Decision ID: 88e7b575-b673-4f19-af3b-0a4787995085
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc. Berufung gegen ein Urteil des Jugendgerichtes Zürich vom 6. Juli 2015
(DJ150004)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt vom 18. März 2015 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 27).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB.
2. Von einer Strafe oder Massnahme wird abgesehen.
3. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 10'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 1. Oktober 1999 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag
(Zins) wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 150.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 19'056.80 Auslagen Untersuchung
Fr. 10'277.65 amtliche Verteidigung
Fr. 9'617.40 unentgeltliche Rechtsbeiständin Privatklägerin
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung und diejenigen der unent-
geltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten
zu einem Viertel auferlegt.
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7. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 10'277.65 (inkl. Mehrwertsteuer) ent-
schädigt. Diese Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen, vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 25 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 135
Abs. 4 StPO im Umfang von einem Viertel.
8. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin der Privatklägerin, Rechtsanwältin
lic. iur. Y._, wird mit Fr. 9'617.40 (inkl. Mehrwertsteuer) entschädigt.
Diese Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen, vorbehalten bleibt
eine Nachforderung beim Beschuldigten gemäss Art. 25 Abs. 2 JStPO i.V.m.
Art. 426 Abs. 1 und Abs. 4 StPO, Art. 138 Abs. 1 und Art. 135 Abs. 4 StPO
im Umfang von einem Viertel.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 58)
1. Der Appellant sei vollumfänglich freizusprechen
2. Auf die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren sei nicht einzutre-
ten.
3. Dem Appellanten sei eine Genugtuung von Fr. 8'000.– auszurichten.
4. Das Kostendispositiv der ersten Instanz sei entsprechend dem Aus-
gang des zweitinstanzlichen Verfahrens anzupassen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive die Kosten der amtli-
chen Verteidigung, seien definitiv auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich:
Keine Anträge
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c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Prot. II S. 20 f.)
Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil
entsprechend zu bestätigen, d.h. der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen
der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB sowie
der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB. Im
Übrigen sei entsprechend dem Dispositiv zu entscheiden.
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Erwägungen:
I. Formelles
1. Das Jugendgericht Zürich sprach den Beschuldigten am 6. Juli 2015 der
mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB und der mehrfa-
chen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig, nahm von
einer Bestrafung Umgang, verwies die Privatklägerin mit ihrem Schadenersatzbe-
gehren auf den Zivilweg und verpflichtete den Beschuldigten zur Zahlung einer
Genugtuung von Fr. 10'000.– an die Privatklägerin (Urk. 49, S. 47 ff.). Gegen die-
ses Urteil meldete der amtliche Verteidiger des Beschuldigten für diesen am
9. Juli 2015 fristgerecht Berufung an (Urk. 44). In seiner Berufungserklärung vom
22. Oktober 2015 beantragte er, den Beschuldigten von Schuld und Strafe freizu-
sprechen, auf die Zivilklage der Privatklägerin sowohl bezüglich Schadenersatzes
als auch bezüglich Genugtuung nicht einzutreten sowie dem Beschuldigten eine
Genugtuung von Fr. 8'000.– zuzusprechen (Urk. 50).
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2. Mit Präsidialverfügung vom 26. Oktober 2015 wurde der Oberjugendan-
waltschaft und der Privatklägerin Frist zur Anschlussberufung angesetzt, der Pri-
vatklägerin zudem zur Erklärung, ob sie den Antrag stelle, dass dem Gericht min-
destens eine Person weiblichen Geschlechts angehöre (Art. 335 Abs. 4 StPO)
und ob sie gegebenenfalls von einer Person weiblichen Geschlechts einvernom-
men werden wolle (Art. 153 Abs. 1 StPO; Urk. 52). Innert Frist sind weder An-
schlussberufungen noch entsprechende Anträge der Privatklägerin eingegangen.
Hingegen ersuchte Oberjugendanwalt Silvio Stierli um Dispensation von der
Hauptverhandlung vom 16. Februar 2016, was am 11. Dezember 2015 bewilligt
wurde (Urk. 54).
3. Gemäss Art. 402 in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung im
Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des an-
gefochtenen Urteils dementsprechend gehemmt. Nachdem die Dispositivziffern 4
teilweise (Genugtuungspunkt insoweit, als das Zinsbegehren teilweise abgewie-
sen wurde), 5 (Kostenfestsetzung), 7 und 8 (Kostenauflage amtliche Verteidigung
und unentgeltliche Rechtsverbeiständung) nicht angefochten worden sind
(Urk. 50; vgl. auch Urk. 58), ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vor-
instanzliche Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
4. In der heutigen Berufungsverhandlung stellte der Beschuldigte die ein-
gangs aufgeführten Anträge zur Sache. Der Fall ist spruchreif.
II. Anwendbares Recht / Verjährung
1. Dem am tt. Dezember 1985 geborenen Beschuldigten wird in der Ankla-
geschrift vorgeworfen, seine am tt. Juni 1993 geborene Halbschwester in nicht
mehr genau bestimmbaren Zeitpunkten zwischen Ende Juni 1998 und 23. De-
zember 2000 mehrfach vergewaltigt und sexuell genötigt zu haben. Zu den ihm
vorgeworfenen Tatzeiten war der Beschuldigte demnach zwischen 12 und 14 Jah-
re alt, weshalb auf ihn das Jugendstrafrecht Anwendung findet. Sowohl das mate-
rielle Jugendstrafrecht als auch das Jugendstrafprozessrecht (wie auch die ent-
sprechenden Gesetze für Erwachsene) sind seit den Tatzeitpunkten umfassend
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revidiert worden. Das neue Jugendstrafgesetz (JStG) trat am 1. Januar 2007, die
neue Jugendstrafprozessordnung (JStPO) am 1. Januar 2011 in Kraft. Die Vor-
instanz hat die Fragen des anwendbaren materiellen und formellen Rechts zutref-
fend wiedergegeben (Urk. 49 S. 5-7). Darauf kann verwiesen werden. Insbeson-
dere hat sie richtig erkannt, dass die neuen Prozessgesetze zur Anwendung ge-
langen (Art. 3 Abs. 2 JStPO und Art. 448 Abs. 1 StPO). Sodann hat sie ebenfalls
richtig erkannt, dass der Beschuldigte nach dem materiellen Recht, welches im
Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten galt, zu beurteilen ist, es sei denn, das
neue materielle Recht erweise sich bei konkreter Anwendung auf den zu beurtei-
lenden Fall als das mildere (Art. 2 StGB). Diese Voraussetzung ist vorliegend
nicht gegeben, namentlich weil der Beschuldigte nach altem Recht zur Tatzeit
noch als Kind galt (Art. 82 Abs. 2 aStGB), und bei Kindern bereits dann von jegli-
cher Strafe oder Massnahme Abstand genommen werde konnte, wenn seit der
Tat drei Monate vergangen waren (Art. 88 aStGB). Diese Bestimmung führt dazu,
dass der Beschuldigte mehr als 15 Jahre nach der letzten Tat, während denen er
sich nach den vorliegenden Akten nichts mehr hat zu Schulden kommen lassen,
selbst im Falle einer Verurteilung nach dem im Tatzeitpunkt geltenden Recht kei-
ne Strafe oder Massnahme gewärtigen müsste. Das neue Recht hingegen sieht
gemäss Art. 21 Abs. 1 lit. f JStG dann eine Strafbefreiung vor, wenn seit der Tat
verhältnismässig lange Zeit verstrichen ist, der Jugendliche sich wohlverhalten hat
und das Interesse der Öffentlichkeit und des Geschädigten an der Strafverfolgung
gering ist. Ob die letztgenannten zusätzlichen Voraussetzungen in casu erfüllt
sind, kann offenbleiben. Denn selbst wenn es auch nach neuem Recht zu einer
Strafbefreiung käme, wäre dies nicht milder als die altrechtliche Regelung. Im Er-
gebnis ist deshalb das alte Recht anzuwenden.
2. Die Vorinstanz hat weiter richtig erkannt, dass die Anwendung des alten
Rechts eine gewichtige Einschränkung erfährt: Gemäss dem am 1. Januar 2007
in Kraft getretenen JStG, konkret Art. 36 Abs. 2 JStG, wird normiert, dass die Ver-
folgungsverjährung bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung von Kindern unter
16 Jahren frühestens nach Ablauf des 25. Altersjahres des Opfers eintreten kann
und dass diese Regel auch rückwirkend gilt, wenn im Zeitpunkt des Inkrafttretens
des Jugendstrafrechts am 1. Januar 2007 die Verfolgungsverjährung noch nicht
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eingetreten ist. Diese Voraussetzung ist vorliegend gegeben, verjährten doch die
dem Beschuldigten vorgeworfenen Delikte nach altem Recht nach 10 Jahren
(Art. 70 Abs. 2, Art. 189 Abs. 1 und Art. 190 Abs. 1 aStGB) und damit frühestens
im Juni 2008, weshalb die Verfolgungsverjährung im Zeitpunkt des Inkrafttretens
von Art. 36 Abs. 2 JStG am 1. Januar 2007 noch nicht eingetreten war. Diese ge-
setzlich explizit normierte Rückwirkung steht offensichtlich in einem Spannungs-
verhältnis zu Art. 2 StGB (lex mitior). Um diese beiden Bestimmungen in Einklang
zu bringen wird argumentiert, dass ein Beschuldigter, solange die Verjährung der
Straftat noch nicht eingetreten sei, ständig damit rechnen müsse, strafrechtlich
zur Verantwortung gezogen zu werden, weshalb er keine entlastenden Beweis-
mittel beseitigen könne. Werde diese Verjährungsfrist verlängert, so erfahre seine
Rechtsposition im Grundsatz keine Verschlechterung (KILIAS/KUHN/DONGOIS/AEBI,
Grundriss des Allgemeinen Teils des Schweizerischen Strafgesetzbuches, Bern
2008, Rz 1639). Der Kerngehalt von Art. 2 StGB ist es zu verhindern, dass ein
Beschuldigter für eine Handlung bestraft wird, die im Zeitpunkt der Tat nicht straf-
bar war, oder dass er eine Strafe erhält, die im Zeitpunkt der Tat für diese Hand-
lung nicht angedroht wurde. Dieser Kerngehalt wird vorliegend respektiert. Der
Gesetzgeber hat mit der Gesetzesrevision die Rechte des Opfers höher gewichtet
als diejenigen des Täters. Die explizite gesetzliche Regelung in Art. 36 Abs. 2
JStG geht Art. 2 nach dem Grundsatz lex specialis derogat legi generali vor. Im
Ergebnis steht fest, dass die dem Beschuldigten vorgeworfenen Taten nicht ver-
jährt sind. Immerhin ist aber darauf hinzuweisen, dass die Verjährung weiter vo-
ranschreitet, mithin die erstinstanzliche Verurteilung den Lauf der Verjährung nicht
stoppt, da Art. 97 Abs. 3 StGB gemäss Art. 1 Abs. 2 lit. j JStG im Jugendstrafrecht
nicht anwendbar ist und auch die altrechtliche Regelung keine entsprechende
Norm kannte. Die Verjährung würde deshalb am 30. Juni 2018 eintreten.
III. Tatsächliches
1. Dem Beschuldigten wird in Ziffer I der Anklageschrift vorgeworfen, in der
Zeit von Ende Juni 1998 bis längstens am 23. Dezember 2000 seine Halbschwes-
ter B._ zehn bis zwölf Mal abends unter dem Vorwand, sie dürfe seinen
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Computer benützen, oder ähnlichen Versprechungen in sein Zimmer im elterli-
chen Haus in C._ SH gelockt und sie aufgefordert zu haben, sich auszuzie-
hen. Dann habe er sich selber ausgezogen und seinen Penis zumindest in den
Scheidenvorhof von B._ eingeführt, welche deshalb Schmerzen gehabt, ge-
weint und ihn aufgefordert habe aufzuhören, worauf er aber nicht eingegangen sei
(mehrfache Vergewaltigung). Im selben Zeitraum soll er B._ auf gleiche Wei-
se mehr als zehn Mal in sein Zimmer gelockt haben, wo sich wiederum beide
ausgezogen und er B._ aufgefordert habe, seinen Penis in den Mund zu
nehmen, was sie auch getan haben soll (Anklageziffer II.1., mehrfache sexuelle
Nötigung). Schliesslich soll er in derselben Zeitspanne einmal in der "Manor"-
Filiale in Schaffhausen der Geschädigten auf die Toilette gefolgt und dort von
vorne mit der Zunge den Genitalbereich von B._ geleckt haben (Anklagezif-
fer II.2., sexuelle Nötigung). Der Beschuldigte bestritt und bestreitet nach wie vor
alle Vorwürfe.
2.1. Die Vorinstanz hat sehr sorgfältig und ausführlich die massgebenden
Beweismittel, die Grundsätze der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung
der Aussagen von Beschuldigten, Privatklägern und Zeugen genannt, die Glaub-
würdigkeit der aussagenden Personen beleuchtet und die konkreten Aussagen
unter Einbezug des Glaubhaftigkeitsgutachtens von Dr. phil. D._, Diplompsy-
chologin E._ und Dr. med. F._ vom 4. Juli 2014 (Urk. 17/4) entspre-
chend diesen Grundsätzen gewürdigt (Urk. 49, S. 8-39). Auf diese zutreffenden
Ausführungen kann, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, vollumfänglich
verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.2. Ergänzend ist sodann festzuhalten, dass im vorliegenden Verfahren die
Schwierigkeit darin besteht, dass Vorfälle beweismässig zu erstellen sind, welche
sich mehr als 10 Jahre vor der Erstanzeige ereignet haben sollen. Sodann basiert
die Anklage im Wesentlichen auf den Aussagen eines im Tatzeitpunkt fünf- bis
siebenjährigen Mädchens. Diese besondere Beweislage hat die Untersuchungs-
behörde - richtigerweise - veranlasst, ein Glaubhaftigkeitsgutachten in Auftrag zu
geben, welches sich u.a. auch über die generelle Zeugnistüchtigkeit der Privat-
klägerin zu äussern hatte. Die Gutachter stützten sich für ihre Einschätzung auf
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eine testpsychologische Untersuchung der Privatklägerin und eine eigene Befra-
gung sowie auf die Exploration ihrer Einvernahmen bei der Polizei, welche jeweils
in Bild und Ton aufgenommen worden waren und den Gutachtern vorlagen
(Urk. 17/9, S. 21). Die Gutachter kommen zum Schluss, dass die Privatklägerin
eine unterdurchschnittliche Intelligenz mit einem Gesamtwert IQ 81 aufweist. Die
Ergebnisse der kognitiven Abklärung hätten insbesondere ergeben, dass im Ver-
balteil (IQ 73) und im Sprachverständnis (IQ 69) unterdurchschnittliche Werte vor-
lägen. Diese eingeschränkten verbalen Fähigkeiten würden sich in einem kleinen
Wortschatz und deshalb auch wortarmen Beschreibungen manifestieren
(Urk. 17/9, S. 21). Der Privatklägerin fehle deshalb zuweilen das exakte Wort für
eine bestimmte Sache, weshalb sie dann oft nur "Dings" sage. Weiter seien ge-
wisse Verständnisschwierigkeiten zu beobachten, wenn Fragen mit erhöhter
Komplexität gestellt würden, wie zum Beispiel, welche Geräusche eine Person,
welche im ersten Stock in der Küche stehe, aus dem hinteren Kinderzimmer im
zweiten Stock hätte hören können (vgl. dazu z.B. Urk. 14/8/2, S. 63). Die Fragen
müssten deshalb möglichst einfach formuliert werden. Insgesamt werden der Pri-
vatklägerin aber sowohl die kognitiven als auch die psychischen Voraussetzungen
zur Erstattung einer gerichtsverwertbaren Aussage attestiert. Sie sei in der Lage,
über selbst erlebte Ereignisse zu berichten, und damit allgemein zeugnistüchtig
(Urk. 17/9, S. 21). Diese Einschätzung der Gutachter ist gut fundiert und überzeu-
gend.
2.3.1. Der Verteidiger des Beschuldigten macht geltend, dass unüberwindli-
che Zweifel an der Schuld seines Mandanten bestünden, weshalb es nach dem
Grundsatz in dubio pro reo zu einem Freispruch kommen müsse (Prot. I, S. 7).
Die begründeten Zweifel verortet er zunächst im Zusammenhang mit der Strafan-
zeige bei der Kantonspolizei Schaffhausen, welche am 22. März 2011 erfolgte
(Prot. I, S. 8; Prot. II, S. 15 f.). Der Polizeirapport gebe sehr plastisch wieder, wie
die Privatklägerin von Übergriffen seitens des Beschuldigten berichte und ganz
unvermittelt auch Übergriffe des Vaters nenne und anfüge, dass sie Letzteren
aber nicht anzeigen wolle. Sodann habe sie angegeben, bereits vor vier Jahren
der Mutter von den Übergriffen des Vaters berichtet zu haben. Danach hätten die-
se aufgehört. Es sei völlig unverständlich, dass sie damals gegenüber der Mutter
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nichts von angeblichen Übergriffen seitens des Bruders gesagt habe. Abschlies-
send habe sich die Privatklägerin im Rahmen der Strafanzeige dann doch dahin-
gehend geäussert, die Bestrafung von Stiefbruder und Vater zu wollen. Aus die-
sem inkongruenten Anzeigeverhalten leitet die Verteidigung ab, dass die Privat-
klägerin die Anzeige gegen den Stiefbruder vorgeschoben habe. Sie sei wegen
der Übergriffe des Vaters derart unter Druck gestanden und verzweifelt gewesen,
dass sie endlich gegen aussen habe treten müssen. Insbesondere nachdem sie
habe feststellen müssen, dass die Mutter ihre Offenbarung nicht beachtet habe.
Wenn die Privatklägerin während der Anzeige verklausuliert angegeben habe,
auch vom Vater missbraucht worden zu sein, um sofort nachzuschieben, dass sie
dessen Bestrafung nicht wolle, habe sie gespürt, dass sie damit wohl nicht gerade
überzeugend aufgetreten sei, weshalb sie abschliessend die Bestrafung von bei-
den verlangt habe. Die Anzeige gegen den Stiefbruder, zu welchem sie ein prob-
lematisches Verhältnis gehabt habe, habe offensichtlich als Vehikel gedient, um
den Vater anzuzeigen, der dann ja auch verurteilt worden sei. Hinter der Anzeige
gegen den Stiefbruder stünden effektiv aber keine realen Erfahrungen (Prot. I, S.
8-9).
2.3.2. Der Orientierungsbericht des Polizisten G._ von der Schaffhau-
ser Polizei (Urk. 1/1) beschreibt die Umstände der Anzeigeerstattung durch die
Privatklägerin und fasst ihre ersten Aussagen zusammen. Gemäss diesem Be-
richt hat die Privatklägerin angegeben, sie sei vor zehn Jahren, als sie sieben
Jahre alt gewesen sei, von ihrem Stiefbruder, welcher 13 Jahre alt gewesen sei,
sexuell missbraucht worden. Er habe sie in sein Zimmer gelockt, die Türe abge-
schlossen und ihr gesagt, dass, wenn sie gewisse Handlungen mache, er sie un-
ter anderem mit Süssigkeiten belohnen würde. Sie habe dann getan, was er ge-
wollt habe. Er habe sie angefasst und sie habe sich ausziehen und seinen Penis
in den Mund nehmen müssen. Weiter habe er mehrmals den Geschlechtsverkehr
mit ihr vollzogen. Beim ersten Mal habe sie stark geblutet. Er habe nie ein Kon-
dom gebraucht und sei, soweit sie sich zu erinnern vermöge, meistens zum Sa-
menerguss gekommen. Der Beschuldigte habe sich während etwa einem Jahr an
ihr vergriffen. Darauf habe er die Familie verlassen müssen, weil er mit einem
Messer auf die Mutter losgegangen sei. Er habe dann in einer Pflegefamilie in Zü-
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rich gelebt. Sie pflege keinen Kontakt mehr zu ihm (Urk. 1/1 S. 3). Mitten in der
Einvernahme habe die Privatklägerin sodann angegeben, dass die Vorfälle mit ih-
rem Stiefbruder nach denen mit ihrem Vater begonnen hätten. Auf Nachfrage ha-
be sie erklärt, dass sie auch von ihrem Vater missbraucht worden sei. Sie wolle
ihn aber nicht anzeigen, denn sie wohne ja mit der Mutter und ihm zusammen in
seinem Haus. Der Vater habe sie, wenn sie alleine zu Hause gewesen seien, ins
Schlafzimmer geholt. Dort habe er sie angefasst und sei mit seinen Fingern in sie
eingedrungen. Sie habe nie Handlungen an ihm vornehmen müssen. Weiter habe
die Privatklägerin ausgeführt, dass sie ihrer Mutter vor vier Jahren davon berichtet
habe. Diese sei schockiert gewesen. Weiter hätten sie nichts unternommen. Nach
diesem Gespräch hätten allerdings die Übergriffe aufgehört. Abschliessend habe
die Privatklägerin erklärt, sie wolle mit dieser Anzeige bewirken, dass ihr Vater
und ihr Stiefbruder für diese Handlungen bestraft würden (Urk. 1/1 S. 3 f.).
2.3.3. Was die Verteidigung des Beschuldigten aus diesem Orientierungsbe-
richt ableitet, überzeugt nicht. Zunächst ist festzuhalten, dass es nicht ungewöhn-
lich erscheint, dass ein fünf- bis siebenjähriges Mädchen nicht die Kraft und Ein-
sicht hat, einen Missbrauch sofort zu melden. Die Entstehungsgeschichte der
Erstanzeige wird von der Privatklägerin sodann nachvollziehbar dargelegt. Ge-
mäss ihren Aussagen hat sie im Alter von 13 Jahren (also im Jahr 2006) ihrer
Mutter andeutungsweise von den sexuellen Handlungen erzählt. Entgegen der
Behauptung der Verteidigung hielt die Privatklägerin in ihrer Einvernahme klar
fest, dass sie damals sowohl ihren Vater als auch ihren Bruder A._ gegen-
über der Mutter erwähnte ("mit dene zwei"; "ich ha eifach gseit, sie händ mi ir-
genwo aglanged, wo n'ich nüd will."; "Vo beidne gredet."; Urk. 14/8/2, S. 73). Die
Mutter habe das zur Kenntnis genommen, aber keine weiteren Schritte eingelei-
tet. Dies wird von der Mutter bestätigt (Urk. 15/3, S. 22). Erst im Jahr 2011, kurz
vor der Anzeige, thematisierte die Privatklägerin die sexuellen Handlungen von
sich aus erneut. Sie habe das Gespräch mit ihrer damaligen Klassenlehrerin ge-
sucht und ihr andeutungsweise von diesen Übergriffen berichtet. Die Lehrerin ha-
be ihr dann geraten, die Telefonnummer 147 anzurufen, welche sie dann an die
kantonale Opferhilfestelle verwiesen habe (Urk. 1/9/2, S. 6). Die Lehrerin H._
selbst erinnerte sich nicht mehr daran, dass die Privatklägerin mit ihr über sexuel-
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le Übergriffe gesprochen und sie ihr den genannten Ratschlag gegeben habe. Sie
vermutet, dass das Gespräch für die Privatklägerin eine andere Bedeutung ge-
habt haben könnte und sie die Andeutungen nicht klar verstanden habe (Urk.
15/6, S. 7 ff.). Diese Erklärung der Lehrerin ist nachvollziehbar, zumal die Privat-
klägerin nur kurze Zeit (5 Monate) bei H._ zur Schule ging und ihr deshalb
nicht besonders in Erinnerung geblieben ist (Urk. 15/6, S. 3). Dass die Lehrerin
nicht alle Andeutungen der Privatklägerin eindeutig verstanden hat, lässt sich mit
den erwähnten eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten der Privatklägerin im Ver-
balteil und Sprachverständnis in Einklang bringen. Im Orientierungsbericht wird
weiter ausgeführt, dass sich die Privatklägerin in der Folge an die Telefonbera-
tung für Kinder und Jugendliche (Telefonnummer 147) wandte, welche sie an die
Opferberatungsstelle verwies. Nach dem Gespräch mit I._ von der Opferbe-
ratung erstattete die Privatklägerin bereits am folgenden Tag Anzeige bei der
Schaffhauser Polizei. Bereits bei der Polizei schilderte sie die schweren sexuellen
Übergriffe des Beschuldigten mit Penetration und Oralverkehr, während sie be-
züglich der Übergriffe des Vaters ausführte, er habe sie an der Scheide angefasst
und seinen Finger in die Scheide eingeführt. Diese in ihrer Intensität doch deutlich
divergierenden sexuellen Übergriffe hat die Privatklägerin in allen nachfolgende
Befragungen detailliert beschrieben und im Kern bestätigt. Der Umstand, dass
sich die hier erstmals dokumentierten Vorwürfe gegen den Vater im Nachhinein
als zutreffend und wahr erwiesen haben, stärken die Glaubhaftigkeit der Aussa-
gen der Privatklägerin auch, soweit sie die hier erstmals geschilderten Übergriffe
des Beschuldigten betreffen. Im gegen den Vater geführten Strafverfahren vor
dem Kantonsgericht Schaffhausen wurde dieser am 30. Oktober 2013 wegen
mehrfacher Schändung und mehrfacher sexueller Handlung mit einem Kind zu 2
1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, wobei 6 Monate vollzogen wurden (beigezoge-
ne Akten des Kantonsgerichts Schaffhausen, pag. 470 ff.). Der Vater hat in der
gegen ihn geführten Strafuntersuchung bei der Staatsanwaltschaft Schaffhausen
zugegeben, der Privatklägerin in die Unterhose gegriffen und sie an der Scheide
berührt zu haben sowie mit seinen Fingern leicht in die Scheide eingedrungen zu
sein (Urk. 5/2, S. 2). Er erklärte, dass die Privatklägerin die Nähe zu ihm gesucht
habe. Er habe das falsch interpretiert und empfunden, dass sie "so etwas" möchte
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(Urk. 5/2, S. 2). Auch bei der Einvernahme durch die Staatsanwaltschaft Zürich
am 23. Oktober 2013 gab er die Übergriffe zu und bestätigte, dass dies in der
Zeitspanne vorgefallen sei, als die Privatklägerin 5 bis 13 Jahre alt gewesen sei
(Urk. 16/3, S. 19). Diese Umstände bestärken die Vermutung, dass die Aussagen
der Privatklägerin wahr sind. Nachvollziehbar erscheint sodann, dass die Privat-
klägerin zunächst die von ihrer Intensität her schwerwiegenderen Übergriffe des
Beschuldigten anzeigen wollte, während sie die Übergriffe des Vaters quasi ne-
benbei auch erwähnte. Die zögerliche Anzeige gegen den Vater belegt nach An-
sicht des Gerichts nicht, dass die Anzeige gegen den Beschuldigten als Vehikel
für die eigentlich gewollte Anzeige gegen den Vater gedient haben soll, sondern
vielmehr, dass die Anzeige gegen den Vater eine Folge der hauptsächlich gewoll-
ten Anzeige gegen den Beschuldigten war. Diese Einschätzung findet schliesslich
noch eine weitere Stütze in den Aussagen des Vaters über die Umstände, unter
denen er von der Strafanzeige erstmal Kenntnis erhalten habe. Dazu befragt führ-
te er bei der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt aus, dass ihm die Privatklägerin
unmittelbar nach der Anzeige in Schaffhausen telefoniert und eröffnet habe, dass
sie ihn und den Beschuldigten angezeigt habe, wobei sie ergänzt habe, dass "das
von A._" viel heftiger gewesen sei (Urk. 16/3, S. 21). Dabei sollen die Über-
griffe des Vaters in keiner Weise verharmlost werden, zumal sie von einer er-
wachsenen Person, ja sogar vom eigenen Vater erfolgten. Der graduelle Unter-
schied des Einwirkens auf die Privatklägerin ist aber gleichwohl deutlich, steht
doch das passive Berührtwerden mit dem Finger an der Scheide ohne offenkun-
dige sexuelle Befriedigung des Täters, der mehrfachen Penetration von Scheide
und Mund durch den Penis mit anschliessendem Samenerguss gegenüber.
2.3.4. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Umstände, welche zur Erstanzei-
ge bei der Schaffhauser Polizei führten, keine wesentlichen und unüberwindlichen
Zweifel am Wahrheitsgehalt der Aussagen der Privatklägerin, auf welche sich die
Anklage und die erstinstanzliche Verurteilung stützen, zu begründen vermögen.
3.1. Der Verteidiger des Beschuldigten bezeichnete in seinem Plädoyer vor
der Vorinstanz sodann die Befragungen des Beschuldigten als weiteren Punkt,
welcher zu unüberwindlichen Zweifeln an dessen Schuld und damit am Wahr-
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heitsgehalt der angeklagten Vorwürfe führen müsse (Prot. I, S. 9). Er betonte,
dass das Aussageverhalten des Beschuldigten von Beginn an kompromisslos klar
gewesen sei. Es zeige sich, dass hier nicht ein Beschuldigter spreche, der einfach
alles bestreiten wolle und der ohnehin schon geahnt hätte, dass auf ihn etwas zu-
kommen könne. Es falle auch auf, dass er der Privatklägerin nicht böse sei, son-
dern dieser gleichgültig gegenüberstehe. Es sei wahrscheinlich, dass er die
Zwangslage der Privatklägerin nachvollziehen könne, in welche sie zufolge der
Übergriffe des Vaters und der schwierigen Familienkonstellation geraten sei
(Prot. I, S. 9). Sodann verwies er darauf, dass die Privatklägerin zwar geltend ma-
che, so lange nichts von diesen Übergriffen gesagt zu haben, weil sie Angst ge-
habt habe. Dann habe sie aber offenbar Angst gehabt, als der Beschuldigte be-
reits den Familienkreis verlassen hätte und ins Heim übergetreten sei und danach
nur noch marginalen Kontakt mit der Familie gehabt habe. Die Privatklägerin habe
aber offenbar keine Angst davor gehabt, der Mutter von den Übergriffen seitens
des Vaters zu erzählen. Daraus folgert er, dass die Privatklägerin keine Angst da-
vor gehabt habe, über wahre Not zu berichten, mithin über das, was ihr vom Vater
zugefügt worden sei. Sie habe auch keine Angst vor dem Beschuldigten. Sie habe
einfach auf diesen bezogen eine Hemmung gehabt, ihn fälschlicherweise zu be-
lasten (Prot. I, S. 10).
3.2. Diesen Ausführungen des Verteidigers ist zunächst einmal zu entgeg-
nen, dass die Privatklägerin der Mutter im Jahr 2006 nicht nur von Übergriffen des
Vaters, sondern auch des Beschuldigten berichtet hat. Dies führte nicht nur die
Privatklägerin anlässlich der 2. Videobefragung durch die Kantonspolizei Zürich
vom 25. September 2013, sondern auch die Mutter, J._, anlässlich ihrer Be-
fragung als Zeugin am 23. Oktober 2013 vor der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt
explizit aus (Urk. 15/3, S. 22). Sodann ist in zeitlicher Hinsicht festzuhalten, dass
die Übergriffe des Beschuldigten in den Jahren 1998 bis 2000 stattgefunden ha-
ben sollen und er 1998 ins Heim "K._" eingetreten ist. Gemäss Aussagen der
Privatklägerin haben die sexuellen Übergriffe auch dann angedauert, als der Be-
schuldigte im Heim "K._" war, und zwar jeweils an den Wochenenden, die er
damals noch bei der Familie verbrachte (Urk. 14/8/2, S. 67 f.). Dass er zu Beginn
seiner Zeit im "K._" die Wochenenden bei seiner Familie verbracht hatte, hat
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der Beschuldigte bei seiner ersten Einvernahme bestätigt (Urk. 9/3, S. 3 ff.). Aus
diesen Aussagen und Umständen lässt sich nichts ableiten, was für die These der
Verteidigung, dass die Privatklägerin Übergriffe des Vaters fälschlicherweise dem
Beschuldigten anlasten möchte, spräche. Die Privatklägerin hat ihre Ängste und
Gründe für das lange Verschweigen der Übergriffe sodann zusammengefasst da-
hingehend beschrieben, dass sie als kleines Mädchen Angst hatte, etwas Fal-
sches zu machen und vom Vater oder dem Beschuldigten eine "Tracht Prügel" zu
bekommen (Urk. 14/8, S. 42 f.). Der Beschuldigte habe gegen die Mutter schon
Gewalt angewandt, als er in den Ferien mit einem Küchenmesser auf sie losge-
gangen sei. Dies habe ihre Angst verstärkt (Urk. 14/8, S. 25). Dass die Privatklä-
gerin vom Beschuldigten zuweilen geschlagen wurde, hat dieser sodann aner-
kannt (Urk. 9/3, S. 4). Die Privatklägerin hat weiter ausgeführt, dass der Beschul-
digte ihr gegenüber seine Taten von Anfang an damit gerechtfertigt habe, dass
sie "das" [die sexuellen Handlungen] lernen müsse, damit sie später wisse, wie es
gehe (Urk. 14/8/2, S. 69). Schliesslich habe sie auch von der Mutter keine Hilfe
erwartet, da diese kaum für sie eingestanden sei (Urk. 14/8/2, S. 43). Dass alle
diese Umstände die noch sehr junge Privatklägerin insgesamt davon abgehalten
haben, bereits vor 2006 von den Übergriffen zu berichten, ist nachvollziehbar.
Ebenfalls dass sie nach der verhaltenen Reaktion der Mutter auf ihren Hinweis im
Jahr 2006, in welcher sich ihre Befürchtungen, man nehme sie nicht ernst, be-
wahrheiteten, nochmals fünf Jahre zuwartete, bis sie sich zu einer Strafanzeige
durchringen konnte.
Sodann ist festzuhalten, dass das Aussageverhalten des Beschuldigten
nicht wie vom Verteidiger ausgeführt in besonderem Masse überzeugend, son-
dern vielmehr karg und teilnahmslos erscheint. Es erweckt den Eindruck, dass ihn
das Verfahren nur mässig interessiert. Den Zeugeneinvernahmen blieb er fern
(Urk. 15/3; 15/6; 15/8). Als mögliche Motivation der Privatklägerin für eine Falsch-
aussage nannte er Eifersucht wegen seines besseren Einvernehmens mit der
Gotte (Urk. 36, S. 9; Prot. II, S. 13). Das ist wenig stringent und insgesamt nicht
überzeugend.
3.3. Der Verteidiger des Beschuldigten verwies weiter auf die Aussagen
der Privatklägerin zu Beginn der zweiten Videobefragung am 25. September
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2013. Auf die Frage, ob sie noch wisse, was sie bei der ersten Videobefragung
gesagt habe, habe die Privatklägerin mit "Nein" geantwortet. Die direkt anschlies-
sende Frage, ob das, was die damals gesagt habe, der Wahrheit entsprochen
habe, habe sie dann aber bejaht (Prot. I S. 11 f.). Daraus schliesst der Verteidi-
ger, dass die Privatklägerin in der ersten Videobefragung von Dingen erzählt ha-
be, die sie tatsächlich nicht erlebt hätte, denn sonst hätte sie sich zumindest im
Kern noch an diese erinnert. Und kompensatorisch hätte sie den Stiefbruder mit
härteren Fakten belastet als den Vater, bei welchem sie differenziert und wahr-
heitsgetreu die tatsächlichen Übergriffe beschrieben hätte. Auch diese Umstände
würden zu unüberwindbaren Zweifeln an der Schuld des angeblichen Täters füh-
ren (Prot. I, S. 11).
3.4. Auch hier deckt sich die Einschätzung des Gerichts nicht mit derjeni-
gen der Verteidigung des Beschuldigten. Die zitierten Antworten der Privatkläge-
rin manifestieren nach Ansicht des Gerichts zunächst einmal, dass die Privatklä-
gerin keinerlei Interesse an einer falschen Belastung des Beschuldigten hatte.
Andernfalls hätte sie die Frage der Polizistin, ob sie sich noch an ihre Aussagen
anlässlich der ersten Videobefragung erinnern könne, bejaht und die auswendig
gelernte Geschichte wiedergegeben. Vorliegend zeigt die Privatklägerin mit ihrer
Antwort aber gerade, dass sie nur die Wahrheit sagen und keinesfalls lügen will.
Und deshalb antwortet sie wahrheitsgemäss, dass sie sich nicht mehr an ihre
Aussagen, die sie vor etwa zwei Jahren gemacht hatte, erinnern könne. Hingegen
ist es durchaus folgerichtig, wenn sie nun die zweite Frage, ob sie damals die
Wahrheit gesagt habe, bejaht. Damit macht sie klar, sich zwar nicht mehr an alles
erinnern zu können, was sie damals ausgeführt hatte, aber gleichwohl zu wissen
und sicher zu sein, dass sie auch damals nichts als die Wahrheit gesagt hatte.
Dass sich die Privatklägerin im Übrigen an den Kern ihrer Aussagen aus dem
Jahr 2011 erinnern konnte – ja nicht nur an den Kern, sondern auch an sehr viele
Details – zeigte sie in der nachfolgenden Befragung eindrücklich auf. Dies wird
auch im Anhang I zum Glaubhaftigkeitsgutachten dokumentiert, wo ihre Aussagen
zum Kerngeschehen anlässlich der drei Einvernahmen in einer Konstanz-Tabelle
dargestellt werden (Urk. 17/9, Anhang I). Im Ergebnis stützen auch diese Überle-
gungen die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin.
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4.1. Es bleiben schliesslich die Einwände des Beschuldigten gegen das
Glaubhaftigkeitsgutachten. Zunächst moniert die Verteidigung des Beschuldigten,
dass im Gutachten Entwicklungsdefizite und Einschränkungen in den kognitiven
Fähigkeiten der Privatklägerin festgestellt, hingegen keine Konsequenzen für die
Glaubhaftigkeit diskutiert worden seien (Prot. I, S. 11). Insbesondere stört sich die
Verteidigung an folgender Konklusion im Gutachten: "Die Aussagequalität ist bei
Berücksichtigung ihrer [der Privatklägerin] kognitiven Einschränkungen als be-
sonders hoch einzustufen." Das Gutachten würde hier insinuieren, dass zwischen
den kognitiven Fähigkeiten einer Aussagenden und der Qualität der Aussagen
kein Zusammenhang bestehe. Wirklich befremdlich sei, dass das Gutachten dann
den Schluss ziehe, die Aussage der Privatklägerin weise eine hohe Aussagequali-
tät auf, die den Schluss erlaube, dass die Aussagen auf realen Erlebnissen be-
ruhten (Prot. I. S. 12).
4.2. Diesem Einwand ist mit den Gutachtern zu entgegnen, dass die kogniti-
ven Fähigkeiten im Abgleich mit der Aussagequalität sehr wohl einen massge-
benden Einfluss auf die Konklusion, dass eine Aussage auf realen Erlebnissen
basiere, haben. Wer sehr hohe kognitive Fähigkeiten hat, wäre auch in der Lage,
eine erfundenen Geschichte mit einem hohen Detaillierungsgrad und einer hohen
Konstanz vorzutragen. Hier müssten weitere und andere Kriterien in den Vorder-
grund rücken, um die Wahrheitshypothese zu stützen. Bei jemandem mit be-
schränkten, schwachen kognitiven Fähigkeiten, wie dies bei der Privatklägerin der
Fall ist, ist der hohe Detaillierungsgrad und die Konstanz der Aussage über meh-
rere Jahre hingegen ein deutliches Indiz für die Wahrheitshypothese. Dies ist der
Sinn der zitierten Aussage im Gutachten, und er ist richtig.
4.3. Unter Hinweis auf die Aktennotiz der Jugendanwaltschaft Zürich über
die Anfrage zur Erstellung eines Gutachtens an Frau Dr. L._, Zentrum für
Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich, Kinder- und Jugendforensik
(Urk.1/8), macht die Verteidigung des Beschuldigten generelle Vorbehalte gegen-
über dem Glaubhaftigkeitsgutachten geltend. Dr. L._ habe ausgeführt, dass
ein Glaubhaftigkeitsgutachten bei grossem zeitlichem Abstand zwischen dem an-
geblichen Ereignis und dem Begutachtungszeitpunkt kaum erstellt werden könne.
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Alle die vielen zwischenzeitlichen Interaktionen könnten dann kaum mehr nach-
vollzogen werden. Diese Problematik sei im vorliegenden Gutachten überhaupt
nicht diskutiert worden (Prot. I, S. 12; Prot. II, S. 17 f.).
4.4. Auch dieser Einwand lässt sich nicht stützen. Die genannte Problematik
wird im Glaubhaftigkeitsgutachten konkret angesprochen. Die Gutachter wurden
nämlich gefragt, welche Auswirkungen die Tatsache, dass die Vorwürfe zeitlich
weit zurück liegen, auf die Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin hat
(Urk. 17/9, S. 53, Frage 8). Sie führten dazu aus, dass je zeitnaher eine Aussage
gemacht werde, desto günstiger dies für die Beurteilung der Glaubhaftigkeit einer
Aussage sei. Einzelheiten zum Kerngeschehen, insbesondere bei starker emotio-
naler Erregung, würden im Gehirn aber lange gespeichert, während periphere De-
tails im Zeitverlauf verschwimmen könnten. Speicherung und Abrufen würden von
den Ressourcen (Alter, kognitive Fähigkeiten) eines Zeugen abhängen. Je einge-
schränkter die kognitiven Fähigkeiten eines Zeugen seien und je weiter zurück die
Kindheitserlebnisse lägen, desto schwieriger könne das detailgetreue Speichern
und Abrufen der Erlebnisse sein. Vorliegend würden die Erlebnisse zwar weit zu-
rück liegen. Gleichwohl habe die Privatklägerin diese ausreichend detailliert ge-
schildert. Weiter wurde ausgeführt, dass die Erkenntnisse der Gedächtnispsycho-
logie zeigen würden, dass erlebte Traumata als Ganzes nicht vergessen würden,
aber mit der Zeit in ihrer Genauigkeit verblassen und im Detaillierungsgrad eine
Abnahme erleiden würden. Die Gefahr liege darin, dass dieser Mangel an Details
mit suggestiven Inhalten gefüllt werden könne. Im vorliegenden Fall gebe es aber
keinerlei Hinweise auf eine solche suggestive Beeinflussung der Aussage der Pri-
vatklägerin durch nachträgliche Einflüsse. Auch wenn die Erlebnisse, welche die
Privatklägerin schildere, zeitlich weit zurück lägen, sei ihre Aussage qualitativ so
ausreichend, dass man gestützt darauf den konkreten Realitätsbezug beurteilen
könne (Urk. 17/9, S. 53 Antwort zu Frage 8). Dabei stützt sich das Gutachten auf
eine sorgfältige Inhaltsanalyse der Aussagen der Privatklägerin. Diese wurden auf
allgemeine Realkennzeichen, inhaltliche Besonderheiten, motivationsbezogene
und deliktsspezifische Inhalte und Strukturgleichheit überprüft und danach einer
Konstanzanalyse, einer Motivationsanalyse und einer Suggestionsanalyse unter-
zogen, und schliesslich wurden die Hypothesen der bewussten Lüge, der Beein-
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flussung durch Suggestion und die der Übertragung (von jemand anderem auf
den Beschuldigten) entgegen der Auffassung der Verteidigung geprüft und ver-
neint (Urk. 17/9, S. 24-54; Prot. II, S. 18). Das Gutachten schliesst mit dem Er-
gebnis, dass trotz der langen Zeit zwischen den Erlebnissen und der Anzeige
resp. den Befragungen die Realitätshypothese, also die Hypothese, dass die
Aussagen der Privatklägerin zu den sexuellen Übergriffen seitens des Beschuldig-
ten auf wahren Erlebnissen basiere, bejaht werden könne. Diese Einschätzung ist
fundiert und überzeugend.
5. Die Vorinstanz hat die Aussagen der Privatklägerin, des Beschuldigten,
des Vaters der Privatklägerin als Auskunftsperson, der Mutter des Beschuldigten
und der Privatklägerin, der Lehrerin der Privatklägerin und der Mitarbeiterin der
ehemaligen Opferberatung Schaffhausen als Zeugen sowie die weiteren Beweis-
mittel (Fotobogen zum Türschloss, Therapie und Arztberichte) sorgfältig und kor-
rekt dargelegt und gewürdigt (Urk. 49, S. 9-39). Auf diese zutreffenden Erwägun-
gen kann verwiesen werden. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der ange-
klagte Sachverhalt durch die detailreichen, konstant vorgetragenen, durch zahl-
reiche Realitätskriterien gestützten, suggestionsfreien und nicht (vom Vater auf
den Beschuldigten) übertragenen Aussagen der Privatklägerin erstellt ist. Die Be-
streitungen des Beschuldigten vermögen diese Einschätzung, welche durch die
Aussagen der Auskunftsperson und der Zeugen abgerundet wird, nicht zu er-
schüttern.
IV. Rechtliche Würdigung / Strafe
1. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz wie auch bereits der Jugendan-
waltschaft Zürich-Stadt ist zutreffend. Sie wurde vor Vorinstanz eventualiter auch
vom Verteidiger des Beschuldigten anerkannt (Prot. I S. 14). Es liegen weder
Rechtfertigungs- noch Schuldausschlussgründe vor. Dementsprechend ist der
Beschuldigte anklagegemäss der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von
Art. 189 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
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2. Die Vorinstanz hat die anwendbaren altrechtlichen Grundlagen für eine
Strafbefreiung richtig dargelegt. Auf diese Erwägungen ist vorab zu verweisen
(Urk. 49, S. 39-42). Insbesondere hat die Vorinstanz richtig erkannt, dass Art. 88
Abs. 4 aStGB normierte, dass für von Kindern nach vollendetem siebten, aber vor
dem vollendetem 15. Altersjahr verübte Delikte von jeder Massnahme oder Dis-
ziplinarstrafe abgesehen werden kann, wenn seit der Tat drei Monate verstrichen
sind. Unter Verweis auf BGE 100 IV 17, 20 f., E. 1.a sei dabei zu prüfen, ob das
Verhalten des fehlbaren Jugendlichen während der drei Monate nach der Tat den
Schluss auf eine innere Umkehr rechtfertige und jener keiner strafrechtlichen
Sanktion bedürfe. Dabei seien Art und Schwere der Tat zu berücksichtigen und
die persönlichen Verhältnisse des Jugendlichen in Betracht zu ziehen. Die Vor-
instanz hat weiter erwogen, dass vorliegend die Art und Schwere der Taten des
Beschuldigten klar gegen eine Strafbefreiung sprechen würden. Anderseits ist
aber zu berücksichtigen, dass die im Gesetz genannte dreimonatige Frist schon
längst abgelaufen ist und der Beschuldigte seit seinen Taten während mehr als
15 Jahren nicht mehr straffällig geworden ist (Urk. 25/1). Auch sind seither keiner-
lei sexuelle Auffälligkeiten zu Tage getreten. Bei dieser Sachlage könne von einer
inneren Umkehr ausgegangen werden, auch wenn diese angesichts der Bestrei-
tungen des Beschuldigten und dessen mangelnder Reue oder Einsicht äusserlich
nicht auszumachen seien. Im Tatzeitpunkt möge zwar eine Störung in der persön-
lichen Entwicklung des Beschuldigten vorgelegen haben. Da es seither jedoch zu
keinen weiteren Vorfällen gekommen sei, spreche viel dafür, dass die damaligen
Defizite nicht mehr vorhanden seien. Deren Behandlung im Rahmen einer Mass-
nahme wäre aufgrund der eingetretenen Vollstreckungsverjährung (Art. 86bis
Abs. 3 aStGB) ohnehin nicht mehr möglich. Darüber hinaus erscheine das Straf-
bedürfnis gering, insbesondere unter Berücksichtigung der möglichen Strafen ei-
nes Verweises, einer Arbeitsleistung oder eines Schularrests von einem bis zu
sechs Halbtagen (Art. 87 Abs. 1 aStGB). Diese Erwägungen der Vorinstanz sind
in jeder Hinsicht zutreffend und deshalb zu bestätigen.
3. In Nachachtung der dargelegten Umstände ist in casu in Anwendung von
Art. 88 Abs. 4 aStGB in Verbindung mit Art. 2 StGB von einer Strafe oder Mass-
nahme für den Beschuldigten abzusehen.
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V. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz hat die gesetzlichen Voraussetzungen für die Zusprechung
von Schadenersatz und Genugtuung im Jugendstrafverfahren zutreffend darge-
legt, die Privatklägerin mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg ver-
wiesen und ihr eine Genugtuung von Fr. 10'000.– nebst Zins zu 5% seit dem
1. Oktober 1999 (mittlerer Verfall) zugesprochen. Auf ihre Erwägungen ist vorab
zu verweisen (Urk. 49, S. 42-45). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass im Ju-
gendstrafverfahren eine Verpflichtung des Beschuldigten zu Schadenersatz- und
Genugtuungszahlungen nur insoweit möglich ist, als er die Forderungen aner-
kannt hat oder diese durch die Strafakten klar ausgewiesen sind. Für einen Ent-
scheid über die grundsätzliche Schadenersatzpflicht eines Beschuldigten besteht
im Jugendstrafverfahren keine genügende gesetzliche Grundlage (JOSITSCH et al.,
JStPO Kommentar, Zürich 2010, Art. 34 N 9). Bis dato wurde der materielle
Schaden der Privatklägerin nicht beziffert. Entsprechend ist die Privatklägerin mit
ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des ordentlichen Zivilprozesses zu
verweisen.
2. Auch bezüglich der Genugtuung hat die Vorinstanz richtig ausgeführt,
dass die sexuellen Übergriffe auf die Privatklägerin eine schwere Verletzung ihrer
körperlichen, insbesondere sexuellen, wie auch der psychischen Integrität dar-
stellten. Sie hat die Beeinträchtigungen der Privatklägerin aufgeführt wie auch die
neuere Gerichtspraxis, welche bei Vergewaltigungen eine Basisgenugtuung von
Fr. 25'000.– bis Fr. 30'000.– und bei sexueller Nötigung eine solche von
Fr. 25'000.– für angemessen erachte. Angesichts der Tatsache, dass der Täter im
Zeitpunkt der Tat ebenfalls noch ein Kind war, ist dieser zu einer etwas tieferen
Genugtuung zu verpflichten. Die Privatklägerin verlangt eine Genugtuung von
Fr. 10'000.–, welche Summe ihr durch die Vorinstanz zugesprochen wurde. Auch
der Vater der Privatklägerin wurde mit Urteil des Kantonsgerichts Schaffhausen
vom 30. Oktober 2013 verpflichtet, dieser dieselbe Summe zu bezahlen (bzw. an-
erkannte diesen Betrag; Urk. 47, Faszikel II, S. 15). Verglichen mit dem delikti-
schen Verhalten des Vaters erscheint die von der Privatklägerin geforderte Sum-
me dem Beschuldigten gegenüber als zu hoch, da im ersten Fall die Übergriffe
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von einer erwachsenen Person und über einen deutlich längeren Zeitraum hinweg
erfolgten. Der Beschuldigte ist demnach zu verpflichten, der Privatklägerin eine
Genugtuung von Fr. 7'000.– nebst Zins zu 5% seit dem 1. Oktober 1999 zu be-
zahlen.
3. Der Beschuldigte beantragte neben einem Freispruch und der Abweisung
der Zivilansprüche der Privatklägerin seinerseits die Zusprechung einer Genugtu-
ung an ihn in der Höhe von Fr. 8'000.–. Nachdem der Beschuldigte aber schuldig
zu sprechen ist, besteht für eine solche Genugtuung kein Raum. Die Genugtu-
ungsforderung des Beschuldigten ist abzuweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Verfahrenskosten werden grundsätzlich von dem Kanton getragen, in
dem das Urteil gefällt wurde (Art. 44 Abs. 1 JStPO). Die Artikel 422-428 StPO gel-
ten sinngemäss (Art. 44 Abs. 2 JStPO). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens
tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428
Abs. 1 StPO).
2. Vorliegend unterliegt der Beschuldigte im Berufungsverfahren vollumfäng-
lich. Die Reduktion der Genugtuung beruht auf einem wohlwollenden Ermessens-
entscheids des erkennenden Gerichts. Dem Beschuldigten sind deshalb grund-
sätzlich die Kosten aufzuerlegen. Von diesem Grundsatze abzuweichen, weil der
Beschuldigte zum Zeitpunkt der Tat noch ein Kind war, besteht kein Anlass, ist er
doch heute erwachsen und kommt selbständig für seinen Lebensunterhalt auf.
Die erstinstanzliche Kostenregelung, in welcher der unterliegende Beschuldigte
nur zur Kostentragung für einen Viertel verpflichtet wurde, ist nur vom Beschuldig-
ten angefochten worden, weshalb sich eine Verschlechterung zu seinen Lasten
verbietet. Die erstinstanzliche Kostenregelung ist deshalb zu bestätigen. Die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung (in Höhe von Fr. 3'100.– inkl. MwSt.) und der un-
entgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin (in Höhe von Fr. 2'500.– inkl.
MwSt.) für das Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei
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eine Nachforderung nach Art. 25 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 426 Abs. 1 und Abs. 4
StPO, Art. 138 Abs. 1 und Art. 135 Abs. 4 StPO vorbehalten bleibt.