Decision ID: c81bf445-00ec-566d-8694-b12a139f98b2
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ersuchte am 27. November 2020 in der Schweiz um
Asyl. Ein Abgleich mit der europäischen Fingerabdruck-Datenbank ("Euro-
dac") ergab, dass er bereits am 31. August 2011 in Deutschland um Asyl
ersucht hatte.
Anlässlich der Befragung vom 8. Dezember 2020 wurde dem Beschwerde-
führer das rechtliche Gehör zu einem allfälligen Nichteintretensentscheid
und der Möglichkeit einer Überstellung nach Deutschland gewährt, wel-
ches gemäss Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des Europäischen Parla-
ments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und
Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitglied-
staat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (nachfol-
gend: Dublin-III-VO), grundsätzlich für die Behandlung seines Asylgesuchs
zuständig sei. Die grundsätzliche Zuständigkeit dieses Mitgliedstaates
wurde vom Beschwerdeführer nicht bestritten. Jedoch machte er geltend,
sein Asylgesuch sei in Deutschland abgewiesen worden, weshalb er im
Jahr 2014 selbständig ausgereist sei und sich bis 2018 in seinem Heimat-
staat aufgehalten habe. Danach habe er den Irak erneut verlassen und sei
über die Türkei, Griechenland und Frankreich in die Schweiz gelangt. Bei
einer Überstellung nach Deutschland würde er dort erneut um Asyl ersu-
chen. Sein Ziel sei jedoch, in der Schweiz zu studieren und hier zu arbeiten.
B.
Am 21. Dezember 2020 ersuchte das SEM die deutschen Behörden um
Rückübernahme des Beschwerdeführers gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d
Dublin-III-VO. Diesem Gesuch wurde am 30. Dezember 2020 entsprochen.
C.
Mit Verfügung vom 30. Dezember 2020 (eröffnet am 4. Januar 2021) trat
das SEM in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG (SR 142.31) auf
das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht ein und verfügte die Weg-
weisung nach Deutschland, welches gemäss Dublin-III-VO für die Behand-
lung seines Asylgesuchs zuständig sei. Gleichzeitig verfügte das SEM den
Vollzug der Wegweisung nach Deutschland und stellte fest, einer allfälligen
Beschwerde gegen den Entscheid komme keine aufschiebende Wirkung
zu.
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D.
Die zugewiesene Rechtsvertretung zeigte mit Schreiben vom 4. Januar
2021 die Beendigung des Mandatsverhältnisses an.
E.
Mit Beschwerde vom 11. Januar 2021 an das Bundesverwaltungsgericht
beantragte der Beschwerdeführer, die vorinstanzliche Verfügung sei aufzu-
heben und auf sein Asylgesuch sei einzutreten. Eventualiter sei die Zustän-
digkeit der Vorinstanz gestützt auf Art. 29a Abs. 3 der Asylverordnung 1
vom 11. August 1999 (AsylV 1, SR 142.311) festzustellen. Subeventualiter
sei die Sache wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz
zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung
der aufschiebenden Wirkung sowie der unentgeltlichen Prozessführung.
F.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 12. Januar 2021 setzte das Bun-
desverwaltungsgericht den Vollzug der Überstellung per sofort einstweilen
aus.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurtei-
lung von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig
und entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorlie-
gend – endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Be-
schwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdeführung legiti-
miert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Be-
schwerde ist – mit Ausnahme der nachfolgenden Ausführungen – einzutre-
ten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
Der Beschwerdeführer begründet sein Rechtsbegehren bezüglich der Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs nicht, weshalb darauf nicht einzutreten ist.
1.2 Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
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2.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich vorliegend um eine solche, weshalb der
Beschwerdeentscheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2
AsylG). Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde vorliegend auf die
Durchführung eines Schriftenwechsels verzichtet.
3.
3.1. Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht (einschliesslich
Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die unrichtige oder
unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt
werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2. Bei Beschwerden gegen Nichteintretensentscheide, mit denen es das
SEM ablehnt, das Asylgesuch auf seine Begründetheit hin zu überprüfen
(Art. 31a Abs. 1–3 AsylG), ist die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Asylgesuch nicht eingetreten ist (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 3.1;
2012/4 E. 2.2, je m.w.H.).
4.
4.1. Auf Asylgesuche wird in der Regel nicht eingetreten, wenn Asylsu-
chende in einen Drittstaat ausreisen können, der für die Durchführung des
Asyl- und Wegweisungsverfahrens staatsvertraglich zuständig ist (Art. 31a
Abs. 1 Bst. b AsylG). Zur Bestimmung des staatsvertraglich zuständigen
Staates prüft das SEM die Zuständigkeitskriterien gemäss Dublin-III-VO.
Führt diese Prüfung zur Feststellung, dass ein anderer Mitgliedstaat für die
Prüfung des Asylgesuchs zuständig ist, tritt das SEM, nachdem der betref-
fende Mitgliedstaat einer Überstellung oder Rücküberstellung zugestimmt
hat, auf das Asylgesuch nicht ein (vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 6.2).
4.2. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Dublin-III-VO wird jeder Asylantrag von einem
einzigen Mitgliedstaat geprüft, der nach den Kriterien des Kapitels III als
zuständiger Staat bestimmt wird. Das Verfahren zur Bestimmung des zu-
ständigen Mitgliedstaates wird eingeleitet, sobald in einem Mitgliedstaat
erstmals ein Asylantrag gestellt wird (Art. 20 Abs. 1 Dublin-III-VO).
Im Rahmen eines Wiederaufnahmeverfahrens (engl.: take back) findet
grundsätzlich keine (erneute) Zuständigkeitsprüfung nach Kapitel III der
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Dublin-III-VO statt (vgl. zum Ganzen BVGE 2017 VI/5 E. 6.2 und 8.2.1
m.w.H.).
Erweist es sich als unmöglich, einen Antragsteller in den eigentlich zustän-
digen Mitgliedstaat zu überstellen, weil es wesentliche Gründe für die An-
nahme gibt, dass das Asylverfahren und die Aufnahmebedingungen für An-
tragsteller in jenem Mitgliedstaat systemische Schwachstellen aufweisen,
die eine Gefahr einer unmenschlichen oder entwürdigenden Behandlung
im Sinne von Artikel 4 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union
(2012/C 326/02, nachfolgend: EU-Grundrechtecharta) mit sich bringen, ist
zu prüfen, ob aufgrund dieser Kriterien ein anderer Mitgliedstaat als zu-
ständig bestimmt werden kann. Kann kein anderer Mitgliedstaat als zustän-
dig bestimmt werden, wird der die Zuständigkeit prüfende Mitgliedstaat
zum zuständigen Mitgliedstaat (Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.3. Der nach dieser Verordnung zuständige Mitgliedstaat ist verpflichtet,
einen Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen, dessen Antrag abgelehnt
wurde und der in einem anderen Mitgliedstaat einen Antrag gestellt hat
oder der sich im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats ohne Aufent-
haltstitel aufhält, nach Massgabe der Artikel 23, 24, 25 und 29 wieder auf-
zunehmen (Art. 18 Abs. 1 Bst. d Dublin-III-VO).
Diese Verpflichtung erlischt, wenn der Gesuchsteller oder eine andere Per-
son gemäss Art. 18 Abs. 1 Bst. d das Herrschaftsgebiet der Mitgliedstaaten
während einer Dauer von mindestens drei Monaten verlassen hat, ausser
die Person verfüge über einen durch den zuständigen Mitgliedstaat ausge-
stellten Aufenthaltstitel (vgl. Art. 19 Abs. 2 Dublin-III-VO).
4.4. Jeder Mitgliedstaat kann abweichend von Art. 3 Abs. 1 beschliessen,
einen bei ihm von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen gestell-
ten Antrag auf internationalen Schutz zu prüfen, auch wenn er nach den in
dieser Verordnung festgelegten Kriterien nicht für die Prüfung zuständig ist
(Art. 17 Abs. 1 Satz 1 Dublin-III-VO; sog. Selbsteintrittsrecht).
5.
5.1. Ein Abgleich der Fingerabdrücke des Beschwerdeführers mit der "Eu-
rodac"-Datenbank ergab, dass dieser am 31. August 2011 in Deutschland
ein Asylgesuch eingereicht hatte. Das SEM ersuchte deshalb die deut-
schen Behörden am 21. Dezember 2020 um Wiederaufnahme des
Beschwerdeführers gestützt auf Art. 23 Dublin-III-VO. Diese stimmten dem
Gesuch um Übernahme am 30. Dezember 2020 zu.
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Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, in Deutschland ein Asylgesuch ein-
gereicht zu haben. Er macht jedoch geltend, er habe sich vier Jahre aus-
serhalb des Herrschaftsgebietes der Mitgliedstaaten der Dublin-III-VO auf-
gehalten, weshalb die Zuständigkeit von Deutschland erlöschen und die
Schweiz für die Prüfung seines Asylgesuchs zuständig sei.
Die Vorinstanz gewährte dem Beschwerdeführer eine zehntägige Frist, um
Beweismittel für seinen Aufenthalt in seinem Heimatstaat einzureichen. Auf
Beschwerdeebene macht er geltend, er habe innert dieser Frist keine Do-
kumente erhältlich machen können und ersucht um Fristansetzung für die
Einreichung von Beweismitteln. Er führt jedoch nicht aus, welche Beweis-
mittel er einzureichen gedenkt. Im Verfahren vor der Vorinstanz beantragte
er zudem auch keine Fristerstreckung. Es kann deshalb darauf verzichtet
werden, dem Beschwerdeführer eine Frist zur Einreichung von Beweismit-
teln anzusetzen. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der am
(...) in Bagdad ausgestellte Reisepass für den Nachweis seines vierjähri-
gen Aufenthalts im Irak nicht genügt. Wie von der Vorinstanz erwähnt, wird
auch bei der Beschaffung eines irakischen Reisepasses im Ausland als
Ausstellungsort immer Bagdad eingetragen (vgl. UtIendingsforvaltningens
fagenhet for landinformasjon (Landlnfo) [Oslo], Iraq: Travel documents and
other identity documents, 16.12.2015, § 3.2 und 3.7). Der Beschwerdefüh-
rer bestreitet dies auch nicht. In einer Gesamtwürdigung ist es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen, einen mehr als dreimonatigen Aufenthalt
ausserhalb des Gebiets der Mitgliedstaaten der Dublin-III-VO glaubhaft
darzulegen.
Die grundsätzliche Zuständigkeit von Deutschland ist somit gegeben.
5.2. Im Lichte von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO ist zu prüfen, ob es wesentli-
che Gründe für die Annahme gibt, das Asylverfahren und die Aufnahmebe-
dingungen für Asylsuchende in Deutschland würden systemische
Schwachstellen aufweisen, die eine Gefahr einer unmenschlichen oder
entwürdigenden Behandlung im Sinne des Artikels 4 der EU-Grund-
rechtecharta mit sich bringen würden.
Deutschland ist Signatarstaat der EMRK, des Übereinkommens vom
10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche
oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und des Ab-
kommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) sowie des Zusatzprotokolls der FK vom 31. Januar 1967
(SR 0.142.301) und kommt seinen diesbezüglichen völkerrechtlichen Ver-
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pflichtungen nach. Es darf davon ausgegangen werden, dieser Staat aner-
kenne und schütze die Rechte, die sich für Schutzsuchende aus den Richt-
linien des Europäischen Parlaments und des Rates 2013/32/EU vom
26. Juni 2013 zu gemeinsamen Verfahren für die Zuerkennung und Aber-
kennung des internationalen Schutzes (sog. Verfahrensrichtlinie) sowie
2013/33/EU vom 26. Juni 2013 zur Festlegung von Normen für die Auf-
nahme von Personen, die internationalen Schutz beantragen (sog. Aufnah-
merichtlinie) ergeben.
Unter diesen Umständen ist die Anwendung von Art. 3 Abs. 2 Dublin-III-VO
nicht gerechtfertigt.
5.3. Der Beschwerdeführer fordert implizit die Anwendung der Ermessens-
klausel von Art. 17 Abs. 1 Dublin-III-VO, respektive der – das Selbstein-
trittsrecht im Landesrecht konkretisierenden – Bestimmung von Art. 29a
Abs. 3 AsylV 1, gemäss welcher das SEM das Asylgesuch "aus humanitä-
ren Gründen" auch dann behandeln kann, wenn dafür gemäss Dublin-III-
VO ein anderer Staat zuständig wäre.
Er kein konkretes und ernsthaftes Risiko dargetan, die deutschen Behör-
den würden sich weigern, ihn wieder aufzunehmen und seinen Antrag auf
internationalen Schutz unter Einhaltung der Regeln der Verfahrensrichtlinie
zu prüfen. Den Akten sind denn auch keine Gründe für die Annahme zu
entnehmen, Deutschland werde in seinem Fall den Grundsatz des Non-
Refoulement missachten und ihn zur Ausreise in ein Land zwingen, in dem
sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3
Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem er Gefahr laufen würde, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden. Ausserdem hat der
Beschwerdeführer nicht dargetan, die ihn bei einer Rückführung erwarten-
den Bedingungen in Deutschland seien derart schlecht, dass sie zu einer
Verletzung von Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3
FoK führen könnten. Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass die Behand-
lung seines Asylgesuchs mangelhaft gewesen sein könnte und seine Weg-
weisung in Verletzung des Non-Refoulement-Prinzips verfügt worden
wäre. In diesem Zusammenhang ist der Vollständigkeit halber festzustel-
len, dass ein definitiver Entscheid über ein Asylgesuch und die Wegwei-
sung in das Heimatland nicht per se eine Verletzung des Non-Refoulement-
Prinzips darstellen. Das Prinzip der Überprüfung eines Asylgesuchs durch
einen einzigen Mitgliedstaat ("one chance only") dient im Gegenteil der
Vermeidung von multiplen Asylgesuchen in verschiedenen Staaten (soge-
nanntes "asylum shopping"; vgl. BVGE 2017 VI/5 E. 8.5.3.3). Vorliegend
führt die Überstellung des Beschwerdeführers nach Deutschland gemäss
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Akten nicht zu einer Kettenabschiebung, welche gegen das Non-Refoule-
ment-Prinzip verstossen würde, wie es in Art. 33 FK verankert ist (und sich
ausserdem aus Art. 4 der EU-Grundrechtecharta, Art. 3 EMRK oder Art. 3
FoK ableiten lässt).
Der Beschwerdeführer hat auch keine konkreten Hinweise für die An-
nahme dargetan, Deutschland würde ihm dauerhaft die ihm gemäss Auf-
nahmerichtlinie zustehenden minimalen Lebensbedingungen vorenthalten.
Bei einer allfälligen vorübergehenden Einschränkung könnte er sich im Üb-
rigen nötigenfalls an die deutschen Behörden wenden und die ihm zu-
stehenden Aufnahmebedingungen auf dem Rechtsweg einfordern (vgl.
Art. 26 Aufnahmerichtlinie).
Für einen Selbsteintritt der Schweiz gemäss Art. 29a Abs. 3 AsylV 1 in Ver-
bindung mit Art. 17 Dublin-III-VO besteht demnach keine Veranlassung.
Eine Ermessenunterschreitung liegt nicht vor. Der Vollständigkeit halber ist
festzuhalten, dass die Dublin-III-VO den Schutzsuchenden kein Recht ein-
räumt, den ihren Antrag prüfenden Staat selber auszuwählen (vgl. auch
BVGE 2010/45 E. 8.3).
5.4. Allfällige Verzögerungen beim Wegweisungsvollzug aufgrund der
herrschenden Situation im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie
stellen – gemäss aktuellem Kenntnisstand – lediglich temporäre Vollzugs-
hindernisse dar und vermögen am Ausgang des vorliegenden Verfahrens
nichts zu ändern (vgl. Urteil des BVGer F-1829/2020 vom 9. April 2020
E. 5.2).
6.
Das SEM ist demnach zu Recht in Anwendung von Art. 31a Abs. 1 Bst. b
AsylG auf das Asylgesuch des Beschwerdeführers nicht eingetreten. Da er
nicht im Besitz einer gültigen Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung
ist, wurde die Überstellung nach Deutschland in Anwendung von Art. 44
AsylG ebenfalls zu Recht angeordnet (Art. 32 Bst. a AsylV 1).
7.
Das Fehlen von Überstellungshindernissen ist bereits Voraussetzung des
Nichteintretensentscheids gemäss Art. 31a Abs. 1 Bst. b AsylG, weshalb
allfällige Vollzugshindernisse gemäss Art. 83 Abs. 3 und 4 AIG (SR 142.20)
unter diesen Umständen nicht mehr zu prüfen sind (vgl. BVGE 2015/18
E. 5.2 m.w.H.).
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8.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist, und die Verfügung des SEM zu bestätigen.
Das Beschwerdeverfahren ist mit vorliegendem Urteil abgeschlossen, wes-
halb sich die Anträge auf Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie
auf Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses als gegenstands-
los erweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozess-
führung (vgl. Art. 65 Abs. 1 VwVG) ist unbesehen der finanziellen Verhält-
nisse des Beschwerdeführers abzuweisen, da die Beschwerde gemäss
den vorstehenden Erwägungen als aussichtslos zu bezeichnen ist, und es
daher an einer gesetzlichen Grundlage zu deren Gewährung fehlt.
10. .
Mit dem vorliegenden Urteil fällt der am 12. Januar 2021 verfügte Vollzugs-
stopp dahin.
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