Decision ID: c0049517-60d4-411d-a5d1-55e1a084c9ce
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geborenen 1970, leidet seit Kindesalter an einer Diabetes Typ 1
Erkrankung
mit Polyneuropathie bei Spreizfüssen und Krallenzehen
, weswegen ihr d
ie Eidgenössische Invalidenversicherung
seit dem Jahr 2004
Kostengut
spra
chen für orthopädisches Schuhwerk erteilte (vgl.
Urk.
5/
5
,
5/13
, 5/3
8
, 5/58
).
Am
6.
Juni 2018 meldete
sich
die Versicherte
über den
Sozialdiens
t
Y._
und
unter Angabe seit dem 15.
November 2015 bestehender Beschwerden und Arbeitsunfähigkeiten zum
Leistungsb
ezug
(b
erufliche Integration
,
Rente
)
an (
Urk.
5/21
Ziff.
4.3
, vgl. auch
Urk.
5/23
).
Die zuständige Sozialversicherun
gsan
stalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, tätigte Abklärungen in erwerblicher und medizin
i
scher Hinsicht
. Nach einem telefonischen Standortgespräch vom 2
7.
Juni 2018 teilte
sie
gleichentags mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien und der Rentenanspruch geprüft werde (
Urk.
5/29 f.)
.
Nach Eingang ver
schie
dener Arztberichte legte die IV-Stelle den Fall ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD) vor. Nach dessen Stellungnahme vom
6.
Februar 2019 (
Urk.
5/59
/
4) stellte sie mit Vorbescheid vom 1
3.
März 2019 (
Urk.
5/61) die Abweisung eines Anspruchs auf eine Invalidenrente in Aussicht. Daran hielt sie nach erhobenem Einwand (
Urk.
5/62
, 5/66, 5/69, 5/72 und 5/78)
und
nach erneuter Stellungnahme des RAD (
Urk.
5/79/4) mit Verfügung vom
9.
Dezember 2019 (
Urk.
2) fest.
2.
Dagegen e
rhob die Versicherte am 3
0.
Dezember 2019
(
Urk.
1)
Beschwerde mit dem Antrag,
e
s sei eine Invalidenrente zu 50
%
zuzusprechen. Die IV-Stelle bean
tragte in ihrer Beschwerdeantwort vom
3
1.
Januar 2020
mit dem Verweis auf die Akten und Verzicht auf eine Stellungnahme die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4
), was der Beschwerdeführerin am
3.
Februar 2020
zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar be
gründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuver
lässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
mit Hinweis). In solchen Fällen sind jedoch an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Verneinung
des
Anspruchs auf eine Invalidenrente in ihrem Entscheid (
Urk.
2) damit, dass
der
Grund
für die
Anmel
dung gewesen sei, dass
die Beschwerdeführerin ihre
r
bisherige
n
Tätigkeit als Pflegeassistentin aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr habe nachgehen können.
Aus kardiologischer Sicht sei sie aber
beschwerdefrei und
der
zusätzlich bestehende insulinpflichtige Diabetes Typ 1 sei
sehr gut eingestellt. Damit könne die
vom behandelnden Arzt,
Dr.
med.
Z._
, Allgemeine Medizin,
Manuelle Medizin, attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
nicht nachvollzogen werden. Es sei kein Gesundheitsschaden ausgewiesen, welcher eine andauernde
höhergradige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen
könnte.
Das Leistungsbegehren
werde
deshalb
abgewiesen.
2.2
Die
Beschwerdeführer
in
stellt sich demgegenüber
auf den Standpunkt (
Urk.
1 S.
1
f.
),
sie leide
seit Geburt
unter eine
m
Diabetes Typ 1 und habe bis 2015 ohne Einschränkungen arbeiten können. Nach
einer
kardiologischen Operation
hätten sich Vorfälle
gehäuft und zweimal sei
eine Reanimation und die sofortige Hospi
talisierung notwendig geworden. Nur
aufgrund von
Integrationsm
assnah
men des Vereins
A._
hätten
die Vorfälle auf drei bis vier p
ro Jahr reduziert werden können und
unter den Voraussetzungen, dass sie die
Arbeit nur noch zu zweit
ausübe
und
während
24 Stunden
ü
berwach
t werde.
Ein Arbeitgeber müsse
bei ihr
jederzeit damit rechnen, dass eine lebensbedrohende Situation ohne Vor
warnung eintrete. Letz
t
mals
sei dies
am
3.
Dezember 2019 passier
t und mittels Verabreichung einer
Notspritze durch Dritte
habe der sichere
Tod verhindert
werden könne
n. Die Einschätzung von
Dr.
Z._
, dass eine Arbeitsun
fähig
keit von 50
%
vorliege,
sei
richtig. Es gebe zwar Tage, wo eine Arbeitsleistung viel höher als 50
%
möglich sei, es müsse aber jederzeit mit einem Ausfall für mehrere Tage gerechnet werden.
Obwohl die Dosierung der Blutverdünnungs
produkte genau eingehalten w
e
rde, schwankten die Werte erheblich und die Aus
sage des Kardiologen, dass die Medikamente eine 100
%
Arbeit zuliessen
,
könne daher
nicht stimmen. Aus kardiologischer Sicht müsse eine mittelschwere Beein
trächtigung angenommen werden.
E
ine psychische Störung
habe
sie nicht
, aber sie werde immer wieder auf kognitive Störungen angesprochen, die sie
nicht bemerke und
die
wahrscheinlich
auf das Wechsel
spiel der Blutverdünner und des
Zu
ckerspiegels zurückzuführen seien
.
Sie habe alles Machbare getan
,
aber die immer wiederkehrenden lebensbedrohenden Vorfälle würden beweisen, dass sie keine Chance mehr auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt habe.
3.
Streitig ist der Anspruch auf Rentenleistungen der Invalidenversicherung auf
grund
der Anmeldung vom
6.
Juni 2018 (
Urk. Urk.
5/21
). Die medizinische Akten
lage präsentiert sich
diesbezüglich
wie folgt:
3.1
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Kardiologie und
Innere Medizin
,
nannte im Bericht vom
8.
November 2016 (
Urk.
5/47
, vgl. auch
Urk.
5/45/2
) die
folgenden
Diagnosen
:
1.
Status nach
Aortenklappenersatz
mechanisch am 1
6.
November 2015
-
bei
dekompensierter
bicuspider
Aortenstenose
-
leicht exzentrisch hypertropher linker Ventrikel EF 64
%
-
Ausschluss
koronare Herzkrankheit (
KHK
;
Koro
1
0.
November 2015)
2.
Diabetes mellitus Typ 1, Erstdiagnose 1973
-
Insulinpumpe seit 1999
Der Kardiologe hielt fest, e
in Jahr na
ch dem
Aortenklappenersatz
zeige
sich ein perfekter Verlauf. Die Pr
othese funktioniere einwandfrei
und
die Beschwerde
füh
rerin sei
entsprechend kompensiert, beschwerdefrei un
d gut leistungsfähig. Let
z
te
res lasse
sich auch mit der unauffälligen Fahrra
d-Ergometrie dokumentieren.
Der Blutdruck
sei normal und der INR im Zielbereich (2-3). Eine nächste Kontrolle könne in einem Jahr erfol
gen.
3.2
Dr.
Z._
führte im Bericht vom 1
2.
Juni 2018 (
Urk.
5/31
/
2)
aus, es
be
stün
den seit der Herzoperation im Jahr 2015 physische Einschränkungen und auch
ein reduziertes Konzentrationsvermögen. Wahrscheinlich bestehe eine per
ma
nente
Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
3.3
Im Bericht
vom
6.
November 2018 (
Urk.
5/50/8-9) führte
Dr.
B._
aus, erfreulicherweise sei der kardiale Zustand auch drei Jahre nach dem mecha
nischen
Aortenklappenersatz
sehr schön. Die
aortale
Klappenprothese funktio
niere perfekt und die Auswurffraktion des nun praktisch normal grossen linken Ventrikels sei erhalten. Die Beschwerdeführerin sei kompensiert, kardial be
schwerdefrei und normal leistungsfähig. Unter Belastung zeige sich ein unauf
fälliges Blutdruck- und Pulsverhalten. Die nächste Kontrolle erfolge wiederum in einem Jahr.
3.4
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für Innere Medizin und
Endokrinol
ogie-Diabetologie
, hielt im Formularbericht zu Händen
der Invalidenversicherung vom 22
.
Novem
ber 2018 (
Urk.
5/55/7-8
) fest, die Beschwerdeführerin
stehe
bei ihm seit
dem Jahr
2014
fortwährend jeweils alle drei bis vier Monate
mit letzter Kontrolle am 1
7.
August 2018 in Behandlung.
Es sei seit 1973 ein
Diabetes Mellitus Typ 1
ohne Folgeschäden und guter Compliance bekannt. Es erfolge ein regelmässiges Screening und
eine
Optimierung der Insulintherapie. Aufgrund
des Diabete
s be
stehe keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit.
Schichtarbeiten sollten vermie
den werden, da dies die Optimierung der Diabeteseinstellung erschwere.
3.5
Am
6.
Februar 2019 hielt die RAD-Ärztin
Dr.
me
d
D._
, Fachärztin Inne
re Medizin und Vertrauensärztin,
fest (
Urk.
5/59
/
4),
bei
einem
Status nach mecha
nischem
Aortenklappenersatz
im November 2015 zeige sich bei
dekompensierter
bicuspider
Aortenklappe bei allen kardiologischen Kontrollen ein sehr guter postoperativer Befund mit einwandfrei funktionierender
Aortenklappenprothese
und sehr guter Belastbarkeit bei klinisch beschwerdefreier Beschwerde
führerin. Der insulinpflichtige
Diabetes mellitus
Typ 1
mit Erstdiagnose 1973 und
mit
Insulinpumpe 1999 sei g
emäss den Angaben von
Dr.
C._
sehr gut eingestellt und begründ
e
keine Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten ohne Schichtarbeiten. Insofern könne die von
Dr.
Z._
ausgewiesene 50%ige Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollzogen werden und es sollte auf die kardiologischen und
endo
krinologischen
Facharztberichte abgestellt werden. Demnach sei kein Gesund
heitsschaden ausgewiesen, der eine andauernde
höhergradige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründe.
3.6
Dr.
C._
wies im Bericht vom
6.
Juni 2019 (
Urk.
5/68) darauf hin,
es seien kognitive Einschränkungen und
eine
Einschränkung der Orientierung im Rahmen von Hypoglykämien bei der Beschwerdeführerin in der Vergangenheit aufge
tre
ten, was bei
einer
Typ 1 Diabetes insgesamt nicht sehr selten sei. Die Be
schwer
deführerin habe aber eine Insulinpumpe, die sich bei gleichzeitiger Benut
zung einer kontinuierlichen
Glucosemessung
bei drohenden Hypo
glykämien selber ab
stellen könn
e. Leider trage
die Beschwerdeführerin
aber das CGM (
Continuous
Glucose Monitoring
)
nicht regelmässig.
Im Rahmen der Tätigkeit als
Diabetologe
sei
er
aber
nicht in der Lage
,
die Vergesslichkeit, die ö
rtliche Orientierung bezie
hungsweise
die
kognitive
n
Einschränkungen zu beurteilen. Dazu
sei
die Stellung
nahme eines Psychologen beziehungsweise Psychiaters hilfreicher.
3.7
Dr.
med.
E._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie
,
führte
im Bericht vom 1
9.
Juli 2019 (
Urk.
5/72
/4-6 S. 3) aus, der psychopathologische Befund zeige eine 49jährige bewusstseinsklare, zu allen Qualitäten orientierte Beschwerdeführerin. Im Kontakt sei sie ruhig und freundlich, die Aufmerksamkeit
sei
nicht gestört
.
Es fielen
Gedächtnisstörungen
auf.
So
k
önne
sie
nicht genau angeben
,
in welchem Jahr sie die Herzoperation gehabt habe und
sie könne
auch keine genauen An
gaben zur IV-Angelegenheit machen. Das formale Denken sei kohärent. Es be
stün
den keine Phobien
oder
Zwänge und es ergebe sich kein Anhalt für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Im Affekt sei
sie
euthym
,
nicht depri
miert, nicht ängstlich und die soziale Interaktion
sei
nicht gestört. Es bestehe keine Suizidalität, der Antrieb sei nicht gehemmt und der Schlaf und
der
Appetit
seien
nicht gestört. Im Uhrentest
vom
4.
Juni 2019 habe die Beschwerdeführerin 7 Punkte, im MMS
(
Mini Mental Status
)
29 Punkte erreicht. Beide Werte
ergäben
keinen Hinweis auf ei
ne dementielle Entwicklung
.
3.8
Dr.
med.
F._
, Augenarzt FMH,
führte im Formularbericht an die IV-Stelle vom
4.
September 2019 (
Urk.
5/76) aus, die letzte Kontrolle habe am 2
1.
August 2019 stattgefunden und würde einmal jährlich durchgeführt. Er habe keine Arbeitsunfähigkeiten attestiert.
Es bestehe eine mittelstarke Sehb
eeint
rächtigung an beiden Augen. Visuelle
Präzisionsarbeiten wären
dadurch
nicht möglich. Eine Fahreignung
sei
aber knapp gegeben. Als Diagnosen bestünden seit 2017 ein grauer Star und seit 2015/2016 eine leichte diabetische Retinopathie. Bei Wunsch nach visueller Verbesserung müsste bald die Operation des Grauen Stars durch
geführt werden.
3.9
Die R
AD-Ä
rztin,
Dr.
D._
führte
in ihrer
ergänzenden Aktenbeurteilung vom 5.
November 2019
(
Urk.
5/79/4)
aus,
im
diabetologischen
Arztbericht vom
6.
Juni 2019
sei
beschrieben, dass sich die Insulinpumpe be
i drohenden Hypoglykämien selber
abstelle, um Hypog
lykämien zu vermeiden. Neu liege
auch eine neu
ro
psychologische Testung von
Dr.
E._
vom 1
9.
Juli 2019 vor. Demnach sei die Beschwerdeführerin bereits seit dem Schulalter schnell ablenkbar gewesen. Sie sei bei der Untersuchung bewusstseinsklar und zu allen Qualitäten orientiert
gewesen und habe lediglich zu
r Herzoperation von 2015 keine genauen Angaben machen können. Es hätten sich keine Hinweise für eine Demenz ergeben und gemäss dem Augenarztbericht sei keine dauerhafte Verschlechterung des Ge
sundheitsschadens ausgewiesen. Die erwähnten Hypoglykämien könnten bei adä
quater Anwendung der Insulinpumpe keine Hypoglykämien verursachen und verhinderten diese sogar. Gegebenenfalls
sei
hier eine Kontrolle der Funktion sinnvoll, was jedoch keine Arbeitsunfähigkeit begründe. Relevante kognitive Defi
zite hätte
n
bei der bewusstseinsklaren Beschwerdeführerin, welche zu allen
Qualitäten orientiert gewesen sei, nicht nachgewiesen werden können. Gesamt
haft
sei
damit kein neuer Gesundheitsschaden mit längerer Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen
.
4.
4.1
Aus den Akten geht hervor, dass bei der Beschwerdeführerin bereits im Kindes
alter
ein Diabetes Mellitus Typ 1 diagnostiziert wurde. Im Alter von rund 30 Jahren
wurd
e
n
eine Insulinpumpe und a
ufgrund einer
kar
diologischen Problematik im Jahr 2015
ein
e
mechanische Aortenklappe
eingesetzt
.
Seit dem Jahr 2015 ist sodann
eine Sehbeeinträchtigung
aufgrund einer leichten diabetischen Retino
pathie
und
seit dem
Jahr 2017
aufgrund eines
Grauen Stars
bekannt.
D
ie behan
delnden Fachärzte der Kardio- und Diabetologie
führten dabei
nachvollziehbar aus, dass b
ei
«
perfekter
»
Funktion der
aortale
n
Klappenprothese
(E. 3.3)
und gut eingestellte
m
Diabetes
(E. 3.4)
die Beschwerdeführer
in
in
ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist.
Auch die
bis anhin unbehandelte
Sehbeeinträchtigung
beschränkt
lediglich
die Arbeitsfähigkeit für
visuelle Präzisionsarbeiten und
gemäss fachärztlicher Beurteilung
liesse sich die
Situation mittels Staroperation verbessern (E. 3.8).
Vor diesem Hintergrund überzeugt die Einschätzung des RAD, wonach aus kardiologischer Sicht und – unter der Voraussetzung eines richtig eingestellten Insulinspiegels – grundsätzlich auch aus
endokrinologischer
Sicht kein die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden besteht (E. 3.5 und E. 3.9).
4.2
Als ungenügend abgeklärt erweist sich hingegen der psychische Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin.
Der Psychiater
Dr.
E._
bestätigte das Vor
liegen kognitiver Störungen und zog differentialdiagnostisch eine Aufmerk
sam
keitsdefizitstörung in Betracht. Ferner nannte
er Gedächtnisstörungen und eine Vergesslichkeit
;
so
hatte die Beschwerdeführerin offenbar mehrfach die ver
ein
barten Termine verpasst
. Aufgrund seiner Untersuchung hielt er eine umfas
sende neuropsychologische Abklärung für angezeigt, wofür er die Beschwerdeführerin am 1
9.
Juli 2019 der Memory-Klinik im Sanatorium
G._
zuwies mit der Bitte um ein direktes Aufgebot
(
Urk.
5/72/3-6)
.
Indessen sind w
eder der Bericht des Sanatoriums
G._
noch andere diesbezügliche Berichte
aktenkundig. Der Schluss des RAD, wonach keine relevanten kognitiven Defizite vorlägen und ein Gesundheitsschaden auszuschliessen sei
(E. 3.9)
, erweist sich damit nicht als haltbar, zumal gemäss fachärztlicher Beurteilung eine umfassende neuropsycho
logische Beurteilung als notwendig erachtet worden war. Soweit
der RAD
auf eine neuropsychologische Testung durch
Dr.
E._
verwies, ist zu bemerken, dass
lediglich die
im Zuweisungsbericht vom 1
9.
Juli 2019 erwähnte
Testung vom
4.
Juni 2019 aktenkundig ist (
Urk.
5/72/6). Dabei handelt es sich
jedoch
um den Uhrentest und MMS, welche als psychiatrisch
-diagnostische
Verfahren in erster Linie
der
Abklärung einer allfälligen Demenz dienen.
Auch wenn
Dr.
E._
eine
solche
aus
schloss,
so
lässt sich
daraus
nichts
im Hinblick auf
allfällige
andere Einschränkungen
ableiten
. Denn diesbezüglich
erachtete er
gerade die angeord
nete
weitergehende Abklärung
als erforderlich
.
Die weitere Abklärung des psychischen Gesundheitszustands erweist sich denn insbesondere auch als unumgänglich in Bezug auf die Frage, ob die Beschwerde
führerin in der Lage ist, in Bezug auf den Diabetes selber die notwendigen Kon
trollen
und
Selbstbehandlung korrekt durchzuführen
. Von Dritten wurde
n
eine
starke Zunahme der Vergesslichkeit
sowie Verwirrtheit beschrieben, zudem wurden
zwei Hospitalisierungen im Jahr 2017 und zwei Reanimationen im Jahr 2018 erwähnt (
Bericht des Vereins
A._
vom
9.
Juni 2018,
Urk.
5/31/1). Aktenkundig ist eine notfallmässige
ambulante
Vorstellung im Zusammenhang mit einer
hypertensiven
Entgleisung
am
5.
Dezember 2017
(unvollständiger Be
richt des Spitals
H._
vom 1
3.
Dezember 2017
Urk.
5/43/1)
. Ferner bestätigte der die Beschwerdeführerin
endokrinologisch-diabetologisch
behandelnde Facharzt die in der Vergangenheit im Rahmen von Hypoglykämien aufgetretenen kogni
tiven Einschränkungen. Er wies darauf hin, dass zwar die Insulinpumpe bei gleichzeitiger kontinuierlicher
Glucosemessung
bei drohenden
Hypog
lykämien selber abstellen könne, die Beschwerdeführerin das CGM aber nicht regelmässig trage
und verwies
ebenfalls
auf die Notwendigkeit einer psychiatrischen Beur
teilung und Unterstützung (
Urk.
5/68).
Damit
ist die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
den
Bericht des Sanatoriums
G._
über die von
Dr.
E._
angeordnete neuro
psychologische Abklärung einhole beziehungsweise – sollte eine solche nicht durchgeführt worden sein –
diese
selber anordne
und je
n
ach Ergebnis
gegebe
nenfalls
weitere Abklärungen
,
insbesondere
zum
psychischen
Gesundheitszu
stan
d der Beschwerdeführerin
,
veranlasse
und hernach neu verfüge
.
5.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf
Fr.
7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der
Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).