Decision ID: f216ea08-7c23-5664-895a-728bb01513d5
Year: 2021
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A. (nachfolgend: Beschwerdeführerin) war im Rahmen ihres vom 1. Februar 2018 bis zum
31. Januar 2019 befristeten Arbeitsverhältnisses über ihre Arbeitgeberin bei der Versiche-
rung C. (nachfolgend auch: Vorinstanz) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen ver-
sichert, als sie ihre Arbeit ab dem 7. August 2018 infolge diverser Beschwerden, bezüglich
deren Ursprung gemäss Schadenmeldung UVG der Verdacht auf einen Zeckenstich be-
stand (Versicherung C.-act. 1), aussetzen musste. Mit Mail vom 20. November 2018 teilte
die Arbeitgeberin der Versicherung C. mit, die Beschwerdeführerin arbeite seit dem 5. No-
vember 2018 wieder (Versicherung C.-act. 14).
B. Nachdem der Versicherung C. eine Bescheinigung über einen stationären Aufenthalt der
Beschwerdeführerin vom 4. bis 11. Oktober 2018 im Spital D. vorgelegt worden war (Ver-
sicherung C.-act. 2), holte die Versicherung C. zunächst dort weitere Unterlagen ein. Im Be-
richt von Dr. E. vom 4. November 2018 (Versicherung C.-act. 16) ist festgehalten, die Be-
schwerdeführerin habe Mitte Juli im Garten gearbeitet und einige Tage später einen roten
Ring im Nacken bemerkt. Eine Zecke habe sie nicht gesehen. Die Beschwerdeführerin
habe von anfangs August aufgetretenen Beschwerden mit starken Blutdruckschwankun-
gen, Herzrasen etc. berichtet. Die behandelnden Ärzte im Spital D. stellten nach diversen
Seite 3
Untersuchungen ein „Versorgungsproblem bei allgemeiner Schwäche, Ängsten; a.e. funk-
tioneller Genese“ fest, sahen aber insbesondere keinen Anhalt für eine Neuroborreliose
oder eine chronisch-entzündliche ZNS-Erkrankung. Eine psychosomatische Begleitgenese
der Beschwerden wurde als möglich erachtet und der Beschwerdeführerin eine diesbezüg-
liche Abklärung empfohlen. Die Versicherung C. legte das Dossier ihrem Vertrauensarzt Dr.
F. vor, welcher die Versicherung C. am 30. November 2018 (Versicherung C.-act. 19) er-
suchte, weitere Behandlungsberichte anzufordern und das Dossier danach erneut vorzu-
legen. Nachdem diverse weitere Unterlagen, insbesondere der Klinik für Herz- und Gefäss-
krankheiten des Spital Q. und des Hausarztes Dr. H. (siehe Versicherung C.-act. 23 ff.)
vorlagen, wurde das Dossier erneut dem Vertrauensarzt zur Beurteilung übergeben. Im
Bericht vom 7. Januar 2019 (Versicherung C.-act. 31) hielt Dr. F. fest, im vorliegenden Fall
sei durch ausführliche und wiederholte sorgfältige Abklärung der Beschwerdeführerin bei
lediglich einem Verdacht auf einen Zeckenstich eine Zeckenstich-Folgeerkrankung zu
keinem Zeitpunkt zu diagnostizieren gewesen. Es fänden sich in den ärztlichen Berichten
diverse alternative Erklärungsmodelle für die geklagten Beschwerden. Das überwiegend
wahrscheinliche Vorliegen eines Unfallereignisses oder einer Folge eines solchen sei zu
verneinen.
C. Mit Schreiben vom 17. Januar 2019 (Versicherung C.-act. 37) teilte die Versicherung C. der
Beschwerdeführerin daraufhin mit, es bestehe unter den gegebenen Umständen keine
Leistungspflicht des Unfallversicherers. Mit E-Mail vom 19. Februar 2019 (Versicherung C.-
act. 41) meldete die Beschwerdeführerin der Versicherung C. sie sei seit dem 21. Dezem-
ber erneut arbeitsunfähig. Die Versicherung C. habe nicht berücksichtigt, dass sie bei
einem Facharzt in Behandlung sei. Sie beantrage eine Akzeptanz des Unfalls bzw. allen-
falls den Erlass einer anfechtbaren Verfügung. Am 4. März 2019 erliess die Versicherung
C. hierauf eine leistungsabweisende Verfügung (Versicherung C.-act. 42) und hielt darin
fest, sie hafte nur dann für einen Gesundheitsschaden, wenn dieser mindestens mit über-
wiegender Wahrscheinlichkeit in einem Zusammenhang mit einem versicherten Ereignis
stehe. Die Versicherung C. könne daher keine Versicherungsleistungen erbringen.
D. Am 1. April 2019 erhob die Beschwerdeführerin bei der Vorinstanz Einsprache gegen diese
Verfügung (Versicherung C.-act. 45). Unter Verweis auf einen beigelegten Bericht von Dr. I.
vom 19. März 2019 (Versicherung C.-act. 45, S. 2 f.) machte sie geltend, eine Zeckenstich-
Folgeerkrankung sei durch ihre behandelnden Ärzte diagnostiziert und zwischenzeitlich
auch nachgewiesen worden.
Seite 4
Mit Schreiben vom 14. Juni 2019 (Versicherung C.-act. 56) erhob auch der Krankenver-
sicherer der Beschwerdeführerin, die Versicherung C. eine Einsprache gegen die
leistungsabweisende Verfügung und machte geltend, ihr eigener Vertrauensarzt gehe ins-
besondere aufgrund des Befundberichts von Dr. I. davon aus, dass die Beschwerdeführerin
an einer Borreliose infolge eines Zeckenstiches erkrankt sei. Entsprechend werde eine
Kostenübernahme der unfallbedingt notwendig gewordenen Behandlungen beantragt.
Die Versicherung C. legte das Dossier erneut ihrem eigenen vertrauensärztlichen Dienst
vor, worauf Dr. J. in der Stellungnahme vom 20. August 2019 (Versicherung C.-act. 67) da-
rauf hinwies, es liege keine Information dazu vor, wie die Beschwerdeführerin auf die anti-
biotische Therapie von Dr. I. reagiert habe und warum seit 21. Dezember 2018 erneut eine
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt worden sei. Er empfahl diesbezüglich die Einholung weiterer
Arztberichte. Nachdem bei der Versicherung C. diverse weitere medizinische Unterlagen
(insbesondere der Bericht von Dr. I. vom 5. September 2019 [Versicherung C.-act. 76], der
Bericht des die Beschwerdeführerin seit Mitte Mai 2019 behandelnden Hausarztes Dr. K.
vom 12. Oktober 2019 [Versicherung C.-act. 78] bzw. der Bericht des zuvor zuständigen
Hausarztes Dr. H. vom 16. Oktober 2019 [Versicherung C.-act. 79], der Bericht der Klinik
für Neurologie des Spitals L. vom 2. Juli 2019 [Versicherung C.-act. 94], die Stellungnahme
des Vertrauensarztes der Versicherung C., Dr. M. vom 12. Juni 2019 [Versicherung C.-act.
84] sowie diverse Laborbefunde [Versicherung C.-act. 93]) eingegangen waren, gab Fach-
arzt Dr. N. zu Handen der Versicherung C. eine vertiefte neurologische Beurteilung ab
(Versicherung C.-act. 95). Er gelangte zum Schluss, dass die geschilderten Beschwerden
unspezifisch seien und nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit
einer Neuroborreliose nach akuter Infektion mit Übertragung von Borrelia burgdorferi durch
einen Zeckenstich stünden. Weitere Abklärungen, namentlich ein Gutachten, seien nicht
notwendig. Vertrauensarzt Dr. O. erklärte in seiner abschliessenden Stellungnahme vom
28. Januar 2020 zu Handen der Versicherung C. (Versicherung C.-act. 97) ergänzend, po-
sitive Borrelien-Serologien würden sich relativ häufig in der Allgemein-bevölkerung finden
und würden lediglich bedeuten, dass es einmal zu einem Erreger-kontakt gekommen sei.
Das reiche nicht aus, um eine Kausalität zwischen Beschwerden und einem Zeckenstich
wahrscheinlich zu machen.
Mit Entscheid vom 29. Januar 2020 (Versicherung C.-act. 98) wies die Versicherung C.
hierauf die Einsprachen der Beschwerdeführerin bzw. deren Krankenkasse der Versiche-
rung C. insbesondere unter Verweis auf diese erneute Beurteilung durch die beigezogenen
Vertrauensärzte ab.
Seite 5
E. Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die von der Beschwerdeführerin am 2. März
2020 erhobene Beschwerde ans Obergericht mit den eingangs erwähnten Anträgen
(act. 1). Mit Vernehmlassung vom 31. März 2020 verlangte die Vorinstanz deren Abwei-
sung, soweit überhaupt darauf einzutreten sei (act. 4). Am 19. Juni 2020 replizierte die
Beschwerdeführerin und reichte weitere Unterlagen ein (act. 10 und 11), worauf die Vorin-
stanz am 7. Juli 2020 eine Duplik (act. 13) abgab und an der Leistungsabweisung festhielt.
Der beigeladene Krankenversicherer verzichtete stillschweigend auf eine Teilnahme am
Verfahren.
F. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die
Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen
1. Formelles
1.1 Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Zuständig für die Beurteilung von sozialversicherungsrechtlichen Streitigkeiten ist gemäss
Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) das Versicherungsgericht desjenigen Kantons, in dem die versi-
cherte Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Im vorliegenden Fall ist
somit die örtliche Zuständigkeit in Appenzell Ausserrhoden gegeben.
1.2 Gemäss Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht als kantonales Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Be-
reich der Sozialversicherungen. Das Gesamtgericht hat Beschwerden in Sozialversiche-
rungssachen mit medizinischen Fragestellungen der 3. Abteilung zur Beurteilung zugewie-
sen (so publiziert im aktuellen Staatskalender des Kantons Appenzell Ausserrhoden
[https://staatskalender.ar.ch/organizations/pdf], Ziff. 2.6.1.2), weshalb diese zur Beurteilung
der vorliegenden Beschwerdesache zuständig ist.
Seite 6
1.3 Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen er-
gibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung auf Seiten der Beschwer-
deführerin als auch hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse mit Bezug auf die Be-
schwerdeschrift erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Un-
fallversicherung [UVG, SR 832.20] i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG).
Entgegen den Anmerkungen der Vorinstanz in Ziff. II 3 der Vernehmlassung besteht na-
mentlich kein Anlass, an der Rechtzeitigkeit der Beschwerde zu zweifeln: Nachdem der an-
gefochtene Einspracheentscheid vom 29. Januar 2020 datiert und per A-Post plus ver-
schickt wurde, konnte dieser frühestens tags darauf, d.h. am 30. Januar 2020, bei der Be-
schwerdeführerin ankommen. Die 30-tägige Beschwerdefrist hätte diesfalls frühestens am
Freitag, 31. Januar 2020, zu laufen begonnen und folglich frühestens am Samstag,
29. Februar 2020 geendet. Tatsächlich wurde der auf den 29. Januar 2020 datierte Ein-
spracheentscheid der Vorinstanz allerdings erst am 30. Januar 2020 um 15.25 Uhr bei der
Post aufgegeben, wie eine Track- und Trace Recherche (vgl. auch act. 2/3, Couvert mit
Sendungsverfolgung) ergeben hat. Dies führte im konkreten Fall dazu, dass die Beschwer-
defrist sogar erst einen Tag später, nämlich erst am Sonntag, 1. März 2020, endete. Auf
den Ablauf der Beschwerdefrist hatte dies keinen Einfluss: Ist der letzte Tag der Frist ein
Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter
Feiertag, so endet sie in all diesen Fällen erst am nächstfolgenden Werktag (Art. 38 Abs. 3
ATSG). So oder so ist somit die Beschwerdefrist mit der Postaufgabe der Beschwerde am
ersten auf das Wochenende vom 29. Februar / 1. März 2020 folgenden Werktag, nämlich
Montag, 2. März 2020, offensichtlich eingehalten.
1.4 Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
1.5 Gestützt auf Art. 2 der Verordnung über COVID-19-Massnahmen: Gerichte (bGS 113.2)
kann das Obergericht zur Bewältigung der aktuell ausserordentlichen Lage in allen Fällen
auf dem Zirkularweg entscheiden, wenn das Gesetz keine Verhandlung vorschreibt. Ent-
scheide, die auf dem Zirkularweg gefällt werden, bedürfen der Einstimmigkeit (Art. 52 Abs.
2 JG). Da vorliegend keine Durchführung einer Verhandlung vorgeschrieben ist und die
Parteien auf die Durchführung einer solchen verzichteten, hat das Obergericht aufgrund der
aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie den vorliegenden Entscheid im Zirkularverfah-
ren gefällt.
Seite 7
2. Materielles
2.1 Gegenstand der Unfallversicherung sind Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nicht-
berufsunfällen und Berufskrankheiten (Art. 6 Abs. 1 UVG). Während die Beschwerdeführe-
rin geltend macht, im Juli 2018 einen Zeckenstich erlitten zu haben und davon ausgehend
von einer Leistungspflicht ihres Unfallversicherers für seither nötige Behandlungen diverser
Gesundheitsbeeinträchtigungen ausgeht, bestreitet die Versicherung C. im Grundsatz nicht,
dass ein Zeckenstich die Merkmale des Unfallbegriffs erfüllen würde (dies zu Recht: vgl.
dazu BGE 122 V 230). Allerdings sei im konkreten Fall weder mit dem erforderlichen Be-
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass überhaupt ein Zeckenstich
stattgefunden habe, noch sei ein Kausalzusammenhang zwischen den geklagten Be-
schwerden und einem Zeckenstich nachgewiesen.
2.2 Damit steht zunächst der Nachweis eines Unfallereignisses in Frage.
a. Wer Leistungen der Unfallversicherung beansprucht, muss die Umstände eines Unfalls
glaubhaft machen. Unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben genügen die-
sem Erfordernis nicht. Zur Glaubhaftmachung eines Unfalls genügt es namentlich nicht,
einen Gesundheitsschaden nachzuweisen, der bloss möglicherweise auf ein Unfallereignis
zurückgehen könnte, sondern es müssen über das konkrete Geschehen wahre, genaue
und wenn möglich ins Einzelne gehende Daten namhaft gemacht werden, aufgrund derer
der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein Bild zu machen
und diese in objektiver Weise abzuklären (Urteil des Bundesgerichts 9C_338/2018 vom
17. Dezember 2018 E. 4.2; vgl. auch RUMO-JUNGO/HOLZER, Rechtsprechung des Bundes-
gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl.
2012, S. 29).
b. Gemäss Lehre und Rechtsprechung gilt die sichtbare äussere Verletzung bei einem
Zeckenstich als typisches Merkmal für einen Unfall (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
8C_268/2019 vom 2. Juli 2019 E. 6.2 m.w.H.). Wurde eine festgebissene Zecke gesehen
oder zumindest eine Einstichstelle, die glaubhaft auf einen Zeckenstich zurückzuführen ist,
steht in der Regel ein Unfallereignis als solches nicht in Frage. Im konkreten Fall wurde
aber von der Beschwerdeführerin weder eine Zecke gesehen noch wurde je von ihr oder
ihren behandelnden Ärzten eine sichtbare äussere Verletzung in Form einer Einstichstelle
festgestellt. Dass Dr. H. im Verlaufsbericht vom 16. Oktober 2019 (rückwirkend) von einem
„Stich“, den die Beschwerdeführerin angeblich bemerkt haben soll (Versicherung C.-act.
79), berichtete, ist falsch, wie die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift ausdrück-
Seite 8
lich korrigierte und präzisierte, sie habe nie einen Stich bemerkt (vgl. Beschwerde, act. 1, S.
3, Ziff. 8). Ein eindeutiger Hinweis dafür, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich von einer
Zecke gestochen worden ist - wie er namentlich bei einer Sichtung einer festgebissenen
Zecke oder zumindest einer Einstichstelle gegeben wäre - fehlt somit im konkreten Fall.
c. Allerdings wird nicht in jedem Fall zwingend vorausgesetzt, dass sich die versicherte Per-
son an einen konkreten Zeckenstich erinnern kann und eine sichtbare äussere Verletzung
muss ebenfalls nicht zwingend nachgewiesen sein (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts U
208/05 vom 18. Januar 2006 E. 5.3). Massgebend ist letztlich, ob aufgrund der fachärztli-
chen Stellungnahmen darauf geschlossen werden kann, dass im Zeitpunkt der vorhande-
nen Versicherungsdeckung überwiegend wahrscheinlich von einem Zeckenstich auszugeh-
en ist, der die Gesundheitsschädigung bewirkt hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_924/2011
vom 7. März 2012 E. 3).
Der Krankenversicherer der Beschwerdeführerin, welcher bei der Vorinstanz (wie auch die
Beschwerdeführerin) eine Einsprache gegen die leistungsabweisende Verfügung vom
4. März 2019 eingereicht hatte (auf eine Teilnahme am vorliegenden Beschwerdeverfahren
aber stillschweigend verzichtete), führte in seiner Einsprache an, die Beschwerdeführerin
habe nach Gartenarbeiten Mitte Juli 2018 „am 29. Juli 2018 [...] einen roten Ring im Nacken
bemerkt, jedoch keine Zecke gesehen“ (act. 2/4 bzw. Versicherung C.-act. 56). Auch die
Beschwerdeführerin sieht im Umstand, dass bei ihr eine sog. Erythema migrans vorgelegen
habe (vgl. Einsprache, Versicherung C.-act. 45; Beschwerde, act. 1, S. 5, Ziff. 14), den Be-
weis für einen Zeckenstich und damit das Unfallgeschehen als erbracht.
Den vorhandenen medizinischen Unterlagen lässt sich in diesem Zusammenhang Folgen-
des entnehmen:
 Am 13. August 2018 begab sich die Beschwerdeführerin zum Hausarzt Dr. H. wegen
Blutdruckschwankungen, Tachykardien, Schwindel, Parästhesien und deutlich einge-
schränkter Belastbarkeit. Dr. H. hielt in seinem Verlaufsbericht zu dieser ersten Konsul-
tation fest, die Beschwerdeführerin habe einen „Hautausschlag im Nacken“ bemerkt und
fügte an: „Möglicherweise handelte es sich um ein Erythema migrans“ (Versicherung C.-
act. 79). Nachdem Dr. H. diesen Verlaufsbericht aber erst am 16. Oktober 2019 rückwir-
kend verfasste und die Beschwerdeführerin in der Beschwerdeschrift wie bereits er-
wähnt selbst einräumte, dass in der von Dr. H. in diesem Bericht angeführten Anamnese
Ungereimtheiten bestehen, erscheint gestützt auf diesen Verlaufsbericht letztlich auch
nicht zweifelsfrei erstellt, ob die von Dr. H. erwähnte mögliche Erythema migrans - wel-
Seite 9
che als solche auf einen Zeckenstich hinweisen würde - tatsächlich am 13. August 2018
vorhanden gewesen war oder nicht.
 Bei der notfallmässigen stationären Behandlung in der medizinischen Spital G. vom 23.
bis 30. August 2018 (Versicherung C.-act. 24) fand sich jedenfalls „kein Anhalt für eine
zerebralentzündliche Genese“ und ein Zeckenstich wurde damals - zumal davon auszu-
gehen ist, dass dies im Bericht entsprechend festgehalten worden wäre - auch nicht als
mögliche Ursache für die plötzlich aufgetretenen Gesundheitsbeschwerden in Betracht
gezogen, und zwar notabene, obwohl Stationsarzt Dr. P. im Eintrittsbericht (act. 2/5)
unter anderem auf verschiedene Hautveränderungen hingewiesen hatte (nämlich: „Hy-
perpigmentation im Nacken seit ca. 4 Wochen, brennt manchmal. Exanthem rötlich am
oberen Rücken, dort kein Jucken, war noch nicht bemerkt von Pat. Schwach rötliches
Exanthem vorne am Hals“). Die festgestellten Hautausschläge wurden von den behan-
delnden Ärzten des Spitals G. also offenbar nicht mit der für einen Zeckenstich typi-
schen Wanderröte in Verbindung gebracht. In jenem Zeitpunkt ging naheliegenderweise
wohl auch die Beschwerdeführerin selber (noch nicht) von einem möglichen Zeckenstich
aus, denn sie erwähnte gemäss der im Eintrittsbericht noch angeführten Anamnese ein-
zig: „War vor ca. 3 Wochen wandern, danach begannen Beschwerden“ (act. 2/5).
 Gemäss einem früheren Behandlungsbericht von Dr. H. (Versicherung C.-act. 25)
berichtete die Beschwerdeführerin am 5. September 2018 dem Hausarzt über Herzstol-
pern, Schüttelfrost und allgemeine Schwäche und erwähnte nun offenbar auch erstmals
die Möglichkeit eines Zeckenstiches: „Hatte wohl vor kurzem Ausschlag am Nacken,
meint, es hätte auch eine Zecke sein können. DD Borreliose“. Auf diesem Behandlungs-
bericht ist unter dem früheren Datum vom 13. August 2018 weder ein (möglicher)
Zeckenstich noch ein Hautausschlag vermerkt, dies im Gegensatz zum später erstellten
Bericht von Dr. H. vom 16. Oktober 2019 (Versicherung C.-act. 79; siehe dazu oben).
 Im Bericht von Dr. E. vom Spital D. (Versicherung C.-act. 27), wo die Beschwerdeführe-
rin vom 4. bis 11. Oktober 2018 stationär behandelt wurde, war in der Anamnese zwar
konkret von einem roten Ring und einem möglichen Zeckenstich die Rede („Habe Mitte
Juli im Garten gearbeitet, einige Tage später roten Ring im Nacken bemerkt, keine
Zecke gesehen. [...] Es wurde auch bereits eine LP gemacht, diese sei wohl unauffällig
gewesen (wohl auch auf Borreliose getestet).“ Dem Bericht ist allerdings auch zu ent-
nehmen, dass bei DD Neuroborreliose eine Antibiotika-Therapie begonnen worden sei,
„welche wir nach Sichtung der Lumbalpunktions-Befunde bei fehlendem Anhalt hierfür
sowie Seronegativität absetzten.“ Der von der Versicherung C. beigezogene Vertrau-
ensarzt, Dr. F., hielt am 7. Januar 2019 fest (Versicherung C.-act. 31): „In den zur Dos-
sier-Ergänzung abgelegten Berichten über ambulante und stationäre Behandlungen wird
Seite 10
berichtet, dass eine Neuroborreliose ausgeschlossen wurde. Im Labor ist eine auffällige
ANA-Titererhöhung, welche am ehesten im Rahmen des bekannten Morbus Hashimoto
zu interpretieren ist, differentialdiagnostisch aber auch bei Infekten mit lymphotrophen
Viren wie EBV oder Erkrankung des rheumatischen Formenkreises vorkommt. Im Labor
vom 12. Oktober 2018 war die Borrelien-Serologie sowohl für IgM als auch für IgG im
Western-Blot negativ, das CRP normwertig und das Differentialblutbild als auch die übri-
gen Blutindizes normal.“ Dr. E. diagnostizierte in erster Linie ein „Versorgungsproblem
bei allgemeiner Schwäche, Ängsten.“ Ein allfälliger Zeckenstich war im Spital D. genau
so wenig Thema wie eine allenfalls zu einem früheren Zeitpunkt festgestellte Erythema
migrans.
 Dr. I. hielt im Befundbericht vom 14. November 2018 (Versicherung C.-act. 41) fest, die
Laborwerte „deuten auf eine vor geraumer Zeit erfolgte Borrelia burgdorferi Infektion hin“
und empfahl weitere Abklärungen. Im Bericht vom 19. März 2019 (Versicherung C.-act.
45, S. 2 f.) diagnostizierte er eine „disseminierte Borreliose“ und hielt in der Anamnese
zeitlich mit genauer Datumsangabe fest: „Nach Gartenarbeit im Juli 2018 bemerkte die
Patientin einige Tage später am 29.07.2018 einen Erythema migrans-artigen
Hautauschlag am Nacken.“ Die rückwirkende Anamnese-Angabe, die Beschwerdeführe-
rin habe bereits in der zweiten Juli-Hälfte 2018 einen roten Ring im Nacken bemerkt,
lässt sich allerdings wie dargelegt durch die echtzeitlichen Arztberichte nicht bestätigen,
namentlich auch die Datumsangabe vom 29. Juli 2018 lässt sich nicht verifizieren. Sollte
die Beschwerdeführerin tatsächlich am 29. Juli 2018 eine Erythema migrans festgestellt
haben, wie Dr. I. nun berichtete, wäre weder erklärbar, weshalb sie sich nicht in ärztliche
Behandlung begeben hätte, noch dass dies in den folgenden Arztkonsultationen, na-
mentlich auch in dem Spital G., nicht entsprechend thematisiert worden wäre. Dr. I. geht
zudem aufgrund der Laborbefunde von einer „vor geraumer Zeit“ erfolgten Borrelia
burgdorferi Infektion aus, dies ohne genauere zeitliche Eingrenzung (siehe auch Bericht
vom 5. September 2019, Versicherung C.-act. 76, S. 2). Selbst Dr. I. geht in keinem
seiner Berichte konkret von einem Zeckenstich aus, der Ende Juli 2018 stattgefunden
haben soll. Wie auch Dr. O. präzisierte (vgl. Versicherung C.-act. 97), bedeuten positive
Borrelien-Serologien letztlich lediglich, dass es irgendwann einmal zu einem Erregerkon-
takt gekommen ist; ob ein Zeckenstich und damit ein Unfallereignis im Sommer 2018
tatsächlich stattfand, kann aber aus den Serologien nicht abgeleitet werden.
Unter den gegebenen Umständen kann somit gestützt auf die medizinischen Unterlagen
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit darauf geschlossen werden, dass im Zeitpunkt
der grundsätzlich vorhandenen Versicherungsdeckung im Sommer 2018 überwiegend
wahrscheinlich von einem Zeckenstich auszugehen ist, der die von der Beschwerdeführerin
Seite 11
in der Folge beklagte Gesundheitsschädigung bewirkt hat. Nachdem weder eine Zecke ge-
sehen wurde noch konkret eine Einstichstelle festgestellt worden wäre und es unter den ge-
gebenen Umständen auch nicht überwiegend wahrscheinlich erscheint, dass im Sommer
2018 ein häufig nach Zeckenstichen auftretender ringförmiger Hautauschlag in Form einer
sog. Wanderröte vorhanden war, ist das Vorliegen eines Unfallereignisses zwar allenfalls
möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich ausgewiesen. Ein Zeckenstich wurde von
der Beschwerdeführerin wohl erst im September 2018 erstmals vermutet, was in der Folge
zu weiteren diesbezüglichen Abklärungen führte. Auch diese Abklärungen vermochten aber
einen tatsächlich im Sommer 2018 stattgefundenen Zeckenstich nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu belegen.
Da unter den gegebenen Umständen das Vorliegen eines Unfallereignisses somit nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, hat die Versicherung C. ihre
Leistungspflicht zu Recht abgelehnt.
2.3 Hinzu kommt ausserdem, dass selbst für den Fall, dass - ungeachtet der zu einem anderen
Schluss führenden, soeben angeführten Erwägungen - zu Gunsten der Beschwerdeführerin
angenommen würde, dass sie im Sommer 2018 tatsächlich von einer Zecke gestochen
worden und damit grundsätzlich ein Unfall bzw. ein versichertes Ereignis anzunehmen wä-
re, auch dies letztlich nichts daran ändert, dass unter den gegebenen Umständen dennoch
keine Leistungspflicht des Unfallversicherers gegenüber der Beschwerdeführerin besteht:
a. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt nämlich immer auch einen
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden
(Krankheit, Invalidität, Tod) voraus, d.h. der Unfallversicherer haftet für einen Gesundheits-
schaden nur insoweit, als dieser sowohl in einem natürlichen als auch adäquaten Kausalzu-
sammenhang zum versicherten Ereignis steht. Die Versicherung C. hat im konkreten Fall
ihre Leistungspflicht nicht nur mangels nachgewiesenem Unfallereignis, sondern zusätzlich
auch mangels Nachweises eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den von
der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden und einem Zeckenstich verneint.
b. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne de-
ren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei-
chen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend
dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht er-
forderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störung-
en ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
Seite 12
körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit
anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesund-
heitliche Störung entfiele. Die Leistungspflicht des obligatorischen Unfallversicherers er-
streckt sich auch auf mittelbare bzw. indirekte Unfallfolgen (vgl. anstelle vieler: Urteil des
Bundesgerichts 8C_558/2019 vom 19. September 2019 E. 3 m.w.H.). Im Sinn einer Haf-
tungsbegrenzung muss für eine Haftung des Unfallversicherers nebst der natürlichen zu-
dem auch die adäquate Kausalität erfüllt sein: Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis
dann als adäquate Ursache eines Erfolgs zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg
von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das
Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (Urteil des Bundesgerichts 8C_387/2018 vom
16. November 2018 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 129 V 177 E. 3).
c. Für die Feststellung natürlicher Kausalzusammenhänge im Bereich der Medizin sind die
Sozialversicherer und das Gericht auf diesbezügliche Angaben ärztlicher Experten ange-
wiesen. Die Prüfung der Unfalladäquanz richtet sich dagegen nach der allgemeinen Adä-
quanzformel und ist eine reine Rechtsfrage, deren Beantwortung der Verwaltung bzw. im
Beschwerdefall dem Richter und nicht dem Mediziner obliegt (vgl. dazu Urteil des Bundes-
gerichts 8C_72/2020 vom 26. August 2020 E. 6.3). Eine Adäquanzprüfung erübrigt sich al-
lerdings, wenn bereits der natürliche Kausalzusammenhang nicht nachgewiesen ist.
d. Sowohl das Unfallereignis als solches als auch das Vorliegen eines natürlichen Kausalzu-
sammenhangs zwischen einem Unfallereignis und geklagten Beschwerden ist eine Tatfra-
ge und muss daher mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie-
genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen werden. Während bei der Frage, ob ein Kausal-
zusammenhang überhaupt jemals gegeben ist, die versicherte Person beweisbelastet ist,
trägt die Beweislast für einen behaupteten Wegfall der Kausalität aufgrund des Erreichens
des Status quo sine (oder allenfalls des Status quo ante) der Unfallversicherer. Allerdings
tragen die Parteien im Sozialversicherungsrecht in der Regel eine Beweislast nur insofern,
als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
aber erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund-
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts
8C_623/2019 vom 21. Januar 2020 E. 2.1.2 m.w.H.). Bevor sich also überhaupt die Frage
der Beweislast stellt, ist der Sachverhalt im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes richtig
und vollständig zu klären (Urteile des Bundesgerichts 8C_488/2017 vom 27. November
Seite 13
2017 E. 3.1; 8C_777/2015 vom 22. März 2016 E. 2.2 und 8C_476/2011 vom 5. Dezember
2011 E. 6.3; je m.w.H.).
e. Im vorliegenden Fall sind diverse medizinische Unterlagen und Einschätzungen vorhanden.
Einerseits handelt es sich dabei um Berichte und Stellungnahmen der die Beschwerdefüh-
rerin behandelnden Ärzte, andererseits um Berichte der von der Versicherung C. beigezo-
genen Vertrauensärzte, denen das medizinische Dossier zur Beurteilung vorgelegt worden
war. Ebenfalls in den Akten enthalten ist eine (kurze) Stellungnahme des Vertrauensarztes
des Krankenversicherers der Beschwerdeführerin.
f. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streiti-
gen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be-
schwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in
der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen Situation ein-
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet sind (anstelle vieler: Urteil
des Bundesgerichts 9C_601/2019 vom 7. Januar 2020 E. 3.1 m.w.H.). In Bezug auf Berich-
te von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsa-
che Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau-
ensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (Urteil des Bundes-
gerichts 8C_653/2019 vom 8. Januar 2020 E. 4.2; BGE 125 V 351 E. 3b/cc), was auch mit
der unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zusammenhäng-
en mag (Urteil des Bundesgerichts 8C_563/2019 vom 23. Dezember 2019 E. 5.1). Gleich-
wohl hat der Richter zu prüfen, ob eine von einer Partei eingeholte ärztliche Stellungnahme
in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und Schlussfolgerungen des von der Verwal-
tung oder vom Gericht bestellten medizinischen Sachverständigen derart zu erschüttern
vermögen, dass davon abzuweichen ist. Berichten und Gutachten versicherungsinterner
Ärztinnen und Ärzten kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und
keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Auch wenn
den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen mithin grundsätzlich Be-
weiswert zuerkannt wird, so ist doch zu betonen, dass ihnen praxisgemäss nicht dieselbe
Beweiskraft wie einem gerichtlichen oder einem im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Ver-
sicherungsträger in Auftrag gegebenen Gutachten zuzubilligen ist. Soll ein Versicherungs-
fall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis-
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zu-
verlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts
8C_620/2015 vom 24. März 2016 E. 3.4 m.w.H.). Anspruch auf ein unabhängiges Gutach-
Seite 14
ten besteht damit rechtsprechungsgemäss, wenn die Abklärungsergebnisse aus dem Ver-
waltungsverfahren in rechtserheblichen Punkten nicht ausreichend beweiswertig sind (vgl.
BGE 137 V 210 E. 4.4.1.5).
g. Die Beschwerdeführerin bringt zum einen auch in diesem Zusammenhang vor, eine für
Zeckenstiche typische Erythema migrans habe eindeutig vorgelegen (Beschwerde, act. 1,
S. 5, Ziff. 14). Wie bereits erörtert, ist dies jedoch bei genauerer Betrachtung der vorhande-
nen Arztberichte jedenfalls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit belegt. Keiner der
behandelnden Ärzte hat je einen Hautauschlag der Beschwerdeführerin festgestellt, der
konkret als Erythema migrans eingeordnet worden wäre. Im Gegenteil fällt auf, dass die be-
handelnden Ärzte im Spital D. zwar gewisse Hautveränderungen feststellten, aber dabei
offenbar gerade nicht auf eine Erythema migrans schlossen (siehe dazu E. 2.2 vorstehend).
h. Insoweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die im Bericht von Dr. I. vom 5. September
2019 festgehaltenen Symptome Blutdruckschwankungen, Tachykardien, Vertigo und
Dysästhesie der rechten Körperhälfte seien eindeutig typische Symptome nach einem
Zeckenstich (vgl. Beschwerde, act. 1, S. 5 f., Ziff. 15 bis 19), fällt auf, dass die Ärzte des
Spitals G. in ihrem Bericht vom 30. August 2018 (Versicherung C.-act. 24) darauf hinwie-
sen, es hätten sich keine höhergradigen Herzrhythmusstörungen gezeigt und die während
der im stationären Aufenthalt durchgeführten Langzeitblutdruckmessungen hätten auch die
von der Beschwerdeführerin berichteten grossen Blutdruckschwankungen nicht bestätigt.
Auch die behandelnden Ärzte im Spital D. brachten nach diversen Untersuchungen, die
unter Berücksichtigung des von der Beschwerdeführerin damals bereits geäusserten Ver-
dachts auf einen möglichen Zeckenstich im Juli 2018 erfolgten, die von ihr beklagten Symp-
tome gerade nicht mit einem Zeckenstich in Verbindung, sondern diagnostizierten statt-
dessen ein „Versorgungsproblem bei allgemeiner Schwäche, Ängsten“ und erachteten eine
psychosomatische Begleit-Genese der Beschwerden als möglich. Im Bericht von Dr. E.
wird darauf hingewiesen, dass die zuvor begonnene antibiotische Therapie „nach Sichtung
der Lumbalpunktions-Befunde bei fehlendem Anhalt [für eine Neuroborreliose] sowie Sero-
negativität“ abgesetzt wurde. Die kardiale Abklärung im Spital Q. sei „ohne wegweisende
pathologische Befunde“ geblieben (siehe dazu auch Versicherung C.-act. 23: Bericht Spital
Q. vom 24. September 2018: „keine signifikanten Herzrhythmusstörungen“), ebenso die im
Spital D. durchgeführten „Langzeitmessungen von Blutdruck und EKG, welche keine thera-
piebedürftigen Befunde ergaben.“ Auch kernspintomographisch habe sich „wiederholt kein
Anhalt für eine chronisch entzündliche Genese der Beschwerden“ gezeigt (Versicherung
C.-act. 27). Wie Dr. F. in seiner Beurteilung vom 7. Januar 2019 richtig festhält, finden sich
somit in den echtzeitlichen ärztlichen Unterlagen diverse alternative Erklärungsmodelle als
eine Zeckenstich-Folgeerkrankung für die von der Beschwerdeführerin geklagten Be-
Seite 15
schwerden bzw. wurde von den die Beschwerdeführerin betreuenden Ärzten während zwei
mehrtägigen stationären Aufenthalten eine Zeckenstich-Folgeerkrankung nicht weiter in
Betracht gezogen.
i. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin, die geltend macht, es sei „eine Borre-
lieninfektion festgestellt worden, dies im Zusammenhang mit Gartenarbeiten im Hochsom-
mer (also zur Haupterkrankungszeit)“ (vgl. Beschwerde, act. 1, S. 8, Ziff. 30), wurde von
keinem behandelnden Arzt je eine Borrelieninfektion konkret aufgrund eines Zeckenstiches
im Sommer 2018 diagnostiziert. Im Befundbericht vom 14. November 2018 des Deutschen
Chroniker Labors (Versicherung C.-act. 41; Hervorhebung durch Verf.) heisst es lediglich:
„Die im IB gegen B.b. nachweisbaren IgG-Ak gegen das 18kDA Ag, das typisch für Spät-
stadien einer Borrelien-Infektion ist und die im positiven IB gegen B.b. fehlenden IgM-Ak
gegen das 41 kDA Antigen (Flagellin), die in Frühstadien einer Borrelien-Infektion in der
Regel nachweisbar sind, deuten auf eine vor geraumer Zeit erfolgte Borrelia burgdorferi In-
fektion hin“, d.h. es wurde nicht von einer Zeckenstich-Folgeerkrankung eines erst wenige
Monate zuvor stattgefundenen Zeckenstiches im Juli / August 2018 ausgegangen. Bei der
Blutuntersuchung vom September 2018 ergab sich zudem „kein Hinweis auf eine akute
oder chronische B. burgdorferi Infektion“ (vgl. Versicherung C.-act. 93, S. 2 unten). Dr. I.,
der schliesslich eine „disseminierte Borreliose“ diagnostizierte (vgl. Bericht vom 19. März
2019, Versicherung C.-act. 45), legte seiner Diagnose insbesondere den Befundbericht
vom 14. November 2018 (Immunoblot Borrelienantikörper, Versicherung C.-act. 41) zu-
grunde. Die von Dr. I. angeführte Anamnese (vgl. Bericht vom 5. September 2019, Ver-
sicherung C.-act. 76) ist insoweit ungenau, als sich die einzelnen Datumsangaben mit den
vorhandenen echtzeitlichen Arztberichten nicht durchwegs nachvollziehen lassen (er hielt
fest, die Beschwerdeführerin habe nach Gartenarbeiten am 29. Juli 2018 einen Erythema
migrans-artigen Hautausschlag am Nacken bemerkt; Blutdruckschwankungen, Tachykar-
dien, Myalgien am ganzen Körper, etc. seien ab 5. August 2019 aufgetreten). Weiter wies
Dr. I. darauf hin, im Rahmen einer kardiologischen Konsultation sei „vormals eine intermit-
tierende ventrikuläre Extrasystolie sowie ST-Streckenveränderungen in den inferioren Ab-
leitungen“ aufgefallen und nimmt damit wohl Bezug auf die diversen Untersuchungen, die
im Rahmen der stationären Aufenthalte der Beschwerdeführerin von Sommer bis Herbst
2018 durchgeführt wurden. Während beim im September 2018 im Spital Q. durchgeführten
EKG zunächst auf „horizont. ST-Senkungen V5-V6“ sowie „nicht-signifikante ST-Senkun-
gen in Ruhe, die unter Belastung in AbI, II, III und aVF und V5-V6 grenzwertig signifikant
werden“ hingewiesen wurde (Versicherung C.-act. 23, S. 2), ergab das Langzeit EKG aller-
dings insgesamt „keine höhergradigen Herzrhythmusstörungen“ und „echokardiographisch
zeigte sich ein unauffälliger Befund“ (Versicherung C.-act. 24, S. 2). Bei den im Oktober
2018 im Spital D. durchgeführten vertieften kardiologischen Untersuchungen ergaben sich
Seite 16
ebenfalls keine therapiebedürftigen Befunde bezüglich kardialer Beschwerden (vgl. Ver-
sicherung C.-act. 27, S. 2 unten: „EKG: [...] keine S-Persistenz, keine ST-Strecken Verän-
derungen, keine ERBST. Keine VES“). Insoweit Dr. I. ausserdem auf den Vorbefund einer
„axonalen sensiblen Neuropatie“ hinweist (und diese nebst der von ihm erwähnten „ST-
Senkung“ als Hinweis auf eine Borreliose-Infektion versteht, vgl. Versicherung C.-act. 45, S.
3, Beurteilung in fine), so ergab sich hingegen gemäss Bericht der Klinik für Neurologie des
Spitals L. vom 2. Juli 2019 (Versicherung C.-act. 94) zusammenfassend ein unauffälliger
neurologischer Untersuchungsbefund und es liess sich keine neurologische Erkrankung
diagnostizieren. Gemäss neurologischer Beurteilung von Versicherung C.-Arzt Dr. N., wel-
che die Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichts (vgl. dazu E. 2.3 f vorste-
hend) grundsätzlich erfüllt, vermag der positive Nachweis borrelienspezifischer Antikörper
im Serum allein keine aktive Infektion mit Borrelia burgdorferi zu beweisen. Insbesondere
können nach seiner sorgfältig und überzeugend begründeten medizinischen Einschätzung
die Beschwerden jedenfalls nicht überwiegend wahrscheinlich auf einen Zeckenstich zu-
rückgeführt werden, da ein positiver Immunoblot eben gerade nicht per se eine Borreli-
eninfektion beweist (vgl. insbesondere Versicherung C.-act. 95, S. 6 f.). Nachdem sich aus
den vorhandenen medizinischen Unterlagen sehr wohl alternative Erklärungsmodelle für
die geklagten Beschwerden der Beschwerdeführerin finden, erscheint ein natürlicher Kau-
salzusammenhang zu einem Zeckenstich zwar nicht unmöglich, ein solcher ist aber jeden-
falls nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. Nachdem bereits im Okto-
ber 2018 insbesondere eine psychosomatische Begleit-Genese der Beschwerden als mög-
lich erachtet wurde (Versicherung C.-act. 16, S. 4), ergibt sich aus dem Bericht von Dr. K.,
dass die Beschwerdeführerin zwischenzeitlich denn auch psychiatrische Behandlungen bei
Dr. R. in Anspruch nimmt (vgl. Versicherung C.-act. 78). Dem urteilenden Gericht sind di-
verse Berichte von Dr. R. aus dem die Beschwerdeführerin betreffenden IV-Verfahren O2V
20 6 bekannt. Weil im vorliegenden UV-Verfahren ein überwiegender Kausalzusammen-
hang zwischen den geklagten Beschwerden und einem Zeckenstich wie dargelegt ohnehin
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist, konnte ohne weiteres darauf
verzichtet werden, ergänzend auch noch die Berichte von Dr. R. zum vorliegenden Verfah-
ren beizuziehen.
2.4 Zusammengefasst besteht kein Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin gegenüber
ihrem Unfallversicherer: Massgeblich für eine Leistungspflicht der Versicherung C. ist, ob
aufgrund der medizinischen Unterlagen darauf geschlossen werden kann, dass im Zeit-
punkt der vorhandenen Versicherungsdeckung überwiegend wahrscheinlich von einem
Zeckenstich auszugehen ist, der die beklagte Gesundheitsschädigung bewirkt hat (vgl. an-
stelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_170/2019 vom 16. Mai 2019 E. 2.2.2). Weder
Seite 17
das Vorliegen eines Zeckenstiches und damit eines Unfallereignisses als solches noch der
für eine Leistungspflicht aus UVG erforderliche Kausalzusammenhang zwischen den von
der Beschwerdeführerin beklagten Gesundheitsbeschwerden und einem Zeckenstich sind
im konkreten Fall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Daran würden
auch weitere Abklärungen nichts ändern, weshalb sich solche erübrigen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1 Im Bereich der Unfallversicherung sieht das Gesetz eine Kostenlosigkeit des Beschwerde-
verfahrens vor (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG), weshalb im vorliegenden Fall
keine Gerichtskosten zu erheben sind.
3.2 Die unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Entschädigungsanspruch (Art. 61 lit. g
ATSG e contrario). Der Vorinstanz und der Beigeladenen sind aufgrund deren Funktion als
mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betraute Sozialversicherer unabhängig vom Verfahrens-
ausgang keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. BGE 126 V 143 E. 4a; Urteil des
Bundesgerichts 8C_407/2013 E. 5.2; je m.w.H.).
Seite 18