Decision ID: 7e4d3883-c97a-4de4-859f-2b9c8543fb90
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._ war seit 1980 als gelernter L._ bei verschiedenen Arbeitgebern tätig (IV-
act. 4-1 f.). Im März 1995 kündigte sein damaliger Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit
der Begründung, der Versicherte sei gemäss SUVA nicht mehr für alle Arbeiten mit
Schweissräuchen und -gasen geeignet und es bestehe keine andere
Beschäftigungsmöglichkeit für ihn im Betrieb (IV-act. 7-4). Im April 1995 meldete sich
der Versicherte erstmals zum Bezug von Rentenleistungen bei der IV-Stelle des
Kantons St. Gallen an (IV-act. 1-1 ff.). Mit Verfügung vom 7. Oktober 1996 (IV-act. 21-1)
wies Letztere sein Leistungsbegehren ab.
A.b Im Jahre 1999 erwarb der Versicherte ein M._-Patent (IV-act. 73-2 ff.) und über
nahm in der Folge die Führung eines N._.
A.c Am 12. August 2003 erlitt der Versicherte einen Auffahr-Unfall (IV-act. 24-6).
A.d Am 1. Dezember 2003 erstattete Dr. med. B._, Klinik O._, einen ambulanten
Arztbericht (IV-act. 43-1 ff. und 60-87 ff.). Er diagnostizierte beim Versicherten ein
HWS-Distorsionstrauma am 12. August 2003 und in diesem Zusammenhang ein
chronisches zervikozephales und – vertebrales Schmerzsyndrom rechtsbetont,
Triggerpunkte im M. trapezius pars decendens, M. sternocleidomastoideus, Mm.
scaleni und suboccipital rechsbetont, segmentale Hypermobilität C2/C3, segmentale
Dysfunktion C1/C2 links und eine depressive Entwicklung. Der als selbständiger M._
tätige Versicherte sei seit dem 12. August 2003 zu 100% arbeitsunfähig.
A.e Am 3. August 2004 meldete sich der Versicherte erneut zum Bezug von IV-
Leistungen an (IV-act. 24-1ff.). Er führte dabei aus, er leide wegen eines Autounfalls
vom 12. August 2003 an einem Schleudertrauma.
A.f Am 25. August 2004 erstattete sein Hausarzt, Dr. med. C._, FMH Allgemeine
Innere Medizin, ein Arztzeugnis (IV-act. 36-1 f.). Er attestierte dem Versicherten eine
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100%ige Arbeitsunfähigkeit in seiner bisherigen Tätigkeit bis auf Weiteres und hielt
fest, die zumutbare Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit könne er nicht beurteilen.
A.g Eine konsiliarische Untersuchung von Dr. med. D._, Innere Medizin/
Rheumatologie FMH, vom 8. Februar 2005 (IV-act. 60-54 ff.) ergab folgende
Diagnosen: Chronisches zervikozephales Syndrom mit zervikogenen Kopfschmerzen
und neuropsychologischen Störungen anamnestisch sowie zerviko-brachiale Kompo
nente rechts bei Status nach HWX-Distorsionstrauma vom 12. August 2003,
segmentale Dysfunktion vor allem der HWS rechts, muskuläre Dysbalancen mit
Triggerpunkt-Syndrom und arterielle Hypertonie. Der Arzt hielt fest, dass er den
Versicherten in seiner Tätigkeit als M._ zu weiterhin 100% arbeitsunfähig einschätze.
Aus rein rheumatologischer Sicht sei ihm für eine leichte Arbeit in Wechselbelastung,
ohne regelmässige starke Flexion und ohne regelmässige Rotationsbewegungen der
HWS eine Arbeitstätigkeit von 50% zumutbar. Die Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit
müsse indessen in einem multidisziplinären Gutachten erfolgen, in das auch eine
neuropsychologische und psychiatrische Abklärung einbezogen werden solle.
A.h Am 2. März 2005 erstattete Dr. med. E._, Facharzt für Chirurgie, ein
unfallchirurgisches Gutachten (IV-act. 60-42 ff.), welches im Wesentlichen aussagte,
dass der Unfall vom August 2003 nicht geeignet sei, eine Distorsion der
Halswirbelsäule mit Verletzungswert hervorzurufen.
A.i Am 8. Juli 2005 führte Prof. Dr. med. F._, Neurologie FMH, eine neurologische
Begutachtung durch (IV-act. 51-1 ff.). Er diagnostizierte einen Status nach
Auffahrkollision am 12. August 2003 mit möglicher beziehungsweise wahrscheinlicher
Distorsionsverletzung der Halswirbelsäule, eine psychogene Überlagerung, eine
Depression mit Suizidalität und eine arterielle Hypertonie. Neurologischerseits bestehe
nur eine geringe Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aufgrund der psychischen
Störungen sei der Versicherte momentan jedoch nicht arbeitsfähig.
A.j Am 22. November 2005 erstattete Dr. C._ auf Aufforderung der IV-Stelle einen
Bericht (IV-act. 59-3 f.) und hielt darin fest, er könne die Frage einer zumutbaren
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit nicht beantworten.
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A.k Am 24. Januar 2007 erstattete die MEDAS ein polydisziplinäres Gutachten zu
Handen der IV-Stelle (IV-act. 73-1 ff). Daraus ging hervor, dass beim Versicherten
polydisziplinär eine rund 50%ige Arbeitsfähigkeit seit spätestens Februar 2005
bestehe.
A.l Mit Vorbescheid vom 4. Juli 2007 (IV-act. 83-1 f.) und ebenfalls am 4. Juli 2007
ergangenem Vorbescheid (IV-act. 85-1 f.) stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungsbegehrens betreffend berufliche Massnahmen beziehungsweise Rente in
Aussicht. Handelnd durch seinen Rechtsvertreter liess der Versicherte gegen die Vor
bescheide der IV-Stelle am 19. Juli 2007 (IV-act. 88-1 ff.) Einwand erheben. Mit Ver
fügung vom 29. November 2007 (IV-act. 90-1 f.) hielt die IV-Stelle fest, der Versicherte
habe keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen. Am 30. November 2007 (IV-act.
91-1 ff.) verneinte sie einen Rentenanspruch basierend auf dem Einkommensvergleich
im Vorbescheid.
A.m Mit Entscheid vom 17. August 2009 (IV-act. 110-1 ff.) hob das Versicherungs
gericht die Verfügungen vom 29. und 30. November 2007 auf und wies die Sache zur
weiteren Abklärung (berufliche Massnahmen oder Rente) an die IV-Stelle zurück. Es
ging dabei gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 24. Januar 2007 von einer
Arbeitsfähigkeit von 50% aus und errechnete gestützt auf die Durchschnittslöhne LSE
2006 einen theoretischen Invaliditätsgrad von 54 beziehungsweise 55%.
A.n Die IV-Stelle erhob gegen den Entscheid des kantonalen Versicherungsgerichts
am 1. September 2009 Beschwerde in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten ans
Bundesgericht. Am 30. Oktober 2009 trat das Bundesgericht auf die Beschwerde nicht
ein (9C_703/2009; IV-act. 116). Zur Begründung führte es aus, da im Dispositiv des

angefochtenen Urteils nicht auf die Erwägungen verwiesen worden sei, seien diese für
die IV-Stelle nicht verbindlich. Die IV-Stelle werde durch den Gerichtsentscheid nicht
zum Erlass einer nach ihrem Dafürhalten rechtswidrigen Verfügung verpflichtet; sie
werde nicht dazu verhalten, von einem rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 55%
beziehungweise einer Arbeitsunfähigkeit des Versicherten von 50% auszugehen. Damit
entstehe ihr kein erheblicher Nachteil gemäss Art. 93 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes
über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 (Bundesgerichtsgesetz [BGG]).
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A.o Mit Mitteilung vom 17. Dezember 2009 (IV-act. 118-1 f.) informierte die IV-Stelle
den Versicherten, dass ihm im Rahmen beruflicher Massnahmen Beratung und Unter
stützung bei der Stellensuche gewährt werde.
A.p Am 22. Februar 2010 erstattete der Hausarzt des Versicherten, Dr. med. G._,
Arzt FMH für Allgemeinmedizin, ein ärztliches Zeugnis (IV-act. 124-1). Darin wurde
beim Versicherten ein chronisches zervikozephales Syndrom bei Status nach HWS
Distorsionstrauma am 12. August 2003, eine segmentale Dysfunktion C1/C2 und C2/
C3, eine depressive Entwicklung, eine arterielle Hypertonie und ein Asthma bronchiale
diagnostiziert. Der Versicherte sei seit dem 12. August 2003 in seiner angestammten
Tätigkeit zu 100% und in adaptierter Tätigkeit zu ca. 70% arbeitsunfähig.
A.q Gestützt auf das Verlaufsprotokoll und den Schlussbericht der beruflichen Ein
gliederung (IV-act. 127-2 und 128-1) gelangte der Versicherte am 24. März 2010,
handelnd durch seinen Rechtsvertreter, an die IV-Stelle mit der Bitte, die Ein
gliederungsbemühungen abzuschliessen und eine Rente zu prüfen, worauf die Ein
gliederungsverantwortliche die Eingliederungsbemühungen abschloss (IV-act. 129-1).
A.r Am 3. Mai 2010 verfasste Dr. G._ einen Arztbericht zuhanden der IV-Stelle (IV-
act. 134). Er bestätigte dabei einen stationären Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers bei eher ungünstiger Prognose und hielt ihn seit 8. Februar 2006 bis
auf Weiteres in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit für 100%ig arbeitsunfähig.
A.s Am 17. Mai 2010 erstattete Dr. med. H._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
der IV-Stelle auftragsgemäss einen ärztlichen Bericht (IV-act. 135). Er diagnostizierte
eine seit mindestens 2006 rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10: F 31.11), sowie eine seit
mindestens 2006 bestehende generalisierte Angststörung (ICD-10: F 41.1) und hielt
fest, dass dem Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit zu 50% an vier Stunden pro
Tag bei voller Leistung zumutbar sei. Andere Tätigkeiten ohne sehr hohe An
forderungen an Konzentration (z.B. Fliessbandarbeit), Anpassungsfähigkeit und Be
lastbarkeit (Nachtschicht) seien ebenfalls im Umfang von 4 Stunden täglich zumutbar.
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A.t In seiner Stellungnahme vom 8. Juni 2010 (IV-act. 137-1) hielt der Regionale Ärzt
liche Dienst (RAD) fest, dass aus medizinischer Sicht nach wie vor eine 50%ige
Arbeitsunfähigkeit adaptiert bestehe.
B.
Mit Vorbescheid vom 19. August 2010 (IV-act. 141) und ebenfalls am 19. August 2010
ergangenem Vorbescheid (IV-act. 143) stellte die IV-Stelle die Abweisung der
Leistungsbegehren betreffend berufliche Massnahmen und einer Invalidenrente in Aus
sicht.
C.
Der Beschwerdeführer erhob, handelnd durch seinen Rechtsvertreter, am 24. August
2010 Einwand gegen die Vorbescheide (IV-act. 144 und 146) und beantragte - da die
Eingliederung gescheitert sei - die Zusprache einer Rente aufgrund eines Invaliditäts
grades von 55%.
D.
Am 28. September 2010 verfügte die IV-Stelle den Abschluss der Arbeitsvermittlung
(IV-act. 148). Mit ebenfalls am 28. September 2010 ergangener Verfügung (IV-act. 149)
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab. Sie hielt dabei im Wesentlichen fest, die im
Rückweisungsentscheid des Versicherungsgerichts angeordnete Prüfung von
Eingliederungsmöglichkeiten sei erfolglos verlaufen. Das Bundesgericht habe in seinem
Nichteintretensentscheid vom 30. Oktober 2009 festgehalten, dass die Beschwerde
gegnerin bei der vom Versicherungsgericht angeordneten Prüfung der Eingliederungs
möglichkeiten nicht von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen habe. Damit habe
es durchblicken lassen, dass die von ihr (der Beschwerdegegnerin) vertretene Auf
fassung, wonach die im MEDAS-Gutachten in der Gesamtbeurteilung attestierte
50%ige Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten nicht plausibel erscheine, berechtigt
sei. Aufgrund dieser Feststellung seien die Erwägungen im kantonalen
Gerichtsentscheid nicht bindend. Sie verwies auf ihre Argumentation in der
Beschwerde ans Bundesgericht, wonach aus rechtlichen Gründen von einer 100%igen
Arbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten für behinderungsangepasste Tätigkeiten
auszugehen sei. Da die seit dem Urteil des Bundesgerichts eingeholten Arztberichte
keine Veränderung des Gesundheitszustandes seit der MEDAS-Begutachtung im
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November 2006 belegen würden, bestehe weiterhin eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für
behinderungsangepasste Tätigkeiten. Der Einkommensvergleich anhand eines Validen-
und Invalideneinkommens von jeweils Fr. 59'979.-- ergebe daher einen Invaliditätsgrad
von 0%, womit ein Rentenanspruch zu verneinen sei.
E.
Der Beschwerdeführer lässt gegen den Rentenentscheid am 20. Oktober 2010 Be
schwerde (act. G1) erheben und die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
rückwirkende Gewährung einer halben Rente ab Beginn der Arbeitsunfähigkeit be
ziehungsweise nach Ablauf der Wartefrist beantragen. Die Beschwerdegegnerin gehe
fälschlicherweise davon aus, dass das Bundesgericht trotz Nichteintretens auf ihre Be
schwerde ihre Position vollumfänglich gutgeheissen habe. Der medizinische Sachver
halt habe sich – zumindest in somatischer Hinsicht – seit der MEDAS-Begutachtung
nicht verändert. Aufgrund dieser MEDAS-Begutachtung sei damals ein Invaliditätsgrad
von 55% ermittelt worden. Deshalb gelte dieser Invaliditätsgrad nach wie vor, womit
ihm eine halbe Rente zu gewähren sei.
F.
Mit Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2010 (act. G 4) beantragt die Beschwerde
gegnerin die Abweisung der Beschwerde und führte im Wesentlichen aus, dass es sich
bei der im Gutachten erwähnten Tätigkeit als P._ nicht um eine adaptierte Tätigkeit
handle. Zudem sei das aus dem Schleudertrauma hervorgegangene Schmerzsyndrom
des Beschwerdeführers nicht invalidisierend. Es lägen keine anderen qualifizierte, mit
gewisser Identität und Konstanz erfüllte Kriterien vor, die insgesamt den rechtlichen
Schluss auf eine invalidisierende Gesundheitsschädigung gestatten würden.
G.
Mit Replik vom 17. Januar 2011 (act. G 7) hält der Beschwerdeführer an den mit Be
schwerde vom 20. Oktober 2010 gestellten Anträgen fest. Er führt im Wesentlichen
aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Problematik, namentlich das Vorneigen
des Kopfes, existent sein sollte. Die medizinischen Feststellungen des Gutachtens
sollten nicht als somatoforme Schmerzstörung abgetan werden, wie dies die
Beschwerdegegnerin tue. Da sich der seit Jahren stationäre Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers definitiv chronifiziert habe, werde eine Zusatzabklärung beantragt.
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Diese sei von der MEDAS durchzuführen, weil ansonsten der Vergleich zur damaligen
Situation nicht gewährleistet sei.
H.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 25. Januar 2011 auf eine Duplik.
Erwägungen:
1.
Mit Rückweisungsentscheid des Versicherungsgerichts vom 17. August 2009 (IV-
act. 110-1 ff.) wurden berufliche Massnahmen angeordnet und in der Folge durch
geführt. Namentlich wurde dem Beschwerdeführer Hilfe bei der Arbeitsvermittlung
gewährt. Diese Eingliederungsmassnahmen verliefen indessen erfolglos und wurden
eingestellt, was vom Beschwerdeführer auch nicht beanstandet wird. Damit ist vor
liegend einzig der Rentenanspruch zu prüfen. Es stellt sich zuerst die Frage der Höhe
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers.
2.
Vorab ist in Bezug auf die Annahme der Beschwerdegegnerin - wonach die Aus
führungen des Bundesgerichts bestätigen sollen, dass die Erwägungen des Ver
sicherungsgerichts zur Arbeitsunfähigkeit unzutreffend seien - Folgendes festzuhalten:
Der bundesgerichtliche Hinweis darauf, dass die entsprechenden Erwägungen des
Urteils des Versicherungsgerichts vom 17. August 2009 aufgrund des fehlenden Ver
weises im Dispositiv nicht bindend seien, impliziert nicht, dass sie als solche unzu
treffend wären. Vielmehr handelt sich bei den Ausführungen des Bundesgerichts einzig
um die Prüfung der Eintretensvoraussetzungen der Beschwerde, mithin um formal
rechtliche und nicht um materiellrechtliche Überlegungen. Das Bundesgericht hat die
Höhe des Invaliditätsgrades oder die Höhe der Arbeitsunfähigkeit weder kommentiert
noch dementiert oder bestätigt, womit sich das entsprechende Argument der Be
schwerdegegnerin als unzutreffend erweist.
3.
3.1 Betreffend die vorliegend interessierende Frage der Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers bemängelt die Beschwerdegegnerin, die im Gutachten attestierte
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Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 50% sei unplausibel, während der
Beschwerdeführer daran festhält. Im orthopädischen MEDAS-Teilgutachten (IV-act.
73-24 und 73-14) diagnostizierte Dr. med. I._, Orthopädische Chirurgie FMH, ein
chronisches Schmerzsyndrom nach Schleuderung der Halswirbelsäule (HWS). Es
wurde darin zwar festgehalten, dass aufgrund der angegebenen Beschwerden bei einer
beruflichen Tätigkeit kein langdauerndes Vornüberbeugen des Kopfes vorkommen
sollte. Die übrigen medizinischen Überlegungen, wonach dieses Vornüberbeugen des
Kopfes höchstens einen zweistündigen Einsatz mit längeren Pausen dazwischen
zulasse, beziehen sich jedoch nur auf die Tätigkeit als Koch; andere mögliche
Tätigkeiten blieben unerwähnt. Im psychiatrischen Teilgutachten von Dr. med. J._,
Psychiatrie und Psychotherapie, wurde beim Beschwerdeführer hauptsächlich ein
chronisches rechtsbetontes zervikozephales Schmerzsyndrom und depressive
Störungen verbunden mit einem chronischen Schmerzsyndrom nach HWS-
Distorsionstrauma diagnostiziert und festgehalten, dass beim Beschwerdeführer allein
aus psychischen Gründen eine Arbeitsunfähigkeit von 35% bestehe (IV-act. 73-29 ff.
und 73-15). Im Hauptgutachten führte Dr. med. K._, MEDAS, aus, dass sich aus
internistischer Sicht zusätzliche qualitative Einschränkungen ergäben, indem
lufthygienisch akzeptable Bedingungen gefordert werden müssten und dass
Tätigkeiten unter Dauerstress vermieden werden sollten. Schliesslich massgebend für
die polydisziplinäre Arbeitsfähigkeitseinschätzung der MEDAS-Ärzte war jedoch die
rheumatologische Untersuchung und Beurteilung von Dr. med. D._, Innere Medizin/
Rheumatologie FMH, die bereits am 8. Februar 2005 (IV-act. 60-54 ff.) erfolgt war. Im
entsprechenden Arztbericht vom 10. Februar 2005 war festgehalten worden, dem
Beschwerdeführer sei aus rein rheumatologischer Sicht eine leichte Arbeit in
Wechselbelastung und ohne regelmässige Rotationsbewegungen der Halswirbelsäule
mit einer Arbeitsfähigkeit von 50% zuzumuten. Dr. D._ führte diesbezüglich explizit
aus, dass dabei weder die neuropsychologischen noch die psychiatrischen
Beschwerden berücksichtigt worden seien. Dr. K._ hielt daher – unter Bestätigung
der Einschätzungen Dr. D._s – in der Gesamtbeurteilung des Gutachtens im Januar
2007 fest, dass polydisziplinär von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit adaptiert,
spätestens ab Februar 2005, auszugehen sei (IV-act. 73-20). Die Beurteilungen
Dr. D._s waren sodann auch massgebend für den Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 17. August 2009. Das Gericht erachtete diese
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Einschätzungen als plausibel und bestätigte in seinem Urteil die Arbeitsfähigkeit von
50% in adaptierter Tätigkeit (vgl. IV-act. 110-1 ff. und dortige Erw. 2.2). Im Übrigen
teilte auch der RAD in einer Stellungnahme vom 8. Juni 2010 die im Gutachten
attestierte und im Entscheid des Versicherungsgerichts bestätigte
Arbeitsfähigkeitsschätzung (IV-act. 137). Da sich seither keine Veränderungen ergeben
haben, was im Übrigen unbestritten ist, ist nach wie vor von einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit auszugehen.
4.
Auf dieser Basis ist im Folgenden zu überprüfen, ob der Beschwerdeführer Anspruch
auf eine Invalidenrente hat.
4.1 Am 1. Januar 2008 ist die 5. IV-Revision in Kraft getreten. Die
Beschwerdegegnerin hat die angefochtene Verfügung am 28. September 2010, also
unter der Geltung des Rechts dieser Revision, erlassen. Zu beurteilen ist der
Sachverhalt, wie er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Verfügung entwickelt
hat. Dieser Sachverhalt reicht in eine Zeit vor Inkrafttreten der 5. IV-Revision zurück.
Soll auf bestimmte Sachverhalte nicht neues Recht Anwendung finden, sondern das
aufgehobene Recht massgebend bleiben, muss eine geltende Norm die
Weiteranwendbarkeit aufgehobenen Rechts für bestimmte Sachverhalte anordnen. Die
5. IV-Revision enthält keine die Rente betreffende übergangsrechtliche Bestimmung.
Das Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt aber zu Recht eine
ausfüllungsbedürftige Lücke (vgl. das Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007).
Die Definition der Sachverhalte, auf die noch altes Recht anwendbar sein soll, sollte
durch ein materiellrechtliches, unbeeinflussbares Merkmal erfolgen. In Frage kommen
der Zeitpunkt der Entstehung des Auszahlungsanspruchs oder der Eintritt des
Versicherungsfalls, beide definiert nach dem alten, ausser Kraft getretenen Recht (zum
Ganzen im Detail der Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen i/S
M. vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5). Bezüglich des Rentenbeginns sind deshalb
vorliegend angesichts der IV-Anmeldung von August 2004 und des Eintritts der
Arbeitsunfähigkeit im August 2004 die bis zum 31. Dezember 2007 gültig gewesenen
Bestimmungen (im Folgenden angeführt) anzuwenden. Für die Invaliditätsbemessung
hat sich indessen materiell keine Änderung der Rechtslage ergeben.
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4.2 Ob ein Anspruch besteht und - bejahendenfalls - in welcher Höhe eine Invaliden
rente ausgerichtet wird, bestimmt sich nach dem Invaliditätsgrad (Art. 28 Abs. 2 des
Bundesgesetztes über die Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Liegt ein
Invaliditätsgrad von mindestens 40% vor, besteht Anspruch auf eine Viertelsrente. Aus
einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% resultiert ein Anspruch auf eine halbe
Rente. Eine Dreiviertelsrente steht denjenigen Versicherten zu, die einen Invaliditäts
grad von mindestens 60% aufweisen und eine ganze Rente denjenigen, deren
Invaliditätsgrad mindestens 70% beträgt (Art. 28 Abs. 2 IVG).
4.3 Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad in der Regel aufgrund
eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das
die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das
sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; 830.1]). Der Ein
kommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander
gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht
genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten
Umstände zu schätzen und sind die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu
vergleichen. Lassen sich die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen nicht zuver
lässig ermitteln oder schätzen, so ist in Anlehnung an die spezifische Methode für
Nichterwerbstätige (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherungen [IVV;
831.201]) bei selbstständig Erwerbenden ein Betätigungsvergleich anzustellen
(ausserordentliches Bemessungsverfahren) und der Invaliditätsgrad nach Massgabe
der erwerblichen Auswirkungen der verminderten Leistungsfähigkeit in der konkreten
erwerblichen Situation zu bestimmen (vgl. BGE 128 V 30 f. E. 1 mit Hinweisen).
4.4 Die Höhe des Invaliditätsgrades wurde bereits im Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 17. August 2009 mittels
Einkommensvergleichs errechnet: Es wurde festgehalten, im Falle des
Beschwerdeführers sei von einer Validenkarriere als unselbständig Erwerbender
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auszugehen. Der Durchschnittslohn gemäss LSE-Tabelle TA1 2006 Niveau 4 von
Fr. 4'732.-- und eine entsprechende nominelle Aufwertung auf die Verhältnisse des
Jahres 2007 (1.6% Nominallohnsteigerung) ergaben ein Valideneinkommen von
Fr. 57'696.--. Das Invalideneinkommen ergab unter Berücksichtigung eines Teilzeit-
Abzugs von 10% und einer hälftigen Arbeitsfähigkeit (inklusive Nominallohnsteigerung
von 1.6%) einen jährlichen Betrag in Höhe von Fr. 25'962.--. Damit errechnete sich ein
Invaliditätsgrad von 55%. In Ermangelung einer Änderung der Verhältnisse – sowohl
was die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit als auch deren erwerbliche
Auswirkungen betrifft – behalten diese gerichtlichen Erwägungen ihre Gültigkeit.
4.5 Aufgrund des Invaliditätsgrades von 55% ist dem Beschwerdeführer eine halbe
Rente zuzusprechen.
4.6 Festzusetzen bleibt der Zeitpunkt des Rentenbeginns. Der Beschwerdeführer
erlitt am 12. August 2003 den ausschlaggebenden Unfall. Im August 2004 meldete er
sich zum Bezug einer Rentenleistung an. In Anwendung des damals geltenden Rechts
ist dem Beschwerdeführer daher ab August 2004 eine halbe Rente zuzusprechen.
5.
5.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Die angefochtene Ver
fügung vom 28. September 2010 wird aufgehoben und dem Beschwerdeführer wird
eine halbe Rente ab August 2004 zugesprochen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Der Beschwerdeführer hat obsiegt, womit die Beschwerde
gegnerin vollumfänglich unterliegt. Sie hat deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von
Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss ist dem Beschwerdeführer
zurückzuerstatten.
5.3 Die obsiegende beschwerdeführende Partei hat gemäss Art. 61 lit. g ATSG An
spruch auf eine Parteientschädigung. Deren Höhe wird vom Versicherungsgericht unter
Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand festgesetzt. In der
1bis
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Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art. 22
Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1‘000.-- bis Fr. 12‘000.--. Der Rechts
vertreter des Beschwerdeführers hat keine Kostennote eingereicht. Im vorliegenden
Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP