Decision ID: 73256605-d9e2-4c87-897c-6f54094188f3
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend bandenmässigen Diebstahl
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 16. Oktober 2013 (GG130226)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 29. August 2013
(Urk. 61) ist diesem Urteil beigeheftet.
Verfügung der Vorinstanz:
Es wird davon Vormerk genommen, dass das Verfahren Geschäfts-Nr.
GG130236 mit dem vorliegenden Verfahren Geschäfts-Nr. GG130226 vereinigt
wurde.
Urteil der Vorinstanz:
1. a) Der Beschuldigte B._ ist schuldig
- der Gehilfenschaft zu bandenmässigem Diebstahl im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 3 Abs. 2 StGB und Art. 25 StGB sowie
- des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB.
b) Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen Missachtung
der Ein- oder Ausgrenzung im Sinne von Art. 119 Abs. 1 AuG frei-
gesprochen.
2. Der Beschuldigte C._ ist schuldig des bandenmässigen Diebstahls im
Sinne von Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 3 Abs. 2 StGB.
3. Die Beschuldigte A._ ist schuldig des bandenmässigen Diebstahls im
Sinne von Art. 139 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 3 Abs. 2 StGB.
4. Der Beschuldigte B._ wird - teilweise als Zusatzstrafe zu der von der
Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt am 20. Juni 2013 ausgespro-
chenen Strafe - mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten bestraft. Hievon sind
112 Tage durch die vom Beschuldigten erstandene Polizeihaft, Untersu-
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chungshaft und den vom Beschuldigten vorzeitig angetretenen, bis und mit
heute berücksichtigten Strafvollzug bereits verbüsst.
5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
6. Der Beschuldigte C._ wird mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten be-
straft. Hievon sind 82 Tage durch die vom Beschuldigten erstandene Poli-
zeihaft, Untersuchungshaft und Sicherheitshaft bereits verbüsst.
7. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
8. Die Beschuldigte A._ wird mit einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten be-
straft. Hievon sind 82 Tage durch die von der Beschuldigten erstandene Po-
lizeihaft, Untersuchungshaft und Sicherheitshaft bereits verbüsst.
9. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
10. a) Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte B._ der Privatkläge-
rin D._ AG gegenüber dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist.
Der Beschuldigte B._ wird verpflichtet, der Privatklägerin D._
AG Schadenersatz in der Höhe von Fr. 150.-- (Umtriebsentschädigung)
zuzüglich 5 % Zins ab 17. Mai 2013 zu leisten.
Die Privatklägerin D._ AG wird mit ihren weiteren Schadenersatz-
forderungen auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
b) Es wird festgestellt, dass die Beschuldigten B._, C._ und
A._ der Privatklägerin E._ AG gegenüber dem Grundsatze
nach schadenersatzpflichtig sind. Die Privatklägerin E._ AG wird
mit ihrem Schadenersatzbegehren hinsichtlich des Quantitativs auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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c) Es wird festgestellt, dass die Beschuldigten B._, C._ und
A._ der Privatklägerin F._ gegenüber dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig sind. Die Privatklägerin F._ wird mit ihrem
Schadenersatzbegehren hinsichtlich des Quantitativs auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
d) Es wird festgestellt, dass die Beschuldigten B._, C._ und
A._ der Privatklägerin G._ AG gegenüber dem Grundsatze
nach schadenersatzpflichtig sind.
Die Beschuldigten B._, C._ und A._ werden solidarisch
verpflichtet, der Privatklägerin G._ AG Schadenersatz in der Höhe
von Fr. 150.-- (Umtriebsentschädigung) zu leisten.
Die Privatklägerin G._ AG wird mit ihren weiteren Schadenersatz-
forderungen auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
e) Es wird festgestellt, dass die Beschuldigten B._, C._ und
A._ der Privatklägerin H._ SA gegenüber dem Grundsatze
nach schadenersatzpflichtig sind. Die Privatklägerin H1._ wird mit
ihrem Schadenersatzbegehren hinsichtlich des Quantitativs auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Die polizeilich sichergestellten und bei der Bezirksgerichtskasse Zürich unter
der Lager-Nr. ... aufbewahrten 2 Parfüms der Marke Jean Paul Gautier
werden - nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils - verwertet.
Der Erlös wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
12. Die von der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt mit Verfügung vom
27. Juni 2013 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse Zürich un-
ter der Lager-Nr. ... aufbewahrten Gegenstände (1 Damenhandtasche, prä-
pariert mit Aluminiumfolie, 2 Kartontaschen "Hello Kitty", präpariert mit Alu-
miniumfolie) werden eingezogen und - nach Eintritt der Rechtskraft des
vorliegenden Urteils - durch die Lagerbehörde vernichtet.
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13. Das polizeilich sichergestellte und bei der Bezirksgerichtskasse Zürich unter
der Lager-Nr. ... aufbewahrte Mobiltelefon der Marke Nokia wird - nach Ein-
tritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils - an den Beschuldigten B._
herausgegeben.
14. Die polizeilich sichergestellten und bei der Bezirksgerichtskasse Zürich unter
der Lager-Nr. ... aufbewahrte Herrenjacke der Marke ... Man wird - nach
Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils - an den Beschuldigten
C._ herausgegeben.
15. Die nachfolgenden polizeilich sichergestellten und bei der Bezirksgerichts-
kasse Zürich unter der Lager-Nr. ... aufbewahrten Gegenstände, werden -
nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils - an die nachfolgenden
Geschädigten herausgegeben:
− an die Geschädigte E._ AG:
− 3 Poloshirts der Marke Carven Uomo
− 1 T-Shirt der Marke Calvin Klein, weiss
− an die Geschädigte I._ AG:
− 8 Poloshirts der Marke Hugo Boss
− 2 Parfüms der Marke Dolce & Gabbana
− an die Geschädigte F._:
− 4 Herrenhemden der Marke Tommy Hilfiger
− 4 T-Shirts der Marke Tommy Hilfiger, dunkel
− an die Geschädigte G._ AG:
− 2 Parfüms der Marke Dior, Miss Dior
− 2 Parfüms der Marke Dior, J'adore
− 2 Parfüms der Marke Kenzo
− 2 Parfüms der Marke Ralph Lauren
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− an die Geschädigte H._ SA:
− 2 Herrenjeans
− an die Geschädigte J._:
− 1 Herrenhose
− 1 Herrenpullover
− 1 Gürtel
− 1 Paar Herrenschuhe
− 1 Paar Damenschuhe
− 2 Damenhosen
− 1 Damenjupe
− 1 Damenmantel / Blazer
16. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'400.--; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 3'000.-- Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 12'817.25 amtliche Verteidigungen
Fr. 9'343.50 ausserkantonale Untersuchungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
17. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden, mit
Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, den Beschuldigten 1-3 je
zu einem Drittel auferlegt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten 1-3 werden auf die
Gerichtskasse genommen.
Vorbehalten bleibt die Verpflichtung der Beschuldigten 1-3, dem Kanton Zü-
rich die ihren amtlichen Verteidigern zugesprochene Entschädigung zurück-
zuzahlen, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135
Abs. 4 StPO).
18 a) Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten B._ (Rechtsanwalt
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...) wird für dessen Aufwendungen und Barauslagen eine Entschädi-
gung von Fr. 5'700.-- (inkl. MwSt.) zulasten der Gerichtskasse zuge-
sprochen.
b) Dem amtlichen Verteidiger des Beschuldigten C._ (Avokat Dr. ...)
wird für dessen Aufwendungen und Barauslagen eine Entschädigung
von Fr. 2'407.30 (inkl. Fr. 178.30 MwSt.) zulasten der Gerichtskasse zu-
gesprochen.
c) Dem amtlichen Verteidiger der Beschuldigten A._ (Rechtsanwalt
X._) wird für dessen Aufwendungen und Barauslagen eine Ent-
schädigung von Fr. 4'709.95 (inkl. Fr. 321.10 MwSt.) zulasten der Ge-
richtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 110 S. 4)
Die Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 8 des Urteils des
Bezirksgerichts Zürich vom 16. Oktober 2013 mit einer Geldstrafe von 180
Tagessätzen zu CHF 10.– zu bestrafen. Die erstandene Haft sei auf die
Strafe anzurechnen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen
Verteidigung, seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 106 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Das Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung, Einzelgericht, sprach die Be-
schuldigte und Berufungsklägerin (fortan Beschuldigte) mit Urteil vom 16. Oktober
2013 des bandenmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung
mit Ziff. 3 Abs. 2 StGB schuldig und bestrafte sie mit einer Freiheitsstrafe von
sechs Monaten unter Anrechnung der erstandenen Haft von 82 Tagen. Der Voll-
zug der Freiheitsstrafe wurde aufgeschoben und die Probezeit auf zwei Jahre
festgesetzt (Urk. 101 S. 31 f.).
1.2. Das Urteilsdispositiv wurde der amtlichen Verteidigung am 18. Oktober
2013 zugestellt (Urk. 82/2). Die Beschuldigte liess am 24. Oktober 2013 bei der
Vorinstanz rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 92). Nach Erhalt des begründeten
Urteils am 4. Februar 2014 (Urk. 97/4) reichte die Verteidigung die Berufungser-
klärung vom 20. Februar 2014 fristgerecht ein (Urk. 102). Mit Präsidialverfügung
vom 24. März 2014 wurden den Privatklägerinnen und der Staatsanwaltschaft Zü-
rich-Sihl Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintre-
ten auf die Berufung der Beschuldigten zu beantragen. Gleichzeitig wurden die
Parteien unter Fristansetzung aufgefordert, sich zur Frage der schriftlichen Durch-
führung des Berufungsverfahrens zu äussern (Urk. 104). Die Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl verzichtete mit Eingabe vom 31. März 2014 auf eine Anschlussberu-
fung und beantragte die Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils (Urk. 106). Die
Privatklägerinnen liessen sich nicht vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom
24. April 2014 wurde die schriftliche Durchführung des Berufungsverfahrens an-
geordnet und der Beschuldigten Frist angesetzt, um ihre Berufungsanträge zu
stellen und zu begründen (Urk. 107). Die Beschuldigte liess die schriftliche Beru-
fungsbegründung innert erstreckter Frist am 10. Juni 2014 erstatten und stellte
den Antrag, sie sei in Abänderung der Dispositivziffer 8 des erstinstanzlichen Ur-
teils mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen, wobei die
erstandene Haft an die Strafe anzurechnen sei. Die Kosten des Berufungsverfah-
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rens, einschliesslich der Kosten der amtlichen Verteidigung, seien auf die Ge-
richtskasse zu nehmen (Urk. 109 und Urk. 110). Der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl wurde in der Folge mit Präsidialverfügung vom 11. Juni 2014 Frist zur Einrei-
chung der Berufungsantwort angesetzt, der Vorinstanz Frist zur freigestellten
Vernehmlassung (Urk. 111). Die Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl verzichtete auf
die Erstattung einer Berufungsantwort (Urk. 115); die Vorinstanz liess sich nicht
vernehmen (Urk. 114).
2. Prozessuales
2.1. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Demnach erwachsen die nicht von der Berufung erfassten Punk-
te in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 1 zu
Art. 402; vgl. auch Art. 437 StPO). Wird nur die Strafe angefochten, so erwächst
der Entscheid über den Vollzug der Strafe nicht selbständig in Rechtskraft
(vgl. SCHMID, StPO-Praxiskommentar, a.a.O., N 20 zu Art. 399; HUG, in: Kommen-
tar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2010, N 20 zu Art. 399 StPO).
2.2. Die Beschuldigte hat einzig die von der Vorinstanz ausgesprochene
Strafe angefochten (Dispositivziffer 8), unangefochten blieben der Schuldpunkt
und die Nebenfolgen (Urk. 110 S. 1). Als mitangefochten gilt Dispositivziffer 9
(Vollzug). Auch hinsichtlich der die Beschuldigten 1 (B._) und 2 (C._)
betreffenden Erkenntnisse erfolgte keine Anfechtung des erstinstanzlichen Urteils.
2.3. Nachdem die Urteilsdispositivziffern 1-7 (Schuldsprüche hinsichtlich al-
ler drei Beschuldigten; Strafe und Vollzug hinsichtlich des Beschuldigten 1,
B._, und des Beschuldigten 2, C._) und 10-18 (Zivilanspruch; Be-
schlagnahmungen; Kosten- und Entschädigungsdispositiv) unangefochten blie-
ben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem
Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Strafe
3.1. Die Vorinstanz verurteilte die Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von
sechs Monaten und schob den Vollzug der Strafe unter Ansetzung einer Probe-
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zeit von zwei Jahren auf (Urk. 101 S. 22-25, S. 32). In Bezug auf die Art der Sank-
tion führte die Vorinstanz aus, es sei angesichts der schwierigen finanziellen Situ-
ation der Beschuldigten nicht davon auszugehen, dass diese in der Lage sein
werde, eine Geldstrafe zu bezahlen, weshalb einer solchen keine ausreichend
abschreckende Wirkung zukäme. Es erscheine daher nicht zweckmässig, die Be-
schuldigte mit einer Geldstrafe zu bestrafen, stattdessen sei auf eine Freiheits-
strafe zu erkennen (Urk. 101 S. 23).
3.2. Die Beschuldigte liess in der schriftlichen Berufungsbegründung aus-
führen, die Erwägungen der Vorinstanz in Bezug auf die Wahl der Sanktionsart
stünden dem Willen des Gesetzgebers und der höchstrichterlichen Rechtspre-
chung diametral entgegen. Bei der Wahl der Sanktionsart sei als wichtigstes Krite-
rium die Zweckmässigkeit der Sanktion, deren Auswirkungen auf den Täter und
sein soziales Umfeld sowie die präventive Effizienz massgebend. Bei alternativ
zur Verfügung stehenden Sanktionen sei diejenige zu wählen, die weniger stark in
die persönliche Freiheit der Betroffenen eingreife, wobei ihre wirtschaftlichen Ver-
hältnisse und ihre voraussichtliche Zahlungsfähigkeit bei der Wahl der Sanktions-
art keine Rolle spielen dürften. Die Beschuldigte sei noch nie deliktisch in Er-
scheinung getreten, weshalb keine Aussagen über die präventive Effizienz einer
Geldstrafe getroffen werden können. Zudem dürfe ohne Weiteres davon ausge-
gangen werden, dass die 82 Tage Haft nicht ohne (präventive) Wirkung geblieben
seien. Aus diesen Gründen sei von einer Freiheitsstrafe abzusehen und stattdes-
sen eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen festzusetzen (Urk. 110).
3.3. Die Vorinstanz hat die Strafhöhe unter Berücksichtigung der strafzu-
messungsrelevanten Faktoren auf 180 Tage bzw. sechs Monate festgesetzt. Ge-
gen diese vorinstanzlichen Schlussfolgerungen erhob die Beschuldigte keine
Einwendungen, weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden kann (Urk. 101
S. 22-24; Art. 82 Abs. 4 StPO). Eine Strafe von 180 Tagen bzw. sechs Monaten
erscheint angemessen.
3.4. Zu beurteilen bleibt, ob eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen oder eine
Freiheitsstrafe von sechs Monaten auszufällen ist.
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3.4.1. Im Strafbereich von sechs bis zwölf Monaten kommen nebeneinander
Geldstrafe und Freiheitsstrafe in Betracht (Art. 34 Abs. 1 und Art. 40 Satz 1
StGB). Aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip folgt, dass bei alternativ zur Verfü-
gung stehenden Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden soll, die weni-
ger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift bzw. die ihn am we-
nigsten hart trifft. Aufgrund des Verhältnismässigkeitsprinzips steht dabei die
Geldstrafe als gegenüber der Freiheitsstrafe weniger eingriffsintensive Sanktion
im Vordergrund. Freiheitsstrafen sollen nur verhängt werden, wenn der Staat kei-
ne anderen Mittel hat, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten (BGE 132 IV 82
E. 4.1).
Bei der Wahl der Sanktionsart sind als wichtigste Kriterien die Zweckmäs-
sigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein so-
ziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen. Namentlich zu
beachten ist das Vorleben des Täters, wobei Vorstrafen und einschlägig ausge-
fällte Freiheitsstrafen meist nicht dafür sprechen, dass die notwendige präventive
Wirkung durch eine blosse Geldstrafe erzielt werden kann (BGE 134 IV 82 E. 4.1;
BGE 134 IV 97 E. 4.4.2; vgl. auch Entscheide des Bundesgerichtes 6B_721/2009
vom 18. Februar 2010 E. 4., 6B_218/2010 vom 8. Juni 2010 E. 3.2., 6B_449/2011
vom 12. September 2011 E. 3.6.1).
Kein Kriterium für die Wahl der Strafart sind jedoch die wirtschaftlichen Ver-
hältnisse des Täters und dessen voraussichtliche Zahlungsunfähigkeit (DOLGE, in:
Basler Kommentar, Strafrecht I, 3. Auflage 2013, N 24 f. zu Art. 34 StGB). Auch
bei einkommensschwachen Straftätern kann auf Geldstrafe erkannt werden; den
schlechten finanziellen Verhältnissen ist bei der Festlegung der Höhe des Tages-
satzes Rechnung zu tragen (BGE 134 IV 60 E. 5.4 und 6.5.1). Nach der Meinung
des Gesetzgebers soll die Geldstrafe auch für Täter mit sehr geringem, gar unter
dem Existenzminimum liegendem Einkommen ausgefällt werden können. Bei ein-
kommensschwachen oder mittellosen Tätern, etwa Sozialhilfebezügern, nicht be-
rufstätigen, den Haushalt führenden Personen oder Studenten ist somit die Aus-
fällung einer tiefen Geldstrafe möglich (BGE 134 IV 97 E. 5.2.3).
3.4.2. Die vorliegend festgesetzte Strafe von 180 Tagen liegt im Bereich der
mittleren Kriminalität, wo die Geldstrafe die hauptsächlich auszufällende Sanktion
https://www.swisslex.ch/LawDetail.mvc/Show?normalizedReferences=CH%2F311.0&source=docLink&SP=35|1aupbj
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ist. Dies ergibt sich allein schon aufgrund des vorerwähnten Verhältnismässig-
keitsprinzips, wonach eine Geldstrafe als weniger eingriffsintensive Sanktion
grundsätzlich im Vordergrund steht.
Es sind keine Gründe ersichtlich, die der Festsetzung einer Geldstrafe ent-
gegen stehen oder umgekehrt die Ausfällung einer Freiheitsstrafe erfordern. Die
Beschuldigte ist Ersttäterin. Sie ist weder im Schweizerischen Strafregister noch
in den Strafregistern von Deutschland, Frankreich oder Rumänien verzeichnet
(Urk. 38/1/3-6). Zudem hat sie im Rahmen der Strafuntersuchung 82 Tage in Haft
verbracht, was eine abschreckende Wirkung im Hinblick auf die Begehung weite-
rer Delikte hat. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht notwendig, die Be-
schuldigte mit einer Freiheitsstrafe zu bestrafen. Stattdessen wird sich bereits ei-
ne Geldstrafe für die Beschuldigte spürbar auswirken, weil dies eine Einschrän-
kung derselben in ihrer Lebensführung erfordern wird. Somit bringt bereits die
Anordnung einer Geldstrafe die notwendige präventive Wirkung mit sich. Dem
Zweck der Sanktion, dem Abhalten der Beschuldigten vor der Begehung weiterer
Delikte, ist demnach bereits mit der Ausfällung einer Geldstrafe ausreichend
Rechnung getragen.
Schliesslich ist der Verteidigung insoweit zuzustimmen, als dass die äus-
serst bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnisse der Beschuldigten nicht als
Grund für die Ausfällung einer Freiheitsstrafe angeführt werden können. Der Um-
stand, dass die Beschuldigte sich, wie sie selber ausführt, in einer schwierigen fi-
nanziellen Situation befindet, derzeit keine Arbeitsstelle hat und auch keine Sozi-
alhilfe oder Arbeitslosenentschädigung bezieht (Urk. 38/1/2), rechtfertigt die An-
ordnung einer Freiheitsstrafe nicht. Vielmehr ist diesen Begebenheiten bei der
Festsetzung der Tagessatzhöhe Rechnung zu tragen.
3.4.3. Es erweist sich somit als angemessen, die Beschuldigte mit einer
Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu bestrafen.
3.5. Bei der Geldstrafe richtet sich die Höhe des Tagessatzes nach den
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Ur-
teils, namentlich nach Einkommen und - soweit er davon lebt - Vermögen, ferner
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nach seinem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten
und nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB; BGE 134 IV 60 E. 6.).
Wie bereits ausgeführt, verfügt die Beschuldigte derzeit über keinerlei Er-
werbs- oder Erwerbsersatzeinkommen oder über Vermögen, welches sie für die
Finanzierung ihres Lebensunterhaltes heranziehen könnte. Angesichts dieser
knappen finanziellen Verhältnisse ist die Tagessatzhöhe auf Fr. 10.– festzuset-
zen.
3.6. Hinsichtlich des Vollzuges ist auf die vorinstanzlichen Erwägungen zu
verweisen (Urk. 101 S. 25; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Voraussetzungen für die
Gewährung des bedingten Vollzuges sind in objektiver und subjektiver Hinsicht
gegeben (vgl. Art. 42 Abs. 1 StGB). Demgemäss ist der Vollzug der Geldstrafe
aufzuschieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.
3.7. Die Beschuldigte ist damit in Abänderung der Dispositivziffern 8 und 9
des erstinstanzlichen Urteils vom 16. Oktober 2013 mit einer Geldstrafe von 180
Tagessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen, wobei 82 Tage als durch Polizei-, Untersu-
chungs- und Sicherheitshaft geleistet gelten. Der Vollzug der Geldstrafe ist aufzu-
schieben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Mas-
sgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Die Beschuldigte obsiegt mit ihrem Antrag vollumfänglich, weshalb die Kos-
ten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidi-
gung in der Höhe von Fr. 1'172.90 (inkl. 8 % MwSt.; Urk. 111), auf die Gerichts-
kasse zu nehmen sind.
4.2. Mangels erheblicher Umtriebe ist der Beschuldigten keine persönliche
Umtriebsentschädigung auszurichten (Art. 429 Abs. 1 StPO e contrario).
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