Decision ID: de301e10-95eb-525e-87fd-88709669e9a2
Year: 2017
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_001
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt
1. Auf der Parzelle Münsingen (Trimstein) Grundbuchblatt D._ wurde anfangs
der 90-er Jahre das Einfamilienhaus E._ gebaut. Es wurde im Jahr 2010
westseitig durch einen zweigeschossigen Anbau erweitert. Die Beschwerdeführenden
planen auf der südlich davon gelegenen Nachbarparzelle Münsingen (Trimstein)
Grundbuchblatt Nr. F._ ihr bestehendes Wohnhaus G._ abzubrechen und
an dessen Stelle ein neues Einfamilienhauses mit Doppelgarage zu bauen.
Mit Bauentscheid vom 7. Mai 2014 bewilligte die Gemeinde den Beschwerdeführenden den
Abbruch. Am 26. Mai 2014 reichten die Beschwerdeführenden bei der Vorinstanz ein
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generelles Baugesuch ein für den Neubau eines Einfamilienhauses. Die Parzelle liegt in
der Wohnzone WZ. Die Vorinstanz stufte das geplante Projekt wegen Unterschreitung des
Gebäudeabstands zum Wohnhaus E._ auf der Parzelle D._ als nicht
bewilligungsfähig ein. Sie stellte den Beschwerdeführenden den Bauabschlag ohne
Publikation in Aussicht. Nachdem die Beschwerdeführenden an ihrem Baugesuch fest
hielten, erteilte die Vorinstanz ohne vorgängige Publikation und ohne Einholen von Amts-
und Fachberichten mit Entscheid vom 19. März 2015 den Bauabschlag. Diesen Entscheid
fochten die Beschwerdeführenden bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) an (vgl. RA Nr. 110/2015/53). Wegen der fehlenden Publikation hiess
die BVE die Beschwerde mit Entscheid vom 29. Juni 2015 gut, hob den Bauabschlag auf
und wies die Sache zurück an die Gemeinde zur Fortsetzung des
Baubewilligungsverfahrens.
2. In der Folge publizierte die Gemeinde das generelle Baugesuch im Anzeiger
Konolfingen. Dagegen erhob unter anderen der Eigentümer der Nachbarparzelle
D._ Einsprache. Er verlangte, das Bauvorhaben müsse gegenüber seinem
Wohnhaus E._ einen Grenzabstand von 14 m einhalten. Er berief sich dabei auf
ein im Grundbuch zugunsten seines Grundstücks eingetragenes Näherbaurecht. Die
Beschwerdeführenden beschränkten in der Folge das Baugesuchsverfahren auf die Frage
des einzuhaltenden Gebäudeabstands gegenüber dem nördlich liegenden Wohnhaus
E._. Mit Entscheid vom 25. Januar 2017 erteilte die Vorinstanz den Bauabschlag.
Sie befand, das Vorhaben halte den reglementarischen Gebäudeabstand zum Wohnhaus
E._ auf der gegenüberliegenden Parzelle D._ nicht ein.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 23. Februar 2017 Beschwerde bei
der BVE ein. Sie beantragen die Aufhebung des Bauabschlags vom 25. Januar 2017 und
die Erteilung der Baubewilligung für das generelle Baugesuch. Sie sind der Meinung, der
Gebäudeabstand zwischen dem geplanten Projekt und dem Gebäude E._ auf der
Parzelle Münsigen (Trimstein) Grundbuchblatt D._ sei eingehalten. Zudem
erachten sie die Gebühr für das Baubewilligungsverfahren als übersetzt.
4. In ihrer Stellungnahme vom 20. März 2017 hält die Vorinstanz am Bauabschlag fest.
Sie ergänzte, der frühere Bauentscheid der Gemeinde Trimstein vom 9. August 2010
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betreffend die Erweiterung des Wohnhauses E._ sei falsch gewesen. Es sei der
grosse Grenzabstand auf der falschen Schmalseite angenommen worden. Auch habe die
Baubewilligung des Regierungsstatthalters Konolfingen vom 16. Februar 1990
wahrscheinlich auf einer falschen materiellen Grundlage beruht. Ein dritter falscher
Bauentscheid sei nicht zu verantworten. Der vormalige Einsprecher und Eigentümer der
Nachbarparzelle D._ sowie die anderen Einsprecher beteiligten sich am
Beschwerdeverfahren nicht.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Vorakten ein. Mit
Instruktionsverfügung vom 7. April 2017 holte es ausserdem die Akten zum
Baubewilligungsverfahren betreffend die Erweiterung des Wohnhauses E._ ein
und gab den Beschwerdeführenden Gelegenheit, sich zur Kostenzusammenstellung für
das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren zu äussern. Davon machten die
Beschwerdeführenden Gebrauch. Auf die vorliegenden Akten und Rechtsschriften wird,
soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Beschwerdeführenden, deren generelles Baugesuch abgewiesen wurde, sind
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
Anfechtungsobjekt ist der Bauentscheid der Vorinstanz, dem ein generelles Baugesuch
zugrunde liegt. Nach Art. 32d Abs. 1 BauG kann bei grösseren Bauvorhaben oder bei
unklarer Rechtslage ein Gesuch um die Erteilung einer generellen Baubewilligung gestellt
werden.3 Letzteres ist hier der Fall. Thema des generellen Baugesuchs ist einzig die Frage,
ob das geplante Einfamilienhaus den Gebäudeabstand zum bestehenden Wohnhaus
E._ auf der nördlichen Nachbarparzelle D._ einhält. Angefochten ist
zudem der Kostenentscheid der Vorinstanz. Das Beschwerdeverfahren ist auf diese zwei
Fragen beschränkt.
3. Grenz- und Gebäudeabstand
a) Die Beschwerdeführenden beabsichtigen, das bestehende Wohnhaus G._
auf der Parzelle Nr. F._ abzubrechen und das neue Einfamilienhaus mit Garage
näher an die Grenze zur benachbarten Parzelle D._ zu bauen. Aus dem
Situationsplan geht hervor, dass das projektierte Einfamilienhaus in einem Abstand von
4 m zur benachbarten Parzelle D._ gebaut werden soll. Dem Situationsplan ist
ausserdem zu entnehmen, dass die kürzeste Distanz des bestehenden Wohnhauses
E._ zur Grenze der Bauparzelle Nr. F._ ebenfalls 4 m beträgt. Dieser
Sachverhalt ist unbestritten. Uneins sind sich die Gemeinde und die Beschwerdeführenden
jedoch darüber, ob zwischen dem geplanten Einfamilienhaus auf der Bauparzelle
Nr. F._ und dem bestehenden Wohnhaus E._ auf der nördlichen
Nachbarparzelle ein Gebäudeabstand von 14 m oder von 8 m einzuhalten ist.
b) Nach Art. 19 GBR4 sind bei der Erstellung von Bauten gegenüber dem nachbarlichen
Grund die in Art. 41 GBR festgesetzten kleinen und grossen Grenzabstände einzuhalten.
Diese betragen in der Zone WZ für den kleinen Grenzabstand 4 m und für den grossen
Grenzabstand 10 m. Gemäss Art. 25 Abs. 1 GBR muss der Abstand zweier Gebäude
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 32– 32d N. 6 4 Baureglement der Einwohnergemeinde Trimstein vom 20. Oktober 1997 in der Fassung vom 8. Juni 2009
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wenigstens der Summe der dazwischenliegenden, für sie vorgeschriebenen
Grenzabstände entsprechen. "Vorgeschrieben" bedeutet nach der Praxis des
Verwaltungsgerichts nicht gezwungenermassen die gesetzlichen Grenzabstände, sondern
die Grenzabstände, die von der Baubewilligungsbehörde vorgeschrieben worden sind, z.B.
durch eine Ausnahmebewilligung.5 Bei Bauten, die gestützt auf eine Ausnahmebewilligung
oder sogar widerrechtlich zu nahe an die Grenze gestellt worden sind, darf die
Unterschreitung des Abstands nicht zulasten der Nachbarin oder des Nachbarn gehen.6
Anders liegen die Dinge, wenn der Näherbau und der Grenzanbau mit Zustimmung der
Nachbarin oder des Nachbarn erfolgte. In diesem Fall müssen Nachbarn, die ein
Näherbaurecht erteilen, in Kauf nehmen, dass sie später den öffentlich-rechtlich geltenden
Gebäudeabstand einhalten müssen, d.h., entsprechend dem Näherbau weiter von der
gemeinsamen Grenze zurückweichen müssen.7
c) Die Gemeinde hielt im angefochtenen Entscheid fest, das bestehende Gebäude
E._ weise Richtung Süden, gegenüber der Bauparzelle Nr. F._, eine
besonnte Längsseite auf. Nach Art. 19 Abs. 2 GBR sei auf dieser Seite ein grosser
Grenzabstand von 10 m einzuhalten. Daraus folgerte sie, zusammen mit dem kleinen
Grenzabstand von 4 m, den das projektierte Einfamilienhaus auf der Nordseite einhalten
müsse, ergebe dies einen Gebäudeabstand von 14 m. Da der Gebäudeabstand effektiv
nur 8 m statt der vorgeschriebenen 14 m betrage, könne das projektierte Einfamilienhaus
nicht bewilligt werden. Sie ist auch der Meinung, ein Neubau auf der Bauparzelle
Nr. F._ müsse gegenüber der Nachbarparzelle D._ gestützt auf ein
dingliches Näherbaurecht einen Grenzabstand von 10 m einhalten. Dies sei die
Rechtsfolge, wenn ein Grundeigentümer seinem Nachbarn – wie hier – nur einseitig ein
dingliches Näherbaurecht einräume. Der nicht begünstigte Nachbar müsse in diesem Fall
bei einem späteren Neubau selber weiter von der gemeinsamen Grenze zurückweichen,
um den vorgeschriebenen Gebäudeabstand wahren zu können.
Die Beschwerdeführenden vertreten die Ansicht, für den Gebäudeabstand seien zwei
kleine Grenzabstände massgebend. Dass im Grundbuch zulasten der Bauparzelle ein
Näherbaurecht eingetragen sei, ändere daran nichts. Das sei eine Frage des Privatrechts,
5 VGE Nr. 17886 vom 27. November 1989 E. 5; Entscheid der BVE vom 11. Februar 1993, RA Nr. 110/1992/115, E. 4 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 12 N. 9 mit weiteren Hinweisen 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 12 N. 12
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die im Beschwerdeverfahren nicht zu hören sei. In der Eingabe vom 21. April 2017
verweisen sie zur Frage des Näherbaurechts dennoch auf ein Urteil der 2. Zivilkammer des
Obergerichts des Kantons Bern (ZK 15/239 vom 2. Juli 2015). Daraus leiten sie ab, weil
der Nachbar sein Grenzbaurecht nie ausgeübt habe, komme dies einem Verzicht auf den
Grenzbau gleich.
d) Das Gebäude E._ wurde in den 90-er Jahren auf der Parzelle D._
gebaut. Es ist aktenkundig, dass damals der grosse Grenzabstand mit einer Auflage in der
Baubewilligung vom 16. Februar 1990 auf der Westseite angeordnet wurde.8 Aus den
Akten geht zudem hervor, dass diese Festlegung des grossen Grenzabstands gestützt auf
ein Ausnahmegesuch des Eigentümers der Parzelle D._ erfolgte9 und die
Gemeinde die Anordnung des grossen Grenzabstandes auf der besonnten Schmalseite
ausdrücklich bei der Baubewilligungsbehörde beantragte.10 Das im Grundbuch als
Dienstbarkeit eingetragene Näherbaurecht zugunsten der Parzelle D._ war
dagegen kein Thema. Es wurde vom Eigentümer der Parzelle D._ nach den Akten
nicht in Anspruch genommen. Auf dieser Basis wurde das Gebäude E._ bewilligt
und gebaut.
e) Gleich verhielt es sich im Jahr 2010, als das Wohnhaus E._ westseitig durch
einen Anbau erweitert wurde. Der Gemeinderat sowie die Baukommission Trimstein
erörterten den Grenzabstand zwar noch einmal, wie dem Protokoll 5. Juli 2010 der
Gemeinderatssitzung vom 30. Juni 201011 und dem Protokoll vom 13. Juli 2010 der
Baukommissionssitzung vom 7. Juli 2010 entnommen werden kann.12 In diesen Protokollen
wird unter anderem darauf hingewiesen, falls die frühere Anordnung des
Regierungsstatthalters infrage gestellt würde, müsste der grosse Grenzabstand neu
definiert werden und das Bauvorhaben könnte in dieser Form nur mit einem Näherbaurecht
oder einer Projektänderung realisiert werden. Dieses Vorgehen befürworteten aber weder
der Gemeinderat noch die Baukommission. Aus den Protokollen folgt vielmehr, dass sich
8 Siehe Register 10 im Ordner "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen 9 Siehe Schreiben der Firma H._ Herzogenbuchsee vom 27. November 1989 im Register 10 des Ordners "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen 10 Siehe Bericht und Antrag der Gemeinde-Baupolizeibehörde vom 30. Januar 1990 im Register 10 des Ordners "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen 11 Siehe Protokoll vom 5. Juli 2010 der Gemeinderatssitzung vom 30. Juni 2010 ganz hinten in den Baugesuchsakten Nr. 7/2010 zum Gebäude E._ 12 Siehe Protokoll vom 13. Juli 2010 der Baukommissionssitzung vom 7. Juli 2010 im Register 9 des Ordners "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen
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der Gemeinderat und die Baukommission auf die damalige Anordnung des
Regierungsstatthalters im Bauentscheid vom 16. Februar 1990 stützten. So wurde im
Protokoll der Gemeinderatssitzung unter dem Titel "Beratung" Folgendes festgehalten: "Die Anordnung des Grenzabstandes, wie sie seinerzeit vom Regierungsstatthalteramt
genehmigt wurde, soll aus Gründen der Rechtssicherheit beibehalten werden. Das
eingereichte Bauvorhaben basiert auf dieser Genehmigung."
f) Die Gemeinde führte im angefochtenen Entscheid aus, für alle Beteiligten sei bei der
Erweiterung im Jahr 2010 offensichtlich gewesen, dass der bisher im Westen liegende
grosse Grenzabstand durch den Erweiterungsbau neu auf der Südseite zu liegen komme.
Diese Schlussfolgerung ist bei der vorliegenden Aktenlage nicht haltbar: Es ist wie erwähnt
aktenkundig, dass bei der Erweiterung des Gebäudes E._ der grosse
Grenzabstand von der Behörde wiederum auf der schmäleren Westseite und nicht auf der
besonnten Längsseite festgelegt wurde. Das wird mit der Ausführung im Protokoll
untermauert, dass der Anbau bis zur Strasse auf der Westseite einen Grenzabstand von
10 m einhalten muss. Angemerkt wurde im Protokoll auch, es gelte dort der Grundsatz,
dass der Strassenabstand den Grenzabstand breche.13 Hinzu kommt, dass der
Erweiterungsbau gegenüber der Parzelle Nr. F._ exakt den kleinen Grenzabstand
von 4 m einhält.14 Unter diesen Voraussetzungen sahen der Gemeinderat und die
Baukommission die Grenzabstände als gewahrt und erteilten die Baubewilligung für den
Erweiterungsbau. Dies anerkennt auch die Gemeinde in ihrer Stellungnahme vom 20. März
2017 wenn sie ausführt, im Bauentscheid Trimstein vom 9. August 2010 sei der grosse
Grenzabstand fälschlicherweise auf der Schmalseite, d.h. auf der Westseite, angenommen
worden.
Aktenkundig ist schliesslich, dass das Näherbaurecht auch bei der Gebäudeerweiterung im
Jahr 2010 keine Rolle spielte. Das belegt das Baugesuchsformular 1.0 vom 28. Mai 2010.15
In diesem Formular ist unter der Rubrik "Weitere Unterlagen" das Feld "Näherbau-/
Grenzbaurecht" nicht angekreuzt. Erhärtet wird dies durch die Protokolle der
Baukommission und des Gemeinderats. Anfangs dieser Protokolle findet sich eine
tabellarische Übersicht. In der linken Spalte der Tabellen ist unter der Rubrik Privatrecht
13 Siehe Auszug aus dem Protokoll der Baukommission Trimstein vom 13. Juli 2010 im Register 9 im Ordner "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen 14 Siehe Situationsplan vom 30. September 2009 mit Gemeindestempel vom 9. August 2010 im Register 8 im Ordner "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen 15 Siehe Baugesuchsakten Nr. 7/2010 zum Gebäude E._
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"keine" vermerkt. Das bestehende Gebäude E._ wurde somit erweitert, ohne dass
der Eigentümer der Parzelle D._ sein Näherbaurecht beanspruchte.
g) Als Ergebnis steht fest, dass die früheren Baubewilligungsbehörden den grossen
Grenzabstand beim Gebäude E._ zwei Mal auf der Westseite festlegten. Das
anerkannte der Eigentümer der Parzelle D._. Sein Näherbaurecht nahm er nicht in
Anspruch. An dieser Sachlage ändert der Einwand der Vorinstanz, die Festlegung des
grossen Grenzabstands sei materiell fasch gewesen, nichts. Entscheidend ist, dass der
grosse Grenzabstand beim Wohnhaus E._ in zwei ordentlichen
Baubewilligungsverfahren teils gestützt auf ein Ausnahmegesuch und teils auf Anordnung
der Gemeinde auf der Westseite festlegt wurde. Für die anderen Seiten des Gebäudes
E._, d.h. süd-, nord- und ostseitig, gilt demzufolge ein kleiner Grenzabstand. Dass
die früheren Baubewilligungen formell widerrufen worden sind, wird von der Vorinstanz
nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich. Vielmehr ist die Anordnung des
Grenzabstands durch die Baubewilligungsbehörden in den früheren Bewilligungen nach
wie vor rechtlich bindend; sie kann nicht im Nachhinein zulasten der Beschwerdeführenden
umgedeutet werden. Nach dem Wortlaut von Art. 25 Abs. 1 GBR setzt sich der
Gebäudeabstand aus den beidseitig vorgeschriebenen Grenzabständen zusammen.
Vorgeschrieben im Sinn von Art. 25 Abs. 1 GBR heisst wie in der Erwägung 3b ausgeführt
nicht "gesetzlich", sondern bedeutet eben der von der Baubewilligungsbehörde
vorgeschriebene Grenzabstand. Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass die
Baubewilligungsbehörde beim Gebäude E._ auf der Südseite einen kleinen
Grenzabstand vorschrieb. Der Gebäudeabstand zwischen dem geplanten und dem
bestehenden Gebäude E._ beträgt somit 8 m. Dieser ist, wie dem Situationsplan
im Massstab 1:500 vom 27. März 2013 mit Eingangsstempel vom 19. April 2016 der
Bauabteilung Münsingen entnommen werden kann, eingehalten.16
h) An diesem Ergebnis ändert das bestehende Näherbaurecht zugunsten des
Eigentümers der Parzelle D._ nichts: Die Gewährung eines Näherbaurechts
mittels Dienstbarkeit ist ein zivilrechtlicher Vorgang, worauf die Beschwerdeführenden zu
Recht verweisen. Im Baubewilligungs- oder Baubeschwerdeverfahren wird in der Regel
nicht geprüft, ob zivilrechtliche Vereinbarungen eingehalten sind. Für deren Durchsetzung
sind die Betroffenen auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen. Ausnahmsweise werden
16 Vgl. Ziff. 5.2 im Ordner "Akten" der Vorakten der Gemeinde Münsingen
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zivilrechtliche Fragen im Baubewilligungs- oder Baubeschwerdeverfahren geprüft, wenn
die Baubewilligung den Bestand ziviler Rechte voraussetzt und die Erteilung der
Baubewilligung davon abhängig macht, beispielsweise wenn die Unterschreitung eines
Grenzabstandes zur Diskussion steht und dies gestützt auf ein Näherbaurecht erlaubt
werden soll. In diesem Fall ist der Bestand der zivilrechtlichen Vereinbarung im
Baubewilligungs- oder Baubeschwerdeverfahren relevant und zu prüfen.17 Ein solcher Fall
liegt hier aber nicht vor. Die vorgeschriebenen Grenzabstände und der sich daraus
ergebende Gebäudeabstand sind, wie ausgeführt, eingehalten; es wird kein Näherbaurecht
beansprucht und auch der Eigentümer der benachbarten Parzelle D._ hat weder
beim Neubau des Gebäudes E._ noch bei dessen Erweiterung ein Näherbaurecht
beansprucht. Die Voraussetzungen einer (vorfrageweisen) Prüfung privatrechtlicher
Verhältnisse im Baubewilligungs- oder Baubeschwerdeverfahren sind somit nicht gegeben,
so dass Inhalt und Wirkung des fraglichen Näherbaurechts der Bewilligungsfähigkeit des
Bauvorhabens von vornherein nicht entgegensteht.
i) Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass sich die von der Gemeinde
angesprochene "Rückweichpflicht" zulasten der Bauparzelle wohl auch zivilrechtlich nicht
durchsetzen liesse, wie aus einem Urteil der 2. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons
Bern vom 2. Juli 2015 Ziff. 10 (ZK 15 239) folgt.18 Danach kann ein nicht beanspruchtes
Grenzanbau- oder Näherbaurecht die mit dem privaten Recht verbundene
"stillschweigende" Rückweichpflicht als öffentlich-rechtliche Folge des einzuhaltenden
Gebäudeabstands nicht aktualisieren. Dem belasteten Grundstück wird durch ein
Grenzanbau- oder Näherbaurecht nicht die Pflicht zur "vorauseilenden" Wahrung eines
virtuellen Gebäudeabstands auferlegt, bevor der Berechtigte gestützt auf das vereinbarte
Recht näher baut. Anders wäre es nur, wenn sich die "Rückweichpflicht" des belasteten
Grundstückeigentümers ausdrücklich aus der Dienstbarkeit selber ergibt.19 Das ist hier
aber nicht der Fall.20
17 VGE 2013/133 vom 3. Oktober 2013 E. 4.1; siehe auch Monika Hintz in, KPG Bulletin 2 / 2014 S. 69 18 Abrufbar unter http://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/ 19 Entscheid der 2. Zivilkammer des Obergerichts des Kantons Bern vom 2. Juli 2015 Ziff. 10 (ZK 15 239), abrufbar unter http://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/ 20 Siehe Ziffer 5 unter dem Punkt "Weitere Vertragsbestimmungen" des Kaufvertrags vom 18. Januar 1978 im Register 11 des Ordners "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen
http://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/ http://www.zsg-entscheide.apps.be.ch/tribunapublikation/
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j) Grenz- und Gebäudeabstandsvorschriften stellen Eigentumsbeschränkungen dar.
Sie dienen anerkanntermassen der Wahrung verschiedener Polizeigüter, namentlich der
Wohnhygiene, der Ästhetik oder des Brandschutzes.21 Die Vorinstanz bringt nicht vor, dass
der Gebäudeabstand von 8 m diese Polizeigüter tangiert. Solches ist hier auch nicht
ersichtlich: Vorliegend beträgt die kürzeste Distanz zwischen dem Gebäude E._
und der nordwestlichen Gebäudeecke des projektierten Einfamilienhauses 8 m. An der
nordöstlichen Gebäudeecke beträgt der Abstand zum Nachbargebäude sogar 9 m. Dieser
Abstand ist aus Sicht des Brandschutzes unproblematisch.22 Weiter ist aktenkundig, dass
das Gebäude E._ durch den Erweiterungsbau mit der grossen offenen Terrasse
stärker nach Westen ausgerichtet wurde. Auch die Wohnräume des geplanten
Einfamilienhauses sind teils nach Westen und teils nach Süden orientiert, wie den
Grundrissplänen des Erd- und Obergeschosses im Massstab 1:200 vom 26. Mai 2014
entnommen werden kann.23 Ein Problem betreffend die Wohnhygiene besteht somit nicht.
Auch schadet hier der Gebäudeabstand zwischen 8 m bis 9 m dem Ortsbild nicht. Das
Gebiet I._ im Ortsteil Trimstein liegt gemäss dem Zonenplan24 in keinem
geschützten Ortsbild. Die bestehen Gebäude in der unmittelbaren Umgebung des
Bauvorhabens weisen zudem ähnlich kleine Abstände auf. So beträgt der
Gebäudeabstand zwischen den nördlich liegenden Gebäuden E._ und 22f knapp
13 m. Und östlich auf der gegenüberliegenden Strassenseite beträgt der Abstand zwischen
den Gebäuden I._ 24a und 22e knapp 9 m. Schliesslich steht das vorliegende
Ergebnis auch in Einklang mit den raumplanerischen Zielsetzungen des Bundes und des
Kantons. Diese streben eine möglichst haushälterisch Bodennutzung und eine Verdichtung
der Siedlungsentwicklung nach innen an. Vorliegend ist es möglich, den südlichen Teil der
Bauparzelle später ebenfalls zu überbauen, worauf die Beschwerdeführenden zu Recht
verweisen.
k) Aus den Erwägungen folgt, dass die Vorinstanz den Bauabschlag zu Unrecht erteilte.
Die Beschwerde ist gutzuheissen. Der angefochtene Bauabschlag wird aufgehoben und
die generelle Baubewilligung, deren Gegenstand auf die Frage des Gebäudeabstands
beschränkt ist, wird erteilt. Die generelle Baubewilligung berechtigt noch nicht zur
21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art.12 N. 8 mit weiteren Hinweisen 22 Siehe Brandschutzrichtlinie "15-15 Brandschutzabstände Tragwerke Brandabschnitte (Fassung vom 1. Januar 2017); abrufbar unter www.praever.ch / Brandschutzvorschriften / Richtlinien / Brandschutzrichtlinien 2015 (letztmals besucht am 12. Mai 2017) 23 Siehe Ziffern 5.45 u. 5.46 im Ordner "Akten" der Vorakten der Gemeinde Münsingen 24 Zonenplan der Gemeinde Trimstein im Massstab 1:2000 vom 20. Oktober 1997
http://www.praever.ch
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Ausführung des Vorhabens. Sie bildet nur – aber immerhin – die Grundalge für das von der
Bauherrschaft auszuarbeitende Ausführungsprojekt und Ausführungsgesuch. Mit den
Bauarbeiten darf erst nach Bewilligung des Letzteren begonnen werden.25
l) Vorliegend ergibt sich der Sachverhalt mit genügender Klarheit aus den Akten. Vom
beantragten Augenschein sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten. Der
Beweisantrag auf Durchführung eines Augenscheins der Beschwerdeführenden wird
abgewiesen.
4. Kosten des Baubewilligungsverfahrens
a) Gemäss Bauentscheid vom 25. Januar 2017 betragen die Kosten für das
erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren Fr. 5'032.75. Die Beschwerdeführenden
erachten diese als übersetzt. In der Eingabe vom 21. April 2017 präzisieren sie, Grund der
Anfechtung sei, dass die erste Gebührenrechnung gemäss Kostenentscheid vom 19. März
2015 bereits Fr. 3'542.50 betragen habe.
b) Die Gemeinde bemerkte in ihrer Stellungnahme vom 20. März 2017, der Zeitaufwand
von 41.5 Stunden sei nachgewiesen. Er gehe auf die vielen durch die Bauherrschaft und
deren Rechtsvertreter verlangten Abklärungen, Telefonate, Mails und Besprechungen, teils
vor Ort und teils auf der Gemeindeverwaltung, zurück.
c) Nach Art. 52 Abs. 1 BewD26 tragen die Gesuchsteller die amtlichen Kosten des
Baubewilligungsverfahrens. Dies gilt unabhängig davon, ob das Bauvorhaben bewilligt
werden kann oder nicht. Die Kosten des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens
richten sich nach dem Gebührenreglement und der Gebührenverordnung der Gemeinde
nach dem Zeitaufwand.27
d) Die Gemeinde Münsingen erhob für das Baubewilligungsverfahren Kosten von
Fr. 5'032.75. Der Kostenentscheid lautet – soweit hier von Interesse – wie folgt:
25 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 32-32d N. 7 bis 11 26 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 27 Siehe Art. 2 der Gebührenverordnung vom 4. Februar 2015 der Gemeinde Münsingen und Art. 10 des Gebührenreglements vom 2. Dezember 2014 der Gemeinde Münsingen
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"Kosten Die Kosten aller in diesem Entscheid zusammengefassten Verfahren werden gestützt auf Art. 52 BewD
sowie die Gebührenverordnung der Einwohnergemeinde Münsingen der Bauherrschaft auferlegt und
wie folgt festgesetzt:
Kosten für die Baubewilligung gemäss separater
detaillierter Berechnung CHF 5'032.75"
In der separaten Gebührenzusammenstellung vom 25. Januar 2017 weist die Gemeinde
für die erbrachten Leistungen im Baubewilligungsverfahren einen Zeitaufwand von 41.5
Stunden aus. Davon werden 40.25 Stunden mit einer "Aufwandgebühr II" von Fr. 110.00
und 1.25 Stunden mit einer "Aufwandgebühr I" von Fr. 80.00 pro Stunde belastet. Dazu
kommen die Publikationskosten von Fr. 505.25. Dies ergibt die im Entscheid vom
25. Januar 2017 erhobenen Kosten für das Baubewilligungsverfahren von Fr. 5'032.75
(Fr. 4'427.50 + Fr. 100.00 + Fr. 505.25). Nach dem Projektabrechnungsjournal umfasst die
in Rechnung gestellt Gebühr von Fr. 5'032.75 den Zeitaufwand der Leistungen, die die
Gemeinde im Zeitraum ab 1. Juni 2015 bis 25. Januar 2017 erbrachte. Darin nicht
enthalten ist der Zeitaufwand der Leistungen, die der Gemeinde vorher, d.h. für den
Bauentscheid vom 19. März 2015, entstanden.
e) Die Beschwerdeführenden rügen nicht, es fehle die gesetzliche Grundlage, um den
Zeitaufwand der Leistungen im Umfang von Fr. 5'032.75 in Rechnung zu stellen. Solches
ist hier auch nicht ersichtlich. Umstritten ist vielmehr die Höhe und damit die
Verhältnismässigkeit der in Rechnung gestellten Kosten für das erstinstanzliche
Baubewilligungsverfahren.
f) Vorliegend ist die Kritik der Beschwerdeführenden am angefochtenen
Kostenentscheid in der Höhe von Fr. 5'032.75 verständlich. Die Begründung der Höhe des
Kostenentscheids ist verwirrend: Im Kostenentscheid hielt die Gemeinde fest, dass sich die
Gebühr aus allen in diesem Entscheid zusammengefassten Verfahren ergebe (vgl. vorne
Erwägung 4d). Daraus ist zu schliessen, dass die Kosten den gesamten Zeitaufwand ab
Einreichung des Baugesuchs bis zum Entscheidzeitpunkt, d.h. vom 26. Mai 2014 bis zum
25. Januar 2017, umfassen. Das steht jedoch in Widerspruch zum
Projektabrechnungsjournal vom 14. März 2017.28 Darin wird nur der Zeitaufwand ab 1. Juli
2015 bis 25. Januar 2017 verrechnet, d.h. ohne die Leistungen des vorangehenden
28 Vgl. Register 2 im Ordner "Beilagen" der Vorakten der Gemeinde Münsingen
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Bauabschlags vom 19. März 2015.
g) Klarzustellen ist zunächst, dass mit dem Rückweisungsentscheid der BVE vom
29. Juni 2015 der Kostenentscheid der Gemeinde in der Höhe von Fr. 3'542.50 dahin fiel.
Infolge des Rückweisungsentscheids der BVE vom 29. Juni 2015 musste die Gemeinde
das Baubewilligungsverfahren wieder aufnehmen und fortsetzen. Nach den Akten begann
das Baubewilligungsverfahren mit Einreichung des Baugesuchs bei der Gemeinde am
26. Mai 2014 zu laufen und endete mit dem Bauentscheid der Gemeinde vom 25. Januar
2017. Dass die Beschwerdeführenden den Gesuchsgegenstand im Verlauf des
Baubewilligungsverfahrens einschränkten, ändert daran nichts. Für die Beurteilung der
Frage, ob der Kostenentscheid verhältnismässig ist, ist die gesamte Zeitspanne des
erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens, d.h. vom 26. Mai 2014 bis zum 25. Januar
2017, relevant. Bezieht man den Zeitaufwand für den vorangehenden Bauabschlag vom
19. März 2015 ebenfalls mit ein, wie das die Gemeinde im Kostenentscheid richtig
festgehalten hat, ist die Gebühr von Fr. 5'032.75 gerechtfertigt und nicht zu beanstanden.
Zu berücksichtigen ist dabei, dass das Baubewilligungsverfahren über zwei Jahre dauerte
(ohne Rechtsmittelverfahren), die Gemeinde das generelle Baugesuch veröffentlichte, ein
Einspracheverfahren durchführte sowie zwei Bauentscheide fällte. Zudem fiel zwischen der
Gemeinde und den Beschwerdeführenden etliche Korrespondenz an und es fanden
Besprechungen teils vor Ort und auf teils auf der Gemeindeverwaltung statt. Im Ergebnis
ist somit die Höhe des Kostenentscheids nicht zu beanstanden; die Höhe des
Kostenentscheids ist verhältnismässig. Zu berücksichtigen ist schliesslich, dass die
Beschwerdeführenden nach den Akten bereits eine Gebühr von Fr. 3'542.50 für den
Bauentscheid vom 19. März 2015 bezahlten.29 Dieser Betrag ist eine Teilzahlung, die an
die Gesamtrechnung des Kostenentscheids von Fr. 5'032.75 angerechnet werden kann.
5. Kosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr
von Fr. 1'600.00. Gemäss Art. 108 Abs. 1 VRPG30 werden sie der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
29 Vgl. Beilage 6 zur Beschwerde vom 23. Februar 2017 30 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt die Gemeinde Münsingen als unterliegende
Partei. Der Entscheid, dass die im angefochtenen Bauentscheid erhobene Gebühr von
Fr. 5'032.75 im Ergebnis rechtlich haltbar ist, ändert daran nichts. Zum einen handelt es
sich dabei nur um einen untergeordneten Punkt. Zum andern hat die Gemeinde durch ihre
missverständlichen Ausführungen die Beschwerdeführenden dazu veranlasst, den
Kostenentscheid anzufechten. Vorliegend können der Gemeinde Münsingen keine
Verfahrenskosten auferlegt werden; sie ist nicht in ihren Vermögensinteressen betroffen
(Art. 108 Abs. 2 i.V. mit Art. 2 VRPG). Der Kanton trägt daher die Verfahrenskosten.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen
als gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Da die Gemeinde als unterliegend gilt,
haben die Beschwerdeführenden Anspruch auf Parteikostenersatz.
Das vom Rechtsvertreter geltend gemachte Honorar von Fr. 5'950.00 zuzüglich Auslagen
und Mehrwertsteuer ist überhöht. Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige
Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV31
beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis
Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz
nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und
der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG32). Die Bedeutung der Sache und die
Schwierigkeit des Prozesses sind hier eher als durchschnittlich zu werten. Als
unterdurchschnittlich zu bewerten ist hingegen der gebotene Zeitaufwand des Prozesses.
Es steht hier keine komplexe Streitsache zur Diskussion. Thema des Prozesses ist allein
die Frage, ob der Gebäudeabstand gegen Norden eingehalten ist. Es fand zudem nur ein
Schriftenwechsel statt und es wurde auch kein Beweisverfahren durchgeführt. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführenden ist zudem mit der Prozessgeschichte gut
vertraut. Er vertrat die Beschwerdeführenden bereits im vorinstanzlichen
31 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811) 32 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
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Baubewilligungsverfahren. Überdies war die Angelegenheit bereits einmal Gegenstand
einer Beschwerde (vgl. RA Nr. 110/2015/53). Darin stellte sich im Wesentlichen die gleiche
Rechtsfrage wie im vorliegenden Verfahren. Das Verfassen der zweiten Beschwerdeschrift
verursachte daher nur wenig Mehraufwand. Unter diesem Umständen wird der
Parteikostenersatz des Rechtsvertreters der Beschwerdeführenden auf Fr. 4’000.00 (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Die Gemeinde Münsingen hat somit den
Beschwerdeführenden eine Parteikostenentschädigung von Fr. 4'000.00 (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
d) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren haben in
jedem Fall die Gesuchstellenden zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD). Die amtlichen Kosten
von Fr. 5'032.75 sind nach dem Gesagten nicht zu beanstanden (vgl. Erwägung 4). Sie
bleiben daher den Beschwerdeführenden zur Bezahlung auferlegt. Die bereits geleistete
Teilzahlung der Beschwerdeführenden von Fr. 3'542.50 kann den Gesamtkosten von Fr.
5'032.75 angerechnet werden. Für das Inkasso dieser Kosten ist die Gemeinde Münsingen
zuständig.