Decision ID: a5d2d901-b634-49e2-9080-466bb1933f24
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1955 geborene
X._
war zuletzt vom
1
7.
Oktober 2012
bis 8. Februar 2013 bei der
Y._
sowie ab
3. Juni
2013
befristet bei der
Z._
als
Betontrenner
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen
versichert (
Urk.
10
/2,
Urk.
11
/1 und
Urk.
11
/8). Mit Schadenmeldung UVG vom 2. November 2013 liess er der Suva mitteilen, dass er sich am 1. Februar 2013 an der Schulter
verletzt habe (
Urk.
11
/
7). Einen Arzt habe er zum dama
ligen Zeitpunkt nicht aufgesucht (
Urk.
11
/1). Mit
weiterer Schadenmeldung UVG vom 27. Juli 2013 liess er der Suva mitteilen, dass er sich am 13. Juni 2013
mit einer Bohrmaschine am linken Knie eine Fleischwunde zugezogen habe
(
Urk.
10
/2). Die am 13. Juni 2013 konsultierten erstbehandelnden Ärzte der
A._
stellten als vorläufige Diagnose eine
De
collement-Verletzung
linkes Kniegelenk/Oberschenkel
medialseitig
(Bericht vom 18. Juni 2013;
Urk.
10
/25). Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heil
behandlung und Taggeld;
Urk.
10
/12).
Mit Mitteilung vom
2.
März und Verfügung vom
3.
März 2015 schloss die Suva den Fall per 3
1.
März
2015 ab und stellte ihre Leistungen ein (
Urk.
10
/195/1 und
Urk.
10
/196). Nachdem der Versicherte dagegen
Einsprache erhoben hatte (
Urk.
10
/
202), hob sie
die Verfügung wiedererwägungsweise auf und richtete
rück
wirkend ab 1. April 2015 weiterhin die gesetzlichen Leistungen aus (
Urk.
10
/225). Mit Mitteilung vom 28. September 2015 und Verfügung vom 13. Oktober 2015 schloss die Suva den Fall per 30. September 2015 erneut ab (
Urk.
10
/243
-244
). Den
Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen verneinte sie mit der Begründung, eine erhebliche unfallbedingte Beeinträchtigung der Er
werbs
fähigkeit liege nicht vor. Ebenso wenig sei ein dauernder und erheblicher Integritätsschaden ausgewiesen
.
Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom 2
9.
Ok
tober
2015 (
Urk.
10
/248) wies die Suva am 21. Juli 2016 ab (Urk.
10/262
). Die dagegen
erhobene Beschwerde vom 25.
August
2016 (
Urk.
10/272
) hiess das hie
sige Gericht mit Urteil vom 1
2.
März 2018 (Prozess
Nr.
UV.2016.00182
,
Urk.
10/288
) in dem Sinne teilweise gut, dass es die Sache an die Suva zurück
wies, damit diese das Invalideneinkommen neu berechne und gestützt darauf über den Rentenanspruch des Versicherten erneut befinde. Im Übrigen wies es die Be
schwerde ab, soweit es darauf eintrat.
1.2
Die Suva berechnete daraufhin das Invalideneinkommen gestützt auf
die Lohn
angaben aus der Dokumentation von Arbeitsplätzen (DAP
) neu (Urk.
10/
293).
Mit
Verfügung vom
1.
Juni 2018
verneinte
sie
auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
rund
7
%
einen Anspruch auf Ausrichtung einer Invalidenrente (
Urk.
10/294
). Die vom Versicherten gegen diesen Entscheid erhobene Einsprache vom
1
9.
Juni 2018
(Urk.
10/299
) wies
die Suva
am
8.
November 2018
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
0.
Dezember 2018
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuheben und es sei
die Vorinstanz zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen gemäss UVG, na
mentlich eine Invalidenrente ab wann rechtens, zu gewähren. Weiter sei die Vorinstanz zu verpflichten, ihm die DAP-Blätter 11100, 536488, 12847859, 11075 und 541480 zur Einsicht zuzustellen.
Zudem sei ihm die unentgeltliche Rechtsvertretung zu bewilligen.
Am 1
7.
Januar 2019
beantragte die
Suva
, die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
8
)
und reichte ein Blatt «DAP-Suchkriterien» vom
1.
Juni 2018 (
Urk.
9)
ein
.
Am 2
8.
Januar 2019 ersuchte der neue Rechtsver
treter um seine Bestellung zum unentgeltlichen Rechtsbeistand (
Urk.
12).
Mit Ein
gabe vom
4.
März 2019 (
Urk.
17) nahm der Beschwerdeführer Stellung zur Be
schwerdeantwort, wozu
sich
die Beschwerdegegnerin am 2
8.
März 2019
äusserte
(
Urk.
21). Am 1
2.
April 2019 reichte der Beschwerdeführer eine
weitere
Stellung
nahme ein (Urk. 24), welche der Beschwerdegegnerin am 1
5.
April 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
25
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem
1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Die hier zu beurteilende
n
Unfälle haben sich am
1.
Februar und 1
3.
Juni 2013 ereignet
, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Wird die versicherte Person infolge eines Unfalles zu mindestens 10
%
invalid (Art. 8 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungs
rechts, ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Für die Bestimmung des In
validitätsgrades wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der unfallbedingten Invalidität und nach Durchführung allfälliger Ein
gliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
der Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei. Das
anhand
der DAP-Methode ermittelte Invalideneinkommen betrage Fr. 65'408.-- (S. 6-8)
. Berechne man das Invalideneinkommen
stattdessen
mittels
der
vom Bundesamt für Statistik
periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhe
bungen (LSE)
,
belaufe es sich auf
Fr.
63'917.-- (S.
9-11). Beim Vergleich mit dem
Valideneinkommen
von
Fr.
70'463.-- ergebe sich ein rentenausschliessender In
validitätsgrad von 7
%
beziehungsweise 9
%
(S. 12).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
8
) hielt sie ergänzend fest,
die Kriterien, mit denen die Abfrage der DAP-Datenbank vorgenommen worden sei, seien offenge
legt worden. Im DAP-Abfrageresultat seien keine Stellen enthalten, welche eine höhere berufliche Qualifikation als eine
Anlehre
erfordern würden. Die
vom Be
schwerdeführer
angesprochenen DAP-
Blätter
seien im obersten
Dezil
des Such
resultats aufgeführt und
deshalb bei der Berechnung des Durchschnitts der Durchschnittslöhne ausser Acht gelassen worden.
Eine Edition der vom Be
schwerdeführer gewünschten DAP-
Profile
erübrige sich damit
(S. 6-7).
Die kon
kret ausgewählten fünf DAP-
Profile
seien ihm - aus näher dargelegten Gründen - alle zumutbar (S. 7-
9
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
i
n der Trefferliste der DAP-Profile seien zahlreiche hochbezahlte Tätigkeiten aufge
nommen worden, die für ihn nicht realistisch seien, so etwa die DAP 11100, 536488, 12847859, 11075 und 54148
0.
Um überprüfen zu können, ob die ge
nannten Profile seinem Anforderungsniveau entsprächen, seien sie von der Be
schwerdegegnerin zu edieren
(S. 6)
.
Das Invalideneinkommen könne vorliegend - aus näher dargelegten Gründen - nicht anhand der DAP-Methode bemessen werden (S. 5-9).
Stattdessen sei
es
gestützt auf die
LSE 2014, Tabelle TA1, Kom
petenzniveau 1
, Männer im privaten Sektor, und unter Berücksichtigung eines Leidensabzugs von 25
%
auf
Fr.
49'989.--
festzulegen
(S. 9-12). Vergleiche man dieses mit dem
Valideneinkommen
von
Fr.
70'463.--, resultiere ein Invaliditäts
grad von 29
%
und Anspruch auf eine entsprechende Rente (S. 11-12).
Im Laufe des Verfahrens führte er weiter aus (
Urk.
17),
die DAP würden seit 1. Ja
nuar 2019 nicht mehr verwendet. Es stelle sich die Frage, ob
sie
in den letzten Jahren noch ordnungsgemäss geführt worden seie
n. Es rechtfertige sich, ange
sichts der Systemumstellung und der Gleichbehandlung auf die LSE abzustellen. Andernfalls sei
ihm Einsicht in die Datenerfassungsblätter
von
sämtlichen ver
wendeten DAP-Profile
n
und in die gesamte
Datenbank zu gewähren, um die Ak
tualität
und Ordnungsmässigkeit der DAP-Blätter
überprüfen zu können. Es sei stossend, dass die Beschwerdegegnerin ausschliesslich nach Löhnen in
den Kan
tonen
Zug und Zürich gesucht habe, sei doch bekannt, dass die Durchschnitts
löhne in Zürich signifikant höher seien als im Schweizerischen Durchschnitt. Auch um überprüfen zu können, ob sich die Lohnstruktur bei
Miteinbezug der
- ebenfalls in seinem Einzugsgebiet
gelegenen - Kantone Luzern und Schwyz zu seinen Gunsten verändern würde, sei ihm Eins
icht in die vollständige DAP-
Dokumentation zu gewähren
(S. 1-3).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer beantragte,
ihm sei Einsicht in die
Datenerfassungsblätter
von
sämtlichen verwendeten DAP-Profile
n
- insbesondere die DAP 11100, 536488, 12847859, 11075 und 541480 - und in die gesamte Datenbank zu ge
währen.
Die
jeweiligen
Durchschnittslöhne der DAP 11100, 536488, 12847859, 11075 und 541480 belaufen sich auf
mindestens
Fr.
90'458.--
(vgl.
Urk. 10/293/6), liegen damit im obersten
Dezil
des Suchresultats und wurden deshalb von der Beschwerdegegnerin bei der Berechnung des Durchschnitts der Durchschnittslöhne
praxisgemäss
nicht miteinbezogen (vgl. dazu auch
Urk.
10/293/1
sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_215/2015 vom 1
7.
November
2015 E. 4.7.2
). Eine Einsichtnahme in diese fünf DAP-Profile ist
somit
von vorn
herein nicht erforderlich.
Da das DAP-Resultat zudem immerhin 145 Stellen mit dem
vorliegend
massgebenden
Anforderungsprofil nachweist, vermag das Vor
handensein einzelner besser bezahlter Stellen ohnehin noch keine Zweifel an der korrekten Erfassung der DAP-Stellen oder am Funktionieren der Filterung bei der Abfrage zu erwecken.
3.2
Vorliegend ist das Invalideneinkommen per 2015 strittig.
Dass
die Beschwerde
gegnerin die
DAP-
Profile, die dessen Berechnung zugrunde
lagen,
im Jahr 2015
nicht mehr ordnungsgemäss geführt hat, da sie vier Jahre später ihre DAP-Praxis aufgab (vgl. dazu
Urk.
17 S. 1-2), ist nicht glaubhaft.
Eine Einsicht in sämtliche verwendete
n
DAP-Profile, um die Aktualität und Ordnungsmässigkeit der DAP zu überprüfen, ist entsprechend nicht
angezeigt
, zumal alle gesuchten
DAP
-Stellen ausdrücklich mit
Lohnjahr
2015 vermerkt sind
.
3.3
Dem von der Beschwerdegegnerin eingereichten Blatt «DAP-Suchkriterien»
(Urk.
9) ist zu entnehmen, dass sie einzig nach DAP-Profilen mit den Ausbil
dungsanforderungen Grundschule oder
Anlehre
gesucht hat.
Damit ist sicherge
stellt, dass in den DAP-Profilen keine Stellen enthalten sind, welche eine - beim Beschwerdeführer nicht vorhandene - höhere berufliche Qualifikation erfordern.
Mit
einer
Anlehre
ist eine in der Regel kurz dauernde Einarbeitung in den neuen Arbeitsbereich gemeint (Urteil des
Bundesgerichts U 102/00 vom 21.
Oktober 2003 E. 3.3.1)
. Ein neuer Mitarbeiter wird mithin in den ersten Arbeitstagen bis -monaten
in seine neue Stelle eingeführt. E
ine bereits abgeschlossene
Anlehre
ist nicht erforderlich, um die Stelle zu erhalten
.
Entsprechend ist auch nicht von Belang,
ob der Beschwerdeführer über
einen
in der Schweiz anerkannten
(An-)Lehrabschluss verfügt, würde doch auch er nach Arbeitsbeginn im Sinne einer
Anlehre
in seinen neuen Arbeitsbereich eingearbeitet. Dass ihm eine solche Ein
führung
nicht zumutbar sein sollte, ist
nicht
ersichtlich.
Auch
die von der Be
schwerdegegnerin gewählte Ausbildungsanforderung
rechtfertigt
somit
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (
Urk.
17 S. 2-3)
k
eine Einsichtnahme in sämt
liche verwendeten DAP-Profile.
3.4
Weiter kritisierte der Beschwerdeführer, dass die Beschwerdegegnerin aus
schliesslich nach Stellen in Kantonen mit höheren Einkommen wie Zug und Zürich gesucht hat
(
Urk.
17 S. 3)
. Dazu ist festzuhalten, dass das hiesige Gericht das
Valideneinkommen
ebenfalls anhand von Löhnen in
– laut Landes
-
mantelvertrag -
Lohnzonen mit besseren Verdienstmöglichkeiten festgelegt hat (
Lohnzone
«Rot»: Stadt Bern, Kantone Genf, Baselstadt/Baselland, Waadt und Zürich
, vgl.
Urk.
10/273/17 und Urk.
10/288/13-14). Es kann nun nicht angehen, bei der Be
rechnung des Invalideneinkommens die Berücksichtigung von
Kantonen mit hö
heren Löhnen in Frage zu stellen, zumal der Kanton Zug ohnehin nicht in diese Kategorie fällt (vgl.
Urk.
10/273/17
Lohnzone
«Blau»). Eine Herausgabe sämtli
cher DAP ist auch unter diesem Gesichtspunkt nicht angezeigt.
3.5
Zusammenfassend besteht kein Anlass, an der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung, wonach b
ezüglich
der Gesamtheit aller den Abfragekriterien entsprechen
den Arbeitsplatz-Profile kein Einsichtsrecht
besteht
(BGE 139 V 592 E. 7.8
; 129 V 472 E. 4.2.2
)
, etwas zu ändern.
Der Antrag auf Einsicht in die
vollständige DAP-
Dokumentation
ist
damit
abzuweisen.
4
.
4
.1
Im Urteil vom 1
2.
März 2018 (
Urk.
10/288
) hat das hiesige Gericht
gestützt auf
den
Bericht von Suva-Kreisarzt Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädie und Rheuma
tologie, Physikalische Medizin und Rehabilitation FMH, vom 5. Februar 2015 (
Urk.
10/181)
festgehalten, dass der Beschwerdeführer
in einer angepassten
leichten bis mittelschweren körperlichen Arbeit im angepassten Wechselrhythmus zwischen Stehen, Gehen und Sitzen ohne häufig repetitives Anheben von Lasten (bis 15 kg im Einzelfall zumutbar) und ohne Hinknien und Hocken zu 100
%
arbeitsfähig ist (E. 6).
Dies wird von den Parteien denn auch nicht in Frage gestellt.
4
.2
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen des Beschwerdeführers in er
werblicher Hinsicht auswirkt.
4
.3
Der für die Invaliditätsbemessung und damit den Rentenanspruch massge
bende Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (BGE 130 V 343 E. 3.4.2). Für die Ermitt
lung des
Valideneinkommens
, also des Einkommens, welches die versicherte Per
son nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Ge
sunde tatsächlich verdient hätte, wird in der Regel am zuletzt erzielten Ver
dienst angeknüpft.
Im Urteil vom 1
2.
März 2018 (
Urk.
10/288
) hat das hiesige Gericht für den
massgebenden Zeitpunkt
des (hypothetisch
en) Beginns des Rentenanspruchs, mit
hin den 1. Oktober 2015,
ein
Valideneinkommen
von
Fr.
70'463.--
festgehalten (
Zone „Rot", Lohnklasse „A" gemäss Landesmantelvertrag für das schweizerische Bauhaupt
gewerbe [Stand 1. Juli 2016], Stundenlohn von
Fr.
32.05 per
2015;
E. 7.1).
Auch dies wird von den Parteien nicht bestritten
und ist dem neuen Ent
scheid zu Grunde zu legen (
§
26
Abs.
2 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht
,
GSVGer
).
4
.4
4
.4.1
Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstä
tigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zu
mutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich er
zieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich
weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumut
bare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtspre
chung entweder Tabellenlöhne gemäss den LSE oder die DAP-Zahlen herangezo
gen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3 mit Hinweisen).
Die DAP ist eine Sammlung von Beschreibungen in der Schweiz tatsächlich exis
tierender Arbeitsplätze. Damit unterscheidet sie sich von der tabellarischen Dar
stellung von Durchschnittslöhnen, die im Rahmen der
LSE
vom Bundesamt für Statistik regelmässig erhoben werden. Neben allgemeinen Angaben und Ver
dienstmöglichkeiten werden in der DAP die physischen Anforderungen an die Stelleninhaber oder Stelleninhaberinnen festgehalten. Der Raster der körperlichen Anforderungskriterien basiert auf dem internationalen medizinischen Standard EFL nach Isernhagen (ergonomische Funktions- und Leistungsprüfung). Die Suva entschloss sich 1995 zum Aufbau der DAP mit dem Zweck, das Invalideneinkom
men entsprechend den gerichtlichen Anforderungen so konkret wie möglich er
mitteln zu können (BGE 139 V 592 E. 6.1 mit Hinweisen).
Bei Heranziehen der DAP hat sich die Ermittlung des Invalideneinkommens auf mindestens fünf zumutbare Arbeitsplätze zu stützen. Zusätzlich sind Angaben zu machen über die Gesamtzahl der aufgrund der gegebenen Behinderung in Frage kommenden dokumentierten Arbeitsplätze, über den Höchst- und den
Tiefstlohn
sowie über den Durchschnittslohn der dem jeweils verwendeten Behinderungs
profil entsprechenden Gruppe. Damit soll die Überprüfung des Auswahlermessens ermöglicht werden, und zwar in dem Sinne, dass die Kenntnis der Gesamtzahl der dem verwendeten Behinderungsprofil entsprechenden Arbeitsplätze sowie des Höchst-, Tiefst- und Durchschnittslohnes im Bereich des Suchergebnisses eine
zuverlässige Beurteilung der von der Suva verwendeten DAP-Löhne hinsichtlich ihrer Repräsentativität erlaubt. Das rechtliche Gehör ist dadurch zu wahren, dass die Suva die für die Invaliditätsbemessung im konkreten Fall herangezogenen DAP-Profile mit den erwähnten zusätzlichen Angaben auflegt und die versicherte Person Gelegenheit hat, sich dazu zu äussern. Allfällige Einwendungen der ver
sicherten Person bezüglich des Auswahlermessens und der Repräsentativität der DAP-Blätter im Einzelfall sind grundsätzlich im
Einspracheverfahren
zu erheben, damit sich die Suva im
Einspracheentscheid
damit auseinandersetzen kann. Ist die Suva nicht in der Lage, im Einzelfall den erwähnten Anforderungen zu genü
gen, kann im Bestreitungsfall nicht auf den DAP-Lohnvergleich abgestellt wer
den; die Suva hat
diesfalls
im
Einspracheentscheid
die Invalidität aufgrund der LSE-Löhne zu ermitteln. Im Beschwerdeverfahren ist es Sache des angerufenen Gerichts, die Rechtskonformität der DAP-Invaliditätsbemessung zu prüfen, gege
benenfalls die Sache an den Versicherer zurückzuweisen oder an Stelle des DAP-Lohnvergleichs einen Tabellenlohnvergleich gestützt auf die LSE vorzunehmen (BGE 139 V 592 E. 6.3, 129 V 472 E. 4.7.2).
Rechtsprechungsgemäss sind im Rahmen des DAP-Systems, bei dem aufgrund der ärztlichen Zumutbarkeitsbeurteilung anhand von Arbeitsplatzbeschreibungen konkrete Verweisungstätigkeiten ermittelt werden, Abzüge grundsätzlich nicht sachgerecht. Abzüge sind nur vorzunehmen, wenn zeitliche oder leistungsmäs
sige Reduktionen medizinisch begründet sind. Im Übrigen wird spezifischen Be
einträchtigungen in der Leistungsfähigkeit bei der Auswahl der zumutbaren DAP-Profile Rechnung getragen. Bezüglich der weiteren persönlichen und beruflichen Merkmale (Teilzeitarbeit, Alter, Anzahl Dienstjahre, Aufenthaltsstatus), die bei der Anwendung der LSE zu einem Abzug führen können, ist darauf hinzuweisen, dass auf den DAP-Blättern in der Regel nicht nur ein Durchschnittslohn, sondern ein Minimum und ein Maximum angegeben sind, innerhalb deren Spannbreite auf die konkreten Umstände Rücksicht genommen werden kann (BGE 139 V 592 E. 7.3, 129 V 472 E. 4.2.3).
4
.4.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
kann die Suva nicht frei wählen, ob sie das Invalideneinkommen nach der DAP-Methode oder anhand der Tabellen
löhne der LSE bemisst; vielmehr hat sie die DAP-Methode stets dann zur Anwen
dung zu bringen, we
nn sie im Einzelfall die bundes
gerichtlichen Vorgaben
ein
halten kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_378/2017
vom 29. November 2017 E.
4.5 mit H
inweisen zur Rechtsprechungsent
wicklu
ng).
Die Berechnung des
Invali
deneinkommens anhand der DAP
und
anhand der LSE
ist
grundsätzlich gleich
wertig und es kann nicht gesagt werden
, dass
die Verwendung der
DAP
bei kor
rekter Anwendung dieser Methode stets zu höheren Invalideneinkommen
führen würde
als bei
Beizug
der
LSE
. Der Vorteil der
DAP
-Methode besteht darin, dass dem konkreten Einzelfall besser Rechnung getragen werden kann als mit der LSE-Methode und sie daher dem Ziel näherkommt, das Invalideneinkommen aufgrund der beruflich-erwerblichen Situation, in welcher die versicherte Person konkret steht, zu bestimmen (
vgl.
BGE 139 V 592 E. 7.1).
Nachdem eine Ungleichbehand
lung
zwischen Verwendung der DAP und der LSE
nicht auszumachen ist,
besteht entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 17 S. 2) kein Anlass
, dass d
as
Sozialv
ersicherungsgericht
nun
in
Verfahren, in welchen die Beschwerdegeg
nerin den
Einspracheentscheid
vor ihrer Systemumstellung
am
1.
Januar 2019
erlassen und dabei zu Recht die DAP-Methode angewendet hat
,
stattdessen
die LSE
verwendet
.
4.4.3
Was die Rüge des Beschwerdeführers anbetrifft, die DAP dokumentiere mehrheit
lich Arbeitsplätze in der Industrie und nicht im Dienstleistungsbereich
(
Urk.
1
S.
6-7)
, ist darauf hinzuweisen, dass in den Fällen der Suva-Versicherten, bei denen die DAP-Methode zur Anwendung kommt, die
Valideneinkommen
(mehrheitlich) ebenfalls im Produktions- und nicht im Dienstleistungsbereich erzielt wurden (vgl.
Art.
66 UVG
). Soweit auch in Suva-unterstellten Betrieben Dienstleistungen erbracht werden, ist davon auszugehen, dass auch diese Löhne in die
DAP
ein
fliessen
(
BGE
139 V 592 E. 7.2). Es sind denn auch keine Gründe ersichtlich, weshalb ein Arbeitsplatz in der Industrie für den Beschwerdeführer nicht zumut
bar wäre.
Eine Verletzung des Auswahlermessens der Beschwerdegegnerin ist nicht auszumachen.
4.4.4
Bei der Tätigkeit als Montagearbeiter/Endmontage
(DAP-Nr. 6104, vgl. Urk.
10/293/7-10) ist das Einschalten von Pausen mit Blick auf den Arbeitsablauf möglich,
Heben und Tragen über 10 kg ist nie erforderlich, Sitzen ist sehr oft (67-100
%
) und Gehen bis 50 m
- wofür zwingend auch aufgestanden werden muss -
manchmal (6-33
%
) nötig.
Bei der Arbeit als
Montagearbeiter/Beschriften (DA
P-Nr. 6379, vgl. Urk.
10/293/11-14)
ist das Einschalten von Pausen mit Blick auf den Arbeitsab
lauf möglich, Heben und Tragen über 10 kg ist nie erforderlich, Sitzen ist sehr oft (67-100
%
), Stehen
sowie
Gehen über 50 m
jeweils
selten (
1-
5
%
) und Gehen bis 50 m manchmal (6-33
%
) nötig.
Als
Mechaniker/Mechanik (DAP-Nr. 2556, vgl.
Urk.
10/293/15-18)
ist das Ein
schalten von Pausen mit Blick auf den Arbeitsablauf möglich, Heben und Tragen über 10 kg ist selten (1-5
%
) erforderlich, Sitzen, Stehen und Gehen bis 50 m ist jeweils manchmal (6-33
%
) nötig. Die Metallbearbeitung erfolgt stehend und sit
zend, die Stellung ist dabei nicht frei wählbar.
Als
Prüfer/Prüfer Schlusskontrolle (DAP-Nr. 10047, vgl.
Urk.
10/293/19-22)
ist das Einschalten von Pausen mit Blick auf den Arbeitsablauf möglich, Heben und Tragen über 10 kg ist nie erforderlich, Sitzen, Stehen und Gehen bis 50 m ist jeweils manchmal (6-33
%
) nötig.
Bei der Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiter/
Bloc
kbau
(
DAP
-Nr. 461642, vgl.
Urk.
10/293/23-26)
ist das Einschalten von Pausen mit Blick auf den Arbeits
ablauf möglich, Heben und Tragen über 10 kg ist selten (1-5
%
) erforderlich, Ge
hen bis 50 m ist sehr oft (67-100
%
), Stehen manchmal (6-33
%
) und Sitzen oft (34-66
%
) nötig.
Dabei ist hauptsächlich sitzend der Rahmen um den Wärmetau
scher zu montieren und Fertigungs- und Endarbeiten am Produkt auszuführen. Die Wärmetauscher und die Rahmen sind mit einem Rollwagen zu holen.
Es handelt sich damit bei allen
Arbeiten
um
dem Zumutbarkeitsprofil entspre
chende
leichte bis mittelschwere
wechselbelastende
körperliche
Tätigkeiten
ohne Hinknien und Hocken und ohne häufig repetitives Anheben von Lasten über 15
kg.
Dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsposition frei wählen können
muss
, ist dem Zumutbarkeitsprofil
nicht zu entnehmen. Ebenso wenig
wird darin fest
gehalten
,
in welchem prozentualen Umfang Sitzen
, Stehen und Gehen jeweils möglich sein muss.
Eine regelmässige Verteilung ist deshalb nicht zwingend. Das vom Beschwerdeführer geltend gemachte Erfordernis einer Tätigkeit mit Anteilen an Stehen, Gehen und Sitzen zu je 1/3 (
Urk.
17 S. 4) findet in den Akten denn auch keine Stütze.
Zu Recht wies die Beschwerdegegnerin
zudem
darauf hin, dass in allen fünf Tätigkeiten die Möglichkeit zum
Einschalten von Pausen
- beispiels
weise für ein kurzes Aufstehen zum Vermeiden von Zwangshaltungen - besteht. Da in allen ausgewählten DAP-Profilen Sitzen, Stehen und Gehen möglich ist, verkommt die vom Kreisarzt geforderte Wechselbelastung auch nicht zur Maku
latur
(vgl.
Urk.
1 S. 8), wenn der Beschwerdeführer zusätzlich zwischendurch kurze Pausen um
a
ufzustehen einlegt
. Vielmehr ist damit dem Erfordernis eines angepassten Wechselrhythmus
zwischen Stehen, Gehen und Sitzen
ausreichend
Genüge getan.
Die fünf von der Beschwerdegegnerin ausgewählten DAP-Profile sind dem Beschwerdeführer
demnach
alle zumutbar.
4.4.5
Die bundesgerichtlichen Vorgaben für die Anwendung der DAP-Methode sind zusammenfassend erfüllt
, weshalb es sich erübrigt,
auf
die Vorbringen
der Par
teien zur Berechnung des Invalideneinkommens
anhand der
LSE einzugehen
. G
e
stützt auf die fünf von der Beschwerdegegnerin ausgewählten DAP-Profile
ist
von einem Invalideneinkommen von
Fr.
65'408.60
per 2015
(
Urk.
10/293/1) aus
zugehen.
4.5
Beim Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
70'463.-- mit dem Invalidenein
kommen von
Fr.
65'409.-- ergibt sich ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 7
%
. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
5.
5.1
Die Voraussetzungen für die unentgelt
liche Rechtsvertretung
gemäss
§ 16 Abs. 2
GSVGer
sind erfüllt.
Die Rechtsanwälte Samuel
Teindel
(Rechtsvertreter bis 2
7.
Januar 2019) und Rainer
Deecke
(Rechtsvertreter seit 2
8.
Januar 2019) sind
aus der Gerichtskasse zu ent
schädigen.
Die
Entschädigung ist – gestützt auf
§
34
Abs.
3
GSVGer
,
nach Ein
sicht in die Kostennote vom
4.
März 2019
(Urk. 1
8
)
und unter Berücksichtigung
des
gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.--
– auf Fr.
3'062.70
(inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) festzusetzen.
5.2
Der
Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflich
tet werden kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.