Decision ID: 6731f079-b90d-4548-a73c-79edec8ad2dc
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Unterlassung der Nothilfe
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 14. Januar 2021 (GG190236)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 1. November
2019 (Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ (Beschuldigter 1) ist schuldig der Unterlassung der Nothilfe im Sinne von Art. 128 StGB.
2. Der Beschuldigte B._ (Beschuldigter 2) ist schuldig der Unterlassung der Nothilfe im Sinne von Art. 128 StGB.
3. Die Beschuldigte C._ (Beschuldigte 3) ist schuldig der Unterlassung der Nothilfe im Sinne von Art. 128 StGB.
4. Der Beschuldigte 1 wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen
zu Fr. 30.--, wovon 76 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
5. Der Beschuldigte 2 wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen
zu Fr. 30.--, wovon 76 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
6. Die Beschuldigte 3 wird bestraft mit einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen
zu Fr. 30.--, wovon 76 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
7. Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten 1 wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
8. Der Vollzug der Geldstrafe des Beschuldigten 2 wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
9. Der Vollzug der Geldstrafe der Beschuldigten 3 wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
10. Die beim FOR unter der Referenz-Nr. K190602-003 / 75525267 lagernde
Daktyloskopische Spur (Asservat Nr. A012'729'087) wird nach Eintritt der
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Rechtskraft dieses Urteils eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernich-
tung überlassen.
11. Das beim FOR unter der Referenz-Nr. K190602-003 / 75525267 lagernde
Damenkleid (Asservat Nr. A012'684'990) wird dem Beschuldigten 2 nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben
oder nach unbenutztem Ablauf einer dreimonatigen Frist von der Lagerbe-
hörde vernichtet.
12. Die folgenden, polizeilich sichergestellten Gegenstände werden der Be-
schuldigten 3 nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlan-
gen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf einer dreimonatigen
Frist von der Lagerbehörde vernichtet:
Beim FOR unter der Referenz-Nr. K190602-003 / 75525267 lagernd:
- Damenbekleidung (Asservat Nr. A012'684'876)
- Damenhose (Asservat Nr. A012'684'923)
- Sportschuhe (Asservat Nr. A012'684'956)
13. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers D._ wird abgewiesen.
14. Die Gerichtsgebühr wird in Bezug auf den Beschuldigten 1 festgesetzt auf:
Fr. 900.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 2'408.95 Gutachten
Fr. 22'676.10 amtliche Verteidigung
Fr. 1'578.30 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand durch STA
Fr. 1'441.25 Anteil unentgeltliche Rechtsvertretung Privatkläger
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens gemäss vor-
stehender Dispositivziffer, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidi-
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gung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers, werden
dem Beschuldigten 1 auferlegt.
16. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 1 Rechtsanwalt MLaw X._
wird für seine Aufwendungen mit Fr. 22'676.10 (inkl. Barauslagen und
MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nachfor-
derung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
17. Die Gerichtsgebühr wird in Bezug auf den Beschuldigten 2 festgesetzt auf:
Fr. 900.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 2'099.55 Gutachten
Fr. 23'989.10 amtliche Verteidigung Fr. 1'578.30 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand durch STA
Fr. 1'441.25 Anteil unentgeltliche Rechtsvertretung Privatkläger
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
18. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens gemäss vor-
stehender Dispositivziffer, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidi-
gung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers, werden
dem Beschuldigten 2 auferlegt.
19. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten 2 Rechtsanwältin lic. iur.
Y._ wird für ihre Aufwendungen mit Fr. 23'989.10 (inkl. Barauslagen
und MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
20. Die Gerichtsgebühr wird in Bezug auf die Beschuldigte 3 festgesetzt auf:
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Fr. 900.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 2'099.55 Gutachten
Fr. 25'534.65 amtliche Verteidigung
Fr. 1'578.30 Entschädigung unentgeltlicher Rechtsbeistand durch STA
Fr. 1'441.25 Anteil unentgeltliche Rechtsvertretung Privatkläger
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
21. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens gemäss vor-
stehender Dispositivziffer, ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidi-
gung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung des Privatklägers, werden
der Beschuldigten 3 auferlegt.
22. Die amtliche Verteidigung der Beschuldigten 3 Rechtsanwalt MLaw Z._
wird für seine Aufwendungen mit Fr. 25'534.65 (inkl. Barauslagen und
MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt. Vorbehalten bleibt eine Nachfor-
derung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
23. Die unentgeltliche Vertretung der Privatklägerschaft Rechtsanwalt W._
wird mit Fr. 4'323.75 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der Gerichtskasse
entschädigt. Dasselbe gilt für die von der Staatsanwaltschaft bereits bevor-
schussten Fr. 4'734.90. Vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten 1
(Urk. 141 S. 2)
1. Es seien Ziff. 1, 4, 7, 14 und 15 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich
vom 14. Januar 2021 (GG190236) aufzuheben und A._ vom Vor-
wurf der Unterlassung der Nothilfe gemäss Art. 128 StGB freizuspre-
chen.
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2. Es sei A._ für die Zeit der ungerechtfertigten Untersuchungshaft
vom 02.06.2019 - 16.08.2019, d.h. insgesamt 76 Tage, eine Genugtu-
ung in der Höhe von CHF 15'200.–, zzgl. Zins zu 5 % seit dem mittle-
ren Verfallstag (09.07.2019), gesamthaft CHF 17'473.75 zuzuspre-
chen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen, zzgl. 7.7 % MwSt., zulasten
der Staatskasse.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten 2
Formelle Anträge (Urk. 130)
Es sei das vorliegende Berufungsverfahren (SB210220) zu sistieren, bis die
III. Strafkammer der Obergerichts des Kantons Zürich im Verfahren
UA220022 über das gegen Staatsanwältin Katrin Baumgartner gestellte
Ausstandsbegehren entschieden hat.
Materielle Anträge (Urk. 105 S. 2 f.; Urk. 142 S. 3 f.):
1. Die Dispositivziffer 2, 5 und 8 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 14. Januar 2021 (GG190236), seien
aufzuheben und die Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizuspre-
chen.
2. Die Dispositivziffer 17 und 18 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung - Einzelgericht, vom 14. Januar 2021 (GG190236), seien
aufzuheben und die Gerichts- und die Untersuchungskosten seien auf
die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Das erstellte DNA-Profil der Beschuldigten sei zu löschen.
4. Der Beschuldigten sei für die erstandene Haft von 76 Tagen eine Ge-
nugtuung von insgesamt CHF 19'000.00 (76d x CHF 250.00), zuzüg-
lich 5 % Zins ab dem mittleren Verfall, dem 9. Juli 2019, aus der Ge-
richtskasse zuzusprechen.
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5. Der Beschuldigten seien CHF 7'600.00 (76d x CHF 100.00) zuzüglich
5 % Zins ab dem mittleren Verfall, dem 9. Juli 2019, als Schadenersatz
aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien definitiv auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.
c) Der Verteidigung der Beschuldigten 3
Prozessuale Anträge (Urk. 125 S. 3)
Es sei das vorliegende Berufungsverfahren (SB210220) zu sistieren, bis die
III. Strafkammer der Obergerichts des Kantons Zürich im Verfahren
UA220022 über das gegen Staatsanwältin Katrin Baumgartner gestellte
Ausstandsbegehren entschieden hat.
Materielle Anträge (Urk. 143 S. 3 f.):
1. Es seien die Dispositivziffern 3, 6, 9, 20 und 21 des Urteils vom 14. Ja-
nuar 2021 des Bezirksgerichts Zürich (GG190236) sowie die dazuge-
hörigen Erwägungen aufzuheben.
2. C._ sei vom Vorwurf der unterlassenen Nothilfe freizusprechen.
3. Es sei die Vernichtung des mit Verfügung vom 19. Juli 2019 erstellten
DNA-Profil von C._ anzuordnen.
4. C._ sei eine Genugtuung von mindestens CHF 15'200.– zzgl. Zins
zu 5 % seit dem 10. Juli 2019 zuzusprechen.
5. Die Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens seien auf die Staatskasse
zu nehmen. In Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigung sei auf
einen Nachforderungsvorbehalt zu verzichten.
6. Es sei festzustellen, dass die nicht angefochtenen Dispositivziffern des
Urteils vom 14. Januar 2021 des Bezirksgerichts Zürich (GG190236) in
Rechtskraft erwachsen sind.
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Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zulasten der
Staatskasse.
d) Des Vertreters der Privatklägerschaft
(Urk. 109)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
e) Anschlussberufungsanträge der Staatsanwaltschaft
(Urk. 144 S. 2)
1. Das erstinstanzliche Urteil betreffend die Schuldsprüche gemäss Ur-
teilsdispositiv Ziffern 1, 2 und 3 sei zu bestätigen.
2. Ziffern 4, 5, 6, 7, 8, und 9 des Urteilsdispositivs dagegen seien aufzu-
heben und die Beschuldigten je mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten
und einer Busse von Fr. 500.– zu bestrafen, wobei die erstandene Haft
auf die Freiheitsstrafe anzurechnen und die Freiheitsstrafe bedingt
auszusprechen sei, bzgl. A._ und B._ unter Ansetzung einer
Probezeit von 2 Jahren, bezgl. C._ unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 3 Jahren.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien den Beschuldigten aufzuer-
legen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen
Rechtsbeistandes der Privatklägerschaft seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
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Erwägungen:
I. Vorbemerkung zu Parteibezeichnung
Sowohl der Privatkläger D._ als auch der Beschuldigte 2 sind Transfrauen,
weshalb für beide fortan in den Erwägungen – wie bereits im vorinstanzlichen Ur-
teil – die weibliche Bezeichnungsform verwendet wird.
II. Prozessgang
1. Mit eingangs wiedergegebenem Urteil vom 14. Januar 2021 (Urk. 100)
sprach das Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, die drei Beschul-
digten der Unterlassung der Nothilfe schuldig und bestrafte sie jeweils mit 100
Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 30.–. Sämtliche Strafen wurden bedingt ausge-
sprochen. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin wies die Vorinstanz ab.
Gegen dieses Urteil meldeten die Beschuldigten 1, 2 und 3 fristgerecht Berufung
an (Urk. 92 - 94). Die Berufungserklärungen vom 28. April 2021 (Beschuldigte 3;
Urk. 104), vom 3. Mai 2021 (Beschuldigte 2; Urk. 105) und vom 4. Mai 2021 (Be-
schuldigter 1; Urk. 106) erfolgten ebenfalls fristgerecht.
2. Mit Präsidialverfügung vom 10. Mai 2021 wurde der Staatsanwaltschaft und
der Privatklägerin Frist zur Anschlussberufung angesetzt (Urk. 107), worauf die
Privatklägerin mit Eingabe vom 14. Mai 2021 verzichtete. Demgegenüber erklärt
die Staatsanwaltschaft am 21. Mai 2021 fristgerecht Anschlussberufung
(Urk. 110). Mit Präsidialverfügung vom 27. Mai 2021 wurde den Beschuldigten
und der Privatklägerin die Anschlussberufung zugestellt (vgl. Urk. 111).
3. Am 28. Juni 2022 beantragte die Beschuldigte 3, es sei das vorliegende Be-
rufungsverfahren zu sistieren, bis die III. Strafkammer des Obergerichts des Kan-
tons Zürich (Beschwerdekammer) im Verfahren UA220022 über das gegen
Staatsanwältin Katrin Baumgartner gestellte Ausstandsbegehren entschieden ha-
be (Urk. 125). Ein gleichlautendes Gesuch vom 29. Juni 2022 ging in der Folge
auch seitens der Beschuldigten 2 ein (Urk. 130). Den Parteien wurde mitgeteilt,
dass über die Sistierungsgesuche anlässlich der Berufungsverhandlung vorfra-
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geweise entschieden werde (Urk. 127 und Urk. 131). Der Verteidiger des Be-
schuldigten 1 beantragte mit Eingabe vom 29. Juni 2022 zudem die Abnahme der
Vorladung für die Berufungsverhandlung, da er gegenwärtig keinen Kontakt zu
seinem Klienten habe (Urk. 124). Das Verschiebungsgesuch wurde von der Ver-
fahrensleitung abgewiesen (Urk. 124). Das vom Verteidiger hinsichtlich des Be-
schuldigten 1 am 4. Juli 2022 gestellte Dispensationsgesuch wurde dagegen be-
willigt (Urk. 132).
4. Die mündliche Berufungsverhandlung fand am 5. Juli 2022 in Anwesenheit
der Beschuldigten 2 und 3 statt. Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
5. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Auch wenn das
Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein
insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche
Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (BGE 141 IV 244 E. 1.3.3;
Urteil des Bundesgerichts 6B_533/2016 vom 29. November 2016 E. 4.2 mit Hin-
weisen). Die Beschuldigten 1, 2 und 3 beantragen im Berufungsverfahren alle-
samt einen Freispruch unter entsprechender Kosten- und Entschädigungsfolgen
zu Lasten der Staatskasse. Unangefochten geblieben sind somit einzig die vo-
rinstanzliche Verfügung über Spuren bzw. die Herausgabe sichergestellter Ge-
genstände (Dispositiv-Ziffern 10 - 12) sowie die Abweisung der Zivilklage (Genug-
tuung) der Privatklägerin (Dispositiv-Ziffer 13). Insoweit ist das vorinstanzliche Ur-
teil in Rechtskraft erwachsen (Art. 402 StPO), was vorab in einem Beschluss fest-
zustellen ist.
III. Prozessuales
1. Zunächst ist auf die Sistierungsgesuche einzugehen.
1.1. Hintergrund dieser Gesuche bildet das Strafverfahren, welches von der
Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich gegen D._ (im hiesigen Verfahren
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Privatklägerin) als Beschuldigte geführt wird. Gegenstand dieses Verfahrens bil-
det der Vorwurf falscher Anschuldigungen zum Nachteil der drei im hiesigen Ver-
fahren Beschuldigten 1, 2 und 3, nachdem D._ im Nachgang an den hier zu
untersuchenden Vorfall gegenüber der Polizei fälschlicherweise angegeben hatte,
von den drei hiesigen Beschuldigten aus dem Fenster gestossen worden zu sein.
Im Rahmen dieses (noch nicht rechtskräftig eingestellten) zweiten Strafverfahrens
hatte die Verteidigung der Beschuldigten 3 ein Ausstandsbegehren gegen die
Staatsanwältin Baumgartner gestellt, welches zum Zeitpunkt der Berufungsver-
handlung noch bei der Beschwerdekammer des Obergerichts des Kantons Zürich
(III. Strafkammer) pendent war. Das Ausstandsbegehren begründet sie im We-
sentlichen damit, dass die Staatsanwältin das Verfahren wegen falscher Anschul-
digung nur widerwillig, fehlerhaft und lasch führe, während die selbe Staatsanwäl-
tin das Verfahren wegen Unterlassung der Nothilfe gegen die hiesigen Beschul-
digten 1, 2 und 3 mit übermässiger Härte geführt habe. Daraus ergebe sich unter
anderem eine unhaltbare Ungleichbehandlung der beschuldigten Personen in
diesen beiden Strafverfahren (vgl. Urk. 126/1).
1.2. Mit ebendieser behaupteten Ungleichbehandlung durch die in beiden Ver-
fahren fallführende Staatsanwältin begründen die Beschuldigten 2 und 3 denn
auch ihre Sistierungsgesuche (Urk. 125 S. 5 f.; Urk. 130 S. 2 f.). Damit verkennen
die Beschuldigten jedoch, was entscheidend ist: Wie sich aus der soeben darge-
legten Ausgangslage ergibt, liegt im vorliegenden Strafverfahren kein Ausstands-
gesuch gegen die fallführende Staatsanwältin vor. Bei dieser Ausgangslage ver-
mag der Ausgang des einzig im anderen Strafverfahren betreffend falsche An-
schuldigung angestossenen Ausstandsverfahren – selbst im Falle eines gutheis-
senden Entscheids der Beschwerdekammer – auch keinen direkten Einfluss auf
das hiesige Verfahren zu zeitigen. Gleiches gilt im Übrigen auch hinsichtlich der
am Verhandlungstag noch hängigen Beschwerde gegen die im Gegenverfahren
wegen falscher Anschuldigung von der Staatsanwältin verfügte Einstellung des
Verfahrens (vgl. dazu Prot. II S. 14 f.). Vor diesem Hintergrund erlaubt der Grund-
satz des Beschleunigungsgebotes im vorliegenden Verfahren, welches einen
Vorwurf von begrenzter Schwere zum Gegenstand hat, der bereits drei Jahre zu-
rückliegt, jedenfalls keine unnötige Hinauszögerung des Verfahrens. Entspre-
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chend wurden die Sistierungsanträge im Rahmen der Berufungsverhandlung ab-
gewiesen (Prot. II S. 16).
2. Weiter ist auf Thematik der Verwertbarkeit der Einvernahmen der Beschul-
digten einzugehen:
2.1. Der Gegenstand des vorliegenden Strafverfahrens bildet ein Vorfall, der sich
am Abend des 1. Juni 2019 ereignete, bei welchem die Privatklägerin durch einen
Sturz aus einem Fenster im 2. Stock in eine Tiefgarageneinfahrt an der Liegen-
schaft E._-strasse ... in Zürich erhebliche Beinverletzungen zuzog. Bereits
am Folgetag, am 2. Juni 2019, wurden sämtliche 3 Beschuldigten durch die Kan-
tonspolizei Zürich erstmals zu Sache einvernommen (Urk. 2/1; 3/1; 4/1). Es folg-
ten am Tag darauf die Hafteinvernahmen mit den drei Beschuldigten (Urk. 2/2;
3/2; 4/2). Im Rahmen dieser Einvernahmen machten zunächst sämtliche Be-
schuldigten Aussagen zur Sache, während sie in der Folge (bzw. hinsichtlich der
Beschuldigten 3 bereits ab der Hafteinvernahme) von ihrem Aussageverweige-
rungsrecht gebraucht machten (Urk. 2/3, 3/3, 4/2, 4/3 sowie Konfrontationseinver-
nahme Urk. 5). Die Beschuldigten liessen bereits im vorinstanzlichen Verfahren
über ihre amtlichen Verteidigungen geltend machen, dass ihre im Vorverfahren
getätigten Aussagen aufgrund der Verletzung der Vorschriften gemäss Art. 158
Abs. 2 StPO allesamt nicht verwertbar seien.
2.2. Diesen Einwand erhoben die Beschuldigten auch im Berufungsverfahren.
Sie stellen sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass die Aussagen sämtli-
cher Beschuldigten, welche diese unter dem Tatvorwurf der schweren Körperver-
letzung oder versuchten Tötung gemacht haben, im vorliegenden Verfahren we-
gen Unterlassung der Nothilfe gestützt auf Art. 158 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 141
Abs. 1 StPO nicht verwertet werden dürften, da ihnen bezüglich der Unterlassung
der Nothilfe kein rechtsgenüglicher bzw. überhaupt kein Tatvorwurf gemacht wor-
den sei. Ein entsprechender Tatvorwurf hinsichtlich Unterlassung der Nothilfe sei
während sämtlichen Einvernahmen bis zur Einstellung des Verfahrens wegen
versuchter Tötung unterblieben, obschon das Thema einer Unterlassung der Not-
hilfe von Beginn an augenfällig gewesen sei (vgl. Urk. 106 S. 3; Urk. 143 S. 4 ff.
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[Beschuldigter 3]; Urk. 142 S. 4 ff. [Beschuldigte 2]; Urk. 141 S. 3 [Beschuldigte
1]).
2.3. Gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO weisen Polizei oder Staatsanwaltschaft die
beschuldigte Person zu Beginn der ersten Einvernahme darauf hin, dass gegen
sie ein Vorverfahren eingeleitet worden ist und welche Straftaten Gegenstand des
Verfahrens bilden (lit. a). Der Beschuldigte muss in allgemeiner Weise und nach
dem aktuellen Verfahrensstand darüber aufgeklärt werden, welches Delikt ihm zur
Last gelegt wird. Dabei geht es nicht in erster Linie um den Vorhalt strafrechtlicher
Begriffe oder Bestimmungen, sondern um den Vorhalt der konkreten äusseren
Umstände der Straftat. Die beschuldigte Person soll anhand dessen erkennen
können, welcher konkrete Lebenssachverhalt ihr zur Last gelegt wird
(BGE 141 IV 20 E. 1.3.3). Diese Information über den Gegenstand der Strafunter-
suchung ist Voraussetzung dafür, dass sich die beschuldigte Person zu den Tat-
vorwürfen äussern und sich wirksam verteidigen kann. Ferner hat dieser Hinweis
die Funktion, den Prozessgegenstand festzulegen. Massgeblich ist dabei die
Tathypothese, mit welcher die Strafverfolgungsbehörde gegenüber der beschul-
digten Person arbeitet, auch wenn sie diese erst bruchstückhaft beweisen kann
(Urteil des Bundesgerichts 6B_359/2021 vom 20. März 2021 E. 1.3 m.w.V.).
2.4. Die Vorinstanz hat die den Beschuldigten in der ersten Einvernahme durch
die Kantonspolizei gemachten Vorhalte zutreffend wie folgt zusammengefasst
(Urk. 100 S. 9 f.): Dem Beschuldigten 1 wurde vorgehalten, dass gegen ihn "ein
Strafverfahren wegen schwerer Körperverletzung, allenfalls versuchter Tötung –
begangen gestern 01.06.2019, ca. 23.43 Uhr, ... Zürich, E._-strasse ... –
eingeleitet" wurde (Urk. 2/1 S. 1). Der Beschuldigten 2 wurde "vorgeworfen, am
Samstagabend, 01.06.2019, an der E._-strasse ... in Zürich ... im Zimmer Nr.
... im zweiten Obergeschoss mit drei weiteren Personen anwesend gewesen zu
sein, wobei die Privatklägerin gegenüber einer Auskunftsperson schilderte, sie sei
von einem oder mehreren der drei Personen, welche sich in diesem Zimmer be-
fanden, absichtlich aus dem Fenster gestossen worden, worauf sie in der Folge
ca. 9.5 Meter in die Tiefe fiel und sich dabei unter anderem schwerste Beinverlet-
zungen zuzog. Die Tat soll sich um ca. 23.43 Uhr ereignet haben" (Urk. 3/1 S. 1).
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Der Beschuldigten 3 wurde vorgehalten, gegen sie sei "ein Strafverfahren wegen
des Vorfalles vom 01./02.06.2019 an der E._-strasse ... in Zürich eingeleitet
worden, wo eine verletzte Person vor der Liegenschaft aufgefunden wurde, die of-
fenbar aus dem Fenster gestürzt sein soll. Es besteht der Verdacht auf schwere
Körperverletzung, allenfalls versuchte Tötung" (Urk. 4/1 S. 1).
2.5. Im Ergebnis ebenso zutreffend ist auch die rechtliche Einordnung dieser
Vorhalte durch die Vorinstanz im Hinblick auf die Verwertbarkeit. Den Beschuldig-
ten wurde zum damaligen sehr frühen Zeitpunkt der Untersuchung (nur rund 14
Stunden nach dem Vorfall) entsprechend des damaligen Verfahrensstandes auf-
gezeigt, in welchem Zusammenhang gegen sie eine Strafuntersuchung eröffnet
worden sei. Dabei wurde der Lebenssachverhalt, hinsichtlich welchem es ihre all-
fällige strafrechtliche Beteiligung abzuklären galt, sehr präzise umrissen, indem
neben exakten Datums- und Zeitangaben sowie Ortsangaben des Ereignisses
ferner der Name der Geschädigten wie auch die von ihr erlittenen Verletzungen
genannt und die zum damaligen Zeitpunkt bekannten groben Angaben zu den
Tatumständen (schwere Beinverletzung durch Sturz/Fall aus dem Fenster) eröff-
net wurden. Den Beschuldigten war entsprechend bewusst, in welchem Zusam-
menhang sie nun einvernommen würden und wogegen sie sich zu verteidigen
hatten. Die genauen Angaben hätten es ihnen durchaus ermöglicht, ein allfälliges
Alibi zu nennen oder zu behaupten, beim besagten Vorfall nicht anwesend gewe-
sen zu sein. Der Fall ist mithin nicht vergleichbar mit einer Situation, in welchen
eine Verletzung von Art. 158 Abs. 1 StPO angenommen werden muss, weil der
Vorhalt aus derart pauschalen – zeitlich, örtlich und sachlich unbestimmten –
Vorwürfen besteht, dass die beschuldigte Person von vorherein gar nicht in der
Lage ist, sich gezielt zum Verfahrensgegenstand zu äussern (beispielsweise: "Sie
werden verdächtigt, Einbruchdiebstähle begangen zu haben. Wie äussern Sie
sich dazu?"). Dieser Fall ist – wie die Vorinstanz zutreffend darauf hinwies
(Urk. 100 S. 10) – auch nicht vergleichbar mit dem vom Verteidiger des Beschul-
digten 3 angeführten Beispiel, in welchem eine Person beispielsweise unter dem
Vorhalt, an einem Ort einen Diebstahl begangen zu haben, an welchem sich
gleichzeitig auch ein Tötungsdelikt ereignete, befragt wird und damit unter dem Ti-
tel eines vergleichsweise harmlosen Vermögensdelikts vom Beschuldigten Ver-
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dachtsgründe für das (allenfalls gar bewusst noch nicht erwähnten) Tötungsdelikt
gesammelt werden (Urk. 56 S. 5 Rz. 8). Als sich die Beschuldigten der Polizei
stellten, taten sie dies im Wissen darum, dass sie hinsichtlich des Sturzes der Pri-
vatklägerin aus dem Fenster befragt werden würden. Wie die Vorinstanz zutref-
fend anfügte, mussten sie damit rechnen, zu ihrer Rolle im Hinblick auf den Fens-
tersturz und ihre Reaktion auf diesen befragt zu werden, wobei mit der Vorinstanz
als durchaus naheliegend zu betrachten ist, dass sie angesichts des von ihnen
vertretenen Standpunktes, wonach sie sich am Fenstersturz in keiner Weise aktiv
beteiligt hätten, unweigerlich mit Fragen zu ihrem Umgang mit der angetroffenen
Situation, mithin zur allfälligen Hilfeleistung für die Geschädigte, konfrontiert wür-
den. Diesbezüglich ist ebenso erwähnenswert, dass den Beschuldigten allesamt
von Beginn weg eine Verteidigung zur Seite gestellt wurden, mit welchem im Vor-
feld der ersten Einvernahmen ihre Aussage- bzw. Verteidigungsstrategie wie auch
deren allfällige strafrechtliche Tragweite hatten absprechen können (vgl. Urk. 2/1
S. 1 F/A 5; Urk. 3/1 S. 1 F/A 4; Urk. 4/1 S. 1 Protokollnotiz). Als sie sich entschie-
den, auszusagen, waren sie vor diesem Hintergrund somit ausreichend in der La-
ge, ihre Verteidigungsrechte – insbesondere auch hinsichtlich der Unterlassung
der Nothilfe – wirksam auszuüben. Als sie sich hinsichtlich der ausdrücklich zu
diesem Thema gestellten Fragen dazu entschieden, einzugestehen, dass sie der
Privatklägerin keinerlei Hilfe leisteten, taten sie dies im Bewusstsein, dass sie da-
für zur Verantwortung gezogen werden könnten. Aus ihren Aussagen ergibt sich
sodann, dass sie sich ihrer Pflicht, der verletzten Geschädigten Nothilfe zu leisten
oder zumindest Hilfe zu holen, durchaus bewusst waren (vgl. dazu unten E. IV.9.).
Es kann mithin auch nicht gesagt werden, dass sie sich der Tragweite ihrer Aus-
sagen, wonach sie den Ort des Vorfalls in Kenntnis der Lage (Fenstersturz der
Geschädigten) verlassen hatten, ohne etwas in diese Richtung zu unternehmen,
nicht bewusst gewesen wären. Dass im Rahmen der jeweils dritten Einvernahmen
der drei Beschuldigten nicht mehr von Körperverletzung oder Tötung, sondern
von Unterlassung der Nothilfe die Rede war, was dann auch zu Anklage erhoben
wurde, ist der (gegenüber dem ersten Verfahrensstadion abweichenden bzw.
"herabgestuften") rechtlichen Qualifikation des Verhaltens der Beschuldigten in-
nerhalb jenes Lebenssachverhalts geschuldet, der ihnen von Anfang an als The-
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ma der Strafuntersuchung eröffnet wurde. Wie eingangs dargelegt, geht es bei
der Belehrung gemäss Art. 158 Abs. 1 StPO in der ersten Einvernahme gerade
nicht primär um den Vorhalt strafrechtlicher Begriffe oder Bestimmungen, bildet
deren Abklärung doch genau der Zweck der Strafuntersuchung.
2.6. Nach dem Gesagten ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die im Ver-
laufe des Vorverfahrens notwendig gewordene Korrektur der rechtlichen Beurtei-
lung des zu Beginn der ersten Einvernahme bereits eröffneten Lebenssachverhal-
tes keine neuerliche Hinweispflicht nach Art. 158 Abs. 1 StPO auslöste (Urk. 100
S. 10). Die Einwände der Verteidigungen der Beschuldigten erweisen sich als un-
begründet. Einer Verwertung der Aussagen der Beschuldigten steht mithin nichts
entgegen.
IV. Materielles
1. Die Anklagebehörde macht den drei Beschuldigten zum Vorwurf, sich in kei-
ner Weise – weder durch Nachschau noch durch Alarmierung von Rettungskräf-
ten – um die Privatklägerin gekümmert zu haben, nachdem diese aus dem Fens-
ter im 2. Stockwerk über 9.5 Meter in die Tiefe auf den Asphaltboden der Einfahrt
einer Sammelgarage im Hinterhof gestürzt war. Die Privatklägerin habe in konkre-
ter Lebensgefahr geschwebt, nachdem sie mit schweren Beinverletzungen in der
Einfahrt der Sammelgarage liegen geblieben und entsprechend infolge der Bein-
frakturen hätte verbluten und zudem von einem die Einfahrt passierenden Auto
hätte überrollt werden können. Die Beschuldigten hätten unmittelbar nach dem
Sturz der Privatklägerin von diesem gewusst und mit dem Schlimmsten – insbe-
sondere auch damit, dass die Privatklägerin an den Folgen dieses Sturzes hätte
sterben können – gerechnet. Damit hätten sich die Beschuldigten der Unterlas-
sung der Nothilfe im Sinne von Art. 128 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
2. Gemäss Art. 128 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geld-
strafe bestraft, wer einem Menschen, den er verletzt hat, oder einem Menschen,
der in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt, nicht hilft, obwohl es ihm den Um-
ständen nach zugemutet werden könnte. Art. 128 StGB sanktioniert eine abstrak-
te Gefährdung durch Unterlassen. Diese Bestimmung erlegt jedem, der dazu in
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der Lage ist, die allgemeine Pflicht auf, anderen in Notfällen zu helfen (BGE 121
IV 18 E. 2a). Die zu leistende Hilfe beschränkt sich auf Handlungen, die möglich
und nützlich sind und die vom Täter unter Berücksichtigung der Umstände ver-
nünftigerweise erwartet werden können. Es geht nur darum, die nach den Um-
ständen gebotenen Massnahmen zu ergreifen, wobei ein Erfolg nicht vorausge-
setzt wird. Der Tatbestand von Art. 128 StGB ist mithin erfüllt, sobald der Täter
dem Verletzten nicht hilft, ohne dass es darauf ankommt, ob die Hilfe erfolgreich
gewesen wäre. Hilfe ist auch dann geboten, wenn es nur darum geht, einem Ver-
letzten oder Sterbenden Leiden zu ersparen. Der Täter muss tun, was in seiner
Macht steht. In der heutigen Zeit, in der es Mobiltelefone und effiziente Hilfsorga-
nisationen gibt, ist ein Anruf bei einem Notdienst, einem Arzt oder der Polizei eine
angemessene Möglichkeit, schnell Hilfe zu holen. Die Pflicht zur Hilfeleistung be-
steht nur, wenn sich die Person, die der Hilfe bedarf, in unmittelbarer Lebensge-
fahr befindet. Die Ursache der Todesgefahr ist dabei unerheblich. Der Begriff der
unmittelbaren Todesgefahr findet sich auch in Art. 129 StGB. In Anlehnung daran
muss also die ernsthafte Wahrscheinlichkeit eines baldigen Todes bestehen. Der
subjektive Tatbestand erfordert Vorsatz hinsichtlich der Voraussetzungen der Hil-
feleistungspflicht, einschliesslich der eigenen Hilfeleistungsmöglichkeiten, wobei
Eventualvorsatz genügt (BGE 121 IV 18 E. 2a; Urteile des Bundesgerichts
6S.162/2000 vom 20. Dezember 2000 E. 2a; 6B_1109/2020 vom 19. Januar 2020
E. 3.2.3.).
3. Die Vorinstanz hat die Aussagen der drei Beschuldigten in ihrem Urteil zu-
treffend zusammengefasst (Urk. 100 S. 11). Darauf kann verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Mit Blick auf das Kerngeschehen berichten die Beschuldig-
ten, dass sich die Privatklägerin nach ausgiebigem Konsum von Alkohol und Ko-
kain relativ unvermittelt in einem emotionalen Ausnahmezustand wiedergefunden
habe, im Rahmen dessen sie damit drohte, aus dem Fenster zu springen und
auch entsprechende Anstalten machte, indem sie sich zum offenen Fenster be-
gab. Nachdem die Beschuldigten dies zunächst mit vereinten Kräften verhindern
konnten, habe die Privatklägerin gesagt, sie würde nicht springen, wenn die Be-
schuldigten 1 und 3 das Studio verlassen würden. Dies hätten die beiden in der
Folge getan und sich zum Lift im Korridor des Wohnhauses begeben, wo sie ge-
- 18 -
wartet hätten. Die Beschuldigte 2 sei zunächst noch kurzzeitig mit der Privatkläge-
rin im Zimmer verblieben, habe sich dann jedoch auch daran gemacht, das Zim-
mer zu verlassen. Als sie dann kurz danach zurück zum Fenster geschaut habe,
sei die Privatklägerin nicht mehr dort gewesen. Sie habe aber entfernte Aufprall-
geräusche wahrgenommen. Unmittelbar danach begab sich die Beschuldigte 2 zu
den beim Lift wartenden Beschuldigten 1 und 3 und teilte ihnen erschrocken mit,
dass die Privatklägerin soeben aus dem Fenster gesprungen sei. In der Folge
entfernten sich sämtliche Beschuldigten vom Ort des Geschehens, wobei sie sich
nach gemeinsamen Verlassen der Liegenschaft trennten. Die Beschuldigten 1
und 3 gaben an, sich zum ...-platz begeben zu haben, wo sie gewartet hätten und
kurze Zeit später eine herbeigerufene Freundin der Beschuldigten 3 trafen, mit
welcher sie sich später dann auch auf den Polizeiposten begaben. Die Beschul-
digte 2 begab sich zunächst ebenfalls zu einer Freundin an der F._-strasse
und stellte sich später ihrerseits der Polizei. Wie bereits der Erstrichter zutreffend
feststellte, schildern die drei Beschuldigten den Vorfall zunächst in freier Erzäh-
lung und hernach im Rahmen spezifischer Nachfragen – hinsichtlich der Beschul-
digten 1 und 2 dabei konstant über zwei Einvernahmen hinweg – im Wesentlichen
identisch und widerspruchsfrei. Ihre Aussagen fielen sodann plausibel und weit-
gehend detailliert aus und enthalten emotionale Momente. Insbesondere die Aus-
sagen der Beschuldigten 3 fielen besonders detailreich und lebensnah aus, so-
dass davon auszugehen ist, dass sie auf tatsächlich Erlebtem basieren. Die Aus-
sagen der drei Beschuldigten erweisen sich demnach als glaubhaft. Im Ergebnis
erweist sich der äussere Anklagesachverhalt mithin als erstellt.
4. Wie dargelegt erfordert die Erfüllung des Tatbestandes, dass sich die ge-
schädigte Person in unmittelbarer Lebensgefahr befand. Wie sich aus dem Gut-
achten zur körperlichen Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin Zürich vom
27. September 2019 (Urk. 15/3) ergibt, erlitt die Privatklägerin infolge des Sturzes
aus dem Fenster bei einer Fallhöhe von rund 9.5 Metern erhebliche Verletzungen
vorwiegend am linken Fuss und Bein sowie an Becken, Kreuzbein und der Len-
denwirbelsäule. Obwohl sie beim Auffinden durch den Ersthelfer (G._) und
den nachfolgend eintreffenden Einsatzkräften noch ansprechbar war, musste die
Privatklägerin in der Folge aufgrund der schweren Verletzungen intubiert in den
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Spitalnotfall verlegt und einer notfallmässigen Operation unterzogen werden, im
Rahmen derer Anzeichen eines kreislaufrelevanten Blutverlustes festgestellt wur-
den, was erst durch Abgabe von drei Blutkonserven stabilisiert werden konnte.
Gemäss Gutachten bestand somit für die Privatklägerin Lebensgefahr durch die
hohe Eintrittswahrscheinlichkeit des Verblutens infolge der komplexen Frakturen
am linken Bein (Urk. 15/3 S. 6 f.). Damit ist das Tatbestandserfordernis einer un-
mittelbaren Lebensgefahr erfüllt. Wie in der Anklageschrift sodann zu Recht er-
gänzend aufgeführt wird, kam die Privatklägerin nach dem Sturz mitten in der Ein-
fahrt einer Sammelgarage zu liegen, wo sie sich aufgrund ihrer Beinverletzungen
nicht mehr wegbewegen konnte und folglich ernsthafte Gefahr bestand, von ei-
nem ein- oder ausfahrenden Auto übersehen und überfahren zu werden, insbe-
sondere nachdem es zum Zeitpunkt des Vorfalls dunkel war, die Privatklägerin
am Boden lag und zudem schwarze Kleider trug. Soweit ersichtlich war die Gara-
geneinfahrt sodann unbeleuchtet (vgl. Wahrnehmungsbericht Pol. H._,
Urk. 1/9 sowie Fotos des Auffindeortes der Privatklägerin, Urk. 1/9 S. 3 f.).
5. Gemäss der Rechtsprechung erlischt die Pflicht zur Hilfeleistung im Sinne
von Art. 128 Abs. 1 StGB, wenn die Hilfe offensichtlich keinem Bedürfnis mehr
entspricht, insbesondere wenn die Person in der Lage ist, sich selbst zu versor-
gen, wenn Dritte sie ausreichend versorgen, wenn sie die angebotene Hilfe aus-
drücklich ablehnt oder wenn der Tod bereits eingetreten ist (BGE 121 IV 18 E. 2a;
Urteil des Bundesgerichts 6B_1109/2020 vom 19. Januar 2022 E. 2.3.2.). Die
Verteidigung der Beschuldigten 2 und 3 stellt sich diesbezüglich auf den Stand-
punkt, eine Hilfeleistung der Beschuldigten sei gar nicht notwendig gewesen, da
sich umgehend Ersthelfer – konkret G._ – sowie die unmittelbar danach (von
Dritten) alarmierten Polizei- und Sanitätskräfte, die sehr rasch eingetroffen seien,
um die Privatklägerin kümmerten. Es sei entsprechend unklar, welche Hilfeleis-
tung die Beschuldigten überhaupt noch hätten erbringen können oder müssen
(Urk. 79 S. 9, Urk. 143 S. 19 [Beschuldigte 3]; Urk. 75 S. 12, Urk. 142 S. 8 [Be-
schuldigte 2]). Damit sind die Beschuldigten nicht zu hören. Zwar lässt sich der
zeitliche Ablauf der Ereignisse nicht mehr auf die Minute genau feststellen. An-
ders als die Verteidigung es darzustellen versucht, war es aber jedenfalls keines-
wegs so, dass der Privatklägerin fast schon "innert Sekunden" nach dem Aufprall
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bereits Hilfe zur Seite stand. Der von der Verteidigung des Beschuldigten 3 er-
wähnte Ersthelfer G._ gab an, zunächst einen Schrei sowie ein "Klöpfen"
und dann "nach ca. 5 Minuten" wiederholte Hilfeschreie gehört zu haben, was ihn
dann veranlasst habe, nachzusehen und nach dem Auffinden der Privatklägerin
die Rettungskräfte zu alarmieren (Urk. 7/1 S. 1 f.). Demgegenüber hatten die drei
Beschuldigten unmittelbar nach dem Fenstersturz von diesem Kenntnis erlangt
und wären entsprechend in der Lage gewesen, der Privatklägerin deutlich schnel-
ler Hilfe zu leisten oder solche zu alarmieren. Auch wenn die Rettungskräfte
glücklicherweise doch noch von Drittpersonen alarmiert wurden und tauch relativ
schnell am Unfallort eingetroffen sein dürften, kann nicht gesagt werden, eine ra-
sche Reaktion der Beschuldigten zur Hilfeleistung im erwähnten Sinne wäre von
vornherein nutzlos gewesen, kann doch als gerichtsnotorisch erachtet werden,
dass bei derart schweren Verletzungen – insbesondere bei potentiell raschem
und hohem Blutverlust – buchstäblich jede Sekunde zählen kann. Zudem entfällt
die Pflicht, Nothilfe zu leisten, nicht, wenn andere Personen ebenfalls in die Lage
komme, Hilfe zu leisten (vgl. BGE 121 IV 18 E. 2b/aa). Schliesslich war es auch
nicht so, dass die Beschuldigten einzig deshalb keine Hilfe leisteten, weil sie er-
kannten, dass ausreichende Hilfe bereits von anderen geleistet wurde. Vielmehr
verliessen sie den Ort des Geschehens umgehend nach dem Fenstersturz, ohne
sich in irgendeiner Weise zu vergewissern, wie es um die Privatklägerin stand und
ob bereits Hilfe unterwegs war. Dass sie später, als sie sich längst vom Gesche-
hen entfernt hatten, Sirenen der Blaulichtorganisationen wahrnahmen, vermag sie
im Lichte des Gesagten jedenfalls nicht zu entlasten.
6. Beim Suizid entfällt nach einhelliger Ansicht der Lehre die Hilfspflicht, solan-
ge dieser durch eine urteilsfähige Person begangen wird (MAEDER, in: Basler
Kommentar StGB, 4. Aufl. 2019, N 41 zu Art. 128 StGB). Ob die Privatklägerin
letztlich tatsächlich bewusst aus dem Fenster sprang oder aufgrund ihrer Position
beim Fenster bzw. auf dem Fenstersims – allenfalls auch gefördert durch ihre Al-
kohol- und Kokainintoxikation – letztlich doch ungewollt in die Tiefe stürzte, lässt
sich angesichts der gegenteiligen Aussagen der Privatklägerin und der Geschä-
digten nicht mehr feststellen, insbesondere nachdem die zum Zeitpunkt des Stur-
zes noch im Zimmer anwesende Beschuldigte 2 den Moment des eigentlichen
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Sturzes (oder eben Sprunges) wie dargelegt nicht beobachtet hatte. Doch selbst
wenn die Privatklägerin sich selber aus dem Fenster geworfen hätte, läge keine
Situation vor, welche die Nothilfepflicht der Beschuldigten hätte entfallen lassen.
Wie bereits erwähnt gaben sämtliche Beschuldigten an, dass sich die Privatkläge-
rin nach ausgiebigem Betäubungsmittelkonsum relativ unvermittelt in einem emo-
tionalen Ausnahmezustand befunden habe. Entsprechend fühlten sich die Be-
schuldigten in einer ersten Phase denn auch gehalten, die Privatklägerin durch
Festhalten am angedrohten Sprung zu hindern. Vor diesem Hintergrund entfiel die
Pflicht zur Hilfeleistung nach dem Fenstersturz somit nicht, was denn auch von
der Verteidigung anerkannt wird (Urk. 75 Rz. 33).
7. Wenn der Beschuldigte 1 sodann vor Vorinstanz durch seinen Verteidiger
geltend machen lässt, er sei als brasilianischer Tourist erst ein paar Tage in der
Schweiz gewesen und mit dem hiesigen Notrufwesen nicht vertraut gewesen
(Urk. 87 Rz. 8), vermag er sich damit nicht zu entlasten. Letztlich geben alle drei
Beschuldigten an, nicht geholfen zu haben, da sie nicht gewusst hätten, was zu
tun sei. Wie unter Hinweis auf die Rechtsprechung bereits ausgeführt, ist im heu-
tigen Zeitalter der Mobiltelefone zumindest ein Anruf bei einem Notdienst, einem
Arzt oder der Polizei eine angemessene Möglichkeit, schnell Hilfe zu holen. Aller-
dings stehen auch jenem, der über kein Mobiltelefon verfügt, die Notrufnummern
nicht kennt oder die hiesige Sprache nicht spricht, durchaus andere zumutbare
und potentiell wirksame Hilfeleistungen zur Verfügung, etwa indem man andere
Personen auf sich aufmerksam macht, die Hilfe rufen oder leisten können. So-
dann hätte in casu der Gefahr, dass die Privatklägerin in der Garagenauffahrt
durch ein Fahrzeug übersehen und überrollt wird, nur schon durch die reine An-
wesenheit der Beschuldigten und Warnung allfälliger Garagenbenutzer gebannt
werden können. Die Strafbestimmung gemäss Art. 128 StGB will jenen zur Re-
chenschaft ziehen, der «nicht hilft». Ein Helfer, der das ihm Erkennbare und Mög-
liche vorkehrt, genügt seiner Pflicht, selbst wenn sich im Nachhinein herausstellt,
dass andere Massnahmen eher geeignet gewesen wären, das bedrohte Leben zu
retten (MAEDER, a.a.O., N 42 zu Art. 128 StGB). Indem sich die Beschuldigten oh-
ne Weiteres, selbst ohne überhaupt Nachschau zu halten, entfernten, genügten
sie ihrer Pflicht klarerweise nicht.
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8. Nach dem Gesagten erweist sich der objektive Tatbestand von Art. 128
Abs. 1 StGB als erfüllt.
9. In subjektiver Hinsicht ist Vorsatz erforderlich, wobei Eventualvorsatz ge-
nügt. Entscheidend ist, ob sich die Beschuldigten bewusst waren, dass die Per-
son in unmittelbarer Lebensgefahr schwebt und dass sie in einer solchen Situati-
on zur Hilfeleistung verpflichtet sind. Vorliegend hielt keine der drei beschuldigten
Personen Nachschau, um sich zu vergewissern, wie es um die Privatklägerin
steht. Nachdem sie aber wussten, dass diese soeben aus dem Fenster in die Tie-
fe gestürzt war, mussten sie zumindest damit rechnen, dass die Privatklägerin
durch den Sturz lebensgefährlich verletzt wurde. Umgekehrt konnten die Be-
schuldigten auch nicht als gesichert ansehen, dass die Privatklägerin durch den
Sturz unmittelbar getötet worden sein musste und Hilfe ohnehin zwecklos wäre,
muss doch selbst bei einem Sturz aus solcher Höhe mit einer gewissen Überle-
benschance gerechnet werden. Dass sie den Tod der Privatklägerin als gesichert
angesehen haben wollen, ergibt sich denn auch nicht aus den Aussagen der Be-
schuldigten (Urk. 3/1 F/A 20: "Ich war schon in Sorge [...]."; Urk. 3/2 F/A 16: "Ich
bin nicht einmal zum Fenster um hinauszuschauen. Ich wollte D._ nicht se-
hen und nicht berühren"; Urk. 4/1 F/A 53: "Ich wusste nicht, ob I._ gestorben
ist."). Entsprechend ist – entgegen der Verteidigung der Beschuldigten 2
(Urk. 142 S. 10) – auch nicht von Sachverhaltsirrtum auszugehen. Mit Blick auf
das Bewusstsein der Pflicht zur Hilfeleistung schloss die Vorinstanz darauf, dass
unabhängig von der Kenntnis strafrechtlicher Normen als allgemein bekannt gel-
ten könne, dass man eine lebensgefährlich verletzte, hilfsbedürftige Person nicht
einfach ihrem Schicksal überlässt, sondern verpflichtet ist, Hilfe zu leisten oder
zumindest Hilfe zu rufen (Urk. 100 S. 15). Dem ist zuzustimmen. Den Beschuldig-
ten musste mithin bewusst gewesen sein, dass sie der Privatklägerin mindestens
in irgendeiner Form hätten helfen müssen. Wie die Vorinstanz diesbezüglich zu-
dem bereits zutreffend darauf hinwies, machten die Beschuldigten in ihren Befra-
gungen denn auch nicht geltend, davon ausgegangen zu sein, dass sie nicht hät-
ten helfen müssen. Seitens der Beschuldigten 2 wurden sodann ausdrücklich ein-
geräumt, dass es falsch gewesen sei, nicht zu helfen (Urk. 3/2 F/A 23). Obwohl
sie damit rechneten, dass die Privatklägerin noch leben, jedoch in Lebensgefahr
- 23 -
schweben könnte, und trotz ihres Bewusstseins, dass sie hätten helfen müssen,
entschieden sich die Beschuldigten, den Tatort ohne jegliche Vorkehrungen zu
verlassen, womit sie eventualvorsätzlich handelten. Der subjektive Tatbestand
erweist sich mithin hinsichtlich aller Beschuldigten als erfüllt.
10. Von sämtlichen Beschuldigten wird schliesslich entschuldigend vorgebracht,
sie hätten insbesondere auch deshalb keinerlei Anstrengungen zur Hilfeleistung
unternommen, weil sie sich ab dem Umstand, dass sich die Privatklägern soeben
aus dem Fenster gestürzt habe, in einem Schockzustand befunden hätten bzw.
verzweifelt und verängstig gewesen seien (Urk. 141 S. 4 f. [Beschuldiger 1];
Urk. 142 S. 9 [Beschuldigte 2]; Urk. 143 S. 18 f. [Beschuldige 3]). Dass ein derar-
tiges Ereignis geeignet ist, eine in der Nähe anwesende Person zwischenzeitig in
einen gewissen Schreckzustand zu versetzen, ist zwar naheliegend. Vorliegend
bestehen aber keine Anzeichen darauf, dass die Beschuldigten ab dem behaupte-
ten "Schockzustand" zu keinerlei rationalen Handlungen mehr fähig gewesen wä-
ren. Vielmehr entfernten sich alle drei gezielt vom Unfallort und kontaktierten bzw.
begaben sich zu verschiedenen Freundinnen, welchen sie vom Geschehenen be-
richteten (Urk. 2/1 S. 9, Urk. 2/2 S. 7, Urk. 4/1 S. 8 [Beschuldigter 1]; Urk. 3/1 S. 3
[Beschuldigte 2]; Urk. Urk. 4/1 S. 8 [Beschuldigte 3]).
An dieser Stelle ist sodann auch auf das Vorbringen der Verteidigungen der drei
Beschuldigten einzugehen, wonach sich diese zum Tatzeitpunkt allesamt in ei-
nem erheblichen Rauschzustand infolge Alkohol- und Kokainkonsums befunden
hätten (Urk. 79 S. 8; Urk. 141 S. 4 [Beschuldigter 1]; Urk. 87 S. 5; Urk. 142 S. 9
[Beschuldigte 2]; Urk. 75 S. 12; Urk. 143 S. 19 [Beschuldigte 3]). Diesbezüglich
hat die Vor-instanz zunächst die Ergebnisse der pharmakologisch-toxikologischen
Gutachten hinsichtlich der drei Beschuldigten (Urk. 8/4; Urk. 9/4; Urk. 10/4) darge-
legt und gestützt darauf festgehalten, dass sich weder der genaue Blutalkoholge-
halt noch das Ausmass des Rauschzustandes infolge Alkohol- und Kokaineinflus-
ses (und beim Beschuldigten 1 sodann THC-Einflusses) zum Tatzeitpunkt nach-
träglich genügend genau bestimmen liess. Rechne man jedoch bezüglich der Be-
schuldigten 1 und 2 gestützt auf den gutachterlich festgestellten Restalkoholge-
halt zum Zeitpunkt der Probenahme auf den Tatzeitpunkt zurück, so ergäbe sich
- 24 -
bei einem durchschnittlichen Gewichtspromille-Abbau von 0.15/h ein Promillewert
von 1.785 beim Beschuldigten 1 und 1.6 Promille bei der Beschuldigten 2 bzw. –
bei einem Promilleabbau von 0.2 pro Stunde – von 2.31 Promille beim Beschul-
digten 1 und von 2.1 Promille bei der Beschuldigten 2. Entsprechend würde die
Vermutung der verminderten Schuldfähigkeit hinsichtlich der Beschuldigten 1 und
2 allein aufgrund der geschätzten Blutalkoholkonzentration zum Tatzeitpunkt
selbst dann nur knapp greifen, wenn zu ihren Gunsten von einem erhöhten stünd-
lichen Promilleabbau von 0.2 ausgegangen würde. Hinsichtlich der Beschuldigten
3 konnte zum Zeitpunkt der Probenahme kein Blutalkohol mehr festgestellt wer-
den, was eine Rückrechnung verunmöglicht. Bei ihr konnte zwar Kokainrückstän-
de im Blut nachgewiesen werden, ohne dass sich aber Rückschlüsse auf das
Ausmass der Beeinträchtigung zum Tatzeitpunkt ziehen liessen. Auf diese über-
zeugenden Darlegungen der Vorinstanz kann verwiesen werden (Urk. 100 S. 15
ff.). Nichtsdestotrotz ist aufgrund der verbleibenden Zweifel dem Grundsatz in du-
bio pro reo folgend zu Gunsten der Beschuldigten von einer Verminderung der
Schuldfähigkeit auszugehen, was hernach in der Strafzumessung zu berücksich-
tigen sein wird (vgl. zum Ganzen Urk. 100 S. 15 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die
Verminderung der Schuldfähigkeit und damit die verschuldensreduzierende Wir-
kung kann allerdings höchstens als sehr leicht qualifiziert werden, nachdem – wie
auch die Vorinstanz anfügte – die Beschuldigten in ihren Befragungen selber nicht
geltend machten, dass ihre Trunkenheit bzw. ihr Rauschzustand es ihnen verun-
möglicht hätte, pflichtgemäss zu handeln. Dass sie sodann nicht mehr in der Lage
gewesen wären, einigermassen rational zu handeln, wurde zuvor bereits darge-
legt. Wie auch die Staatsanwaltschaft zu Recht vorbringt (Urk. 144 S. 5), ist so-
dann zu berücksichtigen, dass die Beschuldigten unmittelbar vor dem verhäng-
nisvollen Sturz der Privatklägerin – ungeachtet ihres Substanzkonsums – noch
durchaus in der Lage waren, rasch und richtig zu reagieren, hatten sie nach der
ersten Ankündigung der Privatklägerin, sich aus dem Fenster zu stürzen, solches
doch noch mit vereinten Kräften verhindert.
11. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Anklagesachverhalt erstellt ist
und die Beschuldigten durch ihr Verhalten den Tatbestand der Unterlassung der
Nothilfe gemäss Art. 128 Abs. 1 StGB erfüllten. Rechtfertigungs- und Schuldaus-
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schlussgründe bestehen wie dargelegt keine. Entsprechend haben sich die drei
Beschuldigten der Unterlassung der Nothilfe schuldig gemacht, wofür sie zu be-
strafen sind.
V. Strafzumessung
1. Grundsätze der Strafzumessung und Ausgangslage
1.1. Mit Blick auf die Grundsätze der Strafzumessung nach Art. 47 ff. StGB
kann vorab auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 100
S. 18 f.). Im Übrigen hat das Bundesgericht diese Grundsätze und die an sie ge-
stellten Begründungsanforderungen wiederholt dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4
ff. mit Hinweisen). Darauf kann ebenfalls verwiesen werden.
1.2. Der abstrakte Strafrahmen beläuft sich vorliegend auf 3 Tagessätze Geld-
strafe bis 3 Jahre Freiheitsstrafe (Art. 128 Abs. 1 StGB). Wie die Vorinstanz zu-
treffend erkannte, ist die Strafe innerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzu-
setzen (Urk. 100 S. 18).
1.3. Die Beschuldigten beantragen wie dargelegt allesamt Freisprüche. Für den
Fall eines Schuldspruches wurden keine Eventualanträge gestellt. Die Staatsan-
waltschaft beantragt mit ihrer Anschlussberufung eine Erhöhung des vorinstanzli-
chen Strafmasses auf 9 Monate Freiheitsstrafe und Fr. 500.– Busse.
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Zunächst ist die Tatkomponente zu bestimmen. Nachdem sich das Tatvor-
gehen der Beschuldigten im Wesentlichen identisch gestaltete, kann dies für die
drei Beschuldigten gemeinsam erfolgen.
2.1.2. Hinsichtlich des Tatvorgehens ist festzuhalten, dass die Beschuldigten sich
in keiner Weise um die Privatklägerin, mit welcher sie unmittelbar zuvor noch fröh-
lich eine Party feierten, kümmerten, als diese unvermittelt aus dem Fenster im
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2. Stock fast 10 Meter tief auf den Betonbelag einer darunterliegenden Garagen-
einfahrt stürzte. Die Beschuldigten vergewisserten sich nicht einmal über den Zu-
stand der Privatklägerin, sondern verliessen die Örtlichkeit unmittelbar nach der
Kenntnisnahme des Fenstersturzes. Während eine kurzzeitige "Handlungsunfä-
higkeit" aufgrund des Schrecks über die unvermittelt eigetretene tragische Wen-
dung des bis anhin feuchtfröhlichen Anlasses in einer allerersten (kurzen) Phase
noch nachvollziehbar wäre, ist das Verhalten der Beschuldigten, die Örtlichkeit
einfach zu verlassen, ohne jemals – mithin auch nach Überwindung des allerers-
ten Schreckens – auch nur im geringsten um Hilfe bemüht zu sein, mit der Vo-
rinstanz als nicht nachvollziehbar und verantwortungslos zu betrachten. Was die
Tatfolgen angeht, erweist sich der Umstand, dass die Privatklägerin aufgrund ih-
rer schweren Verletzungen in Lebensgefahr schwebte, als tatbestandsimmanent
und hat mithin für sich keine verschuldenserhöhende Wirkung. Vielmehr erweist
sich die Tat in Anbetracht dessen, dass die Privatklägerin den Sturz überlebte und
– soweit ersichtlich – keine bleibenden Schäden davontrug, mit Blick auf all jenen
Situationen, die vom Tatbestand erfasst werden (insbesondere späteres Verster-
ben der hilfsbedürftigen Person), als verhältnismässig weniger gravierend. Weiter
berücksichtigt die Vorinstanz den Umstand, dass sich der Vorfall am Samstag-
abend im als Ausgangsviertel auch Nachts noch relativ vielbelebten F._-
strassenquartier ereignete, weshalb der Privatklägerin dank Drittpersonen und
den von diesen alarmierten, rasch eingetroffenen Rettungskräfte relativ rasch ge-
holfen werden konnte, zu Gunsten der Beschuldigten. Dazu ist folgendes anzu-
merken: Grundsätzlich richtig erscheint zwar, dass es verschuldensmässig durch-
aus einen Unterschied macht, ob der Täter einen Nothilfebedürftigen an einem
abgelegenen Ort, an dem mit grösster Wahrscheinlichkeit keine Passanten vor-
beikommen, zurücklässt, womit er (der Täter) sozusagen die einzige Hoffnung
des Hilfsbedürftigen darstellt, oder ob jemand an einem Ort nicht geholfen wird,
wo der Hilfsbedürftige mit grosser Wahrscheinlichkeit innert kurzer Zeit von einer
anderen Person Hilfe bekommen wird. Vorliegend erscheint der Einwand der
Staatsanwaltschaft allerdings berechtigt, wonach zu berücksichtigen sei, dass die
Privatklägerin nachts und auf der nicht beleuchteten Rückseite der Liegenschaft
in einem Innenhof in die asphaltierte Tiefgarageneinfahrt gefallen war, wo selbst
- 27 -
am Samstag keine Passanten der F._-strasse zu erwarten sind und die Ge-
schädigte an dem zu liegen gekommenen Ort wohl auch kaum so rasch gefunden
worden, wenn sie nicht von sich aus in der Lage gewesen wäre, durch Hilfe-
schreie selber auf sich aufmerksam zu machen, was angesichts der Fallhöhe be-
reits für sich an ein Wunder grenze (Urk. 110 S. 2 f.; Urk. 144 S. 3 f.). Vor diesem
Hintergrund ist tatsächlich nicht ersichtlich, dass die nur dank dieses äusserst
glücklichen Umstandes relativ rasch von Dritten verständigten Rettungskräfte das
Verschulden der Beschuldigten zu relativieren vermöchte, zumal diese selber
nicht geltend machten, die Schreie der Privatklägerin gehört zu haben und ent-
sprechend davon ausgegangen zu sein, dass diese ohnehin schnell durch Dritte
Hilfe erhalten würde. In einer Gesamtbetrachtung ist das objektive Tatverschulden
aber dennoch als noch leicht einzustufen.
2.1.3. Bei der subjektiven Tatschwere ist – anders als die Vorinstanz, die von di-
rektem Vorsatz ausging – zu berücksichtigen, dass die Beschuldigten eventual-
vorsätzlich handelten (oben E. IV.9.), was verschuldensmässig weniger schwer
wiegt. Das die Tat nicht im Voraus geplant war, ergibt sich weitestgehend schon
aus der Natur des Tatbestandes. Sodann ist nicht ohne Weiteres ersichtlich, was
die Vor-instanz meint, wenn sie das "Umfeld", in der sich die Beschuldigten be-
wegten, strafmindernd berücksichtigt (Urk. 100 S. 20). Insgesamt wird das objek-
tive Tatverschulden durch die subjektive Tatkomponente mit Blick auf den Even-
tualvorsatz leicht relativiert.
2.1.4. Schliesslich ist die zu Gunsten der Beschuldigten angenommene sehr
leichte Verminderung der Schuldfähigkeit geringfügig strafmindernd zu berück-
sichtigen. Das Tatverschulden ist mithin als leicht einzustufen und es erscheint
hinsichtlich aller drei Beschuldigten eine Einsatzstrafe von 150 Tagessätzen
Geldstrafe oder 5 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.
2.2. Täterkomponente
2.2.1. Hinsichtlich seines Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten 1 kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 100 S. 20 f.). Aus der Biografie des Beschuldigten 1 ergeben sich
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keine Umstände, die sich auf die Strafzumessung auswirken würden. Der Be-
schuldigte 1 weist eine Vorstrafe auf, im Rahmen derer er 2016 wegen grober
Verkehrsregelverletzung zu 50 Tagessätzen Geldstrafe bedingt verurteilt wurde
(Urk. 101). Vorstrafen sind in aller Regel straferhöhend zu berücksichtigen
(BGE 136 IV 1 E. 2.6.2.). Die mit Blick auf das damals ausgesprochene Strafmass
bereits für sich im geringfügigen Vorstrafe erweist sich allerdings als nicht ein-
schlägig und liegt bereits mehrere Jahre zurück, weshalb eine Straferhöhung
höchstens in einem Bereich in Frage käme, welcher in einer Gesamtbetrachtung
als vernachlässigbar anzusehen ist. Entsprechend ist zu Gunsten des Beschuldig-
ten 1 davon abzusehen und die Täterkomponente als insgesamt neutral zu ge-
wichten.
2.2.2. Hinsichtlich ihres Vorlebens und der persönlichen Verhältnisse der Be-
schuldigten 2 kann ebenfalls auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
verwiesen werden (Urk. 100 S. 21). An der Berufungsverhandlung verweigerte sie
diesbezüglich jegliche Aussage (Prot. II S. 16 ff.). Aus der Biografie der Beschul-
digten 2 ergeben sich keine Umstände, welche die Tat zu begründen vermöchten.
Die Beschuldigte 2 ist nicht vorbestraft (Urk. 102), was sich in der Strafzumes-
sung indes neutral auswirkt. Die Täterkomponente wirkt sich bei ihr entsprechend
ebenfalls neutral aus.
2.2.3. Auch bei der Beschuldigten 3 kann hinsichtlich ihres Vorlebens und ihrer
persönlichen Verhältnisse auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden (Urk. 100 S. 21). Auch sie verweigerte an der Berufungsverhand-
lung jegliche Aussage (Prot. II S. 17). Aus der Biografie der Beschuldigten 3 er-
geben sich ebenfalls keine Umstände, die sich auf die Strafzumessung auswirken
würden. Wie die Vorinstanz zutreffend aufführte (vgl. Urk. 100 S. 21 f.), weist die
Beschuldigte 3 drei Vorstrafen aus den Jahren 2015 und 2016 auf (Urk. 103).
Diese erweisen sich – zumindest gemessen am ausgesprochenen Strafmass von
20 - 30 Tagessätzen Geldstrafe – jedoch allesamt als geringfügig und sind über-
dies nicht einschlägig. In Anbetracht dessen sowie angesichts des Umstandes,
dass die Vorstrafen bereits mehrere Jahre zurückliegen und die Beschuldigte sich
seither wohl verhalten hat, liegt die straferhöhende Wirkung der Vorstrafen auch
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bei ihr im vernachlässigbaren Bereich. Entsprechend wirkt sich die Tatkomponen-
te auch bei der Beschuldigten 3 neutral aus.
2.2.4. Mit der Vorinstanz ist hinsichtlich aller Beschuldigten zu berücksichtigen,
dass sie sich zu Beginn des Untersuchungsverfahrens mit Blick auf den hier zur
Beurteilung stehenden Vorwurf allesamt geständig zeigten. Wenngleich die Be-
schuldigten später von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machten,
widerrief keine bzw. keiner der Beschuldigten das ursprüngliche Geständnis.
Reue und Einsicht in das begangene Unrecht fehlt allerdings bei allen Beschuldig-
ten, stellten sie sich doch im Wesentlichen von Beginn weg auf den Standpunkt,
eine Hilfeleistung sei ihnen aufgrund der Umstände und ihres Zustandes nicht
zumutbar gewesen. Dennoch wurde die Strafuntersuchung letztlich doch erheb-
lich erleichtert, waren dank ihrer Geständnisse keine weiteren Beweisabnahmen
mehr notwendig. Entsprechend wirkt sich das Nachtatverhalten doch spürbar – im
Bereich von rund einem Viertel – strafmindernd aus.
2.3. Verfahrensdauer
Die Vorinstanz ging ferner davon aus, dass sich die lange Verfahrensdauer straf-
mindernd auswirken müsse. Diesbezüglich ist anzumerken, dass bereits
5 Monate nach der Tat Anklage an das Bezirksgericht erhoben wurde, was – ins-
besondere angesichts des Umstandes, dass in einer ersten Phase wegen eines
versuchten Tötungsdelikts ermittelt wurde – keineswegs als übermässig bezeich-
net werden kann und entsprechend von der Staatsanwaltschaft in ihrer An-
schlussberufungsbegründung zu Recht kritisiert wird (Urk. 110 S. 3). Nachdem
sich jedoch die erst- und zweitinstanzlichen Gerichtsverfahren als Folge der sich
als nicht einfach gestaltenden Terminsuche sowie der Corona-Pandemie in die
Länge zog, was nicht den Beschuldigten anzulasten ist, ist ihnen dennoch eine
leichte Strafreduktion zu gewähren, die im Bereich von 10 - 15 Tagessätzen an-
gemessen erscheint.
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2.4. Ergebnis Strafhöhe
Im Ergebnis ergibt sich hinsichtlich der Beschuldigten 1, 2 und 3 allesamt eine
Strafhöhe von 100 Tagessätzen Geldstrafe.
3. Strafart
Zu den allgemeinen rechtlichen Voraussetzungen zur Bestimmung der Strafart
kann auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 100 S. 23).
Angesichts des hiervor festgesetzten Strafmasses kommt vorliegend grundsätz-
lich sowohl eine Geld- als auch eine Freiheitsstrafe in Frage. Vorliegend ist zu be-
rücksichtigen, dass sich das Verschulden hinsichtlich aller Beschuldigten im leich-
ten Bereich bewegt. Hinsichtlich der nicht vorbestraften Beschuldigten 2 drängt
sich entsprechend eine Geldstrafe geradezu auf. Der Beschuldigte 1 ist zwar
einmalig vorbestraft. In Anbetracht dessen, dass die Vorstrafe sich gemessen am
damaligen Strafmass im noch geringfügigen Bereich bewegte und nicht einschlä-
gig ist, steht auch bei ihm eine Geldstrafe klar im Vordergrund. Die Beschuldigte 3
ist dagegen mehrfach vorbestraft. Allerdings liegen die Vorstrafen wie dargelegt
auch bei ihr im sehr geringfügigen Bereich und sind in einem anderen Deliktsbe-
reich angesiedelt. Sodann hat sich die Beschuldigte 3 seit den drei Geldstrafen im
Jahr 2015 und 2016 immerhin längere Zeit wohl verhalten, weshalb nicht davon
auszugehen ist, dass sie sich durch Geldstrafen von vornherein nicht würde be-
eindrucken lassen. In einer Gesamtbetrachtung erscheint es entsprechend auch
bei der Beschuldigten 3 angemessen, nochmals eine Geldstrafe auszusprechen.
4. Tagessatzhöhe
4.1. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich
nach Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Un-
terstützungspflichten sowie nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB).
4.2. Der Beschuldigte 1 machte hinsichtlich seiner finanziellen Verhältnisse vor
Vorinstanz noch ein Einkommen von Fr. 2'500.– geltend. Im Berufungsverfahren
gab der in Brasilien wohnhafte Beschuldigte 1 dagegen an, erwerbslos zu sein,
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mithin kein Einkommen zu erzielen und auch keine Arbeitslosenentschädigung
oder dergleichen zu beziehen. Dennoch gab er an, monatlich Fr. 200.– Unter-
haltsbeiträge an seine beiden Kinder zu bezahlen (Urk. 119). Entsprechend muss
der Beschuldigte über ein gewisses Einkommen zur Bestreitung seines Lebens-
unterhaltes sowie der Unterhaltsbeiträge verfügen. Es ist zu seinen Gunsten je-
doch davon auszugehen, dass sich dieses im eher tiefen Bereich bewegt. Die in
Mailand wohnhafte Beschuldigte 2 verfügt gemäss Angaben im Berufungsverfah-
ren über ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 3'000.– (Urk. 115). Unterstüt-
zungspflichten hat sie keine. Die Beschuldigte 3 erzielt gemäss Angaben im erst-
instanzlichen Gerichtsverfahren keine eigenen Einkünfte und lebt von ihrem Ehe-
mann (Urk. 28/1). Aus dem Dargelegten ergibt sich, dass alle drei Beschuldigten
am oder zumindest am Rande des Existenzminimums leben, weshalb die Tages-
satzhöhe – wie bereit durch die Vorinstanz – auf das gesetzliche Minimum von
Fr. 30.– festzusetzen ist.
5. Ergebnis Strafzumessung
Im Ergebnis sind die Beschuldigten 1, 2 und 3 je mit einer Geldstrafe von 100 Ta-
gessätzen zu Fr. 30. – zu bestrafen. Die erstandene Untersuchungshaft der Be-
schuldigten (je 76 Tage; vgl. Urk. 100 S. 24) wird an die jeweiligen Geldstrafen
angerechnet (Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
1. Hinsichtlich der allgemeinen rechtlichen Voraussetzungen der Gewährung
bzw. Nichtgewährung des bedingten Strafvollzugs sowie zur Festsetzung der
Probezeit kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf das vorinstanzli-
che Urteil verwiesen werden (Urk. 100 S. 24 f.)
2. Nachdem die Beschuldigten allesamt zu Geldstrafen verurteilt werden, sind
in objektiver Hinsicht sind die Voraussetzungen zur Gewährung des bedingten
Strafvollzuges im vorliegenden Fall erfüllt.
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3. Hinsichtlich der Beschuldigten 2 als Ersttäterin steht einem bedingten Auf-
schub der Geldstrafe klarerweise nichts entgegen. Die Probezeit ist auf 2 Jahre
festzusetzen.
4. Der Beschuldigte 1 wurde – wie bereits dargelegt – 2016 bereits zu einer
bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen verurteilt. Aufgrund der geringen Höhe
dieser Strafe wird aber auch bei ihm mit Blick auf Art. 42 Abs. 2 StGB noch eine
günstige Legalprognose vermutet. Nachdem sich die Vorstrafe als nicht einschlä-
gig erweist und bereits mehr als sechs Jahre zurückliegt, ist beim Beschuldigten 1
durchaus davon auszugehen, dass er sich durch eine bedingte Strafe von der
Begehung weiterer Straftaten abhalten lässt. Der Vollzug ist entsprechend aufzu-
schieben. Eine Probezeit von 2 Jahren erscheint im Lichte des Gesagten auch
beim Beschuldigten 1 angemessen.
5. Nachdem es sich bei den drei Vorstrafen der Beschuldigten 3 allesamt um
Geldstrafen im untersten Bereich von 20 bzw. 30 Tagessätzen handelte, greifen
auch bei ihr die erhöhten Anforderungen an die Legalprognose gemäss Art. 42
Abs. 2 StGB nicht. Die Vorstrafen sind allesamt nicht einschlägig. Zwar wurden
die zunächst bedingt ausgesprochenen ersten beiden Geldstrafen aus dem Jahr
2015 im Folgejahr widerrufen und die letzte Geldstrafe direkt unbedingt ausge-
sprochen. Seither – und damit seit mittlerweile fast sechseinhalb Jahren – hat sich
die Beschuldigte 3 allerdings bewährt. In Anbetracht dessen sowie der doch recht
singulären Umstände der vorliegenden Tat ist auch bei der Beschuldigten 3 davon
auszugehen, dass ein bedingter Aufschub der Strafe ausreicht, um sie von weite-
ren Vergehen oder Verbrechen abzuhalten. Entsprechend ist auch ihr der beding-
te Strafvollzug zu gewähren und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Nachdem die vorinstanzlichen Schuldsprüche hinsichtlich sämtlicher Be-
schuldigten bestätigt werden, ist das Kosten- und Entschädigungsdispositiv ge-
mäss Dispositiv-Ziffern 14 und 15 (Beschuldigter 1), 17 und 18 (Beschuldigte 2)
sowie 20 und 21 (Beschuldigte 3) des vorinstanzlichen Urteils zu bestätigen. Dies
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gilt auch für die allesamt unbeanstandet gebliebenen vorinstanzlich festgesetzten
Entschädigungen für die amtlichen Mandate (Dispositiv-Ziffern 16, 19, 22 und 23).
2. Sodann sind die Kosten des Berufungsverfahrens zu regeln:
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 3'600.– festzusetzen.
2.2. Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Berufungs-
verfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Die Beschuldigten
unterliegen mit ihren auf Freispruch lautenden Berufungen vollumfänglich. Die
Staatsanwaltschaft unterliegt mit ihrer auf eine Verschärfung der Sanktion gerich-
teten Anschlussberufung ebenfalls. Die Privatklägerin hat im Berufungsverfahren
keine eigenständigen Anträge gestellt. Unter Gewichtung aller Anträge erscheint
es angemessen, die anteilsmässigen Kosten des Berufungsverfahrens (Anteil Ge-
richtsgebühr je Beschuldigter Fr. 1'200.–) zu drei Vierteln den Beschuldigten auf-
zuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kostentra-
gungspflicht je Beschuldigter beträgt somit ein Viertel der Gesamtkosten.
2.3. Die amtlichen Verteidiger sind aus der Gerichtskasse zu entschädigen
(Art. 135 Abs. 1 StPO).
2.3.1. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten 1 macht mit Kostennote vom
5. Juli 2022 (Urk. 145) einen Aufwand (inkl. Barauslagen und MwSt.) von
Fr. 4'951.20 geltend. Dieser Aufwand erscheint als angemessen. Unter Einrech-
nung der in der Kostennote noch nicht berücksichtigten Zeit für die Teilnahme an
der Berufungsverhandlung samt angemessener Nachbearbeitungszeit ist Rechts-
anwalt MLaw X._ für seine Tätigkeit als amtlicher Verteidiger im Berufungs-
verfahren (inkl. Auslagen und MwSt.) mit pauschal Fr. 6'300.– zu entschädigen.
Die Rückerstattungspflicht des Beschuldigten 1 gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist
im Umfang von 3/4 vorzubehalten.
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2.3.2. Die amtliche Verteidigerin der Beschuldigten 2 macht mit Kostennote vom
3. Juli 2022 (Urk. 146) – ohne Berufungsverhandlung – einen Zeitaufwand von
etwas über 14 Stunden geltend, was angemessen erscheint. Unter Berücksichti-
gung der effektiven Verhandlungszeit sowie einer angemessener Nachbearbei-
tungszeit ist Rechtsanwältin lic. iur. Y._ für ihre Tätigkeit als amtliche Vertei-
digerin im Berufungsverfahren (inkl. Auslagen und MwSt.) mit pauschal
Fr. 5'200.– zu entschädigen. Die Rückerstattungspflicht der Beschuldigten 2 ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist im Umfang von 3/4 vorzubehalten.
2.3.3. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten 3 macht mit Kostennote vom
4. Juli 2022 (Urk. 138) bis zur Berufungsverhandlung einen Zeitaufwand von et-
was über rund 30 Stunden geltend, was angemessen erscheint. Unter Berück-
sichtigung der effektiven Verhandlungszeit sowie einer angemessener Nachbear-
beitungszeit ist Rechtsanwalt MLaw Z._ für seine Tätigkeit als amtlicher Ver-
teidiger im Berufungsverfahren (inkl. Auslagen und MwSt.) mit pauschal
Fr. 8'800.– zu entschädigen. Die Rückerstattungspflicht der Beschuldigten 3 ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist im Umfang von 3/4 vorzubehalten.
2.3.4. Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Privatklägerin ist ebenfalls aus der
Gerichtskasse zu entschädigen (Art. 135 Abs. 4 i.V.m. Art. 138 Abs. 1 StPO).
Dieser macht mit Kostennoten vom 26. Juni 2022 und vom 2. Juli 2022 (Urk. 124
und 134) insgesamt einen Aufwand (inkl. Barauslagen und MwSt.) von
Fr. 1'263.85 geltend. Dieser Aufwand erscheint als angemessen. Entsprechend
ist Rechtsanwalt Dr. iur. W._ für seine Tätigkeit als unentgeltlicher Rechts-
vertreter der Privatklägerin im Berufungsverfahren mit Fr. 1'263.85 zu entschädi-
gen. Die Kosten werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen, jedoch
bleibt die (anteilsmässige) Nachforderung von den drei Beschuldigten gestützt auf
Art. 138 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 426 Abs. 4 StPO vorbehalten (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 6B_123/2014 vom 2. Dezember 2014 E. 6.3 mit Hinweisen
[nicht publ. in: BGE 141 IV 10]), dies mithin im Umfang von je 1/4 der Kosten der
unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin.
2.4. Die Beschuldigten machen für die erstandene Untersuchungshaft Genugtu-
ungsansprüche und im Fall der Beschuldigten 2 zusätzlich eine Entschädigung für
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den durch die Haft entstandenen Erwerbsausfall geltend. Vorliegend werden die
Schuldsprüche wegen Unterlassung der Nothilfe bestätigt und die Beschuldigten
zu Geldstrafen verurteilt, an welche – wie bereits dargelegt – die Untersuchungs-
haft gemäss Art. 51 StGB anzurechnen ist. Erst wenn eine Anrechnung der Un-
tersuchungs- oder Sicherheitshaft an eine andere Sanktion nicht mehr erfolgen
kann, stellt sich die Frage der finanziellen Entschädigung, was vorliegend jedoch
nicht der Fall ist. Es liegt keine Überhaft vor. Entsprechend besteht gemäss
Art. 431 Abs. 2 StPO kein Anspruch auf Entschädigung und Genugtuung. Nach-
dem gemäss der Rechtsprechung für die Anrechnung der erstandenen Haft an
eine ausgesprochene Sanktion weder Tat- noch Verfahrensidentität erforderlich
ist (BGE 141 IV 236 E. 3.2 f., mit weiteren Hinweisen auf Rechtsprechung), er-
weist sich auch der Einwand der Verteidigung des Beschuldigten 1 vor Vo-
rinstanz, wonach die Untersuchungshaft einzig mit Blick auf den später eingestell-
ten (versuchten) Tötungsvorwurf und nicht aufgrund des hier zu beurteilenden
Vorwurfs der Unterlassung der Nothilfe angeordnet worden sei (Urk. 87 S. 6;), als
unbehelflich.