Decision ID: daa5072b-1f9c-51b3-9bcc-027d7258fa6e
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Die X._ AG importiert unter anderem «[das Produkt
A._]» aus der EU in die Schweiz, verarbeitet [es] hier und exportiert
[es] dann wieder nach Deutschland. Am 11. Juli 2016 stellte sie bei der
Eidgenössischen Zollverwaltung, Oberzolldirektion (OZD, nachfolgend
auch: Vorinstanz), einen Antrag auf Bewilligung des Verfahrens der aktiven
Lohn-Veredelung im Nichterhebungsverfahren. Als Frist für die Ausfuhr der
Veredelungserzeugnisse gab die X._ AG 2 Monate ab Einfuhr an.
Die OZD bewilligte den Antrag am 13. Juli 2016, wobei sie eine Ausfuhrfrist
von 3 Monaten seit der betreffenden Einfuhr und eine Abrechnungsfrist von
60 Tagen nach Ablauf der Ausfuhrfrist festlegte. Unter anderem wurde fest-
gehalten: «Wird eine dieser Fristen versäumt, werden die Abgaben zuzüg-
lich Verzugszinsen fällig». Die Bewilligung war mit einer Rechtsmittelbeleh-
rung versehen, wobei festgehalten wurde, dass es sich bei der Bewilligung
um eine Verfügung handle.
A.b In der Folge erneuerte die OZD die Bewilligung – unter einer neuen
Nummer – jeweils auf Antrag der X._ AG. Am 30. Mai 2018 erteilte
sie die Bewilligung Nr. ***1 mit Geltungsdauer für Einfuhren bis zum 31. Juli
2019. Betreffend den Inhalt wird im Übrigen auf das zuvor Festgehaltene
verwiesen (Bst. A.a).
A.c Gestützt auf diese Bewilligung tätigte die X._ AG folgende Ein-
und Ausfuhren (Angaben gemäss Veranlagungsverfügungen):
Veranlagungsverfügung Datum Einfuhr Ausfuhrfrist
[...] 13.09.2018 13.12.2018
[diverse] [...] [...]
[...] 11.12.2018 11.03.2019
B.
Am 4. Juli 2019 (recte wohl: 4. Juni 2019; Eingang bei der OZD am 11. Juni
2019) reichte die X._ AG einen Abrechnungsantrag für die Ein- und
Ausfuhren zwischen dem 20. Oktober 2018 und dem 18. Dezember 2018
ein.
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C.
Mit Verfügung vom 10. Oktober 2019 erhob die Eidgenössische Zollverwal-
tung (EZV) bei der X._ AG Fr. 11'723.70 an Einfuhrabgaben. Sie
begründete dies damit, dass die X._ AG gemäss der Bewilligung
Nr. ***1 «[das Produkt A._]» im Nichterhebungsverfahren einführen
dürfe. Für die Wiederausfuhr des eingeführten Rohstoffes sei eine Frist von
3 Monaten eingeräumt worden. Die Abrechnung über diesen Veredelungs-
verkehr sei spätestens 60 Tage nach Ablauf dieser Frist bei der überwa-
chenden Stelle einzureichen. Es seien mehrere, in der Verfügung genannte
Abrechnungsfristen verfallen. Die bei der Einfuhr bedingt nicht erhobenen
Abgaben würden somit definitiv fällig.
D.
D.a Am 1. November 2019 stellte die X._ AG diese Verfügung be-
treffend bei der EZV ein Wiedererwägungsgesuch. Hier hielt sie nun fest,
dass die Einfuhren im Zeitraum vom 13. September 2018 bis zum 11. De-
zember 2018 stattgefunden hätten (wie hier in Bst. A.c festgehalten).
D.b Die EZV bestätigte am 6. November 2019 den Eingang des Wiederer-
wägungsgesuchs und machte die X._ AG darauf aufmerksam, dass
das Wiedererwägungsgesuch die noch laufende Beschwerdefrist nicht
hemme.
D.c Am 5. Dezember 2019 trat die EZV nicht auf das Wiedererwägungs-
gesuch ein.
E.
Währenddessen hatte die X._ AG (nachfolgend: Beschwerdeführe-
rin) die Verfügung der EZV vom 10. Oktober 2019 am 20. November 2019
mit Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten. Sie bean-
tragt sinngemäss, die angefochtene Verfügung unter Kostenfolge zulasten
der Vorinstanz aufzuheben. Zur Begründung bringt sie sinngemäss vor, die
Wiederausfuhren hätten nachweislich rechtzeitig, im Zeitraum vom 13. De-
zember 2018 bis 11. März 2019, stattgefunden. Die Abrechnungen seien
jedoch nach den jeweiligen Abrechnungsfristen – (unter Berücksichtigung
des Friststillstands) 27. Februar 2019 bis 27. Mai 2019 –, nämlich am
11. Juni 2019 bei der EZV eingetroffen. Die Auslegung von Art. 59 Abs. 4
des Zollgesetzes vom 18. März 2005 (ZG, SR 631.0) lasse einen anderen
Schluss zu als jenen, den die Vorinstanz ziehe. Die Beschwerdeführerin
zitiert Art. 59 Abs. 4 ZG, wonach die Einfuhrzollabgaben fällig würden,
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wenn das Verfahren der aktiven Veredelung nicht ordnungsgemäss abge-
schlossen werde. Dies gelte – immer gemäss Art. 59 Abs. 4 ZG – nicht,
wenn die veredelten Waren innerhalb der festgesetzten Frist nachweislich
ausgeführt worden seien. Das entsprechende Gesuch sei dann innerhalb
von 60 Tagen nach Ablauf der festgesetzten Frist zu stellen. Diese Bestim-
mung spreche von «festgesetzten» Fristen, ohne diese namentlich zu er-
wähnen. Die Waren seien innerhalb der festgesetzten Frist wieder ausge-
führt worden. Das entsprechende Gesuch müsse nun 60 Tage nach Ablauf
der festgesetzten Frist erfolgen, wobei in diesem Fall, da im Zollgesetz
nicht genauer definiert, von der Abrechnungsfrist, welche ebenfalls eine
festgesetzte Frist sei, auszugehen sei. Mit dem verspäteten Einreichen der
Abrechnung anfangs Juli (gemäss EZV recte: Juni) 2019 sei diese Frist
eingehalten worden. Es würde nämlich jeder Logik widersprechen, wenn
der Gesetzgeber eine Frist zur Nacheinreichung zuliesse, obwohl diese, in
diesem Fall die Abrechnungsfrist, gar nicht verwirkt sei. Vielmehr habe der
Gesetzgeber damit darlegen wollen, dass es sozusagen eine zweite Frist
gebe, da beim Verfahren der aktiven Veredelung und der nachgewiesener-
massen fristgerechten Wiederausfuhr der veredelten Erzeugnisse über-
haupt keine Abgaben für die Eidgenossenschaft gefährdet seien. Sonst
käme der Staat in den Genuss von Zollabgaben, welche ihm nicht zustün-
den und es entstehe für die Zollverwaltung eine ungerechtfertigte Berei-
cherung. Vorliegend spreche zumindest das teleologische Element gegen
eine grammatikalische Auslegung, wonach in beiden Sätzen von Art. 59
Abs. 4 ZG dieselbe festgesetzte Frist gemeint sei. Das Verfahren gelte als
ordnungsgemäss abgeschlossen, wenn die Auflagen der Bewilligung ein-
gehalten seien. Im Umkehrschluss liege erst bei Nichteinhaltung der Aufla-
gen der Bewilligung ein nicht ordnungsgemässer Abschluss vor. Die ein-
zige Auflage, die vorliegend nicht gemäss der erteilten Bewilligung einge-
halten worden sei, sei die Abrechnungsfrist. Dass der Abrechnungsantrag
ebenfalls noch Teil des Verfahrens sei, ergebe sich auch aus der Richtlinie
der EZV 10-70 «Aktive Veredelung» Ziff. 7.4.1.2. Mithin müsse der Sache
nach erst der Ablauf der Abrechnungsfrist abgewartet werden, bevor ein
Gesuch im oben genannten Sinne überhaupt gestellt werden könne. Erst
danach ergebe sich überhaupt die Notwendigkeit eines solchen Gesuchs.
Andernfalls würde die Möglichkeit eines Gesuchs keinen Anwendungsbe-
reich besitzen. Eventualiter werde beantragt, unter Berücksichtigung des
Gebots der Gleichbehandlung zumindest für diese Gesuchsmöglichkeit die
Ausfuhrfrist auf 12 Monate auszudehnen. Die neue Bewilligung enthalte
eine Ausfuhrfrist von 12 Monaten. Die Beschwerdeführerin bezieht sich auf
BGE 143 II 646.
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Seite 5
F.
In ihrer Vernehmlassung vom 20. Dezember 2019 beantragt die EZV die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde. Sie begründet dies insbeson-
dere damit, die Beschwerdeführerin habe antragsgemäss eine Bewilligung
für das Verfahren der aktiven Lohnveredelung erhalten. Die Beschwerde-
führerin selber sei von einer Dauer von zwei Monaten für den Veredelungs-
verkehr ausgegangen, während sie (die Vorinstanz) ihr eine Ausfuhrfrist
von drei Monaten bewilligt habe. In der – später mehrfach erneuerten – Be-
willigung sei jeweils auch die Abrechnungsfrist von 60 Tagen genannt wor-
den, andernfalls die Abgaben fällig würden. Da die Bewilligungen nicht an-
gefochten worden seien, habe die Beschwerdeführerin die darin enthalte-
nen Auflagen akzeptiert. Vorbringen gegen diese Auflagen könnten später
nicht mehr mit Erfolg vorgebracht werden. Die Beschwerdeführerin habe
den Abrechnungsantrag am 4. Juni 2019 und damit nach Ablauf der 60-
tägigen Abrechnungsfrist, welche am 27. Mai 2019 geendet habe, einge-
reicht. Dabei habe sie (die Vorinstanz) sogar den Friststillstand nach
Art. 22a des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwal-
tungsverfahren (VwVG, SR 172.021) berücksichtigt, obwohl das VwVG im
Zollveranlagungsverfahren gemäss Art. 3 Bst. e VwVG keine Anwendung
finde. Damit sei zumindest eine der in der Bewilligung festgehaltenen Auf-
lagen nicht eingehalten und das Verfahren der aktiven Veredelung nicht
ordnungsgemäss abgeschlossen worden. Die Abgaben seien demnach
schon wegen der verspäteten Einreichung des Abrechnungsantrages fällig
geworden. Anders als im von der Beschwerdeführerin genannten Urteil sei
vorliegend nicht die Ausfuhrveranlagung strittig, sondern der verspätete
Abrechnungsantrag. Im Übrigen gehe weder aus den gesetzlichen Bestim-
mungen zum Veredelungsverkehr noch der Botschaft vom 15. Dezember
2003 über ein neues Zollgesetz (BBl 2004 567) ein Anspruch hervor, dass
für jede Art von Verfahrensversäumnis eine Heilungsmöglichkeit bestehen
solle.
Auf die weiteren Ausführungen in den Eingaben der Verfahrensbeteiligten
sowie die Akten wird – sofern dies für den Entscheid wesentlich ist – im
Rahmen der folgenden Erwägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht beurteilt Beschwerden gegen Verfü-
gungen nach Art. 5 VwVG, sofern keine Ausnahme nach Art. 32 des Bun-
desgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundesverwaltungsgericht
(VGG, SR 173.32) gegeben ist (Art. 31 VGG). Eine solche Ausnahme liegt
nicht vor. Der angefochtene Entscheid ist eine Verfügung im Sinne von
Art. 5 VwVG. Die OZD ist zudem eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts (vgl. Art. 33 VGG). Dieses ist daher für die Beurteilung der vorlie-
genden Beschwerde zuständig (vgl. auch Art. 116 Abs. 4 ZG). Das Verfah-
ren richtet sich – soweit das VGG nichts anderes bestimmt – nach den Vor-
schriften des VwVG (Art. 37 VGG).
1.2 Die Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheids,
hat am vorinstanzlichen Verfahren teilgenommen und ist durch die Veran-
lagungsverfügung vom 10. Oktober 2019 beschwert. Sie ist zur Beschwer-
deerhebung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Die Beschwerde wurde
form- und fristgerecht eingereicht (Art. 50 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1
VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
1.3 Das Bundesverwaltungsgericht kann die angefochtene Verfügung in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
Im Beschwerdeverfahren gelten die Untersuchungsmaxime, wonach der
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen ist, und der Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen (Art. 62 Abs. 4 VwVG; ANDRÉ MO-
SER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bun-
desverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.49 ff.; PIERRE MOOR/ETIENNE
POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl. 2011, S. 292 ff., 300 f., 820 f.,
Ziff. 2.2.6.3, 2.2.6.5 und 5.8.3.5).
2.
2.1 Waren, die ins Zollgebiet oder aus dem Zollgebiet verbracht werden,
sind grundsätzlich zollpflichtig und müssen nach dem ZG sowie nach dem
Zolltarifgesetz vom 9. Oktober 1986 (ZTG, SR 632.10) veranlagt werden
(Art. 7 ZG). Ebenso unterliegt die Einfuhr von Gegenständen grundsätzlich
der Einfuhrsteuer (Art. 50 ff. des Bundesgesetzes vom 12. Juni 2009 über
die Mehrwertsteuer [MWSTG, SR 641.20]). Vorbehalten bleiben Zoll- und
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Steuerbefreiungen bzw. -erleichterungen, die sich aus besonderen Bestim-
mungen von Gesetzen und Verordnungen oder Staatsverträgen ergeben
(vgl. Art. 2 Abs. 1 und Art. 8 ff. ZG; Art. 1 Abs. 2 ZTG; Art. 53 MWSTG).
2.2
2.2.1 Für Waren, welche zur Bearbeitung, Verarbeitung oder Ausbesse-
rung vorübergehend ins Zollgebiet verbracht werden, gewährt die EZV im
Rahmen des Zollverfahrens der aktiven Veredelung eine Zollermässigung
oder Zollbefreiung, sofern keine überwiegenden öffentlichen Interessen
entgegenstehen (vgl. Art. 12 Abs. 1 ZG). Die entsprechenden Einfuhren
sind auch von der Einfuhrsteuer befreit (vgl. Art. 53 Abs. 1 Bst. i MWSTG).
Art. 59 ZG regelt das Verfahren der aktiven Veredelung genauer. Weitere
Bestimmungen sind den Art. 165 ff. der Zollverordnung vom 1. November
2006 (ZV, SR 631.01) zu entnehmen.
2.2.2 Wer das Verfahren der aktiven Veredelung beanspruchen will, bedarf
dafür einer Bewilligung der EZV (Art. 59 Abs. 2 ZG). Die Bewilligung wird
von der EZV namentlich erteilt, wenn die in Art. 165 ZV genannten Voraus-
setzungen erfüllt sind. Die Bewilligung kann mit Auflagen verbunden und
mengenmässig und zeitlich beschränkt werden (Art. 59 Abs. 2 ZG). So ent-
hält sie gemäss Art. 166 Bst. h ZV unter anderem «Auflagen, namentlich
Fristen für die Ausfuhr der Veredelungserzeugnisse und für den Abschluss
des Verfahrens der aktiven Veredelung, materielle Kontroll- und Verfah-
rensvorschriften sowie formelle Verfahrensvorschriften». Die Einhaltung
dieser individuellen Vorschriften der EZV ist Grundvoraussetzung für den
Abschluss des Veredelungsverfahrens und die entsprechende Zollermäs-
sigung oder -befreiung (Urteile des BVGer A-6635/2018 vom 7. Januar
2020 E. 3.2.2, A-7140/2017 vom 21. November 2018 E. 2.2.2,
A-8109/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 2.2, A-510/2011 et al. vom 14. Au-
gust 2012 E. 2.4; IVO GUT, in: Kocher/Clavadetscher [Hrsg.], Stämpflis
Handkommentar zum Zollgesetz [ZG], 2009 [nachfolgend: Zollkommentar],
Art. 59 N. 4).
Mit der Erteilung der Bewilligung wird das im Rahmen der aktiven Verede-
lung anzuwendende Verfahren (Art. 59 Abs. 2 ZG i.V.m. Art. 166 Bst. a ZV)
bestimmt: In der Regel werden die Einfuhrzollabgaben im sogenannten
Nichterhebungsverfahren mit bedingter Zahlungspflicht veranlagt (Art. 59
Abs. 3 Bst. a ZG i.V.m. Art. 167 ZV). Das heisst, die Erhebung der Zollab-
gaben wird bei der Einfuhr bedingt ausgesetzt.
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Wird die Verfügung, mit welcher die Bewilligung erteilt wird, nicht angefoch-
ten, erwächst sie mitsamt den darin aufgeführten Auflagen in formelle
Rechtskraft. Der Verfügungsadressat hat damit die entsprechenden Aufla-
gen akzeptiert und in der Folge auch einzuhalten. Vorbringen gegen die in
der Bewilligung enthaltenen Auflagen sind mittels Beschwerde gegen die
erteilte Bewilligung zu erheben und können später im Abgabeerhebungs-
verfahren nicht mehr mit Erfolg vorgebracht werden (Urteile des BVGer
A-6635/2018 vom 7. Januar 2020 E. 3.2.2, A-7140/2017 vom 21. Novem-
ber 2018 E. 2.2.2, A-8109/2015 vom 18. Oktober 2016 E. 2.2, A-510/2011
vom 14. August 2012 E. 2.4).
2.2.3 Die bedingt ausgesetzten Zollabgaben werden nicht fällig, wenn das
Verfahren der aktiven Veredelung ordnungsgemäss abgeschlossen wird.
Dies ist dann der Fall, wenn der Bewilligungsinhaber die in der Bewilligung
festgehaltenen Auflagen eingehalten hat (Art. 168 Abs. 1 ZV). Gemäss
Art. 168 Abs. 2 ZV muss der Bewilligungsinhaber (für einen ordnungsge-
mässen Abschluss des Verfahrens) bei der in der Bewilligung bezeichneten
überwachenden Stelle:
a) innerhalb der vorgeschriebenen Frist das Gesuch um definitive Zollermäs-
sigung oder Zollbefreiung einreichen;
b) in der vorgeschriebenen Art nachweisen, dass die ins Zollgebiet verbrach-
ten Waren oder die im Äquivalenzverkehr verwendeten inländischen Wa-
ren innerhalb der vorgeschriebenen Frist als Veredelungserzeugnisse
wieder ausgeführt worden sind; und
c) die Menge der veredelten Waren und der angefallenen Abfälle oder Ne-
benprodukte unter Vorlage von Rezepturen, Fabrikationsrapporten und
ähnlichen Dokumenten nachweisen.
2.2.4 Werden die Auflagen hingegen nicht eingehalten und wird somit das
Verfahren der aktiven Veredelung nicht ordnungsgemäss abgeschlossen,
fällt im Nichterhebungsverfahren der Suspensiveffekt für die Erhebung der
Einfuhrzollabgaben weg und werden diese fällig. Dies gilt allerdings nicht,
wenn die veredelten Waren innerhalb der festgesetzten (Ausfuhr-)Frist
nachweislich ausgeführt worden sind. Das entsprechende Gesuch ist in-
nerhalb von 60 Tagen nach Ablauf der festgesetzten Frist zu stellen (Art. 59
Abs. 4 ZG; Urteile des BVGer A-6635/2018 vom 7. Januar 2020 E. 3.2.4,
A-7140/2017 vom 21. November 2018 E. 2.2.4, A-8109/2015 vom 18. Ok-
tober 2016 E. 2.3, A-510/2011 vom 14. August 2012 E. 2.6).
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Art. 59 Abs. 4 ZG lautet:
«Wird das Verfahren der aktiven Veredelung nicht ordnungsgemäss abge-
schlossen, so werden die Einfuhrzollabgaben fällig; dies gilt nicht, wenn die
veredelten Waren innerhalb der festgesetzten Frist nachweislich ausgeführt
worden sind. Das entsprechende Gesuch ist innerhalb von 60 Tagen nach Ab-
lauf der festgesetzten Frist zu stellen».
2.3 Das Zollverfahren wird vom Selbstdeklarationsprinzip bestimmt
(Art. 21, 25 und 26 ZG). Derjenige, der Waren ins Zollgebiet verbringt, ver-
bringen lässt oder sie danach übernimmt, hat die Waren unverzüglich und
unverändert der nächstgelegenen Zollstelle zuzuführen (Art. 21 Abs. 1
ZG). Anmeldepflichtig ist unter anderem die zuführungspflichtige Person
(Art. 26 Bst. a ZG). Von den Anmeldepflichtigen wird die vollständige und
richtige Deklaration der Ware gefordert. Hinsichtlich ihrer Sorgfaltspflichten
werden somit hohe Anforderungen gestellt (vgl. Art. 25 ZG; BGE 135 IV
217 E. 2.1.1 und 2.1.3, vgl. BGE 143 II 646 E. 3.3.3; BARBARA SCHMID, in:
Zollkommentar, Art. 18 N. 4). Die Zollpflichtigen haben sich vorweg über
die Zollpflicht sowie die jeweiligen Abfertigungsverfahren zu informieren.
Unterlassen sie dies, haben sie dafür prinzipiell selber die Verantwortung
zu tragen. Insbesondere hat die zollanmeldepflichtige Person selbst das
gewünschte Zollverfahren zu wählen und die Ware entsprechend anzumel-
den (vgl. Art. 47 Abs. 1 ZG). Zu den wählbaren Zollverfahren zählt unter
anderem das Verfahren der aktiven Veredelung (Art. 47 Abs. 2 Bst. e ZG;
zum Ganzen: Urteile des BVGer A-6635/2018 vom 7. Januar 2020 E. 3.3,
A-7140/2017 vom 21. November 2018 E. 2.3, vgl. auch A-6992/2010 vom
12. Juli 2012 E. 3.4).
Mangels anderweitiger Regelung im MWSTG gelten die Mitwirkungs- und
Sorgfaltspflichten des Zollverfahrens auch für die Erhebung der Mehrwert-
steuer auf der Einfuhr von Gegenständen (vgl. Art. 50 MWSTG; siehe dazu
Urteile des BVGer BVGer A-6635/2018 vom 7. Januar 2020 E. 3.3,
A-7140/2017 vom 21. November 2018 E. 2.3).
3.
3.1 Umstritten ist vorliegend einzig, auf welche Frist sich Art. 59 Abs. 4
Satz 2 ZG bezieht («nach Ablauf der festgesetzten Frist»; E. 2.2.4). Die
Vorinstanz hält dafür, dass es sich um die Ausfuhrfrist handelt. Trifft dies
zu, waren die 60 Tage, innerhalb derer gemäss Art. 59 Abs. 4 ZG ein nach-
trägliches Gesuch um definitive Zollbefreiung zu stellen ist, bereits abge-
laufen, als die Beschwerdeführerin ihre Abrechnung einreichte. Die Be-
schwerdeführerin hingegen bringt vor, Art. 59 Abs. 4 Satz 2 ZG müsse sich
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auf die Abrechnungsfrist beziehen, weil sonst der Regelung keine eigen-
ständige Bedeutung zukommen könne. Wenn diese Auffassung zutrifft, wa-
ren zumindest einige der Fristen noch nicht abgelaufen.
3.2 Das Bundesgericht hat diese Frage in BGE 143 II 646 (insb. E. 3.3.6 f.),
auf den die Beschwerdeführerin selbst verweist, entschieden. Es kam zum
Schluss, dass die Ausfuhrfrist gemeint ist. Weder die Abrechnungsfrist
noch das Datum der konkreten Ausfuhr seien relevant.
3.3 Es sind keine Gründe ersichtlich, die ein Abweichen von dieser erst
kürzlich ergangenen höchstrichterlichen Rechtsprechung als notwendig er-
scheinen lassen würden. Insbesondere vermag das Vorbringen der Be-
schwerdeführerin, im konkreten Fall bestehe für Art. 59 Abs. 4 ZG keine
eigenständige Anwendung mehr, nichts daran zu ändern. Mit Hinweis auf
das genannte Urteil des Bundesgerichts erübrigt es sich, auf die weiteren
Vorbringen der Beschwerdeführerin einzugehen.
3.4 Die letzte Ausfuhrfrist für die hier umstrittenen Einfuhren verstrich am
11. März 2019 (Tabelle im Sachverhalt Bst. A.c). Selbst unter Berücksich-
tigung des Friststillstandes lief damit die Frist zur Einreichung eines Ge-
suchs im Sinne von Art. 59 Abs. 4 ZG für diese Ausfuhr am 27. Mai 2019
ab, wie die Vorinstanz zu Recht festhält. Damit muss auf die Frage, ob der
Friststillstand überhaupt zu berücksichtigen wäre, nicht eingegangen wer-
den, weil die Frist auf jeden Fall am 4. Juni 2019 (oder später), als die Be-
schwerdeführerin den Abrechnungsantrag stellte (Sachverhalt Bst. B), ab-
gelaufen war. Ebenfalls nicht zu klären ist daher, wann der Antrag der Post
übergeben wurde. Für früher erfolgte Einfuhren bzw. Wiederausfuhren
wurde die Frist erst recht verpasst.
3.5 Kurz einzugehen bleibt noch auf das Argument der Beschwerdeführe-
rin, die Ausfuhrfrist sei ihr auf 12 Monate zu verlängern, wie dies üblich sei.
Hier ist hingegen mit der Zollverwaltung festzuhalten, dass die Ausfuhrfrist
in der der Beschwerdeführerin erteilten Bewilligung festgesetzt ist und jene
diese Auflage akzeptiert hat (E. 2.2.2, letzter Absatz). Zwar nicht entscheid-
wesentlich, aber dennoch erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang,
dass die Vorinstanz der Beschwerdeführerin gar eine längere Ausfuhrfrist
gewährte, als von dieser beantragt worden war (Sachverhalt Bst. A.a). Aus
dem Umstand, dass eine am 4. November 2019 ausgestellte Bewilligung
eine Ausfuhrfrist von nunmehr 12 Monaten vorsah, kann die Beschwerde-
führerin für den vorliegenden Fall nichts zu ihren Gunsten ableiten, wurde
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Seite 11
doch mit dieser neuen Bewilligung nur ihrem diesbezüglichen Antrag für
die konkrete, in der Bewilligung festgehaltene Zeit stattgegeben.
3.6 Die Beschwerde ist abzuweisen.
4.
4.1 Ausgangsgemäss sind die Verfahrenskosten, die auf Fr. 2'200.-- fest-
zusetzen sind, der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG
i.V.m. Art. 4 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und
Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Der einbezahlte Kostenvorschuss in derselben Höhe ist zur
Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden.
4.2 Der Beschwerdeführerin ist ebenso wie der Vorinstanz keine Parteient-
schädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 Abs. 1
VGKE e contrario und Art. 7 Abs. 3 VGKE).
(Das Dispositiv befindet sich auf der nächsten Seite.)
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