Decision ID: 593c95d3-0f04-4f76-99be-78b40cf42735
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Y._
, geboren 1923, meldete
sich am
9.
Oktober 2012 zum Bezug von Zusatzleistungen zur Altersrente an (Urk. 7/1). Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend
Durchfüh
rungsstelle
), verneinte mit Verfügung vom 2
0.
September 2013 einen Anspruch auf Zusatzleistungen
infolge eines Einnahmeüberschusses
(vgl. Verfü
gung
vom
2
0.
September
201
3
inklusive
Berechnungsblätter
, Urk. 7/
60-71
). Dagegen erhob
die
Versicher
te am
1
6.
Oktober 2013
Einsprache (Urk. 7/72).
Am
5.
Mai 2014 wurde der Durchführungsstelle mitgeteilt, dass die Versicherte am
1.
Mai 2014 verstorben sei, an der Einsprache jedoch festgehalten würde (
Urk.
7/87).
Während dem laufenden
Einspracheverfahren
erliess die Durchführungsstelle am
4.
Mai 2015 eine weitere Verfügung, welche diejenige vom 2
0.
September 2013 ersetzen sollte
. Für die Zeit von August bis Dezember 2012 wurde ein
Anspruch auf Zusatzleistungen wiederum verneint, während die
Durchführungs
stelle
der Versicherten für die Zeit von Januar bis Juni
2013
monatliche
Zusatzleistungen in der Höhe von
Fr.
356.-- zusprach. Für die Zeit von Juli bis August 2013 verneinte die Durchführungsstelle wiederum einen Anspruch auf Zusatzleistungen und sprach der Ve
rsicherten für die Zeit von Sep
t
e
mber bis
Dezember 2013 einen monatlichen Anspruch auf Zusatzleistungen in der Höhe von
Fr.
356.-- zu. Für die Zeit von Januar bis Mai 2014 wurde ein An
spruch auf Zusatzleistungen wiederum verneint, wobei der Pauschalbetrag von
Fr.
363.-- direkt an die Krankenkasse ausbezahlt werde (vgl.
Urk.
7/
102-124)
.
Mit
Ein
spracheentscheid
vom
8.
Mai
2015 (
Urk.
7/126 =
Urk.
2) hiess die
Durch
füh
rungs
stelle
die Einsprache der Versicherten som
it teilweise gut und bestätigte
die pendente
lite
erlassene Verfügung vom
4.
Mai 2015.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
8.
Mai 2015 (
Urk.
2) erhob die Erbin der Versicherten am
9.
Juni 2015 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es seien der Versicherten seit
1.
August 2012 Zusatzleistungen zur AHV auszurichten in der Höhe von
Fr.
18‘000.-- pro Jahr für den Zeitraum von
1.
August 2012 bis 3
1.
Mai 2014, das heisse für total
Fr.
33‘000.
--
p
l
us 5
%
Verzugszinsen seit dem mittleren Verfall, das heisse seit
1.
Juli 201
3.
Mit Eingabe vom 2
7.
Juli 2015 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Vernehmlassung
(
Urk.
6
). Diese Eingabe wurde de
r
Beschwerdeführer
in
am
2
8.
Juli 2015
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Bund und die Kantone gewähren Personen, welche die gesetzlichen Voraus-setzungen nach
Art.
4-6 des Bundesgesetzes über die Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) erfüllen, Zusatzleis
tungen zur Deckung ihres Existenzbedarfs (
Art.
2 Abs. 1 ELG; §
§
1, 13, 15 und
20 Abs. 1 des Gesetzes des Kantons Zürich über die Zusatzleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung, ZLG).
1.2
Die jährliche Ergänzungsleistung entspricht dem Betrag, um den die anerkann
ten
Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen (
Art.
9 Abs. 1 ELG).
1.3
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach
Art.
11 ELG ermittelt. Zu den anre
chenbaren Einnahmen gehören unter anderem nebst Erwerbseinkünften, Ren
ten
,
Pensionen und anderen wiederkehrenden Leistungen auch Einkünfte aus be
weg
l
ichem und unbeweglichem Vermögen (
Art.
11 Abs. 1
lit
. a, b und d ELG). Dabei umfasst der Ertrag aus unbeweglichem Vermögen Miet- und Pachtzinse,
Nutz
niessungen
, Wohnrechte sowie den Mietwert der selbstbewohnten Woh
nung (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Auflage, Zü
rich/Basel/Genf
2009, S. 167).
Als Einkommen anzurechnen sind auch Einkünfte und Vermögenswerte, auf die verzichtet worden ist (
Art.
11 Abs. 1
lit
. g ELG). Nach der Rechtsprechung ist der Tatbestand des
Art.
11 Abs. 1
lit
. g ELG erfüllt, wenn die anspruchsberech
tigte Person ohne rechtliche Verpflichtung und ohne adäquate Gegenleistung auf
Einkünfte oder Vermögen verzichtet hat (BGE 131 V 329 E. 4.2; BGE 121 V 204 E. 4b; BGE 120 V 187 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom
8.
Mai 2015 (
Urk.
2) aus, dass vorliegend den Anträgen zum Vermögensverzicht entsprochen worden sei
(S. 3 f.)
.
Die Nutzniessung der Liegenschaft in
Z._
sei per
1.
Dezember 2007 ge
löscht worden, womit ein Verzicht auf diese stattgefunden habe. Der
Eigen
miet
wert
betrage
Fr.
18‘000.--, welcher für den Verzicht auf die Nutzniessung zu nehmen sei. Aus dem Schenkungsvertrag habe sich ergeb
en, dass keine Hy
po
thek bestehe. Somit seien
Fr.
18‘000.-- als Verzichtseinkommen anzurechnen
(S.
4)
.
Bei der anrechenbaren Tagestaxe sei jeweils von demjenigen Betrag ausgegan
gen worden, welcher anfangs Monat gegolten habe (S. 5, S. 7).
Bezüglich der anrechenbaren persönlichen Auslagen führte
die
Beschwerdegeg
nerin
aus, dass das Heim 2012 noch mit der 4-stufigen Pflegeeinteilung abge
rechnet habe. In den Monaten August und September 2012 könne aufgrund der tiefen BESA-Stufe der gesamte Betrag von
Fr.
6‘360.-- gewährt werden. In den restlichen Monaten sei ermessensweise nur 2/3 davon in die Berechnung zu nehmen, also
Fr.
4‘240.--. Die B
ES
A-Stufe sei zwischen 2 und 3 gelegen, daher könne sie nicht mehr als gering angesehen werden. Es sei mit einem vermin
derten Verwendungsbedarf zu rechnen. Dies erscheine auch im Lichte von
§
2 ZLV korrekt. Dieser Paragr
af besage, dass mindestens ein
Drittel des Höchst
betrages gemäss
§
11
Abs.
2 ZLG in die Berechnung zu nehmen sei. Daher sei diese Berechnung angemessen
(S. 5 ff.)
.
2.
2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) auf den Stand
punkt,
im Schenkungsvertrag sei eine Nutzniessung und nicht ein Wohnrecht vereinbart worden, weil lediglich die
Kostentragungspflichten
beziehungsweise die Zinszahlungspflichten derjenigen der Nutzniessung entsprächen. Die Weg
leitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV/IV halte fest, dass beim
Wohn
recht
in Fällen, in denen die Ausübung des Wohnrechts aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich sei, dessen Jahreswert nicht als Einkommen aus unbeweglichem Vermögen anzurechnen sei. Es rechtfertige sich daher, auch bei der höchstpersönlichen Nutzniessung kein Einkommen aus unbeweglichem Vermögen anzurechnen, sofern deren Ausübung aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich sei
(S. 7)
.
Da sie die höchstpersönliche Nutzniessung aus gesundheitlichen Gründen seit August 2012 nicht mehr habe ausüben können, sei ihr für den Zeitraum ab August 2012 bis Mai 2014 kein Einkommen aus un
beweglichem Vermögen anzurechnen (S. 8).
Hinsichtlich der persönlichen Aus
lagen sei der Betrag auf
Fr.
6‘403.-- zu erhöhen
(S. 9)
.
Weiter werde bestritten, dass ein Konto in der Steuererklärung fehle. Aus der Steuererklärung 2012 sei ersichtlich, dass der Vermögensertrag aus Sparguthaben und Wertschriften
Fr.
478.-- betrage (S. 10
f.
).
2.3
Strittig und zu prüfen sind die von der Beschwerdeführerin im Einzel
nen gerüg
ten Positionen der Berechnung der Zusatzleistungen.
3.
3.1
Die einzelnen Positionen der Berechnung der Zusatzleistungen stellen
Begrün
dungselemente
der Verfügung und allenfalls des
Einspracheentscheides
(Teilas
pekte des verfügungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses) dar. Nicht bean
stan
dete Berechnungspositionen prüft das kantonale Versicherungsgericht nur, wenn
hiezu
aufgrund der Vorbringen in der Beschwerde oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (BGE 125 V 413 E. 2b und 2c).
3.2
Zum Sachverhalt ist bekannt, dass die Beschwerdeführerin im November 1992 eine Liegenschaft in
Z._
von ihrem Vater, dem Ehemann der verstorbenen Versicherten, geschenkt erhalten hatte, wobei der Vater sowie die verstorbene Versicherte das lebenslängliche Nutzniessungsrecht an dieser Liegenschaft einge
räumt erhielten (vgl.
Urk.
7/77). Am
1.
Dezember
2007 verkaufte die Beschwer
deführerin die Liegenschaft, wobei sie einen Verkaufserlös von
Fr.
800‘000.-- erzielte (vgl.
Urk.
7/12/3). Die verstorbene
V
ersicherte hatte vor
gängig auf ihr Nutzniessungsrecht verzichtet, welches im Grundbuch gelöscht wurde.
Es ist unbestritten, dass
sie
dafür keine Ge
gen
leis
tung erhalten hat.
3.3
Die Beschwerdegegnerin stützte sich zur Berechnung des hypothetischen Ertra
g
es der Nutzniessung auf den Eigenmietwert von
Fr.
18‘
000.-- und rechnete diesen als Verzichtseinkommen an.
Auch i
n der
Wegleitung über die Ergänzungsleistungen zur AHV und
IV (WEL, Stand
1.
Januar 201
2
) wird für die Bestimm
ung des Ertrages auf den Mietwert
abgestellt. So wird festgehalten, dass bei gänzlichem Verzicht auf eine Nutz
niessung – insbesondere wenn die Nutzniessung aus dem Grundbuch gelöscht oder gar nicht eingetragen wird –
deren Jahreswert als Einkommen aus unbe
weglichem Vermögen anzurechnen sei. Der Jahreswert entspreche dem Mietwert abzüglich jener Kosten, die vom Nutzniesser im Zusammenhang mit der Nutz
niessung übernommen worden seien oder hätten übernommen werden müssen (üblicherweise Hypothekarzinsen und Gebäudeunterhaltskosten). Für die Be
mes
s
ung des Mietwertes sei von demjenigen Ertrag auszugehen, der bei der Ver
mietung der Liegenschaft tatsächlich erzielt werden könnte, also von einem markt
konformen Mietzins (
Rz
3482.12).
Demgegenüber wird bei
einem Verzicht auf unbewegliches Vermögen – neben dem Vermögensverzehr auf dem verzichteten Vermögen im Sinne von
Art.
11 Abs. 1
lit
. c ELG –
als hypothetischer Ertrag der Betrag
angerechnet, der bei
ei
ner zinstragenden Anlage des verzichteten oder abgetretenen Vermögens erziel
bar wäre.
Dabei ist grundsätzlich vom durchschnittlichen Zinssatz für Sparein
lagen im Vorjahr des Bezugsjahres auszugehen
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_137/2011 vom 2
5.
Oktober 2011 E. 4.1
;
WEL
Rz
3482.11
).
3.4
Dem
Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2008 vom 2
7.
Januar 2009
lag der Sach
verhalt zugrunde, dass ein EL-An
sprecher Nutzniesser einer Liegenschaft war, welche im Eigentum seiner vier Kinder stand. Als die Kinder die Liegenschaft veräusserten, verzichtete der EL-Ansprecher auf sein Nutzniessungsrecht an der Liegenschaft, wobei er sich als Gegenleistung das Nutzniessungsrecht am Netto-Verkaufserlös einräumen liess. Die Ausgleichskasse und das kantonale Gericht stellten sich auf den Stand
punkt, dass der EL-Ansprecher auf ein jährliches Einkommen von Fr. 39‘922.-- verzichtet habe, da er in den Jahren vor dem Verkauf der Liegenschaft durch
schnittliche Mietzinseinnahmen in dieser Höhe er
zielt hatte (E. 3).
Das Bundesgericht hielt fest, dass der Verzicht auf eine Nutzniessung einer Lie
genschaft ohne äquivalente Gegenleistung einem Verzicht im Sinne von
Art.
3c Abs. 1
lit
. g
aELG
(seit
1.
Januar 2008:
Art.
11 Abs. 1
lit
. g ELG)
entspreche. Was das Einkommen betreffe, auf welches der Anspruchsberechtigte verzichtet habe, gelte es, ein fiktives Einkommen entsprechend den Zinsen auf dem Ver
kehrswert der Liegenschaft zu berücksichtigen. Die Vorinstanz habe sich auf das
Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts
P 58/00 vom 1
8.
Juni 2003 be
zogen, in welchem nach dem Verzicht auf eine Nutzniessung ein hypotheti
sches Einkommen entsprechend dem Mietwert der Liegenschaft berücksichtigt worden sei. Von diesem Vorgehen sei jedoch abzusehen, da es zu einer Un
gleich
be
handlung von Eigentümer (der die Wohnung unentgeltlich aufgebe) und Nutz
niesser (der einfach auf sein Recht verzichte) führen würde. Wäh
rend Letzterem ein fiktives Einkommen entsprechend dem Mietwert der Lie
genschaft angelastet würde, würde beim Ersteren ein hypothetisches Einkom
men entsprechend dem Zins auf dem Verkehrswert berücksichtigt (E. 4.2.3 mit weiteren Hinweisen).
Der Betrag des Verkehrswertes der Liegenschaft, auf welcher die Nutzniessung gelastet habe, solle für eine gewisse Dauer fest angelegt werden können, ohne dass der Berechtigte diese regelmässig angreife, um seine laufenden Bedürfnisse zu befriedigen.
Diesem
Umstand wäre nicht genügend Rechnung getragen, wenn man sich einfach auf den
durchschnittlichen Zinssatz für Spareinlagen
beziehen würde, um den
Zins auf dem Verkehrswert der Liegenschaft zu be
stimmen. Vielmehr sei das anrechenbare fiktive Einkommen gestützt auf den durchschnittlichen Zinssatz für Obligationen und Kassenboni in der Schweiz zum Kurs im dem Leistungsjahr der Ergänzungsleistungen vorangehenden Jahr zu berechnen (E. 4.2.3 mit weiteren Hinweisen).
3.5
Der vorliegend zu beurteilende Sachverhalt ist im Wesentlichen gleich gelagert
wie derjenige im zitierten Ent
scheid des Bundesgerichts. In beiden Fällen erfolg
te
ein gänzlicher Verzicht auf eine Nutzniessung an einer Liegenschaft respektive Wohnung an
lässlich des Verkaufs durch die Kinder des Berechtigten. In der WEL
wird
dieser
Entscheid des Bundesgerichts vom
Januar 2009
nicht berück
sichtigt.
3.6
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
schei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von
Verwaltungs
weis
ungen
ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vor
gaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch in
tern
e Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
3.
7
Mit dem zitierten Entscheid des Bundesgerichts
8C_68/2008 wurde das von der WEL vorge
seh
ene Vorge
hen klar verworfen. Dies wurde -
insbe
sondere unter
Verweis auf Ralph
Jöhl
(Die Ergänzungsleistung und ihre Berechnung, in: Sozi
al
e Sicherheit, SBVR, Bd. XIV, 2. Auflage, S.
1785 f.) -
mit einer
Ungleich
behand
lung von Eigentümer und Nutzniesser begründet.
Jöhl
führte in der zitierten Ab
handlung aus, dass die Praxis nicht davon ausgehe, dass das betreffende
Ver
mögensobjekt
(beispielsweise die Liegenschaft) noch Teil des Vermögens des EL-Ansprechers bilde. Vielmehr werde fingiert, dass dem EL-Ansprecher eine adä
quate Gegenleistung zugeflossen sei. Das bedeute in den meisten Fällen, dass ein Verkauf zum Marktwert fingiert werde. Das hypotheti
sche Vermögen ent
spreche deshalb dem möglichen Verkaufserlös. Aus diesem Grund sei es sach
gerecht, einen hypothetischen Vermögensertrag anzunehmen, der anhand des durchschnittlichen Zinssatzes der Kantonalbanken auf Sparein
lagen zu er
mit
teln sei. Im Ergebnis werde also unabhängig von der Art des Vermögens, auf
das verzichtet worden sei, ein Ertrag aus einem hypothetischen Vermögen in der
Form einer Spareinlage bei einer Bank berücksichtigt (S. 1785
Rz
212). Das Eid
genössische Versicherungsgericht wende indessen diese Praxis nicht konse
quent an. So habe es in einem Urteil vom 1
8.
Juni 2003 (P 58/00) zur Ermitt
lung des fiktiven Ertrages aus dem hypothetischen Vermögen, das aus dem Ver
zicht auf eine Liegenschaft resultiere, auf den Durchschnittszins für Sparein
lagen abge
stellt. Gleichzeitig habe es aber in Bezug auf einen Verzicht auf die Nutz
niessung an einer Liegenschaft als fiktive Einnahme den Ertrag aus der Nutz
nies
sung (Mietwert abzüglich Unterhaltskostenpauschale und
Hypothe
kar
zinsen
)
berücksichtigt. Das Urteil liefere keine Begründung für diese Inkon
se
quenz. Die Art des Anspruchs, auf den verzichtet worden sei (Eigentum bezie
hungsweise Nutzniessung), vermöge die Abweichung nicht zu erklären, denn der
Ertrag re
sultiere auf jeden Fall aus der Nutzung einer Liegenschaft (a.a.O. S. 1786
Fn
741).
Wie unter Erwägung 3.3 dargelegt, hielt
das Bundesgericht im Urteil 8C_68/2008
fest, dass der Ertrag der Nutzniessung entgegen dem Entscheid des
Eidge
nössi
schen Versicherungsgerichts
P 58/00 vom 1
8.
Juni 2003 nicht ge
stützt auf de
n Mietwert der Liegenschaft, sondern gestützt auf den Zins auf dem Ver
kehrs
wert der Liegenschaft zu berechnen sei. Des Weiteren wurde festgelegt, dass da
bei nicht der
Durchschnittszins für Spareinlagen
, sondern der durch
schnittliche Zinssatz für Obligationen und Kassenboni in der Schweiz massge
bend sei. Das Bundesgericht wollte
mit seinem in
Fünferb
esetzung ergangenen
Urteil
offenbar
eine Praxisänderung herbeiführen. Dieses Urteil wurde indessen in der WEL nicht
berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund kann vorliegend zur Bestimmung des hy
po
thetischen Ertrages der Nutzniessung nicht auf die WEL – welche für
das
So
zialversicherungsgericht
auch nicht verbindlich ist (vgl. E.
3.5) – abgestellt
wer
den. Vielmehr ist dem überzeugenden Entscheid des Bundesge
richts 8C_68/2008
vom 2
7.
Januar 2009 zu folgen.
3.
8
Zusammenfassend ist der
hypothetische Ertrag der Nutzniessung, auf welche d
i
e
Versicherte
verzichtet hat, entsprechend dem Urteil des Bundesgerichts 8C_68/2008 vom 2
7.
Januar 2009 gestützt auf den Zins auf dem Verkehrswert der Wohnung zu berechnen, wobei der durchschnittliche Zi
nssatz für Obliga
tio
nen und Kassenbon
i in der Schweiz zum Kurs im dem Leistungsjahr der
Ergän
zungsleistungen
vorangehenden Jahr massgebend ist.
Wie sich aus dem Meldeformular für Handänderungen vom 2
0.
Juni 2007
ergibt, erzielte die Beschwerdeführerin durch den Verkauf der Liegenschaft einen Erlös von Fr. 800‘000.-- (vgl. Urk. 7/12/3). Es ist davon auszugehen, dass der Verkaufs
preis dem Verkehrswert entsprach
.
Der durch
schnitt
liche Zinssatz für Kassenobligationen betrug im Jahr 201
2 1.68
%
, im Jahr 2013 1.52
%
und im Jahr 2014 1.37
%
(vgl. Bundesamt für Statistik, Tabelle „Rendite eidge
nössi
scher Obligationen und durchschnittliche Verzinsung“, T 12.3.2
).
Somit ist
der
verstorbenen Versicherten
bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen für das Jahr 201
2
ein hypothetischer Nutzniessungsertrag von Fr.
13
‘
440
.-- (Fr.
800
‘000 x 0.0
168),
für das Jahr 201
3
von Fr.
12
‘
160
.-- (Fr.
800
‘000 x 0.0
152
)
und
für das Jahr 2014 von Fr. 10‘960.-- (Fr. 800‘000 x 0.0137)
anzu
rech
nen.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin
rügte sodann die Höhe des anrechenbaren Vermögens
(
Urk.
1 S.
10 f.
).
Die anrechenbaren Einnahmen werden nach Art. 11 ELG ermittelt. Dazu gehö
ren unter anderem
auch
Einkünfte aus beweglichem und unbeweglichem Ver
mögen sowie ein Anteil am Reinvermögen (Art. 11 Abs.
1
lit
. b-d ELG). Dieser
beträgt
bei Altersrentnern einen Zehntel des Reinvermögens, soweit es bei allein
stehen
den Personen Fr. 25'000.-- übersteigt (Art. 11 Abs. 1
lit
. c ELG in der für die vorlie
gen
de Berechnung anwendbaren, bis 31. De
zember 2010 geltenden Fassung).
Nach Art. 23 Abs. 1 der Verordnung über
Ergänzungsleistun
gen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) sind für die Berechnung der
jährlichen Ergänzungsleistung in zeitlicher Hinsicht in der Re
gel die während des
vorausgegangenen Kalenderjahres erzielten anrechenbaren Einnahmen sowie das
am 1. Januar des Bezugsjahres vorhandene Vermögen massgebend.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stellte
für den Zeitraum von
1.
August bis 3
1.
Dezem
ber 2012
auf das Vermögen per 3
1.
Dezember 2011 ab und
stützte sich dabei auf die Steue
rerklärung 2011
, wonach ein Sparguthaben und Wert
schriften in der Höhe von
Fr.
129‘808.-- sowie ein Vermögensertrag von
Fr.
876.
--
ausge
wiesen ist
(
Urk.
7/3,
Urk.
7/18)
.
Wie die Beschwerdeg
egnerin
ausführte, befindet sich ein Zins- und
Saldoaus
weis
eines weiteren Kontos bei der
A._
(Sparkonto 60 plus; Konto Nr.
B._
) in den Akten, welches per 3
1.
Dezember 2012 einen Saldo von
Fr.
3‘157.20 aufweist (
Urk.
7/51/3). Dieses Konto ist in der Steuererklärung nicht ersichtlich. Das Vorgehen der
Beschwer
degegnerin
, indem sie den Habenzins von
Fr.
9.45 abgezogen und
somit noch
Fr.
3‘147.75 dem Vermögen von
Fr.
129‘808.-- hinzurechnete,
erscheint vor
lie
gend plausibel und gibt
zu keinen Beanstandungen Anlass, zumal die Beschwerdeführerin die Möglichkeit gehabt hätte, sich zu diesem Konto und dessen Höhe zu äussern.
Es
ist
somit für den Zeitraum von
1.
August bis 3
1.
Dezember 2012 von einem Ver
mögen von
Fr.
132‘955.75 sowie einem Vermögensertrag von
Fr.
876.-- auszugehen.
4.3
Für d
en Zeitraum von
1.
Januar bis 3
1.
August 2013 ging die
Beschwerde
gegnerin
von einem Vermögen gemäss Steuererklärung 2012 in der Höhe von
Fr.
104‘007.-- sowie einem Ertrag von
Fr.
698.-- aus (
Urk.
7/80). Sie rechnete wiederum den Saldo des oben erwähnte
n
Kontos der A._
(Sparkonto 60 plus) in der Höhe von
Fr.
3‘157.20 hinzu, was ein Vermögen von total
Fr.
107‘164.20 ergibt. Zum Ertrag von
Fr.
698.-- rechnete die Beschwerdegegnerin den Zins des erwähnten
Kontos der A._
in der Höhe von
Fr.
9.45 hinzu, was ein Total von
Fr.
707.45 ergibt. Dieses Vorgehen der Beschwerdegegnerin gibt aufgrund der Akten zu keinen Beanstandungen Anlass.
4.4
Betreffend
den Zeitraum von
1.
September bis 3
1.
Dezember 2013
führte die Beschwerdegegnerin folgendes aus:
Per 3
1.
Dezember 2012 seien noch
Fr.
36‘056.-- auf dem Konto gewesen (vgl.
Urk.
7/80). Gemäss Kontoauszug per 1
7.
September 2013 betrage das Vermögen noch
Fr.
13‘879.05 (
Urk.
7/81/1), weshalb von einer Abnahme von
Fr.
22‘176.-- auszugehen sei.
Dies wurde von der Beschwerdeführerin denn auch nicht be
stritten.
Somit
ging die Beschwerdegegnerin
zu Recht
von ein
em Vermögen in der Höhe von total Fr.
84‘987.-- (
Fr.
107‘164.-- –
Fr.
22‘176.--) aus.
Beim
Verm
ögensertrag zog die Beschwerdegegnerin den entsprechenden Zins in der Höhe von
Fr.
23.
--
ab
(
Urk.
7/80)
, womit ein Ertrag von
Fr.
684.45 resul
tierte (
Fr.
707.45 –
Fr.
23.--). Dieses Vorgehen ist nicht zu beanstanden.
4.5
Betreffend den Zeitraum von
1.
Januar bis 3
1.
Mai 2014
ist Folgendes zu bemer
ken:
Per 3
1.
Dezember 2013 ergibt sich gemäss Steuererklärung 2013 ein Vermögen von
Fr.
63‘102.
--
sowie ein E
r
trag in der Höhe von
Fr.
432.-- (vgl.
Urk.
3/18)
. Es rechtfertigt sich daher, für den entsprechenden Zeitraum diese Werte einzu
setzen.
Diese wurden denn auch von der Beschwerdeführerin nicht bestritten.
5.
5.1
Weiter rügte die Beschwerdeführerin die Höhe der anrechenbaren persönlichen Auslagen (
Urk.
1 S. 9 ff.).
Die anerkannten Ausgaben richten sich nach Art. 10 ELG. Danach gelten unter anderem als Auslagen bei in Heimen wohnenden Personen die Tagestaxe, wel
che die
Auf
wendungen für Kost und Logis sowie die Pflegekosten abdeckt, so
wie ein Betrag für die persönlichen Auslagen (Art. 10 Abs. 2
lit
. a und b ELG).
Nach Art. 10 Abs. 2
lit
. b ELG obliegt es den Kantonen, den Betrag für persön
liche Auslagen zu bestimmen. Für persönliche Auslagen wird höchstens ein Drit
tel des Betrages für den allgemeinen Lebensbedarf für Alleinstehende ge
mäss Art. 10 Abs. 1
lit
. a Ziff. 1 ELG anerkannt (§ 11 Abs. 2 ZLG). Dieser Betrag
wird nach den persönlichen Bedürfnissen der anspruchsberechtigten Person bemes
sen und beträgt mindestens einen Drittel des Höchstbetrages nach § 11 Abs. 2 ZLG (§ 2 der Zusatzleistungsverordnung, ZLV).
5.2
N
ach § 11 Abs. 2 ZLG und § 2 ZLV belaufen sich die persönlichen Auslagen auf mindestens Fr. 2'016.-- und höchstens Fr. 6'048.-- im Jahr
2012 beziehungs
weise mindestens
Fr.
2‘134.-- und höchstens
Fr.
6‘403.-- in den Jahren 2013 und
201
4.
Die Beschwerdegegnerin führte aus, dass der verstorbenen Versicherten in den Monaten August und September 2012 aufgrund der tiefen BESA-Stufe noch der gesamte Betrag gewährt werden könne. Dies erscheint plausibel, weshalb der
jährliche
Betrag von
Fr.
6‘048.
-- in
die
Ber
echnung für die
Monate August und September 2012 einzusetzen ist.
In den restlichen Monaten sei ermessensweise nur 2/3 davon in die Berechnung zu nehmen, weil die BESA-Stufe zwischen 2 und 3 gelegen sei, was nicht mehr als gering angesehen werden könne, weshalb mit einem verminderten
Verwen
dungsbedarf
zu rechnen sei.
Der von der
Beschwer
degegnerin
zuerkannte Betrag von Fr.
4
'
240.
-- jährlich
, mithin
je
Fr.
353.-- für die Monate Oktober bis Dezember 2012, liegt
im
mittleren
Bereich des
möglichen
Ansatzes.
Dieser unter Berücksichtigung von Vermöge
n
, Alter und Pflegebedürftigkeit ermittelte Betrag ist nicht zu bean
standen.
5.3
Der für die Zeitperioden von
1.
Januar bis 3
1.
August 2013
,
ab
1.
September 2013
sowie von
1.
Januar bis 3
1.
Mai 2014
zuerkannte Betrag von
Fr.
4‘267.-- (2/3 von
Fr.
6‘403.--)
er
scheint
nach dem Gesagten sowie insbesondere
unter Berücksichtigung der Pflegestufe als angemessen
und kann nicht beanstandet werden
.
6.
Zusammenfassend ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Zusatz
leistungen unter Berück
sichtigung der in den Erwägungen gemachten Aus
füh
rungen neu berechne und hernach neu verfüge.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten,
der
Beschwerdeführer
in
eine angemessene Prozessentschädigung auszurichten. Dies
e bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des
Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streit
wert
(
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht). Beim
pra
xis
ge
mässen
Stundenansatz von
Fr. 22
0.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) sowie unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses wird diese auf
Fr.
1‘
2
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
gelegt.