Decision ID: 16f4ee83-5a93-5e43-b2b0-e22cc75b59bf
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Jürg Grämiger, Bronschhoferstrasse 2, 9500 Wil,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
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vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Oberer Graben 44, Postfach,
9001 St. Gallen,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Der 1969 geborene S._ war als Abkanter bei der Firma A._ tätig und dadurch
bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 1. Juni
2002 als Lenker eines Personenwagens in einen Auffahrunfall verwickelt wurde (UV-
act. 1). Bei der medizinischen Erstbehandlung am Tag nach dem Unfall gab er an, er
sei 3 Minuten wie schockiert gewesen und habe ein komisches Gefühl am Kopf
verspürt (UV-act. 2 und 7). Er klagte über zunehmende Kopf- und Nackenschmerzen
sowie zuletzt auch leichte Schulterschmerzen beidseits; kein Erbrechen, keine Übelkeit;
Schwindel bei raschen Drehbewegungen und beim Aufstehen. Die Ärzte am Spital Wil
diagnostizierten ein HWS-Schleudertrauma mit Verdacht auf leichte HWS-Instabilität
(HWK 2/3) mit postkontusionellen Kopfschmerzen, Myogelose der HWS-Nacken-
Schultermuskulatur und neurovegetativen Funktionsstörungen (Schwindel) und
schrieben den Versicherten 100% arbeitsunfähig (UV-act. 2 und 7). Der Röntgenbefund
ergab eine leichte Streckhaltung der HWS ohne Anhaltspunkte für frische ossäre
Läsionen (UV-act. 8). Auf Funktionsaufnahmen zeigte sich eine minimste Subluxation
von 1,5 mm zwischen dem 2. und 3. Halswirbelkörper. Bei der Befragung vom 2. Juli
2002 gab der Versicherte an, er sei auf den Aufprall nicht vorbereitet gewesen und
habe den Hinterkopf an der Kopfstütze angeschlagen (UV-act. 12). Die Suva erbrachte
für die gesundheitlichen Folgen des Unfalls die gesetzlichen Versicherungsleistungen.
Bei der kreisärztlichen Untersuchung vom 10. Juli 2002 (UV-act. 19) klagte der
Versicherte über eher progrediente Schmerzen, die seit kürzerer Zeit auch im Bereich
der Brust- und Lendenwirbelsäule aufträten. Kreisarzt Dr. med. B._ stellte wohl
muskuläre Befunde im Sinn von Verspannungen und Myogelosen fest, stufte diese
aber als eher geringer Art ein. Auch die Funktionseinschränkungen seien nicht sehr
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beträchtlich und neurologische Ausfälle liessen sich nicht finden. Um einer weiteren
Verschlechterung der gesundheitlichen Situation und einer Chronifizierung der
Beschwerden entgegenzuwirken, wurde ein dringender stationärer Aufenthalt in der
Rehaklinik Bellikon angeordnet. Dieser fand vom 31. Juli bis 4. September 2002 statt
(UV-act. 35). Dabei konnte weder eine Verbesserung des Allgemeinzustandes und der
Belastbarkeit noch eine Schmerzminderung erreicht werden. Das psychosomatische
Konsilium vom 27. August 2002 an der Rehaklinik Bellikon (UV-act. 36) ergab die
Diagnose einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt
(ICD-10: F43.22) sowie Chronifizierungsgefahr bei möglicherweise sich entwickelnder
somatoformer Komponente. Ab 6. September 2002 galt der Versicherte als 25%
arbeitsfähig. Er setzte diese Arbeitsfähigkeit um, indem er stundenweise anderen
Mitarbeitern die Bedienung und den Einsatz der Abkantmaschine instruierte. Die
biomechanische Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik, Zürich, vom
29. Oktober 2002 (UV-act. 60) ergab eine kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung (Delta-V) von 10 – 15 km/h. Die Beschwerden des
Versicherten wurden als "eher erklärbar" eingestuft. Die Kernspintomographie vom
2. Dezember 2002 (UV-act. 79) zeigte intakte ossäre Strukturen und ergab keinen
Hinweis für eine durchgemachte Fraktur beim Unfall, eine Bandruptur oder eine
muskuläre Ansatzpathologie und ebenfalls nicht auf eine Diskusprotrusion oder -
herniation. Vom 12. Februar bis 19. März 2003 folgte eine weitere stationäre
Behandlung in der Rehaklinik Bellikon (UV-act. 92). Im Anschluss an den
Klinikaufenthalt wurde dem Versicherten wieder volle Arbeitsunfähigkeit attestiert, aber
gleichzeitig ein weiterer Arbeitsversuch im angestammten Betrieb organisiert.
A.b Am 3. Juni 2003 wurde der Versicherte an der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen abgeklärt (Bericht vom 12. Juni 2003: UV-act. 125). Gestützt
darauf und auf die übrigen Unterlagen verfasste Dr. med. C._, Facharzt FMH für
Neurologie am 19. September 2003 eine spezialärztliche Beurteilung (UV-act. 143). Zur
Abklärung der Schwindelbeschwerden des Versicherten empfahl er eine
neurootologische Untersuchung. Diese wurde am 5. November 2003 durch Dr. med.
D._, Leitender Arzt an der Abteilung für Gehör-, Sprach- und Stimmheilkunde des
Kantonsspitals St. Gallen durchgeführt (Bericht vom 18. November 2003: UV-act. 153).
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A.c Da die Beschwerden anhielten, liess die Suva den Versicherten am 9. März 2004
am Universitätsspital Zürich neurologisch und neuropsychologisch begutachten (UV-
act. 181f.). Zu diesen Gutachten und den übrigen Akten verfasste das SIVM,
Schweizerisches Institut für Versicherungsmedizin, Fachbereich Neuro, am 26. Oktober
2005 eine Aktenbeurteilung (UV-act.203). Am 27. März 2006 bzw. 30. August 2006
(Datum des schriftlichen Berichts) folgte ein psychiatrisches Gutachten durch Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (UV-act. 219). Dieser
diagnostizierte eine "sonstige anhaltende affektive Störung mit depressiven und
ängstlichen Zügen (ICD-10: F34.8) bei chronischen, cervico-cephal betonten
muskuloskelettalen Schmerzen".
Mit schriftlichem Vorbescheid vom 9. Oktober 2006 (UV-act. 220) kündigte die Suva die
Terminierung der Versicherungsleistungen per Ende Oktober 2006 an. Am 30. Oktober
2006 erliess sie die formelle Verfügung (UV-act. 222) und stellte die
Versicherungsleistungen per 1. November 2006 ein. Zur Begründung führte sie an, die
noch geklagten Beschwerden seien organisch nicht mehr als Folge des erlittenen
Unfalls zu erklären und zwischen den psychischen Beschwerden und dem Unfall
bestehe kein rechtserheblicher Kausalzusammenhang. Weiter verneinte sie die
Voraussetzungen für die Ausrichtung einer Invalidenrente und einer
Integritätsentschädigung.
B.
Die Krankenversicherung des Versicherten, die Helsana Versicherungen AG, erhob am
2. November 2006 vorsorglich Einsprache gegen die Verfügung der Suva vom
30. Oktober 2006 (UV-act. 224). Diese zog sie am 10. November 2006 wieder zurück
(UV-act. 225). Der Versicherte liess durch seinen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Jürg
Grämiger, Wil, Einsprache erheben und die Aufhebung der Verfügung, die Ausrichtung
einer Invalidenrente von 100% ab 1. November 2006 sowie einer
Integritätsentschädigung von mindestens 10% (UV-act. 223) beantragen. Mit Entscheid
vom 15. Februar 2007 wies die Suva diese Einsprache ab (act. G 1.1, UV-act. 228).
C.
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C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 13. März 2007 mit den Anträgen, die
Verfügung vom 30. Oktober 2006 und der diese bestätigende Einspracheentscheid
vom 15. Februar 2007 seien vollumfänglich aufzuheben; dem Beschwerdeführer seien
eine Unfall-Invalidenrente von 100% seit 1. November 2006 und eine
Integritätsentschädigung von mindestens 10% auszurichten; entgegen der Anordnung
im angefochtenen Entscheid sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu
erteilen und dem Beschwerdeführer seit 1. November 2006 das bisher bezahlte
Taggeld zu 100% für die Dauer des Beschwerdeverfahrens nach jeweiliger
fachärztlicher Beurteilung des Grades der Arbeitsunfähigkeit auszurichten; unter
Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung
wird im Wesentlichen ausgeführt, bis zum Unfall vom 1. Juni 2002 sei der
Beschwerdeführer 100% arbeitsfähig und völlig gesund gewesen. Seither sei er
anhaltend arbeitsunfähig und habe sich von den Unfallfolgen nicht mehr erholt. Seine
Beeinträchtigungen seien eine natürlich kausale Folge des Unfallereignisses, das werde
auch durch die vorliegenden Gutachten bestätigt. Das typische Beschwerdebild nach
"Schleudertrauma" liege vor, weshalb nach der "Schleudertrauma-Praxis" des
Bundesgerichts auch die adäquate Kausalität gegeben sei. Die Beschwerdegegnerin
habe daher die gesetzlichen Leistungen über den 1. November 2006 hinaus zu
erbringen und der Beschwerdeführer habe Anspruch auf eine Invalidenrente der
Unfallversicherung sowie eine Integritätsentschädigung.
C.b Mit Entscheid vom 5. April 2007 gewährte der Gerichtspräsident dem
Beschwerdeführer für das Beschwerdeverfahren vor Versicherungsgericht die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung durch seinen bisherigen Rechtsvertreter (act. G
7). Das Begehren um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde
wies der Präsident gleichentags ab (act. G 9).
C.c Mit Beschwerdeantwort vom 15. Juni 2007 (act. G 12) beantragt Rechtsanwalt
Dr. U. Glaus für die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Kein
Gutachten oder Arztbericht führe organisch objektiv ausgewiesene Beschwerden an,
vielmehr würden alle die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers mit der
psychischen Diagnose bzw. Problematik begründen. Innerhalb von 72 Stunden nach
dem Unfallereignis seien nur einzelne Elemente des typischen Beschwerdebildes nach
Schleudertrauma aufgetreten. Es sei daher zu prüfen, ob ein adäquater
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Kausalzusammenhang der psychischen Beschwerden mit dem Unfallereignis bestehe,
was im Einspracheentscheid vom 15. Februar 2007 zu Recht verneint worden sei.
C.d Auf Begehren des Beschwerdeführers sistierte der Gerichtspräsident das Verfahren
bis zum Vorliegen des durch die SVA St. Gallen am 17. April 2007 in Auftrag
gegebenen interdisziplinären Gutachtens des ABI, Ärztliches Begutachtungsinstitut
GmbH, Basel (act. G 16).
Das ABI kam im multidisziplinären Gutachten [FMH Psychiatrie und Psychotherapie
sowie FMH Neurologie unter internistischer/allgemeinmedizinischer Fallführung] vom
10. Januar 2008 (act. G 17.1) zusammenfassend zu folgender Stellungnahme (S. 19):
"Der 38-jährige, aus Mazedonien stammende Explorand ist für eine körperlich leichte
bis mittelschwere Tätigkeit zu 80% arbeits- und leistungsfähig, ganztätig realisierbar.
Medizinische Massnahmen (Weiterführung der ambulanten Psychotherapie mit
antidepressiver Medikation) können empfohlen werden. Berufliche Massnahmen
können aufgrund der ausgeprägten subjektiven Krankheitsüberzeugung nicht
empfohlen werden. Aus dem gleichen Grund kann auch keine gute Prognose für die
Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit gestellt werden." In der neurologischen
Beurteilung des Gutachtens (Ziff. 4.2.4, S. 15f.) wird diskutiert, ob die kurze
Bewusstseinsstörung unmittelbar nach dem Aufprall eine Commotio cerebri im Sinn
einer leichten milden traumatischen Hirnverletzung darstellte, oder ob es sich um eine
allgemeine Schreckreaktion handelte. Im Ergebnis hätte die Qualifikation der
Benommenheit jedoch keine Konsequenzen, die im Zeitpunkt der Begutachtung noch
relevant sein könnten, müsste davon ausgegangen werden, dass in der Zwischenzeit
eine vollständige Erholung eingetreten wäre, da eine Verletzung im untersten Bereich
des Spektrums der milden traumatischen Hirnverletzungen mit einer sehr guten
Prognose für eine rasche Erholung zur Diskussion gestanden habe.
C.e Das Gutachten des ABI Basel ist den Parteien am 12. Februar 2008 unter
gleichzeitiger Aufhebung der Verfahrenssistierung zur Stellungnahme zugestellt
worden. Die Beschwerdegegnerin führt in ihrer Stellungnahme vom 18. Februar 2008
(act. G 19) aus, das Gutachten bestätige im Wesentlichen ihre Erhebungen und die
tatsächliche Grundlage des Einspracheentscheids. Die gesundheitlichen Probleme des
Beschwerdeführers seien ausschliesslich psychischer Natur und stünden nicht in
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einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem Unfall. Deshalb sei die Beschwerde
abzuweisen.
Der Beschwerdeführer kritisiert in der Eingabe vom 31. März 2008 (act. G 22) die
Qualität und Schlüssigkeit des Gutachtens. Daher sei nicht auf diese Beurteilung
abzustellen, die nicht aus Sicht des Unfalls und der Kausalität erfolgt, sondern von der
IV einverlangt worden sei. Er beantragt, eine aktualisierte neurologische und
neuropsychologische Expertise einzuholen. Im Übrigen hält er an der Beschwerde vom
13. März 2007 und den weiteren dort gestellten Beweisanträgen fest.

Erwägungen:
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht weitere Leistungen
(Behandlungskosten und Taggelder) für die Zeit nach dem 1. November 2006 mangels
adäquaten Kausalzusammenhangs eingestellt und den Anspruch auf eine
Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung verneint hat. Sie hat im
angefochtenen Entscheid die rechtlichen Voraussetzungen des Bestehens eines
natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und den in
Frage stehenden (physischen und psychischen) Gesundheitsschädigungen zutreffend
dargelegt (Erwägungen 2, 4a, 5a); darauf kann verwiesen werden. Zu ergänzen ist,
dass das Bundesgericht im Entscheid U 394/06 vom 19. Februar 2008 (BGE 134 V 109)
die Anforderungen an den Nachweis einer natürlich unfallkausalen Verletzung, welche
die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis rechtfertigt, erhöht (a.a.O. E. 9 S. 121ff.)
und die Kriterien modifiziert hat, nach denen die Adäquanz bei Schleudertraumata zu
prüfen ist (a.a.O. E. 10 S. 126ff.).
2.
2.1 Zunächst ist zu untersuchen, ob die Beschwerden, die der Versicherte noch klagt,
auf einem organisch objektivierbaren Substrat beruhen, das auf den Unfall vom 1. Juni
2002 zurückzuführen ist. Dazu ergibt sich aus den Akten Folgendes:
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2.2 Bei der Erstbehandlung am Spital Wil vom 2. Juni 2002 wurden keine
neurologischen Ausfälle oder Defizite festgestellt (UV-act. 7). Die Röntgenaufnahmen
zeigten keine unfallbedingten Verletzungen der ossären Strukturen (UV-act. 8). Eine
leichte Instabilität der Halswirbelsäule (HWK 2/3) wurde lediglich als
Verdachtsdiagnose geäussert (UV-act. 7f.) und es ist nicht klar, ob diese durch die
erstbehandelnden Ärzte als vorbestehend eingeschätzt wurde. In der biomechanischen
Kurzbeurteilung (UV-act. 60) wurde hergeleitet, dass es aus biomechanischer Sicht
keinen Grund gebe, weshalb diese Instabilität durch die relativ geringe
Kollisionseinwirkung hätte verursacht werden können.
Die cervicale vertebro-spinale Kernspintomographie (C0 bis Th5) vom 2. Dezember
2002 durch Dr. med. K._ (UV-act. 79) ergab ebenfalls intakte ossäre Strukturen und
nur eine leichte Dehydrierung der Bandscheiben C4/C5 und C5/C6. Auch die HWS-
Funktionsaufnahmen waren unauffällig. Eine Instabilität konnte nicht festgestellt
werden.
Die Röntgenaufnahmen vom 20. November 2007 (act. G 17.1: Bericht unter Ziff. 4.2.2.1
S. 14 ABI-Gutachten und Interpretation unter Ziff. 4.2.4 S. 16) zeigten keine
wesentlichen degenerativen Veränderungen, welche auf einen Zustand nach einer
Traumatisierung der HWS hinweisen würden. Insbesondere konnte bei den
Funktionsaufnahmen keine Instabilität nachgewiesen werden.
2.3 Die neurologische Untersuchung am Kantonsspital St. Gallen vom 3. Juni 2003
(UV-act. 125) zeigte weder fokal-neurologische Defizite noch Hinweise für ein
organisch bedingtes neurologisches Leiden. Unterstrichen wird dieses Ergebnis durch
die neurologische Aktenbeurteilung von Dr. med. C._ vom 19. September 2003 (UV-
act. 143): Nach den initialen Beschwerden mit Nacken- und Kopfschmerzen habe der
Versicherte eine neurologisch nicht erklärbare Symptomausweitung entwickelt. Nicht
nur das Fehlen traumatischer Läsionen bei den konventionell-radiologischen und
neuroradiologischen Abklärungen (MRI HWS) spreche gegen das Vorhandensein eines
zugrunde liegenden somatischen Leidens, sondern auch das Nichtansprechen auf
somatisch orientierte Therapien und das immer wieder Auftreten von neuen
Symptomen und Beschwerden würden auf das Vorhandensein einer im Vordergrund
stehenden psychischen Problematik hindeuten. Neurootologisch fanden sich am
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18. November 2003 (UV-act. 153) keine Erklärungen für den Schwindel des
Beschwerdeführers.
Auch anlässlich der Begutachtung an der neurologischen Klinik des Universitätsspitals
Zürich vom 9. März 2004 (UV-act. 182) zeigten sich neurologisch keine fokalen Defizite.
Die Gutachter führten keine der Beschwerden – Kopfschmerzen, Schwindel,
Nackenschmerzen beidseits, unregelmässiges Kribbeln Arme beidseits, Müdigkeit,
allgemeine Leistungsminderung, vermehrt unangenehme Träume, Angstzustände – auf
eine organische Ursache zurück (Beantwortung Fragenkatalog Ziff. 1.2 S. 9).
Das ABI-Gutachten vom 10. Januar 2008 (act. G 17.1) stellt in der neurologischen
Beurteilung (Ziff. 4.2.4, S. 15f.) keine organischen Ursachen für die neurologischen
Diagnosen (chronisches cervico-cephales Schmerzsyndrom mit begleitenden
Sensibilitätsstörungen auf der rechten Körperseite und Schwindelbeschwerden sowie
Status nach HWS-Distorsionstrauma vom 1. Juni 2002 mit Verdacht auf Commotio
cerebri) fest. Bei der klinischen Untersuchung zeigte sich eine weitgehend normalisierte
Beweglichkeit der HWS. Bei unauffälliger Beobachtung des Beschwerdeführers
vermerkte der Neurologe sogar eine freie Beweglichkeit des Kopfes ohne erkennbare
Zwangs- bzw. Schonhaltung.
2.4 Die medizinischen Beurteilungen gehen somit übereinstimmend davon aus, dass
die vom Versicherten noch geklagten Beschwerden nicht auf einem objektivierbaren
organischen Substrat beruhen. Ein anders lautender Hinweis liegt nicht vor. Bei diesem
Ergebnis ist weiter zu untersuchen, ob die nicht organisch nachweisbaren
Beschwerden des Versicherten auf den Unfall vom 1. Juni 2002 zurückzuführen sind.
3.
3.1 Nach der einschlägigen Rechtsprechung ist dabei zunächst zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule, eine dem
Schleudertrauma äquivalente Verletzung oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat. Ist
dies der Fall, muss beurteilt werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer
solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen wie Kopf- und Nackenschmerzen,
Schwindel, neurologische Defizite (Konzentrations- und Gedächtnisstörungen),
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Übelkeit, Visusstörungen, Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung
usw. vorliegen (BGE 8C_181/2007 vom 17. April 2008 E. 2.4 bzw. BGE 117 V 359 E. 4b
S. 360). Kann nicht von einem vielschichtigen somatisch-psychischen Beschwerdebild
- d.h. von einem komplexen Gesamtbild unfallbedingter psychischer Beschwerden und
ebenfalls unfallkausaler organischer Störungen - gesprochen werden, hat die Prüfung
der adäquaten Kausalität praxisgemäss unter dem Gesichtspunkt einer psychischen
Fehlentwicklung nach Unfall gemäss BGE 115 V 133 zu erfolgen. Dieses Vorgehen
greift Platz, wenn die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas
gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise gegeben sind, im Vergleich zur
ausgeprägten psychischen Problematik aber unmittelbar nach dem Unfall ganz in den
Hintergrund getreten sind oder die physischen Beschwerden im Verlauf der ganzen
Entwicklung vom Unfall bis zum Beurteilungszeitpunkt gesamthaft nur eine sehr
untergeordnete Rolle gespielt haben (vgl. BGE 134 V 109 E. 2.1 S. 111f., 127 V 102
E. 5b/bb S. 103, 123 V 98 E. 2a S. 99; RKUV 5/2002 Nr. U 465 S. 437, je mit
Hinweisen).
3.2 Gemäss den Berichten des erstbehandelnden Arztes, Dr. med. G._, vom 2. Juni
2002 (UV-act. 7) bzw. vom 12. Juni 2002 (UV-act. 2) erlitt der Versicherte beim Unfall
vom 1. Juni 2002 ein HWS-Schleudertrauma. Die Diagnose eines HWS-Schleuder-
bzw. Distorsionstraumas wurde durch die weiterbehandelnden Ärzte übernommen. Das
neurologische Gutachten des Universitätsspitals Zürich (UV-act. 182 Ziff. 5 S. 8)
präzisierte, es habe sich um ein cranio-cervicales Beschleunigungstrauma (sog.
Schleudertrauma) Grad IIb (nach Quebec-Task-Force [initiales Beschwerdebild:
Nackenbeschwerden und muskuloskelettale Zeichen]) gehandelt. Das ABI-Gutachten
diskutierte in der neurologischen Beurteilung (act. G 17.1 Ziff. 4.2.4 S. 15f.) zusätzlich,
ob die kurze Bewusstseinsstörung unmittelbar nach dem Aufprall eine Commotio
cerebri im Sinn einer leichten milden traumatischen Hirnverletzung darstellte, oder ob
es sich um eine allgemeine Schreckreaktion handelte. Es führte jedoch aus, im
Ergebnis hätte die Qualifikation der Benommenheit keine Konsequenzen, die im
Zeitpunkt der Begutachtung noch relevant gewesen seien, da es sich jedenfalls um
eine Verletzung im untersten Bereich des Spektrums der milden traumatischen
Hirnverletzungen gehandelt habe und zwischenzeitlich mit sehr grosser
Wahrscheinlichkeit vollständige Erholung eingetreten wäre.
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Zusammengefasst kann somit von einem Schleudertrauma ausgegangen werden, das
der Beschwerdeführer beim Unfall vom 1. Juni 2002 erlitten hat. Davon geht auch die
Beschwerdegegnerin sowohl in ihren Unterlagen (UV-act. 1 – 230) als auch in ihren
Eingaben an das Versicherungsgericht aus.
3.3 An Beschwerden gab der Versicherte dem erstbehandelnden Arzt am 2. Juni
2002 Kopf- und Nackenschmerzen sowie leichte Schulterschmerzen beidseits an. Beim
raschen Drehen oder Aufstehen verspürte er Schwindel. Übelkeit oder Erbrechen
verneinte er ausdrücklich. Weitere Beschwerden klagte er nicht (UV-act. 7). Erst später
kamen weitere Gesundheitsbeeinträchtigungen hinzu: Wochen nach dem Unfall klagte
der Versicherte über Schmerzen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule,
erstmals erwähnt anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 10. Juli 2002 (UV-
act. 19), und über Schlafstörungen, erstmals erwähnt bei der persönlichen Befragung
durch die Beschwerdegegnerin am 2. Juli 2002 (UV-act. 12) und besonders während
der Rehabilitation in Bellikon (UV-act. 35 und 36). Monate nach dem Unfall kamen an
körperlichen Beschwerden ein Ameisenlaufen in den Schultern und Armen sowie
Übelkeit und Erbrechen hinzu (Bericht psychosomatisches Konsilium Rehaklinik
Bellikon vom 21. Februar 2003 anlässlich des zweiten Rehabilitationsaufenthalts, UV-
act. 93 S. 2f.). Im neurologischen Gutachten des Universitätsspitals Zürich vom 9. März
2003 (UV-act. 182) wird neben Müdigkeit erstmals auch eine allgemeine
Leistungsminderung explizit aufgeführt.
Bereits die kreisärztliche Untersuchung vom 10. Juli 2002 – 40 Tage nach dem Unfall -
zeigte eine Chronifizierungstendenz (UV-act. 19). Diese wurde anlässlich des ersten
stationären Aufenthalts in der Rehaklinik Bellikon (31. Juli bis 4. September 2002)
weiter erhärtet (UV-act. 35). Das psychosomatische Konsilium an der Rehaklinik
Bellikon vom 21. August 2002 zeigte eine Anpassungsstörung, die einerseits als
reaktive Depression und andererseits mit einer erhöhten Ängstlichkeit in Erscheinung
trat (UV-act. 36; Diagnose: Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion
gemischt ICD-10: F43.22). Hinzu kamen eine psychovegetative Irritierbarkeit sowie eine
sich wahrscheinlich anbahnende somatoforme Komponente mit expressiver
Schmerzbeschreibung und hartnäckiger Therapieresistenz. In Bellikon wurde eine
Psychotherapie begonnen, die anschliessend (ab 7. Oktober 2002) ambulant bei
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lic. phil. J._, Wil, fortgesetzt wurde. Im Bericht vom 16. Dezember 2002 (UV-act. 78)
listet dieser als psychopathologische Diagnose Angststörung mit Angst und
depressiver Reaktion gemischt und multiple somatische und psychosomatische
Störungen nach Autounfall (Heckaufprall) vom 1. Juni 2002, ICD-10: F43.22, F45.0, auf.
Anlässlich des psychosomatischen Konsiliums an der Rehaklinik Bellikon vom
19. Februar 2003 ergab sich im Vergleich zur Beurteilung vom August 2002 ein
weitgehend unverändertes Bild mit reaktiv-depressiver Symptomatik und Ängstlichkeit.
Neu berichtete der Beschwerdeführer über eine leicht intrusive Symptomatik mit
spezifischen Unfallträumen und Nachhallerinnerungen. Es wurde eine
Anpassungsstörung mit Angst (teils in Form von erlebnisreaktiver, leicht intrusiver
Symptomatik) und depressiver Reaktion gemischt sowie somatoformer Komponente
mit entsprechender Chronifizierungsgefahr (ICD-10: F43.22, F45.1) diagnostiziert (UV-
act. 93). Im Austrittsbericht vom 18. März 2003 (UV-act. 92) weist die Rehaklinik
Bellikon darauf hin, dass die Psychopathologie bei der Beurteilung eine entscheidende
Rolle spiele. Arbeitsrelevante Problembereiche seien die cervico-cephalen Schmerzen
sowie die psychische Auffälligkeit und die allgemein verminderte Belastbarkeit.
Aufgrund der psychogenen Überlagerung der somatischen Beschwerden liesse sich
die körperliche Belastbarkeit des Patienten nicht genau einschätzen (a.a.O. S. 3). Der
Psychotherapeut bestätigte im Bericht vom 29. Mai 2003 (UV-act. 123) die im Bericht
vom 16. Dezember 2002 gestellten Diagnosen. In der Psychotherapie arbeitete er an
der Realisierung einer regelmässigen, ausgewogenen Tages-, Nacht- und
Beschäftigungsstruktur, um den ausgeprägten regressiven Tendenzen des Patienten
gezielt entgegenzuwirken. Anlässlich der neurologischen Untersuchung vom 3. Juni
2003 am Kantonsspital St. Gallen (UV-act. 125) wurde – wie bereits vorstehend Ziff. 2.3
ausgeführt – das Fehlen eines fokal-neurologischen Defizits und von Hinweisen für ein
organisch bedingtes neurologisches Leiden festgestellt. Laut den Fachärzten für
Neurologie sprachen die anamnestischen Angaben inkl. psychischem Befund und das
Auftreten des Patienten während der Konsultation für ein chronisches
Schmerzsyndrom mit Cephalea und einer Cervikalgie sowie einer ausgeprägten
reaktiven Depression.
Im psychiatrischen Gutachten vom 30. August 2006 (UV-act. 219) führte Dr. med.
E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, in der diagnostischen
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Beurteilung (a.a.O. Ziff. 5 S. 17) aus, trotz medikamentöser antidepressiver Therapie
sowie psychotherapeutischer Fachbehandlung sei es bis heute zu keiner
durchgreifenden Zustandsverbesserung gekommen. Die Symptomatik herrsche
weitgehend unverändert auch im aktuellen psychopathologischen Befund vor. Da die
Störung den in den diagnostischen Leitlinien der ICD-10 angegebenen Zeitrahmen von
höchstens zwei Jahren für eine Anpassungsstörung (F43) überschritten habe, könne
das psychische Leiden nosologisch am besten als sonstige anhaltende affektive
Störung mit depressiven und ängstlichen Zügen (ICD-10: F34.8) klassifiziert werden. Er
empfahl eine Weiterführung der psychotherapeutischen Behandlung. Prognostisch sei
auf Grund des bisherigen chronischen Verlaufs mit Persistieren der psychischen
Störung trotz adäquater Behandlung, geringen weiteren Behandlungsaussichten auf
psychiatrischer Seite und chronifiziertem Schmerz mit fehlendem Ansprechen auf
somatische Behandlungen von keiner weiteren wesentlichen Veränderung des
Störungsbildes in einem absehbaren Zeitrahmen auszugehen.
Das ABI-Gutachten vom 10. Januar 2008 (act. G 17.1 Ziff. 4.1.3 S. 11) listet als
psychiatrische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit Angst und depressive
Störung, gemischt (ICD-10 F41.2) und ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54) auf. Der begutachtende Dr. med. F._,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, geht mit Dr. E._ einig, dass eine leichte
depressiv-ängstliche Störung vorliege. Im Gegensatz zu Dr. E._ schliesst er daraus,
dass aus psychiatrischer Sicht nur eine geringgradige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit attestiert werden könne und beurteilt diese mit 20%. Die
Schmerzverarbeitungsstörung habe keinen Krankheitswert und schränke die
Arbeitsfähigkeit nicht ein (a.a.O. Ziff. 4.1.5 und 4.1.7).
3.4 Zusammenfassend waren beim Versicherten nur einzelne der Beschwerden, die
zum typischen Beschwerdebild nach Schleudertrauma gehören, innerhalb der
Latenzzeit von maximal 72 Stunden nach dem Unfallereignis aufgetreten. Das typische
Beschwerdebild nach Schleudertrauma lag nur teilweise vor. Die körperlichen
Beschwerden traten gegenüber den psychischen im Zeitverlauf seit dem Unfall immer
mehr in den Hintergrund. Dieser Prozess begann mit dem Auftreten der psychischen
Beschwerden. Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung durch die Beschwerdegegnerin
(per 1. November 2006) herrschten die psychischen Beschwerden eindeutig vor. Die
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Adäquanzbeurteilung ist demnach praxisgemäss nicht nach der Schleudertrauma-
Praxis (BGE 134 V 109 und 117 V 359), sondern nach der Psycho-Praxis (BGE
115 V 133) vorzunehmen.
4.
4.1 Bei der Beurteilung des Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfall und einer
anschliessend einsetzenden psychischen Fehlentwicklung mit Einschränkung der
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ist nach der Rechtsprechung (BGE 115 V 133 E. 6 S. 138
ff., bestätigt unter anderem in SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 ff.) vom Unfallereignis
auszugehen. Dabei besteht ein adäquater Kausalzusammenhang zwischen den
Beschwerden und dem Unfall, wenn dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die
Entstehung der Beschwerden zukommt. In objektivierter Betrachtungsweise werden
die Unfälle nach ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Beschwerden zu
bewirken, eingeteilt in banale und leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits
und in einen dazwischen liegenden mittleren Bereich der mittelschweren Unfälle. Bei
banalen Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und
psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil
auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung davon ausgegangen werden darf, dass ein
solcher Unfall nicht geeignet ist, einen invalidisierenden psychischen
Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren Unfällen dagegen ist der adäquate
Kausalzusammenhang zwischen Unfall und psychisch bedingter Erwerbsunfähigkeit in
der Regel zu bejahen. Denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen. Mithin können auch Unfälle, die im
Volksmund als schwer bezeichnet werden, keine der Rechtsprechung zur
obligatorischen Unfallversicherung entsprechende Schwere aufweisen. Bei Unfällen im
mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und psychisch bedingter
Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des
Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere, objektiv fassbare
Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als
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direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung
einzubeziehen (BGE 115 V 133 E. 6a-c S. 139 ff.). Dabei müssen
rechtsprechungsgemäss (vgl. BGE 115 V 133 E. 6c S. 140f.; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31
ff. E. 2, 2001 UV Nr. 8 S. 31 ff. E. 3, je mit Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen
Kriterien entweder in gehäufter oder auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann.
Als abschliessend aufgezählte Kriterien gelten dabei:
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Unfalls,
- die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre
erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen,
- ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung,
- körperliche Dauerschmerzen,
- ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert,
- schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen,
- Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit.
4.2 Der Beschwerdeführer erlitt am 1. Juni 2002 einen Auffahrunfall mit Heckkollision.
Auffahrkollisionen werden regelmässig als mittelschweres, im Grenzbereich zu den
leichten Unfällen liegendes Ereignis eingestuft (vgl. RKUV 3/2005 Nr. U 549 S. 236
E. 5.1.2 mit Hinweisen). Diesbezüglich ist im Ergebnis der Argumentation des
Beschwerdeführers in der Beschwerdeschrift (act. G 1 S. 8f.) zu folgen und der
Auffahrunfall vom 1. Juni 2002 – entgegen der Ausführungen der
Beschwerdegegnerin - als mittelschwerer Unfall an der Grenze zu den leichten
einzuteilen. Dabei kann jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass die
Unfallverursacherin ungebremst mit 60 - 70 km/h auf das Fahrzeug des
Beschwerdeführers auffuhr. Vielmehr ist rechtsprechungsgemäss auf den äusseren,
augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden Kräften abzustellen
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(BGE U 615/06 vom 9. Januar 2008 und U 2/07 vom 19. November 2007). Massgebend
ist insbesondere die biomechanische Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe für
Unfallmechanik vom 29. Oktober 2002 (UV-act. 60), wonach die kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung (delta-v) 10 – 15 km/h betrug. Auch die Fotos vom
Fahrzeug des Beschwerdeführers (UV-act. 41) sowie die Tatsache, dass seine Ehefrau
als Folge des Unfalls nur minimste Gesundheitsbeeinträchtigungen beklagte und die
mitfahrenden Kinder unverletzt blieben (UV-act. 11), unterstützen diese Beurteilung.
4.3 Der Unfall vom 1. Juni 2002 hatte sich weder unter besonders dramatischen
Begleitumständen ereignet, noch war er – objektiv betrachtet – von besonderer
Eindrücklichkeit. Er hatte auch keine schweren Verletzungen oder Verletzungen
besonderer Art zur Folge. Die Diagnose eines Schleudertraumas oder einer
schleudertraumaähnlichen Verletzung der HWS vermag die Schwere oder besondere
Art der erlittenen Verletzung für sich allein nicht zu begründen. Es bedarf hiezu einer
besonderen Schwere der für das Schleudertrauma typischen Beschwerden oder
besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen können, wie etwa
eine besondere Körperhaltung im Unfallzeitpunkt, erhebliche krankhafte oder
traumatisch bedingte Veränderungen im Bereich der Halswirbelsäule (Vorzustand) oder
ein biologisches Alter der verunfallten Person über 50/55 Jahren (BGE U 167/06 vom
31. Januar 2007 E. 5.2, RKUV 3/2005 Nr. U549 E. 5.2.3 S. 238). Solche besonderen
Umstände liegen hier nicht vor. Die Verletzungen des Beschwerdeführers gelten
erfahrungsgemäss auch nicht als geeignet, psychische Fehlentwicklungen auszulösen.
Unmittelbar nach dem Unfall nahm der Beschwerdeführer keine oder kaum körperliche
Beschwerden wahr. Die Polizei ging jedenfalls im Rapport vom 22. Juni 2002 (UV-
act. 25) davon aus, er habe sich beim Unfall vom 1. Juni 2002 nicht verletzt. Er war
nach dem Ereignis in der Lage, wie vorgesehen, einen Kollegen zu besuchen. Die
Schwere der Verletzung ist von den schwerwiegend empfundenen Verletzungsfolgen
(besonders die anhaltende, mit Ausnahme des Arbeitsversuches zwischen 6. Septem
ber 2002 und Herbst 2003, für die bisherige Tätigkeit vollständige Arbeitsunfähigkeit)
zu trennen. Letztere werden unter andern Kriterien zur Adäquanzbeurteilung
berücksichtigt. Zusammenfassend ist das Kriterium der Schwere oder besonderen Art
der erlittenen Verletzungen nicht erfüllt.
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4.4 Die ärztliche Behandlung der somatischen Beschwerden dauerte nicht
ungewöhnlich lange, beschränkten sich doch die nach dem Unfall getroffenen
Massnahmen schon nach kurzer Zeit im Wesentlichen auf die Abgabe von
Medikamenten und auf Verlaufskontrollen. In der neurologischen Beurteilung vom
19. September 2003 beurteilte Dr. C._ das Weiterführen somatisch orientierter
Therapien ausdrücklich für nicht notwendig (UV-act. 143 S. 4). Die noch andauernde
und im ABI-Gutachten vom 10. Januar 2008 (act. G 17.1) auch weiterhin empfohlene
psychotherapeutische Behandlung ist auf psychische Gründe zurückzuführen und
daher hier nicht zu berücksichtigen.
4.5 Das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen war während einer gewissen Zeit
erfüllt. Die aktuellen Schmerzen sind allerdings zu einem wesentlichen Teil psychisch
bedingt und fallen daher hier ausser Betracht (BGE U 159/05 vom 15. Juni 2007 E. 5.3).
4.6 Der Beschwerdeführer macht geltend, das Tragen des Halskragens über einen
Monat nach der Kollision sei verordnet gewesen und stelle auch gemäss
biomechanischer Kurzbeurteilung der Arbeitsgruppe für Unfallmechanik vom
29. Oktober 2002 (UV-act. 60) eine ärztliche Fehlbehandlung dar, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert habe. Aus den Akten ist eine Verordnung zum
Tragen des Halskragens lediglich für 3 – 5 Tage im Bericht (UV-act. 7) bzw. im Zeugnis
(UV-act. 2) von Dr. G._ über die Erstbehandlung am Spital Wil vom 2. Juni 2002
dokumentiert. Der nachbehandelnde Hausarzt, Dr. med. H._, erwähnt den
Halskragen im Zwischenbericht vom 21. Juni 2002 (UV-act. 10) nicht. Vielmehr führt er
als Therapie neben Analgetika und Myotonolytika physiotherpeutische Massnahmen
zur Lockerung und Stabilisierung der HWS an. Massnahmen zur Schonung oder gar
Ruhigstellung, das Ziel der Behandlung mit einem Halskragen, werden vom Hausarzt
nicht verordnet. Anlässlich der kreisärztlichen Untersuchung vom 10. Juli 2002 (UV-
act. 19) führte der Beschwerdeführer aus, er trage den Halskragen (wie auch heute)
noch sehr oft und lasse ihn nur stundenweise weg. Auch dieses Dokument sagt nichts
aus über eine Verordnung, den Halskragen länger als 3 – 5 Tage nach dem Unfall zu
tragen. Eine ärztliche Verordnung, den Halskragen länger als 3 – 5 Tage nach dem
Unfall zu tragen, ist somit nicht ausgewiesen.
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Die Arbeitsgruppe für Unfallmechanik führt in der biomechanischen Kurzbeurteilung
29. Oktober 2002 (UV-act. 60) wörtlich aus: "Es sind nun seit längerer Zeit und immer
deutlicher auch medizinisch-therapeutische Studien vorhanden, die aufzeigen, dass
das längere Tragen eines Halskragens praktisch nie sinnvoll ist und sich in den meisten
Fällen sogar negativ auf die Heilung auswirkt. Es wäre nicht erstaunlich, wenn das
lange Tragen des Halskragens die Heilung negativ beeinflusst hätte." (a.a.O. S. 3
unten). Damit bleibt die Arbeitsgruppe für Unfallmechanik sehr vage und im Bereich
einer möglichen Hypothese. Damit das Kriterium der ärztlichen Fehlbehandlung für die
Adäquanzbeurteilung erfüllt ist, muss jedoch sowohl die ärztliche Fehlbehandlung als
auch die dadurch bedingte erhebliche Verschlimmerung der Unfallfolgen nachgewiesen
sein. Beides ist vorliegend nicht der Fall.
Das Bundesgericht (damals noch Eidgenössisches Versicherungsgericht) hat im
Entscheid vom 20. April 2004 U 299/03 E. 3.3 eine ärztliche Fehlbehandlung durch das
Tragen eines Halskragens ebenfalls verneint und diese Praxis in den Entscheiden
U 65/07 vom 14. Dezember 2007 E. 5.5 und U 14/05 vom 29. Mai 2006 E. 5
beibehalten. In der Begründung führt das Bundesgericht u.a. aus, die Frage, ob das
(längere) Tragen eines Halskragens negative Auswirkungen auf die Heilung habe und
ob es zur Verschlimmerung der Beschwerden beitrage, sei in medizinischen
Fachkreisen umstritten.
4.7 Ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen können nach der
neueren Rechtsprechung nicht bereits aus dem Fortbestehen bestimmter Symptome
abgeleitet werden, sondern setzen voraus, dass besondere Gründe gegeben sind, die
die Heilung beeinträchtigt haben (SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 ff. E. 8.5 U 479/05).
Derartige Umstände sind hier nicht ersichtlich, weshalb das Kriterium verneint werden
muss. Die Umstände, die der Beschwerdeführer als schwierig anführt, beschreiben fast
ausschliesslich nicht den Heilungsverlauf sondern andere (Lebens-)Bereiche. Aus der
Tatsache, dass die somatischen Beschwerden weitgehend therapieresistent waren und
sind, lässt sich noch nicht auf einen schwierigen Heilverlauf und erhebliche
Komplikationen im Sinn der zitierten Rechtsprechung schliessen; zumal die
Therapieresistenz der somatischen Beschwerden zumindest teilweise durch die hier
nicht zu berücksichtigenden psychischen Beeinträchtigungen verursacht wurde.
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4.8 Bleibt als letztes Kriterium der Adäquanzbeurteilung Grad und Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit zu prüfen. Der Beschwerdeführer war bei der ärztlichen
Erstbehandlung am 2. Juni 2002 (UV-act. 2 und 7) 100% arbeitsunfähig geschrieben
worden. Der Hausarzt gab im Zwischenbericht vom 21. Juni 2002 (UV-act. 10) an,
eventuell sei eine Wiederaufnahme der Arbeit ab 1. Juli 2002 möglich. Der Kreisarzt
nahm im Untersuchungsbericht vom 10. Juli 2002 (UV-act. 19) zur Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers nicht Stellung, meldete ihn wegen Chronifizierungsgefahr und zur
Steigerung der Arbeitsfähigkeit aber dringend zur stationären Rehabilitation in Bellikon
an. Obwohl die Behandlungen und Therapien der Rehaklinik Bellikon nicht fruchteten
(Austrittsbericht vom 16. September 2002, UV-act. 35), wurde mit dem
Beschwerdeführer und seiner Arbeitgeberin nach Klinikaustritt ein Arbeitsversuch
geplant und durchgeführt. Das psychosomatische Konsilium vom 21. August 2002 an
der Rehaklinik Bellikon (UV-act. 36) diagnostizierte eine Anpassungsstörung mit Angst
und depressiver Reaktion gemischt ICD-10: F43.22. Zu deren anteilmässiger
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nahm die Klinik nicht Stellung. Der Arbeitsversuch,
mehr als berufsorientierte Ergotherapie denn als Arbeitstätigkeit durchgeführt, wurde
nach Absprache mit den Beteiligten - Ende Oktober 2002 von ca. 2 auf 3 Stunden
täglich gesteigert (UV-act. 57). Aufgrund der Tatsache, dass der Arbeitsversuch bisher
nicht zu einem wirtschaftlich verwertbaren Resultat geführt hatte, sowie der
Bestätigung dieser Ausgangssituation in der berufsorientierten Ergotherapie, attestierte
die Rehaklinik Bellikon dem Beschwerdeführer nach dem zweiten stationären
Aufenthalt im Austrittsbericht vom 18. März 2003 (UV-act. 92) volle Arbeitsunfähigkeit,
gleiste aber einen Arbeitsversuch im angestammten Betrieb von 2 x 2 Stunden pro Tag
auf. Das psychosomatische Konsilium vom 19. Februar 2003 an der Rehaklinik Bellikon
(UV-act. 93) diagnostizierte neben der Anpassungsstörung eine somatoforme
Komponente. Der Anteil der psychischen Beeiträchtigungen an der Arbeitsunfähigkeit
wurde nicht beziffert. Wörtlich hielten die Ärzte der Rehaklinik Bellikon im
Austrittsbericht vom 18. März 2003 (UV-act. 92) unter dem Titel "Behinderungen /
Fähigkeitsstörungen" fest: "Arbeitsrelevante Problembereiche sind die cervico-
cephalen Schmerzen(,) sowie die psychische Auffälligkeit und die allgemein
verminderte Belastbarkeit. Aufgrund der psychogenen Überlagerung der somatischen
Beschwerden lässt sich die körperliche Belastbarkeit des Patienten nicht genau
einschätzen. Bei Austritt besteht eine reduzierte psychophysische Belastbarkeit,
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Arbeiten in Zwangshaltungen und rückenbelastende Tätigkeiten sind reduziert.
Überkopfarbeiten und schweres Heben und Tragen sind mindestens vorläufig limitiert,
Arbeiten in absturzgefährdeten Positionen sind derzeit nicht zumutbar." Nach dem
zweiten stationären Aufenthalt in der Rehaklinik Bellikon war der Beschwerdeführer
wegen einer Magen-Darm-Entzündung zusätzlich arbeitsunfähig (Zwischenbericht
Dr. I._ vom 7. Mai 2003 UV-act. 118 und Bericht Psychotherapeut vom 29. Mai 2003
UV-act. 123). Den Arbeitsversuch nahm er danach – soweit aus den Akten ersichtlich
(Telefonnotizen vom 19. Juni 2003 UV-act. 128 und 130 sowie vom 26. Juni 2003 UV-
act. 133) - erst am 19. Juni 2003 wieder auf.
Das neurologische Gutachten vom 9. März 2004 (UV-act. 182) attestiert aus
neurologisch/neuropsychologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von 50% (a.a.O. S. 8
und 10). Für eine Differenzierung nach Ursache bzw. Beschränkung auf unfallbedingte
Beschwerden organischer Genese verweist es auf das psychiatrische Gutachten. Die
Aktenbeurteilung des Schweizerischen Instituts für Versicherungsmedizin (SIVM) vom
26. Oktober 2005 (UV-act. 203) kam in der Beurteilung (a.a.O. S. 4) zum Schluss, das
Gutachten des Universitätsspitals Zürich nach Untersuchung vom 9. März 2004 sei
widersprüchlich. Nachdem organisch bedingte Beschwerden im Wesentlichen verneint
würden, werde dennoch eine Arbeitsunfähigkeit von ca. 30 – 50% als Abkanter
angenommen, welche aus ihrer Sicht vor allem durch psychische Faktoren bedingt sei.
Neuropsychologisch lasse sich höchstens ein leichte, ca. 20 – 30% Arbeitsunfähigkeit
rechtfertigen. Die beiden neurologischen Gutachter hätten hier klarer trennen müssen,
welcher Anteil der Arbeitsunfähigkeit neurologisch bzw. neuropsychologisch, also
aufgrund organischer Faktoren, und welcher aufgrund psychischer Faktoren
gerechtfertigt erscheine. (...) Die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit betrage maximal
30%.
Das psychiatrische Gutachten vom 30. August 2006 (UV-act. 219) attestierte dem
Beschwerdeführer für die Tätigkeit als Abkanter volle Arbeitsunfähigkeit. In einer an die
körperlichen Einschränkungen adaptierten, körperlich leichten Tätigkeit, ohne zeitlichen
Stress, mit begrenzten sozialen Kontakten und ohne besondere Anforderungen an die
Konzentrationsfähigkeit schätzte der Gutachter die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer
Sicht auf 50% (a.a.O. S. 21f.). Diese Einschätzung wird durch das ABI-Gutachten vom
10. Januar 2008 (act. G. 17.1) kritisiert. Bei einer leichten depressiv-ängstlichen
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Störung – wie von beiden psychiatrischen Gutachtern übereinstimmend festgestellt –
sei die Arbeitsfähigkeit nur geringgradig beeinträchtigt. Die ausgeprägte subjektive
Krankheitsüberzeugung und der passive Umgang würden aber keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht begründen. Daher könne aus
psychiatrischer Sicht nur eine geringgradige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
attestiert werden. Diese wurde auf 20% eingeschätzt. Dabei könne es dem
Exploranden aus psychiatrischer Sicht zugemutet werden, trotz der geklagten
Beschwerden die nötige Willensanstrengung aufzubringen, um ganztags einer
beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können (a.a.O. S.12/19). Zusammengefasst kam
das ABI-Gutachten zum Schluss, der Explorand sei aus polydisziplinärer Sicht für
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten zu 80% arbeits- und leistungsfähig,
vollschichtig realisierbar. Den Beginn dieser Arbeitsunfähigkeit setzt das ABI auf
wenige Wochen nach dem Unfallereignis fest.
Auch wenn der psychisch bedingte und damit hier nicht zu berücksichtigende Anteil an
der Arbeitsfähigkeit erst mit dem neurologischen Gutachten des Universitätsspitals
Zürich vom 9. März 2003 (UV-act. 182) klarer und erst mit dem ABI-Gutachten vom
10. Januar 2008 polydisziplinär festgelegt wurde, ist aufgrund der vorstehend
zusammengefassten Unterlagen klar, dass die Arbeitsunfähigkeit des
Beschwerdeführers schon innerhalb von Wochen nach dem Unfall weitgehend auf
psychische Ursachen zurückzuführen war. Damit ist das Kriterium Grad und Dauer der
physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit ebenfalls nicht erfüllt.
4.9 Zusammenfassend ist keines der Beurteilungskriterien der Adäquanzprüfung in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt. Die Kriterien sind auch nicht in gehäufter oder
auffallender Weise erfüllt. Die adäquate Kausalität der Unfallfolgen muss daher verneint
werden. Die Beschwerdegegnerin ist daher nicht verpflichtet, über den 1. November
2006 hinaus weitere Versicherungsleistungen zu erbringen.
5.
Fehlt es am adäquaten Kausalzusammenhang für eine weitere Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin über den 1. November 2006 hinaus, sind auch weder eine Unfall-
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Invalidenrente noch eine Integritätsentschädigung geschuldet. Die entsprechenden
tatsächlichen Voraussetzungen sind daher nicht zu prüfen.
6.
Dem Beweisantrag des Beschwerdeführers, es sei eine zweite oder aktualisierte
neurologische und neuropsychologische Begutachtung durch Spezialärzte einzuholen,
ist nicht zu folgen. Da nicht anzunehmen ist, dass weitere medizinische Abklärungen
für die Beurteilung des vorliegend relevanten Sachverhalts neue Erkenntnisse bringen,
kann darauf verzichtet werden (antizipierte Beweiswürdigung vgl. BGE 124 V 90 E. 4b
S.94; Praxis 88/1999 Nr. 117 S. 636 ff.; SVR UV 1996 Nr. 62 S. 211 ff. E. 3).
7.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
8.
Dem Beschwerdeführer wurde die unentgeltliche Rechtsverbeiständung am 5. April
2007 bewilligt. Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschwerdeführers es ge
statten, kann er jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten, der Auslagen für die
Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288
Abs. 1 ZPG, sGS 961.2, i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP, sGS 951.1). Der Staat ist zufolge
unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar
zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Mangels Kostennote ist
die Entschädigung vom Gericht ermessensweise festzusetzen. Ein Betrag von
Fr. 3'200.-- (80% von Fr. 4'000.--; inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) scheint
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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