Decision ID: d188ba70-bdc4-4839-97ca-4bb9f63da87c
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war seit dem 1. Dezember 2012 als B._ bei der
C._ AG angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(Suva) gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie Berufskrankheiten
versichert. Am 11. Mai 2015 meldete die Arbeitgeberin, dass der Versicherte am 10.
Mai 2015 in D._ mit dem Motorrad gestürzt sei (Suva-act. 1, vgl. auch Suva-act. 20).
Dabei hatte er ein Polytrauma mit lateraler Schenkelhalsfraktur rechts,
mehrfragmentärer Claviculafraktur rechts und posteriorer Schulterluxation links erlitten.
Am 13. Mai 2015 erfolgten operative Eingriffe (Schenkelhalsverschraubung rechts und
Plattenosteosynthese Clavicula rechts; Suva-act. 9) im Kantonsspital St. Gallen (KSSG;
Suva-act. 19). Am 21. Mai 2015 trat der Versicherte zur Rehabilitation in die Rehaklinik
I._ ein (Suva-act. 85). Bei anhaltender Beschwerdeproblematik im Oberschenkel-/
Hüftbereich rechts mangels ossärer Konsolidation (Delayed Union; Suva-act. 55)
musste sich der Versicherte am 29. September 2015 einem Revisionseingriff
unterziehen (Osteosynthesematerialentfernung, Re-Osteosynthese Schenkelhals rechts
unter subtrochanterer, valgisierender Korrektur-Osteotomie; Suva-act. 61). Am 18.
Dezember 2015 trat der Versicherte bei weiterhin attestierter 100%-iger
Arbeitsunfähigkeit aus der Rehaklinik I._ aus (Suva-act. 84 f.).
A.a.
Ab Mitte Februar 2016 nahm der Versicherte seine Arbeit bei der C._ AG wieder
auf und steigerte das Pensum bis Oktober 2016 kontinuierlich auf 80 % (vgl. u.a. Suva-
act. 101, 107, 113, 122, 130). Am 16. November 2016 wurde das störende
Osteosynthesematerial an der rechten Clavicula entfernt (Suva-act. 146). Nachdem
A.b.
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eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf 100 % in der angestammten Tätigkeit nicht
mehr zu erwarten und eine interne Umplatzierung nicht zustande gekommen war,
kündigte die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. Mai 2017 (Suva-act. 168 f.,
171). Anlässlich einer Nachkontrolle des Versicherten im KSSG am 30. März 2017
wurde von den behandelnden Ärzten in Bezug auf die rechte Hüfte eine
Femoroacetabular-Impingement Symptomatik rechts mit ossärem Konflikt bei
verkürztem Schenkelhals diagnostiziert (Suva-act. 173). Am 22. August 2017 wurde
das Osteosynthesematerial in der Hüfte rechts entfernt (Suva-act. 199). Ab dem 9.
Oktober 2017 erteilte die IV-Stelle des Kantons St. Gallen Kostengutsprache für eine
Umschulung zum Fahrlehrer (Suva-act. 211, 274, 287).
Am 13. März 2018 wurde der Versicherte von Kreisarzt Dr. med. E._, Facharzt
für Chirurgie, spez. Unfallchirurgie, untersucht. Dieser wies anhaltende Bewegungs-
und Belastungsschmerzen am rechten Hüft- und Kniegelenk aufgrund einer
Varusverkürzungsfehlstellung mit zusätzlichem Labrumeinriss anterior-superior und
dadurch bedingter Impingement-Problematik sowie belastungsabhängige
Restbeschwerden am rechten Schlüsselbein und eine instabilitätsbedingte
Funktionseinschränkung am linken Schultergelenk aus. Zu empfehlen sei eine operative
Fehlstellungskorrektur mit gleichzeitigem Längenausgleich sowie eine arthroskopische
Sanierung des Labrumeinrisses (Suva-act. 246). Einen operativen Eingriff lehnte der
Versicherte in der Folge mehrfach ab (Suva-act. 265, 272, 282, 288-2, 290).
A.c.
Am 11. Juli 2019 teilte der Versicherte mit, dass er die Prüfung zum Fahrlehrer
bestanden habe. Er sehe sich aufgrund der Hüftproblematik aber nicht als zu 100 %
arbeitsfähig. Zudem habe ihn sein Psychiater Dr. med. F._, FMH Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie, aufgrund einer aktuellen Überlastungssituation bis
zum 31. Juli 2019 zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben (Suva-act. 284; vgl. ferner
Suva-act. 290 gemäss Besprechung vom 22. August 2019).
A.d.
Mit Beurteilung vom 6. September 2019 führte Kreisarzt Dr. E._ aus, dass in
Bezug auf die somatischen Unfallfolgen ein stabiler medizinischer Dauerzustand
vorliege, der ohne operative Massnahmen nicht mehr relevant verbessert werden
könne. Aus rein unfallkausaler Sicht sei der Versicherte in adaptierter Tätigkeit zu 100
% arbeitsfähig. Medizinisch entspreche die Tätigkeit als Fahrlehrer vollumfänglich einer
A.e.
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angepassten Tätigkeit (Suva-act. 291; bestätigt am 5. März 2020 in Suva-act. 316). Den
Integritätsschaden schätzte Dr. E._ auf 25 % (Suva-act. 291; bestätigt am 6. März
2020 nach Röntgenaufnahmen von Becken, Schultergelenk links und Schlüsselbein
rechts [Suva-act. 315] in Suva-act. 318).
Mit Bericht vom 13. September 2019 diagnostizierte Dr. F._ eine
posttraumatische Belastungsstörung, eine schwere depressive Episode sowie eine
Panikstörung. Die Symptome des posttraumatischen Belastungssyndroms seien bisher
als therapieresistent einzustufen. Somit sei die Prognose als ungünstig zu bezeichnen.
Es bestehe eine 100%-ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 293, 295).
A.f.
Am 9. Oktober 2019 teilte die Suva dem Versicherten mit, dass die
Taggeldleistungen ab dem 1. Oktober 2019 eingestellt würden. Die Kosten für die
Schmerzmittel würden weiterhin von ihr übernommen. Die Adäquanz der psychischen
Beschwerden werde noch geprüft. Sollte die Adäquanz nicht gegeben sein, würde der
Schadenfall unter Gewährung des Rückfallmelderechts per 31. Oktober 2019
abgeschlossen (Suva-act. 300).
A.g.
Mit Verfügung vom 12. März 2020 sprach die Suva dem Versicherten bei einer
Integritätseinbusse von 25 % eine Integritätsentschädigung von Fr. 31'500.-- zu und
lehnte einen Rentenanspruch ab (Suva-act. 320).
A.h.
Gegen die Verfügung vom 12. März 2020 erhob der Versicherte, vertreten durch die
Procap G._, am 24. April 2020 Einsprache und beantragte eine Rente. Gegen die
Integritätsentschädigung wurden keine Einwände erhoben (Suva-act. 323).
A.i.
Die Suva gewährte dem Versicherten weitere Abklärungen (Suva-act. 327 ff.). Im
Mai 2020 reichte die Procap einen Bericht des KSSG vom 15. Mai 2020 ein, in
welchem ausgeführt wurde, dass der Versicherte aus orthopädischer Sicht als
Fahrlehrer arbeitsfähig sei (Suva-act. 324). Mit Schreiben vom 2. Oktober 2020 zeigte
die Procap die Beendigung des Mandats an (Suva-act. 337). Im November 2020 und
Januar 2021 folgten Untersuchungen in der Hüftsprechstunde der Klinik H._ (Suva-
act. 342, 347).
A.j.
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B.
Gegen die Verfügung vom 20. Januar 2021 erhob der Versicherte am 18. Februar 2021
Einsprache. Es sei nicht von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
auszugehen. Auch sei ein Abzug vom Tabellenlohn von mindestens 20 % zu gewähren
(Suva-act. 354). Mit Entscheid vom 8. April 2021 wies die Suva die Einsprache ab
(Suva-act. 362).
C.
Mit Verfügung vom 20. Januar 2021 zog die Suva bei laufendem
Einspracheeverfahren die Verfügung vom 12. März 2020 zurück, soweit diese nicht
bereits in Rechtskraft erwachsen war, und verneinte bei rentenausschliessendem
Invaliditätsgrad erneut einen Rentenanspruch (Suva-act. 353).
A.k.
Gegen den Einspracheentscheid vom 8. April 2021 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) am 7. Mai 2021 Beschwerde. Er sei nicht
einverstanden, dass die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) von einer 100%-
igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgehe. Ebenfalls nicht einverstanden
sei er damit, dass sich die Beschwerdegegnerin auch aktuell noch auf die kreisärztliche
Einschätzung von 2018 abstütze, welche vor fast drei Jahren durchgeführt worden sei.
Er verweise im Weiteren auf seine Ausführungen in der Einsprache (act. G 1).
C.a.
In der Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Leupi, Luzern, die Abweisung der
Beschwerde vom 7. Mai 2021 und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 8.
April 2021. Die Kosten seien bei Kostenlosigkeit des Verfahrens wettzuschlagen (act. G
3).
C.b.
Nachdem der Beschwerdeführer auf die Einreichung einer Replik verzichtet hatte
(act. G 5), wurde der Schriftenwechsel am 14. Juli 2021 geschlossen (act. G 6).
C.c.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in
den (medizinischen) Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
C.d.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch.
Der Verfügungsteil (der Verfügung vom 12. März 2020; Suva-act. 320) betreffend die
Integritätsentschädigung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen und bildet nicht
Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
Ist die versicherte Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 % invalid, so hat
sie Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und
allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind.
Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art.
19 Abs. 1 UVG). Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
1.1.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61
lit. c ATSG). Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Bezüglich Beweiswert eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
1.2.
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2.
Vorab ist festzuhalten, dass die unbestrittene Operationsoption bezüglich der
Oberschenkel- bzw. Hüftproblematik rechts dem Fallabschluss (vgl. zum Fallabschluss
Alexandra Rumo-Jungo/André Pierre Holzer, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, in: Erwin Murer/Hans-Ulrich Stauffer [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Aufl. 2012, S. 143) nicht
entgegenstand. Diesen operativen Eingriff, welcher bestenfalls zu einer relevanten
Verbesserung beitragen könnte, lehnte der Beschwerdeführer mehrfach ab (Suva-act.
265, 272, 282, 288-2, 290). Andere Möglichkeiten, den Gesundheitszustand im Sinne
von Art. 19 Abs. 1 UVG namhaft zu verbessern, lagen offenkundig nicht mehr vor
(Suva-act. 265, 272, 291; vgl. ferner den Bericht der Klinik H._ vom 4. Januar 2021 in
Suva-act. 347), womit im Zeitpunkt des Fallabschlusses von einem stabilen
Gesundheitszustand im Sinne von Gesetz und Rechtsprechung auszugehen war und
die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch (spätestens) per 1. Juli 2019 (Ende der
Umschulung der Invalidenversicherung) zu prüfen hatte. Sollte sich der
Beschwerdeführer in Zukunft für eine Operation entscheiden, wird die
Beschwerdegegnerin, wie im Einspracheentscheid richtig ausgeführt wurde (Suva-act.
362-10), Leistungen im Sinne eines Rückfalls zu prüfen haben. Medizinisch
ausgewiesen ist weiter, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Prüfung des
Rentenanspruchs und darüber hinaus an unfallkausalen somatischen
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben worden ist, in
der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der medizinischen
Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen).
Berichte und Gutachten, welche die Versicherungen während des
Administrativverfahrens von ihren eigenen Ärzten und Ärztinnen einholen, können
beweistauglich sein. An deren Beweiswürdigung sind indes strenge Anforderungen zu
stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 470 f. E. 4.4 mit Hinweis; bestätigt im Urteil des
Bundesgerichts vom 23. November 2012, 8C_592/2012, E. 5.3). Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen abschliessen (vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit Hinweisen). Diesfalls
besteht kein Anspruch auf Beizug versicherungsexterner medizinischer Gutachten
(BGE 122 V 157).
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Beeinträchtigungen (Bewegungs- und Belastungsschmerzen am rechten Hüft- und
Kniegelenk, belastungsabhängige Restbeschwerden am rechten Schlüsselbein;
instabilitätsbedingte Funktionseinschränkung am linken Schultergelenk; Suva-act.
246-6) litt bzw. leidet und diese somatischen Unfallfolgen in die Rentenbeurteilung
miteinzubeziehen sind.
3.
Im nächsten Schritt steht zur Beurteilung, ob auch die psychische Problematik –
diagnostiziert wurden eine posttraumatische Belastungsstörung, eine schwere
depressive Episode sowie eine Panikstörung (Suva-act. 293) – nebst den genannten
somatischen Folgen unfallkausal und damit bei der Prüfung eines Rentenanspruchs zu
berücksichtigen ist.
Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für jegliche Leistungen der
Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers besteht demnach nur
für Gesundheitsschäden, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis (Art. 4 ATSG) zusammenhängen (André Nabold, N 48 ff. zu Art. 6, in:
Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die Unfallversicherung,
Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018 [nachfolgend zitiert:
KOSS UVG]; Irene Hofer, N 63 ff. zu Art. 6, in: Ghislaine Frésard-Fellay/Susanne
Leuzinger/Kurt Pärli [Hrsg.], Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019
[nachfolgend zitiert: BSK UVG]; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 53 ff.). Während es
Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Frage nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beantworten (KOSS UVG-Nabold, N 53 zu Art. 6; BSK UVG-
Hofer, N 66 zu Art. 6; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 55, 58). Im Bereich klar
ausgewiesener organischer Unfallfolgen spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung
der aus dem natürlichen Kausalzusammenhang sich ergebenden Haftung des
Unfallversicherers praktisch keine Rolle (vgl. BGE 117 V 365 E. 5d/bb mit Hinweisen
auf Lehre und Rechtsprechung; BGE 118 V 291 f. E. 3a). Sind dagegen die Unfallfolgen
organisch nicht (hinreichend) fassbar, ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung
durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Zunächst ist festzustellen, ob
die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma, eine äquivalente Verletzung
der Halswirbelsäule oder ein Schädel-Hirntrauma erlitten hat, dessen Folgen sich mit
jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen, oder ob es sich um einen Unfall mit
anderen somatischen Verletzungen und gesundheitlichen Folgen handelt. Im letzteren
Fall erfolgt die Adäquanzbeurteilung psychischer Unfallfolgen nach den in BGE 115 V
3.1.
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133 ff. entwickelten Kriterien (sogenannte Psycho-Praxis). Bei Unfällen mit
Schleudertrauma oder mit einer diesem gleichgestellten Verletzung der Halswirbelsäule
oder einem Schädel-Hirntrauma ist hingegen die Adäquanz gemäss BGE 117 V 359 ff.,
präzisiert in BGE 134 V 126 ff. E. 10, zu beurteilen (sogenannte Schleudertrauma-
Praxis). Der Unterschied besteht darin, dass bei Unfällen mit Schleudertrauma oder
einer äquivalenten Verletzung der Halswirbelsäule auf eine Differenzierung zwischen
physischen und psychischen Unfallfolgen verzichtet wird, während bei den übrigen
Unfällen für die Beurteilung der Adäquanz psychischer Fehlentwicklungen lediglich das
Unfallereignis als solches und die dabei erlittenen körperlichen Gesundheitsschäden
sowie deren objektive Folgen massgebend sind (vgl. u.a. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 7. November 2002, U 377/01, E. 4.3).
Der Beschwerdeführer hat bei seinem Unfall am 10. Mai 2015 weder ein
Schleudertrauma, eine äquivalente Verletzung der Halswirbelsäule noch ein Schädel-
Hirntrauma erlitten. Zumindest ist derartiges nicht hinlänglich ausgewiesen.
Entsprechend hat die Adäquanzbeurteilung nach den für die Psycho-Praxis
entwickelten Kriterien zu erfolgen. Dabei kann praxisgemäss die Frage nach einer
natürlichen Kausalität der entsprechenden Beschwerden zum versicherten
Unfallereignis offenbleiben, wenn ein allfälliger Kausalzusammenhang nicht adäquat
und damit nicht rechtsgenüglich wäre (BGE 135 V 472 E. 5.1).
3.2.
Ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, wenn dem Unfall eine massgebende
Bedeutung für die Entstehung der Beschwerden zukommt. In objektivierter
Betrachtungsweise werden die Unfälle nach ihrer erfahrungsgemässen Eignung,
psychische Beschwerden zu bewirken, eingeteilt in banale und leichte Unfälle
einerseits, schwere Unfälle andererseits und in einen dazwischenliegenden Bereich der
mittelschweren Unfälle. Bei banalen Unfällen kann der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsstörungen in der Regel ohne
weiteres verneint werden, weil auf Grund der allgemeinen Lebenserfahrung davon
ausgegangen werden kann, dass ein solcher Unfall nicht geeignet ist, einen
invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden zu verursachen. Bei schweren
Unfällen dagegen ist der adäquate Kausalzusammenhang in der Regel zu bejahen,
denn nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen
Lebenserfahrung sind solche Unfälle geeignet, invalidisierende psychische
Gesundheitsschäden zu bewirken. Dabei gelten als schwer nur solche Unfälle, bei
denen sämtliche Umstände, insbesondere die Dramatik des Unfallereignisses und die
Dauer desselben wie auch die somatischen Unfallfolgen eine für die versicherte Person
aussergewöhnliche Eindrücklichkeit aufweisen. Bei Unfällen im mittleren Bereich lässt
3.3.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F115-V-133%3Afr&number_of_ranks=0#page133 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/fr/php/aza/http/index.php?lang=fr&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F117-V-359%3Afr&number_of_ranks=0#page359
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sich die Frage, ob zwischen dem Unfall und der psychisch bedingten
Erwerbsunfähigkeit ein adäquater Kausalzusammenhang besteht, nicht aufgrund des
Unfalls allein schlüssig beantworten. Vielmehr sind weitere, objektiv fassbare
Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall im Zusammenhang stehen oder als
direkte bzw. indirekte Folge davon erscheinen, in eine Gesamtwürdigung
einzubeziehen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei besonders dramatische
Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder
besondere Art der erlittenen Verletzung, insbesondere ihre erfahrungsgemässe
Eignung, psychische Fehlentwicklungen auszulösen; ungewöhnlich lange Dauer der
ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung, welche
die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen sowie Grad und Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE
115 V 138 ff. E. 6 f.). Um die adäquate Kausalität bejahen zu können, müssen nicht alle
Umstände gegeben sein. Bei einem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den
schweren Ereignissen genügt ein Kriterium. Ansonsten müssen mehrere
unfallbezogene Kriterien bejaht werden können, falls keinem Kriterium besonderes
Gewicht zukommt (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 62 ff.). Bei mittelschweren Unfällen
im engeren Sinn genügen drei Adäquanzkriterien, bei Unfällen im mittleren Bereich an
der Grenze zu den leichten Unfällen sind hingegen vier Adäquanzkriterien zu erfüllen
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010, 8C_897/2009, E. 4.5, und vom
7. Dezember 2009, 8C_487/2009, E. 5 mit Hinweis). Bei der Prüfung der
Adäquanzkriterien sind – wie bereits erwähnt – die Folgen der organisch nicht
ausgewiesenen Beschwerden nicht in die Beurteilung miteinzubeziehen (vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts vom 28. April 2010, 8C_903/2009, E. 4.6).
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Die Schwere des Unfalles ist auf Grund des augenfälligen Geschehensablaufs mit
den sich dabei entwickelnden Kräften zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts vom 11.
November 2019, 8C_473/2019, E. 5.1). Gemäss unbestrittenem Unfallhergang kam der
Beschwerdeführer, als er auf kurviger Strasse mit dem Motorrad zwei Wildschweinen
ausweichen wollte, beim Bremsen und Ausweichen von der Strasse ab und stürzte
(Suva-act. 24 f.). Mit der Beschwerdegegnerin ist bei diesem Unfallgeschehen in
Anlehnung an die Rechtsprechung (vgl. dazu die Beispiele in Rumo-Jungo/Holzer,
a.a.O., S. 65 ff.) von einem mittelschweren Ereignis im engeren Sinn auszugehen.
Folglich müssen für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs mindestens
drei der relevanten Kriterien oder ein einzelnes Kriterium in besonders ausgeprägter
Weise erfüllt sein.
3.4.
Der Berücksichtigung des Kriteriums der besonders dramatischen
Begleitumstände oder besonderen Eindrücklichkeit des Unfalls liegt der Gedanke
zugrunde, dass solche Umstände geeignet sind, bei der betroffenen Person während
des Unfallgeschehens oder nachher psychische Abläufe in Bewegung zu setzen, die an
den nachfolgenden psychischen Fehlentwicklungen mitbeteiligt sein können. Dabei
sind objektive Massstäbe anzuwenden. Nicht was im einzelnen Betroffenen beim Unfall
psychisch vorgeht – sofern sich dies überhaupt zuverlässig feststellen liesse – soll
entscheidend sein, sondern die objektive Eignung solcher Begleitumstände, bei
Betroffenen psychische Vorgänge der genannten Art auszulösen. Zu beachten ist
zudem, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall – wie auch dem vorliegenden –
eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist (Urteil des Bundesgerichts vom 11. November
2019, 8C_473/2019, E. 5.2). Vorliegend sind keine Umstände ersichtlich, welche dem
Geschehen vom 10. Mai 2015 eine solch besondere Dramatik oder eine solch
besondere Eindrücklichkeit verliehen hätte (vgl. dazu die Beispiele in Rumo-Jungo/
Holzer, a.a.O., S. 69 f.). Das Kriterium ist zudem umso mehr zu verneinen, als sich der
Beschwerdeführer nur noch sehr vage an das Unfallgeschehen erinnern kann (vgl.
Suva-act. 24; vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 5. Juni 2014, 8C_137/2014, E. 7.1).
3.4.1.
Das Kriterium der Schwere oder besonderen Art der erlittenen Verletzungen,
insbesondere ihrer erfahrungsgemässen Eignung, psychische Fehlentwicklung
auszulösen, ist ebenfalls nicht erfüllt. Auch wenn der Beschwerdeführer ein Polytrauma
mit lateraler Schenkelhalsfraktur rechts, mehrfragmentärer Claviculafraktur rechts und
posteriorer Schulterluxation links erlitt (vgl. dazu im Sachverhalt lit. A.a), erscheinen die
Verletzungen nicht als geeignet, erhebliche psychische Fehlreaktionen auszulösen (vgl.
dazu das Urteil des Bundesgerichts vom 19. November 2009, 8C_197/2009, E. 3.6).
3.4.2.
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Auch eine ungewöhnlich lange Dauer der auf die somatischen Leiden zielenden
ärztlichen Behandlung ist nicht erkennbar. Daran ändert nichts, dass sich der
Beschwerdeführer am 29. September 2015, rund viereinhalb Monate nach dem Unfall,
einem Revisionseingriff unterziehen musste (Suva-act. 61) und insgesamt rund sieben
Monate (abzüglich Therapieunterbrüche rund sechs Monate) stationär in der Rehaklinik
I._ verbrachte (Suva-act. 84 f.). Der Heilverlauf war zwar lange, indes im Sinne der
Rechtsprechung nicht als ungewöhnlich lange bzw. ausserordentlich belastend zu
qualifizieren. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass nach dem Austritt aus
der Rehaklinik I._ im Dezember 2015 lediglich noch die Entfernungen des
Osteosynthesematerials anstanden, Verlaufs- und Abklärungsuntersuchungen
durchgeführt wurden und der Beschwerdeführer ansonsten konservativ, insbesondere
mittels Physiotherapie, behandelt wurde. Auch die gelegentlichen Schulterluxationen
(vgl. dazu Suva-act. 135, 174) oder die Infiltration vom 24. Oktober 2018 (vgl. Suva-act.
266) führen nicht dazu, dass von einer ungewöhnlich langen Dauer ärztlicher
Behandlungen bzw. von einer besonderen Intensität der Behandlungen während des
Heilungsprozesses auszugehen wäre.
3.4.3.
Hinweise auf ärztliche Fehlbehandlungen, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert hätten, liegen nicht vor. Auch dieses Kriterium ist somit nicht gegeben.
3.4.4.
Aus der blossen Dauer der ärztlichen Behandlung und der geklagten
Beschwerden darf nicht schon auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen geschlossen werden. Es bedarf hierzu besonderer Gründe, welche die
Genesung bis zum Fallabschluss beeinträchtigt oder verzögert haben. Der Umstand,
dass trotz verschiedener Therapien keine Beschwerdefreiheit erreicht werden konnte,
genügt allein nicht (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Mai 2019, 8C_632/2018, E.
10.3). Es liegen keine Umstände vor, die zur Bejahung dieses Kriteriums führen
könnten. Daran ändert nichts, dass der erste operative Eingriff am Schenkelhals vom
13. Mai 2015 nicht den gewünschten Erfolg brachte und ein Revisionseingriff
notwendig wurde. Von einem schwierigen Heilungsverlauf oder erheblichen
Komplikationen kann ungeachtet dessen nicht gesprochen werden.
3.4.5.
Ob das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen bei andauernden
Bewegungs- und Belastungsschmerzen am rechten Hüft- und Kniegelenk,
belastungsabhängigen Restbeschwerden am rechten Schlüsselbein und einer
instabilitätsbedingten Funktionseinschränkung am linken Schultergelenk und das
Kriterium des Grads und der Dauer der physisch bedingten Arbeitsunfähigkeit erfüllt
sind, kann offenbleiben. Immerhin ist zu beachten, dass eine Behandlung mit
3.4.6.
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4.
Nach dem Gesagten (vgl. vorstehende E. 3) sind einzig die Auswirkungen der
unfallkausalen somatischen Problematik (vgl. vorstehende E. 2) in die
Rentenbeurteilung einzubeziehen. Diesbezüglich besteht Uneinigkeit in Bezug auf die
zumutbare Arbeitsfähigkeit aufgrund der Einschränkungen. Während die
Beschwerdegegnerin gestützt auf die kreisärztlichen Beurteilungen trotz Unfallfolgen
von einer vollen Leistungsfähigkeit in der umgeschulten Tätigkeit als Fahrlehrer und
auch in weiteren angepassten Tätigkeiten ausgeht, sieht sich der Beschwerdeführer in
seiner Arbeitsfähigkeit auch in zeitlicher Hinsicht eingeschränkt.
herkömmlichen/niedrigpotenten Schmerzmitteln ausreicht (Suva-act. 107, 139), die
Schmerzen adäquat zu lindern, und keine Ruheschmerzen beklagt werden (Suva-act.
246-4), was gegen die Erfüllung des Kriteriums der körperlichen Dauerschmerzen
spricht. Im Weiteren konnte der Beschwerdeführer ab Februar 2016, bereits rund acht
Monate nach dem Unfall, seine angestammte Arbeit wieder aufnehmen (Suva-act. 101,
107 f.) und bis Oktober 2016 auf 80 % steigern (Suva-act. 130). Eine 100%-ige
Arbeitsunfähigkeit lag damit nur für einen relativ kurzen Zeitraum vor, was
grundsätzlich zur Annahme des Arbeitsunfähigkeitskriteriums nicht ausreicht. Wie
erwähnt, bedarf es aber keiner abschliessenden Klärung, ob die genannten Kriterien
erfüllt sind, zumal sie, wenn überhaupt, sicherlich nicht in besonders ausgeprägter
Weise vorliegen.
Da somit höchstens zwei der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt sind, diese
jedoch in nicht besonders ausgeprägter Weise, ist der adäquate Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfall vom 10. Mai 2015 und den psychischen Beschwerden zu
verneinen. Damit kommt dem Unfall überwiegend wahrscheinlich keine massgebende
Bedeutung für die Entstehung der psychischen Problematik zu, womit diese nicht in die
Beurteilung eines Rentenanspruchs miteinzubeziehen ist.
3.5.
Kreisarzt Dr. E._ attestierte dem Beschwerdeführer trotz der verbliebenen
Beeinträchtigungen eine zeitlich unlimitierte Arbeitsfähigkeit für leichte Tätigkeiten in
Wechselposition sitzend, stehend, gehend auf ebenem Untergrund, nicht auf Leitern,
Gerüsten, ungesicherten Arbeitsplätzen, unebenem oder abschüssigem Untergrund,
nicht in Zwangspositionen hockend, knieend, kauernd, mit Positionswechsel sitzend,
stehend, gehend, ca. stündlich, spätestens zweistündlich, mit leichten, selten
mittelschweren Tätigkeiten im Bereich des adominanten linken Arms und der linken
Schulter. Medizinisch entspreche auch die Tätigkeit als Fahrlehrer vollumfänglich einer
angepassten Tätigkeit, die ganztägig in einem Vollpensum ausgeübt werden könne
4.1.
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5.
(Suva-act. 291-2). Diese Aktenbeurteilung von Dr. E._ vom 6. September 2019,
bestätigt mit Beurteilung vom 5. März 2020 (Suva-act. 316), beruht auf einer
eingehenden persönlichen Untersuchung vom 13. März 2018 (Suva-act. 246), ist für die
streitigen Belange umfassend, erging in Kenntnis der Vorakten sowie in Würdigung der
Bildgebung und der geklagten Beschwerden. Dr. E._ trägt im Zumutbarkeitsprofil
schlüssig den objektivierbaren Bewegungs- und Belastungsschmerzen am rechten
Hüft- und Kniegelenk, den belastungsabhängigen Restbeschwerden am rechten
Schlüsselbein sowie der instabilitätsbedingten Funktionseinschränkung am linken
Schultergelenk Rechnung und es ist einleuchtend, dass bei Einhaltung der
Adaptionskriterien eine volle Arbeitsfähigkeit zumutbar sein sollte. Zu demselben
Schluss kamen auch die behandelnden Ärzte des KSSG, welche dem
Beschwerdeführer mit Bericht vom 15. Mai 2020 in adaptierter Tätigkeit und auch als
Fahrlehrer eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit attestierten (Suva-act. 324).
Die Beurteilungen von Dr. E._ entsprechen den Anforderungen der
Rechtsprechung vollumfänglich und es besteht kein Anlass, bezüglich der medizinisch-
theoretischen Arbeitsfähigkeit von dessen Einschätzungen abzuweichen. Es liegen
diesbezüglich auch keine anderslautenden Einschätzungen im Recht. Entsprechend ist
überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer aus
unfallkausaler Sicht in Beachtung des Zumutbarkeitsprofils im Zeitpunkt des
Fallabschlusses zu 100 % arbeitsfähig war. Die Tätigkeit als Fahrlehrer ist mit dem
Belastungsprofil ohne weiteres vereinbar. Was der Beschwerdeführer gegen die
bescheinigte 100%-ige Arbeitsfähigkeit vorbringt, vermag keine auch nur geringen
Zweifel an der Einschätzung von Dr. E._ zu begründen. Insbesondere bedarf es
keiner psychiatrischen Begutachtung, nachdem die psychische Problematik – wie
erwähnt – nicht dem Unfall anzulasten ist. Auch bedarf es keiner aktuelleren
persönlichen Untersuchung, nachdem weder geltend gemacht wurde noch ersichtlich
ist, dass sich der Gesundheitszustand seit dem Untersuch vom 13. März 2018 relevant
verändert hätte und mit dem Untersuchungsbericht der behandelnden Ärzte des KSSG
vom 15. Mai 2020, wie bereits erwähnt, eine neue übereinstimmende Beurteilung
vorliegt. Im Weiteren ist für die Frage, ob es dem Beschwerdeführer zuzumuten ist, aus
unfallkausaler Sicht eine Arbeitsleistung zu erbringen, eine objektivierte
Betrachtungsweise massgebend und nicht das subjektive Empfinden des
Beschwerdeführers (vgl. dazu Art. 7 Abs. 2 ATSG). Die rechtserheblichen tatsächlichen
Entscheidgrundlagen erweisen sich in Bezug auf die Beurteilung eines
Rentenanspruchs als schlüssig, sodass sich Weiterungen erübrigen.
4.2.
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Ausgehend von einer 100%-igen Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit ist im
Rahmen eines Einkommensvergleichs der Invaliditätsgrad zu ermitteln (vgl. dazu
vorstehende E. 1.1).
Für die Bemessung des hypothetischen Verdienstes ohne Gesundheitsschaden
(Valideneinkommen) ist grundsätzlich entscheidend, was die versicherte Person im
massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdienen könnte bzw.
verdient hätte (vgl. Art. 16 Abs. 1 ATSG). Bei der Bestimmung des Valideneinkommens
wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer
Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden
fortgesetzt worden wäre (BGE 134 V 325 E. 4.1). Bei seiner letzten Tätigkeit bei der
C._ AG hätte der Beschwerdeführer im Jahr 2019 ein Einkommen von jährlich rund
Fr. 65'000.-- (13 x Fr. 5'000.--) erzielt (Suva-act. 325). Das Valideneinkommen ist damit
in dieser Höhe festzusetzen.
5.1.
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-
erwerblichen Situation auszugehen, in der die versicherte Person konkret steht. Ist kein
solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich, weil die
versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine
ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der
Rechtsprechung die LSE-Tabellenlöhne (LSE = Schweizerische Lohnstrukturerhebung
des Bundesamtes für Statistik) herangezogen werden (BGE 135 V 301 E. 5.2 mit
Hinweisen). Der Beschwerdeführer hat zwar eine Umschulung zum Fahrlehrer
absolviert, in dieser zumutbaren Tätigkeit – soweit ersichtlich – bisher aber noch kein
Erwerbseinkommen erzielt. Auch eine andere Tätigkeit ist nicht ausgewiesen. Es ist
damit nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin zur Festsetzung des
Invalideneinkommens die LSE-Tabellenlöhne beigezogen hat. Nach dem erfolgreichen
Abschluss zum Fahrlehrer ist der Beschwerdeführer mit Verweis auf den Zentralwert
des Kompetenzniveaus 2 der Tabelle TA1 (Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach
Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht; Branche Landverkehr) der LSE
2018 in der Lage, im Jahr 2019 ein Jahreseinkommen von rund Fr. 68'427.-- (Fr.
5'421.-- x 12 / 40 x 41.7 x 1.009 [+ 0.9 % für das Jahr 2019]) zu erzielen. Im
Kompetenzniveau 1 betrüge das Einkommen rund Fr. 66'836.-- (Fr. 5'295.-- x 12 / 40 x
41.7 x 1.009). Diese Einkommen sind höher (vgl. zum Lohn eines Fahrlehrers auch
https://www.lohnanalyse.ch/ch/loehne/details/fahrlehrerin.html; https://www.jobs.ch/
de/ lohn/?canton=ch&term=autofahrlehrer; eingesehen am 22. März 2022) als das
5.2.
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6.
Nach dem Gesagten ist der angefochtene Einspracheentscheid vom 8. April 2021 nicht
zu beanstanden und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind mangels gesetzlicher Grundlage im UVG keine zu erheben (vgl. dazu Art. 61 lit. f
ATSG). Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).