Decision ID: e4e1bca2-65d9-5909-bc7f-5f89f5f8c128
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
UNIA Arbeitslosenkasse Kompetenzzentrum D-CH Ost, Strassburgstrasse 11,
Postfach, 8021 Zürich 1,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Arbeitslosenentschädigung und unentgeltliche Rechtsverbeiständung im
Verwaltungsverfahren
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 26. August 2013 beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) B._ zur Arbeitsvermittlung an (act. G 3.1/149) und
stellte am 12. September 2013 (Datum Eingang am Schalter) bei der UNIA
Arbeitslosenkasse Antrag auf Arbeitslosenentschädigung, da ihr die Arbeitgeberin, die
C._ AG, am 23. August 2013 wegen Arbeitsausfall per sofort gekündigt habe (act.
G 3.1/153 ff., vgl. auch act. G 3.1/163). Die Arbeitgeberin bestätigte in der
Arbeitgeberbescheinigung vom 4. September 2013, dass der Arbeitsplatz der
Versicherten ab 26. August 2013 wegen mangelnden Auftragseingangs bis auf
Weiteres still gelegt worden sei. Es sei (aber) keine Kündigung erfolgt (act. G 3.1/160).
A.b Mit Verfügung vom 27. September 2013 lehnte die UNIA den Antrag der
Versicherten auf Arbeitslosenentschädigung ab 26. August 2013 ab, weil kein
anrechenbarer Arbeits- und Verdienstausfall bestehe. Da sie in einem Arbeitsverhältnis
auf Abruf tätig sei, werde die Arbeit jeweils nur auf Aufforderung des Arbeitgebers
aufgenommen. Dabei gelte die gegenseitig vereinbarte Arbeitszeit als normal. Während
der Zeit, da Arbeitnehmende nicht zur Arbeit aufgefordert würden, liege
versicherungsrechtlich kein anrechenbarer Arbeits- und Verdienstausfall vor. Wenn die
Arbeit auf Abruf während 12 Monaten regelmässig geleistet werde, könne ein
anrechenbarer Arbeitsausfall angenommen werden. Bedingung sei, dass die
Beschäftigungsschwankungen im Verhältnis zu den im Monatsdurchschnitt geleisteten
Arbeitsstunden nicht mehr als 20% abweichen würden. Bei der Versicherten werde die
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zulässige Beschäftigungsschwankung von 20% in den Monaten November 2012,
Januar 2013, März 2013 und Juli 2013 überschritten (act. G 3.1/124 f.).
A.c Mit Schreiben vom 9. Oktober 2013 kündigte die Arbeitgeberin der Versicherten
das Arbeitsverhältnis auf Abruf unter Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist auf
den 30. November 2013. Dies sei nötig, weil sich die Situation im textilen Bereich so
sehr verschlechtert habe, dass sogar für die restliche Belegschaft per 7. Oktober 2013
habe Kurzarbeit angemeldet werden müssen (act. G 3.1/122). Die Versicherte teilte der
UNIA die Kündigung am 15. Oktober 2013 (Eingang UNIA) schriftlich mit (act.
G 3.1/121).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 27. September 2013 liess die Versicherte am 25.
Oktober 2013 durch Rechtsanwalt lic. iur. D. Ehrenzeller, Teufen, Einsprache erheben.
Zur Begründung machte er geltend, es gehe aus den Lohnblättern klar hervor, dass ab
September 2012 eine Vollbeschäftigung stattgefunden habe. Die Schwankungen seien
primär durch den Ferienbezug verursacht. Zudem habe die Beschäftigung bereits ab
dem 26. August 2013 aufgegeben werden müssen, was mit Schreiben der
Arbeitgeberin vom 23. August 2013 angekündigt worden sei. Laut diesem habe der
Arbeitsplatz der Versicherten "bis auf Weiteres nicht mehr besetzt werden" können
(act. G 3.1/113 f.). Mit Ergänzung zur Einsprache vom 28. Oktober 2013 teilte der
Rechtsvertreter der UNIA mit, dass die Versicherte im März 2013 ihren Vater in D._
besucht und nach einer Operation während einer Woche gepflegt habe. Zudem habe
sie im Juli und August 2013 Ferien bezogen, weshalb es folglich zu
Lohnschwankungen gekommen sei (act. G 3.1/105). Nach Einsicht in die Unterlagen
hielt der Rechtsvertreter mit Schreiben vom 11. November 2013 an seiner Begründung
fest (act. G 3.1/102).
B.b Mit Einspracheentscheid vom 27. November 2013 wies die UNIA die Einsprache
und das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Zuteilung eines unentgeltlichen
Rechtsbeistands ab. Sie wies darauf hin, dass sich der Entscheid allein auf den
Verfügungsgegenstand beziehe. Es stehe fest, dass die Versicherte mit der
Arbeitgeberin einen Abrufvertrag eingegangen sei. Die Kündigung sei am 9. Oktober
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2013 per 30. November 2013 erfolgt. Bis zu diesem Datum seien die Arbeitgeberin und
die Versicherte in der Disposition frei gewesen, Arbeiten zuzuordnen oder abzulehnen.
Dass ab 26. August 2013 keine Arbeit mehr geleistet worden sei oder habe geleistet
werden können, sei in diesem Kontext unerheblich. Es wäre der Versicherten frei
gestanden nach der Mitteilung, dass es keine Einsätze mehr gebe, selber zu kündigen
oder die Kündigung zu verlangen. Da bei der vorliegenden Arbeit auf Abruf die
höchstzulässige 20%ige Abweichung in den Monaten Juli und März 2013 unter- und in
den Monaten April und Januar 2013 sowie November 2012 überschritten werde, könne
ab September 2012 nicht von einer Vollbeschäftigung bzw. einer Normalarbeitszeit
ausgegangen werden und es sei keine Arbeitslosenentschädigung geschuldet.
Hinsichtlich des Gesuchs um unentgeltliche Rechtsverbeiständung hielt die UNIA fest,
dass dieses bereits an der fehlenden Notwendigkeit einer Rechtsvertretung und der
Aussichtslosigkeit der Beschwerde scheitere, weshalb die Prüfung der Voraussetzung
der finanziellen Bedürftigkeit offen bleiben könne (act. G 3.1/35 ff.).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die vom Rechtsvertreter der Ver
sicherten am 12. Dezember 2013 in ihrem Namen eingereichte Beschwerde mit dem
Antrag auf Aufhebung des Einspracheentscheids und Feststellung der grundsätzlichen
Anspruchsberechtigung der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 26. August 2013
sowie auf Gewährung der unentgeltlichen Verbeiständung für das durchgeführte
Einspracheverfahren. Zudem beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung inklusive Verbeiständung für das Beschwerdeverfahren; unter Kosten-
und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung machte der Rechtsvertreter geltend, es sei
unzulässig festzuhalten, dass sich der Einspracheentscheid allein auf den
Verfügungsgegenstand beziehen könne und es unbeachtlich bleibe, dass die
Versicherte "inzwischen in gekündigter Stellung" sei. Die Begründung sei schon
deshalb unzulässig, weil die Kündigung im Zeitpunkt des Einspracheentscheids vom
27. November 2013 längst aktenkundig gewesen sei. Das Arbeitslosenkassenverfahren
sei immer ein rollendes Verfahren, wo neue Gesichtspunkte laufend zu berücksichtigen
seien, andernfalls die Beschwerdeführerin ja ein neues Gesuch hätte stellen müssen.
Weiter sei das Ausbleiben des Abrufs ab dem 26. August 2013 am 23. August 2013
klar mitgeteilt worden, und ein anrechenbarer Arbeitsausfall sowie ein
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Entschädigungsanspruch bestünden daher trotz der erst am 9. Oktober 2013 erfolgten
Kündigung bereits ab dem 26. August 2013. Die von der Beschwerdegegnerin
errechneten "Schwankungen" seien klar zuzuordnen. So liege der Arbeitsausfall im
März 2013 nicht im Abrufverhältnis begründet, sondern darin, dass der Vater der
Beschwerdeführerin krank gewesen sei und sie ihn in D._ besucht habe. Auch im Juli
2013 müssten die Schwankungen durch die Feriengeld-Entschädigung aufgefüllt
werden. Zusammenfassend sei daher von einem Entschädigungsanspruch ab 26.
August 2013, eventualiter spätestens ab dem Erhalt der Kündigung am 9. Oktober
2013, auszugehen, da mit einem nochmaligen Abruf innerhalb der Kündigungsfrist
überhaupt nicht zu rechnen gewesen sei (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Bezüglich der Begründung verwies sie auf den
Einspracheentscheid vom 27. November 2013 sowie die Kassenverfügung vom
27. September 2013 (act. G 3).
C.c Mit Eingabe vom 10. Februar 2014 verzichtete der Rechtsvertreter auf eine
eigentliche Replik. Er hielt jedoch fest, dass das weiterhin mit der Arbeitgeberin
bestehende Arbeitsverhältnis betreffend Reinigungsarbeiten im Umfang von 8 - 10
Stunden pro Monat nichts mit dem Hauptarbeitsverhältnis zu tun habe. Es handle sich
um eine geringe Nebenbeschäftigung, welche die Beschwerdeführerin auch beim
Antreten einer neuen Stelle weiter ausführen könnte, da diese vor allem zu Randzeiten
oder am Wochenende ausgeübt werde (act. G 7).
C.d Am 9. Mai 2014 reichte die Beschwerdeführerin ein Schreiben der
Beschwerdegegnerin vom 7. Mai 2014 ein, wonach der Anspruch auf
Arbeitslosentaggelder ab 1. Dezember 2013 anerkannt wurde (act. G 9, 9.1).

Erwägungen:
1.
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur
Rechtsverhältnisse zu überprüfen bzw. zu beurteilen, zu denen die zuständige
Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich - in Form einer Verfügung - Stellung
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genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwerdeweise
weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem
Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und
insoweit keine Verfügung ergangen ist (vgl. BGE 125 V 414 E. 1a). Gegenstand der
vorliegenden Beschwerde ist der Einspracheentscheid vom 27. November 2013 (act.
G 3.1/35 ff.), welcher sich auf die Verfügung vom 27. September 2013 (act.
G 3.1/124 f.) bezieht. Laut dieser wurde ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung
ab dem 26. August 2013 verneint, weil kein anrechenbarer Arbeits- und
Verdienstausfall bestehe. Somit ist vorliegend der Anspruch der Beschwerdeführerin
auf Arbeitslosenentschädigung ab dem 26. August 2013 zu prüfen. Demgegenüber
bleibt der Anspruch auf Leistungen ab 1. Dezember 2013 unbestritten, nachdem ihn
die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 7. Mai 2014 (act. G 9.1) anerkannt hat. Im
Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die weiterhin im Rahmen einer
Nebenbeschäftigung ausgeführten Reinigungstätigkeiten für die Arbeitgeberin, welche
unabhängig von der Haupttätigkeit ausgeführt wurden und werden, für die Frage des
Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung vom Hauptarbeitsverhältnis abzugrenzen
sind (vgl. auch act. G 7).
2.
2.1 Der Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung setzt u.a. voraus, dass die
versicherte Person ganz oder teilweise arbeitslos ist (Art. 8 Abs. 1 lit. a des
Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]), wobei als ganz arbeitslos gilt, wer in keinem
Arbeitsverhältnis steht und eine Vollzeitbeschäftigung sucht (Art. 10 Abs. 1 AVIG),
während teilweise Arbeitslosigkeit u.a. dann vorliegt, wenn die versicherte Person eine
Teilzeitbeschäftigung hat und eine Vollzeit- oder weitere Teilzeitbeschäftigung sucht
(Art. 10 Abs. 2 lit. b AVIG). Weiter ist vorausgesetzt, dass die versicherte Person einen
anrechenbaren Arbeitsausfall erlitten hat (Art. 8 Abs. 1 lit. b AVIG). Der Arbeitsausfall ist
gemäss Art. 11 Abs. 1 AVIG anrechenbar, wenn er einen Verdienstausfall zur Folge hat
und mindestens zwei aufeinander folgende volle Arbeitstage dauert.
2.2 Gemäss Rechtsprechung ist der Ausfall an normaler Arbeitszeit in der Regel auf
Grund der im Beruf oder Erwerbszweig der versicherten Person allgemein üblichen
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Arbeitszeit zu ermitteln. Besteht hingegen eine besondere Vereinbarung zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer, bemisst sich die normale Arbeitszeit nach der
persönlichen Arbeitszeit der versicherten Person. Wird die Arbeit vereinbarungsgemäss
jeweils nur auf Aufforderung des Arbeitgebers aufgenommen, gilt im Allgemeinen die
auf dieser besonderen Vereinbarung beruhende Arbeitszeit als normal, sodass
Arbeitnehmer während der Zeit, da sie nicht zur Arbeit aufgefordert werden, keinen
anrechenbaren Verdienstausfall erleiden (BGE 107 V 61 E. 1; ARV 1998 Nr. 20 S. 101 E.
2a, 1995 Nr. 9 S. 48 E. 2a mit Hinweis).
2.3 Von diesem Grundsatz kann jedoch abgewichen werden, wenn der auf Abruf
erfolgte Einsatz während längerer Zeit im Wesentlichen mehr oder weniger konstant
war. In diesem Fall ist die effektiv absolvierte Arbeitszeit als normal zu betrachten. Der
Beobachtungszeitraum kann dabei umso kürzer sein, je weniger die Arbeitseinsätze in
den einzelnen Monaten schwanken; er muss umso länger sein, wenn die
Arbeitseinsätze sehr unregelmässig anfallen oder wenn die Arbeitsdauer während der
einzelnen Einsätze starken Schwankungen unterworfen ist (BGE 107 V 61 f. E. 1; ARV
1998 Nr. 20 S. 101 E. 2a mit Hinweisen).
3.
3.1 Im Einspracheentscheid vom 27. November 2013 kam die Beschwerdegegnerin
gestützt auf die Lohnangaben in den Lohn-Konto-Blättern 2012 und 2013 der Arbeit
geberin zum Schluss, dass die monatlichen Abweichungen der Löhne in der Zeit von
September 2012 bis August 2013 zu gross seien. So werde die höchstens zulässige
Beschäftigungsschwankung von 20% in den Monaten Juli und März 2013 unter- und in
den Monaten April und Januar 2013 sowie November 2012 überschritten. Damit treffe
das Argument der Beschwerdeführerin nicht zu, sie habe ab September 2012 eine
Vollbeschäftigung gehabt (act. G 3.1/35). Die Beschwerdeführerin machte dagegen
geltend, dass bereits auf Grund des Informationsschreibens der Arbeitgeberin
betreffend den fehlenden Auftragseingang bzw. die fehlende Arbeit ein Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung bestehe. Eventualiter sei der Anspruch aber spätestens ab
Erhalt der Kündigung am 9. Oktober 2013 zu bejahen, weil mit einem nochmaligen
Abruf innerhalb der Kündigungsfrist überhaupt nicht zu rechnen gewesen sei (vgl. act.
G 1 Ziff. 9 S. 7).
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3.2 Für das Arbeitsverhältnis auf Abruf bestand zwischen der Beschwerdeführerin und
ihrer Arbeitgeberin ein schriftlicher Arbeitsvertrag. Dieser datiert vom 18. März 2011
und hielt fest, dass die Anstellung als angelernte Zwirnerin erfolge, sie aber, wenn es
der Geschäftsgang erfordere, auch eine andere angemessene Tätigkeit umfassen
könne. Das Arbeitsverhältnis wurde als Teilzeit-Arbeitsverhältnis auf Abruf definiert und
eine Kündigungsfrist von 1 Monat vereinbart. Die Ferien würden mit 8.33%
entsprechend den gearbeiteten Stunden vergütet und entsprechend pro rata 4 Wochen
je Kalenderjahr. Beginne oder ende das Arbeitsverhältnis im Laufe des Kalenderjahres,
so erhalte der Arbeitnehmer für jeden Monat einen Zwölftel des jährlichen
Ferienanspruchs errechnet über die geleistete Teilzeitarbeit (act. G 3.1/139 ff.). Im
Schreiben der Arbeitgeberin an die Beschwerdeführerin vom 23. August 2013
bestätigte jene, dass der Arbeitsplatz infolge fehlender Zwirnaufträge ab Montag, 26.
August 2013, bis auf Weiteres nicht mehr besetzt werden könne. Wie lange dieser
Arbeitsausfall dauern werde, könne zurzeit nicht gesagt bzw. abgeschätzt werden, da
der Auftragseingang nicht beeinflusst werden könne. Sollte sich die Auftragslage
wieder bessern, werde die Beschwerdeführerin erneut zur Arbeit aufgeboten (act.
G 3.1./163). In der Arbeitgeberbescheinigung vom 4. September 2013 hielt die
Arbeitgeberin bezüglich der Dauer des Arbeitsverhältnisses fest: "vom 1.4.11/1.3.12 bis
29.9.11/23.08.13." Weiter gab sie an, es sei keine Kündigung erfolgt. Der Arbeitsplatz
der Beschwerdeführerin sei ab dem 26. August 2013 bis auf Weiteres stillgelegt wegen
mangelnden Auftragseingangs (act. G 3.1./160). Erst mit Schreiben vom 9. Oktober
2013 kündigte die Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin das Arbeitsverhältnis unter
Beachtung der einmonatigen Kündigungsfrist per 30. November 2013. Zur Begründung
hielt sie fest, die Situation im textilen Bereich habe sich seit dem 26. August 2013 so
sehr verschlechtert, dass sie für die restliche Belegschaft seit dem 7. Oktober 2013
sogar habe Kurzarbeit anmelden müssen. Die Nachfrage nach den eigenen Produkten
sei sehr zurückgegangen, weshalb sie sich leider gezwungen sehe, das
Arbeitsverhältnis auf Abruf unter Einhaltung der Kündigungsfrist per 30. November
2013 zu kündigen (act. G 3.1/122). Ab dem Schreiben vom 23. August 2013 wies die
Arbeitgeberin der Beschwerdeführerin jedoch keine Zwirnarbeit mehr zu.
3.3 Dieser Sachverhalt zeigt, dass für die Beschwerdeführerin nach dem 23. August
2013 keine Arbeit mehr vorhanden war. Dadurch, dass ihr aber überhaupt keine
Arbeiten mehr zugewiesen wurden, ist das Schreiben vom 23. August 2013 mit einer
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faktischen Beendigung des Arbeitsverhältnisses gleichzusetzen. Auch wenn der
Beschwerdeführerin erst nachträglich formell gekündigt wurde, ergab sich für sie als
Arbeitnehmerin bereits ab dem 23. August 2013 keine Beschäftigungsmöglichkeit
mehr. Allein die Tatsache, dass die Arbeitgeberin in der Hoffnung auf neue
Kundenaufträge mit einer formellen Kündigung noch zuwartete, darf nicht zu Lasten
der Beschwerdeführerin ausgelegt werden. Wie sich im für die vorliegende Beurteilung
massgebenden Zeitpunkt des Einspracheentscheides vom 27. November 2013 zeigte,
war die Beendigung der Arbeitszuweisungen entsprechend der Mitteilung vom 23.
August 2013 definitiv. Da sich die Beschwerdeführerin ab 26. August 2013 zum
Leistungsbezug bei der Arbeitslosenversicherung meldete, ist zu prüfen, ob sie sich im
Sinne der zitierten Rechtsprechung auf einen anrechenbaren Arbeits- und
Verdienstausfall berufen kann, was die Beschwerdegegnerin mit Verweis auf zu grosse
Beschäftigungsschwankungen in Abrede stellt.
3.4 Für die Ermittlung des Beschäftigungsumfangs in der zwölfmonatigen
Beobachtungsperiode vor der Anmeldung, d.h. in den Monaten September 2012 bis
August 2013, ist die Zahl der gearbeiteten Stunden anhand der im Lohnkonto 2012 und
2013 (act. G 3.1/147 und G 3.1/146) für die einzelnen Monate je eingetragenen
Stundenlohnsummen (Position 101) zu eruieren, wobei der Stundenlohn (Grundlohn) Fr.
16.70 beträgt (vgl. Arbeitsvertrag S. 2, act. G 3.1/140, Lohnabrechnung August 2013,
act. G 3.1/145). Für den Monat September 2012 ist zu Position 101 ein Krankentaggeld
(Position 851) dazuzurechnen. Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, leistete die
Beschwerdeführerin als Zwirnerin 1880 Arbeitsstunden. Damit generierte sie einen
Ferienanspruch von 156.6 Arbeitsstunden (1'880 x 8.33%). Die Beschwerdeführerin
legte glaubhaft dar, dass sie wegen eines Krankenbesuchs in D._ vom 8. bis und mit
17. März 2013 abwesend war (act. G 1 Ziff. 6 mit Hinweis auf act. G 1.2 und G 1.3) und
ausserdem im Monat Juli 2013 Ferien bezogen hat (vgl. act. G 1 Ziff. 7 mit Hinweis auf
die Verbuchung von Feriengeld im Lohnkonto). Es erscheint im vorliegenden
Zusammenhang angezeigt, den Ferienanspruch bei denjenigen Monaten anzurechnen,
in denen die Ferien tatsächlich bezogen wurden (vgl. analoge Anwendung von BGE
125 V 42). Entsprechend ist es gerechtfertigt, 50 Ferienstunden auf den Monat März
2013 und 106.6 Ferienstunden auf den Monat Juli 2013 zu verteilen.
3.5 Demnach ergibt sich folgendes Beschäftigungsausmass:
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4.
4.1 Zusammenfassend nehmen sich die Schwankungen - abgesehen vom Monat
August 2013 - innerhalb einer Bandbreite von deutlich weniger als 20% aus. Beim
Monat August 2013 ist zu berücksichtigen, dass die gearbeiteten 126 Stunden auf drei
Wochen entfallen, nachdem die Beschwerdeführerin gemäss Mitteilung vom 23.
August 2013 ab sofort nicht mehr abgerufen wurde. Werden die geleisteten
Arbeitsstunden auf vier Wochen hochgerechnet, was 168 Stunden entspricht, so liegt
dieser Wert annähernd beim Monatsdurchschnitt von 169.7 Stunden. Bei den in der
zwölfmonatigen Beobachtungsperiode gesamthaft nicht ausgeprägten
Beschäftigungsschwankungen kann der Beschwerdeführerin nicht entgegen gehalten
werden, sie habe derart unregelmässige Einsätze geleistet, dass eine normale
Arbeitszeit, die Ausgangspunkt für die Ermittlung des anrechenbaren Arbeitsausfalls
bildet, nicht berechnet werden könne. Vielmehr arbeitete die Beschwerdeführerin in
einem relativ konstanten Pensum, das im Sinne der zitierten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung als normale Arbeitszeit gilt.
4.2 Im Weiteren stellt sich die Frage, ob der grundsätzlich anrechenbare Arbeitsausfall
auch einen entsprechenden Verdienstausfall zur Folge hat. In diesem Zusammenhang
bleibt offen, ob der Beschwerdeführerin gegenüber der ehemaligen Arbeitgeberin
Lohnfortzahlungsansprüche ab dem 26. August 2013 zustehen, sei es im Rahmen
eines Annahmeverzugs der Arbeitgeberin (Art. 324 OR) oder als Kündigungslohn für die
auch im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses auf Abruf zu beachtende gesetzliche
Mindestkündigungsfrist (BGE 125 III 68). Da die Verdienstansprüche der
Beschwerdeführerin nicht klar feststehen bzw. zweifelhaft sind, ist die
Beschwerdegegnerin, soweit die Beschwerdeführerin die übrigen Voraussetzungen für
den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung erfüllt, verpflichtet, Taggeldleistungen im
Rahmen von Art. 29 AVIG auszurichten. Nach dieser Bestimmung hat die
Arbeitslosenkasse bei Bestehen von begründeten Zweifeln darüber, ob der
versicherten Person für die Zeit des Arbeitsausfalls gegenüber der bisherigen
Arbeitgeberin Lohn- oder Entschädigungsansprüche zustehen, Arbeits
losenentschädigung auszuzahlen. Die Ansprüche gegenüber der ehemaligen Arbeit
geberin gehen im Umfang der gezahlten Leistungen auf die Kasse über und diese hat
die Ansprüche geltend zu machen, wobei eine Verpflichtung der versicherten Person
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besteht, die Arbeitslosenkasse bei der Durchsetzung der Ansprüche zu unterstützen
(vgl. AVIG-Praxis ALE, C 198 ff.; vgl. auch B 98 f.).
4.3 Die Beschwerdegegnerin wird nun im Sinne der vorstehenden Erwägungen für die
hier zur Diskussion stehende Zeit vom 26. August bis 30. November 2013 den
Arbeitsausfall zu berechnen und über den Anspruch der Beschwerdeführerin erneut zu
befinden haben.
5.
5.1 Die Beschwerdegegnerin wies im angefochtenen Einspracheentscheid auch das
Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Verbeiständung im
Verwaltungsverfahren ab. Sie begründete dies einerseits durch Verneinung der
Notwendigkeit der Rechtsvertretung und andererseits durch Bejahung der
Aussichtslosigkeit.
5.2 Hinsichtlich der sachlichen Gebotenheit der unentgeltlichen anwaltlichen Ver
beiständung sind die Umstände des Einzelfalls, die Eigenheiten der anwendbaren
Verfahrensvorschriften sowie die Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens zu
berücksichtigen. Dabei fallen neben der Komplexität der Rechtsfragen und der
Unübersichtlichkeit des Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende
Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Falls
ein besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung des Bedürftigen droht, ist die
Rechtsverbeiständung grundsätzlich geboten, andernfalls bloss, wenn zur relativen
Schwere des Falls besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten
hinzukommen, denen die gesuchstellende Person auf sich alleine gestellt nicht
gewachsen ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG: seit 1. Januar
2007: sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts] vom 29. September 2005, I
369/2005, E. 2.2). Die sachliche Notwendigkeit wird nicht allein dadurch
ausgeschlossen, dass das in Frage stehende Verfahren von der Offizialmaxime oder
dem Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also gehalten ist, für die
Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts besorgt zu sein. Abgesehen davon,
dass die Offizialmaxime allfällige Fehlleistungen der Behörde nicht zu verhindern
vermag, ist zu bedenken, dass sie nicht unbegrenzt ist. Sie entbindet die Beteiligten
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nicht davon, durch Hinweise zum Sachverhalt oder Bezeichnung von Beweisen am
Verfahren mitzuwirken (BGE 130 I 183f. E. 3.2 und 3.3 mit Hinweisen).
5.3 Gestützt auf obige Ausführungen ist festzuhalten, dass auf Grund des speziellen
Arbeitsverhältnisses auf Abruf sowie der spezifischen rechtlichen Bestimmungen dazu
tatsächliche und rechtliche Schwierigkeiten bestehen, die das vorliegend strittige
Einspracheverfahren vom "normalen" Durchschnittsfall" unterscheidet und eine
anwaltliche Rechtsverbeiständung erforderlich machten. Es konnte von der
Beschwerdeführerin nicht erwartet werden, sich ob der Komplexität der vorliegenden
Rechtsfragen selber gebührend zu vertreten.
5.4 Im Weiteren ergibt sich die Voraussetzung der Nichtaussichtslosigkeit auf Grund
der Aktenlage. Demgegenüber ist die Voraussetzung der finanziellen Bedürftigkeit der
Beschwerdeführerin aus den Akten nicht ersichtlich. Die Angelegenheit ist daher an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie diese Frage noch prüfen und die
erforderlichen Unterlagen einholen kann; anschliessend wird sie das Gesuch um
unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Verwaltungsverfahren noch einmal zu
beurteilen haben.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, und der
angefochtene Einspracheentscheid vom 27. November 2013 ist aufzuheben. Die
Streitsache ist sodann zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen sowie zur
neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Hingegen hat die
anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese
werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). Der Vertreter der Beschwerdeführerin verzichtete auf
das Einreichen einer Kostennote. In der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit
erscheint mit Blick auf den Aufwand und auf vergleichbare Fälle eine pauschale
Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
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angemessen. Damit erübrigt sich die Festsetzung eines Entschädigungsanspruchs im
Rahmen der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP