Decision ID: b83f3756-78d3-489e-b203-d42ba1bf6afb
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ stellte am 14. August 2020 einen Antrag auf Insolvenzentschädigung. Dabei
gab er an, das Arbeitsverhältnis mit der B._ AG habe vom 1. Juni 2019 bis zum
31. Oktober 2020 gedauert. Er machte offene Lohnforderungen samt Ferienanteil für
die Monate März bis Juli 2020 im Umfang von insgesamt Fr. 15'357.70 geltend (act.
G 3.1/82 f.). Im Begleitschreiben vom 14. August 2020 machte seine Rechtsvertreterin
im Wesentlichen geltend, die Geschäfte des Unternehmens seien vollumfänglich vom
Verwaltungsratspräsidenten und Mehrheitsaktionär geführt worden. Dieser habe
massiv und mehrheitlich im Alleingang im operativen Geschäft gewirkt, während ihr
Mandant trotz der im Handelsregister eingetragenen Kollektivunterschrift keinerlei
Befugnisse gehabt habe, für die Arbeitgeberin zu unterzeichnen, auch nicht zusammen
mit einer weiteren Person (act. G 3.1/97). Nach einer weiteren Stellungnahme vom 28.
September 2020 wies die kantonale Arbeitslosenkasse den Antrag mit Verfügung vom
2. Oktober 2020 ab. Auf Grund der Unterlagen sei ersichtlich, dass der Versicherte in
A.a.
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B.
seiner Funktion als Geschäftsführer/CEO massgeblichen Einfluss auf die
Geschäftstätigkeit habe nehmen können. Er sei zudem finanziell am Betrieb beteiligt
gewesen, was jedoch vorliegend keinen Einfluss auf die Beurteilung des Anspruchs
habe. Zudem sei er seit Beginn des Arbeitsverhältnisses nie in eindeutiger und
unmissverständlicher Weise gegen die Lohnausstände vorgegangen (act. G 3.1/49 und
54 f.).
Die dagegen gerichtete Einsprache vom 26. Oktober 2020, mit welcher der
Beschwerdeführer wiederum seine tatsächlichen Einflussmöglichkeiten auf die
Arbeitgeberin bestritten hatte, wies die Kasse mit Entscheid vom 29. März 2021 (der
Rechtsvertreterin mit Datum vom 6. April 2021 zugestellt) ab und begründete dies im
Wesentlichen mit dem Eintrag auf der (inzwischen entfernten) Website der
Arbeitgeberin, wonach der Beschwerdeführer als CEO und Member of the Executive
Board der Unternehmung geführt werde und dessen Zielstrebigkeit und Ausdauer den
Mehrwert der Geschäftsleitung abrunden würden. Es sei deshalb davon auszugehen,
dass er als CEO mit Kollektivunterschrift zu zweien massgebliche Entscheidbefugnisse
bei der Arbeitgeberin gehabt habe (act. G 1.2, G 3.1/2 ff. und 42 ff.).
A.b.
Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 6. Mai
2021 mit dem Antrag auf dessen Aufhebung. Dem Beschwerdeführer sei sodann eine
Insolvenzentschädigung in Höhe von Fr. 15'537.70 (richtig wohl: Fr. 15'357.70)
auszurichten. Bei der Arbeitgeberin handle es sich um eine Gesellschaft, welche die
Beratung, Vermittlung und Verwaltung im Versicherungs-, Vorsorge- und Anlagebereich
sowie den Verkauf korrespondierender Produkte bezwecke. Seit Inkrafttreten des
revidierten Versicherungsaufsichtsgesetzes per 1. Januar 2006 bedürften
Versicherungsvermittler, um ihre Tätigkeit ausüben zu dürfen, eines Eintrags in ein
öffentliches Register, das von der FINMA geführt werde. In der Verordnung über die
Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen seien neben der
Eintragungspflicht auch die Anforderungen an die fachliche Qualifikation der
Versicherungsvermittler geregelt. Insbesondere sei der erfolgreiche Abschluss einer
Prüfung oder ein gleichwertiger anderer Ausweis gefordert. Nachdem im Sommer 2019
der bisherige Geschäftsführer aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten sei, habe
B.a.
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die B._ AG eine Ersatzperson benötigt, welche über die notwendigen Qualifikationen
verfügt habe, um die Geschäftstätigkeit aufrechterhalten zu können. Da der
Beschwerdeführer berechtigt sei, den Titel "Versicherungsvermittler VBV" zu führen, sei
er formell als Geschäftsführer der B._ AG bestellt worden. In der Folge sei er -
ebenfalls auf Grund der regulatorischen Anforderungen - auch entsprechend ins
Handelsregister eingetragen worden. Anlässlich des Abschlusses des Arbeitsvertrags
habe er überdies 5 % des Aktienkapitals seiner Arbeitgeberin erworben. Trotz seiner
formellen Stellung als Geschäftsführer habe der Beschwerdeführer nicht das
Tagesgeschäft geleitet und habe insbesondere keinen Einblick in die Buchhaltung
erhalten. Das operative Geschäft habe der Verwaltungsratspräsident und
Mehrheitsaktionär geführt. Dieser habe die massgeblichen Entscheide im
Zusammenhang mit der Unternehmensführung im Alleingang getroffen. Dies ergebe
sich daraus, dass der Beschwerdeführer lediglich zwecks Erfüllung der regulatorischen
Anforderungen zum Geschäftsführer bestellt worden sei, bis der Sohn des
Verwaltungsratspräsidenten und Mehrheitsaktionärs die notwendige Ausbildung
abgeschlossen habe. Dieser hätte die Position als Geschäftsführer per 1. Oktober 2020
übernehmen sollen. Der Beschwerdeführer habe somit keineswegs die Möglichkeit
gehabt, die Entscheidungen der Arbeitgeberin massgeblich zu beeinflussen. Da der
Beschwerdeführer in der Praxis keine Leitungsfunktion innegehabt habe, habe er auch
keine Einsicht in die Konten der Arbeitgeberin erhalten. Er habe erstmals anlässlich der
ordentlichen Generalversammlung vom 18. Juni 2020 von der tatsächlichen und
offenkundig desolaten wirtschaftlichen Situation der Gesellschaft erfahren. Anlässlich
dieser ordentlichen Generalversammlung habe der Beschwerdeführer dank seiner
Stellung als Minderheitsaktionär Einblick in die Bilanz und Erfolgsrechnung der
Arbeitgeberin erhalten. Er habe der Jahresrechnung nicht zugestimmt und den
Verwaltungsratsmitgliedern keine Décharge erteilt, sei jedoch vom Mehrheitsaktionär
überstimmt worden. Darauf sei er mit sofortiger Wirkung als Geschäftsführer
zurückgetreten und habe mit Schreiben vom 6. Juli 2020 umgehend seinen offenen
Lohn eingefordert. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sei es nicht
zulässig, einem leitenden Arbeitnehmer allein auf Grund seiner
Zeichnungsberechtigung bzw. seines Eintrags im Handelsregister den Anspruch auf
Insolvenzentschädigung zu versagen. Vor diesem Hintergrund erscheine es geradezu
willkürlich, wenn die Beschwerdegegnerin allein auf die im Aussenverhältnis
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kommunizierte, jedoch intern nicht bestehende Zeichnungsbefugnis des
Beschwerdeführers verweise und diese anhand eines nichtssagenden und ebenfalls
alleine im Aussenauftritt verwendeten Wortlauts auf der ehemaligen Website der
Arbeitgeberin bestätigt sehen wolle (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2021 beantragt die Verwaltung die
Abweisung der Beschwerde. Gemäss Arbeitsvertrag vom 20. Mai 2019 sei der
Beschwerdeführer als CEO der B._ AG angestellt gewesen. Im Handelsregister sei er
als Geschäftsführer mit Unterschriftsberechtigung zu zweien eingetragen gewesen. Die
übrigen Mitglieder der Geschäftsleitung hätten keine Zeichnungsberechtigung gehabt.
Auch auf der Unternehmenswebsite sei der Beschwerdeführer als CEO, Partner und
Leiter der dreiköpfigen Geschäftsleitung eingetragen gewesen. Der im Arbeitsvertrag
genannte Stellenbeschrieb sowie das Organisationsreglement bzw.
Funktionendiagramm seien nie eingereicht worden. Auf Grund der im Arbeitsvertrag, im
Handelsregister und auf der Website kommunizierten objektivierbaren Tatsachen gehe
die Kasse davon aus, dass eine massgebende Einflussmöglichkeit im Sinn des
Arbeitslosenversicherungsgesetzes mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bestanden
habe. Daran änderten die Ausführungen des Beschwerdeführers, wonach die gegen
aussen kommunizierten Befugnisse faktisch gar nicht bestanden hätten, nichts (act. G
3).
B.b.
Mit Replik vom 24. Juni 2021 hält der Beschwerdeführer vollumfänglich an seinen
Anträgen und Ausführungen fest. Die Beschwerdegegnerin behaupte, sie habe sich mit
den in der Beschwerde vorgebrachten Ausführungen auseinandergesetzt, ohne sich
jedoch mit den Tatsachen selbst auch nur ansatzweise auseinanderzusetzen. Sie
verweise einzig auf die Zeichnungsberechtigung des Beschwerdeführers gemäss
Auszug aus dem Handelsregister sowie die ehemalige Website der insolventen
Arbeitgeberin. Dass sich die Beschwerdegegnerin nicht in gebotenem Umfang mit den
diesbezüglichen Argumenten des Beschwerdeführers auseinandergesetzt habe, ergebe
sich bereits aus ihrer Stellungnahme. Der Beschwerdeführer habe bereits mehrfach
darauf hingewiesen, dass er nicht über die von der Beschwerdegegnerin verlangten
Unterlagen verfüge, da diese nicht erstellt worden seien und er zufolge fehlender
Befugnis auch keine Zugriffsberechtigung auf ein Organisationsreglement bzw.
Funktionendiagramm gehabt habe. Dieses Problem habe sich mit dem Konkurs der
B.c.
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Erwägungen
1.
ehemaligen Arbeitgeberin noch verschärft. Selbst in der dem Beschwerdeführer nicht
vorgängig zur Stellungnahme übermittelten Korrespondenz zwischen der
Beschwerdegegnerin und dem Verwaltungsratspräsidenten der B._ AG bestätige
dieser, dass der Beschwerdeführer allein als "Lückenbüsser" eingestellt worden sei, da
er über die notwendige Ausbildung zur Erlangung bzw. Beibehaltung des für die
Geschäftstätigkeit zwingenden FINMA-Registereintrags verfügt habe. Es sei
offenkundig, dass die Beschwerdegegnerin bei korrekter Berücksichtigung der
Sachlage nicht willkürfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit habe davon ausgehen
dürfen, dem Beschwerdeführer sei im Entscheidungsprozess betreffend
wirtschaftlicher Ausrichtung bzw. Fortführung oder Beendigung der unternehmerischen
Aktivitäten seiner ehemaligen Arbeitgeberin die dazu notwendige führende Rolle
zugekommen bzw. er hätte den dazu notwendigen Einfluss auf diesen Entscheid
gehabt (act. G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf eine Duplik (act. G 8).
Beitragspflichtige Arbeitnehmende von Arbeitgebern, die in der Schweiz der
Zwangsvollstreckung unterliegen oder in der Schweiz Arbeitnehmende beschäftigen,
haben unter anderem Anspruch auf Insolvenzentschädigung, wenn gegen ihren
Arbeitgeber der Konkurs eröffnet wird und ihnen in diesem Zeitpunkt Lohnforderungen
zustehen (Art. 51 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [SR 837.0; abgekürzt:
AVIG]). Die Insolvenzentschädigung deckt die Lohnforderungen für höchstens die
letzten vier Monate des Arbeitsverhältnisses, für jeden Monat jedoch nur bis zum
Höchstbetrag nach Art. 3 Abs. 2 AVIG. Als Lohn gelten auch die geschuldeten Zulagen
(Art. 52 Abs. 1 AVIG). Dabei darf die Kasse eine Insolvenzentschädigung nur
ausrichten, wenn die versicherte Person ihre Lohnforderung glaubhaft macht (Art. 74
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung [AVIV; SR 837.02]).
1.1.
Die arbeitnehmende Person muss im Konkurs- oder Pfändungsverfahren alles
unternehmen, um ihre Ansprüche gegenüber dem Arbeitgeber zu wahren, bis die
Kasse ihr mitteilt, dass sie an ihrer Stelle in das Verfahren eingetreten ist (Art. 55 Abs. 1
Satz 1 AVIG). Sie muss die Insolvenzentschädigung zurückerstatten, soweit die
Lohnforderung im Konkurs oder in der Pfändung abgewiesen oder aus Gründen nicht
1.2.
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gedeckt wird, die sie absichtlich oder grobfahrlässig herbeigeführt hat, ebenso soweit
sie vom Arbeitgeber nachträglich erfüllt wird (Art. 55 Abs. 2 AVIG).
Zieht eine Pflichtverletzung unter gewissen Umständen die Rückforderung der
Insolvenzentschädigung nach sich, muss a fortiori bereits deren Auszahlung verweigert
werden können, wenn ein massgebliches Säumnis der versicherten Person vorliegt
(Urs Burgherr, Die Insolvenzentschädigung, Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers als
versichertes Risiko, Zürich/Basel/Genf 2004, S. 163). Die Bestimmung von Art. 55
Abs. 1 AVIG bezieht sich dem Wortlaut nach zwar auf das Konkurs- und
Pfändungsverfahren. Sie bildet jedoch Ausdruck der allgemeinen
Schadenminderungspflicht, welche auch dann Platz greift, wenn das Arbeitsverhältnis
vor der Konkurseröffnung aufgelöst wird. Versicherte Personen müssen deshalb
gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht nur im Konkurs- und
Pfändungsverfahren und nach Auflösung des Arbeitsverhältnisses ihre Lohnansprüche
innert nützlicher Frist geltend machen, sondern es obliegt ihnen bereits vor Auflösung
des Arbeitsverhältnisses eine Schadenminderungspflicht, wenn der Arbeitgeber der
Lohnzahlungspflicht nicht oder nur teilweise nachkommt und der Arbeitnehmende mit
einem Verlust rechnen muss. Eine Ablehnung der Insolvenzentschädigung infolge
Verletzung der Schadenminderungspflicht im Sinne der zu Art. 55 Abs. 1 AVIG
ergangenen Rechtsprechung setzt wie eine Rückerstattung bereits bezogener
Insolvenzentschädigung nach Art. 55 Abs. 2 AVIG voraus, dass der versicherten
Person ein schweres Verschulden, also vorsätzliches oder grobfahrlässiges Handeln
oder Unterlassen, vorgeworfen werden kann (Urteile des Bundesgerichts vom 29. April
2020, 8C_820/2019, E. 4.3.1, und vom 19. Juni 2019, 8C_85/2019, E. 4.1, je mit
Hinweisen; ARV 2010 Nr. 1 S. 48 E. 3 mit Hinweisen). Grobfahrlässig handelt, wer unter
Verletzung der elementarsten Vorsichtsgebote das ausser Acht lässt, was jeder
verständige Mensch in der gleichen Lage und unter den gleichen Umständen tun oder
unterlassen würde, um eine nach dem natürlichen Lauf der Dinge voraussehbare
Schädigung der Versicherung zu vermeiden (BGE 121 V 45 E. 3b; BGE 114 V 190 E.
2a; Burgherr, a.a.O., S. 156).
1.3.
Das Ausmass der vorausgesetzten Schadenminderungspflicht richtet sich nach
den jeweiligen Umständen des Einzelfalls, wobei eine Gesamtbetrachtung der
Bemühungen der versicherten Person Platz zu greifen hat. Von den Arbeitnehmenden
wird zwar in der Regel nicht verlangt, dass sie bereits während des bestehenden
Arbeitsverhältnisses gegen den Arbeitgeber Betreibung einleiten oder eine Klage
einreichen. Sie haben jedoch ihre Lohnforderung gegenüber dem Arbeitgeber in
eindeutiger und unmissverständlicher Weise geltend zu machen, sodass die
1.4.
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Ernsthaftigkeit ihrer Lohnforderung klar erkennbar ist. Zu weitergehenden Schritten ist
die versicherte Person dann gehalten, wenn es sich um erhebliche Lohnausstände
handelt und sie konkret mit einem Lohnverlust rechnen muss. Sie darf nicht untätig
zuwarten, bis der Arbeitgeber in Konkurs fällt. Denn es geht auch für die Zeit vor der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses nicht an, dass die versicherte Person ohne
hinreichenden Grund während längerer Zeit keine rechtlichen Schritte zur Realisierung
erheblicher Lohnausstände unternimmt, obschon sie konkret mit dem Verlust der
geschuldeten Gehälter rechnen muss. Insgesamt sollen sich Arbeitnehmende
gegenüber dem Arbeitgeber so verhalten, als ob es das Institut der
Insolvenzentschädigung nicht gäbe. Dieses Erfordernis lässt ein längeres Untätigsein
nicht zu. Entsprechend vermag auch das Interesse am Erhalt des Arbeitsplatzes den
Verzicht auf die Realisierung gefährdeter Lohnansprüche nicht zu rechtfertigen (Urteile
des Bundesgerichts vom 29. April 2020, 8C_820/2019, E. 4.3.1, vom 21. Mai 2019,
8C_79/2019, E. 3.2, und vom 29. August 2011, 8C_66/2011, E. 2.2, je mit Hinweisen;
Burgherr, a.a.O., S. 166 ff.).
Nach konstanter Rechtsprechung genügt es für die Erfüllung der
Schadenminderungspflicht in der Regel nicht, wenn Lohnausstände lediglich mündlich
gemahnt werden. Dies gilt beispielsweise, wenn es um eine lang andauernde, das
heisst über zwei bis drei Monate hinaus andauernde Nichterfüllung der vertraglichen
Verpflichtung des Arbeitgebers geht, wenn überhaupt keine, also auch keine Akonto-
oder Teilzahlung erfolgt, wenn aus der Sicht der versicherten Person nicht mit guten
Gründen damit gerechnet werden kann, dass sich bald eine Besserung der Situation
ergibt, und wenn nicht andere, im Einzelfall verständliche Gründe vorliegen, die ein
Zuwarten mit zielgerichteten Schritten aus objektiver Sicht verständlich erscheinen
lassen (Urteile des Bundesgerichts vom 18. Oktober 2017, 8C_573/2017, E. 2, und vom
29. August 2011, 8C_66/2011, E. 4.2, je mit Hinweisen).
1.5.
Gemäss Art. 51 Abs. 2 AVIG haben Personen, die in ihrer Eigenschaft als
Gesellschafter, als finanziell am Betrieb Beteiligte oder als Mitglieder eines obersten
betrieblichen Entscheidungsgremiums die Entscheidungen des Arbeitgebers
bestimmen oder massgeblich beeinflussen können, sowie ihre mitarbeitenden
Ehegatten keinen Anspruch auf Insolvenzentschädigung. Nach der Rechtsprechung ist
Art. 51 Abs. 2 AVIG gleich auszulegen wie der wörtlich und inhaltlich übereinstimmende
Art. 31 Abs. 3 lit. c AVIG. Der Leistungsausschluss, welcher der Verhütung von
Missbräuchen dient, ist absolut zu verstehen, ohne dass die Möglichkeit besteht, den
betroffenen Personen unter bestimmten Voraussetzungen im Einzelfall Leistungen zu
gewähren (BGE 142 V 263 E. 4.1; 123 V 234 E. 7b/bb, je mit Hinweisen; Thomas
1.6.
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2.
Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in SBVR, Bd. XIV, 3. Aufl., Rz 464 sowie
Fussnote 1336; ARV 2018 S. 101, 8C_412/2017 E. 3.2). Mit Art. 51 Abs. 2 AVIG wollte
der Gesetzgeber diejenigen Personen von einem besonderen Schutz ausschliessen,
die auf Grund ihrer Stellung oder Funktion über die finanzielle Situation der
Unternehmung informiert waren und deshalb vom Konkurs nicht überrascht wurden
(BBl 1994 I 362). Damit ein Anspruch auf Insolvenzentschädigung entfällt, müssen die
Personen allerdings praxisgemäss auch über einen massgeblichen Einfluss auf die für
das Überleben des Unternehmens ausschlaggebenden strategischen Entscheidungen
verfügen (Urteile des Bundesgerichts vom 8. Juli 2021, 8C_34/2021, E. 3.2 und vom
6. September 2016, 8C_642/2015, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen; Boris Rubin,
Commentaire de la loi sur l'assurance-chômage, 2014, N. 16 zu Art. 51 AVIG).
Die Frage, ob Arbeitnehmende einem obersten betrieblichen
Entscheidungsgremium angehören und ob sie in dieser Eigenschaft massgeblich
Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen können, ist auf Grund der
internen betrieblichen Struktur zu beantworten (BGE 122 V 270 E. 3; ARV 2004 S. 196,
C 113/03, E. 3.2). Keine Prüfung des Einzelfalls ist erforderlich, wenn sich die
massgebliche Entscheidungsbefugnis bereits aus dem Gesetz selbst (zwingend) ergibt.
Dies gilt insbesondere für die Gesellschafter einer GmbH (Art. 804 ff. des
Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches
[Fünfter Teil: Obligationenrecht [SR 220; abgekürzt: OR]]) sowie die (mitarbeitenden)
Verwaltungsräte einer AG, für welche das Gesetz in der Eigenschaft als Verwaltungsrat
in Art. 716 - 716b OR verschiedene, nicht übertrag- und entziehbare, die
Entscheidungen des Arbeitgebers bestimmende oder massgeblich beeinflussende
Aufgaben vorschreibt (BGE 145 V 200 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen). Beim
Geschäftsführer einer AG hat demgegenüber (im Normalfall) eine Prüfung der
konkreten Gegebenheiten stattzufinden (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts
vom 8. Juli 2021, 8C_34/2021, E. 3.3).
1.7.
Der Beschwerdeführer war unbestrittenermassen als Geschäftsführer der B._ AG
mit Kollektivunterschrift zu zweien im Handelsregister des Kantons St. Gallen
eingetragen (vgl. online-Handelsregisterauszug, abgerufen am 4. Februar 2022). Zwar
ist mit ihm festzustellen, dass er als Geschäftsführer einer AG nicht automatisch unter
den Ausschlussgrund von Art. 51 Abs. 2 AVIG fällt, da das Aktienrecht für einen
Geschäftsführer - anders als für einen Verwaltungsrat - keine unübertragbaren und
unentziehbaren Aufgaben vorschreibt, sondern dies einem Reglement überlässt (Art.
716b OR).
2.1.
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Immerhin bestehen in den Akten gewisse Anhaltspunkte, dass der
Beschwerdeführer durchaus an der Geschäftsführung zumindest mitbeteiligt war. So
impliziert der vom Beschwerdeführer in seinem Schreiben vom 30. Juni 2020 an den
Verwaltungsratspräsidenten gerichtete Vorwurf, mehrfach massiv auf das operative
Geschäft eingewirkt zu haben, dass er dieses ansonsten selber geführt hat (act.
G 1.1/45). Dasselbe ergibt sich aus der vom Verwaltungsratspräsidenten erstellten
Auflistung der bestehenden Führungsmängel (nicht datiert und unterzeichnet; vom
Beschwerdeführer nicht explizit beanstandet). Daraus geht im Wesentlichen hervor,
dass sich der Verwaltungsratspräsident mehrfach gezwungen sah, auf Grund diverser
Probleme in der Geschäftsführung (Untätigkeit des Beschwerdeführers namentlich in
Personalbelangen) und Querelen zwischen dem Beschwerdeführer und einem anderen
(nicht im Handelsregister eingetragenen) Geschäftsleitungsmitglied einzugreifen, um
dadurch weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden (Ziff. 3, 5, 6 und 9). Daraus
geht weiter hervor, dass der Beschwerdeführer über die finanzielle Situation orientiert
war oder es zumindest hätte sein können (Ziff. 6 und 11). Zudem ist daraus ersichtlich,
dass sich der Beschwerdeführer offenbar (zumindest aus der Sicht des
Verwaltungsratspräsidenten) selber durchaus nicht als "Lückenbüsser" sah, sondern
als legitimer Geschäftsführer, der die Verantwortung zu 100 % übernehmen wollte (Ziff.
3 [in Businessnetzwerken wie Linkedin und Xing weist der Beschwerdeführer noch
heute auf seine ehemalige Funktion als CEO bzw. Area Manager der B._ AG hin,
abgerufen am 4. Februar 2022]). Letztlich sah der Verwaltungsratspräsident sogar die
Ursache für den Konkurs der Arbeitgeberin in den von ihm aufgelisteten, unter anderem
mit dem Beschwerdeführer zusammenhängenden Führungsproblemen (act. G 3.1/7 f.).
Im Übrigen erscheint fraglich, dass der Beschwerdeführer lediglich zwecks Erfüllung
von regulatorischen Anforderungen als Geschäftsführer in das Handelsregister
eingetragen worden sein soll, ist doch bei juristischen Personen, die eine
(ungebundene) Versicherungsvermittlungstätigkeit ausüben, lediglich verlangt, dass sie
sich selbst in das FINMA-Register eintragen lassen und dass sie über "genügend"
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen, welche die geforderten Qualifikationen
besitzen und ihrerseits im Register eingetragen sind (Art. 187 Abs. 3 der Verordnung
über die Beaufsichtigung von privaten Versicherungsunternehmen [SR 961.011;
abgekürzt: AVO]). Nicht erforderlich ist dagegen gemäss Verordnungstext, dass diese
Personen Mitglieder der Geschäftsführung oder gar im Handelsregister eingetragen
sein müssen. Schliesslich deutet auch die - nach eigenen Angaben (Beschwerde S. 5,
Ziff. 13) - anlässlich des Abschlusses des Arbeitsvertrags erworbene Beteiligung von
5 % am Aktienkapital der Arbeitgeberin darauf hin, dass der Beschwerdeführer mehr
als ein blosser "Strohmann" sein sollte. Diese Aktionärseigenschaft erklärt
möglicherweise auch seine Untätigkeit gegenüber der Arbeitgeberin bei der
2.2.
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Einforderung der offenen Lohnforderungen, verhielt er sich doch diesbezüglich eher
wie ein Unternehmer (vgl. nachstehende Erwägung 2.3).
Die Frage der massgebenden Einflussmöglichkeit braucht indessen nicht
abschliessend geklärt zu werden, ist dem Beschwerdeführer doch jedenfalls eine
Verletzung der Schadenminderungspflicht anzulasten. Zwar können praxisgemäss nur
offene Lohnforderungen (AHV-pflichtiger Lohn ohne Spesen [vgl. Burgherr, a.a.O.,
S. 107 ff.]) für die letzten vier Monate, in denen die versicherte Person tatsächlich noch
gearbeitet hat, geltend gemacht werden, vorliegend also für den Zeitraum vom 25.
März 2020 bis zum 24. Juli 2020. Indessen ist aus den Akten ersichtlich, dass der
Beschwerdeführer bereits seit Beginn des Arbeitsverhältnisses am 1. Juni 2019 seinen
Lohn nur unregelmässig erhielt, wobei bereits die ersten beiden Monatsgehälter
ausblieben. Wie sich aus der vom Beschwerdeführer im Verwaltungsverfahren
eingereichten Aufstellung ergibt, wurde der vertraglich vereinbarte Bruttolohn von
Fr. 5'000.-- (bzw. der diesem Bruttolohn entsprechende Nettobetrag) bis zum letzten
geleisteten Arbeitstag am 24. Juli 2020 bzw. bis zur Konkurseröffnung am 27. Juli 2020
praktisch nie vollständig bezahlt. Die Löhne für die Monate Juni und Juli 2019,
November und Dezember 2019 blieben gar gänzlich unbezahlt. In den restlichen
Monaten blieben jeweils Beträge zwischen 548.26 und Fr. 1'799.88 (brutto, ohne
Spesen) offen. Einzig im April 2020 betrug der Fehlbetrag beim Bruttolohn gemäss der
vom Beschwerdeführer verfassten Aufstellung lediglich Fr. 27.15 (act. G 3.1/85).
Dasselbe Bild ergibt sich beim Vergleich der eingereichten Lohnabrechnungen
November 2019 sowie Januar bis Juni 2020 mit dem Kontoauszug des
Beschwerdeführers mit den verbuchten (Netto-)Lohneingängen. Daraus ist ebenfalls
ersichtlich, dass der Beschwerdeführer häufig nicht den Nettolohn gemäss
Lohnabrechnung (exkl. die nicht versicherten Spesen, die [zumindest] im November
2019 sowie ab März 2020 ebenfalls nicht mehr der vertraglichen Abmachung und
offenbar noch nie der vorgenannten Aufstellung entsprachen [lediglich rund Fr. 1'300.--
anstatt Fr. 1'500.-- [Fr. 300.-- + Fr. 800.-- + 4 % vom Bruttolohn inkl. Provisionen = ca.
Fr. 200.--]]; vgl. act. G 3.1/30 f.), sondern in der Regel nur als "AKONTOZAHLUNG",
"AKONTO" oder "LOHNANTEIL" bezeichnete Abschlagszahlungen überwiesen erhielt.
Auch die Juli-2020-Zahlung, die noch vor Konkurseröffnung am 25. Juli 2020 fällig
geworden war (vgl. act. G 3.1/26 Fussnote 1), erhielt er nicht mehr.
2.3.
Der Beschwerdeführer gab sich somit seit des Bestehens des Arbeitsverhältnisses,
mithin während mehr als einem Jahr (bis zur Konkurseröffnung am 27. Juli 2020), mit
ungenügenden Lohnzahlungen zufrieden. Erstmalige schriftliche Bemühungen, die
ausstehenden Lohnbetreffnisse doch noch erhältlich zu machen, erfolgten nach
2.4.
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3.
Nach dem Gesagten besteht kein Anspruch auf Ersatz der geltend gemachten
Lohnausstände durch die Arbeitslosenversicherung. Die Beschwerde ist demzufolge
abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben, nachdem das AVIG keine solchen
vorsieht (Art. 61 lit. f ATSG).