Decision ID: a61f2a32-6914-4003-a3d5-26358497e003
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Oberer Graben 26, 9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rentenrevision (Erhöhung)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ bis Ende Februar 1994 als Küchenhilfe in einem Restaurant tätig (act.
G 6.1/6-1), meldete sich im Juni 1994 zum Bezug von IV-Leistungen (Umschulung,
Arbeitsvermittlung) an (act. G 6.1/1). Dr. med. B._ berichtete am 17. Juni 1994, die
Versicherte leide an einem Status nach operativer Revision des linken Handgelenks
nach Distorsionstrauma, an einem Status nach plastischer Deckung des Decollements
am linken Handrücken sowie an einer neurotischen Persönlichkeitsstörung. Die
Versicherte klage v.a. über Schmerzen im linken Arm. Seit März 1994 stehe sie
deswegen in psychiatrischer Behandlung. Für die psychische Stabilität wäre eine
Arbeitstherapie sehr wichtig. Die Versicherte sei für jede leichtere Tätigkeit arbeitsfähig
(act. G 6.1/3). Am 14. Oktober 1994 teilte die Chirurgie St. Leonhard mit, der
Hauptgrund für die Beschwerden und für die "funktionelle" Amputation der linken Hand
dürfte im psychischen und sozialen Umfeld zu suchen sein. Das durch die
Narbenbildung am linken Ellbogen ausgelöste Extensionsdefizit falle funktionell nicht
ins Gewicht. Das Vollhauttransplantat am linken Handrücken sei reizlos eingeheilt. Es
bestehe ein neuromartiger Schmerz zum Zeigefinger. Um die deutlich verbesserte
Beweglichkeit der Hand zu erhalten und die Kraftentwicklung zu stützen, sei eine
Handtherapie erforderlich. Von Seiten der Hand betrage die Arbeitsfähigkeit 50%
(leichte Arbeit ganztags; act. G 6.1/8-1f.).
A.b Im März 1996 unterzog sich die Versicherte einer MEDAS-Abklärung. Gemäss
dem Gutachten der MEDAS vom 26. April 1996 gab die Versicherte an, sie habe grosse
Schmerzen an der linken Hand, an den Fingern und der Ellbeuge. Die MEDAS kam zu
folgender Diagnose: Brachialgie links bei Status nach Pronationstrauma des linken
Handgelenks am 27. Juni 1993 ohne nachweisbare Frakturen, Status nach
Vollhautplastik am Handrücken links wegen Nekrose am 28. Januar 1994 und
depressive Entwicklung bei einer lebensgeschichtlich frustrierten, neurotisierten, durch
intellektuelle Minderbegabung vermindert belastungsfähigen Persönlichkeit. Die
Versicherte habe die linke Hand als nicht funktionsfähig präsentiert, jede Bewegung
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ängstlich vermeidend. Nach der Hauttransplantation habe sie Schmerzen gelitten, was
sie zur völligen Ruhigstellung veranlasst habe. Das habe im weiteren Verlauf
naturgemäss zu einer Funktionseinbusse geführt. Die immer noch bestehende
Schmerzproblematik lasse sich nicht erklären. Erstaunlicherweise seien am linken Arm
keine Muskelatrophien aufgetreten (act. G 6.1/26-1ff.). Dr. med. C._ hatte am 28.
März 1996 als psychiatrischer Konsiliarius berichtet, die Versicherte leide gegenwärtig
an einer multifaktoriell verursachten Depression. Bei diesem psychischen Zustand
handle es sich um ein labiles pathologisches Geschehen mit Zeitabschnitten von auch
subjektiv erlebten Besserungen, die sich auch auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Aus
psychischen Gründen liege die Arbeitsfähigkeit bei 50%. Die Abklärung in der HPV-
Werkstätte habe eine sehr tiefe Arbeitsfähigkeit ergeben. Der Grund dürfte u.a. auch
darin liegen, dass die Versicherte psychologisch zu wenig vorbereitet worden sei und
deshalb die Bedeutung ihrer Mitarbeit nicht verstanden habe. Das tiefe Leistungsniveau
lasse sich nicht ausschliesslich mit der Krankheit begründen (act. G 6.1/26-20f.). Die
MEDAS schätzte die Arbeitsfähigkeit der Versicherten für vorwiegend einhändig
auszuführende Arbeiten unter Berücksichtigung der psychischen und der somatischen
Befunde auf 50% (act. G 6.1/26-14).
A.c Am 28. August 1997 sprach die IV-Stelle der Versicherten rückwirkend ab 1. Juli
1994 eine halbe Rente gestützt auf einen IV-Grad von 50% zu (act. G 6.1/46). Dagegen
liess die Versicherte unter Beilage von Arztberichten Rekurs erheben und gleichzeitig
ein Wiedererwägungs-/Revisionsgesuch stellen (act. G 6.1/47). Am 3. Oktober 1997
hob die IV-Stelle die Rentenverfügung auf und kündigte weitere Abklärungen an (act.
G 6.1/51). In der Folge schrieb der Abteilungspräsident des Versicherungsgerichts am
10. November 1997 das Verfahren als gegenstandslos ab (act. G 6.1/54).
A.d Die Klinik für orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete am
19. Januar 1998, sie habe bei der Prüfung der aktiven Beweglichkeit der Versicherten
einen stark eingeschränkten Bewegungsumfang des linken Schultergelenks, des linken
Ellbogengelenks, des linken Handgelenks sowie der ganzen linken Hand festgestellt.
Bei der passiven Beweglichkeitsprüfung seien beide Ellbogen und beide Hände aber
gleich gewesen. Am linken Arm seien keine Narbenkontrakturen vorhanden, welche die
Beweglichkeit eingeschränkt hätten. Die Umfangmasse der Oberarme, der Unterarme
und der Handgelenke seien identisch. Dies stehe im Widerspruch zur angeblich
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vorhandenen Funktions- und Gebrauchsunfähigkeit des linken Arms, da dieser bei
Nichtgebrauch eine muskulöse Atrophie hätte aufweisen müssen. Die Gutachter
diagnostizierten deshalb eine funktionelle Gebrauchsunfähigkeit des linken Arms,
besonders der linken Hand. Dieser Zustand habe sich seit der MEDAS-Abklärung nicht
verändert (act. G 6.1/56). Auch der Psychiater Dr. C._ führte im Bericht vom 27. Mai
1998 aus, der psychische Zustand der Versicherten habe sich seit der MEDAS-
Abklärung nicht verändert. Die Versicherte stehe immer mit Abständen von drei bis vier
Monaten in Behandlung bei Dr. med. D._, welche mit ihr jedoch nur mittels eines
Dolmetschers sprechen könne. Auf Grund des unveränderten Zustands halte er es für
die Versicherte für zumutbar - trotz möglicher gelegentlicher Stimmungsschwankungen
- halbtags oder mit reduziertem Arbeitstempo ganztags zu arbeiten (act. G 6.1/60).
A.e Mit Vorbescheid vom 24. Juni 1998 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, ab
1. Juli 1997 (korrekt: 1. Juli 1994, vgl. Urteil des Versicherungsgerichts vom 15. Februar
2001, IV 1998/223, E. 4) bestehe ein Anspruch auf eine halbe Rente. Die geltend
gemachte gesundheitliche Verschlechterung seit der MEDAS-Abklärung sei nicht
ausgewiesen (act. G 6.1/62). Trotz dagegen erhobenem Einwand (act. G 6.1/68)
bestätigte die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. August 1998 mit Wirkung ab Juli 1997
(korrekt: 1. Juli 1994) einen Anspruch auf eine halbe Rente (act. G 6.1/71). Den gegen
diese Verfügung erhobenen Rekurs vom 22. September 1998 wies das
Versicherungsgericht mit Entscheid vom 15. Februar 2001 (IV 1998/223) ab (act.
G 6.1/78).
A.f Anlässlich eines von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens hielt der
Hausarzt der Versicherten, Dr. med. E._, im Verlaufsbericht vom 31. Oktober 2005
einen verschlechterten Gesundheitszustand fest. Er empfahl die Vornahme einer
bidisziplinären Begutachtung (act. G 6.1/97). RAD-Arzt Dr. med. F._ nahm am 3.
Januar 2006 dahingehend Stellung, dass der Hausarzt keinen neuen medizinischen
Sachverhalt beschreibe, welcher eine Begutachtung rechtfertigen würde. Vielmehr
handle es sich um eine andere Einschätzung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen
Sachverhalts (act. G 6.1/98). Gestützt darauf teilte die IV-Stelle der Versicherten am 5.
Januar 2006 mit, es bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige halbe Rente (act.
G 6.1/100).
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A.g Im Rahmen eines weiteren von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahrens
(vgl. act. G 6.1/99-1) gab die Versicherte im Fragebogen für Revision der Invalidenrente
am 27. Februar 2009 eine schleichende Verschlimmerung des Gesundheitszustands
seit ca. zwei Jahren an (act. G 6.1/113). Gemäss Verlaufsbericht von Dr. med. G._,
Oberarzt des Psychiatrischen Zentrums I._, vom 28. April 2009 war der
Gesundheitszustand der Versicherten stationär bei rezidivierender depressiver Störung,
gegenwärtig schwergradiger Episode (ICD-10: F33.2) mit 100%igem Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit seit Januar 2007 sowie einer undifferenzierten Somatisierungsstörung
(ICD-10: F45.1) mit 100%igem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seit mehreren Jahren.
Der genaue Zeitpunkt des Beginns sei nicht definierbar (act. G 6.1/121).
A.h Gegen die Mitteilung der IV-Stelle über die Ausrichtung einer unveränderten
Invalidenrente vom 19. Mai 2009 verlangte die Versicherte eine beschwerdefähige
Verfügung (act. G 6.1/122, 124 und 126).
A.i Im Bericht vom 5. November 2009 attestierte Dr. G._ der Versicherten eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit ab Januar 2007 bis auf Weiteres. Die Versicherte werde
mittel- bis langfristig (im Zeitraum von drei Jahren) voraussichtlich keine Arbeit von
wirtschaftlichem Wert mehr verrichten können. Allein schon die körperliche
Symptomatik bedinge eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Hinzu kämen noch die
schwergradige depressive sowie die suizidale Symptomatik (act. G 6.1/135).
A.j Am 26. und 28. Oktober sowie 2. November 2009 wurde die Versicherte in der
MEDAS Ostschweiz polydisziplinär untersucht. Die Experten diagnostizierten im
Gutachten vom 10. Dezember 2009 mit Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
eine Brachialgie links bei Status nach Pronationstrauma des linken Handgelenks am
27. Juni 1993 mit Weichteilverletzung, bei Status nach Vollhautplastik am linken
Handrücken wegen Nekrose am 28. Januar 1994 ohne Bewegungseinschränkung an
der linken Hand, eine schwere bis sehr schwere COPD mit Dyspnoe II-III bei
anhaltendem Nikotinabusus (aktenmässig erstmals dokumentiert 07/08 im Spital J._)
und eine mittelgradig depressive Störung mit somatischem Syndrom. Ohne
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen einer Adipositas, einer
medikamentös behandelten Hypertonie, anamnestischer Sprunggelenksschmerzen
rechts (zurzeit symptomfrei, radiologisch unauffällig) sowie eines endgradigen
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Bewegungsschmerzes beider Schultergelenke bei freiem Bewegungsausmass,
radiologisch bis auf eine kleine Verkalkung im Sehnenansatz links unauffällig. Sie
schätzten die Arbeitsfähigkeit adaptiert auf 50% (act. G 6.1/16 und 18). Der RAD-Arzt
Dr. med. H._ befand das Gutachten mit Stellungnahme vom 15. Dezember 2009 für
nachvollziehbar. Eine Verschlechterung sei pulmonologisch seit Sommer 2008
eingetreten, weshalb sich die Art der zumutbaren Tätigkeit geändert habe (act.
G 6.1/137-2). Nach nochmaliger Aktendurchsicht empfahl Dr. H._ sowohl bei der
MEDAS als auch bei Dr. G._ die Klärung zusätzlicher Fragen (act. G 6.1/139).
A.k Dr. G._ nahm dazu am 29. Dezember 2009 Stellung. Er sah die Versicherte
allein gestützt auf ihre psychiatrischen Beeinträchtigungen in einer adaptierten Tätigkeit
lediglich zu 20% arbeitsfähig (act. G 6.1/142). Mit Schreiben vom 19. April 2010
äusserten sich die MEDAS-Gutachter auf die Fragen der IV-Stelle dahingehend, dass
entgegen der anderslautenden Einschätzung von Dr. G._ weiterhin an einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit adaptiert festgehalten werde (act. G 6.1/149). Dr. H._ kam in seiner
Beurteilung vom 7. Mai 2010 zum Schluss, die Ausführungen der MEDAS seien
nachvollziehbarer und begründeter als jene des Psychiatrischen Zentrums I._. Daher
bestehe kein medizinischer Revisionsgrund (act. G 6.1/150).
A.l Im Vorbescheid vom 21. Mai 2010 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, das Rentenerhöhungsgesuch abzuweisen (act. G 6.1/153). Dem dagegen
erhobenen Einwand vom 7. Juni 2010 kam die IV-Stelle mit Verfügung vom 2. Juli 2010
nicht nach. Gestützt auf ihre Abklärungen ermittelte sie weiterhin einen Invaliditätsgrad
von 50% (act. G 6.1/154f.).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. A. Fäh,
St. Gallen, für die Versicherte eingereichte Beschwerde vom 20. August 2010 mit dem
Antrag, der Beschwerdeführerin unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine
ganze Invalidenrente zuzusprechen. Zudem sei der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu bewilligen, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter im
Wesentlichen geltend, dass der Sachverhalt lediglich gestützt auf die Beurteilung des
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MEDAS einseitig festgestellt worden sei. Er beantragte, beim Psychiatrischen Zentrum
I._ eine Stellungnahme zum MEDAS-Gutachten einzuholen. Zudem gehe aus dem
MEDAS-Gutachten eine gewisse Voreingenommenheit hervor, da der Gutachter
lediglich gestützt auf ein Zitat des mittlerweile mehr als zwölfjährigen älteren
Gutachtens impliziere, die Beschwerdeführerin simuliere. Daher mangle es dem
Gutachten an Objektivität. Demgegenüber überzeuge die Beurteilung des
Psychiatrischen Zentrums I._, welches die Beschwerdeführerin über längere Zeit
stationär behandelt habe. Schliesslich resultiere bereits bei einer Arbeitsfähigkeit von
50% und unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn von 25% ein
Invaliditätsgrad von 62.5%, weshalb mindestens ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente bestehe (act. G 1).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 30. September 2010 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 6).
B.c Mit Präsidialverfügung vom 26. Oktober 2010 wurde dem Gesuch der
Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von
den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung)
entsprochen (act. G 8).
B.d Die Beschwerdeführerin verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act.
G 12).

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob sich der Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin seit der ursprünglichen Rentenzusprache vom 26. August 1998
rentenrelevant verschlechtert hat bzw. ob seit der letzten rechtskräftigen Bestätigung
der halben Rente in der in Rechtskraft erwachsenen Mitteilung vom 5. Januar 2006
(act. G 6.1/100) ein höherer Rentenanspruch resultiert. Vorliegend erging die
angefochtene Verfügung am 2. Juli 2010 (act. G 6.1/155), wobei ein Sachverhalt zu
beurteilen ist, der vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008 begonnen hat.
Entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln ist für die Zeit bis 31.
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Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf
die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V
445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Nachfolgend
werden die seit 1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) und des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) wiedergegeben.
1.1 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer rentenbeziehenden Person erheblich, so
wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend
erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist,
den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zeitlicher
Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte
(der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen
Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht; vorbehalten
bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 133 V
108 E. 5.4). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen
eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die
Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinn von Art. 17
Abs. 1 ATSG dar (Urteil des Bundesgerichts vom 3. November 2008, 9C_562/2008,
E. 2.1).
1.2 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad von mindestens 40%
auf eine Viertelsrente.
1.3 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Nach dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
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Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des
Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die
Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinandersetzt, was vor allem bei psychischen
Fehlentwicklungen nötig ist, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung
mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der
medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass
die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann (vgl. BGE 125 V 352
E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1 Ausgangspunkt für die Beurteilung des gesundheitlichen Verlaufs bildet im vor
liegenden Revisionsverfahren die ursprüngliche Rentenzusprache vom 26. August 1998
(act. G 6.1/71). Die Mitteilung vom 5. Januar 2006, worin die bisherige Situation ohne
umfassende Abklärungen bestätigt wurde (act. G 6.1/100), ist demgegenüber für die
Verlaufsbeurteilung nicht von Bedeutung. Die Beschwerdegegnerin stützte sich in der
angefochtenen Verfügung vom 2. Juli 2010 (act. G 6.1/155) auf die medizinische
Beurteilung der MEDAS Ostschweiz (Gutachten vom 10. Dezember 2009). Darin
führten die Gutachter gestützt auf eine psychiatrische und eine pneumologische
Untersuchung sowie auf Grund von Befragungen, einer allgemein-medizinischen
Untersuchung und des Studiums von Akten und Röntgenbildern aus, dass sich aus
somatischer Sicht gegenüber dem Referenzzeitpunkt 1996 und 1998 eine
Verschlechterung der pneumologischen Situation eingestellt habe. Seit Sommer 2008
sei eine COPD bekannt, welche bei der aktuellen Begutachtung ein schweres bis sehr
schweres Ausmass erreicht habe. Dadurch sei es zu einer weiteren qualitativen
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gekommen. Nunmehr seien der Versicherten nur
noch sehr leichte Tätigkeiten zu 50% zumutbar. Aus orthopädischer und
psychiatrischer Sicht habe sich keine wesentliche Änderung mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eingestellt (act. G 6.1/136-19).
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2.2 Demgegenüber attestierte das Psychiatrische Zentrum I._ der
Beschwerdeführerin ab 6. Februar 2007 bis mindestens 31. August 2007 eine volle
Arbeitsunfähigkeit gestützt auf eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mittel-
bis schwergradige Episode (ICD-10: F33.1) sowie eine undifferenzierte
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.1). Die Beschwerdeführerin habe sich ab 6.
Februar 2007 in der Psychiatrischen Tagesklinik in teilstationärer Behandlung, zuerst
drei Tage, danach fünf Tage die Woche befunden. Auslöser schien u.a. der Todesfall
ihres jüngeren Bruders vom 22. September 2006 zu sein, welcher bei ihr ein
ausgeprägtes Nicht-Wahrhaben-Wollen ausgelöst habe (act. G 6.1/104). Im
Verlaufsbericht vom 16./28. April 2009, nach letzter ärztlicher Konsultation vom
24. März 2009, hielt Dr. G._ vom Psychiatrischen Zentrum auch für den aktuellen
teilstationären Aufenthalt eine mittel- bis schwergradige depressive Symptomatik mit
häufigem Weinen fest. Die Beschwerdeführerin beklage die Todesfälle, die in den
letzten zwölf Monaten innerhalb ihrer Familie aufgetreten seien (act. G 6.1/121-4). Am
30. September 2009 trat die Beschwerdeführerin aus der Tagesklinik aus. Während
Dr. G._ noch im Bericht vom 5. November 2009 festhielt, allein schon die körperliche
Symptomatik bedinge eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, und anfügte, hinzu komme
noch die schwergradige depressive Symptomatik und suizidale Symptomatik (act.
G 6.1/135-3), grenzte er im Bericht vom 29. Dezember 2009 die Arbeitsfähigkeit
gestützt auf rein psychiatrische Beeinträchtigungen für adaptierte Tätigkeiten auf
maximal 20% ein (act. G 6.1/142). Bereits aus dem ersten dieser beiden
Arbeitsunfähigkeitsattests, welches ganz allgemein eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
auch für vom Psychiater nicht zu beurteilende somatische Einschränkungen bestätigte,
scheint sich eine gewisse Tendenz des behandelnden Arztes zu zeigen, sich im Zweifel
eher zu Gunsten seiner Patienten auszusprechen (vgl. BGE 125 V 353 E. 3a/cc mit
weiteren Hinweisen).
2.3 Im Consiliargutachten vom 16. November 2009 schrieb der MEDAS-Gutachter
K._, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zum Psychostatus, die
Beschwerdeführerin habe sich immer wieder leidend gezeigt; dabei wirke es
aufgesetzt, da das Leiden zwischendurch verschwinde, sie mit fester Stimme und
spürbar Antwort gebe. Zum Ausdruck komme eher eine Hilflosigkeit, wobei im
Explorationsgespräch und in den anamnestischen Angaben klar werde, dass sie doch
im Stande sei, mehr zu leisten, als sie angebe. Sie sei nicht immer kooperativ, zum Teil
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dysphorisch gereizt. Mit Verweis auf die Berichte des Psychiatrie Zentrums I._ vom
16. April 2007 und 28. April 2009 hielt K._ fest, in diesen zeige sich vor allem die
regressive Tendenz der Beschwerdeführerin, in der sie sich in die Tagesklinik "flüchte"
und ihre gelebte Hilflosigkeit zum Ausdruck komme. Dabei kämen aus psychiatrischer
Sicht neben der IV-relevanten Erkrankung im Sinn der depressiven Störung vor allem
IV-fremde Faktoren zum Ausdruck wie fehlende Sprachkenntnisse, fehlende
Ausbildung, Wirtschaftslage und fehlende Kenntnis von Schreiben und Lesen (act.
G 6.1/136-26). Hinsichtlich der vom psychiatrischen Consiliargutachten abweichenden
Diagnosen, Befunde und Stellungnahmen von Dr. G._ in den Arztberichten vom 28.
April 2009 und 5. November 2009 nahm K._ mit Schreiben vom 19. April 2010
Stellung. Er führte aus, dass in den Befunden von Dr. G._ eine weinerliche, sich
beklagende Beschwerdeführerin erwähnt werde, die auch ausdrücklich ihren
Suizidversuch im November 2008 immer wieder selbst thematisiere. Dies seien
Hinweise für eine doch agierende Patientin, die ihr Leiden lebe und in ihrer wie bereits
im Gutachten erwähnten regressiven Haltung die Hilflosigkeit betone. Diesbezüglich
stelle sich die Frage, inwieweit dies eine schwere depressive Symptomatik oder eher
eine neurotische Entwicklung darstelle, die vor allem auch von den IV-fremden
Faktoren geprägt sei. Die Tendenz zur Somatisierung, wie sie im Bericht der
Tagesklinik des Psychiatrischen Zentrums I._ aufgeführt werde, sehe er zurzeit im
Rahmen der depressiven Störung und nicht als separate Diagnose. Im Rahmen einer
IV-relevanten Erkrankung mit Berücksichtigung der IV-fremden Faktoren sei weiterhin
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit gegeben. Inwieweit die
Beschwerdeführerin aber auf Grund ihrer IV-fremden Faktoren auf eine Realisierung der
Restarbeitsfähigkeit einsteigen könne, sei fraglich und wahrscheinlich im Rahmen der
regressiven Haltung limitierend. Ein möglicher Einstieg könnte im Rahmen einer
Arbeitsabklärung und in einem Arbeitstraining stattfinden, in dem die
Beschwerdeführerin ohne grossen Druck langsam an eine Tätigkeit wieder heran
geführt werden könnte. Voraussetzung für den Erfolg sei allerdings, dass sie ihre
regressive Haltung aufgebe. Ansonsten würden berufliche Massnahmen scheitern und
dieses Scheitern von ihr als scheinbar objektiver Nachweis der Schwere ihrer
Erkrankung interpretiert und somit die regressive Entwicklung fixiert (act. G 6.1/149).
2.4 RAD-Arzt Dr. H._ kam unter Abwägung der beiden psychiatrischen
Beurteilungen in der Stellungnahme vom 7. Mai 2010 zum Schluss, dass ihn die
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Ausführungen von K._ stärker überzeugten, da auch im neuesten Bericht des
Psychiatrischen Zentrums gegenüber früher keine neuen Diagnosen oder
Arbeitsunfähigkeiten genannt würden. Er folgte der Beurteilung des MEDAS-
Gutachters, wonach das Psychiatrische Zentrum ein chronifiziertes Bild seit Jahren auf
extrem tiefem Niveau zeichne.
2.5 Die Beschwerdeführerin beruft sich darauf, dass die Einschätzung des
Psychiatrischen Zentrums I._ auf Grund ihrer dort langjährigen Behandlung
überzeugender sein müsse als diejenige der MEDAS auf Grund der lediglich kurzen
Begutachtung. Hinzu komme die vom Psychiatrischen Zentrum diagnostizierte
schwergradige depressive Symptomatik und suizidale Symptomatik, welche eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit ausweisen würden. Diesbezüglich führte K._ jedoch aus,
dass gerade im Rahmen der IV-fremden Faktoren ein wechselhafter Verlauf gut
möglich sei, insbesondere sich die Versicherte in eine Regression hineinmanövriere
und "Hilflosigkeit" und "Leiden" lebe (act. G 6.1/136-14). Obgleich die drei
Suizidversuche der Beschwerdeführerin eine schlechte psychische Verfassung im
Zeitpunkt ihrer Ausführung belegen, kann daraus nicht ohne Weiteres auf eine
andauernde schlechte Verfassung geschlossen werden. Die Arbeitsfähigkeitsschätzung
muss sich auf eine langfristige Beurteilung des Krankheitsverlaufs stützen. Auch aus
der Tatsache, dass Dr. G._ bzw. die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums I._ die
Beschwerdeführerin schon länger behandelten, lässt sich nicht automatisch eine
präzisere Arbeitsfähigkeitsschätzung ableiten. Behandelnde Ärzte schätzen
erfahrungsgemäss die Arbeitsfähigkeit ihrer Patienten pessimistischer ein als
unabhängige medizinische Sachverständige. Mit Blick auf die Verschiedenheit von
Behandlungs- und Begutachtungsauftrag kann daher im Streitfall häufig nicht auf die
Sicht des behandelnden (Fach-)Arztes abgestellt werden (vgl. statt vieler: Urteil des
Bundesgerichts vom 5. Januar 2007, I 701/05, E. 2 mit zahlreichen Hinweisen).
2.6 Insgesamt zeichnet sich die psychiatrische Abklärung im MEDAS-Gutachten vom
10. Dezember 2009 durch eine ausreichende Exploration und Untersuchung aus, wie
sie im Teilgutachten dargestellt wird. Bei der Würdigung der gutachterlichen
Verlaufsbeurteilung fällt weiter ins Gewicht, dass die medizinischen Vorakten verwertet
und die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden berücksichtigt und
gewürdigt wurden. Die Verneinung einer dauerhaften psychischen Verschlechterung
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leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung
der medizinischen Situation ein. Weiter bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass
objektiv wesentliche Tatsachen nicht berücksichtigt worden wären. Zusammenfassend
ist demnach gestützt auf das MEDAS-Verlaufsgutachten vom 10. Dezember 2009 von
einem im Vergleich zur ursprünglichen Rentenverfügung vom 26. August 1998 (vgl.
vorstehende E. 1) bis zum Erlass der streitigen Revisionsverfügung vom 2. Juli 2010 im
Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand auszugehen, der wie bis anhin zu
einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin von 50% führt.
Geändert hat sich allerdings aus somatischer Sicht die Qualität der zumutbaren
Arbeitstätigkeit, weshalb deren Folgen weiter zu prüfen sind.
3.
3.1 Ausgehend von einer 50%igen Restarbeitsfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen zu prüfen.
3.2 Wie bereits in der ursprünglichen Rentenverfügung ist für das Valideneinkommen
vorliegend mangels repräsentativer Grundlagen (vgl. IV 1998/223, a.a.O., E. 3) nicht auf
das von der Beschwerdeführerin zuletzt erzielte Einkommen abzustellen. Es ist
vielmehr auf derselben Grundlage wie das Invalideneinkommen zu erheben. Sind
Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom selben Tabellenlohn zu berechnen,
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung
des Abzugs vom Tabellenlohn gemäss BGE 126 V 75 (SVR 2008 IV Nr. 2, I 697/05
E. 5.4). Beim Invalideneinkommen ist in Form eines entsprechenden Abzugs der
Tatsache Rechnung zu tragen, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und
Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 124 V 323 E. 3b/aa) und je nach Ausprägung die versicherte Person
deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichen Erfolg verwerten kann (BGE
126 V 80 E. 5b/aa). Dabei ist der Abzug unter Würdigung der Umstände im Einzelfall
nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen. Er darf 25 % nicht
übersteigen (BGE 134 V 327 E. 5.2).
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3.3 Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin keinen Leidensabzug gewährt. Vorweg
ist zu erwähnen, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein zusätzlicher
Teilzeitabzug, wie ihn die Beschwerdeführerin geltend macht, nicht in Betracht fällt,
weil sich eine Teilzeittätigkeit bei Frauen statistisch nicht lohnsenkend auswirke (vgl.
Entscheide des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007:
Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 9. Mai 2001, I 575/00, E. 3b;
vom 18. Juli 2002, I 130/02, E. 3b/cc; anderer Meinung: Philipp Geertsen, Der
Tabellenlohnabzug, in: Kieser/Lendfers (Hrsg.): Jahrbuch zum Sozialversicherungsrecht
2012, S. 146ff.). Demgegenüber ist bei Männern eine Lohnsenkung bei Teilzeitarbeit
ausgewiesen, weshalb bei ihnen in der Regel ein Teilzeitabzug berücksichtigt wird. Eine
unzulässige Ungleichbehandlung der Geschlechter liegt insoweit nicht vor. Durch die
seit Sommer 2008 bekannte schwere bis sehr schwere (Ruhe- und vor allem
Belastungshypoxämie) COPD ist es gemäss Gutachten vom 10. Dezember 2009 bei
der Beschwerdeführerin jedoch zu einer weiteren qualitativen Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit gekommen. Nunmehr sind ihr nur noch sehr leichte Tätigkeiten zu 50%
und zwar vorwiegend rechtshändig zumutbar. Dabei sind schweres Heben,
Treppensteigen, häufiges Bücken oder Hocken zu vermeiden und es sollte sich um
eine Tätigkeit mit Wechselbelastung stehend/sitzend/sitzend handeln. Zudem sind
vermehrte Pausen notwendig (vgl. act. G 6.1/136-18f.). Dr. med. L._, Facharzt
Pneumonologie, erklärte die Belastungsauswirkung der Lungenfunktion derart, dass
schon beim Besteigen von zwei Treppen, was nur mit Dyspnoe möglich sei, die
Sauerstoffsättigung von 90% auf 88% sinke (act. G 6.1/136-29). Hinzu kommt, dass
die psychisch beeinträchtigte Beschwerdeführerin, die immerhin seit 16 Jahren keiner
Erwerbstätigkeit mehr nachging, gegenüber einer gesunden Konkurrentin für einen
bestimmten Arbeitsplatz ein deutlich höheres Krankheitsrisiko hat. Aus Sicht eines
ökonomisch denkenden Arbeitgebers senkt dieses Risiko, dessen Verwirklichung die
Gesamtlohnkosten des Betriebes erhöhen würde, den "Wert" der Beschwerdeführerin
als Arbeitnehmerin. Um dies zu kompensieren und konkurrenzfähig zu bleiben, müsste
sie mit einem entsprechend tieferen Lohn rechnen. Daher ist diesen zu erwartenden
erheblich lohnwirksamen Nachteilen mit einem Abzug von 20% Rechnung zu tragen.
Demnach beträgt der Invaliditätsgrad 60% (100% - [50% x 0,8]). Damit besteht ein
Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
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3.4 Die Erhöhung der Rente erfolgt bei einer Revision von Amtes wegen von dem für
diesen vorgesehenen Monat an (Art. 88 Abs. 1 lit. b der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201]). Vorliegend hat die Beschwerdeführerin daher
ab Februar 2009 (vgl. act. G 6.1/99-1, 113) Anspruch auf eine Dreiviertelsrente.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde unter Aufhebung der angefochtenen
Verfügung vom 2. Juli 2010 teilweise gutzuheissen und der Beschwerdeführerin
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 60% ab Februar 2009 eine Dreiviertelsrente
zuzusprechen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Die
Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
zu bezahlen.
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall, wo die Beschwerdeführerin weitgehend obsiegt hat und mithin
eine ungekürzte Kostenvergütung gerechtfertigt ist, erscheint eine Parteientschädigung
von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht