Decision ID: d4ca1889-2013-59f7-82a5-bf6a6ffb6f55
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
C._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. E. Ronald Pedergnana, Rorschacher Strasse 21,
9000 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
IV-Leistungen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a C._, geboren im Jahr 1962, meldete sich am 17. März 2004 zum Bezug von IV-
Leistungen an. Er machte geltend, er leide an Rücken- und Beckenschmerzen und sei
seit ungefähr zwei bis drei Jahren nicht mehr voll arbeitsfähig (act. G 4.1/8.1 ff.). Der
Versicherte übt im Bereich EDV-Beratung, Verkauf von Hard- und Software sowie
Netzwerklösungen eine selbstständige Tätigkeit aus. Aus gesundheitlichen Gründen
habe er eine weitere Filiale in Flawil eröffnen und eine zusätzliche Arbeitskraft anstellen
müssen, um sich im Geschäft in St. Gallen entlasten zu können (act. G 4.1/9.1). Der
behandelnde Arzt, Dr. med. G._, Allgemeine Medizin FMH, diagnostizierte mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein rezidivierendes Cervicalsyndrom sowie eine
chronische Lumbalgie seit vier Jahren unklarer Ätiologie. Die bleibende Einschränkung
müsse durch weitere Abklärungen genauer definiert werden (act. G 4.1/6.5 f.).
A.b Am 12. Mai 2004 gab die IV-Stelle bei Dr. med. H._, Spezialarzt FMH Innere
Medizin, Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen, eine Begutachtung
des Versicherten in Auftrag (act. G 4.1/23.1). Am 4. Mai 2006 wurde der Versicherte
von Dr. med. H._ internistisch-rheumatologisch-orthopädisch (act. G 4.1/26.1) und
am 23. Juli 2006 durch Dr. med. I._, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
Forensik, psychiatrisch untersucht (act. G 4.1/26.12). Dr. H._ diagnostizierte
chronisch unspezifische lumbale Rücken- und Gesässschmerzen ohne identifizier-
bzw. definierbares pathofunktionelles bzw. pathomorphologisches Substrat und eine
neuroradiologisch degenerative und anlagebedingte Spinalkanalstenose L4/5,
Spondylarthrose L5/S1 sowie eine nicht-neurokompressive Bandscheibenhernie L3/4
links (act. G 4.1/26.9). Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte eine inadäquate
Schmerzverarbeitung (ICD-10: F54) sowie eine leichtgradige Anpassungsstörung.
Differentialdiagnostisch müsse an eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung
gedacht werden, wobei die hierfür erforderlichen Kriterien derzeit nicht hinreichend
erfüllt seien (act. G 4.1/26.16). In der interdisziplinären Stellungnahme kamen die
Gutachter zum Schluss, dass für sämtliche Tätigkeiten mit "maximal gelegentlicher
Hebebelastung von 20 kg" keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. In
welchem Umfang in der angestammten Tätigkeit des Versicherten eine leidensbedingte
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe, könne nicht zuverlässig beurteilt werden
(act. G 4.1/26.11).
A.c Dr. med. G._ teilte der IV-Stelle am 25. September 2006 mit, dass sich der
Gesundheitszustand verschlechtert habe und der Versicherte seit 23. Januar 2006 zu
50% arbeitsunfähig sei (act. G 4.1/29.1).
A.d Am 2. Februar 2007 führte die IV-Stelle eine Abklärung an Ort und Stelle durch. Im
Abklärungsbericht Selbstständigerwerbende vom 10. März 2007 ermittelte sie im
Rahmen eines Einkommensvergleichs einen Invaliditätsgrad von 0% (act. G 4.1/46.11).
B.
B.a Im Vorbescheid vom 12. April 2007 stellte die IV-Stelle die Ablehnung eines
Rentenanspruchs in Aussicht, da der Versicherte keine Erwerbseinbusse erleide (act. G
4.1/50).
B.b Gegen den Vorbescheid vom 12. April 2007 erhob der Versicherte am 11. Mai 2007
Einwand. Er machte im Wesentlichen geltend, dass die Umsätze der letzten Jahre
gesundheitsbedingt zurückgegangen seien und der behandelnde Arzt eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt habe (act. G 4.1/51). In der Eingabe vom 24. Juni 2007
brachte der Versicherte vor, es bestehe aufgrund der Erwerbseinbusse ein
Invaliditätsgrad von 60%. Am Gutachten von Dr. med. H._ rügte er eine
unvollständige, einseitig vorgenommene Familienanamnese (act. G 4.1/57).
C.
C.a Am 25. Juni 2007 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid vom
12. April 2007. Sie gab an, dass es dem Versicherten in Beachtung der
fachmedizinischen Beurteilungen zumutbar sei, ganztags seine bisherige
selbstständige Tätigkeit vollschichtig auszuüben. Die geltend gemachte
Gewinneinbusse könne daher "nicht voll zulasten Ihrer Behinderung angerechnet
werden" (act. G 4.1/56).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C.b Gegen die Verfügung vom 25. Juni 2007 richtet sich die vorliegende Beschwerde
vom 17. August 2007. Darin beantragt der Beschwerdeführer unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache einer Dreiviertelsrente,
eventualiter einer halben Rente. Subeventualiter sei eine erneute medizinische
Untersuchung vorzunehmen. Zusätzlich seien Eingliederungsmassnahmen zu ergreifen
und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, ab Anspruchsberechtigung bis zur
Ergreifung der Eingliederungsmassnahmen ein Wartezeittaggeld auszurichten. Er
macht im Wesentlichen erneut geltend, der kontinuierliche Rückgang der Umsatzzahlen
sei durch die Rücken- und Beckenschmerzen verursacht. Aufgrund seiner Leiden sei er
in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt und müsse wiederholt Liegepausen einlegen. Das
medizinische Gutachten sei nicht nachvollziehbar und widersprüchlich (act. G 1).
C.c Die Beschwerdegegnerin beantragt in ihrer Beschwerdeantwort vom 20.
September 2007 die Beschwerdeabweisung. Sie bringt vor, die Umsatzeinbusse sei
nicht gesundheits-, sondern marktbedingt. Eine IV-rechtlich relevante gesundheitliche
Beeinträchtigung sei nicht ausgewiesen (act. G 4).
D.
D.a Mit Replik vom 30. November 2007 führt der Beschwerdeführer aus, er sei nur
noch sehr beschränkt in der Lage, seine Dienstleistungen zu erbringen, weil er dauernd
seine Position wechseln müsse und einen vermehrten Pausenbedarf habe. Da die
Beschwerdegegnerin die Marktverhältnisse für die Umsatzeinbussen verantwortlich
mache, sei ein entsprechendes Gutachten in Auftrag zu geben (act. G 8).
D.b In der Duplik vom 11. Dezember 2007 weist die Beschwerdegegnerin darauf hin,
dass der Beschwerdeführer für die Tatsache beweisbelastet sei, die Gewinneinbussen
seien invaliditätsbedingt. Vorliegend sei von einem Zustand der Beweislosigkeit
auszugehen. Die entsprechenden Folgen seien vom Beschwerdeführer zu tragen (act.
G 10).

Erwägungen:
1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anzuwenden.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über den allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen oder
geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
2.2 Die Rentenabstufungen des Art. 28 Abs. 1 aIVG geben bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40% Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 50% Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 60% Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 70% Anspruch auf eine ganze Rente.
2.3 Für die Bemessung der Invalidität bei einer erwerbstätigen versicherten Person
wird gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach
Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen
könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen
ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im
Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen
Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen
Erwerbseinkommen nicht zuverlässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an
die spezifische Methode für Nichterwerbstätige ein Betätigungsvergleich anzustellen
und der Invaliditätsgrad nach Massgabe der erwerblichen Auswirkungen der
verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten erwerblichen Situation zu bestimmen
(BGE 128 V 30 f. E. 1).
2.4 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des strittigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b).
2.5 Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholte Gutachten von externen
Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen
sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde
zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, besitzt bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb).
2.6 Was Berichte von Hausärzten angeht, darf und soll die Erfahrungstatsache
mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter aufgrund ihrer auftragsrechtlichen
Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher dazu neigen, zu Gunsten ihrer Patienten
auszusagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Bei der Abschätzung des Beweiswerts im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen allerdings auch die
potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht vergessen werden. Der
Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden Mediziner stammt, darf
nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren
Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft
wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen Seite lässt es die unterschiedliche Natur
von Behandlungsauftrag des therapeutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und
Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits
(BGE 124 I 175 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage
zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in
denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte
wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende – Aspekte
benennen, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben
sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai 2007 i.S. M., I 514/06, E. 2.2.1 mit
Hinweisen).
3.
3.1 Der Beschwerdeführer rügt, dass das Gutachten der Dres. H._ und I._ nicht
nachvollziehbar und widersprüchlich sei. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass für
sämtliche Tätigkeiten mit "maximal gelegentlicher Hebebelastung von 20 kg" keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Sie konnten allerdings nicht beurteilen,
inwiefern die angestammte selbstständige Tätigkeit die Voraussetzungen an eine
leidensadaptierte Tätigkeit erfüllt. Sie empfahlen hierfür die Vornahme einer Abklärung
vor Ort (act. G 4.1/26.11). Anlässlich der Abklärung vor Ort vom 2. Februar 2007 stellte
die Abklärungsperson fest, dass Hebebelastungen von maximal 20 kg bei der Arbeit
des Beschwerdeführers nur selten auftreten würden (act. G 4.1/46.10).
3.2 Vorab ist mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als erstellt zu erachten, dass die angestammte
selbstständige Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht "mit gelegentlichen
Hebebelastungen von 20 kg" verbunden ist und somit der gutachterlich definierten
zumutbaren Tätigkeit entspricht. Der Beschwerdeführer sieht denn auch selbst die von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ihm geltend gemachten Einschränkungen im Bereich der Kundenaquisition, der
Entwicklung neuer Strategien und dem Entgegnen der Herausforderungen des Marktes
(act. G 4.1/46.5). Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass seine Tätigkeit vor allem
aus der Betriebsführung, administrativen Arbeiten, Bestellwesen, Ein- und Verkauf,
Kundenberatung, Akquisition, Service- und Reparaturleistungen besteht. Zwar bilden
auch Hauslieferungen (ein- bis zweimal pro Woche; act. G 4.1/26.6) einen – wenn auch
geringen – Bestandteil seiner Tätigkeit (act. G 4.1/46.7). Wie die Beschwerdegegnerin
aber zu Recht vorbringt, sind bei den heutigen Computer- und Zubehörgeräten
Gewichte von über 20 kg sehr selten geworden (act. G 4, S. 4).
3.3 Im Hinblick auf die Würdigung der medizinischen Situation fällt ins Gewicht, dass
das Gutachten auf eigenständigen interdisziplinären Abklärungen, mithin auf allseitigen
Untersuchungen beruht und damit für die streitigen Belange umfassend ist. Es wurden
die Vorakten verwertet und die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden
berücksichtigt. Das Gutachten leuchtet in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. Vor diesem
Hintergrund vermögen auch die darin enthaltenen Schlussfolgerungen, namentlich die
Beurteilung der vollen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit, zu überzeugen.
Das Gutachten erfüllt mithin alle praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige Gutachten
(vgl. BGE 125 V 352 E. 3a), so dass grundsätzlich darauf abzustellen ist.
3.4 Der Beschwerdeführer vermag keine konkreten Mängel an der
Gutachtenserstellung zu benennen. Ebenso ist die fachärztliche Qualifikation der
Gutachter unbestritten gegeben. Seine Kritik am Gutachten beschränkt sich vor allem
darauf, dass die Familienanamnese unvollständig (act. G 4.1/57) sei. Des Weiteren sei
angesichts der Tatsache, dass Dr. med. H._ eine erhebliche kongenital und
degenerativ bedingte diskogene, ligamentäre und arthrogene Spinalkanalstenose L4/
L5, eine Spondylarthrose L5/S1 sowie eine kleinvolumige links-medio-laterale nicht-
neurokompressive Bandscheibenhernie L3/4 mit Kompromittierung der Wurzel 4 links
festgestellt habe, die Attestierung einer vollständigen Arbeitsfähigkeit widersprüchlich
(act. G 1).
3.4.1 Die Familienanamnese wurde von Dr. med. H._ sorgfältig und eingehend
erhoben (act. G 4.1/26.3). Ein Mangel ist entgegen der Auffassung des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführers nicht ersichtlich. Die gesamte Anamnese umfasst die persönlichen,
gesundheitlichen, beruflichen und sozialen – insbesondere auch familiären – Aspekte
sowie die Schilderung der gegenwärtigen Beschwerden.
3.4.2 Was die ärztliche Stellungnahme von Dr. G._ vom 25. September 2006 (act. G
4.1/29.1) betrifft, wo dieser den Beschwerdeführer zu 50% arbeitsunfähig beurteilt, so
ist in formaler Hinsicht bereits zu bemängeln, dass sie keine Diagnose enthält und die
anderslautenden ärztlichen Stellungnahmen nicht würdigt oder zur Kenntnis nimmt. Es
fehlt jegliche Auseinandersetzung mit dem Gutachten der Dres. H._ und I._. Zu
berücksichtigen ist auch, dass Dr. G._ als Allgemeinmediziner für die vorliegend zu
beurteilenden Leiden die erforderliche fachärztliche orthopädisch-rheumatologische
und psychiatrische Ausbildung fehlt. Die Stellungnahme von Dr. G._ vermag daher
keine Zweifel am Beweiswert des Gutachtens der Dres. H._ und I._ entstehen zu
lassen.
3.4.3 Kein Widerspruch des Gutachtens ist darin zu erblicken, wenn die Gutachter
gesundheitliche Beeinträchtigungen feststellen, diesen aber – nachvollziehbar
begründet – keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zumessen (vgl. act. 4.1/26.10
f.). Denn eine diagnostizierte Gesundheitsschädigung für sich allein genommen lässt
nicht den Schluss auf eine gesundheitlich bedingt eingeschränkte Arbeitsfähigkeit zu
(vgl. BGE 132 V 65 E. 3.4 S. 69), noch darf von einer Behandlungsbedürftigkeit auf eine
Arbeitsunfähigkeit geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts vom 24. April 2007
i.S. Pensionskasse B., I 687/06, E. 5.2).
3.4.4 Wesentlich ist aber vor allem, dass das Gutachten der Dres. H._ und I._ als
schlüssig und beweistauglich zu bezeichnen ist (vgl. vorstehend, E. 3.3). Weitere
Beweismassnahmen vermöchten an diesem Ergebnis nichts mehr zu ändern. Von
weiteren zusätzlichen Abklärungsmassnahmen sind daher keine neuen wesentlichen
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung auf entsprechende
Abklärungen zu verzichten ist.
3.5 Ein weiterer Abklärungsbedarf besteht auch nicht hinsichtlich der erwerblichen
Verhältnisse. Insbesondere vermag der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass
sein Umsatz in den letzten Jahren zurückgegangen ist, nichts zu seinen Gunsten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
abzuleiten. Denn einerseits ist aufgrund des Gutachtens der Dres. H._ und I._
davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer – der sich selbst als zu 50%
arbeitsunfähig erachtet – seine zumutbare Leistungsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
nicht vollumfänglich ausschöpft. Anderseits wird der Geschäftserfolg von sehr vielen
Faktoren bestimmt, wie die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort zutreffend
ausführte. Insgesamt kann der Nachweis, dass die geltend gemachten Einbussen
gesundheitlich bedingt sind, nicht geführt werden.
4.
Die Beschwerdegegnerin hat berufliche Eingliederungsmassnahmen nicht geprüft. Dies
ist nicht zu beanstanden, nachdem aufgrund der medizinischen Abklärungen und der
Abklärung vor Ort in der angestammten Tätigkeit keine Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen
ist.
5.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vom 17. August 2007
unter Bestätigung der angefochtenen Verfügung vom 25. Juni 2007 abzuweisen. Das
Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend sind sie vollumfänglich dem Beschwerdeführer aufzuerlegen,
wobei der von ihm geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- angerechnet werden
kann. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG