Decision ID: fdaab3af-1a58-4743-949a-e4be0f2a8b01
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Roland Hochreutener, St. Leonhard-Strasse 20,
Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Ergänzungsleistung zur AHV
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 27. Januar 2012 (EL-act. 16) zum Bezug von
Ergänzungsleistungen zu seiner Rente der Alters- und Hinterlassenenversicherung an.
Er gab im Anmeldeformular an, im Jahr 2009 eine Kapitalleistung von 350’000 Franken
aus der beruflichen Vorsorge erhalten zu haben. Weiter führte er aus (EL-act. 17), die
Hälfte davon habe er seiner Ehefrau gegeben, die sich von ihm getrennt habe. Vom
Restbetrag habe er seinen Lebensunterhalt bestritten. „Eine grosse Summe“ habe er
„in den USA verspielt“. Gemäss einem Zinsausweis (EL-act. 18–1) hatte der Saldo des
Bankkontos Ende 2011 noch 8’361,90 Franken betragen. Gemäss einem Auszug aus
dem Journal (EL-act. 18–2) hatte der Versicherte seiner Ehefrau am 9. Februar 2010
einen Betrag von 151’000 Franken überwiesen.
A.b Die zuständige Sachbearbeiterin notierte am 22. Februar 2012 (EL-act. 11), von
der Kapitalzahlung von 350’000 Franken seien die Zahlung an die Ehefrau (151’000
Franken), der Restbestand des Vermögens (8’361,90 Franken) und ein Betrag von
30’000 Franken („2009–2011“) in Abzug zu bringen. Der Restbetrag von 160’638,10
Franken sei als Vermögensverzicht zu qualifizieren. Mit einer Verfügung vom
22. Februar 2012 (EL-act. 12) sprach die EL-Durchführungsstelle dem Versicherten mit
Wirkung ab dem 1. Januar 2012 eine Ergänzungsleistung von 369 Franken pro Monat
zu. Als Ausgaben anerkannte sie eine Pauschale für die obligatorische
Krankenpflegeversicherung (4’428 Franken), einen Anteil am Mietzins (13’200 Franken)
und eine Pauschale für den Lebensbedarf (19’050 Franken). Als Einnahmen rechnete
sie nebst der Rente der AHV (22’500 Franken) und Erträgen aus Sparguthaben (28
Franken) einen Vermögensverzehr von 11’149 Franken (ausgehend von einem
Sparguthaben von 8’361 Franken und einem Vermögensverzicht von 140’638 Franken)
und einen fiktiven Ertrag aus dem Verzichtsvermögen von 562 Franken an.
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A.c Gegen diese Verfügung liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte am 9. März
2012 (EL-act. 8) eine Einsprache erheben. Am 30. April 2012 (EL-act. 6) liess er seine
Einsprache ergänzen. Er liess die Zusprache einer Ergänzungsleistung von 1’132
Franken pro Monat und eventualiter die Rückweisung der Angelegenheit zur Ermittlung
des exakten Umfangs des geltend gemachten Vermögensverzichtes beantragen und
zur Begründung im Wesentlichen ausführen, aufgrund der besonderen Umstände sei
von der Anrechnung eines Vermögensverzichtes abzusehen. Die Trennung von seiner
Ehefrau habe ihn in eine psychische Krise gestürzt, was dazu geführt habe, dass er
während etwa sechs Monaten jegliche rationale Kontrolle über sein Handeln verloren
und eine eigentliche Spielsucht entwickelt habe. Unter diesen Umständen könne nicht
von einer freiwilligen Vermögensverzichtshandlung ausgegangen werden. Seiner
Einspracheergänzung legte er eine Stellungnahme des Psychiaters B._ vom 26. März
2012 bei. Dieser hatte ausgeführt, der Versicherte habe schon in früheren Jahren
immer wieder an depressiven Verstimmungen gelitten, welche mit Psychopharmaka
hätten behandelt werden müssen. Im Zusammenhang mit der Trennung von der
Ehefrau habe er den Versicherten im Jahr 2010 nochmals gesehen. Danach habe der
Versicherte ihn erst am 22. März 2012 wieder aufgesucht. Er habe ihm seine schwierige
Situation geschildert und glaubhaft geschildert, dass er suchtartig in das Spielen im
Casino Konstanz hineingeraten sei. Es sei dem Versicherten unerklärlich, wie das habe
geschehen können, da er früher nie die Tendenz zum Spielen gehabt habe. Allerdings
habe er sich in einer psychisch labilen Situation befunden und auch vermehrt Alkohol
getrunken. Im Dezember 2011 sei er dann wie erwacht und habe gemerkt, was er
angerichtet habe. Diese Schilderungen erschienen Dr. B._ als glaubwürdig. Seiner
Ansicht nach war nicht von einer freien Willensverfügbarkeit auszugehen. Der
Rechtsvertreter des Versicherten führte weiter aus, dass nicht nachvollziehbar sei, wie
der Betrag des Vermögensverzichtes ermittelt worden sei. Insbesondere erscheine der
Pauschalbetrag für den alltäglichen Bedarf von 10’000 Franken pro Jahr als deutlich zu
tief, zumal der Versicherte nur über seine AHV-Rente verfügt habe. Eventualiter sei der
exakte Betrag daher mittels weiterer Abklärungen zu ermitteln.
A.d Am 25. Mai 2012 notierte die zuständige Sachbearbeiterin (EL-act. 3), es sei zu
Recht ein Vermögensverzicht angerechnet worden. Die geltend gemachten Umstände
rechtfertigten es nicht, von einer Anrechnung eines Vermögensverzichtes abzusehen.
Allerdings sei die Höhe des Verzichtsvermögens falsch ermittelt worden. Der
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Versicherte habe vor der Kapitalauszahlung über keinerlei Vermögen verfügt. Ihm sei
insgesamt ein Betrag von 360’039 Franken ausgerichtet worden. Gemäss der
Steuerveranlagungsverfügung für das Jahr 2009 habe er am 31. Dezember 2009 noch
über ein Vermögen von 326’161 Franken verfügt. Davon habe er am 9. Februar 2010
einen Teilbetrag von 151’000 Franken an seine Ehefrau überwiesen. Am 31. Dezember
2010 habe er gemäss der Steuerveranlagungsverfügung für das Jahr 2010 noch über
ein Restvermögen von 137’581 Franken verfügt. Am 31. Dezember 2011 habe der
Saldo seines Kontos noch 8’361,90 Franken betragen. Im Jahr 2010 habe er also einen
Betrag von 29’706,90 Franken verbraucht. Davon könne ein Anteil von 16’608 Franken
als angemessen qualifiziert werden. Der Restbetrag von 13’098,90 Franken sei als
Verzicht zu qualifizieren. Im Jahr 2011 habe der Versicherte einen Betrag von
129’219,10 Franken verbraucht. Davon könne ein Anteil von 17’202 Franken als
angemessen qualifiziert werden. Der darüber hinausgehende Verbrauch von
112’017,10 Franken sei als Verzicht zu qualifizieren. Der gesamte Vermögensverzicht
von 125’116 Franken sei per 1. Januar 2012 um 10’000 Franken zu reduzieren. Auf
dem resultierenden Verzichtsvermögen von 115’116 Franken sei ein fiktiver Ertrag von
0,7 Prozent bzw. 805 Franken anzurechnen. Am 29. Juni 2012 (EL-act. 2) forderte die
EL-Durchführungsstelle den Versicherten auf, detaillierte Auszüge seiner Bankkonti für
die Zeit vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2012 einzureichen. Am 10. August
2012 (EL-act. 5) reichte der Versicherte die verlangten Unterlagen ein.
A.e Am 24. August 2012 (act. G 1.1) wies die EL-Durchführungsstelle die Einsprache
ab. Zur Begründung führte sie aus, die Bankauszüge würden nebst der bekannten
Überweisung an die Ehefrau und der periodischen Zahlungs- und Daueraufträge für die
Miete und die Steuern eine einmalige Überweisung von 100’000 Franken per 1. Juni
2010 und durchschnittlich alle zwei bis drei Tage erfolgte Abbuchungen in der
Grössenordnung von 100–400 Franken (am häufigsten: 150 Franken) ausweisen.
Gemäss den Angaben des Versicherten sei davon auszugehen, dass er einen
wesentlichen Teil des abgehobenen Geldes für Glücksspiele ausgegeben habe.
Ergänzungsleistungsrechtlich sei nicht entscheidend, ob er sich des Umstandes
bewusst gewesen sei, eine Verzichtshandlung zu begehen. Wesentlich sei, ob er sich
der Verminderung seines Vermögens bewusst gewesen sei und dies gewollt habe.
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes liege ein Vermögensverzicht vor, wenn
eine versicherte Person freiwillig Geld ausgebe, ohne eine adäquate Gegenleistung
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dafür zu erhalten, was bei Glücksspielen schon deshalb der Fall sei, weil dem
Glücksspiel definitionsgemäss jede ökonomische Gegenständlichkeit abgehe. Trotz der
Angaben des Versicherten und seines Psychiaters könne nicht von einer
Urteilsunfähigkeit in der fraglichen Periode ausgegangen werden. Insgesamt sei
deshalb von einem Vermögensverzicht im Sinne des Ergänzungsleistungsrechts
auszugehen. Um die Kosten zur Bestreitung des Lebensunterhaltes in den Jahren 2010
und 2011 zu bestimmen, sei für beide Jahre je eine Verbrauchsrechnung erstellt
worden, bei der die jährliche AHV-Rente den Kosten für die Miete, den Pauschalbetrag
für den allgemeinen Lebensbedarf und der kantonalen Durchschnittsprämie für die
obligatorische Krankenpflegeversicherung gegenübergestellt worden sei. Das
resultierende Manko von 16’608 Franken (2010) bzw. 17’202 Franken (2011) sei als
Vermögensverbrauch anerkannt worden. Unter Berücksichtigung der Kapitalzahlung an
die Ehefrau und des tatsächlichen Vermögensverbrauches resultiere für das Jahr 2010
ein als Verzicht zu qualifizierender Verbrauch von 121’255 Franken. Dieser Betrag sei
um einen fiktiven Vermögensverzehr von 10’000 Franken zu reduzieren. Für das Jahr
2011 sei anhand einer analogen Berechnung von einem Verzicht von 11’734 Franken
auszugehen. Das Verzichtsvermögen belaufe sich demnach total auf 122’989 Franken.
Zu berücksichtigen sei zudem ein fiktiver Vermögensertrag von 0,4 Prozent bzw. 491
Franken. Im Vergleich zur Berechnung gemäss der angefochtenen Verfügung resultiere
ein leicht höherer Ausgabenüberschuss von 4’302 Franken. Trotzdem ändere sich am
Ergebnis nichts, weil die Minimalgarantie bei 4’428 Franken liege.
B.
B.a Am 26. September 2012 (act. G 1) liess der Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 24. August
2012 erheben. Er liess die Zusprache einer Ergänzungsleistung von 1’132 Franken pro
Monat bzw. eventualiter einer solchen von 559 Franken pro Monat und subeventualiter
die Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung des
exakten Umfanges des geltend gemachten Vermögensverzichtes beantragen. Zur
Begründung liess er im Wesentlichen ausführen, aufgrund der besonderen Umstände
liege keine Verzichtshandlung im Sinne des Ergänzungsleistungsrechts vor. Falls diese
Auffassung nicht geteilt werde, sei zu berücksichtigen, dass das Vorgehen der
Beschwerdegegnerin, gewissermassen eine „EL-Berechnung“ für die Jahre 2010 und
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2011 vorzunehmen, um zu ermitteln, in welchem Umfang ein Vermögensverzicht
vorliege, unzulässig sei. Es bestehe nämlich gemäss der Rechtsprechung ein Anspruch
auf einen über das Existenzminimum hinausgehenden Aufwand im Rahmen eines
entsprechenden Lebensstils. Der Beschwerdeführer habe lediglich den in den
Bankauszügen auftauchenden Betrag von 100’000 Franken für Glücksspiele
verwendet.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. Oktober 2012 unter Hinweis auf

die Erwägungen des angefochtenen Einspracheentscheides die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4).
B.c Am 11. Januar 2013 wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung bewilligt (act. G 10).
Erwägungen:
1.
1.1 Dem Beschwerdeführer ist im Jahr 2009 das Altersguthaben der beruflichen Vor
sorge ausbezahlt worden. Der Saldo seines Bankkontos hat am 31. Dezember 2009
noch 326’161 Franken betragen. Im Rahmen der Anmeldung zum Bezug von
Ergänzungsleistungen hat der Beschwerdeführer behauptet, ihm hätte am
31. Dezember 2011 lediglich noch ein Betrag von 8’361,90 Franken zur Verfügung
gestanden. Er habe seiner Ehefrau, von der er damals gerichtlich getrennt gelebt habe,
rund die Hälfte seines Altersguthabens bzw. einen Betrag von 151’000 Franken
überweisen müssen. Sodann habe er – nicht im Besitze seiner geistigen Kräfte – einen
Betrag von 100’000 Franken für Glücksspiele ausgegeben. Gemäss den
Bankauszügen, die der Beschwerdeführer eingereicht hat, hatte er nebst diesen beiden
Bezügen eine Vielzahl von Barabhebungen über jeweils einige hundert Franken
getätigt. Belegt sind daneben regelmässige Überweisungen für Miete, Steuern und
dergleichen sowie die Eingänge der AHV-Rente. Bei der Durchsicht der Akten fällt
zunächst auf, dass kein Beweis dafür im Recht liegt, dass der Beschwerdeführer
verpflichtet gewesen wäre, seiner Ehefrau den Betrag von 151’000 Franken zu
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überweisen. Wohl kann im Zusammenhang mit der erfolgten (offenbar gerichtlichen)
Ehetrennung gemutmasst werden, eine solche Verpflichtung habe bestanden. Solange
aber keine Beweise im Recht liegen, kann die Überweisung dieses Betrages an die
Ehefrau nicht als nicht unter Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG fallender Vermögensabgang
qualifiziert werden. Die Beschwerdegegnerin hätte entsprechende weitere Abklärungen
tätigen bzw. den Beschwerdeführer auffordern müssen, die notwendigen Beweise aus
dem Trennungsverfahren einzureichen. Dies wird die Beschwerdegegnerin
nachzuholen haben, wofür die Sache an sie zurückzuweisen ist.
1.2 Was die weiteren Vermögensabgänge betrifft, so fällt zunächst auf, dass der
Beschwerdeführer den Betrag von 100’000 Franken am 1. Juni 2010 weder an eine
Drittperson überwiesen noch bar bezogen hat. Der Buchungstext lautet: „Übertrag
A._ (Adresse)“. Was damit gemeint ist, ist unklar. Es ist möglich, dass der
Beschwerdeführer den Betrag auf ein anderes Konto, das auf seinen Namen lautet,
überwiesen hat. Belege über weitere Konti fehlen allerdings in den Akten. Jedenfalls ist
nicht belegt, dass der Beschwerdeführer diesen Betrag tatsächlich ausgegeben hat. Es
ist durchaus möglich, dass er weiterhin über dieses Geld verfügt. Dasselbe gilt auch in
Bezug auf das in bar abgehobene Geld. Bewiesen ist einzig, dass der
Beschwerdeführer das Geld von seinem Konto abgehoben hat. Was er damit gemacht
hat, ist nicht bekannt. Es ist möglich, dass er alles, einen Teil oder gar nichts davon für
Glücksspiele ausgegeben hat. Es kann aber auch sein, dass er das Geld für
Alltägliches ausgegeben oder aber gar nicht ausgegeben und zuhause aufbewahrt hat.
Das weitere Schicksal des Betrages von 100’000 Franken nach dem „Übertrag“ am
1. Juni 2010 muss anhand weiterer Belege nachvollzogen werden können. Auch
diesbezüglich erweist sich der Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Die
Beschwerdegegnerin wird auch dies nachzuholen haben.
1.3 Dagegen scheint es eher unwahrscheinlich, dass bewiesen werden kann, was mit
dem bar abgehobenen Geld geschehen ist. Die Behauptung, das Geld sei ausgegeben
worden, ist mit den ausgewiesenen Barbezügen nicht erbracht, zumal der Verdacht im
Raum steht, der Beschwerdeführer verfüge über weitere Bankkonti („Übertrag“ am
1. Juni 2010), und seine Angaben teilweise widersprüchlich sind. So hat er einmal
behauptet, er habe das Geld in den Vereinigten Staaten von Amerika verspielt (vgl. EL-
act. 17), und ein anderes Mal angegeben, er habe das Geld in Konstanz verspielt (vgl.
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EL-act. 6). Die Angaben des Psychiaters Dr. B._ genügen nicht als Beweis für die
Zuverlässigkeit der Behauptungen des Beschwerdeführers, weil dieser in der fraglichen
Zeit nicht in Behandlung gewesen ist. Mit dem Bargeld kann der Beschwerdeführer
alles Mögliche angestellt haben. Die Einzahlung auf ein anderes Bankkonto, dessen
Existenz der Beschwerdeführer der Beschwerdegegnerin und dem Gericht
verschwiegen hat, ist ebenso möglich wie die Aufbewahrung des Bargeldes oder der
Verbrauch für Glücksspiele oder aber für Gebrauchsgegenstände, alltägliche
Dienstleistungen oder ähnliches. Die Beschwerdegegnerin wird den Beschwerdeführer
also, zumal die Angelegenheit ohnehin zu weiteren Abklärungen an sie zurückzuweisen
ist, aufzufordern haben, soweit möglich zusammenzustellen und zu belegen, ob und
wofür er das Geld ausgegeben hat. Beweisthema ist also erstens, ob der
Beschwerdeführer das Geld überhaupt ausgegeben hat, und zweitens, wofür er es
allenfalls ausgegeben hat. Falls er noch über das abgehobene Geld verfügt, kann er
einen Teil seines Lebensbedarfes bestreiten, indem er dieses effektiv vorhandene
Vermögen verzehrt. Falls er es ausgegeben hat, kann er dagegen seinen Unterhalt
nicht mehr mittels eines effektiv vorhandenen Vermögens bestreiten. Soweit er
allerdings das Geld für Sachen oder Dienstleistungen ausgegeben hat, die als
Verzichtstatbestand zu qualifizieren sind, ist ihm ein hypothetisches Vermögen
anzurechnen. Ist das Geld dagegen für Sachen oder Dienstleistungen ausgegeben
worden, die nicht als Verzichtstatbestand zu qualifizieren sind, ist ihm kein
hypothetisches Vermögen anzurechnen. Zu beweisen ist allerdings nicht, ob der
Beschwerdeführer auf Vermögen verzichtet habe und die Beschwerdegegnerin deshalb
ein fiktives Vermögen anrechnen „dürfe“. Vielmehr ist zu beweisen, ob der
Beschwerdeführer bedürftig ist. Er behauptet nämlich, trotz eines Ende des Jahres
2009 noch vorhanden gewesenen beträchtlichen Vermögens seinen Lebensunterhalt
nicht aus dem Verzehr eigener Mittel bestreiten zu können. Daraus will er ein Recht auf
Ergänzungsleistungen ableiten, weshalb ihn nach der analog anzuwendenden Regel
von Art. 8 ZGB („Wo das Gesetz es nicht anders bestimmt, hat derjenige das
Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen, der aus ihr Rechte ableitet“;
vgl. etwa BGE 121 V 204 E. 6a S. 208) der Nachteil einer allfälligen Beweislosigkeit
treffen muss. Dagegen kann nicht eingewendet werden, damit werde dem
Beschwerdeführer die Beweislast für eine negative Tatsache (dass er nämlich über kein
Vermögen verfüge) auferlegt. Der Beschwerdeführer hat noch kurz vor der Anmeldung
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zum Bezug von Ergänzungsleistungen über ein beträchtliches Vermögen verfügt, was
bewiesen ist. Nun behauptet er, er habe das gesamte Vermögen (bis auf einen
vernachlässigbaren Rest) ausgegeben. Diese Behauptung betrifft keine negative,
sondern eine positive Tatsache, nämlich, dass er einen Betrag von gut 60’000 Franken
ausgegeben habe. Dieser effektive Vermögensverbrauch ist einem Beweis durchaus
zugänglich. Dagegen könnte – zumindest ohne eine Mitwirkung des
Beschwerdeführers kaum bewiesen werden, dass er das Geld nicht ausgegeben habe;
dies ist eine negative, einem Beweis nicht ohne Weiteres zugängliche Tatsache, die
entsprechend nicht zu beweisen ist. Ebenso ist die weitere Behauptung des
Beschwerdeführers, seine Ausgaben seien nicht als Verzicht zu qualifizieren bzw. er
habe eine adäquate Gegenleistung für sein Geld erhalten, einem Beweis zugänglich.
Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer den Nachteil einer allfälligen Beweislosigkeit
zu tragen haben wird.
1.4 Eine Einschränkung bezüglich dieser grundsätzlichen Beweislastverteilung ergibt
sich aus der Erfahrungstatsache, dass eine AHV-Rente von knapp 2’000 Franken pro
Monat in der Regel zur Bestreitung des Lebensbedarfes nicht ausreicht. Daraus folgt
nämlich, dass dem Beschwerdeführer ein gewisser Vermögensverzehr zur Bestreitung
des Lebensbedarfes zuzugestehen ist, auch wenn dieser nicht bewiesen werden kann.
Die Frage ist, wie hoch der im Falle einer Beweislosigkeit zuzugestehende
Vermögensverzehr sein soll. Zur Ermittlung des Betrages bietet sich die Durchführung
einer EL-Anspruchsberechnung an. Der resultierende Fehlbetrag deckt so nämlich
zusammen mit den anderen anrechenbaren Ausgaben das
(ergänzungsleistungsrechtliche) Existenzminimum, was die Annahme rechtfertigt, eine
einigermassen sparsam lebende Person habe so viel, aber nicht mehr von ihrem
Vermögen verzehren müssen, um ihren Lebensbedarf zu bestreiten. Weil die
Anspruchsberechnung nur gewissermassen „analog“ durchzuführen ist und sich an
den tatsächlichen Ausgaben zu orientieren hat, sind dabei der tatsächliche Mietzins
und die tatsächliche Krankenkassenprämie zu berücksichtigen. Selbstverständlich
steht es den Betroffenen frei, einen höheren Lebensstandard zu wahren. Für die
entsprechende Behauptung tragen aber sie die Beweislast. Liegt eine Beweislosigkeit
vor, die erst zur Durchführung einer solchen Berechnung zwingt, kann – entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers – kein höherer Lebensstandard berücksichtigt werden,
denn die sich zugunsten der Betroffenen auswirkende natürliche Vermutung muss sich
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notwendigerweise nur auf einen sparsamen Lebensstandard im Sinne des
ergänzungsleistungsrechtlichen Existenzminimums beschränken.
2.
2.1 Bei dieser Beweislage erübrigt sich die Beantwortung der Frage, ob die
angeblichen Ausgaben für Glücksspiele als Vermögensverzicht zu qualifizieren sind.
Diese Frage würde erst dann durch die Beschwerdegegnerin zu beantworten sein,
wenn bewiesen wäre, dass der Beschwerdeführer tatsächlich einen bestimmten Betrag
für Glücksspiele ausgegeben hat. Zusammenfassend ist die Sache also an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Sie wird abklären, ob eine Pflicht zur
Auszahlung eines Betrages von 151’000 Franken an die Ehefrau bestanden hat, was
mit dem „übertragenen“ Kapital von 100’000 Franken weiter geschehen ist und wofür
der Beschwerdeführer das in den Jahren 2010 und 2011 in bar bezogene Geld
ausgegeben hat. Anschliessend wird die Beschwerdegegnerin über das Gesuch des
Beschwerdeführers um Bezug von Ergänzungsleistungen neu verfügen.
2.2 Die Rückweisung einer Angelegenheit zu weiteren Abklärungen gilt praxisgemäss
hinsichtlich der Kosten- und Entschädigungsfolgen als vollumfängliches Obsiegen der
Beschwerde führenden Partei. Die Beschwerdegegnerin hat den Beschwerdeführer
deshalb mit einer praxisgemässen Pauschale von 3’000 Franken (einschliesslich
Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP