Decision ID: a8d34b8e-df1a-473a-86cf-e30b5c411427
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufungen gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin (Urk. 5/61 S. 2 und Urk. 5/75 S. 2, sinngemäss): 1. Es seien die Kinder C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb.
tt.mm.2017, unter die alleinige Obhut der Gesuchstellerin zu stellen. 2. Es sei festzustellen, dass die Kinder C._, geb. tt.mm.2016, und
D._, geb. tt.mm.2017, ihren Wohnsitz bei der Gesuchstellerin haben.
3. Es sei der Gesuchstellerin zu bewilligen, den Aufenthaltsort der  C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb. tt.mm.2017, nach Brasilien zu verlegen.
4. Es sei für den persönlichen Verkehr zwischen dem Gesuchsteller und den Kindern eine angemessene Regelung mit begleiteten  und Videotelefonie zu treffen.
5. Es sei der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin einen Prozesskostenvorschuss von CHF 62'180.30 zu bezahlen.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zuzüglich 7,7% Mehrwertsteuer, zulasten des Gesuchstellers.
des Gesuchstellers (Urk. 5/48 S. 2 ff. und Urk. 5/67 S. 2 ff., sinngemäss):
1. Die Kinder C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb. tt.mm.2017, seien für die Dauer des Verfahrens unter die  Obhut der Parteien zu stellen und es sei festzuhalten, dass der Gesuchsteller die Kinder wie folgt betreut:
ab sofort und für die Dauer eines Monats
− wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag - bzw. Krippenende bis 18.00 Uhr
− in den geraden Wochen am Samstag und Sonntag, jeweils von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr
ab dann für die weitere Dauer von 3 Monaten
− wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag - bzw. Krippenende bis 18.00 Uhr
− in den geraden Wochen von Samstag 09.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr
und ab dann und für die weitere Dauer des Verfahrens
− in den ungeraden Wochen am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag Kindergarten- bzw. Krippenende bis 18.00 Uhr
− in den geraden Wochen (massgebend ist der Freitag) jeweils von Freitagmittag Kindergarten- bzw. Krippenende bis Montagabend 18.00 Uhr
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sowie jeweils in geraden Jahren über die Weihnachtsfeiertage (24. Dezember 12.00 Uhr bis 26. Dezember 18.00 Uhr) sowie an Pfingsten (Kindergarten- bzw. Krippenende vor Pfingsten bis Pfingstmontagabend 18.00 Uhr) und in ungeraden Jahren an Ostern (Kindergarten- bzw. Krippenende vor Ostern bis Ostermontagabend 18.00 Uhr) sowie ab 2021 jährlich während drei Wochen während der Schulferien; und dass die Kinder in der übrigen Zeit durch die Gesuchgegnerin betreut werden.
2. Eventualiter sei der Gesuchsteller berechtigt zu erklären, die Kinder C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb. tt.mm.2017, für die Dauer des Verfahrens wie folgt zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
ab sofort und für die Dauer eines Monats
− wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag - bzw. Krippenende bis 18.00 Uhr
− in den geraden Wochen am Samstag und Sonntag, jeweils von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr
ab dann für die weitere Dauer von 3 Monaten
− wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag - bzw. Krippenende bis 18.00 Uhr
− in den geraden Wochen von Samstag 09.00 Uhr bis Sonntag 18.00 Uhr
und ab dann und für die weitere Dauer des Verfahrens
− in den ungeraden Wochen am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag Kindergarten- bzw. Krippenende bis 18.00 Uhr
− in den geraden Wochen (massgebend ist der Freitag) jeweils von Freitagmittag Kindergarten- bzw. Krippenende bis Montagabend 18.00 Uhr
sowie jeweils in geraden Jahren über die Weihnachtsfeiertage (24. Dezember 12.00 Uhr bis 26. Dezember 18.00 Uhr) sowie an Pfingsten (Kindergarten- bzw. Krippenende vor Pfingsten bis Pfingstmontagabend 18.00 Uhr) und in ungeraden Jahren an Ostern (Kindergarten- bzw. Krippenende vor Ostern bis Ostermontagabend 18.00 Uhr) sowie ab 2021 jährlich während drei Wochen während der Schulferien.
3. Der Gesuchsteller sei ab sofort berechtigt zu erklären, an den , an denen er die Kinder nicht betreut, um 18.00 Uhr mit diesen per Videotelefonie/Face Time zu kommunizieren.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zu Lasten der Gesuchsgegnerin.
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Verfügung des Einzelgerichts am Bezirksgericht Meilen vom 25. November 2020:
(Urk. 86 S. 43 ff. = Urk. 2 S. 43 ff.)
1. Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2016, und D._, geboren am
tt.mm.2017, werden für die Dauer des Scheidungsverfahrens unter die Ob-
hut der Gesuchstellerin gestellt.
2. Der Gesuchstellerin wird der Aufenthaltsortwechsel für die beiden Kinder der
Parteien, C._, geboren am tt.mm.2016, und D._, geboren am
tt.mm.2017, nach E._ [Ort], Brasilien, für die Dauer des Scheidungsver-
fahrens bewilligt.
3. Auf das Begehren der Gesuchstellerin betreffend Feststellung des Wohnsit-
zes der Kinder wird nicht eingetreten.
4.1 Der Gesuchsteller ist für die Dauer des Scheidungsverfahren berechtigt und
verpflichtet, die Kinder, auf eigene Kosten, ab sofort bis Ende Februar 2021
für eine Woche (ausgenommen Weihnachtsfeiertage) in E._, Brasilien,
mit sich auf Besuch zu nehmen (unbegleitet), danach alle drei Monate für
eine Woche in Brasilien mit sich auf Besuch zu nehmen (unbegleitet) und ab
dem zweiten Jahr des Aufenthalts der Kinder in Brasilien für insgesamt vier
Wochen pro Jahr, maximal zwei Wochen am Stück, zu sich oder mit sich auf
Besuch zu nehmen (unbegleitet).
4.2 Der Gesuchsteller hat seine Besuche der Gesuchstellerin so früh wie mög-
lich, spätestens jedoch einen Monat im Voraus anzukündigen.
4.3 Zudem ist der Gesuchsteller für die Dauer des Scheidungsverfahren berech-
tigt, ab sofort täglich um 22.00 Uhr Schweizer Zeit mit den Kindern per
Videotelefonie zu kommunizieren.
4.4 Weitergehender oder abweichender persönlicher Verkehr nach gegenseiti-
ger Absprache und bei Einverständnis bleibt vorbehalten.
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5. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin einen Prozesskos-
tenvorschuss von einstweilen CHF 20'000.– zzgl. Mehrwertsteuer zu bezah-
len.
Im Mehrumfang wird der Antrag abgewiesen.
6. Auf den prozessualen Antrag des Gesuchstellers um Erteilung der aufschie-
benden Wirkung des gegen den vorliegenden Entscheid offenstehenden
Rechtsmittels wird nicht eingetreten.
7. Die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen bleibt dem Endent-
scheid vorbehalten (Art. 104 ZPO).
8. [Schriftliche Mitteilungen.]
9. [Rechtsmittelbelehrung: Berufung, 10 Tage.]
Berufungsanträge zur Erstberufung (LY200051):
des Gesuchstellers und Erstberufungsklägers (Urk. 1 S. 2 ff.)
"1. Dispositiv Ziffer 2 der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G) sei aufzuheben und der  sei der Aufenthaltswechsel für die beiden Kinder der Parteien, C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb. tt.mm.2017 nach E._, Brasilien, für die Dauer des  sei nicht zu bewilligen und die  sei anzuweisen, die Kinder unverzüglich nach F._ (ZH) .
2. Dispositiv Ziffer 1 und Ziffern 4.1. bis 4.4. der Verfügung des  Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G)  aufzuheben und die Kinder C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb. tt.mm.2017, seien, so lange die Berufungsbeklagte im Bezirk Meilen lebt, für die Dauer des Verfahrens unter die  Obhut der Parteien zu stellen und es sei festzuhalten, dass der Berufungskläger die Kinder wie folgt betreut:
ab sofort und für die Dauer eines Monats - wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag,
Kindergarten- bzw. Krippenende, bis 18.00 Uhr
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- in den geraden Wochen am Samstag und Sonntag, jeweils von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr
ab dann für die weitere Dauer von 3 Monaten - wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag,
Kindergarten- bzw. Krippenende, bis 18.00 Uhr - in den geraden Wochen von Samstag 09.00 Uhr bis Sonn-
tag 18.00 Uhr und ab dann und für die weitere Dauer des Verfahrens - in den ungeraden Wochen am Montag und am Freitag, je-
weils von Mittag, Kindergarten- bzw. Krippenende, bis 18.00 Uhr
- in den geraden Wochen (massgebend ist der Freitag)  von Freitagmittag Kindergarten- bzw. Krippenende bis Montagabend 18.00 Uhr
sowie jeweils in geraden Jahren über die Weihnachtsfeiertage (24. Dezember 12.00 Uhr bis 26. Dezember 18.00 Uhr) sowie an Pfingsten (Kindergarten- bzw. Krippenende vor Pfingsten bis Pfingstmontagabend 18.00 Uhr) und in ungeraden Jahren an  (Kindergarten- bzw. Krippenende vor Ostern bis Ostermontag 18.00 Uhr) sowie ab 2021 jährlich während drei Wochen während den Schulferien;
und dass die Kinder in der übrigen Zeit durch die  betreut werden.
3. Eventualiter und für den Fall, dass die Berufungsbeklagte ihren Wohnsitz nicht im Bezirk Meilen hat, sei Dispositiv Ziffer 1 der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G) aufzuheben und die Kinder C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb. tt.mm.2017, seien für die Dauer des Verfahrens unter die Obhut des Berufungsklägers zu stellen.
4. Eventualiter und für den Fall, dass die Berufungsbeklagte ihren Wohnsitz nicht im Bezirk Meilen hat, seien Dispositiv Ziffern 4.1. bis 4.4. der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G) aufzuheben und die  sei berechtigt zu erklären, die Kinder während neun Wochen Ferien pro Jahr, während der Schulferien, maximal drei Wochen am Stück, auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
5. Subeventualiter seien Dispositiv Ziffern 4.1. bis 4.3. der  des Bezirksgerichts Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G) aufzuheben und der Berufungskläger berechtigt zu erklären, die Kinder C._, geb. tt.mm.2016, und D._, geb. tt.mm.2017, für die Dauer des Verfahrens wie folgt in der Schweiz zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
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ab sofort für die Dauer eines Monats - wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag,
Kindergarten- bzw. Krippenende, bis 18.00 Uhr - in den geraden Wochen am Samstag und Sonntag, jeweils
von 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr ab dann für die weitere Dauer von 3 Monaten - wöchentlich am Montag und am Freitag, jeweils von Mittag,
Kindergarten- bzw. Krippenende, bis 18.00 Uhr - in den geraden Wochen von Samstag 09.00 Uhr bis Sonn-
tag 18.00 Uhr und ab dann und für die weitere Dauer des Verfahrens - in den ungeraden Wochen am Montag und am Freitag, je-
weils von Mittag, Kindergarten- bzw. Krippenende, bis 18.00 Uhr
- in den geraden Wochen (massgebend ist der Freitag)  von Freitagmittag, Kindergarten- bzw. Krippenende, bis Montagabend 18.00 Uhr
sowie jeweils in geraden Jahren über die Weihnachtsfeiertage (24. Dezember 12.00 Uhr bis 26. Dezember 18.00 Uhr) sowie an Pfingsten (Kindergarten- bzw. Krippenende vor Pfingsten bis  18.00 Uhr) und in ungeraden Jahren an Ostern (- bzw. Krippenende vor Ostern bis Ostermontagabend 18.00 Uhr) sowie ab 2021 jährlich während drei Wochen während der .
6. Subsubeventualiter sei Dispositiv Ziffern 4.1. der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G) aufzuheben und der Berufungskläger berechtigt und verpflichtet zu erklären, die Kinder auf eigene Kosten ab sofort bis Ende  2021 für eine Woche (ausgenommen Weihnachtsfeiertag) in der Schweiz zu oder mit sich auf Besuch zu nehmen (), danach alle drei Monate für eine Woche in der Schweiz zu oder mit sich auf Besuch zu nehmen (unbegleitet) und ab dem 2. Jahr des Aufenthalts der Kinder in Brasilien für insgesamt vier Wochen pro Jahr, maximal zwei Wochen am Stück, in der Schweiz zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen (). Der Berufungsbeklagten sei die Weisung zu erteilen, die  für die Ausübung des Besuchsrechts des Berufungsklägers jeweils in die Schweiz zu bringen und sie dem Berufungskläger in der Schweiz zur Ausübung des Besuchsrechts zu übergeben. Der Berufungsbeklagten sei die Bestrafung nach Art. 292 StGB im Falle der Wi[e]derhandlung anzudrohen.
7. Dispositiv Ziffer 5 der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G) sei aufzuheben; eventualiter sei festzuhalten, dass die Zahlung eines Prozesskostenvorschus-
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ses akonto der güterrechtlichen Ansprüche der  erfolgt.
8. Den Anträgen Ziffer 1 bis 5 sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren.
9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zu Lasten der Berufungsbeklagten."
der Gesuchstellerin und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 20 S. 2):
" Es seien die Anträge des Gesuchstellers und Berufungsklägers  abzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Gesuchstellers und Berufungsklägers."
Berufungsanträge zur Zweiberufung (LY200052):
der Gesuchstellerin und Zweitberufungsklägerin (Urk. 24/1 S. 2 f.):
"1. Es seien die Ziffern 4.1, 4.2 sowie 5 der Verfügung des  Meilen vom 25. November 2020 (FE200069) aufzuheben und im Sinne der folgenden Anträgen zu entscheiden:
4.1. Der Gesuchsteller ist für die Dauer des Scheidungsverfahrens  und verpflichtet, beide Kinder gemeinsam auf eigene  wie folgt zu besuchen bzw. auf Besuche mitzunehmen, wobei die Besuche auf die Zeit während den Schulferien und/oder  Tagen der G._ in E._ gemäss deren Kalender zu beschränken sind:
- Ab sofort bis und mit Ende der Sommerferien 2022 in  (Ende Juli 2022) für zeitlich unbeschränkte Dauer,  zwei Wochen am Stück, aber nicht an den , wobei bis und mit Juli 2021 (Ende  in Brasilien) jeweils von 9 bis 17 Uhr, ab August 2021 jeweils von 8 bis 20 Uhr,
- Ab August 2022 bis und mit Ende Dezember 2023 für  unbeschränkte Dauer, maximal zwei Wochen am Stück von 8 bis 20 Uhr mit Übernachten beschränkt auf eine  am Stück in Brasilien.
- Ab Januar 2024 für eine zeitlich nicht beschränkte Dauer, mit Übernachten beschränkt auf zwei Wochen mit  am Stück auch ausserhalb Brasiliens.
Zusätzlich erklärt sich die Gesuchstellerin bereit, sobald der  seinen Strafantrag gegen sie zurückzieht, eine Desin-
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teressenserklärung abgibt und kein Strafverfahren gegen die  mehr hängig ist, die Kinder auf seine Kosten  zwei Wochen pro Jahr (Jahrzählung beginnend ab  des Strafverfahrens, nicht pro Kalenderjahr) zum  in die Schweiz zu bringen, sofern und solange dieser  gewöhnlichen Aufenthalt in der Schweiz behält.
4.2. Der Gesuchsteller hat seine Besuche bis und mit Ende Dezember 2021 der Gesuchstellerin so früh wie möglich, spätestens jedoch einen Monat im Voraus, anzukündigen. Für seine Besuche ab Januar 2022 und folgende hat der  seine Besuche für das ganze Jahr jeweils bis Ende  des Vorjahres mit der Gesuchstellerin abzusprechen. Wenn keine Einigung zustande kommt, hat der Gesuchsteller für die Jahre mit gerader Jahreszahl das Wahlrecht, die  für die Jahre mit ungerader Jahreszahl, auszuüben bis  Mitte Dezember des Vorjahres. Die Gesuchstellerin ihrerseits hat ihre Besuche in der Schweiz ebenfalls so früh wie möglich, spätestens jedoch einen Monat im Voraus, anzukündigen.
5. Der Gesuchsteller wird verpflichtet, der Gesuchstellerin einen Prozesskostenvorschuss von insgesamt CHF 45'000.– zuzüglich 7.7% MWSt zu bezahlen. Unter Anrechnung des bereits  Anteils sei der Gesuchsteller somit zu verpflichten, noch CHF 28'465.– (Mehrwertsteuer eingeschlossen) zu bezahlen.
2. Es sei der Gesuchsteller zu verpflichten, der Gesuchstellerin für dieses Berufungsverfahren einen Prozesskostenbeitrag von CHF 10'000.– zuzüglich 7.7% MWSt, zu überweisen."
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des Gesuchstellers und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 24/18 S. 2 f.): "1. Es sei die Berufung der Berufungsklägerin vollumfänglich abzu-
weisen. 2. Es seien die Verfahren LY200051-O und LY200052-O zu vereini-
gen und die Anträge des Berufungsbeklagten (Berufungskläger im Verfahren LY200051-O) im Verfahren LY200051-O vollumfänglich gutzuheissen.
3. Eventualiter zu den Anträgen 1 bis 5 im Verfahren LY200051-O sei der Berufungsbeklagte in Abänderung von Dispositiv Ziff. 4.1 der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 25. November 2020 (FE200069-G) berechtigt und verpflichtet zu erklären, die Kinder auf eigene Kosten alle drei Monate für eine Woche in der Schweiz zu oder mit sich auf Besuch zu nehmen (unbegleitet) und ab dem zweiten Jahr des Aufenthalts der Kinder in Brasilien für insgesamt vier Wochen pro Jahr maximal zwei Wochen am Stück, in der Schweiz zu oder mit sich auf Besuch zu nehmen (). Der Berufungsklägerin sei die Weisung zu erteilen, die Kinder für die Ausübung des Besuchsrechts des Berufungsbeklagten  in die Schweiz zu bringen und sie dem Berufungsbeklagten in der Schweiz zur Ausübung des Besuchsrechts zu übergeben. Der Berufungsklägerin sei die Bestrafung nach Art. 292 StGB im Falle der Widerhandlung anzudrohen.
4. Eventualtier zur Abweisung von Antrag Ziffer 5 der  sei festzuhalten, dass die Zahlung eines  akonto der güterrechtlichen Ansprüche der  erfolgt.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt.  der Berufungsklägerin."

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Die Parteien sind seit dem tt.mm.2016 verheiratet und haben zwei Kinder,
C._, geb. tt.mm.2016, und D._ Rose, geb. tt.mm.2017 (Urk. 5/3). Seit
dem 28. April 2020 stehen sich die Parteien in einem Scheidungsverfahren vor
dem Bezirksgericht Meilen (fortan Vorinstanz) gegenüber (Urk. 5/1). Mit Eingabe
vom 23. September 2020 ersuchte der Gesuchsteller, Erstberufungskläger und
Zweitberufungsbeklagte (fortan Gesuchsteller) um vorsorgliche Anordnung der al-
ternierenden Obhut und teils superprovisorische Regelung der Kinderbetreuung
(Urk. 5/48 S. 2 ff.). Der Antrag auf superprovisorische Massnahmen wurde mit
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Verfügung vom 25. September 2020 abgewiesen und der Gesuchstellerin, Erstbe-
rufungsbeklagten und Zweitberufungsklägerin (fortan Gesuchstellerin) Frist zur
Stellungnahme zu den vorsorglichen Massnahmebegehren angesetzt (Urk. 5/51
S. 7). Mit Eingabe vom 13. Oktober 2020 nahm die Gesuchstellerin Stellung zu
den anbegehrten vorsorglichen Massnahmen des Gesuchstellers und stellte ih-
rerseits ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen, unter anderem mit
dem Antrag, es sei ihr zu bewilligen, den Aufenthaltsort der Kinder C._ und
D._ nach Brasilien zu verlegen (Urk. 5/61 S. 2). Der weitere Prozessverlauf
kann dem erstinstanzlichen Urteil entnommen werden (Urk. 2 S. 5 f.). Mit Verfü-
gung vom 25. November 2020 stellte die Vorinstanz die Kinder für die Dauer des
Scheidungsverfahrens unter die alleinige Obhut der Gesuchstellerin, bewilligte ihr
den Aufenthaltsortswechsel mit den Kindern nach Brasilien und regelte den per-
sönlichen Verkehr der Kinder zum Gesuchsteller (vgl. Urk. 2 Disp. Ziff. 2 und 4.1.-
4.4.).
2. Gegen die vorinstanzliche Verfügung erhoben beide Parteien – die Ge-
suchstellerin mit Eingabe vom 17. Dezember 2020 (Urk. 24/1), der Gesuchsteller
mit Eingabe vom 21. Dezember 2021 (Urk. 1) – innert Frist (vgl. Urk. 5/95/2-3) Be-
rufung mit vorne zitierten Anträgen. Mit Verfügung vom 24. Dezember 2020 wurde
das Gesuch des Gesuchstellers um Erteilung der aufschiebenden Wirkung abge-
wiesen und ihm Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses in der Höhe von
Fr. 5'500.– angesetzt (Urk. 6). Der Kostenvorschuss ging innert Frist bei der
Obergerichtskasse ein (Urk. 7). Am 23. April 2021 wurden die Parteien zur Ver-
gleichsverhandlung vom 20. Mai 2021 vorgeladen (Urk. 11 = Urk. 24/11). Anläss-
lich der Vergleichsverhandlung schlossen die Parteien eine Vereinbarung (Urk. 13
= Urk. 24/13), welche von der Gesuchstellerin innert Frist (vgl. Urk. 13 Ziff. 10 =
Urk. 24/13 Ziff. 10) am 26. Mai 2021 widerrufen wurde (Urk. 14 = Urk. 24/14). Mit
derselben Eingabe teilte sodann die Rechtsvertreterin der Gesuchstellerin mit,
dass sie die Gesuchstellerin aus anwaltsrechtlichen Gründen nicht mehr vertreten
dürfe und das Mandat beendige (Urk. 14 S. 2 = Urk. 24/14 S. 2). Nachdem die
neue Rechtsvertreterin der Gesuchstellerin am 7. Juni 2021 ihre Mandatierung
angezeigt hatte (Urk. 16 = Urk. 24/15), wurde den Parteien mit Verfügungen vom
11. Juni 2021 je Frist zur Beantwortung der Berufung der Gegenseite angesetzt
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(Urk. 18; Urk. 24/17). Mit Eingabe vom 1. Juli 2021 erstattete die Gesuchstellerin
ihre Erstberufungsantwort (Urk. 20). Die Zweitberufungsantwort des Gesuchstel-
lers datiert vom 28. Juni 2021 (Urk. 24/18). Mit Beschluss vom 9. August 2021
wurde die Zweitberufung der Gesuchstellerin (LY200052) mit dem vorliegenden
Berufungsverfahren (LY200051-O) vereinigt und als dadurch erledigt abgeschrie-
ben (Urk. 23; Urk. 24/22). Die Akten des Zweitberufungsverfahrens (Urk. 1-22)
wurden als Urk. 24 zu den Akten genommen. Gleichzeitig wurden die Erst- sowie
die Zweitberufungsantwort der jeweiligen Gegenpartei zur Kenntnisnahme zuge-
stellt (Urk. 23). Die vom 23. August 2021 datierende Stellungnahme der Gesuch-
stellerin (Urk. 27) wurde dem Gesuchsteller, jene des Gesuchstellers datierend
vom 31. August 2021 (Urk. 30) der Gesuchstellerin zur Kenntnisnahme zugestellt.
Weitere Eingaben erfolgten unter dem Datum vom 17. September 2021 (Urk. 35),
20. September 2021 (Urk. 37), 21. September 2021 (Urk. 40), 4. November 2021
(Urk. 45), 5. November 2021 (Urk. 48) und 29. November 2021 (Urk. 53) und
wurden der Gegenseite jeweils zur Kenntnis gebracht (Prot. II. S. 19 ff.).
3. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 5/1-108). Das Verfah-
ren erweist sich als spruchreif.
II. Prozessuales
1. Die Berufung hemmt die Rechtskraft des angefochtenen Entscheids im
Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die Dispositiv-Ziffern 3 und 6 blieben
unangefochten. In diesem Umfang ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft er-
wachsen, was vorzumerken ist.
2. Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine unrichti-
ge Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO); die
Berufungsinstanz verfügt über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der Streit-
sache, mithin über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen. In
der schriftlichen Berufungsbegründung (Art. 311 Abs. 1 ZPO) ist hinreichend ge-
nau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen
Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist. Dies setzt voraus, dass der Berufungs-
kläger die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, sich argumen-
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tativ mit diesen auseinandersetzt und mittels genügend präziser Verweisungen
auf die Akten aufzeigt, wo die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Be-
streitungen und Einreden erhoben wurden bzw. aus welchen Aktenstellen sich der
geltend gemachte Berufungsgrund ergeben soll. Pauschale Verweisungen auf
frühere Rechtsschriften oder Vorbringen genügen hierfür nicht (vgl. BGE 138 III
374 E. 4.3.1; BGE 141 III 569 E. 2.3.3). Die Berufungsinstanz hat sich – abgese-
hen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der Bean-
standungen zu beschränken, die in der Berufungsschrift in rechtsgenügender
Weise erhoben werden (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4). In diesem Rahmen ist auf
die umfassenden Parteivorbringen nur insofern einzugehen, als sie für die Ent-
scheidfindung relevant sind.
3. Neue Tatsachen und Beweismittel können bei Verfahren betreffend Kin-
derbelange im Berufungsverfahren auch dann vorgebracht werden, wenn die Vo-
raussetzungen nach Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind (BGE 144 III 349
E. 4.2.1).
4. Die Gesuchstellerin und die Kinder leben seit November 2020 in Brasilien.
Es liegt daher ein internationaler Sachverhalt vor. Gemäss Art. 85 Abs. 1 IPRG
bestimmt sich die Zuständigkeit für den Erlass von Massnahmen im Bereich des
Kindesschutzes sowie das dabei anzuwendende Recht nach den Regeln des
Haager Kindesschutzübereinkommens vom 19. Oktober 1996 (HKsÜ). Art. 5
Abs. 1 HKsÜ erklärt grundsätzlich die Behörden und Gerichte am gewöhnlichen
Aufenthaltsort des Kindes als zuständig. Brasilien ist nicht Vertragsstaat dieses
Abkommens. Bei einem Wechsel des gewöhnlichen Aufenthaltes des Kindes in
einen Nicht-Vertragsstaat bleibt die einmal begründete Zuständigkeit der schwei-
zerischen Gerichte bestehen (BGE 142 III 1 E. 2.1). Anwendbar ist schweizeri-
sches Recht (Art. 15 Abs. 1 HKsÜ).
III. Materielle Beurteilung
A. Wegzugsbewilligung als vorsorgliche Massnahme
1. Strittig ist vorab, ob und gegebenenfalls unter welchen Voraussetzungen
eine Wegzugsbewilligung im Sinne von Art. 301a Abs. 2 ZGB auch im Rahmen
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vorsorglicher Massnahmen erteilt werden kann (Urk. 1 Rz. 27 ff.; Urk. 20 Rz. 29 f.;
Urk. 30 Rz. 29 f.; Urk. 37 Rz. 15).
2. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, im Rahmen eines Scheidungs-
verfahrens könne nur dann vorsorglich über die Erteilung einer Wegzugsbewilli-
gung entschieden werden, wenn dies notwendig sei. Gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bilde für die Wegzugsfrage der auf eine bewusste Entscheidung
des Gesetzgebers zurückgehende Vorrang der Niederlassungs- und Bewegungs-
freiheit der Eltern der Ausgangspunkt (mit Verweis auf BGE 142 III 481 E. 2.5).
Dies müsse bereits im vorsorglichen Massnahmeverfahren gelten und habe zur
Folge, dass auch eine zwar bloss vorübergehende, aber unter Umständen doch
mehrere Jahre dauernde "faktische Residenzpflicht" nicht gewollt gewesen sei,
und dass eine Abwägung, ob dem wegzugswilligen Elternteil ein vorübergehen-
der, aber doch länger währender Verbleib in der Schweiz zugemutet werden kön-
ne, dem grundsätzlichen Vorrang der verfassungsmässigen Niederlassungs- und
Bewegungsfreiheit der Eltern zuwiderlaufe. Insofern sei auch bereits im Mass-
nahmeverfahren von der Hypothese auszugehen, dass die wegzugswillige Partei
wie geplant und auf den angekündigten Zeitpunkt hin wegziehe (mit Verweis auf
OGer ZH LY180022 vom 22. August 2018, E. 4.11). Damit bestehe in Fällen, in
welchen – wie vorliegend – in der Anfangsphase eines Scheidungsverfahrens ein
Wegzugsbegehren gestellt werde –, regelmässig die Notwendigkeit, darüber vor-
sorglich zu entscheiden (Urk. 2 S. 11 f.).
3. Demgegenüber bringt der Gesuchsteller vor, im Rahmen der Prüfung, ob
die Voraussetzungen für den Erlass vorsorglicher Massnahmen gegeben sei,
könne sich der wegzugswillige Elternteil nicht darauf beschränken, sein Recht auf
persönliche Freiheit und Freizügigkeit anzurufen (mit Verweis auf OGer ZH
LY160046 vom 5. Dezember 2017, E. III/1.6.2.). Weshalb der Gesuchstellerin ein
Verbleib im Bezirk Meilen bis zum Ende des Scheidungsverfahrens nicht zumut-
bar sein solle, ergebe sich aus dem Entscheid der Vorinstanz nicht. Eine Dring-
lichkeit des von ihr gewünschten Umzugs nach Brasilien sei weder ersichtlich
noch dargetan. Der Umzug der Kinder hätte sodann zur Folge, dass die Kinder
keinerlei Kontakt zum Gesuchsteller mehr haben könnten und ihren Vater verlie-
- 15 -
ren würden. Die Abwägung der auf dem Spiel stehenden Interessen zeige somit
offensichtlich, dass die Bewilligung des Wegzugs der Kinder nach Brasilien im
Rahmen vorsorglicher Massnahmen nicht verhältnismässig wäre (Urk. 1 Rz. 27
ff.; Urk. 30 Rz. 29 f.).
4. Seit Einreichung der Scheidungsklage sind bereits knapp zwei Jahre ver-
gangen. Ein baldiger Abschluss des Scheidungsverfahrens erscheint in Anbe-
tracht des hochstrittig geführten Verfahrens entgegen der Ansicht des Gesuch-
stellers (Urk. 1 Rz. 31) auch nicht naheliegend. Ein zweiter Schriftenwechsel wur-
de von der Vorinstanz aufgrund des bisher Vorgetragenen nicht ausgeschlossen
(vgl. Urk. 2 S. 42) und erscheint angesichts der in der Zwischenzeit eingegange-
nen, 68 Seiten umfassenden Klageantwort (Urk. 5/103) auch wahrscheinlich. Hin-
zu kommt, dass letztlich auch ein Weiterzug durch alle Instanzen ein realistisches
und damit einzukalkulierendes Risiko darstellt. Vor diesem Hintergrund würde ei-
ne Verweigerung eines Entscheids im Rahmen des vorsorglichen Massnahmever-
fahrens tatsächlich zu einer mehrjährigen faktischen Residenzpflicht führen. Ein-
hergehend mit der Vor-instanz ist diese Folge mit der gesetzgeberischen Wertung
des Vorrangs der verfassungsmässigen Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit
der Eltern nicht zu vereinbaren. Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb im
Eheschutzverfahren – welches jedenfalls vom Grundgedanken her ebenfalls le-
diglich für eine Dauer von zwei Jahren ausgelegt ist – klarerweise von der Hypo-
these eines Wegzugs des antragsstellenden Elternteils ausgegangen wird, im
Rahmen vorsorglicher Massnahmen im Scheidungsverfahren hingegen darzule-
gen ist, weshalb ein Zuwarten mit dem Wegzug bis zum Endentscheid unzumut-
bar sein soll (vgl. zum Ganzen OGer ZH LY180022 vom 22. August 2018, E. 4.6.-
4.17.). Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, kann der Tragweite eines vorsorgli-
chen Wegzugsentscheid auch insofern Rechnung getragen werden, als dass ein
solcher in jedem Fall nur dann ergehen darf, wenn der massgebliche Sachverhalt
umfassend abgeklärt wurde (vgl. auch OGer ZH LY180022 vom 22. August 2018,
E. 4.15.). Sodann ist zwar nicht in Abrede zu stellen, dass die Bewilligung des
Wegzugs im Rahmen vorsorglicher Massnahmen sich präjudizierend auf den Ent-
scheid in der Hauptsache auswirken kann (vgl. Urk. 1 Rz. 37). Gleichwohl kann
sich auch der Zeitablauf – gerade ein mehrjähriger, den Wechsel von der Perso-
- 16 -
nen- zur Umgebungsbezogenheit der Kinder überdauernder (vgl. auch nachfol-
gend E. III/B.4.3.2 und III/B.5.2 ff.) – ebenso präjudizierend auf den Entscheid in
der Hauptsache auswirken (vgl. auch OGer ZH LY180022 vom 22. August 2018,
E. 4.14.). Sodann trifft zwar zu, dass die Aufrechterhaltung des persönlichen Ver-
kehrs bei einem Wegzug der Kinder ins Ausland mit Schwierigkeiten verbunden
ist und aufgrund der Distanz für alle Beteiligten in der Regel keine Ideallösung
mehr möglich ist. Indes ist dem Gesuchsteller mit Verweis auf nachfolgende Er-
wägungen nicht zu folgen, wenn er geltend macht, mit dem Umzug der Kinder
nach Brasilien wäre kein Kontakt mehr zu ihm möglich (vgl. insb. E. III/B.2.3.2. ff.
und III/C.2.4.2. ff.). Letztlich gilt es auch zu berücksichtigen, dass in binationalen
Ehen ein Wegzug des aus einem anderen Kulturkreis stammenden Ehegatten
nach Scheitern der Ehe ein absehbares Risiko ist. Entsprechend erscheint es ins-
besondere bei einem Rückkehrwunsch in die Heimat unzumutbar, dem wegzugs-
willigen Elternteil aufgrund der Verfahrensdauer eine faktische mehrjährige Resi-
denzpflicht in der Schweiz aufzuerlegen.
5. Zusammenfassend ist somit ein Entscheid über die Wegzugsfrage des vor-
liegenden Massnahmeverfahrens zu fällen.
B Bewilligung des Aufenthaltsortswechsels der Kinder
1. Grundlagen
1.1. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Aufenthaltsortswech-
sel der Kinder nach Art. 301a Abs. 2 ZGB zu bewilligen ist, bildet die vom Ge-
setzgeber bewusst getroffene Entscheidung, die Niederlassungs- und Bewe-
gungsfreiheit der Eltern zu respektieren und selbst dem Kindeswohl voran zu stel-
len. Es ist mithin – vorbehalten Rechtsmissbrauch – nicht nach den Motiven für
den elterlichen Wegzug zu forschen, sondern von dieser Prämisse auszugehen.
Dementsprechend lautet die vom Gericht zu beantwortende Frage nicht, ob es für
das Kind vorteilhafter wäre, wenn beide Elternteile am angestammten Ort verblei-
ben würden. Die entscheidende Fragestellung ist vielmehr, ob sein Wohl besser
gewahrt ist, wenn es mit dem wegzugswilligen Elternteil wegzieht oder wenn es
sich beim zurückbleibenden Elternteil aufhält, was regelmässig eine Obhutsumtei-
- 17 -
lung impliziert. Die Antwort auf diese Frage hat sich nicht an der Interventions-
schwelle der Kindeswohlgefährdung, sondern an der Maxime des Kindeswohls
auszurichten; zudem ist sie auch unter Berücksichtigung der gestützt auf Art.
301a Abs. 5 ZGB gegebenenfalls anzupassenden Kinderbelange (Obhut, Betreu-
ung, persönlicher Verkehr, Unterhalt) zu beantworten. Insofern besteht zwischen
der unter dem Aspekt des Kindeswohls zu beantwortenden Frage, ob die Verle-
gung des Aufenthaltsortes zu bewilligen ist, und der allenfalls darauffolgenden
Anpassung der Kinderbelange – d.h. insbesondere den zur Debatte stehenden
zukünftigen Betreuungsmodellen – eine enge Interdependenz (BGE 142 III 481,
E. 2.3-2.6; 142 III 502, E. 2.5-2.6; BGer, 5A_945/2015 vom 7. Juli 2016, E. 4.2-4.3
[nicht publ. in BGE 142 III 498]). Ein tragfähiger Entscheid darüber, ob ausgehend
vom Wegzug eines Elternteils ein Mitgehen oder ein Verbleiben des Kindes beim
anderen Elternteil zu seinem besseren Wohl ist, kann nämlich nicht einfach im
luftleeren Raum gefällt werden, sondern es bedarf hierzu einer konkreten Ent-
scheidbasis, d.h. einer konkreten Vorstellung darüber, in welche Umgebung der
Umzug erfolgen soll und wie das zukünftige Betreuungs- bzw. Besuchskonzept
einerseits bei einem Mitgehen des Kindes und andererseits bei einem Verbleib
beim anderen Elternteil aussehen würde (BGE 142 III 502, E. 2.6; 142 III 481, E.
2.8).
1.2. Die Frage, ob es – unter Geltung des dafür jeweils vorgesehenen Betreu-
ungs- bzw. Besuchskonzepts – für das Wohl des Kindes besser ist, mit dem weg-
zugswilligen Elternteil mitzugehen oder beim anderen Elternteil zurückzubleiben,
ist im Wesentlichen anhand derjenigen Kriterien zu beurteilen, die das Bundesge-
richt im Zusammenhang mit der Obhutszuteilung im Trennungs- bzw. Schei-
dungsfall entwickelt hat. Für die Neuregelung der Eltern-Kind-Verhältnisse haben
die Interessen der Eltern in den Hintergrund zu treten. Abzustellen ist auf die per-
sönlichen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, auf ihre erzieherischen Fä-
higkeiten und Bindungstoleranz, auf ihre Bereitschaft, die Kinder in eigener Obhut
zu haben und sie weitgehend persönlich zu betreuen, sowie auf das Bedürfnis der
Kinder nach der für eine harmonische Entfaltung in körperlicher, seelischer und
geistiger Hinsicht notwendigen Stabilität der Verhältnisse (BGE 142 III 481, E. 2.7;
- 18 -
142 III 498, E. 4.4; BGer, 5A_274/2016 vom 26. August 2016, E. 6; 5A_444/2017
vom 30. August 2017, E. 5.3.2).
1.3. Ist nur (aber immerhin) ein Elternteil willens und in der Lage, die Kinder bei
sich aufzunehmen und persönlich oder im Rahmen eines im Kindeswohl liegen-
den Betreuungskonzepts für das Wohl der Kinder zu sorgen, so ist der Entscheid,
wo sich der gewöhnliche Aufenthaltsort der Kinder befinden soll, imperativ präju-
diziert; eine nähere Diskussion des Kindeswohls läuft bei einer solchen Aus-
gangslage von vornherein ins Leere (BGE 142 III 481, E. 2.7, 2.9). Die grundsätz-
liche Erziehungsfähigkeit sowie der Wille und die Fähigkeit, im Rahmen eines
tauglichen Konzepts für eine angemessene, im Wohle der Kinder stehende Be-
treuung zu sorgen, bilden somit gewissermassen die Grundvoraussetzungen da-
für, dass die Wegzugsfrage überhaupt einer näheren Prüfung bedarf. Ob dies vor-
liegend aufseiten beider Parteien gegeben ist, wird in erster Linie zu prüfen sein.
1.4. Sind diese Grundvoraussetzungen bei beiden Elternteilen erfüllt und ist
ihre Erziehungs- und Betreuungsfähigkeit in vergleichbarer Weise gewährleistet,
so kommt dem Kriterium der Stabilität der Verhältnisse besonderes Gewicht zu,
gilt es doch unnötige Veränderungen im örtlichen und sozialen Umfeld der Kinder
soweit möglich zu vermeiden. In einem solchen Fall ist grundsätzlich jener Lösung
den Vorzug zu geben, die unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles
am besten geeignet ist, den Kindern – gemessen an den bisher tatsächlich geleb-
ten Verhältnissen – die notwendige Stabilität zu bieten und die mit einem Wegzug
eines Elternteils zwangsläufig einhergehenden Veränderungen möglichst gering
zu halten (BGer, 5A_274/2016 vom 26. August 2016, E. 6; 5A_444/2017 vom 30.
August 2017, E. 5.3.2). Hierbei bildet das bisher gelebte Betreuungsmodell fak-
tisch den Ausgangspunkt der Überlegungen. Wird ein Kind überwiegend vom
wegzugswilligen Elternteil betreut, gilt nach der Rechtsprechung der Grundsatz,
dass es tendenziell eher im Wohl des Kindes sein wird, wenn es beim bisher
hauptsächlich betreuenden Elternteil verbleibt und folglich mit ihm wegzieht (BGE
142 III 481, E. 2.7). Dies gilt besonders bei kleineren Kindern, die primär noch
personen- und weniger umgebungsbezogen sind (BGE 142 III 481, 493, E. 2.7;
BGE 142 III 502 E. 2.5). Zu beachten sind aber auch alle weiteren Facetten der
- 19 -
konkreten Situation und schliesslich bei älteren Kindern auch geäusserte Wün-
sche und Vorstellungen (BGE 142 III 481, E. 2.7).
2. Erziehungsfähigkeit
2.1. Die Vorinstanz kommt zum Schluss, dass an der Erziehungsfähigkeit bei-
der Parteien keine Zweifel bestünden. Wie sich aus den Angaben des Gesuch-
stellers ergebe, fehle es ihm zwar an der Erfahrung in der alltäglichen Betreuung
der Kinder. Dies bedeute jedoch nicht, dass ihm grundsätzlich die Erziehungsfä-
higkeit abzusprechen sei. So habe die Gesuchstellerin denn auch selber erläutert,
die fehlende Erfahrung könne mit vermehrtem Kontakt und einem Besuch eines
Elternkurses wettgemacht werden. Die dem Gesuchsteller von der Gesuchstelle-
rin vorgeworfenen sexuellen Aktivitäten (Sexsucht, Konsum von Pornographie
und Prostitution) spielten für seine Erziehungsfähigkeit grundsätzlich keine Rolle.
Für die von der Gesuchstellerin behaupteten Grenzüberschreitungen des Ge-
suchstellers gegenüber den Töchtern gebe es keine konkreten Anhaltspunkte.
Auch die Gesuchstellerin habe ausgeführt, ihre Bedenken würden sich auf nichts
Konkretes stützen, sondern das Verhalten der Kinder habe sich einfach mit der In-
tensivierung der Besuche des Gesuchstellers verändert, was sie beunruhige. Die
vom Gesuchsteller verwendeten Begriffe wie "vaginas" habe die Gesuchstellerin
denn gemäss eigenen Angaben auch selber benutzt, ohne dass sie aber ihre ei-
gene Erziehungsfähigkeit in Frage gestellt sehe. Weshalb dies umgekehrt für den
Gesuchsteller geltend solle, sei nicht ersichtlich. Auch dies sei bei der Beurteilung
der Erziehungsfähigkeit des Gesuchstellers unbeachtlich. Andererseits sei eben-
falls nicht ersichtlich, inwiefern es der Gesuchstellerin an der nötigen Bindungsto-
leranz fehlen solle. Es bestünden keine konkreten Anhaltspunkte, dass sie die
Beziehung und Bindung zwischen C._ und D._ und dem Gesuchsteller
vorsätzlich behindere. Vielmehr anerkenne sie, wie wichtig die Vater-Töchter-
Beziehung sei. Sie versuche, regelmässige Besuche und Ausflüge sowie tägliche
Telefonate per Videotelefonie zu ermöglichen, und gebe an, die Kinder auf die
Besuche bzw. die Telefonate vorzubereiten und zu motivieren. Sodann würden
die Kinder auch öfters durch vertrauensvolle Dritte fremdbetreut, wie die Nanny
und die Krippe- bzw. Kindergarten-Lehrpersonen. Dies lasse nicht auf eine feh-
lende Bindungstoleranz der Gesuchstellerin schliessen. Dass die Gesuchstellerin
- 20 -
mit den Kindern kurz nach der Verhandlung vom 18. November 2020 ohne Ab-
sprache mit dem Gesuchsteller nach Brasilien gereist sei und plane, bis anfangs
Januar 2021 dort zu bleiben, vermöge daran nichts zu ändern. Der hierfür ange-
gebene Grund, die schwere Erkrankung eines Familienmitgliedes, sowie der Um-
stand, dass sie die Weihnachtsfeiertage ohnehin in Brasilien verbracht hätte und
sich deswegen eine Rückkehr nicht lohne, erscheine plausibel. Sodann bringe sie
vor, der Gesuchsteller könne sie besuchen kommen sowie täglich mit den Kindern
telefonieren – sie versuche also, den Kontakt des Gesuchstellers zu den Kindern
auch unter diesen Umständen aufrecht zu halten. Nicht zu überzeugen vermöge
sodann die Behauptung des Gesuchstellers, die Gesuchstellerin habe ein unge-
sundes Nähebedürfnis und übermässiges Behütungsbedürfnis, welches den Kin-
dern schade. Möglicherweise sei die Gesuchstellerin vorsichtiger als der Gesuch-
steller oder andere Eltern. Es würden sich aus den Akten jedoch keine Anhalts-
punkte ergeben, dass die Gesuchstellerin C._ und D._ in solch einem
Ausmass einschränken würde, dass diese nicht ihre eigenen Erfahrungen sam-
meln und sich weiterentwickeln könnten. Etwas Gegenteiliges habe auch der Ge-
suchsteller nicht vorgebracht. Die Gesuchstellerin habe sodann überzeugend dar-
legen können, dass ihr Verhalten gegenüber den Mädchen auf erziehungstheore-
tischen Ansätzen beruhe, mit welche sie sich auseinandersetze. Entsprechend
könne auch auf das Einholen eines Erziehungsfähigkeitsgutachten verzichtet
werden (Urk. 2 S. 26 ff.).
2.2.1. Die Gesuchstellerin macht geltend, die Vorinstanz gehe nicht auf die Ge-
samtheit ihrer Vorbringen ein. Sie habe stets eingeräumt, dass einzelne dieser
Beobachtungen für sich allein noch keine Bedenken geweckt hätten oder mindes-
tens nicht so erhebliche, dass sie Angst gehabt hätte. Die Beobachtungen hätten
jedoch zusammen mit der weiteren Entwicklung während des Verfahrens die Be-
denken zu Angst verstärkt, die Kinder alleine mit dem Gesuchsteller bei ihm zu
Hause zu lassen. Die einzelnen Beobachtungen seien Puzzlesteine gewesen, die
sich im Laufe der Zeit zu einem Gesamtbild zusammengefügt hätten (Urk. 24/1
Rz. 9 und 10).
- 21 -
2.2.2. Soweit die Gesuchstellerin lediglich die bereits vor Vorinstanz vorgetra-
genen – und vom Gesuchsteller bestrittenen (Urk. 24/18 Rz. 37) – Vorwürfe be-
treffend das Sexualverhalten des Gesuchstellers wiederholt, ohne darzulegen,
inwiefern etwa ein extrem fordernder Sexualtrieb ihr gegenüber, Masturbation, der
Konsum von Pornographie, die Suche im Internet nach Luxusprostituierten, allfäl-
liger Sexpartys etc. sich entgegen der Auffassung der Vorinstanz konkret auf das
Wohl der Kinder auswirken soll, ist nicht weiter auf ihre Vorbringen einzugehen
(Urk. 24/1 Rz. 9). Ausgewiesen und unbestritten ist sodann, dass auch die Ge-
suchstellerin die Töchter und sich selber als "Vaginas" und den Gesuchsteller als
"Penis" bezeichnet hatte (Prot. I S. 14; Urk. 5/67 Rz. 34 ff.; 5/68/9-11; vgl. auch
Urk. 24/18 Rz. 47; Urk. 27 Rz. 20). Wenngleich diese Bezeichnungen durchaus
aussergewöhnlich sein mögen, ist einhergehend mit der Vorinstanz nicht nach-
vollziehbar, weshalb die Benützung derselben von der Gesuchstellerin erst nach
der Trennung und nur beim Gesuchsteller als bedenklich eingestuft werden. Auch
die Vorbringen der Gesuchstellerin vermögen diese Bedenken nicht zu erklären.
So führte sie anlässlich der mündlichen Verhandlung aus, sie habe mitgemacht
und habe das lustig gefunden. Nicht mehr lustig gefunden habe sie es, nachdem
sie den WhatsApp-Chatverlauf zwischen dem Gesuchsteller und dessen Neffen
gelesen habe (Prot. I. S. 14; vgl. auch Urk. 24/1 Rz. 9). Der Gesuchsteller ver-
mochte diesbezüglich jedoch entgegen der Auffassung der Gesuchstellerin nicht
kreativ und unglaubwürdig (vgl. Urk. 24/1 Rz. 13) sondern plausibel darzulegen,
dass es sich dabei um eine zwischen ihm und seinem Neffen überspitzt und
scherzhaft geführte Konversation handelte (vgl. Urk. 24/18 Rz. 38; Urk. 5/67
Rz. 23 ff.; vgl. auch Urk. 5/68/3). Insbesondere der Hinweis, er werde aus dem
Kinderzimmer eine Bar bzw. einen Club machen (vgl. Urk. 5/63/1), kann in der Tat
kaum ernsthaft gemeint sein. Der Chatverlauf zeigt zwar durchaus, dass der Ge-
suchsteller mit seinem Neffen einen sehr derben Humor teilt, inwiefern dadurch
das Wohl der Kinder beim Gesuchsteller gefährdet sein sollte, ist indes nicht er-
sichtlich. Als weitere besorgniserregende Beobachtungen führt die Gesuchstelle-
rin Geschenke wie Dolce & Gabbana-Täschchen mit Diamant-Ohrringen und rote
Rosen sowie das Charmieren und Berühren der Mädchen in einer für Kleinkinder
unangebrachten Weise an. Sie erachte dies als unangemessene Sexualisierung
der Kinder (Urk. 24/1 Rz. 9). Inwiefern der Gesuchsteller die Kinder in unange-
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brachter Weise charmieren und berühren soll, legt sie indes nicht näher dar. Ge-
stützt auf diese pauschalen Behauptungen lässt sich kein unangemessenes Ver-
halten des Gesuchstellers erkennen. Die Geschenke sind sodann zwar "mäd-
chenhaft", lassen jedoch keinerlei Rückschlüsse auf eine Sexualisierung der
Töchter zu. Insbesondere erscheinen sie auch von ihrem Wert her angesichts des
geführten Lebensstils der Parteien nicht ungewöhnlich.
2.2.3. Sodann führt die Gesuchstellerin für ihre Bedenken das veränderte Ver-
halten der Töchter im Rahmen des Verfahrens mit zunehmenden Besuchen des
Gesuchstellers an. Der Gesuchsteller habe vermehrt die jüngere Tochter D._
ausgeschlossen und habe mit der älteren C._ allein sein wollen. Dabei habe
er Verstecke und Höhlen im Haus gebaut, in die er sich mit C._ zurückgezo-
gen habe. Das Verhalten von C._ habe sich auch insofern verändert, als sie
sich im Schrank versteckt habe und nicht mehr zum Vater runter gewollt habe, für
den Besuch des Gesuchstellers zwei paar Hosen übereinander habe tragen wol-
len, ihre Puppe beim Spielen zwischen den Beinen geküsst habe und in einem
Kinderbuch verstörendes Gekritzel angefertigt habe. Ausserdem stottere
C._, wenn sie mit dem Vater spreche (Urk. 24/1 Rz. 10). Vorwürfe, die sich
gegen die sexuelle Integrität der Kinder richten, sind ernst zu nehmen. Gleichwohl
ist unklar, was die Gesuchstellerin aus den geschilderten Beobachtungen genau
ableitet, führt sie doch einerseits aus, aufgrund des geschilderten Verhaltens des
Gesuchstellers gegenüber den Kindern Schlimmes zu befürchten, bestreitet je-
doch ausdrücklich, dem Gesuchsteller direkten sexuellen Missbrauch vorzuwerfen
(Urk. 20 Rz. 24). Nach dem Grund gefragt, weshalb die Kinder während der Be-
suche des Vaters teilweise in den oberen Stock gingen und nicht mehr zurück-
kehrten, gab die Gesuchstellerin sodann anlässlich der Verhandlung zu den vor-
sorglichen Massnahmen vom 13. November 2020 an, die Kinder würden müde
oder würden etwas anderes anfangen zu spielen. Sie hätten manchmal Lust zu
spielen und manchmal nicht. Es gebe auch Zeiten, da habe nur eine der beiden
Lust, Zeit mit dem Gesuchsteller zu verbringen. Sie hätten ihren eigenen Willen
(Prot. I S. 50). An anderer Stelle gibt sie an, es sei völlig normal, dass die Kinder
ab und zu keine Lust auf Besuche des Vaters hätten (Prot. I S. 48). Auch im Beru-
fungsverfahren bleibt die Gesuchstellerin eine Erklärung schuldig, weshalb es ei-
- 23 -
nerseits völlig normal sein soll, wenn die Kinder mal keine Lust haben, mit dem
Vater zu spielen, dies andererseits aber auf ein mögliches grenzüberschreitendes
Verhalten seitens des Gesuchstellers hindeuten soll. Entgegen der Auffassung
der Gesuchstellerin (vgl. Urk. 24/1 Rz. 12) lässt zudem auch der Zeitpunkt, in
welchem sie erstmals diese Vorwürfe vortragen liess, nämlich am 13. Oktober
2020, durchaus aufhorchen, nachdem sie noch in der Eingabe vom 31. August
2020 ausführte, die Erziehungsfähigkeit des Gesuchstellers nicht beurteilen zu
können, da er noch nie länger als 1 1⁄2 Stunden mit den Kindern allein gewesen
sei, und es in dem darin verwendeten Zusammenhang gar gegen ihn auslegte,
dass er die Töchter seit der Trennung nie allein zu sich genommen habe
(Urk. 5/38 Rz. 20). Dass in der Zwischenzeit unbegleitete Besuche stattgefunden
hätten, auf die ihre Bedenken zurückzuführen wären, macht die Gesuchstellerin
nicht geltend. Vielmehr führt sie aus, sie habe darauf bestanden, dass er mit den
Kindern nur unter einer gewissen sozialen Kontrolle Zeit verbracht habe
(Urk. 24/1 Rz. 14). Während seinen Besuchen bei ihr zu Hause sei sie stets an-
wesend gewesen bzw. habe sich jeweils in einem oberen Stockwerk aufgehalten,
sei aber jede halbe Stunde nach unten gegangen, um den Kindern Wasser anzu-
bieten oder aufs Töpfchen zu helfen (vgl. Prot. I S. 50 und S. 62; Urk. 20 Rz. 37).
Inwiefern er sich gegenüber den Töchtern in (mittelbarer) Anwesenheit der Ge-
suchstellerin in dieser Zeit unpassend verhalten haben soll, erläutert die Gesuch-
stellerin nicht näher und erschliesst sich auch nicht. Dass sich das Verhalten von
Kindern während eines laufenden Scheidungsverfahrens verändert, ist jedoch
durchaus üblich, zumal die mit einer Trennung der Eltern einhergehenden Span-
nungen an Kindern nicht spurlos vorbeigehen und häufig zu einem Loyalitätskon-
flikt führen. Zudem müssen sich die Kinder mit Veränderungen und der neuen Si-
tuation zunächst vertraut machen. So auch vorliegend: Der Gesuchsteller, wel-
cher zuvor hauptsächlich am Wochenende und meist nicht alleine Zeit mit den
Kindern verbracht hatte (vgl. auch nachfolgend E. III/B.4.4.), forderte nun ver-
mehrt Besuchszeit ein, während der er natürlich am liebsten die ungeteilte Auf-
merksamkeit der Töchter hätte. Dass ein Kind in dieser Situation in einen Loyali-
tätskonflikt gerät, wenn es keine Lust zum Spielen hat, und sich, anstatt den Vater
zu enttäuschen, lieber im Schrank versteckt, liegt auf der Hand. Auf ein falsches
oder gar grenzüberschreitendes Verhalten des Gesuchstellers lässt dies nicht
- 24 -
schliessen. Selbst die Gesuchstellerin hat ausgeführt, dass die Kinder gegenüber
dem Gesuchsteller schlecht nein sagen könnten, und hat als mögliche Ursache
ein schlechtes Gewissen in Betracht gezogen (vgl. Prot. I S. 45).
2.2.4. Dem Gesagten zufolge lässt auch die Gesamtheit aller Beobachtungen
die Bedenken der Gesuchstellerin – die denn auch nur vage formuliert wurden –
nicht als objektiv gerechtfertigt erscheinen. Daran ändern insbesondere auch die
von der Gesuchstellerin aufgeführten Gründe, welche für die Glaubwürdigkeit ih-
rer Darstellung sprechen würden (vgl. Urk. 1 Rz. 11 ff.), nichts, zumal – wie
soeben dargelegt – selbst in Anbetracht der Darstellung der Gesuchstellerin keine
konkreten objektiven Anhaltspunkte für ein grenzüberschreitendes Verhalten des
Gesuchstellers bestehen. Erwähnt sei jedoch, dass insbesondere der Zeitpunkt,
in welchem sie ihre Bedenken gegenüber Dr. H._ geschildert haben will,
nämlich im Januar 2020 (vgl. Urk. 5/63/3), deren objektive Begründetheit nicht un-
termauert. So führte sie anlässlich der mündlichen Verhandlung auf entsprechen-
de Fragen aus, vor der Kenntnisnahme des Chatverlaufs zwischen dem Gesuch-
steller und seinem Neffen im Dezember 2019 habe sie noch keine Bedenken be-
treffend das Verhalten des Gesuchstellers gegenüber den Kindern gehabt (Prot. I
S. 45 f.). Wie bereits erwähnt, ist der besagte Chatverlauf nicht geeignet, das
Verhalten des Gesuchstellers gegenüber den Kindern in Frage zu stellen. Zu-
sammenfassend bestehen einhergehend mit der Vorinstanz keine Zweifel an der
Erziehungsfähigkeit des Gesuchstellers.
2.3.1. Der Gesuchsteller vertritt auch im Berufungsverfahren die Auffassung,
dass es der Gesuchstellerin an der Bindungstoleranz fehle und ihr deshalb die
Erziehungsfähigkeit abzusprechen sei. Die Gesuchstellerin sei offensichtlich nicht
bereit und wohl nicht in der Lage, eine normale Beziehung der Mädchen zu ihrem
Vater zuzulassen oder gar zu unterstützen. Nur wenn der Wegzug der Kinder
nicht bewilligt werde, hätten die Kinder eine Chance, längerfristig Kontakt zu bei-
den Eltern zu haben (Urk. 1 Rz. 48 ff.; Urk. 24/18 Rz. 15 ff.).
2.3.2. Unter Bindungstoleranz wird die Bereitschaft eines Elternteils verstanden,
mit dem anderen Elternteil in Kinderbelangen zusammenzuarbeiten und insbe-
sondere eine normale Beziehung der Kinder zum anderen Elternteil zuzulassen
- 25 -
und aktiv zu fördern (FamKomm Scheidung-Büchler/Clausen, Art. 298 ZGB N 38;
BK-Affolter-Fingeli/Vogel, Art. 298 ZGB N 30, je m.w.H.). Dem Gesuchsteller ist
insofern zuzustimmen, dass entgegen der Auffassung der Vorinstanz die Ge-
schehnisse nach der mündlichen Verhandlung vom 18. November 2020 bzw. ins-
besondere die Abreise der Gesuchstellerin am 19. November 2020 mit den Kin-
dern nach Brasilien durchaus gewisse Zweifel an der Bindungstoleranz der Ge-
suchstellerin aufkommen lassen (vgl. Urk. 1 Rz. 19 ff. und Rz. 48 ff., Urk. 24/18
Rz. 15 ff.). So vermochte sie jedenfalls keinen derart gravierenden familiären
Krankheitsnotfall darzulegen, der die überstürzte Abreise nach Brasilien, ohne
den Gesuchsteller vorab zu informieren – sie teilte ihm erst mit Mail vom
20. November 2020 mit, soeben in Brasilien angekommen zu sein (vgl. Urk. 24/18
Rz. 15; Urk. 5/82 Rz. 2; Urk. 5/83/1) – und ohne ihm die Möglichkeit zu geben,
sich von den Kindern zu verabschieden, gerechtfertigt hätte. Im Berufungsverfah-
ren bringt sie vielmehr vor, ihr Vater sei Mitte November 2020 an einer schweren
Atemwegsinfektion erkrankt, weshalb sie und ihre Mutter entschieden hätten,
nach Brasilien zu fliegen und ihn dort zu unterstützen, zumal sie gefürchtet hätten,
er könne zusätzlich an Corona erkranken (Urk. 27 Rz. 7). Gleichwohl kann daraus
auch nicht geschlossen werden, dass die Gesuchstellerin offensichtlich gar nie
die Absicht gehabt habe, in die Schweiz zurückzukehren, wie dies der Gesuch-
steller geltend macht (vgl. Urk. 1 Rz. 48, Urk. 24/18 Rz. 15 ff.; Urk. 30 Rz. 18). So
ist unstreitig, dass die Gesuchstellerin jedes Jahr mit den Kindern die Zeit über
Weihnachten bis Januar in Brasilien verbrachte. Da der vorinstanzliche Entscheid,
welcher ihr den Aufenthaltsortswechsel der Kinder nach Brasilien bewilligte, sie
genau in dieser Zeit erreichte (zugestellt am 9. Dezember 2020, Urk. 5/95/3), ist
jedenfalls nicht abwegig, dass sie den Entschluss spontan fasste. Überdies ging
auch die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung davon aus, dass sie so-
gleich in Brasilien bleiben werde (vgl. Urk. 2 S. 34 f.). Dass die Gesuchstellerin
nur nach Brasilien gereist wäre, um weiteren Kontakt des Gesuchstellers zu den
Kindern zu verhindern (vgl. Urk. 1 Rz. 20), findet auch in der Vorgeschichte keine
Stütze. So schränkte die Gesuchstellerin nach der Trennung zwar das Besuchs-
recht des Gesuchstellers auf Besuche bei ihr zu Hause oder an öffentlichen Orten
ein, zeigte sich abgesehen davon jedoch für Besuche des Gesuchstellers durch-
aus offen und auch flexibel (vgl. Urk. 5/50/30-35).
- 26 -
2.3.3. Ferner leitet der Gesuchsteller die fehlende Bindungstoleranz daraus ab,
dass das vorinstanzlich festgelegte Ferienbesuchsrecht, wonach der Gesuchstel-
ler berechtigt gewesen wäre, die Kinder ab sofort bis Ende Februar 2021 für eine
Woche in E._ unbegleitet mit sich auf Besuch zu nehmen (Urk. 2 Disp. Ziff.
4.1), von der Gesuchstellerin verhindert worden sei (Urk. 1 Rz. 48, Urk. 24/18
Rz. 16). Aus der eingereichten E-Mail-Konversation geht indes hervor, dass die
Gesuchstellerin über ihre Rechtsvertreterin mitteilen liess, dass er die Kinder je-
weils von 9.00 bis 17.00 Uhr ohne Übernachten besuchen könne, die Kinder je-
doch im Ferienhaus der Gesuchstellerin abholen müsse (Urk. 5/97/2). Aus dem
Umstand, dass die Gesuchstellerin keine Übernachtungen zulassen wollte, lässt
sich jedoch noch keine fehlende Bindungstoleranz ableiten, zumal sie auch im
Rahmen des Berufungsverfahrens – fehlende aufschiebende Wirkung hin oder
her (vgl. Urk. 30 Rz. 21; Urk. 35 Rz. 6) – weiterhin an ihren Bedenken bezüglich
Übernachtungen festhält (vgl. auch vorstehend E. III/B.2.2.1. f.) und diese, wie
nachfolgend noch zu zeigen sein wird, auch nicht unberechtigt sind (vgl.
E. III/C.2.3.2. f.). Inwiefern vorhersehbar gewesen sein soll, dass sie die Kinder
von ihm noch nicht mal für diese Zeit würde auf Besuch nehmen lassen
(Urk. 24/18 Rz. 16), ist weder näher dargelegt noch ersichtlich. Zusätzliche, nicht
als schikanös einzustufende Auflagen wie Transport der Kinder in einem Kinder-
sitz sowie Vorlage eines Covid 19-Tests (vgl. Urk. 24/18 Rz. 16; Urk. 5/97/2) las-
sen diesen Schluss ebenfalls nicht zu.
2.3.4. Der Vorwurf des Gesuchstellers, die Gesuchstellerin würde auch die Tele-
fonkontakte zwischen ihm und den Kindern nach Möglichkeit behindern, mithin die
Kinder mit dem Fernseher ablenken, oder das Internet funktioniere plötzlich nicht
mehr etc. (Urk. 1 Rz. 51 f.; Urk. 24/18 Rz. 68; Urk. 30 Rz. 32 und Rz. 37), ist so-
dann nicht plausibel. So könnte die Gesuchstellerin, würde sie die telefonischen
Kontakte effektiv unterbinden wollen, die Anrufe des Gesuchstellers erst gar nicht
annehmen. Allerdings geht aus den Akten durchaus hervor, dass die (Video-
)Telefonate nicht stets reibungslos ablaufen (vgl. Urk. 32/1; Urk. 22/4) und oftmals
nur wenige Sekunden dauern (vgl. Urk. 41/1; Urk. 22/4). Da Kleinkinder bekann-
termassen sehr leicht ablenkbar und die regelmässigen Telefonkontakte der Kin-
der zum Gesuchsteller aufgrund der physischen Distanz für die Aufrechterhaltung
- 27 -
einer vertrauensvollen Beziehung sehr wichtig sind, ist die Gesuchstellerin den-
noch anzuhalten, allfällige Ablenkungsfaktoren soweit möglich während der Tele-
fonate zu eliminieren und die Kinder positiv auf die anstehenden Anrufe einzu-
stimmen. Indem die Gesuchstellerin den Gesuchsteller regelmässig bzw. wö-
chentlich über das Wohlbefinden der Kinder, die Fortschritte in der Schule, aktuel-
le Hobbies etc. informiert und ihm Fotos der Kinder schickt (vgl. Urk. 27 Rz. 13;
Urk. 22/3; Urk. 29/4; Urk. 47/1), schafft sie jedenfalls bereits eine gute Grundlage
für die Anrufe. Konkret hat sie dem Gesuchsteller etwa auch schon empfohlen,
C._ beim nächsten Telefonat auf ihre "Star Awards" anzusprechen, die sie in
der Schule erhalten habe (Urk. 22/3).
2.3.5. Insgesamt betrachtet kann demnach nicht gesagt werden, die Gesuch-
stellerin würde den Kontakt zwischen dem Gesuchsteller und den Kindern aktiv
unterbinden. Allfälligen Restzweifeln aufgrund bisheriger objektiv nicht gerechtfer-
tigter Einschränkungen des Besuchsrechts kann mit dem Hinweis begegnet wer-
den, dass – sollte sie das gerichtlich festgelegte Besuchsrecht des Gesuchstellers
torpedieren – ihre Erziehungsfähigkeit im Scheidungsurteil einer ernsthaften Prü-
fung zu unterziehen sein würde.
2.4. Damit ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass beide Parteien in
gleichem Masse erziehungsfähig sind, weshalb das Kriterium der Erziehungsfä-
higkeit für die Erteilung der Wegzugsbewilligung grundsätzlich als neutral zu qua-
lifizieren ist (vgl. auch Urk. 2 S. 32).
3. Zukünftige Betreuungskonzepte
3.1. Damit sich die Frage, ob es zum besseren Wohl der Kinder ist, mit der Ge-
suchstellerin wegzuziehen oder beim Gesuchsgegner in der Schweiz zu bleiben,
überhaupt stellt, ist wie gesagt erforderlich, dass beide Elternteile willens und in
der Lage sind, die Kinder bei sich aufzunehmen und persönlich oder im Rahmen
eines im Kindeswohl liegenden Betreuungskonzepts für die Kinder zu sorgen (vgl.
BGE 142 III 481, E. 2.7, 2.9; vgl. vorstehend E. III/B.1.3).
3.2. Die Vorinstanz führte aus, die Gesuchstellerin sei ohne Weiteres willens
und in der Lage, die beiden Kinder bei sich zur Betreuung aufzunehmen. Sie sei
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momentan nicht erwerbstätig und habe eine Erwerbstätigkeit erst mit dem Eintritt
der jüngeren Tochter D._ in den Kindergarten aufzunehmen. Somit könne sie
sich jederzeit der Kinderbetreuung widmen. In der Betreuung werde sie ferner von
einer Nanny und ihren Eltern unterstützt. Der Umstand, dass die Kinder den Kin-
dergarten bzw. die Vorschule in der G._ in E._, Brasilien, besuchten
und dort von 8.30 Uhr bis 14.30 Uhr anwesend sein würden, sowie die Fremdbe-
treuungsmöglichkeiten würden sodann auch mit der späteren Erwerbstätigkeit der
Gesuchstellerin einhergehen. Dementsprechend erscheine ihr Betreuungskonzept
als mit dem Kindswohl vereinbar. Auch der Gesuchsteller sei grundsätzlich in der
Lage und willens, die Töchter bei sich aufzunehmen. Er sei in einem 100%-
Pensum erwerbstätig, könne indessen Montag und Freitag im Homeoffice arbei-
ten und seine Arbeitszeiten flexibel einteilen. Nach Absprache mit seinem Vorge-
setzten könne er sich am Nachmittag, nachdem die Kinder aus der Krippe bzw.
dem Kindergarten zu ihm kämen, um C._ und D._ kümmern und erst
am Abend, nachdem er sie ins Bett gebracht habe, wieder arbeiten. Zudem bein-
halte sein Betreuungskonzept den Beizug einer Haushaltshilfe, welche ihn bei der
Kinderbetreuung unterstütze, für den Fall, dass er einmal arbeiten müsse. Sodann
bringe der Gesuchsteller vor, sein Pensum auf 80% reduzieren zu wollen, falls er
die alleinige Obhut zugeteilt erhalten würde. Ob der Gesuchsteller, wie von ihm
geplant, seine Arbeit und die Betreuung der Kinder wirklich so leicht unter einen
Hut bringen könne, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. So sei notorisch, dass
Kinder im Alter von zwei bzw. vier Jahren doch relativ intensiver Betreuung und
verstärkter Aufmerksamkeit bedürften. Der Gesuchsteller arbeite zudem erst seit
Beginn der Corona-Epidemie im März 2020 im Homeoffice. Ob dieses langfristig
weitergeführt werde, sei im jetzigen Zeitpunkt ebenfalls unklar. Betreffend die Un-
terstützung von Dritten gebe er an, eine Nanny im notwendigen Pensum engagie-
ren zu wollen sowie auf seine Familie und Verwandten zurückgreifen zu können.
Letzteres habe er noch nicht näher abgeklärt. Gleichermassen habe er auch noch
keine konkrete Zusicherung seines Arbeitsgebers, dass er sein Pensum dereinst
tatsächlich auf 80% reduzieren könnte. Gemäss Rechtsprechung sei die Fremd-
betreuung der Eigenbetreuung gleichzuordnen und das Betreuungskonzept sei
gesamthaft zu beurteilen. In Anbetracht dessen, dass der Gesuchsteller angebe,
C._ und D._ weitestgehend selber zu betreuen, wenn sie bei ihm seien,
- 29 -
und dass er dabei auf Unterstützung einer Nanny oder allenfalls seiner Verwand-
ten zurückgreifen könne, sei auch sein Betreuungskonzept grundsätzlich mit dem
Kindswohl vereinbar, auch wenn nicht von der Hand zu weisen sei, dass dieses
noch mit gewissen offenen Fragen behaftet sei (Urk. 2 S. 21 und 25 f.).
3.3.1. Diese vorinstanzliche Einschätzung ist zu teilen. Den Eingaben der Par-
teien sind denn diesbezüglich auch keine konkreten Beanstandungen zu entneh-
men. Der Gesuchsteller kritisiert das Betreuungskonzept der Gesuchstellerin so-
weit ersichtlich lediglich insofern, als er mit dem Besuch der G._ nicht ein-
verstanden sei (Urk. 24/18 Rz. 13; Urk. 35 Rz. 3). Wie aus seinen Ausführungen
hervorgeht, ist die Ablehnung der G._ jedoch eher finanziell bedingt, als dass
er grundsätzlich gegen eine derartige Fremdbetreuung wäre. So stört er sich ins-
besondere daran, dass sich die Gesuchstellerin die "denkbar teuerste" Schule in
E._ ausgesucht habe. Die I._ sei wesentlich günstiger (Urk. 24/18
Rz. 13). Ob die Gesuchstellerin die Kosten oder zumindest einen Teil davon sel-
ber zu übernehmen hat, ist indes nicht Thema des vorliegenden Verfahrens und
hat insbesondere keine Einfluss auf die Frage, ob das von der Gesuchstellerin
gewählte Betreuungskonzept dem Kindswohl entspricht. Jedenfalls bringt er keine
zwingenden Gründe vor, die gegen einen Besuch der G._ sprechen würden.
Insbesondere ist nicht ersichtlich, weshalb der Abschluss der G._ im Gegen-
satz zu jenem der I._ in Europa nicht anerkannt sein soll. Auf die diesbezüg-
liche pauschale Behauptung des Gesuchstellers (vgl. Urk. 24/18 Rz. 13) ist nicht
weiter einzugehen. Abgesehen davon ist ein Schulabschluss ohnehin noch bei
beiden Kindern in weiter Ferne. Auch der Hinweis, dass die I._ bilingual Por-
tugiesisch/Englisch, Portugiesisch/Deutsch und Portugiesisch/Französisch geführt
werde (vgl. Urk. 24/18 Rz. 13), verfängt nicht, zumal die Kinder, wie der Gesuch-
steller selber ausführte, trotz Besuch der ebenfalls bilingual geführten Krippe
J._ in F._ vordergründig in Englisch kommuniziert hätten (Prot. I. S. 35).
Es ist denn auch für den persönlichen Verkehr mit dem Gesuchsteller nicht ent-
scheidend, dass die Kinder Deutsch oder Französisch sprechen. Entsprechend ist
das Betreuungskonzept der Gesuchstellerin nicht zu beanstanden.
- 30 -
3.3.2. Die Gesuchstellerin ihrerseits macht lediglich am Rande und in anderem
Zusammenhang geltend, dass der Gesuchsteller aufgrund seines übervollen Ar-
beitspensums nicht in der Lage sei, die Kinder zu betreuen (vgl. Urk. 37 Rz. 18).
Auch die Vorinstanz hat hinsichtlich der Umsetzbarkeit des vom Gesuchsteller
vorgetragenen Betreuungskonzepts ein Fragezeichen gesetzt. Dem ist zuzustim-
men. Die Vorstellungen des Gesuchstellers gehen einerseits an der Arbeitsrealität
eines hochrangigen Angestellten einer internationalen Grossbank, andererseits
an der Betreuungsintensität von zwei Kleinkindern im Alter von vier und sechs
Jahren vorbei. Eine derartige Doppelbelastung – Betreuung am Nachmittag und
Arbeiten, sobald die Kinder im Bett sind – scheint über die Dauer nicht haltbar. Da
jedoch, wie auch die Vorinstanz zutreffend festhielt, Fremd- und Eigenbetreuung
grundsätzlich gleichwertig sind, wäre auch ein Betreuungskonzept, welches eine
(noch) umfassendere Fremdbetreuung durch eine Nanny bedeutet, mit dem
Kindswohl vereinbar. Dies gilt umso mehr, als beide Kinder es seit A._ auf
gewohnt sind, fremdbetreut zu werden.
3.4. Zusammenfassend bleibt es auch in dieser Hinsicht bei der vorinstanzli-
chen Gesamtwürdigung, wonach zwar gewisse Zweifel an der Umsetzbarkeit des
Konzepts des Gesuchstellers bestehen, das Kriterium der "Möglichkeit der per-
sönlichen Betreuung" indes ebenfalls als neutral zu werten ist, zumal es zusam-
men mit der Erziehungsfähigkeit gewissermassen eine Grundvoraussetzung dar-
stellt, ob die Wegzugsfrage überhaupt einer näheren Prüfung bedarf (vgl. vorste-
hend E. III/B.1.4.).
4. Bisheriges Betreuungsmodell und persönliche Beziehung
4.1. Sind beide Elternteile erziehungsfähig sowie willens und in der Lage, die
Kinder bei sich aufzunehmen und persönlich oder im Rahmen eines im Kindes-
wohl liegenden Betreuungskonzepts für sie zu sorgen, so kommt – insbesondere
bei Gleichwertigkeit der beiden Betreuungskonzepte – dem Kriterium der Stabilität
der Verhältnisse besonderes Gewicht zu. Hierbei bildet das bisher tatsächlich ge-
lebte Betreuungsmodell Ausgangspunkt der Überlegungen (vgl. vorstehend
E. III/B.1.4.).
- 31 -
4.2. Hinsichtlich der persönlichen Beziehungen hielt die Vorinstanz fest, die
Parteien hätten während des Zusammenlebens unbestrittenermassen eine klassi-
sche Rollenverteilung gelebt. Die Gesuchstellerin habe die Kinder täglich betreut
und habe eine enge Beziehung zu ihnen aufgebaut. Auch der Gesuchsteller aner-
kenne, dass die Gesuchstellerin die Hauptbetreuungsperson der gemeinsamen
Kinder sei. Etwas anderes sei auch aus den Ausführungen und ins Recht gereich-
ten Akten nicht ersichtlich. Der Gesuchsteller sei aufgrund der gelebten Rollenver-
teilung und seines intensiven Jobs indessen weniger präsent im Alltag der Mäd-
chen. Seine passive Rolle habe er gegenüber der Gesuchstellerin selbst noch im
Januar 2020 festgehalten. Seine Beziehung zu den Kindern sei somit als weniger
eng einzustufen. Allerdings versuche er, die Beziehung zu vertiefen, indem er mit
den Mädchen Zeit verbringen wolle und täglich anrufe. Die Kinder würden sich
denn auch immer freuen, wenn er auf Besuch komme, und würden ihm in die Ar-
me fallen. Auch nach der Trennung der Parteien habe die Gesuchstellerin die
Hauptbetreuung der Kinder übernommen und stelle die Hauptbetreuungsperson
dar. Der Gesuchsteller habe sich absichtlich aus der Erziehung rausgenommen
und dies der Gesuchstellerin überlassen. Den Antrag auf alternierende Obhut ha-
be der Gesuchsteller denn auch erst im Laufe des vorliegenden Verfahrens ge-
stellt. Vorher habe er nie diesbezügliche Wünsche geäussert. Sodann spiele es
keine Rolle, welches Rollenmodell die Parteien für die Zukunft geplant hätten oder
nicht. Einzig das vor der Trennung gelebte Modell sei massgebend. Ausschlag-
gebend sei also, dass bei einer Verweigerung des Aufenthaltswechsels C._
und D._ ihre bisherige Hauptbetreuung fehlen würde, da von der Hypothese
auszugehen sei, die Gesuchstellerin ziehe nach Brasilien um. Der Gesuchsteller
hätte die Betreuung alleine zu übernehmen, während er gleichzeitig einen Voll-
zeitjob ausübe. Die Kinder würden somit vermehrt ganztags fremdbetreut werden,
was nicht dem Grundsatz der Betreuungs- und Erziehungskontinuität entspreche.
Daran ändere auch die vom Gesuchsteller geltend gemachte Reduzierung seines
Arbeitspensums auf 80% nichts, welche zudem mit seinem Arbeitgeber noch nicht
besprochen worden sei. Würden die Kinder hingegen mit nach Brasilien gehen,
würden sie weiterhin von der bisherigen Hauptbezugsperson betreut werden. An-
gesichts des jungen Alters von C._ und D._ sei dies einem Wechsel der
Hauptbetreuung vorzuziehen (Urk. 2 S. 19 f. und S. 29 f.).
- 32 -
4.3.1. Der Gesuchsteller rügt, er habe entgegen den Ausführungen der
Vorinstanz nicht ausgeführt, die Gesuchstellerin sei die Hauptbezugsperson, son-
dern sie sei für die Kinder eine wichtige Hauptbezugsperson. Die andere Haupt-
bezugsperson sei er selber. Das bisherige Betreuungsmodell sei sodann als sol-
ches nicht entscheidend; entscheidend seien die erzieherischen Fähigkeiten und
die persönliche Beziehung zum Kind. Er habe eine sehr gute und vertrauensvolle
Beziehung zu den Kindern. Es werde ausdrücklich bestritten, dass die Beziehung
zwischen ihm und den Kindern weniger eng sei als diejenige der Gesuchstellerin.
Diese Annahme der Vorinstanz sei willkürlich. Da er die gleich enge Beziehung zu
den Kindern habe wie die Gesuchstellerin, spreche das Alter der Kinder und die
Tatsache, dass sie noch mehr personen- als umgebungsbezogen seien, nicht da-
gegen, sie unter seine Obhut zu stellen. Es werde auch bestritten, dass er sich
absichtlich aus der Erziehung rausgenommen habe und diese der Gesuchstellerin
überlassen hätte. Vielmehr versuche die Gesuchstellerin, ihn immer mehr auszu-
schliessen (Urk. 1 Rz. 55 ff.).
4.3.2. Wie bereits erläutert (vgl. E. III/B.1.4.), gilt bei vorwiegend personenbezo-
genen Kindern, die überwiegend vom wegzugswilligen Elternteil betreut werden,
nach der Rechtsprechung der Grundsatz, dass es tendenziell eher im Wohl der
Kinder sein wird, wenn sie beim bisher hauptsächlich betreuenden Elternteil ver-
bleiben und folglich mit ihm wegziehen. Wie auch der Gesuchsteller anerkennt,
sind die vier bzw. sechs Jahre alten Töchter D._ und C._ – im Zeitpunkt
des Wegzugs waren sie knapp drei und gut vier Jahre alt – vorwiegend perso-
nenbezogen, weshalb das bisherige Betreuungsmodell sehr wohl entscheidend
sein kann, wenn sich eine der Parteien als Hauptbetreuungsperson etabliert hat.
Soweit der Gesuchsteller lediglich pauschal behauptet, ebenfalls die Hauptbe-
zugsperson der Kinder zu sein und eine gleich enge Beziehung zu den Kindern zu
haben wie die Gesuchstellerin, ohne darzulegen, welche Fakten die Vorinstanz
bei ihrer Beurteilung in Betracht zu ziehen unterlassen habe, genügt er seiner Be-
gründungspflicht nicht. Aus den Akten ergeben sich denn auch keinerlei Anhalts-
punkte für seine Behauptung. So hat er anlässlich der mündlichen Verhandlung
selber angegeben, meistens erst spät nach Hause gekommen zu sein, den Kin-
dern kein Essen gekocht zu haben, sie auch nur ab und zu gewickelt zu haben
- 33 -
und die Kinder nicht ins Bett gebracht, ihnen jedoch manchmal Geschichten er-
zählt zu haben (Prot. I S. 32). Selbst wenn der Gesuchsteller seine gesamte Frei-
zeit mit der Familie verbracht haben sollte (Urk. 1 Rz. 9) – was von der Gesuch-
stellerin bestritten wird (Urk. 20 Rz. 14; Urk. 5/61 Rz. 19 ff.) – liegt auf der Hand,
dass Kleinkinder zu dem Elternteil, welches sich daneben auch im Alltag haupt-
sächlich um sie kümmert und ihre Grundbedürfnisse stillt, eine sehr enge Bezie-
hung entwickeln. Seine passive Rolle in der Erziehung der Kinder hat der Ge-
suchsteller sodann, wie die Vorinstanz zutreffend erwog, gegenüber der Gesuch-
stellerin selber noch im Januar 2020 in einer WhatsApp-Nachricht ausdrücklich
festgehalten (vgl. Urk. 5/39/2). Inwiefern die Vorinstanz diese Textnachricht falsch
interpretiert haben soll, legt er nicht dar. Auch aus seinen vorinstanzlichen Aus-
führungen, auf die er (ohne nähere Stellenangabe) verweist (vgl. Urk. 30 Rz. 8),
ergibt sich nichts anderes. Vor Vorinstanz machte er nur geltend, diese Nachricht
aus Frust über den ihn immer mehr ausschliessenden Umgang der Gesuchstelle-
rin mit den Kindern geschrieben zu haben (Urk. 5/48 Rz. 54). Nicht geltend macht
er indes, dass die darin von ihm abgegebene Beschreibung seiner Rolle als Vater
und seiner Beziehung zu den Kindern nicht zutreffend war. Sodann ist es offen-
kundig, dass ein Vollzeit erwerbstätiger Vater – auch wenn er flexible Arbeitszei-
ten hat – über weniger zeitliche Kapazität für die Kinderbetreuung verfügt als die
nichterwerbstätige Mutter.
4.4. Mit der Vorinstanz ist demnach festzuhalten, dass die Gesuchstellerin die
Hauptbezugs- und Hauptbetreuungsperson der Kinder ist und demnach das bis-
herige Betreuungsmodell sowie dessen Kontinuität für die Zuteilung der Obhut an
die Gesuchstellerin bzw. für eine Bewilligung des Wegzugs mit den Kindern
spricht (vgl. Urk. 2 S. 32).
5. Stabilität der Verhältnisse
5.1. Unter der Maxime des Kindeswohls sind aber auch sämtliche weiteren re-
levanten Aspekte der konkreten Situation zu beachten, wie namentlich, ob die
Kinder neu in einer fremden Sprache beschult würden, ob der wegzugswillige El-
ternteil in sein Heimatland bzw. den angestammten Familienkreis ziehen würde
und ob sich dort ein wirtschaftlich und sozial abgesichertes Umfeld vorfinden wür-
- 34 -
de. Zudem sind gesundheitliche Bedürfnisse der Kinder zu beachten sowie – ins-
besondere bei älteren Kindern – die bei ihrer Anhörung geäusserten Wünsche
(vgl. BGE 142 III 481, E. 2.7).
5.2. Die Vorinstanz zog in Betracht, die Parteien seien in den letzten Jahren
mehrmals umgezogen und hätten jeweils nur rund zwei Jahre an einem Ort ver-
bracht. Dies treffe auch auf die Schweiz zu (Zuzug im 2018). Die Kinder hätten
somit noch keine Zeit gehabt, eine enge Bindung zu ihrem Wohnort zu entwi-
ckeln. Vielmehr seien sie es sich gewohnt, immer wieder umzuziehen. Es bestehe
also keine Verwurzelung im klassischen Sinn in der Schweiz. Ferner seien die
Kinder bilingual in Portugiesisch und Englisch. Des Weiteren hätten sie die inter-
nationale Krippe bzw. den Kindergarten "J1._ GmbH" besucht. Dadurch ge-
schlossene Bekanntschaften und Freundschaften seien also eher internationaler
Natur. Im Sinne der Stabilität und Kontinuität plane die Gesuchstellerin, dass die
Mädchen auch in E._, Brasilien, eine internationale Schule besuchten. Sie
habe die G._ ausgewählt, welche eine ähnliche Philosophie wie die J._
Schule verfolge. Sodann sei C._ bereits in Südkorea in einer G._ gewe-
sen. Die Unterrichtssprache sei Englisch, weswegen die Kinder nach dem Auf-
enthaltswechsel weiterhin mit den ihnen bekannten Sprachen Portugiesisch und
Englisch aufwachsen würden. Ferner stamme die Gesuchstellerin aus Brasilien
und ihre gesamte Familie wohne dort. Die Kinder würden bereits jetzt mehrere
Wochen pro Jahr dort verbringen, D._ sei sogar dort geboren worden. Weiter
sei auch die Mutter der Gesuchstellerin vermehrt auf Besuch gekommen. Diese
Familienseite sei für die Kinder also vertraut. Die Eltern des Gesuchstellers wohn-
ten in K._, eine Schwester in L._, die andere grenznahe zur Schweiz in
Frankreich. Gemäss Aussage des Gesuchstellers bestehe bis anhin noch keine
enge Beziehung zu diesen Personen, er wünsche sich aber, eine solche aufzu-
bauen. Ferner habe der Gesuchsteller weitere Verwandte in M._, insbeson-
dere Cousins und Cousinen mit Kindern im Alter von C._ und D._. Die-
se hätten die Kinder aber noch nicht kennen gelernt. Somit sei der Familienkreis
des Gesuchstellers nicht als besonders enger Kontakt und stabiles Umfeld für
C._ und D._ in F._/Zürich anzusehen (Urk. 2 S. 30 f.).
- 35 -
5.3. Der Gesuchsteller hat diesen Ausführungen nichts Stichhaltiges entgegen-
zusetzen. So macht er etwa geltend, wenn der Wegzug untersagt würde, könnten
die Kinder wieder ihre gewohnte Kinderkrippe in F._ mit ihren "Gspändli" be-
suchen. Die meisten Kinder, welche die Krippe J._ in F._ besuchten,
würden auch in F._ leben. Die Ausführungen der Vorinstanz, die Bekannt-
schaften und Freundschaften seien also eher internationaler Natur, sei abstrus
(Urk. 1 Rz. 60 ff). Auch wenn die Kinder Freunde in der Kita haben und mit ihnen
vertraut sind, sind sie aufgrund ihres Alters – wie auch der Gesuchsteller aner-
kennt (Urk. 1 Rz. 58) – mehr personenbezogen, was sich auf ihr örtliches, schuli-
sches und soziales Umfeld erstreckt. Im Übrigen besuchen die Kinder nunmehr
bereits seit Februar 2021 die G._ in Brasilien (vgl. Urk. 5/97/1), weshalb –
wie die Gesuchstellerin auch vorbringt (vgl. Urk. 20 Rz. 47) – davon auszugehen
ist, dass sie sich mittlerweile in dieser Tagesschule gut eingelebt haben. Wie sich
dem Lehrpersonenbericht vom 16. April 2021 entnehmen lässt, war dies jeden-
falls bei C._ bereits kurz nach Start in der G._ der Fall (Urk. 22/5).
Ebenfalls lediglich auf die Umgebung zielt das Argument, die Kinder könnten sich
an die Zeit vor dem Umzug nach F._ nicht erinnern, weshalb die Wohnung
an der N._-gasse ... in F._ ihr Zuhause sei (Urk. 1 Rz. 60). Darüber
hinaus wurde das besagte Mietverhältnis seitens der Vermieterin gekündigt und
bis maximal Ende März 2021 erstreckt (vgl. Urk. 5/50/17; Urk. 20 Rz. 44), wes-
halb die Wohnung mittlerweile längst nicht mehr verfügbar sein dürfte. Ob die
Vermieterin tatsächlich nur die Gesuchstellerin loshaben wollte und der Gesuch-
steller mit den Töchtern auch nach März 2021 noch in der Wohnung hätte bleiben
dürfen (Urk. 1 Rz. 61), ist damit ohne Belang (vgl. auch Urk. 2 S. 32). Diese Be-
hauptung findet aber in den Akten ohnehin keine Stütze, wurde die Kündigung
des Mietverhältnisses doch von der Verwaltung gegenüber dem Gesuchsteller mit
Eigenbedarf der Vermieterschaft begründet (Urk. 29/2). Auch wenn die betreuen-
de Krippe und das Umfeld ändert, kann die Gesuchstellerin aufgrund der vorwie-
genden Personenbezogenheit der Kinder die nötige Stabilität gewähren. Daran
vermag auch nichts zu ändern, dass der Gesuchsteller beabsichtigt, die ehemali-
ge Haushälterin der Gesuchstellerin zu übernehmen (Urk. 1 Rz. 28), zumal diese
den Kindern zwar vertraut sein dürfte, jedoch den Verlust der Hauptbezugsperson
nicht aufzuwiegen vermöchte.
- 36 -
5.4. Insgesamt erweist sich mit Blick auf das Kriterium der Stabilität und Konti-
nuität ein Verlust des örtlichen Umfelds der Kinder vorliegend als weit weniger
schwerwiegend als ein Wechsel in der hauptbetreuenden Person.
6. Fazit
Im Ergebnis ist es dem Gesagten zufolge einhergehend mit der Vorinstanz eher
im Wohle beider Kinder, wenn sie mit der Gesuchstellerin nach Brasilien ziehen
bzw. vorliegend in Brasilien bleiben dürfen (vgl. auch Urk. 2 S. 32 ff.). Die Bewilli-
gung des Aufenthaltsortswechsels der Gesuchstellerin mit den beiden Kinder
nach Brasilien ist somit zu bestätigen.
C. Obhut und Persönlicher Verkehr
1. Obhut
Nachdem der Wegzug der Gesuchstellerin mit den Kindern nach Brasilien zu be-
willigen ist, ist auch die Zuteilung der alleinigen Obhut an die Gesuchstellerin zu
bestätigen.
2. Persönlicher Verkehr nach dem Wegzug nach Brasilien
2.1. Eltern, denen die elterliche Sorge oder Obhut nicht zusteht, und das min-
derjährige Kind haben gegenseitig Anspruch auf angemessenen persönlichen
Verkehr (Art. 273 Abs. 1 ZGB). Als oberste Richtschnur für die Ausgestaltung des
Besuchsrechts gilt immer das Kindeswohl, das anhand der Umstände des konkre-
ten Einzelfalls zu beurteilen ist; allfällige Interessen der Eltern haben zurückzu-
stehen (BGE 130 III 585 E. 2.1 S. 587 f.).
2.2. Die Vorinstanz erwog, bei der Regelung des persönlichen Verkehrs zwi-
schen dem Gesuchsteller und seinen Kindern sei auf die bisherige Vater-Kind-
Beziehung Rücksicht zu nehmen. Der Gesuchsteller habe C._ und D._
seit der Trennung regelmässig besucht und per Videotelefonie mit ihnen gespro-
chen. Dieser Kontakt sei auch nach dem Umzug der Kinder nach Brasilien so gut
wie möglich aufrecht zu erhalten. Aufgrund der Distanz werde der Gesuchsteller
die Kinder nicht für kürzere Zeit oder ein Wochenende besuchen können, sondern
- 37 -
es biete sich ein Ferienbesuchsrecht an. Die vom Gesuchsteller beantragten vier
Wochen erschienen sinnvoll. Ebenfalls sei angebracht, dass das Besuchsrecht in
den ersten drei Monaten auf E._, Brasilien, und für den Rest des Jahres auf
Besuche in Brasilien beschränkt sei und danach ausgeweitet werde (insbesonde-
re auf Ferien der Kinder in der Schweiz). So hätten C._ und D._ ein
Jahr Zeit, sich an die neue Besuchsregelung zu gewöhnen. Die Beziehung zwi-
schen dem Gesuchsteller und den Kindern sollte zu diesem Zeitpunkt so vertraut
sein, dass sie für die Ferien auch mit ihm zurück in die Schweiz kommen könnten.
Auch unter dem Aspekt, dass es dem Gesuchsteller möglich sein müsse, Zeit mit
seinen Kindern in seinem Zuhause – und nicht bei der Gesuchstellerin oder in ei-
nem Hotel – zu verbringen, sei das ausgeweitete Besuchsrecht anzuordnen. Von
einer Begleitung der Besuchszeiten des Gesuchstellers sei jedoch abzusehen. Es
bestünden keine Anhaltspunkte, dass die Kinder einer Gefährdung ausgesetzt
seien, wenn sie beim Gesuchsteller seien. Vielmehr führe auch die Gesuchstelle-
rin aus, sie könne es nicht an etwas Konkretem festmachen und sie anerkenne,
wie wichtig die Beziehung von C._ und D._ zu ihrem Vater sei. Die Be-
aufsichtigung des Kontakts könnte indessen eine gegenteilige Wirkung haben und
das Vertrauen der Kinder in ihren Vater schwächen (Urk. 2 S. 36 ff.).
2.3. Gestützt darauf erklärte die Vorinstanz den Gesuchsteller in einer ersten
(mittlerweile verfallenen) Phase ab sofort bis Ende Februar 2021 für berechtigt,
die Kinder für eine Woche in E._, Brasilien, mit sich auf Besuch zu nehmen.
Danach erklärte sie ihn für berechtigt, die Kinder alle drei Monate für eine Woche
in Brasilien mit sich auf Besuch zu nehmen und ab dem zweiten Jahr des Aufent-
halts der Kinder in Brasilien für insgesamt vier Wochen pro Jahr, maximal zwei
Wochen am Stück, zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Ausserdem er-
klärte sie den Gesuchsteller für berechtigt, ab sofort täglich um 22.00 Uhr
Schweizer Zeit mit den Kindern per Videotelefonie zu kommunizieren (Urk. 2
S. 37 f.).
2.4.1. Die Gesuchstellerin wendet sich mit ihrer Berufung im Wesentlichen ge-
gen die per sofort vorgesehenen Übernachtungen und will die Ausdehnung der
Besuche auf ausserhalb Brasiliens erstmals per Januar 2024 zulassen (vgl. Urk.
- 38 -
24/1 S. 2 und Rz. 7 ff.). Begleitete Besuche hat sie nicht beantragt. Soweit sie in
den Eingaben teilweise von begleiteten Besuchen spricht, ohne darzulegen, wes-
halb sie von den eigenen Anträgen abweicht, ist darauf nicht weiter einzugehen
(vgl. Urk. 24/20 Rz. 24; Urk. 24/20 Rz. 50). Demgegenüber beantragt der Ge-
suchsteller berufungsweise, es sei neu festzulegen, dass er das Besuchsrecht in
der Schweiz ausüben könne, und die Gesuchstellerin sei unter Strafandrohung
anzuweisen, die Kinder zur Ausübung des Rechts auf persönlichen Verkehr je-
weils in die Schweiz zu bringen (Urk. 1 Rz. 69 ff.).
2.4.2. Wie bereits im Rahmen der Prüfung der Erziehungsfähigkeit ausführlich
dargelegt, ist der Gesuchstellerin nicht zu folgen, wenn sie die geforderte Ein-
schränkung des vorinstanzlich festgesetzten Besuchsrechts auf ihre Bedenken
betreffend eines allfälligen grenzüberschreitenden Verhaltens des Gesuchstellers
gegenüber den Töchtern zurückführt (vgl. E. III/B.2.2.1. ff.). Auf ihre diesbezügli-
chen Vorbringen ist demnach nicht weiter einzugehen. Indes bringt sie weiter vor,
selbst wenn man eine Gefährdung aufgrund der geschilderten Bedenken vernei-
nen würde, gefährde das vorinstanzlich angeordnete sofortige Besuchsrecht von
einer ganzen Woche unbegleitet und mit Übernachten das Wohl der Mädchen
und sei in jedem Fall behutsamer aufzubauen. So kleine Kinder, die noch nie
mehr als drei Stunden mit dem Vater verbracht hätten und noch nie in Abwesen-
heit der Mutter eingeschlafen seien, würden traumatisiert, wenn man sie von ei-
nem Tag auf den anderen eine ganze Woche von ihrer vertrauten Hauptbezugs-
person entfernen würde (Urk. 24/1 Rz. 15). Dieser Einwand ist begründet. Der
Gesuchsteller hat die Kinder unbestrittenermassen noch nie (alleine) ins Bett ge-
bracht (Prot. I S. 32, Urk. 24/18 Rz. 53). Ebenso stellt er nicht in Abrede, dass er
noch nie mehr als drei Stunden mit den Kindern allein verbracht hat, sondern
macht lediglich geltend, dies sei darauf zurückzuführen, dass sie seine freie Zeit
eben als Familie verbracht hätten (Urk. 24/18 Rz. 51). Dies ändert aber nichts da-
ran, dass es die Kinder nicht gewohnt sind, lange Zeit von der Gesuchstellerin ge-
trennt zu sein (vgl. auch E. III/B.4.1. ff.). Dies gilt umso mehr, als die Kinder den
Gesuchsteller mittlerweile seit ihrer Abreise nach Brasilien im November 2020
und damit seit nunmehr über einem Jahr nicht mehr physisch gesehen haben.
Aus Sicht des Kindeswohls, gegenüber welchem die Bedürfnisse der Eltern in den
- 39 -
Hintergrund zu treten haben, spielt dabei letztlich keine Rolle, wer die "Schuld" an
diesem Zustand trägt (vgl. Urk. 24/18 Rz. 54 und Rz. 67). Angesichts des bisheri-
gen Betreuungsmodells und des langen unmittelbaren Kontaktunterbruchs ist
nicht von der Hand zu weisen, dass es die Kinder überfordern – und nicht nur
herausfordern, wie vom Gesuchsteller geltend gemacht (vgl. Urk. 24/18 Rz. 55
und Rz. 59) – würde, wenn sie per sofort eine ganze Woche beim Gesuchsteller
übernachten würden und insbesondere für diese Dauer von der Gesuchstellerin
getrennt würden. Dies entspricht nicht dem Kindeswohl. Ebenso sollten die ersten
Besuche zum Wohle der Kinder in ihrer gewohnten Umgebung, d.h. in Brasilien,
stattfinden (vgl. dazu nachfolgend E. III/C.2.4.5).
2.4.3. In einem ersten Schritt ist es insbesondere wichtig, dass der Gesuchstel-
ler die Kinder so bald als möglich wiedersehen und nach dem langen physischen
Kontaktunterbruch wieder eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen kann. Hierbei
erscheint der von der Gesuchstellerin beantragte Besuchszeitraum von täglich
9.00 Uhr bis 17.00 Uhr angemessen. Soweit der Gesuchsteller ausführen lässt,
dass eine Vater-Kind-Beziehung nicht aufgebaut oder aufrechterhalten werden
könne, wenn die Kinder mit dem Vater nur wenige Stunden auf einem Spielplatz
o.ä. verbringen könnten (Urk. 24/18 Rz. 58), ist ihm nicht zu folgen. Dem Gesuch-
steller wird bei dieser Besuchsregelung die Betreuungsverantwortung über die
beiden Kinder während täglich acht Stunden übertragen. In diesem Zeitrahmen
wird er durchaus mit vielseitigen elterntypischen Tätigkeiten konfrontiert und kann
sich nicht nur spassigen Freizeitaktivitäten widmen. So hat er etwa mit den Kin-
dern zu Mittag zu essen, sie regelmässig mit Trinken zu versorgen, sie auf die
Toilette zu begleiten, sie zu trösten, allenfalls auch mal einen Streit zwischen den
Geschwistern zu schlichten etc. Ein derart umsorgender und auf die Bedürfnisse
der Kinder ausgerichteter täglicher Kontakt ist durchaus geeignet, eine vertrau-
ensvolle und nachhaltige Vater-Kind-Beziehung aufzubauen.
2.4.4. Gleichwohl ist dem Gesuchsteller zuzustimmen, dass Übernachtungskon-
takte die Beziehung zum nicht obhutsberechtigten Elternteil noch mehr festigen.
Es gibt denn entgegen der Ansicht der Gesuchstellerin (vgl. Urk. 24/1 Rz. 15)
auch keinen Grund, an den Fähigkeiten des Gesuchstellers zu zweifeln, die bei-
- 40 -
den Kinder grundsätzlich – auch über Nacht – betreuen zu können. Ferner trifft
auch nicht zu, dass die beiden Mädchen im Alter von vier und sechs Jahren noch
nicht in der Lage wären, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren (vgl. Urk. 24/1
Rz. 15). Es handelt sich bei ihnen nicht mehr um eigentliche Kleinkinder, weshalb
ihnen auswärtige Übernachtungen durchaus zuzumuten sind. Überdies gehört es
zur unvermeidbaren kindlichen Realität nach einer Elterntrennung, sich immer
wieder auf Veränderungen in den Lebensgewohnheiten einstellen zu müssen. So
wurde etwa auch ihr Wohnort von heute auf morgen nach Brasilien verlegt. Dem-
zufolge stehen Übernachtungen beim Gesuchsteller nach einer angemessenen
Wiederangewöhnungsphase nichts im Wege. Unter Berücksichtigung des Zeitab-
laufs seit Einreichen der Berufung beantragt die Gesuchstellerin berufungsweise,
dass die Besuche des Gesuchstellers während rund 1 1⁄2 Jahren noch ohne Über-
nachtung stattfinden. Diese Zeitspanne erscheint jedoch zu lange, zumal der Ge-
suchsteller bis zur Abreise der Kinder nach Brasilien regelmässig Kontakt zu den
beiden Töchtern hatte und sich diese – wie beide Parteien ausführten – jeweils
freuten, wenn er auf Besuch kam (vgl. Prot. I S. 33 und S. 45). Seit der Abreise
wurde sodann der Kontakt des Gesuchstellers zu den Kindern mit regelmässigen
Videotelefonaten aufrechterhalten. Entsprechend muss eine Vater-Kind-
Beziehung nicht von Grund auf aufgebaut werden. Ein Angewöhnen an einen
veränderten Betreuungsrahmen kann letztlich auch nur dadurch erfolgen, dass
dieses Betreuungsmodell tatsächlich praktiziert wird. Entsprechend erscheint es
angemessen, die ersten zwei Besuchswochen des Gesuchstellers noch ohne
Übernachtung durchzuführen, um eine ausreichende Vertrauensbasis für künftige
Besuche zu schaffen. Bei der dritten Besuchswoche sind die ersten drei Besuchs-
tage auf die Betreuung tagsüber zu beschränken, ab dem vierten Besuchstag je-
doch für den Rest der Woche Übernachtungen vorzusehen. Danach dürfte eine
ausreichende Vertrauensbasis zum Gesuchsteller bestehen, sodass die Kinder
eine ganze Woche am Stück mit ihm verbringen können.
2.4.5. Die Vorinstanz hat das Besuchsrecht in den ersten drei Monaten auf
E._, Brasilien, und für den Rest des Jahres auf Besuche in Brasilien be-
schränkt, so dass die Kinder insgesamt ein Jahr Zeit hätten, um sich an die neue
Besuchsregelung zu gewöhnen (Urk. 2 S. 36). Der Gesuchsteller hat keine durch-
- 41 -
schlagenden Argumente vorgebracht, weshalb hiervon abzuweichen und die Be-
suche per sofort in der Schweiz abzuhalten wären (vgl. Urk. 1 Rz. 69 ff.). Soweit
er geltend macht, es sei offensichtlich geworden, dass die Gesuchstellerin nicht
beabsichtige, das gerichtlich angeordnete Besuchsrecht in Brasilien zu gewähr-
leisten, ist er auf die vorstehenden Erwägungen zu verweisen (E. III/B.2.3.2. ff.).
Angesichts dessen, dass mit vorliegendem Entscheid das Besuchsrecht des Ge-
suchstellers vorerst auf Besuche tagsüber beschränkt wird, bestehen denn auch
keine konkreten Anhaltspunkte, dass sie ihn an der Ausübung desselben hindern
würde. Inwiefern die effektive Durchführung in der Schweiz besser gewährleistet
wäre, ist sodann nicht ersichtlich. Insbesondere kann angesichts der Vorbringen
in diesem Verfahren nicht davon ausgegangen werden, dass die Gesuchstellerin
die Töchter aktuell alleine in die Schweiz schicken würde. Dass eine kurzfristige
Vollstreckung des Besuchsrechts in Brasilien nicht möglich wäre, trifft wohl zu, gilt
gleichermassen aber auch für allfällige Ferienbesuche in der Schweiz. Nicht
glaubhaft gemacht wurde ferner, dass der Gesuchsteller angesichts der "haar-
sträubenden Vorwürfe" seitens der Gesuchstellerin, der Korruption in Brasilien
und dem Einfluss der Familie der Gesuchstellerin fürchten müsste, bei der Einrei-
se in einem brasilianischen Gefängnis zu landen (vgl. Urk. 24/18 Rz. 34; Urk. 30
Rz. 26; Urk. 35 Rz. 11). Es gibt keinerlei Hinweise, dass die Gesuchstellerin in
Brasilien ein Verfahren gegen den Gesuchsteller eingeleitet hätte oder beabsich-
tigen würde, dies zu tun. Entsprechend gibt es keine Gründe, die gegen eine an-
fängliche Ausübung des Besuchsrechts in Brasilien sprechen würden. Auch an-
gesichts des jungen Alters der Kinder ist davon abzusehen, diesen bereits jetzt
vier Mal jährlich so lange Flüge zuzumuten. Mit der Vorinstanz sollten indes nach
einem Jahr Besuche auch ausserhalb von Brasilien möglich sein. Die Gesuchstel-
lerin hat einmal jährlich dafür besorgt zu sein, die Kinder für die Ausübung des
Besuchsrechts in die Schweiz zu bringen, sei es, indem sie selber mitfliegt, oder
durch Nutzung eines Flugbegleitservices. Die Voraussetzungen für eine Strafan-
drohung für den Fall der Nichteinhaltung sind nicht gegeben (vgl. BGer
5A_167/2017 vom 11. September 2017, E. 6.1 und vorstehend E. III/B.2.3.2. ff.).
2.4.6. Gegenüber dem Antrag der Gesuchstellerin, die Besuche auf die Schulfe-
rien der G._ anzupassen, zeigt sich der Gesuchsteller offen, wenn die Besu-
- 42 -
che in der Schweiz stattfinden sollten (Urk. 24/18 Rz. 62 und Rz. 64). Da es auch
für den Gesuchsteller von Vorteil ist, wenn er seine Besuchswochen in die Schul-
ferienzeit der Töchter legt, zumal er dann möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen
kann, erscheint diese Regelung jedoch auch bei Besuchen in Brasilien sachge-
recht. Die Gesuchstellerin bemängelt ferner, dass die Vorankündigung der Besu-
che nur ein Monat im Voraus mittelfristig nicht angemessen sei und ihr eine früh-
zeitige Planung der eigenen Ferien verunmögliche. Den Parteien solle ein alter-
nierendes Wahlrecht zukommen, sollten sie sich nicht über die Besuchszeiten ei-
nigen können (Urk. 24/1 Rz. 18). Gegen eine längerfristige Planung der Besuchs-
termine hat der Gesuchsteller nichts einzuwenden, indes hätten die Ferien der
Gesuchstellerin mit den Kindern dem Ferienbesuchsrecht des Gesuchstellers
nachzugehen. Sie habe die Situation geschaffen und müsse nun auch die Konse-
quenzen tragen (Urk. 24/18 Rz. 63 f.). Dem ist insofern zuzustimmen, als dass
der Durchführung des Ferienbesuchsrechts des Gesuchstellers im Hinblick auf
den Aufbau und Weiterbestand einer stabilen Vater-Kind-Beziehung aufgrund der
aktuellen Situation eine enorm grosse Bedeutung zukommt und es diesbezügliche
Streitigkeiten zu vermeiden gilt. Da die Gesuchstellerin nach wie vor keiner Arbeit
nachgeht und auf ihrer Seite somit keine besonderen Planungsschwierigkeiten
bestehen dürften, erscheint es ausreichend, wenn der Gesuchsteller künftig die
Besuche so früh wie möglich, spätestens drei Monate im Voraus, anzukünden
hat.
2.4.7. Nach dem Gesagten ist der Gesuchsteller für die Dauer des Scheidungs-
verfahrens berechtigt und verpflichtet, die Kinder auf eigene Kosten wie folgt (je-
weils unbegleitet) zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
− bis Ende März 2023 für insgesamt vier Wochen während der Schulferi-
en der G._, maximal eine Woche am Stück, dabei die ersten zwei
Besuchswochen täglich von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr ohne Übernach-
tung in E._, Brasilien, in der dritten Besuchswoche bis und mit drit-
tem Besuchstag von 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr ohne Übernachtung in
E._, Brasilien, und ab dem vierten Besuchstag von 9.00 Uhr bis
zum letzten Besuchstag spätestens um 17.00 Uhr mit Übernachtung, in
- 43 -
E._, Brasilien, und in der vierten Besuchswoche mit Übernachtung
in Brasilien.
− ab April 2023 für die weitere Dauer des Scheidungsverfahrens insge-
samt vier Wochen pro Jahr während der Schulferien der G._, ma-
ximal zwei Wochen am Stück, auch ausserhalb von Brasilien.
Soweit die Gesuchstellerin in zeitlicher Hinsicht eine unbeschränkte Anzahl Ferien
beantragt, mithin auch bereit zu sein scheint, dem Gesuchsteller mehr als vier
Wochen Ferien pro Jahr zu gewähren (vgl. Urk. 24/1 S. 2), sind die Parteien aus-
drücklich darauf hinzuweisen, dass ein weitergehender oder abweichender per-
sönlicher Verkehr nach gegenseitiger Absprache und bei Einverständnis stets
vorbehalten bleibt.
2.5. Nicht konkret beanstandet wurden die vorinstanzlich festgelegten täglichen
Videoanrufe um 22.00 Uhr Schweizer Ortszeit (vgl. Urk. 2 Disp.-Ziff. 4.3), weshalb
diese Regelung so zu belassen ist.
D. Prozesskostenvorschuss
1. Die Vorinstanz hat den Gesuchsteller verpflichtet, der Gesuchstellerin ei-
nen Prozesskostenvorschuss von Fr. 20'000.– zu bezahlen. Sie ging davon aus,
dass die Gesuchstellerin über keinerlei Einkommen oder eigenes Vermögen ver-
füge. Sie erhalte vom Gesuchsteller Fr. 6'000.– und dieser übernehme die vollen
Wohn- und Krankenkassenkosten sowie Schulgebühren der Kinder. Gemäss An-
gabe der Gesuchstellerin reiche dies nicht aus, um ihren eigenen Bedarf sowie
denjenigen der Kinder zu decken, weshalb sie die Unterstützung ihrer Eltern be-
nötigt habe. Die freiwillige Unterstützung ihrer Eltern sei jedoch bei der Beurtei-
lung ihrer Bedürftigkeit nicht zu berücksichtigen. Insgesamt habe sie somit keine
finanzielle Möglichkeit, die Kosten zu begleichen. Demgegenüber stehe die Leis-
tungsfähigkeit des Gesuchstellers ausser Frage und werde auch von ihm selber
nicht bestritten. Die zu erwartenden Gerichtskosten veranschlagte die Vorinstanz
sodann in Anwendung von § 5, § 6 und § 11 AnwGebV auf Fr. 20'000.– (Urk. 2 S.
41 f.).
- 44 -
2. Der Gesuchsteller macht in erster Linie geltend, die Gesuchstellerin sei
nicht prozessbedürftig. Es gehe entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht
an, auf den bis anhin gelebten Lebensstandard abzustellen, sondern es sei derje-
nige Teil der finanziellen Mittel, welcher das zur Deckung der persönlichen Be-
dürfnisse Notwendige übersteige, mit den für den konkreten Fall zu erwartenden
Gerichts- und Anwaltskosten zu vergleichen. Die Gesuchstellerin habe zu be-
haupten und glaubhaft zu machen, dass sie bedürftig sei. Die Vorinstanz habe
hingegen völlig unkritisch einfach auf die unsubstantiierten Ausführungen der Ge-
suchstellerin abgestellt, wonach die Zahlungen des Gesuchstellers ungenügend
seien (Urk. 1 Rz. 72 ff.; Urk. 24/18 Rz. 70 ff.).
3. Die Gesuchstellerin kritisiert demgegenüber, der ihr zugesprochene Pro-
zesskostenvorschuss sei zu tief angesetzt worden. Sie verlangt berufungsweise
die Zusprechung eines Prozesskostenvorschusses im Betrag von Fr. 45'000.–
zzgl. MwSt. Der Vorinstanz hält sie vor, das mutmassliche Anwaltshonorar zu Un-
recht gestützt auf die Anwaltsgebührenverordnung geschätzt zu haben und sich
nicht mit der eingereichten Übersicht der bisher verrechneten Honorare ausei-
nandergesetzt zu haben. Sodann habe sie gegen den Verhandlungsgrundsatz
und die Dispositionsmaxime (Art. 55 Abs. 1 und 58 Abs. 1 ZPO) verstossen, zu-
mal der Gesuchsteller offensichtlich nicht der Auffassung gewesen sei, ein Auf-
wand von Fr. 77'000.–sei zu hoch, womit dieser Betrag als anerkannt zu gelten
habe (Urk. 24/1 Rz. 25 ff.).
4.1. Die Leistung eines Prozesskostenvorschusses unter Ehegatten setzt voraus,
dass der ansprechende Ehegatte nicht selbst über die nötigen Mittel verfügt, um
das Verfahren zu führen. Verlangt ist – wie bei der unentgeltlichen Rechtspflege –
eine tatsächliche Bedürftigkeit (vgl. BGer 5A_103/2014 vom 4.6.2014, E. 6
m.Hinw.). Entsprechend sind nach der Praxis der Kammer bei der Zusprechung
eines Prozesskostenvorschusses die für die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gemäss Art. 117 f. ZPO entwickelten Grundsätze analog anzuwen-
den (vgl. OGer LY160046 vom 5. Dezember 2017, IV./E. 3.2.3 m.Hinw.; so auch
Weingart, Der Prozesskostenvorschuss für eherechtliche Verfahren, in: Zivilpro-
zess und Vollstreckung national und international - Schnittstellen und Vergleiche,
- 45 -
Festschrift für Jolanta Kren Kostkiewicz, 2018, S. 683). Nach der höchstrichterli-
chen Rechtsprechung gilt eine Person als bedürftig, wenn sie die Kosten eines
Prozesses nicht aufzubringen vermag, ohne jene Mittel anzugreifen, die für die
Deckung des eigenen notwendigen Lebensunterhalts und desjenigen ihrer Fami-
lie erforderlich sind. Wie der Gesuchsteller zu Recht vorbringt, richtet sich die an-
spruchsbegründende Bedürftigkeit nicht schlechthin nach dem bis anhin gelebten
Lebensstandard. Das heisst indessen nicht, dass durch den Rückgriff auf die an-
gemessene Lebensführung dem konkreten Einzelfall nicht Rechnung getragen
werden könnte. Bei sehr guten finanziellen Verhältnissen braucht sich der an-
sprechende Ehegatte nicht auf den notwendigen Lebensbedarf in Gestalt des
strikten Existenzminimums verweisen zu lassen. Als individueller Umstand kann
auch berücksichtigt werden, dass zwischen den beiden Ehegatten ein grosses
Vermögensgefälle besteht (zum Ganzen vgl. OGer ZH LY180041 vom
19. Dezember 2018, E. 2.3.2. f.; LE130018 vom 12. Juni 2013, E. 2.6.b;
LQ090096 vom 4. Juni 2010, E. II./4.2 f.; Weingart, a.a.O., S. 685 ff.).
4.2. Der Gesuchsteller führte vor Vorinstanz aus, die Gesuchstellerin müsse mit
den Fr. 6'000.– lediglich die unter den Grundbetrag fallenden Auslagen bezahlen.
Dies entspreche für sie und die beiden Kinder monatlich Fr. 2'150.–, womit ihr
monatlich ein Überschuss von Fr. 3'850.– verbleibe, den sie zur Finanzierung des
vorliegenden Verfahrens verwenden könne (Urk. 5/67 Rz. 110). Dem ist im Lichte
des vorstehend Ausgeführten nicht zu folgen: Auch wenn nicht auf den gesamten
dargelegten gebührenden Bedarf der Gesuchstellerin mit den zwei Kindern von
rund Fr. 20'000.– abgestellt werden kann (vgl. Urk. 24/1 Rz. 32 und Urk. 5/57
Rz. 125), ist in jedem Fall der erweiterte Bedarf (inkl. Steuern, Kommunikation,
Autokosten) und unter Berücksichtigung der individuellen Umstände bzw. in An-
betracht der vorliegend sehr guten finanziellen Verhältnisse auch ein gewisser
Betrag für Ferien und Hobbies zuzugestehen. Im Übrigen wurde seitens des Ge-
suchstellers auch nicht bestritten, dass die Gesuchstellerin über kein Vermögen,
er hingegen über ein solches von mindestens Fr. 1.4 Millionen verfügt (Urk. 5/61
Rz. 70). Bereits vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich nicht, der Gesuchstel-
lerin übermässige Einschränkungen aufzuerlegen. Hinzu kommt, dass der Ge-
suchsteller bereits vor Vor-instanz angab, bei einem Umzug nach Brasilien nicht
- 46 -
mehr bereit zu sein, die Fr. 6'000.– zu überweisen (Prot. I S. 56), und die Beträge
in der Zwischenzeit unbestrittenermassen zunächst auf Fr. 1'850.– und danach
(jedenfalls zeitweise) auf Fr. 925.– reduziert hat (vgl. Urk. 24/1 Rz. 4; Urk. 24/18
Rz. 12; Urk. 27 Rz. 29; Urk. 29/7-8; Urk. 35 Rz. 19). Es ist augenscheinlich, dass
dieser Betrag nicht ausreicht, um nebst dem erweiterten Bedarf der Gesuchstelle-
rin und der Kinder auch noch die zu erwartenden Prozesskosten (vgl. dazu so-
gleich) in zwei Jahren zu begleichen. Die Bedürftigkeit der Gesuchstellerin ist so-
mit einhergehend mit der Vor-instanz zu bestätigen.
4.3.1. Die Vorinstanz hat die Höhe der mutmasslichen Anwaltskosten in Anwen-
dung der Verordnung über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (fortan
AnwGebV) ermittelt (Urk. 2 S. 42). Dieses Vorgehen ist entgegen der Auffassung
der Gesuchstellerin nicht zu beanstanden: Bei der Festsetzung der Höhe des
Prozesskostenvorschusses hat sich das Gericht grundsätzlich vom Zweck des
Prozesskostenvorschusses leiten zu lassen, welcher darin besteht, der anspre-
chenden Partei die finanziellen Mittel zu verschaffen respektive zu ersetzen, die
sie zur gehörigen Führung des Prozesses benötigt. Es soll verhindert werden,
dass die Partei aufgrund fehlender Mittel ihrer guten Rechte verlustig geht. Abzu-
stellen ist auf die objektiv notwendigen Kosten. Als Massfigur kann dabei eine
nach objektiven Kriterien sorgfältig und haushälterisch prozessierende Partei her-
angezogen werden und es kann auf die Entschädigung abgestellt werden, welche
einer Partei gestützt auf die AnwGebV zustehen würde (vgl. OGer ZH LE180041
vom 27. Mai 2019, E. IV.3.3.). Der Anspruch auf Bevorschussung der Prozess-
kosten beinhaltet demnach nicht eine volle Schadloshaltung des Unterhaltsbe-
rechtigten, sondern lediglich eine Sicherheit für die notwendigen Kosten zur Füh-
rung des Prozesses. Entsprechend kann auch unterbleiben, näher auf den einge-
reichten Honoraraufwand und die diesbezüglichen Vorbringen einzugehen. Eine
Anerkennung eines bestimmten Aufwands durch den Gesuchsteller lässt sich so-
dann den angeführten Stellen nicht entnehmen. Vielmehr führte er aus, der gel-
tend gemachte Aufwand der Gesuchstellerin sei sicher übermässig, doch selbst
wenn von einem Aufwand von Fr. 77'000.– ausgegangen würde, wäre die Ge-
suchstellerin in der Lage, diesen (anhand seiner vorstehend erläuterten Rech-
nung) innert zwei Jahren abzubezahlen (vgl. Urk. 5/67 Rz. 112).
- 47 -
4.3.2. Die Vorinstanz bezifferte den Prozesskostenvorschuss auf Fr. 20'000.–.
Hierzu führte sie aus, die bis jetzt aufgewendeten Fr. 47'180.30 für Einigungsver-
handlung, die Klagebegründung sowie den Antrag betreffend vorsorgliche Mass-
nahmen seien ungewöhnlich hoch. Die übliche Parteientschädigung in strittigen
Scheidungsverfahren belaufe sich gemäss der §§ 5 und 6 AnwGebV in der Regel
auf Fr. 6'000.– bis Fr. 16'000.–, wobei diverse Zuschläge die Gebühr bis auf das
Doppelte anwachsen lassen könnten. Angesichts der komplexen Verhältnisse und
des internationalen Sachverhalts sei von einem grösseren Aufwand als üblich
auszugehen, nicht jedoch im beantragten Umfang (Urk. 2 S. 42). Gemäss § 2
AnwGebV ist nebst dem notwendigen Aufwand jedoch auch die Schwierigkeit des
Falls sowie die Verantwortung der Rechtsvertreterin zu berücksichtigen. Aufgrund
der hochstrittigen Kinderbelange und insbesondere auch der Tragweite des An-
trags auf Bewilligung des Umzugs mit den Kindern ins Ausland ist von einer ho-
hen Verantwortung der Rechtsvertreterin auszugehen. Erhöhte Schwierigkeiten
bestehen sodann insbesondere auf tatsächlicher Ebene, zumal das Verfahren,
wie der bisherige Verfahrenslauf zeigt, hochstrittig geführt wird und internationale
Bezüge aufweist. Hinzu kommt, dass die Gesuchstellerin der deutschen Sprache
nicht mächtig ist. Daneben stehen sowohl betreffend Unterhalt als auch Güter-
recht nicht unerhebliche finanzielle Ansprüche der Gesuchstellerin im Raum,
weshalb auch in rechtlicher Hinsicht von einer erhöhten Schwierigkeit auszuge-
hen ist. Indes gibt es etwa keine Liegenschaften oder geschäftliche Verflechtun-
gen, welche die güterrechtliche Auseinandersetzung besonders komplex gestal-
ten würden (vgl. Urk. 5/57 Rz. 139 ff.; Urk. 5/103 Rz. 163 ff.). Die Grundgebühr ist
damit im obersten Drittel auf Fr. 14'000.– festzusetzen, womit der Aufwand für die
Klagebegründung (Urk. 57) und die Teilnahme an der Hauptverhandlung abge-
deckt sind bzw. sein werden. Zuschläge fallen bereits jetzt an für die Einigungs-
verhandlung (vgl. Prot. I S. 8 ff.), die Verhandlung betreffend vorsorgliche Mass-
nahmen (vgl. Prot. I S. 13 ff.) und die Eingaben betreffend die je beantragten vor-
sorglichen Massnahmen (Urk. 5/38 und Urk. 5/61). Ein zweiter Schriftenwechsel
ist in Anbetracht des bisherigen Verfahrensverlaufs, wie auch die Vorinstanz fest-
hielt, nicht auszuschliessen, womit weitere Zuschläge anfallen werden. Insgesamt
erscheint es damit angebracht, den Pauschalzuschlag in Abweichung des Grund-
satzes von § 11 Abs. 3 AnwGebV auf Fr. 20'000.– festzusetzen. Es resultiert ein
- 48 -
Prozesskostenbeitrag von Fr. 34'000.–. Die Gesuchstellerin beantragt zusätzlich
die Zusprechung von 7.7% Mehrwertsteuern. Aufgrund ihres ausländischen
Wohnsitzes fallen indes auf Leistungen ab Dezember 2020 keine Mehrwertsteu-
ern mehr an. Entsprechend erscheint es angemessen, den Gesuchsteller zu ver-
pflichten, der Gesuchstellerin für das erstinstanzliche Verfahren einen Prozess-
kostenvorschuss von Fr. 35'000.– (inklusive MwSt.) zu bezahlen. Diesen hat er
den Angaben der Gesuchstellerin zufolge im Betrag von Fr. 20'000.– bereits ge-
leistet (Urk. 24/1 Rz. 37; vorinstanzlich festgesetzter Betrag ohne MwSt.), was
vorzumerken ist.
4.4. Zur beantragten Anrechnung eines allfälligen Prozesskostenvorschusses
akonto Güterrecht liess sich die Gesuchstellerin nicht explizit vernehmen
(vgl. Urk. 20 Rz. 51; Urk. 27 Rz. 29 f.). Beim Prozesskostenvorschuss handelt es
sich klarerweise um eine vorläufige Leistung, von deren (vollständigen) Rücker-
stattung nur in unbilligen Fällen (Art. 4 ZGB) abzusehen ist (vgl. BGE 146 III 203
E. 6.3). Da es vorliegend um die Finanzierung der Verfahrenskosten des Schei-
dungsverfahrens der Parteien geht, in welchen unbestrittenermassen hohe güter-
rechtliche Ansprüche der Gesuchstellerin fällig werden, erscheint die Bevorschus-
sung mit Anrechnungsvorbehalt angemessen.
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1.1. Für das zweitinstanzliche Verfahren rechtfertigt es sich, in Anwendung von
§ 12 Abs. 1 und Abs. 2 i.V.m. § 2, § 5, § 6 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 der Gebühren-
verordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG) sowie unter
Berücksichtigung des Umstands, dass eine Doppelberufung vorliegt, eine Ent-
scheidgebühr von Fr. 8'000.– festzusetzen. Auch die Dolmetscherkosten in der
Höhe von Fr. 795.– (vgl. Prot. II S. 15 und Urk. 15) gehören zu den Gerichtskos-
ten (Art. 95 Abs. 2 lit. d und e ZPO).
1.2. Nach Praxis der Kammer sind die Prozesskosten in den nicht vermögens-
rechtlichen Kinderbelangen den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen, sofern beide
Parteien unter dem Aspekt des Kindesinteresses gute Gründe für ihre jeweiligen
Anträge haben (ZR 84 Nr. 41; Art. 107 lit. c ZPO). Vorliegend sind keine Gründe
- 49 -
ersichtlich, um von dieser Praxis abzuweichen. Da der ebenfalls im Streit liegende
Prozesskostenvorschuss aufwandmässig vernachlässigbar ist, sind die Gerichts-
kosten den Parteien damit je zur Hälfte aufzuerlegen und mit dem vom Gesuch-
steller geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Die Parteientschädigungen
sind wettzuschlagen.
2.1. Im Berufungsverfahren ersucht die Gesuchstellerin um Verpflichtung des
Gesuchstellers zur Leistung eines Prozesskostenbeitrags von Fr. 10'000.– (zu-
züglich 7.7 % Mehrwertsteuer; Urk. 24/1 S. 3). Hinsichtlich der Voraussetzungen
für die Zusprechung eines Prozesskostenbeitrages sowie die Bedürftigkeit der
Gesuchstellerin kann auf die vorstehenden Ausführungen zum erstinstanzlichen
Prozesskostenvorschuss verwiesen werden (vgl. E. III/D.4.1.). Die Leistungsfä-
higkeit des Gesuchstellers ist unbestritten. Demzufolge hat die Gesuchstellerin
auch im Berufungsverfahren einen Anspruch auf einen Prozesskostenbeitrag.
2.2. Auf die Gesuchstellerin entfallen im Berufungsverfahren Gerichtskosten
von Fr. 4'000.– zuzüglich Fr. 397.50 Dolmetscherkosten. Hinzu kommen noch die
eigenen Anwaltskosten. Angesichts von § 13 i.V.m. § 5, § 6 Abs. 1, § 9 und § 11
Abs. 1 und Abs. 2 der Anwaltsgebührenverordnung des Obergerichts vom
8. September 2010 (AnwGebV) erscheint der beantragte Prozesskostenbeitrag
ohne Weiteres angemessen. Aufgrund des ausländischen Wohnsitzes der Ge-
suchstellerin ist dieser jedoch ohne Mehrwertsteuerzuschlag zuzusprechen.