Decision ID: 1435953d-dad3-54d9-bd27-c4ff2ca1777b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
T._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Helsana Unfall AG, Postfach, 8081 Zürich Helsana,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Invalidenrente und Integritätsentschädigung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1947 geborene T._ (nachfolgend: Versicherte) war seit 1998 bei einem
Beschäftigungsgrad von 100% als Stationshilfe in der psychiatrischen Klinik A._
angestellt und dadurch bei der Helsana Unfall AG (nachfolgend: Helsana)
unfallversichert (act. G 3.1/K 12). Am 22. Februar 2005 stürzte die Versicherte zu Hause
auf das Gesäss und wurde gleichentags vom örtlichen Notfallarzt ambulant behandelt.
Dieser diagnostizierte eine Prellung am Steissbein/Gesäss (act. G 3.1/K 1 und K 4). Da
die Schmerzen nicht abklangen, suchte die Versicherte zwei Tage später ihren
Hausarzt Dr. med. B._ auf, welcher sie notfallmässig an das Kantonale Spital
überwies. Im Rahmen des Spitalaufenthalts vom 24. Februar bis 3. März 2005 wurden
eine Fraktur des BWK12 sowie eine hypertrophe Spondylarthrose L5/S1 diagnostiziert.
Bezüglich der Fraktur wurde eine konservative Therapie mit Schmerzmitteln und
Physiotherapie angeordnet. Weiter wurde eine allgemeine Appetit- und Lustlosigkeit
festgestellt, welche der Versicherten schon jahrelang bekannt sei und wegen welcher
bereits eine Konsultation beim Psychotherapeuten Dr. med. C._ vereinbart sei (act.
G 3.1/M 2). Aufgrund der persistierenden Beschwerden erfolgte vom 9. bis 13. März
2005 eine erneute Hospitalisation im Kantonsspital St. Gallen. Während dieser willigte
die Versicherte trotz Empfehlung der behandelnden Ärzte nicht in eine Operation ein,
so dass die Behandlung der Fraktur des BWK12 mit einem Gipskorsett erfolgte (act.
G 3.1/M 3).
A.b Nachdem die Versicherte nach Einholung einer second opinion einem operativen
Eingriff zustimmte, wurde am 7. April 2005 am Kantonsspital St. Gallen eine dorsale
Spondylodese BWK11-LWK1 und eine ventrale Spondylodese BWK11/12 durchgeführt
(act. G 3.1/M 7 und M 8). Vom 18. Mai bis 4. Juni 2005 hielt sich die Versicherte zur
Rehabilitation in der Klinik D._ auf (act. G 3.1/M 13). Im Anschluss an die Freigabe
des Segments L1 durch Operation am 31. August 2005 folgte vom 27. September bis
17. Oktober 2005 ein weiterer Rehabilitationsaufenthalt in der RehaClinic Zurzach,
während dem eine deutlich gesteigerte Beweglichkeit bei nur unwesentlicher
Besserung der Schmerzen im HWS-Bereich erzielt werden konnte (act. G 3.1/M 19). In
der Nachkontrolle vom 29. November 2005 im Kantonsspital St. Gallen zeigte sich ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zufriedenstellender Heilungsverlauf bei anhaltenden Schmerzen im Bereich des
thorakolumbalen Übergangs mit teilweisen Ausstrahlungen ins linke Bein, weshalb ein
MRI-Untersuch der Lendenwirbelsäule angeordnet wurde (act. G 3.1/M 21). Bei diesem
Untersuch zeigten sich eine flache Diskushernie in den Segmenten L4/5 und L4/S1
ohne Kompression neuronaler Strukturen bei vorbestehender Diskopathie sowie
beidseitige Spondylarthrosen vor allem der drei unteren Lumbalsegmente, wobei der
Spinalkanal nicht verengt sei. Eine ärztlicherseits vorgeschlagene Infiltration der
Facettengelenke der LWS lehnte die Versicherte ab (act. G 3.1/M 22b).
A.c Im Rahmen einer weiteren Nachkontrolle am 25. Juli 2006 im Kantonsspital St.
Gallen stellte der untersuchende Arzt fest, dass die Versicherte vermutlich am Beginn
eines chronifizierten Schmerzsyndroms, bei gleichzeitigem depressiven Syndrom
stehe, da die Schmerz- und Gesamtsituation im Vergleich zum letzten Untersuch
erheblich negativer geschildert worden sei, ohne dass entsprechende organische
Veränderungen festgestellt werden konnten (act. G 3.1/M 25). Vom 27. Februar bis
19. März 2007 folgte ein Rehabilitationsaufenthalt in der E._, während dem nebst der
Behandlung der thorakolumbalen und lumbalen Beschwerden auch eine
psychologische Betreuung stattfand (act. G 3.1/M 33). Aufgrund eines Aktengutachtens
des beratenden Rheumatologen Dr. med. F._ vom 18. Juni 2007 ordnete die Helvetia
eine interdisziplinäre Begutachtung der Versicherten in den Fachbereichen
Rheumatologie, Orthopädie und Psychiatrie an (act. G 3.1/M 34b und K 48).
A.d Die Medizinische Abklärungsstelle Ostschweiz (nachfolgend: MEDAS) führt in
ihrem polydisziplinären Gutachten vom 7. Februar 2008 aus, die vorgebrachten
Beschwerden (Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und der
Rippenentnahmestelle am dorsalen linken Rippenbogen, mit Ausstrahlung ins linke
Bein) würden sich somatischerseits eindeutig klinisch und radiologisch objektivieren
lassen. Unter Einbezug der unfallbedingten psychischen Beschwerden - einer leichten
bis mittelgradigen depressiven Störung mit somatischem Syndrom sowie einer
psychogenen Überlagerung des zugrundeliegenden lumbovertebralen
Schmerzsyndroms und des Zustands nach BWK12-Fraktur vom 22. Februar 2005 - sei
die Versicherte in einer angepassten Tätigkeit unfallbedingt zu 50% arbeitsunfähig.
Zudem sei aufgrund der Unfallfolgen orthopädischerseits von einem Integritätsschaden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
von 10% auszugehen. Betreffend der physischen Unfallfolgen sei ab August 2007 von
einem Endzustand auszugehen (act. G 3.1/M 38b).
A.e Nach Einsicht in das MEDAS-Gutachten brachte der Rechtsvertreter der
Versicherten, G._, mit Schreiben vom 4. Juli 2008 vor, dass die Psychiaterin Dr. med.
H._ von einer Arbeitsunfähigkeit von 70% ausgehe. Weiter sei die Versicherte
gemäss dem ausführlichen Bericht des Orthopäden Dr. med. I._ vom 30. Juni 2008
angesichts der sehr starken, unfallbedingten Schmerzen, welche sich im Jahr 2008
noch verschlimmert hätten, vollständig arbeitsunfähig. Aufgrund dieser Berichte solle
der Fall mit Ausrichtung einer 70%igen Unfallrente und einer 40%igen
Integritätsentschädigung abgeschlossen werden (G 3.1/K 76).
A.f Mit Verfügung vom 31. Oktober 2008 erkannte die Helsana aufgrund des MEDAS-
Gutachtens auf eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit von 40% wegen orthopädischer
Einschränkungen. Demgegenüber wurde eine Leistungspflicht wegen der psychischen
Beschwerden der Versicherten verneint, da diese nicht in adäquat-kausalem
Zusammenhang mit dem versicherten Ereignis stünden. Anhand eines
Einkommensvergleichs und unter Gewährung eines Leidensabzuges von 15%
errechnete die Helsana einen Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 50% und
setzte den Rentenbeginn auf den 1. Dezember 2008 fest. Weiter sprach sie der
Versicherten eine Integritätsentschädigung von 10% zu (G 3.1/K 91).
B.
Gegen diese Verfügung erhob der Vertreter der Versicherten am 2. Dezember 2008
Einsprache mit dem Begehren, es seien eine 70%ige Unfallrente und eine 30%ige
Integritätsentschädigung zuzusprechen (act. G 3.1/K 94a). Die Helsana wies die
Einsprache mit Entscheid vom 9. März 2009 ab (act. G 3.1/K 111).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 6. April 2009 ersucht die Beschwerdeführerin um
Abänderung des Einspracheentscheids in dem Sinn, als ihr eine Invalidenrente von
70% und eine Integritätsentschädigung von 40-50% zuzusprechen seien. Zur
Begründung führt sie insbesondere an, die behandelnden Ärzte hätten ihr durchgehend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eine Arbeitsunfähigkeit von 70%, respektive 100% attestiert. Vor dem Unfall habe sie
an keinerlei psychischen Beschwerden gelitten und der Bruch eines Wirbelkörpers sei
nicht als leichter, sondern als schwerer Unfall zu taxieren. Nach dem Unfall sei es zu
einer ärztlichen Fehlbehandlung gekommen, indem der Wirbelbruch erst nach zwei
Tagen bei der Zweitkonsultation diagnostiziert und sie anschliessend fälschlicherweise
mit einem Korsett anstatt einer Operation behandelt worden sei. Auch hätten sich
gemäss Dr. I._ die Schrauben an den Wirbeln gelockert und es bestünden starke,
dauerhafte Schmerzen. Es sei ihr aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters, ihrer
Beschwerden sowie der mangelnden Ausbildung ein Leidensabzug von 20% zu
gewähren. Bei der Bemessung des Integritätsschadens müssten auch die psychischen
Beschwerden berücksichtigt werden; mit Blick auf den Bericht von Dr. I._ vom
5. Januar 2009 erscheine eine Integritätsentschädigung von 40-50% angemessen (act.
G 1).
C.b Die Beschwerdegegnerin hält in der Beschwerdeantwort vom 19. Mai 2009 an der
Auffassung fest, dass die psychische Fehlentwicklung der Beschwerdeführerin nicht in
adäquat kausalem Zusammenhang mit dem Unfallereignis stehe und das Unfallereignis
nicht als schwer bezeichnet werden könne. Zur Ermittlung des Invaliditätsgrads sei zu
Recht auf das MEDAS-Gutachten abgestellt worden, wonach aus orthopädischer Sicht
eine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit von 40% bestehe. Dies werde auch von Dr. I._
bestätigt, der eine 50%ige Unfallrente gesamthaft gesehen als verhältnismässig
erachte. Die gutachterliche Einschätzung des Integritätsschadens auf 10% werde von
Dr. F._ sowie von Dr. med. K._, Orthopädische Chirurgie FMH, geteilt, weshalb an
der verfügten Integritätsentschädigung festzuhalten sei (act. G 3).
C.c In der Replik vom 5. Juni 2009 hebt die Beschwerdeführerin hervor, dass die
Einschätzung von Dr. I._, wonach eine Invalidenrente von 50% für den vorliegenden
Fall angemessen erscheine, nur die körperlichen Beschwerden betreffe. Sie sei jedoch
auch aus psychischen Gründen nicht arbeitsfähig. Auch diesbezüglich sei die
Unfallkausalität zu bejahen, da mehrere der vom Bundesgericht vorgegebenen
Adäquanz-Kriterien erfüllt seien; insbesondere sei eine langjährige ärztliche
Behandlung mit quälenden permanenten Schmerzen erfolgt (act. G 5).
C.d Mit Duplik vom 29. Juni 2009 hält die Beschwerdegegnerin an den gestellten
Rechtsbegehren fest und verzichtet auf ergänzende Ausführungen (act. G 7).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(SR 832.20; UVG) gewährt die Unfallversicherung Leistungen bei Berufsunfällen,
Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten, soweit das Gesetz nichts anderes
bestimmt. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt zunächst voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinn des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der
eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht
zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität
der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht
weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung
entfiele. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass
zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als
adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der
Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von
der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolgs also durch das
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 181, 119 V 337 f. E. 1). Aufgabe
des Arztes ist es, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, während es
dem Gericht obliegt, die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu
beantworten (PVG 1984 Nr. 82, 174). Der Voraussetzung des adäquaten
Kausalzusammenhangs kommt dabei die Funktion einer Haftungsbegrenzung zu (BGE
129 V 177, E. 3 mit Hinweisen). Bei physischen Unfallfolgen hat jedoch die Adäquanz
gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige
Bedeutung (BGE 118 V 291 f. E. 3a).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1.2 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgericht die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche
Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das
Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und
danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Insbesondere darf es bei
einander widersprechenden Arztberichten den Prozess nicht erledigen, ohne das
gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten
begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens ist
grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten
(BGE 125 V 352 E. 3.a mit Hinweisen). Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen. So kommt gemäss höchstrichterlicher Praxis den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten und Gutachten externer Spezialärzte,
welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach
Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, volle Beweiskraft zu, solange nicht konkrete
Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 353 E. 3.b.bb).
2.
2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die bei der Beschwerdeführerin aufgetretenen
psychischen Beschwerden auf den Unfall vom 22. Februar 2005 zurück zu führen sind
und die Beschwerdegegnerin folglich dafür leistungspflichtig ist. Wie vorangehend
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aufgezeigt, besteht ein Leistungsanspruch nur für jene Beschwerden, welche in
natürlichem und adäquatem Kausalzusammenhang mit dem versicherten Ereignis
stehen (Erw. 1.1). Die Prüfung der natürlichen Kausalität kann dahinfallen, wenn die
Adäquanz zu verneinen ist, weshalb vorab Letztere zu prüfen ist.
2.2 Die Adäquanz zwischen einem Unfallereignis und psychischen Beschwerden ist
gemäss ständiger Bundesgerichtspraxis anhand des objektiv fassbaren
Unfallgeschehens zu beurteilen, wobei zwischen Unfällen im banalen oder leichten, im
mittleren und im schweren Bereich zu unterscheiden ist. Bei einem banalen oder
leichten Unfall ist der adäquate Kausalzusammenhang zu den psychischen
Beschwerden in der Regel ohne weitereszu verneinen, da es dem Unfallereignis an der
Erheblichkeit mangelt, welche allgemein erforderlich ist, um eine invalidisierende
psychische Fehlentwicklung zu bewirken. Demgegenüber ist bei einem schweren
Unfallereignis die Adäquanz in der Regel zu bejahen, da ein solches Geschehen
allgemein geeignet ist, invalidisierende psychische Beschwerden hervorzurufen. Im
Bereich der als mittel(-schwer) zu taxierenden Unfallereignisse bedarf es weiterer
Umstände, welche die Geeignetheit, psychische Beschwerden zu bewirken, erhöhen,
wie besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des
Unfalls; eine ausgeprägte Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung; körperliche
Dauerschmerzen; eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert; ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen sowie
der Grad und die Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit. Für die Bejahung
der Adäquanz müssen nicht sämtliche der genannten Kriterien erfüllt sein; vielmehr
kann es bei einem mittelschweren Unfall an der Grenze zu einem schweren genügen,
wenn ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter Weise gegeben ist. Umgekehrt
müssen mehrere Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, wenn es
sich um einen Grenzfall zu den leichten Unfällen handelt (zum Ganzen:
BGE 115 V 140 f. E. 6.c und 124 V 45 E. 5.c.bb).
2.3
2.3.1 Von der Beschwerdeführerin wird geltend gemacht, beim Bruch des
Wirbelkörpers handle es sich nicht um ein leichtes, sondern um ein schweres
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Unfallereignis (act. G 1, S. 3 unten). Mit Blick auf die höchstrichterliche
Rechtsprechung ist ohne weiteres zu verneinen, dass es sich beim vorliegend zu
beurteilenden Ereignis - einem schwindelbedingten Sturz aufs Gesäss im Wohnungsflur
- um einen schweren Unfall oder einen schwereren Unfall im mittleren Bereich handelt
(vgl. die Übersicht im Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. April 2005 i/
S A. [U 458/04] E. 3.4.1). Auch einen "normalen" Unfall im mittleren Bereich stellt ein
solches Sturzereignis nicht dar.
2.3.2 Fraglich ist, ob allenfalls nicht ein leichter, sondern ein mittelschwerer
Unfall, angrenzend an einen leichten, vorliegt. Einen solchen hat das Bundesgericht
etwa bei einem Versicherten angenommen, der in der Dunkelheit in eine 1.10 m tiefe
Abfallmulde stürzte und sich dabei erheblich verletzte (Urteil des Bundesgerichts vom
4. August 2008 i/S M. [8C_92/2008] E. 8). Ebenfalls als Unfall im mittleren Bereich an
der Grenze zu einem leichten Fall wurde ein Sturz von einem schlittenähnlichen
Wintersportgerät mit Rückenkontusion und Distorsion der Halswirbelsäule beurteilt
(Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli 2009 i/S F. [8C_893/2008] E. 5.3). Als leichte
Ereignisse eingestuft wurden dagegen das Ausgleiten beim Aussteigen aus einem
Bagger mit darob erlittener Kniedistorsion, ebenso wie ein Sturz auf die Knie nach
Stolpern auf einer Steintreppe (Urteil des Bundesgerichts vom 7. Mai 2009 i/S I.
[8C_68/2009] E. 8). Mit Blick auf diese Kasuistik ist der Unfall vom 22. Februar 2005 als
leichtes Ereignis einzustufen. Dass sich die Beschwerdeführerin beim Sturz auf das
Gesäss einen Wirbelkörper gebrochen hat, ist für die Beurteilung der Unfallschwere
nicht massgeblich, sondern wäre allenfalls bei den weiteren Adäquanzkriterien zu
berücksichtigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 26. Februar 2009 i/S R.
[8C_810/2008] E. 4.1). Aufgrund der Qualifikation als leichtes Ereignis ist die adäquate
Kausalität zwischen dem Unfall und den psychischen Beschwerden ohne Weiteres zu
verneinen.
2.3.3 Anzumerken ist, dass der adäquate Kausalzusammenhang im vorliegenden
Fall auch bei Annahme eines mittelschweren Ereignisses an der Grenze zu einem
leichten verneint werden müsste. So liegen keine besonderen Begleitumstände und
kein besonders dramatisches Unfallereignis vor. Ebenfalls erlitt die Beschwerdeführerin
keine besonders schweren Verletzungen, die geeignet wären, psychische
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fehlentwicklungen auszulösen. Von der Beschwerdeführerin wird vor allem ein
langwieriger Heilungsverlauf mit starken chronischen Schmerzen geltend gemacht.
Zudem habe sie eine ärztliche Fehlbehandlung erlitten, weil der Wirbelkörper-Bruch
erst beim Zweituntersuch festgestellt worden sei, und anfänglich nur eine konservative
statt einer operativen Behandlung angeordnet worden sei (act. G 1 und 5).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin nach dem Sturz im
hausärztlichen Notfalldienst behandelt wurde und aufgrund des unbestimmten
Beschwerdebildes vorerst lediglich eine starke Prellung im Gesässbereich
diagnostiziert wurde (act. G 3.1/K 1). Angesichts der augenscheinlichen Geringfügigkeit
des Sturzes und dessen Folgen (Dr. I._ geht von einem sogenannten "low-energy"-
Trauma aus [act. G 1.3, S. 2]) ist nicht zu beanstanden, dass vom behandelnden Arzt
vorerst auf bildgebende Untersuchungen oder andere weiterführende
Diagnosemethoden verzichtet wurde. Bezüglich der Behandlung mit einem Korsett an
stelle eines operativen Eingriffs ist entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin
nicht von einem Behandlungsfehler auszugehen, war es doch sie selbst, welche
entgegen dem ausdrücklichen Anraten der Ärzte anfänglich eine Operation abgelehnt
hatte (act. G 3.1/M 3). Die medizinischen Behandlungen, insbesondere die operativen
Eingriffe im April und August 2005 erfolgten plangemäss und mit zufriedenstellendem
Heilungsverlauf (act. G 3.1/M 21). Eine ärztliche Fehlbehandlung ist deshalb zu
verneinen. Gutachterlich erstellt ist jedoch, dass die Beschwerdeführerin unfallbedingt
an dauerhaften, erheblichen Schmerzen leidet (act. G 3.1/M 38b, S. 24) und zudem seit
dem Unfall praktisch durchgehend zu 100% arbeitsunfähig war (act. G 3.1/M 35). Im
vorliegenden Fall könnten demnach die zwei Adäquanz-Kriterien der körperlichen
Dauerschmerzen sowie der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit bejaht werden. Da aber
beide Kriterien nicht in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, muss die Adäquanz
mit Blick auf die höchstrichterliche Praxis trotzdem verneint werden, sind doch bei
einem Unfall im mittleren Bereich an der Grenze zu den leichten mindestens vier der
insgesamt sieben Adäquanzkriterien gefordert (Urteil des Bundesgerichts vom 4.
August 2008 i/S M. [8C_92/2008] E. 13 mit Hinweisen). Zusammenfassend ist demnach
festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich der
psychischen Leiden der Beschwerdeführerin aufgrund der fehlenden Adäquanz zu
Recht verneint hat.
3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.1 Betreffend die körperlichen Leiden hat die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungspflicht teilweise anerkannt und aufgrund einer unfallbedingten
Arbeitsunfähigkeit von 40% eine Invalidenrente bei einem Invaliditätsgrad von 50%
zugesprochen (act. G 3.1/K 91). Dabei stellte die Beschwerdegegnerin auf das
MEDAS-Gutachten ab, gemäss welchem der Unfall vom 22. Februar 2005 zu 40%
teilkausal für die körperlichen Beschwerden ist, während die restlichen 60% der
körperlichen Beschwerden auf der vorbestehenden Diskopathie, der Spondylarthrose
L4/5 und L5/S1 ohne Kompression neuraler Strukturen sowie der axialen Osteoporose
gründen (act. G 3.1/M 38b S. 25 f.).
3.2 Der Ermittlung des Invaliditätsgrads hat die Beschwerdegegnerin einen
Einkommensvergleich gemäss Art. 18 UVG i.V.m. Art. 16 des Bundesgesetzes über
den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) zugrunde gelegt,
was wegen der ohne Unfall zu erwartenden vollen Erwerbstätigkeit der
Beschwerdeführerin nicht zu beanstanden ist. Beim Einkommensvergleich wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der Heilbehandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann (Invalideneinkommen) in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das ohne Invalidität erzielt werden könnte
(Valideneinkommen). Für die Festsetzung des Valideneinkommens ist grundsätzlich
darauf abzustellen, was die versicherte Person zum Zeitpunkt des Rentenbeginns ohne
Invalidität am angestammten Arbeitsplatz verdienen würde (BGE 129 V 224 E. 4.3.1).
Bezüglich des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Wird kein Einkommen
mehr erzielt, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue
Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so ist insbesondere auf die Tabellenlöhne gemäss
den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebungen (LSE) abzustellen (BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
3.3 In einer modifizierten Form ist der Einkommensvergleich im Fall der
Anwendbarkeit von Art. 28 Abs. 4 der Verordnung über die Unfallversicherung
(SR 832.202; UVV) anzustellen. Gemäss dieser Bestimmung ist der Invaliditätsgrad
hypothetisch anhand der Erwerbseinkommen eines Versicherten mittleren Alters mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gleicher Gesundheitsschädigung zu ermitteln, wenn ein Versicherter nach dem Unfall
die Erwerbstätigkeit altershalber nicht mehr aufnimmt oder sich das vorgerückte Alter
erheblich als Ursache der Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit auswirkt. Vorliegend
steht aufgrund der Auskünfte der ehemaligen Arbeitgeberin fest, dass die
Beschwerdeführerin kein höheres Einkommen erzielen kann, als dies bei einer Person
mittleren Alters der Fall wäre (act. G 3.1/K 80 und K 86). Weiter haben die
untersuchenden Ärzte zwischen den unfallfremden und unfallkausalen Faktoren der
Arbeitsunfähigkeit unterschieden, weshalb sich ein Beizug der besonderen
Bemessungsmethode nach Art. 28 Abs. 4 UVV erübrigt. Die Beschwerdegegnerin hat
demnach zur Ermittlung des Invaliditätsgrads zu Recht einen Einkommensvergleich
gemäss Art. 16 ATSG getätigt.
3.4 Da die Beschwerdeführerin zum Berentungszeitpunkt keiner Erwerbstätigkeit
nachging, hat die Beschwerdegegnerin der Bemessung des Invalideneinkommens in
Einklang mit der Praxis des Bundesgerichts die LSE-Tabellenlöhne zugrunde gelegt.
Gemäss diesen statistischen Werten war im Jahr 2006 in einer einfachen, repetitiven
Vollzeit-Erwerbstätigkeit ohne entsprechende Berufs- oder Fachausbildung ein
monatlicher Bruttolohn von Fr. 4'019.-- zu erzielen (LSE 2006, Tabelle TA 1,
Anforderungsprofil 4, weibliches Geschlecht). Unter Berücksichtigung der
betriebsüblichen Wochenarbeitszeit von 41,7 Stunden sowie der Teuerung in den
Jahren 2007 (1,6%) und 2008 (1,5%) ergibt sich für 2008 ein Jahreseinkommen von Fr.
51'848.--. Von diesem Betrag ausgehend hat die Beschwerdegegnerin aufgrund der
gutachterlich festgestellten, unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin
von 40% und unter Gewährung eines Leidensabzugs von 15% ein Invalideneinkommen
von Fr. 26'442.-- (Fr. 51'848.-- x 60% x 85%) errechnet (act. G 3.1/K 91).
3.5 Strittig und zu prüfen ist insbesondere, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von
einer Arbeitsunfähigkeit von 40% aufgrund der somatischen Unfallfolgen ausging,
während der gutachterlich festgestellte unfallfremde Anteil von 60% an den
somatischen Beschwerden bei der Rentenberechnung unberücksichtigt blieb.
3.5.1 Laut Art. 36 Abs. 2 UVG werden Invalidenrenten,
Integritätsentschädigungen sowie Hinterlassenenrenten angemessen gekürzt, wenn die
Gesundheitsschädigung oder der Tod nur teilweise die Folge eines Unfalles ist (Satz 1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dabei nicht berücksichtigt werden Gesundheitsschädigungen vor dem Unfall, die zu
keiner Verminderung der Erwerbstätigkeit geführt haben (Satz 2). Eine Rentenkürzung
ist nicht nur bei sekundären unfallfremden Faktoren ausgeschlossen, sondern auch
dann, wenn der Unfall und das nicht versicherte Ereignis einen bestimmten
Gesundheitsschaden gemeinsam verursacht haben. Ausgeschlossen ist die
Anwendung von Art. 36 Abs. 2 UVG jedoch dann, wenn verschiedene, sich nicht
überschneidende Gesundheitsschäden auftreten, deren Ursächlichkeit getrennt
beurteilt werden kann (BGE 121 V 331 ff. E. 3.b und c; 126 V 117 E. 3.a). Dies ist
gemäss Rechtsprechung etwa dann der Fall, wenn im Anschluss an einen Unfall eine
psychogene Fehlverarbeitung desselben auftritt (Urteil des EVG vom 17. April 2000 i/S
U. [U 275/99] E. 2.c).
3.5.2 Gemäss der eben aufgezeigten Praxis fällt das psychische Leiden der
Beschwerdeführerin als getrennt zu beurteilender Gesundheitsschaden nicht unter
Art. 36 Abs. 2 UVG. Demgegenüber ist besagte Norm auf die somatischen
Beschwerden anwendbar. Im MEDAS-Gutachten wird diesbezüglich festgehalten, dass
gemäss den beigezogenen Unterlagen und den Aussagen der Beschwerdeführerin die
Diskopathie der unteren LWS sowie die Spondylarthrose als degenerative Leiden bis
zum Unfall vom 22. Februar 2005 asymptomatisch blieben. Durch die BKW12-Fraktur
am 22. Februar 2005 mit kyphotischer Knickbildung sei es zu einer richtunggebenden
Verschlimmerung gekommen. Sowohl der status quo ante (Gesundheitszustand wie
vor dem Unfall) als auch der status quo sine (Gesundheitszustand, wie er sich auch
ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte) seien nicht erreichbar, weil durch den
Unfall vom 22. Februar 2005 eine dauerhafte Verschlimmerung eingetreten sei. Die
unfallfremden Faktoren würden für den Zeitraum nach Abschluss der Heilbehandlung
mit 60% ins Gewicht fallen, während der restliche Anteil von 40% an den somatischen
Beschwerden unfallkausal sei (act. G 3.1/M 38b S. 25 ff.). Bezüglich der Feststellung,
dass zwar unfallfremde Faktoren massgeblich am invalidisierenden
Gesundheitsschaden Anteil haben, jedoch eine erhebliche unfallkausale Schädigung
fortbesteht, kommt dem MEDAS-Gutachten volle Beweiskraft zu, zumal es sich mit
dem Berichten von Dr. I._ vom 30. Juni und 22. August 2008 sowie vom 5. Januar
2009 deckt, wonach bei der Beschwerdeführerin eine erhöhte Disposition zur
Frakturbildung bestanden habe, eine deutliche Verschlechterung der Biostatik mit
grosser Wahrscheinlichkeit jedoch erst im Nachgang zum Unfall durch die Zunahme
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Kyphosierung von 15° auf 24° am thorako-lumbalen Übergang nach der
Segmentfreigabeoperation auf Höhe L1 eingetreten sei (act. G 1.3, 1.6 und 5.1).
Zusammenfassend steht demnach fest, dass bei der Beschwerdeführerin vor dem
Unfall von 22. Februar 2005 keine Gesundheitsschädigung mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit bestanden hat, sondern diese erst zusammen mit den Unfallfolgen
manifest geworden ist. Weiter ist erstellt, dass die somatischen Beschwerden im
MEDAS-Gutachten, ebenso wie in den Berichten von Dr. I._ umfassend
Berücksichtigung gefunden haben. Diesbezüglich ist anzumerken, dass Dr. I._
entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin von einer regelrechten Lage des
Spondylodesematerials ausgeht und keine Anzeichen für eine Schraubenlockerung
festgestellt hat (act. G 1.6 und 5.1). Da die unfallfremden Faktoren vor dem Unfall nicht
zu einer Verminderung der Arbeitsfähigkeit geführt haben, sind diese gemäss Art. 36
Abs. 2 Satz 2 UVG bei der Bemessung des Invaliditätsgrads auch mit einzubeziehen.
3.5.3 Zu prüfen bleibt, in welchem Umfang sich die somatischen Beschwerden in
ihrer Gesamtheit auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ausgewirkt haben. Im
MEDAS-Gutachten wird festgehalten, dass ab dem Unfalltag von einer orthopädisch
bedingten, 100%igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin im angestammten
Beruf als Stationshilfe auszugehen sei. Solche körperliche Belastungen seien ihr
dauerhaft nicht mehr zumutbar. In einer leidensangepassten Tätigkeit bestehe unter
Berücksichtigung der somatischen und psychischen Unfallfolgen eine anhaltende
Arbeitsunfähigkeit von 50% (act. G 3.1/M 38b S. 27 f.). Entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin enthält das MEDAS-Gutachten jedoch keine Aussage betreffend
den rein somatisch bedingten Grad der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit in einem
leidensangepassten Beruf. Die relative Aufteilung der Beschwerden in 40%
unfallbedingt und 60% unfallfremd erfolgt, ohne dass die gesamthaft bestehende,
somatisch bedingte Arbeitsunfähigkeit als absoluter Wert beziffert wird. Diesbezüglich
ist das MEDAS-Gutachten lückenhaft. Ebenso kann nicht auf die Berichte von Dr. I._
vom 22. August 2008 und vom 5. Januar 2009 abgestellt werden, weil darin die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nur schematisch erörtert und insbesondere die
verbliebene Leistungsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit nicht untersucht
wird (act. G 1.3 und 1.6).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.5.4 Somit steht nach Würdigung der massgeblichen Beweismittel fest, dass die
Arbeitsfähigkeit und damit auch der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin nicht in
rechtsgenüglicher Weise erstellt sind. Der angefochtene Entscheid ist daher
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, von der MEDAS eine
ergänzende Stellungnahme zu deren Gutachten einzuholen, in der zu erläutern sein
wird, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit
arbeitsfähig ist, unter Berücksichtigung sowohl des unfallkausalen als auch des
unfallfremden Anteils der somatischen Beschwerden, aber unter Ausklammerung der
psychischen Beschwerden.
3.6 Weiter wird von der Beschwerdeführerin ein Leidensabzug von 20% anstelle der
gewährten 15% verlangt. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist auf
diese Frage einzutreten, da der Leidensabzug als Element zur Bemessung des
Invaliditätsgrads ebenfalls Teil des Anfechtungsgegenstands bildet und somit der
gerichtlichen Überprüfung zugänglich ist (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl.,
Zürich 2009, Rn. 56 ff. zu Art. 61 ATSG, mit Hinweisen).
3.6.1 Ein Leidensabzug vom Tabellenlohn ist gemäss Bundesgericht
vorzunehmen, wenn der gesundheitlich eingeschränkte Arbeitnehmer im Vergleich zu
voll leistungsfähigen Arbeitnehmern nur ein verhältnismässig geringes Einkommen
erzielen kann. Auch ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass weitere persönliche
und berufliche Merkmale einer versicherten Person wie Alter, Dauer der
Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie
Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können. Der Einfluss
dieser Faktoren auf das Invalideneinkommen ist im konkreten Fall und nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen, wobei der Abzug auf höchstens
25% zu begrenzen ist (BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen). Bei der Überprüfung
dieses Ermessensentscheids hat sich das Gericht eine gewisse Beschränkung
aufzuerlegen, als es sein eigenes Ermessen nur dann an dasjenige der Vorinstanz zu
stellen hat, wenn aufgrund der konkreten Gegebenheiten eine abweichende
Ermessensausübung naheliegender erscheint (BGE 135 V 305 E. 6.2).
3.6.2 Laut MEDAS-Gutachten kann die Beschwerdeführerin aufgrund ihres
orthopädischen Leidens nur mehr leichte Tätigkeiten in vorwiegend sitzender Position
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mit Möglichkeit zum Stellungswechsel ausüben. Weiter soll sie keine Lasten über 5 kg
heben und Arbeiten über Kopf oder in Zwangshaltungen sowie Bücken vermeiden (act.
G 3.1/M 38b S. 25 f.). Das mögliche Betätigungsfeld der Beschwerdeführerin ist somit
gesundheitsbedingt erheblilch eingeschränkt. Nicht ins Gewicht fällt demgegenüber,
dass die Beschwerdeführerin höchstens einer Teilzeiterwerbstätigkeit nachgehen kann,
da auf dem fraglichen Anforderungsniveau Teilzeitarbeiterinnen verhältnismässig nicht
schlechter als Vollzeitangestellte entlöhnt werden (BFS, Schweizerische
Lohnstrukturerhebung, Neuchâtel 2008, S. 16, Tabelle T 2*). Als Ausländerin mit
Niederlassungsbewilligung hat die Beschwerdeführerin ein um etwa 6%
unterdurchschnittliches Einkommen zu erwarten, wobei auch allfällige sprachliche
Defizite einen Teilfaktor für die niedrigere Entlöhnung von Ausländern bilden dürften,
weshalb die diesbezüglichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin als
mitberücksichtigt zu gelten haben (LSE 2006, Tabelle TA 12, Anforderungsprofil 4,
weibliches Geschlecht). Die Beschwerdeführerin hat aufgrund ihres Alters kein
unterdurchschnittliches Einkommen zu erwarten, jedoch ist gemäss ständiger Praxis
des Bundesgerichts den allgemeinen Schwierigkeiten von älteren Versicherten bei der
Stellensuche angemessen Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
10. Februar 2010 i/S L. [9C_979/2009] E. 3.1 mit Hinweisen). Zusammenfassend ergibt
sich, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen,
ihres Aufenthaltsstatus sowie des fortgeschritten Alters gewisse Einkommensnachteile
zu gewärtigen hat. Die in der Beschwerdeschrift geltend gemachten zusätzlichen
Einschränkungen durch die somatischen Leiden wurden, soweit unfallkausal, bereits in
die Ermittlung der Restarbeitsfähigkeit mit einbezogen, während die psychischen
Beschwerden mangels Unfallkausalität auch bei Bemessung des Leidensabzugs nicht
berücksichtigt werden können. Angesichts des verfügbaren Ermessensspielraums von
0-25% hat die Beschwerdegegnerin den Einschränkungen der Beschwerdeführerin mit
dem gewährten Leidensabzug von 15% in nicht zu beanstandender Weise Rechnung
getragen.
3.7 Als Valideneinkommen hat die Beschwerdegegnerin, ausgehend von einem
Brutto-Monatslohn im Jahr 2003 von Fr. 3'640.--, zuzüglich 13. Monatslohn,
Wochenend- und Teuerungszuschlägen für die Jahre 2003 bis 2008, Fr. 53'264.--
angenommen. Gemäss den Lohnabrechnungen der früheren Arbeitgeberin hat die
Beschwerdeführerin jedoch erst im Jahr 2005 einen Grundlohn von Fr. 3'640.-- erzielt,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
während dieser im vorangehenden Jahr noch Fr. 3'585.-- betrug (act. G 3.1/K 86a-m).
Die Berechnung der Beschwerdegegnerin ist deshalb dahingehend zu korrigieren, dass
nur die Teuerungszuschläge von 2005 bis 2008 in die Berechnung des
Valideneinkommens einzubeziehen sind. Die ebenfalls zu berücksichtigenden
Wochenendzulagen wurden von der Beschwerdegegnerin korrekt anhand der von
Februar 2004 bis Januar 2005 erzielten Zulagen von gerundet Fr. 2'070.-- ermittelt. Die
Beschwerdegegnerin hat demnach der Bemessung des Invaliditätsgrads der
Beschwerdeführerin ein Valideneinkommen von Fr. 51'947.70 zugrunde zu legen
(Fr. 3'640.-- x 13, zzgl. Teuerungszulagen 2005 bis 2008 von 1%, 1,2%, 1,6% und
1,5% sowie Lohnzulagen von Fr. 2'070.--).
4.
Weiter ersucht die Beschwerdeführerin um eine Integritätsentschädigung in der Höhe
von 40-50%, während diese von der Beschwerdegegnerin auf 10% veranschlagt
wurde.
4.1 Erleidet die versicherte Person durch einen Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität, so hat sie gemäss Art. 24 Abs. 1
UVG Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung. Deren Bemessung
richtet sich laut Art. 25 Abs. 1 UVG nach der Schwere des Integritätsschadens, welcher
sich wiederum nach dem medizinischen Befund richtet. Bei gleichem medizinischen
Befund ist der Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; er wird abstrakt und
egalitär bemessen. Spezielle Behinderungen der betroffenen Person bleiben dabei
unberücksichtigt (BGE 124 V 35 f. E. 3c; BGE 113 V 221 E. 4b). Die Bemessung des
Integritätsschadens hängt somit nicht von den besonderen Umständen des Einzelfalls
ab; es geht vielmehr um die medizinisch-theoretische Ermittlung der Beeinträchtigung
der körperlichen und/oder geistigen Integrität, wobei subjektive Faktoren ausser acht
zu lassen sind (BGE 115 V 147 E. 1). Die Integritätsentschädigung setzt einen
dauernden - voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem
Umfang bestehenden - Integritätsschaden voraus (vgl. Art. 36 Abs. 1 UVV; BGE 124 V
36 ff. E. 4). Gemäss Art. 36 Abs. 2 UVV ist die Integritätsentschädigung anhand der
Richtlinien des Anhangs 3 zur UVV bemessen, welcher eine Grobskala der
Integritätsschädigungen enthält. Die Medizinische Abteilung der SUVA hat in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Weiterentwicklung dieser Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer
Form (so genannte Feinraster) erarbeitet, welche Richtwerte enthalten, mit denen die
Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll; sie sind mit dem
Anhang 3 zur UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1.c mit Hinweis).
4.2 Zur Bestimmung des Integritätsschadens stellte die Beschwerdegegnerin auf die
Einschätzung im MEDAS-Gutachten ab, welche auch von den Dres. F._ und K._
geteilt werde (act. G 3 S. 4). In besagtem Gutachten wird wörtlich ausgeführt:
"Aufgrund der Folgen des Unfalls vom 22.02.2005 ist orthopädischerseits von einem
Integritätsschaden von 10% auszugehen. Psychiatrischerseits wurde diesbezüglich
keine Frage gestellt" (act. G 3.1/M 38b S. 29). Weitere Ausführungen bezüglich des zu
prüfenden Integritätsschadens fehlen im MEDAS-Gutachten. Dr. F._ hält in seiner
Stellungnahme vom 18. Juni 2007 fest, dass aufgrund der Veränderung an BWK12
gemäss den SUVA-Tabellen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung von 5-10%
bestehe (act. G 3.1/M 34b). Dr. K._ würdigt das Gutachten als ausreichend
begründet und schlüssig; eine ausdrückliche Stellungnahme bezüglich der
Einschätzung des Integritätsschadens fehlt (act. G 3.1/M 44a). Die von der
Beschwerdegegnerin beigezogenen Arztberichte genügen den in Erw. 1.2 aufgezeigten
Beweisanforderungen nicht, weil es ihnen einer Begründung ermangelt, aus welcher
nachvollziehbar würde, wie der Integritätsschaden im konkreten Fall ermittelt wurde.
Insbesondere fehlen auch Ausführungen dazu, ob der unfallfremde Anteil am
Integritätsschaden in die Bemessung mit einbezogen wurde oder nicht (vgl.
nachfolgende Erw. 4.4).
4.3 Die Beweiskraft des MEDAS-Gutachtens wird in Bezug auf den
Integritätsschaden weiter gemindert durch den abweichenden, vergleichsweise
ausführlich begründeten Bericht von Dr. I._, welcher die MEDAS-Schätzung als
eindeutig zu tief erachtet. Angesichts des kyphotischen Neigungswinkels von 24°
sowie des Zustands der Beschwerdeführerin, welche praktisch einen Dauerschmerz
verspüre, keine Zusatzbelastungen möglich seien, der Schlaf auch Nachts durch die
Schmerzen gestört sei und der relativ langen Erholungszeit nach verstärkten
Schmerzen ergebe sich mit Blick auf die SUVA-Tabellen ein Integritätsschaden von
40-50% (act. G 1.3). Der Bericht von Dr. I._ beruht auf umfassenden Untersuchungen
der Beschwerdeführerin (vgl. act. G 1.6 und 5.1) und ist ausreichend begründet, jedoch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wurde der Integritätsschaden nur näherungsweise ("40-50%") und damit nicht mit der
erforderlichen Bestimmtheit ermittelt (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 11. April 2008, UV 2007/107 E. 1.3). Zudem wird im Bericht
von Dr. I._ ausser Acht gelassen, dass Art. 36 Abs. 2 Satz 2 UVG (vgl. Erw. 3.5.1)
gemäss ständiger Praxis des Bundesgerichts bezüglich der Integritätsentschädigung
nicht zur Anwendung kommt und somit bei einem Mitwirken von unfallfremden
Schadensursachen auch dann eine Kürzung vorzunehmen ist, wenn diese ohne das
Unfallereignis für sich allein zu keiner Minderung der Arbeitsfähigkeit geführt hätten
(BGE 116 V 157 E. 3.c, mit ausführlicher Begründung bestätigt im Urteil des EVG vom
29. Juni 2007 i/S T. [U 374/06] E. 2).
4.4 Gemäss den vorangehenden Ausführungen ist weder mit dem MEDAS-
Gutachten, noch mit den von der Beschwerdeführerin ins Recht gelegten Arztberichten
die Höhe des Integritätsschadens in rechtsgenüglicher Weise erstellt. Jedoch ist
festzustellen, dass die medizinischen Experten übereinstimmend von der
Objektivierbarkeit des von der Beschwerdeführerin vorgebrachten Schmerzbildes
ausgehen. Eine erneute ärztliche Untersuchung der Beschwerdeführerin ist demnach
nicht erforderlich und es wird durch eine von der Beschwerdegegnerin zu
beauftragende, neutrale Fachperson lediglich aufgrund der vorhandenen Akten zu
klären sein, in welchem Umfang ein Integritätsschaden besteht. Dabei ist dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass unfallfremde Faktoren teilursächlich für den
Gesundheitsschaden sind, weshalb gemäss Art. 36 Abs. 2 Satz 1 UVG eine
"angemessene" Kürzung am ermittelten Integritätsschaden vorzunehmen ist. Bezüglich
der ins Auge zu fassenden Kürzung hielt der Bundesrat in seiner Botschaft zum UVG
fest, dass eine solche nicht streng proportional anhand des Anteils der unfallfremden
Faktoren, sondern eben angemessen und damit in der Regel zugunsten der
Versicherten milder zu bestimmen ist (BBl 1976 III 141 ff. S. 175, vgl. Alfred Maurer,
Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl., Bern 1989, S. 469; Alexandra
Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl., Zürich 2003, S. 185).
Betreffend den vorliegenden Fall ist somit nicht das im MEDAS-Gutachten festgestellte
Verhältnis von 40% zu 60% zwischen unfallkausalen und unfallfremden Faktoren
massgeblich, sondern es ist dem Umstand angemessen Rechnung zu tragen, dass
sich erst durch den Unfall die körperliche Integrität der Beschwerdeführerin in
massgebender und dauerhafter Weise verschlechtert hat (vgl. act. G 3.1/M 38b S. 26).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/40
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 9. März 2009 teilweise gutzuheissen. Die Angelegenheit
wird zur Einholung einer ergänzenden Stellungnahme der MEDAS zu ihrem Gutachten
betreffend die verbliebene Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer
angepassten Tätigkeit unter Berücksichtigung auch der unfallfremden, organischen
Faktoren zurückgewiesen. Weiter hat die Beschwerdegegnerin eine neutrale, mit dem
Fall nicht vorbefasste Fachperson mit der Beurteilung des Integritätsschadens der
Beschwerdeführerin anhand der Akten zu beauftragen, bevor sie erneut in der Sache
verfügen wird.
5.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Da sich im vorliegenden
Verfahren ergeben hat, dass die von der Beschwerdeführerin veranlassten
spezialärztlichen Untersuchungen für die Beurteilung der Streitfragen massgebend
waren, bleibt es ihr unbenommen, die diesbezüglichen Kosten bei der
Beschwerdegegnerin in Rechnung zu stellen (Ueli Kieser, a.a.O., N. 113 zu Art. 61
ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG