Decision ID: 8b24c31d-1aa0-5435-b2b2-886c74114560
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._ besuchte in den Jahren 2008 und 2010 anteilsmässig die Rek-
rutenschule. Im Jahr 2015 hat er seine Ausbildungsdienstpflicht mit 260
Diensttagen erfüllt. Die Entlassung aus dem Militärdienst erfolgte auf Ende
des Jahres 2020. Im Hinblick auf die militärische Entlassungsveranstaltung
per [...] 2020 in B._ gelangte A._ am 28. Oktober 2020 an
das Armeelogistikcenter C._ und ersuchte darum, seine persönli-
che Waffe (Sturmgewehr [Stgw] 90 Nr. [...]) zu Eigentum übernehmen zu
können. Am 29. Oktober 2020 wurde A._ an die zuständige Stelle
innerhalb der Logistikbasis der Armee (LBA) verwiesen, weshalb er das
erwähnte Gesuch dort gleichentags erneut einreichte.
B.
Am 4. November 2020 teilte die LBA A._ mit, dass er die gesetzli-
chen Voraussetzungen für die Übernahme der persönlichen Waffe zu Ei-
gentum nicht erfülle, weil der erforderliche Schiessnachweis nicht erbracht
worden sei. Eine Dispensation vom Schiessnachweis aus gesundheitli-
chen oder anderen Gründen sei nicht möglich.
C.
Mit Eingabe vom 4. November 2020 ersuchte A._ die LBA um Er-
lass einer beschwerdefähigen Verfügung. Diese wies mit Verfügung vom
16. November 2020 sein Gesuch auf Überlassung der persönlichen Waffe
(Stgw 90 Nr. [...]) zu Eigentum ab und stellte fest, dass er die Vorausset-
zungen für die Übernahme des Sturmgewehrs 90 (Nr. [...]) oder einer an-
deren Waffe aus dem Bestand der Schweizer Armee zu persönlichem Ei-
gentum nicht erfülle. Zudem forderte die LBA A._ auf, das Sturm-
gewehr 90 (Nr. [...]) anlässlich der militärischen Entlassung am [...] 2020
in B._ zurückzugeben. Ferner wies sie ihn darauf hin, dass die
Nichtbefolgung der Aufforderung strafrechtliche Folgen habe und er mit
Busse bestraft werden könne. Schliesslich entzog sie einer möglichen Be-
schwerde die aufschiebende Wirkung.
D.
Gegen diese Verfügung erhebt A._ (nachfolgend: Beschwerdefüh-
rer) am 17. November 2020 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht
und beantragt in materieller Hinsicht deren Aufhebung sowie die Berechti-
gung zur Übernahme der persönlichen Waffe (Stgw 90 Nr. [...]). Er macht
geltend, die LBA (nachfolgend: Vorinstanz) habe eine Übergangsbestim-
mung nicht angewandt, weshalb er den Schiessnachweis nicht erbringen
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müsse, und sie habe diesbezüglich die Anforderungen an die Begrün-
dungspflicht verletzt. Zudem sei der erforderliche Schiessnachweis unver-
hältnismässig, willkürlich und diskriminierend. Diesen habe er aus gesund-
heitlichen Gründen nicht erbringen können. In prozessualer Hinsicht bean-
tragt er die unentgeltliche Rechtspflege für das vorliegende Beschwerde-
verfahren sowie die Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung mittels
superprovisorischer Massnahme. Schliesslich beantragt er die Durchfüh-
rung einer öffentlichen Parteiverhandlung, die Einholung eines gerichtli-
chen Gutachtens über seine Schiessfertigkeiten sowie die Befragung einer
Sachbearbeiterin des Armeelogistikcenters C._ als Zeugin.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 20. November 2020 heisst das Bundesverwal-
tungsgericht das Gesuch des Beschwerdeführers um superprovisorische
Massnahme insofern gut, als die Vorinstanz die Waffe des Beschwerdefüh-
rers (Stgw 90 Nr. [...]) nach der am [...] 2020 zu erfolgenden Rückgabe bis
zum Abschluss des vorliegenden Beschwerdeverfahrens in geeigneter
Weise aufzubewahren hat. Darüber hinaus weist es das Gesuch ab.
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 21. Dezember 2020 beantragt die Vorinstanz
die Abweisung der Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
G.
Am 28. Dezember 2020 bestätigt das Bundesverwaltungsgericht, dass die
Waffe des Beschwerdeführers als vorsorgliche Massnahme bis zum Ab-
schluss des vorliegenden Beschwerdeverfahrens in der Retablierungs-
stelle B._ verwahrt bleibt.
H.
Mit Eingabe vom 15. Januar 2021 beantragt der Beschwerdeführer insbe-
sondere, es sei der von der Vorinstanz eingereichte Auszug vom 3. De-
zember 2020 aus dem Personalinformationssystem der Armee und des Zi-
vilschutzes (PISA) betreffend Schiesspflicht/Disziplinarstrafen aus dem
Recht zu weisen und den Strafverfolgungsbehörden im Sinne einer Straf-
anzeige wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung und Verletzung
von militärischen Vorschriften zu übergeben.
I.
Mit Schlussbemerkungen vom 27. Januar 2021 schliesst die Vorinstanz auf
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Abweisung der Beschwerde. Die Übermittlung der Verfahrensakten inkl.
PISA-Auszug an das Bundesverwaltungsgericht sei rechtmässig gewesen.
J.
Mit unaufgefordert eingereichter Eingabe vom 30. Januar 2021 hält der Be-
schwerdeführer an seinen Anträgen sowie an seinen Ausführungen betref-
fend den PISA-Auszug fest.
K.
Mit Eingabe vom 2. Februar 2021 teilt der zuständige Untersuchungsrich-
ter dem Bundesverwaltungsgericht mit, dass der Beschwerdeführer am
15. Januar 2021 eine Privatstrafanzeige gegen den Chef der LBA wegen
Preisgabe von Daten aus dem PISA anlässlich des vorliegenden Verfah-
rens eingereicht habe. Er beantragt die rechtshilfeweise Edition der Ver-
fahrensakten. Mit Verfügung vom 10. Februar 2021 heisst das Bundesver-
waltungsgericht das Gesuch gut und stellt die verlangten Akten zu.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom
20. Dezember 1968 (VwVG, SR 172.021), sofern eine Vorinstanz im Sinne
von Art. 33 VGG entschieden hat und keine Ausnahme nach Art. 32 VGG
gegeben ist.
Die angefochtene Verfügung stützt sich auf Art. 29 der Verordnung vom
21. November 2018 über die persönliche Ausrüstung der Armeeangehöri-
gen (VPAA, SR 514.10) und damit auf öffentliches Recht des Bundes. Sie
stellt daher eine Verfügung im Sinne von Art. 5 VwVG dar. Die LBA ist eine
Organisationseinheit des Eidgenössischen Departements für Verteidigung,
Bevölkerungsschutz und Sport (VBS, vgl. Anhang 1 Bst. B Ziff. IV.1.4.3 der
Regierungs- und Verwaltungsorganisationsverordnung vom 25. November
1998 [RVOV, SR 172.010.1]). Sie gehört somit zu den Behörden nach
Art. 33 Bst. d VGG und ist eine Vorinstanz des Bundesverwaltungsge-
richts. Eine Ausnahme nach Art. 32 VGG liegt nicht vor, weshalb das Bun-
desverwaltungsgericht zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zu-
ständig ist. Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich
nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes vorsieht (Art. 37 VGG).
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Seite 5
1.2 Zur Beschwerde ist berechtigt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren
teilgenommen oder keine Möglichkeit zur Teilnahme erhalten hat, durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt ist und ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Der
Beschwerdeführer ist als formeller Adressat der angefochtenen Verfügung
materiell beschwert und deshalb zur Beschwerde befugt.
1.3 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(Art. 50 und 52 VwVG) ist einzutreten.
2.
Das Bundesverwaltungsgericht überprüft den angefochtenen Entscheid
auf Verletzung von Bundesrecht – einschliesslich der unrichtigen oder un-
vollständigen Feststellung des Sachverhalts und Überschreitung oder
Missbrauch des Ermessens – sowie grundsätzlich auch auf Angemessen-
heit hin (Art. 49 VwVG). Die Rechtsanwendung erfolgt von Amtes wegen,
ohne Bindung an die Parteibegehren (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
3.
Vorab ist auf die prozessualen Anträge des Beschwerdeführers einzuge-
hen, soweit sich deren Behandlung nicht bei den materiellen Rügen auf-
drängt.
3.1 Der Beschwerdeführer beantragt die Durchführung einer öffentlichen
Parteiverhandlung. Als Begründung führt er an, dass ihm diese als verfas-
sungsmässiges Recht zustehe.
3.1.1 Der Instruktionsrichter ordnet gemäss Art. 40 Abs. 1 VGG eine öffent-
liche Parteiverhandlung an, wenn eine Partei es verlangt oder gewichtige
öffentliche Interessen es rechtfertigen, und soweit zivilrechtliche Ansprü-
che oder strafrechtliche Anklagen im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention
vom 4. November 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfrei-
heiten (EMRK, SR 0.101) zu beurteilen sind.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bezieht sich Art. 6 Ziff. 1
EMRK nicht nur auf zivilrechtliche Streitigkeiten im engeren Sinne (Strei-
tigkeiten zwischen Privaten oder zwischen Privaten und dem Staat in sei-
ner Eigenschaft als Subjekt des Privatrechts), sondern betrifft auch Verwal-
tungsakte einer hoheitlich handelnden Behörde, sofern diese massgeblich
in Rechte und Verpflichtungen privatrechtlicher Natur eingreifen. Dabei
wird verlangt, dass die Streitigkeit echt und ernsthafter Natur ist und deren
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Seite 6
Ausgang sich für einen zivilrechtlichen Anspruch als unmittelbar entschei-
dend erweist; bloss weit entfernte Auswirkungen reichen nicht aus (BGE
130 I 388 E. 5.1 mit Hinweisen).
3.1.2 Ein Eingriff in das Eigentumsrecht des Beschwerdeführers ist bereits
deshalb zu verneinen, weil die persönliche Waffe nicht in seinem Eigentum
steht (Art. 114 Abs. 1 des Militärgesetzes vom 3. Februar 1995 [MG,
SR 510.10]). Das Verwaltungsrecht definiert lediglich Voraussetzungen für
die Überlassung eines Sturmgewehrs zu Eigentum im Zusammenhang mit
der Beendigung des Militärdienstes. Erst recht liegt kein massgeblicher
Eingriff vor. Der vom Beschwerdeführer seiner persönlichen Waffe (Stgw
90 Nr. [...]) zugemessene, subjektive Wert ändert daran nichts. Eine Strei-
tigkeit im Sinne von Art. 6 Ziff. 1 EMRK liegt damit nicht vor. Des Weiteren
sind die vom Gericht zu beurteilenden Fragen ausschliesslich rechtlicher
Natur, so dass eine persönliche Befragung der Parteien von vornherein
überflüssig erscheint (vgl. hierzu BGE 134 I 331 E. 2.1). Der Antrag auf
Durchführung einer öffentlichen Parteiverhandlung ist abzuweisen.
3.2 Der Beschwerdeführer beantragt weiter die Zeugeneinvernahme einer
Sachbearbeiterin des Armeelogistikcenters C._. Zur Begründung
führt er aus, die Zeugin könne darlegen, dass sich viele Soldaten nur
schwer von ihrer persönlichen Waffe trennen können. Zudem sei die Zeu-
gin zu befragen, ob in der Vergangenheit in anderen Fällen vom Erfordernis
des Schiessnachweises abgesehen worden sei. Diesfalls bestehe ein An-
spruch auf Gleichbehandlung im Unrecht. In diesem Zusammenhang seien
sämtliche von der Vorinstanz in den letzten zehn Jahren entschiedenen
Rekurse einzureichen.
3.2.1 Das Verwaltungsverfahren ist vom Grundsatz der Schriftlichkeit ge-
prägt (MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, 2. Aufl. 2013, S. 182 f. Rz. 3.85/3.86). Die Anordnung einer
Zeugeneinvernahme ist deshalb nur zulässig, falls sich ein Sachverhalt auf
andere Weise nicht hinreichend abklären lässt (Art. 14 Abs. 1 VwVG). In-
sofern handelt es sich bei der Zeugeneinvernahme um ein subsidiäres Be-
weismittel.
3.2.2 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet den Sachverhalt aufgrund
der Akten als genügend erstellt. Entgegen dem Vorbringen des Beschwer-
deführers kann die beantragte Zeugeneinvernahme voraussichtlich keine
neuen Tatsachen hervorbringen, die die gewonnene Überzeugung erschüt-
tern könnten. Der Antrag zur Zeugeneinvernahme ist daher in antizipierter
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Seite 7
Beweiswürdigung abzuweisen (BGE 131 I 153 E. 3 mit Hinweisen). Soweit
der Beschwerdeführer mit seinen Beweisanträgen eine mögliche Ungleich-
behandlung im Vergleich zu anderen Fällen beweisen möchte, sind seine
Anträge zudem als ein reines Beweisausforschungsbegehren ("fishing ex-
pedition") einzustufen, das weder auf konkreten Anhaltspunkten noch auf
hinreichend substantiierten Sachverhaltsvorbringen basiert (vgl. hierzu Ur-
teil des BVGer B-253/2012 vom 8. März 2012 E. 4.11). Ebenso ist der An-
trag zur Edition sämtlicher von der Vorinstanz in den letzten zehn Jahren
entschiedenen Rekurse abzuweisen.
3.3 Ferner beantragt der Beschwerdeführer, der von der Vorinstanz einge-
reichte PISA-Auszug sei aus dem Recht zu weisen und den Strafverfol-
gungsbehörden im Sinne einer Strafanzeige zu übergeben. Als Begrün-
dung führt er einen Verstoss gegen Art. 17 Abs. 2 des Bundesgesetzes
vom 3. Oktober 2008 über die militärischen Informationssysteme (MIG,
SR 510.91) an, da der entsprechende PISA-Auszug Daten aus der
Schiesspflicht ausser Dienst beinhalte, die länger als fünf Jahre aufbewahrt
worden seien. Des Weiteren handle es sich beim PISA-Auszug um ein un-
zulässiges echtes Novum.
3.3.1 Das MIG kennt mit Art. 16 eine explizite gesetzliche Grundlage für die
Bekanntgabe von Daten des PISA. Demgemäss geben die Gruppe Vertei-
digung und die für den Zivilschutz zuständigen Stellen von Bund und Kan-
tonen aus ihrem Bereich die Daten des PISA Dritten bekannt, soweit dies
zur Erfüllung ihrer gesetzlichen oder vertraglichen Aufgaben notwendig ist
(Art. 16 Abs. 2 Bst. d MIG).
3.3.2 Die Vorinstanz ist Teil der Gruppe Verteidigung (vgl. Anhang 1 Bst. B
Ziff. IV.1.4 RVOV) und im vorliegenden Verfahren vor Bundesverwaltungs-
gericht verpflichtet, an der Feststellung des Sachverhalts mitzuwirken
(Art. 13 Abs. 1 VwVG). Im Weiteren hat das Bundesverwaltungsgericht die
Vorinstanz mit Zwischenverfügung vom 25. November 2020 aufgefordert,
die gesamten Akten des Falles einzureichen. Insofern durfte und musste
die Vorinstanz den PISA-Auszug dem Bundesverwaltungsgericht grund-
sätzlich übermitteln, dies auch vor dem Hintergrund, dass im Verfahren vor
Bundesverwaltungsgericht sowohl echte wie auch unechte Noven zulässig
sind (Art. 32 Abs. 2 VwVG; statt vieler BVGE 2009/9 E. 3.3.1; Urteil des
BVGer A-688/2018 vom 1. Oktober 2018 E. 3.1). Ob in Bezug auf die Da-
ten im PISA-Auszug, die älter als fünf Jahre sind, ein Verstoss gegen
Art. 17 Abs. 2 MIG vorliegt, kann für das vorliegende Beschwerdeverfahren
offenbleiben, da diese Daten ohnehin nicht entscheidrelevant sind.
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Seite 8
3.3.3 Aufgrund der Privatstrafanzeige des Beschwerdeführers vom 15. Ja-
nuar 2021 hat die zuständige Strafverfolgungsbehörde die Durchführung
der vorläufigen Beweisaufnahme eingeleitet. Mit Verfügung vom 10. Feb-
ruar 2021 hat das Bundesverwaltungsgericht die Verfahrensakten inkl. den
PISA-Auszug rechtshilfeweise übermittelt (vgl. Sachverhalt, Bst. K). Inso-
fern wurde dem Antrag des Beschwerdeführers, der PISA-Auszug sei der
Strafverfolgungsbehörde zu übergeben, bereits entsprochen. Damit erüb-
rigt sich eine weitere Information der zuständigen Strafverfolgungsbe-
hörde, zumal diese bereits Kenntnis vom Sachverhalt erlangt und ein Ver-
fahren eingeleitet hat. Der entsprechende Verfahrensantrag des Be-
schwerdeführers ist abzuweisen.
4.
Zunächst ist auf die formelle Rüge des Beschwerdeführers einzugehen, die
Vorinstanz habe in ihrer Verfügung die Begründungspflicht verletzt, da sie
nicht ausgeführt habe, weshalb Art. 38 VPAA vorliegend nicht einschlägig
sei.
4.1 Nach der Rechtsprechung folgt die Begründungspflicht aus dem ver-
fassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Art. 29
Abs. 2 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 (BV, SR 101) und ergibt
sich für das Verfahren vor Bundesverwaltungsbehörden unmittelbar aus
Art. 35 Abs. 1 VwVG (BGE 138 I 232 E. 5.1 mit Hinweisen). Die Begrün-
dung einer Verfügung entspricht den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV,
wenn die Betroffenen dadurch in die Lage versetzt werden, die Tragweite
der Entscheidung zu beurteilen und sie in voller Kenntnis der Umstände an
eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist aber nicht verpflichtet,
sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann sie
sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken.
Es genügt, wenn ersichtlich ist, von welchen Überlegungen sich die Be-
hörde leiten liess (BGE 141 III 28 E. 3.2.4, 140 II 262 E. 6.2 und 136 I 229
E. 5.2).
4.2 Im Rahmen seines Gesuchs zur Übernahme der persönlichen Waffe
vom 29. Oktober 2020 bat der Beschwerdeführer die Vorinstanz zu prüfen,
ob Art. 38 VPAA zur Anwendung komme. Am 4. November 2020 teilte ihm
die Vorinstanz mit, dass das Gesuch abgelehnt werde, und führte die aus
ihrer Sicht wesentlichen Argumente aus (vgl. Sachverhalt, Bst. B), wobei
zu Art. 38 VPAA nicht explizit Stellung genommen wurde. Ebenso enthält
die angefochtene Verfügung keine diesbezüglichen Ausführungen. Jedoch
legte die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ausführlich dar, dass
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Seite 9
der Beschwerdeführer den Schiessnachweis erbringen müsse. Damit war
für ihn zumindest erkennbar, dass die Vorinstanz Art. 38 VPAA nicht als
einschlägig einstufte. Eine Verletzung der Begründungspflicht liegt damit
nicht vor. Im Übrigen holte sie die Begründung in ihrer Vernehmlassung
vom 21. Dezember 2020 mit Bezug auf die fragliche Anwendbarkeit von
Art. 38 VPAA ausführlich nach und der Beschwerdeführer hatte im vorlie-
genden Verfahren ausreichend Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen. Ob
die Vorinstanz Art. 38 VPAA zu Unrecht nicht angewandt hat, ist Bestandteil
der nachfolgenden, materiellen Prüfung (vgl. E. 8).
5.
Streitig und zu prüfen sind die Voraussetzungen zur Übernahme eines
Sturmgewehrs zu Eigentum und, ob gegebenenfalls ein Anspruch zur
Übernahme der persönlichen Waffe (Stgw 90 Nr. [...]) besteht.
6.
6.1 Art. 114 Abs. 3 MG sieht vor, dass der Bundesrat die Gegenstände der
persönlichen Ausrüstung, die den Angehörigen der Armee zu Eigentum
überlassen werden, bezeichnet. Art. 113 Abs. 1 und 3 Bst. c MG verbieten
die Abgabe einer persönlichen Waffe bei Vorliegen von Gefährdungs- und
Missbrauchspotenzial. Schliesslich wird der Bundesrat ermächtigt, die Aus-
führungsbestimmungen zu erlassen (Art. 150 Abs. 1 MG).
6.2 Gemäss Art. 29 Abs. 1 VPAA erhalten Angehörige der Armee beim Aus-
scheiden aus der Armee ein Sturmgewehr zu Eigentum, wenn sie Anrecht
auf die persönliche Ausrüstung oder auf Teile davon im Sinne von Art. 26
und 28 VPAA haben (Bst. a), sie in den letzten drei Jahren zweimal das
obligatorische Programm 300 m und zweimal das Feldschiessen 300 m
absolviert haben und dies im Schiessbüchlein oder im militärischen Leis-
tungsausweis eingetragen ist (Bst. b; nachfolgend auch: Schiessnachweis)
und sie einen gültigen Waffenerwerbsschein nach Art. 8 Abs. 1 des Waf-
fengesetzes vom 20. Juni 1997 (WG, SR 514.54) für das Sturmgewehr vor-
legen (Bst. c).
6.3 Scheiden Angehörige der Armee aufgrund des ab dem 1. Januar 2018
geltenden Militärrechts in den Jahren 2019–2020 ein bis zwei Jahre früher
aus der Armee aus, sodass die Bedingung nach Art. 29 Abs. 1 Bst. b nicht
oder nicht vollständig erfüllt ist, so erhalten sie beim Ausscheiden aus der
Armee ein Sturmgewehr zu Eigentum, sofern sie die restlichen Bedingun-
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Seite 10
gen nach Art. 29 Abs. 1 Bst. a und c erfüllen und sie ein von der LBA be-
willigtes Gesuch zur Überlassung des Sturmgewehrs vorlegen können
(Art. 38 VPAA).
7.
7.1 Der Beschwerdeführer macht im vorliegenden Beschwerdeverfahren
geltend, die Vorinstanz habe Art. 38 VPAA zu Unrecht nicht angewandt.
Diese Norm begründe eine Übergangsbestimmung für Personen, die in
den Jahren 2019 und 2020 aus dem Militärdienst ausscheiden, indem
diese Personen den Schiessnachweis für die Übernahme eines Sturmge-
wehrs zu Eigentum nicht erfüllen müssen. Dies treffe auf ihn zu.
Im Übrigen erachtet der Beschwerdeführer den Schiessnachweis gemäss
Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA als rechtswidrig. Der Schiessnachweis diene
dazu, eine minimale Übung und damit die Schiessfertigkeit an der Waffe
zu belegen. Diese sei nach zwölf Jahren mit dieser Waffe ohnehin anzu-
nehmen, weshalb der Schiessnachweis eine "unnötige Formvorschrift" und
damit unverhältnismässig sei. Eventualiter sei seine Schiessfertigkeit mit-
tels gerichtlichem Gutachten festzustellen. Zudem sei es willkürlich, wenn
er aufgrund des erteilten Waffenerwerbscheins irgendein Sturmgewehr 90
erwerben dürfe, die Übernahme des Sturmgewehrs 90 Nr. [...] zu Eigen-
tum aber mit Verweis auf die öffentliche Sicherheit abgelehnt werde.
Schliesslich diskriminiere Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA Menschen mit ge-
sundheitlichen Beschwerden, da diese Personen den Schiessnachweis
nicht erfüllen und deshalb keine Waffe zu Eigentum erhalten können. Dies
sei ein Verstoss gegen Art. 8 Abs. 2 BV, gegen Art. 14 EMRK und gegen
das Bundesgesetz vom 13. Dezember 2002 über die Beseitigung von Be-
nachteiligungen von Menschen mit Behinderungen (BehiG, SR 151.3).
Sinngemäss rügt der Beschwerdeführer auch eine fehlerhafte Rechtsan-
wendung, indem er darlegt, dass er in den Jahren 2018 und 2019 von der
Schiesspflicht ärztlich dispensiert wurde bzw. nachträglich hätte dispen-
siert werden können, was ebenso für den Schiessnachweis gelten müsse.
Die Trennung zwischen der Schiesspflicht und dem Schiessnachweis sei
überspitzter Formalismus, da der Schiessnachweis die Konsequenz der
Schiesspflicht darstelle, weshalb eine untrennbare Verknüpfung bestehe.
Er sei aufgrund seiner gesundheitlichen Situation – und damit unverschul-
det – nicht in der Lage, die Schiesspflicht und damit den Schiessnachweis
zu absolvieren. Gemäss dem ärztlichen Verlaufsbericht vom 15. Mai 2020
bestehe der Verdacht auf eine [...], wobei man initial von einer [...] ausge-
gangen sei. Gemäss dem psychotherapeutischen Bericht vom 28. Mai
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Seite 11
2020 bestehe des Weiteren eine leichte kognitive Störung, deren Ursache
ungeklärt sei. Diese Erkrankungen hätten denn auch zur Dispensation von
der Schiesspflicht im Jahr 2019 geführt. Zusätzlich habe die Corona-Pan-
demie das Erbringen des Schiessnachweises für das Jahr 2020 verunmög-
licht, da er zur Risikogruppe gehöre.
7.2 Die Vorinstanz verneint, dass beim Beschwerdeführer Art. 38 VPAA zur
Anwendung komme. Von dieser Übergangsbestimmung könnten aus-
schliesslich Angehörige der Armee profitieren, die aufgrund der Militär-
dienstpflicht-Reform per 1. Januar 2018 früher als vor der Reform vorge-
sehen aus der Militärdienstpflicht entlassen würden. Das sei aber beim Be-
schwerdeführer nicht der Fall.
Des Weiteren erachtet die Vorinstanz den Schiessnachweis als rechtmäs-
sig. Sie verweist im Wesentlichen auf das Urteil des BVGer A-20/2016 vom
17. November 2016 betreffend Überlassung einer Leihwaffe. Gemäss die-
sem Urteil diene der Schiessnachweis dort in erster Linie der Gewährleis-
tung der öffentlichen Sicherheit, bezwecke die Verhinderung von Miss-
brauch und sei Ausfluss der Sorgfaltspflicht des Bundes als Eigentümer
der Waffe. Demnach sei nur eine Dispensation von der Schiesspflicht, nicht
aber vom Schiessnachweis möglich, was auch verhältnismässig sei. Dies
müsse im gleichen Mass für den Schiessnachweis gemäss Art. 29 Abs. 1
Bst. b VPAA gelten. Des Weiteren seien die Diskriminierungsvorwürfe nicht
genügend substantiiert. Aufgrund des fehlenden Schiessnachweises er-
fülle der Beschwerdeführer die erforderlichen Voraussetzungen für die
Überlassung eines Sturmgewehrs nicht. Ihm würden dadurch auch keine
wesentlichen persönlichen Nachteile entstehen.
8.
Zu prüfen ist erstens, ob die Vorinstanz die Übergangsbestimmung in
Art. 38 VPAA zu Recht nicht angewandt hat.
8.1 Gemäss Art. 38 VPAA können Angehörige der Armee, die aufgrund des
ab dem 1. Januar 2018 geltenden Militärrechts in den Jahren 2019–2020
ein bis zwei Jahre früher aus der Armee ausscheiden, sodass der Schiess-
nachweis nicht oder nicht vollständig erfüllt ist, beim Ausscheiden aus der
Armee unter Umständen dennoch ein Sturmgewehr zu Eigentum erhalten
(vgl. E. 6.3).
8.2 Der Sinn und Zweck von Art. 38 VPAA besteht darin, dass Angehörige
der Armee, insbesondere Durchdiener, deren Militärdienstpflicht durch die
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Seite 12
Anpassung des Militärgesetzes per 1. Januar 2018 verkürzt wurde, eine
Waffe ohne Schiessnachweis erwerben können, weil diese den Schiess-
nachweis aufgrund der Verkürzung der Militärdienstpflicht nicht erbringen
konnten. Damit verhindert diese Übergangsbestimmung eine Schlechter-
stellung der erwähnten Personengruppe (vgl. VBS, Verordnung über die
persönliche Ausrüstung der Armeeangehörigen, Erläuterung der einzelnen
Bestimmungen vom 2. November 2018, S. 8).
8.3 Die Militärdienstpflicht des Beschwerdeführers dauerte vor der Anpas-
sung des Militärgesetzes bis zum Ende des Jahres, in dem er das 30. Al-
tersjahr vollendete, das heisst bis Ende des Jahres 2018 (Art. 13 Abs. 2
Bst. a MG in der bis 31. Dezember 2017 gültigen Fassung [AS 2003
3958]). Seit der Anpassung dauert die Militärdienstpflicht neu bis Ende des
zehnten Kalenderjahres, das auf die Beförderung zum Soldaten folgt
(Art. 13 Abs. 2 Bst. a MG in der ab 1. Januar 2018 gültigen Fassung i.V.m.
Art. 19 Abs. 1 der Verordnung vom 22. November 2017 über die Militär-
dienstpflicht [VMDP, SR 512.21]). Da der Beschwerdeführer im Jahr 2010
zum Soldaten befördert wurde und seine Militärdienstpflicht somit bis Ende
des Jahres 2020 dauerte, führte die Anpassung des Militärgesetzes per
1. Januar 2018 nicht zu einer Verkürzung, sondern zu einer Verlängerung
seiner Militärdienstpflicht. Demnach kommt der Beschwerdeführer bereits
gemäss Wortlaut nicht in den Genuss von Art. 38 VPAA. Auch ist nicht er-
sichtlich, inwiefern die Militärdienstpflicht-Reform eine Schlechterstellung
beim Beschwerdeführer im Hinblick auf den Schiessnachweis bewirkt
hätte. Damit hat die Vorinstanz Art. 38 VPAA zu Recht nicht angewandt und
die diesbezüglichen Rügen des Beschwerdeführers gehen ins Leere.
9.
Zweitens ist zu prüfen, ob der Schiessnachweis gemäss Art. 29 Abs. 1
Bst. b VPAA gegen übergeordnetes Recht verstösst.
9.1 Das Bundesverwaltungsgericht kann eine Verordnungsbestimmung
des Bundesrates auf Beschwerde hin im Anwendungsfall vorfrageweise
auf ihre Gesetz- und Verfassungsmässigkeit prüfen (konkrete Normenkon-
trolle). Bei unselbständigen Verordnungen, die sich auf eine gesetzliche
Delegation stützen, prüft das Bundesverwaltungsgericht, ob sich der Bun-
desrat an die Grenzen der ihm im Gesetz eingeräumten Befugnis gehalten
hat. Soweit das Gesetz ihn nicht ermächtigt, von der Verfassung abzuwei-
chen, beurteilt es auch deren Verfassungsmässigkeit. Wird dem Bundesrat
durch die gesetzliche Delegation ein sehr weiter Ermessensspielraum für
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Seite 13
die inhaltliche Ausgestaltung der Regelung auf Verordnungsstufe einge-
räumt, so ist dieser Spielraum für das Bundesverwaltungsgericht verbind-
lich (Art. 190 BV). Es darf in diesem Fall bei der Überprüfung der Verord-
nung nicht sein eigenes Ermessen an die Stelle desjenigen des Bundesra-
tes setzen, sondern hat sich auf die Prüfung zu beschränken, ob die Ver-
ordnung den Rahmen der dem Bundesrat im Gesetz delegierten Kompe-
tenzen offensichtlich sprengt oder aus anderen Gründen gesetzes- oder
verfassungswidrig ist. Dabei kann es namentlich prüfen, ob sich eine Ver-
ordnungsbestimmung auf ernsthafte Gründe stützt oder dem Willkürverbot
gemäss Art. 9 BV widerspricht, weil sie sinn- oder zwecklos ist, rechtliche
Unterscheidungen trifft, für die ein vernünftiger Grund in den tatsächlichen
Verhältnissen fehlt, oder Unterscheidungen unterlässt, die richtigerweise
hätten getroffen werden sollen. Hingegen hat es die Zweckmässigkeit nicht
zu beurteilen (BGE 143 II 87 E. 4.4, 141 II 169 E. 3.4 und 140 II 194 E. 5.8;
BVGE 2015/22 E. 4.2 und 2011/46 E. 5.4.1). Ebenso kann das Gericht prü-
fen, ob eine Verordnungsbestimmung im Widerspruch zum Verhältnismäs-
sigkeitsprinzip gemäss Art. 5 Abs. 2 BV steht (BGE 140 II 194 E. 5.8). Zeigt
sich, dass die Verordnungsbestimmung insgesamt oder teilweise geset-
zes- oder verfassungswidrig ist, bleibt die angefochtene generell-abstrakte
Norm zwar weiterhin in Kraft, doch ist der darauf beruhende individuell-
konkrete Anwendungsakt aufzuheben (BGE 107 Ib 243 E. 4b; Urteile des
BGer 2C_423/2014 vom 30. Juli 2015 E. 2.3.2 und 2C_1174/2012 vom
16. August 2013 E. 1.7.4).
9.2 Der Gesetzgeber hat den Bundesrat in Art. 114 Abs. 3 und Art. 150
Abs. 1 MG ermächtigt, die Gegenstände der persönlichen Ausrüstung, die
den Angehörigen der Armee zu Eigentum überlassen werden, zu bezeich-
nen und Ausführungsbestimmungen zu erlassen. Damit wird dem Bundes-
rat ein sehr weiter Ermessenspielraum eingeräumt. Der Bundesrat hat mit
dem Erlass der VPAA von dieser Kompetenz Gebrauch gemacht und in
Art. 29 VPAA Voraussetzungen für die Überlassung eines Sturmgewehrs
zu Eigentum formuliert, wobei unter anderem der Schiessnachweis zu er-
bringen ist (vgl. E. 6). Somit besteht für den Schiessnachweis eine genü-
gende gesetzliche Grundlage und der Bundesrat hat sich an die ihm ge-
setzlich eingeräumte Befugnis gehalten.
9.3 Der Beschwerdeführer macht in erster Linie geltend, der Schiessnach-
weis wirke für Menschen mit Behinderungen diskriminierend.
9.3.1 Gemäss Art. 8 Abs. 2 BV darf niemand diskriminiert werden, nament-
lich nicht wegen seiner Herkunft und der religiösen, weltanschaulichen
A-5760/2020
Seite 14
oder politischen Überzeugung oder ausdrücklich auch wegen einer körper-
lichen, geistigen oder psychischen Behinderung. Eine Diskriminierung liegt
vor, wenn eine Person ungleich behandelt wird allein aufgrund ihrer Zuge-
hörigkeit zu einer bestimmten Gruppe, welche historisch oder in der ge-
genwärtigen sozialen Wirklichkeit tendenziell ausgegrenzt oder als minder-
wertig angesehen wird. Eine direkte oder unmittelbare Diskriminierung
stellt eine qualifizierte Ungleichbehandlung von Personen in vergleichba-
ren Situationen dar, indem sie eine Benachteiligung von Menschen bewirkt,
die als Herabwürdigung oder Ausgrenzung einzustufen ist, weil sie an Un-
terscheidungsmerkmalen anknüpft, die einen wesentlichen und nicht oder
nur schwer aufgebbaren Bestandteil der Identität der betroffenen Personen
ausmachen; insofern beschlägt das Diskriminierungsverbot auch Aspekte
der Menschenwürde nach Art. 7 BV. Eine indirekte oder mittelbare Diskri-
minierung liegt demgegenüber vor, wenn eine Regelung, die keine offen-
sichtliche Benachteiligung von spezifisch gegen Diskriminierung geschütz-
ten Gruppen enthält, in ihren tatsächlichen Auswirkungen Angehörige einer
solchen Gruppe besonders benachteiligt, ohne dass dies sachlich begrün-
det wäre (BGE 139 I 169 E. 7.2.1, 138 I 305 E. 3.3 und 135 I 49 E. 4.1 mit
Hinweisen).
9.3.2 Sämtliche Personen, die ein Sturmgewehr zu Eigentum übernehmen
wollen, müssen (unter Vorbehalt der Übergangsbestimmung in Art. 38
VPAA) den Schiessnachweis gemäss Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA erbrin-
gen. Damit knüpft diese Norm offensichtlich nicht an ein verpöntes Unter-
scheidungsmerkmal an, weshalb keine direkte oder unmittelbare Diskrimi-
nierung vorliegt. Somit ist zu prüfen, ob eine indirekte oder mittelbare Dis-
kriminierung vorliegt.
9.3.2.1 Das Bundesverwaltungsgericht hat sich bereits in zwei Fällen zur
sachlichen Begründung des Schiessnachweises geäussert. Im Urteil
A-7067/2013 vom 7. April 2014 hat es festgehalten, der Hauptzweck der
Überlassung eines Sturmgewehrs zu Eigentum sei, dass der Angehörige
der Armee nach dem Ausscheiden aus der Armee mit dieser Waffe den
Schiesssport ausüben könne. Sinn und Zweck des Schiessnachweises sei,
vom Angehörigen der Armee, wenn er ein Sturmgewehr zu Eigentum er-
halten will, einen Zusatzaufwand zu verlangen, der sein Interesse für das
ausserdienstliche Schiesswesen manifestiere (BVGer A-7067/2013
E. 4.3.2). Im Urteil A-20/2016 vom 17. November 2016 hat das Bundesver-
waltungsgericht in Bezug auf die Überlassung einer persönlichen Leihwaffe
den Schiessnachweis (gemäss Art. 45 Abs. 1 der Verordnung des VBS
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vom 11. Dezember 2003 über das Schiesswesen ausser Dienst [Schiess-
verordnung des VBS, SR 512.311]) mittels Auslegung von der allgemeinen
Schiesspflicht (gemäss Art. 63 MG i.V.m. Art. 9 Abs. 3 der Verordnung vom
5. Dezember 2003 über das Schiesswesen ausser Dienst [Schiessverord-
nung, SR 512.31]) abgegrenzt und festgestellt, dass vom Schiessnachweis
– im Gegensatz zur Schiesspflicht – keine Dispensation möglich sei
(BVGer A-20/2016 E. 4.4). Die Voraussetzungen zur Überlassung einer
Leihwaffe, zu denen der Schiessnachweis gehört, dienten vor allem der
Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, namentlich der Verhinderung
von Missbrauch, und seien Ausfluss der Sorgfaltspflicht des Bundes als
Eigentümer der Waffe. Die Auflagen sollten Gewähr bieten, dass die Besit-
zer von Leihwaffen das Schiessen und die Handhabung der Waffe beherr-
schen und dies auch unter Beweis stellen (BVGer A-20/2016 E. 4.4.4).
9.3.2.2 Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass der Schiessnachweis
einerseits einen Zusatzaufwand für den Angehörigen der Armee aufstellen
will, mit dem dieser sein Interesse für das ausserdienstliche Schiesswesen
manifestieren muss. Andererseits dient der Schiessnachweis der Verhin-
derung von Missbrauch, indem sichergestellt wird, dass der Angehörige
der Armee das Schiessen und die Handhabung der Waffe beherrscht. Die
Sorgfaltspflicht des Bundes, die im Zusammenhang mit der Überlassung
von Armeewaffen besteht und bei deren Verletzung der Bund haftet (vgl.
hierzu Urteil des BVGer A-3025/2017 vom 8. Februar 2019 E. 7.9.4) sowie
die allgemein von Waffen potenziell ausgehende Gefahr für die öffentliche
Sicherheit bedingen ein lückenloses und zuverlässiges Kontrollsystem.
Eine Dispensationsmöglichkeit würde zwangsläufig zu mehr Unsicherhei-
ten führen, da in diesen Fällen die öffentliche Sicherheit trotzdem gewähr-
leistet werden müsste. Diese sachlichen Gründe vermögen es zu rechtfer-
tigen, dass der Schiessnachweis gemäss Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA aus-
nahmslos von allen Personen, die ein Sturmgewehr zu Eigentum überneh-
men wollen, verlangt wird und keine Dispensationsmöglichkeit aus gesund-
heitlichen (oder anderen) Gründen besteht. Dabei ist unerheblich, ob eine
andere sachgerechte Lösung im Hinblick auf die genannten Zwecke eben-
falls möglich gewesen wäre. Der diesbezügliche Ermessenspielraum des
Bundesrats ist für das Bundesverwaltungsgericht verbindlich (vgl. E. 9.1).
Im Übrigen kann vorliegend auch keine qualifizierte Ungleichbehandlung
ausgemacht werden, deren Auswirkungen als Herabwürdigung oder Aus-
grenzung einzustufen ist. Angesichts der gewichtigen öffentlichen Interes-
sen am Schiessnachweis besteht weder eine Herabwürdigung noch eine
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Ausgrenzung, wenn Angehörige der Armee wegen des fehlenden Schiess-
nachweises ein Sturmgewehr 90 auf dem freien Markt – bspw. für eine
Sammlertätigkeit – erwerben müssen, sofern sie die entsprechenden Vo-
raussetzungen für den Waffenerwerb erfüllen (wobei Letzteres für die
Überlassung eines Sturmgewehrs zu Eigentum mit Art. 29 Abs. 1 Bst. c
VPAA ohnehin vorausgesetzt wird).
9.3.2.3 Im Ergebnis ergibt die konkrete Normenkontrolle, dass keine indi-
rekte oder mittelbare Diskriminierung vorliegt und Art. 29 Abs. 1 Bst. b
VPAA damit nicht gegen Art. 8 Abs. 2 BV verstösst.
9.3.3 Aus dem Behindertengleichstellungsgesetz kann der Beschwerde-
führer keine über Art. 8 Abs. 2 BV hinausgehenden Ansprüche ableiten.
Zum einen stellt Art. 8 Abs. 2 BV (und nicht das Behindertengleichstel-
lungsgesetz) den verfassungsunmittelbaren Abwehranspruch gegen recht-
liche Benachteiligungen von Menschen mit Behinderung wegen ihrer Be-
hinderung dar (BGE 139 II 289 E. 2.2.1). Zum anderen ist der vorliegende
Streitgegenstand nicht vom Geltungsbereich des Behindertengleichstel-
lungsgesetzes erfasst (vgl. Art. 3 BehiG).
9.3.4 Das Gleiche gilt, wenn der Beschwerdeführer eine Verletzung des
Diskriminierungsverbots gemäss Art. 14 EMRK rügt. Auch diesem kann er
keine über Art. 8 Abs. 2 BV hinausgehenden Ansprüche ableiten. Im Übri-
gen ergibt sich aus dem klaren Wortlaut dieser Bestimmung und ständiger
Praxis des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR), dass
Art. 14 EMRK nicht ein allgemeines Diskriminierungsverbot statuiert, son-
dern nur in Bezug auf die in der Konvention anerkannten Rechte zum Tra-
gen kommt. Ist nicht der Schutzbereich eines konkreten Konventionsrechts
betroffen, so ist die Diskriminierungsrüge unzulässig (caractère acces-
soire; BGE 140 V 385 E. 5.2, 139 I 257 E. 5.3.1, 118 Ia 341 E. 3a und Urteil
des EGMR Glor gegen die Schweiz vom 30. April 2009, 13444/04, § 45).
Der Beschwerdeführer rügt die Verletzung des Diskriminierungsverbots le-
diglich in allgemeiner Weise bzw. in Verbindung mit der Eigentumsgarantie
gemäss Art. 26 BV. Letztere ist aber in Art. 1 des ersten Zusatzprotokolls
zur EMRK vom 20. März 1952 statuiert, das die Schweiz nicht ratifiziert hat.
9.4 Der Beschwerdeführer macht zudem geltend, der Schiessnachweis sei
willkürlich. In Anbetracht der obigen Ausführungen zum Sinn und Zweck
des Schiessnachweises (vgl. E. 9.3.2.2) kann festgehalten werden, dass
sich dieser auf ernsthafte Gründe stützt. Damit handelt es sich keinesfalls
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um eine "unnötige Formvorschrift" wie dies der Beschwerdeführer behaup-
tet. Im Gegenteil ist es angesichts der Sorgfaltspflicht des Bundes und den
damit verbundenen Haftungsrisiken sachlich begründet, wenn für die Über-
lassung einer Waffe aus dem Bestand der Schweizer Armee über den Waf-
fenerwerbsschein hinausgehende Anforderungen an die öffentliche Sicher-
heit gestellt werden. Nach dem Gesagten ist vorliegend kein Verstoss ge-
gen das Willkürverbot gemäss Art. 9 BV auszumachen.
9.5 Schliesslich rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung des Verhältnis-
mässigkeitsprinzips. Angesichts der gewichtigen öffentlichen Interessen ist
davon auszugehen, dass der Schiessnachweis keinen unangemessenen
Aufwand für Angehörige der Armee darstellt, die beim Ausscheiden aus der
Armee ein Sturmgewehr zu Eigentum übernehmen wollen. Dies gilt umso
mehr, als diese Personen auch auf dem freien Markt ein Sturmgewehr 90
erwerben können, falls sie die entsprechenden Voraussetzungen erfüllen.
Im Ergebnis erweist sich Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA als verhältnismässig.
9.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Schiessnach-
weis gemäss Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA rechtmässig und verfassungskon-
form im Sinne der obigen Erwägungen ist. Somit ist diese Norm im vorlie-
genden Fall anzuwenden und die Beschwerde erweist sich in diesem Punkt
als unbegründet.
10.
Letztlich ist zu prüfen, ob die Vorinstanz Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA richtig
angewandt hat.
10.1 Der Beschwerdeführer hat in den Jahren 2018 bis 2020 keines der in
Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA vorgesehenen vier Schiessen absolviert, ob-
wohl in diesen Jahren die Möglichkeit zur Teilnahme an acht Schiessen
bestand. Selbst im Jahr 2020 war es trotz der Corona-Pandemie gewähr-
leistet, dass die Schiessen unter Einhaltung der Vorgaben des Bundesam-
tes für Gesundheit und mit Schutzkonzept durchgeführt werden konnten.
Damit hatte der Beschwerdeführer ausreichend Gelegenheit, den Schiess-
nachweis zu erbringen.
10.2 Der Beschwerdeführer macht geltend, er habe den Schiessnachweis
aus gesundheitlichen Gründen nicht erbringen können. Nach dem Gesag-
ten ist der Schiessnachweis gemäss Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA ausnahms-
los und ohne Dispensationsmöglichkeit zu erfüllen (vgl. E. 9.3.2.2). Inso-
fern können die Ausführungen des Bundesverwaltungsgerichts im Urteil
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Seite 18
A-20/2016, dass die Dispensation bei der Schiesspflicht nicht für den
Schiessnachweis bei Leihwaffen gilt, mutatis mutandis auf den Schiess-
nachweis in Bezug auf die Überlassung eines Sturmgewehrs zu Eigentum
übertragen werden. Demnach kann der Beschwerdeführer nichts für den
Schiessnachweis ableiten, wenn er geltend macht, dass er in den Jahren
2018 und 2019 von der Schiesspflicht ärztlich dispensiert wurde bzw. nach-
träglich hätte dispensiert werden können. Die von ihm angeführten gesund-
heitlichen Gründe sind für den Schiessnachweis unerheblich. Das Gleiche
gilt für die im vorinstanzlichen Verfahren vorgebrachten privaten Probleme
(Trennung von der Ehefrau).
10.3 Im Übrigen wäre es dem Beschwerdeführer trotz seiner Erkrankung
möglich gewesen, den Schiessnachweis in den Jahren 2018 und 2020 zu
erbringen. Im Jahr 2018 liegt keine ärztliche Dispensation von der Schiess-
pflicht vor. Wenn der Beschwerdeführer vorbringt, er hätte nachträglich
eine ärztliche Dispensation in diesem Jahr beantragen können, übersieht
er, dass einer solchen zum heutigen Zeitpunkt aufgrund des Zeitablaufs
nur eine eingeschränkte Beweisfunktion zukommen würde (vgl. hierzu Ur-
teil des BVGer A-6509/2010 vom 22. März 2011 E. 10.2). Im Jahr 2020 war
das Erbringen des Schiessnachweises ebenso für Personen der Corona-
Risikogruppen aufgrund des Schutzkonzeptes objektiv möglich, auch wenn
es nachvollziehbar erscheint, dass der Beschwerdeführer im Hinblick auf
seine Erkrankung kein Risiko eingehen wollte. Das Festhalten am Erfor-
dernis des Schiessnachweises zur Überlassung eines Sturmgewehrs zu
Eigentum erweist sich im vorliegenden Fall als sachgerecht und stellt kei-
nen überspitzten Formalismus gemäss Art. 29 Abs. 1 BV dar.
10.4 Schliesslich ist der Antrag des Beschwerdeführers, die Voraussetzung
von Art. 29 Abs. 1 Bst. b VPAA durch ein gerichtliches Gutachten über
seine Schiessfertigkeiten nachweisen zu dürfen, abzuweisen. Ein solches
Gutachten kann den Schiessnachweis nach dem Gesagten gerade nicht
ersetzen. Zum einen hat der Bundesrat im Rahmen seines weiten Ermes-
senspielraums und für das Bundesverwaltungsgericht in verbindlicher
Weise nur den Schiessnachweis gesetzlich vorgesehen (vgl. E. 9.1). Zum
anderen kann mit dem beantragten Gutachten das verlangte Interesse für
das ausserdienstliche Schiesswesen nicht nachgewiesen werden. Das
Gleiche gilt, wenn der Beschwerdeführer den Schiessnachweis mit militä-
rischen Sicherheitsüberprüfungen ersetzen will.
10.5 Im Ergebnis erfüllt der Beschwerdeführer den Schiessnachweis nicht
und es fehlt ihm an einer notwendigen Voraussetzung für die Überlassung
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eines Sturmgewehrs zu Eigentum. Die Beschwerde erweist sich damit als
unbegründet und ist abzuweisen.
11.
Es bleibt über die Kosten- und Entschädigungsfolgen des Beschwerdever-
fahrens zu befinden.
11.1 Bei diesem Verfahrensausgang wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1–3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Mit Zwischenverfügung vom
25. November 2020 wurde vorläufig auf die Erhebung des verzichtet.
Nachdem sich die Beschwerde nicht als von vornherein aussichtlos erwie-
sen hat und die Mittellosigkeit des Beschwerdeführers nachgewiesen ist,
ist ihm die unentgeltliche Rechtspflege im Sinne von Art. 65 Abs. 1 VwVG
zu gewähren. Somit sind keine Verfahrenskosten zu erheben.
11.2 Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 64 Abs. 1 VwVG und Art. 7 Abs. 1 VGKE
e contrario). Als Bundesbehörde steht eine solche auch der Vorinstanz
nicht zu (Art. 7 Abs. 3 VGKE).
12.
Dieses Urteil kann nicht beim Bundesgericht angefochten werden (Art. 83
Bst. i des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
Es tritt daher mit der Eröffnung in Rechtskraft.
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