Decision ID: 39e050f7-cd11-5516-b0aa-49c15f5ab8dd
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war seit 3. Februar 1997 als Produktionsmitarbeiterin/Glüherin bei der B._
tätig. Nachdem die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis krankheitsbedingt am 20.
Februar 2008 per 31. Mai 2008 aufgelöst hatte (IV-act. 26), meldete sich die Versicherte
am 25. Februar 2008 unter Hinweis auf Rheumatismus an den Muskeln, Sehnen und
Knochen des ganzen Körpers zum Bezug von IV-Leistungen an und beantragte die
Ausrichtung einer Rente (IV-act. 29). Laut Arztzeugnis ihres Hausarztes, Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, war die Versicherte seit 23. August 2007 wegen
Krankheit zu 100% arbeitsunfähig (IV-act. 12). Eine rheumatologische Untersuchung
sowie eine Schultersonographie beidseits, durchgeführt von Dr. med. D._, Leitender
Arzt Medizin, Spital Heiden, ergab laut Arztbericht vom 3. Dezember 2007 als
Diagnosen ein Fibromyalgiesyndrom und eine leichte Bursitis subdeltoidea beidseits.
Aufgrund weiterer medizinischer Abklärungen im Spital Heiden hielt Dr. D._ die
Diagnosen eines alimentären Kalzium- und Vitamin D-Mangels sowie einer
Eisenmangelanämie bei Hypermenorrhoe infolge eines Uterusmyoms fest. Er bestätigte
eine 50%-ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und schätzte die
Arbeitsfähigkeit in einer sitzenden, nicht belastenden Tätigkeit mit Vermeidung von
Überkopfarbeit und Überlastung der Schultern auf mindestens 70% (IV-act. 24, 25). Dr.
C._ hielt in seinem Arztbericht vom 11. März 2008 zu den Untersuchungsergebnissen
von Dr. D._ fest, dass dessen Taxierung von 70% angesichts der
Gesamtproblematik, inklusive auch der Depression, deutlich herabgesetzt werden
müsse. Er befürworte eine korrekte und unparteiische Abklärung durch die
Invalidenversicherung. Dr. C._ bestätigte bis auf weiteres eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 25). Am 5. März 2008 holte die IV-Stelle einen Arztbericht der
die Versicherte seit 8. Januar 2008 behandelnden Psychiaterin, Dr. med. E._, FMH
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Psychiatrie und Psychotherapie, ein. Diese stellte als Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine anhaltende depressive Störung mit im Vordergrund stehenden
generalisierten Schmerzen, Störung der Vitalgefühle, sozialem Rückzug,
Existenzängsten und passiven Gedanken des Lebensüberdrusses (ICD-10 F38.8) sowie
eine andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10
F62.8). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig.
Eine andere Tätigkeit sei ihr nicht zumutbar. Dies lasse sich durch die andauernden
intensiven generalisierten Schmerzen und die darauf folgende chronische depressive
Entwicklung begründen (IV-act. 27). Daraufhin wurde die Versicherte psychiatrisch und
rheumatologisch untersucht und begutachtet; zudem wurde eine Evaluation der
arbeitsbezogenen funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt. Die
psychiatrische Untersuchung erfolgte am 9. Juni 2008 durch Dr. med. F._,
Psychiatrie/Psychotherapie FMH, in der Klinik Teufen (IV-act. 41). Die
rheumatologische Begutachtung und die EFL erfolgten am 19./20. Juni 2008 im
Zentrum für Arbeitsmedizin, Ergonomie und Hygiene AG (AEH; IV-act. 43). Im
bidisziplinären Gutachten vom 3. Oktober 2008 wurden als Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit ein zervikovertebrales Syndrom bei Wirbelsäulenfehlform,
myofaszial betont, sowie eine leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen
(ICD-10 F 32.01) im Rahmen einer Anpassungsstörung, sich schleichend entwickelnd
seit August 2007, bei chronischem Ganzkörperschmerzsyndrom und chronischen
Kopfschmerzen, gestellt. In einer mit der zuletzt ausgeübten vergleichbaren Tätigkeit
sei aus rheumatologischer Sicht medizinisch-theoretisch eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
zumutbar. Eine angepasste, leichte, wechselpositionierte Tätigkeit ohne andauerndes
Sitzen oder Stehen oder länger dauernde statisch-monotone Arbeit auf und über
Schulterhöhe sei der Versicherten aus rheumatologischer Sicht ganztags zumutbar.
Unter Berücksichtigung der psychiatrischen Komorbidität mit einer
Leistungsminderung von 30% betrage die Arbeitsfähigkeit aus interdisziplinärer Sicht
70%. Die Arbeitsunfähigkeit gehe aktenkundig auf den 23. August 2007 zurück. Eine
namhafte Veränderung sei seither nicht dokumentiert. Die Willensanstrengung zur
Überwindung der Schmerzen zur Ausübung einer angepassten 70%igen Tätigkeit sei
aus psychiatrischer Sicht zumutbar (IV-act. 43). Am 9. Oktober 2008 nahm Dr. med.
G._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der
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Invalidenversicherung zur bidisziplinären Begutachtung Stellung. Er erachtete die
Versicherte in einer optimal adaptierten Tätigkeit als zu 100% arbeitsfähig (IV-act. 44).
Mit Schreiben vom 11. Dezember 2008 erklärte die Versicherte gegenüber der IV-
Stelle, dass sie sich wegen ihrer Schmerzen nicht in der Lage fühle, einer Arbeit
nachzugehen (IV-act. 54). Am 3. Januar 2009 nahm Dr. E._ zuhanden der
Rechtsschutzversicherung der Versicherten zur psychiatrischen Begutachtung von Dr.
F._ Stellung (IV-act. 57). Am 8. Januar 2009 teilte die IV-Stelle mit, dass die
Arbeitsvermittlung abgeschlossen werde (IV-act. 56).
B.
B.a Mit Vorbescheid vom 3. April 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (IV-act. 61, 62).
B.b Gegen diesen Vorbescheid liess die Versicherte durch ihre
Rechtsschutzversicherung am 14. Mai 2009 Einwand erheben und die Ausrichtung
einer ganzen IV-Rente beantragen (IV-act. 63). Am 26. Mai 2009 nahm Dr. G._ aus
medizinischer Sicht nochmals zum Einwand der Rechtsschutzversicherung Stellung
(IV-act. 64).
B.c Mit Verfügung vom 27. Mai 2009 entschied die IV-Stelle entsprechend dem
Vorbescheid und lehnte das Rentengesuch der Versicherten ausgehend von einem
Invaliditätsgrad von 14% ab (IV-act. 65).
C.
C.a Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwalt lic. iur. R. Hochreutener,
St. Gallen, für die Versicherte eingereichte Beschwerde vom 2. Juli 2009 mit den
Anträgen, die Verfügung vom 27. Mai 2009 sei aufzuheben und der
Beschwerdeführerin seien die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine Viertelsrente
ab 1. August 2008, auszurichten. Eventualiter sei die Verfügung aufzuheben und die
Streitsache zur Durchführung weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerdegegnerin. Der Beschwerde liegt insbesondere ein Austrittsbericht der
Privatklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Littenheid (nachfolgend Privatklinik
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Littenheid) vom 25. Juni 2009 bei, wo die Beschwerdeführerin vom 2. April bis 25. Juni
2009 hospitalisiert gewesen ist.
C.b In der Beschwerdeantwort vom 17. September 2009 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 27. Oktober 2009 hält der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
an den gestellten Anträgen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die
Einreichung einer Duplik.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen
in den medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
1.1 Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz,
dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4v, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
27. Mai 2009 ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem
Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung
betrifft, über die noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den
allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2007 auf die
damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf die neuen Normen der
5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V 445 ff.; Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007 sozialrechtliche
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Abteilungen des Bundesgerichts] vom 7. Juni 2006 i/S M. [I 428/04] E. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen keine materiellrechtlichen Folgen, da die 5.
IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht hat und da in Bezug auf die Änderung der Bestimmung über den
Rentenbeginn kein sogenannter Altfall vorliegt, weil der konkrete Versicherungsfall, auf
dessen Eintretenszeitpunkt übergangsrechtlich abzustellen ist (vgl. auch das IV-
Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007 des Bundesamtes für
Sozialversicherungen sowie das Bundesgerichtsurteil vom 28. August 2008,
8C_373/2008, Erw. 2.1), nach dem aufgehobenen Recht vor der 5. IV-Revision nicht
vor, sondern erst nach dem 1. Januar 2008 (Arbeitsunfähigkeit erst seit 2007, so dass
das Wartejahr frühestens 2008 erfüllt sein könnte) eingetreten wäre. Gemäss der
Übergangsregelung kommt also Art. 29 Abs. 1 IVG in der geltenden Fassung zur
Anwendung, d.h. ein allfälliger Rentenanspruch würde nicht bereits mit der
Absolvierung des Wartejahres, sondern erst sechs Monate nach der Anmeldung
entstehen.
1.2 Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art.
16 ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
die Beschwerdeführerin nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage
der Bemessung des Invalideneinkommens bilden die Arbeitsfähigkeitsschätzung und
die Umschreibung der trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und
zumutbaren Tätigkeiten. Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit
den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist
(BGE 125 V 261 E. 4).
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1.3 Nach dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz
hat die Behörde den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären,
ohne dabei an die Anträge der Parteien gebunden zu sein. Sie hat aus eigener Initiative
vorzugehen und darf Parteivorbringen nicht mit der Begründung abtun, diese seien
nicht belegt worden (U. Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. 2009, N 9 zu Art. 43 ATSG;
A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Aufl. 2003, S. 348; B. Kupfer Bucher, Das
nichtstreitige Verwaltungsverfahren nach dem ATSG und seine Auswirkungen auf das
AVIG, Diss. Freiburg 2006, S. 117). Die Untersuchungspflicht dauert gemäss Urteil des
Bundesgerichts 9C_288/2008 vom 16. Mai 2008, E. 2, so lange, bis über die für die
Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende Klarheit
besteht (vgl. auch BGE 132 V 368 E. 5 S. 374). Zur Klärung des rechtserheblichen
Sachverhalts sind (weitere) Abklärungsmassnahmen vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn dazu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht, wobei alle Tatsachen
rechterheblich sind, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch
so oder anders zu entscheiden ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts [I 110/07] vom 25.
Juni 2007, E. 4.2.2., mit Hinweisen; BGE 117 V 282 E. 4a S. 282 f.).
2.
Zu prüfen ist vorab, ob die medizinische Aktenlage eine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin erlaubt, von der mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, sie treffe zu. In medizinischer Hinsicht stützte sich
die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom 27. Mai 2009 auf die
bidisziplinäre Abklärung bzw. auf die entsprechende Beurteilung des RAD-Arztes Dr.
G._ vom 9. Oktober 2008 (IV-act. 44). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
erachtet diese nicht als beweistauglich und verweist auf die Beurteilung von Dr. E._
vom 3. Januar 2009 und den Austrittsbericht der Privatklinik Littenheid vom 21. Juni
2009, worin eine ernsthafte Depression belegt sei, welche die Erwerbsfähigkeit der
Beschwerdeführerin wesentlich beeinträchtige.
3.
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Nachdem die Beschwerdeführerin wegen Schmerzen im ganzen Körper seit 23. August
2007 100% arbeitsunfähig gewesen war, wurde sie erstmals am 28. November 2007
durch Dr. D._ rheumatologisch untersucht. Dieser diagnostizierte in den Berichten
vom 3. Dezember 2007 und 21. Januar 2008 eine Fibromyalgie (IV-act. 25). Am
19. März 2008 folgte eine psychiatrische Beurteilung der Beschwerdeführerin durch
Dr. E._, die eine anhaltende depressive Störung mit im Vordergrund stehenden
generalisierten Schmerzen, Störung der Vitalgefühle, sozialem Rückzug, Existenz
ängsten und massiven Gedanken des Lebensüberdrusses (ICD-10 F38.8) sowie eine
andauernde Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10
F62.8) diagnostizierte (IV-act. 27). Zwar handelt es sich bei der Fibromyalgie an sich um
eine rheumatische Erkrankung (vgl. ICD-10 M79.0), doch weist sie auch eine
psychische Komponente auf. Da sie angesichts ihrer unklaren Ursachen kaum der
Kategorie der psychischen oder psychosomatischen Leiden oder gar der organischen
Krankheiten zugerechnet werden kann, geht die allgemeine Tendenz in der
Wissenschaft dahin, eine Kombination der beiden Elemente anzunehmen, wobei
allerdings die psychosomatische Komponente überwiegt (BGE 132 V 65 ff. E. 3.3 [=
Praxis 2007 Nr. 38 S. 232 ff.] mit Hinweisen). In Anbetracht der konkreten Sachlage
wurde bei der Beschwerdeführerin in der Folge eine bidisziplinäre Begutachtung -
psychiatrisch und rheumatologisch - durchgeführt. Anlässlich der AEH-Begutachtung
vom 19./20. Juni 2008 klagte die Beschwerdeführerin über Ganzkörperschmerzen und
über deutlich im Vordergrund stehende Nackenschmerzen, die bei höherer Intensität zu
den Armen, zur Brust, zum Rücken und von dort zum Becken und in den ganzen
Körper ausstrahlten. Im AEH-Gutachten vom 3. Oktober 2008 wurde ein
zervikovertebrales Syndrom diagnostiziert, wobei zudem auf eine radiologisch
objektivierte Wirbelsäulenfehlform im Bereich der BWS im Sinn einer thorakalen partiell
fixierten Hyperkyphose, leichten Beweglichkeitseinschränkungen im
Halswirbelsäulenbereich und im Bereich der Schulter, hingewiesen wurde. Von
rheumatischer Seite ist dem bidisziplinären AEH-Gutachten zu entnehmen, dass die für
die Klassifizierung als Fibromyalgiesyndrom notwendige Anzahl Tenderpoints bei
gleichzeitig positiven Kontrollpunkten nicht erreicht worden sei. Somit müsse
terminologisch von einem Ganzkörperschmerzsyndrom gesprochen werden, wobei
eine Abgrenzung zu einem Fibromyalgiesyndrom letztlich hypothetisch sei. Die AEH
hielt sodann in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit fest, dass rein theoretisch nichts gegen
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eine leichte, wechselbelastende Arbeit spreche. Der Beschwerdeführerin sei eine
angepasste leichte wechselpositionierte Tätigkeit ohne andauerndes Sitzen oder
Stehen und ohne länger dauernde statisch-monotone Arbeit auf und über Schulterhöhe
aus rein rheumatologischer Sicht zumutbar. Diese Schlussfolgerung aus somatischer
Sicht erscheint schlüssig und überzeugend. Es ist nachvollziehbar, dass die wenig
ausgeprägten Beeinträchtigungen am Bewegungsapparat keine quantitative
(eingeschränkter Arbeitsfähigkeitsgrad), sondern lediglich eine qualitative
Einschränkung (angepasste Tätigkeit) der zumutbaren Arbeitsfähigkeit bewirken. Die
Schlussfolgerung aus somatischer Sicht blieb von beschwerdeführender Seite auch
unbestritten. Laut Roche Lexikon Medizin (5. Aufl. München 2003, S. 1791) handelt es
sich bei einem Syndrom um ein sich stets mit etwa den gleichen Krankheitszeichen,
d.h. einer Symptomatik mit weitgehend identischem "Symptommuster"
manifestierendes Krankheitsbild mit unbekannter, vieldeutiger, durch vielfältige
Ursachen bedingter oder nur teilweise bekannter Ätiogenese. Insofern wird von den
Ärzten mit der fraglichen Diagnose im Regelfall das Beschwerdebild fassbar gemacht,
ohne es dabei eindeutig einem organischen Korrelat zuzuordnen. Weil im AEH-
Gutachten gesagt wird, das Beschwerdebild lasse sich zum heutigen Zeitpunkt
adäquater unter der psychiatrischen Diagnose einordnen, liegt im konkreten Fall eine
bidisziplinäre Begutachtung vor, in welcher das Hauptgewicht zu Recht auf die
psychiatrische Sichtweise gelegt wurde.
4.
Streitig und zu prüfen ist somit im Folgenden, ob bei der Beschwerdeführerin eine
psychische Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
vorliegt.
4.1 Dr. F._ diagnostizierte im psychiatrischen Teilgutachten vom 2. Juli 2008 eine
leichte depressive Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F32.01) im Rahmen
einer Anpassungsstörung, sich schleichend entwickelnd seit August 2007. Die
Beschwerdeführerin sei durch Familie und Beruf über Jahre der Doppelbelastung und
am Arbeitsplatz physischen (schwere körperliche Arbeiten, meistens Nachtschichten)
und emotionalen Belastungen (schwere zwischenmenschliche Konflikte am
Arbeitsplatz) ausgesetzt gewesen. Infolgedessen sei es in den letzten Jahren zu einer
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zunehmenden psycho-physischen Erschöpfung gekommen, wodurch sich einerseits
die Burnout-Symptomatik und andererseits aufgrund der Anspannungen und
muskulären Verspannungen die Fibromyalgieschmerzen entwickelt hätten. Die
Beschwerdeführerin habe im Rahmen ihrer Persönlichkeitsdefizite (Ängstlichkeit und
Vermeidungsverhalten) offensichtlich eine starke Abgrenzungsproblematik, und die
geplante Rückkehr ins Heimatland sei nichts anderes als eine Flucht vor den Gefühlen,
dem Leben in der Schweiz ausgeliefert zu sein. Die psycho-physische Dekompensation
im August 2007 sei auf eine massive emotionale, intellektuelle und körperliche
Überforderung zurückzuführen. Nach dem Verlust der Tagesstruktur sei es zur
Verstärkung der Opferrolle bzw. zu einem regressiven Verhalten gekommen, womit die
Entwicklung einer Depression sowie eine Schmerzzunahme vorprogrammiert gewesen
seien. Während der Exploration vom 9. Juni 2008 habe die Beschwerdeführerin in
psychopathologischer Hinsicht leichte Konzentrationsstörungen, leichte formale
Denkstörungen, eine leichte Deprimiertheit, Ängste, leichte Antriebsstörungen sowie
eine reduzierte psychische Belastbarkeit aufgewiesen. Diese psychopathologischen
Befunde (ergänzt durch die anamnestischen Angaben) erfüllten die Kriterien einer
leichten depressiven Episode mit somatischen Symptomen. Die Diagnose von Dr.
E._ könne nicht mit Sicherheit verneint, aber auch nicht bestätigt werden, weil
einerseits die beschriebenen Symptome mit dem klinischen Bild übereinstimmten,
andererseits jedoch die anhaltende depressive Störung mindestens mehrere Jahre
dauern sollte. Bei der Beschwerdeführerin seien die depressiven Symptome seit
Sommer 2007 bekannt. Es sei nicht ausgeschlossen, dass im Verlauf eine Dysthymia
festgestellt werden könne. In Bezug auf die Diagnose einer andauernden
Persönlichkeitsänderung bei chronischen Schmerzen könne ebenfalls über eine
mögliche Entwicklung gesprochen werden, sodass diese Diagnose vermutet werden
könne. Für eine andauernde Persönlichkeitsänderung müssten die Symptome über
mindestens zwei Jahre andauern. Diese Diagnose könne folglich erst im Verlauf
verneint oder bestätigt werden. Zusammenfassend leide die Beschwerdeführerin seit
Sommer 2007 unter einer sich schleichend entwickelnden depressiven Episode mit
somatischen Symptomen im Rahmen der zunehmenden psychosomatischen
Erschöpfung seit 2005 (IV-act. 41).
4.2 Die von Dr. F._ gestellte Diagnose einer depressiven Episode erscheint
zunächst - zumindest in Bezug auf den Zeitpunkt seiner Beurteilung - schlüssig und
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nachvollziehbar. Während er rund elf Monate nach Eintritt der 100%igen
Arbeitsunfähigkeit (23. August 2007) von einer depressiven Episode sprach, ging Dr.
E._ bereits rund sieben Monate nach dem fraglichen Zeitpunkt von einer anhaltenden
depressiven Störung aus. Episode ist die Bezeichnung für eine vorübergehende,
rückbildungsfähige psychische Störung (Dorsch, Psychologisches Wörterbuch, 14.
Aufl. Bern 2004, S. 257). Bei der von Dr. F._ angeführten, im Verlauf nicht
ausgeschlossenen Dysthymia als chronischer Unterform einer depressiven
Verstimmung sowie der anhaltenden depressiven Störung müssen jedoch die
Symptome längere Zeit, mindestens zwei Jahre lang, andauern (vgl. dazu Pschyrembel,
Klinisches Wörterbuch 2011, S. 518). Dr. F._ machte nun aber in seinen
Ausführungen deutlich, dass er im Zeitpunkt seiner Beurteilung von einem labilen, im
Fluss stehenden Krankheitsgeschehen ausging. Er konnte nicht sagen, ob die
Diagnose von Dr. E._ zutrifft oder eines Tages zutreffen wird. Insofern gab er selber
zu erkennen, dass seine Arbeitsfähigkeitsschätzung nicht auf einer abschliessenden
Begutachtung beruht, sondern als blosse Verlaufsbeurteilung zu betrachten ist. Die
Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung beurteilt sich sodann nach ständiger
Rechtsprechung in der Regel nach dem Sachverhalt, der bis zum Zeitpunkt des
Verfügungserlasses (27. Mai 2009) eingetreten war (BGE 132 V 215 E. 3.1.1, BGE 129 V
4 E. 1.2, 129 V 169 E. 1 und 121 V 366 E. 1b, je mit Hinweisen). Die vorliegende
medizinische Aktenlage enthält gerade massgebende Hinweise, welche den von Dr.
F._ beschriebenen labilen Gesundheitszustand bestätigen. Der Gesundheitszustand
der Beschwerdeführerin scheint sich bis zum Verfügungserlass geändert bzw.
verschlechtert zu haben, womit die Begutachtung von Dr. F._ im damaligen
Zeitpunkt als Momentaufnahme zu betrachten ist, welche für den weiteren
Krankheitsverlauf nur eingeschränkt aussagekräftig sein kann. Dr. E._ teilte dann der
Rechtsschutzversicherung der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 3. Januar 2009
auch mit, dass die Intensität der Konsultationen auf Wunsch der Beschwerdeführerin
und wegen einer Verschlechterung des psychischen Zustands seit Dezember 2008
habe erhöht werden müssen. Klinisch imponiere weiterhin eine zunehmende
depressive Entwicklung mit intensiven und andauernden generalisierten Schmerzen,
psychomotorischer Hemmung, Anhedonie, Insuffizienzerleben, Existenzängsten,
Isolationstendenz, Schlafstörungen und Libidoverlust. Die Beschwerdeführerin sei
gegenwärtig als mittelschwer depressiv zu beurteilen und ihr Zustand sei als
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weitgehend chronifiziert zu betrachten (IV-act. 57). RAD-Arzt Dr. G._ vermochte in
seiner Beurteilung vom 26. Mai 2009 die von Dr. E._ beschriebene Verschlechterung
nicht nachzuvollziehen. Die in der ICD-10 beschriebenen Kriterien für eine mittelgradige
depressive Episode seien im vorliegenden Fall nicht erfüllt. Der aufgeführte
Psychostatus unterscheide sich nicht grundsätzlich von demjenigen, wie ihn von Dr.
F._ beschrieben habe (IV-act. 64). Abgesehen davon, dass sich diese letzte Aussage
jedoch nicht ohne weiteres bestätigen lässt, ist festzuhalten, dass Dr. E._ die
Beschwerdeführerin wegen der andauernden depressiven Entwicklung vor dem
Hintergrund eines Schmerzsyndroms der Privatklinik Littenheid zuweisen musste. Laut
dem Austrittsbericht vom 25. Juni 2009 war die Beschwerdeführerin dort vom 2. April
bis zum 26. Juni 2009 hospitalisiert. Als Austrittsdiagnosen wurden eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
(ICD-10 F33.11), sowie eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) festgehalten.
Die Privatklinik sprach also noch nicht ganz zwei Jahre nach Eintritt der
Arbeitsunfähigkeit immer noch von einer depressiven Episode, stufte diese jedoch in
Übereinstimmung mit Dr. E._ ebenfalls als mittelgradig ein (IV-act. 76). Insofern
vermag auch die Stellungnahme von Dr. G._ nicht zu überzeugen. Immerhin befand
sich die Beschwerdeführerin rund drei Monate in der Privatklinik Littenheid. Dort wurde
sie umfassend untersucht und therapiert, womit der dort gestellten Diagnose - die das
Fortbestehen und die Verschlechterung der psychischen Gesundheitsschädigung
aufzeigt - ein massgebender Beweiswert zukommt. Die Feststellungen, dass insgesamt
ein positiver Verlauf mit deutlicher Stimmungsaufhellung, einer Aktivierung mit
Verringerung des Schon- und Rückzugsverhaltens sowie einem vollständigen
Rückgang der bei Eintritt ständig vorhandenen passiven Suizidalität festgehalten
werden könne, spricht nicht ohne weiteres gegen eine Veränderung des Schweregrads
der Depression. Angesichts der im Gutachten von Dr. F._ geschilderten
Krankheitsentwicklung (S. 6 Ziff. 3.6) stellt sich auch die Frage, ob im
Verfügungszeitpunkt die von Dr. E._ vertretene Chronifizierung der Depression nicht
bereits eingetreten war. Laut Angaben der Beschwerdeführerin traten erste
Beschwerden mit Müdigkeit und Erschöpfung bereits anfangs 2005 auf (vgl. auch IV-
act. 27) und Dr. F._ sprach von einer zunehmenden psychophysischen Erschöpfung
seit 2005. - Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass in Bezug auf die Diagnose
im Zeitpunkt des Verfügungserlasses noch kein Sachverhalt ausgewiesen war, von
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dem mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen gewesen wäre, er treffe zu.
Möglicherweise bestand im Verfügungszeitpunkt ein stationärer Gesundheitszustand.
Ebensogut könnte aber ein sich noch in Entwicklung befindlicher Gesundheitszustand
vorgelegen haben. Anhand der Akten konnte dazu keine überwiegend wahrscheinlich
richtige Aussage gemacht werden, womit von ärztlicher Seite auch die Frage nach der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit nicht abschliessend beantwortet werden
konnte. Die Beschwerdegegnerin hat demzufolge gestützt auf einen nicht ausreichend
abgeklärten Sachverhalt verfügt.
4.3
4.3.1 Letztlich besteht jedoch auch hinsichtlich des Arbeitsfähigkeitsgrads an
sich keine schlüssige medizinische Aktenlage. Bereits die Beurteilungen der
Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die Diagnose einer leichten depressiven Episode zeigen
sich widersprüchlich, womit sie auch keine massgebende Grundlage für eine allfällige
Arbeitsfähigkeitsschätzung bei Vorliegen einer mittelgradigen depressiven Episode zu
bilden vermögen. Laut Gutachten von Dr. F._ ist der Beschwerdeführerin aufgrund
der aktuellen psychopathologischen Befunde aus psychosomatischer Sicht (leichte
depressive Episode, diffuse Fibromyalgieschmerzen, psycho-physische Erschöpfung)
eine 30%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. Diese sei auf leichte
Konzentrationsstörungen, leichte Antriebsstörungen, leichte formale Denkstörungen
sowie auf eine leicht reduzierte psychische Belastbarkeit und psycho-physische
Erschöpfung zurückzuführen. Für adaptierte Tätigkeiten sei die Beschwerdeführerin
70% arbeitsfähig. Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Konzentration und
Eigeninitiative seien ihr nicht zu empfehlen. Wegen einer Abgrenzungsproblematik
brauche sie eine wohlwollende Umgebung und Respekt sowohl von den Vorgesetzen
als auch von den Mitarbeitern (IV-act. 41). Dr. G._ gab in seiner Beurteilung vom 9.
Oktober 2008 an, er könne sich der gutachterlichen Einschätzung nur bedingt
anschliessen. Es sei schwer verständlich, weshalb eine leichte depressive Episode mit
den angeführten Einschränkungen eine derart hohe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
bewirken solle. Bei der von Dr. F._ beschriebenen leidensangepassten Tätigkeit
handle es sich nicht um eine optimal adaptierte Tätigkeit. Laut Fachleuten der asim
(academy of swiss insurance medicine) müsse eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit in
einer leidensangepassten Tätigkeit so formuliert werden, dass eine volle
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Leistungsfähigkeit gegeben sei. In Arbeiten ohne jegliche Anforderungen an
Konzentration und Eigeninitiative mit wohlwollendem Umfeld dürfte somit im konkreten
Fall von einer vollschichtigen Arbeitsfähigkeit auszugehen sein (IV-act. 44). - Der
Einwand von Dr. G._ betreffend den 30%igen Arbeitsunfähigkeitsgrad hat durchaus
seine Berechtigung, handelt es sich doch dabei um ein Ausmass zu, welches nicht
ohne weiteres einer leichten Depression mit den beschriebenen Symptomen
zugeordnet werden kann. Die von ihm formulierte adaptierte Tätigkeit beinhaltet jedoch
dieselben Einschränkungen wie diejenige von Dr. F._. Ein materieller Unterschied ist
nicht erkennbar. Weshalb daraus nun letztlich aber eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
resultieren sollte, ist gleichfalls nicht nachvollziehbar. Aufgrund dieser Umstände ist
zusammenfassend festzuhalten, dass die Beurteilung von Dr. G._ nicht wirklich
überzeugt. Angesichts des berechtigten Einwands von Dr. G._ gegen den
geschätzten 30%igen Arbeitsunfähigkeitsgrad und des Umstands, dass dessen
Arbeitsfähigkeitsschätzung eine labile bzw. keine überwiegend wahrscheinlich als
gefestigt zu betrachtende Diagnose zugrunde liegt, kann aber auch nicht auf die
Beurteilung von Dr. F._ abgestellt werden.
4.3.2 Mit dem Austrittsbericht der Privatklinik Littenheid stehen sodann zwei
Diagnosen - die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
mit somatischem Syndrom, und die anhaltende somatoforme Schmerzstörung - im
Raum, für welche keine Arbeitsfähigkeitsschätzung vorgenommen wurde. In ihrem
Bericht zuhanden der Rechtsschutzversicherung der Beschwerdeführerin vom 3.
Januar 2009 äusserte sich Dr. E._ zwar zur Arbeitsfähigkeit in Bezug auf eine
mittelschwere Depression. Aber angesichts des Umstandes, dass die Diagnose nicht
gefestigt war, kann nicht auf die von Dr. E._ festgestellte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
abgestellt werden, zumal diese auch mit Blick auf die von Dr. F._ geschätzte 30%ige
Arbeitsunfähigkeit bei einer leichten depressiven Episode nicht ohne weiteres als
nachvollziehbar erscheint. Dr. F._ begründete ihre Einschätzung nicht weiter und sie
zog auch keinen Vergleich mit anderen Arbeitsfähigkeitsschätzungen im konkreten Fall.
Die von ihr erwähnte maximal 4-stündige Beschäftigung pro Tag in einem geschützten
Rahmen wurde lediglich als Möglichkeit angeführt und erschien ohne feste Grundlage,
zumal sie diese Möglichkeit in ihrem früheren Bericht vom 19. März 2008 noch nicht
erwähnt hatte (IV-act. 27). Allgemein ist ausserdem in Übereinstimmung mit der
Beschwerdegegnerin zu bemerken, dass Berichte der behandelnden Ärzte aufgrund
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der auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdigen
sind (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Dieser Grundsatz gilt für den allgemein praktizierenden
Hausarzt wie für den behandelnden Spezialarzt und erst recht für den
schmerztherapeutischen Arzt mit seinem besonderen Vertrauensverhältnis und dem
Erfordernis, den geklagten Schmerz zunächst bedingungslos zu akzeptieren (Urteil des
Bundesgerichts vom 20. März 2006 i/S S. [I 655/05] E. 5.4 mit Hinweisen). Es darf
davon ausgegangen werden, dass Dr. E._ von der subjektiven Aussage der
Beschwerdeführerin, sie fühle sich 150% arbeitsunfähig (IV-act. 54, 56), Kenntnis hatte.
In Anbetracht der sich mit Bezug auf Schmerzen naturgemäss ergebenden
Beweisschwierigkeiten genügen die subjektiven Schmerzangaben der versicherten
Person für die Begründung einer (teilweisen) Invalidität nicht (Urteile des EVG vom 2.
Dezember 2002 i/S R. [I 53/02] E. 2.2 und vom 9. Oktober 2001 i/S W. [I 382/00] E. 2b).
4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass für die Invaliditätsbemessung keine
ausreichenden Beweisgrundlagen vorliegen. Die Beschwerdegegnerin wird die genaue
Diagnose in der massgebenden Zeit, den Arbeitsfähigkeitsgrad in einer adaptierten
Tätigkeit sowie - bei Vorliegen einer Arbeitsunfähigkeit - die Frage, der Zumutbarkeit
der willentlichen Schmerzüberwindung und des Wiedereinstiegs in den Arbeitsprozess
nochmals abzuklären haben (vgl. dazu BGE 132 V 70 E. 4.2.1 und 4.2.2, BGE 130 V
354 E. 2.2.3).
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 2. Juli 2009 unter
Aufhebung der Verfügung vom 27. Mai 2009 teilweise gutzuheissen und die
Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinn der Erwägungen und zu
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt praxisgemäss als volles
Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6). Die unterliegende Beschwerdegegnerin hat deshalb
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die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
5.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im vorliegenden
Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP