Decision ID: 23f8a019-510d-55b3-a1e3-25771e1a004b
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 28.07.2015 Art. 21a ELGDrittauszahlung einer die effektive Prämie übersteigenden Prämienpauschale an die Krankenpflegeversicherung? Interpretation des Art. 21a ELG (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 28. Juli 2015, EL 2014/49).Aufgehoben durch Urteil des Bundesgerichts 9C_581/2015.Entscheid vom 28. Juli 2015BesetzungVizepräsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin ; Gerichtsschreiber Tobias BoltGeschäftsnr.EL 2014/49ParteienA._,Beschwerdeführerin,gegenSozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,GegenstandErgänzungsleistung zur IVSachverhalt
A.
A.a A._ bezieht seit dem August 2007 Ergänzungsleistungen zu einer Rente der
Invalidenversicherung (act. G 5.1.120). Im April 2013 erkundigte sich die EL-
Durchführungsstelle bei der Versicherten, ob deren Sohn nach dem Abschluss des
ersten Schuljahres der Handelsschule (vgl. act. G 5.1.56) und nach der Vollendung des
18. Altersjahres eine weitere Ausbildung absolvieren oder eine Erwerbstätigkeit auf
nehmen werde (act. G 5.1.52). Die Versicherte antwortete im Mai 2013, ihr Sohn werde
nach dem Abschluss des zweiten Semesters der Handelsschule im Juli 2013 sicherlich
nochmals zwei Semester lang die Handelsschule besuchen (act. G 5.1.47). Mit einer
Verfügung vom 28. Juni 2013 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung per 1. August 2013 infolge des Wegfalles des Sohnes aus der
Anspruchsberechnung von 681 Franken auf 621 Franken pro Monat herab
(act. G 5.1.43; vgl. act. G 5.1.55). Offenbar hatte die Ausgleichskasse die Kinderrente
für den Sohn der Versicherten mit einer Verfügung vom 21. Juni 2013 aufgehoben (vgl.
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act. G 5.1.29). Auf eine Einsprache der Versicherten vom 20. August 2013 hin
(act. G 5.1.29), mit der diese einen Praktikumsvertrag für ihren Sohn eingereicht hatte,
widerrief die Ausgleichskasse ihre Einstellung der Kinderrente vom 21. Juni 2013 mit
einer Verfügung vom 4. Oktober 2013 (act. G 5.1.28). In der Folge sah auch die EL-
Durchführungsstelle, die Kenntnis von diesen Vorgängen erhalten hatte, eine Korrektur
ihrer Verfügung vom 28. Juni 2013 vor (act. G 5.1.27), obwohl sie bereits am 1. August
2013 eine Verfügung erlassen hatte (act. G 5.1.30), in der sie den Sohn der
Versicherten ab dem 1. August 2013 offenbar weiterhin als rentenberechtigt qualifiziert,
aber deshalb nicht in die Anspruchsberechnung mit einbezogen hatte, weil die
Vergleichsrechnung ohne Sohn vorteilhafter ausgefallen war. Mit einer Verfügung vom
18. Oktober 2013 setzte die EL-Durchführungsstelle den EL-Anspruch rückwirkend per
1. August 2013 – wiederum – auf 621 Franken pro Monat fest (act. G 5.1.23). Gegen
diese Verfügung erhob die Versicherte am 18. November 2013 eine Einsprache (act.
G 5.1.20). Sie machte geltend, der Praktikumslohn ihres Sohnes würde lediglich die
Verpflegungs- und „Transportkosten“ decken. Sie weigere sich, sich in weitere
Verfahren verstricken zu lassen und bestehe darauf, dass weiterhin die Verfügung vom
28. Dezember 2011 als massgebend erachtet werde. Die EL-Durchführungsstelle bot
der Versicherten am 25. November 2013 ein persönliches Gespräch zur Klärung der
von ihr vermuteten Verständnisprobleme an (act. G 5.1.19). Die Versicherte antwortete
am 4. Dezember 2013, sie sei an einem persönlichen Gespräch nicht interessiert; sie
erwarte eine umgehende Korrektur der Verfügung (act. G 5.1.18).
A.b Mit einer Verfügung vom 27. Dezember 2013 setzte die EL-Durchführungsstelle die
Ergänzungsleistung per 1. Januar 2014 auf 750 Franken herauf (act. G 5.1.16). Laut
dem Berechnungsblatt war diese Ergänzungsleistung neu wieder unter
Berücksichtigung der Einnahmen und Ausgaben des Sohnes berechnet worden, weil
die Vergleichsrechnung mit dem Sohn für die Versicherte nun wieder günstiger
ausgefallen war als die Vergleichsrechnung ohne den Sohn. Der EL-Anspruch
entsprach der Prämienpauschale für die obligatorische Krankenpflegeversicherung für
die Versicherte und ihren Sohn (so genannte Minimalgarantie). Die EL-
Durchführungsstelle ordnete an, dass die Prämienpauschale ab dem 1. Januar 2014
aufgrund einer geänderten gesetzlichen Bestimmung direkt dem zuständigen
Krankenversicherer ausgerichtet werde. Am 27. Januar 2014 erhob die Versicherte eine
Einsprache gegen diese Verfügung (act. G 5.1.12). Sie machte geltend, dass die
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Prämienpauschale weiterhin ihr selbst ausbezahlt werden müsse. Die Berufsauslagen
ihres Sohnes seien gestiegen. Er benötige ein Generalabonnement, das 2’890 Franken
pro Jahr koste. Sie selbst verzichte für das Jahr 2014 auf eine individuelle
Prämienverbilligung. Die EL-Durchführungsstelle forderte die Versicherte am 18. März
2014 auf, eine Lohnabrechnung einzureichen und den Arbeitsort des Sohnes
anzugeben, um die geltend gemachten höheren Berufsauslagen zu belegen
(act. G 5.1.10). Die Versicherte gab am 26. März 2014 an, ihr Sohn besuche die
Handelsschule in B._ und absolviere ein Praktikum in C._. Sie reichte zwei
Lohnabrechnungen ein (act. G 5.1.8 f.). Am 20. Mai 2014 rügte sie die Untätigkeit der
EL-Durchführungsstelle und verlangte einen Entscheid innerhalb der nächsten sieben
Tage (act. G 5.1.6). Am 21. Mai 2014 reichte sie Kopien von Mahnungen der
Krankenpflegeversicherung betreffend Prämienausstände ein und bat die EL-
Durchführungsstelle, umgehend zu reagieren (act. G 5.1.5). Am 27. Mai 2014 reichte sie
eine Kopie eines Lehrvertrages für ihren Sohn ein (act. G 5.1.4). Mit einem Entscheid
vom 2. September 2014 wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache ab
(act. G 5.2.2). Zur Begründung führte sie aus, der jährliche Pauschalbetrag für die
Krankenkassenprämien müsse seit dem 1. Januar 2014 gemäss dem Art. 21a ELG
direkt der Krankenpflegeversicherung ausbezahlt werden. Da die Versicherte nur einen
Anspruch auf die der Prämienpauschale entsprechende Minimalgarantie habe, erhalte
sie keine Ergänzungsleistungen mehr direkt ausbezahlt. Wirtschaftlich werde sie
dadurch aber nicht schlechter gestellt, weil sich ihre Krankenkassenprämien um die
Prämienpauschale reduzierten. Für den Sohn könnten die in den Lohnabrechnungen
ausgewiesenen Sozialversicherungsbeiträge und ein Streckenabonnement für die
Strecke D._ – C._ als Ausgaben anerkannt werden. Insgesamt ergebe sich ein
Ausgabenüberschuss für den Sohn, weshalb er in der Anspruchsberechnung zu
berücksichtigen sei. Dies ändere aber nichts daran, dass lediglich ein Anspruch auf die
Minimalgarantie bestehe.
B.
B.a Am 2. Oktober 2014 erhob die Versicherte (nachfolgend: die Beschwerdeführerin)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 2. September 2014 (act. G 1).
Sie beantragte sinngemäss die Korrektur des Einspracheentscheides und die
Ausrichtung der gesetzlich geschuldeten Ergänzungsleistung sowie die Bestellung
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eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes für das Beschwerdeverfahren. Zur Begründung
führte sie aus, die EL-Durchführungsstelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin)
habe das Gesetz falsch ausgelegt und angewendet. Die direkte Auszahlung der
Prämienpauschale an die Krankenpflegeversicherung sei unrechtmässig. Die
Beschwerdeführerin habe nie ihre Zustimmung zu dieser Direktauszahlung erteilt; sie
sei damit nicht einverstanden.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 4. November 2014 unter Hinweis auf die
Erwägungen im angefochtenen Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 5).
B.c Das Versicherungsgericht bewilligte das Gesuch um einen unentgeltlichen
Rechtsbeistand (act. G 6). Am 25. November 2014 wies sich der Rechtsanwalt Jürg
Grämiger als unentgeltlicher Rechtsbeistand aus (act. G 7). Am 26. Januar 2015 liess
die Beschwerdeführerin ihre Beschwerdeanträge wie folgt erneuern (act. G 11): Es
seien ihr die gesetzlichen Ergänzungsleistungen weiterhin direkt auszubezahlen;
eventualiter sei ihr zumindest der Mehrbetrag der Ergänzungsleistungen nach dem
Abzug der jeweils korrekt zu berechnenden Krankenkassenprämien direkt
auszubezahlen und es sei ihr eine Bestätigung der direkten Bezahlung der
Krankenkassenprämien an die Krankenversicherung zukommen zu lassen. Zur
Begründung führte ihr Rechtsbeistand aus, die effektiven Krankenkassenprämien seien
tiefer als von der Beschwerdegegnerin im Einspracheentscheid festgehalten; sie
betrügen nämlich lediglich 7’750.80 Franken und nicht 9’000 Franken pro Jahr. Folglich
habe die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine die Prämien übersteigende
Ergänzungsleistung. Ihr müsse daher zumindest der Mehrbetrag von momentan
1’249.20 Franken direkt ausbezahlt werden.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 20. Februar 2015 auf eine Duplik, riet der
Beschwerdeführerin aber, direkt mit der Krankenpflegeversicherung zu klären, wie
diese gedenke, den Mehrbetrag im Interesse der Beschwerdeführerin zu verwenden
oder zurückzuerstatten (act. G 13).
B.e Mit einer weiteren Eingabe vom 23. Februar 2015 beantragte die
Beschwerdeführerin die sofortige Bezahlung der Krankenkassenprämien (act. G 14).
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Am 21. April 2015 teilte sie mit, dass sie ihrem Rechtsbeistand die Vollmacht entzogen
habe, weil er sie nur für das Beschwerdeverfahren habe vertreten wollen (act. G 16).
Der Rechtsbeistand bestätigte den Widerruf der Vollmacht am 6. Mai 2015 (act. G 17).
Er ersuchte um die Zustellung des Kostenspruchs betreffend die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung.

Erwägungen:
1. Den Anfechtungsgegenstand dieses Beschwerdeverfahrens bildet der
Einspracheentscheid vom 2. September 2014. Dessen Anfechtungsgegenstand haben
– gemäss dem Rubrum des Einspracheentscheides – die Verfügungen vom 28. Juni
2013, vom 1. August 2013, vom 18. Oktober 2013, vom 27. Dezember 2013 und vom
7. August 2014 gebildet. Die Verfügungen vom 28. Juni 2013 und vom 1. August 2013
sind allerdings durch die Verfügung vom 18. Oktober 2013 ersetzt worden, womit sie
nicht mehr zum Gegenstand des Einspracheverfahrens haben gehören können. Die
Verfügung vom 18. Oktober 2013 hat die Herabsetzung der Ergänzungsleistung per
1. August 2013 als Folge des Umstandes, dass der Sohn der Beschwerdeführerin ab
August 2013 einen Praktikumslohn erzielt hat, zum Gegenstand. Die Verfügung vom
27. Dezember 2013 hat die Erhöhung der Ergänzungsleistung insbesondere infolge der
Anpassung der Prämienpauschale für die obligatorische Krankenpflegeversicherung
und die Anordnung der Drittauszahlung der Prämienpauschale an die
Krankenpflegeversicherung zum Gegenstand. Mit der Verfügung vom 7. August 2014
ist die Ergänzungsleistung an den Wechsel des Sohnes der Beschwerdeführerin vom
Praktikum in eine Berufslehre angepasst worden, wobei sich betraglich nichts geändert
hat. Diese drei Entscheidgegenstände hätten in je einem separaten
Einspracheentscheid behandelt werden müssen, denn sie haben nichts miteinander zu
tun. Weil die Beschwerdegegnerin diese Entscheidgegenstände aber vereint und mit
einem einzelnen Entscheid beurteilt hat, der nun angefochten ist, sind auch in diesem
Beschwerdeverfahren alle diese Entscheidgegenstände zu behandeln.
2. Laut der Verfügung vom 18. Oktober 2013 ist der Sohn der Beschwerdeführerin
über den 31. Juli 2013 hinaus rentenberechtigt geblieben, weshalb er grundsätzlich
auch hätte in die EL-Anspruchsberechnung mit einbezogen werden müssen. Nun sieht
der Art. 9 Abs. 4 ELG aber vor, dass Kinder, deren anrechenbare Einnahmen im Sinne
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des Art. 11 ELG die anerkannten Ausgaben im Sinne des Art. 10 ELG übersteigen, für
die Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung ausser Betracht fallen, das heisst
nicht in die Anspruchsberechnung mit einzubeziehen sind. Die anerkannten Ausgaben
des Sohnes der Beschwerdeführerin sind bis und mit Juli 2013 höher als dessen
anrechenbare Einnahmen gewesen: Die Prämienpauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung hat 1’080 Franken pro Jahr betragen, der Mietzinsanteil ist
auf 7’500 Franken (die Hälfte des Mietzinsmaximums) festzulegen gewesen und für den
allgemeinen Lebensbedarf sind 10’035 Franken zu veranschlagen gewesen, womit sich
die anerkannten Ausgaben für den Sohn der Beschwerdeführerin auf 18’615 Franken
belaufen haben; die Kinderrenten der ersten und der zweiten Säule haben 9’684
Franken (= 6’120 + 3’564 Franken) betragen und die Unterhaltszahlungen haben sich
auf 8’220 Franken belaufen, was dem Sohn der Beschwerdeführerin zuzuordnende
Einnahmen von 17’904 Franken ergibt. Ab August 2013 hat der Sohn der
Beschwerdeführerin einen Praktikumslohn erzielt, der sich auf netto 586.85 Franken
pro Monat belaufen hat (vgl. act. G 5.1.8–5). Folglich haben sich die Einnahmen um
den anrechenbaren Teil (zwei Drittel des 1’500 Franken übersteigenden Lohnes; vgl.
Art. 11 Abs. 1 lit. a ELG) des Praktikumslohnes von jährlich 7’042 Franken (= 12 ×
586.85 Franken), das heisst um 3’695 Franken, erhöht. Ab dem 1. August sind also den
anerkannten Ausgaben für den Sohn der Beschwerdeführerin von 18’615 Franken dem
Sohn der Beschwerdeführerin zuzuordnende Einnahmen von 21’599 Franken (= 17’904
+ 3’695 Franken) gegenüber gestanden. Hätte die Beschwerdegegnerin diese
Positionen bei der EL-Anspruchsberechnung berücksichtigt, hätte sich der gesamte
Ausgabenüberschuss – zum Nachteil der Beschwerdeführerin – um die Differenz dieser
Beträge, also um 2’948 Franken, verringert. Dies hätte den Art. 9 Abs. 4 ELG, der
solche für die EL-Bezüger nachteiligen Ergebnisse verhindern will, verletzt, weshalb die
Beschwerdegegnerin die Ergänzungsleistung zu Recht per 1. August 2013 neu ohne
Berücksichtigung der Ausgaben- und Einnahmenpositionen des Sohnes der
Beschwerdeführerin berechnet hat. Insofern erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid somit als rechtmässig. Ab dem 1. Januar 2014 hat sich die
Prämienpauschale für den Sohn der Beschwerdeführerin erheblich erhöht, weil dieser
im Jahr 2013 das 18. Altersjahr vollendet hatte und folglich nun nicht mehr die
Pauschale für ein Kind, sondern jene für einen so genannt jungen Erwachsenen
anzurechnen gewesen ist (4’332 statt 1’080 Franken). Das hat zur Folge gehabt, dass
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sich der Einnahmenüberschuss des Sohnes von 2’948 Franken in einen
Ausgabenüberschuss von 304 Franken verwandelt hat, womit die Vergleichsrechnung
mit dem Sohn ab dem 1. Januar 2014 wieder günstiger als jene ohne den Sohn
ausgefallen ist. Der Einbezug des Sohnes in die Anspruchsberechnung ab dem
1. Januar 2014 erweist sich damit ebenfalls als rechtmässig. Auch der Betrag der ab
dem 1. Januar 2014 angerechneten Prämienpauschale von 4’668 + 4’332 Franken ist
korrekt (vgl. AS 2013 3553). Falsch ist es dagegen gewesen, die Gewinnungskosten
des Sohnes in der Form der Arbeitswegauslagen per 1. September 2014 neu
festzusetzen. Der Wechsel vom Praktikum in eine Berufslehre ist nämlich nicht nur in
Bezug auf den Lohn (12 × 650 Franken pro Jahr; vgl. act. G 5.1.4–3), sondern auch in
Bezug auf den Arbeitsweg (D._ – C.-_) bedeutungslos gewesen. Hinsichtlich der
Auslagen für die Bewältigung des Arbeitsweges hat sich im September 2014 also
nichts geändert, weshalb ab dem 1. September 2014 keine entsprechende Anpassung
hätte erfolgen dürfen. Richtigerweise hätte die Beschwerdegegnerin diese Anpassung
rückwirkend auf den Beginn des Praktikums vornehmen müssen, was zulässig
gewesen wäre, weil ihre Verfügungen vom 18. Oktober 2013 und vom 27. Dezember
2013 noch nicht in formelle Rechtskraft erwachsen gewesen waren. Die Korrektur
dieses Fehlers hat allerdings keine Auswirkungen auf das Ergebnis, da auch der
entsprechend erhöhte Ausgabenüberschuss immer noch unter der Minimalgarantie
liegt. Im Ergebnis erweisen sich also die von der Beschwerdegegnerin ermittelten
Beträge der Ergänzungsleistung im massgebenden Zeitraum alskorrekt.
3. Die per 1. Januar 2014 angeordnete Drittauszahlung der Prämienpauschale für
die obligatorische Krankenpflegeversicherung ist die Folge des Inkrafttretens des
neuen Art. 21a ELG, der diese Drittauszahlung anordnet. Diese Bestimmung lässt ihrem
Wortlaut zufolge keine Aufteilung des Betrages zu, denn sie ordnet unabhängig davon,
ob die Pauschale die effektive Prämie übersteigt, die Drittauszahlung der gesamten
Prämienpauschale an. Den Materialien lässt sich nicht entnehmen, ob der Gesetzgeber
sich bewusst dafür entschieden hat, eine die effektive Prämienschuld allenfalls
übersteigende Drittauszahlung und damit eine entsprechende „Überentschädigung“
der Krankenpflegeversicherung anzuordnen, oder ob ihm nicht bewusst gewesen ist,
dass die Prämienpauschale im Einzelfall die effektiv geschuldete Prämie übersteigen
kann (vgl. Amtl. Bull. SR 2010 170). Mit dem Verweis auf den – vermeintlich – klaren
Wortlaut des Art. 21a ELG allein kann also die volle Drittauszahlung der
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Prämienpauschale auch in Fällen, in denen diese die effektive Prämienschuld
übersteigt, nicht gerechtfertigt werden, weil sich den Materialien nicht entnehmen lässt,
dass dies tatsächlich der Wille des (historischen) Gesetzgebers gewesen ist. Für die
Beantwortung der Frage, ob gegebenenfalls bloss der der effektiven Prämie
entsprechende Teil der Pauschale der Krankenpflegeversicherung auszubezahlen sei,
erweisen sich somit die systematische und die teleologische Interpretation des Art. 21a
ELG als unabdingbar. In systematischer Hinsicht springt der Verweis auf den Art. 20
ATSG ins Auge. Es stellt sich die Frage, weshalb der Art. 21a ELG als eine Abweichung
vom Art. 20 ATSG zu verstehen sei, der doch ebenfalls unter gewissen
Voraussetzungen eine Drittauszahlung zulässt. Der Grund dafür dürfte der Umstand
sein, dass der Krankenpflegeversicherung die Eigenschaft der potentiellen
Fürsorgepflicht fehlt und sie daher die Voraussetzungen für eine Drittauszahlung
gemäss dem Art. 20 ATSG nicht erfüllt. Folglich muss es sich beim Art. 21a ELG um
eine Parallelnorm zum Art. 20 ATSG handeln, das heisst, der Art. 21a ELG ist keine
eigentliche Abweichung von Art. 20 ATSG, sondern vielmehr eine Ergänzung, indem er
den Kreis der Drittauszahlungsberechtigten für spezifische Sachverhaltskonstellationen
ausdehnt. Das bedeutet, dass der Art. 21a ELG denselben Zweck wie der Art. 20 ATSG
verfolgt, nämlich die Gewährleistung der zweckgemässen Verwendung von
Sozialversicherungsleistungen. Die Abweichung von Art. 20 ATSG beschlägt also bloss
die Voraussetzungen für eine Drittauszahlung, aber nicht auch den vom Art. 20 ATSG
verfolgten Zweck der Sicherstellung der zweckgemässen Verwendung von
Sozialversicherungsleistungen. Ein anderer Zweck, der eine Drittauszahlung von
Sozialversicherungsleistungen rechtfertigen würde, ist denn auch – mit Ausnahme der
koordinationsrechtlichen Zwecksetzung der Drittauszahlung an Bevorschussende –
nicht ersichtlich. Die Sicherstellung der zweckgemässen Verwendung liegt – objektiv
betrachtet – im Interesse der versicherten Person. Für die teleologische Interpretation
bedeutet dies, dass sich eine die effektive Prämienschuld übersteigende
Drittauszahlung nicht rechtfertigen lässt. Wenn es nämlich um die Gewährleistung der
zweckgemässen Verwendung in der Form der Deckung der Prämienforderung geht,
dann deckt dieser Zweck ganz offenkundig nur jenen Teil der Prämienpauschale ab,
der auch tatsächlich nötig ist, um die offene Forderung der Krankenpflegeversicherung
zu decken. Würde man den diesen effektiven Forderungsbetrag übersteigenden Teil
der Prämienpauschale ebenfalls an die Krankenpflegeversicherung überweisen, würde
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diese im für die versicherte Person günstigsten Fall die Differenz bloss wieder der
versicherten Person zurückerstatten, womit sich der „Umweg“ über die
Krankenpflegeversicherung bei der Auszahlung als sinnlos erwiese. Zu einer solchen
Rückerstattung muss es aber nicht zwingend kommen, denn das – für die
Krankenpflegeversicherung nicht massgebende – Ergänzungsleistungsrecht und auch
das ATSG sowie das KVG enthalten keine gesetzliche Pflicht der
Krankenpflegeversicherung, die Differenz der versicherten Person auszubezahlen.
Vielmehr könnte diese geltend machen, sie behalte die Differenz zurück, um sie dann
später mit allfälligen Kostenbeteiligungen zu verrechnen. Dagegen könnte sich die
versicherte Person nicht wehren, denn weder der Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG
betreffend die Rückerstattungspflicht noch die Art. 63 ff. OR betreffend die
ungerechtfertigte Bereicherung böten eine Handhabe, mittels derer die
Krankenpflegeversicherung zur Auszahlung des Differenzbetrages verpflichtet werden
könnte. Die Krankenpflegeversicherung könnte also den die effektive Prämienforderung
übersteigenden Teil der ihr ausbezahlten Prämienpauschale für die Sicherstellung
anderer (zukünftiger) Forderungen als der Prämienforderung einsetzen, ohne dass sich
die versicherte Person dagegen wehren könnte. Dies kann ganz offenkundig nicht vom
Sinn und Zweck des Art. 21a ELG erfasst sein. Teleologisch ist also eindeutig keine
volle Drittauszahlung gerechtfertigt, wenn die Prämienpauschale die effektiv
geschuldete Prämie übersteigt. Entgegen dem Wortlaut des Art. 21a ELG hat die EL-
Durchführungsstelle demnach im Einzelfall nicht nur die Prämienpauschale, sondern
auch die effektiv geschuldete Prämie zu ermitteln und anschliessend bloss den
niedrigeren der beiden Beträge an die Krankenpflegeversicherung direkt
auszubezahlen. Ein allfälliger Restbetrag der Pauschalprämie muss dem
Ergänzungsleistungsbezüger ausbezahlt werden. Das bedeutet, dass die
Beschwerdeführerin im massgebenden Zeitraum allenfalls einen Anspruch auf eine
direkte Auszahlung eines Teils der Minimalgarantie gehabt hat. Die
Beschwerdegegnerin wird dies abzuklären und die Auszahlung der Ergänzungsleistung
für den massgebenden Zeitraum neu zu regeln haben. Dazu ist die Sache an sie
zurückzuweisen.
4. Gerichtskosten sind gemäss dem Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben. Da die
Rückweisung einer Sache zu weiteren Abklärungen rechtsprechungsgemäss
hinsichtlich der Kosten- und der Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen
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der Beschwerde führenden Partei gilt, hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf
eine Parteientschädigung. Obwohl sie das Mandat mit ihrem Rechtsvertreter beendet
hat, ist davon auszugehen, dass dieser ihr seinen Aufwand in Rechnung stellen wird,
was die Zusprache der Parteientschädigung rechtfertigt. Der Aufwand des
Rechtsvertreters ist als deutlich unterdurchschnittlich zu qualifizieren, denn er hat nur
eine Eingabe verfasst und ihm fällt kein Aufwand im Zusammenhang mit der Eröffnung
des Urteils mehr an. Dies rechtfertigt es, die Parteientschädigung pauschal auf 1’500
Franken (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Da die
Beschwerdeführerin ihrem Rechtsbeistand zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung kein Honorar schulden würde, wenn sie unterlegen wäre, liegt
es nahe, die Parteientschädigung direkt dem Rechtsbeistand auszubezahlen, um zu
verhindern, dass die Parteientschädigung von der Beschwerdeführerin allenfalls
zweckentfremdet wird und der Rechtsbeistand dann mit anderen Gläubigern
konkurrieren muss (vgl. Stefan Meichssner, Das Grundrecht auf unentgeltliche
Rechtspflege, 2008, S. 200 f., mit Hinweisen auf die Rechtsprechung und die Lehre).
Die Beschwerdegegnerin wird die Parteientschädigung also direkt dem ehemaligen
Rechtsbeistand der Beschwerdeführerin (Rechtsanwalt Jürg Grämiger, Wil)
auszurichten haben.