Decision ID: 643fa03d-edb5-48b4-bc3a-bd47833624fe
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ erlitt am 23. September 2007 im Rahmen eines Motorradunfalls ein
Polytrauma (vgl. Suva-act. 1, 41, 49 und 347; zu den Diagnosen vgl. Suva-act. 305-2
ff.). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen
Versicherungsleistungen (Heilbehandlungen und Taggelder). Am 20. Dezember 2011
gewährte sie dem Versicherten bei einer Integritätseinbusse von 60 Prozent eine
Integritätsentschädigung von 64’080 Franken (Suva-act. 335). Mit einer Verfügung vom
27. August 2012 sprach sie ihm mit Wirkung ab dem 1. September 2012 eine Rente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 45 Prozent zu. Eine dagegen erhobene
Einsprache (Suva-act. 429) wies sie ab (Entscheid vom 3. Dezember 2012, Suva-
act. 445).
A.b Zwischen September 2012 und 31. Juli 2013 sowie vom 4. bis 30. November
2013 bezahlte die Suva dem Versicherten zusätzlich zur Rente ein Taggeld. Die
zwischen 1. Dezember 2012 und 31. Juli 2013 sowie im November 2013 erbrachten
Taggelder von Fr. 25‘473.40 forderte sie mit Verfügung vom 8. Januar 2014 zurück
(Suva-act. 548). Eine Einsprache des Versicherten vom 31. Januar 2014 (Suva-act. 558)
hiess die Suva mit Entscheid vom 13. Februar 2014 teilweise gut und reduzierte die
Rückforderung auf Fr. 2‘300.45, entsprechend der im November 2013 erbrachten
Taggelder (Suva-act. 569). Das Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hat diese
verbleibende Rückforderung in Abweisung der Beschwerde des Versicherten als
rechtmässig qualifiziert (Entscheid UV 2014/20 vom 12. Januar 2016).
A.c Am 29. Dezember 2013 war der Versicherte erneut gestürzt (Suva-act. 553;
Suva-act. III/1, III/4, Unfall-Nummer 15.21947.13.2). Laut einem Bericht des Spitals
B._ vom 31. Dezember 2013 hatte er ein axiales Stauchungstrauma der Schulter und
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des Ellbogens rechts bei einer muskulären Dysbalance des Knies und des
Oberschenkels links erlitten (Suva-act. III/9). Am 16. Januar 2014 fragte der
Sachbearbeiter der Suva den Kreisarzt an, ob wegen der Folgen des Unfalls vom
23. September 2007 am linken Knie eine deutlich erhöhte Gefahr neuer Unfälle
bestehe, was zur Folge hätte, dass die Suva allenfalls Leistungen im Zusammenhang
mit diesem neuen Sturzereignis erbringen müsste (Suva-act. III/10). Der Kreisarzt
Dr. med. C._, Facharzt für Chirurgie FMH, hielt in einer gleichentags abgegebenen
ärztlichen Beurteilung fest (Suva-act. III/11), nach seinem Wissensstand existiere keine
evidenzbasierte Studie, die einen Zusammenhang zwischen einer deutlich erhöhten
Gefahr für Sturzereignisse bei einer Knieinstabilität nachgewiesen hätte. Der
behandelnde Arzt habe am 16. Dezember 2013 über stabile Verhältnisse bei noch
insuffizienter Muskulatur berichtet. Nachdem am 5. Dezember 2013 (richtig:
5. November 2013) eine Ersatzplastik des vorderen Kreuzbandes durchgeführt worden
sei und der bisherige Verlauf erfolgreich sei, sei nach der abgeschlossenen Behandlung
mit geringen verbleibenden Unfallfolgen zu rechnen. Aus diesem Grund könne erst
recht davon ausgegangen werden, dass seitens des linken Kniegelenks mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit keine deutlich erhöhte Gefahr für Sturzereignisse
bestehen werde. Mit einer Verfügung vom 24. Januar 2014 verneinte die Suva eine
Leistungspflicht im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 29. Dezember 2013
(Suva-act. III/12). Zur Begründung führte sie aus, sie habe dem Versicherten am
8. Januar 2014 mitgeteilt, dass seit dem 1. Januar 2013 keine Versicherungsdeckung
mehr bestehe. Beim Ereignis vom 29. Dezember 2013 handle es sich also um ein nicht
versichertes Unfallereignis. Der Sturz sei auch keine Folge der Knieverletzung links, die
der Versicherte am 23. September 2007 erlitten habe.
B.
B.a Am 4. Februar 2014 erhob die Krankenversicherung eine vorsorgliche
Einsprache gegen die Verfügung vom 24. Januar 2014 (Suva-act. III/). Am 24. Februar
2014 liess auch der Versicherte eine Einsprache erheben (act. G 3.1.2.17). Sein
Rechtsvertreter führte aus, der Suva-Sachbearbeiter habe bei seiner Anfrage an den
Kreisarzt die Diagnose des Spitals B._ unvollständig wiedergegeben, denn dieses
habe nicht nur ein erneutes axiales Stauchungstrauma Schulter/Ellbogen rechts bei
muskulärer Dysbalance Knie/Oberschenkel links diagnostiziert, sondern zudem einen
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Status nach Schulterarthroskopie mit subacromialer Dekompression/Acromioplastik
mit Metallentfernung und Exostosenabtragung Clavicula rechts am 27. November 2011
sowie einen Status nach VKB-Plastik links am 5. November 2013 bei chronischer
vorderer Kreuzbandinsuffizienz. Der Sachbearbeiter habe den Kreisarzt auch nicht
nach der Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 29. Dezember 2013 und dem
Unfall vom 23. September 2007, sondern nach der Gefahr neuer Unfälle gefragt. Der
behandelnde Arzt habe darauf hingewiesen, dass der Versicherte wegen der
Insuffizienz des vorderen Kreuzbandes bereits mehrfach gestürzt sei. Der Sturz am
29. Dezember 2013 sei also die Folge des versicherten Unfallereignisses vom
23. September 2007. Zudem habe der Sachbearbeiter dem Versicherten zugesichert,
dass dieser bis auf weiteres gegen Unfälle versichert sei und dass er ihn frühzeitig auf
das Ende der Versicherungsdeckung hinweisen werde. Der Versicherte sei in der Folge
nie auf das Ende der Versicherungsdeckung hingewiesen worden, weshalb er davon
ausgegangen sei, weiterhin versichert zu sein.
B.b Mit einem Entscheid vom 8. Mai 2014 wies die Suva die Einsprachen ab
(act. G 3.1.2.21). Zur Begründung führte sie aus, die Nachdeckungsfrist sei am
29. Dezember 2013 bereits abgelaufen gewesen. Dem Rechtsvertreter des
Versicherten hätte die Möglichkeit des Abschlusses einer Abredeversicherung bekannt
sein müssen. Als versierter UVG-Experte hätte er das Ende der Versicherungsdeckung
selbst erkennen müssen. Er könne sich also nicht auf eine angebliche Zusicherung
berufen. Aus der Beurteilung des Kreisarztes vom 16. Januar 2014 gehe klar hervor,
dass der Sturz vom 29. Dezember 2013 nicht als eine Folge des Unfalls vom
23. September 2007 zu qualifizieren sei. Folglich handle es sich dabei weder um ein
versichertes Ereignis noch um die Folge eines versicherten Ereignisses.
C.
C.a Am 10. Juni 2014 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen den Einspracheentscheid vom 8. Mai 2014 erheben (act. G 1).
Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung des Einspracheentscheides, die
Feststellung, dass der Beschwerdeführer für den Sturz vom 29. Dezember 2013 bei der
Suva (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) versichert gewesen sei, die Verpflichtung
der Beschwerdegegnerin, dem Beschwerdeführer die gesetzlichen Leistungen zu
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erbringen, sowie eventualiter die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin
zur Abklärung des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Sturz vom
29. Dezember 2013 und dem Unfall vom 23. September 2007 mittels eines
verwaltungsexternen medizinischen Gutachtens, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. Zur Begründung führte er
aus, die Beschwerdegegnerin habe sich mit seiner Einsprache gar nicht
auseinandergesetzt. Krasser könne das rechtliche Gehör nicht verletzt werden. Dem
Beschwerdeführer bleibe gar nichts anderes übrig, als auf dem Beschwerdeweg und
damit vom Versicherungsgericht eine Antwort auf seine Einwendungen zu erhalten,
was bei der Verlegung der Kosten zu berücksichtigen sei. Materiell sei auf die
Einsprache zu verweisen, die nun einen integrierenden Bestandteil der
Beschwerdeschrift bilde.
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. Juli 2014 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 3). Zur Begründung führte sie aus, sie habe sich sehr wohl mit der
Einsprache auseinander gesetzt. Im Übrigen dürften an die Begründung eines
Einspracheentscheids keine hohen Anforderungen gestellt werden. Ihm müssten sich
lediglich die wesentlichen Überlegungen entnehmen lassen, von denen sich die
Einspracheinstanz habe leiten lassen. Der Beschwerdeführer habe im Jahr 2013 keinen
Lohn erzielt. Ferner hätten auch keine sozialversicherungsrechtlichen
Leistungsansprüche im Sinne des Art. 7 Abs. 1 lit. b UVV bestanden, weshalb die
Versicherung schon lange vor dem Unfall vom 29. Dezember 2013 geendet habe. Ein
Kausalzusammenhang zwischen dem Sturz vom 29. Dezember 2013 und dem Unfall
vom 23. September 2007 habe nicht bestanden.
C.c Der Beschwerdeführer liess am 15. September 2014 an seinen Anträgen
festhalten (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 7).

Erwägungen
1.
Die im Art. 49 Abs. 3 ATSG normierte Begründungspflicht als Teilgehalt des Anspruchs
auf rechtliches Gehör dient dem Zweck, es dem Adressaten einer Verfügung zu
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ermöglichen, die Gründe für den von der Verwaltung gefällten Entscheid
nachzuvollziehen und sich gestützt darauf zu entscheiden, ob er diesen akzeptieren
oder anfechten will; im Falle einer Anfechtung soll ihm die Entscheidbegründung
ermöglichen, sein Rechtsmittel substantiiert zu begründen. Diesen Zweck hat die
Begründung des angefochtenen Einspracheentscheides erfüllt. Die
Beschwerdegegnerin hat sich zwar nicht detailliert respektive anscheinend nur
oberflächlich mit den Vorbringen des Beschwerdeführers in dessen Einsprache
auseinandergesetzt. Dem Einspracheentscheid lässt sich aber entnehmen, dass die
Beschwerdegegnerin die Einsprache zur Kenntnis genommen, sich zumindest teilweise
damit auseinandergesetzt und trotzdem an ihrem Entscheid festgehalten hat. Damit hat
sie der Begründungspflicht (knapp) Genüge getan.
2.
2.1 Hätte der Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin zu Recht bis und mit
dem 30. November 2013 ein Taggeld in Ergänzung zur Rente erhalten, wäre dieses
gemäss dem Art. 7 Abs. 1 lit. b UVV als „Lohn“ im Sinne des Art. 3 Abs. 2 UVG zu
qualifizieren, was bedeuten würde, dass der Beschwerdeführer bis zum 30. November
2013 und 30 Tage darüber hinaus bei der Beschwerdegegnerin obligatorisch
unfallversichert gewesen wäre (Art. 3 Abs. 2 UVG). Die so genannte Nachdeckungsfrist
hätte also bis zum 30. Dezember 2013 gedauert, womit der Beschwerdeführer im
Zeitpunkt des Sturzes am 29. Dezember 2013 noch bei der Beschwerdegegnerin
versichert gewesen wäre. Folglich hätte sie die gesetzlichen Leistungen im
Zusammenhang mit diesem Unfall zu erbringen. Da die Ausrichtung eines Taggeldes im
Zeitraum vom 4. bis zum 30. November 2013 aber gemäss dem Entscheid UV 2014/20
vom 12. Januar 2016 rechtswidrig gewesen ist, hat am 29. Dezember 2013 keine
Versicherungsdeckung für neue Unfälle mehr bestanden.
2.2 Eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin im Zusammenhang mit dem
Sturz vom 29. Dezember 2013 kann also nur bestehen, wenn dieser Sturz die kausale
Folge eines versicherten Unfallereignisses gewesen ist. Entscheidend ist also, ob die
durch den Unfall vom 23. September 2007 verursachten
Gesundheitsbeeinträchtigungen im linken Knie mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit natürlich und adäquat kausal zum Sturz vom
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29. Dezember 2013 geführt haben. Zu prüfen ist dafür, ob der Unfall vom September
2007 eine conditio sine qua non für den Sturz vom 29. Dezember 2013 gewesen ist, ob
es also nicht zum Sturz gekommen wäre, wenn der Beschwerdeführer den Unfall vom
September 2007 nicht erlitten hätte. Ein solcher Zusammenhang ist jedenfalls möglich,
denn beim Unfall im September 2007 hat sich der Beschwerdeführer schwer am linken
Knie verletzt. In diversen medizinischen Berichten sind eine muskuläre Dysbalance
Knie/Oberschenkel links sowie eine chronische Insuffizienz des vorderen Kreuzbandes
diagnostiziert worden. Die Beschwerdegegnerin anerkannte denn auch Stürze auf die
rechte Schulter bzw. den rechten Arm, die der Beschwerdeführer vor der
Kreuzbandersatzplastik erlitten hatte, als versichert (über die Kausalkette via den Unfall
vom 23. September 2007; Unfall-Nr. 15.81804.12.8: Sturz vom 9. September 2012 [vgl.
Suva-act. 541, 433, 465]; Unfall-Nr. 15.80943.13.2: Sturz vom 15. Mai 2013, [vgl. Suva-
act. 502, 493]). Die – von der Beschwerdegegnerin finanzierte – Ersatzplastik des
vorderen Kreuzbands sollte die Knieinstabilität, die gemäss Operationsbericht vom
5. November 2011 zu den Stürzen geführt hatte, beseitigen (Suva-act. III/17 S. 5).
2.3 Im Rahmen der postoperativen Nachkontrolle vom 16. Dezember 2013 hielt Dr.
D._ fest, der Beschwerdeführer berichte grundsätzlich über einen günstigen Verlauf
mit praktisch vollständig fehlenden Beschwerden am operierten Knie. Er sei
zwischenzeitlich aber mehrmals wieder eingeknickt, einmal sogar gestürzt, was ihn
sehr verunsichert habe. Dr. D._ hielt fest, die Muskulatur sei noch deutlich
insuffizient, weshalb er eine Fortsetzung der Physiotherapie empfahl (Bericht vom
16. Dezember 2013; Suva-act. 540). Im Bericht des Spitals B._ vom 31. Dezember
2013 wurde in der Anamnese festgehalten, die Unsicherheit des Beschwerdeführers
bei rezidivierendem Einknicken am linken Knie sei unverändert. Der leitende Arzt
Dr. med. E._ bezeichnete die Beibehaltung der physiotherapeutischen Kräftigung und
Propriozeption zur Verbesserung der Stabilität im linken Bein als unverzichtbar (Suva-
act. III/9). Dr. D._ hielt im Bericht vom 27. Januar 2014 in Bezug auf die
sturzbedingten Schulterbeschwerden fest, der Patient habe eine deutliche
Schmerzreduzierung erfahren. Von dieser Seite her könne sicher zugewartet werden
mit therapeutischen Massnahmen. Betreffend das linke Knie erwähnte Dr. D._, dass
der Beschwerdeführer von einer zunehmenden Verbesserung der Situation spreche. Er
spüre, dass sein Knie wieder stabil sei. Dies entspreche auch dem objektiven Befund.
Sowohl der Lachman wie auch die vordere Schublade seien absolut negativ mit jeweils
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hartem Kreuzbandanschlag. Nach wie vor reduziert sei die Oberschenkelmuskulatur.
Bei dieser günstigen Entwicklung werde die Physiotherapie zur weiteren muskulären
Rehabilitation fortgesetzt (Suva-act. III/14).
2.4 Diese drei medizinischen Berichte aus der Zeit nach der Operation belegen mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass die objektivierte
muskuläre Insuffizienz des linken Beins sowie die wenige Wochen nach der Operation
vom 5. November 2013 noch nicht genügende Propriozeption des Beschwerdeführers
(also die Wahrnehmung von Körperbewegung und -lage im Raum, vgl. Kurt Buser/
Thomas Schneller/Klaus Wildgrube, Kurzlehrbuch medizinische Psychologie –
medizinische Soziologie, München/Jena, 2007, S. 93; siehe auch Roche Medizinisches
Lexikon, Stichwort „Propriozeption“, https://www.tk.de/rochelexikon/, abgerufen am
11. Dezember 2015) zum Sturz vom 29. Dezember 2013 geführt haben. Vor dem
Hintergrund der gesamten Aktenlage in Bezug auf die Sturzanfälligkeit wegen der auf
den Unfall vom September 2007 zurückzuführenden Knieproblematik links (vgl.
diesbezüglich auch lit. A.b im Entscheid UV 2014/20 vom 12. Januar 2016) ist diese
Kausalität wahrscheinlicher als eine zufällige, nicht damit zusammenhängende
Sturzursache. Dass die Stabilität während der Rehabilitationphase nach der Operation
noch nicht hinreichend gegeben war, ist aufgrund der Schilderungen des
Beschwerdeführers gegenüber Dr. D._ und Dr. E._ sowie mit Blick auf die von
diesen über Januar 2014 hinaus bescheinigte Notwendigkeit des gezielten
Muskelaufbaus (mit Physiotherapieverordnungen) genügend bewiesen. Die kurze
Stellungnahme des Kreisarztes Dr. C._ vom 16. Januar 2014 vermag daran keine
Zweifel auszulösen. Zwar hatte er aufgrund der einleitenden Bemerkung des Case
Managers in der Anfrage vom selben Tag (Suva-act. 553) Kenntnis davon, dass der
Beschwerdeführer am 29. Dezember 2013 gestürzt war und über die Folgen ein Bericht
des Spitals B._ (wohl jener vom 31. Dezember 2013 statt wie angegeben vom
30. Dezember 2013) vorlag. Diesen Bericht oder den Sturz selbst erwähnte Dr. C._ in
seiner Beurteilung jedoch nicht. Seine „allgemeine Bemerkung“, wonach aufgrund
seines Wissensstands keine evidenzbasierte Literatur existiere, welche einen
Zusammenhang zwischen einer deutlich erhöhten Gefahr für Sturzereignisse bei
Knieinstabilität nachgewiesen hätte, ist undifferenziert und würde nicht erklären,
weshalb die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die früheren Stürze
(zumindest) vom 9. September 2012 und 15. Mai 2013 anerkannte. Dr. C._ hielt
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weiter im Zusammenhang mit der von Dr. D._ erwähnten insuffizienten Muskulatur
am linken Bein fest, es sei davon auszugehen, dass sich im weiteren Verlauf das
Muskeldefizit noch kompensieren werde. Dr. C._ zog die Schlussfolgerung, dass
seitens des linken Kniegelenks keine deutlich erhöhte Gefahr für Sturzereignisse
bestehen werde. Mit dem Rechtsvertreter des Beschwerdeführers ist anzunehmen,
dass sich diese Schlussfolgerung prognostisch auf einen Zeitpunkt nach Abschluss der
Rehabilitation betreffend Kreuzbandersatzplastik inklusive vollständigem Muskelaufbau
und Wiedererlangung der Propriozeption bezieht. Der Bericht von Dr. C._ vom
16. Januar 2014 ist folglich nicht geeignet, an der oben begründeten Beurteilung,
wonach der Sturz vom 29. Dezember 2013 auf die Folgen des Unfalls vom
23. September 2007 zurückzuführen ist, Zweifel auszulösen.
2.5 Die Beschwerdegegnerin hat vor dem Hintergrund dieser Ausführungen den
Kausalzusammenhang des Unfalls vom 23. September 2007 mit dem Sturz vom
29. Dezember 2013 zu Unrecht verneint.
3.
3.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung
des angefochtenen Einspracheentscheids gutzuheissen. Die Sache ist zur Prüfung und
Ausrichtung der aufgrund des Unfalls vom 29. Dezember 2013 geschuldeten
Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
3.2 Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.
3.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine
Parteientschädigung, die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen wird
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Angemessen erscheint
eine Parteientschädigung von Fr. 3‘500.- (einschliesslich Barauslagen und
Mehrwertsteuer).