Decision ID: 5b2185ac-4ccf-563c-9d08-7cbbc2192997
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der 1971 geborene, in seiner Heimat Deutschland wohnhafte
A._ (im Folgenden: Versicherter oder Beschwerdeführer) ist stu-
dierter Diplompsychologe. Er war ab dem 1. Februar 2009 in seiner Eigen-
schaft als Grenzgänger für die B._ AG (im Folgenden: B._)
als "..." in der Schweiz erwerbstätig und entrichtete Beiträge an die obliga-
torische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (Akten [im Fol-
genden: act.] der Invalidenversicherungs-Stelle für Versicherte im Ausland
[im Folgenden: IVSTA oder Vorinstanz] 2, 10, 14, 17 S. 17 und 74). Mit
Datum vom 24. November 2015 meldete er sich bei der Sozialversiche-
rungsanstalt des Kantons C._ (im Folgenden: SVA C._) zum
Bezug von Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung (IV) an;
zur Art der Behinderung erwähnte er einen benignen Tumor am Handge-
lenk, eine Schulteroperation (Arthroskopie) inklusive der Behebung von
Defekten sowie eine psychische/psychosomatische Erkrankung (act. 1, 2,
5 bis 7). Nachdem am 19. Januar 2016 bei der SVA C._ ein
Standortgespräch stattgefunden hatte (act. 8, 9 und 11), erstellte Dr. med.
Dipl. Psych. D._, Fachärztin für psychosomatische Medizin/Psy-
chotherapie und für Neurologie und Psychiatrie/Sozialmedizin, am 8. Feb-
ruar 2016 einen Bericht (act. 12). Nach Vorliegen des Fragebogens für Ar-
beitgebende vom 8. April 2016 (act. 14) fand am 18. Mai 2016 ein weiteres
Gespräch betreffend die berufliche Situation statt (act. 16). In der Folge
gewährte die SVA C._ dem Versicherten am 11. Juli 2016 Frühin-
terventionsmassnahmen in Form eines Job Coachings (act. 23) und am
25. Juli und 9. November 2016 in Form von Ausbildungskursen (act. 24 bis
30). Nach Durchführung des Abschlussgesprächs am 7. Dezember 2016
(act. 31 S. 10) schloss die SVA C._ am 9. Dezember 2016 die Un-
terstützung zum Erhalt des Arbeitsplatzes ab, da der Versicherte den Auf-
bau einer selbstständigen Erwerbstätigkeit plane; diesem wurde betreffend
Rente eine separate Verfügung in Aussicht gestellt (act. 32 und 33).
A.b Mit Datum vom 31. Mai 2017 erstellte die SVA C._ das "Fest-
stellungsblatt für den Beschluss" (act. 42). Gleichentags erliess sie einen
Vorbescheid, mit welchem dem Versicherten die Abweisung eines Renten-
anspruchs in Aussicht gestellt wurde. Zur Begründung des vorgesehenen
Entscheids wurde insbesondere aufgeführt, der Versicherte habe aufgrund
seiner selbstständigen Tätigkeit erfolgreich in den Arbeitsmarkt integriert
C-117/2019
Seite 3
werden können, wodurch er ein rentenausschliessendes Einkommen er-
zielen könne (act. 43). Mit Schreiben vom 16. Juni 2017 beantragte der
Versicherte eine Fristerstreckung und teilte der SVA C._ mit, er sei
noch bis Ende dieses Monats bei der B._ angestellt und starte erst
nachher vollumfänglich in die in der Begründung angegebenen Selbststän-
digkeit. Erst danach werde sich die erfolgreiche Integration in den Arbeits-
markt zeigen (act. 44). Nachdem am 23. Juni 2017 die Frist zur Einreichung
von Einwendungen bis am 23. August 2017 erstreckt worden war (act. 45),
informierte der Versicherte die SVA C._ am 21. August 2017 dahin-
gehend, dass er aktuell noch keine 50 % arbeiten könne, weshalb er eine
erfolgreiche/vollständige Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt noch
nicht sehe (act. 46); die entsprechende Empfangsbestätigung datiert vom
23. August 2017 (act. 47). In Kenntnis eines weiteren (undatierten) Berichts
von Dr. med. Dipl. Psych. D._ (act. 51 und 52) holte die SVA
C._ am 21. November 2017 bei Dr. med. E._ einen Arztbe-
richt ein (act. 53, 55 und 56). Nachdem dieser bei der SVA C._ ein-
gegangen war (act. 57), erkundigte sich diese am 18. Dezember 2017 beim
Versicherten über den aktuellen Stand (act. 58). Im Anschluss an die tele-
fonische Besprechung vom 22. Januar 2018 zwischen dem Versicherten
und einer Mitarbeiterin der SVA C._ (act. 60) bat letztere am 29.
Januar 2018 um eine Rückmeldung (act. 61). Nach weiterer Korrespon-
denz zwischen den Parteien (act. 62 bis 67) und nachdem Dr. med.
E._ am 25. September 2018 einen weiteren Arztbericht verfasst
hatte (act. 68), erstellte die SVA C._ am 13. November 2018 das
"Feststellungsblatt Einwand" (act. 69); aus diesem geht hervor, dass sich
auch Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (im Folgenden: RAD) am 12. November
2018 zur medizinischen Situation geäussert hatte (act. 69 S. 4 und 5). In
der Folge liess die SVA C._ der IVSTA am 13. November 2018 eine
dem Vorbescheid vom 31. Mai 2017 im Ergebnis entsprechende Verfügung
zur Datierung und zum Versand zukommen (act. 70 und 71); am 19. No-
vember 2018 wurde die entsprechende Verfügung von der Vorinstanz er-
öffnet (act. 72).
B.
B.a Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Michael
Keiser, beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 7. Januar 2019
Beschwerde erheben und insbesondere beantragen, es sei die angefoch-
tene Verfügung aufzuheben und es sei die Vorinstanz zu verpflichten, die
notwendigen Abklärungen durchzuführen. Weiter sei direkt oder auf dem
C-117/2019
Seite 4
Weg der Rückweisung ein versicherungsexternes psychiatrisches Gutach-
ten einzuholen (act. im Beschwerdeverfahren [im Folgenden: B-act.] 1).
Zur Begründung liess der Beschwerdeführer zusammengefasst ausführen,
er könne nach wie vor nur sehr eingeschränkt arbeiten (maximal 4 Stunden
am Tag). Er leide an massiven körperlichen Schmerzen und müsse sich
regelmässig am Nachmittag hinlegen. Dazu kämen mentale Blockaden,
massive Schlafprobleme und eine starke Antriebslosigkeit. Obwohl wieder-
holt darauf aufmerksam gemacht worden sei, dass aus gesundheitlichen
Gründen nur ein kleines Pensum bewältigt werden könne, seien zur Er-
werbssituation keine weiteren Abklärungen getroffen worden. Bevor der
Rentenanspruch abgelehnt worden sei, hätte zwingend abgeklärt werden
müssen, inwieweit der Beschwerdeführer ein rentenausschliessendes Ein-
kommen erzielen könne. Dass dies unterlassen worden sei, stelle eine Ver-
letzung von Art. 43 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) dar.
Trotz der jahrelangen psychischen Problematik sei nicht psychiatrisch be-
gutachtet worden. Die Vorinstanz stütze sich auf die RAD-Stellungnahme
vom 12. November 2018. Die RAD-Beurteilung nehme insbesondere auf
die Berichte des Hausarztes Bezug und die Tatsache, dass der Beschwer-
deführer im Verlaufsprotokoll vom 7. Dezember 2016 gesagt habe, er fühle
sich wieder gesund. Dass diese Aussage längst überholt sei, werde nicht
thematisiert. Auch im neusten Arztbericht liste der Hausarzt die psychiatri-
schen Diagnosen auf und berichte von Schlaflosigkeit, Antriebsschwäche,
Ängsten und Reizbarkeit. Die Frage nach den weiteren Behandlern und
zum weiteren Vorgehen würden mit der psychischen Problematik bzw. der
notwendigen Psychotherapie beantwortet. Dass bei einer langjährigen psy-
chischen Problematik nur gestützt auf einen hausärztlichen Bericht ent-
schieden werde, stelle ebenfalls eine Verletzung von Art. 43 ATSG dar. Es
sei daran zu erinnern, dass im Verlaufsbericht vom 5. September 2017 von
Dr. med. Dipl. Psych. D._ nur eine sehr eingeschränkte Arbeitsfä-
higkeit in einer angepassten Tätigkeit attestiert werde. Inwieweit die von
der RAD-Ärztin aufgelisteten Diagnosen keine Auswirkungen auf die Ar-
beitsfähigkeit haben sollten, werde von ihr nicht weiter begründet und auch
nicht geprüft. Diesbezüglich sei auf die Rechtsprechung des Bundesge-
richts zu verweisen, wonach bei depressiven Störungen im mittelgradigen
Bereich die invalidisierende Wirkung besonders sorgfältig zu prüfen sei
(Urteil 8C_753/2016 vom 15. Mai 2017). Weiter sei daran zu erinnern, dass
Störungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich be-
deutsame Komorbidität in Betracht fallen, wenn ihnen im konkreten Fall
ressourcenhemmende Wirkung beizumessen sei (BGE 143 V 418 E. 8.1).
C-117/2019
Seite 5
Die Vorinstanz wäre verpflichtet gewesen, gesamthaft die funktionellen
Folgen der aufgelisteten psychischen Leiden zu würdigen, auch wenn
diese für sich allein genommen keine anhaltende Einschränkung zu be-
gründen vermöchten. Dies müsse umso mehr gelten, als die langdauernde
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit belegt sei und von der Vorinstanz an-
erkannt werde. Aktenkundig seien weitere schwerwiegende psychiatrische
Diagnosen, welche von der RAD-Ärztin gar nicht erst aufgeführt, ge-
schweige denn diskutiert würden. So seien die im Bericht vom 8. Februar
2016 von Dr. med. Dipl. Psych. D._ gestellten Diagnosen ausser
Acht gelassen worden. Diese habe unter anderem die Diagnosen einer An-
passungsstörung und einer posttraumatischen Belastungsstörung aufge-
listet. Indem sich die RAD-Ärztin nicht mit diesen Diagnosen auseinander-
gesetzt habe, könne der versicherungsinternen Beurteilung nur sehr ein-
geschränkte Beweiskraft zukommen. Diese Ausführungen vermöchten er-
hebliche Zweifel an der RAD-Beurteilung zu erwecken. Es sei somit zwin-
gend versicherungsextern psychiatrisch zu begutachten.
B.b Mit Zwischenverfügung vom 11. Januar 2019 wurde der Beschwerde-
führer unter Hinweis auf die Säumnisfolgen (Nichteintreten auf die Be-
schwerde) aufgefordert, innert Frist einen Kostenvorschuss von Fr. 800.-
in der Höhe der mutmasslichen Verfahrenskosten zu leisten (B-act. 2); die-
ser Aufforderung kam der Beschwerdeführer nach (B-act. 4).
B.c In ihrer Vernehmlassung vom 1. März 2019 verwies die Vorinstanz auf
die Stellungnahme der SVA C._ vom 26. Februar 2019 und bean-
tragte die Abweisung der Beschwerde (B-act. 6).
Die SVA C._ beantragte ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.
Zur Begründung führte sie zusammengefasst ergänzend aus, zum Indika-
tor "Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder - Resistenz" sei hervor-
zuheben, dass der Beschwerdeführer lediglich von August 2015 bis No-
vember 2016 eine psychiatrische Behandlung wahrgenommen habe. An-
schliessend habe keine psychotherapeutische Therapie mehr stattgefun-
den. Eine medikamentöse Behandlung sei nicht dokumentiert (act. 69/5).
Mit Blick auf diesen Behandlungsverlauf könne weder von einer Therapie-
resistenz noch von einem hohen Leidensdruck ausgegangen werden. Be-
züglich" funktionellem Schweregrad" als weiteren massgebenden Standar-
dindikator sei hervorzuheben, dass es sich nicht um ein rezidivierendes
Geschehen, sondern um eine erstmalige depressive Episode (F32.1)
handle, welche praxisgemäss als therapeutisch gut behandelbar gelte. In-
wiefern der vom Beschwerdeführer zitierte Bericht vom 8. Februar 2016
C-117/2019
Seite 6
von Dr. med. D._ für eine aktuelle Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
relevant sein solle, werde nicht dargelegt. Des Weiteren lägen in den vor-
liegenden aktuellen medizinischen Berichten keine Hinweise auf eine post-
traumatische Belastungsstörung vor, zumal nicht ansatzweise von einem
Ereignis berichtet werde, welches die Kriterien nach den diagnostischen
Leitlinien erfüllten und damit eine solche Diagnose begründen würde. Dr.
med. E._ beschreibe in seinem Bericht vom 25. September 2018
die Prognose zudem als gut und attestiere eine volle Arbeitsfähigkeit (act.
68/1 ff.). In der Gesamtschau seien damit keine erheblichen funktionellen
Auswirkungen des depressiven Leidens zu erkennen und ein invalidisie-
render Gesundheitsschaden in Bezug auf die psychischen Beschwerden
weiterhin klar zu verneinen.
B.d Nachdem das Fristerstreckungsgesuch des Beschwerdeführers vom
4. April 2019 betreffend die Einreichung einer Replik mit prozessleitender
Verfügung vom 8. April 2019 gutgeheissen worden war (B-act. 8 und 9),
ging diese am 14. Mai 2019 beim Bundesverwaltungsgericht ein. Der Be-
schwerdeführer liess weiterhin die Gutheissung der Beschwerde beantra-
gen und ausführen, zusammenfassend bestehe eine komplexe, langanhal-
tende somatische und insbesondere psychiatrische Problematik, welche
nicht genügend abgeklärt worden sei. Namentlich seien die funktionellen
Einschränkungen ohne Wenn und Aber ausgewiesen. Er habe alles unter-
nommen, um den Wiedereinstieg in die Arbeitswelt zu schaffen. Bis heute
sei ihm dies nicht gelungen (B-act. 10).
B.e Am 16. Mai 2019 erhielt das Bundesverwaltungsgericht Kenntnis des
Schreibens des Rechtsvertreters vom 15. Mai 2019 samt Beilage (Stellung-
nahme von Frau G._ vom 13 Mai 2019; B-act. 12).
B.f In ihrer Duplik vom 11. Juni 2019 beantragte die Vorinstanz weiterhin
die Abweisung der Beschwerde und verwies auf die Stellungnahme der
SVA C._ vom 28. Mai 2019. Darin wurde ausgeführt, es werde auf
das Einreichen einer Duplik verzichtet (B-act. 14).
B.g Mit prozessleitender Verfügung vom 14. Juni 2019 schloss die Instruk-
tionsrichterin den Schriftenwechsel (B-act. 15).
B.h Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften und Be-
weismittel der Parteien ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.
C-117/2019
Seite 7

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-
nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]; BVGE
2016/15 E. 1; 2014/4 E. 1.2).
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversiche-
rung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 40 Abs. 2 und 3 der Verordnung vom
17. Januar 1961 über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) ist das
Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde
zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmun-
gen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversiche-
rungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversicherungs-
gesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG
auf die IV anwendbar (Art. 1a - 26bis und 28 - 70 IVG), soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Nach den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln finden diejenigen Verfahrensregeln An-
wendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung in Kraft stehen
(BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Als direkter Adressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Verfügung vom 19. November 2018 (act. 72) berührt und kann sich auf ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung berufen
(Art. 59 ATSG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Nachdem er den Kostenvorschuss
fristgerecht geleistet hat (B-act. 4), ergibt sich zusammenfassend, dass auf
die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 ATSG; Art. 50
Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 sowie Art. 63 Abs. 4 VwVG) einzutreten ist.
1.4 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
C-117/2019
Seite 8
Verfügung vom 19. November 2018, mit welcher die Vorinstanz den An-
spruch des Beschwerdeführers auf eine IV-Rente abgewiesen hat. Strittig
und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit dieser Verfügung und in diesem Zu-
sammenhang insbesondere, ob die Vorinstanz den Sachverhalt in medizi-
nischer Hinsicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewürdigt hat.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG).
2.
Im Folgenden sind vorab die im vorliegenden Verfahren weiter anwendba-
ren gesetzlichen Normen und Rechtsgrundsätze darzustellen.
2.1 Der Beschwerdeführer verfügt über die deutsche Staatsbürgerschaft
und wohnt in Deutschland. Damit gelangen das Freizügigkeitsabkommen
vom 21. Juni 1999 (FZA, SR 0.142.112.681) und die Regelwerke der Ge-
meinschaft zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss
Anhang II des FZA, insbesondere die für die Schweiz am 1. April 2012 in
Kraft getretenen Verordnungen (EG) Nr. 883/2004 (SR 0.831.109.268.1)
und Nr. 987/2009 (SR 0.831.109.268.11), zur Anwendung. Seit dem 1. Ja-
nuar 2015 sind auch die durch die Verordnungen (EU) Nr. 1244/2010,
Nr. 465/2012 und Nr. 1224/2012 erfolgten Änderungen in den Beziehun-
gen zwischen der Schweiz und den EU-Mitgliedstaaten anwendbar. Das
Vorliegen einer anspruchserheblichen Invalidität beurteilt sich indes auch
im Anwendungsbereich des FZA und der Koordinierungsvorschriften nach
schweizerischem Recht (vgl. BGE 130 V 253 E. 2.4; Urteil des BGer
9C_573/2012 vom 16. Januar 2013 E. 4).
2.2 In zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze mass-
geblich, die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts-
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 132 V 215 E. 3.1.1).
Im vorliegenden Verfahren finden demnach jene Vorschriften Anwendung,
die spätestens beim Erlass der Verfügung vom 19. November 2018 in Kraft
standen (so auch die Normen der am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen
Fassung des IVG vom 18. März 2011 [6. IV-Revision]); weiter aber auch
solche, die zu jenem Zeitpunkt bereits ausser Kraft getreten waren, die
aber für die Beurteilung allenfalls früher entstandener Leistungsansprüche
von Belang sind.
C-117/2019
Seite 9
2.3 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 8 ATSG, vgl. auch E. 2.5
hiernach) und beim Eintritt der Invalidität während der vom Gesetz vorge-
sehenen Dauer Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenver-
sicherung (AHV/IV) geleistet hat, d.h. während mindestens dreier Jahre
(Art. 36 Abs. 1 IVG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung). Diese
Bedingungen müssen kumulativ gegeben sein; fehlt eine, so entsteht kein
Rentenanspruch, selbst wenn die andere erfüllt ist. Der Beschwerdeführer
hat unbestrittenermassen während mehr als drei Jahren AHV/IV-Beiträge
geleistet (act. 10), so dass die Voraussetzung der Mindestbeitragsdauer
gemäss Art. 36 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung
erfüllt ist.
2.4 Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG), die Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein kann (Art. 4 Abs. 1 IVG).
Invalidität ist somit der durch einen Gesundheitsschaden verursachte und
nach zumutbarer Behandlung oder Eingliederung verbleibende länger dau-
ernde (volle oder teilweise) Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt resp. der Möglichkeit,
sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen. Der Invaliditätsbegriff
enthält damit zwei Elemente: ein medizinisches (Gesundheitsschaden mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit) und ein wirtschaftliches im weiteren
Sinn (dauerhafte oder länger dauernde Einschränkung der Erwerbsfähig-
keit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich; vgl. zum Ganzen UELI KIESER,
ATSG-Kommentar, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 8 Rz. 7). Arbeits-
unfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei
langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf
oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliede-
rung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
ATSG).
2.5 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch solche psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m. Art. 7
ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG so-
C-117/2019
Seite 10
wie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische Be-
fundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur dann
anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchti-
gung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V
281 E. 2.1). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch nicht
gesagt, dass dieser auch invalidisierenden Charakter hat. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach dem Einfluss, den
der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hat. Ent-
scheidend ist, ob der versicherten Person wegen des geklagten Leidens
nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten. Deshalb gilt eine
objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliesslicher Berücksichti-
gung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung (BGE 142 V 106
E. 4.4). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und da-
mit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gelten Einschränkun-
gen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person bei Aufbietung al-
len guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, ab-
wenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv
bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 352 E. 2.2.1; SVR 2014 IV Nr. 2 S.
5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versicherten Person
trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Restarbeitsfähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offenstehenden ausgeglichenen Ar-
beitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft tragbar ist. Dies
ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen (BGE 136 V
279 E. 3.2.1; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.2).
2.6 Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG in der ab 1. Januar 2008 geltenden Fassung
haben jene Versicherten Anspruch auf eine Rente, die ihre Erwerbsfähig-
keit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können (Bst. a), und die zusätzlich während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig
(Art. 6 ATSG) gewesen sind und auch nach Ablauf dieses Jahres zu min-
destens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Bst. b und c). Gemäss Art. 28
Abs. 2 IVG in der ab 2008 geltenden Fassung besteht der Anspruch auf
eine ganze Rente, wenn die versicherte Person mindestens 70 %, derje-
nige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens 60 % invalid ist. Bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % besteht Anspruch auf eine
halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein sol-
cher auf eine Viertelsrente. Laut Art. 29 Abs. 4 IVG (in der ab 2008 gelten-
den Fassung) werden Renten, die einem Invaliditätsgrad von weniger als
C-117/2019
Seite 11
50 % entsprechen, jedoch nur an Versicherte ausgerichtet, die ihren Wohn-
sitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz haben,
soweit nicht zwischenstaatliche Vereinbarungen eine abweichende Rege-
lung vorsehen. Eine solche Ausnahme ist vorliegend gegeben (vgl. Art. 7
der Verordnung [EG] Nr. 883/2004). Nach der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts (bis Ende Dezember 2006: Eidgenössisches Versicherungs-
gericht [EVG]) stellt diese Regelung nicht eine blosse Auszahlungsvor-
schrift, sondern eine besondere Anspruchsvoraussetzung dar (BGE 121 V
275 E. 6c).
2.7 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die Ärzte und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu be-
urteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die Versicherten arbeitsunfähig sind. Im Weiteren sind
ärztliche Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen den Versicherten noch zugemutet werden kön-
nen (BGE 140 V 193 E. 3.2; 132 V 93 E. 4). Demgegenüber fällt es nicht
in den Aufgabenbereich des Arztes oder der Ärztin, sich zur Höhe einer
allfälligen Rente zu äussern, da der Begriff der Invalidität nicht nur von me-
dizinischen, sondern auch von erwerblichen Faktoren bestimmt wird
(vgl. Art. 16 ATSG).
Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende soma-
toforme Schmerzstörung, ein damit vergleichbares psychosomatisches
Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) oder depressive Störungen leicht- bis
mittelgradiger Natur (BGE 143 V 409), sind für die Beurteilung der Arbeits-
fähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berücksichti-
gung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der Prüfung
und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege artis ge-
stellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-
schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-
tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-
C-117/2019
Seite 12
täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-
tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-
text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-
tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-
tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-
druck (E. 4.4.2).
2.8 Das Prinzip inhaltlich einwandfreier Beweiswürdigung besagt, dass das
Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel objektiv zu prüfen hat, unab-
hängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf das Gericht bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzuge-
ben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (SVR 2010 IV Nr. 58 S. 178 E. 3.1; AHI 2001 S. 113 E. 3a).
Der Beweiswert eines ärztlichen Berichts hängt davon ab, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi-
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa-
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlag-
gebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft ei-
nes Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen
Inhalt (BGE 137 V 210 E. 6.2.2; 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a). Unab-
hängig davon, ob es sich um eine nachweisliche organische Pathologie
oder um ein unklares Beschwerdebild handelt, setzt eine Anspruchsbe-
rechtigung stets eine nachvollziehbare ärztliche Beurteilung der Auswir-
kungen des Gesundheitsschadens auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
voraus. Dabei können – insbesondere unklaren Beschwerdebildern inhä-
rente – Abklärungs- und Beweisschwierigkeiten die Berücksichtigung wei-
terer Lebens- und Aktivitätsbereiche wie etwa Freizeitverhalten oder fami-
liäres Engagement erfordern, um das Ausmass der Einschränkungen zu
plausibilisieren, wobei auch fremdanamnestische Angaben zu berücksich-
tigen sind. Ohne Einbezug solcher Indizien, wie sie im Rahmen der festen
Praxis zu den organisch nicht nachweisbaren unklaren Beschwerdebildern
(BGE 141 V 281 E. 4.4.1) regelmässig zu berücksichtigen sind, ist eine
ärztliche Arbeitsfähigkeitsbeurteilung nicht beweiskräftig (BGE 140 V 290
C-117/2019
Seite 13
E. 3.3.2). In den konsistenten Nachweis einer gestörten Aktivität und Par-
tizipation einzubeziehen sind nur funktionelle Ausfälle, die sich aus denje-
nigen Befunden ergeben, welche auch für die Diagnose der Gesundheits-
beeinträchtigung massgebend gewesen sind. Die Einschränkung in den
Alltagsfunktionen, welche begrifflich zu einer lege artis gestellten Diagnose
gehört, wird mit den Anforderungen des Arbeitslebens abgeglichen und an-
hand von Schweregrad- und Konsistenzkriterien in eine allfällige Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit umgesetzt. Auf diesem Weg können gel-
tend gemachte Funktionseinschränkungen über eine sorgfältige Plausibili-
tätsprüfung bestätigt oder verworfen werden (BGE 141 V 281 E. 2.1.2).
Die Stellungnahmen des RAD oder des medizinischen Dienstes der IVSTA,
welche nicht auf eigenen Untersuchungen beruhen, können wie Aktengut-
achten beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Be-
fassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (vgl. Urteile
des BGer 9C_524/2017 vom 21. März 2018 E. 5.1; 9C_28/2015 vom
8. Juni 2015 E. 3.2; 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1, je mit Hin-
weisen). Sofern RAD-Untersuchungsberichte den Anforderungen an ein
ärztliches Gutachten (BGE 125 V 351 E. 3a) genügen, auch hinsichtlich
der erforderlichen ärztlichen Qualifikationen (vgl. hierzu Urteil des BGer
9C_736/2009 vom 26. Januar 2010 E. 2.1), haben sie einen vergleichbaren
Beweiswert wie ein anderes Gutachten (SVR 2009 IV Nr. 53 S. 165
E. 3.3.2). Eine von anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten
abweichende Beurteilung vermag die Objektivität des Experten nicht in
Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines Gutachters,
sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigen-
ständige Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzung letztlich abge-
stellt werden kann, ist eine im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfah-
ren zu klärende Frage der Beweiswürdigung (BGE 132 V 93 E. 7.2.2).
Die Aufgabe der versicherungsinternen Fachpersonen besteht insbeson-
dere darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für
die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge
über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen
Sachverhalt zusammenzufassen und versicherungsmedizinisch zu würdi-
gen (vgl. SVR 2009 IV Nr. 50 [Urteil 8C_756/2008] E. 4.4 mit Hinweis; Urteil
des BGer 9C_692/2014 vom 22. Januar 2015 E. 3.3). Sie haben die vor-
handenen Befunde aus medizinischer Sicht zu würdigen, wozu namentlich
C-117/2019
Seite 14
auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vor-
zunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht ab-
zustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen ist (BGE
142 V 58 E. 5.1). Enthalten die Akten für die streitigen Belange keine be-
weistauglichen Unterlagen, kann die Stellungnahme einer versicherungs-
internen Fachperson in der Regel keine abschliessende Beurteilungs-
grundlage bilden, sondern nur zu weitergehenden Abklärungen Anlass ge-
ben (vgl. Urteil des BGer 9C_58/2011 vom 25. März 2011 E. 3.3).
3.
Anlässlich der Verfügung vom 19. November 2018 dienten der Vorinstanz
als Entscheidbasis insbesondere die Stellungnahme der RAD-Fachärztin
Dr. med. F._, Psychiatrie und Psychotherapie, vom 12. November
2018 (act. 69 S. 4 und 5). Dieses ärztliche Dokument ist – nebst weiteren
– nachfolgend zusammengefasst wiederzugeben und einer Würdigung zu
unterziehen.
3.1
3.1.1 Dr. med. F._ erwähnte in ihrem Bericht vom 12. November
2018 keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Ohne dauerhafte Auswirkung listete sie die von den Dres. med. D._
und E._ gestellten Diagnosen auf und berichtete weiter, förderlich
seien Tätigkeiten in wohlwollender ruhiger Atmosphäre und ohne hohe An-
forderungen an die psychische Belastbarkeit. Tätigkeiten unter permanen-
tem Zeit- und Leistungsdruck und solche mit Führungsverantwortung soll-
ten vermieden werden. In der bisherigen Tätigkeit als "Vice Präsident bei
B._" sei der Versicherten vom Mai 2015 bis September 2016 zu
100 % arbeitsunfähig gewesen; seit Oktober 2016 bis auf Weiteres betrage
die Arbeitsunfähigkeit 50 %. In leidensangepassten Tätigkeiten gemäss
Belastungsprofil bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Insgesamt seien die
vorliegenden Arztberichte konsistent. Die Diagnosen mittelgradige depres-
sive Episode und somatoforme autonome Funktionsstörung würden wei-
tergeführt. Es würden aber keine entsprechenden Symptome im ärztlichen
Befund mehr benannt. Als Ressourcen seien die Bereitschaft des Versi-
cherten zu nennen, sich auf eine berufliche Umorientierung eingelassen zu
haben, und die stabilen familiären Verhältnisse. Als Faktoren, die die
Krankheit aufrechterhalte, sei die hohe berufliche Inanspruchnahme der
Ehefrau genannt. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei kein dauerhaf-
ter Gesundheitsschaden ausgewiesen.
C-117/2019
Seite 15
3.1.2 In ihrem Bericht vom 8. Februar 2016 stellte Dr. med. Dipl. Psych.
D._ mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit folgende Diagnosen:
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1), posttraumatische Be-
lastungsstörung (ICD-10: F43.1), Anpassungsstörungen (ICD-10: F43.2),
sonstige spezifische Persönlichkeitsstörungen (ICD-10: F60.8). Weiter
führte sie zusammengefasst aus, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit ("Lei-
tungsposition IT") sei der Versicherte seit Juni 2015 zu 100 % arbeitsunfä-
hig. Er sei dem Zeitdruck, der Führungsverantwortung und der Belastung
nicht mehr gewachsen. Zur Frage, welche Arbeiten dem Versicherten unter
Berücksichtigung seiner gesundheitlichen Einschränkungen in behinde-
rungsangepasster Tätigkeit noch zumutbar seien, äusserte sich Dr. med.
Dipl. Psych. D._ nicht (act. 12).
3.1.3 Am 8. August 2016 berichtete Dr. med. Dipl. Psych. D._, der
Gesundungsprozess schreite recht gut voran, auch wenn einige Konflikt-
felder bisher noch ungeklärt seien. Sie gehe davon aus, dass der Versi-
cherte im Laufe des Septembers/Oktobers wieder in das Erwerbsleben ein-
treten könne (act. 31 S. 8 und 9).
3.1.4 In ihrem Verlaufsbericht vom 5. September 2017 erwähnte Dr. med.
Dipl. Psych. D._ neu die Diagnosen einer somatoformen autono-
men Funktionsstörung (unteres Verdauungssystem; ICD-10: F45.32) so-
wie von psychischen und Verhaltensstörungen durch Alkohol (schädlicher
Gebrauch; ICD-10: F10.1). Weiter führte sie aus, im Behandlungsverlauf
von August 2015 bis November 2016 gebe es eine Besserungstendenz,
jedoch keine völlige Rückgewinnung der Belastbarkeit. Die bisherige Tä-
tigkeit als "Vice President B._" sei dauerhaft nicht mehr in wirt-
schaftlich sinnvollem Umfang durchführbar. Eine angepasste selbststän-
dige Tätigkeit sei während zirka 5 Stunden täglich zumutbar (act. 52).
3.1.5 Dr. med. E._, Facharzt für Allgemeinmedizin, diagnostizierte
in seinem Bericht vom 18. Dezember 2017 eine mittelgradige depressive
Episode (ICD-10: F32.1), eine somatoforme autonome Funktionsstörung
(ICD-10: F.45.32) sowie einen Diabetes Mellitus Typ II. Weiter führte er zu-
sammengefasst aus, der Versicherte fühle sich an seinem Arbeitsplatz als
Leiter einer IT-Abteilung bei der B._ nicht wohl. In dieser aus medi-
zinischer Sicht nicht mehr zumutbaren Tätigkeit habe er viel Stress gehabt
und habe sich immer völlig niedergeschlagen und freudlos gefühlt. Zum
Schluss sei er nicht mehr belastbar gewesen. Zurzeit sei er zu 100 % ar-
beitsfähig in einer Tätigkeit mit wenig Stress. Der Befund könne bei der
Klinik H._ angefordert werden (act. 57).
C-117/2019
Seite 16
3.1.6 Im Bericht vom 25. September 2018 wiederholte Dr. med. E._
die gestellten Diagnosen. Weiter gab er an, dass der Versicherte an Schlaf-
losigkeit, Antriebsschwäche, Ängsten und Reizbarkeit leide. Im Untersu-
chungszeitpunkt sei der Versicherte niedergeschlagen und freudlos gewe-
sen, habe viel gegrübelt und schlecht geschlafen. Er wisse, dass die heu-
tige Arbeit ihm viel mehr Spass mache. Die bisherige und eine den Leiden
angepasste Tätigkeit seien während 8 Stunden täglich zumutbar. Bei Auf-
gaben im Haushalt resp. im Alltag sei der Versicherte nicht eingeschränkt
(act. 68).
3.2 Wie bereits dargelegt wurde (vgl. E. 2.8 hiervor), kann auf Stellungnah-
men von Fachärztinnen und -ärzten des RAD nur unter der Bedingung ab-
gestellt werden, dass deren Beurteilungen den allgemeinen beweisrechtli-
chen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht (resp. an ein Gutachten)
genügen und zudem die beigezogenen Ärztinnen und Ärzte über die im
Einzelfall gefragten persönlichen und fachlichen Qualifikationen verfügen.
Der Stellungnahme im Sinne von Art. 59 Abs. 2bis IVG von Dr. med.
F._ vom 12. November 2018 könnte – obwohl diese ohne eigene
Untersuchung resp. Abklärung vor Ort verfasst wurde – volle Beweiskraft
zukommen, wenn die übrigen, von der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung herausgearbeiteten Kriterien erfüllt sind. Das ist vorliegend jedoch
nicht der Fall, wie nachfolgend zu erläutern ist.
3.2.1 Insofern sich Dr. med. F._ in ihrer Beurteilung auf medizini-
sche Berichte der Dres. med. D._ und E._ vom 5. Septem-
ber und 18. Dezember 2017 stützte, ist aufgrund des Verfügungsdatums
vom 19. November 2018 bereits mit Blick auf die Aktualität ein gewisser
Vorbehalt anzubringen. Entscheidender ist jedoch vielmehr was folgt:
3.2.2 Der Beschwerdeführer wurde von Dr. med. F._ nicht selber
untersucht. Zwar steht dieser Umstand der Beweiskraft ihrer Stellung-
nahme grundsätzlich nicht entgegen. Da jedoch kein lückenloser Befund
vorliegt und es nicht bloss um die fachärztliche Beurteilung eines – auf-
grund eines beweiskräftigen medizinischen Dokuments – an sich festste-
henden medizinischen Sachverhalts geht, kann darauf nicht abgestellt wer-
den (vgl. E. 2.8 hiervor).
3.2.3 In psychischer Hinsicht ergibt sich mit Blick auf die Berichte von
Dr. med. Dipl. Psych. D._ vom 8. Februar 2016 und 7. September
2017 weiter, dass Dr. med. F._ die von Dr. med. Dipl. Psych.
D._ erwähnten Anpassungsstörungen (ICD-10: F43.2) sowie die
C-117/2019
Seite 17
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) nicht aufgelistet
hatte. Zwar bildet die Beachtung der von der Rechtsprechung als aner-
kannten Standard für eine sachgerechte und rechtsgleiche (versicherungs-
)psychiatrische Begutachtung bezeichneten "Qualitätsleitlinien für psychi-
atrische Gutachten in der Eidgenössischen Invalidenversicherung" der
Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (im Fol-
genden: SGPP) vom 16. Juni 2016 (3., vollständig überarbeitete und er-
gänzte Auflage; vgl. BGE 140 V 260 E. 3.2.2 mit zahlreichen Hinweisen)
keine zwingende Voraussetzung für die Beweiskraft einer Expertise. Viel-
mehr stellt diese bloss eine Orientierungshilfe dar (vgl. Urteile des BGer
8C_270/2019 vom 5. September 2019 E. 4.1.2 und 9C_683/2019 vom 6.
Januar 2020 E. 3.4.1 je mit weiteren Hinweisen). Da sich Dr. med. Dipl.
Psych. D._ in ihrer Eigenschaft als deutsche Psychiaterin mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit nicht an den Qualitätsleitlinien für versiche-
rungspsychiatrische Gutachten der SGPP orientiert hatte und somit vom
Fehlen einer sachgerechten und rechtsgleichen (versicherungs-)psychiat-
rischen Begutachtung auszugehen ist, kann jedoch auf deren Bericht vom
8. Februar 2016 ebenfalls nicht vorbehaltlos abgestellt werden. In Erman-
gelung einer eigenen Untersuchung durch Dr. med. F._ resp. eines
rechtsgenüglichen psychiatrischen Gutachtens ist für das Bundesverwal-
tungsgericht demnach nicht rechtsgenüglich erstellt, dass beim Beschwer-
deführer tatsächlich weder eine posttraumatische Belastungsstörung noch
Anpassungsstörungen mit Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähig-
keit vorgelegen hatten bzw. vorliegen. Ebenso wenig liegt eine rechts-
genügliche Erklärung dafür vor, weshalb diese beiden Krankheiten sowie
die weiteren, von Dr. med. F._ gelisteten entgegen der Auffassung
von Dr. med. Dipl. Psych. D._ (überhaupt) keine Auswirkungen auf
die Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit haben sollten.
3.2.4 Mit Blick auf die Berichte der Dres. med. D._ und E._
vom 8. Februar 2016 sowie 7. September und 18. Dezember 2017 ist eben-
falls nicht rechtsgenüglich nachvollziehbar, weshalb Dr. med. F._
dem Beschwerdeführer entgegen der Auffassung der Dres. med.
D._ und E._ mit Wirkung ab Oktober 2016 eine 50%ige Ar-
beitsfähigkeit attestiert hatte. Immerhin berichteten letztere Fachärzte,
dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit ("Leitungs-
position IT" resp. "Vice President B._") seit Juni 2015 zu 100 % ar-
beitsunfähig sei bzw. er diese Arbeit dauerhaft nicht mehr in wirtschaftlich
sinnvollem Umfang ausüben könne, da er dem Stress, dem Zeitdruck, der
Führungsverantwortung und der Belastung nicht mehr gewachsen sei. Er-
gänzend ist darauf hinzuweisen, dass sich die Angaben von Dr. med.
C-117/2019
Seite 18
E._ in dessen Bericht vom 25. September 2018, wonach die bishe-
rige Tätigkeit während 8 Stunden täglich zumutbar sei, nicht auf diejenige,
bis Ende Juni 2017 bei der B._ ausgeübte unselbstständige Er-
werbstätigkeit, sondern auf die im Anschluss an dieses Anstellungsverhält-
nis aufgenommene selbstständige Arbeit bezieht. Schliesslich ist ergän-
zend darauf hinzuweisen, dass sich die Angabe, wonach beim Versicher-
ten im Alltag keine Einschränkungen bestünden, alleine auf allfällige Auf-
gaben im Haushalt und nicht auf solche im erwerblichen Bereich bezog.
3.2.5 Eine nicht schlüssig und überzeugend begründete Diskrepanz ergibt
sich auch hinsichtlich der beim Beschwerdeführer noch vorhandenen Leis-
tungsfähigkeit in einer den Leiden angepassten Verweisungstätigkeit.
Während die Dres. med. E._ und F._ in ihren ärztlichen Do-
kumenten vom 18. Dezember 2017 sowie 25. September und 12. Novem-
ber 2018 seit jeher eine leidensadaptierte Verweisungstätigkeit im Umfang
von 100 % als zumutbar erachtet hatten, vertrat Dr. med. Dipl. Psych.
D._ in ihrem Bericht vom 7. September 2017 die Auffassung, dass
eine angepasste selbstständige Tätigkeit während zirka 5 Stunden täglich
zumutbar sei, wobei sie – wie bereits in den Berichten vom 5. Februar und
8. August 2016 – keine Angaben betreffend die Zumutbarkeit einer ange-
passten, unselbstständigen Verweisungstätigkeit machte. Ergänzend ist
mit Blick auf die am 8. August 2016 von Dr. med. Dipl. Psych. D._
gemachten Schilderungen festzuhalten, dass sich die damalige optimisti-
sche Prognose, dass der Versicherte im Laufe des Septembers/Oktobers
2016 wieder ins Erwerbsleben eintreten könne, nicht verwirklicht hatte, zu-
mal der damalige Fokus von Dr. med. Dipl. Psych. D._ nicht auf
einer selbstständigen Arbeit, sondern auf der bisherigen bei der B._
lag.
4.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich zusammenfassend,
dass sich der gesundheitliche Zustand des Beschwerdeführers und dessen
Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit aufgrund der Stel-
lungnahme von Dr. med. F._ vom 12. November 2018 sowie der
weiteren aktenkundigen medizinischen Berichte aus der Heimat des Be-
schwerdeführers der Dres. med. E._ und D._ nicht schlüs-
sig und zuverlässig beurteilen lassen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/bb; vgl.
zum Ganzen auch E. 2.8 hiervor). Es kann deshalb nicht – im Sinne einer
antizipierten Beweiswürdigung (vgl. hierzu BGE 136 I 229 E. 5 und 131 I
153 E. 3; SVR 2007 IV Nr. 45 S. 149 E. 4; Urteil des BGer I 9/07 vom 9.
C-117/2019
Seite 19
Februar 2007 E. 4) – davon ausgegangen werden, dass von einer medizi-
nisch nachvollziehbar und schlüssig begründeten Expertise keine verwert-
baren entscheidrelevanten Erkenntnisse zu den Diagnosen und zum Grad
der Arbeitsunfähigkeit zu erwarten sind (vgl. zum Ganzen Urteil des BGer
8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hinweisen). Das gilt selbst unter
dem Aspekt, dass retrospektive Beurteilungen der Arbeitsunfähigkeit
schwierig sind und entsprechende Begutachtungen deshalb erhöhten An-
sprüchen genügen müssen (vgl. hierzu Urteil des BVGer C-1421/2013 vom
29. September 2014 E. 3.4.2 mit Hinweis). Aus diesem Grund und mit Blick
auf die vorstehend erwähnten Ungereimtheiten hat die Vorinstanz Klarheit
zu schaffen resp. prüfen zu lassen, ob beim Beschwerdeführer tatsächlich
ein psychischer Gesundheitsschaden vorliegt und falls ja, ob dieser eine
rentenbegründende Invalidität zu bewirken vermochte resp. vermag, wobei
die entsprechende Prüfung anhand eines strukturierten normativen Prü-
fungsrasters zu erfolgen hat (BGE 143 V 418 E. 7 und BGE 141 V 281
E. 4.1). Weiter hat die Vorinstanz in Erfahrung zu bringen, ob – entgegen
den Ausführungen des Beschwerdeführers – bei diesem weiterhin ein
schädlicher Gebrauch von Alkohol vorliegt, wie dies von Dr. med. Dipl.
Psych. D._ in ihrem Verlaufsbericht vom 7. September 2017 er-
wähnt worden war. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass
primäre Abhängigkeitssyndrome – wie sämtliche psychischen Erkrankun-
gen – grundsätzlich einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141
V 281 zu unterziehen sind (BGE 145 V 215 E. 5 und 6.2 [Änderung der
Rechtsprechung]).
5.
Somit wurde im vorliegend zu beurteilenden Beschwerdeverfahren der
rechtserhebliche Sachverhalt nicht rechtsgenüglich abgeklärt und gewür-
digt (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12 VwVG). Eine Rückweisung der Sache
in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) an
die Vorinstanz zur weiteren Abklärung der Auswirkungen sämtlicher Leiden
in psychischer Hinsicht auf die Arbeits- resp. Leistungsfähigkeit anlässlich
einer umfassenden medizinischen psychiatrischen Begutachtung in der
Schweiz ist unter den gegebenen Umständen notwendig und aufgrund der
aktuellen Bundesgerichtsrechtsprechung auch möglich. Der Grund für die
Rückweisung an die Vorinstanz liegt insbesondere auch im Umstand, dass
mit Blick auf Praxisänderungen des Bundesgerichts eine Verlagerung der
Expertentätigkeit von der administrativen auf die gerichtliche Ebene sach-
lich nicht wünschbar ist (vgl. BGE 137 V 210 E. 4.2). Sollte sich – nach
vorgängiger Einholung eines entsprechenden Arztberichts mit konkreter
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2020&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page281 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2020&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F141-V-281%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page281
C-117/2019
Seite 20
Fragestellung – ergeben, dass der Beschwerdeführer – wie beschwerde-
weise geltend gemacht und entgegen den Aussagen im Verwaltungsver-
fahren (act. 22 S. 2) – tatsächlich auch an körperlichen Beschwerden bzw.
Gesundheitsschäden leidet, wäre die neue umfassende medizinische Be-
gutachtung interdisziplinär durchzuführen (vgl. hierzu Urteil des BGer
8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hinweis auf 8C_321/2007 vom
6. Mai 2008, E. 6.3). Sollten die notwendigen medizinischen Abklärungen
zeigen, dass sich eine adäquate, leitlinienkonforme antidepressive (ambu-
lante oder stationäre) Therapie und/oder medikamentöse Behandlung auf
die Arbeitsfähigkeit und Wiedereingliederung günstig auswirken würden, ist
bereits im vorliegenden Beschwerdeverfahren darauf hinzuweisen, dass
eine solche Therapie im Rahmen der sozialversicherungsrechtlichen Scha-
denminderungspflicht zumutbar wäre und der Beschwerdeführer sich den
entsprechenden Massnahmen bei entsprechender Zumutbarkeit zu unter-
ziehen hätte (vgl. Urteile des BGer 8C_841/2016 vom 30. November 2017
E.4.5.2 mit weiteren Hinweisen und 9C_242/ 2009 vom 30. April 2009 so-
wie BGE 113 V 22 E. 4a mit Hinweisen). Die zu verlangende Ausschöpfung
der zumutbaren Therapieoptionen ist Ausfluss der im ganzen Sozialversi-
cherungsrecht als allgemeiner Rechtsgrundsatz geltenden (vgl. BGE 142
V 442 E. 6.2 mit Hinweis) und in Art. 7 Abs. 2 ATSG eingeflossenen Scha-
denminderungspflicht, wobei Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG nicht bloss die
Schadenminderungspflicht statuiert, sondern die Übernahme der im
Grundsatz bereits mit BGE 102 V 65 eingeführten Rechtsprechung dar-
stellt, wonach invalidenversicherungsrechtlich Erwerbsunfähigkeit nur bei
objektiver Unüberwindbarkeit gegeben ist (BGE 135 V 215 E. 7; vgl. auch
SVR 2010 IV Nr. 4 S. 7 E. 4.3 [Urteil des BGer 9C_46/2009] und Urteil des
BGer 8C_107/2013 vom 23. April 2013 E. 3).
6.
6.1 Nach Vorliegen der neuen Abklärungsergebnisse hat die Vorinstanz ei-
nen Einkommensvergleich durchzuführen und in diesem Zusammenhang
abzuklären, in welchem Ausmass der Beschwerdeführer zufolge seines
Gesundheitszustandes auf dem ihm nach seinen Fähigkeiten noch offen-
stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zumutbarerweise noch erwerbs-
tätig sein könnte (vgl. hierzu etwa Urteil des BGer 9C_921/2009 vom
22. Juni 2010, E. 5.3). Dabei ist zu berücksichtigen, dass an die Konkreti-
sierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten praxisgemäss
nicht übermässige Anforderungen zu stellen sind (vgl. hierzu Urteile des
BGer 9C_744/2008 vom 19. November 2008 E. 3.2 und 9C_236/2008 vom
4. August 2008 E. 4.2; Urteil des EVG I 349/01 vom 3. Dezember 2003
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-442%3Ade&number_of_ranks=0#page442 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-442%3Ade&number_of_ranks=0#page442 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F102-V-65%3Ade&number_of_ranks=0#page65 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-V-215%3Ade&number_of_ranks=0#page215
C-117/2019
Seite 21
E. 6.1) und die Arbeitsfähigkeit einer versicherten Person nach der Tätig-
keit zu beurteilen ist, die sie – im Rahmen der Schadenminderungspflicht
(vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG) – nach ihren persönlichen Verhältnissen und ge-
gebenenfalls nach einer gewissen Anpassungszeit bei gutem Willen ausü-
ben könnte (vgl. Urteil des BVGer C-4315/2009 vom 22. August 2011
E. 5.2 mit Hinweisen).
6.2 Weiter hat die Vorinstanz im Rahmen der Bestimmung des hypotheti-
schen Valideneinkommens auch zu prüfen, ob die vom Beschwerdeführer
im Anschluss an die unselbstständige Erwerbstätigkeit bei der B._
aufgenommene selbstständige Erwerbstätigkeit trotz ihrer kurzen Dauer
eine genügende Grundlage für die Bestimmung des Valideneinkommens
darstellt, wobei darauf hinzuweisen ist, dass in den ersten Jahren nach
Aufnahme der selbstständigen Erwerbstätigkeit üblicherweise aus ver-
schiedenen Gründen (hohe Abschreibungsquote auf Neuinvestitionen etc.)
die Betriebsgewinne gering sind (vgl. hierzu BGE 135 V 58 E. 3.4.6; SVR
2017 IV Nr. 6 S. 17 E. 4.6.2; zur Bemessung des Valideneinkommens von
Selbstständigerwerbenden vgl. weiter bspw. auch Urteil des BGer
9C_413/2017 vom 19. September 2017 E. 3.2.2 mit Hinweisen). Hinsicht-
lich der Bestimmung des hypothetischen Invalideneinkommens ist weiter
zu erwähnen, dass für die Festsetzung des Invalideneinkommens primär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen ist, in welcher die ver-
sicherte Person konkret steht (BGE 143 V 295 E. 2.2). Nur wenn die neuen
medizinischen Abklärungen zeigen sollten, dass der Beschwerdeführer die
ihm verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft und
zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht
als Soziallohn erscheint, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst
als Invalidenlohn (BGE 143 V 295 E. 2.2). Jedoch würde die verbleibende
Arbeitsfähigkeit nicht in zumutbarer Weise voll ausgeschöpft, wenn der Be-
schwerdeführer auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt ei-
nen höheren als den tatsächlich erzielten Lohn generieren könnte; auf die-
sem hypothetischen Arbeitsmarkt wäre ein Stellenwechsel auch dann zu-
mutbar, wenn es für den Beschwerdeführer auf Grund der wirtschaftlichen
Gegebenheiten auf dem tatsächlichen Arbeitsmarkt sehr schwierig oder
gar unmöglich ist, eine entsprechende Stelle zu finden (SVR 2018 IV Nr.
24 S. 79 E. 6.1; vgl. zur Zumutbarkeit des Berufswechsels von einer selbst-
ständigen zu einer unselbstständigen Erwerbstätigkeit auch Urteil des
BGer 9C_525/2017 vom 30. Oktober 2017 E. 3.1.2 und 3.1.3 mit Hinwei-
sen).
C-117/2019
Seite 22
7.
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ist zusammenfassend festzuhal-
ten, dass die Beschwerde insoweit gutzuheissen ist, als die angefochtene
Verfügung vom 19. November 2018 aufzuheben ist und die Akten im Sinne
der Erwägungen an die Vorinstanz zur Durchführung von weiteren umfas-
senden medizinischen Abklärungen und anschliessendem Erlass einer
neuen Verfügung zurückzuweisen sind.
8.
Zu befinden bleibt über die Verfahrenskosten und eine allfällige Parteient-
schädigung.
8.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Da eine Rückweisung pra-
xisgemäss als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 132
V 215 E. 6), sind im vorliegenden Fall dem Beschwerdeführer keine Kosten
aufzuerlegen. Diesem ist der geleistete Verfahrenskostenvorschuss in der
Höhe von Fr. 800.- nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils
zurückzuerstatten. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrenskos-
ten auferlegt (Art. 63 Abs. 2 VwVG).
8.2 Der obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch
auf eine Parteientschädigung zu Lasten der Verwaltung (Art. 64 Abs. 1
VwVG i.V.m. Art. 7 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht ([VGKE, SR
173.320.2]). Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist die Entschädigung
aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2 VGKE). Unter Be-
rücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen und aktenkundi-
gen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des
Verfahrens sowie in Anbetracht der in vergleichbaren Fällen gesprochenen
Entschädigungen ist eine Parteientschädigung von Fr. 2‘800.– (inkl. Ausla-
gen und Mehrwertsteuer) gerechtfertigt (Art. 9 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 10 Abs. 2 VGKE).
C-117/2019
Seite 23