Decision ID: 1747b267-048e-45bc-9191-f548db13373c
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ wurde am 13. Februar 2018 für die Staats- und Gemeindesteuern 2016 mit
einem steuerbaren Einkommen von CHF 15'600 und ohne steuerbares Vermögen
veranlagt. Im Einspracheverfahren ersuchte sie um Abzug diätbedingter Mehrkosten
von pauschal CHF 2'500. Das kantonale Steueramt wies die Einsprache am
16. November 2018 ab. Im November / Dezember 2018 wandte sich X._ telefonisch
an die Verwaltungsrekurskommission und teilte mit, sie habe wegen eines
Spitalaufenthalts keine Möglichkeit, rechtzeitig Rekurs gegen den Einspracheentscheid
zu erheben. Die Gerichtsleitung der Verwaltungsrekurskommission erklärte ihr, falls sie
nicht persönlich oder durch Vertretung rechtzeitig Rekurs erheben könne, bleibe ihr
lediglich die Möglichkeit, nach Wegfall des Hindernisses ein Gesuch um
Wiederherstellung der versäumten Frist einzureichen.
B. Mit Eingabe vom 26. Februar 2019 (Postaufgabe: 27.02.19) ersuchte X._ die
Verwaltungsrekurskommission um Wiederherstellung der verpassten Frist zur
Anfechtung des Einspracheentscheids vom 16. November 2018. Der zuständige
Abteilungspräsident der Verwaltungsrekurskommission trat mit Verfügung vom 1. März
2019 auf das Gesuch wegen Verspätung nicht ein. Es sei davon auszugehen, dass der
Säumnisgrund nach der Entlassung aus dem Spital am 14. Dezember 2018
weggefallen sei. Selbst wenn zugunsten der Gesuchstellerin angenommen würde, der
Säumnisgrund sei erst ein bis zwei Wochen nach der Entlassung aus dem Spital
weggefallen, erweise sich die gesetzliche Verwirkungsfrist als längst abgelaufen. Die
Gesuchstellerin lege zwar dar, sie sei auch im Dezember 2018 und Januar 2019 krank
gewesen. Es fehlten jedoch Belege dafür, dass diese Krankheit sie von der Vornahme
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der erforderlichen Prozesshandlungen abgehalten habe. Auch die eingereichte ärztliche
Bescheinigung enthalte keine Anhaltspunkte dafür, dass ihr die Besorgung ihrer
Steuerangelegenheiten unmöglich gewesen sei.
C. X._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen die Nichteintretensverfügung des
zuständigen Abteilungspräsidenten der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz)
vom 1. März 2019 mit Eingabe vom 31. März 2019 (Postaufgabe: 01.04.19)
Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragte sinngemäss die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Wiederherstellung der Rekursfrist zum
Einspracheentscheid vom 16. November 2018.
Mit verfahrensleitender Verfügung vom 16. April 2019 wies der zuständige
Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts die Beschwerdeführerin auf die geringen
Erfolgsaussichten der Beschwerde hin und erhob einen Kostenvorschuss. Weil die
prozessuale Bedürftigkeit ausgewiesen erschien, entsprach er am 3. Mai 2019 dem
Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege. Die
Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 6. Mai 2019 die Abweisung der
Beschwerde. Das kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verzichtete am 15. Mai
2019 auf eine Vernehmlassung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die
Beschwerdeführerin verzichtete stillschweigend darauf, Einsicht in die Akten zu
nehmen.
Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin und der Vorinstanz zur Begründung ihrer

Anträge und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zur Behandlung der Beschwerde gegen den Entscheid
der Verwaltungsrekurskommission zuständig (Art. 30 Abs. 2 Ingress und lit. b des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP, und Art. 196 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, StG). Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des
angefochtenen Entscheids, mit welchem auf ihr Gesuch, die verpasste Frist zur
Erhebung des Rekurses gegen die Einspracheveranlagung für die Kantons- und
Gemeindesteuern 2016 wiederherzustellen, nicht eingetreten wurde, und damit zur
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Erhebung der Beschwerde legitimiert (Art. 196 Abs. 1 StG). Die Beschwerde gegen die
angefochtene Verfügung vom 1. März 2019 wurde mit Eingabe vom 31. März 2019
(Postaufgabe: 01.04.19) rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG sowie Art. 64 in
Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist dementsprechend
einzutreten.
2. Der zuständige Abteilungspräsident hat im Schreiben vom 16. April 2019 die
Erfolgsaussichten der Beschwerde als gering beurteilt und für das
Beschwerdeverfahren einen Kostenvorschuss erhoben. In der Folge ersuchte die
Beschwerdeführerin am 30. April 2019 um unentgeltliche Rechtspflege – die ihr der
zuständige Abteilungspräsident mit verfahrensleitender Verfügung vom 3. Mai 2019
gewährte – und darum, das Dossier einem Richter "mit Selbstverständnis,
Gerechtigkeitsempfinden, Verständnis und Sachverstand" zu übergeben, der den
Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege und Wiederherstellung der Rekursfrist
hoffentlich entspreche. Wäre darin ein gegen den zuständigen Abteilungspräsidenten
gerichtetes Ausstandsbegehren zu erblicken, wäre darauf ohne Ausstandsverfahren
nicht einzutreten, wie der Abteilungspräsident der Beschwerdeführerin mit der
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege am 3. Mai 2019 mitgeteilt hat: Selbst
wenn der zuständige Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Beschwerdeverfahren wegen
Aussichtslosigkeit abgewiesen hätte, wäre dies nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung für sich allein kein Ausstandsgrund (BGE 131 I 113 E. 3.7).
Unzulässige – beispielsweise mit der Mitwirkung an einem für die gesuchstellende
Partei negativ ausgefallenen früheren Verfahren begründete – Ausstandsbegehren
können in Anwesenheit der davon betroffenen Gerichtspersonen ohne
Ausstandsverfahren mit einem Nichteintreten erledigt werden (BGE 129 III 445 E. 4.2.2).
3. Unbestritten ist, dass die 30-tägige Frist gemäss Art. 194 Abs. 1 StG zur Anfechtung
des Einspracheentscheides vom 18. November 2018 betreffend die Veranlagung der
Beschwerdeführerin mit den Kantons- und Gemeindesteuern 2016 mit Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission ungenutzt verstrichen ist. Umstritten ist, ob die
Vorinstanz auf das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 26. Februar 2019
(Postaufgabe: 27.02.19), die Rekursfrist sei wiederherzustellen, hätte eintreten müssen.
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3.1. Entsprechend Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1
VRP gelten für die Wiederherstellung der Rekursfrist in Steuerangelegenheiten mangels
besonderer Regelungen im Steuergesetz und im Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege die Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung
(SR 272, ZPO) sachgemäss. Das Gesuch um Wiederherstellung einer versäumten Frist
ist gemäss Art. 148 Abs. 2 ZPO innert zehn Tagen seit Wegfall des Säumnisgrundes
einzureichen. Die bundesrechtlichen zivilprozessualen Normen werden durch den
Verweis im kantonalen Verwaltungsrechtspflegegesetz zu subsidiärem kantonalem
Recht (BGer 2C_1107/2015 vom 23. März 2016 E. 2.2; vgl. auch BGer 2C_630/2014
vom 24. Oktober 2014 E. 1.2.2 mit Hinweisen). Gesetzliche Fristen haben gemäss
Art. 30 VRP – vorbehältlich einer anderen Regelung im Gesetz – bei Nichtbeachtung
Verwirkungsfolge.
3.2. Die Vorinstanz geht zugunsten der Beschwerdeführerin davon aus, sie sei
längstens während zweier Wochen über die Entlassung aus dem Spital am
14. Dezember 2018 hinaus entschuldbar daran gehindert gewesen, die zur Wahrung
ihrer Interessen in ihren Steuerangelegenheiten betreffend die Veranlagung mit den
Kantons- und Gemeindesteuern 2016 erforderlichen Prozesshandlungen vorzunehmen.
Deshalb sei das Gesuch vom 26. Februar 2019 (Postaufgabe: 27.02.19) verspätet
eingereicht worden.
Die Beschwerdeführerin macht geltend, sie habe vom 5.-14. Dezember 2018 erneut
hospitalisiert werden müssen und sei "nachfolgend" zwei weiteren Notoperationen
unterzogen worden. Nach diesen Operationen habe sie überdies unter einer Grippe
gelitten und, zwecks Wundpflege, zweimal wöchentlich per Tixi Taxi das Spital A._
aufsuchen müssen. Sie – und ihre Mutter – erhielten häusliche
Betreuungsunterstützung über die regionale Pro Senectute. Daher erachte sie es als
falsch, dass mit der Entlassung aus dem Spital am 14. Dezember 2018 der
Hinderungsgrund weggefallen sei und damit die 10-tägige Frist zur Einreichung eines
Wiederherstellungsgesuchs zu laufen begonnen habe.
3.3. Auch im Beschwerdeverfahren belegt die Beschwerdeführerin die Behauptung, es
sei ihr im Januar und Februar 2019 nicht möglich gewesen, ein Gesuch um
Wiederherstellung der Rekursfrist zu stellen, nicht. Insbesondere reicht sie keine – im
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Übrigen einfach zu beschaffende – Bestätigung von Spitalaufenthalten in dieser Zeit
ein. Ebenso wenig legt sie beispielsweise ärztliche Berichte zur geltend gemachten
Unmöglichkeit, bei der Vorinstanz ein schriftliches Fristwiederherstellungsgesuch
einzureichen, vor. Aus den Darlegungen zu den nach der Entlassung aus dem Spital
erforderlichen – ebenfalls nicht belegten – ambulanten medizinischen Massnahmen
und den allgemeinen gesundheitlich bedingten Erschwernissen bei der Bewältigung
des Alltags lässt sich ebenfalls nicht schliessen, dass es der Beschwerdeführerin
unmöglich gewesen wäre, selbst oder durch entsprechende Beauftragung einer
Drittperson – beispielsweise des Nachbarn oder ihres Cousins, die sie nach ihrer
Darstellung in dieser Zeit unterstützten – im Verlaufe des Januars oder bis Mitte
Februar 2019 ein entsprechendes schriftliches Gesuch zu stellen. Da die
Beschwerdeführerin weder glaubhaft darzulegen vermag, dass nach dem
14. Dezember 2018 weitere Hinderungsgründe bestanden hätten, noch, dass sie daran
kein beziehungsweise nur ein leichtes Verschulden getroffen habe, ist – mit der
Vorinstanz – davon auszugehen, dass mit dem Austritt aus dem Spital am
14. Dezember 2018, spätestens aber zwei Wochen später, der Säumnisgrund
weggefallen ist und die 10-tägige Verwirkungsfrist nach Art. 148 Abs. 2 ZPO im
Zeitpunkt der Postaufgabe des Wiederherstellungsgesuchs am 27. Februar 2019 längst
abgelaufen war. Das Gesuch wurde dementsprechend verspätet gestellt. Die
Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
4. Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin die amtlichen Kosten
des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Sie gehen indessen zufolge
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege zulasten des Staates (vgl. Art. 99 Abs. 2
VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 Ingress und lit. b ZPO). Eine Entscheidgebühr
von CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Ausseramtliche
Kosten sind – die Beschwerdeführerin war nicht berufsmässig vertreten und hat auch
keinen Antrag gestellt – nicht zu entschädigen (Art. 98 und 98 VRP, Art. 122 Abs. 1
Ingress und lit. a ZPO).