Decision ID: eed0f032-f34b-4cf3-88d7-2a3cba8c28e3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im Oktober 2016 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 11). Er gab an, er habe in seinem Herkunftsland eine
Berufslehre zum Automechaniker absolviert. Der Neurologe Dr. med. B._ hatte im
Februar 2016 berichtet (IV-act. 9–19 ff.), ein MRI der Halswirbelsäule habe eine
cervicale Myelopathie bei einer spinalen Stenose gezeigt, die auf eine Discushernie
C5/6 zurückzuführen sei. Diesbezüglich sei ein neurochirurgischer Eingriff indiziert. In
einem Austrittsbericht vom 14. April 2016 hatte die Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen festgehalten (IV-act. 9–9ff.), am 1. April 2016 sei eine ventrale
intercorporelle Dekompression und Fusion in den Segmenten C5/6 und C6/7
durchgeführt worden. Der postoperative Verlauf sei unauffällig gewesen. Der
Allgemeinmediziner Dr. med. C._ hatte im Juni 2016 auf gute
Rehabilitationsfortschritte hingewiesen (IV-act. 9–12). Im August 2016 hatte er
festgehalten, dass der Versicherte nach wie vor vollständig arbeitsunfähig sei (IV-act.
9–3). Laut einem Auszug aus den Steuerakten hatte der Versicherte als
Selbständigerwerbender in den Jahren 2012–2014 ein steuerbares Einkommen von
4’891 Franken, von 2’648 Franken und von 2’635 Franken erzielt; seine (offenbar nicht
im Betrieb des Versicherten tätige) Ehefrau hatte in jenen Jahren einen Lohn von
28’091 Franken, von 30’037 Franken und von 42’942 Franken erzielt (IV-act. 20).
Gegenüber einer Eingliederungsberaterin der IV-Stelle gab der Versicherte im Februar
2017 an, dass er sich den Wechsel in eine andere Tätigkeit respektive die Aufgabe
seiner selbständigen Erwerbstätigkeit nicht vorstellen könne (vgl. IV-act. 23). Mit einer
Mitteilung vom 22. Februar 2017 verneinte die IV-Stelle deshalb einen Anspruch auf
berufliche Eingliederungsmassnahmen (IV-act. 24).
A.a.
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Vom 23. Februar 2017 bis zum 10. März 2017 befand sich der Versicherte in einer
stationären Rehabilitation in der Klinik Valens. Die behandelnden Ärzte hielten im
Austrittsbericht vom 17. März 2017 fest (IV-act. 28), der Versicherte leide an einer
cervicalen Myelopathie und an einem lumbo-spondylogenen Syndrom. Die Tätigkeit als
Automechaniker sei ihm nicht mehr zumutbar. Da der Gesundheitszustand noch
instabil sei, könne nicht abschliessend festgehalten werden, welche anderen
Tätigkeiten dem Versicherten in welchem Umfang zumutbar seien. Die stationäre
Behandlung habe keinen wesentlichen Erfolg gezeitigt. Vor diesem Hintergrund sei eine
erneute neurochirurgische Beurteilung indiziert. Die Klinik für Neurochirurgie des
Kantonsspitals St. Gallen berichtete am 9. April 2017 (IV-act. 35–1 ff.), die subjektiven
Angaben des Versicherten anlässlich der letzten Untersuchung im Oktober 2016 seien
praktisch identisch mit jenen vor der Operation gewesen, was bei Myelopathien häufig
der Fall sei. Möglicherweise entspreche der aktuelle Zustand dem „Endzustand“. Ein
nach der letzten Untersuchung im Oktober 2016 angefertigtes MRI habe eine
unveränderte Myelopathie gezeigt. Als Automechaniker sei der Versicherte weiterhin
vollständig arbeitsunfähig. Die Feinmotorik der Hände sei verlangsamt, die Kraftdauer
sei vermindert und die Kraft in den Händen sei diffus leicht vermindert. Zur
Beantwortung der Frage nach der Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit
müsse ein spezialisierter Arbeitsmediziner beigezogen werden. Wenn überhaupt, dann
könne die Arbeitsfähigkeit medizinisch nur noch mittels einer Ergo- und Physiotherapie
gesteigert werden. Der Neurologe Dr. B._ hatte bereits am 16. Januar 2017 berichtet
(IV-act. 38–7 ff.), bei der klinischen Untersuchung sei der musculo-skelettale Status
weitgehend unauffällig gewesen. Nur die Innenrotation der linken Hüfte sei deutlich
eingeschränkt gewesen. Die elektrophysiologische Zusatzuntersuchung habe für die
Nervi tibialis, medianus und ulnaris seitengleich unauffällige Befunde ergeben. Nur in
Bezug auf den Nervus ulnaris rechts habe sich hinsichtlich der Latenz und der
Amplitude im Seitenvergleich ein leicht pathologischer Befund gezeigt.
Zusammenfassend seien die vom Versicherten angegebenen belastenden
Beschwerden am rechten Bein nicht mehr vorrangig durch die cervicale Myelopathie
bedingt, sondern durch myofasciale Aspekte deutlich überlagert. Am 3. April 2017
hatte Dr. B._ mitgeteilt (IV-act. 38–5 f.), die vom Versicherten beschriebene
Sensibilitätsstörung an den beiden Händen in der ulnaren Fingergruppe sei im Rahmen
A.b.
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B.
der pathologischen SEP-Befunde des Nervus ulnaris objektivierbar. Inwiefern sich
diesbezüglich noch eine Besserung einstellen werde, sei ungewiss.
Die IV-Stelle verglich das im individuellen AHV-Beitragskonto (IK) für das Jahr
2014 verbuchte Einkommen von 9’333 Franken mit dem statistischen Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne im Jahr 2014 von 66’453 Franken, was einen Invaliditätsgrad von
minus 612,02 Prozent ergab (IV-act. 39). Mit einem Vorbescheid vom 2. Juni 2017 teilte
sie dem Versicherten mit, dass sie die Abweisung seines Rentenbegehrens mangels
eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 41). Dagegen wandte der
Versicherte am 5. Juli 2017 ein (IV-act. 42), sein Gesundheitszustand habe sich nicht
verbessert, sondern verschlechtert. Vor dem Jahr 2013 habe er viel höhere Umsätze
erwirtschaftet. Der IV-Stelle müsse klar sein, dass ein gesunder Mensch viel mehr als
9’333 Franken pro Jahr verdiene. Mit einer Verfügung vom 14. Juli 2017 wies die IV-
Stelle das Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 43). Bezugnehmend auf die
Eingabe des Versicherten vom 5. Juli 2017 hielt sie fest, der IK-Auszug zeige, dass der
Versicherte in den Jahren 1998–2006 deutlich höhere Einkommen von zwischen 31’800
Franken und 49’500 Franken, ab dem Jahr 2007 aber nur noch Einkommen von
zwischen 8’698 Franken und 9’333 Franken abgerechnet habe. Dieser Rückgang weise
keinen Zusammenhang mit der viel später eingetretenen Gesundheitsbeeinträchtigung
auf.
A.c.
Am 14. September 2017 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte
(nachfolgend: der Beschwerdeführer) eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 14.
Juli 2017 erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die Aufhebung der
angefochtenen Verfügung und die Zusprache der gesetzlichen Leistungen. Zur
Begründung führte er an, seit Mai 2017 sei klar, dass der Beschwerdeführer seine
angestammte Tätigkeit nicht mehr ausüben könne. Die IV-Stelle (nachfolgend: die
Beschwerdegegnerin) habe aber trotzdem keinerlei Versuche unternommen, den
Beschwerdeführer beruflich wieder einzugliedern, weil dieser noch im Februar 2017
erklärt habe, dass er sich eine Aufgabe seiner selbständigen Erwerbstätigkeit nicht
vorstellen könne. Die Beschwerdegegnerin habe den Grundsatz „Eingliederung vor
Rente“ verletzt. Sie habe auch ihre Untersuchungspflicht verletzt, denn obwohl Dr.
B.a.
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B._ auf ein abklärungsbedürftiges Hüftleiden hingewiesen habe, habe sie
diesbezüglich keinerlei Abklärungen getätigt. Der medizinische Sachverhalt sei nicht
einmal durch den IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD) abgeklärt worden. Aus
den Akten gehe nicht hervor, wie hoch die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in
einer leidensadaptierten Tätigkeit sei. Das von der Beschwerdegegnerin
berücksichtigte Valideneinkommen könne offensichtlich nicht existenzsichernd und
folglich auch nicht massgebend sein. Bei der Krankentaggeldversicherung habe der
Beschwerdeführer einen Jahreslohn von 54’000 Franken versichert gehabt.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 15. November 2017 die Abweisung der
Beschwerde, soweit überhaupt darauf eingetreten werden könne (act. G 7). Zur
Begründung führte sie aus, den Streitgegenstand im vorliegenden
Beschwerdeverfahren könne nur ein allfälliger Rentenanspruch des Beschwerdeführers
bilden. Da die Zusprache einer Rente nicht zur Diskussion stehe, könnten berufliche
Eingliederungsmassnahmen zum Vorneherein nicht zum Gegenstand dieses
Beschwerdeverfahrens gehören. Ein aktueller Handelsregisterauszug zeige, dass der
Beschwerdeführer seinen Betrieb nicht liquidieren wolle (vgl. IV-act. 54). Die RAD-Ärztin
Dr. med. D._ habe am 8. November 2017 eine eingehende Aktenwürdigung
vorgenommen. Sie habe festgehalten (vgl. IV-act. 55), Dr. B._ habe in seinem
ausführlichen Bericht vom 16. Januar 2017 lediglich auf degenerative
Wirbelsäulenveränderungen und auf eine marginale Einschränkung der Hüftrotation
rechts hingewiesen. Diesbezüglich habe kein weiterer Abklärungsbedarf bestanden.
Aufgrund der medizinischen Berichte sei unbestritten, dass die angestammte Tätigkeit
dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar sei. Aufgrund der wenigen in den Akten
beschriebenen Funktionseinschränkungen könne für eine leidensadaptierte Tätigkeit
keine Arbeitsunfähigkeit attestiert werden. Weil der Beschwerdeführer ohne die
Gesundheitsbeeinträchtigung weiterhin als selbständiger Automechaniker tätig
gewesen wäre, sei das im Jahr 2013 erzielte Einkommen als Valideneinkommen zu
berücksichtigen. Der sinngemässe Hinweis des Beschwerdeführers auf sein
steueroptimierendes Verhalten helfe ihm nicht weiter. Er müsse sich auf die IK-Einträge
behaften lassen. Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren
Invalideneinkommens sei auf den statistischen Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne
abzustellen. Da der Beschwerdeführer nur noch leichte Tätigkeiten ausüben könne, sei
B.b.
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Erwägungen
1.
Mit der angefochtenen Verfügung vom 14. Juli 2017 hat die Beschwerdegegnerin ein
ein „Leidensabzug“ von zehn Prozent zu berücksichtigen. Der Invaliditätsgrad betrage
trotzdem null Prozent.
Der Beschwerdeführer liess am 31. August 2018 an seinen Anträgen festhalten
und zusätzlich eventualiter die Rückweisung der Sache zu weiteren Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin beantragen (act. G 18). Zur Begründung liess er geltend machen,
die Aktenwürdigung der RAD-Ärztin Dr. D._ überzeuge nicht. Auch die Berichte von
Dr. B._ könnten keine ausreichende Beweisgrundlage bilden, weil dieser weitere
Abklärungen empfohlen habe und weil offensichtlich auch orthopädische Beschwerden
im Raum gestanden hätten, die von einem Orthopäden hätten abgeklärt werden
müssen. Der Neurologe Dr. med. E._ habe in einem Bericht vom 11. Januar 2018
festgehalten, dass die grobe Kraft in den Händen über 80 Prozent reduziert sei. Das
stehe im Widerspruch zur Angabe von Dr. B._, die Kraft sei ausreichend. Der Vorhalt
der Beschwerdegegnerin, der Beschwerdeführer habe sich steueroptimierend
verhalten, gehe fehl. Der Beschwerdeführer habe nämlich einen Ausbildungsplatz für
Lehrlinge in Ausbildung zum Mechatroniker PW eingerichtet, was ab dem Jahr 2007 zu
hohen Investitionen geführt habe, die in den Folgejahren hätten abgeschrieben werden
müssen. Ab August 2007 habe der Beschwerdeführer einen entsprechenden
Ausbildungsplatz eingerichtet, was zu Personalmehrkosten geführt habe. Zudem habe
er ab dem Jahr 2009 eine Garage und eine Werkstatt mieten müssen. Die
Vergleichseinkommen hätten folglich parallelisiert werden müssen. Der Replik lag unter
anderem eine Nachricht von Dr. E._ an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
vom 28. Januar 2018 bei (act. G 18.1.2), in der Dr. E._ ausgeführt hatte, dass er
bewusst keine Arbeitsfähigkeitsschätzung abgegeben habe, weil dies nicht Teil der
consiliarischen Fragestellung gewesen sei. Diese Frage müsse ohnehin von einer
entsprechenden Fachperson beantwortet werden. Die Beschwerden des
Beschwerdeführers seien jedenfalls neurologisch nicht vollumfänglich nachvollziehbar.
B.c.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. G 19 f.).B.d.
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Rentenbegehren des Beschwerdeführers abgewiesen. Den Streitgegenstand in diesem
Beschwerdeverfahren kann deshalb nur ein allfälliger Rentenanspruch des
Beschwerdeführers bilden. Entgegen der vom Rechtsvertreter des Beschwerdeführers
vertretenen Auffassung besteht keine Möglichkeit der Ausdehnung des
Streitgegenstandes auf eine allfällige Pflicht zur Durchführung von beruflichen
Eingliederungsmassnahmen, denn die Beschwerdegegnerin hat die Notwendigkeit der
Durchführung beruflicher Eingliederungsmassnahmen mit einer Mitteilung vom 22.
Februar 2017 verneint. Demnach kann nur strittig sein, ob die Beschwerdegegnerin das
Rentenbegehren des Beschwerdeführers zu Recht abgewiesen hat, wobei der
Grundsatz der Eingliederung vor Rente (vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, Vorbemerkungen N 81 ff.) nicht zum Tragen kommen kann. Der
Beschwerdeführer hat die Zusprache der gesetzlichen Leistungen beantragt. Seine
Ausführungen in der Beschwerdebegründung zeigen, dass er damit auch berufliche
Eingliederungsmassnahmen gemeint hat. Auf diesen ausserhalb des
Streitgegenstandes liegenden Antrag kann das Gericht nicht eintreten.
2.
Eine versicherte Person hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen Anspruch auf eine
Rente der Invalidenversicherung, wenn ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder hergestellt, erhalten oder verbessert werden kann,
wenn sie während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und wenn sie nach dem Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen bei einer ausgeglichenen
Arbeitsmarktlage durch eine ihr zumutbare Tätigkeit erzielen könnte, in Beziehung zu
jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
2.1.
Der Beschwerdeführer hat in seinem Herkunftsland eine Berufslehre zum
Automechaniker absolviert. Dieser Berufsabschluss ist in der Schweiz nicht anerkannt.
Allerdings hat der Beschwerdeführer über Jahre hinweg – zuerst als Angestellter und
ab dem Jahr 1998 als Selbständigerwerbender – in der Schweiz als Automechaniker
gearbeitet. Im Jahr 2007 ist ihm die Bewilligung erteilt worden, einen Lehrling (seinen
Sohn) zum Mechatroniker PW auszubilden. Unter Berücksichtigung dieser Umstände
rechtfertigt sich die Annahme, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Eintrittes
2.2.
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der Gesundheitsbeeinträchtigung über beruflichen Fähigkeiten verfügt hat, die jenen
eines in der Schweiz ausgebildeten Automechanikers entsprochen haben, und dass er
folglich einen Lohn eines ausgebildeten Automechanikers mit einem eidgenössischen
Fähigkeitszeugnis hätte erzielen können, wenn er nicht selbständig erwerbstätig,
sondern als Arbeitnehmer angestellt gewesen wäre. Gemäss den aktuellsten
Ergebnissen der Schweizer Lohnstrukturerhebung (LSE 2016) haben Männer, die in der
Branche 46 (Handel und Reparatur von Motorfahrzeugen) praktische Tätigkeiten
(Kompetenzniveau 2) verrichtet haben, einen standardisierten Monatslohn von 5’570
Franken verdient. Unter Berücksichtigung der betriebsüblichen wöchentlichen
Arbeitszeit von 41,9 Stunden (Branche 46, Jahr 2017) und der Nominallohnentwicklung
2016/2017 (minus 0,2 Prozent; Branche 46) entspricht das einem Jahreslohn von
69’875 Franken. Nach der Auffassung des Bundesgerichtes soll allerdings nicht dieser
Lohn, den der Beschwerdeführer als angestellter Automechaniker hätte erzielen
können, die valide Erwerbsfähigkeit zum Ausdruck bringen. Die valide Erwerbsfähigkeit
des Beschwerdeführers soll sich vielmehr nach jenem Einkommen bemessen, das im
individuellen AHV-Beitragskonto verbucht worden ist, weil der Beschwerdeführer nicht
angestellt, sondern selbständig erwerbstätig gewesen ist. Diese Auffassung (die hier zu
einem offensichtlich absurden Invaliditätsgrad von über minus 600 Prozent geführt hat)
beruht auf einer allzu rigiden, einzig dem Wortlaut Rechnung tragenden Interpretation
des Art. 25 Abs. 1 Satz 1 IVV. Die massgebende Erwerbsunfähigkeit besteht nämlich
gemäss dem Art. 7 Abs. 1 ATSG – für Arbeitnehmer wie für Selbständigerwerbende – in
einem Verlust von Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden allgemeinen
und ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Es ist gerichtsnotorisch, dass der Reingewinn der
Selbständigerwerbenden sehr oft nicht dem effektiven ökonomischen Gegenwert der
von der selbständigerwerbenden Person persönlich erbrachten Arbeitsleistung
entspricht. Der Reingewinn einer selbständigerwerbenden Person beruht nämlich nicht
nur auf deren persönlicher Arbeitsleistung, sondern auch auf dem Ertrag, den die
Investitionen in den Betrieb abwerfen, auf dem ökonomischen Mehrwert der
Arbeitsleistung der Angestellten, auf dem Gegenwert einer unentgeltlichen Mithilfe von
Familienangehörigen, auf nicht direkt mit der geleisteten Arbeit zusammenhängenden
Unternehmensgewinnen oder Unternehmensverlusten und auf anderen Aufwänden und
Erträgen. Ob aus der Gegenüberstellung von Aufwand und Ertrag überhaupt ein
Unternehmensgewinn resultiert und wie hoch dieser ausfällt, hängt zudem von
konjunkturellen oder strukturellen Einflüssen ab, die von der selbständigerwerbenden
Person kaum oder gar nicht beeinflusst werden können (vgl. SVR 2018 IV Nr. 64). Der
ökonomische Invaliditätsbegriff lässt es deshalb offensichtlich nicht zu, den
Reingewinn einer selbständigerwerbenden Person als Valideneinkommen zu
qualifizieren. Erst recht gilt das für einen trotz eines uneingeschränkten
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Arbeitseinsatzes der selbständigerwerbenden Person resultierenden Verlust, der
beispielsweise auf die Uneinbringlichkeit einer hohen Forderung gegen einen Debitoren
zurückzuführen ist. Bei der Ermittlung des Valideneinkommens muss daher statt vom
Reingewinn/Reinverlust von jenem (fiktiven) Lohn ausgegangen werden, den der
Beschwerdeführer einem Angestellten hätte bezahlen müssen, der seine Arbeit
ausgeführt hätte. Massgebend kann dabei selbstverständlich nur der strikt
betriebswirtschaftlich-ökonomisch bemessene Lohn sein, den der Betrieb des
Beschwerdeführers einem angestellten Automechaniker hätte bezahlen müssen (vgl.
zum Ganzen Ralph Jöhl, Die Invaliditätsbemessung bei selbständig Erwerbstätigen in
der IV, in: JaSo 2014, S. 159 ff.). Für einen durchschnittlich leistungsfähigen
Automechaniker hätte der Betrieb des Beschwerdeführers den statistischen
Zentralwert aller Automechanikerlöhne bezahlen müssen, also gemäss der obigen
Berechnung 69’875 Franken. Dieser statistische Zentralwert entspricht damit sowohl
dem betriebswirtschaftlich-ökonomischen Wert der Arbeitsleistung, die der
Beschwerdeführer (anstelle eines Angestellten) in seinem Betrieb erbracht hat, als auch
jenem Lohn, den der Beschwerdeführer erzielt hätte, wenn er nicht im eigenen Betrieb,
sondern als Arbeitnehmer in einem anderen Betrieb gearbeitet hätte. Folglich muss der
statistische Zentralwert von 69’875 Franken als Valideneinkommen in den
Einkommensvergleich eingesetzt werden.
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass dem Beschwerdeführer die
angestammte Tätigkeit als Automechaniker nicht mehr zumutbar ist. Ohne berufliche
Eingliederungsmassnahmen bleibt dem Beschwerdeführer nichts anderes übrig, als
eine ideal leidensadaptierte Hilfsarbeit zu verrichten. Der statistische Zentralwert der
Hilfsarbeiterlöhne hat sich im Jahr 2016 auf 5’340 Franken pro Monat belaufen (LSE
2016, TA1, alle Branchen), was unter Berücksichtigung der betriebsüblichen
wöchentlichen Arbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 2017 (alle Branchen) und der
Nominallohnentwicklung 2016/2017 von minus 0,2 Prozent (alle Branchen) einem
Jahreslohn für das Jahr 2017 von 66’670 Franken entspricht. Für die Bestimmung der
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit kann hier ausnahmsweise auf die Berichte
der behandelnden Ärzte abgestellt werden, weil es sich um eine klar abgegrenzte, nicht
komplexe Gesundheitsschädigung handelt, die von den behandelnden Ärzten in deren
Berichten umfassend geschildert worden ist. Gemäss dem ausführlichen, sorgfältig
erarbeiteten und überzeugenden Bericht von Dr. B._ vom 16. Januar 2017 können
dem Beschwerdeführer leidensadaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt zugemutet
werden. Der von Dr. B._ umfassend erhobene, ausführlich beschriebene und für die
Arbeitsfähigkeitsschätzung ausschlaggebende objektive klinische Befund ist nämlich
weitgehend unauffällig gewesen, weshalb kein Anhaltspunkt vorgelegen hat, der es
2.3.
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gerechtfertigt hätte, für eine ideal leidensadaptierte Tätigkeit von einer Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit auszugehen. Daran ändert der Hinweis von Dr. B._, dass
bezüglich der verminderten Beweglichkeit der rechten Hüfte weitere Abklärungen
indiziert seien, nichts, denn dieser Hinweis ist nicht als arbeitsfähigkeitsrelevant zu
interpretieren, weil sich diese leichte Bewegungseinschränkung nicht auf die
Arbeitsfähigkeit in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit auswirken kann. Der Hinweis
von Dr. B._ ist als eine therapeutische Empfehlung zu verstehen; eine allfällig
indizierte Therapie würde nur das Wohlbefinden des Beschwerdeführers, aber nicht
dessen Arbeitsfähigkeit in einer ideal leidensadaptierten Tätigkeit steigern. Der
Umstand, dass Dr. B._ an einer Stelle sich im Sinne eines offensichtlichen Versehens
auf die linke statt auf die rechte Hüfte bezogen hat, schmälert die Überzeugungskraft
der Ausführungen von Dr. B._ nicht. Der Bericht von Dr. B._ ist zusammen mit den
übrigen Berichten der behandelnden Ärzte von der RAD-Ärztin Dr. D._ in einer
eingehenden und überzeugenden Aktenwürdigung als beweiskräftig qualifiziert worden,
weshalb gestützt auf die medizinischen Akten mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der Beschwerdeführer
uneingeschränkt arbeitsfähig für ideal leidensadaptierte Tätigkeiten gewesen ist. Der
Rechtsvertreter hat den Hinweis von Dr. E._, dass sich die Beschwerden aus
neurologischer Sicht nicht vollständig erklären liessen, offensichtlich fehlinterpretiert,
denn damit hat Dr. E._ zum Ausdruck bringen wollen, dass der wenig
aussagekräftige objektive klinische Befund nicht mit den subjektiven,
schwerwiegenden Angaben des Beschwerdeführers korreliert hat. Diesbezüglich muss
also eine subjektive Symptomausweitung oder eine Beschwerdeverdeutlichung
vorgelegen haben. In den Akten findet sich jedenfalls kein Hinweis, der Zweifel an der
überzeugend begründeten Schlussfolgerung von Dr. D._ wecken würde, der
Beschwerdeführer sei uneingeschränkt arbeitsfähig für ideal leidensadaptierte
Tätigkeiten. Allerdings ist davon auszugehen, dass es dem Beschwerdeführer aufgrund
der ausgewiesenen Gesundheitsbeeinträchtigungen, die sich auch auf leichte
Tätigkeiten auswirken (insbesondere die verminderte Feinmotorik der Hände), nur in
der Lage sein wird, eine Arbeitsleistung zu erbringen, deren betriebswirtschaftlich-
ökonomischer Wert unter dem Zentralwert liegt. Diesem Umstand ist mit einem
Tabellenlohnabzug Rechnung zu tragen, worauf auch die Beschwerdegegnerin
(allerdings unter dem missverständlichen Begriff „Leidensabzug“) hingewiesen hat. Ein
Abzug von mehr als zehn Prozent ist nicht gerechtfertigt. Der Beschwerdeführer ist
folglich in der Lage, ein Invalideneinkommen von mindestens 90 Prozent des
statistischen Zentralwertes der Hilfsarbeiterlöhne zu erzielen. Das zumutbarerweise
erzielbare Invalideneinkommen beträgt folglich mindestens 60’003 Franken.
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3.
Die Beschwerde ist, soweit auf sie eingetreten werden kann, abzuweisen. Die
Gerichtskosten von 600 Franken sind dem unterliegenden Beschwerdeführer
aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihm geleisteten Kostenvorschuss von 600
Franken gedeckt. Der unterliegende Beschwerdeführer hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.