Decision ID: 668559e0-6b2b-5bfb-aeee-abf50f226c97
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 19
72
,
lebt seit Anfang August 2010
bei ihrem Ehemann
in der Schweiz. Ab Dezember 2011 war sie
gelegentlich
stundenweise in der Raum
pflege erwerbstätig (
Urk.
6/3/2-
6, Urk. 6/
5, Urk. 6/6/2
, Urk. 6/6/6-7
).
Am
3. Juni 2017
meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung
wegen Rücken- und psychischen Beschwerden
sowie wegen des Verdachts auf Epilepsie
zum Leistungsbezug
an
(Urk.
6/3
). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte den Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten
(
Urk.
6/5)
sowie
den
Bericht des
Psychotherapeuten
Y._
vom 19. Juni 2017 (Urk. 6/6) ein.
Ausserdem ersuchte
sie
Dr.
med.
Z._
, praktischer Arzt,
mit Schreiben vom 2
4.
Juli und 3
0.
August 2017 (
Urk.
6/9-10) um Erstat
tung eines Berichts
; dieser liess s
ich nicht verlauten.
Mit Vorbescheid vom
16. Januar 2018
kündigte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungs
begehrens an (Urk. 9/
12
).
Nach ungenutzter
Einwandfrist
wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren m
it Verfügung vom 26
.
Februar
2018 wie angekündigt ab (
Urk.
9/29).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte
, vertreten durch ihren Psychotherapeuten
Y._
,
m
it Eingabe vom
6
.
April
2018 Beschwerde und beantragte
sinnge
mäss
, die Verfügung vom
26. Februar 2018
sei aufzuheben und
es sei
die
Leis
tungspflicht der
Beschwerdegegnerin
zu
prüfen
(Urk. 1
)
. Die Beschwerdegegnerin schloss in der Beschwerdeantwort vom
8.
Mai
2018 auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
5
). Die
Beschwerdeführerin
stellte
mit
Replik vom
2
5.
Mai 2018
den Antrag, die Abweisung des Rentengesuchs
sei
aufzuheben und die Sache der
Beschwerdegegnerin
sei
zur Neubeurteilung zuzustellen
(Urk. 9 S. 2
). Die
Beschwerdegegnerin
verzichtete mit Eingabe vom
19. Juni 2018
auf ein
e weitere Stellungnahme (
Urk.
11
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen
Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2.2
Mit
BGE 143 V 4
18
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpas
sungen
hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärun
gen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechts
er
heblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener Leidens
druck (E. 4.4.2)
1.3
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die unter anderem während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeits
unfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind (Art. 28 Abs. 1
lit
. b und c IVG). Der Rentenan
spruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltend
machung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Absatz 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (Art. 29 Abs. 1 IVG).
Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Inv
aliditätsgrad von mindestens 40
Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditäts
grad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Inva
liditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothe
tischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind
wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Das sozialversicherungsrechtliche Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbe
schwerdeverfahren ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht, indem Verwal
tung und Sozialversicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollstän
dige Abklärung des Sachverhaltes zu sorgen haben.
So prüft der Versicherungs
träger
nach Art. 43 Abs. 1
ATSG
die Begehren, nimmt die notwendigen
Abklä
rungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein.
Bei der Ermittlung des Sachverhalts hat allerdings auch die versicherte Person mitzuwir
ken, weil sie den zur Festlegung sozialversicherungsrechtlicher Rechte und Pflich
t
en
massgebenden
Sachverhalt am
B
esten
kennt. Insofern bilden die Mitwir
kungspflichten eine gewisse Ergän
zung und Einschränkung des Unter
suchungs
grundsatzes (
BGE 125 V 193
E. 2
, 122 V 157 E. 1a, je mit Hinweisen
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_567/2007 vom
2.
Juli 2008 E. 6.3).
Kommen
die versicherten Personen
ihren Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unentschuldbarer Weise nicht nach, kann der Versicherungsträger, nach Dur
ch
führung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
, aufgrund der Akten ver
fügen
oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten
beschliessen
. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hinweisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen
(
Art.
43
Abs.
3 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
es liege gemäss den Abklärungen keine Diagnose vor, welche eine erhebliche und langandauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen würde. Aus medizinischer Sicht seien soziokulturelle und psychische
(gemeint wohl: psychosoziale)
Belastungsfaktoren vordergründig.
Zudem würden die zumutbaren Therapieoptionen als noch nicht ausgeschöpft erscheinen. Eine psy
chiatrische Medikation sei beispielsweise noch in Abklärung. Damit sei keine Invalidität im Sinne des Gesetzes gegeben und es bestehe kein Anspruch auf Leis
tungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 S. 1
).
In der
Beschwerdeantwort
vom
8.
Mai 2018
erklärte die Beschwerdegegnerin zudem,
die
Beschwerdeführerin
habe auf dem Anmeldeformular zwei Behand
ler angegeben, den Hausarzt Dr.
Z._
und den Einzel-, Paar- und Familien
therapeuten Y._
. Vom Hausarzt sei trotz Mahnung kein Bericht einge
gangen
. Aus
dem Bericht
des Therapeuten gehe zudem hervor, dass erhebliche soziokulturelle und psychosoziale Belastungsfaktoren massgebend für den Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin
seien. Sie würden somit eine hin
reichende Erklärung für die Beschwerden bilden, was rechtsprechungsgemäss für die invalidenversicherungsrechtliche Beurteilung nicht berücksichtigt werden dürfe. Die geltend gemachten Diagnosen seien zudem nicht fachärztlich gestellt worden.
Auch
fänden sich im Bericht des Therapeuten keine Befunde, welche die ICD-10 Kr
it
erien der gestellten Diagnosen erfüllen würden
, und es gebe keine Hinweise auf eine fachärztliche psychiatrische Behandlung. Auch wenn die Rechtsprechung geändert habe und dem Argument der Therapieresistenz nun weniger Gewicht beigemessen werde, könne eine Erwerbsunfähigkeit trotzdem erst nach zumutbarer Behandlung entstehen (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Ein erheblicher und langandauernder Gesundheitsschaden im Sinne von
Art.
4
Abs.
2 IVG sei damit nicht ausgewiesen
(Urk.
5
).
2.2
D
i
e
Beschwerdeführer
in
wendet dagegen ein
,
die
Beschwerdegegnerin
habe
in ihrem Entscheid
nicht im Geringsten auf die angegebenen Einschränkungen Bezug genommen und
habe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
schlicht als nicht vorhanden bezeichnet
. Die Aussage, aus medizinischer Sicht seien sozio
kulturelle und
psychische Belastungsfaktoren vordergründig, sei zudem absurd. Denn wenn es um medizinische Befunde gehe, sei keine Aussage
über soziokul
turelle und psychische Faktoren
möglich. Wenn schon wären diese Faktoren in Bezug auf mögliche Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit zu beurteilen. Die
Beschwerdegegnerin
hätte die Beurteilung aus einer Gesamtschau fällen müssen, in der sowohl medizinische als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen wür
den. Auch Zusammenhänge in Form von psychosomatischen Befunden wären zu diskutieren. Eine Beurteilung der medizinischen Befunde fehle ebenfalls vollstän
dig. Ferner sei es nicht Aufgabe der
Beschwerdegegnerin
, die Qualität und den Inhalt der psychotherapeutischen sowie psychiatrischen Leistungen zu beurteilen.
Ein Zusammenhang zwischen der Qualität der Behandlung und dem Befund der Arbeitsunfähigkeit
werde bestritten und sei aus fachlicher Sicht nicht haltbar. Insbesondere gebe es auch keinen nachvollziehbaren genuinen Zusammenhang zwischen Medikamenteneinnahme und Arbeitsfähigkeit, vermutlich sei ein Wir
kungszusammenhang eher in gegenteiliger Wirkung zu suchen.
Gerade das vom Rechtsdienst der
Beschwerdegegnerin
zitierte Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 2001 (BGE 127 V 294) zeige, dass
ein Zusammenhang zwischen psychiatrisch medikamentöser Behandlung und Arbeitsfähigkeit
nicht haltbar sei, wonach die Behandelbarkeit einer psychischen Störung
,
für sich allein betrachte
t
, nichts über deren invalidisierenden Charakter
aussage
.
Es sei sodann nicht ersichtlich
,
wie die
Beschwerdegegnerin
auf das Argument
Ther
a
pieresistenz
komme
.
D
er Rechts
dienst
habe
Fragen beurteilt, die nur auf der Ebene von ärztlichen und psychiat
risch-psychotherapeutischen Gutachten beziehungsweise
des Regionalen Ä
rzt
lichen Dienste
s
(RAD)
gefällt werden könnten
. Die
Beschwerdegegnerin
habe die Pflicht, den Sachverhalt auf mögliche Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
hin zu prüfen und
Fragen zu klären, wenn solche bestünden, was nicht geschehen sei. E
s könne nicht akzeptiert werden, dass
sie den Sachverhalt nicht auf andere Weise abgeklärt
habe, nachdem sich der
behandelnde Arzt
nicht gemeldet habe
(Urk. 1, Urk.
9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die
Beschwerdegegnerin
zu Recht einen Anspruch der
Beschwerdeführerin
auf Leistungen der Invalidenversicherung verneint hat.
3.
3.1
Die
Beschwerdegegnerin
hat allein den Bericht vom 19. Juni 2017 des behan
d
elnden Psychotherapeuten
Y._
eingeholt, bei dem die
Beschwerdefüh
rerin
seit dem 1
4.
September 2010
in Behandlung
ist
(
Urk.
6/6/1).
Gemäss diesem Bericht
ist
die
Beschwerdeführerin
mit
ihrem
Ehemann, ihren Kindern und weiteren Verwandten von ihrem Heimatort in die türkische Stadt Mersin geflüch
tet
, von wo ihr Ehemann wegen weiterer Verfolgung nach Europa
geflüchtet sei. Die
Beschwerdeführerin
habe weiterhin mit der Familie des Ehemannes in einer kleinen Wohnung gelebt, wo sie
mehrere Zusammenbrüche
gehabt habe und auch auf epileptische Anfälle behandelt worden sei. Im Jahr 2010 habe sie ein Visum bekommen und se
i zu ihrem Ehemann
gezogen. Im Jahr 2013 sei ihr Ehemann krank geworden und habe nicht mehr arbeiten können sowie einen IV-Antrag gestellt. Auch die
Beschwerdeführerin
habe unter den Beschwerden ihres Mannes gelitten
und
habe
massive
Rückenprobleme bekommen
, die ärztlich nichtoperativ behandelt würden
.
P
sychisch sei es ihr
ebenfalls
zunehmend schlechter gegangen.
Am Leben erhalten habe sie die gute Vernetzung mit Nach
barn und Bekannten, periodische Besuche ihrer beiden (erwachsenen) Kinder und die telefonischen Verbindungen. Mit der Assimilation tue sie sich nach wie vor schwer.
Die psychische Einschränkung sei vom Ehemann abhängig.
Da ihr Ehe
mann ebenfalls oft zuhause sei, manchmal seine Medikamente nicht einnehme und immer wieder Wutanfälle habe, sei sie zunehmend labil und auch präpsy
chotisch geworden. Schwierigkeiten habe sie vor allem in der Nacht. Sie leide an Backflas
hs, wache auf, mache Licht und frage, wo sie sei, wolle mit ihrem Ehe
mann telefonieren, obschon er da sei, etc.
Es seien die Diagnosen depressiver Episoden (ICD-10 F32), einer Panikstörung (ICD-10 F41.0), einer posttrauma
tischen Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1), Albträume (ICD F51.5) und einer dissoziativen Amnesie (ICD-10 F44) zu stellen.
Die psychiatrische Medikation werde abgeklärt. Zur derzeitigen medizinischen Versorgung sei auf den Hausarzt verwiesen
.
Dank ihrer Nachbarin könne sie zu zirka 20
%
in deren Reinigungs
dienst arbeiten. Diese Tätigkeit könne sie ebenso wie den Haushalt und die Besorgung ihres kleinen Gartens nur unter Schmerzen bewältigen. In der Tätigkeit als Reinigungskraft bestehe eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit seit 201
0.
Prognos
tisch sei davon auszugehen, dass die Symptomatik bestehen bleiben, solange als die Familie in der Türkei nicht wieder zusammenkommen könne, was wenig wahrscheinlich sei. Denn die Befindlichkeit der
Beschwerdeführer
in sei massiv von ihrer Lebensorganisation und vom Wohlbefinden ihres Ehemannes abhängig. Die islamische Religion verlange ihren Gehorsam und die Priorität des Ehe
mannes. Sie werde zwischen beiden Lebenswelten (Türkei mit den Kindern und Verwandten einerseits sowie der Schweiz mit dem Ehemann und Bekannten andererseits) aufgerieben. Zumindest sollte sich die finanzielle Situation nunmehr beruhigen, nachdem ihrem Ehemann nach vier Jahren eine IV-Rente zuge
sprochen worden sei und auch die Finanzsituation bezüglich Ergänzungsleistun
gen abgeklärt sei. Auch
scheine dem Sohn der Einstieg in die Erwerbstätigkeit zu gelingen
und die Tochter habe geheiratet sowie ein eigenes Kind bekommen
(Urk.
6/6/2
-3
,
Urk.
6/6/6-7).
3.2
3.2.1
Bei vorliegender Aktenlage kann entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin
nicht ohne Weiteres abschliessend auf
einen
invalidenversicherungsrechtlich unerhebliche
n
Gesundheitszustand
der
Beschwerdeführerin
geschlossen werden.
Denn die
Beschwerdeführerin
hat in ihrer Anmeldung zum Leistungsbezug vom 3. Juni 2017 psychische und somatische Beschwerden, namentlich Rücken
schmerzen, den Verdacht auf Epilepsie und eine schwere Depression, angegeben (
Urk.
6/3/6).
Diese Beschwerden ergeben sich auch aus dem Bericht des behan
delnden Psychotherapeuten vom
19. Juni 2017
(Urk. 6/
6
).
In den Akten liegt in medizinischer Hinsicht jedoch weder ein Bericht eines Arztes somatischer Fach
richtung noch ein solcher eines psychiatrischen Facharztes vor.
Auch eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ist nicht aktenkundig (
Urk.
6/11).
Der Umstand, dass der in der Anmeldung als behandelnder Arzt angegebene
Dr.
Z._
(
Urk.
6/3/7
) auf die Aufforderung der
Beschwerdegeg
nerin
zur Einreichung eines Berichtes
trotz zweimaliger schriftlicher Mahnung (Urk. 6/9-10
) nicht reagiert hat, befreit sie angesichts des im Verwaltungsverfah
rens geltenden Untersuchungsgrundsatzes
(vgl. E. 1.5 hiervor)
trotz Mitwirkungs
pflicht der
Beschwerdeführerin
nicht
von weiteren Abklärungen
zum medizi
nischen Sachverhalt
.
Denn das
unkooperative
Verhalten
des
Arztes
der
Beschwer
deführerin
darf
dieser nicht angerechnet werden.
Ausserdem ist
mit Randziffer
2067
des
Kreisschreiben
s
des Bundesamtes für Sozialversicherungen
über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI)
,
gültig ab
1.
Januar
2010
, Stand
1.
Januar
2018
, für die Verwaltungsbehörde ver
bindlich festgelegt, was in einem solchen Fall zu tun ist
:
Erhält die IV-Stelle trotz Mahnung weder Unterlagen oder
Berichte, noch eine Mitteilung vom Arzt oder von der Ärztin, so beauftragt die IV-Stelle eine andere ärztliche Stelle oder den
RAD (
vgl. Art. 59 IVG, Art. 47 ff. IVV
)
mit der Abklärung und teilt dies der
ver
sicherten Person
mit.
Dies hat die
Beschwerdegegnerin
nachzuholen, zumal auch mit den übrigen Akten in somatischer Hinsicht keine hinreichende
Entscheidgrundlage
vorliegt.
3.2.2
In
Bezug auf die psychischen Beschwerden
bedarf es
ebenfalls
weiterer Abklä
rungen. Zwar kann
eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
nach wie vor
nur anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich (psychiatrisch) einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE 141 V 281 E.
2.1 mit Hinweis auf BGE 130 V 396; Urteil des Bundesgericht 8C_746/2015 vom
3.
Februar 2016 E. 2.1).
Dies bedeutet jedoch bei
- wie hier -
hinreichenden Hinweisen auf eine möglicherweise erhebliche
psychische
Gesundheitsbeein
trächtigung nicht, dass erst gar nicht
fachärztlich
abgeklärt werden
muss
, ob eine solche vorliegt.
Denn angesichts der Ausführungen des behandelnden Psychothe
rapeuten vom 1
9.
Juni 2017
(Urk. 6/6)
können anspruchsrelevante
psychische Beschwerden
nicht ohne Weiteres und insbesondere nicht ohne fachärztlich
Stellungnahme respektive Beurteilung
verneint werden.
Auch diesbezüglich
hätte die
Beschwerdegegnerin
die Sache
zunächst
dem RAD vorlegen müssen (vgl.
Rz
2038
KSVI
und
Rz
1008 des
Kreisschreiben
s
des BSV über Invalidität und Hilflosigkei
t in der Invalidenversicherung [KSIH], g
ültig ab
1. Januar
2015
, Stand
1.
Januar 2018
; Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_858/2014 vom 3.
September 2015 E. 3.3
).
3.3
3.3.1
Sodann bedarf auch
die
bei psychischen Leiden vorzunehmende
Durchführung des strukturierten Beweisverfahrens mit Prüfung der Standardindikatoren
nach BGE 141 V 281
zunächst
einer
ärztlich hinreichend begründeten
Grundlage mit
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. So hat das Bundesgericht über das
Zusam
menwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung
ausge
führt, dass es
sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben
ist
, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen
(BGE 141 V 281 E. 5.2.1)
. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arz
t Stellung zur Arbeitsfähigkeit.
Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemute
t werden kann (BGE 140 V 193 E.
3.2
,
130 V 352
E. 2.2.5
)
.
Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es erstens, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben,
das heisst
mit den Mitteln fachgerechter ärzt
licher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind (Urteil
des Bundesgerichts
9C_437/2012 vom 6.
November 2012 E. 3.2
; BGE
140 V 193 E. 3.2
).
3.3.2
Die
Beschwerdegegnerin
hätte somit nicht allein ausgehend vom Bericht des Psychotherapeuten
ohne
ärztliche
Stellungnahme
auf
fehlende Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit im Sinne von
Art.
6 und 7 ATGS schliessen dürfen
. Erst r
echt nicht ist das Argument
mangelhafte
r
Be
handlung der psychischen Leiden
allein
massgeblich, zumal nicht jede psychische Erkrankung erfolgreich behandelbar ist
. Behandlungserfolg sowie
Inanspruchnahme therapeutischer Optionen
sind
nach BGE 141 V 281
E. 4.3.1.2 und
E. 4.4.2
zwei
Indikator
en
unter weiteren, die in ihrer Gesamtheit unter Berücksichtigung sämtlicher (psychischer und soma
tischer) Beschwerden
im Hinblick
die Gesamtwirkung auf den Funktionsstatus
zu würdigen sind.
Welche therapeutischen Optionen bestehen und zumutbar sind, muss sich
zudem
aus einer ärztlichen Grundlage im konkreten Fall ergeben und ist nicht
anhand der theoretisch denkbaren
,
allgemeine
n
Möglichkeiten zu bestimmen.
3.3.3
Auch kann der Begründung, aus medizinischer Sicht seien soziokulturelle und psychosoziale Belastungsfaktoren vordergründig und würden eine hinreichende Erklärung für die Beschwerden bilden
, weshalb sie nicht zu berücksichtigen seien
(
Urk.
2,
Urk.
5)
, nicht gefolgt werden
, zumal keine
ärztliche
Beurteilung
hierzu
vorl
iegt
. Denn diese Einschätzung basiert allein auf den Schilderungen des Psy
chotherapeuten, auf dessen Bericht
(Urk. 6/6)
nach dem Gesagten
nicht abschlies
send abgestellt werden kann.
D
ie Frage, ob sich die psychischen Beschwerden in psychosozialen und soziokulturellen Belastungs
faktoren
erschöpfen oder ob davon unterscheidbare eigenständige psychische Krankheits
bilder
im Sinne eines medizinischen Substrates (vgl.
BGE 127 V 294
E. 5a)
vorliegen, darf nicht ohne ärztliche Grundlage allein aus Sicht des
Rechtsanwenders beurteilt werden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2015 vom 1
9.
Januar 2016 E. 3.1).
Im Leitentscheid BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht
zudem
erneut bestätigt, dass soziale Fak
toren nur soweit auszuklammern
seien
, als es darum gehe, die für die Einschät
zung der Arbeitsunfähigkeit kausalen versicherten Faktoren zu umschreiben
. Die funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen würden durchaus auch mit Blick auf psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer Gesundheitsschädigung beeinflussen würden
(E.
3.4.2.1).
P
sychosoziale Belastungen
gehören
bei
gewisse
n
psychische
n
Leiden
ausserdem
zu den Diagnosekriterien
, so etwa bei einer somatoformen anhaltenden Schmerz
störung (ICD-10 F45.5). Auch b
ei dissoziativen Störungen (ICD-10 F44) gehört der Beleg für eine psychische Verursachung
der Störung
, das heisst ein zeitlicher Zusammenhang
mit Belastungen, Problemen oder gestörten Beziehungen, zu den diagnostischen Leitlinien
(
Dilling
,
Mombour
, Schmidt [Hrsg.], ICD-10,
Interna
tionale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Auflage
2015, S. 213 und S.
233).
Ob von den vom Psychotherapeuten gestellten Diagnosen (
Urk.
6/6/6) oder allenfalls anderen Diagnosen nach ICD-10 Kapitel V [F] auszugehen
ist
oder ob dazu keine Befunde vorliege
n
, ist
jedenfalls
nicht ohne
fachärztliche
Beurteilung zu entscheiden.
3.4
3.4.1
Nach dem Gesagten kann bei gegebener Akten- und Rechtslage nicht abschlies
send über die Frage
des
Leistungsanspruchs der
Beschwerdeführerin
entschieden werden.
Die Beschwerdegegnerin hat zur Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführerin
ergän
zende medizinische, insbesondere
auch
fachärztlich-
psychiatrische Abklärungen vorzunehmen, welche einer Gesamtbetrachtung der funktionellen Auswirkungen der Gesundheitsbeeinträchtigungen
unter Berücksichtigung der
aktuellen Recht
sprechung
(BGE 141 V 281, 143 V 409, 418)
Rechnung tragen
.
Ausserdem ist zu bestimmen, ob im Gesundheitsfall von einer 100%igen Erwerbstätigkeit oder einer teilzeitlichen
Erwerbst
ätigkeit mit Haushaltstätigkeit ausgehen
ist
und ob somit eine Haushaltsabklärung vorzunehmen
ist
.
Hernach hat
die IV-Stelle
neu über die Leistungsansprüche der
Beschwerdeführerin
zu entscheiden.
3.4.2
Die angefochtene Verfügung vom 26
. Februar 201
8
(Urk. 2) ist somit aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu
neuem
Entscheid über
die Leistungs
ansprüche
der
Beschwerdeführerin
zurückzuweisen.
4.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zu weiterer Abklärung und neuem Entscheid als vollständiges Obsiegen (vgl. ZAK 1987 S. 268 f. E. 5 mit Hinweisen). Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen betrifft, ist das Verfahren kos
tenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unab
hängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf F
r. 7
00.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Aufgrund der Vertretung der Versicherten durch eine nicht juristisch geschulte Person, die zudem keinen Nachweis der Entgeltlichkeit der Vertretung erbracht hat, besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (
Art.
61
lit
. g ATSG).