Decision ID: 1f95cfba-ef98-4629-9b4a-6344feeae8f6
Year: 2006
Language: de
Court: GR_KG
Chamber: GR_KG_999
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

hat sich ergeben:
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A. Am 21. Februar 2004 hielt die Stockwerkeigentümergemeinschaft E. L. die ordentliche Versammlung ab. Anlässlich dieser Versammlung wurden verschiedene Beschlüsse gefasst. Eine Mehrheit der Stockwerkeigentümer stimmte u.a. dem Traktanum 20 zu, wonach die vier Hauseingänge im Erdgeschoss zwischen 23.00 und 07.30 Uhr geschlossen werden. Dieser Beschluss ist Gegenstand der in der Folge erhobenen Anfechtungsklage.
B. Am 12. Mai 2004 wurde die Anfechtungsklage beim Kreisamt Schanfigg zur Vermittlung angemeldet. Die Sühneverhandlung vom 8. Juli 2004 blieb erfolglos. So bezogen die Kläger am 19. Oktober 2004 den Leitschein mit folgenden Rechtsbegehren:
Klägerisches Rechtsbegehren:
"Der Beschluss der Versammlung vom 21. Februar 2004 der StWEG E. L. bezüglich des Traktandums 20 sei aufzuheben unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Beklagtisches Rechtsbegehren:
"1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Eventuell sei auf sie nicht einzutreten.
3. Unter vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Kläger."
C. Mit Prozesseingabe vom 8. November 2004 prosequierten die Kläger die Streitsache an das Bezirksgericht Plessur mit unverändertem, aber präzisiertem Rechtsbegehren. Sie beantragten, dass der Beschluss der Stockwerkeigentümergemeinschaft E. L. vom 21. Februar 2004, wonach das Haus Alexander ab 23.00 Uhr bis 7.30 Uhr zu schliessen sei, aufzuheben sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Prozessantwort vom 4. Januar 2005 beantragte die Beklagte nurmehr die Abweisung der Klage unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Kläger.
D. Mit Urteil vom 20. September 2005, mitgeteilt am 2. Februar 2006, erkannte das Bezirksgericht Plessur was folgt:
"1. Die Klage wird gutgeheissen. Der Beschluss der Stockwerkeigentümergemeinschaft E. L. vom 21. Februar 2004 wird mit Bezug auf Traktandum 20 betreffend den Haupteingang aufgehoben.
2. Die Kosten des Kreisamtes Schanfigg von Fr. 400.-- sowie die Kosten des Bezirksgerichts Plessur von Fr. 7'000.10 (Gerichtsgebühren Fr. 6'000.--, Schreibgebühren Fr. 475.--, Barauslagen Fr. 525.10) gehen zu
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Lasten der Beklagten. Nach Verrechnung der Gerichtskosten mit dem geleisteten Kostenvorschuss sind von der Beklagten noch Fr. 2'000.10 innert 30 Tagen auf das PC-Konto 70-3596-3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.
Die Beklagte hat die Kläger mit Fr. 3'000.-- zuzüglich 7.6% MwSt. ausseramtlich zu entschädigen.
3. (Mitteilung)"
E. Gegen dieses Urteil liess die Beklagte am 22. Februar 2006 Berufung an das Kantonsgericht Graubünden erklären mit folgenden Anträgen:
"1. Die Ziffern 1 und 2 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichtes Plessur vom 20. September 2005 bzw. 2. Februar 2006 seien aufzuheben und die Klage sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Die Kosten des Vermittleramtes, des Bezirksgerichtes Plessur sowie des Kantonsgerichtes seien den Berufungsbeklagten zu überbinden.
3. Die Berufungsbeklagten seien unter Solidarhaftung zu verpflichten, die Berufungsklägerin für beide Instanzen ausseramtlich zu entschädigen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 7.6% MWSt. zulasten der Berufungsbeklagten."
F. Am 27. Februar 2006 liessen die Kläger Anschlussberufung an das Kantonsgericht Graubünden erklären mit folgenden Anträgen:
"1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. In Abänderung von Ziff. 2 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei die Beklagte zu verpflichten, die Kläger für das Verfahren vor Bezirksgericht Plessur ausseramtlich mit Fr. 6'000.--, zuzüglich 7.6% Mehrwertsteuer, zu entschädigen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge für das Berufungsverfahren zu Lasten der Berufungsklägerin."
Mit Schreiben vom 6. März 2006 präzisierten die Kläger das Rechtsbegehren gemäss Anschlussberufung vom 27. Februar 2006 wie folgt:
"1. Die Berufung sei abzuweisen.
2. Ziff. 2 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei wie folgt zu präzisieren: Die Kosten des Kreisamtes Schanfigg von Fr. 400.-- sowie die Kosten des Bezirksgerichts Plessur von Fr. 7'000.10 (Gerichtsgebühren Fr. 6'000.--, Schreibgebühren Fr. 475.--, Barauslagen Fr. 525.10) seien der Beklagten, d.h. der Stockwerkeigentümergemeinschaft E. L., mit Ausschluss der klagenden Stockwerkeigentümer aufzuerlegen.
3. Die Beklagte, d.h. die Stockwerkeigentümergemeinschaft E. L., mit Ausschluss der klagenden Stockwerkeigentümer, sei zu verpflichten, die Kläger ausseramtlich mit Fr. 6'000.--, zuzüglich 7.6% Mehrwertsteuer, ausseramtlich zu entschädigen.
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4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge für das Berufungsverfahren zu Lasten der Berufungsklägerin, ebenfalls mit Ausnahme der berufungsbeklagten Stockwerkeigentümer."
G. Mit Schreiben vom 20. April 2006 reichte der Rechtsvertreter der Beklagten, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten die Präsenzliste der Stockwerkeigentümerversammlung E. vom 21. Februar 2004 zu den Akten.
H. Anlässlich der mündlichen Hauptverhandlung vom 23. Mai 2006 waren die beiden Rechtsvertreter der Parteien zugegen. Der Rechtsvertreter der Beklagten, Berufungsklägerin und Anschlussberufungsbeklagten (nachfolgend Berufungsklägerin genannt) bestätigte seine Berufungsanträge und begründete diese. Der Rechtsvertreter der Kläger, Berufungsbeklagten und Anschlussberufungskläger (nachfolgend Berufungsbeklagte genannt) beantragte die Abweisung der Berufung und Gutheissung der Anschlussberufung unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Rechtsanwalt Dr.iur. Rudolf Kunz gab von seinem Vortrag im Sinne von Art. 51 Abs. 1 lit. b OG eine schriftliche Ausführung zu den Akten. Die Rechtsvertreter erhielten das Recht auf Replik und Duplik.
Auf die Ausführungen der Parteien zur Begründung ihrer Rechtsbegehren und die Erwägungen im angefochtenen Urteil wird, soweit erforderlich, nachfolgend eingegangen.

Die Zivilkammer zieht in Erwägung :
1. Gegen Urteile der Bezirksgerichte in vermögensrechtlichen Streitigkeiten mit einem Streitwert von über Fr. 8'000.-- ist Berufung gegeben (Art. 218 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 1 ZPO). Sie ist innert der peremptorischen Frist von 20 Tagen seit der schriftlichen Mitteilung des Urteils zu erklären und hat die formulierten Anträge auf Abänderung des erstinstanzlichen Urteils und der Beiurteile sowie neue Einreden, soweit solche noch zulässig sind, zu enthalten (Art. 219 Abs. 1 ZPO). Im Hinblick auf Art. 51 Abs. 1 lit. a OG darf festgestellt werden, dass die Berufung den Streitwert von mindestens Fr. 8'000.-- gemäss Art. 46 OG erreicht, weshalb auch die sachliche Zuständigkeit des Kantonsgerichts als Berufungsinstanz gegeben ist (Art. 218 Abs. 1 ZPO in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 1 ZPO). Die Berufung wurde im Übrigen form- und fristgerecht erklärt und die Berufungsklägerin ist beschwert. Auf die Berufung ist daher einzutreten.
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2. Der Berufungsbeklagte kann, wenn er nicht selbst auch Berufung eingelegt hat, innert der peremptorischen Frist von 10 Tagen seit Mitteilung der Berufungserklärung ebenfalls beim Präsidenten der ersten Instanz seine Anschlussberufung mit formulierten Anträgen einreichen (Art. 220 Abs. 1 ZPO). Die Mitteilung der Anschlussberufung erfolgte am 23. Februar 2006. Die am 27. Februar 2006 erhobene Anschlussberufung ist frist- als auch formgerecht erfolgt. Ebenfalls innert der 10-tägigen Frist zur Erhebung einer allfälligen Anschlussberufung wurde die Präzisierung der Rechtsbegehren gemäss Anschlussberufung eingereicht. Auf die Anschlussberufung ist folglich ebenfalls einzutreten.
3. a) Gemäss Art. 712m Abs. 2 ZGB finden, soweit das Gesetz nicht besondere Bestimmungen enthält, auf die Versammlung der Stockwerkeigentümer und auf den Ausschluss die Vorschriften über die Organe des Vereins und über die Anfechtung von Vereinsbeschlüssen Anwendung. Art. 712m Abs. 2 ZGB verweist damit für die Anfechtung von Versammlungsbeschlüssen ausdrücklich auf Art. 75 ZGB. Gemäss Art. 75 ZGB kann jedes Mitglied, das nicht zugestimmt hat, Beschlüsse, die das Gesetz oder die Statuten verletzen, binnen Monatsfrist, nachdem es von ihnen Kenntnis erhalten hat, beim Gericht anfechten. Die Aktivlegitimation zur Anfechtung steht jedem Stockwerkeigentümer zu. Voraussetzung ist das Vorliegen eines Anfechtungsinteresses. Der Anfechtende muss gegen den Antrag gestimmt oder sich seiner Stimme enthalten haben (vgl. zum Ganzen: Arthur Meier-Hayoz/Heinz Rey, Berner Kommentar zum ZGB, Bern 1988, N. 126 ff. zu Art. 712m ZGB). Das Anfechtungsrecht gemäss Art. 75 ZGB besteht nicht unbefristet, sondern es ist zeitlich begrenzt, und zwar auf einen Monat ab Kenntnis des fraglichen Beschlusses. Diese Regelung kann dazu führen, dass für ein und denselben Beschluss verschiedene Anfechtungsfristen laufen, je nach Zeitpunkt, an dem der anfechtungswillige Stockwerkeigentümer vom Beschluss Kenntnis erhalten hat. Für den Stockwerkeigentümer, der an der betreffenden Versammlung teilgenommen und die Beschlussfassung miterlebt hat, ist anzunehmen, dass er vom gefassten Beschluss auch Kenntnis erhalten hat. War der betreffende Stockwerkeigentümer an der Versammlung abwesend, beginnt der Fristenlauf in der Regel mit Eingang des schriftlichen Protokolls. Die Frist läuft zudem erst ab dem Zeitpunkt, an welchem dem Stockwerkeigentümer der gesamte Beschluss eröffnet wird.
Bei der Anfechtungsfrist gemäss Art. 75 ZGB handelt es sich um eine Verwirkungsfrist. Das bedeutet, dass die Frage ihrer Einhaltung, im Gegensatz zur
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Verjährung, vom Richter von Amtes wegen in jedem einzelnen Prozess vorab überprüft und dabei ihre allfällige Nichteinhaltung von Amtes wegen berücksichtigt werden muss und zwar durch Abweisung der Klage. Auf die Einhaltung der Verwirkungsfrist kann auch nicht durch Erklärung oder Zustimmung der betreffenden Gemeinschaft rechtswirksam verzichtet werden. Die Beweislast dafür, dass der Anfechtende die Frist eingehalten hat, liegt bei diesem (vgl. zum Ganzen: Riemer Hans Michael, Berner Kommentar zum ZGB, Bern 1990, N. 62 ff. zu Art. 75 ZGB; Anton Heini / Urs Scherrer, Basler Kommentar, 2. Aufl., Basel 2002, N. 21 ff. zu Art. 75 ZGB mit weiteren Hinweisen).
b) Neben jenen Beschlüssen, welche der Stockwerkeigentümer anfechten kann, gibt es auch Beschlüsse, welche derart fehlerhaft sind, dass sie als nichtig zu qualifizieren sind. Die Unterscheidung zwischen anfechtbaren und nichtigen Beschlüssen ist deshalb bedeutsam, weil anfechtbare Beschlüsse - unter dem Vorbehalt der Anfechtung innerhalb eines Monats - nach Ablauf des Monats volle Gültigkeit entfalten, während die Nichtigkeit jederzeit geltend gemacht werden kann (Riemer, a.a.O., N. 89 ff. zu Art. 75 ZGB; Heini / Scherrer, a.a.O., N. 31 ff. zu Art. 75 ZGB). Art. 75 ZGB erwähnt die Nichtigkeit eines Versammlungsbeschlusses nicht ausdrücklich. Dieser ist aber ausnahmsweise gegeben, wenn ein Beschluss gegen qualifizierte besonders wichtige Formvorschriften, gegen zwingende privatrechtliche Fundamentalnormen (z.B. gute Sitte, Recht der Persönlichkeit), gegen unverzichtbare Rechte der Stockwerkeigentümer, gegen die Strukturelemente des Stockwerkeigentums oder gegen (zwingende) Bestimmungen des öffentlichen Rechts verstösst. Ob Nichtigkeit oder bloss Anfechtbarkeit vorliegt, ist deshalb im Einzelfall zu prüfen, wobei im Zweifel nur Anfechtbarkeit anzunehmen ist (Meier-Hayoz / Rey, a.a.O., N. 146 ff. zu Art. 712m ZGB).
4. Der Rechtsvertreter der Berufungsklägerin hat im Berufungsverfahren die Präsenzliste der ordentlichen Stockwerkeigentümerversammlung vom 21. Februar 2004 eingereicht. Dieser ist zu entnehmen, dass B. als einzelzeichnungsberechtigter Verwaltungsrat sämtlicher Berufungsbeklagten an der Versammlung anwesend war. Der Rechtsvertreter der Berufungsbeklagten beantragt, dass die Präsenzliste gestützt auf das Novenverbot gemäss Art. 226 Abs. 1 ZPO aus dem Recht zu weisen sei. Wie oben dargelegt worden ist, handelt es sich bei der Anfechtungsfrist nach Art. 75 ZGB um eine Verwirkungsfrist, deren Einhaltung von Amtes wegen zu prüfen ist. Ob ein Anspruch verwirkt und somit nicht mehr klagbar ist, muss durch Sachurteil entschieden werden. Es handelt sich um eine materiellrechtliche Voraussetzung. Das Kantonsgericht hat bereits
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entschieden, dass die Einrede der mangelnden Sachlegitimation der Parteien, die nicht prozessrechtlicher Natur, sondern eine Frage des materiellen Rechts ist, nicht bereits im Zeitpunkt des Schriftenwechsels erhoben werden muss. Als die Sache betreffende Einrede könne sie in jedem Stadium des Prozesses, so auch im Berufungsverfahren geltend gemacht werden (PKG 1998 Nr. 10 mit weiteren Hinweisen). Als Verwirkungsfrist und materiellrechtliche Voraussetzung, die von Amtes wegen geprüft werden muss, unterliegt die Frage der Rechtzeitigkeit der Anfechtungsklage der Eventualmaxime der Art. 82, 86 und 118 ZPO nicht. Vielmehr hat das Gericht die Frage der Rechtzeitigkeit auch dann zu prüfen, wenn die Parteien diesen Einwand in den Rechtsschriften nicht erhoben haben. Allerdings verbleibt die Beweislast für die Rechtzeitigkeit der Klageerhebung trotzdem beim Anfechtenden. Der vorgängige Rechtsvertreter der Berufungsklägerin hat diesbezüglich sowohl in der Prozessantwort als auch in der Duplik darauf hingewiesen, dass die Berufungsbeklagten den Beweis der Rechtzeitigkeit der Klageerhebung nicht erbracht hätten. Die Vorinstanz wäre auf diese Einrede hin erst recht verpflichtet gewesen, den Beweis über die Rechtzeitigkeit der Klage von Amtes wegen zu führen. Daran ändert nichts, dass der damalige Rechtsvertreter der Berufungsklägerin anlässlich des mündlichen Vortrages vor der Vorinstanz ausführte, dass die Anfechtungsfrist vorliegend wohl eingehalten sein dürfte. Wie gesagt, hat die Prüfung ex officio zu erfolgen und auf die Einhaltung der Klagefrist kann nicht rechtswirksam durch Zustimmung der Gemeinschaft verzichtet werden. Die Vorinstanz hielt fest, dass nicht feststehe, ob die Berufungsbeklagten beziehungsweise ihre Vertreter an der Versammlung vom 21. Februar 2004 teilgenommen haben. Die Vorinstanz wäre verpflichtet gewesen, der beweislastpflichtigen Berufungsbeklagten aufzugeben, ihren Tatsachenvortrag unter Einlage der Präsenzliste der Versammlung vom 21. Februar 2004 zu ergänzen. Damit wird offensichtlich, dass die Einbringung neuer Urkunden im Berufungsverfahren zulässig sein muss, wenn sich diese Urkunden auf Fragen beziehen, welche vom Gericht ohnehin von Amtes wegen abzuklären sind. Die Präsenzliste vom 21. Februar 2004 ist zu den Akten zu nehmen.
5. Aus der Präsenzliste geht hervor, dass B. als einzelzeichnungsberechtigter Verwaltungsrat sämtlicher gegen den Beschluss unter Traktandum 20 klagenden Stockwerkeigentümer an der Versammlung selbst anwesend war. Die für die Rechtzeitigkeit der Klageerhebung beweislastverpflichteten Berufungsbeklagten haben weder behauptet noch bewiesen, dass B. die Versammlung vor der Beschlussfassung über Traktandum 20 verlassen hätte. War nun B. an der betreffenden Versammlung anwesend, so ist
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die Kenntnisnahme des angefochtenen Beschlusses an dieser Versammlung anzunehmen. Sicher ist massgebend, dass für den Fristbeginn die Kenntnisnahme des ganzen Inhalts eines Beschlusses Voraussetzung ist. Unter Traktandum 20 wurde an der Versammlung über den Antrag auf Schliessung der Hauseingänge des Hauses E. ab 23.00 Uhr bis 7.30 Uhr abgestimmt. Im Wesentlichen wurde beschlossen, dass die vier Hauszugänge im Erdgeschoss zwischen 23.00 Uhr und 7.30 Uhr geschlossen werden. Dazu werde eine Schliessanlage mit programmierbaren Schlüsseln erstellt. Zum Beschluss erhoben wurde zudem, dass die Tiefgarage ebenfalls an das Schliesssystem angeschlossen wird. Im Weiteren wurde über die Modalitäten der Realisierung des Beschlusses (v.a. Kosten) abgestimmt. Der Inhalt und die Auswirkungen des Beschlusses für die einzelnen Stockwerkeigentümer sind einfach und sofort verständlich. B. hat die Beschlussfassung miterlebt und er konnte sich mithin umgehend ein genaues Bild über die Konsequenzen desselben machen. Die Kenntnisnahme des Beschlusses erfolgte erwiesenermassen an der Versammlung vom 21. Februar 2004, womit die Einreichung der Klage am 12. Mai 2004 verspätet erfolgte. Der angefochtene Beschluss ist damit infolge Verwirkung des Anfechtungsanspruches für alle Beteiligten verbindlich, ausser er wäre als nichtig zu qualifizieren.
6. Im Gegensatz zur Anfechtungsklage ist die Klage auf Nichtigkeit grundsätzlich unbefristet (Riemer, a.a.O., N. 127 zu Art. 75 ZGB; PKG 2002 Nr. 17 mit weiteren Hinweisen). Der Rechtsvertreter der Berufungsbeklagten macht geltend, dass der angefochtene Beschluss nichtig sei, weil er einzig zum Zweck habe, das sich im Untergeschoss der Liegenschaft befindende Cabaret und weitere Gewerbebetriebe aus der Stockwerkeigentümergemeinschaft zu verbannen. Der Beschluss zur Schliessung aller Zugänge über Nacht verunmögliche nämlich die Nutzung der betreffenden Stockwerkeigentumseinheiten, weil die Gäste ausbleiben würden. Dagegen wehrt sich die Berufungsklägerin, welche als Motiv der Beschlussfassung das Sicherheitsbedürfnis der Stockwerkeigentumsgemeinschaft anführt. Die Vorinstanz hat die Liegenschaft als Ganzes, die Lage der sich darin befindenden Wohnungen und Gewerbebetriebe, die einzelnen Zugänge zur Liegenschaft und die Auswirkungen des Beschlusses, sämtliche Zugänge über Nacht zu schliessen, auf die Nutzungsart der Gewerbebetriebe, insbesondere des Cabarets im Untergeschoss der Liegenschaft, einlässlich beschrieben; es kann auf diese Ausführungen verwiesen werden. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, dass die Schliessung sämtlicher Eingänge im Erdgeschoss und der Tiefgarage unzweifelhaft eine erhebliche Erschwerung der Nutzung sämtlicher Stockwerkeinheiten ohne eigenen Ausgang bedeute; die derzeitige tatsächliche
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Nutzung der Stockwerkeinheiten werde erschwert. Dabei erachtet es die Vorinstanz als nachvollziehbar, dass die Stockwerkeigentümergemeinschaft wegen der bisherigen Situation beunruhigt sei. Es sei tatsächlich nicht unproblematisch, dass in einem solch grossen und unübersichtlich ausgestalteten Gebäude sämtliche Zugänge inkl. Tiefgarage rund um die Uhr offen stehen. So könne die Liegenschaft während der ganzen Nacht von verschiedenen Seiten her, insbesondere auch von der Gebäuderückseite, beliebig betreten werden. Wie oben dargelegt, ist Nichtigkeit von Beschlüssen von Stockwerkeigentümergemeinschaften nur dann anzunehmen, wenn ein Willensbildungsakt einen schwerwiegenden formellen oder inhaltlichen Mangel aufweist. Es ist erstellt, dass der Beschluss zum Zwecke hat, dem ausgewiesenen Sicherheitsbedürfnis der Gemeinschaft Rechnung zu tragen. Die Sicherheit und Regeln zur Türschliessung bilden Inhalt der Hausordnung einer Gemeinschaft (Amédéo Wermelinger, Das Stockwerkeigentum, Zürich 2004, N. 173 ff. zu Art. 712g ZGB; Meier-Hayoz / Rey, a.a.O., N. 104 zu Art. Art. 712 g ZGB). Auf Grund der Konsequenzen für die klagenden Stockwerkeigentümer geht der vorliegende Beschluss wohl über reine Modalitäten einer Hausordnung hinaus. Er ist gleichwohl nicht derart gravierend mangelhaft, dass er als nichtig zu qualifizieren wäre. Der Beschluss ist formell korrekt traktandiert und ohne Verletzung des Beschlussquorums - einfaches Mehr - gefasst worden. Er verstösst auch nicht inhaltlich gegen zwingende Vorschriften. Wie die Vorinstanz unter einlässlicher Begründung ausgeführt hat, wird der Zugang zu den Stockwerkeinheiten im Untergeschoss zwar erschwert, aber nicht verunmöglicht. Die Stockwerkeigentümergemeinschaft hat unter anderem auch beschlossen, dass der Ausschuss mit den Betroffenen nach Lösungen zu suchen hat. Die Nutzung der im Untergeschoss liegenden Stockwerkeinheiten ist weiterhin möglich, so dass die Nichtigkeit des fraglichen Beschlusses zu verneinen ist. Die Berufung ist folglich gutzuheissen und das angefochtene Urteil aufzuheben. Klage und Anschlussberufung sind demnach abzuweisen.
7. Nach dem Gesagten ist es in Beachtung von Art. 122 ZPO gerechtfertigt, die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens und des Berufungsverfahrens vollumfänglich - unter solidarischer Haftbarkeit - den Berufungsbeklagten aufzuerlegen, welche zudem verpflichtet werden, die Berufungsklägerin ausseramtlich für die Verfahren vor beiden Instanzen angemessen zu entschädigen. Der Rechtsvertreter der Berufungsklägerin hat keine Honorar- und Kostennote eingereicht. Das Kantonsgericht hat demnach die Entschädigung nach freiem Ermessen festzulegen. Es erachtet für die Verfahren vor beiden Instanzen eine ausseramtliche Entschädigung von Fr. 6'000.-- inkl.
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Auslagen und Mehrwertsteuer für angemessen. Diese geht ebenfalls unter solidarischer Haftbarkeit zu Lasten der Berufungsbeklagten.
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