Decision ID: b9683629-e4ce-4247-a567-0b388c820021
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1977,
Mutter eines 2004 geborenen Kindes,
war von Januar 2003 bis Oktober
2005 als
Coiffeuse
tätig (
Urk.
9/12
Ziff.
2.1,
Ziff.
2.7). Am 1
1.
April
2008 meldete sie sich wegen den Folgen einer Hirnhautentzün
dung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3). Die Sozi
alversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und veranlasste eine neurologische Begutachtung durch
Dr.
med.
X._
, Facharzt für Neurologie, der sein Gutachten am 1
1.
November
2008 erstattete (
Urk.
9/22).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheid
verfahren
(
Urk.
9/25-27) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
Januar
2009 (
Urk.
9/28) einen Leistungsanspruch der Versicherten. Die da
gegen am 1
9.
Februar 2009 (
Urk.
9/30/3) erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 1
7.
August
2010 ab (Prozess Nr. IV.2009.00184;
Urk.
9/35).
1.2
Am 2
0.
Januar
2015 (
Urk.
9/36) machte die Versicherte eine Verschlechterung geltend. Die IV-Stelle nahm eine polydisziplinäre Begutachtung am
Y._
GmbH
in Aussicht (
Urk.
9/42;
Urk.
9/46), woran sie mit Verfügung vom 1
7.
September
2015 (
Urk.
9/58) festhielt. Die dagegen am
5.
Oktober
2015 erhobene Beschwerde (
Urk.
9/60/3-5) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom
4.
Januar
2016 ab (Prozess Nr. IV.2015.01042;
Urk.
9/62).
Das Gutachten wurde am
9.
Juni
2016 erstattet (
Urk.
9/68). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/71-72;
Urk.
9/77) verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 1
8.
Oktober
2016 erneut einen Leistungsanspruch der Versicherten (
Urk.
9/80 =
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 1
8.
Oktober
2016 (
Urk.
2) erhob die Versicherte am 1
1.
November
2016 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des
angefoch
tenen Entscheides und
Zusprache
einer halben Rente oder Rückweisung der Sa
che zur Neubeurteilung (
Urk.
1 S. 1 unten).
Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Janu
ar 2017 (
Urk.
8) beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
3.
Februar 2017 zur Kenntnis ge
bracht wurde. Gleichzeitig wurde ihr antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2 oben) die un
entgeltliche Pro
zessführung gewährt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes
über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit
sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn
sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsren
te
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei
gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
onsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Auf
grund der medizinischen Beurteilung liege keine Erkrankung vor, die die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin längerfristig oder dauerhaft ein
schrän
ke. Es bestehe volle Arbeitsfähigkeit für jegliche leichte bis mittelschwere körperli
che Tätigkeit. Es würden keine neuen medizinischen Tatsachen geltend ge
macht. Es sei auf das
Y._
-Gutachten abzustellen (S. 1-2).
2.2.
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1), es gehe ihr seit Jahren sowohl körperlich als auch psychisch schlechter als früher. Es sei ihr auch nach der Begutachtung am
Y._
schlecht gegangen, sie habe sofort gemerkt, dass diese Gut
achterstelle sie nicht korrekt beurteilen werde. Die Gutachter hätten keine einzi
ge relevante Diagnose gestellt. Ihre Beschwerden würden durch das Gut
achten bagatellisiert. Sie sei nicht arbeitsfähig, und auf das Gutachten könne aus näher dargelegten Gründen nicht abgestellt werden. Die Gutachterstellen entlasteten die Versicherungen finanziell und würden durch die Versicherungen und Politi
ker unterstützt
(S. 3)
.
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Versicherten und die Frage, ob seit Erlass der leistungsverneinenden Verfügung vom 2
1.
Januar 2010 bezie
hungsweise des
diese bestätigenden Urteils
vom 1
7.
August
2010 eine an
spruchs
relevante Verschlechterung eingetreten ist.
3.
3.1
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
7.
August
2010 wurde die medizinische Sachlage, wie sie der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
Januar 2010 zugrunde lag, wie folgt dargestellt (vgl.
Urk.
9/35 E. 3):
3.1
Im Bericht vom 12. Januar 2005 (
...
) führten die Ärzte der Neurologischen Klinik und Poliklinik des
Z._
aus, dass sich die Beschwer
de
führerin vorerst ab 18. Dezember 2004 im Spital
A._
in
Hospitalisation
befunden habe. Trotz eingeleiteter medikamentöser Therapie sei eine Zustands
verschlechterung eingetreten, weshalb die Beschwerdeführerin am 26. Dezem
ber 2004 in das
Z._
ver
legt worden sei. Am 14. Januar 2005 habe eine Rückverlegung in das Spital
A._
stattgefunden (S. 1, S. 2 unten).
Die Ärzte diagnostizierten eine akute, am ehesten infektiöse
Meningo
enze
phalitis
mit schwerem Verlauf mit
Vigilanzschwankungen
,
perioralen
Dyskine
sien
, Dysarthrie und Ataxie (S. 1).
Prognostisch sei unter intensiven physiotherapeutischen und neuroreha
bilita
tiven Massnahmen eine weitere Verbesserung der neurologischen Defizite und des Allge
meinzustandes zu erwarten (S. 2).
Unter der Rubrik Arbeitsfähigkeit (recte wohl Arbeitsunfähigkeit) hielten die Ärzte fol
gendes fest: Vorerst 100 % (S. 2).
3.2
Die Ärzte des Spitals
A._
führten im Bericht vom 18. Januar 2005 (
...
) aus, dass sich die Beschwerdeführerin vom 18. bis 26. Dezember 2004 bei ihnen in Spital
pflege befunden habe (S. 1).
Die Ärzte führten sodann aus, die Beschwerdeführerin habe über seit drei Tagen be
stehende
biparietale
Kopfschmerzen, Fieber, Nackensteifigkeit, Gelenk-, Glie
der- und Halsschmerzen geklagt. Zudem leide sie unter Übelkeit mit mehr
maligem Erbrechen (S. 1 Mitte).
In einem unklaren neurologischen Zustandsbild mit
perioralen
Faszikulationen
, parti
eller Desorientiertheit und Verdrehen der Augen sei eine Verlegung ins
Z._
erfolgt (S. 2).
Zur Arbeitsfähigkeit machten die Ärzte keine Angaben.
Im Verlaufsbericht vom 8. März 2005 (
...
) führten die Ärzte sodann aus, dass sich die Beschwerde
führe
rin vom 14. bis 22. Januar 2005 erneut bei ihnen in
Hospitalisation
befunden habe (S. 1 oben).
Weiter
äusserten sich die Ärzte dahin
gehend, dass die mikrobiologischen Abklärun
gen bei am ehesten infektiöser
Meningoenzephalitis
unergiebig ausgefallen seien. Die Antibiotikatherapie sei mit
Augmentin
parenteral für insgesamt vier Wochen bei labordiagnostisch nicht sicher ausschliessbarer
Listerienmeningitis
weitergeführt
worden. Parallel dazu habe eine intensive physiotherapeutische Behandlung statt
gefun
den. Im Verlauf sei es zu einer deutlichen neurologischen Verbesserung ge
kommen, und die Beschwerde
führerin habe eine vollständige Selbständigkeit erreicht. Zur wei
teren Neuro
rehabilitation besuche die Beschwerdeführerin eine ambulante Physiothe
rapie (S. 2).
Zur Arbeitsfähigkeit machten die Ärzte keine Angaben.
3.3
Im Jahre
2008 diagnostizierte Dr. med.
B._
, FMH für Psychia
trie und Psychotherapie, in ihrem Bericht vom 1. Juli 2008 (
...
) ein postvirales Er
schöp
fungssyndrom nach schwerer infektiöser
Meningoenzephalitis
im
Jahre 2004 (...
S. 1 Ziff. 1.1).
Die Beschwerdeführerin habe geschildert, dass sie bis zu ihrem dreizehnten Lebensjahr in der Türkei aufgewachsen sei. Ihr Grossvater väterlicherseits und ihr Vater seien er
mordet worden. Kurz danach sei ihr Elternhaus angezündet worden. Die Mutter sei in die Schweiz geflüchtet, und sie und ihre Geschwister seien in einem militärisch ge
führten Waisenhaus untergebracht worden. Dort habe sie Hunger gelitten und sei oft geschlagen worden. Nach der Anerkennung ihrer Mutter als Flüchtling sei sie ihr nachgezogen (S. 2 Ziff. 3.3). Hierzulande habe sie aus sprachlichen und kulturellen Gründen in der Schule grosse Mühe gehabt und diese nur knapp abgeschlossen (S. 6 zu Ziff. 3.3).
Ferner fasste Dr.
B._
zusammen, dass die Beschwerdeführerin über Müdig
keit, fehlende Kraft in den Armen und Beinen und Appetitlosigkeit geklagt habe. Zu
dem leide sie unter beinahe täglich auftretenden Kopf
schmerzen und habe Schlafstö
rungen. Mit der Betreuung ihres Kindes fühle sie sich überfordert (S. 2 Ziff. 3.4).
Zu den erhobenen Befunden führte Dr.
B._
aus, dass die Beschwer
de
führerin einen erschöpften Eindruck mache. Sie sitze schlaff da, die Augen halb ge
schlossen und gähne häufig. Sie könne sich nicht konzentrieren, schweife ständig ab und sei hinsichtlich ihrer Zukunft hoffnungslos. Mit einer Besserung rechne sie nicht mehr. Auffallend sei, wie wenig die Beschwerde
führerin darüber besorgt sei, dass sich ihr Zustand auf ihr Kind auswirke. Ihre Gedankeninhalte seien depressiv (S. 2 Ziff. 3.5). Sodann bestünden Gedächtnis
störungen. Die Beschwerdeführerin habe grosse Mühe, die lebensgeschichtlichen Daten zu liefern (S. 6 zu Ziff. 3.5).
Hinsichtlich sozialer Faktoren sei bekannt, dass die Beschwerdeführerin trau
matische Kindheitserlebnisse gehabt habe. Sie sei seit dem Jahre 2006 alleinerziehend. Im Februar 2008 habe die Ehescheidung stattgefunden. Die Beschwer
deführerin habe sich in der Türkei erneut vermählt. Es sei allerdings unklar, ob der Ehemann je in die Schweiz einreisen werde (S. 5 Ziff. 5.3).
Dr.
B._
attestierte sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer leidensangepassten Tätigkeit eine seit Dezember 2004 bestehende vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit (S. 4 Ziff. 5.2). Im Haushaltsbereich bestehe keine wesentliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 6 unten).
3.4
Dr. med.
X._
, FMH für Neurologie, nannte im neurologischen Gutachten vom 11. November 2008 (
...
) keine Diagnose mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit (S. 10 Ziff. V.1).
Der Gutachter stellte folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (S. 10 Ziff. V.1.2):
-
Status nach
Meningoenzephalitis
ohne Erregernachweis im Dezember 2004 (voll
ständig ausgeheilt)
-
episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp gemäss ICHD-II 2.1
Die Beschwerdeführerin
klage
über seit zirka sechs bis acht Jahren bestehende Kopf
schmerzen. Diese Kopfschmerzen manifestierten sich im Durchschnitt an zwei bis drei fortlaufenden Tagen pro Woche und ihre Intensität reiche bis zu sehr stark. Manchmal komme es auch zu einer schmerzfreien Woche. Seit der Meningitis leide sie zudem unter Konzentrations- und Gedächtnisproblemen sowie Kraftlosigkeit und Müdigkeit (S. 4 ff. Ziff. II.1).
Der Gutachter führte sodann aus, die Beschwerdeführerin habe geschildert, dass sie meistens sehr spät zu Bett gehe. Morgens stehe sie um zehn Minuten vor acht Uhr auf, um das Kind in den Kindergarten zu schicken. Danach lege sie sich bis zum Mit
tag wieder hin. Dann bereite sie ein einfaches Mittagessen für das Kind und sich zu. Den Nachmittag verbringe sie auf dem Sofa. Am frühen Abend erledige sie den Haus
halt und tätige Einkäufe. Den Abend verbringe sie meistens mit dem Kind. Sie habe eine Freundin, mit welcher sie selten auswärts Abendessen gehe. Eine Arbeitstätigkeit im Umfang von zwei Stunden täglich sei sicherlich möglich, allenfalls sogar mehr (S. 6
f. Ziff. II.6 und Ziff. II.7).
Zum Neurostatus hielt der Gutachter unter anderem fest, dass die Hirnnerven unauf
fällig seien. Motorik: Keine Hinweise für latente Paresen. Koordination: Stand und Gang inklusive komplexer Gangarten unauffällig. Reflexe allseits mittellebhaft sym
metrisch auslösbar, keine Reizzeichen. Sensibilität intakt (S. 7 f. Ziff. III). Klinisch-neuropsychologisch habe sich weder eine Aphasie noch eine Apraxie erkennen lassen. Das Gedächtnis sei unauffällig, die Orientierung intakt und die Psychomotorik normal. Bezüglich Affektivität wirke die Beschwerdeführerin erschöpft und resigniert (S. 8
f.
Ziff. III).
Zusammenfassend hielt der Gutachter fest, dass anhand der zerebralen Kern
spintomographie von einer folgenlosen Ausheilung der
Meningoenzephalitis
ausge
gangen werden könne. Die von der Beschwerdeführerin beklagte abnorme Müdigkeit sowie die Konzentrations- und Gedächtnisprobleme liessen sich aufgrund der Bildge
bung und des unauffälligen somatisch-neurologischen Befundes nicht nachvollziehen. Der klinische Eindruck habe kein typisches psychoorganisches Syndrom gezeigt (S. 9
Ziff. IV).
Insgesamt hielt der Gutachter fest, aus neurologischer Sicht sei die Beschwer
deführerin sowohl in der bisherigen als auch in einer anderen Tätigkeit seit Juni 2005 vollumfänglich arbeitsfähig (S. 10 Ziff. V.2).
3.2
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
X._
kam das Gericht zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin aus neurologischer Sicht seit Juni 2005 wieder voll arbeits
fä
hig sei (vgl. E. 4.2 des genannten Urteils). Auch in psychischer Hinsicht erach
te
te das Gericht die Beschwerdeführerin nach Diskussion der damals anwend
baren Foerster-Kriterien als voll
arbeitsfähig (vgl. E 4.3 und 4.5 des genannten Ur
teils).
4.
4.1
Zur Glaubhaftmachung einer Verschlechterung reichte die Beschwerdeführerin einen Bericht von
Dr.
med.
C._
,
gemäss Briefkopf
Facharzt für Neurolo
gie,
vom 1
7.
Februar 2015 ein (
Urk.
9/38).
Dr.
C._
hielt fest, die Patientin leide seit langem an einer ausgeprägten Depression, einem generalisierten Schmerz
syndrom mit Betonung im Nacken- Rückenbereich und chronischen Kopf
schmerzen, eher Spannungstyp. Diese Beschwerden hätten zugenommen. Bei Be
handlungsbeginn am 1
6.
September
2013 habe sie an einer schweren De
pres
sion gelitten und sei sogar suizidgefährdet gewesen. Sie sei in jeder Tätig
keit maximal 30 bis 40
%
arbeitsfähig. Dem sei aber nur so, wenn sie von der Inva
lidenversicherung einfühlsam und sorgfältig betreut würde. Sie habe eine schwere Vergangenheit, weshalb man sogar von einer chronischen posttrauma
tischen Belastungsstörung ausgehen könne. Man habe in der Türkei die ganze Familie verbrennen wollen und ihr Vater sei ermordet worden.
Weiter
habe sie zwei belastete, enttäuschende Beziehungen hinter sich und sei alleinerziehend. Auch ihr Brude
r und eine ihrer Schwestern hätten
Probleme, zudem sei die seit Jahren andauernde finanzielle Knappheit eine enorme Belastung
. Zudem sei sie durch die erlittene neurologische Erkrankung zusätzlich traumatisiert (S. 2-3). Sie leide an diffusen starken Schmerzen und sei aus psychischer Sicht deutlich reduziert, psychomotorisch verlangsamt, stets müde, freud- und lustlos. Die näher genannten psychischen Beschwerden beeinträchtigten sie in ihren Tätig
kei
ten zusätzlich erheblich (S. 3 f.).
4.2
Die Gutachter des
Y._
erstatteten am
9.
Juni
2016 ihr nach Berücksichtigung
sämtlicher Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer allgemein
in
ternistischen, psychiatrischen, orthopädischen und neurologischen Untersu
chung verfasstes Gutachten (
Urk.
9/68). Sie stellten keine Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 24):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
histrionische
Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
-
chronischer Nikotinabusus
-
Zustand nach
Meningoenzephalitis
2004, ohne Residuen
-
damals ohne Erregernachweis, am ehesten viraler Genese
-
episodischer Kopfschmerz vom Spannungstyp
Aus allgemeininternistischer Sicht fänden sich keine Befunde und Diagnosen, welche eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte und mittelschwere Tätigkeit begründeten (S. 9).
Der psychiatrische Gutachter hielt fest, die Beschwerdeführerin habe über Schmerzen und verminderte Belastbarkeit geklagt. Eigentliche psychopathologi
sche Symptome, die sie im Alltag einschränkten, seien ni
cht feststellbar gewe
sen (S. 12
unten
)
.
Aus psychiatrischer Sicht sei sie in der Lage, ihre Ressourcen in der freien Wirtschaft einzusetzen (S. 13 Mitte). Sie gehe seit Jahren keiner Arbeit nach und sei überzeugt, für ihren Sohn immer da sein zu müssen. Auch dies könne dazu beitragen, dass sie sich nicht arbeitsfähig fühle, da sie ja sonst nicht den ganzen Tag Zeit habe, sich um ihn zu kümmern (S. 13 unten). Sie ha
be eine gute Beziehung zu ihrer Mutter und ihren Geschwistern sowie zu einer guten Freundin. Ihre Kontaktfähigkeit sei gut (S. 14 oben).
Sie stehe zwischen 6 und 7 Uhr auf, führe den Haushalt weitgehend selbständig, erledige die Einkäu
fe, koche für sich und ihren Sohn, putze und wasche. Nachmittags besuche sie regelmässig während zwei Stunden das Therapie-Center, dies sei ihr eigentliches Hobby. An den Wochenenden mache sie Ausflüge mit ihrem Sohn (S. 11). Es sei aus psychi
at
ri
scher Sicht nicht nachvollziehbar, dass sie sich subjektiv über
haupt nicht arbeitsfähig fühle. Sie habe ihre Berufstätigkeit aufgegeben, an
sonsten habe sich das Aktivitätsniveau nicht wesentlich verändert (S. 15 oben).
Das Ausmass der geklagten Beschwerden und die subjektive Krankheitsüberzeu
gung könnten durch die somatischen Befunde nicht hinreichend objektiviert werden.
Die Beschwerdeführerin klage zwar über Schmerzen, die Klagen seien sehr diffus. Dennoch gestalte sie den Alltag sehr aktiv. Sie leide also nicht unter schweren, quälenden Schmerzen, die sie im Alltag völlig immobilisieren wür
den. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne also nicht gestellt werden. Bei der Untersuchung sei die demonstrative, zum Teil etwas theatralische Beschwerdeschilderung aufgefallen. Die Beschwerdeführerin sehe sich als Opfer der Umstände. Ihr Vater sei ermordet worden, sie habe die Türkei verlassen müssen und sei von ihrem Ehemann geschlagen worden. Sie sei in dieser Opferrolle gefangen und könne sich nicht vorstellen, einer Tätigkeit nachzugehen (S. 15). Bei der psychiatrischen Untersuchung sei sie nicht depres
siv gewesen. Es liege keine Störung vor, die die Explorandin daran hindern würde, die ihr aus somatischer Sicht attestierte Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft zu realisieren (S. 16). Sie sei in der bisherigen wie jeder anderen Tä
tigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (S. 17 oben).
Aus orthopädischer Sicht
seien keine Diagnosen zu stellen. Das Gangbild auf Treppe und ebenem Terrain sei mitsamt den geprüften Varianten unauffällig. Bei der Untersuchung der Wirbelsäule und der Extremitäten zeige sich eine freie Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte. Die gesamte ausführliche Untersuchung im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen könne bei guter Kooperation problemlos durch
geführt werden, wobei zu keinem Zeitpunkt ein
höhergradiger
Leidens
druck ersichtlich sei und am ehesten im Sinne eines muskulären Ziehens unter anderem der
Ischiokruralmuskulatur
aufzutreten scheine. Es lägen keine radio
logischen Bilddokumente vor. In Anbetracht des klinisch objektiv weitgehend
blanden
Befundes werde auf eine Anfertigung verzichtet. Die völlig diffus offensichtlich zumindest zeitweise sämtliche Abschnitte des Bewegungs
appa
rates umfassenden Beschwerden liessen sich durch die klinischen Befunde kei
nesfalls begründen. Im Vordergrund scheine dezidiert eine nicht-organische Beschwer
dekomponente zu bestehen, welche psychiatrisch zu beurteilen sei (S.
20).
Die Beschwerdeführerin sei sowohl in der angestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
wie auch für andere körperlich leichte bis mittelschwere Verrichtungen unter Wechselbelastung zu 100
%
arbeitsfähig (S. 20).
Der neurologische Gutachter
hielt fest, es sei aufgrund der Anamnese und der Untersuchungsbefunde von episodischen Spannungskopfschmerzen auszugehen. Es finde sich ein völlig unauffälliger neurologischer Status. Insbesondere lägen keine Anhaltspunkte für eine hirnorganische Störung vor. Aus neurologischer Sicht ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Nach der
Menin
goenzephalitis
habe naturgemäss eine höhere Arbeitsunfähigkeit vorgelegen, welche jetzt nicht mehr zur Diskussion stehe. Für die letzten Jahre, zumindest seit dem Gutachten durch
Dr.
X._
, ergebe sich keine Änderung seiner damali
gen Beurteilung (S. 23). Demgegenüber führe
Dr.
C._
keinerlei nachvollziehba
re anamnestische oder klinische Befunde an (S. 24 oben).
In der Gesamtbeurteilung kamen die Gutachter zum Schluss, dass aus polydis
ziplinärer Sicht in einer körperlich leichten und mittelschweren Tätigkeit ein
schliesslich jener im angestammten Beruf als
Coiffeuse
eine 100%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit bestehe. Für körperlich schwere Tätigkeiten bestehe kei
ne Arbeitsfähigkeit. Dieses Leistungsprofil
bestehe spätestens ab Juli 200
5.
Auch im Haushalt bestehe keine Einschränkung (S. 25).
4.3
Dipl. med.
D._
, Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), hielt am 1
3.
Juni 2016 fest, es sei keine Veränderung des Gesundheitszustandes ausgewiesen. Die Beschwer
deführerin sei seit Juli 2005 in der bisherigen und in jeder angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
9/70).
5.
5.1
Die Ärzte des
Y._
erstatteten ihr Gutachten unter Beachtung sämtlicher Krite
rien, welche praxisgemäss für den Beweiswert einer Expertise massgeblich sind
(vgl. vorstehend E. 1.4): Ihr Gutachten ist für die streitigen Belange - nämlich die Frage nach einer anspruchsrelevanten Veränderung - umfassend, beruhte auf allseitigen Untersuchungen und berücksichtigte die Vorbringen der Be
schwerdeführerin. Es wurde in Kenntnis der
Vorakten
angefertigt und ist, wie nachfolgend darzulegen ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung schlüssig. Es kann damit darauf abgestellt wer
den.
5.2
Im Vergleich zur Situation 2010 liegen weiterhin keine Diagnosen vor, die aus versicherungsrechtlicher Sicht Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerde
führerin haben. Wie mit Urteil vom 1
7.
August
2010 rechtskräftig festgestellt wurde, lagen damals aus neurologischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (vgl. vorstehend E. 3.2). Aktuell ergab die neurolo
gi
sche Begutachtung einen völlig unauffälligen Status und es war keine Verän
de
rung zur Sachlage, wie sie 2010 bestand, festzustellen.
Auch allgemeininter
nistisch und orthopädisch waren keine Beeinträchtigungen festzustellen; die Beschwerdeführerin vermochte sämtliche untersuchungsrelevante Bewegungen im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen bei guter Kooperation problemlos durch
zu
führen. Die völlig diffusen Beschwerden liessen sich gemäss Beurteilung des or
thopädischen Gutachters in keiner Weise durch die klinischen Befunde be
grün
den (vorstehend E. 4.2). Damit ist aus somatischer Sicht weiterhin unverändert von voller Arbeitsfähigkeit auszugehen.
5.3
In psychischer Hinsicht diagnostizierte der psychiatrische Gutachter eine chro
nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren sowie
histrio
ni
sche
Persönlichkeitszüge, beides ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (vorstehend E. 4.2). Bei der letzteren Diagnose handelt es sich um eine
Diagnose
aus
der Z-Kategorie (Kapitel XXI) des ICD-10 Systems
. Diese
sind für Fälle vor
gesehen, in denen Sachverhalte als "Diagnosen" oder "Probleme" an
gegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder
äussere
Ursache unter den Kate
gorien A00-Y89 klassifizierbar sind. Diese Belastungen fallen als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitssch
adens (Urteil des Bun
desgericht
s 9C_894/2015 vom 25. April
2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
5.4
Die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren ge
hört zu den
Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache und ver
gleichbaren psychosomatischen Leiden
.
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen
eines solchen
Leidens (BGE 141 V 281 E. 4.2) sind Indikatoren be
achtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad"
-
Komplex „Gesundheitsschädigung"
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex „Sozialer Kontext"
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
dens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
Beweisrechtlich entscheidend ist der Aspekt der Kon
sistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4):
Der Indikator einer
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen zielt auf die Frage ab, ob die diskutierte Einschränkung in Beruf und Erwerb (bzw. bei Nichterwerbstätigen im Aufga
benbereich) einerseits und in den sonstigen Lebensbereichen (z.B. Freizeitgestal
tung) anderseits gleich ausgeprägt ist. Dabei ist das bisherige Kriterium des sozialen Rückzugs (wiederum) so zu fassen, dass neben Hinweisen auf Ein
schrän
kungen auch Ressourcen erschlossen werden; umgekehrt kann ein krank
heits
bedingter Rückzug aber auch Ressourcen zusätzlich vermindern. Soweit
erheb
bar
, empfiehlt sich auch ein Vergleich mit dem Niveau sozialer Aktivität vor Eintritt der Gesundheitsschädigung. Das Aktivitätsniveau der versicherten Per
son ist stets im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit zu sehen (BGE 141 V 281 E. 4.4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni 2016 E. 4.1.1).
Die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das
heisst
das
Ausmass
, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, weist (ergänzend zum Gesichtspunkt Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz unter dem Komplex "Gesundheitsschädigung") auf den tatsächlichen Leidensdruck hin. Dies gilt allerdings nur, solange das betreffende Verhalten nicht durch das laufende Versicherungsverfahren beeinflusst ist. Nicht auf feh
lenden Leidensdruck zu
schliessen
ist, wenn die Nichtinanspruchnahme einer empfohlenen und zugänglichen Therapie oder die schlechte Compliance klarer
weise auf eine (unabwendbare) Unfähigkeit zur Krankheitseinsicht zurückzufüh
ren ist.
In ähnlicher Weise zu berücksichtigen ist das Verhalten der versicherten Person im Rahmen der beruflichen (Selbst-) Eingliederung. Inkonsistentes Ver
hal
ten ist auch hier ein Indiz
dafür, die geltend gemachte Einschränkung sei anders begründet als durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung (BGE 141 V 281 E. 4.4.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_296/2016 vom 29. Juni
2016 E.
4.1.2).
5.5
Hinsichtlich des funktionellen Schweregrades ist festzuhalten, dass die durch
gemachte Meningitis folgenlos abgeheilt ist und ansonsten in somatischer Hin
sicht keine Beeinträchtigungen vorliegen
. Ein relevanter Gesundheitsschaden ist zu verneinen
. Die Beschwerdeführerin ist aus orthopädischer, internistischer und neurologischer Sicht voll arbeitsfähig. Die episodischen Kopfschmerzen wirken sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit aus.
Relevante ausgeprägte Befunde wurden nicht erhoben. Eine Behandlung erfolgt einzig in dem Sinne, dass die Beschwerdeführerin einmal pro Monat ihren Neurologen
Dr.
C._
aufsucht (vgl. S. 9 des Gutachtens), wobei es sich nicht um eine psychotherapeutische Be
handlung handelt. Komorbiditäten bestehen nicht.
Zum Komplex Persönlichkeit ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin meh
rere Jahre als
Coiffeuse
tätig war (vgl. IK-Auszug;
Urk.
9/8)
und
über gute Deutschkenntnisse verfügt (S.
6 des Gutachtens). Eigentliche psychopathologi
sche Symptome, die sie im Alltag
beeinträchtigten
, seien nicht feststellbar ge
wesen. Sie sehe sich als Opfer der Umstände, wobei der psychiatrische Gutachter dies nicht als krankheitswertig einstufte.
Was den sozialen Kontext angeht, so hat die Beschwerdeführerin eine gute Be
ziehung zu ihrem Sohn, ihrer Mutter, ihren Geschwistern und zu einer guten Freundin und gab an, ihre Kontaktfähigkeit sei gut. Sie geht regelmässig ins Therapie- bzw. Fitnesszentrum, was ihr eigentliches Hobby sei.
Insgesamt ist angesichts dieser Umstände von grundsätzlich intakten sozialen Beziehungen und guten intellektuellen Fähigkeiten bei vorhandener
Berufserfahrung
auszu
gehen.
Somit sind bei der Beschwerdeführerin persönliche und soziale Ressour
cen erkennbar, welche durch ihre psychischen Probleme nicht in Frage gestellt werden.
Zu prüfen ist sodann die Konsistenz.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts der
gleichmässigen
Einschränkung des Aktivi
tätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist zu bemerken,
dass die Beschwerdeführerin ein hohes Aktivitätsniveau hält. Sie steht
regelmässig
zwi
schen 6 und 7 Uhr auf, führt den Haushalt weitgehend selbständig, putzt, wäscht, kauft ein, kocht und besucht
regelmässig
das Th
erapie-Center
; dies sei ihr Hobby
. An den Wochenenden unternimmt sie Ausflüge mit ihrem Sohn. Sie machte selbst geltend, sie habe ihre Berufstätigkeit aufgegeben, ansonsten habe sich das Aktivitätsniveau nicht wesentlich verändert (vorstehend E. 4.2). Somit besteht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine wesentliche Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen Lebensbereichen und es
ist nicht von einem so
zia
len Rückzug in allen Belangen des Lebens auszugehen.
Im Vergleich zur Situation im Jahr
2008, wo die Beschwerdeführerin ein deutlich niedrigeres Akti
vitätsniveau aufrechterhalten konnte (vgl. das Gutachten von
Dr.
X._
, vorste
hend E. 3.1 bzw. E. 3.4), ist ihr Tagesablauf heute wieder weitgehend normal.
Bezüglich
Leidensdrucks
ist festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin
ausser
den Terminen beim Neurologen
Dr.
C._
keine ärztliche Behandlung wahr
nimmt. Dies lässt darauf
schliessen
, dass kein hoher Leidensdruck besteht.
5.6
Die Prüfung der verschiedenen Indikatoren ergibt, dass diese nicht als in aus
geprägtem Umfang gegeben erachtet werden können. Da auch kein ausge
wie
sener behandlungsanamnestischer Leidensdruck besteht,
ist
aus rechtlicher Sicht
nicht zu beanstanden, dass
die
Y._
-Gutachter der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit z
umassen
.
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist
denn auch
nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
5.7
An diesem Resultat ändert sich aufgrund des Berichts von
Dr.
C._
(vgl. vorste
hend E. 4.1) nichts, denn als
Neurologe
ist er grundsätzlich nicht befähigt, eine
verlässliche
psychiatrische Diagnose zu stellen
und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit abzuschätzen
.
Daf
ür sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März
2016 E. 4.2.4).
Auch führte
Dr.
C._
die Beschwerden zu einem wesentlichen Teil auf psychosoziale Um
stände zurück, was versicherungsrechtlich grundsätzlich nicht berücksichtigt werden darf.
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psy
chischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar,
das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psycho
soziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den
Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausge
prägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheits
wert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht ein
zig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Fakto
ren herrühren, bestehen darf, sondern
davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu
ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sin
ne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann.
Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ih
re hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invali
disierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Zudem
erklärte
Dr.
C._
nicht,
inwiefern eine „einfühlsame und sorgfältige Be
treuung“ (vorstehend E. 4.1) durch die Invalidenversicherung einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
hat.
Dr.
C._
nahm
offenbar
nicht eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit anhand von Untersuchung und Befunden, sondern auch anhand von nicht-medizinischen Faktoren vor,
was nicht über
zeugt.
Das Gericht hat hier der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass nicht nur allgemeinpraktizierende Hausärzte, sondern auch behandelnde Spezial
ärzte im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353
E
. 3b/cc mit Hinweisen).
6.
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit wie auch
in
der angestammten Tätigkeit als
Coiffeuse
zu 100
%
arbeitsfähig ist. Eine anspruchsrelevante Ver
änderung ist damit zu verneinen. Die
weitgehend
appellative
Kritik der Be
schwer
deführerin am
Y._
-Gutachten vermag an diesem Ergebnis nichts zu än
dern.
Bei voller Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf besteht keine Invalidität, weshalb sich die Durchführung eines Einkommensvergleichs erübrigt.
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Be
schwerde.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen,
in
folge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
jedoch
einstweilen auf die Ge
richts
kasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin wird auf die Nachzahlungs
pflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.