Decision ID: ce7c5fe5-b246-4c64-bcd0-32b077ebaba7
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den Führerausweis für die Fahrzeugkategorie B seit dem 18. Dezember
1970. Wegen Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand mit einer
Blutalkoholkonzentration (BAK) von mindestens 0,58 Gewichtspromille wurde X mit
Verfügung des Strassenverkehrsamts des Kantons St. Gallen vom 18. Dezember 2017
verwarnt.
B.- Am 24. Juni 2019 fuhr X auf der A in Wil vom Zentrum herkommend in Richtung B.
Nach einem angeblichen Ausweichmanöver kam er linksseitig von der Strasse ab und
fuhr den stark abfallenden Hang hinunter. Am Fuss des Hanges steuerte er über die
Weierstrasse in das dortige Boccia-Feld. Anschliessend fuhr X auf der Weierstrasse
Richtung Weier weg. Das Geschehene konnte von mehreren Personen, die sich beim
naheliegenden Spielplatz aufhielten, beobachtet werden. Diese verständigten die
Polizei und machten Fotos des Personenwagens. Die Polizeipatrouille bemerkte X in
seinem beschädigten Personenwagen (ohne vorderes Kontrollschild) auf der
Grabenstrasse und nahm die Verfolgung auf. Trotz eingeschalteter Matrix "Stopp
Polizei" und anschliessender Einschaltung des Blaulichts inkl. Horn reagierte X nicht
darauf. An seinem Wohnort an der C konnte er schliesslich von der Polizei kontrolliert
werden. Wegen eindeutiger Anzeichen, welche auf eine Fahrunfähigkeit schliessen
liess, wurden eine Blut- und eine Urinprobe angeordnet. Deren Analyse durch das
Institut für Rechtsmedizin (IRM) am Kantonsspital St. Gallen ergab eine minimale BAK
von 0,74 Gewichtspromille. Des Weiteren wurden die Arzneimittelwirkstoffe Pregabalin
in einer Konzentration von 3100 μg/l und Zolpidem in einer solchen von 35 μg/l
nachgewiesen. Zusätzlich wurde im Urin die Einnahme der zwei Schmerzmittel
Ibuprofen und Diclofenac festgestellt. Das Strassenverkehrsamt entzog X den
Führerausweis am 13. August 2019 vorsorglich und gewährte ihm das rechtliche Gehör
zur vorgesehenen verkehrsmedizinischen Untersuchung, die dann mit Verfügung vom
30. August 2019 angeordnet wurde.
C.- Mit Strafbefehl des Untersuchungsamts D vom 30. Oktober 2019 wurde X wegen
Verletzung der Verkehrsregeln, Fahrens in fahrunfähigem Zustand infolge
Alkoholeinflusses, versuchter Vereitelung von Massnahmen zur Feststellung der
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Fahrunfähigkeit und pflichtwidrigen Verhaltens bei einem Verkehrsunfall zu einer
bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 330.– und einer Busse von
Fr. 2'500.– verurteilt.
D.- Am 2. Dezember 2019 liess sich X beim IRM St. Gallen untersuchen. Im
verkehrsmedizinischen Gutachten vom 13. Januar 2020 ging die Fachärztin von einem
verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauch – in der 6 cm langen Haarprobe wurde
Ethylglucuronid (EtG, Abbauprodukt von Alkohol) in der Konzentration von 61 pg/mg
gemessen –, allenfalls auch von einem Missbrauch der Arzneimittel Zolpidem
(Schlafmittel) und Oxycodon (starkes Schmerzmittel aus der Arzneimittelklasse der
Opioide) aus. Sie verneinte die Fahreignung aus verkehrsmedizinischer Sicht. Daraufhin
entzog das Strassenverkehrsamt den Führerausweis mit Verfügung vom 7. Februar
2020 auf unbestimmte Zeit mit einer Sperrfrist von einem Monat (24. Juni bis 23. Juli
2019). Die Wiedererteilung wurde von einer Alkoholabstinenz und dem Verzicht auf die
Einnahme suchterzeugender psychotroper Medikamente abhängig gemacht.
Zusätzliche Bedingungen für die Wiedererteilung waren das Einleiten und Durchführen
einer regelmässigen fachtherapeutischen Betreuung, regelmässige haus- bzw.
spezialärztliche Kontrollen und eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung. Die
Abstinenz sollte bis zur Neubeurteilung bzw. Wiedererteilung des Führerausweises
fortgesetzt werden.
Dagegen erhob X mit Eingabe vom 21. Februar 2020 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen (VRK). Er beantragte, Ziffer 1
Abs. 2 des Rechtsspruchs der angefochtenen Verfügung vom 7. Februar 2020 sei
aufzuheben und die Spezialkategorie M sei vom Führerausweisentzug auf unbestimmte
Zeit auszunehmen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. In der Vernehmlassung
vom 23. März 2020 stellte die Vorinstanz den Antrag auf Abweisung des Rekurses. In
der Replik vom 6. April 2020 hielt X an seinen Ausführungen im Rekurs fest und
beantragte die Freigabe der Spezialkategorie M.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit erforderlich, in den

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die VRK ist zum
Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs
vom 21. Februar 2020 ist rechtzeitig eingereicht worden. Er erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den
Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent machte geltend, die Vorinstanz habe die Verfügung nicht genügend
begründet und damit den verfassungsmässig verankerten Anspruch auf rechtliches
Gehör verletzt. Insbesondere habe sie den Artikel, welcher gemäss Vorinstanz keine
Anwendung finde, in der Verfügung nicht aufgeführt. Zudem sei nicht begründet
worden, weshalb die gesundheitliche Situation des Rekurrenten nicht berücksichtigt
worden sei. Auf die Argumentation in der Eingabe vom 6. Februar 2020 sei überhaupt
nicht eingegangen worden.
a) Die Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) garantiert unter anderem
Verfahrensrechte. Sie umreisst mit Art. 29 und 30 bis 32 BV die verfassungsrechtlichen
Anforderungen an rechtsstaatliche Verfahren vor Behörden in allgemeiner Weise; hinzu
kommt Art. 29a BV. Zum einen sind die Verfahrensgrundrechte mit der Umschreibung
der Anforderungen an Verfahren institutioneller Natur. Zum anderen gewährleisten sie
umfassenden grundrechtlichen Verfahrensschutz. Das rechtliche Gehör etwa ist ein
wichtiger, in Art. 29 Abs. 2 BV eigens aufgeführter Teilaspekt des Grundsatzes eines
gerechten Verfahrens (vgl. Steinmann, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, Art. 29 BV
Rz. 4). Daraus ergibt sich auch der Mindestanspruch auf Begründung einer Verfügung.
Diese entspricht den Anforderungen dieser Norm, wenn die Betroffenen dadurch in die
Lage versetzt werden, die Tragweite der Verfügung oder Entscheidung zu beurteilen
und diese in voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die
Behörde ist aber nicht verpflichtet, sich zu allen Rechtsvorbringen der Parteien zu
äussern. Vielmehr kann sie sich auf die ihr für die Verfügung oder den Entscheid
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Es genügt, wenn ersichtlich ist, von
welchen Überlegungen sich die Behörde leiten liess (Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 1070 f.).
bis
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b) In der Verfügung vom 7. Februar 2020 führte das Strassenverkehrsamt aus, dass
"der aufgeführte Artikel" keine Anwendung finde und die persönliche Situation nicht
berücksichtigt werden könne, weil ein Missbrauch von Alkohol und ein vermuteter
Missbrauch von Zolpidem vorliege. Zwar führte sie vor dem Rechtsspruch einleitend
die angewandten Rechtsnormen, worunter Art 16d Abs. 1 lit. b des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG) und Art. 33 der
Verkehrszulassungsverordnung (SR 741.51, abgekürzt: VZV), auf. Ob diese Aufzählung
der Pflicht, in der Verfügung die Tatsachen, die Vorschriften und die Gründe, auf die sie
sich stützt, anzugeben (Art. 24 Abs. 1 lit. a VRP), genügt, kann offenbleiben. Jedenfalls
liegt aufgrund der Nichterwähnung der entsprechenden Bestimmung im fraglichen
Abschnitt keine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör vor. Dem anwaltlich
vertretenen Rekurrenten musste klar sein, dass hier Art. 33 (insbesondere Abs. 3 und 4)
VZV gemeint war. Auf diese Bestimmung hatte er sich bereits im vorinstanzlichen
Verfahren berufen und gestützt darauf einen differenzierten Führerausweisentzug
beantragt (act. 11/89). Dem Rechtsvertreter war ohne weiteres möglich, einen
sachgerechten, siebenseitigen Rekurs zu verfassen. Aufgrund der Ausführungen in der
angefochtenen Verfügung waren die massgeblichen Überlegungen der Vorinstanz für
ihn in genügendem Masse erkennbar. Sie ging von einer Suchtproblematik beim
Rekurrenten aus und begründete dies auch in der Verfügung. Auf weitere
Ausführungen zu den gesundheitlichen Einschränkungen des Rekurrenten verzichtete
sie deshalb. Die Antwort auf die Frage, ob sich die Vorinstanz an den wesentlichen
Verfügungsgrundlagen orientierte, ergibt sich im Rahmen der Prüfung der materiellen
Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung. Eine Verletzung des Anspruchs auf
rechtliches Gehör ist nicht ersichtlich. Daran ändert indessen nichts, dass die fragliche
Bestimmung in den rechtlichen Ausführungen der Klarheit halber (nochmals) hätte
erwähnt werden sollen.
3.- Der Rekurrent beantragt, die vorinstanzliche Verfügung sei dahingehend
aufzuheben, dass die Spezialkategorie M vom Führerausweisentzug auf unbestimmte
Zeit auszunehmen sei. Umstritten ist, ob die Vorinstanz den Führerausweis aufgrund
einer Suchtmittelproblematik zu Recht für sämtliche Kategorien auf unbestimmte Zeit
entzogen hat.
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a) Gemäss Art. 33 Abs. 1 VZV hat der Entzug des Führerausweises einer Kategorie
oder Unterkategorie den Entzug des Lernfahr- und des Führerausweises aller
Kategorien, aller Unterkategorien und der Spezialkategorie F zur Folge. Ist jedoch der
Führerausweisentzug aus medizinischen Gründen verfügt worden, so findet Art. 33
Abs. 1 VZV keine Anwendung (Art. 33 Abs. 3 VZV).
b) Die Vorinstanz erwog aufgrund des Gutachtens vom 13. Januar 2020, dass ein
Missbrauch von Alkohol und ein zu vermutender Missbrauch von Zolpidem vorliege. In
Anbetracht des Analyseresultats sei von einem übermässigen Alkoholkonsum
auszugehen. Zudem bestünden gemäss Gutachten weitere verkehrsmedizinisch
relevante internistische Krankheiten. Es gäbe keine Indizien, welche gegen die
Zuverlässigkeit des Gutachtens sprechen würden. Daher müsse der Sicherungsentzug
auf unbestimmte Zeit nach Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG (Sucht, welche die Fahreignung
ausschliesst) für sämtliche Kategorien ausgesprochen werden. Während der
Gesetzgeber bei fehlender Fahreignung aus medizinischen Gründen durchaus einen
gewissen Spielraum beim Umfang des Entzugs zulasse, sei dies bei einer
ausgewiesenen Suchtmittelproblematik ausgeschlossen.
Der Rekurrent macht geltend, dass eine besondere Situation bestehe, da ein
Nebeneinander von medizinischen Gründen und möglichen nichtmedizinischen
Gründen bestehe. Ein differenzierter Entzug nach einzelnen Spezialkategorien sei
grundsätzlich möglich. Des Weiteren sei die persönliche Situation des Rekurrenten zu
berücksichtigen. Laut Gutachten leide er an einer erheblichen Schmerzproblematik an
den Füssen. Er sei gesundheitlich nicht in der Lage, längere Wege zu Fuss
zurückzulegen. Der Rekurrent sei auf eine Fahrgelegenheit angewiesen. Die
Behauptung der ausgewiesenen Suchtmittelproblematik sei unzutreffend. Selbst der
Gutachter bejahe eine bestehende Sucht nicht einfach. Er spreche korrekt von einem
Alkoholmissbrauch, welcher nach den Analysen auf den Sommer 2019 zurückgehen
könne. Die Labor-Resultate sprächen jedenfalls nicht dagegen, dass der Rekurrent die
Abstinenz ab Mitte August 2019 eingehalten habe. In der immunchemischen
Untersuchung der Urinprobe seien keine Hinweise auf einen Konsum von Alkohol im
näheren Zeitraum vor der verkehrsmedizinischen Untersuchung gefunden worden.
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c) Zu prüfen ist, ob Art. 33 Abs. 3 VZV auf den Rekurrenten angewendet werden kann
und eine Erteilung der Spezialkategorie M bei gleichzeitigem Entzug aller anderen
Kategorien möglich ist.
aa) Vorab ist zu bestimmen, was mit einem Entzug aus medizinischen Gründen in
Art. 33 Abs. 3 VZV gemeint ist. Konkret stellt sich die Frage, ob eine
Suchtmittelproblematik als medizinischer Grund im Sinn dieses Artikels angesehen
werden kann. Die VRK ging in ihrer früheren Rechtsprechung davon aus, dass eine
Suchterkrankung in diesem Kontext nicht als medizinischer Grund angesehen werde.
Entweder liege eine Suchterkrankung vor und dem Betreffenden sei die Fahreignung
für sämtliche Kategorien abzusprechen, oder es liege keine Suchterkrankung vor bzw.
eine solche sei überwunden, so dass die Fahreignung wieder für sämtliche Kategorien
gegeben sei. Eine Teilung der Eignung könne folglich nicht vorgenommen werden,
wenn sich die Frage stelle, ob ein Führerausweis zufolge Trunk- bzw. Drogensucht
entzogen werden müsse (vgl. Entscheid der VRK IV-2004/142 vom 12. Januar 2005
E. 4h, im Internet abrufbar unter: www.sg.ch/recht/gerichte und dort unter
Rechtsprechung). An dieser Rechtsprechung ist weiterhin festzuhalten. Obwohl den die
Fahrfähigkeit herabsetzenden Süchten unbestrittenermassen Krankheitswert zuerkannt
wird, zählen sie angesichts ihrer besonderen Nennung in Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG nicht
zu den medizinischen Gründen im Sinn von Art. 33 Abs. 3 VZV. Generell wird
jemandem die Fahreignung als Motorfahrzeugführer nur zugesprochen, wenn er frei
von einer Sucht ist, die das sichere Führen von Motorfahrzeugen beeinträchtigt. In
Art. 7 Abs. 1 VZV wird weiter ausgeführt, dass ein Führerausweis nur erwerben kann,
wer die medizinischen Mindestanforderungen gemäss Anhang 1 der VZV erfüllt. Diese
medizinischen Mindestanforderungen setzen für sämtliche Kategorien und
Spezialkategorien voraus, dass keine Abhängigkeit oder kein verkehrsrelevanter
Missbrauch von Alkohol, Betäubungsmitteln oder psychotrop wirkenden
Medikamenten besteht. Aus diesen gesetzlichen Regelungen geht hervor, dass an die
Fahreignung unter dem Aspekt einer Suchterkrankung die gleichen Anforderungen für
sämtliche Motorfahrzeugkategorien gelten. Somit fällt die Suchterkrankung nicht unter
die medizinischen Gründe gemäss Art. 33 Abs. 3 VZV (vgl. BSK SVG-Rütsche/
D'Amico, Art. 16d N 11).
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bb) Der Suchtbegriff des Verkehrsrechts stimmt nicht mit jenem der Medizin überein.
Das verkehrsrechtliche Verständnis der Sucht erlaubt, auch bloss suchtgefährdete
Personen, bei denen aber jedenfalls ein die Verkehrssicherheit beeinträchtigender
regelmässiger Alkohol- oder Drogenmissbrauch vorliegt, vom Führen eines
Motorfahrzeugs fernzuhalten. Gegenüber dem medizinischen ist beim
verkehrsrechtlichen Suchtbegriff der Bezug zum Strassenverkehr von entscheidender
Bedeutung. Eine Sucht oder Suchtgefährdung ist strassenverkehrsrechtlich dann
relevant, wenn sie so beschaffen ist, dass die Gefahr besteht, dass sich die betroffene
Person in nicht fahrfähigem Zustand ans Lenkrad setzen wird. Das Bundesgericht
bejaht das Vorliegen einer Alkoholsucht, wenn regelmässig so viel Alkohol konsumiert
wird, dass die Fahrfähigkeit vermindert wird und diese Neigung zum übermässigen
Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht überwunden oder kontrolliert werden
kann. Auf eine fehlende Fahreignung darf geschlossen werden, wenn die Person nicht
mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen,
oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht, dass sie im akuten Rauschzustand am
motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Ähnliches gilt für die Drogensucht. Eine
solche nimmt das Bundesgericht an, wenn die Abhängigkeit von der Droge derart ist,
dass der Betroffene mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in
einem – dauernden oder zeitweiligen – Zustand ans Steuer eines Fahrzeugs zu setzen,
der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet (Urteil des Bundesgerichts [BGer]
1C_128/2020 vom 29. September 2020 E. 2.1; BGE 129 II 82 E. 4.1 und 127 II 122 E. 3;
Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2. Aufl. 2015, Art. 16d N 44 und 47).
Mit Bezug auf Art. 33 Abs. 3 VZV bedeutet dies, dass ein verkehrsrelevanter
Alkoholmissbrauch den Entzug aller Kategorien zur Folge hat, auch wenn keine
Alkoholsucht im medizinischen Sinn (Alkoholabhängigkeit) ausgewiesen ist.
cc) Das verkehrsmedizinische Gutachten vom 13. Januar 2020 wurde vom Rekurrenten
inhaltlich nicht bestritten. Er führte aus, dass sich der Rekurs nicht gegen den
Sicherungsentzug als solchen richte, sondern dagegen, dass der Entzug sämtliche
Kategorien mit Einschluss aller Spezialkategorien betreffe (act. 1, S. 4).
Das verkehrsmedizinische Gutachten wurde inhaltlich zu Recht nicht bestritten. Die
Feststellung der Gutachterin, dass beim Rekurrenten ein Missbrauch von Alkohol,
allenfalls auch von Zolpidem und Oxycodon vorliege und damit von einer fehlenden
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Fahreignung auszugehen sei, erweist sich als widerspruchsfrei, nachvollziehbar und
schlüssig. Auch wenn keine Alkoholabhängigkeit im medizinischen Sinn gemäss
ICD-10 diagnostiziert wurde, besteht aufgrund der im Gutachten dargelegten
Umstände die erhöhte Gefahr, dass der Rekurrent nicht in der Lage ist, Alkoholkonsum
und Teilnahme am Strassenverkehr konsequent zu trennen. Letztmals hat sich dies im
Zusammenhang mit dem Vorfall in Wil vom 24. Juni 2019 gezeigt, wobei bereits am 23.
Mai 2017 eine Trunkenheitsfahrt stattgefunden hatte (vgl. act. 11/3 f.; act. 2). Insgesamt
ist davon auszugehen, dass der Rekurrent bisher nicht fähig oder willens war, sich
kritisch mit seinem Trinkverhalten sowie dem Medikamentenkonsum
auseinanderzusetzen und es ihm am entsprechenden Problembewusstsein fehlt. Daran
vermag auch die vom Rekurrenten geltend gemachte halbjährige Alkoholabstinenz
nichts zu ändern. Einerseits wurde mit dem verkehrsmedizinischen Gutachten eine
solche Alkoholabstinenz nicht nachgewiesen; andererseits wäre die Alkoholproblematik
auch dann nicht vom Tisch, wenn er sechs Monate abstinent gelebt hätte. Das
verkehrsmedizinische Gutachten führte dazu nachvollziehbar aus, dass aufgrund des
sog. Auswaschphänomens ein umso höherer Alkoholkonsum vor der geltend
gemachten Alkoholabstinenz vorgelegen haben müsste, um den ermittelten
Durchschnittswert von 61 pg/mg Ethylglucuronid (EtG) zu erreichen (vgl. act. 11/77).
Bereits Konzentrationen von 30 pg/mg EtG deutet auf einen massiven täglichen
Alkoholkonsum von über 60 Gramm Ethanol hin (vgl. Schweizerische Gesellschaft für
Rechtsmedizin, Arbeitsgruppe Haaranalytik, Bestimmung von Ethylglucuronid [EtG] in
Haarproben, Version 2017, Ziff. 6.1 und 6.2; Consensus of the Society of Hair Testing
on Hair Testing for Chronic Excessive Alcohol Consumption 2009, in: Toxichem
Krimtech 76/2009 S. 252, www.gtfch.org).
dd) Insgesamt ergibt sich damit, dass die Vorinstanz gestützt auf das
verkehrsmedizinische Gutachten vom 13. Januar 2020 zu Recht einen
Sicherungsentzug verfügte. Aufgrund der Suchtmittelproblematik kann Art. 33 Abs. 3
VZV nicht angewendet werden, weshalb der Führerausweisentzug nach Art. 16d Abs. 1
lit. b SVG zwingend auch den Entzug der Spezialkategorie M zur Folge hat. Der Entzug
sämtlicher Kategorien in der Verfügung der Vorinstanz vom 7. Februar 2020 erfolgte
somit rechtmässig. Der angeordnete Sicherungsentzug erscheint angesichts des auf
dem Spiel stehenden öffentlichen Interesses der Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer
geboten und angemessen (vgl. BGer 6A.15/2000 vom 28. Juni 2000 E. 4). Das private
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Interesse des Rekurrenten, wegen einer eingeschränkten Beweglichkeit der unteren
Extremitäten über den Führerausweis der Kategorie M verfügen zu können, hat
demgegenüber zurückzutreten. Der Rekurs ist somit abzuweisen.
4.- Die Massnahme des Sicherungsentzugs soll sicherstellen, dass der Rekurrent zum
Schutz der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer vom Strassenverkehr
ferngehalten wird. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn der Rekurrent während eines
Rechtsmittelverfahrens als Motorfahrzeugführer zum Strassenverkehr zugelassen
würde. Einer allfälligen Beschwerde ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene
aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64 und Art. 51 VRP).
5.- Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 800.– erscheint
angemessen (vgl. Art. 7 Abs. 1 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12).
Der Kostenvorschuss von Fr. 800.– ist damit zu verrechnen.
Bei diesem Verfahrensausgang besteht kein Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP).