Decision ID: 6b7b0243-4428-4ad8-a1f3-042df9b9bdf8
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Ehescheidung
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Dielsdorf vom 16. Oktober 2015 (FE110123-D)
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Rechtsbegehren:
1. Anträge des Klägers: (Urk. 54, 99, 156, sinngemäss)
1. Die Ehe der Parteien sei zu scheiden. 2. Es sei der Vorsorgeausgleich gemäss gesetzlichen Vorgaben
vorzunehmen.
3. Es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung vorzunehmen, wobei festzuhalten sei, dass die Parteien güterrechtlich per  Besitzstand bereits auseinandergesetzt sind.
4. Es seien die Kinder C._, geboren am tt.mm.2000, D._, geboren am tt.mm.2002, und E._, geboren am tt.mm.2005, unter die alleinige elterliche Sorge des Klägers zu stellen. Der von der KESB Olten-Gösgen mit Entscheid vom 25. Juni 2014  Entzug der Obhut über die Kinder gemäss Art. 310 Abs. 1 ZGB gegenüber der Beklagten und die gleichzeitig angeordnete Fremdplatzierung der Kinder sei zu bestätigen. Die Massnahme ( und Bestätigung der Fremdplatzierung) sei analog auf den Kläger auszuweiten.
Die von der KESB angeordnete Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB für die drei Kinder der Parteien sei zu bestätigen. Der  sei zu beauftragen, die angeordneten und erweiterten Aufgaben weiterzuführen.
5. Der persönliche Verkehr zwischen den Kindern und der Beklagten sei einzuschränken: Es sei ein begleitetes Besuchsrecht am Ort der Unterbringung der Kinder oder einer anderen geeigneten  (Besuchstreff o.ä.) in Begleitung einer Fachperson .
6. Die Beklagte sei zu verpflichten, einen Antrag auf Leistungen aus der Invalidenversicherung zu stellen und im entsprechenden  mitzuwirken. Allfällige Kinderrenten, auch rückwirkend , seien dem Kläger auszurichten.
Sofern die Beklagte der vorstehenden Verpflichtung bis zum 31.  2015 nicht nachkommt oder ihre Mitwirkung einstellt, sei sie zu verpflichten, dem Kläger mit Wirkung ab dem 01. Januar 2016 an den Unterhalt der Kinder je Fr. 471.00 (zuzüglich allfälliger Familien-/-/Ausbildungszulagen) zu bezahlen.
Die Beklagte sei zu verpflichten, jeweils per Ende März die  des Vorjahres unaufgefordert dem Kläger zuzustellen und die Aufnahme oder Ausweitung ihrer Erwerbstätigkeit umgehend dem  anzuzeigen.
7. Es sei kein nachehelicher Unterhalt zuzusprechen.
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2. Anträge der Beklagten: (Urk. 115, 157, sinngemäss)
1. Die Ehe der Parteien sei zu scheiden.
2. Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2000, D._, geboren am tt.mm.2002, und E._, geboren am tt.mm.2005, seien  die alleinige elterliche Sorge und die Obhut der Beklagten zu stellen. Der mit Verfügung der KESB Olten-Gösgen vom 25. Juli 2014 angeordnete Obhutsentzug und die Fremdplatzierung der Kinder sei aufzuheben.
3. Der Kläger sei berechtigt zu erklären, die Kinder an einem  pro Monat begleitet zu besuchen.
4. Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten für den Unterhalt und die Erziehung der Kinder einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von je Fr. 650.– zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monates, ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zum Abschluss einer  Erstausbildung.
5. Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von monatlich Fr. 850.– zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monates, ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 31. Dezember 2021.
6. Es sei der Vorsorgeausgleich gemäss den gesetzlichen Vorgaben vorzunehmen.
7. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Parteien  auseinander gesetzt sind.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers.
3. Eventualanträge der Beklagten: (Urk. 115)
"1. Die Kinder seien unter die alleinige elterliche Sorge der Beklagten zu stellen.
2. Die Beklagte sei berechtigt zu erklären, die Kinder jeweils am Mittwochnachmittag sowie an jedem zweiten Wochenende auf eignen Kosten zu sich oder mich sich auf Besuch zu nehmen. Die Beklagte sei ferner berechtigt zu erklären, die Kinder in den Schulferien während vier Wochen pro Jahr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
3. Der Kläger sei berechtigt zu erklären, die Kinder an einem  pro Monat auf eigene Kosten begleitet zu besuchen.
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4. Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten einen nachehelichen Unterhaltsbeitrag von monatlich Fr. 850.– zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus auf den Ersten eines jeden Monates, ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis 31. Dezember 2021.
5. Es sei der Vorsorgeausgleich gemäss den gesetzlichen Vorgaben vorzunehmen.
6. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass die Parteien  auseinander gesetzt sind."
Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf (Einzelgericht) vom 16. Oktober 2015 (Urk. 189):
1. Die am tt. Juni 1995 in ... geschlossene Ehe der Parteien wird geschieden. 2. Die Kinder C._, geboren am tt.mm.2000, D._, geboren am
tt.mm.2002, und E._, geboren am tt.mm.2005, werden unter die  elterliche Sorge des Klägers gestellt.
3. Die elterliche Obhut über die Kinder C._, geboren am tt.mm.2000, D._, geboren am tt.mm.2002, und E._, geboren am tt.mm.2005, wird aufgehoben, und die Kinder werden fremd platziert. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Kinder derzeit "im G._" platziert sind und dort Wohnsitz haben.
4. Die Erziehungsgutschriften für die Berechnung der AHV/IV-Renten werden bis zur Rechtskraft des Scheidungsurteils der Beklagten und ab Rechtskraft desgleichen dem Kläger angerechnet.
5. a) Es wird eine Beistandschaft im Sinne von Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB . Es wird davon Vormerk genommen, dass die Kindes- und  Olten-Gösgen mit Entscheid vom 25. Juni 2014 bereits eine Beistandschaft errichtet hat. Dem zuständigen Beistand / der  Beiständin werden weiterhin die bereits zugeteilten Aufgaben und  sowie folgende neuen Aufgaben übertragen:
– Begleitung der Platzierung von C._, D._ und E._; – Festlegung des persönlichen Kontakts zwischen den Eltern und den
Kindern für die Dauer der Fremdplatzierung;
– Organisation des persönlichen Kontakts zwischen den Eltern und den Kindern während der Dauer der Fremdplatzierung wie auch nach deren Aufhebung;
– Wahrung des Unterhaltsanspruchs der Kinder gegenüber der  mit Bezug auf deren Rentenberechtigung im Zusammenhang mit ihrer Invalidität.
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5. b) Es wird weiter davon Vormerk genommen, dass der Beistand / die  den persönlichen Kontakt inklusive Ferienbesuchsrecht zwischen den  und den Kindern für die Dauer der Fremdplatzierung in Absprache mit diesen sowie den zuständigen Institutionen schon bisher festgelegt und  hat.
6. Der Kläger wird verpflichtet, an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung der Kinder monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats zahlbare Unterhaltsbeiträge (zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder  Kinder- und Ausbildungszulagen) wie folgt zu bezahlen: Fr. 780.– pro Kind, ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zum ordentlichen Abschluss einer angemessenen Ausbildung, auch über die Mündigkeit hinaus, zahlbar an die obhutsberechtigte Institution, solange das Kind fremd platziert ist oder keine eigenen Ansprüche stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger .
7. Es wird festgestellt, dass die Beklagte gegenüber den Kindern grundsätzlich unterhaltspflichtig ist, dass sie aber derzeit mangels Leistungsfähigkeit nicht in der Lage ist, Unterhaltsbeiträge zu bezahlen.
Die Beklagte wird verpflichtet, allfällige (auch rückwirkende) Kinderrenten der zuständigen Invalidenversicherung direkt an die obhutsberechtigte  bzw. an den Kläger weiterzuleiten, sofern die Fremdplatzierung  worden ist. Die Beklagte wird verpflichtet, umgehend bei der zuständigen  einen Antrag auf Ausrichtung allfälliger Kinderrenten zu stellen und den Beistand / die Beiständin der Kinder über das Ergebnis ihrer  zu informieren und ihm / ihr die notwendigen Unterlagen  zur Verfügung zu stellen. Weigert sich die Beklagte, ist der Beistand / die Beiständin der Kinder  und verpflichtet, bei der zuständigen Invalidenversicherung die  Schritte zur Wahrung der finanziellen Ansprüche der Kinder selbst vorzunehmen und für die Ausrichtung der Renten an die Kinder besorgt zu sein.
8. Die Parteien werden verpflichtet, sich an ausserordentlichen notwendigen Ausgaben für die Kinder (z.B. Zahnkorrekturen, Brillen/Linsen, Schullager, schulische Fördermassnahmen, Sprachaufenthalte etc.) entsprechend ihrem Einkommen und ihren finanziellen Möglichkeiten zu beteiligen, nach  Vorlage der entsprechenden Rechnungen, soweit nicht Dritte,  Versicherungen, für diese Kosten aufkommen und sofern beide Parteien dazu angehört worden sind.
9. Diese Unterhaltsbeiträge basieren auf dem Landesindex der  des Bundesamtes für Statistik (Stand bei Rechtskraft des ; Basis Dezember 2010 = 100 Punkte). Sie sind jeweils auf den 1. Januar eines jeden neuen Jahres der Veränderung des Indexstandes  (nach der Formel: Unterhaltsbeitrag mal neuer Index geteilt durch alten Index). Massgebend für die Anpassung ist der Indexstand von Ende
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November des Vorjahres. Die erste Anpassung erfolgt per 1. Januar 2017.
10. Es wird festgestellt, dass die Parteien in güterrechtlicher Hinsicht vollständig auseinandergesetzt sind.
11. Der Beklagten werden keine nachehelichen Unterhaltsbeiträge .
12. Es wird von folgenden finanziellen Verhältnissen ausgegangen: a) Einkommen (netto pro Monat):
- Kläger (inkl. 13. ML, exkl. KZl.): Fr. 5'710.– - Beklagte: 100%-IV-Rente b) Bedarf (pro Monat)
- Kläger (gerundet): Fr. 3'360.– - Beklagte (hypothetisch gerundet): Fr. 3'260.–
13. Die BVG-Sammelstiftung ..., ... [Adresse], wird angewiesen, mit Rechtskraft des Scheidungsurteils vom Vorsorgekonto des Klägers (AHV-Nr. ...) den Betrag von Fr. 21'498.70 auf das Vorsorgekonto der Beklagten bei der ... Pensionskasse, ... [Adresse], (AHV-Nr. ...) zu übertragen.
14. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 12'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 7'555.00 Kinderschutzgutachten
Fr. 400.00 Kurzgutachten Dr. H._
Fr. 337.50 Dolmetscherkosten (im unbegründeten Entscheid noch nicht verrechnet)
Fr. Kosten Rechtsvertreter von C._ noch offen
Fr. 20'292.50 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. Verlangt keiner der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermässigt sich die Entscheidgebühr um einen Drittel auf Fr. 8'000.–.
15. Die Kosten des unbegründeten Urteils sowie die weiteren Kosten (, Kurzgutachten Dr. H._, Kosten Rechtsvertreter von C._) werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt, jedoch zufolge  der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Die Parteien werden auf die Nachzahlungspflicht gemäss Art. 123 ZPO hingewiesen.
16. Die Prozessentschädigungen werden wettgeschlagen. 17. [Mitteilungen]
18. [Rechtsmittel]
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Berufungsanträge:
des Klägers und Erstberufungsklägers zur Erstberufung (Urk. 188 S.2):
1. Urteilsziffer 6 des angefochtenen Entscheides (Verpflichtung des Klägers zur Zahlung von Kinderunterhaltsbeiträgen) sei ersatzlos aufzuheben.
2. Eventualiter sei der Kläger/Berufungskläger zu verpflichten, an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung der Kinder je CHF 500.00 pro Kind zu bezahlen.
3. ... Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8,0% MWSt.)  der Beklagten, eventualiter der Staatskasse.
der Beklagten und Erstberufungsbeklagten zur Erstberufung (Urk. 203 S. 2):
1. Die Erstberufung (Geschäfts-Nr. LC20160021) sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Unter Kosten und Entschädigungsfolge (zzgl. MwSt.) zu Lasten des Klägers.
der Beklagten und Zweitberufungsklägerin zur Zweitberufung (Urk. 196/188 S. 2):
1. Die Dispositivziffer 3 der Verfügung des Einzelgerichts des  Dielsdorf vom 16. Oktober 2015 sei aufzuheben und die Kinder C._, D._ und E._ seien erneut .
2. Die Dispositivziffern 2 bis 7, 11 und 12 und 16 des Urteils des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Dielsdorf vom 16. Oktober 2015 seien aufzuheben.
3. Die Kinder C._, geb. am tt.mm.2000, D._, geb. am tt.mm.2002, und E._, geb. am tt.mm.2005, seien unter die  elterliche Sorge und Obhut der Beklagten zu stellen.
4. Dem Kläger sei ein angemessenes Besuchsrecht einzuräumen. 5. Es sei eine Besuchsrechtsbeistandschaft i.S.v. Art. 308 Abs. 2
ZGB zur Überwachung und Gestaltung des Besuchsrechts  und dem Beistand sei die Aufgabe zu übertragen, das  nach Ziff. 4 hiervor zu organisieren, zu koordinieren und zu überwachen.
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6. Der Kläger sei zu verpflichten, die in Dispositivziffer 6 des Urteils des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Dielsdorf festgesetzten Unterhaltsbeiträge von monatlich Fr. 780.- pro Kind (zzgl.  vertraglicher oder gesetzlicher Kinder- oder Familienzulagen) ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zum Abschluss einer angemessene Erstausbildung, auch über die Mündigkeit hinaus, an die Beklagte zu zahlen, solange das volljährige Kind keine  Ansprüche stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
7. Die Beklagte sei zu verpflichten, die ihr für die Dauer des  ausgerichteten Kinderrenten an die obhutsberechtigte  weiterzuleiten.
8. Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten nacheheliche  von Fr. 500.- bis zum vollenden 16. Lebensjahr von E._ jeweils monatlich im Voraus unter der Bedingung zu .
9. Die Erziehungsgutschriften für die Berechnung der AHV /IV - Renten während der Ehe und nach rechtskräftiger Ehescheidung seien der Beklagten vollumfänglich anzurechnen.
10. Der Beklagten sei für das Berufungsverfahren die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und der Unterzeichnete als ihr  Rechtsvertreter zu bestellen.
11. Unter Kosten und Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers.
des Klägers und Zweitberufungsbeklagten zur Zweitberufung (Urk. 206 S. 2):
Die Zweitberufung (Rechtsbegehren 1 bis 9) sei abzuweisen, dies  Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der .
Sinngemässe Schlussanträge der Beiständin der drei Kinder (Prot. II S. 97 f.):
1. C._: Es sei dem Kläger die alleinige elterliche Sorge über C._ zu übertragen. Ferner sei das  des Klägers betreffend C._ aufzuheben, und es sei  Beistandschaft zu errichten.
2. D._: Es sei dem Kläger die alleinige elterliche Sorge über D._ zu übertragen. Ferner sei das  des Klägers betreffend D._ aufzuheben, und es sei  Beistandschaft zu errichten.
3. E._: Es sei E._ unter Vormundschaft zu stellen.
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Schlussantrag des Klägers (Urk. 340 S. 2):
Zur Erstberufung:
"Die Erstberufung sei vollumfänglich gutzuheissen; im einzelnen wird beantragt: 1. Die Kinder C._, geb. tt.mm.2000, und D._, geb. tt.mm.2002,
seien unter die alleinige elterliche Sorge des Klägers zu stellen. Beim Sohn E._, geb. tt.mm.2005, sei die elterliche Sorge den  zu entziehen, und es sei für ihn eine Vormundschaft vorzusehen. Es sei festzuhalten, dass sich die Entziehung der elterlichen Sorge ausdrücklich auf E._ beschränkt.
2. Dem Kläger sei das Recht, den Aufenthaltsort der Kinder zu , zu entziehen, und es sei die derzeitige Unterbringung der Kinder zu bestätigen.
3. Es sei festzuhalten, dass der Kläger gegenüber den Kindern  ist. Auf eine betragsmässige Festlegung sei zu verzichten. Eventualiter (Vormundschaft bei E._): Der Kläger sei zu , für den Sohn E._ einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 500.- (zuzüglich jeweiliger Familienzulagen) zu bezahlen, zahlbar bis zur Mündigkeit bzw. bis zum ordentlichen Abschluss einer .
4. Es sei die Beistandschaft für alle drei Kinder beizubehalten. Das  des Beistandes sei zu aktualisieren und dem zu fällenden  anzupassen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten."
Zur Zweitberufung:
"Die Zweitberufung sei abzuweisen, es seien die Rechtsbegehren 2 bis 6 sowie 8 und 11 abzuweisen.
Bei Rechtsbegehren 7 sei vorzusehen, dass die Beklagte die Kinderrenten der Sozialversicherungen für C._ und D._ dem Kläger sowie  für E._ dem Vormund zu überweisen habe.
Beim Rechtsbegehen 9 seien die Erziehungsgutschriften der AHV bis zum Zeitpunkt der Rechtskraft der Scheidung der Beklagten zuzuweisen."
Schlussantrag der Beklagten (Urk. 338 S. 2):
Festhalten an den Anträgen gemäss der Berufungsschrift vom 10. März 2010 [recte: 2016].
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Abweisung der Anträge der Gegenparteien.
Inhaltsverzeichnis
1. Sachverhalt ...........................................................................................................11 2. Prozessverlauf ......................................................................................................12 3. Prozessuales ........................................................................................................19 4. Die für Kindesschutzmassnahmen zuständige KESB ...................................23 5. Elterliche Sorge, Obhut, Besuchsrecht: Allgemeines.....................................24 6. Ausgangslage: Die Ehegeschichte der Parteien und der Aufenthalt der Kinder auf I._ von 2006 bis 2014 ......................................................................28 7. Die Beklagte, ihr Gesundheitszustand und ihr Umgang mit den Kindern...30 8. Der Kläger und sein Verhältnis zu den Kindern ..............................................42 9. C._ (geb. tt.mm.2000).................................................................................48 10. D._ (geb. tt.mm.2002).................................................................................57 11. E._ (geb. tt.mm.2005) .................................................................................63 12. Persönlicher Verkehr zwischen den Kindern und den Eltern........................74 13. Kinderunterhaltsbeiträge; Kinderrenten gemäss IVG.....................................75 14. Nachehelicher Unterhalt .....................................................................................76 15. Erziehungsgutschriften gemäss AHVG ............................................................77 16. Kosten- und Entschädigungsfolgen; Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeistände...........................................................................................................78 17. Eröffnung des heutigen Entscheides ................................................................78

Erwägungen:
1. Sachverhalt
1.1. Die Parteien heirateten am tt. Juni 1995 im Alter von 26 bzw. 27 Jahren in
.... Sie haben die folgenden Kinder:
- C._, geb. tt.mm.2000; - D._, geb. tt.mm.2002;
- E._, geb. tt.mm.2005.
Während ihres Zusammenlebens pflegten die Parteien eine traditionelle Rol-
lenverteilung.
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1.2. Im angefochtenen Urteil wird die weitere sog. "Vorgeschichte" wie folgt
dargestellt:
"2. Mit Eingabe vom 27. Juni 2006 machten die Parteien am Bezirksgericht Hinwil ein Eheschutzverfahren anhängig (EE060064). Am 24. Juli 2006 schlossen die Parteien unter Mitwirkung der Einzelrichterin am  Hinwil eine Trennungsvereinbarung, wonach die Parteien ab 1.  2006 auf unbestimmte Dauer das Getrenntleben aufnahmen. Die Beklagte zog sodann mit den drei Kindern am 1. September 2006 nach I._ (Spanien), wo sie bis zu ihrer Rückkehr mit den Kindern in die Schweiz am 16. Mai 2014 lebte. Das Wochenende vom 17. bis 18. Mai 2014 verbrachte die Beklagte mit ihren Kindern bei ihrer Schwester J._ und bezog am 19. Mai 2014 eine Notunterkunft in der Gemeinde K._.
3. Am 4. Juni 2014 beantragte J._, die Schwester der Beklagten, bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Olten-Gösgen (fortan: KESB) die Prüfung von kindesschutzrechtlichen Massnahmen für die Kinder C._, D._ und E._ [vgl. Urk. 234/1]. Mit Entscheid vom 25. Juni 2014 wurde eine Beistandschaft für die Kinder errichtet und der Beklagten die Obhut über die Kinder entzogen. Die Kinder wurden fortan im "G._" platziert, wo sie auch aktuell wohnen. 4. Mit Entscheid der KESB vom 3. Juli 2014 wurde sodann für die Beklagte eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensverwaltung angeordnet. 5. Zur Zeit lebt die Beklagte in einer 1-Zimmerwohnung mit Toilette und  auf der Etage im Gasthof L._ in M._ und der Kläger mit  Partnerin an der ...str. ... in N._."
Gemäss Mitteilung der KESB Olten-Gösgen vom 21. Dezember 2016 ist die
Beklagte allerdings am 20. Dezember 2016 "nach I._" ausgewandert. Weil
die Beklagte keinen Wohnsitz in der Schweiz mehr habe, werde die Beistand-
schaft über sie demnächst aufgehoben werden (Urk. 281).
2. Prozessverlauf
2.1. Hinsichtlich des erstinstanzlichen Prozessverlaufs sei auf das angefochte-
ne Urteil verwiesen (Urk. 189 S. 7-11). Hervorzuheben ist, dass die KESB Olten-
Gösgen mit Entscheid vom 25. Juni 2014 die drei Kinder C._, D._ und
E._ fremdplatziert und für sie eine Beistandschaft errichtet hat (Urk. 84/1).
Mit Verfügung vom 8. Januar 2015 (Urk. 92) nahm die Vorinstanz von diesen von
der KESB getroffenen Kindesschutzmassnahmen (Obhutsentzug, Unterbringung,
Errichtung einer Beistandschaft) Vormerk (Dispositiv-Ziff. 2). Alsdann bestimmte
sie im Sinne einer vorsorglichen Massnahme, dass die "Kindesschutzmassnah-
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men gemäss Dispositiv-Ziff. 2 hiervor ... vorsorglich bis zur rechtskräftigen Erledi-
gung des Verfahrens aufrecht erhalten" werden. Dieser vorinstanzliche Entscheid
wurde nicht angefochten und gilt noch heute.
2.2. Nach Erlass des (zunächst unbegründeten) erstinstanzlichen Urteils ge-
langten die folgenden Urkunden zu den erstinstanzlichen Akten:
- Gefährdungsmeldung der Beiständin der Beklagten, O._, vom 22. Oktober 2015 an die KESB Olten-Gösgen (Urk. 169);
- Schreiben KESB Olten-Gösgen an Bezirksgericht, Gefährdungsmeldung, Vorfall vom 27. Oktober 2015 (betreffend C._) (Urk. 171);
- Schreiben Bezirksrichter P._ an KESB vom 30. Oktober 2015 (Urk. 172): KESB soll Erwachsenenschutzmassnahme für die Beklagte prüfen.
2.3. Das begründete vorinstanzliche Urteil (Urk. 181) wurde den Parteien zu-
nächst am 27. Januar bzw. am 3. Februar 2016 zugestellt (Urk. 181/1 und 181/3).
Es folgte sodann eine berichtigte Fassung (Urk. 183). Den Parteien wurde von der
Vorinstanz mitgeteilt, dass die Berufungsfrist ab Zustellung des berichtigten Ent-
scheides laufe (Urk. 184/1). Das berichtigte Urteil wurde den Parteien am 8. bzw.
am 9. Februar 2016 zugestellt (Urk. 184A/1-2).
2.4. Mit Schreiben vom 11. Februar 2016 an die Vorinstanz legitimierte sich
Rechtsanwalt Dr. Y._ als neuer Vertreter der Beklagten (Urk. 185).
2.5. Mit Rechtsschrift vom 9. März 2016 (Urk. 188) erhob der Kläger rechtzeitig
Erstberufung. Die Beklagte sodann erhob mit Rechtsschrift vom 10. März 2016
rechtzeitig selbständige Zweitberufung (Urk. 188). Die Verfahren betreffend Erst-
und Zweitberufung wurden mit Beschluss vom 11. April 2016 vereinigt (Urk. 199,
Dispositiv-Ziff. 1); gleichzeitig wurde den Parteien Frist angesetzt, um je die Beru-
fung der Gegenpartei zu beantworten. Mit diesem erwähnten Beschluss wurden
die Parteien darauf hingewiesen, dass sich die Berufungsinstanz auf Grund des
Offizialgrundsatzes gemäss Art. 296 ZPO bezüglich der Kinderbelange einen Ent-
scheid vorbehalte, der sowohl vom angefochtenen Urteil als auch von den Partei-
vorträgen abweiche. Die Parteien wurden aufgefordert, diesem Umstand in ihren
weiteren Parteivorträgen Rechnung zu tragen (Urk. 199 S. 4 f.). Die Berufungs-
antworten wurden in der Folge am 13. Mai 2016 erstattet (Urk. 203 und 206).
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2.5.1. Mit dem erwähnten Beschluss vom 11. April 2016 wurde beiden Parteien
von der Berufungsinstanz die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt, und es wur-
den ihnen unentgeltliche Rechtsbeistände bestellt (Urk. 199 Dispositiv-Ziff. 3-5).
2.5.2. Mit dem Beschluss vom 11. April 2016 wurde vom Beistand der Kinder ein
Bericht betreffend die Situation und die Verfassung der drei Kinder eingefordert
(Urk. 199, Dispositiv-Ziff. 11). Durch Entscheid vom 13. April 2016 wurde von der
KESB Olten-Gösgen die Beistandschaft über die drei Kinder von Q._ auf
F._ übertragen (Urk. 201, 209). Mit der Ernennungsurkunde vom 10. Mai
2016 (Urk. 299/1) setzte die KESB Olten-Gösgen das Pflichtenheft der neuen
Beiständin fest. Der bisherige Beistand erstattete am 12. Mai 2016 einen Bericht
über die Beistandschaft per 30. April 2016 (Urk. 214). Am 14. Juni 2016 erstattete
die neue Beiständin der Kinder einen Bericht über deren Verfassung (Urk. 215).
Beigelegt wurde ein Protokoll über ein Gespräch zwischen dem früheren Beistand
der Kinder und jenem der Beklagten mit der Beklagten einerseits und Vertretern
des "G._", dem Unterbringungsort der Kinder, anderseits betreffend begleite-
te Besuche (Urk. 216).
2.6. Mit Verfügung des Referenten vom 30. Juni 2016 (Urk. 220) wurde
F._ gestützt auf Art. 299 ZPO zur Prozessbeiständin der drei Kinder ernannt,
und es wurde festgehalten, dass ihr die Kompetenzen gemäss Art. 300 ZPO zu-
stehen. Mit gleicher Verfügung wurde die Anhörung der Parteien gemäss Art. 297
ZPO angeordnet.
2.7. Eine erste Anhörung der Parteien gemäss Art. 297 ZPO fand am 10. Au-
gust 2016 statt (Prot. II S. 13 - 50).
2.8. Mit Verfügung des Referenten vom 23. August 2016 (Urk. 228) wurde der
Beizug der Akten der KESB Olten-Gösgen angeordnet (Dispositiv-Ziff. 2). Ferner
wurde die Beklagte aufgefordert, den vollständigen Entscheid der KESB betref-
fend ihre Verbeiständung sowie betreffend ihre IV-Rente einzureichen (Dispositiv-
Ziff. 3). Schliesslich wurde die Anhörung der drei Kinder C._, D._ und
E._ gemäss Art. 298 ZPO angeordnet (Dispositiv-Ziff. 4). Die KESB-Akten
liegen nun in Kopie bei den Akten des Scheidungsprozesses (Urk. 234/1-89).
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In der Folge teilte der Anwalt der Beklagten am 29. September 2016 der Be-
rufungsinstanz mit, dass es ihm einstweilen nicht möglich sei, die IV-Akten und
die Akten betreffend die Verbeiständung der Beklagten einzureichen (Urk. 236).
Mit Verfügung vom 4. Oktober 2016 erging daher die Aufforderung an die Bei-
ständin der Beklagten (Urk. 236), die entsprechenden Akten einzureichen (Urk.
238). Alsdann reichte die Beiständin der Beklagten die herausverlangten Unterla-
gen ein, nämlich Urk. 257 - 258 und nach einer telefonischen Rücksprache (Urk.
263) die Urk. 270 sowie Urk. 270/1-7.
2.9. Die Anhörung der Kinder C._ und D._ fand am 12. Oktober 2016
statt (Prot. II S. 59 - 63), jene von E._ am 20. Oktober 2016 (Prot. II S. 63 -
66).
2.10. Mit Verfügung vom 21. Oktober 2016 wurde die Beiständin der drei Kinder
darum ersucht, einen aktuellen Bericht über die Lage der Kinder einzureichen.
Ferner wurde sie ersucht, Anträge zu den Kinderbelangen zu stellen (Urk. 240).
Die Beiständin äusserte sich mit einem Bericht vom 14. November 2016; sie stell-
te die folgenden Anträge (Urk. 253 S. 3):
"1. Die Obhut soll weiterhin nach Art. 310 ZGB entzogen bleiben.
2. Das Sorgerecht sei dem Kindsvater zuzuteilen. Da die Kinder aufgrund ihrer Geschichte nun ganz stark auf Konstanz angewiesen sind, seien die Beiständin und die Platzierung im «G._» beizubehalten.
3. Der persönliche Verkehr zwischen den Kindern und den Eltern sollte sehr individuell gestaltet werden und der persönlichen Entwicklung der einzelnen Kinder, aber auch der gesundheitlichen Verfassung der Kindsmutter angepasst werden können. Ich schlage vor, dass die  in enger Zusammenarbeit zwischen der Beiständin und den Betreuerinnen der Kinder jeweils für die nächsten drei Monate festgelegt werden soll."
2.11. Mit Verfügung vom 23. November 2016 (Urk. 256) wurde den Parteien Ge-
legenheit gegeben, ihre Anträge betreffend die Regelung der Obhut und der elter-
lichen Sorge über ihre drei Kinder zu stellen und zu begründen. Die Beklagte tat
das mit Eingabe vom 6. Januar 2017 (Urk. 283) und der Kläger mit Eingabe vom
13. Januar 2017 (Urk. 288).
- 16 -
2.12. Wegen eines Vorfalls vom 29. Oktober 2016 wurde mit Verfügung der
KESB Olten-Gösgen vom 31. Oktober 2016 (Urk. 249) die fürsorgerische Unter-
bringung von E._ in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Solothurn
einstweilen bis zum 10. Dezember 2016 angeordnet. Die KESB stützte ihre Zu-
ständigkeit dabei auf Art. 315a Abs. 3 Ziff. 2 ZGB ab (Urk. 149 Ziff. 2.1.). Zum An-
lass der fürsorgerischen Unterbringung von E._ äusserten sich die Beteilig-
ten (Beiständin, Ärztinnen, Parteien) gegenüber dem Gericht telefonisch, per E-
Mail sowie schriftlich (Urk. 241, 242, 244, 250, 254, 255, 261, 264, 265, 266). Mit
Beschluss vom 6. Dezember 2016 bestätigte die Kammer die fürsorgerische Un-
terbringung von E._ in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Solo-
thurn (Urk. 267). Gleichzeitig wurden die notwendigen prozessleitenden Anord-
nungen getroffen, damit die fürsorgerische Unterbringung von der zuständigen
Behörde innerhalb der Sechsmonatsfrist von Art. 431 Abs. 1 ZGB überprüft wer-
den konnte. Im Anschluss an den Beschluss der Kammer vom 6. Dezember 2016
richtete die Beiständin der Kinder ein Schreiben an die Klinik ein Schreiben betref-
fend E._s Behandlungsplan gemäss Art. 433 ZGB (Urk. 273). Die fürsorgeri-
sche Unterbringung von E._ wurde im Sinne einer vorsorglichen Massnahme
durch Beschluss der Kammer vom 20. April 2017 (Urk. 348) gestützt auf Art. 315a
Abs. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 314b ZGB und Art. 431 Abs. 1 ZGB bestätigt.
2.13. Wegen des Vorfalls vom 29. Oktober 2017, der zur Einweisung von
E._ in die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik Anlass gegeben hatte,
führte die Jugendanwaltschaft des Kantons Solothurn gegen E._ ein Ju-
gendstrafverfahren wegen Tätlichkeit, ev. einfacher Körperverletzung und Sach-
beschädigung. Am 10. Januar 2017 wurden von der Berufungsinstanz die Akten
der Jugendanwaltschaft Solothurn eingefordert (Urk. 287), welche am 12. Januar
2017 hier eingingen (Urk. 289). Von den Akten der Jugendanwaltschaft wurden
Kopien erstellt; sie liegen als Urk. 290 bzw. Urk. 291/1-24 bei den Akten des Be-
rufungsverfahrens.
2.13.1. Wegen des Vorgehens der Jugendpolizei Solothurn anlässlich der im Auf-
trag der Jugendanwaltschaft durchgeführten polizeilichen Befragung E._s
bzw. der sog. "polizeilichen Anhaltung" anlässlich der Befragung von E._ am
- 17 -
10. November 2016 gemäss dem Rapport vom 10. November 2016 (Urk. 291/4)
intervenierte die Berufungsinstanz durch ihren Referenten am 25. Januar 2017
beim Vorsteher des Departementes des Innern des Kantons Solothurn (Urk. 302)
sowie bei der Leitung der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Solothurn
(Urk. 301). In der Folge nahmen die Leitung der Kinder- und Jugendpsychiatri-
schen Klinik am 13. Februar 2017 (Urk. 317) sowie das Departement des Innern
des Kantons Solothurn am 22. Februar 2017 (Urk. 320 und 321/1) ausführlich
Stellung.
2.13.2. Durch "Jugendverfügung Nr. JA.2016.915" vom 6. Februar 2017 erkannte
die Jugendanwaltschaft des Kantons Solothurn, dass sich E._ am 29. Okto-
ber 2016 der Tätlichkeit und der Sachbeschädigung fehlbar gemacht habe (Urk.
325).
2.14. Im Laufe des Berufungsverfahrens wurden seitens der Berufungsinstanz
verschiedene Akten zum Gesundheitszustand der Beklagten erhoben:
2.14.1. Mit Eingabe vom 16. Dezember 2016 (Urk. 276) liess die Beklagte bzw. ihr
Anwalt dem Gericht drei Erklärungen zukommen, mit dem sie ihre behandelnden
Ärzte vom ärztlichen Berufsgeheimnis entband (Urk. 277/1-3). Gleichzeitig teilte
sie dem Gericht durch ihren Anwalt mit, dass sie ab dem 19. Dezember 2016 "aus
finanziellen Gründen nach I._" zurückkehre, und zwar in der "Absicht ..., dort
auf Dauer zu bleiben". Folge davon werde "u.a. die Aufhebung der Beistandschaft
über die Beklagte" sein. In der Folge teilte die KESB Olten-Gösgen der Beru-
fungsinstanz am 21. Dezember 2016 mit, dass die Beklagte am 20. Dezember
2016 "nach I._" ausgewandert sei (Urk. 281).
2.14.2. Am 20. Dezember 2016 forderte das Gericht vom Kantonsspital Olten, von
den Psychiatrischen Diensten Solothurn sowie von Dr. med. H._ (Facharzt
für Psychiatrie und Psychologie FMH) schriftliche Auskünfte gemäss Art. 190 ZPO
betreffend den Gesundheitszustand der Beklagten ein (Urk. 278 - 280).
2.14.3. Das Kantonsspital Olten erstattete die schriftliche Auskunft am 12. Januar
2017 durch Dr. med. R._ und med. prakt. S._ (Urk. 297).
- 18 -
2.14.4. Die Psychiatrischen Dienste erstatteten die schriftliche Auskunft durch
Oberarzt Dr. med. T._ am 3. Januar 2017 (Urk. 286).
2.14.5. Dr. med. H._, der behandelnde Arzt der Beklagten, erstattete eine
schriftliche Auskunft am 17. Januar 2016 (Urk. 293).
2.15. Am 24. Januar 2017 fand im Rahmen des Freibeweises gemäss Art. 168
Abs. 2 ZPO ein Gespräch zwischen dem Referenten der Berufungsinstanz und
der zuständigen Gerichtsschreiberin einerseits sowie der Beiständin und Pro-
zessbeiständin der Kinder anderseits statt. Über dieses Gespräch wurde eine
ausführliche Aktennotiz erstellt (Urk. 298). Am 30. Januar 2017 fand ein Telefon-
gespräch zwischen dem Gericht und der Beiständin statt, über das eine Aktenno-
tiz erstellt wurde (Urk. 306).
2.16. Mit Verfügung vom 30. Januar 2017 wurde eine Instruktionsverhandlung
gemäss Art. 226 ZPO sowie eine erneute Anhörung des Klägers gemäss Art. 297
ZPO zu den Themen Obhut, Fremdplatzierung, elterliche Sorge und Vormund-
schaft der drei Kinder angeordnet (Urk. 304). In dieser Verfügung wurde festge-
halten, dass für die im Ausland weilende Beklagte die Teilnahme an der Instrukti-
onsverhandlung fakultativ sei.
Die Instruktionsverhandlung fand am 27. Februar 2017 statt (Prot. II S. 84-
100). An dieser Verhandlung nahmen der Kläger und sein Anwalt, der Anwalt der
Beklagten sowie die Beiständin der Kinder teil. Anlässlich dieser Verhandlung
wurde zunächst der Kläger erneut im Sinne von Art. 297 ZPO zu den Kinderbe-
langen angehört (Prot. I S. 84-94). Er äusserte sich dort in dem Sinne, dass ihm
die elterliche Sorge über C._ und D._ zu übertragen sei, wobei diese
beiden Kinder gleichzeitig fremdzuplatzieren seien (Prot. II S. 87 und 89). Bezüg-
lich E._ vertrat der Kläger die Ansicht, dass er unter Vormundschaft zu stel-
len sei (Prot. II S. 94). Anschliessend äusserte sich die Beiständin zu der Situation
der drei Kinder und stellte die eingangs vermerkten sinngemässen Schlussanträ-
ge (Prot. II S. 97 f.: Übertragung der alleinigen elterlichen Sorge betreffend
C._ und D._ auf den Kläger, Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungs-
- 19 -
rechts betreffend C._ und D._; Bestellung einer Beistandschaft betref-
fend C._ und D._; Errichtung einer Vormundschaft für E._).
2.17. Mit Verfügung vom 3. März 2017 (Urk. 330 Dispositiv-Ziff. 6) wurde den
Parteien Frist angesetzt, um ihre abschliessenden Anträge zu stellen. Ferner
wurde den Parteien Gelegenheit gegeben zur Kostennote (Urk. 328) der Beistän-
din Stellung zu nehmen (Urk. 330 Dispositiv-Ziff. 6). Schliesslich wurden die un-
entgeltlichen Rechtsbeistände der Parteien darum ersucht, ihre Kostennoten ein-
zureichen (Urk. 330 Dispositiv-Ziff. 7)
2.18. Mit Eingaben vom 30. März 2017 bzw. vom 5. April 2017 (Urk. 338 und
340) stellten die Parteien die oben vermerkten Schlussanträge. Ferner reichten
die unentgeltlichen Rechtsbeistände der Parteien ihre Kostennoten ein (Urk. 342
und 343 bzw. Urk. 346).
3. Prozessuales
3.1. Das angefochtene Urteil ist bezüglich des Scheidungspunktes, der güter-
rechtlichen Auseinandersetzung und des Vorsorgeausgleichs am 17. Mai 2016
rechtskräftig geworden. Davon hat die Kammer mit Beschluss vom 23. August
2016 (Urk. 226) Vormerk genommen.
3.2. Für Kinderbelange gilt gemäss Art. 168 Abs. 2 ZPO der Freibeweis, indem
das Gericht weder an den Numerus clausus der zulässigen Beweismittel noch an
die für die Beweisabnahmen gemeinhin geltenden Formvorschriften gebunden ist.
Grenze des gerichtlichen Vorgehens bildet einzig das Gebot des Handelns ge-
mäss Treu und Glauben (Art. 52 ZPO) und der Anspruch der Parteien auf rechtli-
ches Gehör (Art. 53 ZPO). In diesem Sinne kann auch auf den Erlass einer Be-
weisverfügung gemäss Art. 154 ZPO verzichtet werden.
3.3. Unter dem Gesichtspunkt des Freibeweises ist die mit der Zweitberufung
vorgetragene Beanstandung der Beklagten, wonach sich die Vorinstanz mit dem
von der KESB Solothurn-Gösgen eingeholten Gutachten des KJPD Solothurn
(Urk. 89) auf ein Beweismittel gestützt habe, das die formellen Anforderungen der
ZPO nicht erfülle (Urk. 196/188 S. 4 f.), von vornherein unbehelflich. Ein derarti-
- 20 -
ges Fremdgutachten wäre überdies nach der Rechtsprechung auch ausserhalb
des Bereichs des Freibeweises verwertbar, wenn den Parteien nachträglich die
Rechte gemäss Art. 183 Abs. 2 und Art. 187 Abs. 4 ZPO eingeräumt werden
(BGE 140 III 24 E. 3.3.1.3.). Zum Gutachten haben die Parteien sich im Laufe des
Verfahrens ausreichend äussern können. Namentlich haben die Parteien keine
Ergänzungsanträge im Sinne von Art. 187 Abs. 4 ZPO gestellt.
3.4. Zu prüfen ist im vorliegenden Verfahren, ob das Wohl der Kinder C._,
D._ und E._ in dem Masse gefährdet ist, dass das Scheidungsgericht
gemäss Art. 315a Abs. 1 ZGB Kindesschutzmassnahmen anzuordnen hat. Na-
mentlich wird im vorliegenden Fall zu prüfen sein, ob im Sinne von Art. 310 ZGB
eine Fremdplatzierung vorzunehmen oder darüber im Sinne von Art. 311 ZGB
hinausgehend den Parteien die elterlichen Sorge zu entziehen ist. Hinsichtlich der
zu prüfenden Fragen liegt eine Fülle von aussagekräftigen Akten vor. Zu all die-
sen Akten, die den Parteien in Kopie zugestellt wurden, konnten sich die Parteien
im Laufe des Verfahrens ausgiebig äussern. Im Rahmen des Freibeweises ge-
mäss Art. 168 Abs. 2 ZPO sind die folgenden Urkunden in die Beweiswürdigung
einzubeziehen sind:
Datum Urk. Gegenstand
4.6.2014 234/1 Beklagte: Gefährdungsmeldung J._: Hinweis auf stationäre Behandlung der Beklagten im Jahre 2012 Kinder: Hinweis auf Schulbesuch in Spanien
12.6.2014 234/3 Beklagte: Anhörung durch KESB Olten-Gösgen 25.6.2014 84/1
234/26 Entscheid KESB Olten-Gösgen betreffend Obhutsentzug und Bestellung Beistand für die drei Kinder 25.6.2014
26.6.2014 299/10 Beklagte: Mail-Korrespondenz mit spanischer : Schulbesuch der Kinder in Spanien
3.7.2014 257 Beklagte: Entscheid KESB Olten-Gösgen betreffend  Beistandschaft
17.7.2014 270/3 Beklagte: psychiatrisches Gutachten Dr. med. U._ betreffend Beklagte
29.7.2014 234/32 Beklagte: Urteil Verwaltungsgericht Solothurn betreffend fürsorgerische Unterbringung
8.8.2014 270/6 Beklagte: Austrittsbericht psychiatrische Dienste  mit Diagnosen
18.9.2014 270/2 Beklagte: IV-Anmeldung 22.10.2014 97/1 Beklagte: Entscheid KESB Olten-Gösgen: Weisung an
Beklagte, sich bei Dr. H._ behandeln zu lassen 1.12.2014 89
234/89 Kinderschutzgutachten KJPD Solothurn
- 21 -
Datum Urk. Gegenstand 31.12.2014 234/38 C._: ärztliche Anordnung fürsorgerische Unterbrin-
gung 2.1.2015 105/2
234/39 C._: Entscheid KESB Olten-Gösgen betreffend  Unterbringung
5.1.2015 234/37 C._: Psychiatrische Dienste: Kurzaustrittsbericht 22.1.2015 94 Beklagte: Antrag des Beistandes der Kinder: Sofortiger
Entzug des Sorgerechts der Beklagten 11.2.2015 270/4 Beklagte: Arztbericht Dr. med. H._ zuhanden IV-
Stelle 11.2.2015 270/5 Beklagte: Bericht Regionaler ärztlicher Dienst IV: Beur-
teilung der Beklagten (Dr. med. V._) 11.3.2015 117 erstinstanzliche Anhörung der drei Kinder 16.3.2015 110 Abweisung des Antrages gemäss Urk. 94; Erweiterung
des Pflichtenheftes des Beistandes 25.3.2015 234/47 Entscheid KESB Olten-Gösgen: Erweiterung Pflichten-
heft für Beistand der Kinder 6.2015 145/2 D._: Zwischenbericht Stiftung W._ 6.2015 145/3 E._: Zwischenbericht Stiftung W._ 6.2015 145/4 C._: Zwischenbericht Stiftung W._
22.7.2015 270/7 Beklagte: Regionaler ärztlicher Dienst IV: Beurteilung der Beklagten mit Diagnosen (Dr. med. V._)
13.8.2015 151 E._: Rapport Kantonspolizei Solothurn Intervention wegen E._ am 16.6.2015 und am 7.8.2015 ( Unterbringung)
24.8.2015 143 Beklagte: Antrag Beistand betreffend begleitetes 
9.9.2015 158/1 Abschlussbericht KJPD Solothurn (Dr. med. AA._) betreffend Therapie der drei Kinder
11.9.2015 152 E._: Entscheid KESB Olten-Gösgen betreffend  Unterbringung
16.9.2015 153 Beklagte: Kurzgutachten Dr. med. H._ 28.9.2015 291/21 E._: Austrittsbericht KJK Solothurn (FU: 8.9.2015 -
25.9.2015) 5.10.2015 163 Beklagte: Gefährdungsmeldung der Beiständin
29.10.2015 171 234/54
C._: Schreiben KESB Olten-Gösgen betreffend  (Kontaktnahmen der Beklagten mit den Kindern)
1.2.2016 260 Beklagte: Verfügung IV-Stelle Solothurn: IV-Rente 29.3.2016 234/79 C._: Verlaufsbericht Stiftung W._ 29.3.2016 234/80 E._: Verlaufsbericht Stiftung W._ 29.3.2016 234/81 D._: Verlaufsbericht Stiftung W._ 10.5.2016 299/1 Ernennungsurkunde Beiständin: Pflichtenheft 12.5.2016 214
234/77 Bericht Beistand Q._ über die Beistandschaften der drei Kinder (10.7.2014 - 30.6.2014).
14.6.2016 215 234/84
Bericht (der neuen) Beiständin F._ betreffend die Verfassung der drei Kinder (Urk. 215); Beilage dazu: Protokoll Gespräch vom 18.2.2016
30.6.2016 218 Kläger: E-Mail Beiständin F._, betreffend  des Klägers mit Errichtung einer Vormundschaft
11.7.2016 299/2 C._: Abklärungsbericht C._ (Dr. med.
- 22 -
Datum Urk. Gegenstand AB._ / lic phil. AC._)
10.8.2016 Prot. II S. 13-49
zweitinstanzliche Anhörung der Eltern
18.8.2016 291/20 E._: Untersuchungsbericht Schulpsychologin 20./21.9.2016 285/2 Blatt
9 Beklagte: Meldung Vermieter betreffend auffälliges 
21.9.2016 285/2 Beklagte: Entscheid KESB Olten-Gösgen betreffend FU 23.9.2016 299/3 C._: Logopädische Abklärung Inselspital 28.9.2016 235 E._: Aktennotiz betreffend Abwesenheit anlässlich
der Anhörung vom 12.10.2016. 8.10.2016 299/8-9 Beklagte: WhatsApp-Nachricht an D._
12.10.2016 Prot. II S. 59-61
C._: zweitinstanzliche Anhörung
12.10.2016 Prot. II S. 61-63
D._: zweitinstanzliche Anhörung
20.10.2016 Prot. II S. 63-66
E._: zweitinstanzliche Anhörung
29.10.2016 291/6 Vorfall (E._): Strafanzeige (datiert 25.11.2016) 29.10.2016 248 Vorfall (E._): ärztliche Zurückbehaltung (ZGB 427) 29.10.2016 291/11 Vorfall (E._): Fotografische Aufnahmen 29.10.2016 291/7 Vorfall (E._): Einvernahme AD._ (datiert
25.11.2016) 29.10.2016 291/8 Vorfall (E._): ärztlicher Bericht betreffend AD._ 31.10.2016 250 E._: Schreiben Klinik an KESB-Olten Gösgen (An-
trag fürsorgerische Unterbringung) 31.10.2016 249 E._: Entscheid KESB Olten-Gösgen: fürsorgerische
Unterbringung (Art. 315a Abs. 3 Ziff. 2 ZGB). 7.11.2016 241 E._: E-Mail Beiständin betreffend E._ (Vorfall
vom 29.10.16) 8.11.2016 242 E._: Telefonat Beiständin betreffend fürsorgerische
Unterbringung 9.11.2016 244 E._: Telefonat mit Klinik betreffend fürsorgerische
Unterbringung 9.11.2016 247 E._: E-Mail Präsident KESB Olten-Gösgen mit E-
Mail Korrespondenz mit Beiständin 10.11.2016 291/4 E._: Rapport Jugendpolizei Solothurn 14.11.2016 253 Bericht Beiständin über die aktuelle Lage der Kinder 17.11.2016 254 E._: Stellungnahme Beiständin zur fürsorgerischen
Unterbringung 21.11.2016 261 E._: Kinderpsychiatrische Beurteilung 6.12.2016 266 C._: Telefonat Beiständin betreffend Kontakte zwi-
schen Beklagter und C._ 6.12.2016 267 E._: Beschluss der Kammer betreffend fürsorgeri-
sche Unterbringung E._ o.D. 285/1 Beklagte: Bericht Dr. med. H._
13.12.2016 273 E._: Schreiben Beiständin an KJPK SO betreffend Behandlungsplan
21.12.2016 281B Beklagte: Schreiben KESB Olten-Gösgen: Mitteilung der Auswanderung der Beklagten; Aufhebung der  betreffend die Beklagte wird in Aussicht gestellt.
- 23 -
Datum Urk. Gegenstand 22.12.2016 282 E._: Bericht Beiständin
12.2016 291/15 E._: Verlaufsbericht 3.1.2017 286 Beklagte: Schriftliche Auskunft Psychiatrische Dienste
Solothurn 5.1.2017 291/1 E._: Aufstellung W._ betreffend Schaden vom
29.10.2016 5.1.2017 292/2 E._: W._: Erklärung betreffend Beteiligung am
Strafverfahren 12.1.2017 297 Beklagte: Schriftliche Auskunft Kantonsspital Olten 17.1.2017 293 Beklagte: Schriftliche Auskunft Dr. med. H._ 24.1.2017 298 Aktennotiz: Gespräch Gericht / Beiständin der Kinder 25.1.2017 300 Mail-Korrespondenz Beiständin: Verhältnis Kläger /
E._ 31.1.2017 309 Beklagte: E-Mail "G._" betreffend Krankenkassen-
karten (31.1.2017) 310 Beklagte: Fotos Krankenkassenkarten Kinder
6.2.2017 325 E._: Jugendverfügung Jugendstaatsanwaltschaft Kanton Solothurn betreffend Vorfall vom 29.10.2016
13.2.2017 317 E._: Bericht KJPK SO betreffend Vorfall vom 10.11.2016
20.2.2017 318 E._: Schreiben KJPK SO betreffend Unterlagen Gesundheitszustand der Beklagten
21.2.2017 321/1 E._: Stellungnahme Kantonspolizei Solothurn  Vorfall vom 10.11.2016
22.2.2017 322 E._: Schreiben Departement des Innern Kanton  betreffend Vorfall vom 10.11.2016
22.2.2017 319: E._: Verfügung betreffend Aktenherausgabe an KJPK SO
9.3.2017 333 E._: E-Mail AD._ an Beiständin betreffend  vom 29.10.2017
16.3.2017 332 E._: Bericht und Antrag der Beiständin ("Verbleib in der Kinderpsychiatrie")
16.3.2017 334 E._: E-Mail-Korrespondenz KJPK SO mit Beiständin 17.3.2017 335 E._: Kinderpsychiatrische Beurteilung KJPK SO
4. Die für Kindesschutzmassnahmen zuständige KESB
4.1. Mit dem heutigen Urteil werden, wie zu zeigen sein wird, Kindesschutz-
massnahmen anzuordnen sein, welche allesamt der zuständigen Kindes- und Er-
wachsenenschutzbehörde (KESB) zu übertragen sein werden (Art. 315a Abs. 1
ZGB).
4.2. Mit zutreffender Begründung, auf die zu verweisen ist, ist die Vorinstanz
zum Schlusse gekommen (Urk. 189 S. 25 f.), dass die drei Kinder der Parteien ih-
ren Wohnsitz im Sinne von Art. 25 Abs. 1 (2. Halbsatz) ZGB in M._ SO ha-
- 24 -
ben, wo sie im "G._" untergebracht sind. Der Vollzug allfälliger vom Gericht
angeordneter Kindesschutzmassnahmen ist gemäss Art. 315a Abs. 1 ZGB jeden-
falls bis zum Eintritt der Rechtskraft des heutigen Urteils Sache der für M._
SO zuständigen KESB Olten-Gösgen.
4.3. Wie zu zeigen sein wird, wird mit dem heutigen Urteil die alleinige elterliche
Sorge bezüglich der Kinder C._ und D._ dem Kläger zu übertragen sein.
Sobald das heutige Urteil in diesem Sinne in Rechtskraft erwachsen sein wird,
wird für den Vollzug der vom Gericht anzuordnenden Kindesschutzmassnahmen
die für den Wohnort des Klägers zuständige KESB, d.h. die KESB des Bezirks
Dielsdorf, zuständig sein (vgl. Art. 25 Abs. 1 erster Satzteil ZGB in Verbindung mit
Art. 440 Abs. 3 ZGB und Art. 442 Abs. 1 ZGB).
4.4. Wie weiter zu zeigen sein wird, wird durch das heutige Urteil hinsichtlich
des Kindes E._ beiden Parteien die elterliche Sorge zu entziehen sein. Durch
den heutigen Entscheid wird daher der bisherige rechtliche Wohnsitz von E._
nicht tangiert. Vielmehr wird gemäss Art. 25 Abs. 1 ZGB nach wie vor sein Auf-
enthaltsort als sein rechtlicher Wohnsitz gelten. Keine Rolle spielt sodann der
Umstand, dass sich E._ zur Zeit in der Kinder- und Jugendpsychiatrischen
Klinik Solothurn aufhält. Da der Aufenthalt in der Klinik gemäss Art. 23 Abs. 1
ZGB keinen Wohnsitz begründet, ist für E._ auch nach Eintritt der Rechts-
kraft des heutigen Urteils die Kindesschutzbehörde Olten-Gösgen zuständig.
Nach Errichtung der vorgesehenen Vormundschaft wird E._ seinen Wohnsitz
gemäss Art. 25 Abs. 2 ZGB am Sitz der zuständigen KESB haben.
5. Elterliche Sorge, Obhut, Besuchsrecht: Allgemeines
5.1. Gemäss Art. 133 Abs. 1 ZGB regelt das Scheidungsgericht die Elternrech-
te, namentlich die elterliche Sorge, die Obhut, den persönlichen Verkehr und den
Unterhaltsbeitrag.
5.2. Die Kinder stehen bis zu ihrer Volljährigkeit unter der gemeinsamen elterli-
chen Sorge beider Eltern (Art. 296 Abs. 2 ZGB). Ist es zur Wahrung des Kindes-
wohls nötig, so überträgt das Scheidungsgericht einem Elternteil die alleinige el-
- 25 -
terliche Sorge (Art. 298 Abs. 1 ZGB). Für die Alleinzuteilung der elterlichen Sorge
gemäss Art. 298 ff. ZGB gelten andere Voraussetzungen als für den auf Art. 311
ZGB gestützten Entzug des Sorgerechts. So kann beispielsweise ein schwerwie-
gender elterlicher Dauerkonflikt oder die anhaltende und chronische Kommunika-
tionsunfähigkeit eine Alleinzuteilung des Sorgerechts gebieten, wenn sich der
Mangel negativ auf das Kindeswohl auswirkt und von einer Alleinzuteilung eine
Verbesserung erwartet werden kann. Das gemeinsame elterliche Sorgerecht wird
zur inhaltslosen Hülse, wenn ein Zusammenwirken nicht möglich ist, und es liegt
in aller Regel nicht im Kindeswohl, wenn die Kindesschutzbehörde oder gar der
Richter andauernd die Entscheidungen treffen muss, für welche es bei gemein-
samer Sorge der elterlichen Einigung bedarf. Die bloss formale Aufrechterhaltung
der gemeinsamen Sorge über das Kindeswohl zu stellen, liesse sich nämlich nicht
mit dem Grundgedanken des Kindesrechts vereinbaren (BGE 142 III 1 E. 3.3,
BGE 141 III 472 E. 3 und E. 4.6). Demgegenüber ist die Entziehung der elterli-
chen Sorge gemäss Art. 311 Abs. 1 ZGB eine Kindesschutzmassnahme, die das
Scheidungsgericht dann zu treffen hat, wenn das Kindeswohl gefährdet ist. Bei
solchen Kindesschutzmassnahmen geht es um das von Amtes wegen erfolgende
Eingreifen der zuständigen Behörde bei einer Gefährdung des Kindes, wobei je
nach Gefährdungsgrad eine Stufenfolge vorgesehen ist: Kann der Gefährdung
des Kindes nicht anders begegnet werden, d.h. sind Massnahmen nach Art. 307 f.
ZGB ungenügend, ist das Kind gemäss Art. 310 ZGB den Eltern wegzunehmen
und angemessen unterzubringen (sog. "Fremdplatzierung"). Wenn selbst diese
einschneidende Massnahme zur Wahrung des Kindeswohls nicht ausreicht, kann
den Eltern unter den in Art. 311 Abs. 1 ZGB genannten Bedingungen sodann das
Sorgerecht entzogen werden. Es handelt sich dabei um die ultima ratio, welche
nur Platz greift, wenn alle anderen Massnahmen keinen Erfolg versprechen (Prin-
zip der Subsidiarität). Oft findet in diesen Fällen nach dem Entzug der elterlichen
Sorge auch gar kein persönlicher Verkehr zwischen Eltern und Kindern mehr
statt, während bei der Alleinzuteilung des Sorgerechtes nach Art. 298 ff. ZGB dem
nicht (mehr) sorgeberechtigten Elternteil grundsätzlich (weiterhin) die normalen
Besuchsrechte zustehen, so dass das Kind von der rechtlichen Änderung faktisch
kaum etwas spüren wird, ausser dass die Eltern nicht mehr über die Entschei-
- 26 -
dungen streiten können, welche sie vorher gemeinsam zu fällen hatten. Die
Fremdplatzierung von Kindern gestützt auf Art. 310 ZGB stellt hinsichtlich ihrer
Auswirkung einen ungleich grösseren Eingriff dar als die Alleinzuteilung des Sor-
gerechtes gestützt auf Art. 298 ff. ZGB (BGE 142 III 472 E. 4.5).
5.3. Im Sinne des Gesagten ist mithin zunächst zu prüfen, ob die elterliche Sor-
ge beiden Parteien zu belassen ist, ob eine Alleinzuteilung der elterlichen Sorge
vorzunehmen ist oder ob die elterliche Sorge im Sinne einer Kindesschutzmass-
nahme beiden Parteien gestützt auf Art. 311 ZGB zu entziehen ist. Würde letzte-
res angeordnet, fiele gleichzeitig auch das Recht der Parteien, den Aufenthaltsort
der Kinder zu bestimmen, gemäss Art. 301a Abs. 1 ZGB ohne weiteres dahin. Die
zuständige Kindesschutzbehörde hätte den Kindern diesfalls einen Vormund zu
bestellen (Art. 311 Abs. 2 und Art. 327a ZGB). Dem Vormund stehen dabei die
gleichen Rechte zu, wie sie den Eltern zustünden (Art. 327c Abs. 1 ZGB).
5.4. Das Scheidungsgericht ist gemäss Art. 315a Abs. 1 ZGB gegebenenfalls
dazu berufen, die Frage zu prüfen, ob im Sinne von Art. 310 ZGB das Aufent-
haltsbestimmungsrecht der Parteien über ihre Kinder aufzuheben und die Kinder
den Parteien "wegzunehmen und in angemessener Weise unterzubringen" sind.
Voraussetzung dafür ist, dass "der Gefährdung des Kindes nicht anders begegnet
werden kann" (Art. 310 Abs. 1 ZGB). Die Gefährdung des Kindes, die Anlass zum
Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts gibt, muss darin liegen, dass das Kind
im Umfeld der Eltern bzw. des Elternteils nicht so geschützt und gefördert wird,
wie es für seine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung nötig wäre. Unerheb-
lich ist, auf welche Ursachen die Gefährdung zurückzuführen ist: Sie können in
den Anlagen oder in einem Fehlverhalten des Kindes, der Eltern oder der weite-
ren Umgebung liegen. Desgleichen spielt es keine Rolle, ob die Eltern ein Ver-
schulden an der Gefährdung trifft. Massgebend sind die Verhältnisse im Zeitpunkt
der Entziehung. An die Würdigung der Umstände ist ein strenger Massstab zu le-
gen. Die Entziehung ist nur zulässig, wenn andere Massnahmen ohne Erfolg ge-
blieben sind oder von vornherein als ungenügend erscheinen (BGer 5A_404/2016
vom 10. November 2016, E. 3 mit Hinweisen). Der Entzug des Rechts, den Auf-
enthaltsort des Kindes zu bestimmen, ist somit nur zulässig, wenn der Gefähr-
- 27 -
dung des Kindes nicht durch andere Massnahmen gemäss Art. 307 und Art. 308
ZGB begegnet werden kann (Grundsätze der Verhältnismässigkeit und der Sub-
sidiarität; BGer 5A_404/2016 vom 10. November 2016, E. 3 mit Hinweis auf die
nicht veröffentlichte Erwägung E. 6.3 des zur Publikation bestimmten Urteils
5A_724/2015 vom 2. Juni 2016; ferner die Urteile 5A_70/2016 vom 25. April 2016,
E. 3.1 und 5A_548/2015 vom 15. Oktober 2015, E. 4.3).
5.4.1. Hält das Scheidungsgericht die Kindesschutzmassnahme gemäss Art. 310
ZGB für angemessen, so hebt es einzig das Aufenthaltsbestimmungsrecht der El-
tern auf. Die angemessene Unterbringung gehört dagegen zum Vollzug und ist im
Sinne von Art. 315a Abs. 1 ZGB der zuständigen Kindesschutzbehörde zu über-
tragen. Und in gleicher Weise gehört auch die Regelung der Kontaktrechte zwi-
schen Eltern und Kinder zum Vollzug der Kindesschutzmassnahme. Dies kann
nicht in einem Eheprozess zwischen den Eltern geregelt werden.
5.5. Aus den Akten ergibt sich, dass die Betreuung der drei Kinder in höchstem
Masse herausfordernd ist; das trifft insbesondere auf C._ und E._ zu.
Die oben erwähnten Gutachten, Berichte und Informationen der Beiständin und
Dritter sowie auch das Ergebnis der Anhörungen der Kinder weisen (vgl. oben E.
5.4., 5.5., 5.6.) grundsätzlich alle in die gleiche Richtung und ergeben insgesamt
eine tragfähige Entscheidungsgrundlage. Alle drei Kinder fühlen sich – jedenfalls
gemäss den Anhörungen – im "G._" wohl; C._ und D._ könnten
sich vorstellen, beim Vater zu wohnen, nicht aber bei der Mutter. E._ erklärte
dagegen anlässlich der zweitinstanzlichen Anhörung, überhaupt keinen Kontakt
zum Vater mehr zu wollen. Der Beklagten hilft es von vornherein nichts, wenn sie
vorbringt, ihr gegenüber hätten sich die Kinder anders geäussert als gegenüber
dem Gericht (Urk. 283 S. 3). Ausgeschlossen ist es allerdings nicht, dass die Kin-
der es nicht wagten, der Beklagten gegenüber offenzulegen, was sie wirklich den-
ken.
5.6. Gemäss Entscheid der KESB Olten-Gösgen vom 25. Juni 2014 wurde bei-
den Parteien im Sinne einer Fremdplatzierung die Obhut über ihre drei Kinder
entzogen. Diese Anordnung gilt als vorsorgliche Massnahme für Dauer dieses
Prozesses (vgl. Urk. 84/1, Urk. 92; vgl. auch oben E. 2.1.). Die Frage stellt sich
- 28 -
nun, ob diese Kindesschutzmassnahme im Sinne einer definitiven Anordnung des
Scheidungsgerichts weitergeführt werden muss. Die Vorinstanz hat mit Dispositiv-
Ziff. 3 des angefochtenen Urteils die Obhut der Parteien über ihre drei Kinder auf-
gehoben und eine sog. Fremdplatzierung angeordnet. Diese vorinstanzliche An-
ordnung wird vom Kläger mit seiner Erstberufung nicht angefochten (Urk. 188 S.
2). Dagegen ficht die Beklagte mit ihrer Zweitberufung die vorinstanzliche Anord-
nung an, indem sie mit ihrem Berufungsantrag Ziff. 3 verlangt, dass die Kinder
nicht nur unter ihre alleinige Sorge, sondern auch unter ihre alleinige Obhut zu
stellen seien (Urk. 196/188 S. 2). Diesen Antrag bestätigte die Beklagte in der
Folge mit ihrer Eingabe vom 6. Januar 2017 und vom 30. März 2017 (Urk. 283 S.
2, Urk. 338 S. 2). Dagegen stimmen die Prozessbeiständin der Kinder und der
Kläger dahin überein, dass dem Kläger die alleinige Sorge über C._ und
D._ zuzuweisen sei, wobei ihm die Obhut über diese beiden Kinder zu ent-
ziehen sei. Bezüglich E._ stellen die Beiständin und der Kläger die überein-
stimmenden Anträge, dass er unter Vormundschaft zu stellen sei (Prot. II S. 97 f.,
Urk. 340 S. 2).
Aus der Anhörung der Parteien gemäss Art. 297 ZPO vom 10. August 2016
ergibt sich, dass ihre erwähnten prozessualen Anträge mit ihrer inneren Haltung
übereinstimmen (Kläger: Prot. II S. 84 ff.; Beklagte Prot. II S. 45).
6. Ausgangslage: Die Ehegeschichte der Parteien und der Aufenthalt der  auf I._ von 2006 bis 2014
6.1. Die Parteien heirateten am tt. Juni 1995. Sie wohnten in ... (vgl. Urk. 3)
und führten jedenfalls bis zur Geburt des ersten Kindes im Jahre 2000 eine glück-
liche Ehe (Prot. II S. 13 f.). In der Folge fassten die Parteien den Plan, gemein-
sam auszuwandern (Prot. II S. 14 f.). Fest steht, dass die Beklagte nach der Ge-
burt von E._ im Jahre 2005 mit den drei Kindern nach I._ zog. Der Klä-
ger stellt sich auf den Standpunkt, dass wirtschaftliche Gründe massgebend dafür
gewesen seien, dass er nicht mit seiner Familie nach I._ gegangen sei (Prot.
II S. 14), während die Beklagte ausführt, dass der Beklagte "einfach nicht nach-
gekommen" sei (Prot. II S. 16). Mit Verfügung der Einzelrichterin des Bezirksge-
richts Hinwil vom 24. Juli 2006 wurden jedenfalls im Sinne von Eheschutzmass-
- 29 -
nahmen die Folgen des Getrenntlebens geregelt (Urk. 3): Die drei Kinder wurden
unter die Obhut der Beklagten gestellt. Der Kläger hat gemäss diesem noch im-
mer massgeblichen Entscheid der Beklagten für sie persönlich monatlich Unter-
haltsbeiträge von Fr. 1'250.00 zu bezahlen, während er für jedes Kind monatliche
Unterhaltsbeiträge von Fr. 350.00 zuzüglich Kinderzulagen zu bezahlen hat.
6.2. Während seine Familie auf I._ war, pflegte der Kläger den Kontakt zu
ihr zunächst durch Telefonate und E-Mails. Zweimal weilte der Kläger über Weih-
nachten und Neujahr in I._, das letzte Mal zum Jahreswechsel 2009/2010
(Prot. II S. 17). Bei diesem Aufenthalt ist es nach der Darstellung der Beklagten
zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen dem Kläger und dem damals
etwas mehr als vierjährigen E._ gekommen. E._ hat auch nach der Dar-
stellung des Klägers "Terror" gemacht. Daran, dass er E._ geschlagen habe,
vermochte sich der Kläger anlässlich der Anhörung gemäss seinen Angaben nicht
mehr zu erinnern, meinte aber, wenn es wirklich so gewesen wäre, dass er
E._ geschlagen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt hätte, müsste dies
E._ heute noch wissen; E._ erinnere sich aber nicht an einen solchen
Vorfall (Prot. II S. 18 f.). In seiner Anhörung vom 20. Oktober 2016 hat E._
allerdings dem Gericht unter Tränen von diesem Vorfall berichtet (Prot. II S. 65 f.).
Im psychiatrischen Gutachten des KJPD Solothurn wird festgehalten, der Vorfall
könne weder bestätigt noch widerlegt werden (Urk. 89 S. 83). Unter Hinweis auf
diesen Vorfall lehnte die Beklagte in der Folge jedenfalls jeden Kontakt mit dem
Kläger ab (vgl. Urk. 89 S. 24).
6.3. Fest steht, dass im Sinne des Gesagten die Kontakte zwischen dem Kläger
und seiner Familie nach dem Jahreswechsel 2009/2010 ganz abbrachen. Der
nächste Kontakt zwischen dem Kläger und seinen Kindern kam erst wieder im
Jahre 2014 im Verlaufe der durch die KESB Olten-Gösgen angeordneten Begut-
achtung durch den KJPD Solothurn in Anwesenheit der Gutachter zustande (vgl.
Urk. 89 S. 32, 59 ff.). Gegenüber den Gutachtern zeigten sich die drei Kinder dar-
über erstaunt, dass ihr Vater sie überhaupt sehen wollte (vgl. Urk. 89 S. 32).
6.4. Im sog. "Kinder-Schutzgutachten" des KJPD Solothurn vom 1. Dezember
2014 wird auf die Beurteilung des Beistandes der drei Kinder hingewiesen, wo-
- 30 -
nach die Kinder keine richtige Muttersprache hätten. Sie sprächen weder richtig
englisch, noch richtig spanisch noch richtig deutsch (Urk. 89 S. 37 f.). Das ist
nach dem Gutachten auch die Beurteilung von Lehrer AE._, des damaligen
Klassenlehrers von D._ (Urk. 89 S. 47). Die Gutachter kommen dort sodann
zum Befund, dass die drei Kinder C._, D._ und E._ in ihrer Ent-
wicklung deutlich gefährdet seien. Es liege "sowohl eine psychosoziale als auch
eine schulische Gefährdungssituation vor, so dass sowohl Kindsschutzmassnah-
men als auch sonderschulische Massnahmen" klar angezeigt seien (Urk. 89 S.
80).
6.5. Gemäss der E-Mail von AF._ von der Fachstelle für Betreuung ge-
fährdeter Jugendlicher und Familien ("Equipo de Anteción a Menores y Familias
de Situación de Riesgo") der Gemeinde AG._ auf I._ fehlten die drei
Kinder sehr oft in der Schule ("absentismo escolar") und hätten aus diesem Grun-
de auch die Lernziele verfehlt und fast nichts gelernt. D._ hat gemäss die-
sem Bericht die dritte und C._ die sechste Klasse repetiert. Seitens des er-
wähnten Sozialdienstes der Gemeinde AG._ wurde vor der Rückreise der
Beklagten in die Schweiz erwogen, die drei Kinder fremdzuplatzieren (Urk.
299/10).
7. Die Beklagte, ihr Gesundheitszustand und ihr Umgang mit den Kindern
7.1. Am 16. Mai 2014 kehrte die Beklagte mit ihren drei Kindern wieder in die
Schweiz zurück (vgl. Urk. 89 S. 10). Ihre Rückkehr erklärte sie gegenüber der
KESB Olten-Gösgen zunächst damit, dass sie die Kinder in I._ von der Schu-
le abgemeldet habe, weil sie wegen der Ausbildungsmöglichkeiten und der beruf-
lichen Zukunft ihrer Kinder in die Schweiz habe zurückkehren wollen (Urk. 234/3).
Demgegenüber begründete die Beklagte sowohl gegenüber den Gutachtern des
KJPD Solothurn als auch in der Anhörung vor der Berufungsinstanz diesen Schritt
damit, dass sie in der Schweiz lediglich die Pässe für sich und die Kinder habe
erneuern und alsdann nach I._ habe zurückkehren wollen (Prot. II S. 27, Urk.
89 S. 57). Zunächst hielt sich die Beklagte mit den Kindern bei ihrer Schwester
auf und bezog dann mit den Kindern sehr bald eine Notwohnung der Gemeinde
K._ (vgl. Urk. 270/3).
- 31 -
7.2. Wenige Wochen nachdem die Beklagte mit ihren Kindern in die Schweiz
eingereist war, musste die KESB Olten-Gösgen auf Grund einer Gefährdungs-
meldung der Schwester der Beklagten vom 4. Juni 2014 die Familienverhältnisse
abklären (Urk. 234/1; Urk. 89 S. 10 ff.). Das führte dazu, dass die KESB Olten-
Gösgen am 23. Juni 2014 die fürsorgerische Unterbringung der Beklagten (vgl.
Urk. 89 S. 11) und am 3. Juli 2014 eine Vertretungsbeistandschaft mit Vermö-
gensverwaltung für die Beklagte anordnete (Urk. 257). Schliesslich ordnete die
KESB-Olten-Gösgen am 25. Juni 2014 die sofortige Fremdplatzierung der drei
Kinder an (Urk. 84/1).
7.3. Seit der Begutachtung im Sommer 2014 bis zur zweitinstanzlichen Anhö-
rung am 10. August 2016 betonte die Beklagte stets, dass sie mit den drei Kin-
dern wieder nach I._ zurückkehren wolle (Urk. 89 S. 16, 26 f.; Prot. II S. 39).
Das ist allerdings nicht die Sichtweise der drei Kinder. Alle drei Kinder äusserten
sich in der Anhörung gemäss Art. 288 ZPO in dem Sinne, dass sie nicht nach
I._ zurückkehren möchten; die Gespräche mit der Mutter über die Frage der
Rückkehr nach I._ belasten sie sehr (C._: Prot. II S. 60 f.; D._:
Prot. II S. 62; E._: Prot. II S. 64). C._ kann sich zwar vorstellen, dass die
Besuche der Mutter unbegleitet stattfinden können (Prot. II S. 60). Demgegenüber
wünschen D._ und E._ mit aller Deutlichkeit weiterhin nur begleitete Be-
suche ihrer Mutter (Prot. II S. 62 und 64). In der Folge versuchte die Beklagte bei
allen Kontakten mit den Kindern, diesen beliebt zu machen, nach I._ zurück-
zukehren.
7.4. Nach der Einschätzung des ersten Beistandes der Kinder, Q._, ge-
mäss seinem Bericht vom 12. Mai 2016 über den Zeitraum von Juli 2014 bis April
2016 war es der Beklagten wegen psychischer Schwierigkeiten bereits auf
I._ nur teilweise möglich gewesen, ihre Kinder angemessen zu erziehen. Die
Kinder hätten daher auf verschiedenen Ebenen diverse Defizite (Urk. 214 S. 1).
So sprächen die Kinder fast kein Deutsch. Da die Beklagte mit ihnen nur spanisch
und englisch spreche, ohne dass diese Sprachen ihre Muttersprachen seien,
könnten die Kinder auch diese Sprachen nicht korrekt sprechen (Urk. 214 S. 1).
Das Hauptproblem in der Berichtsperiode sei gewesen, dass die Beklagte sowohl
- 32 -
den Kindern als auch allen involvierten Stellen kommuniziert habe, dass sie bald
wieder mit den Kindern nach I._ reisen werde. Das hat die Kinder nach der
Beurteilung des Beistandes Q._ massiv blockiert (Urk. 214 S. 3). Und das ist
auch die klare Einschätzung der aktuellen Beiständin der Kinder: Die Kinder seien
in ihrer Entwicklung retardiert. Nach den aus Spanien von den zuständigen Stel-
len erhaltenen Berichten sei der Schulbesuch in Spanien nur unregelmässig er-
folgt. Die Kinder sprächen ein schlechtes Spanisch und ein schlechtes Englisch,
weil sich die Beklagte geweigert habe, mit den Kindern Deutsch zu sprechen
(Urk. 298 S. 2).
7.5. Schliesslich kehrte die Beklagte am 20. Dezember 2016 ohne die Kinder
nach I._ zurück (vgl. Urk. 281 B und Urk. 296). Auch von dort aus hielt sie
den Druck auf die Kinder aufrecht. So sandte sie ihnen im Januar 2017 per
WhatsApp die Fotos der von ihr besorgten spanischen Krankenkassenausweise
für alle drei Kinder (Urk. 309 und 310). C._ und D._ blockierten darauf
ihre Mutter im WhatsApp (Urk. 312; Prot. II S. 95 f.).
7.6. Gemäss dem Bericht der aktuellen Beiständin (und Prozessbeiständin) der
Kinder, F._, vom 14. Juni 2016 sind die Kinder darauf angewiesen, in einem
stabilen und geschützten Rahmen aufwachsen zu können. Ein Wechsel der "Le-
benssituation in irgendeiner Form" wäre nach ihrer Einschätzung für die Kinder
"eine grosse Überforderung". Nur bei einer stabilen und gleichbleibenden Le-
benssituation könnten die Kinder vom Loyalitätskonflikt befreit werden. Dazu ge-
höre auch, dass nicht "beim nächsten Umzug der Mutter ... die Beiständin wech-
selt" (Urk. 215 S. 3).
7.7. In der Anhörung bestätigte die Beklagte im Grunde ihren Berufungsantrag,
wonach die drei Kinder unter ihre alleinige elterliche Sorge zu stellen seien. So
führte sie aus, dass sie zusammen mit ihren Kindern wieder "nach Hause" gehen
möchte, denn sie und ihre Kinder "möchten unser Familienleben zurück". In der
Schweiz hätten sie und ihre Kinder Allergien; darum sei sie seinerzeit auch nach
I._ gezogen (Prot. II S. 45). Die Beklagte führte in der Anhörung aus, ihre
Muttersprachen seien Deutsch und Englisch; sie denke aber auf Englisch. Eng-
lisch habe sie im College in Amerika gelernt. Ihre Eltern sprächen aber unterei-
- 33 -
nander französisch oder deutsch. Seit ihrer Geburt spreche sie mit ihren Kindern
englisch (Prot. II S. 24 f.). Jedenfalls bis zu ihrer Anhörung am 10. August 2016
konnte die Beklagte alle zwei Wochen die drei Kinder im Rahmen eines dreistün-
digen überwachten Besuchsrechts sehen (Prot. II S. 39). Am 20. Dezember 2016
hat die Beklagte die Schweiz Richtung I._ aus eigenem Entschluss verlassen
(Urk. 281). Nach der Beobachtung der Beiständin hat die Abreise der Mutter die
drei Kinder traurig gestimmt. Insbesondere C._ habe grosse Angst, dass er
mit der Mutter nach I._ zurückkehren müsse. Auch D._ möchte nicht bei
der Mutter wohnen. E._ sei ambivalent (Urk. 298 S. 6).
7.8. Aus den Akten ergibt sich sodann, dass gegenüber der Beklagten wieder-
holt eine fürsorgerische Unterbringung angeordnet werden musste:
7.8.1. Noch zur Zeit, als die Beklagte mit ihren Kindern in I._ lebte, musste
sie im Sinne einer fürsorgerischen Unterbringung in eine Klinik eingewiesen wer-
den (Urk. 89 S. 12 und 33). Die Beklagte erklärt dies – wenig plausibel – mit einer
Verschwörung (Urk. 89 S. 15; vgl. auch Anhörung: Prot. II S. 19 unten). Zu erin-
nern ist daran, dass seinerzeit in I._ von den dortigen Behörden eine
Fremdplatzierung der drei Kinder in Erwägung gezogen wurde (Urk. 299/10).
7.8.2. Kurz nach ihrer Rückkehr in die Schweiz folgte die nächste fürsorgerische
Unterbringung der Beklagten gemäss dem Entscheid der KESB Olten-Gösgen
vom 23. Juni 2014, und zwar für die Zeit vom 23. Juni 2014 bis zum 7. August
2014 (Urk. 270/6). In diesem Zusammenhang erstellte Dr. med. U._ am 17.
Juli 2014 ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 270/3). Sie stellte dort einen akuten
"Schub einer paranoiden Schizophrenie (ICD 10 F 20.04)" fest, der noch nicht
vollständig abgeklungen sei. Die paranoide Schizophrenie bestehe "wahrschein-
lich schon seit einiger Zeit". Im Austrittsbericht der Klinik ist als Diagnose "parano-
ide Persönlichkeitsstörung (F60.0) und paranoide Schizophrenie (F20.0)" ver-
merkt. Verordnet wurde das Medikament Zyprexa, und es wurde weiter die ambu-
lante Behandlung durch Dr. H._ vorgesehen (Urk. 270/6). Auf Grund der Ak-
ten ist von einer begründeten Klinikeinweisung auszugehen.
- 34 -
7.8.3. Die von der KESB Olten-Gösgen im Jahre 2014 betrauten Gutachter rieten
mit ihrem Gutachten vom 1. Dezember 2014 von der Rückplatzierung der Kinder
zur Beklagten klar ab. Die oben erwähnten Diagnosen bezüglich der Krankheit
der Beklagten deckten sich mit dem klinischen Eindruck der Gutachter. Ihre eige-
nen Bedürfnisse und Vorstellungen vermag die Beklagte nach den Gutachtern
nicht von denjenigen der Kinder zu unterscheiden. Wegen ihrer psychischen
Krankheit sei die Erziehungsfähigkeit der Beklagten sehr eingeschränkt. Die feh-
lende Krankheitseinsicht und die Behandlungsverweigerung seien Symptome der
Krankheit. Die Gutachter empfahlen sodann wegen "der vorhandenen Wahr-
scheinlichkeit einer Entführungsgefahr" jedenfalls "zu Beginn" nur begleitete Be-
suche seitens der Beklagten (Urk. 89 S. 79 ff.). Auch diese Beurteilungen der
Fachleute überzeugen.
7.8.4. Am 5. Oktober 2015 erstattete die Beiständin der Beklagten der KESB Ol-
ten-Gösgen eine Gefährdungsmeldung (Urk. 163). Sie regte an, für die Beklagte
eine fürsorgerische Unterbringung zu prüfen. Das Urteil des Bezirksgerichts
Dielsdorf stehe aus. Sollte es nicht so ausfallen, wie von der Beklagten erwartet,
sei möglicherweise ein Suizid zu befürchten. Auf Grund der Akten ist davon aus-
zugehen, dass die amtlich bestellte Beiständin Anlass für die Gefährdungsmel-
dung hatte.
7.8.5. Am 20. September 2016 meldete der Vermieter des von der Beklagten be-
wohnten Zimmers, der Wirt des Restaurants L._, der Sozialregion AH._,
dass die Beklagte in einem schlechten Zustand sei. Sie mache nachts Lärm und
habe Gegenstände (darunter ihre Matratze) auf den Gang geworfen. Das Zimmer
werde per Ende September 2016 gekündigt. Während die Beklagte gegenüber
den herbeigerufenen Funktionären der Sozialregion ausdrücklich und mehrfach
den Wunsch aussprach, von der Polizei in die Klinik eingewiesen zu werden,
alarmierten die Funktionäre der Sozialregion die Ambulanz zwecks Verbringung
der Beklagten in die Psychiatrische Klinik Solothurn, worauf gleichentags die für-
sorgerische Unterbringung der Beklagten ärztlich verfügt wurde. Mit Entscheid der
KESB Olten-Gösgen vom 21. September 2016 wurde die fürsorgerische Unter-
bringung bis zum 1. November 2016 bestätigt (Urk. 295/2).
- 35 -
Die Beklagte blieb in der Folge bis zum 31. Oktober 2016 in der Psychiatri-
schen Klinik Solothurn hospitalisiert (Urk. 286 S. 1; Urk. 293). Mit der schriftlichen
Auskunft vom 3. Januar 2017 gab die Klinik durch ihren Oberarzt Dr. med.
T._ bekannt, dass die Diagnose einer "wahnhaften Störung" (ICD-10 F22.0)
zu stellen sei. Eine Schizophrenie lasse sich – anders als im Jahre 2014 – nicht
diagnostizieren. Allerdings persistierten die wahnhaften Überzeugungen unter an-
tipsychotischer Medikation unverändert. Am 25. Oktober 2016 sei die Medikation
abgebrochen worden und am 27. Oktober 2016 habe die Klinik der KESB ein Ent-
lassungsgesuch gestellt, weil "von einer weiteren Hospitalisation keine Zustands-
verbesserung" zu erwarten gewesen sei. Allerdings sei die KESB von der Klinik
darauf hingewiesen worden, dass damit gerechnet werden müsse, dass die Be-
klagte nach ihrer Entlassung aus der Klinik "sozial umtriebig" sein werde "und ihre
Kinder den notwendigen Schutz erhalten sollten" (Urk. 286 S. 2).
Auch hier ist davon auszugehen, dass ein begründeter Anlass für die Klinik-
einweisung bestand und dass die Beurteilung der Fachleute zutreffend war.
7.9. In den Akten gibt es weitere konkrete Hinweise auf psychische Schwierig-
keiten der Beklagten:
7.9.1. Fest steht, dass die Beklagte seit dem 1. Mai 2015 wegen ihrer psychi-
schen Probleme eine Rente der Invalidenversicherung bezieht. Am 18. Septem-
ber 2014 meldete die Beiständin der Beklagten diese bei der Invalidenversiche-
rung (IV Stelle Solothurn") an (Urk. 270/2). In einem Arztbericht zuhanden der IV
vom 17. Dezember 2014 bestätigte der behandelnde Arzt Dr. med. H._ die
erwähnte Diagnose der Klink gemäss Austrittsbericht. Ferner vermerkte er, dass
die Beklagte "allenfalls Hilfe bei der Kindererziehung" benötige (Urk. 270/4). Die
Beklagte verweigere die verordnete neuroleptische Behandlung. Die Krank-
heitseinsicht fehle, und die Beklagte habe keine Fähigkeit zu einer kritischen
Selbstbetrachtung (Urk. 270/5 S. 3). Am 27. Juli 2015 bestätigte der ärztliche
Dienst der IV die gestellten Diagnosen. Eine Arbeitsfähigkeit sei auszuschliessen;
die Prognose sei ungünstig (Urk. 270/7). Das führte schliesslich zum Entscheid
der zuständigen IV-Stelle vom 1. Februar 2016 (Urk. 260), mit der rückwirkend ab
1. Mai 2015 eine Rente von monatlich Fr. 955.00 zuzüglich drei Kinderrenten zur
- 36 -
IV-Rente der Mutter (= dreimal Fr. 382.00) zugesprochen wurden. Insgesamt
steht der Beklagten mithin (jedenfalls bis zu ihrer Abreise aus der Schweiz) mo-
natlich eine Gesamtente von Fr. 2'101.00, davon Fr. 1'146.00 Kinderrenten, zu.
Auch hier ist davon auszugehen, dass die medizinischen Beurteilungen, die zu
einer Rentenleistung führten, richtig waren.
7.9.2. Nach einem von der Beklagten eingereichten, undatierten und nicht unter-
zeichneten Bericht von Dr. med. H._ an die "Verwaltungskommission für so-
ziale Sicherheit der Wanderarbeitnehmer" (Urk. 285/2) bestehe bei der Beklagten
keine Krankheitseinsicht. Objektiv bestehe aber die Symptomatik einer paranoi-
den Persönlichkeitsstörung, welche sich in einer mangelnden Fähigkeit zur
Selbstkritik äussere. Der ungenügende "Realitätsabgleich" könne manchmal an
Wahnhaftigkeit grenzen; gelegentlich sei eine Wahnstimmung wahrnehmbar.
Auch diese Beurteilung des behandelnden Arztes erscheint plausibel und über-
zeugt.
7.9.3. In einem von der Berufungsinstanz eingeforderten Bericht vom 17. Januar
2017 (Urk. 293) stellt der behandelnde Arzt der Beklagten, Dr. med. H._, die
Diagnose einer paranoiden Persönlichkeitsstörung; die früher gestellte Diagnose
einer Schizophrenie sei seiner Einschätzung nach "nicht mehr haltbar". Der Grund
für die paranoide Persönlichkeitsstörung sei wohl auf die Jugend der Beklagten
zurückzuführen. Eine vollständige Heilung könnte nur im Rahmen einer intensiven
Psychotherapie erreicht werden, zu der die Beklagte aber mangels Krankheitsein-
sicht nicht bereit sei. In "Extremsituationen" seien auch künftig Klinikeinweisungen
nicht auszuschliessen. Die Beklagte gerate immer wieder "in wahnhafte Stim-
mungen", und es sei nicht absehbar, dass sich dies spontan wesentlich bessere.
Auch diese Beurteilung weicht nicht wesentlich von früheren ab.
7.10. In den Akten gibt es sodann konkrete Hinweise darauf, dass die Beklagte
wiederholt auf problematische Weise auf ihre Kinder eingewirkt bzw. mit ihnen
den Kontakt gesucht hat:
7.10.1. Am 22. Januar 2015 wandte sich der Beistand der Kinder an die Vorin-
stanz (Urk. 94). Er wies darauf hin, dass die Beklagte gegenüber ihren Kindern
- 37 -
immer wieder erwähne, dass sie alle zusammen bald nach I._ zurückreisten.
Das blockiere die Kinder. C._ weigere sich z.B., die deutsche Sprache zu er-
lernen, weil ihm die Mutter das Gefühl gebe, dass dies unnütz sei.
7.10.2. Am 24. August 2015 berichtete der Beistand der Kinder der Vorinstanz,
dass sich die Besuche der Beklagten im "G._" als hochproblematisch entwi-
ckelt hätten. Ständig weise die Mutter darauf hin, dass die Kinder wieder nach
I._ zurückreisen würden. Die Kinder seien darob sehr verunsichert. Der ge-
borgenheitsspendende Raum im "G._" sei für die Besuche der Mutter nicht
mehr geeignet. Künftige Besuche müssten extern und unter Begleitung abgewi-
ckelt werden (Urk. 143). In der Folge wurden die Besuche der Mutter nur noch auf
diese Weise abgewickelt (vgl. Prot. II S. 39). Dass zu dieser einschneidenden
Massnahme gegriffen werden musste, war klarerweise auf das Verhalten der Be-
klagten zurückzuführen.
7.10.3. Am 29. Oktober 2015 berichtete die KESB Olten-Gösgen der Vorinstanz,
dass die Beklagte nach der Eröffnung des vorinstanzlichen Urteils vom 16. Okto-
ber 2015 auf die drei Kinder eingewirkt habe, mit ihr nach Spanien zu kommen.
Nach einer Rangelei zwischen der Beklagten und C._ am 27. Oktober 2015
sei dieser so aufgelöst gewesen, dass er anderntags die Schule nicht habe besu-
chen können. C._ und D._ würden nach der Einschätzung des Heims
nicht mit der Mutter weggehen. E._ stehe aber in einem Loyalitätskonflikt.
Die Kinder müssten auf dem Schulweg begleitet werden (Urk. 171). Es gibt kei-
nen Grund, an der Sachdarstellung der KESB Olten-Gösgen zu zweifeln.
7.10.4. Bei den Akten liegt eine WhatsApp-Nachricht der Beklagten an D._
vom 8. Oktober 2016 (Urk. 299/8-9). Dort appellierte sie angelegentlich an
D._, doch mit ihr und den Brüdern abzureisen, wohl nach I._. Dann
werde sie nie mehr zurück in die Schweiz kommen. Die gegenwärtige schlechte
Situation sei die Schuld des Klägers, ihrer Schwester J._ und der Gesetze in
der Schweiz und im Kanton Solothurn. Dass die Beklagte die erwähnte Nachricht
der Tochter hat zukommen lassen, steht fest.
- 38 -
7.10.5. Am 6. Dezember 2016 berichtete die Beiständin der Kinder der Berufungs-
instanz telefonisch (Urk. 266), die Beklagte habe in den vergangenen Wochen an
jedem Sonntag, an dem C._ seinen Bruder E._ in der Klinik in Solothurn
besucht habe, C._ auf dem Weg zur Klinik abgepasst. Dabei habe sie
C._ erzählt, dass ein Polizist aus I._ in die Schweiz kommen werde und
sie alle gemeinsam Weihnachten in I._ feiern würden. Sodann habe sie ihm
mitgeteilt, dass ihr neuer Freund, welcher in London lebe, gefälschte Pässe schi-
cken werde. So sei sichergestellt, dass sie so bald wie möglich alle nach I._
gehen könnten. Dazu berichtete die Beiständin überdies, dass C._ anlässlich
eines Standortgesprächs im "G._" in Abwesenheit von D._ über Erleb-
nisse mit der Mutter habe sprechen wollen. C._ habe ausgeführt, dass die
Beklagte ihn am Bahnhof abgepasst und ihm gesagt habe, dass ein befreundeter
Polizist aus I._ kommen und sich darum kümmern werde, dass sie alle zu-
sammen nach I._ zurückkehren könnten. C._ habe befürchtet, dass es
tatsächlich dazu komme. Die Beiständin habe daraufhin die Beklagte angerufen
und sie mit den Erzählungen von C._ konfrontiert. Die Beklagte habe dazu
jedoch lediglich gesagt, der Polizist aus I._ habe momentan keine Zeit, um in
die Schweiz zu kommen. Nach der Einschätzung der Beiständin belasten
C._ diese Erzählungen der Mutter stark. Das habe C._ Angst gemacht
(Urk. 298 S. 6; Prot. II S: 97). Die beschriebenen problematischen Einwirkungen
der Beklagten auf C._ müssen als erstellt angesehen werden.
7.11. Die Beiständin ist der Auffassung, dass die Beklagte dafür verantwortlich
sei, dass die Kinder keine Muttersprache hätten, weil die Beklagte mit ihnen nicht
in ihrer Muttersprache gesprochen habe. Stattdessen sprächen die Kinder ein
schlechtes Englisch und ein schlechtes Spanisch. Obwohl der Beklagten immer
wieder gesagt worden sei, dass sie mit den Kindern deutsch sprechen solle, tue
sie dies bis heute nicht (Urk. 298 S. 9 f.). Unter der Obhut der Beklagten hätten
sich die Kinder nicht altersentsprechend entwickeln können. Das ergebe sich
ganz deutlich aus den Abklärungsberichten betreffend C._ (Urk. 298 S. 10
mit Hinweisen auf Urk. 299/2-3). Die mit den Verhältnissen sehr gut vertraute Bei-
ständin sieht es als nicht "realistisch" an, dass die Obhut über die Kinder der Be-
klagten übertragen werden könnte (Urk. 298 S.4).
- 39 -
7.12. Es rechtfertigt sich, zunächst zu prüfen, ob die Übertragung der elterlichen
Sorge und Obhut über die drei Kinder auf die Beklagte nicht schon aus grundsätz-
lichen Überlegungen verneint werden muss.
7.12.1. Die Beklagte anerkennt in ihrer Stellungnahme vom 6. Januar 2017 (Urk.
283), dass ihre psychischen Probleme Krankheitswert haben. Sie bestreitet aller-
dings die Diagnose Schizophrenie (Urk. 283 S. 2). Welche Diagnose der Beklag-
ten zu stellen ist, ist von untergeordneter Bedeutung. Dennoch ist von einer schi-
zophrenen Belastung der Beklagten auszugehen. Erstmals wurde das mit dem
Gutachten von Dr. med. U._ vom 17. Juli 2014 festgehalten, indem bei der
Beklagten eine paranoide Schizophrenie (ICD 10 F20.04) diagnostiziert wurde
(Urk. 270/3). Auch die psychiatrischen Gutachter, welche am 1. Dezember 2014
das "Kinder-Schutz-Gutachten" erstellten und daher mit der Beklagten intensiven
Kontakt hatten, bestätigten das Vorliegen einer Schizophrenie und meinten, dass
diese in der paranoiden Persönlichkeit der Beklagten verankert sei (Urk. 89 S. 68,
75, 80). Die Gutachter weisen namentlich auf die Tendenz der Beklagten hin, sich
selbst und ihre Kinder zu "verschanzen" bzw. zu "deprivieren". Mit der ganzen üb-
rigen Aktenlage deckt sich auch der Schluss der Gutachter, dass die Beklagte "ih-
re eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen nicht von denen der Kinder trennen
kann und ihre drei Kinder nicht als eigenständige Individuen wahrnimmt" (Urk. 83
S. 80). Die Krankheit der Beklagten führte dann auch dazu, dass ihr eine ganze
IV-Rente zugesprochen wurde (vgl. oben E. 5.2.6.). Bestätigt werden die schwe-
ren psychischen Schwierigkeiten der Beklagten durch die drei fürsorgerischen Un-
terbringungen, die bisher angeordnet werden mussten (vgl. dazu die obigen Aus-
führungen E. 5.2.5.). Die Beklagte leidet an Realitätsverlust. Sie kann ihre Stel-
lung und jene der Kinder nicht richtig einordnen. Das bestätigt auch das Zeugnis
des behandelnden Arztes Dr. med. H._ vom 17. Januar 2017 (Urk. 293),
welcher zwar der Auffassung ist, dass im Falle der Beklagten nicht von einer
Schizophrenie, sondern von einer paranoiden Persönlichkeitsstörung zu sprechen
ist. In einem früheren Gutachten zuhanden der IV (Urk. 285/1) hielt Dr. H._
fest, dass die Beklagte seit ihrer Jugend an einer paranoiden Persönlichkeitsstö-
rung leide, die sich darin äussere, dass die Beklagte nicht in der Lage sei, die ei-
gene Verhaltensweise in Frage zu stellen. Sie vermöge sich nicht in die Sichtwei-
- 40 -
se anderer sowie in objektive Tatbestände hineinzudenken. Das ergebe Schwie-
rigkeiten im sozialen Gefüge und schränke namentlich die Arbeitsfähigkeit ein.
Mangels Krankheitseinsicht könne die Grundstörung nicht behandelt werden.
Auch Dr. H._ bescheinigt aber, dass der Beklagten jede Krankheitseinsicht
abgeht, weshalb er nicht mit einer Heilung rechnet. Entkräftet sind damit jeden-
falls die früheren Diagnosen, welche von einer paranoiden Schizophrenie ausgin-
gen, nicht ohne weiteres (vgl. Gutachten Dr. med. U._, Urk. 270/3). In dem
hier zu beurteilenden Zusammenhang kommt es auf die genaue medizinische Di-
agnose auch nicht an. Auch wenn man von der aktuellen Beurteilung Dr.
H._s ausgeht, ist die Erziehungsfähigkeit der Beklagten hinsichtlich ihrer drei
sehr anspruchsvollen Kinder auszuschliessen.
7.13. Zu den beschriebenen medizinischen Beurteilungen passt auch das von
der Beklagten ihren Kindern gegenüber an den Tag gelegte Verhalten:
7.13.1. Zunächst ist auf die ungeplante und überstürzte Abreise im Mai 2014 aus
I._ hinzuweisen, welche von der Beklagten, wie ausgeführt, verschieden be-
gründet wurde. Für die Kinder war die Versetzung jedenfalls äusserst schwierig.
Sie wurden so entwurzelt. Diese Entwurzelung ist nach der überzeugenden Beur-
teilung der Gutachter jedenfalls ein wichtiger Grund für E._s Probleme (Urk.
89 S. 67 f.). Ebenso überstürzt ist die Beklagte Ende Dezember 2016 wieder nach
I._ zurückgereist und hat damit die räumliche Trennung von den Kindern in
Kauf genommen, wiewohl alle drei Kinder in der Schweiz bleiben wollten (vgl. da-
zu auch unten E. 7.13.4.). So hat sie schliesslich ohne äusseren Anlass die per-
sönlichen Kontakte zwischen ihr und ihren Kindern bis auf weiteres verunmög-
licht.
7.13.2. Mangelnde Rücksichtnahme auf die Kinder äussert sich auch dadurch,
dass die Beklagte, welche angibt, die englische Sprache auf einem College in den
USA gelernt zu haben (Prot. II S. 25), mit ihren Kindern partout nur englisch
spricht. Das führte dazu, dass die Kinder muttersprachlos aufgewachsen sind. In
hohem Masse trifft das für C._ zu, während D._ noch immer am besten
mit dem Spanischen vertraut ist; so spricht sie namentlich mit ihren Brüdern spa-
- 41 -
nisch (Prot. II S. 61). Dagegen hat sich E._ als jüngster recht schnell mit der
deutschen Sprache vertraut gemacht.
7.13.3. Die Beklagte realisierte nach der Unterbringung der Kinder im "G._"
nicht, dass ihre Kinder am neuen Ort Wurzeln geschlagen haben. Dennoch hat
sie ihnen gegenüber immer wieder die Rückkehr nach I._ thematisiert, wie-
wohl für alle drei Kinder das erkennbar eine schwere Belastung war (vgl. Prot. II
S. 59). Unter Tränen berichtete E._ in der Anhörung, dass die Mutter immer
wieder über Spanien spreche und dass er das nicht möge (Prot. II S. 64). Das
führte dazu, dass die Einschränkung des Besuchsrechts unumgänglich wurde und
jedenfalls D._ und E._ sich nur ein begleitetes und überwachtes Be-
suchsrecht der Mutter vorstellen können (Prot. II S. 62 und 64). In das gleiche
Kapitel gehört der Vorfall Ende 2016, als sie C._ abpasste und bedrängte
und von einem Polizistenfreund sprach, der die Beklagte und die drei Kinder mit
gefälschten Pässen nach I._ zurückführen werde.
7.13.4. Die Beklagte vermochte sodann nie zu realisieren, dass sie trotz aller
Schwierigkeiten für ihre Kinder eine sehr wichtige Bezugsperson ist und bleibt.
Eindrücklich formulierte C._ in der Anhörung den Wunsch an die Mutter, sie
möge doch in der Schweiz bleiben (Prot. II S. 60 f.). Und E._ führte aus, dass
er nur ferienhalber zurück nach Spanien gehen möchte (Prot. II S. 64 f.). Das al-
les kümmerte die Beklagte nicht, sondern sie verliess am 20. Dezember 2016 die
Schweiz Richtung I._ (Urk. 281). Dort meldete sie die Kinder umgehend bei
der Krankenkasse an und liess ihnen die Kopien der Versicherungsausweise zu-
kommen (Urk. 309 und 310). Auch das ist ein Verhalten, das wenig einfühlsam ist
und nur mit dem Realitätsverlust der Beklagten erklärt werden kann. C._ und
D._ sahen in der Folge keinen anderen Ausweg als die WhatsApp-Kontakte
mit ihrer Mutter zu blockieren (Prot. II S. 94 f., Urk. 312).
7.13.5. Die Beklagte ist weit entfernt, ihre Kinder richtig einstufen zu können. So
sind die reduzierten kognitiven Fähigkeiten C._s ohne weiteres erkennbar.
Dennoch stuft die Beklagte ihn nach ihren Wunschvorstellungen und nicht nach
der Realität ein, wenn sie davon ausgeht, dass C._ die Matura erwerben und
dann ein Universitätsstudium absolvieren werde (Prot. II S. 34 und Urk. 298 S.
- 42 -
11). Das belegt, dass die Beklagte nicht in der Lage ist, die Chancen und die Risi-
ken ihrer Kinder richtig zu erkennen und einzustufen.
7.14. Offen bleiben kann, ob für die Beklagte die medizinische Diagnose der
Schizophrenie gegeben ist. Fest steht jedenfalls auch nach der schriftlichen Aus-
kunft ihres behandelnden Arztes Dr. H._, dass zumindest eine "paranoide
Persönlichkeitsstörung" vorliegt und dass der Beklagten jede Krankheitseinsicht
fehlt (Urk. 293). Das wirkt sich gegenüber den Kindern geradezu verheerend aus.
Die Beklagte ist nicht in der Lage, auf ihre Kinder Rücksicht zu nehmen. Sie ver-
ängstigt sie vielmehr immer wieder durch ihr Verhalten, indem sie ihnen mit zum
Teil geradezu abstrusen Argumenten droht, ihnen die inzwischen eingetretene
gewisse Stabilität wieder zu nehmen und sie nach I._ zu bringen. Die mit
dem Kindeswohl unvereinbare psychische Krankheit der Beklagten ergibt sich
nicht nur aus den verschiedenen bei den Akten liegenden ärztlichen Beurteilun-
gen, sondern auch durch entsprechendes Handeln der Beklagten selber, nament-
lich auch ihren Kindern gegenüber. Ohne weiteres ist davon auszugehen, dass
die Beklagte die Bedürfnisse und Anliegen ihrer Kinder nicht wahrnehmen kann.
Weder die elterliche Sorge noch die Obhut über die drei Kinder kann unter diesen
Umständen der Beklagten übertragen werden. Eine durch die Beklagte ausgeübte
Obhut würde die Entwicklung der drei Kinder in hohem Masse gefährden. Das ist
denn auch die Sichtweise der mit den Verhältnissen bestens vertrauten Beistän-
din und Prozessvertreterin der drei Kinder. Angesichts der klaren Aktenlage be-
darf es entgegen der Meinung der Beklagten keiner weiteren Begutachtung. Eine
solche würde den Prozess in die Länge ziehen, was auf Kosten der Kinder ge-
schähe. Die Beiständin betont denn auch, dass der Abschluss des gerichtlichen
Verfahrens Klarheit bezüglich der Zukunft der Kinder schaffen würde, was ihnen
entgegenkäme (Prot. II S. 98).
8. Der Kläger und sein Verhältnis zu den Kindern
8.1. Der Kläger ist gelernter Grundbauer (Spezialtiefbau). Er arbeitet im Ser-
vice-Center der AI._ AG in Zürich und verdient gemäss seinen Angaben in
der Anhörung mit Kinderzulagen Fr. 5'965.85 zuzüglich eines 13. Monatslohns
(Prot. II S. 20). Es ist dies ein Nettolohn (vgl. Urk. 100/2). Die drei Kinderzulagen
- 43 -
betragen Fr. 700.00 im Monat (Urk. 100/2), so dass unter Berücksichtigung des
13. Monatslohns von einem monatlichen Nettoeinkommen von Fr. 5'704.70 (13 *
Fr. 5'265.85 / 12) auszugehen ist. Der Kläger bezahlt für jedes Kind monatlich Fr.
350.00 zuzüglich insgesamt Fr. 700.00 Kinderzulagen (Prot. II S. 48). Dies ist der
Betrag, der durch die Eheschutzrichterin am 24. Juli 2006 festgesetzt wurde (Urk.
3). Der Beklagten müsste der Kläger gemäss dem gleichen Entscheid monatlich
Fr. 1'250.00 bezahlen (Urk. 3). Gemäss den Angaben des Klägers bezahlte er
diesen Betrag lediglich bis zum Urteil der Vorinstanz. Seit diesem Zeitpunkt, d.h.
seit dem 16. Oktober 2015, bezahlt er für die Beklagte keine Unterhaltsbeiträge
mehr. Dafür beruft er sich auf eine mündliche Vereinbarung mit dem Sozialamt
K._. Er habe dem Amt seine Unterlagen vorgelegt und mitgeteilt, dass er
nicht in der Lage sei, etwas für die Beklagte zu bezahlen, wenn die Kinder bei ihm
übernachteten und er die Ausflüge und die Reisekosten der Kinder übernehmen
müsse. Dies werde vom Sozialamt zur Zeit geduldet (Prot. II S. 48; vgl. dazu auch
den Beistandsbericht Q._ Urk. 214 S. 3). Der Kläger lebt seit dem Jahr 2010
zusammen mit seiner Partnerin, Frau AJ._, in N._, und zwar in einer
31⁄2-Zimmerwohnung mit einer Fläche von 58m2. Seine Partnerin hat keine eige-
nen Kinder (Urk. 89 S. 18).
8.2. Das "Kinderschutz-Gutachten" vom 1. Dezember 2014 beschreibt die Be-
ziehungen des Klägers zu seinen Kindern. Gemäss dem überzeugenden Gutach-
ten verhält sich der Kläger "dominant und selbstbewusst", aber auch "engagiert
und kooperativ" (Urk. 89 S. 62). Er zeige sich "willig", eine grössere kindsgerechte
Wohnung zu beziehen, wenn die Kinder bei ihm später übernachten sollten. Frau
AJ._ kannte die drei Kinder zur Zeit der Erstellung des Gutachtens noch
nicht (Urk. 89 S. 73 f.). Die Gutachter beurteilten die Erziehungs- und Betreuungs-
fähigkeit des Klägers "aufgrund der langen Abwesenheit" als eingeschränkt.
Durch flankierende Massnahmen kann die Erziehungsfähigkeit des Klägers ge-
mäss Auffassung der Gutachter aufgebaut werden. Sie schliessen daher nicht
aus, "dass sukzessive die Voraussetzungen dafür geschaffen werden könnten,
damit die Kinder zukünftig beim Vater leben" (Urk. 89 S. 82-84).
- 44 -
8.3. Der erste Beistand der Kinder hat in seinem die Periode von Juli 2014 bis
April 2016 umfassenden Bericht festgehalten, dass es dem Kläger trotz der lan-
gen Zeit ohne Beziehung gelungen sei, zwischen ihm und den Kindern ein väterli-
ches Vertrauensverhältnis aufzubauen. Seine Verantwortung nehme der Kläger
pflichtbewusst wahr (Urk. 214 S. 4).
8.4. Im Rahmen des Besuchsrechts besuchten die drei Kinder – jedenfalls bis
zum Spätsommer 2016 – in der Regel den Kläger gemeinsam jedes zweite Wo-
chenende. Der Kläger führte dazu in der Anhörung aus, dass er die Kinder jeweils
um 11.00 Uhr auf dem Bahnhof in Zürich abhole. Es werde dann etwas unter-
nommen (z.B. Wildpark Langnau). Die Kinder kämen dann zu ihm nach Hause
zum Nachtessen. Um 20.30 Uhr gingen die Kinder wieder auf den Zug. Ferien mit
den Kindern seien aus finanziellen Gründen schwierig. Geplant sei ein gemein-
sames Zelten im Sommer 2017 (Prot. II S. 38 f.). Gelegentlich habe an Wochen-
enden ein Kind beim Kläger übernachtet. Die beiden Kinder täten das im Wohn-
zimmer, da dort auch die Katze, die sie liebten, übernachte. C._ möchte
demgegenüber seine Ruhe und übernachte "im dritten Zimmer der Wohnung"
(Prot. II S. 46 f.). Allerdings finden seit dem Herbst 2016 keine Kontakte zwischen
dem Kläger und E._ statt, weil E._ den Kontakt zu seinem Vater abge-
brochen hat (vgl. dazu unten E. 11). E._ besucht seinen Vater seither nicht
mehr. Dagegen besuchen D._ und C._ ihren Vater regelmässig jedes
zweite Wochenende (ohne Übernachtung) (Prot. II S. 85 f.).
8.5. Gemäss "Kinderschutz-Gutachten" vom 1. Dezember 2014 berichtete der
Kläger den Gutachtern, er lehne eine Fremdplatzierung der Kinder in einem Heim
ab. Er und seine Lebenspartnerin, Frau AJ._, könnten sich gut vorstellen, die
Kinder zu einem späteren Zeitpunkt bei sich aufzunehmen. Ein dafür notwendiger
Wohnungswechsel sei kein Problem (Urk. 89 S. 29). Er und seine Partnerin seien
dazu bereit, in eine grössere Wohnung zu ziehen, sobald klar geregelt werde,
dass die Kinder regelmässig und auch über Nacht zu Besuch kommen würden
(Urk. 89 S. 18). Heute sieht der Kläger das allerdings nicht mehr so: Auf die Fra-
ge, wie denn das Gericht bezüglich der Obhut über die Kinder entscheiden solle,
führte der Kläger in der Anhörung vom 10. August 2016 aus, er hätte gerne die
- 45 -
Kinder "näher" bei sich. Er würde sich wünschen, dass die Kinder in der Schweiz
blieben, um hier eine adäquate Ausbildung absolvieren zu können. Er könne aber
nicht viel dazu sagen, wo die Kinder in der Schweiz leben sollten. Das werde die
KESB entscheiden. Aktuell könne er die Kinder nicht bei sich aufnehmen, denn
dazu sei er weder wirtschaftlich noch wohntechnisch in der Lage. Er müsste eine
51⁄2-Zimmerwohnung im Kanton Zürich finden. Zudem habe er seit Jahren eine
Katze, die es gewohnt sei, nach draussen zu gehen. Er wäre daher auf eine Par-
terrewohnung angewiesen (Prot. II S. 46). Auf die Frage, ob es denkbar sei, dass
wenigstens ein Kind bei ihm lebe, wich der Kläger aus und antwortete, dass an
Wochenenden "gelegentlich" ein Kind bei ihm schlafe (Prot. II S. 46 f.). Anlässlich
der Anhörung vom 27. Februar 2017 blieb diese Haltung des Klägers unverändert
(Prot. II S. 85).
8.6. Die drei Kinder waren im Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis zum 29. Juni 2015
in therapeutischer Betreuung bei der spanischsprachigen Oberärztin Dr. med.
AA._. Die Therapie wurde abgebrochen, weil der Kläger am 7. August 2015
bei der Therapeutin intervenierte und ihr vorwarf, mit der Beklagten gemeinsame
Sache zu machen. Am 19. August 2015 habe der Beistand den Therapiestopp
bestätigt, was zu akzeptieren sei, weil ein Loyalitätskonflikt der Kinder zwischen
Therapeutin und Kläger vermieden werden sollte (Urk. 158/1 S. 6). In der Anhö-
rung vom 27. Februar 2017 erklärte der Kläger sein Verhalten damit, dass die
Kinder bei Dr. AA._ keinen Fortschritt gemacht hätten (Prot. II S. 93). Das
vermag nicht zu überzeugen. Die Intervention des Klägers in die laufende Thera-
pie lässt jedenfalls ein gewisses Fingerspitzengefühl des Klägers für die schwieri-
ge Situation seiner Kinder vermissen.
8.7. Am 30. Juni 2016 nahm die Beiständin der drei Kinder, F._, in einer E-
Mail an die Berufungsinstanz auf ein gleichentags mit dem Kläger geführtes Ge-
spräch Bezug und teilte Folgendes mit (Urk. 218): "Herr A._. wäre zum Wohle der Kinder einverstanden damit, dass für die drei eine Vormundschaft errichtet wird. Sein Einverständnis gibt er unter der Bedingung, dass auch ich die Vormundschaft übernehmen würde. Der Grund für die Errichtung einer Vormundschaft ist die Kontinuität der , damit bei einem allfälligen Umzug der Kindsmutter nicht schon wieder gewechselt werden muss."
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In der Anhörung vom 10. August 2016 führte der Kläger zunächst aus, dass
er gerne die elterliche Sorge über seine Kinder zugeteilt erhalten möchte. Er
glaube auch, dass dies funktionieren würde, denn die zuständigen Stellen wüss-
ten, dass er bei Bedarf sich an sie wenden werde. Gewisse Probleme gebe es,
weil ihm einige Jahre fehlten; es gebe aber nichts, das man nicht regeln könne
(Prot. II S. 47). Auf die Frage, ob er sich auch vorstellen könne, dass für die Kin-
der eine Vormundschaft errichtet werde, antwortete der Kläger wie folgt (Prot. II S.
47): "Ich habe diese Option ins Auge gefasst. Würde die elterliche Sorge nämlich mir zugeteilt, müsste ich die Kinder in N._ anmelden. Die  würde aufrecht erhalten bleiben und die Gemeinde N._ müsste für die Kosten des 'G._' aufkommen. Es gäbe somit einen grossen  Aufwand und es würde für die Kinder wieder ein neuer Beistand . Ich habe mir daher überlegt, ob eine Vormundschaft nicht zur  der Situation beitragen würde. Nach zwei Jahren könnte man dann  weitersehen."
In ihrem Bericht vom 14. Juni 2016 vertrat die Beiständin der Kinder die Auf-
fassung, dass die Zuteilung des Sorgerechts an einen Elternteil "die Arbeit mit
den Eltern zur Linderung des Loyalitätskonfliktes wieder massiv erschweren" wür-
de (Urk. 215 S. 3).
8.7.1. In einer E-Mail vom 3. November 2016 schrieb die Beiständin der KESB Ol-
ten-Gösgen im Zusammenhang mit E._, dass der Kläger mit der Situation
"immer wieder überfordert" sei. Leider habe der Kläger kürzlich E._ unter
Druck gesetzt und gesagt, dass er sich nun zusammennehmen müsse, denn
wenn er so weiterfahre, müssten alle Geschwister neu platziert werden (Urk. 247
S. 2). Das jedenfalls führte dazu, dass E._ dem Gericht anlässlich der Anhö-
rung vom 20. Oktober 2016 erklärte, den Kläger nicht mehr sehen zu wollen (so in
Prot. II S. 66).
8.7.2. In einem Telefonat mit der Berufungsinstanz vom 9. November 2016 führte
die behandelnde Ärztin aus, dass der "Ausraster" E._s vom 29. Oktober
2016, der zu dessen Klinikeinweisung führte, eine Reaktion auf die heftigen Vor-
würfe sei, die der Kläger E._ gemacht habe, und zwar wegen dessen Aussa-
gen anlässlich der Kinderanhörung. Insbesondere habe der Kläger E._ vor-
geworfen, dass seinetwegen die Geschwister auseinandergerissen und in unter-
- 47 -
schiedlichen Heimen landeten (Urk. 244 S. 2). Dies liess der Kläger in der Folge
durch seinen Anwalt bestreiten. Er habe nie mit seinem Sohn über den Inhalt der
Anhörung gesprochen (Urk. 255 S. 2). Im Kontrast zu dieser Bestreitung stehen
allerdings weitere Akten: Am 23. Januar 2017 nahm die behandelnde Ärztin der
KJPK Solothurn in einer E-Mail an die Beiständin Bezug auf den Besuch des Va-
ters in der Klinik bei E._ (Urk. 300 S. 2). Das Gespräch zwischen Vater und
Sohn sei kurz gewesen: Der Kläger habe E._ über seine Aussagen beim Ge-
richt befragt, worauf E._ sofort den Raum verlassen habe. Und in einer wei-
teren E-Mail vom 24. Januar 2017 nahm die Ärztin Bezug auf die von der Polizei
geplant gewesene Einvernahme vom 31. Januar 2017, 09.30 Uhr. Der Kläger ha-
be sich dagegen gewehrt, dass die Ärztin die Einvernahme der Polizei mit
E._ vorbespreche (Urk. 300 S. 2, E-Mail vom 24.1.2017). Auch diese be-
schriebenen Verhaltensweisen des Klägers sind problematisch und belegen wie-
derum ein gewisses mangelndes Fingerspitzengefühl.
8.7.3. Am 30. Januar 2017 teilte die Beiständin der Kinder der Berufungsinstanz
mit, sie wisse auf Grund eines Gesprächs mit dem Kläger, dass er gesundheitlich
angeschlagen sei. Die aktuelle Situation belaste ihn sehr. Er habe nun Herzprob-
leme und ein Vorhofflimmern. Der Kläger möchte nun auf die elterliche Sorge
über E._ verzichten, beanspruche sie aber für C._ und D._ (Urk.
306). In der Anhörung vom 27. Februar 2017 bestätigte der Kläger, dass er in
ärztlicher Behandlung sei. Er habe "ein etwas heftiges Vorhofflimmern" gehabt
(Prot. II S. 84). Die gesundheitlichen Schwierigkeiten des Klägers sind damit be-
legt.
8.8. Insgesamt ist folgende Beurteilung zu machen: Das Verhältnis des Klägers
zu seinen Kindern ist belastet durch die jahrlange Trennung und Distanz. Der
Umstand, dass die Kommunikation zwischen dem Kläger und der Beklagten, der
anderen wichtigen Bezugsperson der Kinder, nicht möglich ist, erleichtert die La-
ge des Klägers nicht. Es fällt auf, dass der Kläger seinen Kindern gegenüber bis-
weilen wenig geschickt handelt. Wenig geschickt war auch, wie der Kläger seiner-
zeit in die Therapie von Dr. med. AA._ intervenierte. Insbesondere scheint
dem Kläger das Fingerspitzengefühl für E._ abzugehen. Anderseits ist er
- 48 -
namentlich für C._ und D._ ein wichtiger Anker und auch ein Vorbild.
Der Kläger ist gewillt, trotz aller Widrigkeiten seine Vaterrolle zu übernehmen, was
im vorliegenden Falle alles andere als leicht ist. In diesem Sinne ist festzuhalten,
dass die Übertragung der elterlichen Sorge auf den Kläger bei einer Begleitung
durch einen Beistand nicht von vornherein undenkbar ist. Dies hängt aber von der
konkreten Beziehung zwischen ihm und dem betreffenden Kind ab. Gleiches gilt
an und für sich auch für die Obhut über die drei Kinder, die der Kläger heute aller-
dings gar nicht mehr übernehmen will, was angesichts der schwierigen Gesamtsi-
tuation zumindest teilweise nachvollziehbar ist.
9. C._ (geb. tt.mm.2000)
9.1. Anträge: Die Schlussanträge der Beiständin und Prozessvertreterin
C._s stimmen mit jenen des Klägers überein: Demnach soll C._ unter
die alleinige elterliche Sorge des Klägers gestellt werden, das Aufenthaltsbestim-
mungsrecht des Klägers soll aufgehoben und es soll schliesslich eine Beistand-
schaft errichtet werden (Prot. II S. 97 f., Urk. 340 S. 2). Demgegenüber stellt die
Beklagte den Antrag, dass C._ unter ihre alleinige elterliche Sorge zu stellen,
dass dem Kläger ein Besuchsrecht einzuräumen und dass schliesslich eine Be-
suchsrechtsbeistandschaft zu errichten sei (Urk. 338 S. 2 mit Hinweis auf Urk.
196/188 S. 2).
9.2. Akten: Zu C._ ergibt sich aus den Akten Folgendes:
9.2.1. Im Kinderschutz-Gutachten vom 1. Dezember 2014 wird die "persönliche
Vorgeschichte" C._s beschrieben. Auf Grund der Angaben der Beklagten
wird dort festgehalten, dass C._ wegen des Sprachwechsels die zweite
Klasse in I._ habe wiederholen müssen. Wiedergegeben wird der Hinweis
des Klägers, dass C._ bis zum Kindergarten nicht gesprochen habe, wobei
die Beklagte eine professionelle Unterstützung abgelehnt habe (Urk. 89 S. 19-21).
Bei C._ sei von einem IQ-Wert auszugehen, der im unteren Durchschnitt lie-
ge. Zu beobachten sei ein Entwicklungsrückstand im Vergleich zu Gleichaltrigen.
Das lasse den Eindruck einer emotionalen Vernachlässigung und psychosozialen
Deprivation im Kindesalter entstehen (Urk. 89 S. 64). C._ benötige einen kla-
- 49 -
ren strukturierten Alltag mit klaren und verständlichen Regeln. Gleichzeitig sollte
er in seiner Selbstständigkeitsentwicklung gefördert und in der Schule stark unter-
stützt werden. Seinem Willen, den Vater regelmässig zu sehen, sollte nach Auf-
fassung der Gutachter nachgegangen werden. Die vorhandene Vaterfigur ermög-
liche ihm die Orientierung an einem männlichen Vorbild und unterstütze C._s
Identitätsfindung (Urk. 89 S. 65). Bei C._ sei von einer Anpassungsstörung
mit längerer depressiver Reaktion auszugehen (ICD-10) (Urk. 89 S. 53). Zum
Kläger sei C._s Einstellung ambivalent. C._ sei am meisten davon be-
troffen, dass die Beklagte ihre paranoide Sicht bezüglich des Klägers auf ihre
Kinder übertrage. C._ vermisse I._ und seine dortigen Freunde (Urk. 89
S. 63 f.).
Diese Einschätzung der Gutachter überzeugt ohne weiteres. Allerdings gibt
sie den Stand des Jahres 2014 wieder.
9.2.2. Kurz nach der Erstattung des erwähnten Kinderschutz-Gutachtens vom 1.
Dezember 2014 musste am 31. Dezember 2014 für C._ durch ärztlichen
Entscheid die fürsorgerische Unterbringung angeordnet werden (Urk. 234/38). An-
lässlich des Besuchs des Klägers Ende Dezember 2014 weigerte sich C._
gemäss dem Abschlussbericht der Therapeutin Dr. med. AA._ mit seinem
Vater zu sprechen. In der Folge sei er sehr unruhig gewesen, habe zwei schlaflo-
se Nächte verbracht und sei ausgerissen, so dass er von der Polizei habe ins
Heim ("G._") zurückgebracht werden müssen (Urk. 158/1 S. 3 f.). C._
wurde durch Dr. med. AA._ in die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik
eingewiesen. Durch Präsidialentscheid der KESB Olten-Gösgen wurde diese An-
ordnung am 2. Januar 2015 im Sinne einer fürsorgerischen Unterbringung bestä-
tigt (Urk. 105/2, 234/39). Gemäss diesem Entscheid bestand bei C._ der
"Verdacht auf ein psychotisches Erleben mit fraglicher Suizidalität". Am 5. Januar
2015 erfolgte die Entlassung C._s aus der fürsorgerischen Unterbringung.
Gemäss dem Austrittsbericht der Klinik erfolgte die Aufnahme nach zwei schlaflo-
sen Nächten. In der Klinik zeigte sich dann aber keine Suizidalität. Im Austrittsbe-
richt wurde die Diagnose "Anpassungsstörung mit depressiver Entwicklung und
Schlafstörung" gestellt und es wurde vermerkt, dass die Schulsituation der Klä-
- 50 -
rung bedürfe (Urk. 234/37). In der erstinstanzlichen Anhörung vom 11. März 2015
erklärte C._ den beschriebenen Vorfall damit, dass ihm "wieder in den Sinn"
gekommen sei, dass sein Vater seine Mutter vor vielen Jahren geschlagen habe.
Deswegen habe er sich so aufgeregt, dass er habe ins Spital gehen müssen (Urk.
117 S. 4).
9.2.3. Anlässlich der erstinstanzlichen Anhörung vom 11. März 2015 sagte
C._ dem Gericht sodann, er fühle sich traurig, weil ihm die Beklagte tags zu-
vor am Telefon gesagt habe, dass der Kläger nicht E._s Vater sei (Urk. 117
S. 3).
9.2.4. In ihrem Abschlussbericht, umfassend den Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis
zum 29. Juni 2015 beschreibt die Therapeutin Dr. med. AA._ C._ als
klein gewachsenen Jugendlichen, der scheu, unsicher, gehemmt und überange-
passt wirke. Er sei wegen seiner ambivalenten Gefühlen gegenüber seinen Eltern
"deutlich bedrückt" und zeige Schwierigkeiten, mit dem Loyalitätskonflikt umzuge-
hen. Es liege eine klinisch unterdurchschnittliche Intelligenz vor (Urk. 158/1 S. 3
f.).
9.2.5. Bei den Akten liegen ein "Zwischenbericht KOSS" vom Juni 2015
(Urk.145/4) sowie ein "Verlaufsbericht KOSS" vom 29. März 2016 (Urk. 234/79),
verfasst von der W'._ (W'._ = Stiftung W._" und dazu gehörend
"G._"; KOSS = "Kompetenzorientierung im stationären Setting") betreffend
C._ (Urk. 234/79). Aus dem Verlaufsbericht (Urk. 234/79) geht hervor, dass
die Mitarbeitenden des "G._" mit C._ nicht mehr englisch sprächen. Die
Umgangsformen C._s hätten sich verbessert. Alle drei Kinder kennten noch
nicht alle Umfangsformen; noch immer hätten sie keine guten Tischmanieren. Die
Beklagte spreche mit dem Kindern meist englisch, obwohl C._ ihr gesagt ha-
be, er wolle das nicht (S. 8). C._ wird im Bericht als "kognitiv eher schwach"
bezeichnet (S. 12). Wegen mangelnder Muttersprache fehle ihm die Sprachkom-
petenz, und zwar auch auf Spanisch (S. 12 f.). Sein Wortschatz sei noch sehr
klein, auch auf Spanisch (S. 15). Bestätigt wird diese Feststellung aus dem Be-
richt der spanischsprachigen Therapeutin Dr. med. AA._ über den Zeitraum
bis zum 29. Juni 2015, wonach sich C._ weigere, deutsch zu sprechen. Er
- 51 -
spreche demgegenüber nur ein sehr einfaches Spanisch; seine intellektuelle Ent-
wicklung sei "klinisch deutlich verzögert" (Urk. 158/1 S. 3). In ihrem Abschlussbe-
richt vom 9. September 2015 hielt die Therapeutin allerdings fest, die drei Kinder
hätten nun genügend Deutsch gelernt, so dass künftige Therapien auf Deutsch
durchgeführt werden könnten (Urk. 158/1 S. 7).
9.2.6. Am 12. Mai 2016 erstattete der erste Beistand der drei Kinder, Q._, ei-
nen Bericht über den Zeitraum zwischen Juli 2014 und April 2016 (Urk. 214). Er
schätzt dort C._ als "kognitiv sehr schwach" ein. Eine neuropsychologische
Abklärung sei pendent. Es sei zu vermuten, dass C._ nur in einem geschütz-
ten Rahmen arbeiten könne (Urk. 214 S. 2). Demgegenüber geht die Beklagte
gemäss ihren Ausführungen in der Anhörung vom 10. August 2016 davon aus,
dass C._ die Matura erlangen und entweder die Universität absolvieren oder
bei der Polizei tätig sein möchte. C._ habe nach der Darstellung der Beklag-
ten auf I._ sehr gute Noten gehabt (Prot. II S. 34). Ähnlich äusserte sich die
Beklagte auch gegenüber der Beiständin (Urk. 298 S. 11). Der Kläger führte hin-
gegen in der Anhörung aus, dass C._ das Metallbauunternehmen seines so-
zial engagierten Arbeitgebers habe besuchen dürfen. Der Chef habe aber festge-
stellt, dass C._ zu grosse schulische Lücken habe. Ein Manko sei auch die
fehlende Kommunikationsfähigkeit C._s. C._ werde nun in die 3. Ober-
stufe eintreten (Prot. II S. 34). In der zweiten Anhörung vom 27. Februar 2017
äusserte sich der Kläger in dem Sinne, dass sein Arbeitgeber zum Schluss ge-
kommen sei, dass C._ für eine Metallbaulehre nicht in Frage komme. Der
Beruf umfasse auch Kundenkontakte; damit wäre C._ eindeutig überfordert
(Prot. II S. 87).
9.2.7. In einem ersten Bericht vom 14. Juni 2016 (Urk. 215) hielt die neue Bei-
ständin, F._, fest, dass eine testpsychologische Abklärung von C._ in
der Praxis AK._ ... pendent sei. C._ sei nach wie vor scheu und verhal-
ten. Es sei äusserst schwierig, mit ihm ein Gespräch zu führen. Wegen seiner
sprachlichen Defizite sei er im Ausdruck sehr eingeschränkt. Bei C._ liege
nach der Beurteilung der Therapeutin eine sprachgebundene Störung vor. Zum
Vater habe C._ eine gute Beziehung. Für ihn sei schwierig auszuhalten, dass
- 52 -
seine Mutter schlecht über seinen Vater spreche. Nach Beurteilung der Beiständin
befindet sich C._ in einem massiven Loyalitätskonflikt. C._ werde noch
ein weiteres Schuljahr in M._ bleiben. In dieser Zeit werde eine logopädische
Abklärung gemacht. Je nach der weiteren Entwicklung C._s werde "die IV
mit einer beruflichen Integration einsteigen".
9.2.8. Bei den Akten liegt der Abklärungsbericht vom 11. Juli 2016 von Dr. med.
AL._ und lic. phil. AM._ von der Psychotherapeutischen Praxisgemein-
schaft AK._ in ... (Urk. 299/2). Festgestellt wurden massive Diskrepanzen
bei C._s Leistungen. Während bei "sprachfreien Aufgaben" seine Leistungen
im "unteren Normbereich" lägen, schneide er bei den sprachlichen Aufgaben
"deutlich unterdurchschnittlich" ab. Diese Leistungen seien "sehr weit reduziert".
Indiziert sei eine logopädische Abklärung sowie eine psychotherapeutische Be-
handlung zwecks Förderung von C._s Ausdrucksfähigkeit.
9.2.9. Weiter liegt bei den Akten ein Bericht von Prof. Dr. med. AN._ vom In-
selspital Bern vom 23. September 2016 (Urk. 299/3). C._ verstehe besser
Schweizerdeutsch als Hochdeutsch. Sein Wortschatz sei klein. Er antworte oft nur
in einzelnen Wörtern. Das Niveau der Nebensätze habe er noch nicht erreicht.
Auch die Kasuszuweisung fehle. Im Spanischen zeige sich ein ähnliches Bild wie
im Deutschen. Der Wortschatz sei auch hier klein und C._ müsse nach den
Wörtern suchen. Manchmal weiche er ins Deutsche aus. Sowohl auf Deutsch als
auch auf Spanisch seien grundlegende und grosse Schwierigkeiten in der
Sprachproduktion zu beobachten. Die Mehrsprachigkeit allein erkläre das nicht.
Vielmehr liege eine allgemeine Sprachschwäche vor, der wahrscheinlich eine
nicht therapierte Spracherwerbsstörung zugrunde liege. Eine logopädische The-
rapie sei dringend indiziert.
9.2.10. Am 12. Oktober 2016 fand die zweitinstanzliche Anhörung von C._
statt (Prot. II S. 59-61). Die Anhörung fand – auf C._s Wunsch – auf Hoch-
deutsch und nach Rückfrage beim Heim ohne Dolmetscher statt. C._ führte
aus, er spreche englisch, deutsch und spanisch, am besten aber spanisch. Die
Geschwister sprächen untereinander deutsch. Sein Traumberuf sei Metallbau-
praktiker. Gerne würde er nach den Sommerferien 2017 eine entsprechende Leh-
- 53 -
re beginnen. Zur Zeit sei seine Mutter in der Klinik. Manchmal würde er es schön
finden, wenn die Besuche bei der Mutter ohne Begleitung stattfinden könnten,
manchmal aber auch nicht. Er könne sich aber nicht vorstellen, bei der Mutter zu
wohnen. Seine Mutter wolle zurück nach I._. Er selber wisse noch nicht, ob
er dorthin zurückkehren wolle. Seinen Vater würde er gerne öfters sehen und
könnte sich auch vorstellen, bei ihm zu wohnen. An seine Mutter möchte er den
Wunsch richten, in der Schweiz zu bleiben. In der Folge führte er im Gegensatz
zum zuerst Erklärten aus, dass er in der Schweiz bleiben wolle und dass er sich
wünsche, dass das seine Mutter auch tun werde (Prot. II S. 60 f.). Anlässlich der
Anhörung wirkte C._ auf das Gericht gehemmt und deutlich jünger als man
das angesichts seines Alters erwarten würde.
9.2.11. Am 14. November 2016 berichtete die Beiständin der Berufungsinstanz
(Urk. 253), C._ sei ein gesunder Junge, der sich sehr gut fühle. Er entwickle
zusehends mehr Selbstvertrauen, sei in der Klasse gut integriert und pflege Kon-
takte zu Gleichaltrigen. Seine schulischen Leistungen vermöge C._ nicht
richtig einzuschätzen. Am 10. November 2016 habe C._ die "AO._" be-
suchen können, welche "ein Berufsvorbereitungsjahr und ... auch geschützte
Ausbildungs- und Arbeitsplätze" anbiete. Die Institution habe C._ sehr gut
gefallen. Die nächsten Schritte seien nun, dass die Schule eine Einschätzung
mache, ob C._ bereits die Ausbildungsreife erreicht habe und dass C._
bei der IV für die berufliche Integration angemeldet werde. C._ besuche sei-
nen Vater alle zwei Wochen einen ganzen Tag in Zürich, manchmal übernachte
er auch bei ihm. Für C._ stimme das. Mit seinem Vater könne er gut spre-
chen. Er habe den Eindruck, dass es seiner Mutter nach dem Klinikaufenthalt
besser gehe. Zurzeit möchte er aber noch begleitete Besuche, später dann unbe-
gleitete. Für ihn sei klar, dass er im "G._" bleiben wolle und nicht bei der Mut-
ter wohnen möchte. Er könne das aber seiner Mutter nicht sagen, weil er Angst
vor ihrer Reaktion habe. Mit seinem Vater könne er offen über solche Fragen
sprechen. Der Vater werde nicht wütend, wenn er ihm sage, dass er gerne im
Kinderheim bleibe.
- 54 -
9.2.12. Anlässlich einer Besprechung mit einer Delegation der Berufungsinstanz
vom 24. Januar 2017 verwies die Beiständin auf die Abklärungsberichte der Pra-
xisgemeinschaft AK._ (Urk. 299/2) und von Prof. AN._ vom Inselspital
Bern (Urk. 299/3) und hielt dafür, dass sich alle drei Kinder unter der Obhut der
Beklagten nicht altersentsprechend hätten entwickeln können. C._ sei jeden-
falls wegen seiner massiven Entwicklungsrückstände nicht in der Lage, in den
"ersten Arbeitsmarkt" einzusteigen. Mit Hilfe der IV werde C._ jedenfalls sei-
ne berufliche Integration angehen (Urk. 298 S.11). C._ habe sich klar dahin
geäussert, dass er nicht bei der Beklagten wohnen wolle, und er habe grosse
Angst davor, dass er mit der Beklagten nach I._ zurückkehren müsse (Urk.
298 S. 6).
9.2.13. Anlässlich seiner Anhörung vom 27. Februar 2017 führte der Kläger aus,
dass C._ in der Schule in sechs Fächern vom Lernziel befreit sei (Prot. II S.
88).
9.2.14. Anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 27. Februar 2017 führte die
Beiständin aus (vgl. Prot. II S. 95 ff.), dass es C._ nun "relativ gut" gehe. Vor
einem Jahr habe er noch fast kein Wort gesagt; zwischenzeitlich sei er aber auf-
geblüht. Gemäss der Beurteilung von Frau AP._ (G._) sei sein Text-
und Sprachverständnis immer noch sehr eingeschränkt. Frau AP._ habe
auch beobachtet, dass er mit Gleichaltrigen in Konflikt gerate, weil er ihre Sprach-
nachrichten falsch verstehe. Es braucht gemäss der Beiständin sehr viel, dass im
Alter von C._ eine logopädische Therapie noch finanziert wird. Wer im Alter
von C._ keinen grammatikalischen Aufbau gelernt habe, könne dies kaum
noch nachholen. C._ habe aber dennoch in sprachlicher Hinsicht massive
Fortschritte gemacht. Dr. med. AA._, welche bei der Abklärung im AK._
ebenfalls anwesend gewesen sei, habe festgestellt, dass die Spanischkenntnisse
von C._ schlecht seien. Entgegen der Haltung des Klägers sei es nicht die
Schuld von Dr. AA._, dass die Kinder in ihrer Therapie keine Fortschritte
gemacht hätten. Vielmehr sei es an den fehlenden Sprachkenntnissen gelegen.
C._ finde es "komisch", dass die Beklagte nicht mehr in der Schweiz lebe.
C._ habe der Beiständin mitgeteilt, dass er gerne seine Freunde in I._
- 55 -
wiedersehen möchte. Die Beiständin habe sich Gedanken dazu gemacht, wie
man dies organisieren könnte. Für C._ steht aber fest, dass er nicht mehr in
I._ leben möchte. Es sei auch klar, dass eine Ausbildung in Mechatronik für
C._ nicht in Frage komme. Im Berufsvorbereitungsjahr der AO._ absol-
vierten die Jugendlichen ein Praktikum und besuchten daneben die Schule. Bei
der IV sei für C._ ein zweites Mal ein Antrag für eine berufliche Integration –
was nichts mit einer IV-Rente zu tun habe – gestellt worden. Die Antwort stehe
noch aus. C._ werde auch künftig Unterstützung benötigen. C._ werde
zwar einen Coach der IV haben; dennoch dränge sich eine Beistandschaft weiter-
hin auf. Das neue Erwachsenenschutzrecht ermögliche es, einem Beistand sehr
präzise Aufträge zu erteilen. C._ werde das 18. Altersjahr erreichen, wenn er
noch in der AO._ und somit auch noch im "G._" sein werde. Nach Auf-
fassung der Beiständin wird eine allfällige Erwachsenenschutzmassnahme für
C._ im geeigneten Zeitpunkt mit dem Kläger und der KESB besprochen wer-
den müssen. Eventuell sei es auch möglich, für C._ eine Lehrstelle in der
Nähe des Wohnortes des Klägers zu finden, so dass er bei seinem Vater wohnen
könnte.
9.3. Elterliche Sorge. Aus den Akten lässt sich zu den Parteien (vgl. insbeson-
dere oben E. 7 und 8) sowie zu C._ (vgl. oben E. 9.2.) ein so klares Bild ge-
winnen, dass ein Entscheid über die Elternrechten getroffen werden kann.
9.3.1. C._ ist kognitiv klar unterdurchschnittlich begabt. Das ergibt sich aus
allen bei den Akten liegenden Berichten. Dazu kommt, dass er namentlich in
sprachlicher Hinsicht vernachlässigt wurde, so dass ihm heute eine eigentliche
Muttersprache fehlt. Die in der Kindheit erworbenen Defizite lassen sich besten-
falls wohl nur mehr teilweise beseitigen. Dennoch sollte die sprachgebundene
Störung – so gut es eben noch geht – mit therapeutischen Massnahmen behan-
delt werden und es muss dringend für C._ ein Weg gefunden werden, wie er
sich beruflich entwickeln kann. Mit diesen Aufgaben sind beide Eltern – auf sich
allein gestellt – klar überfordert.
9.3.2. Die Beklagte hat sehr gravierende psychische Defizite, die sich auf ihre
Umwelt wesentlich auswirken. Es geht ihr dabei jegliche Krankheitseinsicht ab.
- 56 -
Die paranoide Persönlichkeitsstörung führt dazu, dass sich die Beklagte in ihre
eigene Welt abkapselt und namentlich nicht in der Lage ist, die Bedürfnisse ihrer
Kinder angemessen wahrzunehmen. Die Kinder – namentlich auch C._ –
signalisierten ihr immer wieder, nicht nach I._ zurückkehren zu wollen. Das
scheint die Beklagte nicht einmal zu bemerken, weil sie eben in ihrer eigenen
Welt lebt. Bände spricht auch der Umstand, dass sich aus den gerichtlichen An-
hörungen der Kinder klar ergibt, dass die Kinder froh darum waren, dass die Be-
suchsrechte der Mutter in der letzten Zeit stets begleitet stattfanden. Unter diesen
Umständen kann die Übertragung der elterlichen Sorge auf die Beklagte nicht in
Frage kommen.
9.3.3. Es stellt sich alsdann die Frage, ob beiden Eltern die elterliche Sorge über
C._ gemäss Art. 311 ZGB zu entziehen sei oder ob die alleinige elterliche
Sorge im Sinne von Art. 298 Abs. 1 ZGB dem Kläger zu übertragen sei. Für den
Kläger besteht die Erschwernis, dass er während Jahren von seinen Kindern ge-
trennt war und mit ihnen auch seit Jahren nicht mehr zusammengelebt hat. Dieser
Bruch ist noch längst nicht beseitigt. Der Kläger tut aber sein bestes, auch wenn
es immer wieder zu Ungeschicklichkeiten kommt. Entscheidend ist sodann, dass
der Kläger, wie sich das in der Anhörung C._s klar gezeigt, für C._ ein
sehr wichtiges Vorbild ist. Der Kläger ist für C._ die Vaterfigur, zu der
C._ aufschaut. Unter diesen Umständen kann es verantwortet werden, im
Sinne der Anträge der Beiständin C._s sowie des Klägers dem Kläger die al-
leinige elterliche Sorge über C._ zu übertragen. Das setzt allerdings – durch-
aus im Sinne der erwähnten Anträge – eine Begleitung durch einen Beistand vo-
raus.
9.4. Entziehung des Aufenthaltsbestimmungsrechts bzw. Fremdplatzierung. Die
Beiständin und der Kläger beantragen sodann übereinstimmend eine sog.
Fremdplatzierung C._s. Rechtlich ist das im Sinne von Art. 310 ZGB die Auf-
hebung des Aufenthaltsbestimmungsrechtes des Inhabers der elterlichen Sorge.
Art. 310 Abs. 1 ZGB spricht von der behördlichen Wegnahme des Kindes und
seiner angemessenen Unterbringung durch die Behörde. Die Massnahme drängt
sich auf: C._ beginnt langsam, Wurzeln zu schlagen. Wichtig ist die Kon-
- 57 -
stanz in der Betreuung; Veränderungen sollen behutsam und wohlüberlegt erfol-
gen. Das kann nur durch die Weiterführung der bereits bestehenden Fremdplat-
zierung (einstweilen am gleichen Ort) geschehen. Umzusetzen ist dies aber im
Sinne von Art. 315a Abs. 1 ZGB durch die zuständige KESB. Wegen der Übertra-
gung der alleinigen elterlichen Sorge auf den Kläger ist das die KESB des Bezirks
Dielsdorf (Art. 25 Abs. 1 ZGB; BGE 133 III 305 E. 3.3.4. S. 307).
9.5. Beistandschaft. Im Sinne des Gesagten ist auch eine Beistandschaft ge-
mäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB zu errichten. Die zuständige KESB wird den
Beistand zu ernennen haben, wobei an dieser Stelle darauf hinzuweisen ist, dass
es im Sinne einer Kontinuität wünschenswert wäre, wenn das Mandat der bisheri-
gen Beiständin übertragen werden könnte. Neben der allgemeinen Aufgabe, den
Kläger in der Sorge um das Kind mit Rat und Tat zu unterstützen, ist dem Bei-
stand bzw. der Beiständin namentlich die Aufgabe zu erteilen, die notwendige the-
rapeutische (namentlich logopädische) Betreuung C._s, soweit sinnvoll, si-
cherzustellen. Ferner ist es Aufgabe des Beistandes, die optimale schulische und
berufliche Förderung für C._ sicherzustellen. Schliesslich wird der Beistand
bzw. die Beiständin im Hinblick darauf, dass C._ am tt.mm.2018 volljährig
werden wird (vgl. Art. 14 ZGB), rechtzeitig zu prüfen haben, ob der zuständigen
Behörde geeignete Erwachsenenschutzmassnahmen zu beantragen sein werden.
Gegebenenfalls wird auch die zuständige KESB das Pflichtenheft des Beistandes
erweitern müssen. Umzusetzen ist auch diese Kindesschutzmassnahme durch
die KESB des Bezirks Dielsdorf.
10. D._ (geb. tt.mm.2002)
10.1. Anträge: Die Schlussanträge der Beiständin und Prozessvertreterin
D._s stimmen mit jenen des Klägers überein: Demnach soll D._ unter
die alleinige elterliche Sorge des Klägers gestellt werden, das Aufenthaltsbestim-
mungsrecht des Klägers soll aufgehoben und es soll schliesslich eine Beistand-
schaft errichtet werden (Prot. II S. 97 f., Urk. 340 S. 2). Demgegenüber stellt die
Beklagte den Antrag, dass D._ unter ihre alleinige elterliche Sorge zu stellen,
dass dem Kläger ein Besuchsrecht einzuräumen und dass schliesslich eine Be-
- 58 -
suchsrechtsbeistandschaft zu errichten sei (Urk. 338 S. 2 mit Hinweis auf Urk.
196/188 S. 2).
10.2. Akten: Zu D._ ergibt sich aus den Akten Folgendes:
10.2.1. Im "Kinderschutz-Gutachten" vom 1. Dezember 2014 wird zu D._
ausgeführt, dass "aufgrund der Aussagen ihres professionellen Umfeldes" davon
auszugehen sei, dass bisher D._s körperliche Versorgung (Nahrung und Hy-
giene) und ihre Entwicklung zur Selbstständigkeit nicht adäquat gefördert worden
seien. Der zu beobachtende Entwicklungsrückstand im Vergleich zu den Gleich-
altrigen lasse den Eindruck einer emotionalen Vernachlässigung und einer psy-
chosozialen Deprivation im Kindesalter entstehen. D._ zeige "eine grosse
Verantwortungsübernahme für ihre Brüder und eine damit einhergehende Schwie-
rigkeit, ihre eigenen Bedürfnisse und Emotionen adäquat und kindsgerecht aus-
zudrücken". Dabei lege sie eine "überspielende, angepasste Haltung" an den Tag.
Bei D._ diagnostizierten die Gutachter "eine sog. Anpassungsstörung mit
vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD-10 F43.23)" (Urk. 89
S. 66 und S. 79).
10.2.2. In ihrem Abschlussbericht, umfassend den Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis
zum 29. Juni 2015, beschreibt die Therapeutin Dr. med. AA._ D._ als
ein 13-jähriges hübsches, schlankes, sympathisches, modisch gepflegtes Mäd-
chen" mit durchschnittlicher Intelligenz. Sie wirke spontan, offen und sozial kom-
petent. D._ äussere gern ihre eigene Meinung und könne ihre Emotionen gut
ausdrücken. D._ habe anfangs spanisch gesprochen, und zwar in einfacher
Art entsprechend ihrem Alter. Schon zu Beginn der Therapie habe sie "Parentifi-
zierungstendenzen" gezeigt, indem sie "die Rolle einer kompetenten jüngeren
Mami'" übernommen und aus ihrer Sicht die gesundheitlichen Probleme ihrer Mut-
ter und die schulische Entwicklung ihrer Brüder in I._ geschildert habe. Spä-
ter habe D._ diese Rolle ablegen können. D._ versuche "die Beziehung
zu jedem Elternteil selber zu entscheiden und zu gestalten" (Urk. 158/1 S. 3 und 4
f.).
- 59 -
10.2.3. In der erstinstanzlichen Anhörung vom 11. März 2015 führte D._ aus,
sie glaube, dass ihre Mutter zurück nach I._ gehen wolle. Es sei ihr eben zu
kalt hier; auch wolle sie den Kläger nicht sehen. D._ selber wolle aber in der
Schweiz bleiben. Obwohl der Vater alle 14 Tage zu Besuch komme, wollte sie ihn
damals nicht sehen. Sie wollte allerdings nicht sagen weshalb. Sie könne sich
auch nicht vorstellen, beim Vater und bei Frau AJ._ zu leben (Urk. 117 S. 9).
10.2.4. Bei den Akten liegen ein "Zwischenbericht KOSS" vom Juni 2015
(Urk.145/2) sowie ein Verlaufsbericht KOSS" vom 29. März 2016, verfasst von der
W'._ (W'._ = Stiftung W._" und dazu gehörend "G._"; KOSS =
"Kompetenzorientierung im stationären Setting") betreffend D._ (Urk.
234/81). Im Verlaufsbericht (Urk. 234/81) wird festgehalten, dass D._ mit ih-
rem Bruder E._ eine konfliktbehaftete Beziehung habe. Auf I._ habe
E._ D._ oft geschlagen, ohne dass die Beklagte interveniert hätte (S.
13). D._ komme im Sommer 2016 in die 7. Klasse, wobei ein Schulwechsel
vorgesehen sei (S. 17). D._ wohne gerne im "G._" (S. 18).
10.2.5. Am 12. Mai 2016 erstattete der erste Beistand der drei Kinder, Q._,
einen Bericht über den Zeitraum zwischen Juli 2014 und April 2016 (Urk. 214).
Der Beistand weist dort auf die Defizite, insbesondere auch die sprachlichen Defi-
zite, der drei Kinder hin. Durch das jahrelange Zusammensein mit ihrer psychisch
kranken Mutter seien die Kinder in vielen Bereichen nicht gefördert worden. Zu
D._ hält der frühere Beistand fest, dass sie ein aufgewecktes Mädchen sei.
In der Schule habe sie grosse Mühe und kaum nachzuholende Defizite in ver-
schiedenen Fächern.
10.2.6. In einem ersten Bericht vom 14. Juni 2016 (Urk. 215) beschrieb die neue
Beiständin, F._, D._ sei "eine strahlende vom Grundcharakter her fröhli-
che, aufgeschlossene und sehr kommunikative Teenie". Sie könne "sich recht gut
reflektieren und über ihre Gefühle sprechen". Es sei für sie sehr schwierig zu ver-
stehen, was mit ihrer Mutter "passiert" sei und weshalb sie sich zusehends so
verändert habe. D._ könne nicht verstehen, weshalb ihre Mutter sie in
I._ nicht besser vor ihrem jüngeren Bruder E._ geschützt habe. Sie sei
von ihm oft massiv geschlagen worden und habe sich nicht wehren können. Es
- 60 -
sei für sie sehr schwierig, dass die Beklagte schlecht über ihren Vater und ihre
Tante spreche. Nach der Beurteilung der Beiständin befindet sich D._ in ei-
nem starken Loyalitätskonflikt. Sie sei froh, dass die Besuche der Mutter zur Zeit
begleitet seien. D._ hat der Beiständin berichtet, dass sie in I._ während
etwa eines Jahres nicht zur Schule gegangen sei.
10.2.7. Die zweitinstanzliche Anhörung vom 12. Oktober 2016 fand auf D._s
Ersuchen auf Hochdeutsch statt. D._ führte aus, sie spreche am liebsten
spanisch. Mit ihrer Mutter spreche sie allerdings englisch. Sie besuche nun die 7.
Klasse. In der Schule laufe es gut. Einen Berufswunsch habe sie noch nicht. Sie
wünsche, dass das Besuchsrecht der Mutter nach wie vor begleitet stattfinde. Zur
Zeit sei die Mutter aber in der Klinik. Das zweiwöchentliche Besuchsrecht des Va-
ters sei für sie in Ordnung (Prot. II S. 61-63). D._ hinterliess den Eindruckt
eines freundlichen und selbstbewussten Mädchens, das sich für die Familie ver-
antwortlich fühlt.
10.2.8. Am 14. November 2016 berichtete die Beiständin der Berufungsinstanz
(Urk. 253), dass D._ physisch gesund sei. Psychisch gehe es ihr aber nicht
gut. E._ sei wieder in der Klinik und seither fühle sie sich innerlich leer. Im
Gespräch sei D._ immer den Tränen nahe. Sie wirke sehr labil. D._ be-
suche in M._ die 7. Klasse. Weil sie in I._ immer wieder während länge-
rer Zeit die Schule nicht besucht habe, fehle ihr Schulstoff. D._ arbeite in der
Schule aber sehr motiviert und sorgfältig. Die Lehrer seien sehr zufrieden mit ihr.
Im Klassenverband fühle sie sich unterschiedlich gut. Sie habe auch das Gefühl,
dass die anderen Schüler über sie sprächen. D._ habe wenig Selbstvertrau-
en und müsse noch lernen, wie man Beziehungen zu Gleichaltrigen pflegt.
10.2.9. Am 24. Januar 2017 äusserte sich die Beiständin gegenüber der Beru-
fungsinstanz, dass D._ sehr labil sei und nun in die Pubertät komme. Im Fal-
le einer Obhutszuteilung an den Kläger wäre sie zu oft auf sich alleine gestellt. Sie
brauche ein Nest; für ihre Betreuung seien Leute mit Fachwissen nötig (Urk. 298
S. 5). D._ äussere sich klar dahin, dass sie nicht bei der Beklagten wohnen
möchte (Urk. 298 S. 6).
- 61 -
10.2.10. Anlässlich seiner Anhörung vom 27. Februar 2017 bestätigte der Kläger,
dass D._ im "G._" bleiben möchte, denn sie möchte die Schule am bis-
herigen Ort beenden. Bisher habe sie noch keine Berufswünsche geäussert. Für
D._ sei die schwierige Situation mit E._ eine Belastung. Zur Zeit möchte
sie aber nicht darüber reden. D._ besuche zur Zeit die erste Klasse der Se-
kundarschule und sei in drei Fächern vom Lernziel befreit (Prot. II S. 88 f.).
10.2.11. Anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 27. Februar 2017 bestätigte
die Beiständin und Prozessvertreterin D._s, dass D._ durch die Klinik-
einweisung E._s belastet sei. D._ wäre zu dem von der Klinik angereg-
ten klärenden Gespräch zwischen E._ und ihr bereit, allerdings unter der Be-
dingung, dass E._ auch damit einverstanden sei. In diesem Gespräch sollte
der Konflikt zwischen E._ und D._ geklärt werden. E._ habe
D._ nach einer Auseinandersetzung derart angegriffen, dass sie habe ge-
schützt werden müssen. Zur Zeit sei D._ sehr verschlossen. D._ möchte
nicht über ihre Beziehung zur Beklagten sprechen. Sie habe die Beklagte jeden-
falls auf WhatsApp blockiert (Prot. II S. 94 f.).
10.3. Elterliche Sorge, Obhut. Aus den Akten lässt sich zu den Parteien (vgl. ins-
besondere oben E. 7 und 8) sowie zu D._ (vgl. oben E. 10.2.) ein so klares
Bild gewinnen, dass ein Entscheid über die Elternrechte getroffen werden kann.
10.3.1. Bezüglich D._ ist festzuhalten, dass sie unter der schwierigen Famili-
ensituation leidet. Durch die Familienverhältnisse wurde sie in eine Lage ge-
drängt, in der sie glaubte, für ihre Brüder Verantwortung übernehmen zu müssen.
Die oben vermerkten Feststellungen der psychiatrischen Sachverständigen
(E.10.2.1.) überzeugen und gelten noch heute. Damit steht fest, dass die Betreu-
ung durch die Beklagte zu einer psychosozialen Deprivation geführt hat. Weder
über ihr Verhältnis zur Beklagten noch über jenes zu E._ kann sie offen
sprechen. Auch D._ hat unter der sprachlichen Vernachlässigung während
der Betreuung durch die Beklagte in I._ gelitten. Demgegenüber hat sie sich
im "G._" gut eingelebt, wobei die Probleme ihres Bruders E._ schwer
auf ihr lasten. Wenn sie in der Anhörung durch das Gericht ausführte, sie möchte
nicht bei ihrer Mutter wohnen, ja sie möchte nicht einmal unbegleitete Kontakte zu
- 62 -
ihrer Mutter haben, dann ist das ernst zu nehmen. Sogar die WhatsApp Kontakte
zur Mutter hat sie zur Zeit blockiert (Prot. II S. 95). Demgegenüber führte sie in ih-
rer Anhörung vor der Berufungsinstanz aus, dass sie am liebsten bei ihrem Vater
wohnen würde (Prot. II S. 62). D._ wird in den nächsten Jahren eine deutli-
che Unterstützung nötig haben, damit sie ihren Weg – sei es in schulischer und
beruflicher Hinsicht oder sei es in emotionaler Hinsicht – finden wird. Die Betreu-
ung D._s ist daher eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.
10.3.2. Oben wurde im Zusammenhang mit C._ (E. 9.3.2.) dargelegt, warum
es nicht in Frage kommt, der Beklagten die elterliche Sorge über ihre Kinder zu
übertragen. Das gilt auch für die elterliche Sorge bezüglich D._.
10.3.3. Auch bezüglich D._ ist zu prüfen, ob dem Kläger die alleinige elterli-
che Sorge über D._ übertragen werden kann. Die oben im Zusammenhang
mit C._ beschriebenen Defizite des Klägers spielen auch im Zusammenhang
mit D._ eine Rolle (vgl. oben 9.3.3.). Die Betreuung D._s stellt ange-
sichts der schwierigen familiären Vorgeschichte eine grossen Herausforderung
dar. D._ ist zudem in einem Alter, in dem die Probleme nicht kleiner, sondern
grösser werden. Umgekehrt ist der Kläger zwar kein enger Vertrauter D._s,
wie er in seiner Anhörung selber ausgeführt hat (vgl. dazu Prot. II S. 88), aber der
Kläger wird von D._ klar geschätzt und respektiert (vgl. Prot. II S. 62). Unter
diesen Umständen kann es auch bezüglich D._ verantwortet werden, im Sin-
ne der Anträge der Beiständin D._s sowie des Klägers dem Kläger die allei-
nige elterliche Sorge über D._ zu übertragen. Das setzt allerdings auch be-
züglich D._ – durchaus im Sinne der erwähnten Anträge – eine Begleitung
durch einen Beistand voraus.
10.4. Entziehung des Aufenthaltsbestimmungsrechts bzw. Fremdplatzierung. Die
Beiständin und der Kläger beantragen sodann übereinstimmend eine sog.
Fremdplatzierung D._s. Rechtlich ist das im Sinne von Art. 310 ZGB die Auf-
hebung des Aufenthaltsbestimmungsrechtes des Inhabers der elterlichen Sorge.
Art. 310 Abs. 1 ZGB spricht von der behördlichen Wegnahme des Kindes und
seiner angemessenen Unterbringung durch die Behörde. Die Massnahme drängt
sich auf: Zur Aufnahme D._s in seiner Wohngemeinschaft wäre der Kläger
- 63 -
nicht in der Lage; das sehen auch die Beiständin sowie der Kläger selber so.
Vielmehr würde ein solches Experiment zu grossen Unsicherheiten führen. Auch
D._ braucht Stabilität, was einstweilen nur bei Fortführung der bestehenden
Fremdplatzierung gewährleistet werden kann. Auch in ihrem Fall können Verän-
derungen nur behutsam und wohlüberlegt erfolgen. Und auch in ihrem Fall soll
daher die bereits bestehende Fremdplatzierung (einstweilen am gleichen Ort) wei-
tergeführt werden. Umzusetzen ist dies aber im Sinne von Art. 315a Abs. 1 ZGB
durch die zuständige KESB. Wegen der Übertragung der alleinigen elterlichen
Sorge auf den Kläger ist das die KESB des Bezirks Dielsdorf (vgl. BGE 133 III
305 E. 3.3.4).
10.5. Beistandschaft. Im Sinne des Gesagten ist eine Beistandschaft gemäss
Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB zu errichten. Die zuständige KESB wird den Bei-
stand zu ernennen haben, wobei an dieser Stelle darauf hinzuweisen ist, dass es
im Sinne einer Kontinuität wünschenswert wäre, wenn das Mandat der bisherigen
Beiständin übertragen werden könnte. Neben der allgemeinen Aufgabe, den Klä-
ger in der Sorge um das Kind mit Rat und Tat zu unterstützen, ist dem Beistand
bzw. der Beiständin namentlich die Aufgabe zu erteilen, die notwendige therapeu-
tische Betreuung D._s, soweit sinnvoll, sicherzustellen. Ferner soll es Aufga-
be des Beistandes sein, die optimale schulische und berufliche Förderung für
D._ sicherzustellen. Gegebenenfalls wird auch die zuständige KESB das
Pflichtenheft des Beistandes erweitern müssen. Umzusetzen ist auch diese Kin-
desschutzmassnahme durch die KESB des Bezirks Dielsdorf.
11. E._ (geb. tt.mm.2005)
11.1. Anträge: Die Schlussanträge der Beiständin und Prozessvertreterin
E._s stimmen mit jenen des Klägers überein: Demnach soll beiden Parteien
die elterliche Sorge über E._ entzogen und E._ soll unter Vormund-
schaft gestellt werden (Prot. II S. 97 f., Urk. 340 S. 2). Demgegenüber stellt die
Beklagte den Antrag, dass E._ unter ihre alleinige elterliche Sorge zu stellen,
dass dem Kläger ein Besuchsrecht einzuräumen und dass schliesslich eine Be-
suchsrechtsbeistandschaft zu errichten sei (Urk. 338 S. 2 mit Hinweis auf Urk.
196/188 S. 2).
- 64 -
11.2. Akten: Zu E._ ergibt sich aus den Akten Folgendes:
11.2.1. Im "Kinderschutz-Gutachten" vom 1. Dezember 2014 wird E._ ge-
schildert als (damals) "9-jähriger, aufgeschlossener, interessierter, altersgemäss
entwickelter Junge, welcher über eine gewinnende Ausstrahlung verfügt". Es ge-
be keine Hinweise auf Aufmerksamkeitsschwankungen und damit einhergehen-
den Konzentrationsschwierigkeiten. Die Beklagte sowie E._s Betreuer gäben
aber Hinweise "auf ambivalente, aggressive und impulsive Verhaltensweisen".
E._ verfüge über eine ausgeprägte Beziehungsfähigkeit und über eine hohe
Auffassungsgabe. Seine Gesamtintelligenz sei als mindestens durchschnittlich
einzuschätzen (Urk. 89 S. 55). E._ zeige durch seine Wutausbrüche, dass er
"keine adäquaten Strategien zur Emotionsregulation gelernt hat". Es sei die Diag-
nose "Anpassungsstörung mit vorwiegender Beeinträchtigung von anderen Ge-
fühlen (ICD-10, F43.23)" zu machen. Bei E._ stünden die Gefühle Ärger, Im-
pulsivität und Anspannung im Vordergrund und das belastende Ereignis stelle da-
bei die Entreissung aus seiner gewohnten Umgebung im Mai 2014 dar (S. 67 f.).
11.2.2. Die drei Kinder wurden im Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis zum 29. Juni
2015 von der spanischsprachigen Oberärztin des KJPD Solothurn, Dr. med.
AA._ therapiert. Am 9. September 2015 erstattete Dr. AA._ den Ab-
schlussbericht (Urk. 158/1). Dem Bericht ist bezüglich E._ Folgendes zu ent-
nehmen: Gemäss Rückmeldungen des "G._" und der Schule habe sich
E._ sowohl im Kinderheim als auch in der Schule sozial gut angepasst und
integriert und er habe gute Kollegen. E._ habe in der Zwischenzeit Deutsch
gelernt. Während der letzten Therapiestunden habe er spontan von Spanisch auf
Deutsch und zurück auf Spanisch gewechselt. E._ sei ein (damals) "9-
jähriger, hübscher, gepflegter Bub". Klinisch wirke er durchschnittlich intelligent.
"Anamnestisch" zeige E._ bei Überforderung "ein impulsives, aggressives
Verhalten und emotionale Ausbrüche" (Urk. 158/1 S. 3 und 8).
11.2.3. Bei den Akten liegen ein "Zwischenbericht KOSS" vom Juni 2015
(Urk.145/3) sowie ein Verlaufsbericht KOSS" vom 29. März 2016 (Urk. 234/79),
verfasst von der W'._ (W'._ = Stiftung W._" und dazu gehörend
"G._"; KOSS = "Kompetenzorientierung im stationären Setting") betreffend
- 65 -
E._ (Urk. 234/80). Im Verlaufsbericht (Urk. 234/80) wird festgehalten, dass
E._ eine "geringe Frustrationstoleranz" habe. Seit Beginn der Platzierung
wende E._ immer wieder "physische Gewalt an Mitmenschen" an (S. 12).
E._ habe sehr schnell Schweizerdeutsch gelernt (S. 16).
11.2.4. Gemäss dem "fürsorgerischen Informationsbericht" der Kantonspolizei So-
lothurn vom 13. August 2015 (Urk. 151) wurde die Kantonspolizei Solothurn am
16. Juni 2015 und am 7. August 2015 vom Kinderheim "G._" wegen E._
aufgeboten.
11.2.5. Zum ersten Aufgebot der Polizei kam es am 16. Juni 2015: E._ war
mit einem andern "Mitbewohner" "in einen verbalen Streit" geraten, worauf er
dessen Zimmer verwüstete. Anschliessend schloss er sich in sein eigenes Zim-
mer ein und kletterte auf das Dach der Liegenschaft. Als die alarmierte Polizei
eintraf, war E._ aber bereits wieder im verschlossenen Zimmer. Via Balkon-
türe gelang es der Polizei, das Zimmer zu öffnen. Darauf warf E._ die Nacht-
tischlampe gegen die Polizisten und konnte von ihnen "nur mit Mühe" festgehal-
ten werden. Gegen die Fixierung wehrte sich E._ durch Schreien, Beissen
und Spucken. Nach etwa 30 Minuten beruhigte er sich wieder, so dass er von der
Polizei wieder seinen Betreuern "überlassen" werden konnte (Urk. 151 S. 2).
11.2.6. Am 7. August 2015 wurde die Polizei ein weiteres Mal wegen E._
aufgeboten. Gemäss dem erwähnten Polizeirapport meldete eine Sozialpädago-
gin des Kinderheims "G._", 13.21 Uhr, der Alarmzentrale der Kantonspolizei
Solothurn, dass "ein jugendlicher Bewohner" des Kinderheims "am Durchdrehen"
sei. Bei Eintreffen der Polizeipatrouille um 13.35 Uhr wurde E._ unter lautem
Geschrei von den Sozialpädagogen AQ._ und AD._ "mittels Körperkraft
fixiert". In der Folge löste die Polizeipatrouille die Sozialpädagogen ab und ver-
suchte, E._ "ebenfalls zu fixieren". Da E._ versuchte, die Polizeipatrouil-
le anzuspucken, wurde sein Kopf zusätzlich von AD._ "fixiert". Weil aber
E._ gemäss dem Rapport "keine Gewähr bot, sich zu beruhigen" und noch
immer versuchte, sich zu befreien, "musste dieser" – gemäss Polizeirapport –
"ans Schliesszeug genommen werden". In der Folge wurde das Ambulanzteam
des Kantonsspitals Olten aufgeboten. Auch die Rettungssanitäter konnten
- 66 -
E._ nicht beruhigen, so dass diese den Notfallarzt aufboten, welcher die für-
sorgerische Unterbringung anordnete. Das durch die Nasenöffnung verabreichte
Medikament Dormicum wurde von E._ sofort wieder aus der Nase ge-
schnäuzt. Bei einem zweiten Versuch wurde ihm die Nase zugehalten, so dass
das Medikament nach 10-15 Minuten eine "leichte Wirkung" zeigte. E._ wur-
de dann "mittels Tragetuch" zum Ambulanzfahrzeug getragen und in der Folge
von der Ambulanz in polizeilicher Begleitung in die Kinder- und Jugendpsychiatrie
Solothurn gebracht. Während der Fahrt hat sich E._ "nochmals massiv" be-
ruhigt (Urk. 151 S. 1 f.). E._ musste in der Folge lediglich über das Wochen-
ende in der Klinik verbleiben.
11.2.7. Am 8. September 2015 wurde E._ erneut durch ärztliche Anordnung
in die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik Solothurn eingewiesen. Zugeführt
in die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik wurde er durch Polizei und Ambu-
lanz. Am 11. September 2015 ordnete die KESB Olten-Gösgen die fürsorgerische
Unterbringung E._s an (Urk. 152). Die Hospitalisation dauerte bis zum 25.
September 2015. Anlass zur Eskalation gab ein Streit mit einem andern Heimbe-
wohner. Nach dem Austrittsbericht liegt eine Anpassungsstörung mit längerer de-
pressiver Periode (F43.21) vor, und es ist nach diesem Bericht "von einer Ent-
wicklungsgefährdung des Jungen" auszugehen (Urk. 291/21).
11.2.8. Am 12. Mai 2016 erstattete der erste Beistand der drei Kinder, Q._,
einen Bericht über den Zeitraum zwischen Juli 2014 und April 2016 (Urk. 214). Zu
E._ hält der Bericht fest, er sei sehr aufgeweckt und intelligent. E._ ler-
ne die deutsche Sprache schnell, sei kontaktfreudig und bringe in der Schule
meist gute Leistungen. Während der Berichtsperiode habe er jedoch häufig star-
ke, unkontrollierte Wutanfälle gehabt, bei denen er sich und das Personal gefähr-
det habe. Nach einem notwendigen Polizeieinsatz, bei dem er längere Zeit habe
festgehalten werden müssen, sei ein stationärer Klinikaufenthalt verfügt worden.
Derzeit lebe er wieder im "G._" (Urk. 214 S. 2).
11.2.9. Am 14. Juni 2016 erstattete die neue Beiständin der Kinder der Beru-
fungsinstanz einen Bericht (Urk. 215). Bezüglich E._ hielt die Beiständin fest,
er sei "ein sehr kommunikativer Knabe", der recht gut deutsch spreche. E._
- 67 -
gehe in M._ in die 4. Klasse zu Frau AR._. Zweimal wöchentlich gehe er
ins Fussballtraining. Er habe bereits viele Freunde in M._. Seine massiven
Wutausbrüche schienen nach den damaligen Feststellungen der Beiständin ab-
genommen zu haben. Zur Zeit der Berichterstattung sei E._ auch medika-
mentös behandelt worden, was die Situation "noch mehr" beruhigt habe. Nach der
Einschätzung der Beiständin konnte man nun, wenn E._ wütend war – im
Gegensatz zu früher – mit ihm sprechen, und wenn es gar nicht mehr gehe, ziehe
er sich in sein Zimmer zurück. E._ hatte jedenfalls nach der damaligen Ein-
schätzung der Beiständin im Umgang mit seinen Emotionen Strategien entwickelt.
11.2.10. Eine für den 12. Oktober 2016 geplante Anhörung E._s (vgl. Urk.
231/3) vor der Berufungsinstanz musste verschoben werden. Im "G._" kam
es zu neuen Aggressionsausbrüchen E._s, und E._ wurde ferienhalber
für eine gewisse Zeit bei seinen Grosseltern in Frankreich untergebracht (vgl. Urk.
235; vgl. dazu auch Anhörung D._ Prot. II S. 63 f.). Nach E._s Rückkehr
aus Frankreich konnte die Anhörung am 20. Oktober 2016 stattfinden (Prot. II S.
63-66). Sie fand auf Schweizerdeutsch statt. E._ wurde dabei auf den Um-
stand angesprochen, dass seine Anhörung verschoben werden musste. Er führte
aus, dass er kürzlich Streit mit den anderen Kindern im "G._" gehabt habe.
Er wisse aber nicht mehr aus welchem Grund. Er habe sehr heftig reagiert. Dies
sei nicht zum ersten Mal passiert. Er habe mit seiner Beiständin und auch mit sei-
ner Betreuerin AS._ über diesen Vorfall gesprochen. Sie hätten besprochen,
dass er künftig in solchen Situationen in den Wald gehen und dort laut schreien
oder mit einem Stock gegen einen Baum schlagen solle, um sich abzureagieren.
Nach dem letzten infolge durch seine Wutausbrüche erfolgten Polizeieinsatz sei
er während einer Woche in der KJPK in Solothurn gewesen. Seit seinem Einzug
ins G._ besuche er wöchentlich eine Therapie. Diese Therapie helfe ihm
(Prot. II S. 65).
Im Übrigen führte E._ aus, dass es ihm im "G._" gut gefalle. Er fin-
de es gut, dass die Beklagte ihr Besuchsrecht in Anwesenheit einer Drittperson
ausübe, denn seine Mutter spreche jeweils über Spanien und das möge er nicht.
Unter Tränen berichtete E._, dass seine Mutter zwar nach Spanien zurück-
- 68 -
kehren möchte; er selber wolle aber in der Schweiz leben und nur die Ferien in
Spanien verbringen. Es wäre einfacher für ihn, wenn die Mutter nicht mehr über
Spanien spräche. Er könnte es sich vorstellen, bei der Mutter zu wohnen, aller-
dings nur in der Schweiz. Wenn er einen Wunsch an seine Mutter richten könnte,
dann den, dass sie nicht mehr über Spanien spreche (Prot. II S. 64 f.).
Während E._ zunächst erklärte, dass es für ihn in Ordnung sei, dass
seine Besuche beim Kläger ohne Begleitung stattfänden und dass er sich mit der
Partnerin seines Vaters gut verstehe (Prot. II S. 65), brach er bei den weiteren
Schilderungen seines Verhältnisses zum Kläger in Tränen aus: Er könne sich
noch daran erinnern, dass er von seinem Vater in Spanien geschlagen worden
sei. Alsdann kam E._ auf einen Vorfall aus jüngster Vergangenheit zu spre-
chen und führte aus, dass er das Verhalten seines Vaters als "gemein" empfinde,
denn sein Vater habe ihm am Telefon im Zusammenhang mit einem ihm gemel-
deten Streit mit andern Kindern gesagt, dass er "stinksauer" auf ihn sei. Er wolle
nun seinen Vater nicht mehr sehen; er werde ihn nicht mehr besuchen.
E._ machte auf die Gerichtsdelegation den Eindruck eines eher
schüchternen Jungen, der gut überlegt, was er sagt. Angesichts seiner feingliedri-
gen Art, kann man sich Verhaltensweisen, wie sie sich gemäss den Akten bei
Wutausbrüchen ergeben können, schlicht nicht vorstellen.
11.2.11. Wenige Tage nach E._s Anhörung durch das Gericht, am 29. Okto-
ber 2016, kam es allerdings zu einem weiteren Eklat: Am 7. November 2016
übermittelte die Beiständin der Kinder der Berufungsinstanz eine Mail-
Korrespondenz zwischen ihr und dem "G._" (Urk. 241). Daraus ergibt sich
Folgendes:
- Am 30. (recte: 29.) Oktober 2016 kam es zu einem heftigen  von E._.
- E._ schlug einen Betreuer mit einer Vorhangstange, riss die  IT-Anlagen der Institution heraus, zerschlug Geschirr sowie setzte ein Mikrowellengerät in Brand. In der Folge riss E._ mit dem Fahrrad aus.
- 69 -
- Die herbeigerufene Polizei konnte E._ schliesslich finden und brachte ihn in die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik nach .
- Gegen E._ ist bei der Jugendanwaltschaft Solothurn ein  wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Brandstiftung pendent (vgl. Urk. 291/1-24).
Bestätigt wird der Vorfall durch den Bericht der Beiständin vom 14. Novem-
ber 2016 (Urk. 253). Der Wutausbruch sei auf eine Bagatelle zurückzuführen.
E._ habe einen Betreuer mit einer Vorhangstange geschlagen und grosse
materielle Schäden angerichtet. Gemäss den Erzählungen der beiden Geschwis-
ter soll E._ schon auf I._ (d.h. im Jahre 2014 und früher) immer wieder
Wutausbrüche gehabt haben. Er habe auch die Geschwister und die Mutter ge-
schlagen und in der Wohnung viel zerstört (Urk. 253 S. 1 f.). Die Beiständin führte
dazu aus, es falle auf, dass E._ stark mit der psychischen Verfassung seiner
Mutter mitschwinge. Gehe es der Mutter schlecht, äussere sich dies bei E._
meist mit massiven Emotionsregulationsstörungen, so zum Beispiel als die Mutter
wieder in die psychiatrische Klinik habe eintreten müssen. E._ habe eine un-
sicher-desorganisierte und ambivalente Bindung zu seiner Mutter. Es müsse da-
von ausgegangen werden, dass die Kinder ihre Mutter, wenn sie akut psychotisch
und gleichzeitig ihre einzige Ansprechperson gewesen sei, als sehr unberechen-
bar erlebt hätten. Nach der Einschätzung der Beiständin sind die Gefühle
E._s seiner Mutter gegenüber sehr ambivalent. Einerseits suche er ihre Nä-
he und andererseits bestehe bei ihm eine grosse Angst, abgelehnt zu werden. Es
liege "eine Unberechenbarkeit in der Beziehung" vor (Urk. 253 S. 3). Im Bericht
der Beiständin vom 14. November 2016 (Urk. 253) wird weiter ausgeführt, dass
E._ sich in den letzten Wochen geweigert habe, das Medikament Floxitral
einzunehmen, obschon er keine Nebenwirkungen gehabt habe. Nehme er das
Medikament regelmässig, vermöge er seine Emotionen gut zu regulieren. Nun
habe er wieder massive Emotionsregulationsstörungen (Urk. 253 S. 1).
11.2.12. Unmittelbar nach E._s Einweisung in die Kinder- und Jugendpsy-
chiatrische Klinik Solothurn vom 30. Oktober 2016 (Sonntag) wurde durch ärztli-
chen Entscheid E._s Zurückbehaltung in der Klinik im Sinne von Art. 427
ZGB angeordnet (Urk. 248). Am 31. Oktober 2016 (Montag) erging seitens der
- 70 -
KESB Olten-Gösgen ein Präsidialentscheid (Urk. 249). Die Einweisung in die Kli-
nik wurde von der Kammer im Sinne einer Kindesschutzmassnahme gemäss Art.
314b ZGB durch Beschlüsse vom 6. Dezember 2016 und vom 20. April 2017 be-
stätigt (Urk. 267 und 348). Die fürsorgerische Unterbringung E._s dauert zur
Zeit noch an.
11.2.13. Am 17. November 2016 (Urk. 254) berichtete die Beiständin der Beru-
fungsinstanz, E._ sei sehr gut in der Klinik "angekommen". Man habe den
Eindruck, dass er sich dort wohl fühle. Zurzeit verhalte er sich sehr angepasst,
mache mit in der Gruppe, halte sich an die Regeln und besuche die interne Schu-
le. Die Beiständin erachtet es als wichtig, das E._ vorerst in der Klinik bleibe,
wo er abgeklärt und medikamentös behandelt werde, damit seine Reintegration in
das "G._" möglich werde. Weiter berichtete die Beiständin, dass die Polizei
E._ im Zusammenhang mit dem gegen ihn eingeleiteten Jugendstrafverfah-
ren in der Klinik habe befragen wollen. Das habe zu einem weiteren Wutausbruch
E._s geführt. Er habe so sehr getobt, dass er – auch zur Vermeidung einer
Selbstgefährdung – von sechs bzw. acht Personen habe festgehalten werden
müssen (Urk. 254 bzw. Urk. 273 S. 2).
11.2.14. Am 21. November 2016 erstattete die Kinder- und Jugendpsychiatrische
Klinik einen Bericht. Dort wird auf den von der Beiständin geschilderten Wutaus-
bruch während des Klinikaufenthaltes (vgl. Urk. 254) Bezug genommen (Urk.
261). Die ärztlichen Betreuer hätten dabei erlebt, "dass gewisse Situationen zu
grossen Widerständen auf Seiten von E._ führen, auf welche er mit massiv
oppositionellem Verhalten reagiert". Der erwähnte "aggressive Durchbruch" habe
"Polizeieinsatz und Zwangsmedikation" erforderlich gemacht. Aus den früheren
Hospitalisationen sei bekannt, "dass E._ mit für Aussenstehende nicht nach-
vollziehbar oppositionellem oder aggressivem Verhalten reagieren" könne. Im Üb-
rigen habe sich E._ in der Zeit des Klinikaufenthaltes "als gut führbar ge-
zeigt". Er besuche die Schule und könne sich bei den Gruppenaktivitäten immer
beteiligen. Emotional scheine der Junge "meistens zugänglich und schwingungs-
fähig". Bei bestimmten "Themenkreisen (insb. Kontakt zu Mutter und Bruder)"
werde E._ aber "deutlich niedergestimmt und in sich gekehrt".
- 71 -
11.2.15. Die Beiständin wandte sich am 13. Dezember 2016 schriftlich an die Kli-
nik. Sie formulierte gegenüber der Klinik im Hinblick auf den gemäss Art. 433 ZGB
zu erstellenden Behandlungsplan die Fragen, die aus ihrer Sicht zu prüfen sind
(Urk. 273). Sie wies auch darauf hin, dass die ärztlichen Betreuer in der Klinik
E._ teilweise anders einstuften als die Beiständin. Die Beiständin wies weiter
darauf hin, dass E._ am "Chlausenanlass" wegen eines Konfliktes aus der
Klinik "abgehauen" sei und polizeilich ausgeschrieben werden musste (Urk. 273
S. 2 unten).
11.2.16. Durch "Jugendverfügung Nr. JA.2016.915" vom 6. Februar 2017 wurde
E._ wegen des Vorfalls vom 29. Oktober 2016 der Tätlichkeit und der Sach-
beschädigung für fehlbar erklärt (Urk. 325).
11.2.17. In den der Berufungsinstanz am 12. Januar 2017 zugegangenen Verfah-
rensakten der Jugendanwaltschaft Solothurn betreffend E._ lag der Rapport
Nr. 795954 der Jugendpolizei Solothurn vom 10. November 2016 (Urk. 291/4),
überschrieben mit "Polizeiliche Anhaltung (Art. 215 StPO)". Aus diesem Rapport
ergibt sich Folgendes:
- Am 10. November 2016 kam eine Patrouille der Jugendpolizei Solothurn in die Kinder- und Jugendpsychiatrische Klinik Solothurn, um E._ " auf ein Ermittlungsverfahren" dort "abzuholen".
- Diese Abholung hat die Jugendpolizei gemäss Rapport mit Frau Dr. AT._, Mitarbeiterin der Klinik, abgesprochen.
- Weil E._ nicht mit der Patrouille mitgehen wollte, wurde er von der  "gegen seinen Willen ans Schliesszeug genommen".
- In der Folge wurde E._ "unter heftiger Gegenwehr" zum  Solothurn transportiert.
- Auf dem Regionenposten Solothurn wurde E._ "in den gesicherten Abstellraum verbracht", wo er Sachschaden anrichtete.
- Weil – so der Rapport – E._ "keine Gewähr" dafür bot, "sich ruhig und anständig zu benehmen", wurde er mit dem Gefangenenwagen zurück in die Klinik gebracht.
- Dort wurde E._ gemäss Rapport ins "Iso-Zimmer" gebracht, wo er ca. 30 Minuten randalierte.
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- Eine Zwangsmedikation mittels Spritze soll gemäss Rapport keine Wirkung gezeigt haben, indem E._ weitere 60 Minuten randalierte.
- Dann wurden gemäss Rapport in der Erwachsenenpsychiatrie stärkere Medikamente "organisiert".
- Beim Ansetzen der zweiten Spritze soll sich E._ gemäss Rapport schliesslich bereit erklärt haben, eine Tablette einzunehmen, welche " die erhoffte Wirkung zeigte".
- Das führte dazu, dass die Jugendpolizei gemäss Rapport um 11.45 Uhr "einrücken" konnte.
Die Berufungsinstanz nahm den erwähnten Rapport zum Anlass, vom Vor-
steher des Departementes des Innern des Kantons Solothurn sowie von der
KJPK Solothurn näheren Aufschluss zu verlangen (Urk. 301 und 302). In der Fol-
ge nahmen sowohl die Klinik als auch das Departement des Innern des Kantons
Solothurn zum beschriebenen Vorfall am 13. bzw. am 22. Februar 2017 Stellung
(Urk. 317, 320, 321/1). Seitens der Berufungsinstanz wurde hierauf der Klinik und
dem Departementsvorsteher mitgeteilt, dass zwischen den Berichten der Klinik
einerseits und der Kantonspolizei Solothurn anderseits (Urk. 317 und 321/1) ekla-
tante Widersprüche bestünden, die aber im Hinblick auf das vorliegende Verfah-
ren nicht ausgeräumt werden müssten.
11.2.18. Bei den Akten liegt sodann die "Kinderpsychiatrische Beurteilung" von
E._ durch die KJPK Solothurn vom 17. März 2017 (Urk. 335). Dieser Bericht
war im Hinblick auf die Bestätigung der Klinikeinweisung gemäss Beschluss vom
20. April 2017 zu erstatten (Urk. 335). Auch hier hält die Klinik fest, dass sich
E._ "im Allgemeinen als gut führbar gezeigt" habe. In einzelnen Fällen sei es
immer wieder zu "heftigen impulsiven Ausbrüchen" gekommen. Während der
Hospitalisation sei "dreimal eine Intervention mit Beizug der Polizei notwendig"
geworden. E._ sei in seiner Fähigkeit, sich selber und seine Emotionen zu
spüren und wahrzunehmen deutlich eingeschränkt. Er neige zu unkontrollierba-
rem Verhalten. E._ halte an seiner Loyalität zu seiner Mutter fest, wobei un-
klar sei, ob er dies aus Verantwortungsgefühl tue oder auf Grund einer kindlichen
Idealisierung. Diese Loyalität verhindere die Beziehungsaufnahme zum Vater.
Durch Erklärungen über die Erkrankung der Mutter werde versucht, ihm zu er-
- 73 -
möglichen, seine Beziehung zur Mutter besser zu verstehen und einzuordnen. Die
Beziehungsgestaltung zu seinen Familienangehörigen (Mutter, Vater, Geschwis-
ter) sei wegen der schwierigen ungelösten Konflikte "eine äusserst schwierige
Aufgabe". Nach der Beurteilung der Klinik muss durch längerdauernde Psycho-
therapie der Entwicklung einer paranoiden oder dissozialen Persönlichkeitsstö-
rung oder einer andern schweren psychischen Erkrankung entgegengewirkt wer-
den.
11.3. Elterliche Sorge, Obhut. Aus den Akten lässt sich zu den Parteien (vgl. ins-
besondere oben E. 7 und 8) sowie zu E._ (vgl. oben E. 11.2.) ein so klares
Bild gewinnen, dass ein Entscheid über die Elternrechte getroffen werden kann.
11.3.1. Von allen drei Kindern der Parteien stellt E._ die höchsten Anforde-
rungen an sein Umfeld und an seine Betreuer. Die oben aus den Akten geschil-
derten Vorgänge können ohne weiteres als erstellt angesehen werden. Demnach
steht fest, dass E._ im psychiatrischen Sinne an einer Anpassungsstörung
leidet. E._ ist ein interessierter, kommunikativer Knabe, der zumindest über
eine durchschnittliche Intelligenz verfügt. Unter diesem Gesichtspunkt könnte er
einige Ziele erreichen, wenn er denn wollte. Immer wieder bricht der feingliedrige
Knabe aber wegen geringfügiger Anlässe in Wutanfälle aus, die ihm jeweils eine
solche Kraft geben, dass er regelmässig in der Lage ist, mit einer unglaublichen
Zerstörungswut, die sich durchaus auch gegen Menschen richten kann, auf sein
Umfeld geradezu desaströs zu wirken. Seine Ausbrüche bringen auch Fachleute
an das Ende ihres Lateins. E._s Wutausbrüche haben im Jahre 2015 zu drei
und im Jahre 2016 zu einer fürsorgerischen Unterbringung geführt, wobei letztere
mit Beschlüssen der Kammer vom 6. Dezember 2016 und vom 20. April 2017
(Urk. 267 und Urk. 348) bis auf weiteres bestätigt wurde und noch bis auf weiteres
andauert.
11.3.2. Oben wurde im Zusammenhang mit C._ (E. 9.3.2.) dargelegt, warum
es nicht in Frage kommt, der Beklagten die elterliche Sorge über ihre Kinder zu
übertragen. Das gilt erst recht auch für die elterliche Sorge bezüglich E._,
und zwar noch in erhöhtem Masse. Bei E._ besteht nach der Kinderpsychiat-
rischen Beurteilung der KJPK Solothurn vom 17. März 2017 die grosse Gefahr,
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dass ohne fachärztliche Begleitung es zu einer paranoiden Persönlichkeitsstörung
oder zu einer anderen schweren psychischen Krankheit kommen könnte (Urk.
335). Von der Beklagten, der nach dem oben Gesagten jegliche Einsicht in ihre
eigene Krankheit abgeht, kann nicht erwartet werden, dass sie das Nötige vor-
kehrt, damit bei E._ das Auftreten einer ähnlichen Krankheit wie bei ihr sel-
ber verhindert wird. Die Übertragung der elterlichen Sorge auf die Beklagte muss
daher ausserhalb jeder Diskussion stehen.
11.3.3. Es stellt sich die weitere Frage, ob auch im Falle von E._ dem Kläger
die alleinige elterliche Sorge gemäss Art. 298 Abs. 1 ZGB zu übertragen ist. So-
wohl E._s Beiständin und Prozessvertreterin als auch der Kläger selber stel-
len übereinstimmend Antrag auf Anordnung der weitestgehenden Kindesschutz-
massnahme, nämlich auf Entziehung der elterlichen Sorge im Sinne von Art. 311
ZGB. Der Antrag ist klarerweise ausgewiesen: Der Kläger wäre mit der Wahr-
nehmung der elterlichen Sorge gegenüber E._ restlos überfordert, zumal
E._ seinen Vater seit ca. einem halben Jahr konsequent zurückweist.
E._s Verhalten macht selbst Fachleute ratlos. Es bleibt unter diesen Um-
ständen nichts anderes übrig, als die beschriebene Kindesschutzmassnahme an-
zuordnen. Mit der Umsetzung dieser Kindesschutzmassnahme wird auch die zu-
ständige KESB zu betrauen sein; es ist dies in E._s Fall die KESB Olten-
Gösgen, weil dem Kläger die elterliche Sorge über E._ nicht zusteht und
E._ im Sinne von Art. 25 Abs. 1 ZGB noch immer seinen gesetzlichen Woh-
nort in M._ SO hat, wo das "G._" sich befindet. Gemäss Art. 311 Abs. 2
und Art. 327a ZGB wird die zuständige KESB für E._ einen Vormund zu er-
nennen haben.
12. Persönlicher Verkehr zwischen den Kindern und den Eltern
12.1. Der Kläger stellt mit seinem Schlussantrag keinen Antrag auf Regelung
des persönlichen Umgangs der Eltern mit den Kindern (Urk. 340 S. 2). Dagegen
stellt die Beklagte den Antrag, es sei dem Kläger ein angemessenes Besuchs-
recht unter Anordnung einer Besuchsrechtsbeistandschaft einzuräumen (Urk. 338
S. 2 mit Hinweis auf Urk. 196/188 S. 2).
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12.2. Auf Grund von zu treffenden Kindesschutzmassnahmen ist beiden Parteien
im Sinne von Art. 310 bzw. Art. 311 ZGB die Obhut bzw. die elterliche Sorge über
ihre drei Kinder zu entziehen. Damit ist in diesem Eheprozess auch nicht der per-
sönliche Verkehr, der den Eltern mit ihren Kindern zusteht, zu regeln. Vielmehr
wird dies Sache der zuständigen KESB sein, der gemäss Art. 315a Abs. 1 ZGB
der Vollzug der betreffenden Kindesschutzmassnahmen zu übertragen sein wird.
13. Kinderunterhaltsbeiträge; Kinderrenten gemäss IVG
13.1. Mit seinem Schlussantrag verlangt der Kläger, es sei festzustellen, dass
der Kläger gegenüber seinen Kindern unterhaltspflichtig sei, indessen sei auf eine
betragsmässige Festlegung des Kinderunterhalts zu verzichten. Eventuell sei er
zu verpflichten, für den Sohn E._ monatliche Kinderunterhaltsbeiträge von
Fr. 500.00 zu leisten (Urk. 340 S. 2). Demgegenüber verlangt die Beklagte, es
seien ihr für jedes der drei Kinder monatliche Unterhaltsbeiträge von Fr. 780.00
zuzusprechen.
13.2. Der Anspruch auf Unterhaltsbeiträge steht gemäss Art. 289 Abs. 1 ZGB
dem Kind zu und ist bei minderjährigen Kindern an den Inhaber der Obhut zu leis-
ten. Wird das Aufenthaltsbestimmungsrecht aufgehoben, entfällt indessen die el-
terliche Obhut. Wenn die Eltern im Scheidungsprozess Unterhaltsbeiträge für die
Kinder geltend machen, so tun sie das als Prozessstandschafter. Gläubiger des
Unterhaltsanspruchs bleibt aber das Kind (BGE 142 III 78 E. 3.2). Machen Eltern
als Inhaber der Obhut für das Kind Unterhaltsbeiträge geltend, prozessieren sie
als sog. Prozessstandschafter zwar in eigenem Namen, aber auf fremde Rech-
nung. Im vorliegenden Fall steht den Parteien keine Obhut über ihre Kinder zu,
weshalb eine Prozessstandschaft von vornherein entfällt (vgl. BGE 142 III 78 E.
3.2 und E. 3.3). Für Anordnungen gemäss Dispositiv-Ziff. 6 und 7 des vorinstanz-
lichen Urteils bzw. im Sinne der erwähnten Anträge der Parteien besteht daher
von vornherein keine Grundlage.
13.3. Im vorliegenden Fall bezahlt das Gemeinwesen für die Unterbringung der
drei Kinder, und zwar monatlich je Fr. 9'100.00 für den Heimaufenthalt (abzüglich
Fr. 600.00 Unterhaltsbeitrag des Klägers und IV-Renten der Beklagten; vgl. Urk.
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299/4-6). Kraft Legalzession gemäss Art. 289 Abs. 2 ZGB steht dieser Anspruch
dem Gemeinwesen zu (vgl. BSK-BREITSCHMID, Art. 310 ZGB N 16). Da keines der
Kinder in der Obhut einer der Parteien sein wird, ist es Sache der Kinder (bzw. ih-
res gesetzlichen Vertreters) bzw. des Gemeinwesen gegebenenfalls auf dem Kla-
geweg gegen die Eltern vorzugehen. Unter diesen Umständen entfällt in dieser
Hinsicht ohne weiteres das Interesse der Parteien an der Prozessführung (Art. 59
Abs. 2 lit. a ZPO). Auf die die Kinderhaltsunterhaltsbeiträge betreffenden Anträge
der Parteien ist daher nicht einzutreten. Die entsprechenden vorinstanzlichen An-
ordnungen fallen damit dahin.
13.4. Der Kläger verlangt sodann mit seinem Schlussantrag, dass die Beklagte
zu verpflichten sei, die Kinderrenten der Sozialversicherungen für C._ und
D._ dem Kläger und jene für E._ dem Vormund zu überweisen. Da die
Beklagte eine IV-Rente bezieht, stehen ihr gemäss Art. 35 IVG auch Kinderrenten
zu. Auch in dieser Hinsicht kann der Kläger, da ihm die Obhut bzw. die elterliche
Sorge über seine drei Kinder zu entziehen ist, nicht die Funktion eines Prozess-
standschafters einnehmen. Auch auf diese Anträge des Klägers ist daher nicht
einzutreten.
14. Nachehelicher Unterhalt
Die Beklagte verlangt, dass der Kläger zu verpflichten sei, ihr einen monatli-
chen Unterhaltsbeitrag gemäss Art. 125 ZGB von Fr. 500.00 zu bezahlen, und
zwar "bis zum vollendeten 16. Lebensjahr von E._", d.h. bis und mit
mm.2021 (Urk. 338 S. 2 mit Hinweis auf Urk. 196/188 S. 2). Die Beklagte begrün-
det diesen Anspruch einzig mit ihrer Verpflichtung, die Kinder zu betreuen (vgl.
Urk. 196/188 S. 11 ff.). Da nach dem Gesagten beiden Parteien im Sinne von
Kindesschutzmassnahmen die Obhut bzw. die elterliche Sorge über ihre drei Kin-
der zu entziehen ist, ist der Antrag ohne weiteres abzuweisen. Dispositiv-Ziff. 11
des angefochtenen Urteils ist daher zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
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15. Erziehungsgutschriften gemäss AHVG
15.1. Mit Dispositiv-Ziff. 4 des angefochtenen Urteils bestimmte die Vorinstanz,
dass "die Erziehungsgutschriften für die Berechnung der AHV/IV-Renten ... bis
zur Rechtskraft des Scheidungsurteils der Beklagten und ab Rechtskraft desglei-
chen dem Kläger" anzurechnen seien. Die Beklagte verlangt demgegenüber, mit
Antrag Ziff. 9 der Zweitberufung, dass auch nach dem Eintritt der Rechtskraft des
Scheidungsurteils die Erziehungsgutschriften ihr und nicht dem Kläger zuzuspre-
chen seien (Urk. 338 S. 2 mit Hinweis auf Urk. 196/188 S. 2). Demgegenüber
stellt der Kläger den Antrag, es seien die Erziehungsgutschriften gemäss AHVG
der Beklagten "bis zum Eintritt der Rechtskraft der Scheidung" zuzuweisen (Urk.
340 S. 2).
15.2. Den Versicherten gemäss AHVG steht gemäss Art. 29sexies Abs. 1 AHVG
eine Erziehungsgutschrift für diejenige Jahre zu, in welchen ihnen die elterliche
Sorge für eines oder mehrere Kinder zusteht. In Art. 29sexies Abs. 1 lit. a AHVG
wird sodann bestimmt, dass durch die Verordnung geregelt werde, wie die Erzie-
hungsgutschriften anzurechnen sind, wenn die Eltern zwar Kinder unter ihrer Ob-
hut haben, ohne dass ihnen die elterliche Sorge zusteht. Das Gesetz stellt einzig
auf das formelle zivilrechtliche Erfordernis der elterlichen Sorge ab (KIESER, Al-
ters- und Hinterlassenenversicherung, 3. A., N 8 zu Art. 29sexies AHVG mit Hinweis
auf BGE 130 V 241 E. 3.2).
15.3. Gemäss Art. 52fbis AHVV hat das Gericht dann, wenn es die gemeinsame
elterliche Sorge, die Obhut oder die Betreuungsanteile geschiedener Eltern regelt,
gleichzeitig auch die Anrechnung der Erziehungsgutschriften zu regeln. Diese
Regelung gilt für die Zukunft ab Rechtskraft des Scheidungsurteils. Im vorliegen-
den Falle regelt das Gericht indessen weder die gemeinsame Sorge der Parteien
noch die den Parteien zustehende Obhut noch die Betreuungsanteile der Partei-
en. Damit entfällt die Kompetenz des Gerichts, die Anrechnung der Erziehungs-
gutschriften gemäss AHVG und im Sinne der genannten Verordnungsbestimmung
zu regeln. Auf die entsprechenden Anträge der Parteien ist nicht einzutreten.
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16. Kosten- und Entschädigungsfolgen; Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsbeistände
16.1. Im vorliegenden Berufungsverfahren ging es ausschliesslich um die Kin-
derbelange. Die Parteien prozessierten in guten Treuen um die Belange ihrer
Kinder. In Anwendung von Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO sind ihnen daher die Ge-
richtskosten je zur Hälfte aufzuerlegen, und die Parteientschädigungen sind wett-
zuschlagen. So hat die Vorinstanz bereits für das erstinstanzliche Verfahren ent-
schieden; ihr vor Obergericht unangefochten gebliebener Kostenspruch ist daher
ohne weiteres zu bestätigen (Dispositiv-Ziff. 14 Abs. 1, 15, 16). Die Kosten für die
Vertretung der Kinder gemäss Art. 299 und 300 ZPO gehören gemäss Art. 95
Abs. 2 lit. e ZPO zu den Gerichtskosten. Bei der Bemessung der Entscheidgebühr
ist dem grossen Verfahrensaufwand angemessen Rechnung zu tragen.
16.2. Da die Parteientschädigungen des Berufungsverfahrens wettzuschlagen
sind, hat die Berufungsinstanz den beiden unentgeltlichen Rechtsvertretern ge-
mäss Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO für das Berufungsverfahren eine angemessene
Entschädigung zuzusprechen. Die Festsetzung der Entschädigung für das erstin-
stanzliche Verfahren ist allerdings nicht Sache der Berufungsinstanz. Die von den
unentgeltlichen Rechtsbeiständen – unter Berücksichtigung der Mehrwertsteuer –
geltend gemachten Entschädigungen von Fr. 12'131.75 (Rechtsanwalt lic. iur.
X._; Urk. 342) bzw. Fr. 12'261.80 (Rechtsanwalt Dr. Y._; Urk 346) er-
scheinen als angemessen. Sie sind zuzusprechen. Der Rückgriff auf die Parteien
ist im Sinne von Art. 123 ZPO aber vorzubehalten.
17. Eröffnung des heutigen Entscheides
17.1. Gemäss Art. 301 lit. b ZPO ist dieser Entscheid auch C._ und
D._ persönlich zu eröffnen. Da E._ weniger als 14 Jahre alt ist, ist ihm
der Entscheid in geeigneter Form durch die Beiständin zu eröffnen. Es wird aber
auch Sache der Beiständin sein, den heutigen Entscheid C._ und D._
zu erklären.
17.2. Da mit dem heutigen Entscheid in erster Linie Gestaltungsrechte geregelt
werden, wird eine allfällige Beschwerde an das Bundesgericht gemäss Art. 103
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Abs. 2 lit. a BGG aufschiebende Wirkung haben. Gemäss dem heutigen Urteil
wird die KESB des Bezirks Dielsdorf sich um die Belange von C._ und
D._ zu kümmern haben, während sich die KESB Olten-Gösgen um die Be-
lange von E._ zu kümmern haben wird. Damit die geeigneten Massnahmen
vorbereitet werden können, ist der heutige Entscheid den beiden erwähnten
KESB schon vor Eintritt der Rechtskraft zuzustellen.