Decision ID: 19823b3c-f8cd-4b50-aa8e-424d0e59c13f
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Am 22. Juni 2015 erstattete die Bank B. eine Geldwäscherei-Verdachtsmel-
dung nach Art. 9 des Bundesgesetzes vom 10. Oktober 1997 über die Be-
kämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung im Finanz-
sektor (Geldwäschereigesetz, GwG; SR 955.0) betreffend die auf die A. Ltd
lautende Geschäftsbeziehung Nr. 1 (vgl. hierzu Akten SV.17.1581, pag.
05.205-0002 ff.). Gestützt darauf liess die Bundesanwaltschaft am 24. Juni
2015 im Rahmen der Strafuntersuchung Nr. SV.15.0736 sämtliche auf die-
ser Bankverbindung liegenden Vermögenswerte sperren (Akten
SV.17.1581, pag. 07.104-0002 ff.). Bezug nehmend auf diese Kontosperre
zeigte der in Deutschland domizilierte Rechtsanwalt C. der Bundesanwalt-
schaft am 29. Juli 2015 an, durch die A. Ltd mit der Wahrung derer Interes-
sen betraut worden zu sein (vgl. hierzu Akten SV.17.1581, pag. 15.108-0003
ff.). Angesichts der geplanten Aufgabe der Bankenlizenz durch die Bank B.
wies die Bundesanwaltschaft diese mit Verfügung vom 9. Juni 2017 an, das
auf der erwähnten Kontobeziehung der A. Ltd liegende Guthaben auf ein
Konto der Schweizerischen Nationalbank und die auf der Kontobeziehung
liegenden Wertschriften auf ein Depot bei der Bank E. zu transferieren (Ak-
ten SV.17.1581, pag. 07.104-0061 ff.).
B. Am 27. Juli 2015 eröffnete die Bundesanwaltschaft gestützt auf eine Straf-
anzeige der Bank F. gegen ihren Mitarbeiter G. die Strafuntersuchung Nr.
SV.15.0902 wegen des Verdachts der Veruntreuung, der ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung, der Urkundenfälschung, der Geldwäscherei, des unlaute-
ren Wettbewerbs sowie des Verstosses gegen die Meldepflicht nach Art. 9
GwG (Akten SV.17.1581, pag. 01.100-0001 f.). Am 6. Juni 2017 dehnte die
Bundesanwaltschaft diese Strafuntersuchung aus auf H. und I. wegen des
Verdachts der Urkundenfälschung (Akten SV.17.1581, pag. 01.100-0003 f.)
sowie auf J. wegen des Verdachts der Anstiftung zur Veruntreuung, der An-
stiftung zur ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Urkundenfälschung, der
Anstiftung zur Urkundenfälschung sowie der Geldwäscherei (Akten
SV.17.1581, pag. 01.100-0005 ff.). Mit Bezug auf G. wurde das Verfahren
am 15. Juni 2017 mit Einstellungsverfügung bzw. mit Strafbefehl abge-
schlossen (Akten SV.17.1581, pag. 04.200-0024 ff. bzw. 04.200-0039 ff.).
Am 20. Juli 2017 beschlagnahmte die Bundesanwaltschaft u.a. die auf die
A. Ltd lautenden Vermögenswerte neu im Rahmen der Strafuntersuchung
Nr. SV.15.0902 (Akten SV.17.1581, pag. 07.105-0003 ff.).
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C. Mit Eingabe vom 2. August 2017 liess der Beschuldigte J. der Bundesan-
waltschaft die Durchführung des abgekürzten Verfahrens gemäss Art. 358
ff. StPO beantragen (Akten SV.17.1581, pag. 04.100-0003). Diesbezüglich
verfügte die Bundesanwaltschaft am 15. September 2017 Folgendes (Akten
SV.17.1581, pag. 04.100-0016 ff.):
1. Der Antrag von J. vom 2. August 2017 auf Durchführung des abgekürzten Verfahrens wird
gutgeheissen.
2. Die gegen J. geführte Strafuntersuchung wegen Verdachts der Anstiftung zur Veruntreuung
(Art. 138 StGB i.V.m. Art. 24 StGB), der Anstiftung zur ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art.
158 StGB i.V.m. Art. 24 StGB), der Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) sowie der An-
stiftung zur Urkundenfälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 24 StGB) und der Geldwä-
scherei (Art. 305bis StGB) wird vom Verfahren SV.15.0902 abgetrennt und das abgekürzte
Verfahren gegen ihn unter einer neu zu eröffnenden Verfahrensnummer [SV.17.1581] weiter-
geführt.
3. Die gegen H. und I. geführte Strafuntersuchung wegen Verdachts der Urkundenfälschung
(Art. 251 Ziff. 1 StGB) wird unter der Verfahrensnummer SV.15.0902 fortgeführt.
(...)
Am 29. August 2018 teilte die Bundesanwaltschaft der A. Ltd bzw. RA C. als
deren Vertreter mit, ihre sich (ursprünglich) auf der Bankverbindung der
Bank B. befindenden Vermögenswerte würden neu auch im Verfahren
SV.17.1581 beschlagnahmt (Akten SV.17.1581, pag. 16.103-0070 ff.). Mit
Verfügung vom 21. November 2018 liess die Bundesanwaltschaft die
Fédération Internationale de Football Association (nachfolgend «FIFA») im
Verfahren SV.17.1581 als Privatklägerin im Straf- und Zivilpunkt zu (Akten
SV.17.1581, pag. 15.107-0089 ff.). Mit E-Mail vom 6. Mai 2019 teilte RA C.
der Bundesanwaltschaft mit, dass er die A. Ltd ab sofort nicht mehr vertrete
(Akten SV.17.1581, pag. 15.108-0245 f.). Mit Schreiben vom 7. Juni 2019
zeigte Rechtsanwältin Bettina Aciman (nachfolgend «RA Aciman») der Bun-
desanwaltschaft an, neu im Rahmen der Strafuntersuchung Nr. SV.15.0902
die Interessen der A. Ltd zu vertreten (Akten SV.17.1581, pag. 15.108-0247
f.). Auf entsprechende Anfrage der Bundesanwaltschaft teilte RA Aciman am
14. Juni 2019 mit, die Interessen der A. Ltd auch im Rahmen der Strafunter-
suchung Nr. SV.17.1581 zu wahren (vgl. hierzu Akten SV.17.1581, pag.
15.108-0250 ff.).
Die gegen H. bzw. gegen den zwischenzeitlich verstorbenen I. geführte Stra-
funtersuchung Nr. SV.15.0902 wurde am 17. Oktober 2019 durch Strafbefehl
bzw. Einstellungsverfügung abgeschlossen (Akten SV.17.1581, pag.
16.101-0318 ff., 16.101-0328 ff.).
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D. Nachdem J. die von der FIFA ihm gegenüber erhobenen Zivilansprüche be-
stritt, führte die Bundesanwaltschaft die Strafuntersuchung Nr. SV.17.1581
gestützt auf Art. 360 Abs. 5 StPO im ordentlichen Verfahren weiter (vgl. Ak-
ten SV.17.1581, pag. 16.101-0229).
E. Mit Eingabe vom 6. Februar 2020 beantragte die A. Ltd bei der Bundesan-
waltschaft die Aufhebung der am 24. Juni 2015 verfügten Beschlagnahme
der auf sie lautenden Vermögenswerte (act. 1.6). Mit Eingabe vom 29. April
2020 an den verfahrensleitenden Staatsanwalt des Bundes verlangte die
A. Ltd dessen Ausstand sowie den Ausstand «de l’intégralité de votre cabi-
net» (act. 1.4). Die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts wies die-
ses Ausstandsgesuch ab, soweit sie darauf eintrat (Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BB.2020.86 vom 9. September 2020). Bereits am 12. Mai
2020 wies der verfahrensleitende Staatsanwalt des Bundes den Antrag der
A. Ltd vom 6. Februar 2020 auf Aufhebung der am 24. Juni 2015 verfügten
Beschlagnahme der sich ursprünglich auf der Bankverbindung Nr. 1 bei der
ehemaligen Bank B. befindlichen Vermögenswerte ab (act. 1.1).
F. Hiergegen gelangte die A. Ltd mit Eingabe vom 25. Mai 2019 (recte: 2020)
an die Beschwerdekammer (act. 1). Sie beantragt Folgendes:
En la forme
1. Déclarer recevable le présent recours.
Au fond
Principalement
2. Annuler la décision du Ministère public de la Confédération du 12 mai 2020.
3. Prononcer la levée du séquestre ordonné le 22 juin 2015 sur les avoirs en compte de la
société A. Ltd ouvert auprès de la banque B. sous le numéro 1.
Subsidiairement
4. Annuler la décision du Ministère public de la Confédération du 12 mai 2020.
5. Ordonner au Ministère public de la Confédération de prononcer la levée du séquestre du
22 juin 2015 sur les avoirs en compte de la société A. Ltd ouvert auprès de la banque B. sous
le numéro 1.
En tout état
6. Avec suite de frais et dépens.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 17. Juni 2020 schliesst die Bundesanwalt-
schaft auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde (act. 4). Mit Replik vom
- 5 -
30. Juni 2020 hält die A. Ltd an ihren Beschwerdebegehren fest (act. 7). Die
Bundesanwaltschaft liess sich in der Folge mit Eingabe vom 9. Juli 2020 un-
aufgefordert vernehmen (act. 9). Diese Eingabe wurde der A. Ltd am 10. Juli
2020 zur Kenntnis gebracht (act. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 3 Abs. 1 StBOG ist die Verfahrenssprache Deutsch, Franzö-
sisch oder Italienisch. Nach konstanter Praxis der Beschwerdekammer defi-
niert die Sprache des angefochtenen Entscheids die Sprache im Beschwer-
deverfahren (TPF 2018 133 E. 1 m.w.H.). Davon abzuweichen besteht hier
kein Grund. Der vorliegende Beschluss ergeht deshalb in deutscher Spra-
che, auch wenn die Beschwerdeführerin die Beschwerde in französischer
Sprache eingereicht hat.
2.
2.1 Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Bundesanwaltschaft
kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde er-
hoben werden (Art. 393 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 20 Abs. 1 lit. b StPO und
Art. 37 Abs. 1 StBOG). Zur Beschwerde berechtigt ist jede Partei oder jeder
andere Verfahrensbeteiligte, welche oder welcher ein rechtlich geschütztes
Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheides
haben (Art. 382 Abs. 1 StPO; BGE 146 IV 76 E. 2.2.2; siehe auch die Bot-
schaft vom 21. Dezember 2005 zur Vereinheitlichung des Strafprozess-
rechts, BBl 2006 1085, 1308). Die Beschwerde gegen schriftlich oder münd-
lich eröffnete Entscheide ist innert zehn Tagen schriftlich und begründet ein-
zureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Mit ihr gerügt werden können gemäss
Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung
und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzöge-
rung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts
(lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c).
2.2 Die von der ursprünglichen Beschlagnahmeverfügung betroffene Bankver-
bindung Nr. 1 bei der damaligen Bank B. lautete auf die Beschwerdeführerin.
Sie ist Inhaberin der beschlagnahmten Vermögenswerte und damit eine
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durch Verfahrenshandlungen beschwerte Dritte im Sinne von Art. 105 Abs. 1
lit. f StPO. Als durch die Beschlagnahme in ihren Rechten unmittelbar Be-
troffene stehen ihr die zur Wahrung ihrer Interessen erforderlichen Verfah-
rensrechte einer Partei zu (Art. 105 Abs. 2 StPO). Sie ist damit befugt, die
von der Beschwerdegegnerin abgewiesene Freigabe der auf sie lautenden
beschlagnahmten Vermögenswerte anzufechten (vgl. den Beschluss des
Bundesstrafgerichts BB.2018.149 vom 5. August 2019 E. 2.3.1). Auf deren
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
3.
3.1 Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist allein die Frage, ob der Grund
für die Beschlagnahme der Vermögenswerte der Beschwerdeführerin weg-
gefallen ist oder ob sich die Beschlagnahme nach wie vor als rechtmässig
erweist. Die Beschwerdeführerin rügt diesbezüglich eine Verletzung der
Art. 197 Abs. 1, 263 Abs. 1, 267 Abs. 1 StPO sowie des Art. 71 Abs. 3 StGB
(act. 1, Rz. 10). Nicht einzugehen ist auf die allgemeine Kritik der Beschwer-
deführerin am Strafverfahren bzw. an der Person des Verfahrensleiters (vgl.
act. 1, Ziff. II.; act. 7, S. 2). Diese Vorbringen waren im durch die Beschwer-
deführerin angehobenen Ausstandsverfahren zu prüfen. Die Beschwerde-
kammer hat deren Ausstandsbegehren abgewiesen (Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BB.2020.86 vom 9. September 2020). Nicht nachvollziehbar
ist die Kritik der Beschwerdeführerin (vgl. act. 1, Ziff. II., S. 3) an der Tatsa-
che, dass der Verfahrensleiter die vorliegend angefochtene Verfügung wäh-
rend laufendem Ausstandsverfahren erlassen hat (vgl. hierzu Art. 59 Abs. 3
StPO).
3.2 Gemäss Art. 263 Abs. 1 lit. d StPO können Gegenstände und Vermögens-
werte einer beschuldigten Person oder einer Drittperson beschlagnahmt
werden, wenn die Gegenstände und Vermögenswerte voraussichtlich einzu-
ziehen sind (Einziehungsbeschlagnahme). Die Einziehungsbeschlagnahme
ist eine provisorische konservatorische prozessuale Zwangsmassnahme zur
vorläufigen Sicherstellung der allenfalls einzuziehenden Vermögenswerte
(BGE 141 IV 360 E. 3.2 S. 364; 140 IV 57 E. 4.1.1 S. 61). Von einer Be-
schlagnahme ist nur dann abzusehen, wenn ein Drittrecht im Sinne von
Art. 70 Abs. 2 StGB eindeutig gegeben ist und damit eine Einziehung offen-
sichtlich ausser Betracht fällt. In allen übrigen Fällen gebietet das öffentliche
Interesse die Aufrechterhaltung der Beschlagnahme (vgl. zum Ganzen TPF
2005 109 E. 5.2 S. 111; Beschluss des Bundesstrafgerichts BB.2017.12 vom
3. Juli 2017 E. 3.2.1).
http://links.weblaw.ch/TPF_2005_109 http://links.weblaw.ch/TPF_2005_109
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Für die Einziehungsbeschlagnahme bedarf es eines hinreichenden, objektiv
begründeten konkreten Verdachts, wonach die betroffenen Vermögenswerte
durch eine Straftat erlangt worden sind, oder dazu bestimmt waren, eine
Straftat zu veranlassen oder zu belohnen (Art. 70 Abs. 1 StGB; Art. 197
Abs. 1 lit. b StPO; BGE 124 IV 313 E. 4; Urteil des Bundesgerichts
1B_277/2015 vom 12. Januar 2016 E. 4.2; TPF 2005 84 E. 3.1.2). Der hin-
reichende Verdacht setzt – in Abgrenzung zum dringenden – nicht voraus,
dass Beweise und Indizien bereits für eine erhebliche oder hohe Wahr-
scheinlichkeit einer Verurteilung sprechen (Urteil des Bundesgerichts
1B_636/2011 vom 9. Januar 2012 E. 2.2.3; Beschluss des Bundesstrafge-
richts BB.2017.12 vom 3. Juli 2017 E. 3.2.1). Im Gegensatz zum erkennen-
den Sachrichter hat die Beschwerdekammer bei der Überprüfung der Ver-
dachtsgründe keine erschöpfende Abwägung sämtlicher belastender und
entlastender Beweisergebnisse vorzunehmen. Macht eine von Zwangs-
massnahmen betroffene Person geltend, es fehle am hinreichenden Tatver-
dacht, ist vielmehr zu prüfen, ob aufgrund der bisherigen Untersuchungser-
gebnisse genügend konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat und eine Betei-
ligung der beschuldigten Person an dieser Tat vorliegen, die Justizbehörden
somit das Bestehen eines hinreichenden Tatverdachts mit vertretbaren
Gründen bejahen durften. Im Vorverfahren genügt dabei der Nachweis von
konkreten Verdachtsmomenten, wonach das untersuchte Verhalten mit er-
heblicher Wahrscheinlichkeit die fraglichen Tatbestandsmerkmale erfüllen
könnte (vgl. BGE 143 IV 330 E. 2.1 S. 333 m.w.H.). Auch über die gerichtli-
che Verwertbarkeit von Beweismitteln ist in der Regel noch nicht im Unter-
suchungsverfahren abschliessend zu entscheiden (Urteil des Bundesge-
richts 6B_1004/2019 vom 11. März 2020 E. 3.1.3 m.w.H.).
Die Einziehungsbeschlagnahme hat im öffentlichen Interesse zu liegen und
den Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren (Art. 197 Abs. 1 lit. c
und d StPO; Urteil des Bundesgerichts 1B_352/2019 vom 30. Oktober 2019
E. 3.1; TPF 2005 84 E. 3.2.2). Sie ist solange gerechtfertigt, als eine spätere
Einziehung wahrscheinlich erscheint (Urteil des Bundesgerichts 1B_76/2020
vom 6. Juli 2020 E. 4.1; TPF 2010 22 E. 2.1 S. 25; Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BB.2017.12 vom 3. Juli 2017 E. 3.2.2).
Gemäss Art. 70 Abs. 2 StGB ist die Einziehung ausgeschlossen, wenn ein
Dritter die Vermögenswerte in Unkenntnis der Einziehungsgründe erworben
hat und soweit er für sie eine gleichwertige Gegenleistung erbracht hat oder
die Einziehung ihm gegenüber sonst eine unverhältnismässige Härte dar-
stellen würde. Der Entscheid bezüglich des guten Glaubens des Dritten, der
sich auf die Ausnahme von Art. 70 Abs. 2 StGB beruft, liegt beim Sachrichter,
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solange nicht bereits im Untersuchungsstadium offensichtlich ist bzw. ein-
deutig feststeht, dass eine Einziehung der beschlagnahmten Vermögens-
werte ausgeschlossen ist (TPF 2010 22 E. 2.2.3 S. 26 m.w.H.).
3.3 Zusammengefasst besteht laut Beschwerdegegnerin der Verdacht, dass
verschiedene Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen und deren
Führungsspitze – darunter J. – dem ehemaligen Funktionär der FIFA L. un-
rechtmässige Vermögensvorteile auf das auf die M. lautende USD Kontokor-
rent Nr. 2 bei der Bank F. haben zukommen lassen, um diverse Medien-
rechte zu FIFA-Anlässen, darunter auch die Medienrechte für die Fussball-
Weltmeisterschaften 2026 und 2030 für die Gebiete Argentinien, Uruguay,
Paraguay, Mexiko und 12 weitere lateinamerikanische Länder zu erhalten.
In diesem Zusammenhang bestehe der Verdacht, L. habe diese Vergütun-
gen pflichtwidrig entgegengenommen, die FIFA darüber nicht informiert und
zu Gunsten der durch J. vertretenen Unternehmen sowie deren Geschäfts-
partner Einfluss auf die Vergabe von Medienrechten zu FIFA-Anlässen ge-
nommen. Damit habe L. bewirkt oder zugelassen, dass die FIFA am Vermö-
gen geschädigt werde (vgl. detailliert und ausführlich act. 1.1, Rz. 33 ff.; zu-
sammenfassend in act. 1.1, Rz. 61). Nach dem Tod von L. seien USD 8 Mio.
der sich auf dem erwähnten Konto der M. befindlichen Vermögenswerte auf
die Bankverbindung der Beschwerdeführerin bei der Bank B. überwiesen
worden. Wirtschaftlich Berechtigter an dieser Bankverbindung sei N., bei
welchem es sich um den Sohn von L. handle (vgl. act. 1.1, Rz. 62). Es be-
stehe somit der Verdacht, dass die auf die Bankverbindung der Beschwer-
deführerin geflossenen Gelder deliktischer Herkunft seien (act. 1.1, Rz. 64).
Auf die detaillierten Ausführungen der Beschwerdegegnerin in der angefoch-
tenen Verfügung zu den beteiligten Personen und Gesellschaften, zu den
zwischen ihnen bestehenden vertraglichen Verbindungen sowie auf die ein-
zelnen Finanztransaktionen kann an dieser Stelle verwiesen werden. Die
Ausführungen in der angefochtenen Verfügung werden in den Akten abge-
stützt durch schriftliche Erklärungen einzelner Beteiligter, aber auch durch
Aussagen der mutmasslich Mitbeteiligten J. und G. sowie des Zeugen O. (im
relevanten Zeitraum Senior Legal Counsel bei der FIFA), teilweise öffentlich
zugängliche Informationen der Behörden der Vereinigten Staaten von Ame-
rika, Bankunterlagen, Vertragsdokumente und weitere Unterlagen sowie E-
Mail-Korrespondenz, weitere rechtshilfeweise erhobene Unterlagen und
auch durch Erklärungen der Beschwerdeführerin selbst durch ihren vormali-
gen Vertreter RA C. Auch diesbezüglich kann auf die detaillierten Ausführun-
gen und die zahlreichen Aktenhinweise in der angefochtenen Verfügung ver-
wiesen werden.
- 9 -
3.4
3.4.1 Der von der Beschwerdegegnerin geschilderte Tatverdacht stützt sich im
Wesentlichen auf Erklärungen und Einvernahmen von J. und G. Die Be-
schwerdeführerin äussert Zweifel an deren Wahrheitsgehalt und an deren
Beweiswert (act. 1, Rz. 34 ff.; act. 7, S. 3 f.). Diesbezüglich ist festzuhalten,
dass die erwähnten Erklärungen und Aussagen die von der Beschwerdegeg-
nerin geschilderte Verdachtslage in hinreichendem Masse bestätigen und
stützen, so dass die vorliegend angefochtene Beschlagnahme diesbezüglich
auch als rechtmässig erscheint. Eine umfassende Würdigung der erhobenen
Beweise sowie von deren Verwertbarkeit ist gegebenenfalls dem Sachrichter
überlassen (vgl. oben E. 3.2). Weiter stellen die Erklärungen und Aussagen
von J. und G. im Gegensatz zur Darstellung der Beschwerdeführerin im vor-
liegenden Verfahren nicht die einzigen Beweismittel dar.
3.4.2 Soweit die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde die Darstellung der Be-
schwerdegegnerin mit Blick auf E-Mail-Nachrichten von P. bestreiten will
(act. 1, Rz. 48), nimmt sie offensichtlich auf andere E-Mail-Nachrichten und
deren Inhalt Bezug als sie in der angefochtenen Verfügung wiedergegeben
werden (vgl. act. 1.1, Rz. 52 f. und die dortigen Hinweise auf die Akten).
Damit gründen die Schlüsse der Beschwerdeführerin auf dem falschen Fun-
dament in den Akten und erweisen sich bereits deshalb als unbegründet.
3.4.3 Sofern die Beschwerdeführerin gewisse Aussagen des Zeugen O. in Zweifel
zieht (act. 1, Rz. 49 ff.), bezieht sie sich nur auf ausgewählte Stellen des
Protokolls und damit auf einzelne Aussagen des Zeugen. Hierzu ist zudem
festzuhalten, dass Aussagen «vom Hörensagen» im Strafprozess als solche
nicht von Vorneherein ausgeschlossen sind (Urteil des Bundesgerichts
6B_166/2020 vom 9. April 2020 E. 2.4 m.w.H.). Die Beschwerde erweist sich
auch in diesem Punkt als unbegründet.
3.4.4 Was die von der Beschwerdeführerin angeführten Erklärungen der Anwälte
der Gruppe Q. angeht (act. 1, Rz. 54), so bestätigen diese gerade ausdrück-
lich die von der Beschwerdeführerin bestrittenen Ausführungen der Be-
schwerdegegnerin (act. 1, Rz. 53). Die Erklärungen der Anwälte zum Bera-
tervertrag (vgl. act. 1, Rz. 56), welcher der Beschwerdegegnerin zufolge mut-
masslich der Verschleierung von Bestechungszahlungen gedient habe, wie-
derum vermögen das belastende, die Beschlagnahme rechtfertigende Be-
weismaterial als Ganzes nicht zu entkräften. Wie bereits erwähnt ist die um-
fassende Würdigung aller erhobenen Beweismittel allenfalls die Aufgabe des
zuständigen Sachrichters (vgl. oben E. 3.2).
- 10 -
3.4.5 Die Beschwerdeführerin bestreitet schliesslich das Bestehen eines paper
trail zwischen den Gegenstand der Untersuchung bildenden Straftaten und
ihren beschlagnahmten Vermögenswerten (act. 1, Rz. 59 ff.; act. 7, S. 3). Sie
beruft sich dabei auf die gegenüber der Bank gemachten Erklärungen des
an den Vermögenswerten wirtschaftlich Berechtigten N., wonach es sich bei
den ab einem Konto bei der Bank F. überwiesenen Vermögenswerten um
aus seiner eigenen beruflichen Tätigkeit erzielte Ersparnisse handle (act. 1,
Rz. 60, Fn 58). Diese Erklärungen stehen vorab in diametralem Widerspruch
zu den Aussagen und Erklärungen von G. (siehe bspw. Akten SV.17.1581,
pag. 04.200-0010 und 18.101-0069). Vor allem aber widersprechen sie den
mit den Aussagen von G. im Wesentlichen übereinstimmenden Erklärungen
des vormaligen Vertreters der Beschwerdeführerin selbst, wonach es sich
bei der fraglichen Überweisung nach dem Tode von L. um eine Zuwendung
aus dessen Hinterlassenschaft zu Gunsten seines Sohnes N. gehandelt
habe (Akten SV.17.1581, pag. 15.101-0011 f.). Die Belege für die Banküber-
weisung finden sich in den Akten SV.17.1581, pag. B07.102.018.01.02.D-
0002 f.). Dass N. auch an den Vermögenswerten der M., von welcher die
fragliche Überweisung auf das Konto der Beschwerdeführerin stammt, wirt-
schaftlich berechtigt sein soll, macht die Beschwerdeführerin selbst nicht gel-
tend. Ein solches Vorbringen fände auch keinerlei Stütze in den entspre-
chenden Bankunterlagen. Dass gegenüber N. oder auch gegenüber der Be-
schwerdeführerin selber kein strafrechtlicher Vorwurf erhoben wird (act. 1,
Rz. 62), steht einer Beschlagnahme bei der Beschwerdeführerin als Drittper-
son nicht entgegen (vgl. Art. 263 Abs. 1 StPO). Ebenso nichts zu ihren Guns-
ten ableiten kann die Beschwerdeführerin aus dem Umstand, dass J. an der
Überweisung auf ihr Konto nicht mitgewirkt bzw. von dieser nichts gewusst
habe (vgl. hierzu act. 1, Rz. 65). Die Rüge der angeblich fehlenden Konnexi-
tät zwischen den beschlagnahmten Vermögenswerten und den eingangs er-
wähnten Straftaten (act. 1, Rz. 72) erweist sich nach dem Gesagten eben-
falls als unbegründet.
3.5
3.5.1 Unzutreffend sind schliesslich die Ausführungen der Beschwerdeführerin,
die Beschwerdegegnerin sei in der angefochtenen Verfügung nicht auf alle
Vorbringen der Beschwerdeführerin eingegangen (act. 1, Rz. 31 ff.), nament-
lich zu den angeblich fehlenden Voraussetzungen einer Ersatzforderungs-
beschlagnahme oder einer Zuweisung der Vermögenswerte an die Privat-
klägerschaft. Die Beschwerdegegnerin bezeichnete diese angesichts des
hinreichenden Verdachts der deliktischen Herkunft der beschlagnahmten
Vermögenswerte im Rahmen der angefochtenen Verfügung zu Recht als
(zum gegenwärtigen Stadium des Verfahrens) nicht relevant (act. 1.1,
Rz. 31). Auch diesbezüglich erübrigen sich vorliegend allfällige Weiterungen.
- 11 -
3.5.2 Was die durch die Beschwerdeführerin aufgeworfene Frage nach deren an-
geblich ungültigen Vertretung durch RA C. in einem früheren Stadium des
Verfahrens angeht, so substantiierte sie ihr Vorbringen erst im Rahmen ihrer
Replik (act. 7, S. 4 f.). Im Wesentlichen macht die Beschwerdeführerin gel-
tend, RA C. habe nicht nur sie vertreten, sondern auch den Beschuldigten
H. bzw. dessen Gesellschaften. Es habe hier auf Seiten des Vertreters ein
offensichtlicher Interessenkonflikt vorgelegen. Den Ausführungen der Be-
schwerdeführerin kann nicht gefolgt werden. H. war Beschuldigter im Ver-
fahren Nr. SV.15.0902, welches zwischenzeitlich abgeschlossen wurde. Der
Abschluss dieses Verfahrens hatte keinerlei Auswirkungen auf die Stellung
der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren. Worin konkret ein Inte-
ressenkonflikt bestehen soll, wird von der Beschwerdeführerin nicht nach-
vollziehbar dargetan. Dass RA C. hierzulande angeblich in keinem Anwalts-
register geführt worden sei, wie die Beschwerdeführerin geltend macht, spielt
keine Rolle. Dazu war er in Anbetracht der einschlägigen Bestimmungen
auch nicht verpflichtet (vgl. hierzu die Ausführungen der Beschwerdegegne-
rin in act. 9, Rz. 5 ff.).
4. Damit erweist sich die Beschwerde in all ihren Punkten als unbegründet. Sie
ist abzuweisen.
5. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die Gerichtskosten der mit
ihren Anträgen unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO). Die Gerichtsgebühr ist festzusetzen auf Fr. 2’000.– (vgl.
Art. 73 StBOG und Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bundesstrafge-
richts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Entschädigun-
gen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]).
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