Decision ID: 2b999670-873a-41bc-ab13-2b7e204caabe
Year: 2015
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_006
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
Mit Vertrag vom 30. Juni 2003 übertrug A._ihren drei Nachkommen
B._, C._und D._ als einfache Gesellschaft unentgeltlich die
Parzelle Nr. 1000. Der Vertrag wurde als Abtretungsvertrag betitelt und wies da-
rauf hin, dass die Parzelle Nr. 1000 auf Rechnung künftiger Erbschaft zu Ge-
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samteigentum mit einer Beteiligung von je einem Drittel abgetreten werde. Zu-
dem hielt der Vertrag fest, auf die Bestimmung eines Anrechnungswertes werde
verzichtet, da die Übernehmer die einzigen Erben der Abtreterin seien und der
Vorempfang demzufolge beim Tod von A._nicht ausgleichungspflichtig sei.
Nachdem A._am 10. März 2012 verstorben war, schied C._mit Ver-
trag vom 12. März 2013 aus der einfachen Gesellschaft aus. Dieser Vertrag wur-
de als partielle Erbteilung bezeichnet und betraf ausschliesslich die Parzel-
le Nr. 1000, für welche ein Teilungswert von Fr. 2‘270‘000.– festgesetzt wurde.
Gemäss Vertrag übernahmen neu B._ und D._ als einfache Gesell-
schaft die Parzelle Nr. 1000 im Gesamteigentum mit einer hälftigen Beteiligung.
Zudem wurde im Vertrag vom 12. März 2013 festgehalten, dass B._,
C._und D._ von der Ausgleichung durch Einwerfung ihrer Gesamtei-
gentumsanteile «in Natur» (Realkollation) Gebrauch machten.
In der Selbstdeklaration der Handänderungssteuer vom 14. März 2013 machte
Notar E._ als Vertreter der Erbengemeinschaft, bestehend aus B._,
C._und D._, geltend, dass aufgrund der Realkollation eine Ausnah-
me von der Handänderungssteuerpflicht bestehe.
B.
Mit der Veranlagungsverfügung vom 20. August 2013 verneinte das Grundbuch-
amt, dass im Rahmen der Übertragung der Parzelle Nr. 1000 vom 12. März 2013
eine Realkollation möglich sei bzw. eine Ausnahme von der Steuerpflicht vorlie-
ge. Das Grundbuchamt setzte die Handänderungssteuer auf Fr. 13‘620.– fest,
wobei als Berechnungsgrundlage ein Drittel des Teilungswertes von
Fr. 2‘270‘000.–, ausmachend Fr. 756‘666.65, diente.
C.
Gegen diese Veranlagungsverfügung erhoben B._ und D._, vertre-
ten durch Notar E._, am 10. September 2013 Einsprache beim Grund-
buchamt. Sie beantragten, die partielle Erbteilung sei als Realkollation anzuer-
kennen und wegen des daraus folgenden Wegfalls der Steuerpflicht sei die Ver-
fügung vom 20. August 2013 aufzuheben.
Das Grundbuchamt verneinte mit Einspracheverfügung vom 20. Januar 2014
eine Ausnahme von der Steuerpflicht und setzte die Handänderungssteuer auf
unverändert Fr. 13‘620.– fest.
D.
Mit Eingabe vom 18. Februar 2014 führen B._ und D._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer), bezeichnet als Erbengemeinschaft, wiederum vertreten
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durch Notar E._, Beschwerde bei der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirek-
tion des Kantons Bern (nachfolgend: JGK) und stellen darin folgenden Antrag:
Die Einspracheverfügung des Grundbuchamts vom 20. Januar 2014 sowie die
Veranlagungsverfügung des Grundbuchamts vom 20. August 2013 betreffend
Handänderungssteuerverfahren in Sachen Einwerfung des Grundstückes Nr.
1000 und Übernahme durch die Beschwerdeführer seien aufzuheben.
In der Vernehmlassung vom 31. März 2014 beantragt das Grundbuchamt sinn-
gemäss die Abweisung der Beschwerde.
Die Beschwerdeführer halten in den Schlussbemerkungen vom 1. April 2014 an
ihren bisherigen Ausführungen fest.

Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 27 Abs. 2 des Gesetzes vom 18. März 1992 betreffend die
Handänderungssteuer (HG; BSG 215.326.2) können Einspracheverfügungen des
Grundbuchamts bei der JGK angefochten werden. Die JGK ist somit zur Beurtei-
lung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Das Verfahren richtet sich gemäss
Art. 26 Abs. 1 HG grundsätzlich nach den Bestimmungen des Gesetzes vom
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
1.2. Die Beschwerdeführer haben am vorinstanzlichen Verfahren teilgenom-
men. Sie sind durch die ablehnende Einspracheverfügung des Grundbuchamtes
vom 20. Januar 2014 besonders berührt, haben ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung und sind daher befugt, Beschwerde zu führen
(Art. 65 Abs. 1 VRPG).
Im Gegensatz zu der von den Beschwerdeführern verwendeten Bezeichnung
bilden sie allerdings nicht eine Erbengemeinschaft, sondern eine einfache Ge-
sellschaft (vgl. unten E. 5.1). Diese fehlerhafte Bezeichnung vermag jedoch an
ihrer Beschwerdebefugnis – insbesondere aufgrund derselben Personenzusam-
mensetzung – nichts zu ändern.
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit darin die Aufhebung der Veran-
lagungsverfügung vom 20. August 2013 verlangt wird. Der Einspracheverfügung
vom 20. Januar 2014 kommt eine devolutive Wirkung zu, wodurch sie an Stelle
der Veranlagungsverfügung tritt und ausschliessliches Anfechtungsobjekt bildet
(Art. 53 Abs. 2 VRPG; MERKLI/AESCHLIMANN/HERZOG, Kommentar zum berni-
schen VRPG, 1997, Art. 60 N. 7).
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Abgesehen davon ist auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte Be-
schwerde einzutreten.
2.
Die Beschwerdeführer vertreten die Meinung, die Erbengemeinschaft habe bei
einer partiellen Erbteilung von ihrem Wahlrecht nach Art. 628 Abs. 1 des Schwei-
zerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) Gebrauch gemacht, indem sie eine
Ausgleichung mittels Realkollation der Parzelle Nr. 1000 vorgenommen hätten
und die Liegenschaft anschliessend teilten. Dieser Vorgang sei nach Art. 12 Bst.
e HG steuerfrei.
Demgegenüber ist das Grundbuchamt der Ansicht, im Vertrag vom 30. Juni 2003
sei die Ausgleichungspflicht explizit wegbedungen worden bzw. aufgrund der
Gleichbehandlung der Erben bestehe zwischen ihnen keine Ausgleichungspflicht.
Als Folge könne die lebzeitige Übertragung der Liegenschaft nicht durch Realkol-
lation rückgängig gemacht werden. Das Ausscheiden von C._aus der ein-
fachen Gesellschaft sei keine Erbteilung nach Art. 12 Bst. d HG.
Streitig und zu prüfen ist somit die Frage nach der Handänderungssteuerpflicht
der Beschwerdeführer. Nicht beanstandet wird die Bemessung der Steuer, so
dass auf die Höhe des veranlagten Betrages von Fr. 13‘620.– nicht näher einge-
gangen wird.
3.
Beim Erwerb eines Grundstücks ist dem Kanton grundsätzlich eine Handände-
rungssteuer zu entrichten (Art. 1 i.V.m. Art. 4 und 5 HG). Objekt der Handände-
rungssteuer bildet unter anderem der zivilrechtliche Eigentumsübergang
(Art. 5 Abs. 1 Bst. a HG). Zudem sind weitere Rechtsgeschäfte dem zivilrechtli-
chen Eigentumsübergang gleichgestellt, so auch die Änderung im Personenbe-
stand oder im Beteiligungsumfang einer Gemeinschaft zur gesamten Hand
(Art. 5 Abs. 2 Bst. a HG).
Art. 6 bis 10 HG halten die Bemessungsgrundlagen der Handänderungssteuer
fest. Die Handänderungssteuer wird auf der Gegenleistung des Grundstückser-
werbs erhoben. Diese besteht aus allen vermögensrechtlichen Leistungen, wel-
che die erwerbende Person der veräussernden Person oder Dritten zu erbringen
hat (Art. 6 HG). Zur Berechnung der Steuer wird Gesamteigentum wie Miteigen-
tum behandelt (Art. 10 Abs. 1 HG). Der Steuersatz beträgt 1,8 % (Art. 11 Abs. 1
HG). Steuerpflichtig ist die rechtserwerbende Person (Art. 2 Bst. a HG).
Art. 12 HG führt verschiedene Ausnahmen auf, bei deren Vorliegen keine Han-
dänderungssteuer zu entrichten ist. So ist unter anderem beim Erwerb durch
Nachkommen keine Handänderungssteuer zu entrichten; bei der Erbteilung ist
das Verhältnis zwischen der erwerbenden Person und der Erblasserin bzw. dem
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Erblasser massgebend (Art. 12 Bst. d HG). Zudem ist beim Erbgang keine Han-
dänderungssteuer geschuldet (Art. 12 Bst. e HG).
4.
4.1 Das Gesetz sieht die Realkollation im Zusammenhang mit der Ausglei-
chung zwischen den Erben vor. Nach Art. 626 Abs. 1 ZGB sind die gesetzlichen
Erben gegenseitig verpflichtet, alles zur Ausgleichung zu bringen, was ihnen die
Erblasserin bzw. der Erblasser bei Lebzeiten auf Anrechnung an ihren Erbanteil
zugewendet hat. Auf diesem Weg werden lebzeitige Zuwendungen der Erblasse-
rin bzw. des Erblassers erbrechtlich berücksichtigt und in den Nachlass einbezo-
gen.
Bei der Ausgleichung geht es um die Verwirklichung der Gleichheits- bzw.
Gleichbehandlungsidee der gesetzlichen Erben und damit der Gerechtigkeitsidee
(anstelle vieler PAUL EITEL, Berner Kommentar, 2004, Vorbemerkungen vor
Art. 626 ff. N. 10, mit weiteren Hinweisen). Diese Grundidee und damit der Zweck
des Instituts ergibt sich bereits aus der Bezeichnung als «Aus-Gleichung»
(PIERRE WIDMER, Grundfragen der erbrechtlichen Ausgleichung – Eine kritisch-
rechtsvergleichende Studie zur Theorie des Vorempfangs, Diss. Bern 1971, S.
19). Lebzeitige Geschäfte nur mit einzelnen Erben widersprechen dem funda-
mentalen erbrechtlichen Gleichheitsgrundsatz; unentgeltliche Vorempfänge sind
deshalb grundsätzlich in den Nachlass bzw. in den Nachlasswert einzubeziehen
(PETER BREITSCHMID, Vorweggenommene Erbfolge und Teilung – Probleme um
Herabsetzung und Ausgleichung; in St. Galler Studien zum Privat-, Handels- und
Wirtschaftsrecht, Band 46, 1997, S. 60).
Nach Art. 628 Abs. 1 ZGB haben die Erben die Wahl, die Ausgleichung durch
Einwerfung in natura (Realkollation) oder durch Anrechnung dem Werte nach
(Idealkollation) vorzunehmen. Erfolgt die Ausgleichung auf dem Wege der Real-
kollation, wird die lebzeitige Zuwendung rückgängig gemacht (vgl. dazu auch
PAUL EITEL, a.a.O., Art. 628 N. 1 mit weiteren Hinweisen und Art. 628 N. 19).
4.2 Vorliegend übertrug A._im Vertrag vom 30. Juni 2003 die Parzelle
Nr. 1000 ihren drei Nachkommen mit einer Beteiligung von je einem Drittel als
einfache Gesellschaft. A._beteiligte somit ihre einzigen gesetzlichen Erben
in gleichem Masse. Bei dieser Ausgangslage ist eine Ausgleichung weder nötig
noch möglich, da es sowohl am Ausgleichungsobjekt, als auch an ausglei-
chungsberechtigten oder ausgleichungspflichtigen Personen mangelt. Folglich
kann die lebzeitige Übertragung der Parzelle Nr. 1000 auch nicht durch eine Re-
alkollation zum Zwecke der Ausgleichung rückgängig gemacht werden. Entgegen
der Annahme der Beschwerdeführer gilt dies unabhängig davon, ob sich im
Nachlass von A._neben der Parzelle Nr. 1000 noch andere Vermögens-
werte befinden.
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Nicht massgebend ist zudem, ob die Ausgleichungspflicht im Vertrag vom
30. Juni 2003 explizit wegbedungen wurde und ob ein Anrechnungswert festge-
setzt wurde. Wie die Beschwerdeführer selbst festhalten, war die Wegbedingung
der Ausgleichungspflicht ohne Sinn, da die Abtretung an alle Erben gemeinsam
erfolgte. Selbst wenn die Ausgleichungspflicht nicht wegbedungen worden wäre,
hätte dies nichts daran geändert, dass vorliegend keine Ausgleichung vorge-
nommen werden kann und dementsprechend auch keine Möglichkeit der Real-
kollation besteht.
Ebenso unbehelflich ist der Einwand der Beschwerdeführer, wonach es sich beim
Vertrag vom 30. Juni 2003 um ein erbrechtliches Geschäft handle, welches im
Grundbuch mit dem Erwerbtitel «Abtretung auf Rechnung künftiger Erbschaft»
eingetragen sei. Unabhängig von dieser Bezeichnung handelt es sich beim Ver-
trag vom 30. Juni 2003 um eine erbrechtsunabhängige Übertragung der Parzel-
le Nr. 1000 zu Lebzeiten von A._, welche aus den genannten Gründen der
Ausgleichung bzw. der Realkollation nicht zugänglich ist. Ob der Vorgang als
Vorempfang auf Rechnung künftiger Erbschaft oder als Schenkung bezeichnet
wurde, ist nicht massgeblich (vgl. zu den Begriffen des Vorempfangs, der Schen-
kung und der lebzeitigen Zuwendung PETER BREITSCHMID, a.a.O., S. 65 f. und
PAUL EITEL, a.a.O., Art. 626 N. 33 ff.).
5.
5.1 Eine Erbengemeinschaft entsteht, wenn der Nachlass einer verstorbenen
Person auf mehrere Erben übergeht (Art. 602 ZGB). Aus der Hinzufügung der
ausgleichungsrechtlich berücksichtigten lebzeitigen Zuwendungen zum reinen
Nachlass ergibt sich die Teilungsmasse (PAUL EITEL, a.a.O. Vorbemerkungen vor
Art. 626 ff. N. 15 mit weiteren Hinweisen und Art. 628 N. 12).
Vorliegend war es mangels Ausgleichung nicht möglich, die Parzelle Nr. 1000
mittels Realkollation zur Teilungsmasse hinzuzufügen. Die Parzelle Nr. 1000
blieb daher auch nach dem Tod von A._im Eigentum der einfachen Gesell-
schaft, bestehend aus C._, B._ und D._. Infolgedessen konnte
die Parzelle Nr. 1000 auch nicht von der Erbengemeinschaft, bestehend aus
C._, B._ und D._, in eine partielle Erbteilung einbezogen wer-
den (vgl. dazu PAUL EITEL, a.a.O., Vorbemerkungen vor Art. 626 ff. N. 24 und
PETER BREITSCHMID ET AL., Erbrecht, S. 158 f.). Das Ausscheiden von
C._aus der einfachen Gesellschaft wurde demnach fälschlicherweise im
Namen der Erbengemeinschaft in einer partiellen Erbteilung beschlossen. Rich-
tigerweise hätte die einfache Gesellschaft über das Ausscheiden von
C._einen Beschluss treffen müssen. Da jedoch die Personenzusammen-
setzung der Erbengemeinschaft sowie der ursprünglichen einfachen Gesellschaft
dieselbe ist, ändert dies nichts an dem Entscheid, die einfache Gesellschaft nun
neu mit B._ und D._ weiterzuführen.
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Diese Ausführungen zeigen auch, dass die vorliegende Beschwerde unzutref-
fend im Namen einer Erbengemeinschaft, nur bestehend aus B._ und
D._, eingereicht wurde. Eine Erbengemeinschaft mit einem solchen Perso-
nenbestand existiert gar nicht, da C._nicht aus der Erbengemeinschaft,
sondern aus der einfachen Gesellschaft ausgeschieden ist.
5.2 Das Ausscheiden von C._aus der einfachen Gesellschaft stellte eine
Änderung im Personenbestand und im Beteiligungsumfang einer Gemeinschaft
zu gesamter Hand dar. Ein solcher Vorgang stellt kein erbrechtliches Geschäft
dar und ist nach Art. 5 Abs. 2 Bst a HG grundsätzlich handänderungssteuerpflich-
tig. Es liegt keine Ausnahme von der Handänderungssteuerpflicht vor, da das
Ausscheiden von C._weder einen Erwerb infolge Erbteilung im Sinne von
Art. 12 Bst. d HG noch einen Erwerb durch Erbgang nach Art. 12 Bst. e HG dar-
stellt. Bei diesem Ergebnis muss nicht abschliessend geklärt werden, ob eine
Realkollation unter Art. 12 Abs. d HG zu subsumieren ist. Die Einwände der Be-
schwerdeführer sind somit unbegründet.
6.
6.1 Die Beschwerdeführer machen schliesslich geltend, dass die Grundbuch-
ämter des Kantons Bern ähnliche und teilweise völlig gleich gelagerte Fälle als
Realkollation und als Ausnahme von der Steuerpflicht anerkannt hätten. Als Bei-
spiel verweisen die Beschwerdeführer auf zwei Fälle. Die Beschwerdeführer sind
der Ansicht, die unterschiedliche Anwendung des Gesetzes betreffend die Han-
dänderungssteuer verletze Treu und Glauben. Eine Praxisänderung sei mit der
Rechtssicherheit nicht zu vereinbaren.
Das Grundbuchamt hält dem entgegen, dass der vorliegende Fall nicht vergli-
chen werden könne mit den beiden Fälle, auf welche die Beschwerdeführer hin-
weisen.
6.2 Aus Art. 8 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenos-
senschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) fliesst das allgemeine Gleichbehand-
lungsgebot, welches die Praxisänderung und die Gleichbehandlung im Unrecht
beinhaltet. Das Gleichbehandlungsgebot garantiert in allgemeiner Weise die
Gleichbehandlung der Menschen durch alle staatlichen Organe. Gefordert ist,
Gleiches gleich (Gleichheitsgebot) und Ungleiches ungleich (Differenzierungsge-
bot) zu behandeln (JÖRG PAUL MÜLLER, Grundrechte in der Schweiz, 4. Aufl.
2008, S. 653 f. sowie TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungs-
recht, 4. Aufl. 2014, S. 183 N. 2 und S. 184 N. 3).
Nach Lehre und Rechtsprechung besteht grundsätzlich kein Anspruch auf
Gleichbehandlung im Unrecht. Der Umstand, dass das Gesetz in einem anderen
Fall nicht oder nicht richtig angewendet wird, vermittelt kein Recht, in einem ähn-
lich gelagerten zweiten Fall ebenfalls gesetzwidrig begünstigt zu werden. Ge-
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mäss dem Bundesgericht geht der Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Verwal-
tung in der Regel der Rücksicht auf die gleichmässige Rechtsanwendung vor
(BGE 126 V 390 E. 6a; TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., S. 190 N. 18). Nur
ausnahmsweise wird daher ein Recht auf gesetzwidrige Gleichbehandlung aner-
kannt. Dafür müssen kumulativ folgende Voraussetzungen erfüllt sein: (1.) Es
liegt eine ständige gesetzwidrige Praxis einer rechtsanwendenden Behörde vor;
(2.) die Behörde gibt zu erkennen, dass sie auch in Zukunft nicht von dieser Pra-
xis abzuweichen gedenkt; und es bestehen (3.) keine überwiegenden Gesetz-
mässigkeitsinteressen (TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, a.a.O., S. 190 f. mit weite-
ren Hinweisen; kritisch zur bundesgerichtlichen Praxis PIERRE TSCHANNEN,
Gleichheit im Unrecht: Gerichtsstrafe im Grundrechtskleid, in ZBl 2011 S. 57 ff.).
Zur ersten Voraussetzung der ständigen gesetzwidrigen Praxis verlangt das
Bundesgericht, dass diese nicht nur in einem einzigen oder in einigen wenigen
Fällen erfolgt, sondern sich in einer fortgesetzten Missachtung des Gesetzes
äussert. Nur wenn die Behörden eine Abkehr von der in anderen Fällen geübten,
gesetzwidrigen Praxis ablehnen, kann der Bürger verlangen, dass die widerrecht-
liche Begünstigung, die dem Dritten zuteil wird, auch ihm gewährt werde (BGE
131 V 9 E. 3.7 und BGE 126 V 392 E. 6a).
6.3 Vorliegend handelt es sich beim ersten der genannten Fälle um unter-
schiedliche Sachverhalte, was eine Differenzierung in der steuerrechtlichen Be-
handlung rechtfertigt. Hinsichtlich des zweiten Falls ist festzuhalten, dass eine
Praxisänderung des Grundbuchamts mit einem Willen zur dauernden Neuaus-
richtung nicht erkennbar ist. Auch besteht keine bisherige ständige gesetzwidrige
Praxis, an der das Grundbuchamt nach dessen eigenem Bekunden festzuhalten
gedenkt. Infolgedessen liegt keine Verletzung der Rechtssicherheit oder des
Grundsatzes von Treu und Glauben vor. Die Voraussetzungen für eine allfällige
Gleichbehandlung im Unrecht sind ebenfalls nicht erfüllt. Die Einwände der Be-
schwerdeführer sind somit unbegründet.
7.
Im Ergebnis gelangt die JGK zum Schluss, dass die Beschwerde, soweit darauf
eingetreten werden kann, unbegründet und folglich abzuweisen ist.
8.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Beschwerdeführer die Verfah-
renskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG), welche pauschal auf Fr. 800.–
festzusetzen sind (Art. 19 Abs. 1 der Verordnung über die Gebühren der Kan-
tonsverwaltung vom 22. Februar 1995 [GebV; BSG 154.21]). Die Verfahrenskos-
ten sind der einfachen Gesellschaft, bestehend aus B._ und D._,
unter solidarischer Haftbarkeit ihrer Mitglieder zur Bezahlung aufzuerlegen.
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In diesem Verfahren sind keine Parteikosten zu sprechen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m.
Art. 104 Abs. 3 VRPG).
Demnach entscheidet die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion:
1.
Eine Kopie der Replik der Beschwerdeführer vom 1. April 2015 geht zur Kenntnis
an das Grundbuchamt.
2.
Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
3.
Die Verfahrenskosten in der Höhe von pauschal Fr. 800.– werden der einfachen
Gesellschaft, bestehend aus B._ und D._, unter solidarischer Haft-
barkeit ihrer Mitglieder zur Bezahlung auferlegt.
Eine separate Zahlungseinladung für den Gesamtbetrag von pauschal Fr. 800.–
erfolgt an die Adresse von B._, sobald dieser Entscheid in Rechtskraft er-
wachsen ist.
4.
Es werden keine Parteikosten gesprochen.