Decision ID: 11bb4dc9-8416-4029-857b-692491adf4fd
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Y._
, geboren 1946
, war als
Repro-Fotograph bei der
Z._
, Zürich
, tätig und über diese bei der Suva gemäss dem Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) gegen Unfälle, Berufskrankheiten und unfallähnliche Körperschädigungen versichert
(Urk.
8/1)
, als er am
11. Januar 2006 als Velo
fah
rer an einer Kollision mit einem Lastwagen beteiligt war und von diesem überrollt wurde (
Urk
8/5). Dabei zog
er sich schwere
innere und äussere
Verlet
zungen (Urk.
8/3/1-14) zu. In der Folge wurde unter
a
nderem der linke Ober
schen
kel des Versicherten amputiert (Urk. 8/101 S. 2) und es wurde im Bereich von dessen rechtem Oberschenkel eine
Hüfttotalendoprothese
implantiert (Urk. 8/101 S. 3). Mit Verfügung vom 18. August 2009 (Urk.
8/118)
sprach die Suva
dem Versicher
ten mit Wirkung ab 1. Juli 2009 eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
(S.
1)
, eine
Hilflosententschädigung
leichten Grades, eine Integritätsent
schädi
gung bei einer Integritätseinbusse von 90 % (S. 3) sowie Leistun
gen
der medizi
nischen Pflege zu Hause für das Anziehen von Spezialstrümpfen während 10
Minuten am Tag und für eine Massage am Bein
sowie ein
Eincremen der Haut am Rücken im Umfang von 40 Minuten am Tag im Betrag von insgesamt Fr.
811.30 im Monat (S. 5)
zu
.
Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
Mit Mitteilung vom 11. Januar 2013 (Urk. 8/164) teilte die Suva dem Versicherten mit, dass er weiterhin Anspruch auf Pflegeleistungen im bisherigen Umfang habe.
1.2
Am 29. März 2018 führte die Suva eine Abklärung vor Ort am Wohnort des Versicherten durch und prüfte den Pflegebedarf des Versicherten erneut (Bericht vom 3. April 2018; Urk. 8/284-287). Mit
der in Rechtskraft erwachsenen
Verfü
gung vom 24. Mai 2018 (Urk. 8/293) bemass die Suva den Anspruch des Ver
si
cherten auf Leistungen der Pflege zu Hause neu und sprach ihm für die Zeit vom 1. November 2017 bis 28. Februar 2018
monatliche Pflegeleistungen im Betrag
von Fr. 1'083.-- und für die Zeit ab 1. März 2018 solche im Betrag von Fr. 978.--
zu.
1.3
Am 14. Juni 2018 reichte die
Spitexorganisation
A._
, Zürich, der
Suva
eine ärztliche Verordnung
vom
12. Juni 2018
für
Hauspflegeleistungen des
Versicherten (Urk. 8/296) ein, worauf die Suva der
A._
mit Schrei
ben vom 18. Juni 2018 (Urk. 8/297) mitteilte, dass
sie
dafür
keine Leistungen erbringe
n könne
, und
die
A._
darauf hinwies,
dass die Rech
nungs
stellung
für
Spitexleistungen
an den Versicherten erfolgen müsse.
Mit Schreiben vom 17. Juli 2018 (Urk. 8/302) teilte die Suva
der
A._
mit, dass sie in der Zeit von Mai 2017 bis Mai 2018 zu Unrecht Rechnungen für
Spitex
leistungen
des Versicherten
bezahlt habe, weshalb eine Rückforderung geprüft werde müsse (S. 1). Mit einem weiteren Schreiben gleichen Datums (Urk.
8/303) teilte die Suva dem Versicherten auf, dass sie eine Rückforderung im Umfang der zu Unrecht bezahlten
Spitexrechnungen
prüfen werde. Am 27. Juli 2018 teilte der Krankenversicherer des Versicherten, die Helsana Versicherungen AG, der Suva mit, dass sie in der Zeit vom Mai 2017 bis Mai 2018 Rechnungen der
A._
für
dem
Versicherten
erbrachte Leistungen weder
zugestellt erhal
ten
,
noch
bezahlt habe (Urk.
8/305). Am 30. Juli 2018 teilte der Versicherte der Suva mit, dass er im fraglichen Zeitraum (vom Mai 207 bis Mai 2018) lediglich eine Rechnung der
A._
im Betrag von Fr. 24.-- erhalten habe (Urk. 8/306/1-2). Am 13. August 2018 teilte die
A._
der Suva mit, dass ihr die
B._
nach Beginn der Hospitalisation des Ver
sicherten vom 24. Mai 2017 mitgeteilt habe, dass die Suva der Kostenträger für
die
Pflegeleistungen
des Versicherten sei. Sie habe infolgedessen
die Pflegeleis
tungen der Suva in Rechnung gestellt, da ihrer Ansicht nach im Kanton Zürich für Pflegeleistungen das System Tiers
payant
gelte (
Urk
8/308/1).
Mit der an die
A._
adressiert
en Verfügung vom 2. Oktober 2018
(Urk. 8/312/1-2) forderte die Suva diese auf, ihr einen Betrag von Fr. 31'118.95 für zu Unrecht bezahlte Rechnungen für Pflegeleistungen für den Versicherten zurückzuer
stat
ten. Dagegen erhob die
A._
am 29. Oktober 2008 Einsprache
und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, da nicht sie, sondern der Versicherte Rückerstattungsschuldner sei (
Urk
8/322/1-6). In Gutheissung der Einsprache der
A._
hob die Suva die Verfügung
vom 2. Oktober 201
8
mit Entscheid vom 7. März 2019 (Urk. 8/333/2) ersatzlos auf.
1.4
Am
13. Oktober 2018
v
erstarb der Versicherte (
Urk.
8/324
).
Mit Verfügung vom 22. Oktober 2018 (Urk. 8/317) forderte die Suva die Erbengemeinschaft im Nach
lass des verstorbenen Versicherten auf, ihr zu viel ausgerichtete Pflegeleistungen
im
Betrag von Fr. 554.20 zurückzuerstatten.
Mit einer an
X._
, geboren 1950, überlebende Ehegattin des Versicherten, Alleinerbin
des Versicher
ten
und Willensvollstreckerin im
Nachlass des Versicherten (Urk.
20), gerichteten Verfügung vom 7. März 2019 (Urk. 8/336) forderte die Suva diese auf,
dem Ver
sicherten
zu Unrecht
ausgerichtete
Spitexleistungen
im Betrag von insgesamt Fr.
31‘118.95 zurückzuerstatten. Die von der überlebenden Ehegattin
des verstor
benen Versicherten am 16. August 2019 dagegen erhobene Einsprache
(Urk. 8/347
) wies die Suva mit Entscheid vom 17. Oktober 2019 (Urk.
8/349 = Urk. 2) ab.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Oktober 2019 (Urk. 2) erhob
die über
lebende Ehegattin des
Versicherte
n
am 18. November 2019 Beschwerde (Urk.
1) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei von einer Rückforderung im Betrag von Fr. 31‘118.95 abzusehen; eventuell sei die Sache an die Suva zu ergänzender Sachverhaltsabklärung und Neufestsetzung der Rückforderung zu
rückzuweisen (Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 5. Februar 2020 (Urk. 7) beantragte die Suva die Abweisung der Beschwerde und reichte mit Ein
gabe vom 26. Februar 2020 (Urk.
11) weitere Unterlangen (Urk. 12/1-2) ein. Mit Verfügung vom 19. März 2020 (Urk. 16) wurde der Beschwerdegegnerin Frist angesetzt, weitere Unterlagen einzureichen und es wurde die Beschwerdeführerin aufgefordert, einen Erbschein beziehungsweise eine Bescheinigung ihrer Erbenstellung einzureichen. Mit Ein
gabe vom 2. April 2020 (Urk.
18) führte die Beschwerdegegnerin aus, dass sie die Unterlagen, zu deren Einreichung sie aufgefordert worden sei, entweder bereits eingereicht habe und oder nicht einreichen könne. Mit Eingabe vom 7. April 2020 (Urk. 19) reichte die Beschwerdeführerin den Entscheid des Bezirksgerichts Zürich vom 11. Februar 2019 betreffend Testamentseröffnung im Nachlass des verstor
benen Versicherten (Urk. 20) ein. Mit Eingaben vom 2. Juni 2020 (Urk. 24) und vom 6. Juli 2020 (Urk. 26) nahm die Beschwerdeführerin zu den Eingaben der Beschwerdegegnerin und der von dieser eingereichten Akten Stellung, wovon der Beschwerdegegnerin am 7. Juli 2020 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 28).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber 2016 verabschiede
ten geänderten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG)
und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV
) in Kraft getreten. Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor
dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen). Der hier zu beurteilende Un
fall hat sich am 11. Januar 2006 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1
UVG
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Gemäss Art. 10 Abs. 3 UVG kann der Bundesrat die Leistungspflicht der Versicherung näher umschreiben und die Kos
tenvergütung für Behandlungen im Ausland begrenzen (Satz 1). Er kann festle
gen, unter welchen Voraussetzungen und in welchem Umfang der Versicherte Anspruch auf Hauspflege hat (Satz 2).
1.3
In Bezug auf die Hauspflege hat der Bundesrat seine Verordnungskompetenz durch
den Erlass von Art. 18 UVV wahrgenommen. Gemäss Abs. 1 dieser Bestimmung hat die versicherte Person Anspruch auf eine ärztlich angeordnete Hauspflege, sofern diese durch eine nach den Artikeln 49 und 51 der Verordnung über die Krankenversicherung (KVV) zugelassene Person oder Organisation durchgeführt wird. Gemäss Art. 18 Abs. 2 UVV kann der Versicherer ausnahmsweise auch Bei
träge an eine Hauspflege durch eine nicht zugelassene Person gewähren.
1.4
Art.
53 UVG regelt unter dem Titel «Eignung» die Frage, wer für die Unfallver
sicherung tätig sein darf. Geeignet und damit zugelassen ist, wer die Befugnis besitzt, für die Unfallversicherung im Rahmen der entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen selbstständig
tätig
zu
sein
. Nach Art.
53 Abs.
2 UVG legt der
Bundesrat die Voraussetzungen fest, unter denen die Heil-
und Kuranstalten sow
ie die medizinischen Hilfspersonen und Laboratorien zur selbstständigen Tätigkeit für die Unfallversicherung zugelassen werden. Der Bundesrat ist diesem Auftrag
unter anderem
mit
dem
Erlass von Art.
69
UVV nachgekommen.
Gemäss dieser Bestimmung gelten Art. 44 und 46–54 KVV auch für die Zulassung der Personen, die auf ärztliche Anordnung hin Leistungen erbringen und der Organisationen, die solche Personen beschäftigen (medizinische Hilfspersonen). Zudem kann das
Eidgenössische
Departement des Innern
(
EDI
)
weitere medizinische Hilfspersonen bezeichnen, die innerhalb der kantonalen Bewilligung für die Unfallversicherung tätig sein können.
1.5
Art. 49 KVV nennt die beruflichen Anforderungen an Pflegefachfrauen und Pfle
gefachmänner. Art. 51 KVV enthält die Kriterien, nach welchen Organisationen der Krankenpflege und Hilfe zu Hause zugelassen werden. Die Zulassung ist eine
Voraussetzung des Leistungsanspruchs der versicherten Person. Ein Leistungs
er
bringer ohne krankenversicherungsrechtliche Zulassung kann grundsätzlich kein
e Leistungen der Krankenversicherung auslösen und ist auch nicht tarifvertrags
fähig (Gebhard
Eugster
, Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesver
wal
tungsrecht, So
ziale Sicherheit, Ulrich Meyer [Hrsg.]
, 2. Auflage
,
Basel 2007, Rz. 707 mit Hinweis; BGE 126 V 330 E. 1c). Damit ein Leistungserbringer die Tätigkeit für die Krankenversicherung aufnehmen kann, ist zusätzlich zur Zu
lassung erforderlich, dass er mit den Versicherern einen Tarifvertrag abge
schlossen hat, einem solchen beigetreten oder einem behördlichen Ersatztarif
unterstellt ist (BGE 132 V 303
E. 4.4.3).
1.6
Für die Unfallversicherung bestimmt
Art. 56 Abs. 1 UVG unter dem Ti
tel «Zusammenarbeit und Tarife», dass
die Versicherer mit den
Medizi
nalpersonen
sowie den Heil- und Kur
anstalten vertraglich die Zusam
menarbeit regeln und die Tarife fest
legen können. Sie können die Be
handlung der Versicherten ausschliess
lich den am Vertrag Bete
iligten an
vertrauen. Wer die Bedingungen erfüllt,
kann dem Vertrag beitreten. Ge
mäss Art. 56 Abs. 2 UVG sorgt der Bundesrat für die Koordination mit den Tarifordnungen anderer Sozialversic
herungszweige und kann diese an
wendbar erklären. Besteht kein Vertrag, so erlässt der Bundesrat nach Anhören der
Parteien die erforderlichen Vor
schriften (Art. 56 Abs. 3 UVG). Für alle Versicherten der Unfallversicherung sind die gleichen Taxen zu
berech
nen (Art. 56 Abs. 4 UVG).
1.7
Im UV/MV/IV-Tarifwesen gilt der Grundsatz, dass die Leistungserbringer mit den
Versicherern Tarifverträge abschliessen, wobei weitgehend Tarifautonomie herrscht
. Die drei eidgenössischen Sozialversicherer schliessen in der Regel ge
meinsam die Verträge mit den Spitälern ab (
vgl.
www.zmt.ch). Die Tarifauto
nomie gilt als Leitmotiv, und im Gegensatz zur Krankenversicherung unterliegen die von den Parteien ausgehandelten Tarife nicht der Genehmigung durch eine Behörde (
BVGE
2014/51
E.8.1
).
1.8
Das Bundesverwaltungsgericht hat im zuvor zitierten BVGE 2014/51 erwogen (E.
9.2), dass das UVG (wie auch das
Bundesgesetz über
die Invalidenversi
che
rung, IVG,
und
das
Bundesgesetz üb
er die Militärversicherung, MVG
) keine in
haltlichen Vorgaben zur Bemessung der entsprechenden Tarife enthalte. Es fehlten - anders als im
Bundesgesetz
über die Krankenversicherung (KVG)
- generell-abstrakte Grundsätze zur Tarifordnung und zur Kostenermittlung für die Leistungsabgeltung, und zwar sowohl auf Gesetzes- wie auch auf Verordnungs
ebene.
Bei einem vertragslosen
Zustand
liege es daher
am Bundesrat, in generell-abstrakter Weise die Grundsätze der Tarifbestimmung und dabei insbesondere die Tarifordnung zu regeln. Solle dabei die
Tarifordnung des KVG zur Anwendung gelangen, sei dafür zumindest auf Verordnungsstufe ein derartiger Vermerk anzubringen (vgl. etwa Art. 26 Abs. 2 MVG). Gestützt auf die entsprechenden generell-abstrakten Grundsätze habe hernach das EDI mittels - gegebenenfalls beim Bundesverwaltungsgericht anfechtbarer - Verfügung einen konkreten Tarif im engeren Sinne, das heisst die Höhe des Taxpunktwertes oder des Basis
fall
wertes im ko
nkreten Einzelfall, festzulegen, wobei das EDI
gestützt auf Art. 47 Abs. 6
des
Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetz
es
(
RVOG
)
lediglich für die verfügungsweise Festlegung der Höhe des Tarifs im engeren Sinne, bei bereits vorhandener diesbezüglicher generell-abstrakter Regelung, zuständig
sei
. Die Festlegung der Eckwerte für die Tarifgestaltung habe aber in generell-abstrakter Form in dem dafür vorgesehenen Verfahren und unter Einbezug der Tarifpartner zu geschehen
und sei Aufgabe des Bundesrats, welche
r
diesbezüglich eine
Verordnung
zu erlassen habe
.
Das Bundesgericht hat in
BGE 145 V 333
E.
7.2.2 keine
Veranlassung
gesehen
, von diesen in Rechtskraft erwachsenen Schlussfolgerungen des Bundesverwaltungsgerichts abzuweichen.
1.9
Gemäss der Rechtsprechung steht den in Art. 53 UVG erwähnten Leistungser
bringern steht
(bei Beitritt zu einem Tarifvertrag oder bei einem behördlichen Ersatzvertrag)
nach dem System des Tiers
payant
(vgl. dazu BGE 132 V 18 E. 5.2) ein direkter Anspruch auf Honorierung gegen den Versicherer zu (Art. 54a UVG; Urteil des Bundesgerichts U 404/06 vom 23. März 2007 E. 3.3). Denn das
Medizi
nalrecht
der Unfallversicherung beruht auf dem Naturalleistungsprinzip, was bedeutet, dass der Versicherer die Heilbehandlung
selbst erbringt.
Daraus folgt, dass die behandelnde
Medizinalperson
ihre Rechnung dem zuständigen Versi
che
rer stellt und nicht –
wie im Kostenvergütungsprinzip beziehungsweise im System Tiers
garant
– der behandelten Perso
n selbst (Thomas
Gächter
und
Sarah Hack-Leoni
in: Marc
Hürzeler
, Ueli
Kieser
[Hrsg.], Kommentar UVG, Zürich 2018, Art.
54a UVG N. 2 und N. 13).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Einspracheentscheid vom 17.
Oktober 2019 (Urk. 2) davon aus, dass der Versicherte seit 1. Juli 2009 pau
schalisierte Hauspflegebeiträge gemäss Art. 18 UVV bezogen habe, weshalb
die
zusätzliche
Ausrichtung von
Spitexleistungen
beziehungsweise Bezahlung von
Spitexrechnungen
in der Zeit vom Mai 2017 bis Mai 2018 zu Unrecht erfolgt sei (S.
6). Vielmehr hätte die
A._
ihre erbrachten medizinischen Pfle
geleistungen direkt dem
Versicherten in Rechnung stellen müssen.
Sie habe erst m
it Erhalt
des
Schreibens der
A._
vom 13. August 2018 im Grundsatz Kenntnis des Rückerforderungsanspruchs erhalten. Da sie jedoch erst mit Erhalt der
Spitexverordnungen
am 30. August 2018 Kenntnis sämtlicher Um
stände der Rückerstattung erhalten habe, sei von einem Beginn der einjährigen Verwirkungsfrist zu diesem Zeitpunkt auszugehen. Demnach sei der Rückforde
rungsanspruch zum Zeitpunkt bei Erlass der Verfügung betreffend Rückerstatt
ung
vom 7. März 2019 noch nicht verwirkt gewesen (S. 8).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt hiegegen vor, dass die Beschwerdegegnerin im Mai 2017 die Kostenträgerschaft telefonisch
gegenüber der
A._
bestätigt habe, und dass die Beschwerdegegnerin
von dieser
am 20. Juni und
am
11. Dezember 2017 je eine Verordnung für Leistung
en der Hauspflege erhalten habe. Sie hätte daher
spätestens am 11. Dezember 2017 bei Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit den geltend gemachten Irrtum hinsichtlich der Doppelzahlung erkennen müssen. Es sei daher von einem Beginn der Ver
wirkungsfrist spätestens am 11. Dezember 2017 auszugehen, weshalb die Rück
forderung zum Zeitpunkt bei Erlass der Verfügung vom 7. März 2019 bereits verwirkt gewesen sei (Urk. 1 S. 5 f.). Zudem stehe die von der Beschwerdegegnerin geltend gemachte Rückerstattung im Widerspruch zum Übereinkommens Nr. 102 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und zur Europäischen Ordnung der Sozialen Sicherheit (EOSS), wonach
eine
Beteiligung
der v
ersicherten
Personen
an den Kosten
Leistungen der Hauspflege
nicht vorgesehen beziehungsweise nicht zulässig sei. Ein
Rückerstattungsanspruch der Beschwerdegegnerin, falls ein solcher überhaupt bestehen sollte,
sei daher
jedenfalls auf den Umfang der dem Versicherten für den streitigen Zeitraum ausgerichteten Pflegeleistungen im B
etrag von insgesamt Fr. 13‘764.-- zu
beschränke
n, da
ansonsten die erwähnten internationalen Abkommen, welche eine Beteiligung an den Kosten der Haus
pflege durch versicherte Personen ausschliessen würden, verletzt
würden
(Urk. 1 S. 7).
3.
3.1
Nach Art. 57 UVG entscheiden über Streitigkeiten zwischen der Versicherung und Leistungserbringern die von den Kantonen bezeichneten Schiedsgerichte (Abs. 1). Zuständig ist das Schiedsgericht am Ort der ständigen Einrichtung oder der Be
rufsausübung des Leistungserbringers (Abs. 2). Das Schiedsgericht in Tarifstreitig
keiten nach Art. 57 UVG, bei welchem es sich im Kanton Zürich um das dem hiesigen
Gericht angegliederte Schiedsgericht in Sozialversicherungs
streitigkei
ten des Kantons Zürich handelt
(vgl. § 36 Abs. 1 Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht, GSVGer
)
,
urteil
t
auf
Klage hin im Sinne der ursprünglichen Gerichtsbarkeit (vgl. BGE
114 V 319 E. 4a).
Im
System des Tiers
payant
ist der Versicherer rückforderungsberechtigt, wobei sich
die Rückerstattungspflicht
in
erster Linie
gegen den Leistungserbringer
richtet
.
3.2
Diese Ordnung wird durch
Art. 25 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) ergänzt. Gemäss Abs. 1 dieser Bestimmung sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten (Satz 1); wer Leis
tungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (Satz 2 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSV). Demnach haben unfallversicherte Personen zu Unrecht bezogene Leistungen unter den in Art. 25 ATSG genannten und von der Rechtsprechung ergänzten (vgl. nachstehend E.
3.4
ff.
) Voraussetzungen zurückzuerstatten.
In
Art. 2 Abs. 1 lit. a ATSV wird
zudem präzisiert, dass der Bezüger oder die Bezügerin der unrechtmässig gewäh
r
ten Leistungen und seine oder ihre Erben rückerstattungspflichtig sind.
3.3
Die Rückerstattungspflicht besteht gemäss der Rechtsprechung
(Urteil des Bun
des
gerichts K 25/02 vom 23. September 2002 E. 2.2.2)
unabhängig davon, ob die Leistungserbringer nach dem System des Tiers
garant
oder des Tiers
paya
nt
ent
schädigt werden. Denn es muss
möglich sein, dass der Versicherer gegen die ver
sicherte Person vorgeht, wenn diese im System des Tiers
garant
den Vergü
tungsanspruch geltend macht und befriedigt wird, ohne die vom Arzt
erbrachte Leistung zu bezahlen.
Daran ändert nichts, dass der Versicherer gegenüber dem Leistungserbringer einen eigen
en Rückerstattungsanspruch hat. Dem Versicherer steht es demnach frei, seinen Leistungsanspruch gemäss Art. 57 UVG gegenüber dem Leistungserbringer oder gemäss Art.
25
ATSG
gegenüber der versicherten Person geltend zu machen.
3.4
Art. 25 Abs. 1 ATSG knüpft die Rückerstattungspflicht an einen unrechtmässigen Leistungsbezug an, wobei sich die Unrechtmässigkeit einer bereits bezogenen Leistung insbesondere aus einer prozessualen Revision oder aus einer Wieder
er
wägung der leistungszusprechenden Verfügung ergeben kann. Für eine Rücker
stattung nach Art. 25 Abs. 1 ATSG gelten daher die gleichen Voraussetzungen wie für eine Wiedererwägung oder eine prozessuale Revision (Urteil des Bundes
gerichts 8C_207/2010 vom 31. Mai 2010 E. 2). Im Rahmen einer Wiedererwägung kann der
Versicherungsträger auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Ein
spracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (Art.
53 Abs. 2 ATSG). Von der Wiedererwägung ist die so genannte prozessuale Revision von Verwaltungs
verfügungen zu unterscheiden. Danach ist die Verwaltung verpflichtet, auf eine formell rechtskräftige Verfügung zurückzukommen, wenn neue Tatsachen oder neue Beweismittel entdeckt werden, die geeignet sind, zu einer anderen recht
lichen Beurteilung zu führen (BGE 126 V 24 E. 4b).
3.5
Gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG erlischt der Rückforderungsanspruch mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massgebend. Bei diesen Fristen handelt es sich um Ver
wirkungsfristen, die immer und von Amtes wegen zu berücksichtigen sind (BGE 133 V 582 E. 4.1; 128 V 12 E. 1). Für den Beginn der relativen einjährigen Ver
wirkungsfrist sind nicht das erstmalige unrichtige Handeln und die daran anknüp
fende unrechtmässige Leistungsausrichtung massgebend. Abzustellen ist auf jenen Tag, an dem die Verwaltung später bei der ihr gebotenen und zumutbaren Aufmerksamkeit den Fehler hätte erkennen müssen und dass die Vorausset
zungen für eine Rückerstattung bestehen (BGE 124 V 383 E. 1; 122 V 274 f. E.
5a und 5b/
aa
; SVR 2002 IV Nr. 2, I 678/00, E. 3b). Massgebend ist daher jener Tag, an dem sich die Amtsstelle später - beispielsweise anlässlich einer Rechnungs
kontrolle - unter Anwendung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit über ihren Fehler hätte Rechenschaft geben müssen. Nach der Rechtsprechung ist mit dem Grundsatz, wonach nicht der ursprüngliche Irrtum, sondern erst ein «zweiter An
lass» die relative einjährige Verwirkungsfrist auslöse, zwar eine gewisse Rechts
unsicherheit verbunden, da häufig erst die Einleitung einer periodischen Über
prüfung, deren Zeitpunkt von der Verwaltung bestimmt wird, die Verwirkungs
frist auslöst. Dies sei indessen hinzunehmen und könne nicht als willkürlich
bezeichnet werden (Urteil des Bundesgerichts vom 19.
Februar
2010, 9C_
482/2009, E. 3.3.2). Massgebend für den Beginn der absoluten Frist von fünf Jahren ist der tatsächliche Bezug der einzelnen Leistung.
4.
4.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin dem Versicherten mit Verfügung vom 18. August 2009 (Urk. 8/118) Hauspflegeleistungen im Umfang einer monatlichen Pauschale von Fr. 811.30 zusprach. Nach einer erneuten Ab
klärung des Pflegebedarfs am Wohnort des Versicherten bemass die Beschwer
degegnerin den Leistungsanspruch des Versicherten neu und sprach ihm mit Ver
fügung vom 24. Mai 2018 (Urk. 8/293) für die Zeit vom 1. November 2017 bis 28. Februar 2018 monatliche Pflegeleistungen im Betrag von Fr. 1'083.-- und für die Zeit ab 1. März 2018 solche im Betrag von Fr. 978.-- zu.
Gleichzeitig hat die Beschwerdegegnerin der
A._
für im Zeitraum vom Mai 2017 bis Mai 2018 dem Versicherten erbrachte Pflegeleistungen einen
Betrag von ins
gesamt Fr. 31'118.05 bezahlt (Urk. 12/2).
4.2
Im streitigen Zeitraum vom Mai 2017 bis Mai 2018
war
der
im Bereich der Unfall
versicherung geltende,
am 1. Juli 2018 vom Verband Spitex Schweiz und vom Verband
Association
Spitex
privée
Suisse (ASPS) auf der einen Seite und der (MTK), der Militärversicherung (MV), vertreten durch die Suva, Abteilung Mili
tärversicherung, der Invalidenversicherung (IV), vertreten durch das BSV, auf der anderen Seite (www.mtk-ctm.ch/de/tarife),
welcher am 1. Januar 2019 in Kraft trat und welchem
Spitexorganisationen
beitreten können, noch nicht in Kraft
. Dieser Tarifvertrag ist
auf den vorliegend streitigen Zeitraum
vom Mai 2017 bis Mai 2018 daher
nicht anzuwenden, worauf die Beschwerdegegnerin in ihr
er Ein
gabe vom 2. April 2020 zu
Recht hinwies (Urk. 18 S. 2).
Im fraglichen Zeitraum stand indes ein
T
arifvertrag
, welcher am
25. Oktober 1999
vom
Schweizer Be
rufsverband der Krankenschwestern und Krankenpfleger (SBK)
auf der ein
en Seite und der
Medizinaltarifk
ommission
UVG
(
MTK
)
der Invalidenversicherung, vertre
ten durch das
Bundesamt für Sozialversicherung (
BSV
)
, und
dem
Bundesamt für Militärversicherung auf der anderen Seite
vereinbart wurde,
in Kraft (vgl. www.mtk-ctm.ch/de/tarife).
Ein Beitritt zu diesem
Vertrag stand
jedoch
aus
schliesslich natürlichen Personen
, nicht jedoch
Spitexorganisation
,
offen (vgl. Liste der zugelassenen Vertragspartner;
www.mtk-ctm.ch/de/tarife
).
Nach Gesag
tem bestand im streitigen Zeitraum vom
Mai 2017 bis Mai 2018
zwischen der Beschwerdegegnerin und
der
A._
im Bereich der Unfallversi
che
rung
ein tarifvertragsloser Zustand.
4.
3
Das Bundesgericht hat in einem invalidenversicherungsrechtlichen
Entscheid
, worin der für eine
Spitexorganisation
geltende Tarif im Streite lag, erwogen, dass für die
Spitexorganisation
die Tarife gemäss dem Anhang des erwähnten
Tarif
vertrag
es
zwischen dem SBK und der
MTK
, der Invalidenversicherung und dem Bundesamt für Militärversicherung vom 25. Oktober 1999 gemäss Art. 27 Abs. 3 IVG in Ve
rbindung
mit Art. 24 Abs. 3 IVV
als Höchstbeträge, bis zu denen den versicherten Personen die Kosten der Eingliederungsmassnahmen von der IV ver
gütet
werden, gelten würden
. Im
Bereich der Unfallversicherung fehlt es indes an mit Art. 27 Abs. 3
IVG
und Art. 24 Abs. 3
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV)
vergleichbaren Bestimmungen.
Denn im Bereich der Invali
den
versicherung hat der Bundesrat, welcher in
Art. 27 Abs. 3 IVG
ermächtigt
wurde
, soweit kein Vertrag besteht, die Höchstbeträge festsetzen, bis zu denen den Versicherten die Kosten der Eingliederungsmassnahmen vergütet werden
, in
Art. 24 Abs. 3 IVV
geregelt
, dass für Personen und Stellen, die Eingliederungs
massnahmen durchführen, ohne einem bestehenden Vertrag beizutreten, die ver
traglich festgesetzten Tarife als Höchstansätze im Sinne von 27 Abs. 3 IVG gelten.
Demgegenüber gilt im Bereich der Unfallversicherung Art.
56 UVG
, wonach
der Bundesrat für die Koordination mit den Tarifordnungen anderer Sozialversiche
rungszweige
zu sorgen hat und
diese
für
anwendbar erklären könne (Abs. 2), und
wonach
er, wenn kein Vertrag
besteht
, nach Anhören der Parteien die erforder
lichen Vorschriften
zu erlassen hat
.
Für den streitigen Zeitraum
vom
Mai 2017 bis Mai 2018
hat der
Bundesrat indes im Bereich der Unfallversicherung für die
Abgeltung von
durch
Spitexorganisationen
erbrachte
Hauspflegeleistungen
weder
einen hoheitlichen Tarif festgesetzt noch ein diesbezügliches Tariffestsetzungs
verfahren eingeleitet.
4
.4
Gemäss den Angaben der Beschwerdegegnerin in ihrer Eingabe vom 2. April 2020 (Urk. 18) hat sie bis zum Inkrafttreten des erwähnten
Tarifvertrags zwischen dem Verband Spitex Schweiz, dem
ASPS
und
der
MTK
, der
MV und
der IV
am 1.
Januar 2019 praxisgemäss
denn auch grundsätzlich
keine Rechnungen von
Spitexorganisationen
für erbrachte Hauspflegeleistungen
beglichen
, sondern den versicherten Personen
- nach Abklärung des konkret erforderlichen Pflegebedarfs -
monatliche Pauschalen
für Hauspflegeleistungen zugesprochen
(S. 2). Dieses Vorgehen wurde
von der Rechtsprechung bis anhin
nicht in Frage gestellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_1037/2012 vom 12. Juli 2013)
und ist daher auch vorliegend nicht zu bean
s
tanden.
4.5
Demgegenüber konnte
die
A._
, selbst wenn sie
im fraglichen Zeitraum sämtliche gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen erfüllt
gehabt
hätte, mit der Beschwerdegegnerin nicht ohne Weiteres eine Rechtsbeziehung eingehen und zu Lasten der obligatorischen Kran
kenpflegeversicherung abrechnen.
Denn diesbezüglich
fehlte es an einem
Tarifvertrag
beziehungsweise an
einem behörd
lichen Ersatztarif.
Daran ändert nichts, dass die
A._
der Be
schwer
degegnerin mit den streitigen
Rechnungen (Urk. 12/2) ihr
e
für den Versicherten erbrachten Pflegeleistungen gemäss einem im Bereich der Krankenversicherung geltenden Tarif (Tarifcode 532; vgl.
www.forum-datenaustausch.ch/de/referenz
daten
)
in Rechnung stellte
.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt die beschwerdeweise geltend gemachte
Verletzung von Staats
vertragsrecht (Urk. 1 S. 7).
5.2
Gemäss
Art. 31
des Übereinkommens Nr. 128 der Internationalen Arbeitsorga
nisation (
Abkommen
IAO) und Art.
31
der Europäischen Ordnung
der Sozialen Sicherheit (EOSS) gewährleistet jede
Vertragspartei, für die dieser Teil gilt, den geschützten Personen Leistungen bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten nach diesem Teil.
In Art. 34 Abs. 2 lit. c des Abkommens IAO und der EOSS hat die ärztliche Betreuung bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten die
Betreuung durch Pflegepersonal zu Hause
zu umfassen, wobei die
Leistungsempfänger
im Gegensatz zur entsprechenden Regelung der ärztlichen Betreuung im Krank
heitsfall (Art. 10 Abs. 2 des Abkommens IAO und der EOSS) nicht
an den Kosten der är
ztlichen Betreuung beteiligt werden
können
. Der Bundesrat ging in der Bot
schaft zur Änderung UVG vom 30. Mai 2008 (
BBl
2008 5412) denn auch davon aus, dass auf Grund dieser Abkommen
Kosten
der
Hauspflege
ohne eine Beteili
gung der
versicherte
n
Person
zu übernehmen seien
.
5.3
Gemäss der Rechtsprechung (BGE
119 V 171
und
121 V 40 E. 2a
) sind
die Be
stimmung
en von
Art. 32 Abs. 1 lit. e des
Abkommens
IAO) und
von
Art. 68 lit. f der EOSS
d
irekt anwendbar (
self-executing
). In BGE 121 V 40 hat das Bundes
gericht indes erwogen, dass
der
staatsvertragliche Ausschluss der Leistungs
kür
zung oder -verweigerung
sich
auf die Berufsunfallversicherung
beschränke
und auf die Versicherung von Nichtberufsunfällen keine Anwendung
finde (E. 2a), weshalb d
as Kürzungsverbot bei Grobfahrlässigkeit nach den angeführten inter
nationalen Abkommen
lediglich
bei Arbeitsunfällen
und Berufskrankheiten zur Anwendung komme.
Des Weiter
e
n hat das Bundesgericht darin erwogen, dass die Fragen, ob der Begriff «Arbeitsunfälle» auch Wegunfälle umfasse, mangels einer Definition in den Abkommen nach innerstaatlichem Recht zu beurteilen sei. Da
gemäss
Art. 7 Abs. 2 UVG e
contrario
Wegunfälle in der Regel zu den Nicht
berufsunfällen zu zählen seien,
sei
bei Unfällen auf dem Arbeitsweg eine
Leis
tungsk
ürzung
wegen Grobfahrlässigkeit
daher
grundsätzlich möglich
(E. 2b).
5.4
Gleiches muss auch in Bezug auf
Art. 34 Abs. 2 lit. c des Abkommens IAO und der EOSS
gelten. Obwohl diese Bestimmungen grundsätzlich direkt anwendbar
sein dürften
, beschränkt sich ihre Anwendung auf Leistungen für die Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten und es kommt
ihnen
im Rahmen der Nichtberufsunfallversicherung keine Geltung zu.
5.5
Den Akten ist zu entnehmen, dass der Versicherte am 11. Januar 2006 als Fahr
radlenker auf der Strasse verunfallte (Urk. 8/5). Demzufolge handelte es sich beim versicherten Unfall vom 11. Januar 2006 um einen Nichtberufsunfall, weshalb die Bestimmungen von
Art. 34 Abs. 2 lit. c des Abkommens IAO und der EOSS
vorliegend nicht zur Anwendung kommen
. Demzufolge
vermag
die Beschwerde
führerin aus den erwähnten Abkommen nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
6.
6.1
Nach Gesagtem steht fest, dass die
irrtümliche und stillschweigende Übernahme (vgl. Urk. 18 S. 1) der von der
A._
mit den streitigen Rechnungen (Urk. 12/2) in Rechnung gestellten Pflegekosten einerseits den Dispositiven der rechtskräftigen Verfügungen vom 18. August 2009 (Urk. 8/118) und vom 24. Mai 2018 (Urk. 8/293), worin die Beschwerdegegnerin den Anspruch des Versicherten auf
Hauspflegeleistungen in
betraglicher
Hinsicht abschliessend festlegte und damit implizite einen Anspruch auf Übernahme weiterer Pflegeleistungen aus
schloss, widersprach. Andererseits fehlte es
der
A._
mangels eines Tarifvertrags oder eines behördlichen Ersatztarifs an einer Berechtigung zur Leis
tungsabrechnung mit der Beschwerdegegnerin gemäss dem System Tiers
payant
. Demzufolge war die Übernahme der von der
A._
in Rechnung gestellten Kosten für dem Versicherten erbrachte Pflegeleistungen
im Rahmen eines faktischen Verwaltungsaktes (
vgl. BGE 129 V 110 E. 1.2.1
) daher
zweifellos unrichtig.
Die Berichtigung ist sodann angesichts der Höhe der zu Unrecht ge
währten Leistungen im Betrag von Fr.
31'118.95
von erheblicher Bedeutung, sodass die Voraussetzungen für ein wiedererwägungsweises Zurückkommen auf die Leistungsausrichtung erfüllt sind.
Da die Beschwerdegegnerin damit
über einen Rückkommenstitel
verfügte, erweist sich
die hier im Streit stehende
Rück
erstattung i
m Grundsatz rechtens.
6.2
Zu prüfen bleibt, ob
sich
die Beschwerdeführerin auf Grund der Übernahme der Rechnungen während der Zeit vom Mai 2017 bis Mai 2018 auf
den Vertrauens
schutz berufen
kann.
Gemäss Art. 27
Abs. 1
ATSG
s
ind die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozial
versicherungen verpflichtet, im
Rahmen
ihres Zuständigkeitsbereiches die interessierten Personen über ihre Rechte
und Pflichten aufzuklären
. Unterbleibt eine Auskunft entgegen gesetzlicher Vor
schrift oder obwohl sie nach den im Einzelfall gegebenen Umständen geboten war, hat die Rechtsprechung dies der Erteilung einer unrichtigen Auskunft gleich
gestellt (BGE 131 V 472 E. 5).
Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben, welcher den Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf behördliches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungsbehörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom materiellen Recht abweichende Behand
lung des Rechtsuchenden gebieten. Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, 1. wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf be
stimmte Personen gehandelt hat; 2. wenn sie für die Erteilung der betreffenden Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus zureichenden Gründen als zuständig betrachten durfte; 3. wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte; 4. wenn sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können, und 5. wenn die gesetzliche Ordnung seit der Auskunftserteilung keine Änderung erfahren hat (
BGE
131 V 472 E. 5
mit Hinweisen).
6.3
Vorliegend ist die
Leistungsausrichtung irrtümlich
und stillschweigend (Urk. 18 S. 1) an den Leistungserbringer erfolgt. Sodann
gilt es zu berücksichtigen, dass der Versicherte beziehungsweise in seinem Auftrag sein Sohn der Beschwer
de
gegnerin
am 30. Juli 2018 (Urk. 8/306/1-4 S. 1)
mitteilte,
dass er im fraglichen Zeitraum vom Mai 2017 bis Mai 2018 lediglich eine Rechnung der
A._
im Betrag von Fr. 24.-- erhalten habe.
Demnach ist vorliegend mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Versicherte
weder von der
A._
noch von der Beschwerdegegnerin
Kopien der fraglichen Rechnungen zugestellt erhalten
und dass er
somit von der irrtümlichen Leis
tungsausrichtung durch die Beschwerdegegnerin keine Kenntnis
hatte
.
Mangels Kenntnis der irrtümlichen Leistungsausrichtung durch den Versicherten stellte die stillschweigende Übernahme
der
fraglichen Rechnungen in der Zeit von Mai 2017 bis Mai 2018
jedoch
keine Verletzung der
Beratungspflicht
durch die Beschwer
degegnerin
gemäss Art. 27 Abs. 2 ATSG
dar.
Da die Übernahme der fraglichen Rechnungen
zudem
in Widerspruch zu den Dispositiven der rechtskräftigen Ver
fügungen vom 18. August 2009 (Urk. 8/118) un
d vom 24. Mai 2018 (Urk. 8/293) stehen, war die irrtümliche Leistungsausrichtung nicht geeignet, beim Versicher
ten eine Vertrauensgrundlage zu bilden.
Die Beschwerdeführerin kann aus dem Vertrauensschutz daher nichts zu ihren Gunsten ableiten.
7.
7.1
Zu prüfen bleibt, ob die Rückforderung nicht bereits ve
rwirkt ist, wobei f
ür den Beginn der relativ
en einjährigen Verwirkungsfrist
von Art. 25 Abs. 2 ATSG
, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
3.5
),
nicht das erstmalige unrichtige Handel
n
massgebend ist
, sondern
jener Tag, an dem die Amtsstelle später unter Anwen
dung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit
den Fehler und die Voraussetzungen für eine Rückerstattung hätte erkennen müssen.
7.2
Den
Akten ist zu entnehmen, dass
die
Beschwerdegegnerin
am 14. Juni 2018 von der
A._
eine ärztliche
Spitexverordnung
für den Versicherten zugestellt
erhielt
(Urk.
8/296). Anschliessend wies
die Beschwerdegegnerin
die
A._
am 18. Juni 2018
(Urk. 8/297) darauf hin, dass sie Kosten von
Spitexleistungen
nicht übernehme
,
und
dass dafür vielmehr der Versicherte
auf
zukommen habe
. In der Folge teilte die
A._
der Beschwerde
geg
nerin anlässlich eines Telefongesprächs vom 25. Juni 2018 mit, dass
diese die ihr
zugestellten Rechnungen bisher
beziehungsweise
mindestens seit November 2017 stets
beglichen habe
(Urk. 8/299). Mit Schreiben vom 17. Juli 2018 (Urk. 8/302)
tei
l
t
e die Beschwerdegegnerin der
A._
mit, dass sie eine Rück
forderung für die zwischen Mai 2017 bis Mai 2018 bezahlten
Spitexrechnungen
prüfen werde und forderte die
A._
auf, verschieden Fragen zu beant
worten, welche die
A._
am 13. August 2018 beantwortete (Urk. 8/308/1). In der Folge forderte die Beschwerdegegnerin die
A._
mit Schreiben vom 20. August 2018 (Urk. 8/311) auf,
ihr
sämtliche ärzt
liche
Spitexverordnungen
für den Versicherten ab Mai 2017 zukommen zu lassen,
welcher Aufforderung die
A._
am 29. August 2018 (Urk. 8/311/1-6
) nachkam.
7.3
Nach Gesagtem ist davon auszugehen, dass die Beschwerdegegnerin bei Ver
fassen des Schreibens vom 17. Juli 2018 (Urk. 8/302) Kenntnis sämtlicher
der
A._
irrtümlich zu Unrecht ausgerichteter Zahlungen
und damit des Rückforderungsanspruchs
hatte. Es ist daher
von einem Beginn der einjährigen Verwirkungsfrist zu diesem Zeitpunkt auszugehen
.
7.4
Die einjährige relative Verwirkungsfri
st begann daher am 18
.
Juli 2018
zu laufen und endete
am 17
.
Juli
2019
. Mit Erlass der Verfügung vom
7.
März
2019
(Urk.
8/336
) hat die Beschwerdegegnerin den Rückforderungsanspruch
entspre
chend
rechtzeitig geltend gemacht und damit sowohl die einjährige relative Verwirkungsfrist als auch die fünfjährige absolute Verwirkungsfrist gewahrt.
8.
8.1
Da weder der Umfang der von der Beschwerdegegnerin der
A._
zu Unecht geleisteter Zahlungen im Betrag von insgesamt Fr. 31'118.95, noch die Bezahlung dieses Betrages durch
die
Beschwerdeführerin bestritten wird (Urk. 1)
, besteht für eine nähere Prüfung von Amtes wegen kein Anlass. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführerin
, welche
Alleinerbin des
verstorebenen
Versicherten und Willensvollstreckerin in dessen Nachlass
ist, in diesem Umfang zur Rückerstattung
von dem Versicherten zu Unrecht ausgerichteter Leistungen verpflichtete,
weshalb die Beschwerde abzu
weisen ist.
8.2
Der Beschwerdeführerin
bleibt indes unbenommen,
die
Beschwerdegegnerin
nach Eintritt
der
Rechtskraft des vorliegenden Entscheids
gemäss Art. 25 Abs.1
ATSG
in Verbindung mit Art. 4 f. ATSV
um Erlass beziehungsweise Herabsetzung der Rückerstattungsschuld
z
u ersuchen.