Decision ID: d92eb9c6-beda-480b-bf74-fdd977ae87b2
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte Vergewaltigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 18. Juli 2012 (DG120023)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 25.
April 2012 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 22).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
sowie
- des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von
27 Monaten, wovon 253 Tage (gerechnet bis 18. Juli 2012) durch
Untersuchungs- sowie Sicherheitshaft erstanden sind, sowie mit einer
Busse von Fr. 1'000.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse
schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von
10 Tagen.
5. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1, B._,
− Schadenersatz in der Höhe von Fr. 730.– sowie
− eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.– zuzüglich Zins
zu 5 % seit dem 22. April 2011
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zu entrichten. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
b) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2, C._,
Schadenersatz im Betrag von Fr. 150.– zu bezahlen.
c) Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4, D._
GmbH, Schadenersatz im Betrag von Fr. 200.– zu bezahlen.
6. a) Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 4. April 2012 beschlagnahmten
Gegenstände, werden dem Beschuldigten auf erstes Verlangen nach
Eintritt der Rechtskraft herausgegeben:
− Schuhe von A._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Herrenhose von A._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Herrenunterwäsche von A._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Herrenhemd von A._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
Werden die vorgenannten Gegenstände nicht innert 3 Monaten nach
Eintritt der Rechtskraft herausverlangt, werden sie vernichtet.
b) Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft
Winterthur/Unterland vom 4. April 2012 beschlagnahmten
Gegenstände, werden eingezogen und der Kantonspolizei Zürich nach
Eintritt der Rechtskraft zur Vernichtung überlassen:
− Leggings von B._, Marke H&M, Grösse L, schwarz, Material: Viskose 50 %, Baumwolle 46 %, Elastan 4 %, (von A._ bei Verhaftung getragen) gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Jeans-Rock von B._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Oberteil von B._, schwarz, Marke Zebra, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
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− Büstenhalter von B._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Unterhose von B._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Leibgurt von B._, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− 1 Paar Stöckelschuhe von B._, schwarz, Marke Cube, Grösse 40, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, /Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Stoffjacke von B._, schwarz, Marke H&M Divided, Grösse 42, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Decke, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, /Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− Zigarettenschachtel, leer, Marke Parisienne gelb, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, FOR-KED/Winterthur (ehemals RWU-KTD)
− 2 Zigaretten-Kippen, Marke Parisienne gelb, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, DNA-Asservatenlagerraum Zürich
− 1 Zigaretten-Kippe, Marke Philip Morris, gelagert bei der Kantonspolizei Zürich, DNA-Asservatenlagerraum Zürich
7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'670.95 Auslagen Vorverfahren (gemäss RIS)
Fr. 7'130.00 Kosten der Kantonspolizei (DNA-Auswertungskosten)
Fr. 4'500.00 Gebühr Strafuntersuchung (§ 4 GebV StrV)
Fr. Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung (ausstehend) Fr. Kosten der amtlichen Verteidigung (ausstehend)
Fr. Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens
(inklusive Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung und
derjenigen der amtlichen Verteidigung) werden dem Beschuldigten
auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden indessen
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einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. HD 68 S. 2 f.)
1. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der Vergewaltigung bzw. der
versuchten Vergewaltigung freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei des mehrfachen Hausfriedensbruchs und des
mehrfachen geringfügigen Diebstahls schuldig zu sprechen und mit
einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 10.– sowie einer Busse
von Fr. 100.– zu bestrafen, wobei festzustellen sei, dass die Strafe
durch die erstandenen Haft bereits vollumfänglich verbüsst sei.
3. Für die im übrigen Umfang zu Unrecht erstandene Untersuchungs- und
Sicherheitshaft sei der Beschuldigte mit einer Genugtuung von
Fr. 200.– pro Hafttag zu entschädigen.
4. Die Zivilansprüche der Geschädigten B._ seien abzuweisen bzw.
mangels Ausgewiesenheit auf den Zivilweg zu verweisen.
5. Die Kosten der Untersuchung sowie des vorliegenden
Gerichtsverfahrens (inkl. amtliche Verteidigung) seien im vollen
Umfang auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. HD 61, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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c) Der Vertreterin der Privatklägerin 1:
(Urk. HD 70 S. 1)
1. Das Urteil der Vorinstanz sei vollumfänglich zu bestätigen.
2. Die Kosten des Verfahrens und der unentgeltlichen
Geschädigtenvertretung seien dem Beklagten aufzuerlegen, jedoch
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
_

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichtes
Winterthur vom 18. Juli 2012 meldete der Verteidiger des Beschuldigten mit
Eingabe vom 19. Juli 2012 rechtzeitig die Berufung an (Urk. HD 46). Das
begründete Urteil wurde von ihm am 18. Oktober 2012 entgegen genommen (Urk.
HD 52). Mit Eingabe vom 25. Oktober 2012 wurde die Berufungserklärung im
Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO eingereicht und gleichzeitig beantragt, es sei in
der ehemaligen Wohnung des Zeugen E._ am F._ 1 in G._ zu
Nachtzeit bzw. bei Dunkelheit ein Augenschein durchzuführen (Urk. HD 57).
Anschlussberufungen wurden keine erhoben (Urk. HD 61 und 62). Die
Staatsanwaltschaft stellte vielmehr mit Eingabe vom 9. November 2012
ausdrücklich den Antrag auf Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. HD
61). Die Privatklägerin 1 beantragte mit Eingabe vom 16. November 2012, dass
dem urteilenden Gericht eine Person gleichen Geschlechts angehöre und dass
sie im Fall einer Befragung von einer Person gleichen Geschlechts
einvernommen werde (Urk. HD 62). Der genannte Beweisantrag des
Beschuldigten wurde mit Präsidialverfügung vom 2. Mai 2013 abgewiesen (Urk.
HD 65).
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II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen
Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der Beschuldigte liess
Dispositivziffer 1 alinea 2 und 3 (Schuldsprüche betreffend mehrfachen
Hausfriedensbruch und mehrfachen geringfügigen Diebstahl), Dispositivziffer 5 lit.
b und c (Schadenersatzansprüche der Privatklägerinnen 2 und 4) sowie
Dispositivziffer 6 (Einziehungen) des vorinstanzlichen Urteils nicht anfechten (Urk.
HD 57 S. 2). Es ist somit vorab festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in
diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
2.1. Der Beschuldigte liess, wie schon in seiner Berufungserklärung, anlässlich
der Berufungsverhandlung den Beweistrag stellen, es sei in der ehemaligen
Wohnung des Zeugen E._ ein Augenschein durchzuführen (Prot. II S. 15;
Urk. HD 68 S. 3).
2.2. Der Antrag auf Beweisergänzung ist abzuweisen, da nicht ersichtlich ist, dass
sich aus einem Augenschein in der ehemaligen Wohnung des Zeugen E._
neue Erkenntnisse ergeben könnten, die auf den Ausgang des vorliegenden
Verfahrens einen Einfluss haben könnten. Wie im Rahmen der
Sachverhaltserstellung darzulegen sein wird (nachstehend Ziff. III.5.2.2), muss
davon ausgegangen werden, dass der Zeuge E._ jedenfalls eine so gute
Sicht auf den Hinterhof des Clubs "H._" und des Restaurants "I._"
(nachfolgend Club H._ genannt) am F._ 2 in G._ hatte, dass er in
der Lage war, gewisse Wahrnehmungen zu machen. Anders kann nicht erklärt
werden, weshalb er eine zwar nicht sehr genaue, aber zutreffende Beschreibung
des Beschuldigten abgeben konnte. Hinzu kommt, dass der Zeuge den
Beschuldigten und die Privatklägerin nicht nur optisch, sondern die Privatklägerin
auch akustisch wahrgenommen hatte.
2.3. Der Auffassung der Verteidigung (Urk. HD 68 S. 6), dass die Vorinstanz mit
ihrer (sinngemässen) Bemerkung – der Beschuldigte habe über mehrere Minuten
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mit der Privatklägerin gegen deren Willen sexuelle Handlungen vorgenommen
(Urk. HD 55 S. 26) – das Anklageprinzip verletzt habe, kann nicht gefolgt werden.
Auch wenn dieser Satz vielleicht etwas unglücklich formuliert ist, lässt sich daraus
jedenfalls nicht herauslesen, dass der Beschuldigte implizit wegen sexueller
Nötigung verurteilt worden sei.
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird zusammengefasst zur Last gelegt, die Privatklägerin 1
in der Nacht vom 21. auf den 22. April 2011 in einem Hinterhof des Clubs
H._ in der Absicht, mit ihr den Geschlechtsverkehr zu vollziehen, rücklings zu
Boden gedrückt und sie am Boden mit einer Hand an deren Handgelenken über
dem Kopf festgehalten zu haben. Trotz Gegenwehr der Privatklägerin 1 habe er
mit der anderen Hand die Leggins und Unterhose der Privatklägerin 1 nach unten
und ihren Rock nach oben sowie die eigene Hose nach unten geschoben und an
der schreienden Privatklägerin 1 den vaginalen Geschlechtsverkehr vollzogen.
2.1. Vor der Berufungsinstanz hielt der Beschuldigte weiterhin daran fest, dass es
zwischen der Privatklägerin 1 und ihm einzig zu einvernehmlichen sexuellen
Handlungen gekommen sei und sie keinen Geschlechtsverkehr gehabt hätten.
Nachdem sie am fraglichen Abend in der Bar „J._“ in einer sehr exponierten
Form, Körper an Körper, gemeinsam getanzt hätten, sei es auf dem Weg in ein
anderes Lokal zu einem Austausch von Küssen und Umarmungen und
schliesslich zu gegenseitigen Berührungen im Intimbereich gekommen. Plötzlich
habe die Privatklägerin 1 sich dazu entschlossen, diese intimen Momente zu
unterbrechen. Sie sei aufgebracht gewesen und habe geschrien, allerdings nicht
aufgrund irgendeiner Gewaltanwendung von ihm. Er habe von ihr gelassen, als
sie habe aufhören wollen (Prot. II S. 11; Urk. HD 68 S. 4 f.).
2.2. Der Beschuldigte bestreitet somit, dass er die Privatklägerin 1 im fraglichen
Hinterhof in der Absicht, dort gegen ihren durch Schreie und Abwehrhandlungen
konkludent geäusserten Willen den Geschlechtsverkehr mit ihr zu vollziehen,
rücklings zu Boden gedrückt, sie am Boden sodann mit einer Hand an ihren
Handgelenken über dem Kopf festgehalten, trotz Gegenwehr ihre Leggins und
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Unterhose nach unten gerissen, ihre Beine auseinandergedrückt und sich mit
seinem Körper auf sie gelegt habe, mit seinem Penis vaginal in die vollends zum
Widerstand unfähig gemachte Privatklägerin 1 eingedrungen sei und den
Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen habe.
Demnach ist nachfolgend zu prüfen, ob sich der im Berufungsverfahren zu
beurteilende Anklagesachverhalt, soweit er vom Beschuldigten bestritten wird,
anhand der vorhandenen Beweismittel erstellen lässt.
3.1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachverhalt
aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente
nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus Art. 8
und 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in
dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten,
dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urteile des
Bundesgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2., und 1P_437/2004
vom 1. Dezember 2004, E. 4.2.; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 180; BGE
127 I 40, 120 Ia 31. E. 2b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass
sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten
ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver
Betrachtung Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile
des Bundesgerichtes 6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4., und
6B_438/2007 vom 26. Februar 2008, E. 2.1.). Die Überzeugung des Richters
muss auf einem verstandesgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den
unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann,
Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn
erhebliche oder nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der
Sachverhalt so abgespielt hat, wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach
dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro
reo", in ZBJV 1993, N 419 f.). Soweit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der
Nachweis der Tat mit Indizien zu führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen
Indizien, deren "Mosaik" zu würdigen ist (vgl. dazu auch Pra 2004 Nr. 51 S. 256,
Ziff. 1.4.; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f., Ziff. 3.4.).
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3.2. Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in
objektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von
einem bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an
dessen Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 Nr. 80;
Max Guldener, Beweiswürdigung und Beweislast, S. 7; Pra 2004 Nr. 51 S. 256
Ziff. 1.4.; BGE 124 IV 88, 120 1A 31 E. 2c). Es liegt in der Natur der Sache, dass
mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der
Beweisführung erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das
Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist (vgl.
Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 2003, Nr. 2002/387S, E. 2.2.1. mit
Hinweisen). Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel dürfen dabei nicht
massgebend sein, weil solche immer möglich sind (Hauser/Schweri/Hartmann,
a.a.O., § 54 N 12, Urteile des Bundesgerichtes 6B_297/2007 vom 4. September
2007, E. 3.4., und 1 P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2.). Es genügt also,
wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausgeschlossen werden können.
Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen.
3.3. Wie bereits angesprochen können auch indirekte, mittelbare Beweise,
sogenannte Anzeichen oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen
Schluss erlauben. Indizien sind Tatsachen, die einen Schluss auf eine andere,
unmittelbar erhebliche Tatsache zulassen. Beim Indizienbeweis wird somit
vermutet, dass eine nicht bewiesene Tatsache gegeben ist, weil sich diese
Schlussfolgerung aus bewiesenen Tatsachen (Indizien) nach der
Lebenserfahrung aufdrängt. Der Indizienbeweis ist dem direkten Beweis
gleichwertig (Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N 14). Da ein Indiz immer
nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat
hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Andersseins offen,
enthält daher auch den Zweifel (Hans Walder, Der Indizienbeweis im
Strafprozess, ZStrR 108/1991, S. 309; Derselbe, Die Beweisführung in
Strafsachen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist
jedoch zulässig, aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für
sich allein betrachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine
bestimmte Tatsache oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen
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lassen, auf den vollen rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu
schliessen (Entscheide des Bundesgerichtes 6B_365/2009 vom 12. November
2009, E. 1.4., 6B_332/2009 vom 4. August 2009, E. 2.3. mit Hinweisen, und
6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4.; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O.,
§ 59 N 15).
3.4. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind diese
frei zu würdigen. Es ist anhand sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten und
den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche Sachdarstellung
überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aussagen
ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgten. Bei der
Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder
allgemeine Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist
vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen.
Diese sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei auf das
Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht zu legen ist
(vgl. Rolf Bender, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen,
in SJZ 81 [1985] S. 53 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor
Gericht, Glaubwürdigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre, 3. Auflage,
München 2007, N 310 ff. und N 350 ff.). Die wichtigsten Realitätskriterien sind
dabei die "innere Geschlossenheit" und "Folgerichtigkeit in der Darstellung des
Geschehensablaufs", "konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebnisses"
sowie die "Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur
von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selber miterlebt hat",
"Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter und Zeuge bzw. unter
Mittätern", "Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle",
"Entlastungsbemerkungen zugunsten des Beschuldigten" und "Konstanz der
Aussage bei verschiedenen Befragungen, wobei sich aber sowohl
Formulierungen als auch die Angaben über Nebenumstände verändern können"
(Robert Hauser, Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit Berücksichtigung
des Zivilprozesses, Zürich 1974, S. 316). Andererseits sind auch allfällige
Phantasiesignale zu berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aussagen gelten
"Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen",
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"Zurücknahme oder erhebliche Abschwächungen in den ursprünglichen
Anschuldigungen", "Übersteigerungen in den Beschuldigungen im Verlaufe von
mehreren Einvernahmen", "unklare, verschwommene oder ausweichende
Antworten" sowie "gleichförmig, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen". Als
generelle Phantasiesignale nennen Bender/Nack/Treuer die "Schwarz-Weiss-
Malerei", die "Verarmung der Aussage", das "Flucht- und Begründungssignal" und
die "behauptete Akzeptanz gegenüber bezweifelbaren Rechtsverkürzungen",
wobei weiter festgehalten wird, den "Phantasiebegabten" falle es ganz allgemein
leichter, von eigenen Aussagen und Aktivitäten zu berichten, als die Antworten
und Reaktionen der Gegenseite zu erfinden. Wenn das eine oder andere
Phantasiesignal auftritt, braucht die Aussage nicht verworfen zu werden. Es ist
dann aber eine ausreichende Zahl von erstklassigen Realitätskriterien zu fordern.
Bei häufigem Auftreten von Phantasiesignalen sollten an die Zahl und Qualität der
Realitätskriterien strenge Anforderungen gestellt werden, damit eine Aussage als
zuverlässig eingestuft werden kann (Bender/Nack/Treuer, a.a.O., N 429 ff.).
3.5. Damit kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit des Aussagenden nach
neueren Erkenntnissen kaum mehr Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die
Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussagen.
3.6. Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der
verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven
Tatbestandselemente nachzuweisen (vgl. dazu Niklaus Schmid,
Strafprozessrecht, 4. Auflage, Zürich 2004, N 599) und nicht der Beschuldigte
seine Unschuld (BGE 127 I 40 und Urteile des Bundesgerichtes 1P_437/2004
vom 1. Dezember 2004, E. 4.3., sowie 6S_154/2004 vom 30. November 2005, E.
4.).
3.7. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine
Anwendung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt,
ohne dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt
nämlich insoweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene
Schutzbehauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis
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widerlegt werden muss. Ein solcher Beweis ist nur dann zu verlangen, wenn
gewisse Anhaltspunkte wie konkrete Indizien oder eine natürliche Vermutung für
die Richtigkeit der Behauptung sprechen bzw. diese zumindest als zweifelhaft
erscheinen lassen, oder wenn der Beschuldigte sie sonstwie glaubhaft macht (vgl.
Kassationsgerichtsentscheid vom 2. November 2004, Nr. AC040082, E. 3.5,
Stefan Trechsel, SJZ 1981 S. 320).
4.1. An relevanten Beweismitteln liegen neben den Aussagen des Beschuldigten
(Urk. HD 4/1-8, 4/10, 41/1 und Prot. II S. 7 ff.) und der Privatklägerin 1 (Urk. HD
5/1-2) solche von K._ (HD Urk. 6/1-3), E._ (Urk. HD 6/4-5), L._
(Urk. HD 6/6) und M._ (Urk. HD 6/7-8) vor. Ferner liegen bei den
Prozessakten die Fotodokumentationen und Unterlagen betreffend den Tatort
(Urk. HD 3/2), DNA-Analysen (Urk. HD 7/1 und 7/4), Fotoaufnahmen von den
Kleidern der Privatklägerin 1 (Urk. HD 7/3), Unterlagen des Kantonsspitals
G._ über die medizinische Untersuchung der Privatklägerin 1 (Urk. HD 8/4)
sowie zwei chemisch-toxologische Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der
Universität Zürich (Urk. HD 9/8 und 10/4). Die Aussagen von L._ sind für die
Erstellung des Sachverhaltes grundsätzlich nicht relevant (vgl. nachstehend Ziff.
5.8 in fine); weshalb die Frage, ob sie zu Lasten des Beschuldigten verwertbar
wären, offen bleiben kann. Was die übrigen Beweismittel angeht ist die Vorinstanz
zu Recht zum Schluss gelangt, dass deren Verwertbarkeit nichts entgegen steht
(Urk. HD 55 S. 9).
4.2. Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist festzuhalten, dass er
als Beschuldigter einvernommen und somit nicht unter der Strafandrohung von
Art. 307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussagen verpflichtet wurde. Zudem hat er,
wie auch die Vorinstanz festgehalten hat (Urk. HD 55 S. 20), als direkt vom
Verfahren Betroffener ein durchaus nachvollziehbares Interesse daran, die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen, zumal ihm eine
mehrjährige Freiheitsstrafe droht. Seine Aussagen sind unter diesem
Gesichtspunkt mit Vorsicht zu würdigen.
4.3. Die Privatklägerin 1 deponierte ihre Aussagen unter der strengen
Strafandrohung der Art. 303-305 StGB. Sie hat aber, da sie Zivilansprüche
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geltend macht, ein finanzielles Interesse am Ausgang dieses Verfahrens. Diese
Umstände rechtfertigen es, ihre Aussagen mit einer gewissen Vorsicht zu
würdigen.
4.4. Bei der Zeugin M._ handelt es sich um eine enge Freundin der
Privatklägerin 1. Obwohl sie unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB
einvernommen wurde, ist dies bei der Würdigung ihrer Aussagen zu
berücksichtigen. Mit Bezug auf die allgemeine Glaubwürdigkeit der übrigen
Zeugen ist darauf hinzuweisen, dass sie bis auf L._, unter der strengen
Strafandrohung gemäss Art. 307 StGB aussagten und weder zum Beschuldigten
noch zur Privatklägerin 1 in einer persönlichen Beziehung stehen. Zudem haben
sie, wie die Vorinstanz zu Recht angemerkt hat, keinerlei Interessen am
Verfahrensausgang (Urk. HD 55 S. 24).
5.1. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Befragten detailliert und korrekt
wiedergegeben (Urk. HD 55 S. 10 ff.). Es kann daher zwecks Vermeidung von
Wiederholungen grundsätzlich darauf verwiesen und nachfolgend im Rahmen der
Beweiswürdigung auf die einzelnen relevanten Aussagen eingegangen werden.
Ferner hat sie den wesentlichen Inhalt der beiden Chemisch-toxologischen
Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin, des Identifizierungsberichts des
Forensischen Instituts Zürich sowie des ärztlichen Befundes des Kantonsspitals
G._ korrekt zusammengefasst (Urk. HD 55 S. 9 f.), weshalb auch darauf
vorliegend verzichtet werden kann.
5.2.1. Von besonderer Bedeutung sind bei der Würdigung der vorhandenen
Beweismittel die Aussagen der beiden Augenzeugen K._ und E._, die
unabhängig voneinander Angaben zu den fraglichen Geschehnissen im Hinterhof
machten. Die Vorinstanz hat zu Recht festgehalten, dass diese beiden Zeugen
die Ereignisse zusammenhängend und plausibel schilderten und ihre Aussagen
sowohl bezüglich des von beiden angegebenen verzweifelten und andauernden
Schreiens der Privatklägerin 1 als auch bezüglich der Einschätzung, das
Zusammensein sei seitens der Privatklägerin 1 nicht freiwillig gewesen,
lebensnah sind und übereinstimmen (Urk. HD 55 S. 24 f.).
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5.2.2. Es liegen keinerlei Anzeichen dafür vor, dass die Zeugen K._ und
E._ nicht wahrheitsgemäss ausgesagt hätten. Insbesondere kann nicht
davon ausgegangen werden, dass der Zeuge E._ auch Umstände schilderte,
die er aufgrund der Lichtverhältnisse im Hinterhof gar nicht genau gesehen haben
konnte, wie dies die Verteidigung geltend macht (Urk. HD 41/4 S. 14; Urk. HD 68
S. 16 f.). Zwar ist richtig, dass im Nachtragsrapport der Kantonspolizei Zürich vom
2. Mai 2011 festgehalten wurde, der Hinterhof des Clubs H._ sei zur Tatzeit
unbeleuchtet gewesen (Urk. HD 2/1 S. 8). Der Zeuge E._ gab aber
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Januar 2012 auf die
Frage, wie die Lichtverhältnisse im Hinterhof gewesen seien, an, es sei dunkel
gewesen, aber man habe sehen können (Urk. HD 6/5 S. 10). Dass es dunkel
gewesen sei, hatte er schon anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme am 22.
April 2011, unmittelbar nach den fraglichen Ereignissen, zu Protokoll gegeben
(Urk. HD 6/4 S. 3). Dennoch gab er anlässlich jener Einvernahme insofern eine
Beschreibung des von ihm beobachteten, auf einer Frau liegenden Mannes ab,
als er erklärte, dieser sei schwarzhäutig gewesen und habe eine Glatze gehabt
(Urk. HD 6/4 S. 2). Geht man davon aus, dass eine Hautfarbe bei schlechten
Lichtverhältnissen dunkler wirkt als er tatsächlich ist, trifft diese Beschreibung auf
den Beschuldigten zu, von dem nur schon aufgrund seiner eigenen Angaben
feststeht, dass er es war, der sich zu jenem Zeitpunkt mit der Privatklägerin 1 im
Hinterhof des Clubs H._ aufhielt. Der Beschuldigte trug seine Haare in der
fraglichen Nacht so kurz, dass es aus einigen Metern Distanz in der Dunkelheit so
ausgesehen haben muss, als hätte er eine Glatze gehabt (vgl. Urk. HD 6/2, letzte
Seite), weshalb er denn auch vom Zeugen K._ ebenfalls als glatzköpfig
beschrieben wurde (Urk. HD 6/1 S. 3). Hinzu kommt, dass der Zeuge E._
zurückhaltend aussagte und er auch angab, was er nicht gesehen habe, nämlich
z.B. welche Kleider der Mann im Hinterhof trug, ob er irgendwelche besonderen
Merkmale besass, dass er die Frau, die unter dem Mann gelegen sei, nicht ganz
habe sehen können und auch nicht habe sehen können, ob sie sich habe wehren
wollen (Urk. HD 6/4 S. 2). Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 19. Januar 2012 gab er darüber hinaus zu Protokoll, den anwesenden
Beschuldigten nicht zu kennen; dieser komme ihm nicht bekannt vor (Urk. HD 6/5
- 16 -
S. 3). Sodann ist darauf hinzuweisen, dass der Zeuge E._ nicht nur darlegte,
was er beobachtet, sondern auch, was er gehört habe, nämlich die verzweifelten
Schreie der Privatklägerin 1 (Urk. HD 6/4 S. 2). Seine Aussagen zu den optischen
und akustischen Wahrnehmungen ergeben ein in sich geschlossenes,
lebensnahes Bild, das sich zudem in den wesentlichen Punkten mit den Angaben
des Zeugen K._ deckt. Dass der Zeuge E._ anlässlich seiner
Einvernahme vom 19. Januar 2012 deutlich zurückhaltender aussagte als
anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 22. April 2011, spricht nicht gegen
die Glaubhaftigkeit seiner Angaben. Die Einvernahme vom 22. April 2011 erfolgte
wenige Stunden nach den fraglichen Ereignissen, als der Zeuge alles in
unmittelbarer Erinnerung hatte. Demgegenüber lagen die Vorfälle im Zeitpunkt
der Einvernahme vom 19. Januar 2012 fast neun Monate zurück, weshalb
nachvollziehbar ist, dass der Zeuge nicht mehr ganz genaue Erinnerungen an die
fragliche Nacht hatte. Soweit er anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme geradezu auffallend zurückhaltend aussagte, kann dies auch damit
zusammenhängen, dass er sich den Vorwurf gefallen lassen muss, von seinem
sicheren Standort am Fenster im zweiten Stock der benachbarten Liegenschaft
aus nicht alles unternommen zu haben, um das mutmassliche Verbrechen, das
sich gemäss seinen Wahrnehmungen vor seinen Augen ereignete, zu
unterbrechen und das potentielle Opfer vor Schlimmerem zu bewahren.
5.2.3. Hinzu kommt, dass die Schilderungen der beiden Zeugen E._ und
K._ mit den ärztlichen Befunden des Kantonsspitals G._, in dem die
Privatklägerin 1 noch in der fraglichen Nacht untersucht wurde, im Einklang
stehen. Gemäss dem Bericht über die durchgeführte medizinische Untersuchung
wies die Privatklägerin 1 Schürfwunden und diskrete Suffusionen an der
Innenseite des Oberarms links sowie an der Innenseite des Unterarms links,
medial am Rücken, an beiden Gesässbacken, am Oberschenkel aussen rechts,
an beiden Unterschenkeln hinten, am Knöchel rechts und an der Innenseite
beider Oberschenkel auf und wurden im Genitalbereich eine dezente Rötung
lateral von der kleinen rechten Schamlippe sowie Schürfungen und Kratzspuren
beim Übergang perianal zu beiden Oberschenkeln festgestellt. Aus dem
anlässlich der fraglichen Untersuchung erstellten Fragebogen und der
- 17 -
Fotoaufnahme der Innenseite des linken Unterarms ergibt sich präzisierend, dass
sich diskrete Verletzungen am linken Unterarm auch an der linken Innenseite des
Pulses befanden (Urk. HD 8/5 S. 6; Urk. HD 8/6). Es wurde festgehalten, dass
eine Selbstbeibringung aufgrund des Verletzungsmusters eher unwahrscheinlich
sei, die Verletzungen hingegen durch heftiges Wehren seitens der Patientin
erklärbar seien (Urk. HD 8/4 S. 1). Entgegen den Ausführungen der Verteidigung
(Urk. HD 68 S. 7 und S. 14) sind somit auch Verletzungen an den Handgelenken
– bzw. am linken Handgelenk – der Privatklägerin 1 ausgewiesen. Diese sind auf
den Fotos zwar kaum sichtbar (Urk. HD 8/6 Blatt 4 und 5), aber auf der
entsprechenden Schemazeichnung des Fragebogens eingezeichnet (Urk. HD 8/4
S. 6). Im Übrigen deckt sich dieses Verletzungsbild mit den Aussagen der Zeugin
N._ (Urk. HD 6/8 S. 13; vgl. nachstehend Ziff. 5.6.).
5.2.4. Der Vorinstanz ist daher darin zu folgen, dass vorbehaltslos auf die
Aussagen der Zeugen E._ und K._ abgestellt werden kann.
5.3.1. Bei den Aussagen der Privatklägerin 1 ist, wie schon von der Vorinstanz
dargelegt wurde (Urk. HD 55 S. 14), zu berücksichtigen, dass diese, wie sich aus
dem chemisch-toxologischen Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin ergibt, im
Zeitpunkt des fraglichen Geschehens einen Blutalkoholgehalt zwischen 1,90 und
2,86 Gewichtspromille aufwies und sie demzufolge jedenfalls nahe an einem
Rausch war, der sich durch deutliche Gang- und Sprachstörungen kennzeichnet
und bei dem später häufig eine Amnesie eintritt (Urk. HD 10/4 S. 2 f.). Dass sich
die Privatklägerin 1 bei den Einvernahmen nicht mehr an viel erinnern konnte,
was sie auch deklarierte (Urk. HD 5/1 S. 2 und S. 6; Urk. HD 5/2 S. 5 ff.), und die
Angaben, die sie machte, teilweise von denjenigen der genannten Zeugen
abweichen, erstaunt unter diesen Umständen nicht weiter. Zudem muss davon
ausgegangen werden, dass die Privatklägerin 1 bei ihrer polizeilichen
Einvernahme vom 22. April 2011, die um 3.46 Uhr begann (Urk. HD 5/1 S. 1),
noch stark alkoholisiert war. Im Zeitpunkt der Blutentnahme, am 22. April 2011 um
06.00 Uhr, wies sie nämlich immer noch einen Blutalkoholgehalt von 1,50 bis 1,58
Gewichtspromille auf (Urk. HD 10/4 S. 2). Ihre Aussagen anlässlich dieser
- 18 -
Einvernahme sind daher auch aus diesem Grund mit der gebotenen Vorsicht zu
würdigen.
5.3.2. Anzeichen dafür, dass die Privatklägerin 1 bewusst Falschaussagen
gemacht hätte, sind indessen, wie auch die Verteidigung anzunehmen schien
(Urk. HD 41/4 S. 9 sowie Urk. HD 68 S. 10; vgl. demgegenüber Urk. HD 41/4 S.
11), nicht ersichtlich. Ferner lässt sich entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. HD 41/4 S. 15 f.; Urk. HD 68 S. 17 f.) nichts daraus ableiten, dass ihre Jacke
nicht unmittelbar am Ort des Geschehens aufgefunden wurde. Einerseits kann sie
diese unterwegs verloren haben. Weitaus wahrscheinlicher ist aber, dass der
Beschuldigte sie nach den Geschehnissen an sich nahm, wie er dies auch mit
ihren Leggins tat, sie dann aber später liegen liess. Ein Indiz dafür, dass er sich
auch am Ort, an dem die Jacke aufgefunden wurde, aufhielt, ist darin zu
erblicken, dass auf einer Bank neben der Jacke eine leere Zigarettenpackung der
Marke Parisienne gefunden wurde (Urk. HD 3/1; Urk. HD 3/2 S. 1), der Marke, die
der Beschuldigte im Zeitraum der fraglichen Ereignisse rauchte (Urk. HD 7/4).
Entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 41/4 S. 12) ist darüber hinaus
durchaus glaubhaft, dass im Rahmen der am 22. April 2011 bei der Privatklägerin
1 vorgenommenen Untersuchung eine Hepatitis festgestellt wurde. Im von der
Verteidigung angesprochenen Arztbericht vom 27. Januar 2012 wurde, wie sich
aus den Antworten auf verschiedene Fragen ergibt, offensichtlich nur auf die
anlässlich der eigentlichen Untersuchung erhobenen Befunde abgestellt, weshalb
darin unter Ziffer 12 festgehalten wurde, gewisse Infektionen könnten
möglicherweise erst später nachgewiesen werden (Urk. HD 8/4 S. 2). Zudem ist
nicht davon auszugehen, dass die Privatklägerin 1 die Hepatitis-Infektion
anführte, um den Beschuldigten zu belasten, erklärte sie doch zugleich, dass dies
nicht schlimm gewesen sei, weil sie dagegen geimpft gewesen sei, und gab sie
doch ausserdem an, dass die Hepatitis nicht ausgebrochen sei. Sie erklärte
sogar, nicht zu wissen, ob die Ansteckung beim Vorfall erfolgt sei (Urk. HD 5/2 S.
24).
5.3.3. Es liegen deutliche Anhaltspunkte dafür vor, dass die Privatklägerin 1 bei
ihren Einvernahmen Personen und einzelne Sequenzen des fraglichen Abends,
- 19 -
an die sie sich zu erinnern vermochte, durcheinander brachte, andere falsch
einordnete und es auch zu Verwechslungen kam, was die vielen von der
Verteidigung zu Recht angeführten (Urk. HD 41/4 S. 9 ff.; Urk. HD 68 S. 11 ff.)
und auch von der Vorinstanz angesprochenen (Urk. HD 55 S. 22 f.)
Widersprüchlichkeiten in ihren Aussagen erklärt. So ging die Privatklägerin 1
anlässlich der ersten Einvernahme, die, wie erwähnt, noch in der fraglichen Nacht
stattfand, davon aus, dass es sich um zwei Täter gehandelt habe, von denen
sicher einer schwarzhäutig gewesen sei und einer ein wenig ... [Sprache des
Staates O._] gekonnt habe (Urk. HD 5/1 S. 5 f.), wobei diese Merkmale auf
den Beschuldigten insofern zutreffen, als dieser dunkler Hautfarbe und ...
Muttersprache [des Staates O._] ist. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme erklärte sie, dass sie auch ...[Sprache des Staates O._]
gesprochen habe (Urk. HD 5/2 S. 8), was angesichts dessen, dass der
Beschuldigte damals gemäss seinen glaubhaften Angaben kaum Deutsch sprach
(Urk. HD 4/2 S. 10), zutreffen dürfte, auch wenn dieser anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung zu verstehen gab, sie hätten englisch
gesprochen (Urk. HD 41/1 S. 12). Irgendwie muss der Beschuldigte aber zu
seiner Einschätzung gelangt sein, dass die Privatklägerin 1 sehr schlecht ...
[Sprache des Staates O._] verstehe. Ferner erklärte sie, dass sie sich
damals (gemeint: direkt nach den Geschehnissen) an zwei dunkelhäutige
Personen habe erinnern können, dies aber nun nicht mehr der Fall sei (Urk. HD
5/2 S. 8). Demgegenüber ging sie im Verlauf dieser Befragung plötzlich davon
aus, dass an den Geschehnissen drei Personen beteiligt gewesen seien, von
denen zwei sie festgehalten hätten und der Dritte „es gemacht“ habe (Urk. HD 5/2
S. 13). In diesem Zusammenhang gab sie an, dass zwei Personen wirklich
schwarz gewesen seien und die dritte Person, die über ihr gelegen sei, nicht so
dunkel gewesen sei. Ferner hätten die wirklich schwarzen Personen, die dort
gewesen seien, nicht ... [Sprache des Staates O._] gesprochen, sie wisse
aber, dass sie mit jemandem ... [Sprache des Staates O._] gesprochen habe
(Urk. HD 5/2 S. 19). Die Aussagen der Privatklägerin 1 zur Beteiligung von zwei
oder drei Personen stimmen nicht mit den – wie dargelegt – glaubhaften Angaben
der Zeugen E._ und K._ überein, die übereinstimmend aussagten, es
- 20 -
sei nur ein Mann vor Ort gewesen. Zudem sind auch die Angaben des
Beschuldigten dahingehend zu verstehen, dass er der einzige Mann vor Ort
gewesen war. Da der Zeuge K._, der die Privatklägerin 1 nach den
Geschehnissen im Hinterhof für eine kurze Zeit betreute, ... Staatsangehöriger
[des Staates P._] ist (Urk. HD 1/2 S. 3), weshalb er möglicherweise einen
deutlich dunkleren Teint hat als ein Westeuropäer, ist indessen in Betracht zu
ziehen, dass die Privatklägerin 1 diesen fälschlicherweise für einen Täter hielt,
weil sie die Personen und Abläufe, mit denen sie am Abend des 21. und in der
frühen Nacht des 22. April 2011 konfrontiert war, aufgrund der Folgen ihrer
hochgradigen Alkoholisierung im Nachhinein nicht mehr in jedem Fall richtig
einordnen konnte. Dass sie dem von ihr wahrgenommenen zweiten Täter keine
aktive Rolle zuschrieb, sondern davon ausging, dieser sei Zuschauer gewesen
(Urk. HD 5/1 S. 10), würde in dieses Bild passen. Auch die von der Verteidigung
angesprochene Aussage der Privatklägerin 1, die unbekannten Männer hätten
einen Schlüssel zum Öffnen eines Raums gehabt (Urk. 5/1 S. 10; Urk. HD 41/4 S.
11), liesse sich mit dieser These vereinbaren. Der Zeuge K._ sagte nämlich
aus, er habe die Privatklägerin 1 nach den Ereignissen im Hinterhof mit in den
Club H._ genommen und dabei die Hintertür des Lokals mit seinem
Schlüssel auf- und hinter sich wieder abgeschlossen (Urk. HD 6/1 S. 2; Urk. HD
6/2 S. 2 und S. 4; Urk. HD 6/3 S. 4). Es ist ferner naheliegend, dass die von der
Privatklägerin 1 gemachte Aussage, sie wisse nur, dass sie irgendwo rein
gegangen sei und „die“ abgeschlossen hätten (Urk. HD 5/1 S. 7), ebenfalls diesen
Vorgang betraf, dieser aber von der Privatklägerin 1 aufgrund ihrer starken
Alkoholisierung nachträglich falsch eingeordnet wurde. Dafür spricht
insbesondere, dass sie anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
16. Dezember 2011 angab, dass sie durch einen Hintereingang gegangen sei und
mit diesen Personen, mit welchen sie ... [Sprache des Staates O._]
gesprochen habe, im Raum gewesen sei (Urk. HD 5/2 S. 14), obwohl in jenem
Moment nur der Zeuge K._, der mit einem allfälligen sexuellen Übergriff
zweifelsohne nichts zu tun hatte, sondern der Privatklägerin 1 im Gegenteil zu
Hilfe geeilt war, bei ihr war. Das Gleiche gilt für die anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16. Dezember 2011 deponierte
- 21 -
Aussage, sie wisse noch, dass sie einmal in einem Raum gewesen sei, wo die
Stühle verkehrt auf den Tischen gestanden seien (Urk. HD 5/2 S. 8), sagte doch
der Zeuge K._ aus, er sei dabei gewesen, die Tische im geschlossenen
Lokal zu reinigen (Urk. HD 6/1 S. 2; Urk. HD 6/3 S. 4). Die Privatklägerin 1 nahm
denn auch im Laufe ihrer zweiten Befragung ebenfalls an, dass ihre
diesbezüglichen Wahrnehmungen den Club H._ betrafen (Urk. HD 5/2 S. 8).
Dass sich die Privatklägerin 1 an Stühle erinnerte (Urk. HD 5/1 S. 6), lässt sich mit
den Bildaufnahmen vom Hinterhof vereinbaren, denn gemäss diesen befanden
sich darin aufeinandergestapelte Gartenstühle (Urk. HD 3/2 S. 1). Nicht einordnen
lässt sich hingegen ihre Aussage, sie sei auf einem Holzboden gelegen und es
habe hellgrüne Stühle um sie herum gehabt (Urk. HD 5/1 S. 9), denn diejenigen
im Hinterhof waren blau und hellbraun, und der Boden war mit Steinen gepflastert
(Urk. HD 3/2 S. 1). Dagegen passen die Kieselsteinchen, welche die
Privatklägerin 1 anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16.
Dezember 2011 erwähnte, resp. ihre Beschreibung der zur Bodenbeschaffenheit
als „etwas, das sehr rau war“ (Urk. HD 5/2 S. 8 und S. 16), zum mutmasslichen
Tatort (Urk. HD 3/2 S. 1). Nicht erklären lässt sich schliesslich, weshalb die
Privatklägerin 1 angab, sie habe Barhocker neben ihrem Kopf gehabt (Urk. HD
5/1 S. 10), und sie sich an einen grünen Boden erinnerte (Urk. HD 5/2 S. 8).
Denkbar ist aber, dass auch solche Angaben auf Wahrnehmungen beruhten,
welche die Privatklägerin 1 im Laufe des Abends machte, und es sich nicht um
Halluzinationen bzw. Einbildungen handelte, wie die Verteidigung annahm (Urk.
HD 41/4 S. 9; Urk. HD 68 S. 10).
5.4.1. Was die Aussagen des Beschuldigten angeht, ist zunächst darauf
hinzuweisen, dass er im Zeitpunkt der fraglichen Ereignisse einen
Blutalkoholgehalt von 2,51 bis 3,92 Gewichtspromille aufwies (Urk. HD 9/8).
Anders als bei der Privatklägerin 1 ist bei ihm aber davon auszugehen, dass er
die Ereignisse durchaus in Erinnerung hat. Anders lassen sich seine doch
detaillierten Aussagen dazu, wie der fragliche Abend aus seiner Sicht ablief, nicht
erklären. Gemäss dem Aktengutachten des Instituts für Rechtsmedizin der
Universität Zürich vom 26. März 2012 weist der Beschuldigte denn auch mit
- 22 -
Bezug auf Trinkalkohol eine erhebliche Toleranzentwicklung auf (Urk. HD 11/11
S. 8).
5.4.2. Mit Bezug auf das Aussageverhalten des Beschuldigten sticht, wie auch die
Vorinstanz festgehalten hat (Urk. HD 55 S. 20), sofort ins Auge, dass dieser seine
Aussagen fortlaufend dem jeweiligen Stand der Ermittlungen anpasste. Gab er in
der ersten und zunächst auch noch in der zweiten Befragung an, die
Privatklägerin 1 gar nicht zu kennen, demzufolge auch keine sexuellen Kontakte
mit ihr gehabt zu haben und noch nie am mutmasslichen Tatort gewesen zu sein
(Urk. HD 4/1 S. 5 ff.; Urk. HD 4/2 S. 7 ff.), folgte erst, nachdem ihm klar geworden
sein dürfte, dass die ihm vorgehaltenen, ihn belastenden Aussagen des Zeugen
K._ und die Sicherstellung seiner DNA an am mutmasslichen Tatort
aufgefundenen Zigarettenstummeln sowie an der Unterhose der Privatklägerin 1
(Urk. HD 7/4), nicht wegzudiskutieren sein würden, eine erste zaghafte Zugabe,
dass am fraglichen Abend etwas mit einem betrunkenen Mädchen gewesen sei
(Urk. HD 4/2 S. 15 f.). Auch in der delegierten Einvernahme vom 6. Dezember
2011 versuchte der Beschuldigte offensichtlich, die Geschehnisse
herunterzuspielen, indem er von sich aus lediglich erklärte, es sei gegenseitig zu
Küssen und Umarmungen gekommen (Urk. HD 4/4 S. 2), und es präziser
Nachfrage bedurfte, bis er zugab, die Privatklägerin 1 auch im Intimbereich sowie
wahrscheinlich an den Brüsten gestreichelt zu haben. Dass er dabei widerwillig
und genervt Auskunft gab und jede Kooperation vermissen liess, spricht jedenfalls
nicht für ihn (Urk. HD 4/4 S. 3 ff.). In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 16. Dezember 2011 bestätigte er die Richtigkeit seiner bisherigen Aussagen
(Urk. HD 4/5 S. 2), und in derjenigen vom 22. Februar 2012 blieb er ebenfalls
dabei (Urk. HD 4/8 S. 2), wobei er nunmehr die Berührungen an den Brüsten der
Privatklägerin 1 zugab, ohne irgendwelche Zweifel zu äussern (Urk. HD 4/8 S. 5).
Die zugegebenen sexuellen Handlungen abzustreiten wäre indessen wenig
sinnvoll gewesen, denn es ist nicht ersichtlich, aus welchem anderen Grund der
Beschuldigte im Zeitpunkt, in dem der Zeuge K._ den Hinterhof betrat, keine
Hose trug und die Privatklägerin 1 ihre Leggins nicht mehr anhatte. Aus dem
Aussageverhalten des Beschuldigten lässt sich nichts ableiten, was für die
- 23 -
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zum von ihm bestrittenen Teil des eingeklagten
Sachverhalts sprechen würde.
5.5. Dass die Privatklägerin 1, wie sie angab, auf dem Rücken auf dem Boden lag
und der Täter sich auf ihr befand (Urk. HD 5/1 S. 8; Urk. HD 5/2 S. 14 ff.), wurde
vom Zeugen E._ zwar anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom
22. April 2011 bestätigt (Urk. HD 6/4 S. 2), hingegen nicht mehr im Laufe seiner
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Januar 2012 (Urk. HD 6/5 S. 8).
Die Schilderung der Privatklägerin 1 steht aber insofern auch in Einklang mit den
glaubhaften Aussagen des Zeugen K._, als dieser angab, bei seinem
Eintreffen am Ort des Geschehens sei die Frau am Boden gelegen (Urk. HD 6/1
S. 2; Urk. HD 6/2 S. 3; Urk. HD 6/3 S. 5). Dass der Zeuge K._
demgegenüber erklärte, der Mann sei, mit einer Unterhose bekleidet, neben ihr
gestanden (Urk. HD 6/1 S. 2 f.) resp. er habe links neben ihr am Boden gekauert
oder sei gesessen (Urk. HD 6/2 S. 3; Urk. HD 6/3 S. 4 ff.), lässt sich damit
erklären, dass dieser Zeuge in einem Zeitpunkt an den Ort des Geschehens kam,
als das Kerngeschehen bereits sein Ende gefunden hatte, seine optischen
Wahrnehmungen somit in einem späteren Zeitpunkt einsetzten als diejenigen des
Zeugen E._. Dafür, dass die Privatklägerin 1 am Boden lag, sprechen
schliesslich auch ihre Verletzungen am Rücken (Urk. HD 8/6 S. 1 und 2), die sich
nicht damit erklären lassen, dass die Zeugin M._ die Privatklägerin 1 später
am Abend gewaltsam aus dem J._ zog (vgl. Urk. HD 6/8 S. 6 f.) und auch
nicht auf einvernehmliche sexuelle Handlungen zurückgeführt werden können,
wie die Verteidigung argumentierte (Urk. HD 41/4 S. 6; Urk. HD 68 S. 8), da der
Beschuldigte, wie die Vorinstanz zu Recht anmerkte (Urk. HD 55 S. 26), angab,
man sei zärtlich miteinander umgegangen. Auch die These der Verteidigung,
wenn die Verletzungen durch das Liegen am Boden entstanden wären, hätte das
von der Privatklägerin 1 getragene Oberteil entsprechende Beschädigungen
aufweisen müssen (Urk. HD 41/4 S. 5; Urk. HD 68 S. 7 f.), ist nicht stichhaltig.
Zum einen ist notorisch, dass Verletzungen dieser Art auch entstehen können,
während die Bekleidung darüber intakt bleibt. Zum andern ist denkbar, dass das
von der Privatklägerin 1 getragene Oberteil nach oben rutschte und sie mit
nacktem Rücken auf dem Steinboden lag. Damit sind die Ausführungen des
- 24 -
Beschuldigten anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 22.
Februar 2012, die Privatklägerin 1 und er seien sich zuerst gegenüber gestanden
und dann gegenüber gesessen, jedoch nie auf dem Boden gelegen (Urk. HD 4/8
S. 7 f.), die er später selber relativierte (Urk. HD 4/8 S. 16), widerlegt. Daran, dass
die Privatklägerin 1 auf dem Rücken und der Beschuldigte auf ihr lag, können
keine Zweifel bestehen. Es liegt nahe, dass der Beschuldigte das Liegen am
Boden abzustreiten versuchte, weil dies für eine Vergewaltigung, wie sie ihm in
der Anklage vorgeworfen wird, typisch wäre.
5.6. Die Schilderung der Privatklägerin 1, sie sei gewaltsam zu Boden gedrückt
worden (Urk. HD 5/1 S. 6, Urk. HD 5/2 S. 14), wurde gut drei Stunden nach den
Ereignissen vom Zeugen E._ bestätigt, der angab, dass er gesehen habe,
wie der von ihm wahrgenommene Mann die Frau mit Gewalt am Boden habe
festhalten wollen (Urk. HD 6/4 S. 2). Dass er dies anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 19. Januar 2012 nicht mehr
bestätigen konnte oder wollte (Urk. HD 6/5 S. 8), ändert nichts daran, dass auch
seine weiteren zu Protokoll gegebenen Wahrnehmungen auf ein gewaltsames
Vorgehen des Beschuldigten hindeuten. So gab der Zeuge E._ an, dass er
beim Anblick der Geschehnisse im Hinterhof geschockt gewesen sei und gar nicht
habe glauben können, was er gesehen habe. Er habe gar nicht zuschauen wollen
und sich gefragt, was er machen solle. Er habe sich gefragt, was „die dort unten“
tun (Urk. HD 6/5 S. 4). Auch seine Aussage, er habe am Fenster gerüttelt, um
Lärm zu machen und gehofft, dass die beiden Personen ihn dadurch hören und
weggehen würden (Urk. HD 6/5 S. 5 und S. 9), deutet auf eine gewisse Dramatik
des Wahrgenommenen hin. Bestätigt wird das von ihm skizzierte Bild dadurch,
dass sowohl er als auch der Zeuge K._ klar der Meinung waren, dass sich
die Privatklägerin 1 nicht freiwillig in der von ihnen wahrgenommenen Situation
befand (Urk. HD 6/5 S. 7; Urk. HD 6/3 S. 8). Dass die Privatklägerin 1 gewaltsam
zu Boden gedrückt wurde, ist daher erstellt. Ferner können keine Zweifel daran
bestehen, dass die Privatklägerin 1 gewaltsam und gegen ihren Willen an den
Händen festgehalten wurde. Dabei ist nebensächlich, dass der diesbezügliche
Vorwurf stimmig ins Bild passt, das der Zeuge E._ von den Geschehnissen
im Hinterhof zeichnete. Weitaus bedeutungsvoller ist, dass dieser Vorwurf in
- 25 -
Einklang steht mit dem Verletzungsbild am linken Unterarm der Privatklägerin 1
(Urk. HD 8/5 S. 6), welches nach den Geschehnissen auf dem Heimweg ihren
glaubhaften Angaben zufolge auch von der Zeugin M._ wahrgenommen
wurde (Urk. HD 6/8 S. 7 und S. 13). Diese erklärte, dass sie blaue Flecken um
das Handgelenk der Privatklägerin 1 gesehen habe; es habe danach
ausgesehen, als hätte sie jemand dort festgehalten. Diese Verletzungen habe sie
erstmals auf dem Polizeiposten wahrgenommen; sie seien im Zeitpunkt, als sie
von zuhause weggegangen seien, noch nicht da gewesen (Urk. HD 6/8 S. 13).
Die Aussage der Privatklägerin 1, dass sie sich auch mit den Händen gewehrt
habe, steht im Übrigen keineswegs in Widerspruch zu ihrer Schilderung, wonach
sie während des Geschehens an den Händen festgehalten worden sei (Urk. HD
5/1 S. 10) resp. dies annehme (Urk. HD 5/2 S. 15). Sie erklärte nämlich auch, der
Täter habe mit einer Hand ihre Beine festgehalten und mit der anderen Hand die
Leggins ausgezogen, während sie am Boden gelegen sei (Urk. HD 5/1 S. 11),
was darauf schliessen lässt, dass sie selber nicht davon ausging, während der
ganzen Zeit an den Händen festgehalten worden zu sein. Wenn es tatsächlich
nicht möglich wäre, das Opfer einer Vergewaltigung mit einer Hand festzuhalten
und mit der anderen Hand deren Kleider herunterzuziehen, wie der Beschuldigte
anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung argumentierte (Urk. HD 41/1 S.
13), gäbe es kaum Vergewaltigungen durch Einzeltäter, was nicht der Fall ist. Der
Beschuldigte lässt ausser Acht, dass ihm in der Anklage auch vorgeworfen wird,
den Körper der Privatklägerin 1 mit seinem eigenen Körper am Boden fixiert zu
haben.
5.7. Die Angabe der Privatklägerin 1, sie habe sich gegen das gewaltsame
Festhalten mit Tritten gewehrt (Urk. 5/1 S. 6, 8 und 10; Urk. HD 5/2 S. 15 und S.
19 ff.), steht in Einklang mit den Beobachtungen des Zeugen K._, der angab,
als er an den Ort des Geschehens gekommen sei, habe die Frau den Mann mit
den Füssen gestossen resp. mit den Beinen von sich weggestossen (Urk. HD 6/1
S. 3; Urk. HD 6/2 S. 3; Urk. HD 6/3 S. 4 ff.). Nicht stichhaltig ist die Argumentation
der Verteidigung, dass unter ihren Fingernägeln keine DNA des Beschuldigten
gefunden worden sei, spreche gegen Abwehrhandlungen der Privatklägerin 1
(Urk. HD 41/4 S. 18; Urk. HD 68 S. 20). Diese sagte zwar aus, dass sie sich mit
- 26 -
den Händen gewehrt habe (Urk. HD 5/1 S. 6 und S. 8), aber nie, sie habe den
Beschuldigten gekratzt. Ein direkter Beweis dafür, dass die Privatklägerin 1, wie in
der Anklageschrift behauptet, versuchte, ihre Hände, die vom Beschuldigten
festgehalten wurden, zu befreien, liegt zwar nicht vor. Es gibt aber keinen Grund,
der Anklage in diesem Punkt nicht zu folgen. Davon auszugehen, dass die
Privatklägerin 1 zwar versuchte, den Beschuldigten mit Fusstritten von sich
wegzustossen, nicht aber bestrebt war, ihre Hände aus der Umklammerung zu
befreien, wäre lebensfremd. Dass die Privatklägerin 1 schrie, wird vom
Beschuldigten resp. seiner Verteidigung nicht bestritten und ist durch die
glaubhaften Aussagen der Zeugen K._ und E._ erstellt, die beide wegen
der Schreie der Privatklägerin 1 auf die Geschehnisse im Hinterhof aufmerksam
wurden. Dass diese Schreie über längere Zeit anhielten, ergibt sich aus den
Aussagen des Zeugen E._, der auf entsprechende Frage hin erklärte, vom
ersten Schrei bis zum Zeitpunkt, in dem er den Beschuldigten gesehen habe,
seien vielleicht zwei bis drei Minuten vergangen (Urk. HD 6/5 S. 11). Im Zeitpunkt,
in dem der Zeuge E._ den Beschuldigten sah, befand sich dieser gemäss
den glaubhaften Aussagen des Zeugen auf der Privatklägerin 1. Damit steht fest,
dass sich die Privatklägerin 1 anklagegemäss gegen den Beschuldigten wehrte
und schrie, und ist die Aussage des Beschuldigten, er habe unverzüglich von der
Privatklägerin 1 abgelassen, nachdem diese zu schreien begonnen hatte,
widerlegt.
5.8. Die Verletzungen der Privatklägerin 1 an Rücken, Beinen und Armen (Urk.
HD 8/6) sprechen klar gegen die Behauptung des Beschuldigten, es habe einzig
ein einvernehmlicher Austausch von Intimitäten stattgefunden und die
Privatklägerin 1 sei mit seinen Berührungen in ihrem Intimbereich einverstanden
gewesen. Insbesondere die Verletzungen an der Innenseite des rechten
Oberschenkels der Privatklägerin 1 (Urk. HD 8/6 S. 12 ff.) lassen darauf
schliessen, dass der Beschuldigte gewaltsam versuchte, zu ihrem Intimbereich
vorzudringen. Diese können nämlich, wie die Verletzungen am Rücken und an
den Armen, weder damit erklärt werden, dass die Zeugin M._ die
Privatklägerin 1 später am Abend gewaltsam aus dem J._ zog (vgl. Urk. HD
6/8 S. 6 f.), noch mit Stürzen oder kratzender resp. zu enger Bekleidung, wie dies
- 27 -
von Seiten des Beschuldigten resp. seiner Verteidigung geltend macht wird (Urk.
HD 4/8 S. 15; Urk. HD 41/4 S. 5 f.; Urk. HD 68 S. 8 f.), und, wie bereits dargelegt
wurde (vorne unter Ziff. 5.5), auch nicht durch einvernehmliche sexuelle
Handlungen. Im ärztlichen Befund des Kantonsspitals G._ wurde denn auch
festgehalten, dass die Verletzungen der Privatklägerin durch heftige Gegenwehr
erklärbar seien (Urk. HD 8/4). Die Verletzungen an den beiden
Oberschenkelinnenseiten der Klägerin 1 bestätigen im Übrigen die Aussage der
Privatklägerin 1, dass der Beschuldigte ihre Beine auseinanderdrückte (Urk. HD
5/2 S. 20 und 21). Dass der Beschuldigte die Leggins und die Unterhose der
Privatklägerin 1 nach unten riss, ist unter den gegebenen Umständen nicht
anders denkbar. Da die Privatklägerin sich gegen das gewaltsame Festhalten am
Boden und eine potentielle Vergewaltigung wehrte, wäre die Annahme eines
anderen Ablaufs abwegig. Dass dies entgegen der Argumentation des
Beschuldigten anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (Urk. HD 41/1 S.
13) in der gegebenen Situation sehr wohl möglich war, weil der Beschuldigte den
Körper der Privatklägerin 1 mit seinem eigenen Körper am Boden fixierte, wurde
bereits vorne unter Ziff. 5.6 aufgezeigt. Dass die Unterwäsche und die Leggins
der Privatklägerin 1 keine Beschädigungen aufwiesen, steht dem entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 41/4 S. 17; Urk. HD 68 S. 19) nicht entgegen.
Solche Kleidungsstücke werden aus dehnbaren Materialien gefertigt, weshalb sie,
wenn daran gerissen wird, nicht ohne Weiteres zerreissen, erst recht nicht, wenn
sie nach unten, also in eine für derartige Kleidungsstücke übliche Richtung,
gezogen werden. Es muss indessen davon ausgegangen werden, dass der
Beschuldigte die Leggins der Privatklägerin 1 ganz auszog, da sonst nicht
nachvollziehbar ist, weshalb sie später von ihm getragen wurden. Die
Privatklägerin 1 und der Beschuldigte hatten nämlich offensichtlich ab dem
Zeitpunkt, in dem der Zeuge K._ an den Ort des Geschehens kam und
dieser die Privatklägerin 1 mit in den Club H._ nahm, keinen Kontakt mehr
und somit auch keine Möglichkeit mehr zur Übergabe dieses Kleidungsstücks. Die
Privatklägerin 1 gab denn auch durchgehend an, dass ihr die Leggins und die
Unterhose ausgezogen worden seien resp. sie dies hinsichtlich der Unterhose
annehme (Urk. HD 5/1 S. 8 f.; Urk. HD 5/2 S. 15; Urk. HD 5/2 S. 17). Die
- 28 -
Sachverhaltsschilderung in der Anklageschrift lässt aber auch diese Version zu.
Allerdings spricht der Umstand, dass die Leggins und allenfalls auch die
Unterhose ausgezogen waren, stark für Vorbereitungen im Hinblick auf den
Vollzug des Geschlechtsverkehrs. Die Aussage des Zeugen K._, die
Privatklägerin sei bei seinem Eintreffen im Hinterhof bekleidet gewesen (Urk. HD
6/3 S. 5) steht entgegen dem Vorbringen der Verteidigung (Urk. HD 68 S. 15)
dazu nicht in Widerspruch, bezog sich K._ dabei doch ausschliesslich auf
den Rock sowie das Oberteil und gab er ausdrücklich an, dass die Privatklägerin
unter dem Rock keine Leggins getragen habe (Urk. HD 6/3 S. 7). Zuzustimmen ist
der Verteidigung hingegen darin, dass die doch eher diskrete Beschädigung am
Oberteil, das die Privatklägerin 1 am fraglichen Abend trug, ohne Weiteres auch
anderen Ursprungs sein kann (vgl. Urk. HD 41/4 S. 17; Urk. HD 68 S. 19). Dies
widerlegt die Angaben der Privatklägerin 1 aber ebenfalls nicht. Schliesslich kann
auch aus dem Umstand, dass der Beschuldigte gemäss den Beobachtungen des
Zeugen K._ keine Hose mehr trug, neben der Privatklägerin 1 sass und sie
zu beruhigen versuchte und nicht wegrannte, entgegen der Ansicht der
Verteidigung (Urk. HD 41/4 S. 18; Urk. HD 68 S. 15 und S. 20) nichts zu dessen
Gunsten abgeleitet werden. Angesichts dessen, dass der Hinterhof relativ stark
gefangen war (Urk. HD 3/2 ), hätte er damit rechnen müssen, von Augenzeugen
aufgehalten zu werden, wenn er ohne Hosen und während die Privatklägerin 1 im
Hinterhof schrie, davongerannt wäre. Es kann daher ohne Weiteres Taktik
gewesen sein, so zu tun, als sei nichts Uneinvernehmliches geschehen. Die Hose
kann der Beschuldigte auch ausgezogen haben, weil er in jenem Moment nicht
daran dachte, dass dies bei einer möglichen Flucht hinderlich sein könnte. Im
Ergebnis kann kein Zweifel daran bestehen, dass der Beschuldigte versuchte,
gegen den Willen der Privatklägerin 1 den Geschlechtsverkehr zu vollziehen und
dass er zu diesem Zweck deren Leggins und Unterhose nach unten riss.
Dass die Privatklägerin 1 nach dem Vorfall in die Bar "J._" zurückging und
dort gemäss den Aussagen von L._ getanzt und gelacht habe, vermag
dieses Beweisergebnis entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. HD 68
S. 13 und S. 17) nicht in Frage zu stellen, muss doch davon ausgegangen
werden, dass die Privatklägerin 1 aufgrund ihrer massiven Alokoholisierung erst
- 29 -
nach und nach wieder vollständig zu sich kam. Damit lässt sich auch erklären,
dass die Privatklägerin das Angebot des Zeugen K._, die Polizei zu rufen,
nicht annahm (vgl. die entsprechende Argumentation der Verteidigung in Urk. HD
68 S. 15).
5.9.1. Nicht erstellt werden kann dagegen, dass es zwischen dem Beschuldigten
und der Privatklägerin 1 zu Geschlechtsverkehr kam.
5.9.2. Die Privatklägerin 1 gab diesbezüglich an, es könne schon sein, dass der
Beschuldigte und sie sich geküsst hätten und sie da noch mitgemacht habe, aber
weiter habe sie dann sicher nicht mitgemacht (Urk. HD 5/2 S. 26). Sie wisse
einfach, dass ihr zwischen den Beinen alles weh getan habe, konnte aber
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 16. Dezember 2011
nicht mehr sagen, ob der Täter in sie eindrang oder nicht. So wie sie alles
geschmerzt habe, gehe sie schon davon aus, dass es so gewesen sei (Urk. HD
5/2 S. 28). Gemäss den glaubhaften Aussagen des Zeugen K._ traf er den
Beschuldigten links neben der Privatklägerin 1 kauernd oder sitzend resp.
(gemeint wohl: anschliessend) stehend und mit einer Unterhose bekleidet an,
während die Privatklägerin 1 am Boden lag, den Beschuldigten mit den Füssen
trat und stark weinte; ihre ganze Kosmetik sei verlaufen gewesen (Urk. HD 6/1 S.
2 ff.; HD 6/2 S. 3; Urk. HD 6/3 S. 6). Auf die Geschehnisse aufmerksam geworden
war er gemäss seinen glaubhaften Angaben, wie bereits dargelegt wurde, weil er
die Privatklägerin 1, während er im Lokal die Tische am Reinigen war, schreien
gehört habe und es sich so angehört habe, als habe eine Frau Probleme (Urk. HD
6/1 S. 2 und S. 4; Urk. HD 6/3 S. 5). Auf die Frage, ob er denke, dass es zu
Geschlechtsverkehr gekommen sei, antwortete er, dass er das nicht glaube, er
habe nichts in diese Richtung gesehen (Urk. HD 6/2 S. 4; Urk. HD 6/3 S. 9). Der
Zeuge E._, der bekanntlich ebenfalls wegen der Schreie der Privatklägerin 1
auf die Geschehnisse im Hinterhof aufmerksam geworden war, sagte
diesbezüglich aus, für ihn habe es ausgesehen, als wäre es der Anfang einer
Vergewaltigung bzw. von Sex; die Bewegungen hätten dafür gesprochen (Urk.
HD 6/4 S. 2). Schon diese Aussagen lassen erhebliche Zweifel daran
aufkommen, dass der Geschlechtsverkehr tatsächlich vollzogen wurde. Hinzu
- 30 -
kommt, dass sich, wie auch die Vorinstanz dargelegt hat (Urk. HD 55 S. 10), aus
dem Arztbericht des Kantonsspitals G._ (Urk. HD 8/4) keine eindeutigen
Schlüsse darüber ziehen lassen, ob der Beschuldigte in die Privatklägerin 1
eindrang oder nicht. Klar gegen den Vollzug des Geschlechtsverkehrs spricht
aber, dass in den Abstrichen aus dem Vaginal- und Analbereich der Privatklägerin
1 (Abstriche Vulva, Vagina, Zervixkanal, anal und Rectum) keine DNA und weder
an diesen Abstrichen noch an der Unterhose der Privatklägerin 1 Spermien des
Beschuldigten nachgewiesen werden konnten (Urk. HD 7/4).
6. Aufgrund dieser Erwägungen ist der eingeklagte Sachverhalt bis auf die
Schilderung, wonach der Beschuldigte mit seinem Penis vaginal in die
Privatklägerin 1 eingedrungen sei und den Geschlechtsverkehr mit dieser
ungeachtet ihrer gleichzeitigen Schreie vollzogen habe, erstellt. Unter den
gegebenen Umständen kann offen bleiben, ob der Beschuldigte, wie dies die
Verteidigung anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz geltend machte
(Urk. HD 41/4 S. 3 und S. 16), angesichts seiner Alkoholisierung überhaupt noch
in der Lage war, Geschlechtsverkehr zu haben.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat die rechtliche Würdigung korrekt vorgenommen und
detailliert begründet, weshalb zur Vermeidung von Wiederholungen darauf
verwiesen werden kann (Urk. HD 55 S. 28 ff.). Da der Beschuldigte die
Privatklägerin an deren Handgelenken festhielt, ihren Körper mit seinem Körper
am Boden fixierte und sie insbesondere an der Innenseite des rechten
Oberschenkels verletzte, kann entgegen der Ansicht der Verteidigung (Urk. 68 HD
S. 21) kein Zweifel daran bestehen, dass der Beschuldigte die Schwelle zum
Versuch überschritt. Ergänzend ist festzuhalten, dass entgegen der
Argumentation der Verteidigung (Urk. HD 68 S. 22) nichts dafür spricht, dass der
Beschuldigte die strafbare Tätigkeit aus eigenem Antrieb nicht zu Ende führte.
Aufgrund der Umstände ist vielmehr davon auszugehen, dass der Beschuldigte
deshalb von der Privatklägerin abliess, weil er damit rechnen musste, dass die
- 31 -
Schreie der Privatklägerin gehört würden und ihr jemand zu Hilfe eilen könnte,
was schliesslich ja auch geschah. Für die Annahme eines Rücktritts im Sinne von
Art. 23 StGB bleibt deshalb kein Raum. Zudem ist damit die von der Verteidigung
aufgeworfene Frage, weshalb der Beschuldigte, hätte er tatsächlich den
Geschlechtsverkehr angestrebt, von der Privatklägerin hätte ablassen sollen (Urk.
HD 68 S. 21), beantwortet.
2. Es liegen weder Schuldausschluss- noch Rechtfertigungsgründe vor. Somit hat
sich der Beschuldigte ferner der versuchten Vergewaltigung im Sinne von Art. 190
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB strafbar gemacht.
- 32 -
V. Sanktion
1. Strafrahmen
1.1. Bei der Bemessung der Strafe ist vom gesetzlichen Strafrahmen
auszugehen. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die
Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das
Gericht zur Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf
jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte
erhöhen. Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafe gebunden (Art.
49 Abs. 1 StGB).
1.2. Die Vorinstanz ist zu Recht davon ausgegangen, dass die schwerste vom
Beschuldigten begangene Straftat die nicht über das Versuchsstadium hinaus
ausgeführte Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 StGB ist (Urk. HD 55 S. 32),
die mit Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren bestraft wird, wobei, weil die
Tat nicht vollendet wurde, der Strafmilderungsgrund von Art. 22 Abs. 1 StGB
vorliegt. Zudem hat die Vorinstanz zu Recht die teilweise verminderte
Schuldfähigkeit des Beschuldigten infolge Alkoholkonsums im Sinne von Art. 19
Abs. 2 StGB als Strafmilderungsgrund angeführt. Strafschärfend sind gemäss
Art. 49 Abs. 1 StGB die Deliktsmehrheit sowie die teilweise mehrfache
Tatbegehung zu berücksichtigen, weshalb der erweiterte Strafrahmen sich auf
Freiheitsstrafe bis 15 Jahren erstreckt. Dieser ist aber nur in Ausnahmefällen
anwendbar; in der Regel sind Strafschärfungs- und Strafmilderungsgründe
innerhalb des ordentlichen Strafrahmens, dies dann aber zwingend,
straferhöhend resp. strafmindernd zu berücksichtigen
(Schwarzenegger/Hug/Jositsch, Strafrecht II, Strafen und Massnahmen, 8.
Auflage, Zürich 2007, S. 74; BGE 136 IV 55 E. 5.8).
2. Strafzumessung
2.1. Strafzumessungsregeln
- 33 -
Die Strafe ist nach dem Verschulden des Täters zu bemessen, wobei das
Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das
Leben des Täters zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden
wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen
Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und
Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren
und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu
vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
Der Begriff des Verschuldens muss sich auf den gesamten Unrechts- und
Schuldgehalt der konkreten Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der
Tat- und der Täterkomponente. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des
verschuldeten Erfolgs, die Art und Weise der Herbeiführung des Erfolgs, die
Willensrichtung, mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe zu
beachten. Sodann sind für das Verschulden auch das "Mass an
Entscheidungsfreiheit" beim Täter sowie die sogenannte Intensität des
deliktischen Willens bedeutsam. Die Täterkomponente umfasst das Vorleben, die
persönlichen Verhältnisse sowie das Verhalten nach der Tat oder im
Strafverfahren, allenfalls Reue und Einsicht sowie die Strafempfindlichkeit
(Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch, 17.
Auflage, Zürich 2006, S. 117 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch
Schwarzenegger/Hug/Jositsch, a.a.O., S. 90; BSK StGB I-Wiprächtiger, Art. 47 N
65). Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto
schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (Urteile des Bundesgerichts
6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 E. 2. und 6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004 E.
1.1.; BGE 122 IV 2141 und Pra 2001 S. 832 lit. a; Stratenwerth, Schweizerisches
Strafrecht AT II, 2. Auflage, Bern 2006, § 6 N 13). Das Gericht hat in seinem Urteil
die Überlegungen, die es bei der Bemessung der Strafe angestellt hat, in den
Grundzügen darzustellen. Dabei muss es in der Regel die wesentlichen
schuldrelevanten Tat- und Täterkomponenten so erörtern, dass festgestellt
werden kann, ob alle rechtlich massgeblichen Gesichtspunkte Berücksichtigung
fanden und wie sie gewichtet wurden. Insgesamt müssen seine Erwägungen die
ausgefällte Strafe rechtfertigen, d.h. das Strafmass muss als plausibel erscheinen
- 34 -
(BGE 127 IV 101 E. 2.; Urteil des Bundesgerichts 6S.83/2006 vom 5. Februar
2007 E. 3.1.; Art. 50 StGB).
2.2. Tatkomponente
2.2.1. Objektive Tatschwere
Indem der Beschuldigte gegen den Willen der stark alkoholisierten und dadurch
von vornherein nur bedingt zu Widerstand fähigen, sich aber dennoch wehrenden
Privatklägerin 1 mit Gewalt den Geschlechtsverkehr zu erzwingen versuchte und
auch dann noch nicht von ihr abliess, als die Privatklägerin 1 verzweifelt zu
schreien begonnen hatte, setzte er sich in rücksichtsloser Weise über deren
Selbstbestimmungsrecht und sexuelle Integrität hinweg. Dass er dabei nicht
schwerste Gewalt anwendete und der ganze Vorgang nicht allzu lange gedauert
haben dürfte, vermag sein Verschulden nur bedingt zu relativieren. Zu Recht hat
die Vorinstanz darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte eine Traumatisierung
der Privatklägerin 1 in Kauf nahm, aber auch darauf, dass die Tat ungeplant
erscheint. Ferner ist der Vorinstanz darin zu folgen, dass die Privatklägerin 1 noch
während Monaten mit den gesundheitlichen Folgen der Tat zu kämpfen hatte.
Das objektive Tatverschulden des Beschuldigten wiegt auch unter dem
Gesichtspunkt, dass die Tat nicht vollendet wurde, weil nicht davon ausgegangen
werden kann, dass der vom Beschuldigten beabsichtigte Geschlechtsverkehr
vollzogen wurde, erheblich.
2.2.2. Subjektive Tatschwere
Subjektiv ist von einem nicht mehr leichten Verschulden des Beschuldigten
auszugehen. Dieser handelte mit direktem Vorsatz, skrupellos und einzig zur
Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse, demnach aus rein egoistischen
Motiven. Zudem ging die Vorinstanz zu Recht davon aus, dass der Umstand der
Inkaufnahme einer schweren Traumatisierung der Privatklägerin 1 auch bei der
Bemessung der subjektiven Tatschwere zu berücksichtigen ist (Urk. HD 55 S. 34).
Diese ist jedoch dadurch zu relativieren, dass der Beschuldigte im Tatzeitpunkt
- 35 -
einen Blutalkoholgehalt von 2,51 bis 3,92 Gewichtspromille aufwies (Urk. HD 9/9).
Die Erwägungen der Vorinstanz, wonach entgegen der eventualiter für den Fall
eines Schuldspruchs geäusserten Ansicht der Verteidigung (Urk. HD 41/4 S. 19 f.;
Urk. HD 68 23 f.) trotz der enormen Alkoholisierung des Beschuldigten im
vorliegenden Fall nicht von einer vollen, sondern von einer mittelgradigen
Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit auszugehen ist und dies zu einer
entsprechenden Reduktion der Strafe zu führen hat (Urk. HD 55 S. 34), sind nicht
zu beanstanden. Insbesondere ist darauf hinzuweisen, dass die ärztliche
Untersuchung des Beschuldigten um 10.05 Uhr morgens nach der Tatnacht
hinsichtlich der Augen sowie hinsichtlich der Tests zur geteilten Aufmerksamkeit
(Romberg-Test, Innere Uhr und Finger-Nase-Versuch) einen unauffälligen Befund
ergab und der Beschuldigte im Verhalten lediglich als leicht müde und insgesamt
bloss als merkbar beeinträchtigt eingeschätzt wurde (Urk. HD 9/4), obwohl bei
ihm um 03.10 Uhr mit einem Atemlufttest ein Alkoholgehalt von 3,27
Gewichtspromille gemessen worden war (Urk. HD 1/1 S. 2). Mit diesem Bild
korrelieren die zielgerichteten Tathandlungen. Unter diesen Umständen besteht
kein Anlass, an den Ergebnissen des Aktengutachtens zu zweifeln, weshalb die
entsprechende Argumentation des Verteidigers (Urk. HD 68 S. 23 f.) ins Leere
geht.
2.3. Täterkomponente
2.3.1. Persönliche Verhältnisse und Vorleben
Was das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten angeht,
kann primär auf die korrekten Angaben im vorinstanzlichen Urteil verwiesen
werden (Urk. HD 55 S. 36 f.). Zu ergänzen ist, dass der Beschuldigte in O._
aufwuchs und nach seiner Heirat mit einer Schweizerin, die er in O._
kennengelernt hatte, im Alter von ca. 19 Jahren in die Schweiz kam. Er hat einen
Bruder, der in ... wohnt, und eine Schwester, die, wie seine Eltern, in O._
lebt (Urk. HD 18/1 S. 1 ff.; Urk. HD 41/1 S. 2; Prot. II S. 7). Seinen Angaben
zufolge ist er ausgebildeter Koch und arbeitete er nach seiner Übersiedlung in die
Schweiz zunächst in diesem Beruf, bevor er während mehreren Jahren in
- 36 -
unterschiedlichen handwerklichen Berufen tätig war (Urk. HD 18/1 S. 3; Urk. HD
41/1 S. 3; Prot. II S. 7 ff.). Entgegen anderslautender Angaben in den Akten hat
der Beschuldigte keine Kinder (Prot. II S. 7 f.).
Aus den persönlichen Verhältnissen und dem Vorleben lassen sich weder
Straferhöhungs- noch Strafminderungsgründe ableiten.
2.3.2. Vorstrafen
Da die Vorstrafe des Ministero pubblico del cantone Ticino Belinzona vom
25. November 2002 dem Beschuldigten heute nicht mehr entgegengehalten
werden kann (Art. 369 StGB), liegen acht für die Strafzumessung relevante
Vorstrafen vor (Urk. HD 18/3; Urk. HD 38). Auch wenn diese mit Bezug auf die
versuchte Vergewaltigung nicht einschlägig sind, sind diese vielen Vorstrafen
erheblich straferhöhend zu gewichten.
2.3.3. Nachtatverhalten
Da der Beschuldigte hinsichtlich der versuchten Vergewaltigung während des
gesamten Verfahrens in den entscheidenden Punkten ungeständig war, lässt sich
aus seinem Nachtatverhalten nichts zu seinen Gunsten herleiten.
2.4. Hypothetische Einsatzstrafe
In Würdigung der genannten Kriterien, insbesondere der erheblich ins Gewicht
fallenden Strafreduktion aufgrund der mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit
des Beschuldigten, erweist sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 21 Monaten
Freiheitsstrafe als angemessen.
2.5. Gesamtstrafe
- 37 -
2.5.1. Die für die schwerste Tat eingesetzte Strafe ist gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB
in Anwendung des Asperationsprinzips unter Einbezug der weiteren Delikte
angemessen zu erhöhen.
2.5.2. Was das objektive und subjektive Verschulden des Beschuldigten
hinsichtlich des mehrfachen Hausfriedensbruchs angeht, ist entgegen den
Erwägungen der Vorinstanz (Urk. HD 55 S. 35) von einem nicht mehr leichten
Verschulden auszugehen. Negativ fällt insbesondere ins Gewicht, dass der
Beschuldigte von der Privatklägerin 2 vor dem 5. August 2011 nicht weniger als
sechs Mal ein Hausverbot erteilt erhalten hatte (Urk. ND 1/5/2-7), was ihm
bekannt war (Urk. HD 4/9 S. 3), ihn aber offensichtlich nicht im Geringsten
kümmerte. Die Räumlichkeiten waren nur für andere frei zugänglich, für den
Beschuldigten stellten die Hausverbote in beiden Fällen eine faktische Schranke
dar, die er unverfroren missachtete. Erheblich straferhöhend sind einerseits die
vielen, teilweise einschlägigen Vorstrafen zu berücksichtigen (Urk. HD 18/3; Urk.
HD 38) und ist andererseits zu gewichten, dass der Beschuldigte in beiden Fällen
während eines laufenden Strafverfahrens delinquierte. Nur leicht strafmildernd
wirkt sich das Geständnis, das der Beschuldigte mit Bezug auf diese Taten
ablegte (Urk. HD 4/9 S. 2 ff.; Urk. HD 41/1 S. 6), aus, wurde er doch in flagranti
ertappt, weshalb ein Abstreiten wenig erfolgversprechend gewesen wäre.
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse und des Vorlebens kann auf die
Ausführungen vorne unter 2.3.1. verwiesen werden, die auch hier Geltung haben.
2.5.3. In Würdigung der obengenannten Kriterien erweist sich für die versuchte
Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB und den mehrfachen Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB
die von der Vorinstanz ausgesprochene Strafe als etwas zu hoch bzw. eine
Freiheitsstrafe von 2 Jahren als angemessen.
2.6. Mehrfacher geringfügiger Diebstahl
2.6.1. Die Vorinstanz hat den mehrfachen geringfügigen Diebstahl im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB zu Recht isoliert
- 38 -
betrachtet, da es sich dabei um Übertretungen handelt, für die eine Busse, und
demnach nicht eine gleichartige Strafe im Sinne von Art. 49 StGB, auszusprechen
ist.
2.6.2. Das objektive und subjektive Verschulden hinsichtlich dieser Delikte wiegt
nicht mehr leicht. Stark straferhöhend fällt auch bei diesen Delikten ins Gewicht,
dass der Beschuldigte eine ganze Reihe von einschlägigen Vorstrafen aufweist
(Urk. HD 18/3; Urk. HD 38) und während eines laufenden Strafverfahrens
delinquierte. Nicht stichhaltig ist die Argumentation der Verteidigung, der
Beschuldigte habe aus Armut gehandelt (Urk. HD 41/4 S. 20; Urk. HD 68 S. 24).
Zwar ist, wie sich aus dem Aktengutachten des Instituts für Rechtsmedizin der
Universität Zürich vom 26. März 2012 ergibt, davon auszugehen, dass der
Beschuldigte mit Bezug auf Trinkalkohol eine erhebliche Toleranzentwicklung
aufweist (Urk. HD 11/11 S. 8). Zudem gab er an, anfangs 2011 wegen
Alkoholproblemen in Behandlung gewesen zu sein (Urk. HD 4/1 S. 2), was er in
einer späteren Einvernahme allerdings abstritt (Urk. HD 4/6 S. 5), resp. viel
Alkohol getrunken zu haben (Urk. HD 4/2 S. 4). Anhaltspunkte für eine ernsthafte
Alkoholsucht liegen aber für den Deliktszeitraum nicht vor, und zudem spricht die
Menge des behändigten Biers (19 Dosen Feldschlösschen Bier am 5. August
2011 und 5 Dosen Feldschlösschen Bier am 11. August 2011) gegen ein Handeln
in einer suchtbedingten Engpasssituation. Leicht strafmindernd kann auch hier
das vollumfängliche Geständnis gewichtet werden (dazu oben unter Ziff. 2.5.2).
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse und des Vorlebens kann wiederum auf
die Ausführungen vorne unter 2.3.1. verwiesen werden, die auch hier Geltung
haben.
2.6.3. Was die Bussenhöhe angeht, kann vorab den Erwägungen der Vorinstanz
(Urk. HD 55 S. 37) gefolgt werden, dass aufgrund der Haft und seines
Aufenthaltsstatus nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Beschuldigte
in absehbarer Zeit ein eigenes Einkommen generieren wird. Präzisierend ist
festzuhalten, dass unklar erscheint, ob der Beschuldigte überhaupt je einer
legalen Arbeitstätigkeit in der Schweiz wird nachgehen können. Vor diesem
Hintergrund erscheint die erstinstanzlich festgelegte Busse etwas hoch, weshalb
- 39 -
der Beschuldigte mit einer, dem Verschulden noch immer angemessenen Busse
von Fr. 700.– zu bestrafen ist. Die Ersatzfreiheitsstrafe ist auf 7 Tage
festzusetzen.
- 40 -
2.7. Zusammenfassung
Unter Berücksichtigung aller massgeblichen Zumessungsgründe erweist sich die
Bestrafung des Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren und einer
Busse von Fr. 700.– als angemessen. Anzurechnen sind gestützt auf Art. 51
StGB 253 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind. Die
Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse ist auf 7 Tage festzulegen.
VI. Vollzug
Da eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren auszusprechen ist, sind die objektiven
Voraussetzungen für die Anordnung eines bedingten Vollzugs im Sinne von Art.
42 StGB oder eines teilbedingten Vollzugs im Sinne von Art. 43 StGB zwar
gegeben. Angesichts dessen, dass der Beschuldigte trotz der Verbüssung einer
ganzen Reihe von Freiheitsstrafen mehrfach erneut delinquierte, sind jedoch
keine Umstände ersichtlich, die für einen bedingten oder teilbedingten Aufschub
der anzuordnenden Freiheitsstrafe sprechen würden. Dem Beschuldigten ist
vielmehr eine schlechte Legalprognose zu stellen. Die Freiheitsstrafe ist deshalb
zu vollziehen.
VII. Zivilansprüche
1.1. Die Privatklägerin 1 beantragte anlässlich der heutigen
Berufungsverhandlung wie schon anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung Schadenersatz in Höhe von Fr. 730.– (Urk. HD 70 S. 1; Urk.
HD 41/3 S. 1). Einen Betrag von Fr. 580.– verlangt sie als Ersatz für eine erlittene
Lohneinbusse. Sie sei aufgrund der Tat während zehn Tagen arbeitsunfähig
gewesen und habe während dieser Zeit nur das Unfalltaggeld in Höhe von 80 %
ihres Lohnes erhalten, was zu einem Schaden im genannten Betrag geführt habe.
Den Restbetrag von Fr. 150.– möchte sie vom Beschuldigten erstattet erhalten,
weil die Kleider, die sie im Zeitpunkt der Tat getragen habe, teilweise zerrissen
seien und der Beschuldigte ihre Leggins im Zeitpunkt seiner Verhaftung sogar
- 41 -
selber getragen habe. Da diese Kleidungsstücke sie immer wieder an die Tat
erinnert hätten, hatte sie diese nicht aus der Beschlagnahme zurückverlangt (Urk.
HD 41/3 S. 15; Urk. HD 70 S. 7).
1.2. Die Verteidigung beantragte wie schon vor der Vorinstanz, dass die
Zivilansprüche der Privatklägerin 1 abzuweisen bzw. mangels Ausgewiesenheit
auf den Zivilweg zu verweisen seien (Urk. HD 68 S. 3 und 22).
1.3. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit zutreffender Begründung
verpflichtet, der Privatklägerin 1 den vollen adhäsionsweise geltend gemachten
Betrag zu erstatten. Auf die vorinstanzlichen Erwägungen kann verwiesen werden
(Urk. HD 55 S. 39). Ergänzt werden kann, dass es der Privatklägerin 1
selbstredend nicht zuzumuten ist, die Kleider, die sie in der Tatnacht trug,
zurückzunehmen. Dass die Privatklägerin 1 "erst ab dem 26. April 2011
arbeitsunfähig war bzw. nicht mehr arbeiten gegangen ist" (Urk. HD 68 S. 22)
spricht sodann entgegen der vor Berufungsgericht vorgebrachten Argumentation
der Verteidigung nicht gegen den Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis
vom 21./22. April 2011 und dem geltend gemachten Erwerbsausfall. Dieser
Umstand ist vielmehr auf die Osterfeiertage zurückzuführen, welche am 22. April
2011 mit dem Karfreitag anfingen und am 25. April 2011 mit dem Ostermontag
endeten.
2.1. Im Weiteren verlangte die Privatklägerin 1 anlässlich der vorinstanzlichen
Hauptverhandlung, es sei der Beschuldigte zu verpflichten, ihr eine Genugtuung
in Höhe von Fr. 10‘000.– zu bezahlen (Urk. HD 41/3 S. 1 und 15 ff.). Die
Vorinstanz hiess dieses Begehren im Umfang von Fr. 5‘000.– zuzüglich 5 % Zins
seit 22. April 2011 gut und wies es im übrigen Umfang ab.
2.2. Die Vorinstanz hat die allgemeinen Voraussetzungen für die Zusprechung
einer Genugtuung korrekt dargelegt, weshalb darauf verwiesen werden kann (Urk.
HD 55 S. 39). Ferner kann den Ausführungen, mit denen sie begründete, weshalb
der Privatklägerin 1 eine Genugtuung zuzusprechen sei (Urk. HD 55 S. 39 f.),
vollumfänglich gefolgt werden. Die von der Vorinstanz zugesprochene Summe
erscheint jedenfalls nicht überhöht, weshalb sie zu bestätigen ist. Ferner
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entspricht der von der Vorinstanz zugesprochene Zins den gesetzlichen
Vorgaben. Der Beschuldigte ist demzufolge zu verpflichten, der Privatklägerin 1
eine Genugtuung in Höhe von Fr. 5‘000.– zuzüglich 5 % Zins seit 22. April 2011
zu bezahlen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Beim vorliegenden Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten-
und Entschädigungsdispositiv zu bestätigen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte obsiegt im
Berufungsverfahren einzig dahingehend, dass die von der Vorinstanz
ausgesprochene Freiheitsstrafe leicht zu reduzieren ist. Unter diesen Umständen
rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich
derjenigen der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerin, jedoch mit
Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zu 7/8
aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen, unter Vorbehalt einer Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im
Umfang von 7/8.