Decision ID: 3fcd3753-7e84-4f84-9a0c-1947b117bfad
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1983 geborene
X._ war ab dem 10. Mai 2010 als h
auswirtschaftliche Mitarbeiterin
in einem 60 %-Pensum
bei der
Z._
angestellt
(und daneben in einem Pensum von ungefähr 20
% als Vereinsabwartin beim Sportamt der Stadt
Y._)
und dadurch bei der Unfallversicherung Stadt
Y._
gegen die Folgen von Unfä
llen versichert. Die Z._
zeigte mit
Unfallmeldung vom 20. Juni 2011 (Urk. 8/G1) an, die Versicherte sei am 16. Juni
2011 eine Treppe hinuntergestürzt und habe sich dabei am rechten Fuss
gelenk verletzt. Die am 17. Juni 2011 konsultierten Ärzte des
A._
diagnostizierten eine Kalkaneuskontusion rechts sowie eine Distorsion des rechten oberen Sprunggelenks mit Verdacht auf eine late
rale Kapsel-Band-Läsion (Urk. 8
/M3). Die Unfallversicherung Stadt
Y._
kam für
die Heil
be
hand
lungs
kosten auf
und
erbrachte
Taggeldleistungen
. Bei persistierenden Beschwerden im Bereich des rechten Fusses – es wurde ein CRPS diagnostiziert (vgl. zum Beispiel Urk. 8/M21) – sowie einer vollständigen Parese des rechten Beines nach durchgeführter Grenzstranginfiltration am 21. Dezember 2012 war
die Beschwerdeführerin wiederholt stationär hospitalisiert (Urk. 8/M28, Urk. 8/M32
, Urk. 8/M44).
Am 14. Februar
2014
gebar die Versicherte einen
Sohn (
vgl. IV.2017.00843, Urk. 6/96/29).
Dr. med.
B._
, FMH Innere Medizin, spez. Rheumatologie, nahm am 26. September 2014 im Auftrag der
Unfallversicherung Stadt
Y._
eine Aktenbeurteilung vor (Urk. 8/M54), worau
f
hin diese die Versicherungsleistungen mit Verfügung vom 21. Oktober 2014 (Urk. 8/G91) per 30. September 2014 einstellte. Dagegen erhob die Versicherte am 24. November 2014 Einsprache (Urk. 8/J4). Die Unfallversicherung Stadt
Y._
veranlasste
in der Folge
eine neurologische, orthopädische und psychia
trische Begutachtung (Expertise von Dr. med.
C._
, Facharzt für Neurologie FMH, vom 21. April 2015 [Urk. 8/M56], Expertise von Dr. med.
D._
, Orthopädische Chirurgie FMH, vom 20. Mai 2015 [Urk. 8/M57], Expertise von Dr. med.
E._
, Spezialärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 3. Juli 2015 [Urk. 8/M58]). Mit Entscheid vom 12. August 2015 wies die Unfallversicherung Stadt
Y._
die am 24. November 2014 erho
bene Einsprache ab (Urk. 8/J6).
Dagegen erhob die Versicherte am 14. September 2015 Beschwerde beim hiesi
gen Gericht (Urk. 8/J11
S. 4-15
; vgl. auch die Beschwerdeergänzung vom 23. September 2015 [Urk. 8/J14]), welches die Beschwerde mit Urteil vom 24. Februar 2016 in dem Sinne guthiess, als es den angefochtenen Entscheid aufhob und die Sache an die Unfallversicherung Stadt
Y._
zurückwies, damit diese unter Wahrung des Anspruchs auf das rechtliche Gehör (Einräumung der Möglichkeit, zum Gutachten Stellung zu nehmen) über die Leistungsansprüche der Versicherten erneut entscheide (Urk. 8/J20). In der Folge räumte die Unfall
versicherung Stadt
Y._
der Versicherten mit Schreiben vom 16. März 2016 Gelegenheit zur Stellungnahme zum Gutachten ein (Urk. 8/G122).
Nach einem
Schriftenwechsel (Urk. 8/G123 f.) nahm die Versicherte mit Eingabe vom 13. Mai
2016 Stellung (Urk. 8/G126). Am 22. Juni
2016 verfügte die Unfallver
si
cherung Stadt
Y._
die rückwirkende Einstellung der Versicherungsleis
tungen per 30. September 2014 (Urk. 8/G127). Dagegen erhob die Versicherte am
24. August 2016 Einsprache (Urk. 8/J21), woraufhin das Einsprachever
fah
ren bis zum Vorliegen des IV-Gutachtens sistiert wurde (Urk. 8/J22). Nach Erhalt des IV-Gutachtens
(Begutachtung durch das F._)
wurde der Versicher
ten Gele
genheit eingeräumt, auch dazu Stellung zu nehmen (Urk. 8/J24), was diese mit Eingabe vom 24. Januar 2017 tat (Urk. 8/J25). Mit Entscheid vom 1. Februar 2017 wies die Unfallversicherung Stadt
Y._
di
e Einsprache vom 24. August 2016
ab (Urk. 2 [= Urk. 8/J27]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 6. März 2017 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und es seien ihr weiterhin die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten und Taggeld) auszurichten; eventuell sei ihr eine ganze Invalidenrente der Unfallversicherung sowie eine Integri
täts
entschädigung von mindestens 50 % zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Bestellung einer unentgeltlichen Rechts
ver
tretung (Urk. 1 S. 2). Mit Eingabe vom 12. April 2017 beantragte die Be
schwer
degegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Am 21. Juli 2017 wurde das Gesuch um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung abge
wiesen. Sodann wurde der Beschwerdegegnerin das Doppel der Beschwerde
ant-wort zugestellt (Urk. 11; vgl. auch Urk. 13).
3.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 7. September 2011 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (vgl. das parallel laufende Be
schwerdeverfahren IV.2017.00843). Diese liess die Beschwerdeführerin polydis
zi
plinär beim
F._
,
G._
, begutachten. Das Gutachten wurde am 3. Oktober 2016 erstattet
(vgl. Urk. 8/M61 im vorliegenden Verfahren)
. Mit Verfügung vom 22. Juni 2017 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der
Invalidenversicherung. Die dagegen von der Beschwerdeführerin am 21. August 2017 beim hiesigen Gericht eingereichte Beschwerde wurde mit heutigem Urteil abgewiesen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber
2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
-
set
zes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
-
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich
im Juni 2011
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember
2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wen
dung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art. 6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]), so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid (Art. 8 ATSG), so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1
UVG
). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abge
schlossen
sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Tag
geldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, d.h. rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.4.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Ge
sund
heitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergan
genen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psy
chische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut ver
kraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus ver
siche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hin
weisen). Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei – ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung
vor
genommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, sch
were Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/aa; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.4.4
Bei der Einteilung der Unfälle mit psychischen Folgeschäden in leichte, mittel
schwere und schwere Unfälle ist nicht das Unfallerlebnis des Betroffenen mass
gebend, sondern das objektiv erfassbare Unfallereignis (vgl. BGE 120 V 352
E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 237
, 1995 Nr. U 215 S. 91).
1.4.5
Bei banalen Unfällen wie zum Beispiel bei geringfügigem Anschlagen des Kopfes oder Übertreten des Fusses und bei leichten Unfällen wie zum Beispiel einem gewöhnlichen Sturz oder Ausrutschen kann der adäquate Kausalzu
sam
menhang zwischen Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne weiteres verneint werden, weil aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung aber auch unter Einbezug unfallmedizinischer Erkenntnisse davon ausgegangen werden darf, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen erheblichen Gesund
heitsschaden zu verursachen (BGE 120 V 352 E. 5b/aa, 115 V 133 E. 6a).
1.4.6
Nach der Rechtsprechung ist bei leichten Unfällen der adäquate Kausalzu
sammenhang zwischen Unfall und nachfolgenden Gesundheitsstörungen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen. Unter Umständen ist eine Adäquanz
beur
teilung jedoch auch bei leichten Unfällen vorzunehmen, wie die Rechtsprechung schon wiederholt entschieden hat: Ergeben sich aus einem als leicht zu qua
lifizierenden Unfall unmittelbare Folgen, die eine psychische Fehlentwicklung nicht mehr als offensichtlich unfallunabhängig erscheinen lassen (z.B. Kompli
kationen durch die besondere Art der erlittenen Verletzung, verzögerter Hei
lungsverlauf, langdauernde Arbeitsunfähigkeit), ist die Adäquanzfrage als Aus
nahme der Regel auch bei solchen Unfällen zu prüfen; dabei sind die Kriterien, die für Unfälle im mittleren Bereich gelten, heranzuziehen. Dies hat sinngemäss auch bei als leicht einzustufenden Unfällen mit Schleudertrauma der Hals
wirbel
säule zu gelten (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 244 E. 3b).
1.4.7
Bei Unfällen aus dem mittleren Bereich lässt sich die Frage, ob zwischen Unfall und Folgen ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des Unfalles allein schlüssig beantworten. Es sind daher weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als direkte beziehungsweise indirekte Folgen davon erscheinen, in eine Gesamt
würdigung einzubeziehen. Als wichtigste Kriterien sind zu nennen:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
-
ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
-
körperliche Dauerschmerzen;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 109 E. 6.1, 115 V 133 E. 6c/aa).
Der Einbezug sämtlicher objektiver Kriterien in die Gesamtwürdigung ist nicht in jedem Fall erforderlich. Je nach den konkreten Umständen kann für die Be
urteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein einziges Kriterium genü
gen. Dies trifft einerseits dann zu, wenn es sich um einen Unfall handelt, welcher zu den schwereren Fällen im mittleren Bereich zu zählen oder sogar als Grenzfall
zu einem schweren Unfall zu qualifizieren ist (vgl. RKUV 1999 Nr. U 346 S. 428
, 1999 Nr. U 335 S. 207 ff.; 1999 Nr. U 330 S. 122 ff.; SVR 1996 UV Nr. 58). Anderseits kann im gesamten mittleren Bereich ein einziges Kriterium genügen, wenn es in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist, wie zum Beispiel eine auf
fallend lange Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit infolge schwie
rigen Heilungsverlaufes. Kommt keinem Einzelkriterium besonderes beziehungs
weise ausschlaggebendes Gewicht zu, so müssen mehrere unfallbezogene Krite
rien herangezogen werden. Dies gilt umso mehr, je leichter der Unfall ist. Handelt es sich beispielsweise um einen Unfall im mittleren Bereich, der aber dem Grenzbereich zu den leichten Unfällen zuzuordnen ist, müssen die weiteren
zu berücksichtigenden Kriterien in gehäufter oder auffallender Weise erfüllt sein
, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Diese Würdigung des Unfalles zusam
men mit den objektiven Kriterien führt zur Bejahung oder Verneinung der Adäquanz. Damit entfällt die Notwendigkeit, nach andern Ursachen zu for-schen, die möglicherweise die psychisch bedingte Erwerbsunfähigkeit mitbe
güns
tigt haben könnten (BGE 115 V 133 E. 6c/bb, vgl. auch BGE 120 V 352 E. 5b/aa; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., Nr. U 449 S. 53 ff., 1998 Nr. U 307 S. 448 ff., 1996 Nr. U 256 S. 215 ff.; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen, der Nachweis einer anhaltenden unfallbedingten gesundheitlichen Beeinträch
tigung, insbesondere die Ausbildung eines Morbus Sudecks (CRPS), könne nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erbracht werden. Die bestehende Be
schwerdeproblematik habe trotz eines über Jahre stattfindenden, alle möglichen Fachrichtungen und bildgebenden Verfahren umfassenden, Abklärungsver
fah
rens nicht abschliessend geklärt werden können. Immer wieder sei dement
sprechend in den medizinischen Akten erwähnt worden, dass die beschriebene
Beschwerdeproblematik nicht mit einem objektivierbaren Korrelat erklärt werden
könne. Die natürliche Kausalität der Beinproblematik könne im Hinblick auf das Ereignis vom 16. Juni 2011 somit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erwiesen werden, weshalb die Leistungseinstellung zu Recht erfolgt sei. Auch die F._-Gutachter (Begutachtung im Rahmen des IV-Ver
fahrens) hätten im Zeitpunkt der Begutachtung kein CRPS mehr feststellen können und seien davon ausgegangen, dass die Parese des rechten Beines nicht objektivierbar und klinisch keiner fassbaren Ursache zuzuordnen sei, was in Übereinstimmung mit sämtlichen einschlägigen Vorbefunden stehe. Die F._-Gutachter hätten auch festgehalten, dass die subjektiven Angaben zur Beein
trächtigung in krassem Widerspruch zum Funktionsniveau gemäss dem Obser
vationsvideo stünden. Die Lähmung sei demnach im Rahmen einer dissoziativen Bewegungsstörung psychiatrisch zu interpretieren (Urk. 2 S. 7 f.). Was die gemäss F._-Gutachter festgestellte psychische Beeinträchtigung der Beschwer
de
führerin anbelange, so fehle dieser die Unfallbedingtheit. Doch selbst bei Anwendung der Psycho-Praxis und unter der Annahme, es liege ein Ereignis mittlerer Schwere vor, wäre die Adäquanz aufgrund zu wenig erfüllter Kriterien zu verneinen (Urk. 2 S. 9).
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor, angesichts der fehlenden polydisziplinären Beurteilung in den von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen Gutachten liege keine umfassende Begutachtung vor. Ferner sei die Begutachtung nicht in vollständiger Kenntnis der Vorakten erfolgt (unter Auflistung der betroffenen Akten). Dem Gutachten komme daher kein voll
ständiger Beweiswert zu. Es werde sodann weder im neurologischen noch im psychiatrischen Gutachten begründet, weshalb gegenüber der Begutachtung von Dr. H._ diametral unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen würden. Die Schlussfolgerungen in diesen Gutachten seien somit nicht nachvollziehbar
(Urk. 1 S. 7). Dem
F._
-Gutachten hingegen komme volle Beweiskraft zu (Urk.
1 S. 8). Darin werde die Diagnose eines CRPS bestätigt. Dr. D._ bejahe sodann das Vorliegen eines Kausalzusammenhangs (Urk. 1 S. 9-11). Aus psychiatrischer Sicht sei anzumerken, dass die Eignung, eine psychische Fehlentwicklung aus
zulösen, einem Morbus Sudeck (CRPS) grundsätzlich zugebilligt werden müsse und das Auftreten von psychogenen Bewegungsstörungen als Folge eines CRPS medizinisch anerkannt sei. Die Ausführungen der F._-Gutachter zur Obser
va
tion seien jedoch unbeachtlich, da diese unrechtmässig erfolgt sei (Urk. 1 S. 11 f.)
. Sodann sei auch der adäquate Kausalzusammenhang zwischen der psychischen Beeinträchtigung und dem Unfall zu bejahen (Urk. 1 S. 13 f.). Der Fallabschluss sei somit verfrüht erfolgt (Urk. 1 S. 14).
3.
3.1
Dr. C._ hielt in seinem neurologischen Gutachten vom 21. April 2015 (Urk. 8/M56 S. 14-17) zusammenfassend fest, d
ie aus dem Kosovo stammende, verheiratete Mutter drei
er Kinder, gebe an,
am Morgen des
16. Juni 2011
um 10.
07 Uhr bei einem Spitex-Hausbesuch in Eile auf einer Treppenhausstiege gestolpert zu sein und dabei mehrere Stufen, mit n
ach innen gedrehtem rechten Fuss
, nach unten gestürzt
zu sein. Trotz Schmerzen habe
sie ihre Arbeit zunächst fort
gesetzt
und nach eigenen
Angaben am Abend des 16. Juni 2011
die Notfallstation des
A._
auf
gesucht
.
Für ein fortbestehendes CRPS ergebe
sich bei der aktuellen neu
rologischen Begutach
tung
keine ausreichende, anhand eines gebräuchlichen Klassifikati
onssystems nachvollziehbare Befu
ndlage. Das Phänomen einer
möglicherweise zentral-nervös
unterhaltenen Minderinnervation der vormals von einem
CRPS betroffe
nen Extremität sei
aus der aktuelleren Literatur bekannt. Daz
u passe jedoch keinesfalls, dass
die anlässlich der neurologischen Begutachtung bestimmten Extremitäten
-U
mfangsmasse keinerlei Atrophie oder Seitendifferenz aufwiesen, was sehr eindeutig gegen einen konstanten Mindergeb
rauch des rechten Beines spreche, wie ihn die Beschwerdeführerin hier demonstriere. Weitere Inkonsisten
zen ergä
ben sich aus den aktuellen Medikam
entenspiegeln.
Insoweit
seien
damit weitere Inkonsistenzen erkennbar, die erhebliche Zweifel an der Authentizität und Glaubwürdigk
eit der Beschwerden aufkommen lie
ssen. Im Ergebnis der aktuellen Begutachtung
sei
mit dem Grad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit kein anhaltender unfallkausaler Gesundheitsschaden auf neurologi
schem Gebiet feststellbar. Insbesondere auch f
ür ein fortbestehendes CRPS ergä
ben sich bei der neurologischen Untersuchung keine Hinweise.
3.2
Dr. D._ führte in seinem orthopädischen Gutachten vom 20. Mai 2015 die folgenden Diagnosen auf (Urk. 8/M57 S. 15):
-
Periarthropathia OSG rechts bei
-
Kalkaneuskontusi
on und OSG-Distorsion 16.6.201
1
-
Verdacht auf durchgem
achten Morbus Sudeck/CRPS I
-
Parese rechtes Bein, aufgetreten nach Grenzstranginfiltration 21.12.2011 (neurologisc
h keine Lähmung nachgewiesen)
-
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts bei degenerativen Veränderungen L3/4 und L4/5
Dr. D._ hielt sodann fest (Urk. 8/M57 S. 16), g
emäss Unterlagen
sei
es im Ver
lauf nach dem Unfall zur Ausbildung eines Morbus Sudeck bzw. CRPS
ge
kommen. Dieser Morbus Sudeck sei
dann
als indirekte Folge des erlitte
nen Ereignisses zu betrachten
. Nach einem solchen Trauma könne
es in seltenen Fällen zur Ausbildung eines Morbus Sudeck kommen. Anhand
der aktuellen Röntgenbilder sei
aber f
raglich, ob wirklich ein klassi
scher Morbus Sudeck vorgelegen ha
be
. Die Röntgenaufn
ahmen des OSG rechts vom 23. Februar
2015 zeig
t
en n
ämlich keine typischen radiologischen Veränderungen des Kno
chens, wie sie bei und nach einem manifest
en Morbus Sudeck bestünden
. In der An
nahme, dass die im Verlauf gestellte Diagnose Morbus Sudeck des re
chten
Fusses korrekt sei, würde es sich dabei überwiegend wahrscheinlich um Be
schwer
den
und Befunde hand
eln, die dem Ereignis vom 16. Juni
2011 zuge
ordnet werden könn
t
en.
S
ubjektiv und auch klinisch stehe
zurzeit aber die funktionelle Ausschaltung des gesamten rechten Beines im Sinne einer Pares
e im Vordergrund, ohne dass
eine neurologische Schädigung
habe nachgewiesen werden können. Diese „Lähmung" sei nach einer Grenzstranginfiltration am 21. Dezember
2011 auf
getreten
. Die Grenzstranginfiltration
sei
im Rahmen der Sudeck-Behandlung anlässlich der Hospitalisation der
I._ erfolgt. Dementsprechend bestehe auch für diese funktionel
le Ausschaltung des gesamten rechen Beines mit überwiegender Wahrscheinlichkeit indirekt eine Z
uordnung zum Ereignis vom 16. Juni
2011.
Ein direkter Zusammenhang liege
a
ber nicht vor. Eine Grenzstranginfil
tration, wie sie bei der
Beschwerdeführerin
gemacht
worden sei
,
könne
kaum eine solche Lähmung verursachen.
Dr. D._ gelangte zum Schluss, am rechten Bein und rechten Fuss
l
ä
gen keine str
ukturellen Veränderungen vor. Im
Bere
ich der Lendenwirbelsäule fä
nden
sich gewisse Degenerationen
, die aber nie eine Parese des rechten Beines auslösen
könnten. Ob dies auch aus psychiatrischer und neurologischer Sicht gelte, m
ü
ss
e
geprüft werden
(Urk. 8/M57 S. 17)
.
Es sei
fraglich, ob zum jetzigen Zeit
punkt die Eingliederung in eine berufliche Tätigkeit
schon möglich sei. Es bestehe
weiterhin eine funktionelle Ausschaltung des gesamten rechten Beines sowie eine Sc
hmerzsymptomatik am rechten Fuss
und im Bereich der Wirbelsäule, ohne dass sich strukturelle und pa
thologische Veränderungen im Be
reich des B
ewegungsapparates feststellen lie
ssen, die diese Problematik
erklären könnten. Dabei handle
es sich um Sekundär- und Ter
tiärfolgen zum Unfall vom 16. Juni
2011. Als sekundär
sei der Morbus Sudeck/das CRPS I zu betrachten. Tertiär sei
die „Lähmung" des rechten Beines
,
aufgetreten nach der Grenzstrang-
Infiltra
tion. Diese Grenzstrangi
nfiltration
sei
im Rahmen der Behandlung des Morbus Sudecks
erfolgt, habe
aber die Lähmung kaum verursachen können
(Urk. 8/M57 S. 18)
.
Die bisherigen Tätigkeiten seien jetzt und wohl auch noch für längere Zeit nicht als realistisch zu betrachten. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sollte in Zukunft aber wieder möglich sein (Urk. 8/M57 S. 19).
Die zum jetzigen Zeitpunkt festgestellten Veränderungen im Bereich des Bewegungsappar
ates (rechtes Bein, rechter Fuss) seien
nicht als dauernde und erhebliche Schädigung zu werten
(Urk. 8/M57 S. 21).
Abschliessend merkte Dr. D._ noch Folgendes an (Urk. 8/M57 S. 21-22):
Bei der
Beschwerdeführerin falle
eine deutliche Diskrepanz zwischen den geklagten Beschwerden und den bei der Untersuchung fassbaren Untersuchungsbefunde
n
im Vergleich zu den objektivierbaren Feststellungen
auf. Dies seien Hinweise, die gegen eine Problematik von Seiten des Bewegungsapparates (rechtes Bein und rechter Fuss) sprächen, sondern auf eine funktionelle Problematik im Sinne einer anhaltenden Schmerzstörung mit Somatisierungstendenz deuteten.
3.3
Dr. E._ stellte in ihrem Gutachten vom 3. Juli 2015 keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führte sie einen Status nach Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10 F43.22) auf (Urk. 8/M58 S. 18). Sie hielt sodann fest, aufgrund der anamnestischen Angaben, der medizinischen Akten, sowie der
selber erhobenen Befunde
sei
aktuell kein psychisches Leide
n von Krank
heitswert feststellbar. In der Untersuchun
g
habe sie (die Gutachterin)
keine Hin
weise für eine bewusstseinsfe
rn
e Psychodynamik feststellen
können
, die bei der
Beschwerdeführerin
einen Hinweis für eine dissoziati
ve Störung geben würde. Es seien
jedoch Diskrepanzen in der
Beschwerdeschilderung und dem F
unk
tions
niveau im Alltag aufgefallen, die einen starken Hinweis auf
bewussts
eins
nahe Prozesse darstell
t
en, was das Festhalten an einer invalidisierenden Schmerzsymptomatik und Parese des rechten Beines
anbelange. Es sei
unver
einbar mit einer dissoziativen Lähmung (oder psychogenen Parese) des rechten Beines, das
s
die
Beschwerdeführerin
gleichzeitig Auto fahre, d.h. den rechten Fuss
aktiv betä
tige
für das Bedienen des Gaspe
dals und der Bremse. Weiter seien
die vorgetragenen heftigsten Schmerzen und die Angabe, sie könne ohne die hohe Dosis an Schmerzmitteln gar nichts mach
en, in Frage zu stellen. Die Beschwerdeführerin habe
am
Untersuchungstag bei der Gutachterin
und
auch
beim Neurologen die angeblich dringend benötigten Medikamente nicht oder unvollständig eing
enommen
.
Die
Diskrepanz zwischen d
en Angaben und dem Verhalten der Beschwerdeführerin sei nicht mit einem bewus
st
seinsfern
en psy
chischen
Prozess erklärbar, sondern sei
das Ergebnis eines bewussten Ent
scheids.
Diese Einschätzung werde
durch das Ergebnis des Strukturierten Fragebogens Simulierter Symptome (SFSS), einem Test zur Symptom
va
lidie
rung, gestützt. Dort habe
die
Beschwerdeführerin
einen erhöhten Wert
aufge
wiesen
, der einen zusätzlichen Hinweis auf das Übertreiben oder das absicht
lich
e Erzeugen von Symptomen liefere (Urk. 8/M58 S. 20 f.).
3.4
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung des von der IV-Stelle veranlassten F._-Gutachtens vom 3. Oktober 2016 wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (Urk. 8/M61 S. 9):
-
Dissoziative Bewegungsstörung (
ICD-10: F44.4)
-
Rezidivierende depressive Störung, derzeitig mittelgradig bis sch
were Episode (ICD-10: F33.1)
-
Chronische Schmerzstöru
ng mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
-
Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen und emotional-insta
bilen Anteilen (ICD-10:
Z73.52), geringem Strukturn
iveau nach OPD-2, Achse 4
-
Schmerzhafte Funktionsstörung des rechten Fusses mit/bei
-
Arthrose zwischen Os cuneiforme mediale und MT1,
normale Minera
lisation (Rx Fuss
22.6.2016)
-
Status nach CRPS Fuss
rechts (ICD-10
:
M89.07)
-
Status nach
Hypers
upinationstrauma OSG rechts 17.
6.2011
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden aufgeführt (Urk. 8/M61 S. 9):
-
Unklare Parese rechtes Bein nach Grenz
stranginfiltration am 21.12.2011
-
fehlende rheumatologische/
neurologische Erklärung, unauffällige elek
trophysiologische Untersuchung
-
MRT LWS 21.12.2011 mit Ausschluss einer postinterventionellen Blutung
-
am wahrscheinlichsten im Rahmen der psychiatrischerse
its diagnos
tizierten dissoziati
ven Bewegungsstörung
-
Status n
ach CRPS (Complex Regional Pain-
Synd
rome) Typ I (ICD-10: M89.07) Fuss
rechts
-
aktuell kei
n eindeutiger Hinweis für CRPS I
-
Status nach Arbeitsunfall 6/2011 mit Hypersupinationstrauma OSG rechts 17
.
6.2011
-
Chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts
-
MRT LWS 26.
9.2011 mit degenerativen Veränderungen LWK3/4 und LWK4/5
-
ohne radikuläre Ausstrahlung
Sodann wurde in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung festgehalten, aktuell könne – unter Beachtung der Budapest-Kriterien – kein CRPS mehr festgestellt werden (Urk. 8/M61 S. 10 f.).
In der aktuellen Untersuc
hung präsentiere
die
Beschwerdeführerin
ei
ne hochgradige Parese des gesam
ten rechten Beines. Das
Bein werde
nicht belastet,
die Beschwerdeführerin sei
mi
t Beinschiene und Gehstöcken unterwegs, das rechte Bein werde
im Sitzen wie ein vollständig gelähmtes Bein mit den Händen bewegt und getragen.
Das Aufstehen aus dem Stuhl sei
nur äusserst um
ständlich möglich, das Bein werde
dabei nicht belastet. In
deutlicher Diskrepanz dazu seien
die sonstige Fortbewegung mit Unter
armkrücken im Gang sowie die Beweglichkeit beim Aus- und Anziehen. Hier zeigten sich unbeobachtet eindeutig Bewegungen,
die mindestens dem Kraft
grad M 3/5 entsprä
chen, während die
Beschwerdeführerin
bei der Untersuchung das rechte Bein jeweils
mit einem Kraftgrad von M O/5 präsentier
e. Die angegebenen Paresen im Bereich des rechten Beins
seien klinisch neurologisch nicht objektivierbar und imponierten
am ehesten im Sinne einer willkürlichen Minderinnervation. Die Musku
latur beider Beine zeig
e sich beidseits unauffällig und absolut seitengleich; bei einer wie von der
Beschwerdeführerin
angegebe
nen hochgradigen und la
nge bestehenden peripher beding
ten Parese wäre im Bereich des rechten Beins eine Muskela
trophie zu erwarten, welche eindeutig nicht vorliege
. Auch zeigten sich die Muskeleigenreflexe an den Beinen seiten
gleich, bei einer peripher-neurologisch bedingten Parese wären im Verlauf Seitenunters
chiede im Reflexniveau zu erwar
ten. Des Weiteren w
e
rd
e
eine Hypäs
thesie des gesamten rechten Oberschenkels angegeben, die keinem
Der
ma
tom zugeordnet werden könne.
Bei einer derart angegebenen schmer
zhaften Störung im rechten Fuss
und einer Plegie wäre eine Muskelkontraktur zu
erwarten, was nicht der Fall sei
. Die Flexion von doch zumindest 30° wäre unter diesen Umständen
kaum möglich. Ausserdem wäre eine Atrophie der Waden
muskulatur zu erwarten,
die ebenfalls nicht vorliege. Insgesamt sei
die von der
Beschwerdeführerin
angegebene hochgradige Parese des rechten Beines nicht objektivierbar und klinisch keine
r fassbaren Ursache zuzuordnen – dies in
Übereinstimmung mit sämtlichen einschlägigen Vorbefunden (Urk. 8/M61 S. 12 f
.)
.
Sodann wurde festgehalten, die Lähmung sei
im Rahmen einer dissoziativen Bewegungsstöru
ng psychiatrisch zu interpretie
ren
(Urk. 8/M61 S. 14).
4.
4.1
Aus den Gutachten
ergibt sich, dass
die geklagten rechtsseitigen Fuss- und Beinbeschwerden keinem organischen Substrat zugeordnet werden können. Dies ergibt sich nicht nur aus den von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gut
achten, sondern auch aus dem F._-Gutachten. Vor diesem Hintergrund erwei
sen sich die Vorbringen der Beschwerdeführerin zur Unverwertbarkeit der von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten (Urk. 1 S. 6 ff.) als nicht stich
haltig, geht sie doch immerhin davon aus, das F._-Gutachten sei beweiskräftig (Urk. 1 S. 8). In diesem wurde aber – entgegen der Ansicht der Beschwer
de-führerin (Urk. 1 S. 11) – die Diagnose eines CRPS ebenfalls nicht bestätigt. Vielmehr wurde festgehalten, aktuell könne – unter Beachtung der Budapest-Kriterien – kein CRPS mehr festgestellt werden (E. 3.4). Weiter
wurde festge
halten, die Lähmung sei im Rahmen einer dissoziativen Bewegungsstörung psychiatrisch zu interpretieren.
Widersprüchlich verhält sich die Beschwerdeführerin sodann, wenn sie auf der einen Seite vorbringt, die von der Beschwerdegegnerin eingeholten Gutachten seien nicht beweiskräftig, sich auf der anderen Seite dann aber doch auf das Gutachten von Dr. D._ beruft (Urk. 1 S. 9 f.). Dass aus dem Gutachten von Dr. D._ die Schlussfolgerung zu ziehen wäre, er hätte das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs ohne Weiteres bejaht, trifft im Übrigen nicht zu. Die Zurückhaltung in seinen Äusserungen (E. 3.2) darf nicht über den Kerngehalt seiner Einschätzung hinwegtäuschen. Er diagnostizierte weder ein CRPS noch hielt er die funktionelle Parese des rechten Beines für somatisch bedingt. Er äusserte Zweifel daran, ob wirklich ein klassischer Morbus Sudeck vorgelegen habe, was sich letztlich in einer blossen Verdachtsdiagnose (Ver
dacht auf durchgemachten Morbus Sudeck/CRPS I) niederschlug. Nur für den Fall, dass dennoch ein CRPS vorgelegen haben sollte, ging er davon aus, die Beschwerden und Befunde könnten dem Unfallereignis zugeordnet werden. Die blosse Möglichkeit eines Kausalzusammenhanges vermag dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit im Sozialversicherungsrecht aber nicht zu genügen. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Unfall und der funktio
nellen Lähmung des rechten Beines sah er denn auch nicht, bloss einen indi
rekten Zusammenhang. Einen solchen bejahte er aber auch nicht vorbehaltlos, denn er gab zu bedenken, dass e
ine Grenzstranginfiltration, wie sie bei der Be
schwerdefü
hrerin gemacht worden sei,
kaum eine solche Lähmung verur
sachen
könne
.
Damit ist nicht mit der gebotenen überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einem natürlichen Kausalzusammenhang auszugehen. Zum Schluss rela
tivierte Dr. D._ seine zurückhaltende Einschätzung aber sogleich wieder, indem er auf eine deutliche Diskrepanz zwischen den geklagten Beschwerden und den bei der Untersuchung fassbaren Untersuchungsbefunde im Vergleich zu den objektivierbaren Feststellungen hinwies. Es herrscht somit Einigkeit unter den Gutachtern, dass die geklagten rechtsseitigen Fuss- und Beinbeschwerden nicht objektiviert werden können.
Rückblickend ist davon auszugehen, dass spätestens im Zeitpunkt der Akten
be-urteilung durch Dr. B._ vom 26. September 2014 (Urk. 8/M54) keine objek-tivierbaren Befunde (mehr) vorlagen.
4.2
4.2.1
Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen den
geklagten, keinem orga
nischen Befund zuzuordnenden Beschwerden
und dem Unfallereignis besteht, kann allerdings offenbleiben, sofern
die Adäquanz zu verneinen i
st
.
Der
adä
quate Kausalzusammenhang
ist
nach den gemäss BGE 115 V 133 (sog. Psycho-Praxis) zu beacht
enden Grundsätzen zu beurteilen.
Der Zeitpunkt des allfälligen Fallabschlusses ist nach Anwend
ung der Psycho-Praxis dann gege
ben, „wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlun
g keine namhafte Besserung des –
unfallbedingt b
eeinträchtigten – Gesundheitszu
stands mehr erwartet werden kann“ (BGE 137 V 199 E. 2.2.3.1).
4.2.2
Ü
ber den Hergang des Unfalles – sowie auch über dessen Zeitpunkt und Ort – bestehen Diskrepanzen. In der Unfallmeldung der Z._ vom 20. Juni 2011 wurde festgehalten, der Unfall habe sich am 16. Juni 2011 um 10.07 Uhr an der J._-strasse in Zürich während eines Arbeitseinsatzes bei einer Spitexkundin ereignet. Die Beschwerdeführerin sei die Treppe hinunter
gestürzt (Urk. 8/G1). Im Regress-Frageblatt zur Werkeigentümer-Haftung gab die Beschwerdeführerin demgegenüber an, der Unfall habe sich an der K._-strasse 175 in Zürich ereignet. Sie sei nach dem Arbeitsende bei einer Kundin im 2. Stock nach unten Richtung Ausgang gegangen. Auf Höhe des 1. Stockwerkes sei die Treppe feucht gewesen, weshalb sie ausgerutscht sei und sich die Ferse am Treppentritt angeschlagen habe (Urk. 8/G6). Im Bericht über die Erstbehandlung vom 17. Juni 2011 des A._, Klinik für Unfallchirurgie, wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin habe am Abend des 17. Juni 2011 während der Arbeit ein Hypersupinationstrauma des rechten Sprunggelenks erlitten (Urk. 8/M3). Gegenüber Dr. C._ gab die Beschwerdeführerin schliess
lich an, sie sei auf einer Treppenstufe ausgerutscht und mehrere Stufen hin
untergestürzt (Urk. 8/M56 S. 8).
Ein Treppensturz erscheint angesichts der unterschiedlichen Unfallschilderungen fraglich. Doch selbst wenn von einem Treppensturz ausgegangen wird, ist anzu
nehmen, dass sich der Körper der Beschwerdeführerin nicht überschlagen und kein Anprall des Oberkörpers stattgefunden hat. Dafür finden sich weder Anhalts
punkte in den Unfallschilderungen noch im Bericht des A._ über die Erstbehandlung vom 17. Juni 2011 (Urk. 8/M3). Da bei der Erstbehandlung nebst dem Fuss auch das Knie bildgebend untersucht wurde, ist davon auszu
gehen, dass sich die Beschwerdeführerin auch dieses gestossen hatte. Nach dem Sturz stand die Beschwerdeführerin gemäss eigenen Angaben aber wieder auf und setzte ihre Patientenbesuche fort. In Anbetracht dessen ist das Unfaller
eignis vom 16. oder 17. Juni 2011 als banal bis leicht einzustufen, womit der adäquate Kausalzusammenhang von vornherein zu verneinen ist (E. 1.4.5).
4.2.3
Selbst wenn angenommen würde, es handle sich um einen Unfall im mittleren Bereich (E. 1.4.6 f.), wäre die Adäquanz zu verneinen.
Bei einem mittelschweren Unfall im engeren Sinne kann die Adäquanz nur bejaht werden, wenn min
destens drei der sieben Adäquanzkriterien in einfacher Form erfüllt sind oder eines besonders ausgeprägt vorliegt (Urteil des Bund
es-gerichts 8C_897/2009 vom 29.
Januar
2010 E.
4.5).
Es ist nicht von besonders dramatischen Begleit
umständen oder einer besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls auszugehen. Die Hürden für die Bejahung dieses Kriteriums liegen weit höher. Die Fussver
letzung war
auf Grund ihrer Art und Schwere
auch
nicht in spezieller Weise geeignet, eine psychische Fehlentwicklung hervorzurufen.
Allerdings kann die Entwicklung eines Morbus Sudeck (CRPS) als schwieriger Heilungsverlauf anerkannt werden, denn ein solcher
liegt deutlich ausserhalb des normalen Heilungs
verlaufs nach den initialen Verletzungen.
Von einer besonders ausge
prägten Erfüllung des Kriteriums kann all
erdings nicht gesprochen werden, zumal gemäss F._-Gutachten bereits zum Zeitpunkt, als die Diagnose gestellt worden war, Diskrepanzen und nicht sicher objektivierbare Befunde vorgelegen hatten. Ausserdem gingen die Gutachter davon aus, bereits beim Auftreten der das klinische Bild später dominierenden Lähmungserscheinung im rechten Bein anlässlich der Grenzstrangblockade am 21. Dezember 2011 habe es sich um eine dissoziative Reaktionsbildung gehandelt (Urk. 8/M61 S. 19 f.). Damit standen schon früh psychische Faktoren (oder aber auch ein aggravatorisches Verhalten der Beschwerdeführerin, worauf hier nicht näher einzugehen ist) im Vorder
grund, welche die
objektivierbaren somatischen Anteile mit der Zeit volls
tändig in den Hintergrund treten liessen
.
Unter diesen Umständen sind die Merkmale der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung, der körperlichen Dauerschmerzen sowie der nach Grad und Dauer erheblichen physisch beding
ten Arbeitsunfähigkeit nicht erfüllt, da für ihre Beurteilung die psychisch beding
ten Anteile ausgeklammert werden müssen. Eine ärztliche Fehlbehand
lung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, liegt ebenfalls nicht vor
, da sich die Gutachter darin einig waren, dass die Grenzstrangin
fil
tration vom
21. Dezember 2012
nicht Ursache für die „Lähmung“ des rechtens Beines gewesen sein konnte (vgl. dazu auch das Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 304/05 vom 23. Juni 2006 E. 3.4).
Der Vollständigkeit halber ist die Beschwerdeführerin darauf hinzuweisen, dass das von ihr zitierte Urteil des Bundesgerichts 8C_629/2014 (richtig: 8C_629/2013) vom 29. Januar 2014 vorliegend nicht ausschlaggebend ist. Darin ging es um die Frage, ob ein CRPS natürliche
Folge einer
unfallkausalen Operation
sein könne (E. 4). Ein CRPS liegt hier aber gar nicht (mehr) vor.
4.3
Nach dem Gesagten ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss per 30. September 2014 verfügte, denn spätestens ab diesem Zeitpunkt lagen keine objektivierbaren Befunde mehr vor, auf welche es für die Fortsetzung der ärztlichen Behandlung angekommen wäre, und die psychische Fehlentwicklung ist nicht als adäquate Unfallfolge zu qualifizieren. Es ist somit auch nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin weitere Versiche
rungs
leistungen (Invalidenrente, Integritätsentschädigung) verneinte.
Damit erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.