Decision ID: 4898fea7-4082-5652-8fba-817dd5c7b919
Year: 2006
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Sonntag, um 17.52 Uhr, stellte die Kantonspolizei Appenzell-Innerrhoden
mittels Radargerät "Multanova 6F" fest, dass X.Y. das Motorrad "Yamaha", auf der G-
strasse im Bezirk H. bei einer signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h mit
einer rechtlich relevanten Geschwindigkeit von 85 km/h in Richtung C. lenkte.
B.- Mit Strafbefehl vom 24. Oktober 2005 büsste die Staatsanwaltschaft des Kantons
Appenzell-Innerrhoden X.Y. wegen Überschreitens der örtlich signalisierten Innerorts-
Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 25 km/h mit Fr. 470.--. Der Strafbefehl
erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Mit Verfügung vom 16. Dezember 2005 entzog das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Personenzulassung, X.Y. den
Führerausweis wegen Überschreitens der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 60
km/h um 25 km/h in Anwendung von Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 16c
Abs. 1 lit. a und Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG für die Dauer von drei Monaten.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X.Y. durch seinen Vertreter mit Eingabe vom 27.
Dezember 2005 und Ergänzung vom 23. Januar 2006 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, nach durchgeführter mündlicher
Verhandlung sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge und unter Gewährung der
aufschiebenden Wirkung im Anschluss an den vom 28. Dezember 2005 bis und mit 27.
Januar 2006 vollzogenen einmonatigen Entzug die angefochtene Verfügung
abzuändern und der Warnungsentzug auf einen Monat Gesamtentzugsdauer
festzulegen.
Die Vorinstanz verzichtete mit Vermerk vom 7. Februar 2006 auf eine Vernehmlassung.
D.- Mit Schreiben vom 27. März 2006 teilte der Vertreter der
Verwaltungsrekurskommission mit, dass auf eine mündliche Verhandlung verzichtet
werde.
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E.- Auf die Ausführungen zur Begründung der Anträge wird, soweit notwendig, in den
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 27. Dezember 2005 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 23. Januar 2006 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e, 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 1 SVG wird nach Widerhandlungen gegen die
Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das Verfahren nach dem
Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist, der Lernfahr- oder
Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das Gesetz
unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG) und
schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit.
a SVG). Ist die Verletzung von Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die
Widerhandlung schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG).
3.- Im Rekurs ist angesichts der rechtskräftigen strafrechtlichen Verurteilung zu Recht
unbestritten, dass der Rekurrent mit dem Motorrad "Yamaha", im Oktober, um 17.52
Uhr, auf der G-strasse im Bezirk H. in Fahrtrichtung C. die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 25 km/h überschritten und damit Art. 27 Abs.
1 SVG in Verbindung mit Art. 4a Abs. 5 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11,
abgekürzt: VRV) verletzt hat. Hingegen wird im Rekurs geltend gemacht, im Strafbefehl
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der Staatsanwaltschaft des Kanton Appenzell-Innerrhoden werde in tatsächlicher
Hinsicht zu Unrecht festgehalten, die Geschwindigkeitsüberschreitung sei im
Innerortsbereich begangen worden.
a) Zur Begründung wird im Rekurs anhand von Kartenausschnitten und Flugbildern
geltend gemacht, es handle sich bei der fraglichen Messstelle um eine ländliche, gut
übersichtliche, gerade Ausserortsstrecke. Der Strassenabschnitt befinde sich in
weitgehend unbebautem Gebiet grossmehrheitlich ausserhalb der Bauzone. Auf der
rechten Strassenseite münde keinerlei Strasse, ja nicht einmal ein Feldweg ein. Rechts
der Strasse sorge ein breites Bahntrassee für zusätzlich verbesserte Überblickbarkeit.
Genaue Angaben zum Messort fehlten leider. Zwei Häuser links der Strasse seien nach
dem Verlassen des Verzweigungsbereichs auf Kilometer die einzigen Liegenschaften.
Der Ort ende deutlich früher und vorher. Die gleichen Überlegungen habe die
ortskundige Staatsanwaltschaft dazu geführt, korrekterweise von einem leichten bis
mittelschweren Fall im Sinn der Rechtsprechung auszugehen. Der Sachverhalt sei
eindeutig und es sei willkürlich, nicht von einer Ausserortsstrecke im Sinn der
einschlägigen Rechtsprechung des Bundesgerichts auszugehen. Ob und wo das
Schild "Ortsbeginn auf Hauptstrassen" auf der fraglichen Strecke stehe, sei aus den
Akten nicht ersichtlich. Dass solch elementare Angaben fehlten, sei ein schwerer
Mangel der Akten. In Anwendung der in dubio pro reo Regel sei von der für den
Angeschuldigten günstigeren Variante auszugehen.
b) aa) Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von
den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen
feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren
oder die er nicht beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung
zu einem anderen Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den
Strafrichter den feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine
zusätzlichen Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des
Strafrichters zu halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der
Rechtsanwendung auf den Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt,
insbesondere die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat. Die
Verwaltungsbehörde hat insbesondere dann auf die Tatsachen im Strafurteil
abzustellen, wenn dieses im ordentlichen Verfahren mit öffentlicher Verhandlung unter
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Anhörung der Parteien und Einvernahme von Zeugen ergangen ist, es sei denn, es
bestünden klare Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit dieser Tatsachenfeststellung; in
diesem Fall hat die Verwaltungsbehörde nötigenfalls selbständige Beweiserhebungen
durchzuführen (vgl. BGE 119 Ib 158 E. 3c/aa).
Der Grundsatz, wonach die Verwaltungsbehörde von den im Rahmen des
Strafverfahrens getroffenen Tatsachenfeststellungen nicht abweichen darf, muss unter
bestimmten Voraussetzungen auch gelten, wenn das Strafurteil im Rahmen eines
Strafbefehlsverfahrens ergangen ist und namentlich auch dort, wo der Strafentscheid
sich ausschliesslich auf den Polizeirapport stützt. Das ist insbesondere dann der Fall,
wenn der Angeschuldigte wusste oder angesichts der Schwere der ihm angelasteten
Übertretung voraussehen musste, dass ihm gegenüber (auch) ein Verfahren betreffend
den Entzug des Führerausweises eingeleitet wird. Unter solchen Umständen kann der
Angeschuldigte nicht (mehr) das Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen
oder Beweismittel vorzutragen, sondern muss nach dem Vertrauensgrundsatz diese
schon im Rahmen des (summarischen) Strafverfahrens vorbringen und nötigenfalls die
ihm in jenem Verfahren gegen den ergangenen Entscheid zustehenden Rechtsmittel
ergreifen (vgl. BGE 121 II 214 = Pra 1996 Nr. 204, E. 3a).
bb) Der Rekurrent wurde wegen der von ihm am 16. Oktober 2005 begangenen
Überschreitung der signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h um 25 km/h von
der Staatsanwaltschaft des Kantons Appenzell-Innerrhoden mit Strafbefehl vom 24.
Oktober 2005 gebüsst. Darin wurde in tatsächlicher Hinsicht ausdrücklich festgestellt,
die Überschreitung beziehe sich auf "die örtlich signalisierte
Innerortshöchstgeschwindigkeit". Der Strafbefehl stützt sich zwar ausschliesslich auf
die Verzeigung durch die Kantonspolizei Appenzell-Innerrhoden vom 19. Oktober 2005,
die seinerseits auf der Radaraufnahme und auf einem vor Ort unmittelbar im Anschluss
an die Messung erstellten Befragungsprotokoll beruht. Laut dem vom Rekurrenten
gelesenen und unterschriftlich bestätigten Protokoll nahm er nicht nur das Ausmass
der Überschreitung, nämlich 90 km/h in der "60 km/h-Zone", sondern auch die
"Rapportierung an die Administrativbehörde" zur Kenntnis. Unter diesen Umständen
musste der Rekurrent davon ausgehen, dass die Administrativbehörden gegen ihn ein
Verfahren betreffend Entzug des Führerausweises einleiten würden. Die
Verwaltungsbehörde ist damit an sämtliche tatsächliche Feststellungen im Strafbefehl
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gebunden. Insbesondere besteht kein Anlass, die Frage des Innerortsbereichs des
betreffenden Strassenabschnitts gestützt auf Kartenausschnitte und Luftbilder
selbständig zu prüfen. Ergänzend kann allerdings angemerkt werden, dass das
Ortsende in Fahrtrichtung des Rekurrenten erst nach der Messstelle signalisiert ist (vgl.
dazu VRKE IV vom 12. Januar 2005 in Sachen B.B., S. 4).
c) Damit ist in tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass der Rekurrent im Oktober
um 17.52 Uhr mit dem Motorrad "Yamaha" die signalisierte Höchstgeschwindigkeit
innerorts von 60 km/h um 25 km/h überschritten hat. Die Frage, inwieweit der Strecke
subjektiv Innerortscharakter zugemessen werden darf, kann bei der Beurteilung des
Verschuldens des Rekurrenten von Belang sein (vgl. dazu E. 4b/bb).
4.- Zu prüfen ist, ob die Vorinstanz zu Recht von einer schweren Widerhandlung im
Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG, der in Wortlaut und Inhalt mit Art. 90 Ziff. 2 SVG
übereinstimmt (vgl. dazu Botschaft, in: BBl 1999 S. 4462 ff., S. 4489), ausgegangen ist.
a) Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei Überschreitung der
Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 25 km/h oder mehr ungeachtet der
konkreten Umstände objektiv eine grobe Verkehrsregelverletzung im Sinn von Art. 90
Ziff. 2 SVG zu bejahen (vgl. BGE 123 II 37 E. 1d). In anderen Entscheiden ist generell
nur von der Höchstgeschwindigkeit innerorts die Rede (vgl. beispielsweise BGE 123 II
106 insbesondere E. 2c). Die Schwelle gilt grundsätzlich nicht nur bei einer
signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, sondern auch für Innerortsstrecken
mit anderen Geschwindigkeitsbeschränkungen, namentlich bei 60 km/h. Immerhin hat
das Bundesgericht ausdrücklich offen gelassen, ob sich für Strecken mit einer
signalisierten Höchstgeschwindigkeit von 70 oder gar 80 km/h innerorts eine
differenzierte Beurteilung aufdrängt (vgl. BGE vom 25. August 2004, 6S.99/2004, E.
2.4; vgl. Ph. Weissenberger, Tatort Strasse: Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Strassenverkehrsstrafrecht im Jahre 2004, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2005, St. Gallen 2005, S. 458 f.; vgl. Heimgartner/Schönknecht,
Administrativmassnahmen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen nach bisherigem
und neuem Recht – Eine Übersicht, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2005, St. Gallen 2005, S. 233 und 237 Anm. 1).
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Hinsichtlich des Verschuldens hat das Bundesgericht festgehalten, wer die
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts um 25 km/h oder mehr überschreite, tue
das in der Regel mindestens grobfahrlässig. Der subjektive Tatbestand der groben
Verkehrsregelverletzung sei hier deshalb regelmässig zu bejahen. Eine Ausnahme
komme etwa da in Betracht, wo der Lenker aus nachvollziehbaren Gründen gemeint
habe, er befinde sich noch nicht oder nicht mehr im Innerortsbereich (vgl. BGE 123 II
37 E. 1f). Die gleiche Beurteilung gilt nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch
für eine Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h um 21 km/h
und damit um mehr als 40 % (vgl. BGE 126 II 202 E. 1b). Auch im Zusammenhang mit
Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit innerorts, deren Ausmass objektiv als
mittelschwere Widerhandlung zu qualifizieren sind, hat das Bundesgericht festgehalten,
ein leichter Fall komme in Betracht, wenn der Lenker aus nachvollziehbaren Gründen
gemeint habe, er befinde sich noch nicht oder nicht mehr im Innerortsbereich; unter
Umständen könne sogar jeder Schuldvorwurf entfallen (vgl. BGE 124 II 97 E. 2c, 126 II
196 E. 2a, 126 II 202 E. 1a).
b) aa) In objektiver Hinsicht rechtfertigen es die besonderen Umstände nicht, im
vorliegenden Fall vom Grundsatz der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, nach der
bei einer Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit innerorts um 25 km/h oder mehr
eine schwere Verkehrsgefährdung anzunehmen ist, abzuweichen.
Zwar verliert die Überschreitung von 25 km/h insoweit an Gefährdungspotenzial, als sie
sich nicht auf die allgemeine Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h, sondern
auf eine abweichende signalisierte Höchstgeschwindigkeit innerorts von 60 km/h
bezieht.
Zum einen hat aber das Bundesgericht die Schwelle des schweren Falles bei 25 km/h
auch in Situationen angewandt, in denen eine Überschreitung der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit innerorts von 60 km/h in Frage stand. Offen gelassen wurde
die Frage nur bei signalisierten Höchstgeschwindigkeiten innerorts von über 60 km/h
(vgl. dazu oben E. 4a).
Zum andern beging der Rekurrent – wie seiner Darstellung zu entnehmen ist – die
Geschwindigkeitsüberschreitung im Zusammenhang mit einem Überholmanöver. Aus
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dem Radarbild ist zu schliessen, dass die Messung unmittelbar nach Abschluss des
Überholmanövers erfolgte. Der Rekurrent erreichte die gemessene Geschwindigkeit
also nicht, weil er seine Geschwindigkeit angesichts der in Aussicht stehenden
Aufhebung der Geschwindigkeitsbeschränkung erhöhte, sondern weil er – im
Innerortsbereich – ein Überholmanöver vornahm. Dabei musste er auch die
Gegenfahrbahn beanspruchen. Zudem zeigt das Radarbild, dass der Rekurrent das
Überholmanöver, bei dem er die gemessene Geschwindigkeit erreichte, auf der Höhe
der Einmündung einer Strasse oder eines Fahrweges von Osten über das Bahntrassee
in die Hauptstrasse beendete. Diese Einmündung ist auch auf dem eingereichten
Flugbild der Messstelle erkennbar. Dieser Übergang dient als Zu- und Wegfahrt für die
landwirtschaftliche Bewirtschaftung des an das Bahntrassee angrenzenden, jedoch
deutlich über dem Strassenniveau liegenden Wieslandes. Die Flugaufnahme zeigt, dass
vis-à-vis dieses Übergangs auf der anderen Strassenseite die Gebäude eines
landwirtschaftlichen Betriebszentrums liegen. Die Flugaufnahme zeigt zudem, dass
einerseits etwa fünfzig Meter vor der Messstelle von Osten her das landwirtschaftliche
Ökonomiegebäude über eine Zufahrt zu dieser Strasse verfügt und dass anderseits
rund 100 m nach der Messstelle sowohl von Westen als auch von Osten her Feldwege
in die Strasse einmünden. Rund 300 m in Fahrtrichtung des Rekurrenten Richtung
Norden mündet von Westen aus einer bis an die Strasse reichenden Wohnzone (vgl.
Karte und Flugbild) eine weitere Quartierstrasse ein. Diese Umstände wirken erhöhend
auf das Gefährdungspotenzial.
bb) In subjektiver Hinsicht ist das Verschulden des Rekurrenten zu würdigen. Es
erscheint unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände als schwer. Der Rekurrent
nahm mit dem Überholmanöver eine massive Geschwindigkeitsüberschreitung in Kauf.
Die mit der Verkürzung des Überholweges in zeitlicher Hinsicht verbundene
Verringerung der Gefährdung rechtfertigt nicht, eine signalisierte
Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten. Sie gilt absolut und muss auch dann
eingehalten werden, wenn dem Fahrzeugführer auf der entsprechenden Strecke
aufgrund der gesamten Umstände eine höhere Geschwindigkeit angemessen
erschiene. Die subjektive Einschätzung kann trügerisch sein, wenn einzelne
Sachverhaltselemente – aus welchen Gründen auch immer – vom Lenker nicht
wahrgenommen wurden. Deshalb ist in die Entscheidung, ob ein Überholmanöver
durchgeführt werden darf, die zulässige Höchstgeschwindigkeit, allenfalls die den
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Verhältnissen angepasste darunter liegende Geschwindigkeit, miteinzubeziehen (vgl.
dazu BGE 101 IV 72).
Anlass für die Geschwindigkeitsüberschreitung war in erster Linie das vom Rekurrenten
durchgeführte Überholmanöver und erst in zweiter Linie allenfalls sein Eindruck, er
habe sich nicht mehr im Innerortsbereich befunden. Die Kartenausschnitte und
Flugaufnahmen zeigen, dass die Strecke, auf welcher der Rekurrent die
Geschwindigkeitsüberschreitung beging, durchaus auch durch Elemente geprägt ist,
die für den Innerortsbereich charakteristisch sind. Insbesondere ist die Strecke
unmittelbar nach der Einmündung von Appenzell her beidseitig überbaut. Zudem
mündet wenige Meter nach dieser Einmündung von Westen her eine Quartierstrasse
aus einem überbauten Gebiet ein. Unmittelbar anschliessend und damit im
Messbereich ist die Strecke ebenfalls gegen Westen überbaut. Zudem mündet – wie
bereits erwähnt – kurz vor den Signalen "Ortsende" und "Aufhebung der
Höchstgeschwindigkeit 60" an relativ unübersichtlicher Stelle von Osten ein Fahrweg in
die Strasse ein. Auf der Höhe dieses Signals besteht schliesslich ein weiterer
unmittelbarer Zugang zur Hauptstrasse von Westen her. Die im fraglichen Bereich
signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h stellt denn auch nicht eine
Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h,
sondern eine Erhöhung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h
dar (vgl. oben E. 3). Wenn die Strecke beim Fahrzeuglenker auch nicht den Eindruck
des Verlaufs durch ein Ortszentrum hinterlässt, erweisen sich die vom Rekurrenten
angeführten Gründe, es handle sich um eine Strecke mit typischem
Ausserortscharakter, nicht als stichhaltig. Das Ortsende war in Fahrtrichtung des
Rekurrenten noch nicht signalisiert. Zudem ist fraglich, ob sich an der Beurteilung des
Verschuldens des Rekurrenten – wie übrigens auch am Ausmass der Gefährdung –
etwas ändern würde, wenn es sich bei der Signalisation der höchstens zulässigen
Geschwindigkeit von 60 km/h um eine Herabsetzung der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h, und nicht um eine Heraufsetzung der
allgemeinen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 50 km/h gehandelt hätte.
Schliesslich bleibt festzuhalten, dass die vom Rekurrenten innegehabte
Geschwindigkeit auch klar über dieser allgemein zulässigen Höchstgeschwindigkeit
ausserorts lag.
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c) Unter den dargelegten Umständen steht fest, dass das Verschulden des Rekurrenten
als schwer zu bewerten ist. Zusammen mit der in objektiver Hinsicht schweren, wenn
auch abstrakt gebliebenen Gefährdung ergibt sich, dass die Vorinstanz dem
Rekurrenten zu Recht den Führerausweis gestützt auf Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG
entzogen hat.
5.- Schliesslich ist die Dauer des Führerausweisentzugs festzulegen.
a) Die Vorinstanz hat dem Rekurrenten in der angefochtenen Verfügung den
Führerausweis für die gesetzlich vorgeschriebene minimale Entzugsdauer von drei
Monaten entzogen. Zur Begründung wird unter Hinweis auf die einschlägige
Gesetzesbestimmung ausgeführt, nach einer schweren Widerhandlung müsse der
Führerausweis für mindestens drei Monate entzogen werden.
b) Bei der Festsetzung der Dauer des Lernfahr- oder Führerausweisentzugs sind
gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen,
namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf jedoch nicht unterschritten werden. Gemäss Art. 16c
Abs. 2 lit. a SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer schweren
Widerhandlung für mindestens drei Monate entzogen.
aa) Was zunächst die Verkehrsgefährdung und das Verschulden bei der
Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit innerorts von 60 km/h um 25
km/h anbelangt, ist entsprechend der Qualifikation der Verkehrsregelverletzung als
schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG davon auszugehen, dass
beide schwer wiegen. Da sich das Ausmass der Geschwindigkeitsüberschreitung
jedoch am unteren Rand der schweren Widerhandlung bewegt, erscheint die
gesetzliche Mindestentzugsdauer von drei Monaten als der Gefährdung und dem
Verschulden angemessen.
bb) Da das Gesetz eine Unterschreitung dieser Mindestentzugsdauer ausschliesst (Art.
16 Abs. 3 SVG), erübrigt es sich, massnahmemindernde Umstände wie insbesondere
den automobilistischen Leumund und die berufliche Angewiesenheit des Rekurrenten
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auf das Führen eines Motorfahrzeugs zu prüfen (vgl. zum früheren Recht SJZ 97/2001
S. 524 f.). Angesichts der zwingenden Natur der gesetzlichen Mindestentzugsdauer
verbleibt der rechtsanwendenden Behörde auch kein Ermessensspielraum, innerhalb
dessen sie Überlegungen zur Verhältnismässigkeit der Massnahme im Sinn der
Erforderlichkeit zur Besserung des Betroffenen anstellen könnte (vgl. Botschaft, in: BBl
1999 S. 4462 ff., wo auf die mit BGE 120 Ib 504 eingeführte, die Unterschreitung der
Mindestentzugsdauer wegen überlanger Verfahrensdauer betreffende Rechtsprechung
hingewiesen wird). Daraus folgt, dass die Mindestentzugsdauer selbst in
Ausnahmesituationen im Sinn der bisherigen bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl.
BGE 120 Ib 504 ff., 115 Ib 159 ff., 118 Ib 233 f.) nicht unterschritten werden kann.
6.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen ist.
7.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'000.-- ist
angemessen (vgl. Ziff. 362 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1'000.-- ist zu verrechnen.