Decision ID: a8362320-ff04-5dd8-85f5-992244a8a359
Year: 2013
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1983 geborene
X._
schloss im August 2003 eine Lehre als
Coif
feu
se
Fachrichtung Damen und ein Jahr später
als
Coiffeuse
Fachrichtung Herren
ab
(Urk. 8/4)
.
Nach kurzem Einsatz im erlernten Beruf
war
sie
immer wieder arbeitslos.
Im Jahre
2007
gab sie
die Erwerbstätigkeit auf
, bezog
Für
sor
geleistungen
und betätigte sich
zur Erhaltung der
Tagesstruktur in dem von ih
rer Mutter eröffneten
Beauty-
S
alon
(vgl. Urk. 8/2, Urk. 8/7
; Urk. 8/20 S. 1
).
Am 26. August 2009 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf ADHS, Stimmungsschwankungen, Ängste und Depression bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk. 8/5)
.
Da
raufhin holte die IV-Stelle medizinische Auskünfte ein und leitete im November
2009 berufliche Eingliederungsmassnahmen
mit Eingliederungsberatung und Job
Coaching
ein
(Urk. 8/20-21)
.
Mit Mitteilung vom
1
4.
Juli 2010
schloss sie
die Ar
beitsvermittlung
mit der Begründung
ab,
dass
es nicht gelungen sei, die Ver
s
icherte in angemessener Zeit
in den Arbeitsmarkt
zu integrieren (Urk. 8/19).
Am
28. Juli 2008 forderte sie
die Versicherte
unter Hinweis auf die ihr obliegende
Scha
densminderungspflicht
auf, sich einer kontinuierlich durchgeführten,
störungs
spezifisch
orientierten psychi
atrischen Behandlung zu unterziehen
(Urk. 8/
23)
,
worauf
die Versicherte
per 1. September 2010
eine Psychotherapie bei
der
Psychologin
l
ic
. phil.
Z._
be
gann
(Urk. 8/26). In der Folge ergänzte die IV-Stelle die medizinischen und er
werblichen Abklärungen
und sprach der Ver
sicherten mit Verfügung vom 26. Oktober 2012
n
ach Durchführung des
Vor
be
scheidsverfahrens
(Urk. 8/43 ff.)
eine halbe
Rente
mit Wirkung
ab Februar 2010
zu
(Urk. 2)
.
2.
Dagegen
erhob
X._
Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Zuspre
chung einer ganzen Rente.
Ferner
ersuchte sie um Gewährung der unentgelt
lichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2012
schloss die Verwaltung auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7).
M
it Ver
fügung vom 8. Januar 2013
wurde
die unent
geltliche Prozessführung gewährt und
das Doppel der Beschwerdeantwort zu
gestellt (Urk. 8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2
ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen
Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son
sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG
) sind.
Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent An
spruch auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG in Ver
bindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Ein
tritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens
ist
ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt
was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist
, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
ab
gegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Ex
per
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prü
fend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen
erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer
Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärzt
liche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
Während die Beschwerdegegnerin davon ausgeht, dass der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit als
Coiffeuse
noch zu einem Pensum von 50 % zu
mutbar sei (Urk. 2 S. 3 f.), verneint die Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähig
keit auf dem freien Arbeitsmarkt (Urk. 1 S. 4).
3.
3.1
Im Auftrag der Beschwerdegegnerin untersuchte Dr.
med.
A._
, Fach
arzt
FMH
für Psychiatrie und Psychotherapie,
die Beschwerdeführerin am
19. September 201
1.
Im Gutachten vom 13. Mai 2012 (Urk. 8/40) stellte er fol
gende
Diagnosen
m
it Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 18)
:
-
Achse I:
K
linische Störungen
-
G
eneralisierte Angststörung
,
ICD-10 F41.1
-
mit
a
gora- und sozialphobischen Anteilen, der Beginn ist nicht genau datierbar
.
-
Achse II: Persönlichkeitsstörung
-
E
motional instabile Persönlichkeit
,
ICD-10 F60.3
,
mit ängstlich vermeidenden Zügen, bestehend sei der späten Adoleszenz
.
-
Achse III: medizinische Krankheitsfaktoren
-
Fettleibigkeit Klasse III bei einem BMI von 41.1
kg/qm,
ICD-10 E66.9;
massive Gewichtszunahme zwischen 2003 und 2005
ff.
Folgenden Diagnosen mass der Gutachter k
eine
Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit
bei (S.
19):
-
Achse I:
Klinische Störungen
-
anamnestisch
(Ei
genanamnese 2.1
.1
/3; Fremdanamnese z.B.
1.
N
r.
2: AB der
C._
vom 05.10.2009)
Aufmerksamk
eitsstörung ohne Hyperaktivität, ICD-10
F98.8
(der RAD nennt als DD F94.1); zum Zeitpunkt des Beginns der Störung sind genannt worden sowohl die Kindheit wie 10/2008
-
rezid
ivierende depressive Störung,
g
g
w
.
leichte Episode mit somatischem Syn
drom, dabei
Hypersomnie
,
ICD-10 F33.01
-
Achse III:
Medizinische Krankheitsfaktoren
-
Migräne mit leichter Aura
,
ICD-10 G43.1
,
seit vielen Jahren
-
Achse IV
Auf der Achse IV werden die
bestehenden psychosozialen und
u
mge
bungs
bedingten
Belastungen aufgeführt. Bei Frau
X._
bestehen, bei teils belas
tenden und traumatisierenden Ereignissen in der bisherigen Lebensge
schichte, aktuell weiterhin Probleme im sozialen Umfeld, die durch ein erhebli
ches Rückzugsverhalten mit grossen Partizipationsverlusten gekennzeichnet sind. Berufliche Probleme stehen insofern im Vordergrund, als diese Perspektive gänzlich ungeklärt ist. Da nun längere Zeit schon keine volkswirtschaftlich rele
vante Arbeit mehr ausgeübt wird, sind wirtschaftliche Probleme entstanden, die noch dadurch verschärft werden, dass auch der Beauty-Salon der Mutter, in dem die Versicherte und ihre Schwester mitarbeiten, wirtschaftlich eigentlich nicht überlebensfähig ist; der Vater hat, um die Finanzierung weiter zu ermöglichen, Schulden in Höhe von 70‘000 Franken aufgenommen und bringt Teile seines Verdienstes mit ein.
-
Achse
V
Auf der Achse V wird die globale Erfassung des Funktionsniveaus: GAF abgebil
det; bei Frau
X._
ergibt sic
h momentan ein Sc
ore, der sich im
Zahleninter
vall
zwischen 51 und 60 bewegt; d.h. es bestehen doch noch beträchtlich ausge
prägte Schwierigkeiten bezüglich der sozialen, beruflichen oder schulischen Leistungsfähigkeit, die zur einen Hälfte (zu 50 %) auf den oben unter 3.2 auf den Achsen I und I
I
abgebildeten psychiatrischen Gesundheitsschaden zurück
gehen, die andere Hälfte ist jedoch durch den unerwünschten Einfluss psychoso
zialer Faktoren mit hervorgerufen worden (wie sie unter Achse IV genannt sind, hinzukommen noch einige andere Einflussgrössen, man vergl.
h
ierzu unsere abschliessende Beurteilung der Bedeutung psychosozialer Faktoren bei der Be
antwortung der ersten Zusatzfrage unter Abschnitt 5 des vorliegenden Gutach
tens)
.
Weiter führte der Gutachte
r aus, die Fähigkeit zur
Planung und Strukturierung ab mental mittelschweren Aufgaben aufwärts, die Flexibilität und
Umstel
lungs
fähigkeit
, das Durchhaltevermögen, die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Kontakt
f
ähigkeit zu Dritten, der „soziale Aktionsradius“ und auch
die
Grup
penfähigkeit
seien mittelgradig eingeschränkt. Leichter eingeschränkt seien die Fähigkeit zur
Anpassung an Regeln und Routinen, die Fähigkeit zur Anwen
dung fachlicher Kom
pe
tenzen (die prinzipiell vorhanden sei
en
), die
Entschei
dungs
- und Urteils
fähigkeit, die Fähigkeit zu Selbstpflege und die
Verkehrsfä
higkeit
(in Form einer
passiven Teilnahme am Strassenverkehr über öffentliche Verkehrsmittel). Seit Be
ginn
der Tätigkeit im Salon der Mutter
im Jahre
2007 bestehe
beim
festge
stellten Gesundheitsschaden eine Restarbeitsfähigkeit in reduziertem
Leistungs
grad
von 50 % eines Vollpensums bezogen auf die angestammte Tä
tigkeit als
Coiffeuse
in einem entsprechend adaptierten Rahmen, wie er zum Beispiel im Beauty-Salon der Mutter gegeben sei.
Jedoch verhinderten
psychosoziale Fak
toren, eine mangelnde Disziplinierung und
Dekonditio
nierung
den Transfer des noch vorhandenen Leistungspotentials
von 50 %
in effektive Arbeitsleistung
. Der psychiatrische Gesundheitsschaden alleine sei
hiefür
nicht verantwortlich
(S. 20
f.).
Unter
den p
sychosoziale
n
Faktoren
sei
die nun längere Abwesenheit vom ei
gentlichen Arbeitsprozess
wesentlich
. Hinzu trä
t
en die schwierige aktu
elle be
rufliche Situation durch die desolaten Zustände im Beauty-Salon der Mutter (wirtschaftliche Schwierigkeiten, keine hinreichende Anleitung und so
weiter). Sie zeigten sich aber auch in einem ausgeprägten
Vermeidungsver
hal
ten
,
aus dem nun zusätzlich eine Selbstlimitierung an sich noch disponibler Fähig
keiten und Fertigkeiten erwachsen sei (S. 22 f.).
3.2
Die Beschwerdeführerin wendet g
egen das psychiatrische Gutachten
des
Dr.
A._
vom 13. Mai 2012
ein,
die behandelnde Psychiaterin Dr.
med.
B._
,
Fachärztin für
Kin
der- und Jugendpsychiatrie und
psychotherapie
, so
wie die Psychologin
lic
. phil.
Z._
erachteten die
Auf
merksamkeitsstörung
ohne
Hyperaktivität (ICD-10 F98.8) als relevante
Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Ausserdem stelle das psychosoziale Umfeld keine Belastung son
dern vielmehr eine unterstützende Ressource dar.
A
uf dem ersten Arbeitsmarkt
be
stehe
keine Arbeitsfähigkeit (Urk. 1 S. 3 f.
; vgl. Urk. 3/1
).
3.3
Zunächst ist festzuhalten, dass d
er Einschätzung des verbleibenden Leis
tungs
ver
mögens naturgemäss ein gewisses ärztliches Ermessen an
haftet,
und b
ereits die
Ärzte der
C._
, welche
die Beschwer
defüh
rer
in
nach einem Suizidversuch im Februar 2009 bis zur
Therapieüber
nahme
durch
Dr.
B._
am 1. September 2010 behandelt
hatten
,
im Bericht vom 5. Oktober 2009
eine Arbeitsfähigkeit von 20 %
auf
dem ersten Arbeitsmarkt attestierten
(Urk. 8/13 S. 3 Ziff. 1.6)
beziehungsweise die Frage bejahten, ob mit einer Erhöh
ung
der Einsatzfähigkeit gerechnet werden könne (Urk. 8/13 S. 4 Ziff. 1.9).
3.
4
Weiter erfüllt das Gutachten des Dr.
A._
vom
13. Mai 2012
(Urk.
8/40)
die Anforde
rungen an eine beweiskräftige medizinische
Entschei
dungs
grund
lage
. Es beruht
namentlich
auf den vorliegend nötigen Untersu
chung
en
(S.
13 f.)
, berücksichtigt die geklagten Beschwerden, setzt sich mit diesen
und
dem Ver
halten der Beschwerdeführerin
auseinander und leuchte
t in der Dar
legung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge sowie in Bezug auf die
ge
zoge
nen Schlussfolgerungen
(S. 17 f.)
ein
(so auch die Einschätzung des Psy
ch
i
aters des regionalärztlichen Dienstes der IV-Stelle; Urk. 8/42 S. 5 f.)
.
Demgegenüber haben sich die behandelnden Ä
rzte in erster Linie auf die Be
hand
lung zu konzentrieren;
d
eren Berichte verfolgen nicht den Zweck einer den ab
schliessenden Entscheid über die Versicher
ungsansprüche erlaubenden objek
tiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die von
der Rechtsprechung aufgestellten mater
iellen Anforderungen an ein Gut
achten. Sodann ist der Erfahrungstatsache Rec
hnung zu tragen, dass sie mitun
ter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtl
iche Vertrauensstellung im Zwei
felsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5). Dadurch lässt sich die Dis
krepanz zwischen den Einschätzungen
des psychiat
rischen Gutachters
einer
seits und denjenigen der behandelnden
Dr.
B._
und
lic
. phil.
Z._
im Bericht
vom 6. Juli 2011 (Urk. 8/32) und in der Stellung
nahme zum Gutachten vom 30. August 2012 (Urk. 3/1)
andererseits
er
klären.
Ferner liegen laut Gutachter
Dr.
A._
das Beschwerdebild wesentlich beeinflussende
umgebungs
bedingte
und psycho
s
oziale Belastungen vor, wie sie im Übrigen bereits von den
Ärzten des
D._
angedeutet
worden w
aren (Urk. 8/31/6). Diese (für sich allein nicht invalidisierenden) Faktoren sind laut schlüssiger gut
achterlicher Auffassung
dafür verantwortlich, dass die Restarbeitsfähigkeit von 50 % nicht wie eigentlich möglich
effektiv
umgesetzt wird (Urk. 8/40 S. 20 ff.). Was so
dann die von
Dr.
B._
und
Dr.
lic
. phil.
Z._
als relevante Diagnose (mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit) erwähnte Aufmerksamkeitsstörung
angeht, hielt Dr.
A._
unter dem Titel "Herleitung der psychia
tri
schen
Hauptdiagnose"
nach
vollziehbar fest, dass das unter Heranziehung eines
Fragenextrakt
es aus "HASE" (Homburger ADHS–
Skalen für Erwachsene) durch
geführte Interview mit der Versicherten keine hinreichenden Hinweise für eine entsprechende Diagnose er
geben hatte und eine solche von ihm nur auf
geführt wurde (ohne Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit), weil sie anamnestisch ge
nannt worden war
(Urk. 8/40 S.
17 f.
).
Nach dem Gesagten
hat
die Beschwerdegegnerin
zu Recht auf die Schluss
fol
gerungen des Gutachters Dr.
A._
abgestellt und ist davon ausge
gangen, dass die Beschwerdeführerin seit 2007 als
Coiffeuse
i
n angepasstem
Rahmen
beziehungsweise
in einer angepassten Tätigkeit
(nur)
zu 50 % eingeschränkt ist.
4
.
In erwerblicher Hinsicht ist
die Beschwerdegegnerin bei der Bemessung des hy
po
thetisch erzielbaren
Valideneinkommens
bei
Arbeitslosigkeit
vor Eintritt des
Gesundheitsschadens
im Januar 2007
von den statistischen Daten der vom Bun
desamt für Statistik herausgegebenen Lohnstrukturerhebung (LSE 2010, Ta
belle TA
7
,
Ziff.
34
, Anforderungsniveau
4 [da statistischer Lohn höher als beim
An
for
derungsniveau
3]
;
Frauen
) aus
gegangen
. Auch das Invalideneinkommen
hat
sie anhand des gleichen Tabellenlohnes (Urk. 8/
4
1, Urk. 2)
ermittelt
. Dieses Vor
gehen be
ziehungsweise der errechnete
Invaliditätsgrad
von
50
%
ist nicht zu be
an
stan
den
und w
ird
von der Beschwerdeführerin
in rechnerischer Hinsicht
denn auch nicht gerügt (Urk. 1)
.
Korrekt ist schliesslich der auf den 1. Februar 2010
fest
gesetzte Rentenbeginn
(Art. 29 Abs. 1 IVG). Die eine halbe Rente der Invalidenversicherung zuspre
chen
de Verfügung vom 26. Oktober 2012
besteht
somit
zu Recht, was zur
A
bwei
sung
der Beschwerde führt.
5
.
Ausgangsgemäss
sind
die Gerichtskosten von Fr.
6
00.
der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen
, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einst
weilen auf die Gerichtskasse
zu nehmen
.