Decision ID: 84113893-b847-4f7a-b676-cae2c7c25440
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1975
geborene
X._
erlitt am 1
5.
Dezember 1982
–
sie
benjährig –
bei einer Kollision
seine
s
Fahrrad
s
mit
einem Motorfahrzeug
unter anderem
ein Schädelhirntrauma mit durchgehender Schädelbasisfraktur
sowie ein
e
Oberschenkelfraktur links (vgl.
Urk.
7/22/36
).
Die eidgenössische
Invalidenversicherung
sprach ihm von Mai 1990 bis August 1992
Eingliederungsmassnahmen im Sinne einer Sonderschulung
zu
(
Urk.
7/6
)
. Unter Angabe von neuropsychologischen Funktionsstörungen
und weiteren
phy
sische
n
Behinderung
en
(
ein
Ohr taub, ein Bein kürzer
)
zufolge des Unfalls
vom 1
5.
Dezember 1982
sowie
psychische
r
Labilität als Langzeitfolge des Unfalls und Depressionen meldete er sich i
m Februar 2003
erneut bei der eidgenössischen Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug
(Berufsberatung, Umschulung, Rente) an (
Urk.
7/8
Ziff.
7)
. Die zuständige Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich, IV-Stelle, tätigte Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht und wies das Leistungsbegehren mi
t Verfügung vom 1
5.
August 2003
mit d
er Begründung
ab
, die Arbeitsunfähigkeit sei vor allem durch
ein
Abhängigkeits
verhalten
(Drogensucht)
begründet
(
Urk.
7/24
).
Mit gleicher Begründung wies die IV-Stelle ein erneutes Gesuch
(
Urk.
7/26)
mit
Verfügung vom
3.
März 2004
(
Urk.
7/35
) ab.
1.2
Am 2
2.
Februar 2014 reichte der Versicherte
über das Sozialzentrum der Stadt Zürich
eine
weitere
Anmeldung zu
m
Leistungsbezug
ein (
Urk.
7/40 und
Urk.
7/41). Die IV-Stelle tätigte
wiederum
erwerbli
c
h
e
und
medizinische Abklä
rungen,
wobei
insbesondere ein Bericht
der Behandler der
K
linik
A._
,
B._
und
Dr.
C._
, FMH Psychiatrie und Psy
chotherapie
,
vom
9.
Oktober 2014 (
Urk.
7/58)
einging
. Nach Vorlage an ihren regional
en
ärztlichen Dienst (RAD
, vgl.
Urk.
7/60/3 f.
)
kündigte die I
V-Stelle mit Vorbescheid vom 6.
Februar 2015 (
Urk.
7/61) die
erneute
Abweisung des Leis
tungsbegehren
s
an.
Nach Eingang von Einwendungen (vgl.
Urk.
7/65 und
Urk.
7/68)
und weiterer medizinischer
Berichte (
Urk.
7/67,
Urk.
7/
69 und
Urk.
7/
73) ordnete die IV-Stelle eine polydisziplinäre Abklärung an (
Urk.
7/76,
Urk.
7/82), welche durch die
Gutachtensstelle D._
durchgeführt wurde (Gutachten vom 2
8.
Januar 2016,
Urk.
7/86).
Zum Gutachten liess
sich
der Versicherte am 1
5.
April 2016
(
Urk.
7/90)
vernehmen
,
wobei eine Stellungnahme von
B._
und
Dr.
C._
eingereicht wurde
(
Urk.
7/91). Am 2
1.
September 2016 (
Urk.
7/96) gab die
D._
hierzu
eine gut
achterliche Stellungnahme ab, worauf sich der Versicherte am 1
3.
Oktober 2016 (
Urk.
7/
98
f.)
erneut
äusserte. Mit Verfügung vom 1
3.
Januar 2017
(
Urk.
2)
ver
nein
t
e die IV-Stelle einen
Anspruch des
Versicherten auf
Leistungen der Invali
denversicherung.
2.
Dagegen
erhob
X._
am
6.
Februar 2017 Beschwerde mit fo
l
genden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
„
1.
Die Verfüg
ung der Beschwerdegegnerin vom 1
3.
Januar 2017 sei
aufzuheben.
2.
Es sei dem Beschwerdeführer ab Februar 2015 eine ganze Rente
zuzusprechen.
3.
Eventualiter sei durch das Gericht ein medizinisches Gutachten
einzuholen.
4.
Es sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren."
Die IV-Stelle
beantragte
in ihrer Beschwerdeantwort vom
3.
März 2017
(
Urk.
6)
,
die Beschwerde sei in teilweiser Gutheissung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In seiner Replik vom 2
1.
April 2017 (
Urk.
9) beantragte der Beschwerdeführer
,
auf eine Rückweisung
sei
zu verzichten und
es sei
ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben (S. 4). Die Beschwerdegegnerin
verzichtete
am 2
3.
Mai 2017
auf
Duplik (
Urk.
11), was dem Beschwerdeführer
am 2
9.
Mai 2017
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.4
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medi
kamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder
geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetre
ten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheits
schadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkun
gen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständi
ger Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störun
gen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentli
chen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik wesentlich
bessern
(und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich ent
sprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Ok
tober 2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigen
ständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogen
sucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Be
fund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit
aufrecht erhält
oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unab
hängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines
Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
Im
erwähnten Urteil 8C_582/2015
vom 8. Oktober 2015
E. 4
hat das Bundesge
richt entschieden, dass die Rechtsprechung
gemäss
BGE 141 V 281 psychosoma
tische Leiden betrifft und auf Suchtproblematiken nicht anwendbar ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_6/2016 vom 3. Februar 2016 E. 4.2.3 mit Hinweis auf die Kritik
von
Liebrenz
/
Uttinger
/Ebner, Sind Abhängigkeitserkrankungen aus höchstrichterlicher Sicht [weiterhin] nicht mit anderen psychischen Störungen [z.B. somatoformen Störungen] vergleichbar? - Eine Urteilsbesprechung von BGE 8C_582/2015 im Lichte der theoretischen Anwendbarkeit des ergebnisoffenen, strukturierten Beweisverfahrens, in: SZS
2016 S. 96; ferner:
Liebrenz
et
alii
, Das Suchtleiden bzw. die Abhängigkeitserkrankungen - Möglichkeiten der Begutach
tung nach
BGE 141 V 281
[= 9C_492/2014]
, in: SZS 2016 S.
12).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im
ablehnenden Entscheid auf den Stand
punkt (
Urk.
2), die Arbeitsunfähigkeit sei vor allem durch das Abhängigkeitsver
halten
begründet und
es
liege
deshalb
keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vor.
Ge
stützt auf das von ihr eingeholte polydisziplinäre Gutachten der
D._
vom 2
8.
Januar 2016
sei
eine primäre Suchtkran
kheit
bestätigt
worden
und der Suchtmittelkonsum stehe im Vordergrund der funktionellen Beeinträchtigungen.
In ihrer Beschwerdeantwort hielt
die Beschwerdegegnerin
fest (
Urk.
6),
eine psy
chiatrische Vorerkrankung sei nicht evident und
es sei
insbesondere keine Per
sönlichkeitsstörung oder eine affektive oder psychotische Erkrankung, die eine sekundäre Sucht begründen könnte
,
wahrscheinlich. Zeichen einer
affektiven oder schizophrenen Psychose
fehlten und es bestehe kein Anhalt für eine
bipolare Erkrankung.
Der Effekt eines stattgehabten Schädelhirntraumas und mögliche hierauf fussende Gesundheitsfolgen seien angesichts des fortgesetzten Suchtmit
telkonsums nicht bestimmbar beziehungsweise ohne Abstinenz nicht hinreichend abgrenzbar. Der Anteil des Suchtmittelkonsums an den gesundheitlichen Ein
schränkungen des Beschwerdeführers sei damit unklar und ein Entzug sowie die Suchtmittelabstinenz
erforderlich
und
danach
weitere medizinische Abklärungen angezeigt.
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer
vor (
Urk.
1
S. 6
f
.),
die behandelnden Fachärzte
gingen
davon aus, dass
er
an
rel
evanten Grunderkrankungen leide
und die Sucht sekundär
sei.
D
as Schädelhirntra
uma im Dezember 1982 (7-jährig)
habe
zu
ein
e
r
Hirnschädigung
geführt und d
ie
se
habe sich bereits im Kindsalter
durch die festgestellten neuropsychologischen De
fizite geäussert
. I
n Folge dieser Defi
zite habe er die sechste Klasse repetieren und die Oberstufe in einer Kleinklasse absolvieren müssen. Die schulischen Probleme seien damit bereits ab der fünften Klasse und somit einige Jahre vor Beginn des Drogenkonsums aufgetreten.
Die Stellungnahme der K
linik
A._
vom 1
4.
April 2016 führe
auch die gemäss ICD-
10 F07.2 geforderten Diagnosekriterien für das Vorliegen e
ines or
ganischen Psychosyndroms
auf.
Die Gutachter
der
D._
diskutierten nicht, warum die
se
Diagnose
nicht vorliege
und auch
nicht
die Komorbidität zwischen psychiatrischen Erkrankungen und Epilepsie-Patienten
(S. 8)
.
Die Gutachter hielten
pauschal fest, dass
ein Entzug ohne
W
eiteres
möglich sei, da keine
Limitierung der Einsichtsfähigkeit un
d der Fähigkeit zur Willensbildung
bestehe
. Dabei
werde übersehen
, da
ss bereits
zahlreiche medizinisch begleitete und gescheiter
te Entzugsversuch
e durchgeführt worden
seien. Es
sei
davon aus
zu
geh
en, dass ein Entzug aufgrund des Umstandes, da
es sich um e
ine sekundäre Sucht handle und
aufgrund der kognitiven Einschränkungen (Hirnschädigung) und der Persönlichkeitsstörung
,
nicht zumutbar sei
(S. 9)
.
Replicando
führte er aus
(
Urk.
9 S. 4 f.)
,
ein
Entzug sei ihm nicht zumutbar
,
nach
dem bereits die
zahlreichen Entzüge
gescheitert seien
, die unter ärztlicher Betreu
ung und im stationären Rahmen durchgeführt
worden
seien
. Aufgrund der feh
lenden kognitiven Fähigkeiten und der psychiatrischen Grunderkrankung sei es ihm
auch
nicht möglich
,
ein
en
Entzug zu machen.
Im Weiteren werde auch be
stritten, dass ein Entzug die Arbeitsfähigkeit positiv beeinflusse.
Nachdem die Beschwerdegegnerin bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben habe, welches nicht beweiswertig sei, sei die Beweislücke mit einem Gerichtsgutachten zu schliessen und auf die Rückweisung zu verzichten.
3.
3.1
Aufgrund der Neuanmeldung vom 2
2.
Februar 2014 (
Urk. Urk.
7/41) fallen Ren
tenleistungen nach Ablauf des Wartejahrs frühestens nach sechs Monaten
, mithin
ab August 2014 in Betracht (
Art.
28 in Verbindun
g mit
Art.
29
Abs.
1 IVG; E. 1.2
hiervor)
,
weshalb
die
attestierten Arbeits
un
fähigkeiten in den medizinischen Be
richten ab Februar 2013
f
ür die vorliegende Streitsache
relevant sind. I
n re
vi
sionsrechtlicher Hinsicht
ist sodann
die medizinische Aktenlage, wie sie im Zeit
punkt der letztmaligen Leistungsbeurteilung vom
3.
März 2004
(
Urk.
7/35
) vor
gelegen hat,
zu berücksichtigen (vgl. E. 1.3)
.
Die aufgelegten Arztberichte wurden im Gutachten des
D._
vom 2
8.
Januar 2016 (
Urk.
7/86/2-18
) zusammengefasst, weshalb sie vorliegend nicht noch ein
mal wiedergegeben werden.
3.2
3.2.1
Im von der Beschwerdegegnerin eingeholten MEDAS
-
Gutachten der
D._
vom
2
8.
Januar 2016
(
Urk.
7
/
86), beruhend auf
internistischen,
neurologischen,
psy
chiatrischen
und neuropsychologischen
Unt
ersuchungen
, wurden fo
lgende Diag
nosen gestellt (S. 52):
Diagnosen mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Kein ausreichender Anhalt für eine suchtmittelkonsumunabhängige Ge
sundheitsstörung
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Polytrauma mit Schädeltrauma und Schädelbas
i
sfraktur mit
residueller
Taubheit links
-
Z
erebrale Krampfanfälle mit
möglichen komplex-partiellen und seltenen
tonischklonischen
generalisierten Anfällen (differenzialätiologisch im Kontext einer
Polytoxikomanie
mit fortgesetztem polyvalentem Sucht
mittelkonsum oder posttraumatisch im Sinne einer Narbenepilepsie m
it anfallsbegünstigendem polyval
entem Suchtmittelkonsum)
-
Mögliche Hypertonie
-
Psychische Störung und Verhaltensstörung durch multiplen Substanzge
brauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen: Abhängigkeits
syndrom (ICD-10 F19.2)
3.2.2
Zur Arbeitsfähigkeit aus internistischer Sicht
führte
der Sachverständige
aus
(
S. 23)
,
d
er
Beschwerdeführer
klage
über Hörprobleme des linken Oh
res, diese be
stünden seit einem
Autounfall mit Schädelbasisfraktur in der Kindheit. Eine re
sultierende Beeinträchtigun
g der
Kommunikation
sei
im Rahmen der An
am
neseerhebung nicht auffällig.
Die internistische Untersuchung der Lunge
sei un
auffällig und auch im Rahmen
des körperlichen Belastungstests
sei
keine Minde
r
ung der Belastbarkeit oder eine
vermehrte Atemarbeit zu erkennen
gewesen
. Eine die Arb
eitsfähigkeit mindernde COPD
(
chronic
obstructive
pulmonary
disease
)
sei also
nicht wahrscheinlich. Insofern
sei
von einer kompensi
erten Situation der aktenkundig
vorbeschriebenen chronischen obstruktiven Lungenerkra
nkung aus
zugehen. Ein Sistieren
des Nikotinkonsums
sei
dennoch notwendig. Sport
liche Aktivitäten und auch eine
körperliche Arbeit
seien
als günstig
für die Prognose einzuschätzen.
Der letzte epileptische Anfall
habe vor vier Monaten stattgefunden
und es sei
eine Therapie mit zwei
Anti
e
pile
ptika
erfolgt
und darunt
er sei es in
nerhalb der letzten vier
Monate nicht zu einem erneuten Ereignis gekommen. Medizinisch wesentlich und prognostisch führend
sei die polyvalente Sucht (Ko
kain,
Alkohol, Benzo
diazepine, Methadon,
Diaphin
).
Behinderu
ngsrelevante so
matische Suchtfol
gen
seien
a
uf internistischem Gebiet nicht
evident.
Die leicht erhöhten Blutdruckwerte sprächen für eine mögliche Hypertonie
,
die hausärztlich kontrolliert werden sollte.
Eine vollständige Entgiftung und Entwöhnung
sei
an
zustreben und geeignet
,
die Prognose günstig zu beeinflussen. Eine eigenständig internistisch begründbare und vom Suchtmittelkonsum unabhängige Gesund
heitsstörung mit minderndem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit liege nicht vor.
3.2.3
Der
neurologische
S
achverständige hielt fest (S. 28
f.),
es zeige sich eine linkssei
tige Taubheit. Im übrigen Befund sei der Beschwerdeführer leichtgradig
bradyph
ren
, ansonsten unauffällig und Sprache,
Mnestik
und Auffassung seien nicht namhaft gestört.
Der linksseitige Hörverlust sei als Residuum des kindlichen Schädelhirntraumas schlüssig einzuordnen, die Kommunikation dadurch jedoch nicht namhaft eingeschränkt. Die leichtgradige
Bradyphrenie
sei zumindest ebenso gut im Kontext des fortgesetzten polyvalenten Suchtmittelkonsums zu verstehen, also nicht mit der gebotenen
Wahrscheinlichkeit als
Schädelhi
rn
traumafolge
einzuordnen
,
und eine
suchtmittelkonsumbedingte strukturelle ze
rebrale Sc
hädigung liesse sich zudem ohne
eine vollständige Entgiftung und Ent
wöhnung von einem
aktuellen Drogeneffekt auch gar
nicht abgrenzen
.
Die Ak
tendaten spräche
n
für zerebrale Krampfanfälle mit möglichen komplexpartiellen und seltenen tonisch-klonischen generalisierten Anfällen. Differenzialätiologisch sei die Anfallsgenese im Kontext einer
Polytoxikomanie
mit fortgesetztem po
lyvalentem Suchtmittelkonsum oder als posttraumatisch im Sinne einer Nar
benepilepsie mit anfallsbegünstigendem polyvalentem Suchtmittelkonsum einzu
ordnen. In jedem Falle
sei
hier somit zunächst eine vollständige Suchtmittel-Ent
giftung und Entwöhnung notwendig, da andernfalls der suchtmittelkonsumbe
dingte Anteil am Auftreten der Anfälle nicht abgegrenzt werden könne. Die ver
anlasste zerebrale bildgebende Kontrolle weise keine gravierenden kortikalen De
fekte aus, was die Annahme einer traumatisch bedingten kognitiven Störung nicht stütze
,
und zudem zeig
t
e
n
sich auch keine sekundären
Traumafolgen
und kein Hydrozephalus
.
3.2.4
Aus psyc
hiatrischer Sicht
legte
der
zuständige
Sachverständige
dar
(S. 31 f.), der
Beschwerdeführer
berichte
, nach dem Verkehrsunfall 1982, als er sich eine Schä
delhirnverletzung und eine Oberschenkelfraktur links zugezogen ha
tt
e, habe er sich eigentlich wieder gut erholt und auch gute Leistungen in der Schule erbracht. Seit dem Konsum der Drogen sei es jedoch k
ontinuierlich bergab gegangen. E
r
habe nur mit Mühe den Abschluss auf einer privaten Schule geschafft und danach eine Lehre als Tiefbauzeichner wegen der Drogen abbrechen müssen. Von da an sei er mehrfach in offenen und geschlossenen Heimen gewesen, habe verschie
dene Entzugs- und Entwöhnungsversuche gemacht, sei jedoch stets wieder rück
fällig geworden. Bis zum heutigen Tag drehe sich seine gesamte Existenz um die Drogen und wie er diese beschaffe. Mit dem Gesetz sei er mehrfach in Konflikt geraten, zum Beispiel wegen Schwarzfahrens oder Drogendelikten
. Er
konsumiere weiter mehrmals wöchentlich Kokain
.
Im erhobenen psychiatrischen Untersuchungsbefund präsentiere sich ein freund
licher und offener Beschwerdeführer, der mit leichten Beeinträchtigungen der Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen
über seinen Werdegang und seine Beschwerden berichte
. Die Stimmung
sei
dysthym
, die Schwingun
gsfähig
keit
beeinträchtigt, der Antrieb vermindert.
Es
würden generalisierte und
agora
phobe
Ängste
genannt
, die sich in der Untersuchungssituation j
edoch nicht ob
jektivieren liessen. Das
formale und inhaltliche Denken s
ei ungestört und
die
ve
getative
n
Störungen n
icht evident. Insgesamt bestehe
ein gemischt ängstlich de
pressives Syndrom, das nach ICD-
10
Kriterien als Angst und depressive Störung ge
mischt klassifiziert werden könne, sich jedoch
ebenso gut im Kontext des fort
laufenden polyvalenten Suchtmittelkonsums
einordnen liesse
,
da die gesamte Symptomatik im Kontext eines de
rartigen Suchtmittelkonsums gut bekannt sei
.
Der jahrelange Drogenmissbrauch lasse auch die Abgrenzung einer Persönlich
keitsstörung und anderer psychiatrischer Erkrankungen vor einer vollständigen Entgiftung und Entwöhnung gar nicht zu und psychometrische Testverfahren seien in ihren Ergebnissen ebenfalls nur unter diesem Vorbehalt interpretierbar (S. 37 f.).
3.2.5
Der neuropsychologische
Sachverständige hielt fest (S. 44
f.
), der Beschwerdefüh
rer beklage Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, beeinträchtigte Reaktions
bereitschaft und ein Gedächtnisdefizit. Biographisch sei von einem durchschni
tt
lichen Bildungsniveau auszugeh
en. Im klinischen Eindruck zeige sich der Be
schwerdeführer müde, im Gedankengang langsam und mit eingeschränkter Affi
zierbarkeit und testpsychologisch in allen getesteten kognitiven Bereichen deut
lich beeinträchtigt (Aufmerksamkeit und Konzentration, Lernen und Gedächtnis, exekutive
Funktionen). Das Ergebnis eines Selb
stbeurteilungsfragebogens deute
auf eine Depression mit moderatem Schweregrad hin. Der Beschwerdeführer räume einen fortgesetzten erheblichen
Substanzenkonsum
(Opiate, Benzodiaze
pine, Kokain) ein und die Laboruntersuchung bestätige einen aktuellen polyva
lenten Konsum.
Angesichts des fortgesetzten
Substanzenkonsums
sei ein reversibler Anteil oder eine vollständige Reversibilität an den erhobenen Testauffälligkeiten methodisch nicht abgrenzbar und zusammenfassend
sei
keine dauerhafte kognitive Beein
trächtigung mit der gebotenen Wahrscheinlichkeit zu attestieren (S. 45).
3.2.6
Aus gesamtmedizinischer Sicht
hielten die Experten fest (S. 45
f.),
die
fortges
etzte polyvalente Sucht
mit Opiaten, Kokain und Benzodiazepi
nen
un
d teils in Form eines unkontroll
ierten
Beikonsums
sei geeignet, die psychische
Symptomatik, den psychiatrischen Befund sowie
die weiteren neurologischen und
neuropsychologi
schen Befunde zumindest gleichrangig wahrscheinlich zu erklären.
Eine eigen
ständige suchtmittelkonsumunabhängige Gesundheitsstörung oder eine sucht
mittelkonsumbedingte Folgeerkrankung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit l
a
sse sich nicht von aktuellen Effekten des fortgesetzten und labortechnisch nochmals belegten aktuellen Suchtmittelkonsums abgrenzen und sei nicht über
wiegend wahrscheinlich. Aktenkundig sei ein
kindliches Schädelhirntrauma. I
n
wieweit dies
es zu einer symptomatischen Epil
epsie
oder kognitiven Störung ge
führt habe
,
sei angesichts der Sucht nicht ausreichend abgrenzbar.
Zur Frage, ob
eine vorangehende Gesundheitsstörung mit gravierendem Krank
heitswert zum Abhängigkeitssyndrom geführt habe, führten die Gutachter aus, eine psychiatrische Vorerkrankung sei nicht evident
,
insbesondere sei hier keine Persönlichkeitsstörung oder eine affektive oder psychotische Erkrankung, die eine sekundäre Sucht begründen könnte, wahrscheinlich. Zeichen einer affektiven oder schizophrenen Psychose fehlten und es bestehe auch kein Anhalt für eine bipolare Erkrankung. Eine organisch psychische Störung im Sinne einer Folge
störung eines Schädelhirntraumas sei ebenfalls nicht zu attestieren
.
Eine weitere Beurteilung setze zwingend eine vollständige Abstinenz und Untersuchung unter stabiler Entgiftung und Entwöhnung voraus, da andernfalls toxische Effekte des laufenden Konsums nicht abgrenzbar seien. Es stehe im Ermessen des Auftragge
bers
,
den Beschwerdeführer unter einer stabilen Abstinenz gegebenenfalls noch
mals vorzustellen (S. 49
).
3.3
Im Rahmen ihrer Kritik am
D._
-
Gutachten
äusserten
sich
die Behandler
B._
und
Dr.
C._
in ihrem Bericht vom 1
4.
April 2016
dahinge
hend
(
Urk.
7/91), zur Beurteilung einer COPD sei zwingend die Durchführung einer Spirometrie erforderlich.
Aus dem Gutachten sei diese nicht ersichtlich, daher sei die Aussage, wonach die COPD nicht arbeitsmindernd sei
,
nicht fundiert (S. 2).
Die beim Beschwerdeführer durchgeführte Therapie (Substitution mit He
roin und Methadon) sei
das für ihn massgeschneiderte bestmögliche Vorgehen respektive Behandlung.
Insofern die Gutachter einen Entzug forderten, sei ein solcher nicht zumutbar, da die kognitiven Fähigkeiten des Beschwerdeführers die
Aufrechterhaltung einer Abstinenz verunmöglichten und ein Rückfall in dieser Situation
ihn
vital gefährden würde und die Therapie als unzumutbar einzustufen sei. Die Gründe für die Unmöglichkeit einer abstinenzorientierten Therapie lägen in der Persönlichkeitsstörung (S. 3).
Es sei aus medizinischer Sicht erwiesen, dass das Schädelhirnt
r
auma eine Hirnschädigung zu
r
Folge gehabt h
abe. Die Hirn
schädigung
h
ab
e sich bereits im Kindesalter durch die festgestellten neuropsy
chologischen
Defizite gezeigt und in der Folge dieser Defizite habe der Beschwer
deführer die sechste Klasse repetieren und die Oberstufe in einer Kleinklasse (durch die IV-Stelle finanzierte Sonderschule) absolvieren müssen (S. 3 f.).
Der Beschwerdeführer erfülle die diagnostischen Kriterien einer symptomatischen Epilepsie. Ausserdem
s
ei
bei Epilep
sie-Patienten gegenüber der
Normalbevölke
rung von einer signifikant erhöhte
n
Prävalenz von ADH
S-Symptomen (POS) aus
zugehen
(S. 5 f.). In Anbetracht der bereits in der Kindheit dokumentierten kog
nitiven, psychologischen und sozialen Störungen sowie in Anbetracht des Zu
sammenhangs mit der durch das Schädelhirntrauma bedingten Epilepsie
seien
diese
Faktoren als auslösend
für die Suchterkrankung als überwiege
nd wahr
scheinlich anzusehen
(S. 7).
Es
sei
festzuhalten, dass eine Entzug
stherapie zu ei
nem Toleranzverl
ust gegenüber
diesen Substanzen führe, wodurch
ein
anschlies
sende
r
Rückfall in den unkontrollierbaren Substanzkonsum
absehbar sei
und
zu einem
unkalkulierbaren lebensgefährlichen Risiko werden könne. Ein Rückfall sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen, weil erstens eine Abhängig
keitserkrankung sekundär und zweitens durch die Persönlichkeitsstörung und die Hirnschädigung die Fähigkeit für die Aufrechterhaltung der Absti
nenz nicht ge
geben sei (S. 8).
4.
4.1
D
ie Parteien
sind
sich
darin einig, dass der medizinische Sachverhalt unzu
reichend abgeklärt wurde und sich diesbezüglich weitere Abklärungen aufdrän
gen (E. 2.1 und E. 2.2).
Dies trifft insofern zu, als
nach Ansicht der
D._
-Gutachter die fortgesetzte polyvalente Sucht geeignet ist, die psychische Symp
tomatik, den psychiatrischen Befund sowie die weiteren neurologischen und neu
ropsychologischen Befunde zumindest gleichrangig wahrscheinlich zu erklären. Sie konnten angesichts der aktuellen Suchtmittelbefrachtung weder eine eigen
ständige, vom Suchtmittelkonsum unabhängige Gesundheitsstörung, noch eine dadurch verursachte Gesundheitsstörung als überwiegend wahrscheinlich attes
tieren. Insofern sind die hier relevanten invalidenversicherungsrechtlichen Fra
gen durch die Gutachter unbeantwortet geblieben. Dass für deren Beantwortung
vorzugsweise eine Entgiftung bzw. Entwöhnung und anschliessend unter Absti
nenz eine neue Untersuchung zu fordern ist,
ist
im Grundsatz
zwar
nachvollzieh
bar
.
Mit Blick auf die l
a
ngjährige
medizinisch kontrollierte
Substitution
stherapie
mit
tels Abgabe von Heroin und Methadon,
was
in der Schweiz ein anerkanntes medizinisches Behandlungssetting darstellt
,
und
darauf, dass
die Behandler nach
vollziehbar darlegen
,
ein Entzug
könne
mit unkalkulierbaren, allenfalls lebens
bedrohlichen Risiken verbunden
sein
(vgl.
Urk.
7/91/8)
,
ist
die Zumutbarkeit einer kompletten Drogenabstinenz
aber sehr
fraglich.
Diesbezüglich überzeugt das Gutachten in keiner Weise. Mit keinem Wort wird von den Teilgutachtern auf die von den Behandlern des
A._
erwähnte, unter strengen Voraussetzungen geführte legale ärztliche Abgabe von Heroin und Me
thadon für Schwerstsüchtige, wie sie beim Beschwerdeführer zur Anwendung ge
langt, eingegangen (siehe dazu Bundesamt für Gesundheit [BAG], Substitutions
gestützte Behandlung bei Opiatabhängigkeit, Empfehlungen Revision 2013). Ihre Ausführungen beschränken sich zusammengefasst auf die Aussagen, die Behand
lung sei nicht lege
artis
, weil sie den Versicherten in der Sucht verhaftet halte, eine sinnvolle Therapie sei derzeit nicht zu erkennen etc. (so z.B.
Ziff.
1, 2, und 5 auf S. 52/53 von
Urk.
7/86). Insofern verkennen die Gutachter die schweizerische Rechtsrealität, was dazu führt, dass die von ihnen gezogenen medizinischen Schlussfolgerungen für den Rechtsanwender nicht nachvollziehbar sind. Dies hätte auch die IV-Stelle erkennen müssen.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung
an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Nach dem hi
ervor G
esagten
ist
mit Blick auf
weitere
medizinische
Abklärungen
zu untersuchen
, ob und wenn ja
in welchem Rahmen dem Beschwerdeführer eine
Entzugsbehandlung
medizinisch
überhaupt
zumutbar
ist
. E
ine
solche
rechtfertigt sich
überdies
nur
,
soweit
sie
zur Feststellung des
massgeblichen
medizinische
n
Sachverhalt
s
im Rahmen der weiteren Begutachtung
erforderlich ist.
Nach den ergänzten
medizinischen
Sachverhaltsabklärungen
unter Berücksichtigung der Empfehlungen des BAG betreffend substitutionsgestützte Behandlung bei Opi
atabhängigkeit
ist
über
das
Leistun
g
s
begehren
erneut zu entscheiden.
Die
Sach
verhaltsabklärung obliegt in erster Linie dem Versicherungsträger und nicht dem Gericht (
Art.
43
Abs.
1 ATSG), welcher Grundsatz auch durch BGE 137 V 210
E. 4.4.1.5 bestätigt ist. Wenn sich - wie hier - das Administrativgutachten mit den massgeblichen Fragen überhaupt nicht auseinandersetzt, rechtfertigt sich die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin, weshalb die Be
schwerde in diesem Sinne gutzuheissen und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur Ergänzung zurückzuweisen ist.
6.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf
Fr.
6
00.-- festzulegen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tra
gen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozessführung (
Urk.
1
S. 2) als gegenstandslos.