Decision ID: 4224b98c-042a-4b40-a277-5fe8865f84be
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1955 geborene
X._
war vom
1.
Januar 2007
bis am 31.
Dezember 2014 als Geschäftsführerin
und «Allrounderin» bei
der
Y._
angestellt und
dadurch
bei der
Allianz
Suisse Versicherungsgesellscha
ft AG (nachfolgend: die Allianz
)
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert
. Innert der
30-tägigen
Nachdeckungsfrist
(
Art.
3
Abs.
2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, UVG)
sch
l
oss die Versicherte
im Januar 2015
eine
Abrede
versicherung
gemäss
Art.
3
Abs.
3 UVG
mit einer Geltungsdauer von 180 Tagen
ab und war
damit weiterhin bei der Allianz
versichert, als sie am 2
8.
März 2015 einen Skiunfall erlitt (Unfallmeldung vom
9.
April 2015
,
Urk.
7/57
;
Abredever
sicherung
vom 2
5.
Januar 2015,
Urk.
7/0
). Der
selbentags
erstbehandelnde Arzt des
Z._
diagnostizierte eine dislozierte mehrfachfragmentäre (4part) proximale
Humeru
sfraktur
links AO 11-B
2.
Diese wurde noch am Unfalltag opera
tiv
versorgt und
konservativ nachbehandelt (vgl. Operationsbericht vom 3
0.
März 2015,
Urk.
7/2; Verordnung
en
zur Physiotherapie,
Urk.
7/3,
Urk.
7/6,
Urk.
7/10 ff.
,
Urk.
7/21
)
.
Zudem wurde der Versicherten ab dem 2
8.
März 2015
initial
eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert
(
Urk.
7/23
).
Die
Allianz anerkannte den Schaden
fall und erbrachte Versicherungsleistungen (Heilbehandlung sowie Tag
gelder vom 3
1.
März 2015 bis 3
0.
September 2015, Urk. 7/66,
Urk.
7/68,
Urk.
7/73,
Urk.
7/83).
Zufolge persistierender Beschwerden erfolgten im Dezember 2015 und Juli 2016 weitere
Schulteroperationen in der
A._
(Operationsbericht
vom 1
6.
Dezember 2015 resp. 2
0.
Juli 2016,
Urk.
7/22
,
Urk.
7/46
).
Zwischenzeit
li
ch hatte
die Versicherte
der Allianz mit
geteilt
,
seit
Januar 2015 sei sie selbständig
erwerbstätig als Wirtschaftsberaterin.
Ausserdem erwähnte sie
Beistandschaften
bei
der
B._
seit ca. Mai 2015 und bei der
C._
sowie eine Tätigkeit als
Redaktorin
ei
ner Fachzeitschrift
(
vgl. Bericht
betreffend
Abklärungsgespräch mit dem Innendienst
vom
8.
Dezember 2015
,
Urk.
7/97).
Mit Schreiben vom 2
8.
Dezember 2015
sowie 2
9.
März 2016
forderte die Allianz die Versicherte im Hinblick auf die Prüfung des Taggeldanspruchs auf, entsprechende Einkommens
nachweise einzureichen (
Urk.
7/101,
Urk.
109), was diese in der Folge unterliess
(
vgl.
Urk.
7/106
)
. Mit
Verfügung vom
1
1.
Mai 2016
ver
n
einte die Allianz einen Taggeldanspruch
. Zur Begründung führte sie aus, die Versicherte habe ihre Erwerbstätigkeit bereits vor dem Unfall aufgegeben, womit kein
Erwerbsausfal
l
be
stehe
(
Urk.
7/111
). Die
da
gegen
erhobene Einsprache
vom 1
0.
Juni 2016
(
Urk.
7/11
2)
wies die
Allianz
mit
E
insprachee
ntscheid
vom
3
0.
März 2017
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
0.
Mai 2017 Beschwerde und beantragte, es sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin zu
verpflichten,
die gesetzlichen Versicherungsleistungen, insbesondere auch nach de
m
1.
Oktober 2015 Taggelder
,
zu erbringen. Eventualiter sei eine Invalidenrente
so
wie
eine
Integritätsentschädigung auszurichten (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerde
ant
wort vom
7.
Juni 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Be
schwerde
,
soweit darauf einzutreten sei (
Urk.
6 S. 2), was der Beschwerdeführerin
am
9.
Juni 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des
UVG
und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu be
urteilende Unfall hat sich am 2
8.
März 2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
Auch bezüglich der hier fraglichen
Abredeversicherung
kommt das
bisherige Recht zur Anwendung.
1.2
Nach
Art.
1a
Abs.
1 UVG (ab
1.
Januar 2017:
Art.
1a
Abs.
1
lit
. a UVG) sind die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer, einschliesslich der Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie der in Lehr- oder Invalidenwerkstätten tätigen Personen obligatorisch versichert. Als Arbeitnehmer gilt, wer eine unselb
ständige Erwerbstätigkeit im Sinne des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicher
ung
(
AHVG
) ausübt (
Art.
1 UVV).
1.3
Gemäss
Art.
6
Abs.
1 UVG werden - soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt.
1.4
Gemäss
Art.
3
Abs.
2 UVG endet die Versicherung mit dem 3
0.
Tag nach dem Tage, an dem der Anspruch auf mindestens den halben Lohn aufhört. Der Versicherer hat dem Versicherten jedoch die Möglichkeit zu bieten, die Versicherung durch besondere Abrede bis zu 180 Tage zu verlängern (
Art.
3
Abs.
3 UVG). Ab
reden mit dem Versicherer über die Verlängerung der Nichtberufsunfall
versi
cherung müssen einzeln oder kollektiv vor dem Ende dieser Versicherung getroffen werden (
Art.
8 UVV).
1.5
Ist die v
ersicherte
Person
infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so
hat sie
nach
Art.
16
Abs.
1 UVG Anspruch auf ein Taggeld. Arbeitsunfähigkeit ist gemäss
Art.
6
des Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsgesetzes (
ATSG
)
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Auf
gabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Die Taggelder werden in Anwendung von
Art.
15
Abs.
1 UVG nach dem versicherten Verdienst bemessen.
Als versi
cherter Verdienst für die Bemessung der Taggelder
gilt
der letzte vor dem Unfall bezogene Lohn (
Art. 15
Abs.
2 Halbsatz 1 UVG).
1.6
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Recht
s
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zustän
dige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfügung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (
BGE
131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid führte die Beschwerdegegnerin aus,
rechtspre
chung
sgemäss sei
der Unfallzeitpunkt für die Entstehung des Taggeldanspruchs
entschei
dend
; habe im Unfallzeitpunkt kein Erwerbsausfall bestanden, so entstehe
–
ungeachtet einer allfälligen unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit
-
kein Taggeld
an
spruch. Vorliegend habe die Beschwerdeführerin ihre unselbständige Erwerbs
tätigkeit als Geschäftsführerin der
Y._
unbestrittenermassen per 3
1.
Dezember 201
4 aufgegeben.
Im
Januar 2015 habe sie
nach eigene
n Angaben
eine selbständige Erwerbstätigkeit als Wirtschaftsber
aterin aufgenommen.
Sie habe s
ich
jedoch
ge
weigert,
entsprechende Einkommensnachweise zu erbringen.
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin lasse sich aus der abstrakten Methode nicht ableiten, ihr Taggeldanspruch sei auf der Basis des im Vorjahr bei
der
Y._
erzielten Lohnes zu berechnen. Die abstrakte Methode besage einzig, dass für die Berechnung des Taggeldes die tatsächliche Erwerbsent
wick
lung nach dem Unfall nicht zu berücksichtigen sei
. Mithin gelte grundsätzlich das vor dem Unfall effektiv erzielte Erwerbseinkommen für die gesamte Tag
geld
leistungsdauer, unabhängig von der tatsächlichen Einkommensentwicklung. Die
vom Bundesgericht beschriebene Abstraktion beim versicherten Verdienst beziehe
sich einzig auf diesen Aspekt. Zusammenfassend
habe
die Beschwerdeführerin
aufgrund ihres Unfalls vom 2
8.
März 2015 einen Taggeldanspruch, soweit sie
ihr unmittelbar vor dem Unfall seit Januar 2015 aus selbständiger Erwerbstätigkeit realisierte
s
Erwerbseinkommen nachweise. Ohne diesen Nachweis bestehe kein Anspruch auf ein unfallbedingtes Taggeld (
Urk.
2
Ziff.
21 ff.
)
.
%1.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, die Taggeldleistungen seien abstrakt auszurichten, mithin sei kein Erwerbsausfall nachzuweisen respektive sei ein solcher nicht Voraussetzung für wei
tere Leistungen.
Aus diesem Grund habe auch kein Anlass bestanden, die effektiven Verdienstverhältnisse auszuweisen.
Die Beschwerdegegnerin lasse ausser Acht, dass mit Abschluss der
Abredeversicherung
eine Prolongierung des Versicherungsschutze
s
erreicht werden soll, weshalb logischerweise bei der Ermittlung des versicherten Verdienstes auf den zuletzt erzielte
n Verdienst abgestellt werden mü
ss
e
, da - wie immer bei Abrede
-
versicherungen - zur Zeit des Unfallereignisses kein versicherter Verdienst vor
liege
. Alles andere würde
zu Versicherungslücken führen, was nicht Sinn des Gesetzgebers sein könne.
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend mache, das Abstellen auf
den
vor Abschluss der
Abredeversicherung
erzielten Verdienst widerspreche geltendem Recht, so stelle sich die Frage, weshalb eine
Abredever
sicherung
denn überhaupt noch abgeschlossen werden sollte.
Die Beschwerde
gegnerin vertrete zu Unrecht die Auffassung, die abstrakte Berechnungsmethode sei vorliegend nicht anwendbar, da sie (die Beschwerdeführerin
) dir
e
k
t vor dem Unfall keinen Verdienst erwirtschaftet habe. Hätte doch dies zur Folge, dass die
Abredeversicherung
eine Versicherung anbiete, welche
nicht mehr Leistungen erbringt
als die obligatorische Krankenpflegeversicherung
(
Urk.
1 S. 3 ff.)
.
%1.3
In ihrer Beschwerdeantwort
stellte sich die Beschwerdegegnerin auf den Stand
punkt
,
die Beschwerdeführerin
habe
mit der Auflösung des Arbeitsverhältnisses
mit der
Y._
per 3
1.
Dezember 2014 freiwillig eine deutliche Ein
kommen
sminderung
in Kauf genommen.
Mithin sei die Erwerbseinbusse der Beschwerdeführerin nicht unfallbedingt, sondern Folge der freiwillige
n Aufgabe ihrer Anstellung bei der
Y._
.
Wür
de der Taggeldanspruch auf der Grundlage ihres
bisherigen Erwerbseinkommen
s
als Geschäftsführerin berechnet, führte dies zu einer unfallbedingten wirtschaftlichen Besserstellung. Dies käme einer
Privilegierung der
Abredeversicherten
gegenüber den
obligatorisch nach
UVG-Versicherten
gleich
, welche mit den Taggeldleistungen nach einem Unfall kein höheres Einkommen generieren könnten als vor de
m
Unfall
.
Es sei nicht Sinn und Zweck einer Taggeldversicherung, eine versicherte Person durch einen Unfall finanziell besser zu stellen.
Dass
das
im Jahre 2015
aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
bei der SVA Zürich abgerechnete
Einkommen von insgesamt
Fr.
10'723.-- im Jahr 2015 unfallbedingt tiefer
ausgefallen sei
als ohne Unfall,
habe die Beschwerdeführer
in
nicht aus
gewiesen.
Zusammenfassend bestehe man
gels
unfallbedingter Erwerbseinbusse kein Taggeldanspruch
(
Urk.
6
Ziff.
14
ff.)
.
3
.
3
.1
Festzuhalten ist
vorab
, dass d
ie freiwillige
Abredeversicherung
nach
Art.
3
Abs.
3 UVG
nach der Rechtsprechung
keinen eigenständigen Versicherungscharakter besitzt. Vielmehr verlängert die Abrede eine bestehende obligatorische Versiche
rungsdeckung und bezweckt die Verhinderung von Versicherungslücken für Per
sonen, die nach Beendigung eines Arbeitsverhältnisses länger als 30 Tage keine neue Stelle antreten, da sie ohne getroffene Abrede über keinen Versiche
rungs
schutz verfügten. Sobald indessen wiederum ein solcher Schutz vorhanden ist, ist die neue Versicherung zuständig, selbst wenn im Unfallzeitpunkt eine
Abredeversicherung
besteht, da diese nicht mehr notwendig ist. Der Arbeitnehmer der ohne Unterbruch aus einem alten in ein neues
unbefristetes
Arbeitsverhältnis übertritt, kann nicht geltend machen, es bestünde im Rahmen der
Abredever
sicherung
gemäss
Art.
3
Abs.
3 UVG ein Versicherungsschutz beim ersten Arbeitgeber. Verunfallt er, hat der Versicherer des neuen Arbeitgebers zu leisten, auch wenn diese Leistungen allenfalls tiefer sind, als jene bei der Versicherung des früheren Arbeitgebers
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts
U 286/02 vom 1
6.
Septem
ber 2003, E. 3)
.
Da es um das Zusammenwirken
von freiwilliger und obligato
rischer Versicherung geht, ist
Art.
77
Abs.
2 UVG nicht anwendbar (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts U 286/02 vom 1
6.
September 2003 E. 3.1 f.).
T
eilzeit
be
schäftigte Arbeitnehmer, deren wöchentliche Arbeitszeit bei einem Arbeitgeber mindestens acht Stunden beträgt, sind auch gegen Nichtberufsunfälle
obligato
risch
versichert (
Art.
13
Abs.
1 UVV).
Vorliegend
lässt sich dem bei den Akten liegenden Auszug aus dem
individuellen Konto (IK-Auszug vom 2
5.
Juli 2016,
Urk.
7/120) entnehmen, dass die Beschwer
deführerin im Jahre 2015 ein (AHV-pflichtiges) Erwerbseinkommen aus unsel
b
ständiger Erwerbstätigkeit von insgesamt
Fr.
10'723.-- erzielte. Bei dieser Sach
lage ist
nicht
anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt des Unfalls bei einem neuen
Arbeitgeber mindestens acht Stunden wöchentlich angestellt und damit bei diesem obligatorisch gegen Nichtberufsunfälle versichert war.
3
.2
Sodann enthält
Art.
3
Abs.
3 UVG nach seinem Wortlaut keine Einschränkung bezüglich Personen, welche während der
Geltungsdauer der
Abredeversicherung
eine selbständige Erwerbstätigkeit aufnehmen.
Auch d
en bei den Akten liegenden Vertragsbestimmungen sowie Merkblättern der Beschwerdegegnerin ist nicht zu
entnehmen, der Versicherungsschutz der
Abredeversicherung
endige mit der Auf
nahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit oder mit dem Abschluss einer frei
willigen Unfallversicherung im Rahmen derselben
. Unter
Ziff.
4 wird in diesem Zusammenhang einzig festgehalten, eine freiwillig abgeschlossene Unfall
ver
si
cherung endige mit der Unterstellung der versicherten Person unter die obliga
torische Versicherung (vgl.
Urk.
7/0) – was sich indes bereits aus der oben erläuterte
n Rechtspraxis ergibt (vgl. E. 3
.1).
Aus der Lehre
vertritt
Kaspar Gehring im neu
lich
erschienenen
Orell
Füssli Kommentar (
OFK
) zum KVG/UVG
die
Auf
fassung
, soweit
bei der Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit
eine
frei
willige Versicherung
abgeschlossen
worden sei,
sei
nach einem Unfall allein
diese
leistungspflichtig. Solange jedo
ch
keine freiwillige Unfallversicherung abge
schloss
en worden sei, ge
lt
e
weiter
h
in die Nachdeckung bzw. die
Abredever
sicherung
(
OFK
/
KVG/
UVG
-Gehring, Zürich 2018,
Art.
3
UVG N
26).
Mit Bezug auf die gesetzliche Nachdeckung hielt das Bundesgericht i
n BGE 1
37 V 90
jedenfalls
fest,
soweit
eine versicherte Person in der 30-tägigen Nachde
ckungsfrist einen Unfall
erleide
, sei
sie für dessen Folgen auch dann versichert, wenn sie
bereits vor dem Unfall
eine selb
ständige E
rwerbstätigkeit
ohne freiwillige Versicherung
aufge
nommen hab
e
(E. 5).
Die Beschwerdeführerin nahm n
ach eigenen Angaben
im
Januar 2015
eine selbständige Erwerbst
ätigkeit als Wirtschaftsberaterin
auf
.
Aus den vorliegenden Akten erhellt ferner, dass sie
(erst)
nach
Ablauf des Versicherungsschutzes durch die
Abredeversicherung
per 3
0.
Juni 2015
am 1
0.
Juli 2015 ei
ne freiwillige UVG-Versicherung
- ebenfalls
bei der Allianz -
abgeschlossen hat
(
vgl. Schreiben vom
2
9.
März
2016,
Urk.
7/109
; Antwort
schreiben der Beschwerdeführerin vom 2
8.
April
2016,
Urk.
110 S.
4
)
.
Vorliegend
hat die Beschwerdegegnerin
den ange
fochtenen Entscheid nicht damit begründet, es bestehe
zufolge
Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit kein Taggeldanspruch
aufgrund
der
Abredeversicherung
. Im Gegenteil hielt sie im
Einspracheentscheid
ausdrücklich
fest, auf
grund des
Unfallereignisses vom 2
8.
März 2015 bestehe ein Taggeldanspruch, sofern die Beschwerdeführerin das unmittelbar vor dem Unfall erzielte Einkommen aus selbständiger Tätigkeit au
sweise (
Urk.
2
Ziff.
31). Damit
geh
en die Parteien übereinstimmend davon aus
, dass die
Beschwerdeführerin
am 2
8.
März 2018, mithin zu einem Zeitpunkt, in dem sie nicht mehr bei der
Y._
tätig, aber weiterhin durch eine
Abredeversicherung
im Sinne von
Art.
3
Abs.
3 UVG bei der Beschwerdegegnerin gegen die Folgen von Unfällen versichert
war
, einen Unfall erlitten hat
und
letztere
hinsichtlich dessen Folgen grundsätzlich leistungspflichtig ist
.
Bei der geschilderten Sach- und Rechtlage
gibt
dies
keinerlei Anlass zur gerichtlichen Korrektur.
4.
4.1
Strittig und
zu prüfen bleibt
damit
einzig
die Berechnungsgrundlage, mithin
der
versicherte Verdienst,
ein
es allfälligen
Taggeldanspruch
s
ab dem
1.
Oktober 201
5
.
V
om 3
1.
März 2015 bis 3
0.
September 2015
hatte die
Beschwerdegegnerin gemäss Beschwerdeantwort
«irrtümlicherweise»
Taggeldleistungen auf
der Basis
des
Verdientes bei der
Y._
in der Gesamthöhe
von
Fr.
46'672.
—
ausge
richtet
(
Urk.
6
Ziff.
8
). Auf eine Rückforderung der aus ihrer Sicht zu Unrecht erbrachten Taggeldleistungen hat die Beschwerdegegnerin – soweit ersichtlich – verzichtet, womit sich Weiterungen hierzu erübrigen.
Soweit die Beschwerde
führerin im vorliegenden Beschwerdefahren in ihren Eventualanträgen eine Rente
sowie
Integritätsentschädigung beantragt, liegt ihr Rechtsbegehren ausserhalb des Anfechtungsgegenstandes und ist diesbezüglich auf die Beschwerd
e nicht einzutreten (vgl. E. 1.6
).
4.2
Währen
d
dem
die Beschwerdegegnerin einen Taggeldanspruch zunächst
deshalb
verneinte,
weil
d
ie Beschwerdegegnerin im Unfall
zeitpunkt keinen Erwerbsaus
fall erlitten
habe
(Verfügung vom 1
1.
Mai 2016,
Urk.
7/11),
stellte
sie sich im angefochtenen Entscheid auf den Standpunkt, die Beschwerdeführerin habe
mangels
Nachweis des
unmittelbar vor dem Unfall rea
lisierte
n
Einkommen
s
keinen Taggeldanspruch
(
Urk.
2
Ziff.
31
).
In ihrer Beschwerdeantwort führte die Beschwerdegegnerin
schliesslich aus, zufolge freiwilliger
resp. mangels unfallbe
dingter Erwerbseinbu
sse
habe die Beschwerdeführerin kein
en
Anspruch auf ein Taggeld
(
Urk.
6
Ziff.
14 ff.
,
Ziff.
26
).
5
.
5
.1
Taggelder werden in
Anwendung von
Art.
15
Abs.
l UVG nach dem versicherten Verdienst bemessen. Als versicherter Verdienst gilt dabei der letzte vor dem U
n
fall bezogene Lohn (vgl. E. 1.5
). Nach altem Recht wurde das Taggeld nicht nach diesem Lohn, sondern nach dem mutmasslich entgangenen Verdienst berechnet. Alle
rdings stellte sich diese Berechnungsmet
hode als für die V
ersicherung auf
wändig heraus, mu
sste diese doch im
Massengeschäft für jeden einzelnen Tag
festl
egen, wie viel die versicherte Person mutmasslich verdient hätte. Der System
wechsel zur neuen, sog. "abstrakten" Bemessungsmethode
wurde in erster Linie mit admin
istrativen Verein
fachungen, die mit der neuen Methode einhergehen, begrün
det (Botschaft zum Bundes
gesetz über die Unfallversicherung vom 1
8.
August 1976, BB
I 1976
III 141, S. 168; vgl. auch Walter Seiler
, Der Entwurf
zu einem neuen Unfallversicherun
gsgesetz, in: SZS 1
977 S. 6 ff., S. 21 f. und André Pierre Holzer
, Der versicherte Verdienst in der
obligatorischen Unfall
versicheru
ng, in: SZS 2010, S. 201 ff., S. 204).
Sinn und Zweck der Nachdeckung
gemäss
Art.
3
Abs.
2
UVG
und der
Abredeversicherung
nach
Art.
3
Abs.
3 UVG ist das Vermeiden von Lücken im Versicherungsschutz, die ohne diese Be
stimmungen entstehen könnten, wenn die versicherte Person für einen kürzeren Zeitraum (maximal ein halbes Jahr) nicht in einem Arbeitsverhältnis steht (
vgl.
Gabriele Riemer-Kafka
, Ein Kommentar: Urteil U 51/03 vom 2
9.
Oktober 2003, in: SZS 2004
,
S. 80). Dabei stehen für die versicherte Person
naturgemäss
die Geldleistungen im Vordergrund, wäre doch jedenfalls die in der Schweiz wohn
hafte Person auch ohne diese Möglichkeit für die Heilbehandlung versichert (vgl.
Art.
1a
Abs.
2
lit
. b
des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung,
KVG). Insbesondere die
Abredeversicherung
würde somit weitgehend ihres Zwecks be
raubt, wenn während ihrer D
auer kein Anspruch auf Taggeldl
eistungen entstehen könnte.
Sei
tens der Lehre wird daher postul
iert, bei der Bemessung der Taggelder die versicherte Person so zu stellen, wie wenn sie am letzten Tag ihrer Erwerbs
tätigkeit verunfallt wäre
(
André Pi
erre Holzer, a.
a.
O., S.
214). Mit Entscheid 8C_243/2017 vom 31.
Au
gust 2017
beurteilte das Bundesgericht den Fall eines
Versicherten, der vor Ende des Arbeitsverhältnisses eine
Abredeversicherung
mit der Allian
z abschloss und innert
des
versicherten Zeitraums
einen Unfall erlitt. Die Allianz anerkannte grundsätzlich ihre Leistungspflicht und erbrachte Heil
behandlungskosten. Demgegenüber verneinte sie einen Taggeldanspruch und begründete dies damit, der Versicherte wäre auch ohne den Unfall nicht erwerbstätig gewesen. Das Bundesgericht hielt dazu fest, bei Bestehe
n
einer
Abredeversicherung
könne
der Anspruch auf ein Taggeld grundsätzlich nicht einzig mit dem Argument verneint werden, die versicherte Person wäre auch ohne den Unfall während der Heilungsphase nicht erwerbstätig gewesen.
Etwas Abwei
chendes ge
l
t
e
nur dann, wenn feststeht, dass sich die versicherte Person bereits vor dem Unfall endgültig aus dem Arbeitsmarkt zurückzieh
en wollte, mithin im Falle einer
Pensionieru
ng
(
E. 3
.6)
.
In BGE 130 V 35 ging
es um einen Versicherten, der kurz na
ch seiner vorzeitigen Pensionierung und damit noch in
der Nachdeckungsfr
ist gemäss
Art.
3
Abs.
2 UVG veru
nfallte. Das damalige Eidgenös
sische Versicherungsgericht (heu
te
: Bun
desgericht, I. sozialrechtliche Abteilung) erwog, eine solche
Person könne gar
nicht mehr arbei
tsunfähig im Sinne von
Art.
16
Abs.
l UVG (he
u
te: im Sinne von
Art.
6 ATSG) sein, so dass auch kein Anspruch auf ein Taggeld mehr bestehen könne. Dieser Entscheid ist in der Folge von der Le
hre kritisiert worden (Gabriela Riemer-Kafka
, a.
a.
O
, in:
SZS 2004, S. 78 ff.; Ueli
Kieser
, Lohneinbusse
als Vor
aussetzung von Taggeldern
der Unfa
llversicheru
n
g?
Art.
16
Abs.
l UVG, in: AJP 2004, S. 190 ff.). Insbesondere wurde bemängelt, er stelle eine Abkehr von der abstrakten Bemessungsmethode der Taggelder dar. Daraufhin präzisierte das Bundesgericht
in
BGE 134 V 392, BGE 130 V 35 habe nichts an der grundsätzlich abstrakten Berechnungsm
ethode der Taggelder geändert. Entsprechend bejahte es den Taggeldanspru
ch einer Versicherten
, welche in einem Zeitpunkt verun
fallte, als sie noch erwerbstätig war, gegebenenfalls auch über das Erreichen des
ordentlichen AHV-
Rentenalters hin
aus (vgl. Bundesgerichtsentscheid 8C_243
/2017 vom 3
1.
August 2017 E. 3.4 f
.).
5
.2
Vorliegend besteh
en u
nbestrittenermassen keinerlei Hinweise für eine vorzeitige Pensionierun
g der B
eschwerdeführerin.
M
angels
Relevanz im Hinblick
auf die abstrakte Berechnungsmethode
war sie
entgegen der Beschwerdegegnerin (
Urk.
2
Ziff.
31) nich
t dazu verpflichtet, das im
Unfa
llzeitpunkt effektiv erzielte Ein
kommen auszuweisen.
Vielmehr wäre die Beschwerdeführerin im Rahmen der Taggeldbemessung
so zu stellen
gewesen
, wie wenn sie am letzten Tag ihrer Erwerbstätigkeit
bei der
Y._
verunfallt wäre
. Ganz allgemein
ist
im Übrigen
darauf hinzuweisen, dass
die
abstrakte Berechnungsmethode
sowohl bei obligatorisch als auch bei freiwillig Versicherten anzuwen
den
ist
. Eine Sonder
re
gelung für
Abredeversicherte
existiert nicht
. Die Argumentation der Beschwer
degegnerin, wonach e
ine
dem Unfall vorangehende
freiwillige Einkommens
minderung zufolge firmenintern
en
Stell
enwechsels oder
Reduktion de
r Arbeitszeit
im Rahmen der
Taggeldberechnung
bei
obligatorisch Versicherten
zu berücksich
tigen wäre
(
Urk.
6
Ziff.
18), weshalb
ein Abstellen auf den freiwillig aufge
g
ebenen Verdienst der
Beschwerdeführerin als Geschäftsführerin
der
Y._
vorliegend
nicht angehe
, ist nicht stichhaltig.
Unter Hin
weis auf das
oben
unter E. 5
.1 Gesa
gte kann im Rahmen der Taggeldberechnung
denn auch nicht ent
scheidend sein, aus welchem Grund das bisherige
Arbeitsverhältnis
aufgelöst wurde. Dies hat
denn auch die Beschwerdegegnerin
selbst festgehalten (
Urk.
6
Ziff.
20). Mithin ändert die freiwillige Auflösung ihres
Anstellungsverh
ältnisses bei der
Y._
nichts an der
Berechnungsmethode
eines allfälligen Tag
geldanspru
chs. Soweit das Bundesgericht festhält, der Anspruch auf ein Taggeld könne grundsätzlich n
icht einzig mit dem Argument
verneint werden, die ve
r
si
cherte Person
hätte auch ohne den Unfall kein
Erwerbseinkommen er
zielt (vgl.
E.
5
.1), so muss dies auch dann gelten, wenn die versicherte Person ohne den
Unfall weniger verdient hätte.
Entsprechend
hätte die Besch
werdegegnerin
einen Tag
g
eldanspru
ch (ab dem l. Oktober 2015) nicht einzig mit dem Argument ve
rneinen dürfen, die Beschwerdefü
hrerin habe i
m Unfallzeitpunkt kein Erwerbs
ein
kommen erzielt (
Urk.
7/111) resp. sie habe es unterlassen, das seit Janua
r 2015 aus selbständiger Erwerb
stätigkeit erzielte Einkommen auszuweisen (
Urk.
2
Ziff.
31) resp. sie habe keine unfallbedingte, sondern
lediglich
eine freiwill
ige Erwerbsein
busse erlitten (
Urk.
6
Ziff.
15,
Ziff.
22).
Ganz abgesehen davon kann der Beschwerdegegnerin nicht gefolgt werden, soweit sie
allein aufgrund
der f
reiwilligen Erwerbseinbusse eine
(zusätzliche) unfallkausale
E
rwerbseinbusse verneint
.
Mithin
schliesst
das e
ine das
andere
nicht automatisch aus.
Entsprechend ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, als di
e Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen is
t, damit diese die übrigen Anspru
chs
vor
aussetzungen
prüfe und über den Taggeldanspru
ch neu entscheide.
6.
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Ausgangsgemäss steht der Beschwerdeführerin eine volle Prozessentschädigung zu, die beim praxisgemä
ssen Stundenansatz von
Fr.
220.-- ermessensweise auf
Fr.
2
'
0
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.