Decision ID: 02c2bf92-de97-4f2f-8160-6ba242009511
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- X besitzt den Führerausweis für die Kategorie B seit 10. August 1962. Zudem ist er
für die Kategorien A, A1, A2, C, C1, D2, E, F und G fahrberechtigt. Im
Administrativmassnahmen-Register ist er nicht verzeichnet.
B.- Am Mittwoch, 29. Januar 2014 um ca. 11.50 Uhr, fuhr er mit einem Personenwagen
Nissan J, Patrol GR (Kontrollschild SG 000), in Engelburg auf der St. Gallerstrasse von
der Spisegg herkommend in Richtung Engelburg Zentrum hinter einem anderen
Personenwagen her. Auf der Höhe der Liegenschaft Nr. 110 blinkte das vordere
Fahrzeug links und bremste langsam ab. In der Folge prallte X trotz sofort eingeleiteter
Vollbremsung frontal in dessen Heck.
C.- Am 3. März 2014 stellte das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons
St. Gallen die Abklärung der Fahreignung in Aussicht. Mit Strafbefehl des
Untersuchungsamts Gossau vom 2. April 2014 wurde X im Zusammenhang mit dem
Vorfall vom 29. Januar 2014 wegen Verletzung der Verkehrsregeln (mangelnde
Aufmerksamkeit) zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt. Der Strafbefehl erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Mit Zwischenverfügung vom 3. April 2014 wurde X zu
einer vertrauensärztlichen Untersuchung aufgeboten.
D.- Dagegen erhob X mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 15. April 2014 Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen sei die Zwischenverfügung vom 3. April 2014 aufzuheben und es
sei von einer vertrauensärztlichen Untersuchung abzusehen bzw. es sei auf eine solche
zu verzichten. Am 16. April 2014 erteilte der Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission dem Rekurs die aufschiebende Wirkung. Mit
Vernehmlassung vom 6. Mai 2014 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.- a) Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
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Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 15. April 2014 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege;
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
b) Der Rekurrent behielt sich gestützt auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK (SR 0.101) die
Durchführung einer öffentlichen mündlichen Verhandlung vor (act. 1 Ziff. II.4). In der
Folge stellte er jedoch keinen entsprechenden Antrag. Im Übrigen handelt es sich
vorliegend um ein rein administratives, und nicht um ein strafrechtliches Verfahren oder
um ein solches, in dem massgebliche "civil rights" in Frage stehen (Urteil des
Bundesgerichts [BGer] 1C_242/2013 vom 17. Mai 2013 E. 2.2). Es bestünde demnach
kein Anspruch auf eine mündliche Verhandlung. Hinzu kommt, dass die Durchführung
einer solchen zur Wahrung der Parteirechte weder notwendig noch zweckmässig
erscheint (Art. 55 Abs. 1 VRP).
2.- Der Rekurrent erachtet die Anordnung einer vertrauensärztlichen Untersuchung zur
Abklärung der Fahreignung als unzulässig.
a) Eine Grundvoraussetzung für die Erteilung des Führerausweises ist die Fahreignung.
Dieser Begriff umschreibt die körperlichen und geistigen Voraussetzungen, um ein
Fahrzeug im Strassenverkehr sicher lenken zu können. Die Fahreignung muss
grundsätzlich dauernd vorliegen (BGE 133 II 384 E. 3.1). Der Führerausweis ist zu
entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung
nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 SVG).
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Person, so wird diese einer
Fahreignungsuntersuchung unterzogen (Art. 15d Abs. 1 SVG). Die Aufzählung der
Gründe in Art. 15d Abs. 1 SVG, in welchen Fällen die Fahreignung abzuklären ist, ist
nicht abschliessend (vgl. Botschaft, in: BBl 2010 S. 8500). Zusätzlich bietet die
kantonale Behörde Personen ab dem vollendeten 70. Altersjahr alle zwei Jahre zu einer
vertrauensärztlichen Untersuchung auf. Sie kann das Intervall für die Untersuchung
verkürzen, wenn die Fahreignung einer Person wegen bestehender Beeinträchtigungen
häufiger kontrolliert werden muss (Art. 15d Abs. 2 SVG und Art. 27 der
Verkehrszulassungsverordnung, SR 741.51, abgekürzt: VZV). Da mit fortschreitendem
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Alter die Fahreignung, d.h. die allgemeinen psychischen und physischen
Grundvoraussetzungen zum sicheren Lenken eines Motorfahrzeuges im
Strassenverkehr, abnehmen können, sind Kontrolluntersuchungen ohne weiteres
sachlich gerechtfertigt (Philippe Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz,
Zürich/St. Gallen 2011, Art. 16d SVG N 18). Zwar besteht keine grundsätzliche
Vermutung, dass sich ältere Personen nicht mehr als Fahrzeugführer eignen. So hielt
das Bundesgericht im Zusammenhang mit der Frage der Zulässigkeit der Anordnung
einer Kontrollfahrt fest, dass eine solche nicht ausschliesslich aufgrund des Alters
angeordnet werden dürfe. Andererseits seien aber die Anforderungen an die
Anordnung einer Kontrollfahrt auch nicht zu überspannen, handle es sich doch um eine
die betroffene Person nicht übermässig belastende Massnahme, die dem Schutz
wichtiger Rechtsgüter (Leib und Leben der anderen Verkehrsteilnehmer) diene und
auch im Interesse des Fahrzeugführers selbst liege. Insofern genüge es, wenn ältere
Fahrzeuglenker durch Fahrfehler auffällig geworden seien, die auf einem
altersbedingten Leistungsabfall beruhen könnten (BGer 1C_110/2011 vom 6. Juni 2011
E. 3.3). Ob tatsächlich ein altersbedingter Leistungsabfall vorliege, der das sichere
Führen eines Motorfahrzeugs beeinträchtige, sei mit der Kontrollfahrt gerade
abzuklären (vgl. BGer 1C_47/2007 vom 2. Mai 2007 E. 3.1). Was aber für die
Zulässigkeit der Anordnung einer Kontrollfahrt gilt, muss umso mehr für die Anordnung
einer vertrauensärztlichen Untersuchung gelten; denn die vertrauensärztliche
Untersuchung ist eine mildere Massnahme als die Kontrollfahrt.
b) Es ist unbestritten, dass der Rekurrent am 29. Januar 2014 mit seinem Fahrzeug auf
der St. Gallerstrasse in Engelburg einen Verkehrsunfall verursachte, als er in das Heck
des vor ihm fahrenden Fahrzeuges auffuhr (act. 1 S. 4). Im Strafverfahren wurde er
deswegen der Verletzung von Art. 90 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG und
Art. 3 Abs. 1 VRV schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt
(act. 3/2). Der Strafbefehl ist rechtskräftig.
Aufgrund der Feststellungen im Strafbefehl steht fest, dass der Rekurrent aufgrund
mangelnder Aufmerksamkeit – gemäss Polizeirapport blickte er nach rechts zu einer
Baustelle (act. 11/6) – zu spät bemerkte, dass der vorausfahrende Fahrzeuglenker die
Geschwindigkeit verzögerte, um abzubiegen. Infolgedessen kam es zu einer
Auffahrkollision. Damit gefährdete er den vorausfahrenden Fahrzeuglenker konkret und
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setzte diesen einem erhöhten Verletzungsrisiko aus. Hinzu kommt, dass er sich
innerorts befand, wo – gerade um die Mittagszeit – zusätzlich mit erhöhtem
Fussgängeraufkommen zu rechnen ist, und deshalb die Aufmerksamkeit umso mehr
auf die Strasse zu richten ist. Indem er jedoch nicht die gesamte Aufmerksamkeit der
Strasse und dem Verkehr zuwandte, sind gewisse Zweifel an der Fahreignung
durchaus begründet (vgl. auch BGer 1C_580/2012 vom 13. November 2013 E. 3.2). Mit
der vertrauensärztlichen Untersuchung soll geklärt werden, ob tatsächlich ein
altersbedingter Leistungsabfall vorliegt. Dass die Fahreignung des Rekurrenten am
27. Februar 2013 anlässlich der periodischen medizinischen Kontrolle bestätigt wurde,
ändert daran nichts. Zwar finden die Kontrolluntersuchungen im Normalfall alle zwei
Jahre statt. Fällt ein über 70-Jähriger jedoch negativ im Strassenverkehr auf, muss die
Fahreignung auch innerhalb eines kürzeren Intervalls überprüft werden können. Gerade
bei älteren Menschen kann sich der gesundheitliche Zustand innert kürzester Zeit
verschlechtern; darauf hat die Vorinstanz zu Recht hingewiesen. Namentlich treten mit
zunehmendem Alter immer häufiger verkehrsrelevante Krankheitszustände wie
beginnende Demenz-Erkrankungen, Augenerkrankungen mit nachlassendem
Sehvermögen, Folgen von Schlaganfällen, Kreislauferkrankungen usw. auf (R. Seeger,
Fahren im Alter – Hauptprobleme und sinnvolle Konzepte zur Überprüfung der
Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht, in: R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch
zum Strassenverkehrsrecht 2005, S. 14). Dementsprechend ist die Anordnung einer
vertrauensärztlichen Untersuchung nicht zu beanstanden.
3.- Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurs abzuweisen und die Anordnung
einer vertrauensärztlichen Untersuchung zu bestätigen ist. Dem Verfahrensausgang
entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.– erscheint angemessen (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der Kostenvorschuss von
Fr. 1'200.– ist zu verrechnen.