Decision ID: 9fcabf70-0b95-5532-9ab9-75bc1f952d89
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der 1956 geborene, geschiedene A._ (im Folgenden: Versicherter
oder Beschwerdeführer) ist liechtensteinischer Staatsbürger und wohnt im
Fürstentum Liechtenstein. Er war zwischen 1986 und 2011 mit Unterbrü-
chen als Grenzgänger in verschiedenen Anstellungen in der Schweiz er-
werbstätig und entrichtete dabei obligatorische Beiträge an die Schweize-
rische Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (AHV/
IV; Akten [im Folgenden: act.] der Invalidenversicherungs-Stelle für Versi-
cherte im Ausland [im Folgenden: IVSTA oder Vorinstanz] 2, 3, 8, 11 bis 13,
29, 41, 42, 44 und 140).
B.
B.a Am 31. März 2008 erlitt der Versicherte in seiner Tätigkeit als Hilfsge-
rüstmonteur einen Arbeitsunfall; gemäss Unfallmeldung vom 2. April 2008
fiel der Versicherte aus einer Höhe von zirka 3 Metern in ein mit Wasser
gefülltes Loch (act. der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt [im
Folgenden: Suva] 1 S. 233). Dabei zog er sich eine dislozierte Radiusfrak-
tur links mit Abriss des Processus styloideus ulnae zu und musste stationär
behandelt werden (Suva-act. 1 S. 218, 220 und 232). Nach anschliessen-
der Arbeitsunfähigkeit bis zum 10. September 2008 (Suva-act. 1 S. 187,
191, 194, 198, 202, 203, 208, 211, 216, 219, 227) ergab sich im Nach-
hinein, dass seitens des Versicherten die geplante Arbeitsaufnahme ab
diesem Zeitpunkt nicht stattgefunden hatte; die Suva verlangte daraufhin
bei der Arbeitgeberin eine Rückfallmeldung (Suva-act. 1 S. 168 bis 173).
B.b Nachdem der Behandlungsabschluss am 5. November 2008 erfolgt
und ab 1. Dezember 2008 wieder eine volle Arbeitsfähigkeit vorhanden ge-
wesen war (Suva-act. 1 S. 154 und 155), wurde dem ebenfalls ab dem
1. Dezember 2008 wieder stellenlosen Versicherten (act. Suva-act. 1
S. 149) ab dem 3. Februar bis 6. März 2009 erneut eine 100%ige Arbeits-
unfähigkeit attestiert (Suva-act. 1 S. 134 bis 136, 151 und 152). Nach Vor-
liegen des kreisärztlichen Untersuchungsberichts vom 24. März 2009
(Suva-act. 1 S. 127 bis 131) und des Austrittsberichts des Spitals
B._ vom 25. März 2009 (Suva-act. 1 S. 116 und 117) erfolgte am
21. April 2009 eine weitere ärztliche Beurteilung durch die Suva (Suva-act.
1 S. 109 und 110); per 1. Juni 2009 stellte diese die Taggeldleistungen ein
(Suva-act. 1 S. 90 bis 92 und 102). Daraufhin erhielt die Suva Kenntnis der
Taggeldabrechnungen der liechtensteinischen Arbeitslosenkasse von
C-3195/2017
Seite 3
März 2007 bis November 2008 (Suva-act. 1 S. 17 bis 72). Nach einer in-
ternen, vom 9. Dezember 2011 datierenden Anfrage an den Kreisarzt
(Suva-act. 3 S. 11) fand am 16. Februar 2012 eine kreisärztliche Untersu-
chung statt (Suva-act. 3). Daraufhin sprach die Suva dem Versicherten mit
Verfügung vom 2. Mai 2012 bei einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von 12 %
mit Wirkung ab 1. Juni 2009 eine Rente in der Höhe von monatlich
Fr. 437.70 zu (Suva-act. 4). Die hiergegen vom Versicherten am 25. Mai
2012 erhobene Einsprache (Suva-act. 5) wies die Suva mit Einspracheent-
scheid vom 9. Oktober 2012 ab (Suva-act. 6). Dieser Entscheid erwuchs –
soweit aus den vorliegenden Suva-Akten ersichtlich – unangefochten in
Rechtskraft.
C.
Am 30. Mai 2009 meldete sich der Versicherte erstmals bei der Sozialver-
sicherungsanstalt des Kantons C._ (im Folgenden: SVA
C._) zum Leistungsbezug an und beantragte Leistungen für die be-
rufliche Eingliederung. Im Meldeformular machte er eine unfallbedingte ge-
sundheitliche Beeinträchtigung geltend und verwies diesbezüglich – ohne
selbst nähere Angaben zur Art der Beeinträchtigung zu machen – auf die
Suva-Akten (act. 1). Nach Durchführung der für die Beurteilung des Leis-
tungsanspruchs massgeblichen Abklärungen (act. 5 bis 21) und des Vor-
bescheidverfahrens (act. 23 bis 24) verneinte die SVA C._ mit Ver-
fügung vom 19. Oktober 2009 den Anspruch auf berufliche Massnahmen
mit der Begründung, der Versicherte sei wieder für sämtliche Tätigkeiten
voll arbeitsfähig (act. 25). Diese Verfügung trat – soweit aus den Akten er-
sichtlich – ebenfalls unangefochten in Rechtskraft.
D.
D.a Am 3. bzw. 15. Juni 2011 ging bei der SVA C._ ein neues Leis-
tungsbegehren des Versicherten ein (act. 26 bis 32). Dieser machte nun-
mehr eine seit 19. Dezember 2010 bestehende gesundheitliche Beein-
trächtigung aufgrund eines Herzinfarktes geltend. Der im Rahmen der
Frühintervention mit der Abklärung der medizinischen Situation beauftragte
Dr. med. D._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst (im Folgenden:
RAD) beurteilte den Versicherten am 21. Juni 2011 als nach den zur Ver-
fügung stehenden Angaben für die angestammte Tätigkeit (leichte bis mit-
telschwere Tätigkeit in der Produktion) zu 100 % arbeitsfähig (act. 36). Da-
raufhin wurde dem Versicherten am 14. Juli 2011 mitgeteilt, dass er keinen
Anspruch auf berufliche Massnahmen habe (act. 49). Nach Vorliegen wei-
terer medizinischer Dokumente (act. 50 bis 51) lehnte die SVA C._
C-3195/2017
Seite 4
mit Mitteilung vom 15. September 2011 den Anspruch auf eine Invaliden-
rente ab. Zur Begründung führte sie aus, nachdem die Wartezeit von einem
Jahr im Dezember 2011 ablaufe, würden die Anspruchsvoraussetzungen
zu diesem Zeitpunkt geprüft werden (act. 53). In der Folge sah der Be-
schwerdeführer davon ab, eine entsprechende beschwerdefähige Verfü-
gung zu verlangen.
D.b Nach weiteren medizinischen Abklärungen (act. 56, 57, 62, 65, 66, 71,
74 und 77) und weiteren Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med.
D._ vom 14. August 2012 (act. 67), 5. März 2013 (act. 75) und 17.
Mai 2013 (act. 78) teilte die SVA C._ dem Versicherten mit Vorbe-
scheid vom 26. Juni 2013 mit, dass gegenüber der am 19. Oktober 2009
mangels Invalidität erfolgten ersten Gesuchsabweisung keine andauernde
Verschlechterung seines Gesundheitszustandes vorliege. Er sei bereits vor
Ablauf des gesetzlich vorgesehenen Wartejahres in der zuletzt ausgeübten
wie auch in sämtlichen anderen Tätigkeiten wieder voll arbeitsfähig gewe-
sen, weshalb sein Leistungsbegehren abgewiesen werde (act. 80 bis 81).
Mit Schreiben vom 30. Juli 2013 orientierte Rechtsanwalt Antonius Falkner
die SVA C._ über das Mandatsverhältnis und verlangte Aktenein-
sicht; diese wurde ihm gewährt (act. 83 bis 85). In der Folge erliess die SVA
C._ am 23. September 2013 eine dem Vorbescheid vom 26. Juni
2013 im Ergebnis entsprechende Verfügung und wies das Leistungsge-
such des Versicherten ab (act. 91 S. 12 bis 13).
D.c Hiergegen liess der Versicherte durch seinen Rechtsvertreter beim
Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom 24. Oktober 2013 Be-
schwerde erheben und beantragen, es sei die IVSTA zu verpflichten, ihm
eine seinem IV-Grad entsprechende IV-Rente auszurichten; eventualiter
sei die Verfügung vom 23. September 2013 aufzuheben und die Sache zur
neuerlichen Entscheidung über das Rentengesuch zurückzuweisen
(act. 91 S. 3 bis 11). Nachdem die liechtensteinische Invalidenversicherung
am 23. Februar 2013 die E._ AG mit einer polydisziplinären Begut-
achtung beauftragt hatte und die entsprechenden Expertisen am 20. Mai
2015 versandt worden waren (act. 138), erliess jene am 26. Mai 2015 einen
Vorbescheid, mit welchem sie dem Versicherten ebenfalls die Abweisung
des Rentenanspruchs in Aussicht stellte (act. 109). Daraufhin hiess das
Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde mit Urteil B-6065/2013 vom
3. November 2015 in dem Sinn gut, als die angefochtene Verfügung der
SVA C._ vom 23. September 2013 aufgehoben und die Sache an
C-3195/2017
Seite 5
die Vorinstanz zurückgewiesen wurde, damit diese im Sinne der Erwägun-
gen verfahre und anschliessend über den Rentenanspruch neu verfüge
(act. 111 resp. 112).
D.d Nach Vorliegen zweier Verlaufsberichte von Dr. med. F._,
Fachärztin für Innere Medizin, vom 15. Januar 2016 (act. 117) und von Dr.
med. G._, Facharzt für Innere Medizin/Kardiologie, vom 31. Januar
2016 (act. 119) sowie der rentenabweisenden Verfügung der liechtenstei-
nischen Invalidenversicherung vom 18. März 2016 (act. 124) informierte
die SVA C._ den Versicherten mit Schreiben vom 25. Mai 2016 über
die polydisziplinäre medizinische Untersuchung (act. 126); die Zuteilung
resp. die Vergabe des Begutachtungsauftrags erfolgte über die Plattform
SuisseMED@P an die H._ GmbH in (...) Folgenden: H._;
act. 127 bis 132, 135 bis 137). In Kenntnis der entsprechenden polydiszip-
linären Expertise vom 10. November 2016 (act. 146) gab Dr. med.
D._ vom RAD am 5. Dezember 2016 eine Stellungnahme ab (act.
147). Gestützt darauf sowie den Einkommensvergleich (act. 148) und das
Feststellungsblatt Renten vom 6. Dezember 2016 (act. 149) informierte die
SVA C._ den Versicherten mit Vorbescheid vom 6. Dezember 2016
über die beabsichtigte Abweisung des Rentenanspruchs (act. 150). Nach-
dem dieser hiergegen am 25. Januar 2017 seine Einwendungen hatte vor-
bringen lassen (act. 151), erliess die SVA C._ am 6. Februar 2017
eine dem Vorbescheid im Ergebnis entsprechende Verfügung (act. 152).
D.e Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 13. März 2017 beim
Versicherungsgericht des Kantons C._ Beschwerde erheben und
beantragen, die SVA C._ sei zu verpflichten, ihm eine halbe IV-
Rente auszurichten; eventualiter sei die Verfügung vom 6. Februar 2017
aufzuheben und die Rechtssache zur neuerlichen Entscheidung zurückzu-
weisen (act. 155). Daraufhin widerrief die SVA C._ mangels Zustän-
digkeit am 27. April 2017 die Verfügung vom 6. Februar 2017 (act. 164 und
165), und das Versicherungsgericht des Kantons C._ schrieb das
Beschwerdeverfahren mit Verfügung vom 16. Mai 2017 als gegenstandslos
geworden ab (act. 168, 169 und 171 resp. 172). In der Folge erliess die
zuständige IVSTA am 3. Mai 2017 eine rentenabweisende Verfügung, wel-
che inhaltlich mit derjenigen der SVA C._ vom 6. Februar 2017
übereinstimmte (act. 170).
C-3195/2017
Seite 6
E.
E.a Hiergegen liess der durch Rechtsanwalt Antonius Falkner vertretene
Beschwerdeführer beim Bundesverwaltungsgericht mit Eingabe vom
29. Mai 2017 (Poststempel: 6. Juni 2017) Beschwerde erheben und bean-
tragen, es sei die IVSTA zu verpflichten, ihm eine halbe IV-Rente auszu-
richten; eventualiter sei die Verfügung der Vorinstanz aufzuheben und die
Sache an diese zur neuerlichen Entscheidung zurückzuweisen. Weiter sei
ihm das Recht auf unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren (act. im Be-
schwerdeverfahren [im Folgenden: B-act.] 1).
E.b Mit Zwischenverfügung vom 11. Juli 2019 wurde das Gesuch um Ge-
währung des Rechts auf unentgeltliche Prozessführung und Verbeistän-
dung gutgeheissen, der Beschwerdeführer von der Bezahlung des Kosten-
vorschusses befreit und dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt Antonius
Falkner als amtlicher Anwalt beigeordnet (B-act. 6).
E.c In ihrer Vernehmlassung vom 28. August 2019 verwies die Vorinstanz
auf die Stellungnahme der SVA C._ vom 23. August 2019 und be-
antragte die Abweisung der Beschwerde (B-act. 8).
E.d Im Rahmen der prozessleitenden Verfügung vom 3. September 2019
erhielt der Beschwerdeführer Gelegenheit, innert Frist eine Replik in zwei
Exemplaren und entsprechende Beweismittel einzureichen (B-act. 9);
hierzu liess sich der Beschwerdeführer nicht weiter vernehmen.
E.e Mit prozessleitender Verfügung vom 15. Oktober 2019 wurde der
Schriftenwechsel unter dem Vorbehalt weiterer Instruktionsmassnahmen
abgeschlossen (B-act. 10).
E.f Auf den weiteren Inhalt der Akten sowie der Rechtsschriften und Be-
weismittel der Parteien ist – soweit erforderlich – in den nachfolgenden Er-
wägungen einzugehen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Das Bundesverwaltungsgericht prüft von Amtes wegen und mit freier Kog-
nition, ob die Prozessvoraussetzungen erfüllt sind und ob auf eine Be-
C-3195/2017
Seite 7
schwerde einzutreten ist (Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 20. De-
zember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG, SR 172.021]); BVGE
2016/15 E. 1; 2014/4 E. 1.2).
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69 Abs. 1
Bst. b des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom 19. Juni
1959 (IVG; SR 831.20) ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde zuständig (vgl. auch E. 3. hiernach).
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt (vgl. Art. 37 VGG).
Gemäss Art. 3 Bst. dbis VwVG bleiben in sozialversicherungsrechtlichen
Verfahren die besonderen Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Ok-
tober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG, SR 830.1) vorbehalten. Gemäss Art. 2 ATSG sind die Bestimmun-
gen dieses Gesetzes auf die bundesgesetzlich geregelten Sozialversiche-
rungen anwendbar, wenn und soweit die einzelnen Sozialversicherungs-
gesetze es vorsehen. Nach Art. 1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG
auf die IV anwendbar (Art. 1a - 26bis und 28 - 70 IVG), soweit das IVG nicht
ausdrücklich eine Abweichung vom ATSG vorsieht. Nach den allgemeinen
intertemporalrechtlichen Regeln finden diejenigen Verfahrensregeln An-
wendung, welche im Zeitpunkt der Beschwerdebeurteilung in Kraft stehen
(BGE 130 V 1 E. 3.2).
1.3 Als direkter Adressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Verfügung vom 3. Mai 2017 (act. 170) berührt und kann sich auf ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung berufen (Art. 59
ATSG; Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde (Art. 60 ATSG; Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
1.4 Anfechtungsobjekt und damit Begrenzung des Streitgegenstandes des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.1) bildet die
Verfügung vom 3. Mai 2017 (act. 170), mit welcher die Vorinstanz bei einem
Invaliditätsgrad von 13 % den Rentenanspruch des Beschwerdeführers
abgewiesen hat. Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit dieser Ver-
fügung und in diesem Zusammenhang insbesondere, ob der Vorinstanz in
medizinischer Hinsicht – wie vom Bundesverwaltungsgericht im Entscheid
B-6065/2013 vom 3. November 2015 (act. 112) angeordnet (vgl. E. 9.) –
nun eine voll beweiskräftige, bidisziplinäre Expertise als Entscheidbasis
C-3195/2017
Seite 8
zur Verfügung gestanden und ob sie die Invalidität des Beschwerdeführers
in korrekter Weise bemessen hat.
1.5 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit (Art. 49 VwVG). Es ist gemäss
dem Grundsatz der Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Be-
gründung der Begehren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG).
2.
Mit der Rückweisung der Angelegenheit an die Vorinstanz ist das Bundes-
verwaltungsgericht an den Entscheid B-6065/2013 gebunden (BGE 135 III
334 E. 2; Urteile des BGer 8C_680/2015 vom 14. Dezember 2015 E. 4.1
und 4.3.3 und 8C_720/2015 vom 12. April 2016 E. 3), weshalb vorab –
anstelle einer Wiederholung der entsprechenden Erwägungen im vorlie-
genden Entscheid – insbesondere betreffend die Anwendbarkeit des euro-
päischen Koordinationsrechts und des innerstaatlichen intertemporalen
Rechts (E. 3.), die Mindestbeitragsdauer (E. 4.1), die Invalidität und den
Rentenanspruch (E. 4.2 bis 4.5), die Beweiswürdigung und den Beweis-
wert von ärztlichen Dokumenten (E. 4.6 und 4.7) auf die entsprechenden
Erwägungen im oben erwähnten Urteil verwiesen werden kann.
3.
Der Beschwerdeführer liess zur Begründung seiner Beschwerde vom
29. Mai 2017 (Poststempel: 6. Juni 2017) in formeller Hinsicht ausführen,
die Vorinstanz habe das Verwaltungsverfahren mangelhaft durchgeführt.
Insbesondere sei der Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt worden. Es
sei ihm keine Möglichkeit eingeräumt worden, sich zur geplanten Erledi-
gung zu äussern. Bereits aus diesem Grund sei der Beschwerde Folge zu
geben. Nachfolgend ist deshalb zu prüfen, ob der Auffassung des Be-
schwerdeführers gefolgt werden kann.
3.1 Nach Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101) haben die Parteien An-
spruch auf rechtliches Gehör. Diese Regelung bezweckt namentlich, ver-
schiedene durch die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Art. 4 aBV
konkretisierten Teilaspekte des Verbots der formellen Rechtsverweigerung
in einem Verfassungsartikel zusammenzufassen. Hinsichtlich des in Art. 29
Abs. 2 BV nicht näher umschriebenen Anspruchs auf rechtliches Gehör
C-3195/2017
Seite 9
ergibt sich daraus, dass die unter der Herrschaft der aBV hierzu ergangene
Rechtsprechung nach wie vor massgebend ist (BGE 126 V 130 E. 2a).
3.2 Die örtliche Zuständigkeit der IV-Stelle richtet sich in der Regel nach
dem Wohnsitz des Versicherten im Zeitpunkt der Anmeldung (Art. 55 IVG).
Zuständig zur Entgegennahme und Prüfung der Anmeldungen von Grenz-
gängern ist die IV-Stelle, in deren Tätigkeitsgebiet der Grenzgänger eine
Erwerbstätigkeit ausübt. Dies gilt auch für ehemalige Grenzgänger, sofern
sie bei der Anmeldung ihren ordentlichen Wohnsitz noch in der benachbar-
ten Grenzzone haben und der Gesundheitsschaden auf die Zeit ihrer Tä-
tigkeit als Grenzgänger zurückgeht. Die Verfügungen werden von der IV-
Stelle für Versicherte im Ausland erlassen (Art. 40 Abs. 2 der Verordnung
über die Invalidenversicherung vom 17. Januar 1961 [IVV; SR 831.201]).
Gemäss Art. 40 Abs. 3 IVV bleibt die einmal begründete Zuständigkeit der
IV-Stelle im Verlaufe des Verfahrens erhalten. Frühestens nach einer ge-
richtlichen Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung und neuer Ver-
fügung an die Verwaltung kann sich ein Wechsel der IV-Stelle rechtfertigen
(Urteil des BGer I 232/03 vom 22. Januar 2004, publiziert in SVR 2005 IV
Nr. 39 S. 145 ff. E. 3.3.1 f.; vgl. auch Urteil des BGer I 190/06 vom 16. Mai
2007 E. 3.2).
3.3 Der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung, wonach die Vor-
instanz das Verfahren mangelhaft durchgeführt habe, indem sie ohne Er-
lass eines Vorbescheids die von der SVA C._ wortwörtlich abge-
schriebene bzw. übernommene Verfügung vom 3. Mai 2017 erlassen habe,
kann nicht gefolgt werden. Der Beschwerdeführer war früher Grenzgänger,
wohnt noch immer im Grenzgebiet (Fürstentum Liechtenstein) und hatte
seine letzte Arbeitsstelle durch Vermittlung einer im Kanton C._ do-
mizilierten Personalvermittlungsunternehmung erhalten (Suva-act. 1 S. 73
bis 85). In Anwendung von Art. 55 IVG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 IVV
meldete er sich dann korrekterweise bei der zur Entgegennahme und Prü-
fung der Anmeldung zuständigen SVA C._ zum Leistungsbezug an,
welche ihre Abklärungen mit dem Vorbescheid vom 6. Dezember 2016 ab-
schloss (act. 150). Daraufhin liess der Beschwerdeführer am 25. Januar
2017 seine Einwendungen vorbringen (act. 151). Bis zu diesem Verwal-
tungsverfahrensschritt lässt sich das Vorgehen der SVA C._ und
der zu diesem Zeitpunkt noch nicht involvierten Vorinstanz nicht beanstan-
den.
C-3195/2017
Seite 10
3.4 Jedoch war die SVA C._ in der Folge aufgrund von Art. 40 Abs.
2 IVV nicht befugt, die Verfügung vom 6. Februar 2017 (act. 152) zu erlas-
sen, was sie in der Folge auch realisiert und deshalb diesen Entscheid
mangels Zuständigkeit am 27. April 2017 widerrief (act. 164 und 165). Im
Umstand, dass die IVSTA in der Folge die vorliegend angefochtene, ren-
tenabweisende Verfügung vom 3. Mai 2017 (act. 170) mit Inhalt und Er-
gebnis der – von der SVA C._ vorbereiteten und am 27. April 2017
mangels Zuständigkeit widerrufenen – Verfügung vom 6. Februar 2017
ohne Durchführung eines weiteren Vorbescheidverfahrens erlassen hat, ist
jedoch keine Verletzung des rechtlichen Gehörs zu erblicken. Vielmehr
steht diese Verwaltungsverfahrenserledigung in Übereinstimmung mit der
Verordnungsbestimmung von Art. 40 Abs. 2 IVV, zumal die SVA C._
in korrekter Weise ein Vorbescheidverfahren durchgeführt und ein weiteres
solches vor Erlass der entsprechenden Verfügung durch die Vorinstanz in
der schweizerischen Invalidenversicherung weder auf Gesetzes- noch auf
Verordnungsstufe vorgesehen ist; ein solches Vorbescheidverfahren
würde denn auch einzig zu einem formalistischen Leerlauf führen.
4.
Mit Blick auf die Verfügung der Suva vom Verfügung vom 2. Mai 2012, mit
welcher dem Beschwerdeführer bei einem Erwerbsunfähigkeitsgrad von
12 % mit Wirkung ab 1. Juni 2009 eine Rente in der Höhe von monatlich
Fr. 437.70 zugesprochen wurde (Suva-act. 4) und welche mit unangefoch-
ten in Rechtskraft erwachsenem Einspracheentscheid vom 9. Oktober
2012 ersetzt bzw. bestätigt wurde (Suva-act. 6), ist in koordinationsrechtli-
cher Hinsicht weiter festzuhalten, dass die IV-Stellen und die Unfallversi-
cherer die Invaliditätsbemessung in jedem Einzelfall selbstständig vorzu-
nehmen haben. Keinesfalls dürfen sie sich ohne weitere eigene Prüfung
mit der blossen Übernahme des IV-Grads des Unfallversicherers bzw. der
IV-Stelle begnügen (BGE 126 V 288 E. 2d). Die Invaliditätsschätzung der
Invalidenversicherung entfaltet gegenüber dem Unfallversicherer keine
Bindungswirkung (vgl. BGE 131 V 362), was auch in umgekehrter Hinsicht
gilt (BGE 133 V 549 E. 6). Aufgrund dieser bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung war die Vorinstanz beim Erlass der angefochtenen Verfügung vom
3. Mai 2017 grundsätzlich nicht an die von der Suva vorgenommene Inva-
liditätsbemessung gebunden.
5.
In Bezug auf die Verfügung der liechtensteinischen Invalidenversicherung
vom 3. Juni 2019, mit welcher dem Beschwerdeführer für den Zeitraum
vom 1. Februar 2014 bis 30. November 2016 bei einem Invaliditätsgrad
C-3195/2017
Seite 11
von 41 % eine befristete Viertelsrente zugesprochen worden war (act. 176),
ist eingangs daran zu erinnern, dass – wie bereits im Urteil des Bundes-
verwaltungsgerichts B-6065/2013 erwogen (E. 3.1) – vorliegend das Über-
einkommen zur Errichtung der Europäischen Freihandelsassoziation
(EFTA) vom 4. Januar 1960 (EFTA-Abkommen; SR 0.632.31) zur Anwen-
dung gelangt.
5.1 Nach Art. 21 des EFTA-Abkommens regeln die Mitgliedstaaten die Ko-
ordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anlage 2 zu An-
hang K und durch das Protokoll zu Anhang K über die Freizügigkeit zwi-
schen Liechtenstein und der Schweiz, um unter anderem zu garantieren:
die Bestimmung der anzuwendenden Rechtsvorschriften (lit. b) und die
Zahlung der Leistungen an Personen, die ihren Wohnsitz im Hoheitsgebiet
der Mitgliedstaaten haben (lit. d). Gemäss Art. 1 zu Anlage 2 zu Anhang K
des EFTA-Abkommens sind die Mitgliedstaaten übereingekommen, unter-
einander das am 21. Juni 1999 abgeschlossene und am 1. Juni 2002 in
Kraft getretene Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossen-
schaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitglied-
staaten andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681) anzu-
wenden. Anwendbar ist damit insbesondere auch im Verhältnis Schweiz –
Liechtenstein die Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 14. Juni
1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeitneh-
mer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der
Gemeinschaft zu- und abwandern. Anzumerken ist, dass die Verordnung
(EWG) Nr. 1408/71 per 1. April 2012 durch die Verordnung (EG) 883/2004
(SR 0.831.109.268.1) und die Durchführungsverordnung (EG) Nr. 987/
2009 (SR 0.831.109.268.11) ersetzt wurde.
5.2 Das vorliegend in Frage stehende Leistungsbegehren des Beschwer-
deführers ging bei der SVA C._ am 3. Juni 2011 ein (vgl. Bst. D.a
hiervor), mithin noch unter der Geltung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71,
weshalb die Frage nach der Rechtswirkung der Anmeldung nach dieser
Rechtsgrundlage zu beurteilen ist (vgl. BGE 139 V 296 E. 2.1; BGE 130 V
445; Art. 87 Abs. 1 Verordnung [EG] 883/2004). Gemäss Art. 46 Abs. 3 der
Verordnung (EG) Nr. 883/2004 ist eine vom Träger eines Mitgliedstaats ge-
troffene Entscheidung über die Invalidität eines Antragstellers auch für die
Träger jedes anderen in Betracht kommenden Mitgliedstaats verbindlich,
sofern die in den Rechtsvorschriften dieser Staaten festgelegten Tatbe-
standsmerkmale der Invalidität in Anhang VII als übereinstimmend aner-
kannt sind. Art. 40 Abs. 4 der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 enthielt eine
gleichlautende Regelung (Verweis auf Anhang V). Die Voraussetzung einer
C-3195/2017
Seite 12
übereinstimmenden Anerkennung von Tatbestandsmerkmalen der Invalidi-
tät im Anhang V bzw. VII durch die Schweiz und das Fürstentum Liechten-
stein ist vorliegend nicht gegeben, weshalb keine Bindung der Vorinstanz
bzw. der SVA C._ an die Beurteilung der liechtensteinischen IV-
Stelle besteht.
5.3 Darüber hinaus ist ergänzend darauf hinzuweisen, dass für die rechts-
anwendenden Behörden in der Schweiz rechtsprechungsgemäss generell
keine Bindung an die Feststellungen ausländischer Versicherungsträger,
Behörden und Ärzte bezüglich Invaliditätsgrad und Anspruchsbeginn be-
steht (vgl. BGE 130 V 253 E.4 und AHI 1996, S. 179; vgl. auch ZAK 1989
S. 320 E. 2). Schliesslich unterliegen aus dem Ausland stammende Be-
weismittel der freien Beweiswürdigung des Gerichts (vgl. Urteil des BVGer
C-3377/2016 vom 28. März 2017 E. 4 mit Hinweisen; zum Grundsatz der
freien Beweiswürdigung vgl. BGE 125 V 351 E. 3a).
6.
6.1 Der Beschwerdeführer liess zur Begründung seiner Beschwerde vom
29. Mai 2017 (Poststempel: 6. Juni 2017) in materieller Hinsicht zusam-
mengefasst ausführen, es sei nicht richtig, dass er in einer adaptierten Tä-
tigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von 70 % aufweise. Aus den umfangrei-
chen medizinischen Unterlagen lasse sich herleiten, dass er auch in einer
solchen Tätigkeit mindestens zu 50 % in seiner Leistungsfähigkeit einge-
schränkt sei. Aus der orthopädischen Evaluation des Experten Dr. med.
I._ lasse sich ableiten, dass der Versicherte in seiner ursprünglich
angestammten, schweren körperlichen Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig
sei und in einer leichten adaptierten Verweisungstätigkeit eine Restleis-
tungsfähigkeit von 70 % vorliege. Ausgehend vom aktuellen psychiatri-
schen Teilgutachten sei aufgrund der psychischen Problematik auch in ei-
ner adaptierten Tätigkeit eine Einschränkung von 30 % anzunehmen. Ins-
gesamt könne es also nicht korrekt sein, wenn der Beschwerdeführer ge-
samtmedizinisch lediglich zu 30 % in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit
eingeschränkt sei. Nachdem er unstrittig bereits aufgrund seiner umfang-
reichen orthopädischen Probleme nur noch zu 70 % in einer adaptierten
Tätigkeit Leistung erbringen könne und er darüber hinaus aufgrund seiner
psychischen Probleme in jeder Tätigkeit die dargelegten Einschränkungen
aufweise, verbleibe im Ergebnis nur noch eine Restleistungsfähigkeit von
50 % in einer adaptierten Verweisungstätigkeit. Zwar führten die Sachver-
ständigen aus, dass gesamtmedizinisch eine Einschränkung von 30 % an-
zunehmen wäre, wobei sie sich aber an besagter Stelle ausschliesslich auf
C-3195/2017
Seite 13
die Einschränkungen beziehen würden, die der Experte für Psychiatrie
festgestellt habe. Obwohl noch auf die Einschränkungen aus orthopädi-
scher Sicht verwiesen werde, würden diese bei der gesamtmedizinischen
Einschätzung jedoch ausgeblendet und nicht mehr weiter kommentiert. Es
handle sich also offensichtlich um einen Fehler der Sachverständigen, die
im Rahmen der gesamtmedizinischen Einschätzung lediglich auf die psy-
chischen Beschwerden abgestellt, die körperlichen Beschwerden aber bei
Seite gelassen hätten. Weiter habe die Vorinstanz das Valideneinkommen
falsch ermittelt. Es stehe fest, dass er bereits seit 2008 nicht mehr berufs-
tätig sei, nach den vorliegenden Unterlagen aber erst seit 2012 invaliden-
versicherungsrechtlich relevant in seiner Leistungsfähigkeit als einge-
schränkt zu gelten habe. Jedenfalls ergebe sich aus dem aktuellen Gut-
achten der H._ der Beginn des Wartejahres lange nach jenem Zeit-
punkt, als der Beschwerdeführer zuletzt eine Berufstätigkeit ausgeübt
habe. In solchen Fällen sei rechtsprechungsgemäss das Valideneinkom-
men unter Rückgriff auf statistische Tabellenlöhne zu ermitteln. Nachdem
die Vorinstanz unter Rückgriff auf die LSE von einem Invalideneinkommen
in der Höhe von Fr. 66'452.85 ausgegangen sei, sei dieses Vollzeiteinkom-
men auch betreffend das Valideneinkommen zu beachten. Schliesslich
habe die Vorinstanz dem Beschwerdeführer völlig zu Unrecht keinen Lei-
densabzug gewährt. In seinem Fall sei zu berücksichtigen, dass er auf-
grund seiner attestierten Einschränkungen nicht wie bisher schwere kör-
perliche Tätigkeiten verrichten könne und auch ansonsten im Rahmen sei-
ner noch als zumutbar erachteten Verweisungstätigkeit verschiedene Ein-
schränkungen zu gegenwärtigen habe. Bereits diese Umstände würden
nach der Judikatur des Bundesgerichts einen Anspruch auf einen leidens-
bedingten Abzug von 15 % begründen. In seinem Fall komme sodann
hinzu, dass er ein bereits sehr fortgeschrittenes Alter aufweise und unmit-
telbar vor seiner Alterspensionierung stehe. Ebenfalls sei seine ausländi-
sche Herkunft zu berücksichtigen. Schliesslich habe auch Berücksichti-
gung zu finden, dass er eine Verweistätigkeit nur noch teilzeitlich verrichten
könne, was nach Ansicht des Bundesgerichts gerade bei Männern zu nicht
unerheblichen Erwerbseinbussen führen könne. Gesamthaft gesehen sei
dem Beschwerdeführer ein Leidensabzug von 25 %, zumindest aber von
20 % zu gewähren. In einer Zusammenschau sei festzuhalten, dass der
Beschwerdeführer aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten eine
noch verbleibende Restleistungsfähigkeit von rund 50 % in einer adaptier-
ten Tätigkeit aufweise. Bei korrekter Ermittlung des Valideneinkommens
und unter Berücksichtigung des angemessenen Leidensabzugs werde ein
IV-Grad von über 50 % bis 67 % erreicht. Somit habe der Beschwerdefüh-
rer Anspruch auf eine halbe IV-Rente.
C-3195/2017
Seite 14
6.2 Die SVA C._ führte in ihrer Stellungnahme vom 23. August
2019, auf welche die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung vom 28. August
2019 verwies, zusammengefasst aus, es sei gerade Sinn der Konsensbe-
sprechung, eine bereinigte Arbeitsfähigkeitsschätzung unter Einschluss al-
ler Disziplinen vorzunehmen. Damit soll gerade die Diskussion, ob eine
Kumulation der Arbeitsfähigkeitsschätzungen gemacht werde oder nicht,
verhindert werden. Vorliegend hätten die Gutachter gemeinsam in der Kon-
sensbesprechung, nach Aufführung der einzelnen Einschränkungen in den
einzelnen Disziplinen, gesamtmedizinisch den Arbeitsunfähigkeitsgrad
festgelegt. Die Gutachter hätten festgehalten, dass die finale Einschätzung
durch alle involvierten Gutachter gemeinsam erfolgt sei. Für die Annahme
einer Kumulation bleibe somit kein Raum. Zur Restverwertbarkeit der Ar-
beitsfähigkeit sei auszuführen, dass für deren Bewertung auf den Zeitpunkt
der medizinischen Feststellung (November 2016) abzustellen sei. Zu die-
sem Zeitpunkt sei der Beschwerdeführer 60 Jahre alt gewesen und habe
noch rund fünf Erwerbsjahre vor sich gehabt. Ein solches Alter hätte den
Beschwerdeführer nicht an der Ergreifung einer Arbeitstätigkeit, insbeson-
dere auf dem Hilfsarbeitermarkt, gehindert. Weiter könne der Beschwerde-
führer von jahrelanger beruflicher Erfahrung als Hilfsarbeiter profitieren.
Umstellungs- und Einarbeitungsaufwand seien somit minimal und in der
Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit nicht massgeblich beeinträchtigt.
Die Anstellungschancen seien somit intakt. Ein Leidensabzug vom Invali-
denlohn sei ebenfalls nicht angezeigt. Zwar könne der Beschwerdeführer
nur noch einer leichten Tätigkeit nachgehen. Dieser sei jedoch mehrheitlich
leichten Tätigkeiten nachgegangen bzw. habe dieser zwischen leichten
und schweren problemlos gewechselt. Er sei nicht über Jahrzehnte hinweg
einer schweren Tätigkeit nachgegangen und müsse nun auf eine leichte
wechseln. Pausen, Erholung, etc. seien bereits bei der Arbeitsfähigkeits-
schätzung berücksichtigt worden. In leichter Tätigkeit sei er nicht zusätzlich
eingeschränkt. Zum Alter sei auszuführen, dass Hilfsarbeiten auf dem hy-
pothetisch ausgeglichenen Arbeitsmarkt altersunabhängig nachgefragt
werden. Schliesslich sei zu erwähnen, dass der Beschwerdeführer Bürger
von Liechtenstein sei und somit sein Aufenthaltsstatus keine Benachteili-
gung bei der Stellensuche mit sich bringe.
7.
Wie bereits vorstehend erwähnt (vgl. E. 2. hiervor), ist das Bundesverwal-
tungsgericht an den Entscheid B-6065/2013 vom 3. November 2015 ge-
bunden. Mit Blick auf die neuere bundesgerichtliche Rechtsprechung ist im
Zusammenhang mit dem Beweiswert eines ärztlichen Berichts oder Gut-
achtens Folgendes zu ergänzen resp. zu verdeutlichen:
C-3195/2017
Seite 15
7.1 Neben den geistigen und körperlichen Gesundheitsschäden können
auch solche von psychischer Natur eine Invalidität bewirken (Art. 8 i.V.m.
Art. 7 ATSG). Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach Art. 4 Abs. 1 IVG
sowie Art. 6 ff. und insbesondere Art. 7 Abs. 2 ATSG ist die medizinische
Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit kann immer nur
dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer Gesundheitsbeein-
trächtigung ist, die fachärztlich einwandfrei diagnostiziert worden ist (BGE
141 V 281 E. 2.1). Mit der Diagnose eines Gesundheitsschadens ist noch
nicht gesagt, dass dieser Schaden auch invalidisierenden Charakter hat.
Ob dies zutrifft, beurteilt sich gemäss dem klaren Gesetzeswortlaut nach
dem Einfluss, den der Gesundheitsschaden auf die Arbeits- und Erwerbs-
fähigkeit hat. Entscheidend ist, ob der versicherten Person wegen des ge-
klagten Leidens nicht mehr zumutbar ist, ganz oder teilweise zu arbeiten.
Deshalb gilt eine objektivierte Zumutbarkeitsprüfung unter ausschliessli-
cher Berücksichtigung von Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung
(BGE 142 V 106 E. 4.4). Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheits-
schadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als relevant gel-
ten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Person
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu
verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weit-
gehend objektiv bestimmt (BGE 131 V 49 E. 1.2, 130 V 352 E. 2.2.1; SVR
2014 IV Nr. 2 S. 5 E. 3.1). Entscheidend ist, ob und inwiefern es der versi-
cherten Person trotz ihres Leidens sozialpraktisch zumutbar ist, die Rest-
arbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offenstehenden ausge-
glichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, und ob dies für die Gesellschaft trag-
bar ist. Dies ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu prüfen
(BGE 136 V 279 E. 3.2.1; SVR 2016 IV Nr. 2 S. 5 E. 4.2).
7.2 Geht es um psychische Erkrankungen, namentlich eine anhaltende so-
matoforme Schmerzstörung oder ein damit vergleichbares psychosomati-
sches Leiden (vgl. BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3), sind für die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die – unter Berück-
sichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und
Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits – erlauben, das tat-
sächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; 143 V 418 E. 6 ff.). Ausgangspunkt der Prüfung
und damit erste Voraussetzung bildet eine psychiatrische, lege artis ge-
stellte Diagnose (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.1; 143 V 418 E. 6 und E. 8.1).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erwähnten Indikatoren hat das
Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie
C-3195/2017
Seite 16
«funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheits-
schädigung» (Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symp-
tome; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz; Komorbidi-
täten [E. 4.3.1]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struk-
tur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «sozialer Kon-
text» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhal-
tens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des Aktivitä-
tenniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und be-
handlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens-
druck (E. 4.4.2). Zu ergänzen bleibt, dass sich das Bundesgericht in zwei
wichtigen Leitentscheiden zur Beurteilung der invalidisierenden Wirkung
psychischer Leiden geäussert hat. Es distanzierte sich im Rahmen seiner
Praxisänderung zu Depressionen und anderen psychischen Leiden von
der (kurzen Episode der) Sonderrechtsprechung für Depressionen, weitete
die Indikatorenprüfung der neuen "Schmerzrechtsprechung" gemäss
BGE141 V 281 auf sämtliche psychischen Leiden aus und präzisierte ei-
nige der Indikatoren (vgl. BGE 143 V 409 [= 8C_841/2016 vom 30. Novem-
ber 2017] und 143 V 418 [=8C_130/2017 vom 30. November 2017]).
8.
Der Vorinstanz (bzw. der SVA C._) dienten in medizinischer Hin-
sicht als Entscheidgrundlage das – zufolge des Urteils des Bundesverwal-
tungsgerichts B-6065/2013 vom 3. November 2015 veranlasste –
H._-Gutachten vom 10. November 2016 (act. 146) sowie die Stel-
lungnahme des RAD-Arztes Dr. med. D._ vom 5. Dezember 2016
(act. 147). Diese Dokumente sind nachfolgend zusammengefasst wieder-
zugeben und einer Würdigung zu unterziehen:
8.1 Dr. med. J._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte in
seinem Teilgutachten vom 21. September 2016 (act. 146 S. 30 bis 36) aus,
das Gespräch müsse oftmals strukturiert werden, und der Versicherte
müsse gebeten werden, die Fragen zu beantworten. Dieser lege keinerlei
Schmerzgebaren an den Tag, und es habe konstant eine etwas subaggres-
sive Stimmung geherrscht. Betreffend Bewegungsapparat werde auf die
von Dr. med. I._ durchgeführte Untersuchung verwiesen.
8.2 Dr. med. K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, di-
agnostizierte in seiner Teilexpertise vom 10. Oktober 2016 (act. 146 S. 37
bis 56) mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende de-
pressive Störung leichten bis mittelgradigen Ausmasses (ICD-10: F33.1)
C-3195/2017
Seite 17
sowie eine kombinierte somatoforme Störung (ICD-10: F45.8). Weiter er-
wähnte er zusammengefasst, die objektivierbaren Befunde stimmten in
keiner Weise mit den subjektiven Angaben und den Unterlagen überein.
Der Versicherte wirke aufgrund einer allfälligen depressiven Störung oder
somatoformen Störung nicht derart eingeschränkt, wie aufgrund der Anga-
ben vermutet werden könnte. Die Passivität im Alltag lasse sich nicht nach-
vollziehen. Der Versicherte gebe an, dass er in allen vergleichbaren Le-
bensbereichen massivst beeinträchtigt sei, was aufgrund der objektiven
Befunde nicht nachvollzogen werden könne. Er sei aufgrund der depressi-
ven Störung verbunden mit der somatoformen Problematik nicht in der
Lage, körperliche Schwerarbeiten zu verrichten. Er brauche Pausen und
Erholungsphasen und sei nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen
und unter Zeitdruck zu arbeiten. Dies entspreche den bisherigen Arbeiten,
wo er teilweise als Hilfsarbeiter in verschiedenen Bereichen eingesetzt
worden sei. Es sei diesbezüglich etwa eine 30%ige Einschränkung auf-
grund der erwähnten Probleme anzunehmen. Diese erwähnte Arbeitsfä-
higkeit gelte auch für angepasste Tätigkeiten. Es könne keine anderweitige
Tätigkeit genannt werden, wo eine höhere Arbeitsfähigkeit resultieren
würde.
8.3 Anlässlich der neuropsychologischen Evaluation vom 13. Oktober
2016 (act. 146 S. 57 bis 72) erwähnte der Neuropsychologe lic. phil.
L._ insbesondere, die Testleistungen seien mit wenigen Ausnah-
men unterdurchschnittlich resp. mehrheitlich sehr gering bis minimal. Ur-
sächlich liessen sich die Befunde mit der vorliegenden Charakteristik und
Ausprägung nicht als Ausdruck einer hirnorganischen Beeinträchtigung in-
terpretieren, erst recht nicht in Kenntnis der Vorgeschichte mit fehlenden
Belegen einer strukturellen Hirnschädigung. Selbst unter Annahme einer
Commotio cerebri wären die vorliegenden Leistungen in keiner Weise da-
mit zu erklären. Als Hauptfaktor der extrem geringen Testleistungen müsse
von einer ungenügenden Leistungsbereitschaft ausgegangen werden. Die
Validität der Befunde sei gesamthaft nicht gegeben. Ob und inwieweit sich
psychische Faktoren auf das Leistungsverhalten und die Leistungsfähig-
keit auswirkten, sei Gegenstand des psychiatrischen Fachgutachtens. Aus
heutiger fachpsychologisch-neuropsychologischer Sicht seien die damali-
gen Befunde (so wie die heutigen) als nicht valide einzustufen in dem
Sinne, dass die Testresultate nicht primär Ausdruck von kognitiven Beein-
trächtigungen, sondern von einer mangelhaften Leistungsbereitschaft
seien. Eine hirnorganische Ursache sei in den Berichten der Psychiatrie-
dienste M._ nicht postuliert worden, was sich mit der aktuellen Ein-
C-3195/2017
Seite 18
schätzung decke. Berufliche Eingliederungsmassnahmen seien aus neu-
ropsychologischer Sicht zumutbar, erschienen aber bei dem gezeigten
Leistungsverhalten nicht erfolgsversprechend.
8.4 Der Kardiologe Dr. med. N._ diagnostizierte in seinem Teilgut-
achten vom 17. Oktober 2016 (act. 146 S. 73 bis 86) mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit eine koronare 1-Gefäss-Erkrankung (RIVA) bei einem
Status nach einem NSTEMI (Nicht-ST-Hebungs-Myokardinfarkt) am 19.
Dezember 2010 mit PTCA/Stent einer 95%igen proximalen RIVA Stenose.
Weiter berichtete er zusammengefasst, die bereits über 10 Jahre vor dem
Infarkt und auch seither bestehenden Thoraxstiche seien extrakardialer
Natur und würden auf eine gewisse Somatisierungstendenz (teilweise auf
Panikattacken) hindeuten. Eine kardiale Ursache könne aufgrund des Ver-
laufs und der wiederholten fehlenden Ischämienachweise nahezu ausge-
schlossen werden, zumal auch bei der Koronarographie 2010 nur eine ein-
zige Stenose bestanden habe, die mit dem Stent behandelt worden sei und
somit eine diffuse koronare 3-Ast-Erkrankung nicht bestanden habe. Die
kardiovaskulären Risikofaktoren seien insgesamt gut eingestellt. Aufgrund
der erwähnten Befunde erachte er, Dr. med. N._, den Versicherten
vom 21. Dezember 2010 für zirka drei Monate (inkl. Rehabilitation) zu
100 % arbeitsunfähig für jegliche körperlichen Arbeiten. Seither seien je-
doch keine Hinweise auf Ischämiezeichen zu finden, und der Versicherte
sei somit für jegliche körperlichen Arbeiten aus rein kardiologischer Sicht
zu 100 % arbeitsfähig anzusehen.
8.5 Dr. med. I._, Facharzt für orthopädische Chirurgie, stellte in sei-
ner Teilexpertise vom 28. Oktober 2016 (act. 146 S. 87 bis 97) mit Auswir-
kungen auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnosen eines persistierenden
Schmerzsyndroms am linken Handgelenk bei mässiger Funktionsstörung
sowie ein chronisches lumbovertebral- und lumbospondylogenes Syndrom
fest. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er ein myofas-
ziales cervicovertebrales Schmerzsyndrom, einen Status nach einem
Strecksehnenabriss (Endphalange 5. Finger) sowie ein sensibles, nicht
Dermatom bezogenes Hemisyndrom links. Es habe eine seitengleiche
muskuläre Entwicklung der oberen Extremitäten ohne Muskelatrophien be-
standen. Als Zeichen, dass beide Hände gleichermassen eingesetzt wür-
den, habe auch eine seitengleiche Schwielenbildung der Fingerkuppen
und der Hohlhände bestanden. Beim Aus- und Ankleiden seien beide
Hände und Arme gleichermassen eingesetzt worden. Bezüglich der Wir-
belsäule hätten sich keine krankhaften Veränderungen gefunden. Die pa-
ravertebrale Muskulatur sei kräftig entwickelt gewesen, und es habe kein
C-3195/2017
Seite 19
Muskelhartspann bestanden. Die Wirbelsäule sei in allen Etagen frei be-
weglich gewesen. Bildgebend hätten sich beginnende arthrotische Verän-
derungen am Radiocarpal-Gelenk und eine persistierende Pseudoarthrose
des Griffelfortsatzes der Elle links mit Plusvariante der linken Elle gefun-
den. Im Bereich der BWS und LWS hätten sich altersentsprechende nor-
male degenerative Veränderungen gefunden. Das Ausmass der anamnes-
tischen Schmerzangaben sei nur zum Teil konsistent mit den blanden kli-
nischen und radiologischen Befunderhebung gewesen. In der angestamm-
ten und in einer dem Leiden adaptierten Tätigkeit habe nach dem Unfall
vom 31. März 2008 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Diese
habe sich anfänglich bis zum 10. September 2008 erstreckt und sei verlän-
gert worden, um dem Versicherten dann eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 5. bis 30. November 2008 zu attestieren. Ab dem 6. März 2009 habe
der Handchirurg Dr. med. O._ eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der
adaptierten und in der angestammten Tätigkeit attestiert. Diese Einschät-
zung sei am 21. April 2009 von der Suva insofern bestätigt worden, als dem
Versicherten keine schweren körperlichen Haltearbeiten hätten zugemutet
werden können. Für leichte, dem Leiden angepasste Tätigkeiten habe je-
doch eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestanden. Am 27. August 2009 sei
dem Versicherten durch die IV eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter
und in angestammter Tätigkeit attestiert worden. Zur Klärung der Arbeits-
fähigkeit ab Geltendmachung der chronischen thoracolumalen und lum-
bospondylogenen Beschwerden sei am 20. Mai 2015 ein polydisziplinäres
Gutachten erstellt worden. Aus orthopädischer Sicht sei dem Versicherten
darin neu eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in leichter adaptierter Tätigkeit at-
testiert. Diese Einschätzung sei auch aktuell nachvollziehbar. Ab wann
schwere körperliche Arbeiten dem Versicherten aus rein orthopädischer
Sicht nicht mehr zuzumuten gewesen seien, sei aus dem E._-Gut-
achten nicht eindeutig hervorgegangen. Gemäss Akten dürfte dies ab der
Diagnose der Wirbelsäulenproblematik im März 2015 gewesen sein.
8.6 Im Rahmen der Prüfung der Standartindikatoren führten sämtliche in-
volvierten Gutachter hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit zusammengefasst
aus, gesamtmedizinisch sei festzuhalten, dass der Versicherte aufgrund
der depressiven Störung verbunden mit der somatoformen Problematik
nicht in der Lage sei, körperliche Schwerarbeiten zu verrichten. Er brauche
Pausen und Erholungsphasen. Er sei nicht in der Lage, Verantwortung zu
übernehmen und unter Zeitdruck zu arbeiten. Dies entspreche den bishe-
rigen Arbeiten, wo er teilweise als Hilfsarbeiter in verschiedenen Bereichen
eingesetzt worden sei. Es sei etwa eine 30%ige Einschränkung in einer
adaptierten Tätigkeit anzunehmen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit bestehe
C-3195/2017
Seite 20
diese Einschränkung seit mindestens der Aufnahme der psychiatrischen
Therapie, wobei eine Erstbeurteilung im Juni 2012 stattgefunden habe.
8.7 In seiner Stellungnahme vom 5. Dezember 2016 führte der RAD-Arzt
Dr. med. D._ zusammengefasst aus, das polydisziplinäre
H._-Gutachten vom 10. November 2016 könne als sehr umfassend
und widerspruchsfrei bezeichnet werden. Allen Gutachtern gelinge es, mit
grosser Sorgfalt die zahlreichen, bereits früher aktenkundigen Inkonsisten-
zen darzustellen. Diese Problematik gipfle darin, dass die Gutachter in ih-
rem gemeinschaftlich erarbeiteten Schlussteil des Gutachtens in aller
Härte und ohne Abstrich aussagten, die objektivierbaren Befunde würden
in keiner Weise mit den subjektiven Angaben des Versicherten und mit den
Unterlagen übereinstimmen. Ausserdem sei am Rande bemerkt, dass die
von den Gutachtern ermittelten versicherungsmedizinischen Ergebnisse
weitgehend mit jenen übereinstimmten, welche die Gutachter der
E._ formuliert hätten. Schliesslich bleibe noch zu erwähnen, dass
die Gutachter die Standardindikatoren berücksichtigten, weshalb auf das
Gutachten vollumfänglich abgestellt werden könne. Betreffend die Arbeits-
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit führte Dr. med. D._ weiter
aus, der Versicherte sei aufgrund der depressiven Störung verbunden mit
der somatoformen Problematik nicht in der Lage, körperlich schwere Arbei-
ten zu verrichten. In den möglichen angestammten, d.h. zuletzt ausgeüb-
ten Tätigkeiten als Gerüstbauer resp. Produktionsarbeiter (falls mit schwe-
rer Arbeit einhergehend) verfüge der Versicherte seit März 2015 über keine
Arbeitsfähigkeit mehr. In einer leidensadaptierten Tätigkeit sei seit Juni
2012 von einer 30%igen Einschränkung auszugehen.
9.
Zudem ist festzuhalten, dass die polydisziplinäre H._-Expertise
vom 10. November 2016 grundsätzlich die an den Beweiswert eines ärztli-
chen Gutachtens gestellten Kriterien erfüllt. Sie ist für die streitigen Be-
lange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt
die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der zahlreichen Vorak-
ten (Anamnese) abgegeben. Zudem erfolgte die Beurteilung der Arbeits-
und Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers in Einklang mit der neu gel-
tenden Rechtslage nach Massgabe der im Regelfall heranzuziehenden
Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281. Schliesslich ist das
H._-Gutachten auch in der Darlegung der medizinischen Zusam-
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation grösstenteils
einleuchtend und in den Schlussfolgerungen begründet, so dass darauf
dem Grundsatz nach abgestellt werden kann. Damit kann es jedoch nicht
C-3195/2017
Seite 21
sein Bewenden haben. Vielmehr hat die Vorinstanz aufgrund der nachfol-
genden Erwägungen die gutachterlichen Ausführungen teilweise klarstel-
len, präzisieren und ergänzen zu lassen (vgl. hierzu bspw. Urteil des BGer
9C_646/2010 vom 23. Februar 2011 E. 4; vgl. auch SVR 2010 IV Nr. 49 S.
151, 9C_85/2009 E. 3.5). Insofern erweist sich der medizinische Sachver-
halt und dessen Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit als
noch nicht vollständig rechtsgenüglich abgeklärt (vgl. BGE 125 V 353
E. 3b/bb; vgl. zum Ganzen auch E. 2.7 hiervor), und es kann bei dieser
Sachlage – wie oben erwähnt – nicht auf weitere Abklärungen verzichtet
werden (vgl. zum Verzicht auf solche resp. zur antizipierten Beweiswürdi-
gung vgl. BGE 136 I 229 E. 5.3; vgl. auch BGE 122 V 157 E. 1d; SVR 2005
IV Nr. 8 S. 37 E. 6.2, 2003 AHV Nr. 4 S. 11 E. 4.2.1; vgl. zum Ganzen Urteil
des BGer 8C_189/2008 vom 4. Juli 2008 E. 5 mit Hinweisen).
9.1 Vorab ist festzuhalten, dass sich aufgrund der H._-Expertise
vom 10. November 2016 sowie des am 20. Mai 2015 versandten Gutach-
tens der E._ AG (act. 138) die – mit Urteil des Bundesverwaltungs-
gericht B-6065/2013 vom 3. November 2015 aufgehobene (act. 111 resp.
112) – Verfügung der SVA C._ vom 23. September 2013 (act. 91 S.
12 bis 13), wonach der Beschwerdeführer noch vor Ablauf des gesetzlich
vorgesehenen Wartejahres im Dezember 2011 nach seinem am 19. De-
zember 2010 erlittenen Myokardinfarkt sowohl in der zuletzt ausgeübten
als auch in sämtlichen anderen Tätigkeiten wieder voll arbeitsfähig gewe-
sen war, nachträglich nicht beanstanden liesse.
9.2 Hinsichtlich der vom Bundesverwaltungsgericht im Entscheid B-
6065/2013 vom 3. November 2015 aufgeworfenen Unklarheit im Zusam-
menhang mit der angestammten Tätigkeit (E. 8.3) führte die SVA
C._ im Feststellungsblatt vom 6. Dezember 2016 aus, gemäss Gut-
achten sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Beginn der Arbeitsun-
fähigkeit die Aufnahme der Therapie im Juni 2012 massgebend, weshalb
die letzte Tätigkeit vor der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit diejenige als
Produktionsmitarbeiter zu gelten habe (act. 149 S. 2). Diese Einschätzung
lässt sich vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer seinen Unfall
bereits am dritten Tag nach Arbeitsbeginn bei der Gerüstbauunternehmung
P._ in (...) (Suva-act. 1 S. 94) am 28. März 2008 erlitten hatte
(Suva-act. 1 S. 11 und 6 S. 2) sowie des Umstands, dass er gemäss dem
Fragebogen für den Arbeitgeber vom 23. Juni 2011 zuletzt vom 27. Juli
2010 bis zum 19. Dezember 2010 (letzter effektiver Arbeitstag) als Produk-
tionsmitarbeiter, vermittelt durch die Q._ AG in (...) (act. 42 S. 1 bis
7), gearbeitet hatte, nicht beanstanden.
C-3195/2017
Seite 22
9.3 Betreffend diese angestammte Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter
(einhergehend mit schwerer körperlicher Arbeit) ergibt sich aus der Kon-
sensbeurteilung im Rahmen der H._-Expertise vom 10. November
2016 und mit Blick auf die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med.
D._ vom 5. Dezember 2016, dass der Versicherte aufgrund der de-
pressiven Störung verbunden mit der somatoformen Problematik nicht
mehr in der Lage ist, körperliche Schwerarbeiten zu verrichten. Hinsichtlich
des Beginns ergeben sich mit Blick auf die Akten jedoch Unklarheiten.
Während der H._-Experte Dr. med. I._, Facharzt für ortho-
pädische Chirurgie, in seiner Teilexpertise vom 28. Oktober 2016 aus-
führte, gemäss Akten dürften dem Beschwerdeführer aus rein orthopädi-
scher Sicht ab der Diagnose der Wirbelsäulenproblematik im März 2015
schwere körperliche Arbeiten nicht mehr zumutbar sein, vertraten die Gut-
achter der E._ AG die Ansicht, der Beginn der Arbeitsunfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit sei schwierig festzulegen; nach Berichten des
Psychiatrie-Zentrums R._ vom 9. Juli 2012 (recte: 19. Juli 2012;
act. 66) sei der Versicherte aufgrund der psychiatrischen Störung ab dem
1. Juli 2012 arbeitsunfähig (act. 138 S. 52). Da gemäss dem Gutachten der
E._ AG sowie insbesondere der Berichterstattung des Psychiatrie-
Zentrums R._ die vollständige Arbeitsunfähigkeit aus psychischen
Gründen bereits ab dem 1. Juli 2012 vorgelegen hatte, ist aus gesamtme-
dizinischer Sicht nicht weiter von Relevanz, ob aus rein orthopädischer
Sicht der Beginn der Arbeitsunfähigkeit in schweren körperlichen Arbeiten
auf März 2015 zu legen ist. Es ist demnach davon auszugehen, dass die
Arbeitsunfähigkeit am 1. Juli 2012 begonnen hatte und die einjährige ge-
setzliche Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG am 1. Juli 2013 abge-
laufen war. Dieser Umstand sowie Art. 29 Abs. 1 IVG ist bei der Prüfung
allfälliger Rentenansprüche zu berücksichtigen.
9.4 Im Zusammenhang mit der Festlegung des Beginns der 30%igen Ein-
schränkung in einer adaptierten Verweisungstätigkeit stützten sich die Ex-
perten des H._ auf das Datum der Erstbeurteilung durch das Psy-
chiatrie-Zentrum vom 25. Juni 2012. Da dieses jedoch erst ab dem 1. Juli
2012 eine Arbeitsunfähigkeit attestierte hatte (vgl. E. 9.3 hiervor), ist der
Beginn der reduzierten Leistungsfähigkeit in einer den Gesundheitsbe-
schwerden angepassten Verweisungstätigkeiten – analog der Arbeitsunfä-
higkeit in der angestammten Tätigkeit – ebenfalls auf den 1. Juli 2012 zu
legen.
9.5 Nicht rechtsgenüglich beurteilen lässt sich anhand der Ausführungen
der H._-Experten jedoch der tatsächliche Umfang der prozentualen
C-3195/2017
Seite 23
Einschränkung in einer adaptierten Verweisungstätigkeit. Zwar sind in der
Regel die unter verschiedenen medizinischen Titeln ausgewiesenen Teil-
arbeitsunfähigkeiten rechtsprechungsgemäss nicht einfach zu addieren
(vgl. zu einer "einfachen Addition" verschiedener Teilarbeitsunfähigkeiten
vgl. Urteil des BGer 8C_660/2016 vom 29. Dezember 2016 E. 5.3.1 mit
Hinweisen; SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.1). Während Dr. med.
K._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in seiner Teilex-
pertise vom 10. Oktober 2016 (act. 146 S. 37 bis 56) die Meinung vertrat,
der Beschwerdeführer erleide in angepassten Tätigkeiten etwa eine
30%ige Einschränkung, war Dr. med. I._, Facharzt für orthopädi-
sche Chirurgie, in seiner Teilexpertise vom 28. Oktober 2016 (act. 146
S. 87 bis 97) der Auffassung, die dem Beschwerdeführer im polydisziplinä-
ren Gutachten der E._ AG vom 20. Mai 2015 attestierte 70%ige Ar-
beitsfähigkeit in leichter adaptierter Tätigkeit sei auch im Zeitpunkt der
durch ihn durchgeführten Untersuchung nachvollziehbar. Im Rahmen der
Konsensbeurteilung hielten jedoch sämtliche involvierten Gutachter hin-
sichtlich der Arbeits(un)fähigkeit gesamtmedizinisch fest, dass der Versi-
cherte aufgrund der depressiven Störung verbunden mit der somatoformen
Problematik nicht in der Lage sei, körperliche Schwerarbeiten zu verrich-
ten. Weiter erwähnten sie, dass etwa eine 30%ige Einschränkung in einer
adaptierten Tätigkeit anzunehmen sei. Indem die Gutachter die Arbeits-
und Leistungs(un)fähigkeit gesamtmedizinisch nur mit der depressiven
Störung verbunden mit der somatoformen Problematik, nicht jedoch (auch)
mit rein somatischen Beeinträchtigungen begründet hatten, lässt sich man-
gels entsprechender Ausführungen und Klarstellung der Experten die
Frage, ob die somatische Komponente durch die psychisch begründete
30%ige Einschränkung tatsächlich konsumiert wird, insbesondere vor dem
Hintergrund, dass der Somatiker Dr. med. I._ – nebst dem Psychi-
ater Dr. med. K._ – ebenfalls eine 70%ige Arbeitsfähigkeit in leich-
ter adaptierter Tätigkeit festgehalten hatte, nicht rechtsgenüglich beantwor-
ten. Unter diesen Umständen steht (noch) nicht fest, ob das Teilgutachten
von Dr. med. I._ tatsächlich mit der Konsensbeurteilung in Überein-
stimmung steht und der Beschwerdeführer aus gesamtmedizinischer Sicht
noch im Ausmass von 70 % leistungsfähig ist.
10.
Nach dem vorstehend Dargelegten erweist sich der rechtserhebliche Sach-
verhalt noch nicht vollständig und damit rechtsgenüglich abgeklärt und ge-
würdigt (Art. 43 ff. ATSG sowie Art. 12 VwVG). Eine Rückweisung der Sa-
che in Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG)
C-3195/2017
Seite 24
an die Vorinstanz zur weiteren Abklärung ist unter diesen Umständen mög-
lich, da sie in der notwendigen Klarstellung, Präzisierung und Ergänzung
des H._-Gutachtens begründet liegt (vgl. BGE 137 V 210
E. 4.4.1.4). Die Beschwerde vom 29. Mai 2017 (Poststempel: 6. Juni 2017)
ist demnach insoweit gutzuheissen, als die angefochtene Verfügung vom
3. Mai 2017 aufzuheben ist und die Akten im Sinne der Erwägungen an die
Vorinstanz zur Durchführung weiterer Abklärungen und anschliessendem
Erlass einer neuen Verfügung zurückzuweisen sind.
11.
Bereits im vorliegenden Entscheid ist darauf hinzuweisen, dass für den
Einkommensvergleich die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen)
Beginns des Rentenanspruchs massgebend sind, wobei Validen- und In-
valideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige
rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfü-
gungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222).
Da die einjährige gesetzliche Wartezeit gemäss Art. 28 Abs. 1 Bst. b IVG
am 1. Juli 2013 abgelaufen war (vgl. E. 9.3 hiervor), sind somit die Verhält-
nisse entgegen der Auffassung der SVA C._ nicht im Jahr 2014,
sondern im Jahr 2013 massgebend.
12.
Weiter ergibt sich, dass für die Ermittlung des Valideneinkommens ent-
scheidend ist, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmögli-
chen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr-
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Re-
gel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkom-
mensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft (BGE 144 I 103 E.
5.3, 134 V 322 E. 4.1; SVR 2017 IV Nr. 52 S. 157 E. 5.1). Nicht massge-
bend ist, was sie bestenfalls verdienen könnte (BGE 135 V 58 E. 3.1, 131
V 51 E. 5.1.2 S. 53). Die SVA C._ bestimmte das hypothetische Va-
lideneinkommen anhand des vom Beschwerdeführer in den Monaten Au-
gust bis und mit November 2010 erzielten Lohnes, aufgerechnet auf 12
Monate (act. 148 und 42 S. 1 bis 7). Zwar ist rechtsprechungsgemäss auf
den Durchschnittsverdienst abgestellt werden, wenn das erzielte Einkom-
men starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene
Schwankungen aufweist. Eine weitere Voraussetzung ist, dass dieser
durchschnittliche Verdienst während einer längeren Zeitspanne erzielt
wurde (vgl. hierzu SVR 2014 UV Nr. 1 S. 1, 8C_211/2013 E. 4.2; SVR 2010
IV Nr. 26 S. 79, 8C_9/2009 E. 3.3; SVR 2009 IV Nr. 28 S. 79, 8C_576/2008
E. 6.2). Da der Beschwerdeführer jedoch in seiner letzten Erwerbstätigkeit
C-3195/2017
Seite 25
bloss vom 27. Juli bis 19. Dezember 2010 gearbeitet hatte und die von der
SVA C._ herangezogenen Löhne nur während den Monaten August
bis November 2010 und somit nicht über einen rechtsprechungsgemäss
geforderten längeren Zeitraum erzielt wurden, kann auf den von der SVA
C._ ermittelten, auf ein Jahr umgerechneten Durchschnittsver-
dienst nicht abgestellt werden. Dies gilt schliesslich umso mehr, als die in
den Monaten August bis November 2010 generierten Löhne eine Differenz
von bis zu Fr. 1'882.- aufwiesen, was einem stabilen Arbeitsverhältnis wi-
derspricht. Da sich nach dem Dargelegten aufgrund der tatsächlichen Ver-
hältnisse das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung realisierbare Einkom-
men nicht hinreichend genau beziffern lässt, ist auf Erfahrungs- und Durch-
schnittswerte gemäss Tabellenlohn nach den vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen (vgl. hierzu
BGE 144 I 103 E. 5.3; Entscheid des EVG vom 30. Oktober 2002, I 517/02,
E. 1.2). Mit Blick auf die als angestammt zu geltende Tätigkeit als Produk-
tionsmitarbeiter ist deshalb das hypothetische Valideneinkommen anhand
der LSE 2012, Tabelle TA1 (Sektor 2 Produktion, Männer, Kompetenzni-
veau 1), zu bestimmen. Da sich aus dem Tätigkeitsbeschrieb des Arbeit-
gebers (act. 42 S. 7) nicht rechtsgenüglich eruieren lässt, welche Produkte
der Beschwerdeführer in seiner Funktion als Maschinenbediener herge-
stellt hatte, hat die Vorinstanz diesbezüglich ebenfalls ergänzende Abklä-
rungen zu tätigen, um den korrekten Tabellenlohn im Zusammenhang mit
der Produkteherstellung beizuziehen. Schliesslich wird die SVA C._
den entsprechenden Tabellenlohn auf die betriebsübliche wöchentliche Ar-
beitszeit (vgl. BGE 126 V 75 E. 3b bb) umzurechnen und die Nominallohn-
entwicklung von 2012 bis 2013 zu berücksichtigen haben.
13.
Hinsichtlich des vom Beschwerdeführer geltend gemachten leidensbeding-
ten Abzugs ist weiter festzuhalten, dass die in der medizinischen Beurtei-
lung der Arbeitsfähigkeit durch das H._ enthaltenden Einschrän-
kungen (Pausen und Erholungsphasen, keine Übernahme von Verantwor-
tung, Arbeiten unter Zeitdruck; act. 146 S. 103) nicht zusätzlich in die Be-
messung des leidensbedingten Abzugs einfliessen dürfen (vgl. hierzu Ur-
teile des BGer 9C_217/2017 vom 21. Dezember 2017 E. 4.2 und
9C_833/2017 vom 20. April 2018 E. 2). Auch führt die gesundheitlich be-
dingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeiten zu verrichten,
nicht automatisch zu einer Verminderung des hypothetischen Invaliden-
lohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nurmehr leichte Arbeiten zu-
mutbar sind, auch bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit ebenfalls kein
C-3195/2017
Seite 26
Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellen-
lohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten
umfasst (Urteile des BGer 8C_439/2017 vom 6. Oktober 2017 E. 5.5;
8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.2; 9C_386/2012 vom 18. Septem-
ber 2012 E. 5.2). Vorliegend ist von einem genügend breiten Spektrum an
zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen, weshalb unter dem Titel
leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände zu berücksichtigen
sind, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich
zu bezeichnen sind (Urteil des BGer 9C_421/2017 vom 19. September
2017 E. 2.4 mit Hinweisen); solche Umstände sind vorliegend nicht ersicht-
lich. Weiter wirken sich weder die beruflichen Fähigkeiten des Versicherten
noch mangelhafte Sprachkenntnisse zwingend lohnsenkend auf Tätigkei-
ten im Kompetenzniveau 1 aus (vgl. Urteil des BGer 9C_418/2017 vom 30.
Oktober 2017 E. 4.5.2). Ausserdem steht fest, dass sich das Alter bei Män-
nern im Alterssegment von 50 bis 64/65 bei Stellen ohne Kaderfunktion
eher lohnerhöhend auswirkt (vgl. hierzu Urteile des BGer 9C_535/2017
vom 14. Dezember 2017 E. 4.6; 8C_477/2016 vom 23. November 2016 E.
4.2; je mit Hinweisen). Laut der gestützt auf die LSE 2012 erstellten Tabelle
zu den nach Beschäftigungsgrad, Geschlecht und beruflicher Stellung dif-
ferenzierten monatlichen Durchschnittsbruttolöhnen rechtfertigt ein Be-
schäftigungsgrad von 70 % bei Männern auf der untersten Stufe der beruf-
lichen Stellung (ohne Kaderfunktion) ebenfalls keinen zusätzlichen Tabel-
lenlohnabzug (vgl. dazu BGE 142 V 178 E. 2.5.1 mit Hinweis), sollte die
Klarstellung ergeben, dass die somatische Komponente durch die psy-
chisch begründete 30%ige Einschränkung tatsächlich konsumiert wird (vgl.
E. 9.5 hiervor). Schliesslich erfährt der Beschwerdeführer als Bürger von
Liechtenstein keine Lohnbenachteiligung aufgrund seines Aufenthaltssta-
tus. Aufgrund der Aktenlage im Zeitpunkt des vorliegenden Entscheids
rechtfertigte sich somit kein leidensbedingter Abzug. Im Rahmen des Er-
lasses der neuen Verfügung wird jedoch zu prüfen sein, ob sich die Ver-
hältnisse nach Vorliegen der ergänzenden medizinischen Abklärungser-
gebnisse insbesondere mit Blick auf den möglichen und zumutbaren Be-
schäftigungsgrad resp. die prozentuale Leistungsfähigkeit in einer leidens-
adaptierten Verweisungstätigkeit allenfalls geändert haben könnten.
14.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F142-V-178%3Ade&number_of_ranks=0#page178
C-3195/2017
Seite 27
14.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis und 2
IVG), wobei die Verfahrenskosten gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG in der Re-
gel der unterliegenden Partei auferlegt werden. Mit Zwischenverfügung
vom 11. Juli 2019 wurde das Gesuch um Erteilung des Rechts auf unent-
geltliche Rechtspflege gutgeheissen. Da eine Rückweisung praxisgemäss
als Obsiegen der Beschwerde führenden Partei gilt (BGE 132 V 215 E. 6),
sind im vorliegenden Fall dem Beschwerdeführer keine Kosten aufzuerle-
gen. Der Vorinstanz werden ebenfalls keine Verfahrenskosten auferlegt
(Art. 63 Abs. 2 VwVG).
14.2 Der obsiegende, anwaltlich vertretene Beschwerdeführer hat gemäss
Art. 64 Abs. 1 VwVG in Verbindung mit Art. 7 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung zu Lasten der Vorinstanz. Da keine Kostennote eingereicht wurde, ist
die Entschädigung aufgrund der Akten festzusetzen (Art. 14 Abs. 2 Satz 2
VGKE). Unter Berücksichtigung des Verfahrensausgangs, des gebotenen
und aktenkundigen Aufwands, der Bedeutung der Streitsache und der
Schwierigkeit des vorliegend zu beurteilenden Verfahrens ist eine Partei-
entschädigung von Fr. 2‘800.- angemessen (inklusive 8%iger Mehrwert-
steuer bis Ende Dezember 2017; seit 1. Januar 2018 7.7 % [vgl. Art. 25
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Mehrwertsteuer vom 12. Juni 2009
{MWSTG; SR 641.20}]; zur Berücksichtigung der Mehrwertsteuer bei der
Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistands vgl. BGE 141 III 560
E. 2. und 3.).