Decision ID: 81a136e8-db22-4c0f-a780-d7e688350128
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985, war zuletzt von Mai 2014 bis Juni 2016 als Verkäuferin tätig und meldete sich am
3.
Oktober 2016 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3,
Urk.
9/10
Ziff.
2). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und teilte der Versicherten am 2
8.
Februar 2017 (
Urk.
9/15) und am 2
4.
Mai 2017 (
Urk.
9/18) mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Unter dem Hinweis, dass der Gesund
heitszustand der Versicherten mit einer stationären psychosomatischen Behandlung und anschliessender ambulanter fachpsychiatrischer Therapie während sechs Monaten wesentlich verbessert werden könne, auferlegte die IV-Stelle ihr mit Schreiben vom 2
8.
Juli 2017 eine Schadenminderungspflicht in Form der Durchführung einer Behandlung zur Verbesserung des Gesundheits
zustands (
Urk.
9/22).
Nach Eingang weiterer medizinischer Berichte (
Urk.
9/35,
Urk.
9/37) holte die IV-Stelle bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie, ein psychiatrisches Gutachten ein, welches am 2
2.
August 2018 erstattet wurde (
Urk.
9/45). Am 1
3.
Mai 2019 gewährte sie Kostengutsprache für eine Potenzial
abklärung vom 1
3.
Mai bis
9.
Juni 2019 bei
Z._
(
Urk.
9/49). Mit Mitteilung vom 1
3.
Juni 2019 hielt die IV-Stelle fest, dass zurzeit keine Eingliederungs
massnahmen möglich seien (
Urk.
9/58). Nach Eingang des Abschlussberichts der Potenzialabklärung (
Urk.
9/60) sowie eines aktuellen Berichts des behandelnden Arztes (
Urk.
9/62) holte sie bei
Dr.
Y._
eine erneute Stellungnahme ein, welche dieser am 1
5.
Oktober 2019 erstattete (
Urk.
9/66).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/70,
Urk.
9/72) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügungen vom 1
6.
Januar 2020 ab
1.
April 2017 bis 3
0.
April 2018 eine ganze Invalidenrente und ab Mai 2018 eine
Dreiviertels
rente
zu (
Urk.
9/90,
Urk.
9/96,
Urk.
9/77 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
7.
Februar 2020 Beschwerde gegen die Verfügung
en
vom 1
6.
Januar 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihr auch ab Mai 2018 eine ganze unbefristete Invalidenrente zu gewähren (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Juni 2020 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8).
Mit Gerichtsverfügung vom 2
7.
August 2020 wurde
der Beschwerdeführerin
antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 3) die unentgeltliche Prozessführung
gewährt
und
Rechtsanwältin Anna
Härry
,
schadenanwaelte
AG, als unentgeltliche Rechts
vertreterin
für das vorliegende Verfahren
bestellt
,
sowie ein
zweit
er Schriften
wechsel angeordnet
(
Urk.
10). Mit Replik vom
2.
November 2020 hielt die Beschwerdeführerin vollumfänglich an ihren Anträgen fest (
Urk.
13). Mit Schreiben vom 1
7.
November 2020 (
Urk.
17) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik, was der Beschwerdeführerin am 2
0.
November 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
18).
Mit Beschluss vom
9.
April 2021 (
Urk.
19
) wurde der Beschwerdeführerin Frist angesetzt, um zu der vom
hiesigen G
ericht nicht auszuschliessenden
Aufhebung des verfügten Rentenanspruchs beziehungsweise
der
Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden Abklärung und der damit verbundenen möglichen Abänderung der angefochtenen Verfügung zu ihrem Nachteil (
reformatio
in
peius
) Stellung zu nehmen oder die Beschwerde zurückzuziehen. Mit Stellungnahme vom
3.
Mai 2021
teilte die Beschwerdeführerin mit, dass s
ie an der Beschwerde festhalte (
Urk.
21).
Das Sozialversicherungsgericht ordnete mit Beschluss vom 3
1.
Mai 2021 eine psychiatrische Begutachtung der Beschwerdeführerin an, wobei
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Neurologie
und
für Psychiatrie und Psychotherapie, als Gutachterin in Aussicht genommen wurde
. Des Weiteren
wurde
Rechtsanwältin Anna
Härry
,
schadenanwaelte
AG, per
3.
Mai 2021 als unentgeltliche Rechts
vertreterin der Beschwerdeführerin entlassen
und in Bewilligung des Gesuchs vom
3.
Mai 2021
(vgl.
Urk.
21 S. 1)
neu Rechtsanwältin Jeannine
Käslin
,
schadenanwaelte
AG, als unen
tgeltliche Rechtsvertreterin für
das vorliegende Verfahren bestellt
(
Urk.
24). Die Beschwerdegegnerin teilte mit Eingabe vom 2
1.
Juli 2021 mit, dass sie auf Ergänzungen und Änderungen der Fragestellung verzichte (
Urk.
27). Unter Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin mit Eingabe vom 2
1.
Juli 2021 vorgebrachten Ergänzungsfragen (
Urk.
28) erteilte das Gericht mit Beschluss vom 1
8.
August 2021 den definitiven Gutachtensauftrag (
Urk.
29). Am
8.
Dezember 2021 erstattete
Dr.
A._
ihr Gutachten (
Urk.
34). Mit Eingabe vom
5.
Januar 2022 hielt die Beschwerdeführerin an den gestellten Rechtsbegehren fest (
Urk.
40). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Eingabe vom 1
7.
Januar 2022 auf das Einreichen einer Stellungnahme (
Urk.
41). Mit Gerichtsverfügung vom 2
5.
Januar 2022 wurde die Swiss Life AG zum Prozess beigeladen und den Parteien die Eingaben der Beschwerdeführerin vom
5.
Januar 2022 (
Urk.
40) sowie der Beschwerdegegnerin vom 1
7.
Januar 2022 (
Urk.
41) je zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
43). Mit Schreiben vom
7.
Februar 2022 ver
zichtete die
BVG-Sammelstiftung
Swiss Life
auf eine Stellungnahme (
Urk.
45), was den Parteien mit Gerichtsverfügung vom 1
0.
Februar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
46).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung (BGE 125 V 413 E. 2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2007 vom 27. August 2008 E. 2.3; vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
11 zu Art. 30–31). Rechtsprechungsgemäss bildet eine solche Verfügung insgesamt den Anfechtungs- und Streitgegenstand und unterliegt integral der gerichtlichen Prüfung, selbst wenn nur einzelne Punkte davon bestritten sind (vgl. BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_440/2017 vom 25. Juni 2018 E. 5.1 [in BGE 144 V 153 nicht publiziert] und 9C_50/2011 vom 25. Mai 2011 E. 2.1).
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine abgestufte oder befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Abstufung oder die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blieben. Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Abstufung oder Aufhebung der Rente zu erfassen (BGE 131 V 164 E. 2.2, 125 V 413 E. 2d; Urteile des Bundesgerichts 8C_765/2007 vom 11. Juli 2008 E. 2 und I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen). Dabei ist in anfechtungs- und streit
gegenständlicher Hinsicht irrelevant, ob eine rückwirkende Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente in einer oder in mehreren Ver
fügungen gleichen Datums eröffnet wird (BGE 131 V 164 Regeste; Urteil des Bundesgerichts 8C_489/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 4.1 mit Hinweis).
1
.5
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.6
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der
Begründung zu den
angefochtenen Ver
fügung
en
(
Urk.
2) davon aus,
dass der
Beschwerdeführerin von Februar 2016 bis April 2018 weder ihre bisherige noch eine angepasste Tätigkeit zumutbar gewesen
sei
.
Seit Mai 2018 sei ihr eine angepasste Tätigkeit zu 30
%
zumutbar
(S. 1
).
Aus dem
Einkommensvergleich
resultiere ein
Invaliditätsgrad von 68
%
, weshalb
die Beschwerdeführerin
ab Mai 2018 Anspruch auf ei
ne
Dreiviertelsrente
habe (S. 1 f.
).
Da die Anmeldung zum Leistungsbezug im Oktober 2016 eingegangen sei, seien die Leistungen ab April 2017 auszurichten (S. 2).
Die
Beschwerdeführerin
habe somit
ab
1.
April 2017 bis 3
0.
April 2018 Anspruch auf eine ganze Rente und ab Mai 2018 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
(S. 1).
Mit
Beschwerdeantwort vom 1
8.
Juni 2020 (
Urk.
8)
führte die Beschwerde
gegnerin aus
,
dass
ausdrücklich an der verwertbaren Restarbeitsfähigkeit von 30
%
festgehalten
werde
. Selbst wenn eine Persönlichkeitsakzentuierung gewisse
Schwierigkeiten bei der S
tellens
uche mit sich bringen könne,
verfüge die Beschwerdeführerin auch über Res
sourcen, welche ihr ermöglichen würden
, die attestierte Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwer
ten (S. 1). Ferner sei den qualitativen Einschränkungen in Bezug auf einen leidensbedingten Abzug insofern bereits ausreichend Rechnung getragen worden, als auf den LSE-Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 abgestellt worden sei. Gratifikationen seien zudem nicht mit einem 1
3.
Monatslohn gleichzusetzen.
Eine Gratifikation werde
arbeitsvert
raglich nicht zugesichert, sei
in der Regel vom Geschäftsgang abhängig und w
erde unregelmässig ausgerichtet, weshalb sie nicht
berücksichtigt werden
könne. Es werde daran festgehalten, dass der Beschwerde
führerin mit Wirkung ab April 2017 eine ganze und ab Mai 2018 eine
Drei
viertelsrente
zustehe
(S. 2).
Mit
Eingabe vom 1
7.
Januar 2022
(
Urk.
41) verzichtete die Beschwerdegegnerin
auf das Einreichen einer Stellungnahme
zum Gerichtsgutachten.
2.2
Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (
Urk.
1),
dass
Dr.
Y._
ihre
Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
in seiner jüngsten Stellungnahme
auf 20-30
%
eingeschätzt
habe
. Rechtsprechungsgemäss sei auf den Mittelwert der gutachterlichen Eckdaten abzustellen, sodass für die Annahme einer 30%igen Arbeitsfähigkeit unter diesen Umständen kein Raum bleibe (S. 9
Ziff.
25). Angesichts des massiv eingeschränkten Zumutbarkeitsprofils sei davon auszugehen, dass sie für die Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf ein nicht realistisches Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers angewies
en wäre. Erschwerend hinzu komme vorliegend
das geringe Pensum mit der zusätzlichen Notwendigkeit betriebsüblicher Pausen. Es fehle an einer wirtschaft
lich verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, weshalb eine vollständige Erwerbs
unfähigkeit vorliege, womit ihr auch nach dem
1.
Mai 2018 eine ganze Invalidenrente zustehe (S. 10
Ziff.
27). Des Weiteren erweise sich die Berechnung des
Valideneinkommens
gestützt auf die Lohnangabe im Arbeitgeberfragebogen mit Blick auf den tatsächlichen Verdienst gemäss Lohnausweis 2015 und
den
IK-Auszug als offensichtlich falsch. Auch die Gratifikation hätte beim
Validen
einkommen
berücksichtigt wer
den müssen (S. 11-12
Ziff.
31-32
). Angesichts des massiv eingeschränkten Zumutbarkeitsprofils dränge sich ferner die Gewährung eines leidensbedingten Abzugs auf (S. 12-13
Ziff.
35-36).
Mit Replik
vom
2.
No
vember 2020 (
Urk.
13) führte die Beschwerdeführerin
aus, dass sie unter Berücksichtigung der beträchtlichen psychischen Einschränkungen verglichen mit einem gesunden Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohn
einbusse reale Chancen auf eine Anstellung habe (S. 2
Ziff.
2). Ferner sei die Gratifikation vorliegend regelmässig gewährt worden, weshalb sie zum
Validen
einkommen
hinzuzuzählen sei (S. 3
Ziff.
3). Andernfalls wäre für die Berechnung des
Valideneinkommens
auf den gemäss Lohnstrukturerhebung im Detailhandel durchschnittlich erzielten Lohn abzustellen (S. 3
Ziff.
4).
Im Rahmen der Stellungnahme
vom
5.
Januar 2022
(
Urk.
45) hielt
die Beschwerdeführerin
fest
, dass dem Gerichtsguta
chten volle Beweiskraft zukomme
, weshalb darauf abzustellen sei. Aus den gutachterlichen Schluss
folgerungen erhelle, dass die Beschwerde gutzuheissen, dementsprechend die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihr aufgrund ihrer 100%igen Arbeits
unfähigkeit (sowohl angestammt als auch angepasst) seit 2
3.
März 2016 und der derzeit andauernden fehlenden Zumutbarkeit der Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt auch ab Mai 2018 eine unbefristete ganze Invalidenrente zuzusprechen sei.
2.3
Streitig und zu prüfen ist
die Befristung der ganzen Invalidenrente bis E
nde April 2018
beziehungsw
eise die Herabsetzung auf eine
Dreiv
iertelsrente
.
3.
3.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 2
8.
April 2016 ein psychiatrisches Gutachten
im Auftrag der Krankentaggeldversicherung
(
Urk.
9/9/9-24). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung, gegen
wärtig mittel bis schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2; S. 13
Ziff.
5.1). Aufgrund der schweren depressiven Symptomatik, wohl auch mit ausgelöst durch den Arbeitsplatzkonflikt
,
sei
die
Explorandi
n aktuell nicht arbeitsfähig
. Hier bedürfe es noch einer weiteren Behandlung sowie Therapiezeit (S. 15
Ziff.
3). Die Prognose sei als günstig anzusehen, da sie depressive Episoden immer wieder relativ rasch überwunden habe. Aufgrund der Schwere der jetzigen Erkrankung sei jedoch darauf hinzuweisen, dass bezüglich einer Prognose
verbesserung dringend eine stationäre Behandlung i
n die Wege geleitet werden soll
e. Prognostisch günstig würde sich sicherlich auch die Auflösung des Arbeits
platzkonfliktes auswirken bezi
ehungsweise ein Stellenwechsel
(S. 15-16
Ziff.
7).
3.2
Med.
prac
t
.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte
mit
Bericht
vom 1
8.
Januar 2017 (
Urk.
9/13/1-4) die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11)
-
DD (Differentialdiagnose)
: Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21)
Seit März 2007 sei die Patientin immer wieder wegen depressiven Krisen in Behandlung gewesen (2007-2009, 2011, 2016). Meist habe es sich um eine Erschöpfungsdepression im Zusammenhang mit
unbefriedigenden Arbeits
verhältnissen und Überlastung am Arbeitsplatz gehandelt. Die jetzige Depression habe im Januar 2016 nach einem Unfall mit Verletzung der Halswirbelsäule begonnen. Unter der Behandlung mit Psychotherapie und Antidepressiva habe sich der Zustand in den ersten Wochen wesentlich gebessert, sei dann aber stationär auf dem Niveau einer leichten bis mittelschweren Depression geblieben (
Ziff.
1.4). Als zukünftige Therapien
seien
eine Behandlung in der Tagesklinik und eventuell doch eine stationäre Therapie in einer psychosomatischen Klinik s
owie berufliche Massnahmen zu empfe
hlen (
Ziff.
1.5). In der bisherigen Tätigkeit als Schuhverkäuferin bestehe seit Januar 2016 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.6).
3.3
Die Ärzte der Psychiatrischen Universitätsklinik
E._
, Tagesklinik
F._
, berichteten am 3
0.
Juni 2017 über den Verlauf des teilstationären Aufenthalts seit 2
3.
Januar Juli 2017 (
Urk.
9/21)
,
und nannten die folgenden Diagnosen (
Ziff.
1.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
spezifische (isolierte) Phobien (Klimaanlagen; Verdacht auf ICD- 10 F40.2)
-
selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsakzentuierung
Aufgrund der nach wie vor bestehenden depressiven Symptomatik (Antriebs
losigkeit, schnelle Erschöpfung, Schmerzen, Rückzug und Überforderung) und der verminderten Belastbarkeit werde eine Rentenprüfung empfohlen. Mittel- und langfristig sollten Eingliederungsmassnahmen angestrebt werden (
Ziff.
2.1). Im Rahmen der teilstationären Behandlung habe trotz der nach wie vor bestehenden depressiven Gemütslage eine leichte Stabilisierung des Gesundheitszustands erreicht werden können. Für den weiteren Genesungsprozess erscheine mittel
fristig ein begleiteter Übergang in ein berufliches Reintegrationsprogramm wichtig (
Ziff.
3.3).
3.4
Med.
pract
.
D._
führte in seinem Verlaufsbericht vom
4.
Juli 2017 (
Urk.
9/20) aus, es habe sich während der teilstationären Behandlung in der Tagesklinik keine wesentliche Besserung des Zustands gezeigt (
Ziff.
1.3). Zurzeit könne keine Tätigkeit ausgeübt werden (
Ziff.
2.1). Seiner Ansicht nach sei eine stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Klinik nach wie
vor angezeigt
(
Ziff.
4.1).
3.5
Die Ärzte der
Klinik G._
AG, Privatklinik für Psychiatrie und Psycho
therapie, berichteten am
6.
Dezember 2017 über den stationären Aufenthalt der Versicherten vom
2.
Oktober bis
9.
November 2017 (
Urk.
9/37
/1-4
). Als psychiatrische Diagnosen nannten sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F33.2)
,
sowie einen Verdacht auf einen schädlichen Gebrauch
von
Cannabis (ICD-10 F12.1), DD Abhängigkeit (S. 1).
Die Patientin
sei in stabilem, teilremittiertem Zustand entlassen worden. Es werde die Fortführung und gegebenenfalls Anpassung der etablierten Psychopharmaka-Therapie unter routinemässigen klinischen, labor
chemischen und elektrokardiographischen Verlaufskontrollen sowie die regel
mässige ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Nachbehandlung zum Remissionsausbau und zur Rezidiv-Prophylaxe empfohlen (S. 3).
3.6
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 2
2.
August 2018 ein psychiatrisches Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
9/45).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte er
eine rezidivierende Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F33.10
; S. 17
Ziff.
6
).
Er führte aus, dass
von einem
rezidivierenden Verlauf der depressiven Erkrankung auszugehen
sei
. Bislang sei die Versicherte noch nicht zum Ausgangspunkt zurückgekehrt, den sie vor 2007 gehabt habe (S. 18
unten
).
Klinisch fänden sich
zudem
Hinweise auf eine selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeits
akzentuierung. Die Versicherte erlebe sich als vermindert belastbar. Sie zeige keine Motivation für berufliche Massnahmen im Sinne einer Umschulung zu einer angepassten Tätigkeit. Die Motivation zum Erreichen von beruflichen Zielen und zur beruflichen Leistungserbringung, das Erleben und Umsetzen eigener Ressourcen und die Bereitschaft zur Veränderung seien eingeschränkt. Die Fähig
keit zur Anpassung an Regeln und Routinen und zu ausserberuflichen Aktivitäten sowie die Wegefähigkeit seien nicht beeinträchtigt und
würden
ebenso wie das soziale Netzwerk, die familiäre Unterstützung, das Ausbildungsniveau und die Therapieadhärenz, mobilisierbare Ressourcen dar
stellen
(S. 19-20
Ziff.
7.1).
Aus dem Verlauf sei erkennbar, dass sich depressive Phasen immer wieder im Zusammenhang mit psychosozialen Belastungen entwickelt hätten. Eine stufen
weise Wiedereingliederung in einer angepassten Tätigkeit beginnend mit einem Zeitpensum von 30
%
und einer monatlichen Steigerung um 10
%
bis maximal 50
%
sei erfolgversprechend und medizinisch zumutbar. Die Prognose hänge da
von ab, ob es gelinge
,
die aus dem psychischen Krankheitsbild resultierenden Funktionseinschränkungen
im Rahmen der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung zu überwinden. Da der Verlauf der Erkrankung nicht vorhersehbar sei, könne
k
ein exakter Zeitpunkt für einen versicherungsmedizinisch relevanten Wirkungseintritt festgelegt werden. Eine erneute Beurteilung werde nach einem Jahr leitliniengerechter Therapie empfohlen (S. 20
Ziff.
7.2).
Die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, die Flexibilität/Umstellungsfähigkeit und die Durchhaltefähigkeit seien jeweils mittelgradig, die Kontaktfähigkeit zu Dritten/Selbstbehauptungsfähigkeit sei leicht- bis mittelgradig beeinträchtigt. Die wirtschaftliche Situation (Sozialhilfe) und psychosozialen Belastungen (Arbeitslosigkeit) sowie eine selbstunsicher-ver
meidende Persönlichkeitsakzentuierung seien invaliditätsfremde Faktoren, welche per se nicht zu Krankh
eit und Arbeitsunfähigkeit führ
en
würden
, diese aber auslösen und aufrechterhalten könnten. Demgegenüber seien die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen und zu ausserberuflichen Aktivitäten sowie die Wegefähigkeit nicht beeinträchtigt und
würden
ebenso wie das soziale Netzwerk, die familiäre Unte
rstützung, d
as Ausbildungsniveau und die Therapie
adhärenz, mobilisierbare Ressourcen dar
stellen
. Aufgrund der Beschwerdefreiheit in einem weitgehend selbstbestimmten Alltag sei die subjektive Leistungs
beurteilung durch die Versicherte betreffend eine angepasste Tätigkeit nicht nachvollziehbar, mangelnde Leistungsbereitschaft und Selbstlimitierung seien anzunehmen. Die gutachterliche Konsistenzprüfung habe Hinweise auf nicht im geklagten Umfang vorhandene Funktionsbeeinträchtigung
en
ergeben: Diskrepanzen zwischen schwerer subjektiver Beeinträchtigung und dem psycho
sozialen Funktionsnive
au bei der Alltagsbewältigung. D
iese seien erklärbar durch weitgehende Beschwerdefreiheit bei einem überwiegend selbstbestimm
t
en Alltag. Zusammenfassend ergäben die vorliegenden Befunde bei kritischer Würdigung ein in sich schlüssiges, ko
nsistentes Bild (S. 21
Ziff.
7.3
).
In der angestammten Tätigkeit bestehe seit März 2016 ein
e 100%ige Arbeits
unfähigkeit
(S. 23
Ziff.
8). Von März 2016 bis April 2018 habe auch in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden. Ab Mai 2018 respektive dem Untersuchungstag
liege
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
vor
. Das zeitliche Pensum entspreche dem Rendement. Das positive Leistungsbild umfasse einfache Arbeiten ohne grosse Entscheidungs
kompetenz mit konstanten Arbeitsabläufen, möglichst eigenem Aufgabenbereich, konstanten Arbeitszeiten, ohne Nachtarbeit, ohne Zeit- und Leistungsdruck, mit der Möglichkeit zusätzlicher betriebsunüblicher Pausen, mit der Möglichkeit zu Rückmeldung durch den Arbeitgeber, verlängerter Einarbeitungszeit, mit konstanter sozialer Umgebung, ohne konfliktträchtige soziale Interaktionen, w
ohlwollendem auf sie eingehendem
Umfeld, mit flexiblem Leistungspensum, ohne Verantwortung für Menschen oder Maschinen. Die zusätzlichen betriebs
unüblichen Pausen
würden
sich gegen die Ermüdung während der Arbeits
verrichtung
richten
. Bei Nachlassen der Aufmerksamkeit, der Konzentration, des Planungs- und Handlungsvermögens, des Antriebs und bei Veränderung im Sozialverhalten seien Kurzpausen von 5-10 Minuten Dauer mehrfach täglich erfolgversprechend, um die Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Wenn dieses Leistungsbild im ersten Arbeitsmarkt an einem Nischenarbeitsplatz realisiert wer
den könne, könne die Eingliederung dort erfolgen (S. 23-24
Ziff.
8).
3.7
Med.
pract
.
D._
stellte mit
Bericht vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
9/62)
die folgenden Diagnosen (
Ziff.
2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.10)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0)
-
akzentuierte Persönlichkeit mit abhängigen und emotional instabilen Zügen
Er führte
aus,
dass
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung auf
grund des Verlaufs überdacht werden
müsse
, da der Zustand der Patientin dadurch nicht genügend erklärt werde.
Einerseits sei die schon früher vorhandene Panikstörung immer dominanter geworden, andererseits werde das Bild auch geprägt durch die stark verminderte Belastbarkeit und eine aus
geprägte emotionale Labilität. D
iese erfülle zwar nicht die Kriterien einer
Borderline
störung
, aber doch die einer akzentuierten Persönlichkeit mit abhängigen und emotional instabilen Zügen (
Ziff.
2.2).
Die f
ehlende Energie und Belastbarkeit, emotionale Labilität
sowie die
Panikattacken
würden
eine Arbeitsfähigkeit
ver
hindern
(
Ziff.
3.4). Die bisherige Tätigkeit sei der Patientin nicht zumutbar (
Ziff.
4.1). Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit sei maximal eine Stunde pro Tag zumutbar, was
jedoch
nicht sinnvoll sei (
Ziff.
4.2).
3.8
Am 1
5.
Oktober 2019 erstattete
Dr.
Y._
eine
ergänzende
medizinische Stellungnahme (
Urk.
9/66)
und führte aus, dass die Versicherte in der an
gestammten Tätigkeit weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig sei. In einer angepassten Tätigkeit liege
eine
Arbeitsfähigkeit von 20-30
%
vor. Nach einer Optimierung der Therapie sollte eine Steigerung des Leistungspensums möglich sein,
wobei
eine Neubeurteilung in sechs Monaten empfohlen
werde
(S. 4 oben). Die bisherige psychopharmakologische antidepressive Therapie sei zwar leitliniengerecht, aber noch nicht ausgeschöpft (S. 6 unten). Unter Umständen sei auch eine voll- oder teilstationäre Behandlung sinnvoll und zu empfehlen
, in deren Rahmen eine medikamentöse Optimierung unter klinischen Bedingungen durchgeführt und die Belastbarkeit überprüft und gegebenenfalls gesteigert werden könne
(S. 7).
3.9
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothe
rapie, erstattete am
8.
Dezember
2021 ein psychiatrisches Gutachten
im Auftrag des Gerichts (
Urk.
34
). Sie stützte sich dabei auf die ihr überlassenen
Akten (S. 3
ff.), die An
ga
ben der Beschwerdeführerin (S. 26
ff.) sowie ihre anlässlich der Exploration vom 2
9.
Novem
ber 2021 erhobenen Befunde (S. 51
ff.), und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 62 f.
Ziff.
4.1):
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
Typus (ICD-10 F60.31)
-
ängstlich-vermeidende, selbstunsichere Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6)
-
dependente
/
asthenische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
mit:
-
rezidivierender depressiver Störung, gegenwärtig mittelgradiger bis knapp schwerer depressiver Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11/F33.2)
-
schwerer Panikstörung (ICD-10 F41.01)
-
mittelgradiger bis schwerer Agoraphobie (ICD-10 F40.0)
-
anhaltender somatoformer Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Neurasthenie (ICD-10 F48.0)
-
somatoformer autonomer Funktionsstörung des oberen Verdauungs
systems (ICD-10 F45.31)
-
psychologischen Faktoren oder Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen:
-
Dermatitis
/
Ekzem
/
Akne (ICD-10 F54)
-
nächtlicher Bruxismus (ICD-10 F54)
-
Spannungskopfschmerzen (ICD-10 F54)
-
Störungen durch
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1)
Die Gutachterin
hielt fest
, dass im aktuellen Psychostatus sowohl die inter
aktionelle als auch die
emotionale Ebene auffällig gewesen sei
. In ihrem Inter
aktionsstil
hab
e die Versicherte überrumpelnd-anhänglich, fast devot, zutraulich, dabei zunehmend hilflos, klammernd und ratlos
gewirkt
. Ihre Stimmung und Haltung
sei
aber augenblicklich
geki
ppt
, sobald die Fragen nicht betont empathisch gestellt
worden seien
oder sich die Versicherte offenbar heraus
gefordert und bedrängt
erlebt habe
(S. 58 unten). In ihrem Kommunikationsstil
habe
die Versicherte dazu
tendiert
, sich quasi ausschliesslich aus der Perspektive des Opfers zu erleben. Etwaige Therapieerfahrung, Introspektion, Selbstreflexion, geschweige denn Selbstkritik seien kaum feststellbar
gewesen
. Die Versicherte
habe
aber absolut authentisch, zwar hilflos defizitorientiert, aber genuin in ihrer Ratlos- und Hilflosigkeit
gewirkt
. Es bestünden eindeutige Hinweise auf ein
Borderline
-Strukturniveau mit mittelschwerer bis schwerer Ich-Diffusion, mit ab
solut inkohärentem Selbstbild und ausgeprägter schwarz-weiss Spaltung mit Idealisierung und Entwertung der wichtigen Bezugspersonen ohne
Nuancierung
(S. 59 oben)
.
Im affektiven B
erei
ch sei der Hauptbefund in der Untersuchungssituation ein vor allem sehr schaler Affekt. Autoanamnestisch bestünden
Grübelzwang
, Gedanken
kreisen und Gedankendrängen. Inhaltlich lägen keine etwaigen (depressions-)
typischen Scham-, Schuld- oder Insuffizienzgefühle vor, sondern es imponiere vor allem die Identifikation mit diversen p
sychosomatischen Symptomen, unter anderem
als Schmerz- und Allergiepatientin, wodurch diese Affekte wohl ab
gewehrt würden. Als Aspekt einer eindeutigen depressiven Krankheits
komponente sei eine wohl chronisch mittelgradige Antriebsstörung festzuhalten (S. 59). Es bestünden Ein- und Durchschlafstörungen mit Panik in der Nacht. Auch
Appetenzstörungen
,
Libidoverlust
und üb
erhaupt eingestellte
Sexualität, sozial zunehmender Rückzug sowie
chronisch
latent vorhandene charakterologische Suizidalität würden das Bild einer mindestens mittelgradig, psychometrisch grenzwertig sch
w
eren depressiven Störung vervollständigen. Psychometrisch sei die diffuse Angststörung als mittelgradig und die Panik
störung mit Agoraphobie als mittel- bis
schwergradig
einzustufen (S. 60 oben).
Aus diagnostischer Sicht sei bei den bis in die Kindheit zurück verfolgbaren Auf
fälligkeiten mit gestörter Sozialisierung und Selbstwertproblematik zweifelsohne von einer eigentlichen Störung der Persönlichkeitsentwicklung auszugehen
(S. 60 Mitte). In der gutachterlichen Befunderhebung sei insbesondere eine strukturelle Störung
beziehungsweise ein
Borderline
-
Strukturniveau zu bestätigen, welche
s
in der Feststellung der störungstypischen Identitätsdiffusion beziehungsweise fragilen Ich-Konsistenz mit ungenügend internalisierten Selbst- und Objekt
konzepten, primitiven Abwehrmechanismen, Identitätsunsicherheit sowie gestörter Körper- und Bedürfniswahrnehmung dokumentiert werde. Es seien da
bei die erforderlichen Kriterien der strukturellen
Borderline
/emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom
Borderline
Typus gemäss ICD-10 Kategorie F60.31 erfüllt
(S. 61 oben). Zudem bestehe bei der Versicherten seit der Kindheit eine offensichtliche tiefe Sehnsucht nach
Zuneigung
und
Akzeptiertwerden
, die sie aber als durchgehend frustriert erlebt habe.
Die
ICD-10-Kriterien einer Persönlichkeitsstörung vom ängstlich-vermeidenden, selbstunsicheren Typus ICD-10 F60.6
seien
eindeutig erfüllt (S. 61 Mitte). Die bei der Versicherten hoch
bedeutsame Furch
t
, alleine gelassen beziehungsweise verlassen zu werden und auf sich
selbst
angewiesen zu sein, die Abwesenheit eigener Lebensziele beziehungswese deren implizierte Delegation an andere, die Unfähigkeit, für sich selbst konstruktive Entscheidungen zu treffen sowie die Unfähigkeit, konstruktive eigene Lösungen zu entwickeln beziehungsweise umzusetzen, mit schwerer Ab
hängigkeit und Delegation von Aufgaben an Bezugspersonen
als «Hilfs-Ich»,
seien schliesslich auch einer abhängigen/asthenischen Persönlichkeits
komponente (ICD-10 F60.7) zuzuordnen (S. 61 f.).
Die Panikstörung, Agora
phobie, rezidivierende und heute
chronifizierte
anhaltende depressive Störung sowie die somatoformen und psychosomatischen Störungen beziehungsweise Angst- und Spannungsäquivalenten (Schmerzstörung, somatoforme autonome Funktionsstörungen unter anderem mit Nausea, Ekzeme
n
, Bruxismus) seien als Komorbiditäten in der Persönlichkeitsstörung verwurzelt
(S. 62 oben).
Seit
April 20
16 beziehungsweise seit 2
3.
März 2016
halte
eine schwere Dekompensation der komplexen Persönlichkeitsstörung mit vielschichtiger Komo
rbidität an
. Eine zwischenzeitliche Arbeitsfähigkeit könne seitdem weder in angestammter noch in angepasster Tätigkeit festgestellt werden. Seit April 2016 beziehungswe
i
se seit 2
3.
März 2016 bestehe anhaltend eine 100%ige Arbeits
unfähigkeit in allen Tätigkeitsbereichen der freien Wirtschaft. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
Y._
(vgl. vorstehend E. 3.6 und E. 3.8
) beruhe im Übrigen offensichtlich auf der Annahme einer isoliert auftretenden rein depressiven Störung (und arbeitsmedizinisch nicht relevanten akzentuierten P
er
sönlichkeits
zügen), welche
bei
genauer Betrachtung von Biographie, Krankheits
entwicklung und Psychostatus aus aktueller gutachterlicher Sicht nicht bestätigt werden könne beziehungsweis
e korrigiert werden müsse (S. 64 f.
Ziff.
1-
2).
Die Prognose erscheine
aus aktueller
gutachterlicher Sicht bei der längst schwer konsolidierten Pe
rsönlichkeitsstörung und
den
trotz therapeutischer und
reintegrativer
Anstrengungen
und hochgradigen
Leidensdruck
s nicht angehbaren Komorbiditäten
schwer belastet.
Von definitiver Invalidität sei wohl schon jetzt auszugehen. Die Prognose sei nicht nur aus arbeitsmedizinischer Sicht, sondern insgesamt für die Lebensbewältigung in allen Bereichen sehr belastet. Ein lebens
langes Leiden bei an sich irreparabler schwerer struktureller Persönlichkeits
störung sei vorprogrammiert.
Primär sei
en
aus Behandlungssicht
vor allem Bemühungen
zu empfehlen,
durch pragmatische sozialpsychiatrische
Hilfs
angebote (Tagesstruktur durch geschützte Werkstätte) zumindest die Lebens
qualität der Versicherten zu verbessern (S. 72 f.
Ziff.
4).
4.
4.1
Nach den Richtlinien zur Beweiswürdigung weicht das Gericht
praxisgemäss
nicht ohne zwingende Gründe von Gerichtsgutachten ab (BGE 143 V 269 E. 6.2.3.2, 135 V 465 E. 4.4). Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise widersprüchlich ist
oder
wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu anderen Schlussfolgerungen gelangt. Eine abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegen
sätzliche
Meinungsäusserungen
anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Ober
expertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
; Urteil des Bundesgerichts 8C_487/2020 vom 3. November 2020 E. 4).
4.2
Vorliegend bestehen keine Gründe,
von
der Beurteilung im Gerichtsgutachten ab
zuweichen. Das psychiatrische G
utachten von
Dr.
A._
vom
8.
Dezember 2021 (vgl. vorstehend E. 3.9
) erfüllt die praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert einer ärztlichen
Expertise (vgl. vorstehend E. 1.7
) vollumfänglich. Die
Gutachter
in
hat sich bei
der
Beurteilung an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen der Beschwerde
führerin in Berücksichtigung der einschlägige
n Indikatoren (vorstehend E. 1.5-1.6
) eingeschätzt.
S
ie hat ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt, welche Folge der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind, und ihre versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung ist auf objektivierter Grundlage erfolgt.
Ihre Beurteilung umfasste das ganze Leistungsprofil mit so
wohl negativen als auch positiven Anteilen und ist so verfasst, dass die attestierte Arbeitsunfähigkeit «gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen» (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) abgeleitet wurde
.
Die von der Recht
sprechung zu prüfende Frage, ob sich die Gutachter
in
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägige
n Indikatoren eingeschätzt hat
(BGE 141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach klar zu bejahen.
Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage lassen sich an
hand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit
nachweisen (vgl. vorstehend E. 1.5-1.6
)
.
4.3
Somit ist hinsichtlich der Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit auf die
schlüssigen
Angaben im Gerichtsgutachten abzustellen
,
und der medizinische Sachverhalt ist als dahingehend erstellt zu betrachten
, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund der
komplexen Persönlichkeitsstörung mit
diversen Komorbiditäten seit Apri
l 2016 beziehungsweise seit
2
3.
März 2016 in der bis
herigen Tätigkeit als Verkäuferin sowie in jeder anderen Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht mehr arbeitsfähig
ist
. Gemäss den
überzeugenden
Aus
führungen der Gerichtsgutachterin
bestehen
aktuell
keine
sinnvollen
offenen Behandlungs
optionen
, welche die Arbeitsfähigkeit
beeinflussen könnten.
Sie ging davon aus, dass durch die Weiterführung der bisherigen Behandlungs
massnahmen wahrscheinlich nur
eine Stabilisierung auf tiefem Niveau
erreicht werden könnte
.
Auch
eine konsequente psychopharmakologische T
herapie -
für welche
aufgrund der
mittel- bis
schwergradigen
Depressivität,
schwergradigen
Panikstörung und A
goraphobie
durchaus eine Indikation besteht
-
vermag aus Sicht der Gutachterin keine Steigerung der Arbeitsfähigkeit herbeizuführen.
Primär empfahl
Dr.
A._
sozialpsychiatrische Hilfsangebote (Tagesstruktur durch eine geschützte Werkstätte), um die Lebensqualität der Beschwerdeführerin zu verbessern beziehungsweise ein mögliches Suizidrisiko zu senken (
Urk.
34
S. 70 unten, S. 72 f.
Ziff.
4), was sich in Anbetracht des ausgewiesenen Gesund
heitsschadens als nachvollziehbar erweist.
4.4
Die Gerichtsgutachterin nahm insbesondere auch
eingehend
zum Gutachten von
Dr.
Y._
vom 2
2.
August 2018 (vgl. vorstehend E. 3.6
)
sowie sein
er ergänzenden Beurteilung vom 1
5.
Oktober 2019
(vgl. v
orstehend E. 3.8
) Stellung.
Dr.
Y._
erachtete die Bes
chwerdeführerin aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom
,
in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin
und in einer angepassten Tätigkeit
seit 2
3.
März 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig.
Seit Mai 2018 ging er hingegen in einer ideal dem Leiden angepassten Tätigkeit von einer 20-30%igen Arbeitsfähigkeit aus. Die Gerichtsgutachterin
legte nachvollziehbar dar, dass
den
im Gutachten von
Dr.
Y._
gestellten Diagnosen sowie seinen Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit nicht gefolgt werden kann.
Insbesondere setzte er sich lediglich sehr oberflächlich mit
den für die
psychiatrische
Diagnostik
lege
artis
zu erhebenden
Ebenen auseinander, wie beispielsweise der frühkindlichen Entwicklung,
der
Sozialisierung, dem Umgang mit
peers
,
all
fälligen
Auffälligkeiten der Berufsbiographie sowie Hinweisen auf wieder
kehrende neurotische Konflikthaftigkeit in Beziehungen.
Aus nicht nachvoll
ziehbaren Gründen verzichtete er
im Übrigen
auch auf
einen Medikamenten
serumspiegel und ein Drogenscreening im Urin.
Aufgrund
der
nur
oberflächlichen Anamnese und Befunderhebung
war es
Dr.
Y._
somit nicht möglich,
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
zu
stellen. S
eine Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
beruhte
im Wesentlichen auf der Annahme einer
isoliert auftretenden rein depressiven Störung
, welche
r
insbesondere
bei genauer Betrachtung der Biographie, der Krankheitsentwicklung und des Psychostatus
der Beschwerde
führerin
jedoch
aus aktueller, überzeugend dargelegter
gutachtlicher Sicht
nicht gefolgt werden kann. Des Weiteren ver
mögen sowohl das Gutachten vom 2
2.
August 2018
als auch di
e ergänzende Stellungnahme vom 1
5.
Oktober 2019
den Anforderungen an ein strukturiertes Bewei
sverfahren (vgl. vorstehend E. 1.5-1.6
)
nicht
zu genügen
, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann
(
vgl.
Urk.
34 S. 65
Ziff.
2, S. 77-79).
Insgesamt
wurde im Gerichtsgutachten vom
8.
Dezember 2021
somit nachvoll
ziehbar und überzeugend dargelegt, dass aufgrund des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin keine auf dem ersten Arbeitsmarkt verwertbare Arbeits
fähigkeit mehr vorliegt.
Im Übrigen
ist festzuhalten, dass
die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Stellungnahme zum Gerichtsgutachten
verzichtete
(
vgl.
Urk.
41) und inso
fern
keine Gründe
vorbrachte
, weshalb davon abzuweichen wäre
.
4.5
Zusammenfassend ist gestützt
auf das
beweiskräftige
psychi
atrische Gerichts
gutachten vom
8.
Dezember 2021 (vorstehend E. 3.9
) davon auszugehen, dass die Beschwerdeführer
seit Apr
il 2016 beziehungsweise seit
2
3.
März 2016
sowohl in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin als auch in einer dem Leiden angepassten Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig ist.
Da in medizinischer Hinsicht eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
auf dem ersten Arbeitsmarkt
ausgewiesen
ist, ergibt sich ein Invaliditätsgrad von 100
%
, weshalb vorliegend auf die Vornahme eines Einkommensvergleichs verzichtet werden kann.
Damit hat die Beschwerdeführerin ab
1.
April 2017 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
1’0
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
unterliegenden Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.2
In Bezug auf die Frage nach der Kostentragung des
psychiatrischen
Gerichts
gutachtens
von
Dr.
A._
vom
8.
Dezember 2021
(
vgl. vorstehend E. 3.9
;
Honorarnote,
Urk.
36
; Laborkosten,
Urk.
39) in der Höhe von
Fr.
13'211.20
ist festzuhalten, dass die gerichtlichen Abklärungskosten der Verwaltung auferlegt werden können, wenn ein Zusammenhang zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzu
ordnen, besteht
(BGE 139 V 496 E. 4.4)
. Dies ist unter anderem der Fall, wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige Aspekte unbeantwortet gelassen oder auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140 V 70 E. 6.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung holt die kantonale Beschwerdeinstanz in der Regel ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen medizinischen Sachverhalt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechts
erheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4). Nach Ein
sicht in die Rechtsschriften der Parteien
sowie
die medizinischen Unterlagen, ins
besondere das psychiatrische Gutachten sowie die ergänzende Stellungnahme von
Dr.
Y._
, gelangte das hiesige Gericht mit Beschluss vom 3
1.
Mai 2021 (
Urk.
24)
zur Auffassung
, dass ein psychiat
ri
sches Gutachten einzuholen ist.
Auch die Gerichtsgutachterin gelangte überzeugend zum Schluss, dass das Gutachten von
Dr.
Y._
vom
2
2.
August 2018 (vgl. vorstehend
E. 3.6) sowie seine ergänzende
Stellungnahme
vom 1
5.
Oktober 2019 (vgl. vorstehend E. 3.8)
einige gravierende M
ängel aufwei
sen
und insbesondere den Anforderungen an ein strukturiertes Beweisverfahren nicht zu genügen vermöge
n, weshalb auf die darin
g
estellten Diagnosen sowie die
Schlussfolgerungen zur Arbeitsfähigkeit
nicht ab
gestellt w
erden kann (vgl. vorstehend E. 4.4
).
Für die Beurteilung des
Renten
anspruchs der Beschwerdeführerin
stellte das hiesige Gericht
sodann
letztendlich auf das Gerichtsgutachten
ab.
Damit sind die rechtsprechungsgemässen Anforderungen erfüllt, welche es rechtfertigen, der Beschwerdegegnerin die Kosten für das Gerichtsgutachten sowie die Beantwortung der Rückfragen in der Höhe von i
nsgesamt
Fr.
13'211.20 zu überbinden.
5.3
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird namentlich für unnötigen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Mit Honorarnote vom
2
1.
Februar machte die unentgeltliche Rechtsver
treterin der Beschwerdeführerin
, Rechtsanwältin Jeannine
Käslin
,
schadenanwaelte
AG
,
einen Aufwand
von insgesamt 28.10 Stunden sowie
ei
ne
Auslagenpauschale von 3
%
(zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend (
Urk.
48)
,
was
der Bedeutung
der Streit
sache
und
der
Schwierigkeit
des P
rozesses
nicht angemessen ist
.
Namentlich
die diversen zeitlichen Aufwendungen für
Telefonate und Schreiben
mit der Beschwerdeführerin,
der ehemaligen Arbeitgebe
rin,
dem behandelnden Psychiater
Dr.
D._
und
der Pensionskasse
sowie
der geltend gemachte Auf
wand
im Zusammenhang mit dem
S
tudium
einzelner Aktenstücke
e
rscheinen
deutlich überhöht
.
Insbesondere für die Abklärungen bei der Arbeitgeberin
so
wie
den bei
Dr.
D._
eingeho
lten medizinischen Bericht, welcher im Übrigen nicht zu den Akten gereicht wurde, bestand für
das vorliegende
Verfahren
kein Anlass.
Angesichts der zu studierenden Aktenstücke, des gerechtfertigten Auf
wands sowie mit Blick auf
ähnlich gelagerte Fälle
erweist sich vorliegend ein Aufwand von
12 Stunden
für das
Aktenstudium
und
das
Verfassen der Rechts
schriften
sowie ein Aufwand von 5 Stunden für
weitere Aufwendungen wie
beispielsweise
Korrespondenz
mit der Beschwerdeführerin, weitere Abklärungen und
Eingaben an das Gericht
sowie die Aufwendungen im Zusammenhang
mit dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
als angemessen. Damit beläuft sich der
zu ents
chädigende Gesamtaufwand
der im vorliegenden Ver
fahren als unentgeltliche Rechtsvertreterinnen eingesetzten Rechtsanwältinnen der
schadenanwaelte
AG, Anna
Härry
(bis
3.
Mai 2021) und Jeannine
Käslin
, auf 17 Stunden
. Beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- und einer Spesenpauschale von 3
%
(zuzüglich
MwSt
) ist die Prozessentschädigung
somit auf insgesamt
rund
Fr.
4
'
150
.--
festzusetzen.