Decision ID: e4959849-1433-4d3f-b328-26c1d1e128ef
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a Mit Verfügung vom 20. Januar 2014 sprach die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen als kantonale Familienausgleichskasse (SVA) A._ für ihre Kinder
C._, D._ und E._ Kinderzulagen (für Nichterwerbstätige) ab 1. Januar bis 31.
Dezember 2014 in Höhe von monatlich Fr. 600.-- zu. Die Verfügung war mit dem
Hinweis versehen, dass der Entscheid auf einem provisorischen Anspruch basiere (act.
G 10.1/1).
A.b Am 10. November 2016 notierte die Sachbearbeiterin der SVA, dass der Ehemann
der Bezügerin im Jahr 2014 ALV-Taggelder bezogen habe (act. G 10.1/6). Dem IK-
Auszug lässt sich entnehmen, dass dem Ehemann von Januar bis Mai 2014
Arbeitslosentschädigung im Gesamtbetrag von Fr. 11‘016.-- ausgerichtet wurde (act. G
10.1/2). Mit Verfügung vom 30. November 2016 wurden die bereits ausbezahlten
Kinderzulagen für die Monate Januar bis Mai 2014 zurückgefordert. Der Ehemann der
Versicherten habe in dieser Zeit Arbeitslosentaggelder bezogen. Kinderzulagen, welche
über das ALV-Taggeld bezogen werden könnten, gingen den Kinderzulagen aus
Nichterwerbstätigkeit vor (act. G 10.1/7).
A.c Mit Einsprache vom 7. Dezember 2016 beantragte A._ die Aufhebung der
Verfügung vom 30. November 2016. Als Begründung bringt sie sinngemäss vor, dass
es ihr nicht bewusst gewesen sei, dass sie die Kinderzulagen über das ALV-Taggeld
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hätte beziehen müssen. Dabei spiele es keine Rolle, wer die Kinderzulagen erhalte,
solange sie und ihr Ehemann diese nur einmal erhielten. Als Familie mit 3 Kindern
stünden ihnen per Bundesgesetz Kinderzulagen zu (act. G 10.1/8). Mit
Einspracheentscheid vom 20. Februar 2017 wies die SVA die Einsprache ab.
Unrechtmässig bezogene Familienzulagen seien nach Art. 25 Abs. 1 ATSG
zurückzuerstatten. Die Unrechtmässigkeit sei einzig nach normativen Kriterien zu
prüfen, wobei unerheblich sei, ob die Bezügerin ihren Mitwirkungspflichten
nachgekommen sei oder die Familienzulagen gutgläubig bezogen habe. Die
Versicherte gelte nicht als nichterwerbstätige Person, da ihre AHV-Beiträge als bezahlt
gälten, weil ihr Ehegatte für die bezogene Arbeitslosenentschädigung nach Art. 22a des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) beitragspflichtig gewesen sei (G 10.1/10).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom
13. März 2017 mit dem sinngemässen Antrag auf Aufhebung des angefochtenen
Einspracheentscheides. Eine Begründung wurde nicht eingereicht, sondern lediglich
ein Antrag auf Fristerstreckung (act. G 1). Mit Schreiben vom 16. März 2017 informierte
das Gericht die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann darüber, dass unter
Berücksichtigung der von der Beschwerdeführerin eingereichten
Beschwerdebegründung im Verfahren FZG 2016/7 und der besonderen Umstände von
einer grundsätzlich ausreichenden Beschwerde ausgegangen werden könne (act. G 2).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 2. Mai 2017 beantragt die Beschwerdegegnerin unter
Verweis auf die Begründung im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde
(act. G 4).

Erwägungen
1.
Unrechtmässig bezogene Familienzulagen sind zurückzuerstatten (Art. 1 des
Bundesgesetzes über die Familienzulagen [FamZG; SR 836.2] in Verbindung mit Art.
25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
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Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Die Rückerstattungspflicht gemäss Art.
25 Abs. 1 ATSG knüpft an einen unrechtmässigen Bezug der Leistung an. Ein
unrechtmässiger Leistungsbezug wird rückgängig gemacht, indem der Empfänger auf
dem Weg der Verfügung verpflichtet wird, die ohne Rechtsgrund erbrachte Leistung
zurückzuerstatten (Urteil des Bundesgerichts vom 1. Mai 2012, 8C_777/2011, E. 5.1).
Als mögliche Rückkommenstitel kommen die Wiedererwägung und die Revision einer
formell rechtskräftigen Verfügung nach Art. 53 ATSG in Frage (UELI KIESER, ATSG-
Kommentar, 3. Aufl. Zürich 2015, Art. 25 N 5). Die Revision nach Art. 53 Abs. 1 ATSG
setzt das Entdecken erheblicher neuer Tatsachen oder das Auffinden von
Beweismitteln voraus. Erheblich sind Tatsachen, wenn diese geeignet sind, die
tatsächliche Grundlage der Verfügung dahingehend zu ändern, dass bei erneuter
Entscheidfällung ein anderer Entscheid resultiert. Neu ist eine Tatsache, wenn das
betreffende Sachverhaltselement im Zeitpunkt der Entscheidfällung nicht bekannt war
(KIESER, a.a.O., Art. 53 N 24 f.). Zudem kann der Versicherungsträger
wiedererwägungsweise auf formell rechtskräftige Verfügungen zurückkommen, wenn
diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung
ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die Wiederwägung betrifft die Ausgangslage, dass ein
Entscheid anfänglich unrichtig ist; dabei kann sich diese Unrichtigkeit auf den zugrunde
gelegten Sachverhalt oder auf die Rechtsanwendung beziehen (KIESER, a.a.O., Art. 53
N 43 mit Hinweis). Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres,
nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber
mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25
Abs. 2 ATSG).
2.
2.1 Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist, ob die von der
Beschwerdegegnerin geltend gemachte Rückforderung der an die Beschwerdeführerin
im Jahr 2014 (Januar bis Mai) ausgerichteten Familienzulagen im Betrag von Fr.
3'000.-- rechtmässig ist.
2.2 Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Rückforderung der Familienzulagen auf
Art. 25 Abs. 1 ATSG, wonach unrechtmässig bezogene Familienzulagen
zurückzuerstatten seien. Die Beschwerdeführerin habe die Voraussetzungen für den
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Bezug von Familienzulagen als Nichterwerbstätige nicht erfüllt, da ihre AHV-Beiträge
aufgrund des ALV-Taggeldes ihres Ehemannes gemäss Art. 3 Abs. 3 des
Bundesgesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG; SR 831.10)
als bezahlt gälten. Dem hält die Beschwerdeführerin entgegen, dass es keine Rolle
spiele, wer die Kinderzulagen erhalte, solange sie und ihr Ehemann diese nur einmal
erhielten. Vorab stellt sich somit die Frage, ob die Beschwerdeführerin die
Familienzulagen für die Zeit vom Januar bis Mai 2014 in der Höhe von gesamthaft Fr.
3'000.-- unrechtmässig bezogen hat. Erst in einem zweiten Schritt ist zu prüfen, ob die
besonderen Voraussetzungen für ein Rückkommen auf die Verfügung vom 20. Januar
2014 gemäss Art. 53 ATSG gegeben waren (vgl. KIESER, a.a.O., Art. 25 N 9).
2.3 In der AHV obligatorisch versicherte Personen, die als nichterwerbstätige Personen
erfasst sind, haben Anspruch auf Familienzulagen (Art. 19 Abs. 1 FamZG). Nicht als
nichterwerbstätige Personen im Sinne des FamZG gelten Personen, deren AHV-
Beiträge nach Art. 3 Abs. 3 AHVG als bezahlt gelten (Art. 16 lit. c der Verordnung über
die Familienzulagen [FamZV; SR 836.21]). Die eigenen AHV-Beiträge gelten gemäss
Art. 3 Abs. 3 lit. a AHVG als bezahlt, sofern der Ehegatte Beiträge - unter
Berücksichtigung derjenigen der Arbeitgeberin oder des Arbeitgebers - von mindestens
der doppelten Höhe des Mindestbeitrags bezahlt hat (Wegleitung über die Beiträge der
Selbständigerwerbenden und Nichterwerbstätigen in der AHV, IV und EO [WSN; Stand
1. Januar 2017], Rz 2071). Solche nichterwerbstätigen Ehegatten werden bei der AHV
nicht erfasst und haben keinen Anspruch auf Familienzulagen (UELI KIESER/MARCO
REICHMUTH, Bundesgesetz über die Familienzulagen, Praxiskommentar, Zürich/St.
Gallen 2010, Art. 19 N 39). Beim doppelten Mindestbeitrag gemäss Art. 3 Abs. 3 lit. a
AHVG handelt es sich um einen von der Dauer der Unterstellung unabhängigen
Pauschalbetrag. Bei einer kürzeren als ein Kalenderjahr dauernden Unterstellung kann
somit nicht eine Pro-rata Berechnung erfolgen (BGE 126 V 417; UELI KIESER,
Rechtsprechung zur AHV, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2012, Art. 3 N 26). Zum für die
Beitragsberechnung massgebenden Lohn zählt gemäss Art. 5 Abs. 2 AHVG jedes
Entgelt für in unselbständiger Stellung geleistete Arbeit. Hierzu gehören auch
Ersatzeinkommen, welche durch ein Bundesgesetz ausdrücklich dem Lohn im Sinne
des AHVG gleichgestellt werden (KIESER/REICHMUTH, a.a.O., Art. 13 N 26). In diesem
Sinne bestimmt Art. 22a Abs. 1 AVIG, dass die Arbeitslosenentschädigung als
massgebender Lohn im Sinne des AHVG gilt. Hiervon zieht die Arbeitslosenkasse u.a.
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den Beitragsanteil des Arbeitnehmers an die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHV) ab und entrichtet ihn zusammen mit dem von ihr zu übernehmenden
Arbeitgeberanteil der zuständigen AHV-Ausgleichskasse (Art. 22a Abs. 2 AVIG). Im Jahr
2014 betrug der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeitrag an die AHV gesamthaft 8.4%
(Art. 5 Abs. 1 i.V.m. Art. 13 AHVG [Stand 1. Januar 2014]).
2.4 Der AHV-Mindestbeitrag betrug im Jahr 2014 Fr. 392.-- (vgl. Art. 2 Abs. 2 der
Verordnung 13 über Anpassungen an die Lohn- und Preisentwicklung bei der AHV/IV/
EO [V 13; AS 2012.6333]). Der Ehemann der Beschwerdeführerin erhielt ab 1. Januar
2014 bis 31. Mai 2014 Arbeitslosentaggelder von gesamthaft Fr. 11‘016.-- (act. G
10.1/2). Auf diese Taggelder fielen gemäss den vorstehenden Erwägungen AHV-
Beiträge in der Höhe von Fr. 925.35 (11‘016 x 8.4%) an, womit der doppelte AHV-
Mindestbeitrag von Fr. 784.-- überschritten wurde. Wie bereits im Einspracheentscheid
korrekt festgestellt wurde, gelten die AHV-Beiträge der Beschwerdeführerin im Jahr
2014 somit gemäss Art. 3 Abs. 3 lit. a AHVG als bezahlt.
2.5 Folglich hatte die Beschwerdeführerin die Kinderzulagen ab 1. Januar bis 31. Mai
2014 unrechtmässig bezogen, da ihre AHV-Beiträge nach Art. 3 Abs. 3 AHVG als
bezahlt gelten (vgl. Art. 16 lit. c FamZV). Vielmehr ist ihr Ehemann berechtigt, diese
Zulagen als Zuschlag zum Arbeitslosentaggeld im Rahmen von Art. 22 Abs. 1 AVIG zu
beziehen, wie die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid bereits
ausgeführt hat (act. G 1.1 E. 3). Angesichts der klaren Rechtslage und des zur
Diskussion stehenden Betrages von Fr. 3'000.-- stand der Beschwerdegegnerin mithin
grundsätzlich das Recht zu, auf die Verfügung vom 20. Januar 2014
wiedererwägungsweise zurückzukommen und die der Beschwerdeführerin
ausbezahlten Zulagen von Fr. 3'000.-- zurückzufordern.
3.
3.1 Schliesslich stellt sich die Frage, ob der Rückforderungsanspruch im Zeitpunkt des
Erlasses der Verfügung vom 30. November 2016 bereits verwirkt war. Der
Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die
Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf
von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung (Art. 25 Abs. 2 ATSG).
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3.2 Mit der Rückerstattungsverfügung vom 30. November 2016 wurde die absolute
Frist von fünf Jahren seit Zusprache der einzelnen Leistungen in den Monaten Januar
2014 bis Mai 2014 offensichtlich eingehalten. Was die relative einjährige Frist
anbelangt, so ist entscheidend, ob die für die Fristwahrung relevante Verfügung vom
30. November 2016 innert Jahresfrist ergangen ist, nachdem die Beschwerdegegnerin
in Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte erkennen müssen, dass die
Voraussetzungen für eine Rückerstattung bestehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
17. Juli 1996, BGE 122 V 270 E. 5a mit Hinweisen). Geht die unrechtmässige
Leistungsausrichtung auf einen Fehler des Versicherungsträgers zurück, beginnt die
einjährige Frist nicht mit der Leistungsausrichtung zu laufen. Vielmehr beginnt die Frist
an jenem Tag zu laufen, an dem sich die Amtsstelle später - beispielsweise anlässlich
einer Rechnungskontrolle - unter Anwendung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit über
ihren Fehler hätte Rechenschaft geben müssen (Urteil des Bundesgerichts vom 19.
Februar 2010, 9C_482/2009, E. 3.3.2 mit Hinweisen).
3.3 Gemäss Stellungnahme Fachbereich vom 28. Oktober 2016 im Verfahren FZG
2016/7 habe die Beschwerdegegnerin erst aufgrund der Einsprache der
Beschwerdeführerin (ebenfalls A._) vom 29. Juli 2016 weitere Abklärungen getroffen,
was letztlich zur Schlechterstellung der Beschwerdeführerin geführt habe (FZG 2016/7,
act. G 6.1/14). Mit anderen Worten sei erst im Rahmen von Abklärungen nach Erhalt
der Einsprache vom 29. Juli 2016 im Verfahren FZG 2016/7 die Unrechtmässigkeit der
vorliegenden Verfügung vom 20. Januar 2014 festgestellt worden. Im Übrigen sind den
Akten keine Hinweise zu entnehmen, wonach die Beschwerdegegnerin die
Fehlerhaftigkeit der Verfügung vom 20. Januar 2014 bereits früher hätte erkennen
müssen. Demzufolge erging die Rückerstattungsverfügung vom 30. November 2016
noch rechtzeitig innerhalb der einjährigen relativen Verwirkungsfrist.
4.
4.1 Gestützt auf die vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).