Decision ID: 2af3150a-8fab-4f28-8e04-0ea4c0fff450
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherte) meldete sich am 20. November 2015 bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) zum Bezug von beruflichen
Massnahmen und Rentenleistungen an (IV-act. 1). Bis zum Frühjahr 2010 hatte sie als
Verpackerin in einem Pensum von 100 % gearbeitet (IV-act. 1 S. 4 und 12 S. 1). Die
Stelle war ihr aufgrund einer Neuorganisation gekündigt worden (IV-act. 12 S. 1 und 7).
A.a.
Am 9. Dezember 2015 berichtete Dr. med. B._, Innere Medizin und
Rheumatologie, dass sich die Versicherte seit 2014 in seiner fachärztlichen Behandlung
befinde. Sie leide an einer rheumatoiden Arthritis. Trotz klinischer, engmaschiger
Überwachung und Therapieumstellungen, die aufgrund Unverträglichkeit und
Wirkungslosigkeit erforderlich gewesen seien, sei die Krankheit leider sehr aktiv. Der
Versicherten sei eine Tätigkeit aufgrund der hohen Krankheitsaktivität aktuell nicht
möglich. Aufgrund immer wieder auftretender Krankheitsschübe sei eine Prognose
schwierig (IV-act. 5 S. 2 f.). In einem Verlaufsbericht vom 6. Mai 2016 hielt Dr. B._
fest, dass es der Versicherten seit dem letzten Bericht sehr schlecht gegangen sei. Sie
habe mit Schmerzen, Schwellungen und schmerzhaften Bewegungseinschränkungen
an den kleineren und grösseren Gelenken zu kämpfen gehabt. Trotz hochdosierter
Kortikosteroiden sei eine Verbesserung des Zustandes zeitweise ausgeblieben. Zuletzt
sei die Versicherte am 2. Mai 2016 in der ärztlichen Kontrolle gewesen, anlässlich
welcher sie davon berichtet habe, dass es ihr unter den Kortikosteroiden und den
immunmodulierenden Medikamenten viel besser gehe. Sie habe in letzter Zeit eine
starke Anschwellung im Bereich der Sprunggelenke und Unterschenkel bemerkt,
worüber sie sehr besorgt gewesen sei, ansonsten sei sie aber mit dem Verlauf sehr
A.b.
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zufrieden gewesen. Weiter hielt Dr. B._ fest, dass die Prognose ungewiss sei, da die
Krankheit chronisch mit rezidivierenden Schüben verlaufe. Die bisherige Tätigkeit als
Hausfrau und Mutter sei aktuell unter der medikamentösen Therapie in einem zeitlichen
Rahmen von 50 % möglich (IV-act. 14 S. 2 ff.).
Mit Mitteilung vom 19. Mai 2016 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass
keine beruflichen Massnahmen angezeigt seien, da sie als Hausfrau tätig sei. Zu
gegebener Zeit werde der Rentenanspruch geprüft (IV-act. 17).
A.c.
Am 3. Juni 2016 berichtete Dr. med. C._, Allgemeine Innere Medizin, dass er die
Versicherte im September 2013 mit zunächst diffusen und zunehmenden
Gelenksschmerzen kennengelernt habe. Im Februar 2014 habe er die Diagnose einer
rheumatoiden Arthritis stellen können, worauf er die Versicherte Dr. B._ zugewiesen
habe. Fortan habe er die Versicherte hauptsächlich wegen ihres Magenbypass vom
Jahr _ betreut. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte Dr.
C._ eine rheumatoide Arthritis und eine Adipositas Grad 3. Weiter hielt Dr. C._ fest,
dass sich hinsichtlich der Arthritis ein hartnäckiger und schwieriger Verlauf zeige. Bei
der Versicherten bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit in Haushaltsarbeiten (IV-
act. 20).
A.d.
In einem Fragebogen der IV-Stelle zur Rentenabklärung gab die Versicherte am
10. Juni 2016 an, dass sie ohne Behinderung aktuell in einem Pensum von 50 %
arbeiten würde. Weiter machte sie Angaben zu den in ihrem Haushalt anfallenden
Arbeiten (IV-act. 21). Am 27. Juni 2016 beurteilte der regionale ärztliche Dienst (RAD)
den Gesundheitszustand der Versicherten als stabil. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als Verpackerin liege bei der Versicherten eine maximal 50%ige Arbeitsfähigkeit vor. In
einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit könne unter Berücksichtigung
des chronischen, schubweisen Verlaufs der Arthritis eine 60%ige Arbeitsfähigkeit
angenommen werden. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei auf den Februar 2014
festzusetzen. Im Haushaltsbereich sei die Versicherte hauptsächlich bei körperlich
anstrengenden Tätigkeiten, die stehend und gehend erledigt werden müssten, auf
Unterstützung angewiesen. Die übrigen Arbeiten könne sie etappenweise selbständig
ausführen (IV-act. 22 S. 2). Mit einem Vorbescheid vom 29. Juni 2016 stellte die IV-
Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem Invaliditätsgrad
A.e.
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von 0 % in Aussicht. Zur Begründung führte die IV-Stelle im Wesentlichen an, die
Abklärungen hätten ergeben, dass die Versicherte ohne Gesundheitsschaden weiterhin
der Tätigkeit als Verpackerin in einem Pensum von 50 % nachgehen würde. Aus
ärztlicher Sicht sei die Ausübung der angestammten Tätigkeit weiterhin zu 50 %
zumutbar. Demnach bestehe keine Erwerbseinbusse. Im Haushalt sei die Versicherte
unter Berücksichtigung der Schadenminderungs- und Mitwirkungspflichten, sprich der
Mithilfe der Familienmitglieder, nicht invalidenversicherungsrechtlich relevant
eingeschränkt (IV-act. 24). Gegen diesen Vorbescheid wandte die Versicherte, vertreten
durch ihre Rechtsschutzversicherung, am 1. September 2016 (IV-act. 25) bzw. am 29.
September 2016 (IV-act. 30) ein, dass sie im Gesundheitsfall einer 100%igen
Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Als Verpackerin habe sie in einem Pensum von 100
% gearbeitet und nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses habe sie bis im
Dezember 2011 Taggelder der Arbeitslosenkasse für ein Pensum von 100 % erhalten.
Aufgrund der finanziellen Situation der Familie wäre sie darauf angewiesen, im
Gesundheitsfall einer vollen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Es seien keine Gründe
ersichtlich, weshalb sie bei der Invaliditätsbemessung nicht als Vollerwerbstätige
einzustufen sei. Die entsprechende Frage im Fragebogen sei von ihr aus sprachlichen
Gründen missverstanden worden (IV-act. 30 S. 2). Weiter sei die Einschätzung des
RAD, wonach in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 50 % und in
einer adaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 60 % bestehe, nicht
nachvollziehbar. Falls die IV-Stelle nicht auf die aufgrund der medizinischen Aktenlage
ausgewiesene 100%ige Arbeitsunfähigkeit abstellen werde, habe sie zwingend weitere
Abklärungen vorzunehmen (IV-act. 30 S. 3). Schliesslich werde die IV-Stelle auch
nochmals den Anspruch auf berufliche Massnahmen zu prüfen haben (IV-act. 30 S. 4).
Am 31. Oktober 2016 nahm der RAD zum Einwand der Versicherten dahingehend
Stellung, dass ergänzende medizinische Abklärungen erst bei einer Verschlechterung
des Gesundheitszustandes angezeigt seien. Da es sich um eine chronische Krankheit
handle, die schubweise verlaufe, besässen die rheumatologischen Verlaufsberichte
eine höhere Aussagekraft als eine einzelne Untersuchung. An der RAD-Stellungnahme
vom 27. Juni 2016 könne festgehalten werden (IV-act. 32). Mit einem Schreiben vom 4.
November 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten einen neuen Vorbescheid gleichen
Datums zu. Im genannten Schreiben teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, ihr
Einwand werde dahingehend gutgeheissen, dass sie neu als Vollerwerbstätige
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qualifiziert werde. Aus medizinischer Sicht seien keine neuen Tatsachen bekannt. Für
die Prüfung des Anspruchs auf berufliche Massnahmen werde vorausgesetzt, dass
eine mindestens 50%ige subjektive Arbeitsfähigkeit sowie der Wille zur aktiven
Mitwirkung bestehe. Gegebenenfalls solle sich die Versicherte melden (IV-act. 35). Im
zugestellten Vorbescheid vom 4. November 2016 stellte die IV-Stelle der Versicherten
die Ablehnung ihres Rentenbegehrens in Aussicht. Zur Begründung führte sie im
Wesentlichen an, dass die Versicherte als Gesunde in ihrer angestammten Tätigkeit als
Verpackerin in einem Pensum von 100 % ein Jahreseinkommen von Fr. 53'300.--
erzielen könnte. In einer adaptierten Tätigkeit könne sie gemäss der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) in einem Pensum von 60 %,
ein Jahreseinkommen von Fr. 32'276.-- verdienen. Folglich resultiere ein
Invaliditätsgrad von 39 % (IV-act. 34). Gegen diesen Vorbescheid erhob die noch
immer durch ihre Rechtsschutzversicherung vertretene Versicherte am 9. Dezember
2016 Einwand. Darin machte sie im Wesentlichen geltend, die Einschätzung des RAD,
wonach eine 60%ige Restarbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten bestehe, sei nicht
nachvollziehbar. Vielmehr sei von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Selbst bei der Annahme einer 60%igen Arbeitsfähigkeit würde jedoch unter
Berücksichtigung eines angemessenen Tabellenlohnabzugs ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50 % resultieren. Die Beschwerdegegnerin habe zu Unrecht keinen
Tabellenlohnabzug vorgenommen (IV-act. 36). Mit Schreiben vom 16. Dezember 2016
reichte die Versicherte der IV-Stelle einen Verlaufsbericht von Dr. B._ vom 13.
Dezember 2016 ein (IV-act. 38 S. 1). In diesem hatte der Internist und Rheumatologe
ausgeführt, dass er die Versicherte seit der letzten Berichterstattung wegen im Verlauf
neu aufgetretener Beschwerden im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) mit
Ausstrahlung in die Beine und einer Schmerzzunahme an den Gelenken der oberen
und unteren Extremitäten neun Mal gesehen habe. Anfangs Dezember 2016 habe sich
die Lage zugespitzt, als es zu plötzlichen starken Schmerzen an den Armen und Beinen
gekommen sei und die Versicherte bis am Mittag nicht aus dem Bett gekommen sei.
Da die Versicherte kaum auf ihren Beinen habe stehen können, habe der Ehemann sie
in die Praxis bringen müssen. Bestimmt sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
angezeigt. Der bisherige Verlauf sei ungünstig und schlecht gewesen (IV-act. 38 S. 2 f.).
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Am 25. April 2017 wurde die Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von Dr. med.
D._, Rheumatologie FMH, rheumatologisch untersucht. Zudem liess Dr. D._
Röntgenaufnahmen anfertigen und gab Laboruntersuchungen in Auftrag (IV-act. 44
S. 1). In seinem Gutachten vom 12. Juli 2017 nannte er als Diagnose mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit eine seropositive, CCP-AK positive, anerosive, anoduläre
rheumatoide Arthritis (IV-act. 44 S. 15). Weiter hielt er fest, dass aus rheumatologischer
Sicht eine volle Arbeitsunfähigkeit der Versicherten in überwiegend mittelschweren und
schweren beruflichen Tätigkeiten bestehe. Aufgrund des seitens der ehemaligen
Arbeitgeberin angegebenen Leistungsprofils und der eigenanamnestischen
Beschreibung der Versicherten sei davon auszugehen, dass eine berufliche
Reintegration in die bisherige Tätigkeit nicht mehr sinnvoll sei (IV-act. 44 S. 19). In einer
körperlich leichten bis gelegentlich mittschweren, wechselbelastenden beruflichen
Tätigkeit ohne kraftanfordernde und/oder repetitive manuelle Arbeiten könne aus
aktueller rheumatologischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 40 % begründet
werden (IV-act. 44 S. 20). Aufgrund des aktenanamnestischen schubweisen Verlaufs
der rheumatoiden Arthritis könnten kurzfristige 100%ige Arbeitsunfähigkeiten bei
erneuten Schüben allerdings nicht ausgeschlossen werden (IV-act. 44 S. 19 und 21).
Eine retrospektive Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit seit Diagnosestellung der
rheumatoiden Arthritis im September 2013 sei aufgrund der vorliegenden
medizinischen Aktenlage nicht schlüssig möglich. Die Einschätzung einer 40%igen
Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bestehe spätestens ab dem Zeitpunkt
der rheumatologischen Begutachtung (IV-act. 44 S. 21). Am 14. August 2017 beurteilte
der RAD die gutachterliche Anamnese- und Befunderhebung als sorgfältig und
umfassend. Die daraus abgeleitete Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bezeichnete er als
konklusiv und nachvollziehbar begründet. Die Arthritis befinde sich unter der
Medikation in klinischer und laborchemischer Remission. In einer körperlich leichten bis
gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden und manuell nicht besonders
anspruchsvollen Tätigkeit liege ab sofort eine Arbeitsfähigkeit von 60 % vor. Allerdings
müsse mit zukünftigen Arthritisschüben und kurzfristigen vollen Arbeitsunfähigkeiten
gerechnet werden (IV-act. 45).
A.f.
Mit Schreiben vom 15. August 2017 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an,
dass sie am bisherigen negativen Rentenbescheid festhalten werde, und gab ihr
A.g.
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B.

Erwägungen
1.
Vorliegend strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der
Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente zu Recht verneint hat.
2.
nochmals Gelegenheit zur Stellungnahme (IV-act. 46). Mit Verfügung vom 6. September
2017 lehnte die IV-Stelle das Rentenbegehren der Versicherten im Sinne des
Vorbescheids bei einem Invaliditätsgrad von 39 % ab. Da der Versicherten nicht nur
noch körperlich leichte, sondern auch mittelschwere Tätigkeiten zumutbar seien, sei ein
Tabellenlohnabzug nicht gerechtfertigt. Bei der niedrigen beruflichen Qualifikation
handle es sich um einen invaliditätsfremden Faktor, dem schon mit der Anwendung der
niedrigsten Anforderungsstufe der LSE Rechnung getragen werde (IV-act. 47).
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin),
vertreten durch Rechtsanwalt M. Büchel, am 6. Oktober 2017 Beschwerde (act. G 1).
Darin beantragte sie, die Verfügung vom 6. September 2017 sei aufzuheben und ihr sei
mindestens eine Viertelsrente zuzuerkennen; alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge (act. G 1 S. 2).
B.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 30. November 2017 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
B.b.
In ihrer Replik vom 18. Januar 2018 hielt die Beschwerdeführerin an dem in der
Beschwerde gestellten Antrag unverändert fest (act. G 7).
B.c.
Mit Schreiben vom 1. Februar 2018 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die
Einreichung einer Duplik und hielt an dem in der Beschwerdeantwort gestellten Antrag
vollumfänglich fest (act. G 9).
B.d.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
2.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
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verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG).
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben (BGE 125 V 261
E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweis).
2.2.
Der im Sozialversicherungsprozess herrschende Untersuchungsgrundsatz
schliesst eine Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im
Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als
2.3.
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3.
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 117 V 264 E.
3b; Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
Zürich/Basel/Genf 2012, S. 55).
In medizinischer Hinsicht hat sich die Beschwerdegegnerin zur Beurteilung des
Rentenanspruchs in erster Linie auf das rheumatologische Gutachten von Dr. D._
gestützt, wonach der Beschwerdeführerin ab dem Zeitpunkt der Begutachtung, sprich
ab dem 25. April 2017, eine leidensangepasste Tätigkeit zu 60 % möglich ist
(vgl. act. G 1.2 und 4). Die Beschwerdeführerin hat diese gutachterliche Einschätzung
nicht kritisiert und misst dem Gutachten ebenfalls Beweiswert zu (vgl. act. G 1 S. 5).
Die gutachterliche Einschätzung einer seit dem 25. April 2017 bestehenden 60%igen
Arbeitsfähigkeit für optimal angepasste Tätigkeiten ist aufgrund des schlüssigen
Gutachtens und der gesamten Aktenlage gut nachvollziehbar und nicht zu
beanstanden.
3.1.
Keine Arbeitsfähigkeitsschätzung hat Dr. D._ allerdings für die Zeit vor der
Begutachtung abgegeben. Er hat in seinem Gutachten ausgeführt, dass ihm eine
retrospektive Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aufgrund der vorliegenden
medizinischen Aktenlage nicht möglich sei (IV-act. 44 S. 21). Die vorliegend zu
beurteilende IV-Anmeldung hat die Beschwerdeführerin am 20. November 2015 bei der
IV-Stelle eingereicht (vgl. IV-act. 1). Der früheste Beginn eines allfälligen
Rentenanspruchs im Sinne von Art. 29 Abs. 1 und 3 IVG ist somit der 1. Mai 2016. Das
Wartejahr gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG dürfte zu diesem Zeitpunkt bereits
verstrichen gewesen sein, da davon auszugehen ist, dass die Arthritis die
Beschwerdeführerin in ihrer angestammten Tätigkeit spätestens ab Februar 2014
eingeschränkt hat (vgl. IV-act. 22 S. 2; vgl. ferner IV-act. 20 S. 3 und 44 S. 21). Eine
gutachterliche Einschätzung für den potenziell relevanten Zeitraum vom 1. Mai 2016 bis
zum 24. April 2017 fehlt. Angesichts dessen, dass der RAD sowohl in seiner
Stellungnahme vom 27. Juni 2016 (IV-act. 22 S. 2 f.) als auch in derjenigen vom
31. Oktober 2016 (IV-act. 32) von einer 40%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen ist
und Dr. B._ im Mai 2016 eine 50%ige Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Haushalt angenommen hat (IV-act. 14), erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass
auch im Zeitraum vom 1. Mai 2016 bis 24. April 2017 mindestens eine 40%ige
Arbeitsunfähigkeit bestanden hat (vgl. auch den Bericht von Dr. B._ vom 9.
Dezember 2015, IV-act. 5 S. 2 f.). Hinweise auf einen besseren Gesundheitszustand als
3.2.
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4.
im Begutachtungszeitpunkt liegen jedenfalls nicht vor (zu den teilweise frustranen
Therapieversuchen seit der Erstdiagnose der Arthritis im September 2013 bis Ende
2016 vgl. IV-act. 44 S. 9). Ob die Arbeitsunfähigkeit in diesem Zeitraum allenfalls
aufgrund der zeitweise auftretenden Schübe sogar höher gewesen ist, bleibt beweislos.
Die Folgen der Beweislosigkeit hat die Beschwerdeführerin zu tragen (vgl. E. 2.3),
sodass ab dem 1. Mai 2016 im Durchschnitt von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in
einer optimal leidensangepassten Tätigkeit auszugehen ist, wobei aber auch mit
kurzfristigen Arbeitsunfähigkeiten von 100 % zu rechnen ist (vgl. IV-act. 45 und 44
S. 19).
Sollten in Zukunft Krankheitsschübe auftreten, die für eine längere Zeit zu einer
höheren Arbeitsunfähigkeit führen oder fast permanent kurzfristige höhergradige
Arbeitsunfähigkeiten bewirken, ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
gegebenenfalls gestützt auf die veränderte Situation erneut zu überprüfen.
3.3.
Ausgehend von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
bleiben die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei
ist der Invaliditätsgrad anhand eines Einkommensvergleichs zu ermitteln (vgl. E. 2). Für
den Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt des
Beginns des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Folglich ist das Jahr
2016 massgebend (vgl. E. 3).
4.1.
Die durch die Beschwerdegegnerin vorgenommene Festlegung des jährlichen
Valideneinkommens auf Fr. 53'300.-- ist grundsätzlich nicht zu beanstanden (IV-act. 47
S. 1). Die Beschwerdegegnerin hat sich nämlich auf die Angaben der früheren
Arbeitgeberin bezüglich des hypothetischen Monatslohns der Beschwerdeführerin im
Jahr 2016 gestützt (vgl. IV-act. 12 S. 3; 13 x Fr. 4'100.--). Darauf kann abgestellt
werden. Bei der Annahme eines Valideneinkommens von Fr. 53'300.-- ist keine
Anpassung an die Nominallohnentwicklung notwendig (vgl. act. G 1 S. 6), da dieses
hypothetische Einkommen auf Angaben für das Jahr 2016 basiert (vgl. IV-act. 12 S. 3).
Zur Ermittlung des Invalideneinkommens kann auf die Tabelle TA 1 der LSE 2016
abgestellt werden. Für die im Kompetenzniveau 1 beschäftigen Frauen ergibt sich unter
Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
in einem Arbeitspensum von 100 % ein Jahreslohn von Fr. 54'581.-- (vgl. Anhang 2 der
IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019). Bei einer
Gegenüberstellung der Vergleichseinkommen zeigt sich, dass das von der
Beschwerdeführerin gemäss den Angaben ihrer ehemaligen Arbeitgeberin im Jahr 2016
4.2.
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in einem Pensum von 100 % im Gesundheitsfall erzielbare Einkommen leicht unter dem
statistischen Invalideneinkommen gemäss LSE liegt. Da die Akten keinerlei
Anhaltspunkte dafür liefern, dass die Beschwerdeführerin freiwillig auf ein höheres
Einkommen verzichtet hat, ist anzunehmen, dass die Unterdurchschnittlichkeit ihres
Validenlohns auf die für die Invaliditätsbemessung nicht zu berücksichtigenden Zwänge
des realen Arbeitsmarktes zurückzuführen sind. Aus diesem Grund ist das
Valideneinkommen auf den LSE-Lohn anzuheben. Da vorliegend sowohl hinsichtlich
des hypothetischen Valideneinkommens als auch bezüglich des Invalideneinkommens
derselbe Lohn zugrunde zu legen ist, kann der Einkommensvergleich anhand eines
sogenannten Prozentvergleichs vorgenommen werden. Dabei entspricht der
Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung
eines Abzuges vom Tabellenlohn (vgl. BGE 126 V 75).
Die Beschwerdeführerin erachtet aufgrund des schubweisen Verlaufs der Arthritis
mit kurzfristigen 100%igen Arbeitsunfähigkeiten einen Tabellenlohnabzug von 20 % als
angezeigt (vgl. act. G 1 S. 5 f.). Demgegenüber stellt sich die Beschwerdegegnerin auf
den Standpunkt, dass im Rahmen der attestierten zumutbaren Arbeitsfähigkeit von 60
% keine verminderte Leistungsfähigkeit bestehe. Dem Umstand, dass die
Beschwerdeführerin nur in adaptierten Tätigkeiten einsatzfähig sei, habe sie bereits
durch das Abstellen auf das Kompetenzniveau 1 der LSE Rechnung getragen. Folglich
habe sie zu Recht keinen Abzug vom Tabellenlohn vorgenommen (act. G 4 S. 3 f.).
4.3.
In welchem Umfang ein Abzug vom Tabellenlohn zu gewähren ist, hängt nach der
Rechtsprechung von sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen des
konkreten Einzelfalles ab (etwa leidensbedingte Einschränkung, Alter und
Beschäftigungsgrad), die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen
sind, wobei der maximal zulässige Abzug auf 25 % festzusetzen ist. Eine schematische
Vornahme des Tabellenlohnabzugs ist unzulässig. Ein Abzug ist nur dann
vorzunehmen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte
Person wegen eines oder mehrerer Merkmale ihre gesundheitlich bedingte
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg verwerten kann (BGE 126 V 79 f. E. 5b und 129 V 481 E. 4.2.3 mit
Hinweisen).
4.4.
Aufgrund des schubweisen Verlaufs der Krankheit ist davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin auch in Zukunft vorübergehend jeweils gänzlich arbeitsunfähig
sein wird (vgl. IV-act. 45 S. 1 und 44 S. 19). Auch wenn gemäss der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung das potenzielle Risiko von krankheitsbedingten
Absenzen für sich alleine grundsätzlich nicht zwingend einen Abzug vom Tabellenlohn
4.5.
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5.
Schliesslich ist anzumerken, dass es der Beschwerdeführerin auch nach diesem
Entscheid unverwehrt bleibt, sich bei der Beschwerdegegnerin zu melden, wenn sie
rechtfertigt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 17. November 2015, 9C_380/2015,
E. 3.2.1 mit Hinweisen; vgl. ferner act. G 4 S. 4), ist im vorliegenden Fall ein solcher
angezeigt. Denn es handelt sich im hier zu beurteilenden Fall nicht um theoretisch
mögliche krankheitsbedingte Absenzen. Vielmehr ist es bei der Beschwerdeführerin
auch in Berücksichtigung des bisherigen Verlaufs medizinisch ausgewiesen, dass mit
Krankheitsschüben und damit einhergehenden vorübergehenden vollen
Arbeitsunfähigkeiten zu rechnen ist (vgl. IV-act. 45 S. 1 und 44 S. 19). Diese
quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit hat im gutachterlich attestierten
medizinischen Zumutbarkeitsprofil noch keine Berücksichtigung gefunden (vgl. IV-
act. 44 S. 19 und 21), weshalb ein Abzug vom statistischen Tabellenlohn vorzunehmen
ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 22. Mai 2018, 8C_179/2018, E. 4.2). Dies gilt
vorliegend umso mehr, als bei der Beschwerdeführerin nicht nur eine quantitative,
sondern auch eine qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliegt (vgl. IV-
act. 44 S. 19 f.). Das von Dr. D._ definierte Zumutbarkeitsprofil schränkt nämlich die
Einsatzmöglichkeiten der Beschwerdeführerin ein. Sie ist nur noch in körperlich leichten
bis gelegentlich mittelschweren, wechselbelastenden beruflichen Tätigkeiten ohne
kraftanfordernde und/oder repetitive manuelle Arbeiten einsetzbar (vgl. IV-act. 44 S.
20). Dazu kommt, dass ein potenzieller Arbeitgeber die Arbeitseinsätze der
Beschwerdeführerin aufgrund des schwankenden und damit unberechenbaren
Krankheitsverlaufs nur schwer planen kann. Auch ist es nicht möglich, die
Beschwerdeführerin bei grösserem Arbeitsanfall kurzfristig aufzubieten oder ihr
Überstunden zuzumuten. Gegenüber gesunden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern
stellt dies einen betriebswirtschaftlichen Nachteil dar, was der Beschwerdeführerin die
Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit weiter erschweren wird. Unter Berücksichtigung
aller aufgezählter Faktoren rechtfertigt sich vorliegend ein Tabellenlohnabzug von 10
bis 15 %. Gründe, die entsprechend dem Antrag der Beschwerdeführerin einen
20%igen Tabellenlohnabzug erforderlich machen würden, sind nicht ersichtlich.
Unter Berücksichtigung des Arbeitsunfähigkeitsgrades von 40 % und eines
Tabellenlohnabzugs von 10 % ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 46 % (= 100 % - 90
% x 60 %). Bei einem Tabellenlohnabzug von 15 % resultiert ein Invaliditätsgrad von
49 % (= 100 % - 85 % x 60 %). Folglich hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch
auf eine Viertelsrente. Diese ist ihr rückwirkend ab dem 1. Mai 2016 auszurichten
(vgl. E. 3).
4.6.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
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St.Galler Gerichte
sich für die Verwertung der ihr verbliebenen Restarbeitsfähigkeit berufliche
Massnahmen wünscht.
6.