Decision ID: 1bb62e9b-be1e-5b61-8fd1-53f489c29031
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ (Beschwerdeführer), ein iranischer Staatsangehöriger arabi-
scher Ethnie, ersuchte am (...) 2015 in der Schweiz um Asyl.
B.
Das Staatssekretariat für Migration (SEM, Vorinstanz) befragte den Be-
schwerdeführer am (...) 2015 summarisch (Protokoll in SEM-Akte A5) und
hörte ihn am 20. Juni 2018 ausführlich zu seinen Asylgründen an (Protokoll
in SEM-Akte A19).
C.
Mit Verfügung vom 29. August 2018 stellte die Vorinstanz fest, der Be-
schwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und lehnte sein
Asylgesuch ab. Zudem wies sie ihn aus der Schweiz weg, setzte ihm Frist
zur Ausreise an und beauftragte den zuständigen Kanton mit dem Vollzug
der Wegweisung.
D.
Am 1. Oktober 2018 erhob der Beschwerdeführer gegen die Verfügung der
Vorinstanz Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Dabei beantragt
er, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache der Vo-
rinstanz zur vollständigen und richtigen Abklärung und Feststellung des
rechtserheblichen Sachverhalts und zur Neubeurteilung zurückzuweisen.
Eventualiter sei seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und es sei ihm
Asyl zu gewähren. Subeventualiter sei die Unzulässigkeit, subsubeventu-
aliter die Unzumutbarkeit, des Wegweisungsvollzugs festzustellen und er
sei vorläufig in der Schweiz aufzunehmen. In prozessualer Hinsicht er-
suchte er um vollumfängliche Einsicht in die vorinstanzlichen Akten A4, A20
und A21 und in die nummerierten Beweismittel der Vorinstanz; eventualiter
sei das rechtliche Gehör zu den genannten Akten und den Beweismitteln
zu gewähren. Anschliessend sei ihm eine angemessene Frist zur Einrei-
chung einer Beschwerdeergänzung anzusetzen. Zudem ersuchte er um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verzicht auf die Erhe-
bung eines Kostenvorschusses; eventualiter um die Ansetzung einer an-
gemessenen Frist zur Bezahlung eines Kostenvorschusses.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 25. Oktober 2018 hiess das Gericht das Ge-
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such um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gut und verzich-
tete auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Gleichzeitig lud es die
Vorinstanz zur Vernehmlassung ein.
F.
Am 8. November 2018 reichte die Vorinstanz eine Vernehmlassung ein.
Bezüglich des Akteneinsichtsgesuches führte sie aus, sie habe dem Be-
schwerdeführer am 2. November 2018 unter Abdeckung der geheim zu
haltenden Stellen Einsicht in die Akte A4 gewährt. In die Akte A20 könne
keine Einsicht gewährt werden, da überwiegende öffentlich oder private In-
teressen an deren Geheimhaltung bestünden.
G.
Am 15. November 2018 reichte der Beschwerdeführer zusätzliche Beweis-
mittel ein.
H.
Mit Zwischenverfügung vom 16. November 2018 stellte das Bundesverwal-
tungsgericht dem Beschwerdeführer die Akte A20 in anonymisierter Form
sowie die Vernehmlassung der Vorinstanz zu und gab ihm unter Fristan-
setzung Gelegenheit, unter Einreichung weiterer Beweismittel zur Ver-
nehmlassung und zur Akteneinsicht Stellung zu nehmen. Den Antrag auf
Beschwerdeergänzung lehnte das Gericht ab.
I.
Am 3. Dezember 2018 reichte der Beschwerdeführer eine Replik ein.
J.
Am 11. April 2018 (recte: 2019), 20. November 2019 und am 11. Dezember
2019 machte der Beschwerdeführer zusätzlich Ausführungen und reichte
zusätzliche Beweismittel ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
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zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – so auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten (AS
2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl.
Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Der Beschwer-
deführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist daher zur
Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 1 AsylG
[in der Fassung vom 1. Januar 2018], Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Mit Beschwerde können die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige und
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Soweit das Ausländerrecht anzuwenden
ist, kann zudem die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 112 Abs. 1 AIG
[SR 142.20] i.V.m. Art. 49 VwVG).
3.
Streitig und zu prüfen ist die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdefüh-
rers und gegebenenfalls die Asylgewährung. Falls kein Asyl zu gewähren
ist, sind im Weiteren die Wegweisung und der Wegweisungsvollzug zu prü-
fen.
4.
4.1 Vorab sind die formellen Rügen des Beschwerdeführers zu behandeln.
4.2 Der Beschwerdeführer verlangt in der Beschwerde Einsicht in die Akten
der Vorinstanz A4, A20 und A21 und in die nummerierten Beweismittel der
Vorinstanz. Zudem macht er eine Verletzung des rechtlichen Gehörs be-
züglich der von der Vorinstanz vorgenommenen Dokumentenanalyse und
von ihr angefertigten Übersetzung von Beweismitteln, die er zu den Akten
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Seite 5
gereicht hatte, geltend. Schliesslich rügt er eine Verletzung der Aktenfüh-
rungspflicht der Vorinstanz.
4.3 Gemäss unwidersprochen gebliebenen Angaben der Vorinstanz in ih-
rer Vernehmlassung vom 8. November 2018 gewährte sie dem Beschwer-
deführer am 2. November 2018 im Rahmen der Vernehmlassung unter Ab-
deckung der geheimen Stellen Einsicht in die Akte A4. Am 16. Novem-
ber 2018 stellte das Bundesverwaltungsgericht dem Beschwerdeführer die
Akte A20 in anonymisierter Form zu. Die Akte A21, die sich zu Beginn des
Beschwerdeverfahrens nicht im vorinstanzlichen Dossier befunden hatte,
wurde von der Vorinstanz während der Vernehmlassung nachgeliefert und
– wie in der Zwischenverfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom
16. November 2018 festgestellt – zu Recht als interne Akte klassifiziert. Der
Beschwerdeführer hatte zudem Einsicht in die nummerierten Beweismittel.
Somit wurde dem Beschwerdeführer – wenn auch erst im Beschwerdever-
fahren und auf Intervention des Bundesverwaltungsgerichts hin – rechts-
genügend Akteneinsicht gewährt und er hatte Gelegenheit, sich nach voll-
ständiger Einsicht in die Akten im Rahmen der Replik zu äussern. Ein
Grund für die Kassation der angefochtenen Verfügung liegt damit entgegen
dem Vorbringen des Beschwerdeführers nicht vor.
4.4 Der Beschwerdeführer rügt zudem, die Vorinstanz habe seinen An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt, da sie ihm vor Erlass der Verfügung
weder Einsicht in die Dokumentenanalyse (Akte A20) und in die von ihr
angefertigten Übersetzungen gegeben noch eine Gelegenheit zur Stel-
lungnahme dazu gewährt habe. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass eine
eventuell vorliegende Gehörsverletzung durch die nachträgliche Einsicht
mit Möglichkeit zur Stellungnahme im Beschwerdeverfahren als geheilt an-
gesehen werden kann, da es sich klarerweise nicht um eine besonders
schwere Gehörsverletzung handeln würde.
4.5 Die Vorinstanz kam im Rahmen der Vernehmlassung auf Aufforderung
des Bundesverwaltungsgerichts hin auch ihrer Aktenführungspflicht nach.
Zudem ist festzuhalten, dass die Beweismittel im Beweismittelcouvert
(Akte A18) entgegen dem Vorbringen des Beschwerdeführers nummeriert
sind.
4.6 Insgesamt liegen damit keine formellen Gründe vor, die eine Kassation
der angefochtenen Verfügung rechtfertigen würden.
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Seite 6
5.
5.1 Nach Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die
Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG und Art. 1A des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK, SR
0.142.30), wenn sie mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer
Zukunft mit gutem Grund Nachteile von bestimmter Intensität befürchten
muss, die ihr gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive zugefügt
zu werden drohen und vor denen sie keinen ausreichenden staatlichen
Schutz erwarten kann (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.2 f.; 2008/4 E. 5.2, jeweils
m.w.H.). Die in Art. 3 Abs. 1 AsylG erwähnten fünf Verfolgungsmotive sind
über die sprachlich allenfalls engere Bedeutung ihrer Begrifflichkeit hinaus
so zu verstehen, dass die Verfolgung wegen äusserer oder innerer Merk-
male, die untrennbar mit der Person oder Persönlichkeit des Opfers ver-
bunden sind, erfolgt ist beziehungsweise droht (vgl. BVGE 2014/27 E. 6.3).
Aufgrund der Subsidiarität des flüchtlingsrechtlichen Schutzes setzt die An-
erkennung der Flüchtlingseigenschaft ausserdem voraus, dass die be-
troffene Person in ihrem Heimat- oder Herkunftsstaat keinen ausreichen-
den Schutz finden kann (vgl. BVGE 2008/12 E. 7.2.6.2; 2008/4 E. 5.2).
Massgeblich für die Beurteilung der Flüchtlingseigenschaft ist die Situation
im Zeitpunkt des Entscheides, wobei erlittene Verfolgung oder im Zeitpunkt
der Ausreise bestehende begründete Furcht vor Verfolgung auf andau-
ernde Gefährdung hinweisen kann. Veränderungen der Situation zwischen
Ausreise und Asylentscheid sind zu Gunsten und zu Lasten der asylsu-
chenden Person zu berücksichtigen (vgl. BVGE 2010/57 E. 2; 2010/9
E. 5.2; 2007/31 E. 5.3 f., jeweils m.w.H.).
5.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Die Flüchtlingseigenschaft ist glaubhaft
gemacht, wenn die Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit für gegeben hält (Art. 7 AsylG). Glaubhaftmachung bedeutet
im Gegensatz zum strikten Beweis ein reduziertes Beweismass und lässt
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Demgegenüber reicht es
für die Glaubhaftmachung nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen zwar
möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche und
überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdarstellung
sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob die
Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
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Seite 7
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len. Vorbringen sind grundsätzlich dann glaubhaft, wenn sie genügend
substantiiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1; 2013/11 E. 5.1; 2012/5
E. 2.2, jeweils m.w.H.).
6.
6.1 Der Beschwerdeführer bringt vor, er sei arabischer Ethnie und wohne
seit seiner Geburt in B._, in der viele Iraner arabischer Ethnie leben
würden. Im (...) (iranischer Kalender) habe er als Zuschauer an einem
Fussballspiel zwischen dem lokalen Fussballklub C._ und einem
arabischen Fussballklub teilgenommen. Die Fans des C._ seien
teilweise in traditioneller arabischer Kleidung erschienen und hätten Slo-
gans auf Arabisch gerufen und auf Plakate geschrieben. Nach dem Spiel
sei es deshalb ausserhalb des Stadiums zu Auseinandersetzungen zwi-
schen den Fans des C._ und den iranischen Sicherheitskräften ge-
kommen. Er selber sei von den Sicherheitskräften verhaftet und in ein Auto
verfrachtet worden, habe aber fliehen können. Später sei er mit anderen
Männern bei einem Kollegen zuhause gewesen, als Sicherheitskräfte in die
Wohnung gekommen seien und sie verhaftet hätten. Er sei daraufhin wäh-
rend ungefähr eines Monats in Haft gewesen. Während der Haft sei er ge-
foltert worden. Ihm sei vorgeworfen worden, er habe nach dem Fussball-
spiel ein Polizeiauto und ein Motorrad angezündet. Er sei gezwungen wor-
den, diesbezüglich Geständnisse zu unterschreiben, die nicht der Wahrheit
entsprechen würden. Es sei ihm auch vorgeworfen worden, er werde von
einem arabischen Land unterstützt, was er aber abgestritten habe. Nach-
dem er zum zweiten Mal einem Richter vorgeführt worden sei, habe ihm
sein Vater einen Anwalt zur Verfügung stellen können. Daraufhin sei er auf
Kaution aus der Haft entlassen worden. Es sei ihm jedoch gesagt worden,
er müsse sich zur Verfügung der Behörden halten. In der Folge habe er
mehrmals an Schulungen durch die Sicherheitsbehörden teilnehmen müs-
sen. Mit der Zeit habe er gemerkt, dass die Schulungen zum Ziel hätten,
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Seite 8
die Personen zur Teilnahme am Krieg in Syrien zu motivieren. Sein Anwalt
habe ihn zudem informiert, dass er mit einer Freiheitsstrafe von mehreren
Jahren rechnen müsse. Da habe er gewusst, dass er entweder nach Syrien
oder ins Gefängnis werde gehen müssen. Deshalb habe er beschlossen,
aus dem Iran auszureisen. Im (...) 2015 sei er illegal ausgereist. Er habe
auch erfahren, dass er zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden sei.
Zum Beleg seiner Vorbringen reichte er einen Brief seines iranischen An-
walts, ein Kautionsdokument, zwei Vorladungen iranischer Behörden und
eine gerichtliche Verfügung ein.
6.2 Die Vorinstanz führt aus, die Ausführungen des Beschwerdeführers
enthielten Widersprüche und seien in verschiedener Hinsicht unsubstanti-
iert. So habe er nicht gesagt, gegen welche arabische Mannschaft der lo-
kale Fussballklub gespielt habe, er habe seine Flucht aus dem Polizeiauto
nicht substantiiert geschildert, ebensowenig die Festnahme, bezüglich der
er lediglich einzelne Ereignisse aneinandergereiht habe. Seine Schilderun-
gen würden zudem verschiedene Stereotype enthalten, insbesondere be-
züglich der Haft. Mangels substantiierter Aussagen vermittle sein diesbe-
zügliches Erzählverhalten den Eindruck, er orientiere sich an allgemein be-
kannten Elementen eines iranischen Gefängnisses. Auch seine Beschrei-
bung der Freilassung vermittle nicht den Eindruck, er habe das Geschil-
derte selbst erlebt. Seine Angaben bezüglich des erzwungenen Unterrichts
seien oberflächlich. Aufgrund der widersprüchlichen, unsubstantiierten und
wenig erlebnisorientierten Angaben gelinge es ihm nicht, eine flüchtlings-
rechtlich relevante Verfolgung glaubhaft zu machen. An dieser Feststellung
vermöchten auch die eingereichten Beweismittel nichts zu ändern. Diese
seien leicht fälschbar und käuflich erwerbbar, weshalb ihnen kaum Beweis-
kraft zukomme. Zudem enthalte insbesondere die gerichtliche Verfügung
Ungenauigkeiten und Widersprüche zu seinen Aussagen.
7.
7.1 Zu prüfen ist vorab, ob die Vorbringen des Beschwerdeführers durch
seine Aussagen und die von ihm eingereichten Beweismittel als glaubhaft
gemacht angesehen werden können.
7.2
7.2.1 Der Beschwerdeführer macht geltend, seine Probleme hätten nach
einem Fussballspiel des aus seinem Wohnort B._ stammenden
Klubs «C._» (im Protokoll der Anhörung als [...] bezeichnet, vgl.
SEM-Akte A19 F87 und F134) begonnen. Er gibt in der Anhörung an, das
Fussballspiel habe im (...) des iranischen Kalenders stattgefunden, was
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dem Zeitraum vom (...) des gregorianischen Kalenders entspricht
(SEM-Akte A19 F93). In der summarischen Befragung hatte er konkreter
vom Zeitraum zwischen dem (...) gesprochen (SEM-Akte A5 Ziff. 7.02).
Der Beschwerdeführer macht zudem geltend, der C._ habe an die-
sem Tag gegen eine arabische Mannschaft gespielt und er präzisiert in der
Beschwerde, es habe sich um eine Klubmannschaft, nicht um eine Natio-
nalmannschaft gehandelt.
7.2.2 Die Ausführungen des Beschwerdeführers zu den behaupteten Er-
eignissen nach dem Fussballspiel, seiner Verhaftung, seiner Haft und zu
seiner Entlassung sind insgesamt entgegen der Einschätzung der Vo-
rinstanz als ausführlich, detailliert und substantiiert zu bezeichnen. Entge-
gen dem Vorbringen des Beschwerdeführers liegen keine konkreten Hin-
weise dafür vor, dass die Dauer der Anhörung oder der Umstand, dass die
Anhörung erst zwei Jahre und acht Monate nach Einreichung des Asylge-
suchs durchgeführt wurde, die Feststellung des rechtserheblichen Sach-
verhaltes beeinträchtigt hätten.
7.2.3 Es ist jedoch festzuhalten, dass keine Hinweise dafür vorliegen, dass
zwischen dem (...) tatsächlich ein Fussballspiel zwischen dem C._
und einer arabischen Klubmannschaft stattgefunden hatte. Entsprechen-
den Webseiten ist im Gegenteil zu entnehmen, dass in diesem Zeitraum
überhaupt kein Spiel des C._ stattfand: Der Klub spielte am (...)
gegen den E._ und danach erst wieder am (...) gegen F._
(vgl. Webseite des C._, <[...]>, sowie: <https://www.sofa-
score.com/de/team/fussball/[...]>,<https://int.soc-
cerway.com/teams/iran/[...]> und Wikipedia, 2014–15 C._ season,
<https://en.wikipedia.org/wiki/2014–15_C._season>, alle abgeru-
fen am 31.07.2020). Erst ab dem (...) trug der C._ Spiele gegen
ausländische Mannschaften aus, die teilweise aus dem arabischen Raum
stammten. Es liegen damit keine Hinweise dafür vor, dass der C._
in der vom Beschwerdeführer angegebenen Zeit, ein Fussballspiel gegen
eine arabische Mannschaft ausgetragen hätte.
Tatsächlich spielte der C._ jedoch am (...) gegen den G._
(Webseite des C._, abgerufen am 31.07.2020). Nach diesem Spiel
kam es gemäss mehreren Berichten zu Ausschreitungen in der Art, wie sie
der Beschwerdeführer für den von ihm genannten Zeitraum geltend macht
(vgl. [...], Amnesty International, [...], beide abgerufen am 31.07.2020).
Hingegen finden sich keine Hinweise darauf, dass es bereits (...) oder (...)
zu ähnlichen Ausschreitungen gekommen wäre. Insbesondere erwähnen
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auch keine der Berichte zu den Ereignissen vom (...) ähnliche Ereignisse
zu einem früheren Zeitpunkt. Es erscheint unwahrscheinlich, dass über das
Ereignis vom (...) berichtet wurde, über das angebliche Ereignis vom (...)
oder (...), das gemäss den Ausführungen des Beschwerdeführers ähnliche
Ausmasse aufgewiesen haben müsste wie jenes vom (...), jedoch nicht.
7.2.4 Damit liegen insgesamt keine Hinweise dafür vor, dass – wie vom
Beschwerdeführer behauptet – zwischen (...) ein Fussballspiel zwischen
dem C._ und einer arabischen Klubmannschaft stattgefunden
hätte, bei dem es zu Ausschreitungen kam.
7.2.5 Ausgeschlossen werden kann zudem, dass der Beschwerdeführer
sich in seinen Aussagen auf das Ereignis vom (...) bezog und bezüglich
seiner Datumsangabe ein Missverständnis oder eine falsche Erinnerung
vorliegt. Erstens erwähnt der Beschwerdeführer den genannten Zeitraum
nicht nur in der Anhörung (SEM-Akte A19 F93), sondern auch in der sum-
marischen Befragung, die relativ kurz nach dem angeblichen Ereignis statt-
fand (am [...] 2015, vgl. SEM-Akte A5 Ziff. 7.02). Zweitens verweist der Be-
schwerdeführer in seiner Beschwerde explizit auf die Ausschreitungen vom
(...). Er macht jedoch nicht geltend, seine Verfolgungssituation stehe damit
in Zusammenhang, sondern verweist lediglich auf das Ereignis, um zu be-
legen, dass die Situation in seiner Heimatstadt heikel sei und es bei Fuss-
ballspielen zu Ausschreitungen komme (Ziff. 76 der Beschwerde). Zudem
enthalten zwei der vom Beschwerdeführer eingereichten Dokumente, mit
denen er seine Aussagen zu belegen versucht, Daten die nicht damit zu
vereinbaren wären, dass der Beschwerdeführer erst nach den Ausschrei-
tungen vom (...) verhaftet worden wäre. So trägt die «Vereinbarung über
die Kautionsbestätigung» bezüglich der Kaution, die der Vater des Be-
schwerdeführers angeblich ungefähr einen Monat nach der Verhaftung des
Beschwerdeführers für dessen Entlassung aus dem Gefängnis hinterlegen
musste, das Datum: (...), was dem (...) 2015 entspricht, und die erste ge-
richtliche «Warnung/Vorladung» das (umgerechnete) Datum vom (...) res-
pektive vom (...) 2015. Zudem sagt der Beschwerdeführer in der Anhörung
zweimal aus, er sei (...) freigelassen worden, wobei der (...) des iranischen
Kalenders vom (...) 2015 dauerte (SEM-Akte A19 F58 und F112).
7.2.6 Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer in
der Anhörung den Namen der Fussballmannschaft, gegen die der
C._ gespielt habe, nicht nennt. Auch in der Beschwerde nennt er
deren Namen nicht, obwohl er sich durchaus zur Mannschaft äussert (näm-
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Seite 11
lich insofern, als er ausführt, es habe sich nicht um eine Nationalmann-
schaft gehandelt, sondern um eine Klubmannschaft). Es erscheint schwer
nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer den Namen der Mannschaft
nicht nennt, obwohl er am entsprechenden Spiel als Zuschauer teilgenom-
men haben will und dieses gemäss seinen Aussagen am Beginn für ihn
angeblich einschneidender Erlebnisse stand. Dieses Verhalten spricht ge-
gen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen.
7.2.7 Gegen die Glaubhaftigkeit der Vorbringen des Beschwerdeführers
sprechen schliesslich auch kleinere Ungereimtheiten in seinen Aussagen.
So führt er in der summarischen Befragung aus, nach seiner Freilassung
seien «sie» oft gekommen und hätten ihn unter irgendeinem Vorwand ver-
haftet (SEM-Akte A5 Ziff. 7.01). In der Anhörung sagt der Beschwerdefüh-
rer jedoch, er habe nach seiner Freilassung keinen Kontakt zu Justizbe-
hörden, zu sonstigen Behörden oder zur Polizei gehabt (SEM-Akte A19
F103 f.). Auf Vorhalt konnte er den Widerspruch nicht auflösen (SEM-Akte
A19 F157). Zudem lässt ein Widerspruch in den Aussagen des Beschwer-
deführers bezüglich seiner Ausreise aus dem Iran (SEM-Akte A5 Ziff. 5.01
und SEM-Akte A19 F149 sowie F160) Zweifel daran aufkommen, ob seine
Angaben zu seiner Ausreise, und damit insbesondere zu seiner Behaup-
tung, er sei illegal aus dem Iran ausgereist, glaubhaft sind.
7.2.8 Insgesamt müssen die Vorbringen des Beschwerdeführers damit als
nicht glaubhaft angesehen werden. Diese Beurteilung beruht vor allem da-
rauf, dass weder Hinweise auf ein Fussballspiel zwischen dem C._
und einer arabischen Klubmannschaft noch auf Ausschreitungen nach ei-
nem Fussballspiel des C._ im vom Beschwerdeführer angegebe-
nen Zeitraum vorliegen.
An dieser Einschätzung vermögen die streckenweise ausführlichen und
detaillierten Ausführungen des Beschwerdeführers nichts zu ändern. Auch
die von ihm eingereichten Beweismittel vermögen die Aussagen des Be-
schwerdeführers nicht glaubhaft zu machen. Dem Brief seines Anwalts
kommt kein Beweiswert zu, da es sich dabei um ein Gefälligkeitsschreiben
handelt. Auch dem Kautionsdokument, den zwei Vorladungen und der ge-
richtlichen Verfügung kommen – obwohl als Originale eingereicht – nur ein
sehr geringer Beweiswert zu, da solche Dokumente leicht zu fälschen sind.
Daran ändert auch die von der Vorinstanz durchgeführte Dokumentenana-
lyse nichts, da diese lediglich festhält, dass es sich bei den auf den Doku-
menten angebrachten Stempeln um Nassstempel handelt und die Unter-
schriften von Hand angebracht wurden; zur Authentizität der Dokumente
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Seite 12
äussert sie sich jedoch ausdrücklich nicht. Zudem ist der Inhalt der beiden
Vorladungen vage und nimmt keinen Bezug auf die angeblich gegen den
Beschwerdeführer erhobenen Vorwürfe oder die von ihm vorgebrachten
Ereignisse. Schliesslich ergeben sich bezüglich des vom Beschwerdefüh-
rer als «gerichtliche Verfügung» bezeichneten Dokuments, das mit «Ankla-
geschrift» betitelt ist, Ungereimtheiten. Erstens scheint es sich dabei dem
Inhalt nach zu urteilen eher um ein Rekursurteil zu handeln als um eine
Anklageschrift. Zweitens bezieht sich der Inhalt auf einen Entscheid vom
(...) 2015, was bedeuten würde, dass der Beschwerdeführer vor seiner
Ausreise verurteilt wurde. Weder macht der Beschwerdeführer jedoch in
seinen Ausführungen geltend, er sei bereits verurteilt worden (vgl. insbe-
sondere SEM-Akte A19 F89 und F129), noch reicht er ein entsprechendes
Urteil ein. Zudem gibt er an, er habe nach seiner Freilassung keinen Kon-
takt mit den Justizbehörden gehabt (SEM-Akte A19 F103).
Das Vorbringen des Beschwerdeführers, er sei im (...) des iranischen Ka-
lenders im Zusammenhang mit einem Fussballspiel des C._ gegen
eine arabische Mannschaft verhaftet worden, ist damit als unglaubhaft an-
zusehen. Die weiteren Vorbringen des Beschwerdeführers stehen alle in
direktem Zusammenhang mit den behaupteten Ausschreitungen nach dem
angeblichen Fussballspiel. So bringt der Beschwerdeführer vor, ihm sei
während der Haft vorgeworfen worden, er habe während den Ausschrei-
tungen nach dem Fussballspiel ein Polizeiauto und ein Motorrad angezün-
det und er habe unter Folter entsprechende – unwahre – Geständnisse
unterzeichnet, weshalb er zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden sei.
Zudem stellt er auch die Versuche, ihn zu einem Kriegseinsatz in Syrien zu
verpflichten, als Druckversuch im Zusammenhang mit den strafrechtlichen
Vorwürfen gegen ihn dar. Entsprechend sind alle diese Vorbringen ohne
das Fussballspiel als Auslöser der Ereignisse nicht glaubhaft.
7.3
7.3.1 Der Beschwerdeführer führt in seiner Anhörung nebenbei aus, er sei
«schon aktiv» gewesen und er sei ein berühmtes Gesicht unter den Zu-
schauern an Fussballspielen gewesen. Er habe immer Plakate hochgehal-
ten und Fotos von ihm seien oft in den Medien gezeigt worden (SEM-Akte
A19 F133). Belege legt er dazu jedoch keine vor. Zudem gibt er an, er habe
(...) (zwischen dem [...]) zweimal an illegalen Versammlungen vor zwei
Amtsgebäuden teilgenommen. Dabei sei es einmal um die Folgen des
staubigen Wetters gegangen und einmal darum, dass man die Kinder in
der Schule zuerst ihre Muttersprache sprechen lasse und erst danach be-
ginne, sie in Farsi zu unterrichten. Nach dieser zweiten Versammlung habe
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er per Textnachricht eine Verwarnung erhalten (SEM-Akte A19 F94 ff.). Der
Beschwerdeführer macht jedoch – neben der als unglaubhaft beurteilen
Verhaftung (E. 7.2) – nicht geltend, er sei aufgrund seiner Teilnahme an
den Fussballspielen oder an den Versammlungen einer flüchtlingsrechtlich
relevanten Verfolgung ausgesetzt gewesen. Ein spezifisches politisches
Profil des Beschwerdeführers kann zudem aus diesen vereinzelten Aktivi-
täten entgegen seiner Behauptung nicht abgeleitet werden.
7.3.2 Zudem macht der Beschwerdeführer nicht geltend, die angeblichen
Verhaftungen seines Bruders im Zusammenhang mit Demonstrationen in
den Jahren 2018 und 2019 stünden mit ihm im Zusammenhang. Bei seiner
Behauptung, sein Bruder sei wegen ihm besonders stark belästigt worden
(SEM-Akte A19 F45), handelt es sich um eine unsubstantiierte und unbe-
legte Behauptung. Ebensowenig macht der Beschwerdeführer geltend, die
viertägige Haft während seines Militärdienstes wegen Befehlsverweige-
rung stehe in einem Zusammenhang mit einer flüchtlingsrechtlich relevan-
ten Verfolgung (SEM-Akte A19 F94).
7.3.3 Schliesslich macht der Beschwerdeführer geltend, er wäre bei einer
Rückkehr in den Iran aufgrund eines Anschlags in B._ im (...) 2018
gefährdet. Er gehe davon aus, dass er bei einer Rückkehr verdächtigt
würde, an diesem Anschlag beteiligt gewesen zu sein oder mit den der Ur-
heberschaft verdächtigten, arabischen Terrororganisationen zu sympathi-
sieren. Es ist jedoch festzuhalten, dass keine konkreten Hinweise dafür
vorliegen, dass der Beschwerdeführer in irgendeiner Weise mit diesen An-
schlägen in Zusammenhang gebracht werden könnte, zumal er nicht über
ein besonders ausgeprägtes politisches Profil verfügt.
7.4 Damit ist zusammenfassend festzustellen, dass der Beschwerdeführer
die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt; das SEM hat das Asylgesuch zu
Recht abgewiesen. Die Beschwerde ist insoweit entsprechend abzuwei-
sen.
8.
Lehnt die Vorinstanz das Asylgesuch ab oder tritt sie darauf nicht ein, so
verfügt sie in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; sie berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie.
Der Beschwerdeführer verfügt namentlich weder über eine ausländerrecht-
liche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, jeweils m.w.H.).
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9.
9.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt die Vorinstanz das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44
AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
9.2 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der
Wegweisung (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind al-
ternativer Natur: Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Weg-
weisung als undurchführbar zu betrachten und die weitere Anwesenheit in
der Schweiz gemäss den Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme zu
regeln (BVGE 2009/51 E. 5.4).
9.3 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft: Sie sind zu beweisen, wenn
der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu ma-
chen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.4 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völker-
rechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen. So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein
Land gezwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus
einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr
läuft, zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (flüchtlings-
rechtliches Refoulementverbot; Art. 33 Abs. 1 FK und Art. 5 Abs. 1 AsylG).
Zudem darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden (menschenrechtliches Refou-
lementverbot; Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 EMRK und Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105]).
Da es dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlingsrechtlich
relevante Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, findet das
flüchtlingsrechtliche Refoulementverbot vorliegend keine Anwendung. So-
dann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers noch
aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Ausschaffung
in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausge-
setzt wäre. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Iran lässt den
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Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig erschei-
nen. Entsprechend ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der
flüchtlingsrechtlichen als auch der menschenrechtlichen Bestimmungen
zulässig.
9.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
Im Iran herrscht im heutigen Zeitpunkt weder Krieg, Bürgerkrieg noch eine
Situation allgemeiner Gewalt (vgl. dazu etwa Urteile des BVGer E-
3254/2020 vom 8. Juli 2020, D-2176/2018 vom 21. November 2018 E. 10.2
und D-2335/2017 vom 9. April 2018 E. 7.4.3). Der Vollzug von Wegweisun-
gen in den Iran ist daher in ständiger Praxis als generell zumutbar zu er-
achten. Auch in die Provinz H._ und spezifisch in die Stadt
B._ ist der Wegweisungsvollzug trotz teilweise auftretender Span-
nungen zwischen Iranern arabischer Ethnie und den staatlichen Sicher-
heitskräften auch für Personen arabischer Ethnie nicht generell unzumut-
bar.
Beim Beschwerdeführer handelt es sich um einen jungen, gesunden Mann,
der im Iran und insbesondere in seinem Wohnort B._ über tragfä-
hige familiäre und soziale Beziehungen verfügt. Zudem gehören seinem
Vater mehrere Wohnungen ein B._ und in Teheran. Er verfügt über
ein abgeschlossenes (...)studium und diverse Arbeitserfahrung. Auch
wenn die Arbeitsmarktsituation für Personen arabischer Ethnie im Iran
schwierig sein kann, kann damit insgesamt davon ausgegangen werden,
dass er bei einer Rückkehr in den Iran eine Erwerbstätigkeit finden wird,
mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten kann.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
9.6 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
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9.7 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
11.
11.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 und 5 VwVG). Da ihm
jedoch unentgeltliche Prozessführung gewährt worden ist, ist auf die Erhe-
bung von Verfahrenskosten zu verzichten.
11.2 Es ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1
VwVG, Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE).
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