Decision ID: 3894f2d2-1aa8-5dee-94cf-566abf17f227
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte), meldete sich am 23. Oktober 2017 bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) erstmals für berufliche
Massnahmen und Rentenleistungen an (IV-act. 1). Sie gab an, seit dem Februar 2015
zu 100 % arbeitsunfähig zu sein (IV-act. 1 S. 4). In einem Bericht vom 22. Dezember
2017 nannte Dr. med. B._, Psychiatrie/Psychotherapie, als Diagnosen eine
generalisierte Angststörung, eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem
Syndrom (therapieresistent), eine Allergie, ein Asthma sowie einen Tinnitus. Weiter
attestierte sie der Versicherten ab dem 5. Februar 2015 eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 8).
A.a.
Mit Mitteilung vom 3. Januar 2018 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber,
dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen angezeigt seien, weil sie
vorwiegend als Hausfrau tätig sei (IV-act. 11).
A.b.
Am 10. Februar 2018 füllte die Versicherte einen Fragebogen der IV-Stelle zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit und Haushalt aus. Sie machte darin
Angaben zu den in ihrem Haushalt zu verrichtenden Arbeiten (vgl. IV-act. 13). Bezüglich
Erwerbstätigkeit erklärte sie im Fragebogen, zurzeit aus gesundheitlichen Gründen
nicht erwerbstätig zu sein. Zuletzt habe sie vor ca. drei Jahren gearbeitet. Ohne
Behinderung würde sie heute einer Erwerbstätigkeit im Umfang von 100 % nachgehen.
Sie habe keine Ahnung, welche Tätigkeit sie ausüben würde. Irgendetwas, das möglich
A.c.
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wäre. Um Stellen habe sie sich nicht beworben. Einerseits wegen der Krankheit und
andererseits wegen der trotz besuchter Deutschkurse schlechten Deutschkenntnisse
(IV-act. 13 S. 1 f.).
In einem bei der IV-Stelle am 4. Mai 2018 eingegangenen Bericht nannte Dr. med.
pract. C._, Facharzt für allgemeine Medizin und Pneumologie FMH, als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Asthma bronchiale und eine Polyarthrose,
als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er eine arterielle
Hypertonie. Weiter gab er an, dass ab sofort mit der Wiederaufnahme einer leichten bis
mittelschweren Arbeit unter Vermeidung von Staub und anderen inhalativen Noxen in
einem Pensum von 100 % gerechnet werden könne (IV-act. 15). Am 28. August 2018
nannte Dr. B._ als Diagnosen eine generalisierte Angststörung (bestehend seit
mehreren Jahren), eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
(chronifiziert, therapieresistent), eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und
psychischen Faktoren mit chronischen Kopfschmerzen, Rückenschmerzen,
Bauchschmerzen, Beinschmerzen und Kniegelenksschmerzen, einen Tinnitus mit
Höreinschränkung sowie eine Allergie auf Mehl, Staub und Pollen. Weiter hielt sie fest,
dass seit dem 5. Februar 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe. Die
Versicherte sei ins Berufsleben nicht integrierbar. Die vorliegenden Defizite mit einer
massiven Stressintoleranz und Leistungsminderung liessen die Versicherte rasch in
Überforderungssituationen geraten, sodass sie den Anforderungen an ein
Erwerbsleben nicht gewachsen sei (IV-act. 19).
A.d.
Mit Schreiben vom 21. September 2018 bat die IV-Stelle die Versicherte um
Vervollständigung des von ihr am 10. Februar 2018 ausgefüllten Fragebogens (vgl. IV-
act. 20). Am 2. November 2018 ging bei der IV-Stelle eine ergänzte Seite des
Fragebogens ein (vgl. IV-act. 23 f.).
A.e.
In einer Stellungnahme vom 22. Januar 2019 hielt der regionale ärztliche Dienst
(RAD) fest, dass aufgrund des hausärztlichen Berichts von Dr. C._ aus somatischer
Sicht keine wesentliche Einschränkung im Haushalt anzunehmen sei. Einzig bei
körperlich schweren Haushaltstätigkeiten und bei Tätigkeiten mit vermehrter
Staubbelastung oder reizenden Gasen bestünden wegen des Asthmas
Einschränkungen. Aus psychiatrischer Sicht seien aufgrund der mittelgradigen
A.f.
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depressiven Episode eine Einschränkung der Dauerbelastbarkeit und damit bei
Haushaltstätigkeiten die Notwendigkeit vermehrter Pausen sowie ein reduziertes
Arbeitstempo zu erwarten. Müsste die Arbeitsfähigkeit im Erwerb beurteilt werden,
wäre eine vertiefte medizinische Abklärung erforderlich (IV-act. 25).
Am 19. Februar 2019 fand bei der Versicherten eine Haushaltsabklärung statt
(vgl. IV-act. 30), anlässlich welcher die Abklärungsperson der IV-Stelle bei der
Versicherten in der Haushaltstätigkeit eine Einschränkung von 1.67 % ermittelte
(vgl. IV-act. 30 S. 11). Im Abklärungsbericht hielt die Abklärungsperson unter anderem
fest, im Gespräch habe sich gezeigt, dass es sich bei der im Haushaltsfragebogen
erwähnten beruflichen Tätigkeit vor drei Jahren um ein durch das Sozialamt
vermitteltes Beschäftigungsprogramm gehandelt habe. Die Versicherte habe
angegeben, sich vor längerer Zeit auf Stellen beworben zu haben, jedoch sei es
aufgrund der mangelnden Sprachkenntnisse nie zu einer Anstellung gekommen.
Bewerbungsunterlagen seien nicht vorhanden. Der Ehemann arbeite aufgrund eines
Unfalls schon seit Jahren nicht mehr, sodass die Familie seit Jahren vom Sozialamt
unterstützt werde (IV-act. 30 S. 3). Weiter wurde im Bericht durch das Ankreuzen des
entsprechenden Feldes festgehalten, dass die Versicherte ohne gesundheitliche
Einschränkung aktuell ebenfalls keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Zur
Begründung wurde ausgeführt, dass sie aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse
keine Chance auf dem Arbeitsmarkt in der Schweiz hätte (IV-act. 30 S. 4). Mit
Schreiben vom 22. Februar 2019 liess die IV-Stelle der Versicherten den
Abklärungsbericht zur Prüfung und Unterschrift zukommen (IV-act. 28). Am 5. März
2019 ging bei der IV-Stelle der durch die Versicherte korrigierte und unterzeichnete
Abklärungsbericht ein (vgl. act. G 1.3). Die Versicherte hatte unter anderem die
angekreuzte Antwort auf die Frage, ob sie aktuell ohne Gesundheitsbeeinträchtigung
einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde, von "nein" auf "ja" geändert und mit "soweit
möglich" ergänzt. Die Begründung, wonach sie wegen fehlender Sprachkenntnisse
keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätte, hatte sie durchgestrichen (vgl. act. G 1.3
S. 4). Mit Schreiben vom 28. März 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
sie den retournierten Abklärungsbericht erhalten habe. Bei der Bearbeitung des
Abklärungsberichts habe sie festgestellt, dass bei der Gewichtung des Bereichs
Ernährung eine falsche Zahl aufgeführt worden sei. Aus diesem Grund erhalte die
A.g.
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B.
Versicherte den Bericht nochmals zur Ergänzung und Unterschrift zugestellt (IV-
act. 29). Am 10. April 2019 ging bei der IV-Stelle der von der Versicherten
unterzeichnete neue Bericht ein (IV-act. 30). Keine Korrekturen hatte die Versicherte
dieses Mal jedoch hinsichtlich ihres hypothetischen Erwerbsstatus gemacht. Im Bericht
war wie in der ursprünglichen Version festgehalten, dass sie ohne gesundheitliche
Einschränkung aktuell keiner Erwerbstätigkeit nachgehen würde, da sie wegen der
fehlenden Sprachkenntnisse auf dem Arbeitsmarkt in der Schweiz keine Chance hätte
(vgl. IV-act. 30 S. 4).
Mit Vorbescheid vom 26. Juli 2019 stellte die IV-Stelle der Versicherten die
Abweisung des Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie an, dass die
Versicherte als Hausfrau zu qualifizieren sei. Anlässlich des Besuchs bei der
Versicherten sei in der Tätigkeit als Hausfrau eine Einschränkung von 1.67 % ermittelt
worden (IV-act. 32).
A.h.
Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic.
iur. D. Ehrenzeller, Teufen, am 23. September 2019 Einwand erheben. Sie liess
beantragen, dass sie als erwerbstätige Person zu qualifizieren sei und folglich weitere
Abklärungen betreffend ihre Arbeitsfähigkeit vorzunehmen seien (IV-act. 36).
A.i.
Mit Verfügung vom 29. Oktober 2019 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren der
Versicherten ab. Hinsichtlich des Einwandes vom 23. September 2019 hielt die IV-
Stelle fest, es sei nicht glaubhaft, dass die Versicherte im Gesundheitsfall zu 100 %
arbeitstätig wäre, sei sie doch in der Schweiz noch nie erwerbstätig gewesen. Der
Ehemann sei schon seit mindestens 2005 arbeitslos, sodass es für die Versicherte
angezeigt gewesen wäre, schon damals eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen (IV-
act. 38).
A.j.
Gegen diese Verfügung liess die weiterhin durch Rechtsanwalt Ehrenzeller
vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am 21. November 2019
Beschwerde erheben (act. G 1). Sie liess beantragen, die Verfügung vom 29. Oktober
2019 sei aufzuheben und ihr eine IV-Rente unter Berücksichtigung der Qualifikation als
zu 100 % erwerbstätige Person zuzusprechen. Eventualiter sei der angefochtene
B.a.
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Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
2.
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die ihre
Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch
zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern
können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu
mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des
Entscheid aufzuheben und eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung
durchzuführen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Weiter liess sie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege inklusive Rechtsverbeiständung im Verfahren vor
Versicherungsgericht beantragen (act. G 1 S. 2 und 4 S. 1 ff.).
In zwei von der Beschwerdegegnerin protokollierten Telefonaten vom 6. und 8.
Januar 2020 gelangte diese mit verschiedenen Fragen an die Sozialen Dienste E._
(IV-act. 46 f.).
B.b.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 17. Januar 2020 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
B.c.
Am 20. Januar 2020 entsprach die verfahrensleitende Richterin dem Gesuch um
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) für das Verfahren vor
Versicherungsgericht (act. G 6).
B.d.
In ihrer Replik vom 19. Februar 2020 liess die Beschwerdeführerin an den in der
Beschwerde gestellten Anträgen unverändert festhalten (act. G 10). Die
Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf die Einreichung einer Duplik (act. G
11 f.).
B.e.
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Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität ist bei im Gesundheitsfall Vollzeiterwerbstätigen
folglich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln (Art. 28a Abs. 1 IVG). Dabei wird
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG). Wenn eine versicherte
Person ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung nicht voll, sondern nur teilerwerbstätig
gewesen wäre, ist der Invaliditätsgrad gemäss der langjährigen Praxis des
Bundesgerichts anhand der sogenannten gemischten Methode zu berechnen (vgl. Art.
28a Abs. 3 IVG; BGE 141 V 21 E. 3.2). Gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG wird bei nicht
erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind, und denen die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, für die Bemessung der
Invalidität in Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie
unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (sogenannter Betätigungsvergleich;
BGE 141 V 21 E. 3.2). Ob eine versicherte
Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig
einzustufen ist, ergibt sich gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung aus der
Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde (Urteil des Bundesgerichts vom 17. April
2019, 8C_820/2018, E. 3.2). Entscheidend ist gemäss der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung trotz des in Art. 28a Abs. 2 IVG enthaltenen Hinweises auf die
Zumutbarkeit somit grundsätzlich nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der
versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem
Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre (BGE 144 I 30 E. 2.3). Massgebend sind
die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt
haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (Urteil des Bundesgerichts vom 11.
August 2016, 9C_179/2016, E. 4.2.1 mit Hinweisen).
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3.
Die Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin, die in der Schweiz noch nie
einer Erwerbstätigkeit nachgegangen ist, als Hausfrau qualifiziert und einen
Rentenanspruch gestützt auf die im Rahmen der Haushaltsabklärung ermittelte
Einschränkung von 1.67 % verneint (vgl. IV-act. 38).
3.1.
Die Beschwerdeführerin ist der Ansicht, dass die Beschwerdegegnerin sie im
Rahmen der Berechnung des Invaliditätsgrades zu Unrecht als Hausfrau eingestuft
habe. Es sei nämlich anzunehmen, dass sie als Gesunde einer Erwerbstätigkeit in
einem Pensum von 100 % nachgehen würde (vgl. act. G 1 und 10). Dies habe sie denn
auch sowohl in dem von ihr im Februar 2018 ausgefüllten Fragebogen als auch in der
Korrektur der ersten Version des ihr zur Unterschrift zugestellten
Haushaltsabklärungsberichts zum Ausdruck gebracht (vgl. act. G 10 S. 8). Die bei der
Haushaltsabklärung anwesende Tochter habe den Sinn der Frage nach der
Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall nicht richtig verstanden, weshalb
bei Erhalt des Haushaltsfragebogens die darin enthaltene Antwort zu dieser Frage
korrigiert worden sei (act. G 1 S. 5 und 10 S. 4 f.). Als die Beschwerdegegnerin ihr
später einen neuen Haushaltsabklärungsbericht zukommen lassen habe mit dem
Hinweis, bei der Gewichtung des Bereichs Ernährung sei eine falsche Zahl aufgeführt
worden, weshalb der Bericht nochmals zur Unterschrift und Ergänzung zugestellt
würde, sei sie davon ausgegangen, dass nur im Bereich Ernährung etwas geändert
worden sei. Dem sei aber offensichtlich nicht so gewesen. Die von ihr ursprünglich
vorgenommenen Korrekturen seien in dem Haushaltsbericht, wie er sich nun in den
Akten der Beschwerdegegnerin finde, nicht mehr enthalten (vgl. act. G 1 S. 4 f. und 10
S. 7 f.). Jedenfalls sei die von ihr im Fragebogen vom Februar 2018 gemachte Aussage
der ersten Stunde, wonach sie als Gesunde in einem Pensum von 100 % arbeiten
würde, relevant (vgl. act. G 1 S. 6 und 10 S. 5). Die Qualifikation als Erwerbstätige
richte sich nämlich nicht danach, ob jemand bereits einmal erwerbstätig gewesen sei.
Sie habe ja auch an einem vom Sozialamt vermittelten Einsatzprogramm
teilgenommen. Das Sozialamt hätte ihr im Gesundheitsfall zweifellos eine Stelle
zugewiesen, wenn eine solche vorhanden gewesen wäre (act. G 1 S. 6). Nach der
ablehnenden Verfügung hinsichtlich des Rentenantrages des Ehemannes von Oktober
2016 sei der Druck, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, offensichtlich auch nochmals
gewachsen und die IV-Anmeldung durch das Sozialamt mit Nachdruck verlangt
worden (act. G 1 S. 3 f.). Die Abhängigkeit vom Sozialamt sei auf Dauer kein Zustand,
jedoch sei vorerst das IV-Verfahren des Ehemannes abgewartet worden, welches für
den Ehemann vor wenigen Tagen auch vor Bundesgericht negativ ausgefallen sei
3.2.
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(act. G 10 S. 7). Bezüglich der Frage, warum sie sich nicht schon früher um eine Stelle
bemüht habe, sei zu berücksichtigen, dass sie zwei psychisch angeschlagene Kinder
habe (act. G 10 S. 5 f.; IV-act. 36 S. 3 f.). Ihr Ehemann habe sie im Haushalt einerseits
aus gesundheitlichen Gründen nicht entlasten können. Andererseits sei die Rolle des
Ehemannes bei der Hausarbeit aber auch aufgrund der ihrem kulturellen Hintergrund
entsprechenden klassischen Rollenteilung schon immer marginal gewesen (vgl. act. G
10 S. 6 f.). Die Kinder seien im Laufe der Jahre aber älter geworden, weshalb sich die
Betreuung nun verringert habe (act. G 10 S. 5 f.). Was mögliche Stellen anbelange, sei
aus der Gerichtspraxis bekannt, dass es auch Stellen gebe, bei denen keinerlei
Vorbildung benötigt werde und auch keine Sprachkenntnisse erforderlich seien (act. G
1 S. 6).
Die Beschwerdegegnerin gesteht ein, es sei ungünstig, dass sich der in den IV-
Akten enthaltene Haushaltsabklärungsbericht und der von der Beschwerdeführerin der
Beschwerde beigelegte Bericht hinsichtlich der Antwort zur Frage der hypothetischen
Erwerbstätigkeit widersprächen. Allerdings habe sie, die Beschwerdegegnerin, sich
beim Erlass der angefochtenen Verfügung nicht von einer fehlerhaften Vorstellung über
die Ansicht der Beschwerdeführerin leiten lassen. Sie habe die von der
Beschwerdeführerin vertretene Ansicht hinsichtlich der Statusfrage in der
angefochtenen Verfügung korrekt wiedergegeben. Ihre abweichende Einschätzung
habe sie nicht mit einem Widerspruch in den Haushaltsabklärungsberichten begründet,
sondern damit, dass die Beschwerdeführerin noch nie einer Erwerbstätigkeit
nachgegangen sei und es für die Beschwerdeführerin aufgrund der schon seit 20._
bestehenden Arbeitslosigkeit des Ehemannes angezeigt gewesen wäre, sich schon
früher eine Teilzeittätigkeit zu suchen (vgl. act. G 5 S. 5 f.). Soweit die
Beschwerdeführerin zum Ausdruck bringe, ihre Kinder hätten früher noch mehr
Betreuung bedurft, im Jahr 2018 aufgrund ihres Alters jedoch nicht mehr, sodass die
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit möglich gewesen wäre, könne ihr nicht gefolgt
werden. Unter Berücksichtigung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung betreffend
den ehelichen Unterhalt wäre der Beschwerdeführerin aufgrund des Alters der Kinder
bereits ab dem Jahr 20._ die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in Teilzeit zumutbar
gewesen. Im Übrigen hätte auch der Ehemann, der gemäss den gutachterlichen
Einschätzungen in adaptierten Tätigkeiten über eine 70 oder 80%ige Arbeitsfähigkeit
verfüge, die Beschwerdeführerin in der Kinderbetreuung und im Haushalt entlasten
können, sodass diese einer Erwerbstätigkeit hätte nachgehen können. Die
Beschwerdeführerin habe jedoch angegeben, dass die Kinder diejenigen Tätigkeiten im
Haushalt verrichteten, die ihr nicht mehr zumutbar seien. Dass die Beschwerdeführerin
bisher nie einer Erwerbstätigkeit nachgegangen sei, sei somit wohl weniger auf die
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
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Notwendigkeit der Kinderbetreuung zurückzuführen, sondern vielmehr Ausdruck einer
bewusst gewählten Rollenteilung der beiden Ehegatten. Es sei nicht einzusehen,
warum die Eheleute im Gesundheitsfall der Beschwerdeführerin von dieser abgewichen
wären (act. G 5 S. 9 f.). Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss geltend mache, die
Betreuung ihrer beiden psychisch angeschlagenen Kinder habe sie von der Aufnahme
einer Erwerbstätigkeit abgehalten, sei nicht einzusehen, weshalb dies in der Zeit nach
Eintritt des Gesundheitsschadens anders gewesen sein solle (vgl. act. G 5 S. 7). Von
einem erheblichen Wachsen des finanziellen Drucks bzw. des Drucks seitens des
Sozialamtes, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, könne nicht die Rede sein. Gemäss
der Auskunft der Sozialen Dienste E._ seien vom Ehemann aufgrund der stets
laufenden IV-Verfahren nie Arbeitsbemühungen verlangt worden und eine
Leistungskürzung sei in diesem Zusammenhang nie erfolgt. Warum gerade die
rentenabweisende Verfügung vom 10. Oktober 2016 die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall dazu hätte veranlassen sollen, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, sei
nicht ersichtlich (act. G 5 S. 7). Im Übrigen sei das Bestreben, einen grundsätzlichen
Anspruch auf Sozialhilfeleistungen wegen mangelnder Kooperation nicht zu verlieren,
nicht mit einer Erwerbsabsicht gleichzusetzen. Beim Beschäftigungsprogramm habe
die Beschwerdeführerin keinen Lohn erhalten, weshalb dieses nicht als
Erwerbstätigkeit qualifiziert werden könne (act. G 5 S. 8). Selbst wenn sich die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall tatsächlich um Arbeitsstellen bemüht hätte,
erscheine es unwahrscheinlich, dass ihre Bemühungen plötzlich Erfolg gehabt hätten.
Die Beschwerdeführerin habe abgesehen von vier Jahren Grundschule keine
Ausbildung absolviert, Deutschkenntnisse seien weder in Wort noch Schrift vorhanden
und sie verfüge über keine Berufskenntnisse. Gemäss der Auskunft der Sozialen
Dienste seien die Chancen der Beschwerdeführerin, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss
zu fassen, marginal. Die bisherigen Bemühungen seien denn auch alle erfolglos
gewesen (act. G 5 S. 10).
Die Beschwerdegegnerin räumt selber ein, dass die Zustellung bzw. Akturierung
der verschiedenen Versionen der Haushaltsabklärungsberichte ungünstig gelaufen sei
(vgl. act. G 5 S. 5 f.). Da die Beschwerdeführerin ihrer Beschwerde nun aber den
Abklärungsbericht mit den aus ihrer Sicht einschlägigen Korrekturen beigelegt hat (vgl.
act. G 1.3), ist von einer vollständigen Aktenlage auszugehen, auf die das Gericht seine
Entscheidung stützen kann. Wie die Beschwerdegegnerin korrekt ausgeführt hat
(vgl. act. G 5 S. 5), ist die Ansicht der Beschwerdeführerin hinsichtlich ihres
Erwerbsstatus im Gesundheitsfall ohnehin auch aus anderen Aktenstücken
hervorgegangen. Namentlich hat die Beschwerdeführerin sich auch in ihrem Einwand
gegen den von der Beschwerdegegnerin erlassenen Vorbescheid (vgl. IV-act. 37) sowie
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
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im Fragebogen vom Februar 2018 (vgl. IV-act. 13) auf den Standpunkt gestellt, dass sie
ohne Eintritt der Gesundheitsschädigung in einem Pensum von 100 % erwerbstätig
wäre. Die Beschwerdeführerin beruft sich in erster Linie denn auch auf die im
Fragebogen gemachte Angabe einer 100%igen Erwerbstätigkeit als sogenannte
Aussage der ersten Stunde, welcher einen hohen Beweiswert beizumessen sei
(vgl. act. G 1 S. 6 und 10 S. 5). Es ist zwar richtig, dass den sogenannten "Aussagen
der ersten Stunde" beweisrechtlich häufig eine besondere Bedeutung zukommt, da sie
in der Regel als unbefangener und zuverlässiger gelten als spätere Aussagen, die von
versicherungsrechtlichen Überlegungen geprägt sein können (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 18. September 2018, 8C_470/2018, E. 4.1 mit Hinweis, und vom
28. Juni 2019, 9C_161/2019, E. 5.4.3 mit Hinweis). Allerdings hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht darauf hingewiesen, dass für die Frage der
hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall nicht einzig auf die Aussagen der
Beschwerdeführerin abgestellt werden kann (vgl. act. G 5 S. 6). Vielmehr hat das
Gericht gestützt auf den Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG)
unter Berücksichtigung der gesamten Umstände darüber zu befinden, ob die
Beschwerdeführerin als Gesunde im Zeitraum bis zum Erlass der angefochtenen
Verfügung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit einer Erwerbstätigkeit nachgegangen
wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 11. August 2016, 9C_179/2016, E. 4.2.1 mit
Hinweisen, und vom 18. September 2018, 8C_470/2018, E. 4.1 mit Hinweis). Im
vorliegenden Fall ist denn der Beweiswert der von der Beschwerdeführerin gemachten
Aussagen auch fraglich bzw. als reduziert einzustufen, da ihre Angaben – anscheinend
abhängig von der sie jeweils unterstützenden Person, namentlich abhängig von deren
Deutschkenntnissen und Verständnis der Fragen (vgl. dazu act. G 10 S. 4 f.) – teilweise
unterschiedlich ausgefallen sind. So hat die Beschwerdeführerin im Fragebogen vom
Februar 2018 klar ausgesagt, dass sie im Gesundheitsfall einer Erwerbstätigkeit in
einem Pensum von 100 % nachgehen würde (vgl. IV-act. 13 S. 1). Anlässlich der im
Februar 2019 durchgeführten Haushaltsabklärung hat sie dann aber, wie sie in der
Beschwerde sinngemäss selber einräumt (vgl. act. G 1 S. 5; vgl. ferner act. G 10.1 und
10 S. 4 f.), ausgesagt, sie wäre auch im Gesundheitsfall nicht erwerbstätig (vgl. IV-
act. 30 S. 4); dies angeblich deswegen, da die anlässlich der Haushaltsabklärung als
Übersetzerin fungierende Tochter die Frage falsch verstanden habe (vgl. act. G 1 S. 5
und 10 S. 4 f.). Unterstützt durch eine andere Tochter mit angeblich besseren
Sprachkenntnissen hat sie sich dann in der ersten Version des ihr zugeschickten
Haushaltsabklärungsberichts wieder auf den Standpunkt gestellt, im hypothetischen
Gesundheitsfall erwerbstätig zu sein (vgl. act. G 10 S. 4 f. und 1.3 S. 4). In der zweiten
Version des ihr zugeschickten Abklärungsberichts hat sie die anlässlich der
Haushaltsabklärung gemachte Angabe zur hypothetischen Erwerbstätigkeit nicht mehr
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korrigiert (IV-act. 30 S. 4). Dass sie beim erneut zugestellten Bericht davon
ausgegangen ist, sie müsse nur die Änderung im Ernährungsbereich überprüfen
(vgl. act. G 10 S. 8, oben), ist zwar in gewisser Weise nachvollziehbar, die Entstehung
der handschriftlich korrigierten Jahreszahlen im selben Bericht wären diesfalls jedoch
unklar (vgl. IV-act. 30 S. 1 und 3), zumal die mit dem Fall betraute Mitarbeiterin der
Beschwerdegegnerin in einer Stellungnahme vom 9. Januar 2020 zuhanden des
Rechtsdienstes ausgeführt hat, dass auch in dem im April 2019 retournierten
Abklärungsbericht Anmerkungen angebracht gewesen seien. Folglich sei sie davon
ausgegangen, die Beschwerdeführerin habe den Bericht gelesen und für richtig
befunden (vgl. IV-act. 48). Jedenfalls hat die Beschwerdeführerin selbst in der von ihr
korrigierten Version des Haushaltsabklärungsberichts diejenige Feststellung, wonach
es aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nie zu einer Anstellung gekommen sei,
nicht bemängelt (vgl. act. G 1.3 S. 3). Die vorgenommene Korrektur, wonach sie im
Gesundheitsfall, soweit möglich, einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde (vgl. act. G
1.3 S. 4), ist somit eher dahingehend zu verstehen, dass sie ihre Chancen auf dem
Arbeitsmarkt selbst ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen als schlecht eingestuft
hat und folglich Zweifel gehegt hat, ob sie tatsächlich erwerbstätig wäre. Dies gilt umso
mehr, als sie auch im Fragebogen vom Februar 2018 einerseits zwar ausgeführt hat, sie
würde im Gesundheitsfall in einem Pensum von 100 % arbeiten, ihren Verzicht auf
Bewerbungsbemühungen jedoch nicht ausschliesslich mit ihrem Gesundheitszustand,
sondern auch mit den fehlenden sprachlichen Kenntnissen und den dadurch bedingten
schlechten Chancen auf eine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt begründet hat (vgl. IV-
act. 13 S. 2).
Diese von der Beschwerdeführerin vorgenommene Einschätzung passt denn auch
zu derjenigen der Sozialen Dienste E._. Die das Ehepaar langjährig betreuende
Sachbearbeiterin hat in einem Telefonat vom 6. Januar 2020 ausgeführt, dass das im
Jahr 2013 gestartete Arbeitsprogramm zwar aus gesundheitlichen Gründen
abgebrochen worden sei, die Beschwerdeführerin aber auch aufgrund ihrer fehlenden
Sprachkenntnisse und der nicht vorhandenen beruflichen Erfahrung keine Chance
gehabt hätte, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen. Die Beschwerdeführerin
habe weder lesen noch schreiben können, ein Sprachkurs habe sich als nicht
zielführend erwiesen (vgl. IV-act. 46). Zwar ist der Beschwerdeführerin darin
zuzustimmen, dass nicht nur der ausgeglichene (vgl. Art. 16 ATSG), sondern auch der
reale Arbeitsmarkt Stellen beinhalten kann, die geringe Sprachkenntnisse und keine
Ausbildung erfordern und bei denen mit einem sozialen Entgegenkommen des
Arbeitgebers gerechnet werden kann (vgl. act. G 10 S. 6). Das Auffinden einer
Anstellung ist somit nicht auszuschliessen. Angesichts der Einschätzung der
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Sachbearbeiterin der Sozialen Dienste, die in einem Telefonat vom 8. Januar 2020
überdies auch noch auf soziale Probleme der Beschwerdeführerin hingewiesen hat, die
eine Eingliederung auf dem ersten Arbeitsmarkt erschwert hätten (vgl. IV-act. 47), ist
jedoch von einer kleinen Wahrscheinlichkeit auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
als Gesunde einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre, selbst wenn dies ihrem Willen
entsprochen hätte.
Ob die sich bereits seit 19._ in der Schweiz aufhaltende Beschwerdeführerin als
Gesunde tatsächlich den Willen gehabt hätte, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, ist
ebenfalls zweifelhaft. Wie die Beschwerdeführerin in der Replik selber ausgeführt hat,
haben sie und ihr Ehemann sich nämlich auf eine klassische Rollenteilung geeinigt,
sodass der Ehemann nur wenig im Haushalt mitgeholfen hat. Als der Ehemann sich
unfallbedingt nicht mehr arbeitsfähig gefühlt hat, hat er anscheinend nicht nur wegen
gesundheitlichen Unvermögens, sondern auch aufgrund der kulturell bedingten
Rollenteilung keine vermehrten Anstrengungen gezeigt, die Beschwerdeführerin im
Haushalt zu entlasten, damit diese einer Arbeit nachgehen könnte (vgl. act. G 10 S. 6
f.). Dies scheint sich auch nicht geändert zu haben, als die Beschwerdeführerin sich
aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht mehr in der Lage gefühlt hat, sämtliche
Haushaltstätigkeiten auszuüben. Eingesprungen sind nach ihren Aussagen nämlich die
Kinder (vgl. act. G 10 S. 6 f. und IV-act. 30 S. 8). Der Wille der Beschwerdeführerin und
ihres Ehemannes an der gewählten Rollenteilung festzuhalten, ist damit auch im
Gesundheitsfall der Beschwerdeführerin wahrscheinlich. Darauf deutet auch die in der
Replik gemachte Aussage hin, dass die Abhängigkeit vom Sozialamt auf die Länge
natürlich kein Zustand wäre, jedoch vorerst der Ausgang des IV-Verfahrens des
Ehemannes abgewartet werden sollte (vgl. act. G 10 S. 7). Der Wille, den Ausgang des
IV-Verfahrens des Ehepartners abzuwarten, bevor eigene Eingliederungsbemühungen
angegangen werden, weist auf den Wunsch hin, das bisherige Rollenmodell
beizubehalten, mithin keiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, wenn der Lebensunterhalt
mittels einer dem Ehemann zugesprochenen IV-Rente hätte bestritten werden können.
Dazu kommt noch, dass die Beschwerdeführerin angegeben hat, zwei psychisch
angeschlagene Kinder zu haben, die es ihr womöglich erschwert hätten, bereits früher
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (vgl. act. G 10 S. 5 f.; act. G 1 S. 6 i.V.m. IV-act. 36
S. 3 f.). Warum diese Kinder nach dem Eintritt der Gesundheitsschädigung durch die
Beschwerdeführerin weniger Betreuung benötigt haben sollen, hat die
Beschwerdeführerin nicht schlüssig dargelegt. Der Hinweis in der Replik, die Kinder
seien nun älter und bedürften daher weniger Betreuung (vgl. act. G 10 S. 5 f.), steht in
keinem direkten Zusammenhang mit allfälligen psychischen Beeinträchtigungen. Weiter
ist der Beschwerdegegnerin darin zuzustimmen, dass das Argument, die Kinder hätten
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im Jahr 2018 keiner elterlichen Betreuung mehr bedurft, weshalb die
Beschwerdeführerin spätestens dann einer Erwerbstätigkeit nachgegangen wäre
(vgl. act. G 1 S. 3, unten; vgl. ferner act. G 1 S. 6 i.V.m. IV-act. 36 S. 3), ebenfalls nicht
stichhaltig ist. Es kann diesbezüglich auf die von der Beschwerdegegnerin in ihrer
Beschwerdeantwort gemachten, im Grundsatz zutreffenden Ausführungen verwiesen
werden (vgl. act. G 5 S. 9).
Für die Frage, ob die Beschwerdeführerin im hypothetischen Gesundheitsfall einer
Erwerbstätigkeit nachgehen würde, kommt es im Übrigen nicht nur auf ihre eigenen
Präferenzen, sondern auch auf die äusseren Umstände an. Grundsätzlich ist
offenkundig, dass seitens des Sozialamtes ein gewisser Druck zur Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit bzw. zur Aufnahme von Arbeitsbemühungen entstehen kann. So hat
die Sachbearbeiterin der Sozialen Dienste beispielsweise ausgeführt, die
Sozialleistungen hätten gekürzt werden können, wenn die Beschwerdeführerin am ab
2013 aufgegleisten Beschäftigungsprogramm nicht teilgenommen hätte (vgl. IV-
act. 46). Der Beschwerdegegnerin ist allerdings darin zuzustimmen, dass nicht
ersichtlich ist, warum genau die rentenabweisende Verfügung vom 10. Oktober 2016
den Druck, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, erhöht haben soll, zumal damals ja
noch der Rechtsweg gegen die Verfügung offen gestanden hatte (vgl. act. G 5 S. 7).
Der Ehemann der Beschwerdeführerin hatte schon früher einen abschlägigen IV-
Bescheid erhalten (vgl. IV-act. 49). Gegen die Annahme, dass sich die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall aufgrund äusseren Drucks, namentlich ab
Oktober 2016, dazu gezwungen gesehen hätte, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen,
spricht auch die in der Replik gemachte Aussage, die dauerhafte Abhängigkeit vom
Sozialamt wäre keine Lösung gewesen, jedoch habe das IV-Verfahren des Ehemannes
abgewartet werden sollen (vgl. act. G 10 S. 7). Gleichwohl ist es natürlich nicht
ausgeschlossen, dass der Druck mit der Zeit zugenommen hätte. Angesichts der aus
Sicht der Sozialen Dienste unabhängig des Gesundheitszustandes nur marginalen
Chancen der Beschwerdeführerin, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuss zu fassen (vgl. IV-
act. 46 f.), erscheint es jedoch zweifelhaft, dass diese auch nach dem
Beschäftigungsprogram Druck auf die Beschwerdeführerin zur Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit ausgeübt hätten. Naheliegender scheint, dass ein mögliches
Erwerbspotential des Ehemannes in Betracht gezogen worden wäre, nachdem dieser
im Jahr 2016 erneut einen negativen IV-Bescheid erhalten hatte. Da dieser
Rentenbescheid jedoch bis zum Erlass der im vorliegenden Verfahren angefochtenen
Verfügung noch nicht in Rechtskraft erwachsen war (vgl. dazu act. G 10 S. 7 und IV-
act. 47), war entsprechend den Aussagen der Sachbearbeiterin der Sozialen Dienste
eine Leistungskürzung kaum ein Thema gewesen (vgl. IV-act. 47).
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