Decision ID: 374dd6ac-7398-5d0f-88a1-f569364f5c73
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
U._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Marco Bivetti, Oberer Graben 42, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a U._, geboren 1960, meldete sich am 11. August 2006 zum Bezug von IV-
Leistungen an (act. G 10.1.1; vgl. auch die Anmeldung vom 29. November 2006, act.
G 10.1.20). Der Versicherte wurde am 13., 14., 15. und 21. August 2007 ambulant in
der MEDAS Ostschweiz interdisziplinär (mit orthopädischem, psychiatrischem und
gastroenterologischem Konsilium) begutachtet. Im Gutachten vom 30. Oktober 2007
stellten die MEDAS-Experten folgende Diagnosen "mit Einschränkung der zumutbaren
Arbeitsfähigkeit": kongenitale Hypoplasie des linken Beines mit Haken-/Hohlfuss,
Wirbelmissbildung im Bereich des lumbosakralen Übergangs, Analatresie,
Rektourethralfistel, Hypoplasie der linken Niere und Hydroureter links, Hypospadia
glandis; Status nach Durchzugs-Operation und Ligatur der Rektourethralfistel 01/1960,
Status nach Dünndarmresektion wegen Bridenileus 04/1960, Status nach Thiersch-
Operation wegen Analprolaps 01/1964, Status nach RektoSigmoidostomie wegen
Prolaps-Rezidiv 1966, Status nach Uretero-Nephrektomie links bei Hypoplasie der
Niere, Hydroureter und rezidivierenden Urininfekten 01/1967, Status nach release-off
Levator-ani-Operation wegen Stuhlinkontinenz und Analfisteln 11/1971; Arthrodese
talo-navicular und tarso-metatarsal 10/1975, Hyperflexion der Zehen links; Status nach
Verkürzungs-Osteotomie des rechten Beines 09/1979; Ruptur vorderes Kreuzband
links, verheilte Impressionsfraktur medialer Tibiakopf links. Bezüglich der persönlichen
Anamnese hielten sie fest, dass der Versicherte trotz komplexen Geburtsgebrechen die
Primar-, Sekundar- und Kantonsschule (letztere nach 2 Jahren abgebrochen) besucht
habe und sich anschliessend zum Orthopädisten ausbilden liess, aber danach nicht auf
diesem Beruf gearbeitet habe. 1986 sei er ins Ausland ausgereist. Seit 1995 arbeite er
dort in einer Apotheke (an der er mitbeteiligt sei) 4 bis 5 Stunden täglich während
4 Tagen pro Woche. Die MEDAS-Gutachter bescheinigten dem Versicherten aufgrund
der Polymorbidität unter Berücksichtigung von qualitativen Einschränkungen
("Möglichkeiten zur Intimhygiene, Hilfsmitteln wie Einlagen bezüglich Inkontinenz,
allfällige Hilfsmittel zur Kniestabilisation links") eine rund 40%ige Arbeitsunfähigkeit
(act. G 10.1.32).
A.b Der RAD-Arzt Dr. med. A._, Facharzt FMH u.a. für Innere Medizin und
Rheumatologie, hielt bezüglich der von den MEDAS-Gutachtern nicht beantworteten
Frage nach dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit fest, dass dieser auf die Geburt
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festzulegen sei. Es handle sich daher um eine verspätete IV-Anmeldung (RAD-
Stellungnahme vom 9. November 2007, act. G 10.1.36).
A.c Im Vorbescheid vom 21. Februar bzw. 25. April 2008 stellte die IV-Stelle dem
Versicherten in Aussicht, bei einem Invaliditätsgrad von 40% ab 1. August 2006
(Zeitpunkt Wohnsitznahme in der Schweiz) eine Viertelsrente zuzusprechen (act.
G 10.1.46 und G 10.1.59).
B.
B.a In der von der IV-Stelle als Einwand entgegen genommenen Eingabe vom 22. Mai
2008 machte der Versicherte geltend, dass kein Leidensabzug vorgenommen worden
sei (act. G 10.1.67). Ergänzend brachte er vor, dass ein angemessener Leidensabzug
wegen eines Teilzeitabzugs und vor allem auch aufgrund der besonderen Ansprüche
an eine Arbeitsstelle und einen Arbeitgeber gerechtfertigt sei. Gesamthaft erscheine ein
Leidensabzug von 20% bis 25% als angemessen (Schreiben vom 24. Juni 2008, act.
G 10.1.70).
B.b Mit Verfügung vom 16. Oktober 2008 verfügte die IV-Stelle für die Dauer vom
1. August bis 31. Dezember 2006 eine Viertelsrente im Betrag von monatlich Fr. 118.--
und für die Dauer ab 1. Januar 2007 eine Viertelsrente von monatlich Fr. 121.--. Der
Rentenberechnung lag ein massgebendes durchschnittliches Jahreseinkommen von
Fr. 27'846.-- und die Anwendung der Rentenskala 15 zugrunde (G 10.1.76). Dem
Versicherten bzw. dem Rechtsvertreter wurde die Rentenverfügung ohne
Stellungnahme zu seinen Einwänden zugestellt (vgl. act. G 10.1.85).
C.
C.a Gegen die Verfügung vom 16. Oktober 2008 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 20. November 2008. Der Beschwerdeführer beantragt darin deren
Aufhebung, die Zusprache einer angemessenen Invalidenrente ab 1. August 2006
sowie die Rückweisung der Sache zur Neuberechnung der Rente an die
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung führt er im Wesentlichen aus, dass die
Vornahme eines 20%igen bis 25%igen Leidensabzugs gerechtfertigt sei. Weiter
wendet er ein, dass er vom September 1987 bis zum Juli 1999 verheiratet gewesen sei.
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Die ihm hieraus zustehenden Beitragsjahre seien in der Rentenberechnung
offensichtlich noch nicht berücksichtigt worden. Aufgrund der zusätzlichen
Beitragsjahre sei davon auszugehen, dass sich der Rentenbetrag von derzeit lediglich
Fr. 121.-- rückwirkend erhöhe. In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer, dass
seine gegen den Vorbescheid vorgebrachten Einwände betreffend die Frage des
Leidensabzugs mit keiner Silbe behandelt worden seien (act. G 1). Ergänzend zur
Beschwerde machte er am 26. Januar 2009 geltend, dass der verfügte Rentenbeginn
vom 1. August 2006 unzutreffend sei. Wie aus den medizinischen Unterlagen
hervorgehe, beruhe seine Arbeitsunfähigkeit in erster Linie auf Geburtsgebrechen.
Dementsprechend sei der Beginn der Invalidität auf die Geburt festzulegen und die
Angelegenheit als verspätet angemeldet zu betrachten. Der Rentenbeginn müsse daher
rückwirkend auf ein Jahr vor der Rentenanmeldung, also auf den 1. August 2005,
festgelegt werden (act. G 6).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 3. April 2009,
dass dem Beschwerdeführer eine Viertelsrente von Fr. 129.-- für die Zeit von August
bis Dezember 2006, eine solche von Fr. 132.-- für 2007 und 2008 sowie für 2009 von
Fr. 136.-- je Monat zuzusprechen sei. Im Übrigen sei die Beschwerde abzuweisen. Sie
macht geltend, dass lediglich ein Leidensabzug von 10% gerechtfertigt sei,
insbesondere sei kein Teilzeitabzug zulässig. Denn dem MEDAS-Gutachten lasse sich
nicht entnehmen, dass der Beschwerdeführer nur noch Teilzeit arbeiten könne. Unter
Berücksichtigung des 10%igen Leidensabzugs resultiere ein Invaliditätsgrad von 46%.
Da sich der Beschwerdeführer bis August 2006 im Ausland aufgehalten habe und
Viertelsrenten nur an Versicherte ausbezahlt würden, die ihren Wohnsitz und den
gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz hätten, sei die IV-Rente des
Beschwerdeführers zu Recht erst mit Wirkung ab August 2006 zugesprochen worden.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers sei das Splittingverfahren bei der
Berechnung des Rentenbetrags durchgeführt worden. Indessen könnten ihm
Einkommen aus den Jugendjahren lückenfüllend gutgeschrieben werden. Zu den
3 Jugendjahren kämen noch 8 Beitragsmonate im Jahr des Versicherungsereignisses
(August 2006) hinzu. Mit den persönlichen Beiträgen seien dem Beschwerdeführer
insgesamt 9 Beitragsjahre und 5 Beitragsmonate anzurechnen. Er müsste mit seinem
Jahrgang für eine volle IV-Rente 25 Beitragsjahre aufweisen. Aufgrund der
tatsächlichen 9 vollen Beitragsjahre ergebe sich die Rentenskala 16 (act. G 10).
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C.c Mit Präsidialverfügung vom 9. April 2009 wird dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) bewilligt (act. G 11).
C.d Der Beschwerdeführer hält in der Replik vom 20. Mai 2009 unverändert an seinen
Anträgen fest. Ergänzend beantragt er, es sei bei der MEDAS eine Ergänzung des
Gutachtens einzuholen, wenn nicht seinem Standpunkt gefolgt werde, dass er nur
noch Teilzeit arbeiten könne. Ferner bringt er vor, dass er seit August 1986 sowohl im
Ausland als auch in der Schweiz lebe. Zu beachten sei weiter, dass vorliegend von
einem Eintritt des Versicherungsfalls im Kalenderjahr 2005 und nicht 2006 auszugehen
sei, weshalb er für eine volle IV-Rente nur 24 und nicht 25 Beitragsjahre aufweisen
müsse (act. G 14).
C.e Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 16).

Erwägungen:
1.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs. Die gegen den Vorbescheid vom 21. Februar 2008 vorgebrachten Einwände
betreffend den Leidensabzug seien mit keiner Silbe behandelt worden (act. G 1, S. 6).
1.1 Verfügungen sind zu begründen, wenn sie den Begehren der Parteien nicht voll
entsprechen (Art. 49 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die grundsätzliche Pflicht einer Behörde,
ihren Entscheid zu begründen, folgt aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör. Dabei
darf sich die Verwaltung nicht damit begnügen, die von der betroffenen Person
vorgebrachten Einwendungen zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen. Die Verwaltung
hat vielmehr ihre Überlegungen auch namhaft zu machen und sich dabei ausdrücklich
mit den Einwendungen auseinander zu setzen oder zumindest die Gründe anzugeben,
weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann (BGE 124 V 183
E. 2b). Mit Erlass von Art. 57a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(IVG; SR 831.20), worin in der Invalidenversicherung das Vorbescheidverfahren wieder
eingeführt wurde, sind an die Begründungsdichte von Verfügungen, die nach
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Durchführung eines Vorbescheidverfahrens gemäss Art. 57a IVG ergehen, erhöhte
Anforderungen zu stellen (vgl. hierzu eingehend Urteil des Sozialversicherungsgerichts
des Kantons Zürich vom 30. Mai 2007, IV.2007.00436, E. 1.8 ff.). Eine – nicht
besonders schwerwiegende – Verletzung des rechtlichen Gehörs kann dann als geheilt
gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer
Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei
überprüfen kann. Diese Voraussetzung ist im Fall des Versicherungsgerichts erfüllt (vgl.
Art. 61 lit. c ATSG i.V.m. Art. 46 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP;
sGS 951.1]).
1.2 Vor Erlass der angefochtenen Verfügung begründete der Beschwerdeführer in der
Eingabe vom 24. Juni 2008 einlässlich, weshalb er die Vornahme eines Leidensabzugs
bei der Ermittlung des Invalideneinkommens für gerechtfertigt hält (act. G 10.1.70). Aus
den Akten geht hervor und wird von der Beschwerdegegnerin ausdrücklich anerkannt,
dass dem Beschwerdeführer mit der angefochtenen Rentenverfügung vom 16. Oktober
2008 ein Verfügungsteil ohne Stellungnahme zum Einwand zugestellt worden ist (vgl.
interne Anfrage der zuständigen Sachbearbeiterin vom 10. Februar 2009, act.
G 10.1.85, sowie den dem Beschwerdeführer zugestellten Verfügungsteil 2, act. G 1.1).
Damit hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehör verletzt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 14. April 2010,
9C_58/10, E. 2.2, wo die unterlassene Auseinandersetzung der Vorinstanz mit der
Frage des Abzugs vom Tabellenlohn zu beurteilen war). Nachdem der
Beschwerdeführer selbst keine Rückweisung aus formellen Gründen beantragt, kann
die Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt betrachtet werden. Offen gelassen
werden kann die Frage, ob aus der Gehörsverletzung Kostenfolgen resultieren, da die
angefochtene Verfügung auch in materieller Hinsicht aufzuheben ist.
2.
Materiell sind die Höhe des Leidensabzugs, der Beginn der Rentenleistung sowie die
betragliche Rentenhöhe umstritten. Der medizinische Sachverhalt (40%ige
Arbeitsunfähigkeit) sowie die Vornahme des Einkommensvergleichs anhand des
sogenannten Prozentvergleichs (mangels Vorliegens einer repräsentativen
Einkommensbasis zur Bestimmung des Valideneinkommens, vgl. act. G 10, S. 3, sowie
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G 10.1.38-2) sind unbestritten. Es ergeben sich auch keine Anhaltspunkte gegen den
Beweiswert der gutachterlichen Beurteilung der Restleistungsfähigkeit oder gegen die
Vornahme eines Prozentvergleichs.
3.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zuge der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
IVG, der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des ATSG in
Kraft getreten. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine
übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu
legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt
gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt
verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die
angefochtene Verfügung ist am 16. Oktober 2008 ergangen (act. G 9.125 f.), wobei ein
Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen
der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass
der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt
wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit
bis 31. Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem
Zeitpunkt auf die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision:
BGE 130 V 445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die
5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht hat. Neu normiert wurde demgegenüber der Zeitpunkt des Rentenbeginns,
der, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (Art. 28
Abs. 1 IVG), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens 6 Monate nach Geltendmachung
des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG entsteht. Da ein allfälliger
Rentenanspruch im vorliegend zu beurteilenden Fall – beim Beschwerdeführer, der sich
bereits am 11. August 2006 (act. G 10.1.1) bei der IV zum Leistungsbezug angemeldet
hatte – vor dem 1. Januar 2008 festzusetzen ist, wirkt sich diese Neuerung auf den hier
zu prüfenden Fall jedoch nicht aus (Urteil des Bundesgerichts vom 28. August 2008,
8C_373/08, E. 2.1 mit Hinweis).
4.
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Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG (in der Fassung vom 1. Januar 2004 bis 31. Dezember 2007)
besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%
invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf
eine Viertelsrente. Der Eintritt des Rentenfalles wird daneben durch aArt. 29 Abs. 1 IVG
geregelt (in der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung). Der Rentenanspruch
entsteht danach frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40%
arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen war (lit. b). Nach aArt. 28 Abs. 1 Satz 1 IVG (in
der bis 31. Dezember 2007 gültigen Fassung; heute: Art. 29 Abs. 4 IVG) werden
Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als 50% entsprechen, nur an
Versicherte ausbezahlt, die ihren Wohnsitz und ihren gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13
ATSG) in der Schweiz haben. Nach aArt. 48 Abs. 2 IVG (in der bis 31. Dezember 2007
gültigen Fassung) werden IV-Leistungen lediglich für die 12 der Anmeldung
vorangehenden Monate ausgerichtet, wenn sich die versicherte Person mehr als
12 Monate nach Entstehen des Anspruchs anmeldet.
5.
Zu prüfen ist vorweg die Frage, ob und gegebenenfalls in welcher Höhe ein
sogenannter Leidensabzug bei der Bestimmung des Invalideneinkommens zu
berücksichtigen ist. Der Beschwerdeführer hält die Vornahme eines mindestens
20%igen Leidensabzugs für gerechtfertigt (act. G 1, S. 7). Demgegenüber hält die
Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren einen 10%igen Leidensabzug für
angemessen (act. G 10, S. 3; im Verwaltungsverfahren berücksichtigte sie noch keinen
Leidensabzug, vgl. act. G 10.1.45).
5.1 Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25% gekürzt
werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit einer
gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht
erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg zu
verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
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behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Nach der Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - insbesondere auch von
invaliditätsfremden Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte
Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen
sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25% festzusetzen ist. Eine schematische
Vornahme des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt etwa in
AHI 2002 S. 62 und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
5.2 Die Beschwerdegegnerin erachtete anlässlich des Beschwerdeverfahrens einen
Leidensabzug von 10% als angebracht, da der Beschwerdeführer ausschliesslich noch
körperlich leichte Tätigkeiten ausführen könne (act. G 10, S. 3). Der Gewährung eines
Leidensabzugs aus diesem Grund ist namentlich mit Blick auf die medizinischen Akten
(vgl. die RAD-Stellungnahme vom 9. November 2007, act. G 10.1.36 sowie die
Beurteilung von Dr. B._ vom 9. November 2006 bezüglich einer leidensangepassten
Tätigkeit, act. G 10.1.16-10) zu folgen. Hingegen scheint die von der
Beschwerdegegnerin gewährte Höhe des Leidensabzuges von 10% nicht den
Umständen angemessen. Es ist nämlich zu beachten, dass der Beschwerdeführer nicht
bloss auf einen Arbeitsplatz mit gewöhnlicher Toilette angewiesen ist, sondern er
zusätzlich über (auch räumliche) Möglichkeiten zur äusserst anspruchsvollen
Intimhygiene verfügen muss (vgl. act. G 10.1.34-5). Einschränkend wirkt sich auch aus,
dass eine Tätigkeit nicht mit längeren Gehstrecken verbunden sein darf und
wechselhaft sitzend/stehend ausgeführt werden soll (vgl. act. G 10.1.36-2). Ferner sind
Tätigkeiten mit Publikumsverkehr - wenn überhaupt - nur eingeschränkt möglich (vgl.
Swiss Insurance Medicine, Zumutbare Arbeitstätigkeit nach Unfall und bei Krankheit,
2007, S. 16). Da somit mögliche Arbeitsplätze zusätzlich zu den von der
Beschwerdegegnerin berücksichtigten Voraussetzungen noch weitere Anforderungen
erfüllen müssen, besteht im Fall des Beschwerdeführers selbst bei körperlich leichten
Tätigkeiten nur noch ein enges Spektrum an möglichen Arbeitsplätzen. Dies führt
vorliegend für sich allein zu einem Leidensabzug von mindestens 15%.
5.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin bestehen auch noch weitere
Faktoren, die sich lohnsenkend auswirken bzw. bei der Bemessung des Leidensabzugs
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zu berücksichtigen sind. Mit dem in seiner Intensität schwankenden Beschwerdebild
(vgl. act. G 10.1.32-3) sowie dem mit Blick auf seine gesundheitlichen Leiden mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit zu bejahenden erhöhten (bakteriellen)
Infektionsrisiko (vgl. etwa zu den immer wiederkehrenden Reizungen und
Wundbildungen am Neoanus act. G 10.16-2 sowie G 10.1.32-3) verfügt der
Beschwerdeführer über ein erhöhtes Krankheits- und Absenzenrisiko. Ferner können
der wahrnehmbare Geruch sowie andere Immissionen infolge der "totalen"
Stuhlinkontinenz (act. G 10.1.34-5 mit Ausführungen zur ausserordentlichen Schwere
der Stuhlinkontinenz) nicht ausser Acht gelassen werden (vgl. zur Geruchsbelästigung
in der Vergangenheit act. G 10.1.32-5). Aus diesen Gründen und unter
Berücksichtigung der pflegebedingten Arbeitsunterbrüche wird von einem potenziellen
Arbeitgeber ein ausserordentlich hohes Mass an Flexibilität gefordert. Auch die für den
Arbeitgeber im Zusammenhang mit der erhöhten Inanspruchnahme von Toilette und
von zur Intimpflege erforderlichen Anlagen anfallenden Zusatzkosten verlangen eine
hohe Toleranz.
5.4 Aufgrund der vorstehend genannten Gründe erscheint die Vornahme eines
Leidensabzugs von 20% den besonderen Verhältnissen angemessen. Die Frage, ob
zusätzlich ein Teilzeitabzug oder - bei allfälliger Verneinung der Unzumutbarkeit einer
ganztägigen Arbeitsanwesenheit - ein weiterer Abzug wegen reduzierter
Leistungsfähigkeit bei ganztägiger Präsenz (vgl. hierzu RKUV 1999 S. 412 ff., Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Januar 2008, 9C_603/07, E. 4.2.3 sowie Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. Januar 2009, IV 2007/192,
E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen) vorzunehmen ist, kann offen gelassen werden. Denn
bereits bei einem 20%igen Leidensabzug resultiert ein Anspruch auf eine halbe IV-
Rente (vgl. nachstehende E. 5.5).
5.5 Ausgehend von einer 60%igen Restarbeitsfähigkeit und einem Leidensabzug von
20% resultiert im Rahmen des von den Parteien unbestritten gebliebenen
Prozentvergleichs ein Invaliditätsgrad von 52% (100% - [60% x 0.8]), mithin ein
Anspruch auf eine halbe IV-Rente.
6.
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Da der Beschwerdeführer nicht bloss einen Anspruch auf eine Viertels-, sondern eine
halbe Rente hat, findet aArt. 28 Abs. 1 Satz 1 IVG (in der bis 31. Dezember 2007
gültigen Fassung) betreffend das Verbot eines Viertelsrentenexports keine Anwendung,
weshalb die Frage offen gelassen werden kann, ob der Beschwerdeführer vor August
2006 seinen Wohnsitz in der Schweiz hatte. Der Rentenbeginn ist damit gemäss
aArt. 48 Abs. 2 IVG auf den 1. August 2005 (1 Jahr vor der Anmeldung vom 11. August
2006, act. G 10.1.1) festzusetzen (vgl. zum Rentenbeginn auch die RAD-Stellungnahme
vom 9. November 2007, act. G 10.1.36-2).
7.
Zu prüfen bleibt damit noch die betragliche Rentenhöhe.
7.1 Die Beschwerdegegnerin beantragte diesbezüglich im Beschwerdeverfahren eine
teilweise Gutheissung der Beschwerde. Sie begründete ausführlich, dass unter
teilweiser Auffüllung von Beitragslücken ein im Vergleich zur angefochtenen Verfügung
höheres durchschnittliches Jahreseinkommen und eine betraglich höhere Rente
resultieren (Beschwerdeantwort vom 3. April 2009, act. G 10; vgl. auch die Berechnung
in act. G 10.2.1). Diese neue Berechnung blieb vom Beschwerdeführer in der Replik
vom 20. Mai 2009 unbestritten. Er beanstandete lediglich, dass vom Eintritt des
Versicherungsfalls im Kalenderjahr 2005 und nicht 2006 auszugehen sei. Deshalb hätte
er für eine volle Rente nur 24 und nicht 25 Beitragsjahre aufweisen müssen. Aufgrund
der tatsächlichen Beitragsjahre sei die Rentenskala 17 und nicht 16 anzuwenden (act.
G 14).
7.2 Der Betrag der ordentlichen Rente der AHV und IV wird durch 2 Elemente
bestimmt, nämlich einerseits durch das Verhältnis zwischen der Beitragsdauer des
Versicherten und jener seines Jahrgangs (Rentenskala; wobei die in Art. 52 der
Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung [AHVV; SR 831.101]
enthaltene Abstufung massgebend ist) sowie andererseits auf Grund des
durchschnittlichen Jahreseinkommens. Für die Berechnung der ordentlichen IV-Renten
sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10) sinngemäss anwendbar (Art. 36 Abs. 2
IVG; vgl. auch Art. 32 Abs. 1 IVV). Dabei werden Beitragsjahre, Erwerbseinkommen
ter
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sowie Erziehungs- oder Betreuungsgutschriften der rentenberechtigten Person
zwischen dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahres und dem 31. Dezember
vor Eintritt des Versicherungsfalls berücksichtigt (Art. 29 Abs. 1 AHVG).
7.3 Vorliegend fällt der Beginn des Rentenanspruchs auf das Jahr 2005. Die Sache ist
daher an die Beschwerdegegnerin zur Prüfung der Frage zurückzuweisen, welche
Rentenskala anzuwenden ist, nachdem bei einem Rentenbeginn per August 2005 keine
Beitragsmonate des Jahres 2006 zur Füllung von Beitragslücken mehr berücksichtigt
werden können.
8.
8.1 In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom
16. Oktober 2008 aufzuheben und dem Beschwerdeführer ab 1. August 2005 eine
halbe IV-Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe,
namentlich auch bezüglich der anwendbaren Rentenskala, und zu neuer Verfügung im
Sinn der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
8.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Da die Rückweisung der Sache bezüglich der anwendbaren
Rentenskala nichts am vollen Obsiegen des Beschwerdeführers ändert (vgl. BGE 132 V
235 E. 6), hat die Beschwerdegegnerin die Gerichtskosten von Fr. 600.-- zu bezahlen.
8.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art.
61 lit. g ATSG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von
Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Damit
erübrigt sich die Festsetzung des Honorars aus unentgeltlicher Prozessführung.
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG