Decision ID: f866794a-fc98-5476-ac6c-c3605c4f6dd3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ war in einem Teilpensum von 40 % als B._ und C._ tätig gewesen und
hatte im Übrigen bei einem Invaliditätsgrad von 60 % eine Dreiviertelsrente der
Invalidenversicherung wegen eines chronischen fibromyalgischen Syndroms bezogen.
Am 13. Mai 2006 hatte er in D._ einen Auffahrunfall erlitten (vgl. Gutachten der
Gutachterstelle Solothurn für interdisziplinäre Begutachtungen vom 6. März 2012, UV-
act. M 124 unten; Rapport der D._er Polizei vom 19. Juni 2006, UV-act. M 11). Für
die unfallversicherungsmässige Bewältigung der Unfallfolgen (vorbestehender
leichtgradiger, durch den Unfall dekompensierter schwerer bis sehr schwerer Tinnitus)
waren wiederholt Streitigkeiten zwischen dem Versicherten und seiner
Unfallversicherung, der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft
(nachfolgend: Mobiliar), durch Gerichte zu beurteilen. Bis 2014 waren die Entscheide
UV 2010/22 vom 9. März 2011 (UV-act. 203) und UV 2013/1 vom 29. Oktober 2013
(UV-act. 352) des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen und das Urteil
8C_24/2014 vom 12. Juni 2014 des Bundesgerichts (UV-act. 359) ergangen.
A.a.
In einem weiteren, 2015 beim Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
anhängig gemachten Verfahren war streitig, ob nach der auf den 31. Dezember 2007
A.b.
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erfolgten Einstellung der im Anschluss an den Unfall vom 13. Mai 2006 erbrachten
Geldleistungen ein Anspruch auf eine Rente im Sinn von Art. 18 des Bundesgesetzes
über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) entstanden sei. Im Entscheid UV
2015/23 vom 27. September 2016 (UV-act. 387) hielt das Versicherungsgericht in
Bezug auf die prozessuale Situation fest, dass die Mobiliar im Rahmen des Erlasses
des angefochtenen Einspracheentscheids vom 7. April 2015 (UV-act. 377) und der
diesem zugrundeliegenden Verfügung vom 8. Dezember 2014 (UV-act. 369) an die
materiellen Vorgaben der erwähnten (Rückweisungs-)Entscheide vom 9. März 2011
und 29. Oktober 2013 gebunden gewesen sei. Dieselbe Bindungswirkung habe
gemäss den Darlegungen des Bundesgerichtes im genannten Urteil 8C_24/2014 für
das Versicherungsgericht beim Erlass des Entscheids vom 29. Oktober 2013
bestanden und bestehe auch im aktuellen Beschwerdeverfahren. Im
(Rückweisungs-)Entscheid vom 9. März 2011 habe das Versicherungsgericht die
materielle Teilfrage der Unfallkausalität des Tinnitus beurteilt. Es habe erkannt, dass
der beim Versicherten bereits vor dem Unfall bestehende kompensierte Tinnitus durch
den Unfall zu einem dekompensierten Tinnitus geworden sei und der Versicherte somit
diesbezüglich unter einer unfallkausalen Gesundheitsstörung leide, welche im Rahmen
der Rentenprüfung zu berücksichtigen sei. Als Folge des Entscheids vom 9. März 2011
habe die Mobiliar die Gutachterstelle Solothurn mit der Erstellung eines
interdisziplinären Gutachtens zur ergänzenden medizinischen Beurteilung der
unfallbedingten Arbeitsunfähigkeit unter Einbezug der psychiatrischen Aspekte
beauftragt. Die Gutachter seien zum Schluss gekommen, dass beim Versicherten auch
an einem optimalen Arbeitsplatz (ruhige und entspannte Atmosphäre mit der
Möglichkeit, die akustische Umgebung selber beeinflussen zu können) aufgrund des
Tinnitus eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Unter solchen
Bedingungen sei ein Arbeitspensum von 30 bis 50 % zumutbar, weil dem Versicherten
so genügend Raum zur Erholung geboten würde. Gestützt auf diese gutachterliche
Einschätzung habe das Versicherungsgericht im Entscheid vom 29. Oktober 2013
bindend eine Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit von 40 % (Mittelwert
der angegebenen Bandbreite) bestimmt. Die Mobiliar habe in der Verfügung vom 8.
Dezember 2014 und im Einspracheentscheid vom 7. April 2015 auf diese
Arbeitsfähigkeit abgestellt. Das Versicherungsgericht habe schliesslich im Entscheid
vom 29. Oktober 2013 bindend den im Zusammenhang mit der Invaliditätsbemessung
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materiellrechtlichen Teilaspekt geregelt, dass von einem Fallabschluss im Sinn von Art.
19 Abs. 1 UVG als Voraussetzung für die Rentenprüfung nach dem 31. Dezember 2007
habe ausgegangen werden dürfen. Zusammenfassend sei also festzustellen, dass die
Mobiliar im Rahmen des angefochtenen Einspracheentscheids im Zusammenhang mit
dem streitigen Rentenanspruch nur noch den damit zwingend zusammenhängenden
Einkommensvergleich habe vornehmen dürfen oder müssen. Im Übrigen habe sie sich
an die erwähnten Vorgaben zu halten gehabt.
Zu diesem Einkommensvergleich führte das Versicherungsgericht im Entscheid
vom 27. September 2016 aus, dass die Sonderregelung von Art. 28 Abs. 3 der
Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) über die Bestimmung des
Invaliditätsgrades bei versicherten Personen, deren Leistungsfähigkeit aufgrund einer
nicht versicherten Gesundheitsschädigung vor dem Unfall dauernd herabgesetzt war,
zur Anwendung gelange. Dem Valideneinkommen 2006 aus der 40 %-Tätigkeit als
B._ und C._ legte es den von der Arbeitslosenversicherung angenommenen
versicherten Verdienst von Fr. 32'724.-- zugrunde. Bezüglich des Invalideneinkommens
berücksichtigte das Versicherungsgericht das erwähnte Zumutbarkeitsprofil
(Arbeitsplatz in ruhiger und entspannter Atmosphäre mit der Möglichkeit, die
akustische Umgebung selber beeinflussen zu können). Es kam zum Schluss, dass die
Mobiliar zu Unrecht davon ausgegangen sei, dem Versicherten sei ein Arbeitspensum
von 40 % in der angestammten Funktion eines C._s möglich, da das Pflichtenheft
offenkundig regelmässige Unterhaltung und häufiges Telefonieren mit Eltern, Behörden
und Jugendlichen umfasse und den ärztlichen Adaptionskriterien somit keine
Rechnung trage. Der Auswahl der verschiedenen anderen Berufsfelder, welche die
Mobiliar als realistische Einsatzmöglichkeiten für den Versicherten bezeichne (Lektor,
Buchhaltung, Rechnungswesen, PC-Arbeiten, pädagogische Arbeit mit
Einzelgesprächen, Begleitung von einzelnen Familien), lägen keine spezifischen
Abklärungen zugrunde. Weiter hielt das Gericht fest, dass ihm ähnlich einem
berufsberaterischen Laien die fachspezifischen Kenntnisse fehlten, um beurteilen zu
können, welche Fähigkeiten der Beruf des Lektors voraussetze, welche Arbeiten er
umfasse und ob der Versicherte dafür die notwendigen Voraussetzungen mitbringe. Die
Berufsfelder Buchhaltung, Rechnungswesen und PC-Arbeiten seien sehr allgemein
gehalten. Die Mobiliar lege in keiner Weise dar, welche Arbeiten der Versicherte darin
A.c.
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ausüben müsste oder könnte. Ob er - wie von der Mobiliar angenommen - fähig wäre,
in diesen Bereichen einen Arbeitsplatz im Anforderungsniveau 1 und 2 (Verrichtung
höchst anspruchsvoller Arbeiten bzw. Verrichtung selbständiger und qualifizierter
Arbeiten) einzunehmen, sei kaum vorstellbar. Es erscheine eher abwegig, dass er allein
mit einer vor Jahrzehnten abgeschlossenen Handelsschule für diese
Anforderungsniveaus qualifiziert sein könnte. Hinsichtlich der Berufsfelder
pädagogische Arbeit mit Einzelgesprächen und Begleitung von einzelnen Familien sei
schliesslich absolut unklar, um welche Tätigkeiten es sich dabei handeln sollte oder wie
eine solche Arbeitsstelle aussehen könnte. Insofern sei auch ungeklärt, ob es solche
Stellen überhaupt gebe. Zusammenfassend sei festzuhalten, dass es dem Gericht
anhand der vorliegenden Akten nicht möglich sei, einen Einkommensvergleich mit
einem im Rahmen einer aufgrund der unfallkausalen Restfolgen zumutbaren Tätigkeit
erzielbaren Invalideneinkommen durchzuführen. Für eine sorgfältige Festlegung des
Invalideneinkommens sei eine Exploration durch eine Fachperson aus dem Bereich
Berufsberatung erforderlich, die ausführlich aufzeige, welche Tätigkeiten genau
(inklusive Anforderungsniveau) der Versicherte in bestimmten Berufsbereichen mit
seinem Tinnitus aufgrund seiner Ausbildung und seines Werdegangs bis zum Unfall
zumutbar seien. Das Versicherungsgericht hob deshalb den angefochtenen
Einspracheentscheid vom 7. April 2015 auf und wies die Angelegenheit zur Prüfung des
Rentenanspruchs des Versicherten ab Januar 2008 im Sinn der Erwägungen und zu
neuer Verfügung an die Mobiliar zurück (Entscheid vom 27. September 2016, UV
2015/23, UV-act. 387).
Diese holte in der Folge mit Schreiben vom 6. Januar 2017 eine Beurteilung durch
die Berufsberatung der IV-Stelle St. Gallen ein (UV-act. 397). Mit Stellungnahme vom
27. Februar 2017 hielt diese fest, aus Sicht der Eingliederungsberatung sei dem
Versicherten eine Teilzeittätigkeit als C._/Co-Leiter zumutbar. Weil Internate in der
Regel über ein Sekretariat verfügten und bei einem 40 %-Pensum eine weitere
Internatsleitung eingesetzt sein müsste, könnten die verschiedenen Arbeiten den
Ressourcen angepasst werden. Der Versicherte würde vermehrt Arbeiten wie das
Erstellen von Konzepten, die Erstellung und die Kontrolle von Budgets, die Erstellung
und das Nachführen von Statistiken, qualifizierte Aufgaben im Bereich der personellen
Leitung (Absenzenkontrolle, Erstellung von Arbeitszeugnissen), die Erstellung der Lehr-
A.d.
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B.
Ein Schreiben von Rechtsanwältin Franziska Amman, MLaw, St. Gallen, vom 6. April
2017, womit die Stellungnahme der Eingliederungsberaterin als im Widerspruch zu den
gerichtlichen Vorgaben im Entscheid vom 27. September 2016 stehender
Gefälligkeitsbericht bezeichnet und gerügt wurde, dass die Mobiliar ihrer
Abklärungspflicht nach wie vor nicht nachgekommen sei (UV-act. 411), erachtete diese
als Einsprache gegen die erwähnte Verfügung (vgl. UV-act. 412). Tatsächlich erhob die
Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 22. Mai 2017 Einsprache. Sie hielt fest, die
eingeholte Stellungnahme erschöpfe sich nach wie vor in der Aufzählung verschiedener
Möglichkeiten von Berufsfeldern, ohne dass jedoch Abklärungen getätigt worden seien,
geschweige denn dargelegt werde, auf welche Abklärungen sich die Auswahl abstütze
bzw. insbesondere inwiefern die Abklärungsergebnisse im Falle des Versicherten
passen würden. Es sei eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit oder eine
berufliche Abklärung in der Rehabilitationsklinik Bellikon durchzuführen (UV-act. 422).
Am 27. April 2018 unterbreitete die Mobiliar der Leiterin Human Resources des E._
ausgewählte anonymisierte Akten zum Fall zur Stellungnahme (UV-act. 427). Diese kam
am 4. Mai 2018 zum Schluss, der Versicherte verfüge nicht über die Kernkompetenzen,
um eine Internats- oder Schulleitung wahrnehmen zu können. Möglich sei ihm das
Begleiten und Coachen von jungen Lehrkräften an einer pädagogischen Hochschule
oder die Arbeit als Lektor oder als (Mit-)Autor von Lehrmitteln (UV-act. 428). Die
Rechtsvertreterin erkundigte sich am 17. Juli 2018 nach dem Verfahrensstand (UV-act.
430), worauf ihr die Mobiliar die Stellungnahme vom 4. Mai 2018 zukommen liess und
und Stundenpläne, die inhaltliche Gestaltung der Unterrichtsunterlagen, Aufgaben im
Bereich der Qualitätssicherung, die Erstellung von Berichten und Anträgen usw.
übernehmen und die zweite Person könnte Arbeiten, welche höhere Anforderungen an
die Kommunikation stellten, abdecken. Solche Co-Leitungen seien in diesem Bereich
nicht selten, da es einer einzigen Person oft nicht möglich sei, die qualifizierten
vielschichtigen Aufgaben allein zu bewältigen (UV-act. 402 f.). Dieses
Abklärungsergebnis eröffnete die Mobiliar der Rechtsvertretung des Versicherten mit
Schreiben vom 8. März 2017 und hielt fest, bei dieser Konstellation erübrige sich ein
Einkommensvergleich. Weder ein Taggeld noch eine Rente sei geschuldet (UV-act.
406). Am 5. April 2017 erliess sie eine entsprechende Verfügung (UV-act. 409).
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mitteilte, der Erlass des Einspracheentscheids werde geprüft (UV-act. 431). Dieser
erging schliesslich am 20. November 2018. Die Einsprache wurde in Bestätigung der
Verfügung vom 5. April 2017 bei einem Invaliditätsgrad von maximal 7,5 % abgewiesen
(UV-act. 433).
C.
Gegen den Einspracheentscheid vom 20. November 2018 richtet sich die Beschwerde
vom 4. Januar 2019 mit dem Antrag, dieser und die ihm zugrunde liegende Verfügung
vom 5. April 2017 seien aufzuheben und dem Versicherten (nachfolgend:
Beschwerdeführer) seien weiterhin Leistungen für die Folgen des Verkehrsunfalls vom
13. Mai 2006 zuzusprechen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten
der Mobiliar (nachfolgend: Beschwerdegegnerin). Zur Begründung führt die
Rechtsvertreterin im Wesentlichen an, die eingeholten Stellungnahmen entsprächen
keinen spezifischen Abklärungen über dem Beschwerdeführer noch zumutbare
Tätigkeiten inklusive Anforderungsniveaus, wie sie das Versicherungsgericht verlangt
habe. Sie stellten, ohne dass der Beschwerdeführer dazu befragt worden sei, lediglich
subjektive Annahmen und zusammenhangslose Aufzählungen dar, die sich zudem
diametral widersprechen würden. Der gestützt darauf durchgeführte
Einkommensvergleich entbehre daher von vorneherein jeder Rechtsgrundlage und sei
im Ergebnis falsch (act. G 1). Mit Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2019 liess die
Beschwerdegegnerin, vertreten durch Rechtsanwältin Barbara Künzi-Egli, Muri bei
Bern, die Abweisung der Beschwerde beantragen. Sie begründet dies im Wesentlichen
damit, dass angesichts des Alters des Beschwerdeführers die Eingliederungsfrage nur
theoretisch sei und deshalb eine persönliche Abklärung nicht angezeigt gewesen sei.
Bei den Stellungnahmen handle es sich weder um Annahmen noch seien sie
widersprüchlich. Es handle sich um in Kenntnis der medizinischen Gegebenheiten und
der Ressourcen des Beschwerdeführers abgegebene Einschätzungen zweier
erfahrener Berufsberaterinnen. Der Beschwerdeführer sei zu 40 % erwerbsfähig in einer
angepassten Teilzeitstelle als C._-Co-Leiter oder Lektor, bei der er nicht
kommunikative, andere Arbeiten ausführe (act. G 5). Mit Replik vom 15. August 2019
(act. G 13) und Duplik vom 10. September 2019 (act. G 15) halten die Parteien an ihren
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Rechtsbegehren fest. Zu den näheren Ausführungen in den Rechtsschriften wird,
soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist weiterhin der Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab
dem 1. Januar 2008. Da gemäss den Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25.
September 2015 betreffend die am 1. Januar 2017 in Kraft getretenen revidierten
Bestimmungen des UVG und der UVV Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor
diesem Zeitpunkt ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt
ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden, bleibt die massgebliche
Rechtslage gegenüber derjenigen, wie sie zur Zeit des Erlasses der Entscheide des
Versicherungsgerichtes vom 9. März 2011, 29. Oktober 2013 und 27. September 2016
gegolten hat, unverändert, nachdem sich der Unfall, um den es hier geht, bereits am
13. Mai 2006 ereignet hatte. Es kann deshalb auf die allgemeinen rechtlichen
Darlegungen in diesen Entscheiden verwiesen werden. Wie in den Ausführungen zum
Sachverhalt dargelegt, ist im vorliegenden Verfahren einzig noch die Frage zu klären,
ob sich das Invalideneinkommen nach den zusätzlichen Abklärungen der
Beschwerdegegnerin nun rechtsgenüglich bemessen lässt, sodass der für die
Ermittlung des Invaliditätsgrades erforderliche Einkommensvergleich durchgeführt und
der Rentenanspruch beurteilt werden kann.
2.
In Erwägung 4.5.3 des Entscheides vom 27. September 2016 führte das
Versicherungsgericht folgendes aus: "Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es dem
Gericht anhand der vorliegenden Akten nicht möglich ist, einen Einkommensvergleich
mit einem dem Beschwerdeführer im Rahmen einer aufgrund seiner unfallkausalen
Restfolgen zumutbaren Tätigkeit erzielbaren Invalideneinkommen durchzuführen."
Alsdann zeigte es auf, wie die Beschwerdegegnerin weiter vorzugehen hat: "Für eine
sorgfältige Festlegung des Invalideneinkommens ist eine Exploration durch eine
Fachperson aus dem Bereich Berufsberatung erforderlich, die ausführlich aufzeigt,
welche Tätigkeiten genau (inkl. Anforderungsniveau) dem Beschwerdeführer in
bestimmten Berufsbereichen mit seinem Tinnitus aufgrund seiner Ausbildung und
seines Werdegangs bis zum Unfall zumutbar sind." Hinsichtlich Ausbildung und
Werdegang verwies das Gericht auf eine Passage im Gutachten der Gutachtenstelle
2.1.
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Solothurn vom 6. März 2012 (UV-act. M 119, M 118), worin der Beschwerdeführer dem
neuropsychologischen Experten seine schulische und berufliche Entwicklung
schilderte.
Gemäss Art. 43 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) prüft der Versicherungsträger die
Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die
erforderlichen Auskünfte ein. Die Bestimmung erwähnt als Beweismittel lediglich
Auskünfte. Die Beschwerdegegnerin hat sich dafür entschieden, schriftliche Auskünfte
einzuholen, was jedenfalls zulässig war (Ueli Kieser, Kommentar zum Bundesgesetz
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. 2020, Art. 43 N 32)
und mit Blick auf die gerichtliche Abklärungsvorgabe auch sinnvoll erscheint. Auf der
Suche nach einer geeigneten Auskunftsperson wandte sie sich zuerst an die IV-Stelle,
welche im Rahmen von Massnahmen der Frühintervention (Art. 7d Abs. 2 lit. d des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]) und von
Massnahmen beruflicher Art (Art. 15 IVG) Berufsberatung anbieten kann oder sogar
muss, sodass sie notwendigerweise über die erforderliche Fachkompetenz verfügt.
Auch dies lässt sich also nicht beanstanden. Insbesondere ist nicht zu erkennen,
weshalb es der Auskunft erteilenden Eingliederungsberaterin gegenüber dem
Beschwerdeführer an Unabhängigkeit gefehlt haben sollte. Die diesbezügliche
Unterstellung in der Beschwerdeschrift erscheint schon aufgrund des Alters des
Beschwerdeführers, der tatsächlich keiner Berufsberatung mehr bedarf, aus der Luft
gegriffen. Auch die zweite Person, die um eine schriftliche Auskunft angegangen
wurde, weist als Leiterin Human Resources am E._ fraglos die für die geforderte
Beurteilung notwendige Fachkompetenz auf. Dass die beiden Expertinnen ihre
Stellungnahmen abgaben, ohne den Beschwerdeführer gesehen oder befragt zu
haben, schmälert den Beweiswert derselben nicht. Denn einerseits handelte es sich
ohnehin um eine retrospektive theoretische Beurteilung, zu welcher der
Beschwerdeführer selber nichts beitragen konnte. Andererseits mussten die
Expertinnen ihre Einschätzungen bezogen auf die rein unfallbedingte Beeinträchtigung
des dekompensierten Tinnitus abgeben und den tatsächlichen gesamthaften
Gesundheitszustand eben gerade ausblenden, was ohne persönlichen Einbezug des
Beschwerdeführers zweifellos möglich und wahrscheinlich sogar einfacher war. Auch
die Tatsache, dass den Expertinnen lediglich ein ausgewählter Auszug aus den Akten
zur Verfügung gestellt wurde, wertet deren Stellungnahmen nicht von vorneherein ab.
Es ist nicht ersichtlich, welcher Erkenntnisgewinn entstanden wäre, hätten sie auf die
gesamten Akten zugreifen können, zumal letztere zum grössten Teil keinen
Zusammenhang mit der zu klärenden Frage des zumutbaren Invalideneinkommens
2.2.
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3.
Folglich ist zu prüfen, ob die Stellungnahmen der Expertinnen den gerichtlichen
Anforderungen in inhaltlicher Hinsicht zu genügen vermögen. Der Beschwerdeführer
lässt bemängeln, dass es sich dabei um zusammenhangslose Aufzählungen von
Berufsfeldern handle, welche einer ausführlichen berufsberaterischen Exploration nicht
genügten (act. G 1 Rz 3 ff.).
haben. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers benennt denn auch keine
konkreten Aktenstücke, welche für die geforderte Beurteilung nötig gewesen wären,
den Expertinnen aber nicht zur Verfügung gestanden hätten. Sodann mindert auch die
- an sich durchaus berechtigte - Kritik, dass die Stellungnahmen von der
Beschwerdegegnerin mit grosser zeitlicher Verzögerung und lediglich nach jeweiligen
Erkundigungen der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eingeholt wurden, deren
Beweiswert nicht. Schliesslich kann offenbleiben, ob die Beschwerdegegnerin
dadurch, dass sie den Beschwerdeführer lediglich über das Ergebnis der Abklärungen
orientierte und ihn nicht darüber vorinformierte oder gar darin einbezog, dessen
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzte. Denn selbst wenn dies bejaht werden
könnte, wäre eine allfällige Verletzung als in diesem Gerichtsverfahren geheilt zu
betrachten (vgl. dazu BGE 132 V 390 E. 5.1 mit Hinweisen). In diesem Zusammenhang
ist allerdings darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin der Rechtsvertreterin
des Beschwerdeführers die Stellungnahme der Leiterin Human Resources am E._ vor
Erlass des Einspracheentscheids am 18. Juli 2018 zugestellt hatte (UV-act. 431). Diese
liess sich dazu am 25. Juli 2018 vernehmen. Dabei rügte sie weder die Wahl der
Expertin noch stellte sie Zusatzfragen (UV-act. 432). Vor diesem Hintergrund erscheint
ohnehin fraglich, ob die Gehörsrügen berechtigt und nicht vielmehr verspätet oder
treuwidrig sind.
Die sachbearbeitende Mitarbeiterin der Sozialversicherungsanstalt, welche die
Anfrage der Beschwerdegegnerin vom 9. Januar 2017 (gemeint wohl: 6. Januar 2017
[vgl. UV-act. 397]) am 14. Februar 2017 bearbeitete und die von der
Eingliederungsberaterin zu beantwortenden konkreten Fragen formulierte, hat den
Wissensbedarf des Versicherungsgerichts, wie er aus der Erwägung 4.5 des
Entscheides vom 27. September 2016 abgeleitet werden kann, sehr eng interpretiert.
Die Eingliederungsberaterin hat sich in ihrer Stellungnahme vom 27. Februar 2017 in
der Folge auf die vom Beschwerdeführer in den bisherigen Tätigkeiten gewonnene
breite Erfahrung und die im Rahmen seiner vielfältigen Aufgaben erworbenen
praktischen Fähigkeiten und theoretischen Kenntnisse berufen. Sodann fokussierte sie
3.1.
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aber ausschliesslich auf eine Teilzeittätigkeit als C._, welche ihm in der Form einer
Co-Leitung zusammen mit einer weiteren, ebenfalls für die Internatsleitung
verantwortlichen Person zumutbar sei. Diese Person hätte in erster Linie diejenigen -
vor allem kommunikativen - Bereiche abzudecken, welche dem Beschwerdeführer
wegen des dekompensierten Tinnitus nicht möglich seien (UV-act. 402). Dieser Fokus
greift tatsächlich zu kurz, schon weil - nicht zuletzt auch aufgrund der Stellungnahme
der Leiterin Human Resources des E._ vom 4. Mai 2018 (act. UV-act. 428) -
bezweifelt werden muss, dass der Beschwerdeführer die für eine C._-leitung
erforderlichen Voraussetzungen und gesetzlichen Vorgaben erfüllt. Denn es erscheint
jedenfalls nachvollziehbar, dass er sich entsprechende Kompetenzen nie wirklich
aneignen konnte, selbst wenn er im Unfallzeitpunkt im Rahmen seines Teilzeitpensums
nebst der Lehrtätigkeit teilweise auch Aufgaben in der C._-leitung wahrgenommen
hatte. Jedenfalls äussert sich die Eingliederungsberaterin nicht im Detail zu den
einschlägigen, tatsächlich verwertbaren Kompetenzen und es ist auch nicht ersichtlich,
dass sie entsprechende Abklärungen gemacht hat. Nach dem Gesagten kann das
massgebliche Invalideneinkommen nicht aufgrund einer Teilzeittätigkeit als C._ in
einer Co-Leitung festgesetzt werden.
Damit bleibt zu prüfen, ob auf die besagte Stellungnahme der Leiterin Human
Resources des E._ vom 4. Mai 2018 abgestellt werden kann. Darin hat sich die
Expertin zur Kontaktnahme durch die Beschwerdegegnerin und zu ihrer eigenen
Person, namentlich zu ihrem beruflichen Erfahrungshintergrund, geäussert. Weiter hat
sie, wenn auch teilweise in kurzer und geraffter Form, einige der zur Verfügung
gestellten Dokumente kommentiert. Gestützt darauf hat sie in Kenntnis der
medizinischen Situation, wie sie aus einem Auszug aus dem Gutachten der
Gutachtenstelle Solothurn vom 6. März 2012 und dem Entscheid des
Versicherungsgerichts vom 27. September 2016 hervorgeht, sowie der angefochtenen
Verfügung und der Einsprache die möglichen Arbeitsfelder bezeichnet. Wenn sie
festhält, dass sich der Beschwerdeführer durch seine Fähigkeiten im
zwischenmenschlichen Bereich auszeichne, indem es ihm gelungen sei, Vertrauen
aufzubauen und den Zugang zu den jungen Menschen in der Lehre im Rahmen des
Unterrichts zu finden, so leuchtet das angesichts der Aktenlage ohne Weiteres ein.
Auch die konkreten Einsatzmöglichkeiten, welche die Expertin benennt, nämlich das
Begleiten von jungen Lehrkräften an einer pädagogischen Hochschule, indem er sie
coacht und in der Funktion eines Projektverantwortlichen an seiner Erfahrung teilhaben
lässt, oder dass er als Lektor oder als (Mit-)Autor in einem Lehrmittelverlag arbeiten
könnte, sind nachvollziehbar. Dieser Einschätzung kommt besonderes Gewicht zu, weil
sie von einer Expertin mit spezifischen Kenntnissen von Tätigkeiten und den
3.2.
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4.
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 20. November 2018 hat die
Beschwerdegegnerin die Invalideneinkommen für die von der zuletzt genannten
Expertin als zumutbar erachteten Tätigkeiten ermittelt. Sie hat sowohl die Tätigkeit als
Coach (Projektverantwortlicher), welche sie als Projektleiter/Lehrbeauftragter an einer
pädagogischen Hochschule qualifizierte, als auch jene als Lektor (Autor) nach der
International Standard Classification of Occupations - ISCO 08 den akademischen
Berufen zugeordnet. Ob die Zuordnung zur Ziffer 231 "Universitäts- und
Hochschullehrer" und Ziffer 264 "Autoren, Journalisten, Linguisten" zutrifft oder ob
besser eine Zuordnung zu den Ziffern 235 "Sonstige Lehrkräfte" und 263
"Sozialwissenschaftler, Geistliche, Seelsorger" gepasst hätte, kann dahingestellt
bleiben. Dass es sich bei den zumutbaren Tätigkeiten um akademische Berufe handelt,
ist jedenfalls korrekt. Das gilt auch für die Zugrundelegung der TA7 der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE), welche den privaten und öffentlichen
Sektor umfasst. Geht man zugunsten des Beschwerdeführers davon aus, dass er
lediglich Arbeiten im Anforderungsniveau 3 erledigen kann, welche nicht nur einfache
und repetitive Tätigkeiten, sondern immerhin die zweifellos vorhandenen Berufs- und
Fachkenntnisse voraussetzen, dann ergibt sich ein monatlicher Bruttolohn, wie von der
Beschwerdegegnerin anhand TA7 2006 ermittelt und auf das Jahr 2008 aufgewertet,
von Fr. 30'277.-- (vgl. Dienstleistungen [gesamt], worunter die in Frage stehenden
Tätigkeiten zweifellos subsummiert werden können [Fr. 5'900.-- : 40 x 41,6 x 12 =
Fr. 72'632.-- : 100 x 102,8 x 40 %]). Der Beschwerdeführer hat gegen diese
Berechnung substantiiert nichts einwenden lassen. Mit ihr sind allfällige
Konkurrenznachteile, die den Beschwerdeführer auf dem ihm offenstehenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt treffen könnten, genügend berücksichtigt. Ein
diesbezüglichen Anforderungen im Bildungsbereich abgegeben wurde, welche in ihrer
gegenwärtigen berufsbildnerischen Leitungsfunktion und aufgrund ihrer früheren
praktischen Lehrtätigkeit mit den dortigen Verhältnissen bestens vertraut erscheint.
Daran ändert nichts, dass die Expertin einräumt, mit ihrer Einschätzung nicht den
Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Nachdem der Beschwerdeführer pensioniert
ist und ohnehin nicht mehr in den Arbeitsmarkt zurückkehren wird, brauchen andere
allenfalls zumutbare Arbeitsfelder nicht auch noch abgeklärt und bezüglich
Einsatzmöglichkeiten konkretisiert zu werden. Es erübrigt sich also auch, die
beantragte Evaluation der beruflichen Leistungsfähigkeit oder die berufliche Abklärung
in der Rehabilitationsklinik Bellikon durchzuführen. Nach dem Gesagten ist für das
Invalideneinkommen massgeblich, was der Beschwerdeführer in einem 40 %-Pensum
als Coach (Projektverantwortlicher) oder als Lektor (Autor) verdienen könnte.
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zusätzlicher Abzug rechtfertigt sich jedenfalls nicht. Verglichen mit dem
Valideneinkommen, welches gemäss den Ausführungen im Entscheid vom 27.
September 2016 ausgewiesenermassen Fr. 32'724.-- beträgt (E. 4.3), resultiert ein
nicht rentenbegründender Invaliditätsgrad von 7,5 %. Dies führt zur Abweisung der
Beschwerde.
5.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Ausgangsgemäss hat der
Beschwerdeführer keinen Anspruch auf Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG; vgl.
auch Art. 98 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRP; sGS 951.1]).