Decision ID: 073956a6-78f1-4c02-9fe3-07692cd6081c
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Am 12. Februar 2020 vereinbarten C._ als je hälftige Miteigentümer
der Parzelle D._ in F._ (Wohnzone 2, inzwischen infolge Fusion
Stadt B._) mit A._ als Eigentümer der angrenzenden Parzelle
E._ eine Nutzungsübertragung von 140 m2 anrechenbarer
Geschossfläche zugunsten der Parzelle D._ und zulasten der
Parzelle E._. Bezeichnet wurde diese Vereinbarung als Anmeldung
zur Anmerkung einer öffentlich-rechtlichen Eigentumsbeschränkung im
Grundbuch F._ (nachfolgend Vereinbarung), wobei sich die
Berechtigten im Gegenzug verpflichteten, ein Fahrwegrecht als
bestehende Dienstbarkeit zu löschen und den Fahrweg auf
Strassenebene zurückzubauen.
2. Im März 2020 reichten C._ ein erstes Baugesuch für eine
Neuüberbauung auf Parzelle D._ ein. Dagegen gingen drei
Einsprachen ein. Am 11. Juni 2020 wurde diese erste Baueingabe
zurückgezogen, bevor C._ am 12. Juni 2020 das revidierte
Baugesuch K._ betreffend Abbruch eines bestehenden Doppel-
Einfamilienhauses sowie Neubau eines Mehrfamilienhauses (MFH) mit
Wärmepumpenanlage und Erdwärmesonde einreichten. Dieses lag vom
19. Juni 2020 bis 9. Juli 2020 öffentlich auf.
3. Am 18. Juni 2020 teilten A._ der Gemeinde F._ den schriftlichen
Rückzug des am 12. Februar 2020 unterzeichneten Antrags zur
Eigentumsbeschränkung mit. Nach dem Bekanntwerden des Rückzuges
des Baugesuchs hätten sie entschieden, sich von der
Eigentumsbeschränkung zurückzuziehen.
4. Gegen das revidierte Baugesuch vom 12. Juni 2020 gingen vier
Einsprachen ein, darunter jene von A._ vom 8. Juli 2020. Sie
beantragten sinngemäss die Ablehnung des Baugesuchs. Sie seien davon
ausgegangen, dass neu ein EFH und nicht ein MFH mit sechs Wohnungen
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entstehe, welches ihre Liegenschaft durch ihre schiere Grösse in den
Schatten stelle. Das MFH sei viel zu gross und passe nicht ins Quartier.
Die Bauherrschaft habe ihnen die Eigentumsbeschränkung vorgelegt, die
sie unterzeichnet hätten. Sie seien überrumpelt, überrascht und hinters
Licht geführt worden. Sie hätten keine Entschädigung oder diesbezügliche
schriftliche Bestätigung erhalten. Daher hätten sie die
Nutzungsübertragung am 18. Juni 2020 wieder zurückgezogen, da sie das
gesamte Ausmass des Bauvorhabens erst dann verstanden hätten und
damit nicht einverstanden gewesen seien. Die massiv benachteiligende
Eigentumsbeschränkung sei irrtümlich unterzeichnet und daher
zurückgezogen worden.
5. In ihrer Vernehmlassung vom 16. Juli 2020 beantragten C._ die
Abweisung der Einsprachen, soweit darauf eingetreten werden kann. Die
Baubewilligung sei zu erteilen. Zur Begründung wurde vorgebracht, die
Baugesuchunterlagen seien vollständig eingereicht worden. Aus den
aufgelegten Baugesuchunterlagen gehe klar hervor, wie viele
Vollgeschosse die Baute aufweisen solle und die Gesamthöhe sowie
Ausnützungsziffer seien eingehalten. Das Baugesetz der Gemeinde
F._ (BauG) verzichte explizit auf eine Festlegung der Anzahl
Vollgeschosse. Ferner gebe es im Quartier durchaus bereits
Liegenschaften mit erhöhtem Bauvolumen. Auch das äussere
Erscheinungsbild passe sich in Form und Farbe den umliegenden
Gebäuden an. Die getroffene Vereinbarung betreffend Übertragung der
Ausnützungsziffer (nachfolgend AZ-Übertragung) sei für die Parteien
verbindlich. Solange die Nichtigkeit des Vertrages nicht durch ein
Zivilgericht festgestellt werde, behalte der Vertrag auch gegenüber der
Gemeinde seine Gültigkeit. Die Nutzungsübertragung sei daher bei der
Genehmigung des Baugesuchs durch den Gemeindevorstand im
Grundbuch anzumerken.
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6. Die von der Gemeinde in Auftrag gegebene, am 30. Juni 2020 ergangene
und am 13. November 2020 präzisierte Gestaltungsberatung kam
insgesamt zu einem positiven Ergebnis. Sie empfahl lediglich
Massnahmen im Bereich zwischen Garage und Strasse, um zu
verhindern, dass optisch ein viergeschossiger Bau entstehe, sowie dass
die Traufhöhe um 50 cm abzusenken sei, um den Nachbarn etwas mehr
Sonne zukommen zu lassen und dank steilerer Dachneigung die
Eingliederung in die gebaute Nachbarschaft zu verbessern. Die obersten
Fenster an der Ostfassade würden so etwas kürzer, was der Baute den
repetitiven Charakter nehme. Betreffend Materialisierung könne das Haus
im offenbar vorgesehenen hell gestrichenen Verputz ausgeführt werden.
Die definitive Farbwahl müsse von der Baubehörde bewilligt werden.
7. Mit Baubescheid Nr. K._ vom 13. April 2021, mitgeteilt am 22. April
2021, wies der Stadtrat der Stadt B._ die Baueinsprachen ab, sofern
darauf eingetreten wurde und erteilte die Baubewilligung. Die vereinbarte
Nutzungsübertragung bilde integrierenden Bestandteil dieser Bewilligung.
Nicht eingetreten – weil nicht Bestandteil des Baubewilligungsverfahrens
– werde auf die Frage, ob die Vereinbarung rechtskonform sei oder nicht.
Deren Gültigkeit wäre von einem Zivilgericht zu beurteilen. Baurechtlich
irrelevant seien zudem angeblich erfolgte Äusserungen, es werde ein EFH
und kein MFH gebaut. Aus den aufgelegten Baugesuchunterlagen gehe
klar hervor, dass drei Vollgeschosse geplant seien. Das BauG sehe keine
maximale Anzahl zulässiger Geschosse vor; einzig die Gesamthöhe,
welche vorliegend mit 12 m eingehalten sei. Sämtliche Grenzabstände
sowie die Ausnützungsziffer seien gemäss Baugesuchsplänen unter
Berücksichtigung der AZ-Übertragung eingehalten. Das Projekt folge
schliesslich der langfristigen strategischen Ausrichtung der Gemeinde
(Verdichtungsgrundsatz). Zur Rüge, die geplante Baute passe nicht ins
Quartierbild, weil das Bauvolumen sehr viel grösser als im Quartier üblich
sei, wurde ausgeführt, der Baubehörde komme bei der Anwendung von
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Ästehtikbestimmungen ein erheblicher und geschützter Beurteilungs- und
Ermessensspielraum zu. Der Stadtrat kam zum Schluss, dass kein
Verstoss gegen Ästhetikvorschriften ersichtlich sei.
8. Dagegen erhoben A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 21. Mai
2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden
mit dem Antrag, der Baubescheid Nr. K._ vom 13. April 2021 sei
aufzuheben und die Baubewilligung sei zu verweigern, eventualiter zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Als vorsorglicher
Verfahrensantrag sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
zuzuerkennen. Einerseits sei die Nutzungsübertragung nicht
rechtswirksam. Die Vorschrift im BauG betreffend Voraussetzungen der
Nutzungsübertragung seien öffentlich-rechtlicher Natur, woraus die
Baubehörde bzw. die Vorinstanz diesbezüglich eine Überprüfungspflicht
treffe. Die Vereinbarung sei aufgrund mangelnder rechtsungültiger
Unterschrift von Frau G._ gar nie zustande gekommen. Eventualiter
sei sie jedoch spätestens infolge "Anfechtung" (Anm. des Gerichts:
Rückzug des Antrags zur Eigentumsbeschränkung) vom 18. Juni 2020
rechtsunwirksam. Es habe daher im Zeitpunkt der Erteilung der
angefochtenen Baubewilligung an der geforderten Vereinbarung gefehlt,
weshalb das Grundstück mit dem vorliegend geplanten Bauvorhaben um
140 m2 übernutzt sei, was nicht bewilligungsfähig sei. Andererseits seien
die Baugesuchunterlagen unvollständig. So gebe es – auch gemäss
Bauberater – nicht genügend klar Aufschluss über die Materialisierung.
Die Beschwerdeführer machten schliesslich eine Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend, da sie zur Materialisierung bzw.
zum Bericht des Bauberaters nicht mehr hätten Stellung nehmen können.
9. Mit Eingabe vom 31. Mai 2021 verzichtete die Stadt B._ auf eine
Stellungnahme zum Antrag auf Zuerkennung der aufschiebenden
Wirkung. Die Beschwerdegegner beantragten am 4. Juni 2021 deren
Abweisung mit der Begründung des späteren Baubeginns und damit
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zusammenhängenden erheblichen Mietausfällen. Am 7. Juni 2021 erteilte
der Instruktionsrichter der Beschwerde die von den Beschwerdeführern
beantragte aufschiebende Wirkung.
10. In ihrer Vernehmlassung vom 29. Juni 2021 beantragten die
Beschwerdegegner, die Beschwerde sei abzuweisen, sofern darauf
eingetreten werden kann. Begründend führten sie aus, bei den im
vorliegenden Beschwerdeverfahren vorgebrachten Begehren auf
Verweigerung der Baubewilligung handle es sich um eine unzulässige
Ausweitung der Rechtsbegehren, da der Einsprache der
Beschwerdeführer vom 8. Juli 2020 keine Rechtsbegehren zu entnehmen
seien, sondern lediglich der Wille, die Vereinbarung nicht einhalten zu
wollen. Für den Fall, dass das Gericht dennoch auf die Beschwerde
eintreten sollte, folgten Ausführungen zu den von den Beschwerdeführern
vorgebrachten Rügen betreffend vorfrageweiser Prüfung zivilrechtlicher
Fragen durch die Vorinstanz, der rechtsungültigen Unterschrift, der
Rechtsunwirksamkeit der Nutzungsübertragung infolge Anfechtung sowie
den unvollständigen Baugesuchunterlagen.
11. In ihrer Vernehmlassung vom 30. Juni 2021 beantragte die Stadt B._
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und
hielt vollumfänglich an ihrem angefochtenen Baubescheid fest. Sie
vertiefte ihre Ausführungen zur Rechtswirksamkeit der
Nutzungsübertragung sowie zur Vollständigkeit der
Baugesuchunterlagen, insbesondere betreffend Materialisierungskonzept.
12. Mit Replik vom 2. September 2021 bestritten die Beschwerdeführer
sämtliche Ausführungen der Beschwerdegegner sowie der
Beschwerdegegnerin. H._ und der Geschäftsführer der Baufirma
hätten I._ im Herbst 2019 unangekündigt vor seinem Haus
angesprochen, welcher ihnen auf deren Wunsch hin die Pläne des Hauses
der Beschwerdeführer ausgehändigt habe. Dabei sei verschwiegen
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worden, dass es um die Möglichkeit einer
Nutzungsübertragungsvereinbarung gehe. Die Begehung des Hauses der
Beschwerdeführer am 21. Dezember 2019 sei ohne deren Einverständnis
erfolgt. Die Nichte des Baufachchefs der Gemeinde F._, als Mieterin
im Haus der Beschwerdeführer, habe sie hereingelassen. Erst am 12.
Februar 2020 habe man ihnen die Vereinbarung, deren Inhalt weder
I._ noch J._ verstanden habe, vorgelegt, welche sie
unterschreiben sollten. Ferner beantragten die Beschwerdeführer die
Einholung eines gerichtlichen Gutachtens zum Wert der AZ-Übertragung
(ihrer Berechnung nach CHF 112'000.--), da ein massives Missverhältnis
zwischen Leistung und Gegenleistung bestehe. Vor 18 Jahren habe
I._ geplant, später den Dachstock zu einem vollwertigen
Wohngeschoss auszubauen, was nicht mehr möglich sei, wenn die
Vereinbarung gültig zustande gekommen wäre. Seit dem "bedrohlichen
Telefonat" von H._ sei I._ von Ängsten geplagt und sei seither
in ärztlicher Behandlung. Er habe sodann in einem Strafverfahren
betreffend Betrug im Zusammenhang mit dem Verkauf der Parzelle
D._ aussagen müssen. Abschliessend hielten die Beschwerdeführer
zum beschwerdegegnerischen Vorwurf der unzulässigen Ausweitung der
Rechtsbegehren fest, in der Einsprache sei vorgebracht worden, sie seien
mit dem Bau "ganz und gar nicht einverstanden". Dies bringe zum
Ausdruck, sie würden die Verweigerung der Baubewilligung verlangen.
Von juristischen Laien könne jedoch nicht verlangt werden, ihre
Rechtsschriften so aufzubauen und zu verfassen, wie Anwälte dies täten.
13. Am 8. September 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik und hielt an sämtlichen bisherigen Anträgen und
Begründungen fest.
14. Mit Duplik vom 24. September 2021 hielten die Beschwerdegegner
vollumfänglich an den Rechtsbegehren gemäss Vernehmlassung vom
29. Juni 2021 fest. Sie hielten fest, die Schutzbehauptungen der
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Beschwerdeführer vermögen nicht zu beweisen, dass sich der
Sachverhalt so zugetragen habe.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, den
angefochtenen Baubescheid vom 13. April 2021 und die weiteren Akten
wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das
Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden,
soweit diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können
oder nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind.
Angefochten ist vorliegend der Baubescheid vom 13., mitgeteilt am 22.
April 2021, mit welchem die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdegegnern das Baugesuch unter Bedingungen und Auflagen
bewilligte und unter anderem die Baueinsprache der Beschwerdeführer
abwies, soweit sie darauf eintrat. Dieser Entscheid ist weder endgültig
noch kann er bei einer anderen Instanz angefochten werden. Folglich stellt
er ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar.
1.2. Gemäss Art. 50 Abs. 1 VRG ist zur Beschwerde legitimiert, wer durch den
angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an
seiner Aufhebung oder Änderung hat oder wer durch besondere Vorschrift
dazu ermächtigt ist. Die beiden Beschwerdeführer sind Allein- bzw.
Miteigentümer der Stockwerkeigentumseinheiten in der Liegenschaft auf
Parzelle E._, welche unmittelbar an die Bauparzelle D._ grenzt.
Demnach kann aufgrund der räumlichen Nähe von einer besonderen
Beziehungsnähe und grundsätzlich von einem schutzwürdigen Interesse
an der Aufhebung oder Abänderung des angefochtenen Baubescheids
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ausgegangen werden. Auf die im Übrigen frist- und formgerecht (vgl. Art.
52 und Art. 38 VRG) eingereichte Beschwerde einzutreten ist.
1.3. In beweisrechtlicher Hinsicht gilt es sodann festzuhalten, dass die
Beschwerdeführer die Durchführung eines Augenscheins beantragten
(vgl. Replik, S. 6 f. Rz. 17 und S. 16). Die Begründung dazu lautete wie
folgt: Vor 18 Jahren hätten die Leitungen im Haus erneuert werden
müssen. Dabei habe I._ den Auftrag erteilt, die Leitungen bis ins
Dachgeschoss hochzuziehen. Er habe beabsichtigt, den Dachstock später
zu einem vollwertigen Wohngeschoss für seinen Sohn auszubauen, was
nicht mehr möglich wäre, wenn die Nutzungsübertragung gültig zustande
gekommen wäre. Ob der Ausbau des Dachstocks des Hauses der
Beschwerdeführer noch möglich wäre, hängt somit eben gerade davon ab,
ob die Vereinbarung gültig zu Stande gekommen ist oder nicht. Dabei
handelt es sich ausschliesslich um eine Rechtsfrage, weshalb auf die
Durchführung eines Augenscheins verzichtet werden kann.
1.4. Ferner beantragten die Beschwerdeführer die Einholung eines Gutachtens
zum Wert des AZ-Transports, da zwischen Leistung und Gegenleistung
ein massives Missverhältnis bestehe (vgl. Replik S. 8 Rz. 22). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf auf weitere Beweisvorkehren
verzichtet werden, wenn sich schon aufgrund der abgenommenen
Beweise eine Überzeugung über den rechtserheblichen Sachverhalt
bilden lässt und ohne Willkür in vorweggenommener Beweiswürdigung
angenommen werden kann, dass weitere Beweiserhebungen an diesem
Beweisergebnis nichts mehr zu ändern vermögen (sog. antizipierte
Beweiswürdigung, BGE 140 I 285 E.6.3.1 m. H.). In vorliegenden Fall ist
das Gericht bereits zu einer Überzeugung gelangt und ein weiterer Beweis
würde an dieser nichts ändern. Daher kann auch auf die Einholung eines
Gutachtens zum Wert des AZ-Transports verzichtet werden.
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2.1. Gemäss Art. 51 Abs. 2 VRG können die Parteien Rechtsbegehren, die sie
im vorinstanzlichen Verfahren gestellt haben, nicht ausdehnen. Die
Beschwerdegegner machen in der Vernehmlassung vom 29. Juni 2021
geltend, der Einsprache der Beschwerdeführer vom 8. Juli 2020 seien
keine Rechtsbegehren zu entnehmen. Es gehe daraus lediglich der Wille
hervor, die Vereinbarung nicht einhalten zu wollen. Es gehe daraus jedoch
nicht hervor, ob eine vollständige bzw. teilweise Abweisung oder aber nur
eine Anpassung des Baugesuchs verlangt werde. Das nun im
Beschwerdeverfahren vorgebrachte Begehren auf Verweigerung der
Baubewilligung sei eine unzulässige Ausweitung der Rechtsbegehren (vgl.
Vernehmlassung vom 30. Juni 2020, S. 4 f.). Replizierend bestritten die
Beschwerdeführer dies mit der Begründung, sie hätten in der Einsprache
geschrieben, sie seien mit dem Bau "ganz und gar nicht einverstanden"
gewesen. Damit und mit den übrigen Ausführungen in der Einsprache
hätten die Beschwerdeführer eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass sie
die Verweigerung der Baubewilligung verlangen. Die Formulierung könne
nicht anders interpretiert werden. Von juristischen Laien könne nicht
verlangt werden, dass sie ihre Rechtsschriften so aufbauen und verfassen,
wie Anwälte dies tun (vgl. Replik, S. 11 f. Rz. 33).
2.2. Es stellt sich demnach die Frage, ob mit den Rechtsbegehren in der
Beschwerdeschrift vom 21. Mai 2021 eine unzulässige Erweiterung des
Rechtsbegehrens der Anträge in der Einsprache vom 8. Juli 2020
vorgenommen wurde. Der Einsprache vom 8. Juli 2020 (vgl. S. 3) ist zu
entnehmen, dass sie "ganz und gar nicht einverstanden" seien mit dem,
was die Bauherrschaft bauen wolle. Das MFH (anstelle des von den – in
diesem Zeitpunkt noch nicht anwaltlich vertretenen – Beschwerdeführern
angenommenen EFH) sei viel zu gross und passe nicht in ihre Strasse.
Der Einsprache kann sinngemäss der Antrag um Ablehnung des
Baugesuchs bzw. um Verweigerung der Baubewilligung entnommen
werden. Vor diesem Hintergrund stellen die Rechtsbegehren in der
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Beschwerde im Vergleich zu den in der Einsprache gestellten Anträgen
keine unzulässige Ausdehnung des Rechtsbegehrens dar.
3.1. In materieller Hinsicht machen die Beschwerdeführer zunächst geltend,
die Vorinstanz hätte vorfrageweise die zivilrechtliche Frage der – ihrer
Ansicht nach rechtsunwirksamen – Nutzungsübertragung überprüfen
müssen. So sei die Vereinbarung zwischen zwei Parteien als
Voraussetzung für eine Nutzungsübertragung im BauG vorgeschrieben
und daher öffentlich-rechtlicher Natur. Es sei daher die Pflicht der
Baubehörde gewesen, die Einwände der Beschwerdeführer materiell
dahingehend zu überprüfen, ob überhaupt eine Vereinbarung gemäss
BauG vorliege (vgl. Beschwerdeschrift, S. 7-9).
3.2. Die Beschwerdegegner hielten dem entgegen, dies sei grundsätzlich ein
Recht, aber keine Pflicht, wobei sie sich dabei in Zurückhaltung zu üben
habe. Blosser Zweifel an der privatrechtlichen Bauberechtigung
berechtige die Baubehörde nicht dazu, von einer materiellen Behandlung
des Baugesuchs abzusehen. Nur falls die zivilrechtliche Bauberechtigung
offensichtlich fehle, könne die Baubehörde die Prüfung verweigern. Die
AZ-Übertragung sei bereits mit der Unterzeichnung der Vereinbarung
vollzogen, während die Eintragung (recte: Anmerkung) im Grundbuch rein
deklaratorische Wirkung habe. Vorliegend habe es keine Anhaltspunkte
für ein offensichtliches Fehlen der zivilrechtlichen Bauberechtigung
gegeben. Die Vorinstanz habe zu Recht ausgeführt, die vorgebrachten
Einwände seien vom Zivilgericht zu beurteilen und können nicht Teil des
Baubewilligungsverfahrens sein. Auch eine nähere Prüfung der
zivilrechtlichen Voraussetzungen durch die Baubehörde hätte zu keinem
anderen Ergebnis geführt (vgl. Vernehmlassung vom 30. Juni 2021, S. 5
f.). Auch die Beschwerdegegnerin bzw. Vorinstanz hielt in ihrer
Vernehmlassung vom 30. Juni 2021 (S. 6 f.) fest, für die Baubehörde seien
die privatrechtlichen Verhältnisse aufgrund der verlangten summarischen
Prüfung erkennbar gewesen (z.B. die Unterschrift betreffend, vgl. dazu
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nachstehend E.3.6). Weiter gehe ihre Prüfungspflicht auch gemäss
zitiertem PVG 2011 Nr. 19 nicht. Die Gültigkeit der Vereinbarung gestützt
auf die geltend gemachten Willensmängel könne nur der Zivilrichter
beurteilen. Die Baubehörde habe sich nicht mit diesen nicht einfachen
zivilrechtlichen Fragen auseinandersetzen müssen und habe sich daher
zu Recht auf die Vereinbarung abgestützt.
3.3. Replicando bestritten die Beschwerdeführer dies unter Verweis auf
Beschwerde und führten ergänzend aus, die "Anfechtung" der
Vereinbarung sei am 18. Juni 2020 erfolgt, bevor das zweite Baugesuch
am 19. Juni 2020 publiziert worden ist. Die Gemeinde habe demnach
Kenntnis von der Anfechtungserklärung gehabt und habe die Prüfung der
Rechtsgültigkeit bereits aus diesem Grund nicht einfach ignorieren
können. Die Vorinstanz ihrerseits anerkenne in ihrer Vernehmlassung,
dass die Baubehörde eine Baubewilligung nicht erteilen dürfe, wenn keine
Vereinbarung eingereicht werde. Damit anerkenne die
Beschwerdegegnerin auch implizit, dass die Vorinstanz die
Rechtsgültigkeit hätte prüfen müssen, weil eine automatisch unwirksam
gewordene Vereinbarung nicht mit einer nicht eingereichten AZ-
Vereinbarung gleichzusetzen sei (vgl. Replik, S. 12 Rz. 34).
3.4. Die Beschwerdeführer zitieren in ihrer Beschwerdeschrift (S. 8 f.) selbst
zutreffend die dazu einschlägige Rechtsprechung, nach welcher
Baubewilligungsbehörden grundsätzlich keine privatrechtlichen Fragen zu
beurteilen haben. Die Gemeinden sind demnach nur dann nicht
verpflichtet, Baugesuche von Gesuchstellern zu behandeln, wenn die
zivilrechtliche Bauberechtigung offensichtlich fehlt (PVG 1990 Nr. 25 und
1987 Nr. 20). Nach Ansicht der Beschwerdeführer sei jedoch
differenzierter vorzugehen, wenn eine öffentlich-rechtliche Norm die
zivilrechtliche Bauberechtigung explizit voraussetze. Dann gehe es im
Ergebnis eben nicht um die Anwendung von Privatrecht durch die
Baubehörde, sondern von öffentlichem Recht, welches diese von Amtes
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wegen anzuwenden habe. Unter Verweis auf PVG 2011 Nr. 19 E.1 könne
es sich in diesem Zusammenhang als notwendig erweisen, zivilrechtliche
Fragen vorfrageweise zu prüfen.
3.5. Es gilt als allgemein anerkannt, dass die Behörden Vorfragen – d.h.
Fragen aus einem Rechtsgebiet ausserhalb ihres sachlichen
Zuständigkeitsbereichs – aus prozessökonomischen Gründen
beantworten dürfen, solange das Gesetz nicht etwas Gegenteiliges
bestimmt. In der Praxis ist dieser Grundsatz in erster Linie für leicht
beantwortbare Vorfragen relevant. Eine Verwaltungsbehörde darf einen
entscheidrelevanten Zivilrechtsvertrag selber auslegen, wenn der
Vertragsinhalt leicht feststellbar ist und sich ein unzweifelhaftes Resultat
ergibt. Etwas anderes ergibt sich denn auch nicht aus dem BauG, gemäss
dessen Art. 14 Abs. 5 die Baubehörde Nutzungsübertragungen zwischen
angrenzenden oder bloss durch Strassen, Bäche oder Bahnen getrennten
Grundstücken innerhalb der gleichen Bauzone zulassen kann, wenn eine
Vereinbarung zwischen den Betroffenen vorliegt und keine
überwiegenden öffentlichen Interessen entgegenstehen. Entgegen der
Ansicht der Vorinstanz (vgl. Ziff. 18 der Erwägungen des Baubescheides
vom 13./22. April 2021) war die umstrittene Vereinbarung folglich,
zumindest im vorgenannten Ausmass, nicht vom Zivilrichter, sondern von
ihr selbst als Baubehörde zu prüfen. Im Ergebnis hat sie dies denn auch
korrekt getan, indem sie auf die Rüge diesbezüglich eingetreten ist und –
vorfrageweise – die Vereinbarung zu Recht als grundsätzlich gültige
öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkung betrachtet hat (vgl. Ziff. 4.1
des Dispositivs des Baubescheides vom 13./22. April 2021). Die
Beschwerdeführer verkennen mit ihren Ausführungen, dass die
vorfrageweise Beurteilung eines zivilrechtlichen Anspruchs im
Baubewilligungsverfahren für die sachlich zuständigen Zivilgerichte nicht
verbindlich wäre. Sie könnten sich daher auch nach der Erteilung der
Baubewilligung vor den Zivilgerichten gegen die von der Baubehörde
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vorfrageweise bejahten dienstbarkeitsrechtlichen Nutzungsübertragung
zur Wehr setzen (vgl. BGE 140 I 114 E.2.4.2, 129 III 186 E.2.3; Urteile des
Bundesgerichts 1C_246/2015 vom 4. März 2016 E.2.4, 1C_237/2010 vom
30. August 2010 E.2.4.2 m.w.H.; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 8. Aufl. 2020, Rz. 1758; WIEDERKEHR/PLÜSS, Praxis des
öffentlichen Verfahrensrechts, Bern 2020, Rz. 3538).
3.6.1. Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, die Vereinbarung sei mangels
rechtsgültiger Unterschrift von G._ gar nie gültig zustande
gekommen. Die Initialen "G._" seien keine Unterschrift und die
Beschwerdeführer seien deshalb auch nicht daran gebunden gewesen,
weshalb die Beschwerde bereits aus diesem Grund gutzuheissen sei (vgl.
Beschwerdeschrift, S. 9 Rz. 40 und S. 12 Rz. 49).
3.6.2. Dem entgegnen die Beschwerdegegner, die Initialen "G._" seien sehr
wohl ihre Unterschrift, so z.B. auch aus ihrem Aufenthaltstitel ersichtlich
(mit Hinweis auf Bg-act. 4). Blosse Initialen seien als Unterschrift
anzuerkennen, wenn deren Bedeutung als Unterschrift feststeht.
Vorliegend sei dies problemlos G._ zuzuordnen. Zudem sei die
Vertretung unter Ehegatten (auch nachträglich) möglich und sie könne
ohne Weiteres bestätigen, dass er in ihrem Namen habe unterzeichnen
dürfen, was vorliegend nach dem Gesagtem aber nicht nötig sei. Die
Berufung auf die Rechtsungültigkeit der Unterschrift sei ferner
rechtsmissbräuchlich. Da die Unterschriften der Beschwerdegegner zu
keiner Zeit beanstandet wurden, habe es für die Vorinstanz keinen Anlass
gegeben, an der Rechtsgültigkeit der Vereinbarung zu zweifeln (vgl.
Vernehmlassung vom 30. Juni 2021, S. 6 f.). Dies wiederum bestritten die
Beschwerdeführer in ihrer Replik und führten u.a. aus, dass eine mögliche
nachträgliche Bestätigung des Ehemannes ohnehin unbehilflich wäre,
nachdem die Beschwerdeführer die Vereinbarung angefochten und damit
deren Unwirksamkeit herbeigeführt hätten (vgl. Replik vom 2. September
2021, S. 12 f.).
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3.6.3. Sofern die Beschwerdeführer geltend machen, die Initialen "G._"
seien keine rechtsgenügliche Unterschrift und die Vereinbarung sei daher
gar nie zustande gekommen, kann ihnen nicht gefolgt werden. Es ist
einerseits offensichtlich, dass die Initialen der G._ zuzuordnen sind.
Ob die Initialen im vorliegenden Fall die Erfordernisse einer Unterschrift
erfüllen, kann jedoch offengelassen werden, zumal die Beschwerdeführer
den Rücktritt von der Vereinbarung ausschliesslich mit den Ausmassen
der geplanten Baute, welche diese angenommen habe, begründeten (vgl.
Einsprache vom 8. Juli 2020) und nun im Rahmen des
Beschwerdeverfahrens eine Berufung auf eine rechtsungültige
Unterschrift rechtsmissbräuchlich erscheint bzw. Treu und Glauben
widerspricht. Den Beschwerdegegnern ist zu folgen, sofern sie festhalten,
die Unterschriften seien bis zum Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung nie
beanstandet worden und es für die Vorinstanz keinen Anlass gegeben
habe, an der Rechtsgültigkeit der Vereinbarung zu zweifeln. Im Übrigen
übersteigt die Prüfung der (zivilrechtlichen) Frage der Voraussetzungen
einer Unterschrift sowie die daraus geforderte Ungültigkeit der
Vereinbarung die summarische Prüfungspflicht der Baubehörde und wäre
von einem Zivilgericht zu klären. Die Baubehörde ging deshalb zu Recht
von einer gültigen Vereinbarung aus, zumal es nicht offensichtlich an einer
zivilrechtlichen Bauberechtigung mangelte. Gegenteiliges anzunehmen
wäre als überspitzter Formalismus nicht zu schützen (vgl. dazu z.B. BGE
142 IV 299 E.1.3.2, 142 V 152 E.4.2 jeweils mit Hinweisen).
3.7. Als Zwischenfazit kann festgehalten werden, dass die von den
Beschwerdeführern gerügte vorfrageweise Prüfung zivilrechtlicher Fragen
(hinsichtlich der gerügten rechtsungültigen Unterschrift und daraus
folgend der nicht zustande gekommenen Vereinbarung) durch die
Vorinstanz – soweit dazu verpflichtet – vorgenommen wurde, weshalb die
Beschwerde in diesem Punkt als unbegründet abzuweisen ist.
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4.1. Die Beschwerdeführer machen ferner geltend, falls das Gericht die Rüge
betreffend rechtsungenüglicher Unterschrift anders beurteilen sollte, die
Vereinbarung sei spätestens mit der "Anfechtung" (Anm. des Gerichts:
Rückzug) der Beschwerdeführer vom 18. Juni 2020 offensichtlich
unwirksam geworden. Gemäss Beschwerdeschrift seien sie von der
Vereinbarung wegen Übervorteilung, Irrtums, absichtlicher Täuschung
und Furchterregung zurückgetreten. Das massiv bedrohliche Telefonat
von H._ habe I._ sehr verängstigt, verunsichert und beunruhigt.
Bei der Gegenleistung für den Nutzungstransport handle es sich faktisch
gar nicht um eine solche, weil das Fahrwegrecht angesichts der neu
geplanten Zufahrt über die Strasse ohnehin keine Bedeutung mehr bzw.
alles Interesse daran verloren habe. Der Belastete könne ohne jegliche
Entschädigung die Löschung verlangen. Daher bestehe ein Missverhältnis
zwischen der Leistung der Beschwerdeführer und der Gegenleistung der
Beschwerdegegner. Die Beschwerdegegner hätten die Unerfahrenheit
und den Leichtsinn der Beschwerdeführer ausgenutzt, welchen die
erforderlichen Kenntnisse fehlten. Erst als sie die Tragweite des Projekts
erkannt hätten, hätten sie am 18. Juni 2020 die Vereinbarung
angefochten, wodurch automatisch deren Unwirksamkeit herbeigeführt
worden sei. Die Vorinstanz hätte dies in vorfrageweiser Prüfung erkennen
müssen und eine Klageerhebung vor dem Zivilrichter sei nicht erforderlich
gewesen (vgl. Beschwerde, S. 9-12).
4.2. Die Beschwerdegegner ihrerseits hielten dem entgegen, die
Beschwerdeführer stellten lediglich Behauptungen auf, während sie für die
vorgebrachten Mängel Übervorteilung, Irrtum, absichtliche Täuschung und
Furchterregung keine Beweise erbrächten. Die Übervorteilung sei
klarerweise nicht erfüllt. Die Werthaltigkeit des Wegrechts sei gegeben, da
das Grundstück der Beschwerdeführer mit der Löschung des Wegrechts
an Wert gewinne, jenes der Beschwerdegegner anderseits verliere. Folge
man der Argumentationslinie der Beschwerdeführer, könnten die
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Beschwerdegegner genauso geltend machen, die überschüssige
Ausnützungsziffer auf dem Grundstück der Beschwerdeführer weise
keinen Wert auf, weil sie gemäss eigenen Angaben ohnehin kein Interesse
an einer erweiterten Nutzung hätten. Ferner hätten bereits im Herbst 2019
Verhandlungen über eine mögliche Nutzungsübertragung begonnen; der
Vertrag sei sodann erst im Februar 2020 unterzeichnet worden, wodurch
sie genug Zeit gehabt hätten und nicht von Not- oder Zwangslage
(Übervorteilung) gesprochen werden könne. Der geltend gemachte
Motivirrtum sei ebenfalls als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren. Die
AZ-Übertragung sei nur notwendig gewesen, weil die Beschwerdegegner
ein grösseres Projekt geplant hätten. Wäre nur ein EFH anstatt eines MFH
geplant gewesen, hätte die vorhandene Ausnützungsziffer mehr als
ausgereicht. Nach der ersten Auflage sei keine Einsprache erhoben
worden. Spätestens da hätte den Beschwerdeführern das Ausmass des
Projekts klar gewesen sein müssen. Auch die absichtliche Täuschung
oder Furchterregung sei zu verneinen. Man habe das MFH nie
verheimlicht. Die Drohung – wenn sie denn stattgefunden hätte – wäre
nach Angaben der Beschwerdeführer erst am 18. Juni 2020 erfolgt und
damit längst nach Unterzeichnung der Vereinbarung (vgl.
Vernehmlassung vom 30. Juni 2020, S. 7 ff.).
4.3. Auch dieses Vorbringen der Beschwerdeführer ist nicht zu hören. Wie
bereits vorstehend ausgeführt (vgl. E.3.5 und E.3.6.3), ging die
Beschwerdegegnerin beim vorliegenden Nutzungstransport – in
vorfrageweiser Prüfung – in genügender Weise von einer für die
Bewilligungserteilung notwendigen und rechtsgültigen Vereinbarung aus.
Die Beschwerdegegnerin prüfte im Baubewilligungsverfahren, zwar
entgegen ihrer eigenen Aussage nach, zu Recht nur, ob es offensichtlich
an der zivilrechtlichen Bauberechtigung mangelte und verneinte dies
implizit. Mit der unterzeichneten Vereinbarung ging sie zu Recht davon
aus, dass ein ausreichender Rechtstitel für den Nutzungstransport
- 19 -
vorliegt. Eine weitergehende, über die leicht zu beantwortbaren bzw.
feststellbaren Fragen hinausgehende, Prüfung nahm die
Beschwerdegegnerin nicht vor, wozu sie im Übrigen auch nicht verpflichtet
war. Eine solche Beurteilung (etwa hinsichtlich der Vorwürfe
Übervorteilung, Irrtum, absichtliche Täuschung und Furchterregung)
obläge dem Zivilrichter, zumal es dabei sich dabei um keine für die
Baubehörde leicht zu beantwortbaren Vorfragen handelt und sich auch
keine unzweifelhaften Resultate hinsichtlich einer mangelnden
zivilrechtlichen Bauberechtigung feststellen lassen bzw. liessen.
Exemplarisch ist dafür insbesondere auf die Tatsache hinzuweisen, dass
die Beschwerdeführer ausdrücklich festhielten, der bei der Gemeinde
persönlich überbrachte, schriftliche Rückzug der Vereinbarung am 18.
Juni 2020 sei von der Gemeinde gleichentags entgegengenommen
worden, noch bevor das zweite Baugesuch der Beschwerdegegner am 19.
Juni 2020 publiziert wurde (vgl. Beschwerde, S. 9 f.). Dies deutet darauf
hin, dass der Rückzug vom 18. Juni 2020 vor der Kenntnisnahme des
zweiten Baugesuchs – und nach eigener Aussage nachdem sie erfahren
hätten, dass das erste Baugesuch zurückgezogen wurde – erfolgte. Es
widerspricht andererseits diametral ihren Ausführungen in der Einsprache
vom 8. Juli 2020 (S. 2), wonach sie als Gründe für den Rückzug das
"effektive Bauvorhaben, die Grösse, die vielen Wohnungen etc." und dass
sie allgemein das gesamte Ausmass des geplanten Projekts erst dann
verstanden hätten, aufzählten. Sie hätten gedacht, es werde ein EFH und
keine MFH gebaut. Dieser Einwand verfängt nicht, zumal aus dem
Auflageplan des Baugesuchs K._ vom 12. Juni 2020
unmissverständlich hervorgeht, dass ein MFH geplant ist. Den
Beschwerdegegnern andererseits kann nicht angelastet werden, sie
hätten das zweite Baugesuch, welches nachweislich am 12. Juni 2020 bei
der Beschwerdegegnerin eingegangen ist, erst nach Kenntnis über den
Rückzug von der Vereinbarung vom 18. Juni 2020 gestellt (vgl.
vorinstanzliche Akten A, S. 1). In Zusammenhang mit dem beantragten
- 20 -
Gutachten machen die Beschwerdeführer geltend, es bestünde ein
Missverhältnis zwischen Leistung und Gegenleistung in der Vereinbarung
(vgl. Replik S. 8 Rz. 22). Es ist allerdings nicht Sache der Baubehörde,
deren genauen Werte zu ermitteln und im Falle von unbedarften
Zustimmungen zu – für die eine Partei – allenfalls ungünstigen
Konditionen die Vereinbarung bereits deshalb für ungültig zu erklären.
Im Ergebnis ist festzuhalten, dass die Vereinbarung mit dem Rückzug der
Beschwerdeführer vom 18. Juni 2020 nicht offensichtlich unwirksam
geworden ist, weshalb die Beschwerde auch in diesem Punkt nicht
durchdringt und als unbegründet abzuweisen ist.
5.1. Die Beschwerdeführer rügen schliesslich, die Baugesuchunterlagen
gäben – so auch der Bauberater – nicht genügend klar über die tatsächlich
beabsichtigte Materialisierung Aufschluss. Die Bauherrschaft habe kein
Konzept und die Gemeinde habe darauf hingewiesen, der Bericht des
Bauberaters sei im Baubewilligungs- und Einspracheverfahren zu
berücksichtigen. Auch im ergänzenden Bericht des Bauberaters sei nach
wie vor nicht nachvollziehbar, in welchem Material sich das Haus zeigen
werde. Die Einsprecher hätten sich in der Folge nicht mehr dazu äussern
können und die Vorinstanz habe einfach angenommen, die Fassade
werde mit hellgestrichenem Verputz ausgestaltet. Damit habe sie sich in
sachfremder und daher willkürlicher Weise über die wesentliche, noch
offene Frage der Materialisierung hinweggesetzt. Dass die Einsprecher
nicht mehr zur Stellungnahme eingeladen wurden, stelle eine Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör dar (vgl. Beschwerde, S. 13 ff.).
5.2. Die Beschwerdegegner wiederum sind der Ansicht, die Baubehörde sei
nicht an die Feststellung des Bauberaters gebunden. Diese sei lediglich
eine sachdienliche, verwaltungsinterne Fachauskunft, die die Behörde
unterstützen solle. Die umliegenden Häuser weisen keine homogene
Gestaltungsweise auf (Holz- wie auch Beton, helle und dunklere Farben).
- 21 -
Bezüglich hellgestrichenem Verputz habe die Vorinstanz dies nicht einfach
angenommen, sondern es gehe aus den Visualisierungen hervor. Auch
der Bauberater habe in der ergänzenden Stellungnahme festgehalten, das
"Haus kann so ausgeführt werden". Die Gemeinde habe lediglich von
ihrem Ermessensspielraum Gebrauch gemacht. Schliesslich wiesen die
Beschwerdegegner den Vorwurf der Verletzung des rechtlichen Gehörs
zurück. Die Einsprecher seien mit Schreiben vom 15. Dezember 2020 zur
Stellungnahme aufgefordert worden. Eine solche sei jedoch nicht erfolgt
(vgl. Vernehmlassung, S. 12 f.).
5.3. Die Beschwerdeführer stützen sich in ihrer Argumentation auf die
Beurteilung des Bauberaters vom 30. Juni 2020, die zur Materialisierung
folgenden Satz beinhaltet: "Aus den Plänen allein ist nicht schlüssig
auszumachen, in welchem Material sich das Haus zeigen wird. Es scheint
ein hell gestrichener Verputz zu sein" (Bf-act. 11, S. 2). Dies steht auch so
in der Präzisierung vom 13. November 2020 (Bf-act. 13, S. 2). Letztere
hält jedoch fest, dass das Haus so ausgeführt werden könne und die
definitive Farbwahl von der Baubehörde begutachtet und bewilligt werden
müsse. Wie die Beschwerdeführer darin unvollständige
Baugesuchunterlagen erkennen wollen, erschliesst sich dem
streitberufenen Gericht nicht. Gemäss Art. 7 Abs. 3 BauG, kann die
Baubehörde für die Gestaltung von Neu- und Umbauten in der Wohnzone
die Gestaltungsberatung beiziehen. Es handelt sich dabei um eine "Kann-
Vorschrift", während bspw. für die Dorf- oder Erhaltungszone eine Pflicht
dazu besteht (vgl. Art. 7 Abs. 2 BauG). Sodann sieht das BauG hinsichtlich
der Gestaltung lediglich vor, dass grelle und fluoreszierende Farbtöne
nicht erlaubt sind (Art. 48). Es enthält zudem Vorgaben für die Gestaltung
der Dächer (Art. 49) sowie weitere spezifische – jedoch vorliegend nicht
relevante – Gestaltungsvorschriften (Art. 50-55). Der an sich weite
Ermessensspielraum – der der Baubehörde in solchen Ästhetik- und
Gestaltungsfragen als am besten mit der lokalen Baukultur vertrauten
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Bewilligungs- und Aufsichtsinstanz zukommt – kann vorliegend sicherlich
nicht bereits als missbraucht oder überschritten bezeichnet werden kann.
Sofern die Beschwerdeführer eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör geltend machen, weil sie nicht mehr zu einer
Stellungnahme zum Bericht des Bauberaters eingeladen worden seien
(vgl. Beschwerde, S. 13 ff.), kann ihnen ebenfalls nicht gefolgt werden. So
geht aus den Akten offenkundig hervor, dass u.a. die Beschwerdeführer
im Schreiben der Gemeindeverwaltung F._ vom 15. Dezember 2020
(mit Hinweis auf das Schreiben vom 20. November 2020; vgl. Bg-act. 7, S.
2 f. und vorinstanzliche Akten 13,) im Verteiler aufgelistet sind und zur
Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme eine Frist von 14 Tagen
gesetzt wurde. Eine solche erfolgte sodann vonseiten der
Beschwerdeführer, zusammen unterzeichnet mit den Einsprechern
L._, am 8. Januar 2021 (vgl. vorinstanzliche Akten 19). Sie hatten
demnach ohne weiteres die Gelegenheit zur schriftlichen Stellungnahme
zur Gestaltungsberatung und nutzten diese auch. Von einer Verletzung
des Anspruchs auf rechtliches Gehör kann vorliegend nicht die Rede sein.
6. Zusammenfassend erweist sich nach dem vorstehend Gesagten der
Beschwerdeentscheid vom 25. Januar 2021 als rechtens, was zu dessen
Bestätigung und zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde
führt.
7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten, bestehend
aus einer Staatsgebühr und den Kanzleiauslagen (Art. 75 Abs. 1 lit. a
und b VRG), gestützt auf Art. 73 Abs. 1 i.V.m. Art. 72 Abs. 2 VRG unter
solidarischer Haftung den Beschwerdeführern aufzuerlegen. Die
Staatsgebühr ist in Anwendung von Art. 75 Abs. 2 VRG auf CHF 3'000.‐‐
festzusetzen.
- 23 -
7.2. Der in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegenden Beschwerdegegnerin
steht keine aussergerichtliche Parteientschädigung zu (Art. 78 Abs. 2
VRG). Demgegenüber sind die Beschwerdeführer als unterliegende Partei
verpflichtet, den Beschwerdegegnern die durch das vorliegende
Beschwerdeverfahren verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen
(Art. 78 Abs. 1 VRG).
7.2.1. Die Parteientschädigung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über
die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
(Honorarvereinbarung, HV; BR 310.250) i.V.m. Art. 19 des kantonalen
Anwaltsgesetzes (BR 310.100) durch die urteilende Instanz nach
Ermessen festgesetzt. Ausgangspunkt bildet die Kostennote (Art. 2 Abs.
2 HV). Dabei hat insbesondere der vereinbarte Stundensatz üblich (vgl.
Art. 3 Abs. 1 HV) und der geltend gemachte Aufwand angemessen und für
die Prozessführung erforderlich zu sein. Ausserdem darf die geforderte
Entschädigung keine von der Sache bzw. des Rechtsschutzbedürfnisses
her ungerechtfertigte Belastung der unterliegenden Partei zur Folge
haben.
7.2.2. Die beiden unterzeichnenden Rechtsvertreter der obsiegenden
Beschwerdegegner (Rechtsanwalt Thomas Casanova und Jurist und dipl.
Steuerexperte Andreas Thoma, dessen Praktikanten-Bewilligung gemäss
Art. 8 des kantonalen Anwaltsgesetzes im Recht liegt) reichten am 5.
Oktober 2021 ihre Honorarnote ein, worin ein Stundenaufwand von 25.10
Stunden geltend gemacht wird; daraus resultierend ein Honorar über
insgesamt CHF 7'099.58 inkl. Spesen und MWST. Dem Gericht
erscheinen die aufgewendeten 25.10 Stunden angesichts der Umstände
des vorliegenden Verfahrens, dem Umfang sowie der Schwierigkeit der
Angelegenheit zu hoch.
- 24 -
7.2.3. Insofern wird die von den Beschwerdeführern unter solidarscher Haftung
zu leistende Parteientschädigung vom Gericht ermessensweise auf
pauschal CHF 3'500.‐‐ (inkl. Spesen und MWST) festgesetzt.
7.2.4. Der Vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass sich dem Gericht nicht
erschliesst, wie in der Honorarnote die beiden Positionen vom 22. Juni
2021 ("Entwurf Vernehmlassung", 0.8 Stunden zu einem Honorar von
CHF 75.--) und vom 14. September 2021 ("tel. Besprechung Klient,
Entwurf Duplik", 2 Stunden zu einem Honorar von CHF 750.--) zustande
gekommen sind. Sämtliche restlichen Positionen wurden zum
vereinbarten Stundenansatz von CHF 250.-- verrechnet. Dabei wird nicht
ausgewiesen, wie viele Stunden von welchem Rechtsvertreter
aufgewendet worden sind. Da es sich vorliegend nicht um eine
Steuersache handelt, betrüge das Honorar für Rechtspraktikantinnen und
Rechtspraktikanten gemäss Art. 6 HV 75 % des Ansatzes für
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, vorliegend mithin CHF 187.50 pro
Stunde, welche für die Aufwände von Andreas Thoma geltend gemacht
werden könnten (vgl. betreffend Rechtsvertreter Andreas Thoma auch
VGU S 21 108 vom 8. Februar 2022 E.8; S 20 104 und S 20 121, jeweils
vom 22. Dezember 2020, jeweilige E.7). In Folge der ermessensweisen
Festsetzung der Parteientschädigung auf pauschal CHF 3'500.--
erübrigen sich jedoch weitere Ausführungen dazu.