Decision ID: ca0433a4-b93d-5186-9678-3dc0e3fc0954
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1956, Polizeioffizier, war seit 1977 bei der
Y._
tätig, zuletzt als Projektmanager, und in dieser Eigenschaft bei der Unfallversicherung Stadt Zürich (UVZ) obligatorisch gegen die Folgen von Un
fällen versichert, als es am 2
9.
Juli 2009 zwischen ihm und einem Passanten zu einer tätlichen
Auseinandersetzung kam (Unfallmeldung vom 1
8.
August 2009,
Urk.
13/G1;
Urk.
13/G3; Rapport der
Y._
vom 2
9.
Juli 2009
,
Urk.
16/1-3
). Dabei zog sich der Versicherte diverse Verletzungen am Kopf, Hals, an beiden Armen, am linken Bein sowie am Rumpf beziehungsweise Rücken zu (
Urk.
13/M1). Die UVZ trat auf den Schaden ein und g
ewä
hrte die gesetzlichen Leistungen.
1.2
Im März 2011 beauftragte die UVZ
Dr.
med
.
Z._
,
FMH Innere Medi
zin, speziell Rheumatologie, und
Dr.
med.
A._
,
Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer medizinischen Abklärung (
Urk.
13/M17-18). Diese berichteten am 2
7.
April 2011 (
Urk.
13/M22)
bezie
hungswiese
am 1
4.
Mai 2011 (
Urk.
13/M26).
1.3
Mit Verfügung vom
6.
Juni 2011 (
Urk.
13/G8)
und diese bestätigendem
Ein
spracheentscheid
vom
4.
Januar 2011 (richtig: 2012;
Urk.
13
/G15)
verneinte die UVZ ihre Leistungspflicht hinsichtlich der psychischen Beschwerden des Versi
cherten mangels eines natürlichen Kausalzusammenhangs, wobei sie auf die Rückforderung bereits erbrachter Leistungen für
entsprechende
Behandlungen verzichtete. Bezüglich der rezidivierenden
zervikovertebralen
und
lumbover
tebralen
Missempfindungen bejahte sie die natürliche Kausalität und
ihre wei
tere Leistungspflicht.
Mit Urteil vom 2
0.
August 2012 (
Urk.
13/G28) hob das hiesige Gericht den
Ein
spracheentscheid
vom
4.
Januar 2012 auf
. Es bejahte die natürliche Kausalität der psychischen Beschwerden (vgl.
Urk.
13/G28 E. 5.7)
und wies die Sache an die UVZ zurück, damit diese, nach Beurteilung der Adäquanz der psychischen Beschwe
rden
, neu verfüge.
1.4
Mit Verfügung vom 1
8.
Dezember 2012 (
Urk.
13/G29) stellte die UVZ ihre Leis
tungen für psychische Beschwerden per 1
8.
Dezember 2012 ein, wogegen der Versicherte am
1.
Februar 2013 Einsprache erhob (
Urk.
13/G31).
Mit Verfügung vom
3.
Mai 20
12 (
Urk.
13/G22) hatte die UVZ zudem
die Einstellung der Leistungen für somatische Beschwerden per
3.
April 2012
ver
fügt
, wogegen der Versicherte am
6.
Juni 2012 Einsprache erhoben hatte (
Urk.
13/G24).
Mit Entscheid vom 1
8.
Februar 2013 (
Urk.
13/G35 =
Urk.
2) vereinigte die UVZ die beiden
Einspracheverfahren
und wies die Einsprachen ab.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 1
8.
Februar 2013 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte am
8.
April 2013 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben, und es seien ihm weiterhin die gesetzlichen Leistungen insbesondere für die in Anspruch genommenen therapeutischen Massnahmen zu gewähren (
Urk.
1 S.
2).
Die Beschwerdegegnerin schloss m
it Vernehmlassung vom 1
2.
Juni 2013 (
Urk.
1
2)
auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am
1.
Oktober 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
14).
Am 2
5.
November 2013 reichte die Beschwerdegegnerin auf Aufforderung des Gerichts hin (vgl.
Urk.
15) den Polizeirapport der
Y._
vom 2
9.
Juli 2009 (
Urk.
16/1-3) ein.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
10
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Un
fallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG), so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG), so hat sie An
spruch auf eine Invalidenrente (
Art.
18
Abs.
1 UVG).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sin
ne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Um
stände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als einge
treten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entspre
chend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des na
türli
chen Kau
salzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die al
leinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schä
digende Ereignis zu
sammen mit anderen Bedingungen die kör
perliche oder geistige Integrität der versicherten Person beein
trächtigt hat, der Unfall mit an
dern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die ein
getretene
gesund
heitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 406 E. 4.3.1, 123 V 45 E. 2b, 119 V 335 E. 1, 118 V 289 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang be
steht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im
Be
schwerdefall
das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden
Be
weis
würdigung
nach dem im Sozialversicherungsrecht übli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinwei
sen).
1.3
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder über
haupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursachen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (
status
quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (
status
quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr. U 142 S. 75 E. 4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 172/94 vom 2
6.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Ge
sundheitsschadens
muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S. 45; BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
). Da es sich
hiebei
um eine
anspruchs
aufhebende
Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammen
hang gegeben ist - nicht bei der versicherten Person, sondern beim
Unfallversi
cherer
(RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 f. E. 3b, 1992 Nr. U 142 S. 76).
1.4
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die
Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.
5
Für die psychischen Leiden hat die Recht
sprechung verschiedene
Prüfungs
sche
men
entwickelt. Sofern nicht eine psychisch
e Schädigung nach einem
Schreck
ereignis
(BGE
129 V 177; SVR
2008 UV
Nr.
7 S.
22
= U 548/06
), ein Schäd
el-Hirntrauma (BGE 117 V 369 E.
4 mit Verweis auf die Kriterien gemäss BGE 117 V 359), ein Schleudertrauma der Halswirbelsäule ohne organisch nachweisbare Funktionsausfälle oder ein äqui
valenter Ver
le
tzungs
mechanismus (BGE 117 V 359, präzisiert in BGE 134 V 109) vorliegt, hat die Prüfung der Adäquanz nach der Rechtsprechung zu den psychisch
en Fehlentwicklungen gemäss BGE
115 V
133 zu erfolgen. Denn die Recht
s
prechung hat es wiederholt abge
lehnt, be
i psy
chischen Beschwerden auf das
Erfordernis der Adäquanz zu verzichten (BGE 129 V 177 E.
3.3 mit Hinweis; zum Ganzen: Urteil des Bund
esgerichts 8C_506/2007 vom 1
8.
April 2008 E.
3.1).
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische
Ge
sundheitsschädigung
herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versiche
rungs
mässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E.
4b).
Für die Bejahung des adä
quaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinwei
sen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf - folgende Einteilung vorgenommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwe
re Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E.
5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
begründete
die Einstellung ihrer Leistunge
n
im ange
fochtenen Entscheid (
Urk.
2)
damit, dass
bezüglich der somatischen Beschwer
den
gestützt auf die Beurteilung ihres Vertrauensarztes vom Erreichen des
status
quo sine
vel
ante
per
3.
April
2012
auszugehen
sei
(
Ziff.
3
lit
. e-j und
lit
. l)
. In Bezug auf die psychischen Beschwerden sei die Adäquanz
gemäss BGE 115 V 133 bei
bagatellärem
beziehungsweise allenfalls leichtem
Fall im mittleren Be
reich zu verneinen, da kein Kriterium erfüllt
sei
. Sofern die Kriterien der unge
wöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung sowie des Grades und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit als erfüllt betrachtet werden sollten, so
jedenfa
lls nicht in ausgeprägte
r Weise (
Ziff.
3
lit
.
m-q).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber
in seiner Beschwerde (
Urk.
1)
im Wesentlichen
geltend
,
die Beschwerdegegnerin habe den
Untersuchungsgrund
satz
verletzt, da aufgrund des von ihm ins Recht gelegten Privatgutachten
s
vom 1
3.
August 2012
Anlass zu weiteren Abklärungen bezüglich der somatischen Beschwerden, deren Therapiemöglichkeiten und Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit bestanden hätte, die Beschwerdegegnerin aber keine weiteren Abklä
rungen getätigt habe. Noch krasser sei die Missachtung der Abklärungspflicht im Bereich der psychischen Beschwerden. Es sei offensichtlich, dass den psy
chischen Beschwerden eine zentrale Rolle zukomme (S. 19 f.
Ziff.
1.3-6). Der Privatgutachter habe weiterhin unfallkausale körperliche und psychische Beschwerden festgestellt und diesbezüglich weitere
Abklärungen als angezeigt erachtet
sowie
Therapiebedarf gesehen. Das Parteigutachten sei beweistauglich und geeignet, die Beurteilung des Vertrauensarztes stark in Zweifel zu ziehen (S.
21 f.
Ziff.
2.4-5).
D
ie
Prüfung der Adäquanz der psychischen Beschwerden
sei
sodann
zu früh erfolgt, da von weiteren Therapiemassnahmen noch eine Verbesserung des Gesundheitszustands zu erwarten sei (S. 24 f.
Ziff.
4.3-7).
Ab
gesehen davon
wäre im Rahmen der Adäquanzprüfung nach BGE 115 V 133 von einem schweren Unfallereignis oder jedenfalls einem Ereignis im mittleren Bereich mit nahem Bezug zu den schweren Unfallereignissen auszugehen. Von den massgebenden Kriter
ien sei eine Mehrzahl
erfüllt (S. 27 f.
Ziff.
27 ff.
Ziff.
5.5-11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin
ihre
Leistungen zu Recht per
3.
April
beziehungsweise
1
8.
Dezember 2012
eingestellt hat und
in diesem Zusammenhang insbesondere
die
Frage
, ob die noch
vorhandenen
somatischen Beschwerden
des Beschwerdeführers
natürlich kausal
und die psychischen Be
schwerden adäquat kausal
zum Ereignis vom 2
9.
Juli 2009 sind.
3
.
3
.1
Betreffend den organischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
präsen
tiert sich die
medizinische
Aktenlage im Wesentlichen wie folgt:
3
.2
Am 3
0.
Juli 2009 suchte der Beschwerdeführer seinen Hausarzt,
Dr.
med.
B._
,
Facharzt für Allgemeinmedizin, auf, welcher am
2.
November 2009 berichtete (
Urk.
13
/M4). Als Befunde erhob
Dr.
B._
ein blaues geschwollenes Auge rechts, eine etwa 2 x 3 cm grosse Schürfwunde an der rechten Schläfe, eine Weichteilschwellung und Abschürfung am rechten Ohr, Blutspuren am linken Nasenloch, ein fehlendes Stück (etwa 2 mm) am rechten oberen Schneidezahn, geschwollene Lippen, Würgespuren an Hals und Kehl
kopf, ein etwa 2 x 3 cm grosses abgeschürftes Areal am linken Ellbogen, einen schmerzhaften Brustkorb links, Weichteilschwellungen am Rücken in der Höhe vom ersten und zweiten Lendenwirbel, eine etwa 3 x 4 cm grosse Schürfwunde am linken Kniegelenk sowie Weichteilschwellungen am linken Fuss
(S. 1)
.
Dr.
B._
berichtete, am 2
4.
September 2009 seien die Schwellungen und Prellungen weitgehend abgeheilt gewesen. Es habe sich noch eine schmerz
hafte Blockade der
Halswirbelsäule (HWS)
gezeigt. Der Rücken habe dem Beschwerdeführer noch Beschwerden bereitet, er sei aber schon weit mobiler gewesen. Am
6.
Oktober 2009 sei eine weitgehende Schmerzfreiheit der beschriebenen Areale festzustellen gewesen (S. 2).
3
.
3
Am 2
5.
November 2009 berichtete
Dr.
med.
C._
,
Spezialarzt FMH für Neurologie, welcher den Beschwerdeführer am 2
0.
Oktober und am 2
4.
November 2009
untersucht hatte (
Urk.
13
/M6), und nannte folgende Diag
nosen (S. 1):
posttraumatisches
Zervikalsyndrom
mit:
ausgeprägter
spondylogener
Cephalea
subjektiv
radikulärem
Reizsyndrom an den oberen Extremitäten beid
seits
, zur Zeit keine Hinweise für Diskushernie
Trümmel
, wahrscheinlich im Rahmen des
Zervikalsyndroms
posttraumatischer Belastungsstörung
Lumbovertebralsyndrom
mit
radikulärer
Reizsymptomatik rechts
, keine Hinweise für Diskushernie lumbal
wahrscheinlich vegetativer Tremor im Bereich der rechten Hand
Dr.
C._
führte aus
,
d
er Beschwerdeführer habe am
1.
Oktober 2009 seine Arbeit wieder voll aufgenommen, müsse bei starken Beschwerden
aber gele
gentlich früher nach Hause gehen
(S. 2 oben).
Anamnestisch sei es b
eim Ereig
nis vom 2
9.
Juli 2009 zu einem
Zervikalsyndrom
gekommen, welches heute im Wesentlichen nicht gebessert sei.
Objektiv
-
klinisch könne er ein
Zervikalsyn
drom
mit deutlichen Muskelverspannungen, speziell paravertebral, und eine Motilitätseinschränkung, vor allem für Rotation beidseits,
nur bestätigen
. Auf
grund der durchgeführten Magnetresonanztomographien (MRI) der HWS
(
MRI vom 2
6.
Oktober 2009,
vgl.
Urk.
13/M7)
könnten aber
eindeutige posttrauma
tische Veränderungen, insbesondere eine Diskushernie, speziell links, ausge
schlossen werden. Aufgrund der gesamten Befunde
inklusive Elektroenzephalo
graphie
(EEG) könne
auch
ein pathologischer, speziell posttraumatischer Prozess im Bereiche der hinteren Schädelgrube sicher ausgeschlossen werden. Das anamnestisch unveränderte
Lumbovertebralsyndrom
mit
radikulärer
Reizsymp
tomatik
, speziell im rechten Bein, sei bei normalem klinischem Befund und normalem MRI der Lendenwirbe
lsäule (LWS;
MRI vom 2
6.
Oktober 2009,
vgl.
Urk.
13/M7)
ohne Anhaltspunkte für eine lumbale Diskushernie
(S. 3). Der Be
schwerdeführer sei im Rahmen des Möglichen voll arbeitsfähig. Aufgrund der erhöhten Ermüdbarkeit bei längerem Arbeiten am PC sollte er etwas früher Fei
erabend machen
(S. 4 Mitte)
.
3
.4
Dr.
med.
D._
,
Spezialarzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie,
welcher den Beschwerdeführer erstmals am 1
5.
April 2010 untersucht hatte,
berichtete am 2
7.
April 2010 (
Urk.
13
/M9) und nannte als Diagnosen ein Schleudertrauma der
HWS
sowie
eine
somatoforme
Schmerzstörung mit
Angst
störung
.
Klinisch erhob er eine massive Blockierung
der HWS in Höhe C2-4 rechts,
ansonsten
einen
relativ
unauffälligem Befund.
G
rob neurologisch
habe sich
eine massive Innervationsschwäche gezeigt. Die Reflexe seien an beiden
Armen nicht vorhanden gewesen.
Als Therapie empfahl
Dr.
D._
Nerven
blockaden
an der HWS und gegebenenfalls Psychotherapie (S. 1).
3
.5
Am 3
0.
August 2010 berichtete
Dr.
B._
,
nebst körperlichen Beschwer
den habe der Vorfall vom Juli 2009 ein Psychotrauma hinterlassen (
Urk.
13
/M11 Mitte). Der Beschwerdeführer befinde sich noch immer in Schmerzbehandlung und orthopädischer Behandlung
bei
Dr.
D._
und e
r
stelle sich immer noch wegen
multiple
r
HWS- und Gelenkschmerzen im HWS-Facettenbereich mit neurologischen Ausfällen
bei ihm (
Dr.
B._
) vor
. Zudem sei er in regelmässiger psychologischer Behandlung. Es bestehe keine volle Arbeitsfähigkeit
. Eine Reduktion der Arbeitslast sei sicher zu vertreten
(
Urk.
13
/M11 unten).
3
.6
In seinem Bericht vom 1
6.
November 2010 (
Urk.
13/M16)
führte
Dr.
D._
aus,
zusätzlich zur massiven Schmerzsymptomatik, welche sich letztlich zu einem chronischen Schmerzsyndrom entwickelt habe,
seien ein Tinnitus und massive Schlafstörungen aufgetreten. K
linisch sei
en
eine massive Blockierung der HWS mit massiver Bewegungseinschränkung sowie eine massive paravertebrale Druckschmerzhaftigkeit zu erheben. Das Röntgen der HWS vom 2
7.
April 2010 habe in der seitlichen Ebene eine massive Steilstellung der HWS ergeben. Die
Foramen
zeigten eine Einengung. Be
i
maximaler
Extension und Flexion der HWS sei das Treppenphänomen aufgehoben, es bestehe sowohl bei Flexion als auch bei Extension eine massive Bewegungseinschränkung der kleinen
Wirbel
gelenke
. Dies könne noch Folge der entsprechenden Gewaltaktion sein
(S. 1
)
.
Seit dem 2
3.
April 2010 werde der Beschwerdeführer mit Nervenblockaden, Lasertherapie und Akupunkturtherapie behandelt. Damit sei es zu einer wesent
lichen Besserung des Tinnitus gekommen und die Schlafstörungen sowie auch die gesamte Schmerzsymptomatik hätten abgeno
mmen. Aufgrund der
Chroni
fizierung
könne die Therapie noch sechs Monate andauern. Eine begleitende Psychotherapie sei aufgrund eines larvierten Angstsyndroms empfohlen worden
(S. 2).
3
.7
A
m 2
7.
April 2011
erstattete
Dr.
Z._
einen
Konsiliarbericht
im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
13/M22). Er stützte sich auf die ihm zur Verfügung gestellten Akten sowie seine am 1
9.
April
2011 durchgeführte Untersuchung
.
Dr.
Z._
konnte keine
Diagnosen mit Auswirk
ungen a
uf die Arbeitsfähigkeit stellen und nannte folgende
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit
(S. 4 Mitte)
:
rezidivierende
z
ervikovertebrale
und
lumbovertebrale
Missempfindungen
bei
mässig ausgeprägtem Rest-
myofaszialem
Weichteilsyndrom eher
links
betont
parazervikal und Schultergürtelregion mit
referred
pain
-Muster
occipital
und
biparietal
moderaten nicht signifikanten degenerativen Veränderungen zervikal und lumbal mit belastungsabhängigen lumbalen Missempfindungen
ak
t
u
ell
weder
Hinweisen für eine Facettengelenks- noch eine
radiku
läre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik
Dr.
Z._
führte aus,
richtunggebende Veränderungen seien radiologisch nicht dokumentiert. Die Situation habe sich im Verlaufe wesentlich gebessert. A
nläss
lich seiner Untersuchung
habe er
im Segmentspiegel der HWS und auch im Weichteiluntersuch nur noch moderate Befunde gefunden. Die von
Dr.
D._
im November 2010 angegebene massive
Tinnitusproblematik
mit massiver Schmerzsymptomatik könne er nicht mehr finden.
Die persistierenden Be
schwerden seien schwierig einzuordnen. Die degenerativen Veränderungen zer
vikal und vor allem lumbal könnten ähnliche Beschwerden unterhalten. Zusätz
lich ungünstig wirke die anhaltende Belastungssituation mit Blick auf die Drohungen des Täters (S. 4 unten). Er beurteile die unfallbedingte Therapie noch nicht als ausgeschöpft. Die degenerativen Veränderungen seien vorbestehend und könnten auch Beschwerden auslösen. Er sei jedoch der Meinung, dass man dem Beschwerdeführer eine Fortsetzung
der Behandlung anbieten sollte
. Er könne den Vorschlag des Beschwerdeführers, noch bis zum Sommer in die Psy
chotherapie zu gehen, nur unterstützten.
Soweit
Dr.
D._
empfehle, die Be
handlung bei ihm
bis Ende 2011
fortzusetzen, scheine ihm dies
eine sehr lange Behandlungsdauer zu sein, immerhin habe diese vor ein
em Jahr begonnen
.
Der Beschwerdeführer habe sich nach einer
Kraniosakraltherapie
erkundigt. Er (
Dr.
Z._
)
beurteile die Indikation für diese Option als gut und
bei einer wahrscheinlich auch
vegetativen Überlagerung als sinnvoll (S. 5 Mitte).
E
ine
Kraniosakraltherapie
wäre für die Dauer von vier Monaten ausgewiesen. Danach sei die unfallbedingte Therapie ausgeschöpft. I
nsgesamt beurteile er den
s
tatus
quo sine in vier bis fünf Monaten als erreicht. Wie
weit die anhaltende psychi
sche Belastungssituation mit Blick auf die noch offenen Abklärungen bezüglich Täter mit Befragung etc. Einfluss auf den Heilverlauf hätten, könne er nicht quantifizieren, er sei aber der Meinung, dass sie durchaus zu
mindest eine „
Schmerzsensib
ilisierung" unterhalten könne (
S.
5
unten
)
.
3
.8
Am
3.
April 2012 wurde der Beschwerdeführer erneut durch
Dr.
Z._
unter
sucht. Im seinem
Verlaufskonsiliarbericht
vom
4.
April 2012 (
Urk.
13/M28)
nannte
Dr.
Z._
weiterhin
keine Diagnosen mit Auswirkung au
f die Arbeits
fähigkeit
(S. 3 Mitte). Er führte aus, d
er Beschwerdeführer
habe
im vergangenen Jahr unter Fortsetzung der Therapie
mit
Kraniosakraltherapie
eine nochmalige Verbesserung der Symptomatik erfahren
. Als Restbeschwerden bestünden
z
eit
weise auftretende links parazervikal lokalisierte
gering
ausgeprägte
Missemp
findungen als Ausdruck einer diskret ausgeprägten
Weichteildysbalance
sowie konstante und au
s
geprägter auftretende -
bezüglich Beschwerden dominierende
-
tieflumbale Missempfindungen, fortgeleitet in die linke Unterbauch- und Leistenregion au
s
gehend von einer Facettengelenksarthrose L5/S1 im Sinne eines facettengelenksfortgeleiteten Schmerzsyndroms. Hinweise für eine
radi
kuläre
Komponente fehlten (S. 3 unten, S. 4 oben).
Die Ursache der noch vorhandenen, wenn auch sehr gering ausgeprägten,
Weich
teildysbalancen
links parazervikal könne er nicht schlüssig angeben. Sol
che
Dysbalancen
bestünden häufig auch schicksalshaft. Nach bald drei Jahren Therapie bei einem nicht richtunggebenden Ereignis sei eine überwiegend wahrscheinliche Unfallkausalität schwierig zu begründen. Im Bereich der lum
balen Wirbelsäule gehe er von - klinisch reproduzierbaren -
facettengelenks
fortgeleiteten
Missempfindungen ausgehend von einer
Spondylarthrose
L5/S1 aus.
Man
könne von einer vorübergehenden, nicht richtunggebenden Ver
schlimmerung bedi
ngt durch das Ereignis
vom 2
9.
Juli 2009
ausgehen, wobei in den
initialen
Zeugnissen die lumbale Wirbelsäule kaum erwähnt worden sei. Das Schwergewicht habe in der Beschreibung der Beschwerden an der HWS ge
legen, was auch nachvollziehbar sei, habe doch die Kraft direkt auf die HW
S und nicht auf die LWS gewirkt.
D
iese vorübergehende Verschlimmerung könne zum jetzigen Zeitpunkt als
abgeschlossen beurteilt werden. Die
Spondylarthrose
mit einem reproduzierbaren Facettengelenksschmerz sei bedingt durch die de
generative Veränderung. Aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers
mit Erreichen eines Plateaus seit etwa sechs Monaten
könne man
den Endzustand als erreicht beurteilen ohne Aussicht auf eine zusätzlich relevante Verbesserung unter fortgesetzter unfallbedingter Behandlung
. E
ine Option bezüglich
lumbaler Wirbelsäule wäre eine
Facettengelenksinfiltration L5/S1, wobei das Ergebnis offen sei (S. 4)
.
3
.9
Am 1
3.
August 2012 erstattete
Dr.
med.
E._
,
Facharzt FMH Allge
meine Innere Medizin und Arbeitsmedizin,
Institut für Arbeitsmedizin,
einen Bericht im Auftrag des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers (
Urk.
3/18 =
Urk.
13/G27 S. 4 ff.).
Er stützte sich auf die ihm zur Verfügung gestellten Akten sowie seine eingehende Befragung des Beschwerdeführers vom 1
8.
Juni 201
2.
Auf eine körperliche Untersuchung verzichtete er, da er die von
Dr.
Z._
im Bericht vom 2
7.
April 2011 dargelegten Untersuchungsergebnisse als umfassend und detailliert erachtete
(vgl. S. 1 Mitte).
Dr.
E._
nannte fol
gende Diagnosen (S. 7
Ziff.
3):
t
ätliche Attacke
am 2
9.
Juli 20
09 mit nachfolgenden Drohungen mit/bei
Di
storsion
der HWS und LWS mit u.a. Rissquetschwunde Schädel rechts, Pr
ellungen, Würgen mit Verdacht auf nachfolgende Ohnmacht
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
Zahnschaden
Tinnitus
Kontusion Thorax/Ab
domen
Zervikalsyndrom
mit
spondylogener
Cephalea
und passagerem
radiku
lärem
Reizsyndrom der oberen Extremität
Lumbovertebralsyndrom
Dr.
E._
führte aus, er gehe mit der Beurteilung von
Dr
.
Z._
einig
, dass keine rheumatologi
schen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
best
ünden
.
Nicht einig gehe er mit
Dr.
Z._
,
dass die noch bestehenden Be
schwerden nicht mehr unfallkausal seien (S. 8
Mitte
)
.
Im Rahmen seiner Beurteilung der Unfallkausalität führte
Dr.
E._
aus,
d
ie strikte Trennung von Psyche und Soma
mache
aus medizinischer Sicht keinen
Sinn (S. 9). Falls aus psychiatrischer Sicht eine Unfallkausalität
zu bejahen sei
, habe dies auch direkte Folgen für die Kausalität der HWS- und LWS-Beschwer
den, da diese durch die psychischen
Traumafolgen
verstärkt würden (S. 9 unten, S. 10 oben).
Der Vorzustand der HWS sei vor dem Unfall nicht dokumentiert und klinisch stumm. Er gehe daher von einem geringen Vorzustand aus. Im MRI seien mässige degenerative Veränderungen beschrieben ohne eindeutige post
trau
matische Veränderungen. Der Unfall sei seines Erachtens als alleinige Ursache für die aufgetretenen Beschwerden zu betrachten. Der
status
quo ante sei noch nicht erreicht, es bestünden immer noch Beschwerden (zugegebe
n geringe). Er sehe die Definit
ion einer richtunggebenden Verschlimmerung als ge
geben an. Dass es schicksalshaft auch ohne Unfall zu den Beschwerden gekom
men wäre, sei möglich. Er erachte dies jedoch nicht als überwiegend wahrscheinlich aufgrund der Schwere des Unfalles
mit den zu erwartenden hohen Krafteinwirkungen auf die HWS
(S.
10 unten). In Bezug auf die LWS habe vor dem Unfall ein beschwerdefreier Vorzustand bestanden. Der Be
schwerdeführer habe sich uneingeschränkt sportlich betätigen können. Der
Vor
zustand
sei immer noch nicht wiederhergestellt, auch nicht nach diversen The
rapien.
A
us versicherungsmedizinischer Sicht
sei er
der Ansicht, dass der Unfall eine dauernde oder richtunggebende Verschlimmerung zur Folge
gehabt habe. D
er
s
tatus
quo ante werde wohl nie mehr erreicht werden
(S. 11 Mitte).
Auf
grund der Schwere des Unfalles mit
den
seines Erachtens ausreichend grossen Krafteinwirkungen auf die LWS sehe er die Möglichkeit eines schicksalhaften Verlaufes als Ursache für die LWS-Beschwerden als unwahrscheinlich an. Er beurteile die Unfallkausalität der LWS-Beschwerden als überwiegend wahr
scheinlich (S. 11 Mitte).
Im Rahmen seiner vorläufigen Gesamtbeurteilung
bemerkte
Dr.
E._
,
e
s be
stehe der hochgradige Verdacht, dass beim Beschwerdeführer relevante psychi
sche
Traumafolgen
bestünden. Eine
Abklärung durch einen Psychiater mit Spezialkenntnissen in Psychotraumatologie sei dringend erforderlich. Einerseits, um eine korrekte Diagnose zu stellen, andererseits, um die Arbeitsfähigkeit so
wie die Unfallkausalität aus psych
iatrischer Sicht zu beurteilen
(S. 11 unten).
3
.10
In einem weiteren Bericht vom
5.
April
2013 (
Urk.
3/20)
zu
Handen
des Rechts
vertreters des Beschwerdeführers
führte
Dr.
E._
aus, auch vier Jahre nach dem in Frage stehenden Ereignis klage der Beschwerdeführer unverändert über chronische Beschwerden im Bereich der HWS und der LWS. Diese seien derart ausgeprägt, dass er immer wieder von seinem Hausarzt
krankgeschrieben wer
den müsse (S. 2 Mitte). Sodann betonte
Dr.
E._
erneut, dass eine Trennung und separate Beurteilung von körperlichen und psychischen Beschwerden aus medizinischer Sicht keinen Sinn mache. Seines Erachtens stellten im Falle des
Beschwerdeführers der psychische Druck beziehungsweise die psychische Belastung die Hauptursache für die Schmerzunterhaltung/-Persistenz und vor allem auch die deutlich eingeschränkte Arbeitsleistung dar. Eine zusätzliche fachpsychiatrische Beurteilung durch einen
Traumaspezialisten
habe nicht statt
gefunden und damit
sei
die wichtigste medizinische Untersuchung zur Beurtei
lung der Kausalität und Arbeitsfähigkeit unterlassen worden. Mit den bisher vorliegenden Abklärungen könne der Situation des Beschwerdeführers nicht genügend Rechnung getragen werden (S. 2 unten).
4
.
4
.1
Anlässlich der tätlichen Auseinandersetzung
vom Juli 2009
erlitt der Beschwer
deführer gemäss Bericht von
Dr.
B._
vom
November 2009 (vorstehend E. 3
.2) diverse Verletzungen
.
Der Beschwerdeführer machte gestützt auf die Be
urteilungen von
Dr.
E._
vom August 2012 (vorstehend E. 3
.9) und vom
April 2013 (vorstehend E.
3
.10)
geltend, nach wie vor an unfallbedingte
n Beschwer
den zu leiden. Wie sich aus den genannten Berichten von
Dr.
E._
ergibt,
ste
hen
in somatischer Hinsicht HWS- und LWS-Beschwerden
zur Diskussion
.
W
e
itere
unfallbedingte
(somatische) Beschwerden
machte der Beschwerdeführer
nicht geltend
(vgl.
auch S. 14
Ziff.
8.3 der Beschwerdeschrift,
Urk.
1, wo
von
Unfallkaus
a
lität der körperlichen Restbeschwerd
en in der HWS/LWS die Rede ist) und von solchen ist nach Lage der Akten auch nicht auszugehen.
4
.2
Im Rahmen
seiner
Erstu
ntersuchung
im Juli 2009
konnte
der Hausarzt
Dr.
B._
unter anderem
W
ürgespuren an Hals und Kehlkopf
sowie
Weichteilschwellungen am Rücken in der Höhe
des
ersten und zweiten Lenden
wirbel
s
erheben
. Im September 2009 waren die Schwellungen und Prellungen
gemäss
Dr
.
B._
weitgehend abgeheilt, die HWS aber noch schmerzhaft blockiert. Im Oktober 2009 stellte
Dr.
B._
eine weitgehende Schmerz
fre
iheit fest (vgl. vorstehend E. 3
.2).
Im November 2009 schloss der Neurologe
Dr.
C._
posttraumatische Verände
rungen der HWS gestützt auf die Ergebnisse der von ihm veranlassten MRI-Untersuchung der HWS aus. Klinisch erhob er ein
Zervikalsyndrom
mit deut
lichen Muskelverspannungen sowie eine Motilitätseinschränkung. Betreffend die LWS beurteilte er sowohl den klinischen als auch den MRI-Befund als nor
mal und attestierte dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsfähigkeit im Rah
men des Möglichen. Aus dem Bericht von
Dr.
C._
geht sodann hervor
, dass der Beschwerdeführer seine Arbeit
am
1.
Oktober 2009
wieder voll aufgenom
men hatte, wobei er bei starken Beschwerden gelegentlich früher nach Hause ging
(vgl. vorstehend E. 3
.3).
4
.3
Während
Dr.
D._
im
April und November 2010
noch
eine massive Blockie
rung der HWS mit massiver Bewegungseinschränkung sowie eine massive
para
vertebrale
Druckschmerzhaftigkeit
f
est
ge
stellt
hatte
(vgl. vorstehend E. 3.4 und E. 3
.6)
, konnte
Dr.
Z._
anlässlich seiner Untersuchung des Beschwerdefüh
rers im April 2011
nur noch moderate Befunde erheben. Er berichtete
nament
lich
, dass die LWS und die HWS grundsätzlich frei beweglich gewesen seien und der Beschwerdeführer lediglich bei maximaler Flexion der LWS und
Lateralfle
xion
nach links ein Ziehen in der rechten Paralumbalregion angegeben habe (
Urk.
13/M22 S. 3 Mitte).
Dr.
Z._
verneinte das Vorliegen von Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sowie das Vorliegen einer richtunggeben
den Veränderung und
ging dav
on aus, dass der
s
tatus
quo sine in vier bis fünf Monaten erreicht sein werde (vgl. vorstehend
E. 3
.7).
Nach einer neuerlichen Untersuchung des Beschwerdeführers im April 2012,
im Rahmen
welcher eine
weitere Verbesserung der Beschwerdesitu
a
tion festgestellt
und wiederum
ein nur
dezente
r klinischer
Befund
(vgl.
Urk.
13/M28 S. 2 f.
)
erhoben
w
erden konnte
, erachtete
Dr.
Z._
die noch
b
eklagten
Restb
eschwerden als nicht mehr über
wiegend wahrscheinlich unf
allbedingt (vgl. vorstehend E. 3
.8).
4
.4
Dr.
E._
bezeichnete
im August 2012
die von
Dr.
Z._
durchgeführten Unter
suchungen als umfassend und detailliert und ging mit der Beurteilung von
Dr.
Z._
insofern einig, als
auch
er
das Vorliegen von rheumatologischen Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit verneinte
.
Im Gegensatz zu
Dr.
Z._
führte
er die noch vorhandenen Beschwerden im Bereich der HWS und der LWS jedoch
auf das Ereignis vom Juli 2009 zurück
.
Dr.
Z._
begründete seine Einschätzung, wonach das Ereignis vom Juli 2009 weder in Bezug auf die Beschwerden im Bereich der HWS noch in Bezug auf die Beschwerden im Bereich der LWS richtunggebend gewesen sei, in nachvollzieh
barer Weise damit, dass
keine
richtunggebende
n
Veränderungen radiologisch dokumentiert seien. Diese Beurteilung wird
auch durch die
Einschätzung
von
Dr.
C._
gestützt, welcher das Vorliegen eindeutiger posttraumatischer Ver
änderungen gestützt auf die Ergebnisse der Bildgebungen verneinte (vgl. vor
ste
hend E. 3.3).
B
ildgebend
konnten
sowohl zervikal als auch lumbal vorbestehende degenera
tive Ver
änderungen objektiviert werden
, wenn auch nur mässig ausgeprägte.
Bereits im April 2012 wies
Dr.
Z._
darauf hin
, dass diese ähnliche Beschwer
den wie die vom Beschwerdeführer beklagten unterhalten könnten
(vgl. vorste
hend E. 3.7), was plausibel erscheint
.
In seinem Bericht
vom April 2012
(vorste
hend E. 3.8)
legte
Dr.
Z._
schliesslich
in nachvollziehbar begründeter Weise dar, dass die
dannzumal noch vorhandenen
gering ausgeprägten
Restbeschwer
den
im Bereich der HWS als Ausdruck einer diskret ausgeprägten
Weichteil
dysbalance
zu sehen seien und diesbezüglich nach bald drei Jahren Therapie
nicht mehr überw
i
e
gend wahrscheinlich auf eine Unfallkausalität geschlossen werden könne.
Auch seine Beurteilung, wonach das Ereignis vom Juli 2009 in Bezug auf die LWS zu einer vorübergehend
en Verschlimmerung geführt habe
und die nun noch beklagten LWS-Beschwerden auf die
bildgebend ausgewiese
nen
degenerativen Veränderun
gen,
mithin auf den krankhaften Vor
zu
s
tan
d
,
zurückzuführen seien, vermag zu überzeugen, zumal - worauf
Dr.
Z._
zu
treffend hingewiesen hat
-
aufgrund der Schilderungen des Beschwerdeführers zum Ereignis vom Juli 2009
(vgl. Polizeirapport
der
Y._
vom 2
9.
Juli 2009, Einvernahme als Geschädigter,
Urk.
16/2
)
davon auszugehen ist, dass die
von seinem Widersacher im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung ausgeübte
Kraft direkt auf die HWS und nicht auf die LWS gewirkt hat.
Die Beurteilung von
Dr.
Z._
steht schliesslich
auch
im Einklang mit der
bun
desgerichtlichen Rechtsprechung
, wonach grundsätzlich auf den medizinischen Erfahrungssatz abzustellen ist, dass der organische Zustand des Rückens nach Verletzungen wie Prellung
en
, Verstauchung
en
oder Zerrung
en
in der Regel sechs Monate beziehungsweise spätestens nach einem Jahr (bei degenerativen Veränderungen) nach dem Unfall wieder soweit hergestellt ist, wie er es auch dann wäre, wenn der Unfall nicht stattgefunden hätte (Urteil des
Bundesgerichts
U 207/06 vom 2
9.
November 2006 E. 2.2). Mit Blick auf diese Rechtsprechung ist
es gar als grosszügig zu werten, dass
die Beschwerdegegnerin
währ
end fast drei Jahren für die vom Beschwerdeführer
in Anspruch genommenen
Rücken
behandlungen
aufgekommen ist
.
4.5
Dr.
E._
Begründung
für seine Beurteilung,
wonach das Ereignis vom Juli 2009 zu einer richtunggebenden Verschlimmerung sowohl im Bereich der HWS als auch der L
WS geführt habe und wonach der
s
tatus
quo ante noch nicht erreicht sei beziehungsweise wohl nie mehr erreicht werde,
erschöpft sich dem
gegenüber
im Wesentlichen in der Feststellung, dass der Beschwerdeführer vor dem Umfall beschwerdefrei gewesen sei.
D
ie Rechtsfigur „
post
hoc ergo
propter
hoc“, bei der eine Schädigung bereits deshalb als durch einen Unfall verursacht erachtet wird, weil
sie nach diesem aufgetreten ist
, genügt für die Annahme eines Kausalzusammenhangs rechtsprechungsgemäss jedoch nicht (BGE
119 V
335 E. 2b/
bb
).
Sodann lässt auch der Umstand,
dass
Dr.
E._
es nicht als überwiegend wahrscheinlich erachtete, dass die Beschwerden des Beschwerde
führers schicksalhaft auch ohne den Unfall aufgetreten wären,
für sich allein
nicht auf eine
überwiegend wahrscheinliche
Unfallkausalität
der
noch beklagten Beschwerden
schliessen.
Zu bemerken
ist schliesslich
, dass es
aus medizinischer Sicht zutreffen
mag, dass
körperliche und psychische Beschwerden nicht isoliert voneinander be
trachtet werden können und sollen.
Bei der
Beurteilung der (rechtlichen) Frage der Unfallkausalität von nach einem Unfall aufgetretenen Beschwerden ist je
doch eine Unterscheidung zwischen physischen und psychischen Beschwerden
geboten
(vgl. vorstehend E. 1.5).
4.6
Zusammenfassend
ist
festzuhalten, dass die Beurteilung von
Dr.
Z._
entge
gen der vom Beschwerdeführer erhobenen Kritik den praxisge
mässen Kriterien (vgl. vorstehend E
. 1.6) genügt und als taugliche Entsc
heidungsgrundlage zu werten ist, weshalb der Beschwerdegegnerin auch keine Verletzung der
Abklä
rungspflicht
vorgeworfen werden kann.
Die vom Beschwerdeführ
er
angeführte anderslautende Beurteilung durch
Dr.
E._
vermag
aus den dargelegten Grün
den nicht zu überzeugen.
Dies führt zum Schluss, dass die Beschwerdegegnerin in Bezug auf den organi
schen Gesundheitszustand
zu R
echt vom Erreichen des
s
tatus
quo sine
vel
ante per
3.
April 2012
ausgegangen
und ihre
diesbezüglichen
Leistungen zu Recht auf diesen Zeitpunkt hin eingestellt hat.
5
.
5
.1
In seinem in Rechtskraft erwachsene
n
Urteil vom 2
0.
August 2012 (
Urk.
13/G28)
bejahte
das hiesige Gericht in
Würdigung der im Zusammenhang mit den
psychischen Beschwerden aktenkundigen medizinischen Berichte
n
die
natürliche
K
ausalität
der psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers, weshalb von weiteren medizinischen Abklärungen zum psychischen Gesund
heitszusta
nd abgesehen
werden
kann und
auch diesbezüglich der
Unter
su
chungsgrundsatz
durch
die Beschwerde
gegnerin nicht verletzt wurde.
Die Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin
für die psychischen Beschwerden
hängt
letztlich
davon ab, ob die
se
in adäquatem Kausalzusammenhang zum Ereignis vom Juli 2009 stehen.
5
.2
In seinem Bericht vom April 2012 (vorstehend E. 3.8)
gelangte
Dr.
Z._
unter
Verweis
auf die Angaben des Beschwerdeführers, wonach sein Zustand
seit
etwa sechs Monaten stagniere,
zum Schluss,
dass der Endzustand erreicht sei und keine Aussicht auf eine zusätzlich relevante Verbesserung
(des organischen Gesundheitszustands)
bes
tehe
. Diese Beurteilung vermag zu überzeugen,
zumal
der Beschwerdeführer zum damaligen Zeitpunkt bereits während rund drei Jah
ren behandelt
worden war
.
Da von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung
somit
überwiegend wahrscheinlich keine namhafte
Besserung des
organischen
Gesundheit
szustandes mehr zu erwarten
war
, war es entgegen der Auffassung
des Beschwerdeführers
nicht verfrüht, die Adäquanz zu prüfen.
Dass
Dr.
Z._
bezüglich LWS noch die Option einer Facettengel
e
nksinfiltration L5/S1 sah, steht dem nicht entgegen, zumal
Dr.
Z._
deren Ergebnis als offen be
zeich
nete
und
- nachdem wie dargelegt per
3.
April 2012 vom Erreichen des
s
tatus
quo sine
vel
ante auszugehen ist - eine entsprechende Infiltration nicht mehr
zur
Behandlung unfallbedingter Beschwerden
erfolgte
.
5
.3
Die Beurteilung der Adäquanz der psychischen Beschwerden hat - unbestritte
nermassen
(vgl. vorstehend E. 2.1-2)
- nach der Praxis z
u den psychischen Unfallfolgen
(BGE 115 V 133)
zu erfolgen
(vgl. vorstehend E. 1.5)
.
In Bezug auf die in Frage stehende tätliche Auseinandersetzung vom
2
9.
Juli 2009
gab der Beschwerdeführer a
nlässlich der
gleichentags
durchgefüh
rten polizeilichen Einvernahme
sinngemäss an, beobachtet zu haben, wie ein Mann sein auf einem
Parkfeld
parkiertes Auto zerkratzt habe. Als er ihn zur Rede habe stellen wollen und hierzu die Türe des Lieferwagens, in welchen der Mann ein
gestiegen sei, geöffnet habe, ihm seinen Polizeiausweis gezeigt und ihn zum Ausschalten des Motors sowie zum Aussteigen aufgefordert habe, habe ihm dieser noch im Lieferwagen sitzend unvermittelt die rechte Faust ins Gesicht geschlagen. Dann habe er sich vom Fahrersitz auf ihn gestürzt, ihn zu Boden gerissen und dort auf ihn eingeschlagen. Der Mann habe ihn in den Schwitz
kasten genommen und ihm verbal gedroht. Er habe gefühlt, dass sein Leben be
droht sei und wie der Mann ihm die Luft abgedrückt habe. Er habe keine Luft mehr bekommen. Der Mann sei stark gewesen und er habe sich aus eigener
Kraft nicht mehr befreien können, woraufhin er seinen Pfefferspray eingesetzt habe (Polizeirapport der
Y._
vom 2
9.
Juli 2009,
Einvernahme als Geschädigter
,
Urk.
16/2
Ziff.
2,
Ziff.
17-19).
Dieser Sachverhalt ist unter den Parteien
grundsätzlich
unbestritten.
In der Rechtsprechu
ng werden tätliche Auseinandersetzungen in der Regel dem eigentlich mittleren Bereich zugeordnet (vgl. die Kasuistik im
Urteil des Bundes
gerichts 8C_893/2012 vom 1
4.
März 2013 E. 4.1
, in welchem Fall ein Mann von drei Jugendlichen verfolgt, gestossen und niedergeschlagen sowie mit Füssen getreten wurde und mehrfach das Bewusstsein verlor).
Namentlich wurde in
einem Fall, in welchem eine Frau beim Spazieren auf der
Strasse
von einem Unbekannten angefallen, geschlagen, zu Boden geworfen und mit Tötungs
absicht gewürgt wurde, bevor der Angreifer durch Passanten überwältigt wer
den konnte, ein mittelschwe
rer Vorfall angenommen (
Urteil des
Bundesgerichts U
215/94 vom 2
1.
Juni 2006 E. 6, in: RKUV 1996 Nr. U 256 S.
215
, zitiert im Urteil des Bundesgerichts
8C_1062/2009
vom 3
1.
August 2010 E.
4.2.1).
Auf
grund des allein massgeblichen augenfälligen Geschehensablaufs
sowie in Anbetracht
der in vergleichbaren F
ällen ergangenen Rechtsprechung
ist
auch d
ie vorliegend in Frage stehende tätliche Auseinandersetzung als mittelschwerer Unfall im mittleren Bereich zu qualifizieren.
Für die vom Beschwerdeführe
r
geltend gemachte höhere Einstufung
besteht kein Raum
.
5
.4
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des
Un
falls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere
ihre
er
fahrungs
gemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
körperliche Dauerschmerzen;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109
E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/
aa
).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genügen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S.
428, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr.
58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie z.B. eine auffallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwierigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes be
ziehungsweise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere
unfallbezo
gene
Kriterien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem
Grenz
bereich
zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren zu be
rücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zu
sammen mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Ver
neinung der Adäquanz (BGE 115 V 133 E. 6c/
bb
, vgl. auch BGE 120 V 352 E.
5b/
aa
; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S.
448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
Bei
mittelschweren
Unfällen im mittleren Bereich wie dem
vorliegenden
kann die
Unfalladäquanz
von psychischen Beschwerden
nur bejaht werden, wenn drei der sieben Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines besonders ausgeprägt vorliegt (
Urteil des Bundesgerichts
8C_9/2010 vom 1
1.
Juni 2010 E. 3.6 mit Hinweis).
Bei der Prüfung der einzelnen Kriterien sind nur die organisch be
dingten Beschwerden zu berücksichtigen, während die psychisch begründete
n Anteile ausgeklammert bleiben
(Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2008 vom 1
8.
März 2008 E. 4.2.2 mit Hinweis
en
).
5
.
5
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklich
keit des Unfalls gegeben sind, beurteilt sich objektiv und nicht auf Grund des subjektiven Empfindens
beziehungsweise des
Angstgefühls der versicherten Person (RKUV
1999 Nr. U 335 S. 207 E. 3b/cc,
erwähntes Urteil U 503/06, E.
7.
1).
Mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer unvermittelt angegriffen und so stark g
ewürgt wurde, dass er keine Luft mehr bekam, kann das Kriterium der besonders dramatischen Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit
(knapp)
als erfüllt betrachtet werden,
dies aber jedenfalls
nicht in besonders ausgeprägter Weise. Denn sämtliche der als mittelschwer qualifizierten Unfälle weisen eine gewisse Eindrücklichkeit auf, sodass allein daraus noch nicht auf eine besondere Ausprägung geschlossen werden kann (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_
15/2013
vom
2
4.
Mai 2013
E. 7.1 mit Hinweis).
Das Kriterium nicht als besonders ausgeprägt erfüllt zu betrachten, rechtfertigt sich sodann insb
e
sondere auch
mit Blick auf das
zitierte Urteil des Bundesgerichts
U 215/94 vom 2
1.
Juni 2006
(vorstehend E. 5.3)
, in welchem die Adäquanz verneint wurde.
Die
erlittene
n
Verletzung
en, wie sie im Bericht von
Dr.
B._
vom Novem
ber 2009 (vorstehend E. 3.2) dokumentiert sind,
erschein
en
nicht als be
sonders schwer oder als erfahrungsgemä
ss geeignet, psychische Fehlent
wick
lungen auszulösen, weshalb dieses Kriterium nicht erfüllt ist.
Das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der physisch bedingten ärztli
chen Behandlung ist
gemäss
der Rechtsprechung zu den psychischen Unfallfol
gen nicht allein nach einem zeitlichen
Massstab
zu beurteilen. Von Bedeutung sind vielmehr auch Art und Intensität der Behandlung sowie der Umstand, inwieweit noch eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erwarten ist. Es muss, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen
Planmäs
sigkeit
auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Be
handlung von ungewöhnlich langer Dauer gegeben sein.
Manualtherapeutische
Massnahmen
zur Erhaltung des Zustandes, (haus)ärztliche Verlaufskontrollen sowie medikamentöse Schmerzbekämpfung allein genü
gen diesen Anforderun
gen nicht
(Urteil
des Bundesgerichts
8C_964/2009 vom 1
9.
Februar 2010 E.
5.2.1 mit Hinweisen)
.
Weiter ist festzuhalten, dass in diversen Fällen, in denen alternativ- bzw. komplementärmedizinische Behandlungen durchgeführt wurden, das Kriterium der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behand
lung nicht als erfüllt angesehen wurde (Urteil
des Bundesgerichts
U
56/07 vom 2
5.
Januar 2008 E. 6.3.1 mit Hinweisen)
.
Die körperlichen Leiden des Beschwer
deführers wurden
initial
analgetisch behandelt (vgl.
Urk.
13/M4 S. 2) und der Beschwerdeführer führte eigenen Angaben zufolge während etwa eines halben Jahres intensive physiotherapeutische Massnahmen durch (vgl.
Urk.
13/M22 S.
2 unten). Ab April 2010 erfolgten Ne
r
venblockaden durch
Dr.
D._
(
Urk.
13/M16 S. 2)
, wobei die Injektionen zunächst einmal wöchentlich und hernach in längeren Abständen erfolgten und schliesslich eingestellt wurden
(vgl.
Urk.
13/M22 S. 2 unten)
. Im Übrigen erschöpfte sich die Behandlung in alternativen Behandlungsmethoden wie Lasertherapie, Akkup
unktur und
Kraniosakraltherapie
sowie gelegentlicher Einnahme von Schmerzmitteln (vgl.
Urk.
13/M16 S. 2 oben,
Urk.
13/M22 S. 3 oben,
Urk.
13/M28 S. 2 Mitte).
Ge
samthaft betrachtet kann bei dieser Sachlage nicht von einer ungewöhnlich
langen
Dauer
der ärztlichen Behandlung
gesprochen werden.
Was das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen anbelangt, so ergibt sich aus den medizinischen Akten, dass die körperlichen Schmerzen
des Beschwer
deführers
im Verl
auf deutlich abgenommen haben. Sodann sind die
weiterhin beklagten Beschwerden
spätestens ab
4.
April 2012 (Erre
ichen des
s
tatus
quo sine) nicht mehr im Zusammenhang mit dem Ereignis vom Juli 2009 zu sehen, sodass - wenn man das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen bejahen wollte - dieses jedenfalls nicht in ausgeprägter Weise erfüllt wäre. Abgesehen
davon ist insbesondere gestützt auf die Beurteilung durch
Dr.
E._
(vgl. vor
stehend E. 3.9-10) davon auszugehen, dass die Rückenbeschwerden massgeblich durch das psychische Leiden mitbestimmt werden
, welches
bei der
Adäquanzbe
urteilung
jedoch nicht
berücksichtigt werden k
ann
.
Für eine ärztliche
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich ver
schlim
mert hätte, liefern die Akten keine Anhaltspunkte, das Kriterium ist nicht erfüllt.
Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten Beschwer
den darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hierzu besonderer Gründe, wel
che die Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand, dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit er
reicht werden kann, genügt allein nicht (Urteil des Bundesgerichts 8C_15/2013 vom
2
4.
Mai 2013 E. 10 mit Hinweisen).
Besondere Gründe für die Bejahung des Kriteriums sind vorliegend nicht gegeben.
A
ufgrund der anlässlich der tätlichen Auseinandersetzung vom Juli 2009
erlit
tenen Verletzungen
wurde der Beschwerdeführer
initial
durch
Dr.
B._
k
r
ankgeschrieben, gemäss Bericht vom November 2009 (
Urk.
13/M4 S. 2) bis Ende August 200
9.
Aus dem Bericht von
Dr.
C._
vom November 2009 (vor
stehend E. 3.
3) ergibt sich,
dass der Beschwerdeführer
seine Arbeit
bereits
am
1.
Oktober 2009 wieder zu 100
%
aufgenommen hat
.
Für die Zeit danach sind keine Arbeitsunfähigkeitsatteste aktenkundig. Soweit
Dr.
E._
im April 2013 berichtete, dass der Beschwerdeführer aufgrund der HWS- und LWS-Beschwer
den immer wieder von seinem Hausarzt krankgeschrieben werden müsse, ist festzuhalten, dass allfällige von
Dr.
B._
wegen Rückenbeschwerden attestierte Arbeitsunfähigkeiten jedenfalls spätestens ab
4.
April 2012 (Erreichen des
status
quo sine
vel
ante) nicht mehr in Zusammenhang mit dem Ereignis vom Juli 2009
zu sehen,
sondern auf den krankhaften Vorzustand zurückzu
führen waren. Soweit der Beschwerdeführer geltend machte, vor dem
im Frage stehenden
Ereignis
eine Arbeitsleistung von weit
mehr als 100
%
erbracht zu haben (
Urk.
1 S. 28 f.
Ziff.
5.10), ist
schliesslich
zu bemerken,
dass diese Ein
busse an Leistungsvermögen weniger auf die physischen als auf die psychischen Beschwerden zurückzuführen
ist,
was sich nicht zuletzt aus dem Bericht
von
Dr.
E._
vom April 2013
(vorstehend E. 3.10)
ergibt
,
in welchem dieser fest
hielt, dass
der psychische Druck beziehungsweise die psychische Belastung die Hautpursache für
die persistierenden Beschwerden und vor allem auch die deut
liche eingeschränkte Arbeitsleistung darstellten
.
Psychisch bedingte Arbeits
unfähigkeiten haben im Rahmen der Adäquanzbeurteilung jedoch unberück
sich
tigt zu bleiben. Eine längerdauernde Arbeitsunfähigkeit
(
aufgrund von
unfallkausalen
Beschwerden
)
ist nicht ausgewiesen, womit
auch
dieses Krite
rium nicht gegeben ist.
5
.6
Damit
k
önnen
maximal
zwei
der praxisgemässen Kriterien
(
besonders drama
tische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit sowie
körperliche Dauerschmerzen)
als erfüllt
b
e
t
rachtet werden
, dies
aber jedenfalls
nicht in aus
ge
prägter Weise, weshalb der
adäquate Kausalzusammenhang zwischen den p
sychi
schen Beschwerden
des Beschwerdeführers
und dem
Ereignis
vom
Juli 2009 zu verneinen ist.
Die Beschwerdegegnerin hat somit auch bezüglich
der psychischen
Beschwerden
ihre
(weitere)
Leistung
s
pflicht
zu Recht
verneint.
5.7
Nichts anderes ergibt sich, wenn man davon ausgeht, beim in Frage stehenden Ereignis vom Juli 2009 handle es sich um einen sogenannt „gemischten“ Vor
fall, bei welchem Elemente eines Schreckereignisses (Überfall, Bedrohung) und Elemente einer physischen Einwirkung (Schläge, Zufügen von Verletzungen) kombiniert vorkommen, jedoch keiner der Faktoren deutlich im Vordergrund steht
(Urteile des Bundesgericht
8C_1062/2009 vom 3
1.
August 2010 E. 2.2.2), und deshalb die Adäquanz zusätzlich zur Prüfung nach den Kriterien in BGE 115 V 133 nach der allgemeinen Adäquanzformel (BGE 129 V 177) prüft. So werden an den Kausalzusammenhang bei Schreckereignissen hohe Anforderun
gen gestellt und besteht praxisgemäss die übliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Vorfälle erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumati
sierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert weniger Wochen oder Monate überwunden wird
(Urteil des Bundesgerichts 8C_893/2012 vom
4.
März 2013 E. 6 mit Hinweisen). Vorliegend ist bei Fallabschluss rund drei Jahre nach der tätlichen Auseinandersetzung trotz der gewissen Eindrücklich
keit nicht von einem Ereignis auszugehen,
das
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebens
erfahrung geeignet erscheint, la
ngjährige, die Arbeitsfähigkeit erheblich beeinträchtigende Beschwerden auszulösen.
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.