Decision ID: 5f4992ab-e632-43fd-9ed8-000056beec34
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Im Rahmen eines Zuständigkeitskonflikts zwischen der Bundesanwaltschaft
(nachfolgend «BA») und zahlreichen Kantonen erklärte die Beschwerdekam-
mer des Bundesstrafgerichts mit Beschluss BG.2018.41-50 vom 25. Feb-
ruar 2019 die BA für die Führung und Beurteilung des Strafverfahrens
«CH-Force/Sanierungsbetrug» als zuständig.
B. Am 28. Juni 2019 leitete die Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) der BA
die bei ihr von der Bank A. eingereichte Verdachtsmeldung Nr. 34787/39
nach Art. 9 GwG weiter und führte darin aus, dass diese mutmasslich im
Zusammenhang mit einem von der BA geführten Verfahren [«CH-Force/Sa-
nierungsbetrug»] stehe (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 1).
C. In der Folge ersuchte die BA mit Schreiben vom 12. August 2019 die Ober-
staatsanwaltschaft des Kantons Zürich (nachfolgend «OStA ZH») um Über-
nahme der ihr weitergeleiteten MROS-Meldung und führte zur Begründung
im Wesentlichen aus, dass es sich bei den angezeigten Handlungen um Vor-
gänge handle, die nicht im Zusammenhang mit dem bei ihr hängigen Ver-
fahren «CH-Force/Sanierungsbetrug» stünden (Verfahrensakten, Ordner,
Lasche 2). Infolge der Weiterleitung des Übernahmeersuchens seitens der
OStA ZH an die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich lehnte die Letztere
das Ersuchen am 3. September 2019 ab und wies auf Ähnlichkeiten zum
Verfahren «CH-Force/Sanierungsbetrug» hin (Verfahrensakten, Ordner, La-
sche 3). Das erneute Ersuchen um Verfahrensübernahme der BA vom
11. Oktober 2019 lehnte die OStA ZH mit Schreiben vom 13. Novem-
ber 2019 ab (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 4, 5).
D. Am 22. November 2019 gelangte die BA an die Beschwerdekammer des
Bundesstrafgerichts mit dem Antrag, der Kanton Zürich sei für berechtigt und
verpflichtet zu erklären, den in der MROS-Meldung Nr. 34787/39 der Bank
A. vom 28. Juni 2019 geschilderten Sachverhalt zu untersuchen und zu be-
urteilen (act. 1). Die OStA ZH liess sich zum Gesuch der BA mit Eingabe
vom 4. Dezember 2019 vernehmen, worin sie die Abweisung des Gesuchs
beantragt (act. 4). Die BA replizierte mit Schreiben vom 13. Dezember 2019
und hielt am im Gesuch gestellten Antrag fest (act. 6). Die OStA ZH teilte
dem Gericht mit Eingabe vom 18. Dezember 2019 mit, dass sie auf die Ein-
reichung einer Duplik verzichte (act. 8).
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Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genommen.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum
Entscheid über Anstände zwischen der Bundesanwaltschaft und den kanto-
nalen Strafverfolgungsbehörden ergibt sich aus Art. 28 StPO i.V.m. Art. 37
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der
Strafbehörden des Bundes (Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG;
SR 173.71). Die Beschwerdekammer entscheidet bei solchen Konflikten ge-
mäss den Regeln, die Gesetz und Rechtsprechung für die Behandlung eines
interkantonal streitigen Gerichtsstandes aufgestellt haben (SCHWERI/BÄNZI-
GER, Interkantonale Gerichtsstandsbestimmung in Strafsachen, 2. Aufl.,
2004, N. 419, mit Hinweis auf BGE 128 IV 225 E. 2.3, sowie Beschluss des
Bundesstrafgerichts BG.2009.20 vom 28. September 2009 E. 1.1). Voraus-
setzung ist somit, dass ein Streit über die Zuständigkeit vorliegt und dass die
Parteien über diesen Streit einen Meinungsaustausch mit allen in Frage
kommenden Kantonen durchgeführt haben (vgl. SCHWERI/BÄNZIGER, a.a.O.,
N. 561 und N. 599). Hinsichtlich der Frist, innerhalb welcher die ersuchende
Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, hielt die Beschwerdekammer fest,
dass im Normalfall auf die Frist von zehn Tagen gemäss Art. 396
Abs. 1 StPO, welche auch im Beschwerdeverfahren nach den Bestimmun-
gen der Art. 393 ff. StPO Anwendung findet, verwiesen werden kann, wobei
ein Abweichen von dieser Frist nur unter besonderen, vom jeweiligen Ge-
suchsteller zu spezifizierenden Umständen möglich ist (vgl. hierzu u.a. die
Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2011.17 vom 15. Juli 2011 E. 2.1
und BG.2011.7 vom 17. Juni 2011 E. 2.2). Die Behörden, welche berechtigt
sind, ihren Kanton bzw. den Bund im Meinungsaustausch und im Verfahren
vor der Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweili-
gen kantonalen Recht bzw. Bundesrecht (Art. 14 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu
KUHN, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 39 StPO N. 9 sowie
Art. 40 StPO N. 10; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch des schweizerischen
Strafprozessrechts, 3. Aufl. 2017, N. 488).
1.2 Die Parteien haben sich im Rahmen des Meinungsaustausches geäussert
und das Gesuch erweist sich als fristgerecht. Die übrigen Eintretensvoraus-
setzungen geben keinen Anlass zu besonderen Bemerkungen. Auf das vor-
liegende Gesuch ist somit einzutreten.
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2.
2.1 Zwischen den Parteien ist umstritten, ob der in der MROS-Meldung
Nr. 34787/39 vom 28. Juni 2019 geschilderte Sachverhalt im Zusammen-
hang mit dem bei der Gesuchstellerin hängigen Verfahren «CH-Force/Sa-
nierungsbetrug» steht. Der Gesuchsgegner bejaht dies und führt in seiner
Gesuchsantwort vom 4. Dezember 2019 zahlreiche Gemeinsamkeiten zwi-
schen den beiden Verfahren auf. Insbesondere weist der Gesuchsgegner
darauf hin, dass die in der Meldung genannten natürlichen oder juristischen
Personen ihren Wohnsitz oder Sitz in Z. (DE) oder Nürnberg hätten (act. 4).
Die Gesuchstellerin anerkennt als einzigen Berührungspunkt der beiden Ver-
fahren die geographische Nähe zwischen den beteiligten Personen. Diese
sei jedoch lediglich auf einen Zufall zurückzuführen und reiche für die An-
nahme der Mittäterschaft oder Gehilfenschaft nicht aus (act. 1, 6).
2.2 Die MROS-Meldung der Bank A. erfolgte gestützt auf die SWIFT-Mitteilung
der Landesbank B., in welcher ausgeführt wurde, dass eine Überweisung
seitens ihrer Kundin von EUR 315.-- zugunsten der C. AG mit Sitz in Zürich
mit einem Betrug im Zusammenhang stehen könnte. Nähere Angaben
machte die Landesbank B. nicht. Die in der Folge von der Bank A. vorge-
nommenen Abklärungen haben ergeben, dass der Geschäftszweck der
C. AG die Vermittlung von Finanzsanierungen sei und auf deren Konto bei
der Bank A. seit dem 19. März 2019 zahlreiche Überweisungen seitens di-
verser natürlicher Personen erfolgten. Die angegebenen Zahlungszwecke
würden darauf hindeuten, dass die Überweisungen im Zusammenhang mit
Ratenzahlungen, mit der Begleichung von Rechnungen oder mit der Bezah-
lung aufgrund einer Vereinbarung stehen. Insbesondere wies die Bank A.
auf Transaktionen hin, mit welchen vom auf die D. GmbH bei der Bank E.
(Frankfurt am Main) lautenden Konto auf das Konto der C. AG zwischen dem
15. April 2019 und 25. Juni 2019 total EUR 548'168.99 überwiesen worden
waren. Von den eingegangenen Vermögenswerten seien anschliessend
CHF 506'284.72 auf das bei der Bank F. auf die G. AG lautende Konto sowie
EUR 259'344.77 auf das bei der Bank H. (DE) auf die I. GmbH lautende
Konto überwiesen worden. Die internetbasierte Recherche der Bank A.
ergab, dass in Bezug auf die C. AG, die D. GmbH sowie die I. GmbH mehrere
negative Einträge bestünden (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 1, Ver-
dachtsmeldung gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. a GwG, S. 4 ff.). Gemäss der Wei-
terleitung der MROS-Meldung vom 6. August 2019 wurden vom Konto der
C. AG im April 2019 und Juni 2019 grössere Beträge an die J. GmbH mit Sitz
in Nürnberg überwiesen (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 1, Weiterleitung
der Verdachtsmeldung vom 6. August 2019).
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2.3
2.3.1 Aus den Akten geht hervor, dass die D. GmbH sowie die J. GmbH als Emp-
fängerinnen von Überweisungen seitens der C. AG ihren Gesellschaftssitz
in Nürnberg haben. Ebenso hat die K. GmbH ihren Sitz in Nürnberg, die un-
bestrittenermassen eine der beteiligten juristischen Personen in der von der
Gesuchstellerin geführten Untersuchung «CH-Force/Sanierungsbetrug» ist
(Verfahrensakten, Ordner, Lasche 4, S. 2). Die Zweigniederlassung der
K. GmbH in der Schweiz wurde von L., einem deutschen Staatsangehörigen
mit Wohnsitz in Z. (DE), beherrscht (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 3,
Handelsregisterauszug vom 2. September 2019). Der damalige Verwal-
tungsrat der C. AG war M., der vor seinem Zuzug in die Schweiz im Oktober
2016 ebenfalls in Z. (DE) wohnhaft war. Des Weiteren wird im Bericht der
Kantonspolizei vom 3. August 2017 erwähnt, dass M. seit dem 28. Oktober
2016 in X. (CH) gültig angemeldet ist, sein Briefkasten jedoch zusammen mit
der N. AG (später: G. AG; heute: O. AG) und P. angeschrieben ist, wobei P.
an dieser Adresse bereits seit 2013 wohnhaft ist. Aus diesem Grund geht die
Polizei davon aus, dass M. die Adresse in X. (CH) in Wirklichkeit nur als
Meldeadresse benutzt. Gemäss dem Polizeibericht war P. vor seinem Zuzug
in die Schweiz ebenfalls in Z. (DE) wohnhaft (Verfahrensakten, Ordner, La-
sche 3, Bericht der Kantonspolizei Zürich vom 3. August 2017, S. 1, 5). Die
Online-Recherche des Bundesstrafgerichts im Zentralen Firmenregister
(ZEFIX) hat ergeben, dass P. von 2010 bis 2013 Präsident und Delegierter
bzw. Mitglied des Verwaltungsrates der inzwischen gelöschten Q. AG war.
Deren Gesellschaftszweck war die Vermittlung von Investoren an eine Han-
delsplattform im Devisenhandel und sie hatte ihren Sitz zuletzt in W. (CH).
Bemerkenswerterweise war L. von 2010 bis 2012 Mitglied des Verwaltungs-
rates der Q. AG. Später war ein gewisser R., deutscher Staatsangehöriger
mit Wohnsitz in Nürnberg, als Direktor und Präsident der Q. AG im Handels-
register eingetragen (https://[...]; besucht am 30. Januar 2020).
2.3.2 Das oben Ausgeführte zeigt, dass M., L. und P. ihren Wohnsitz in Z. (DE)
haben bzw. hatten und dass M. an der Schweizer Wohnadresse von P. an-
gemeldet ist. Entgegen der Ansicht der Gesuchstellerin ist deshalb davon
auszugehen, dass sie nicht nur zufällig aus derselben deutschen Stadt Z.
kommen, sondern sich persönlich kennen. Da die K. GmbH eine der betei-
ligten juristischen Personen in der Untersuchung «CH-Force/Sanierungsbe-
trug» ist, ist eine Verbindung zwischen M., L. und P. nicht von der Hand zu
weisen. Diese wird im Verlauf der Untersuchung näher zu prüfen sein. Von
einer lediglich zufälligen geographischen Nähe kann deshalb nicht gespro-
chen werden. Gestützt auf die vorliegenden Akten kann nicht ausgeschlos-
sen werden, dass zumindest M. und L. in irgendeiner Form zur derselben
international handelnden Täterschaft angehören, gegen welche die Gesuch-
stellerin bereits eine umfassende Strafuntersuchung führt.
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2.4
2.4.1 Weiter sind entgegen der Ansicht der Gesuchstellerin zwischen dem Verfah-
ren «CH-Force/Sanierungsbetrug» und den bisher gemeldeten Vorgängen
Gemeinsamkeiten zu erkennen.
2.4.2 Dem Beschluss BG.2018.41-50 vom 25. Februar 2019 lagen Strafanzeigen
zugrunde, die gegen 37 Unternehmen mit Sitz in der Schweiz, Deutschland
und Grossbritannien gerichtet waren. Die Überprüfung der Bankunterlagen
durch die Strafbehörden des Kantons St. Gallen hatte einen Mittelabfluss
(Schadenssumme) ins Ausland von über Fr. 10 Mio. und bis zu 8‘000 Ge-
schädigte ergeben. Die Kunden wurden über verschiedene, inhaltlich ähnlich
aufgebaute Internetseiten, welche teilweise im Ausland registriert waren, an-
geworben. Das Geschäftsmodell war darauf ausgelegt, durch gemeinschaft-
liches Zusammenwirken der verschiedenen Ebenen (Vermittlerin, Empfän-
gerin der Vermittlungsgebühr, Kreditgeberin, Empfängerin der Kaution) ge-
schäftsunerfahrenen Personen in schwierigen finanziellen Verhältnissen die
Vergabe von Krediten bzw. eine Umfinanzierung vorzugaukeln und sie dabei
zur Zahlung von «Gebühren» und «Kautionen» zu bewegen. Das Vorgehen
auf mehreren Ebenen diente wohl der Verschleierung von Strukturen, des
Abflusses und der Herkunft des Geldes sowie der Erschwerung des Auffin-
dens dieser Gelder. Durch Gesellschaftssitz und Kontoverbindungen in der
Schweiz wurde den Kunden Seriosität suggeriert. Dass es sich dabei um
Briefkastendomizile von eben erst gegründeten Firmen handelte, wurde den
Kunden verschwiegen. Das einzige Ziel dieses Geschäftsmodells war ver-
mutungsweise, die kreditsuchenden Personen durch Erhebung von voraus-
zuzahlenden Gebühren und Kautionen auf Stufe «Vermittlerin» ein erstes
und auf Stufe «Finanzsaniererin» ein zweites Mal zu Zahlungen zu verleiten.
Die Zahlungseingänge wurden sofort auf Konten anderer, wohl von Hinter-
männern kontrollierten Gesellschaften transferiert, von wo das Geld auf an-
dere Konten geflossen oder bar abgehoben worden ist (E. 3.1).
2.4.3 Die Bank S. erstattete am 17. Mai 2017 der MROS eine Verdachtsmeldung
betreffend die N. AG mit Sitz in X. (CH) (später G. AG; heute O. AG mit Sitz
in Y. [CH]). Diese sei in Deutschland im Zusammenhang mit Finanzsanie-
rungsverträgen negativ aufgefallen. Personen, die mit der N. AG einen Fi-
nanzierungsvertrag abgeschlossen hätten, seien verpflichtet gewesen, über-
rissene Bearbeitungsgebühren zu bezahlen und hätten keine Finanzierung
erhalten. Als Kontrollinhaber und einziger Verwaltungsratsmitglied der N. AG
war M. und als Direktor T. eingetragen. Gemäss dem Bericht der Kantons-
polizei Zürich vom 3. August 2017 war die N. AG zu diesem Zeitpunkt bei
der Polizei bereits infolge diverser Vorfälle wegen des Verdachts auf Kredit-
und Vorschussbetrug verzeichnet. So meldete beispielsweise die Polizei
Hannover, dass eine Geschädigte auf der Internetseite der [...] ein Darlehen
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von EUR 2‘500.-- beantragt habe und sie daraufhin eine Rechnung von der
N. AG von EUR 242.76 für «Liefergebühren» und anschliessend eine weitere
Rechnung von der AA. Ltd. in London von EUR 119.-- erhalten habe. An-
lässlich der Befragung vom 14. Dezember 2016 gab T. an, dass für die
N. AG insgesamt 10 Personen tätig seien, wobei alle ausser ihm sich in
Deutschland aufhalten würden. Die Anschrift der N. AG in Deutschland be-
finde sich in München. Weiter gab T. an, dass für die Geschäftsführung und
die Kundenakquisition M. zuständig gewesen sei, da er über ungenügende
Deutschkenntnisse verfüge (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 3, Bericht der
Kantonspolizei Zürich vom 3. August 2017, S. 2 ff.).
Die C. AG wurde bereits zu einem früheren Zeitpunkt verdächtigt, im Zusam-
menhang mit Finanzsanierungsverträgen Betrug begangen zu haben. Na-
mentlich wurde Interessenten die Schuldensanierung durch Vermittlung ei-
nes Finanzsanierers in Aussicht gestellt, wobei sie überrissene Gebühren
bezahlen mussten, ohne dass sie einen Kredit erhalten haben. Ebenso flos-
sen zwischen dem 15. April 2019 und 25. Juni 2019 insgesamt
EUR 548'168.99 vom Konto der C. AG ins Ausland (s. E. 2.2). Das Vorgehen
der Täterschaft im Zusammenhang mit der C. AG weist teilweise Ähnlichkeit
mit demjenigen im Verfahren «CH-Force/Sanierungsbetrug». Die Gesuch-
stellerin bestreitet die zeitliche Überlappung der beiden zu untersuchenden
Sachverhalte zu Recht nicht (act. 6, S. 2). Hinzu kommt, dass die im hier
gegenständlichen Konstrukt beteiligten natürlichen und juristischen Perso-
nen ihren Wohnsitz bzw. Sitz bzw. Postanschrift im Ausland haben, nament-
lich in München, Nürnberg, Z. (DE) und London. Die Rolle von T. im Gesamt-
konstrukt lässt sich anhand der vorliegenden Akten nicht beurteilen. Nicht
auszuschliessen ist, dass er als Schweizer Bürger lediglich als Strohmann
eingesetzt wurde. Auf einen möglichen Einsatz von in der Schweiz wohnhaf-
ten Strohmännern und –frauen durch die Täterschaft wurde bereits im Be-
schluss BG.2018.41-50 hingewiesen (E. 5.2.1). Ebenso ist der Sitz bzw.
Wohnort der beteiligten natürlichen und juristischen Gesellschaften in Nürn-
berg und Z. (DE) nicht auf einen Zufall zurückzuführen (E. 2.3 hiervor).
Schliesslich sei erwähnt, dass die C. AG ihre IT-Dienstleistungen von der
BB. AG mit Sitz in W. (CH) bezieht. Gemäss der MROS-Meldung ist die
BB. AG bereits im Zusammenhang mit weiteren Unternehmen aufgefallen,
die mutmasslich mit dem Finanzsanierungs-Betrugsschema in Verbindung
stehen (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 1, Weiterleitung der MROS vom
6. August 2019, S. 4). Schliesslich fällt auf, dass die hier gegenständlichen
Gesellschaften ihre Firma und/oder Sitz geändert hatten. So wurde die von
M. geführte G. AG (vormals N. AG) nur rund zwei Monate später in die O. AG
umfirmiert und verlegte ihren Sitz von X. (CH) nach Y. (CH) (https://[...], be-
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sucht am 30. Januar 2020; Verfahrensakten, Ordner, Lasche 1). Umfirmie-
rungen und Wechsel des Gesellschaftssitzes wurden im Beschluss
BG.2018.41-50 vom 25. Februar 2019 als ein Element der Verschleierungs-
taktik der Täterschaft genannt (E. 7.2.3).
2.4.4 Die von der Gesuchstellerin aufgeworfene Frage, ob die Täterschaft durch-
gehend einstufig oder wie im «CH-Force/Sanierungsbetrug» zweistufig ge-
handelt hat, ist insbesondere angesichts der persönlichen und geographi-
schen Berührungspunkte der in den beiden Verfahren Beteiligten nicht ent-
scheidend. Wie die Gesuchsgegner zutreffend ausführt, deutet die Aussage
von T. vom 29. April 2019 auf ein zweistufiges Verfahren hin. Namentlich gab
er an, dass die C. AG mit verschiedenen Firmen zusammenarbeite und Fi-
nanzsanierer vermittle, welche die Schulden übernehmen. Die Schuldner
hätten dann diesen Finanzsanierungsfirmen monatlich einen Betrag zu be-
zahlen. Er betonte dabei, dass die Aufgabe der C. AG lediglich die Vermitt-
lung von Finanzsanierungsfirmen sei (Verfahrensakten, Ordner, Lasche 5,
Einvernahmeprotokoll vom 29. April 2019, S. 2). Die Gesuchstellerin gesteht
auch ein, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu wenig Details bekannt
sind, um diese Frage abschliessend beurteilen zu können (act. 6, S. 2). Das-
selbe gilt sinngemäss in Bezug auf die mutmasslichen Geschädigten, die im
Gegensatz zum «CH-Force/Sanierungsbetrug» mehrheitlich in Deutschland
wohnhaft sind. Zum jetzigen Zeitpunkt kann nicht ausgeschlossen werden,
dass die im Zusammenhang mit den hier gegenständlichen Gesellschaften
handelnden Personen eine Untergruppierung einer grösseren, international
agierenden Täterschaft bilden und sich – im Gegensatz zu anderen Grup-
pierungen – hauptsächlich auf Kreditsuchende aus Deutschland fokussiert
haben.
2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass den vorliegenden Akten mehrere
Berührungspunkte zwischen den beiden Verfahren zu entnehmen sind, so
dass nicht mehr von Zufall gesprochen werden kann. Es ist sinnvoll und
zweckmässig, dass die Gesuchstellerin den am 28. Juni 2019 angezeigten
Sachverhalt im Rahmen des Verfahrens «CH-Force/Sanierungsbetrug» un-
tersucht und beurteilt. Dem steht eine allfällige rechtskräftige Nichtanhand-
nahmeverfügung aus dem Jahr 2017 in Bezug auf einen anderen Sachver-
halt nicht entgegen. Das Gesuch ist abzuweisen.
3. Nach dem Gesagten ist die Bundesanwaltschaft berechtigt und verpflichtet,
den in der MROS-Meldung Nr. 34787/39 vom 28. Juni 2019 geschilderten
Sachverhalt zu untersuchen und zu beurteilen.
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4. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (vgl. Art. 423 Abs. 1 StPO).
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