Decision ID: 7617a7af-8e1b-54de-b83f-e44933299b25
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
57
,
war
von März
1989
bis Juni 2003
mit
einem
Teilzeitp
ensum
als
Küchenhilfe in einem Heim
tätig (vgl. Urk.
10/1;
Urk.
10/5
).
Am
10. März 2004
meldete sich die Versicherte zum Be
zug von Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Massnahmen) an (Urk.
10
/
1
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte verschiedene Abklärungen und
sprach ihr mit Verfügung vom
4. Januar 2008
bei einem Invaliditätsgrad von
44
% mit Wirkung ab dem 1.
Januar 2004
eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung zu
(
Urk.
10/42)
.
1.2
I
m Rahmen
einer
im Dezember 2010 eingeleiteten
Rentenrevision
(vgl. Urk. 10/
46
)
ergab
sich keine Ä
nderung
und der Invaliditätsgrad der Versicher
ten wurde weiterhin auf 44 % festgelegt (vgl. Urk. 10/
52
).
Im Mai 2013
leitete die IV-Stelle
erneut
eine Rentenrevision ein (vgl. Urk. 10/
55
), dies
zur Überprüfung der Rente gestützt auf die
Schlussbestimmun
gen
der Änderung des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
vom 18. März 2011 (6. IV-Revision).
Sie holte
medizinische
Bericht
e
(Urk.
10/56;
Urk.
10/58;
Urk.
10/61
) ein
und hob – n
ach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(
Urk. 10/
64
; 10/
70
; 10/
73
)
–
mit Verfügung vom
14. Januar 2014
die bisherige
Viertelsrente
der Versicherten
mit dem ersten Tag des zwei
ten auf die Zustellung des Entscheids folgenden Monats hin auf (Urk.
10
/
76
= Urk. 2)
.
2.
Gegen die Verfügung vom
14. Januar 2014
(Urk. 2) erhob die Versicherte mit Eingabe vom
27
. Januar 2014
(Urk. 1
; unterzeichnete Fassung in
Urk.
6
) Be
schwerde und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben und
es sei
ihr wei
terhin eine Inva
lidenrente auszurichten
.
Eventuell
sei
en
eine nochmalige psy
chiatrische Abklärung durch die
IV-
Stelle sowie eine Migräne-Abklärung vor
zunehmen
(S. 2
oben
). Mit Ver
nehmlassung vom 31. März 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 9). Dies wurde der Beschwerdeführerin am
25
. April 2014 zur Kenntnis gebracht (Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes übe
r
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück
sichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die am
1.
Januar 2012 in Kraft getretene IVG-Revision hat zum Ziel, die Invali
den
versicherung (IV) zu sanieren. Dabei steht der Eingliederungsgedanke im Zen
trum. Insbesondere durch sogenannte „eingliederungsorientierte Rentenrevisionen“ sollen laufende Renten erheblich reduziert oder gar aufgehoben wer
den können, indem systematisch überprüft wird, ob bei den Rentenbezügerinnen und -bezügern Potential zur Wiedereingliederung vorhanden ist (Thomas
Gächter
/Eva
Siki
, Sparen um jeden Preis?, in:
Jusletter
2
9.
November 2010, S.
2).
1.3
Gemäss Schlussbestimmung a. der Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011 wer
den Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Be
schwerdebildern
ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach
Art.
7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herab
gesetzt oder aufgehoben, auch wenn die Voraussetzungen von
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind.
Mithin finden auf diese IV-Rentnerinnen und -rentner nicht die geplanten Best
immungen über die eingliederungsorientierte Rentenrevision Anwendung, die mit flankierenden und begleitenden Massnahmen abgerundet werden. Vielmehr sind die Rentenansprüche, die etwa gestützt auf die Diagnose eines organisch nicht erklärbaren Schmerzzustandes gesprochen wurden, zu überprüfen und unter dem Gesichtspunkt der seit BGE 130 V 352 verschärften Praxis neu zu beurteilen (
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 2).
1.4
Ausgangspunkt für die Bemessung der Invalidität bildet die Frage, ob und in welchem Ausmass es einer versicherten Person zumutbar ist, trotz ihres Gesundheitsschadens ein Erwerbseinkommen zu erzielen. In
Art.
7
Abs.
2 ATSG, der mit der
5.
IVG-Revision am
1.
Januar 2008 in Kraft getreten ist, wird fest
gelegt, dass eine Erwerbsunfähigkeit nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Damit wurde gesetzlich verankert, dass die Zumutbarkeit nicht nach dem subjektiven Empfinden der versicherten Person, sondern nach objektiven Gesichtspunkten zu beurteilen ist.
Art.
7
Abs.
2 ATSG schreibt somit auf Gesetzesstufe das Erfordernis der Objektivierbarkeit fest, was nach der bun
desgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 135 V 215 E. 7.3) seit jeher gilt (
Gäch
ter
/
Siki
, a.a.O., S. 3).
Das Bundesgericht erachtete es aus Gründen der Rechtsgleichheit als geboten, sämtliche
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage den gleichen Anforderungen zu un
terstellen, und hat in der Folge die im Bereich der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelte „Schmerz-Rechtsprechung“ bei verschiedenen verwandten Diagnosen, so bei der Würdigung des invalidisierenden Charakters von
Fibromyalgie
,
Chronic
Fatigue
Syndrome oder Neurasthenie, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, der dissoziativen Bewegungsstörung sowie einer spezifischen HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle (HWS- oder Schleudertrauma) zur Anwendung gebracht (
Gäch
ter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts).
Das gemeinsame Merkmal dieser Beschwerdebilder, welche die einheitliche An
wendung der „Schmerz-Rechtsprechung“ des Bundesgerichts rechtfertigt, be
steht darin, dass die Betroffenen unter körperlichen Symptomen - wie Rü
cken
schmerzen, Müdigkeit oder Magen-Darmproblemen - leiden, die sich nicht durch organische Befunde erklären lassen. Weder fallen unter die Anwendung der „Schmerz-Rechtsprechung“ somit sämtliche psychiatrischen Diagnosen noch ist ausschlaggebend, ob ein bestimmtes Leiden organischen oder psychischen Charakter hat. So hat die Rechtsprechung die zu vorwiegend psychisch begrün
deten Schmerzstörungen (ICD-10: F45.4) entwickelten Regeln unter anderem bereits auf die als organisches Leiden qualifizierte
Fibromyalgie
(ICD-10: M79.0) übertragen (
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinweisen auf die Recht
sprechung des Bundesgerichts).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisherige
Viertelsrente
der Beschwerdeführerin zu Recht aufgehoben hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Entscheid auf den Stand
punkt, dass die Diagnosen, welche zur
Rentenzusprache
geführt hätten, zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Zustandsbildern ohne nach
weisbare organische Grundlagen gehör
t
en. Es bleibe somit zu prüfen, ob die ärztlich attestierten Diagnosen (diverse Schmerzen am ganzen Körper, chronisch rezidivierende Kopfschmerzen,
Somatisierungsstörung
) mit einer zumutbaren
Will
lensanstrengung
überwindbar seien (
Urk.
10/76
S.
1 f.). Es liege keine
psy
chische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Dauer und Intensität vor
(
Urk.
10/76
S.
2 Mitte).
Es sei darauf zu schliessen, dass die zu prüfenden Fak
toren, welche zu einer ausnahmsweisen Unzumutbarkeit der Beschwerdeüber
windung führen könnten, ganz klar nicht in gehäufter und erheblicher Form vorl
ä
gen
(
Urk.
10/76
S.
3 oben;
vgl. auch Feststellungsblatt,
Urk.
10/63
S. 5 f.
).
2.3
Die Beschwerdeführerin machte in ihrer Beschwerde (Urk. 1) geltend, dass
kein
ätiologisch-
pathogenetisch
unklare
s
syndromale
s
Zustandsbild vorliege.
Die Migräne sei eine schwerwiegende organische Erkrankung, die mittlerweile an
hand des
EEG’s
mit evozierten Potentialen (Biomarker-Untersuchung) diagnos
tisch nachgewiesen werden könne
.
Ausserdem sei eine psychische Erkrankung gegeben (S. 2 oben).
Des Weiteren liege bei ihr ein Ausnahmefall vor. Die psy
chische
Komorbidität
sei schwerer Ausprägung und dauere seit Jahren an und die körperliche Begleiterscheinung – die schwere Migräne – sei
chronifiziert
. Die Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit könne ihr nicht zugemutet werden. Auch würde sie in ihrem Alter keine Stelle finden. Zudem würde wohl kein Arbeitge
ber tolerieren, dass sie mehrmals pro Monat infolge der starken Kopfschmerzen der Arbeit fernbleiben müsse (S. 1 unten).
3.
3.1
Medizinische Grundlage für die ursprüngliche
Rentenzusprache
war insbeson
dere das
Gutachten
der Ärzte des
Y._
in
Z._
v
om 26. Oktober 2006 (
Urk.
10/28).
Darin wurden folgende Hauptdiagnosen genannt (
S. 28 Ziff.
4.1):
medikamenteninduzierte Kopfschmerzen auf der Basis einer Migräne mit und ohne Aura
Somatisierungsstörung
mit
Medikamentenabusus
wegen chronischer Kopfschmerzproblematik
Persönlichkeit mit auffälligen
histrionischen
Charakterzügen
Die
Ärzte
des
Y._
führten aus, dass d
iagnostisch die Kopfschmerzproblematik im Rahmen einer Migräne mit und ohne Aura
im Vordergrund stehe, wobei auch eine deutliche psychogene Komponente auf dem Boden einer schwierigen Charakterstruktur zu nennen sei (S. 29 unten). Aus psychiatrischer Sicht stehe die auffällige und schwierige Persönlichkeit mit
histrionischen
Charakterzügen mit ausgeprägter
Somatisierungsstörung
im Vordergrund (S. 30 oben). Aus psy
chiatrischer Sicht müsse eine weitgehende Arbeitsunfähigkeit ausgemacht wer
den (S. 30 Mitte). Aus somatisch-neurologischer Sicht müsse wegen der häufi
gen Migränebeschwerden ebenfalls eine Teilarbeitsunfähigkeit ausgemacht wer
den. Gesamthaft gesehen sei die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit als Küchenmitarbeiterin nicht mehr arbeitsfähig (S. 30 unten). Eine angepasste Tätigkeit sei seit Anfang 2003 nur stundenweise, zu etwa 30 % zumutbar (S. 31
Ziff.
1). Die Arbeitsunfähigkeit sei auf ein psychisches und auch auf ein soma
tisches Leiden mit Krankheitswert (Migräne) zurückzuführen (S. 31
Ziff.
2).
3.2
Des Weiteren lag ein Bericht von
Dr.
med.
A._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 28. September 2004 zuhanden des Krankentaggeldversicherers vor (
Urk.
10/9/5-8).
Dr.
A._
diagnostizierte eine vor
wiegend agitierte, depressive mittelgradige Episode mit somatischen Sympto
men auf dem Hintergrund einer
histrionischen
Persönlichkeitsstörung (S. 4 oben). Es müsse von einer psychischen Störung mit Krankheitswert gesprochen werden, welche für die Arbeitsunfähigkeit ab dem 25. März 2003 massgeblich gewesen sei. Aktuell habe sich die Situation etwas beruhigt, so dass ab Novem
ber 2004 eine 50%-Tätigkeit als Küchenhilfe wieder möglich sein sollte (S. 4 Mitte).
3.3
Dr.
med.
B._
, Neurologie FMH, nannte mit Bericht vom 7. Feb
ruar 2007 zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
10/35)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A):
chronifizierte
Migräne
Verdacht auf chronische Spannungstyp-Kopfschmerzen
Verdacht auf Analgetika-induzierte Kopfschmerzen
depressives Zustandsbild mit Angst- und Panikattacken
Dr.
B._
führte aus,
die Beschwerdeführerin stehe wegen
chronifizierter
Migräne und Spannungstyp-Kopfschmerzen seit vielen Jahren in Behandlung. Die psy
chiatrische Diagnose laute auf mittelgradige Depression mit somatischen Symptomen auf dem Hintergrund einer
histrionischen
Persönlichkeitsstörung. Die
Komorbidität
von Depression und Migräne sei gut belegt. Bis zum Erreichen
einer adäquaten Behandlung dieser komplexen Problematik, welche je länger desto unwahrscheinlicher erscheine, sei an eine Wiederaufnahme der Arbeit nicht zu denken (
lit
. D.2).
3.4
Dr.
med.
C._
, Allgemeine Innere Medizin FMH,
nannte mit Bericht vom 20. Februar 2007 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/36) folgende Di
agnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A):
depressive Verstimmung und P
anikattacken wahrscheinlich im Rahmen
ei
ner
histrionischen
Persönlichkeitsstörung
starke, beinahe tägliche Migräne-Attacken
Dr.
C._
attestierte der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit 2003 bis heute (
lit
.
B).
3.5
Dem
Bericht über die
am 21. August 2007 erfolgte
Abklärung der beeinträchtig
ten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (
vom 29. August 2007,
Urk.
10/37)
ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin als zu 44 % erwerbstätig und zu 56 % im Haushalt tätig qualifiziert wurde (S. 7
Ziff.
8). Im Haushalt wurde eine Einschränkung von 33.2 % festgestellt (S. 7 oben).
3.
6
Vor diesem Hintergrund, insbesondere gestützt auf das Gutachten der Ärzte de
s
Y._
,
ging die Beschwerdegegnerin von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten sowie einer 30%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus und
sprach
der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 4. Januar 2008
bei einem Invaliditätsgrad von
44
% mit Wirkung
ab 1. Januar 2004 eine
Viertelsrente
zu (
Urk.
10/42;
vgl. auch Feststellungsblatt,
Urk.
10/38
S. 3
).
4.
4.1
Die seither ergangenen Berichte ergeben über den Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin folgendes Bild:
4.2
Dr.
C._
nannte im Januar 2011
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
10/49/1-3)
im Wesentlichen dieselben Diagnosen und dieselbe Einschät
zung der Arbeitsfähigkeit wie in ihrem früheren Bericht vom Februar 2007.
4.3
Die
Neurologin
Dr.
B._
gab mit
Bericht vom 17. Januar 2011
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
10/50)
ebenfalls unveränderte Diagnosen a
n (Ziff.
1.1).
Sie führte aus, dass geringste Belastungen, psychische und zum Teil körperliche, Migräneanfälle auslösen würden (
Ziff.
1.7). Die Situation habe sich seit ihrem letzten Bericht im Jahr 2007 neurologisch nicht verändert. Nach wie vor bestehe eine
chronifizierte
Migräne mit zeitweisem
Medikamentenüberge
brauch
(
Ziff.
1.11). Aus neurologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin auf
grund ihrer Migräne, wohl nur während den Anfällen, 100 % arbeitsunfähig. Angesichts der gesamten Situation mit erheblicher psychiatrischer
Komorbidität
könne sie kaum einer Erwerbstätigkeit nachgehen (vor
Ziff.
1).
4.4
A
m
18. Mai 2013
berichtete
Dr.
B._
zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/56), dass die Situation unverändert sei
(
Ziff.
7).
Neu nannte sie die Di
agnose einer
Somatisierungsstörung
sowie eines Verdachts auf eine Angststörung (Ziff. 3).
4.5
Die Allgemeinärztin
Dr.
C._
nannte mit
Bericht vom 1. Juni 2013
(
Urk.
10/58)
die
Diagnosen
eine
r
starke
n
Migräne
mit Schwindel und Sehstörungen sowie eine
r
depressive
n
Verstimmung mit Panikattacken
.
4.6
Dr.
med.
D._
,
Allgemeine Innere Medizin FMH, nannte mit
Bericht vom 8. August 2013
zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/61) folgende
Dia
gnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1)
:
chronifizierte
Migräne
chroni
sche Spannungstyp Kopfschmerzen
Anal
getika-induzierte Kopfschmerzen
mittelgradige
depressive Episode
Dr.
D._
führte aus, er sehe die Beschwerdeführerin zwei- bis dreimal pro Jahr. Sie befinde sich meistens in einem Zustand agitierter Depression und
be
richte
über chronische Kopfschmerzen in verschiedener Intensität, zeitweise be
gleitet von Schwindel und Sprechstörungen. Die Beschwerdeführer
in
sei
nicht arbeitsfähig
. Zu sehr sei sie gedanklich auf sich selbst und ihre chronischen Beschwerden und deren Bewältigung eingeengt
(
Ziff.
1.4 und 1.6)
.
4.7
Dr.
med.
E._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nannte mit Bericht vom 2
1.
Dezember 2013 zuhanden der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10/74
= Urk. 3
) folgende psychiatrische Diagnosen (S. 4 unten):
Anpassungsstörung
mit vorwiegender Beeinträchtigung anderer Gefühle
spezifische Phobie
(Angst
vor einem Zusammenbruch im öffentlichen Ver
kehr mit Verletzungsfolge)
deutlich a
kzentuierte Persönlichkeitszüge
Dr.
E._
kam zum Schluss, dass eine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt
aufgrund
der
Dekonditionierung
und der drei psychiatrischen Di
agnosen
wahrscheinlich
im Moment nicht
gegeben sei. Eine Re-Integration zu
50 % im geschützten
Rahmen sei seiner Ansicht nach möglich und zumutbar. Zudem sei es seines Erachtens möglich, die Angst vor Zusammenbrüchen im öffentlichen Verkehr zu überwinden (S. 5 oben).
D
ie
Beschwerdeführerin
könne
lernen, drohende Black-Outs im öffentlichen Verkehr frühzeitig zu spüren und dann sofort eine Pause einzulegen.
Möglicherweise lasse sich die Häufigkeit und der Schweregrad der Migräne durch eine allgemeine Entspannung/Modifikation der Persönlichkeit und durch die Ablenkung von verschwörungstheoretischen Inhalten über Monate hinweg senken (S. 5 Mitte).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der Aufhebung der Invalidenrente auf
lit
. a
der
Schlussbestimmung
en der
Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011
.
5.2
D
ie Ausschlusskriterien gemäss
Abs.
4
(Erreichen des 5
5.
Altersjahres im Zeit
punkt des Inkrafttretens der Änderung oder Bezug einer Rente seit mehr als 15 Jahren im Zeitpunkt der Überprüfung)
sind vorliegend
nicht gegeben
. Festzu
halten
ist indessen, dass die Beschwerdeführerin
im massgebenden Zeitpunkt die Altersgrenze beinahe erreicht hatte,
war sie doch
bei Inkrafttreten de
r Än
derung mehr als 54 1⁄2 Jahre alt. Da die
Überprüfung der Rente innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten d
er Änderung am
1.
Januar 2012 erfolgte, ist
lit
. a
der
Schlussbestimmung
en der
Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011
aus formeller Sicht anwendbar.
5.3
Zu prüfen bleibt, ob
die
ursprüngliche
Rentenzusprache
auf
einem
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren
syndromalen
Beschwerdebild ohne nachweisbare or
ganische Grundlage
basierte.
Die
Rentenzusprache
per
1.
Januar 2004
erfolgte im Wesentlichen gestützt auf das
Y._
-Gutachten
vom
Oktober 2006
, wobei
die Kopfschmerzproblematik
auf der Basis
einer Migräne mit und ohne Aura
im Vordergrund
stand.
Im
Gutach
ten
wurde ausdrücklich festgehalten,
dass wegen der häufigen Migränebeschwerden eine Teilarbeitsunfähigkeit bestehe
. Aus psychiatrischer Sicht wurde im
Y._
-Gutachten die
auffällige und schwierige Persönlichkeit mit
histrioni
schen
Charakterzügen mit ausgeprägter
Somatisierungsstörung
hervorgehoben, welche eine
weitgehende Arbeitsunfähigkeit
bewirke.
Der Psychiater
Dr.
A._
hatte im September 2004
eine depressive mittel
gradige Episode mit somatischen Symptomen auf dem Hintergrund einer
histri
onischen
Persönlichkeitsstörung
diagnostiziert.
D
en Berichten
von
Dr.
C._
und
Dr.
B._
vom Februar 2007
ist
eine Migräne
als
eine der
Hauptdiagnose
n
zu entnehmen
(
chronifizierte
Migrän
e beziehungsweis
e starke, beinahe tägliche Migräne-Attacken)
.
Beide Ärztinnen gingen in Kombination mit
einer Depres
sion respektive depressiven Verstimmung
auf dem Hintergrund einer
histrioni
schen
Persönlichkeitsstörung
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus.
Im Rahmen der Rentenrevision im Jahr 2011
hielt die Beschwerdegegnerin fest
, dass die Beschwerdeführerin in unverändertem Ausmass vorwiegend an Kopf
schmerzen bei
Somatisierungs
- und Persönlichkeitsstörung mit
histrionisch
-
em
Charakter leide.
Der Gesundheitszustand sei somit unverändert im Vergleich zum massge
benden MEDAS-Gutachten von 2006 (vgl. Feststellungsblatt,
Urk.
10/51 S. 2).
5.4
Gemäss
Rz
1003 des Kreisschreibens über die Schlussbestimmungen der Ände
rung vom 1
8.
März 2011 des IVG (KSSB), gültig ab
1.
September 2013, gehören Störungsbilder, bei denen eine Diagnose anhand klinischer psychiatrischer Un
tersuchungen klar gestellt werden kann, wie beispielsweise Depressionen oder Angst- und Persönlichkeitsstörungen, nicht zu den sogenannten
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren Beschwerdebildern ohne nachw
eisbare organische Grundlage
.
Gemäss Gutachten der Ärzte des
Y._
war die
attestierte
Arbeitsunfähigkeit auf ein psychisches und auch auf ein somatisches Leiden mit Krankheitswert (Mig
räne) zurückzuführen
.
Wie im Rahmen der Rentenrevisi
on 2011 explizit festge
halten, ging die Beschwerdegegnerin von
Kopfschmerzen bei
einer
Somatisie
rungsstörung
und einer Persönlichkeitsstörung aus. Letztere
gehört
indessen nicht
zu den
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage.
Abgesehen von der
Somatisierungsstörung
ist vorliegend keines derjenigen Beschwerdebilder zu beurteilen, bei welchen das Bundesgericht grundsätzlich von einer Überwindbarkeit der attestierten Ar
beitsunfähigkeit ausgeht.
So gibt es gestützt
auf die Rechtsprechung des Bun
desgerichts
keine Anhaltspunkte, eine diagnostizierte Migräne in Analogie zu
somatoformen
Schmerzstörungen zu beurteilen.
Auffallend ist, dass die
Be
schwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung die Migräne, welche im
Y._
-Gutachten wie auch in sämtlichen aktuellen Berichten diagnostiziert wird, nicht erwähnt, indessen von „rezidivierenden Kopfschmerzen“ spricht (vgl.
Urk.
10/76 S. 1 unten).
Was die im
Y._
-Gutachten diagnostizierte
Somatisie
rungsstörung
angeht, ist festzuhalten, dass diese
nicht im Vordergrund
stand respektive steht
.
Die
Rente
nzusprache
an die
Beschwerdeführerin
stützte sich
somit nicht massgeblich auf
ein
pathogenetisch
-ätiologisch unklares
syndro
males
Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage.
Demzufolge
ist
lit
. a der Schlussbestimmungen der Änderung des IVG vom 1
8.
März 2011 vor
liegend nicht anwendbar.
5.
5
Angesichts
dessen
erübrigt es sich zu prüfen, ob eine Erwerbstätigkeit trotz vor
handener Beschwerden aus objektiver Sicht zumutbar ist.
Zu bemerken ist
jedoch
, dass die Beschwerdegegnerin
keine aktuellen Abklärun
gen
tätigte, sondern
lediglich kurze Berichte der behandelnden Ärzte ein
holte
. Gestützt auf diese könn
t
en die Foerster-Kriterien und damit auch die
Frage der
Überwindb
arkeit
kaum
beurteilt werden.
5.6
Die Beschwerdeführerin leidet seit vielen Jahren
insbesondere
an
starker,
chro
-
nifi
zierter
Migräne sowie
an
psychischen Beschwerden. Aufgrund der aktu
ellen Berichte
(vgl. E. 4)
ergibt sich
keine erhebliche Änderung der gestellten Diagnosen.
Neu
wurden mit
Bericht
des Psychiaters
Dr.
E._
vom De
zember 2013 eine
Anpassungsstörung und
eine
spezifische Phobie diagnosti
ziert.
E
ine Verbesserung
des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ist nicht ersichtlich und wurde
auch nicht geltend gemacht.
Vielmehr wurde der Beschwerdeführerin in den aktuellen Berichten keine Arbeitsfähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt mehr attestiert.
Ausserdem ergeben sich aus den Akten keine Hinweise, dass sich bezüglich der sozialversicherungsrechtlichen Qualifi
kation eine wesentliche Veränderung ergeben hat.
Eine revisionsweise
Renten
aufhebung
gestützt auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG ist somit nicht möglich.
Auch eine Wiedererwägung fällt vorliegend nicht in Betracht. Die ursprüngliche
Rentenzusprache
, welche gestützt auf ein MEDAS-Gutachten erfolgte, kann nicht als zweifellos unrichtig qualifiziert werden.
Es ist darauf hinzuweisen
, dass häufigen und schweren Migräneattacken durchaus Krankheitswert zukom
men kann.
5.7
Nach dem Gesagten kann eine Renteneinstellung nach Lage der Akten weder gestützt auf
lit
. a der Schlussbestimmungen
der Änd
erung des IVG vom 1
8.
März 2011
noch gestützt auf
Art.
17 ATSG erfolgen.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochte
nen Entscheid
s mit der Feststellung, dass die
Beschwerdeführer
in
weiterhin Anspruch auf die bisherige
Viertelsrente
hat.
6.
Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
6
00
.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.