Decision ID: 56e735c0-ab1a-4a84-bcae-8b8f04c6be93
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969,
bezog während seiner Kind
heit/Jugendzeit aufgrund einer neurotischen Verhaltensstörung auf dem Boden eines psychoorganischen Syndroms
(POS)
verschiedene Leistungen
der Invali
denversicherung (Urk. 7/1, Urk. 10).
1.2
Am
20. August 2010
meldete er sich erneut
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
unter Hinweis auf eine
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
zum Leistungsbezug an (Urk. 7/4).
Nach medi
zinischen und erwerblichen Abklärungen sowie durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 26. September 2011 einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen
und auf
eine
Invalidenr
ente
(Urk. 7/29).
Nachdem der Versicherte dagegen
beim hiesigen Gericht
Beschwerde
erhoben hatte
(Urk. 7/36/3-
10)
, hob die IV-Stelle die angefochtene Verfügung
in Anwendung von Art. 53 Abs. 3 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
wiedererwägungsweise auf und stellte weitere Abklärungen in Aussicht
(Urk. 7/39)
, woraufhin
das
Beschwerdeverfah
ren
mit Verfügung vom 12. Dezember 2011
als gegenstandslos geworden abgeschrieben wurde (Urk. 7/46)
.
1.3
Im Rahmen der weiteren medizinischen Abklärungen teilte die IV-Stelle dem Versicherten am
4. Februar 2013
mit, dass
eine psychiatrische Begutachtung
als notwendig erachtet werde
und
Prof. Dr. med. Y._
, FMH Neurologie sowie
Psychiatrie und Psychotherapie
,
damit beauftragt werde
(Urk. 7/72).
Da
der Versicherte zunächst drei angebotenen
Untersuchungstermi
nen
unentschuldigt fernblieb (Urk. 7/76) und ein weiterer
Untersuchungst
ermin seitens des Versicherten trotz
unterzeichneter
Bereitschaftserklärung (Urk. 7/82) nicht zustande kam,
erklärte sich Prof.
Y._
a
m 3. Juli 2013
in diesem Fall
als befangen (Urk. 7/88)
.
In der Folge ordnete
die IV-Stelle
am
25. Oktober 2013
eine psychiatrische Begutachtung bei
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt Psychi
atrie und Psychotherapie FMH,
an
(U
rk. 7/91).
1.4
Im Oktober 2013 wurde der Versicherte i
m Rahmen eines
gegen ihn geführten
Strafverfahrens
wegen
Nötigung, Körperverletzung und Drohung
im Auftrag der Staatsanwaltschaft IV des Kanton
s Zürich durch Dr. med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und P
sychotherapie und Dipl.-Psych. B._
, Psycho
logische Psychotherapeutin,
forensisch-psychiatrisch begutachte
t
(Expertise vom 26. November 2013, Urk. 7/118/1-68).
Mit Verfügung vom 10. Januar 2014 bewilligte die Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich den vorzeitigen Antritt
einer ambulanten
Massnahme
im Sinne
von
Art. 63 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB)
mit stationärer
Einleitung nach Art. 63 Abs. 3 StGB
(Urk. 7/93), weshalb sich der Versicherte
ab dem 15. Januar 2014 im
C._
in stationärer Behandlung befand
(
Urk. 7/99
/2
)
.
D
er
Gutach
tensauftrag bei Dr.
Z._
wurde deshalb am 21. Januar 2014
storniert
(Urk.
7/95
).
1.5
Die stationäre
Einleitung
der ambulanten Massnahme
dauerte bis am
17. März 2014
(Urk.
7
/99/1).
D
ie IV-Stelle
holte
beim
C._
einen Bericht ein (Urk. 7/99)
. Danach
ordnete
sie
wiederum
eine
psy
chiatrische Begutachtung bei
Prof.
Y._
an
(Urk. 7/104).
Prof.
Y._
untersuchte den Versicherten am 9. Juli 2014 und
erstattete sein Gutachten am 24. Juli 2014 (Urk. 7/105).
Mit Vorbescheid vom 25. September 2014 stellte
die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(Urk. 7/108). Dagegen erhob der Versicherte am 2. Okt
ober 2014 Einwand (Urk. 7/110) und
begründete
diesen
mit Eingabe vom
18. Januar 2015 (Urk. 7/120)
unter Beilage des
forensisch-psychiatrische
n
Gutachten
s
vom 26.
November 2013 (Urk. 7/118/1-68), einer E
rgänzung
dieses Gutachtens
vom 30. Januar 201
4 (Urk. 7/118/69-74) sowie eines
Bericht
es
von Dr.
A._
v
om 2. Februar 2015 (Urk. 7/119)
. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) nahm
hierzu
am 9. März 2015 Stellung (Urk. 7/121/2-3). M
it Verfügung vom 20. März 2015
verneinte die IV-Stelle wie angekündigt
einen Leistungsanspruch
(Urk. 2 [= 7/122]).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 30. April 2015 Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
,
die angefochtene Verfügung sei aufzuhe
ben, und es sei ihm eine
ganze
Invalidenrente zuzusprechen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2015 schloss die
Beschwerdegegne
rin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 16. Juni 2015
mitgeteilt
wurde (Urk. 8). Am 25. August 2015
reichte
der Beschwerdeführer
eine weitere Eingabe
ein (Urk. 9
), was der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 14. September 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gut
achten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog im angefochtenen Entscheid
,
den medizinischen Unterlagen könne entnommen werden, dass keine psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Die primäre Abhängigkeit von Alkohol und Cannabis seien IV-fremde Faktoren
(Urk. 2).
2.2
Demgegenüber wird beschwerdeweise im Wesentlichen vorgebracht,
das
Gutach
ten von
Prof
.
Y._
sei nicht beweiskräftig
.
Die
Arbeitsunfähigkeit
sei
nicht
allein
auf da
s Suchtgeschehen zurückzuführen, sondern es sei
davon aus
zugehen,
dass
sich
infolge des schwierigen Lebenslaufes des Beschwerdeführers die bere
its seit der Kindheit bestehend
e
n
Leiden in ihrem Schweregrad verstärkt hätten und der Substanzmittelkonsum als Bewältigungsstrategie anzusehen sei.
Gemäss den
behandelnden
Ärzten
bestehe seit
der
Kindheit
ein ADHS
, Prof.
Y._
habe ein ADHS jedoch le
di
glich als Verdachtsdiagnose aufge
führt.
Ausserdem
sei fraglich, ob Prof.
Y._
in der Lage gewesen sei, die Symptome einer bipolaren affektiven Störung zu erkenn
en. Vorliegend sei auf die zahlreichen
medizinischen Einschätzungen der den Beschwerdeführer sei
t
2009 behandelnden
Ärzte
abzustellen.
Eventualiter sei
zur Klärung der Frage nach dem Schweregrad der affektiven Störung, dem Vorliegen der
Aufmerk
samkeitsd
efizit
-/Hyperaktivitätsstörung
sowie der Frage, ob die psychischen Krankheiten das Suchtgeschehen zur Folge gehabt hätten
, ein Obergutachten einzuholen
(Urk. 1).
3.
3.1
Im
von der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich angeordneten
Gutachten
von Dr
.
A._
und Dipl.-Psych.
B._
vom 26. November 2013
wurden fol
gende
Diagnosen
aufgeführt
(Urk. 7/118/55):
Dringender Verdacht auf bipolare
affektive
Störung, gegenwärtig
hypoma
nische
Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F31.0);
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol:
Abhängigkeitssyn
drom
, gegenwärtig abstinent, aber in beschützender Umgebung (ICD-10 F10.21);
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F12.1);
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Mischtypus, in der Kind
heit (ICD-10 F90.0).
3.2
Im Bericht des
C
._
vom 22. April 2014
–
wo
sich
der Beschwerdeführer vom 15. Januar bis 17. März 2014 zur stationären Einleitung der im strafrechtlichen Verfahren angeordneten ambulanten
Massnahme
aufgehalten hatte
–
wurden
die im Gutachten vom 26. November 2013 gestellten Diagnosen im
Wesentlichen
bestätigt
, wobei die Diagnose einer bipolaren
affektiven
Störung nicht mehr lediglich als
Verdachts
diagnose
aufgeführt wurde
und anstelle der Diagnose ADHS
gemäss
ICD-10 F90.0 die Diagnose einer hyperkinetischen
Störung, nicht näher bezeichnet, gemäss ICD-10 F90.9
gestellt wurde
(
Urk. 7/99
/1).
Im Bericht wurde ausgeführt, es sei
davon auszugehen, dass sich auf dem Boden einer kindlichen und zumin
dest bis in die Adoleszenz persistierenden Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität vermutlich bereits seit mehreren Jahren eine bipolare Störung mit auto- und fremdaggressiven Impulsdurchbrüchen, insbesondere im Rahmen manischer Phasen, etabliert habe, welche im Vorfeld auch zu
r Straffälligkeit geführt habe
(
Urk. 7/99/3). Zur Arbeitsfähigkeit hielten die Ärzte fest, die Leis
tungsfähigkeit sei aufgrund der erheblichen Schwere der psychiatrischen Grun
d
erkrankung vermindert. Eine dieser Beeinträchtigung adaptierte geschützte Tätigkeit sei derzeit maximal im Rahmen von 5,5 Stunden pro Tag möglich (Urk. 7/99/4). Eine berufliche Wiedereingliederung werde initial im geschützten Rahmen mit konsekutiver Abklärung der beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen und nach ausreichender Stabilisierung des Beschwerdefüh
rers im ambulanten Setting zu gegebener Zeit durch den ambulanten
Nachbe
handler
angestrebt (Urk. 7/99/5).
Gemäss den Angaben
im Bericht
verliefen die in regelmässigen und unregelmässigen Abständen durchgeführten Atemalkohol- und Drogenurintests d
urchwegs negativ (Urk. 7/99/3).
3.3
Gutachter
Prof.
Y._
führte in seinem Gutachten vom 24. Juli 2014
keine Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf
. Als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
er folgende Diagnosen:
einen schädlichen
Gebrauch von Alkohol und Cannabis (ICD-10 F10.25, F12.25) sowie einen Verdacht auf
ein
adultes ADHS (ICD-10 F90.0; Urk. 7/105/33).
Prof.
Y._
hielt fest, der Beschwerdeführer, welcher bei der Untersuchung nach Alkohol gerochen habe, habe angegeben, vor der Untersuchung einige alkoholische Getränke konsumiert zu haben
und
täglich drei Liter Bier zu kon
sumieren sowie mehrere Joints zu rauchen
(Urk. 7/105/31 f.).
Der Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers sei instabil. Eine Entzugs- und
Entwöhnungs
therapie
seien indiziert und dem Beschwerdeführer aus
psychiatrisch-versiche
rungsmedizinischer
Sicht auch zumutbar. Eine fehlende Krankheitseinsicht liege nicht vor. Es würden keine intellektuellen Hindernisse bestehen, die dem Beschwerdeführer störungsbedingt die Einsicht in sein Suchtverhalten verweh
ren würden. Das von ihm gezeigte Verhalten sei ein Suchtverhalten mit
Pegel
trinken
, was der Beschwerdeführer verharmlose. Das therapeutische Vorgehen müsse in einer Behandlung der Süchte des Beschwerdeführers bestehen, um damit die Faktoren zu eliminieren, welche auch seine Arbeitsfähigkeit negativ
beeinflussen würden. Bisher seien lediglich Entzugs-, jedoch keine
Entwöh
nungsbehandlungen
durchgeführt worden. Eine Beurteilung gegebenenfalls weiterer psychischer Störungen des Beschwerdeführers sei erst nach mindestens sechsmonatiger Drogenfreiheit möglich.
E
in ADHS
scheine durchaus im
Quer
schnitt
verlauf
der Erkrankung möglich. Eine vordiagnostizierte kombinierte Persönlichkeitsstörung könnte
jedoch auch alkohol-/drogenindu
ziert vorge
täuscht sein. Eine Beurteilung sei erst nach Entzugs- und
Entwöhnungsbe
handlung
in einem guten halben Jahr nach Therapiebeginn abschliessend
mög
lich (Urk. 7/105/32).
Diagnostisch sei von einer primären
Polytoxikomanie
bei Abhängigkeitssyndrom von Cannabis (ICD-10 F12.25) und schädlichem Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.25) auszugehen (Urk. 7/105/
32
).
3.4
RAD-Arzt
med.
pract
. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, hielt am 19. September 2014 dafür, angesichts des beruflichen Werdegangs des Beschwerdeführer (Abschluss als Metallbaumeister, siebenjährige Tätigkeit als Qualitätsmanager und verschiedene Arbeitsstellen als Schlosser) sei davon auszugehen, dass die von Prof.
Y._
genannte eventuell vorliegende
Per
sönlichkeitsstörung
sowie das ADHS sich nicht gravieren
d
auf die Arbeitsfähig
keit ausgewirkt hätten. Es bes
tehe somit keine Einschränkung
de
r Arbeitsfähig
keit (Urk. 7/107/7
).
3.5
Mit Schreiben vom 2. Februar 2015 bemängelte
Dr.
A._
, der gesamte Komplex des Vorliegens einer psychotischen Erkrankung (bipolare affektive Störung) sei von Prof.
Y._
unberücksichtigt geblieben
. Ausserdem sei mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schlussfolgerung zulässig, dass der Suchtmittelkonsum Folge einer durch andere psychopathologische Auffälligkeiten verdeckte
n
Symptomatik einer bipolaren affektiven Störung gewesen sei.
Diese bestimme primär das psychosoziale Leistungsniveau des Versicherten.
Eine Entzugs- oder Entwöhnungsbehandlung würde die Disposition zur Entwicklung
einer mani
schen oder depressiven
Symptomatik nicht beeinflussen (Urk. 7/119/2-3).
4.
4.1
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten kann nicht beurteilt werden, ob die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers durch einen
invalidenversiche
rungsrechtlich
relevanten Gesundheitsschaden beeinträchtigt ist.
So findet sich im Gutachten von Prof.
Y._
keine Auseinandersetzung mit der von den
forensisch-psychiatrischen Sachverständigen
gestellten Diagnose einer bipolaren affektiven Störung. Diesbezüglich ist darauf hinzuweisen, dass
Prof.
Y._
im Rahmen seiner Begutachtung nicht im Besitz
dieser
ausführ
lichen forensisch-psychiatrischen Expertise
vom 26. November 2013 war
(
siehe
Urk. 7/105/13)
, obwohl
die
IV-Stelle
Kenntnis über die Anordnung einer
ambulante
n
Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB
gehabt hatte
(Urk. 7/96)
. Prof.
Y._
gab seine Beurteilung somit
ohne hinreichende
Auseinanderset
zung mit den
relevanten
Vorakten
ab.
Die knapp
gehaltene
Stellungnahme vo
n
RAD-Arzt med.
pract
.
E._
vo
m 9. März 2015 (Urk. 7/121/2-3) -
welcher den Beschwerdeführer
nie persönlich untersucht hat
-
vermag
diesen Mangel nicht zu beheben
.
Sodann bleibt unklar, ob die diagnostizierten Suchterkrankungen (Alkohol und Cannabis) IV-rechtlich relevant sind. Rechtsprechungsgemäss sind reine
Sucht
folgen
IV-rechtlich irrelevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2). Während Prof.
Y._
in seinem Gutachten davon ausging,
beim Beschwer
deführer liege
eine primäre
Polytoxikomanie
vor
(E. 3.3), hielt Dr.
A._
in seiner Stellungnahme vom 2. Februar 2015 dafür, es sei mit hoher Wahrscheinlichkeit die Schlussfolgerung zulässig, dass der Suchtmittelkonsum Folge einer durch andere psychopathologische Auffälligkeiten verdeckte Symptomatik einer bipolaren affektiven Störung gewesen sei (
E. 3.5
). Auch angesichts dieser diver
gierenden Beurteilungen sind vorliegend weitere Abklärungen angezeigt.
4.2
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin
zur ergänzenden
psychi
atri
sche
n
Begutachtung
und anschliessendem Neuentscheid zurückzuweisen
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen
(Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Das Gesuch des Beschwerdeführers vom
30. April
2015 (Urk. 1) um Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung erweist sich damit als gegenstandslos.