Decision ID: 14811fd2-a754-489e-8a08-6832d9db3dca
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970, war bei der
Y._
tätig und damit bei der AXA Versicherungen AG (nachstehend: AXA) obligatorisch unfallversichert, als er sich am 2
7.
März 2018 in einem Selbstverteidigungskurs an der rechten Schulter verletzte (
Urk.
12/A1).
Die AXA verneinte mit Verfügung vom 1
3.
Dezember 2019 (
Urk.
12/A24) und
Einspracheentscheid
vom
4.
Mai 2020 (
Urk.
12/A33
=
Urk.
2
) aus näher darge
legten Gründen ihre Leistungspflicht.
2.
Der Versicherte erhob am
4.
Juni 2020 Beschwerde gegen den
Einspracheent
scheid
vom
4.
Mai 2020 (
Urk.
2) mit den Anträgen (
Urk.
1 S. 2 Ziff. I), dieser sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Unfallversicherungsleistungen auszurichten (
Ziff.
1), eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Ziff.
2).
Die AXA beantragte mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
September 2020 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde.
Am 1
0.
November 2020 erstattete der Beschwerdeführer eine Replik (
Urk.
15). Am
5.
Januar 2021 erstattete die Beschwerdegegnerin eine Duplik (
Urk.
18), die dem Beschwerdeführer am
6.
Januar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
19)
.
3.
Das Ereignis vom 2
7.
März 2018 wurde auch der Suva als Rückfall zu einem 1998 erlittenen Unfall gemeldet. Gegen die Verfügung, mit welcher die Suva ihre Leistungspflicht verneinte, wurde Einsprache erhoben. Die Suva hat das
Einspracheverfahren
sistiert, bis über den vorliegenden Fall entschieden ist (vgl.
Urk.
20).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSG)
ist
ein
Unfall die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Gemäss
Art.
6
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
erbringt die Versicherung ihre Leistungen auch bei folgenden Körperschädigun
gen,
sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzu
führen sind (sogenannte Listenverletzungen):
a. Knochenbrüche
b. Verrenkungen von Gelenken
c. Meniskusrisse
d. Muskelrisse
e. Muskelzerrungen
f. Sehnenrisse
g. Bandläsionen
h. Trommelfellverletzungen
1.3
N
ach Meldung einer Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG hat der Unfall
versicherer
d
ie genauen Begleitumstände abzuklären
.
Sind
nicht sämtliche Kriteri
en des Unfallbegriffs nach Art.
4 ATSG erfüllt, so wird der Unfall
versicherer für
eine Listenverletzung nach Art. 6 Abs.
2 UVG grundsätzlich leistungspflichtig, sofern er nicht den Nachweis dafür erbringt, dass die Verletzung vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist (
BGE
146
V
51
E. 9.1). Der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers ist erbracht, wenn die Listendiagnose zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruht (
BGE
146
V
51
E. 8.2.2.1, E. 8.6).
1.4
E
in Einriss des Labrum glenoidale
, mithin e
ine SLAP
-Läsion
(superior
labrum
anterior
posterior
lesion
)
,
stellt
keinen Sehnenriss im Sinne von
Art.
9
Abs.
2
lit
.
f
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
, entsprechend dem heutigen
Art.
6
Abs.
2
lit
. f UVG, dar und
ist
somit keine Listenverletzung (Urteil 8C_835/2013 vom 2
8.
Januar 2014 E. 4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus,
ein Unfall im Rechtssinne (vgl. vorstehend E. 1.
1
) liege nicht vor, da sich nichts Ungewöhnliches (Sturz, Anschlagen oder Ausrutschen) ereignet habe (S. 4
,
Ziff.
2.3.3). Bei den diagnostizierten Beeinträchtigungen gehöre die Partialruptur der Supraspinatussehne zu den i
n
Art.
6
Abs.
2 UVG
genannten Körperschädi
gungen, nicht aber die SLAP-Läsion des Labrums
(S. 4 unten, S. 5 Mitte)
. Die
Supraspinatusläsion
dürfte gemäss ärztlicher Beurteilung eine Spätfolge zu einem 1998 erlittenen Schultertrauma sein (S. 5 oben)
beziehungsweise sei als krankhaft degenerativ bedingt zu erachten (S. 5 Mitte).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
gemäss der Stellungnahme des behandelnden Orthopäden liege zwar ein Vorzu
stand vor, der jedoch nicht im Vordergrund stehe. Vielmehr seien die von ihm festgestellten Labrumpathologien auf das Ereignis zurückzuführen (S. 4 f.
Ziff.
5). Demnach liege eine Listenverletzung vor, die
nicht vorwiegend auf Abnützung oder Krankheit zurückzuführen
sei (S. 6
Ziff.
9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführende
Listenverletzung
en vorliegen.
3.
3.1
In der Unfallmeldung vom 1
7.
Mai 2018 führte der Beschwerdeführer aus, er habe sich während eines Selbstverteidigungskurses bei den Übungen die rechte Schulter verletzt (
Urk.
12/A1
Ziff.
6). Im Formular vom
7.
Februar 2019 führte
er dazu aus, er habe bei der Übung zu Boden müssen und habe sich mit den Armen / Händen aufgefangen. Beim Auffangen sei in der rechten Schulter ein Schmerz eingezogen (
Urk.
12/A2)
.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin,
führte im Eintrag in der Krankengeschichte vom 1
7.
Mai 2018 (
Urk.
11/M4 oben) aus, der Beschwerdeführer sei vor 3 Wochen direkt auf die Schulter gefallen und habe seither Schmerzen. Sie notierte als Diagnose einen Verdacht auf Labrum
läsion, Differentialdiagnose (DD)
Rotatorenmanschetten
-Läsion.
3.3
Eine MR-
Arthrographie
vom 2
2.
Mai 2018 ergab folgende Beurteilung (Urk. 11/M2):
«
Hypertrophe AC-Arthrose mit Einengung des
Subakromialraumes
und einer Bursitis subacromialis sowie einer interstitiellen distalen
Tendinopathie
der Supraspinatussehne
mit kleinen Kalzifikationen, ohne Nachweis einer trans
muralen Läsion.
Zudem kurze SLAP II-Läsion des k
n
orpeligen Labrums mit Beteiligung der
Bizepssehneninse
rt
ion
ohne Nachweis eines d
i
slozierten Frag
mentes und eine
paralabrale
Zyste von 12 mm Durchmesser im kaudalen Labrum
bereich mit einer leichten
Ver
k
lumpung, DD im Rahmen einer älteren Verletzung.
»
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2
) fasste dies wie folgt zusammen: SLAP-Läsion bis Insertion Bizepssehne, AC-Arthrose mit Einengung subacromial,
subakromiale
Enge und Supraspinatussehnen-
Tendinopathie
, kein Riss, nicht dislozierter Labrumriss.
3.
4
Dr.
med.
A._
, Chefarzt, Leiter Schulter- und Ellbogenchirurgie, Kantonsspital
B._
,
nannte mit Bericht vom 2
4.
Juli 2018 über die gleichentags erfolgte Konsultation (
Urk.
11/M1) als Diagnose einen Verdacht auf traumatisierte AC-Gelenksarthrose rechts (S. 1 Mitte). Zur Anamnese führte er unter
anderem
aus, der Beschwerdeführer
habe
am 2
7.
März 2018 bei einem Training unter Last einen einschiessenden Schmerz im Bereich des rechten Schultergelenkes verspürt. Dieser persistiere bei erhaltener Schulterfunktion (S. 1).
Mit Bericht vom 1
4.
August 2018 über die gleichentags erfolgte Verlaufskontrolle (
Urk.
11/M3) führte
Dr.
A._
aus, die am 2
4.
Juli 2018 erfolgte selektive proba
torische AC-Gelenksinfiltration habe ein nur mässiges Ergebnis erbracht.
Mit Bericht vom 2
9.
April 2019 (
Urk.
11/M7)
nannte
Dr.
A._
folgende Diagnose (S. 1 Mitte):
-
Verdacht auf
Instabilité
douloureuse
Schulter rechts bei
-
Status nach axialem Stauchungstrauma
am
2
7.
März 2018
Er führte
unter anderem aus, bei der heutigen klinischen Untersuchung habe sich ein klar schmerzhafter Apprehension- und
Relokationstest
gezeigt, was die Diag
nose einer Labrumläsion untermauern würde. Die restlichen Untersuchungs
befunde seien weitgehend bland, die
Rotatorenmanschette
kräftig und intakt. Er habe dem Beschwerdeführer nochmals die Möglichkeit einer diagnostischen Schulterarthroskopie und wahrscheinlich
anteroinferiore
n
Labrumrefixation
aufge
zeichnet (S. 1).
3.
5
Mit Bericht vom
2.
Mai 2019 über die gleichentags erfolgte MR-
Arthrographie
der rechten Schulter (
Urk.
11/M6) nannten die Ärzte des Instituts für Radiologie und Nuklearmedizin,
B._
,
betreffend Klinik eine Labrumläsion (S. 1 Mitte) und gaben
folgende Beurteilung
ab
(S. 2 oben):
-
ausgedehnte SLAP-Läsion
anterosuperi
or
bis
posterosuperior
, Partial
ru
ptur der Supraspinatussehne
interstitie
l
l und
artikulärseits
sowie
Tendinopathie
der
Infraspinatussehne
mit intraossären Ganglien, verdächtig
auf Vorliegen eines
posterio
-superioren (internen)
Impinge
ments
-
d
as Ganglion am inferioren
Glenoid
lasse
sich nicht mehr abgrenzen
.
A
ntero-inferior deutliche Degeneration mit
persistieren
d diskretem Einriss des Labrums
-
Hydroxylapatit-Deposition nahe Ansatz der
posterioren
Supraspinatus
sehne (
Tendinosis
calcarea)
-
a
ktivierte
hypertrophe AC-Gelenksarthrose
-
l
eichte Bursitis subacromialis-
subdeltoidea
. Laterales "
downsloping
" des Acromions als möglich
begünstigender Faktor
3.6
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin
,
erstattete am 2
1.
Juni 2019 eine Stellungnahme (
Urk.
11/M9).
Er wies darauf hin, dass der Versicherte 2014 wegen Schulterproblemen rechts in Behandlung gewesen sei. Am
3.
März 2014 habe der untersuchende Rheuma
tologe eine
Periarthropathia
humeroscapularis
(PHS)
tendopathica
partim
anky
losans
rechts diagnostiziert (S. 1 unten; vgl.
Urk.
11/M5). Er führte aus,
die MRI-Untersuchungen hätten unter anderem auch eine Listenverletzung (Partial
ruptur der Supraspinatussehne) gezeigt.
Im Vordergrund stünden aber die Nicht
listenverletzung beziehungsweise degenerativen Veränderungen der rechten Schulter: Ausgedehnte SLAP-Läsion
anteriosuperior
bis
postero
-superior,
antero
-inferior deutliche Degeneration des Labrums,
Tendinopathie
der
Infraspinatus
sehne
mit intraossären Ganglien,
Tendinosis
calcarea der Supraspinatussehne sowie aktivierte hypertrophe AC-Gelenksarthrose (S. 2 Ziff. 1). Die Listendiagnose sei vorwiegend, also zu mehr als 50
%
, auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen, denn es lägen ausgedehnte degenerative Veränderungen im Bereich der rechten Schulter vor, die seit 2014, also schon vor dem Ereignis vom 2
7.
März 2018
,
dokumentiert seien (S. 2
Ziff.
2). Die Indikation für das (von
Dr.
A._
in Aussicht genommene) operative Vorgehen dürfte gegeben sein. Es bestehe aber kein Zusammenhang mit
dem Ereignis vom 27.
März 2018, sondern mit dem zu diesem Zeitpunkt schon vorliegenden Vorzustand (S. 2
Ziff.
3).
3.7
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.4) führte mit Bericht vom
2.
Juli 2019 (
Urk.
11/M14) über die am
1.
Juli 2019 erfolgte Operation (
Schulterarthroskopie, Mobilisation und
Refixation
anteroinferiores
Labrum, ventrale SLAP-
Refixation
) zum technischen Vorgehen unter anderem Folgendes aus (S. 2 oben): «Ausgedehnte SLAP II Läsion mit stabilem
Bizepsanker
. Im
anteroinferioren
Bereich ist das Labrum kurzstreckig abgelöst (...). Unauffällige lange Bizepssehne mit intakter Führung im
Pulley
-System. Im ventralen Insertionsbereich zeigt sich eine Unterflächenpartialruptur der Supraspinatussehne. Dieser Bereich wird mit dem
Shaver
debridiert. Eine Stabilisation drängt sich jedoch definitiv nicht auf. Der dorsale Anteil des Supraspinatus als auch die
Infraspinatusinsertion
sind unauf
fällig. Unauffällige inferiore Kapsel. Intakter Subscapularis. Intakte glenohume
rale Ligamente. Das anteriore Labrum wird (...) unterfahren, der
Glenoidrand
/-hals angefrischt. Setzen eines 1.4 mm
Jug
g
erKnot
(...) und Fassen und Stabili
sation des Labrums. Am Schluss
wird auch im ventralen superioren Labrum
bereich die SLAP-Läsion über einen 1.4mm
JuggerKnot
refixiert
.»
In einer Stellungnahme vom 1
9.
August 2019 zuhanden der Rechtsvertretung des Beschwerdeführers (
Urk.
11/M10
=
Urk.
11/M12
=
Urk.
3/3
) führte
Dr.
A._
unter anderem aus, der Beschwerdeführer sei wegen seines Schultergelenkes und seiner Halswirbelsäule (HWS) tatsächlich bereits 2014 in Behandlung und Abklärung gewesen, wobei die Hauptsymptomatik damals eher im HWS-Bereich habe dokumentiert werden können (S. 1 unten). Eine 2014 durchgeführte Sono
graphie der beiden Schultergelenke habe rechts, im Seitenvergleich zu links, eine unruhige Echotextur im
Supraspinatussehnenbereich
sowie eine beginnende
AC-Gelenksarthrose gezeigt. Die restlichen Strukturen seien unauffällig gewesen. Diese unruhige Echotextur der Supraspinatussehne
sei
eine Sehnendegeneration. Diese Strukturänderungen seien in der Folge auch auf den MRI-Bildern der Untersuchung vom 2
2.
Mai 2018 und
2.
Mai 20
19 dokumentiert. Im MRI vom 22.
Mai 2018 sei jedoch zusätzlich eine kurz
e
SLAP II-Läsion mit Beteiligung der
Bi
z
epssehneninsertion
sowie eine
paralabrale
Zyste im kaudalen Labrumbereich
mit einer leichten Verk
lumpung beschrieben, die Zyste sei im Verlaufs-MRI vom
2.
Mai 2019 dann nicht mehr nachweisbar (S. 2 oben).
Die beschriebenen Labrumpathologien
,
insbesondere jene
anteroinferior
, seien
in aller Regel
traumatisch bedingt. Die beschriebenen Beschwerden korrelierten mit diesen Befunden, so
dass
eine traumatische Kausalität mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit vorlieg
e (S. 2
Ziff.
1). Betreffend einen allfälligen Vorzustand führte er aus, Tatsache sei, dass die dokumentierten Veränderungen vor allem im Bereich der
Rotatorenmanschette
stets klinisch gewesen seien. Insofern hätten sie wahrscheinlich keine Rolle gespielt (S. 2
Ziff.
2). Die beschriebenen Labrum
veränderungen seien mit hoher Wahrscheinlich traumatisch bedingt, da
s
sei intraoperativ dokumentiert worden (S. 2
Ziff.
3).
3.8
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Chirurgie, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, erstattete am 2
2.
April 2020 eine Stellungnahme (Urk. 11/M15).
Er nahm Bezug darauf, dass
Dr.
A._
in seiner Stellungnahme vom 1
9.
August 2019 ausgeführt habe, die Veränderungen im Bereich der
Rotatorenmanschette
seien als krankhaft degenerativ, hingegen die Veränderun
gen am Labrum als unfallkausal aufzufassen (S. 1 unten).
Die Veränderung an der Supraspinatussehne mit gelenksseitiger Teilruptur am Ansatz entspreche einer Listenverletzung gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG. Die Rissbil
dungen am Labrum glenoidale entsprächen nicht einer Listenverletzung, insbe
sondere bei im Operationsbericht erwähntem stabilen
Bizepsanker
. Es könne
deshalb bei der SLAP II Läsion nicht von einem Anriss der
Bizepssehnenver
ankerung
ausgegangen werden (S. 2
Ziff.
1).
Die Listenverletzung (Supraspinatus) sei vorwiegend degenerativ bedingt bei Vorliegen erheblicher
tendinopathischer
Veränderungen der Supraspinatus- wie der Infraspinatus-Sehne. Auf den MRI-Aufnahmen finde sich unter anderem eine Tendinitis calcarea verbunden mit weiteren
tendinotischen
Veränderungen, was ganz klar
degenerativ bedingt sei, wie auch die Zystenbildung im Ansatz der Sehnen im Bereich des Tuberculum majus. Die Rissbildungen im Labrumbereich erachtete
Dr.
D._
ebenfalls als krankhaft degenerativ bedingt, insbesondere da bereits im ersten MRI vom 2
2.
Mai 2018 im lädierten Labrumbereich eine deutliche Zystenbildung mit Verklumpung sichtbar sei, die nicht innerhalb von 2-3 Monaten nach dem Ereignis auftreten könne (S. 2
Ziff.
2).
Das Ereignis vom 2
8.
März 2018 mit axialer Einwirkung auf die Schulter sei aus biomechanischer Sicht weder geeignet, die vorgefundenen Pathologien im Bereich der
Rotatorenmanschette
noch des Labrums zu erklären. Bei Abfangen eines Sturzes mit den Händen sei die Supraspinatussehne nicht vorgespannt, was einen traumatisch bedingten Anriss mit praktischer Sicherheit ausschliesse (S. 2
Ziff.
3).
Anlässlich der Operation vom
1.
Juli 2019 sei keine Listenverletzung behandelt worden. Es sei das Labrum fixiert worden. Der Eingriff habe sich nur auf die Labrumpathologie bezogen und die Veränderungen im Bereich der
Rotatoren
manschette
seien belassen worden (S. 2
Ziff.
4).
3.9
Am
3.
Juli 2020 erstattete Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
E._
, Arzt für Allgemeinmedizin, eine Beurteilung (
Urk.
11/M16). Er führte unter anderem aus, aus näher dargelegten Gründen
seien die 2018 festgestellten Veränderungen nicht mit mindestens überwiegender Wahrscheinlichkeit mit einer
1998 erlittenen AC-Gelenkszerrung bei axialem beziehungsweise Distorsionstrauma der rechten Schulter in ursächlichem Zusammenhang (S. 6).
3.10
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, erstattete am
25.
September 2020 eine Beurteilung (
Urk.
11/M17). Er führte unter anderem aus, die Angaben über das Schadensdatum seien erstaunlich widersprüchlich
. Es müsse rückwirkend irgendein Datum festgehalten worden sei. Es sei davon auszugehen, dass
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) dem Versicherten eine Unfallmeldung bezüglich des Ereignisses «vor drei Wochen» nahelegt habe, was gleichentags geschehen sei. Das vom Versicherten genannte Daum vom 2
7.
März 2018 liege jedoch knapp acht Wochen zurück. Es sei daraus zu schliessen, dass nach und bei dem vermuteten
Ereignis weder sofort ein Fähigkeitsverlust resul
tiert habe
noch ein akutes Verletzungsgefühl wahrgenommen worden sei
(S. 12 oben).
Erstaunlich diskrepant seien auch die Angaben über den Schadensmechanismus. Zuerst berichte
Dr.
A._
über eine akute Überlastung im Training, später von einem axialen Trauma und nochmals später von einer Schulterdistorsion (S. 12 Mitte).
Es sei völlig unmöglich, eine Labrumschädigung nach einem 15-monatigen
Zeit
intervall (zwischen dem Ereignis und dem intraoperativen Befund) als posttrau
matisch zu bezeichnen, auch wenn eine Kontinuitätstrennung am Pfannenrand nachgewiesen werden könne.
Aus dem vorliegenden Bild- und Film
material lasse sich denn auch keine Unfallkausalität der Veränderungen ableiten. Es sei auch schwer verständlich, wie einerseits eine kraniale Labrum
läsion (bei stabil getestetem
Bizepsanker
) und separat davon eine
ventrokaudale
Labrumläsion durch einen einzigen Unfall hätte zustande kommen können, da diese Strukturen bei sehr unterschiedlichen Bewegungen belastet würden. Die hypothetische Aussage von
Dr.
A._
, die dokumentierten Labrumveränderungen seien mit hoher Wahrscheinlichkeit traumatisch bedingt, werde von ihm nicht begründet und stehe im Gegensatz zur versicherungsmedizinischen Literatur
(S. 14 Mitte).
Nachvollziehbar sei hingegen die Aussage von
Dr.
A._
, dass die kleine Verän
derung an der Supraspinatussehne keine klinische Relevanz habe und auch nicht als Listenverletzung angesehen werden könne. Auch sie könne nicht traumatisch entstanden sein, sie liege an der Prädilektionsstelle für degenerative Veränderun
gen nahe am Tuberculum
maius
, analog zu den degenerativen Veränderungen des Ansatzes der
Infraspinatussehne
, und könne auch sicher nicht im beschriebe
nen Schadenmechanismus entstanden sein (S. 14).
Bilanzierend sprächen alle Indizien (Schadensdatum, Schadensmechanismus, funktionelles, morphologisches und radiologisches Schadensbild) für eine höchstens leichte Traumatisierung einer vorgesc
hädigten Schulter rechts am 27.
März 2018 ohne richtungsweisenden Charakter im Sinne einer zusätzlichen strukturellen Schädigung. Die vor
übergehende Verschlimmerung sei
spätestens Ende Juli 2018 mit dem Verschwinden des Nachtschmerzes nach Infiltration des AC-Gelenks wieder abgeheilt gewesen (S. 14 unten).
Gemäss den Angaben von
Dr.
A._
sei
der Hauptbefund
anlässlich der Operation vom
1.
Juli
2019
am Labrum ventral gewesen.
Als Nebenbefund
habe
Dr.
A._
eine «Unterflächenpartialruptur»
der Supraspinatussehne gefunden,
was zu einem
kleinen
D
é
bridement
Anlass
gegeben habe. Der Nebenbefund habe
weder
Traum
a
folgecharakter
noch eine in den Abklärungen klar erkannte klinische Relevanz
(S. 15
Ziff.
1)
.
Mit den
intraoperativen Bilder
n / Vi
deos
lasse
sich
k
eine Unfallkausalität
begrün
den
. Es sei
schlicht unmöglich, nach dieser Zeit zwischen
dem
Ereignis 2018 und
der
Operation
2019 eine Unfallkausalität zu begründen
(S. 15
Ziff.
2)
.
4.
4.1
Die medizinischen Berichte stimmen darin überein, dass beim Beschwerdeführer 2018 eine Labrumläsion - zumeist als SLAP II Läsion bezeichnet - diagnostiziert (vorstehend E. 3.2, E. 3.4, E. 3.6 ff., E. 3.10) und bildgebend belegt (vorstehend
E. 3.3, E. 3.5)
wurde
. Bei der am
1.
Juli 2019 erfolgten Operation wurde sodann das Labrum fixiert (vorstehend E. 3.7).
Eine Labrumläsion / SLAP-Läsion ist rechtsprechungsgemäss kein Sehnenriss im Sinne von
Art.
2
Abs.
2
lit
. f UVG
. S
ie stellt somit keine Listenverletzung dar (vorstehend E. 1.4).
4.2
Ein Unfallereignis im Rechtssinn liegt unbestrittenermassen (vgl.
Urk.
1 S. 3
Ziff.
1) nicht vor.
Die - allfällige - Leistungspflicht gemäss
Art.
6
Abs.
2 UVG hat zwingend das Vorliegen einer Listenverletzung
zur Voraussetzung
. Fehlt es
an
einer solchen, besteht keine Leistungspflicht. Liegt hingegen eine Listenver
letzung vor
, kann der Versicherer den Entlastungsbeweis erbringen, dass diese zu mehr als 50
%
auf Abnützung oder Erkrankung beruht (vorstehend E. 1.3).
Da es sich bei der Labrumläsion nicht um eine Listenverletzung handelt, stellt sich die erst im Rahmen des bei gegebener Leistungspflicht zu führenden Entlas
tungsbeweises relevante Frage, ob die Beeinträchtigung vorwiegend durch Abnützung oder Erkrankung bewirkt wurde, gar nicht.
Wie es sich mit den diesbezüglich divergierenden ärztlichen Beurteilungen verhält,
kann
deshalb
-
da nicht
entscheidwesentlich
-
offen gelassen werden. Immerhin sei angemerkt, dass der behandelnde
Dr.
A._
der einzige ist, der eine traumatische Genese postulierte (vorstehend E. 3.7), dies allerdings ohne schlüs
sige Begründung, während insbesondere
Dr.
F._
nachvollziehbar erläuterte, warum diese These nicht haltbar sei (vorstehend E. 3.10).
4.3
Die Bildgebung im Mai 2018 ergab unter anderem eine
Tendinopathie
der Supraspinatussehne, ohne Nachweis einer transmuralen Ruptur (vorstehend E. 3.3).
Dr.
A._
führte im April 2019 aus, ausser der Labrumläsion seien die
Untersuchungsbefunde weitgehend bland, die
Rotatorenmanschette
kräftig und intakt (vorstehend E. 3.4). Die Bildgebung vom Mai 2019 ergab sodann unter anderem eine Partialruptur der Supraspinatussehne (vorstehend E. 3.5). Intraope
rativ fand
Dr.
A._
am
1.
Juli 2019 unter anderem eine Unterflächenpartial
ruptur der Supraspinatussehne,
d
er er
,
abgesehen von einem
Débridement
,
keine weitere Behandlung angedeihen liess, und im August 2019 führte er aus, bildgebend habe sich eine unruhige Echotextur im
Supraspinatussehnen-Bereich
gezeigt, was eine Sehnendegeneration sei (vorstehend E. 3.7).
Dr.
D._
erachtete im April 2020 die
Supraspinatussehnenteilruptur
als Listenverletzung, die aus näher genannten Gründen degenerativ bedingt sei (vorstehend E. 3.8).
Dr.
F._
schliesslich stimmte im September 2020
Dr.
A._
darin zu, dass die Veränderung an der Supraspinatussehne keine klinische Relevanz habe und auch nicht als Listenverletzung angesehen werden könne. Die Unterflächenpartial
ruptur der Supraspinatussehne sei gemäss den Angaben von
Dr.
A._
ein Nebenbefund gewesen und habe weder
Traumafolgecharakter
noch eine in den Abklärungen klar erkannte klinische Relevanz (vorstehend E. 3.10).
4.4
Rechtsprechungsgemäss gilt auch die Partialruptur einer Sehne, sofern eindeutig festgestellt, als Sehnenriss im Sinne von (heute)
Art.
6
Abs.
2
lit
. f UVG (BGE 123 V 43 E. 2b), mithin als Listenverletzung.
Es
ist
deshalb
soweit nachvollziehbar, dass die im Mai 2019 bildgebend (vorstehend E. 3.5) und am
1.
Juli 2019 intraoperativ (vorstehend E. 3.7) festgestellte
Supraspinatussehnenteilruptur
in einigen - wenn auch bei weitem nicht allen - ärztlichen Beurteilungen als Listenverletzung eingestuft wurde. Gleichzeitig wurde aber auch auf ausgedehnte degenerative Veränderungen im Bereich der rechten Schulter und eine schon im März 2014 diagnostizierte PHS hingewiesen (vorstehend E. 3.6), sowie bildgebend nachgewiesene Verkalkungen und Zysten
bildung (vorstehend E. 3.8), sowie darauf, dass sie nicht durch den bezüglich des Ereignisses vom 2
8.
März 2018 beschriebenen Schadenmechanismus entstanden sein könne (vorstehend E. 3.10).
Folgt man also den ärztlichen Beurteilungen, welche eine Listenverletzung bejaht haben, so ist gleichzeitig festzuhalten, dass diese Beurteilungen auch darin übereinstimmen, dass sie diese Sehnenteilruptur als eindeutig -
also
sogar mehr
als
lediglich vorwiegend - degenerativ bedingt erachten.
Mithin besteht bezüglich der Teilruptur der Supraspinatussehne, die zu keinen auf sie bezogenen therapeutischen Bemühungen Anlass gegeben hat, keine Leistungspflicht.
4.5
Es bleibt zusammenfassend fest
zu
halten, dass keine Leistungspflicht besteht
,
bezüg
lich der Labrumpathologie (SLAP-Läsion), weil sie keine Listenverletzung darstellt, und bezüglich der Teilruptur der Supraspinatussehne, weil
sie keine Behandlung erfordert hat und überwiegend auf Abnützung zurückzuführen ist.
Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.