Decision ID: f7e26e95-360e-5245-b2a0-7f0864ae3026
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der iranische Staatsangehörige
X._
, geboren 1983,
durchlief in seiner Heimat eine
Anlehre
zum Juwelier (
Urk.
13/2/4). Im Mai
2006
erblindete er in seinem Heimatland infolge einer Schussverletzung.
Nachdem er im März 2007 nach
Italien
geflüchtet war, r
eiste
er im Februar 2008
in
die Schweiz ein
und stellte ein Asylgesuch. Mit Entscheid vom 1
5.
September 2009 bejahte das Bundesamt für Migration BFM die Flüchtlingseigenschaft von
X._
infolge subjektiver Nachfluchtgründe
. Dies führte zwar zum Ausschluss der Asylgewährung, aufgrund des Grundsatzes der Nichtrückschiebung wurde
X._
jedoch in der Schweiz vorläufig aufgenommen (
Aufenthaltsbewilligung F;
Urk.
13/30).
1.2
In der Folge meldete sich
X._
a
m 1
0.
September 2012
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
13/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte den Bericht des Hausarztes
Dr.
med. Z._
, Spezialarzt für Innere Medizin, vom 2
6.
November 2012
ein (
Urk.
13/10) und verneinte daraufhin m
it Verfügung vom 1
5.
Februar 2013
d
en Anspruch von
X._
auf Leistung
e
n der Invalidenversicherung, da sein Gesundheitsschaden vor
der
Einreise in die Schweiz eingetreten sei (
Urk.
13/18
; vgl. das Feststellungsblatt vom 2
1.
Dezember 2012,
Urk.
13/13
). Diese Verfügung blieb unangefochten.
1.3
Im April 2013 nahm die Durchführungsstelle für die
Zusatzleistungen zur AHV/IV
der Stadt
Y._
auf das Ersuchen des Schweizerischen Blindenbundes hin
die Prüfung des Anspruchs von
X._
auf Zusatz
leistungen auf
(vgl. die Korrespondenz in Urk.
10/7/95-109). Zu diesem Zweck
holte sie bei
Dr.
Z._
das Arztzeugnis vom 2
3.
Mai 2013 ein (
Urk.
10/7/45-46) und ersuchte
die IV
-Stelle um die Bestimmung des Invaliditätsgrades von
X._
(Schreiben der Durchführungsstelle an die IV-Stelle vom 2
8.
Juni 2013,
Urk.
10/7/94). Mit Beschluss vom
5.
November 2013 gab die IV-Stelle der Durchführungsstelle einen Invaliditätsgrad von 22
%
ab dem 2
2.
Mai 2007 bekannt (
Urk.
10/7/93; Feststellungsblatt vom
6.
November 2013,
Urk.
10/7/91-92
, und Einkommensvergleich vom
4.
November 2013,
Urk.
13/31
). Gestützt darauf eröffnete die Durchführungsstelle
X._
mit Verfügung vom 1
8.
November 2013
,
dass die Voraussetzungen für ei
n
en
Anspruch auf Zusatzleistungen nicht erfüllt seien (
Urk.
10/7/90
).
X._
liess mit Eingabe vom 1
6.
Dezember 2013 durch die
Inclusion
Handicap
Einsprache erheben (
Urk.
10/7/85a-87) und auf
den Umstand
hinweisen, dass ihm mit Verfügung vom
3.
Dezember 2013 für die Zeit ab dem
1.
September 2011 eine
Hilflosenentschädigung
für eine Hilflosigkeit leichten
Grade
s zugesprochen worden war
(
Urk.
13/35-
40; vgl. die Anmeldung vom 2
3.
April 2013
,
Urk.
13/19,
und den Abklärungsbericht vom 1
7.
Oktober 2013,
Urk.
13/26)
. Nachdem er die Einsprache mit Eingabe vom 2
4.
Februar 2014 hatte ergänzen lassen (
Urk.
10/7/77-79), hob die Durchführungsstelle die Verfügung vom 1
8.
November 2013 mit
Einspracheentscheid
vom 2
3.
April 2014 auf.
Dabei hielt sie
neu
fest
, dass
die grundsätzlichen V
oraussetzungen für die
Zusprechung von Zusatzleistungen
erfüllt seien
, und stellte weitere Abklärungen zur allfälligen Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinko
mmens in Aussicht (Urk. 10/7/72
74).
1.4
1.4.1
Mit Schreiben vom
2.
August 2016 liess
X._
die Durchführungsstelle um
Anhandnahme
des noch pendenten Abklärungsverfah
rens
ersuchen (
Urk.
10/7/50-51), worauf
diese bei der städtischen Sozialberatung, die für die Ausrichtung der Sozialhilfeleistungen zuständig war, die schriftliche Auskunft vom
8.
August 2016 zu den Integrationsbemühungen des Gesuchstellers einholte (
Urk.
1
0/7/47-48).
1.4.2
Mit Verfügung vom 1
3.
September 2016 sprach die Durchführungsstelle dem Gesuchsteller rückwirkend ab Februar 2013
Zusatzleistungen in Form von Ergänzungsleistungen zu (
Urk.
10/7/1-22
und
Urk.
10/8
). Dabei rechnete sie ihm ab Januar 2016 ein hypothetisches Erwerbseinkommen von
Fr.
24'000.--
im Jahr
an (vgl.
Urk.
10/7/7 sowie die Erläuterungen zur Fallführung in
Urk.
10/7/27 und die Aktennotiz vom 2
6.
August 2016 in
Urk.
10/7/26).
Der Bezüger
liess gegen die Verfügung vom 1
3.
September 2016 mit Eingabe vom
7.
Oktober 2016
in Bezug auf die Zeit ab Januar 2016 Einsprache
erheben und beantragen, von der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens sei abzusehen (
Urk.
10/9).
Mit
Eingabe vom
8.
November 2016
liess er die Einsprache
ergänzen (
Urk.
10/11).
1.4.3
Es folgten die Verfügung
en
der Durchführungsstelle vom 1
4.
Dezember 2016 und vom 1
1.
Dezember 2017, mit welchen dem Bezüger ab Januar 2017 und ab
Januar 2018 erneut
Ergänzungsleistungen unter Anrechnung eines jährlichen
hypothetischen Erwerbseinkommens von
Fr.
24'000.-- zugesprochen wurde
n (Urk.
10/12 und
Urk.
10/16). Der Bezüger liess mit den Eingaben vom 2
3.
Dezember 2016 und vom 1
8.
Dezember 2017 wieder
um Einsprache erheben und den Antrag wiederholen
, es sei ihm kein hypothetisches Erw
erbseinkommen anzurechnen (Urk.
10/13 und
Urk.
10/17).
1.4
.4
Die Durchführungsstelle hatte
auf die erste
n beiden
Einsprache
n
hin durch die IV-Stelle den Invaliditätsgrad neu bemessen
lassen
(Schreiben an die IV-Stelle vom 3
1.
Mai 2017,
Urk.
13/48/1)
, hatte
einen Invaliditätsgrad von 53
%
mitgeteilt erhalten
(
Mitteilung,
Einkommensvergleich und Feststellungsblatt je vom 27.
Juni 2017,
Urk.
13/60
-63
) und hatte
die Stellungnahme des Bezügers h
ierzu vom 2
1.
Juli 2017 entgegengenommen
(
Urk.
10/15).
In der Folge
vereinigte die
Durchführungss
telle die
drei Einsprachen und hiess sie mit Entscheid vom 2
5.
Juli 2018 insoweit gut, als sie das angerechnete hypothetische Erwerbseinkommen in den Jahren 2016 bis
2018 von
Fr.
24'000.-- auf Fr.
19
'290.-- herabsetzte (
Urk.
2 =
Urk.
10/18).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
5.
Juli 2018 liess
X._
_
,
nach wie vor vertreten durch die
Inclusion
Handicap
,
mit Eing
abe vom 4. September 2018
Beschwerde erheben (
Urk.
1
) und beantragen,
der Entscheid
sei
dahingehend zu ändern, dass von der Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens ab Januar 2016 vollumfänglich abzusehen sei (
Urk.
1 S. 2). Die Durchführungsstelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
5.
November 2018 auf Abw
eisung der Beschwerde (
Urk.
9 und die damit eingereichten Unterlagen,
Urk.
10/11-18).
Mit Verfügung vom 1
9.
November 2018 (
Urk.
11) wurden die Akten der Invalidenversicherung beigezogen (
Urk.
13/1-68). Der Beschwerdeführer blieb in der Replik vom
9.
Januar 2019 bei seinem Standpunkt (
Urk.
17). Die Beschwerdegegnerin hielt in der Duplik vom
1.
März 2019 ebenfalls an ihrer Beurteilung fest und machte ergänzende Ausführungen zu den Eingliederungsmöglichkeiten des Beschwerdeführers (
Urk.
22).
Zu diesen ergänzenden Ausführungen liess d
er Beschwerdeführer mit Eingabe vom
2.
Mai 2019 Stellung nehmen (
Urk.
26
und die damit eingereichten Unterlagen,
Urk.
27/1-2). Mit Eingabe vom 2
1.
Mai 2019 nahm die Beschwerdegegnerin die Gelegenheit w
ahr, sich dazu zu äussern (Urk.
30). Am 2
2.
Mai 2019 wurde diese Eingabe dem Beschwerdeführer zur Kenntnis gebracht (
Urk.
31).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters
, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) haben Personen mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz (
Art.
13 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) Anspruch auf
Ergänzungsleistungen, wenn sie nach dem Bundesgesetz über die
Alters- und
H
interlassenenversicherung
(AHVG) eine Altersrente, eine Witwen-/Witwerrente
oder
eine Waisenrente beziehen (
lit
. a,
lit
.
a
bis
und
lit
.
a
ter
) oder wenn sie nach dem Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG) eine Invalidenrente, eine
Hilflosenentschädigung
oder ununterbrochen während mindestens sechs Monaten ein Taggeld beziehen (
lit
. c). Des Weiteren haben auch jene Personen Anspruch auf Ergänzungsleistungen, welche Anspruch hätten auf eine Alters
rente oder eine Invalidenrente, wenn sie die Mindestbeitragsdauer nach
Art.
29 Abs. 1 AHVG beziehungsweise nach
Art.
36 Abs. 1 IVG erfüllen würden (
lit
. b und
lit
. d).
1.2
Gemäss
Art.
9 Abs. 1 ELG entspricht die jährliche Ergänzungsleistung dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Die anerkannten Ausgaben sind in Art. 10 ELG, die anrechenbaren Einnahmen in Art. 11 ELG aufgelistet. Zu letzteren gehören unter anderem zwei Drittel der Erwerbseinkünfte, soweit sie bei alleinstehenden Personen den jährli
chen Betrag von
Fr.
1‘000.-- und bei Ehepaaren und Personen mit rentenbe
rechtigten Waisen oder mit Kindern, die einen Anspruch auf eine Kinderrente der AHV oder IV begründen, den jährlichen Betrag von
Fr.
1‘500.-- übersteigen (Art.
11 Abs. 1
lit
. a ELG), und die Einkünfte
und Vermögenswerte, auf die ver
zichtet worden ist (Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG).
Die Vorschrift zu den Verzichtseinkünften und zum Verzichtsvermögen stellt eine Konkretisierung des allgemeinen, im gesamten Sozialversicherungsrecht
massgebenden
Grundsatzes d
er Schadenminderungspflicht dar. Der Bezüger von Ergänzungsleistungen hat somit alles Zumutbare vorzukehren, um den soweit als möglich, insbesondere auch d
urch ein möglichst hohes Erwerb
seinkommen, selbst finanzieren zu können (BGE 140 V 267 E. 5.2.1 mit Hinweisen).
Ein Verzicht auf Einkünfte, der eine Anrechnung erlaubt, liegt
rechtsprechungsgemäss
dort vor, wo eine Person
aus von ihr zu verant
wortenden Gründen von der Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (BGE 121 V 204 E. 4a mit Hinweisen).
Bei Teilinvaliden wird nach Art. 14a Abs. 1 der Verordnung über die Ergänzungs
leistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV) als
Erwerbseinkommen grundsätzlich der Betrag angerechnet, den sie im mass
gebenden Zeitabschnitt tatsächlich verdient haben. Invaliden unter 60 Jahren ist aber nach Art. 14a Abs. 2
lit
. a-c ELV je nach Invaliditätsgrad bezie
hungsweise
Rentenhöhe (
Viertelsrente
, halbe Rente,
Dreiviertelsrente
) ein bestimmter Betrag anzurechnen, für dessen Bemessung
vom
Höchstbetrag für den Lebensbedarf von Alleinstehenden nach Art. 10 Abs.
1
lit
. a Ziff. 1 ELG auszugehen
ist. Dieser
Anrechnung liegt die Vermutung zugrunde, dass die EL-berechtigte Person in der Lage ist, die entsprechenden Mindesteinkünfte zu erzielen. Die betreffende Vermutung kann von den Leistungsansprechern widerlegt werden; diese können
objektive und subjektive
, für die Invaliditätsbemessung nicht relevante
Umstände
des Einzelfalles
geltend machen, welche die Realisierung eines Erwerbseinkom
mens verhindern oder erschwere
n (vgl. BGE 141 V 343 E. 3.2,
E. 3.3
und E. 5.2
;
Carigiet
/Koch,
Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Auflage, Zürich 2009,
S.
154
).
2.
2.1
Der Beschwerdeführer unterstand
aufgrund seiner vorläufigen Aufnahme dem
Bundesbeschluss über die Rechtsstellung der Flüchtlinge und Staatenlosen in der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung vom
4.
Oktober 1962 (
FlüB
)
und hatte in dieser Hinsicht die gleichen Rechte wie ein anerkannter Flüchtling
(vgl. die
Mitteilungen
des Bundesamtes für Sozialversicherungen BSV
an die AHV-Ausgleichskassen und EL-Durchführungsstellen Nr. 327
vom 2
8.
März 2013
mit
Hinweis auf
das in BGE 139 II 1 publizierte
Urteil
des Bundesgerichts
9C_963/2011
vom
6.
Dezember 2012
).
2.2
Nach
Art.
1
Abs.
1 Satz 1
FlüB
haben Flüchtlinge mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz unter den gleichen Voraussetzungen wie
Schwei
z
er Bürger Anspruch auf ordentliche Renten der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
sowie auf ordentliche Renten und
Hilflosenentschädigungen
der Invalidenversicherung. Des Weiteren haben nach
Art.
1
Abs.
2
FlüB
Flüchtlinge mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt in der Schweiz unter den
gleichen Voraussetzungen wie Schweizer Bürger Anspruch auf ausserordentliche Renten der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
sowie der Invalidenversicherung, wenn sie sich unmittelbar vor dem Zeitpunkt, von welchem an die Rente verlangt wird, ununterbrochen fünf Jahre in der Schweiz aufgehalten haben.
In Anwendung dieser Regelung
hatte
die IV-Stelle zwar einen Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente
v
erneint
, da sein Gesundheitsschaden
in Form des
Verlust
s des Augenlichts
bereits vor der Einreise in die Schweiz entstanden war und der Beschwerdeführer somit weder die Voraussetzungen für eine
ordentliche Rente erfüllte, nämlich die erforderliche dreijährige Beitragsdauer vor Eintritt der Invalidität (
Art.
36 Abs. 1 IVG), noch die Voraussetzungen für eine ausserordentliche Rente, nämlich eine Versicherungsdauer während der gleichen Anzahl von Jahren wie
sein
Jahrgang (
Art.
39 Ab
s. 1 IVG in Verbindung mit Art.
42 Abs.
1
AHVG
)
. Hingegen
hatte sie
ihm bei gege
benen Voraussetzungen nach Art.
42
ff. IVG
mit der Verfügung vom
3.
Dezember 2013
ab
September 2011 eine
Hilflosenentschädigung
zugesprochen (
Urk.
13/35
-40). Dieser laufende Anspruch blieb auch bestehe
n, nachdem die Aufenthaltsbewilligung F des
Beschwerdeführers im Jahr 2013 in eine Aufenthaltsbewilligung B umgewandelt worden war (vgl.
das Schreib
en des BFM
vom
7.
Juni 2013,
Urk.
10/7/98, sowie
Urk.
13/24
26 und
Urk.
13/29)
.
2.3
Als Bezüger einer
Hilflosenentschädigung
hat der Beschwerdeführer nach Ablauf der fünfjährigen Karenzfrist, die in
Art.
5
Abs.
2 ELG für Flüchtlinge und
staatenlose Personen statuiert ist, gestützt auf
Art.
4
Abs.
1
lit
. c ELG Anspruch auf Ergänzungsleistungen, sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind. Dies ist nicht umstritten, und die Beschwerdegegnerin hat dem Beschwerdeführer denn
auch
für die Zeit ab Februar 2013
Ergänzungsleistungen
zugesprochen.
Nicht mehr
relevant ist damit, ob
der Beschwerdeführer sei
nen Ergänzungsleistungsanspruch
gleichzeitig
aus
Art.
4
Abs.
1
lit
. d
ELG ableiten kann, also
aus einem
hypothetischen
Rentenanspruch
für den F
all
, dass er die Mindestbeitragszeit nach
Art.
36
Abs.
1 IVG erfüllen
würde
.
Die Beschwerdegegnerin hatte
in
ihre
r
ursprüngliche
n
Verfügung vom 1
8.
November 2013
einen
solchen hypothetischen Rentenanspruch
aufgrund der Bemessung des Invaliditätsgrades auf 22
%
durch die IV-Stelle
(
Urk.
10/7/91-93 und
Urk.
13/31)
verneint
(
Urk.
10/7/90),
hatte diese Verfügung
im
Einspracheverfahren
jedoch wieder
aufgehoben
(Urk.
10/7/72-74)
, nachdem sie vom Anspruch des Beschwerdeführers auf eine
Hilflosenentschädigung
erfahren hatte
. Im Zusammenhang mit der Frage nach dem grundsätzlichen Anspruch des Beschwerdeführers auf Ergänzungsleistungen muss
daher auf die Invaliditätsbemessung der IV-Stelle nicht
eingegangen
werden.
3.
3.1
Umstritten
und zu prüfen ist
demnach nicht mehr der Ergänzungsleistungsanspruch als solcher, sondern nur noch
die Höhe der Ergänzungsleistungen ab
Januar 2016.
Einziges strittiges Berechnungselement sind dabei die Einkünfte in der Höhe von jährlich
Fr.
19'290.--, welche die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer
anrechn
ete.
3.2
Der Beschwerdeführer war vor der Zusprechung von Ergänzungsleistungen mit Sozialhilfe unterstützt worden (vgl. die Bestätigung der
städtischen Sozialberatung
vom 5.
März 2013,
Urk.
10/7/102) und war in der Schweiz nie erwerbstät
ig gewesen (vgl. die Angaben im Auszug aus dem individuellen Konto vom
8.
Oktober 2012,
Urk.
13/6, und im Feststellungsblatt
der I
V-Stelle vom
6.
November 2013,
Urk.
10/7/91-92
)
. Bei den angerechneten Einkünften
handelt es si
ch also
um
hypothetische Einkünfte im Sinne
von
Verzichtseinkünften nach
Art. 11 Abs. 1
lit
. g ELG.
Aus den Akten sind die Überlegungen nicht ersichtlich, welche die Beschwerdegegnerin vorerst zur Bemessung der Verzichtseinkünfte auf
Fr.
24'000.-- im Jahr bewogen
hatten
.
In ihrer Aktennotiz vom 2
6.
August 2016 findet sich dazu
lediglich die Bemerkung, dass dieser Betrag nach Rücksprache mit einer Mitarbeiterin festgelegt worden sei (
Urk.
10/7/26).
Demgegenüb
er gründet der tiefere Betrag von
Fr.
19'290.--
, auf den die Beschwerd
egegnerin die jährlichen
hypothetischen E
inkünfte im angefochtenen
Einspracheentscheid
herabgesetzt hatte, auf der neuen
, im
Einspracheverfahren
veranlassten Invaliditätsbemessung der IV-Stelle
(vgl.
Urk.
2 S. 4)
. Diese hatte zu einem Invaliditätsgrad von 53
%
geführt (
Urk.
13/48 und
Urk.
13/60-63
), und beim Betrag von
Fr.
19'290.-- handelt es sich
um das gesetzlich festgelegte
anrechenbare Einkommen
für Bezüger einer halben Rente nach
Art.
14a
Abs.
2
lit
. b ELV (in Verbindung mit
Art.
10
Abs.
1
lit
. a Ziffer 1 ELG in der Fassung, wie sie in den zur Diskussion stehenden Jahren
2016 bis 2018 in Kraft stand).
3.3
D
er Beschwerdeführer liess zum einen die Richtigkeit des Invaliditätsgrades
von 53
%
in Frage stellen, wie er von der IV-Stelle ermittelt worden war (
Urk.
1 S. 4 ff.), und liess zum andern Gründe anführen, die
ihn
selbst
bei korrekter
Invaliditätsbemessung an der Erzielung eines Einkommens von
Fr.
19'290.--
hinderten und somit die Vermutung
in
Art.
14a
Abs.
2
lit
. b ELV widerlegten (
Urk.
1 S. 6 f.).
Demgegenüber erachtete sich die Beschwerdegegnerin als gebunden an den
Invaliditätsgrad von 53
%
(
Urk.
2 S. 4) und anerkannte die
Vorbringen zur
fehlenden Realisierbarkeit des gesetzlich vorgesehenen Anrechnungsbetrags von Fr
.
19'290.-- nicht, die
s
vor allem mit der Begründung, dem Beschwerdeführer wäre es in den Jahren seit seiner Ank
u
nft in der Schweiz zuzumuten gewesen, Vorkehren
zu treffen, die ihm als Blindem
eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt ermöglicht hätten (
Urk.
2 S. 5 f.).
4.
4.1
W
as die Verbindlichkeit des Invaliditätsgrades von 53
%
betrifft, so hat das
Bundesgericht zwar in einem Entscheid, wo die versicherte Person wie im vorliegenden Fall wegen Fehlens der versicherungsmässigen Voraussetzungen keinen Anspruch auf eine Invalidenrente hatte und Ergänzungsleistungen zu einer
Hilflosenentschädigung
- ebenfalls aufgrund einer Sehbehinderung - beanspruchte, auf seine Rechtsprechung hingewiesen, wonach sich die Durchführungsorgane und die Sozialversicherungsgerichte mit Bezug auf die invaliditätsbedingte
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit grundsätzlich an die Invaliditätsbemessung durch die Invalidenversicherung zu halten hab
en (BGE 140 V 267 E. 2.3 und E.
5.1).
In einem neueren Urteil hat das Bundesgericht indessen präzisiert, dass die Inval
iditätsbemessung im Falle eines Ergänzu
ngsleistungsanspruchs nach Art.
4
Abs.
1
lit
. d ELG (hypothetischer Rentenanspruch
für den Fall der
Erfüllung der Mindestbeitragszeit) im Rahmen der Beurteilung des Anspruchs auf Ergänzungsleistungen überprüft werden könne, und hat dies damit begründet, dass der Invaliditätsgrad in einem solchen Fall lediglich amtshilfeweise festgelegt w
erde
und daher
keine Möglichkeit bestehe
, ihn in einem invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren überprüfen zu lassen (Urteil des Bundesgerichts 9C_710/2017
vom 1
3.
Dezember 2017
E. 3.3). Diese Relativierung der
Verbindlichkeit
des Invaliditätsgrades
muss auch dort gelten, wo nicht ein Ergänzungsleistungsanspruch nach
Art.
4
Abs.
1
lit
. d ELG
zur Diskussion steht,
sondern - wie
vorliegendenfalls
- ein solcher nach
Art.
4
Abs.
1
lit
. c ELG, soweit er nicht auf einem Rentenanspruch, sondern auf dem Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
basiert. Denn auch hier besteht keine Möglichkeit, den festgelegten Invaliditätsgrad in einem Verfahren gegen die IV-Stelle
überprüfen zu lassen
. Das Bundesgericht hat denn auch schon
früher
dargetan, dass sich die Rechtsprechung zur grundsätzlichen Verbindlichkeit der Invaliditätsbemessung der Invalidenversicherung auf Fälle beziehe, in denen die Invalidenversicherung eine versicherte Person rechtskräftig als teilinvalid qualifiziert habe beziehungsweise ein Rentengesuch aufgrund eines zu tiefen Invaliditätsgrades abgewiesen habe (Urteil des Bundesgerichts 8C_172/2007 vom
6.
Februar 2008 E. 7.2).
Damit ist auf die Einwendungen des Beschwerdeführers zum Invaliditätsgrad einzugehen.
4.2
4.2.1
Invalidität ist in
Art.
8
Abs.
1
ATSG
definiert als
die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze od
er teilweise Erwerbsunfähigkeit. Als
Erwerbsunfähigkeit
gilt nach
Art.
7
Abs.
1 ATSG
der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach
zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt.
Gemäss
Art.
28
Abs.
2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70
%
, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40
%
invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG (in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Nach dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente», wie er in
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG in der ab
1.
Januar 2008 geltenden Fassung ausdrücklich festgeschrieben worden ist, aber schon vorher gegolten hat, kann vor der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen eine Rente nur gewährt werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesundheitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2009 vom 2
9.
Juni 2009 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 121 V 190 E. 4a und c). Dabei ist rechtsprechungsgemäss jedoch dort, wo eine versicherte Person aufgrund ärztlicher Beurteilung arbeitsunfähig ist, wo aber gleichzeitig angenommen wird, dass nach durchgeführter erfolgreicher Eingliederung wieder eine deutlich bessere Arbeitsfähigkeit erreichbar sein sollte, der Anspruch auf eine Rente für die zurückliegende Zeit so lange nicht ausgeschlossen, als die bestehende Erwerbsunfähigkeit nicht oder noch nicht mit geeigneten Eingliederungsmassnahmen tatsächlich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte. Dies gilt auch für Massnahmen der Selbsteingliederung, solange solche noch nicht durchgeführt worden sind und noch keine Aufforderung zur Mitwirkung im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG (beziehungsweise im Sinne der bis Ende Dezember 2002 in Kraft gestandenen Regelung in
Art.
31 IVG) ergangen i
st (Urteil des Bundesgerichts I
291/05 vom 3
1.
März 2006 E. 3.2 mit Hinweis).
4.2.2
Bei der Invaliditätsbemessung des Jahres 2013 lag der IV-Stelle der Bericht von
Dr.
Z._
vom 2
6.
November 2012
vor, in dem der Arzt den Beschwerdeführer für die ursprüngliche Tätigkeit als Goldschmied als nicht mehr arbeitsfähig
bezeichnete, ihm jedoch in einer für Blinde möglichen Berufstätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit attestierte
(
Urk.
13/10
/2-3
).
Dieser Beurteilung schloss sich der RAD-Arzt
Dr.
med. A._
in einer Stellungnahme vom 3
0.
August 2013 an (
Urk.
10/7/91 S. 2), und auf deren Basis ermittelte die IV-Stelle anhand der Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik das Validen- und das Invalideneinkommen
. Bei
der Festlegung des Invalideneinkommen
s
ging sie von einer
vollzeitlichen Arbeitsfähigkeit für angepasste
Hilfsarbeiter-
Tätigkeiten aus, wobei sie die Blindheit als lohnmindernden Faktor berücksichtigte und das statistisc
he
Vollzeiteinkommen um 20
%
reduzierte (
Urk.
10/31).
Daraus resultierte der
damalige Invaliditätsgrad von 22
%
.
Für d
ie Invaliditätsbemessung
im Jahr 2017 wurden keine aktuellen medizinischen Beurteilungen eingeholt, sondern
die IV-Stelle verwies a
uf
die
früher
attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
. Neu gelangte
die IV-Stelle jedoch
zur Beurteilung,
dass dieser 100%igen Arbeitsfähigkeit eine Leistungsfähigkeit von
nur 50
%
entspreche (
Urk.
13/61
). Demgemäss
reduzierte sie das statistisch ermittelte
, mit einer angepassten Tätigkeit erzielbare
Vollzeiteinkommen nunmehr auf 50
%
, wo
r
aus sich der neue Invaliditätsgrad von 53
%
ergab (
Urk.
13/60).
4.2.3
Sowohl der Invaliditätsgrad von 22
%
als
auch derjenige von 53
%
basiert
auf der Annahme, dass der Beschwerdeführer
hinreiche
nd eingegliedert ist, um auf dem
ausgeglichenen Arbeits
m
arkt eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu
finden. Konkrete
berufsberaterische
Abklärungen wurden jedoch
weder im Jahr 2013 noch im Jahr 2017
gemacht
, da der Beschwerdeführer die versicherungsmässigen Voraussetzungen für einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung nicht erfüllt
e
(vgl.
Art.
2
FlüB
).
Dementsprechen
d
fehlen
in den Akt
en der Invalidenversicherung
Vorschläge für konkrete Tätigkeiten, die der Beschwerdeführer als Blinder mit oder ohne Eingliederungsmassnahmen ausüben könnte.
In Bezug auf eigene
, nicht von der Invalidenversicherung unterstützte
Eingliederungsbemühungen seit der Erblindung ist
in
der schriftlichen Auskunft der
städtischen Sozialberatung vom
8.
August 2016 zu
lesen
, dass der Beschwerdeführer nach der Fallaufnahme im Jahr 2009 zunächst eine möglichst selbständige
Lebensweise im Alltag habe erlernen müssen beziehungsweise immer noch daran sei, diese zu erlernen, dass er
im Jahr 2012 über ein kantonales Integrationsangebot im Flüchtlingsbereich für einen Intensivkurs in Deutsch angemeldet
worden sei
und dass langfristig eine Qual
i
fizierung in Massage oder im Bereich der EDV angestrebt werde, wo Blinde nach längeren Qualifizierungsmassnahmen erfahrungsgemäss bestehen könnten. Der Beschwerdeführer habe in diesem
Zusammenhang
Anfang 2014
bereits
einen Massagekurs
bei der
Schule
B._
aufgenommen, habe diesen jedoch nicht
abschliessen können, weil die Kursleitung sich ausserstande gesehen habe, den Kurs seinen besonderen behinderungsbedingten
Bedürfnissen anzupassen. Spezifische Angebote für Blinde in diesem Bereich gebe es nur im Kanton Basel-Landschaft, wofür jedoch ein
temporärer Umzug notwendig wäre, da sich der Beschwerdeführer im öffentlichen Verkehr noch nicht sicher bewegen könne.
Deshalb
hätten sich die beteiligten Fachleute und der Beschwerdeführer darauf geeinigt, die Bemü
h
ungen vorerst auf die Förderung der Selbständigkeit in der Alltagsbewältigung zu fokussieren,
beispielsweise durch das Erlernen der Braille-Schrift, die Gewinnung von
Selbständigkeit im öffentlichen Verkehr, die weitere Förderung der Deutschkenntnis
s
e und die Aneignung blindenspezifischer EDV-Anwendungen.
Aktuell erachtete
der Verfasser der schriftlichen Auskunft
vom
8.
August 2016
jedoch
eine auch nur teilzeitliche Erwerbstätigke
it im ersten Arbeitsmarkt
nicht als
realistisch, sondern hielt vielmehr fest, dass eine solche frühestens dann in
Betracht komme, wenn eine weitgehende Selbständigkeit in der Alltagsbewältigung erreicht worden sei. Zudem
hielt er
eine Qualifizierung in einem Arbeitsbereich, in dem blinde Menschen gefragt sind,
für
unverzichtbar
(
Urk.
10/7/47-48).
Diese Ausführungen der Sozialberatung lassen es als unwahrscheinlich erscheinen, dass der Beschwerdeführer in den vorliegend zur Diskussion stehenden
Jahren 2016 bis 2018
beziehungsweise bis zum Datum des angefochtenen
Einspracheentscheids
vom 2
5.
Juli 2018
ohne zusätzliche Vorkehren der Eingliederung
dazu in der Lage gewesen wäre, auf dem invalidenversicherungsrechtlich massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt ein namhaftes Einkommen zu
erzielen.
Selbst der
höhere Invaliditätsgrad von 53
%
, den die Beschwerdegegnerin
im angefochtenen
Einspracheentscheid
der Bemessung des
anrechenbaren
hypothetischen Erwerbseinkommens
zugrundegelegt
hat
, setzt somit den erfolgreichen Abschluss von weiteren, in den strittigen Jahren noch nicht durchgeführten Eingliederungsmassnahmen
voraus.
4.2.4
Im Invalidenversicherungsrecht
gilt der vorstehend dargelegte
Grundsatz, wonach
für die Rentenzusprechung
solange der Invaliditätsgrad
massgebend ist, wie er vor erfolgter Eingliederung gegeben ist
, als die bestehend
e Erwerbsunfähigkeit noch nicht behoben
oder vermindert
worden ist
, w
eil die versicherte Person noch
nicht dazu fähig war, sich Eingliederungs
massnahmen zu unterziehen,
oder
weil sie
noch
nicht gestützt auf
Art.
21
Abs.
4 ATSG
zur Mitwirkung aufgefordert worden ist.
Da
die IV-Stelle
vorliegendenfalls
den Invaliditätsgrad von 53
%
nur amtshilfeweise festgelegt hat, ist
die Frage
, zu welchem Zeitpunkt der Beschwerdeführer
hinreichend eingegliedert gewesen wäre, wenn die IV-Stelle einen Rentenanspruch festzulegen gehabt hätte und ihr dafür die Mittel der Gewährung von Eingliederungsmassnahmen und
der Aufforderung zur Mitwirk
ung zu
Verfügung gestanden hätten
, allerdings rein hypothetischer Natur.
In einem
solchen Fall muss der Grundsatz gelten, dass der Invaliditätsgrad, wie er sich nach erfolgter Eingliederung bemisst, erst dann für die Bemessung des anrechenbaren Erwerbseinkommens nach
Art.
14a
Abs.
2
lit
. b ELV massgebend ist,
wenn dem
Bezüger eine Verletzung der Schadenminderungspflicht in Bezug auf
die (Selbst-
)E
ingliederu
ng
zur Last gelegt werden kann.
5.
5.1
Die Frage nach der Schadenminderungspflicht und deren Verletzung kommt
daher im vorliegenden Fall bereits im Rahmen der Überprüfung des Invaliditätsgrades ins Spiel, wie er für die Vermutung nach
Art.
14a
Abs.
2
lit
. b ELV
massgebend ist, und nicht erst dort, wo es um die Frage geht, ob diese Vermutung widerlegt werden kann.
Wie sich aus dem Folgenden ergibt, kann dem Beschwerdeführer indessen keine Verletzung der Schadenminderungspflicht vorgeworfen werden. Es ist daher letz
t
lich nicht von Belang, an welcher Stelle - beim massgebenden Invaliditätsgrad oder bei der Berücksichtigung invaliditätsfremder Faktoren im Einzelfall - dem Umstand Rechnung zu tragen ist, dass er in den Jahren 2016 bis 2018 noch nicht dazu in der Lage war, ein namhaftes Einkommen zu erzielen.
5.2
5.2.1
Zur Begründung einer
Schadenminderungspflichtsverletzung
machte die
Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort
,
in der Duplik
und in der
Stellungnahme
vom 2
1.
Mai 2019
geltend, die Durchführung von Eingliederungs
massnahmen wäre auch im Rahmen der Sozialhilfe möglich gewesen
(
Urk.
9,
Urk.
22
und
Urk.
30
), und hielt dem Beschwerdeführer damit sinngemäss vor, sich zu wenig um diese Möglichkeiten bemüht und davon Gebrauch gemacht zu haben.
5.2.2
Es gilt allerdings zu beachten, dass der Beschwerdeführer in den Jahren des
Sozialhilfebezugs in ständigem Kontakt mit der
städtischen Sozialhilfeberatung
stand und
der Kontrolle durch diese
Amtsstelle
unterstand.
In d
er Eigenschaft
als Sozialhilfeempfänger
hatte er
zwar
gestützt auf
das kantonale Sozialhilfegesetz
(SHG)
Anspruch auf Massnahmen zur Eingliederung in die Arbeitswelt
(
§
3a
Abs.
1 SHG) und insbesondere auch auf die Finanzierung von geeigneten Bildungs- oder Beschäftigungsmassnahmen, so
f
ern kein Anspruch auf andere gesetzliche Eingliederungsmassnahmen bestand (
§
3a
Abs.
2 SHG).
In dieser Hinsicht ist den Ausführungen der Beschwerdegegnerin zuzustimmen.
Aus dem SHG ergibt sich aber auch die Aufgabe der Sozialhilfeorgane,
geeignete
Angebote zur Verfügung zu stellen und hierfür mit den verschiede
nen Sozialversicherungsträger
n zusammenzuarbeiten (
§
3c SHG)
,
und ferner die Verpflichtung, die
Sozialhilf
eempfänger
auf die bestehenden Angebote aufmerksam zu machen
(vgl.
§
3 SHG
sowie
Kapitel D.2-D.4 der Richtlinien für die Aus
gestaltung
und Bemessung der Sozialhilfe der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe [SKOS]
). Des Weiteren können
die Sozialhilfeorgane
von den
Hilfeempfängern
im Rahmen von Vereinbarungen
Gegenleistungen zur Sozialhilfe verlangen, die der Integration in die Gesellschaft dienen
(
§
3b SHG)
, und sie haben ferner die Kompetenz, die
wirtschaftliche Hilfe mit Auflage
n und Weisungen zu verbinden
, die
dazu
geeignet sind, d
ie Lage des Hilfeempfängers zu verbessern (
§
21 SHG; vgl. auch
§
23
lit
. d und
§
24 der
Verordnung zu
m Sozialhilfegesetz [
SHV
]
sowie
Kapitel A.5.2 und A.8 der SKOS-Richtlinien
)
.
D
er schriftlichen Auskunft der städtischen Sozi
alberatung vom
8.
Au
gust 2016 lassen sich
keine Hinweise
darauf entnehmen, dass das Verhalten des Beschwerdeführers hinsichtlich des Erlernens von alltagsrelevanten und
e
ine berufliche Integration
fördernden
Kompetenzen jemals Gegenstand von Beanstandungen gewesen war.
Vielmehr führte der Verfasser des Berichts aus, der Beschwerdeführer sei seit der Fallaufnahme im Jahr 2009 von unterschiedlichen Fachpersonen und ehrenamtlich Tätigen
aus dem Bereich der Behindertenhilfe begleitet worden, es habe sich aber immer wieder gezeigt, dass viele Hilfsangebote mit der
Kombination einer Fluchtbiographie und einer erworbenen Behinderung nicht zurechtgekommen seien, obwohl sich der Beschwerdeführer stets sehr motiviert und flexibel gez
eigt habe (
Urk.
10/7/47).
Was die in Betracht gezogenen
Massnahmen beruflicher Art im Besonderen betrifft, die in der Auskunft vom
8.
August 2016 erwähnt sind, so scheiterte der Massagekurs bei der
Schule
B._
offenbar deshalb, weil
er
auf die Behinderung des Beschwerdeführers nicht genügend
zugeschnitten war
, und das Absehen von einer blindenspezifischen Schulung im Kanton Basel-Landschaft erfolgte gemäss den Darlegungen in der Auskunft in gemeinsamer Absprache mit den
beteiligten Fachpersonen (Urk.
10/7/47-48).
Wohl hielt der
Auskunft
geber
fest, dass er den Beschwerdeführer nicht persönlich kenne, sondern den B
ericht anhand der Akten verfasst habe
, weil die langjährig zuständig gewesene Mitarbeiterin nicht mehr bei der
Stadt angestellt sei. Es
ist
jedoch davon auszugehen, dass ein beanstandungswertes Verhalten des Beschwerdeführers oder gar Verstösse gegen Auflagen und
Weisungen Eingang in die Akten und damit auch in die Auskunft vom
8.
August 2016 gefunden hätten.
5.2.3
Was des Weiteren die Zeit nach August 2016 betr
ifft, so liess der Beschwe
r
deführe
r
in der Stellungnahme vom
2.
Mai 2019 (
Urk.
26)
auf die Lektionen in
der Punkteschrift hin
weisen, um deren Kostenübernahme seine Blindenschrift-Lehrerin das Sozialamt am 1
2.
April 2
0
17 ersucht habe
(
Urk.
27/1)
und die das Amt ihm auch gewährt habe, nachdem die
IV-Stelle
die Finanzierung
wegen
der
fehlenden versicherungsmässigen Voraussetzungen a
bgelehnt habe
(
vgl. die
Verfügung vom
4.
September
2017,
Urk.
13/
66
un
d
die
weiteren Unterlagen
in Urk.
13/51-57
). Auch nach August 2016 sind damit Anstrengungen des
Beschwerdeführers ersichtlich, die seiner
beruflichen Integration zugute
kommen.
5.3
Damit kann dem Beschwerdeführer in der Zeit bis zum Datum des angefochtenen
Einspracheentscheids
vom 2
5.
Juli 2018
keine Verletzung der Schadenminderungspflicht im Hinblick auf
den Erwerb
von
Fähigkeit
en
zur Erzielung eines
Erwerbseinkommens zugeschrieben werden.
Soweit die Beschwerdegegnerin im Übrigen vorbrachte, sie sei erst seit dem Jahr 2016 in den Fall des Beschwerdeführers involviert
(
Urk.
30 S. 2), so trifft
zwar
zu, dass ihre Durchführungs
stelle
für die
Zusatzleistungen zur AHV/IV
nicht
schon seit der vorläufigen
Aufnahme
des Beschwerdeführers
mit ihm
befasst war. Richtigerweise hatte sie allerdings bereits seit
Frühjahr
2013 mit ihm zu tun, wie sich aus der vorstehenden Sachverhaltsdarstellung ergibt. Vor allem aber gehört die städtische Sozialberatung ebenfalls der Stadt
Y._
an
, also der
Beschwerdegegnerin,
und
sogar
demselben Departement
innerhalb der Stadtverwaltung
wie die Durchführungsstelle (vgl. Soziale Dienste - Organigramm).
Es verstiesse somit gegen das Verbot widersprüchlichen Verhaltens und überdies gegen die Pflicht zur Zusammenarbeit zwischen den Sozialhilfeorganen und den Versicherungsträgern (vgl.
§
3c SHG), wenn die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer in ihrer Eigensc
h
aft als Durchführungsstelle das
Vorgehen zur Last legen würde,
das
sie in ihrer Eigenschaft als
Sozialhilfebehörde mit ihm abge
sprochen und gebilligt hat.
6.
Damit verbietet es sich, dem Beschwerdeführer in den Jahren 2016 bis 2018
beziehungsweise bis zum Datum des angefochtenen
Einsprach
eentscheids
vom 25.
Juli 2018 gestützt auf
Art.
14a
Abs.
2 ELV ein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist daher in Gutheissung der Beschwerde dahingehend zu ändern, dass dem Beschwerdeführer ab Januar 2016 kein hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen ist.
Was die künftige Entwicklung betrifft, so hat das Bundesgericht neulich
darauf hingewiesen, dass es nicht
die Aufgabe
der Ausgleichskasse (als Durchführungsstelle für die
Zusatzleistungen zur AHV/IV
) sei, die Zusatzleistungsbezüger im Rahmen eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG zur Durchführung von Eingliederungsmassnahmen anzuhalten
(Urteil des Bundesgerichts 9C_251/2019 vom
9.
Januar 2020 E. 8.2; vgl. hierzu die
Ausführungen des Beschwe
rde
führers in der Stel
lungnahme vom
2.
Mai 2019, Urk.
26 S.
3)
. Ob dies auch dort gilt, wo es der IV-Stelle
wie
vorliegendenfalls
nicht möglich ist, diese
ihr zukommende
Aufgabe
im Rahmen der Festlegung der Ansprüche ihr gegenüber
wahrzunehmen, weil wegen Fehlens der versicherungsmässigen Voraussetzungen lediglich ein hypothetischer Rentenanspruch festzulegen ist,
kann
an dieser Stelle
offen bleiben
. Denn nach dem Gesagten könnte dem
Beschwerdeführer selbst dann, wenn eine solche Aufforderung erfolgt wäre - wofür indessen keine Anhaltspunkte bestehen - keine Verletzung der Schadenminderungsp
flicht vorgeworfen werden
.
7.
Nach Art. 61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person
Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (§ 34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie § 8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kri
terien rechtfertigt es sich, dem Beschwerdeführer
eine
Prozessentschädigung von
Fr.
2'6
00.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.