Decision ID: 3eb4427b-42ca-4371-a8e7-3167c297b52c
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfacher Diebstahl
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 3. Juli 2020 (GG190233)
sowie
X._, Beschwerdeführer
betreffend Entschädigung der amtlichen Verteidigung
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Beschwerde gegen Ziff. 13 des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 3. Juli 2020, (GG190233)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 21. November 2019
(Urk. 67) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 109 S. 35 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 12 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute
112 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festge-
setzt.
4. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 7. März 2019 mit einer Konto-
sperre belegte Mietzinsdepot bei der B._ [Bank] (Konto-Nr. 1) in der Höhe von
Fr. 4'499.50 wird definitiv beschlagnahmt und zur Deckung der Verfahrenskosten verwen-
det.
5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 9. April 2019 beschlagnahmte
Mobiltelefon iPhone 7 (IMEI-Nr. 2) wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft die-
ses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben oder nach unbenutztem Ablauf einer drei-
monatigen Frist von der Lagerbehörde vernichtet.
6. Die beim Forensischen Institut Zürich (FOR) unter der Referenznummer K190202-034 /
74659033 lagernden Spurenträgern (Asservate Nr. 3, Nr. 4, Nr. 5) werden nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils vernichtet.
7. Die beim Institut für Rechtsmedizin (IRM) unter der ES-Nr. 19-00979 / 74659033 lagernden
DNA-Spuren sowie der Wangenschleimhautabstrich (Asservate Nr. 6, Nr. 7, Nr. 8, Nr. 9)
werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils vernichtet.
8. Es wird keine Ersatzforderung zugunsten des Staates ausgesprochen.
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9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 C._ Schadenersatz von
Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 14. Januar 2019 sowie Fr. 110'000.– zuzüglich 5 % Zins
ab 2. Februar 2019 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren abge-
wiesen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 2 D._ GmbH Schadenersatz von
Fr. 1'700.– zuzüglich 5 % Zins ab 2. Februar 2019 zu bezahlen.
11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 2'446.– Auslagen (Gutachten)
Fr. 280.– Auslagen Untersuchung
Fr. 277.05 Entschädigung Zeuge (Vorverfahren)
Fr. 450.– Entschädigung Dolmetscherin
Fr. 24'206.50 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
13. Der amtliche Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird mit Fr. 24'206.50 (inkl. Mehr-
wertsteuer und Barauslagen) aus der Gerichtskasse entschädigt. Diese Kosten werden auf
die Gerichtskassen genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
14. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 C._ für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 12'023.40 [recte: Fr. 12'949.40.– inklusive Mehrwert-
steuer] zu bezahlen.
15. Der Privatklägerin 2 D._ GmbH wird keine Entschädigung zugesprochen.
16. [Mitteilung]
17. [Rechtsmittel]"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 136 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Für die unrechtmässig ausgestandene Haft vom 15.02.2019 bis und mit
06.06.2019, total 112 Tage, sei der Beschuldigte mit CHF 22'400.– zu ent-
schädigen.
3. Die Zivilansprüche der Privatklägerschaft seien abzuweisen, eventualiter auf
den Zivilweg zu verweisen.
4. Die mit Verfügung vom 9. April 2019 angeordnete Kontensperre betreffend
das Mietzinsdepot bei der B._ mit der Konto-Nummer 1, sei aufzuhe-
ben.
5. Die Untersuchungs- und Gerichtskosten (erst- und zweitinstanzlich), sowie
die Kosten für die amtliche Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu neh-
men, respektive im Zivilpunkt der Zivilklägerschaft aufzuerlegen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 116; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatklägerinnen:
(Urk. 139; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 109 S. 5-8 E. I.1.).
1.2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil der Vorinstanz vom 3. Juli 2020 gemäss
dem eingangs wiederholten Urteilsdispositiv schuldig gesprochen und bestraft.
Gegen dieses Urteil liess er mit Eingabe vom 7. Juli 2020 fristgerecht Berufung
anmelden (Urk. 101). Nach Zustellung des begründeten Urteils an den amtlichen
Verteidiger des Beschuldigten am 10. August 2020, stellte dieser in der ebenfalls
innert Frist eingereichten Berufungserklärung vom 31. August 2020 zwei Beweis-
anträge (Urk. 106 = Urk. 109, Urk. 108/2 und Urk. 111). Mit Präsidialverfügung
vom 1. September 2020 wurde die Berufungserklärung den Privatklägerinnen und
der Staatsanwaltschaft zugestellt, diesen Frist angesetzt, um Anschlussberufung
zu erheben oder begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen
sowie um freigestellt (Privatklägerinnen) bzw. obligatorisch (Staatsanwaltschaft)
zu den Beweisanträgen des Beschuldigten Stellung zu nehmen (Urk. 113). Mit
Eingabe vom 4. September 2020 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine
Anschlussberufung (Urk. 116). Mit Eingabe vom 24. September 2020 verzichteten
auch die Privatklägerinnen auf eine Anschlussberufung, beantragten die Abwei-
sung der Beweisanträge des Beschuldigten und stellten ihrerseits zwei Beweis-
anträge (Urk. 117). Da bis dahin keine (obligatorische) Stellungnahme der Staats-
anwaltschaft zu den Beweisanträgen des Beschuldigten eingegangen war, wurde
dieser mit Präsidialverfügung vom 28. September 2020 erneut dazu Frist
angesetzt, sowie der Staatsanwaltschaft und dem Beschuldigten weiter Frist
angesetzt, um zu den Beweisanträgen der Privatklägerinnen Stellung zu nehmen
(Urk. 119). Mit Eingabe vom 1. Oktober 2020 beantragte die Staatsanwaltschaft
die Abweisung der Beweisanträge des Beschuldigten, erklärte jedoch gegen die
Beweisanträge der Privatklägerinnen nicht zu opponieren, hierzu jedoch keine ei-
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genen Anträge zu stellen (Urk. 121). Mit Eingabe vom 3. Oktober 2020 beantragte
der amtliche Verteidiger des Beschuldigten die Abweisung der von den Privatklä-
gerinnen gestellten Beweisanträge und stellte für den Fall, dass der Beweisantrag
betreffend Einvernahme von E._ gutgeheissen werden sollte, einen weiteren
Beweisantrag (Urk. 122). Die Eingabe der Staatsanwaltschaft und jene der amtli-
chen Verteidigung wurden den jeweils anderen Parteien zugestellt (a.a.O., S. 3),
wobei innert angemessener Frist hierzu keine weiteren Stellungnahmen eingin-
gen. Mit Präsidialverfügung vom 2. November 2020 wurden alle Beweisanträge
abgelehnt (Urk. 124).
1.3. Die Vorinstanz entschied unter anderem, dass der amtliche Verteidiger des
Beschuldigten für das vorinstanzliche Verfahren mit insgesamt Fr. 24'206.50 zu
entschädigen sei (Urk. 109 Dispositiv-Ziffer 13), wogegen dieser Beschwerde
erhob (Urk. 129/2). Mit Verfügung vom 1. September 2020 sistierte die
III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich ihr Beschwerdeverfahren
bis zum Vorliegen eines Entscheids des Berufungsgerichts betreffend Eintreten
auf die Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil (Urk. 115). Mit Verfügung vom
27. Januar 2021 hob die III. Strafkammer des Obergerichts des Kantons Zürich
die Sistierung ihres Verfahrens auf, überwies die Beschwerde zur weiteren
Behandlung zuhanden des vorliegenden Verfahrens und schrieb ihr Verfahren ab
(Urk. 128). Damit ist im vorliegenden Verfahren auch über die für das vorinstanz-
liche Verfahren festgesetzte Höhe der Entschädigung des amtlichen Verteidigers
zu entscheiden.
1.4. Am 12. April 2021 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der
amtliche Verteidiger erschien. Der Beschuldigte erschien unentschuldigt nicht und
liess durch seinen amtlichen Verteidiger vorbringen, er wünsche ein Abwesen-
heitsurteil. In der Folge reichte der amtliche Verteidiger seine Plädoyernotizen
samt Anträgen ins Recht und verzichtete auf ein mündliches Plädoyer. Im
Anschluss an die Verhandlung erging nachfolgendes Urteil (Prot. II S. 7 ff.).
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2. Umfang der Berufung
Vom Beschuldigten im Berufungsverfahren nicht angefochten wurden die Disposi-
tiv-Ziffern 5-8, 11, 13 vorbehältlich der Kostenbeschwerde des amtlichen Verteidi-
gers und 15 des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 136 S. 2; Prot. II S. 8). Mit
Ausnahme von Dispositiv-Ziffer 13 (vgl. dazu soeben unter E. I.1.3.) erwuchs der
vorinstanzliche Entscheid damit im entsprechenden Umfang in Rechtskraft, was
mit Beschluss festzuhalten ist. Im Berufungsverfahren zur Disposition stehen
damit die Dispositiv-Ziffern 1-4, 9-10, 12 und 14 des vorinstanzlichen Entscheids.
3. Prozessuales
3.1. Allgemeines
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sach-
verhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in
Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-
nung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu begründen.
Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf
sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht
ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den Ent-
scheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässiger Motivations-
aufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff. 1
EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument
gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bundesgerichtes 6B_689/2019
vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
3.2. Konstituierung der Privatklägerin 2
3.2.1. Strittig war vor Vorinstanz, ob sich die D._ GmbH rechtzeitig bzw. gül-
tig als Privatklägerin 2 konstituiert hat oder nicht. Dazu machte die Verteidigung
vor Vorinstanz geltend, die Konstituierung der D._ GmbH vom 30. Juli 2019
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(= Urk. 48B) sei zu spät erfolgt bzw. im Sinne von Art. 118 Abs. 3 StPO verwirkt
und daher nicht mehr zu berücksichtigen. Die Privatklägerin 1 habe sich nur als
Privatperson konstituiert, obwohl sie Kenntnis davon gehabt habe, dass sich die
D._ GmbH separat hätte konstituieren müssen (Urk. 95 S. 16). Dem hielt der
Rechtsvertreter der Privatklägerin 1 und der D._ GmbH bzw. der Privatkläge-
rin 2 entgegen, die Privatklägerin 1 habe sich auch für die Privatklägerin 2 auf
demselben Formular gültig konstituiert (Prot. I S. 50 und S. 53 f.).
3.2.2. Im Berufungsverfahren wurde diese Rechtsfrage von der Verteidigung nicht
mehr aufgeworfen. Vor dem Hintergrund der im Berufungsverfahren zwar gelten-
den, jedoch zugunsten der beschuldigten Person eingeschränkten Dispositions-
maxime (Art. 404 StPO) rechtfertigt sich aufgrund der Relevanz dieser Rechts-
frage für die Beurteilung der Zivilforderung der D._ GmbH bzw. der Privat-
klägerin 2 im Nachfolgenden dennoch eine rechtliche Auseinandersetzung mit
dieser Thematik.
3.2.3. Die Vorinstanz führte dazu unter Hinweis auf die einschlägige straf-
prozessuale Bestimmung sowie diverse Aktenstücke aus, die Konstituierung der
Privatklägerin 1 sei nicht umstritten und am 15. Februar 2019 gültig erfolgt, wobei
sie Straf- und Zivilklage erhoben habe (vgl. dazu Urk. 30/5). Unklar sei gewesen,
ob die Privatklägerin 1 sich am 15. Februar 2019 auch im Namen der D._
GmbH als Privatklägerin konstituiert habe, weshalb Letztere mit Verfügung vom
3. Juli 2019 aufgefordert worden sei, ihren Entscheid über die Konstituierung als
Privatklägerin mitzuteilen (vgl. dazu Urk. 41/1). Dieser Aufforderung sei die
D._ GmbH am 19. bzw. 30. Juli 2019 nachgekommen und habe betreffend
ihre Zivilforderung auf das Formular vom 15. Februar 2019 verwiesen (vgl. dazu
Urk. 48A und Urk. 48B). Da der geltend gemachte Betrag von Fr. 130'490.09 für
Schadenersatz über dem Gesamtbetrag gelegen habe, den der Rechtsvertreter
der Privatklägerinnen anlässlich der Hauptverhandlung beantragt habe, die
Privatklägerin 1 die einzige Gesellschafterin der D._ GmbH sei, sie im
Zeitpunkt ihrer Konstituierung noch nicht anwaltlich vertreten gewesen sei und in
den ausgefüllten Formularen vom 19. bzw. 30. Juli 2019 explizit auf das Formular
vom 15. Februar 2019 verwiesen habe, wäre es überspitzt formalistisch, die
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D._ GmbH nicht als Privatklägerin 2 zuzulassen (vgl. dazu Urk. 29/2,
Urk. 30/5, Urk. 48A, Urk. 48B und Urk. 92 S. 1 f.). Beide Privatklägerinnen hätten
sich somit gültig konstituiert und würden durch denselben Rechtsvertreter gültig
vertreten (vgl. in diesem Sinne zum Ganzen Urk. 109 S. 9 E. II.2.2. f.).
3.2.4. In Ergänzung der Ausführungen der Vorinstanz ist festzuhalten, dass diese
mit Verfügung vom 20. August 2019 die Akten zur Ergänzung der Beweis-
abnahme und zur Ergänzung der Anklage an die Staatsanwaltschaft zurückwies
und das Verfahren als erledigt abschrieb (Urk. 60). Die Sache befand sich damit
wieder im Stadium des Vorverfahrens. Vor der erneuten Anklageerhebung
ersuchte sodann der Privatklägervertreter die Staatsanwaltschaft nochmals
ausdrücklich, auch die D._ GmbH als Privatklägerin aufzuführen (Urk. 65/5
S. 2), was denn mit der jüngsten Anklage vom 21. November 2019 auch geschah
(Urk. 69). Im Ergebnis ist damit mit der Vorinstanz festzuhalten, dass sich beide
Privatklägerinnen gültig konstituiert haben.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Anklagevorwurf
1.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten zunächst vor, er habe am
14. Januar 2019 zwischen ca. 15:00 Uhr und ca. 16:15 Uhr im D._ Club an
der F._-strasse ... in Zürich während die Privatklägerin 1 eine Besichtigung
des Clubs durchgeführt habe, aus ihrer im Barbereich der Lokalität deponierten
Handtasche einen Umschlag mit Fr. 5'000.– in bar behändigt und den Club
anschliessend verlassen. Der Beschuldigte habe den genannten Bargeldbetrag
an sich genommen, um diesen für sich zu behalten bzw. für eigene Bedürfnisse
zu verwenden, wodurch der Privatklägerin 1 ein Schaden in entsprechender Höhe
entstanden sei, während er eine finanzielle Besserstellung im gleichen Umfang
erlangt habe, auf die er keinen Anspruch gehabt habe, was er gewollt habe.
1.2. Weiter wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, er habe zwi-
schen dem 16. Januar 2019 und dem 2. Februar 2019 um ca. 18:15 Uhr mittels
eines Schlüssels den Club D._ betreten und sich ins erste Untergeschoss
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begeben. Dort habe er einen Schrank geöffnet, um an den sich darin befindlichen
Tresor zu gelangen, den er mittels Eingabe der ihm bekannten Zahlenkombina-
tion geöffnet habe. Anschliessend habe der Beschuldigte dem Tresor zum
Nachteil der Privatklägerin 1 Fr. 110'000.– in bar (Stückelung zu 50er, 100er,
200er und 1000er Noten) entnommen, welcher Bargeldbetrag sich in einer blauen
Strumpfhose befunden habe, welche sich ihrerseits in einem Louis-Vuitton Stoff-
beutel befunden habe, der in einem Plastiksack abgelegt gewesen sei. Den ge-
nannten Bargeldbetrag habe der Beschuldigte mittels diverser Reinigungstücher
ersetzt. Ebenfalls habe der Beschuldigte aus einem sich im Tresor befindlichen
weissen Umschlag zum Nachteil der Privatklägerin 2 das sich darin befindliche
Bargeld in der Höhe von total ca. Fr. 1'700.– genommen. Anschliessend habe er
die Örtlichkeit mit dem genannten Bargeld verlassen. Der Beschuldigte habe den
genannten Bargeldbetrag an sich genommen, um diesen für sich zu behalten
bzw. für eigene Bedürfnisse zu verwenden. Den Privatklägerinnen sei dadurch ein
Schaden in der Höhe von gesamthaft ca. Fr. 111'700.– entstanden, während der
Beschuldigte eine finanzielle Besserstellung im gleichen Umfang erlangt habe, auf
die er keinen Anspruch gehabt habe, was er gewollt habe.
2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte bestreitet die ihm gegenüber erhobenen Tatvorwürfe vollum-
fänglich (vgl. dazu zuletzt Prot. I S. 19 ff.). Vor Vorinstanz liess er dazu durch sei-
ne Verteidigung zusammengefasst ausführen, aus den gesamten Umständen und
der Indizienlage werde klar, dass zu seinem Nachteil nichts Konkretes konstruiert
werden könne. Es gebe schon ein paar Verdachtsmomente, diesen stünden je-
doch auch entlastende Indizien gegenüber. Es gebe auch ein paar "abgekartete"
Zeugenaussagen, welche die Privatklägerin 1 "bestellt oder zumindest vorgängig
beeinflusst" habe, sowie Zeugenaussagen, die einander wiedersprächen. In der
Gesamtbetrachtung ergebe sich kein klares Bild, wie dies von der Anklage ge-
schildert werde. Vielmehr verblieben viele Zweifel und es bestünden Alternativ-
möglichkeiten, wie es auch gewesen sein könnte. Die Aussagen der Privat-
klägerin 1 seien nicht glaubhaft. Diese habe zudem ein ausgeprägtes finanzielles
Eigeninteresse. Der doch recht hohe angebliche Deliktsbetrag wiederum lasse
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sich nicht belegen und beruhe einzig auf den Behauptungen der Privatklägerin 1
sowie äusserst vagen Angaben Dritter. Bei dieser Ausgangslage lasse sich der
Sachverhalt nicht erstellen. Vielmehr sei der Beschuldigte in Anwendung des
Grundsatzes in dubio pro reo freizusprechen (Urk. 95 S. 14 f.).
Im Berufungsverfahren blieb der Beschuldigte im Wesentlichen bei diesem
Standpunkt (Urk. 136) und liess durch seine Verteidigung ergänzend ausführen,
die Aussagen von E._ gegenüber der Polizei von G._ (D) vom
23. Mai 2019 seien mangels direkter Konfrontation mit ihm zu seinem Nachteil
unverwertbar (Urk. 136 S. 3 ff.). Die Verteidigung äusserte sich im Rahmen ihrer
Vorbringen zu den Schadenersatzforderungen der Privatklägerinnen sinngemäss
auch zum Anklagesachverhalt, zumal der von der Vorinstanz den Privatkläge-
rinnen zugesprochene Schadenersatz mit den eingeklagten Deliktsbeträgen
übereinstimmt: Die Verteidigung führte in Bezug auf die angeblich aus der Hand-
tasche der Privatklägerin 1 gestohlenen Fr. 5'000.– ergänzend aus, diese habe
gegenüber H._ ausgeführt, es seien "ca. 4'500 - 5'000 gewesen" (vgl. dazu
Urk. 13/11 F/A 31), womit die angebliche Schadenshöhe (und damit auch der an-
gebliche Deliktsbetrag) unklar sei. Ebenso verhalte es sich in Bezug auf die an-
gebliche Schadenshöhe der Privatklägerin 2 (und damit auch in Bezug auf den
angeblichen Deliktsbetrag zum Nachteil der Privatklägerin 2), da die Privatkläge-
rin 1 von "circa"-Beträgen gesprochen und gesagt habe, "Ich weiss den Betrag
nicht genau" (vgl. dazu Urk. 11/1 S. 3). Schliesslich habe I._ eine Bestäti-
gung unterschrieben, wonach die Privatklägerin 1 im Tresor "112.00.00,- (hun-
dertzwölftausend Schweizer Franken) [auf]bewahrt" habe (vgl. dazu Urk. 30/6),
welcher Betrag ebenfalls vom eingeklagten Deliktsbetrag bzw. vom von der Vo-
rinstanz der Privatklägerin 1 zugesprochenen Schadenersatz in der Höhe von
Fr. 110'000.– divergiere (Urk. 136 S. 10-12). Weiter liess der Beschuldigte geltend
machen, die Vorinstanz habe seine Aussage- und Mitwirkungsverweigerung als
Indiz gegen ihn gewertet, was eine Verletzung seines Aussage- und Mitwirkungs-
verweigerungsrechts im Sinne von Art. 113 Abs. 1 StPO darstelle (Urk. 136 S. 13
f.).
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3. Sachverhaltserstellung und Beweiswürdigung
Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Sachverhaltserstellung und Beweiswürdi-
gung dargestellt sowie die vorliegend relevanten Beweismittel zutreffend aufge-
führt, worauf zur Vermeidung von Wiederholungen vorab verwiesen werden kann
(Urk. 109 S. 14 E. II.3. und S. 15 E. II.3.2.). Alle Beweise sind – mit Ausnahme
folgender Einschränkung – verwertbar. E._ wurde von der Staats-
anwaltschaft am 21. Mai 2019 im Beisein des Beschuldigten als Auskunftsperson
einvernommen, wobei er keine Aussagen machte, die den Beschuldigten belaste-
ten (Urk. 13/12). Demgegenüber machte er anlässlich der Einvernahme durch die
Polizei in G._ (D) am 23. Mai 2019, als er seinerseits als Beschuldigter be-
fragt wurde, den Beschuldigten belastende Aussagen (Urk. 65/7). Diese
Einvernahme erfolgte nicht parteiöffentlich, weshalb die an dieser Befragung zum
Nachteil des Beschuldigten gemachten Aussagen unverwertbar sind. Der
Anspruch auf Konfrontation mit Belastungszeugen ist nicht davon abhängig, ob
deren Aussagen das einzige oder das ausschlaggebende Beweismittel sind. Es
reicht auch, wenn sie als eines von mehreren Gliedern einer Indizienkette
erscheinen (vgl. dazu statt Weiterer BGer 6B_128/2018 vom 8. Februar 2019,
E. 2.3.3.; vgl. zum Ganzen sodann auch BGE 143 IV 457, E. 1.6.1 f.).
4. Erster Tatvorwurf (Diebstahl von Fr. 5'000.–)
4.1. Die Vorinstanz hat die relevanten Aussagen des Beschuldigten und der
Privatklägerin 1 zutreffend zusammengefasst und zusammen mit den mass-
geblichen Sachbeweisen richtig gewürdigt (Urk. 109 S. 16 f. E. II.3.3.), worauf ver-
wiesen werden kann. Lediglich der Vollständigkeit halber sei an dieser Stelle noch
angefügt, dass sowohl der Beschuldigte als auch die Privatklägerin 1 auch an-
lässlich der Hauptverhandlung im Wesentlichen bei ihren im Rahmen der Unter-
suchung gemachten Aussagen blieben (Urk. 92 S. 2 ff. und Prot. I S. 19 ff.). Vor
dem Hintergrund der zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen sind die nach-
folgenden deshalb als teilweise rekapitulierende und ergänzende zu verstehen.
4.2. Die Aussagen des Beschuldigten erschöpfen sich über weite Strecken in
Bestreitungen, die gemeinhin wenig Raum für Widersprüche lassen, ihn jedoch
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auch nicht entlasten. Die Herkunft der plötzlich erlangten und kurz nach dem ein-
geklagten Vorfall auf sein Konto einbezahlten Gelder im ihm von der Privatkläge-
rin 1 überlassenen Umfang von Fr. 5'000.– übersteigenden Betrag konnte der
Beschuldigte jedenfalls nie plausibel erklären. Dies gilt insbesondere für eine Ein-
zahlung in der Höhe von Fr. 9'600.– auf sein Konto bei der J._ [Bank] am
30. Januar 2019 (Urk. 21/14 S. 12; vgl. dazu Urk. 12/9 S. 2), die sich nicht ver-
nünftig mit den vom Beschuldigten ab November 2018 bezogenen Lohnsummen
(Urk. 9/8-11) und seinen beträchtlichen Schulden im damaligen Zeitpunkt
(Urk. 19/27 [rund Fr. 38'000.– bei der K._ AG] bzw. Urk. 12/2 S. 8 f. [laut Be-
schuldigtem zwischen Fr. 60'000.– und Fr. 65'000.– insgesamt]) in Einklang brin-
gen lässt. Soweit diese Umstände zusammen mit der rudimentären Angabe des
Beschuldigten, wonach es sich bei der genannten Einzahlung um "persönliche
Rücklagen" gehandelt habe, und seiner knappen Antwort auf die Frage, woher er
das Geld hatte ["erwirtschaftet"] (Urk. 12/9 S. 2), von der Vorinstanz im Rahmen
der Beweiswürdigung gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen gewertet wurde,
ist dies – entgegen der Ansicht der Verteidigung (vgl. dazu vorne unter E. II.2.
Abschnitt 2) – nicht zu beanstanden. Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre-
chung ist es nämlich zulässig davon auszugehen, dass vom Beschuldigten gel-
tend gemachte, entlastende Beweismittel nicht existieren, wenn er sich weigert zu
seiner Entlastung die erforderlichen Angaben zu machen obschon angesichts der
belastenden Beweismittel eine Erklärung vernünftigerweise erwartet werden dürf-
te (BGE 138 IV 47). Diese Umstände sind als ein gewichtiges Indiz für die
Täterschaft des Beschuldigten zu werten. Gleiches gilt für sein Verschwinden
unmittelbar nach dem Vorfall. Vor diesem Hintergrund überzeugen die Ausfüh-
rungen des Beschuldigten nicht und erscheinen seine Bestreitungen unglaubhaft
und als reine Schutzbehauptungen. Soweit sich seine Aussagen nicht mit der
glaubhaften Sachdarstellung der Privatklägerin 1 decken (vgl. dazu sogleich unter
E. II.4.3.), kann ihm auf jeden Fall nicht geglaubt werden.
4.3. Die lebensnahen, authentisch und tatsächlich erlebt wirkenden, in der
Abfolge logischen, keine wesentlichen Strukturbrüche aufweisenden, detaillierten
und im Kerngeschehen konstanten Aussagen der Privatklägerin 1 sind glaubhaft
und überzeugen, woran auch der Umstand nichts ändert, dass die vom Beschul-
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digten schwer Enttäuschte nicht mehr gut auf diesen zu sprechen ist und im Übri-
gen ein erhebliches finanzielles Interesse am Verfahrensausgang hat. Die Glaub-
haftigkeit ihrer Aussagen wird sodann durch einzelne Sachbeweise untermauert:
So deckt sich die Darstellung der Privatklägerin 1 mit dem bereits erwähnten Kon-
toauszug der J._, wonach am 8. Januar 2019 eine Bareinzahlung in der Hö-
he von Fr. 4'900.– und tags darauf eine Alimentenzahlung in der Höhe von
Fr. 4'581.20 erfolgte (Urk. 21/14 S. 10). Soweit die Verteidigung im Berufungsver-
fahren geltend machte, H._ habe ausgesagt, die Privatklägerin 1 habe ihr
gegenüber erwähnt, es seien ca. Fr. 4'500.– bis Fr. 5'000.– in der Handtasche
gewesen, weshalb sich der eingeklagte Deliktsbetrag nicht erstellen lasse (vgl.
dazu vorne unter E. II.2. Absatz 2), kann ihr nicht gefolgt werden. Die Privatkläge-
rin 1 gab in Bezug auf den Deliktsbetrag konstant, nachvollziehbar und glaubhaft
an, in der Handtasche hätten sich Fr. 5'000.– befunden (Urk. 11/1 S. 4; Urk. 11/2
S. 4 f.; Urk. 92 S. 6 f.). Den demgegenüber inkonsequenten Angaben von
H._ – so führte diese in der von der Verteidigung erwähnten Einvernahme
zunächst noch aus, die Privatklägerin 1 habe ihr gegenüber nie einen Betrag ge-
nannt (Urk. 13/11 F/A 30) – kann, anders als den Aussagen der Privatklägerin 1,
keine allzu grosse Bedeutung beigemessen werden. Hinzu kommt, dass es sich
dabei lediglich um Angaben vom Hörensagen handelt, was sich denn (wohl) auch
in ihrem widersprüchlichen Aussageverhalten niedergeschlagen hat. Auch wenn
niemand den Diebstahl mit eigenen Augen sehen und bezeugen konnte, beste-
hen insgesamt keine vernünftigen Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt wie
eingeklagt abgespielt hat.
4.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der erste Tatvorwurf betreffend
den Diebstahl von Fr. 5'000.– rechtsgenügend erstellt ist.
5. Zweiter Tatvorwurf (Diebstahl von Fr. 111'700.–)
5.1. Die Vorinstanz hat auch bei der Behandlung des zweiten Tatvorwurfs die
massgeblichen Aussagen des Beschuldigten und der Privatklägerin 1 sowie der
Zeuginnen L._ und M._ zutreffend zusammengefasst und zusammen
mit den relevanten Sachbeweisen korrekt gewürdigt (Urk. 109 S. 18-23 E. II.3.4.
[ausgenommen S. 23 E. II.3.4.8. f., Aussagen von E._, vgl. dazu vorne unter
- 16 -
E. II.3.]), worauf vorab ebenfalls verwiesen werden kann. Auch in diesem Zu-
sammenhang sind die nachfolgenden Ausführungen deshalb als die vorinstanzli-
chen lediglich teilweise rekapitulierende und ergänzende zu verstehen.
5.2. Zu den Aussagen des Beschuldigten kann zunächst auf die bereits vorne
unter E. II.4.2. gemachten Ausführungen verwiesen werden, die auch im vor-
liegenden Zusammenhang Gültigkeit haben. Stark belastet den Beschuldigten der
Umstand, dass sich auf dem Stoffbeutel, in dem sich das gestohlene Geld befand,
auch eine DNA-Mischspur von ihm fand, was er nicht plausibel erklären konnte
(Urk. 23/4; vgl. dazu Urk. 12/10 S. 5 f. und Prot. I S. 30 f.). Ebenfalls als den Be-
schuldigten belastend zu veranschlagen ist weiter, dass er sich trotz bescheide-
ner Lohneinkünfte in den Vormonaten und beträchtlicher Schulden (vgl. dazu vor-
ne unter E. II.4.2.) im Februar 2019 ein Auto und einige doch recht teure Hotel-
übernachtungen leisten konnte (Urk. 12/8 S. 2 und Urk. 12/10 S. 8 sowie dazu
Urk. 21/14 S. 13 f.). Als widerlegt zu gelten hat sodann aufgrund der soweit
glaubhaften Angaben der Zeugin L._ (Urk. 13/1 S. 2 ff.), die diesbezüglich
mit den entsprechenden ebenfalls glaubhaften Aussagen der Privatklägerin 1 kor-
respondieren, die Bestreitung des Beschuldigten, wonach er keinen Schlüssel zur
Deliktsörtlichkeit gehabt habe. Damit sowie unter Berücksichtigung des unter
E. II.5.3. noch Auszuführenden ist auch hinsichtlich des zweiten Tatvorwurfs fest-
zuhalten, dass die Bestreitungen des Beschuldigten unglaubhaft sind.
5.3. Auch was die Aussagen der Privatklägerin 1 betrifft, kann zunächst auf das
schon vorne unter E. II.4.3. Erwogene verwiesen werden, das auch hier gilt. Die
Aussagen der Privatklägerin 1 sind, was den zweiten Tatvorwurf betrifft, im Kern-
gehalt ebenfalls widerspruchsfrei und glaubhaft, wobei kleinere Widersprüche wie
beispielsweise hinsichtlich der Anzahl Schlüssel zum Schrank des Tresors sowie
der Daten der letzten Geldkontrolle im Tresor daran nichts zu ändern vermögen.
Eigentliche Lügensignale sind jedenfalls keine auszumachen. Dies gilt insbeson-
dere auch hinsichtlich der Höhe des Deliktsbetrags. Der Einwand der Verteidi-
gung im Berufungsverfahren, wonach sich der konkrete Deliktsbetrag nicht er-
stellen lasse (vgl. dazu vorne unter E. II.2. Absatz 2) verfängt nicht. Es ist diesbe-
züglich zunächst festzuhalten, dass der von I._ schriftlich abgegebenen Er-
- 17 -
klärung, wonach die Privatklägerin 1 im Tresor Fr. 112'000.– aufbewahrt habe
(Urk. 30/6), aufgrund der eigenen Angaben von I._ in der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme vom 18. März 2019 keine massgebliche Bedeutung beige-
messen werden kann. Anlässlich dieser führte er aus, die Privatklägerin 1 habe
ihm nie genau gesagt, ob der genannte Betrag im Tresor gewesen sei. Er habe
gewusst, dass es mehr als Fr. 60'000.– gewesen seien. Sie habe sicher einmal
etwas von knapp Fr. 100'000.– erwähnt (Urk. 13/3 S. 4 f.). Seine schriftliche Be-
stätigung vermag damit nichts Entscheidendes zur Sachverhaltserstellung beizu-
tragen. Es ist auch hier – wie bezüglich des ersten Deliktsvorwurfs – betreffend
den Deliktsbetrag vorwiegend auf die konstanten, nachvollziehbaren und glaub-
haften Aussagen der Privatklägerin 1 abzustellen. Von Anfang an gab sie diesbe-
züglich an, im Tresor hätten sich Fr. 110'000.–, bestehend aus Notenbündel à
Fr. 20'000.–, befunden (Urk. 11/1 F/A 13). Vor Vorinstanz gab sie ergänzend und
glaubhaft zu Protokoll, sie habe den exakten Betrag gekannt, weil sie das Geld
regelmässig gezählt habe, zuletzt am 7. Januar 2019, bevor sie Fr. 10'000.–
nachhause genommen habe, um davon Fr. 5'000.– dem Beschuldigten zu geben
(Urk. 92 S. 8). Was schliesslich den Deliktsbetrag zum Nachteil der Privatkläge-
rin 2 anbelangt, ist der Verteidigung zwar zuzustimmen, dass die Privatklägerin 1
anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 2. Februar 2019 ausführte, im Tre-
sor hätten sich zudem Bareinnahmen der Privatklägerin 2 im Umfang von ca.
Fr. 1'500.– und weitere ca. Fr. 200.– befunden, den exakten Betrag wisse sie
nicht genau. Die Privatklägerin 1 gab aber weiter an, der Tresor habe zudem auch
– teilweise in Servierportemonnaies verstautes – Stockgeld bzw. Wechselgeld im
Gesamtbetrag von Fr. 1'420.– enthalten (Urk. 11/1 F/A 15; vgl. auch Urk. 92 S. 9),
welches ebenfalls der Privatklägerin 2 zuzuordnen ist. Damit beläuft sich der De-
liktsbetrag zum Nachteil der Privatklägerin 2 auf mindestens Fr. 1'700.–. Weiter ist
festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin 1 zudem durch die soweit
ebenfalls glaubhaften Aussagen des Zeugen I._ gestützt werden, der immer-
hin angeben konnte, der Privatklägerin 1 anlässlich ihrer Trennung im Jahr 2017
Fr. 60'000.– ausbezahlt zu haben, wobei er davon ausging, dass sie dieses Geld
im Tresor im Club aufbewahrte (Urk. 13/3 S. 4 f.). Gestützt werden die Angaben
der Privatklägerin 1 zur Höhe des Deliktsbetrags schliesslich massgeblich durch
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die den Beschuldigten ebenfalls stark belastenden Angaben der Zeugin M._,
einer ehemaligen Freundin des Beschuldigten, die insbesondere glaubhaft aus-
sagte, nach dessen Verhaftung im Februar 2019 in ihrem gemeinsamen Schlaf-
zimmer Bargeld in der Höhe von Fr. 80'000.– bis Fr. 90'000.– in der entwendeten
Stückelung entdeckt zu haben (Urk. 13/6 S. 2 ff. und Urk. 13/8 S. 3 ff.). Auch die-
sen Umstand konnte der Beschuldigte nicht einleuchtend erklären (Urk. 12/10
S. 2 ff. und Prot. I S. 25 ff.). Namentlich seine Behauptung, dass es sich quasi um
gehortete Barersparnisse gehandelt habe, vermag in Anbetracht der übrigen Be-
weiswürdigung nicht zu überzeugen.
5.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der zweite Tatvorwurf betreffend
den Diebstahl von Fr. 111'700.– ebenfalls rechtsgenügend erstellt ist.
6. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz – welche seitens des Beschuldigten
auch nicht Abrede gestellt wurde – ist zutreffend (Urk. 109 S. 24 E. III.), darauf
kann ergänzungslos verwiesen werden.
7. Fazit
Der Beschuldigte ist des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB schuldig zu sprechen.
III. Sanktion und Vollzug
1. Strafzumessung
1.1. Vorbemerkungen
Die Vorinstanz hat den Strafrahmen, die angezeigte Strafart und die allgemeinen
Strafzumessungsregeln zutreffend dargelegt (Urk. 109 S. 25 f. E. IV.1.-3.1.),
darauf kann verwiesen werden.
1.2. Konkrete Strafzumessung
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Die Vorinstanz hat zunächst das objektive und subjektive Tatverschulden sowie
die Täterkomponente für das Hauptdelikt, d.h. den zweiten Diebstahl, abgehan-
delt und dazu zutreffende Ausführungen gemacht, auf die ebenfalls verwiesen
werden kann (Urk. 109 S. 26 f. E. III.3.2. f.). Aufgrund des gesamten, nicht mehr
leichten Tatverschuldens erscheint die von der Vorinstanz festgesetzte hypothe-
tische Einsatzstrafe von zehn Monaten Freiheitsstrafe für den zweiten Diebstahl
angemessen. Diese ist für den ersten Diebstahl aspirierend um zwei Monate zu
erhöhen, für welchen insgesamt von einem noch leichten Verschulden auszu-
gehen ist. Auch diesbezüglich kann auf die zutreffenden Ausführungen im
vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 109 S. 27 f. E. III.3.4.-4.).
1.3. Auszufällende Strafe
In Würdigung aller relevanten Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte mit
12 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen. Der Anrechnung von 112 Tagen erstan-
dener Haft steht nichts entgegen.
2. Vollzug
In Bezug auf den Vollzug der Freiheitsstrafe kann vollumfänglich auf die zutref-
fenden vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden (Urk. 109 S. 28 f. E. V.).
IV. Zivilansprüche
Das vorinstanzliche Urteil wird im Schuldpunkt bestätigt, womit unter Hinweis auf
die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen (Urk. 109 S. 29-31 E. VI.) der
vorinstanzliche Entscheid diesbezüglich auch im Zivilpunkt zu bestätigen ist.
V. Beschlagnahme, Einziehung und Ersatzforderung
Was die Verwendung der Fr. 4'449.50 auf dem mit Verfügung der Staatsanwalt-
schaft vom 7. März 2019 mit einer Kontosperre belegten Mietzinsdepot bei der
B._ betrifft, kann ebenfalls auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführun-
gen verwiesen werden (Urk. 109 S. 31-34 E. VII.1.-7.2.).
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VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
1.1. Die im angefochtenen Entscheid getroffene Kosten- und Entschädigungs-
regelgung erweist sich ausgangsgemäss nach wie vor als angemessen, dies-
bezüglich kann auf die vorinstanzliche Ausführungen dazu verwiesen werden
(Urk. 109 S. 34 f. E. VIII.). Auf die Beschwerde des amtlichen Verteidigers be-
treffend die vorinstanzliche Festsetzung seines Honorars (vgl. dazu vorne unter
I. 1.3.) ist im Folgenden einzugehen.
1.2. Hinsichtlich der Festsetzung des Honorars des amtlichen Verteidigers erwog
die Vorinstanz Bezug nehmend auf die von ihm eingereichte Rechnung Nr. 10
vom 3. Juli 2020 in der Höhe von Fr. 23'969.55 (= Urk. 98 [im vorinstanzlichen
Entscheid wurde auf "act. 89" Bezug genommen, wobei es sich offensichtlich um
einen Verschrieb handelt]) lediglich, die Kosten erschienen im ausgewiesenen
Umfang als verhältnismässig (Urk. 109 S. 43 E. VIII.1.) und sprach ihm schliess-
lich Fr. 24'206.50 zu (vgl. Dispositiv-Ziffer 13 des vorinstanzlichen Entscheids).
1.3. Der amtliche Verteidiger beantragt, seine Entschädigung sei um Fr. 1'066.20
auf Fr. 25'272.70 (inkl. MwSt und Barauslagen) zu erhöhen (Urk. 129/2 S. 1). Zur
Begründung führte er aus, er habe mit der Kostennote vom 3. Juli 2020 einen
Totalbetrag von Fr. 23'969.55 geltend gemacht, jedoch gut sichtbar "zuzüglich
des Aufwandes für die heutige Verhandlung (HV, Urteilseröffnung, Wegzeit)"
vermerkt (vgl. dazu Urk. 98 = 129/3/3 S. 8). Die Vorinstanz habe diesen Hinweis
ganz offensichtlich gesehen, aber dennoch nur rund eine zusätzliche Stunde
entschädigt. Vermutlich habe sich ein simpler Rechnungs- oder Tippfehler einge-
schlichen. Effektiv habe die Hauptverhandlung 41⁄2 Stunden gedauert (vgl. dazu
Urk. 129/3/2). Die Wegzeit zum Gericht und retour werde mit 0.75 Stunden
geltend gemacht, weil der Verteidiger sich praxisgemäss mit dem Beschuldigten
in der Praxis verabredet habe und dann gemeinsam mit ihm zum Gericht und an-
schliessend wieder zurück gegangen sei ("mit jeweils kurzem Gesprächsbedarf").
Diese Wegzeit entspreche demgemäss auch in etwa dem oberen Rand der
geltend gemachten Wegzeiten gleicher Art (vgl. dazu Urk. 98 = 129/3/3). 4.5 plus
- 21 -
0.75 Stunden x Fr. 220 x 1'077 (MwSt.) ergebe Fr. 1'303.17, die zu den geltend
gemachten Fr. 23'969.55 hinzukämen, was total Fr. 25'272.70 (inkl. MwSt. und
Barauslagen) ergebe. Abzüglich der bereits zugesprochenen und bereits
überwiesenen Fr. 24'206.50 verbleibe eine Restforderung von Fr. 1'066.20. Der
Verteidiger habe sich um eine direkte Klärung bei der Vorinstanz bemüht, was
aber nicht möglich gewesen sei, da die Akten bereits dem Obergericht eingereicht
worden seien, weshalb er keine andere Möglichkeit gesehen habe, als den
Beschwerdeweg zu beschreiten (vgl. zum Ganzen Urk. 129/2 S. 2).
1.4. Mit der Verteidigung ist davon auszugehen, dass sich bei der vorinstanz-
lichen Berechnung des Honorars ein Rechnungs- oder Tippfehler eingeschlichen
hat, der zu korrigieren ist. Der zusätzlich geltend gemachte Aufwand wurde vom
Verteidiger plausibel dargetan. Allerdings hat sich bei ihm ebenfalls ein Rech-
nungsfehler eingeschlichen: 4.5 plus 0.75 Stunden [= 5.25 Stunden] x Fr. 220 x
1.077 (MwSt.) ergibt nicht Fr. 1'303.17, sondern (gerundet) Fr. 1'243.95. Zählt
man diese Summe zu den geltend gemachten Fr. 23'969.55 hinzu, ergibt sich ei-
ne (gerundete) Summe von Fr. 25'213.50. Abzüglich der bereits zugesprochenen
Fr. 24'206.50 verbleibt damit eine (gerundete) Restforderung von Fr. 1'007.– (inkl.
MwSt.). Diesen Betrag hat der Verteidiger noch zugute. In diesem Umfang ist
seine Beschwerde gutzuheissen, im übrigen Umfang ist sie abzuweisen.
1.5. Da der Verteidiger mit Ausnahme eines zu vernachlässigenden Rechnungs-
fehlers vollumfänglich obsiegt, fällt eine Gerichtsgebühr für das Beschwerde-
verfahren ausser Ansatz. Für das Beschwerdeverfahren ist eine Pauschal-
entschädigung von Fr. 300.– (inkl. MwSt.) zuzusprechen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.–
festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Damit sind ihm die Kosten des Beru-
- 22 -
fungsverfahrens vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung des Beschuldigten sind einstweilen und unter Vorbehalt der Nachzahlungs-
pflicht nach Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X._,
reichte anlässlich der Berufungsverhandlung seine Honorarnote mit der Auflistung
seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein (Urk. 138). Sie
sind – mit der folgenden Ausnahme – ausgewiesen und erweisen sich als ange-
messen. Rechtsanwalt lic. iur. X._ schätzte die Dauer der Berufungsverhand-
lung auf vier Stunden und setzte diese so in seiner Honorarnote ein. Die Beru-
fungsverhandlung dauerte aufgrund des Nichterscheinens des Beschuldigten
schliesslich nur rund fünf Minuten (Prot. II S. 7 ff.). Unter Berücksichtigung der
kurzen Dauer der Berufungsverhandlung rechtfertigt es sich, Rechtsanwalt lic. iur.
X._ mit pauschal Fr. 7'500.– aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
2.4. Der Rechtsvertreter der Privatklägerinnen, Rechtsanwalt lic. iur. Z._,
beantragte mit Eingabe vom 9. April 2021 die Zusprechung einer Prozess-
entschädigung an die Privatklägerin 1 für das Berufungsverfahren im Umfang von
Fr. 795.80 (inkl. MwSt.; Urk. 139 und 141). Auch diese Aufwendungen und
Auslagen sind ausgewiesen und angemessen, weshalb der Beschuldigte zu
verpflichten ist, der Privatklägerin 1 für das Berufungsverfahren in beantragter
Höhe eine Prozessentschädigung zu bezahlen.