Decision ID: 71f516a3-02ad-4e33-8c98-e98e61c928ce
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Mord
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 4. Mai 2017 (DG160284)
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Antrag:
Der Antrag auf Anordnung einer Massnahme für eine schuldunfähige Person der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 29. September 2016 ist diesem
Urteil beigeheftet (Urk. 19).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 90 S. 62 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte A._ den Tatbestand des Mordes im
Sinne von Art. 112 StGB im Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähig-
keit erfüllt hat.
2. Aufgrund der Schuldunfähigkeit der Beschuldigten im Zeitpunkt der Tathandlungen
wird von einer Strafe abgesehen.
3. Es wird festgestellt, dass sich die Beschuldigte bis und mit heute 747 Tage in
Untersuchungshaft sowie im vorzeitigen Strafvollzug befand.
4. Es wird eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB
(Behandlung von psychischen Störungen) angeordnet.
5. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin B._ wird
abgewiesen.
6. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin C._ wird abgewiesen.
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7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 4'200.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 10'000.00 Gebühr Anklagebehörde
CHF 450.00 Kosten Kantonspolizei
CHF 3'546.80 Auslagen Untersuchung
CHF 1'386.75 diverse Kosten (Therapiebericht)
CHF 59'880.75 Gutachten/Expertisen etc.
CHF 11'000.00 amtliche Verteidigung (akonto, bereits bezahlt)
CHF 21'464.80 amtliche Verteidigung
CHF 10'933.80 unentgeltlicher Rechtsbeistand RA Y._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die amtliche Verteidigerin wird (zusätzlich zu den bereits akonto ausbezahlten
CHF 11'000.00) mit CHF 21'464.80 (inkl. MwSt.) entschädigt.
9. Der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerin B._ wird mit CHF
10'933.80 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich die-
jenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privat-
klägerin B._, werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
11. (Mitteilungen)
12. (Rechtsmittel)
13. (Rechtsmittel)
14. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 f.)
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 109 S. 2)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Mai 2017 sei ausschliesslich in
Ziffer 1 des Dispositivs abzuändern und zwar dahingehend, dass festzu-
stellen sei, dass die Berufungsklägerin I den Tatbestand der fahrlässigen
Tötung (Art. 117 StGB) eventualiter des Totschlags (Art. 113 StGB) sub-
eventualiter der vorsätzlichen Tötung (Art. 111 StGB) im Zustand der nicht
selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit erfüllt habe.
2. Die Anträge der Berufungsklägerin II seien vollumfänglich abzuweisen.
- unter gerichtlich festzulegender Kosten- und Entschädigungsfolge.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 99 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatklägerschaft B._:
(Urk. 110 S. 1)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 4. Mai 2017 (DG160284-L) sei
betreffend die Ziffern 1 und 2 sowie 4 und 5 aufzuheben:
2. Die Beschuldigte sei des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB schuldig zu
sprechen, eventualiter begangen in selbstverschuldeter Unzurechnungs-
fähigkeit im Sinne von Art. 263 StGB.
3. Die Beschuldigte sei zu verpflichten, B._ eine Genugtuung in Höhe von
CHF 20'000.00 zzgl. Zins seit dem 18. April 2015 zu bezahlen.
4. Die Verfahrenskosten seien der Beschuldigten aufzuerlegen, die Kosten der
unentgeltlichen Geschädigtenvertretung auf die Staatskasse zu nehmen.
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Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Das vorstehend wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
3. Abteilung, vom 4. Mai 2017 wurde den Parteien gleichentags mündlich eröffnet
(Urk. 90 S. 64, Prot. I S. 33 f.). Am 9. Mai 2017 meldete die amtliche Verteidigung
der Beschuldigten Berufung an (Urk. 79), und am 12. Mai 2017 liess die Privat-
klägerin 1, B._, Berufung anmelden (Urk. 82). Nach Zustellung des begrün-
deten Urteils reichten die Verteidigung am 15. August 2017 und die Rechtsvertre-
tung der Privatklägerin 1 am 17. August 2017 dem Obergericht fristgerecht die
Berufungserklärungen ein (Urk. 93). Die amtliche Verteidigung stellte gleichzeitig
Beweisanträge (Urk. 93 S. 2). Mit Präsidialverfügung vom 22. August 2017 wurde
der Staatsanwaltschaft sowie den Privatklägerinnen 1 und 2 in Anwendung von
Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO die Berufungserklärung übermittelt, um gegebenen-
falls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu
beantragen. Ferner wurde ihnen Frist angesetzt, um zu den Beweisanträgen der
Beschuldigten Stellung zu nehmen (Urk. 97). Am 31. August 2017 erklärte die
Staatsanwaltschaft, die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und die Abwei-
sung der Beweisanträge der Beschuldigten zu beantragen (Urk. 99). Die Privat-
klägerin 1 liess am 8. September 2017 mitteilen, dass sie auf eine Stellungnahme
zu den Beweisanträgen der Beschuldigten verzichte (Urk. 100). Die Privatklägerin
2, C._, liess sich nicht vernehmen. Mit Präsidialverfügung vom 26. Septem-
ber 2017 wurden die Beweisanträge der Beschuldigten einstweilen abgewiesen
(Urk. 102).
1.2. In der Folge wurde am 14. Dezember 2017 auf den 5. April 2018 zur Beru-
fungsverhandlung vorgeladen (Urk. 104).
1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen sind die Beschuldigte in
Begleitung ihrer amtlichen Verteidigerin, der unentgeltliche Rechtsvertreter der
Privatklägerin B._ sowie der zuständige Staatsanwalt (Prot. II S. 5). Die Pri-
vatklägerin B._ hat sich krankheitshalber entschuldigten lassen (Prot. II S. 6).
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Vorfragen waren anlässlich der Berufungsverhandlung keine zu entscheiden und
– abgesehen von der persönlichen Befragung der Beschuldigten (Urk. 108) –
auch keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 7 f.). Das vorliegende Urteil erging
im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II S. 16 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Beschuldigte verlangt die Aufhebung der Qualifizierung der Tat als
Mord im Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit (Urk. 93,
Urk. 1, Urk. 109 S. 2). Während die Verteidigung in ihrer Berufungserklärung noch
beantragt hatte, die Tat als Körperverletzung zu qualifizieren, eventualiter als fahr-
lässige Tötung, jedenfalls begangen im Zustand der nicht selbst verschuldeten
Schuldunfähigkeit (Urk. 93 S. 1), stellte sie anlässlich der heutigen Berufungsver-
handlung neu den Antrag, es sei festzustellen, dass die Beschuldigte den Tatbe-
stand der fahrlässigen Tötung, eventualiter des Totschlages und subeventualiter
der vorsätzlichen Tötung im Zustand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfä-
higkeit erfüllt habe (Urk. 109 S. 2). Die Privatklägerin 1 verlangt demgegenüber
einen Schuldspruch wegen Mordes, eventualiter begangen in selbstverschuldeter
Schuldunfähigkeit im Sinne von Art. 263 StGB. Ferner ficht sie die Abweisung des
Genugtuungsbegehrens an und beantragt die Zusprechung einer Genugtuung in
der Höhe von Fr. 20'000.–. Die Abweisung des vor Vorinstanz gestellten Scha-
denersatzbegehrens wird hingegen akzeptiert (Urk. 95 S. 3 f., Urk. 110 S. 1).
2.2. Gegenstand des Berufungsverfahrens ist damit zunächst der Schuldpunkt
(Dispositivziffer 1 und 2). Zufolge Konnexität bezieht sich die Berufung der Be-
schuldigten aber auch auf die ausgesprochene Massnahme im Sinne von Art. 59
StGB (Dispositivziffer 4), da die Frage der Anordnung einer Massnahme nicht oh-
ne Würdigung der Anlasstat entschieden werden kann (vgl. BSK StPO II-Eugster,
2. Auflage 2015, Art. 399 N 7, Prot. II S. 7). Nicht angefochten und in Rechtskraft
erwachsen sind bei dieser Ausgangslage die Dispositivziffern 5 soweit das Scha-
denersatzbegehren betreffend, 6 (Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 2)
sowie das vorinstanzliche Kostendispositiv (Dispositivziffer 7 bis 10, Prot. II S. 7).
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3. Sachverhalt
3.1. Der Beschuldigten wird seitens der Anklagebehörde kurz zusammenge-
fasst vorgeworfen, am 18. April 2015 zwischen ca. 21:15 Uhr und 21:45 Uhr das
praktisch bettlägerige und im Alltag auf ihre Pflege und Hilfe angewiesene Opfer
†D._ in der gemeinsamen Wohnung am E._ [Strasse] ... in Zürich ... im
Rahmen eines Streites mit einer nicht näher bestimmbaren Vielzahl von Schlägen
mit seiner Unterarmgehhilfe derart auf den Kopf und Körper geschlagen zu ha-
ben, dass dieses aufgrund der dadurch erlittenen Verletzungen einen ausgedehn-
ten Blutverlust nach aussen sowie eine Lungenfettembolie erlitten habe, was letzt-
lich ca. sechs bis zehn Stunden später zu einem akuten Herzversagen und zum
Tod geführt habe. Dabei habe die Beschuldigte das schwer verletzte Opfer zwi-
schen Sofa und Salontisch auf dem Boden liegend zurückgelassen, ohne die-
sem in irgendeiner Weise geholfen zu haben oder diesem irgendwelche Hilfe zu-
kommen zu lassen (Urk. 19 S. 4 f.).
Die Beschuldigte habe dabei besonders skrupellos gehandelt, indem es sich für
die ihrer Meinung nach vom Opfer geäusserte Undankbarkeit habe rächen und es
für sein uneinsichtiges und provokatives Verhalten habe bestrafen wollen. Ferner
habe die Beschuldigte die Wehrlosigkeit des Opfers heimtückisch ausgenutzt und
besonders grausam gehandelt, indem sie mit der Krücke immer wieder auf das
Opfer eingedroschen und dieses schwer verletzt, hilflos und leidend am Tatort
zurückgelassen habe. Dadurch habe sie beim Opfer übermässig viele Qualen
bewirkt, welche zu einer blossen Tötung nicht notwendig gewesen wären. Die
Beschuldigte habe durch dieses Vorgehen und durch den Umstand, dass sie
nach der Tat verschiedene Personen besucht und Rauschmittel konsumiert habe
und erst in den Morgenstunden zurückgekehrt sei, eine grosse Kaltblütigkeit und
Gefühlskälte gezeigt. Dadurch habe die Beschuldigte das Leben des Opfers – im
Verhältnis zum geringfügigen Anlass bzw. verwerflichen Zweck der Tötung – in
aussergewöhnlich krasser Weise missachtet (Urk. 19 S. 5 f.).
Die Beschuldigte habe gewusst, dass sie sich in vorbeschriebener Weise ver-
halten habe, und dass dieses Verhalten zumindest möglicherweise zu den vor-
beschriebenen Folgen und dem Tod des Opfers führen konnte. Dabei sei sie im
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schweren Masse geisteskrank gewesen. Sie habe an einer undifferenzierten
Schizophrenie oder einer organischen schizophreniformen Störung aufgrund einer
HIV-Enzephalopathie gelitten. Im Zeitpunkt der Tat habe sie sich in einem
psychotischen Erregungszustand befunden und sei alkoholisiert gewesen. Die
rationalen Kontrollmechanismen hätten versagt und sie sei nicht in der Lage ge-
wesen, gemäss ihrer Einsicht in die Tat zu handeln (Urk. 19 S. 6).
3.2. Die Vorinstanz stützte sich bei der Sachverhaltserstellung vorab auf die
Aussagen der Beschuldigten und die Ergebnisse der forensischen Untersuchung.
Gestützt darauf erachtete sie den Sachverhalt gemäss Antrag der Staatsanwalt-
schaft als erstellt (Urk. 90 S. 41). Die von der Beschuldigten und ihrer Verteidi-
gung immer wieder ins Feld geführte Dritttäterhypothese erachtete die Vorinstanz
als unrealistisch, kaum denkbar und nach Würdigung sämtlicher vorhandener
Beweismittel als ausgeschlossen (Urk. 90 S. 41 f.).
3.3. Die Verteidigung kritisiert sowohl die Untersuchungsführung der Anklage-
behörde als auch die vorinstanzliche Sachverhaltserstellung. Die ermittelnde
Staatsanwaltschaft habe den Tathergang – trotz offensichtlicher Ungereimtheiten
– ohne die rechtserheblichen Beweise zu erheben pauschalisiert zusammen-
gefasst und die Vorinstanz habe die von der Verteidigung vorgebrachten Unge-
reimtheiten nicht entsprechend verwertet. Es könne nicht angehen, dass der Be-
schuldigten zwar die Schuld an der Tat abgesprochen werde (was aufgrund ihrer
nachgewiesenen Erkrankung auch richtig sei), gleichzeitig aber – ohne einläss-
liche Prüfung des Sachverhaltes – Mord angenommen werde (Urk. 109 S. 3 f.).
3.4. Die Kritik der Verteidigung ist unbegründet. Wie nachfolgend aufzuzeigen
sein wird, erweist sich das von der Anklagebehörde präsentierte Beweisfunda-
ment für die Sachverhaltserstellung als ausreichend. Sodann hat die Vorinstanz
die relevante Beweislage ganz grossmehrheitlich richtig erfasst und daraus die
zutreffenden Schlüsse gezogen. Auf die ausführliche und sorgfältige Beweis-
würdigung der Vorinstanz wird im Folgenden wiederholt zu verweisen sein.
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3.5. Zunächst zu verweisen ist auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausfüh-
rungen, wie bei der Sachverhaltserstellung in theoretischer Hinsicht vorzugehen
ist (Urk. 90 S. 28 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.6. Weiter hat die Vorinstanz ausführlich, sorgfältig und zutreffend die mass-
geblichen Aussagen all jener Personen zusammengefasst, die Angaben zum Ge-
schehensablauf in der Tatnacht machen konnten (Urk. 90 S. 5 ff.). Auch darauf
kann vollumfänglich verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.7. Unbestritten ist, dass die Beschuldigte mit dem Opfer alleine in der Woh-
nung war (Urk. 72 S. 3, Urk. 90 S. 27, Urk. 108 S. 11).
3.8. Aufgrund des bei den Akten liegenden und von keiner Partei in Zweifel ge-
zogenen Gutachtens des Instituts für Rechtsmedizin vom 31. Juli 2015 sind mit
der Vorinstanz sodann das Verletzungsbild sowie die Todesursache des Opfers
erstellt (Urk. 5/8, Urk. 90 S. 23 f., Urk. 109 S. 3). Gemäss dem morphometrischen
Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 23. März 2016 sind vier Ver-
letzungsbefunde (oberflächliche Hautläsion mit Wundgrund an der rechten Ober-
schenkelstreckseite, oberflächliche Hautläsionen an der Unterschenkelstrecksei-
te, zwei doppelkonturige Hautdefekte am linken Knie) hinsichtlich Mass und Form
eindeutig der Unterarmgehstütze des Opfers bzw. Bestandteilen davon zuzuord-
nen (Urk. 5/9 S. 6 ff., Urk. 90 S. 25 f.). Hinsichtlich der weiteren Verletzungen
konnte dagegen nicht geklärt werden, ob als Tatwaffe nicht auch die Unterarm-
gehstütze von F._, der mit der Beschuldigten am Morgen an den Tatort zu-
rückgekommen war (Urk. 1/10 S. 3 f., Urk. 3.2/4 S. 3), in Frage kommen könnte
(Urk. 5/9 S. 8 f., Urk. 5/13 S. 3). Im Gutachten wurde aber festgehalten, dass sich
keine der oberflächlich ersichtlichen Verletzungsbefunde am Körper des Opfers
und der vermuteten Tatwaffe hinsichtlich Mass und Form ausschliessen liessen
(Urk. 5/9 S. 8 f.).
Ungeklärt bleibt mit der Vorinstanz, wie sich das Opfer die in der Anklageschrift
aufgezählten Verletzungen aufgrund scharfer bzw. halbscharfer Gewalteinwirkung
zugezogen hat (Urk. 90 S. 37, Urk. 19 S. 4, vgl. zu den Verletzungen auch das
Gutachten zum Todesfall des Instituts für Rechtsmedizin vom 31. Juli 2015
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[Urk. 5/8 S. 5]). Das Gutachten zum Todesfall nennt als mögliche Ursache für die
Verletzungen durch scharfe Gewalteinwirkung z.B. Glasscherben (Urk. 5/8 S.7).
Wie die Vorinstanz überzeugend hergeleitet hat, ist aufgrund der am Tatort sowie
von den Kleidungsstücken der Beschuldigten sichergestellten Glasscherben er-
stellt, dass in Gegenwart der Beschuldigten im Wohnzimmer Glas in die Brüche
gegangen war (Urk. 90 S. 36 f. mit Verweis auf Urk. 4/10 S. 4 f.). Da es sowohl
auf dem Boden, dem Glastisch als auch auf dem Sofa Glasscherben hatte, ist mit
der Vorinstanz zugunsten der Beschuldigten davon auszugehen, dass sich das
Opfer die Schnittwunden im Laufe der Nacht selbst zugefügt haben könnte, indem
es sich beispielweise aufzurichten versuchte oder andere Eigenbewegungen
machte (Urk. 90 S. 37). Offen bleiben muss unter Verweis auf die Erwägungen
der Vorinstanz, wie die ca. 3 cm durchmessende Glasscherbe in den Rachen des
Opfers gelangte, weshalb diese Verletzung auch keinen Eingang in den Antrag
der Staatsanwaltschaft fand (Urk. 90 S. S. 37 mit Verweis auf Urk. 5/8 S. 8, vgl.
Urk. 19 S. 3 f.).
3.9. Aufgrund der objektiven Beweislage ist erstellt, dass das Opfer mit seiner
Unterarmgehstütze geschlagen wurde. Sodann spricht alles dafür, dass †D._
– wie in der Anklageschrift umschrieben – letztlich an den Folgen der Verletzun-
gen dieser Schläge verstorben ist. Dass dem so war, wird von der Verteidigung
und grundsätzlich auch von der Beschuldigten nicht in Frage gestellt (vgl. Urk. 72
S. 9, Urk. 3.1/5 S. 4, Urk. 109 S. 3), auch wenn die Beschuldigte anlässlich der
Berufungsverhandlung am Schluss ihrer persönlichen Befragung noch anmerkte,
dass †D._ womöglich auch wegen seiner Krankheit nicht mehr am Leben
sein könnte (Urk. 108 S. 15).
3.10. Zu klären verbleibt, ob der Beschuldigten die Alleintäterschaft nachgewie-
sen werden kann. Die Verteidigung hält es für möglich, dass – nachdem die Be-
schuldigte die Wohnung verlassen hatte – noch jemand anderer in der Wohnung
des Opfers gewesen sein könnte und dieser dem Opfer die lebensgefährlichen
Verletzungen zugefügt haben könnte (Urk. 72 S. 9, 12 f., 15; Urk. 109 S. 4). Auch
die Beschuldigte mutmasste im Verlaufe des Verfahrens, dass es möglich sei,
dass eine andere Person †D._ lebensgefährlich verletzt haben könnte
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(Urk. 3.1/4 S. 19). Anlässlich der Berufungsverhandlung hat sie sich jedoch nicht
mehr dahingehend geäussert. Auf die Frage, was ihrer Ansicht nach ursächlich
für den Tod von D._ gewesen sein könnte, entgegnete die Beschuldigte,
dass sie nicht wisse, ob sie Schuld gewesen sei und ob er aufgrund ihrer Schläge
gestorben sei (Urk. 108 S. 13). Sie habe ihn schon geschlagen, aber nicht so viel.
Sie habe die Kontrolle verloren. Sie habe ihn nicht umbringen wollen. Sie habe
getrunken und Kokain genommen. Es sei nicht ihre Absicht gewesen, das zu tun
(Urk. 108 S. 8). Eine mögliche Dritttäterschaft wurde nicht erwähnt. Damit stellt
die Beschuldigte den Tatvorwurf nicht (mehr) grundsätzlich in Abrede bzw. erach-
tet es zumindest als möglich, dass sie es gewesen sein könnte, die †D._ ge-
tötet hatte, auch wenn sie betont, dass sie es nicht habe tun wollen (Urk. 108 S.
8, 15).
3.11. Wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, bestehen für die Annahme einer
Dritttäterschaft keinerlei Anhaltspunkte, wie dies bereits die Vorinstanz überzeu-
gend dargestellt hat (Urk. 90 S. 39 ff.). Vielmehr muss nach Würdigung der Aus-
sagen der Beschuldigten und der übrigen Beweisergebnisse davon ausgegangen
werden, dass es die Beschuldigte war, die das Opfer mit der Unterarmgehstütze
derart geschlagen hatte, dass dieses an den Folgen der Verletzungen verstarb.
Davon scheint angesichts der gestellten Anträge und Eventualanträge auf fahr-
lässige Tötung bzw. Totschlags bzw. vorsätzlicher Tötung (im Zustand der nicht
selbst verschuldeten Zurechnungsunfähigkeit) nunmehr auch die Verteidigung
auszugehen (vgl. vorstehende Erw. 2.1), auch wenn sie festhält, dass sie nach
wie vor von der möglichen Dritttäterschaft ausgehe und insofern die Überprüfung
der bereits im erstinstanzlichen Verfahren vorgetragenen Zweifel erbittet (Urk. 109
S. 4).
3.11.1. Zunächst ist festzuhalten, dass die Aussagen der Beschuldigten trotz ihrer
gutachterlich festgestellten Erkrankung der richterlichen Aussagewürdigung ohne
Weiteres zugänglich sind. Die Würdigung von Beweisen gehört zu den Kernauf-
gaben des Gerichts. Eine Beurteilung der Glaubwürdigkeit von Parteien und der
Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen ist somit in der Regel durch dieses vorzunehmen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_113/2017 vom 26. September 2017 E. 1.2 mit
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Hinweisen). Im Rahmen des forensisch-psychiatrischen Gutachtens von Dr. med.
G._, Gutachtenstelle der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, vom 8.
Februar 2016 wurde bei der Beschuldigten eine Geisteskrankheit schweren Aus-
masses, namentlich eine undifferenzierte Schizophrenie bzw. differentialdiagnos-
tisch eine organisch schizophreniforme Störung auf dem Boden einer HIV-
Enzephalopathie diagnostiziert (Urk. 6/5 S. 52, 67). Gemäss dem Gutachten lasse
sich ein Ausmass an kognitiven Defiziten (Konzentration, Auffassung, Gedächt-
nis) feststellen, das über das übliche Mass schizophrener Erkrankungen hinaus-
gehe und für eine zusätzliche hirnorganische Beteiligung des Zustandsbildes
spreche, wobei eventuell auch hirnorganische Defizite im Rahmen der
bei der Beschuldigten bestehenden HIV-Infektion verantwortlich sein könnten
(Urk. 6/5 S. 56). Es liegt auf der Hand, dass sich erhebliche kognitive Defizite auf
das Aussageverhalten auswirken können, wovon auch vorliegend auszugehen ist.
So führte die Gutachterin anlässlich der Hauptverhandlung etwa aus, dass das
Gedächtnis Lücken zu füllen versuche, wenn es sich Dinge nicht erklären könne.
So sehe sie die widersprüchlichen Aussagen der Beschuldigten (Prot. I S. 21).
Auch im Gutachten wird auf das widersprüchliche Aussageverhalten und das Vor-
liegen von Gedächtnislücken sowie Wahnideen hingewiesen (Urk. 6/5 S. 52, 60,
62). Das bedeutet aber nicht, dass die Aussagen der Beschuldigten deshalb einer
richterlichen Aussagewürdigung nicht zugänglich wären. Vielmehr ist die kognitive
Einschränkung bei der Aussagewürdigung mit zu berücksichtigen, wie dies bereits
die Vorinstanz getan hat (Urk. 90 S. 29 f.). Es liegen aber keine Anhaltspunkte
vor, dass die geistige Störung die Aussageehrlichkeit der Beschuldigten be-
einträchtigen würde. Vielmehr ist dem Gutachten zu entnehmen, dass die Be-
schuldigte weder über den Bildungsstand noch über die kognitiven Fähigkeiten
verfüge, über längere Zeit zu täuschen (Urk. 6/5 S. 63), worauf auch die Verteidi-
gung verweist (Urk. 109 S. 5).
3.11.2. Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 93 S. 1) gibt es sodann
keine Veranlassung, aufgrund des psychotischen Zustandes, in dem sich die
Beschuldigte gemäss gutachterlicher Einschätzung zum Tatzeitpunkt befunden
hatte, an der Wahrnehmungsfähigkeit der Beschuldigten zu zweifeln. Dass die
Beschuldigte durchaus in der Lage ist, über das Geschehene zu berichten, zeigt
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sich in ihren Aussagen zum eigentlichen Tatablauf. Wie nachfolgend aufzuzeigen
sein wird, schildert die Beschuldigte das Tatvorgehen sowie ihren damaligen Ge-
mütszustand zumindest zweitweise ziemlich detailliert. Es trifft denn auch nicht
zu, wenn die Verteidigung zusammenfassend festhält, die Vorinstanz sei zum
Schluss gekommen, dass die Beschuldigte die Schläge gegen das Opfer nicht
glaubhaft habe wiedergeben können, weshalb auf den Obduktionsbericht abzu-
stellen sei (Urk. 93 S. 1 mit Verweis auf I. Ziff. 2.5 des Urteils [Urk. 90 S. 29 f.]).
Solches wurde von der Vorinstanz nicht festgestellt. Vielmehr ist dem vorinstanz-
lichen Urteil der Schluss zu entnehmen, dass sich die in der ersten staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme zur Sache gemachten Angaben der Beschuldigten
hinsichtlich der Schläge mit dem übrigen Untersuchungsergebnissen deckten
(Urk. 90 S. 9 ff., 30).
3.11.3. Hervorzuheben ist, dass die Beschuldigte zumindest zeitweise geständig
war, das Opfer getötet zu haben. Nachdem sie in der ersten polizeilichen Einver-
nahme als Auskunftsperson zunächst noch angegeben hatte, dass sie es gewe-
sen sei, die †D._ verletzt habe, was sie dann aber sogleich wieder verneinte
(Urk. 3.1/1 S. 10 ff.), erklärte sie in der Hafteinvernahme, dass ihm niemand et-
was getan habe. Er sei auf den Boden gefallen (Urk. 3.1/2 S. 24 f., 30). Ab und zu
falle er um und verletze sich (Urk. 3.1/2 S. 33). Sie habe keine Auseinanderset-
zung mit ihm gehabt (Urk. 3.1/2 S. 35). In der ersten staatsanwaltschaftlichen
Einvernahme zur Sache am 22. April 2015 entschuldigte sie sich dann aber für
die Tötung von †D._ (Urk. 3.1/3 S. 2) und in der Einvernahme vom 29. März
2016 anerkannte sie auch, dem Opfer die im Gutachten des Instituts für Rechts-
medizin vom 31. Juli 2017 dokumentierten Verletzungen zugefügt zu haben
(Urk. 3.1/4 S. 8). In der Einvernahme vom 27. September 2016 stellte sie dann
aber wieder in Abrede, das Opfer überhaupt verletzt zu haben. Sie habe ihn zwar
mit der Krücke geschlagen, er sei aber nicht verletzt gewesen. Als Erklärungsver-
such für den Tod von †D._ gab sie an, dass es eine andere Person gewesen
sein müsse, die ihn verletzt habe (Urk. 3.1/5 S. 3 f.). Auch an der Hauptverhand-
lung gab sie an, dass †D._ keine Verletzungen gehabt habe, als sie die
Wohnung verlassen habe. Es sei lediglich zu Tätlichkeiten gekommen. Sie hätten
sich gegenseitig ein wenig geschlagen (Urk. 68 S. 12 f., 15 f.). Gleichwohl ent-
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schuldigte sie sich am Ende der Einvernahme für den Tod von †D._ (Urk. 68
S. 17). Auch heute vor Berufungsgericht stellte sie wie gesehen den Tatvorwurf
nicht mehr ausdrücklich in Abrede bzw. erachtete es zumindest als möglich,
†D._ mit ihren Schlägen getötet zu haben (vgl. vorstehende Erw. 3.10).
Gleichwohl mutmasste sie dann wiederum, dass es auch an seiner Krankheit lie-
gen könnte, dass †D._ gestorben sei (Urk. 108 S. 15). Zumindest zeitweise
war die Beschuldigte damit geständig, das Opfer durch ihre Schläge dermassen
verletzt zu haben, so dass dieses an den Folgen der Verletzungen verstarb, auch
wenn sie immer wieder festgehalten hat, dass es nicht ihre Absicht gewesen sei,
das Opfer zu töten (vgl. zur angeblich fehlenden Tötungsabsicht nachstehende
Erw. 4.4.3). Darauf ist sie zu behaften. Daran vermögen auch die nachgeschobe-
nen Entlastungsversuche wie das Aufstellen einer Dritttäterhypothese bzw. das
Abschwächen des eingestandenen Tatbeitrages nichts zu ändern, zumal sich das
Geständnis mit der Tatortsituation und dem übrigen Beweisergebnis vereinbaren
lässt. Es bestehen insbesondere auch keine Anhaltspunkte dafür, dass das pha-
senweise Zugeständnis der Beschuldigten, den Tod von †D._ verursacht zu
haben, zu Unrecht erfolgt sein könnte.
3.11.4. Es liegt auf der Hand, dass die anfänglichen Aussagen, wonach dem Op-
fer niemand etwas getan habe bzw. er wohl gestürzt sei, bewusst wahrheitswidrig
erfolgten. Dass die Beschuldigte das Opfer geschlagen hat, ist wie gesehen
erstellt. Aber auch die Sachdarstellung der Beschuldigten, wonach sie †D._
zwar geschlagen, nicht aber (schwer) verletzt haben will, lässt sich – mit der Vo-
rinstanz (Urk. 90 S. 33) – schon durch ihre eigenen Angaben zum Tatvorgehen
widerlegen.
In der ersten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme zur Sache vom 22. April 2015
zu den Schlägen befragt, schilderte die Beschuldigte, dass sie seitlich mit der
Krücke ausgeholt habe. Mehrere Male. Sie habe ihn überall getroffen. Seitlich am
Arm an der rechten Seite, gegen den rechten Oberarm (Urk. 3.1/3 S. 13). Sie ha-
be auch gegen den Brustkorb und Oberschenkel geschlagen. Die Frage, ob sie
versucht habe, ein bestimmtes Körperteil zu treffen, verneinte sie. Sie habe ein-
fach zugeschlagen (Urk. 3.1/3 S. 14). Sie wisse nicht mehr, ob es am Bein, an der
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Seite oder am Kopf gewesen sei. Die Frage, ob er sich mit den Händen habe
schützen wollen, bejahte sie. Er habe versucht, den Stock zu nehmen (Urk. 3.1/3
S. 16). Sie habe einfach zugeschlagen, überall. Auf entsprechende Frage erklärte
sie, den Stock nur mit einer Hand geführt zu haben. Sie habe mit Kraft geschla-
gen, aber nicht mit voller Kraft. Sie hätte auch noch stärker zuschlagen können.
Sie sei auch nicht so stark gewesen, da sie besoffen gewesen sei. Beim Schlagen
sei die Kralle am Fusse der Krücke abgefallen. Auf entsprechende Frage führte
sie aus, dass es möglich sei, dass die Krücke beim Schlagen kaputt gegangen sei
(Urk. 3.1/3 S. 17 f.). Sie habe ihn nicht auf den Kopf schlagen wollen. Der Stock
sei einfach über den Kopf gegangen (Urk. 3.1/3 S. 21). In der Einvernahme vom
29. März 2016 führte sie aus, gegen die Arme und Beine geschlagen zu haben.
Sie habe einfach zugeschlagen und habe nicht gewusst wo. †D._ habe sich
geschützt und hierzu zeitweise die Hände gehoben (Urk. 3.1/4 S. 11 f.). Die Krü-
cke habe sie mit beiden Händen gehalten (Urk. 3.1/4 S. 23). Nach der Dauer der
Schläge befragt, gab sie an, dass es vielleicht zehn Minuten gedauert habe
(Urk. 3.1/3 S. 34). Später im Verfahren verneinte sie, das Opfer auch auf den
Kopf geschlagen zu haben (Urk. 3.1/5 S. 3). Vor Berufungsgericht erklärte sie,
das alles nicht erklären zu können. Sie wisse es nicht mehr (Urk. 108 S. 11). Sie
habe schon geschlagen, aber nicht so viel. Sie habe die Kontrolle verloren
(Urk. 108 S. 8).
Nach dem Gemütszustand befragt, gab sie konstant an, wütend bzw. sehr wütend
gewesen zu sein (Urk. 3.1/3 S. 2, 20; Urk. 3.1/5 S. 11; Prot. I S. 14, Urk. 68 S. 14,
Urk. 108 S. 10, vgl. auch nachstehende Erw. 3.14). Sie sei einfach weg gewesen.
Emotionslos (Urk. 3.1/3 S. 19). Sie habe einfach zuschlagen wollen. Sie habe ein-
fach weitermachen wollen. Ihr Kopf sei "rund und rund" gegangen. Das Gefühl
habe sie noch nie gehabt (Urk. 3.1/4 S. 11). Sie habe keine Kontrolle gehabt über
sich und nicht anders gekonnt (Urk. 3.1/4 S. 16). Heute führte sie aus, wütend
und betrunken gewesen zu sein und auch Angst gehabt zu haben. All diese
Emotionen seien zusammen gekommen (Urk. 108 S. 10).
Mit der Vorinstanz führt das von der Beschuldigten beschriebene Vorgehen un-
weigerlich zu erheblichen Verletzungen (Urk. 90 S. 33). Daran ändert auch nichts,
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wenn die Beschuldigte ausführt, nicht mit voller Kraft geschlagen zu haben. Der
von der Beschuldigten selbst beschriebene emotionale Zustand während der Tat-
begehung spricht eindeutig gegen einen dosierten Krafteinsatz. Für einen erheb-
lichen Kraftaufwand spricht auch der Umstand, dass während den Schlägen – wie
von der Beschuldigten selbst geschildert – die Kralle am Fusse der Krücke abge-
fallen war und sie es zumindest zeitweise auch für möglich gehalten hat, dass die
Krücke aufgrund ihrer Schläge kaputt gegangen sein könnte (Urk. 3.1/3 S. 18,
Urk. 90 S. 34). Mit der Vorinstanz ist darauf hinzuweisen, dass sich der Einwand
der Beschuldigten, wonach †D._ nicht bzw. nur wenig geblutet habe, als sie
gegangen sei (vgl. Urk. 3.1/3 S. 22, 25, 36), durch den Umstand erklären lässt,
dass das Opfer über mehrere Stunden hinweg schwerstens verletzt in der Woh-
nung zurückgelassen wurde und aus zahlreichen offenen Wunden blutete (Urk.
90 S. 38). Vor diesem Hintergrund erscheint es nachvollziehbar, dass sich Stun-
den später ein anderes Bild präsentierte. Dabei ist durchaus denkbar, dass die
Verletzungen dannzumal aufgrund des in der Zwischenzeit ausgelaufenen Blutes
subjektiv als gravierender wahrgenommen wurden.
3.11.5. Nach Würdigung der Aussagen der Beschuldigten spricht damit alles für
eine Täterschaft der Beschuldigten. Die Versuche der Beschuldigten, ihren
Tatbeitrag zeitweise geringer erscheinen zu lassen, gehen fehl. Überdies kann
die Beschuldigte auch keinen plausiblen Grund für ein – angeblich – falsches
Geständnis angeben.
3.12. Einzig auszuschliessen verbleibt, dass es eine andere Person als die
Beschuldigte gewesen sein könnte, die – nachdem bereits die Beschuldigte das
Opfer geschlagen hatte – weiter auf das Opfer eingeschlagen haben könnte und
dass schliesslich diese Schläge – und eben nicht jene der Beschuldigten –
ursächlich für den Tod des Opfers hätten sein können.
Die Annahme einer solchen Dritttäterschaft erscheint mit der Vorinstanz aber als
äusserst unrealistisch und kaum denkbar (Urk. 90 S. 41) und auch die Beschul-
digte selbst hält vor Berufungsgericht nicht mehr an dieser Hypothese fest
(vgl. vorstehende Erw. 3.10). Schliesslich entspricht die von der Verteidigung vor
- 17 -
Vorinstanz ins Feld geführte Dritttäterhypothese wie gesehen auch nicht den vor
Berufungsgericht gestellten Anträgen (vgl. vorstehende Erw. 3.11).
Gegen die Annahme einer Dritttäterschaft spricht – neben den Aussagen der
Beschuldigten – insbesondere die Tatsituation. Wie aus der Fotodokumentation
sowie dem Untersuchungsbericht des Forensischen Instituts Zürich ersichtlich,
lagen auch nach der Tat auf dem Sofatisch unmittelbar vor dem Opfer eine Bar-
geldnote von Fr. 50.– sowie ein Portemonnaie mit Fr. 200.– (Urk. 2/3 S. 3 f.,
Urk. 4/10 S. 5). Mithin wurden keine Wertgegenstände gestohlen, obschon solche
vorhanden waren. Ein Einschleichdieb ist als Täter somit nicht zu vermuten, zu-
mal mit der Vorinstanz keine Hinweise darauf vorliegen, dass die Fenster oder die
Tür zur Wohnung manipuliert worden wären. Ebenso konnten mit der Vorinstanz
anlässlich der Spurensicherung keine Hinweise erkannt werden, dass jemand
durch das einen Spalt weit geöffnete Küchenfenster eingestiegen wäre (Urk. 90
S. 40 f. mit Verweis auf Urk. 4/10 S. 4). Gegen die Täterschaft eines Unbekannten
spricht mit der Vorinstanz auch die Schliesssituation. Gemäss der Beschuldigten
habe sie die Wohnungstüre abgeschlossen, als sie gegangen sei und wieder auf-
geschlossen, als sie am frühen Morgen zurückgekehrt sei (Urk. 3.1/1 S. 10,
Urk. 3.1/2 S. 23, 32, Urk. 3.1/3 S. 33). Wenn also – nachdem die Beschuldigte die
Wohnung verlassen hatte – tatsächlich noch jemand gekommen wäre, um das
bereits traktierte Opfer weiterzuschlagen, was doch sehr unwahrscheinlich er-
scheint, dann hätte es jemand mit einem Schlüssel gewesen sein müssen, der
nach der Tat die Türe auch wieder hätte verschliessen können. Auch die Be-
schuldigte selbst ging davon aus, dass es jemand mit einem Schlüssel gewesen
sei (Urk. 3.1/5 S. 4). Diesbezüglich ist mit der Vorinstanz zu berücksichtigen, dass
tatsächlich lediglich zwei Schlüsselpaare, namentlich jene der Beschuldigten
sowie des Opfers, sichergestellt werden konnten, wobei gemäss Liegenschafts-
verwaltung drei Schlüsselpaare (Wohnungs- und Aussentüre) ausgehändigt wor-
den seien und bei diesem Schlüsseltyp auch Duplikate hätten angefertigt werden
können (Urk. 90 S. 40, Urk. 8/6). Damit verbleibt – mit der Verteidigung (Urk. 72
S. 15, Urk. 109 S. 4) – die Möglichkeit, dass sich ein Dritter mit einem Schlüssel
Zutritt zur Wohnung verschafft haben könnte und mit der gleichen Vorgehenswei-
se wie zuvor die Beschuldigte ebenso mit der Unterarmgehstütze auf das bereits
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traktierte Opfer eingeschlagen haben könnte. Dies hätte sich aber in zeitlicher
Nähe zum Übergriff der Beschuldigten ereignen müssen, da gemäss dem Er-
gänzungsgutachten des Instituts für Rechtsmedizin vom 28. Juni 2016 nicht von
mehreren, zeitlich zueinander deutlich abgegrenzten Vorgängen auszugehen sei
(Urk. 5/13 S. 3, vgl. dazu schon die Vorinstanz: Urk. 90 S. 35, 41). Das erscheint
zwar rein theoretisch möglich, aber reichlich unwahrscheinlich. Auch waren weder
die Beschuldigte noch die Verteidigung in der Lage, die konstruiert wirkende Dritt-
täterhypothese auch nur ansatzweise zu substantiieren. Daran ändern auch die
Aussagen von Hauswart H._ nichts, der bei seiner Einvernahme bei der Kan-
tonspolizei einen "freundlichen jungen schwarzen Mann" erwähnte, der einen
Schlüssel gehabt haben und vor ca. zwei oder drei Monaten vielleicht zwei- oder
dreimal vorbeigekommen sein soll (Urk. 3.3/2 S. 7). Selbst wenn noch mehrere
Schlüssel zur Wohnung im Umlauf gewesen sein sollten, liegen keinerlei Anhalts-
punkte dafür vor, dass dieser junge Mann oder auch sonst jemand, just in der
Nacht, in der die Beschuldigte das Opfer traktiert und hernach die Wohnung ver-
lassen hatte, sehr zeitnah aufgetaucht wäre, um dann †D._ – genau gleich
wie zuvor auch schon die Beschuldigte – mit der Unterarmgehstütze zu schlagen,
und zwar so heftig, dass das Opfer hernach an den Folgen verstarb. Das wäre in
mehrfacher Hinsicht ein ausserordentlicher Zufall und als sehr unwahrscheinlich
anzunehmen, zumal auch das Verletzungsbild gegen die Annahme einer Dritttä-
terschaft spricht. Die Gewalt, mit der auf das Opfer eingewirkt wurde, ging näm-
lich weit über das Notwendige hinaus, um es einfach zusammenzuschlagen (vgl.
für das Verletzungsbild das rechtsmedizinische Gutachten, Urk. 5/8 S. 8 f.). Die
Schläge waren derart heftig, dass die Unterarmgehstütze daran zerbrochen war,
und auch danach wurden die Schläge fortgesetzt, was sich daran zeigt, dass im
Innern des Aluminiumrohrs Blut des Opfers festgestellt wurde (Urk. 90 S. 34 mit
Verweis auf Urk. 4/2 S. 4 und 4/10 S. 11). Sodann sprechen auch die im Untersu-
chungsbericht des Forensischen Instituts Zürich vom 16. Juni 2015 dokumentier-
ten Blutspritzer an der Wand für einen kraftvollen Einsatz der Unterarmgehstütze
(Urk. 90 S. 34 mit Verweis auf Urk. 4/10 S. 4). Diese Aggressions-Eruption lässt
auf eine sehr hohe und im Tatzeitpunkt unkontrollierte Emotionalität der Täter-
schaft schliessen. Genau ein solcher Gemütszustand wurde von der Beschuldig-
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ten beschrieben. Es ist deshalb nicht anzunehmen, dass in der gleichen Nacht
ungefähr zur gleichen Zeit noch eine zweite Person unabhängig von der Beschul-
digten ihre Aggressionen derart gegenüber dem Opfer ausgelassen haben könnte
– gegenüber einem Opfer notabene, welches durch die ersten Schläge der Be-
schuldigten bereits beeinträchtigt gewesen sein müsste. Schliesslich fehlt es in
den Akten auch an jeglichen Anzeichen, dass eine mit Schlüssel ausgestattete
Drittperson ein Motiv gehabt haben könnte, das Opfer – wie gutachterlich festge-
stellt – zu traktieren und ihm die vorliegend erstellten tödlichen Verletzungen zu-
zufügen. Diese Sachverhaltsvariante geht damit nicht über eine lediglich rein the-
oretisch denkbare Möglichkeit hinaus, für welche keinerlei konkreten Anhaltspunk-
te bestehen und welche keinen Anlass für erhebliche Zweifel gibt.
3.13. Mit der Vorinstanz ist damit der äussere Sachverhalt gemäss Antrag der
Staatsanwaltschaft betreffend das Traktieren mit der Unterarmgehstütze sowie
hinsichtlich der daraus resultierenden Verletzungen sowie Verletzungsfolgen er-
stellt (Urk. 90 S. 34, 41 f.; Urk. 19, Anklageziffer 1.1-1.3, 1.5). Einzig die im Antrag
der Staatsanwaltschaft umschriebenen Verletzungen durch scharfe bzw. halb-
scharfe Gewalteinwirkung können nicht rechtsgenügend als durch die Beschuldig-
te verursacht gelten (vgl. vorstehende Erw. 3.8).
3.14. Erstellt ist auch, dass der Tat ein Streit vorausgegangen war, auch wenn
die Beschuldigte unterschiedliche Angaben dazu machte, was der Auslöser die-
ses Streites war (vgl. Urk. 90 S. 5 ff., Urk. 19 Ziff. 1.2). Es kann der Vorinstanz un-
ter Verweis auf ihre zutreffenden Erwägungen vollumfänglich gefolgt werden,
wenn sie – zugunsten der Beschuldigten – davon ausgeht, dass alle von der Be-
schuldigten erwähnten Elemente im Zusammenspiel mit der zunehmenden Alko-
holisierung der Beschuldigten und des Opfers eine Rolle gespielt hätten (Urk. 90
S. 32). Heute führte die Beschuldigte aus, dass sie sehr viel gestritten hätten, sie
aber nicht mehr wisse, um was es gegangen sei (Urk. 108 S. 9). Wiederum be-
stätigte sie, betrunken gewesen zu sein und gab zusätzlich an, bereits vor der
Auseinandersetzung Kokain konsumiert zu haben (Urk. 108 S. 8 ff.). Mit der Vor-
instanz ist gestützt auf die Aussagen der Beschuldigten davon auszugehen, dass
†D._ ungehalten war, weil die Beschuldigte die Polizei gerufen hatte (a.a.O.,
- 20 -
Urk. 3.1/3 S. 10). Weiter ist davon auszugehen, dass †D._ erbost darüber
war, dass die Beschuldigte ihm in Aussicht gestellt hatte, ihn zu verlassen, weil
sie genug habe vom Waschen, Putzen und Kochen (a.a.O., Urk. 3./1.3 S. 2 f.,
10), woraufhin er ihr gedroht habe, sie mit einem Messer zu erstechen, wie er
dies – gemäss Aussagen der Beschuldigten – bereits mit seiner früheren Ehefrau
gemacht haben soll (a.a.O., Urk. 3./1.3 S. 2 f., 10 f., 21; Urk. 108 S. 10). Aus den
Ausführungen der Beschuldigten geht sodann hervor, dass sie ihn als undankbar
wahrgenommen hatte (Urk. 3.1/3 S. 21). Ferner sei er frech gewesen (Urk. 3.1/4
S. 9). Sie sei wütend gewesen, weil eine fremde Person in der Wohnung gewesen
sei und ihre Unterwäsche nicht mehr dort gewesen sei. †D._ habe ihr aber
nicht sagen wollen, wer es gewesen sei (Urk. 68 S. 11 f., 14 f., vgl. auch Urk. 109
S. 10).
3.15. Fest steht sodann, dass die Beschuldigte – wie in der Anklageschrift um-
schrieben (Urk. 19 Ziff. 1.4) – das Opfer nach den Schlägen in der Wohnung zu-
rückgelassen hat und dieses erst Hilfe erhielt, als die Beschuldigte früh morgens
zusammen mit F._ in die Wohnung zurückgekehrt war (Urk. 3.1/3 S. 2, 22,
28, 37; Urk. 68 S. 12 f., Urk. 72 S. 9). Aufgrund der bei den Akten liegenden Ab-
schrift des aufgezeichneten Telefongesprächs mit der Notrufzentrale steht fest,
dass es F._ war, der um 06:40 Uhr vom Festnetz aus die Sanität alarmierte
(Urk. 1/10 S. 3). Mithin entspricht es nicht den Tatsachen, wenn die Beschuldigte
zumindest zeitweise angegeben hatte, dass sie es gewesen sei, welche die Sani-
tät gerufen habe (Urk. 3.1/1 S. 3, 4 f., 10, 12; Urk. 3.1/3 S. 2). In der Hafteinver-
nahme erklärte sie hingegen, nicht mehr zu wissen, ob sie oder F'._ angeru-
fen habe, sie glaube jedoch, es sei F'._ gewesen (Urk. 3.1/2 S. 22). Heute
gab sie davon abweichend an, nicht mehr zu wissen, ob sie oder vielleicht der
Hauswart die Sanität gerufen haben könnte (Urk. 108 S. 12).
3.16. Was sich nach der Tat ereignete, lässt sich zumindest in groben Zügen
aufgrund der Aussagen der weiteren einvernommenen Personen, namentlich
H._, I._, F._ alias "F'._" sowie J._ erstellen, zumal die
Beschuldigte die Angaben dieser Personen bestätigte, soweit sie sich zu erinnern
vermochte. Diesbezüglich ist auf die ausführliche Zusammenfassung dieser Aus-
- 21 -
sagen im vorinstanzlichen Urteil zu verweisen (Urk. 90 S. 12 f., 16 ff., Art. 82 Abs.
4 StPO). Auch die Verteidigung stellt auf diese Aussagen ab und hält fest, dass
die Handlungen der Beschuldigten vom Nachmittag des 18. April 2015 bis zur
Verhaftung zeitlich korrelierend hätten nachvollzogen werden können (Urk. 72 S.
8 f.). Demnach ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte nach Verlassen der
Wohnung am E._ ... in Zürich ungefähr um 22:00 Uhr mit einem Taxi nach
K._ an die ...strasse ... gefahren war. Dort sprach sie etwa 5 Minuten mit
I._ und hernach auch noch mit der Tochter von Frau L._. Dann ging sie
zu J._, wo sie Gin getrunken haben und er gekocht hat. Weiter ist davon
auszugehen, dass die Beschuldigte ungefähr um 00:30 Uhr wieder gegangen
war, unterwegs ein Taxi genommen hatte und ungefähr um 02:00 Uhr bei
F._ an der ...strasse ... angekommen war, wo sie weiter Gin trank und
zweimal Freebase rauchte. Ungefähr um 06:00 Uhr gingen die Beschuldigte und
F._ dann wieder zurück in die Wohnung am E._ ..., wo sie das Opfer
mit schwersten Verletzungen am Boden vorfanden (Urk. 90 S. 32 f.).
3.17. Entsprechend ist mit der Vorinstanz erstellt, dass die Beschuldigte das
schwer verletzte Opfer zurückgelassen und seinem Schicksal überlassen hat
(Urk. 90 S. 45). Etwas anderes kann – entgegen der Auffassung der Verteidigung
(vgl. vorstehende Erw. 3.3.2 sowie Urk. 72 S. 17 f., Urk. 93 S. 2) – auch nicht aus
den Aussagen von I._ abgeleitet werden. Zwar trifft es zu, dass I._ in
der Zeugeneinvernahme vom 18. August 2016 angegeben hatte, dass die Be-
schuldigte am Abend des 18. April 2015 vorbeigekommen sei und ihm gesagt ha-
be, dass sie das erste Mal jemanden geschlagen habe (Urk. 3.3/13 S. 6). Auf
Vorhalt, in der polizeilichen Einvernahme noch angegeben zu haben, dass die
Beschuldigte gesagt habe, dass sie das erste Mal geschlagen worden sei, ver-
wies er dann aber auf seine damaligen Aussagen und erklärte, dass er sich nicht
mehr richtig erinnern könne (Urk. 3.3./13 S. 8 f.). Insofern trifft nicht zu, wenn die
Vorinstanz die Zeugenaussage als überzeugend wertet (Urk. 90 S. 30 f.). Auf ent-
sprechende Frage bestätigte die Beschuldigte heute, Herrn I._ gesagt zu ha-
ben, dass sie den Beschuldigten geschlagen habe. Herr I._ habe sie aber
nicht so recht verstanden (Urk. 108 S. 12). Selbst wenn davon auszugehen wäre,
dass die Beschuldigte I._ nach der Tatbegehung mitgeteilt hätte, dass sie
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†D._ geschlagen habe, kann daraus kein Versuch gesehen werden, dem
Opfer Hilfe zukommen zu lassen. Aus der Aussage, man habe jemanden ge-
schlagen, kann nicht abgeleitet werden, dass der Geschlagene Hilfe braucht, und
schon gar nicht muss daraus geschlossen werden, dass dieser in Lebensgefahr
schwebt. Überdies behauptet auch die Beschuldigte – die ja immerhin zeitweise
geständig war – nicht, dass sie versucht habe, über I._ Hilfe für †D._ zu
organisieren. Vielmehr bringt die Beschuldigte immer wieder vor, nicht gedacht
zu haben, dass er so verletzt gewesen sei (Urk. 3.1/3 S. 23-25, 31; Urk. 3.1/4 S.
13; Urk. 108 S. 11). Es sei ihr nicht bewusst gewesen, dass sie ihm Schmerzen
zugefügt habe (Urk. 3.1/3 S. 20). Auch die Verteidigung wirft wie gesehen die
Frage auf, ob die Beschuldigte im akut psychotischen Zustand die Hilfsbedürftig-
keit des Opfers überhaupt hätte erkennen und entsprechend reagieren können
(vgl. vorstehende Erw. 3.3.2, Urk. 72 S. 18, Urk. 93 S. 1, Urk. 109 S. 6).
3.18. Was der Täter wusste und wollte bzw. in Kauf nahm, gehört zum subjekti-
ven Tatbestand. Es geht dabei um einen inneren Vorgang, auf den nur anhand
einer Würdigung des äusseren Verhaltens des Täters sowie allenfalls weiterer
Umstände geschlossen werden kann. Die Feststellung des subjektiven Tat-
bestands ist damit Bestandteil der Sachverhaltsabklärung. Da in diesem Bereich
Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinander verbunden sind, drängt sich regel-
mässig auf, diese Fragen lediglich einmal, unter dem Aspekt der rechtlichen
Würdigung zu behandeln. Hiezu ist deshalb auf die folgenden Erwägungen zu
verweisen. Ebenso auf die folgenden Erwägungen zu verweisen ist hinsichtlich
der Frage, ob aus dem Verhalten der Beschuldigten auf eine besondere Skrupel-
losigkeit geschlossen werden muss.
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz hat festgestellt, dass die Beschuldigte den Tatbestand des
Mordes im Sinne von Art. 112 StGB im Zustand der nicht selbst verschuldeten
Schuldunfähigkeit erfüllt hat (Urk. 90 S. 42 ff.). Sie ist damit dem Antrag der
Staatsanwaltschaft gefolgt (Urk. 19 S. 6 f.). Auch die Privatklägerin 1 beantragt,
das Verhalten der Beschuldigten als Mord zu würdigen. Allerdings verlangt sie ei-
nen diesbezüglichen Schuldspruch, eventualiter die Feststellung, dass der Zu-
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stand der Schuldunfähigkeit selbstverschuldet im Sinne von Art. 263 Abs. 2 StGB
verursacht worden sei (Urk. 70 S. 2, Urk. 95 S. 3, Urk. 110 S. 1 ff.).
4.2. Wie die Vorinstanz geht auch die Verteidigung von der Schuldunfähigkeit
der Beschuldigten aus. Allerdings sieht sie nicht den Tatbestand des Mordes,
sondern lediglich denjenigen der fahrlässigen Tötung, eventualiter des Totschla-
ges bzw. der vorsätzlichen Tötung als erfüllt (Urk. 109 S. 2, 5 ff.).
4.3. Die Vorinstanz ist zu Recht von einer nicht selbst verschuldeten Schuld-
unfähigkeit der Beschuldigten ausgegangen. Wie gesehen wurde bei der Be-
schuldigten eine undifferenzierte Schizophrenie bzw. differentialdiagnostisch eine
organisch schizophreniforme Störung auf dem Boden einer HIV-Enzephalopathie
diagnostiziert (vgl. vorstehende Erw. 3.11.1). Zum Tatzeitpunkt habe ein psychoti-
scher Erregungszustand mit Affektlabilität, Impulsivität und gesteigerter Erregbar-
keit vorgelegen, getriggert durch die Alkoholisierung und die subjektiv erlebte
Bedrohung bzw. Ungerechtigkeit bei länger währendem Partnerschaftskonflikt.
Dadurch seien die normalen und rationalen Kontrollmechanismen nicht mehr zum
Tragen gekommen. Aus forensisch-psychiatrischer Sicht sei die Einsichtsfähigkeit
der Beschuldigten zum Tatzeitpunkt zwar grundsätzlich gegeben, das Hem-
mungsvermögen und damit die Steuerungsfähigkeit indes vollständig aufgehoben
gewesen. Insgesamt müsse deshalb die Schuldfähigkeit aus psychiatrischer Sicht
als aufgehoben beurteilt werden (Urk. 90 S. 48, Urk. 6/5 S. 59 ff., 67). Die gut-
achterlichen Ausführungen sind in jeder Hinsicht überzeugend und nachvoll-
ziehbar.
Die Vertretung der Privatklägerin 1 vermag mit ihren Ausführungen die Überzeu-
gungskraft der gutachterlichen Einschätzung nicht zu schmälern (vgl. Urk. 12/17
S. 2 f., Urk. 30 S 2, Urk. 70 S. 3, Urk. 110 S. 2 ff.). Insbesondere trifft nicht zu,
dass die – gemäss der Privatklägervertretung "angebliche" – Erinnerungsschwä-
che der Beschuldigten wesentlich zum Attestieren der Steuerungsunfähigkeit bei-
getragen habe (Urk. 12/17 S. 3 f., Urk. 30 S. 2, Urk. 70 S. 3 f.). Vielmehr stützt
sich das Gutachten auf andere – basierend auf Erzählungen der Beschuldigten –
am Tattag im zunehmenden Masse festzustellenden Symptome, wie das Vorlie-
gen von Zonästhesien, Wahneinfällen, Nervosität/Unruhe, Konzentrationsmangel,
- 24 -
ggf. Halluzinationen sowie einer inadäquaten Affektivität und Affektlabilität bis hin
zu einem psychomotorischen Erregungszustand (Urk. 6/5 S. 61). Die Gutachterin
führte anlässlich der Hauptverhandlung denn auch aus, dass für sie in Bezug auf
die Beurteilung der Steuerungsfähigkeit vor allem der psychotische Zustand und
weniger die Erinnerungslücken relevant seien (Prot. I S. 23). Sodann trifft auch
nicht zu, dass sich die Beschuldigte erst anlässlich der Einvernahme vom
26. März 2016 und damit nach Erstellung des Gutachtens an diverse Tatumstän-
de habe erinnern können (Urk. 12/17 S. 3 f., Urk. 30 S. 2, Urk. 70 S. 3 f.). Wie ge-
sehen war die Beschuldigte bereits bei der Einvernahme vom 22. April 2015 in
der Lage, das Tatvorgehen relativ detailliert zu beschreiben (vgl. vorstehende
Erw. 3.11.2 und 3.11.4). Hinzu kommt, dass es gemäss den gutachterlichen Aus-
führungen an der Hauptverhandlung nicht so ist, dass bei einer Psychose ein Ge-
dächtnisausfall zu erwarten ist (Prot. I S. 22). Die Mutmassung der Privatkläger-
vertretung, wonach der Umstand, dass sich die Beschuldigte an Details der Tat
erinnern könne, gegen das Vorhandensein einer Psychose spreche (a.a.O.,
Urk. 110 S. 3), erweist sich damit als nicht richtig. Auf blosser Annahme beruht
sodann, wenn die Privatklägervertretung vorbringt, dass es fast nicht denkbar er-
scheine, dass die Krankheit bei der Beschuldigten schon länger vorbestanden
habe, aber nie zu Tage getreten sei (Urk. 110 S. 3). Das Gutachten setzt sich mit
dem Vorleben der Beschuldigten einlässlich auseinander und hält fest, dass auf-
grund der Gedächtnisstörungen die Angaben der Beschuldigten zu lebens-
geschichtlichen Ereignissen lückenhaft und widersprüchlich seien, weshalb nicht
mehr festgestellt werden könne, ab wann sich die Geisteskrankheit entwickelt ha-
be. Ebenfalls lasse sich nicht mehr feststellen, wie gut ihre prämorbide Leistungs-
fähigkeit gewesen sei. Fest stehe, dass sie insbesondere nach dem Tod ihres
Ehemannes ein randständiges Leben geführt habe, wobei dem Gutachten zu ent-
nehmen ist, dass bei einem relativ milden Krankheitsverlauf die an Schizophrenie
Erkrankten eher durch ein zielloses randständiges Leben auffielen, mit An-
passungsproblemen an die Erwartungen, die die Gesellschaft an sie herantrage.
Einen Hinweis, dass die Beschuldigte bereits vor dem Delikt psychisch krank
gewesen sei, ergebe sich unter anderem aus den Aussagen von F._, der er-
klärte, dass er die Beschuldigte mehrfach habe begleiten müssen, weil sie "para-
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noid" gewesen sei und Angst gehabt habe, dass jemand sie vor dem Haus abfan-
ge und umbringe (Urk. 6/5 S. 52 f.; vgl. Urk. 3.2/2 S. 4; Urk. 3.2/3 S. 4, 12; Urk.
3.2/4 S. 7). Sodann habe die Beschuldigte von bereits vor der Tat auftretenden
akustischen Halluzinationen berichtet (Urk. 6/5 S. 54). Insgesamt wurde die Schi-
zophrenie als mild verlaufend beschrieben (a.a.O. S. 56). Sowohl bei der undiffe-
renzierten Schizophrenie als auch bei der als Differentialdiagnose diskutierten or-
ganisch schizophreniformen Störung auf dem Boden einer HIV-Enzephalopathie,
könne es zur Ausbildung von akut psychotischen Zuständen kommen, in denen
ein aggressiver Erregungszustand auftreten könne bzw. ein Realitätsbezug durch
die Wahnwahrnehmungen und Halluzinationen vollständig aufgehoben sei. Es sei
unstrittig, dass die Beschuldigte im Zeitpunkt der Begutachtung und auch im Tat-
zeitpunkt an einer schweren psychischen Störung gelitten habe (a.a.O. S. 59). Mit
der Staatsanwaltschaft und im Einklang der Verteidigung gibt es keinerlei Hinwei-
se, dass das Gutachten nicht nach allen Regeln der Kunst erstellt worden wäre
(Prot. II S. 12, Urk. 109 S. 12 f.). Mithin ist darauf abzustellen (vgl. BGE 138 III
193 E. 4.3.1).
Gestützt auf die in jeder Hinsicht überzeugenden und nachvollziehbaren gut-
achterlichen Ausführungen ist aufgrund der festgestellten vollständig aufgehobe-
nen Steuerungsfähigkeit der Beschuldigten im Tatzeitpunkt von ihrer Schuldunfä-
higkeit auszugehen (Urk. 90 S. 48 f.). Ferner steht mit der Vorinstanz aufgrund
der klaren gutachterlichen Einschätzung – entgegen der Auffassung der Privat-
klägervertretung (Urk. 90 S. 4, Urk. 110 S. 4 f.) – fest, dass die Schuldunfähigkeit
nicht im Sinne von Art. 263 StGB selbstverschuldet war (Urk. 90 S. 48 f.). Insbe-
sondere verfängt nicht, wenn die Privatklägervertretung die Vorinstanz dahinge-
hend kritisiert, dass sie den Alkoholkonsum der Beschuldigten etwas gar stark
abgeschwächt habe (Urk. 110 S. 5). Entgegen der Darstellung der Privatkläger-
vertretung (a.a.O. S. 4) gründet der Schluss, dass der schuldunfähige Zustand vor
allem auf die undifferenzierte Schizophrenie und weniger auf den Alkoholkonsum
zurückzuführen sei, nicht auf der vorinstanzlichen Einschätzung. Vielmehr stützte
sich die Vorinstanz auf das – auch in dieser Hinsicht überzeugende – Gutachten,
wonach die Affektabilität, Impulsivität sowie die gesteigerte Erregbarkeit hand-
lungsleitend gewesen seien, getriggert durch den vorherigen Alkoholkonsum und
- 26 -
eine subjektiv erlebte Bedrohung bzw. ein subjektiv erlebtes Ungerechtigkeits-
gefühl bei länger währendem Partnerschaftskonflikt (Urk. 6/5 S. 61). Auf entspre-
chende Frage an der Hauptverhandlung führte Dr. med. G._ sodann aus,
dass sie dem Umstand, dass die Beschuldigte vor der Tat möglicherweise Kokain
und in unbekannter Menge Alkohol konsumiert habe, einen eher konstellierenden
Effekt zuschreibe. Handlungsleitend sei die Psychose gewesen (Prot. I S. 23).
Damit ist dem vorinstanzlichen Schluss zu folgen, wonach die Beschuldigte ge-
mäss Art. 19 Abs. 1 StGB nicht strafbar ist (Urk. 90 S. 49).
4.4. Ebenso vollumfänglich gefolgt werden kann der Vorinstanz, wenn sie im
Verhalten der Beschuldigten den Tatbestand des Mordes im Sinne von Art. 112
StGB als erfüllt sieht (Urk. 90 S. 42 ff.):
4.4.1. Schuldunfähigkeit schliesst die Qualifikation als Mord nicht notwendiger-
weise aus. Hinsichtlich der verminderten Schuldfähigkeit hat dies das Bundes-
gericht bereits mehrfach erkannt (BGE 127 IV 10; Urteile des Bundesgerichts
6S.334/2004 vom 30. November 2004, E. 3.2; 6B_305/2013 vom 22. August
2013, E. 4.6; vgl. auch PK StGB-Trechsel/Geth, 3. Auflage 2018, Art. 112 N 6).
Aus dem Umstand, dass eine psychische Abnormität bei der Beurteilung der Tat-
bestandsmässigkeit unberücksichtigt zu bleiben hat (Urteil des Bundesgerichts
6P.58/2004 vom 25. Oktober 2004, E. 5.2.2), ergibt sich, dass auch ein vollstän-
dig Schuldunfähiger skrupellos handeln kann. Krankhafte Veranlagungen oder
psychische Störungen des Täters sind bei der Bemessung der konkreten Tat-
schuld zu berücksichtigen (BSK StGB II-Schwarzenegger, 3. Auflage 2013,
Art. 112 N 18).
4.4.2. Unter Verweis auf die in allen Teilen zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz muss nach einer Gesamtwürdigung der äusseren und inneren Umstände
der Tat das Merkmal der besonderen Skrupellosigkeit im Sinne des Mordtat-
bestandes als erfüllt erachtet werden (Urk. 90 S. 42 ff.):
4.4.2.1. Insbesondere kann vorliegend entgegen der Vorbringen der Verteidigung
vor Berufungsgericht der privilegierte Tatbestand des Totschlages nach Art. 113
StGB nicht zur Anwendung kommen (Urk. 109 S. 10). Eine nach den Umständen
- 27 -
entschuldbare Gemütsbewegung oder ein Handeln unter grosser seelischer Be-
lastung kann der Beschuldigten nicht zugestanden werden. Nach der bundes-
gerichtlichen Rechtsprechung setzt der Begriff der Entschuldbarkeit voraus, dass
die heftige Gemütsbewegung oder die grosse seelische Belastung bei objektiver
Betrachtung nach den sie auslösenden Umständen gerechtfertigt und die Tötung
dadurch bei der Beurteilung nach ethischen Gesichtspunkten in einem wesentlich
milderen Licht erscheint. Es muss angenommen werden können, auch eine ande-
re, anständig gesinnte Person wäre in der betreffenden Situation leicht in einen
solchen Affekt geraten. Abnorme Elemente in der Persönlichkeit des Täters, wie
besondere Erregbarkeit, krankhafte Eifersucht oder übertriebenes Ehrgefühl,
vermögen die Gemütsbewegung nicht zu entschuldigen. Sie stellen allenfalls bei
der Strafzumessung zu berücksichtigende Faktoren dar (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_1149/2015 vom 29. Juli 2016 E. 3.1 mit Hinweisen). Wie auch die
Verteidigung einräumt, setzt die Annahme eines Affekts eine "normale psycholo-
gische Einengung des Bewusstseins nicht krankhafter Art" voraus (Urk. 109 S. 10
mit Verweis auf BSK StGB II-Schwarzenegger, a.a.O., Art. 113 N 6). Damit entfällt
die Entschuldbarkeit, wenn der Affekt durch krankhafte Veranlagungen oder Per-
sönlichkeitsstörungen der Täterschaft bedingt ist (BSK StGB II-Schwarzenegger,
a.a.O., Art. 113 N 11 mit Hinweisen).
4.4.2.2. Wie gesehen ging der Tat ein Streit voraus, wobei sowohl die Beschuldig-
te als auch das Opfer alkoholisiert waren und auch die Beziehungsauflösung ein
Thema war. Heute gab die Beschuldigte zusätzlich an, auch vor der Tat Kokain
konsumiert zu haben (Urk. 108 S. 8). Gemäss Angaben der Beschuldigten soll ihr
das Opfer gedroht haben, sie niederzustechen, wenn sie ihn verlasse. Überdies
soll das Opfer frech und undankbar gewesen sein und sie wütend darüber, dass
– angeblich – eine fremde Person in der Wohnung gewesen bzw. ihre neue Un-
terwäsche unauffindbar war (vgl. vorstehende Erw. 3.14, Urk. 90 S. 43 f.). Auch
wenn mit der Vorinstanz von einer gewissen Bedrohungslage der Beschuldigten
ausgegangen werden kann, darf dieser Umstand nicht überbewertet werden. Bei
dem zum Tatzeitpunkt 66 Jahre alten Opfer handelte es sich um einen gehbehin-
derten und bettlägerigen, dazumal alkoholisierten, Mann, der – wie dies auch die
Beschuldigte bestätigte – auf deren Hilfe angewiesen war (Urk. 3.1/2 S. 8,
- 28 -
Urk. 3.1/3 S. 6, Urk. 68 S.17, Urk. 90 S. 44). Die Bedrohungslage, die vom Opfer
ausgegangen war, konnte – objektiviert betrachtet – demnach nur an einem ganz
kleinen Ort gewesen sein. Mit der Vorinstanz ist hervorzuheben, dass es der Be-
schuldigten offen gestanden hätte, die Wohnung zu verlassen und später wieder
zu kommen oder auch nicht. Bei dieser Ausgangslage muss der Vorinstanz un-
eingeschränkt gefolgt werden, wenn sie festhält, dass das Vorgehen der Beschul-
digten in einem krassen Missverhältnis zu den streitauslösenden Momenten steht
und die Tötung von †D._ als völlig sinnlos und unverständlich erscheint (Urk.
90 S. 44). Es mag sein, dass die Beschuldigte in ihrer Erlebniswelt subjektiv von
einer Bedrohung ausgegangen und dies – neben den weiteren streitauslösenden
Momenten – mitbestimmend war. Das stimmt auch mit der gutachterlichen Ein-
schätzung überein (vgl. vorstehende Erw. 4.3). Soweit die Verteidigung aber auf
die Angstzustände der Beschuldigten verweist, welche von ihrer Krankheit her-
rührten (Urk. 109 S. 9), ist dem entgegenzuhalten, dass eine psychische Abnormi-
tät bei der Beurteilung der Tatbestandsmässigkeit wie gesehen unberücksichtigt
zu bleiben hat und eine psychische Störung der Täterschaft bei der Bemessung
der konkreten Tatschuld zu berücksichtigen ist (vgl. vorstehende Erw. 4.4.1 sowie
nachstehende Erw. 4.4.3).
4.4.2.3. Das Handeln der Beschuldigten ist keineswegs "einfühlbar und nicht
krass egoistisch", wie dies die Verteidigung darzustellen versucht (Urk. 109 S. 7).
Der Versuch der Verteidigung, einen Beziehungskonflikt darzulegen, um dann im
Lichte der Rechtsprechung zu einer anderen rechtlichen Würdigung zu kommen,
verfängt nicht. Eine schwere Konfliktsituation ist, anders als in dem von der Ver-
teidigung angerufenen Bundesgerichtsentscheid BGE 104 IV 150 (Urk. 109 S. 8),
nicht erkennbar. Dagegen sprechen schon die Schilderungen der Beschuldigten.
So führte sie bei der Staatsanwaltschaft am 22. April 2015 auf entsprechende
Frage etwa aus, dass †D._ nicht gewalttätig und auch nicht dominant gewe-
sen sei (Urk. 3.1/2 S. 8). Zwar erklärte sie in der darauffolgenden Einvernahme,
dass sie zugeschlagen habe, weil sie genug gehabt habe von seinen Bedrohun-
gen und Beleidigungen und dass er ihr bereits im Jahr 2014 dreimal gesagt habe,
dass er sie umbringen werde (Urk. 3.1/3 S. 21). An der vorinstanzlichen Haupt-
verhandlung dazu befragt, was †D._ gegenüber ihr für ein Mensch gewesen
- 29 -
sei, erklärte sie dann aber wieder, dass er gut zu ihr gewesen sei und sie bis zum
Tattag keine Probleme gehabt hätten (Urk. 68 S. 14). Vor diesem Hintergrund
kann die Handlung der Beschuldigten nicht als "verzweifelte Entladung einer wäh-
rend Jahren herausgebildeten und stetig verschlimmerten Konfliktsituation, die
teilweise durch das Opfer heraufbeschworen wurde und unter der sie schwer ge-
litten hat (BGE 104 IV 150 E. 2)", verstanden werden. Die vorliegende Sachlage
präsentiert sich damit anders als jene in dem von der Verteidigung zitierten Bun-
desgerichtsentscheid. Etwas anderes ergibt sich – entgegen der Verteidigung
(Urk. 109 S. 9) – auch nicht aus den Zeugenaussagen. Von den einvernommenen
Personen konnten einzig F._ und H._ aus eigener Wahrnehmung über
das Verhältnis von †D._ und der Beschuldigten berichten, wobei H._
angegeben hatte, nichts von Streitereien zu wissen (Urk. 3.3./14 S. 5). F._
gab – allerdings in seiner Hafteinvernahme – zwar an, dass die Beschuldigte ge-
mäss ihren Aussagen Angst gehabt habe vor †D._, allerdings führte er auch
aus, dass diese Angst unbegründet gewesen sei und sie Paranoia gehabt habe
(Urk. 3.2/3 S. 4). In der Zeugeneinvernahme erklärte er dann, dass die Beschul-
digte nur einmal erwähnt habe, dass sie vor †D._ Angst habe. Das sei in der
Nacht gewesen, als sie zu ihm gegangen seien und er am Boden gelegen habe.
†D._ und die Beschuldigte hätten sich jeweils gestritten und sich dann wie-
der versöhnt und dann sei alles wieder gut gewesen (Urk. 3.2/4 S. 7).
4.4.2.4. Zusammenfassend muss festgehalten werden, dass es – objektiviert be-
trachtet – kleine Ursachen waren, die in dem psychischen Schub die Beschuldigte
dazu geführt haben, das Opfer umzubringen. Es kann weder von einer lang-
andauernde Konfliktsituation noch von einem Handeln unter grosser seelischer
Belastung ausgegangen werden. Das Verhalten der Beschuldigten ist aus der
Sicht eines objektiv wertenden Betrachters keinesfalls verständlich.
4.4.2.5. Mit der Vorinstanz war das Vorgehen der Beschuldigten von einer aus-
serordentlichen Grausamkeit geprägt (Urk. 90 S. 44 f.). Aufgrund des Beweis-
ergebnisses muss von einer kraftvollen und massiven, insistierenden Gewalt-
anwendung ausgegangen werden (vgl. vorstehende Erw. 3.11.4, Urk. 90 S. 44 f.).
Die Beschuldigte liess ihre Wut am praktisch wehrlosen Opfer hemmungslos aus
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und prügelte wild auf †D._ ein – den Mann, der zu ihr in einem gewissen Ab-
hängigkeitsverhältnis stand. Hernach überliess sie das schwer verletzte und in
jeglicher Hinsicht wehr- und hilflose Opfer zurück, woraufhin dieses über mehrere
Stunden bis zum darauf folgenden Morgen alleine um sein Leben ringen musste
(vgl. vorstehende Erw. 3.15 ff., Urk. 90 S. 45). Mit der Vorinstanz sowie der
Staatsanwaltschaft muss aufgrund des Verletzungsbildes sodann davon ausge-
gangen werden, dass das Opfer grosse Schmerzen erleiden musste (Urk. 69 S. 3,
Urk. 90 S. 45), war es doch auch am Morgen, als die Beschuldigte zusammen mit
F._ zurückgekommen war, noch ansprechbar (Urk. 1/10 S. 4).
4.4.2.6. Dabei wäre es der Beschuldigten ohne weiteres möglich gewesen, dem
Opfer Hilfe zukommen zu lassen. Wenn die Verteidigung dies in Zweifel zieht
(Urk. 93 S. 1, Urk. 109 S. 7), überzeugt dies nicht. Schon aufgrund des Verlet-
zungsbildes kann ausgeschlossen werden, dass die schweren Verletzungen und
die Hilfsbedürftigkeit des Opfers für die Beschuldigte nicht erkennbar gewesen
sein könnten. Wie gesehen konnte die Beschuldigte das Tatvorgehen relativ de-
tailliert beschreiben (vgl. vorstehende Erw. 3.11.2 und 3.11.4). Daraus ist zu
schliessen, dass die Beschuldigte in der Lage war, die Tatumstände wahrzuneh-
men. Hervorzuheben ist sodann, dass gemäss dem überzeugenden und nach-
vollziehbaren Gutachten die Einsichtsfähigkeit der Beschuldigten – trotz des der
Beschuldigten attestierten akut psychotischen Zustands sowie der aufgehobenen
Steuerungsfähigkeit – aus forensisch-psychiatrischer Sicht grundsätzlich vorhan-
den war (vgl. vorstehende Erw. 4.3). Vor diesem Hintergrund ist nicht glaubhaft,
wenn die Beschuldigte immer wieder vorbringt, nicht bemerkt zu haben, dass sie
das Opfer so verletzt habe (Urk. 3.1/3 S. 20, 23-25, 31; Urk. 3.1/4 S. 13). Das
zeugt viel eher von der Haltung: "Was nicht sein darf, kann nicht sein". Sodann ist
nicht einzusehen, weshalb es der Beschuldigten nicht hätte möglich sein sollen,
Hilfe zu organisieren. Die Beschuldigte war unmittelbar nach der Tat in der Lage,
sich über den Hauswart H._ ein Taxi zu organisieren (Urk. 3.1/3 S. 25; Urk.
90 S. 13, 32). Mithin wäre es ihr ohne weiteres auch möglich gewesen, Hilfe für
das Opfer anzufordern. Indem sie aber das Opfer ohne jede Hilfe zurückgelassen
hat, fügte sie diesem grössere physische und psychische Leiden zu, als mit einer
Tötung notwendigerweise verbunden sind.
- 31 -
4.4.2.7. Dabei zeigte die Beschuldigte keinerlei Empathie gegenüber dem Opfer.
Sie verliess den Tatort und besuchte diverse Bekannte, ass, trank und konsumier-
te Drogen, als wäre nichts geschehen. Daran ändert auch nichts, wenn die Be-
schuldigte gegenüber I._ oder auch F._ erwähnt haben mag, dass sie
†D._ geschlagen habe (vgl. vorstehende Erw. 3.17 und Urk. 3.1/3 S. 38).
Das Verhalten der Beschuldigten während und unmittelbar nach der Tat enthüllt
ein besonderes Mass an Gefühlskälte und zeugt von einer aussergewöhnlich
krassen Missachtung menschlichen Lebens.
4.4.2.8. Insgesamt erscheint die Tat mit der Vorinstanz als skrupellos im Sinne
von Art. 112 StGB.
4.4.3. Auch hinsichtlich des subjektiven Tatbestandes kann vollumfänglich auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 90 S. 46 ff.).
Soweit die Verteidigung ausführt, dass für den subjektiven Tatbestand alleine die
Wahrnehmungsfähigkeit der Beschuldigten ausschlaggebend sei und daraus ab-
leiten will, dass deshalb maximal von einer fahrlässigen Tötung ausgegangen
werden müsse (Urk. 72 S. 19), ist dem wiederum entgegenzuhalten, dass die
Beschuldigte aufgrund der vorhandenen Einsichtsfähigkeit durchaus in der Lage
war, die Tatumstände wahrzunehmen (vgl. vorstehende Erw. 4.5.2). Sodann ist
mit der Vorinstanz hervorzuheben, dass auch der Schuldunfähige vorsätzlich
handeln kann (Urk. 90 S. 47 mit Verweis auf BSK StGB I-Bommer/Dittmann,
3. Auflage 2013, Art. 19 N 19; Urteile des Bundesgerichts 6B_366/2014 vom
23. April 2015, E. 1.3.2 und 6S.358/2003 vom 27. Oktober 2004, E. 4.3.3;
BGE 115 IV 221 E. 1 = Pra 1990 S. 344). Einsicht in das Unrecht einer Tat setzt
einen Akt normativer Wertung voraus, der Bestand und Geltung der Norm erfasst
und dessen Vornahme aufgrund einer psychischen Störung ausgeschlossen sein
kann. Beim Vorsatz hingegen geht es um die Umsetzung eines Handlungs-
entschlusses in die Wirklichkeit auf der Grundlage von wahrgenommenen oder
vorgestellten Tatumständen, was auch ohne Einsicht in das Unrecht möglich ist,
weil es keines Wertungsaktes bedarf (vgl. BSK StGB I-Bommer/Dittmann, a.a.O.,
Art. 19 N 19). Die Frage, ob ein Beschuldigter mit Wissen und Willen gehandelt
hat, ist von der Frage der Schuldfähigkeit zu trennen. Diese bezieht sich nicht auf
- 32 -
die Tatbestandsmässigkeit des Verhaltens, sondern auf dessen Vorwerfbarkeit
und ist bei der Beurteilung des Verschuldens zu prüfen (Urteile des Bundesge-
richts 6B_366/2014 vom 23. April 2015, E. 1.3.2). Dies wird von der Verteidigung
denn auch nicht grundsätzlich in Abrede gestellt, hat doch selbst sie noch vor Vor-
instanz und auch in ihrer Berufungserklärung mit dem Tatbestand der einfachen
Körperverletzung ein Vorsatzdelikt als erfüllt erachtet (Urk. 72 S. 2, Urk. 93 S. 1).
Wenn die Beschuldigte immer wieder vorbringt, dass sie sich nicht habe beherr-
schen können bzw. sich nicht unter Kontrolle gehabt zu haben (Urk. 3.1/3 S. 14,
24; Urk. 3.1/4 S. 6, 10, 13, 16), spricht sie das Thema des Verschuldens an, was
bei der Beurteilung der Tatbestandsmässigkeit unberücksichtigt zu bleiben hat.
Mit der Vorinstanz muss als allgemein bekannt vorausgesetzt werden, dass wie-
derholte kraftvolle Schläge mit einer Aluminiumstange auf den Kopf und Körper
eines Menschen schwerste Verletzungen mit tödlichem Verlauf verursachen
können, insbesondere dann, wenn die Verletzungen über mehrere Stunden nicht
medizinisch versorgt werden (Urk. 90 S. 47). Auch die Verteidigung geht davon
aus, dass die Beschuldigte wusste, dass sie geschlagen hatte und dass Schläge
grundsätzlich Verletzungen herbeiführen und damit die Möglichkeit der Tatbe-
standsverwirklichung besteht (Urk. 109 S. 5). Dass die Beschuldigte trotz der bei
ihr festgestellten kognitiven Einschränkungen in der Lage war, die Gefährlichkeit
von Schlägen mit einer Aluminiumstange zu erfassen, zeigt sich auch daran, dass
sie zumindest zu Beginn der Strafuntersuchung in Abrede gestellt hatte, das
Opfer überhaupt geschlagen zu haben. Die Beschuldigte musste auch wissen,
dass es grausam ist und lebensgefährlich sein kann, ein schwer verletztes und
hilfloses Opfer nach massivster Gewaltanwendung einfach so liegen zu lassen
(Urk. 90 S. 47).
Wenn die Beschuldigte immer wieder vorbringt, dass es nicht ihre Absicht gewe-
sen sei, †D._ zu verletzen bzw. zu töten, kann ihr – jedenfalls bezüglich letz-
terem – geglaubt werden (Urk. 3.1/3 S. 2; Urk. 3.1/4 S. 11, 19). Ein direkter Tö-
tungsvorsatz wird ihr denn auch nicht vorgeworfen (Urk. 19 S. 7) und ist für die
Verwirklichung des Mordtatbestandes auch nicht nötig. Wie die Vorinstanz richtig
aufgezeigt hat, genügt gemäss herrschender Lehre und bundesgerichtlicher
- 33 -
Rechtsprechung Eventualvorsatz (Urk. 90 S. 46, zuletzt Urteil des Bundesgerichts
6B_28/2017 vom 23. Januar 2018, E. 2.3 mit Hinweisen). Aufgrund der äusserst
krassen Sorgfaltspflichtverletzung, des äusserst brutalen Vorgehens, der dadurch
offenbarten ausserordentlichen Gefühlskälte und der Grösse des der Beschuldig-
ten bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, kann das Verhalten der
Beschuldigten mit der Vorinstanz – und entgegen der Verteidigung (Urk. 109 S. 5
f.) – nicht anders ausgelegt werden, als dass sie sowohl den Tod des Opfers als
auch die Skrupellosigkeit ihres Handelns in Kauf genommen hat (Urk. 90 S. 47 f.).
4.4.4. Die Vorinstanz hat die Tat der Beschuldigten deshalb zu Recht als even-
tualvorsätzlichen Mord im Sinne von Art. 112 StGB qualifiziert. Auf ihre diesbe-
züglichen Erwägungen kann ohne Einschränkungen verwiesen werden (Urk. 90
S. 45 ff., Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.5. Es bleibt damit beim vorinstanzlichen Urteil, wonach festzustellen ist, dass
die Beschuldigte den Tatbestand des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB im Zu-
stand der nicht selbst verschuldeten Schuldunfähigkeit erfüllt hat.
5. Massnahme
5.1. Die Vorinstanz hat für die Beschuldigte im Sinne des Antrags der Staats-
anwaltschaft eine stationäre therapeutische Massnahme nach Art. 59 StGB ange-
ordnet (Urk. 19 S. 7, Urk. 90 S. 50 ff.). Hinsichtlich der Voraussetzungen für die
Anordnung einer Solchen hat die Vorinstanz zu den einschlägigen Art. 56 ff. StGB
das Nötige ausgeführt (Urk. 90 S. 50 f.). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO). Die Verteidigung äusserte sich im Berufungsverfahren nicht zur an-
geordneten Massnahme bzw. liess diese unangefochten (Urk. 93, Urk. 109 S. 12).
Insofern ist die angeordnete Massnahme allseits unbestritten. Da die Frage der
Anordnung einer Massnahme zufolge Konnexität aber nicht ohne Würdigung der
Anlasstat entschieden werden kann, ist auch berufungsweise erneut darüber zu
befinden.
5.2. Wie gesehen wurde bei der Beschuldigten eine undifferenzierte Schizo-
phrenie bzw. differentialdiagnostisch eine organisch schizophreniforme Störung
- 34 -
auf dem Boden einer HIV-Enzephalopathie diagnostiziert (vgl. vorstehende
Erw. 3.11.1). Den Ausführungen von Dr. med. G._ anlässlich der Hauptver-
handlung kann entnommen werden, dass sie die Diagnose der undifferenzierten
Schizophrenie auch unter Berücksichtigung des Therapieberichtes von Dr. med.
M._, Forensisch-Psychiatrischer Dienst der Universität Bern (Urk. 61), als
bestätigt sehe. Die Differantialdiagnose treffe aufgrund der Erkenntnisse aus dem
Behandlungsverlauf eher nicht zu (Prot. I S. 13). Die schlüssig begründete Diag-
nose der Gutachterin wurde zu Recht von keiner Seite in Frage gestellt. Gemäss
Verteidigung erachtet auch die Beschuldigte das Gutachten als korrekt und auf
sie zutreffend (Urk. 72 S. 21). Gemäss psychiatrischem Therapiebericht von Dr.
med. M._ vom 10. April 2017 konnte bei der Beschuldigten im Therapiever-
lauf im Rahmen des vorzeitigen Strafvollzuges in der Justizvollzugsanstalt Hin-
delbank bei der Beschuldigten eine Abschwächung der Positivsymptomatik mit
Wahrnehmungsstörungen (Zonästhesien, akustische Halluzinationen) und der
diesbezüglichen wahnhaften Erklärungsgedanken (Luft im Kopf) beobachtet wer-
den, wobei Dr. med. M._ festhielt, dass die Beurteilung der Veränderung des
Gesundheitszustandes Aufgabe der Gutachterin sei (Urk. 61 S. 5 f.). Wie gesehen
hielt Dr. med. G._ anlässlich der Hauptverhandlung an ihrer Diagnose fest.
Zu ihrem Gesundheitszustand befragt, gab die Beschuldigte vor Berufungsgericht
an, nach wie vor Geräusche im Kopf zu haben und dass viel Wind in den Kopf
reinkomme (Urk. 108 S. 5). Nachdem sie die Medikamente für den Kopf zeitweise
habe absetzen können, müsse sie diese nun wieder nehmen, weil ihr Kopf krank
sei (Urk. 108 S. 6). Arbeiten könne sie nur, wenn es ihr gesundheitlich gut gehe
(Urk. 108 S. 7). Entsprechend war die von Dr. med. M._ beobachtete zeit-
weise Verbesserung des Zustandes nicht von Dauer.
5.3. Die Vorinstanz hat unter Verweis auf die gutachterlichen Ausführungen zu-
treffend dargelegt, dass neben dem Vorliegen der schweren psychischen Störung
auch die weiteren Voraussetzungen einer stationären therapeutischen Mass-
nahme im Sinne von Art. 59 StGB gegeben sind (Urk. 90 S. 51 ff.). Damit ist eine
stationäre therapeutische Massnahme indiziert, um der bei der Beschuldigten
festgestellten mittelgradigen Gefahr für weitere Straftaten entgegenzuwirken.
- 35 -
5.4. Entsprechend ist unter Hinweis auf die zutreffenden Ausführungen der Vor-
instanz eine stationäre therapeutische Massnahme im Sinne von Art. 59 StGB
anzuordnen.
5.5. Die Beschuldigte wurde am 19. April 2015 verhaftet. Seither befindet sie
sich in Haft bzw. im vorzeitigen Straf- und seit dem 1. August 2017 im vorzeitigen
Massnahmevollzug (Urk. 13/1, Urk. 13/20, Urk. 74, Urk. 89). Die Polizei- und Un-
tersuchungshaft sowie der vorzeitige Straf- und Massnahmevollzug in der Höhe
von insgesamt 1083 Tagen bis zum Urteilsdatum sind an die stationäre therapeu-
tische Massnahme anzurechnen (Art. 51 StGB; BGE 141 IV 236 E. 3.1 ff.; Urteil
des Bundesgerichts 6B_571/2015 vom 14. Dezember 2015, E. 2.2 und 2.3).
6. Zivilansprüche
6.1. Wie bereits vor Vorinstanz beantragt die Privatklägerin 1 auch berufungs-
weise die Zusprechung einer Genugtuung in Höhe von Fr. 20'000.– (Urk. 70
S. 6 ff., Urk. 95 S. 3, Urk. 110 S. 6). Nicht mehr Gegenstand des vorliegenden
Berufungsverfahrens sind hingegen das durch die Vorinstanz abgewiesene
Schadenersatzbegehren sowie die Zivilansprüche der Privatklägerin 2 (vgl. vor-
stehende Erw. 2).
6.2. Die Privatklägervertretung beantragt die Genugtuung unter der Prämisse,
dass die Beschuldigte im Tatzeitpunkt nicht gänzlich urteilsunfähig war. Für den
Fall der Schuldunfähigkeit und Urteilsunfähigkeit erklärt die Privatklägervertre-
tung, dass der Beurteilung durch die Vorinstanz nicht ernsthaft widersprochen
werden könne, da eine Billigkeitshaftung nach Art. 54 OR aufgrund der wirtschaft-
lichen Verhältnisse der Beschuldigten relativ klar ausser Betracht falle (Urk. 110
S. 6).
6.3. Dem ist unter Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu-
zustimmen. Aufgrund der festgestellten Schuldunfähigkeit der Beschuldigten im
Tatzeitpunkt kommt lediglich eine Billigkeitshaftung im Sinne von Art 54 OR in
Frage (Urk. 90 S. 57). Beim Entscheid, ob eine Haftung aus Billigkeit ausnahms-
weise gerechtfertigt ist, kommt den finanziellen Verhältnissen eine vorrangige Be-
- 36 -
deutung zu (Müller, Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, OR AT, 3. Auf-
lage 2016, Art. 54 N 11). Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass die Be-
schuldigte in äusserst bescheidenen finanziellen Verhältnissen lebt und auf staat-
liche Unterstützungsleistungen angewiesen ist (Urk. 90 S. 60, Urk. 7/11). Ent-
sprechend kann die Beschuldigte – ungeachtet der Frage, ob eine Anspruchs-
grundlage im Sinne von Art. 47 OR bestünde – nicht zu einer Genugtuungs-
zahlung verpflichtet werden (Urk. 90 S. 60).
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
7.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschuldigte mit ihrer
Berufung und wird deshalb im Rechtsmittelverfahren grundsätzlich kostenpflichtig
(Art. 428 Abs. 1 StPO).
7.2. Gemäss Art. 419 StPO können Schuldunfähigen nur Kosten auferlegt wer-
den, wenn dies nach den gesamten Umständen billig erscheint. Über den zu en-
gen Wortlaut von Art. 419 StPO hinaus gilt diese Bestimmung nicht nur, wenn das
Verfahren wegen Schuldunfähigkeit eingestellt oder die beschuldigte Person aus
diesem Grund freigesprochen wird, sondern auch dann, wenn – wie vorliegend –
gegen einen Schuldunfähigen im Sinne von Art. 375 Abs. 1 StPO Massnahmen
angeordnet werden (BSK StPO-Bommer, 2. Auflage 2014, Art. 375 N 22 ff.;
Schmid, StPO Praxiskommentar, 3. Auflage 2017, Art. 375 N 6 und Art. 426
N 13). Aus Billigkeitsgründen ist eine Kostenauflage gerechtfertigt, wenn die wirt-
schaftlichen Verhältnisse der schuldunfähigen beschuldigten Person so gut sind,
dass eine Kostenübernahme durch den Staat als stossend erschiene (BSK StPO-
Domeisen, Art. 419 N 7 mit Hinweisen; ZR 89 Nr. 128). Dies ist vorliegend offen-
sichtlich nicht der Fall (vgl. vorstehende Erw. 6.3). Deshalb fällt die Gerichts-
gebühr ausser Ansatz und sind die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive
derjenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung
der Privatklägerin 1, auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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