Decision ID: aad4a4b5-a3fb-4569-98e8-11387fd201df
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, war von Februar 2010 bis Juli 2013 als Kursleiterin bei der
Y._
angestellt, wobei der letzte Arbeits
tag am 2
1.
Dezember 2012 war (vgl.
Urk.
11/15). Am 2
5.
Juni 2013 meldete sie
sich wegen einer Erschöpfungsdepression bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
11/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/22) mit Verfügung vom
4.
Juni 2014 einen Leis
tungsanspruch der Versicherten (
Urk.
11/23).
Am 1
4.
September
2015 meldete sich die Versicherte wegen wiederkehrenden Burn-Outs und Depressionen erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
11
/25).
Die IV-Stelle tätigte erneut medizinische (
Urk.
11/33) und erwerbliche (
Urk.
11
/34) Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/38-39;
Urk.
11/42), in dessen Rahmen sie der Versicherten eine Schaden
minderungspflicht (
Urk.
11/45) in Form einer regelmässigen fachpsychiatrischen
Behandlung auferlegte, mit Verfügung vom 2
5.
Mai 2016 einen Leistungsan
spruch
der Versicherten
(
Urk.
11/46)
.
1.2
Am
9.
Januar 2019 meldete sich die Versicherte erneut an und machte eine Ver
schlechterung geltend (
Urk.
11/51). Die IV-Stelle tätigte die erforderlichen Abklä
rungen. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/60;
Urk.
11/73) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3
0.
Dezember 2019 einen Leistungs
anspruch der Versicherten (
Urk.
11/76 =
Urk.
2).
2.
Am
3.
Februar 2020 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 3
0.
Dezember 2019 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die
Zusprache
einer ganzen Rente ab Juli 2019, eventuell die Durchführung einer Begutachtung (
Urk.
1 S. 1). Mit Beschwerdeantwort vom
4.
Mai 2020 (
Urk.
10) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, wovon die Beschwerde
füh
rerin am 2
2.
Mai 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
12).
Mit Eingabe vom
5.
Juni 2020 (
Urk.
14) ersuchte die Beschwerdeführerin nach Mandatierung einer Rechtsanwältin um Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels, welcher mit Gerichtsverfügung vom 1
5.
Juni 2020 unter gleichzeitiger
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung und Prozessführung (vgl.
Urk.
1 S. 1;
Urk.
14 S. 1) gewährt wurde (
Urk.
16). Mit Replik vom 2
6.
Oktober 2020
(
Urk.
19) hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest. Die Beschwerde
geg
nerin verzichtete am 1
0.
Deze
mber 2020 auf Duplik, wovon die Beschwer
deführerin am 1
4.
Dezember 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
23).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch
zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
benem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
di
tätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Es lägen keine Diagnosen mit lang dauernder und erheblicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor (S. 1).
Es würden immer wieder verschiedene psy
chosoziale Belastungsfaktoren erwähnt. Weiter begründeten Persönlichkeits
stö
rungen an sich keine Arbeitsunfähigkeit (S.
2). In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
10
) hielt die Beschwerdegegnerin fest,
die
Ärztin
des Regionalen Ärztlichen
Dienstes (RAD)
Z._
sei Fachärztin für Psychiatrie und habe sich mit den medizinischen Akten auseinandergesetzt.
Der Aktenbericht erfülle die Anforde
rungen an den Beweiswert einer medizinischen Expertise. Es bestehe kein An
spruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1),
aus näher dargelegten Gründen nicht arbeitsfähig zu sein, was fachärztlich bestätigt werde (S. 6 unten f.). Auf die Beurteilung durch
Dr.
Z._
könne nicht abgestellt werden
. Die angefochtene Verfügung sei ungenügend begründet (S. 7, S. 9).
Die behandelnden Fachpersonen dokumentierten eine Verschlechterung (
Urk.
19 S. 3
Ziff.
2) und die einschränkenden Diagnosen seien seit langem dokumentiert (S. 5
Ziff.
4 f.). Ihre Beschwerden könnten entgegen der Darstellung von
Dr.
Z._
nicht auf ein
p
rämenstruelles
Syndrom zurückgeführt werden (S. 9
Ziff.
8.1).
Aus näher dargelegten Gründen könne ihre Situation nicht mit psychosozialen Be
las
tungsfaktoren abgetan werden (S. 11
Ziff.
11 f
f
.).
Der Einschätzung der RAD-Ä
rztin komme kein genügender Beweiswert zu (S. 19). Es seien ergänzende Ab
klärungen erforderlich (S. 21).
2.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob sich der Gesundheitszustand und die Arbeits
fähigkeit der Beschwerdeführerin seit Erlass der Verfügung vom 2
5.
Mai 2016
(
Urk.
11/46; vgl. vorstehend E. 1.4) in anspruchsrelevanter Weise verändert haben
.
3.
3.1
Der anspruchsverneinenden Verfügung vom 2
5.
Mai 2016 (
Urk.
11/46) lagen die folgenden medizinischen Berichte zugrunde:
Die Fachleute der
A._
diagnostizierten mit Austrittsbericht vom 1
2.
Februar 2015 (
Urk.
11/29/1-3) über den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom
8.
bis 1
2.
Februar 2015 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (S. 1).
Die Patientin habe berichtet, sich im stationären Rahmen sehr gut erholt zu haben, und habe sich für eine Weiterbehandlung im tagesklinischen Setting entschieden. Sie sei am fünften Behandlungstag in leicht gebessertem Zustand in die vorbekannten Verhältnisse ausgetreten (S. 2).
3.2
Die Ärzte der Akut-Tagesklinik der
A._
stellten mit Austrittsbericht vom
8.
Mai 2015 (
Urk.
11/29/4-7) über die teilstationäre Behandlung vom 1
6.
Februar bis 2
4.
April 2015 unverändert die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig mittelgradige Episode
(S. 1). Die Patientin habe eine Sympto
matik mit «Schüben» beschrieben, die intermittierend mindestens einmal im Monat
aufträten und einen sozialen Rückzug zur Folge hätten.
Zudem habe sie ein
Gefühl der Gefühllosigkeit und leide an Essattacken. Diese träten meist im Zu
sammenhang mit Verzweiflung, Aggressivität und innerer Anspannung auf. Sie habe diese Schübe seit etwa drei Jahren. Vor etwa zwei Jahren habe sie ein «Burn-Out» gehabt und ihre Arbeitsstelle als Lehrerin verloren. Als weitere Belastungs
faktoren habe sie einen seit drei Jahren bestehenden unerfüllten Kinderwunsch, finanzielle Sorgen und Sorgen um die Gesundheit ihres Vaters genannt
(S. 1). Ein Schwangerschaftstest während des Aufenthalt
s
sei positiv gewesen (S. 2 unten).
Die Medikation wolle sie auf eigene Initiative gerne weiter nehmen. Die de
pres
sive Symptomatik bei Eintritt sei während der Behandlung vollständig remit
tiert (S. 3).
3.3
Lic
. phil. B._
, Psychotherapeutin, stellte mit Bericht vom
4.
Dezember 2015 (
Urk.
11/33) folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Verdacht auf bipolare II-Störung (ICD-10 F31.8)
Die Diagnosen einer abhängigen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) sowie von Essattacken (ICD-10 F50.4) hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Die Beschwerdeführerin habe eine sehr sch
wierige Beziehung zu ihrem demen
z
kranken Vater, aber eine
enge Beziehung zu ihrer Mutter und
sonst sehr wenige soziale Kontakte. Ihr Partner sei seit zwei Jahren arbeitslos und die Beziehung werde zunehmend schwierig. Am
1.
Dezember 2015 sei sie Mutter einer Tochter geworden. Die Prognose sei schwierig zu stellen, aber eher günstig. Die schon länger anhaltende schwierige psychosoziale Situation mit dem arbeitslosen Partner, finanziellen Sorgen, Problemen in der Beziehung usw.
,
erschwere die Genesung (
Ziff.
1.4).
Als Fremdsprachenlehrerin sei die Beschwerdeführerin seit
1.
August 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6).
3.4
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, hielt am 2
0.
Januar 2016 (
Urk.
11/37/4-5) fest, depressive Episoden seien schon früher beschrieben worden. Die Diagnose einer Panikstörung sei nicht nachvollziehbar, da im psychopathologischen Befund
lediglich Panikattacken beschrieben würden, nicht
aber
wann diese aufträten und wie die Symptomatik sei. Zudem könnten diese im Rahmen einer Depression auftreten. Der Verdacht auf eine bipolare II-Störung habe keine IV-Relevanz, zudem wäre diese Diagnose auch nicht nach
vollziehbar.
Offenbar sei die aktuelle depressive Symptomatik erneut bei psycho
sozialen Belastungen aufgetreten (Arbeitslosigkeit, unerfüllter Kinderwunsch, finanzielle Sorgen und Sorgen um die Gesundheit des Vaters). Es handle sich um
eine Neubeurteilung eines bekannten Sachverhaltes; in diesem Sinne habe sich der Gesundheitszustand nicht verändert. Psychosoziale Belastungsfaktoren stün
den im Vordergrund.
3.5
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
nahm
lic
. phil.
B._
am 1
8.
April 2016 Stellung
(
Urk.
11/41)
und führte aus, es seien während der Therapie wiederholte leichte bis mittelgradige depressive Episoden aufgetreten. Die Patien
tin
berichte
über wiederkehrende hypomanische Episoden
, welche im Abstand von wenigen Wochen mit unterschiedlicher Intensität aufträten. Ebenso
komme es zu
Panikattacken mit Herzrasen, Schwindel, Hyperventilation, Taubheits
gefühl in Armen und Beinen, Erstickungsangst, Depersonalisation und Schwitzen, wel
che von der Patientin als «Schübe» bezeichnet würden, jedoch durchaus im Rah
men der depressiven Störung aufgetreten sein könnten (
S. 1).
Die Diagnose laute wie folgt (S. 2):
-
bipolare II-Störung mit hypomanischen
kurzphasischen
Störungen und längeren depressiven Episoden (ICD-10 F31.8)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
Status nach Burn-Out Syndrom, Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F73.0)
-
abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
Die Arbeitsfähigkeit der Patientin sei eingeschränkt
. V
om 2
9.
Juli 2014 bis 31.
Oktober 2015
habe die Arbeitsunfähigkeit
100
%
betragen. Aktuell sei eine Testung der Belastbar
keit
und Leistungsfähigkeit zu empfehlen
(S. 2).
3.6
Zu diesem Bericht nahm ein Kundenberater
der Beschwerdegegnerin
am 2
5.
Mai 2016 (
Urk.
11/44/1-3) Stellung und hielt zum medizinischen Sachverhalt fest, es würden keine neuen medizinischen relevanten Arztberichte eingereicht, neue Befunde lägen nicht vor und eine aktuelle fachmedizinische Behandlung sei nicht aktenkundig. Somit könne weiterhin auf die Stellungnahme durch
Dr.
Z._
vom 2
0.
Januar 2016 abgestellt werden (S. 2). Aufgrund des klaren medizinischen Sachverhalts sei eine abschliessende Stellungnahme durch den RAD nicht mehr nötig (S. 3 oben).
4.
4.1
Seither ergingen die folgenden Arztberichte:
Die Fachleute der
C._
stellten mit Bericht vom 1
5.
Februar 2019 über den stationären Aufenthalt der Beschwer
de
führerin vom
1
9.
November 2018 bis zum 1
2.
Januar 2019 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
-
anankastische
(zwanghafte) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (Differential
diag
nose:
Zyklothymia
)
-
Migräne, nicht näher bezeichnet
-
prämenstruelle
Beschwerden
Die Patientin sei zunächst zu einem Vorgespräch erschienen und habe dabei eine mittelgradige depressive Symptomatik mit Störung der Vitalgefühle, Depressi
vi
tät, Hoffnungslosigkeit, Insuffizienzgefühlen, Konzentrationsstörungen und redu
ziertem Antrieb geschildert. Bei Eintritt seien jedoch die Kriterien für eine de
pressive Episode im Vergleich zum Vorgesp
räch nicht mehr erfüllt gewesen, auch zu keinem späteren Zeitpunkt des stationären Aufenthaltes. Es hätten sich jedoch Schwankungen in der Stimmung und Krisen gezeigt, in denen der Patientin alles zu viel gewesen sei, sie sich überfordert gefühlt und zurückgezogen habe. Zudem habe es auch Phasen gegeben, in denen die Patientin viele Pläne für die Zukunft und viele Ideen mit grossem Tatendrang gehabt habe, was aber zu keinem Zeit
punkt dem Ausmass einer (hypo-)manischen Phase entsprochen habe
(
Ziff.
2.2). Während des stationären Aufenthalts habe volle Arbeitsunfähigkeit bestanden (
Ziff.
1.3).
Eine längerfristige Prognose zur Arbeitsfähigkeit
sei aktuell schwer zu treffen. Es sei davon auszugehen, dass sich die Arbeitsfähigkeit der Patientin erhöhen könne, es sei jedoch mit längerfristigen Einschränkungen und/oder schwankender Arbeitsfähigkeit zu rechnen (
Ziff.
2.7). Während Krisen brauche sie Unterstützung in der Kinderbetreuung (
Ziff.
4.5).
4.2
Dr.
med. D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte mit Bericht vom 2
4.
April 2019 (
Urk.
11/58) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
rezidivierende Depressionen mit starker Erschöpfung (ICD-10 F33.11)
-
Verdacht auf bipolare II-Störung
-
Angstsymptomatik mit Panikattacken (ICD-10 F41.3)
-
Persönlichkeitsstörung mit abhängigen (asthenischen) und perfektionis
tischen (
zwanghaften) und emotional instabilen Zügen (ICD-10 F60.7, 60.5, 60.31)
Ein unter anderem zu diagnostizierendes
prämenstruelles
Syndrom habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Die Beschwerdeführerin sei von November 2017 bis September 2018 zu 70
%
und seit Oktober 2018 bis auf Weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig. Die Besserung durch Klinikaufenthalt habe leider nicht angehalten (
Ziff.
2.1). Die Testung habe im Zeitpunkt der Berichterstattung eine leicht depressive Symptomatik ergeben. Die Depression bewirke zusammen mit der asthenischen Panikstörung ein massiv her
ab
gesetztes Selbstwertgefühl
und tiefes Selbstvertrauen. Die Persönlichkeits
diagnostik zeige abhängige, zwanghafte und
Borderline
-Anteile (
Ziff.
2.4).
Die Beschwerdeführerin sei höchstens 1-2 Stunden täglich und nicht ausserhalb des Hauses belastbar. Eine vollständige Arbeitsfähigkeit werde wohl mittelfristig nicht erreicht werden können (
Ziff.
2.7). Die Funktionseinschränkung bestehe aufgrund von starker Ermüdbarkeit, rascher Reizüberflutung und Überforderung. Bei Zeitdruck und schnell aufkommendem überhöhtem Verantwortungsgefühl entstehe eine Angstzunahme und Konzentrationsverlust (
Ziff.
3.4). Zur Zeit habe sie kaum Kraft für Tätigkeiten ausser Haus und komme mit der Hausarbeit und Kinderbetreuung knapp nach (
Ziff.
4.4).
4.3
Zum Bericht der Fachleute der
C._
hielt
Dr.
Z._
am 2
6.
Juli 2019 (
Urk.
11/59/4) fest, es seien zwar verschiedene Persönlichkeitsmerkmale beschrie
ben worden, eine Persönlichkeitsstörung sei jedoch nicht gemäss den ICD-10 Kriterien hergeleitet worden. Im Bericht von
Dr.
D._
finde sich kein psychopa
tho
logischer Befund,
sondern
lediglich Aussagen der Beschwerdeführerin, der es angeblich zyklusabhängig einmal im Monat schlecht gehe. Insgesamt könne eine mittelgradige depressive Symptomatik nicht nachvollzogen werden, zudem sei während der
Hospitalisation
in der
C._
eine Remission der depressiven Symptomatik beschrieben worden. Weder die Persönlichkeits- noch die Angst
störung sei gemäss ICD-10 Kriterien hergeleitet worden. Im Arztbericht werde im Prinzip ein t
ypisches
p
rämenstruelles
Syndrom beschrieben, was nicht IV-rele
vant sei. Es sei unklar, weshalb die Beschwerdeführerin nicht mehr auf dem
erlernten und vorgängig ausgeübten Beruf arbeiten könne. Nachvollzogen we
rden könnten Funktionseinschr
änkungen während der Phase des
p
rämenstruellen
Syndroms, nicht aber, dass sie anhaltend aufträten.
Ein langanhaltender Gesund
heitsschaden sei aktuell nicht ausgewiesen.
4.4
Zu dieser Einschätzung nahm
Dr.
D._
am 1
1.
November 2019 (
Urk.
11/69) wie folgt Stellung: Die Stimmungsschwankungen der Beschwerdeführerin hätten vor
wie
gend mit der Diagnose der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.31) zu tun. Eine frühere hormonelle Behandlung habe wenig an den Stim
mungsschwankungen geändert. Der hormonelle Zyklus sei nicht ursächlich ent
scheidend, sondern höchstens verstärkend. Weiter seien die Persönlichkeits
diagnosen bereits durch mehrere Ärzte und Psychologen über mehrere Jahre, in denen die Beschwerdeführerin nicht arbeitsfähig gewesen sei, gestellt worden, und sollten deshalb nicht in Frage gestellt werden (S. 1). Es sei im April 2019 eine Persönlichkeitstestung erfolgt, welche eine emotional instabile /
Borderline
, eine zwanghafte und eine
dependente
Persönlichkeitsstörung gezeigt hätten (S.
1 unten f.).
Dr.
D._
äusserte sich sodann zu der Herleitung
der Diagnosen
gemäss ICD-10 Kriterien (S.
2
f.) und
begründete ihre Einschätzung, wonach die Be
schwerdeführerin mittelfristig zu 100
%
arbeitsunfähig sei und seit mehreren Jahren die Bedingungen für eine volle Berentung erfülle (S. 3 f.).
4.5
Dr.
Z._
nahm dazu am 1
7.
Dezember 2019 (
Urk.
11/74/2-4) Stellung und hielt im Wesentlichen und unter näherer Begründung fest, die Diagnosen einer Persön
lichkeitsstörung wie auch die anderen gestellten Diagnosen würden weiterhin nicht adäquat hergeleitet. Zudem habe zwischen 2015 und 2017 offenbar keine psychiatrische Behandlung stattgefunden.
Persönlichkeitsstörungen
begründeten an sich keine Arbeitsunfähigkeit. Es seien immer wieder verschiedene psycho
soziale Belastungsfaktoren vorhanden gewesen, die im aktuellen Bericht
auf
fälli
gerweise
nicht erwähnt würden. Insgesamt würden keine neuen medizinischen Tat
sachen vorgebracht.
5.
5.1
Hinsichtlich der von der Beschwerdeführerin eingereichten Arztberichte aus den Jahren 2000 (
Urk.
20/2), 2001 (
Urk.
20/6-7), 2007 (
Urk.
20/21;
Urk.
20/23) und 2009 (
Urk.
20/10) ist festzuhalten, dass diese ausserhalb des vorliegend rele
vanten Zeitraums (
vorstehend E. 2.3) ergangen sind
.
Weiter können d
en einge
reichten weiteren Berichten und Dokumenten der
C._
(
Urk.
20/5, 20/9) sowie dem Bericht des
E._
(
Urk.
20/20) keine Angaben über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer angepassten und in der an
gestam
mten Tätigkeit entnommen werden. Diese Dokumente finden deshalb vorlie
gend keine Berücksichtigung.
5.2
Im Jahr 2015 begab sich die Beschwerdeführerin infolge einer rezidivierenden
depressiven Störung, mittelgradige Episode, zunächst in stationäre und danach in
teilstationäre Behandlung (vorstehend E. 3.1-3.2). Bei deren Beendigung im April 2015 war die depressive Symptomatik vollständig remittiert (v
orstehend
E.
3.2), was die behandelnde Psychologin
lic
. phil.
B._
im Dezember 2015 bestätigen konnte. Sie nannte zusätzlich zu dieser Diagnose diejenige einer Panik
störung und eines Verdachts auf eine bipolare II-Störung; die Diagnosen einer abhängigen Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) sowie von Essattacken (ICD-10 F50.4) hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Lic
. phil.
B._
wies auf eine schwierige psychosoziale Situation hin, welche die Prognose erschwere, und ging von einer vollen Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit ab
1.
August 2015 aus. Zur Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit äusserte sie sich nicht (vorstehend E. 3.3). Im Rahmen des
Ein
wandverfahrens
wies sie darauf hin, dass während der Therapie wiederholte leichte bis mittelgradige depressive Episoden aufgetreten seien, und ging nun nicht mehr von einem Verdacht, sondern von einer bipolaren II-Störung mit hypomanischen
kurzphasischen
Störungen und längeren depressiven Episoden (ICD-10 F31.8) aus. Sie empfahl eine Testung der Belastbarkeit und Leistungs
fähig
keit (vorstehend E. 3.
5
).
Zum ersten Bericht von
lic
. phil.
B._
nahm
Dr.
Z._
Stellung und hielt im Wesentlichen fest, die darin gestellten Diagnosen seien zu wenig be
gründet und die Symptomatik sei erneut bei psychosozialer Belastung aufge
treten, diese stehe im Vordergrund (vorstehend E.
3.4). Zum zweiten Bericht äusserte sich
nur
ein Kundenberater der Beschwerdegegnerin (vorstehend E. 3.6).
Somit bestand vor Erlass der Verfügung vom 2
5.
Mai 2016 folgende Situation: Es lagen Berichte der behandelnden Klinik vor, aus denen
- naturgemäss -
keine genügende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tätigkeit ersichtlich waren, weiter zwei Berichte der behandelnden Therapeutin, die jedoch nicht Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist. RAD-Ärztin
Z._
erfüllt zwar diese Voraussetzung, ihre
kurze
Aktenbeurteilung beschränkte sich jedoch im Wesentlichen auf
die Feststellung
, dass die Diagnosen nicht nachvollziehbar seien. Eine Begründung für diese Beurteilung wurde nicht abgegeben. Zu den psychosozialen Belastungsfaktoren, die gemäss
Dr.
Z._
im Vordergrund stünden, zählte sie einen unerfüllten Kinderwunsch, obwohl die Beschwerdeführerin
, was aktenkundig war
(vorstehend E. 3.3)
,
kurz zuvor Mutter geworden war.
Ob
psychosoziale Faktoren
den Wirkungsgrad ein
er unabhängig von den invaliditätsfrem
den Elementen bestehenden Folge
des
Gesundheits
scha
dens beeinflussten
und sich damit
mittelbar invaliditätsbegründend
auswirkten,
wurde nicht genügend abgeklärt
.
Zur Stellungnahme von
lic
.
phil
.
B._
im Rahmen des
Einwandverfahrens
nahm sodann lediglich ein Kunden
berater Stellung. Die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin vor Erlass der Verfügung vom 2
5.
Mai 2016
erscheint insgesamt
als
ungenügend abgeklärt.
5.3
In der Folge hielt sich die Beschwerdeführerin während zwei Monaten
(November 2018 bis Januar 2019)
stationär in der
C._
auf, wo festgehalten wurde, dass weder bei Eintritt noch während des Aufenthalts die Kriterien für eine depressive Episode erfüllt gewesen seien. Eine bipolare II-Störung wurde verneint Die Fachpersonen wiesen
jedoch
hinsichtlich
der
Arbeitsfähigkeit darauf hin, dass mit längerfristigen Einschränkungen und/oder schwankender Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei (vorstehend E. 4.1).
Fachärztin
Dr.
D._
hielt
nach dem Klinikaustritt der Beschwerdeführerin
in ihrem Bericht vom 2
4.
April 2019 (vorstehend E. 4.2) fest, die Besserung durch den Klinikaufenthalt habe leider nicht angehalten. Sie diagnostizierte rezidivierende Depressionen mit starker Erschöpfung, erneut einen Verdacht auf eine bipolare II-Störung, eine Angstsymptomatik mit Panikattacken und eine Persönlichkeitsstörung mit abhängigen, perfektionistischen und emo
tional instabilen Zügen. Sie legte begründet dar, wie sich die Einschränkungen (starke Ermüdbarkeit, rasche Reizüberflutung und Überforderung, Angstzunahme und Konzentrationsverlust) auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirken würden, und reichte in ihrer Stellungnahme vom 1
1.
November 2019 eine Herleitung der von ihr gestellten Diagnosen nach (vorstehend E. 4.4). Dass, wie
Dr.
Z._
der Meinung war, im Wesentlichen
ein typisches
p
rämenstruelles
Syndrom vorliege (vgl. vorliegend E. 4.3), kann aus den Berichten von
Dr.
D._
nicht eindeut
ig geschlossen werden, zumal
Dr.
D._
diese Diagnose ausdrücklich nicht als sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkend klassierte (vorstehend E. 4.2). Ebenfalls ist fraglich, ob angesichts der neu
er
en Rechtsprechung des Bundesge
richts bei psychischen Bes
chwerden (vorstehend E. 1.5
) der Einschätzung durch
Dr.
Z._
, wonach Persönlichkeitsstörungen an sich keine Arbeitsunfähigkeit begründen könnten, gefolgt werden kann. Der Einfluss allfälliger psychosozialer Faktoren
auf das Krankheitsbild
blieb
zudem
weiterhin ungeklärt.
5.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Vorliegend liegen zwei sich widersprechende Einschätzungen von zwei Fachärzt
innen zur Frage, ob und welche Diagnosen zu stellen sind,
und wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit verhält,
vor. Bei derjenigen von
Dr.
D._
ist zwar dem Um
stand Rechnung zu tragen, dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versiche
rungsansprüche erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfah
rungs
tatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezial
ärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten
in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E.
4.1
). Dennoch kann den Angaben von
Dr.
D._
nicht von vornherein jeglicher Beweiswert abgesprochen werden, und ihre Angaben sind geeignet, Zweifel an der Beurteilung durch
Dr.
Z._
zu wecken. Denn der Beweiswert von RAD-Be
richten ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
nur ver
gleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versicherungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts
8C_197/2014 vom
3.
Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2
; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7). Hinzu kommt der bereits dargelegte Umstand, dass im Vorfeld der Verfügung vom 2
5.
Mai 2016 die Abklärungen
als
nicht genügend
erscheinen
. Dies erschwert die Prüfung der
vorliegend massgeblichen
Frage, ob eine Verschlechterung einge
treten ist.
Vielmehr wurde der Gesundheitszustand bislang nicht genügend abgeklärt.
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass eine seit Erlass der Verfügung vom 2
5.
M
ai 2016 eingetretene
Verschlechterung
anhand der vorhandenen medizini
schen Akten
weder bestät
igt noch ausgeschlossen werden kann. Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.6
Vorliegend wurde nach dem Gesagten der Sachverhalt zu wenig abgeklärt, wes
halb es angezeigt ist, die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ein
rechtsgenügliches
psychiatrisches Gutachten einholt, welches sich zur Diagnose, der Frage der Arbeitsfähigkeit in der angestammten und einer angepassten Tätigkeit und derjenigen einer allfälligen Verschlechterung seit Mai 2016 zu äussern hat. Allenfalls sind die Statusfrage zu prüfen und gemäss dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» bei Eingliederungsfähigkeit auch Eingliede
rungsmassnahmen zu prüfen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
)
.
Gemäss
§ 7 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
6.3
Der von Rechtsanwältin
Dr.
Silvia Bucher geltend gemachte Aufwand von ins
gesamt
39 Stunden beziehungsweise
Fr.
8‘837.40
(
Urk.
24)
ist der
Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses in keiner Weise
angemessen. D
ies insbesondere, als die von der Beschwerdeführerin
selber
verfasste Beschwerde
schrift (
Urk.
1) den Anforderungen vollumfänglich genügte. Zwar hat das Gericht der Beschwerdeführerin dennoch die unentgeltliche Rechtsvertretung gewährt und damit deren Notwendigkeit bejaht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Be
schwerde vom
3.
Februar 2020 in der Beurteilung der Angemessenheit der Auf
wen
dungen der Rechtsvertreterin ausser Acht zu bleiben hat. Namentlich erschein
t der geltend gemachte Aufwand von insgesamt 22.30 Stunden (4.60 Stunden am
6.
Oktober 2020, 3 Stunden am
7.
Oktober 2020, 9.20 Stunden am 1
8.
Oktober 2020, 4.20 Stunden am 2
2.
Oktober 2020 und eine weitere Stunde am 2
6.
Oktober 2020)
für die Replik als deutlich zu hoch
und ist um 18.3 Stunden auf
4
Stunden zu kürzen, zumal sich die darin erwähnten, von der Rechtsvertreterin eingeholten medizinischen Berichte (
Urk.
29/1-33) auf einen im vorliegenden Verfahren nicht
entscheidrelevanten
Zeitraum bezogen. Damit ist lediglich der geltend gemachte Aufwand für das Studium der IV-Akten (76 Aktenstücke und die Beschwerde
antwort) zu entschädigen, wofür insgesamt 6 Stunden als angemessen erscheinen. Für weitere Aufwendungen wie Korrespondenz mit der Beschwerdeführerin und Eingab
en an
das Gericht betreffend Fristverlängerung sowie das Urteilsstudium erscheint
ein Aufwand von insgesamt vier Stunden als angemessen, womit sich ein zu entschädigender Gesamtaufwand von 14 Stunden ergibt. Beim praxis
ge
mässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- und einer Spesenpauschale von 3
%
(zu
züglich
MwSt
) ist die Prozessentschädigung somit auf insgesamt
Fr.
3'400.
--
fest
zusetzen.