Decision ID: 9eefa90e-ac5b-59d7-b64b-471132721c81
Year: 2014
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Erbengemeinschaft A. ist Eigentümerin der Parzelle Nr. 000, Grundbuch
Rheineck. Das 1'376 m grosse Grundstück liegt gemäss Zonenplan der Politischen
Gemeinde Rheineck vom 8. März 1995 in der Wohnzone W2 und ist mit einem
Einfamilienhaus aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts überbaut. Das
Baugrundstück wird im Norden von der T.-strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse)
erschlossen und begrenzt. Ursprünglich führte diese Strasse über das Grundstück
Nr. 000, im Zuge der Strassensanierung trat die Grundeigentümerin die Strassenfläche
aber im Umfang von 295 m an die politische Gemeinde ab.
B./ a) Am 27. Januar 2011 ersuchte die Q. AG um Bewilligung des Abbruchs des
bestehenden Einfamilienhauses und des Baus eines Mehrfamilienhauses mit fünf
Wohnungen samt Tiefgarage. Innert Auflagefrist erhoben drei Nachbarn Einsprache.
Der Stadtrat wies die Einsprachen am 19. April 2011 ab und erteilte die Bewilligungen.
Im Rahmen des darauffolgenden Rekursverfahrens zog die Gesuchstellerin das
Baugesuch am 17. November 2011 zurück, worauf das Baudepartement des Kantons
St. Gallen die hängigen Rekurse wegen Gegenstandslosigkeit von seiner Geschäftsliste
abschrieb.
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b) Am 21. November 2011 reichte die Bauherrin ein überarbeitetes Gesuch ein,
wogegen die gleichen Nachbarn wiederum Einsprache erhoben. Ein Ehepaar zog ihre
Einsprache in der Folge unter dem Vorbehalt zurück, dass Rissprotokolle
aufgenommen würden. Die Baubehörde wies die Einsprachen, soweit sie noch hängig
waren, am 28. Februar 2012 ab und bewilligte das überarbeitete Projekt mit
Nebenbestimmungen.
C./ Gegen diesen Beschluss erhoben die beiden verbliebenen Einsprecher am 16. März
bzw. 21. März 2012 beim Baudepartement Rekurs, wobei sie verlangten, dass die
Abbruch- und Baubewilligungen zu verweigern seien. Die Baubehörde erläuterte auf
Nachfrage mit Schreiben vom 21. September 2012 verschiedene Fragen der
Rekursinstanz, nachdem sie anfänglich auf eine Stellungnahme zu den Rekursen
verzichtet hatte. Mit Entscheid vom 28. Januar 2013 wies das Baudepartement die
Rekurse kostenpflichtig ab. Es hielt dabei fest, dass insbesondere das Attikageschoss
nicht als Vollgeschoss angerechnet werden müsse. Zudem werde weder die
Ausnützungsziffer überschritten, noch verletze die Zufahrt zur Tiefgarage die
Bestimmungen des Baureglements der Politischen Gemeinde Rheineck vom 8. März
1995 (abgekürzt BauR).
D./ Gegen den Rekursentscheid erhob X.Y., Eigentümer der westlichen
Nachbarparzelle Nr. 001, am 11. Februar 2013 beim Verwaltungsgericht des Kantons
St. Gallen Beschwerde. Mit Beschwerdeergänzung vom 4. März 2013 beantragt er,
dass der Rekursentscheid kostenpflichtig aufgehoben werde und dass die
Bewilligungen für den Abbruch und den Neubau verweigert würden.
E./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 20. März 2013 die Abweisung
der Beschwerde. Die Beschwerdebeteiligte verzichtet mit Schreiben vom 22. März
2013 auf einen Antrag und eine Stellungnahme.
F./ Die Bauherrin nimmt am 13. Mai 2013 zur Beschwerde sowie zur Vernehmlassung
der Vorinstanz Stellung und beantragt, die Beschwerde sei kostenpflichtig abzuweisen,
soweit darauf eingetreten werden könne, und der Bauentscheid vom 28. Februar 2012
sei zu bestätigen.
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G./ Der Beschwerdeführer repliziert mit Schreiben vom 31. Mai 2013. Auf die von den
Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen werden von Amtes wegen geprüft:
1.1. Das Verwaltungsgericht ist gemäss Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, abgekürzt VRP) sachlich zur Behandlung der
gegen einen Entscheid des Baudepartementes erhobenen Beschwerde zuständig. Als
Adressat des Rekursentscheids ist der Beschwerdeführer zur Ergreifung des
Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingaben entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Voraussetzungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und
Abs. 2 VRP).
1.2. Die Baubewilligung ist die behördliche Feststellung, dass der Verwirklichung des
Bauvorhabens keine öffentlich-rechtlichen Hindernisse im Weg stehen (Art. 87 Abs. 1
des Baugesetzes, sGS 731.1, abgekürzt BauG). Der Beschwerdeführer rügt eine
Verletzung der zulässigen Geschosszahl, und dass die geplante Tiefgaragenzufahrt die
reglementarischen Bestimmungen betreffend Bauten unter Terrain verletze. Die
Überprüfung des Bauvorhabens beschränkt sich somit auf diese beiden Rügen
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
N 633). Soweit der Beschwerdeführer zudem die Abweisung der Abbruchbewilligung
des derzeitigen Gebäudes verlangt, fehlt es an der nach Art. 64 VRP in Verbindung mit
Art. 48 Abs. 1 VRP erforderlichen Begründung, die wie der Antrag
Gültigkeitserfordernis ist. An Qualität und Ausgestaltung der Begründung werden zwar
praxisgemäss keine grossen Anforderungen gestellt. Das Verwaltungsgericht lehnt es
aber regelmässig ab, sich mit Anträgen auseinanderzusetzen, wenn anstelle einer
Begründung lediglich pauschal auf vor- oder erstinstanzliche Eingaben verwiesen wird
(VerwGE B 2012/275 vom 8. November 2013 E. 1.2., abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch). Da der Beschwerdeführer innert angesetzter Frist zur Ergänzung
der Beschwerde keine Begründung betreffend Abbruch der heutigen Liegenschaft
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nachgereicht hat, kann auf die Beschwerde, soweit sie die Abbruchbewilligung betrifft,
nicht eingetreten werden (Cavelti/Vögeli, a.a.O., N 921 und 923).
1.3. Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde, soweit damit die Aufhebung der
Baubewilligung verlangt wird, einzutreten. Auf den Antrag, die Abbruchbewilligung sei
zu verweigern, kann nicht eintreten werden.
2. Die Baubewilligung ist wie gesagt zu erteilen, wenn keine im öffentlichen Recht
begründete Hindernisse vorliegen (Art. 87 Abs. 1 BauG). Hindernisse von
untergeordneter Bedeutung können mit Nebenbestimmungen, das heisst mit Auflagen
und Bedingungen nach Art. 87 Abs. 2 BauG beseitigt werden (B. Heer, St. Gallisches
Bau- und Planungsrecht, Bern 2003, N 869). Betreffend Dachgestaltung oder
Geschosse enthält das BauG keine Vorschriften. Die entsprechenden Umschreibungen
sind den kommunalen Baureglementen und -ordnungen überlassen (Heer, a.a.O.,
N 690). Die Reglementsbestimmungen dazu können demzufolge unterschiedlich
ausfallen.
2.1. In der vorliegenden Wohnzone W2 sind Wohnbauten mit zwei Vollgeschossen
möglich (Art. 6 Abs. 2 lit. b BauR).
2.1.1. Nach Art. 21 Abs. 1 und 2 BauR zählt als Vollgeschoss jedes Stockwerk, das
weder als Unter- noch als Dachgeschoss zählt. Untergeschosse dürfen ab Oberkant
Erdgeschossboden gemessen maximal bis 0,8 m über dem Niveaupunkt liegen. Als
Dachgeschoss gelten Geschosse über dem obersten Vollgeschoss, die einschliesslich
Konstruktion unter einem Profil von 1,10 m maximaler Kniestockhöhe aussen
gemessen und einem Winkel von 45° von der Fassade zurückstehen (Art. 21 Abs. 3
BauR). Nach dem Wortlaut lassen sich darunter an sich sowohl Schrägdach- als auch
Flachdachbauten subsumieren. Aus der Skizze zu den Art. 21 ff. BauR im Anhang II zu
den Messweisen wird denn auch klar, dass der kommunale Gesetzgeber damit beide
Dachformen gemeint hat.
2.1.2. Das BauR sieht vor, dass von der Bestimmung betreffend Dachgeschoss im
beschränkten Ausmass abgewichen werden kann, und zwar mittels Dachaufbauten,
Dacheinschnitten und Dachflächenfenstern. Erforderlich ist dafür grundsätzlich eine
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gute architektonische Gestaltung (Art. 32 Abs. 1 BauR). Darüber hinaus müssen bei
Steildächern die zusätzlichen Voraussetzungen gemäss Art. 32 Abs. 2 BauR erfüllt
werden, ausser wenn sie technisch notwendig sind. Bei Flachdachbauten gelten als
Dachaufbauten nach Art. 32 Abs. 3 BauR jene Bauteile, die über einen von der Fassade
(mit Einschluss von 0,8 m Brüstung über die [reglementarische] Gebäudehöhe) unter
45° ansteigenden Neigungswinkel hinausragen. Solche Aufbauten dürfen nur auf einer
Gebäudeseite höchstens zu einem Drittel der Länge in die Fassadenflucht reichen
(Art. 32 Abs. 3 BauR in der Fassung vom 28. Februar 2003).
3. Der Beschwerdeführer rügt das Attikageschoss zunächst in seiner horizontalen
Ausrichtung.
3.1. Unbestritten ist, dass der 8 m lange fassadenbündige Gebäudeteil auf der
Nordseite der Attikawohnung bei einer gesamten Gebäudelänge von 24,28 m zu 32,95
Prozent in die Fassadenflucht reicht und Art. 32 Abs. 3 BauR damit bezüglich der
Drittelsbeschränkung eingehalten ist. Der Beschwerdeführer ist aber der Ansicht, dass
es sich beim vorliegend hervorspringenden Gebäudeteil um keine Dachaufbaute,
sondern um einen Teil des Attikageschosses handle, weil er "funktional" zur
Attikawohnung gehöre.
3.2. Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht einwendet, sind Dachaufbauten - wie
Dacheinschnitte - immer dem Dachgeschoss funktional zugeordnet. Dies ist nicht bloss
bei Stockwerken in einem Steildach der Fall, sondern auch beim Attikageschoss - dem
Stockwerk auf einem Flachdach also -, dessen Grundfläche je nach Baureglement an
allen oder mehreren Seiten aus der Flucht des darunterliegenden Vollgeschosses
zurücktreten muss, wodurch eine mehr oder weniger umlaufende Terrasse entsteht.
Während bei einem Steildach die Dachaufbaute in der Variante einer Dachgaube
besteht, darf bei einem Flachdachbau das Attikageschoss unter dem Titel
"Dachaufbaute" im Rahmen von Art. 32 Abs. 3 BauR über die 45°-Attikalinie bis zur
Flucht der Gebäudefassade treten (vgl. Anhang II betreffend Skizzen zu Messweisen
von Baureglements-Bestimmungen zu Art. 32 Abs. 5 [neu Abs. 3]). Dabei zählen mit
Blick auf Art. 21 Abs. 3 BauR nicht nur jene Gebäudeteile des Dachgeschosses als
Dachaufbaute, die bündig an die Gebäudefassade bzw. ganz an die Mantelfläche des
darunterliegenden Vollgeschosses reichen, sondern all jene, die über den
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massgeblichen Neigungswinkel von 45° bzw. die Attikalinie gemäss Art. 21 Abs. 3 resp.
Art. 32 Abs. 3 BauR hinausragen. Mithin gibt es - entgegen der Argumentation des
Beschwerdeführers - keinen Grund anzunehmen, die Kombination der beiden
Attikanormen führe unzulässigerweise dazu, dass das Attikageschoss allseitig bis auf
etwa 10 cm an die Flucht der Gebäudefassade heranreichen dürfe, solange das
Attikageschoss architektonisch gut gestaltet sei. Das Gegenteil ist der Fall: Verletzt ein
Projekt Art. 21 Abs. 3 BauR, muss geprüft werden, ob dieses in Anwendung von Art. 32
Abs. 3 BauR bewilligt werden kann.
3.3. Der Beschwerdeführer begründet seine Rüge weiter mit dem Hinweis auf den
Verwaltungsgerichtsentscheid B 2009/104 vom 28. Januar 2010 E. 2.3.2., den das
Baudepartement in ihren Juristischen Mitteilungen kommentiert hat (2010/I Nr. 3,
abrufbar unter: www.jumi.sg.ch).
3.3.1. Diesem Entscheid lag aber eine andere Rechtslage zu Grunde. Das dort
massgebliche (damalige) Baureglement der Politischen Gemeinde Eschenbach vom
3. November 1994 regelte die Dachgestaltung nämlich insofern anders als das hier
anwendbare, als jenes Reglement lediglich allgemeine Bestimmungen zu
Dachaufbauten und technisch notwendigen Bauteilen enthielt, jedoch keine spezielle
für das Attikageschoss. Demnach musste in jenem Fall der typische 45°-Winkel eines
hypothetischen Schrägdachs selbst von einem Flachdachbau ausnahmslos
eingehalten werden. Ohne entsprechende rechtliche Grundlage hätte sonst die
gleichzeitige Bewilligung eines Dachgeschosses auf einem Flachdachbau und einer
Dachaufbaute im Sinn des kommunalen Baureglements dazu geführt, dass das
Attikageschoss nicht mehr als Dachgeschoss, sondern als Vollgeschoss hätte gezählt
werden müssen (vgl. dazu VerwGE B 2009/104 vom 28. Januar 2010 E. 2.3.2.).
3.3.2. Weiter verneinte das Gericht, dass die vorgesehene Erweiterung des
Attikageschosses über den Winkelbereich hinaus als technisch bedingte Dachaufbaute
bewilligt werden könne. Anders als etwa bei Kaminen, Ventilatoren, Liftaufbauten oder
Antennenanlagen sei die geplante Erweiterung des Dachgeschosses über die 45°-
Profillinie hinaus - konkret ging es um eine Liftanlage und den Treppenzugang zum
Dachgeschoss - für die Funktion des darunterliegenden Gebäudes technisch nicht
notwendig. Wenn in diesem Fall also die Dachwohnung mit demselben Lift und der
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gleichen Treppe wie die Wohnungen der Vollgeschosse erschlossen werden sollte,
müssten diese Erschliessungsanlagen folglich so positioniert werden, dass sie
innerhalb der zulässigen Fläche der Attikawohnung realisiert werden könnten.
3.3.3. Demgegenüber hat die politische Gemeinde Rheineck mit Art. 32 Abs. 3 BauR -
wie im Übrigen zwischenzeitlich auch die Gemeinde Eschenbach mit Art. 26 Abs. 1
Satz 3 ihres neuen Baureglements vom 15. April 2011 - eine Spezialnorm hinsichtlich
Dachaufbauten bei Flachdachbauten geschaffen. Dabei handelt es sich um eine
Konkretisierung bzw. Lockerung der Regelbauvorschriften, die im Rahmen der
Gemeindeautonomie zulässig und vom kantonalen Recht nicht untersagt ist. So hat
das Verwaltungsgericht zum Beispiel auch Art. 35 Abs. 2 der Bauordnung der
Politischen Gemeinde St. Gallen vom 1. Oktober 2006 als rechtmässig beurteilt.
Demnach kann dort die durch die 45°-Linie bestimmte Grundfläche des
Attikageschosses unter gewissen Voraussetzungen abweichend situiert werden, was
sogar soweit gehen kann, dass das Dachgeschoss auf zwei Seiten fassadenbündig in
eine Ecke des Gebäudes geschoben werden darf (VerwGE B 2008/143 und 149 vom
14. Mai 2009 E. 3.2.1. und VerwGE B 2009/139 und 140 vom 11. Mai 2010 E. 2.6.1).
3.3.4. Aus dem Gesagten folgt, dass der vorliegend umstrittene Gebäudeteil der
Dachwohnung, bestehend aus dem nordseitigen Treppenhaus und dem
danebenliegenden Abstellraum, im zulässigen Ausmass gemäss Art. 32 Abs. 3 BauR
über die beschränkende Attikalinie hinausragt und dass deswegen das oberste
Geschoss gleichwohl nicht als unzulässiges drittes Vollgeschoss gezählt werden muss.
4. Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, das Bauprojekt verletze Art. 32 Abs. 3
BauR nicht bloss in der Horizontalen, sondern auch in der Vertikalen, weil die
Mauerkrone auf dem Flachdach die Dachkote von 409,75 m ü.M. (Niveaupunkt von
399,73 m ü.M. plus Gebäudehöhe von 6.82 m plus Kniestockhöhe von 1,10 m plus
Abstand der Aufbaute von der Fassadenflucht 2,20 m) um 15 bis 20 cm überschreite.
4.1. Höhenmässig wird das Attikageschoss durch die beiden 45°-Winkelprofile gemäss
Art. 21 Abs. 3 BauR und Art. 32 Abs. 3 BauR und die vorgeschriebene maximale
Firsthöhe begrenzt. Letztere wird nicht durch das Baugesetz, sondern wiederum einzig
durch die Baureglemente und -ordnungen definiert. Nach Art. 25 Abs. 1 BauR
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bezeichnet diese den senkrechten Abstand zwischen dem Niveaupunkt und dem
höchsten Punkt des Daches. Dies gilt auch bei Flachdächern (Heer, a.a.O., N 655). In
der W2-Zone beträgt die maximale Firsthöhe 10,5 m.
4.1.1. Der undatierte Querschnittsplan (Vorakten Beilage zu act. 11) zeigt auf, dass das
vorliegende Bauprojekt das Attikaprofil gemäss Art. 21 Abs. 3 BauR einhält, und zwar
auch hinsichtlich der erhöhten Attikadachumrandung. Somit muss nicht weiter geprüft
werden, ob diese Mauerkrone zumindest teilweise als Dachaufbaute im Sinn von
Art. 32 Abs. 3 BauR gelten könne (vgl. Anhangskizze zu Art. 32 Abs. 5 [neu Abs. 3]
BauR betreffend Dachaufbaute bei Flachdachbauten).
4.1.2. Dazu kommt, dass die Mauerkrone mit einer Höhe von 15 cm bis 20 cm, wie sie
der Beschwerdeführer geltend macht, auch unterhalb der reglementarischen Firsthöhe
von 10,5 m bzw. innerhalb der erlaubten Höhenkote von 410,23 m ü.M. (Niveaupunkt
399,73 m ü.M. plus Firsthöhe) liegt. Abgesehen davon, dass die Attikadachumrandung
die Attikaprofile nicht überschreiten darf, wäre auf Grund der Differenz zwischen der
theoretisch möglichen Firstkote von 410,23 m ü.M. und der tatsächlichen Dachkote
von 409,75 m ü.M. eine Attikadachumrandung von maximal 48 cm Höhe möglich.
4.2. Die Vorinstanz weist in ihrer Vernehmlassung vom 20. März 2013 darauf hin, dass
zwar nicht die Attikadachkrone selbst, jedoch deren Metallabdeckung leicht über die
Attikalinie hinausreiche. Dieser Einwand ist unbestritten geblieben und bestätigt sich an
Hand der undatierten Planskizze in den Rekursakten (Vorakten Beilage zu act. 11).
4.2.1. Das Baureglement nimmt technisch notwendige Bauteile bei Flachdachbauten -
anders als bei Bauten mit Schrägdach (Art. 32 Abs. 2 BauR) - nicht grundsätzlich aus.
Möglich sind sie aber innerhalb der Attikalinie (Art. 32 Abs. 3 BauR). Ragt ein technisch
bedingter Bauteil zumindest teilweise ins Attikaprofil, ist dieser Teil gemäss
Anhangskizze zu Art. 32 Abs. 3 BauR als Dachaufbaute anzurechnen. Somit muss nicht
näher geprüft werden, ob der Vorsprung der Metallabdeckung über die Mauerkrone als
technisch notwendiger Bauteil qualifiziert werden könnte oder nicht. Von ihrer Funktion
her erfüllt die Abdeckung, soweit sie die Attikadachumrandung leicht überragt, ohnehin
die Aufgabe eines Vordaches, das nach Art. 29 Abs. 1 BauR als Vorbaute gilt und als
solche einzig hinsichtlich des Grenzabstands und der Strassenbaulinie privilegiert wird,
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nicht aber im Rahmen von Art. 21 Abs. 3 BauR bezüglich der Einhaltung der Attikalinie.
Dazu kommt, dass der nordseitige Abstellraum und Treppenaufgang die maximal
zulässige Abweichung gemäss Art. 32 Abs. 3 BauR bereits praktisch vollständig
ausschöpfen.
4.2.2. Die Vorinstanz sieht darin gleichwohl keinen Hinderungsgrund, weil die
Überschreitung des massgeblichen Profils derart gering sei, dass sie nicht ins Gewicht
falle. Mit Verweis auf VerwGE B 2008/48 vom 19. August 2008 E. 2.6. macht sie
sodann geltend, bei der leicht überragenden Metallabdeckung handle es sich wie bei
geringfügig über die Fassade vorspringenden Fenstersimsen, Fensterläden oder
Storen, die aussen an der Fassade befestigt seien, bzw. kleinen Beleuchtungskörpern,
Dachrinnen und Regenwasserrohren, um keine gesonderten Bauteile.
4.2.3. Dem ist entgegenzuhalten, dass diese Fundstelle im Zusammenhang mit Art. 29
Abs. 1 des Baureglements der Politischen Gemeinde Rorschach vom 20. April 2000
steht, womit jene Bauteile bezüglich des Grenzabstands als Vorbauten privilegiert
werden, die über die Gebäudefassade in den Luftraum ragen und als gesonderte
Bauteile erkennbar sind. Das Baureglement der Politischen Gemeinde Rheineck kennt
den Begriff "als gesonderte Bauteile erkennbar" bei Vorbauten aber nicht (Art. 29
BauR). Dazu kommt, dass sich die Privilegierung von Vorbauten ausdrücklich auf den
Grenzabstand - und gemäss Baureglement der Politischen Gemeinde Rheineck
zusätzlich auf die Strassenbaulinie - bezieht und nicht auch auf die Attikanormen (zur
Lückenfüllung bzw. zum qualifzierten Schweigen im Verwaltungsrecht vgl. Häfelin/
Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Auflage, Zürich/St. Gallen 2010,
N 234). Auf Grund des klaren Wortlauts von Art. 21 Abs. 3 und Art. 32 Abs. 3 BauR gibt
es somit keine Möglichkeit, den Metallvorsprung bzw. die Vorbaute bezüglich der
Attikalinie auszunehmen, wie es in der Politischen Gemeinde Rorschach bezüglich dem
Grenzabstand möglich ist.
4.2.4. Damit bleibt es dabei, dass auch die Metallabdeckung der Attikadachumrandung
die Attikalinie einhalten muss, selbst wenn sie das entsprechende Profil
zugegebenermassen bloss geringfügig überschreitet. Art. 21 Abs. 3 BauR ist absolut
gefasst und lässt der Baubehörde diesbezüglich keinen Ermessensspielraum.
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4.3. Aus dem Gesagten folgt, dass das vorliegende Bauprojekt das Baureglement
verletzt. Tatsächlich handelt es sich bei der vorspringenden Metallabdeckung aber um
einen Nebenpunkt, der für die grundsätzliche Bewilligungsfähigkeit des vorliegenden
Mehrfamilienhauses von keiner ausschlaggebenden Bedeutung ist und somit in ein
späteres Verfahren verwiesen werden kann (Heer, a.a.O., N 869). So kann
beispielsweise die Metallabdeckung der Attikafassade entweder ganz weggelassen
oder die aufgesetzte Attikadachumrandung so abgeändert oder versetzt werden, dass
die vorspringende Metallabdeckung die 45°-Attikalinie nicht mehr verletzt. Die
Baubehörde wird die entsprechende Bauauflage anlässlich von Baukontrollen
überprüfen und durchsetzen. Sollte es nicht möglich oder erwünscht sein, den
Metallvorsprung lediglich wegzulassen, wäre ein Korrekturgesuch nötig, das unter
Einbezug der betroffenen Nachbarn zumindest im vereinfachten Verfahren nach
Art. 82bis BauG durchzuführen wäre.
4.4. Soweit der Beschwerdeführer geltend macht, für die Bestimmung der Attikafläche
dürfe nicht auf die äussere Gebäudefassade abgestellt werden, sondern auf die
zurückversetzten Fensterfronten der Loggien im ersten und zweiten Vollgeschoss, kann
ihm nicht gefolgt werden. Bei diesen Loggien handelt es sich um nichts anderes als um
Räume, der sich nach aussen öffnen. Auch wenn diese offenen Räume bezüglich der
Ausnützung irrelevant sind, ändert dies nichts daran, dass sie - anders als
eingeschossige Anbauten (Art. 28 BauR) oder in den Luftraum ragende Vorbauten
(Art. 29 BauR) im Sinn von Art. 21 Abs. 3 BauR zum darunterliegenden Vollgeschoss
zählen und dass das Attikaprofil ab der Aussenfassade des darunter liegenden
Vollgeschosses gemessen wird.
5. Der Beschwerdeführer rügt schliesslich, dass die Tiefgaragenzufahrt die
Bestimmungen betreffend unterirdische Bauten verletze, weil sie ungenügend
überdeckt sei.
5.1. Nach Art. 31 Abs. 1 BauR gilt eine Baute als unterirdisch, wenn sie mindestens zu
zwei Dritteln ihres Bauvolumens unterhalb des gewachsenen Terrains zu liegen kommt.
Solche Bauten dürfen innerhalb des Grenzabstandsbereichs gegenüber
Nachbargrundstücken das gewachsene Terrain inklusive Überdeckung im Maximum
um 0,80 m überragen. Bei unterirdischen Garagen müssen drei Viertel der freiliegenden
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Grundfläche überbaut oder mit Erde überdeckt und begrünt werden (Art. 31 Abs. 2
BauR).
5.2. Art. 31 Abs. 1 BauG liegt der Baubegriff "Baute" zugrunde. Bauten sind Bauwerke,
die kubisch und räumlich in Erscheinung treten und derart gestaltet sind, dass sie
geeignet sind, Menschen, Tiere oder Sachen gegen Witterungseinflüsse ganz oder
teilweise zu schützen (Heer, a.a.O., N 357 mit Hinweis). Vereinfacht gesagt ist eine
Baute ein baurechtserhebliches Objekt mit einem Dach. Dies gilt auch für
Fahrnisbauten. Beim Wohnwagen etwa unterscheidet die Rechtsprechung dabei
allerdings, ob er genutzt oder bloss abgestellt werde. Im letzteren Fall stellt er lediglich
eine (bewilligungspflichtige) Anlage dar (Heer, a.a.O., N 614 mit Hinweis). Bei der
Tiefgarage handelt es sich somit um eine Baute, bzw. einen Bauteil des darüber
liegenden Mehrfamilienhauses.
5.3. Demgegenüber liegt eine Anlage vor, wenn das Ergebnis einer baulichen
Massnahme in Form, Gestalt und Ausmass derart in Erscheinung tritt und auf die
Nachbarschaft oder auf den öffentlichen Grund in der Weise einwirkt, dass dadurch
öffentliche Interessen berührt werden bzw. wenn damit im Allgemeinen nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge so wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein
Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht
(Heer, a.a.O., N 358 mit Hinweis). Die nichtüberdeckte Tiefgaragenzufahrt ist somit
keine Baute, sondern eine Anlage, welche die Tiefgarage erschliesst. Als solche muss
sie anders als eine Baute den Grenzabstand nach Art. 56 BauG nicht einhalten (Heer,
a.a.O., N 614). Andernfalls könnte sie wie beispielsweise auch Auffahrten und Vorplätze
ihre Bestimmung nicht erfüllen. Das Gleiche gilt für eine abfallende Zufahrt zu einer
Tiefgarage. Nebst dem, dass Art. 31 BauR ausdrücklich nur von unterirdischen Bauten
und nicht von Anlagenbzw. der Tiefgaragenzufahrt spricht, würde es auch keinen Sinn
machen, dass Zufahrten zu unterirdischen Garagen im Sinn von Art. 31 Abs. 2 BauR zu
drei Viertel überdeckt werden müssten.
5.4. Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Tiefgaragenzufahrt reglementskonform ist.
6. Zusammengefasst erweist sich die Beschwerde insofern als teilweise begründet, als
die Baubewilligung lediglich mit der Auflage bestätigt werden kann, dass die
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Metallabdeckung auf der Dachumrandung des Attikageschosses unter der Profillinie
von Art. 21 Abs. 3 BauR zurückstehen muss. Die Beschwerde ist deshalb im Sinn der
Erwägungen teilweise gutzuheissen und im Übrigen abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
7. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Ein nur geringfügiges Obsiegen
bzw. Unterliegen wird bei der Kostenverlegung gar nicht berücksichtigt (R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.
Gallen 2004, S. 94).
7.1. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens vollständig zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der vom Beschwerdeführer geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 3'000.-- ist damit zu verrechnen.
7.2. Mit Blick auf die Kostenverlegung im Beschwerdeverfahren und darauf, dass die
Vorinstanz erheblich mehr Rügepunkte zu prüfen hatte, die sie allesamt abgewiesen
hat, rechtfertigt es sich, im Rekursverfahren die vorgenommene Kostenverteilung zu
belassen, auch wenn sich im Beschwerdeverfahren gezeigt hat, dass der
Rekursentscheid in einem verhältnismässig kleinen Nebenpunkt zu korrigieren ist.
8. Die Parteientschädigungen werden entsprechend nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 98bis VRP).
8.1. Der Beschwerdeführer erzielt wie gesagt nur einen geringfügigen Teilerfolg,
weshalb es sich rechtfertigt, ihm jegliche Parteientschädigung zu verweigern bzw.
dessen Entschädigungsbegehren abzuweisen (Hirt, a.a.O., S. 184).
8.2. Dementsprechend hat er die Beschwerdegegnerin vollumfänglich zu entschädigen.
Ihr Vertreter weist in seiner Kostennote vom 12. Juni 2013 ein Pauschalhonorar von
Fr. 3'500.-- plus vier Prozent Barauslagen aus. Das geltend gemachte Honorar ist
grundsätzlich tarifkonform und angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b und Art. 28bis der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/14
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St.Galler Gerichte
Somit hat der Beschwerdeführer die Beschwerdegegnerin mit insgesamt Fr. 3'640.--
ausseramtlich zu entschädigen. Hinsichtlich der Mehrwertsteuer gilt, dass die
Beschwerdegegnerin selber steuerpflichtig ist, weshalb sie die der Honorarrechnung
ihres Anwalts belastete Mehrwertsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen kann,
ohne dass ihr dadurch eine Mehrbelastung entsteht. Die Mehrwertsteuer muss bei der
Bemessung der ausseramtlichen Entschädigung daher nicht zusätzlich berücksichtigt
werden (Hirt, a.a.O., S. 194).
8.3. Hinsichtlich der ausseramtlichen Entschädigung für das Rekursverfahren gilt das
oben Gesagte (E. 7.2.).