Decision ID: e789259c-6502-50c7-b0bd-f5d3c46670dd
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 26.06.2017 Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG. Einkommensvergleich. Die Beschwerdeführerin erzielt heute bei einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % in einem Arbeitspensum von 50 % die Hälfte des Lohnes, den sie vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit in einem vollen Arbeitspensum erzielt hat. Der  beträgt folglich 50 %. Gutheissung der Beschwerde und Zusprache einer halben Rente (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 26. Juni 2017, IV 2014/568). Entscheid vom 26. Juni 2017 Besetzung Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika  und Miriam Lendfers; Gerichtsschreiberin Lea Hilzinger Geschäftsnr. IV 2014/568 Parteien A._, Beschwerdeführerin, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Jakob, rohner thurnherr wiget & partner, Rosenbergstrasse 42b, 9000 St. Gallen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rente (Einkommensvergleich) Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 26.06.2017
A.
A.a A._ wurde im November/Dezember 2011 (Datum Unterschrift: 29. November
2011; Datum Eingang: 2. Dezember 2011) von ihrer Krankentaggeldversicherung bei
der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zur Früherfassung angemeldet (IV-act. 1). Die
Krankentaggeldversicherung gab an, dass die Versicherte seit dem 30. Mai 2011
wegen einer psychischen Erkrankung voll arbeitsunfähig sei. Anlässlich eines
Gesprächs vom 12. Dezember 2011 mit einer Eingliederungsberaterin der IV-Stelle gab
die Versicherte an, dass sie seit dem 1. Juli 2005 im Geschäft ihres Ehemannes als
Hilfsarbeiterin angestellt sei (IV-act. 4). Eine Berufsausbildung habe sie nicht absolviert.
Sie leide unter Stress bei der Arbeit, Schlafstörungen und Depressionen. Die
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Eingliederungsberaterin hielt fest, dass die Versicherte ihre Situation glaubhaft
geschildert habe. Sie habe etwas antriebslos aber motiviert gewirkt, etwas dagegen zu
unternehmen. Eine IV-Anmeldung sei angezeigt. Das angeforderte Anmeldeformular
zum Bezug von IV-Leis¬tungen ging am 19. Dezember 2011 bei der IV-Stelle ein (IV-
act. 6).
A.b Die B._ AG berichtete am 9. Januar 2012 (IV-act. 11), dass sie die Versicherte
vom 1. August 2010 bis 30. November 2011 als Hilfsarbeiterin Heizung/Tankrevision
beschäftigt habe. Das Arbeitsverhältnis sei wegen eines durch eine Umstrukturierung
bedingten Personalabbaus gekündigt worden. Der letzte effektive Arbeitstag sei der 31.
Mai 2011 gewesen. Der Monatslohn habe seit dem 1. August 2010 Fr. 3'500.--
betragen und der Arbeitsleistung der Versicherten entsprochen. Ohne
Gesundheitsschaden würde die Versicherte heute Fr. 42'000.-- pro Jahr verdienen. Im
Jahr 2010 habe die Versicherte einen einmaligen Sonderbonus von Fr. 2'500.--
erhalten. Die Arbeitgeberin informierte darüber, dass die B._ AG im Jahr 2010 neu
gegründet worden sei und neu den Namen C._ AG trage. Gemäss dem IK-Auszug
hatte die Versicherte im Jahr 2010 einen Lohn von Fr. 44'500.-- erzielt (IV-act. 10).
A.c Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 18.
Januar 2012 (IV-act. 12), dass die Versicherte seit April 2011 erneut an einer
depressiven Episode schweren Ausmasses mit psychotischen Symptomen (ICD-10:
F33.3) leide. Die Arbeitsfähigkeit sei wegen einer kognitiven Einschränkung und wegen
psychomotorischer Unruhe eingeschränkt. Die Versicherte sei zurzeit voll
arbeitsunfähig. In ca. ein bis drei Monaten sollte sie aber wieder die volle
Arbeitsfähigkeit erreichen. In einem Bericht an die Krankentaggeldversicherung vom
13. Januar 2012 (IV-act. 12-3 ff.) hatte Dr. D._ erklärt, dass sich die Erkrankung
erstmals im Herbst 2006 manifestiert habe. Damals sei die Versicherte in der
Psychiatrischen Klinik E._ hospitalisiert gewesen. Sie befinde sich seit dem 31.
Oktober 2006 bei ihm in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung.
In den akuten Phasen präsentiere sie sich verzweifelt und agitiert, sei kognitiv stark
beeinträchtigt und äussere Schuldgefühle, Gefühle der Wertlosigkeit (sei suizidal),
Wahnideen (Versündigungs- und Verarmungswahn) wie auch akustische
Halluzinationen (diffamierende Stimmen). Frühere Phasen seien auch durch
Alkoholexzesse und Drogenkonsum ausgelöst worden. Differentialdiagnostisch könne
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eine bipolare affektive Störung II in Erwägung gezogen werden, wobei depressive
Agitiertheit und hypomanische Episoden schwer zu differenzieren seien. Die
Kardiologie des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) hatte am 22. Februar 2007 berichtet
(IV-act. 12-6 f.), dass die Versicherte vom 20. bis 21. Februar 2007 hospitalisiert
gewesen sei. Als Diagnosen hatten die Ärzte u.a. eine vorsätzliche Selbstschädigung in
suizidaler Absicht durch Verletzung mit Messer und fragliche Einnahme von Zyprexa
sowie einen Alkohol- und Kokainmissbrauch angegeben.
A.d Am 13. Februar 2012 hielt eine IV-Sachbearbeiterin fest, dass die Vortriage
abgeschlossen werde, da gemäss dem RAD aktuell keine Arbeitsfähigkeit bestehe (IV-
act. 14). Am 14. Februar 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass aufgrund
ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen
möglich seien. Dr. D._ bezeichnete den Gesundheitszustand der Versicherten am 3.
April 2012 als sehr schwankend. Die Versicherte befinde sich derzeit in einer
hypomanischen Phase (F31.0). Sie wolle trotzdem arbeiten; dies sei ihr zum Teil auch
zumutbar, da ihr der Ex-Partner probeweise diese Möglichkeit gebe. Derselbe Arzt
berichtete am 25. April 2012 (IV-act. 25), dass der Versicherten derzeit Hilfsarbeiten im
Umfang von 50 % zumutbar seien. Ideal wäre eine 50 %ige Tätigkeit bei voller
Präsenz. Die rezidivierende depressive Störung sei derzeit mittelgradig ausgeprägt
(F33.1). Zu berücksichtigen sei die Differentialdiagnose einer bipolaren Störung II. RAD-
Arzt Dr. med. F._ notierte am 7. Mai 2012, dass der Einschätzung von Dr. D._
nichts entgegenstehe (IV-act. 27). Dr. D._ berichtete am 7. August 2012 über einen
stationären Gesundheitszustand (IV-act. 37). Als Diagnose gab er neu jedoch eine
bipolare affektive Störung, gegenwärtig hypomanische Episode (F31.0), an. Dr. D._
erklärte, dass der Verlauf schwankend sei mit zunehmend häufiger aufgetretenen
manischen und depressiven Rezidiven. Die Prognose sei eher düster. Die derzeitige
Arbeitsfähigkeit von 50 % könne aus heutiger Sicht bis auf weiteres nicht gesteigert
werden. Der Einsatz eines Phasenprophylaktikums sei geplant, dessen Einfluss auf den
Verlauf der Erkrankung jedoch unsicher.
A.e Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom 22. Mai 2012 informierte die
Versicherte darüber (IV-act. 40), dass sie in der Firma ihres Ehemannes, der C._ AG,
arbeite. Es handle sich um sehr strenge Arbeiten wie Heizungen montieren. Die Arbeit
sei sehr mit Zeitdruck und Stress verbunden, was ihr gar nicht gut tue. Sie arbeite aber
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gerne in der Firma und fühle sich wohl. Sie sei froh, dass der Ehemann mit ihr
zusammenarbeite und so viel Verständnis zeige. Momentan arbeite sie ca. 50 %. Eine
Stabilität bestehe aber noch nicht. Wenn der Ehemann sehe, dass sie überfordert sei
und es ihr nicht gut gehe, schicke er sie nach Hause. Sie könne recht flexibel arbeiten,
was ihr Sicherheit gebe. Der Ehemann sage, dass man sie immer stoppen müsse. Er
würde sie lieber für die Tankrevisionen einsetzen. Diese Arbeit sei leichter und sie hätte
nicht ständig einen solchen Druck. Der Arbeitsplatz sei gesichert. Am 19. November
2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie keinen Anspruch auf berufliche
Eingliederungsmassnahmen habe, weil sie die bestehende Arbeitsfähigkeit in ihrer
bisherigen Tätigkeit umsetze (IV-act. 43).
A.f Dr. D._ berichtete am 5. Februar 2013 (IV-act. 47), dass der Gesundheitszustand
stationär sei. Die Versicherte leide gegenwärtig an einer leichten bis mittelgradigen
depressiven Episode ohne somatisches Syndrom (F31.3). Die Phasen von
Symptomfreiheit zwischen den submanischen/manischen und depressiven Episoden
hätten innert eines Jahres rasch gewechselt, sodass die Medikation immer wieder habe
angepasst werden müssen. Die Versicherte sei andauernd in einem reduzierten
Allgemeinzustand mit Erschöpfung und Lustlosigkeit. Seit ca. zwei Monaten ziehe sie
sich sozial sehr zurück. Aufgrund der fehlenden Krankheitseinsicht habe das
Phasenprophylaktikum noch nicht eingesetzt werden können. Der Erfolg einer solchen
Behandlung könne sich erst nach Jahren zeigen. Die gesundheitliche Störung wirke
sich bei der bisherigen Tätigkeit durch eine Verlangsamung, eine verminderte
Aufmerksamkeit und eine Beeinträchtigung des Konzentrationsvermögens aus. Seit
dem 1. Mai 2012 bestehe eine 50 %ige Arbeitsunfähigkeit (reduzierte Leistung bei
voller Präsenz). Auf Anfrage hin teilte Dr. D._ am 29. Mai 2013 mit (IV-act. 52), dass
es in den letzten Jahren in Abständen von drei bis vier Monaten einen raschen Wechsel
von submanischen oder manischen Phasen zu depressiven Episoden gegeben habe.
Auf die Frage, warum noch kein Phasenprophylaktikum eingesetzt werden konnte,
antwortete Dr. D._, dass sich die Versicherte dagegen wehre, als psychisch krank
angesehen zu werden. Sie führe sowohl die euphorischen als auch die depressiven
Phasen jeweils auf Rückenschmerzen, Stress bei der Arbeit und Beziehungsprobleme
zurück. Sowohl Antidepressiva als auch Neuroleptika nehme sie dann jeweils für eine
kurze Zeit. Sobald es besser werde, setze sie die verschriebenen Medikamente wieder
ab. Dahinter liege ein kulturelles Problem, nicht als „verrückt abgestempelt“ zu werden,
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wie auch − noch schlimmer − dadurch als „invalid“ betrachtet zu werden. Er sehe
daher keine weitere therapeutische Möglichkeit, als die Versicherte weiterhin
psychiatrisch-psychotherapeutisch zu begleiten, die jeweils im Vordergrund stehenden
Symptome pharmakologisch anzugehen und immer wieder zu versuchen, die
Versicherte zur Krankheitseinsicht zu bringen. RAD-Arzt Dr. F._ notierte am 14. Juni
2013, dass er den Fall mit RAD-Psychiater Dr. med. G._ besprochen habe (IV-act.
53). Die von Dr. D._ beschriebene Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % sei
versicherungsmedizinisch gut nachvollziehbar. Der Krankheitsverlauf und die
beschriebenen Befunde bestätigten den Schweregrad der Störung. Eine Begutachtung
sei nicht erforderlich.
A.g Die C._ AG berichtete im August 2013 (IV-act. 55), dass sie die Versicherte seit
dem 1. April 2012 zu 50 % beschäftige. Der angegebene Lohn entspreche der
Arbeitsleistung. Die Tätigkeit der Versicherten beinhalte handwerkliche Arbeiten. Im
Jahr 2012 habe die Versicherte einen Lohn von Fr. 16'420.-- erzielt. Der
Jahresverdienst 2013 betrage Fr. 32'840.--. Der Fragebogen war vom Ehemann der
Versicherten ausgefüllt worden. Auf Aufforderung hin ergänzte er diesen am 6. Oktober
2013 (IV-act. 58), indem er den aktuellen Monatslohn mit Fr. 1'750.-- bezifferte (seit
April 2012). Die Versicherte würde heute ohne Gesundheitsschaden in der
ursprünglichen Tätigkeit Fr. 44'400.-- verdienen. Im Feld, in dem der Lohn für Januar
2013 vermerkt werden sollte, hatte er den Betrag von Fr. 21'000.-- notiert.
A.h Mit Vorbescheid vom 4. November 2013 kündigte die IV-Stelle der Versicherten
bei einem IV-Grad von 27 % die Abweisung des Rentengesuchs an (IV-act. 61). Das
Valideneinkommen bezifferte sie auf Fr. 44'945.-- und das Invalideneinkommen auf Fr.
32'840.--. H._ von der I._ AG erklärte in einer E-Mail vom 7. November 2013
zuhanden der IV-Stelle (IV-act. 62), dass bei der Lohnsummenmeldung der
Versicherten ein Fehler unterlaufen sei. Der tatsächliche Lohn betrage Fr. 1'500.--. Die
C._ AG habe der Versicherten jeweils einen Vorschuss bezahlt, bis sie die
Invalidenrente erhalte. Dieser Vorschuss sei versehentlich zum Bruttojahreslohn
dazugerechnet worden. Die Versicherte selber wendete am 8. Dezember 2013 gegen
den Vorbescheid ein (IV-act. 63), dass sie den Einkommensvergleich nicht
nachvollziehen könne. Sie erhalte für ihre 50 %-Tätigkeit einen Bruttomonatslohn von
Fr. 1'750.-- (Fr. 21'000.-- pro Jahr). Ihr Arbeitgeber zahle ihr momentan Fr. 1'250.-- pro
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Monat als Darlehen aus. Am 7. Januar 2014 ging bei der IV-Stelle der Arbeitsvertrag
zwischen der C._ AG und der Versicherten vom 25. April 2012 ein (IV-act. 64). Darin
wurde festgehalten, dass der monatliche Bruttolohn der Versicherten bei einem
Pensum von 50 % Fr. 1'750.-- betrage. Am 20. Januar 2014 ging eine Vollmacht der
I._ AG (nachfolgend: Vertreterin) ein (IV-act. 66).
A.i In einem Fragebogen vom März 2014 gab die Versicherte an (IV-act. 69), dass sie
ausser im Jahr 2006 nie in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert gewesen sei. Sie
sei nach wie vor mit ihrem Ehemann verheiratet, lebe aber nicht mehr mit ihm
zusammen. Sie erledige die Haushaltarbeiten und die Einkäufe noch selbständig. Mit
dem Arbeitspensum von 50 % gehe es ihr momentan gut.
A.j Am 8. Mai 2014 entschied die IV-Stelle, dass ein psychiatrisches Gutachten
sinnvoll sei (IV-act. 73). Als Grund wurde vermerkt, dass aus den Unterlagen kaum
hervorgehe, wer die Versicherte sei. Es schienen psychosoziale Faktoren wie Probleme
mit dem Ehemann, keine Freunde, kein Kontakt zur Familie in J._ sowie Drogen- und
Alkoholkonsum vorzuliegen. Am 30. Mai 2014 ging bei der IV-Stelle der Austrittsbericht
der Psychiatrischen Klinik E._ vom 6. Oktober 2004 über einen stationären Aufenthalt
vom 30. September bis 6. Oktober 2004 ein (IV-act. 79). Die Ärzte hatten damals als
Diagnosen eine Alkoholintoxikation mit psychotischen Symptomen (F10.1), DD
alkoholindiziertes Delir, angegeben. Die Versicherte sei ihr wegen einer akuten
Alkoholintoxikation (Aufnahmepromille 3.54) sowie einer begleitenden progredienten
Agitiertheit per ausserkantonalem fürsorgerischem Freiheitsentzug zugewiesen worden.
Fremdanamnestisch habe sich über den Ehemann ein episodischer Aethylismus
herausarbeiten lassen. Basis des Aethylismus bilde wahrscheinlich eine
Persönlichkeitsstörung mit traumatischen Erlebnissen während der Kindheit (Suizid der
Mutter, Ermordung des Vaters, Heranwachsen in einer Fremdfamilie). Aufgrund der
wiederholten Alkoholexzesse, des chronischen Paarkonflikts sowie kultureller
Anpassungsschwierigkeiten sei eine psychotherapeutische Behandlung indiziert.
A.k Am 2. Juli 2014 wurde die Versicherte von Dr. med. K._, Facharzt für
Psychiatrie/Psychotherapie, begutachtet (Gutachten vom 4. August 2014, IV-act. 82).
Die Diagnosen lauteten:
• Bipolare affektive Störung II, gegenwärtig gemischte Episode (F31.6)
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• akzentuiert abhängige und emotional instabile Persönlichkeitszüge (Z73.1)
• schädlicher Gebrauch von Alkohol (F10.1).
Dr. K._ führte aus, dass die Versicherte bis zum 18. Lebensjahr in sehr ärmlichen
Verhältnissen und für europäische Verhältnisse in unvorstellbarer Abhängigkeit ohne
relevante Schulbildung aufgewachsen sei. Zur leiblichen Mutter habe sie nach dem 3.
Lebensjahr wegen deren psychischer Erkrankung keinen Kontakt mehr gehabt; die
Mutter habe sich durch Selbstverbrennung nach schwerer psychischer Erkrankung
suizidiert. Im 7. Lebensjahr habe die Versicherte den blutüberströmten Leichnam ihres
ermordeten Vaters waschen müssen. Dr. K._ erklärte weiter, dass es seit der
Trennung des Ehemannes im Jahr 2010 zu einer deutlichen Verschlechterung der
psychischen Situation gekommen sei. Die Untersuchung habe eine gesteigerte
Erregbarkeit, eine Kritikunverträglichkeit, eine stark eingeschränkte Krankheitseinsicht,
eine ausgeprägte Schlafstörung (Hypersomnie) und einen schädlichen Gebrauch von
Alkohol mit zahlreichen exzessiven Alkoholisierungen am Wochenende gezeigt. Auf der
einen Seite liege ein wechselnd stark angetriebenes, unkorrigierbares Verhalten mit
Putzzwängen und auf der anderen Seite eine vorwiegend in der Freizeit bestehende
Antriebslosigkeit vor. Phasenhaft bestünden deutlich depressive Symptome mit
Rückzugsverhalten, fehlendem Tag-Nacht-Rhythmus, depressiver Grundstimmung und
suizidalen Gedanken. Abgrenzbare manische Episoden mit fehlendem Schlaf,
Kaufdrang und Grössenideen bestünden keine, weshalb vorwiegend an eine bipolar II
Störung zu denken sei (DD: Borderline-Störung). Differentialdiagnostisch sei im
Rahmen der vorwiegend dysphorisch depressiven Affektstörung auch eine
rezidivierend depressive Störung bei gleichzeitig vorhandenen emotional instabilen und
abhängigen Persönlichkeitsfaktoren als phasenüberdauerndes Merkmal in Betracht zu
ziehen. Eine entsprechende Persönlichkeitsdiagnostik sei im Rahmen der
eingeschränkten Compliance bei der Untersuchung nicht möglich gewesen. Der
schädliche Gebrauch von Alkohol sei aufgrund der Angaben der Versicherten selbst,
der Angaben des Ehemannes, der Aktenlage sowie der Laborbefunde (GGT) gesichert.
Funktionseinschränkungen sah Dr. K._ insbesondere im interaktionären Verhalten
respektive der Arbeitsanleitung und Führbarkeit sowie der Zuverlässigkeit. Die
Versicherte gerate rasch in Konflikte und sei in Kontakten mit Dritten wie auch in
familiären Beziehungen und in der Ressourcenpflege (Freizeitverhalten) stark retardiert.
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Kulturelle Faktoren seien nicht scharf abgrenzbar. Als Ressourcen könnten die
körperliche Konstitution und die körperliche Gesundheit der Versicherten (sie sei auch
zu körperlichen Schwerarbeiten in der Lage und motiviert) und die Durchhaltefähigkeit
in angetriebenen − submanischen − Phasen gesehen werden. Bezüglich
Inkonsistenzen und Widersprüche führte Dr. K._ aus, dass der Ehemann der
Versicherten von einer 30-35 Stunden-Woche ohne Zeiterfassung berichtet habe. Die
Versicherte habe selber von einer wechselnd sehr starken Motivation und körperlichen
Leistungsfähigkeit an ca. 2.5 Tagen pro Woche gesprochen. Gemäss der Aktenlage
bestünden beim Geschäftspartner des Ehemannes Zweifel an den
Leistungseinschränkungen der Versicherten. Auffallend sei gewesen, dass die
Versicherte die gutachterliche Exploration abgebrochen habe, nachdem dem Ehemann
mehrere Kontrollfragen zur Überprüfung vorher gemachter Angaben der Versicherten
gestellt worden seien. Die Versicherte habe die Beantwortung dieser Fragen zudem nur
eingeschränkt zugelassen. Insgesamt ergäben sich aus diesen Beobachtungen jedoch
keine signifikanten Widersprüche oder Inkonsistenzen im Vergleich zur Aktenlage oder
Unvereinbarkeiten mit der Grunderkrankung. Zwar ergäben die fehlende
Krankheitseinsicht und die fehlende Therapiewilligkeit auf der einen Seite und die
beklagten Einschränkungen durch die „Stresserkrankung“ auf der anderen Seite auf
den ersten Blick ein widersprüchliches Bild. Die fehlende Krankheitseinsicht sei aber
der bipolaren Affektstörung zuordenbar und entsprechende Einschränkungen der
Compliance seien häufig. Eine restlose Objektivierung der Leistungsminderung wäre
auch durch eine Observation im Arbeitsumfeld und in der Freizeit kaum möglich. Nicht
nachvollziehbar sei die Diskrepanz zwischen der geschilderten Trennungssituation und
der sozialen Isolation und dem fehlenden Leidensdruck (Alkohol als
Selbstmedikation?). Die beschriebene Leistungsminderung habe sich sukzessive seit
dem Jahr 2010 entwickelt. Krankheitsbeginn sei spätestens im Jahr 2004 gewesen.
Dass vor dem 11. Mai 2011 keine Arbeitsunfähigkeiten zu beklagen gewesen seien und
dann plötzlich dauerhaft eine 50 %ige Leistungsminderung aufgetreten sei, sei der
lange anhaltenden Unterstützung durch den Ehemann in Form eines
Nischenarbeitsplatzes zuzuschreiben. Die Arbeitsfähigkeit sei durch die
Unzuverlässigkeit, die Absenzen, die erschwerte Führbarkeit, die Konfliktträchtigkeit,
die Selbstüberforderung und die Erschöpfbarkeit eingeschränkt. Die bisherige Tätigkeit
könne im zeitlichen Rahmen von 30 Stunden pro Woche ausgeführt werden, wobei
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eine verminderte Leistungsfähigkeit von 70 % bestehe. Die Gesamtarbeitsfähigkeit
betrage 50 %. Die Grunderkrankung würde sich in jeder anderen Tätigkeit mindestens
ebenso stark auswirken. Eine konstante und wirksame antidepressive Therapie
inklusive Phasenprophylaxe und auch stationäre oder tagesklinische/rehabilitative
psychosomatische Behandlungen seien der Versicherten zumutbar und könnten den
Verlauf der Arbeitsunfähigkeit beeinflussen. Eine überwiegende Wahrscheinlichkeit für
eine deutliche Anhebung der Arbeitsfähigkeit könne daraus jedoch nach achtjähriger
ambulanter psychiatrischer Behandlung mit frustranen Ergebnissen nicht gestellt
werden.
A.l Mit einem zweiten Vorbescheid vom 27. August 2014 kündigte die IV-Stelle der
Versicherten bei einem IV-Grad von 48 % rückwirkend ab dem 1. Juni 2012 die
Zusprache einer Viertelsrente an (IV-act. 89). Zur Begründung führte sie an, dass der
Versicherten aus medizinischer Sicht eine Erwerbstätigkeit von 50 % zumutbar sei.
Zurzeit arbeite sie in einem Pensum von 50 % und erziele einen monatlichen Lohn von
Fr. 1'750.--. Auf dem freien Markt könnte die Versicherte mehr verdienen als an ihrer
jetzigen Arbeitsstelle. Für das Invalideneinkommen könne deshalb nicht auf das
tatsächliche Einkommen, sondern es müsse auf den hypothetischen Tabellenlohn für
Frauen im Niveau 4 abgestellt werden. Demzufolge betrage das Valideneinkommen Fr.
44'500.-- und das Invalideneinkommen Fr. 23'363.--. Mit Verfügung vom 12. November
2014 (IV-act. 93) sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem IV-Grad von 48 % wie
angekündigt ab dem 1. Juni 2012 eine Viertelsrente zu.
B.
B.a Gegen diese Verfügung liess die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
am 12. Dezember 2014 durch ihre Vertreterin Beschwerde erheben (act. G 1). Die
Vertreterin beantragte sinngemäss die Zusprache einer halben Rente. Zur Begründung
führte sie aus, dass sich der massgebende Jahreslohn der Beschwerdeführerin gemäss
den Erfahrungswerten und der Mindestlohntabelle „Allgemeinerklärung des
Gesamtarbeitsvertrages in der Schweizerischen Gebäudetechnikbranche“ auf Fr.
50'700.-- (13 x Fr. 3'900.--) belaufe. Das Valideneinkommen sei daher auf Fr. 50'700.--
festzusetzen. Bei einem Invalideneinkommen von Fr. 25'350.-- betrage der IV-Grad 50
%. Der Beschwerde lag ein Auszug der Allgemeinverbindlicherklärung des
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Gesamtarbeitsvertrages in der Schweizerischen Gebäudetechnikbranche bei (act. G
1.3). Die Vertreterin bestätigte am 19. Dezem¬ber 2014, dass sie die
Beschwerdeführerin nicht berufsmässig vertrete (act. G 3).
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 18. März 2015 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 8). Zur Begründung brachte sie vor, beim
Valideneinkommen könne nicht berücksichtigt werden, dass der Ex-Ehemann der
Beschwerdeführerin einen weit unterdurchschnittlichen Lohn bezahlt habe. Bei der
jetzigen Arbeit der Beschwerdeführerin handle es sich um eine körperlich anstrengende
Tätigkeit, die sehr schlecht bezahlt werde. Der Beschwerdeführerin wäre es möglich,
irgendeine Hilfsarbeit anzunehmen, bei der sie weniger schwer arbeiten müsste und
mehr verdienen könnte. Das Invalideneinkommen sei daher zu Recht auf der Basis der
Tabellenlöhne errechnet worden. Der Validenlohn liege um 19.7 % tiefer als der
Invalidenlohn. Da gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur der Teil des
Minderverdienstes berücksichtigt werden dürfe, der 5 % übersteige, könne im Umfang
von 14.67 % parallelisiert werden. Ein weiterer Abzug vom Tabellenlohn sei nicht
angebracht, da bei der Parallelisierung bereits lohnmindernde invaliditätsfremde
Faktoren berücksichtigt worden seien, da die gesundheitlichen Beschwerden bereits in
die medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung eingeflossen seien und da bei in Teilzeit
arbeitenden Frauen kein Abzug gewährt werde. Die angefochtene Verfügung erweise
sich somit als korrekt.
B.c Der zwischenzeitlich beauftragte Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ergänzte
in seiner Replik vom 17. Juni 2015 den Beschwerdeantrag insofern, als er die
Zusprache einer halben Rente mit Wirkung ab 1. Juni 2012 beantragte (IV-act. 12). Zur
Begründung machte er geltend, dass im vorliegenden Fall die Tabellenlöhne nicht
angewendet werden dürften. Die Beschwerdeführerin verfüge weder über eine
ausreichende Schulbildung noch über eine berufliche Ausbildung. Der deutschen
Sprache sei sie nach wie vor wenig mächtig. Trotz regelmässiger Arbeitsausfälle wegen
psychischer Instabilitäten und Alkoholabstürzen erziele sie mit ihrer 50 %igen
Arbeitstätigkeit einen Lohn von Fr. 1'750.-- pro Monat. Der effektiv erzielte Lohn liege
somit knapp 20 % unter dem Durchschnittslohn für gesunde Hilfsarbeitskräfte in der
Schweiz und müsse angesichts der Art und der Auswirkung der gesundheitlichen
Schwierigkeiten (regelmässige Arbeitsausfälle, Weisungsakzeptanz, Führbarkeit etc.)
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ohne weiteres als angemessen beurteilt werden. Mit Dr. K._ sei davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin in keinem gewöhnlichen Arbeitsverhältnis auf dem freien
Arbeitsmarkt zu bestehen vermöchte. Sollte trotzdem auf die Tabellenlöhne abgestellt
werden, sei ein Tabellenlohnabzug von 10 % angebracht. Im Rahmen der
Parallelisierung seien die Faktoren „Nationalität“, „Integration/Sprache“ und „fehlende
Aus- bzw. Schulbildung“ berücksichtigt worden. Nicht berücksichtigt worden und
vorliegend von massgeblicher Bedeutung seien indes die Tatsachen, dass die
Beschwerdeführerin bislang einzig im Betrieb ihres Ehemannes erwerbstätig gewesen
sei (lange Betriebszugehörigkeit), und vor allem die Art und Weise, wie sich ihre
gesundheitlichen Einschränkungen auf dem Arbeitsmarkt auswirkten. Die
Gesundheitsbeeinträchtigung berge ein erhebliches Konfliktpotential im
Arbeitsverhältnis. Sie erfordere mehr Kulanz und Geduld von Seiten des Arbeitsgebers
und die Ausfallwahrscheinlichkeiten seien krankheitsbedingt deutlich erhöht. Wenn
überhaupt, könnte die Beschwerdeführerin auf dem freien Arbeitsmarkt (ausserhalb des
Betriebs ihres Ehemannes) nur unter Inkaufnahme einer massgeblichen Lohneinbusse
Fuss fassen. Bei einem Valideneinkommen von Fr. 44'500.-- und einem
Invalideneinkommen von Fr. 21'000.-- betrage der IV-Grad 52.8 %. Würde das
Invalideneinkommen gestützt auf Tabellenlöhne berechnet, würde es bei einem
Tabellenlohnabzug von 10 % Fr. 21'027.-- betragen, woraus ein IV-Grad von 52.7 %
resultieren würde. Abschliessend beantragte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin die Zusprache einer Parteientschädigung von Fr. 1'750.-- (inkl.
Mehrwertsteuer).
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 14).

Erwägungen
1.
1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 12. November 2014 hat die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin bei einem IV-Grad von 48 %
rückwirkend ab dem 1. Juni 2012 eine Viertelsrente zugesprochen. Die
Beschwerdeführerin macht geltend, ab dem 1. Juni 2012 Anspruch auf eine halbe
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Invalidenrente zu haben. Streitgegenstand ist somit der Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin.
1.2 Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung, IVG, SR 831.20). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
(Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist der Invaliditätsgrad
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu
erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden; sie können aber auch nach
Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzt werden (AHI 1998 S. 120).
Wird eine Schätzung vorgenommen, muss diese nicht unbedingt in einer
ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch
eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen (sog. Prozentvergleich; BGE
114 V 310 E. 3a mit Hinweisen).
2.
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2.1 Um das Invalideneinkommen und damit den IV-Grad ermitteln zu können, muss die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit feststehen.
2.2 In medizinischer Hinsicht ist der Sachverhalt unbestritten: Die Beschwerdeführerin
leidet gemäss dem psychiatrischen Gutachter Dr. K._ an einer bipolaren affektiven
Störung II, an akzentuiert abhängigen und emotional instabilen Persönlichkeitszügen
sowie an einem schädlichen Gebrauch von Alkohol. Die Arbeitsfähigkeit hat er wie der
langjährige behandelnde Psychiater Dr. D._ für jegliche in Frage kommenden
Tätigkeiten auf 50 % geschätzt. Der RAD hat diese Einschätzung aus
versicherungsmedizinischer Sicht gut nachvollziehen können. Der psychiatrische
Gutachter hat überzeugend dargelegt, weshalb die Beschwerdeführerin
krankheitsbedingt in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist: Bei der
Beschwerdeführerin bestünden Funktionseinschränkungen im interaktionären Verhalten
respektive der Arbeitsanleitung und Führbarkeit sowie der Zuverlässigkeit, sie gerate
rasch in Konflikte, sei in Kontakten mit Dritten stark retardiert, überfordere sich selbst
und ihre Erschöpfbarkeit sei erhöht. Dr. K._ hat sich zudem mit den Ressourcen der
Beschwerdeführerin auseinandergesetzt (körperliche Konstitution, körperliche
Gesundheit, Durchhaltefähigkeit in angetriebenen submanischen Phasen). Die fehlende
Krankheitseinsicht, die eine adäquate Medikation bislang verhindert hat, hat er der
bipolaren Affektstörung zugeordnet und erklärt, dass die gezeigten Einschränkungen
der Compliance bei diesem Krankheitsbild häufig seien. Deshalb hat die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf eine Abmahnung der Mitwirkung bei der
medizinischen Eingliederung gestützt auf Art 21 Abs. 4 ATSG verzichtet. Der
psychiatrische Gutachter hat sich auch mit den Widersprüchen und Diskrepanzen,
namentlich der Tatsache, dass keine Arbeitszeiterfassung existiert, dass der
Geschäftspartner des Ehemannes Zweifel an den Leistungseinschränkungen der
Beschwerdeführerin geäussert hat und dass die Beschwerdeführerin Kontrollfragen zur
Überprüfung ihrer Angaben nur eingeschränkt zugelassen hat bzw. die Begutachtung
zu diesem Zeitpunkt abgebrochen hat, auseinandergesetzt. Er ist zum Schluss
gekommen, dass keine signifikanten Widersprüche oder Inkonsistenzen im Vergleich
zur Aktenlage oder Unvereinbarkeiten mit der Grunderkrankung bestünden. Gestützt
auf die übereinstimmenden und überzeugenden Angaben des behandelnden
Psychiaters und des psychiatrischen Gutachters steht daher mit dem Beweisgrad der
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überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die Beschwerdeführerin aus
psychiatrischer Sicht in jeglicher Tätigkeit zu 50 % in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist. Ob die Beschwerdeführerin, wie aus den Berichten des
behandelnden Psychiaters hervorgeht, vom 30. Mai 2011 bis 30. April 2012 vollständig
arbeitsunfähig gewesen ist, kann offen gelassen werden, da die Beschwerdeführerin,
wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, erst ab dem 1. Juni 2012 einen Anspruch auf
eine Invalidenrente hat.
3.
3.1 Als Nächstes ist der von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich zu überprüfen. Die Beschwerdegegnerin hat für das
Valideneinkommen auf das vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit erzielte
Erwerbseinkommen abgestellt (Fr. 44'500.--, siehe IV-act. 10-1). Für die Berechnung
des Invalideneinkommens hat sie demgegenüber auf Tabellenlöhne, namentlich auf
das durchschnittliche Einkommen einer Hilfsarbeiterin, abgestellt. Dieses hat im Jahr
2012, angepasst an die betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, Fr.
51'441.-- betragen (siehe Anhang 2 der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV,
Ausgabe 2015). Da die Beschwerdeführerin bereits vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
ein weit unterdurchschnittliches Hilfsarbeiterinneneinkommen erzielt hat, hat die
Beschwerdegegnerin mit Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung eine
Parallelisierung im Umfang, in welchem die prozentuale Abweichung den
Erheblichkeitsgrenzwert von 5 % übersteigt, vorgenommen (vgl. BGE 135 V 297). Bei
einem Valideneinkommen von Fr. 44'500.-- hat die Basis des Invalideneinkommens
also 5 % mehr, d.h. Fr. 46'725.--, betragen. Die Beschwerdegegnerin ist also davon
ausgegangen, dass die Beschwerdeführerin im Krankheitsfall verhältnismässig (d.h. auf
eine Arbeitsstunde heruntergebrochen) mehr verdienen könnte, als sie als Gesunde
verdienen könnte. Diese Annahme ist offensichtlich realitätsfremd und deshalb
gesetzeswidrig. Die exakte Bemessung des Validen- und des Invalideneinkommens
kann im vorliegenden Fall unterbleiben. Die Beschwerdeführerin hat nämlich, unter
Berücksichtigung der unterschiedlichen Arbeitspensen, vor Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit im Verhältnis gleich viel verdient wie nach Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit. Ihr Arbeitgeber (und Ehemann) hat ausdrücklich bestätigt, dass der
Lohn der Beschwerdeführerin auch nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, d.h. als sie ab
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dem 1. April 2012 wieder zu 50 % gearbeitet hat, ihrer Arbeitsleistung entsprochen
habe (IV-act. 55-2). Diese Angabe überzeugt insbesondere vor dem Hintergrund, dass
die Beschwerdeführerin in den submanischen Phasen sehr leistungsfähig ist. Die
Beschwerdeführerin erleidet durch die 50 %ige Arbeitsunfähigkeit somit eine
Erwerbseinbusse von 50 %. Der IV-Grad beträgt folglich ebenfalls 50 %. Die
Beschwerdeführerin hat folglich Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
3.2 Zu prüfen bleibt der Anspruchsbeginn. Das Wartejahr hat frühestens im Mai 2011
zu laufen begonnen. Unbestritten ist, dass sich die Beschwerdeführerin erst im
Dezember 2011 zum Leistungsbezug angemeldet hat. Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG
entsteht ein Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG. Die
Beschwerdeführerin hat somit rückwirkend ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine halbe
Invalidenrente.
3.3 Demnach ist die angefochtene Verfügung in Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und der Beschwerdeführerin ist rückwirkend ab dem 1. Juni 2012 eine
halbe Invalidenrente zuzusprechen. Die Sache ist zur Ermittlung des Rentenbetrages
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
4.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
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der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. In einem
durchschnittlich aufwändigen Rentenfall spricht das Versicherungsgericht
praxisgemäss eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- zu. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat die Zusprache einer Parteientschädigung
von Fr. 1'750.-- beantragt. Das Aktendossier ist im vorliegenden Fall dünn gewesen.
Zudem ist der medizinische Sachverhalt, namentlich der Arbeitsunfähigkeitsgrad, nicht
umstritten gewesen. Strittig ist lediglich der Einkommensvergleich gewesen. Hinzu
kommt, dass die Beschwerdeführerin den Rechtsvertreter erst nach dem ersten
Schriftenwechsel mit ihrer gerichtlichen Vertretung beauftragt. Da der Rechtsvertreter
aber trotzdem die ganzen Akten hat studieren müssen und eine umfassende Replik
eingereicht hat, erscheint die von ihm geforderte Parteientschädigung von Fr. 1'750.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.