Decision ID: 71cf7922-9612-4a13-88ac-378bfc9d33d1
Year: 2016
Language: de
Court: BL_SG
Chamber: BL_SG_001
Canton: BL
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: public_law

Sachverhalt:
1. Mit Verfügung der direkten Bundessteuer 2013 vom 10. Dezember 2014 wurden die
Pflichtigen zu einem steuerbaren Einkommen von Fr. 274‘000.-- und einem satzbestimmenden
Einkommen von Fr. 203‘400.-- veranlagt.
2. Mit Eingabe vom 9. Januar 2015 erhob die Vertreterin mit dem Begehren, das steuerba-
re Einkommen sei auf Fr. 124‘781.--, das satzbestimmende Einkommen auf Fr. 49‘739.-- und
die Sonderbesteuerung als Vorsorgeleistung auf Fr. 149‘212.-- festzusetzen, Einsprache. Zur
Begründung machte sie geltend, das Erwerbseinkommen des Ehemannes für das Jahr 2013
setze sich aus drei verschiedenen Komponenten zusammen, die steuerlich unterschiedlich zu
behandeln seien. Das Gehalt gemäss Lohnausweis beinhalte ordentliches Einkommen, eine
Kapitalabfindung aus Arbeitsverhältnis für wiederkehrende Leistungen und eine Kapitalabfin-
dung mit Vorsorgecharakter. Der Steuerpflichtige sei von einem Outplacement-Programm sei-
ner Arbeitgeberin, der B._ AG betroffen gewesen. Der Sozialplan und die dem Steuerpflich-
tigen von der Arbeitgeberin zur Verfügung gestellten Unterlagen dokumentierten eindeutig, dass
es sich bei der Abgangsentschädigung überwiegend um eine Kapitalleistung mit Vorsorgecha-
rakter gehandelt habe. Diese habe sich, bis auf die Überbrückungsleistung bis zum Alter 58, an
der Gewährleistung einer angemessenen Altersleistung orientiert.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 7. Dezember 2015 wies die Steuerverwaltung die Ein-
sprache ab. Zur Begründung führte sie aus, der Pflichtige habe von seiner Arbeitgeberin als
Abgangsentschädigung einen Betrag von insgesamt Fr. 276‘455.-- erhalten, bei welchem es
sich nicht um eine Leistung aus der gebundenen Vorsorge gehandelt habe, so dass sie zu-
sammen mit den übrigen Einkünften zu besteuern sei. Der Pflichtige habe nachweislich
Fr. 135‘131.-- in die gebundene Vorsorge der 2. Säule eingebracht. Über die restliche Ab-
gangsentschädigung habe er frei verfügen können. Der Umstand, dass sich der Anspruch auf
den Sozialplan und nicht auf das Vorsorgereglement stütze, lege nahe, dass er nicht vorsorge-
rechtlicher, sondern arbeitsrechtlicher Natur gewesen sei. Die Höhe der Zahlung sei von der
Anzahl der geleisteten Dienstjahre, dem Monatssalär und dem Beschäftigungsgrad abhängig
gewesen. Dazu komme, dass der Pflichtige seit dem 1. Februar 2013 bei der C._ arbeite.
Sein Arbeitsumfang betrage 70% und sein jährliches Nettoeinkommen Fr. 62‘319.--, so dass
nicht von einer Aufgabe der (Haupt-)Erwerbstätigkeit gesprochen werden könne. Entgegen-
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kommenderweise habe man dennoch eine Korrektur vorgenommen, indem man die Abgangs-
entschädigung für die Satzbestimmung durch zwei geteilt habe.
4. Mit Eingabe vom 6. Januar 2016 erhob die Vertreterin mit dem Begehren, das steuerba-
re Einkommen sei auf Fr. 124‘781.--, das satzbestimmende Einkommen auf Fr. 49‘739.-- und
die Sonderbesteuerung als Vorsorgeleistung auf Fr. 149‘212.-- festzusetzen, Beschwerde. Zur
Begründung machte sie geltend, die neue Stelle werde lediglich im Umfang eines 70%-
Pensums ausgeübt und das Gehalt von netto Fr. 62‘319.-- mache bei einer Aufrechnung auf ein
volles Pensum Fr. 89‘027.-- aus. Dagegen habe der Pflichtige bei der B._ AG für ein 100%-
Pensum im Jahr 2012 ein Nettogehalt von Fr. 133'839.-- erzielt. Das Glück, kurzfristig wieder
eine Anstellung gefunden zu haben, und die Bereitschaft, eine solche anzunehmen, auch wenn
sie weder von der Stellung noch von der Entschädigung der bisherigen adäquat gewesen sei,
sei weder bei der Errichtung des Sozialplanes noch bei der Entscheidungsbildung des Steuer-
pflichtigen, welche Variante des Sozialplans er wählen solle, erkennbar gewesen.
5. Mit Vernehmlassung vom 3. Februar 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie aus, bei vorzeitigen Entlassungen infolge Fu-
sion, Um- und Restrukturierung von Unternehmen würden durch die jeweiligen Arbeitgeberfir-
men häufig im Rahmen von Sozialplänen Abgangsentschädigungen ausgerichtet. Bei deren
Berechnung würden oftmals die Anzahl der jeweils geleisteten Dienstjahre und der jeweilige
Monatslohn mitberücksichtigt. Derartige Kapitalabfindungen sollten bei Angestellten in fortge-
schrittenem Alter ab 55 bis 65 Jahren (Frühpensionierungen) in der Regel dazu dienen, die
durch die vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses bewirkte Einkommenslücke bis zum
ordentlichen Pensionierungsalter zu schliessen. Da und dort würden Abgangsentschädigungen
auch auf besonderen Wunsch des betroffenen Angestellten nicht direkt ausbezahlt, sondern
gleichzeitig in die noch aktuelle Pensionskasse eingebracht, sofern dort eine entsprechend ge-
nügend grosse Deckungslücke vorhanden sei, und damit steuerlich in der Regel neutralisiert.
Wenn nun eine vom Arbeitgeber direkt ausbezahlte Entschädigung keine Treueprämie oder
kein Dienstaltersgeschenk darstelle, sondern allein der zeitlich begrenzten finanziellen Über-
brückung der betroffenen Personen diene, kämen folgende zwei Besteuerungsmöglichkeiten
zur Anwendung: Die direkte Bundessteuer unterstelle alle Kapitalabfindungen mit Vorsorgecha-
rakter der gesonderten Jahressteuer. Bei allen übrigen Abgangsentschädigungen ohne Vorsor-
gecharakter komme es darauf an, ob die Abgangsentschädigung an Stelle periodischer Leis-
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tungen einen mehrjährigen Zeitraum finanziell abdecken soll. Sei dies der Fall, werde die Ein-
kommenssteuer unter Berücksichtigung der übrigen Einkünfte zu dem Steuersatz berechnet,
der sich ergäbe, wenn anstelle der einmaligen Leistung eine entsprechend jährliche Leistung
ausgerichtet würde (normale Besteuerung mit Korrektur des satzbestimmenden Einkommens).
Die Anwendung des Rentensatzes nach der durchschnittlichen Lebenserwartung komme in
solchen Fällen aber nicht in Frage, da die Abgangsentschädigung nicht als Ersatz für eine le-
benslängliche Rente gedacht sei, sondern nur einen zeitlich eng begrenzten Raum finanziell
überbrücken soll. Die Aufgabe der Erwerbstätigkeit müsse massgeblich sein, also betreffend
Arbeitspensum eine massive Reduktion beinhalten und zumindest in wirtschaftlicher Hinsicht
einer vorzeitigen Pensionierung gleichkommen. Bei einem Arbeitspensum von 70% sei dies
jedoch klarerweise noch nicht der Fall. Eine Aufgabe der Erwerbstätigkeit zur Hauptsache liege
beispielsweise dann vor, wenn das Arbeitspensum derart reduziert werde, dass damit kein ver-
nünftiges, d.h. existenzsicherndes Einkommen mehr erwirtschaftet werden könne, es sich
sozusagen nur noch um einen Nebenerwerb handle. Der Grund für die Gehaltsreduktion sei im
vorliegenden Fall, nebst dem geringeren Arbeitspensum, zudem bei der früheren Arbeitgeberin
zu suchen, weil bekanntlich die Pharmaindustrie vergleichsweise deutlich höhere Löhne bezah-
le als übrige Unternehmen. Per 1. Februar 2013 habe der Beschwerdeführer indes wieder eine
neue Anstellung gefunden, anlässlich derer er auch eine berufliche Weiterbildung mit einem
eidgenössisch anerkannten Abschluss gemacht habe. Somit könne sowohl rechtlich als auch
faktisch nicht von einer Aufgabe der Erwerbstätigkeit gesprochen werden. Eine gesonderte Be-
steuerung könne mangels Vorsorgecharakter der Kapitalabfindung nicht vorgenommen werden.
Deshalb werde eine satzbestimmende Korrektur für zwei Jahre vorgenommen. Dies entspreche
der halben Abgangsentschädigung von Fr. 276‘455.-- oder anders ausgedrückt: die Abgangs-
entschädigung entspreche zwei Jahresgehältern, nämlich für die zwei fehlenden Jahre bis zur
frühestmöglichen Pensionierung im Alter 58.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest. Auf
Frage hin, erklärte die Vertreterin der Beschwerdeführer, dass der Pflichtige die Variante Ziff.
8.2 des Sozialplans gewählt habe und per 31. Dezember 2012 aus der B._ AG ausgetreten
sei.
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Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän-
dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129
Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar
1974 (StG) Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8’000.--
übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt
werden. Da die in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen erfüllt
sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Vorliegend unterliegt der Beurteilung, wie die ausgerichtete Kapitalabfindung in Höhe
von Fr. 276‘455.-- zu besteuern ist.
3. Kapitalabfindungen im Zusammenhang mit der vorzeitigen Beendigung von Arbeitsver-
hältnissen können verschiedene Gründe haben. Unter Umständen sind sie "Schmerzensgeld"
für die Entlassung, Treueprämie für langjährige Dienstverhältnisse, "Risikoprämie" für die per-
sönliche Sicherheit und berufliche Zukunft, Entgelt für erbrachte Arbeitsleistungen oder Vorru-
hestandsregelungen, d.h. Ausgleich allfällig entstehender Lücken oder langfristiger Einbussen
in der beruflichen Vorsorge. Oft handelt es sich um pauschale Abfindungssummen, deren
Zweckbestimmung unklar ist. Es gilt daher den wahren Charakter der Abgangsentschädigung
genauer zu erörtern und festzustellen, wann eine Abgangsentschädigung Vorsorgecharakter
hat und wann sie Ersatzeinkommen darstellt (vgl. Kreisschreiben der Eidgenössischen Steuer-
verwaltung Nr. 1 [KS ESTV Nr. 1] vom 3. Oktober 2002, Ziff. 1). Es kommt bei Kapitalabfindun-
gen im Zusammenhang mit der Beendigung von Arbeitsverhältnissen somit entscheidend da-
rauf an, welche Funktion der Einmalzahlung in den Augen der am Arbeitsverhältnis beteiligten
Personen zukommen sollte. Diese Frage ist unter Einbezug der gesamten Umstände des Ein-
zelfalls zu beurteilen (vgl. Der Steuerentscheid [StE] 1998 B 29.2 Nr. 5). Vorliegend sah der
Sozialplan „Swiss Project“ der B._ AG, Ziff. 8, Konditionen für Mitarbeitende im Alter von 55
bis 58 Jahren, zwei Varianten vor, nämlich Ziff. 8.1 Austritt mit Abfindungsleistung und Ziff. 8.2,
Externe Mitgliedschaft in der Pensionskasse, Abfindungsleistung und Frühpensionierung nach
Vollendung des 58. Altersjahres. Der Pflichtige hat wie von der Vertreterin anlässlich der heuti-
gen Verhandlung bestätigt, die Variante Ziff. 8.2 gewählt, wonach Mitarbeitende, die sich für
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eine befristete externe Pensionskassenmitgliedschaft und Frühpensionierung nach Vollendung
des 58. Altersjahres entscheiden, zum vertraglichen Austrittsdatum eine brutto Überbrückungs-
zahlung von 40% ihres letzten Basisgehaltes für maximal 3 Jahre bis zum Zeitpunkte ihrer
Frühpensionierung mit 58 Jahren erhalten. Bei der externen Mitgliedschaft werden Arbeitgeber-
und Arbeitnehmerbeiträge in die Pensionskasse zu gleichen Anteilen wie während des Arbeits-
verhältnisses weitergeführt. Alle Beiträge werden in Form einer Einmalzahlung am Tag des ver-
traglichen Austritts geschuldet. Ausserdem erhalten diese Mitarbeitenden eine brutto Abfin-
dungsleistung, welche wie folgt berechnet wird: Dienstjahre x Fr. 4‘000.--, mindestens
Fr. 100‘000.--, auf den durchschnittlichen Beschäftigungsgrad angepasst. Gestützt auf diesen
Sozialplan hat die B._ AG mit Datum vom 21. Mai 2012 die Abgangsentschädigung im Sin-
ne eines Entwurfes berechnet. Sie setzte sich aus den Positionen Dienstjahre in Höhe von
Fr. 158‘871.-- und Überbrückung in Höhe von Fr. 119‘771.--, total somit Fr. 278‘642.-- zusam-
men, was in etwa der später effektiv ausbezahlten Kapitalabfindung von Fr. 276‘455.-- ent-
sprach.
4. Es ist nachfolgend zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Besteuerung nach Art. 17
Abs. 2 DBG i.V.m. Art. 38 DBG gegeben sind.
a) Gemäss Art. 17 Abs. 2 DBG werden Kapitalabfindungen aus einer mit dem Ar-
beitsverhältnis verbundenen Vorsorgeeinrichtung oder gleichartige Kapitalabfindungen des Ar-
beitgebers nach Artikel 38 DBG besteuert. Sie unterliegen einer vollen Jahressteuer, wobei die
Steuer zu einem Fünftel der Tarife nach Artikel 36 DBG berechnet wird (vgl. Art. 38 Abs. 1 und
2 DBG).
b) Bei Kapitalabfindungen aus einer mit dem Arbeitsverhältnis verbundenen Vor-
sorgeeinrichtung handelt es sich um Kapitalleistungen aus Einrichtungen der beruflichen Vor-
sorge (2. Säule), die dem Arbeitnehmer im Vorsorgefall oder bei vorzeitiger Auflösung des Vor-
sorgeverhältnisses ausgerichtet werden (KS ESTV Nr. 1, Ziff. 3.1; vgl. auch Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A. Zürich 2009, Art. 38 N 8 ff.)
c) Vorliegend liegt weder ein Vorsorgefall vor noch wurde eine Kapitalleistung auf-
grund vorzeitiger Auflösung des Vorsorgeverhältnisses ausgerichtet.
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5. Es bleibt somit zu prüfen, ob es sich bei der ausgerichteten Summe um eine gleichartige
Kapitalleistung des Arbeitsgebers handelt.
a) Den Leistungen aus Vorsorge gleichgestellt sind Kapitalabfindungen des Arbeit-
gebers, sofern sie gleichartig sind. Dies geht ausdrücklich aus Art. 17 Abs. 2 DBG hervor. Die
"Gleichartigkeit" wird im DBG nicht umschrieben. Gemäss KS ESTV Nr. 1, Ziff. 3.2 sind als
gleichartige Kapitalabfindungen im Sinne von Art. 17 Abs. 2 DBG Abgangsentschädigungen
des Arbeitgebers zu verstehen, die unter gewissen Voraussetzungen bei vorzeitiger Auflösung
des Arbeitsverhältnisses ausgerichtet werden. Es sind also Kapitalabfindungen, die grundsätz-
lich bei gleicher Gelegenheit erfolgen wie Freizügigkeitsleistungen einer Vorsorgeeinrichtung.
Abgangsentschädigungen haben Vorsorgecharakter, wenn sie ausschliesslich und unwiderruf-
lich dazu dienen, die mit den Risiken Alter, Invalidität und Tod verbundenen finanziellen Folgen
zu mildern. Dazu gehören beispielsweise freiwillig geleistete Entschädigungen des Arbeitgebers
an den Arbeitnehmer, um die durch den vorzeitigen Austritt entstandenen Lücken in dessen
beruflicher Vorsorge zu schliessen. Bei deren Berechnung sind die vorsorgerechtlichen
Grundsätze zu beachten. Zur Erfüllung des Vorsorgecharakters müssen gemäss KS ESTV Nr.
1, Ziff. 3.2 drei Bedingungen kumulativ erfüllt sein: Die steuerpflichtige Person verlässt das Un-
ternehmen ab dem vollendeten 55. Altersjahr, die (Haupt-)Erwerbstätigkeit wird definitiv aufge-
geben oder muss aufgegeben werden und durch den Austritt aus dem Unternehmen und des-
sen Vorsorgeeinrichtung entsteht eine Vorsorgelücke.
b) Vorliegend hatte der Beschwerdeführer, geb. 15. Juli 1957, beim Ausscheiden
aus der B._ AG am 31. Dezember 2012 das 55. Altersjahr vollendet. Gemäss Beratungsun-
terlagen der Pensionskasse der B._ AG vom 21. Mai 2012 liegt zudem eine Vorsorgelücke
vor. Damit bleibt zu prüfen, ob die (Haupt-)Erwerbstätigkeit definitiv aufgegeben wurde. Der
Pflichtige hat sich nicht als Nichterwerbstätiger bei der AHV angemeldet. Vielmehr trat er per
1. Februar 2013, und damit praktisch nahtlos, bei der C._ eine Teilzeitstelle mit einem Pen-
sum von 70% an, anlässlich derer er eine berufliche Weiterbildung mit einem eidgenössisch
anerkannten Abschluss absolvierte. Von Februar bis Dezember 2013 erzielte er ein Nettoein-
kommen von Fr. 57‘126.--, was einem Jahreseinkommen von Fr. 62‘319.-- (= Fr. 57‘126.-- / 11
Monate x 12 Monate) entspricht, nachdem er im Jahr 2012 bei der B._ AG ein Nettoein-
kommen von Fr. 133‘839.-- erzielt hatte. Obwohl sich das Einkommen damit reduziert hat, er-
zielte der Pflichtige mit einem monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 5‘193.-- (= Fr. 62‘319.-- / 12
Monate) einen existenzsichernden Verdienst. Hinsichtlich der Frage, ob die (Haupt-)Erwerbs-
tätigkeit definitiv aufgegeben wurde, spielt indes der erzielte Lohn lediglich eine untergeordnete
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Rolle. Entscheidend ist vielmehr das Pensum. Würde ein solches im Sinne einer unbedeuten-
den Nebenbeschäftigung ausgeübt, könnte wohl von der definitiven Aufgabe der Erwerbstätig-
keit gesprochen werden. Bei einer Teilzeitstelle im Umfang eines 70%-Pensums und gleichzei-
tiger Absolvierung einer eidgenössisch anerkannten Ausbildung kann davon aber keine Rede
sein. Dem Einwand der Vertreterin, bei der Wahl von Variante Ziff. 8.2 hätte der Pflichtige nicht
gewusst, dass er wieder eine Stelle finden würde, kann nicht gefolgt werden, da es sich grund-
sätzlich stets erst im Laufe der Zeit, d.h. im Sinne einer ex-post Betrachtung, zeigt, ob das Krite-
rium der definitiven Aufgabe der Erwerbstätigkeit erfüllt wird. Damit fehlt es an einer der er-
wähnten Kumulativbedingungen, so dass der dem Pflichtigen ausbezahlten Kapitalleistung kein
Vorsorgecharakter zukommt. Vielmehr ist dieselbe arbeitsrechtlicher Natur, was sich auch darin
zeigt, dass die Abgangsentschädigung aufgrund der Dienstjahre und im Sinne einer Überbrü-
ckung berechnet wurde. Damit sind die Voraussetzungen für eine Besteuerung nach Art. 17
Abs. 2 DBG bzw. zum Rentensatz nach Art. 38 DBG nicht gegeben.
6. Es ist weiter zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine Besteuerung nach Art. 37 DBG
gegeben sind.
a) Gehören zu den Einkünften Kapitalabfindungen für wiederkehrende Leistungen,
so wird gemäss Art. 37 DBG die Einkommenssteuer unter Berücksichtigung der übrigen Ein-
künfte und der zulässigen Abzüge zu dem Steuersatz berechnet, der sich ergäbe, wenn anstel-
le der einmaligen Leistungen eine entsprechende jährliche Leistung ausgerichtet würde.
b) Als Kapitalabfindungen für wiederkehrende Leistungen gelten nach Art. 37 DBG
einmalige Zuwendungen, die dazu bestimmt sind, einen gesetzlichen, statutarischen, vertragli-
chen oder testamentarischen Anspruch auf künftige, periodische Leistungen abzugelten, wobei
vorausgesetzt ist, dass nebst den wiederkehrenden Einzelleistungen auch die zu Grunde lie-
gende Stammschuld getilgt wird (vgl. Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts [BGE]
2A.50/2000 vom 6. März 2001, E. 4b). Wie das Bundesgericht im Urteil vom 5. Oktober 2000
(publ. im StE 2001 B 26.2 Nr. 7) ausführte, ist dieses Normenverständnis indessen zu eng an-
gesichts des mit Art. 37 DBG verfolgten Zwecks, wonach ermöglicht werden soll, eine wieder-
kehrende und somit periodisch zu besteuernde Leistung, die mit einer einmaligen Kapitalabfin-
dung erbracht wird, sachlich richtig jener Progression zu unterstellen, die anwendbar wäre,
wenn anstelle der Einmalzahlung eine jährliche Rente ausgerichtet würde. Die Tarifregelung
nach Art. 37 DBG ist demnach nicht nur anwendbar, soweit künftige Teilleistungsansprüche
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abgegolten werden, sondern es können grundsätzlich allgemein auch Entschädigungen für in
der Vergangenheit begründete Teilzuwendungen miterfasst sein, wenn die vorgesehene perio-
dische Ausrichtung ohne Zutun des Steuerpflichtigen unterblieben ist, diesem also kein Wahl-
recht in Bezug auf die Erfüllungsart bzw. den Erfüllungszeitpunkt zustand (vgl. Basellandschaft-
liche und Baselstädtische Steuerpraxis [BStPra] XVI, S. 405 f. E. 2a; BGE vom 6. März 2001,
a.a.O., E. 4b; vgl. zum Ganzen auch Baumgartner in: Zweifel/Athanas [Hrsg.], Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Art. 37 DBG N 10 f.; Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
Art. 37 N 9) (vgl. zum Ganzen: Entscheid des Steuergerichts (StGE) vom 23. September 2011,
530 11 14, E. 6a).
c) Die vorliegend ausgerichtete Kapitalabfindung in Höhe von Fr. 276‘455.-- stützt
sich wie bereits weiter oben in Erw. 3 ausgeführt auf Ziff. 8.2 des Sozialplans „Swiss Project“
der B._ AG und setzte sich aus den Positionen Dienstjahre sowie Überbrückung zusam-
men. Es wird weder geltend gemacht noch kann aus den Akten ein Hinweis entnommen wer-
den, dass diese Kapitalabfindung für in der Vergangenheit zu tief ausgefallene Löhne ausbe-
zahlt worden wäre, was bedeutet, dass es sich somit nicht um eine Lohnnachzahlung für in der
Vergangenheit begründete Teilzuwendungen handelt.
d) Es bleibt folglich zu prüfen, ob die Kapitalabfindung als Einmalzahlung für eine
gewisse in der Zukunft liegende Dauer gedacht war, d.h. ob die Kapitalabfindung dazu be-
stimmt war, einen gesetzlichen, statutarischen, vertraglichen oder testamentarischen Anspruch
auf künftige, periodische Leistungen abzugelten. Das Arbeitsverhältnis wurde durch die B._
AG per 31. Dezember 2012 aufgelöst. Ab diesem Zeitpunkt bestand folglich keine fortwähren-
den Wirkungen des Arbeitsverhältnisses mehr. Es kann somit nicht gesagt werden, dass die
Kapitalabfindung künftige, periodische Lohndifferenzen abgelte. Damit ist festzuhalten, dass die
ausgerichtete Kapitalabfindung weder dem Ausgleich zu tiefer Lohnzahlungen in der Vergan-
genheit noch dem Ersatz künftiger entgehender Löhne dient und damit nicht dazu bestimmt ist,
die Folgen der Auflösung des Arbeitsverhältnisses für eine Übergangsphase durch ein periodi-
sches Ergänzungseinkommen zu mildern. Aus diesen Gründen kann die Kapitalabfindung nicht
der Tarifregelung nach Art. 37 DBG unterstellt werden.
7. Trotzdem hat die Steuerverwaltung die Kapitalleistung im Sinne einer Überbrückungs-
leistung bis zur Erreichung des vollendeten 58. Altersjahres, d.h. dem Zeitpunkt der frühestmög-
lichen Pensionierung gemäss Sozialplan der B._ AG, entgegenkommenderweise gemäss
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Art. 37 DBG besteuert. Davon soll dem Grundsatz nach nicht abgewichen werden. Zu prüfen
bleibt indes, ob die Berechnung in quantitativer Hinsicht korrekt vorgenommen wurde. Die
Steuerverwaltung hat satzbestimmend eine Reduktion für 2 Jahre vorgenommen und nicht etwa
auf die effektiven Monate bis zum Erreichen des 58. Altersjahres abgestellt. Dies ist nicht zu
bemängeln, ist doch gemäss Lehre und Praxis die Zahlung durch die Anzahl abgegoltener Jah-
re zu teilen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art. 37 N 25, m.w.H.). Mit Veranla-
gungsverfügung der direkten Bundessteuer 2013 vom 10. Dezember 2014 wurde das Nettoein-
kommen gemäss Lohnausweis der B._ AG in Höhe von Fr. 251‘410.-- um die Pensionskas-
senbeiträge in Höhe von Fr. 35‘131.-- erhöht, was Fr. 286‘541.-- ergab. Im Gegenzug wurden
die Pensionskassenbeiträge unter dem Titel Einkauf 2. Säule, Ziff. 600 (zusammen mit dem
vom Pflichtigen getätigten Einkauf in Höhe von Fr. 100‘000.-- und damit total Fr. 135‘131.--)
wieder zum Abzug zugelassen. Das Einkommen in Höhe von Fr. 286‘541.-- wurde unter dem
Titel übrige Einkünfte, Ziff. 380, zu einem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 215‘879.--
veranlagt. Das Brutto-Einkommen in Höhe von Fr. 302‘602.-- setzte sich wie folgt zusammen:
Lohn: Fr. 2‘912.-- + Bonus/Jubiläumsgeschenk: Fr. 23‘235.-- + Kapitalleistung: Fr. 276‘455.--.
Auf die vorgenannten Beträge sind die Sozialversicherungsbeiträge (AHV/IV/EO/ALV/NBUV)
gemäss Lohnausweis von insgesamt Fr. 16‘061.-- bzw. 5.3% umzulegen, was zu folgenden
Nettobeträgen führt: Lohn: Fr. 2‘757.-- + Bonus/Jubiläumsgeschenk: Fr. 22‘002.-- + Kapitalleis-
tung: Fr. 261‘782.--, was total wieder das vorgenannten Nettoeinkommen von Fr. 286‘541.--
ergibt. Der Lohn und der Bonus bzw. das Jubiläumsgeschenk sind zum vollen Satz zu besteu-
ern. Für die Kapitalleistung hingegen ist wie hiervor gesehen satzbestimmend eine Reduktion
für 2 Jahre vorzunehmen, was Fr. 130‘891.-- (= Fr. 261‘782.-- / 2) ergibt. Das Einkommen in
Höhe von Fr. 286‘541.-- ist damit zu einem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 155‘650.-- (=
Fr. 2‘757.-- + Fr. 22‘002.-- + Fr. 130‘891.--) zu besteuern, was gegenüber der Veranlagungsver-
fügung der direkten Bundessteuer 2013 vom 10. Dezember 2014 einer Reduktion um
Fr. 60‘229.-- (= Fr. 215‘879.-- ./. Fr. 155‘650.--) entspricht. Mit Verfügung der direkten Bundes-
steuer 2013 vom 10. Dezember 2014 wurden die Pflichtigen zu einem steuerbaren Einkommen
von Fr. 274‘000.-- und einem satzbestimmenden Einkommen von Fr. 203‘400.-- veranlagt. Das
steuerbare Einkommen bleibt unverändert, das satzbestimmende Einkommen reduziert sich um
die vorgenannten Fr. 60‘229.--, was (gerundet) Fr. 143‘200.-- ergibt.
Die Beschwerde ist damit teilweise gutzuheissen.
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8. Es bleibt über die Kosten des Beschwerdeverfahrens zu befinden.
a) Entsprechend dem teilweisen Obsiegen im Umfang von rund der Hälfte sind den
Beschwerdeführern anteilsmässige Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 500.-- aufzuerlegen (Art.
144 Abs. 1 DBG).
b) Nach Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 bis 3 des Bundesgesetzes über
das Verwaltungsverfahren vom 20. Dezember 1968 (VwVG) kann bei Beschwerden in Steuer-
sachen der ganz oder teilweise obsiegenden Partei für den Beizug eines Vertreters eine ange-
messene Parteientschädigung zulasten der Gegenpartei zugesprochen werden. Die Beschwer-
deführer haben keine Parteientschädigung geltend gemacht. Anlässlich der heutigen Verhand-
lung haben sie überdies auf Frage hin ausdrücklich auf die Zusprechung einer Parteientschädi-
gung verzichtet.
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