Decision ID: d8d1b770-0607-4575-b583-f309da1f2e8c
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 25.05.2018 Art. 28 IVG. Würdigung eines medizinischen Gutachtens. Sachverhalt umfassend abgeklärt. Beschwerden nicht objektivierbar. Beweislosigkeit. Abweisung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Mai 2018, IV 2016/89).
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug und Karin Huber-
Studerus; Gerichtsschreiberin Annina Janett
Geschäftsnr.
IV 2016/89
Parteien
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas,
Advokatur Glavas AG, Haus zur alten Dorfbank, 9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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Gegenstand
Rente
Sachverhalt
A.
A.a A._ meldete sich im Mai 2012 unter Hinweis auf eine seit 2009 bestehende
Diskushernie bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Sie hatte eine Anlehre als Coiffeuse absolviert und war seit
dem 1. April 1999 im 100%-Pensum bei der B._ als Betriebsmitarbeiterin in der
Abpackerei tätig (IV-act. 15, 24). Am 1. Februar 2012 war sie bei der Diagnose eines
zervikovertebragenen und zervikobrachialen Reiz- und Ausfallsyndroms rechts bei einer
Spondylosis, einer paramedianen Diskushernie C4/5 sowie C5/6 und einer leichten
Pseudolisthesis C4/5 operiert worden (Implantation von Bandscheibenprothesen C4/5
und C5/6; IV-act. 47). Bis Mitte Juni 2012 war die Versicherte postoperativ zu 100%
arbeitsunfähig gewesen, danach hatte sie ihre Tätigkeit im Rahmen eines 50%-
Pensums wieder aufgenommen. Ab dem 7. September 2012 nahm sie ihre Arbeit im
30%-Pensum an einem „Schonarbeitsplatz“ in der Wäscherei wieder auf, da die Arbeit
am angestammten Arbeitsplatz in der Abpackerei zu streng geworden war (vgl. IV-act.
19, 24, 30).
A.b Am 15. November 2012 berichtete die Hausärztin C._ der IV-Stelle, dass bei der
Versicherten ein zervikovertebragenes und zervikobrachiales Reiz- und Ausfallsyndrom
rechts bei einer Diskushernie C4/5 und C5/6 sowie intermittierende Schwindelattacken
bei einem Verdacht auf eine Otolithiasis bestünden (IV-act. 30). Die IV-Stelle gewährte
der Versicherten in der Folge Beratung und Unterstützung beim Erhalt ihres
Arbeitsplatzes (IV-act. 35). Am 26. März 2013 kündigte die Arbeitgeberin das
Arbeitsverhältnis per 30. Juni 2013 (IV-act. 49).
A.c Eine am 8. Juli 2013 durchgeführte Abklärung im interdisziplinären Zentrum für
Schwindel und Gleichgewichtsstörungen im Universitätsspital Zürich (USZ) ergab die
Diagnose eines bisher nichtklassifizierbaren Schwindels, am ehesten von zervikal-
strukturell ausgehend. Anlässlich einer nachfolgenden chiropraktischen Beurteilung
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wurde der Verdacht auf eine Dislokation des Prothesenmaterials mit
Myelonkompression C4/5 und C5/6 gestellt und deshalb eine neurochirurgische
Abklärung empfohlen (IV-act. 57). Die Psychiaterin med. pract. D._ berichtete der IV-
Stelle am 24. September 2013, dass in psychiatrischer Hinsicht als zusätzliche
Diagnose eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) bestehe (IV-act. 54). Im Oktober
2013 bezeichnete die Hausärztin den Gesundheitszustand der Versicherten als
stationär bzw. verschlechtert, da weiterhin und auch verstärkt Schwindel- und
Schmerzepisoden aufträten (IV-act. 55). Die Ärzte des USZ berichteten der IV-Stelle am
25. November 2013, dass die Beschwerden aus neurochirurgischer Sicht von unklarer
Ätiologie seien, sodass aktuell keine Indikation für eine neurochirurgische Intervention
bestehe (IV-act. 61).
A.d Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) notierte am 11. Dezember 2013, dass die
Beschwerden der Versicherten trotz breiter Abklärungen weder befriedigend organisch
begründet noch therapeutisch wesentlich hätten beeinflusst werden können. Die
Versicherte fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig, weshalb die
Eingliederungsbemühungen abzubrechen und die Rentenprüfung einzuleiten sei (vgl.
IV-act. 62 f.). Am 13. Dezember 2013 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren um
berufliche Massnahmen ab (IV-act. 65).
A.e Am 15. August 2014 berichtete der Neurochirurg Dr. med. E._ der IV-Stelle, dass
bei der Versicherten seit 2012 bei schnellen Bewegungen heftige Schwindelattacken
aufträten, sodass die Versicherte keine Erwerbstätigkeit mehr ausführen könne (IV-act.
72).
B.
B.a Im Rahmen der Rentenprüfung veranlasste die IV-Stelle eine polydisziplinäre
Begutachtung der Versicherten durch die Swiss Medical Assessment- and
Businesscenter (SMAB) AG (vgl. IV-act. 75, 80 f.). Im entsprechenden Gutachten vom
31. März 2015 (IV-act. 86) hielten die Experten fest, dass keine Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorlägen. Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit bestünden Schwindelbeschwerden differenzialdiagnostisch phobisch
(ICD-10 F40) bei einem dauernden Relpaxkonsum, eine vestibuläre Migräne,
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somatoform, psychogen, ein Status nach bisegmentaler mikrochirurgischer operativer
Behandlung einer zervikalen Diskushernie C4/5 und C5/6 im Februar 2012 ohne
erkennbare relevante funktionelle Einbusse, im aktuellen Verlaufs-MRI fortgeschrittene
zervikale Spondylose, Unkarthrose C4/5 und C5/6 und reaktive Foramenstenosen
sowie eine Angst- und depressive Störung gemischt (F42.1), differenzialdiagnostisch
Dysthymie (F34.1). Von neurologischer Seite könne der geklagte Schwindel auch bei
der erneuten Untersuchung nicht klassiert werden. Unter Berücksichtigung der langen
Beschwerdedauer ohne anatomisches Korrelat werde damit ein phobischer Schwindel
immer mehr in den Vordergrund gerückt. Aus diesem Grund sei von neurologischer
Seite her keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu postulieren. Auch von
orthopädischer Sichte könne keine Beeinträchtigung attestiert werden. Der
mikrochirurgische Eingriff an der HWS sei gut gelungen und die postoperativ im
Zusammenhang mit der Physiotherapie aufgetretenen Schwindelbeschwerden hätten
in keinen Zusammenhang mit dem Eingriff gestellt werden können. Mehrere MRI-
Kontrollen und eine Untersuchung in der neurochirurgischen Klinik im USZ hätten keine
Pathologien ergeben, welche die Schwindelerscheinungen hätten erklären können. Die
otoneurologische Untersuchung habe keine fassbare Pathologie im peripher
vestibulären Bereich ergeben, insbesondere lägen kein Morbus Menière, kein Ausfall
des Vestibularorganes und keine Otolithenaffektion vor, sodass auch aus ORL-Sicht
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Aus internistischer Sicht ergebe sich
ebenfalls keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Die psychiatrische Untersuchung
habe eine Angst- und depressive Störung gemischt, DD Dysthymie, sowie einen
phobischen Schwindel ergeben. Die psychiatrische Pathologie sei nicht so
schwerwiegend, dass sie nicht überwunden werden könnte. Die sog. Förster-Kriterien
seien nicht erfüllt. Insgesamt liege angesichts fehlender somatisch-pathologischer
Befunde keine gesundheitliche Störung vor, die nicht überwunden werden könne.
Damit bestehe sowohl in der bisherigen als auch in der angepassten Tätigkeit eine
100% Arbeitsfähigkeit. Unter Berücksichtigung der subjektiv vorhandenen
Schwindelgefühle sei von einem Arbeitsplatz, der mit extremen Körperbewegungen
verbunden sei, abzusehen. Aus psychiatrischer Sicht sei zudem von Nachtschichtarbeit
abzusehen. Weiter sei nur eine Beschäftigung mit einer körperlich leichten bis
mittelschweren Arbeit möglich (IV-act. 86-13 ff.).
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B.b Am 30. April 2015 notierte der RAD, dass auf das SMAB-Gutachten abgestellt
werden könne. Demgemäss bestehe ein pathogenetisch-ätiologisch unklares
syndromales Beschwerdebild ohne nachweisbare organische Grundlage. Eine
psychische Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer
bestehe nicht. Angesichts der fehlenden pathologischen Befunde könne die
Arbeitsfähigkeit auf 100% ab September 2012 festgelegt werden (IV-act. 87). Daraufhin
erliess die IV-Stelle am 1. Mai 2015 einen Vorbescheid, in welchem sie der Versicherten
unter Verweis auf die gutachterlichen Ausführungen die Abweisung des
Leistungsgesuchs bei einem Invaliditätsgrad von 0% in Aussicht stellte (IV-act. 90).
B.c Dagegen wandte die Versicherte am 29. Mai bzw. 26. Juni 2015 ein, dass die
Schmerzrechtsprechung abgeschafft worden sei. Die Indikatoren der neuen
Rechtsprechung seien von den Gutachtern des SMAB nicht geprüft worden, was
nachzuholen sei (IV-act. 92, 97). Ihrem Einwand legte die Versicherte eine
Stellungnahme von med. pract. D._ vom 21. Juni 2015 bei. Darin hatte diese
festgehalten, dass die Ausführungen des begutachtenden Psychiaters nachvollziehbar
seien. Allerdings sei die Diagnose einer Anpassungsstörung umzudeuten in eine
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren gemäss
F45.41. Im Vordergrund stehe zwar die Schwindelsymptomatik mit begleitendem
Erbrechen, diese folge aber immer auf eine „Druck“-Empfindung, welche sich auch
zum Nackenschmerz steigern könne, wenn die Versicherte keine Gegenmassnahmen
unternehme (IV-act. 97-3 f.).
B.d Der RAD-Psychiater Dr. med. F._ nahm am 11. Februar 2016 zum Gutachten
Stellung. Er führte aus, der psychiatrische SMAB-Gutachter sei in seiner Beurteilung
zum Schluss gekommen, dass die psychiatrische Erkrankung zwar vorhanden und
behandlungsbedürftig sei, sich aber aufgrund der fehlenden Schwere nicht auf die
Arbeitsfähigkeit auswirke. Deshalb sei auf die Prüfung der weiteren Indikatoren zu
verzichten. Zur Stellungnahme von med. pract. D._ sei anzumerken, dass diese die
Ausführungen des psychiatrischen Gutachters nachvollziehen könne. Auch gemäss
med. pract. D._ stellten die anlässlich der Begutachtung ausführlich abgeklärten
Schwindelsymptome die Hauptbeschwerden dar (IV-act. 101). Gestützt auf die RAD-
ärztliche Beurteilung wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Versicherten mit
Verfügung vom 12. Februar 2016 wie angekündigt ab (IV-act. 102).
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C.
C.a Dagegen erhob die Versicherte am 14. März 2016 Beschwerde. Sie beantragte, die
angefochtene Verfügung vom 12. Februar 2016 sei aufzuheben und es sei eine neue
polydisziplinäre Abklärung in Auftrag zu geben und danach neu zu entscheiden.
Eventualiter sei ihr mindestens eine halbe Invalidenrente zu gewähren. Zur Begründung
machte sie im Wesentlichen geltend, dass die Beurteilungen der Gutachter und der
behandelnden Ärzte massiv voneinander abwichen. Die somatischen Beschwerden
und die Rückendeformation würden überhaupt nicht thematisiert und auch das
psychiatrische Teilgutachten sei oberflächlich. Deshalb sei eine neutrale Oberexpertise
in Auftrag zu geben (act. G 1). Die Beschwerdeführerin legte der Beschwerde die
Stellungnahme ihrer behandelnden Psychiaterin vom 21. Juni 2015 sowie ein neues
Schreiben ihrer Hausärztin vom 29. Juni 2015 bei (act. G 1.3, G 1.4).
C.b Am 10. Mai 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, das Gutachten genüge den Anforderungen
der Rechtsprechung, weshalb darauf abgestellt werden könne. Auch das
psychiatrische Teilgutachten sei sorgfältig und inhaltlich vollständig abgefasst worden.
Hinsichtlich der zwischenzeitlich geänderten Rechtsprechung sei auf die Ausführungen
des RAD zu verweisen. Die eingereichten Berichte der behandelnden Ärztinnen
vermöchten keine Zweifel am Gutachten zu wecken, zumal die behandelnde
Psychiaterin die Ausführungen des Gutachters als nachvollziehbar erachtet habe (act.
G 4).
C.c Die Beschwerdeführerin hielt am 23. Mai 2016 an ihren Anträgen fest. Neu
beantragte sie zudem die Vornahme eines Augenscheins an ihrem ehemaligen
Arbeitsort. Sie machte ergänzend geltend, dass das Gutachten definitiv überholt sei, da
es die Indikatoren gemäss der neuen Rechtsprechung nicht thematisiere (act. G 6).
C.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (vgl. act. G
8).

Erwägungen
1.
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1.1 Mit der angefochtenen Verfügung vom 12. Februar 2016 verneinte die
Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Strittig und
vorliegend zu prüfen ist demnach, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Invalidenrente hat.
1.2 Einen Rentenanspruch haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können,
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40% invalid
sind (Art. 28 Abs. 1 IVG). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
1.3 Gemäss Art. 28a Abs. 1 des IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität
grundsätzlich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
1.4 Um das Invalideneinkommen zu bestimmen und damit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Verfügungszeitpunkt feststehen.
2.
2.1 Zur Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit hat die
Beschwerdegegnerin beim SMAB ein polydisziplinäres Gutachten eingeholt (IV-act.
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86). Dieses beruht auf fachärztlichen internistischen, psychiatrischen, neurologischen,
orthopädischen und otoneurologischen Untersuchungen und ist in Kenntnis der
medizinischen Vorakten (vgl. S. 3-8 des Gutachtens) erstellt worden.
2.2 Der orthopädische Gutachter hat betreffend die von der Beschwerdeführerin
geklagten Rückenbeschwerden schlüssig dargelegt, dass diese orthopädisch nicht
erklärbar seien. Im Rahmen der aktuellen Abklärungen sei die allgemeine Mobilität
uneingeschränkt gewesen und bei den manualdiagnostischen Untersuchungen der
HWS seien keine eindeutigen segmentalen Dysfunktionen feststellbar gewesen. In
Übereinstimmung mit dem neurochirurgischen Bericht des USZ vom November 2013
habe sich auch aktuell kein auffälliger pathologischer Befund gezeigt. Die aktuell
anlässlich der bildgebenden Abklärungen erhobenen Befunde würden allesamt nicht
mit den klinisch-funktionellen Auffälligkeiten korrelieren. Die postoperativen Ergebnisse
der HWS und die Funktion der HWS gälten als regelrecht. Aus rein orthopädischer
somatischer Sicht seien alle Tätigkeiten zumutbar, die einer altersgleichen gesunden
Frau zugemutet werden könnten (IV-act. 86-38 f.). Auch von internistischer Seite her
haben die Gutachter das Belastungsprofil als normal erachtet und keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit attestiert (IV-act. 86-46). Damit geht die Rüge der
Beschwerdeführerin, die Gutachter hätten sich nicht mit den somatischen
Beschwerden und insbesondere den „Rückendeformationen“ auseinandergesetzt, fehl.
2.3
2.3.1 In psychiatrischer Hinsicht hat die Beschwerdeführerin geltend gemacht, dass
das psychiatrische Teilgutachten oberflächlich sei, da der Gutachter nur 70 Minuten
Zeitaufwand (vgl. IV-act. 86-52) benötigt habe. Für den Aussagegehalt bzw. für die
Beweiskraft eines medizinischen Gutachtens kann es grundsätzlich nicht auf den
Zeitaufwand des Sachverständigen ankommen. Entsprechend lässt ein geringer
Zeitaufwand für das Erstellen eines Gutachtens bzw. eine kurze Dauer der
Untersuchung nicht von vornherein auf eine Sorgfaltswidrigkeit des Gutachters
schliessen. Vorliegend zeugen die Darlegung der objektiven Befundlage, der
fachspezifische Anamnese und der Einbezug der geklagten Beschwerden von einer
hinreichenden psychiatrischen Abklärung. Das Gutachten weist sodann formell keine
Mängel auf. Insbesondere begründet der Umstand, dass die behandelnde Psychiaterin
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med. pract. D._ fälschlicherweise als Psychologin bezeichnet worden ist, keinen
formellen Mangel, der erhebliche Zweifel am Beweiswert der psychiatrischen
Beurteilung zu begründen vermöchte.
2.3.2 Der psychiatrische Gutachter hat sodann nachvollziehbar dargelegt, dass bei der
Beschwerdeführerin eine übermässige Besorgnis mit einem gewissen
Vermeidungsverhalten im Vordergrund stehe. Sie zeige seit 2012 ein maladaptives und
auf Schonung ausgerichtetes Verhalten, sei aber nicht vollständig isoliert und pflege
Aussenkontakte. Eine stationäre psychiatrische Hospitalisation sei bisher nie für
notwendig erachtet worden und die Beschwerdeführerin fühle sich durch die
ambulante Psychotherapie ausreichend gestützt. Dafür sprächen auch die niedrige
Behandlungsfrequenz, die jetzt durchführbare Therapiepause sowie das Fehlen einer
antidepressiven oder angstlösenden Pharmakotherapie. Insgesamt seien eine milde
Angststörung und eine milde anhaltende depressive Störung im Sinne einer Dysthymie
zu diagnostizieren. Hinweise für eine relevante Konzentrationsstörung oder
Gedächtnisstörungen hätten sich bei der Untersuchung nicht gefunden. Aufgrund der
Empfindsamkeit und der Dünnhäutigkeit seien schwere körperliche Arbeiten sowie
Nachtschichtarbeit zu vermeiden. Leichte bis mittelschwere Arbeiten, wie die bisherige
Tätigkeit in einer Wäscherei, seien aus psychiatrischer Sicht zu 100% zumutbar und
auch retrospektiv ergebe sich keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 86-55).
Diese einleuchtenden gutachterlichen Schlussfolgerungen sind entgegen der Ansicht
der Beschwerdeführerin durch die Einschätzung von med. pract. D._ nicht in Frage
zu stellen, weil die behandelnde Psychiaterin selbst die Ausführungen des
begutachtenden Psychiaters als nachvollziehbar beurteilt und sie darüber hinaus
ebenfalls die Schwindelproblematik als im Vordergrund stehend erachtet hat (vgl. IV-
act. 97-3 f.).
2.4
2.4.1 Hinsichtlich der Schwindelproblematik hat die neurologische Gutachterin
festgehalten, dass es bei der Untersuchung zu keinen Ausfällen gekommen sei. Beim
Hinlegen habe die Beschwerdeführerin subjektiv einen Schwindelanfall erlitten, wobei
bei immer offenen Augen kein Nystagmus habe festgestellt werden können. Die für die
Beschwerdeführerin beeinträchtigenden Schwindelsensationen seien schwierig zu
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interpretieren. Die Anamnese sei ziemlich verschwommen und die Beschwerdeführerin
habe auch immer wieder Angst vor diesen Schwindelattacken geäussert. Die
neurologische Sachverständige hat plausibel angeführt, ohne wirklich typische
Anamnese und ohne fassbares Korrelat sei in neurologischer Hinsicht davon
auszugehen, dass diagnostisch in hoch wahrscheinlicher Weise ein phobischer
Schwankschwindel vorliege. Eine differenzialdiagnostisch in Erwägung gezogene
Migraine cervicale oder Vestibularismigräne sei ebenfalls schwierig zu etablieren, da
eine solche kaum allein mit Primperan kupiert werden könne. Auch die tägliche Relpax-
Einnahme sei sicher wirkungslos und insgesamt kontraindiziert, wenn nicht gar die
Beschwerden triggernd. Somit könne aus neurologischer Sicht der geäusserte
Verdacht auf eine vestibuläre Migräne eher nicht bestätigt werden. Auch hätte eine
solche Diagnose abgesehen von maximal tageweisen Arbeitsausfällen keine
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Eine somatische Genese könne unter
Berücksichtigung der Anamnese und des nach wie vor normalen neurologischen
Status fallen gelassen werden. Auch das normale Kernspintomogramm des Schädels
spreche dagegen. Von neurologischer Seite her sei keine Einschränkung des
Belastungsprofils angezeigt; es bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in allen
Tätigkeiten (IV-act. 86-29 ff.).
2.4.2 Der orthopädische Gutachter hielt betreffend die Schwindelproblematik fest,
dass im Rahmen der aktuellen Abklärung keine Schwindelattacken und keine
Beeinträchtigungen der Geh- und Stehfähigkeit hätten beobachtet werden können. Die
Schwindelattacken seien orthopädisch nicht erklärbar. Aufgrund der normalen
orthopädischen-klinischen Befunde könne die Auffassung von Dr. E._, welcher die
Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit aufgrund der subjektiv beklagten nicht
vestibulären Schwindelattacken nicht für möglich halte, nicht geteilt werden. Da die
Schwindelattacken orthopädisch nicht zugeordnet werden könnten, ergäben sich
weder in der bisherigen noch in leidensadaptierten Tätigkeiten orthopädisch
begründete Beeinträchtigungen und es bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (IV-act.
86-38 f.).
2.4.3 Schliesslich hat auch die otoneurologische Gutachterin keine fassbare
Pathologie im peripher vestibulären Bereich feststellen können. Sie hat im
Wesentlichen festgehalten, dass ein Morbus Menière, ein Ausfall des Vestibularorgans
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und eine Otolithenaffektion ausgeschlossen werden könne, sodass sich im
Fachbereich der ORL eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ergebe (IV-act. 86-58 f.).
2.4.4 Insgesamt haben die von der Beschwerdeführerin beklagten
Schwindelbeschwerden bei umfassender somatischer und psychiatrischer
Begutachtung nicht objektiviert werden können. Im Übrigen lässt sich die
Schwindelsymptomatik auch durch die Aussage von der Hausärztin C._, welche die
Beschwerdeführerin „mehrmals in solchen Situationen gesehen“ haben will, nicht
überwiegend wahrscheinlich objektivieren, zumal aus dem Bericht der Hausärztin nicht
klar hervorgeht, ob sich ihre Beobachtungen auf den Schwindel an sich oder auf die
ebenfalls genannten Übelkeitsattacken bezogen haben (vgl. act. G 1.1.3). Schliesslich
wäre selbst bei Vorliegen einer vestibulären Migräne – welche als Verdachtsdiagnose
von den Gutachtern nicht hat bestätigt werden können – von maximal tageweisen
Arbeitsausfällen alle paar Wochen ohne relevante Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auszugehen (vgl. E. 2.5.1). Zusammenfassend hat damit trotz umfassender
Abklärungen nicht belegt werden können, dass die von der Beschwerdeführerin
geklagten Schwindelbeschwerden einen Einfluss auf ihre Arbeitsfähigkeit haben. Damit
liegt eine objektive Beweislosigkeit vor, deren Nachteil die Beschwerdeführerin zu
tragen hat.
2.5 Soweit die Beschwerdeführerin vorgebracht hat, das Gutachten beruhe auf einer
veralteten Rechtsprechung, ist ihr – und dem RAD (vgl. IV-act. 87) – entgegenzuhalten,
dass weder in psychiatrischer Hinsicht (vgl. E. 2.3) noch im Zusammenhang mit den
Schwindelbeschwerden (vgl. E. 2.4) eine sog. „Päusobonog“-Diagnose gestellt worden
ist. Damit hat gar kein Anwendungsfall der (alten) „Päusbonog“-Praxis vorgelegen und
die im BGE 141 V 281 erfolgte Praxisänderung respektive die Aufgabe der
„Päusbonog“-Praxis ist demnach für den vorliegenden Fall irrelevant gewesen. Falls die
Beschwerdeführerin mit ihrer Rüge der veralteten Rechtsprechung die geänderte
Depressionspraxis des Bundesgerichtes angesprochen hat, ist sie bereits deshalb
nicht zu hören, weil keine arbeitsfähigkeitsrelevante Depression diagnostiziert worden
ist. Der Beweiswert des Gutachtens wird entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
durch die Rechtsprechungsänderungen somit nicht tangiert. Der Vollständigkeit halber
ist darauf hinzuweisen, dass medizinische Gutachten, die noch nach alter Praxis des
Bundesgerichts eingeholt wurden, nicht per se ihren Beweiswert verlieren. Ein nach
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alter Praxis des Bundesgerichts erstattetes Gutachten führt damit nicht zwangsläufig
zu einer neuen Begutachtung oder anderen abklärungsrechtlichen Weiterungen (vgl.
Urteil des Bundesgerichts vom 18. Mai 2017, 8C_842/2016, E. 5.2.1 mit Hinweisen).
3.
3.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die Sachverständigen entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin mit den von ihr geklagten Beschwerden umfassend
auseinandergesetzt und das Fehlen von Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
schlüssig begründet haben. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass sich entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin – und offenbar auch ihrer Hausärztin (vgl. act. G 1.1.3)
– aus dem Gutachten mit keinem Wort ergibt, dass die Sachverständigen der
Beschwerdeführerin ein simulierendes oder gar aggravierendes Verhalten vorgeworfen
hätten. Im Gegenteil haben die Gutachter den subjektiven Beschwerden der
Beschwerdeführerin objektiv Rechnung getragen, als sie in ihrer interdisziplinären
Konsensbeurteilung zum Schluss gekommen sind, dass unter Berücksichtigung der
subjektiv vorhandenen Schwindelgefühle und aus psychiatrischer Sicht lediglich eine
leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne extreme Körperbewegungen und ohne
Nachtschichtarbeit möglich sei (IV-act. 86-19). Dies steht an sich im Widerspruch zu
ihrer (überzeugenden) Einschätzung, wonach bei einem Fehlen von die Arbeitsfähigkeit
einschränkenden Diagnosen in allen Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe.
Dieses „Entgegenkommen“ der Gutachter vermag aus rechtlicher Sicht nicht zu
überzeugen, spielt aber vorliegend keine entscheidwesentliche Rolle, weil die
Beschwerdeführerin in einer ihren subjektiven Beschwerden angepassten Tätigkeit bei
der attestierten vollen Arbeitsfähigkeit in der Lage ist, ein rentenausschliessendes
Einkommen zu erzielen (vgl. nachfolgende E. 4).
3.2 Nachdem der Sachverhalt als umfassend abgeklärt zu erachten und von weiteren
medizinischen Abklärungen keine verlässlichere Arbeitsfähigkeitsschätzung zu
erwarten ist, ist dem Antrag der Beschwerdeführerin, es sei eine neutrale Oberexpertise
in Auftrag zu geben, nicht stattzugeben (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 122 V
157, E. 1d).
4.
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4.1 Zusammenfassend ist mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Eröffnung
der angefochtenen Verfügung (zumindest) in einer leidensangepassten Tätigkeit voll
arbeitsfähig gewesen ist. Die Beschwerdeführerin war seit Jahren in der Abpackerei
und damit als Hilfsarbeiterin tätig. Dabei ist davon auszugehen, dass sie bei fiktiv
erhaltener Gesundheit weiterhin eine solche durchschnittlich entlöhnte
Hilfsarbeitertätigkeit ausgeführt hätte. Der Beschwerdeführerin kann die Verrichtung
einer adaptierten Hilfsarbeit ohne Weiteres zugemutet werden. Damit erübrigt sich
denn auch eine nähere Auseinandersetzung mit dem Arbeitsplatzprofil der
Verpackungstätigkeit und auf den beantragten Augenschein am ehemaligen Arbeitsort
kann ebenfalls verzichtet werden.
4.2 Da somit sowohl hinsichtlich des (hypothetischen) Valideneinkommens als auch
bezüglich des Invalideneinkommens derselbe Tätigkeitsbereich zugrundegelegt werden
kann (Hilfsarbeitertätigkeiten), ist für das Valideneinkommen und für den
Ausgangspunkt zur Bestimmung des Invalideneinkommens vom selben Wert
auszugehen. Sind die beiden Einkommen ausgehend vom selben Lohn zu berechnen,
erübrigt sich deren genaue Ermittlung und es rechtfertigt sich ein sog.
Prozentvergleich. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung des Abzuges vom Tabellenlohn.
Ein solcher Tabellenlohnabzug ist vorliegend nicht zu berücksichtigen, denn es sind
keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin in einer ideal
angepassten Tätigkeit betriebswirtschaftlich-ökonomisch gesehen nur noch eine
unterdurchschnittliche Arbeitsleistung erbringen könnte und deshalb einen
unterdurchschnittlichen Lohn erhielte. Damit entspricht das zumutbarerweise erzielbare
Invalideneinkommen dem Valideneinkommen, womit keine Erwerbseinbusse vorliegt.
Die Beschwerdeführerin hat somit keinen Anspruch auf eine Invalidenrente. Die
angefochtene Verfügung erweist sich deshalb als rechtens.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen.
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St.Galler Gerichte
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint
in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des
Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihr geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 600.--
gedeckt. Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch
auf eine Parteientschädigung.