Decision ID: 7f4f173c-88e4-407d-b413-f417e2d0994c
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1952,
gelernte Verkäuferin,
arbeitete vom
1.
Juni 2010 bis 3
1.
Mai 2011
während 4 Stunden pro Woche
als Hilfs
haus
wärtin für die
Y._
,
Z._
(
Urk.
5/13)
.
Von September 2010 bis Februar 2011 absolvierte sie einen Lehr
gang zur Pfle
ge
helferin SRK (vgl.
Urk.
5/21/1-2).
Ab 2
6.
April 2011 liess sich
X._
über die Arbeitsvermittlungsstelle
A._
als Reinigungsfac
h
kraft im Stundenlohn vermitteln (
Urk.
5/15). Am 2
5.
Mai 2011 meldete sie sich zum
Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an und erklärte
,
an einer Ar
throse im rechten Knie zu leiden (
Urk.
5/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle
), klärte die beruflichen und medizinis
chen Verhältnisse ab (
Urk.
5/4-21).
Nachdem die Versicherte per
1.
Dezember 2011 für die Dauer eines Monats eine
100%-Stelle als Pflegehelferin im Altersheim
B._
gefunden hatte, teilte ihr die
IV-Stelle am
7.
Dezember 2011 den erfolgreichen Abschluss der Arbeitsver
mittlung mit (
Urk.
5/23-24). Am
7.
Dezember 2011 und am
3.
Januar 201
2 schloss die Versicherte
zwei Rahmenarbeitsverträge mit Spitexorganisationen
ab
(
Urk.
5/27).
Nach Durchführung des Vorbescheidverfahrens (
Urk.
5/31-33)
verneinte
die IV-
Stelle
mit Verfügung vom 1
1.
April 2012 einen Rentenanspruch mit der Be
grün
d
ung, die Versicherte sei als Pflegehelferin zu 100
%
arbeitsfähig. Da diese Tätig
keit auf einem höheren Lohnniveau sei als diejenige in der Reinigung, entstehe keine Erwerbseinbusse (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
6.
Mai 2012 Beschwerde mit
dem sinngemässen Antrag auf Zusprechung einer Invalidenrente (
Urk.
1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, nachfolgend eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hat
die Rechtsgrundlagen über
den Einkommensver
gleich (
Art.
16
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversi
che
rungsrechts, ATSG,
Art.
28a
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invaliden
versi
cherung, IVG
) und den Rentenanspruch (
Art.
28
Abs.
2 IVG) zutreffend darge
legt. Darauf wird verwiesen.
1.2
Zu ergänzen ist,
dass
sich s
owohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des
Rentenanspruches als auch anlässlich einer Rentenrevision (
Art.
17
Abs.
1 ATSG
)
unter dem Gesichtspunkt des
Art.
28a
Abs.
3 IVG in Verbindung mit
Art.
16 und 7
Abs.
2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditätsbe
messungs
me
thode
stellt
.
Ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nicht
erwerbstätig einzustufen ist, führt je zur Anwendung einer anderen Me
thode der Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, Betätigungsvergleich, ge
mischte Methode) und ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Üb
rigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchti
gung bestünde. Entscheidend ist nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch, d.h. ohne Gesundheitsschaden, aber bei sonst gleichen Verhältnissen, erwerbstätig wäre (
Art.
27
bis
der
Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
.
Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich
bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben. Dabei sind die kon
krete
Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der all
gemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypothetische Annahme ei
ner im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit ist der im Sozialversi
cherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erfor
derlich (
BGE 137 V 334
E.
3.2,
130 V 393
E.
3.3,
125 V 146
E.
2c, je mit Hin
weisen).
2.
2.1
Unbestritten und aufgrund der Akten erstellt ist, dass die Beschwerdeführerin auf
grund von Polyarthrosen, insbesondere einer Arthrose im rechten Knie
, als Reinigungskraft nur
noch zu 50
%
, als Pflegehelferin jedoch zu 100
%
arbeits
fähig ist (vgl. insbesondere
Urk.
5/10,
5/14, 5/29/3). Auch steht die sozialversi
cherungsrechtliche Qualifizierung als Vollerwerbstätige zu Recht nicht zur Dis
kussion
, erklärte doch die Beschwerdeführerin anlässlich eines Ressourcenge
sprächs vom
1.
Juli 2011 gegenüber der zuständigen Sachbearbeiterin der Be
schwer
degegnerin, dass sie am
l
iebsten als Pflegehelferin zu 80 – 100
%
arbei
ten würde (
Urk.
5/8/2
). Zudem
meldete si
e
sich bei der Arbeitslosenversiche
rung zur Arbeitsvermittlung und stellte
Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab Januar 2010 für einen Beschäftigungsgrad von 100
%
(vgl. Kontoauszug der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich,
Urk.
5/10/5).
2.2
Strittig und zu prüfen ist
der Einkommensvergleich und dabei insbesondere das von der Beschwerdegegnerin beigezogene hypothetische Invalideneinkommen.
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypo
thetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und In
valideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige ren
tenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu
berücksichtigen sind. Bevor die Ver
waltung über einen Leistungsanspruch be
findet, muss sie daher prüfen, ob al
lenfalls in der dem Rentenbeginn folgenden Zeit eine erhebliche Veränderung der hypothetischen Bezugsgrössen eingetreten ist. Gegebenenfalls hat sie vor ihrem Entscheid einen weiteren Einkommens
ver
gleich durchzuführen (BGE 129 V 222 f. E. 4.2 in fine, 128 V 174, Urteil des Bun
des
gerichts I 156/02 vom 26. Mai 2003).
Frühester
Zeitpunkt eines allfälligen Rentenbeginns
ist gestützt auf Art. 29
Abs.
1
IVG
in Verbindung mit
Art.
28
Abs.
1 lit. b IVG November 201
1.
Die Beschwer
de
führerin
meldete s
ich
im Mai 2011 zum Leistungsbezug bei
der In
validen
ver
sicherung an. Gemäss
den medizinischen Akten
lag
die gesundhei
tli
che Ein
schränkung seit 2007 vor, ab welchem Zeitpunkt in leistungseinschrän
kender Weise, ist den Akten nicht mit abschliessender Sicherheit zu entnehmen (
Urk.
5/14/2), kann aber, wie sich aus dem Folgenden ergibt, offen bleiben.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin bemass das h
ypothetische Valideneinkommen
2011
, da die Beschwerde
führ
erin lediglich in kleinen Teilzeitpensen gearbeitet hatte, ge
stützt auf die lohnstatis
tis
chen
Durchschnittswerte de
r
Lohnstrukturerhebung (LSE)
des
Bundesamtes für Statistik (BFS) 2010,
und dabei auf den Zentralwert für
eine Mitarbeiterin Reinigung
im Anforderungsniveau 4
von
Fr. 3‘840.--. Ge
mäss Tabelle T7S der LSE 2010 betrug der standardisierte Bruttolohn für Frauen
im Anforderungsniveau 4 im Bereich Reinigung und öffentliche Hygiene (Ziffer
35)
Fr.
3‘954.--
, was unter Berücksichtigung der Nominallohnent
wick
lung
bis 2011 im Bereich
Dienstleis
tungen
(vgl. BFS, Schweizerischer Lohnindex nach
Branche (2
010 = 100; im Internet abrufbar, Nominallohnindex Frauen, T1.1.10
, Dienstleistungen, 2010: 100, 2011: 100.7)
und einer durchschnittlichen wöch
ent
lichen Arbeitszeit 2011 von 41,7 Stunden (Die Volkswirtschaft 6/2013, S. 90) zu einem Jahreslohn von
Fr.
49‘
810.90 führt.
Die tatsächlich erzielten Stundenlöhne der Besc
hwerdeführerin im Jahr 2011 von
brutto zirka
Fr.
21.-- (ohne Ferien- und Feiertagsentschädigung, vgl.
Urk.
5/13/2
,
7/15/8-10) führen zu einem hypothetischen Verdienst von lediglich Fr. 45‘536.40
(21 x 41,7 x 52), weshalb sich der Beizug des standardisierten Lohnes zu
Gunsten der Beschwerdeführerin unter dem Gesichtspunkt der Paral
lelisierung
der
Vergleichseinkommen (
vgl.
BGE 135 V 297
E. 6.1.2) aufdrängt.
Als hypothetisches Valideneinkommen ist nach dem oben Gesagten ein Lohn 2011
von
Fr.
49‘810.90 beizuziehen.
3.2
3.2.1
Auf der Seite des Invalideneinkommens stützte sich die Beschwerdegegnerin ebenfalls auf die LSE 2010 und zog den Zentralwert für Frauen im Anforde
rungs
niveau 4 im Bereich Gesundheits- und Sozialwesen (Ziffer 86-88 in Ta
belle TA1, LSE 2010, Ausgabe 2012, S.
27) von monatlich brutto Fr. 4‘687.-- bei.
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis 2011 und der durch
schnittlichen
wöchentlichen Arbeitszeit
von 41,7 Stunden (s
iehe obige E. 3.1) re
sultiert ein
Jahreslohn von
Fr.
59‘
044.80
(4‘687 x 12 x 41,7 : 40 x 100,7 : 100).
Die Beschwerdeführerin moniert dagegen, sie arbeite seit 15 Tagen im
C._
zu 50
%
für einen Bruttostundenlohn à
Fr.
12
.
25 und verdiene of
fen
sichtlich nicht das von der Beschwerdegegnerin errechnete Invalidenein
kommen (
Urk.
1).
3.2.2
F
ür die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch rea
lisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen)
ist
nach der Rechtsprechung pri
mär von der beruflich-erwer
blichen Situation auszugehen
, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Er
werbs
tätigkeit aus, bei der - kumulativ - besonders stabile Arbeitsverhältnisse gege
be
n
sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zu
mut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Ar
beits
leistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der
tat
sächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75
E.
3b/aa mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 850/05 vom 21.
August 2006
E. 4.2).
3.2.3
Beim
C._
handelt es sich um eine Sozialfirma, welche
Arbeits
plätze für ausgesteuerte Langzeiterwerbslose mit dem Ziel der
Reintegration in den e
rsten Arbeitsmarkt
schafft, wobei
das Arbeitspensum
anfänglich grund
sätz
l
ich auf 50
%
begrenzt
i
s
t
(vgl. unter:
www.
C._
.ch
)
.
Dass die Beschwerdeführerin ihre medizinisch-theoretisch
e
100%ige Arbeitsfä
higkeit als Pflegehelferin an dieser Stelle nicht voll ausschöpft und
der Stun
den
lohn von
Fr.
12.25
wesentlich
unter dem branchenüblichen Ansatz liegt
, liegt
auf der Hand.
Dies zeigen auch die von der Beschwerdeführerin abge
schlosse
nen
Rahmenarbeitsverträge mit der
D._
mit einem
Brutto
grundlohn von
Fr.
23.50 (
Urk.
5/27/1-2) und
mit
dem
E._
,
F._
, in welchem ein Bruttostundenlohn
inklu
sive
Ferien- und Feiertagsentschädigung von
Fr.
27.--
vereinbart wurde (
Urk.
5/27/7)
.
Entsprechend ist für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschaden
s noch er
ziel
baren Einkommens nicht auf den tats
ächlichen Verdienst abzustellen, ist
doch für die Invaliditätsbemessung nicht entscheidend, ob die versicherte Per
son
ihre Restarbeitsfähigkeit erwerblich verwertet; vielmehr ist die Invalidität stets auf der Grundlage
des Erwerbseinkommens
zu bemessen, das die versi
cherte Person durch
eine
ihr zumutbare Tätigkeit erzielen könnte (ZAK 1964 S. 301). Der oben errechnete statist
ische Durchschnittswert von Fr.
59‘044.8
0
(E. 3.
2.
1) erscheint angesichts der in den Rahmenarbeitsverträgen vereinbarten Stun
den
löhne zwar etwas hoch gegriffen, jedoch erübrigen sich weitere Ausführun
gen
hierzu, liegen doch sel
bst die mit Spitexorganisationen vereinbarten Stun
den
löhne
über dem von der Beschwerdeführerin erzielten Einkommen als Reini
gungs
kraft,
weshalb auch bei einem Abstellen auf dieselben keine Erwerbsein
busse resultierte
.
Die Beschwerde ist nach dem Gesagten abzuweisen.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit dem 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.