Decision ID: f8a09df3-7c2a-4af3-8a38-640e1828362a
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
R._,
Beschwerdeführerin,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente und berufliche Massnahmen
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Sachverhalt:
A.
A.a R._ meldete sich am 30. September 2005 zum Bezug von IV-Leistungen
(Umschulung auf eine neue Tätigkeit, Rente) an (act. G 5.1). Im Arztbericht vom 17.
November 2005 stellte Dr. med. A._, Allgemeine Medizin FMH, unter Beilage
verschiedener Berichte der Klinik für Orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St.
Gallen (KSSG) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit: 1. Status
nach beidseitiger Implantation einer Hüftendoprothese wegen Dysplasie-Coxarthrosen
beidseits; 2. ein aktueller Verdacht auf Ansatzreizung M. rectus femoris/psoas li sowie
3. eine schwere Discopathie L5/S1 mit Vakuumspalt, Lumboischialgien beidseits. Die
Versicherte sei für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Serviceangestellte seit März 2004
zu 100% arbeitsunfähig; auch andere Tätigkeiten seien ihr nicht zumutbar. Trotz
komplikationslosen postoperativen Verlaufs persistierten invalidisierende Schmerzen
bei Belastung. Die weiteren Abklärungen und Behandlungen zur Optimierung des
unbefriedigenden Zustands erfolgten an der Orthopädischen Klinik des KSSG (act. G
5.16-5 f.).
A.b Im Arztbericht vom 21. Februar 2006 führte die Orthopädische Klinik des KSSG
aus, sie habe nun auch eine Knochenszintigraphie durchgeführt, welche keine
Pathologie zeige. Sie sei bezüglich der von der Versicherten geklagten Beschwerden
ratlos. Es solle ein Versuch in der Schmerzklinik durchgeführt werden, um zu sehen, ob
die Schmerzen irgendwie in den Griff zu kriegen seien; als weiteren Schritt sähe sie
eine psychologische Führung (act. G 5.33). Im Arztbericht vom 11. September 2006
diagnostizierte das Palliativzentrum des KSSG eine zunehmend generalisierte
chronifizierte Schmerzstörung mit/bei Status nach Hüfttotalendoprothese bei
Hüftdysplasie bds. 02/05, Status nach beids. akuten Lumboischialgien 1999,
anamnestischem Hyperventilationssyndrom und ausgeprägter psychosozialer
Belastungssituation (Tod der Mutter 03/06). Die Versicherte sei in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Serviceangestellte zu 100% arbeitsunfähig (act. G 5.52 bis
5.54).
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A.c Am 6. Februar 2007 wurde die Versicherte im ABI (Aerztliches
Begutachtungsinstitut GmbH, Basel) internistisch, psychiatrisch und orthopädisch
untersucht und begutachtet. Im Gutachten vom 27. März 2007 wurden folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt: 1. ein unklares
Schmerzsyndrom inguinal/gluteal beidseits (aktuell mit Betonung der rechten Seite;
ICD-10: R52.9) mit/bei Status nach Hüft-TP beidseits am 10.02.2005 bei Dysplasie-
Coxarthrose beidseits mit Femurkopfnekrose rechts, Kranialisation des Femurkopfs
links und Beinlängendifferenz rechts von plus 2 cm (ICD-10: Z96.6) sowie 2. eine
leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0). Als ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit wurden diagnostiziert: 1. eine Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10:
F54) sowie 2. ein Status nach rezidivierendem Lumbovertebralsyndrom (ICD-10:
M54.5). In der angestammten Tätigkeit als Serviceangestellte sei die Versicherte zu
50% arbeitsfähig. In einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit ohne
repetitives Heben von Lasten über 7.5 kg, durchgeführt in Wechselbelastung ohne
längeres Stehen, betrage die Arbeitsfähigkeit 80% (act. G 5.59-18 f.).
A.d Im Arztbericht vom 22. März 2007 diagnostizierte Prof. Dr. med. B._,
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparats, Konsiliararzt an
der Uniklinik Balgrist, ein extra- und intraartikuläres Impingement beidseits bei Hüft-TP
beidseits. Die Schmerzen der Versicherten verunmöglichten eine Wiederaufnahme der
bisherigen Tätigkeit (act. G 5.57-7).
A.e Mit Vorbescheiden vom 26. und 27. Juni 2007 stellte die IV-Stelle der Versicherten
in Aussicht, dass sie weder Anspruch auf berufliche Massnahmen noch auf eine
Invalidenrente habe (act. G 5.66 und 5.68). Hiergegen erhob die Versicherte, vertreten
durch die pro infirmis St. Gallen-Appenzell, am 15. August 2007 Einwand. Es stehe eine
Hüftoperation an, die eine Änderung des Gesundheitszustands der Versicherten
bewirken könne, weshalb der Rentenanspruch erst nach der Operation beurteilt
werden solle (act. G 5.72).
B.
Mit Verfügungen je vom 10. September 2007 wies die IV-Stelle die Begehren der
Versicherten betreffend berufliche Massnahmen und Invalidenrente ausgehend von
einem Invaliditätsgrad von 20% ab (act. G 5.74 f.).
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C.
C.a Mit Eingabe vom 11. Oktober 2007 erhebt die Versicherte Beschwerde. Sie
beantragt, die angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben und ihre Ansprüche auf
eine Invalidenrente und eventuelle berufliche Massnahmen seien nochmals zu prüfen.
Zudem beantragt sie die unentgeltliche Prozessführung. Sie sei nicht damit
einverstanden, wenn die Beschwerdegegnerin davon ausgehe, dass sie in einer
leichten Tätigkeit 80% arbeiten könne. Ihre beidseitigen Hüftgelenksbeschwerden
verunmöglichten ihr die Arbeitsaufnahme. Sie werde diesbezüglich im Januar 2008
nochmals operiert. Durch die Operation werde natürlich eine Verbesserung erhofft; dies
sei jedoch nicht sicher und könne erst nach einer gewissen Rehabilitationsphase nach
der Operation bestimmt werden. Zum heutigen Zeitpunkt könne die Arbeitsunfähigkeit
nicht abschliessend geklärt werden.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 26. November 2007 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung bringt sie im
Wesentlichen vor, das ABI habe für das Ausmass der geklagten Schmerzen der
Beschwerdeführerin keine erklärbare somatische Ursache gefunden. Bei dieser
Ausgangslage sei es aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht massgebend, ob
konkrete Umstände bestünden, welche der versicherten Person den Wiedereinstieg in
den Arbeitsprozess unzumutbar machten. Der ABI-Psychiater habe der
Beschwerdeführerin eine Schmerzverarbeitungsstörung sowie eine leichte depressive
Episode diagnostiziert. Bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden sei von
der grundsätzlichen Fähigkeit zu einer Willensanstrengung auszugehen, die eine
vollumfängliche Überwindung der subjektiven Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung erlaube.
Vor diesem Hintergrund hätte das ABI der Beschwerdeführerin eigentlich keine
Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in einer der körperlichen Behinderung
angepassten Tätigkeit attestieren dürfen. Massgebend sei der medizinische
Sachverhalt, wie er beim Erlass der angefochtenen Verfügung vorgelegen habe. Das
Ergebnis der nach Angaben der Beschwerdeführerin in Kürze geplanten Hüftoperation
sei daher im vorliegenden Verfahren nicht miteinzubeziehen. Sollte der operative
Eingriff wider Erwarten eine Verschlechterung des Gesundheitszustands und der
zumutbaren Arbeitsfähigkeit bewirken, könnte die Beschwerdeführerin dies mit einer
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IV-Neuanmeldung geltend machen. Bezüglich beruflicher Massnahmen fehle es der
Beschwerdeführerin an der subjektiven Eingliederungsfähigkeit (act. G 5).
C.c Am 29. November 2007 wird der Beschwerdeführerin die unentgeltliche
Prozessführung bewilligt (act. G 6).
C.d Mit Replik vom 21. Januar 2008 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest. Die Uniklinik Balgrist habe noch nicht alle Abklärungen durchführen können. Zur
Zeit sei nicht geklärt, ob eine Operation der Hüftgelenke eine Besserung bringe (act. G
10). Sie reicht einen Arztbericht der Uniklinik Balgrist vom 9. Januar 2008 ein. Darin
wird als Diagnose ein Verdacht auf ein extra-artikuläres Impingement und ein Ilipsoas-
Impingement bei Status nach Hüft-TP bds. einzeitig wegen Hüftdysplasie am 10.
Februar 2005 geäussert (act. G 10.1).
C.e Mit Duplik vom 4. Februar 2008 hält die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag fest
(act. G 12).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind mit der 5. IVG-Revision verschiedene Änderungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) in Kraft getreten. Weil
in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei
der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 127 V
467 E. 1), und weil bei der Beurteilung ferner auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses
der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abzustellen ist (BGE 121 V 366
E. 1b), sind vorliegend die bis zum 31. Dezember 2007 geltenden materiellen
Bestimmungen anwendbar.
2.
2.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 des Allgemeinen Teils des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch
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eine Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 ATSG). Der Grad der für einen allfälligen Rentenanspruch
massgebenden Invalidität wird gemäss Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmassnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen). Nach aArt. 28 Abs. 1 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von
mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem IV-Grad
von mindestens 40% auf eine Viertelsrente.
2.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4). Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und
demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung
des streitigen Leistungsanspruchs gestatten. Die Rechtsprechung hat es mit dem
Grundsatz der freien Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte
Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (BGE 125 V 351 E. 3b). Das im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholte Gutachten von externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht
erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
besitzt bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 125 V 351 E. 3b/bb). Dies
bedeutet nicht, dass Parteigutachten durch den Umstand allein, dass sie von einer
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Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wurden, ohne weiteres minder
beweiskräftig sind. Denn auch sie können nützliche Äusserungen zum medizinischen
Sachverhalt enthalten. Daraus folgt wiederum nicht, dass sie den gleichen Rang wie ein
vom Gericht oder vom Sozialversicherer nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht
eingeholtes Gutachten besitzen. Relevant werden sie nur, wenn ihre Aussagen die
Auffassungen und Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachtens in
rechtserheblichen Fragen derart zu erschüttern vermögen, dass davon abzuweichen
wäre (BGE 125 V 351 E. 3c). Was Berichte von Hausärzten angeht, muss die
Erfahrungstatsache mitberücksichtigt werden, dass Hausärzte mitunter aufgrund ihrer
auftragsrechtlichen Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher dazu neigen, zu Gunsten
ihrer Patienten auszusagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Bei der Abschätzung des
Beweiswerts im Rahmen einer freien und umfassenden Beweiswürdigung dürfen
allerdings auch die potentiellen Stärken der Berichte behandelnder Ärzte nicht
vergessen werden. Der Umstand allein, dass eine Einschätzung vom behandelnden
Mediziner stammt, darf nicht dazu führen, sie als von vornherein unbeachtlich
einzustufen; die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Betreuung
durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor. Auf der anderen
Seite lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des therapeutisch
tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 175 E. 4) nicht zu, ein Administrativ-
oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen
zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung
aufdrängt, weil die behandelnden Ärzte wichtige – und nicht rein subjektiver ärztlicher
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die im Rahmen der Begutachtung
unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts vom 25. Mai
2007, I 514/06, E. 2.2.1 mit Hinweisen).
3.
Die Beschwerdegegnerin stützt die angefochtene Verfügung in erster Linie auf das ABI-
Gutachten vom 27. März 2007 (act. G 5.59), worin die Gutachter keine für das Ausmass
der von der Beschwerdeführerin geklagten Schmerzen erklärbare somatische Ursache
gefunden hätten. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin vermag das ABI-
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Gutachten vorliegend jedoch nicht zu überzeugen. Insbesondere sind darin die
Beurteilungen der Uniklinik Balgrist nicht berücksichtigt worden; diese wurden dem ABI
am 2. April 2007, also nach Erstellung des Gutachtens, aber noch vor dessen Versand,
von der Beschwerdegegnerin zugestellt (act. G 5.58). Am 15. August 2007 hat die
Beschwerdeführerin die Beschwerdegegnerin ausserdem auf einen weiteren
Untersuchungstermin in der Uniklinik Balgrist aufmerksam gemacht (act. G 5.72) Unter
diesen Umständen hätte die Beschwerdegegnerin die weiteren Untersuchungen in der
Uniklinik Balgrist abwarten und die entsprechenden Ergebnisse dem ABI zur
Beurteilung vorlegen müssen. Zumindest hätte die Beschwerdegegnerin beim ABI
Rückfrage nehmen müssen, nachdem dieses den ihm nachträglich zugestellten Bericht
der Uniklinik Balgrist vom 22. März 2007 im Gutachten nicht mehr berücksichtigen
konnte.
Die Uniklinik Balgrist führte im Bericht vom 22. März 2007 aus, obwohl ein globaler
Schmerz die detaillierte Differenzierung erschwere, scheine die Ursache der
eigentlichen Beschwerden der Beschwerdeführerin am ehesten in einem
extraartikulären sowie einem intraartikulären Impingement zwischen Trochanter und
Becken bzw. Prothesenhals gegen hinteren Pfannenrand zu liegen. Weitere
diagnostische Möglichkeiten ergäben sich nicht. In therapeutischer Hinsicht erscheine
eine Revision bei diesem massiven und chronischen Problem empfehlenswert. Dabei
werde es entweder genügen, den Trochanter major zu distalisieren; im Extremfall
müsse die ganze Prothese (beidseits) gewechselt werden. Die Beschwerdeführerin
müsse sich die Angelegenheit noch überlegen (act. G 5.57-7). Im Bericht vom 9. Januar
2008 führte die Uniklinik Balgrist aus, aufgrund der klinischen Untersuchung und der
Schmerzangabe in der Leiste sowie im radiologischen Befund vom 18. Juli 2006
vermute sie ein Iliopsoasimpingement und ein extraartikuläres Impingement beidseits.
Zur weiteren diagnostischen Abklärung und Operationsplanung benötige sie ein
beidseitiges MRI der Hüftabduktoren und werde die Beschwerdeführerin zusätzlich im
Hause aufgrund der neurologischen Anamnese abklären lassen (act. G 10.1). Diese
Beurteilungen legen glaubhaft und nachvollziehbar dar, dass die Beschwerden der
Beschwerdeführerin - entgegen der Auffassung des ABI und der Beschwerdegegnerin -
durchaus eine somatische Ursache haben können. Insofern erscheint das ABI-
Gutachten unvollständig, weshalb insbesondere auch die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht zu überzeugen vermag.
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Vorliegend nicht bekannt ist, was die weiteren Untersuchungen der Uniklinik Balgrist
ergeben haben und ob sich die Beschwerdeführerin, wie sie dies angekündigt hat,
mittlerweile weiteren Operationen unterzogen hat. Die Beschwerdegegnerin hat
diesbezüglich keinerlei Nachforschungen angestellt und den Fall insoweit verfrüht
abgeschlossen. Sie wird daher die weiteren Untersuchungs- und
Behandlungsergebnisse beiziehen und - allenfalls nach erneuter Rückfrage beim ABI -
in die Beurteilung des Rentenanspruchs und allfälliger beruflicher Massnahmen der
Beschwerdeführerin miteinbeziehen müssen.
4.
Nach dem Gesagten ist der Sachverhalt in medizinischer Hinsicht zu wenig abgeklärt.
Unter diesen Umständen kann vorliegend weder der Rentenanspruch noch der
Anspruch auf berufliche Massnahmen beurteilt werden. Entsprechend sind beide
angefochtenen Verfügungen aufzuheben, und die Beschwerdegegnerin wird im
Anschluss an die zu tätigenden Abklärungen erneut über beide Ansprüche zu befinden
haben.
5.
5.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
Die angefochtenen Verfügungen vom 10. September 2007 sind aufzuheben, und die
Sache ist zur weiteren Abklärung im Sinn der Erwägungen und zur anschliessenden
neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr.
1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von insgesamt Fr. 600.--
erscheint vorliegend als angemessen. Die Rückweisung zur Neubeurteilung gilt
praxisgemäss als volles Obsiegen (BGE 132 V 235 E. 6.2). Die Beschwerdegegnerin hat
deshalb die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen.
5.3 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die bereits bewilligte unentgeltliche
Prozessführung gegenstandslos.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG