Decision ID: a7bc4680-d15e-472b-b1e0-396610ba03b8
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1972, wurde von Januar 2004 bis Ende Juli 2008
wegen Erwerbslosigkeit von der Fürsorge unterstützt (Urk. 10/19). Vom 25. August
2008 bis 30. Juni 2011 arbeitete er als Betriebstechniker bei der Y._ (Urk. 10/25/1). Danach war er vom 2. August bis 22. September 2011 in der gleichen Funktion bei der Z._ angestellt (Urk. 10/21). Am 9. Januar 2012 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, tätigte erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und ver
anlasste eine Begutachtung durch Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (Expertise vom 23. September 2012, Urk. 10/32). Im weiteren Verlauf zog sie die Strafakten in Sachen des Versicherten bei, der am 16. März 2011 wegen Betrugs aufgrund unrechtmässigen Sozialhilfebezugs verurteilt wor
den war (Urk. 10/34-53). Sodann liess sie den Versicherten einen Frage
bogen zu seinen Gesundheitseinschränkungen ausfüllen (Fragebogen vom 2. Septem
ber 2013, Urk. 10/82), tätigte weitere medizinische Abklärungen (Urk. 10/86) und liess den Versicherten in den Zeiträumen vom 7. März bis 24. April 2013 und vom 6. Dezember 2013 bis 25. Januar 2014 an gewissen Tagen observieren (Urk. 11/1-2 [=Urk. 10/98-100]). Im Oktober 2014 wurde der Versicherte in ihrem Auftrag durch Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erneut begutachtet (Expertise vom 28. Oktober 2014, Urk. 10/139). Am 26. November 2014 wurde er durch die RAD-Ärztin med.
pract
. C._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, untersucht (Urk. 10/146). Nach Erhalt eines anonymen Hinweises, wonach die Y._ in zwei Mietrechtsverfahren involviert sei und dabei massgebend durch den Versicherten vertreten werde (Urk. 10/153/1), zog die IV-Stelle die entsprechenden Gerichtsakten bei
(Urk. 10/154-155). Mit Vorbescheid vom 24. Juni 2015 stellte sie die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen der Versicherte am 7. September 2015 Einwand erhob (Urk. 10/156,
10/160). Am 17. Mai 2016 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 17. Juni 2016 Beschwerde und beantragte, es sei ihm eine ganze Invalidenrente mit Wirkung ab 1. Juli 2012 zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um die Durchführung einer öffentlichen
Verhandlung sowie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2)
. Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 30. August 2016 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 9). Mit Verfügung vom 28. Februar 2018 wurde dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Stephan Kübler als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfah
ren bestellt (Urk. 18). Am 13. März 2018 wurde eine öffentliche Verhandlung durchgeführt, wobei der IV-Stelle das persönliche Erscheinen erlassen wurde (Prot. S. 4, Urk. 14, 17). Die im Rahmen der Verhandlung erstattete Replik wurde ihr zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 20).
Am 20. März 2018 reichte der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers seine Hono
rarnote ein (Urk. 22/1-2) und das Gericht nahm von Amtes wegen Aus
züge des Handelsregisteramtes des Kantons Zürich betreffend die Y._ (Urk. 23/1) und die Z._ AG (Urk. 23/2) zu den Akten.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander ge
genübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
di
tätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der Vor
ak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Zu prüfen ist, ob die mit Verfügung vom 17. Mai 2016 erkannte Ablehnung eines Rentenanspruchs zu Recht erfolgte. Unbestritten zwischen den Parteien ist, dass aus somatischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit als Betriebstechniker oder in einer anderen leichten bis
mittelschweren Tätigkeit ohne vermehrte Beanspruchung des Schultergürtels und der Halswirbelsäule besteht (vgl. etwa Urk. 1 S. 7 f., Urk. 2 S. 4). Strittig ist die Auswirkung des psychischen Ge
sund
heitsschadens auf die Arbeitsfähigkeit.
2.2
Die IV-Stelle stellte sich in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) auf den Standpunkt, auf das Gutachten von Dr. A._ könne nicht abgestellt werden. Das Gleiche gelte für das Gutachten von Dr. B._. Letzter zeige in seinem Gutachten die Widersprüche und Unstimmigkeiten in den Aussagen des Be
schwer
deführers zwar auf, würdige sie aber nicht (S. 2). Auch setze er sich mit den Ergebnissen der Observation nur ungenügend auseinander. Demgegenüber überzeugten die Beurteilungen des RAD-Arztes Dr. med. D._, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie (S. 3). Dieser habe in den Stellung
nahmen vom 20. Juni 2013 und 11. März 2014 aufgrund der Observations
ergebnisse Zweifel am Bestehen einer wesentlichen funktionellen Einschränkung geäussert. Sodann sei im Rahmen der Ressourcenprüfung nach BGE 141 V 281 insbesondere aufgrund der Ergebnisse der Observation davon auszugehen, dass den allfälligen psychischen Beschwerden kein relevanter Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zukomme (S. 4 und S. 6).
In der Vernehmlassung ergänzte die IV-Stelle, auch auf die Berichte der behandelnden Ärzte könne nicht abgestellt werden. Es sei nicht plausibel, weshalb dem Beschwerdeführer die Mobilisierung im privaten Bereich möglich, aber in einer Erwerbstätigkeit nicht zumutbar sein soll (Urk. 9).
2.3
Der Beschwerdeführer hielt in den Rechtsschriften dagegen, sämtliche mit ihm befassten Ärzte seien sich einig, dass er an einer kombinierten Persönlich
keitsstörung mit narzisstischen, passiv-aggressiven, paranoiden, zwanghaften und emotional instabilen Zügen leide. Laut den überzeugenden Ausführungen von Dr. B._ seien Observationsbeobachtungen in Bezug auf psychische Beeinträchtigungen oft nicht geeignet, die Angabe oder die gestellte Diagnose einer psychischen Erkrankung zu widerlegen. Die Kritik der IV-Stelle am Gutachten von Dr. B._ sei unberechtigt. Selbst der RAD-Arzt
Dr. D._ habe dieser Expertise volle Beweiskraft zuerkannt. Gestützt darauf sei eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (Urk. 1 S. 10 ff.).
Zur Observation sei festzuhalten, dass sie rechtswidrig erfolgt und damit nicht verwertbar sei. Die entsprechenden Akten seien daher aus dem Recht zu weisen (Urk. 1 S. 12 ff., Urk. 20 S. 1 ff.). Angesichts der Schwere der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung sei fraglich, ob überhaupt ein strukturiertes Beweisver
fahren nach BGE 141 V 281 durchzuführen sei (Urk. 20 S. 5). Die Ressourcen
prü
fung durch die IV-Stelle vermöge jedenfalls nicht zu überzeugen (Urk. 20 S. 6). In Anwendung der massgebenden Indikatoren ergebe sich vielmehr, dass von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Damit sei der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ausgewiesen (Urk. 1 S. 15 ff., Urk. 20 S. 6 f.).
3.
3.1
3.1.1
Der Beschwerdeführer stützt seinen Antrag, die Observationsakten aus dem Recht zu weisen, auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschen
rechte (EGMR; dritte Kammer) vom 18. Oktober 2016 in Sachen
Vukota-Bojic
gegen die Schweiz (Urteil 61838/10; Urk. 20 S. 3).
3.1.2
Darin befand der EGMR über die EMRK-Konformität einer Observation, die im Auftrag eines (sozialen) Unfallversicherers durch einen Privatdetektiv durch
geführt worden war. Er erkannte, dass mit Art. 28 und Art. 43 ATSG sowie mit Art. 96 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
, trotz des durch
Art. 28 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) und Art. 179
quater
des Straf
gesetzbuches (StGB) vermittelten Schutzes von Persönlichkeit und Privatbereich, eine ausreichende gesetzlichen Grundlage für eine Observation nicht besteht, weshalb er auf eine Verletzung von Art. 8
EMRK (Recht auf Achtung des Privatlebens) schloss (
Rz
. 72 ff. des EGMR-Urteils 61838/10 vom 18. Oktober 2016). Hingegen verneinte er eine Verletzung von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (Gebot eines fairen Verfahrens) durch die erfolgte Verwendung der Observationser
geb
nisse. Dafür war ausschlaggebend, dass bei der Beurteilung des Leistungsan
spruchs im Rahmen des streitigen sozialversicherungsrechtlichen Verfahrens nicht allein auf sie abgestellt wurde und seitens der versicherten Person Ein
wände möglich waren, namentlich gegen ihre Echtheit und Verwendung sowie bezüglich der Beweiseignung und -qualität. Als bedeutsam galten zudem die Umstände, unter denen der Beweis gewonnen wurde und welchen Einfluss dieser auf den Verfahrensausgang hatte (
Rz
. 91 ff. des EGMR-Urteils 61838/10 vom 18. Oktober 2016).
3.1.3
Das Bundesgericht seinerseits hat nunmehr unter Berücksichtigung der betref
fenden Erwägungen des EGMR entschieden, dass es trotz Art. 59 Abs. 5 IVG
(„Zur Bekämpfung des ungerechtfertigten Leistungsbezugs können die IV-Stellen
Spezialisten beiziehen") auch im Bereich der Invalidenversicherung an einer ausreichenden gesetzlichen Grundlage fehlt, die die Observation umfassend klar und detailliert regelt. Folglich verletzen solche Handlungen, seien sie durch den Unfallversicherer oder durch eine IV-Stelle veranlasst, Art. 8 EMRK bezieh
ungsweise den einen im Wesentlichen gleichen Gehalt aufweisenden Art. 13 BV.
Insofern kann insbesondere auch an BGE 137 I 327 nicht weiter festge
halten werden (vgl. zum Ganzen: BGE 143 I 377 E. 4).
3.1.4
Was die Verwendung des im Rahmen der widerrechtlichen Observation gewon
ne
nen Materials anbelangt, richtet sich diese allein nach schweizerischem Recht. Der EGMR prüft dabei nur, ob ein Verfahren insgesamt fair im Sinne von Art. 6 Abs. 1 EMRK gewesen ist. In diesem Zusammenhang hat das Bundesgericht im soeben vermerkten BGE 143 I 377 im Wesentlichen erkannt, dass die Verwert
barkeit der Observationsergebnisse (und damit auch der gestützt darauf ergan
ge
nen weiteren Beweise) grundsätzlich zulässig ist, es sei denn, bei einer Abwä
gung der tangierten öffentlichen und privaten Interessen würden diese über
wiegen (vgl. E. 5.1.1). Mit Blick auf die gebotene Verfahrensfairness hat es sodann in derselben Erwägung eine weitere Präzisierung angebracht: Unter Hinweis auf das Urteil 8C_239/2008 vom 17. Dezember 2009 E. 6.4.2 Abs. 2 und die darin enthaltene Anlehnung an die strafprozessuale Rechtsprechung (vgl. BGE 131 I 272 E. 4.2) hat es daran erinnert, dass eine gegen Art. 8 EMRK verstossende Videoaufnahme verwertbar ist, solange Handlungen des „Beschul
dig
ten" aufgezeichnet werden, die er aus eigenem Antrieb und ohne äussere Beeinflussung machte und ihm keine Falle gestellt worden war. Ferner hat es erwogen, dass von einem absoluten Verwertungsverbot wohl immerhin insoweit auszugehen ist, als es um Beweismaterial geht, das im nicht öffentlich frei einsehbaren Raum zusammengetragen wurde, was im konkreten Fall jedoch nicht zu beurteilen war (vgl. E. 5.1.3 mit Hinweis auf Urteil 8C_830/2011 vom 9. März 2012 E. 6.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_248/2017 vom 15. Februar 2018 E. 4.3).
3.1.5
Bei seinem Entscheid, die Verwertbarkeit des rechtswidrig erlangten Observa
tions
materials hauptsächlich von einer Interessenabwägung zwischen privaten
und öffentlichen Interessen abhängen zu lassen, war für das Bundesgericht nebst
anderem die Annahme
ausschlaggebend, dass das Manko hinsichtlich einer in allen Belangen genügenden gesetzlichen Grundlage rasch behoben werden soll (vgl. BGE 143 I 377 E. 5.1.1) mit Hinweis auf den erläuternden Bericht des Bun
des
amtes
für Sozialversicherungen (BSV) vom 22. Februar 2017 zur Eröf
fnung
des
Vernehmlassungsverfahrens
über die Revision des ATSG, S. 5 f. unten). In rechtlicher Hinsicht hat es zudem auf Art. 152 Abs. 2 der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen schweizerischen Zivilprozessordnung verwiesen (vgl. dazu BGE 140 III 6 E. 3.1 mit Hinweisen), mit der nebst dem Strafprozessrecht ein weiterer Teil des Verfahrensrechts aktualisiert wurde.
3.2
3.2.1
In diesem Lichte ist zum Begehren des Beschwerdeführers Folgendes zu sagen:
3.2.2
Im Falle des Beschwerdeführers fanden die Beobachtungen im März und April 2013 an fünf Tagen und im Dezember 2013 und Januar 2014 an vier Tagen statt. Eingeleitet wurden sie aufgrund ausgewiesener Zweifel an der
Leistungs
(
un
)
fähigkeit
des Beschwerdeführers (Urk. 10/102/1, 10/107/8). Im Rahmen der Observation kam es zu Videoaufzeichnungen. Zudem fanden die wesentlichen Beobachtungen Eingang in zwei Ermittlungsberichte (Berichte vom 17. Mai 2013 und 18. Februar 2014; Urk. 11/1-2). Der zeitliche Umfang des Eingriffs in die Privatsphäre war verhältnismässig gering. Die Überwachung erfolgte zwar gezielt und nicht bloss zufällig, dafür aber weder andauernd noch systematisch über einen längeren Zeitraum hinweg.
3.2.3
Der Beschwerdeführer wurde überwiegend auf öffentlichem Grund und im Bereich der Räumlichkeiten der Y._ gefilmt. Wie sich aus den Fotos und Videos ergibt, war die Sicht durch Hecken teilweise verdeckt, ansonsten waren der Eingangsbereich und der Büroraum, in dem der Beschwerdeführer sich verschiedentlich aufhielt, von jedermann ohne Weiteres einsehbar. Dass die Bürofenster geschlossen waren, führt nicht dazu (vgl. dazu Urk. 1 S. 14), dass die Räume als abgeschirmter Bereich, wie dies etwa bei einem Treppenhaus der Fall ist, zu qualifizieren wäre. Was die Observation des Beschwerdeführers an der J._ anbelangt, bestehen keine Umstände, die diese als unzulässig erscheinen liesse (vgl. dazu Urk. 1. S. 14). Die Ausstellung richtet sich an das öffentliche Publikum und steht diesem offen. Das im Aussteller
reglement statuierte Verbot von Aufnahmen ist von den Ausstellern zu beachten, aber nicht von Dritten (Ausstellerreglement Ziff. 19.3, Urk. 3/3), und
daher im Zusammenhang mit der Observation nicht von Relevanz.
3.2.4
Vor diesem Hintergrund und mit Blick auf die aufgezeichneten
alltäglichen Verrichtungen und Handlungen kann insgesamt bei bloss geringfügiger Tan
gierung der Privatsphäre jedenfalls nicht von einer schweren Verletzung der Persönlichkeit ausgegangen werden (
vgl. BGE 137 I 327 E. 5.6). Dem
gegenüber zu stellen gilt es das Interesse des Versicherungsträgers und der Versicherten
gemeinschaft, unrechtmässige Leistungsbezüge abzuwenden. Dieses ist unter den hier gegebenen Umständen höher zu gewichten als das Interesse des Be
schwerdeführers an einer unbehelligten Privatsphäre (
vgl. BGE 137 I 327 E. 5
). Damit können im vorliegenden Fall die ohne ausreichende gesetzliche Grundlage erhobenen Observationsergebnisse in Form des entsprechenden Berichts sowie der Foto- und Videoaufnahmen verwertet werden
. Dementsprechend ver
liert auch das Gutachten von Dr. B._ nicht an Beweiswert, weil es die Obser
vationsergebnisse berücksichtigt.
4.
4.1
Zum Rentenanspruch ist den Akten Folgendes zu entnehmen:
4.2
Seit 14. Oktober 2011 ist der Beschwerdeführer in der E._ in Behandlung. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten im Bericht vom 16. Januar 2012 eine kombinierte Persönlich
keitsstörung mit
negativistischen
, narzisstischen, paranoiden, zwanghaften und emotional instabilen Zügen (ICD-10 F61.0) sowie eine mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10). Sie hielten fest, nach der Abmeldung vom Sozialamt im Sommer 2008 habe der Beschwerdeführer eine 50 %-Stelle [gemeint wohl: Stelle bei der Y._] innegehabt. Anfang 2011 habe er eine neue Stelle in einem 100 %-Pensum angetreten. Diese sei ihm am
15. September 2011 gekündigt worden. Seit 14. Oktober 2011 fänden in Ab
ständen von 14 Tagen ambulant-psychiatrische Sitzungen statt. Der Beschwer
de
führer sei vollständig arbeitsunfähig (Urk. 10/22).
4.3
Die Y._, deren Gesellschafter und Geschäftsführer der Bruder des Beschwerdeführers ist (Urk. 23/1), führte im Arbeitgeberbericht vom 23. März 2012 aus, der Beschwerdeführer habe seit der Firmengründung im 2008 in einem Vollzeitpensum gearbeitet. Er sei für Kurierdienste, Montagen, Sachbe
arbeitungen, Akquisitionen und IT-Support verantwortlich gewesen. Per Ende 2011 habe der Beschwerdeführer die Firma verlassen. Seit März 2012 sei er wieder bei der Y._ angestellt und verrichte entsprechend seiner ver
bliebenen Leistungsfähigkeit ein 20 %-Pensum. Er führe nun administrative Tätigkeiten aus und helfe soweit möglich in der Werkstatt aus. Er verfüge über einen Büroschlüssel und könne seine Arbeitszeit flexibel einteilen. Er leiste keine Überstunden und es sei vereinbart, dass er auch keine solchen leisten dürfe (Urk. 10/25/8).
4.4
Dr. A._ diagnostizierte im Gutachten vom 23. September 2012 (Urk. 10/32) eine
schizo
type
Störung (ICD-10 F20; S. 10). Im Rahmen der Begutachtung führte der Beschwerdeführer gegenüber dem Gutachter aus, er leide unter Konzen
tra
tionsstörungen, sei reizbar und vergesslich. Immer wieder komme er in Schwierigkeiten. Nun arbeite er wieder bei der Y._. Früher habe er dort zu 100 % und dann zu 50 % gearbeitet. Die Reduktion sei erfolgt, weil es zu wenig Arbeit gegeben habe. Nachdem er im 2011 zu einer anderen Firma gewechselt habe, habe es bald Schwierigkeiten mit anderen Mitarbeitern
gege-ben
. Schliesslich habe er einen Nervenzusammenbruch erlitten. Seit Februar 2012 verrichte er nun ein 20 %-Pensum bei der Y._. Er arbeite am Montag- und Mittwochmorgen, manchmal auch am Freitag (S. 5). Er habe stets Angst. Alles verunsichere ihn. Er fühle sich von
den Mitmenschen beobachtet. Er müsse sich zurückziehen. Je nachdem könne er sich nicht mehr unter Kontrolle halten, bekomme Atemnot, werde laut und schreie. Ausser zum Arzt und zum Büro habe er keine Kontakte (S. 6). Öffentliche Verkehrsmittel könne er nicht mehr benutzen. Denn es gebe zu viele Menschen, die auf ihn fixiert seien. Er bekomme dann zu wenig Luft. Gleich ergehe es ihm, wenn er im Keller sei. Er gehe nicht in Einkaufsläden oder höchstens gemeinsam mit der Ehefrau. Nachts stehe er auf, mindestens zweimal, und sei dann einfach wach. Tagsüber gehe es gut. Er habe einen Balkon, eine Ecke für sich. Sobald die Tochter nach Hause komme, gehe er hinaus und mache einen Spaziergang (S. 7).
In sozialanamnestischer Hinsicht hielt der Gutachter fest, der Beschwerdeführer stamme aus der Türkei. Bei seiner Einreise in die Schweiz als Kind habe er noch über keine Deutschkenntnisse verfügt. Er habe die fünfte Primarschulklasse wiederholen müssen. Im Halbjahreszyklus sei er in Sonderschulklassen einge
teilt gewesen. Nach der Primarschule habe er drei Jahre die Realschule besucht. Danach habe er eine Lehre als Elektriker begonnen, nach zwei Jahren zu einer Handelsschule gewechselt und nach einem Jahr den Abschluss gemacht. Mit der Zeit habe er wieder als Elektriker gearbeitet und dabei häufig die Stelle ge
wechselt. Beruflich habe er dann den Faden verloren, sei arbeitslos und sozial
hilfeabhängig geworden (S. 8).
Das k
linische Bild war laut dem Gutachter
gezeichnet von
einer starken I
nt
ro
version, fehlender oder nivel
lierter Affektivität, vagen, schwer verständ
lichen, eigenart
igen Äusserungen, Einsilbigkeit und
Apathie.
Die Daten gebe der Be
schwerdeführer manchmal klar und eindeutig an, manchmal unklar oder gar nicht. Häufig antworte er mit einem vagen, inhaltsarmen Satz oder mit einzel
nen Wörtern und bleibe dann still (S. 10).
In Bezug auf die von ihm gestellte Diagnose einer
schizotypen
Störung erläu
terte der Gutachter, die Familie des Beschwerdeführers scheine
psychisch erheb
lich belastet zu sein. Beim Beschwerdeführer sei eine paranoide Sympto
matik mi
t formalen und inhaltlichen Denkstörungen k
linisch offenkundig. Da
neben hätten sich aufgrund seines Lebenslaufs weitere pat
h
ologische Persönlich
keitsmerk
male entwickelt. Insbesondere die Minderprivilegierung in der Kindheit habe zu narzisstischen Zügen geführt. D
ie Denk- und anderen
paranoiden Störungen gingen
über die Diagnose einer paranoiden Persönlichkeitsstörung hinaus
. Die übrigen Merkmale wie Negativismus,
Paranoia, Zwan
ghaftigkeit und emotionale Ins
tabilität
seien
vornehmlich der
schizotypen
Störung unter
zuordnen (S. 10). Zur mangelnden persönlichen sei
die mangelnde berufliche Identitätsfindung
dazugekommen
.
Obwohl aufgrund der
Akten und der
Anamnese
keine gesiche
r
ten Angaben vorlägen, sei zu vermuten, dass die unstete Berufslaufbahn mit den paranoiden Störungen zusammenhängen würden
.
Mit zunehmendem Alter habe sich die psychische Belastbarkeit zunehmend verringert. Gleichzeitig habe die
wahnhafte Beeinträchtigungshaltung
zugenommen. Der Beschwerdeführer habe sich
immer mehr in Au
seinandersetzungen verschiedenster
Art
verwickelt,
sich immer mehr als Opfer von Benachteiligungen, Beeinträchtigungen und Mobbing
gesehen. Dadurch sei er zusehends
in einen ängstlichen psychischen Stresszustand
geraten, was seinerseits zu
vermehrte
n
Denkstörungen
geführt habe. Im Sommer 2011 sei der Zustand nach einem neuerlichen Stellenwechsel
exazerbiert
. Bis heute werde
er mit einem antipsychotis
chen Medikament behandelt
.
Das Beschwerdebild entspreche mehr einem
ex
azerbierten
paranoiden Stresszu
stand im Rahmen der
schizotypen
Störung a
ls einer
depressive
n
Phase, wie
im E._ diagnostiziert worden sei (S. 11)
.
Es bestehe
eine Zerfahren
heit des Denkens mit schweren Kon
zentrations- und
Gedächtnisstörungen, eine paranoid anmutende
Verunsicherung im Sinne einer Wahnstimmung, eine Unfähigkeit zu pr
oduktiven Leistungen, chronisch
schwere Schlaf- und Appetit
störungen und eine psychovegetative Stresssymptomatik mit Kopfschmerzen, Parä
sthesien in den Extremitäten sowie pathologische
Herzsensationen. Die W
ahr
nehmungen des Beschwerdeführers hätten
den Charakter von Depersona
li
sa
t
ionen und
Derealisationen
. Dasselbe gelte
für die zu
G
runde liegen
de Angst
symptomatik. Der Beschwerdeführer
g
erate überall, vor allem in Gegen
wart ande
rer Leute
, in eine unbestimmt
e Panik. Auf wahnhafte Art fühle
er sich beobachtet
und bedrängt. Die
psychischen Störungen
hätten mindestens seit Oktober 2011
zu einer generellen Arbeitsunf
ähigkeit von zirka 70 % geführt (S. 12).
4.5
Auf Ersuchen der IV-Stelle füllte der Beschwerdeführer am 2. September 2013 (Urk. 10/82) einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus. Als körper
liche und
psychische
Einschränkungen gab er
Depressionen, Angst, Trauma, Kurz
zeitgedächtnis, Schmerzen, Aggression, Müdigkeit, Konze
ntration, Persön
lich
keits
störung
, Medikamente, Alkohol, Zwangsstörungen, Schlafstörungen, Schmerz
en, Paranoia und Panik an. Er könne schlecht beziehungsweise
über
haupt nicht wahrnehmen, was er tue und wie lange er es mache. Er versuche, sich
nicht zu bücken und das
Tragen von Gegenständen
zu vermeiden, an
sonsten leide er
danach
an
„
Atem-Nacken-Lende
n Schmerzen", permanenten Irri
ta
tio
nen und Stimmen im Kopf. Er arbeite nicht, sondern we
rde „bis 25 %” erduldet. Der Ar
beitgeber sei
die Y._ (S. 1). Im Weiteren erklärte er, dass er keinen weiteren Tätigkeiten nachgehe
, da er zu viel Stress habe und selbst auf Fremdhilfe angewiesen sei. Ohne seine Ehefrau und Medikamente bekomme er sein Leben nicht in den Griff.
Er habe Mühe, Formulare auszufüllen oder PC- und Büroarbeiten zu erledigen.
Er
könne nicht abschätzen, wie lan
ge er sitzende oder wechselbelaste
nde Tätigkeiten ausüben könne. E
r könne nichts zu Ende führen. Er bleibe
für sich allein zu Hause im vertrauten Umfeld, lebe sozial zurückgezogen, seine Mitmenschen seien kranke und bösartige Fre
m
de. Er wolle keine Begegnung und keine
„
Bedrängung". Er verhalte sich zurückhaltend, ab
weisend und freundlich, sofern er andere Leute nicht lange ertragen müsse (S. 2).
Er habe keine Hobbies, seine Hobbies seien die Stimmen in seinem Kopf, er selbst sei sein e
igenes Hobby. Er könne keinen öffentlichen Verkehr
benutzen
. M
it dem Auto und
dem
Velo
könne er nur kurze oder gar keine Strecken zurücklegen. D
en Rest erledige seine Frau für ihn
(S. 3).
4.6
Im Bericht vom 19. September 2013 (Urk. 10/86) bestätigten die behandelnden Ärzte des E._ die von ihnen gestellten Diagnosen einer kombinierten Persön
lich
keitsstörung mit
negativistischen
, narzisstischen, paranoiden, zwangshaften und emotional instabilen Zügen und einer mittelgradigen depressiven Episode ohne somatisches Syndrom. Zudem diagnostizierten sie eine Aufmerksam
keits
defizitstörung (S. 7). Sie erklärten, es finde ein bis zwei Mal pro Monat eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung statt. Zudem erfolge eine phar
ma
kotherapeutische Behandlung. Der Beschwerdeführer sei nach wie vor voll
ständig arbeitsunfähig. Seit Januar 2012 gehe er [bei der Y._] einer geschützten Tätigkeit nach mit einer Frequenz von dreimal vier Stunden die
Woche. Der Beschwerdeführer berichte von Überforderungstendenzen, Nervosi
tä
t mit grosser körperlicher Anspannung, Lustlosigkeit, Konflikten mit den Vorge
setzten und Mitarbeitern. Die Einschränkungen wirkten sich insofern aus, als er sich nicht konzentrieren könne, sehr angespannt sei und Fehler mache (S. 8).
4.7
Im Rahmen des Standortgesprächs vom 9. April 2014 (Urk. 10/107), welches stattfand bevor dem Beschwerdeführer unmittelbar danach eröffnet wurde, dass er observiert worden war, erklärte er, dass er ruhig bleibe, solange er die Medi
kamente einnehme. Ohne Medikamente gehe bei
ihm „die Post ab” (S. 2). Er leide unter Hals-, Schulter- und Lendenschmerzen. Er könne sie nicht beein
flussen. Insbesondere beim Liegen träten sie auf. Wenn er Schmerzen habe, stehe er auf und laufe. Dann würden sie wieder verschwinden. Er habe keine Konzentrations- und Aufnahmefähigkeit mehr. Er lese deshalb keine Zeitungen und schaue eigentlich auch nicht fern (S. 3). Zum Tagesablauf führte er aus, dass er um sechs oder sieben Uhr mit dem Kind aufstehe. Dieses gehe dann zur Schule. Etwa um neun oder zehn Uhr gehe er nach draussen. Danach komme er nach Hause oder eben nicht. Manchmal bleibe er auch am Nachmittag ausser Haus. Er arbeite zwar nicht bei der Y._, doch ziehe er sich bisweilen dorthin zurück und mache dort seine Runden. Bei der Y._ gehe er „spazieren, laufen, grübeln”. Er sei jeweils alleine, zum Grübeln brauche er keinen Zweiten. Bei der Stelle bei der Y._ handle es sich um einen geschützten Arbeitsplatz (S. 4).
4.8
Im Observationszeitraum vom 7. März bis 24. April 2013 wurde am Donnerstag, 7. März 2013 (15.00 bis 16.15 Uhr), am Montag, 25. März 2012 (6.00 bis 13.30 Uhr), am Mittwoch, 3. April 2013 (7.00 bis 13.15 Uhr), am Dienstag, 23. April
2013 (7.45 bis 17.45 Uhr) und am Mittwoch, 24. April 2013 (7.45 bis 19.30 Uh
r), operativ ermittelt. Dem Bericht vom 17. Mai 2013 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer am 7. März 2013 nicht angetroffen wurde (Urk. 11/1/14-15). Am 25. März 2013 und am 3. April 2013 wurde beobachtet, dass der Be
schwerdeführer einen F._ in der Nähe seiner Wohnung stehen hatte. Am ersten Tag fuhr er mit einem anderen Auto, einem G._, ins Zentrum der Stadt Winterthur. Am zweiten transportierte er diverse Stühle und deponierte diese in einem Mehrfamilienhaus in der Nähe seiner Wohnung. Danach fuhr er nach H._. Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass sich die Spur auf dem Weg verloren habe. Es werde vermutet, dass der Beschwerdeführer zur Y._ gefahren sei, die ihre Räum
lich
keiten in H._ im Industriegebiet I._ habe (Urk. 11/1/17). Laut Abklä
rungen der Ermittlungsperson sind der F._ und der G._ auf die Y._ immatrikuliert und werden mit Wechsel
schild betrieben (Urk. 11/1/16-17). Am 23. und 24. April 2013 begab sich der Beschwerdeführer wiederum mit dem Auto zur Y._. Am 23. April 2013 verblieb er über 7 3⁄4 Stunden und am 24. April über 11 Stunden dort. Im Bericht wird ausgeführt, aufgrund der gemachten Feststellungen sei davon auszugehen, dass er in dieser Zeit einer Arbeitstätigkeit nachgegangen sei (Urk. 11/1/11+17-20). Beim Beschwerdeführer hätten keine offensichtlichen kör
per
lichen respektive psychischen Behinderungen wahrgenommen werden können. Er sei vital, mobil und agil aufgetreten. Ebenso hätten sich in der Mimik und Gestik keine erkennbaren Defizite gezeigt. In der Erscheinung habe der Beschwerdeführer weder einen ungepflegten noch einen übertrieben ge
pfleg
ten Eindruck gemacht (Urk. 11/1/12+17)
Im Rahmen der zweiten Observation wurde der Beschwerdeführer am Freitag, 6. Dezember 2013 (6.15 bis 17.30 Uhr), am Mittwoch, 8. Januar 2014 (7.00 bis 18.00 Uhr), am Freitag, 10. Januar 2014 (7.00 bis 16.00 Uhr), und am Samstag, 25. Januar 2014 (7.30 bis 15.00 Uhr), beobachtet. An sämtlichen Werktagen verliess er in den frühen Morgenstunden die Wohnung und fuhr mit dem Auto zur Y._. Dort blieb er 6 1⁄2 respektive 8 1⁄2 Stunden. Laut Bericht verrichtete er augenscheinlich operative, administrative und organisatorische Arbeiten. Am 10. Januar 2014 wurde überdies beobachtet, dass der Beschwerde
führer Werkzeuge und andere Gegenstände rüstete, diese in das Auto lud und sich an eine Privatadresse begab. Am Samstag, 25. Januar 2014, besuchte er die J._-Messe beim Flughafen Basel-Mülhausen. Den Weg von seinem Wohn
ort bis zum Messeparklatz legte er mit dem Auto zurück. Vom Parkplatz bis zur Messe benutzte er einen Shuttlebus, der zu jenem Zeitpunkt stark besetzt war (Urk. 11/2/25). Im Observationsbericht wird festgehalten, dass der Beschwerde
führer bei sämtlichen ausserhäuslichen Tätigkeiten alleine unterwegs gewesen sei. Erneut seien weder eine Orientierungslosigkeit noch andere Einschrän
kungen sichtbar gewesen. Der Beschwerdeführer habe im Beobachtungszeitraum mehrere soziale Kontakte unterhalten. Für einen aussenstehenden Beobachter habe er einen unauffälligen Eindruck hinterlassen. Er habe sich mehr oder weniger ruhig, ausgeglichen, ungetrübt, ausgelassen und gar heiter gezeigt. Im zwischenmenschlichen Austausch habe er sich einerseits ernst und konzentriert, anderseits gesprächsfreudig gezeigt. Auch beim Besuch der J._ sei der Beschwerdeführer im Gespräch mit den Ausstellern kommunikativ und inte
ressiert gewesen. Im Rahmen der zweiten Observation seien ebenfalls keine körper
lichen oder psychischen Auffälligkeiten erkennbar gewesen. Es
hätten keine offenkundigen Anzeichen für eine Einschränkung der kognitiven Fähig
keiten, der Kommunikation, der Mobilität oder der Aktivität bestanden (Urk. 11/2/14-16)
4.9
Dr. B._ verfasste das Gutachten vom 28. Oktober 2014 in Kenntnis der Observationsakten (Urk. 10/139/3). Er diagnostizierte eine kombinierte Persön
lich
keitsstörung mit narzisstischen, passiv-aggressiven, paranoiden, zwanghaften und emotional instabilen Zügen (ICD-10 F61.0; differentialdiagnostisch: paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.1; Urk. 10/139/25). Im Rahmen der Begutachtung führte der Beschwerdeführer zum beruflichen Werdegang aus, dass er von 2009 bis 2010 ungefähr ein Jahr bei der Y._ in einem 50 %-Pensum gearbeitet habe. Es sei geplant gewesen, das Pensum zu erhöhen,
sobald die Kinderbetreuung sichergestellt gewesen wäre. Ab 2012 habe er wie
der bei der Y._ gearbeitet. Er habe je nach Möglichkeit ein Pensum von 20 bis 30 % erledigt. Sein Bruder, dem diese Gesellschaft gehört habe, habe ihm einen Rückzugsort bieten wollen. Nach Bekanntwerden der Observation durch die Invalidenversicherung habe der Bruder das Arbeitsverhältnis aufgelöst. Er habe deshalb seinen Rückzugsort verloren. Nun verbringe er viel Zeit im Schrebergarten (Urk. 10/139/14+17).
Im Zusammenhang mit der Befunderhebung hielt der Gutachter fest, dass aus verschiedenen Gründen zwei Explorationsgespräche notwendig gewesen seien. Um einen die Kommunikation beendenden Konflikt zu vermeiden, habe er be
wusst darauf verzichtet, den Beschwerdeführer auf Widersprüche und Inkonsi
stenzen hinzuweisen (Urk. 10/139/18-19). In beiden Gesprächen habe der Be-
schwerdeführer
dasselbe Verhalten
gezeigt
, so dass dieses insgesa
mt als konsi
stent beurteilt werde
.
Der Beschwerdeführer sei detailversessen und habe sich bemüht, alles genau und detailliert zu erklären. Dabei
habe
er sich zum Teil in den Gedanken
verloren und
einen assoziativ gelockerten Gedankengang
ge
zeigt. Er habe einen düsteren
, misstrauischen bis paranoiden Eindruck
gemacht. Es sei spürbar gewesen, dass er sich
stark
habe kontrollieren müssen. Mehrfach sei die Stimmung im Gespräch beinahe gekippt. Dem Beschwerdeführer sei es aber immer wieder gelungen
, sich zurückzunehmen und einzulenken.
Er habe über weite
Strecken den direkten Blickkontakt
vermieden,
ständig mit dem Bein
gewippt und wiederholt Grimassen geschnitten, was an Manierismen erinnert habe. Teilweise habe
er im Raum umher
geschaut
, so als ob er etwas sehen würde
. Dies sei möglicherweise auf
opti
sche Halluzinationen oder die paranoide Grundhaltung zurückzuführen (Urk. 10/139/19).
Gegenüber dem Gutachter gab der Beschwerdeführer an, er lebe in seiner eigenen Realität, alles überfordere ihn, hole ihn ein und versetze ihn in Schrecken. Konzentrieren könne er sich nicht und sein Kurzzeitgedächtnis sei lückenhaft. Seine Auffassungsfähigkeit sei gut. Er verstehe, was man sage, aber er würde das Gesagte emotional oft missdeuten und fehlinterpretieren. Er sei nicht belastbar. Optische Halluzinationen habe er nicht. Er gäbe aber Stimmen, die er immer höre. Meist sei es eine Stimme. Diese weise ihn zurecht (Urk. 10/139/20). In Bezug auf den Psychostatus beschrieb der Gutachter den Beschwerdeführer als
wach und zu allen Qualitäten orientiert. Die Konze
n
trationsfähigkeit und die Auffassungsfähigkeit seien
in bestimmten Situationen beeinträchtigt,
nämlich
wenn
d
er
Beschwerdeführer
die Situation aus
emo
tio
nalen respektive kognitiven Verzerrungen heraus fehlinterpretiere. Gleiches gelte
für die Belastbarkeit. Die Merkfähigkeit e
rscheine
nicht per se beeinträchtigt
.
Das Denken sei inhaltlich und formal auffällig. Im formalen Gedankengang falle
ein assoziativ gelockertes Denken auf,
so könne der Beschwerdeführer unver
mittelt das Thema wechseln. Inhaltlich sei das Den
ken geprägt
von einem tiefen Misstrauen und paranoiden Zügen, d
a er immer wieder das Gefühl habe
, andere wollte
n ihm etwas Böses antun,
w
ürden ihn nicht ernst nehmen oder
nicht respektieren. Optische
Halluzinationen würden vom Beschwerdeführer
verneint, wobei es in der Beobachtung seines Verhaltens
Anhaltspunkte dafür gebe. Akustische Halluzinationen wü
rden bejaht
. Allenfalls handle es sich dabei um echte Halluzinationen. Es sei aber auch denkbar, dass der Beschwerdeführer
inner
e Stimmen nach aussen projiziere, da
er den Charakter der Stimmen nicht s
o differenziert beschreiben könne
, wie dies üb
licherweise an Schizophrenie erkrankte Menschen tun könnten. Das paranoide Denken sei
so ausgep
rägt, dass sich die Frage stelle
, o
b es sich hierbei
auch um ein wah
nhaftes Geschehen handle
. Die geschilderten Ängste vor grossen Plätzen und v
or direktem Blick
kontakt entsprä
chen keiner Angste
rkrankung im eigentlichen Sinne. Phobien und Zwänge wü
rden
verneint. Die Stimmung des Beschwerdeführers sei
deut
lich zum depressiven Pol hin verschoben
.
Neben
der depressiven Gestimmtheit sei
durchgehend au
ch eine Verärgerung spürbar. Der Beschwerdeführer wirke
dysphorisch und unterschwellig (zum Teil au
ch passiv-) aggressiv (Urk. 10/139/21-22).
Aufgrund der geschilderten Beeinträchtigungen schloss der Gutachter diagnos
tisch auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen, passiv-
aggressiven, paranoiden, zwanghaften und emotional instabilen Zügen. Die A
us
prägung der Persönlichkeitsstörung sei derart gravierend, dass sie an der Grenze zu psychotischem Erleben angesiedelt werden müsse. Aufgrund der
fest
ge
stellten psychischen
Störungen mit Krankheitswert sei sowohl für die bisherigen Tätigkeiten (a
ngelernter Elektriker, Techniker, administrativer Mitarbeiter
)
als auch
für allfällige Verweistätig
keiten
keine Arbeitsfähigkeit mehr gegeben. Der Beschwerdeführer könne
sich in keine bestehenden
Strukturen einfügen. Ande
ren
Mitarbeitern in
einem Team
sei er
nicht zumutbar. Bei der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit sei die vorliegende Persönlich
keitsstörung von ausschlagge
bender Bedeutung. Die depressive Störung allein würde zu einer gerin
geren Arbeits
unfähigkeit führen (Urk. 10/139/23-24). Diese Einschätzung entspreche jener von Dr. A._ und dem E._. Letzteres habe eine Beschäftigung im ge
schützten Rahmen für möglich gehalten, was den damaligen Status quo abge
bildet habe. In der Firma des Bruders sei der Beschwerdeführer für sich alleine beschäftigt gewesen. Dies sei möglich gewesen. Eine Beschäftigung im geschüt
zten Rahmen an einer anderen Arbeitsstelle sei jedoch nicht möglich, da sich der Beschwerdeführer nicht in gegebene Strukturen integrieren könne und für andere Mitarbeiter unzumutbar sei (Urk. 10/139/26).
In Bezug auf die Observation führte der Gutachter aus, vier Aussagen des
Beschwerdeführers seien aufgrund der Beobachtungen eindeutig widerlegt. Dieser
sei in der Lage,
in einem vollbe
setzten Bus zu fahren. S
eine Aussage, er könne den ÖV nicht benu
tzen, treffe daher nicht zu (1). Der Besuch der J._-
Messe in Basel
widerspreche dem angeblichen Vermeiden von grösseren Menschenansammlungen (2). Der Beschwerdeführer halte
sich länger in den Räumen der
Y._ auf, als er angegeben habe (3). E
ntgegen seinen Aussagen
sei er
durchaus in der Lage, längere Strecken mit dem Auto zurückzulegen, wenn man die Entfernung
seines Wohnortes bis zur
J._
(mehr als 100 km
) als längere Strecke betrachte (4). Diese Widersprüche könnten,
müss
t
en aber nicht
,
als gezielte Desinformationen betrachtet werden. In der klinischen Praxis komme
es öfter vor
, da
ss Menschen, wenn sie nach Ängsten und Phobien befragt würden, angäben, etwas nicht tun zu können (z.B.
Lift fahren)
,
wobei bei genauerer Exploration deutlich
werde
, dass sie durchaus
dazu in der Lage seien (z.B. den Lift zu be
nutzen)
. Die be
züglich der Aufenthaltsdauer divergi
erenden Angaben liessen
sich dahi
ngehend
erklären, dass der Beschwerdeführer die
mit seinem Bruder ver
einbarte Arbeitszeit genannt habe
und (schambedingt?) nicht
habe angeben wollen
, dass er sich in den Räumen der
Y._ länger aufhalte
, da er es zu Ha
use in der Familie nicht aushalte
wegen der do
rt herrschenden konfliktträchti
gen Atmosphä
re. Die Tatsache, dass der Beschwer
deführer
mit
dem Auto nach Basel gefahren sei, könne
auch als Beleg dafür inte
rpretiert werden, dass der Beschwerdeführer den öffentlichen Verkehr
soweit wie möglich
meide und
aus Ko
stengründen das Auto benutzt habe.
Diesfalls
hätte er zwischen zwei ihn beeinträchtigenden Umständen eine Wahl getroffen
(Urk. 10/139/27).
Observationsbeobachtungen seien
in Bezug
auf psychische Beeinträchtigungen oft nicht ge
eignet, die Angabe oder die gestellte Diagnose einer psychischen
Erkrankung zu widerlegen, da einzelne Symptome nur in bestimmten, aber nicht
in allen Situationen aufträten und beobachtbar seien. Der Beschwerdeführer könne
durchaus in der Lage sein, sich mit anderen Menschen, zu denen k
eine bestimmte Beziehung bestehe
, entspannt und lo
cker zu unterhalten. Dies ändere
sich aber
sofort, wenn er zum Gegenüber eine
em
otional bedeutsame Beziehung habe, wenn er in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Gegenüber stehe oder wenn er den subjektiven Eindruck gewinne
, sein Gegenüber sei ihm nicht woh
l
gesonnen. Solches sei bei zufälli
gen Begegnungen mit Angestellten ande
rer Firmen oder
mit Messeverkäufern üblicherweise nicht der Fall
. Dass der Beschwerdeführer
sich in den Räumen der
Y._ aufhalte, die Post abhole, vor dem PC sitze, telefoniere
und
etwas auf dem Drucker ausdrucke, belege
nicht, dass er über den gesamten Zeitraum einer
„
erwerbsmässigen beziehungsweise berufli
chen Tätigkeit" nachgegangen sei. Die
Präsenzzeit an sich
beweise nicht, dass der Beschwerdeführer die gesamte Zeit für die Firma gearbeitet habe.
Die laienhafte Annahme, man könne allein aus Beobachtungen eines Menschen auf dessen
psychischen Gesundheitszustand und seine psyc
hische Gesundheit schliessen, sei unzutreffend. Er als Gutachter kenne
aus der eigenen Praxis eine Reih
e von Menschen, die an schweren,
psychisch eindeutig beeinträchtigenden Erkrankungen leiden
würden, von denen ihr berufliches Um
feld keine Kenntnis
habe
.
Die von der IV-Stelle gezogenen Schlüsse aus der Observation seien ver
ständ
lich, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit wegen Sozialhilfebetrugs verurteilt worden und von einem Familienangehörigen beschäftigt worden sei. E
benso
sei aber
de
nkbar, dass der Bruder des Beschwerdeführers
ihm einen ges
chützten Arbeitsplatz zur Verfügung gestellt habe. Sein als aggressiv wahrgenommenes Verhalten zeige, dass er ohne Rücksicht auf die Folgen seines Handelns agiere und die Situation des jeweiligen Gegenübers in keiner Weise in sein verzerrtes Denken mitein
beziehen könne (Urk. 10/139/28-29).
4.10
Im Rahmen der orthopädischen Untersuchung vom 26. November 2014 diag
nostizierte med.
pract
. C._ eine schmerzhafte Bewegungs- und Belas
tungs
einschränkung der Halswirbelsäule. Zum Tagesablauf äusserte sich der Beschwerdeführer dahingehend, dass er am liebsten alleine sei und zwei Rück
zugsorte habe. Weitere Angaben zu diesem wollte er nicht machen. Auf die Frage, ob er nicht alleine sei, antwortete er, dass er seine Brüder, seine Ehefrau, seine Kinder sowie zwei weitere Personen habe, zu denen er versuche, das Ver
trauen herzustellen (Urk. 10/146/3). Der Beschwerdeführer erklärte, unter einem Trauma der Halswirbelsäule zu leiden, und klagte über diverse Beschwerden im Kopf, im linken Arm und Kleinfinger, im linken Schulterblatt und in der Hals
wirbelsäule (Urk. 10/146/1). Er nehme die Medikamente
Temesta
, Valium, Ritalin,
Risperdal
,
Cipralex
und
Remeron
.
Seroquel
und
Truxal
seien abgesetzt worden (Urk. 10/146/2). Im Rahmen der Untersuchung wurde alsdann eine Blutent
nahme durchgeführt. Von den
angegebenen Medikamenten war einzig das
Remeron
nachweisbar. Dessen Wert lag am unteren Rand des therapeutischen Bereichs, was laut med.
pract
. C._ gut vereinbar mit einer Einnahme am Vorabend war (Urk. 10/146/7). Aus somatischer Sicht attestierte sie dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsfähigkeit als Betriebstechniker und in jeder anderen leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne vermehrte Beanspruchung des Schultergürtels und der Halswirbelsäule (Urk. 10/146/7).
4.11
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
liessen sich die Ärzte des E._ nochmals verlauten. Im Bericht vom 7. September 2015 führten sie in Bezug auf die
durchgeführte Observation aus, dass insbesondere narzisstisch gestörte Menschen
durchaus in der Lage seien, zeitlich begrenzt und im Rahmen oberflächlicher Kontakte ohne emotionale oder langfristige Bedeutung kompetent und eloquent aufzutreten. Die sprachlichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers sowie seine unauffällige Intelligenz seien dokumentiert. Es bestehe deshalb kein Widerspruch zu den Beobachtungen (Gespräche mit Ausstellern) zur bestehenden Psychopathologie. Sobald der Interaktionspartner eine Wichtigkeit für persön
liche Lebensbelange habe, eine emotionale Beziehung bestehe oder ein Konflikt anstehe, manifestierten sich die Interaktionsstörungen. Dies hätten sie selber in den Paargesprächen mit der Ehefrau beobachtet und zeige sich auch im Kontakt mit Pro
Infirmis
-Mitarbeitern, dem Sozialarbeiter, der Familienbegleiterin und verschiedenen Hausärzten. Wie bereits von Dr. B._ erwähnt, gelinge es nur psychiatrisch geschulten Personen, längere Gespräche mit dem Beschwerde
führer zu führen. Eine langfristige Integration an einem Nischenarbeitsplatz sei nicht realistisch. Denn auch an einem solchen seien ein Mindestmass an Bereit
schaft, den Vorgaben anderer zu folgen, und die Fähigkeit, in Konflikt
situa
tionen ohne
beeinträchtigende Befangenheit zu bestehen, gefordert. Im Übrigen sei die Verkehrsfähigkeit des Beschwerdeführers nicht in einem für die Arbeits
fähigkeit entscheidend relevanten Mass eingeschränkt. Ob er die verordneten Psychopharmaka regelmässig einnehme, habe man labortechnisch bislang nicht überprüft. Allerdings sei aufgrund der psychopathologischen Ausgangslage mit der Persönlichkeitsstörung als Hauptdiagnose nicht davon auszugehen, dass deren Einnahme eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit bewirken würde. Die Abgrenzung psychopathologisch begründeter Defizite, die die Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt einschränkten, von darüber hinausgehenden vom Beschwerdeführer behaupteten Defiziten sei schwierig. Die Verweigerung von
IV-Leistungen werde dem Beschwerdeführer aber nicht gerecht (Urk. 10/167/2-4).
5.
5.1
Die Frage, ob ein Gutachten beweiskräftig ist oder nicht, beurteilt sich danach, ob sich gestützt auf die Expertise die rechtsrelevanten Fragen beantworten lassen oder nicht (BGE 143 V 124 E. 2.2.4). Dies ist beim Gutachten von Dr. B._ der Fall.
Es ist für die streitigen Belange umfassend, wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt und enthält eine einleuchtende Darlegu
ng der medizinischen Situation. Mithin entspricht es
den praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise
(BGE 134 V 231 E. 5.1; vgl. E. 1.4 hiervor). Inhaltlich stimmt es im Wesentlichen mit der Beurteilung von Dr. A._ und der behandelnden Ärzte des E._ überein. Soweit die IV-Stelle den Beweiswert des Gutachtens von Dr. B._ bestreitet (Urk. 2), kann ihr nicht gefolgt werden. Selbst ihr RAD-Arzt
dipl.
med. D._ hielt dessen medizinische Schlussfolgerung für plausibel
(Stellungnahmen vom 10. Dezember 2014, Urk. 10/161/9), auch wenn er Zweifel
an einer
wesentlichen funktionellen Einschränkung äusserte (Stellungnahme vom 20. Juni 2013, Urk. 10/102/2).
5.2
Ein ärztliches Gutachten hat die beweisrechtlichen Anforderungen zu erfüllen, was vorliegend – wie ausgeführt – der Fall ist. Jedoch liegt es recht
sprechungsgemäss
keinesfalls
allein in der Zuständigkeit der mit dem konkreten Einzelfall (gutachterli
ch) befassten Arztpersonen
, selber abschliessend und für die rechts
anwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) fü
hrt (BGE 140 V 193 E. 3.1
). Darum kann aus rechtlicher Sicht von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass sie ihren Beweiswert verlöre. Darin liegt weder eine Geringschätzung der ärztlichen Beurteilung noch eine gerichtliche Kompetenzanmassung, sondern es ist notwendige Folge des rein juristischen Charakters der sozialversicherungsrechtlichen Begriffe von Arbeits-/Erwerbsunfähigkeit und Invalidität (
Bundesgerichtsurteil 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 3.2 mit Hinweisen).
6.
6.1
Mit
BGE 143 V 409 und
BGE 143 V 418 änderte das Bundesgericht se
ine bis
herige Praxis insofern
, als es er
kannte, dass die für somato
forme Schmerz
störungen entwickelte Rechts
prechung, wonach in einem struk
turierten Beweis
verfahren anhand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungs
fähig
keit der betroffenen Person zu ermitteln ist, künftig auf sämtliche psychischen Erkrankungen Anwendung findet.
6.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen einer anhaltenden soma
to
formen Schmerzstörung oder eines damit vergleichbaren psychosomati
schen Leidens (BGE 141
V 281 E. 4.2) sind Indikatoren beachtlich, die das Bun
des
gericht wie folgt systematisiert hat
(
BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Resso
urcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
zen (BGE 141 V 281 E.
3.4-3.6 und E. 4.1;
Bundesgerichts
urteil
9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in al
len vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
benbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitge
staltung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schränkungen
auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heitsbedingter Rückzug aber auch Ressourcen z
usätzlich vermindern. Soweit er
hebbar, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Per
son ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141
V 281 E. 4.4.1; vgl.
Bundesgerichts
urteil
9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
6.3
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung
ein
geholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren (vorstehend E.
5.2).
Vielmehr gilt es im Einzelfall mit seinen je eigenen Gegebenheiten und
den erhobenen Rügen gesamthaft zu prüfen, ob in bundesrechtskonformer Weise
abschliessend auf die vorhandenen Beweisgrundlagen abgestellt werden
kann (BGE 141 V 281 E. 8
mit Hinweis). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten - allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten - eine schlüssige Beurteilung im Licht der massgeblichen Indikatoren erlauben. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine
punktuelle Ergänzung genügen (Bundesgerichtsu
rteil 8C_300/201
7 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
7.
7.1
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig dann kein versicherter Gesundheits
schaden vor, wenn die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen an
ge
geben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizini
sche Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird, demonstrativ vor
getragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Einschränkungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Um
feld jedoch weitgehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1).
Eine auf Aggravation oder vergleichbaren Konstellationen beruhende Leistungs
einschränkung vermag einen versicherten Gesundheitsschaden nicht leichthin auszuschliessen, sondern nur, wenn im Einzelfall Klarheit darüber besteht, dass nach plausibler ärztlicher Beurteilung die Anhaltspunkte für eine klar als solche ausgewiesene Aggravation eindeutig überwiegen und die Grenzen eines bloss verdeutlichenden Verhaltens zweifellos überschritten sind, ohne dass das
aggra-vatorische
Verhalten auf eine verselbständigte, krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre (SVR 2017 IV Nr. 21 S. 56 E. 4.3 mit Hinweis, Bundesgerichtsurteile 8C_604/2017 vom 15. März 2018 E. 6.1, 9C_726/2017 vom 20. Februar 2018 E 4.2.4).
7.2
In den Akten bestehen deutliche Hinweise auf ein inkonsistentes Verhalten des Beschwerdeführers. Im Rahmen der Begutachtung bei Dr. A._ gab er an, dass er jeweils am Montag- und Mittwochmorgen, manchmal auch am Freitag arbeite (Urk. 10/32/5-6). Öffentliche Verkehrsmittel könne er nicht benutzen. Er fühle sich von den Mitmenschen beobachtet. Es gebe zu viele, die auf ihn fixiert seien (Urk. 10/32/7). Im Fragebogen vom 2. September 2013 erklärte er, er versuche das Tragen von Gegenständen zu vermeiden, ansonsten er danach an „Atem-Nacken-Lenden Schmerzen” leide. Er habe Mühe, Formulare auszu
füllen oder PC- und Büroarbeiten zu machen. Bei der Y._ arbeite er nicht, sondern werde „erduldet bis 25 %”. Er bleibe für sich alleine im vertrau
ten Umfeld, lebe zurückgezogen und sei selber auf Fremdhilfe angewiesen. Mitmenschen seien kranke und bösartige Fremde. Begegnungen wolle er nicht.
Öffentliche Verkehrsmittel könne er nicht benutzen. Mit dem Auto könne nur kurze oder gar keine Strecken zurücklegen (Urk. 10/82).
7.3
Die Observation ergab, dass der Beschwerdeführer sich bedeutend häufiger in den Räumen der Y._ aufhält, als er angegeben hatte. Ebenso vermag er öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen und ist regelmässig mit dem Auto unterwegs. Das Zurücklegen langer Strecken stellt offensichtlich kein Problem dar. Ebenso scheut er grössere Menschenansammlungen nicht und vermag auch mit ihm nicht vertrauten Personen ohne Weiteres normal zu kommunizieren. Sein Auftreten ist eloquent. Ein Schneiden von Grimassen ist auf den Videos nicht erkennbar. Auf Fremdhilfe ist er nicht angewiesen. Die ausserhäuslichen Tätigkeiten verrichtet er selbständig. Auch zeigt er keine Zurückhaltung, was das Tragen von Gegenständen angeht. Er trägt Stühle (zwei auf einmal), hebt Werkzeugkoffer und verschiebt – wie aus den der anonymen Meldung vom 11. Mai 2015 beigelegten Fotos ersichtlich ist - auf Paletten stehende Boiler, die 60 bis 100 kg schwer sein dürften (Urk. 10/153). Weiter stimmen seine Angaben zum Medikamentenkonsum nicht. Bei med.
pract
. C._ gab er an,
Temesta
, Valium, Ritalin,
Risperda
,
Cipralex
und
Remeron
einzunehmen. Im Blut nach
weisbar war einzig das
Remeron
(Urk. 10/146/7). Zu vermuten ist zudem, dass sich der Beschwerdeführer beim Ausfüllen des Fragebogens vom 2. September
2013 (vorstehend E. 4.5) auch durch versicherungsrechtliche Überlegungen leiten
liess. Seine Antworten auf die darin gestellten Fragen sind oft unpassend und unvollständig. Die Formulierung ist derart, dass sich bei der Lektüre unweiger
lich die Frage nach der Intelligenz und Ausdrucksfähigkeit des Beschwer
deführers aufdrängt. Damit kontrastieren die Unterlagen aus den zwei Mietrechts
verfahren (Urk. 10/154). Diese beinhalten mitunter Protokolle der Geschehnisse, Korrespondenz zwischen den Parteien und eine Strafanzeige der Y._
gegen den Vermieter. Die Schriftstücke wurden offensichtlich vom Beschwerde
führer verfasst, der die Y._ jeweils vertreten hatte. Sie sind präzise, logisch, leicht verständlich und in gutem Deutsch abgefasst. Gleiches gilt für die Strafanzeige, welche vom Beschwerdeführer unterschrieben wurde (vgl. Urk. 10/154/4-30). Die Ärzte des E._ attestieren ihm denn auch eine unauf
fällige Intelligenz und ausgewiesene sprachliche Fähigkeiten (Urk. 10/167/3).
7.4
Dass dieses zumindest verdeutlichende Verhalten auf die krankheitswertige psychische Störung zurückzuführen wäre, ist nicht dargetan. Dr. B._ ver
mutete hinter der Falschangabe des Beschwerdeführers hinsichtlich der Präsenz am Arbeitsplatz am ehesten ein schambedingtes Verhalten. Der Beschwerde
führer habe nicht zugeben wollen, dass er effektiv länger dort verbleibe als vereinbart. Was das behauptete Vermeiden von grösseren Menschenansamm
lungen anbelangt, erklärte der Gutachter, dass der Beschwerdeführer durchaus in der Lage sei, sich mit anderen Menschen entspannt und locker zu unter
halten, sofern zum Gegenüber keine emotional bedeutsame Beziehung bestehe. Dass der Beschwerdeführer mit dem Auto nach Basel an die Messe fuhr, kann nach Meinung des Gutachters damit begründet werden, dass das Auto kosten-günstiger als der öffentliche Verkehr sei respektive dass der Beschwerdeführer das kleinere der beiden Übel gewählt habe (Urk. 10/139/27). Der Gutachter stellte also ein widersprüchliches Verhalten beim Beschwerdeführer fest, ver
suchte dieses teilweise auch zu erklären, führte es aber letztlich nicht auf die von ihm festgestellte psychische Störung zurück. Gleiches gilt auch für das E._. Das E._ räumte im Bericht vom 7. September 2015 auch ein, dass der Beschwerdeführer das Vorhandensein von Defiziten behaupte, die nicht psycho
pa
thologisch begründet seien (Urk. 10/167/4). Zu den Ausführungen von Dr. B._ ist überdies zu bemerken, dass er offenbar davon ausgeht, dass ein Sachverhalt im Sinne eines „in
dubio
pro
reo
” zu Gunsten des Beschwerdeführers auszulegen ist. Dem ist nicht so, im Sozialversicherungsrecht gilt der Grundsatz der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 141 V 405 E. 4.4). Vor diesem Hintergrund ist ein zumindest verdeutlichendes Verhalten des Beschwer
deführers klarerweise zu bejahen.
Hingegen fragt sich, ob aufgrund dieser Verhaltensweisen bereits auf einen Aus
schlussgrund im Sinne der Rechtsprechung geschlossen werden kann, nach
dem Dr. B._ trotz deren Kenntnis eine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt hat. Wie es sich damit verhält, braucht nicht abschliessend beantwortet zu werden, wie sich aus den nachfolgenden Erwägungen ergibt.
8.
8.1
Hinsichtlich der vorzunehmenden
Indikatorenprüfung
nach Massgabe nach BGE 141 V 281 ist zunächst festzuhalten, dass dem Beschwerdeführer nicht gefolgt
werden kann, soweit er unter Verweis auf die Bundesgerichtsurteile 8C_260/2017
und 9C_307/
20
17 geltend macht,
die von Dr. B._ attestierte Arbeitsunfähigkeit sei ohne Weiteres zu übernehmen (Urk. 20 S. 6). Er übersieht dabei, dass das Gutachten nach altem Verfahrensstand eingeholt wurde und daher in dessen Rahmen keine eigentliche
Indikatorenprüfung
erfolgte.
8.2
8.2.1
Was den Komplex „Gesundheitsschädigung” respektive den Indikator der „Aus
prägung der diagnoserelevanten Befunde” angeht, ist festzuhalten, dass die kombinierte Persönlichkeitsstörung von den Ärzten als schwer eingestuft wird. Das dysfunktionale Verhalten des Beschwerdeführers wird als tiefgreifend und in verschiedenen sozialen Situationen als unpassend beschrieben. Die Unaus
geglichenheit wird als andauernd und gleichförmig in verschiedenen Funktions
bereichen (Affektivität, Impulskontrolle, Wahrnehmen, Denken und in den Beziehungen zu anderen Menschen) beurteilt (Urk. 10/139/23). Daneben besteht eine depressive Störung, die als mittelgradig bezeichnet wird. Begründet wird sie im Gutachten von Dr. B._ damit, dass verschiedene Symptome be
obacht
bar seien, die einer depressiven Störung entsprechen würden: gedrückte
Stimmung,
Anhedonie
, vermindertes Selbstwertgefühl, negative
Zukunftsper
spektiven,
Suizidhandlungen in der Vergangenheit und fehlende ausserfamiliäre stabile Kontakte (Urk. 10/139/24). Insbesondere letztere Befunderhebung basiert primär auf der Exploration im Rahmen der Begutachtung. Dr. B._ weist zutreffend darauf hin, dass Observationsbeobachtungen in Bezug auf psychische Beeinträchtigungen oft nicht geeignet sind, die gestellte Diagnose einer psychi
schen Erkrankung zu widerlegen, da einzelne Symptome nur in bestimmten Situationen auftreten (Urk. 10/139/27).
Dennoch kann in diesem Kontext nicht ausser Acht bleiben, dass sich das wider
sprüchliche Verhalten des Beschwerdeführers wie ein roter Faden durch die Akten zieht. Dies zeigte sich mitunter – auch wenn es vorliegend nicht Prozessthema ist – im Sozialhilfebetrug. Die Angaben des Beschwerdeführers sind dementsprechend vorsichtig zu werten. Vor diesem Hintergrund erhält der Umstand, dass im Rahmen der Observation kein depressiv gesteuertes Verhalten, etwa eine gedrückte Stimmung oder
Anhedonie
, auszumachen war, ein anderes Gewicht. Soweit im Gutachten psychosoziale Belastungsfaktoren (Migrationshinter
grund, Schulden von etwa Fr. 100'000.--, Sozialhilfeabhängigkeit und konfliktreiche Beziehung mit der Ehefrau, Urk. 10/139/15-17) erwähnt werden, was auch in Hinblick auf die Zukunftsperspektiven von Belang ist, ist darauf hinzuweisen, dass solche aus versicherungsrechtlicher Sicht keine Invalidität zu begründen vermögen (BGE 127 V 294 E. 5a).
8.2.2
Bezüglich des Indikators „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resi
stenz
” ist festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer seit Oktober 2011 regelmässig in fachärztliche Behandlung begibt. Die Therapie findet laut den behandelnden Ärzten zweiwöchentlich statt (Urk. 10/22/3, 10/167/6; vgl. auch Urk. 10/139/18), was zumindest hinsichtlich der Depression nicht als konse
quente Behandlung zu betrachten ist (Bundesgerichtsurteile 8C_444/2016 vom 31. Oktober 2016 E. 6.2.2, 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1). Auch nimmt der Beschwerdeführer die ihm verordneten Psychopharmaka nicht res
pek
tive nur unzureichend ein (Urk. 10/146/7), wobei sich deren Einnahme laut
Einschätzung der behandelnden Ärzte aufgrund der Persönlichkeitsstörung nicht
massgebend auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würde (Urk. 10/167/4). Alterna
tive Therapieformen hat der Beschwerdeführer trotz der langjährigen gesund
heitlichen Beeinträchtigung nie in Anspruch genommen.
8.2.3
Unter dem Indikator
„
Komorbidität
”
(BG
E 141 V 281 E. 4.3.1.3
) ist eine Gesamt
betrachtung der Wechselwirkungen und sonstigen Bezüge
der Schmerzstörung - respektive
der hier diagnostizierten
kombinierten Persönlichkeitsstörung als Hauptdiagnose und der rezidivierenden depressiven Störung
- zu sämtlichen begleitenden krankheitswertigen Störungen erforderlich. In Präzisierung von BGE 141 V 281 E. 4.3.1.3 fallen Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbidität in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcenhemmende Wirkung bei
zumessen ist (BGE 143 V 418 E. 8.1). D
ie körperlichen Beeinträchtigungen wirken sich beim Beschwerdeführer zwar in der angestammten Arbeit aus, schränken seine Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aber nicht ein
.
8.2.4
Beim Komplex „Persönlichkeit” und „sozialer Kontext” ergibt sich Folgendes: Der Beschwerdeführer ist verheiratet und Vater zweier (2004 und 2012 geborener) Kinder (Urk. 10/139/15). Laut seinen Angaben steht er am Morgen zwischen vier und acht Uhr auf und trinkt Kaffee. Ziel sei es, um 19 Uhr zu
abendessen
. Zwischen 21 und vier Uhr morgens gehe er ins Bett (Urk. 10/139/15). Nähere Angaben zum Tagesablauf fehlen weitgehend, nicht zuletzt deshalb, weil der Beschwerdeführer entsprechende Ausführungen ver
weigerte (Urk. 10/32/7, 10/139/50, 10/146/7). Aussagekräftiger sind denn auch die im Rahmen der Observation gemachten Beobachtungen. An den aller
meisten Werktagen, an denen der Beschwerdeführer observiert wurde, verliess er in den Morgenstunden das Haus und begab sich mit dem Auto zur Y._, wo er sich jeweils zwischen 6 1⁄2 bis 11 Stunden aufhielt. Am einzigen Wochenendtag (Samstag, 25. Januar 2014), an dem der Beschwerdeführer obser
viert wurde, besuchte er die J._. Während des Aufenthalts in den Räumlichkeiten der Y._ und an der J._ kam er regelmässig
und insoweit unauffällig in Kontakt mit Mitmenschen. Die Ehe ist gemäss seinen
Angaben konfliktbelastet (Urk. 10/139/17). Der Beschwerdeführer und seine Ehe
frau beanspruchen eine kompetenzorientierte Familienhilfe und werden
in diesem Rahmen von einer Familienbegleiterin betreut. Weiter werden sie von einem Sozialarbeiter und von der Pro-
Infirmis
unterstützt (Urk. 10/167/3). Gleich
zeitig bezeichnete der Beschwerdeführer seine Ehefrau, seine Kinder und seine Brüder als seine Kontaktpersonen (Urk. 10/146/3, vgl. auch Urk. 10/139/17). Über einen grossen Freundeskreis habe er nie verfügt (Urk. 10/139/17). Die Familie bringt somit einerseits belastende Faktoren mit sich, anderseits stellt sie eine Stütze dar. Von einem massgeblichen sozialen Rückzug kann angesichts der bestehen
den Kontakte nicht gesprochen werden.
8.2.5
In der
Kategorie „Konsistenz“ (bezüglich Abgrenzung und gegenseitigen Be
zü
gen zu den Komplexen „Persönlichkei
t“ und „sozialer Kontext“ eingehend Mi
chael E. Meier,
Zwei Jahre neue Schmerzrechtsprechung. Übersicht über das
indikatorenorientierte
Abkärungsverfahren
: Konkretisierungen. Tendenzen und Würdigung, in: Riemer-Kafka/
Hürzeler
, Das
indikatorenorientierte
Abklä
rungsver
fahren, Zürich 2017, S. 136 ff.)
zielt
d
er Indikator „
gleichmässige
Ein
schrän
kung des Aktivitätsniveaus in a
llen vergleichbaren Lebensberei
chen“ auf die Frage ab, ob die diskutiert
e Einschränkung in Beruf und Er
werb (bzw. bei Nicht
erwerbstätigen im Aufgabenbereich) einerseits und in den sonstigen Lebens
be
reichen (z.B. Freizeitge
staltung) anderseits gleich aus
geprägt ist, wobei das Akti
vitätsniveau der v
ersicherten Person stets im Ver
hältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen ist (BGE
141 V 281 E. 4.4.1; vgl.
Bundesge
richts
urteil
9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Der verhaltensbezogene Ge
sichts
punkt der „Konsistenz“ ist beweisrechtlich entscheidend (BGE 141 V 281 E. 4.4; E. 6.2 hiervor).
Vor seiner Anmeldung bei der Invalidenversicherung arbeitete der Beschwerde
führer vom 25. August 2008 bis 30. Juni 2011 bei der Y._. Nach Aus
kunft der Arbeitgeberin verrichtete er damals ein 100 %-Pensum (Urk. 10/25/8). Der Beschwerdeführer selber gab im Rahmen der Begutachtungen an, zunächst habe er dort zu 100 % gearbeitet. Aus wirtschaftlichen Gründen sei dann das Pensum auf 50 % reduziert worden (Urk. 10/32/5, 10/139/14, vgl. ferner Urk. 10/13/2). Im Rahmen der polizeilichen Einvernahmen im Oktober 2010 erklärte er ebenfalls, in einem Pensum von 50 % angestellt und daneben beim RAV angemeldet zu sein (Urk. 10/43/15+17+20). Dafür sprechen auch die Ein
kommenszahlen gemäss IK-Auszug (Urk. 10/18). Ein Arbeitslosentaggeldbezug im Jahr 2010 ist ebenfalls
ausgewiesen (Urk. 10/18/1). Auszugehen ist daher von der Darstellung des Beschwerdeführers. Angesichts dessen, dass er ein 50 %-Pensum ausübte und seine Arbeitskraft im weiteren Umfang dem RAV zur Verfügung stellte, ist zu schliessen, dass er sich als arbeitsfähig erachtete. In den Akten bestehen denn auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er in dieser Zeit in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt gewesen wäre. Insbesondere geht nichts dergleichen aus dem Bericht der Y._ hervor.
Dr. B._ und die Ärzte des E._ attestieren dem Beschwerdeführer nunmehr eine volle Arbeitsunfähigkeit. Ersterer verneint gar eine Leistungsfähigkeit in einem geschützten Rahmen (Urk. 10/139/26). Die Persönlichkeitsstörung begann in der Kindheit und Adoleszenz und machte sich laut ärztlicher Einschätzung
entsprechend bemerkbar (Urk. 10/139/23, vgl. auch Urk. 10/167/2). Nachdem ei
ne volle Leistungsfähigkeit für die Dauer des regulären Arbeitsverhältnisses mit der Y._ ausgewiesen ist, fehlt es in den Akten angesichts der doch lang
jährigen Diagnose an einer nachvollziehbaren Begründung, weshalb nunmehr überhaupt keine Arbeitsunfähigkeit mehr bestehen soll.
Es ist Dr. B._ beizupflichten, dass die Präsenzzeit im Betrieb nicht mit effektiver Leistungsfähigkeit gleichzusetzen ist. Zu deren Bestimmung
helfen auch die Aussagen des Vermieters, der seine Geschäftsräumlichkeiten im gleichen Gebäude hat und der
nach Aussage des Beschwerdeführers mögl
i
cherweise
die anonyme Meldung er
stattete (vgl. 10/153/1, Urk. 1 S. 18
), nicht weiter.
Der Vermieter bezeichnete den Beschwerdeführer als diejenige Person, die faktisch die Y._ führe und fast die ganze Arbeit verrichte (Urk. 10/153/1). Handkehrum meinte er bei Gelegenheit, der Beschwerdeführer sei mehr bloss anwesend, als dass er arbeite (Urk. 10/167/8). Dass bei dieser Ausgangslage die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers am Arbeitsplatz nicht mit letzter Sicherheit bestimmt
werden kann, liegt auf der Hand. Jedoch bestehen gewichtige Anhaltspunkte, die für eine effektive Arbeitsleistung sprechen. Bereits der Umstand, dass sich der Beschwerdeführer regelmässig
während den gewöhnlichen Arbeitszeiten in den Räumlichkeiten der
Y._
aufhält, deutet auf eine Arbeitsleistung hin. In dieser Zeit zeigte er sich denn auch, abgesehen von den Rauchpausen, stets beschäftigt. Der Beschwerdeführer ist aus somatischer Sicht in leidensangepasster Tätigkeit voll arbeitsfähig. Er konnte denn auch bei körperlichen Verrichtungen (Verschieben von Boiler, Einladen von Werkzeugen in das Auto mit anschliessender Fahrt zu einer Privatwohnung) beobachtet werden.
Was die Qualität der administrativen Arbeiten anbelangt, geben die Akten der beiden Mietrechtsverfahren einen Aufschluss. In jenem Verfahren wurde die Y._ von einem Rechtsanwalt vertreten. Die Dokumentation der Ereignisse und die Strafanzeige wurden jedoch offensichtlich vom Beschwerdeführer verfasst. Sie sind – wie bereits erwähnt (E. 7.3 hiervor) - gut verständlich, logisch aufgebaut, geben einen guten Überblick über den Ablauf der Gescheh
nisse und sind sprachlich gut abgefasst (Urk. 10/154/4-30). Der Beschwerdeführer vertrat die Y._ gegenüber dem Vermieter und – nebst dem Rechtsvertreter - vor Gericht. Dabei handelt es sich um emotional bedeutsame Beziehungen. Mit dem Vermieter stand er im Streit. Das Gericht stellte zu
mindest insofern eine Autorität dar, als der Ausgang des Verfahrens von dessen Entscheidung abhing. Dennoch tat dieser Umstand der Qualität seiner Leistung offenbar keinen Abbruch.
Dr. B._ und das E._ begründen die von ihnen attestierte Arbeitsun
fähig
keit zur Hauptsache damit, dass der Beschwerdeführer sich nicht in bestehende Strukturen einfügen könne. Er sei anderen Mitarbeitern nicht zumutbar. Auf
grund der vorhandenen schweren Persönlichkeitsstörung sei er nicht in der Lage
, die eigene Situation selbstkritisch zu betrachten, Alle bestehenden Schwierig
keiten projiziere er nach aussen (Urk. 10/139/24). Es fehle ihm an der Bereit
schaft, den Vorgaben anderer zu folgen (Urk. 10/167/3). Dazu ist festzuhalten, dass
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen
ist, ob und inwiefern einer versicherten Person
trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem i
hr nach ihren Fähigkeiten offen
stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und
für die Gesell
schaft tragbar ist (BGE 136 V 279 E. 3.2.1, BGE 127 V 294 E.
4c; ferner Bundesgerichtsurteil I 401/2006 vom 19. Februar 207 E. 3.3).
Nicht massgebend ist in diesem Zusammenhang, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, was das E._ offenbar verkennt (vgl. Urk. 10/167/4), sondern einzig, ob sie die ihr verblie
bene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn die verfügbaren Arbeitsplätze dem Angebot an Arbeitskräften entsprechen würden. Zu berück
sich
tigen ist dabei der ausgeglichene Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG; BGE 134 V 64
E. 4.2.1, 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 318 E. 3b). Er umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können (Bundesgerichtsurteile 8C_514/2013 vom 29. August 2013 E. 4.2, 8C_673/2012 vom 16. Mai 2013 E. 4.3).
An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten sind nach der Rechtsprechung nicht übermässige Anforderungen zu stellen (BGE 138 V 457 E. 3.1). Der beruf
liche Werdegang des Beschwerdeführers ist durch häufige Stellenwechsel und dazwischenliegende Arbeitslosigkeiten gekennzeichnet (vgl. Urk. 10/18). Dies dürfte auch auf die Persönlichkeitsstörung zurückzuführen sein. In einem stimmi
gen Arbeitsumfeld ist der Beschwerdeführer jedoch normal arbeitsfähig, wie das Arbeitsverhältnis mit der Y._ beweist. Voraussetzung ist, dass der Beschwerdeführer einen verständnisvollen Vorgesetzten hat und eine Arbeit in vornehmlicher Eigenverantwortung ausserhalb eines hierarchischen Umfelds mit wenig beruflich-sozialen Kontakten ausüben kann. Es ist davon auszu
gehen, dass ein solcher Nischenarbeitsplatz auf dem ausgeglichenen Arbeits
markt besteht (vgl. etwa
Bundesgerichtsurteil 8C_340/2015 vom
1.
September 2015 E. 4.4
).
8.2.6
Im Rahmen des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch aus
gewiesener Leidensdruck“ (zur Abgrenzung vom Indikator „Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz“ vgl. Michael E. Meier, a.a.O., S.
129 f.
) weist d
ie
Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Aus
mass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden
(ergänzend zum Gesichtspunkt Beha
ndlungs- und Eingliederungs
erfolg oder -resistenz unter
dem Komplex „Gesundheitsschädi
gung") auf den tatsächli
chen Leidensdruc
k hin. In ähnlicher Weise zu be
rücksichtigen ist das Verhalten der versi
cherten Person im Rahmen der be
ruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Verhalten ist auch hier ein Indiz dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei ande
rs begründet als durch eine ver
sicherte Gesundheitsbe
einträchtigung (BGE 141
V 281 E. 4.4.2; vgl.
Bundesgerichts
urteil
9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.2).
Vor dem Hintergrund der weitgehenden Nichteinnahme der Medikamente und der Behandlungsintensität kann von einem ausgewiesenen Leidensdruck nicht gesprochen werden. Die Besonderheit im vorliegenden Fall besteht darin, dass sich der Beschwerdeführer beruflich selbst eingegliedert hat. Sein Verhalten erweist sich als inkonsistent, da seine Angaben nicht mit dem im Rahmen der Observation gemachten Beobachtungen in Übereinstimmung zu bringen sind.
8.2.7
Bei gesamthafter Betrachtung über die massgeblichen Indikatoren ist eine Ein
schränkung
der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
, worunter auch die bisherige fällt,
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
9.
Bei diesem Ergebnis ist eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Patho
logie
nicht ausgewiesen. Aufgrund der vollen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit ist eine Erwerbseinbusse auszuschliessen.
10.
10.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
1‘0
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuer
le
gen, jedoch zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.
10.2
Rechtsanwalt Stephan Kübler machte mit Honorarnote vom 20. März 2018 einen
Aufwand von 28 Stunden 5 Minuten nebst Barauslagen geltend (Urk. 22/1-2). Das ist der Bedeutung und der Streitsache nicht angemessen. Soweit Rechts
anwalt Kübler vorprozessuale Aufwände geltend macht, können diese nicht im
Rahmen der für diesen Prozess zuzusprechenden Entschädigung vergütet werden
. Grundsätzlich berücksichtigt werden kann ein Aufwand für die Instruktion, für die Redaktion der Beschwerdeschrift und des damit verbundenen Aktenstu
diums. Dabei fällt ins Gewicht, dass es sich einerseits um einen komplexen Fall handelt, anderseits dem Rechtsanwalt die Akten aus dem Verwaltungsverfahren bereits bekannt waren (vgl. Urk. 10/160). Jedoch erscheint der geltend gemachte Aufwand für Instruktion (2:30 Stunden) und Redaktion der 26-seitigen Be
schwerdeschrift samt Aktenstudium (17:10 Stunden) für überhöht. Gerechtfertigt erscheint ein Aufwand hierfür von insgesamt 9 Stunden.
Die im Zusammenhang mit der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Durchführung der öffentlichen Verhandlung angefallenen Aufwendungen vom
29. Juni 2016, 19. Oktober 2016, 21. Oktober 2016, 4. Dezember 2017 und 17. Januar 2018 von insgesamt 1 Stunden 20 Minuten können berücksichtigt werden (vgl. dazu Urk. 6, 13/1, 13/2, 16). Nicht aber der Aufwand für die blosse Kenntnisnahme der Verfügungen vom 5. September 2017 und 28. Februar 2018 (Aufwände vom 12. September 2017 und 2. März 2018) sowie für die Telefonate vom 19. Mai 2017 und 17. Januar 2018, da geringfügige Aufwände nicht ent
schädigt werden (vgl.
§
7
Abs.
1
GebV
SVGer
)
respektive deren Erforderlichkeit nicht ausgewiesen ist. Der geltend gemachte Aufwand von 5 Stunden 40 Minu
ten für die Replik und die Vorbesprechung mit dem Beschwerdeführer im Vor
feld zur Hauptverhandlung nur zur Replik, das heisst ohne Beweisvorkehren, erscheint als zu hoch. Angesichts des Umfangs der Replik von 7 Seiten und des Umstands, dass eine Notwendigkeit für eine Vorbesprechung 1 Stunde und 5 Minuten nicht ersichtlich ist, rechtfertigt es sich, hierfür einen Aufwand von insgesamt 3 Stunden zu entschädigen. Im Weiteren fielen Barauslagen von Fr. 94.-- (Fr. 74.50 und Fr. 19.50) an. Insgesamt ergibt sich somit eine Entschädigung von gerundet Fr. 3'300.-- (10 Stunden 20 Minuten x Fr. 220.-- plus Barauslagen plus Mehr
wertsteuer von 8 % sowie 3 Stunden x Fr. 220.-- plus Mehrwertsteuer von 7.7 %).
10.3
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.