Decision ID: 35db2097-a40f-40cf-a162-4ee5748a9779
Year: 2012
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend
Nötigung und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 21. November 2011 (GG110218)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 23. August 2011
(Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 41)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.--
(entsprechend Fr. 4'500.--).
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt.
4. Der bedingte Vollzug der mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Strafkammer,
vom 11. April 2008 ausgefällten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.-- (entsprechend
Fr. 2'700.--) wird widerrufen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 27. Januar 2010 beschlag-
nahmten, sich bei der Stadtpolizei Zürich, ..., befindlichen Gegenstände (Laptop)
werden dem Beschuldigten - nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Erkenntnisses -
auf dessen erstes Verlangen hin herausgegeben.
6. Die anlässlich der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten sichergestellten und sich bei der
Stadtpolizei Zürich, Fw B._, ..., befindenden Gegenstände werden dem Beschuldigten
- nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Erkenntnisses - auf dessen erstes Verlan-
gen hin herausgegeben.
7. Die anlässlich der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten sichergestellten und sich in den
Akten befindlichen schriftlichen Unterlagen werden dem Beschuldigten - nach Eintritt der
Rechtskraft des vorliegenden Erkenntnisses - auf dessen erstes Verlangen hin heraus-
gegeben.
8. Der Beschuldigte wird anerkennungsgemäss verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz
von Fr. 2'000.-- zu bezahlen.
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9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 2'000.--
zuzüglich 5 % Zins ab 10. Oktober 2009 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genug-
tuungsbegehren abgewiesen.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 900.-- Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 5'293.90 Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Fr. unentgeltliche Rechtsvertretung der Privatklägerin (ausstehend)
11. Die Kosten, inklusive derjenigen der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin,
werden dem Beschuldigten auferlegt. Über die Höhe der Kosten der unentgeltlichen
Rechtsvertretung der Privatklägerin wird mit separater Verfügung entschieden.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Staatskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO. Über die Höhe der Kosten der
amtlichen Verteidigung wird mit separater Verfügung entschieden.
13. (Mitteilungen)
14. (Rechtsmittelbelehrung)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 70 S. 2)
1. Es sei das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
21. November 2011 mit Ausnahme der Dispositiv-Ziffern Ziffern 5, 6, 7
und 8 vollumfänglich aufzuheben;
2. Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen;
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3. Es sei von einem Widerruf der mit Urteil des Obergerichtes des
Kantons Zürich vom 11. April 2008 angesetzten Strafe abzusehen;
4. Die Genugtuungsforderung sei abzuweisen bzw. auf den Zivilweg zu
verweisen;
5. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens sowie des Berufungsver-
fahrens, inkl. diejenigen der amtlichen Verteidigung, seien auf die
Staatskasse zu nehmen;
6. Es sei dem Beschuldigten eine angemessene Entschädigung sowie
eine Genugtuung auszurichten.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 48 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertreterin der Privatklägerin:
(mündlich, Prot. II S. 10)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit dem vorstehend im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 21. November 2011 wurde der Beschuldigte der Nötigung im Sinne von
Art. 181 StGB schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 150 Tages-
sätzen zu Fr. 30.– bestraft. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und
die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Gleichzeitig widerrief die Vorinstanz den
bedingten Vollzug der mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Straf-
kammer, vom 11. April 2008 ausgefällten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 30.–. Sodann wurde entschieden, dass diverse beschlagnahmte bzw. sicher-
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gestellte Gegenstände und Unterlagen dem Beschuldigten nach Eintritt der
Rechtskraft herauszugeben sind. Zudem wurde der Beschuldigte verpflichtet, der
Privatklägerin Schadenersatz von Fr. 2'000.– sowie eine Genugtuung von
Fr. 2'000.–, zuzüglich 5 % Zins ab 10. Oktober 2009, zu bezahlen. Die Kosten der
Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der
unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin, wurden dem Beschuldigten
auferlegt. Davon ausgenommen waren die Kosten der amtlichen Verteidigung,
welche unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf
die Gerichtskasse genommen wurden (Urk. 35 = 41 S. 30 f.).
1.2. Gegen dieses Urteil liess der Beschuldigte am 30. November 2011 innert
Frist Berufung anmelden (Urk. 34). Nach Zustellung des begründeten Urteils
(Urk. 37/1) reichte die Verteidigung - ebenfalls fristgerecht - die Berufungs-
erklärung ein (Urk. 43). Mit Präsidialverfügung vom 31. Januar 2012 wurden der
Privatklägerin sowie der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (nachstehend: Staats-
anwaltschaft) je eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt, um gegebenenfalls
Anschlussberufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu bean-
tragen. Gleichzeitig wurde der Beschuldigte aufgefordert, verschiedene Auskünfte
zu seinen finanziellen Verhältnissen zu erteilen und zu belegen (Urk. 46 = Prot. II
S. 2 f.). Die Staatsanwaltschaft teilte mit Eingabe vom 7. Februar 2012 mit, dass
sie auf Anschlussberufung verzichte und die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils beantrage (Urk. 48). Innert erstreckter Frist reichte die Verteidigung mit
Eingabe vom 9. März 2012 das durch den Beschuldigten ausgefüllte Daten-
erfassungsblatt ein (Urk. 49-53). Die Privatklägerin liess sich nicht verlauten. Mit
Präsidialverfügung vom 21. März 2012 wurde je eine Kopie der Eingabe der
Staatsanwaltschaft vom 7. Februar 2012 sowie der Eingabe des Beschuldigten
vom 9. März 2012 den jeweils anderen Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt.
Gleichzeitig wurde der Antrag des Beschuldigten auf Aufrechterhaltung der amtli-
chen Verteidigung im Berufungsverfahren gutgeheissen (Urk. 54 = Prot. II S. 4).
1.3. Mit Eingabe vom 8. Mai 2012 beantragte Rechtsanwalt lic. iur. X._, er
sei als amtlicher Verteidiger zu entlassen, da zwischen ihm und dem Beklagten
unüberbrückbare Differenzen aufgetreten seien (Urk. 58 bzw. 58a). Der Beschul-
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digte teilte innert der mit Präsidialverfügung vom 8. Mai 2012 (Urk. 59 = Prot. II
S. 5) angesetzten Frist mit, dass er die Ausführungen seines (bisherigen) amtli-
chen Verteidigers bestätige und als neue Rechtsvertreterin Rechtsanwältin lic. iur.
X1._ wünsche (Urk. 61). Mit Präsidialverfügung vom 18. Mai 2012 wurde
Rechtsanwalt lic. iur. X._ als (bisheriger) amtlicher Verteidiger des Beschul-
digten entlassen und Rechtsanwältin lic. iur. X1._ als (neue) amtliche Ver-
teidigerin mit Wirkung per 10. Mai 2012 bestellt (Urk. 65 = Prot. II S. 6).
1.4. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte
persönlich und in Begleitung von Rechtsanwalt lic. iur. X2._ - anstelle der
amtlichen Verteidigerin Rechtsanwältin lic. iur. X1._ - sowie die Rechtsan-
wältin lic. iur. Y._ namens und in Vertretung der Privatklägerin erschienen
sind, waren weder Vorfragen zu entscheiden noch Beweise abzunehmen (Prot. II
S. 7 ff.; Urk. 68a). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungs-
verhandlung (Prot. II S. 12 ff.).
2. Umfang der Berufung
Der Beschuldigte lässt das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuldpunkts
(Dispositivziffer 1), der Sanktion (Dispositivziffern 2 und 3), des Widerrufs des
bedingten Vollzugs der mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Straf-
kammer, vom 11. April 2008 ausgefällten Geldstrafe (Dispositivziffer 4), des Ent-
scheids bezüglich der Genugtuungsforderung (Dispositivziffer 9) sowie der
Kostenauferlegung (Dispositivziffern 11-12) anfechten (Urk. 43). Damit ist das
vorinstanzliche Urteil in den folgenden Punkten unangefochten geblieben und
demnach in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit
Art. 402 und 437 StPO; vgl. Prot. II S. 9):
- Regelung der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 27. Januar 2010
beschlagnahmten Gegenstände (Dispositivziffer 5);
- Regelung der anlässlich der Hausdurchsuchung beim Beschuldigten sicher-
gestellten Gegenstände und Unterlagen (Dispositivziffern 6 und 7);
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- Entscheid bezüglich der Schadenersatzforderung der Privatklägerin (Dispo-
sitivziffer 8);
- Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 10).
Der Eintritt der Rechtskraft dieser Punkte ist vorab vorzumerken.
3. Sachverhalt
3.1. Dem Beschuldigten wird im Wesentlichen und zusammengefasst vor-
geworfen, er habe am 10. Oktober 2009 von der Privatklägerin verlangt, sie solle
eine "Geheimhaltungsvereinbarung" und eine "Vereinbarung zur Anerkennung
von Ansprüchen" unterschreiben. Er habe der Privatklägerin gedroht, dass er,
sollte sie diese beiden Dokumente nicht unterschreiben, ihrem Freund von der
sexuellen Beziehung zwischen ihnen - dem Beschuldigten und der Privatklägerin -
erzählen und dem Sozialamt melden würde, dass sie für ihn gearbeitet habe. Aus
Angst, der Beschuldigte würde diese Drohungen wahrmachen, habe die Privat-
klägerin die beiden Dokumente gegen ihren Willen unterschieben (Urk. 24 S. 2;
Urk. 41 S. 5 f.).
3.1.1. Unbestrittenermassen hat die Privatklägerin im Oktober 2007 den Beschul-
digten über ein von diesem veröffentlichtes Jobinserat kennengelernt. In der
Folge begann die Privatklägerin für den Beschuldigten tätig zu werden. Ihre Tätig-
keit umfasste allerdings nicht die ausgeschriebene Stelle im Bereich "Escort-
Service". Vielmehr führte sie kleinere Arbeiten für den Beschuldigten persönlich
aus und musste zudem Personen der linken Szene bei deren Veranstaltungen
ausspionieren und darüber dem Beschuldigten rapportieren (Urk. 3 S. 2 ff.; Urk. 5
S. 1 ff.; Urk. 24 S. 2; Urk. 70 S. 3 f.).
3.1.2. Der Beschuldigte bestreitet ebenfalls nicht, sich mit der Privatklägerin am
10. Oktober 2009 im Hotel C._ in ... getroffen zu haben und dort
zusammen mit ihr eine "Geheimhaltungsvereinbarung" sowie eine "Vereinbarung
zur Anerkennung von Ansprüchen" unterzeichnet zu haben. Er bestreitet aber,
der Privatklägerin gedroht und sie dadurch genötigt zu haben, die beiden
Dokumente zu unterzeichnen (Urk. 3; Urk. 4; Urk. 31 und Urk. 69 S. 4 ff.).
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3.1.3. Es ist somit in der Folge zu prüfen, ob der dem Beschuldigten in der
Anklageschrift vorgeworfene und von ihm bestrittene Sachverhalt aufgrund der
vorliegenden Beweismittel rechtsgenügend erstellt ist.
3.2. Die Vorinstanz hat die Grundsätze richtig dargestellt, nach welchen ein
bestrittener Sachverhalt im Strafverfahren rechtsgenüglich erstellt werden kann.
Darauf ist zu verweisen (Urk. 41 S. 12 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3. Weiter hat die Vorinstanz die massgeblichen Aussagen des Beschuldigten
und der Privatklägerin zusammengefasst (Urk. 41 S. 6 ff.). Auch hierauf ist - mit
nachstehenden Ergänzungen und Präzisierungen - zu verweisen (Art. 82 Abs. 4
StPO).
3.3.1. Die Privatklägerin führte anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme
vom 16. Oktober 2009 aus, dass sie seit April (2009) eine gute Stelle im Kinder-
heim habe. Aus diesem Grund habe sie dem Beschuldigten gesagt, sie möchte
nicht mehr so viele Aufträge für ihn machen. Sie habe dann aber Angst gehabt,
dass sie ihr Geld von ihm nicht erhalten würde, wenn sie den Kontakt zum
Beschuldigten plötzlich abbreche. Vor einem Monat (im September 2009) habe
sie ihm sodann mitgeteilt, dass sie keine Arbeiten mehr für ihn ausführen wolle. Er
habe daraufhin gemeint, sie müsse noch einmal eine Arbeit für ihn machen. Der
Auftrag habe dann aber nicht geklappt, da die Frau, welche sie hätte beschatten
müssen, nicht aufgetaucht sei. In der Folge habe sie sich mit dem Beschuldigten
getroffen. Dabei sei es zum Streit gekommen. Danach habe der Telefonterror
richtig begonnen. Er habe ihr immer wieder angerufen und gesagt, dass sie den
Job noch erledigen müsse. Tagelang sei es so gegangen. Während dieser
Telefongespräche habe er ihr gedroht, wenn sie ihn betreibe, dann schicke er das
Geld direkt zum Sozialamt. Sie habe einfach Angst gehabt um ihr Geld. Sie habe
Angst gehabt, das ganze Geld zu verlieren. Richtig gedroht habe er ihr wegen
dem Sozialamt. Zudem habe er gesagt, dass wenn sie etwas über die ausge-
führten Arbeiten sage, dann könne sie mit bis zu Fr. 100'000.– bestraft werden.
Sie habe einen Psychoterror erlitten. Sie habe sich nicht getraut, andere Perso-
nen anzurufen, da sie gedacht habe, diese "Leute" würden das Telefon
abhören. Er habe ihr gedroht, dass er das Geld nicht ihr, sondern dem Sozialamt
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geben werde. Immer wieder habe er ihr gedroht, dass sie wegen dieser
Schweigepflicht niemandem etwas sagen solle, ansonsten sie bestraft werden
könne. Er habe gedroht, dass er das Ganze ihrem Freund erzählen werde. Sie sei
fast durchgedreht zu Hause. Sie denke, sie wäre nicht so krank geworden, wenn
sie nicht diesen Psychoterror erlitten hätte. Sie habe ihrem normalen Alltag nicht
mehr nachgehen können. Auch ihr Chef sei darauf aufmerksam geworden,
weshalb er sie diesbezüglich angesprochen habe. Sie habe dann den Vertrag
unterschreiben müssen. Das habe sie getan, weil sie vom Beschuldigten habe
Ruhe haben wollen (Urk. 5 S. 3 ff.).
3.3.2. Anlässlich der zweiten polizeilichen Befragung vom 20. Oktober 2009 gab
die Privatklägerin ebenfalls zu Protokoll, sie habe den Vertrag unterzeichnet, da-
mit der Beschuldigte sie endlich in Ruhe lasse. Wenn sie diesen Vertrag nicht un-
terschrieben hätte, dann hätte sie den Beschuldigten betreiben müssen.
Daraufhin hätte er ihrem Freund erzählt, dass sie beide etwas zusammen gehabt
hätten. Er hätte dem Sozialamt auch mitgeteilt, dass sie bei ihm Geld verdient und
dies nicht angemeldet habe (Urk. 6 S. 1 f.).
3.3.3. Die Privatklägerin legte anlässlich der dritten polizeilichen Einvernahme
vom 30. Dezember 2009 dar, dass der Beschuldigte ihr mehrmals gedroht habe.
Nachdem sie sich zerstritten hätten, habe er ihr geschrieben, warum er das nicht
ihrem Freund sagen soll, wenn sie diesem doch auch erzählt habe, was sie für
den Beschuldigten gemacht habe. Sie habe immer Angst gehabt, dass wenn sie
nicht mache, was der Beschuldigte von ihr wolle, sie ihren Freund verlieren
könne. Als sie dem Beschuldigten einen Vertrag vorgelegt habe, den ihr eine
Juristin aufgesetzt habe, habe er ihr gedroht, dass wenn sie ihm nicht den
Vertrag, den er ihr vorlegen werde, unterzeichne, so werde sie die Kosten für
seinen Anwalt begleichen müssen. Beim selben Treffen habe er auch gesagt, sie
wisse ja nicht, ob er für den Staatsschutz arbeite. Einmal habe er auch gesagt, er
könne ihren Freund als gemeingefährlich einstufen. Ihr Freund müsse dann damit
rechnen, dass er öfters mit dem Auto kontrolliert werde. Später habe er gesagt,
ihr Freund sei schon als gemeingefährlich eingestuft. Als sie ihn aufgefordert
habe, er solle das rückgängig machen, habe er geantwortet, das könne er nicht
mehr. Weil er solche Aussagen gemacht habe, habe sie auch geglaubt, dass er
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vielleicht doch mit einem Staatsschutz oder Geheimdienst zusammen arbeite. Er
habe auch über die Aufträge nie mit ihr am Telefon sprechen wollen. Sie habe
sich immer mit ihm treffen müssen. Er habe gesagt, sein Telefon werde bestimmt
abgehört (Urk. 7 S. 3 f.).
3.3.4. Anlässlich der Einvernahme vor der Staatsanwaltschaft am 18. Juli 2011
machte die Privatklägerin geltend, sie habe mit dem Beschuldigten eine geschäft-
liche Beziehung gehabt. Es sei damals schon eher negativ gewesen, da er sie
immer mit Telefonanrufen belästigt habe. Er habe immer etwas von ihr gewollt.
Am Schluss habe er sie dazu genötigt, einen Vertrag mit Schweigepflicht zu
unterschreiben. Während der geschäftlichen Beziehungen habe er sie immer
wieder genötigt. Er habe sie dazu genötigt, den Vertrag zu unterschreiben,
ansonsten er ihrem Freund von ihr erzähle und den Staatsschutz informiere,
damit diese Nachforschungen machen würden, ob sie wirklich nichts von all
diesen Geschäften erzählt habe. Sie habe die "Geheimhaltungsvereinbarung"
nicht freiwillig unterzeichnet. Auf die Frage, was der Beschuldigte gesagt habe,
was passieren würde, wenn sie diese Geheimhaltungsvereinbarung nicht unter-
schreibe, meinte die Privatklägerin, es seien verschiedene Sachen gewesen,
namentlich dass er ihr kein Geld bezahle, dass er ihrem Freund alles erzähle und
dass der Staatsschutz Nachforschungen machen würde, ob sie über das Ganze
nichts erzählt hätte. Sie habe auch die "Vereinbarung zur Anerkennung von
Ansprüchen" aus den genannten Gründen nicht freiwillig unterschrieben. Auf die
Frage, wie es dazugekommen sei, dass sie nicht mehr für den Beschuldigten
habe arbeiten wollen und wann dies gewesen sei, erklärte die Privatklägerin, es
sei ca. im September gewesen, als es immer extremer geworden sei. Sie habe
immer noch für ihn observiert. In dieser Zeit habe sie aber bereits eine Stelle
gehabt. Er habe sie immer wieder angerufen und gewollt, dass sie sich mit ihm
treffe. Er habe ihr am Telefon nie genaueres gesagt, da man habe abgehört
werden können. Sie hätten sich dann getroffen und er habe sie um Geld gebeten,
damit er nicht hungern müsse. Er habe einen richtigen Terror gemacht. Er habe
dies immer mit seinem geizigen Chef erklärt und habe immer wieder gesagt, dass
er für Krankenleistungen selber aufkommen müsse. Er habe sie unter Druck
gesetzt, dass wenn sie die Arbeiten nicht machen würde, er seinen Job verlieren
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würde. Er habe ihr auch gesagt, dass er Herzprobleme wegen ihr bekommen
hätte. Im September 2009 habe sie ihm zwar zugesagt, noch einen Auftrag zu
übernehmen, welcher aber nicht habe ausgeführt werden können. Daraufhin habe
er ihr gesagt, dass er seinen Job verlieren würde. Zeitgleich sei auch der Streit
über das Geld entstanden. Er habe auch nie ihre Schuldanerkennung unter-
schreiben wollen. Er habe dies zwar einmal gemacht. Er habe aber behauptet,
dass diese nichtig sei. Eine neue Schuldanerkennung habe er nicht unterzeichnen
wollen. In der Folge habe er sie immer wieder angerufen. Er habe sich mit ihr tref-
fen wollen, damit sie ihm Geld ausleihen oder Jobs für ihn machen würde. Dies
habe sie extrem viele Nerven gekostet. Sie habe zwei Wochen nicht mehr arbei-
ten können. Diese Anrufe hätten bei ihr eine Grippe sowie Appetit- und Schlaf-
störungen ausgelöst, da es sie gestresst habe, dass er ihr das Geld nicht bezahlt
habe, dass er ihr gedroht habe, ihr Freund würde alles erfahren, und dass er
damit gedroht habe, alles dem Sozialamt zu erzählen (Urk. 8 S. 3 ff.).
3.4. Wie aus den vorstehend wiedergegebenen Aussagen ersichtlich ist, hat die
Privatklägerin im Untersuchungsverfahren konstant ausgesagt, dass der Beschul-
digte sie unter Druck gesetzt und bedroht habe, nachdem sie ihm erklärt hatte,
nicht mehr für ihn tätig sein zu wollen. Ihre Ausführungen, wonach sie es als
"Telefonterror" empfunden habe, dass der Beschuldigte sie mehrfach telefonisch
kontaktiert und immer wieder versucht habe, sie zu treffen und dazu zu bringen,
dass sie weitere Arbeiten für ihn übernimmt, erscheinen erlebt und nicht lediglich
ihrer Fantasie entsprungen. Auch ihre Darstellung, wonach der Beschuldigte ihr
gegenüber erwähnt habe, dass er ihrem Freund über die sexuelle Beziehung
zwischen ihr und dem Beschuldigten erzählen und das Geld nicht ihr sondern
dem Sozialamt bezahlen werde, wirken nicht konstruiert und decken sich im
Wesentlichen mit den Ausführungen des Beschuldigten. So räumte dieser selber
ein, er habe der Privatklägerin gesagt, wenn sie das ganze Geld sofort haben
wolle, müsse er beim Sozialamt abklären, ob dieses einen Anspruch auf das Geld
habe (Urk. 3 S. 10; Urk. 69 S. 7). Zudem erklärte der Beschuldigte, er habe der
Privatklägerin gegenüber erwähnt, dass er ihrem Freund von ihrer intimen
Beziehung erzählen werde, wobei er allerdings bestritt, dies anlässlich des
Treffens vom 10. Oktober 2009 gemacht zu haben (Urk. 4 S. 2). Aufgrund
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der Schilderungen der Privatklägerin ist demnach nicht ohne Weiteres auszu-
schliessen, dass sie sich durch das Verhalten des Beschuldigten und insbesonde-
re durch seine Äusserungen derart unter Druck, bedrängt und eingeschüchtert
fühlte, dass sie schliesslich die Verträge unterzeichnete, damit der Beschuldigte
sie endlich "in Ruhe" lässt (vgl. Urk. 5 S. 5; Urk. 6 S. 1).
3.5. Aufgrund des angeklagten Sachverhalts ist vorliegend aber nicht zu prüfen,
ob die Privatklägerin sich durch eine allgemeine Drucksituation aufgrund des
Verhaltens des Beschuldigten bzw. dessen Äusserungen gezwungen fühlte, die in
Frage stehenden Verträge zu unterzeichnen. Ein Aufbauen eines Drucks über
längere Zeit (bspw. Telefonterror) ist in der Anklage nicht umschrieben. Mass-
geblich und nachstehend zu prüfen ist vielmehr, ob der Beschuldigte - wie dies in
der Anklageschrift genau umschrieben ist - anlässlich des Treffens vom
10. Oktober 2009 der Privatklägerin konkret drohte, dass er, sollte sie die
"Geheimhaltungsvereinbarung" sowie die "Vereinbarung zur Anerkennung von
Ansprüchen" nicht unterzeichnen, ihrem Freund von der sexuellen Beziehung
zwischen ihr und dem Beschuldigen erzählen und dem Sozialamt melden werde,
dass sie bei ihm gearbeitet habe.
3.5.1. Drohung des Beschuldigten, er werde dem Freund der Privatklägerin von
der sexuellen Beziehung zwischen ihm und der Privatklägerin erzählen:
Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme vom 16. Oktober 2009 führte die
Privatklägerin aus, der Beschuldigte habe ihr gedroht, dass er das Ganze ihrem
Freund erzählen werde (Urk. 5 S. 4). Während der gesamten Befragung äusserte
sich die Privatklägerin in keiner Weise dazu, in welchem Zeitpunkt der Beschul-
digte diese Drohung ausgesprochen haben soll. Auch aus dem Zusammenhang
ihrer Äusserungen kann nicht geschlossen werden, ob diese Drohung während
des Treffens vom 10. Oktober 2009 oder bereits früher erfolgt sein soll.
Bei der zweiten polizeilichen Einvernahme vom 20. Oktober 2009 führte die
Privatklägerin sodann aus, dass sie, wenn sie den Vertrag nicht unterzeichnet
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hätte, den Beschuldigten hätte betreiben müssen. Dann hätte er ihrem Freund er-
zählt, dass sie beide etwas zusammen gehabt hätten (Urk. 6 S. 1). Auf die Frage,
ob sie aus Furcht, dass der Beklagte ihrem Freund wegen der sexuellen Bezie-
hung hätte Bescheid geben können, den Vertrag unterzeichnet habe, meinte die
Privatklägerin, "letztlich schon auch" (Urk. 6 S. 3). Darauf angesprochen, ob der
Beschuldigte sich ihr gegenüber diesbezüglich geäussert habe, erklärte die
Privatklägerin, "vor Vertragsunterzeichnung hat er mir ein SMS geschrieben, das
in diese Richtung zielte" (Urk. 6 S. 3). Wie diesen Aussagen zu entnehmen ist,
soll der Beschuldigte vor der Vertragsunterzeichnung am 10. Oktober 2009 ange-
deutet haben, ihrem Freund von der sexuellen Beziehung zwischen ihr und dem
Beschuldigten zu erzählen. Dass der Beschuldigte aber auch während des
Treffens vom 10. Oktober 2009 eine entsprechende Drohung ausgesprochen
haben soll, machte die Privatklägerin gerade nicht geltend.
Auch anlässlich der dritten polizeilichen Einvernahme gab die Privatklägerin zu
Protokoll, dass der Beschuldigte ihr mehrmals gedroht habe. Nachdem sie sich
zerstritten hätten, habe er ihr geschrieben, warum er das nicht ihrem Freund
sagen solle, wenn sie ihm (ihrem Freund) doch auch erzählt habe, was sie für ihn
(den Beschuldigten) gemacht habe. Sie habe immer Angst gehabt, wenn sie nicht
mache, was er von ihr wolle, dass sie dann ihren Freund verlieren könnte (Urk. 7
S. 3). Auch hier machte die Privatklägerin zwar geltend, dass sie Angst gehabt
habe, der Beschuldigte würde ihrem Freund von der sexuellen Beziehung
zwischen ihr und dem Beschuldigten erzählen. Gemäss ihren eigenen Aussagen
soll der Beschuldigte ihr diese Drohung aber schriftlich mitgeteilt haben. Dass der
Beschuldigte eine solche Drohung auch beim Treffen vom 10. Oktober 2009
ausgesprochen habe, damit sie die beiden Dokumente unterzeichne, machte die
Privatklägerin wiederum nicht geltend.
Erst anlässlich der staatsanwaltlichen Einvernahme vom 18. Juli 2011 - und mit-
hin mehr als anderthalb Jahre nach der vorhergehenden Befragung - führte die
Privatklägerin aus, der Beschuldigte habe sie genötigt, den Vertrag zu unter-
schreiben, ansonsten er ihrem Freund von der sexuellen Beziehung zwischen den
beiden erzählen würde (Urk. 8 S. 3). Diese Aussage widerspricht aber - soweit sie
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überhaupt im engen Konnex des Treffens vom 10. Oktober 2009 zu verstehen ist
- sämtlichen Ausführungen, welche die Privatklägerin gegenüber der Polizei
machte. So hat sie - wie vorstehend dargelegt - in allen drei polizeilichen Einver-
nahmen konstant und übereinstimmend ausgeführt, der Beschuldigte habe ihr
gegenüber zwar vor dem Treffen am 10. Oktober 2009 angedroht, ihrem Freund
von der sexuellen Beziehung zwischen ihr und dem Beschuldigten zu erzählen.
Dass aber eine solche Drohung auch bei der Vertragsunterzeichnung ausge-
sprochen wurde, damit sie die beiden Dokumente unterzeichnen würde, machte
die Privatklägerin gerade nicht geltend.
Damit ist der diesbezügliche Anklagesachverhalt, wonach der Beschuldigte
anlässlich des Treffens vom 10. Oktober 2009 der Privatklägerin gedroht habe,
ihrem Freund von der sexuellen Beziehung zwischen den beiden zu erzählen,
wenn sie die beiden Dokumente nicht unterzeichne, nicht erstellt.
3.5.2. Drohung des Beschuldigten, er werde dem Sozialamt melden, dass sie bei
ihm gearbeitet habe:
Die Privatklägerin führte anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme aus, der
Beschuldigte habe ihr während eines Telefongesprächs gedroht, er werde das
Geld dem Sozialamt schicken, wenn sie ihn betreibe. Er habe gedroht, dass er
das Geld nicht ihr, sondern dem Sozialamt geben würde (Urk. 5 S. 4). Wie diesen
Aussagen zu entnehmen ist, soll der Beschuldigte diese Drohung während eines
Telefongesprächs ausgesprochen haben. Dass er diese Drohung auch der
Privatklägerin gegenüber persönlich, insbesondere bei der Vertragsunter-
zeichnung am 10. Oktober 2009 ausgesprochen haben soll, machte die Privat-
klägerin allerdings nicht geltend.
Bei der zweiten polizeilichen Einvernahme führte die Privatklägerin aus, dass
wenn sie den Vertrag nicht unterzeichnet hätte, sie den Beschädigten hätte
betreiben müssen. Dann hätte er ihrem Freund erzählt, dass sie beide etwas
zusammen gehabt hätten. Zudem hätte er dem Sozialamt mitgeteilt, dass sie bei
ihm Geld verdient und dies nicht angemeldet hätte (Urk. 6 S. 1). Aufgrund dieser
Aussagen der Privatklägerin ist nicht ersichtlich, wie konkret, in welchem Zusam-
menhang und in welchem Zeitpunkt der Beschuldigte der Privatklägerin gedroht
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haben soll, dass er das Sozialamt über ihr Erwerbseinkommen informieren werde.
Insbesondere ist nicht ersichtlich, ob der Beschuldigte bei der Vertragsunter-
zeichnung tatsächlich eine entsprechende Drohung ausgesprochen habe oder ob
die Privatklägerin aufgrund von früheren Äusserungen des Beschuldigten davon
ausgegangen ist, dass er dem Sozialamt das Geld geben würde, wenn sie ihn
betreibe.
Anlässlich der dritten polizeilichen Einvernahme gab die Privatklägerin zwar zu
Protokoll, dass der Beschuldigte sie in verschiedenster Weise bedroht habe, so
unter anderem, dass er ihrem Freund von der sexuellen Beziehung zwischen ihr
und dem Beschuldigten erzählen werde, dass sie die Kosten seines Anwalts
übernehmen müsse, wenn sie nicht den Vertrag unterzeichne, den er ihr vorlegen
werde, oder dass er ihren Freund als gemeingefährlich einstufen werde. Uner-
wähnt blieb allerdings die erwähnte Drohung des Beschuldigten, wonach er das
ausstehende Geld dem Sozialamt und nicht der Privatklägerin bezahlen werde
(Urk. 7 S. 3 f.).
Auch zu Beginn der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme blieb eine Drohung
bezüglich des Sozialamts unerwähnt (Urk. 8 S. 4). Auf die Frage, ob er noch mit
anderen Sachen gedroht hätte, meinte sie, sie glaube nicht, es sei das mit dem
Staatsschutz und ihrem Freund gewesen (Urk. 8 S. 5). Erst auf die Frage, welche
Reaktionen die Telefonanrufe bei ihr ausgelöst hätten, erklärte die Privatklägerin,
es habe sie gestresst, dass er ihr Geld nicht bezahlt habe, dass er ihr gedroht
habe, ihr Freund würde alles erfahren und er alles dem Sozialamt erzählen werde
(Urk. 8 S. 11). Demnach hat die Privatklägerin auch bei dieser Einvernahme
nicht konkret ausgeführt, dass der Beschuldigte anlässlich des Treffens vom
10. Oktober 2009 ihr gegenüber gesagt habe, er werde das Geld dem Sozialamt
überweisen, wenn sie die beiden Urkunden nicht unterschreibe. Vielmehr
erwähnte sie die entsprechende Drohung bezüglich des Sozialamts im Zusam-
menhang mit den vom Beschuldigten erhaltenen Telefonanrufen. Entsprechend
ist davon auszugehen, dass die fraglichen Äusserungen vor der Vertragsunter-
zeichnung gemacht wurden. Diese Darstellung stimmt somit insbesondere mit
den Aussagen anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme überein.
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Damit ist auch der diesbezügliche Anklagesachverhalt, wonach der Beschuldigte
anlässlich des Treffens vom 10. Oktober 2009 der Privatklägerin gedroht habe,
dem Sozialamt zu melden, dass sie bei ihm gearbeitet habe, wenn sie die beiden
Dokumente nicht unterzeichnet, nicht erstellt.
3.6. Es bleibt zu ergänzen, dass die Privatklägerin auch in ihrem ausführlichen
E-Mail vom 18. Oktober 2009 an den zuständigen Polizeibeamten ("... damit
diese Informationen nicht vergessen gehen"; Urk. 9/6/3 S. 1) im Zusammenhang
mit dem Treffen vom 10. Oktober 2009 keinerlei Drohungen erwähnte, sondern
gegenteils wiederholte, es sei ihr ein grosser Stein vom Herzen gefallen, dass die
Sache nun endlich erledigt sei (a.a.O. S. 5).
3.7. Wie vorstehend dargelegt, erscheint es zwar durchaus plausibel und nach-
vollziehbar, dass die Privatklägerin durch das Verhalten des Beschuldigten unter
Druck gesetzt und eingeschüchtert wurde. Die Privatklägerin selbst beschreibt
dies an einer Stelle so, dass er sie "drangsaliert" habe (Urk. 8 S. 6), und gegen-
über dem zuständigen Polizeibeamten schilderte sie im erwähnten E-Mail vom
18. Oktober 2010 unter anderem, die Masche des Beschuldigten sei gewesen
"schmeicheln, Mitleid erheischen, Schuldgefühle hervorrufen" (Urk. 9/6/3 S. 9).
Der Beschuldigte anerkannte vor Vorinstanz in seinem Schlusswort wie auch an-
lässlich der heutigen Berufungsverhandlung denn auch selber, sich zwar nicht
strafrechtlich schuldig gemacht, aber doch Fehler begangen zu haben (Prot. I
S. 5; Urk. 69 S. 5; Prot. II S. 11). Ob nun allerdings das Verhalten des Beschuldig-
ten in seiner Gesamtheit eine Drucksituation mit einer dem Nötigungstatbestand
entsprechenden Intensität aufgebaut hat, wurde von der Anklage nicht zum
Prozessthema gemacht und muss entsprechend offen gelassen werden. Wie
gesehen, hat sich die Anklagebehörde entschieden, den eingangs wiederge-
gebenen, zeitlich und räumlich relativ eng umschriebenen Sachverhalt vom
10. Oktober 2009 im Hotel C._ der gerichtlichen Beurteilung zu unterbreiten.
Nach dem Gesagten ist indessen festzuhalten, dass dieser Anklagesachverhalt
nicht erstellt ist. Damit ist der Beschuldigte vollumfänglich vom Vorwurf der der
Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB freizusprechen.
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4. Widerruf
Da der Beschuldigte vollumfänglich freizusprechen ist, ist der bedingte Vollzug
der mit Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 11. April
2008 ausgefällten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à Fr. 30.– nicht zu widerrufen
(vgl. Art. 46 StGB).
5. Genugtuung der Privatklägerin
5.1. Eine im Strafverfahren adhäsionsweise geltend gemachte Zivilklage wird auf
den Zivilweg verwiesen, wenn die beschuldigte Person freigesprochen wird und
der Sachverhalt nicht spruchreif ist (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
5.2. Die Vorinstanz hat der Privatklägerin eine Genugtuung von Fr. 2'000.– nebst
Zins zu 5 % seit dem 10. Oktober 2009 zugesprochen mit der Begründung, der
Beschuldigte habe sie während längerer Zeit und insbesondere in den Monaten
September und Oktober 2009, nachdem sie dem Beschuldigten mitgeteilt habe,
dass sie den Kontakt zu ihm abbrechen wolle, immer wieder eingeschüchtert,
bedroht und schliesslich zur Unterschrift der beiden Vereinbarungen genötigt.
Dadurch sei es ihr immer wieder sehr schlecht gegangen und sie habe kaum
mehr essen und schlafen können. Einem normalen Alltag habe sie nicht mehr
nachgehen können (Urk. 41 S. 28).
5.3. Wie vorstehend dargelegt, musste - da der angeklagte Sachverhalt nicht
erstellt ist - offen gelassen werden, ob und in welchem Ausmass die Privat-
klägerin durch das gesamthafte Verhalten des Beschuldigten unter psychischen
Druck gesetzt wurde. Damit ist die Genugtuungsforderung der Privatklägerin auf
den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
6. Entschädigung und Genugtuung des Beschuldigten
6.1. Der Beschuldigte beantragte, es sei ihm eine angemessene Entschädigung
sowie eine Genugtuung auszurichten (Urk. 70 S. 2).
6.2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie Anspruch auf (a) Entschädigung
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ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte, auf
(b) Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer notwendigen
Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind und auf (c) Genugtuung für
besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere
bei Freiheitsentzug (Art. 428 Abs. 1 StPO).
6.3. Die beantragte Entschädigung und Genugtuung wurden weder substantiiert
begründet noch belegt. Aufgrund der vorliegenden Akten ist zudem nicht ersicht-
lich, dass dem Beschuldigten Kosten für die angemessene Ausübung seiner Ver-
fahrensrechte entstanden sind, die über die amtliche Verteidigung hinaus gehen.
Ebenfalls nicht ersichtlich ist, inwiefern der Beschuldigte durch das Verfahren
wirtschaftliche Einbussen erlitten hat, welche nicht bloss geringfügige Aufwen-
dungen darstellen, die der Beschuldigte grundsätzlich selber zu tragen hat (vgl.
Art. 430 Abs. 1 lit. c StPO). Schliesslich ist aufgrund der Aktenlage auch nicht
davon auszugehen, dass der Beschuldigte durch das vorliegende Verfahren
besonders schwer in seinen persönlichen Verhältnissen verletzt wurde, sodass
eine Genugtuung gerechtfertigt wäre. Damit ist dem Beschuldigten weder eine
Entschädigung noch eine Genugtuung auszurichten.
7. Kostenfolge
7.1. Ausgangsgemäss - der Beschuldigte wird freigesprochen und obsiegt im
Berufungsverfahren - sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Verfahrens, inklusive der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privat-
klägerin und derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 426 StPO).
7.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenverlegung nach Obsiegen und
Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Vorliegend unterliegen sowohl die Privat-
klägerin als auch die Staatsanwaltschaft zu gleichen Teilen, da beide die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils beantragt haben (Urk. 48 S. 1; Prot. II S. 10).
Vorliegend rechtfertigt es sich aber, die gesamten Kosten des Berufungsver-
fahrens, inklusive der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privat-
klägerin und derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichtskasse zu
nehmen (vgl. Art. 425 StPO).
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