Decision ID: e2404c78-4213-40d5-b7df-72f85079af3a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ und B._ sind Eigentümer des Grundstücks Nr. 0000_, Grundbuch X._. Das
Grundstück liegt in der Zone W2. Gegen Südwesten grenzt es an das landwirtschaftlich
genutzte Grundstück Nr. 0001_, dessen Eigentümer M._ ist. Er ist zudem Eigentümer
des südlich an das Grundstück Nr. 0001_ angrenzenden Grundstücks Nr. 0002_.
Beide Grundstücke sind der Grünzone zugeteilt. Der Gemeinderat der Politischen
Gemeinde X._ bewilligte am 23. Oktober 2018 den Neubau eines Einfamilienhauses
mit Doppelgarage und Schwimmbecken auf dem Grundstück Nr. 0000_. Gleichzeitig
wies er die von M._ mit der Begründung, das Bauvorhaben halte die Grenzabstände
nicht ein und es sei ein zurückhaltendes Projekt unter bestmöglicher Anlehnung an die
hiesige Bautradition anzustreben, erhobene Einsprache ab und auferlegte ihm eine
Entscheidgebühr von CHF 500.
B.
Das Baudepartement des Kantons St. Gallen hiess den von M._ gegen die Erteilung
der Baubewilligung und die Abweisung der Einsprache mit der Begründung, das
Vorhaben halte die Grenzabstände nicht ein, erhobenen Rekurs am 9. Oktober 2019 –
das Verfahren war während dreier Monate aufgrund erfolgloser Vergleichsgespräche
sistiert – teilweise gut. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt,
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Schwimmbecken und gedeckter Sitzplatz mit Geräteraum hielten den grossen
Grenzabstand von acht Metern zwar nicht ein. Der gedeckte Sitzplatz mit dem
Geräteraum ordne sich jedoch der funktional eigenständigen Hauptbaute
grössenmässig unter. Es handle sich deshalb um eine Anbaute, welche lediglich einen
verminderten Grenzabstand von drei Metern einzuhalten habe. Beim offenen, dem
Wohnhaus südwestlich vorgelagerten Schwimmbecken handle es sich um eine Anlage,
die – unabhängig davon, ob das direkt angrenzende Grundstück landwirtschaftlich
genutzt werde oder in der Grünzone liege – keine Grenzabstände einzuhalten habe.
Bezüglich der geltend gemachten Nichteinhaltung der Grenzabstände erweise sich der
Rekurs als unbegründet, jedoch sei die Einsprachegebühr zu Unrecht dem Einsprecher
auferlegt worden.
C.
M._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Rekursentscheid des Baudepartements
(Vorinstanz) vom 9. Oktober 2019 durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
24. Oktober 2019 und Ergänzung vom 27. November 2019 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
Rekursentscheid aufzuheben und das Baugesuch abzuweisen, eventualiter die
Angelegenheit zur weiteren Abklärung und neuen Entscheidung an die Politische
Gemeinde zurückzuweisen.
Die Vorinstanz liess sich am 6. Januar 2020 vernehmen und beantragte, die
Beschwerde sei abzuweisen. Die Politische Gemeinde X._ (Beschwerdebeteiligte)
verwies am 16. Januar 2020 auf die Baubewilligung sowie auf den Einsprache- und den
Rekursentscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. A._ und B._
(Beschwerdegegner) verzichteten stillschweigend auf eine Vernehmlassung. Am
2. März 2020 nahm der Beschwerdeführer zur vorinstanzlichen Vernehmlassung
Stellung. Vorinstanz, Beschwerdegegner und Beschwerdebeteiligte verzichteten
stillschweigend darauf, sich zur Stellungnahme des Beschwerdeführers zu äussern.
Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers und der Vorinstanz zur Begründung ihrer

Anträge sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Eintreten
Soweit mit der Beschwerde die Aufhebung des angefochtenen Rekursentscheides
beantragt wird, ist das Verwaltungsgericht zum Entscheid in der Sache zuständig
(Art. 152 des Planungs- und Baugesetzes, sGS 731.1, PBG, und Art. 59 Abs. 1 des bis
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Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
dessen Rekurs gegen die Abweisung seiner Einsprache gegen das Bauvorhaben der
Beschwerdegegner mit dem angefochtenen Entscheid in der Sache abgewiesen
wurde, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 152 PGB und Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den Rekursentscheid vom
9. Oktober 2019 wurde mit Eingabe vom 24. Oktober 2019 rechtzeitig erhoben und
erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 27. November 2019 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 152 PGB und Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
deshalb einzutreten.
2. Anwendbares Recht
Am 1. Oktober 2017 ist das Planungs- und Baugesetz vom 5. Juli 2016 in Kraft
getreten (nGS 2017-049, PBG) und das Gesetz über die Raumplanung und das
öffentliche Baurecht vom 6. Juni 1972 (nGS 8-134, Baugesetz, BauG) aufgehoben
worden. Das Baugesuch vom 2. Juli 2018 der Beschwerdegegner, welches die
Beschwerdebeteiligte am 23. Oktober 2018 bewilligte, ist deshalb an sich nach dem
Planungs- und Baugesetz zu beurteilen. Weil indessen die Vorschriften über die
Erstellung von Bauten und Anlagen in den Art. 73 ff. PBG weitgehend nicht unmittelbar
auf Baugesuche anwendbar sind und Art. 175 Abs. 1 PBG den politischen Gemeinden
zur Anpassung von Zonenplänen und Baureglementen im ordentlichen Verfahren eine
zehnjährige Übergangsfrist seit Vollzugsbeginn des Planungs- und Baugesetzes
einräumt, blieben bis dahin die einschlägigen Bestimmungen des Baugesetzes und der
nicht angepassten kommunalen Baureglemente – vorliegend des örtlich anwendbaren
Baureglements der Gemeinde X._-Y._ (aus der Zeit vor der Vereinigung mit der
Gemeinde Z._ zur Gemeinde X._ per 1. Januar 2013) vom 8. Dezember 2009
(nachfolgend: BauR; www. ... .ch Verwaltung/Reglemente/Baureglement X._-Y._) –
anwendbar (vgl. Übergangsrechtliche Bestimmungen im Planungs- und Baugesetz,
Kreisschreiben des Baudepartements vom 8. März 2017, Ziff. 1b und Anhang;
nachfolgend Kreisschreiben Übergangsrecht PBG; www.sg.ch, Recht/Planungs-, Bau-
und Umweltrecht/Planungs- und Baugesetz/Kreisschreiben).
3. Streitgegenstände
Zwischen den Verfahrensbeteiligten ist mittlerweile unbestritten, dass das
Bauvorhaben den anwendbaren Einordnungs- und Gestaltungsvorschriften (vgl. die
Vorschriften im unmittelbar anwendbaren Art. 99 PBG; Anhang zum Kreisschreiben
Übergangsrecht PBG) entspricht und das Schwimmbecken als Anlage im Sinn des
Baurechts gegenüber dem Grundstück des Beschwerdeführers keinen
reglementarischen Grenzabstand einhalten muss. Umstritten ist hingegen, ob der
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gedeckte, einzig gegen Nordwesten offene Sitzplatz mit dem Geräteraum als Anbaute
zu behandeln und diesbezüglich lediglich der verminderte Grenzabstand von drei
Metern einzuhalten ist (dazu nachfolgend Erwägung 4). Der Beschwerdeführer bringt
sodann vor, das Schwimmbecken sei bewilligt worden, ohne dass dessen
Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzung seiner Grundstücke abgeklärt
worden seien (dazu nachfolgend Erwägung 5).
4. Sitzplatz und Geräteraum
Vorbringen der Beteiligten
Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid festgestellt, der gedeckte Sitzplatz mit
dem daran anschliessenden kleinen Geräteraum lehne sich an die Fassade des
Hauptgebäudes an, sei von dieser aber durch eine isolierte Fensterfront getrennt. Auf
der Höhe dieser "Scharnierstelle" befänden sich im Hauptgebäude die Küche und der
Wohnbereich. Die Fassade der Hauptbaute bestehe aus einer hellgrauen Holzschalung,
während die Betonmauer des Sitzplatzes nicht mit Holz verkleidet sei. Die Anbaute mit
einer Gesamtfläche von 30.24 Quadratmetern und einer Gebäudehöhe von 2.75 Metern
ordne sich der Hauptbaute grössenmässig unter und unterscheide sich optisch von
den Geschossen des Hauptteils. Die beiden Teile seien konstruktiv durch eine isolierte
Fensterfront getrennt und würden anders genutzt. Der Wohnbereich der Hauptbaute
wäre offensichtlich auch ohne den vorgelagerten gedeckten Sitzplatz und den
Geräteraum nutzbar. Die Hauptbaute sei damit funktional eigenständig. Die
reglementarischen Vorgaben hinsichtlich Fläche und Höhe seien eingehalten. In
welchem Verhältnis die kommunale Umschreibung zu den kantonalen Vorgaben stehe
und ob überhaupt eine Abweichung bestehe, könne offenbleiben, da sowohl die
kommunalen als auch die kantonalen Begriffsmerkmale der Anbaute eingehalten seien.
Der Beschwerdeführer hält der Vorinstanz entgegen, die architektonische Gestaltung
weise den Sitzplatz mit Geräteraum gerade nicht als Anbau im Sinn der
Rechtsprechung aus. Dasselbe gelte für die optische und/oder funktionale
Unterordnung. Der Sitzplatz trete als Wohnraumerweiterung in Erscheinung. Vom
Hauptbau sei er lediglich durch eine Fensterfront getrennt. Das genüge nicht als
konstruktive Trennung, auch wenn die Fensterfront gemäss Vorinstanz "isoliert" sei.
Die als "gedeckter Sitzplatz" bezeichnete Fläche sei bereits überdacht und auf drei
Seiten geschlossen. Sie könne entlang der im Grundriss eingezeichneten gestrichelten
Linie – von der Fensterfront zum Geräteraum verlaufend – baulich problemlos
geschlossen werden. Der umstrittene Gebäudeteil sei in Funktion, Erscheinungsbild
4.1.
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und Materialisierung Teil der Hauptbaute und unterschreite den reglementarischen
grossen Grenzabstand von acht Metern in der Wohnzone W2.
Rechtliches
Gemäss Art. 75 PBG sind Anbauten mit einem anderen Gebäude zusammengebaut,
überschreiten in ihren Dimensionen die zulässigen Masse nicht und enthalten nur
Nebennutzflächen (Abs. 1); die Baubehörde kann ausnahmsweise Hauptnutzungen
zulassen, wenn keine überwiegenden privaten oder öffentlichen Interessen
entgegenstehen (Abs. 2). Die zulässigen Masse für Anbauten werden von den
Gemeinden festgelegt (vgl. Art. 80 PBG). Eine funktionale Trennung der Anbaute von
der Hauptbaute ist nach neuem Recht nicht (mehr) erforderlich (vgl. zur
Entstehungsgeschichte: Baudepartement, Handbuch zum neuen Planungs- und
Baugesetz, Stand 17. Januar 2020, S. 89/90). Art. 75 PBG ist zwar nicht unmittelbar
anwendbar (vgl. Anhang zum Kreisschreiben Übergangsrecht PBG). Dies liegt jedoch in
erster Linie daran, dass die zulässigen Masse von den Gemeinden festzulegen sind.
Bei der Auslegung und Anwendung des bisherigen Rechts kann jedoch ohne Weiteres
berücksichtigt werden, dass nach geltendem Recht zwischen Haupt- und Anbaute
keine funktionale Trennung mehr bestehen muss.
Art. 78 Abs. 2 Ingress und lit. a BauG erwähnte die Anbauten neben Neu-, Um-, Auf-
und Nebenbauten als Tatbestand, welcher einer Baubewilligung bedarf. Eine eigene
inhaltliche Umschreibung enthielt das Baugesetz nicht. Daraus, dass das Gesetz die
Anbaute als eigenständig bewilligungspflichtigen Tatbestand behandelt, kann immerhin
geschlossen werden, dass die Anbaute für sich allein betrachtet erstellt und wieder
abgebrochen werden kann, ohne die Hauptbaute in ihrem Bestand zu beeinträchtigen.
Als Anbauten gelten gemäss gängiger baurechtlicher Definition an das Hauptgebäude
angebaute untergeordnete Bauten (B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht,
Bern 2003, Rz. 688). Massgebende Kriterien sind nach der verwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung zu Art. 78 Abs. 2 Ingress und lit. a BauG insbesondere die
architektonische Gestaltung, die optische und/oder funktionale Unterordnung, die
konstruktive Trennung und die – nach geltendem Recht zumindest relativierte –
funktionale Eigenständigkeit. Anbauten lehnen sich an die Fassade eines
Hauptgebäudes an, sind von diesem aber durch eine Innenwand getrennt. Sie müssen
deutlich als Anbau erkennbar sein und beseitigt werden können, ohne dass das
Hauptgebäude konstruktiv verändert werden muss. Anbauten werden wie
Nebenbauten auch als untergeordnete oder besondere Gebäude oder als Kleinbauten
bezeichnet. Hinzu treten die Beschränkungen hinsichtlich Gebäudegrundfläche, First-
und Gebäudehöhe im kommunalen Baureglement (VerwGE B 2013/122 vom
4.2.
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19. August 2014 mit Hinweisen auf GVP 2010 Nr. 41, VerwGE B 2013/70 vom 8. Juli
2014 E. 4.1). Gemäss Art. 9 Abs. 10 BauR sind Anbauten eingeschossige, mit der
Hauptbaute verbundene Bauten, die eine Gebäudegrundfläche von höchstens fünfzig
Quadratmetern, eine Gebäudehöhe von höchstens 3.5 Metern und eine Firsthöhe von
höchstens fünf Metern aufweisen.
Beurteilung
Der umstrittene Gebäudeteil setzt sich zusammen aus einem gedeckten, auf drei
Seiten hin geschlossenen Sitzplatz und einem daran anschliessenden geschlossenen
Geräteraum. Dass Sitzplatz und Geräteraum baurechtlich getrennt voneinander
behandelt werden müssten, wird nicht geltend gemacht. Sie erscheinen denn auch
sowohl von Südosten als auch von Nordwesten betrachtet als einheitlicher Baukörper
(vgl. act. 8-4/11d Fassadenpläne, Südost- und Nordwestfassade). Mit einer –
unbestrittenen – Fläche von zusammen knapp über dreissig Quadratmetern und einer –
ebenfalls unbestrittenen – Höhe von 2.75 Metern hält der eingeschossige Gebäudeteil
die in Art. 9 Abs. 10 BauR vorgegebenen Masse von fünfzig Quadratmetern Fläche und
3.5 Metern Gebäudehöhe ein. Die Grundfläche des Einfamilienhauses inklusive
Aussenmauern (ohne Garage) beträgt knapp 110 Quadratmeter (12.6 Meter x 8.7
Meter; vgl. act. 8-4/11b Grundrisse, Erdgeschoss). Flächenmässig ist der Gebäudeteil
dem Einfamilienhaus untergeordnet. Dies gilt auch hinsichtlich seiner Funktion. Der
gedeckte Sitzplatz ist gegenüber der Hauptbaute nicht bloss durch die Glasfront
abgetrennt, sondern bildet – da er gegen Nordwesten offen ist – keinen Raum. Er kann
deshalb – jedenfalls im jetzigen Zustand – anders als ein Wintergarten nicht als
Erweiterung des Wohnraums betrachtet werden. Baulich ist der Gebäudeteil mit der
Hauptbaute einzig dadurch verbunden, dass er hinsichtlich Richtung und Höhe deren
Südostfassade im Erdgeschoss weiterführt. Dabei erfolgt der Anschluss nicht in
massiver Bauweise, sondern durch eine Glasschiebetüre (vgl. act. 8-4/11b Grundrisse,
Erdgeschoss). Baulich könnte der Gebäudeteil damit ohne Beeinträchtigung der
Hauptbaute entfernt werden. Auch optisch unterscheidet sich der gegen Südosten
gerichtete in Beton und Glas ausgeführte Abschluss des Sitzplatzes und des
Geräteraums klar von der mit Holz verkleideten Südostfassade der Hauptbaute
(vgl. act. 8-4/11d Fassaden, Südostfassade).
Beim geplanten überdeckten Sitzplatz, selbst wenn er lediglich gegen eine Seite offen
ist und sich ein Geräteraum anschliesst, handelt es sich nicht um eine Erweiterung der
Hauptbaute (vgl. dazu VerwGE B 2014/27 vom 30. Juni 2015 E. 3.3.2 und 3.3.3). Ob
sich an dieser Beurteilung etwas ändern würde, sollte der Sitzplatz auch gegen
Nordwesten abgeschlossen werden, kann offenbleiben. Mit einem Abstand gegenüber
4.3.
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5. Schwimmbecken
dem Grundstück Nr. 0001_ von 4.5 Metern und mehr (vgl. act. 8-4/11b Grundrisse,
Erdgeschoss) wahrt der Gebäudeteil den für Anbauten in der Zone W2 geltenden
reglementarischen Mindestabstand von drei Metern. Offenbleiben kann, ob der in der
Wohnzone W2 geltende Grenzabstand auch einzuhalten ist, wenn das angrenzende
Grundstück im Nichtbaugebiet liegt.
Vorbringen der Beteiligten
Der Beschwerdeführer macht unter Hinweis auf BGE 145 I 156 geltend, bei der Prüfung
der Zonenkonformität seien die Wirkungen von Bestand und Betrieb einer direkt oder
ganz nahe an einer Zonengrenze fertiggestellten Baute oder Anlage auf die Umgebung
einzubeziehen. Diese Prüfung habe die Vorinstanz unterlassen, obwohl im Rekurs
geltend gemacht worden sei, das geplante Schwimmbecken könnte den
Grundwasserfluss erheblich beeinträchtigen, was sich unmittelbar auf die
landwirtschaftliche Nutzung des Grundeigentums des Beschwerdeführers auswirken
würde.
Die Vorinstanz bringt dazu vor, weder im Einsprache- noch im Rekursverfahren sei die
Zonenkonformität des Bauprojekts oder ein ungenügender Grenzabstand zur
Landwirtschaftszone gerügt worden. In BGE 145 I 156 habe das Bundesgericht klären
müssen, ob die Nordfassade mehrerer Einfamilienhäuser direkt auf die Zonengrenze
gestellt werden dürfe. Der obere Teil der Fassade habe zudem die Zonengrenze
überragt. Bei einem in einem Abstand von fast acht Metern zur
Landwirtschaftszonengrenze erstellten Schwimmbecken sei es offensichtlich, dass
dieses zu keinen Auswirkungen für die Landwirtschaftszone führe und die Nutzung des
landwirtschaftlichen Kulturlandes in keiner Hinsicht beeinträchtigt werde. Das
Bundesgericht selbst führe aus, dass nur die Errichtung von grösseren Bauten wie von
Wohnhäusern direkt oder ganz nahe an der Grenze zu einer Inanspruchnahme des
angrenzenden landwirtschaftlichen Kulturlandes führen dürfte. Anders verhalte es sich
bei kleineren Bauten wie einfachen Nebenbauten, Zäunen und Gattern.
Der Beschwerdeführer anerkennt, dass sich der Sachverhalt in BGE 145 I 156 vom
vorliegenden unterscheidet. Das Bundesgericht habe jedoch ausgeführt, massgebend
könne nicht nur der Standort der Baute – vorliegend der Anlage – allein sein, sondern
es müssten auch die Auswirkungen auf das benachbarte Gebiet berücksichtigt werden.
Entgegen der Vorinstanz sei davon auszugehen, dass ein acht Meter breiter und fast
zwei Meter tiefer Betonriegel den Wasserzufluss auf die landwirtschaftlich genutzte
5.1.
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Parzelle des Beschwerdeführers erheblich beeinträchtigen könne. Auswirkungen auf
die Landwirtschaftszone, welche von den Vorinstanzen zu prüfen gewesen wären,
seien durchaus wahrscheinlich.
Rechtliches5.2.
Gesetzliche Grundlagen
Nach Art. 22 des Bundesgesetzes vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung
(Raumplanungsgesetz; SR 700, RPG) bedürfen Bauten und Anlagen einer behördlichen
Bewilligung (Abs. 1), deren Voraussetzung insbesondere die Vereinbarkeit mit dem
Zweck der Nutzungszone ist (Art. 2 lit. a). Vorbehalten bleiben ausdrücklich die übrigen
Voraussetzungen des Bundesrechts und des kantonalen Rechts (Abs. 3). Bauten
ausserhalb der Bauzonen regelt weitgehend der Bund (Art. 24 ff. RPG). Für solche
innerhalb der Bauzonen sind grundsätzlich die Kantone zuständig (vgl. insbesondere
Art. 23 RPG). Allerdings können sich die Bundeskompetenzen darauf auswirken (BGE
145 I 156 E. 4.3).
Art. 56 BauG enthielt die kantonalen Vorschriften zum Grenzabstand von Gebäuden,
wobei einerseits die Modalitäten des Messens geregelt wurden (Abs. 1) und anderseits
für die konkrete Festlegung der Grenzabstände auf die kommunalen Baureglemente
verwiesen wurde (Abs. 2 Satz 1). Lückenfüllend galt gemäss Art. 67 Abs. 1 Ingress und
lit. a BauG ein Grenzabstand von sechs Metern. Abweichungen waren zulässig, wenn
die Bauten und Anlagen der Land- oder der Forstwirtschaft dienten und wenn ihre
Zweckbestimmung es erforderte. Die Regelbauvorschriften in Art. 10 BauR legen für
die Wohnzone W2 einen grossen Grenzabstand von acht und einen kleinen von vier
Metern fest. Nach Art. 16 Abs. 8 Satz 1 BauR dürfen An- und Nebenbauten mit einem
verminderten Grenzabstand von drei Metern erstellt werden. Abgrabungen und
Auffüllungen haben gemäss Art. 22 Abs. 2 BauR einen Abstand von 0.5 Metern
gegenüber Nachbargrenzen einzuhalten. Für Anlagen wie das Schwimmbecken sehen
weder das kantonale Baurecht noch die Regelbauvorschriften des kommunalen
Baurechts Abstandsvorschriften vor. Davon geht mittlerweile auch der
Beschwerdeführer aus. Das kantonale Recht unter Einschluss des einschlägigen
kommunalen Rechts sehen mithin für Anlagen weder einen in der Wohnzone noch
gegenüber einer Zonengrenze einzuhaltenden Mindestabstand vor.
5.2.1.
Rechtsprechung
Nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung verbot Art. 56 Abs. 2 BauG eine
Verschiebung des Grenzabstands zulasten eines nicht der Bauzone zugehörigen
5.2.2.
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Grundstücks nicht. Jedoch habe die Positionierung eines Einfamilienhauses
unmittelbar an der Zonengrenze – Distanz zwischen Fassade und Grundstücksgrenze 2
bis 2.5 beziehungsweise 0.3 bis 0.5 Meter – zwangsläufig eine Nutzung der
angrenzenden Zone zur Folge. Die Ausgänge von der Küche und vom Wohn-
Esszimmer führten direkt in die Grünzone. Offenkundig sei, dass der südlich an das
Wohnhaus angrenzende Freiraum als Garten beziehungsweise als Aufenthaltsort für die
Hausbewohner benutzt werden würde. Andernfalls es völlig sinnlos wäre, sowohl von
der Küche als auch vom Wohn-Esszimmer aus Türen direkt ins Freie vorzusehen. Auch
für den Gebäudeunterhalt sei die Benützung der Grünzone unumgänglich.
Erfahrungsgemäss würden solche unmittelbar dem engsten Umschwung eines
Einfamilienhauses zugehörigen Flächen als Gartenanlage genutzt, insbesondere wenn
wie im vorliegenden Fall das Erdgeschoss des Wohnhauses entsprechend gestaltet sei
und von den einzelnen Wohnräumen Ausgänge direkt ins Freie führten. Selbst wenn
auf der Gartenfläche keine baulichen Massnahmen getroffen würden beziehungsweise
keine künstlich gestaltete Gartenanlage errichtet würde, sei der Umschwung aufgrund
der konkreten Umstände funktional dem Nutzungsbereich des Wohnhauses
zuzuordnen. Es lasse sich nicht in Abrede stellen, dass die Bewohner des Hauses
diese Fläche – für die ein Dienstbarkeitsvertrag ins Auge gefasst worden war – als
Garten nutzen würden. Diese Nutzung erweise sich als zonenwidrig (vgl. VerwGE B
2009/34 vom 3. Dezember 2009 E. 2).
In BGE 145 I 156 prüfte das Bundesgericht, ob sich aus dem Bundesrecht rechtlich
verbindliche Schutzwirkungen für das Kulturland ergeben, die sich im Grenzbereich
von Bau- und Landwirtschaftsgebiet auf die Bauzonen auswirken können. Es leitete
daraus ab, dass namentlich eine Baubewilligungspflicht bestehe, wenn die Benützung
von Boden in einer organisierten und auf Dauer ausgerichteten Weise erfolge und
deshalb erhebliche Auswirkungen auf die raumplanerische Nutzungsordnung und
allenfalls die vorhandene Infrastruktur ausübe. Es sei mithin nicht nur auf die
Dimensionen der rein baulichen Vorkehrungen abzustellen, sondern auch von einer
wirkungsbezogenen Betrachtungsweise auszugehen, die den Bestand sowie Betrieb
der fertiggestellten Baute oder Anlage und die damit verbundenen Auswirkungen auf
die Umgebung einbeziehe. Gleiches gelte auch, wenn die Zonenkonformität eines
Bauvorhabens zu beurteilen sei. Es seien auch hier nicht allein die baulichen
Massnahmen, sondern ebenfalls die Wirkungen auf die Umgebung zu berücksichtigen,
die das Vorhaben nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge mit sich bringe. Bei Bauten,
die direkt oder ganz nahe an die Grenze zu einer anderen Zone gestellt werden sollen
als jener, in der sie liegen, erfordere die Prüfung der Zonenkonformität stets auch den
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Einbezug ihrer Auswirkungen auf die Umgebung. Seien nach der allgemeinen
Lebenserfahrung keine oder nur unbedeutende Auswirkungen auf die benachbarte
Zone zu erwarten, genüge es, wenn das Vorhaben dem Zweck der Zone entspreche, in
die es zu liegen komme. Seien dagegen von einer Baute auf oder ganz nahe an der
Grenze Auswirkungen auf eine Nachbarzone wahrscheinlich, habe die Baubehörde die
Konformität auch mit der benachbarten Zone zu prüfen. Denn in diesem Fall
beschränke sich das Bauvorhaben nach der gebotenen auswirkungsbezogenen
Betrachtung nicht auf die Zone, in der das Gebäude selber stehe, sondern es liege ein
grenzüberschreitendes Vorhaben vor, das sich ebenfalls auf die Nachbarzone erstrecke
(E. 6.2 und 6.3). Ob und in welchem Umfang eine Überbauung von Land in der
Bauzone zugleich angrenzendes Landwirtschaftsland mitbeanspruche, lasse sich nur
aufgrund der Umstände des Einzelfalls beurteilen. Ohne weiteres zu bejahen sei dies
bei Bauteilen, die wie Vordächer oder Balkone über die Zonengrenze hinausragten.
Dasselbe gelte jedoch auch für Zirkulations- und Erholungsflächen oder für zur
Wohnbaute gehörende Vorgärten. Mit zu berücksichtigen sei sodann, in welchem
Ausmass die Auswirkungen einer Überbauung in der Bauzone die Nutzung des
landwirtschaftlichen Kulturlandes beeinträchtigten. Dabei seien insbesondere die Art
der landwirtschaftlichen Nutzung, aber auch die topografischen Verhältnisse in
Betracht zu ziehen. In ähnlicher Weise verlange Art. 43a lit. d der
Raumplanungsverordnung (SR 700.1, RPV) bei der Erstellung von Bauten ausserhalb
der Bauzonen gestützt auf eine Ausnahmebewilligung eine Rücksichtnahme auf die
landwirtschaftliche Bewirtschaftung. Die einzelfallweise Beurteilung ermögliche es,
zwischen den entgegengesetzten Interessen an der Erhaltung geeigneten Kulturlands
für die Landwirtschaft (Art. 3 Abs. 2 lit. a RPG) und der durch die Eigentumsgarantie
(Art. 26 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101, BV)
geschützten baulichen Nutzungsmöglichkeiten einen angemessenen Ausgleich zu
finden. Im Interesse der Rechtssicherheit und der Gleichbehandlung möge es zwar
wünschenswert erscheinen, im kantonalen Recht für gewisse Fälle Mindestabstände
vorzuschreiben, die zur Zonengrenze eingehalten werden müssten. Das Bundesrecht
verpflichte die Kantone jedoch nicht, solche Zonengrenzabstände vorzusehen.
Würdigung
Das in der Wohnzone W2 liegende Grundstück der Beschwerdegegner Nr. 0003_
grenzt im Südwesten an die Grünzone. Das angrenzende Grundstück Nr. 0001_ des
Beschwerdeführers liegt in der Grünzone b, die der Erhaltung und Schaffung von
Sport-, Park- und Erholungsanlagen dient (Art. 17 Abs. 1 Ingress und lit. b BauG). Auf
dem ebenfalls im Eigentum des Beschwerdeführers stehenden, südlich an das
Grundstück Nr. 0001_ angrenzenden Grundstück Nr. 0002_ liegt der höchste Punkt
5.3.
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6. Zusammenfassung und Kosten
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist – soweit auf
sie eingetreten werden kann – abzuweisen. – Bei diesem Verfahrensausgang sind die
amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 95
Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 3‘500 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. – Ausseramtliche Kosten
sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP): Vorinstanz und
Beschwerdebeteiligter kommt – abgesehen davon, dass sie weder berufsmässig
vertreten waren noch ihre Anträge unter Entschädigungsfolge gestellt haben – kein
des "S._" (802 Meter über Meer). Das geplante Einfamilienhaus liegt ungefähr nördlich
rund zwanzig Höhenmeter tiefer (rund 780 Meter über Meer). Der Hang fällt um rund
weitere zwanzig Höhenmeter in Richtung Ortszentrum ab (rund 760 Meter über Meer).
Im oberen Teil ist die Hangneigung relativ steil (vgl. Landeskarte 1:25‘000). Die Grenze
zwischen den Grundstücken Nrn. 0003_ und 0001_ verläuft ungefähr von Südosten
nach Nordwesten. Topografisch liegen damit keine Anhaltspunkte dafür vor, dass das
Bauvorhaben sich auf die Entwässerung des Grundstücks Nr. 0001_ oder einen
allfälligen Grundwasserlauf auswirken könnte. Das Grundstück Nr. 0002_ liegt zwar in
der Grünzone b, die der Sicherung von Grundwasserschutzzonen oder
Grundwasserschutzarealen dient (Art. 17 Abs. 1 Ingress und lit. d BauG). Es grenzt
indessen nicht an das Grundstück der Beschwerdegegner und schützt aufgrund der
topografischen Gegebenheiten den südlich in der Talsohle gelegenen
Grundwasserleiter (vgl. www.geoportal.ch, Grundwasserkarte des Kantons).
Schliesslich zeigen die Pläne zum Bauvorhaben, dass das rund zwei Meter tiefe
Schwimmbecken in derselben Tiefe wie das dahinterliegende Untergeschoss des
Einfamilienhauses und der Garagenanbaute liegt. Schliesslich beträgt der Abstand des
Beckens zur Zonengrenze zwischen sieben und siebeneinhalb Meter.
Das geplante Schwimmbecken liegt weder auf noch sehr nahe an der Zonengrenze.
Nach der allgemeinen Lebenserfahrung sind zudem keine oder nur unbedeutende
Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Nutzung des Grundstücks Nr. 0001_ zu
erwarten. Dass das Schwimmbecken die Schaffung, Erhaltung und Nutzung einer
Sport-, Park- oder Erholungsanlage auf dem Grundstück Nr. 0001_ beeinträchtigen
würde, macht auch der Beschwerdeführer nicht geltend. Dass die Vorinstanz im
Rekursentscheid nicht weiter auf die Vermutung des Beschwerdeführers, das
Schwimmbecken könnte sich auf die Wasserführung negativ auswirken, eingegangen
ist, ist deshalb im Ergebnis nicht zu beanstanden. Die vom Beschwerdeführer
eventualiter beantragte Rückweisung an die Beschwerdebeteiligte erübrigt sich.
bis
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solcher Anspruch zu (vgl. A. Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, St. Gallen 2020, N 20 zu Art. 98 VRP),
und die Beschwerdegegner haben sich im Beschwerdeverfahren nicht vernehmen
lassen.