Decision ID: 274a13a3-8ff5-43d0-be66-6120ca98b14b
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Abänderung Scheidungsurteil
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Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im ordentlichen Verfahren des Bezirksgerichtes Meilen vom 12. Mai 2021; Proz. FP200007
Rechtsbegehren:
Der Klägerin:
(ursprünglich, act. 1:)
"Es sei Dispositiv-Ziffer 3/2/b+c des Scheidungsurteils des BG Meilen, FE170126, vom 22. Dezember 2017 aufzuheben und stattdessen die Tochter C._ unter die alleinige Obhut der Klägerin zu stellen und betreffend den Beklagten ein angemessenes Besuchsrecht . Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MwSt.) zu Lasten des Beklagten."
(angepasst, act. 171:)
"1. Es sei Dispositiv-Ziff. 3/2/b. und c. des Scheidungsurteils des  Meilen vom 22. Dezember 2017 aufzuheben und stattdessen die Tochter C._ unter die alleinige Obhut der Klägerin zu stellen.
2. Es sei dem Gesuchsgegner die Weisung zu erteilen, neben der Fortsetzung der medikamentösen Unterstützung eine  Langzeitbehandlung in Anspruch zu nehmen.
3. Es sei für die Tochter C._ ein Besuchsbeistand im Sinne von Art. 308, Abs. 2 ZGB zu ernennen und ihn wie folgt zu :
a. Den Kontakt zwischen der Tochter C._ und ihrem Vater wieder aufzubauen.
b. Begleitete Besuche zwischen der Tochter C._ und  Vater zu organisieren.
c. Nach erfolgreichem Verlauf der begleiteten Besuche,  Besuche zwischen der Tochter C._ und dem Vater zu organisieren (ohne Übernachtung) unter Beachtung der Einhaltung der Weisung gemäss Ziffer 2 vorstehend
d. Nach den erfolgreichen unbegleiteten Besuchen zwischen der Tochter C._ und ihrem Vater wieder die  eines gerichtsüblichen Besuchsrechts zu organisieren, nämlich: jedes zweite Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend sowie während 4 Wochen Ferien pro Jahr.
4. Es sei der Beklagte zu verpflichten, an die Kosten der Pflege und Erziehung der Tochter C._ einen monatlichen im Voraus
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zahlbaren Unterhaltsbetrag in Höhe von mindestens CHF 1.-- zzgl. allfällig gesetzlich oder vertraglich geschuldeter  zu bezahlen, erstmals ab 1. Januar 2021, zahlbar an die Mutter, auch über die Mündigkeit der Tochter C._ hinaus bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Beklagten."
Des Beklagten:
(act. 66 bzw. act. 179)
"Es sei die Klage vom 8. Mai 2020 vollumfänglich abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Klägerin."
Der Kinderprozessbeiständin:
(ursprünglich, act. 68:)
"1. In Abänderung von Ziff. 2.3.c. der mit Scheidungsurteil  Vereinbarung der Parteien der Scheidung vom 22. Dezember 2017 des Bezirksgerichts Meilen sei die darin festgehaltene  aufzuheben und ein angemessenes  festzulegen.
2. [...]. 3. [...]."
(angepasst bzw. ergänzt, act. 154 i.V.m. act. 195 und act. 212:)
"1. Gemäss Ziff. 2 des Scheidungsurteils vom 22. Dezember 2017 des Bezirksgerichts Meilen sei C._ unter der gemeinsamen elterlichen Sorge zu belassen.
2. Abänderung von Ziff. 2.3.b. der mit Scheidungsurteil genehmigten Vereinbarung der Parteien der Scheidung vom 22. Dezember 2017 des Bezirksgerichts Meilen sei die Tochter C._ unter die alleinige Obhut der Mutter zu stellen.
3. In Abänderung von Ziff. 2.3.c. der mit Scheidungsurteil  Vereinbarung der Parteien der Scheidung vom 22. Dezember 2017 des Bezirksgerichts Meilen sei die darin festgehaltene  den veränderten Verhältnissen anzupassen. Der Vater sei für berechtigt zu erklären C._ einmal pro Monat von 13.00 bis 15.00 Uhr zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Die ersten sechs Kontakte finden in Begleitung statt. Bei erfolgreichem Verlauf der sechs Treffen sei in Rücksprache mit der Beiständin beim siebten Treffen zu unbegleiteten  Kontakten zu wechseln.
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Die Übergaben von C._ zwischen den Eltern seien während der ersten sechs Treffen ebenfalls zu begleiten und hätten in der Öffentlichkeit stattzufinden.
4. Die mit Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 12. August 2020 angeordnete Besuchsrechtsbeistandschaft nach Art. 308 Abs. 2 ZGB sei fortzuführen und den veränderten Verhältnissen anzupassen. Die mit Beschluss der KESB Meilen am 3.  2020 ernannte Beiständin, D._, sei damit zu beauftragen:
- die Begleitung der Kontakte zwischen C._ und ihrem Vater zu organisieren, zu koordinieren und für deren  besorgt zu sein;
- die Umsetzung der Besuchsregelung zu unterstützen und zu überwachen;
- im Konfliktfall die Modalitäten der Besuchsregelung, wie  den Übergabeort, zu regeln;
- C._ durch persönliche Kontakte oder Kontakte mit der Besuchsbegleitung feinfühlig und sicherheitsstiftend auf die Treffen mit dem Vater vorzubereiten;
- die Bedürfnisse und Wünsche von C._ betreffend die Kontakte mit dem Vater in direkten Gesprächen mit C._ in Erfahrung zu bringen und bei der Umsetzung der Kontakte einfliessen zu lassen und zu berücksichtigen;
- den Vater so oft wie nötig zu Gesprächen einzuladen, um ihn bezüglich der Besuchskontakte im Hinblick auf die Wahrnehmung der Bedürfnisse und Wünsche von C._ zu unterstützen und anzuleiten;
- gegebenenfalls der KESB Antrag auf Anpassung,  oder Sistierung der Besuchskontakte zu stellen."
Urteil des Einzelgerichtes: (act. 225 S. 50 ff.)
1. In Abänderung von Ziff. 3.2.b. des Scheidungsurteils des Bezirksgerichts
Meilen vom 22. Dezember 2021 (FE170128-G) wird die elterliche Obhut für
die gemeinsame Tochter, C._, geb. tt.mm.2012, der Klägerin zugeteilt.
2. In Abänderung von Ziff. 3.2.c. des Scheidungsurteils des Bezirksgerichts
Meilen vom 22. Dezember 2021 (FE170128-G) wird der Beklagte berechtigt
und verpflichtet, die gemeinsame Tochter, C._, geb. tt.mm.2012, an je-
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dem vierten Samstag von 13:00 Uhr bis 15:00 Uhr auf eigene Kosten zu sich
oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
Die ersten sechs Treffen finden in Begleitung statt.
Die Übergaben finden jeweils im öffentlichen Raum statt.
Bei erfolgreichem Verlauf der sechs Treffen wird in Rücksprache mit der Be-
suchsbeiständin beim siebten Treffen zu unbegleiteten Besuchen gewech-
selt.
Bei nicht erfolgreichem Verlauf wird die Besuchsbeiständin beauftragt, den
Übergang vom begleiteten Besuchsrecht zum unbegleiteten Besuchsrecht
zu regeln.
3. Die mit Beschluss der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) des
Bezirks Meilen vom 3. September 2020 im Rahmen vorsorglicher Mass-
nahmen errichtete Besuchsrechtsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2
ZGB wird beibehalten und es werden der Besuchsbeiständin D._ die
folgenden Aufgaben übertragen:
- nach sechs begleiteten Besuche Überleitung zu unbegleiteten Besuche;
- bei Scheitern der Überleitung nach sechs begleiteten Besuchen, die Weiterführung der begleiteten Besuchen bis unbegleitete  im Kindswohl liegen;
- im Konfliktfall die Modalitäten wie z.B. den Übergabeort zu regeln; - C._ durch direkte Kontakte bei der Gestaltung der Besuche
bei ihrem Vater zu unterstützen und dabei C._s Bedürfnisse und Wünsche sowie das Kindeswohl zu berücksichtigen;
- den Vater so oft wie notwendig zu Gesprächen einzuladen, um ihn bezüglich der Besuchskontakte soweit erforderlich anzuleiten und ihn in der Gestaltung der Kontakte zu unterstützen;
- mit den Eltern gemeinsam darauf hinzuarbeiten, dass die  in das gerichtsübliche Besuchsrecht überführt werden kann;
- falls aus Gründen des Kindeswohls erforderlich, das angeordnete Besuchsrecht den Bedürfnissen von C._ entsprechend  zu regeln oder zu sistieren und umgehend der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Bericht zu erstatten;
- die Regelung der Finanzierung des begleiten Besuchsrechts unter den Eltern und allenfalls Beantragung der Kostenübernahme des
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Kostenanteils des Beklagten für die begleiteten Besuche bei der Gemeinde.
4. Das Rechtsbegehren Antragsziffer 2 der Klägerin hinsichtlich der Weisung
zur psychotherapeutischen Langzeitbehandlung wird abgewiesen.
5. Das Rechtsbegehren Antragsziffer 4 der Klägerin hinsichtlich des Kinderun-
terhalts wird abgewiesen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 9'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 1'858.75 Gutachten IRM-Haaranalyse
CHF 7'392.60 Gutachten Erziehungsfähigkeit
CHF 7'215.00 Abklärungsbericht kjz
100.00 Zeugenentschädigung
CHF Entschädigung Kinderprozessbeiständin (noch) offen
CHF 25'566.35 Total (ohne Entschädigung Kinderprozessbeiständin)
7. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt.
Der Kostenanteil der Klägerin wird mit dem von ihr geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet.
Der Kostenanteil des Beklagten wird zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Der Beklagte
wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO hingewiesen.
8. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.
9./10.Mitteilungen/Rechtsmittel
Berufungsanträge:
des Berufungsklägers (act. 220 S. 2):
Es seien die Ziffern 1, 2, 3, 7 und 8 des Dispositivs des angefochtenen Urteils aufzuheben; eventualiter seien die Dispositiv Ziffern 2 und 3 des Urteils der Vorinstanz vom 12. August 2020 aufzuheben und dem Beklagten ein unbegleitetes gerichtsübli-
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ches Besuchsrecht jedes zweite Wochenende von Freitagabend ca. 18.00h bis Sonntagabend ca. 18.00h sowie jeweils am zweiten Tag der gesetzlichen  (Weihnachten, Neujahr) und von Karfreitag bis und mit Ostermontag oder von Pfingstsamstag bis und mit Pfingstmontag zu gewähren.
der Berufungsbeklagten (act. 231 S. 1 f.):
Die Berufung sei abzuweisen.
der Kindesvertreterin (act. 229 S. 2):
Es seien die Anträge des Berufungsklägers vom 16. Juni 2021 (act. 220)  die Aufhebung von Dispositivziffer 1, 2, 3 abzuweisen.
Anschlussberufungsanträge:
der Berufungsbeklagten und Anschlussberufungsklägerin (act. 231 S. 1 f.):
Es sei Ziff. 5 des Dispositivs des angefochtenen Urteils aufzuheben und das  an die Vorinstanz zur Abklärung der finanziellen Verhältnisse des  und zum Entscheid über die Höhe eines angemessenen Unterhaltes des  an die Pflege und Erziehung der Tochter C._ zurückzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Beklagten.
des Berufungsklägers und Anschlussberufungsbeklagten (act. 238 S. 2):
Es sei die Anschlussberufung abzuweisen.
der Kindesvertreterin (act. 237):
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Erwägungen:
1. Ausgangslage und Verfahrensverlauf
1.1. Die Ehe von B._ und A._ wurde mit Urteil des Einzelgerichts des
Bezirksgerichts Meilen vom 22. Dezember 2017 geschieden. Das Gericht geneh-
migte dabei die Vereinbarung der Parteien über die Nebenfolgen der Scheidung,
insbesondere die alternierende Obhut über die gemeinsame Tochter C._,
geboren am tt.mm.2012, und den Betreuungsplan. Kinderunterhaltsbeiträge wur-
den keine festgelegt (act. 4/43).
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1.2. B._ (Klägerin, Berufungsbeklagte und Anschlussberufungsklägerin;
nachfolgend Berufungsbeklagte) reichte am 8. Mai 2020 eine Abänderungsklage
beim Einzelgericht des Bezirksgerichts Meilen (nachfolgend Vorinstanz) ein.
Gleichzeitig stellte sie ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen (act. 1).
In der Folge sistierte die Vorinstanz auf entsprechendes Gesuch der Berufungs-
beklagten hin mit Verfügung vom 14. Mai 2020 das Besuchsrecht von A._
(Beklagter, Berufungskläger und Anschlussberufungsbeklagter; nachfolgend Be-
rufungskläger) zur Tochter C._ im Sinne einer superprovisorischen Mass-
nahme für die Dauer des Verfahrens (act. 8). Am 6. Juli 2020 fand die Verhand-
lung betreffend vorsorgliche Massnahmen sowie die Einigungsverhandlung statt
(vgl. Prot. Vi. S. 29–51). Mit Verfügung vom 12. August 2020 entschied die Vo-
rinstanz über die vorsorglichen Massnahmen. Sie teilte der Berufungsbeklagten
die Obhut über C._ zu; auf die Gewährung eines Besuchsrechts des Beru-
fungsklägers zu C._ wurde einstweilen verzichtet (act. 93).
1.3. Der Berufungskläger stellte in der Folge am 9. November 2020 ein Gesuch
um Abänderung der vorsorglichen Massnahmen, wobei er ein unbegleitetes ge-
richtsübliches Besuchsrecht jedes zweite Wochenende von Freitagabend ca.
18.00 Uhr bis Sonntagabend ca. 18.00 Uhr sowie jeweils am zweiten Tag der ge-
setzlichen Doppelfeiertage (Weihnachten, Neujahr) und während der Osterfeier-
tage oder der Pfingstfeiertage verlangte (act. 134). Nach durchgeführtem Verfah-
ren wies die Vorinstanz mit Verfügung vom 12. Mai 2021 das Begehren des Beru-
fungsklägers um Abänderung der vorsorglichen Massnahmen ab. Gleichentags
erging das vorstehend wiedergegebene Urteil in der Hauptsache (act. 214 =
act. 225).
1.4. Mit Eingabe vom 28. Mai 2021 erhob der Berufungskläger beim Obergericht
Berufung gegen die Abweisung seines Gesuchs um Abänderung vorsorglicher
Massnahmen und mit Eingabe vom 16. Juni 2021 reichte er Berufung gegen das
Abänderungsurteil der Vorinstanz ein. Die Berufung gegen den Massnahmeent-
scheid wurde von der Kammer im Verfahren LY210024 behandelt und zwischen-
zeitlich mit Urteil vom 1. September 2021 teilweise gutgeheissen (LY210024,
act. 18).
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1.5. Die vorinstanzlichen Akten wurden von Amtes wegen beigezogen
(act. 1-218). Mit der Berufung gegen das Abänderungsurteil stellte der Berufungs-
kläger verschiedene prozessuale Anträge (act. 220 S. 2 f.), über die – mit Aus-
nahme des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege – mit Verfügung vom 6. Juli
2021 entschieden wurde (act. 223). Mit Verfügung vom 10. September 2021 wur-
de dem Berufungskläger Frist angesetzt, um im Hinblick auf sein Gesuch um un-
entgeltliche Rechtspflege seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfas-
send darzulegen und diesbezügliche Unterlagen einzureichen. Gleichzeitig wurde
der Berufungsbeklagten und der Kindesvertretung Frist für die Berufungsantwort
angesetzt (act. 226). Mit Eingabe vom 14. September 2021 zog der Berufungsklä-
ger sein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege zurück (act. 228). Am 1. Oktober
2021 reichte die Kindesvertreterin ihre Berufungsantwort ein (act. 229). Die Be-
rufungsbeklagte reichte am 12. Oktober 2021 die Berufungsantwort ein und erhob
gleichzeitig Anschlussberufung (act. 231). Nachdem dem Berufungskläger und
der Kindesvertretung mit Verfügung vom 19. Oktober 2021 Frist zur Anschlussbe-
rufungsantwort angesetzt worden war (act. 235), verzichtete die Kindesvertretung
mit Eingabe vom 11. November 2021 auf eine Stellungnahme (act. 237). Der Be-
rufungskläger ersuchte mit Eingabe vom 22. November 2021 um Anordnung
eines zweiten Schriftenwechsels, er nahm aber gleichzeitig zur Vermeidung von
Fristansetzungen und Verfahrensverzögerungen zu den neuen Ausführungen der
Berufungsbeklagten in der Berufungsantwort und Anschlussberufung Stellung
(act. 231 S. 2). Nach vorgängiger telefonischer Rücksprache mit den Parteien
wurden sie am 14. Dezember 2021 auf den 14. Januar 2022 zu einer Vergleichs-
verhandlung vorgeladen (act. 240). Anlässlich dieser Verhandlung schlossen die
Parteien unter Mitwirkung des Gerichts eine Vereinbarung (Prot. S. 7; act. 244).
2. Prozessuales
2.1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Die Berufung hemmt die Rechtskraft und die Vollstreckbarkeit des angefochtenen
Entscheids im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Der Berufungskläger
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verlangt mit der Berufung die Aufhebung der Dispositiv-Ziffern 1, 2, 3, 7 und 8 des
erstinstanzlichen Urteils, welche die Abänderung des Scheidungsurteil hinsichtlich
der Obhutszuteilung (Dispositiv-Ziffer 1), des Besuchsrechts (Dispositiv-Ziffer 2)
und der Aufgabenerteilung an die Besuchsrechtsbeiständin (Dispositiv-Ziffer 3)
sowie die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositiv-Ziffern 7
und 8) betreffen. Im Rahmen der Anschlussberufung ficht die Berufungsbeklagte
die Abweisung ihres Begehrens betreffend Kinderunterhalt an (Dispositiv-Ziffer 5).
Die übrigen Dispositiv-Ziffern (Dispositiv-Ziffern 4 und 6) sind nicht angefochten
und damit nach Ablauf der Frist für die Anschlussberufung am 15. Oktober 2021
rechtskräftig geworden. Dies ist vorzumerken.
2.2. Rückzug der Berufung
Mit Bezug auf die Zuteilung der Obhut in Dispositiv-Ziffer 1 des angefochtenen Ur-
teils zieht der Beklagte – gemäss der Vereinbarung vom 14. Januar 2022
(act. 244) – die Berufung zurück, was vorzumerken ist. Damit gilt diesbezüglich
das angefochtene Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Meilen vom
12. Mai 2021.
3. Genehmigung der Vereinbarung
3.1. Die übrige, von den Parteien geschlossene Vereinbarung lautet wie folgt:
[1. ...]
2. Die Parteien vereinbaren in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 3.2 lit. c des Urteils des  Meilen, Einzelgericht, vom 22. Dezember 2017, dass der Beklagte berechtigt und  ist, die gemeinsame Tochter C._, geb. tt.mm.2012, jedes zweite Wochenende  am Samstag oder Sonntag von 13:00 Uhr bis 17:00 Uhr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Die Übergaben finden jeweils im öffentlichen Raum statt.
Die Parteien vereinbaren, ein gerichtsübliches Besuchsrecht anzustreben.
3. Die Parteien beantragen dem Gericht gemeinsam, es seien der Beiständin in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Meilen, Einzelgericht, vom 12. Mai 2021  in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 3 der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 12. August 2020 zusätzlich folgende Aufträge zu erteilen:
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− C._ und ihre Eltern bei der Umsetzung der Besuchsregelung zu unterstützen; − im Konfliktfall die Modalitäten wie z.B. den Übergabeort zu regeln; − C._ durch direkte Kontakte bei der Gestaltung der Besuche bei ihrem Vater zu unter-
stützen und dabei C._s Bedürfnisse und Wünsche sowie das Kindeswohl zu ;
− den Vater so oft wie notwendig zu Gesprächen einzuladen, um ihn bezüglich der  soweit erforderlich anzuleiten und ihn in der Gestaltung der Kontakte zu ;
− auf die Etablierung eines gerichtsüblichen Besuchsrechts hinzuwirken, indem  Ausflüge mit Übernachtungen geplant werden, und der Kindes- und  darüber halbjährlich Bericht zu erstatten.
4. Die Parteien vereinbaren in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Meilen vom 22. Dezember 2017 folgende Kinderunterhaltsbeiträge:
5. Der Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin an die Kosten des Unterhalts der Tochter C._ monatliche Beiträge von Fr. 170.–, zuzüglich allfällige gesetzliche oder vertragliche , zu bezahlen, zahlbar im Voraus, je auf den Ersten des Monats ab Rechtskraft des  bis zur Volljährigkeit bzw. bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung auch über die Volljährigkeit hinaus, solange C._ im Haushalt der Klägerin lebt und keine  Ansprüche gegenüber dem Beklagten stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger .
Vorbehalten bleiben die Ansprüche des Kindes gemäss Art. 277 Abs. 2 ZGB.
An ausserordentliche Auslagen für C._ (z.B. Ausbildung, Zahnkorrekturen), denen beide Eltern ausdrücklich zugestimmt haben, beteiligt sich der Beklagte zur Hälfte nach Vorlage der entsprechenden Rechnungen, soweit diese nicht von Dritten, insbesondere Versicherungen, finanziert werden.
Der Beklagte bemüht sich weiterhin, sein Erwerbseinkommen zu erhöhen. Der Beklagte  sich, der Klägerin jährlich, bis zum Abschluss einer angemessenen Erstausbildung von C._, jeweils bis 31. August, seine private Steuererklärung (inkl. Hilfsblätter und ) unaufgefordert zuzustellen.
6. Dieser Vereinbarung liegen folgende finanzielle Verhältnisse der Parteien zugrunde:
Einkommensverhältnisse: − Erwerbseinkommen der Klägerin: Fr. 7'550.–
(monatlich netto, inkl. 13. Monatslohn, exkl. Familien-, Kinder- und Ausbildungszulagen)
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− Erwerbseinkommen des Beklagten: Fr. 3'200.– (monatlich netto, exkl. Familien-, Kinder- und Ausbildungszulagen)
− C._ Fr. 200.– (Kinder- und Ausbildungszulagen)
7. Die Parteien übernehmen die Gerichtskosten je zur Hälfte und verzichten gegenseitig auf eine Parteientschädigung."
3.2. Mit Bezug auf den in Ziffer 2 der Vereinbarung geregelten Kontakt des Be-
klagten mit der Tochter C._ einigten sich die Parteien auf die Beibehaltung
der Modalitäten gemäss dem mit Urteil der Kammer vom 1. September 2021 im
Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen geregelten Besuchsrecht. Ergän-
zend hielten sie explizit fest, dass sie ein gerichtsübliches Besuchsrecht des Be-
rufungsklägers anstreben. Entsprechend beantragen sie weitgehend die Beibe-
haltung der mit Urteil der Kammer vom 1. September 2021 der Beiständin über-
tragenen Aufgaben. Mit Bezug auf die Etablierung eines gerichtsüblichen Be-
suchsrechts beantragen die Parteien in Ziffer 3 der Vereinbarung, die Beiständin
sei mit der Planung von versuchsweisen Übernachtungen zu betrauen und um
halbjährige Berichterstattung zu ersuchen. Die Berufungsbeklagte betreut die
Tochter C._ seit mehr als eineinhalb Jahren überwiegend allein. Die Aus-
dehnung des mit Urteil der Kammer vom 1. September 2021 im Verfahren
LY210024 angeordneten Besuchsrechts hat – angesichts der Vorfälle im Frühling
2020 – mit Blick auf C._s Bedürfnisse behutsam zu erfolgen. Demnach ent-
sprechen die Weiterführung des aktuell ausgeübten Besuchsrechts wie auch die
Bestätigung der (mit Urteil vom 1. September 2021 erteilten) Aufträge an die Bei-
ständin – mit dem ergänzenden Auftrag, auf ein gerichtsübliches Besuchsrecht
hinzuwirken und darüber halbjährlich Bericht zu erstatten – dem Kindeswohl.
Auch die von den Parteien vereinbarten Kinderunterhaltsbeiträge erscheinen an-
gesichts ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit als angemessen. Folglich sind die
Ziffern 2 bis 6 der Vereinbarung zu genehmigen (Art. 284 Abs. 3 i.V.m. Art. 279
ZPO). Die Dispositiv-Ziffern 2, 3 und 5 des angefochtenen Urteils des Einzelge-
richts des Bezirksgerichts Meilen vom 12. Mai 2021 sind infolgedessen aufzuhe-
ben und – soweit davon betroffen – das Scheidungsurteil des Einzelgerichts des
Bezirksgerichts Meilen vom 22. Dezember 2017 entsprechend abzuändern.
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4. Kosten- und Entschädigungsfolgen und unentgeltliche Rechtspflege
4.1. Vereinbarungsgemäss sind den Parteien die Kosten des vorliegenden Beru-
fungsverfahrens je zur Hälfte aufzuerlegen, und es sind keine Parteientschädi-
gungen zuzusprechen.
4.2. Zu den Gerichtskosten zählen auch die Kosten der Kindesvertretung (Art. 95
Abs. 2 lit. e ZPO). Über die Höhe des Honorars der Kindesvertreterin wird nach
Eingang der Honorarnote mit separatem Beschluss zu entscheiden sein (vgl.
OGer ZH, LY150026 vom 4. März 2016, E. IV.2.2a).
4.3. Da der Berufungskläger sein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistands mit Eingabe
vom 14. September 2021 zurückgezogen hat (act. 228), ist es abzuschreiben.