.
5. Grundlagen der Bedarfsberechnung
5.1 Ausgangspunkt der Bedarfsermittlung bilden die Richtlinien für die Berech-
nung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) nach Art. 93
SchKG der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten der Schweiz vom
1. Juli 2009 (fortan Richtlinien). Gemäss Richtlinien gehören zum betreibungs-
rechtlichen Existenzminimum der Grundbetrag, Wohnkosten, Sozialbeiträge (so-
weit nicht vom Lohn bereits abgezogen), unumgängliche Berufsauslagen (soweit
der Arbeitgeber nicht dafür aufkommt), rechtlich geschuldete Unterhaltsbeiträge,
Schul- und Fremdbetreuungskosten der Kinder, Kosten für die Abzahlung oder
Miete/Leasing von Kompetenzstücken sowie ausserordentliche, in billiger Weise
zu berücksichtigende Einmalauslagen. Ein Mankofall liegt vor, wenn dieses Exis-
tenzminimum für den Bar- und / oder Betreuungsunterhalt nicht vollständig ge-
deckt werden kann. Nur soweit es die finanziellen Mittel zulassen, ist der gebüh-
rende Unterhalt auf das familienrechtliche Existenzminimum zu erweitern. Hierzu
gehören bei den Eltern typischerweise die Steuern, eine Kommunikations- und
Versicherungspauschale, unumgängliche Weiterbildungskosten, den finanziellen
Verhältnissen entsprechende statt am betreibungsrechtlichen Existenzminimum
orientierte Wohnkosten, Kosten zur Ausübung des Besuchsrechts und allenfalls
angemessene Schuldentilgung; bei gehobeneren Verhältnissen können nament-
- 50 -
lich auch über die obligatorische Grundversicherung hinausgehende Krankenkas-
senprämien berücksichtigt werden. Letztere gehören bei Kindern generell zum
familienrechtlichen Existenzminimum (BGer 5A_311/2019 vom 11. November
2020, E. 7.2).
5.2 Die vorliegend sehr knappen finanziellen Verhältnisse lassen lediglich die
Berücksichtigung der Bedarfspositionen gemäss Richtlinien zu.
6. Bedarf der Gesuchstellerin
6.1 Die Vorinstanz ging bei der Gesuchstellerin ab November 2021 von folgen-
den Bedarfszahlen aus (Urk. 92 S. 63 ff.):
a) Grundbetrag Fr. 1'350.–
b) Wohnkosten Fr. 1'000.–
c) Krankenkasse KVG Fr. 470.55
d) Transportkosten Fr. 85.–
e) Auswärtige Verpflegung Fr. 110.–
f) Kosten für K._ Fr. 382.75
Total Fr. 3'398.30
a) Die Vorinstanz setzte bei der Gesuchstellerin einen Grundbetrag in Höhe
von Fr. 1'350.– ein (Urk. 92 S. 64). Dies blieb unbeanstandet und gibt zu keinen
Bemerkungen Anlass.
b) Die Vorinstanz stellte nicht auf die bei der Gesuchstellerin effektiv anfallen-
den Wohnkosten ab, sondern rechnete in ihrem Bedarf – hypothetische – Kosten
für eine angemessene Wohnung ein. Hierzu erwog sie, für eine Wohnung in der
Agglomeration von Zürich von der Grösse, in der sie die Gesuchstellerin benötige,
würden Wohnkosten in Höhe von Fr. 1'500.– angemessen erscheinen. Davon
entfielen praxisgemäss zwei Drittel auf die Gesuchstellerin, mithin ein Betrag von
Fr. 1'000.– (Urk. 92 S. 64 f.).
Die Parteien wohnten in der Schweiz gerade einmal zwei Monate zusam-
men und hielten sich in dieser Zeit überwiegend in der Wohnung der Mutter des
- 51 -
Gesuchsgegners in F._ auf. Als die Gesuchstellerin nach der Trennung von
C._ in der Türkei mit K._ wieder in die Schweiz einreiste, wurde ihr ge-
mäss Leistungsentscheid der Sozialen Dienste der Gemeinde L._ (fortan
Soziale Dienste) vom 4. November 2020 notfallmässig ein Zimmer in einer Asyl-
unterkunft zugewiesen. Gleichzeitig wurde sie darüber informiert, dass sie mittel-
fristig eine andere Wohnung suchen müsse (Urk. 44/17 S. 2). Die Sozialen Diens-
te bezifferten die Wohnkosten der Gesuchstellerin im Budget mit Fr. 595.–
(Urk. 44/17 S. 5). Ab dem 1. August 2021 wohnte die Gesuchstellerin zusammen
mit K._ in einem möblierten Studio an der R._-strasse ... in L._,
wobei der Mietzins inkl. Nebenkosten monatlich Fr. 1'500.– betrug; das Mietver-
hältnis war auf ein Jahr befristet (Urk. 113/95/4). Seit dem 1. Juli 2022 ist die Ge-
suchstellerin Mieterin der Wohnung an der P._-gasse ... in L._, wobei
der monatliche Mietzins inkl. Nebenkosten Fr. 1'800.– beträgt (Urk. 151/6).
Der von der Vorinstanz für die Phase III eingesetzte – hypothetische – Miet-
zins deckt sich mit den effektiven Wohnkosten der Gesuchstellerin. Damit ist ab
November 2021 bis und mit Juni 2022 von – nunmehr ausgewiesenen – Wohn-
kosten in Höhe von Fr. 1'500.– auszugehen. Seit Anfang Juli 2022 bewohnt die
Gesuchstellerin zusammen mit K._ eine grössere Wohnung, welche es ihr
wie dargelegt erlaubt, C._ zu sich – mit Übernachtungen – auf Besuch zu
nehmen. Damit ist ab Juli 2022 von Wohnkosten in Höhe von Fr. 1'800.– auszu-
gehen. Mit Blick auf die Wohnungsknappheit und die teuren und immer teurer
werdenden Mietzinse im Raum Zürich erscheinen die Wohnkosten der Gesuch-
stellerin entgegen der Ansicht des Gesuchsgegners nicht unangemessen, auch
wenn bei den vorliegend sehr knappen finanziellen Verhältnissen ein tieferer mo-
natlicher Mietzins wünschenswert wäre. Des Weiteren macht auch der Gesuchs-
gegner in seinem Bedarf – hypothetische – Wohnkosten in Höhe von Fr. 1'800.–
geltend. Die Situation der Parteien ist in dieser Hinsicht vergleichbar, haben doch
beide ein Kind in ihrer alleinigen Obhut und wohnen in bzw. nahe einer Schweizer
Grossstadt. Wieso dem Gesuchsgegner und C._ ein höherer Wohnstandard
zugestanden werden soll als der Gesuchstellerin und K._, wie dies der Ge-
suchsgegner letztlich verlangt, erschliesst sich nicht.
- 52 -
Zusammenfassend ist ab November 2021 bis und mit Juni 2022 mit Wohn-
kosten in Höhe von Fr. 1'500.– zu rechnen, ab dem 1. Juli 2022 mit solchen in
Höhe von Fr. 1'800.–. Davon sind jeweils 2/3, mithin Fr. 1'000.– bzw. Fr. 1'200.–,
im Bedarf der Gesuchstellerin anzurechnen.
c) Betreffend die Krankenkassenprämie der Gesuchstellerin orientierte sich die
Vorinstanz am Budget der Sozialen Dienste, welches die Krankenkassenprämie
(KVG) der Gesuchstellerin auf monatlich Fr. 470.55 beziffert (Urk. 44/17 S. 5).
Hierzu erwog sie, es sei nicht bekannt, ob die Gesuchstellerin eine individuelle
Prämienverbilligung beziehe oder beantragt habe. Aufgrund der unklaren Höhe
eines allfälligen Anspruchs und des summarischen Charakters des Eheschutzver-
fahrens seien vorliegend die gesamten Krankenkassenkosten zu berücksichtigen
(Urk. 92 S. 65).
Aufgrund der niedrigen Einkommensverhältnisse ist zwar davon auszuge-
hen, dass die Gesuchstellerin und K._ – wie auch der Gesuchsgegner und
C._ – ab dem 1. Januar 2021 Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung
haben. Ob die Gesuchstellerin die individuelle Prämienverbilligung für sich und
K._ beantragt hat, ihr diese gewährt wurde und gegebenenfalls wie hoch
diese ausfällt, ist dem Gericht nicht bekannt. Mutmassungen darüber erscheinen
nicht zielführend, zumal das – hypothetische – Einkommen der Gesuchstellerin
bei Weitem nicht ausreicht, um ihren eigenen Bedarf zu decken. Es ist daher ent-
gegen dem Gesuchsgegner nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz von einer
Krankenkassenprämie (KVG) in Höhe von monatlich Fr. 470.55 ausgegangen ist.
d) Die Vorinstanz erwog, da der Gesuchstellerin ab November 2021 ein hypo-
thetisches Einkommen angerechnet werde, sei in ihrem Bedarf ab diesem Zeit-
punkt praxisgemäss ein Betrag von Fr. 110.– für auswärtige Verpflegung zu be-
rücksichtigen (Urk. 92 S. 65).
Die vorinstanzliche Einschätzung gibt zu keinen Bemerkungen Anlass und
wird vom Gesuchsgegner auch nicht beanstandet (vgl. Urk. 91 S. 40 ff.). Im Be-
darf der Gesuchstellerin sind somit Kosten für auswärtige Verpflegung in Höhe
von monatlich Fr. 110.– zu berücksichtigen.
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e) Die Vorinstanz berücksichtigte im Bedarf der Gesuchstellerin Mobili-
tätskosten in Höhe von monatlich Fr. 85.– (ZVV-Monatsabonnement für 1-2 Zo-
nen; Urk. 92 S. 65). Der Gesuchsgegner moniert, die Gesuchstellerin habe gar
keine Arbeitswegkosten geltend gemacht. Es sei daher unverständlich, dass die
Vorinstanz dennoch solche in ihrem Bedarf berücksichtigt habe (Urk. 91 S. 41).
Die Rüge des Gesuchsgegners geht fehl. Erstens statuiert Art. 296 Abs. 1
und 3 ZPO für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten wie darge-
legt den Offizialgrundsatz, weshalb die Vorinstanz nicht an die Parteianträge ge-
bunden war. Zweitens sind bei Festsetzung eines hypothetischen Einkommens
nach der Rechtsprechung auch die zu erwartenden Mobilitätskosten in den Bedarf
aufzunehmen (siehe OGer ZH LY140053 vom 8. Mai 2015, E. III.2.4.d). Demzu-
folge hat die Gesuchstellerin Anspruch auf Berücksichtigung ihrer berufsbeding-
ten Mobilitätskosten. Der von der Vorinstanz eingesetzte Betrag von monatlich Fr.
85.– erscheint angemessen.
f) Die Vorinstanz erwog, im Bedarf der Gesuchstellerin seien sodann die Kos-
ten für K._ zu berücksichtigen, und ging dabei von einem Bedarf von
K._ in Höhe von monatlich insgesamt Fr. 1'012.75 aus (Grundbedarf: Fr.
400.–; Anteil Wohnkosten Fr. 500.–; Krankenkassenprämie: Fr. 112.75). Davon
abzuziehen seien die Unterhaltsbeiträge des Kindsvaters von durchschnittlich Fr.
430.– pro Monat und ab November 2021 Familienzulagen von monatlich Fr. 200.–
(Urk. 92 S. 65 f.).
Die Ausführungen der Vorinstanz zum Bedarf von K._ sind nachvoll-
ziehbar und werden vom Gesuchsgegner auch nicht substantiiert bestritten. An-
gesichts des bescheidenen Einkommens der Gesuchstellerin resultiert auch keine
Ungleichbehandlung der Halbgeschwister bei dieser Vorgehensweise. Betreffend
die Berücksichtigung eines anfälligen Anspruchs auf individuelle Prämienverbilli-
gung sei auf obige Ausführungen unter c) verwiesen. Ab Juli 2022 sind im Bedarf
von K._ die leicht erhöhten Wohnkosten in Höhe von Fr. 600.– zu berück-
sichtigen.
- 54 -
6.2 Nach dem Gesagten stellt sich der Bedarf der Gesuchstellerin ab November
2021 wie folgt dar:
01.11.2021 - 30.06.2022 ab 01.07.2022
a) Grundbetrag Fr. 1'350.– Fr. 1'350.–
b) Wohnkosten Fr. 1'000.– Fr. 1'200.–
c) Krankenkasse KVG Fr. 470.55 Fr. 470.55
d) Auswärtige Verpflegung Fr. 110.– Fr. 110.–
e) Transportkosten Fr. 85.– Fr. 85.–
f) Kosten für K._ Fr. 382.75 Fr. 482.75
Total Fr. 3'398.30 Fr. 3'698.30
7. Bedarf des Gesuchsgegners
7.1 Die Vorinstanz ging ab November 2021 von folgenden Bedarfszahlen des
Gesuchsgegners aus (Urk. 92 S. 67 ff.):
a) Grundbetrag Fr. 1'350.–
b) Wohnkosten Fr. 1'067.–
c) Krankenkasse KVG Fr. 358.80
d) zusätzliche Gesundheitskosten Fr. 36.30
d) Transportkosten Fr. 70.–
e) Auswärtige Verpflegung Fr. 110.–
Total Fr. 2'992.10
a) Die Vorinstanz rechnete dem Gesuchsgegner einen monatlichen Grundbe-
trag in Höhe von Fr. 1'350.– an (Urk. 92 S. 68). Dies blieb unbeanstandet und ist
zu übernehmen. Die vom Gesuchsgegner zusätzlich geltend gemachten Strom-
kosten (Urk. 91 S. 39) sind – wie bereits die Vorinstanz ausführte – im Grundbe-
trag enthalten (Richtlinien, Ziffer 2).
b) Betreffend Wohnkosten erwog die Vorinstanz, der Gesuchsgegner lebe bei
seiner Mutter in F._. Die Wohnung in L._ habe er seit Einleitung des
Eheschutzverfahrens nicht mehr als Wohnung genutzt und beabsichtige auch
nicht, dies in Zukunft zu tun, weshalb diese Kosten nicht als Wohnkosten zu be-
- 55 -
rücksichtigen seien. Vielmehr seien auch beim Gesuchsgegner angemessene
Wohnkosten zu berücksichtigen. Für eine Wohnung in F._ von der Grösse,
welche sie der Gesuchsgegner benötige, würden Wohnkosten von Fr. 1'600.– als
angemessen erscheinen. Davon würden praxisgemäss zwei Drittel bzw. Fr.
1'067.– auf den Gesuchsgegner entfallen. Der Gesuchsgegner beanstandet die
von der Vorinstanz eingesetzten hypothetischen Wohnkosten als zu tief. Ange-
messen bzw. zu berücksichtigen seien vielmehr Wohnkosten in Höhe von Fr.
1'800.–, da es schlicht unmöglich sei, in F._ eine günstigere Dreieinhalb-
zimmerwohnung zu finden (Urk. 91 S. 40).
Auch in F._ ist der Wohnungsmarkt angespannt und die Mietzinse sind
entsprechend hoch. Sodann fallen auch bei der Gesuchstellerin Wohnkosten in
dieser Höhe an. Es ist deshalb auch dem Gesuchsgegner ein – hypothetischer –
Mietzins in Höhe von Fr. 1'800.– zuzugestehen. Davon entfallen praxisgemäss
2/3 bzw. Fr. 1'200.– in seinen Bedarf.
c) Die Vorinstanz ging in Phase III von Krankenkassenprämien in Höhe von
monatlich Fr. 358.80 aus, wobei sie auch beim Gesuchsgegner einen allfälligen
Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung unberücksichtigt liess (Urk. 92
S. 68).
Allerdings zeigen die im Verlaufe des Berufungsverfahrens vom Gesuchs-
gegner eingereichten Belege, dass sich seine Krankenkassenprämie mit dem
Umzug nach F._ massgeblich erhöht hat (Urk. 125/6 S. 1). Es ist daher für
die Monate November und Dezember 2021 von einer Krankenkassenprämie
(KVG) in Höhe von Fr. 448.60 auszugehen; ab dem 1. Januar 2022 ist mit einer
solchen von Fr. 503.90 zu rechnen. Anzumerken bleibt, dass auch der Gesuchs-
gegner ab Januar 2021 Anspruch auf individuelle Prämienverbilligung haben dürf-
te. Von der SVA Zürich wurde denn auch nur die Vorschussleistung der Prämien-
verbilligung für das Jahr 2021 abschlägig beurteilt, wobei der Bruttolohn des Ge-
suchsgegners aus dem Jahr 2019 als provisorische Berechnungsgrundlage dien-
te (vgl. Urk. 95/26). Auch hier ist aber die Höhe der individuellen Prämienverbilli-
gung unbekannt und es kann im Rahmen des summarischen Verfahrens von
Mutmassungen abgesehen werden.
- 56 -
d) Die Vorinstanz rechnete im Bedarf des Gesuchsgegners zusätzliche Ge-
sundheitskosten von monatlich Fr. 36.30 an (Urk. 92 S. 68). Dabei stützte sie sich
auf eine vom Gesuchsgegner eingereichte Kostenübersicht seiner Krankenkasse,
welche im Jahr 2019 nicht übernommene Gesundheitskosten in Höhe von insge-
samt Fr. 412.20 ausweist (Urk. 38/8). Im Berufungsverfahren macht der Ge-
suchsgegner neu höhere Gesundheitskosten geltend. Hierzu reicht er die Kosten-
übersicht seiner Krankenkasse für das Jahr 2020 ein, welche nicht übernommene
Gesundheitskosten in Höhe von Fr. 552.80 aufführt (Urk. 95/22).
Die vom Gesuchsgegner eingereichten Auszüge seiner Krankenkasse bele-
gen im Jahre 2019 und 2020 angefallene Gesundheitskosten. Weder im Verfah-
ren vor Vorinstanz noch im Berufungsverfahren äusserte sich der Gesuchsgegner
zu seiner Gesundheit. So bleibt denn auch unklar, weshalb diese Gesundheits-
kosten entstanden sind und ob es sich dabei um regelmässige und nicht bloss
einmalig angefallene Gesundheitskosten handelt. Die geltend gemachten Ge-
sundheitskosten können daher nicht als wiederkehrend bezeichnet werden, und
es handelt sich deshalb nicht um ausserordentliche Auslagen, welche gemäss
Richtlinien bei der Berechnung des Existenzminimums zu berücksichtigen sind.
Dem Gesuchsgegner sind daher ab November 2021 keine zusätzlichen Gesund-
heitskosten im Bedarf zu berücksichtigen.
e/f) Gemäss Richtlinien sind im Bedarf unumgängliche Berufungsauslagen zu
berücksichtigen. Da der Gesuchsgegner allerdings wie oben dargelegt nicht ver-
pflichtet werden kann, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen und ihm daher auch
kein hypothetisches Einkommen anzurechnen ist, können in seinem Bedarf weder
Mobilitätskosten noch Auslagen für auswärtige Verpflegung Berücksichtigung fin-
den. Die beiden Bedarfspositionen sind daher zu streichen.
7.2 Der Gesuchsgegner macht zudem Auslagen für Handy und Internet, Serafe
und Steuern geltend (Urk. 91 S. 39). Diese Kosten bilden gemäss Richtlinien nicht
Teil des betreibungsrechtlichen Existenzminimums und können, da ein Mankofall
vorliegt, nicht berücksichtigt werden (vgl. BGer 5A_311/2019 vom 11. November
2020, E. 7.2).
- 57 -
7.3 Demnach ist betreffend den Gesuchsgegner ab November 2021 von folgen-
den Bedarfszahlen auszugehen:
01.11.2021 - 31.12.2021 Ab 01.01.2022
a) Grundbetrag Fr. 1'350.– Fr. 1'350.–
b) Wohnkosten Fr. 1'200.– Fr. 1'200.–
c) Krankenkasse KVG Fr. 448.60 Fr. 503.90
Total Fr. 2'998.60 Fr. 3'053.90
8. Bedarf von C._
8.1 Bei der Bedarfsberechnung von C._ ging die Vorinstanz – in allen Pha-
sen – von folgenden Beträgen aus (Urk. 92 S. 70 f.):
a) Grundbetrag Fr. 400.–
b) Wohnkosten Fr. 533.–
c) Krankenkasse KVG Fr. 83.55
d) zusätzliche Gesundheitskosten Fr. 10.–
Total Fr. 1'026.55
a) Die Vorinstanz setzte bei C._ einen Grundbetrag von Fr. 400.– ein, was
unangefochten blieb und zu keinen Bemerkungen Anlass gibt.
b) Wie dargelegt ist auf Seiten des Gesuchsgegners mit – hypothetischen –
Wohnkosten in Höhe von monatlich Fr. 1'800.– zu rechnen. Davon entfällt 1/3 in
den Bedarf von C._, mithin Fr. 600.–.
c) Die Vorinstanz ging von Krankenkassenkosten für C._ in Höhe von
Fr. 83.55 aus (Urk. 92 S. 70). Mit dem Umzug nach F._ erhöhte sich aber
auch die Krankenkassenprämie von C._, was durch die vom Gesuchsgegner
eingereichte Krankenkassenpolice ausgewiesen ist (Urk. 125/6 S. 2). Es ist daher
für November und Dezember 2021 von einer Krankenkassenprämie von C._
in Höhe von Fr. 106.70 auszugehen, ab dem 1. Januar 2022 von einer solchen
von Fr. 119.20. Wie bereits bei der Berechnung der übrigen Bedarfe ist auch hier
von der Berücksichtigung der individuellen Prämienverbilligung abzusehen.
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d) Die Vorinstanz berücksichtigte im Bedarf von C._ zusätzliche Gesund-
heitskosten in Höhe von Fr. 10.– (Urk. 92 S. 70 f.). Im Berufungsverfahren macht
der Gesuchsgegner neu zusätzliche Gesundheitskosten von C._ in Höhe von
Fr. 11.90 geltend (Urk. 91 S. 42). Dabei stützt er sich auf eine Kostenaufstellung
der Krankenkasse für das Jahr 2020, welche nicht gedeckte Gesundheitskosten
in Höhe von gesamthaft Fr. 134.30 ausweist (Urk. 95/27).
Auch hier fehlen Ausführungen zur Gesundheit von C._, sodass insbe-
sondere unklar bleibt, ob es sich dabei um einmalige oder wiederkehrende Ge-
sundheitskosten handelt. Allerdings ist es gerichtsnotorisch, dass bei Kleinkindern
mehr oder weniger regelmässig Gesundheitskosten anfallen, welche von der
Krankenkasse nicht übernommen werden. Diesbezüglich scheinen die von der
Vorinstanz eingesetzten monatlichen Fr. 10.– angemessen.
8.2 Der Gesuchsgegner macht im Berufungsverfahren neu geltend, es seien im
Bedarf von C._ Fremdbetreuungskosten in Höhe von monatlich Fr. 180.– zu
berücksichtigen. C._ werde ab Ende August 2021 an drei Nachmittagen
fremdbetreut werden, was der sozialen Integration dienen und C._ zudem
auf den Moment vorbereiten solle, in dem der Gesuchsgegner wieder einer Arbeit
nachgehen könne (Urk. 91 S. 47; vgl. hierzu auch Betreuungsvertrag vom 8. Juni
2021 [Urk. 95/11]).
Wie dargelegt kann der Gesuchsgegner gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung aufgrund der Betreuung von C._ nicht verpflichtet werden, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Dies heisst mit Blick auf die vorliegend sehr knap-
pen finanziellen Verhältnisse aber auch, dass im Rahmen des Barunterhalts von
C._ keine kostenpflichtige Betreuung durch Dritte berücksichtigt werden
kann. Um die soziale Integration von C._ zu fördern gibt es andere Wege,
wie beispielsweise den Besuch eines Parks oder Spielplatzes.
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8.3 Zusammenfassend stellt sich der Bedarf von C._ ab November 2021
wie folgt dar:
01.11.2021 - 31.12.2021 Ab 01.01.2022
a) Grundbetrag Fr. 400.– Fr. 400.–
b) Wohnkosten Fr. 600.– Fr. 600.–
c) Krankenkasse KVG Fr. 106.70 Fr. 119.20
d) Zusätzliche Gesundheitskos-
ten
Fr. 10.00 Fr. 10.00
Total Fr. 1'116.70 Fr. 1'129.20
9. Unterhaltsberechnung
9.1 Beide Parteien sind nicht in der Lage, mit ihrem eigenen Einkommen ihren
Bedarf zu decken und vermögen daher nicht für den Unterhalt von C._ auf-
zukommen. Entsprechend kann die Gesuchstellerin auch nicht zur Leistung von
Kinderunterhalt verpflichtet werden. Damit ist der gebührende Unterhalt von
C._ nicht gedeckt. Das Manko ist im Dispositiv betragsmässig festzuhalten
(Art. 301a ZPO).
9.2 Ab November 2021 ist mit Kinderzulagen für C._ in Höhe von Fr. 300.–
zu rechnen. Ihr Bedarf ist demgegenüber – für die Monate November und De-
zember 2021 – auf rund Fr. 1'117.– festzusetzen, ab Januar 2022 auf rund Fr.
1'129.–. Das Manko beim Barunterhalt beträgt damit im November und Dezember
2021 monatlich Fr. 817.–, ab Januar 2022 monatlich Fr. 829.–.
9.3 Da der Gesuchsgegner seine eigenen Lebenshaltungskosten nicht zu de-
cken vermag, was auf die Kindsbetreuung zurückzuführen ist, wäre zudem ein
Betreuungsunterhalt geschuldet (vgl. BGE 144 III 377 E. 7.1.2.2). Beim Gesuchs-
gegner ist wie dargelegt ab November 2021 von einem monatlichen Nettoein-
kommen in Höhe von Fr. 2'450.– auszugehen. Demgegenüber beträgt sein Be-
darf im November und Dezember 2021 rund Fr. 3'000.–, ab Januar 2022 rund
Fr. 3'050.–. Damit ist der Betreuungsunterhalt im November und Dezember 2021
im Umgang von monatlich Fr. 550.–, ab Januar 2022 im Umfang von monatlich
Fr. 600.– nicht gedeckt.
- 60 -
H. Ehelicher Unterhalt
1. Die Gesuchstellerin beantragt berufungsweise die Verpflichtung des Ge-
suchsgegners, ihr einen ehelichen Unterhaltsbeitrag in Höhe von mindestens
Fr. 1'000.– zu bezahlen (Urk. 91A S. 2). Zur Begründung führt sie u.a. was folgt
aus: Unberührt davon, ob ihr die alleinige Obhut oder die alternierende Obhut
über C._ zugesprochen werde, sei vom Gesuchsgegner Unterhalt geschul-
det. Auf diesen sei im angefochtenen Entscheid aufgrund der nicht vorhandenen
Leistungsfähigkeit des Gesuchsgegners verzichtet worden. Der Gesuchsgegner
sei aber bei einer anderen als der von der Vorinstanz vorgesehenen Obhutsrege-
lung durchaus in der Lage, ehelichen Unterhalt zu leisten (Urk. 91A S. 12 f.).
2. Daraus folgt, dass der Antrag der Gesuchstellerin auf Zusprechung eines
persönlichen Unterhaltsbeitrages nur eventualiter erfolgt, nämlich für den Fall,
dass ihr die alleinige oder zumindest die alternierende Obhut über C._ zuge-
sprochen wird. Dies ist, wie vorstehend ausgeführt, nicht der Fall, weshalb sich
diesbezügliche Weiterungen erübrigen.
IV.
1. Die Vorinstanz hat die Entscheidgebühr auf Fr. 5'000.– festgesetzt. Die wei-
teren Auslagen betragen Fr. 1'680.– (Dolmetscherkosten). Die Kosten wurden
den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch zufolge der beiden Parteien für das
erstinstanzliche Verfahren gewährten unentgeltlichen Prozessführung einstweilen
auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 92 S. 80). Diese Regelung ist mit Verweis
auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (vgl. Urk. 92 S. 75 f.) zu bestä-
tigen. Bei der hälftigen Kostenauflage sind keine Parteientschädigungen geschul-
det (so auch die Vorinstanz, vgl. Urk. 92 S. 76 und 80).
2.1 Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist gestützt auf § 6 Abs. 1
i.V.m. § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 2 lit. b sowie § 12 Abs. 1 und 2 GebV OG und unter
Berücksichtigung der Tatsache, dass eine Erst- und eine Zweitberufung zu beur-
teilen waren, auf Fr. 8'000.– festzusetzen. Die weiteren Auslagen betragen
Fr. 1'792.50 (Dolmetscherkosten).
- 61 -
2.2 Die Gerichtskosten werden den Parteien in der Regel nach Obsiegen und
Unterliegen auferlegt (Art. 106 Abs. 1 und 2 ZPO). In Bezug auf die Regelung der
Kinderbelange (elterliche Sorge, Obhut und Besuchsrecht) sind die Kosten den
Parteien praxisgemäss zur Hälfte aufzuerlegen. Da der Gesuchsgegner mit sei-
nem Antrag auf Verpflichtung der Gesuchstellerin zur Leistung von Kinderunter-
haltsbeiträgen unterliegt, erscheint es angemessen, ihm zwei Drittel und der Ge-
suchstellerin einen Drittel der Gerichtskosten aufzuerlegen, wobei die Kosten zu-
folge der den Parteien zu gewährenden unentgeltlichen Rechtspflege – vgl. so-
gleich – einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. Vorbehalten bleibt die
Nachforderung gestützt auf Art. 123 ZPO.
2.3 Ausgangsgemäss hat der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin eine auf ei-
nen Drittel reduzierte Parteientschädigung zu bezahlen. Die volle Parteientschä-
digung ist in Anwendung von § 5 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 6 Abs. 1 und 3, § 11 Abs. 1
und 2 sowie § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV auf Fr. 10'000.– festzusetzen. Entspre-
chend hat der Gesuchsgegner der Gesuchstellerin für das Berufungsverfahren ei-
ne Parteientschädigung von Fr. 3'590.– (inkl. 7.7% MWST) zu bezahlen. Da die
Parteientschädigung voraussichtlich uneinbringlich ist, ist der unentgeltliche
Rechtsvertreter der Gesuchstellerin in diesem Umfang sofort aus der Gerichts-
kasse zu entschädigen (vgl. Art. 122 Abs. 2 ZPO).
3. Der Gesuchsgegner beantragt die Verpflichtung der Gesuchstellerin zur
Leistung eines Prozesskostenbeitrages in Höhe von Fr. 5'000.–, wobei aus der
Begründung des Antrages ersichtlich wird, dass er davon ausgeht, dass die Ge-
suchstellerin aufgrund ihrer finanziellen Lage keinen Prozesskostenbeitrag wird
leisten können (Urk. 91 S. 7 und 43 ff.). Wie dargelegt wird die Gesuchstellerin
von den Sozialen Diensten unterstützt und geht, soweit dem Gericht bekannt, kei-
ner Erwerbstätigkeit nach. Die Gesuchstellerin ist daher mittellos im Sinne von
Art. 117 ZPO, weshalb der Antrag des Gesuchsgegners abzuweisen ist. Die Ge-
suchstellerin hat keinen Antrag auf Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages
gestellt. Aufgrund der offensichtlichen Mittellosigkeit des Gesuchsgegners konnte
allerdings von der Stellung eines Antrages auf einen Prozesskostenvorschuss
- 62 -
bzw. auf die formale Erörterung der Aussichtslosigkeit eines solchen Gesuches
verzichtet werden.
4. Weiter stellen beide Parteien ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes (vgl. Urk. 91 S. 7 und 43
ff.; Urk. 113/91A S. 14 f. i.V.m. Urk. 113/91B). Mit Blick auf ihre finanziellen Ver-
hältnisse haben beide Parteien als mittellos im Sinne von Art. 117 lit. a ZPO zu
gelten. Weiter waren die Anträge der Parteien nicht von vornherein aussichtslos
im Sinne von Art. 117 lit. b ZPO. Da die Parteien als rechtsunkundige Personen
für die sachgerechte Wahrung ihrer Rechte im vorliegenden Berufungsverfahren
auf anwaltlichen Beistand angewiesen waren und jeweils auch die Gegenseite
anwaltlich vertreten ist, sind die Gesuche der Parteien um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes
bzw. einer unentgeltlichen Rechtsbeiständin zu bewilligen.