Decision ID: 6b420c57-75a2-469b-bddc-fb034d18b6a6
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1
.
1.1
Der 1974
im Libanon
geborene
X._
lebte seit seinem
zehnten
Lebensjahr in den USA, wo er
nach Absolvierung von Grund- und
Highschool
drei
Semester
El
ektro
techni
k studiert
e. Am
1
6.
Februar 20
03
reiste er
in die Schweiz ein und
arbeitete
hier
überwiegend selbständig als Chauffeur und Transportunternehmer; kur
z
zeitig war er auch angestellt
(Urk. 9
/2/1,
9
/3,
9/6, 9/14
, 9/43
,
9/71
/
4
,
9/
10
3
/1
1
, 9/141
, 9/223/48
). Am
8
.
Februar 2006
meldete er sich bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle, unter Hinweis auf einen am 8.
Februar 2005 erlittenen Unfall und
seither bestehende Folgebe
schwerden
–
rechter Arm und rechte Hand fun
ktionsunfähig, sehr starke Kopf
schmerzen, Schwindel und Übelkeit
, Muskelschmerzen und Knochenbe
schwerden –
zum Leis
tungsbezug an (Urk.
9
/3). Da
X._
die versiche
rungs
mässige
Vorausset
zung
eines vollen Beitragsjahres
nicht erfüllt
e
,
lehnte die IV-Stelle
sein Leistungs
begehren
mit Verfügung vom 25.
September 2006
ab (Urk.
9
/24).
1.2
Nachdem sich der Versicherte am
8. August
2011 erneut
unt
er Hin
weis auf den erlittenen Unfall bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
gemeldet hatte (Urk.
9/
33
), gewährte ihm die
Verwaltung
ab Oktober 2012
Arbeitsvermittlung
(Urk.
9/53)
, welche mangels Mitwirkung des Versicherten mit Mitteilung vom 28. Februar 2013 abge
schlossen wurde (Urk.
9/60)
. Mit Vorbescheid vom 12. März 2013 stellte die IV-Stelle
X._
in Aussicht,
sein
Leistungsbegeh
ren abzuweisen (Urk.
9/63), worauf
er das von der Haftpflicht
versicherung in Auftrag g
egebene Gutachten der Z._
vom 6. September 2010 ins Recht legte (Urk.
9
/7
1
). In der Folge zog die IV-Stelle die
gesamten
medizinischen
Akten
de
r
Haftpflichtversicherung
bei
, stellte
X._
vorbescheidweise
eine
Viertelsrente
in Aussicht und liess ihn nach Erhe
bung von Einwänden polydisziplinär durch die MEDAS
A._
GmbH begutachten
(
Urk.
9/74-
10
9
).
Gestützt auf d
eren
Gutachten vom 9. Mai 2014 sprach die IV-Stelle dem Versicherten m
it Verfügung vom 27. November 2014
bei
einem Invaliditätsgrad von 46 %
rückwirkend ab dem 1. März 2012 eine
Viertelsrente
zu (
Urk.
9/110
, 114
)
.
Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Sozialversicherungsgericht des Kan
tons Zürich mit Urteil vom 29.
Februar 2016 ab (IV.2015.00070
; Urk. 9/135
);
das
Urteil erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Mit Eingabe vom 2. November 2017 stellte
X._
beim
Sozialversiche
rungsgericht
gestützt auf einen Ber
icht von Dr. med. B._
, Fachärztin FMH für
Neurologie, vom 3. August 2017 –
wonach aufgrund einer Hirn-SPECT-
Untersuchung Hinweise auf eine beginnende
frontotemporale
Lobär
-Degenera
tion bestünden, welche Erkrankung geeignet sei, eine kognitive Funktionsbeein
trächtigung herbeizuführen, eine Funktionsbeeinträchtigung sei von den MEDAS-Gutachern festgestel
lt, aber nicht überprüft worden –
ein Revisionsge
such, welch
es das Gericht mit Urteil vom 20.
Dezember 2017 unter Auferlegung der
Gerichtsk
osten von Fr.
500.
--
abwies (IV.2017.01196
;
Urk.
9/
166)
.
Das Urteil erwuchs unangefochten in Rechtskraft
.
2
.
2.1
Bereits am 2
1
. Dezember 2015 h
atte
X._
bei der IV-Stelle
ein Gesuch um Prüfung von Massnahmen der beruflichen Reintegration gestellt
(Urk. 9/133)
.
Nachdem
er
sich vorerst nicht an die anlässlich des
Erstgespräch
s
im J
uni 2016 geschlossene Vereinbarung gehalten hatte,
mahnte
ihn
die
IV-Stelle
(Urk. 9/143) und
übernahm die Kosten für
die berufliche Abklärung/Pot
entialanalyse bei der C._
GmbH (
Verfügung vom 5. September 2016,
Urk. 9/145).
Nach einem wei
teren Gespräch im Oktober 2016 äusserte sich der Versicherte nicht
wie abge
macht
zur Frage
der Durchführung
eines Belastbarkeitstrainings
(Urk. 9/153), wo
rauf die
IV-Stelle
X._
gestützt auf eine Stellungnahme des RAD
am 18. April 2017 mitteilte, aufgrund seines Gesundheitszustandes seien zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnah
men möglich (Urk. 9/155).
2.2
Anfang Mai 2017
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, sie prüfe nun
seinen
weiteren Anspruch auf
die
Invalidenrente
(Urk. 9/156). Sie
zog
Arztberichte
b
ei
, und der Versicherte
legte
neurologische Berichte, darunter den Ber
icht von Dr. med. B._
vom 3. August 2017 (E. 1.3
hievor
),
ins Recht
(Urk.
9/163).
I
m Rahmen der Amts- und Verwaltungshilfe
zog die
IV-Stelle A
kten von der Kantons- und Stadtpolizei Zürich, der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl sowie dem Stadtrichteramt der Stadt Zürich bei (Urk. 9/167-169) und auferlegte dem Versicherten
am 17. Mai 2018
die
Schadenminderungspflicht, wonach er
während mindestens drei Monaten einen Entzug aller legalen und illegalen Suchtmittel durchzuführen habe (Urk. 9/172).
Nach erfolgter Mahnung
(Urk.
9/179)
kam der Versicherte seiner Mitwirkungspflicht nach
(Urk. 9/9/180-191).
Nachdem die IV-Stelle
X._
am 8. Januar 2019 aufgefordert hatte, seine Bereitschaft zu erklären, sich einer Haaranalyse zu unterziehen (Urk. 9/192),
er
stattete das Institut
für Rechtsmedizin am 15. April 2019
den entsprechenden Bericht
; danach konsumierte der Versicherte weiterhin
Cocain
und Designerdro
gen (Urk. 9/204).
Der behandelnde Psychiater berichtete der IV-Stelle am 21. Ok
tober 2019 unter Bezugnahme auf die neuropsychologische Verlaufskontrolle von Juli
2019 (Urk. 9/209), worauf die Verwaltung
ein psychiatrisches-neuropsycho
logisches Gutachten in Auftrag gab (Urk. 9/214).
Gestützt auf die Gutachte
n von Dr. med. D._
und
lic
.
phil. E._
(Urk.
9/223-224) stellte die IV-Stelle dem Versicherten am 21. Oktober 2020
vor
bescheidweise
in Aussicht, da keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorlä
gen, die die Erwerbsfähigkeit beeinflussten, werde die Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats auf
gehoben (Urk. 9/226).
X._
erhob unter Hinweis auf eine mögliche Suchterkrankung Einwände (Urk. 9/231, 233), worauf die IV-Stelle am 4. März 2021 wie angekündigt verfügte (Urk.
2 [=
9/236
]
).
3.
Gegen die Renten
aufhebung
erhob
X._
am 19. April 2021 Beschwerde ans So
zialversicherungsgericht mit dem Antrag
, die Verfügung sei aufzuheben,
und die
Sache
sei
zur Neuabklärung bzw. Ergänzung in medizinischer Hinsicht an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zudem ersuchte er um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels (Urk. 1). Mit Referentenverfügung vom 23. April 2021 wurde de
m
Beschwerdeführer wegen
den
Schulden beim Sozialversicherungsge
richt (E. 1.3
hievor
)
Frist angesetzt, einen Kostenvorschuss
in Höhe
von Fr.
1'000.-
-
zu leisten, der fristgerecht einging (Urk. 4, 6).
Die IV-Stelle schloss
unter Verweis auf die angefochtene Verfügung a
uf Abweisung der Beschwerde (Urk.
8),
wovon dem Beschwerdeführer am 22. Juni 2021 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind – vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen – grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
ab
gesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich geblie
be
nen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztli
chen Einschät
zungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unter
schiedliche dia
gnos
tische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheits
zustand zu schliessen; not
wendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hin
wei
sen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
li
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungs
gericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 10. Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Rentenaufhebung damit,
die Eingliede
rung sei mit einer externen Potentialanalyse geprüft worden mit dem Ergebnis, dass eine Arbeitsvermittlung als nicht realistisch erachtet worden sei. Ein Belast
barkeitstraining habe nicht durchgeführt werden können, da eine angepasste Ar
beitsfähigkeit von 60 % bestanden habe. Nach Prüfung und Beurteilung aller Unterlagen und Informationen sei ersichtlich, dass keine gesundheitliche Beein
trächtigung vorliege, welche die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers beein
flussen würde
(Urk. 2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegen, das eingeholte
bidis
ziplinäre
Gutachten sei zur Beurteilung des Leistungsanspruches ungenügend. Unberücksichtigt worden seien die ursprünglichen Fachrichtungen Orthopä
die/Neurologie. Demzufolge seien entgegen dem Anraten der Neurologin Dr.
B._
auch keine Verlaufsuntersuchung mit neuropsychologischer Untersu
chung, MRI-Untersuchung inklusive Volumetrie und Hirn-SPECT-Untersuchung durchgeführt worden. Nicht einmal den eigentlichen Auftrag zur Klärung des Vorliegens einer Suchterkrankung hätten die Gutachter erfüllen können (Urk. 1 S. 5 Ziff. 18).
3.
3.1
Vorliegend handelt es sich um die
erste Revision der
Viertelsrente
des Beschwer
deführers
.
Vergleichszeitpunkt für eine relevante Veränderung de
r tatsächlichen Verhältnisse
bildet
daher
die mit Urteil des hiesigen Gerichts vom
29. Februar 2016 (IV.2015.00070; Urk. 9/135)
bestätigte Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
27. November 2014
(
Urk.
9/110, 114).
Z
u prüfen ist,
ob sich die
tatsächlichen Verhältnisse
seither
revisionsrelevant
verbessert haben, insbesondere der Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers
.
3.2
3.2.1
Anlässlich d
er
Rentenzusprache
stellte die Beschwerdegegnerin auf das
von ihr eingeholte
polydisziplinäre Gutachten der MEDAS
A._
GmbH vom 9. Mai 2014 ab
(Urk. 9/109/4, 110/2).
Die MEDAS-Gutachter stellten d
ie
folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Ar
beitsfä
higkeit (Urk.
9
/10
3
/17):
-
Zustand nach Anfahrtrauma vom 8.2.2005 mit/bei
-
Frakturen im Vorderarmbereich, Ellbogenbereich und Handgelenksbe
reich links sowie Abrissverletzung von Arterien,
Nervus
radialis
und
Nervus
medianus
-
wiederholte handchirurgische und rekonstruktionschirurgische Opera
tionen zwischen 8.2.2005 und 9.6.2008
-
residuale Versteifung der Handgelenksfunktion links mit begleitender Einschränkung der Ellbogenbeweglichkeit links, eingeschränkte Funk
tionen der
medianus
- und
radialis
-versorgten Muskulatur des linken Unterarmes
-
Anästhesie der Finger links mit erhöhter Verletzungsgefahr
-
Zustand nach offener
Ulnar
-Trümmerfraktur rechts
-
undislozierte
Abrissfrakturen
Processi
transversi
LWK 3/4
-
Rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
rechts bei Facettengelenks
irrita
tionen der unteren LWS-Segmente ohne begleitende
radikuläre
Störung
-
Schulterbeschwerden links vom funktionalen
myotendinotischen
Typ mit/bei
-
muskulärer
Dysbalance
-
aufgrund der Situation der distalen oberen Extremität links
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden Kopfschmer
zen
vom gemischt-förmigen Typ sowie anamnestisch ein Asthma bronchiale ge
nannt
(Urk.
9
/10
3
/17).
In der interdisziplinären Zusammenfassung
hielten die Gutachter aus dem inter
nistischen, rheumatologischen, handchirurgischen, neurologischen, neuropsy
chologischen und psychiatrischen Fach
fest, am 8. Februar 2005 sei der Be
schwerdeführer als Pannenhelfer auf der Autobahn von einem PKW angefahren worden und habe eine komplizierte Mehretagenfraktur des lin
ken Armes mit Ver
letzung und Abriss von Gefässen und Nerven, eine Trüm
mer
fraktur der rechten
Ulna
, eine Abrissfraktur der
Processi
transversi
LWK 3 und 4 sowie eine Riss
quetschwunde des Schädels erlitten. Laut Aktenlage habe kein Schädelhirntrauma bestanden. Am linken Arm seien zwischen 2005 bis 2008 zahlreiche
rekonstruk
tive
und plastische Operationen erfolgt, unter ande
rem auch eine
Handgelenks
arthrodese
. Die linke Hand sei bis heute praktisch nicht gebrauchsfähig, funktio
nell bestehe
Einhändigkeit
. Bei der Begutachtung be
klage der Beschwerdeführer durchgehend bei allen Gutachtern, dass durch den Unfall sein Leben
kaputtge
gangen
sei. Er habe seine Frau und die Arbeit ver
loren. Vorrangig würden belas
tungsabhängige und bei Kälte auftretende Schmer
zen in der linken oberen Extre
mität berichtet. In drei Fingern habe er kein Ge
fühl mehr und dadurch schon Verbrennungen erlitten. Beklagt würden auch links
seitige Schulterschmerzen und Kreuzschmerzen, die ihn aber nicht zu sehr
belasten würden. Kopfschmerzen wür
den unterschiedlich angegeben, nach Ak
ten
l
age seien sie nach dem Unfall aufge
treten und es seien zahlreiche Un
ter
suchungen an der Unive
rsitätsklinik F._
erfolgt. Die Ursache sei letztend
lich multifaktoriell eingestuft worden. Jetzt gebe der Beschwerdeführer fast täg
liche Kopfschmerzen an; dann verneine er diese wieder. Im Vergleich zu den Arm
schmerzen, gegen welche er Schmerzmittel ein
nehme, sei das kein Problem (Urk.
9
/10
3
/18
, 20 Ziff. 2.2
).
Die
Gutachte
r führten
weiter aus, bei der internistischen Begutachtung hätten sich keine Auffälligkeiten ergeben. Die handchirurgische Begutachtung habe als Unfallfolge den praktisch vollständigen Funktionsausfall des linken Armes be
stätigt. Da der rechte Arm voll einsatzfähig sei, werde eine 100%ige
Arbeitsfähig
keit für eine angepasste, einhändig durchführbare Tätigkeit attes
tiert.
Rheumato
logisch ergebe sich derselbe Befund nach komplexer Verletzung der linken oberen Extremität. Zusätzlich zeigten sich ein rezidivierendes
Lum
bo
vertebralsyndrom
und linksseitige Schulterbeschwerden, beides keine überwie
genden Unfallfolgen, sondern eher funktionell bei muskulärer
Dysbalance
be
dingt. Aus rheumatologi
scher Sicht ergebe sich eine 40%ige Einschränkung der Leistungsfähigkeit bei angepasster Tätigkeit im Rahmen eines vollen zeitlichen Pensums. Bei der neu
rologischen Begutachtung sei die schwere Schädigung des linken
Nervus
radialis
und
Nervus
medianus
nachweisbar. Aufgrund der geklagten Missempfindungen der linken oberen Extremität sowie beklagter Kopfschmerzen werde ebenfalls eine qualitative Leistungsminderung zwischen 30-50 % gesehen. Psychiatrisch liege keine eigenständige Erkrankung vor. Zwar sei der Beschwerdeführer durchaus
auch von
dysthymen
Elementen gezeichnet, aber nicht in einem Ausmass einer eigenständigen psychiatrischen Erkrankung. Antriebsstörungen im engeren Sinne lägen nicht vor. Insgesamt scheine es, dass die Beschwerden und Beeinträchti
gungen vergleichsweise undifferenziert be
schrieben würden. Selbstlimitierung und subjektive Leistungsinsuffizienz schie
nen
vorhanden zu sein. Trotz psychoso
zialer Belastung (viele Jahre ohne Arbeit, auf dem Weg des sozialen Abstiegs, Verlust der Ehefrau, Wohnungswechsel) sei es nicht zur Dekompensation auf psy
chischem Gebiet gekommen. Dennoch seien die Belastungen nicht unerheblich und beeinflussten natürlich auch die Stimmung des Beschwerdeführers. Da aber keine eigenständige Erkrankung vor
liege, bestehe aus psychiatrischer Perspektive keine Einschränkung der Leis
tung
s
fähigkeit (Urk.
9
/10
3
/19).
Sodann wurde im Gutachten festgehalten, bei beklagten Konzentrationsstörun
gen sei noch eine neuropsychologische Begutachtung durchgeführt worden. Allerdings seien sämtliche Testwerte dieser Untersuchung als ungültig zu be
trach
ten, da neuropsychologisch eine
unplausible
und logisch inkonsistente Symptom
produktion vorgelegen habe. Deshalb könne auch keine Aussage zur Arbeitsfä
higkeit abgeleitet werden (Urk.
9/103
/19). Der neuropsychologische Gutachter hielt in seinem Teilgutachten vom 5. April 2014 fest, die Leis
tung des Beschwer
deführers
sei
bei der neuropsychologischen Aufgabe, welche schwie
rig wirke, aber auch von hirnverletzten Personen in der Regel ohne Schwierigkeiten gelöst werden könne, ausserordentlich deutlich aufgefallen. Der Beschwerdeführer liege mit seiner Leistung mehr als 11 Standardabwei
chungen unter der
Leistung
von Personen, bei welchen keine Hinweise auf ein neuropsychologisch
unplausibles
Testverhalten vorlägen. Sehr deutliche neu
ro
psychologisch
unplausible
Leistun
gen habe der Beschwerdeführer auch beim
Abzeichnen einer komplexen geo
metrischen Figur erbracht, wobei er nicht nach
vollziehbare Fehler bei einfachen Mengen und einfachen Zuordnungen gemacht habe. Auch beim Benennen von Farbpunkten und beim Lesen von Farbworten habe er sehr viele Fehler gemacht. Vor dem Hintergrund seines ho
hen prämor
biden Bildungsniveaus sei auch die mittelschwer bis schwer vermin
derte Leis
tung bei einer visuellen Denkaufgabe absolut
unplausibel
, handle es sich doch bei Denkleistungen um kognitive Fer
tigkeiten mit hoher Stabilität, auch bei erlittenen Schädelhirntraumata. Nicht nachvollziehbar sei auch der ausgeprägte Schweregrad der gezeigten Gedächtnis
störungen (Urk.
9/103
/64 f.). Der neuro
psy
chologische Gutachter hielt deshalb fest, sämtliche Testwerte seien als un
gültig zu betrachten. Als Ursache für die
un
plausible
Symptomproduktion komme
in erster Linie eine Aggravation oder Simulation kognitiver Beeinträch
tigungen in Frage (Urk.
9
/10
3
/66).
In der polydisziplinären Beurteilung wurde weiter ausgeführt, eine Leistungs
ein
schränkung ergebe sich aufgrund der Unfallfolgen von 2005 mit schwerer Mehr
etagenfraktur und Nervenläsion des linken Armes. Die bisherige Tätigkeit als Chauffeur sei seit dem Unfall im Februar 2005 nicht mehr auszuführen. Bei funk
tioneller
Einhändigkeit
seien angepasste Tätigkeiten im vollen zeitlichen Pensum möglich. Vor allem aufgrund der Schmerzen am linken Arm, weniger am Kopf und am unteren Rücken, ergebe sich aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs und verlangsamten Arbeitstempos eine qualitative Leistungs
min
de
rung von ge
samthaft 40 %, sodass die Arbeitsfähigkeit 60 % betrage. Diese Arbeitsfähigkeit sei nach zahlreichen Operationen spätestens seit der Begut
achtung vom Septem
ber 2010 im Auftrag des Haftpflichtversicherers anzu
setzen. Die Gutachter seien bei nachvollziehbaren Befunden zu einem ähnlichen Ergeb
nis der
Leistungsbeur
teilung gelangt. Prognostisch sei betreffend die dist
ale linke obere Extremität der «Endzustand»
gegeben und keine Änderung
mehr zu erwarten
. Betreffend die Rü
ckensituation und auch die Schulterbe
schwer
den sei die Prognose durchaus als günstig zu bezeichnen (Urk.
9
/10
3
/19 f.)
.
Die Gutachter hielten fest, angepasste Tätigkeiten seien 8 Stunden pro Tag zu
mutbar bei einer verminderten Leistungsfähigkeit von 40 %. Möglich seien Tä
tigkeiten mit überwiegend leichter Belastung für die rechte obere Extremität. Überkopftätigkeiten seien zu vermeiden. Sinnvoll sei die Möglichkeit zur Ein
nahme von Wechselpositionen und ergonomisch günstigen Haltun
gen/Körper
positionen. Das Heben und Tragen von Lasten mit der rechten Ext
remität sei bis zu 10 kg zumutbar. Kniende, kauernde oder vorgebeugte Tätig
keiten seien zu vermeiden. Wegen der Sensibilitätsstörung der linken oberen Extremität seien Tätigkeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr und Verbrennu
ngs
gefahr zu vermei
den (Urk. 9/103
/21).
3.2.2
Das hiesige Gericht erkannte dem
MEDAS-Gutachten vom
9. Mai 2014
(Urk.
9/103)
volle Beweiskraft zu und erwog, die Einschätzung der Gutachter ent
spreche weitgehend der
jenigen der
Z._
-Ärzte im Gutachten vom 6. September 2010
(Urk. 9/
47)
. Weiter erwog es, vor dem Hintergrund der Feststellungen des neuropsycho
lo
gischen Gutachters und des bestehenden Hinweises auf Aggrava
tion oder Simulation sei auch eine weitere Überprüfung von möglichen kogniti
ven Funktionsbeeinträchtigungen kaum als zielführend zu betrachten (Urteil vom 29. Februar 2016 E. 4; Urk. 9/135).
Daran hielt das Gericht im vom Beschwerdeführer angestrengten Revisionsver
fahren
(
vgl. Sachverhalt
E. 1.3
hievor
)
fes
t. Insbesondere wie
s es darauf hin, Frau Dr. B._
habe weitgehend
offen gelassen
, ob ein Zusammenhang zwischen dem
pathologischen Hirn-SPECT-Befund und den geklagten kognitiven Minder
leistungen bestehe, indem sie ausgeführt habe, der Befund der Hirn-SPECT-Unter
su
chung müsse mit einer Fremdanamnese und den Befunden der bereits erfolgten neuropsychologischen Testungen korreliert werden. Die neuropsychologischen Testungen der MEDAS hätten eindeutige Hinweise auf Aggravation oder Simula
tion
kognitiver Beeinträchtigungen ergeben, deren
Beurteilung
wä
re vor diesem Hintergrund selbst bei Vorliegen der aktuellen Befunde der bildgebenden Unter
suchungen nicht anders ausgefallen
(Urteil vom 20. Dezember 2017 E. 4.2; Urk.
9/166)
.
3.3
D
ie
im Revisionsverfahren beauftragten Gutachter D
r
. med. D._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
lic
. phil. E._
, Fachpsy
chologe für Neuropsychologie,
erhoben keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 9/223/60
, 62 Ziff. 7.1.2
, 64
)
.
Der Psychiater hielt fest, weder im Gutachten der
Z._
[
v
om 6. September 2010; Urk. 9/71]
noch in demjenigen der
Medas
[
vom 9. Mai 2014; Urk. 9/
103
]
seien psychiatrische Diagnosen gestellt worden (Urk. 9/223/58).
Dr.
G._
habe in
seinem Verlaufsbericht vom 21.
Ok
tober 2019 eine mittelschwere kognitive Leistungsminderung, wahrscheinlich multifaktorieller Genese diagnostiziert und erwähne in diesem Zusammenhang
eine neuropsychologische Verlaufskontrolle vo
n
Juli 2019. Es resultiere ein mit
telschwer beeinträchtigtes kognitives Leistungsprofil, sämtliche kognitiven Funk
tionen würden sich auffällig zeigen.
Die subjektiv wahrgenommenen Defizite könnten objektiviert werden. Allerdings liege das genaue Testresultat dieser neu
ropsychologischen Abklärung nicht vor und es bleibe unklar, ob auch eine Symp
tomvalidierung durchgeführt worden sei und wenn ja welche. Es sei darum wahr
scheinlich etwas gewagt, von objektivierbaren neurokognitiven Einschränkungen zu sprechen. Auch habe Dr.
G._
in diesem Bericht eine rezidivierende depres
sive Störung mit aktuell bis mittelgradig depressiver Episode diagnostiziert, wobei unklar bleibe, worauf er sich abstützte, ein Psychostatus finde sich nicht und in den beiden psychiatrischen Vorgutachten sei diese Diagnose nicht gestellt worden (Urk. 9/223/59).
Weiter führte Dr.
D._
aus, i
m Rahmen der aktuellen psychiat
rischen Untersuchung sei die Beschwerdeschilderung des Beschwerdeführers auf
fällig gewesen. Sie sei nicht ausführlich erfolgt, er habe zwar spontan von Depression gesprochen, habe dabei aber im Wesentlichen psychosoziale Belas
tungsfaktoren wie seine Situation nach dem Unfall, de
n
Verlust der Arbeit, der Ehe etc. erwähnt. Bei
euthymer
Grundstimmung und affektiv uneingeschränkter Modulations
fähigkeit hätten sich aktuell
keine Hinweise für das Vorliegen einer depressiven Episode nach ICD-10 gefunden (Urk. 9/223/59).
In der neuropsychologischen Begutachtung von
lic
. phil.
E._
seien nicht au
thentische neuropsychologische Funktionsstörungen diagnostiziert worden. Möglicherweise bestehende kognitive Defizite könnten unter diesen Umständen differentialdiagnostisch nicht objektiviert werden. Herr
E._
habe diese Beurtei
lung in seinem Teilg
utachten ausführlich begründet (Urk.
9/
224)
. Damit decke sich diese Beurteilung mit derjenigen in der neur
o
psychologischen Voruntersu
chung von
lic
.
p
hil. H._
(
Medas
A._
; Urk. 9/60-67)
.
Der Explorand habe wiederum neuropsycho
logisch
unplausible
und logisch
inkonsistente Symp
tome produziert. Die Testresultate der neuropsychologischen Abklärung seien nicht verwertbar. Auf neuropsychologische Einschränkungen könne darum auf
grund dieser Testresultate nicht zuverlässig geschlossen werden. Sämtliche sub
jektiven Angaben des Exploranden zu Beschwerden und Beeinträchtigungen seien daher mit grosser Vorsicht zu geniessen. Weil man sich bei der psychiatri
schen Begutachtung sowohl für die Diagnose wie auch für die Leistungsein
schränkung wesentlich auf subjektive Angaben abstützen müsse, heisse das, dass keine psychiatrische Diagnose zuverlässig gestellt werden könne und dass auch keine Einschränkungen begründe
t werden könnten (Urk. 9/223/59
f.).
Dr.
D._
führte weiter aus, es se
i zwar der Konsum von illegalen Substanzen dokumentiert, auch für die Vergangenheit, die Diagnose einer Abhängigkeit lasse sich aber nicht eindeutig stellen, weil man sich auch bei dieser Diagnose auf subjektive Angaben des Exploranden abstützen müsse. Die diesbezüglichen An
gaben des Exploranden würden nicht für eine Abhängigkeit sprechen, es bleibe aber offen, ob diese Angaben zuverlässig seien (Urk. 9/223/67).
Die psychosozi
alen Belastungsfaktoren stünden im Vordergrund, auch für den Exploranden sel
ber. Ein psychisches Leiden von Krankheitswert lasse sich nicht eindeutig
dia
-
gnostizieren
(Urk. 9/223/68)
.
4.
4.1
4.1.1
Vorab ist festzuhalten, dass die
Rentenzusprache
gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 9. Mai 2014 allein wegen des somatischen Leidens
des Beschwer
deführers
erfolgte,
den
psychiatrisch und neuropsychologisch erhobenen Befun
de
n
wurde keine
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit
zugemessen
(E. 3.
2.
1
hie
vor
).
D
er neurologische
MEDAS-
Teilgutachter
hielt fest, der linke Arm sei nicht nur ausgefallen, sondern verursache aufgrund der Hypästhesie auch störende Missempfindungen und es bestehe eine gewisse Verletzungsgefahr
(Urk.
9/103/15
f.).
Zwar erlaubte die
funktionelle
Einarmigkeit
dem
Beschwerde
führer eine Ver
weisungst
ätigkeit in einem vollen Pensum, doch massen die Gut
achter den
auf
grund von Nervenläsionen bestehenden
Schmerzen am linken
Arm eine qualita
tive Leistungsminderung aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfes und ver
langsamten Arbeitstempos von gesamthaft 40
% zu. Die geklagten Kopf
schmer
zen wurde
n
aufgrund der E
innahme von Schmerzmitteln
wegen der Arm
be
schwerden
als nachrangig bezeichnet, ebenso die
Rücken- und Schulterbe
schwer
den
links
(insbes. Urk. 9/103/20 Ziff. 2.2).
Bezüglich Kopfschmerzen hätten die Schmerzmedikamente sehr gut geholfen und dies sei kein Problem mehr. Die do
kumentierten Abrissfrakturen der
Processi
transversi
LWK3/4 erlangten heute keine direkte Relevanz mehr. Sie könnten sich aber im Sinne von funktional
myo
-
tendinotischen
Störungen der tieferen Rückenmuskulatur auswirken. Eine
radi
kuläre
Störung dieser Segmente liege nicht
vor (Urk. 9/103/15).
Bereits die MEDAS-Gutachter wiesen
2014
darauf hin, eine Besserung der Ar
beitsfähigkeit in Bezug auf die linke obere Extremität sei nicht mehr möglich – Erreichen des Endzustandes
–,
es gehe vorrangig um die Sicherstellung des Sch
ut
zes und der Pflege der
Akren
(Finger)
und der Haut der linken Extremität. Für den Rücken mach
e
Physiotherapie und der bedarfsweise Einsatz von Analgetika Sinn, für die linke Schulter Physiotherapie
(Urk. 9/103/22 Ziff. 6).
Der
Regionale Ärztliche Dienst der Beschwerdegegnerin, Frau
med.
pract
. I._
, orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, hielt am 14. Juni 2014 dafür, eine Besserung in Zukunft sei aufgrund des degenerativen Charakters des Ge
sundheitsschadens nicht wahrscheinlich, weitere medizinische Massnahmen wür
den überwiegend wahrscheinlich keine Besserung der Arbeitsfähigkeit herbeifüh
ren (Urk. 9/109/4).
Die damalige gutachterliche Folgeabschätzung in Bezug auf die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ist im Rahmen des ärztlichen Ermessens erfolgt; das Sozial
versicherungsgericht hat dem MEDAS-Gutachten vom 9. Mai 2014 denn auch volle Beweiskraft zuerkannt (IV.2015.00070,
Urteil vom 29. Februar 2016 E.
4 [Urk. 9/135
]
).
4.1.2
Anlässlich der psychiatrischen und neuropsychologischen Untersuchungen im Juli 2020
klagte der Beschwerdeführer
ü
ber Müdigkeit, er könne sich nicht kon
zentrieren und keinen Sport machen (Urk. 9/223/4), im Vordergrund stünden die Schmerzen und die psychischen Schwierigkeiten (Urk. 9/224/4).
Am linken Arm sei er sehr sensibel, das linke Handgelenk sei versteift, er habe Mühe, die rechte Hand zu drehen (Urk. 9/223/46), er nehme viele Medikamente, habe einen schwe
ren Unfall gehabt, müsste mehrmals am Tag schlafen, habe Probleme mit der Konzentration, mit der linken Hand könne er nichts machen, er sei nicht mehr so geduldig wie vorher (Urk. 9/223/50).
Über
weitere
somatische B
eschwerden kla
g
t
e
der Beschwerdeführer nicht, wobei den Gutachten
D._
-
E._
nicht zu entneh
men ist, ob
d
er
Beschwerdeführer
explizit
danach befragt wurde.
Der behandeln
de Psychiater Dr. med. G._
diagnostizierte im Bericht vom 21. Oktober 2019 u.a. einen Status nach Unfall 2005 mit schweren Residuen (schwere Armverletzungen, chronische Schmerzen), ohne weitere Ausführungen dazu zu tätigen (Urk. 9/209/4).
Auch im Berich
t von Frau Dr. B._
vom 3.
August 2017 sind nur chronische Schmerzen erwähnt, ohne dass diese spezi
fiziert w
u
rden (Urk. 9/163/2).
Die Beschwerdegegnerin
hielt im Februar 2020 fest, der Beschwerdeführer habe im
Dezember
2015 ein Verschlechterungsgesuch eingereicht
(richtig: Gesuch zur Gewährung von Massnahmen der beruflichen Reintegration [Urk. 9/133], die Re
vision der laufenden Rente nahm die Beschwerdegegnerin nach dem Scheitern dieser Massnahme ab Mai 2017
von Amtes wegen
vor [Urk. 9/156])
, die
Diagnose der Hauptrente
sei
somatisch bedingt
gewesen, im
Verlauf des Verfahrens
seien noch
die psychischen Faktoren zum Vorschein
gekommen
, mit unter anderem auch mit Suchtmittelkonsum
(Urk. 9/225/10
). Die Beschwerdegegnerin hat im Re
visionsverfahren
jedoch
nicht abgeklärt,
ob sich bezüglich des somatischen Ge
sundheitszustandes eine
Verbesserung
eingestellt hat
.
4.1.3
Nachdem der Endzustand am linken Arm bereits anlässlich der
Rentenzusprache
erreicht war und dieses körperliche Leiden im Wesentlichen den
Invaliditätsgrad von 45 % (gemäss Urteil vom 29. Februar 2016 E. 5.5, Urk.
9/135/14) begründete, ist von Vornherein nicht überwiegend wahrscheinlich, dass sich der relevante somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit der rentenzu
spre
chenden Verfügung vom 27. November 2014 (
Urk.
9/110, 114) wesentlich ver
bessert hat.
Davon ist auch die Beschwerdegegnerin respektive deren RAD im Juni 2014 ausgegangen (E. 4.1.1
hievor
).
Der
am 31. Januar 2016 erlittene Treppensturz m
it einhergehender
commotio
ce
rebri, disloziertem Nasenbeinbruch und Kontusion der rechten Schulter
zog
einen operativen Eingriff an der Nase
nach sich
(Urk. 9/157-159), eine
Reoperation
im November 2016 (Urk. 9/162/3-6)
und eine
einmalige Verlaufskontrolle im Feb
ruar 2017 (Urk. 9/161/1, 162/1), führte jedoch aktenkundig und auch den
erlitte
nen
Verletzungen nach zu schliessen nicht zu einer längerdauernden Arbeitsun
fähigkeit.
Damit steht fest, dass sich der
somatische
Gesundheitszustand des Beschwerde
führers s
eit der Berentung
weder
wesentlich
verbessert noch verschlechtert hat, so dass kein Revisionsgrund
im Sinne von Art. 17 ATSG
gegeben ist.
4.2
4.2.1
Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte
bidisziplinäre
Gutachten
D._
-
E._
(Urk. 9/223-224) erfüllt die an ein
e
beweiskräftige ärzt
li
che Expertise gestell
ten Anforderungen vollum
fänglich (E. 1.4
).
So tätigten die Gutachter sorgfältige, umfassende Abklärungen
,
berücksichtig
ten die
vom Beschwerde
führer
ge
klagten Beschwer
den und be
grün
deten ihre Einschätzung in nachvoll
zieh
barer Weise so
wie in Auseinan
dersetzung mit den
Vorakten
.
Die Gutachter
legten die medizini
schen Zusam
menhänge und die medizinische Situation einleuchtend dar und be
grün
deten ihre Schlussfolgerungen nachvollziehba
r, Dr.
D._
insbesondere auch unter Berücksichtigung der Erkenntnisse des neuropsychologischen Gutachters (E.
3.3
hievor
).
Dem Gutachten k
ommt somit volle Beweiskraft zu
(E.
3.3
hievor
).
Die Gutachter kamen im Wesentlichen zum Schluss,
es lägen – wie bereits an
lässlich des
Z._
- und des MEDAS-Gutachtens in den Jahren 2010 und 2014
festgestellt
(Urk.
9/71, 9/103)
–
keine psychiatrischen
Diagnosen vor.
Dies kor
respondiert mit den Ausführungen des
Beschwerdeführers gegenüber Dr.
D._
, wonach er nicht denke, psychisch krank zu sein, er gehe seit drei Jahren zum Psychiater, damit er jemanden zum Reden habe, dem könne er alles sagen (Urk.
9/223/45).
D
ie
neuropsychologische
n
Funktionsstörungen
wurden wie bereits anlässlich des MEDAS-Gutachtens als nicht authentisch qualifiziert, möglicherweise bestehende kognitive Defizite konnten unter diesen Umständen nicht objektiviert werden.
Daran ändert auch
der Bericht von Frau Dr. B._
vom 3. August 2017 (Urk.
9/163/2-3) nichts. Der RAD setzte sich mit diesem Bericht und der darin gestellten Diagnose einer kognitiven Leistungsminderung und möglicher Überla
gerung mit einem beginnenden neurodegenerativen Prozess aus dem Formenkreis der
frontotemporalen
Lobärdegeneration
(Hirn-
Spect
mit Hypometabolismus
frontotemporal
beidseits) gestützt auf die einschlägige medizinische Literatur
ein
gehend
auseinander und kam zum Schluss, da ausser den kognitiven Leistungs
einbussen und einem Hypometabolismus
frontotemporal
beidseits keine weiteren Auffälligkeiten beschrieben worden seien, sei die Diagnose einer
frontotempora
len
Demenz aktuell eher unwahrscheinlich (Urk. 9/225/4-5).
Eine Suchterkrankung, die sich allenfalls invalidisierend auswirken könnte (BGE 145 V 215), ist beim Beschwerdeführer gestützt auf das
Gutachten
D._
-
E._
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
4.2.2
Da weder bei
Rentenzusprache
noch im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom 4. März 2021 psychiatrische Diagnosen vorlagen, schon gar nicht solche mit
Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit, und
ebensowenig
valide neuropsycholo
gische Funktionseinbussen, ist offensichtlich, dass es seit der
Rentenzusprache
weder zu einer Verbesserung noch zu einer Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers gekommen ist.
4.3
4.3.1
Wenn die Beschwerdegegnerin im «Feststellungsblatt für den Beschluss» aus
führte, es sei zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen, gemäss Gutachten sei seit jeher keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen (Urk. 9/225/13), trifft dies nicht zu, da nie eine für die Invalidenversicherung relevante psychiat
rische Diagnose gestellt wurde. Sodann kann die Beschwerdegegnerin auch nicht gehört werden, wenn sie sich in der ang
efochtenen Verfügung darauf beruft
, es lägen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen vor, welche die Erwerbsfähig
keit des Beschwerdeführers beeinflussen würden (Urk. 2 S. 2).
Nach dem
in E. 4.1
hievor
Gesagten
leidet der Beschwerdeführer nach wie vor unter de
n
gleichen Beschwerden seitens des linken Armes, die zur Berentung mit einer
Viertelsrente
geführt hatten. Die Beschwerdegegnerin
hat nicht
– schon gar nicht mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit – au
fgezeigt, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse
seither
wesentlich verändert hätten.
Mithin ist von einem seit der rentenzusprechenden Verfügung für die Rentenre
levanz unveränderten Gesundheitszustand auszugehen, weshalb
kein Revisions
grund
im Sinne von Art. 17 ATSG vorliegt,
der es erlauben würde, die
Viertels
rente
des Beschwerdeführers aufzuheben.
4.3.2
D
ie
Rentenzusprache
vom 27. November 2014
war in Anbetracht des damals aus
geübten gutachterlichen Ermessens (E. 4.1.1
hievor
) nicht zweifellos unrichtig, weshalb die Rentenaufhebung von der angerufenen Instanz nicht mit
der
substi
tuierten Begründung
der Wiedererwägung
geschützt werden kann (vgl. BGE 144 I 103 E. 2.2), zumal einer Wiedererwägung das Urteil des Sozial
versicherungsgerichts vom 29.
Februar 2016
entgegensteht.
4.4
Dies führt
in teilweiser Gutheissung der Beschwerde
zur Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung und zur Feststellung, dass der Beschwerdeführer über den 30. April 2021
hinaus
Anspruch auf die bisher gewährte
Viertelsrente
hat.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Der Beschwerdeführer wurde mit Verfügung vom 23. April 2021
wegen einer offenen Forderung der Gerichtskasse von Fr. 500.-- aus dem Prozess IV.2017.01196 (Sachverhalt E. 1.3)
zur Leistung eines Kostenvorschusses von F
r.
1'000.-- verpflichtet. Die
se
Forderung trat das Sozialversicherungsgericht
Ende 2018
der
dem Obergericht des Kantons Zürich
angegliederten
Zentralen In
kassostelle ab. Der Beschwerdeführer beglich die
offene
F
orderung am 20.
No
vember 2020 vollständig, weshalb ihm der g
e
leistete Kostenvorschuss zurückzu
erstatten ist.
5.3
Der nicht anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversi
cherungsgericht Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksich
tigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
auf Fr.
800.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen ist.