Decision ID: 4dad6c18-af3a-581a-bdf1-b54c33f2d9b7
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
1. MK._,
vertreten durch EK._,
2. EK._,
Rekurrenten,
beide vertreten durch Sozial- und Vormundschaftsamt der Gemeinde A._
gegen
Stiftung Opferhilfe der Kantone SG/AI/AR, Teufenerstrasse 11, Postfach, 9001 St.
Gallen,
Vorinstanz,
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betreffend
Opferhilfe (weitere Hilfe, Kostenübernahme sozialpädagogische
Familienbegleitung)
Sachverhalt:
A.
A.a MK._, geboren 1995, unternahm am 6. Februar 2009 einen Suizidversuch durch
das Aufschneiden des Unterarms mit einem Messer. Eine Autolenkerin, die auf ihn
aufmerksam geworden war, brachte ihn zunächst zu einer Ärztin. Von dort aus wurde
er ins Kinderspital überführt. Zur Behandlung der Schnittverletzung (Sehnen und
Nerven durchtrennt) musste MK._ operiert und stationär behandelt werden. Zum
Suizidversuch gab er an, dass er jeden Tag nach der Schule zu seinem Vater, PK._,
nach Hause müsse, um zwei bis drei Stunden für die Schule zu lernen. Wenn er keine
Lust dazu habe, schliesse der Vater die Zimmertüre ab. Ein- bis zweimal pro Woche
erhalte er von seinem Vater auch Faustschläge und Schläge mit dem Knie gegen
seinen Körper. Da er mit dieser Situation nicht fertig geworden sei, habe er
beschlossen, sich umzubringen. Das Verhältnis zur Mutter sei gut (Polizeirapport vom
10. Februar 2009, act. G 1.1).
A.b Bis zum 13. Februar 2009 befand sich MK._ im Kinderspital. Anschliessend trat
er in ein Kinderschutzzentrum ein (vgl. Schreiben vom 16. Februar 2009, act. G 1.1).
Seine Mutter beantragte für ihn eine Beistandschaft bei der Vormundschaftsbehörde
A._ (Antrag vom 16. Februar 2009, act. G 1.1). Am 2. März 2009 beschloss die
Vormundschaftsbehörde A._ die Errichtung einer Beistandschaft für MK._
(Protokoll der Vormundschaftssitzung vom 2. März 2009, act. G 1.1). Die
Betreuungspersonen des Kinderschutzzentrums empfahlen die Durchführung einer
sozialpädagogischen Familienhilfe. Frau K._ solle gestärkt werden, MK._ vor den
Übergriffen des Vaters zu schützen. Die innerfamiliären Neuregelungen müssten
behutsam geplant und fachlich unterstützt werden. Der Bruder von MK._, FK._, sei
wiederholt von seinem Vater als Botenträger zwischen ihm und MK._ benutzt
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worden. Dies belaste die Beziehung zwischen den Brüdern (Schlussbericht vom
14. April 2009, act. G 1.1).
A.c Am 21. April 2009 ersuchte das Vormundschaftsamt A._ die Stiftung Opferhilfe
der Kantone SG/AI/AR um Kostenübernahme für die sozialpädagogische
Familienbegleitung (nachfolgend SPF; act. G 4.1).
A.d Am 20. Mai 2009 erteilte die Stiftung Opferhilfe dem Kinderschutzzentrum eine
Kostengutsprache für die Notunterkunft für 21 Tage (act. G 1.1). Bezüglich der
Kostenübernahme für die SPF teilte sie dem Vormundschaftsamt A._ am 20. Mai
2009 mit, dass gemäss Rechtsprechung der Verwaltungsrekurskommission des
Kantons St. Gallen (Urteil vom 4. April 2008, III-2007/2) die Kosten der SPF Leistungen
der betreuenden Sozialhilfe darstellten. Diese unterlägen nicht der
Rückerstattungspflicht, weshalb keine Kosten entstehen würden, die durch die
Opferhilfe zu erstatten wären. Im Übrigen werde der kausale Zusammenhang zur
Straftat in Frage gestellt. Mit dieser Begründung lehnte die Stiftung Opferhilfe eine
Kostengutsprache ab (act. G 4.2). Das Vormundschaftsamt A._ entgegnete am
2. Juni 2009, dass es mit dieser Ablehnung nicht einverstanden sei (act. G 4.3).
A.e Am 4. Juni 2009 schloss der Gemeinderat A._ mit dem Bildungs- und
Erziehungskreis einen Vertrag über die ab 28. März 2009 begonnene SPF ab
("Werkvertrag", act. G 4.7a; zum Beschluss der Vormundschaftsbehörde vom 2. Juni
2009 betreffend die subsidiäre Kostengutsprache für eine bis Ende Juni 2009 befristete
SPF vgl. Protokoll der Vormundschaftssitzung vom 4. Juni 2009, act. G 1.1). Der
Beistand von MK._ beantragte bei der Vormundschaftsbehörde A._ am 30. Juni
2009, die SPF sei um weitere sechs Monate zu verlängern. Der SPF falle die Aufgabe
zu, die Familie K._ weiterhin in der Überwindung ihrer inner- und ausserfamiliären
Probleme zu begleiten und zu unterstützen (act. G 1.1).
A.f Die Stiftung Opferhilfe forderte das Vormundschaftsamt A._ auf, eine Vollmacht
der durch sie vertretenen Personen (MK._ und EK._) einzureichen, da die
Gemeinde selbst nicht legitimiert sei, Opferhilfeleistungen geltend zu machen. Sie hielt
an der Ablehnung des Kostengesuchs fest und räumte eine Frist von 14 Tagen für eine
Stellungnahme ein (Schreiben vom 1. Juli 2009, act. G 4.4).
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A.g Die Vormundschaftsbehörde A._ beschloss am 6. Juli 2009 eine
Kostengutsprache für die Verlängerung der SPF bis längstens 31. Dezember 2009
(Protokoll der Vormundschaftssitzung vom 7. Juli 2009, act. 1.1). Sie hielt in der
Stellungnahme vom 7. Juli 2009 unverändert an ihrem Standpunkt fest, dass die
Stiftung Opferhilfe die Kosten der SPF zu übernehmen habe (act. G 4.5).
A.h Am 9. September 2009 verfügte die Stiftung Opferhilfe, dass die Kosten für die SPF
nicht übernommen würden. Zur Begründung führte sie aus, dass die Opferhilfe nur
diejenigen Kosten übernehme, die dem Opfer bzw. hier dessen Mutter tatsächlich
entstünden. Da offenbar noch keine Rückzahlungen erfolgt seien, könnten mangels
eines bei den anspruchsberechtigten Personen eingetretenen Schadens zurzeit keine
Opferhilfeleistungen zugesprochen werden. Das Gesuch könne zwar nach allfälligen
Rückzahlungen erneut eingereicht werden, wäre jedoch mangels Kausalität ohnehin
abzuweisen (act. G 4.8).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich der von MK._ und EK._, beide vertreten
durch das Sozial- und Vormundschaftsamt A._, am 23. September 2009 erhobene
Rekurs. Darin beantragen sie unter Kosten- und Entschädigungsfolge deren
Aufhebung. Die Vorinstanz sei zu verpflichten, die Kosten für die SPF ab deren Beginn
zu übernehmen sowie dem Sozialamt A._ die bisher geleisteten subsidiären
Kostenvorschüsse zu ersetzen. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurückzuweisen. Diese verkenne, dass die Unterhaltspflicht der Eltern sowie
deren Pflicht, Kindesschutzmassnahmen zu finanzieren, der Sozialhilfe vorgehen
würden. Ebenso verschweige sie, dass auch die Leistungen der Opferhilfe den
Leistungen der Sozialhilfe vorgehen, zumal erstere dem Opfer den Gang auf das
Sozialamt ersparen sollen. Dies gelte auch bezüglich der Finanzierung einer
erforderlichen SPF. Der Umstand, dass die SPF subsidiär sozialhilferechtlich
bevorschusst und die Kosten noch nicht bei den Eltern geltend gemacht worden seien,
dürfe weder dem Opfer noch der nachrangigen Sozialhilfe zum Nachteil gereichen.
Was die Kausalitätsfrage anbelange, lasse die Vorinstanz ausser Acht, dass MK._
aufgrund des strafbaren Verhaltens seines Vaters und der Instrumentalisierung seines
älteren Bruders FK._ durch den fehlbaren Vater psychisch dermassen unter Druck
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geraten sei, dass er zum einen mit Verhaltensstörungen in der Schule reagiert habe und
in der Folge in einen psychischen Ausnahmezustand geraten sei, so dass er keinen
anderen Ausweg mehr gesehen habe, als sich zu suizidieren. Aus dem Schlussbericht
des Kinderschutzzentrums gehe sodann schlüssig hervor, dass die Mutter mit der SPF
gestärkt werden solle, Markus vor Übergriffen des Vaters zu schützen, und dass auch
die vom Vater verschuldete belastete Beziehung zwischen MK._ und FK,_
verbessert werden müsse. Beides stehe in einem natürlichen Kausalzusammenhang
mit den Übergriffen des Vaters sowie seiner Instrumentalisierung von Mutter und
älterem Bruder. Deswegen seien eine innerfamiliäre Neuregelung und Veränderung der
Familienstruktur sowie eine Unterstützung der alleinerziehenden Mutter mittels SPF
vonnöten. Auch aus dem "Werkvertrag" mit dem Bildungs- und Erziehungskreis Wil
vom 4. Juni 2009 gehe hervor, dass die SPF der Bewältigung der Übergriffe,
Einmischungen und Instrumentalisierungen durch den Vater und des deshalb
notwendigen Schutzes von MK._ und der damit zusammenhängenden notwendigen
Neuorganisation der Einelternfamilie diene. Ferner rügen die Rekurrenten, dass die
Vorinstanz ihrer Abklärungs- und Untersuchungspflicht nicht nachgekommen sei und
mit Blick auf die Begründungspflicht den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt habe
(act. G 1).
B.b Mit Vernehmlassung vom 19. November 2009 beantragt die Vorinstanz die
vollumfängliche Abweisung des Rekurses. Sie verweist auf die Rechtsprechung der
Verwaltungsrekurskommission, wonach eine wirtschaftliche Not für die betreuende
Sozialhilfe keine Anspruchsvoraussetzung bilde, sodass sie auch von Personen in
finanziell gesicherten Verhältnissen beansprucht werden könne. Für betreuende
Sozialhilfe enthalte das Sozialhilferecht keine Rückerstattungsregelung. Weder im
"Werkvertrag" noch in den Beschlüssen der Vormundschaftsbehörde vom 2. Juni bzw.
6. Juli 2009 werde erwähnt, dass die Eltern sich an den Kosten beteiligen müssten
oder dass es sich dabei lediglich um eine "Bevorschussung" handle. Da es sich bei der
SPF um betreuende und damit nicht um rückerstattungspflichtige Sozialhilfe handle, an
deren Kosten sich die Eltern je nach Leistungsfähigkeit über ihre Unterhaltspflicht
beteiligten, müssten die Opfer sodann nicht den "Gang zum Sozialamt" gehen. Der
Vorwurf der Verletzung der Untersuchungsmaxime sei nicht gerechtfertigt, sei doch der
Gemeinde A._ mehrmals Gelegenheit gegeben worden, weitere Informationen und
Unterlagen einzubringen. Zusammenfassend sei es demnach so, dass es sich bei den
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Kosten der SPF nicht um eine rückerstattungspflichtige Sozialhilfeleistung handle und
die blosse Möglichkeit einer Rückforderung auch keinen aktuellen Schaden darstellen
würde, der über die Opferhilfe abzugelten wäre. Eine Kostengutsprache sei somit
zumindest zurzeit abzulehnen. Ferner fehle es zwischen der SPF und der Straftat am
Kausalzusammenhang. Die Notwendigkeit der SPF sei schwergewichtig durch falsche
oder unangemessene Erziehung, das Stellen von zu hohen Erwartungen, verbale
Herabwürdigungen, Einmischungen, Instrumentalisierungen etc. begründet, was
jedoch keine strafrechtlichen bzw. opferhilferelevanten Tatbestände darstellen würde.
Es könnten nur die durch die Tätlichkeiten/Freiheitsberaubung verursachten Kosten
von der Opferhilfe finanziert werden. Aus den Akten sei zu schliessen, dass nicht die
Verarbeitung der Folgen der Straftaten im Vordergrund stehe. Insbesondere lasse sich
dem Zwischenbericht der SPF vom 2. Juni 2009 entnehmen, dass die eingesetzten
Stunden vor allem Themen betrafen, die in keinem Zusammenhang zu den Straftaten
gegenüber MK._ ständen (Organisation des Alltags, Pflichten im Haushalt und
angemessene Haltung der Söhne gegenüber der Mutter, neue Selbstorientierung der
Mutter, Lernhilfe und Konfliktlösung zwischen den Söhnen etc.). Aufgrund der
Komplexität der Situation (Trennung, Pubertät, Erziehungs- und Schulprobleme,
Straftaten etc.) und der verschiedenen sich daraus ergebenden Probleme und
Zielsetzungen könnten die Straftaten des Vaters allenfalls als geringe Teilkausalität
angesehen werden, wobei zur psychischen Verarbeitung der Straftaten eine SPF nicht
geeignet erscheine; dafür wäre eher eine Psychotherapie zu empfehlen. Ferner bestehe
im Bereich von Kindesschutzmassnahmen kein Bedürfnis für eine nachträgliche
Unterstützung durch die Opferhilfe. Diese müsse nicht nachträglich Leistungen der
Sozialhilfe ersetzen (act. G 4).
B.c Die Rekurrenten verzichten auf die Einreichung einer Replik (act. G 6).

Erwägungen:
1.
Die Rekurrenten stellen sinngemäss das Gesuch, die Kosten der SPF seien als
Hilfemassnahme im Sinn von Art. 2 lit. c des Bundesgesetzes über die Opferhilfe (OHG;
SR 312.5) von der Vorinstanz zu übernehmen. Diese hat in der angefochtenen
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Verfügung eine Leistungspflicht für die Übernahme der SPF abgelehnt. Von dieser
Ablehnung sind die Rekurrenten aufgrund der Opferstellung im Sinn von Art. 1 OHG
unmittelbar betroffen, weshalb sie ein schutzwürdiges Interesse an der Änderung der
Verfügung haben und zu deren Anfechtung legitimiert sind.
2.
In formeller Hinsicht rügen die Rekurrenten eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da
die Vorinstanz die bisherigen Einwände und Begründungen in der angefochtenen
Verfügung schlicht ignoriert und nicht gewürdigt habe (act. G 1 Rz 3.4, S. 6).
2.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV; SR 101) haben die Parteien in
Verfahren vor Gerichts- und Verwaltungsinstanzen Anspruch auf rechtliches Gehör.
Dieser Anspruch beinhaltet auch, dass sich die Gerichts- oder Verwaltungsinstanz mit
den Vorbringen der Partei auseinander setzen muss. Die Begründung eines Entscheids
entspricht den Anforderungen von Art. 29 Abs. 2 BV, wenn die Betroffenen dadurch in
die Lage versetzt werden, die Tragweite der Entscheidung zu beurteilen und sie in
voller Kenntnis der Umstände an eine höhere Instanz weiterzuziehen. Die Behörde ist
aber nicht verpflichtet, sich zu allen Vorbringen der Parteien zu äussern. Vielmehr kann
sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (Häfelin/
Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, N 1705 f.).
2.2 Die Vorinstanz hat sich sowohl im Schreiben vom 1. Juli 2009 (act. G 4.4) sowie in
der angefochtenen Verfügung vom 9. September 2009 (act. G 4.8) mit den
Stellungnahmen vom 2. Juni und 7. Juli 2009 (act. G 4.3 und G 4.5) hinreichend
auseinandergesetzt und auch begründet, weshalb sie die Vorbringen der Rekurrenten
für unzutreffend hält (Subsidiarität der Opferhilfe, keine gegenwärtige finanzielle
Belastung der Rekurrenten, mangelnde Kausalität). Die Rekurrenten legen denn auch
nicht substanziiert dar, welche Vorbringen die Vorinstanz nicht diskutiert hätte. Eine
Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör ist damit zu verneinen.
3.
In materieller Hinsicht ist die Übernahme der Kosten für die SPF durch die Vorinstanz
streitig.
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3.1 Am 1. Januar 2009 ist das totalrevidierte Opferhilfegesetz in Kraft getreten. Nach
der Übergangsbestimmung von Art. 48 lit. b des ab 1. Januar 2009 gültigen OHG gilt
das bisherige Recht für hängige Gesuche um Kostenbeiträge, die vor dem Inkrafttreten
des revidierten OHG eingereicht worden sind. Das vorliegend zu beurteilende Gesuch
wurde am 21. April 2009 und damit nach Inkrafttreten des revidierten OHG eingereicht
(act. G 4.1). Es finden damit die seit 1. Januar 2009 in Kraft stehenden OHG-
Bestimmungen Anwendung. Bei den im Folgenden zitierten Gesetzesbestimmungen
handelt es sich deshalb um die seit anfangs 2009 gültigen Fassungen.
3.2 Die Beratungsstellen leisten dem Opfer und seinen Angehörigen sofort Hilfe für die
dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat entstehen (Soforthilfe; Art. 13
Abs. 1 OHG). Sie leisten dem Opfer und dessen Angehörigen soweit nötig zusätzliche
Hilfe, bis sich der gesundheitliche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat und
bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind
(längerfristige Hilfe; Art. 13 Abs. 2 OHG). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe
und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (Art. 13 Abs. 3 OHG).
3.3 Die Leistungen der Beratungsstellen umfassen die angemessene medizinische,
psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge
der Straftat notwendig geworden ist (Art. 14 Abs. 1 Satz 1 OHG). Damit wird ein
natürlicher und adäquater kausaler Zusammenhang zwischen der Straftat und dem
Bedarf an der beanspruchten Leistung gefordert. Wie im Haftpflichtrecht handelt es
sich dabei um eine unabdingbare Voraussetzung für die Leistungspflicht (vgl. auf dem
Internet publiziertes Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
13. Dezember 2007, OH 2007/1, E. 4.5.1 mit Hinweis auf AJP 2003 Nr. 12 S. 1487).
Eine Ursache gilt als natürlich kausal, wenn sie nicht hinweg gedacht werden kann,
ohne dass der betreffende Erfolg entfällt. Adäquat kausal ist eine Ursache, wenn sie
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung
geeignet ist, den eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass der Eintritt dieses Erfolgs
als durch die fragliche Ursache wesentlich begünstigt erscheint.
3.4 Zu prüfen ist, ob die SPF in einem kausalen Zusammenhang mit den vom Vater
gegen MK._ ausgeübten strafbaren Gewalttätigkeiten steht, was die Vorinstanz
bestreitet (act. G 4 Rz 2).
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3.4.1 Aus dem der SPF zugrunde liegenden "Werkvertrag" geht hervor, dass die
SPF im Wesentlichen dazu dient, das familiäre Zusammenleben zu verbessern. Der
Grund hierfür liegt aber nicht in den vom Vater gegen MK._ ausgeübten strafbaren
Handlungen, sondern im Umstand, dass eine erhebliche Trennungsproblematik
zwischen EK._ und PK._ besteht und EK._ ihre beiden Söhne MK._ und FK._
allein zu erziehen hat. Es wird denn auch eine Stärkung der Beziehung Mutter - Söhne
angestrebt und nicht eine Bewältigung allfälliger Folgen aus dem gewalttätigen
strafbaren Verhalten des Vaters gegenüber MK._. Da EK._ mehrheitlich nachts
bzw. im Rahmen einer Spätschicht arbeite, ergebe sich eine besondere Betreuungs-
und Führungsproblematik, in der sie Unterstützung brauche. Die Erziehung drohe ihr -
auch durch die ständige Einmischung des Ex-Mannes PK._ - aus den Händen zu
gleiten, weshalb sie durch die SPF unterstützt werden solle. Ihre Söhne MK._ und
FK._ müssten aufgrund der nach wie vor zum Teil engen Beziehung zum Vater und
dessen Einwirken in den Erziehungsprozess unterstützt werden, vor allem auch im
schulischen Bereich. MK._ müsse lernen, eine positive Rolle in der Familie zu spielen,
ohne die Erlebnisse mit dem Vater in die Beziehung zur Mutter hineinzutragen. Der
etwas rüde Umgang von MK._ und FK._ mit ihrer Mutter sei ein Zeichen für die
noch nicht gefundene Positionierung zwischen den zerstrittenen Eltern. Sie müssten
ein Bewusstsein entwickeln, auch für den Haushalt/das Zusammenleben verantwortlich
zu sein und entsprechende Verpflichtungen übernehmen (kochen, einkaufen, putzen,
Garten; vgl. Werkvertrag vom 3. Mai/4. Juni 2009, act. G 4.7a). Entsprechendes ergibt
sich auch aus dem Zwischenbericht des Bildungs- und Erziehungskreises Wil vom
2. Juni 2009. Darin wird berichtet, dass vor allem die Organisation des familiären
Alltags, die individuellen Pflichten von FK._ und MK._, deren Haltung gegenüber
ihrer Mutter und die schulische Begleitung der Söhne im Vordergrund der Bemühungen
stehen (vgl. Zwischenbericht vom 2. Juni 2009, act. G 1.1).
3.4.2 Soweit die Rekurrenten als (Mit-)Ursachen für die SPF Einmischungen und
Instrumentalisierungen durch den Vater bezeichnen (act. G 1 Rz 3.4), ist ihnen zu
entgegnen, dass es sich nicht um opferhilferechtliche Leistungen auslösende Straftaten
im Sinn von Art. 1 Abs. 1 OHG, sondern um strafrechtlich nicht relevante
Beziehungsprobleme handelt.
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3.4.3 Zusammenfassend ist die SPF nicht aufgrund der vom Vater gegen seinen
Sohn ausgeübten Gewalttätigkeiten, sondern zumindest im Wesentlichen auf die -
auch ohne die strafbaren Gewalttätigkeiten des Vater gegenüber MK._ bestehenden
- schwierigen familiären Verhältnisse aufgrund der Trennungsproblematik und der
(verständlichen) Überforderung der Mutter als Alleinerziehende zurückzuführen. Für die
Verarbeitung der Folgen der strafbaren Handlungen steht denn auch die im Bericht des
Kinderschutzzentrums vorgeschlagene psychologische Betreuung von Markus Kobelt
im Vordergrund (vgl. Bericht Kinderschutzzentrum vom 14. April 2009, S. 4). Daran
ändert nichts, dass sich die SPF allenfalls auch günstig auf die Verarbeitung der Folgen
der strafbaren Handlungen auszuwirken vermag. Eine Kausalität zwischen den im
Polizeirapport vom 10. Februar 2009 angeführten strafbaren Handlungen des Vaters
von MK._ und der Notwendigkeit der SPF für die Stärkung der familiären
Beziehungen der Mutter von MK._ und deren Söhne kann somit nicht bejaht werden.
Demnach besteht für die Vorinstanz keine Leistungspflicht für die SPF. Bei diesem
Ergebnis kann offen gelassen werden, ob - wie die Vorinstanz geltend macht - eine
Leistungspflicht der Opferhilfe auch aufgrund des Subsidiaritätsprinzips gemäss Art. 4
OHG entfallen müsste, weil die Kosten der SPF als Teil des familiären Unterhalts den
Eltern bzw. dem Vater von MK._ auferlegt werden könnten.
4.
Nach dem Gesagten ist der Rekurs abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben
(Art. 30 Abs. 1 OHG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht