Decision ID: 650f3aab-d18b-4f00-8d56-70c09d5f1e52
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1979 geborene
X._
arbeitete bei
der Firma Y._
im Verkauf. Im
Rahmen eines Unfalles
erlitt sie
am 4. Juni 2010
einen Knochenan
riss und eine
Bänder
läsion
an der linken Hand
sowie eine Bänderzerrung am Fuss. Die Versicherte war forthin
arbeitsunfähig
.
Am 24. Januar 2012 meldete sie sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, an und beantragte berufliche Integration und eine Rente (
Urk.
6/4).
Im Laufe der Ab
klärungen durch die
IV-Stelle stellte sich heraus, dass im somatischen Bereich keine erheblichen Gesundheitssc
häden vorhanden waren. Die b
ehan
delnde Psy
chiaterin
Dr.
Z._
,
diagnostizierte
eine Anpassungs
störung (ICD-10 F43.2),
einen Verdacht
auf und im Lauf der Behandlung eine
abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
und
einen Status nach Verhaltensstörungen durch Alkohol (Abhängigkeitssyndrom ICD-10 F10.2)
.
Am 14. März 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien keine berufli
chen Massnahmen möglich, weshalb sie ihre Bemühungen diesbezüglich einstelle und die Rentenfrage prüfe (
Urk.
6/22).
In der Folge wurde die Versicherte zweimal psychiatrisch begutachtet, einmal zuhanden der Krankentaggeldversicherung Sympany bei
Dr.
med.
A._
, Fach
ärztin für Psychiatrie
,
im August 2012
(
Urk.
6/38/25-40)
, und einmal zuhanden der IV-Stelle bei Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt
für Psychiatrie und Neurolo
gie,
im Oktober 2013
(
Urk.
6/51)
. Zudem erstattete
Dr.
med.
C._
, Fachärz
tin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie,
am 26. Oktober 2013 ein rheumatologisches Gutachten
(
Urk.
6/52)
. Gestützt auf diese Gutachten stellte
die IV-Stelle
der Versicherten mit Vorbescheid vom 28. Januar 2014 in Aussicht, sie werde einen Anspruch auf
eine
Rente verneinen (
Urk.
6/61).
In diesem Sinn entschied
sie
mit Verfügung vom 13. Juni 2014
(
Urk.
6/77
=
Urk.
2
).
2.
Mit Eingabe vom 15. Juli 2014 liess die Versicherte, vertreten durch die Fortuna Rechtsschutz-Versicherungs-Gesellschaft AG, Adliswil, Beschwerde er
heben und die Aufhebung der Verfügung vom 13. Juni 2014, die Rückwei
sung der Sache zur weiteren medizinischen und beruflichen Abklärung
sowie die Zuspr
echung einer angemessenen Rente
, eventualiter ein
e neue psychiatri
sche Begutachtung
beantragen
. Mit ihrem Subeventualantrag begehrte sie Integrati
onsmassnahmen zur sozialberuflichen Integration (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss in der Vernehmlassung vom 11. September 2014 auf Ab
weisung der Beschwerde (
Urk.
5), was der Beschwerdeführerin am 23. Sep
tem
ber 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
8)
Auf die Begründung der Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den Erwä
gungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfah
ren sind grund
sätzlich nur Rechts
verhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beur
teilen, zu denen die zuständige Verwaltungs
behörde vorgän
gig verbindlich
in Form einer Verfü
gung
Stellung genom
men hat. Insoweit bestimmt die Verfügung den beschwer
dewei
se weiterziehbaren Anfechtungsgegen
stand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sach
urteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung er
gangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1).
1.2
Die Beschwerdegegnerin teilte der Beschwerdeführerin am 14. März 2012 mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes zurzeit keine beruflichen Eingliede
rungsmassnahmen möglich seien, da sie nach wie vor zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
6/22). Diese
Mitteilung blieb unangefochten.
Wie aus den Akten und der Beschwerdeschrift ersichtlich ist, hält sich die Beschwerdeführerin auch heute noch für nicht arbeitsfähig (vgl. die aktuellste Stellungnahme von
Dr.
Z._
vom
13. Mai 2014 (
Urk.
6/74/2 und 6/72/2).
Dem Gutachten von Prof.
Dr.
med.
B._
ist zu entnehmen, dass die Beschwer
deführerin nicht motiviert sei für eine berufliche Wiedereingliederung. Sie habe erklärt, dass ihr Ziel die Gründung einer Familie und die Geburt eines Kindes sei (
Urk.
6/51/18).
Mit der vorliegend angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin nicht über berufliche Massnahmen, sondern über den Rentenanspruch entschieden.
1.3
Demnach
ist der Rentenanspruch zu beurteilen. Soweit die Beschwerdeführerin berufliche Massnahmen oder Abklärungen betreffend berufliche Eingliede
rungsmassnahmen beantragt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.
2.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
2.2
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29
Abs.
1 IVG).
2.3
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 ATSG).
2.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.5
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438
S. 345, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und
I 169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit Hinweisen).
2.6
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen Komorbidität von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprä
gung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere mit gewisser Intensität und Konstanz erfüllte Faktoren, so: chronische körperliche Begleiterkrankun
gen; ein mehrjähriger, chronifizierter Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung; ein ausgewie
se
ner sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeu
tisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich miss
glückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krank
heitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit"); ein
unbefriedigendes Behandlungser
gebnis
trotz konsequent durchgeführter ambulanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und
Eigenanstrengung (kooperative Haltung) der versicherten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die entsprechenden Befunde dar
stellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumut
bare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2,
BGE 139 V 547 E. 3
).
In BGE 139 V 547 hat das Bundesgericht an dieser Rechtsprechung unter Ausei
nandersetzung mit der daran geübten Kritik festgehalten und auf die besondere Bedeutung einer fachgerechten Abklärung hingewiesen
(E. 9.1.3, E. 9.2.1). Ins
besondere erkannte das Bundesgericht,
dass sich die unklaren Beschwerden hinsichtlich ihrer invalidisierenden Folgen von anderen (psychischen) Leiden durch die mangelnde Objektivierbarkeit unterscheiden. Dabei hand
elt
es sich um ein sachliches Kriterium, das überprüft werden kann. Die hinreichende Objekti
vierbarkeit der gesundheitlichen Beeinträchtigung
wird
für Ansprüche auf Sozi
alversicherungsleistungen seit jeher vorausgesetzt und ha
t
im Rahmen der 5.
IV-Re
vision auch Eingang in die Gesetzgebung gefunden (Art.
7 Abs.
2 ATSG). Von einer unbegründeten Schlechterstellung
beziehungsweise
einer Dis
kriminierung der betroffenen Versicherten in verfassungsmässigem Sinne
bezie
hungsweise
nach Massgabe der EMRK k
a
nn daher nicht gesprochen werden (Urteil des Bundesgerichts
8C_142/2013 vom 20.
November 2013 E. 4.2 mit Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 5.6 in fine und
E.
5.7).
Praxisgemäss stellt die Diagnose einer "sonstigen andauernden Persönlich
-
keitsän
derung" nach ICD-10: F62.8 - und damit auch diejenige einer "nicht näher bezeichneten andauernden Persönlichkeitsänderung" nach ICD-10: F62.9 - für sich allein nicht einen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Rechtssinne dar. Vielmehr ist auch bei dieser gesundheitlichen Beeinträchtigung die Frage der invalidisierenden Wirkung nach den rechtlichen Kriterien zu beurteilen, die für somatoforme Schmerzstörungen und ähnliche Leiden gelten (Urteil des Bundesgerichts 8C_822/2013 vom 4. Juni 2014 E.
4.4 mit Hinweis auf in BGE
136 V 362
nicht publizierte
E. 2.3 des Urteils
9C_55/2010 vom 8.
Oktober 2010).
2.7
Zur Annahme der Invalidität nach Art. 8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszu
ständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Ar
beits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentli
chen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditäts
begründend aus
wirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
2
8.
Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinweisen
).
2.8
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
3.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 2
4.
Januar 2012 bei der Beschwerde
-
geg
nerin zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/4/6). Mutmasslicher
Ren
tenbeginn wäre demnach der
1.
Juli 201
2.
Zu prüfen ist
somit
, ob die Beschwerdeführerin ab Juli 2012 invalid
im Sinne
des IVG war.
4.
4.1
Die Parteien stimmen darin überein, dass in somatischer Hinsicht kein Gesund
heitsschaden besteht, welcher sich auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerde
führerin auswirken würde. Zu beurteilen ist daher einzig die Auswirkung einer allfällig vorhandenen psychiatrischen Erkrankung und deren Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit.
4.2
Dr.
Z._
hielt mit Bericht vom
5.
Dezember 2011 die Diagnose
einer
An
passungsstörung mit depressiver Symptomatik und ausgeprägter Sch
la
f
störung (ICD-10 F43.2) bei Verdacht auf Persönl
ichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) s
owie chronische
n
Schmerzen im rechten Unterarm und an der rechten Hand fest. Zur Arbeitsfähigkeit gab sie an, sie erachte die Beschwerdeführerin als Kandidatin für einen geschützten Arbeitsplatz. Diese werde wohl nie mehr als 50
%
arbeitsfähig sein (
Urk.
6/12/5-10).
Ihrem Bericht vom
1
3.
Februar 2012 ist zu entnehmen, die Beschwerdeführerin leide an chronifiziertem Schmerz am rechten Handgelenk und an Schlafstörun
gen im Rahmen einer depre
s
siven Reaktion mittelschweren Ausmasses (ICD-0 F32.1). Sie habe der Beschwerdeführerin ab 1
0.
Oktober 2011 eine 100%ig
e Arbeitsunfähigkeit attestiert
(
Urk.
6/16).
Am 2
0.
April 2012 wiederholte
Dr.
Z._
im Wesentlichen die im Februar gemachten Angaben. Sie hielt eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
fest und blieb bei ihrer Einschätzung, wonach die Beschwerdeführerin wohl nie mehr als zu 50
%
einsetzbar sein werde (
Urk.
6/38/43).
Die Beschwerdeführerin wurde im Auftrag der Sympany psychiatrisch begutach
tet.
Dr.
A._
diagnostizierte
in ihrem Gut
achten vom
9.
August 2012 eine rez
idivierende Depression, aktuell
mittelgradig mit somatischen Sympto
men (ICD-10 F33.11). Sie äusserte einen dringenden Verdacht auf eine abhän
gige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7)
,
eine anhaltende Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) und
einen
dringende
n
Verdacht auf Schmerzausweitung mit dysfunktionalem Verhalten. Zudem bestätigte sie einen Status nach Äthylmiss
brauch (ICD-10 F10.1).
Sie hielt fest, die Beschwerdeführerin habe, wie das oft bei Personen mit langen Phasen von Depressionen
der Fall sei, gelernt, diese nicht
zu präsentieren, sodass der Schweregrad der aktuellen Ausprägung hinter
dieser
Fassade nur schwer zu erfassen sei. Durch die Überlagerung durch die Schmerzsymptomatik und
die vermutete Persönlich
keitsstörung we
rde dies
zu
sätzlich erschwert. Aufgrund der erfragten Symptomatik, der Gestaltung des Tagesablaufs und der deutlich eingeschränkten emot
ionalen Schwingungsfähig
keit la
sse sich am ehesten auf eine mittelgradige Depression schliessen.
Mit den
vom Ehemann verursachten Spielschulden und den anamnestisch zahlreichen Schwierigkeiten des Ehemannes an Arbe
it
splätzen
und
der Abhängigkeitsdyna
mik der Beschwerdeführer
in
sei
eine chronische Schmerzstörung
entstanden
. Es liege ein sekundärer
Krankheitsgewinn vor. Zudem sei von einer Symptomaus
weitung auszugehen, welche typischerweise nicht scharf von der psychiatrisch-psychologisch bedingten Schmerzstörung abzugrenzen sei. Ob eine abhängige (anankastische) Persönli
ch
keitsst
ör
ung (ICD-10 F60.7)
vorliege oder nur die Voraussetzungen
einer akzentuierten Persönlichkeit (ICD-10 /73.1) er
füllt seien
,
könne
sie
a
ufgrund sich überschneidender Symptomatik bei gleichzeitig vorlie
gender Depression nicht mit völliger Si
ch
erheit
sagen
. Jedenfalls ergebe sich ein deutlicher Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung.
Aufgrund der mit grosser Wahrscheinlichkeit vorliegenden mittelgradigen depressiven Symptomatik wäre
in der letztmaligen Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von rund 50
%
gegeben. Die Arbeit sollte zu regelmässigen Zeiten und zum grössten Teil morgens ausgeführt werden können. Genauere Angaben seien nur durch eine neuropsychologische Abklärung möglich
. Die regelmässige Tätigkeit ausser Haus würde sich auch wegen der Tagesstruk
turierung positiv auf den Verlauf der Depression auswir
ken. Zu einem späteren Zeitpunkt sei mit einer Steigerbarkeit des Arbeitspen
sums
zu rechnen
. Leidensangepasste Tätigkeiten müssten in einem klei
nen, ver
ständnisvollen, konfliktfreien Team ausgeführt werden können.
Die Fähigkeit der Beschwerde
führerin zur willentlichen Überwindung der Schmerz
symptoma
tik werde durch ihre Ich-
und ihre
Persönlichkeitsstruktur
leichtgradig negativ beeinflusst und sei bis zu einem ge
wi
ssen Grad eingeschränkt, sodass ihre Fähigkeit zur willentlichen Überwindung der Schmerzsymptomatik leicht ein
geschränkt sei
. Sie wies auf die Wichtigkeit der – auch medikamentösen – Therapie hin und dass sich diese positiv auf die Compliance der Beschwerde
führerin auswirken würde (
Urk.
6/38/
25-40
).
Am
8.
September 2012 teilte
Dr.
Z._
der
Krankentaggeldversicherung mit, die Verdachtsdiagnose einer Persönli
ch
keitsstörung habe sich erhärtet (
Urk.
6/38/21
=
Urk.
6/38/68
).
Am 2
7.
September 2012 teilte
Dr.
Z._
mit, es
bestünden
eine abhängige Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.1), eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) und ein Sta
tus nach einem
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2).
Sie hielt fest, alle Versuche
,
die Beschwerdeführerin in einen sinnvollen Tagesablauf zu integrieren und parallel die Schmerzsymptomatik zu behandeln, seien gescheitert (
Urk.
6/29).
Einem Bericht der
Klinik D._
, wo die Beschwerdeführerin vom
6.
November bis
7.
Dezember 2012 weilte, sind die Diagnosen somatoforme Schmerzstörung und rezidivierende Depression zu entnehmen
. Die Rehabilita
tion
habe
im Ansatz
eine Reflektion auslösen
können
. Eine Anschlusstherapie
sei
indiziert
(
Urk.
6/37).
Prof.
Dr.
B._
erhob in
seinem psychiatrischen Gutachten
vom 1
0.
Oktober 2013
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gab er eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) mit reaktiver rezidivierender
Depression (ICD-10 F33) auf der Grund
lage weiterer psychosozialer Belastungsfaktoren und die Verdachts
diagnose einer Persönlichkeitsakzentuierung an (
Urk.
6/51/26). Er wies darauf hin, dass der Depression zahlreiche psychosoziale Faktoren und das Schmerzgeschehen
zugrunde l
ägen
(
Urk.
6/51/23). Er wies auf
die
schlechte finanzielle Situation und die Probleme des Ehemannes hin, welche Auswirkungen auf das Eheleben hätten. Er bestätigte die Einschätzung von
Dr.
A._
, wonach eine somato
forme Schmerzstörung zu diagnostizieren sei. Aufgrund der Anamnese könne in der Jugendzeit bis zum 2
4.
Lebensjahr eine Borderline-Störung vorgelegen
haben. Aufgrund der anamnestisch angegebenen
Schwierigkeiten in zwischen
menschlichen Beziehungen sei die geäusserte Verdachtsdiagnose einer abhängi
gen Persönlichkeitsakzentuierung gemäss ICD-10 Z73.1 nicht von der Hand zu weisen, könne jedoch bei ausschliesslich subjektiven Angaben und fehlender Dokumentation nicht o
hne Weiteres übernommen werden (
Urk.
6/51/24). Er setzte sich mit den Förster-Kriterien auseinander und kam zum Schluss, dass eine zumutbare Willensanstrengung zur Überwindung der psychischen Störung weitestgehend gegeben sei (
Urk.
6/51/25-26). Er wies darauf hin
, dass in seiner Beurteilung der beruflichen Leistungsfähigkeit soziokulturelle und psychosozi
ale Faktoren ausgeschlossen worden seien
. Bei der Beschwerdeführerin liege keine psychische Erkrankung vor, die geeignet sei
,
das positive Leistungsbild der Beschwerdeführerin zu mindern. Dies gelte seit dem Auftreten der Schmerzsymptomatik un
d der Depression im Sommer 2011 (
Urk.
6/51/27).
Dem Gutachten von
Dr.
C._
vom 2
6.
Oktober 2013 lassen sich keine Diag
nosen aus dem somatisch Bereich mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ent
nehmen (
Urk.
6/52/63).
5.
5.1
Sowohl
Dr.
A._
als auch Prof.
Dr.
B._
haben die Be
schwerdeführerin untersucht und befragt, deren Antworten unter Berücksichtigung der Anamnese und der eigenen Untersuchungen
in ihre Beurteilung mit einbezogen
und daraus für den Laien nachvollziehbare Schlüsse gezogen. So haben beide festgestellt, dass auf die Angaben der Beschwerdeführerin nicht vorbehaltlos abgestellt wer
den
könne
bzw. dass für eine präzise Diagnostik mehr Angaben hätten gemac
ht werden müssen. Von daher erscheint logisch
, dass bezüglich einer Persönlich
keitsstörung lediglich – und auch dies unter Vorbehalt – eine Verdachtsdiag
nose gestellt wurde.
Dr.
A._
formulierte gar im Zusammenhang mit der depressiven Symptomatik, dass mit grosser Wahrscheinlichkeit von einer sol
chen auszugehen sei.
Dagegen steht die Meinung der behandelnden
Dr.
Z._
. Deren Angaben sind unter Berücksichtigung der
Erfahrungs
t
atsache, dass behandelnde Ärzte mitunter und im Zweifelsfall
eher
Angaben zugunsten ihrer Patienten machen (
BGE 125 V 351 E. 3a/cc)
,
zu würdigen, wes
halb ihre Abweichung vor den objektiven, schlüssigen Darlegungen der Fach
gutachter nicht standhält, zumal sie
im Gegensatz zu den Gutachtern
nicht an
hand des ICD-10 oder anderer medizinischer Tatsachen darlegt, inwiefern die Voraussetzungen für eine Persönlichkeitsstörung vorliegen sollen.
Sie berück
sichtigt zudem zu wenig, dass die Beschwerdeführerin bis anhin keine Anstren
gungen unternommen hat, eine konsequente medikamentöse Therapie durch
zuführen. Die Psychiater gehen alle von der Zumutbarkeit einer solchen Thera
pie aus und empfehlen eine solche.
Die Gutachten
sind verglichen mit den Ausführungen von
Dr.
Z._
ausführlich und objektiv, weshalb
sie beweiskräftig sind und
auf diese abzustellen ist.
Die Gutachter gehen übereinstimmend von einer somatoformen Schmerzstörung aus, welche
gemäss
Dr.
A._
g
rösstenteils
, gemäss
Prof.
Dr.
B._
ohne Einschränkung
überwindbar sei.
Obwohl a
uch diese
Diagnose auf
unvollständi
gen Informationen der Beschwerdeführerin
basiert, erscheint das Vorliegen ins
gesamt a
ls überwiegend wahrscheinlich
, denn sowohl
Dr.
A._
als auch
Prof.
Dr.
B._
zeigten anhand der für eine Diagnose notwendigen und im Falle der Beschwerdeführerin erfüllten Voraussetzungen auf, dass diese hier erfüllt seien.
Eine Komorbidität ausgeprägter Schwere liegt mit der Diagnose einer depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradig, und mit der Diagnose einer reaktiven de
pressiven Symptomatik nicht vor. Bei einer reaktiven Depression ist dies definitionsgemäss nicht der Fall (
vgl.
BGE 127 V 295 E. 4a). Eine mittel
gradige depressive Störung kann nur invalidisierend im Sinne der Komorbidität wirken, wenn sie losgelöst von der Schmerzproblematik in einem beträchtlichen
Ausmass vorliegt und nicht bloss Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit ist
(Urteile des Bundesgerichts 9C_902/2012 vom 1
7.
Juli 2013 E. 4.1 und 9C_210/2012 vom
9.
Juli 2012 E. 31)
. Dies ist vorliegend nicht der Fall
, wie beide Gutachter aufzeigten
. Zwar vermute
te
n
sie übereinstimmend mit
Dr.
Z._
, dass vorbestehend bereits depressive Phasen vorhanden
gewe
sen sein könnten
, jedoch ist dies nicht ausgewiesen. Hinzu kommt, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt werden müsste, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist, damit von einer invalidisierenden Depression (welcher Ausprägung auch immer) ausgegangen werden kann. Fehlt es an einer solchen, ist nach der Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wir
kung der depressiven Störung anzunehmen (BGE 137 V 64, 130 V 352). Die Beschwerdeführerin konnte bis anhin ansatzweise Einsicht in ihre Therapiebe
dürft
igkeit gewinnen, hat jedoch
keine ernsthafte und konsequente medika
mentöse Therapie in Angriff genommen. Die Persönlichkeitsstörung
wurde nur
als Verdachtsdiagnose geäussert. Es liegt demnach keine Komorbidität im Sinne der Rechtsprechung vor. Die übrigen Voraussetzungen, so eine
chronisch
e kör
perliche Begleiterkrankung
,
ein ausgewiesener sozialer Rückz
ug in allen Belan
gen des Lebens,
ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn;
„
Flucht in die Krankheit"),
ein
unbefriedigendes Behandlungsergebnis
trotz konsequent durchgeführter ambu
lanter und/oder stationärer Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeu
tischem Ansatz) und gescheiterte Rehabilitationsmassnahmen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung (koope
rative Haltung) der Beschwerdeführe
rin
sind nicht erfüllt
, wie sich aus den Ausführungen von Prof.
Dr.
B._
ergibt
. Der Verlauf ist zwar bereits mehrjährig und zeigt chronifi
zi
erende Ten
denz, jedoch hat sich die Beschwerdeführerin – wie bere
it
s gesagt – bis anhin noch keiner konsequenten Therapie unterzogen, welche nach übereinstimmen
der Meinung der Ärzte zu einer Besserung ihres Zustandes führen würde.
Dr.
A._
berücksichtigte die Verdachtsdiagnose einer Persönlichkeitsstörung,
Prof.
Dr.
B._
nicht.
Weil bei einem blossen Verdacht
keine überwiegende Wahrscheinlichkeit vorliegen kann, ist die Schlussfolgerung von
Prof.
Dr.
B._
, es liege kein Gesundheitsschaden vor, logischer als jene von
Dr.
A._
. Ihre
übrigen
Darlegungen sind indes überzeugend und stimmen mit jenen von
Prof.
Dr.
B._
überein.
Damit liegt kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor. Hinzu kommen man
nigfache Hinweise auf eine im Vordergrund stehende psychosoziale Prob
lematik, welche
invalidenversicherungsrechtlich
nicht beachtlich ist. Schwer wiegt zudem die Ansicht der Beschwerdeführerin,
sie habe mit ihrer beruflichen
Laufbahn abgeschlossen, sie plane
die Gründung einer Familie
(
Urk.
6/51/18 und
Urk.
6/51/21). Die Invalidenversicherung
versichert gesundheitsbedingten Erwerbsausfall, welcher bei solchen Gegebenheiten nicht vorliegt.
5.2
Die Beschwerdegegnerin hat einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rente
nach dem Gesagten
zu Recht verneint. Die angefochtene Verfügung erweist sich als rechtens, weshalb die Beschwerde dagegen abzuweisen ist.
6
.
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Ge
richtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
800.-- anzuset
zen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwerdeführerin aufzuer
legen.