Decision ID: a9f1969f-8b60-59f4-88bb-ecdbf9ffdd6a
Year: 2015
Language: de
Court: FR_TC
Chamber: FR_TC_001
Canton: FR
Region: Espace_Mittelland
Law Area: civil_law

Sachverhalt
A. Die C._ SA beauftragte die B._ mit der Erstellung eines Tiefkühllagers, in welchem ein Schmalgangsystem vorgesehen war, welches mit leitliniengeführten Flurförderzeugen befahren werden sollte. Da die B._ die verlangte Ebenheit des Bodens nicht erreichen konnte, wurde die A._ GmbH beigezogen und beauftragt, vier Schleifspuren einer Gesamtstrecke von 88 Metern auszuführen. Am 14. April 2008 nahm die A._ GmbH die Arbeiten auf. Am Tag darauf wurde der Auftrag dahingehend geändert, dass nicht nur Schleifspuren, sondern die ganze Fahrbahnbreite geschliffen werden sollte. Am 16. April wurde mit den effektiven Schleifarbeiten begonnen. Das Resultat wies unerwünschte, schleiftellerförmige Strukturen auf. Es stellte sich dann heraus, dass die Schleifmaschine den Boden in Schwingung versetzen konnte, was beim Schleifen zu den Strukturen im Boden führte. In Absprache mit der Auftraggeberin führte die A._ GmbH die Arbeiten dennoch fort, allerdings wiesen die Fahrbahnen nach wie vor Schleifspuren auf. Nachdem die A._ GmbH die Baustelle geräumt hatte, stellte die B._ fest, dass im Gang 1 an einer Stelle Armierungseisen angeschliffen und teilweise entfernt worden waren.
Mit Eingabe vom 13. Januar 2009 reichte die A._ GmbH (nachfolgend die Klägerin) eine Forderungsklage über EUR 13'076.98 nebst Zins zu 5 % seit dem 11. Juni 2008 aus Werkvertrag gegen die B._ (nachfolgend die Beklagte) ein. Die Beklagte schloss auf Abweisung der Klage und erhob ihrerseits Widerklage über CHF 53'194.- nebst Zins zu 5 % seit wann rechtens. Die Klage betraf den Restwerklohn aus Arbeiten, welche die Klägerin für die Beklagte ausgeführt hatte, währenddem die Widerklage eine Schadenersatzforderung der Beklagten aufgrund der mangelhaften Ausführung besagter Arbeiten durch die Klägerin beinhaltete. Die Schadenersatzforderung ergab sich gemäss den Ausführungen der Beklagten aus dem Gesamtschaden, bestehend aus den Kosten für die von der Beklagten veranlassten Sanierungs- und Fertigstellungsarbeiten von CHF 39'649.96, den Zusatzaufwendungen, welche die Bauherrschaft gegenüber der Beklagten geltend gemacht hatte im Betrag von CHF 33'158.50, abzüglich des bei vertragsmässiger Erfüllung gegenüber der Klägerin geschuldeten Restbetrags von EUR 13'077.- (CHF 19'614.- bei einem Mittelkurs von CHF 1.50).
Das Zivilgericht des Saanebezirks (nachfolgend das Zivilgericht) verhandelte die Angelegenheit anlässlich der Sitzungen vom 26. Februar 2010, 25. Juni 2010 und 18. Februar 2011. Mit Urteil vom 21. März 2011 (Verfahren 15 2009-14) hiess es die Klage unter Abweisung der Widerklage vollumfänglich gut und verurteilte die Beklagte zur Zahlung eines Betrags von EUR 13'076.98, nebst Zins zu 5 % seit dem 11. Juni 2008. Der Beklagten wurden zudem die Gerichts- und Parteikosten auferlegt. Das Gericht kam im Wesentlichen zum Schluss, dass die von der Klägerin erbrachte Leistung einen Sachmangel aufgewiesen habe. Sie habe gemäss Vertrag die Schaffung eines mit Flurförderzeugen befahrbaren Bodens geschuldet, diese Leistung jedoch nicht erbracht. Da die Beklagte jedoch keine Minderung geltend gemacht habe, sei sie zur Zahlung des Restwerklohns zu verpflichten. Zudem gelangte das Gericht zur Auffassung, dass die Beklagte nicht berechtigt gewesen sei, eine Verbesserung auf Kosten der Klägerin vorzunehmen, da sie dieser die Ersatzvornahme nicht angedroht bzw. sie nicht informiert habe, dass sie zu Lasten der Klägerin Dritte beauftragen würde, um die nötige Glattheit des Bodens zu schaffen. Im Weiteren schulde die Klägerin der Beklagten im Zusammenhang mit der Sanierung der angeschliffenen Armierungseisen keinen Schadenersatz, da dieser in der Widerklage nicht aufgeführt und auch nicht belegt worden sei.
Kantonsgericht KG Seite 3 von 13
Der I. Zivilappellationshof des Kantonsgerichts Freiburg (nachfolgend das Kantonsgericht) hiess mit Urteil vom 19. August 2013 (Verfahren 101 2011 188) die von der Beklagten gegen dieses Urteil eingereichte Berufung teilweise gut. Die Verurteilung der Beklagten zur Zahlung von EUR 13'076.98, nebst Zins zu 5% seit dem 11. Juni 2008, wurde bestätigt. Demgegenüber wurden die restlichen Ziffern des Urteils des Zivilgerichts vom 21. März 2011 aufgehoben und die Akten zur Prüfung der Höhe der Schadenersatzforderung und zur Neuverteilung der Gerichts- und Parteikosten an die Vorinstanz zurückgewiesen. Das Kantonsgericht bestätigte die Ansicht des Zivilgerichts, die Beklagte habe jedoch keine Minderung geltend gemacht und sei zur Zahlung des Restwerklohns zu verpflichten. Es kam jedoch auch zum Schluss, dass die Voraussetzungen zur Ersatzvornahme bzw. zur Nachbesserung auf Kosten der Klägerin gegeben sind. Die Klägerin habe ihre Unfähigkeit zur Nachbesserung selbst zugestanden und von der Beklagten habe keine Androhung der Ersatzvornahme bzw. der Übernahme der diesbezüglichen Kosten durch die Klägerin verlangt werden können. Mit der Ankündigung, kein besseres Resultat liefern zu können, habe sich die Klägerin implizit mit der Durchführung durch einen Dritten einverstanden erklärt und demzufolge einer Ersatzvornahme zugestimmt. Die Voraussetzungen zur Ersatzvornahme bzw. zur Nachbesserung auf Kosten der Klägerin seien bezüglich des glatten Bodens bzw. der unbefriedigenden Oberflächenstruktur gegeben. Die Forderung für einen Ersatz der Kosten im Zusammenhang mit dem angeschliffenen Armierungseisen sei demgegenüber mangels rechtsgenügender Verfahrenseinbringung und Begründung abzuweisen.
Auf die gegen dieses Urteil eingereichte Beschwerde der Klägerin ist das Bundesgericht am 21. Oktober 2013 nicht eingetreten (Verfahren 4A_478/2013).
B. Am 14. März 2014 fand eine weitere Sitzung vor dem Zivilgericht statt. Anlässlich dieser Sitzung stellte die Beklagte die Rechtsbegehren, die Klägerin sei zu verpflichten, ihr einen Betrag von CHF 67'877.30 – den sie in ihrem Parteivortrag vom 22. April 2014 auf CHF 64'657.90 reduzierte – nebst Zins zu 5 % seit dem 20. Mai 2009 als Schadenersatz zu bezahlen. Die Gerichts- und Parteikosten seien zu 4/5 der Klägerin und zu 1/5 der Beklagten aufzuerlegen. Die Klägerin schloss auf Abweisung des widerklägerischen Antrages.
Das Zivilgericht beschränkte seine Prüfung auf die Frage, welche Schadenspositionen betreffend die unbefriedigende Oberflächenstruktur in welcher Höhe hinreichend nachgewiesen und substantiiert seien, so dass die Klägerin zum Ersatz verpflichtet werden könne. Es kam in seinem Urteil vom 27. Juni 2014 (Verfahren 15 2013-157) zum Schluss, die Klägerin sei zu verurteilen, der Beklagten einen Betrag von CHF 15'802.30, nebst Zins zu 5% seit dem 20. Mai 2009, zu bezahlen. Das Zivilgericht stellte zudem fest, dass die Beklagte der Klägerin gemäss Urteil des Zivilgerichts vom 21. März 2011 und des Kantonsgerichts vom 19. August 2013 verurteilt wurde, der Klägerin einen Betrag von EUR 13'076.98 zu bezahlen. Die Gerichtskosten wurden den Parteien hälftig auferlegt. Die Parteikosten wurden wettgeschlagen. Das Zivilgericht erwog, dass die Kosten der Eigenleistungs-Schleifarbeiten im Umfang von 194.6 Arbeitsstunden zu CHF 12'777.40 (E. 4.1) in natürlicher und adäquater Kausalität zur Schlechterfüllung durch die Klägerin stehen, ausreichend nachgewiesen und somit von jener zu übernehmen seien. Die Kosten der Miete von Spezialmaschinen der D._SA (CHF 7'402.15) hiess das Zivilgericht lediglich im Umfang von CHF 3'254.80 gut (E. 4.2). Die Kosten der Miete eines Strahlenventilators der E._AG (CHF 1'485.-; E. 4.3), die Kosten der Schutzwände zum Schutz der Regale gegen die Staubentwicklung (CHF 40.60 pro Quadratmeter Schutzfläche; E. 4.4), diejenigen der Anpassung der Regallager (CHF 20'251.-; E. 4.5) und der Bodenauflagen (CHF 9'265.-; E. 4.6), sowie die Mehrkosten bei den Ferroscan-Aufnahmen (CHF 837.50; E. 4.7) und die Zusatzaufwendungen des Bauingenieurs (CHF 1'485.-; E. 4.8) wies es hingegen mangels genügenden Nachweises und Belegen ab.
Kantonsgericht KG Seite 4 von 13
C. Mit Eingabe vom 19. September 2014 erhob die Klägerin Berufung gegen das Urteil des Zivilgerichts vom 27. Juni 2014. Sie beantragt die Bestätigung der Feststellung, dass die Beklagte verurteilt wurde, ihr einen Betrag von EUR 13'076.98 zu bezahlen und die vollständige Abweisung der Widerklage, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Sie macht geltend, die von der Vorinstanz gutgeheissenen Schadenposten seien nicht nachgewiesen und daher abzuweisen.
Am 13. November 2014 reichte die Beklagte ihre Berufungsantwort ein und erhob Anschlussberufung. Sie schliesst auf Abweisung der Berufung und beantragt die Verurteilung der Klägerin, der Beklagen einen Betrag von CHF 64'657.90 zu bezahlen, sowie die Verteilung der Gerichtskosten zu 80 % zu Lasten der Klägerin und zu 20 % zu Lasten der Beklagten, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung der Anschlussberufung legt sie dar, erstens habe die Vorinstanz die von ihr zugesprochenen Beträge falsch addiert, und zweitens seien die von der Beklagten geltend gemachten Ersatzansprüche erwiesen und nachgewiesen, so dass sie zuzusprechen seien.
Am 6. Januar 2015 schloss die Klägerin auf Abweisung der Anschlussberufung.

Erwägungen
1. a) In Anwendung von Art. 405 ZPO untersteht das Berufungsverfahren den Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung vom 19. Dezember 2008, auch wenn das erstinstanzliche Verfahren dem bisherigen kantonalen Verfahrensrecht, d. h. der  des Kantons Freiburg vom 28. April 1953 (aZPO/FR), unterworfen war (vgl. Art. 404 Abs. 1 ZPO; angefochtenes Urteil E. 1).