Decision ID: d3298edd-db3d-4a92-b0ac-717bbe038206
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
im Jahre 1963
geborene
X._
war seit dem 7. März 2000
beim
Y._
als Dolmetscherin
angestellt und als solche
bei der Schweizerischen Unfallver
sicherungsanstalt (SUVA) obliga
torisch gegen die Folgen von Be
triebs- und Nichtbe
triebsunfällen versichert.
A
m
8.
Juli 2009
erlitt d
ie
Versicherte
als Beifahrerin einen Autounfall
(Urk. 8/1, Urk. 8/8).
Die Erstbehandlung fand am
8.
Juli 2009
in der Notfallpraxis des
Spital
s
Z._
statt, wobei als Diagnose
n
eine HWS-Distorsion sowie ein vegetativer
Reizzu
stand
festge
halten wurde
n
(
Urk.
8/65
).
Aufgrund persistierender Schulter- und Nackenschmerzen sowie Konzentrationsstörungen weilte die Versicherte vom
2.
b
is
4.
September 2009 i
n der Rheumaklinik des
A._
(
Urk.
8/11).
In der Zeit vom 1
5.
September bis 1
3.
Oktober 2009
hielt sich
die Versicherte in der
B._
zur stationären Rehabilitation
auf (
Urk.
8/33)
. Bei einem Sturz am 2
9.
Januar 2010 zog
sie
sich Prellungen am Rücken, am Hinterkopf und am Becken zu (
Urk.
8/51). A
m
4.
April 2010
wurde
eine biomechanische Kurzbeurteilung (Triage) betreffend das Unfallgeschehen
vom
8.
Juli 2009
erstellt (
Urk.
8/60).
Nach weiteren medizinischen Abklärungen fand am 2
2.
Juni 2012 die
abschliessende kreisärztliche Untersuchung
statt (Urk. 8/177
).
Mit Verfügung vom
1
5.
August 2012
stellte die S
UVA die bisher erbrachten Versi
cherungsleistungen mangels adäquater Kausalität per
3
1.
August 2012
ein und verneinte weitere Leistungen in Form einer
Rente oder
Integritätsentschädi
gung
(Urk. 8/182
). Daran hielt die SUVA nach
erfolgter Einsprache des Vertre
ters der Versicherten (Urk. 8/184
) mit
Einspracheentscheid
vom
1
0.
Oktober 2012 fest (Urk. 8/188
= Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der
Versicherten am
1
2.
November 2012
Be
schwer
de und beantragte, es
sei
en
der Beschwerdeführerin per
1.
September 2012 eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung auszurichten (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 28
.
Januar 2013
liess die Beschwerdegegnerin Ab
weisung d
er Beschwerde beantragen (Urk. 7), was dem Vertreter der Beschwer
deführerin mit Schreiben vom
4.
Februar 2013 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden
soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Der Bundesrat kann Körperschädigungen, die den Folgen eines Unfalles ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen (Abs. 2).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht i
m Rahmen der ihm obliegenden Beweis
würdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Un
fall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitli
chen
Beeinträchtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare
Funktionsaus
fälle
zurückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Recht
spre
chung des Bundesge
richts in analoger Anwendung der Methode zu erfol
gen, wie sie für psychische Stö
rungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beein
trächtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
Weiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Krite
rien in die Beurteilung mit einzubeziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurteilung des ad
äquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehl
entwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit
Schleu
dertrauma
der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzie
rung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als orga
nischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109 ff.; RKUV 2001 Nr. U 442 S.
544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
im Wesentlichen damit, dass
von weiteren medizinischen Massnahmen keine nam
hafte Verbesserung mehr erwartet werden könne, so dass der Fall entsprechend den Ausführungen in der Verfügung abzuschliessen sei. Es hätten vorliegend keine organischen Substrate im Sinne struktureller unfallbedingter Veränderun
gen je erhoben werden können, so dass eine separate Prüfung der Adäquanz anhand der Schleudertrauma-Praxis zu erfolgen habe. Sofern man von einem leichten Unfall ausgehe, entfalle die Leistungspflicht des Unfallversicherers dabei ohne weiteres.
An diesem Ergebnis
ändere
auch
die Qualifikation als mit
telschweres
Unfall
geschehen
im Grenzbereich z
u den leichten Unfällen nichts. Die erlittenen Verletzungen könnten weder als besonders schwer noch als Ver
letzungen besonderer Art bezeichnet werden; auch eine ärztliche
Fehlbehand
lung
, erhebliche Komplikationen oder ein schwieriger Heilungsverlauf seien nicht ersichtlich. Weiter sei weder von belastenden ärztlichen Behandlungen im Sinne der Rechtsprechung auszugehen, noch
seien
dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des U
nfalls gegeben. Dabei könne offen bleiben, ob die verbleibenden zwei Kriterien (erhebliche Arbeitsunfähigkeit, erhebliche Beschwerden) erfüllt seien, da sie alleine zur Bejahung der Adäquanz nicht genügen würden. Damit fehle es an einem rechtserheblichen Zusammen
hang zwischen den heute noch geklagten, organisch nicht nachweisbaren Beschwerden und dem strittigen Unfallereignis, so dass auch kein Anspruch auf weitere Versicherungsleistungen bestehe (Invalidenrente,
Integritätsentschädi
gung
;
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass – entsprechend den Ausführungen im Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts
U 338/06 vom 2
2.
Dezember 2006 -
von einem mittel
schweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Unfällen auszugehen sei
. Der genannte höchstrichterliche Entscheid sei auch für die
Kriterienprüfung
mass
gebend. Konkret sei von einer besonderen Art der erl
ittenen Verletzungen aus
zugehen;
weiter leide die Beschwerdeführerin an erheblichen Dauerbeschwerden und habe sich belastenden ärztlichen Behandlungen unterziehen müssen. Auf
grund der 50%igen Arbeitsfähigkeit sei zudem von einer erheblichen Arbeits
unfähigkeit auszugehen, so dass die Adäquanz der vorliegenden Beschwerden insgesamt zu bejahen sei (
Urk.
1).
3
.
3
.1
Im Rahmen der Erstbehandlung am
8.
Juli 2009 in der Notfallpraxis des Spitals
Z._
wurde
n
eine HWS-Distorsion sowie ein vegetativer Reizzustand
diag
nostiziert
. Dabei wurde von den folgenden Befunden ausgegangen: Kopf
schmer
zen; HWS-Schmerzen, noch ohne Begleiterscheinungen; Schmerzen an der BWS, mehr linksseitig; Schwindel; Übelkeit, kein Erbrechen; keine
Paraest
hesien
; keine retrograde Amnesie; zeitlich-örtlich und zur Person voll orientiert; Pupillen normalweit; normale Reflexe; kein Nystagmus; keine Doppelbilder; Romberg ohne Befund;
Fi
-Na und
Fi-Fi
ohne Probleme; keine
sonstige
cerebrale
Symptomatik. Therapeutisch wurde nebst Schonung eine Schmerzmedikation verordnet bei Weiterbehandlung durch den Hausarzt
(
Urk.
8/65).
3.2
Die für den Bericht der Rheumaklinik des
A._
vom
4.
September 2009 ver
antwortlich zeichnenden
Fachärzte diagnostizierten ein
cervicovertebrales
Schmerz
syndrom
und Konzentrationsstörungen bei Status nach HWS-Distorsion am
8.
Juli 200
9.
Die Beschwerdeführerin leide zunehmend an
Gedächtnisprob
lemen
und Kopfschmerzen
bei deutlichen
Druckdolenzen
im Schulter- und Nackengürtel. Motorische und sensible Defizite hätten nicht vorgelegen, bei unauffälligem MRI-Befund der HWS. Bis zur Rehabilitation in
B._
sei eine intensive ambulante Physiotherapie sowie Analgesie angezeigt (
Urk.
8/11).
3.3
Im Erhebungsblatt für die Abklärung von HWS-Fällen vom
1
2.
Oktober 2009 gab die Beschwerdeführerin an, aktuell an Schwindel, Kopfschmerzen,
Nacken
schmerzen
, Konzentrationsschwäche, hoher Zugriffszeit auf das
Sprachge
dächtnis
, beeinträchtigtem Sehvermögen sowie schneller Ermüdung zu leiden
. Im Kollisionszeitpunkt habe sie den Kopf leicht nach links gedreht gehabt
(
Urk.
8/26).
3.4
Die für den Austrittsbericht der
B._
vom
3.
November 2009 ver
antwortl
ichen Fachärzte
(
Hospitalisation
vom 1
5.
September bis 1
3.
Oktober 2009)
diagnostizierten ein
cervikocephales
und
cervikobrachiales
Schmerzsyn
drom
bei Status nach HWS-Distorsionstrauma am
8.
Juli 200
9.
Die Befunde der formalen neuropsychologischen Untersuchung seien vom Störungsmuster her nicht einzuordnen und in sich wenig konsistent gewesen. Für die Patientin habe im Vordergrund gestanden, nicht ernst genommen und als Simulantin darge
stellt zu werden. Eine vollumfängliche Teilnahme am angebotenen Spezialpro
gramm sei nicht möglich gewesen, da sie oft eine abwehrende Haltung einge
nommen habe.
Es
wurde
eine Wiederaufnahme der Arbeit zu 30
%
empf
o
hlen
,
verteilt auf einen halben Tag bei sukzessiver Steigerung. Ab dem 2
0.
Oktober 2009 sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Die Durchführung eines Hirnleistungstrainings sei nicht indiziert (
Urk.
8/33; Austrittsmedikation:
Brufen
400 mg, 1-0-1-0).
3.5
Im Anschluss an den Aufenthalt in
B._
wurde am Spital
Z._
eine lokale Infiltration durchgeführt mit im Verlauf deutlicher Verbesserung der Sympto
matik (Bericht vom 2
4.
November 2009;
Urk.
8/36).
Per
1.
März 2010 konnte die Arbeitsfähigkeit trotz massiver Konzentrationsstörungen auf 50
%
gesteigert werden (
Urk.
8/56).
3.6
Laut
der biomechanischen Kurzbeurteilung vom
4.
April 2010
dürfte
von einem delta-v von unterhalb oder knapp innerhalb des Bereiches von 10 bis 15 km/h auszugehen
sein
. Insgesamt seien die bei der Beschwerdeführerin im Anschluss an den Unfall festgestellten HWS-Beschwerden und Befunde durch die
Kollisi
onseinwirkung
im Normalfall eher nicht erklärbar (
Urk.
8/60
S. 3 f.
).
3.7
Die für den Bericht des Interdisziplinären Zentrums für Schwindel- und Gleich
gewichtsstörungen des
C._
vom
1.
März 2011 verant
wortlichen Fachärzte diagnostizierten einen Status nach
HWS-Distor
sion
strauma
am
8.
Juli 2009 mit/bei
persistierendem
ungerichtetem
Trümmel
,
cervicocephalem
Schmerzsyndrom linksbetont sowie neuropsychologischen Defiziten, insbesondere Konzentrationsstörungen. Es hätten sich aufgrund der Untersuchung keine Hinweise für eine peripher-
vestibuläre
Dy
s
funktion oder einen paroxysmalen Lagerungsschwindel ergeben.
Bezüglich der Arbeitsfähig
keit würden sie die neuropsychologischen Funktionsstörungen als massgebend erachten und eine entsprechende Abklärung empfehlen (
Urk.
8/121). Dem Nachtragsbericht vom 1
1.
April 2011 ist überdies zu entnehmen, dass keine Hinweise auf einen Spontan- oder einen Blickrichtungsnystagmus
vorla
gen (
Urk.
8/125).
3.8
Dr.
m
ed.
D._
, Facha
rzt FMH für Neurologie, diagnostizierte in seinem Bericht vom
6.
Oktober 2011 ein HWS-Distorsionstrauma mit
residuellen
Beschwerden bei Heckkollision am
8.
Juli 2009 mit neuropsychologischen Defiziten, insbe
sondere Konzentrationsstörungen,
Zervikalsyndrom
mit z.T.
Hinterkopfschmer
zen
,
vestibuläre
r
Dekalibrierung
(VOR) sowie neurovegetativen Beschwerden. Aus neurologischer Sicht klage die Beschwerdeführerin über eine leichte Hypästhesie auf der linken Körperseite, etwas verstärkt im Bereich des Klein- und Ringfingers.
Die neuropsychologischen Defizite könnten allein durch eine entsprechende Testung abgeklärt und erfasst werden. Bezüglich der
Nackenbe
schwerden
sei von einem persistierenden
Zervikalsyndrom
auszugehen. Bezüg
lich de
s
Schwindel
s
würde er aktuell von einer starken
Bewegungsüberempfind
lichkeit
sprechen (
Urk.
8/151).
3.9
Dem Bericht des
E._
vom 2
3.
April 2012 ist zu entnehmen, dass
die
otoneurologische
Untersuchung eine normale peripher
vestibuläre
Funktion der lateralen Bogengänge sowie der
Otolithenorgane
ge
zeigt ha
tt
e.
Es bestünden
keine Argumente für eine peripher
vestibuläre
Ursache der Symptomatik (
Urk.
8/170).
3.10
Die abschliessende kreisärztliche Untersuchung fand am 2
2.
Juni 2012
bei
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für O
r
thopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
statt. Angesprochen auf die aktuellen Beschwerden habe die Beschwerdeführerin als erstes über Konzentrationsstörungen geklagt. Weiter sei es ihr
„
trümmlig
“
, zudem leide
sie
an gleichbleibenden Gefühlsstö
rungen an den Fingern IV und V sowohl der rechten als auch der linken Hand sowie an einem Tinnitus links mehr als rechts.
Aufgrund eines gestörten Ver
trauensverhältnisses (vorwurfsvolles Verhalten) zwischen der Beschwerdeführe
rin und dem Kreisarzt
habe
im Verlauf
auf
eine Untersuchung im eigentlichen Sinn verzichtet werden
müssen
. Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten sei festzuhalten, dass
sich
für die geklagten Beschwerden kein organisches Substrat im Sinne einer unfallbedingten strukturellen Veränderung finden lasse. Hinsichtlich einer erheblichen Verbesserung durch ärztliche Behandlungen könne er keine Auskunft geben, da er die Beschwerdeführerin über den Verlauf und die aktuell laufenden medizinischen Behandlungen nicht hab
e befrag
en können (
Urk.
8/177).
4.
4.1
Vorliegend ist unbestritten, dass von weiteren ärztlichen Behandlungen mit über
wiegender Wahrscheinlich keine namhafte Besserung mehr erwartet werden kann (
Urk.
1 S. 5). Dieser Schluss ergibt sich auch aus den vorliegenden medizi
nischen Akten, so dass der Zeitpunkt des Fallabschlusses durch die
Beschwerde
gegnerin
nicht
zu beanstanden ist.
4.2
Strittig und zu prüfen ist
damit
der Anspruch auf Leistu
ngen der obligatori
schen Unfall
versicherung betreffend dem Unfall vom
8.
Juli 2009
für die Zeit nach dem
3
1.
August 2012
. Die Beschwerdegegnerin hielt diesbezüglich fest, dass es an einem adäquaten Kausalzusammenhang
mangle
.
Da die adäquate Kausalität als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürli
chen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers bei or
ganisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen praktisch keine Rolle spielt - da sich hier die adäquate und natürliche Kausalität weitgehend decken (BGE 134 V 109 E. 2 S. 112) - ist zunächst zu prüfen, ob im konkreten Fall solche Unfallfol
gen vorliegen oder nicht. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Unfallfolgen erst dann als organisch objektiv ausgewiesen gelten, wenn die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden und die angewen
deten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich auf breiter Basis anerkannt sind (BGE 134 V 231 f. E. 5.1).
Aufgrund der vorliegenden medizi
nischen Akten, insbesondere der Würdigung derselben durch
Dr.
F._
,
kann als erstellt gelten, dass den
von
der
Beschwer
deführer
in
gekl
agten Beschwerden kein unfallbe
dingtes organisches Substrat im Sinne einer
bildgebend oder sonst klar nach
weisbaren strukturellen Verände
rung zugrunde li
egt. Festzuhalten ist, dass aufgrund
klinische
r
Befunde wie Verhärtungen und Verspannunge
n der Muskulatur,
Druckdolenz
en
im Nacken oder Einschränkungen der HWS-Beweg
lichkeit rechtsprechungsgemäss nicht auf ein kl
ar fassbares unfallbedingtes or
ganisches Korrelat des gekla
gten
Be
schwerdebildes
geschlossen werden kann
(vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_945/2008 vom 8. April 2009). Selbst wenn die geltend gemachten
Nacken
beschwerden
damit klinisch fassbar wären, würden sie keine organische
Ge
sund
heitsstörung
darstellen. Hinsichtlich der geltend gemachten
Hypästhesien
, insbesondere im Bereich der Finger IV und V
ist anzumerken, dass diese
Beschwerden
anlässlich der neurologischen Untersuchung bei Dr.
D._
nicht obj
ektiviert werden konnten (Urk. 8/151
). Weiter
konnte im Rahmen der
neuro-
otologischen
Abklärungen
für den Schwindel keine organische Ursache gefun
den werden
(
Urk.
8/121,
Urk.
8/125,
Urk.
8/170)
. Hinsichtlich der ge
ltend gemachten Konzentrationsstörungen, der Kopfschmerzen
sowie
des Ti
nnitus ist schliesslich
zu
be
mer
ken, dass es sich hier um organisch nicht o
bjektiv ausge
wiesene Befindlich
keitsstörungen handelt, welche nicht einem organischen Substrat zugeordnet werden konnten.
Bei diesem Ergebnis
aber
kann - wie die nachfolgenden Ausführungen
zur Adä
quanz (E. 5 hiernach)
zeigen - auf eine abschliessende Beurteilung der natürli
chen Kausalität verzichtet wer
den
(vgl. BGE 135 V 465 E. 5.1)
.
4
.3
Die
Beschwerdegegnerin anerkannte
unter Berücksichtigung des
„
typischen, bunten Beschwerdebildes
“
nach dem Unfall vom
8.
Juli 2009, dass die
Adä
quanzprüfung
anhand der
sogenannten Schleudertrauma-Praxis
zu erfolgen hat.
Diese Einschätzung ist aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten nicht zu beanstanden. An
ders als im Falle einer psychischen Fehlentwicklung nach einem Unfall,
ist demnach auf eine Differen
zierung zwischen physischen und psychischen Komponenten
zu verzichten
, weil es hier nicht entscheidend ist, ob Beschwerden eher als organischer und/oder psychischer Natur beu
rteilt werden (BGE 117 V 359 E
. 6a S.
367 und 369 E
. 4b S. 382 f.).
5
.
5
.1
Die Unfallschwere ist im Rahmen einer objektivierten Betrachtungsweise auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen. Nicht relevant sind die Kriterien, welche bei der Prüfung der Adäquanz bei mittelschweren Unfällen Beachtung finden; dies gilt etwa für die - ein eigenes Kriterium bildenden - Verletzungen, welche sich die versi
cherte Person zuzog, aber auch für - unter dem Gesichtspunkt der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls zu prüfende - äussere Umstände, wie eine allfällige Dunkelheit im Unfallzeitpunkt oder Verletzungs- resp. gar Todesfolgen, die der Unfall für andere Personen nach sich zog (SVR 2008 UV Nr. 8 S. 26 E. 5.3.1 [U 2/07]; Urteil des Bundesge
richts 8C_799/2008 vom 11. Februar 2009 E. 3.2.1).
5
.2
Unbestritten ist, dass
vorliegend
höchstens
von einem mittelschweren Unfall
im Grenzbereich zu den leichten Unfällen auszugehen ist, wie dies etwa
im
vom Vertreter der Beschwerdeführerin zitierten Entscheid des Eidg
e
nössischen
Versi
cherungsgerichts
vom 2
2.
Dezember 2006 (
U 338/06
)
der Fall war
. Ob aufgrund des ermittelten
D
elta-v im konkreten Fall gar von einem leichten Unfall auszu
gehen wäre, kann offen bleiben.
Bei einem mittelschweren Unfall, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen, ist die
Adäquanz des Kausalzusammenhangs
dann
zu bejahen, wenn ein einzelnes der in die Beurteilung einzubeziehend
en Kriterien in besonders ausge
prägter Weise oder aber
vier
Kriterien erfüllt sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_897/2009 vom 29. Januar 2010 E. 4.5
mit Hinweis auf Urteil 8C_487/2009 vom
7.
Dezember 2009 E. 5
).
5
.3
5
.3.1
Das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalles ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten Person (RKUV 1999 Nr. U 335 S. 207, U 287/97 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts U 56/07 vom 25. Januar 2008 E. 6.1). Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2). In jüngerer Zeit bejahte das Bun
desgericht dieses Kriterium etwa bei einer Massenkarambolage auf einer Auto
bahn, bei einem Zusammenstoss zwischen einem Personenwagen und einem Lastwagen in einem Autobahntunnel mit mehreren sich anschliessenden Kolli
sionen mit der Tunnelwand, bei einem Zusammenprall zwischen einem Sattel
schlepper und einem Personenwagen, wobei der Fahrer des Sattelschleppers die Kollision zunächst nicht bemerkte und den Personenwagen der versicherten
Person noch auf einer längeren Distanz vor sich herschob, wobei die Insassen des Personenwagens verzweifelt versuchten, den Unfallverursacher auf sie auf
merksam zu machen, oder bei einem in der 29. Woche schwangeren Unfallopfer (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_949/2008 vom 4. Mai 2009 E. 4.2.1 mit zahlreichen Hinweisen).
Die zitierte Kasuistik zeigt, dass im konkreten Fall
weder von besonders drama
tischen Begleitumständen noch von einer besonderen Eindrücklichkeit des Un
falls gesprochen werden
kann, da sich das konkrete Unfallgeschehen nicht mit den genannten Geschehensabläufen vergleichen lässt.
Zu betonen ist dabei, dass für die Beurteilung dieses Kriter
iums ein objektiver Massstab an
zusetzen und das subjektive Empfinden nicht massgebe
nd
ist
.
5
.3.2
Für die Bejahung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzung genügt die Diagnose einer HWS-Distorsion (oder einer anderen, adäquanzrechtlich gleich zu behandelnden Verletzung) für sich allein nicht. Es bedarf dazu einer besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflus
sen können. Diese können beispielsweise in einer beim Unfall eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten Komplikationen beste
hen. Auch erhebliche Verletzungen, welche sich die versicherte Person neben dem Schleudertrauma, der äquivalenten Verletzung der HWS oder dem Schädel-Hirntrauma beim Unfall zugezogen hat, können bedeutsam sein (BGE 134 V 109 E. 10.2.2 S. 127 f. mit Hinweisen).
Die erstbehandelnden Ärzte der Notfallpraxis des Spitals
Z._
diagnostizier
ten ein
e HWS-Distorsion sowie ein
en
vegetative
n
Reizzustand. Als Therapie wurde nebst der eingeleiteten Schmerzmedikation allein Schonung verordnet, bei Weiterbehandlung durch den Hausarzt (
Urk.
8/65).
Allein schon daraus ist ersichtlich, dass die erlittenen Verletzungen weder objektiv schwer noch von besonderer Art waren. Die medizinischen Unterlagen zeigen dab
ei, dass die Be
schwerdeführerin
an den typischen Beschwerden eines
HWS-Distorsionstraumas im übli
chen Rahmen
litt
. Ob die Kopfhaltung im Kollisionszeitpunkt dabei ge
nau gerade gewesen war, oder ob die Beschwerdeführerin den Kopf leicht nach links gedreht hatte, erscheint dabei von untergeordneter Bedeutung. Mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit kann aufgrund der vorliegenden Akten davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin weder über das
Distorsions
trauma
hinausgehende schwere noch besondere Verletzungen erlitt. Entgegen den Ausführungen des Vertreters der Beschwerdeführerin kann der Sachverhalt auch nicht mit jenem gemäss U
338/06 E. 3.4.2 verglichen werden,
nachdem
das betreffende
Unfallgeschehen zu einer andauernden vollständigen Arbeits
unfähigkeit geführt hat.
5
.3.3
Weiter musste sich die
Beschwerdeführer
in
nach dem Unfall keinen fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlungen bis zum Fallabsch
luss unter
ziehen. So wurden ihr
- nebst der medikamentösen Behandlung -
vor allem passive Behandlungen verschrieben (Phy
sio
therapie,
Feldenkr
a
is, Akupunktur;
Urk.
8/10,
Urk.
8/11,
Urk.
8/51,
Urk.
8/78,
Urk.
8/133,
Urk.
8/180
). Ferner dien
ten die bis zum Fallabschluss vorgenommenen med
izinischen Untersuchungen grösstenteils der Abklärung (etwa bezüglich Schwindelbeschwerden), so dass i
nsgesamt
nicht von
fortges
etzt belastenden Behandlungen auszugehen ist.
5
.3.4
Für eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlim
mert
hätte
, finden sich in den Akten keine Hinweise; auch die Beschwerde
schrift enthält diesbezüglich keine anderslautenden Angaben.
5
.3.5
In Bezug auf die Kriterien des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen Komplikationen ist festzuhalten, dass von der ärztlichen Behandlung und den geltend gemachten Beschwerden nicht auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder auf erhebliche Komplikationen geschlossen werden darf. Es bed
ür
f
te
hiezu
besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben (Urteil des Bundes
gerichts 8C_915/2008 vom 11. September 2009 E. 5.5). Solche besonde
ren Gründe sind den vorliegenden medizinischen Akten nicht zu entnehmen und werden vom Vertreter des Beschwerdeführers auch n
icht konkretisiert (Urk. 1 S. 6 ff.
).
5
.3.6
Bei dieser Sachlage kann letztlich offen bleiben, ob vorliegend von einer erheb
li
chen
Arbeitsunf
ähigkeit trotz ausgewiesener An
strengungen
sowie von erheb
li
chen Beschwerden auszugehen ist. Beide Kriterien sind mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht in einer besonders ausgeprägter Weise erfüllt
. D
er Kausalitätsnachweis
könnte
insgesamt erst bei Bejahung von
vier Kriterien ge
lingen
.
5
.4
Zusammenfassend ergibt sich
, dass die Beschwerde
gegnerin ihre Leistungen mangels Ad
äquanz zu Recht eingestellt hat, was in Bestätigung des angefochte
nen
Einspracheentschei
ds
zur Abweisung der Beschwerde führt.