Decision ID: b41da30b-5fc5-49af-8c4a-26b4b9181e8f
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961,
diplomierte Handarbeitslehrerin (Urk. 6/77)
war
von
2003 bis
2008
als
Handarbeitslehrper
son
bei der
Y._
tätig (Urk. 6/12
, Urk. 6/79
)
.
Unter Hin
weis auf eine Er
schöpfungsdepression, ein Burno
ut und chronische Kopf
schmerzen meldete sie sich am 2. Februar 2007 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Ver
fügung vom 29. Oktober 2007
bei einem Invaliditätsgrad von 25 %
einen Rentenanspruch (Urk. 6/34). Mit Verfügung vom 3. Dezember 2007 verneinte
die IV-Stelle
auch einen An
spruch auf
eine Umschulung
(Urk. 6/35).
Von
2008
bis 2014, wobei der letzte Arbeitstag der 31. März 2012 war,
war
die Versicherte
als Handarbeitslehrerin bei der
Z._
tätig (Urk. 6/163,
Urk. 6/193/43
; vgl. auch Urk. 1 S. 3
)
.
Am
26. Oktober 2012 meldete sie sich unter Hinweis auf M
orbus
Meniè
re
,
Hör
verlust
rechts, Tinnitus, Kopf-
und Kieferschmerzen, Schwindel und
Übelkeit, er
neut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/64).
A
m 16. April 2013
ordnete die IV-Stelle
eine berufliche Abklärung (BEFAS) an (Urk. 6/87).
Die Abklärung dauerte vom
13. Mai bis 7. Juni
2013 (
vgl. Schlussbericht BEFAS vom 2. Juli
2013,
Urk
.
6/99).
In der Folge fand ein Arbeitsversuch und an
schliessend ein Aufbautraining bei der Firma
A._
statt (
Urk. 6/107
,
Urk. 6/116
,
Urk. 6/137).
Mit Mitteilung vom 24. Juni 2014 wurde festgestellt, dass die
beruf
lichen Massnahmen abgebrochen wu
rden (Urk. 6/146).
Mit Mitteilung vo
m 24. Juli 2014 wurde Kostengutsprache für eine Hörgerätepauschale geleistet (Urk. 6/159).
Die IV-Stelle veranlasste
eine polydisziplinäre Begut
ach
tung durch die Ärzte der
B._
, über welche am
31. Dezember 2014
berichtet
wurde
(Urk. 6/193)
.
Mit Verfügung vom 23. Januar 2015 wies die IV-Stelle das Gesuch für die Gut
sprache der Mehrkosten der Hörgeräteversorgung ab (Urk. 6/194).
Eine dage
gen
erho
bene Beschwerde (Urk. 6/195/3
) zog die Versicherte am 8. Mai 2015 zurück (vgl. Urk. 6/208).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/206
-
207
,
Urk. 6/
209
-
225
,
Urk. 6/
227
-
229
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 24. Februar 20
16
(Urk. 6/231 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Die Versicherte erhob am 11. April 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. Februar 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es
seien berufliche Massnahmen und eine Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 1
S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 19. Mai
2016 (Urk. 5)
die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 27.
Mai 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise
wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbin
dung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzie
len (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psy
cho
soziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Ein
zelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische
Be
schwerdebild
nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belasten
den soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psy
chiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde De
pression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssi
tua
tion zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind un
abdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psy
chischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bun
desgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wir
kungs
grad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen be
stehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditätsbe
gründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und ge
gebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Be
urteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) da
vo
n aus, dass
kein Gesundheitsschaden vorliege, der die gesetzlichen Krite
rien für IV-Leistungen erfülle. Psychosoziale und psychosomatische Prob
leme seien nicht IV-relevant (S. 1 unten). Vorliegend hätten psychosoziale
Belastungs
faktoren
eine entscheidende Rolle übernommen (S. 2 oben). Zu
dem würden viele persönliche Ressourcen vorliegen. Der Leidensdruck er
scheine aufgrund der fehlenden leitliniengerechten Behandlung als gering
(S
.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin bestritt die Überwindbarkeit der gesundheitlichen Störung (
Urk. 1
S. 4 Ziff. 4). Schon allein der Hörverlust schliesse die bis
he
rige Tä
tigkeit als Handarbeitslehrerin im Klassenverband aus. Die Annah
me der Beschwerdegegnerin, dass keine leitliniengerechte Behandlung statt
finde, sei zurückzuweisen. Es seien diverse stationäre und ambulante Behand
lungen dokumentiert. Per 1
2.
April 2016 habe sie zudem wiederum eine stationäre Behandlung in der
C._
aufgenommen.
Im Rahmen der Ressourcen habe die Beschwerdegegnerin aufgeführt, dass sie ein Pflegekind betreue.
Das
Pflegeverhältnis sei grundsätzlich 2006 aus gesundheitlichen Gründen been
det worden. Seit August 2015 wohne
das Kind
wieder bei ihr, habe jedoch mit der Lehre angefangen und sei werktags ausser Haus. Unerwähnt bei den Ressour
cen bleibe das ausgeprägte Vermeidungsverhalten, was sich letztlich auch in der Diagnose einer ängstlichen Persönlichkeit niederschlage. Es be
stehe ein ausgeprägter sozialer Rückzug, der sich auch darin zeige, dass bei
spielsweise Einkäufe fast ausschliesslich online erledigt w
ü
rden
(S. 5)
. Sie könne sich vorstellen, Teilzeit in einem Büro, beispielsweise in der Buchhal
tung zu ar
beiten. Sie würde hierzu auch einiges mitbringen, wobei die
Buch
haltungs
kenntnisse
fehlen würden. Es müssten also nach Abschluss des
Klinik
aufent
haltes
berufliche Massnahmen in dieser Richtung geprüft werden
.
Zusam
menfassend sei auf das voll beweiskräftige Gutachten abzustellen
(S. 5
f.
)
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Mit ärztlichen Zeugnissen vom 17. Januar 2013 und 4. März 2013 (Urk. 6/76) attestierte Dr. med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, Leitender Arzt Schmerz- und Komplementärmedizin,
E._
,
der Beschwerdeführerin
vom 1
4.
Januar bis 1. März
2013 und vom
3.
bis 3
1.
März
2013 eine 100%
ige Arbeitsunfähig
keit.
3.
2
Dr. med.
F._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
er
stattete am 11. März 2013 das von der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich veranlasste Gutachten (Urk. 6/227) und nannte keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 19 Ziff. 5.1). Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine anamnestisch rezidi
vierende depressive Störung, aktuell leichte Episode (ICD-10 F33.0), Diffe
ren
tialdiagnose reaktiv bei psychosozialen Belastungsfaktoren (familiäre, beruf
liche, finanzielle und gesundheitliche Probleme) sowie ein
en
Verdacht auf eine Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit ängstlich-abhängigen und
histrionischen
Anteilen (ICD-10 Z73.1; S. 19 Ziff. 5.2).
Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe zum Zeitpunkt der Untersuchung
vom 18. Dezember 2012
keine Arbeitsunfähigkeit (S. 20 oben).
3.
3
Die Ärzte der
G._
nannte
n
mit
Austrittsb
ericht vom
12. März
2013 (
Urk. 6/153/8-11)
die folgenden, hier gekürzt angeführten, Diag
nosen
(
S.
1):
-
Anpassungsstörung, Angst und depressive Reaktion gemischt, ICD-10 F43.22
-
Tinnitus und Hörverlust rechts
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren, ICD-10 F45.41
-
chronische Migräne
Nach dem Auftreten eines therapierefraktären Tinnitus sei es zu zunehmen
der depressiver Symptomatik mit Erschöpfung, Antriebslosigkeit, Schlaflo
sigkeit, sozialer Isolation, Ängste
n, Agoraphobie und
ungerichteten
Panik
attack
en
gekommen, was sie als Anpassungsstörung mit Angst und depressi
ver Reaktion gemischt interpretieren würden (S. 3 Mitte).
Die Fortführung einer ambulanten Physiotherapie werde empfohlen.
Es bestehe eine 100%ige
Ar
beitsunfähigkeit
seit dem August 201
2.
Aktuell erscheine eine
berufliche
Reintegration als Handarbeitslehrerin, infolge des Tinnitus, der
Lärmemp
findlichkeit
aber auch der persistierenden Kopfschmerzen, mittelfristig unre
alistisch (S. 4 oben).
3.
4
Im Schlussbericht BEFAS der Abklärungsstelle
H._
vom 2. Juli 2013 (Urk. 6/99) wurde
aus allgemeinärztlich-rheumatologischer Sicht
festgehal
ten, dass die Beschwerdeführerin an einem persistierenden Hörverlust und Tinnitus rechts, aufgetreten im Rahmen einer
Menière
-Krankheit
,
leide. Zu
dem
sei
klinisch eine muskuläre
Dysbalance
mit
Insertionstendinopathien
nuchal
beidseits und im Beckengürtelbereich festgestellt
worden
.
Des Weite
ren
seien Anhaltspunkte für eine generalisierte
Gelenkhyperlaxität
vorhan
den.
Schliesslich
sei gemäss der Neurologin
eine
multifaktorielle
Kopf
schmerz
problematik
zu erwähnen (S. 7 f.
Ziff. 2.4
). Rein von somatischer
Seite
her könnten
der
Beschwerdeführerin behinderungsadaptiert in ruhiger Umgebung
ausübbare
, körperlich leichtere Tätigkeiten zugemutet werden, bei Möglich
keit des Einnehmens von Wechselpositionen sowie unter Berücksich
tigung einer angegebenen Kälteempfindlichkeit. Im Zusammenhang mit
Hör
verlust
/
Tinnitus rec
hts, mit beklagter deutlicher Lä
rmempfindlichkeit, er
scheine auf
grund der aktuellen Beurteilung eine Reintegration im ange
stammten Beruf als Handarbeitsl
ehrerin nicht mehr realisierbar
(S. 10 f. Ziff. 3.1)
.
Aus psychiatrischer Sicht wurde festgehalten, dass
eine kurze Ehe mit einem als dominant erlebten Mann aufgrund von ungewollter Kinderlosigkeit zur
Annahme von zwei Pflegekindern geführt habe. Die rasch darauf erfolgte
Trennung vom Ehemann bei gleichzeitiger starker Belastung durch die bei
den
Kinder habe zu grösseren Krisen und erster stationärer Behandlung ge
führt (S. 9 oben). Die Biografie sei gekennzeichnet durch immer wieder auf
tretende Krisen und eine
Chronifizierung
des Selbstkonzep
t
s als „Kranke“. Zeiten von subjektiver Gesundheit seien rar und es mache Sinn, den Fokus nicht auf die einzelnen Symptome zu richten, sondern auf die gesamte Per
sönlichkeit der Beschwerdeführerin (S. 9 Mitte). Die Art der
Beziehungsge
staltung
, die Be
schreibung der ehelichen Dynamik, auch im Zusammenhang mit den wäh
ren
d der BEFAS gemachten Erfahrung
en
, liesse die Diagnose einer
depen
den
ten
Persönlichkeitsstörung zu. Vermutlich handle es sich hierbei um
das Haupt
problem hinter der vielfältigen Symptomatik.
In diesem Zusam
menhang zu
sehen seien die Überangepasstheit, die mangelnde
Selbstfür
sorge
, das schlecht
ausgeprägte Abgrenzungsvermögen sowie das schle
cht „Nein sagen können“, welche
die Auswirkungen der Persönlichkeitsstörung im Alltag ausmachen und dazu führen
würden
, dass die Beschwerdeführerin unter starken
inner
psychischen
Druck gerate und in der Folge eine mangelhafte Toleranz für physische Symptome einschliess
lich Schmerzen entwickelt habe.
Die neu
rasthenischen Beschwerden seien in diesem Kontext zu interpretieren.
Eine Anpassungsstörung, wie sie von der
I._
diagnostiziert wor
den sei, bestehe nicht
, da sie der langjährigen Leidensgeschichte und der Kom
plexität der Beschwerdesymptomatik nicht gerecht werde (S. 9 Mitte)
.
Die therapeutischen Bemühungen hätten sich vor allem um die Symptome gedreht und hätten möglicherweise die
dependente
Persönlichkeitsstruktur als Motor des Krankheitsgeschehens zu sehr ausser Acht gelassen. Dies lasse sich am aktuellen Therapeutennetz illustrieren.
Die Beschwerdeführerin b
e
finde sich zurzeit in Behandlung bei einer Psychologin, einem Schmerzspezi
alisten, bei einer Homöopathin und Naturheilkundlerin, in Physiotherapie sowie bei einem Rheumatologen und ausserdem beim Hausarzt. Ein
Krank
heitsgewinn
durch diese professionalisierte Zuwendung bei der sozial iso
lier
ten
Patientin sei anzunehmen
(S. 9 f.)
.
Vermutlich würde das Bearbeiten der
dependenten
Beziehungsmuster zu ei
n
er Verbesserung der Selbstwirksamkeitserwartung führen und in der
F
olge das
Coping
mit den Krankheitssymptomen verbessern. Auch sollte an der
Soma
tisierungstendenz
, den übergeneralisierenden und verzerrten Kognitio
nen, der
Aggressionshemmung, den sozialen Kompetenzen sowie am Selbst
wertgefühl gearbeitet werden
. Eine schmerzmodulierende antidepressive Therapie sei ihr ebenfalls angeraten worden
(S. 10 oben).
Es liege eine grosse Symptombelastung vor und die bereits erfolgte
Chronifi
zierung
sei unübersehbar.
Die Beschwerdeführerin verfüge aber
auch über eine Menge Ressourcen wie Motivation, Introspektionsfähigkeit und ausrei
chende Differenziertheit, um mit therapeutischer Unterstützung dem Strudel von zunehmenden Symptomen und konsekutiver psychischer Mehrbelastung
zu entkommen (S. 10
).
Ihr könnten a
us psychiatrischer Sicht leichte körperliche Arbeiten mit
Wechsel
belastung
in einem reizarmen Umfeld zugemutet werden. Es sollte die Möglichkeit bestehen, gelegentliche Pausen zu nehmen und die Präsenz
pflicht sollte nicht allzu strikt sein. Ausserdem sei sie auf ein verständnis
volles, wertschätzendes Arbeitsumfeld und insbesondere auf rücksichtsvolle Vorgesetzte angewiesen. In einem solchen Umfeld soll
t
e eine
Pensums
leis
tung
von 50 % mit reduzierten Erwartungen an die Arbeitsleistung von Beginn an realisierbar sein. Einen günstigen Verlauf und auch eine geeignete therapeu
tische Bearbeitung voraussetzend, liesse sich möglicherweise eine Steigerung auf 60 bis 70 Prozent erreichen (S. 11 Ziff. 3.2).
3.
5
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin
,
erstattete am 8.
August 2013 das von der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich veranlasste Gutachten
(Urk. 6/121) und nannte als Diagnosen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit eine mittel- bis hochgradige pantonale
senso
rineurale
Schwerhörigkeit rechts, leicht- bis mittelgradige
hochtonbe
tonte
Schwerhörigkeit links und einen
Rauschtinnitus
rechts, knapp kompen
siert
(S. 21
lit
. E.).
Als Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er die folgenden:
-
Fibromyalgie Syndrom mit/bei:
-
Spannungskopfschmerzen, zervikal und lumbal betontem
Panver
tebralsyndrom
-
subjektiv Müdigkeit, schlechtem Schlaf und
Konzentrationsstörun
gen
-
schubförmige Multiple Sklerose mit/bei:
-
begleitenden vegetativen funktionellen Störungen
-
Migräne
-
anamnestisch rezidivierende depressive Störung, aktuell remittiert (ICD 10 F33.0) mit/bei:
-
reaktiv bei psychosoziale
n
Belastungsfaktoren (familiäre, berufli
che, finanzielle und gesundheitliche Probleme)
-
Verdacht auf Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit ängst
lich-abhängigen und
histrionischen
Anteilen (ICD-10 Z73.1).
Die Beschwerdeführerin habe zu ihrer aktuellen sozialen Situation
und ihrem Tagesablauf
(S. 14 f.)
ausgeführt,
dass sie auf der Terrasse ihrer Eigentums
wohnung einen Kräutergarten angepflanzt habe und die Pflanzen selber pflege
.
Zudem habe sie als Hobby das Malen angegeben. Aktuell besuche sie am Mittwochnachmittag einen Zeichnungskurs in der
K._
, es seien etwa 10 Teilnehmer. Sie arbeite an einem Fotobuch über Wander- und Spazierweg
e
sowie über die umgebende Natur, wobei sie bei ihren Spaziergängen die Wander- und Spazierwege selber fotografiere. Die Bilder
bearbeite sie selber am Co
mputer, füge diese in das Buch e
in und schreibe die Texte dazu
.
Im Sommer gehe sie gerne im
Haslisee
schwimmen.
Sie
schwimme auch gerne im Meer
.
Der 13
1/2-jährige Pflegesohn sei
jeweils
an den
Wochenenden und in den Ferien bei ihr. Sie besitze den
Führer
ausweis
und fahre Auto, so für die Einkäufe, für den Besuch von Therapien und
Arzt
konsultationen
. Mittlerweile könne sie wieder die öffentlichen Ver
kehrsmittel benutzen.
Vorher habe sie grössere Menschenansammlungen wegen Ängsten vermieden. Sie wolle demnächst auch wieder Velo fahren und sich ein Elektrovelo anschaffen.
Haushalt und die Einkäufe könne
sie
selbst bewälti
gen, weil sie die Arbeiten einteilen und bei Bedarf auch Pausen machen könne.
Sie stehe zirka um 7 Uhr auf. Nach der Körperpflege und dem Anklei
den nehme sie das Frühstück ein, bei schönem Wetter auf der Terrasse. Sie lese Zeitung, beantworte E-Mails und informiere sich im Internet. Sie sei in einer Selbsthilfegruppe für chronische Schmerzpatienten. Drei Mal pro Wo
che absolviere sie zu Hause Yoga Übungen. Danach erledige sie mit Pausen die anfallenden Haushaltstätigkeiten. Manchmal stünden am Vor
mit
tag
Arzt
besuche
und Therapien an.
Bei schönem Wetter arbeite sie am Laptop draussen auf der Terrasse, lese dort und nehme auch
das
Mittag- und Nacht
essen auf der Terrasse ein. Manchmal ruhe sie sich auf der Terrasse im Lie
ge
stuhl aus.
In der Regel mache sie am frühen Nachmittag einen Mittags
schlaf von ein bis zwei Stunden Dauer oder döse vor sich hin, um sich von der Müdigkeit und Erschöpfung zu erholen.
Nachmittags erledige sie Ein
käufe und gehe ihren Hobbys nach. Sie müsse sich zu den Einkäufen noch über
winden. Sie achte auf gesunde Ernährung. Nach dem Nachtessen schaue sie noch fern und gehe zwischen 22 und 23 Uhr zu Bett. Die Wochenenden und teilweise die Ferien verbringe sie mit ihrem Sohn.
Zuletzt sei sie letztes Jahr 2 Wochen in den Ferien gewesen. Sie habe mit einer Freundin Cornwall bereist. Sie seien mit dem Flugzeug nach England geflogen und hätten dort ein Auto gemietet, sie seien abwechslungsweise gefahren. Sie habe sich rasch
an den Linksverkehr gewöhnt. Im Sommer 2011 habe sie eine Woche
Bade
ferien
in Ägypten verbracht.
Sie
sei weiterhin bei
Dr.
D._
im
E._
in Behandlung
,
ein bis zwei M
al pro Woche, je
nach Intensität der Beschwerden.
Er führe manchmal Neuraltherapie bei ihr durch, was aber jeweils nur kurzfristig helfe. Manch
mal führe sie psychotherapeutische Gespräche. Er sei wie ein Coach.
Sie
werd
e mit Fussrefl
exzonenmassage und klassischer Massage behandelt, um Ver
span
nungen zu lösen,
ein
Mal
pro Woche
seien
Triggerpunkte
behandelt
worden
, teils ma
nuell, teils mit Dry
Needling
. Ein M
al pro Woche erfolge eine Behandlung mit Bioresonanz, um die Energieflüsse auszugleichen, ab
wechselnd mit Akupunktur
.
Weiter mache sie Lymphdrainage und nehme homöopathische Mittel. Der
Nutzen
dieser
Therapien
sei aber nicht
allzu
gross, dennoch habe sie Angst, dass sich ihr
Zustand ohne die therapeuti
schen Bemühungen verschlechte
rn würde
.
Ein M
al pro Woche sei sie in Psy
chotherapie bei Frau
L._
, dadurch gehe es ihr psychisch besser
(S. 17
)
.
Aufgrund der Krankheitsentwicklung, de
r
chronischen und im Ausmass von der Versicherten be
klagten Beschwerden und Befunde
mit einem WPI (
Wides
pread
Pain
Index) von 10 (14) und einem SS
Scale
Score von 10 seien die Diagnosekriterien für ein Fibromyalgie Syndrom alle erfüllt
(S. 27 oben)
.
Gemäss Bundesgerichtsentscheid gelte das Fibromyalgie Syndrom mit Willensanstrengung als überwindbar und sei daher versicherungs
medizinisch nicht
mehr
versichert,
ausser, es liegt eine Komorbidit
ä
t
vor, welche im Aus
mass und in der Schwere die Wi
ll
ensanstrengung
stark beeinträchtigen könnte. Eine derartige Erkrankung im somatischen Bereich liege nicht vor.
Es stelle sich daher die Frage, ob eine schwere Komorbidität im psychiatrischen Bereich vorliege
(S. 27 unten)
.
So wie sich die Versicherte aktuell von der psychischen Seite her präsentiere und mit ihren Aktivitäten (siehe aktuelle soziale Situation und Tagesablauf) sei keine depressive Episode erkennbar
.
Es
lieg
e aktuell ein remittierter Zustand vor.
D
ie
Beschwerdeführerin
zeige
Eigeninitiative und ar
beite
an einem illustrierten Buch über Wanderwege, sie
könne
wieder alleine unter Menschen, sie
könne
mit einer Freundin nach Schott
land
fliegen und das Land mit dem Auto bereisen und mehr. Was immer wieder schwer
gewo
gen habe, sei
das subjektiv empfundene reduzierte Leistungsvermögen mit
Teilarbeitspensen
und
Ängsten über Stellenverl
uste und finanzielle Schwie
rigkeiten. Bei einem Gang zur Sozialbeh
örde
würde
die Versicherte auch ihre Eigentumswohnung verkaufen
müssen
. Es
lägen
also
gewichtige psychoso
ziale G
r
ünde mit Einfluss auf die Psyche vor
.
Demnach
könne
auch aktuell eine psychis
che
Komorbidität, welche die
Wil
l
ensan
strengung
zur
Überwindung der Fibromyalgie einschränke, vereint werden. Eine
somato
forme
Schmerzstörung liege nicht vor
(S. 28 unten)
.
Bezüglich Kopfschmerzen
lieg
e wahrscheinlich eine
eigenständige Migräne vor
(S. 27 oben).
Bezüglich Arbeitsfähigkeit in der angesta
mmten Tätigkeit als
Handarbeits
l
ehrerin
in einer No
r
malklasse
könne
aufgrund der vorliegenden
sensori
neuralen
Schwerhö
ri
gke
i
t aktuell eine Arbeitsunfähigkeit von 100
% attes
tiert werden, die aber
noch nicht aus
t
h
erapiert
sei
und medizinisch theore
tisch ab September 2013
(Termin zur Hörgeräteversorgung, vgl. S. 24 Mitte)
innerhalb
eines halben Jahres wieder zur vollen Arbeitsfähigkeit führen
könne
, also ab März 201
4.
Aufgrund der Fibromya
l
gie
könne
aus
versiche
rungs
medizinischer
Sicht keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden
(S. 29 oben)
.
Für eine körperlich leichte angepasste Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten und mit der Möglichkeit zu wechselnden
Körperpositionen
in ruhiger
reizarmer
Umgebung und einzelnen bis wenigen Gesprächspartnern
sei die Versicherte
zu
100
% arbeitsfähig, dies wiederum unter dem
versiche
rungs
medi
zinischen
Aspekt, dass aufgrund des Fibromyalgie Syndroms keine Arbeits
unfähigkeit attestiert
werde
. Die bisherige Tätigkeit als
Handarbeits
lehrerin
würde einer oben beschriebenen körperlich
l
eichten Tätigkeit ent
sprechen
(S. 29 Mitte)
.
3.
6
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für Neurologie
,
und
lic
. phil.
L._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
nannten m
it Kurzbe
richt vom 9. Januar 2014 (Urk. 6/127)
die folgenden Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
ängstlich verm
eidende Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.6
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren,
ICD-10 F45.41
-
chronische Migräne
-
Tinnitus und Hörverlust rechts
Zur Behandlung führten sie aus, dass seit April 2012 mit Unterbrüchen eine systemische, hypnotherapeutische und kognitiv-verhaltenstherapeutische Psychotherapie durchgeführt werde (S. 1 Mitte).
3.
7
Dr.
D._
führte
mit Bericht vom 29. Januar 2014 (Urk. 6/129) aus,
es stehe in keiner Weise die Diagnose einer Fibromyalgie im Raum. Es bestehe bei der
Versicherten eine
chronische Migräne
, ein chronisches
cervicocepha
les
Schmerzsyndrom mit/bei muskulärer
Dysbalance
und
Haltungsinsuffizi
enz
, ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei
Wirbelsäulen
fehlhaltung
/-
fehlform
und in
termittierenden Muskelschmerzen und
e
in dane
ben davon völlig unabhängiger Tinnitus und Hörverlust rechts (S. 1 Mitte). Bis
zum Ende des aktuellen Arbeitsversuches könne sicher eine 50%ige Arbeits
fähigkeit erreicht werden. Jede weitere Steigerung sei aus
schmerzmedizini
scher
Sicht langfristig nicht haltbar. Bezüglich des Arbeitsprofils könne ebenso davon ausgegangen werden, dass die Hörstörung nicht vollständig wieder behoben werden könne, so dass eine Rückkehr in den Schulbetrieb nicht sinnvoll sei (S. 2 oben)
.
3.
8
Dr.
D._
nannte mit Bericht vom 11. Juli
2014
(Urk. 6/153/6-7)
die folgen
den Diagnosen
(S. 1)
:
-
c
hronische Schmerzstörung mit somatis
chen und psychischen Fakto
ren
-
c
hronisches
cervicocephale
s
Schmerzsyndrom mit/
bei:
-
m
uskulärer
Dysbalance
und H
altungsinsuffizienz, chronischem
lum
bovertebralem
Schmerzsyndrom, intermittierende
n
generalisierte
n
My
algien unklarer Genese
-
c
hronische Migräne
-
Tinnitus und Hörverlust rechts
-
Anpassungsstörung, Angststörung mit Panikattacken und depressive Re
aktion gemischt
-
c
hronische Kiefer-, Gesichts- und Nackenschmerzen
beidseits
bei
Tendomyopathie
der Kau- und Nackenmuskulatur
beidseits
Die Beschwerdeführerin sei seit 2009 in schmerzmedizinischer Behandlung wegen ihrer chronischen Migräne in der Schmerzklinik des
E._
. Im Verlauf sei ein Tinnitus und Hörverlust rechts hinzugekommen. Da die
Ar
beitsfähigkeit beim Reintegrationsversuch auf lediglich 30 % habe gestei
g
ert werden können, sei dieser Arbeitsversuch abgebrochen worden.
Prog
nos
tisch sehe er bei der Versicherten nun eine Arbeitsfähigkeit von 30 %. Ob diese auf 50 % gesteigert werden könne
,
sei unklar
(S. 1 Ziff. 1.4)
.
3.
9
Die Ärzte der ORL-Poliklinik,
N._
, nannten mit Bericht vom 31. Juli 2014 (Urk. 6/166/1-6) eine beidseitige
sensorineurale
Schwer
hörigkeit (S. 1 Ziff. 1.1). Eine vor einigen Jahren versuchte
Hörgeräteversor
gung
habe nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Aktuell werde eine
Neu
versorgung
evaluiert. Die früher bestandenen Schwindelbeschwerden würden momentan im Hintergrund stehen (S. 1 f. Ziff. 1.4)
.
3.
10
Mit ärztlichem Zeugnis vom 18. August
2014 (Urk. 6/177) attestierte Dr.
D._
eine 30%ige Arbeitsfähigkeit.
3.11
3.
1
1
.1
Am 3
1.
Dezember 2014 erstatteten die Ärzte der
B._
ihr polydisziplinäres Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin
(Urk. 6/193
/1-33
)
.
Sie nannten fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 24 Ziff. 6.1)
:
-
selbstunsichere/asthenische
Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.6
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig lei
chte bis mittelgra
dige Episode,
ICD-10 F
33.0
-
chronische Mischkopfschmerzen mit
-
Spannungskopfschmerzen
-
Migräne mit Aura, Differentialdiagnose
vestibuläre
Migräne
-
leichtes intermittierendes
zervikozephales
und
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom
-
aktuell ohne Anhaltspunkte für eine
radikuläre
Reiz- oder senso
mo
torische Ausfallsymptomatik
3.11.2
Zum Tagesablauf habe die Beschwerdeführerin ausgeführt, o
hne morgen
d
lichem Termin schlafe sie bis
9.00 Uhr, danach mache sie eine Meditation im Bett, stehe auf, gehe ins Bad, dusche sich, ziehe sich an, nehme ein Frühstück mit Tee ein, erst später trinke sie einen Kaffee. Dann lese sie Zeitung
.
Bücher lese sie, wenn sie es von der Verfassung her könne. Danach checke sie am PC ihre Mails. Den 15-jährigen Pflegesohn sehe sie eher am Wochenende und in den Ferien, aber in einem Jahr werde er nach Hause kommen, wenn er eine Lehre absolvieren werde. Sie erledige den Haushalt soweit sie dies könne, giesse die Blumen und putze das Bad. Das Mittagessen werde warm zuberei
tet und alleine einge
nommen. Danach räume sie die Küc
he auf, anschliessend lege sie sich
zirka eine Stunde
hin und brauche absolute Ruhe. Danach gehe sie je nach Wetter spazieren oder einkaufen, manchmal treffe sie sich mit einer ehemaligen Arbeitskollegin oder Nachbarin, auch käme mal Besuch. Sie fahre E-Bike, sonst würde sie nicht mehr
Fahrrad
fahren, da ihr Ex-Ehemann ihr dies verleidet habe, weil dieser sie immer abgehängt ha
b
e. Schwimmen würde sie eher im Sommer im Naturteic
h, ins Hallenbad gehe sie nicht. W
enn sie sich zu sehr anstrenge
,
bekomme
sie Kopfschmerzen, deswegen fahre sie auch E-Bike
. Sie habe
Nordic Walking probiert, aber davon Kopfschmerzen bekommen und dies wieder einstellen müssen. Kontakt mit dem Pflegesohn habe sie während der W
oche mittels SMS und
WhatsApp
. W
enn es ihr schlecht gehe, dann ziehe sie sich zurück und es komme sogar vor, dass sie das Telefon dann nicht abnehme
. Das Abendessen nehme sie meist kalt zu
sich, anschliessend sehe sie fern. Musik höre sie eher beim Spazieren, um den Verkehrslärm auszublenden. Ansonsten lese sie gerne Bücher. Ins Bett gehe sie
um
23.00 Uhr, hier mache sie noch einmal ihre
Meditation vor dem
E
in
schlafen
(S. 14 f.)
.
Als Hobbys habe die Beschwerdeführerin Malen, Lesen und
Spazieren angegeben. Sportlich würde sie sich mittels Yoga be
tätigen. Sie wohne in einer 4.5-
Zimmerwohnung ohne Garten (Eigentumswohnung) in einem
Zwei-Personenhaushalt (S. 15 unten).
3.11.3
Aus psychiatrischer Sicht könne die aktenkundige Diagnose einer rezidivie
ren
den depressiven Störung bestätigt werden. Aktuell präsentiere sich die
Versicherte mit kognitiven Defiziten sowie mit zum depressiven Pol hin
ver
schobener Affektivität, verminderter
Hedonie
sowie subjektiven psychomot
o
rischen Defizi
ten,
daher mit einer l
eicht- bis mittelgradigen de
pre
ssiven Epi
sode. Es bleib
e
fraglich, ob und inwiefern der angegebene
Can
nabiskonsum
zur Entwicklung der
be
klagten Beschwerden und objektivierbaren Defizite
beigetragen habe
. Dies
könne
nur dann zuverlä
ssig
geklärt werden, wenn die Versicherte während mehreren Monaten konsequent vom Cann
abis abstinent bleibe
. In ihrer aktuellen Lage, wo sie seit mehreren
Jahren fluktu
ierend eine depressive
Problematik aufweis
e
,
sei
der Cannabiskonsum, unab
hängig von dessen Intensität
,
als seh
r schäd
lich einzustufen
(S. 18 Ziff. 5.1)
.
Auch
sei
die Vordiagnose einer ängstlichen Persönlichkeitsstörung (ICD-10
F60.6)
zu bestätigen
. Die Versicherte beschreib
e
sich Zeit ihres Lebens als ängstlich, wobei dies bereits
in ihrem
Schulalter zu teilweise erheblichen Sozialisierungsproblemen
geführt habe
.
Es könne vermutet
werden, dass die Auswahl des Berufes im Sinne einer Hyperkompensation
stattgefunden habe
.
Die psychische Pr
oblematik der Versicherten werde mit
organisch begründ
ba
ren Störungen
wie
Bruxismus, Migräne/Spannungskopfschmerz,
Hörver
lust
/
Tin
ni
tus
in Verbindung gebracht
, wobei bei all den Störungs
bildern eine gewisse psychische Kom
ponente im Sinne einer möglichen Besserung des
Zu
standsbildes nach stattgefundener Besserung der psychischen Situation anzu
nehmen
sei
.
Lei
der
sei
Letzteres für die Versicherte trotz langjähriger
Behandlung nicht erreich
bar, die
drei
der
Versicherten
erinnerlichen
Ver
su
che der medikamentösen Behandlung
seien
erfolglos
geblieben
. Auf dem psy
chiatrischen Fachgebiet
sei
das Vorliegen der organisch begründbaren Prob
le
m
atik
als ein erschwe
render Faktor zu sehen, wobei die Überwindbarkeit der beklagten Phänom
ene
beim Vorliegen einer erheblichen psychiatrischen
Komorbidit
ät (affektive Störung/
Persönlich
keitsstörung) relevant limitiert erschei
n
e
(S. 18 Ziff. 5.1)
.
Kurz vor der Trennung von ihrem langjährigen Ehemann
habe die Versi
cher
te zwei Pflegekinder aufgenommen und damit, soweit nachvollziehbar, eine erhebliche Belastung auf sich genommen. Sie habe drei respektive zwei Jahre
danach erstmalig eine manifeste psychiatrische Problematik entwickelt, wel
che zu diesem Zeitpunkt als Zusammenbruch und
Erschöpfungsdepres
sion
einge
ordnet worden sei. Rückblickend sei bei der Versicherten das Vor
liegen von mehreren depressiven Episoden zu eruieren, was mit der vorlie
genden Akten
lage konform sei. Zu einer weiteren Verschlechterung des psy
chischen Zustandsbildes sei es nach dem Auftreten von erheblichen
Hör
problemen
gekommen (S. 19 oben).
Aus rein psychiatrischer Sicht
sei
die Arbeitsfähigkeit der Versicherten um 50
% eingeschränkt. Die Einschränkung
ergebe
sich aus kognitiven Defiziten sowie einer relevant verminderten Stresstoleranz und erheblich reduzierten emotionalen Belastbarkeit. Tätigkeiten, welche nachts, im Schich
tbetrieb sowie unter erheblichem
emotionalem
Zeitdruck ausgeübt werden müssen,
seien
der Versicherten dauerhaft nicht zumutbar. Bei der Versicherten
sei
das Erreichen einer möglichst baldigen Verbesserung ihrer affektiven Gesundheit als prioritär anzusehen. In diesem Zusammenhang
sei
zur Aufnahme einer leitliniengerechten ambulanten psychiatrisch-psychothera
peutischen Be
hand
lung zu raten
(S. 19 Mitte)
.
3.11.4
Aus rheumatologischer Sicht ko
nnten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
genannt werden
.
Sodann nannte
der rheumatologische
Gut
achter
folgende, hier gekürzt
an
geführte
,
Diagnosen ohne Auswirkung
auf
die Arbeitsfähigkeit
(S. 19 f. Ziff. 5.2)
:
-
muskuläre
Dysbalance
am Schultergürtel beidseits mit
myotendinoge
nem
Schmerzsyndrom (aktuell
Trapezius
,
Sternocl
eidomastoideus
, Masseter und Te
mporalis beidseits)
-
chronische unspezifische Kreuzschmerzen
-
klinischer Verdacht auf
beginnende
Femoro
-Pat
el
l
ararthrose links
-
klinischer Verdacht auf beginnende degenerative
Fingergelenksverän
derungen
-
Spreizfüsse
Aufgrund der aktuellen anamnestischen Angaben
könne
auch
im Hinblick auf die ACR-Kriterien 2010 kein
Fibromyalgiesyndrom
diagnostiziert werden. Viel
mehr
stünden
lokalisierte, teils weichteilrheumatische, teils klinisch eher de
generativ bedingte Beschwerden am Bewegungsapparat im Vordergrund. Gemeinsam
sei
all
den erwähnten Diagnosen
, dass sie klinisch nicht derart aus
geprägt
seien
, dass dadurch in einer körperlich leichten bis allenfalls mittel-schweren Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsf
ähigkeit attestiert werden könn
e.
An der distalen Lendenwirbelsäule
fänden
sich bei der seg
men
talen Untersuchung
Ventralisationsschmerzen
, die an sich passend
seien
zu degenerativen Veränderungen. Die eigentlichen Provokationstests bezüg
lich Facettensyndrom oder
diskogenen
Kreuzschmerzen
seien
dagegen nega
tiv. Bezüglich allfälliger
radikulärer
Symptome
sei
auf die aktuelle neurolo
gische Begutachtung
verwiesen
. Aus diesem Grund
seien
die Beschwerden als unspezifische Kreuzschmerzen bewertet
worden.
Entsprechend den klinischen Untersuchungsbefunden könne auch hier keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit begründet werden.
Im Bereich des linken Kniegelenks
fänden
sich klinische Zeichen einer beginnenden
Femoro
- Patellararthrose. Auch hier
seien
die Befunde noch nicht eindeutig. Zudem besteh
e
therapeutisches Potenzial, z
um Beispiel
im Sinne der Einnahme von Knorpelpräparaten oder ei
nes
Quadrizepstrainings
.
Zusammenfassend könne aus rheumatologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden
(S. 20 f.)
.
3.11.5
Aus neurologischer Sicht wurde ausgeführt, dass die Frequenz der Kopf
schmerzen aktuell mit etwa einmal pro Woche angegeben worden sei. Die Beschwerdeführerin habe ihre Kopfschmerzen immer selbst mit
freiverkäuf
lichen
Schmerzmedikamenten
behandelt (S. 22 oben). Eine Behandlung im
O._
sei von der Beschwerdeführerin abgebrochen worden. Derzeit werde sie in der Schmerzklinik
E._
behandelt (S. 22 Mitte).
Hinsichtlich der berichteten Schwindelepisoden
liessen
sich diese orga
nisch schwer zuordnen, differentia
l
diagnostisch
sei
an eine mögliche
ves
tibuläre
Migräne zu denken. Andererseits
weise
der Schwindel viele Ele
mente eines phobischen
Schwankschwindels
auf
(S. 22 unten)
.
Letztlich
lasse
sich jedoch allein anhand der Anamnese nicht sicher ausschliessen, ob ein Teil der Beschwerden nicht auch in Zusammenhang mit einer
vestibulären
Mig
räne stehen könnte
(S.
23 oben
)
.
Hinsichtlich des
postulierten phobischen
Schwankschwindels
gebe es auch bezüglich der
chronifizierten
Kopfschmerzen Hinweise dafür, dass ein Teil der Kopfschmerzen mit psychischen Ursachen in Zusammenhang stehe. So
habe die Beschwerdeführerin selber ange
ge
ben, dass sie festgestellt habe, dass
mit Zunahme der Depression sich auch ihre Kopfschmerzen intensivie
ren würden. In diese Richtung weise auch die Tatsache, dass medikamentöse und rein somatisch orientierte Behandlungsansätze bisher keine Erfolge ge
zeigt hätten (
S. 23 Mitte).
Neben den Kopfschmerzen
habe
die Explorandin
berichtet
, seit etwa 2010 auch unter Rückenschmerzen zu leiden, die vor allem im unteren Rücken lokalisiert seien. Zu einer Schmerzausstrahl
ung in die Beine, einer
Sensibi
l
itätsstörung
oder auftretenden Lähmungen sei es bisher nicht gekommen. Darüber hinaus leide sie auch seit vielen Jahren unter Schmerzen in der
Halswirbelsäule
mit Schmerzausstrahlung in den Hinterkopf. In der aktuellen neurologischen Untersuchung
hätten
sich keine Hinweise für eine
radikuläre
Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptomatik oder Hinweise für eine Myelo
pathie
ergeben
(S. 23 Mitte)
.
Aus rein neurol
ogischer Sicht besteh
e
für leichte, wechselbelastende,
rücken
schonende
Tätigkeiten ohne längere Zwangshaltung eine Arbeitsfähigkeit von 80
%. Die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
lasse
sich durch einen schmerzbedingt erhöhten Pausenbedarf begründen. Bezüglich des Schwindels
würden
sich darüber hinaus qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit
ergeben
. So dürf
t
en von der Explorandin keine Tätigkeiten, die eine erhöhte Anforderung an das Gleichgewichtssystem stell
t
en, wie
zum Beispiel
Steigen auf Leitern oder Gerüste, durchgeführt werden. Bei fehlenden Hinweisen für eine
radikuläre
Reiz- oder sensomotorische Ausfallssymptomatik der
zerviko
zephalen
und
lumbovertebralen
Schmerzen
werde
zur Beurteilung auf das rheumatologische Fachgutachten
verwiesen
(S. 23 unten)
.
3.11.6
In der Gesamtbeurteilung wurde ausgeführt, dass
bei der aktuellen Untersu
chung für die Beschwerdeführerin permanente Schmerzen seit ihrer Kindheit im Vordergrund gestanden hätten, wobei sie vornehmlich Kopfschmerzen genannt habe. Sie habe schon im Alter von 12 Jahren eine medikamentöse Migränekur durchführen müssen. Wegen der gehäuften Kopfschmerzattacken und der jetzt noch dazu gekommenen Angststörung schaffe sie „gewisse Sachen“
einfach nicht mehr. Sie habe auch eine halbe Tablette
Temesta
ein
nehmen müssen, um sich überwinden zu können, hierher zu kommen
(S. 27 unten).
Bei der
internmedizinischen
Untersuchung habe ein leicht erhöht gemessener Blutdruck im Vordergrund gestanden, wobei die Beschwerde
füh
re
rin erklärt habe, dass sie zu Hause häufig Werte um 160/100
mmHg
messe. Die Beschwerdeführerin habe sofort eine dreiseitige Ausarbeitung mit dem
Titel: „Leiden-Schmerzen-Störungen“ mit den bisherigen Schmerztherapien und
Psychotherapien sowie einem kurzen Lebenslauf überreicht (S. 2
7 f.
). D
ie
Beschwerdeführerin
habe
die Trennung und Scheidung von 2004, den Burn
o
ut
im
Herbst 2005, den Tod des Vaters von 2008, den Hörverlust rechts von 20
12 und das beendete Arbeitstrai
ning jetzt vom
Juni
2014
als ein
schnei
dende Erlebnisse
beschrieben
. In den Laboruntersuchungen
seien
die Analge
tika unterhalb der Nachweisgrenze gemessen worden, was zu ihrer Mitteilung pass
e, dass sie
diese nur bedarfsweise einnehme. Das vero
rdnete Antide
pressi
vum
Amitripty
lin
und auch das
Temesta
seien
deutlich unterhalb des thera
peutischen Bereiches gemessen worden. Ein früher angegebener
Canna
bis
konsum
sei
heute nicht nachweisbar
gewesen
(S. 28 Mitte).
Zur psy
chiatri
schen Untersuchung wurde ausgeführt, dass der unerfüllte Kinder
wunsch für die Beschwerdeführerin einschneidend gewesen sei. Daraufhin sei die lang
jährige Ehe gescheitert und sie habe sich in der Betreuung für ein Pflegekind
engagiert und es trotz häufiger Schwierigkeiten nicht aufgegeben (S. 28 Mitte
).
Gesamtmedizinisch
stünden
die psychiatrischen Diagnosen im Vordergrund, die eine Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit, eine relevant ver
minderte Stressintoleranz und emotionale Belastbarkeit ergeben würden, wes
wegen die Arbeitsfähigkeit der Explorandin um 50
% eingeschränkt
sei (S. 29
unten
)
.
Für die erlernte Tätigkeit als Handarbeitslehrerin
sei
die Explorandin auf
grund der psychiatris
c
hen Diagnosen seit 2012 nicht mehr arbeitsfähig. Aus diesem Grunde
sei
der Explorandin ein Arbeitstraining im Bereich Verkaufs-
und Beratungstätigkeiten zugesprochen
worden
, was
sie bei der Firma
A._
ausgeübt habe
. Hier
sei
die Explorandin unte
r
leitlinienge
rechter
Psychothe
rapie in einem Pensum von 50
% langfristig arbeitsfähig. Im Vor
dergrund
stünden
die Einschränkungen durch die psychiatrischen Diag
nosen
(S. 29 Ziff. 7.2)
.
Für körperlich schwere und mittelschwere Tätigkeiten
sei
die E
xplorandin aufgrund des
zerviko
zephalen
und
lumbovertebralen
Schmerzsyndroms nicht mehr geeignet. Für eine körperlich leichte Verweistätigkeit
sei
die Exploran
din zu 50
% arbeitsfähig - mit den in den Fachgutachten beschriebenen
Limiten
(S. 29 Ziff. 7.3)
.
Die jetzt festgestellte Arbeitsfähigkeit sei seit März 2012 zu sehen, da sich seither keine Besserung des Gesundheitszustandes ergeben habe (Datum der Arbeitsaufgabe; S. 30 Ziff. 7.4).
3.
1
2
Mit Stellungnahme vom 15. Januar 2015 erachtete
Dr.
med.
P._
, Fach
arzt für
Anästhesiologie
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), die formalen Aspekte des G
utachtens der
B._
als erfüllt
(Urk. 6/203/5-6).
3.
1
3
Dr.
M._
und
lic
. phil.
L._
führten mit Bericht vom 2. September 2015
(Urk. 6/221)
aus, dass zu beobachten sei, dass wahr
scheinlich wegen
der Grunderkrankung (Persönlichkeitsstörung) keine An
passung auf die schnell
zunehmende Schwerhörigkeit stattgefunden habe,
sondern sich reak
tiv Panikattack
en und soziale Phobien verstärkt hätten. Die Ausübung des angestammten Berufes sei nicht mehr möglich. Es könne da
von ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin die Frage nach Dro
genkonsum im Erstgespräch wahrheitsgetreu verneint habe. Die psychosozi
alen
Belastungs
fak
toren
müssten als die Verschlimmerung mitverursachend betrachtet werden
. Aufrechterhalten würden die gesundheitlichen Beein
trächtigungen viel mehr durch die fehlende Flexibilität, welche Teil der Grunderkrankung (
dependente
und ängstliche Persönlichkeitsstörung) sei.
4.
4.
1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustandes de
r
Beschwerdeführer
in
stellte die Beschwerdegegnerin
grundsätzlich
auf das polydisziplinäre Gutachten der
B._
(vorstehend E. 3.
11
) ab.
4
.
2
Die Gutachter
der
B._
nannten als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine selbstunsichere/asthenische Persönlichkeitsstörung, eine
rezi
divierende depressive Störung, gegenwärtig leic
hte bis mittelgradige E
pi
sode,
chronische Mischkopfschmerzen mit Spannungskopfschmerzen und einer
Migräne mit Aura sowie ein leichtes intermittierendes
zervikozephales
und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom, aktuell ohne Anhaltspunkte für eine
radi
kuläre
Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptomatik. Sie kamen zum Schluss, dass
g
esamtmedizinisch die psychiatrischen Diagnosen im Vorder
grund stünden, die eine Einschränkung der kognitiven Leistungsfähigkeit, eine relevant verminderte Stressintoleranz und emotionale Belastbarkeit ergeben würden, weswegen die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
in
ei
ner Verweistätigkeit
um 50 % eingeschränkt sei
. In der angestammten Tä
tig
keit als Handarbeitslehrerin sei sie aufgrund der psychiatrischen Diagnosen seit 2012 nicht mehr arbeitsfähig
(vgl. vorstehend E. 3.
11
.1 und 3.11.6
)
.
Die Beschwerdegegnerin wich vom Gutachten der
B._
insoweit ab, als sie
nicht
auf die von den Gutachtern attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit abge
stellt und stattdessen angenommen hat,
es liege kein iv-relevanter
Gesund
heitsschaden
vor.
Die Beschwerdeführerin macht hingegen geltend, es sei auf das
B._
-Gutachten abzustel
len und die gesundheitliche Störung sei nicht überwindbar.
4.3
Umstritten ist
demnach
die Frage, ob der ausgewiesene psychische
Gesund
heitsschaden
eine Invalidität im Sinne von
Art.
8 ATSG begründet (vorste
hend
E. 1.1-
1.3
).
Vorauszuschicken ist, dass die
Beurteilung, ob ein invalidisierender
Gesund
heitsschaden
vorliegt, eine Rechtsfrage ist und damit nicht den Ärztinnen und Ärzten obliegt, sondern den rechtsanwendenden Behörden (BGE 140 V 193 E.
3.1 f., Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli
2008 E.
3.3.1). Aus rechtlicher Sicht kann von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass diese ihren Beweiswert verliert (Urteil des Bundesgerichts 8C_441/2015 vom 2
1.
August 2015 E. 3).
4.
4
Hinsichtlich der diagnostizierten
rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärtig leichte bis mittelgradige Episode,
gilt das Folgende
:
Nach der Recht
sprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermassen
thera
pieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den no
rmativen Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise
Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3). Ein solcher Sachverhalt muss
überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszu
schliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambu
lanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E. 5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_13/2016 vo
m 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
Vor dem Hintergrund des Grundsatzes der Selbsteingliederungs- und
Scha
den
minderungspflicht
ist ebenfalls zu berücksichtigen, dass ein Renten
an
spruch grundsätzlich nicht entstehen kann, solange zumutbare therapeu
tisc
he
und andere schadenmindernde Vorkehren nicht ausgeschöpft werden. Solange
durch eine tatsächlich realisierbare Veränderung der für die gesund
heitliche
Situation bedeutsamen Rahmenbedingungen eine wesentliche Ver
besserung des
(psychischen) Gesundheitszustandes und damit der dadurch einge
schränk
ten Arbeitsfähigkeit bewirkt werden kann, liegt kein invalidi
sierender Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes vor (Urteil des Bundes
gerichts 9C_947/2012 vom 1
9.
Juni 2013 E. 3.2.2 mit Hinweis).
Vorliegend erscheinen die Behandlungsmögl
ichkeiten nicht als ausgeschöpft. Die Beschwerdeführerin ging im Zeitpunkt der Gutachtenserstellung seit drei Jahren alle zwei Wochen zur Psychotherapie. Die Beschwerdeführerin gab an, mit der Therapeutin Gespräche zu führen und Achtsamkeitsübungen zu machen (Urk. 6/193 S. 41 Mitte). Der psychiatrische
Gutachter der
B._
er
achtete diese wahrgenommene Psychotherapie jedoch nicht als ausreichend
,
sondern kam zum Schluss, dass
eine leitliniengerechte ambulante psychia
trisch-psychotherapeutische Behandlung ratsam
sei
,
um
alsbald eine Verbes
serung des affektiven Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin zu errei
chen
(vorstehend E. 3.11
.3
)
.
Obschon die Beschwerdeführerin angab, nicht sa
gen zu können
, dass die
therapeutische
Behandlung ihr etwas Positives gebracht hätte (Urk. 6/193 S. 41 Mitte)
, nahm sie keinen Wechsel der Thera
peutin vor (vgl.
vorstehend
E. 3.13)
.
Ein
Wechsel
ist ihr
jedoch
zumutbar
.
Aufgrund
der augenfällig vielen
Konsultationen von Ärzten und anderen Fachpersonen
(vorstehend E. 3.4, E. 3.5) ergeben sich Hinweise
, dass die Beschwerdeführerin an diesen Institutionen in ihrer Krankheitsüberzeugung
bestärkt
(vgl. dazu bereits Schlussbericht BEFAS
vom 2. Juli
2013,
vor
stehend E. 3.
4
)
und ihr damit eine Behandlung und Heilung
möglicherweise
er
schwert wird.
Bereits im Schlussbericht BEFAS wurde darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin mit geeigneter therapeutischer Unterstützung in der Lage sein sollte, dem Strudel von zunehmenden Symptomen und konse
kutiver psychischer Mehrbelastung zu entkommen (vorstehend E. 3.
4
).
Auch erscheint die medikamen
töse Behandlung als optimierbar, denn
die
La
bor
un
tersuchung
en
zeigten
anlässlich der Begutachtung, dass die
verordne
ten
Anti
depressiva
-Medikamente weit
unter dem
therapeutischen Bereich lie
gen (vorstehend E. 3.
11
.6
).
Demnach
besteht die Chance, den Gesundheitszu
stand und damit die erwerbliche Leistungsfähigkeit durch eine adäquate psy
chia
trisch-psychotherapeutische und allenfalls psychopharmako
logische Therapie zu verbessern.
Hinzu
kommt,
dass
erhebliche Anhaltspunkte dafür
bestehen
, dass das aktu
elle Leiden der Beschwerdeführerin zu einem grossen Teil durch äussere Um
stände bedingt und zu einem grossen T
eil auch dadurch erklärbar ist (
vgl. vorstehend E.
1.3
).
So
war der u
nerfüllte Kinderwunsch für die Beschwerde
führ
erin einschneidend. 1998
und 1999 nahm sie
mit ihrem Ehmann
zwei Pflegekinder und damit eine erhebliche Belastung auf sich.
2002 kam es zur Trennung und
2004 zur Scheidung ihrer langjährigen Ehe
. Da die Beschwer
deführerin die Pflege von zwei Kindern nicht mehr erbringen konnte, wurde das eine Pflegeverhältnis
2003
aufgelöst. Aufgrund der finanziell ange
spannten Situation musste die Beschwerdeführerin ihre Berufstätigkeit
als Handarbeitslehrerin
wieder aufnehmen.
Sie fühlte sich überfordert und hatte Mühe, den Überblick über das Unterrichtsgeschehen zu behalten.
2005 kam es zu einem Burno
ut.
Als der Arbeitgeber das Pensum der Beschwerdefüh
rerin 2006 reduzierte, fühlte es sich für sie an, als sei ihr der Boden unter den Füssen weggezogen worden. Die Überforderung hat sich auch im privaten Bereich ausgewirkt, weshalb das zweite Pflegeverhältnis per 2008 ebenfalls beendet worden ist. Im selben Jahr verstarb ihr Vater.
Ab 2008 bis 2012 ar
beitete sie wieder als Handarbeitslehrerin.
Zu einer weiteren Verschlechte
rung des psychischen Zustandsbildes kam es nach dem Auftreten von erheb
lichen Hörproblemen
(Urk. 6/121/12-13,
vorstehend E. 3.1
1
). Im
Jahr 2014
brach
die Beschwerdeführerin einen
Arbeitsversuch mit anschliessendem Auf
bautraining
ab
.
Die Beschwerdeführerin erhält seit April 2014 keine Lohn
fortzahlung mehr und lebt von ihrem Ersparten (Urk. 6/193/
1-33 S.
15 unt
en). Bei einem Gang zur Sozialbehörde müsste sie wohl auch ihre Eigentums
wohn
ung verkaufen (vorstehend E. 3.5
).
Insgesamt stehen damit psycho
so
ziale
und soziokulturelle
Faktoren
, insbesondere
familiäre und berufliche Probleme
sowie
finanzielle Sorgen
im Vordergrund, deren Auswirkungen invalidenversicherungsrechtlich auszuscheiden sind.
Im Weiteren
zeigt sich im Tagesablauf der
Beschwerdeführerin
, dass sie
durchaus
über diverse Ressourcen
verfügt
.
So
schläft sie ohne morgendlichen Termin bis um 9 Uhr, mach
t
Meditation im Bett, frühstückt, liest Zeitung und je nach Ver
fassung ein Buch, checkt ihre Mails am PC,
führt selbständig ihren Haushalt,
hat verschiedene Hobb
ys
, un
ternimmt sportliche Aktivitäten, kümmert sich um ihren Pflegesohn und
nimmt regelmässig diverse ärztliche Termine wahr (vgl. vorstehend E.
3.5, E.
3.11
.2
). Auch
fährt sie Auto und benutzt zumindest phasenweise öffentliche Verkehrsmittel
(vgl. vorstehend E. 3.
5
)
, hat sich ein Elektrovelo angeschafft und hat zusammen mit einer
Freundin während zwei Wochen mit einem Mietauto Cornwall, England, bereist
.
Nach dem Gesagten stellt die vorliegend diagnostizierte rezidivierende de
pressive Störung
keine
invalidisierende Krankheit dar, da eine
Therapieresi
stenz
nicht ausgewiesen ist, psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im
Vordergrund stehen und die Beschwerdeführerin über diverse Ressourcen ve
r
fügt.
4.
5
Des Weiteren erscheint d
ie
gutachterl
iche Diagnose einer
Persönlichkeits
störung
als
fraglich. Zunächst ist nicht klar, welche Persönlichkeitsstörung diag
nostiziert wurde
.
Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine
selbstun
sichere
/asthenische Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 F60.
6.
Die
ICD-10
Klassifikation F60.6
betrifft
die ängstliche (vermeidende)
Persönlich
keits
stö
rung
, auch selbstunsichere Persönlichkeitsstörung genannt
. Die
ab
hän
g
ige
(
asthenische
)
Persönlichkeitsstörung wird durch ICD-10 F60.7 be
zeich
net
. In
dem der psychiatrische Gutachter
sowohl eine selbstunsichere als auch eine asthenische Persönlichkeitsstörung erwähnt, jedoch nur die ICD-10 Kategorie F60.6 aufführt
e
, ist unklar, welche Persönlichkeitsstörung
er
genau diagnosti
ziert
e
. Zudem
wurde nicht nachvollziehbar begründet, weshalb die
Diagnose einer ängstlichen (vermeidenden) oder abhängigen (asthenischen)
Per
sön
lichkeitsstörung
überhaupt vorliegen sollte. Der psychiatrische Gut
ach
ter be
zog
sich
hauptsächlich
auf die Vordiagnose einer ängstlichen
Persön
lich
keitsstörung
(ICD-10 F60.6), welche zu bestätigen sei und führt
e
aus, dass die Versicherte sich Zeit ihres Lebens als ängstlich beschreibe.
Dabei über
zeugt es nicht, dass Bezug auf eine Vordiagnose genommen wird, womit woh
l
die durch die behandelnden Therapeuten gestellte Diagnose gemeint ist, welche
jedoch wiederum in keiner Weise begründet wurde
(
vorstehend E. 3.
6
)
.
Auch der Umstand, dass Persönlichkeitsstörungen immer in der Kind
heit oder Ju
gend beginnen und sich auf Dauer im Erwachsenenalter mani
festieren und die Störung
en
meistens mit deutlichen Einschränkungen
der
be
ruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden sind,
die
Diagnose
ge
mäss
Aktenlage
aber erst 2006 erstmals gestellt worden ist
(Urk. 6/193/
1-3
3
S. 3
) und die Beschwer
deführerin bis dahin ständig arbeitstätig war
,
1998 und 1999
sogar
noch zwei Pflegekinder aufnahm,
lässt
an der
gestellte
n
Diagnose zweifeln.
Des Weiteren
ist der Tagesablauf
wie eben dargelegt
so beschaffen, dass er nicht zur Diagnose einer än
g
stlichen
Persönlichkeits
störung
passen mag.
Hervor
zuheben ist dabei insbesondere
de
r Besuch
der
Beschwerdeführerin
eines Zeichnungskurses in der
K._
mit zirka zehn Teilnehmern und ihre Reise in England mit de
m
Auto.
Schliess
lich
liess
sie
sich auf einen Arbeitsversuch ein,
wobei aus den Unterlagen nicht hervorgeht, dass sie dabei ausgeprägte Ängste verspürte.
Auch
das Vorliegen
einer abhängigen (asthenischen)
Per
sönlichkeitsstörung
muss bezweifelt werden
, da die Beschwerdeführerin ihr Leben selbständig führt, sich um ihren Pflegesohn kümmert, und auch sonst
aus der medi
zini
schen Aktenlage
nicht hervorgeht, dass sie bei den meisten
Lebensent
schei
dungen
an die Hilfe anderer appelliert oder die Entscheidung anderen über
lässt, ihre eigenen Be
dürfnisse unterordnet, eigene Ansprüche nicht
äussern
kann, ein unbehagli
ches Gefühl beim Alleinsein hat oder beim Treffen von
Alltagsentscheidun
gen
eingeschränkt ist
(vgl.
Weltgesundheitsorganisation, Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V, Klinisch-diagnosti
sche Leitlinien,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
9.
Aufl., Bern 2014,
Ziff.
F60.7
S.
282
)
.
Ausserdem
ist darauf hinzuweisen, dass selbst eine fachärztlich schlüssig festgestellte psychische Krankheit nicht ohne
W
eiteres
gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität ist. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträch
tigung der Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem
Ausmass
bestimmt sein (vgl. BGE 136 V 279 E.
3.2.1). Auch die Diagnose einer
Persönlichkeits
störung
weist, wie die meisten Diagnosen, keine direkte Korrelation zu einer Ar
beitsunfähigkeit auf (vgl. BGE 140 V 193 E.
3.1).
Inwiefern
sich die diag
nos
tizierte Persönlichkeitsstörung auf die Arbeitsfähigkeit auswirken soll, geht
weder
aus dem Gutachten
hervor, noch wurde es in den übrigen ärzt
lichen Berichten
plausibel dargelegt
.
Vorliegend besteht
unter Berücksich
ti
gung der
eben dargelegten Aktivitäten der B
e
schwerdeführerin, wenn über
haupt, je
den
falls
keine besonders aus
geprägte Persönlichkeitsstörung.
4.
6
Im Hinblick auf die übrigen ärztlichen Beurteilungen
des
psychischen Ge
sund
heitszustand
es
gilt es
im Übrigen
zu berücksichtigen, dass die behan
deln
den Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person
stehen
und sich zudem in erster Linie auf die Behand
lung zu konzentrieren
haben
. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlau
benden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen des
halb
kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass
Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil
des Bundesgerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Ab
stellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur
selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar
2011 E. 4.1).
Bei
med.
pract
.
Q._
,
Dr.
D._
sowie
Dr.
M._
und
lic
. phil.
L._
handelt es sich um behandelnde Ärzte der Beschwerdeführerin, wobei es sich bei
Dr.
D._
zudem um keinen Facharzt der Psychiatrie handelt.
Auch bei
Dr.
J._
, welcher ein Gutachten zu
Handen
der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich erstellte, handelt es sich nicht um einen Facharzt für Psychiatrie, sondern um einen Facharzt für Allgemeine Innere Medizin.
Soweit von den Ärzten eine Anpassungsstörung diagnostiziert worden ist
(vorstehend E. 3.3, E. 3.8)
, ist zu erwähnen, dass
eine solche
sich ge
mäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung ohnehin im
Grenz
bereich
dessen
befindet
, was überhaupt noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes und potenziell invalidisierendes Leiden gelten kann (Urteile des Bundesgerichts 8C_76/2014 vom 3
0.
September 2014 E. 3.2, 9C_153/2012
vom 1
5.
Oktober 2012 E. 4.3
, 9C_636/2007 vom 28. Juli 2008 E. 3.3.2
). Sie gilt
rechtsprechungsgemäss als vorübergehend und damit nicht invalidi
sie
rend (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_4/2013 vom 1
9.
Dezember 2013 E.
2.2).
Nach Gesagtem
vermögen die besagten Arztberichte deshalb nicht zu über
zeugen.
4.7
Soweit in somatischer Hinsicht vom neurologischen Gutachter
aufgrund eines schmerzbedingt erhöhten Pausenbedarfs
eine
nur
80%ige Arbeitsfähig
keit diagnostiziert worden ist
(vorstehend E. 3.11
.5
)
,
ist dies nicht nachvoll
ziehbar
.
So gab die Beschwerdeführerin an, nur ein Mal pro Woche Kopf
schmerzen zu haben. Zudem hat die
Beschwerdeführerin eine Behandlung im
O._
aus unklaren Gründen abgebrochen und be
handelt die Kopfschmerzen
selber mit freiverkäuflichen
Schmerzmedika
men
ten
(Urk. 6/193/60-61)
.
Schliesslich sieht der neurologische Gutachter Hin
weise dafür, dass ein Teil der Kopfschmerzen mit psychischen Ursachen in Zusammenhang ste
h
e
, da die Beschwerdeführerin angegeben ha
be
, dass mit
Zunahme der Depression sich auch ihre Kopf
schmerzen intensivieren w
ürden. Hinsichtlich der angegebenen Rücken
schmerzen wurden vom neurologischen Gutachter keine Hinweise für eine
radikuläre
Reiz- oder sensomotorische Ausfallsymptomatik oder Hinweise für eine Myelopathie gefunden.
Die Aus
prä
gung der Befunde
scheint
vorliegend
auch deshalb nicht
besonders schwer,
da ansonsten
anstelle eines Schmerzsyndroms eine Schmerzstörung diagnos
tiziert worden
wäre
.
Hin
sichtlich der Hörproblematik wurde von den Gutach
tern schliesslich
ebenfalls keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festge
stellt. Sie stellten fest, dass die beiden verordneten Hörgeräte getragen worde
n seien (Urk. 6/193/
1-33 S.
27 un
ten).
4.
8
Zusammenfassend fehlt es aus rechtlicher Sicht an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden.
Die gutachterliche Diagnose einer rezidivierenden depres
sive
n Störung
kann angesichts der nicht ausgeschöpften
Behandlungs
möglichkeiten
, der im Vordergrund stehenden invaliditätsfremden psycho
sozialen Faktoren
und den vorhandenen Ressourcen keine
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevante Arbeitsunfähigkeit begründen.
Auch die diagnosti
zierte Persönlichkeitsstörung, deren Vorliegen fraglich erscheint, begründet keine Arbeitsunfähigkeit. Des Weiteren besteht auch in somatischer Hinsicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit.
Es ist
demnach
nicht zu beanstan
den, dass die Beschwerdegegnerin von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus
gegangen ist.
Der angefochtene Entscheid erweist sich als rechtens. Dies führt zur Abwei
sung der Beschwerde.
5.
Die Beschwerdeführerin beantragte
ferner die
Zusprache
beruflicher Massnah
men
(Urk. 1 S. 2, S. 5 unten, S. 6 oben).
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Re
chtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die
zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer
Ver
fügung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genom
men
hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einsprache
ent
scheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Um
gekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer
Sach
urteilsvoraussetzung
, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungs
weise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
Der Anspruch auf berufliche Massnahmen bildet vorliegend nicht
Anfech
tungsgegenstand
der Verfügung vom 24. Februar 201
6.
Vielmehr wurde ein
Arbeitsversuch auf Wunsch der Beschwerdeführerin im Jahr 2014 abge
brochen
. Sie gab damals an, zur Ruhe kommen und zuerst die Rentenprüfung abwarten zu wollen (Urk. 6/145/4 Mitte). Im weiteren Verlauf des Verfahrens beantragte sie keine neuen beruflichen Massnahmen.
Soweit die Beschwerdeführerin berufliche Massnahmen verlangt, ist auf die Beschwerde somit nicht einzutreten.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzu
legen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
800.-- anzusetzen. Entsprechend de
m Ausgang des Verfah
rens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin auf
zuerlegen.