Decision ID: aa87828b-708f-442e-89a0-e527c0adbe7e
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980 und gelernte Schrift- und Reklamegestalterin, meldete sich am 27. August 2011 unter Hinweis auf eine Halsverletzung und eine Depressionserkrankung zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/
5
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte der Versicherten Massnahmen zur Arbeitsvermittlung, die sie ohne Erfolg mit Mit
teilung vom 12. September 2012 abschloss (
Urk. 6/38;
vgl.
dazu
das Verlaufs
protokoll zur Eingliederungsberatung
[
Urk. 6/39
]
). Auf eine Rentenprüfung wurde
– so der Hinweis in der Mitteilung – verzichtet, da die Versicherte nach Angabe ihres Arztes zwischenzeitlich wieder zu 100 % arbeitsfähig sei (Urk. 6/38).
1.2
Am 27. Februar 2014 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von Leis
tungen der Invalidenversicherung an unter Hinweis auf eine bipolare affektive Störung seit März 2005 sowie Spalthände und -füsse seit Geburt (Urk. 6/48). Die IV-Stelle holte einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten (IK-
Auszug, Urk. 6/56), eine Arbeitgeberauskunft (Urk. 6/58) und Arz
tberichte (Urk. 6/68
, Urk. 6/72,
Urk. 6/74) ein und zog die Akten der Suva bei (Urk. 6/57, Urk. 6/62
-63,
Urk. 6/76).
Am 21. Oktober 2015 ersuchte die Versicherte um Ab
meldung von der am 10. Dezember 2014 in Angriff genommenen Arbeits
ver
mittlung infolge Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Klinikeintritt (Urk. 6/91 S. 2
oben
), woraufhin die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung mit Mittei
lung vom 21. Oktober 2015 (Urk. 6/90) abschloss.
Die IV-Stelle holte in der Folge wiederum einen aktuellen IK-Auszug
(Urk. 6/93, vgl. auch Urk. 6/132) und weitere Arztberichte (Urk. 6/101, Urk. 6/103
,
Urk. 6/112) sowie die aktuellen Suva-Akten (Urk. 6/102) ein. Am 26. Mai 2016 liess die Ver
sicherte
durch
ihren Rechtsvertreter ersuchen, das Rentenabklärungsverfahren einst
weilen zu sistieren und das Eingliederungsverfahren
wieder aufzunehmen
, da sie eine Ausbildung zur Kommunikationsplanerin mit eidgenössischem Fach
aus
weis (FA) absolvieren möchte (U
rk. 6/107; vgl. auch Urk. 6/114,
Urk. 6/128).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/134-135, Urk. 6/142) wies die IV-Stelle das Gesuch um Kostengutsprache für eine Umschulung zur Kommu
nikationsplanerin mit Verfügung vom 14.
November 2016
ab (Urk. 6/147).
Sie begründete
die Abweisung
mit der Ungeeignetheit der Tätigkeit als Kommunika
tionsplanerin, da diese nicht dem zumutbaren medizinischen Belastbarkeitsprofil entspreche.
Eine dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit
Urteil
IV.2016
.01393 vom 7. März 2017 (Urk. 6/156) ab,
worauf die Versicherte
dagegen Beschwerde beim Bundesgericht einlegte (Urk. 6/159/2-12).
Nach am 1. Juli 2017 bestandener Fachprüfung für Marketing, Verkauf, Kommuni
kation und Event (EMK-Zertifikatsprüfung; vgl. Urk. 6/160) liess die Versicherte ihren Rechtsvertreter am 17. August 2017 (Urk. 6/161)
ersuchen
, die
Arbeits
vermittlung fortzusetzen. D
ie
IV-Stelle
teilte der Beschwerdeführerin daraufhin
am 22.
August 2017 (Urk. 6/162)
mit
, dass über ihr Begehren nach Vorliegen des rechtskräftigen Urteils des Bundesgerichts
entschie
den werde.
Mit
Urteil 9C_
340
/201
7 vom 9. Februar 2018 (Urk.
6/1
6
3)
wies das Bundesgericht die gegen den Entscheid des hiesigen Gericht
s
erhobene Beschwerde ab.
Im Anschluss teilte die IV-Stelle der Beschwerdeführerin mit, dass sie
daher
die Unterstützung für die Arbeitsvermittlung im Bereich der Event- und Marketingkommunikation nicht bewilligen könne (Urk. 6/164).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/170, Urk. 6/174)
verneinte
die IV-Stelle
mit Verfügung vom
13.
März 2019 (Urk. 2)
einen Leistungsanspruch
.
2.
Die Versicherte erhob am
12. April 2019
Beschwerde gegen die Verfügung vom
13. März 2019 (Urk. 2)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
eine Arbeitsvermittlung als Kommunikationsplanerin
zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9. Mai 2019 (Urk. 5
) die Abweisung der Beschwerde
und wies darauf
hin, dass sich die angefochtene Ver
fügung trotz missverständlichem Betreff auch auf die beantragte Arbeitsver
mitt
lung beziehe
. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
13. Mai 2019
zur Kenntnis gebracht (Urk.
7
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Für die Umschreibung des Prozessthemas ist nach den Regeln über den
An
fech
tungs
- und Streitgegenstand zu verfahren. Streitgegenstand im System der nach
träglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen
des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den aufgrund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. A
nfechtungsgegenstand und Streit
gegenstand sind identisch, wenn die Verfü
gung insgesamt angefochten wird. Bezieht sich demgegenüber die Beschwerde nur auf einzelne der durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhältnisse, ge
hören die nicht beanstandeten Rechtsverhältnisse zwar wohl zum Anfechtungs-, nicht aber zum Streitgegenstand.
Sowohl
aus dem Betreff der Beschwerde (
„betreffend Verfügung vom 13.03.2019; Arbeitsvermittlung“
),
der rechtlichen
Begründung mit dem Titel „
Zur Arbeitsver
mittlung“ und dem Antrag, ihr sei eine Arbeitsvermittlung als Kommunika
tions
planerin zuzusprechen (vgl. Urk. 1 S.
1 f. und S. 4-6
),
ergibt sich augenfällig, dass
die
Beschwerdeführer
in
die leistungsabweisende Verfügung vom
13
.
März
201
9
(Urk. 2)
einzig
dahingehend anficht, dass
sie
eine Arbeitsvermittlung als Kommu
ni
kationsplanerin von der Beschwerdegegnerin
anbegehrt
. Folglich ist im
vor
lie
genden Verfahren nur der Anspruch auf eine Arbeitsvermittlung als Kommu
nika
tionsplanerin Streitgegenstand
und
bildet
auch nur diese Frage Prozessthema.
2
.
2
.1
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Massnahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
2.2
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben
gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
.
a) und auf begleitende Beratung im Hin
blick auf die Aufrechterhal
tung ihres Arbeitsplatzes (
lit
.
b). Die IV-Stelle ver
an
lasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
2
.3
Eine für die Arbeitsvermittlung massgebende Invalidität liegt vor, wenn der Ver
sicherte bei der Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle aus gesundheitlichen Grün
den Schwierigkeiten hat
, d.h. es muss für die Bejahung eine
r Invalidität im Sinne von Art. 18 Abs.
1 Satz
1 IVG zwischen dem Gesundheitsschaden und der Notwendigkeit der Arbeitsvermittlung ein Kausalzusammenhang bestehen. Ge
sundheitliche Schwierigkeiten bei der Suche einer neuen Arbeitsstelle erfüllen
den leistungsspezifischen Invaliditätsbegriff, wenn die Behinderung bleibend oder
während voraussichtlich längerer Zeit Probleme bei der - in einem umfassenden Sinn verstandenen - Stellensuche selber verursacht. Zur Arbeitsvermittlung nach Art.
18 Abs.
1 Satz
1 IVG ist im Weiteren berechtigt, wer aus invaliditäts
be
dingten Gründen spezielle Anforderungen an den Arbeitsplatz (z.B. Sehhilfen) oder den Arbeitgeber (z.B. Toleranz gegenüber invaliditätsbedingt notwendigen Ruhepausen) stellen muss und demzufolge aus invaliditätsbedingten Gründen für das Finden einer Stelle auf das Fachwissen und
auf
entsprechende Hilfe der Ver
mittlungsbehörden angewiesen ist. Dies gilt auch für Versicherte, die in einer leidensangepassten Tätigkeit voll arbeitsfähig sind. Bei der Frage der Anspruchs
berechtigung nicht zu berücksichtigen sind demgegenüber invaliditätsfremde Probleme bei der Stellensuche wie etwa Sprachschwierigkeiten. Schliesslich ist für den Anspruch auf Arbeitsvermittlung vorausgesetzt, dass die versicherte Person objektiv und subjektiv eingliederungsfähig ist (
Urteil des Bundesgerichts
9C_966/2011
vom 4. Mai 2012 E. 3.2).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer
leistungsabweisenden
Verfügung vom
13
.
März
201
9
(Urk. 2)
betreffend
die
Arbeitsvermittlung als Kommunikations
planerin
aus,
diese Tätigkeit entspreche nicht dem zumutbaren Belastungsprofil
.
Diese Ansicht sei im Zusammenhang
mit der Beurteilung über den geltend gemachten
Anspruch auf Umschulung zur Kommunikationsplanerin
sowohl vom Sozialversicherungsgericht
des Kantons Zürich
als auch vom Bunde
sgericht be
stätigt worden (S. 1
f.).
Eine Mitwirkung
bei der vorgeschlagenen beruflichen Inte
gration (Arbeitsvermittlung im kaufmännischen Bereich) werde von der Be
schwerdeführerin abgelehnt, weshalb der Eingliederungsprozess beendet werde (S. 2 Mitte).
3
.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom
12
.
April
201
9
(Urk. 1) hingegen auf den Standpunkt,
sie leide an einer schweren bipolaren Störung und sei deshalb teilweise arbeitsunfähig
,
weswegen sie die Anspruchs
vor
aussetzung n
ach Art.
18 IVG erfülle
.
Für sie a
ls
psychisch angeschlagener Mensch sei eine Arbeitsvermittlung sowohl notwendig als auch geeignet, um ihre Stellung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verbessern
. Zum einen sei nicht gesagt, dass die Tätigkeit als Kommunikationspl
anerin hektisch und stressig sei und im Gegensatz zu der von der Beschwerdegegnerin vorgeschlagenen reizarmen Tätig
keiten stehe, zumal sie ein Diplom
in diesem Bereich
habe erwerben können, was als Indiz der Eignung zu werten sei. Zum anderen beruhe die Einschätzung der Beschwerdegegnerin auf
derjenigen des RAD-Arztes, der kaum in der Praxis tätig sei und sie selbst nicht untersucht habe. Im Gegensatz zum RAD-Arzt habe der behandelnde Psychiater die Tätigkeit als Kommunikationsplanerin explizit befür
wortet und erachte es als erheblichen Therapieschritt
. Dieser bezeichne die Arbeit als Kommunikationsplanerin in Kenntnis ihrer Person als therapeutischen Mehr
wert
.
Folgerichtig sei eine Arbeitsvermittlung als Kommunikationsplanerin daher notwendig und geeignet, eine nachhaltige Eingliederung zu fördern und sei daher von der Beschwerdegegnerin zu erbringen (S. 4 f.)
3
.3
Strittig und zu prüfen
ist
, ob die Beschwerdeführerin Anspru
ch auf eine Arbeits
vermittlung als Kommunikationsplanerin hat.
4
.
4
.
1
Am 4. Januar 2016 berichteten die in der
Y._
tätigen Dr. med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt, sowie die Psychologin
A._
(Urk. 6/101) über einen Klinikaufenthalt vom 24. September bis 26. Oktober 2015. Sie nannten die psychiatrischen Diagnosen bipolare affek
tive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symp
tome (seit mehreren Jahren).
Sie
attestierten in der Tätigkeit als KV-Angestellte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis zum 15. November 2015 und wiesen auf kognitive Einschränkungen sowie reduzierte Belastbarkeit, Ausdauer und soziale Kompetenz im Rahmen der Grunderkrankung hin. Für weitere Informationen
verwiesen sie
auf den
Behand
ler Prof.
Dr.
B._
.
4
.
2
Die im
C._
, Zürich, tätigen
lic
. phil.
D._
, Neuropsycho
login, und Dr. med.
E._
gaben im Bericht vom 18. Dezember
2015 (Urk. 6/103/7
-11) an, testpsychologisch ergebe sich ein mittelstark beeinträch
tig
tes kognitives Leistungsprofil, das sich auch deutlich auf den Alltag auswirke. Dies zeige sich vor allem im Bereich der Aufmerksamkeit und der verbalen Ge
dächtnisleistung. Bei exekutiven Teilfunktionen würden ebenfalls wiederholt Auf
fälligkeiten ermittelt. Es sei eine Perseverations-, Konfabulations- und Intru
sionstendenz ermittelt worden. Unauffällig seien die Leistungen in der
visuell
räumlichen
Wahrnehmung und bei den sprachlichen Fertigkeiten. Es zeigten sich jedoch leichte Wortfindungsschwierigkeiten im Gespräch.
Die ermittelte kognitive Beeinträchtigung könne aus neuropsychologischer Sicht ätiologisch auf die bestehende psychiatrische Grunderkrankung zurückgeführt werden. Die bei der aktuellen Untersuchung erhobene Verschlechterung könne einerseits mit der vor kurzem stattgefundenen psychischen Dekompensation und andererseits mit einer kognitiven
Dekonditionierung
über längere Zeit erklärt
werden. Sobald sich eine Stabilisierung der kognitiven Leistungsfähigkeit abzei
ch
ne, sei auch eine berufliche Reintegration wieder anzudenken.
4
.
3
Prof. Dr.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei dem die Versicherte seit Oktober 2011 in Behandlung ist,
nannte in seinem
Bericht
vom
3. Februar 2016
(
Urk. 6/103/1-6
; vgl. auch Urk. 6/68/1-7 und Urk. 6/74
)
in Kennt
nis der Berichte der
Y._
(E. 4.1) und des
C._
(E. 4.2)
folgende psychiatrische Diagnosen
(
S. 1
Ziff.
1.1)
:
–
Bipolare affektive Störung, unter Medikation in weitgehender Remission, beste
hend seit Jahren (ICD-10 F31.8) sowie momentan „aufgepfropft“ depressive An
passungs
störung aufgrund einer belastenden sozialen Lebenssituation (ICD-10 F43.21)
–
Mittelstarke, testpsychologisch erneut bestätigte kognitive Beeinträchtigung unkla
rer Genese (im Rahmen der affektiven Störung? Folge des letzten Suizid
versuchs mit Blutverlust und komatösem Zustand im Juni 2011?; ICD-10 F06.07)
–
Syndrom, bestehend aus reduzierter Frustrationstoleranz, erhöhter interpersoneller Sensibilität und Impulsivität, vermutlich persönlichkeitsbedingt
Prof. Dr.
B._
gab an,
d
ie Beschwerdeführerin sei – von kurzen Arbeits
ein
sätzen abgesehen – seit einigen Jahren arbeitslos und es sei ihr nicht gelungen, eine Daueranstellung zu finden. Ein beruflicher Wiedereinstieg in vollem Aus
mass sei schwer vorstellbar. Ihre momentane Arbeitsfähigkeit dürfte bis auf wei
teres etwa 50 % betragen. Es beständen eine reduzierte Frustrationstoleranz, eine erhöhte interpersonelle Sensibilität und Impulsivität, mittelstark beeinträchtigte kognitive Fähigkeiten (vor allem Aufmerksamkeits- und Gedächtnisleistungen) und eine momentan depressive Stimmungslage aufgrund der belastenden sozia
len Lebenssituation. Diese Einschrä
nkungen erschwerten die Arbeits
suche. Die kognitiven Einschränkungen dürften die Leistungsfähigkeit der Beschwerde
füh
rerin (z.B
. Genauigkeit) beeinträchtigen.
Prof.
Dr.
B._
plädierte für eine schrittweise Einsatzsteigerung mit zirka
50%igem Beginn bei eingeschränktem Kon
zentrations- und Auffassungsver
mö
ge
n sowie eingeschränkter Anpassungsfähigkeit und Belastbarkeit. Eventuell
sei
ein Wiedereinstieg im KV-Bereich möglich; dies umso mehr, als die Beschwer
de
führerin seinerzeit ein Handelsdiplom erworben habe. Der Wiedereinstieg sollte schrittweise erfolgen, wichtig sei auch eine ruhige Stelle und eine Einbettung in einem verständnisvollen Team.
4
.
4
Am 30. Juni 2016 nahm med.
prac
t
.
F._
,
Psychiatrie und Psychotherapie, vom regionalen ärztlichen Dienst der IV-Stelle (RAD) zur medizi
nischen Aktenlage
stellung
(Urk. 6/169 S. 8 f.
; vgl. auch seine Stellungnahme vom
11. Novem
ber
2014 [Urk. 6/169
S. 4 f.])
. Er gab an, eine dauerhafte Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit hätten das mittelstark beeinträchtigte kognitive
Leistungsprofil (Auf
merk
sam
keit und verbale Gedächtnisleistung) und der Zu
stand nach Larynxver
letzung im Jahr 2011. Ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit beurteilte er die Diagnosen bipolare affektive Störung, derzeit remittiert (ICD-10 F31.8), psycho
soziale Belastungen (Sozialamt, Woh
nungswechsel, ...), akzentu
ierte Persönlich
keitszüge (erhöhte interpersonelle Sensibilität und Impulsivität), die angeborenen Spalthände und der Zustand nach PIP-Fraktur IV links. Mit Bezug auf die bis
herige (richtig: zuletzt ausgeübte) Tätigkeit als Promoterin wirkte
n sich ein ver
mindertes Arbeits
tempo, eine reduzierte Fehlerkontrol
le sowie die heisere Stimme
einschränkend
aus. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Angabe im Bericht aus dem
G._
vom 28. Novem
ber 2011 (Urk. 6/23), wonach kein stimmintensiver Beruf ausge
übt werden sollte. Das Belastungsprofil erfordere eher ruhige und regelmässige Arbeiten ohne Nacht- oder Wechselschicht. In den bisherigen Tätigkeiten und in ang
epass
ten Tätigkeiten gemäss Belastungsprofil bes
tehe eine 50%ige Arbeitsun
fähig
keit. Das neuropsychologische Testergebnis sei wohl auf die bipolare Stö
rung zurückzu
führen, könnte aber auch durch
Dekonditionierung
oder die letzte
psychische Dekompensation hervorgerufen
worden sein. Daher sei eine Bes
se
rung eventuell möglich.
4
.
5
Prof. Dr.
B._
stellte am 2. September 2016 ein ärztliches Zeugnis für die Be
schwerdeführerin aus (Urk. 6/144). Er gab an, die
se
fühle sich durch den Vor
bescheid vom 19
. August
2016
, mit dem ihr Leis
tungsbegehren um Finanzierung einer Umschulung zur Kommunikationsplanerin abgewiesen worden sei, sehr frustrier
t und in ihren Möglichkeiten un
terschätzt. Sie meine, sie sei sehr wohl imstande auch stressige Arbe
it zu be
wältigen. Eine einfache, wenig anspruchs
voll
e Büroarbeit – und auf eine sol
che laufe es angesichts ihrer Ausbildung heraus – stelle für sie keine Herausforderung dar und würde ih
r keine Arbeitsbe
frie
di
gung ver
schaffen. Auch wenn sie ein Belastungstraining im kaufmännischen Bereich absolviert habe, bleibe sie dennoch
handicapiert
: Ihre
damalige Aus
bildung sei im Ver
gleich zur allfälligen Konkurrenz mit eidgenössisch
em
Fähig
keits
ausweis sehr mangelhaft, seit dem letzten Einsatz in diesem Bereich bestehe eine grosse Pause von 15 Jahren, ausserdem
werde sie durch die IV-Beteili
gung stigma
tisiert – unter solchen Bedingungen sei es unrealistisch, eine Stelle
zu finden. Die Beschwerdeführerin habe angegeben, eine neue Ausbildung würde ihr hingegen eine solide Basis für einen Neuan
fang verschaffen. Die Werbebran
che sei ihr bekannt und anlässlich ihrer verschiedenen bisherigen Einsätze habe sie einen guten Einblick in das entsprechende Tätigkeitgebiet erhalten. Mit nach
vollziehbar guten Gründen
argumentiere die Beschwerde
führerin, dass sie mit der gewünschten Au
sbildung auf dem freien Arbeitsmarkt un
vergleichbar bessere Chancen hätte als im kaufmännischen Bereich.
Die Beschwerdeführerin habe sich eigeninitiativ,
sehr zielorientiert und gründ
lich über den Beruf der Kommunikationsplanerin informiert, mehrere Schule
n kon
tak
tiert und eine Aufnahmezusage für den nächsten Lehrgang erhalten. Sie sei ge
sellig, habe eine gewinnende A
rt, suche gerne Kontakt und kommu
niziere gerne mit anderen Menschen, Eig
enschaften, die ihr im gewünsch
ten Beruf zu
gute
kämen. Die Beschwerdeführerin sei längerfristig hoch motiviert und es be
st
ehe
für ihn kei
n Zweifel, dass es sowohl im In
teresse der Beschwerdeführerin wie auch im a
llgemeinen Interesse liege, dieser Moti
vation Rechnung zu tragen und die Beschwerdeführerin in ihrem Vorhaben zu unterstützen.
5
.
5.1
Da es für den Arbe
itsvermittlungsanspruch weder d
e
r
Invalidität noch überhaupt eine
s
Mindestinvaliditätsgrad
es
bedarf, sondern lediglich eine
r
Teilarbeits
unfähig
keit, müssen die Teilgehalte der Verhältnismässigkeit (Art. 8 Abs. 1
lit
. a IVG; vgl. E. 2.3), insbesondere die Notwendigkeit und die Geeignetheit, erfüllt sein (vgl.
Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage, Zürich 2014,
Rz
6
zu Art. 18). Jede Massnahme, soll der gesetzliche Anspruch darauf bestehen, muss zur Erreichung des von ihr bezweckten Ein
glie
derungsziels geeignet sein. Für ungeeigneten Mitteleinsatz hat die IV nicht auf
zukommen
(a.a.O.,
Rz
17
zu Art. 8).
5
.2
Wie bereits im vom Bundesgericht bestätigten
Entscheid des hiesigen Gerichts betreffend die Umschulung zur
Kommunikationsplanerin
dargelegt
(vgl. Urteil
des hiesigen Gerichts IV.2016.01393 vom 7. März 2017
E. 4
[Urk. 6/156] und Urteil
des Bundesgerichts 9C_340/2017 vom 9
.
Februar 2018 [Urk. 6/163
E. 4
])
, ist aus medizinischer Sicht
gestützt auf die vorliegenden Berichte (vgl. E. 4) er
stellt
, dass
die
an einer bipolaren Störung und mittelgradigen kognitiven Ein
schränkungen leidende Beschwerdeführerin einer ruhigen
,
regelmässigen Tätig
keit bedarf
und die
Arbeit
als Kommunikationsplanerin dem von Prof.
Dr.
B._
und von RAD-Arzt med.
pract
.
F._
formulierten Belastungsprofil nicht gerecht wird
(vgl. E. 4)
.
Fachärztliche
Berichte, welche diese Ansicht als überholt erscheinen liessen, liegen keine vor
. Von der Beschwerdeführerin wurde denn auch nicht geltend gemacht,
ihr Gesundheitszustand habe sich verändert (vgl. Urk. 1)
.
Davon ist somit auch nicht auszugehen.
Bezüglich de
s Vorbringen
s
der Beschwerdeführerin,
Prof.
Dr.
B._
habe im Gegensatz zu RAD-Arzt med.
pract
.
F._
eine Tätigkeit als Kommunika
tions
planerin explizit befürworte
(E. 2.2)
, kann auf die Ausführungen im Urteil des hie
sigen Gerichts
im Verfahren
IV.2016.01393 vom 7. März 2017
(Urk. 6/156
E. 4.3
) verwiesen werden.
So brachte Prof. Dr.
B._
im
Schreiben
vom 2.
Septem
ber 2016 (vgl.
vorne
E. 4.5
)
lediglich zum Ausdruck, dass sich die Be
schwerde
führerin bei den Abklärungen über die ins Auge gefasste Ausbildung zur
Kommu
nikationsplanerin sehr engagiert habe und es begrüssenswert sei, die moti
vierte Beschwerdeführerin in ihren Vorhaben zu unterstützen. Angaben, die etwas am zumutbaren Belastungsprofil zu ändern vermöchten, machte er indes keine. So
spricht den
n
die Beschwerdeführerin
vorliegend
m
it Verweis auf Prof. Dr.
B._
selbst auch nur da
von, dass dieser
es
als «erheblichen Therapie
schritt» erach
te
, wenn die Beschwerdeführerin sich selbständig um die Tätigkeit als Kommunikationsplanerin bemühe
(
vgl. Urk. 1 S. 4 f. Ziff.
12).
5.3
Die Beschwerdeführerin
brachte in ihrer Beschwerde weiter
vor, dass es sich bei der Arbeit als Kommunikationsplanerin nicht
notwendigerweise
um eine hekti
sche oder stressige Tätigkeit handeln müsse und der Erwerb des Diploms
zum
ersten Lehrgang
als
Indiz
für ihre
Eignung für diese
s
Berufsfeld zu wer
ten sei
(E. 2.2)
.
Wie von der Beschwerdeführerin im Verfahren über die Umschulung selbst ange
geben
,
beschäftigt sich e
ine Kommuni
kationsplanerin in der Werbebranche vor allem mit der Organisation, der Planung, der Koordination und der planerischen und fachlichen Abwicklung von Werbeaufträgen (Urk. 6/152
/8
Ziff. 13).
Gemäss
Beschrieb des Berufsprofils auf
dem von den Kantonen in Auftrag gegebenen
Informationsportal
www.berufs
beratung.ch
entwickeln
diese
ein vom Auftrag
ge
ber genehmigtes Kommunikationskonzept, planen und begleiten die Termine und
den Inhalt eines Projektes in administrativer, technischer und finanzieller Hin
sicht
und überwachen die Umsetzung der angehenden Kommunikationskam
pa
gne.
Während der Realisations- und Produktionsphase erteilen
sie
Aufträge an interne und externe Partner, Spezialisten und Lieferanten aus den Bereichen Marktfor
schung, Gestaltung, Realisation, Produktion und Media.
Sie
beschäftigen sich mit der Organisation und Durchführung verschiedener Events, Messen und Projekte in den Bereichen Public-Relations, Sponsoring, Direktmarketing und Verkaufs
för
derung. Zudem kontrollieren Kommunikationsfachleute das Erscheinen in den Medien, prüfen Rechnungen und Belege und sorgen dafür, dass Budgets und Zeit
pläne eingehalten werden. Während wichtiger Besprechungen erstellen sie das Protokoll. Ausserdem informieren sie den jeweiligen Auftraggeber über den aktu
ellen Stand des Projekts.
All diese aufgeführten Tätigkeiten, welche die Kernauf
gaben einer Kommunikationsplanerin darstellen, beschreiben eine Arbeit in einem
stressigen und hektischen Umfeld
. Entgegen
den Angaben
der Beschwerde
füh
rerin, es sei nicht gesagt, dass die Tätigkeit als Kommunikationsplanerin hektisch
und stressig sein müsse, ist dies
grundsätzlich kaum
vorstellbar. Von ihr wird
de
nn auch
nicht
aufgezeigt, in welchem ko
n
k
re
ten Umfeld oder bestimmten Betrieb ein reizarmes Umfeld für eine Kommuni
kationsplanerin überhaupt existieren soll.
Bis anhin verfügt die Beschwerdeführerin über das Diplom der Kommuni
ka
tions
assistentin
dipl.
SWIMAC (Urk. 3). Ob die Ausbildung zur Kommuni
kations
pla
nerin an die Hand genommen wurde oder noch wird, ist unklar (vgl. Urk. 8/174/3)
.
So erfreulich das Erlangen des Diploms
zur
Kommuni
kationsassistentin
für die Be
schwerdeführerin sein mag, sowenig vermag
sie
für den Anspruch auf Arbeits
ver
mittlung als Kommunikationsplanerin daraus
etwas
abzuleiten. Die Verhält
nisse
im Arbeitsalltag in der Funktion einer Kommunikationsplanerin
sind
insbe
sondere betreffend
Intensität und unvorhergesehene
Ereignisse, welche Stress und Hektik auslösen
können
, keineswegs vergleichbar mit
der
Situation in der
absol
vierten
Aus
bildung
zur Kommuni
kationsassistentin. I
n
der Ausbildung
läuft
alles
nach vorgegebenem
Programm
ohne
überraschende Geschehnisse
in den
plan
mässig geregelten
Bahnen ab
und die Zeit
kann grundsätzlich frei eingeteilt werden
.
Nach dem Gesagten
erweist sich die Tätigkeit als Kommunikationsplanerin und damit die
anbegeh
rte
Arbeitsvermittlung in diese
Tätigkeit als ungeeignet zur Erreichung des Eingliederungsziels.
D
ie
Beschwerdegegnerin
hat
somit
zu Recht den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Arbeitsvermittlung als
Kommuni
kationsplanerin verneint
.
Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
6
.
Die Kosten d
es Verfahrens sind auf Fr. 6
00.--
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).