Decision ID: 3b2481a8-3963-589b-b02d-72fb95cdfb37
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 23. März 2016 in der Schweiz um Asyl
nach.
Er brachte dabei vor, dass er im Jahr (...) die Schule abgebrochen habe
und den Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) beigetreten sei. Nach ei-
ner (...) Grundausbildung und der Zuteilung ins (...)team der LTTE sei er
persönlicher Mitarbeiter des obersten Chefs der (...), Brigadier B._,
geworden. Er sei bis zum Ende des Krieges bei den LTTE gewesen. Am
(...) habe er seine Funktion für die LTTE aufgegeben und versucht, mit
zivilen Kriegsflüchtigen einen Kontrollposten der sri-lankischen Armee zu
passieren. Ein anderes ehemaliges LTTE-Mitglied habe ihn erkannt und
denunziert, weshalb er am (...) verhaftet worden sei. Er sei befragt und
gefoltert worden, worauf er zusammengebrochen sei und die Singalesen
zum versteckten Geld und zu Dokumenten geführt habe. Danach sei er
während über (...) Jahren in einer dunklen Einzelzelle in Haft gewesen,
bevor er in eine Zelle mit anderen Gefangenen verlegt worden sei. Am (...)
sei er nach Bestechung der Gefängnisbehörden beziehungsweise des Cri-
minal Investigation Departement (CID) in Colombo freigelassen und dabei
gewarnt worden, nicht in Sri Lanka zu bleiben. Ein (...) von ihm sei eben-
falls LTTE-Mitglied gewesen und deshalb von den Behörden getötet wor-
den.
B.
Das SEM stellte mit Verfügung vom 14. März 2018 fest, der Beschwerde-
führer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte sein Asylgesuch ab,
verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungs-
vollzug an.
C.
Die gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil D-2274/2018 vom 18. Juni 2020 ab. Es hielt da-
bei fest, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Beschwer-
deführer in der Endphase des Bürgerkriegs in den letzten Rückzugsgebie-
ten der LTTE aufgehalten habe. Auch nicht auszuschliessen sei, dass er
bei Kriegsende von der sri-lankischen Armee befragt worden sei. Seine
Funktion bei den LTTE als (...) oder (...) und späterer (...) des Chefs der
(...) und eine darauffolgende Verfolgung durch die sri-lankischen Behörden
habe er dagegen nicht glaubhaft machen können.
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D.
Der Beschwerdeführer reichte am 23. Juli 2020 beim SEM eine als «Ge-
such um Wiedererwägung bzw. neues Asylgesuch» bezeichnete Eingabe
ein.
Er führte zur Begründung aus, durch die neu eingereichten Beweismittel
könne er nachweisen, dass er in seinem Heimatland anhaltend behördlich
gesucht werde und an Leib und Leben und in seiner Freiheit gefährdet sei.
In Bezug auf die erlittene Folter sei eine medizinische Abklärung vorzuneh-
men. Schliesslich habe sich die Menschenrechts- und Sicherheitslage in
Sri Lanka seit der letztmaligen Beurteilung der vorliegenden Sache dras-
tisch verschlechtert. Bei einer Rückkehr nach Sri Lanka würde er ein stetig
abnehmendes soziales Umfeld antreffen. Zudem sei er aufgrund der erleb-
ten Folterungen und Misshandlungen traumatisiert und gesundheitlich an-
geschlagen. Seine Behandlung wäre in Sri Lanka – insbesondere vor dem
Hintergrund der Covid-19-Pandemie – nicht sichergestellt.
Als Beweismittel reichte er die wie folgt bezeichneten Dokumente ein:
 Haftbefehl Gericht vom (...) (warrant of arrest; in Kopie)
 «offener» Haftbefehl Gericht, undatiert (warrant of arrest; in Kopie)
 Haftbefehl der Polizei (message form) vom (...) (im Original)
 zwei Fotografien
 Registerauszug betreffend Todestag ([...]) des älteren (...), unda-
tiert (im Original)
 Bescheinigung zum Asylverfahren des jüngeren (...) in C._
vom (...) (im Original)
E.
Das SEM trat mit Verfügung vom 11. September 2020 – eröffnet am
14. September 2020 – auf das Wiedererwägungsgesuch mangels gehöri-
ger Begründung und auf die als Revisionsgründe erkannten Vorbringen
mangels funktioneller Zuständigkeit nicht ein und erklärte die Verfügung
vom 14. März 2018 für rechtskräftig und vollstreckbar. Ferner verzichtete
es auf die Erhebung von Gebühren, lehnte den Antrag auf Einholung eines
ärztlichen Gutachtens ab und stellte fest, dass einer allfälligen Beschwerde
keine aufschiebende Wirkung zukomme.
F.
Mit Eingabe vom 21. September 2020 erhob der Beschwerdeführer gegen
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diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde. Er bean-
tragte, die Dispositiv-Ziffern 1, 2, 3, 5 und 6 der angefochtenen Verfügung
seien aufzuheben und das SEM sei anzuweisen, auf sein Asylgesuch be-
ziehungsweise das Wiedererwägungsgesuch einzutreten. In verfahrens-
rechtlicher Hinsicht beantragte er, es sei der Beschwerde die aufschie-
bende Wirkung zu erteilen, ihm die unentgeltliche Prozessführung zu ge-
währen und auf die Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten so-
wie die rubrizierte Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin beizu-
ordnen. Ferner sei das SEM anzuweisen, ein ärztliches Gutachten gemäss
Standard Istanbul Protokoll (Handbuch für die wirksame Untersuchung und
Dokumentation von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder
entwürdigender Behandlung oder Strafe) einzuholen.
G.
Mit separater Eingabe vom 21. September 2020 reichte der Beschwerde-
führer beim Bundesverwaltungsgericht ein Gesuch um Revision des Urteils
des Bundeverwaltungsgerichts D-2274/2018 vom 18. Juni 2020 ein. Das
Revisionsverfahren wird unter der Verfahrensnummer D-4658/2020 inso-
fern koordiniert geführt, als dieselbe Instruktionsrichterin zuständig ist. Mit
superprovisorischer Massnahme vom 22. September 2020 setzte die In-
struktionsrichterin im Revisionsverfahren den Vollzug der Wegweisung
einstweilen aus.
H.
Am 25 September 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Unterstüt-
zungsbestätigung vom (...) des Kantons D._ ein.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]). Die Be-
schwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der Beschwerde-
führer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch die
angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdiges In-
teresse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist zur Einrei-
chung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108 Abs. 3 AsylG; Art.
48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
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2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich unbegründet und ist im Ver-
fahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten
Richters beziehungsweise einer zweiten Richterin (Art. 111 Bst. e AsylG)
ohne Weiterungen und mit summarischer Begründung zu behandeln
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).
4.
4.1. Das Wiedererwägungsgesuch ist im Asylrecht spezialgesetzlich gere-
gelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist der Vorinstanz
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen; im Übrigen richtet sich das Verfahren nach
den revisionsrechtlichen Bestimmungen von Art. 66–68 VwVG (Art. 111b
Abs. 1 AsylG). Kommt eine gesuchstellende Person dabei ihrer Begrün-
dungspflicht nicht nach, so hat die entscheidende Behörde die Möglichkeit,
gestützt auf Art. 111b Abs. 2 AsylG i.V.m. Art. 13 Abs. 2 VwVG auf das Wie-
dererwägungsgesuch nicht einzutreten (BVGE 2014/39 E. 7).
4.2. In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen («qualifizier-
tes Wiedererwägungsgesuch», vgl. etwa Entscheidungen und Mitteilungen
der [ehemaligen] Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK] 2003
Nr. 17 E. 2.a S. 103 f. m.w.H.). Darüber hinaus sind Revisionsgründe, wel-
che sich auf Tatsachen und Beweismittel abstützen, die erst nach Ab-
schluss eines Beschwerdeverfahrens entstanden sind, stets unter dem Ti-
tel der Wiedererwägung bei der Vorinstanz einzubringen (vgl. Art. 45 VGG
i.V.m. Art. 123 Abs. 2 Bst. a [letzter Satz] BGG; BVGE 2013/22).
Eine Wiedererwägung ist nicht beliebig zulässig und darf namentlich nicht
dazu dienen, blosse Urteilskritik zu üben, die Rechtskraft von Verwaltungs-
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und Gerichtsentscheiden immer wieder infrage zu stellen oder die Fristen
für die Ergreifung von Rechtsmitteln zu umgehen.
4.3. Die Vorinstanz ist auf das Wiedererwägungsgesuch des Beschwerde-
führers nicht eingetreten, womit die Beurteilungskompetenz der Beschwer-
deinstanz grundsätzlich auf die Frage beschränkt ist, ob die Vorinstanz zu
Recht auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten ist
(BVGE 2014/39 E. 7).
5.
5.1. Die Vorinstanz führte in ihren Entscheid aus, die als Beweismittel ein-
gereichten beiden warrants of arrest seien vor dem Urteil des Bundesver-
waltungsgerichts vom (...) entstanden und deshalb grundsätzlich im Rah-
men eines allfälligen Revisionsgesuchs vom Bundesverwaltungsgericht zu
beurteilen.
Der Sachverhalt, den der Beschwerdeführer mit dem Dokument message
form vom (...) untermauert habe, sei hingegen als qualifiziertes Wiederer-
wägungsgesuch zu prüfen. Der Beschwerdeführer lege dar, die neu einge-
reichten Dokumente würden seine Verfolgung im Heimatstaat in ein glaub-
haftes Licht rücken. Er wiederhole dabei im Wesentlichen seine bereits
mehrfach geprüften und als unglaubhaft befundenen Asylgründe und
bringe als einzige tatsächlich als neu zu bezeichnende Tatsache einen po-
lizeilichen Haftbefehl vor, der aber nur einen geringen Beweiswert auf-
weise. Beim message form handle es sich nämlich um ein sehr einfach zu
fälschendes Dokument, zumal Originalformulare auch ausserhalb der Po-
lizei zirkulieren würden. Nach Kenntnis des SEM und des Bundesverwal-
tungsgerichts seien in letzter Zeit häufig solche nicht-authentischen Doku-
mente bei den Schweizerischen Asylbehörden eingereicht worden. Das
Dokument verfüge über keine Sicherheitsmerkmale. Zudem enthalte es
normalerweise keinen Stempel und keine Signatur, wie dies hier der Fall
sei. Hinzu komme, dass es in E._ gar keinen Polizeiposten gebe.
Das Bundesverwaltungsgericht habe sich erst kürzlich, am 18. Juni 2020,
ausführlich mit den Risikofaktoren auseinandergesetzt, dies unter Berück-
sichtigung der politischen Veränderungen in Sri Lanka seit November
2019. Es sei nicht ersichtlich, inwiefern sich die Menschenrechts- und Si-
cherheitslage seit der letztmaligen Beurteilung der vorliegenden Sache
drastisch hätten verschlechtern sollen. Aus dem Umstand, wonach sein
jüngerer (...) in C._ ein Asylgesuch eingereicht habe und sein älte-
rer (...) (...) im Krieg umgekommen sei, könne er nichts zu seinen Gunsten
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herleiten. Dem Gesuch sei auch in Bezug auf Wegweisungsvollzugshin-
dernisse nichts wesentlich Neues oder Substanzielles zu entnehmen. Vor
diesem Hintergrund erübrige sich, die geltend gemachte Folter näher ab-
zuklären, respektive zu würdigen und zu diesem Zwecke ein ärztliches Gut-
achten gemäss den Standards des Istanbul Protokolls einzuholen. Sollte
der Beschwerdeführer aus welchen Gründen auch immer eine medizini-
sche Behandlung benötigen, verfüge Sri Lanka über ein relativ gut funktio-
nierendes Gesundheitssystem.
5.2. Der Beschwerdeführer entgegnete in der Rechtsmittelschrift, das SEM
sei zu Unrecht nicht auf das Wiedererwägungsgesuch eingetreten. Das
Wiedererwägungsgesuch sei hinreichend begründet und beschränke sich
keineswegs auf blosse Wiederholungen, was bereits durch das neu einge-
reichte Beweismittel, den polizeilichen Haftbefehl vom (...), deutlich ge-
macht werde. Die eingereichten Dokumente würden die Glaubhaftigkeit
seiner Asylvorbringen belegen.
Das Argument, wonach die message forms normalerweise nicht gestem-
pelt seien, sei eine reine Behauptung. Ein offizieller Stempel spreche ein-
deutig für die Authentizität eines Dokuments. Dass die Vorinstanz die im
Rahmen des Wiedererwägungsverfahrens zu prüfende, neue und erhebli-
che Tatsache des Erhalts eines polizeilichen Haftbefehls lediglich mit der
pauschalen Aussage, das betreffende Dokument sei wahrscheinlich eine
Fälschung, abtue, stelle eine unvollständige Abklärung des Sachverhalts
dar. Die Vorinstanz hätte das Dokument einer internen Dokumentenprü-
fung unterziehen müssen. Sie verletze solchermassen den Untersu-
chungsgrundsatz und sein rechtliches Gehör, da sie ihm keine Gelegenheit
gegeben habe, sich zu diesem Schluss zu äussern. Vor diesem Hinter-
grund hätte zwingend eine Dokumentenanalyse durchgeführt werden müs-
sen. Andernfalls könne letztendlich jedes Wiedererwägungsgesuch, das
auf neuen Dokumenten basiere, mit dem Argument, ein Dokument sei nicht
fälschungssicher und folglich wohl nicht echt, abgewiesen werden. Eine
unvollständige Sachverhaltsermittlung bestehe auch in Bezug auf die von
ihm erlittene Folter. Angesichts der neuen Dokumente würden die darge-
legten Folterungen in ein glaubhaftes Licht gerückt, was wiederum eine
genaue Sachverhaltsabklärung diesbezüglich erforderlich mache.
Der Vorinstanz sei zwar zuzustimmen, dass es in E._ keinen Poli-
zeiposten gebe. Das bedeute aber nicht, dass keine Polizisten für diesen
Ort zuständig seien; vielmehr seien diese stattdessen dem Polizeiposten
F._ untergeordnet. Dort wiederum gebe es eine Polizeibehörde.
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Demnach könne das Argument des fehlenden Polizeipostens den Beweis-
wert des message form nicht entkräften.
Zudem könne er mit den zwei eingereichten warrants of arrest Beweismittel
belegen, dass er im Fall der Rückkehr verfolgt würde. Die Vorinstanz habe
allerdings zu Recht festgestellt, dass diese im Rahmen einer Revision zu
prüfen seien.
Die Vorinstanz habe seine detaillierten Ausführungen zu den objektiven
Nachfluchtgründen fast komplett unerwähnt gelassen. Die Situation seit
den Parlamentswahlen habe sich gar verschärft, weshalb der Nichteintre-
tensgrund des nicht gehörig begründeten Gesuchs klar nicht gegeben sei.
6.
6.1. Vorab ist festzustellen, dass die Vorinstanz auf die Vorbringen, welche
sich auf Dokumente stützen, die vor dem 18. Juni 2020 entstanden sind
(so die beiden warrants of arrest), zu Recht und mit zutreffender Begrün-
dung nicht eingetreten ist und auf die Möglichkeit der Einreichung eines
Revisionsgesuchs beim Bundesverwaltungsgericht hingewiesen hat. Der
Beschwerdeführer stimmt dieser rechtlichen Qualifizierung in der Be-
schwerdeschrift denn auch ausdrücklich zu (vgl. Beschwerde S. 7) und
weist darauf hin, er habe gleichzeitig mit der hier zu beurteilenden Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht ein Revisionsgesuch einge-
reicht (vgl. dazu Sachverhalt Bst. G).
6.2. Sodann ist festzuhalten, dass die Vorinstanz – bei im Übrigen erfüllten
Eintretensvoraussetzungen – nur bei Vorliegen einer gehörigen Begrün-
dung auf ein Wiederwägungsgesuch einzutreten hat. Ein Gesuch ist gehö-
rig begründet, wenn ihm genügend substanziierte Wiedererwägungsgrün-
de zu entnehmen sind (vgl. EMARK 2003 Nr. 7 E. 4a; BVGE 2014/39
E. 5 ff., zumal zwischen Art. 111b und Art. 111c AsylG ein enger Zusam-
menhang besteht; Urteil des BVGer E-4713/2020 vom 7. Oktober 2020
E. 6.1). Unter anderem liegt dann keine gehörige Begründung vor, wenn in
einem Wiedererwägungsgesuch ausschliesslich Gründe angeführt wer-
den, welche schon im Rahmen eines ordentlichen Beschwerdeverfahrens
hätten eingebracht werden können (Art. 66 Abs. 3 VwVG).
6.3. Sowohl die Vorinstanz als auch das Bundesverwaltungsgericht erach-
teten die vom Beschwerdeführer im ersten Asylverfahren dargelegte be-
hördliche Verfolgung vor der Ausreise aus Sri Lanka infolge widersprüchli-
cher und unsubstantiierter Angaben als unglaubhaft und verneinten das
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Vorliegen von relevanten Risikofaktoren im Sinne des Referenzurteils
E-1866/2015 vom 15. Juli 2016. Die als Wiedererwägungsgründe einge-
reichten Beweismittel sind offensichtlich nicht geeignet, an dieser Einschät-
zung etwas zu ändern. In Bezug auf die Fotos – welche gemäss Darlegung
des Beschwerdeführers zeigen sollen, dass gegenüber dem Wohnhaus
seiner Eltern eine Militäranlage errichtet worden sei, und dass seine
Schwägerin von einem Angehörigen des Militärs bei Dämmerung zu sei-
nem Aufenthaltsort befragt worden sei – ist festzustellen, dass daraus nicht
hervorgeht, wann und wo diese Aufnahmen entstanden sind. Zudem sind
die abgebildeten Personen vom Gericht nicht identifizierbar, und die Fotos
ermöglichen keine Rückschlüsse auf den Kontext der darauf abgebildeten
Szenen. Diese Fotos sind daher offensichtlich nicht geeignet, glaubhaft zu
machen, dass die Angehörigen des Beschwerdeführers irgendwann in die-
sem Jahr zu seinem Verbleib befragt worden sind. Weiter weist die Vorin-
stanz zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer aus dem Umstand,
dass sein jüngerer (...) in C._ ein Asylgesuch eingereicht hat, nichts
zu seinen Gunsten ableiten kann. Bezeichnenderweise geht er in seiner
Rechtsmitteleingabe auch mit keinem Wort mehr darauf ein. Weiter blieb
im ordentlichen Verfahren unbestritten, dass der ältere (...) des Beschwer-
deführers (...) im Krieg umgekommen ist, sodass der Beschwerdeführer
auch aus der eingereichten Todesanzeige nichts abzuleiten vermag.
6.4. Beim als «Haftbefehl der Polizei» bezeichneten Dokument vom (...)
handelt es sich um ein Nachrichtenformular («message form»), worin an-
geblich der Inspektor des Polizei Hauptquartiers von G._ der Poli-
zeistation von E._ mitteilt, es sei am (...) ein Haftbefehl gegen den
Beschwerdeführer, welcher der Polizeiabteilung von E._ unter-
stehe, ausgestellt worden. Der Beschwerdeführer sei zu verhaften und das
Polizei Hauptquartier von G._ sei umgehend darüber zu informie-
ren. Es stellt sich vorab die Frage, wie der Beschwerdeführer in den Besitz
dieses polizeiinternen Dokuments gekommen sein soll, zumal nicht ohne
Weiteres davon auszugehen ist, dass sich dieses ebenfalls bei den Ge-
richtsunterlagen befunden hat, welche ihm ein Bekannter, der beim Gericht
arbeite, ohne Erlaubnis habe kopieren können (vgl. Wiedererwägungsge-
such, S. 3). Ausserdem ist die Feststellung der Vorinstanz, dass es sich
dabei um ein sehr einfach zu fälschendes Dokument handle, zu bestätigen
(vgl. Urteil des BVGer E-1936/2018 vom 23. April 2018 E. 5.4. und 7.4.1.).
Der Zweifel bezüglich der Echtheit des Meldeformulars wird auch durch
dessen Inhalt erhärtet. So fällt auf, dass die Fallnummer «(...)» im polizei-
lichen Haftbefehl korrigiert worden ist und entgegen dem üblichen Format
– und den beiden eingereichten warrants of arrest – keinen Schrägstrich
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nach dem (...) enthält («[...]»). Es erscheint auch überhaupt nicht plausi-
bel, dass gegen den Beschwerdeführer erst am (...) ein Haftbefehl ausge-
stellt worden sein soll, mithin (...) Jahre nach seiner Ausreise aus dem Hei-
matland und nach Ausstellung des angeblichen gerichtlichen Haftbefehls.
Zu weiteren Zweifeln am Dokument gibt sodann der Umstand Anlass, dass
es in E._ unbestrittenermassen (vgl. Beschwerde S. 7 oben) gar
keinen Polizeiposten gibt. Unbehelflich ist in diesem Zusammenhang der
Einwand des Beschwerdeführers, das Nachrichtenformular wende sich
nicht an einen Polizeiposten in E._, sondern an die für den Ort
E._ zuständigen Polizisten, welche dem Polizeiposten F._
untergeordnet seien, wendet sich das Nachrichtenformular doch ausdrück-
lich an die Abteilung E._ («To Station E._»).
Zusammenfassend ist dieses Beweismittel nicht hilfreich, eine individuelle
Verfolgungsgefahr glaubhaft darzutun.
6.5. Schliesslich ist die im Urteil D-2274/2018 vom 18. Juni 2020 E. 6.1
vorgenommene Würdigung der Lageeinschätzung in Sri Lanka unter Be-
rücksichtigung der politischen Veränderungen nach wie vor zutreffend. Mit
den wiederholenden Ausführungen in der Beschwerdeschrift verkennt der
Beschwerdeführer, dass eine Wiedererwägung nicht dazu dient, eine be-
reits mit besagtem Urteil gewürdigte Sachlage erneut zu prüfen.
6.6. Eine unvollständige Sachverhaltsfeststellung ist mit Blick auf das Ge-
sagte nicht zu erkennen. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Sachver-
haltselemente im Sachverhaltsabschnitt der angefochtenen Verfügung er-
fasst, sich in den Erwägungen hinreichend mit den eingereichten Beweis-
mitteln des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und hinreichend be-
gründet, weshalb sie auf das Wiedererwägungsgesuch nicht eintritt. Dabei
durfte sie sich auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken. Die Vor-
instanz hatte vor dem Hintergrund des vorstehend Ausgeführten keinerlei
Veranlassung, eine Dokumentenprüfung vorzunehmen, da sich die einge-
reichten Beweismittel als offensichtlich nicht geeignet erwiesen haben, an
der vorstehend dargelegten vorinstanzlichen Einschätzung etwas zu än-
dern. Es erübrigt sich dem Gesagten nach ebenfalls, die vorgebrachte Fol-
ter näher abzuklären und zu diesem Zweck ein ärztliches Gutachten ge-
mäss den Standards des Istanbul Protokolls einzuholen. Insgesamt erge-
ben sich aus den Akten keine Hinweise, dass der rechtserhebliche Sach-
verhalt nicht genügend erstellt wurde und weitere Abklärungen der Vor-
instanz nötig wären. Der Vorinstanz ist keine Verletzung der Untersu-
chungspflicht vorzuwerfen. Schliesslich betrifft die Tatsache, dass die Vor-
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instanz die eingereichten Beweismittel anders beurteilte als vom Be-
schwerdeführer erwünscht, nicht den Anspruch auf rechtliches Gehör, son-
dern die materielle Würdigung.
7.
Mit den Fragen der Wegweisung sowie deren Vollzug hat sich das Bundes-
verwaltungsgericht bereits im Urteil D-2274/2018 vom 18. Juni 2020 be-
fasst. Dabei ist es zum Schluss gekommen, dass die Wegweisung des Be-
schwerdeführers zu Recht angeordnet wurde und keine Wegweisungsvoll-
zugshindernisse bestehen. In der Beschwerdeschrift werden keine neuen
Tatsachen geltend gemacht, welche diese Einschätzung in Frage zu stellen
vermögen, weshalb diesbezüglich vollumfänglich auf die Erwägungen im
obengenannten Urteil zu verweisen ist (vgl. dort E. 7 ff).
8.
Nach dem Gesagten ist festzustellen, dass das Wiedererwägungsgesuch
vom 23. Juli 2020 nicht gehörig begründet ist. Die Vorinstanz ist daher zu
Recht in Anwendung von Art. 111b Abs. 2 AsylG i.V.m.13 Abs. 2 VwVG
auf das Gesuch nicht eingetreten. Die Beschwerde ist abzuweisen.
Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist der beantragte Verzicht auf Erhe-
bung eines Kostenvorschusses wie auch der Antrag auf Gewährung der
aufschiebenden Wirkung gegenstandslos geworden.
9.
9.1. Der Beschwerdeführer beantragt die Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG sowie die Beiordnung der
rubrizierten Rechtsvertreterin als amtliche Rechtsbeiständin gemäss
Art. 65 Abs. 2 VwVG. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen ergibt sich,
dass seine Begehren als aussichtslos zu gelten haben. Damit ist eine der
beiden kumulativ zu erfüllenden Voraussetzungen (Bedürftigkeit und Nicht-
Aussichtslosigkeit) nicht gegeben, weshalb die Gesuche abzuweisen sind.
9.2. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwer-
deführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 1'500.–
festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]).
(Dispositiv nächste Seite)
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