Decision ID: d977ee7f-f4c4-43da-92fe-86d3a12698da
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1981, Mutter zweier Kinder (geboren 1999 und 2008) meldete sich am 2
8.
September 2011 (Eingangsdatum) wegen dissoziati
ven und depressiven Zuständen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/15
und
Urk.
9/20
). Die IV-Stelle liess einen Auszug aus dem individuellen Kon
to erstellen (IK
Auszug vom 13.
Oktober 2011,
Urk.
9/19) und holte den Arbeitgeberbericht des Schul
amts der
F._
vom 2
1.
Oktober 2011 (
Urk.
9/22), den Bericht von
Dr.
med.
Z._
, FMH Kin
der- und Jugendpsychiat
rie
, vom 28
.
November 2011 (
Urk.
9/24) und die
Bericht
e
der
A._
vom 2
8.
November 2011 (
Urk.
9/25)
und
vom 3
0.
April 2012 (
Urk.
9/32)
ein. Am 1
7.
Juli 2012 teilte die IV-Stelle
der Versicherten mit, dass ihr
B
egehren um berufliche Massnahmen
aufgrund ihrer zum gegenwärtigen Zeitpunkt mangelnden zeitlichen Verfügbarkeit
abgewiesen we
rde
(
Urk.
9/37). In der Folge veranlasste die IV-Stelle bei
Dr.
med.
B._
, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, eine Begutachtung
der Versicherten
(Expertise vom 15.
März 2013,
Urk.
9/50) und beauftragte ihren
Abklärungs
dienst
mit der Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt (Bericht vom 2
6.
März 2013,
Urk.
9/51). Nach durch
geführtem
Vor
bescheidverfahren
(Vo
rbescheid vom
6.
Mai 2013, Urk.
9/55
, und Einwand vom 2
4.
Mai
bzw. 5.
Juli 2013,
Urk.
9/57 und
Urk.
9/62) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 2
3.
Juli 2013
einen Rentenanspruch der Versicherten gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 30
%
(
Urk.
2).
2
.
Dagegen erhob die Versicherte am
6.
September 2013 Beschwerde und bean
tragte, die Verfügung vom 2
3.
Juli 2013 sei aufzuheben und es sei ihr mindes
tens eine halbe Rente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1). Die
Beschwerdegegne
rin
schloss
mit Beschwerde
antwort vom
9.
Oktober 2013 auf
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), wa
s der Beschwerdeführerin am 10.
Oktober 2013 ange
zeigt wurde (
Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Inva
lidenrente.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Bei versicherten Personen
, die nur
zeitweilig
erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie
daneben auch im Aufgaben- bzw. Haushaltbereich
tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Ein
kommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Berei
chen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9)
.
1.4
In welchem Ausmass
eine versicherte Person als zeitweilig
erwerbstätig einzu
stufen ist,
ergibt sich aus der Prüfung, was
sie
bei im Übrigen unveränderten Ums
tänden tun würde
, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde.
Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen. Für die hypo
thetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Er
werbs
tätigkeit ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (
BGE 137 V 334
E. 3.2,
130 V 393
E. 3.3,
125 V 146
E. 2c, je mit Hinweisen).
Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren (vgl.
Art.
27
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie
allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigun
gen und Begabungen zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 9C_915/2012 vom 1
5.
Mai 2013 mit Hinweisen auf BGE 133 V 504 E. 3.3).
Bei
der
Beantwortung der
sogenannten
Statusfrage handelt es sich um eine hypo
thetische Beurteilung, die auch hypothetische
Willensentschei
dungen
der versi
cherten Person berücksichtigen muss. Diese
inneren Tatsachen
sind indessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in aller Regel aus
äusser
en
Indizien erschlossen werden
(vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
8C_511/2013 vom 3
0.
Dezember 2013
E.
3.1,
mit Hinweisen).
1.
5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
6
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des
Sozi
alversicherungsrechts
in der Regel auf die „Aussagen der ersten Stunde“ ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein können (BGE 121 V 45 E. 1a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
2.
2.1
Der angefochtenen Verfügung der
Beschwerdegegnerin
vom 2
3.
Juli 2013
(Urk.
2)
liegt in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen
das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
vom 1
5.
März 2013
zugrunde
(
Urk.
9/50).
2.2
Dr.
B._
stellte in ihrer
Expertise
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) mit nicht näher bezeichneter dissoziativer Störung (ICD-10 F44.9)
bei
Problemen in der Ki
ndheit (ICD-10 Z61.4/5/6).
Psychiatrische
Diagnosen ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit nannte sie keine
.
Dr.
B._
führte aus
,
dass die Beschwerdeführerin auf dem Boden multipler und über längere Zeiträume
einwirkender Traumatisierungen
–
insbesondere
sexuelle
Gewalter
fahrungen durch den Grossvater mütterlicherseits
-
ab dem 3.
Lebensjahr eine komplexe posttraumatische Belastungsstörung
mit dissoziativen Zuständen entwickelt habe. Mit gros
ser Wahrscheinlichkeit habe sie
aufgrund der psychi
schen
Folgen dieser
Traumatisierungen, die sich in der Kindheit und Adoleszenz vor allem mit Selbstwertstörungen,
Substanzabusus
(Alkohol und Drogen)
, Schulversagen und Essstörungen manifestiert hätten, keine Berufsausbildung absolvieren können. Ihre wahrscheinlich gut vorhandenen Ressourcen habe sie wegen der psychischen Belastung nicht nutzen können. Die frühe Schwanger
schaft mit der Geburt des ersten Kindes im 1
8.
Lebensjahr
könne wahrschein
lich ebenso im Zusammenhang mit der psychischen Problematik gesehen wer
den
(als sie
damals
schwanger geworden sei, habe
sie
mit Hilfe ihrer Mutter den Dro
genentzug bewältigt; a
bgesehen von einem Rückfall sei sie seither
drogen
frei
).
Der Versuch, den Sekundarschulabschluss nachzuholen, sei gescheitert, ebenso ein Ausbildungsversuch in Richtung Fa
chfrau
Be
treuung
. Nach einem Praktikum in einem Behindertenheim sei es der Beschwerdeführerin
in den letzte
n
Jahren
aber immerhin gelungen, eine Beschäftigung mit
einem Pensum von
20
%
bis 30
%
als Hortmithilfe aufrecht zu erhalten
.
Durch die Reduktion von Konzentration, Merkfähigkeit und Auffassung
sver
mögen, durch die erhöhte Erschöpfbarkeit und die Ängste würden sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Belastbarkeit sowie Aspekte von zwischenmenschlichen Beziehungen ungünstig beeinflusst. Die Beschwerdeführerin selber tendiere dazu eher mehr von sich zu fordern, als sie gesundheitlich in der Lage sei zu leisten. Die aktu
elle Beschäftigungssituation entspreche wahrscheinlich momentan
der denkbar günstigsten Möglichkeit.
Dr.
B._
kam
daher
zum Schluss,
dass die Beschwerdeführerin seit Juli 2011, abgesehen von den Phasen der stationären Behandlungen,
und in absehbarer Zukunft
in ihrer bisherigen Tätigkeit als Hortmithilfe und auch in einer angepassten Tätigkeit zu 20
%
bis 30
%
ar
beits
fähig sei (Urk.
9/50/11-14
, vgl. auch
Urk.
9/4/2
).
Diese
Einschätzung
von
Dr.
B._
, die sie
in Kenntnis und
Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgab,
ist
unumstritten und
a
ngesichts der genann
ten Bef
unde und der Erläuterungen dazu
nachvollziehbar.
2.3
Gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
kam
Dr.
C._
, FMH Arbeitsmedizin und FMH Allgemeinmedizin
,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
in
ihrer
Stellungnahme vom 2
5.
März 2013
zum Schluss
,
da
ss die Beschwerdeführerin
seit ihrem
1
8.
Geburtstag zu mindestens 20
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt sei und dass ab Juni 2011 in ihrer bisherigen Tätigkeit als Hortmitarbeiterin und in einer angepassten Tätigkeit
von einer Ar
beitsunfähigkeit von
75
%
auszugehen sei
(
Urk.
9/53/5). Auch diese
Beurteilung ist u
numstritten und nachvollziehbar, weshalb darauf abgestellt werden kann.
3.
3.1
Umstritten ist
die Statusfrage
.
Die Beschwerdegegnerin ist
der Auffassung, dass die Beschwerdeführerin
im Gesundheitsfall
ab dem
1.
Juni 2011
zu 35
%
im Erwerbs- und zu
65
%
im Haushaltbereich
tätig gewesen wäre und seit
dem 1.
März 2012 je
zu
50
%
im Erwerbs- und im Haushaltbereich
tätig wäre
(Urk.
2
). Die Beschwerdeführerin macht
demgegenüber geltend, dass sie im Gesundh
eitsfall als zu
80
%
im Erwerbs- und zu 20
%
im Haushaltbereich
tätig
hätte eingestuft werden müssen
(
Urk.
1).
3.2
Vorab ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen,
dass
sich
die Beschwer
deführerin
am
2
8.
September 2011 (Eingangsdatum)
bei der
Beschwer
degegnerin
zum Leistungsbezug
an
meldete
.
Hypothetischer
Rentenbeginn ist somit d
er
1.
März 2012
(
A
rt.
29
Abs.
1
IVG
; das Wartejahr war zu jenem Zeit
punkt
unbestrittenermassen
bereits abgelaufen, vgl. E. 2.3
und
AHI 1998 S. 124 E. 3c
).
Im Rahmen der
Prüfung der Statusfrage
sind
daher
die persönlichen
, familiären, sozialen und erwerblichen
Verhältnisse der Beschwerdeführerin zwischen dem
1.
März 2012 und dem 2
3.
Juli 2013 (
Zeitpunkt des
Erlass
es
der angefochtenen Verfügung)
massgeben
d
.
3
.3
Aktenkundig ist
zunächst
, dass die Beschwerdeführerin seit
ca.
zehn Jahren
in einem
in erster Linie
aus gesundheitlich
en Gründen
zumeist
kleinen Pensum
(
vgl.
Gutachten
von
Dr.
B._
,
E. 2.2
)
als Hortmitarbeiterin
für das Schul
amt der
F._
tätig ist. In den
vergangenen
Jahren
erzielte sie dabei
ein Jahreseinkommen, das sehr starken Schwankungen unterlag (
etwa
Fr.
35‘315.-- im Jahr 2003 oder
lediglich
Fr.
2‘114.-- im Ja
hr 2009, vgl. IK
Auszug vom 13.
Ok
to
ber 2011,
Urk.
9/19)
. Seit März 2009 lebt
die allein
er
ziehende Beschwerdeführerin
mit ihren beiden Kindern
,
geboren 1999
und
2008
(Urk.
9/51/1). Anlässlich der Begutac
htung bei
Dr.
B._
gab
sie
an, dass der Kontakt zu beiden Vä
tern abgebrochen sei (
Urk.
9/50/9).
Gemäss
Unterhaltsvertrag vom
3.
April 2003 verpflichtete sich der Vater
des Sohnes
, der Beschwerdeführerin als
dessen
gesetz
licher Vertreterin monatliche Kinderunterhaltsbeiträge von
Fr.
700.-- zu bezahlen (bis
zur
Mündigkeit bzw. zum Abschluss der Erstausbil
dung,
Urk.
9/8).
Hinsichtlich der Tochter
wurde m
it Beschluss der
Vormund
schaftsbehörde
der
D._
v
om 21.
Oktober 2008
auf
eine Regelung der
Unter
halts
ver
pflichtung
mangels finanzieller Leistungsfähigkeit
des Vaters
verzichtet (
Urk.
9/9).
Im Rahmen der Haushaltabklärung vom
1.
November 2
012, die in Anwesenheit von
Y._
von Pro
Infirmis
stattfand,
erklärte
die Beschwerdeführerin, dass sie bei guter Gesundheit mit einem Pensum von 70
%
bis 80
%
arbeiten würde. Ihre Tochter besuche den Kinderhort, was auch an vier Tagen in der Woche möglich wäre. Der Sohn sei in der Oberstufe und könne auch an vier Tagen pro Woche bei Freunden zu Mittag essen. Auch Mütter von gleichaltri
gen Kindern würden in diesem Pensum arbeiten
. Weiter geht aus dem
Abklä
rungsberic
ht
vom 2
6.
März 2013
hervor, dass
die
beiden
Kinder
während des
Klinikaufenthalte
s
der Beschwe
r
deführerin
von deren Schwester und
den
Eltern betreut worden seien
. Aktuell werde die Tochter
montags, dienstags und f
rei
tags fremdbetreut und der Sohn
sei
bei eine
r Freundin zum Mittagstisch
und
werde
nach der Schule ebenfalls
betreut
. Des Weiteren würden die Kinder jedes zweite Wochenende bei den Eltern der Beschwerdeführerin verbringen. An ei
nem Abend pro
Woche (ca. 3 Stunden) komme die
Schwester vorbei und schaue, wie es ihnen gehe. Würden dann etwa Hausaufgaben anfallen, helfe die Schwester mit. An einem anderen Abend (ca. 3 Stunden pro Woche) komme d
er Götti des Sohnes vorbei
(
Urk.
9/51/3-8
).
3.4
Die ohnehin hypothetische Frage
, in welchem Ausmass eine
versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, erscheint vorliegend umso schwieriger
zu beantworten
, da d
ie Beschwerdeführerin seit jeher in ihrer Er
werbsfähigkeit eingeschränkt ist
.
Für die Darstellung der Beschwerdeführerin spricht, dass sie als
alleinerziehende
Mutter von den beiden Vätern ihrer Kinder insgesamt offenbar ledigl
ich Fr. 700.-- pro Monat erhält
und deshalb den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Kinder weitgehend selbständig zu bestreiten hat. Sie legte auch
glaubhaft
dar,
dass
eine Fremdbetreuung der beiden Kinder
möglich wäre
. Des Weiteren hatten
sämtliche
vorliegend
involvierten Ärzte
auf die
hohe
Motivation
und den Willen
der Beschwerde
führerin
, sich beruflich zu integrie
ren
,
hingewiesen
. So
erklärte
Dr.
med.
E._
, Oberarzt
der
A._
,
im Bericht vom 28.
November 2011 etwa
, dass die Beschwerdeführerin über erheb
liche Ressourcen verfüge, beispielsweise Intro
-
spektionsfähigkeit
, Empathie, so
ziale Kompetenzen, Attraktivität, ein trag
fähiges soziales Netz, familiäre Un
ter
stützung und
eine ausgeprägte Moti
vation zur persön
lichen Weiterent
wicklung (
Urk.
9/25/4
).
Dr.
Z._
erwähn
te
in ihrem
Bericht vom 2
8.
November 2011, dass sich die Beschwerdeführerin auf die therapeuti
sche Beziehung ein
lasse, willen
s
stark sei und ihre guten kognitiven
Ressourcen auch beruflich umsetzen wolle
(
Urk.
9/24/2).
Dem Gutachten von
Dr.
B._
ist sodann zu entnehmen
, dass wegen der durchaus vorhande
nen
persönlichen Ressourcen und der Moti
vation der Beschwerdeführerin, die sich schon aus vielen Schwie
rigkeiten
her
ausgekämpft
habe, sowie bei adäqua
ter Behandlung langfristig auf eine
n
güns
tigen Verlauf gehofft werden kön
ne (
Urk.
9/50/14).
Hinzu kommt, dass
die Beschwerde
-
führerin
a
ls
alleinerziehende Mutter
zweifellos
auch in einem 80%-Pensum arbeiten
müsste
, u
m
nicht mehr sozialhilfeabhängig zu sein und ein hierfür ausreichendes Einkommen zu erzielen
.
Dass sie „freiwillig“ auf Sozial
hilfe-Niveau verharren würde und
heute
lediglich in
einem
50%-Pensum erwerbs
-
tätig wäre, ist nicht anzunehmen
,
zumal sie schon
im Jahre 2003, als ihr Sohn erst rund
vier Jahre alt
war, bei einem Jahre
s
verdienst von
Fr.
35‘315.
(E. 3.3)
offensichtlich bereits ein Pensum in etwa dieser Höhe geleistet hatte
.
Im Übrigen
kann von der Beschwerdeführerin
auch nicht verlangt wer
den,
ganz
konkret Betreuungsplätze
nachzuweisen, weil sich ihr diese Frage aufgrund der aktuellen Lebensumstände gar nicht stellt.
Was
in den unverbind
lichen SKOS-Richtlinien steht
, ist
angesichts der vorste
henden Anhaltspunkte
nicht
von Belang
, da die Frage, was eine Person tun würde, wenn keine ge
sundheitli
che Beeinträchtigung bestünde,
rechtspre
chungs
gemäss
in erster Linie
nach den konkre
ten Gegebenheiten des Einzelfalles und nicht nach statistischen Erhebungen oder Erfahrungswerten zu bestimmen
ist (vgl. E.
1.4
).
Unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände und nach
Massgabe
der allgemei
nen Lebenserfahrung
ist deshalb festzuhalten
, dass die Beschwerdeführerin
, wie sie anl
ässlich der Haushaltsabklärung
angegeben hatte,
im Gesundheitsfall
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
zu
80
%
erwerbstätig
und zu 20
%
im Haushaltbereich
tätig
wäre.
4.
4.
1
Im Weiteren
ist
der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin zu bemessen.
4.2
Was den Erwerbsbereich
im Monat März 2012 betrifft, ist aufgrund der statio
nären Behandlung
en
der Beschwerdeführerin
(
zuletzt war sie
vom
1
6.
Juni
bis zum
28.
Oktober 2011 und
vom
9.
Januar bis
zum
2
8.
März 2012
in der
A._
, vgl.
Urk.
9/32/4
)
von einer 100
%igen Einschränkung auszugehen
(vgl.
auch
E.
2.2)
. Sodann
nahm auch die zuständige Abklärungsperson im Bericht
vom 2
6.
März 2013
h
insichtlich des Haushaltbereich
s
im März 2012
nachvollzieh
barerweise
eine Ein
schränkung von 100
%
an
(
Urk.
9/51/8)
.
Der
Gesamtin
vali
di
tätsgrad
für den Monat März 2012
, der sich
aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt,
beträgt somit 100
%
, was einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine befristete ganze Rente begründet
, nachdem sie von März 2011 bis März 2012 durchschnittlich
auch mehr als 70
%
arbeitsunfähig gewesen war (7 Monate 100
%
, 2 Monate 75
%
,
3 Monate 20
%
; vgl. E.
1.5 und E. 2.3)
.
4.3
Was den
Zeit
raum
ab April 20
12 betrifft
, sind - d
a die Beschwerdeführerin bereits seit
jeher in ihrer Erwerbsfähigkeit eingeschränkt ist
und bis heute keine
Ausbildung absolvieren konnte -
im Rahmen des
vorzunehmenden
Einkom
mens
vergleichs
(vgl.
Art.
16 ATSG)
sowohl aufseiten des Validen- als auch aufseiten des Invalideneinkommens die
Tabellenlöhne
gemäss
der Schweizeri
schen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statist
ik (LSE) heranzuziehen (vgl.
Art.
26
Abs.
1 IVV
).
Da beide
Werte annähernd gleich hoch sin
d
(vgl.
Ein
kommensvergleich
vom
6.
Mai 2013,
Urk.
9/52),
kann
ein sogenannter
Pro
z
entver
gleich
vorgenommen
werden.
Das ohne Invalidität erzielbare hypo
thetische Erwerbseinkommen ist
dabei
grundsätzlich mit 100
%
zu bewerten, während das Invalideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozent
satz zu ver
anschlagen ist, so dass sich aus der Prozentdifferenz der
Invaliditäts
grad
ergibt (BGE 114 V 313 E. 3a mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts I
850/05 vom 2
1.
August
2006 E. 4.2 und I 375/05 vom 2.
Dezemb
er 2005 E.
3.2
).
Da die Beschwerdeführerin
als
zu 80
%
erwerbstätig einzustufen
ist
und zu
25
%
erwerbsfähig
ist
, resultiert somit
im Erwerbsbereich ein
gewichteter
Teilinvaliditätsgrad von
55
%
(
[
80
%
- 25
%
]
:
80
%
x 0,8
;
ein sogenannter Leide
nsabzug ist nicht zu gewäh
ren
, vgl.
dazu
BGE 126 V 75
).
Im Haushaltbereich errechnet
e
die zuständige
Abklärungsperson im Bericht vom 2
6.
März 2013
ab April 2012
eine Einschränkung der Beschwerdeführerin
von
11,3
%
bzw. richtigerweise 12,3
%
(
2,8
%
+ 3,5
%
+ 6
%
;
Urk.
9/51/
5-
8)
. Auch dies erscheint
angesichts der ausführlichen
Erläuterungen
dazu
grund
sätzlich
plausibel,
wobei der Abklärungsbericht von der
Beschwerdeführerin
auch nur
insofern beanstandet
wurde
, als sie die Einschränkung von 50
%
bei
„Einkauf und weitere Besorgungen“
als zu gering erachtete
(
Urk.
1). Wie es sich damit verhält, kann jedoch offen bleiben.
Denn
bei einem
Teilinvaliditäts
grad von
55
%
im Erwerbsbereich, der 80
%
des Pensums ausmacht
,
und
–
gemäss
den Angab
en im Abklärungsbericht vom 26.
März 2013 -
ein
em
Teilinvalidi
tätsgrad
von
2,4
6
%
(12
,3
%
x 0,2)
im Haushaltbereich
, der 20
%
des Pensums ausmacht
, beläuft sich der
Gesamtinvaliditätsgrad
auf
57
,4
6
%
(
55
%
+ 2,4
6
%
)
, was einen Anspruch auf eine
halbe R
ente begründet.
Selbst wenn man daher im Teilbereich
„Einkauf und weitere Besorgungen“, der
im Rahmen der
Haus
halt
abklärung
lediglich mit 7
%
gewichtet wurde
(
Urk.
9/51
/7
)
, von einer 100%igen Einschränkung der Beschwerdeführerin ausgehe
n würde, würde
offensichtlich
kein
Gesamtinvaliditätsgrad von
6
0
%
(bzw. genau genommen
mindestens
5
9,5
%
)
, der zu einer
Dreiviertelsr
ente
berechtigen würde, resultieren.
5.
Es ist demnach festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ab dem
1.
März bis zum 3
0.
Juni 2012 Anspruch auf eine befristete
ganze Rente
(vgl.
Art.
88a Abs.
1
IVV) und ab dem
1.
Juli 2012 Anspruch auf eine
halbe Rente
der Inva
lidenversicherung hat.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.
-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Die Beschwerdeführerin hat gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
Anspruch auf eine Prozessentschädigung, die unter Berücksichtigung der Be
deutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1‘
2
00.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer
) festzusetzen ist.
6.3
Das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zessführung
vom
6.
September 2013 (
Urk.
1) ist damit gegenstandslos.