Decision ID: 57f87593-6f55-40cf-a446-f45de85d6eb8
Year: 2010
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_003
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

IV-Rente ab 01.02.2005. Zur Klärung des Sachverhalts sei noch ein
medizinisches Gutachten (inkl. Abklärung des psychischen Zustands)
einzuholen. In wirtschaftlicher Beziehung sei das Valideneinkommen zu tief
ausgefallen, falls das Invalideneinkommen nach den Lohnstrukturerhebungen
(LSE) berechnet werde. Überdies sei noch ein Leidensabzug vorzunehmen.
g) Im Bericht vom 02.04.2006 hielt der Hausarzt Dr. ... fest, dass der Versicherte
als Kranführer bleibend 100% arbeitsunfähig seit 10.11.2004 sei. Derzeit sei
er selbst für leichte Arbeiten voll arbeitsunfähig. Die belastungsabhängigen
Dauerschmerzen am rechten Arm seien zunehmend.
h) Mit Einspracheentscheid vom 29.06.2007 teilte die Vorinstanz dem
Versicherten mit, dass das ermittelte Valideneinkommen von Fr. 62'114.--
nicht zu beanstanden sei, weil es dem erzielbaren Jahresverdienst (2005)
beim letzten Arbeitgeber entspreche. Bis zum 01.09.2005 sei der Versicherte
in einer adaptierten Tätigkeit zu 70% arbeitsfähig gewesen, womit auch das
Invalideneinkommen mit Fr. 40'481.60 (laut LSE und ohne Leidensabzug)
nicht unrealistisch hoch bemessen worden sei. Daraus resultiere aber nur ein
IV-Grad von 34.83%, was noch nicht zum Bezug einer Rente berechtige. Für
die Zeit ab 01.09.2005 werde aber noch eine medizinische Begutachtung
durchgeführt bzw. ein Rentenanspruch ab 01.12.2005 geprüft.
i) Im Bericht vom 14./18.09.2007 stellte Dr. ..., Leitender Arzt sowie Oberarzt
Onkologie im Kantonsspital Chur, folgende Diagnose ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit: Angststörung und depressive Symptome. Er stellte
zudem eine verminderte Belastbarkeit mit eingeschränkter Kraft beim rechten
Arm fest. Zur Zumutbarkeit der früheren Tätigkeit (Kranführer/Bauarbeiter) sei
keine Aussage möglich. In der Baubranche sei eine Tätigkeit nur noch
erschwert möglich. In einer adaptierten Tätigkeit (ohne viel Armarbeit) sei er
aber noch ca. 4-5 Std./pro Tag einsatz-/arbeitsfähig. Seit Febr. 2004 seien
jedoch Millimeter grosse intrapulmonale Rundherde bekannt, die in den
letzten drei Jahren leicht angewachsen und metastasenverdächtig seien.
Sofern dies tatsächlich Metastasen sein sollten, läge mit grosser
Wahrscheinlichkeit ein unheilbares Leiden vor und es wäre in den nächsten
Monaten/Jahren mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustands und
allenfalls mit dem Tod des Versicherten zu rechnen.
j) Im Bericht vom 20.10.2007 bestätigte der Hausarzt Dr. ... nochmals, dass der
Patient zu 100% arbeitsunfähig seit 10.11.2004 bis auf weiteres als
Kranführer/Bauarbeiter sei. Die Kraftlosigkeit am rechten Arm sei anhaltend.
Schon bei geringer Belastung träten zunehmend Schmerzen auf, die erst
nach 1-2 Tagen wieder abklängen. Er leide ferner an innerer Unruhe und
Schlaflosigkeit. Es sei ihm keine andere Arbeit mehr zumutbar, da er mit dem
rechten Arm keine repetitiven Bewegungen mehr ausüben könnte. Eine
geeignete Alternativtätigkeit sei deshalb nicht denkbar.
k) Im ABI-Gutachten vom 05.12.2008 wurde die Diagnose eines
neuropathischen Schmerzsyndroms (mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit)
bzw. eine Anpassungsstörung bei Weichteilsarkom, Nikotinkonsum, mit
Lungenrundherden unklarer Ätiologie gestellt. Als zunehmend
unwahrscheinlich wurde das Vorliegen anamnestischer Sarkommetastasen
angesehen, was bereits Dr. .. im Verlaufsbericht vom 19.09.2008 festgestellt
habe. In der bisherigen Tätigkeit als Bauarbeiter und in jeder anderen
schweren bis mittelschweren Tätigkeit wurde dem Versicherten eine 100%-
ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt; in einer adaptierten Tätigkeit (körperlich
leicht, vorwiegend mit linkem Arm, ohne Überkopfarbeiten) sei der Versicherte
seit Juni 2004 (Bestrahlungsabschluss) aber noch zu 70% arbeitsfähig; dies
jeweils ganztags mit erhöhtem Pausenbedarf.
l) Im Attest des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 23.01.2009 hielt
Frau Dr. ... fest, dass sie den Versicherten in der bisherigen Tätigkeit
(Kranführer/Bauarbeiter) zu 100% als arbeitsunfähig einstufe; in einer
leidensangepassten Tätigkeit sei ihm aber noch eine 70%-ige Arbeitsfähigkeit
ab September 2004 (dreimonatige Rekonvaleszenz nach
Bestrahlungsabschluss) zumutbar.
m) Mit Vorbescheid vom 30.01.2009 verneinte die Invalidenversicherung den
Anspruch auf eine Rente, weil der ermittelte IV-Grad dafür zu niedrig sei (70%-
ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit; Valideneinkommen Fr. 62'114.--;
Invalideneinkommen Fr. 40'481.60; IV-Grad 34.83%).
n) Damit konnte sich der Versicherte laut Einwandschreiben vom 12.02.2009
nicht einverstanden erklären. Er stützte sich dabei auf ein Attest des
behandelnden Psychiaters, Dr. ..., vom 06.02.2009, worin ihm eine
Anpassungsstörung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bescheinigt
wurde. Die depressive Symptomatik erhöhe die bisherige Arbeitsunfähigkeit
von 40% auf neu mindestens 50%, wenn nicht sogar auf 60%.
o) Laut Verlaufskontrolle vom 29.09.2009 stellte Dr. ... beim Versicherten eine
fortschreitende, deutliche Vergrösserung der Lungenrundherde
(Grössenprogredienz) fest, weshalb eine Operation zu prüfen sei.
p) Am 01.10.2009 hielt Prof. Dr. ... (vgl. früherer Bericht vom Dez. 2005) noch
fest, dass 3 grössenprogrediente Lungenherde zu entfernen seien. Er
äusserte den Verdacht auf Lungenmetastasen, was für den Versicherten eine
psychische Belastung darstelle.
q) Mit Verfügung vom 05.10.2009 bestätigte die IV (Vorinstanz) den Vorbescheid
vom Januar 2009, wonach keine Rentenberechtigung bestehe. Da eine
Gesundheitsverschlechterung geltend gemacht worden sei, habe für den
Zeitraum vom 01.09.2005 bis 01.12.2005 der Anspruch neu geprüft werden
müssen. Strittig seien die Arbeitsfähigkeit und das festgelegte
Invalideneinkommen geblieben. Die Vorinstanz habe zu Recht auf das ABI-
Gutachten vom Dez. 2008 abgestellt, worin auf eine volle Arbeitsunfähigkeit
als Bauarbeiter/Kranführer bzw. eine Arbeitsfähigkeit von 70% in einer
adaptierten Tätigkeit erkannt worden sei. Was die Kritik der neurologischen
Untersuchung angehe, so könne der Versicherte den rechten Gebrauchsarm
- wenn auch eingeschränkt - durchaus noch verwenden, z.B. zum Autofahren.
Bei der erwähnten „depressiven Symptomatik“ handle es sich lediglich um
eine Anpassungsstörung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Auf die
gegenteilige Meinung des Psychiaters Dr. ... sei nicht abzustellen, zumal die
übereinstimmenden Beurteilungen des ABI und des RAD dadurch nicht
widerlegt oder erschüttert würden. Auf die Einholung eines aktuellen
Abklärungsberichts könne daher ebenfalls verzichtet werden. Der
wirtschaftliche Einkommensvergleich (Valideneinkommen Fr. 62'114.--;
Invalideneinkommen Fr. 40'481.60) sei korrekt und zu Recht ohne
Berücksichtigung eines separaten Leidensabzugs erfolgt, was eben keinen
höheren IV-Grad als 34.83% ergeben habe. Auch liege keine unzulässige
Parallelisierung vor, weil das angenommene Valideneinkommen nur
unwesentlich (7.3%) vom selbst angeführten Einkommen (Fr. 67'028.--)
abweiche. Die Grenze zu einem „deutlich“ unterdurchschnittlichen
Valideneinkommen sei noch nicht erreicht worden. Zudem sei fraglich, ob das
Valideneinkommen im Schnitt mittels der abstrakten Lohnstrukturerhebungen
im Baugewerbe, Niveau 3, hätte ermittelt werden dürfen.
2. Dagegen liess der Versicherte am 27.10.2009 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht erheben, mit den Anträgen um Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und um Zusprechung einer Dreiviertelsrente auf
der Basis eines IV-Grads von 65%. Nicht bestritten werde das
Valideneinkommen (Fr. 62'114.--). Die Schätzung des Invalideneinkommens
sei mit Fr. 40'481.60 aber viel zu optimistisch bzw. viel zu hoch ausgefallen.
Der Beschwerdeführer habe stets körperlich schwere Arbeit verrichtet, könne
nun aber den rechten, dominanten Gebrauchsarm praktisch nicht mehr
einsetzen. Er sei daher faktisch heute einarmig. Er sei auch bei den
adaptierten Tätigkeiten eingeschränkt, da diese im Alltag alle die
Beidhändigkeit voraussetzten. Dem Beschwerdeführer stehe deshalb –
abgesehen von den manuellen und schweren Arbeiten – ebenso auch nicht
der gesamte Fächer an Tätigkeiten offen, welche die Basis für den gewählten
Tabellenlohn gebildet hätten. Als Korrektur müsse deshalb noch ein
beträchtlicher Leidensabzug vorgenommen werden. Laut ABI-Gutachten sei
ein vermehrter Pausenbedarf erstellt. Es sei dann aber realitätsfremd zu
glauben, der Beschwerdeführer könne eine Arbeitsstelle finden, bei der er zu
100% präsent sein müsste (Blockierung Arbeitsplatz/-geräte), aber dabei nur
70% Leistung erbringen könnte. Unter solchen Bedingungen könnte er sicher
nicht 70% des Lohns eines gesunden Mitarbeiters erzielen. Ein potentieller
Arbeitgeber habe erhebliche Nachteile zu gewärtigen, weshalb ein
Leidensabzug von 25% gerechtfertigt wäre. Dazu kämen noch die
psychischen Leiden wegen der fortschreitenden Krebserkrankung mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. In diesem Punkt sei daher auf die
Beurteilung des betreuenden Psychiaters (Dr. ...) abzustellen. Die Depression
sei nicht allein auf den Gebrauchsverlust des rechten Arms, sondern auf die
Angst vor den Metastasen zurückzuführen. Die Gesamtsituation habe sich
aufgrund des jüngsten Krankheitsverlaufs (Lungenmetastasen; häufige CT-
Kontrollen; bevorstehende Operationen) noch weiter verschärft. In einer
adaptierten Tätigkeit, d.h. in einer körperlich leichten Arbeit ohne
Inanspruchnahme des rechten Arms, sei der Beschwerdeführer daher
höchstens noch zu 40-50% arbeitsfähig. Im Zweifelsfall sei dazu noch ein
aktuelles Medizinalgutachten einzuholen und die Sache zu diesem Zweck an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Andernfalls sei von einem
Invalideneinkommen von maximal Fr. 21'686.-- (bei einer Leistungsfähigkeit
von 50% und einem separaten Leidensabzug von 25%) auszugehen, was
zum erwähnten IV-Grad von 65% und zur Bezugsberechtigung einer 3⁄4 -Rente
geführt hätte.
3. In ihrer Vernehmlassung (Beschwerdeantwort) vom 18.11.2009 liess die
Vorinstanz die Abweisung der Beschwerde beantragen. Streitpunkt sei allein
die Rentenfrage mit Wirkung ab 01.12.2005, wobei einzig der sich bis
05.10.2009 (Erlass angefochtene Verfügung) verwirklichte Sachverhalt zu
berücksichtigen sei. Gemäss ABI-Gutachten vom Dez. 2008 habe die
diagnostizierte Anpassungsstörung keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers. Im Gegensatz zum Attest des Psychiaters Dr. ...
handle es sich bei der Beurteilung im ABI-Gutachten um eine objektivierte
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Die Angst des Beschwerdeführers
aufgrund des Tumors am rechten Arm und auf der Lunge sei dem ABI bekannt
gewesen und in die Beurteilung bereits miteinbezogen worden. Eine
Depression sei nirgends diagnostiziert worden. Die Schätzung des ABI und
des RAD (70%-ige Arbeitsfähigkeit ganztags mit verminderter
Leistungsfähigkeit seit Juni 2004) sei deshalb nicht zu beanstanden. Die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Kranführer sei keine körperliche Schwerarbeit
gewesen. Ein weiterer Teilzeitabzug sei nicht gerechtfertigt, da dem
Beschwerdeführer bei ganztägiger Arbeit eine 70%-ige Leistung zuzumuten
sei. Die eingeschränkte Nutzung des rechten Arms sei durch den
grosszügigen Abzug von 30% bereits berücksichtigt worden (Arbeitsfähigkeit
von 70%). Ein potentieller Arbeitgeber müsse mit keinen zusätzlichen
Einbussen rechnen, weshalb auch kein gesonderter Leidensabzug in Frage
käme; zumal ein Teilzeitabzug laut höchstrichterlicher Rechtsprechung auf
Vollzeittätigkeiten mit reduzierter Leistungsfähigkeit nicht anwendbar sei. Eine
derartige Stellenbesetzung sei vielmehr auch für einen potentiellen
Arbeitgeber vorteilhaft, weil er von einer grösseren Flexibilität bei der
Einsatzplanung bei vollzeitlicher Präsenz profitieren könne. Am eruierten IV-
Grad von 34.83% (Valideneinkommen Fr. 62'114.--; Invalideneinkommen Fr.
40'481.57; kein Leidensabzug) gebe es folglich nichts zu rütteln, was den
Bezug einer Rente (mind. 40% IV-Grad) ausschliesse.
4. Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels (mit Replik vom 22.12.2009 und
Duplik vom 11.01.2010) vertieften und bekräftigten die Parteien noch einmal
ausführlich ihre gegensätzlichen Standpunkte, wobei insbesondere die
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers bis zum
Zeitpunkt des massgeblichen Verfügungserlasses (05.10.2009), die
Notwendigkeit eines ärztlichen Obergutachtens über die somatischen
und/oder psychischen Beschwerden als auch im Besonderen die Berechnung
des Invalideneinkommens (mit/ohne Leidensabzug) für die korrekte
Ermittlung des IV-Grads bis zuletzt allseits strittig geblieben sind.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere
Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] und Art. 4
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Bei
erwerbstätigen Versicherten erfolgt die Ermittlung der Invalidität in der Regel
nach der Methode des Einkommensvergleiches (Art. 16 ATSG; Art. 28 Abs. 2
IVG). Bei dieser Methode wird das gegenwärtig trotz Behinderung noch
zumutbare Erwerbseinkommen mit jenem ohne Behinderung verglichen,
wobei die daraus resultierende Differenz in Prozenten den IV-Grad ergibt. Ist
ein Versicherter danach mindestens 40% invalid, so hat er Anspruch auf eine
Viertelsrente, bei mindestens 50% auf eine halbe Rente, bei mindestens 60%
auf eine Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine ganze IV-Rente (Art. 28 Abs.
1 IVG). Für die Festsetzung des IV-Grads kommt es dabei in erster Linie auf
die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und nicht auf die medizinische
Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11, 1982 Nr. 80; BGE 132 V 395 E. 2.1).
Ohne zuverlässige und beweistaugliche Bestimmung der graduellen
Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte als Beurteilungsgrundlage ist eine seriöse
Ermittlung der Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad) jedoch zum Voraus überhaupt
nicht möglich (BGE 125 V 261 E. 4, 122 V 160 f. E. 1c, 115 V 134 E. 2).
2. Gegenstand der Beschwerde bildet vorliegend die Frage, ob der
Beschwerdeführer mit Wirkung ab 01.12.2005 Anspruch auf eine
Invalidenrente hat. Für den Zeitraum vor dem 01.09.2005 verfügte die IV
bereits mit Einspracheentscheid vom 29.06.2007, sodass die hier
angefochtene Verfügung zu Recht nur mehr den darauffolgenden Zeitraum
betrifft (vgl. Art. 88a IVV). Massgebend ist dabei der sich bis zum Zeitpunkt
des Verfügungserlasses am 05.10.2009 verwirklichte Sachverhalt. Eine
möglicherweise erst später eingetretene Verschlechterung des physischen
oder psychischen Gesundheitszustands nach der Lungenoperation am
06.11.2009 kann in diesem Verfahren also nicht mehr berücksichtigt werden,
sondern müsste allenfalls Thema eines neuen Gesuches sein. Die gemäss
Hausarzt Dr. ... seither offenbar bestehende Einschränkung der
Lungenfunktion kann daher hier nicht berücksichtigt werden. Zu prüfen und
zu entscheiden ist aber, ob eine psychische Verschlechterung bereits früher
eingetreten ist. Sowohl im Verlaufsbericht vom 29.09.2009 (Dr. ...) als auch
im Zweitbericht vom 01.10.2009 (Prof. Dr. ...) wurde der Verdacht auf
Lungenmetastasen geäussert. Allerdings bescheinigte Dr. ... dem
Beschwerdeführer darin auch einen unveränderten Allgemeinzustand im
Verlaufe der letzten vier Jahre (2005-2009). Auch Prof. Dr. ... spricht „erst“
bzw. immer noch von einem Verdacht auf Metastasen. Die Lungenrundherde
waren aber bereits seit 2004 (vgl. Bericht Dr. ... vom 14./18.09.2007 sowie
RAD-Bericht vom 23.01.2009) bekannt und wurden wegen
Metastasenverdachtes auch regelmässig fachärztlich untersucht. Diese
Belastungssituation bestand somit schon im Zeitpunkt der ABI-Begutachtung
(Dez. 2008) und wurde dort bereits miteinbezogen. Zum damaligen Zeitpunkt
tendierten die Fachleute aber aufgrund der Grössenkonstanz der
Gewebewucherungen eher zu einer Verneinung von Metastasen. Erst kurz
vor Verfügungserlass am 05.10.2009 hat sich die Situation nach zeitweiliger
Beruhigung wieder verschärft. Der Beschwerdeführer schätzte seine
psychische Befindlichkeit aber schon im Zeitpunkt der Begutachtung als
schlecht ein und schilderte seine grosse Angst vor Metastasen. Bei dieser
Aktenlage ist jedoch davon auszugehen, dass bis Herbst 2009 immer noch
nur die diagnostizierte Anpassungsstörung laut ABI-Gutachten vorgelegen
hat und bis dahin darum keine wesentliche Verschlechterung des
Allgemeinzustands mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eingetreten ist.
Daraus folgt, dass die Vorinstanz in der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu
Recht auf das schlüssige, umfassende und widerspruchsfreie ABI-Gutachten
abstellte, worin der Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit als
Bauarbeiter/Kranführer zu 100% arbeitsunfähig, in einer auf seine Leiden
Rücksicht nehmenden Ersatztätigkeit aber noch zu 70% arbeitsfähig taxiert
wurde. An dieser Beurteilung des ABI vermögen die gegenteiligen
Erkenntnisse und Schlussfolgerungen des aufgesuchten Psychiaters Dr. ...
(Arbeitsunfähigkeit mindestens 50-60% in jeder Tätigkeit) nichts zu ändern,
da seine Darlegungen äusserst knapp und zu vage ausgefallen sind, um das
ABI-Gutachten inhaltlich erschüttern oder gar widerlegen zu können. An der
prinzipiellen Feststellung, wonach der Beschwerdeführer für jede schwere
oder mittelschwere Tätigkeit zu 100% arbeitsunfähig sei; in einer körperlich
leichten, vorwiegend mit dem linken Arm zu bewältigenden Arbeit ohne
Überkopfarbeiten aber noch zu 70% arbeitsfähig sei (ganztags mit erhöhtem
Pausenbedarf), gibt es aus medizinisch-theoretischer Sicht daher nichts zu
korrigieren. Daraus folgt in Bezug auf die Berechnung des
Invalideneinkommens aber ebenso klar, dass die Vorinstanz zu Recht auf die
einschlägigen Lohnstrukturerhebungen, Anforderungsniveau 4, abstellte,
woraus als Ausgangswert für 2005 effektiv ein noch erzielbares
Invalideneinkommen von Fr. 40'481.60 pro Jahr resultiert hätte.
3. a) Zu klären bleibt damit noch die Frage nach der Berechtigung eines allfälligen
Leidensabzugs, der vom ermittelten Invalideneinkommen in Abzug zu bringen
wäre und deshalb für die Höhe des IV-Grads von Bedeutung sein könnte. Ob
ein behinderungsbedingt oder anderweitig begründeter Leidensabzug
vorzunehmen sei, ist eine Rechtsfrage, während jene nach der Höhe des
Abzugs eine typische Ermessensfrage darstellt, deren Beantwortung einer
Korrektur nur mehr dort zugänglich ist, wo das Ermessen rechtsfehlerhaft oder
gar willkürlich ausgeübt wurde (Urteil des Bundesgerichtes vom 06.03.2009
[9C_24/2009] Erw. 1.2; vom 19.08.2008 [9C_189/2008] Erw. 1 am Ende und
BGE 132 V 393 E. 3.3 S. 399). Die Frage, ob und in welchem Ausmass die
Tabellenlöhne für die Ermittlung des Invalideneinkommens herabzusetzen
sind, hängt von allen persönlichen und beruflichen Umständen des konkreten
Einzelfalles ab (leidensbedingte Einschränkung, Alter, Dienstjahre,
Nationalität, Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei kann ein
Leidensabzug von höchstens 25% gestattet werden, um den verschiedenen
Merkmalen – die das Erwerbseinkommen zu beeinflussen vermögen –
Rechnung zu tragen. Ein Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen, sondern
nur dann, wenn im Einzelfall genügend Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
der Versicherte wegen eines oder mehrerer der genannten Merkmale seine
gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt nur noch mit unterdurchschnittlichem Erwerbserfolg verwerten
kann (Urteil des Bundesgerichts vom 15.12.2008 [8C_559/2008] Erw. 5.2 am
Ende; BGE 126 V 75 Erw. 5 b/aa S. 80 und 129 V 472 Erw. 4.2.3 S. 481).
b) Nach Ansicht des Gerichts rechtfertigt sich im konkreten Fall ein
Leidensabzug auf das ermittelte Invalideneinkommen von Fr. 40'481.60. Dies
einerseits deshalb, weil der Beschwerdeführer früher als Gesunder (bis 2004)
körperlich schwere Arbeit leistete und nun bloss noch leichte Arbeiten – meist
gar nur noch „einarmig“ - ausführen kann. Aus den Akten ergibt sich, dass er
zuvor nicht nur als Kranführer, sondern stets auch als Bauarbeiter tätig war,
was bezüglich einer kleineren Bauunternehmung auch der allgemeinen
Lebenserfahrung entspricht. Im Weiteren ist das Berufsfeld, welches dem
Beschwerdeführer noch offen steht – nebst der Einschränkung der
Leistungsfähigkeit von 30% wegen vermehrter Pausen – markant
eingeschränkt. Dabei steht im Vordergrund, dass eine adaptierte
Ersatztätigkeit künftig nur mit dem linken Arm erledigt werden kann. Die
Gebrauchs- und Einsatzfähigkeit des rechtens Arms ist zwar nicht gänzlich,
aber doch beträchtlich eingeschränkt. Dabei ist insbesondere festzustellen,
dass der Gebrauch des rechten Arms jeweils zu einer Zunahme der
Schmerzproblematik geführt hat. Die von der Vorinstanz angeführten
Referenztätigkeiten sind deshalb mit dem Mangel behaftet, dass sie einen
regelmässigen (Mit-) Gebrauch des Zweitarms notwendig machen. Was
andererseits den in den Vorbringen der Parteien thematisierten sogenannten
Teilzeitabzug anbelangt, ist zwar richtig, dass das Bundesgericht im Urteil I
69/2007 vom 2. November 2007 die Praxis begründet hat, wonach ein solcher
Abzug bei Personen mit einer Teilarbeitsfähigkeit, welche jedoch in einem
vollen Pensum tätig sind, grundsätzlich nicht zulässig ist. Eine
Berücksichtigung des Beschäftigungsgrads schloss aber selbst das
Bundesgericht im genannten Urteil nicht kategorisch aus (vgl. auch VGU S 09
49 Erw. 4d). Zur Kritik an dieser Praxis hat das Bundesgericht kürzlich im
Urteil 9C_708/2009 vom 19. November 2009 Stellung genommen. Da es im
konkreten Fall im Ergebnis keine Änderung ergeben hätte, liess es die Frage
einer Änderung der Gerichtspraxis zwar offen. Es bezeichnete indes die Kritik
als berechtigt. Es führte aus, dass es sich nicht zu Ungunsten der betroffenen
versicherten Person auswirken könne, dass die vergleichsweise tiefere
Entlöhnung von Teilzeitarbeit statistisch belegt sei (zuletzt:
Lohnstrukturerhebung (LSE) 06 Tabelle T2* S. 16), solche Angaben in Bezug
auf Vollzeitarbeit bei eingeschränkter Leistungsfähigkeit hingegen fehlten
(Urteil 9C_708/2009 Erw. 2.5.2 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_603/2007
Erw. 4.2.3. vom 8. Januar 2008 sowie Entscheid des Versicherungsgerichts
des Kantons St. Gallen vom 13. August 2009, IV 2007/505). Diese
Ausführungen des Bundesgerichts dürften auch auf den vorliegenden Fall
zutreffen. Unter Würdigung der Gesamtumstände ist das Gericht deshalb
ermessensweise zu einem Leidensabzugs von 20% gelangt (Urteil des
Bundesgerichts vom 6. März 2009 [Proz.-Nr. 9C_24/2009 Erw. 1.2 am Ende).
Rechnerisch führt dies neu zu einem IV-Grad von 47.86% (nicht bloss 34.83%
wie von der Vorinstanz ermittelt), womit der Beschwerdeführer laut Art. 28
Abs. 2 IVG Anspruch auf eine Viertelsrente hat (Differenz: Valideneinkommen
Fr. 62’114.-- und Invalideneinkommen neu Fr. 32'385.30 [Fr. 40'481.60 minus
20% Leidensabzug [Fr. 8'096.30] = IV-Grad 47.86%).
4. a) Die angefochtene Verfügung erweist sich damit nicht als rechtens, was zu
ihrer Aufhebung und zur Gutheissung der Beschwerde im Sinne der
Erwägungen führt. Die Vorinstanz wird demnach verpflichtet, dem
Beschwerdeführer eine IV-Viertelsrente ab dem 01.12.2005 auszurichten.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Kosten von Fr. 700.--
gestützt auf Art. 69 Abs. 1bis IVG vollumfänglich der Vorinstanz auferlegt.
c) Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer zudem aussergerichtlich
angemessen zu entschädigen, was bedeutet, dass sie die laut Honorarnote
vom 12.01.2010 erhobene Entschädigung von Fr. 2'853.80 gestützt auf Art.
61 lit. g ATSG an den anwaltlich vertretenen und obsiegenden
Beschwerdeführer zu bezahlen hat.