Decision ID: c5090151-2e0e-42ff-9824-168099535e48
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981, schloss in Deutschland eine Lehre zum Hochbaufacharbeiter/Maurer ab und war nach Absolvieren seiner militärischen Dienstzeit arbeitslos (
Urk.
10/1,
Urk.
10/45). Im Jahre 2003 reiste er in die Schweiz ein und arbeitete in verschiedensten Funktionen (Bauarbeiter, Eisenleger,
Fassadenisoleur
,
Magaziner
und Zügelmann), vermittelt meistens über Personal
ver
leihfirmen (vgl.
Urk.
10/10
,
Urk.
10/90/422,
Urk.
10/186). Am 2
9.
Oktober 2013 schloss er einen Rahmenvertrag mit der
Y._
(
Urk.
10/6/94) und arbeitete ab 3
0.
Oktober 2013 als Mitarbeiter der
Z._
in einem auf drei Monate befristeten Arbeitsverhältnis (
Urk.
10/6/9
4
).
Beim Überqueren eines Zebrastreif
ens wurde der Versicherte
am
5
.
November 2013 von einem Personenwagen angefahren und erlitt unter ande
rem eine Flexions-/Distraktionsverletzung C6/7 mit reitender Facetten
gelenks
luxation sowie inkompletter rechtsbetonter Paraplegie ASIA D, welche bis zur Entlassung aus dem erstbehandelnden
A._
am 1
8.
November 2013 rückläufig war
(vgl.
Urk.
10/6/82f.)
. Die anschliessende medizinische Behandlung erfolgte in der
B._
, Zentrum für Para
plegie
(stationär vom 1
8.
November 2013 bis 2
2.
Januar 2014;
Urk.
10/17), wo mit Berufsfindungsbericht vom 1
3.
Februar 2014 ab Mitte Februar eine Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit von 50
%
postuliert wurde (
Urk.
10/11).
Am 1
3.
Januar 2014
(Eingangsdatum)
meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(
Urk.
10/2)
. Diese holte die Akten der für den Unfall vom
5.
November 2013 zuständigen Unfallversicherung, der Suva, (
Urk.
10/6/1-150,
Urk.
10/90/1-629) sowie einen Auszug aus dem individuellen Konto (
Urk.
10/10) ein und prüfte die beruflichen Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
10/2
2
). In der Folge sprach die
IV-Stelle Kostengutsprache (Mitteilung vom 2
4.
April 2014,
Urk.
10/23) für eine dreieinhalbwöchige Potenzialabklärung (1
2.
Mai bis
6.
Juni 2014) in der
C._
, gefolgt von einem gleich
en
orts durchgeführten
dreimonatigen
Belastbarkeitstraining (1
1.
August bis 1
4.
November 2014
; Mitteilung vom 1
0.
Juli 2014,
Urk.
10/36
)
und einem sechs
monatigen Aufbautraining (1
5.
November 2014 bis 1
4.
Mai 2015; Mitteilung vom
7.
November 2014,
Urk.
10/53). Mit Mitteilung vom
7.
Mai 2015 erteilte die IV-Stelle schliesslich Kostengutsprache für ein Arbeitstraining, vorgesehen für die Dauer vom 1
5.
Mai bis 1
3.
November 2015 (
Urk.
10/71). Da der Versicherte dem Arbeitstraining seit 2
2.
Juli 2015 fernblieb, wurde die Massnahme vorzeitig per 1
4.
August 2015 abgebrochen (Mitteilung vom 1
3.
August 2015,
Urk.
10/86).
Während den Eingliederungsmassnahmen sprach die IV-Stelle jeweils Taggelder zu (
Urk.
10/42,
Urk.
10/
55-56,
Urk.
10/73
-74,
Urk.
7/76), letztmals für den 2
1.
Juli 2015 (
Urk.
10/203/3).
Nach Einsi
cht in den Schlussbericht Arbeits
training der Fachpersonen des
C._
vom
2
5.
September 2015 (
Urk.
10/88;
vgl. auch die vorangegangenen Berichte
vom
9.
Juli 2015 [
Urk.
10/82],
vom 1
1.
Dezember 2014 [
Urk.
10/58] und vom 1
6.
Juni 2014 [
Urk.
10/32]) sowie
das Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 1
1.
August 2015 (
Urk.
10/84) vervollständigte die IV-Stelle die ihr vorlie
genden Suva-Akten (
Urk.
10/103/1-789) und holte bei den behandelnden Ärzten Auskünf
te ein (
Urk.
10/112,
Urk.
10/119
,
Urk.
10/
120). Schliesslich beauftragte die IV-Stelle die
D._
, MEDAS
E._
, mit einer poly
disziplinären Begutach
tung des Versicherten, die zwischen Oktober 2017 und Februar 2018 stattfand und im Gutachten vom 2
7.
Mai 2017 (
richtig: 2018;
Urk.
10/178/1-106) mündete.
Dr.
med.
F._
, Facharzt
für Neurologie, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie sowie zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, Vertrauensarzt SGV, Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes der IV-Stelle (RAD)
,
nahm
zur medizinischen Aktenlage am
1
4.
November 2018 abschliessend Stellung (
Urk.
10/203/9-11). Gestützt hierauf wies die IV-Stelle das Rentenbegehren von
X._
nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Vorbescheid vom 1
7.
Dezember 2018 [
Urk.
10/205]; Einwand vom 3
1.
Januar 2019 [
Urk.
10/210]) mit Verfügung vom 1
2.
Februar
2019 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
1.
März 2019 Beschwerde mit dem Rechts
begehren, dem Beschwerdeführer sei in Aufhebung der angefochtenen Verfügung eine Rente zuzusprechen, eventuell seien weitere Abklärungen zu treffen (
Urk.
1). In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltlich
e
Prozessführung und Bestellung seines Rechtsvertreters zum unentgeltlichen Rechtsbeistand, was mit Gerichtsverfügung vom
9.
Juli 2019 gewährt wurde (
Urk.
11). Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom
3.
Juli
2019 Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9) unter Auflage ihrer Akten (
Urk.
10/1-227).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen Bezug genommen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invaliden
einkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der
Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentver
gleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichtigung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentvergleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
1.4
Der Rent
enanspruch entsteht gemäss Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistung
sanspruchs nach Artikel 29 Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung d
es 18. Alters
jahres folgt (Abs.
1). Der Anspruch entsteht nicht, solange die versicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann (Abs. 2). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem de
r Rentenanspruch entsteht (Abs.
3).
1.5
1
.5
.1
Der Anspruch auf eine ordentliche Invalidenrente setzt
versicherungsmässig
ausserdem voraus, dass die versicherte Person bei
Eintritt der Invalidität
(vgl. E. 1.2)
während mindestens drei Jahren Bei
träge geleistet
hat
(Art. 36 Abs. 1 IVG).
Für die Ermittlung der Mindestbeitragsdauer zu beachten ist indes das euro
päische Recht (
Art.
80a IVG).
1.5
.2
Am 1. Juni 2002 ist das Abkommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweize
rischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkom
men; FZA) in Kraft getreten. Nach
Art.
1
Abs.
1 des auf der Grundlage des
Art.
8 FZA ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (
Art.
15 FZA
) Anhangs II FZA («Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit») in Verbin
dung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien untereinander insbesondere die Verordnung (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (kurz: VO 883/2004) und die Verordnung (EG) Nr. 987/2009 (kurz: VO 987/2009) des Europäischen Parlaments und des Rates vom 1
6.
September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durchführung der VO 883/2004 oder gleichwertige Vorschriften an.
Die beiden genannten gemeinschaftsrechtlichen Verordnungen sind für die Schweiz durch den Beschluss Nr. 1/2012 des Gemischten Ausschusses vom 31. März 2012 zur Ersetzung des Anhangs II des Abkommens über die Koordi
nie
rung der Systeme der sozialen Sicherheit per
1.
April 2012 in Kraft getreten (AS 2012 2345; BGE 138 V 533 E. 2.1).
Nach
Art. 8 lit. c FZA regeln die Vertragsparteien die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit gemäss Anhang II, um die Zusammenrechnung aller nach den verschiedenen nationalen Rechtsvorschriften berücksichtigten Versiche
rungszeiten für den Erwerb und die Aufrechterhaltung des Leistungsanspruchs sowie für die Berechnung der Leistungen zu gewährleisten.
Art.
6 der VO 883/2004 bestimmt, dass (sofern in dieser Verordnung nichts anderes bestimmt) der zuständige Träger eines Mitgliedstaats, dessen Rechtsvorschriften den Erwerb, die Aufrechterhaltung, die Dauer oder das Wiederaufleben des Leistungsan
spruchs, die Anwendung bestimmter Rechtsvorschriften, oder den Zugang zu bzw. die Befreiung von der Pflichtversicherung, der freiwilligen Versicherung oder der freiwilligen Weiterversicherung, von der Zurücklegung von Versiche
rungszeiten, Beschäftigungszeiten, Zeiten einer selbstständigen Erwerbstätigkeit oder Wohnzeiten abhängig machen, soweit erforderlich die nach den Rechtsvor
schriften eines anderen Mitgliedstaats zurückgelegten Versicherungszeiten, Beschäftigungszeiten, Zeiten einer selbstständigen Erwerbstätigkeit oder Wohn
zeiten berücksichtigt, als ob es sich um Zeiten handeln würde, die nach den für diesen Träger geltenden Rechtsvorschriften zurückgelegt worden sind.
1.5
.3
Gemäss Art. 45 der Veror
dnung 883/2004
wendet
d
er zuständige Träger eines Mitgliedstaats, nach dessen Rechtsvorschriften der Erwerb, die Aufrechter
hal
tung oder das Wieder
aufleben des Leistungsanspruchs davon abhängig ist, dass Versicherungs- oder Wohnzeiten zurückgelegt wurden, soweit erforderlich,
Art.
51
Abs.
1
dieser Verordnung
entsprechend an.
Laut
Art. 51 Abs. 1 Ab
schnitt 1 der Verordnung 883/2004
berücksichtigt der zuständige Träger dieses Mitgliedstaats die nach den Rechtsvorschriften eines anderen Mitgliedstaats zurückgelegten Zeiten nur dann, wenn sie in einem entsprechenden System, oder, falls es ein solches nicht gibt, in dem gleichen Beruf oder gegebenenfalls in der gleichen Beschäftigung oder selbstständigen Erwerbstätigkeit zurück
ge
legt wurden
, wenn
nach den Rechtsvorschriften eines Mitgliedstaats die Gewährung bestimmter Leis
tungen davon abhängig
ist
, dass die Versicherungs
zeiten nur in einer bestimmten Be
schäftigung oder selbstständigen Erwerbs
tätigkeit oder einem Beruf zurück
ge
legt wurden, für die ein Sondersystem für beschäftigte oder selbstständig erwerbstätige Personen gilt.
D
er Träger eines Mitgliedstaats
ist aber
nicht verpflichtet, Leistungen für Zeiten zu gewähren, die nach den für ihn geltenden Rechtsvorschriften zurückgelegt wurden und bei Eintritt des Versicherungsfalls
zu berücksichtigen sind, wenn die Dauer dieser Zeiten weniger als ein Jahr beträgt
und allein aufgrund dieser Zeiten kein Leis
tungsanspruch nach diesen Rechtsvor
schriften erworben wurde
(
Art.
57
Abs.
1 der Verord
nung
883/2004
; vgl. hierzu
differenzierter
auch:
Rz
. 3005 ff. des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherung über das Verfahren zur Leistungsfestsetzung in der AHV/IV/EL [KSBIL], Stand
1.
Januar 2020
)
.
Dies begründet keine unzulässige Diskriminierung des FZA, da die Mindestbeitragsdauer auch für Schweizer gilt (BGE 131 V 390 E. 5 ff.).
1.5
.4
Das FZA und insbesondere die Verordnung 883/2004 sind in persönlicher Hin
sicht auf den Beschwerdeführer anwendbar, weil er als Deutscher Staatsangehö
riger mit Wohnsitz in einem Mitgliedstaat (Schweiz) den Rechtsvorschriften eines oder mehrerer Mitgliedsstaaten untersteht oder unter
stand (Art. 2 Abs. 1 der Ver
ordnung 883/2004). Auch der sachli
che Anwen
dungsbereich ist gegeben. Dieser bezieht sich gemäss Art. 3 Abs. 1 der Verord
nung 883/2004 auf alle Rechtsvor
schriften der sozialen Sicherheit, welche unter anderem Leistungen bei Invalidität (lit. c) betreffen (vgl. BGE 134 V 236 E. 5.2.4.2).
1.6
1.6
.1
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes
oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
.2
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
1.7
Berufsberatung ist Aufgabe der IV-Stelle und nicht des begutachtenden Arztes oder der Ärztin. Zwischen diesen und den Fachleuten der Berufsberatung ist aber eine enge, sich gegenseitig ergänzende Zusammenarbeit erforderlich (BGE 107 V 17 E. 2b; vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2 mit weiterem Hinweis). Nach der Rechtspre
chung ist die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten (Urteile des Bundesgerichts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis). Dies hat umso mehr zu gelten, wenn die Experten selbstlimitierendes Verhalten feststellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_646/2015 vom 19.Mai 2016 E. 4.4). Hingegen ist für die Evaluation von konkreten geeigneten Tätigkeiten die Verwaltung zuständig, die dazu allenfalls Fachpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung beizuziehen hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_545/2012 vom 25. Januar 2013 E. 3.2.1, nicht publiziert in BGE 139 V 28; vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2). Der Arzt oder die Ärztin sagen somit, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen respektive geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist, wobei es als selbstver
ständlich gilt, dass sie sich vor allem zu jenen Funktionen äussern, welche für die nach ihrer Lebenserfahrung im Vordergrund stehenden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufsberatung dagegen sagen, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage
kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt oder der Ärztin erforderlich sind (BGE 107 V 17 E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2008 vom 22. September 2008 E. 6.2 und I 588/05 vom 27. April 2006 E. 3).
2.
2.1
Am 1
5.
Januar 2016 wurde der Beschwerdeführer namens der Suva von Kreisarzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion, untersucht (
Urk.
10/103/700-708). In seiner Beurteilung führt
Dr.
G._
aus, der Beschwerdeführer mache verschiedenste Beschwerden geltend, die seines (
Dr.
G._
s) Erachtens jedoch nicht eindeutig als Unfallfolgen erkannt werden könnten. So berichte der Beschwerdeführer über eine den ganzen Körper betref
fende Spastik, die nicht nachvollziehbar sei. Bezüglich des anlässlich der Unter
suchung demonst
r
ierten unsicheren Gangbildes habe er (
Dr.
G._
) eine unterschiedliche Beobachtung machen können und das Gangbild wäre auch nicht typisch für einen
residuellen
Zustand nach Rückenmarksverletzung. Der Beschwerdeführer gebe an, dass er immer wieder äussers
t belastende Situationen erlebe, wo er sich in der Öffentlich
keit einnässe und einkote. Demgegenüber habe die Neurologie in der
B._
von nur geringen Restharnmengen und einer spontan möglichen Miktion berichtet und habe der Beschwerdeführer dort eine Stuhlinkontinenz verneint. Eine Windeleinlage werde nicht getragen. Der Beschwerdeführer habe auch alle Medikamente abgesetzt, die der Entwicklung einer Harnstauung entgegenwirken sollten.
Vom behandelnden Psychiater liege nur ein nicht brauchbares Schreiben vor. Die Schmerzhaftigkeit bei Berührung im Bereich der Brustwirbelsäule weise auf eine Symptomausweitung hin. Ferner bestünden Widersprüche bezüglich der motorischen Funktionen (zum Beispiel problemloses Einnehmen einer Hochstellung und Wiederaufrichten aus der Hockstellung und demgegenüber Kraftlosigkeit bei der Prüfung der Knieflexion und Extension bei der Untersuchung im Liegen), was auf Aggravation hindeute.
Dr.
G._
erachtete eine stationäre polydisziplinäre versicherungsmedizi
nische Begutachtung für notwendig. Zu einer Abklärung im
H._
kam es nach Lage der Akten nicht (vgl.
Urk.
10/103/771ff.
,
Urk.
10/203/5
).
2.2
Der Beschwerdeführer wurde im Auftrag der Beschwerdegegnerin am 3
1.
Okto
ber,
6.
Dezember 2017 und
6.
Februar 2018 internistisch, neurologisch, neuropsy
chologisch und psychiatrisch begutachtet (
Urk.
10/178/3). Hierbei lag
en
den
Gutachtern die gesamt
en
IV-Akten vor und sie haben die relevanten medizi
nischen
Vorakten
zusammengefasst, die hier daher nur soweit erforderlich wiedergegeben werden (
Urk.
10/178/5-
23).
2.2.1
Die Gutachter diagnostizierten folgende Leiden mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
10/178/36f.):
-
Flexions-/Distraktionsverletzung HWK6/7 11/2013 mit/bei
-
Traumatische
Diskusherniation
C6/7 mit
Myelonkompression
, akute Dekompressionsoperation
-
Elektrophysiologisch
-
aktuell: Unauffällige somatosensorisch-evozierte Potentiale von den Nervi
tibiales
-
Klinisch:
inkomplettes,
ventrolateral
betontes Brown-
Sequard
-
Syndrom (ASIA D)
Neurogene Blasen- und Enddarmstörung mit
intermittieren
-
der Inkontinenz
Sexualfunktionsstörung (Erektionsstörung)
-
Intermittierendes, ätiologisch nicht sicher fassbares Kopfschmerzsyndrom mit/bei
-
keiner sicheren Identität zuzuordnen (Migräne, Spannungs
typkopf
schmerzen,
Medikamentenübergebrauchs-
Kopf
schmerz)
-
Differentialdiagnostisch: Tra
u
matische
Cephalgien
-
Leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung mit Lern- und Frischgedächtnisstörungen, Störungen bei der Umstell- und Strukturierungsfähigkeit und im Aufmerksamkeitsbereich
-
Missbräuchlicher Konsum von Alkohol (ICD-10: F10.1), Differenzial
diag
nose (DD): Alkoholabhängigkeitssyndrom mit ständigem Substanz
ge
brauch (ICD-10: F10.25)
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung mit impulsiv/emotional-instabilen und narzisstischen Anteilen (ICD-10: F61.0), DD: Äthyltoxische organische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F10.71), DD: Aufmerksam
keitsstörung ohne Hyperaktivität (ICD-10: F98.8)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie ausserdem (1) einen Nikotinabusus (kumuliert 50
py
), (2) einen Status nach tiefer Beinvenenthrom
bose rechts 2013 und April 2014, (3) ein Leberhämangio
m
, (4) Allergien: Pollen, Latex, Zement und (5) eine leichtgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0), DD: Äthyltoxisch bedingtes affektives Zustandsbild (ICD-10: F10.72), fest.
2.2.2
Im interdisziplinären Konsens
hielten
die
Gutachter sowohl in der angestammten Tätigkeit als auch in einer Verweistätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für
gegeben
. Die Tätigkeit als Maurer wurde sowohl aus neurologischer, neuropsychologischer wie auch psychiatrischer Sicht als nicht mehr zumutbar erachtet, eine Verweistätigkeit wurde aus neurologischer Sicht zu 30
%
, aus neuropsychologischer Sicht zu 50
%
und einzig aufgrund der psychiatrischen Diagnosen als gänzlich unzumutbar erachtet.
Auf dem allgemein-internistischen Fachgebiet resultierte weder aktuell noch retrospektiv eine Arbeitsunfähigkeit (vgl. auch
Urk.
10/178/67).
Zur retrospektiven Leistungsfähigkeit führten die Gutachter aus, in den letzten fünf Jahren habe der Beschwerdeführer nicht mehr gearbeitet, mit Ausnahme eines kurzen Arbeitsversuches in der kaufmännischen Ausbildung, welche wegen Konzentrationsstörungen habe abgebrochen werden müssen. Aus psychiatrischer Sicht sei der Verlauf retrospektiv schwierig zu beurteilen. Die vollständige Arbeitsunfähigkeit gelte sicherlich seit den missglückten Wiedereingliederungs
versuchen in der
C._
ab Mai 201
4.
Aufgrund der bereits zuvor bestehenden beruflichen Schwierigkeiten (gemäss Beschwerdeführer über hundert Stellenwechsel in 10 Jahren)
und der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung könne vermutet werden,
dass der Beschwerdeführer bereits 2003 bei seiner Einreise an einer die Arbeits- und Leistungsfähigkeit massiv einschränkenden psychischen Störung gelitten habe (
Urk.
10/178/39).
2.2.3
Im neurologischen Teilgutachten beu
rteilte
Dr.
med. I._
, Facharzt FMH für Neurologie, eine Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Maurer oder vergleichbaren Arbeiten auf dem Bau für nicht mehr verwertbar, weil hierfür die körperlichen Einschränkungen doch zu gravierend seien. Dies gründe sich auf die sicher bestehende Spastik des rechten Beines, die Kraftmin
derung des rechten Armes und die im Zusammenhang stehe
nde Tiefensensibili
tätsstörung
(
Urk.
10/178/81). In einer angepassten Tätigkeit, das hiess
e
in einer Tätigkeit ohne schwerere körperliche Arbeit und in wechselhafter Belastung, bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 70
%
.
Die verbleibende Arbeitsunfähigkeit «ziele» im Wesentlichen auf die ausgeprägten
Cephalgien
, die bei Status nach wahrscheinlicher Hirnblutung durchaus als posttraumatisch zu akzeptieren seien. Die als neurologische Problematik zu sehende Inkontinenz begründe ebenfalls einen Teil der 30%igen Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
10/178/82).
2.2.4
In Neuropsychologischer Sicht erachtete die Gutachterin
lic
. phil.
J._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP und Psychotherapie FSP sowie zerti
fizierte Neuropsychologische Gutachterin SIM, dass der Beschwerdeführer für eine
Umschulung im KV-Bereich aufgrund der leichten bis mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörungen eine um 50
%
reduzierte psychomen
tale Belastbarkeit aufweise. Eine vollschichtige Umschulung würde, wie schon erfolgt, in unmittelbarer Überforderung und weiterer Leistungsdekompensation
münden.
Für Umschulungszwecke betrage die Arbeitsunfähigkeit aus neuropsy
chologischer Sicht daher 50
%
, dies seit November 2013 (
Urk.
10/178/90f.).
2.2.5
In der psychiatrischen Beurteilung führte
Dr.
med.
Dr.
rer
. nat. K._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, SIM zertifizierter Gutachter
,
folgendes aus (
Urk.
10/178/103-106): Aufgrund der scheinbar zahlreichen Stellenwechsel müsse bereits vor dem schweren Unfall von einer missglückten beruflichen Integration gesprochen werden. Da der Beschwerdeführer nur vage und einsilbige Antworten zur persönlichen, beruflichen und Krankheitsanamnese gegeben habe, habe sich die diagnostische Beurteilung nicht einfach gestaltet. An erster Stelle sei sicherlich sein Alkoholkonsum zu diskutieren. In den Spitalbe
richten werde
ein täglicher
Bierkonsum von 6 (nicht genau bezeichneten) Bierein
heiten erwähnt. Zu den Konsultationen bei seinem behandelnden Psychiater sei der Beschwerdeführer teilweise alkoholisiert erschienen
. Im Begutachtungs
gespräch habe er angegeben, ab und zu ein Bierchen zu trinken. Das Labor beweise einen Alkoholkonsum in den letzten 40 bis 78 Stunden. Ob der Beschwer
deführer die Kriterien einer Alkoholabhängigkeit erfülle, lasse sich aufgrund der vorliegenden Informationen nicht beurteilen. Mit grosser Wahrscheinlichkeit sei aber von einem missbräuchlichen Konsum von Alkohol auszugehen. Daneben bestünden auf der Persönlichkeitsebene Auffälligkeiten. Nach Aussagen des ehemaligen Behandlers sei der Beschwerdeführer immer wieder in Schlägereien verwickelt. In den Berichten der
C._
seien
Dünnhäutigkeit
,
Reiz
barkeit und Aggressivität beschrieben. Zu diesen impulsiven, emotional-instabi
len Verhaltensweisen würden sich narzisstische Merkmale gesellen, etwa die rasche Kränkbarkeit und eine Tendenz
zu grossspurigem Auftreten und u
nange
messener Anspruchshaltung. Aus diesem Grunde stelle er die Diagnose einer emotional-instabilen Persönlichk
eitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30). D
ifferenzialdiagnostisch sei eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen und narzisstischen Merkmalen (ICD-10: F61.0) in Erwägung zu ziehen. Allerdings könnten die Symptome des Beschwerdeführers, wie seine reduzierte Fähigkeit, zielgerichtete Aktivität über längere Zeit aufrecht zu erhal
ten, seine emotionale Labilität und seine Missachtung von sozialen Konventionen auch hirnorganische äthyltoxische Folgeschäden darstellen (im Sinne einer organischen
Persönlichkeitsstörung, ICD-10: F10.71). Der ehemals behandelnde Psychiater sei gemäss telefonischer Auskunft von einer Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ausgegangen
. Aufgrund der anamnestisch beschriebenen Aufmerksamkeitsdefizite, der Reizbarkeit mit häufigen verbalen und auch körperlichen Auseinandersetzungen, der Tendenz zum Zuspätkommen und zum Vergessen von Terminen, müsse - bei Fehlen von Symptomen von über
mässiger motorischer Unruhe - ein Aufmerksamkeitsdefizit des Erwachsenen
alters ohne Hyperakti
v
ität (ICD-10: F98.8) diskutiert werden. Voraussetzung für diese Diagnose wäre, dass die Symptomatik spätestens im
Jugendlichenalter
bestanden hätte, was aufgrund der bruchstückhaften Informationen nicht beur
teilt werden könne. Persönlichkeitsstörungen manifestierten sich hingegen in der Regel endgültig im frühen Erwachsenenalter. ADHS und die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus
wiesen
überdies deutliche Über
schneidungen auf. Aus seiner (gutachterlichen) Sicht stünden die dysfunktionalen Persönlichkeitsaspekte deutlich im Vordergrund. Es bestehe eine deu
tliche Problemexternalisierung und er (der Gutachter) gehe beim Beschwerdeführer von einer deutlichen Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen aus, wie Impul
skontrolle, zwischenmenschliche
Beziehungen, Wahrnehmen und Denken sowie Affektivität und Antrieb, was kennzeichnend für die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung sei. Darüber hinaus bestehe auf
grund
der beklagten Schlafstörungen, dem Antriebsmangel und der gedrückten Stimmung eine leichtgradige depressive Symptomatik, die aus gutachterlicher Sicht die Arbeitsfähigkeit aber nicht signifikant beeinträchtige.
2.2.6
Aus psychiatrischer Sicht bestehe aufgrund der
schwergradigen
Beeinträchtigung des Beschwerdeführers in der Anpassungsfähigkeit an Regeln und Routinen und zur Selbstbehauptung sowie auf die mittelgrossen Beeinträchtigungen der Fähig
keit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Flexibilität, Umstellungs
fähigkeit, Durchhaltefähigkeit, Kontaktfähigkeit zu Dritten und der Gruppen
fähigkeit eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Ursächlich hierfür seien der miss
bräuchliche langjährige Alkoholkonsum sowie die emotional-instabile Persön
lichkeitsstörung vom impulsiven Typ
. Aufgrund der bereits zuvor bestehenden be
ruflichen Schwierigkeiten sei de
nkbar, dass der Beschwerdeführer bereits in den Jahren zuvor nicht in der Lage gewesen sei, eine Arbeitsstelle dauerhaft zu halten. Ein
e Persönlichkeitsstörung manife
stiere sich in der Regel im späten Jugend
lichen- bis frühen Erwachsenenalter, so dass vermutet werden könne, dass der Beschwerdeführer
bereits im Zeitpunkt seiner Einreise an einer die Arbeits- und Leistungsfähigkeit massiv einschränkenden psychischen Störung gelitten habe
(
Urk.
10/178/105f.).
2.2
.7
Hinsichtlich der
Indikatorenprüfung
(
Urk.
10/178/40ff.) erachteten die Gutachter die objektiven Befunde als mittelschwer ausgeprägt.
Es zeige sich insoweit eine Wechselwirkung der Diagnosen, als dass der Alkohol- und Cannabisüberkonsum sich negativ auf die kognitiven Funktionen auswirken würden. Das Unfallereignis im November 2013 sei verantwortlich für die
Tetraplegie
bzw. deren Folgen (
Urk.
10/178/46).
Als invaliditätsfremde Faktoren vermerkten die Gutachter Arbeitslosigkeit und
die
schwierige wirtschaftliche Lage und ein niedriges Bildungsniveau. Eine Aggravation könne nicht ausgeschlossen werden. Aufgrund der starken Diskrepanzen zwischen den angegebenen Beschwerden (Schmerzen, depressive Symptome) und Verhalten und Äusserungen bei der Exploration sowie auch der ausgesprochen unklaren Angaben zur aktuellen Tagesstruktur und den Alltagsaktivitäten könne eine bewusstseinsnahe Aggravation oder gar bewusste Simulation nicht ausgeschlossen werden, zumal in Bezug auf das aktuelle IV-Verfahren eine klare Anspruchshaltung zu Tage getreten sei. Zudem finde sich eine gewisse Diskrepanz zwischen den mittelschweren neuropsychologischen Funktionsstörungen (kognitive Defizite) und der
angegebenen
Möglichkeit
,
Autofahren zu
lernen (
Urk.
10/178/41-42
;
Urk.
10/178/48
).
Diskrepant sei auch, dass der Beschwerdeführer eine Harn- und Stuhlinkontinenz beklage, aktuell bei der Untersuchung aber keine Einlagen oder
Ä
hnliches trage. Ferner widerspreche das Blutbild seiner Angabe, kein
e
illegalen Drogen zu konsumieren und nur
einmal
wöchentlich ein Bier zu trinken (
Urk.
10/178/47). Zu berücksichtigen sei
indes
, dass der Beschwerdeführer die Beschwerdesituation nicht sehr differenziert schildern könne, sondern maximale Ausdrücke für die Beschwerden benutze. Grundsätzlich sei ein posttraumatischer Kopfschmerz sowie die beschriebene Inkontinenz vorstellbar, die ausgeprägten, ebenfalls beklagten Lumbalgi
en liessen sich dagegen schwer
nachvollziehen (
Urk.
10/178/48).
Auffällig sei auch gewesen, dass der Beschwerdeführer angegeben habe,
aktuell
in regelmässiger psychiatrischer Behandlung mit ein bis zwei Terminen pro Woche zu sein, während die Rückfrage beim genannten Psychiater ergeben habe, dass der Beschwerdeführer lediglich von Mai 2015 bis März 2016 in
psychiatrischer
Behandlung gestanden habe (
Urk.
7/178/48). Eine Behandlung lege artis finde daher nur teilweise statt, weil der Beschwerdeführer in den letzten Monaten keine regelmässige psychologische-psychiatrische Therapie mehr wahrgenommen habe (
Urk.
10/178/46). Diskrepant sei
ausserdem die Angabe zur Menge des gebrauch
ten Antidepressivums: die Menge wäre ungewöhnlich hoch, das Mittel sei im Serumspiegel nur an der Untergrenze des Referenzbereichs nachweisbar gewesen und unklar sei, woher der Beschwerdeführer die Medikation beziehe
n sollte
(
Urk.
10/178/48).
Die Beschwerden und Befunde würden sich jedoch in allen Lebensbereichen auswirken (
Urk.
10/178/48).
Als Ressourcen erkannten die Gutachter die sehr gute Kommunikationsfähigkeit
, eine wohl gegebene Therapieadhärenz, ausserberufliche Fertigkeiten wie Zocken an der Börse, Bastelarbeiten; nicht vorhanden seien die Motivation, ein soziales Umfeld (Familie, Freunde, Kollegen) und nur mässig geordnet sei die Tagesstruk
tur (
Urk.
10/178/43). Es lägen keine relevanten Akten zu Arbeitstrainings
-
oder Haushaltsabklärungen vor. Die in den nicht-medizinischen Akten getroffenen Feststellungen seien aus ihrer gutachterlichen Einschätzung nachvollziehbar.
Die Eingliederungsbemühungen zur kaufmännischen Ausbildung seien wegen kognitiver Funktionsstörungen nicht erfolgreich
verlaufen
. Wiedereingliede
rungsversuche seien derzeit nicht zumutbar (
Urk.
10/178/47).
3.
Dem Schlussbericht Arbeitstraining von
L._,
Psychologe FH, vom 2
5.
September 2015 (
Urk.
10/88) lässt sich entnehmen, dass sich der Beschwer
deführer im Verlauf der in der
C._
vorgängig
d
urchgeführten Mass
nahmen (Potenz
ialabklärung, Belastbarkeitstraining) zwar schwer mit dem Einhalten von Vorgaben und Rahmenbedingungen
getan hatte
, eine Steigerung bei der Präsenz und Fortschritte im Arbeitsve
rhalten feststellbar gewesen
war
en
, weshalb das Arbeitstraining mit klaren Auflagen und Zielsetzungen gestartet
wurde
. Als Ziele formuliert wurden unter anderem eine Festanstellung in gesund
heitlich angepasster Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt mit einem möglichst hohen Arbeitspensum und eine weitere Steigerung der Anwesenheit, idealerweise auf 100
%
, sowie keine unbegründeten Fehlzeiten.
Der geplante Einsatz bestand im internen Bereich in Reparatur- und Unterhaltsarbeiten, Trainieren der kognitiven Fähigkeiten mit dem Programm
Freshminder
, wöchentlichen Einzelgesprächen sowie im
(intern)
Bürozentrum in Form von Postdienst, Ausführen von kleineren administrativen Arbeiten gemäss Vorgabe sowie Aktualisieren des eigenen Bewerbungsdossiers und Verfassen eines Motivationsschreibens.
Zum Arbeitsverhalten wird festgehalten, dass der Beschwerdeführer anfänglich noch motiviert zu sein geschienen habe,
er
aber weiterhin nicht immer pünktlich zur Arbeit
oder den Gesprächsterminen gekommen
und zum Teil unentschuldigt fern
geblieben
sei
. Auffällig sei gewesen, welch grosse Anstrengung es für
ihn
dargestellt habe, sich über eine längere Zeitdauer auf eine Tätigkeit zu
fokussie
ren. Als p
ersönliche Kompetenzen vermerkte
L._
das Interesse für die Bereiche Logistik und Hauswartung, weshalb ihm auch einfache Arbeiten auf diesem Gebiet übertragen worden seien. Vermutlich leide der Beschwerdeführer jedoch stärker unter den Unfallfolgen,
als
dieser wahrhaben wolle. Bei Fragen zu diesem Thema habe er ausweichend reagiert und seine Schwierigkeiten bagatel
lisiert. Hinsichtlich der sozialen Kompetenzen wurde ausgeführt, dass sich der Beschwerdeführer gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeiterinnen meistens freundlich verhalten habe, im Verlauf aber zunehmend misstrauisch, reizbar und impulsiv reagiert habe.
Zusammenfassend hielt
L._
fest, dass der Beschwerdeführer
engagiert in die Massnahme eingestiegen sei, sich aber relativ schnell Schmerzen und körperliche Beschwerden gezeigt hätte. Er sei
weiterhin auf einen eng strukturierten äusseren Rahmen und eindeutige Vorgaben angewiesen.
Der Beschwerdeführer
habe nicht regelmässig am Bewerbungscoaching bei
C._
teilgenommen. Sie hätten ihm einfache Unterhalts- und Reparaturarbeiten im Haus übertragen, worauf
hin
der Beschwerdeführer kritisiert habe
, dies seien keine richtigen Arbeiten und er, wenn er in einer richtigen Firma wäre, schon ar
beiten könne. Deshalb hätten sie
einen Arbeitseinsatz ausserhalb in einem Brockenhaus bzw. im Betriebsunterhalt
der
M._
organisiert. Die Gesprächstermine zur Planung dieser Einsätze habe der Beschwerdeführer vergessen.
Auf Zurechtweisung oder Kritik habe der Beschwerdeführer ungehalten, gekränkt und zum Teil aggressiv
reagiert
. Nach einem solchen Vorfall sei er ohne Abmeldung nicht mehr zur Arbeit erschienen und habe auch nicht auf ihre Versuche zur Kontaktaufnahme reagiert.
Es habe geschienen, wie wenn ihn die körperlichen Schmerzen und Einschränkungen dünnhäutig und reizbarer machen würden. Denkbar sei auch, dass er so dem bevorstehenden Schritt in die Arbeitswelt ausgewichen sei, um sich nicht einge
stehen zu müssen, dass er noch nicht so weit sei. Es sei unklar geblieben, wieweit der Beschwerdeführer durch die Unfallfolgen noch körperlich eingeschränkt sei,
insbesondere
weil er zum Teil nicht gewillt gewesen sei, offen Auskunft zu geben.
4
.
4.1
Gestützt auf das Gutachten vom 2
7.
Mai 2017 (richtig: 2018) ist davon auszuge
hen, dass der Beschwerdeführer in körperlich schweren Arbeiten, wie sie als Maurer/Gipser oder Hilfsarbeiter auf dem Bau auszuführen sind, seit dem Unfall nicht mehr
arbeitsfähig ist
. In einer angepassten (näher umschriebenen) Tätigkeit ist der Beschwerdeführer jedoch aus rein somatischen (neurologischen) Gründen zu 70
%
a
rbeitsfähig. Der neurologische Gutachter begründete dies unter Einbe
zug sämtlicher medizinischer
Vorakten
, eigener
,
eingehender Untersuchungen und seine Schlussfolgerung ist nachvollziehbar.
Daran lassen auch
die während
den
Potenzial- und Aufbau- und Belastbarkeitstrainings gezeigten Leistungen (vgl. auch Schlussbericht vom 1
0.
Dezember 2014, worin gute Leistungen während der Anwesenheit bekundet wurden;
Urk.
10/58/6)
nicht zweifeln
. Die Fachpersonen für die berufliche Eingliederung konnten explizit nicht abschätzen, inwieweit der Beschwerdeführer an objektivierbaren medizinischen Einschrän
kungen leidet (vgl. E. 3 in
fine
).
Ferner führ
ten die behandelnden Ärzte der
B._
im Bericht vom
6.
Februar 2015 (
Urk.
10/67) ebenfalls aus, dass der Beschwerdeführer rein «sitzende» Tätigkeiten genauso wie wechselbelastende Tätigkeiten ganztags verrichten könne. Heben und Tragen könne er körpernah und fern mit einem Gewichtslimit von 5kg. Rein «stehende», vorwiegend im Gehen ausgeübte Tätigkeiten, Über-Kopf-Arb
eiten sowie das Steigen auf Gerü
ste oder Leitern seien nicht mehr möglich, Bücken und Treppensteigen nur einge
schränkt, nicht regelmässig oder ganztags.
Darauf ist abzustellen.
4.2
Soweit die Neuropsychologin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, welche im
konsensualen
Gesamtgutachten übernommen wurde, ist zu vermerken, dass diese quantitative Einschränkung im Teilgutachten auf Umschulungsmass
nahmen, insbesondere im «KV-Bereich» beschränkt formuliert wurde (
Urk.
10/178/90f.).
Sowohl die Neuropsychologin wie
die beteiligten begutach
tenden Ärzte (vgl.
Urk.
10/178/46)
scheinen dem Irrtum verfallen zu sein
, dass
der Beschwerdeführer
(erfolglos bzw. mit Abbruch)
eine kaufmännische Ausbil
dung angetreten habe (vgl.
Urk.
10/178/46)
, was
im Rahmen der Eingliederungs
bemühungen
indes
weder geplant noch in Angriff genommen worden war
(vgl. E. 3)
.
Die Neuropsychologin
selber beurteilte die intellektuelle Leistungsfähigkeit als noch im unteren Durchschnittsbereich liegend mit bildungsentsprechenden Lese-, Schreib-
und Rechenfähigkeiten, was nicht für eine Ausbildung im kaufmännischen Bereich prädestiniert.
Für serielle, einfache körperliche Tätigkei
ten
lässt
sich in den neuropsychologischen Schlussfolgerungen keine Einschrän
kungen
entnehmen
. Solche hat der Beschwerdeführer während der Poten
z
ialerhebung auch zuverlässig und in guter Qualität erledigt (vgl.
Urk.
10/32/3).
Die Neuropsychologin hält
Störungen bei den Lern- und Frischge
dächtnisfunktionen, bei der Umstell- und
Strukturierungsfähigkeit sowie im Aufmerksamkeitsbereich
fest und vermerkt
, dass der Beschwerdeführer die kognitiven Anforderungen seines gewohnten Alltages voll und ganz bewältigen kann (
Urk.
10/178/90).
Das Gutachten vom 2
7.
Mai 2018 vermag daher keine über die körperlichen (neurologischen) Einschränkungen hinausgehende Arbeits
unfähigkeit in quantitativer wie qualitativer Hinsicht aus neuropsychologischer Sicht nachzuweisen.
4.3
4.3
.1
Aus psychiatrischer Sicht wird der Beschwerdeführer als vollständig arbeitsun
fähig er
achtet für jegliche Tätigkeiten
auf dem freien Arbeitsmarkt
, wobei hier Beeinträchtigungen aufgrund des (vermuteten: vgl.
Urk.
10/178/104) miss
bräuchlichen langjährigen Alkoholkonsums sowie der emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ
als ursächlich dargestellt wurden
(E. 2.2.6).
Der Gutachter vermutete, dass diese Einschränkung seit
dem späten Jugendalter bzw. dem frühen Erwachsenenalter,
das heisst sei
t
2003, als der Beschwerdeführer
in
s eigentliche Erwerbsleben
trat,
zu gelten habe.
4.3
.2
Der Beschwerdefüh
rer bringt hiergegen vor, dass
er zwei Schädel
-H
irn
-T
raumas im Jahre 2013 erlitten habe und solche sich auf die Persönlichkeit auswirken könnten. Die Kausalität zum Unfallereignis vom November 2013 sei
naheliegen
der und überwiegend w
ahrscheinlich (
Urk.
1
Ziff.
44). Der behandelnde Psychiater habe denn auch eine organische Persönlichkeitsstörung vermutet (
Urk.
1
Ziff.
30) und habe in Übereinstimmung mit den Feststellungen des
C._
als kausale Ursache eindeutig auf eine hirnorganische bzw. neurolo
gische Verletzung geschlossen (
Urk.
1 Ziffer 32). Der psychiatrische Gutachter habe sich mit der organischen Ursache bzw. den Schädel
-H
irn-Traumas als Ursache der Persönlichkeitsstörung nicht auseinandergesetzt (
Urk.
1
Ziff.
41).
Der Beschwerdeführer habe bei fast allen seinen Einsätzen im
Temporärbereich
in einem vollen Pensum gearbeitet und hätte
durchgehend
in einem 100%-Pensum gearbeitet
, wenn er Arbeit gefunden hätte
(
Urk.
1
Ziff.
52).
4.3
.3
Dem neurologischen Gutachter war anhand des
von ihm zitierten
Austritts
berichts der Klinik für Unfallchirurgie,
A._
, vom 2
2.
März 2013
(
Urk.
10/103/30)
bekannt, dass der Beschwerdeführer anlässlich einer tätlichen Auseinander
setzung am 1
6.
März 2013 ein leichtes Schädel
-H
irn-Trauma m
it
Kalottenfraktu
r
rechts temporal erlitten hat
te
(
Urk.
10/178/70)
.
Diese Kenntnis hatten
alle beteiligten Gutachter, wie die Erwähnung in der interdisziplinär
en Beurteilung ergibt (
Urk.
10/1
78/35).
Ferner
wusste
Dr.
I._
aufgrund Angaben des Beschwerdeführers, dass dieser im Jahre 2008 eine Schädelbasisfraktur mit
Subarachnoidalblutung
erlitten
haben soll
(
Urk.
10/178/76). Anlässlich des Unfalls im November 2013 wurde kein Schädel
-H
irn-Trauma diagnostiziert
(vgl. Austrittsbericht des
A._
vom
1
8.
November
2013 [
Urk.
10/103/45ff.]
sowie der Bericht des Zentrums für Paraplegie des
B._
vom 2
8.
November 2013
[
Urk.
10/103/25
]
)
.
D
as am
6.
November 2013 angefertigte Schädel-CT
ergab
keine Hinweise auf frische intrakranielle Blutung oder frische Frakturen, sondern lediglich alte vorbestehende Fraktu
ren oder Läsionen
(vgl.
Urk.
10/
103/46).
Aufgrund
eigener neurologischer
Untersuchungen von Hirnnerven, Motorik, Koordination und Sensorik sowie elektrophysiologi
schen und e
lektroneuro
graphischen Untersuchungen
(
Urk.
10/178/78-79)
erkannte der neurologische Gutachter die in E.
2.2.1
aufgeführten Diagnosen; eine organische Persönlich
keitsveränderung wurde von ihm nicht diskutiert,
jedoch die
Cephalgien
als möglicherweise traumatisch erachtet. Diese fachärztlichen Feststellungen sind nicht in Zweifel zu ziehen, zumal weder nach 2008 noch März 2013 eine
merk
bare
Änderung
in der Lebensgestaltung
oder gar ein Einbruch im Erwerbsbereich
ausgewiesen ist
und auch der Beschwerdeführer über
eine ungebrochene
Leistungsfähigkeit einschliesslich sportlicher Betätigung bis November 2013 berichtete (
Urk.
10/178/75).
Daran vermögen auch die von der Neuropsychologin angestellten Überlegungen zur möglichen Ätiologie der neuropsychologischen Funktionsstörungen (
Urk.
10/178/90) nichts zu ändern.
Auch dem psychiatrischen Gutachter waren die im März erlittenen Verletzungen bekannt (
Urk.
10/178/95).
Richtig ist, dass
Dr.
K._
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
gestützt auf vage und einsilbige Antworten zur persön
lichen, beruflichen und Krankheitsanamnes
e
stellen musste und daher die diagnostische Beurteilung als nicht einfach
bezeichnete
(
Urk.
10/178/104). Es ist jedoch Sache des Gutachters
,
ein auffallendes Verhaltensmuster bzw. d
ie
von
ihm erhobenen Befunde diagnostisch einzuordnen und
von ihm als möglich erkannte
Differentialdiagnosen zu diskutieren, was
Dr.
K._
getan hat (
Urk.
10/178/103-106). Dabei hat er eine organische Genese (ADHS oder äthyl
toxische Folgeschäden) höchstens als möglich
erwähnt
bzw.
als Differentialdiag
nose
aufgeführt
. Die
diagnostische
Schlussfolgerung des psychiatrischen Gutachters ist nachvollziehbar begründet,
weshalb darauf abzustellen ist, auch wenn der behandelnde Psychiater eine organische Genese behauptet, wobei nicht klar ist, ob und welche medizinischen (Unfall)
akten
ihm hierbei vorlagen, weshalb seine Einschätzung nicht genügt, die
gutachterliche Schlussfolgerung in Frage zu stellen.
Zweifellos ist davon auszugehen, dass eine die Arbeitsfähigkeit
wesentlich
beeinträchtigende Persönlichkeitsstörung mit ihrem krankheitswertigen Auftre
ten, das heisst spätestens im frühen Erwachsenenalter erwerbliche Auswirkungen zeitigt. Dass eine massgebliche psychiatris
ch
begründete Arbeitsunfähigkeit erst seit dem Unfall vom November 2013 aufgetreten sein soll - wie vom Beschwer
deführer behauptet - ist
daher
zu verwerfen.
4.4
Obwohl die Gutachter
sich mit den
von der Rechtsprechung (vgl. BGE 143 V 418, 409, BGE 141 V 281 E. 4.3.1)
erforderlichen Indikatoren auseinandersetzte
n
,
fehlt
bei
der
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
aus psychiatrischer Sicht eine Ausei
nandersetzung mit und
Einordnung bzw. Gewichtung
der
wiederholt festgestell
ten Diskrepanzen, die als mögliche Aggravation festgehalten wurden, wobei auch Simulation nicht auszuschliessen war
(
Urk.
10/178/102
;
Urk.
10/178/41,
Urk.
10/178/48
)
.
Immerhin
war der Beschwerdeführer trotz
diagnostizierter
Persönlichkeitsstörung vor dem Unfall in der Lage, ein
offenbar seinen Lebens
unterhalt deckendes
Erwerbseinkommen zu erzielen
, wenn auch nie
über einen längeren Zeitraum
als
einige Monate (vgl.
Urk.
10/1
0
), weshalb die Einschätzung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit nicht zu überzeugen v
ermag.
Aus welchen Gründen
es dem Beschwerdeführer als ausgebildeter Baufacharbeiter während zehn Jahre nicht gelang, eine unbefristete Stelle zu erhalten oder zu behalten, ob hierfür allenfalls nicht nur Aspekte der Persönlichkeitsstörung, sondern auch der nicht krankheitsbeeinflusste Wille
und die Lebensplanung
des Beschwerdeführers
kausal gewesen
sind
, muss offen
bleiben.
Als höchst unwahrscheinlich sind wirtschaftliche Gründe anzunehmen angesichts der Dauer der Teilarbeitslosigkeit, des jugendlichen Alters, der Ausbildung und des grundsätzlichen
Fachkräfteman
gels
.
Der psychiatrische Gutachter selbst hielt eine schwierige Exploration mit äusserst dürftigen und vagen Angaben fest, was seine Einschätzung der Arbeits
unfähigkeit
, jedenfalls
in
masslicher
Hinsicht,
mit Unsicherheiten behaftet
erscheinen lässt.
Eine mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesene vollständige Arbeitsunfähigkeit kann
daher nach dem Gesagten
nicht angenommen werden.
4.5
Zusammenfassend
ist entweder mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im psychiatrisch eingeschränkten Ausmass der Erwerbsunfähigkeit
(bei gutachterlich attestierte
r
vollständiger Arbeitsunfähig
keit aus psychiatrischer Sicht)
seit seiner Einreise in die Schweiz als
rentenan
spruchsrelevant
invalid zu betrachten ist und
sich hieran nichts geändert hat.
Diesfalls
wäre der Versicherungsfall in einem Zeitpunkt eingetreten, als die erforderliche
Mindestbeitragsdauer noch nicht geleistet worden war,
weshalb ein Rentenanspruch aufgrund der fehlenden Beitragszeit zu verneinen
wäre
(vgl. hierzu Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_692/2018, 8C_93/2017 vom 3
0.
Mai 2017, 9C_592/2015 vom
2.
Mai 2016, 8C_721/2013 vom
4.
März 2014,
I 76/05 vom 3
0.
Mai 2006
)
.
Oder es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ohne seinen Unfall im November 2013
sich
weiterhin mit sporadische
n
Einsätzen und entsprechend tieferem Erw
erbseinkommen begnügt hätte
(vgl. hierzu Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Aufl. 2014,
Rz
. 71 zu
Art.
28a IVG
mit Hinweisen)
, weshalb trotz hinzugetretener neurologi
scher Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht kein rentenbe
gründender Invaliditätsgrad resultiert. Hinsichtlich Einzelheiten
dieser
Invalidi
tätsbemessung kann auf die zu keinen Beanstandungen Anlass gebenden Berechnungen der Beschwerdegegnerin verwiesen werden (
Urk.
10/
202/1-3), wobei aus rein somatischer (neurologischer) Sicht von eine
r
quantitativ
70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen wäre.
Selbst unter der Annahme, dass mit dem Unfall vom November 2013 und den hieraus folgenden
neuen
qualitativen und quantitativen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ein neuer Versicherungsfall eingetreten ist
(
vgl. hierzu:
Urteil
e des Bundesgerichts
9C_592/2015 vom
2.
Mai 2015 E. 3.2 mit Hinweis
e
n
;
Meyer
/
Reichmuth
,
a.a.O.,
Rz
. 138 zu
Art.
4 IVG),
liesse sich keine rentenbegrün
dende Invalidität berechnen. Der Beschwerdeführer hatte im Zeitpunkt des Unfalles eine befristete Stelle inne und
übte die verschiedensten Berufe aus,
weshalb sowohl beim Validen- wie beim
Invalideneinkommen von Tabellen
löhne
n
gemäss der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Lohnstruk
turerhebung (LSE) auszugehen wäre. Die ausgewiesene und neu hinzugetretene Arbeitsunfähigkeit von 30
%
ergäbe keinen Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
(vgl. E. 1.3)
.
5.
Nach diese
n
Erwägungen besteht die angefochtene Verfügung vom 1
2.
Februar 2019 zu Recht, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
6
.1
Bei hier gegebener Streitigkeit
um IV-Leistungen ist das Verfahren entgegen
Art.
61 lit. a ATSG kostenpflichtig (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Die Kosten sind inner
halb des vorgegebenen Rahmens auf
Fr.
800.-- festzusetzen und dem unterlie
genden
Beschwerdeführer aufzuerlegen. Aufgrund der Bewilligung zur unentgeltlichen Prozessführung sind die Kosten aber vorläufig auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
6.2
Der zum unentgeltlichen Rechtsbeistand bestellte Vertreter, Rechtsanwalt Christoph
Erdös
, Zürich, reichte keine Kostennote ein, weshalb die Entschädigung ermessensweise festzusetzen ist
(vgl. Verfügung vom
9.
Juli 2019 Dispositiv Ziffer 4;
Urk.
11)
. Unter Berücksichtigung der Schwierigkeit des Prozesses, des Umfang
s
der zu berücksichtigenden Akten, der
im Verwaltungsverfahren
gewonnenen
Vorkenntnis, des notwendigen Aufwandes sowie des gerichtsüblichen Ansatzes von
Fr.
220.-- (
zuzügl
.
MWSt
) ist die Entschädigung auf
Fr.
2'600.-- festzusetzen und aus der Gerichtskasse zu entrichten.
6.3
Der
Beschwerdeführer ist darauf aufmerksam zu machen, dass gemäss
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (GSVGer) eine Partei, der die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde, zur Nachzahlung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.