Decision ID: c08ed857-73ae-4538-82a7-a881320779df
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.
1
X._
, geboren 1959,
verheiratet und Mutter von zwei Kindern mit Jahrgang 1991 und 1993,
war vom
2
1.
August 1995
bis Ende Juli 2013
bei der
Y._
als Heilpädagogin mit verschiedenen
Pensen
angestellt
, wobei ihr letzte
r
reguläre
r
Arbeitstag Ende Dezember 2011 war
(
Urk.
6/10
,
Urk. 1 S. 4 f.
und
Urk.
6/6
)
. Am 5.
Dezember 2008
meldete sie sich
unter Hinweis auf
durch einen
Heckauffahrunf
all herbeigeführte Kopfschmerzen bis Übelkeit, Schwindel, massive Geräusch
-
und Lärmempfindlichkeit, Tinnitus, Nackenver
spannungen/-schmerzen
zum Bezug von Leistungen der Eidgenössischen Inva
lidenversicherung (IV) an (Urk.
6/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf daraufhin erwerb
liche, berufliche sowie medizinische Abklärungen und zog die Akten des
Kran
kentaggeld
versicherers
(Urk.
6/19)
sowie
Unfall
versicherers (Urk. 6/
15, Urk. 6/34, Urk. 6/39, Urk. 6/58-59,
Urk. 6/63
) bei.
Am 20.
April
2009 wurde das von der IV-Stelle in Auftrag gege
bene neuro
psychologische Gutachten erstattet (
Urk.
6/29). Mit Schreiben vom 22. Juni 2009 wurde der Versicherten mitgeteilt, dass
zur Zeit
keine beruflichen Ein
gliede
rungs
massnahmen möglich seien und ihr Gesundheitszustand medizi
nisch noch weiter abzuklären sei (
Urk.
6/36). Am
2.
Februar 2010 wurde das von der IV-Stelle in Auftrag gegebene neurologische Gutachten erstattet (
Urk.
6/55). Zudem zog
sie das
zu Händen
de
s
Unfall
versicherer
s
am 22. Dezember 2009 erstattete Gutachten im Hals-Nasen-Ohren- beziehungsweise ORL (
Oto
-
Rhino
-Laryngologie)-Bereich bei (
Urk.
6/56
/2-7
). Am 1
5.
März 2011 wurde die Ein
schränkung in Beruf und Haushalt erhoben (
Urk.
6/71
)
. Nach durchge
führtem
Vorbescheidverfahren
sprach ihr
die IV-Stelle am 2
6.
März 2012 eine
auf einem Invaliditätsgrad von 41 %
(Einschränkung von 47
%
im mit 75
%
gewichteten Erwerbsbereich, Einschränkung von 23
%
im mit 25
%
gewichteten
Haushalt
bereich
)
beruhende
Viertelsrente
rückwirkend
per
1.
Oktober 2008
zu
(Urk. 6/104
und
Urk.
6/95
).
1.2
Anlässlich des im
November
201
2
von Amtes wegen
eingeleiteten
Revisionsver
fahrens
(Urk.
6
/
120
) tätigte die IV-Stelle wiederum medizinische sowie erwerbli
che Abklärungen
, insbesondere gab sie
eine polydisziplinäre medizinische Unter
suchung bei der medizinischen Abklärungsstelle (MEDAS)
Z._
,
in Auftrag. Mit Schreiben vom
3.
April und
2.
September 2013 informierte Dr.
med.
A._
,
Rheumatologie FMH,
dass aktuell keine Begutachtung durchgeführt werden sollte, weil die Versicherte
seit September 2012
eine
Brainjoin
Therapie
absol
viere
und durch die Untersuchung der Therapieerfolg beeinträc
htigt werden könnte (
Urk.
6/133,
Urk.
6/143).
Mit Zwischenverfügung
vom
9.
September 2013 (
Urk.
6/144)
hielt die IV-Stelle unter Hinweis auf
die
Mitwirkungspflicht
der Versicherten
an der Abklärung durch die MEDAS fest. Das entsprechende Gutachten wurde am 2
4.
Dezember 2013 erstattet (
Urk.
6/152) und am 3
0.
Januar 2014 ergänzt (
Urk.
6/154)
.
Mit Vorbescheid vom
4.
September 2014 (Urk. 6/159
) stellte
die IV-Stelle der
Versicherten die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom
26. März 2012 (Urk. 6
/
104
) und die
Aufhebung
der Rente
nach Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats
in Aussicht. Daran hielt sie auf Einwand de
r
Versicherten
unter Beilage von wei
teren Unterlagen
(Urk.
6/160
, Urk.
6
/
162, Urk. 6
/
163
) mit Verfügung vom
2
9.
Oktober 2014
(Urk. 2) fest.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
5.
November 2014 Beschwerde mit den Anträgen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr die bis
herigen Leistung
en weiterhin zuzusprechen (Urk. 1 S.
2). Die
Beschwerdegegne
rin
schloss am
8.
Januar 2015 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin am
9.
Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Nach Art. 53 Abs. 2 ATSG kann die IV-Stelle auf formell rechtskräftige Verfügun
gen und
Einspracheentscheide
zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Wird die zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die im Revisionsverfahren verfügte Aufhebung der Rente mit dieser substituier
ten Begründung schützen (BGE 125 V 368 E. 2, Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 2). Bei Renten der Invalidenversicherung im Besonderen ist zu beachten, dass die Ermittlung des Invaliditätsgrades verschie
dene Ermessenszüge aufweisende Elemente und Schritte umfasst. Zu denken ist namentlich an die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit als Folge von
Geburts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall bedingte Arbeitsunfähigkeit (vgl. Art. 4 Abs. 1 IVG und Art. 6 ATSG). Hier be
darf es für die Annahme zweifelloser Unrichtig
keit einer qualifiziert
rechtsfeh
lerhaften
Ermessensbetätigung.
Scheint die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen
Rentenzuspre
chung
darbot, als vertretbar, scheidet die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2008 vom 3. November 2008 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3.2
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist so zu handhaben, dass die Wiedererwägung nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen
Neuüberprü
fung
von Dauerleistungen wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende Ansprüche zufolge nachträglich besserer Einsicht der Durchführungsorgane jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können.
Massgebend
für die Beurteilung des Vorliegens einer zweifellosen Unrichtigkeit muss das
Ausmass
der Überzeugung sein, dass die bisherige Entscheidung unrichtig war. Mit der Zweifellosigkeit wird dabei ein hoher Grad umschrieben. Es darf kein vernünftiger Zweifel daran möglich sein, dass eine Unrichtigkeit vorliegt; es ist ein einziger Schluss - eben derjenige auf die Unrichtigkeit - möglich (vgl. ATSG-Kommentar, 3. Auflage Zürich/Basel/Genf 2015, Art. 53 N 52 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete die wiedererwägungsweise
Rentenaufhe
bung
damit
(
Urk.
2)
, dass die
Verfügung vom 2
6.
März 2012 (Urk. 6/104
und
Urk.
6/95
), mit welcher der Beschwerdeführerin
gestützt auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
(Einschränkung von 47
%
im mit 75
%
gewichteten Erwerbsbereich, Einschränkung von 23
%
im mit 25
%
gewichteten Haushaltbereich)
eine
Viertelsr
ente
zugesprochen worden sei
,
zweifellos unrichtig gewesen sei
.
So fehle
es für die
Leistungszusprache
einer
seits an
eine
r
rechtsgenügliche
n
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit,
was den
Untersuchungsgrundsatz nach Art.
43
ATSG
verletze
.
Andererseits
beruhe die Invaliditätsbemessung auf unrichtigen Grundlagen
; dies
verletze
Art.
16 ATSG
(Urk. 2
S. 2 ff.
).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Stand
punkt, die Wiedererwägungsvoraussetzungen seien nicht gegeben.
Der
Rentenzusprache
seien
diverse ärztliche
Untersuchungen vorausgegangen.
Namentlich
sei
en
ihre Beschwerden
aus ORL
-
f
achärztlicher Sicht
erhoben und auch verifiziert
worden
. Im Sinne der
massgebenden Rechtsprechung lä
gen somit erklärbare Beschwerden vor.
Zu berücksichtigen
sei
im Weiteren auch, dass damals die Einschränkung nicht einfach medizinisch theoretisch festgesetzt
worden sei
, sondern in
Bezug auf das massgebende Tätigkeitsprofil
.
Es
sei
somit
ihre
Einsatzfähigkeit als Heilpädagogin speziell im Umgang mit Kindern
gewür
digt worden
. Es
sei
nicht ersichtlich, ob und dass seinerzeit das der Verwaltung zustehende Ermessen bei der Beurteilung der
konkreten Umstände unrichtig gehandhabt worden
wäre (
Urk.
1 S. 3).
In Bezug auf den zweiten Wiedererwägungsgrund
machte sie geltend,
d
ie diesbe
züglichen Ausführungen
stünden
in krassem Gegensatz zu den Erhebun
gen, wie sie im Feststellungsblatt für den Beschluss festgehalten
worden seien
.
Sie habe
glaubhaft geschildert,
dass sie
beabsichtigt
habe, ihr Pensum zu erhö
hen
. Dies
sei auch von der Abklärungsperson
entsprechend
aufgenommen wor
den
(vgl. S. 3 ff.).
3.
3.1
Bei Erlass der Rentenverfügung vom 26. März 2012 (Urk. 6/104
und
Urk.
6/95
) präsentierte sich der medizinische Sachverhalt im Wesentlichen wie folgt:
3.1.1
Dr.
med.
B._
,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
C._
,
gab in seinem Bericht vom
8.
Dezember 2008 (
Urk.
6/14/9-12) an, p
sychopathologisch sei
die Beschwerdeführerin
vollständig unauffällig gewesen. Es habe weder Anhaltspunkte für eine Depression, noch eine Angststörung, spezifische psychoreaktive Störung,
somatoforme
Störung oder Psychose geg
e
ben. Am 3
0.
Oktober 2007 habe sie bei einem Verkehrsunfall ein Distorsionstrauma
erlitten. Die von ihr geschilderte Symptompalette wie Kopfschmerzen, Lärmempfindlichkeit, Tinnitus, Schwindel und Hinweise auf eine neuropsychologische Funktionsstörung seien für einen derartigen
Unfall
mechanismus
mit nachfolgend protrahiertem Verlauf nicht ungewöhnlich. Spe
ziell sei allerdings das Ausmass der Geräuschempfindlichkeit.
Erfreulicherweise seien die meisten Symptome seit dem Unfall in ihrer Intensität degressiv gewe
sen; dies mit Ausnahme der Geräuschempfindlichkeit. Diese sei derart störend, dass sie sich auch in einer normalen Umgebung kaum ungeschützt bewegen könne. Die psychiatrische Exploration vom
3.
Dezember 2008 habe keine Hin
weise dafür gegeben, dass die Beschwerden psychogen erklärt werden könnten. Es liege derzeit keine psychiatrische Störung vor, auch bestünden keine Anhaltspunkte für eine Vorbelastung (S. 11).
3.1.2
Dr.
med.
A._
, Rheumatologe FMH,
nannte in seinem Bericht vom 30
.
De
zember 2008 (
Urk.
6/16/6-7) folgende Diagnosen (S. 6):
Cranioce
rv
icales
Beschleunigungstrauma vom 3
0.
Oktober
2007 mit
Massiver
Dysacusis
beidseits und Tinnitus
Attacken von migräneartigem Kopfweh (durch äussere Reize
getrig
gert
)
Cerviocephalem
Schmerzsyndrom
Leistungseinbusse, Schlafstörung, Tinnitus
Neurovegetativer
Dysbalance
Neuropsychologische
n
Funktionsstörungen
Er führte aus, durch die Heckauffahrkollision am 3
0.
Oktober 2007 sei die Beschwerdeführerin nach vorne geworfen
worden
,
in die Gurte und nach hinten
geprallt
. Dabei
habe
sie
sich den Kopf
an der Stütze
angeschlagen
. In der Folge
habe
eine
cervicocephale
Schmerzsymptomatik mit Muskelverspannungen
bestanden und vor allem
eine Überempfindlichkeit gegenüber Lärm und Akti
vitäten in der Umwelt. Sie
sei
seit dem
9.
November
2007 100
% arbeitsunfähig
gewesen. A
b
Mai
2008
habe eine
25%ige Arbeitsfähigkeit
und ab
dem
4.
Juli
2008
eine
50%ige Arbeitsfähigkeit bis auf weiteres
bestanden. Zurzeit arbeite
sie zweimal einen halben Tag. Dreimal einen halben Tag
sei
nicht durchführbar, da dann die Erholungszeit fehl
e
. Zudem könn
t
en nur kooperative Schüler betreut werden. Die obligaten Aufgaben an der Heilpädagogischen Schule wie Pausenaufsicht und Mittagessen könn
t
en nicht ausgeführt werden. Seit dem Anfertigen
v
on Musikgehörschutzst
öpseln
sei
der Aufenthalt in öf
fentlichen Räumen erträglich
.
3.1.3
Dr.
med.
D._
,
Spezialärztin FMH für Hals-, Nasen- und Ohrenleiden
,
speziell Phoniatrie,
nannte in ihrem Bericht
vom 2
3.
Januar 2009
(
Urk.
6/22/6) folgende Diagnosen:
Massive
Dysakusis
beidseits
Tinnitus bei Status nach
kraniozervikalem
Beschleunigungstrauma am 3
0.
Oktober 2008 (wohl 2007)
Sie gab an,
bei der Beschwerdeführerin
bestehe
seit
dem
Auffahrunfall eine ausge
prägte Geräuschempfin
dlichkeit der Ohren beidseits; z
usätzlich zu einem beidseit
i
gen Tinnitus mit verschieden
en Geräuschkomponenten. Die Sym
ptome
hätten
sofort nach dem Unfall
bestanden
.
Sobald sie
eine
m
gewissen Lärmpegel ausgesetzt
sei, bekomme
sie
Kopfschmerzen und
zum Teil
„
schwirr
e“
es bis zur Übelkeit.
Die Arbeitsfähigkeit
könne sie nicht
umfassend beurteilen. Geeignet
seien
alle Arbeiten in Ruhe. Lärmbelastungen soll
ten möglichst vermieden wer
den.
3.1.4
Dr.
phil.
E._
,
Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP,
äusserte sich in seinem n
europsychologische
n
Gutachten
vom 2
0.
April 2009 (
Urk.
6/29) wie folgt:
D
ie festgestellten neuropsychologischen Defizite
entsprä
chen sehr wahr
sc
heinlich einer leichten Störung.
Die Defizite
würden
das sprachliche Gedächt
nis, die Aufmerksamkeit und die
Visuomotorik
betreffen;
dies bei m
ehrheitlich unauffälligen oder ü
berdurchschnittlichen Fu
nktionen und einer über
durch
schnittlichen Testintell
igenz. Klar im Vordergrund stehe
die deutlich vermin
derte psycho-physische Belastbarkeit, welche auf die körperlichen Beschwerden
zurückgeführt werde, wobei die extreme Geräuschemp
findlichkeit im Vorder
grund steh
e
. Der Schweregrad der eigentlichen neuropsychologischen Störung im ganz engen Sinne
könne
desha
lb nicht exakt angegeben werden. Gesamthaft bestehe
eine mittelschwere Störung. In der Gesamtheit wirk
t
en sich die Störun
gen in sämtlichen Lebensbereichen sehr gravierend aus und die Alltags- und Berufsbewältigung
sei
in der Auswirkung der Störungen mittelschwer bis schwer eingeschränkt (S. 18).
Weiter
hielt er fest
,
d
ie Auswirkungen der neuropsychologischen Störung im engen Sinn
seien
in der zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit als
Heilpäda
gogin
im bisherigen Arbeitspensum (35
.
7
%) eher gering. So
wirkten
sich die Schwächen im sprachlichen Gedächtnis und in der
Visuomotorik
kaum auf die Erteilung von Förderstunden
aus
, hingegen wirk
e
sich die
Aufmerksamkeits
störung
aus. Grösser
seien
die Auswirkungen der beeinträchtigten komplexeren mündlichen Sprachaufnahme und der Aufmerksamkeit
(
zum Beispiel
bei
Team
besprechungen
)
. In der Haushaltführung dagegen
seien
die Auswirkungen der Aufm
erksamkeitsstörung klar grösser;
hauptsächlich jene in der Dauer
und geteilten Aufmerksamkeit (mehrere Sachen im Auge behalten). Eine Angabe des Ausmasses der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, ei
nzig
bedingt durch die neuropsychologischen Störung,
sei
schwer anzugeben
, weshalb auf eine pro
zentuale Bezifferung
verzichtet werden
müsse – die Einschränkungen bestünden aber seit 3
0.
Oktober 2007.
Insgesamt
wirk
t
en sich die Störungen in sämtlichen Lebe
nsbereichen sehr gra
vierend aus. Die All
tags- und Berufsbewältigung in der Auswirkung der Störun
gen
sei
mittelschwer bis schwer eingeschränkt mit entsprechenden Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit
. Im Vordergrund stehe
die deutlich verminderte psycho-physische Belastbarkeit, welche zurückgeführt
werde
auf die körperli
chen Beschwerden, wobei die extreme G
eräuschempfindlichkeit
im Vordergrund steh
e
. Eine adaptierte Tätigkeit
gebe
es eigentlich
nicht
. Diese
Einschätzung aber
oblieg
e einer medizinischen Beurteilung
und
könne
/
dürfe
nicht aus neu
ropsycholo
gischer Sicht beurteilt werden (S. 20).
3.1.
5
Dr.
med.
F._
, Co-Chefarzt
am
G._
, Klinik für Hals-, Nasen
-, Ohren- und Gesichtschirurgie
, nannte in seinem Gutach
ten vom 2
2.
Dezember 2009 (
Urk.
6/56/2-7) folgende Diagnosen, verursacht durch die Auffahrkollision am 3
0.
Oktober 2007 (S. 4):
Halswirbelsäulen (
HWS
)
-Distorsionstrauma mit
Zervikozephalem
Schmerzsyndrom
Zervikalem Schwindel
Ausgeprägter
Hyperakusis
beidseits
Tinnitus beidseits
Contusio
cochleae
links
Er hielt fest, dass daneben auch noch ausserhalb des ORL
-
Fachbereiches die von der Beschwerdeführerin angegebenen Schmerzen und neurologische
n
Symp
tome im Bereich der Halswirbelsäule, der Schulter und der Arme allenfalls ergänzend orthopädisch begutachtet werden müssten (S. 4). Durch die
Auffahr
kollision
habe
die Beschwerdeführerin
einerseits ein
Halswirbelsäulen (
HWS
)
-Distorsionstrauma erlitten. In der Folge hätten sich teils invalidisierende Beschwerden entwickelt, die trotz intensiver Therapie andauerten. Die von der Beschwerdeführerin beschriebenen ausgeprägten und bleibenden Beschwerden mit Nackenschmerzen, Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrationsschwäche, Tinnitus und Hörstörungen seien typisch für einen Unfall mit Heckaufprall
wie den vorliegenden
. In der
neurootologischen
Untersuchung hätten andere Erkrankungen, welche die
vestibulären
Symptome der Beschwerdeführerin erklären könnten, sicher ausgeschlossen werden können. Andererseits habe sie eine
Contusio
cochlea
links erlitten. Diese werde durch ein stumpfes, direktes oder indirektes Schädeltrauma ausgelöst. Im Rahmen der Auffahrkollision liege ein indirektes Schädeltrauma vor. Die
Contusio
cochlea
links könne im
Rein
tonaudiogramm
mit ei
ner Innenohrhochtonsenke von 50
dB bei 4000
Hz
nach
gewiesen werden
. Der von der Beschwerdeführerin beschriebene linksbetonte
Tinnitus und die
Dysakusis
seien teilweise auf die
Contusio
cochlea
, teilweise auf das HWS-Distorsionstrauma zurückzuführen (S. 4).
Dr.
F._
führte
weiter
aus, die Beschwerdeführerin könne in ihrem bisherigen Beruf als Kindergärtnerin aufgrund der ausgeprägten
Hyperakusis
(Lärmempfindlichkeit) nur noch Einzel-Unterricht respektive Unterricht in Kleingruppen geben. Die körperliche Belastbarkeit sei stark eingeschränkt. Es sei nur noch das Heben von Gewichten von weniger als fünf Kilogramm möglich. Sie benötige regelmässig Erholungsphasen. Wenn sie an einem Vormittag vier Stunden gearbeitet habe, brauche sie am selben Tag nochmals die gleiche Zeit als Erholung, damit sie am nächsten Tag wieder einsatzfähig sei. Auch andere Alltagsverrichtungen seien nur möglich, wenn anschliessend eine entsprechende Erholungsphase zur Verfügung stehe.
Er bescheinigte eine dauernde 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Auch in anderen Tätig
keiten mit gleichen Verrichtungen – wie Kindergärtnerin oder
Heilpädago
gin
– sei die Beschwerdeführerin zu 50
%
eingeschränkt. Tätigkeiten mit stär
keren körperlichen Belastungen seien insgesamt nicht möglich (S. 5).
3.1.
6
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Neurologie FMH,
hielt
in seinem
Gutachten vom
2.
Februar 2010 (
Urk.
6/55)
fest, dass aus neurologischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
bestünden
.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gab er nachfolgende Diagnosen an
(S. 14)
:
Chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp
Heckauffahrkollision vom 30.10.2007 mit leichter HWS-Distorsion; fol
genlos ausgeheilt
Er äusserte sich dahingehend, dass d
er neurologische Befund stets unauffällig gewesen
sei
. Die am Unfalltag angefertigten Röntgenaufnahmen der HWS hätten auch nach eigener Bildbeurteilung leichte degenerative, aber keine strukturellen traumatischen Veränderungen gezeigt.
Unter Berücksichtigung der echtzeitlichen Dokumentation
könne
eine leichte Distorsio
n der HWS nachvoll
zogen werden.
Bei den während der ärz
tlichen Erstuntersuchung am 30. Oktober
2007 angegebenen
Parästhesien
(Missempfindungen) an den Armen und Händen
habe
es sich nicht um funktionell relevante Befunde
gehandelt
, so dass - ohne Vorliegen von objektivierbaren neurologischen Defiziten - auch nicht von WAD (
Whiplash-associated
Disorders
) Grad III der Q
TF-Klassifikation
ausgegangen werden könne
(S. 12).
Aus neurologischer Sicht
könne
eine über einen Zeitraum von maximal drei Monaten hinausgehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht nachvollzo
gen werden. Unter Berücksichtigung des aktuell unauffälligen neurologischen Befundes
sei die Beschwerdeführerin
in ihrem bisherigen
Beruf
als
Sprachheil
pädagogin
und Lehrerin
100 % arbeitsfähig
. Die bei der
Beschwerdeführerin
bestehenden neuropsychologischen Beschwerden
seien
in erster Linie im Rahmen einer Schmerzinterferenz und nicht als
Ausdruck
einer eigentlichen hirn
organischen Störung zu sehen (S. 13).
Aus rein neurologischer Sicht
sei
allenfalls in den ersten drei Monaten nach dem
leichten Auffahrunfall vom 3
0.
Oktober
2007 eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
nachvollziehbar. Diese
werde
aufgrund des natürlichen Heilungsver
l
aufes
leichtgradiger
HWS
Distorsionen auf maximal 100
% im ersten Monat, maximal 50
%
im zweiten Monat und maximal 30
%
im dritten Monat geschätzt
(S. 15).
Er bescheinigte eine 100%ige Arbeitsfähigkeit als Hausfrau und
sprachheilpädago
gische
Lehrerin seit mindestens Februar 2008 (S. 14 ff.).
3.1.
7
Die Ärzte der
I._
äusserten sich in ihrer
von der Unfallversicherung in Auftrag gegebene
n
biomechanische
n
Beurteilung vom
6.
April
2010
(
Urk.
6/59/4-8)
wie folgt:
Biomechanisch relevante zu berücksichtigende Besonderheiten
seien
aus den vorliegenden Unterlagen nicht sicher abzuleiten, weder bezüglich der Kollision noch
der individuellen Gege
benheiten
.
Es
werde
somit von keiner Abweichung vom Normalfall ausgegan
gen. Aus biomechanischer Sicht
ergebe
sich aufgrund der technischen
Unfallan
alyse
und der medizinischen Unterlagen, dass die anschliessend an das Ereignis bei
der Beschwerdeführerin
festge
stellten von der HWS ausgehenden Beschwer
den und Befunde durch die Kollisionseinwirkung im Normalfall nicht erklärbar
seien
. Es
sei
unverständlich wie sich behandelnde Ärzte mit einer von ihnen nicht begründeten „
Si
cherheit" zur Kausalität äusserten, insbesonde
re, wenn ein Psychiater schreibe
, die Beschwerden seien „für einen derartigen
Unfallmecha
nismus
.
.
. nicht ungewöhnlich"; dies ohne jegliche verifizierte und quantitative Kenntnis zum Unfallhergang zu haben
.
Es
sei
sinnvoll, Betroffene davon in Kenntnis zu setzen, dass ihre Beschwerden selbstverständlich ernst genommen
würden
, dass aber gemäss den nun vorliegenden technischen und biomechani
schen Analysen bei der K
ollision keine Belastungen vorlägen, die aus biome
chani
scher Sicht eine r
elevante Schädigung erwarten lie
ssen.
Die Ärzte hielten abschliessen
d
fest
, dass die angegebenen Beschwerden in kei
ner Weise in Frage
gestellt würden
, doch
könnten diese
mit
ihren
Kenntnissen in
ihre
m Fachbereich der
Traumabiomechanik
nicht
erklärt werden
(S. 4).
3.2
3.2.1
Die
am
29
.
Oktober
2014
verfügte wiedererwägungsweise Rentenaufhebung (Urk. 2) beruht auf
dem
polydisziplinäre
n
MEDAS
Z._
Gutachten vom 24. Dezember 2013 (
Urk.
6/152) und 3
0.
Januar 2014 (
Urk.
6/154).
Die Ärzte
nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/152 S. 33):
Leicht-mittelgradiger, kompensierter Tinnitus linksbetont sowie ausge
prägte
Hyperakusis
bei
Status nach
kranioze
rvik
alem
Beschleunigungs
trauma
2007
Spannungskop
fschmerz
Persistierende Schlafstörungen von klinisch relevantem Ausmass im Rahmen einer diskreten
psychotraumatologischen
Symptomatik
(ICD-10 F43.8
) nach Verkehrsunfall 1997
Aspekte der
Retraumatisierung
durch den Verkehrsunfall 2007
Biografische Vorbelastung durch eine Schreckreaktion als
elf
jähriges Kind und durch die Belastung des nicht einzuordnenden Suizides des Vaters 1980
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie Folgendes:
Chronisches
zervikozephales
Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
sensori
sche oder motorische R
eiz- oder Ausfallsymptomati
k
Klinisch Verdacht auf Status nach Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung als Kind,
l
eichtgradig
ausgeprägt
(ICD-10
F 90.0
)
Valleculacysten
beidseits (asymptomatischer Zufallsbefu
nd)
Status nach
HWS-Distorsion am 30.10.2007
Status nach Sturz mit offene
r Nasenbeinfraktur am 03.01.201
1 und vorüb
ergehend verstärkten Schmerzen
Muskuläre
Dysbalance
am Schultergürtel be
idseits (vorwiegend
Trape
zius
)
Klinische Zeichen einer Hypermobilität (bekannt seit der Jugend)
Die Ärzte äusserten sich wie folgt:
Aktuell hätten sich die Beschwerden im Bereich des Be
wegungsapparates sowie die Kopf
schmerzen teilweise gebessert. Ziehende Nackenkopfschmerzen
würden
vor allem noch bei grösseren körperli
chen Belastungen
(
nach
vorne gebücktes
Heben
oder Heben von schweren Lasten)
auftreten
.
Die E
innahme
von Medikamenten
sei derzeit nicht nötig
. Aus Sicht des Bewegungsapparates
sei
die klinische Befunderhebung ohne relevan
ten Befund an der HWS
. Lokal fä
nden sich muskuläre
Dysbalancen
, vor allem im Bereich des
Trapezius
mit palpablen und schmerzhaften
Myogelosen
. Diese Befunde
seien
nicht derart ausgeprägt, dass dadurch aus rheumatologischer Sicht eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit begründet wer
den könnte. Klar im Vordergrund der aktuellen Beschwerden
stünden
die weiterhin bestehende
Geräusch-
und Lärmempfindlichkeit sowie der konstante hochfrequente Tinnitus (S. 34)
.
Gemäss aktueller
neurootologischer
Beurteilung lieg
e
e
in schwerer
dekompensierter
Tin
nitus linksbetont sowie eine ausgeprägte
Hyperakusis
vor. Die von der
Beschwerdeführerin geschil
derten Beschwerden
seien
gemäss HNO-Gutachten und aufgrund der sehr differenzierten Angabe der Beschwerden absolut glaubhaft und plausibel und könn
t
en auch mit den objektiven Befunden gut in Einklang gebracht werden. Aufgrund der weiterhin bestehenden, hoch
gradigen Geräuschempfindlichkeit mit entsprechen
den Begl
eitphänomenen bei Exposition zu solchen Ger
äuschen (wie Kopfschmerzen, Ohr
schmerzen, teilweise Übelkeit) und dadurch einhergehender verminderter kognitiver Belas
tbar
keit
sei
eine Tätigkeit im bisherigen Arbeitsrahmen (Hei
l
pädagogische Tagesschule, Unter
richt in Kleingruppen und integrierter Unterricht von Schülern innerhalb von Normalklassen) sowie Tätigkeiten generell in einer Schule mit Aufgaben wie Mit
tagstisch, Pausenaufsicht, etc. nicht möglich.
Aus HNO
-Sicht bestehe
aufgrund der glaubhaften Beschwerden und aufgrund des hohen Beschwerdeniveaus nur eine Arbeitsfähigkeit in einer weitge
hend ruhigen Arbeitsatmosphäre.
Zu berücksichtigen
sei
, dass die
Beschwerdeführerin
auch durch den Arbeitsweg belastet werden
könne
. Die hohe Belastung durch den Tinnitus und die
Hyperakusis
führ
ten zusätzlich zu einer
Kopf
schmerzproblematik
(s
iehe
Neu
rogutachten), anderseits bestehe
eine Schlafstö
rung, welche aus psychiatrischer Sicht am ehesten im Rahmen einer diskreten
psychotraumatologischen
Symptomatik zu sehen
sei
,
bei
Retraumatisierung
durch den (für sic
h allein genommen leichten) Ver
kehrsunfall
im Jahr
2007 auf dem Hintergrund des eindrück
l
icheren (jedoch ohne somatische
Verletzungsfol
gen
abgelaufenen) Verkehrsunfalls von 1997 (Tram gegen Auto) bei gleichzeiti
ger biografischer Vorbelastung durch den Suizid des Vaters 1980
(S. 35 f.)
. Es
sei
durchaus anzunehmen, dass dieser
psychotraumatologische
H
intergrund mit eine Rolle spiele, dass der medizinisch
/biomechanisch gesehen
leichte
Unfall zu einer so starken
Tinnitusbildung
(Anteile der zentralen Verarbeitung) geführt
habe
. Die
Beschwerdeführerin
verfüge
zwar über gute Ressourcen und
sei
im Rahmen ihres Coachings aktiv an der Aufarbeitung dieser Belastungen. Trotz
dem
sei eine gegenüber
der HNO Einschätzung zusätzliche leichte Verminde
rung der Leistungsfähigkeit durch die Kopfschmerzen und aufgrund der Schlaf
störung mit einhergehender Verminderung der Ressourcen zur
Stressbewälti
gung
nachvollziehbar. Die Schlafstörungen
seien
im Rahmen des
Gesamtkom
plexe
s
(Tinnitus, Kopf
schmerz, Schlafstörung) als Faktor mit Auswirkung im Sinne
einer Verminderung der Durchhal
tefähigkeit zu sehen, weshalb die Kopf
schmerzen (
neurologisch 10%ige Einschränkung
)
zur Einschränkung aufgrund des Tinnitus
additiv zu werten
seien
(S. 36).
Sie bescheinigten aufgrund des schweren
dekompensierten
Tinnitus und der extremen Geräusch- und Lärmempfindlichkeit
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit (S. 35).
In einer
angepassten Tätigkeit bestehe
aus HNO-Sicht, welche seitens der psychi
atrischen Ein
s
chätzung bestätigt
werde
, eine 80%ige Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der (Tinnitus-)belastungsabhängigen Kopfschmerzen besteh
e
eine zusätzliche Einschränkung um 10
%. Möglich
seien
nur Arbeiten in einem sehr ruhigen Arbeitsumfeld ohne Tätigkeiten am Telefon
. Denkbar seien
„Eins-zu-Eins-Gesprächssituationen“ wie beispielsweise im Coaching-Bereich, Büroar
beiten, wo die
Beschwerdeführerin
für sich ruhig eine Arbeit erledigen
könne
. Zu vermeiden
sei
jegliche Situation, wo erwartet
e
beziehungsweise vor allem
auch unerwartete Geräusche auftreten könn
ten (beispielsweise
Dauergeräusche wie Lüftungen, Motorengeräusche, Strassenlärm, Sirenen und Glocken,
Hinter
grundgeräusche
, Grossraumbüros
).
Insgesamt attestierten sie i
n einer angepass
ten Tätigkeit eine 70%ige Arbeitsfähigkeit.
Für eine angepasste Tätigkeit
lasse
sich den Akten nichts Konkretes entnehmen. Das
ORL-
Gutach
ten
vom
G._
vom 2
2.
Dezember
2009 äusser
e
sich
(nur)
zur bisherigen Tätigkeit (50%
ige
Einschränkung mit zusätzlich quali
tativen
Limiten
).
Das Gutachten
H._
vom
2.
Februar 2010 scheine wenig aus
sagekräftig und beurteile nur aus isoliert neurologischer Sicht und argumentiere zudem nicht im Einzelfall sondern allgemein mit anzunehmenden Zeiträumen, innert derer eine Abheilung zu erwarten sein müsste. Es sei somit wenig brauchbar. Rein medizinisch sei in Bezug auf das Hauptproblem (Tinnitus, Geräuschüberempfindlichkeit) keine relevante Verbesserung eingetreten.
Bei in der weiteren Folge unveränderten Diagnosen
sei
davon aus
zugehen, dass schon zum da
maligen Zeitpunkt
(ORL-Bericht vom
G._
vom 2
2.
Dezember 2009)
eine Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit vorgele
gen haben dürfte
(
S.
36
f
f
.
;
Urk.
6/154 S. 1
).
Eine passagere Verschlechterung nach dem Sturz vom
3.
Januar
2011
sei
plausibel (der Sturz
sei
i
n den Akten nicht dokumentiert;
S. 37).
Sie gaben an, es sei nicht klar, worauf sich die
Rentenzusprache
der
Beschwer
de
gegnerin
gestützt habe
(S. 37).
In Bezug auf die
Beschwerden am Bewe
gungsapparat
sei
es im Verlauf seit dem Unfall zu einer schri
ttweisen Ver
besserung gekommen.
Psychosoziale Faktoren spiel
ten keine Rolle
(S. 38).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin machte vorliegend zwei Wiedererwägungsgründe gel
tend. Einerseits stützte sie sich auf den Standpunkt, es fehle eine
rechtsgenügli
che
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, andererseits äusserte sie sich dahingehend, dass bei der Invaliditätsbemessung ein
e falsche Qualifikation erfolgt sei
.
4.
2
Es ist zwar
zutreffend
, dass
sich das ORL-Gutachten, auf
welches sich die ursprüngliche
Rentenzusprache
vom 26. März 2012
stützte, lediglich zur Arbeits
fähigkeit in der bisherigen Tätigkeit äusserte und eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in einer lei
densangepassten Tätigkeit ausblieb
.
Diese Tatsache ist jedoch
aus folgendem Grund
ohne Relevanz
:
Da die Beschwerdeführerin
als
ausgebildete Lehrerin beziehungsweise Heilpädagogin
sehr lärmempfindlich ist, muss
eine optimal angepasste
Tätigkeit
ruhig
sein
.
Eine T
ätigkeit
im erlernten Beruf
geht jedoch
stets
mit einer
gewissen
Lärmbelastung einher
,
weshalb
als optimal angepasste Tätigkeit
lediglich eine
solche
im ungelernten Sektor in
Betracht
fällt
. Vor
diesem
Hintergrund
würde
die Beschwerdeführerin
in einer leidensangepassten Tätigkeit
– g
estützt auf die
Lohnstrukturerhebung
(LSE)
des Bundesamtes für Statis
tik, ausgehend von
der LSE 20
08
Tabelle
TA
1
,
Sektor 3 Dienstleistungen, Niveau 4
–
sogar mit einem 100
%-Pensum
weniger ver
dienen
,
nämlich rund Fr.
52‘000.--
, als
mit einem
50
%
-
Pensum im
ange
stammten Bereich (Fr. 61‘736.--)
.
Angesichts dieser Tatsache wäre eine
leidens
angepasste
Tätigkeit
– aus Sicht der Beschwerdegegnerin –
ohnehin nicht in Frage gekommen, sondern nur eine
solche im angestammten Bereich
.
Vor diesem Hintergrund kann
das Abstellen auf die bisherige Tätigkeit in der
ursprüngliche
n
Verfügung
n
icht
als offensichtlich unrichtig betrachte
t werde
n
.
4.3
4.
3.1
Zum zweiten Wiedererwägungsgrund brachte die Beschwerdegegnerin vor,
d
ie Beschwerdeführerin habe im
Abklärungsbericht angegeben, aufgrund der Auf
nahme ihres Studiums im August 2005 ihr bisheriges Pensum auf 35
% redu
ziert
zu haben
. Nach Angaben im Arbeitgeberfragebogen von 2008
habe
sie jedoch schon seit 2002 nur
mit einem Pensum von
35
%
gearbeitet
. Dem IK-Auszug zufolge
habe
sie bereits Jahre zuvor ein ähnlich hohes Einkommen wie im Jahr 2005
erzielt
. Eine
Pensumserhöhung
als Gesunde
sei
daher auch nach Studienabschluss nicht
als
überwiegend wahrscheinlich erstellt.
Die Qualifika
tion gemäss
Abklärungsbericht vo
m Jahr
2011
sei daher
zweifellos unrichtig.
Weiter äusserte sie sich dahingehend, dass sich d
as Durchschnittseinkommen der Jahre 2002 bis 2006 (vor dem Unfall im Jahr 2007) gestützt auf den IK
Auszug vom 1
8.
Dezember 2008 a
uf Fr.
36'187.40
belaufen habe
.
Da die
Beschwerdeführerin das
Valideneinkommen
von
Fr.
85
‘
703.
--
,
welches der Inval
iditätsbemessung zugrunde gelegt
worden sei
, vor Eintritt der gesundheitli
chen Beeinträchtigung seit dem Jahr 1985 nie erzielt
habe, hätte d
as
Validen
einkommen
nicht auf 75
%
(hypothetischer Erwerbsanteil)
hochgerechnet wer
den dürfen.
Vielmehr
hätte der Durchschn
ittswert von
Fr.
36'187.40 als
Vali
denein
kommen
eingesetzt werden müssen (
Urk.
2 S. 2
f.).
4.3.2
Den Akten ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin
über Jahre
stets
gear
beitet
(vgl.
Urk.
6/11)
und – mit jeweils reduziertem Pensum –
immer
ungefähr
gleich viel
verdient hat
(vgl. IK-Auszüge
Urk.
6/11 und
Urk.
6/122)
.
Der Argu
mentation der Beschwerdegegnerin, die Beschwerdeführerin habe das
Validen
einkommen
von
Fr.
85‘703.-- nie erreicht, weshalb es nicht auf 75 % hätte hochgerechnet werden dürfen
, mithin dass die Qualifikation (75
%
Erwerb, 25
%
Haushalt) zweifellos unrichtig gewesen sei,
kann nicht gefolgt werden. Die Beschwerdeführerin hat zwar stets mit relativ geringem Pensum gearbeitet. Es ist aber durchaus nachvollziehbar, dass sie dies zu Beginn wegen ihrer Kinder (Alter) machte und später, als diese langsam selbständiger wurden, aufgrund ihrer Ausbildung (Studium)
, welche
sie
im Jahr
2
005
in Angriff nahm
.
Dass
sie nach dem Abschluss im Jahr 2008
(Diplom in Schulischer Heilpädagogik mit dem Titel Master
of
Arts Hochschule für Heilpädagogik in Special Needs Educa
tion,
Urk.
6/5/1-2)
–
ohne Unfall –
noch ein zusätzliches Jahr Studium (
Zusatz
studium
für die Oberstufen) angehängt
hätte,
ist
glaubhaft
. Dementsprechend hätte sie eine Oberstufenklasse
betreuen
sowie Einzelförderungsunterricht
ertei
len
können, was
sicherlich
erstrebenswert war.
Die Beschwerdeführerin schil
derte plausibel, dass sie
aufgrund ihres Hobbys (Garten) kein 100 % Pensum ausüben möchte, jedoch
ohne Behinderung mit einem Pensum zwischen 70
%
bis 80 % arbeiten würde, da ihre bei
den Kinder nun erwachsen seien
(vgl.
Urk.
6/71 S. 4
Ziff.
2.5).
Es ist nicht einzusehen, weshalb die Beschwerdeführe
rin eine Ausbildung mit Studienabschluss auf sich
genommen hat
, ohne danach ihr Pensum zu erhöhen.
D
ass sie beabsichtigt
e
,
später eine Oberstufenklasse
zu übernehmen
sowie im Einzelförderunterricht
tätig zu sein
beziehungsweise
ihr
Teilzeitpensum
zu erhöhen
,
ist o
bjektiv durch
das Absolvieren
des
Studium
s
dokumentiert
(vgl.
Urk.
6/5/1)
.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin ist
demnach
– aufgrund der Aktenlage gestützt auf objektive Beweise
–
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Beschwerde
führerin ihr
Pensum als Gesunde erhöht hätte
.
4.
3.3
Jedenfalls erweisen sich die Annahmen der Beschwerdegegnerin nicht als zweifel
los unrichtig.
4.
4
Zusammenfassend ist festzuhalten,
dass die ursprüngliche Rentenverfügung nicht zweifellos unrichtig war, auch begründet die geänderte Rechtsprechung betreffend Tinnitus
(
BGE 138 V 248
)
praxisgemäss kein
en
Wiedererwägungs
grund
.
Da nach dem Gesagten
k
ei
n Wiedererwägungsgrund
vorliegt, ist die
Renten
aufhe
bung
zu Unrech
t erfolgt. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin
vom
2
9.
Oktober
2014 (Urk. 2) ist folglich - in Gutheissung der Beschwerde (Urk. 1) - aufzuheben, und es ist festzustellen, dass
die
Beschwerdeführer
in
weiterhin
Anspruch auf eine
Viertels
rente
hat.
5
.
5
.1
Da es um die Bewilligung oder die Verweigerung von Gerichtskosten geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) auf Fr. 700.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Weiter hat die vertretene
Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine
Prozessent
schädi
gung
. Diese bemisst sich gemäss Art. 61
lit
. g ATSG in Verbin
dung mit § 34 des Gesetz
es über das Sozialversicherungs
gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des
Prozesses und dem Zeitaufwand. Unter Anwendung des bis 31. Dezember 2014 gültig gewesenen praxisgemässen Stundenansatzes von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehr
wert
steuer) ist d
ie Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine Entschädigung in der Höhe von
Fr. 2‘000.-- (ink
lusive
Barausla
gen
und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.