Decision ID: 5b1666a3-c3e4-4742-a623-4cd274213af6
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1976,
war
seit dem
1.
Juni 2001 bei der
Y._
als Lokführer angestellt und damit bei der Suva gegen Unfälle versichert, als es am
8.
September 2016 zu einer
Beinahe-
Kollision seine
s
Zug
s
mit einem
entgegenkommenden
Zug kam (Schadenmeldung vom 20.
Sep
tember 2016,
Urk.
9/I/1).
Mit weiterer Schadenmeldung vom 1
7.
Juli 2019 mel
dete der Versicherte
einen Rückfall per
7.
November 2018 (
Urk.
9/I/11).
Mit Verfügung vom 2
8.
November 2019 verneinte die Suva das Vorliegen sowohl eines Unfalls als auch einer unfallähnlichen Körperschädigung und stellte ihre Leistung
en
per 1
5.
Oktober 2019 ein (
Urk.
9/I/27). Die vom Versicherten am 29.
November
und
2.
Dezember
2019 erhobene
n
Einsprache
n
(
Urk.
9/I/
29, Urk.
9/I/30) wies die Suva mit
Einspracheentscheid
vom 2
0.
Februar 2020 ab (Urk.
9/I/37 =
Urk.
2
)
.
1.2
Am 1
4.
September 2017 kam es
mit dem vom Versicherten pilotierten Personen
zug
zu einem Persone
nunfall
(Bagatellunfall-Meldung vom 1
9.
September 2017,
Urk.
9/II/1; Schadenmeldung vom 1
0.
Oktober 2017,
Urk.
9/II/2
; Polizeibericht,
Urk.
9/II/18/2-6
).
Mit Verfügung vom
9.
Oktober 2019 verneinte die Suva eine weitere Leistungspflicht, da die Umstände des gemeldeten Ereignisses, welches die psychischen Beschwerden hervorgerufen habe, in einem weiten Sinne nicht mehr als angemessen oder einigermassen typische Reaktion auf das Schreck
ereignis bezeichnet werden könne (
Urk.
9/II/72).
Die vom Versicherten am
7.
Novem
ber 2019 erhobene Einsprache (
Urk.
9/II/94) wies die Suva mit
Einsprache
entscheid
vom 2
0.
Februar 2020 ab (
Urk.
9/II/105
=
Urk.
5/2).
2.
Gegen die
Einspracheentscheide
vom 2
0.
Februar 2020 erhob der Versicherte jeweils am 1
6.
April 2020 Beschwerde und beantragte
, diese
sei
en
aufzuheben, es seien ihm
Taggelder und Heilungskosten über den 3
1.
Oktober 2019 auszurichten und nach Erreichen des Endzustandes den Anspruch auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung zu prüfen (
Urk.
1 S. 2,
Urk.
5/
1
).
Mit
Gerichtsv
erfügung vom 3
0.
April 2020
(
Urk.
6)
wurde der Prozess Nr. UV.2020.00083 mit dem vorliegenden Prozess Nr. UV.2020.00082 vereinigt und unter dieser Prozessnummer weitergeführt.
Die Suva beantrag
t
e mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Mai 2020 (
Urk.
8) die Abwei
sung der Beschwerden. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2.
Juni 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausge
brochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Das eine der
hier zu beurteilende
n Ereignisse
hat sich am
8.
September 2016
ereig
net,
das andere am 1
4.
September 201
7.
Da die hier massgebenden Gesetzes
bestimmungen von der Revision unberührt geblieben sind, werden sie in der heute
gültig
en
Fassung zitiert.
1.2
Nach
Art.
6
Abs.
1
UVG
werden die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufs
unfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt. Als Unfall gilt laut
Art.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Fak
tors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
Rechtsprechung und Lehre haben auch schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfal
les voraus, dass
es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, verbunden mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt. Die seelische Einwirkung muss durch einen gewaltsamen, sich in der unmittelbaren Gegenwart der versicher
ten Person abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überra
schenden Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie Lähmungen, Herzschlag, etc.) hervorzurufen (Urteil des Bundesgerichts 8C_412/2015 vom
5.
November 2015 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.
3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natür
lichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungs
weise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausal
zusammenhang besteht.
Die Adäquanz zwischen einem Schreckereignis ohne körperliche Verletzungen und den nachfolgend aufgetretenen psychischen Stö
rungen ist nach der allgemeinen Formel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allge
meine Lebenserfahrung) zu beurteilen. Diese Rechtsprechung trägt der Tatsache Rechnung,
dass bei Schreckereignissen - anders als im Rahmen üblicher Unfälle - die psychische Stresssituation im Vordergrund steht, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann. Aus diesem Grund ist die (analoge) Anwendung der in BGE 115 V 133 entwickelten Adäquanzkriterien ebenso ungeeignet wie diejenige der sogenannten
Schleuder
traumapraxis
. Nicht anders verhält es sich, wenn die versicherte Person zwar kör
perlich verletzt wird, die somatischen Beeinträchtigungen indessen lediglich von untergeordneter Bedeutung sind und im Vergleich zum erlittenen psychischen Stress in den Hintergrund treten. Denn auch in solchen Fällen kommt dem somati
schen Geschehen keine wesentliche Bedeutung zu. Mithin hat die Beur
teilung der Adäquanz zwischen Schreckereignissen, bei welchen die versicherte Person zwar (auch) körperliche Beeinträchtigungen davonträgt, Letztere aber nicht entscheidend ins Gewicht fallen, und psychischen Schäden nach der allge
meinen Adäquanzformel zu erfolgen. Bei «gemischten» Vorfällen, in welchen die Elemente eines Schreckereignisses (Überfall, Bedrohung) und einer ihrerseits den Unfallbegriff erfüllenden physischen Einwirkung (Schläge, Zufügen von Verlet
zungen) kombiniert vorkommen, ist die Adäquanzprüfung unter beiden Aspekten vorzunehmen. So wäre nicht einzusehen, weshalb die im Rahmen einer Betrach
tung als «klassischer» Unfall aufgrund der körperlichen Verletzungen zu beja
hende Adäquanz entfallen sollte, weil der Überfall auch ein Schreckereignis dar
stellen könnte, oder warum der erlittene Schrecken nur deshalb die Adäquanz nicht zu begründen vermöchte, weil der versicherten Person darüber hinaus auch noch physische Schäden zugefügt wurden. Eine Prüfung unter beiden Gesichts
punkten («Schreckereignis» und «Psycho-Praxis») ist somit möglich, wenn keiner der Faktoren deutlich im Vordergrund steht (zum Ganzen Urteile des Bundes
gerichts 8C_298/2016 vom 3
0.
November 2016 E. 4.3 und 8C_168/2011 vom 1
1.
Juli 2011 E. 3.2, jeweils mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging i
m einen der
angefochtenen Entscheide
(
Urk.
2)
davon aus, dass
beim Ereignis vom
8.
September 201
6
kein Unfall im Sinne eines Schreckereignisses vorliege, da
weder der Beschwerdeführer noch Drittpersonen Verletzungen am Körper erlitten hätten und das Ereignis auch
nicht als ausser
gewöhnlich bezeichnet werden könne (S. 6 oben). Selbst wenn vorliegend von einem
Schreckereignis ausgegangen würde, welches die Voraussetzungen des Unfall
begriffs erfüllen würde, zeichne sich der
hier zu beurteilende Vorfall dadurch aus, dass weder
der Beschwerdeführer noch Drittpersonen Verletzungen erlitten
hätten
und es sich um ein sehr kurzdauerndes Ereignis
gehandelt habe
. Erfahrungsgemäss dürfte aufgrund der Umstände die übliche und einigermassen typische Reaktion auf ein solches Ereignis darin bestehen, dass zwar eine Trauma
tisierung stattfinde, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einigen Wochen oder Monate überwunden werde. Eine psychische Störung und lang andauernde Erwerbsunfähigkeit könnten rechtsprechungsgemäss nicht mehr in einem weiten Sinne als angemessen oder einigermassen typische Reaktion auf das Schreck
ereignis bezeichnet werden (S. 6 Mitte).
Zusammenfassend seien die Voraussetzungen eines Schreckereignisses durch den Vorfall am
8.
September 2016 nicht erfüllt. Ausserdem wären z
w
ischen den psychi
schen Beschwerden des Beschwerdeführers und dem Ereignis vom
8.
Sep
tember 2016 auch kein adäquater Kausalzusammenhang gegeben, womit die Leistungs
pflicht für die geltend gemachten Beschwerden mit Verfügung vom 2
8.
November 2019 zu Recht verneint worden seien (S. 7 oben).
Im andern der angefochtenen Entscheide (
Urk.
5/2) hielt die Beschwerdegegnerin bezüglich
des Ereignisses vom 1
4.
September 2017
fest, dass es sich dabei unbe
stritten um ein Schreckereignis im Sinne der Rechtsprechung handle
(S. 7 Mitte)
.
Das Schreckereignis vom 1
4.
September 2017, wo dem Beschwerdeführer als Lok
führer eine Person in suizidaler Absicht vor seine Lokomotive gekrochen sei, sei zweifellos sehr eindrücklich gewesen. Der Beschwerdeführer selbst habe sich glücklicherweise nie in Gefahr befunden, verletzt zu werden. Nach diesem Schreckereignis habe der Beschwerdeführer für lediglich vier Monate psycho
therapeutische Behandlung in Anspruch genommen und habe den Fahrdienst bereits am
4.
November 2017 wiederaufnehmen können. Der behandelnde Psy
chiater
Dr.
Z._
habe im Bericht vom 2
6.
Januar 2018 beschrieben, dass die Angst- und Stresssymptome im Verlauf deutlich abnehmend seien, was eine günstige Prognose stützen würde. Hausarzt
Dr.
A._
habe im Bericht vom
6.
Dezember 2018 beschrieben, dass die akute traumatische Belastungsreaktion vom 1
4.
September 2017 am 2
4.
Januar 2018 «mit hervorragendem Resultat und beschwerdefrei» habe abgeschlossen werden können
(S. 9 Mitte)
.
Ein erneuter Arztbesuch sei erst wieder am 1
6.
Juli 2018 wegen Spannungs
kopfschmerzen beim Hausarzt erfolgt (vgl.
nachstehend E. 3.6)
. Eine neuro
logische Untersuchung vom
5.
Dezember 2018 habe eine chronische Migräne erge
ben. Gemäss Bericht leide der Versicherte aber seit Jahren unter einer episo
dischen Migräne, in
früheren Jahren nur mit gelegentlichen Attacken, seit anfangs November 2018 nun erstmals
chronifiziert
. Bekanntlich sei dann die Neben
höhlenentzündung diagnostiziert worden, welche
Dr.
Z._
als «ursächlich für die erneute Verschlechterung» gewertet habe (vgl. Bericht vom 2
7.
Juni 2019). Bei dieser Ausgangslage und mit Blick auf die hohen Anforderungen, welche an den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden und so genannten Schreckereignissen gestellt werden, könnten die über ein Jahr später gemeldeten psychischen Beschwerden, welche krankheitsbedingt ausgelöst worden seien, nicht mehr in einem weiten Sinne als angemessene oder einiger
massen typische Reaktion auf das Schreckereignis bezeichnet werden (S. 9 f.).
Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung überwinde ein Opfer ein Schreckereignis mit fortlaufender Dauer. Der gesund
heitliche Verlauf des Beschwerdeführers sei damit, abgesehen davon, dass er sich vom zeitlichen Ablauf her eher zusammenhangslos darstelle, dem zuvor Gesagten gerade gegenläufig. Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 1
4.
September 2017 und den psychischen Beschwerden sei deshalb zu ver
neinen (S. 8 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgeg
enüber auf den Standpunkt
(
Urk.
1
=
Urk.
5/1
)
, zwischen den beteiligten Ärzten sei auch heute noch unbestritten
, dass er in der angestammten Tätigkeit als Lokomotivführer weiterhin und vermutlich dauerhaft zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Noch immer leide er derart unter den Fol
gen der psychischen Belastung, dass er sich vom 2
0.
November 2019 bis 1
3.
Feb
ruar 2020 stationär in der
B._
habe behandeln lassen müssen, wo nur eine diskrete Stabilisierung der Symptomatik habe erreicht werden können. Die Ärzte hätten klar festgestellt, dass er sich weiterhin intensiv behandeln lassen müsse (S. 8 oben).
Auch heute sei der Gesundheitszustand derart volatil, dass eine weitere stationäre Behandlung notwendig sein werde. Bis dato hätten noch nicht einmal berufliche Eingliederungsmassnahmen bei der Invalidenversicherung begonnen werden können. Ein Endzustand sei bis heute noch nicht erreicht. In Würdigung der Adä
quanz des Unfallereignisses habe die Beschwerdegegnerin den Umstand, dass er bereits massiv vorbelastet gewesen sei
, nicht
berücksichtigt
. Bei dem von der Beschwerde
gegnerin angewendeten hohen Massstab an die Adäquanz werden gerade nicht auf eine weite Bandbreite von Versicherten abgestellt, sondern offen
sichtlich nur auf gesunde Versicherte, was rechtsprechungsgemäss gerade nicht zulässig sei. Ausserdem habe
si
e
nicht gewürdigt, dass seine psychische Symptomatik nie remittiert sei, sondern sich laufen
d
verschlechtert
habe
(S. 8 unten).
Gerade die Exposition am Arbeitsplatz
und die Angst vor neuen Erlebnissen habe die Symptomatik in der Vergangenheit immer wieder hervorgerufen, da er bei der Arbeit immer an die Unfälle erinnert worden sei. Im April 2019 sei die Unfall
kausalität der psychischen Symptomatik zuletzt auch vom Kreisarzt bestätigt worden. Eine weitere kreisärztliche Stellungnahme sei durch die Beschwerde
gegnerin nicht mehr eingeholt worden, obwohl eine solche empfohlen worden sei. Wie im aktuellsten medizin
i
schen Bericht bestätigt werde, leide er noch immer an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTB
S
) und einer mittlerweile
chronifizierten
mittelgradigen Depression, welche als Folge der Unfallereignisse am Arbeitsplatz zu sehen seien. Die psychische Symptomatik sei daher im Mindes
ten teilweise auf den Unfall vom 1
4.
September 2017 zurückzuführen. Ein anderer Schluss sei aufgrund der vorliegenden Akten nicht möglich (S. 9 oben). Die Leistungseinstellung per 3
1.
Oktober 2019 sei daher zweifellos verfrüht und ohne umfassende Berücksichtigung des rechtserheblichen Sachverhalts erfolgt (S. 9 Mitte).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
zum einen
, ob
der Beschwerdeführer durch den Vorfall am
8.
September 2016
einem aussergewöhnlichen Schreckereignis ausgesetzt war und damit einen Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG erlitten hat
und
zum anderen,
ob
die nach dem Ereignis vom 1
4.
September 2017
geltend gemachten psychi
schen Beschwerden noch adäqua
t
kausal
sind
und
damit über den 3
1.
Oktober 2019 hinaus eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin besteht
.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 1
1.
Oktober 2016 (
Urk.
9/I/6) aus, er bestätige die langjährige haus
ärztliche Betreuung des Beschwerdeführers, welcher
sich
am 1
5.
September 2016 wegen Symptomausweitung, Konzentrationsstörungen und Reizdarmsymp
tomatik nach einem Ereignis bei der Arbeit am
8.
September 2016
gemeldet habe
. Ohne sein Verschulden sei ihm ein Güterzug auf seinem Gleis entgegen
gekommen. Eine Kollision habe nicht stattgefunden und durch rasches Inter
venieren und Klärung der Situation habe die Situation gut aufge
f
angen und am
5.
Oktober 2016 bei schlussendlich günstigem Verlauf abgeschlossen werden können.
3.2
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht
vom
7.
November 2017 (
Urk.
9/II/6) aus, eine Person sei dem Beschwerde
führer, welcher als Lokführer im Einsatz gewesen sei, in suizidaler Absicht vor den Zug gesprungen
und
sei t
rotz Vollbremsung überfahren worden. Dies sei für ihn ein ausgesprochen traumatisches Erlebnis gewesen, das zu massiven Schlaf
störungen geführt habe. Schon zweimal
habe
er in diesem Jahr ein Ereignis gehabt
, e
inmal eine Fast-Kollision und
einmal
einen Personenunfall. Trotzdem sei er dann arbeiten gegangen,
habe
dann aber Schwindelzustände im Führer
stand gehabt, was wiederum zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Der Beschwerde
führer sei sichtlich gezeichnet durch die schweren Ereignisse und sei bereits in psychologischer Beratung. Sonst bestehe kein pathologischer Befund. Es bestehe eine akute t
raumatische Belastungsreaktion.
3.3
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte im Bericht vom 2
6.
Januar 2018 (
Urk.
9/II/29) aus,
aufgrund von zwei Personenunfällen innerhalb von vier Monaten habe der Beschwerdeführer in Folge des zweiten Personenunfalls bei der Arbeit plötzlich Angst- und Stress
symptome entwickelt,
welche
die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit von 100
% begründet hätten (S. 1 Mitte). Der Beschwerdeführer sei seit Oktober 2017 in störungs
spezifischer, kognitiv-verhaltenstherapeutisch orientierter Einzel
psychotherapie. Zu Beginn hätten wöchentliche Termine mit ergänzenden Telefon
terminen bei Arbeitsbeginn stattgefunden. Aktuell würden die Termine in grösseren Abständen oder bei Bedarf Telefontermine stattfinden
(S. 2 Mitte)
.
Der Beschwerdeführer habe sehr schnell wieder schrittweise seine Tätigkeit als Lokomotivführer aufnehmen können. Zuerst sei mit einem Pensum von 60
%
begon
nen worden, welches ab 2
0.
November 2017 auf 80
%
und ab dem 1
5.
Januar 2018 auf 100
%
habe gesteigert werden können (S. 3 oben). Nach wie vor
träten
während der Arbeit kurzfristig anhaltende Stresssymptome (z.B. kurzer Schwindel, Unwohlsein im Magen) auf
, die den Beschwerdeführer zwar immer noch belaste
te
n, mit denen er jedoch einen Umgang gefunden habe, diese zunehmend besser kontrollieren könne und die Angst davor verliere (S. 3 oben).
Ihm
sei es
seit Therapiebeginn gut gelungen, seine ausgleichenden sozialen, familiären und sonstigen positiven Aktivitäten aufrecht zu erhalten sowie regel
mässig Sport zu treiben,
was
zur Stabilisierung entscheidend mit beigetragen
habe
. Zudem seien die Angst- und Stresssymptome im Verlauf deutlich abneh
mend, was eine auch weiterhin günstige Prognose stütze (S. 3 Mitte).
3.4
Die Ärzte des
D._
berichtete
n
am 1
3.
November 2018 (
Urk.
9/II/31) von einem MRI des Schädels und stellten einen altersentsprechend unauffälligen Befund des
Neurokraniums
fest.
Hingegen
stellten sie den Nachweis einer Retentions
zyste als auch einer ausgeprägten
Mukusobliteration
mit Spiegel
bildung im Sinus
maxillaris
links fest, was mit einer Sinusitis
maxillaris
links
seitig gut vereinbar sei (S. 2 oben).
3.5
Dr.
med. E._
, Facharzt für Neurologie,
führte im Bericht vom
7.
Dezember 2018 (
Urk.
9/II/32) aus, gemäss Klassifikation der International
Headache
Society leide der Beschwerdeführer seit Jahren unter einer episodischen Migräne, in früheren Jahren nur mit gelegentlichen Attacken, seit anfangs November
2018
nun erstmals
chronifiziert
. Aus der Anamnese, dem unauffälligen klinisch-neu
rologischen Status und dem bereits durchgeführten Schädel-MRI würden sich keine Hinweise für eine symptomatische Genese ergeben. Die im MRI zur Dar
stellung kommende
Sinusitits
maxillaris
links dürfte eher ein Zufallsbefund sein, eine relevante intrakranielle Pathologie könne jedenfalls ausgeschlossen werden.
Nebenbefundlich
könne bezüglich der Störungen mit Atemnot und Kribbeln von Panikattacken ausgegangen werden (S. 1).
3.6
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.1) führte im Bericht vom
6.
Dezember 2018 (Urk.
9/II/33) aus,
er betreue den Beschwerdeführer hausärztlich seit vielen Jahren. Die akute traumatische Belastungsreaktion vom 1
4.
September 2017 habe am 2
4.
Januar 2018 mit hervorragendem Resultat und beschwerdefrei abge
schlossen werden können. Im Juli 2018 habe er den Beschwerdeführer dann wegen Spannungskopfschmerzen wiedergesehen. Sie hätten unverzüglich das psychologische Training wiederaufgenommen, so dass sich die Situation etwas stabilisiert gehabt habe. Im November sei es zu deutlichen Flashbacks mit Symptom
ausweitung
und
zu Migräneanfällen gekommen, so dass er aus dem Arbeits
prozess habe herausgenommen werden müssen. Es seien die ursprüng
lichen Therapiemodalitäten nach der posttraumatischen Belastungsstörung alle wieder aktiviert worden. Der Beschwerdeführer sei äusserst motiviert. Die Prog
nose sei gut, da die Behandlung damals bei zweimaligem schweren Ereignissen gut angesprochen habe.
3.7
Dr.
Z._
(vorstehend E.
3.3) führte im Bericht vom 2
6.
März 2019 (
Urk.
9/II/42)
zum
V
erlauf seit dem letzten Bericht vom Januar 2018
aus, der Beschwerdeführer
habe sein Arbeitspensum von 100
%
wieder erreichen können und sich so stabi
lisiert, dass die weitere Behandlung im Februar 2018 habe beendet werden können. Es sei vereinbart worden, dass
er
sich bei Bedarf melde. Die sei Ende November 2018 geschehen, nachdem es bei der Arbeit plötzlich zu einer erneuten Aktivierung der
bekannten Angstsymptome gekommen sei. Im Behandlun
g
s
verlauf
hätten
auch körperliche Beschwerden/Symptome bestanden, die einer umfassenden medizinischen Abklärung bedurft hätten. Bis dahin habe nicht diffe
renziert werden können, ob die über Wochen anhaltenden, teilweise starken Kopfschmerzen somatisch und/oder psychisch (mit)bedingt gewesen seien. Es sei die Diagnose einer chronischen Nebenhöhlenentzündung gestellt worden, die operativ
habe
behandelt werden müssen und zu einer Krankschreibung durch die behandelnden Ärzte geführt habe.
Nach der Behandlung der somatischen Beschwer
den, die aus fachlicher Sicht mit ursächlich für die erneute Aktivierung der Angstsymptome gewesen seien, habe sich der Beschwerdeführer umgehend wieder zugetraut, die Arbeit gestuft wiederaufzunehmen. In den ersten Arbeits
einsätzen habe
er
es trotz teilweisem Vorhandensein von Stress/Ängsten
und beglei
tenden körperlichen Symptomen geschafft, seine Arbeit zu verrichten.
Er
sei zeitweise wöchentlich gekommen (S.
1 Mitte).
Dazwischen hätten längere Pausen aufgrund somatischer Krankschreibung und Operation gelegen. Seit der Wiederaufnahme der Arbeit werde
der Beschwer
deführer
durch Mails oder Telefontermine nach jedem Arbeitseinsatz
begleitet und engmaschig
betreut. Dies, weil aufgrund der unregelmässigen Arbeitszeiten bei der
Y._
regelmässige Termine schwierig zu organisieren seien und weil eine zeitnahe Unterstützung für die weitere Stabilisierung im Beruf unabdingbar sei (S.
1 f.
).
Bei der Arbeit sei es für den Beschwerdeführer wie aus heiterem Himmel plötzlich erneut zu Angstsymptomen mit körperlichen Korrelaten gekommen, so dass er seine Schicht habe abbrechen müssen und die Angstsymptomatik mit den beglei
tenden körperlichen und kognitiven Symptomen reaktiviert worden sei. Dies umso mehr, da der Beschwerdeführer keine Erklärung für das plötzliche Wieder
auftreten der Symptome sowie das teilweise
A
nhalten von körperlichen Symp
tomen gehabt habe. Diese Kontrollverlusterfahrung habe die Ängste und Sorgen bezüglich der beruflichen Zukunft erneut aktiviert. Nach diversen somatischen
Abklärungen durch verschiedene Fachärzte sei eine chronische Neben
höhlenentzündung diagnostiziert worden, die operativ
habe
behandelt werden müssen. Es sei zwischenzeitlich zu einer Krankschreibung gekommen. Diese soma
tischen Gründe seien mitursächlich für die erneute Verschlechterung zu bewerten.
Die Arbeit sei im März 2019 im Pensum von 40
%
wiederaufgenommen worden (S. 2 Mitte).
3.8
Med.
pract
. F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Versiche
rungsmedizin Suva, führte in der Stellungnahme vom
9.
April 2019 (Urk.
9/II/43) aus, trotz
gleichzeitiger somatischer Problematik und interkurrenter Operation sei aufgrund des Berichts des Psychiaters vom 2
6.
März 2019 eine natürliche Teil
kausalität der wiederaufgeflammten Angstproblematik
und
allenfalls auch damit verbundenen Spannungskopfschmerzproblematik mit dem Schreckereignis von September 2017 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu attestieren.
Bei dem Beschwerdeführer, der ja sehr motiviert sei und schon das erste Mal sehr schnell wieder zur Arbeitstätigkeit zurückgefunden habe, scheine eher das Risiko zu beste
hen, dass er tendenziell eher zu Dissimulation neige und die Arbeitsbe
lastung allenfalls auch zu schnell gesteigert werde.
3.9
Dr.
med. G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte im Schreiben vom 1
8.
Mai 2019 (
Urk.
9/II/55/
4
) aus, der aktuelle Befund habe sie etwas erstaunt und auch beunruhigt. Mit den beschriebenen Symptomen, vor allem reduzierter Konzentration, anhaltender Müdigkeit/Erschöpfung und mittel
gradiger Nervosität, erachte sie den Beschwerdeführer als nicht tauglich für die Tätigkeit als Lokführer. Sie habe
ihn
deshalb befristet untauglich für sicherheits
relevante Tätigkeiten
g
eschrieben,
dies
mindestens für die nächsten drei Monate. Sie sei sich bewusst, dass dies für den Beschwerdeführer ein einschneidender Ent
scheid sei, der möglicherweise seine Zukunftsängste verstärke und allenfalls den Krankheitsverlauf vorübergehend negativ
beeinflussen könnte, doch gehe die Sicher
heit vor.
3.10
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.3) führte im Bericht vom 2
7.
Juni 2019 (Urk.
9/II/55
/1
3
) aus,
bei der Arbeit sei es für den Beschwerdeführer wie aus heiterem Himmel plötzlich erneut zu einer Reaktivierung der Angstsymptomatik mit begleitenden körperlichen und kognitiven Symptomen gekommen, so dass er seine Schicht habe abbrechen müssen. Dies umso mehr, da er keine Erklärung für das plötzliche Wiederauftreten der Symptome sowie das teilweise
A
nhalten von körperlichen Symptomen (z.B. über Wochen anhaltende Kopfschmerzen) gehabt habe. Durch diese Kontrollverlusterfahrung seien erneut die Ängste und Sorgen bezüglich der beruflichen Zukunft aktiviert worden.
Nach diversen somatischen Abklärungen durch verschiedene Fachärzte
sei
eine chronische
Nebenhöhlen
entzündung diagnostiziert
worden
, die operativ
habe
behandelt werden
müssen
. Es
sei
zwischenzeitlich zu einer Krankschreibung (100
%
) durch die behandelnden
Ä
rzte
gekommen
. Diese
somatischen Gründe
seien
ursächlich für die erneute Ver
schlechterung zu bewerten
(S. 1 unten)
.
Zum einen
habe
während der somati
schen Abklärungsphase eine psychische Ätiologie der
Symptomatik nicht ausge
schlossen werden
können
, was zu einer starken Verunsicherung des Klienten
und zur Angst vor einem Rezidiv und den
damit assoziierten beruflichen Folgen für die Zukunft
geführt habe
. Zudem
stellten
diese Symptome per se starke Trigger für die hochautomatisierte
Reaktivierung des
Traumagedächtnisses
dar, was zu einer erheblichen Stressbelastung
führe (S. 1 unten f.).
Die Konzentration sei bei der Arbeit beim Auftreten einzelner Stressmomente (wenn plötzlich
körperliche Symptome oder Angstgefühle aktiviert w
ü
rden) vorüber
gehend reduziert gewesen.
Das Auftreten solcher Stressmomente und die damit verbundenen Symptome
seien
als
Aktivierung des
Traumag
edäc
h
tni
s
ses
zu interpretieren. Damit verbundene, wiederkehrende
Symptome bei der Arbeit
seien
ein
Druckgefühl in Nase und Stirnbereich
und ein
fast tägliches Auftreten
von Kopfschmerzen während der Arbeit oder zu Arbeitsende
gewesen
. Begleitet
worden
seien
diese Symptome
durch leichten Schwindel, mittelgrad
ig
e Nervosität und Anspannung, die teilweise über einen
langen Zeitraum (bis ganze Arbeitszeit) leicht bis mittelgrad erhöht bestehen blieben
(S. 2 oben)
.
Weiter habe ein generelles Unwohlsein und ein Angstgefühl begleitet von Sorgen
gedanken wie
zum Beispiel
«
wieso kommen die Symptome schon wieder
»
,
«
hoffentlich gehen sie weg und ich kann die
Schicht zu Ende fahren
»
bestanden.
Im
formalen Denken
sei der Beschwerdeführer
flüssig, adäquat, jedoch mittel
gradig
eingeschränkt auf die aktuelle Lebenssituation (Angst, dass es nicht besser werden könnte; was
wäre dann?) und die damit verbundenen Zukunftsängste
(S. 2 Mitte)
.
Durch die Stressbelastung während der Arbeit
habe
eine deutlich erhöhte Erho
lungszeit bzw.
anhaltende Müdigkeit/Erschöpfung auch bei ausreichender Schlaf
dauer
bestanden
. Teilweise
hätten
Durchschlafprobleme oder Früherwachen
bestanden
. Es bes
tehe
Affektarmut bei jedoch leichter
Schwingungsfähigkeit und eine mittelgrade Störung der Vitalgefühle. Weiter
bestünden
leichte
Depr
i
miertheit
und Hoffnungslosigkeit, dass sich die Symptome deutlich verbessern werden,
Angst vor der Angst sowie innere Unruhe/Anspannung, die den Klienten auch in Rahmen seiner
Freizeit belaste
te
n
. Der Antrieb
sei
leicht gehemmt.
Es bestehe keine
Suizidalität
(S. 2 Mitte)
.
Im Vergleich zum März 2019 sei eine Verschlechterung des Zustandsbildes einge
treten. Der Beschwerdeführer komme regelmässig in Behandlung. Seit dem 1
7.
Mai 2019 bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätig
keit als Lokführer. In einer angepassten Tätigkeit bestehe aktuell eine Arbeits
fähigkeit zwischen 20 und 40
%
(S. 2 unten).
3.11
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt,
B._
,
berichtete am
1
1.
März 2020 (
Urk.
9/II/112/12-18 =
Urk.
3)
über eine stationäre Behandlung vom 2
0.
November 2019 bis 1
3.
Februar 2020 und nannte
als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1).
Der Beschwerdeführer berichte, dass es ihm seit seinem Austritt aus der vorherigen stationären Behandlung am 1
8.
Oktober 2019 zu Hause im Wesentlichen unverändert gegangen sei. Er leide zum einen unter depressiven Symptomen, insbesondere Müdigkeit, Antriebsmangel, gedrückter Stimmung, verminderter Freudfähigkeit, Hoffnungslosigkeit, sich aufdrängenden, negativen Gedanken in Bezug auf sich selbst und die Zukunft sowie Schlafstörungen. Zusätzlich bestehe eine stark ausgeprägte Angst- und Anspannungssymptomatik mit körperlichen Symptomen und wiederholten Panikattacken. Es sei ihm nach Austritt einigermassen gelungen, eine Tagesstruktur aufrechtzuerhalten, indem er sich um seine Tochter kümmere, täglich eine halbe Stunde spazieren gehe, klei
nere Projekte an seinem PC
ausführe
und seine Therapietermine und andere admi
nistrative Termine wahrnehme (S. 1 unten). Seine soziale Situation sei nach wie vor belastet. Er sei nun seit zirka einem Jahr zu 100
%
arbeitsunfähig geschrie
ben, die Suva habe aber zuletzt einen Brief geschrieben, in welchem sie den Zusam
menhang seines Leidens mit dem berufsbedingten Eisenbahnsuizid und dem weiteren Personenunfall, die er im Rahmen seiner Tätigkeit als Lokführer erlebt habe, angezweifelt habe. Dieses Schreiben habe bei ihm eine massive Zunah
me der Symptomatik bewirkt und löse Existenzängste aus. Von seinem betrieb
lichen Gesundheitsmanager und seinen Vorgesetzten fühle er sich im Stich gelassen und unter Druck gesetzt.
Er
sei zur stationären Traumatherapie in die Klinik eingetreten, mit dem Ziel eine langfristige Verbesserung der
Traumafol
gesymptomatik
, des sozialen Funktionsniveaus und der Lebensqualität zu errei
chen. Bei Eintritt habe ein hoher subjektiver Leidensdruck sowie ein Gefühl von Hilflosigkeit bestanden, aber keine Hoffnungslosigke
it (S. 2 oben).
Im Rahmen der psychotherapeutischen Sitzungen sei aufgefallen, dass es dem Beschwerdeführer schwergefallen sei, einen Zugang zu seinem inneren, emotio
nalen Erleben aufzubauen. Immer wieder habe sich auch ein ausgeprägtes Gefühl der Hilflosigkeit und der Überforderung gezeigt, wenn es um das Erlernen von funktionalen Strategien zur Verbesserung der Emotionsregulation gegangen sei. Es hätten sich dann vermehrt somatische Symptome in Form von Abgeschla
genheit, Schwindel und allgemeiner Energielosigkeit gezeigt. Insgesamt
habe der Eindruck
bestanden, dass beim Beschwerdeführer ein erschwerter Zugang zum inneren Erleben von Stimmungen und Emotionen bestanden habe, wobei aus der Querschnittsbeobachtung heraus schwer zu beurteilen sei, ob dies eher als grund
sätzliche Problematik des Beschwerdeführers, im Sinne einer
Alexithymie
,
zu werten
, oder eine Folge des aktuell mittelgradig bis schwer ausgeprägten depres
siven Erlebens und Verhaltens
sei
.
Aufgrund dieser Schwierigkeiten
habe
beim Erarbeiten der Traumalandkarte sehr kleinschrittig
vorgegangen werden
müssen
, was dazu
geführt habe
, dass der Prozess einen langen Zeitraum in Anspruch
genom
men habe
. Bei gleichzeitig ausgeprägter depressiver Symptomatik und hoher Empfindlichkeit
gegenüber
Triggersituationen
, auf
welche
der
Beschwerde
führer
mit Angst bis hin zu Panikzuständen und
grossem Unbehagen reagiert habe
,
hätten
während dieses stationären Aufenthaltes noch keine
Expositions
sitzungen im engeren Sinne durchgeführt werden
können (S. 5 Mitte)
.
Gegen Ende des stationären Aufenthaltes
habe
auf Wunsch des
Beschwerde
führers
ein Familiengespräch
mit seiner Ehefrau, seinem Bruder und seiner Mutter
stattgefunden
, in welchem sich auf der einen
Seite eine grosse Bereitschaft zur Unterstützung von Seiten des Bruders und der Mutter
gezeigt habe
, auf
der anderen Seite aber auch die Versagensgefühle des Patienten darüber, den Erwartun
gen und
Anforderungen seiner Familie nicht gerecht geworden zu sein, spürbar geworden seien (S. 5 unten f.).
Während des
stationären Aufenthaltes
seien
vom
Beschwerdeführer
regelmässig Belastungserprobungen mit Besuchen
in seiner häuslichen Umgebung durchgeführt
worden
. Diese
habe
er
einerseits als Ressource
erlebt
,
weil sie sein Gefühl die Verbundenheit mit seinem familiären Umfeld
gestärkt h
ätt
en
, andererseits
habe der Beschwerdeführer
auch
z
uhause über die fortbestehenden Beeinträchtigungen durch
Symptome der Depression und der PTBS
berichtet
.
Insgesamt
hätten
im Rahmen der bisherigen Therapie Selbstwer
t, Sel
bstwirksamkeit,
Selbstfürsorge und Autonomie noch nicht so gestärkt werden
können
, wie es für eine dauerhafte
Remission notwendig wäre. Auch die notwendige Ressourcenaktivierung
sei
noch nicht in
einem Masse
gelun
gen
, dass ein relevanter Transfer in den Alltag möglich wäre. Die traumaas
soziierte
Symptomatik
habe
dementsprechend im Verlauf der Behandlung in mehr oder weniger
unveränderter Form weiter fort
bestanden
, ebenso die depres
sive Symptomatik
(S. 6 oben)
.
4.
4.1
Als Schreckereignisse gelten nach der Rechtsprechung etwa Brand- oder Erdbe
benkatastrophen, Eisenbahn- oder Flugzeugunglücke, schwere Autokollisionen, Brückeneinstürze, Bombenabwürfe, verbrecherische Überfälle oder sonstige plötzliche Todesgefahren sowie Seebeben, bei denen, anders als im Rahmen der üblichen Unfälle, die psychische Stresssituation im Vordergrund steht, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_587/2011 vom 2
3.
Dezember 2011 E. 8).
Damit lässt sich das
vom
Beschwerdeführer erlebte Ereignis
vom
8.
September 2016
nicht vergleichen.
Auch wenn
die Beinahe-Kollision mit einem entgegen
kommenden
Bauzug
und sofort eingeleiteter Schnellbremsung für den Beschwerde
führer unerwartet eintrat,
mithin die Situation geeignet war, einen gewissen Schrecken hervorzurufen, war der Vorfall jedoch nicht derart ausser
gewöhnlich und die seelische Einwirkung des Ereignisses nicht von derart überra
schender Heftigkeit, dass es dazu geeignet gewesen wäre, durch Störung des see
lischen Gleichgewichts typische Angst- und Schreckwirkungen (wie Lähmungen, Herzschlag etc.) hervorzurufen. Mit anderen Worten war
die Beinahe-Kollision
, bei wel
cher weder der Beschwerdeführer noch
Drittpersonen
Verletzungen erlit
ten haben und auch kein Sachschaden am Zug entstanden ist
,
nicht dazu geeig
net, einen gesunden Menschen zutiefst zu erschüttern und in einen entspre
chen
den Schockzustand zu versetzen.
4.2
Selbst wenn das Ereignis vom
8.
September 2016
als Unfall qualifiziert würde, wären
diesbezügliche
Leistungsansprüche mangels eines adäquaten Kausalzu
sammenhangs zwischen dem Geschehen und den sich bei
m
Beschwerdeführer
danach manifestierten psychischen Gesundheitsstörungen zu verneinen. Denn mit Blick auf die diesbezüglich hohen Anforderungen (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_653/2007 vom 2
8.
März 2008 E. 2.4 und 2.) wäre
die
besagte
Bei
nahe-Kollision
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenser
fahrung als nicht geeignet zu beurteilen, um einen so massiven psychi
schen Gesundheitsschaden zu verursachen, der zu anspruchsbegründender Arbeits
unfähigkeit und Behandlungsbedürftigkeit führt.
4.3
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin das vom Beschwerdeführer am
8.
September 2016 erlebte Ereignis mit
Einspracheentscheid
vom 2
0.
Februar
2020 (Referenz
«...»
,
Urk.
2) zutreffend nicht als Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG qualifiziert.
Dies führt zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde.
5.
5.1
Streitig und zu prüfen ist
weiter
, ob
aufgrund de
r
im Mai und im September 2017 in der Tätigkeit als Lokführer
erlebten
Personenunfälle
, bei welchen es sich unbe
strittenermassen um Schreckerlebnis
se
im Sinne der Rechtsprechung und damit um grundsätzlich Versicherungsleistungen auslösende Unf
ä
ll
e
gemäss
Art.
4 ATSG handelt (vgl.
Urk.
5/2 S. 7 Mitte)
,
über den
3
1.
Oktober 2019
hinaus eine Leistungspflicht de
r
Beschwerdegegnerin
für die in der Folge aufgetretenen psy
chischen Beschwerden besteht. Dies setzt voraus, dass die noch vorhandenen psy
chischen Leiden als adäquat kausale Folge des Ereignisses anzusehen sind. Nach dem Gesagten ist hierzu d
ie Frage zu beantworten, ob die erlebten Personenun
fälle
gemessen an der allgemeinen Lebenserfahrung - unter Berücksichtigung der weiten Bandbreite der Versicherten
(vgl. nachfolgend E.
5.2)
- geeignet
sind
, auch nach dem
3
1.
Oktober 2019
eine psychische Störung mit anhaltender Erwerbsun
fähigkeit herbeizuführen.
5.2
An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und so genannten Schreckereignissen werden hohe Anforderungen gestellt. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger
Wochen oder Monate überwunden wird.
Bejaht hat das Bundesgericht den adäquaten Kausalzusammenhang unter ande
rem in einem Fall,
bei dem ein Fahrzeuglenker bei einem Abbiegemanöver ein entgegenkommendes Fahrzeug übersah und bei der nachfolgenden Kollision, welche vo
n ih
m zu verantworten war und bei der er sich keine wesentlichen Ver
letzungen zuzog,
seine
Ehefrau ums Leben kam.
Dabei wies das Bundesgericht daraufhin, dass gemäss
Rechtsprechung nicht allein auf den
psychisch gesunden Versicherten, sondern auf eine weite Bandbreite der Versicherten abzustellen
sei
. In
diesem Rahmen
würden
auch solche Versicherte Bezugspersonen für die Adä
quanzbeurteilung
bilden
, welche
im Hinblick auf die erlebnismässige Verar
beitung eines Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko
gehören
würden
, weil sie aus versicherungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht
«
optimal
»
reagieren
würden
. Daraus
ergebe
sich, dass für die Beurteilung der Frage, ob ein konkretes Unfallereignis als alleinige Ursache
oder als Teilursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung
geeignet
sei
, zu einer bestimmten psychischen Schädigung zu führen, kein allzu strenger, sondern im
dargelegten Sinne ein realitätsgerechter
Massstab angelegt werden
müsse (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_593/2013 vom 1
1.
Dezember 2013 E. 5.3)
.
5.3
Auch wenn der
eben dargelegte
Sachverhalt und insbesondere das Schreck
ereignis mit dem vorliegenden nicht in allen Punkten übereinstimmt, so ist er mit dem vorliegenden Sachverhalt doch vergleichbar und weist diverse
P
arallelen auf.
Der Beschwerdeführer war in seiner Tätigkeit als Lokführer innerhalb von vier Monaten an zwei Personenunfällen beteiligt. Der erste Personenunfall ereignete sich im Mai 2017, bei welche
m
die Person nicht
zu Tode kam
, jedoch schwerste Verletzungen erlitt
, wobei der Beschwerdeführer die Schreie der verunfallten Per
son im Führerstand mitanhören musste. Der zweite Personenunfall ereignete sich im September 2017, bei welchem
der Beschwerdeführer trotz Vollbremsung nicht in der Lage war den Zug rechtzeitig zu bremsen
und die Person zu Tode kam
.
Z
wei in kürzester Zeit
in der Tätigkeit als Lokführer zwangsmässig mit
erlebte Personenunfälle, welche zu erheblichen Körperschäden und zum Tod führten und damit an Intensität und Eindrücklichkeit kaum zu überbieten sind, erscheinen grundsätzlich nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenser
fahrung als geeignet, die
in der Folge
eingetretenen psychischen Prob
leme herbeizuführen.
Zum gleichen Schluss führen die medizinischen Akten. Aus dem Bericht von Dr.
Z._
vom 2
6.
Januar 2018 geht hervor
, dass der Beschwerdeführer aufgrund von zwei Personenunfällen in der Folge bei der Arbeit plötzlich Angst- und Stresssymptome entwickelt habe, die die vorübergehende Arbeitsunfähigkeit von 100
%
begründeten. Im Rahmen der Therapie sei eine Psychoedukation zu Belastungs
reaktionen, damit verbundenen Lerneffekten und emotional-körperli
chen Reaktionen/Symptomen besprochen und es seien günstige stabilisierende Massnahmen wie Sport, positive und soziale Aktivitäten gefördert und mögliches ungünstiges Vermeidungsverhalten thematisiert worden.
Es
sei
gemeinsam ein gestufter Wiedereinstieg in den Berufsalltag geplant und Strategien besprochen
worden
,
die angewendet werden können, falls intensive Angst oder vegetative Symptome auftreten würden.
Der Beschwerdeführer wurde beim beruflichen Ein
stieg schrittweise begleitet, schwierige
Triggersituationen
geübt sowie die Erfah
rungen nachbesprochen (
vorstehend E. 3.1
).
Dadurch
konnte der Beschwerde
führer
seine Tätigkeit als Lokführer
sehr schnell schrittweise
wiederaufnehmen
und
arbeitete
ab
4.
November zu 60
%
,
ab 1
9.
November 2017 zu 80
%
und ab 1
5.
Januar 2018 zu 100
%
(vgl.
Urk.
9/II/8-10,
Urk.
9/II/13, Urk.
9/II/26-27). Aus dem Bericht vom 2
6.
Januar 2018 geht hingegen auch hervor, dass beim Beschwerde
führer nach wie vor während der Arbeit kurzfristig
anhaltende Stress
symptome auftreten würden, die
ihn
zwar immer noch belasten,
die mit denen er jedoch einen Umgang gefunden habe, diese zunehmend besser kontrolliere und die Angst davor verliere (vgl. vorstehend E. 3.3).
Dass die intensive Behandlung und
teilweise auch telefonische Begleitung vor Arbeitsbeginn
in relativ kurzer Zeit im Februar 2018 beendet werden konnte- wie die Beschwerdegegnerin immer wieder festhält - ist richtig. Aus dem Bericht von
Dr.
Z._
geht aber
auch her
vor, dass beim Beschwerdeführer während der Arbeit nach wie vor - wenn auch kurzfristig anhaltende - Stresssymptome auftreten würden
(vgl. vorstehend E. 3.3)
.
Von einer Symptom
- respektive Beschwerde
freiheit bei Beendigung der Behand
lung
- wie dies der Hausarzt
Dr.
A._
beschrieb (vgl. vorstehend E. 3.6) -
kann
somit nicht ausgegangen werden.
Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bereits nach nur wenigen Monaten am 1
6.
Juli 2018 wegen Spannungskopfschmerzen wieder seinen Hausarzt aufsuchte,
welcher daraufhin das psychologische Training unverzüglich wieder aufnahm,
deutet daraufhin, dass die zunächst während der intensiven Behandlung
abneh
menden Angst- und Stresssymptome nun
anhand der
begleitenden körperlichen
und
psychosomatischen Symptome wieder stärker wurden
und den Beschwerde
führer
schliesslich
in einer Weise
destabilisierten, dass dieser
im November 201
8
wegen deutlichen Flashbacks mit Symptomausweitung zu Migräneanfällen
wieder arbeitsunfähig wurde
und aus dem Arbeitsprozess herausgenommen werden musste
.
Dabei wurden die u
r
sprünglichen Therapiemodalitäten nach der posttraumatischen Belastungsstörung alle wieder aktiviert (vgl. vorstehend E. 3.6). Zu der seit
anfangs
November 201
8
diagnostizierten
chronifizierten
Migräne hielt der Neurologe
Dr.
E._
nebenbefundlich
fest, dass bei den Störungen mit Atemnot und Kribbeln von Panikattacken ausgegangen werden könne (vgl. vorste
hend E. 3.5).
Dr.
Z._
hielt zum Behandlungsverlauf denn auch nachvoll
ziehbar fest, dass zunächst nicht habe differenziert werden können, ob die über Wochen anhaltenden, teilweise starken Kopfschmerzen somatisch und/oder psy
chisch (mit)bedingt gewesen seien
. Nach der Behandlung der somatischen Beschwer
den, die aus fachlicher Sicht mitursächlich für die erneute Aktivierung der Angstsymptome gewesen seien, habe es der Beschwerdeführer trotz teilwei
sem Vorhandensein von Stress/Ängsten und begleitenden körperlichen Sympto
men geschafft, seine Arbeit zu verrichten
,
bis es erneut und plötzlich zu Angst
symptomen mit körperlichen Korrelaten gekommen sei, so dass er die Schicht habe abbrechen müssen
(vgl.
vorstehend E. 3.7).
Dies habe zu einer starken Verun
sicherung des Beschwerdeführers und zur Angst vor einem Rezidiv
und den damit assoziierten beruflichen Folgen für die Zukunft geführt
. Die Kontrollver
lusterfahrung habe die Ängste und Sorgen bezüglich der beruflichen Zukunft erneut aktiviert. Diese Symptome würden per se starke Trigger für die hochauto
matisierte Reaktivierung des
Traumagedächtnisses
darstellen, was zu einer erheb
lichen Stressbelastung führe. Die Konzentration sei bei der Arbeit beim Auftreten einzelner Stressmomente (wenn plötzlich körperliche Symptome oder Angstge
fühle aktiviert werden) vorübergehend reduziert gewesen. Das Auftreten solcher Stressmomente und die damit verbundenen Symptome seien als Aktivierung des
Traumagedächtnisses
zu interpretieren (vgl. vorstehend E. 3.10).
5.4
Aufgrund dieser Ausführungen ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass es vor dem Hintergrund der nie vollständig verschwundenen posttraumatischen Symptome
zusammen mit den verstärkten somatischen und psychosomatischen Beschwerden zu einem erneuten Krankheitsausbruch kam. Aus dem Bericht der
B._
vom 1
1.
März 2020
geht hervor
, dass
es dem
Beschwerdeführer
schwergefallen
sei, einen Zugang zu seinem inneren, emo
tionalen Erleben aufzubauen. Immer wieder habe sich ein ausgeprägtes Gefühl der Hilflosigkeit und der Überforderung gezeigt, wenn es um das Erlernen von funktionalen Strategien zur Verbesserung der Emotionsregulation gegangen sei, wobei sich vermehrt somatische Symptome gezeigt hätten.
Insgesamt habe der Eindruck bestanden, dass beim Beschwerdeführer ein erschwerter Zugang zum inneren Erleben von Stimmungen und Emotionen bestanden habe, wobei schwer zu beurteilen sei, ob dies eher als grundsätzliche Problematik oder eine Folge des aktuell mittelgradig bis schwer ausgeprägten depressiven Erlebens und Verhal
tens sei.
Aufgrund dieser Schwierigkeiten habe beim Erarbeiten der Traumaland
karte sehr kleinschrittig vorgegangen werden müssen und habe einen langen Zeitraum in Anspruch genommen (vgl. vorstehend E. 3.11).
Die
se
fachärztlichen Ausführungen
weisen darauf hin
, dass das erlittene Trauma
vor dem Hintergrund der angedeuteten möglichen Prädisposition
bisher noch nicht (vollständig
und hinreichend
) verarbeitet wurde
.
So
wäre
es durchaus
denk
bar
, dass im Rahmen der intensiven Therapie kurz nach den Ereignissen
die Wieder
aufnahme der Arbeit und das Erlernen von Bewältigungsstrategien bei Auftreten erneute
r
Angst- und Stresssymptome im Vordergrund stand und die
Traumabewältigung
an sich in der eher kurzen Zeit
gar nicht angegangen oder vollständig abgeschlossen
werden konnte
.
Dafür spricht auch die Aussage des Versicherungs
psychiat
ers med.
pract
.
F._
, welcher darauf hin deutete, dass das Risiko bestehe, dass der Beschwerdeführer
eher zu Dissimulation neige und die Arbeitsbelastung allenfalls auch zu schnell gesteigert werde (vgl. vorstehend E.
3.8).
Dr.
G._
sah sich aufgrund der Schwere der erhobenen Befunde sogar veranlasst, den Beschwerdeführer für die Lokführertätigkeit - befristet - als un
tauglich zu schreiben (vgl. vorstehend E. 3.9).
5.5
Angesichts der vorliegenden Umstände
sind die beiden Personenunfälle vom Mai und September 2017
als
nach dem
gewöhnlichen
Lauf der Dinge
und der
allge
meinen
Lebenserfahrung
geeignet zu erachten,
innerhalb eines Jahres nach dem Ereignis Spätfolgen im Sinn der Behandlungsbedürftigkeit von psychischen Beschwer
den mit Arbeitsunfähigkeit zu bewirken.
Der adäquate Kausalzusam
menhang ist daher zu bejahen.
5.6
In
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde ist der angefochtene
Einsprache
entscheid
vom
2
0.
Februar 2020 (Referenz
«...»
,
Urk.
5/2)
mit der Fest
stellung
aufzuheben
,
dass die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin auch nach dem 3
1.
Oktober 2019 weiter besteht.
6.
Ausgangsgemäss ist
dem
Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung von Fr. 2‘
5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen (§ 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht;
GSVGer
).