Decision ID: 59cd818a-cfc7-5dea-bc8c-ddecc74a5161
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Der 1962 geborene
X._
war seit dem 1. April 2008 als Messebauer bei der
Z._
angestellt und damit bei der
ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG (nachfolgend: ÖKK) im Rahmen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) obligatorisch versichert. Mit Unfallmeldung vom 4. Februar 2011 liess der Versicherte der ÖKK mitteilen, er sei am 7. Dezember 2010 auf einer Leiter ausgerutscht (
Urk.
7/1).
Dabei zog er sich
eine
mediale Meniskusläsion am linken Knie zu (
Urk.
7/2). In der Folge erbrachte die ÖKK die gesetzlich
en Leistungen (vgl.
Urk.
7/6-7)
. Mit Verfügung vom
5.
Oktober 2011
stellte sie dies
e
m
angels
Kausalzusammenhangs
per
2.
Mai 2011
ein (Urk.
7/17).
Die dagegen erhobene Einsprache vom 25. Oktober 2011 (
Urk.
7/21) wies sie mit Entscheid vom 30. November 2011 ab (
Urk.
7/29 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 30. November 2011 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte am
23. Dezember 2011 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen
der obligatorischen Unfallversicherung (
Urk.
1 und
Urk.
3).
Mit Beschwerdeantwort vom 16. Januar 2012 schloss die ÖKK auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6
).
Am 30. Januar 2012 wurde dem Beschwerdeführer das Doppel der Beschwerdeantwort zugestellt
(Urk. 10).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.2
Die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers nach Art. 6
Abs.
1 UVG erstreckt sich auch auf mittelbare b
eziehungsweise
indirekte natürlich kausale Unfallfolgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_335/2012 vom 2
7.
September 2012 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre weitere Leistungspflicht im Zusammen
hang mit dem Unfall vom
7.
Dezember 2010 im Wesentlichen
unter Hinweis auf die medizinische Beurteilung durch
den
Vertrauensarzt
Dr.
med.
A._
mit der Begründung,
die
subchondrale
Knochennekrose am linken Knie sei weder mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis noch auf die nachfol
gende Heilbehandlung zurückzuführen (Urk.
2 und
Urk.
6).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
vom 1
5.
Dezember 2011
auf den Standpunkt,
die nach dem Unfall durchgeführte
Heilbehandlung sei ursächlich für die
linksseitige
subchondrale
N
ekrose
(
Urk.
1 und
Urk.
3).
3.
3.1
Dr.
B._
diagnostizierte anlässlich der Erstbehandlung am
3.
Februar 2011 eine mediale Meniskusläsion am linken Knie
(Bericht vom 2
1.
Februar 2011 [
Urk.
7/2]).
3.2
Am 2
5.
März 2011 erfolgte linksseitig eine
arthroskopische
mediale
Teilmenis
kusentfernung
.
Der Knorpelüberzug am
Femurkondylus
und am
Tibiaplateau
zeigte sich dabei unauffällig (
Urk.
7/5).
3.3
Im MRI des linken Knies vom 2
4.
Juni 2011 war im Vergleich zur MRI-Untersu
c
hung vom 1
0.
Februar 2011 (
Urk.
7/3) eine
subchondrale
Nekrose im medialen
Femurkondylus
zu ersehen (
Urk.
7/12).
3.4
Dr.
A._
äusserte sich am 2
5.
Juli 2011 zur Frage der Unfallkausalität
.
Er führte aus, die
zwei Monate nach dem Unfallereignis durchgeführte
MRI-Un
tersuchung
habe keine Knochenpathologie gezeigt.
Er halte daher einen
natürli
chen Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis vom Dezember 2010 und
der
später aufgetretenen
subchondralen
Knochennekrose
höchstens fü
r möglich (
Urk.
7/13).
Auf Nachf
rage der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/24)
erachtete
er vier Monate später einen
Kausalzusammenhang zwischen der durchgeführten Heilbehand
lung
– d.h. der Kniearthroskopie und der Depotsteroidinfiltration – und
den ge
klagten Beschwerden nicht für möglich.
Zur Begründung führte er an, asepti
sche Knochennekrosen könnten sowohl
atraumatische
wie auch traumatische Ursachen haben. Eine traumatische Genese sei insbesondere bei einer erhöhten Druckeinwirkung respektive einer mechanischen Einwirkung auf das Knochen
gew
ebe
anzunehmen
. E
ine
arthroskopische
Untersuchung respektive eine Be
handlung am Kniegelenk selber
sei jedoch
nicht mit einem derart hohen Druck oder einer stossartigen Belastung der
Knochenstrukturen verbunden.
Denkbar sei noch
– so der Vertrauensarzt weiter – eine
Druckausübung beim Aufklappen des Gelenkes anlässlich eines operativen Eingriffs. Dies könne jedoch vorliegend ausgeschlossen werden, da die Knochennekrose medial liege und auch im medi
alen Kompartiment des Gelenks operiert worden sei. Aus diesem Grund habe während der Operation eine möglichst hochgradige Distraktion und
keine Kom
pression stattgefunden.
Auch die intraartikuläre Steroidinfiltration
könne
als Ursache der beklagten Beschwerden aus
geschlossen werden
,
da
eine
kurzzeitige
Schmerztherapie – wie sie auch beim Beschwerdeführer durchgeführt worden sei – nicht
mit aseptischen Knochennekros
en in Verbindung gebracht werde
(Bericht vom 22.
November 2011 [
Urk.
7/25]).
3.5
Dr.
B._
bejahte
am 1
5.
Dezember 2011
einen Kausalzusammenhang zwi
schen der durchgeführten Arthroskopie und der Knochennekrose aus dreierlei Gründen. So seien
subchondrale
Nekrosen im Zusammenhang mit Arthrosko
pie
n
bekannt und deren Ursache
n
nicht klar
. Ausserdem verspüre der Be
schwerdeführer seit der Arthroskopie auf der medialen Knieseite Beschwerden.
Angesichts
des
„jugendlichen“
Alters des Versicherten sei
überdies
ein
krank
heitsbedingter
Grund der Beschwerden mit an Sicherheit grenzender Wahr
scheinlichkeit ausgeschlossen
(
Urk.
3).
4.
4.1
Beim Unfall vom
7.
Dezember 2010 zog sich der Beschwerdeführer eine mediale Meniskusläsion am linken Knie zu (
Urk.
7/1-2 und
Urk.
7/5
) und die
Beschwer
degegnerin
erbracht in der Folge
zu Recht die gesetzlichen Leistungen (vgl. 7/5-6).
Strittig ist hingegen, ob das betreffende Unfallereignis respektive die an
schliessend durchgeführte Heilbehandlung
– als mittelbare Unfallfolge –
ur
sächlich für die
subchondrale
Knochennekrose am medialen
Femurkondylus
ist
.
Mit der Beschwerdegegnerin ist zu schliessen, dass es sich
bei den geklagten Beschwerden
– auch mangels Brückensymptomen – um
ein neues
Beschwerde
bild
handelt und es deshalb der versicherten Person obliegt, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen der Nekrose und dem Unfall mit dem Beweisgrad der überwiegenden W
ahrscheinlichkeit nachzuweisen (vgl. Ur
teil des Bundesgerichts 8C_113/2010 vom
7.
Juli 2010 E. 2.3).
4.2
Aufgru
nd der Akten ist erstellt, dass
die
subchondrale
Nekrose
erst Monate nach dem
Unfallereignis aufgetreten ist.
Weder bei der MR
I
-Untersuchung des linken Knies am 1
0.
Februar 2011 (
Urk.
7/3) noch beim operativen Eingriff am 25.
März 2011 (
Urk.
7/5) waren entsprechende Anzeichen ersichtlich. Erst an
lässlich der zweiten MR
I
-Untersuchung vom 2
4.
Juni 2011 zeigte sich
eine
Nekrosebildung
(
Urk.
7/12)
und
Dr.
B._
_
diagnostizierte
am 11. Juli 2011 eine postoperative
subchondrale
Nekrose (
Urk.
7/11).
In Übereinstimmung mit der schlüssigen Beurteilung von
Dr.
A._
vom 2
5.
Juli 2011
(
Urk.
7/13) ist aufgrund der dokumentierten Umstände
ein direkter Zusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der linksseitigen
subchondralen
Nekrose im
Femurkon
dylus
nur möglich und
nicht überwiegend wahrscheinlich. Davon scheint auch der Beschwerdeführer auszugehen (vgl.
Urk.
1, 3 und 7/21).
4.3
Eine Leistung
spflicht des
Unfallversicher
ers besteht
dann, wenn zwischen der Knochennekrose und der Heilbehandlung ein natürlicher (und adäquater) Kau
salzusammenhang besteht (vgl. E. 1.2
hievor
). Der Vertrauensarzt
Dr.
A._
legte
diesbezüglich
in seiner Beurteilung vom 2
2.
November
2011 (
Urk.
7/25)
nachvollziehbar
und gestützt auf die medizinische Literatur
dar, weshalb die geklagten Beschwerden nicht überwiegend wahrscheinlich Folge der im An
schluss an das Unfallereignis
vom
Dezember 2010 durchgeführten Heilbehand
lung
darstellen.
In dieser Hinsicht sind die knappen Ausführungen des
Dr.
B._
vom 1
5.
Dezember 2011
(
Urk.
3)
nicht geeignet, die ausführlichen und
substanzi
i
e
rte
n
Darlegungen des Vertrauensarztes zu widerl
egen oder in Zweifel zu ziehen. Insbesondere
fehlt seinem Bericht eine hinreichende
Ausei
n
-
andersetzung
mit dem konkreten Fall des Beschwerdeführers und seine Argu
mentation erschöpft sich im Wesentlichen in der Figur „
post
hoc ergo
propter
hoc“. Dabei wird eine Schädigung bereits deshalb als durch einen Unfall verur
sacht erachtet, weil sie nach diesem aufgetreten ist. Dies genügt indes recht
sprechungsgemäss nicht für die Annahme einer natürlichen Kausalität (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
).
4.4
Nach dem Gesagten ist nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der
subchondralen
Nekrose im me
dialen
Femurkondylus
und de
m
Unfallereignis vom
7.
Dezember 2010
bezie
hungsweise der unfallbedingten Heilbehandlung
besteht. Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer seit dem
2.
Mai 2011 wieder uneingeschränkt
ar
beitsfähig
war und die nachfolgende Arbeitsunfähigkeit
ab 2
1.
Juni 2011 (
Urk.
7/11)
in keinem
rechtsgenüglichen
Zusammenhang zum Unfall steht (vgl. E. 4.2 f
.
hievor
), erweist sich die Leistungseinstellung per
2.
Mai 2011 als rech
tens. Die B
eschwerde ist daher abzuweisen.