Decision ID: 762d7a60-309e-4f82-a0a2-1bc880957e1d
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1963 geborene
X._
, zuletzt als
selbständigerwerbender
Landwirt tätig (
Urk.
10/21/3),
wurde am
12. September 2012 – unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung – zur Früherfassung
bei der Eidgenössischen Invaliden
versicherung (IV) angemeldet
(Urk. 10/12)
. Am
22. Oktober 2012
stellte er ein Gesuch um Leistungen (berufliche Integration, Rente) der IV
(
Urk. 10/16). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog daraufhin die Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 10/22) bei und traf berufliche, er
werbliche sowie medizinische Abklä
rungen. Nachdem sie ihm am 18. Dezember 2012 mitgeteilt hatte, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen derzeit un
möglich seien (Urk. 10/25), liess sie den Versicherten am 4. November 2013 von Dr. med. Dr.
rer
. nat.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie, untersuchen (vgl. Gutachten vom 23. Januar 2014, Urk. 10/32). In der Folge wies sie das Leistungsbegehren – in Bestätigung ihres Vorbescheids vom 26. Februar 2014 (Urk. 10/36) – mit Verfügung vom 19. September 2014 (Urk. 2) ab.
2.
Gegen diese Verfügung (Urk. 2) liess
X._
am 20. Oktober 2014 Be
schwerde erheben
mit dem sinngemässen Antrag, es seien ihm berufliche Mass
nahmen zu gewähren (Urk. 1, Urk. 5). Die IV-Stelle schloss am 11. Dezember 2014 auf Abweisung der Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 9), was dem Beschwerdeführer am 15. Dezember 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die
Ar
beits
- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127
V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Leistungsverweigerung damit, dass der
Gesundheits
s
chaden
des Beschwerdeführers auf
ungünstigen
psychosozialen Umständen basiere
und daher nicht von invalidenversicherungsrechtlicher Be
deutung sei (Urk. 2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, er leide seit Jahren an einer depressiven Störung von Krankheitswert und bedürfe der Unterstützung
durch die
IV, um ein Arbeitstraining absolvieren, die Belastbar
keit aufbauen und neue berufliche Perspektiven erarbeiten zu können
(Urk. 5)
.
3.
3.1
Nachdem der Beschwerdeführer vom 18. Februar bis 10. Mai 2005 im
A._
hospitalisiert gewesen war, stellten die Ärzte im
Austrittsbe
richt
vom letztgenannten Datum folgende Diagnosen (Urk. 10/32 S. 21):
Mittelgradige depressive Episode bei psychosozialer Belastung, ICD-10 F32.10
Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.8
Beim Beschwerdeführer, der wegen der mitteschweren depressiven Episode (erst
mals) hospitalisiert worden sei
,
sei es vor dem Hintergrund der Umstruktu
rierung des eigenen Bauernbetriebs zu einer zunehmenden Belastung gekom
men
(S. 21 f.)
. Dabei habe er sich
unfähig
gefühlt, die notwendigen Entschei
dungen zu treffen.
Das Gefühl, sich nicht entscheiden und durchsetzen zu kön
nen, präge das berufliche un
d
private Leben des Beschwerdeführers seit Jahren (S. 22).
3.2
Die Ärzte der
B._
,
C._
,
von denen sich der Beschwerdeführer vom 5. bis 13. Oktober 2012 stationär behandeln liess, stellten im Kurzaustrittsbericht vom 11. Oktober 2012 nachstehende Diagnosen (Urk. 10/24 S. 5):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, ICD-10 F33.11, Erstmanifestation im Jahr 2
004
Differentialdiagnose: Burn
out-Syndrom
Anamnestisch selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.8
Der Klinikeintritt sei wegen einer depressiven Symptomatik mit ausgeprägtem Morgentief, Erschöpfung, Appetitverlust und Schlafstörungen bei anhaltenden Belastungen durch den eigenen Bauernbetrieb erfolgt. Im Rahmen der
Kurzhos
pitalisation
sei es dem Beschwerdeführer gelungen, sich etwas von seinem Be
trieb zu distanzieren und zur Ruhe zu kommen.
3.3
Vom 15. Oktober bis 6. Dezember 2012 liess sich der Beschwerdeführer
statio
när in
der
B._
, Depressions- und Angststation, behandeln. Im Austrittsbericht vom 10. Dezember 2012 stellten die
Ärzte
folgende Diagnosen (Urk. 10/32 S. 15):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Epis
ode
mit somatischem Syndrom; ICD-10 F32.11
Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.8; Erstdiagnose im Jahr 2005
Seit Herbst 2011 sei es beim Beschwerdeführer zu einer schleichenden Ver
schlechterung des psychischen Gesundheitszustands gekommen. Auslöser sei ein Velounfall seiner Ehefrau gewesen; deren – durch einen Spitalaufenthalt bedingte – Abwesenheit von zu Hause und der Wegfall ihrer Einkünfte hätten den Beschwerdeführer belastet. Im Frühsommer 2012 habe er zudem festgestellt, dass ihm im Zusammenhang mit Auseinan
dersetzungen mit Kunden – den
Be
sitzer
n
von Polopferden
-
das Durchsetzungsvermögen fehle. Nach seinen An
gaben gebe es „viele Baustellen“ im Betrieb. Ab Sommer 2012 habe sich dann zunehmend eine depressive
Symptomatik mit
ausgeprägter Antriebsschwäche,
Anhedonie
und schwerem Morgentief entwickelt,
d
ie
im Herbst
während der
F
erien
a
bwesenheit der Ehefrau
exazerbiert
sei.
Im Rahmen der psychotherapeu
tischen Einzelgespräche hätten sich als aktuelle Belastungsfaktoren finanzielle Sorgen und die bevorstehenden notwendigen Veränderungen in der Betriebs
führung des Bauernhofs gezeigt (S.
16
). Im Verlauf des stationären Aufenthalts
habe eine Verbesserung der depressiven Symptomatik erreicht werden können. Da deutlich geworden sei, da
ss der Beschwerdeführer in der Zeit nach dem Kli
nika
ustritt der Unterstützung bedürfe, sei – im Hinblick auf die konkrete Pla
nung des Alltags auf dem Hof und
das Führen eines Erfolgstagebuchs zur Ver
besserung des Selbstwert
gefühl
s
–
eine
Betreuung durch
eine psychiatrische Spitex organisiert worden
(S. 1
7
)
.
3.
4
Med.
pract
.
D._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, stellte am 29. November 2012 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Urk. 10/24 S. 1):
Rezidivierende depressive Störung, ICD-10 F33.11; bestehend seit 2004
Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.8
In der angestammten Tätigkeit als Landwirt bestehe seit 20. Juni 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Aus medizinischer Sicht sei
dem Beschwerdeführer
diese Arbeit noch zu 50 bis 60 % zumutbar (S. 2).
3.
5
Nachdem sich der Beschwerdeführer vom 4. Februar bis 10. März 2013 stationär in der
E._
, Rehabilitationszentrum, hatte behandeln lassen, stellten die Ärzte im Austrittsbericht vom 12. April 2013 folgende Diag
nosen (Urk. 10/2
7
S. 6):
Rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig mittelgradige Episode
mit somatischem Syndrom, ICD-10 F32.11
Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.8; Erstdiagnose im Jahr 2005
Verdacht auf
Presbyakusis
Beim Beschwerdeführer, der schon im Jahr 2005 an einer – damals psychiat
risch behandelten - depressiven Episode gelitten habe, sei es aufgrund erhöhter betrieblicher Anforderungen zu einem Rückfall gekommen.
Bei seiner Tätigkeit auf dem eigenen
Bauernhof
fühle er sich – im Zusammenhang mit der Organi
sation der Pferdehaltung – chronisch überlastet; finanzielle Schwierigkeiten wirkten sich derzeit noch zusätzlich belastend
aus.
Der Beschwerdeführer habe 1997 wegen einer Überforderungssituation einen „Nervenzusammenbruch“ er
litten, sich davon aber nach relativ kurzer Zeit wieder erholt. Im Jahr 2005 sei es dann aufgrund eines Burnout-Syndroms erstmals zu einer rund
dreimonati
gen
Hospitalisation
im
A._
gekommen. In der Folge habe er sich kurzzeitig
einer
ambulant
en Therapie bei
e
inem Psychiater unterzogen. Seither erfolge die Behandlung der psychischen Be
schwerden durch den Haus
arzt med.
pract
.
D._
(S. 6). Im Rahmen des Klinikaufenthalts habe keine wesentliche Veränderung der psychischen Verfassung erzielt werden können. Der Beschwerdeführer zeige wenig Antrieb und Eigeninitiative zur Veränderung
seiner beruflichen und damit auch finanziellen Situation.
Er sei motiviert aber unsicher, ob er es schaffen werde, die im Rahmen der stationären Therapie ge
wonnenen
Erk
enntnisse in seine
n
Alltag integrieren zu können. Vom 24. Februar bis 24. März 2010 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (S. 7).
3.6
Med.
pract
.
D._
gab a
m 15. Mai 2013 an,
in diagnostischer H
insicht sei es seit
seiner
Berichterstattung im November 2012 zu keiner Veränderung gekom
men (Urk. 10/27 S. 1). Weiterhin bestehe
– auch in einer
behinderungsange
passten
Tätigkeit -
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit; das Leistungsvermögen sei aufgrund von Angst und der Depression eingeschränkt (S. 2
f.
).
3.
7
Gestützt auf die Ergebnisse der
Untersuchung vom 4. November 2013 stellte
der Psychiater
Dr.
Z._
in seiner Expertise vom 23. Januar 2014 folgende Diagnosen (Urk. 10/32 S. 12):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode; ICD-10 F32.0
Akzentuierte Persönlichkeitszüge vo
m
abhängigen Typus, ICD-10 Z73.1
Der Explorand habe - etwa ein Jahr nach der Übernahme des Hofs von seinem Vater – 1998 einen „Nervenzusammenbruch“ erlitten
, von dem er sich nach wenigen Tagen wieder erholt habe. Als sich in den Jahren danach herauskris
tallisiert habe, dass seine Kinder sich kaum für die Landwirtschaft interessierten und seine Eltern nicht mehr mithelfen konnten, habe eine schleichende depres
sive Entwicklung ei
ngesetzt. Noch während der ersten deswegen erfolgten
Hos
pitalisation
im
A._
sei der Beschwerdeführer
angefragt worden, ob er P
olop
ferde in Pension nehm
en würde. Er habe die
Milchviehhal
tung
daraufhin aufgegeben und fortan insgesamt 24 Pferde versorgt
.
Weil das Halten von Polopferden nicht als landwirtschaftliche Nutzung gelte,
habe
dies
zu Schwierigkeiten mit
den Behörden und schliesslich zu
einem
verwaltungs
rechtlichen
Verfahren geführt.
Wohl im Zusammenhang mit diesen Problemen seien erneut depressive Symptome aufgetreten.
Ab dem
Winter 2011/12
habe
es ihm
dann
zunehmend Mühe
bereitet
, die Pferde adäquat zu betreuen. Am 26. Juni 2012 habe er wegen Morgentiefs, Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Selbstzweifeln und Gedankenkreisen seinen Hausarzt konsultiert
, welcher ihn seither im Rahmen wöchentlicher Gespräche betreue und
ihm
eine
antidepres
sive
Medikation verordne. Trotz dieser Massnahmen habe sich sein Gesund
heitszustand zusehends verschlechtert (S. 9).
Von zirka Juli 2012 bis zirka Au
gust 2013 sei der Beschwerdeführer wahrscheinlich zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen. Seit
her
bestehe sowohl in der angestammten als auch in einer Ver
weistätigkeit eine 50%ige
Arbeitsunfähigkei
(S. 12).
3.8
Nach Kenntnisnahme des Vorbescheids vom 26. Februar 2014 (Urk. 10/36) hielt med.
pract
.
D._
in seinem Schreiben an die IV-Stelle vom 11. Juli 2014 (Urk. 10/41) fest,
die beiden depressiven Episoden im Frühjahr 2005 und im Herbst 2012 hätten grundverschiedene Auslöser gehabt. Dass die Erwerbsunfä
higkeit mit rein psychosozialen Aspekten zu erklären und nicht auf eine eigent
liche invalidisierende Erkrankung zurückzuführen sei, sei unzutreffend. Als Hauptdiagnose liege eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittel
schwere Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.11)
,
bei
selbstunsi
chere
r
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) vor. Zu beachten sei zudem, dass der Beschwerdeführer insofern eine belastete Familienanamnese aufweise, als seine Mutter an einer depressiven Störung erkrankt sei.
3.9
Dr. med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, und
die seit 4. Oktober 2013 behandelnde Psychologin
Dr. phil.
G._
stellten am 4. Juli 2014 folgende Diagnosen (Urk. 10/44 S. 5):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom, ICD-10 F32.11
Selbstunsichere Persönlichkeit, ICD-10 F60.8
Die IV-Stelle sei davon ausgegangen, dass der Gesundheitsschaden auf psychoso
zialen Umständen basiere. Dem sei entgegenzuhalten,
dass
der Be
schwerdeführer an rezidivierenden depressiven Episoden leide und deswegen schon verschiedentlich hospitalisiert gewesen sei. Die Gründe, welche zu den depressiven Episoden geführt hätten, seien stets unterschiedlich gewesen. Aus der Familienan
amnese sei zudem zu schliessen
, dass wahrscheinlich eine here
ditäre Belastung vorliege
(S. 5 f.)
.
Es bestehe auch eine erhöhte Vulnerabilität, die den Beschwerdeführer dünnhäutiger und empfindlicher mache
. Die Situation auf seinem Hof sei derzeit unerfreulich und mache ihm zu schaffen, sie sei aber nicht der Grund der depressiven Erkrankung. Durch erschütternde Ereignisse könne wohl eine depressive Episode, nicht aber die Krankheit an sich ausgelöst werden.
Der Auslöser für die zur ersten
Hospitalisation
im Jahr 2005 führende Symptomatik sei der – für den Beschwerdeführer sehr schmerzhafte – Verkauf der Kühe gewesen. Im Jahr 2012 sei es zu einer Episode gek
ommen, weil seine Ehefrau, die nach einem Sturz vom Velo habe hospitalisiert werden müssen, vorübergehend nicht zu Hause gewesen sei. Derzeit bestehe ein ihn sehr belas
tendes Problem mit der Mieterin des Pferdestalls. Während ein gesunder Mensch in der Lage sei, mit derartigen Belastungen umzugehen, sei eine vulnerable
Person, insbesondere wenn sie an einer depressiven Erkrankung leide, dazu oftmals ausserstande (S. 6).
3.
10
Nach erneuter stationärer Behandlung des Beschwerdeführers vom 20. März bis 12. Juni 2014 stellten die Ärzte der
B._
, Depressions- und Angststation, im Austrittsbericht vom 18. Juli 2014 nachstehende Diagnosen (Urk. 10/44 S. 1):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, ICD-10 F33.1
Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.8; Erstdiagnose im Jahr 2005
Der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er selbständiger Landwirt sei und seit mehreren Monaten unter psychosozialem Druck stehe. Auslöser der aktuel
len depressiven Symptomatik seien Schwierigkeiten und Zukunftsängste wegen der Misswirtschaft seiner Geschäftspartnerin. Diese Problematik in der Familie habe auch zur angespannten Situation geführt (S. 1 f.). In den Gesprächen habe sich der Beschwerdeführer
zu Beginn eingeengt auf die Situation in seinem Be
trieb gezeigt. In der Psychotherapie seien Alltagsthemen wie Probleme auf dem Hof und die Suche nach einer angenehmen Beschäftigung beziehungsweise Ar
beit thematisiert worden. Vor diesem Hintergrund sei auch der in der Klinik
H._
begonnene Arbeitsversuch bei einem Landmaschinenmechaniker weiter
geführt worden. Im Rahmen eines Paargesprächs habe die Ehefrau des Be
schwerdeführers zum Ausdruck gebracht, dass sie – wie dieser auch – den Hauptgrund
für die
depressive Entwicklung
in den
Schwierigkeiten auf dem
Hof mit einer Pferdehalterin sehe
(S. 2 f.)
.
Die mittelgradige depressive Episode bei rezidivierender depressiver Störung sei im Zusammenhang mit psychosozialen Belastungsfaktoren (Hof, Zusammenarbeit mit Pferdehalterin) auf dem Boden einer selbstunsicher-vermeidenden Persönlichkeitsstruktur mit ausgeprägtem
Ambivalenzkonflikt
zu sehen (S. 3).
4.
4.1
Aus den medizinischen Berichten geht übereinstimmend hervor, dass der Be
schwerdeführer an einer rezidivierenden depressiven Störung leidet. Eine über
dies bestehende selbstunsichere Persönlichkeitsstörung, wie sie von den behan
delnden Ärzten
(teilweise unter Hinweis auf die anamnestischen Angaben)
di
agnostiziert wurde
(vgl. etwa Urk. 10/24 S. 5, Urk. 10/32 S. 15 und S. 21)
, schloss der Gutachter Dr.
Z._
mit überzeugender Begründung aus. Die entsprechende Symptomatik ist, wie der genannte Experte durchaus einleuch
tend darlegte, vielmehr vor dem Hintergrund akzentuierter Persönlic
hkeitszüge
vom abhängigen Typus
zu sehen
(vgl. Gutachten vom 23. Januar 2014, Urk. 10/32 S. 11 ff.).
Diese sind in der I
nternationale
n
statistische
n
Klassifika
tion der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD
) unter dem Code Z73.1 aufgeführt. Da es
sich bei den
Z-Kodierungen
um keine
invaliden
versicherungs
rechtlich erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigun
gen handelt,
fallen sie
als Anspruchsgrundlage für Leistungen der IV von vornherein ausser Betracht (vgl.
hiezu
etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 9. April 2014 E. 3.1 mit Hinweisen).
4.2
Hinsichtlich der
depressiven Störung steht aufgrund der aktenkundigen
Arztbe
richte
fest
, dass
sowohl die im Jahr 2005
behandelte
erste
als auch die im Jahr 2012 aufgetretene
zweite
depressive Episode
mit
ungünstige
n
psychosoziale
n
Faktoren
zu erklären sind. Zu erwähnen sind dabei namentlich die dem
Be
schwerdeführer nicht entsprechende
Arbeit
als selbständiger Landwirt an sich (
Gutachten Dr.
Z._
vom 23. Janua
r 2014
[
Urk. 10/32 S. 9
] und
Aus
trittsbericht
B._
vom 10. Dezember 2012 [Urk. 10/32 S. 16]
)
und
das
aus dieser
Tätigkeit
resultierende
Gefühl der
chronische
n
Überlastung
respektive Überfor
derung
(
Austrittsbericht
E._
vom 12. April 2013
,
U
rk
.
10/
2
7
S. 6
)
, Veränderungen
und Schwierigkeiten mit den Behörden
im Zusammenhang mit
der Umstrukturierung
d
es
Bauernbetriebs
(vgl. Bericht
A._
vom 10. Mai 2005
[
Urk. 10/32 S. 21 f.
], Gutachten Dr.
Z._
vom 23. Januar 2014 [Urk. 10/32 S. 9]
, Bericht Dr.
F._
und Dr. phil.
G._
vom 4. Juli 2014 [Urk. 10/44 S. 6]
)
, finanzielle
Probleme
bezie
hungsweise Existenzängste
(
Bericht
B._
vom 10. Dezember 2012 [Urk. 10/32 S. 16]
, Austrittsbericht
E._
vom 12. April 2013 [Urk. 10/2
7
S. 6
f.
]
, telefonische Angabe Dr. phil.
G._
vom 2. Dezember 2013 [Urk. 10/32 S. 8]
),
der
temporäre Klinik
- respektive Ferien
aufenthalt der Ehefrau
beziehungsweise deren dadurch bedingte Abwesenheit
im Herbst 2011 (
Aus
trittsbe
richt
B._
vom 10. Dezember 2012
[
Urk. 10/32 S. 16
], Bericht Dr.
F._
und Dr. phil.
G._
vom 4. Juli 2014 [Urk. 10/44 S. 6]
), Auseinandersetzungen mit Kunden (
Austrittsbericht
B._
vom 10. Dezember 2012 [Urk. 10/32 S. 16])
beziehungsweise Probleme mit einer Mieterin des Pferdestalls (
Bericht Dr.
F._
und Dr. phil.
G._
vom 4. Juli 2014 [Urk. 10/44 S. 1 und S. 6]
)
so
wie
Schwierigkeiten und Zukunftsängste aufgrund der Misswirtschaft der Ge
schäftspartnerin (
Austrittsbericht
B._
vom 18. Juli 2014
[Urk. 10/44 S. 1 ff.
)
.
Nachdem der Beschwerdeführer selbst die erste depressive Episode am 26. September 2012 als „Burnout“ (Urk. 10/13 S. 1) bezeichnet hatte, gaben er und
seine Ehefrau
i
m Frühjahr 2014
gegenüber den Ärzten des
B._
ü
berein
stimmend an
,
dass der Hauptg
rund für die depressive
Symptomatik in
den Schwierigkeiten auf dem Hof mit einer Pferdehalterin zu sehen sei (Urk. 10/44 S. 3).
Anhaltspunkte für ein unabhängig von den mit ungünstigen psychosoziale
n
Gegebenheiten zu erklärenden Episoden bestehendes
(erhebliches)
depressives Grundleiden gibt es keine. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang darauf, dass der Beschwerdeführer vor der ersten depressiven Episode im Jahr 2005
nach Lage der Akten nie wegen psychischer Beschwerden in ärztlicher Behand
lung gestanden
hatte
. Aktenkundig ist einzig, dass es schon 1997 – wegen einer Überforderungssituation
(und damit ebenfalls wegen ungünstiger psychosozialer Umstände)
– zu einem „Nervenzusammenbruch“ g
ekommen war;
von diesem erholte sich der Beschwerdeführer indes in der Folge nach eigenen Angaben in
ne
rt weniger Tage spontan wieder gänzlich
(vgl.
hiezu
Urk.
10/32 S. 20)
. Auch nach der
r
und acht Jahr
e
später
aufgrund einer psychosozialen Belastungssitu
ation
aufgetretenen
(Urk. 10/32 S. 21)
ersten depressiven Episode kam es
wieder
zu einer vollständigen Remission der Beschwerden.
So stand der Beschwerde
führer nach dem Austritt aus dem
A._
am 10. Mai 2005 (Urk. 10/32 S. 21) nur noch während rund eines Jahr
e
s in ambulanter
Psycho
t
herapie und setzte dann auch die medikamentöse Behandlung ab, weil es ihm
nach eigenen Angaben
wieder gut g
ing
(Urk. 10/32 S. 6). Bis
am 26.
Juni 2012 (vgl. Urk.
10/24
S. 6)
fanden
daraufhin nach Lage der Akten keine
Arztkonsul
tationen
wegen psychischer Beschwerden mehr
statt
, und der Beschwerdeführer war voll arbeitsfähig
.
Dass es im Rahmen der
- erneut durch ungünstige Le
bensumstände ausgelösten (vgl. etwa Urk. 10/24 S. 5, Urk. 10/32 S. 16
f.
)
bezie
hungsweise gemäss der behandelnden Psychologin vor dem Hintergrund eines „Wahnsinnsstresses“ wegen der Bedingungen in der Landwirtschaft und zudem starker Existenzängste zu sehenden (vgl. Urk. 10/32 S. 8)
–
zweiten
depressiven Episode im Sommer 2013
nach einer rund einjährigen Phase gänzlicher Ar
beitsunfähigkeit (Urk. 10/266 S. 2)
zu einer mit dem Wiedererlangen einer 50%igen Arbeitsfähigkeit einhergehenden Beschwerdebesserung kam, erklärte med.
pract
.
D._
anlässlich des Telefongesprächs mit dem Gutachter Dr.
Z._
vom 4. November 2013
einzig
damit, dass die psychosozial be
dingte Anspannung sich wieder etwas gelöst habe (Urk. 10/32 S. 7).
Insofern ist davon auszugehen, dass die durch ungünstige psychosoziale Um
stände verursachte
psychische Störung de
s
Beschwerdeführer
s
bei Wegfall der Belastungsfaktoren mit überwiegender Wahrscheinlichkeit wieder verschwände
.
Aus dem Austrittsbericht der
B._
vom 18. Juli 2014 geht denn auch hervor, dass die Ärzte sich am ehesten durch einen Berufswechsel, mithin
durch
eine Veränderung der psychosozialen Situation, und nicht durch medizinische Mass
nahmen eine nachhaltige Beschwerdebesserung erhofften
(Urk. 10/44 S. 2 f.; vgl.
hiezu
auch Austrittsbericht
E._
vom 12. April 2013 [Urk. 10/27 S. 7])
. Vor diesem Hintergrund dürfte auch die von ihnen initiierte Weiterführung des –
wohl aus den nämlichen Überlegungen
schon von den Ärzten des
A._
veranlassten – Arbeitsversuchs bei einem Landmaschinenmechaniker zu sehen sein (vgl. Urk. 10/44 S. 2 f.). Anzumerken ist
hiezu
, dass der Beschwerdeführer
, der
angab, „nicht der Unternehmer“ zu sein (Urk. 10/32 S. 16)
und
einer straffen Leitung zu bedürfen
(Urk. 10/32 S. 9)
, sich
offenbar
durchaus bewusst ist, dass er als selbständiger Landwirt eine sei
nem Naturell
(
klar
)
entgegenstehende Tätigkeit ausübt.
4.3
Da ein klinisches Beschwerdebild, das (einzig) von belastenden psychosozialen und soziokulturellen Faktoren herrührt, rechtsprechungsgemäss nicht als
invali
denversicherungsrechtlich
relevante Beeinträchtigung zu verstehen ist, vermag die psychische Störung de
s
Beschwerdeführer
s
keinen
Leistungs
anspruch zu be
gründen (E.
1.
3
).
Dass die – nach Lage der Akten
fast ausnahmslos
mit der be
ruflichen Tätigkeit als selbständiger Landwirt in Zusammenhang stehenden
–
konkreten
b
elastenden Umstände
variieren (Urk. 10/41, Urk. 10/44 S. 5),
ändert
daran e
benso
wenig
wie der Umstand, dass die Familienanamnese des Be
schwerdeführers mit depressiven Erkrankungen belastet ist (vgl. Urk. 10/41, Urk. 10/44 S. 5 f.).
Die Beschwerde ist demnach
abzuweisen.
5.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten in Höhe von Fr. 700.-- dem Beschwerdeführer aufzuer
legen.