Decision ID: e3b8ea7c-752d-4705-8fb0-8c5b087e129c
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Eisenring, Rosenbergstrasse 87,
9000 St. Gallen,
gegen
Kantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Insolvenzentschädigung
Sachverhalt:
A.
A.a S._ arbeitete vom 15. Juni 2006 bis 30. März 2008 als Servicefachangestellte im
Gasthaus A._ dieses war per 1. Oktober 2007 von der B._ übernommen worden.
Mit Schreiben vom 30. Januar 2008 wurde der Versicherten das Arbeitsverhältnis per
29. Februar 2008 gekündigt (act. G 3.8), wobei sich die Kündigungsfrist infolge
Krankheit der Versicherten bis Ende März 2008 verlängerte.
A.b Am 1. September 2008 reichte die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Andreas Eisenring, beim Kreisgericht St. Gallen Klage gegen die B._ ein und
beantragte u.a., diese sei zu verpflichten, ihr (der Versicherten) einen Bruttolohn von Fr.
13'824.35, zuzüglich 5% Zins seit 31. März 2008, zu bezahlen; weiter sei sie zu
verpflichten, ihr für die Monate Dezember 2007 bis und mit März 2008 korrekte
Lohnabrechnungen zukommen zu lassen (act. G 3.7).
A.c Im Oktober 2008 wurde über die B._ der Konkurs eröffnet, welcher im April 2009
mangels Aktiven wieder eingestellt wurde. Die Versicherte hatte im Konkurs eine
Forderung von Fr. 13'824.35 zuzüglich Zins eingegeben (act. G 1.10). Infolge dieser
Konkurseröffnung bzw. nach Löschung der GmbH im Handelsregister im Juli 2009
wurde die arbeitsrechtliche Klage am 16. September 2009 wegen
Gegenstandslosigkeit abgeschrieben (act. G 1.11).
A.d Am 24. November 2008 stellte der Vertreter der Versicherten Antrag auf
Insolvenzentschädigung, wobei er offene Lohnforderungen von gesamthaft Fr.
13'824.35 geltend machte (act. G 3.1). Am 30. Dezember 2008 bzw. 31. August 2009
richtete die Kantonale Arbeitslosenkasse (nachfolgend: Kasse) der Versicherten
Insolvenzentschädigung in Höhe von total Fr. 2'013.50 brutto aus (act. G 3.9 und G
3.3.). Daraufhin verlangte der Vertreter der Versicherten mit Schreiben vom 30. März
2009 eine anfechtbare Verfügung (act. G 3.13).
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B.
B.a Mit Verfügung vom 30. September 2009 hielt die Kasse an der Abrechnung vom
31. August 2009 fest. Die Versicherte habe Insolvenzentschädigung gemäss den
Lohnabrechnungen der entsprechenden Monate erhalten. Für den Monat Januar 2008
habe keine Insolvenzentschädigung bezahlt werden können, da die Lohnabrechnung
für diesen Monat und somit die Anzahl der gearbeiteten Stunden fehlten (act. G 3.15).
B.b Gegen diese Verfügung erhob der Vertreter der Versicherten am 2. November 2009
Einsprache. Die von der B._ ausgestellten Lohnabrechnungen seien zu tief.
Tatsächlich habe die Versicherte aufgrund der in den Vorjahren gearbeiteten
monatlichen durchschnittlichen Arbeitszeiten einen durchschnittlichen Monatslohn von
Fr. 3'202.40 brutto zugute gehabt, zuzüglich pro rata Anspruch auf den 13.
Monatslohn. Auch bezüglich des Januarlohns sei trotz fehlender Lohnabrechnung auf
den früheren monatlichen Verdienst von Fr. 3'202.40 abzustellen (act. G 3.16).
B.c Mit Entscheid vom 4. Januar 2010 wies die Kasse die Einsprache ab. Aus den
Akten gehe hervor, dass kein Arbeitsvertrag vorliege und dass die Versicherte vom
Mindestverdienst gemäss GAV von Fr. 3'202.40 brutto ausgegangen sei. Dem sei
gegenüberzustellen, dass die Versicherte gemäss Lohnabrechnungen der Monate
Dezember 2007 sowie Februar und März 2008 im Stundenlohn angestellt gewesen sei.
Der Stundenlohn habe Fr. 25.-- brutto inkl. 8.33% Ferienentschädigung und Feiertage/
Anteil 13. Monatslohn betragen. Die Kasse habe die Zahlungen gestützt auf diese
Lohnabrechnungen vorgenommen. Für den Monat Januar 2008 liege weder eine
Lohnabrechnung noch ein Stundenrapport vor, weshalb für diesen Monat keine
Auszahlung erfolgen könne. Was die monierte Höhe der Lohnabrechnungen anbelange,
so gehe aus den Akten nicht hervor, dass sich die Versicherte hiergegen vor
Beendigung des Arbeitsverhältnisses je gewehrt habe. Sie habe erstmals am 12. Juni
2008 gegen die zu tiefen Löhne interveniert. Die entsprechende Klage, welche am 1.
September 2008 eingereicht worden sei, sei aufgrund der Konkurseröffnung sistiert
(richtig: abgeschrieben) worden, womit offen bleibe, ob die Forderungen vom
Arbeitsgericht bestätigt worden wären oder nicht. Die Insolvenzentschädigung decke
nur Forderungen, welche belegt seien (act. G 3.17).
C.
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C.a Mit Eingabe vom 4. Februar 2010 erhebt der Vertreter der Versicherten
Beschwerde und beantragt, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben.
Der Beschwerdeführerin sei eine Insolvenzentschädigung, basierend auf der Höhe ihres
Lohnanspruchs von Fr. 13'824.35, zuzusprechen. Eventualiter sei die Streitsache an
die Beschwerdegegnerin zur korrekten Berechnung des Anspruchs der
Beschwerdeführerin zurückzuweisen. Zur Begründung macht er im Wesentlichen
geltend, die Beschwerdeführerin sei bereits seit Juni 2006 im Gasthaus A._ tätig
gewesen. Die B._ habe mit dem Betrieb auch die Angestellten und damit die
Arbeitsverträge übernommen. Dies bewirke, dass die B._ die bisherigen Angestellten
im gleichen Rahmen und Umfang wie der frühere Arbeitgeber beschäftigen müsse.
Wenn sie das nicht wolle, habe sie die Arbeitsverträge ordentlich zu kündigen.
Während der Kündigungsfrist sei sie aber verpflichtet, die Arbeitnehmenden auch
tatsächlich und in gleichem Umfang wie früher zu beschäftigen. Gemäss GAV sei zur
Berechnung des Bruttolohns von Arbeitnehmenden mit variablen Löhnen vom
durchschnittlichen Bruttolohn der vorangehenden Anstellungsdauer auszugehen. Die
B._ habe der Beschwerdeführerin keine Arbeit mehr zugewiesen und eine neue
(billigere) Fachkraft eingestellt. Entsprechend schulde sie der Beschwerdeführerin einen
durchschnittlichen Monatslohn auf der Basis der vorangehenden Anstellungsdauer von
zwölf Monaten. Diesen Betrag habe die Beschwerdeführerin eingeklagt und
anschliessend der Beschwerdegegnerin gegenüber geltend gemacht. Die
Beschwerdeführerin habe bereits im Januar 2008 bei der B._ wegen der mangelnden
Arbeitszuweisung reklamiert und interveniert. Dass die Beschwerdeführerin die
Lohnabrechnung für Januar 2008 nicht vorlegen könne, dürfe ihr nicht angelastet
werden (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 24. Februar 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, die
Beschwerdeführerin sei bei der B._ im Stundenlohn angestellt gewesen. Ein
entsprechender schriftlicher Arbeitsvertrag liege nicht vor. Die arbeitsrechtliche Klage
sei aufgrund der Konkurseröffnung als gegenstandslos abgeschrieben worden. Sie (die
Beschwerdegegnerin) könne daher betreffend Insolvenzentschädigung keinesfalls vom
GAV ausgehen, sondern berechne die Insolvenzentschädigung aufgrund der
vorliegenden Unterlagen. Hätte die Beschwerdeführerin früher interveniert, wäre bei
Konkurseröffnung ein Urteil vorgelegen, welches über das Arbeitsverhältnis definitiv
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Auskunft gegeben hätte. So aber könne sich die Beschwerdeführerin im Nach-hinein
nicht einfach auf den GAV berufen und selbst festlegen, sie sei im Monatslohn
angestellt gewesen. Was der Arbeitgeber und die Beschwerdeführerin mündlich
abgemacht hätten, lasse sich heute nicht mehr eruieren; aufgrund der vorliegenden
Lohnabrechnungen und der Intervention fünf Monate nach Beendigung (des
Arbeitsverhältnisses) sei jedoch klar davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
im Stundenlohn angestellt gewesen sei. Die Beschwerdegegnerin habe die
Insolvenzentschädigung aufgrund der eingereichten Unterlagen berechnet und
ausbezahlt; die für Januar 2008 geltend gemachte Forderung sei nicht belegt (act. G 3).
C.c Mit Replik vom 17. März 2010 hält der Vertreter der Beschwerdeführerin an seinen
Anträgen fest. Die Beschwerdeführerin habe zu keinem Zeitpunkt behauptet, im
Monatslohn angestellt gewesen zu sein. Sie habe sich vielmehr bei der Berechnung
ihres Anspruchs auf den GAV bezogen, welchem sie schon während des gesamten
Arbeitsverhältnisses unterstanden habe (act. G 5).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (vgl. act. G 7).

Erwägungen:
1.
1.1 Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmer beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0]). Gemäss
ständiger Praxis des Bundesgerichtes (bis 31. Dezember 2006 Eidgenössisches
Versicherungsgericht [EVG]) erstreckt sich der Schutzzweck der
Insolvenzentschädigung auf die tatsächlich geleistete, aber nicht entlöhnte Arbeit (BGE
125 V 494 E. 3b), wobei dem Tatbestand der Lohnansprüche für geleistete Arbeit im
Sinne von Art. 51 ff. AVIG diejenigen Fälle gleichgestellt sind, in denen
Arbeitnehmende nur wegen Annahmeverzugs des Arbeitgebers im Sinn von Art. 324
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Abs. 1 des Obligationenrechts (OR; SR 220) keine Arbeit mehr leisten konnten (siehe
etwa Urteil des EVG vom 15. April 2005, C 218/04, E. 3 mit Hinweisen).
1.2 Die Arbeitnehmenden müssen im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles
unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die
Kasse ihnen mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das Verfahren eingetreten ist (Art. 55
Abs. 1 Satz 1 AVIG). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichtes müssen
versicherte Personen nicht nur im Konkurs- oder Pfändungsverfahren und nach
Auflösung des Arbeitsverhältnisses die Lohnansprüche innert nützlicher Frist geltend
machen, sondern es obliegt ihnen bereits vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses eine
Schadenminderungspflicht, wenn die Arbeitgeberschaft der Lohnzahlungspflicht nicht
oder nur teilweise nachkommt und die Arbeitnehmenden mit einem Verlust rechnen
müssen (ARV 2002 Nr. 30, S. 190 f.). Die Schadenminderungspflicht der versicherten
Person ist ein für das Arbeitslosenversicherungsrecht zentraler Grundsatz, welchen das
Gesetz in verschiedenen Zusammenhängen ausdrücklich konkretisiert (vgl. neben Art.
55 Abs. 1 AVIG auch Art. 17 AVIG und Art. 41 AVIG). An die Schadenminderungspflicht
der versicherten Person vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses sind allerdings nicht die
gleichen Anforderungen zu stellen wie nach dessen Auflösung. Von der
arbeitnehmenden Person wird in der Regel nicht verlangt, dass sie bereits während des
bestehenden Arbeitsverhältnisses gegen den Arbeitgeber Betreibung einleitet oder eine
Klage einreicht. Sie hat jedoch ihre Lohnforderung gegenüber dem Arbeitgeber in
eindeutiger und unmissverständlicher Weise geltend zu machen (vgl. ARV 2002 Nr. 30
S. 190 f.). Zu weitergehenden Schritten ist die versicherte Person dann gehalten, wenn
es sich um erhebliche Lohnausstände handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust
rechnen muss (Urteil des EVG vom 14. Oktober 2004, C 114/04, E. 3.1; Urteil des EVG
vom 4. Juli 2002, C 33/02, E. 1c). Inwieweit Massnahmen zur Realisierung der
Lohnansprüche bereits vor Auflösung des Arbeitsverhältnisses zumutbar sind, beurteilt
sich nach den gesamten Umständen im Einzelfall (vgl. Urteil des EVG vom 5. Dezember
2006, C 231/06).
2.
Soweit die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin (sinngemäss) eine Verletzung
der Schadenminderungspflicht vorwirft, indem diese zu spät gegen die B._
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vorgegangen sei, kann ihr nicht gefolgt werden. So hat die Beschwerdeführerin mit
Schreiben vom 30. Januar 2008 geltend gemacht, für die Berechnung ihres Gehalts sei
der Durchschnittslohn der vorangegangenen Monate massgebend (act. G 3.6). In der
Folge nahm sie anwaltliche Unterstützung in Anspruch. Ihr Rechtsvertreter gelangte mit
Schreiben vom 3. März 2008 an die B._ und machte geltend, diese habe der
Beschwerdeführerin in gleichem Mass Arbeit zuzuweisen wie vor der Kündigungszeit
bzw. wie die Rechtsvorgängerin der B._ dies getan habe. Zudem verlangte er die
Zustellung der ausstehenden Lohnabrechnungen. Nach Beendigung des
Arbeitsverhältnisses wiederholte und ergänzte er die Forderungen mit Schreiben vom
12. und 19. Juni 2008 (act. G 3.5). Nachdem auf diesem Weg keine Einigung erzielt
werden konnte, reichte er für die Beschwerdeführerin am 1. September 2008 Klage
gegen die B._ ein (act. G 3.7). Damit ist die Beschwerdeführerin ihrer
Schadenminderungspflicht in genügendem Mass nachgekommen. Dies umso mehr, als
bei den von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Forderungen nicht eine
allfällige Zahlungsunfähigkeit der B._ im Vordergrund stand, sondern der Umfang des
Lohnanspruchs für die Monate Dezember 2007 bis und mit März 2008 an sich
umstritten war. Dass der arbeitsrechtliche Prozess infolge der Konkurseröffnung über
die B._ nicht materiell entschieden werden konnte, darf der Beschwerdeführerin
vorliegend nicht zum Nachteil gereichen, zumal - entgegen der Behauptung der
Beschwerdegegnerin - nicht ohne weiteres davon ausgegangen werden kann, dass bei
früherer Klageeinleitung noch vor Konkurseröffnung ein (rechtskräftiges) Urteil
vorgelegen hätte. Entsprechend sind die von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Lohn- bzw. Insolvenzentschädigungsansprüche nachfolgend zu prüfen.
3.
3.1 Die B._ hat das Restaurant A._ am 1. Oktober 2007 als neue Pächterin
übernommen (vgl. act. G 3.5). Es liegt damit eine Betriebsübernahme im Sinn von Art.
333 OR vor. Gemäss Abs. 1 dieser Bestimmung geht das Arbeitsverhältnis in so einem
Fall mit allen Rechten und Pflichten mit dem Tag der Betriebsnachfolge auf den
Erwerber über, sofern der bzw. die Arbeitnehmende den Übergang nicht ablehnt. Ist
auf das übertragene Arbeitsverhältnis ein Gesamtarbeitsvertrag anwendbar, muss der
Erwerber diesen während eines Jahres einhalten, sofern er nicht vorher abläuft oder
infolge Kündigung endet (Art. 333 Abs. 1 OR). Durch den Übergang des bis
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Arbeitsverhältnisses übernehmen die neuen Arbeitgebenden den Arbeitsvertrag
unverändert in seiner Gültigkeit am Tag der Betriebsübernahme. Es handelt sich mit
anderen Worten um denselben Vertrag mit den gleichen Rechten und Pflichten, der mit
den neuen Arbeitgebenden weiterläuft (Christiane Brunner/Jean-Michel Bühler/Jean-
Bernard Waeber/Christian Bruchez, Kommentar zum Arbeitsvertragsrecht, 3. Auflage,
Art. 333 N 6).
3.2 Es geht aus den Akten hervor und ist im Übrigen unbestritten, dass die
Beschwerdeführerin weder mit ihrer vormaligen Arbeitgeberin noch mit der B._ einen
schriftlichen Arbeitsvertrag abgeschlossen hatte. Sie war im Stundenlohn beschäftigt.
Während sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stellt, unter diesen
Umständen decke die Insolvenzentschädigung nur Ausfälle für nachgewiesenermassen
geleistete Arbeitsstunden, macht die Beschwerdeführerin geltend, ihr Anspruch auf
Insolvenzentschädigung sei auf der Basis der durchschnittlichen Monatseinkommen,
welche sie bei der ursprünglichen Arbeitgeberin erzielt habe, zu bemessen. Für ihren
Standpunkt verweist die Beschwerdeführerin auf Art. 333 Abs. 1 OR und Art. 8 Ziff. 2
des Landes-Gesamtarbeitsvertrags des Gastgewerbes (L-GAV; Stand 1. Januar 2008,
abrufbar unter: http://gav.arbeitsrechtler.ch/Gastgewerbe_L-GAV_1998_A2008.pdf).
Gemäss Art. 8 Ziff. 2 L-GAV ist bei variablen Löhnen (insbesondere Umsatz- und
Stundenlöhnen) zur Berechnung des Bruttolohns "in den nachfolgenden Artikeln" vom
durchschnittlichen Bruttolohn der vorangehenden Anstellungsdauer (höchstens aber
von zwölf Monaten) auszugehen; hierbei wird auf die Art. 14 bis 20, 22, 23, 25 und 28
L-GAV verwiesen.
Aus Art. 8 Ziff. 2 GAV vermag die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten
abzuleiten. Diese Bestimmung regelt die Berechnung des Bruttolohns lediglich für
namentlich bestimmte Artikel; weder die Betriebsübernahme noch die
Insolvenzentschädigung werden darin genannt. Es geht in dieser Bestimmung denn
auch nicht darum, einen Lohnanspruch zu berechnen. Vielmehr dient der Bruttolohn in
den aufgezählten Artikeln der Bemessung anderer Ansprüche aus dem
Arbeitsverhältnis (Ferien, Bildungsurlaub usw.); für diese Fälle regelt Art. 8 Ziff. 2 L-GAV
die Bemessung des als Berechnungsgrundlage dienenden Bruttolohns. Ein laufender
Lohnanspruch kann aufgrund dieser Bestimmung jedoch nicht ermittelt werden.
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3.3 Zwar kann sich die Beschwerdeführerin vorliegend nicht auf den L-GAV berufen,
doch hat das Bundesgericht in BGE 125 III 65 (= Pra 1999 Nr. 111) entschieden, die
zwingenden Bestimmungen des Arbeitsvertragsrechts gälten auch für den Vertrag auf
Abruf. Eine plötzliche massive Verminderung des monatlichen Arbeitspensums könne
nicht ohne Einhalten der Kündigungsfrist mit dem damit verbundenen Schutz für die
Arbeitnehmenden erfolgen. Nach Art. 324 Abs. 1 OR hätten die Arbeitgebenden und
nicht die Arbeitnehmenden das Betriebsrisiko zu tragen. Lehnten daher die Arbeitgeber
die Leistung der Arbeitnehmer, die sie gehörig anböten, aus wirtschaftlichen Gründen
ab, gerieten sie in Annahmeverzug und blieben zur Lohnzahlung verpflichtet.
Nach dem Gesagten hatte die Beschwerdeführerin damit in den vier in Frage
stehenden Monaten grundsätzlich Anspruch darauf, im selben Umfang wie in den
Vormonaten beschäftigt und entlöhnt zu werden. Es rechtfertigt sich, zur Ermittlung
dieses Umfangs auf das durchschnittliche Einkommen der Beschwerdeführerin von
Januar bis November 2007 abzustellen, da dieser Beurteilungszeitraum den
schwankenden Einkommen Rechnung trägt und damit als aussagekräftige Basis
erscheint; ab Dezember 2007 war ein starker Einbruch in der Beschäftigungsdauer zu
verzeichnen. Von Januar bis November 2007 betrug die monatliche Arbeitszeit der
Beschwerdeführerin durchschnittlich 128.1 Stunden (vgl. act. G 3.4). Der Stundenlohn
betrug dabei brutto Fr. 25.--. Diesbezüglich gilt es jedoch zu beachten, dass sich die
Beschwerdeführerin im fraglichen Zeitraum im zweiten Anstellungsjahr befand und sie
damit gemäss Art. 12 Ziff. 1 L-GAV Anspruch auf einen 13. Monatslohn im Umfang von
75% eines Bruttolohns hatte. Gemäss Kommentar zum L-GAV zu Art. 12 (http://
gav.arbeitsrechtler.ch/Gastgewerbe_L-GAV-Kommentar_1998_A2008.pdf) entspricht
dies (bezogen auf den Stundenlohn) einem Prozentsatz von 6.24%. Im Stundenlohn
von Fr. 25.-- ist jedoch lediglich ein Anteil 13. Monatslohn von 4.2% bzw. Fr. 1.05
enthalten. Berücksichtigt man für die in Frage stehenden Monate Dezember 2007 bis
und mit März 2008 einen Anteil 13. Monatslohn in Höhe von 6.24% erhöht sich der
Stundenlohn auf brutto Fr. 25.44 ([Fr. 25.-- - Fr. 1.05] x 1,0624). Folglich hatte die
Beschwerdeführerin für die Monate Dezember 2007 bis und mit März 2008
grundsätzlich Anspruch auf einen Lohn in Höhe von (gerundet) Fr. 3'258.85 (128,1 h x
Fr. 25.44). Aus den Akten geht jedoch hervor, dass die Beschwerdeführerin im
Dezember 2007 eine Zahlung in Höhe von Fr. 508.-- (vgl. act. G 1.7 und G 3.1) erhalten
hat, welche vom Lohnanspruch abzuziehen ist. Zudem hat sie in jenem Monat fünf
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Ferientage bezogen, was einer Woche und damit rund 1⁄4 Monat bzw. einem Lohn von
(gerundet) Fr. 814.70 (Fr. 3'258.85 : 4) entspricht (vgl. act. G 3.1), welcher ebenfalls in
Abzug zu bringen ist, da die Ferienentschädigung im Stundenlohn von Fr. 25.44 bereits
enthalten ist. Für den Dezember 2007 resultiert damit ein Lohnanspruch von Fr.
1'936.15 (Fr. 3'258.85 - Fr. 508.-- - Fr. 814.70). Für Januar 2008 war der
Durchschnittslohn von Fr. 3'258.85 geschuldet. Dies gilt auch für Februar 2008; zwar
war die Beschwerdeführerin in diesem Monat vom 22. bis 28. krank, doch bestand
hierfür von Gesetzes wegen eine Lohnfortzahlungspflicht (Art. 324a Abs. 1 und 2 OR).
Was den Lohnanspruch für März 2008 anbelangt, ist zu berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin am 7., 8. und 31. dieses Monats keine Einsätze für die B._
leistete, obwohl sie hierzu aufgeboten worden war (vgl. Schreiben UMC Buchhaltungen
vom 4. Juli 2008, act. G 1.6). Diese Einsätze betrafen gemäss Einsatzplan vom 4. März
2008 (act. G 3.5) eine Arbeitszeit von total 15.5 Stunden, was einem Einkommen von
(gerundet) Fr. 394.30 (15,5 x Fr. 25.44) entsprach. Für März 2008 ergibt sich folglich ein
Lohnanspruch von Fr. 2'864.55 (Fr. 3'258.85 - Fr. 394.30). Insgesamt beläuft sich der
Lohnanspruch der Beschwerdeführerin für die Monate Dezember 2007 bis und mit
März 2008 damit auf Fr. 11'318.40 (Fr. 1'936.15 + Fr. 3'258.85 + Fr. 3'258.85 + Fr.
2'864.55). Entsprechend hat sie auf dieser Basis Anspruch auf
Insolvenzentschädigung.
4.
4.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Der angefochtene Einspracheentscheid ist aufzuheben, und die Sache ist zur
Berechnung der Insolvenzentschädigung auf der Basis von Lohnansprüchen in Höhe
von Fr. 11'318.40 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Hingegen hat die
obsiegende Beschwerdeführerin bei diesem Verfahrensausgang Anspruch auf Ersatz
der Parteikosten. Diese werden vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der
Schwierigkeit des Prozesses bemessen (Art. 61 lit. g ATSG). In der
Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
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Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Vorliegend
erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen)
als angemessen.