Decision ID: a62bb935-b388-4498-825e-47b70bc0c2cf
Year: 2021
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

I. Sachverhalt:
1. A._ und B._ übernahmen am 1. Januar 2016 einen Bauernhof in
C._. Ihr Betrieb umfasste rund 200 Milchschafe, eine kleine
Ziegenherde, zwei Pferde und zwei Herdenschutzhunde der Rasse
Kangal. Daneben hielten sie Border Collies als Koppelgebrauchshunde für
die Arbeit mit den Schafen und auch zur Zucht, wofür sie auf ihrem Hof in
der Nähe des Stalls eine Zwingeranlage gebaut hatten.
2. Am 15. April 2019 wurde B._ dabei gefilmt, wie er den Border Collie
D._ misshandelte. Am 16. April 2019 wurde dieser Missbrauch auf
dem Polizeiposten in E._ gemeldet und das Amt für Lebensmittel und
Tiergesundheit Graubünden (ALT) einbezogen. Die Auswertung der drei
Videosequenzen von einer Gesamtdauer von 2 Minuten und 26 Sekunden
zeigte, wie B._ zehn Faustschläge auf den liegenden Hund sowie
einen Faustschlag auf dessen Kopf ausübte, vier Mal den Hund mit dem
Rücken auf den Boden schlug, den Hund zwei Mal auf den Boden drückte
und einmal mit dem Fuss trat sowie diesen in der Luft hängend über mehr
als eine Minute strangulierend transportierte. Auf den Tonaufnahmen war
das Jaulen des Hundes während der Gewaltanwendung zu vernehmen.
3. Daraufhin kontrollierten das ALT und die Kantonspolizei am 17. April 2019
die Hundehaltung auf dem Hof in C._. Die zwei Kangal
Herdenschutzhunde wurden im Stall bei der Schafherde angetroffen, die
acht Border Collies im Zwinger. Der Zwinger bot für jeden Hund einen
Auslauf und einen geschlossenen Bereich mit einer Boxe, welche mit einer
Gummimatte ausgelegt war. Zwei Welpen im Alter von etwa zwei Wochen
wurden in der Box ihrer Mutter liegend vorgefunden. Die
Aussentemperatur betrug 4°C. Auf die in den Videoaufnahmen
dokumentierte Misshandlung angesprochen, gab B._ an, dass sich
der Hund D._ am Nachmittag des 15. April 2019 selbstständig von
ihm entfernt habe und er den Hund deshalb zu erzieherischen Zwecken
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etwas hart korrigiert habe. Daraufhin beschlagnahmte das ALT alle zehn
Hunde vorsorglich und brachte sie im Tierheim F._ in G._ unter.
Mit vorsorglicher Verfügung vom 18. April 2019 bestätigte das ALT die
Beschlagnahme der Hunde und verbot B._ bis auf Weiteres, in
eigener Verantwortung weitere Hunde anzuschaffen.
4. Die beschlagnahmten Hunde wurden am 18. April 2019 tierärztlich
untersucht. Beim Hund D._ wurden unter anderem ein massiver
Bluterguss im linken Auge und eine Schürfverletzung auf dem
Nasenrücken festgestellt.
5. Am 18. April 2019 trat B._ nach einem Suizidversuch freiwillig zur
stationären psychiatrischen Behandlung in eine Klinik ein. Es wurde eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode,
diagnostiziert und eine antidepressive Therapie durchgeführt. Nach etwa
drei Wochen konnte B._ die Klinik mit guter Prognose wieder
verlassen, als Nachsorge waren nebst Medikamenten regelmässige
psychotherapeutische Sitzungen vorgesehen. Seit Juni 2019 ist B._
nicht mehr in Therapie.
6. Bereits am 18. April 2019 wurde die Border Collie Hündin H._ vom
ALT auf den Betrieb zurückgebracht, um A._ die Arbeit mit den
Schafen während der Abwesenheit von B._ zu erleichtern.
7. Mit Schreiben vom 24. April 2019 forderte das ALT B._ zur
Stellungnahme auf. Man sehe vor, ihm ein zeitlich unbefristetes
Hundehalterverbot aufzuerlegen.
8. Am 25. April 2019 wurde im Tierheim F._ eine Standortbestimmung
für die beschlagnahmten Hunde vorgenommen. Gemäss dem
entsprechenden Bericht zeigten die Tiere durchs Band eine Demut
beziehungsweise eine Unterwürfigkeit in der Nähe von Personen oder an
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der Leine, am Anfang auch beim Betreten der Boxen. Ein Urinieren in
Demut sei öfter vorgekommen. Alle Hunde zeigten gegenüber dem
Personal einen liebevollen Charakter und das Vertrauen sei jetzt sehr gut.
Bei einem der Kangals wurde eine Fehlstellung der rechten Vorderpfote
festgestellt, die von einer älteren, bereits verknöcherten Fraktur zweier
Matacarpalknochen herrührte.
9. Mit Stellungnahme vom 12. Mai 2019 erklärte B._, er habe Probleme
gehabt, Abnehmer für seine Schafmilch beziehungsweise seinen
Schafkäse zu finden. Die Misserfolge hätten ihn sehr belastet und der
finanzielle Druck sei enorm gewesen. Es habe sich eine innere Unruhe
und eine ständige Müdigkeit eingeschlichen. Der Vorfall am 15. April 2019
sei ein Ausraster gewesen, den er in dieser Form und in diesem Ausmass
noch nie gehabt habe. Er schäme sich für sein Verhalten gegenüber dem
Hund D._.
10. Mit Verfügung vom 16. Mai 2019 beschied das ALT was folgt:
1. B._ wird ab sofort ein zeitlich unbefristetes Hundehalteverbot auferlegt.
2. B._ wird ab sofort ein zeitlich unbefristetes Betreuungs- und Führverbot für
Hunde Dritter auferlegt. Jegliches Halten, Betreuen, Führen, Handeln und Züchten
von Hunden und der Umgang mit Hunden wird ihm untersagt.
3. Es dürfen keine Hunde im Haushalt und Betrieb der Familie von B._ gehalten,
gezüchtet oder betreut werden. Für die Arbeit mit den Schafen ist es Frau A._
gestattet, die Hündin H._, die sich in ihrem Besitz befindet, zu halten. Es ist die
Pflicht von A._, die Hündin H._ vor Übergriffen durch B._ zu schützen.
4. A._ stellt sicher, dass B._ die Hündin H._ nicht führt oder betreut. Sie
stellt die ausserfamiliäre Betreuung von H._ sicher, wenn sie sich selber nicht um
H._ kümmern kann.
5.- 9. (...)
11. Gegen diese Verfügung erhoben A._ und B._ am 17. Juni 2019
Beschwerde an das Departement für Volkswirtschaft und Soziales
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Graubünden (DVS). Sie beantragten zur Hauptsache die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung, die Erteilung der aufschiebenden Wirkung und
die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung.
12. Mit Strafbefehl vom 29. Juni 2019 wurde B._ für die Misshandlung
des Border Collies D._ am 15. April 2019 von der Staatsanwaltschaft
Graubünden der Tierquälerei gemäss Art. 26 Abs. 1 lit. a des
Tierschutzgesetzes für schuldig befunden und mit einer Busse bestraft.
13. Mit Verfügung vom 3. Juli 2019 hiess das DVS das Gesuch um
Gewährung der aufschiebenden Wirkung in Bezug auf die Kostenfolgen
des vorinstanzlichen Verfahrens gut und lehnte es ansonsten ab.
14. Am 20. April 2020 wies das DVS mit der Departementsverfügung
betreffend Tierschutz/Hundehaltung die Beschwerde und mit der
Departementsverfügung betreffend unentgeltliche Rechtspflege auch das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ab.
15. Gegen diese beiden Verfügungen erhoben A._ und B._
(nachfolgend: Beschwerdeführende) am 22. Mai 2020 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Dabei beantragten sie was
folgt:
1. Die Verfügung des DVS vom 20. April 2020 sei aufzuheben und den
Beschwerdeführenden sei das Halten, Betreuen, Führen und Züchten von Hunden
ohne Auflagen zu gestatten;
2. Eventualiter zu Ziff. 1 sei die Verfügung des DVS vom 20. April 2020 aufzuheben und
den Beschwerdeführenden sei das Halten, Betreuen, Führen und Züchten von
Hunden für die Dauer eines halben Jahres unter der Auflage zu gestatten, ihren
Hundebestand einmal wöchentlich durch eine Fachperson begutachten und
beurteilen zu lassen;
3. Subeventualiter zu Ziff. 1 sei die Verfügung des DVS vom 20. April 2020 aufzuheben
und dem Betriebshelfer sei für die Arbeit mit den Schafen die Haltung eines Hundes
auf dem Betrieb der Familie zu erlauben, eventualiter unter der Auflage, den Hund
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einmal alle zwei Wochen durch eine Fachperson begutachten und beurteilen zu
lassen;
4. Subsubeventualiter zu Ziff. 1 sei die Verfügung des DVS vom 20. April 2020
aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen;
5. Die Verfügung des DVS vom 20. April 2020 betreffend unentgeltliche Rechtspflege
sei aufzuheben und den Beschwerdeführenden sei für das vorinstanzliche
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und
Rechtsanwalt Dominic Nellen als amtlicher Rechtsanwalt zu bestellen, unter
Ausrichtung der Parteientschädigung und der amtlichen Entschädigung gemäss
Honorarnote vom 5. Januar 2020;
6. Eventualiter zu Ziff. 5 sei die Verfügung des DVS vom 20. April 2020 betreffend
unentgeltliche Rechtspflege aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen;
7. Dem Beschwerdeführer sei vorsorglich für die Dauer dieses Beschwerdeverfahrens
für die Arbeit mit den Schafen die Haltung eines Hundes zu erlauben, eventualiter
unter der Auflage, den Hund einmal alle zwei Wochen durch eine Fachperson
begutachten und beurteilen zu lassen.
8. Eventualiter zu Ziff. 7 sei dem Betriebshelfer vorsorglich für die Dauer dieses
Beschwerdeverfahrens für die Arbeit mit den Schafen die Haltung eines Hundes auf
dem Betrieb der Familie zu erlauben, eventualiter unter der Auflage, den Hund einmal
alle zwei Wochen durch eine Fachperson begutachten und beurteilen zu lassen;
9. Den Beschwerdeführenden sei für das vorliegende Beschwerdeverfahren die
unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und Rechtsanwalt Dominic Nellen als
amtlicher Rechtsanwalt zu bestellen.
Zur Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, das DVS sei von
falschen Tatsachen ausgegangen. Die beschlagnahmten Border Collies
seien korrekt gehalten und nicht misshandelt worden. Zum Beweis hierfür
verwiesen sie auf die bereits im Vorverfahren eingereichten
Stellungnahmen von Tierärzten, Fachleuten für die Arbeit mit Hunden und
Nachbarn, welche dem Beschwerdeführer einen einwandfreien
tierschutzrechtlichen Leumund attestieren. In ihm schlummere auch kein
Gewaltpotenzial. Ebenso wenig habe er eine tierärztliche Behandlung
seines Kangal Herdenschutzhundes I._ unterlassen, noch die rund
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zwei Wochen alten Welpen tierschutzwidrig gehalten. Weitere Verstösse
gegen das Tierschutzgesetz seien nicht dokumentiert. Die
Beschwerdeführenden machten auch unrichtige Rechtsanwendung
geltend. Mit dem Vorfall vom 15. April 2019 liege keine schwere
Zuwiderhandlung gegen die Tierschutzvorschriften im Sinne von Art. 23
Abs. 1 lit. a des Tierschutzgesetzes vor. Ausserdem sei das verfügte
Hundehalteverbot unverhältnismässig, da diverse mildere Mittel in
Betracht fielen. Zudem sei die Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung sowie die fehlende Zusprechung einer
Parteientschädigung im Umfang des Obsiegens unhaltbar. Zu den
vorsorglichen Anträgen führten die Beschwerdeführenden aus, sie seien
für die Arbeit mit den Schafen auf Herdenschutz- und
Koppelgebrauchshunde angewiesen. Die Schafe seien von Wölfen
bedroht und seit dem Wegzug der Beschwerdeführerin ins J._ fehle
ein Hund auf dem Hof.
16. Das DVS (nachfolgend: Beschwerdegegner) beantragte in seiner
Vernehmlassung vom 8. Juni 2020 die Abweisung der Beschwerde, soweit
auf sie eingetreten werden könne. Eventualiter sei dem Betriebshelfer zu
gestatten, auf dem Betrieb der Beschwerdeführenden einen eigenen Hund
zu halten. Der Betriebshelfer sei durch das Gericht oder durch eine von
ihm bezeichnete Behörde darüber zu informieren, dass es dem
Beschwerdeführer untersagt sei, Hunde zu halten. Das Gesuch um Erlass
vorsorglicher Massnahmen sei abzuweisen. Zur Begründung wurde im
Wesentlichen ausgeführt, der Beschwerdeführer habe den Hund D._
nachweislich äusserst schwer misshandelt, wofür er denn auch von der
Staatsanwaltschaft wegen vorsätzlicher Tierquälerei schuldig gesprochen
worden sei. Wer einen Hund derart misshandle, erfülle den Tatbestand
einer schweren Widerhandlung im Sinne von Art. 23 Abs. 1 lit. a des
Tierschutzgesetzes. Weiter bestünden eindeutige Hinweise, dass der
Beschwerdeführer nicht nur den Hund D._, sondern auch weitere
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Hunde misshandelt habe. Es bestehe die nahe Gefahr, dass er trotz der
beigebrachten Schreiben diverser Personen erneut seine Hunde auf
schwerwiegende Weise misshandeln würde. Angesichts der familiären
Entwicklung und der neuen Kosten für den Betriebshelfer könne nicht von
einer erheblichen Entspannung der finanziellen, betrieblichen und
familiären Situation gesprochen werden. Da völlig ungewiss sei, ob der
Beschwerdeführer wieder in der Lage sein werde, Hunde
tierschutzkonform zu halten, komme nur ein unbefristetes
Hundehalteverbot in Frage.
17. Mit Schreiben vom 9. Juni 2020 teilte die Instruktionsrichterin den
Beschwerdeführenden mit, dass die Beschwerde betreffend
Tierschutz/Hundehaltung und diejenige betreffend unentgeltliche
Rechtspflege in einem Verfahren behandelt würden.
18. Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 hiess die Instruktionsrichterin das
Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen insoweit gut, als es dem
Betriebshelfer einstweilen gestattet wurde, für seine Arbeit auf dem
Betrieb des Beschwerdeführers einen eigenen Hund zu halten, unter der
Auflage, dass er sicherstellt, dass der Beschwerdeführer nicht auf den
Hund zugreifen kann. Das ALT wurde verpflichtet, den Betriebshelfer
darüber zu informieren, dass es dem Beschwerdeführer untersagt ist,
Hunde zu halten, zu betreuen oder zu führen. Für den Fall eines
Verstosses wurde das Dahinfallen der vorsorglichen Massnahme im Sinne
einer Resolutivbedingung verfügt. Die Kostenregelung wurde dem
Entscheid in der Hauptsache vorbehalten.
19. Mit Replik vom 22. Juni 2020 hielten die Beschwerdeführenden an ihren
Rechtsbegehren fest und vertieften ihre Argumentation punktuell. Auf die
vom Beschwerdegegner eingereichte Duplik vom 22. Juli 2020 triplizierten
die Beschwerdeführenden am 18. August 2020. Der Beschwerdegegner
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verzichtete mit Schreiben vom 31. August auf die Einreichung einer
Quadruplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in
den angefochtenen Departementsverfügungen sowie auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Geprüft wird zunächst, ob und inwieweit auf die vorliegende Beschwerde
eingetreten werden kann.
1.1 Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. c des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide der kantonalen
Departemente, soweit diese nicht nach kantonalem oder eidgenössischem
Recht endgültig sind oder bei einer anderen Instanz angefochten werden
können. Die vorliegend angefochtene Verfügung vom 20. April 2020
betreffend Tierschutz/Hundehaltung ist eine individuell-konkrete
Anordnung in Anwendung von öffentlichem Recht und stammt vom
Departement für Volkswirtschaft und Soziales Graubünden (DVS). Sie ist
nicht endgültig, weder nach eidgenössischem Tierschutzrecht, noch nach
dem einschlägigen kantonalen Recht (Tierschutzgesetz [TSchG; SR 455],
Tierschutzverordnung [TSchV; SR 455.1], Veterinärgesetz [VetG; BR
914.000], Veterinärverordnung [VetV; 914.100]). Die angefochtene
Departementsverfügung kann auch nicht bei einer anderen Instanz
angefochten werden. Im VetG und in der VetV findet sich keine
Bestimmung, welche bei einem Tierhalteverbot einen vom VRG
abweichenden Instanzenzug vorsehen würde (nota bene anders als bei
Departementsverfügungen im Beitragswesen, welche gemäss Art. 73
VetG an die Regierung weitergezogen werden können). Das angerufene
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Gericht ist somit sachlich, funktionell und örtlich zuständig. Dies gilt auch
für die ebenfalls angefochtene Verfügung des DVS vom 20. April 2020
betreffend unentgeltliche Rechtspflege.
1.2. Gemäss Art. 50 VRG ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
seiner Aufhebung oder Änderung hat oder wer durch besondere Vorschrift
dazu ermächtigt ist. Der Beschwerdeführer ist als formeller und materieller
Adressat der angefochtenen Entscheide durch diese unmittelbar betroffen
und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren gerichtlicher Überprüfung.
Seine Beschwerdelegitimation ist folglich zu bejahen. Auf die von ihm
zudem frist- und formgerecht beim Verwaltungsgericht eingereichte
Beschwerde ist somit einzutreten (Art. 38 VRG und Art. 52 VRG).
1.3. Näher zu prüfen ist die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin.
Nach der Rechtsprechung muss das Interesse an der Behandlung der
Beschwerde aktuell und praktisch sein. Mit diesem Erfordernis soll
sichergestellt werden, dass die Gerichte konkrete und nicht bloss
theoretische Fragen entscheiden. Es dient damit der Prozessökonomie
(BGE 140 IV 74 E.1.3.1). Auf das Erfordernis des aktuellen praktischen
Interesses wird lediglich ausnahmsweise verzichtet, so wenn sich die
aufgeworfenen Fragen unter gleichen oder ähnlichen Umständen jederzeit
wieder stellen können, eine rechtzeitige Überprüfung im Einzelfall kaum je
möglich wäre und die Beantwortung wegen deren grundsätzlicher
Bedeutung im öffentlichen Interesse liegt (BGE 135 I 79 E.1.1). Im
vorliegenden Fall fehlt es an diesen speziellen Voraussetzungen. Die
Beschwerdelegitimation ist mit anderen Worten nur insoweit gegeben, als
die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Urteilsfällung vom
angefochtenen Entscheid konkret und direkt nachteilig betroffen ist. Dies
ist im Zusammenhang mit der Verfügung betreffend
Tierschutz/Hundehaltung nicht der Fall. Das Hundehalteverbot wurde nur
dem Beschwerdeführer auferlegt, die Beschwerdeführerin ist davon nicht
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direkt betroffen (Verfügung des Amtes für Lebensmittelsicherheit und
Tiergesundheit Graubünden [ALT] vom 16. Mai 2019; Akten des
Beschwerdegegners [Bg-act.] Nr. 2.1, Ziff. 1 und 2). Das Verbot, Hunde
im Haushalt und im Betrieb in C._ zu halten (Verfügung ALT, Bg-act.
2.1, Ziff. 3) würde die Beschwerdeführerin in schutzwürdigen Interessen
betreffen, wenn sie noch in C._ leben würde. Dies ist aber nicht der
Fall, ist sie doch gemäss den Ausführungen in der Beschwerde bereits vor
längerer Zeit zusammen mit ihrer Tochter zurück ins J._ gezogen.
Ihre Behauptung, sie halte sich noch regelmässig auf dem Hof auf und es
sei möglich, dass sie wieder ganz nach C._ zurückkehre, vermag
daran nichts zu ändern. Für diesen Fall ist ihr ja gestattet, ihre Hündin
H._ auf dem Hof in C._ für die Arbeit mit den Schafen
einzusetzen (Verfügung ALT, Bg-act. 2.1, Ziff. 3). Das Vorbringen, sie sei
als Ehefrau des Beschwerdeführers weiterhin am Erfolg oder Misserfolg
des Hofbetriebs beteiligt, begründet mangels direkten
Kausalzusammenhangs kein unmittelbares Interesse an der Aufhebung
oder Änderung des dem Beschwerdeführer auferlegten Verbots, war doch
der Betrieb bereits überschuldet, als die Beschwerdeführenden noch über
ihren gesamten Hundebestand verfügten (vgl. betriebswirtschaftlicher
Bericht der Schweizer Berghilfe vom 1. Juni 2017, Bg-act. 2.7). Zu
ergänzen bleibt, dass das gegenüber dem Beschwerdeführer
ausgesprochene Verbot nur in der Schweiz und nicht auch am aktuellen
Wohnort der Beschwerdeführerin im J._ gültig ist (Art. 23 Abs. 2
TschG). Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die
Beschwerdeführerin zur Beschwerde gegen die Departementsverfügung
betreffend Tierschutz/Hundehaltung nicht legitimiert ist, da es ihr an einem
aktuellen, direkten schutzwürdigen Interesse fehlt.
1.4. Die Beschwerdelegitimation der Beschwerdeführerin im Zusammenhang
mit der Departementsverfügung betreffend unentgeltliche Rechtspflege ist
hingegen gegeben. Durch die Abweisung des Gesuches um
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unentgeltliche Rechtspflege wurde die Beschwerdeführerin verpflichtet,
unter solidarischer Haftung die Hälfte der Kosten für das vorinstanzliche
Verfahren zu übernehmen und die Anwaltskosten zusammen mit dem
Beschwerdeführer selber zu tragen. Eine aktuelle, direkte nachteilige
Betroffenheit liegt damit offensichtlich vor.
1.5. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass auf die Beschwerde
des Beschwerdeführers vollumfänglich einzutreten ist, auf die Beschwerde
der Beschwerdeführerin insoweit, als sie die unentgeltliche Rechtspflege
betrifft.
2. Die Beschwerdeführenden haben die zwei separaten
Departementsverfügungen betreffend Tierschutz/Hundehaltung und
betreffend unentgeltliche Rechtspflege mit einer einzigen Beschwerde
angefochten und die Vereinigung der beiden Verfahren beantragt. Der
Beschwerdegegner hat dagegen keine Einwände erhoben. Die
Instruktionsrichterin hat darauf im Interesse einer zweckmässigen
Erledigung gestützt auf Art. 6 VRG verfügt, dass die Angelegenheit in
einem Verfahren behandelt wird (Beilage des Gerichts D3).
3. Streitgegenstand bildet in der Hauptsache die Frage, ob der
Beschwerdegegner das dem Beschwerdeführer vom ALT auferlegte,
zeitlich unbefristete Hundehalte-, Betreuungs-, Führ-, Zucht- und
Handelsverbot (nachfolgend kurz: Hundehalteverbot) zu Recht geschützt
hat (dazu nachfolgend E.4 ff.). Zu klären ist zudem, ob das Gesuch der
Beschwerdeführer um unentgeltliche Rechtspflege für das vorinstanzliche
Beschwerdeverfahren zu Recht abgewiesen wurde (dazu unten E.12 ff.).
4. Das Tierschutzgesetz bezweckt den Schutz der Würde und des
Wohlergehens der Tiere (Art. 1 TSchG). Wer mit Tieren umgeht, hat ihren
Bedürfnissen Rechnung zu tragen und, soweit es der Verwendungszweck
zulässt, für ihr Wohlergehen zu sorgen (Art. 4 Abs. 1 TschG). Niemand
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darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden
zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde
missachten; das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige
Überanstrengen von Tieren ist verboten (Art. 4 Abs. 2 TschG). Wer Tiere
hält oder betreut, muss sie angemessen nähren, pflegen, ihnen die für ihr
Wohlergehen notwendige Beschäftigung und Bewegungsfreiheit sowie
soweit nötig Unterkunft gewähren (Art. 6 Abs. 1 TSchG). Diese
Vorschriften werden auf Verordnungsstufe konkretisiert. So sieht Art. 3
Abs. 1 TSchV vor, dass Tiere so zu halten sind und mit ihnen so
umzugehen ist, dass ihre Körperfunktionen und ihr Verhalten nicht gestört
werden und ihre Anpassungsfähigkeit nicht überfordert wird. Unterkünfte
und Gehege müssen mit geeigneten Futter-, Tränke-, Kot- und
Harnplätzen, Ruhe- und Rückzugsorten mit Deckung,
Beschäftigungsmöglichkeiten, Körperpflegeeinrichtungen und
Klimabereichen versehen sein (Art. 3 Abs. 2 TSchV). Fütterung und Pflege
gelten dann als angemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung
und den Erkenntnissen der Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene
den Bedürfnissen der Tiere entsprechen (Art. 3 Abs. 3 TSchV).
Spezifische Mindestanforderungen an die Haltung von Haushunden finden
sich in Art. 69 ff. TSchV. So müssen Aufzucht und Erziehung der Hunde
sowie der Umgang mit ihnen die Sozialisierung gegenüber Artgenossen
und Menschen sowie die Gewöhnung an die Umwelt gewährleisten; für
Nutzhunde ist die Sozialisierung dem Einsatzzweck anzupassen (Art. 73
Abs. 1 TSchV). Massnahmen zur Korrektur des Verhaltens von Hunden
müssen der Situation angepasst erfolgen; verboten sind u.a. übermässige
Härte, wie das Schlagen mit harten Gegenständen (Art. 73 Abs. 2 TSchV).
5. Gemäss Art. 23 Abs. 1 TSchG kann die zuständige Behörde das Halten
oder die Zucht von Tieren, den Handel oder die berufsmässige
Beschäftigung mit Tieren auf bestimmte oder unbestimmte Zeit den
Personen verbieten, die wegen wiederholter oder schwerer
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Zuwiderhandlung gegen Vorschriften des Tierschutzgesetzes und seiner
Ausführungserlasse oder gegen Verfügungen bestraft worden sind (lit. a),
oder die aus anderen Gründen unfähig sind, Tiere zu halten oder zu
züchten (lit. b). Im vorliegenden Fall geht es um ein Hundehalteverbot
gestützt auf Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG. Eine Unfähigkeit im Sinne von Art.
23 Abs. 2 lit. b TSchG, mithin die Unfähigkeit, die grundsätzlichen
Verhaltensgebote und -verbote des Tierschutzgesetzes zu befolgen, steht
nicht zur Debatte (Urteil des Bundesgerichts 2C_72/2020 vom 1. Mai 2020
E.5.1). Das Tierhalteverbot hat die Wahrung oder die Wiederherstellung
des Tierwohls zum Ziel (Urteil des Bundesgerichts 2C_416/2020 vom 10.
November 2020 E.4.2.3). Die Massnahme bezweckt nicht die Bestrafung
der Tierhalterin oder des Tierhalters, sondern ist auf den Schutz und die
Wiederherstellung der tierschutzrechtlich korrekten Haltebedingungen
ausgerichtet (Urteile des Bundesgerichts 2C_72/2020 vom 1. Mai 2020
E.5.1; 2C_7/2019 vom 14. Oktober 2019 E.3.1.1; 2C_958/2014 vom 31.
März 2015 E.2.1 und 2C_378/2012 vom 1. November 2012 E.3.1).
6. Tierquälerei wird in Art. 26 TSchG unter Strafe gestellt. Als Tierquälerei
gilt u.a. die vorsätzliche Misshandlung eines Tieres, dessen
Vernachlässigung oder unnötige Überanstrengung sowie die Missachtung
der Würde der Tiers in anderer Weise (Art. 26 Abs. 1 lit. a. TSchG). Als
Misshandlung gilt dabei jedes Verhalten, mit dem einem Tier Schmerzen,
Leiden, Schäden oder Ängste von einer gewissen Erheblichkeit zugefügt
werden (Bollinger/RICHNER/RÜTTIMANN/STOHNER, Schweizer
Tierschutzstrafrecht in Theorie und Praxis, Band 1, zweite Auflage 2019,
S. 120). Vorliegend wurde der Beschwerdeführer mit Strafbefehl vom 29.
Juni 2019 der Tierquälerei für schuldig befunden und mit einer bedingten
Geldstrafe und einer Busse bestraft (Bg-act. 3.34). Der zugrundeliegende
Sachverhalt wurde im Strafbefehl wie folgt umschrieben.
Der Beschwerdeführer befand sich am 15. April 2019, gegen 14:45 Uhr, zusammen mit
einigen Ziegen und seinem 9-monatigen Border Collie D._ (...) auf einer seiner
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Weiden in der Nähe der Örtlichkeit K._ in C._. Weil der Hund nicht gehorchte
und eine der Ziegen in Richtung Bach trieb, rannte der Beschwerdeführer diesem nach.
Als er den jungen Border Collie D._ weiter unten zu fassen kriegte, traktierte er ihn
wiederholt mit Faustschlägen und Fusstritten und schlug ihn mehrmals gewaltsam mit
dem Rücken auf den Boden, was von lautem Jaulen des Hundes begleitet war.
Schliesslich trug er den Border Collie insgesamt 65 Sekunden am Halsband in der Luft
hängend, wobei der Hund stranguliert wurde.
Dieser Sachverhalt ist unbestritten, die gut zweieinhalb Minuten dauernde
Gewaltanwendung gegenüber dem Hund D._ ist in einer
Videoaufnahme zweifelsfrei dokumentiert (Bg-act. 3.1). Diese
Videoaufnahme zeigt, wie der Beschwerdeführer den Hund zuerst anlockt
und ihm dann insgesamt zehn Faustschläge verpasst, einer davon auf den
Kopf, wie er den Hund viermal äusserst heftig mit dem Rücken auf den
Boden schlägt und ihn zweimal auf den Boden drückt, wie er den Hund mit
dem Fuss tritt und ihn während ca. 65 Sekunden in der Luft hängend
strangulierend hangaufwärts transportiert. Diese massive
Gewaltanwendung war unterbrochen von kurzen Pausen und wurde auch
auf die Zurufe der filmenden Person hin nicht eingestellt. Die
Staatsanwaltschaft wertete dieses Verhalten des Beschwerdeführers als
lang dauernde und massive Misshandlung und Missachtung der Würde
des Tiers mit der unhaltbaren Begründung, den Hund erziehen zu wollen
(Strafbefehl, Bg-act. 3.34). Damit bezog sie sich auf die Aussage des
Beschwerdeführers anlässlich der Kontrolle auf dem Hof am 17. April
2019, wonach er den Hund zu erzieherischen Zwecken etwas hart
korrigiert habe (Verfügung des ALT vom 18. April 2019, Bg-act. 3.3).
7. Der Beschwerdegegner ist der Ansicht, die Tat des Beschwerdeführers
vom 15. April 2019 sei als schwere Zuwiderhandlung gegen Vorschriften
des Tierschutzgesetzes einzustufen, was bereits genüge, um ein
Hundehalteverbot im Sinne von Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG auszusprechen.
Dies trifft zu, aus den nachfolgend aufgezeigten Gründen.
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7.1. Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG sieht wie erwähnt ein Tierhalteverbot gegen
Personen vor, die wegen wiederholter oder schwerer Zuwiderhandlung
gegen tierschutzrechtliche Vorschriften bestraft worden sind. Der Wortlaut
dieser Bestimmung mit dem Singular für die schwere Zuwiderhandlung
lässt klar darauf schliessen, dass eine einzelne schwere Zuwiderhandlung
gegen die Tierschutzgesetzgebung für die Anordnung eines
Hundehalteverbots ausreicht. Die historische Auslegung führt zum selben
Ergebnis. Der Wortlaut von Art. 23. Abs. 1 lit. a TSchG ist seit dem
Inkrafttreten des Tierschutzgesetzes im Jahr 1978 unverändert. In den
Botschaften zum Gesetz (BBl 1977 I 1075 S. 1106 und 1094) und zu den
Revisionen von 2003 (BBl 2003 657 S. 681) und 2011 (BBl 2011 7055 S.
7065) finden sich keinerlei Hinweise darauf, dass eine Bestrafung für eine
einzelne schwere Zuwiderhandlung nicht genügen würde. In
systematischer Hinsicht spricht Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG alternativ von
wiederholter oder schwerer Zuwiderhandlung gegen die
Tierschutzvorschriften, weshalb naheliegt, dass einer einzigen schweren
Zuwiderhandlung dieselbe Tragweite beigemessen wird wie mehreren
minder schweren Zuwiderhandlungen, was denn auch der
verfassungskonformen Auslegung in Sinne einer tiergerechten Haltung
entspricht (Art. 80 Abs. 2 lit. a der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft [BV; SR 101] i.V.m. Art. 1 TSchG). Entsprechend geht
denn auch das Bundesgericht davon aus, dass ein Tierhalteverbot im
Prinzip nur eine einzige krasse Verletzung des Tierschutzgesetzes
voraussetzt (Urteile des Bundesgerichts 2C_72/2020 vom 1. Mai 2020
E.5.1 und 2C_689/2020 vom 17. September 2020 E.5.3 mit Verweisen).
7.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, einem Hundehalteverbot gingen in
der Regel diverse Verstösse gegen das Tierschutzrecht voraus, welche
die zuständige Behörde in der Vergangenheit dazu veranlasst hätten,
spezifische Anordnungen zur nachhaltigen Verbesserung der Tierhaltung
zu treffen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_122/2019 vom 6. Juni 2019
- 17 -
E. 5.3). Dies mag zutreffen. Dennoch ist mit dem Beschwerdegegner
davon auszugehen, dass es - wie vorliegend - durchaus
Fallkonstellationen gibt, in denen aufgrund der Heftigkeit der
Gewaltanwendung sowie der Begleitumstände von einer vorgängigen
Abmahnung abgesehen und ein Verbot bereits aufgrund einer ersten
schwerwiegenden Zuwiderhandlung verhängt werden kann (Urteile des
Bundesgerichts 2C_72/2020 vom 1. Mai 2020 E.5.1 f., 2C_689/2020 vom
17. September 2020 E.5.3 und 2C_635/2011 vom 11. März 2012 E.3.2).
Denn schliesslich bezweckt das Verbot der Tierhaltung, das Tierwohl zu
wahren oder wiederherzustellen, unabhängig davon, ob es sich um eine
wiederholte oder einmalige Tat handelt (Urteil des Bundesgerichts
2C_416/2020 vom 10. November 2020 E.4.2.3). Ausserdem ergibt sich
das Tierhalteverbot als verwaltungsrechtliche Massnahme als direkte
Konsequenz aus der Bestrafung durch die Strafjustiz (Urteil des
Bundesgerichts 2C_7/2019 vom 14. Oktober 2019 E.3.4.2).
7.3. Nach der Lehre ist bei der Beurteilung der Schwere einer
Zuwiderhandlung im Sinne von Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG in erster Linie
auf den Grad der von den Tieren erlittenen Schmerzen oder Schäden
abzustellen. Daneben können die Begleitumstände berücksichtigt werden,
wie die Art der Begehung, Persönlichkeit, Vorleben und Beweggründe des
Täters und Schwere des Verschuldens (A. GOETSCHEL, Kommentar zum
Eidgenössischen Tierschutzgesetz, Bern/Stuttgart 1986, S. 176). Der
Beschwerdeführer hat den Border Collie D._ am 15. April 2019
zunächst angelockt, um ihm sodann mit massiver Gewaltanwendung über
eine längere Zeitdauer erhebliche Schmerzen und grosses Leid
zuzufügen. Der Beschwerdeführer hat den Hund nicht in einem Moment
des Kontrollverlustes geschlagen, vielmehr ist er ihm gefolgt mit der
Absicht, ihn zu bestrafen. Bei der Bestrafung selber ist er weit über das
zulässige Mass hinausgeschossen, sowohl was die Art der Bestrafung als
auch was die Zeitdauer betrifft. Der Gewaltakt war unterbrochen von
- 18 -
Pausen und auch die Zurufe der filmenden Person brachten den
Beschwerdeführer nicht zur Besinnung. Die Tat erscheint dadurch nicht
als Affekthandlung, sondern als Gewaltexzess. Der Hund D._ hat
nebst der Verletzung seiner Würde einen Bluterguss im linken Auge, eine
Schürfung auf der Schnauze und Prellungen am ganzen Körper erlitten,
auch schwere innere Verletzungen wären angesichts der Heftigkeit der
Gewalteinwirkung möglich gewesen (Dokumentation der tierärztlichen
Untersuchung vom 18. April 2019, Bg-act. 3.6). Durch das Zerren und
Tragen am Halsband wurde dem Hund immer wieder über längere Zeit
das Atmen verunmöglicht, was ihn in Angst und Schrecken versetzten
musste und wahrscheinlich nachteiligen Einfluss auf seine charakterliche
Entwicklung hatte, umso mehr, da D._ ein Jungtier von neun Monaten
war. Selbst wenn man dem Beschwerdeführer zugesteht, dass er zum
Zeitpunkt der Misshandlung durch finanzielle und persönliche Probleme
stark belastet war, muss dieses Verhalten als qualifizierter Verstoss gegen
zentrale Prinzipien der Tierschutzgesetzgebung gewertet werden.
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist es deshalb
gerechtfertigt, von einer schweren Zuwiderhandlung auszugehen, welche
ein Hundehalteverbot grundsätzlich rechtfertigt, unabhängig davon, ob
noch weitere Verstösse gegen tierschutzrechtliche Vorschriften vorliegen
oder nicht.
7.4. Bei den Akten befinden sich zahlreiche Stellungnahmen von Tierärzten,
Nachbarn und „Hundefachleuten“, welche dem Beschwerdeführer in
einem allgemeinen Sinn einen tadellosen tierschutzrechtlichen Leumund
attestieren (Bg-act. 2.10 ff. und 3.11 ff.). Im Zusammenhang mit der Frage,
ob das Hundehalteverbot grundsätzlich gerechtfertigt ist, kann der
Beschwerdeführer aus diesen Stellungnahmen nichts zu seinen Gunsten
ableiten, vermögen sie doch nichts an der Schwere der Zuwiderhandlung
vom 15. April 2019 zu ändern. Ein Teil der Stellungnahmen geht denn
auch gar nicht auf die Misshandlung des Hundes D._ ein (Bg-act.
- 19 -
2.10, 2.11, 2.15, 2.18, 2.19, 2.20, 2.21, 2.22 und 2.23). Der andere Teil
der Stellungnahmen stellt den Vorfall verharmlosend als Moment des
Nervenverlusts oder als unerklärliche, einmalige Handlung dar (Bg-act.
2.13, 2.14, 2.16, 2.17, 2.24, 3.11, 3.12, 3.16). Dabei bleibt unklar, welchen
Kenntnisstand die Stellungnehmenden von der massiven Misshandlung
des Hundes D._ hatten. Im Zusammenhang mit der noch zu
prüfenden Frage der Verhältnismässigkeit wird noch im Detail auf die
Stellungnahmen einzugehen sein (vgl. unten E.9.2.2).
7.5. Anlässlich der Kontrolle auf dem Hof durch das ALT und die Polizei am
17. April 2019 begründete der Beschwerdeführer die mit übertriebener
Härte ausgeübte Tat gegenüber seinem Hund D._ noch mit
erzieherischen Motiven (Verfügung des ALT vom 18. April 2019, Bg-act.
3.3). Später machte er dann geltend, dass er im Frühling 2019 aufgrund
der Schuldensituation und der Überforderung auf dem Hof an einem
Burnout gelitten habe und dass die Tat ein Ausraster gewesen sei
(Stellungnahme des Beschwerdeführers vom 12. Mai 2019, Bg-act. 3.20).
Widersprechen sich - wie vorliegend - die Aussagen einer Person, so wird
in der Regel den sogenannten spontanen "Aussagen der ersten Stunde"
ein grösseres Gewicht beigemessen als den späteren, im Wissen um die
rechtlichen Konsequenzen getätigten Aussagen (BGE 143 V 168 E.5.2.2,
Urteil des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E.3).
Aus der Aussage des Beschwerdeführers, er habe «den Hund aus
erzieherischen Zwecken etwas hart korrigiert», schloss der
Beschwerdegegner deshalb zu Recht, dass der Beschwerdeführer damals
Schläge und Gewalteinwirkung als legitimes Erziehungsmittel betrachtet
und bei seinen Hunden eingesetzt hatte. Dies wiederum liess den
Beschwerdegegner zu Recht befürchten, dass ohne das
Hundehalteverbot auch inskünftig Widerhandlungen gegen die
Tierschutzgesetzgebung nicht auszuschliessen gewesen wären.
- 20 -
7.6. Die Vermutung, dass die Gewaltanwendung vom 15. April 2019
gegenüber dem Hund D._ kein einmaliger Ausraster war, sondern
dass der Beschwerdeführer mit grosser Wahrscheinlichkeit schon zuvor
seinen Hunden gegenüber eine übermässige Härte angewendet hatte,
stützte der Beschwerdegegner zu Recht auch auf die Ergebnisse der
Standortbestimmung im Tierheim F._ vom 25. April 2019. Bei dieser
Standortbestimmung zeigten die beschlagnahmten Border Collies durchs
Band eine auffällige Demut bzw. Unterwürfigkeit, öfters urinierten sie
sogar in Demut (Bg-act. 3.7). Entgegen der Auffassung des
Beschwerdeführers ist diese Standortbestimmung nicht lediglich eine
Momentaufnahme, sondern eine Beurteilung durch Fachpersonen, die das
Verhalten der beschlagnahmten Hunde über acht Tage beobachtet hatten
und die Erfahrung im Umgang mit schwierigen und teilweise
traumatisierten Tieren hatten. Es trifft auch nicht zu, dass die Hunde bei
der Standortbestimmung durch die Verlegung ins Heim gestresst waren,
fand sie doch erst nach einer achttägigen Eingewöhnungszeit statt. Die
Gründe für das massive und - nach der überzeugenden Stellungnahme
des Kantonstierarztes vom 23. Juli 2019 (Bg-act. 1.7) - nicht der Natur der
Border Collies entsprechende Demutsverhalten sah der
Beschwerdegegner deshalb zu Recht nicht in der Umplatzierung, sondern
in einer problematischen Behandlung durch den Beschwerdeführer
zumindest in der letzten Zeit vor der Beschlagnahme, mithin in der Zeit, in
welcher der Beschwerdeführer mit einer übermässigen Arbeitslast und
massiven finanziellen Problemen konfrontiert war. Für Gewaltanwendung
und übermässige Härte spricht sodann auch, dass bei der tierärztlichen
Untersuchung vom 18. April 2019 beim Border Collie D._ Blutwerte
erhoben wurden, die auf eine Muskelschädigung hinwiesen, wie sie bei
erhöhtem Training und Schlägen auftritt (Bg-act. 3.6). An all dem
vermögen die vom Beschwerdeführer beigebrachten Stellungnahmen
nichts zu ändern (vgl. vorne E.7.4). Diese Stellungnahmen attestieren ihm
zwar alle einen guten Umgang mit den Hunden, sie stützen sich aber
- 21 -
überwiegend auf Erfahrungen in der Zeit vor dem Auftreten der
Überlastungssituation und tragen der schwierigen finanziellen, familiären
und psychischen Situation, in welcher sich der Beschwerdeführer im
Frühjahr 2019 befunden hat, nicht gebührend Rechnung.
7.7. Der Beschwerdeführer war zum Zeitpunkt der Misshandlung des Hundes
D._ nach eigenen Angaben mit der Arbeit auf den Hof überfordert und
konnte die produzierte Schafmilch nur zu einem kleinen Teil verkaufen, so
dass er in eine Überschuldungssituation geraten war, welche ihn als
jungen Familienvater sehr belastete (Stellungnahme des
Beschwerdeführers vom 12. Mai 2019, Bg-act. 3.20). In der
psychiatrischen Klinik, in welche er nach der Beschlagnahme der Hunde
am 18. April 2019 und nach einem Suizidversuch freiwillig eingetreten war,
wurde bei ihm eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig
schwerer Episode festgestellt und er wurde mit einer antidepressiven
Therapie behandelt (Bericht der Psychiatrischen Dienste Graubünden
[PDGR] vom 14. Mai 2019, Bg-act. 2.8). Die rezidivierende depressive
Störung ist durch wiederholte depressive Episoden charakterisiert (ICD-
10: F.33.-; <www.icd-code.de/icd/code/
F33.-.html>, zuletzt besucht am 8. März 2021). Das Risiko, dass ein
Patient nach einer ersten depressiven Episode im Lauf der Zeit weitere
solche Episoden entwickelt, ist entsprechend hoch, umso mehr, wenn
psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen. Dem Beschwerdeführer
wurde von den PDGR eine günstige Prognose gestellt, allerdings unter der
Voraussetzung, dass er nicht wieder in eine Überforderungssituation
gerät, dass er einen gesunden Ausgleich zwischen Arbeit, Familienleben
und Freizeit hat und dass er regelmässig ambulante psychotherapeutische
Sitzungen besucht (Bg-act. 2.8). In Bezug auf die Arbeitsbelastung hat
sich die Situation des Beschwerdeführers wohl etwas gebessert, seit er im
Mai 2019 einen Betriebshelfer angestellt hat. Positiv wirkt sicher auch,
dass er mit der Bio-Käserei L._ einen Milchliefervertrag abschliessen
- 22 -
konnte und dadurch nun deutlich mehr von seiner Schafmilch verkaufen
kann. Ansonsten ist die Situation aber nach wie vor schwierig. Der Betrieb
ist noch immer überschuldet (Jahresrechnung 2018, Bg-act. 2.26;
Unterstützungsgesuch und betriebswirtschaftlicher Bericht Berghilfe, Bg-
act. 2.27). Zudem lebt der Beschwerdeführer nun getrennt von der
Beschwerdeführerin und der gemeinsamen Tochter, welche vom Hof weg
ins J._ gezogen sind. Dies stellt einerseits eine beträchtliche
emotionale Belastung dar, andererseits verschärft es auch die finanzielle
Problematik, da der Beschwerdeführer nun verpflichtet ist,
Unterhaltszahlungen von CHF 30‘000.00 bis 50‘000.00 pro Jahr zu leisten.
Überdies hat der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben die von den
PDGR dringend empfohlenen ambulanten psychotherapeutischen
Sitzungen bereits im Juni 2019 aufgegeben. Damit ist die aus
medizinischer Sicht erforderliche, stabilisierend wirkende
Behandlungsstruktur weggefallen, was angesichts der erheblichen
familiären und finanziellen Belastungssituation ein Risiko für den
Beschwerdeführer und dessen Fähigkeit, sich sorgsam um den Hof und
die Hunde zu kümmern, darstellt.
7.8. Im Bericht der PDGR vom 14. Mai 2019 wird ausgeführt, im Rahmen der
diagnostizierten rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig
schwere Episode, könne es bei Überforderungssituationen zu
impulshaftem Verhalten kommen (Bg-act. 2.8). Dies vermag den
gewalttätigen Ausbruch gegenüber dem Hund D._ nicht in vollem
Umfang zu erklären. Depressive Episoden zeichnen sich für gewöhnlich
durch eine gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit und
einen verminderten Antrieb mit erhöhter Ermüdbarkeit und
Aktivitätseinschränkungen aus (ICD-10: F.33.2 mit Verweis auf F.32 und
F.32.2, DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation
psychischer Störung, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische
Leitlinien, 9. Auflage, Bern 2014). Jedenfalls ist mit Blick auf den Vorfall
- 23 -
vom 15. April 2019 dem Beschwerdegegner darin beizupflichten, dass die
gegenüber dem Hund D._ angewendete Gewalt weit darüber
hinausgeht, was gemeinhin noch unter impulshaftem Verhalten
verstanden wird. Zusammenfassend gab es somit hinreichende Gründe
dafür, dass der Beschwerdegegner befürchtete, der Beschwerdeführer
würde sich nicht an die tierschutzrechtlichen Vorgaben halten können,
solange sich seine Situation nicht stabilisiert hatte.
7.9. Die Befürchtung von zukünftigem tierschutzwidrigem Verhalten stützte der
Beschwerdegegner zudem darauf, dass es bei der Hundehaltung des
Beschwerdeführers Anzeichen der Vernachlässigung gab, insbesondere
die nachfolgend dargelegten.
7.9.1. Bei der Kontrolle auf dem Hof am 17. April 2019 traf das ALT bei einer
Aussentemperatur von 4°C zwei Welpen im Alter von ca. 2 Wochen im
Zwinger an (Bg-act. 3.2). Der Beschwerdeführer rechtfertigt diese Art der
Haltung damit, dass sich die Welpen in einer durch einen Vorhang
abgeschlossenen Box auf einer 2 cm dicken Gummimatte im Innenbereich
eines durch eine kleine Türe zum Aussenraum abgetrennten, isolierten
Zwinger befunden hätten, wobei ihre Mutter ebenfalls im Zwinger gewesen
sei und sich praktisch konstant in der Welpenbox aufgehalten habe. Somit
sei die Temperatur für die Welpen immer warm gewesen. Es könne nicht
pauschal von der Aussen- auf die Innentemperatur geschlossen werden.
Letztere sei nie gemessen worden. Aus der bei den Akten liegenden
Fotodokumentation (Bg-act. 3.2) lässt sich die beschwerdeführerische
Beschreibung der Welpenbox und des Zwingers nachvollziehen. Seinem
Schluss, die Welpen hätten es stets warm gehabt, kann aber nicht gefolgt
werden. Die Welpenbox war nur durch einen Vorhang vom Innenbereich
und dieser durch ein Loch in der Türe vom Aussenbereich abgetrennt und
eine Wärmequelle war nicht vorhanden. Dies legt nahe, dass die
Temperatur in der Box nicht massgeblich höher war als im Freien.
Ausserdem erscheint es plausibel, dass sich das Muttertier gelegentlich
- 24 -
von den Welpen entfernte. Inwiefern unter diesen Umständen die für
Welpen empfohlene Umgebungstemperatur von 26°C bis 29°C (für die
zweite Lebenswoche) bzw. von 23°C bis 26°C (für die dritte Lebenswoche)
hätte erreicht werden sollen, ist nicht nachvollziehbar (Stellungnahme des
Kantonstierarztes vom 23. Juli 2019, Bg-act. 1.7). Vielmehr ist dem
Beschwerdegegner darin beizupflichten, dass es aus tierschutzrechtlicher
Sicht notwendig gewesen wäre, eine Wärmequelle im Zwinger
anzubringen und die Welpenbox mit einer wärmenden Unterlage statt nur
mit einer Gummimatte auszukleiden, so dass das Liegematerial durch die
Körperwärme des Muttertiers hätte erwärmt werden können. Die vom
Beschwerdeführer praktizierte Art der Welpenhaltung ist mit Art. 6 Abs. 1
TSchG sowie mit Art. 3 Abs. 1, Art. 6 und Art. 72 Abs. 2 TSchV nicht
vereinbar. Zu berücksichtigen ist in diesem Zusammenhang zudem, dass
das ALT das Muttertier in einem besorgniserregenden Zustand antraf. Die
Hündin benötigte Hilfe beim Säugen, war leicht unterernährt, produzierte
zu wenig Milch für die zwei Welpen und war, wie die anderen Hunde auch,
von Ektoparasiten befallen (Stellungnahme des Kantonstierarztes vom 23.
Juli 2019, Bg-act. 1.7).
7.9.2. Der Kangal Herdenschutzhund I._ lebte von Januar 2019 bis zum 17.
April 2019 auf dem Hof des Beschwerdeführers. Er leidet an einer
Fehlstellung der rechten Vorderpfote, welche gemäss tierärztlicher
Abklärung auf eine ältere, bereits verknöcherte Fraktur zweier
Metacarpalknochen zurückzuführen ist (Bg-act. 3.17). Der
Beschwerdegegner erblickt darin zu Recht eine eventuelle Widerhandlung
gegen die tierschutzrechtlichen Pflegevorschriften gemäss Art. 5 Abs. 1
bzw. 2 TSchV, weil der Beschwerdeführer die Fehlstellung entweder nicht
bemerkt oder es unterlassen hat, diese dem Tierarzt zu zeigen. Denn - wie
bereits im angefochtenen Departementsentscheid nachvollziehbar
ausgeführt - geht aus den geordnet wirkenden Unterlagen der
behandelnden Tierarztpraxis im hier massgeblichen Zeitraum ab Anfang
- 25 -
2019 kein Nachweis dafür hervor, dass die Verletzung der rechten
Vorderpfote von I._ dem Tierarzt tatsächlich gezeigt worden wäre und
dieser entsprechende klinische oder bildgebende Befunde erhoben hätte
(Bg-act. 3.2). Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe diese alte
Verletzung schon wahrgenommen, als er I._ im Alter von vier
Monaten erworben habe, und er habe sie dem Bestandestierarzt gezeigt,
mutet folglich als blosse Schutzbehauptung an. Insofern ist nicht erwiesen,
dass der Beschwerdeführer seiner Pflicht zur Pflege und Behandlung
gebührend nachgekommen ist. Ob letztlich eine orthopädisch-chirurgische
Abklärung zu empfehlen gewesen wäre, ist demnach genauso
unwesentlich, wie die Ursache für die Fehlstellung der rechten
Vorderpfote.
7.10. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass der
Beschwerdegegner das vom ALT verhängte Hundehalteverbot im
Grundsatz zu Recht geschützt hat. Der Beschwerdeführer hat mit der
Misshandlung des Hundes D._ eine schwere Zuwiderhandlung im
Sinne von Art. 23 Abs. 1 lit. a TSchG begangen, was für sich allein
betrachtet bereits für ein Hundehalteverbot genügt. Hinzu kommen diverse
weitere Vorkommnisse, welche befürchten lassen, dass der
Beschwerdeführer - jedenfalls aktuell - nicht in der Lage ist, Hunde in
Übereinstimmung mit den tierschutzrechtlichen Vorgaben zu halten.
8. Die Tätigkeit des Beschwerdeführers als Landwirt ist vom Schutzbereich
des Grundrechts auf Wirtschaftsfreiheit erfasst (Art. 27 Abs. 1 BV; Urteile
des Bundesgerichts 2C_689/2020 vom 17. September 2020 E.5.2 und
2C_958/2014 vom 31. März 2015 E.5.1). Das verhängte Hundehalteverbot
erschwert dem Beschwerdeführer die Arbeit auf seinem Hof mit rund 200
Schafen enorm und verhindert, dass er einen Teil seines Einkommens
durch die Zucht von Border Collies erwirtschaften kann. Das Grundrecht
auf Wirtschaftsfreiheit ist indessen nicht absolut, es kann - wie jedes
verfassungsmässige Grundrecht – unter strengen Voraussetzungen
- 26 -
eingeschränkt werden. Gemäss Art. 36 BV bedürfen Einschränkungen
von Grundrechten einer gesetzlichen Grundlage (Abs. 1), müssen durch
ein öffentliches Interesse oder durch den Schutz von Grundrechten
Dritter gerechtfertigt sein (Abs. 2), müssen verhältnismässig sein (Abs. 3)
und dürfen nicht in ihrem Kerngehalt angetastet werden (Abs. 4).
Vorliegend ist eine gesetzliche Grundlage mit Art. 23 Abs. 1 TSchG
unbestrittenermassen gegeben. Dass am Schutz des Wohlergehens und
der Würde der Hunde bzw. an einer tiergerechten Haltung ein gewichtiges
öffentliches Interesse besteht, wird ebenfalls nicht in Abrede gestellt (Art.
80 Abs. 2 lit. a BV i.V.m. Art. 1 TSchG). Streitig ist hingegen die Frage der
Verhältnismässigkeit, diese wird nachfolgend geprüft.
9. Der Grundsatz der Verhältnismässigkeit verlangt, dass behördliche Mass-
nahmen für das Erreichen des im öffentlichen oder privaten Interesse
liegenden Zieles geeignet und erforderlich sind und sich für die
Betroffenen in Anbetracht der Schwere der Grundrechtseinschränkung als
zumutbar erweisen. Es muss eine vernünftige Zweck-Mittel-Relation
vorliegen. Eine Massnahme ist unverhältnismässig, wenn das angestrebte
Ziel mit einem weniger schweren Grundrechtseingriff erreicht werden kann
(Art. 36 Abs. 3 und Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 140 I 2 E.9.2.2, 137 I 31 E.7.5.2,
136 I 87 E.3.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_122/2019 vom 6. Juni 2019
E.5.1 und 2C_545/2014 vom 9. Januar 2015 E.5). Nachfolgend wird
geprüft, ob das gegen den Beschwerdeführer verhängte unbefristete
Hundehalteverbot die Voraussetzungen der Geeignetheit (vgl.
nachfolgend E.9.1), der Erforderlichkeit (vgl. unten E.9.2) und der
Zumutbarkeit (vgl. unten E.9.3) zu erfüllen vermag.
9.1. Das Hundehalteverbot ist zweifellos geeignet, die Einhaltung der
tierschutzrechtlichen Vorschriften sicherzustellen. Kann der
Beschwerdeführer keine Hunde halten, so kann er offensichtlich auch
keine Hunde in tierschutzwidriger Weise behandeln.
- 27 -
9.2. Streitig ist die Frage, ob das verhängte Hundehalteverbot erforderlich ist.
Der Beschwerdeführer verneint dies mit der Begründung, ein
unbeschränktes Hundehalteverbot sei in zeitlicher Hinsicht
unverhältnismässig, es handle sich dabei nicht um die mildeste
Massnahme. Dieser Sichtweise ist - aus den nachfolgend dargelegten
Gründen - zu folgen.
9.2.1. Nach der Rechtsprechung fehlt es an der Erforderlichkeit, wenn mildere
Massnahmen zur Erreichung des angestrebten Zwecks genügen (BGE
146 I 97 E.2.3). Eine behördliche Massnahme ist unter dem Blickwinkel
der Erforderlichkeit nur zulässig, wenn sie in sachlicher, zeitlicher und
persönlicher Hinsicht das mildeste Mittel darstellt, mit dem der Zweck
gerade noch erreicht werden kann (BGE 142 I 49 E.9.1, Urteil des
Bundesgerichts 2C_1106/2018 vom 4. Januar 2019 E.3.3). Dabei ist zu
berücksichtigen, ob die betroffene Person einsichtig und
kooperationswillig ist (Urteile des Bundesgerichts 2C_122/2019 vom 6.
Juni 2019 E.5.4 und 2C_958/2014 vom 31. März 2015 E.4.3).
9.2.2. Entgegen der Ansicht des Beschwerdegegners ist nicht anzunehmen,
dass der Beschwerdeführer in Zukunft grundsätzlich ausser Stande ist,
Hunde entsprechend den Regeln des Tierschutzes zu halten. Vielmehr ist
davon auszugehen, dass die Misshandlung des Hundes D._ und die
weiteren tierschutzrechtlich problematischen Vorkommnisse in
Zusammenhang stehen mit der schwierigen finanziellen, familiären und
psychischen Situation, wie sie sich im Frühjahr 2019 einstellte und wie sie
seither weiterbesteht. Diese Sichtweise drängt sich auf, weil bis zum
Vorfall vom 15. April 2019 keine tierschutzrechtlich relevanten
Sachverhalte dokumentiert sind, und weil dem Beschwerdeführer in
zahlreichen glaubwürdigen Stellungnahmen eigentlich ein guter Umgang
mit Tieren attestiert wird (so er sich in einem ausgeglichenen und nicht in
einem Überlastungszustand befindet). Nachfolgend werden die
- 28 -
wesentlichen Passagen aus den aussagekräftigsten Stellungnahmen
zitiert:
- Der Tierarzt Dr. med. vet. M._ gab in seiner Stellungnahme vom 8.
Juni 2019 an, seit Anfang der Niederlassung des Beschwerdeführers in
der N._ habe er die Hundezucht tierärztlich betreut. In dieser Zeit
habe er den Beschwerdeführer als begeisterten, kompetenten und
engagierten Hundezüchter kennengelernt. Im Verlauf der Jahre habe er
oft mit erwachsenen Hunden und Welpen die Praxis besucht. Dabei
habe er ihn als einen stets offenen, angenehmen und hilfsbereiten
Hundezüchter kennengelernt. Die Hunde seien gut erzogen gewesen,
vertraut und nie aggressiv. Die Welpen seien verspielt, aktiv und
unternehmenslustig gewesen (Bg-act. 2.10).
- Die Tierärztin Dr. med. vet. O._ gab an, sie kenne den
Beschwerdeführer als Kunden der Praxis und habe ihn näher
kennengelernt, als er ihrem Mann einen seiner Border Collies als
Hütehund verkauft habe. Sie habe den Beschwerdeführer als offenen,
umgänglichen und hilfsbereiten Menschen kennengelernt, dem seine
Hunde am Herzen lägen. Er sei mit seinen Hunden ruhig und freundlich
umgegangen. Die erwachsenen Hunde seien ruhig und gut erzogen
gewesen, nicht ängstlich, nicht aggressiv, und am Pflege- und
Nährzustand habe es nichts auszusetzen gegeben (Bg-act. 2.11).
- Der Herdenschutzbeauftragte des Kantons Graubünden führte in seiner
Stellungnahme vom 10. Juni 2019 aus, er habe den Beschwerdeführer
in den Beratungsgesprächen als äusserst engagierten, initiativen und
umtriebigen Landwirt erlebt, der bemüht gewesen sei, sich für die
Haltung von Herdenschutzhunden optimal vorzubereiten. Der
Beschwerdeführer habe im Rahmen der Schafhirtenausbildung als
Gruppenleiter gearbeitet und er habe dabei einen sehr positiven
Eindruck gemacht (Bg-act. 2.12).
- 29 -
- Herr P._ der Swiss Sheepdog Society gab in seiner Stellungnahme
vom 10. Juni 2019 an, der Beschwerdeführer geniesse als
Hundeausbildner und als Hundeführer einen hervorragenden Ruf,
untermauert durch mehrere sehr gute Klassierungen in den
Arbeitsprüfungen für Herdengebrauchshunde. Sein Umgang mit den
Hunden an den Arbeitsprüfungen sei vorbildlich (Bg-act. 2.13).
- Dr. med. vet. Q._ kennt den Beschwerdeführer seit 2016 und teilt
mit ihm die Leidenschaft für Hundezucht und -ausbildung. In seiner
Stellungnahme vom 8. Juni 2019 gab er an, der Beschwerdeführer sei
ein ruhiger und feiner Hundeführer. Bei der gemeinsamen Arbeit mit
dem Beschwerdeführer habe er immer gesunde, gut gepflegte Hunde
gesehen (Bg-act. 2.14).
- Der Landwirt R._ hatte die beiden beschlagnahmten Kangal
Herdenschutzhunde des Beschwerdeführers übernommen. In seiner
Stellungnahme vom 12. Juni 2019 gab er an, die zwei Hunde hätten
sich gleich in den Betrieb integriert, seien in guter Verfassung und gut
genährt gewesen. Er sei der Überzeugung, dass der vorherige
Eigentümer mit diesen Hunden einen tollen Job gemacht habe (Bg-act.
2.16).
- S._ aus C._ ist eine Nachbarin des Beschwerdeführers. Sie
betreibt eine Tierheilpraxis und engagiert sich im Tierschutz. In ihrer
Stellungnahme vom 9. Juni 2019 gab sie an, nach ihrer Beobachtung
führe der Beschwerdeführer den Hof gewissenhaft und gut. Im Umgang
mit seinen Hunden habe sie ihn als verantwortungsvollen und
konsequenten Führer erlebt, er liebe und fordere seine Hunde (Bg-act.
2.19).
- Der Landwirt T._ ist ein Nachbar des Beschwerdeführers. In seiner
Stellungnahme vom Juni 2019 bestätigte er, dass der
Beschwerdeführer im Umgang mit seinen Tieren, insbesondere auch
den Hunden, immer liebevoll gewesen sei (Bg-act. 2.21).
- 30 -
9.2.3. Nachdem der Beschwerdeführer die Misshandlung des Hundes D._
zunächst noch als etwas zu harte Erziehungsmassnahme verharmlost
hatte (vgl. vorne E.7.5), zeigte er in der Folge eine gewisse Einsicht. In
seiner Stellungnahme ans ALT vom 12. Mai 2019 erklärte er glaubhaft,
dass er sich sehr für seine Tat schäme und dass eine solche Tat nicht
vorkommen dürfe (Bg-act. 3.20). Zudem informierte er Herrn P._ der
Swiss Sheepdog Society über die Misshandlung und entschuldigte sich
(Stellungnahme P._, Bg-act. 2.13). Sodann zeigte er sich sowohl im
vorinstanzlichen als auch im vorliegenden Verfahren bereit, sich bei der
Haltung von Hunden regelmässig durch Fachpersonen kontrollieren zu
lassen und Vorgaben für die Verbesserung der Hundehaltung
umzusetzen.
9.2.4. Angesichts dieser Umstände vermag das unbefristete Hundehalteverbot
die Voraussetzung der Erforderlichkeit nicht zu erfüllen. Als mildere
Massnahme, die dennoch den Zweck erfüllt, drängt sich ein befristetes
Hundehalteverbot auf, das aufgehoben wird, sobald sich der Zustand und
die Situation des Beschwerdeführers hinreichend und nachweislich
stabilisiert haben. Entgegen der Ansicht des Beschwerdegegners kann
eine Befristung auch auf einen ungewissen Zeitpunkt festgesetzt werden,
wenn die Bedingungen für das Wegfallen des Verbots ausreichend klar
formuliert sind. Dem Beschwerdeführer sind deshalb Auflagen zu stellen,
die geeignet sind, eine mit der Tierschutzgesetzgebung vereinbare
Hundehaltung längerfristig sicherstellen. Sobald diese Auflagen erfüllt
sind, muss dem Beschwerdeführer das Halten, Betreuen, Führen,
Handeln und Züchten von Hunden wieder erlaubt werden. Zu denken wäre
dabei zum Beispiel an:  Einholung eines psychiatrischen Gutachtens, welches dem Beschwerdeführer
attestiert, dass sich sein Gesundheitszustand stabilisiert hat und dass von ihm keine
Gefahr mehr ausgeht für von ihm gehaltene Hunde
 Nachweis einer regelmässigen ambulanten psychiatrischen bzw.
psychotherapeutischen Behandlung mit erfolgreichem Verlauf
- 31 -
 Nachweis für eine geordnete finanzielle Situation  Auflagen zum Besuch von Kursen zum tiergerechten Umgang mit Hunden, zum
Umgang mit Stresssituationen, zur landwirtschaftlichen Betriebsführung etc.
 Auflagen zur Verbesserung der Haltung und Pflege der Hunde auf dem Betrieb
 Anordnung von notwenigen Instandstellungsarbeiten in den Hundezwingern
9.2.5. Die Auflagen, mit welchen das befristete Hundehalteverbot zu versehen
ist, können nicht in diesem Verfahren festgelegt werden. Sie bedürfen
einer fachkundigen Beurteilung und sind deshalb durch das ALT
festzulegen. Ihm kommt dabei ein erheblicher Ermessensspielraum zu
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_416/2020 vom 10. November 2020
E.4.2.4 und 2C_122/2019 vom 6. Juni 2019 E.5.3 mit Hinweisen).
9.3. Zu prüfen bleibt die dritte Voraussetzung für die Rechtmässigkeit des
Grundrechtseingriffs, mithin die Zumutbarkeit des Hundehalteverbots in
der korrigierten, mit Auflagen versehenen und befristeten Form. Dabei
sind die privaten Interessen des Beschwerdeführers den öffentlichen
Interessen des Tierschutzes gegenüberzustellen. Unter dem Aspekt der
Zumutbarkeit ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer durch das
Hundehalteverbot bei seiner Arbeit mit den Schafen sehr stark
eingeschränkt ist. Dies wird dadurch relativiert, dass es dem Betriebshelfer
erlaubt ist, einen Hund auf dem Hof zu halten und mit diesem zu arbeiten,
so dass die Schafhaltung auf dem beschwerdeführerischen Hof ohne allzu
gravierende Einschränkungen weitergeführt werden kann (siehe dazu
unten E.11). Weil der Beschwerdeführer über eine gewisse Zeit nicht mehr
wie zuvor Hunde züchten und verkaufen kann, sind zudem finanzielle
Einbussen zu berücksichtigen. Der Beschwerdeführer legt zudem
glaubhaft dar, dass ihm die Hundehaltung und die Hundezucht am Herzen
liegt. Dies wird von zahlreichen Stellungnahmen (vgl. oben E.9.2.2)
bestätigt, so dass auch der vorübergehende Verlust der Möglichkeit, eine
geliebte Tätigkeit auszuüben, in Betracht zu ziehen ist. Diese privaten
Interessen vermögen indessen die öffentlichen Interessen am Tierschutz
- 32 -
nicht zu überwiegen. Mit der Tat vom 15. April 2019 hat sich der
Beschwerdeführer der Tierquälerei schuldig gemacht. Die massive und
über eine längere Zeitdauer vorgenommene Gewaltanwendung stellt eine
schwere Misshandlung dar und zeugt von einem hohen Mass an
Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Tierwohl. Der Gewaltausbruch des
Beschwerdeführers nahm ein erschreckendes Ausmass an Brutalität an,
was erhebliche physische, psychische und entwürdigende Folgen für den
Hund D._ zur Folge hatte. Negativ ins Gewicht fallen zudem die
weiteren Vorkommnisse, welche Anlass zu Beanstandungen gaben (vgl.
vorne E.7.9 ff.). Das Hundehalteverbot erweist sich somit als zumutbar,
umso mehr, da es nun in befristeter Form verhängt wird.
9.4. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass das angefochtene
unbefristete Hundehalteverbot nicht verhältnismässig und deshalb
aufzuheben ist. Die Angelegenheit ist an den Beschwerdegegner
zurückzuweisen. Dieser hat unter Mitwirkung des ALT das
Hundehalteverbot mit einer Befristung und mit geeigneten Auflagen zu
versehen.
10. Mit Eventualantrag verlangte der Beschwerdeführer, das
Hundehalteverbot sei aufzuheben und es sei ihm für die Dauer eines
halben Jahres zu gestatten, Hunde zu halten, zu betreuen, zu führen und
zu züchten. Dies unter der Auflage, dass die Hunde einmal alle zwei
Wochen durch eine Fachperson begutachtet würden. Diesem Antrag kann
nicht gefolgt werden. Die Auflage ist nicht geeignet, einen Zustand
herbeizuführen, wie es der Tierschutz als Minimalvorgabe in der
vorliegenden Angelegenheit erfordert. In seiner Stellungnahme vom 27.
Juni 2019 erklärte der Kantonstierarzt überzeugend und nachvollziehbar,
dass das Verhalten des Beschwerdeführers und sein Umgang mit den
Hunden anlässlich von regelmässigen Kontrollen nicht beurteil- und
messbar wären (Bg-act. 1.3).
- 33 -
11. Für den - nun eingetretenen - Fall, dass das Hundehalteverbot nicht
aufgehoben wird, beantragt der Beschwerdeführer, dass dem
Betriebshelfer für die Arbeit mit den Schafen die Haltung eines Hundes auf
seinem Betrieb zu erlauben ist. Diesem Antrag kann gefolgt werden. Dem
Betriebshelfer wurde bereits mit vorsorglicher Verfügung vom 10. Juni
2020 für die Dauer des Verfahrens das Recht eingeräumt, mit einem Hund
auf dem beschwerdeführerischen Hof zu arbeiten, und es liegen keine
Hinweise darauf vor, dass es mit dieser vorsorglichen Massnahme
Probleme gegeben hätte. Sodann ist offensichtlich, dass die Arbeit mit 200
Schafen ohne Hund enorm erschwert wäre, insbesondere angesichts der
Tatsache, dass die Schafe sich zu gewissen Zeiten auch auf Weiden
aufhalten, die rund 1.5 km vom Hof entfernt sind. Würde dem
Betriebshelfer die Haltung des Hundes nicht zugestanden, so würde dies
die Existenz des Betriebes gefährden, was unverhältnismässig wäre. Dem
Betriebshelfer wird deshalb für seine Arbeit auf dem Betrieb des
Beschwerdeführers die Haltung eines eigenen Hundes erlaubt, dies unter
der Auflage, dass er sicherstellt, dass der Beschwerdeführer keinen
Kontakt zu dem Hund hat. Er ist durch das ALT darüber zu unterrichten,
dass es dem Beschwerdeführer vorübergehend bis auf Weiteres untersagt
ist, Hunde zu halten, zu betreuen oder zu führen. Die Gutheissung dieses
Rechtsbegehrens steht jedoch insgesamt unter der Resolutivbedingung,
dass die Anordnung endigt, sofern anlässlich von unangekündigten
behördlichen Kontrollen festgestellt werden sollte, dass gegen die
Auflagen verstossen worden ist.
12. Zu klären ist nun der zweite Streitgegenstand, nämlich die Frage, ob der
Beschwerdegegner das Gesuch der Beschwerdeführenden um
unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung für das vorinstanzliche
Verfahren zu Recht abgewiesen hat.
12.1. Nach Art. 29 Abs. 3 BV und Art. 76 VRG hat jede Person, die nicht über
die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch auf unentgeltliche
- 34 -
Rechtspflege, wenn ihr Rechtsbegehren nicht offensichtlich mutwillig ist
oder von vornherein aussichtslos erscheint. Soweit es zur Wahrung ihrer
Rechte notwendig ist, hat sie ausserdem Anspruch auf einen
unentgeltlichen Rechtsbeistand. Aussichtslos ist ein Prozess, wenn die
Gewinnchancen beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren, so
dass die Gewinnchancen kaum als ernsthaft bezeichnet werden können.
Hingegen darf nicht von Aussichtslosigkeit ausgegangen werden, wenn
sich Gewinnaussichten und Verlustgefahr ungefähr die Waage halten oder
jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die
über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem
Prozess entschliessen würde. Eine Partei soll einen Prozess, den sie auf
eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht allein deshalb
anstrengen können, weil er nichts kostet (BGE 138 III 217 E.2.2.4). Ob im
Einzelfall genügende Erfolgsaussichten bestehen, beurteilt sich aufgrund
einer vorläufigen und summarischen Prüfung der Prozessaussichten,
wobei die Verhältnisse im Zeitpunkt der Einreichung des Gesuchs
massgebend sind (BGE 138 III 217 E.2.2.4).
12.2. Der Beschwerdegegner hat die Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege und Verbeiständung infolge Aussichtslosigkeit verweigert.
Zur Begründung führte er zur Hauptsache an, die Beweislage bezüglich
des Vorfalls vom 15. April 2019 sei klar, es liege eine schwere
Misshandlung des Hundes D._ vor, welche das Hundehalteverbot
rechtfertige. Die von den Beschwerdeführenden dagegen geltend
gemachte Argumentation sei in objektiver Hinsicht schlicht nicht
nachvollziehbar. Ausserdem sei das ALT differenziert vorgegangen und
habe der Beschwerdeführerin sogar einen Hund belassen. Daher sei nicht
ersichtlich, inwiefern der Beschwerde hätte Erfolg beschieden sein
können. Schliesslich hätten die Beschwerdeführenden aufgrund der
diversen Stellungnahmen, welche sich grösstenteils nicht bzw. nur
oberflächlich mit den festgestellten Sachverhalten auseinandergesetzt
- 35 -
hätten, nicht erwarten dürfen, dass sich diese erheblich positiv auswirken
würden. Der beschwerdegegnerischen Sichtweise kann nicht gefolgt
werden, aus diesen Gründen:
- Im vorliegenden Verfahren hat sich gezeigt, dass das zeitlich
unbefristete Hundehalteverbot nicht rechtmässig ist. Angesichts dieses
Ergebnisses kann nicht die Rede davon sein, dass die Rechtsbegehren
der Beschwerdeführenden im vorinstanzlichen Verfahren aussichtslos
waren.
- Das ALT hatte die vorgesehenen Massnahmen gegen den
Beschwerdeführer der Beschwerdeführerin nicht zur Stellungnahme
unterbreitet, obwohl die Massnahmen damals, als die
Beschwerdeführerin noch auf dem Hof in C._ lebte, auch
Auswirkungen auf sie hatten. Der Beschwerdegegner anerkannte diese
Gehörsverletzung im vorinstanzlichen Verfahren und heilte sie
(angefochtene Departementsverfügung betreffend
Tierschutz/Hundehaltung, Bg-act. 1.22 S. 28). Damit war die
Beschwerde im vorinstanzlichen Verfahren in einem Nebenpunkt
erfolgreich.
- Für die Beschwerdeführenden stand aufgrund ihrer beachtlichen
betrieblichen und wirtschaftlichen Interessen im Verfahren um das
Hundehalteverbot viel auf dem Spiel. Es kann deshalb davon
ausgegangen werden, dass Personen mit den nötigen Mitteln in
vergleichbaren Situationen auf eigene Rechnung und Gefahr ebenfalls
einen solchen Prozess angestrebt hätten.
12.3. Somit ergibt sich, dass den Beschwerdeführenden für das vorinstanzliche
Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege und die unentgeltliche
Verbeiständung zu bewilligen ist. Angesichts der Komplexität der sich
stellenden Fragen, wie sie sich ja auch in den vorstehenden Erwägungen
gezeigt hat, war es gerechtfertigt, einen Anwalt beizuziehen. Insgesamt
hat der Beschwerdegegner somit das Gesuch um unentgeltliche
- 36 -
Rechtspflege und Verbeiständung für das
Verwaltungsbeschwerdeverfahren zu Unrecht abgewiesen. Die
Departementsverfügung vom 20. April 2020 betreffend unentgeltliche
Rechtspflege ist daher aufzuheben. Im Sinne des
beschwerdeführerischen Eventualantrags ist die Angelegenheit an den
Beschwerdegegner zurückzuweisen, damit er über die Voraussetzung der
Bedürftigkeit befindet. Dabei hat sich die Beurteilung der Bedürftigkeit an
der nachfolgenden Prüfung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege
und Verbeiständung für das vorliegende Verfahren zu orientieren (siehe
unten E.16); Abweichungen davon sind in den Punkten vorzunehmen, in
welchen tatsächliche Unterschiede vorliegen. Solche Unterschiede
können insbesondere daraus resultieren, dass für die Beurteilung des
Anspruchs auf unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung die
Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung massgebend sind
(BGE 140 V 521 E.9.1; Urteile des Bundesgerichts 5A_144/2010 vom 22.
März 2010 E.2.1.2 und 5A_511/2016 vom 9. Mai 2017 E.6.1.3).
12.4. Die Beschwerdeführenden sind der Ansicht, für die Begründetheit ihrer
Gehörsrüge im vorinstanzlichen Verfahren stehe ihnen eine
Parteientschädigung zu. Dies trifft im Grundsatz zu. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist nämlich dem Umstand, dass ein
Beschwerdeführer nur deshalb unterliegt, weil ein Verfahrensfehler von
der Rechtsmittel-instanz geheilt wird, bei der Regelung der Kosten- und
Entschädigungsfolgen angemessen Rechnung zu tragen (Urteile des
Bundesgerichts 1C_143/2019 vom 12. Dezember 2019 E.2.7,
1C_254/2017 vom 5. Januar 2018 E.3.2 und 1C_255/2017 vom 24.
Oktober 2017 E.7.3). Der Beschwerdegegner hat also die Begründetheit
der Gehörsrüge zu berücksichtigen, wenn er die Kosten- und
Entschädigungsfrage für das vorinstanzliche Verfahren im Lichte des
vorliegenden Entscheides neu regelt.
- 37 -
13. Insgesamt ist die Beschwerde daher teilweise gutzuheissen und die
angefochtene Departementsverfügung vom 20. April 2020 betreffend
Tierschutz/Hundehaltung insoweit aufzuheben, als darin das dem
Beschwerdeführer auferlegte zeitlich unbefristete Hundehalte-,
Betreuungs-, Führ-, Zucht und Handelsverbot geschützt wurde. Dieses ist
vom Beschwerdegegner durch ein befristetes Verbot zu ersetzen, wobei
dem Beschwerdeführer das Halten, Betreuen, Führen, Handeln und
Züchten von Hunden wieder zu erlauben ist, sobald im Sinne der
Erwägungen nach Anordnung geeigneter Vorkehrungen und
Massnahmen durch das ALT feststeht, dass er eine mit der
Tierschutzgesetzgebung vereinbare Hundehaltung sicherstellen kann. Bis
dahin ist dem Betriebshelfer zu gestatten, für seine Arbeit auf dem Betrieb
des Beschwerdeführers einen eigenen Hund zu halten, unter der Auflage,
dass er gewährleistet, dass der Beschwerdeführer nicht auf den Hund
zugreifen kann. Der Betriebshelfer ist vom ALT darüber zu informieren,
dass es dem Beschwerdeführer bis auf Weiteres untersagt ist, Hunde zu
halten, zu betreuen oder zu führen. Sollte dagegen verstossen werden,
fällt diese Anordnung im Sinne einer Resolutivbedingung dahin. Zudem ist
die Departementsverfügung vom 20. April 2020 betreffend unentgeltliche
Rechtspflege aufzuheben und die Angelegenheit ist zur Prüfung der
Bedürftigkeit im Sinne der Erwägungen an den Beschwerdegegner
zurückzuweisen. Dieser hat zudem die Kosten- und Entschädigungsfolgen
der vorangegangenen Verfahren neu zu verlegen. Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
14. Bei diesem Verfahrensausgang obsiegen die Beschwerdeführenden
teilweise. Es rechtfertigt sich deshalb, die Gerichtskosten zu zwei Dritteln
den Beschwerdeführenden und zu einem Drittel dem Beschwerdegegner
aufzuerlegen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Staatsgebühr beträgt dabei
CHF 5'000.00. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus CHF 4'000.00 für
das vorliegende Beschwerdeverfahren und CHF 1'000.00 für die
- 38 -
Verfügung betreffend vorsorgliche Massnahmen. Für den
Gerichtskostenanteil, welchen die Beschwerdeführenden übernehmen
müssen, haften sie solidarisch. Der Beschwerdeführer hat davon drei
Viertel zu tragen, die Beschwerdeführerin einen Viertel.
15. Angesichts des teilweisen Obsiegens hat der Beschwerdegegner den
Beschwerdeführenden einen Drittel der durch den vorliegenden
Rechtsstreit verursachten aussergerichtlichen Kosten zu erstatten (Art. 78
Abs. 1 VRG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden macht in
seiner ergänzten Honorarnote vom 18. August 2020 einen Aufwand von
CHF 7'732.86 geltend, bestehend aus seinem Zeitaufwand von 26.93
Stunden à CHF 250.00 und einem solchen von 0.68 Stunden à
CHF 125.00 für einen Rechtsanwaltskandidaten, Auslagen von CHF
362.50 sowie 7.7 % Mehrwertsteuer von CHF 552.86. Der Rechtsvertreter
legte zudem eine Honorarvereinbarung über einen Stundenansatz für
Rechtsanwälte von CHF 250.00 bzw. für Rechtsanwaltskandidaten von
CHF 125.00 ins Recht. Dieses Honorar erscheint angemessen.
Demzufolge hat der Beschwerdegegner den Beschwerdeführenden eine
Parteientschädigung inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer im Betrag
von CHF 2'577.62 zu bezahlen (CHF 7'732.86 x 1/3). Dem
Beschwerdegegner steht als einer mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben
betrauten Organisation keine Parteientschädigung zu (Art. 78 Abs. 2
VRG).
16. Die Beschwerdeführenden haben auch für das vorliegende Verfahren ein
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung gestellt.
Soweit sie obsiegen, ist dieses Gesuch gegenstandslos. Für den Teil ihres
Unterliegens ist das Gesuch nachfolgend zu prüfen.
16.1. Wie bereits erwähnt hat nach Art. 29 Abs. 3 BV und Art. 76 VRG jede
Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, Anspruch
auf unentgeltliche Rechtspflege und Verbeiständung, wenn ihr
- 39 -
Rechtsbegehren nicht offensichtlich mutwillig ist oder von vornherein
aussichtslos erscheint. Mutwilligkeit und Aussichtslosigkeit sind vorliegend
offensichtlich nicht gegeben, zu klären bleibt somit einzig die Frage der
Prozessarmut. Diese Frage ist bei getrenntlebenden Ehegatten
rechtsprechungsgemäss in getrennten Einzelrechnungen zu klären. Es ist
also nur das Einkommen und das Vermögen der jeweiligen
gesuchstellenden Person selbst sowie deren eigener Bedarf zu
berücksichtigen. Nötigenfalls ist aber in einem zweiten Schritt jener Anteil
des Einkommens oder Vermögens des anderen Ehegatten
hinzuzurechnen, den dieser entbehren kann, ohne selber prozessarm zu
werden. Bei den finanziellen Verhältnissen der Gesuchsteller sind die
familienrechtlichen Unterhaltsansprüche zu berücksichtigen (Urteil des
Bundesgerichts 9C_432/2010 vom 8. Juli 2010 E. 5.2 f.).
16.2. Beim Beschwerdeführer stehen monatliche Einnahmen von CHF 4‘188.15
monatlichen Ausgaben von CHF 5‘346.20 gegenüber, so dass ein Manko
von CHF 1‘158.05 resultiert. Grundlage für die Bestimmung der
monatlichen Einnahmen ist dabei die definitive Veranlagungsverfügung für
die Kantons- und Gemeindesteuer 2018 (Bg-act. 2.31, dies nota bene weil
die Jahresrechnung für das Geschäftsjahr 2019 noch nicht vorliegt). Die
monatlichen Auslagen errechnen sich wie folgt: CHF 1‘200.00
(Grundbetrag) + CHF 240 (Zuschlag von 20% des Grundbetrags) +
CHF 199.00 (monatliche Krankenkassenprämie) + CHF 800.00 (Miete) +
CHF 2‘500.00 (Unterhaltsbeitrag für die Beschwerdeführerin und das
gemeinsame Kind). Namhaftes liquides Vermögen hat der
Beschwerdeführer wie er glaubhaft darlegt und mit einem Bankauszug
belegt nicht (Bg-act. 2.29). Die Prozessarmut des Beschwerdeführers ist
somit gegeben.
16.3. Bei der Beschwerdeführerin steht ein monatliches Einkommen von
CHF 1‘900.00 monatlichen Ausgaben von CHF 2‘742.00 gegenüber. Sie
hat damit ein monatliches Manko von CHF 842.00. Die Einnahmen
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resultieren aus dem vom Beschwerdeführer geleisteten Unterhaltsbeitrag
von CHF 2‘500.00 minus CHF 600.00 für die Tochter. Ein
Erwerbseinkommen hat die Beschwerdeführerin nicht. Es gelang ihr
wegen der Coronapandemie nicht, im J._ eine Anstellung in der
Gastronomie zu finden. Die Ausgaben umfassen den Grundbetrag für
Alleinerziehende von CHF 1‘350.00, den Zuschlag zum Grundbetrag von
20% im Betrag von CHF 270.00, die Miete von CHF 582.00 und Kosten
für Kinderbetreuung, Schule etc. von CHF 540.00. Weil auch die
Beschwerdeführerin über kein namhaftes liquides Vermögen verfügt, ist
bei ihr die Prozessarmut ebenfalls gegeben.
16.4. Es hat sich gezeigt, dass sowohl beim Beschwerdeführer als auch bei der
Beschwerdeführerin Prozessarmut vorliegt. Ihr Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Verbeiständung ist deshalb für den Teil ihres
Unterliegens gutzuheissen. Entsprechend sind die den
Beschwerdeführenden auferlegten Gerichtskosten vorläufig auf die
Gerichtskasse zu nehmen. Bei den Anwaltskosten verbleibt nach Abzug
des Anteils, welchen der Beschwerdegegner übernehmen muss, ein
Betrag von CHF 5‘155.24. Dieser Betrag ist indessen nicht vollumfänglich
auf die Gerichtskasse zu nehmen, weil ihm ein Stundenansatz von CHF
250.00 zu Grunde liegt. Im Rahmen der unentgeltlichen Rechtspflege wird
aber nur ein reduzierter Stundenansatz von CHF 200.00 ausgerichtet (Art.
5 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, BR 310.250). Mit diesem
reduzierten Stundenansatz ergibt sich ein Betrag von CHF 4‘246.15, der
vorläufig auf die Gerichtskasse zu nehmen ist. Dieser Betrag errechnet
sich wie folgt. CHF 3‘590.65 (Anwaltshonorar für 17.95 h [= 2/3 von 26.93
h] à CHF 200.00) + CHF 45.30 (Anwaltskandidatenhonorar für 0.45 h [=
2/3 von 0.68 h] à CHF 100.00) + CHF 241.65 (2/3 der Auslagen) + CHF
368.55 (2/3 der Mehrwertsteuer).