Decision ID: 75cc4886-6e9e-4813-8931-3e1781b14be7
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Eheschutz
Berufungen gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni 2021 (EE200207-L)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin (Urk. 17 S. 2 ff.): "1. Es sei festzustellen, dass die Parteien zur Aufhebung des gemeinsa-
men Haushaltes berechtigt sind. 2. Es sei die eheliche Wohnung an der C._-Strasse ...,
... Zürich für die Dauer des Getrenntlebens der Gesuchstellerin zu alleinigem Nutzen und Gebrauch zuzuweisen.
3. Es sei die gemeinsame Tochter der Parteien D._, geb. tt.mm.2017 während der Dauer des Getrenntlebens unter die  Obhut der Gesuchstellerin zu stellen.
4. Es sei das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die gemeinsame Tochter D._ auf die Gesuchstellerin zu übertragen.  üben die Parteien das Sorgerecht über D._ geb. tt.mm.2017 gemeinsam aus.
5. Es sei eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 2 ZGB zu errichten und dem Beistand der Auftrag zu erteilen, die Kindseltern bei der Umsetzung der Besuchsrechtsregelung zu unterstützen und diese zu überwachen, wenn nötig zwischen den Beteiligten zu  und bei Bedarf die Modalitäten des Besuchsrechts .
6. Es sei dem Gesuchgegner gegen Strafandrohung im  zu verbieten, Fotos der gemeinsamen Tochter D._ geb. tt.mm.2017 in sozialen Medien wie Instagram, Facebook etc. ohne vorherige Zustimmung der Gesuchstellerin zu .
7. Es sei folgende Betreuungsregelung durch das Gericht : Der Gesuchgegner betreut die gemeinsame Tochter D._, geb. am tt.mm.2017 wie folgt: a) an jedem ersten und dritten Samstag von 09.00 Uhr bis um
17.00 Uhr; b) jeweils am zweiten Tag der Doppelfeiertage Weihnachten
und Neujahr; in Jahren mit gerader Jahreszahl von  bis Ostermontag und in Jahren mit ungerader Jahreszahl von Pfingstsamstag bis Pfingstmontag;
c) Weiter steht dem Gesuchgegner und seiner Tochter das Recht auf persönlichen Verkehr während zwei Wochen  im Jahr zu, aufgeteilt auf mehrere Ferienanlässe,  bis zu 1 Woche auf einmal.
d) Falls eine Einigung über die Ferien nicht zustande kommt, steht dem Gesuchgegner in Jahren mit ungerader  das Entscheidungsrecht bezüglich der Aufteilung der
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Ferien zu; in Jahren mit gerader Jahreszahl der .
e) Ist der Gesuchgegner aus welchen Gründen auch immer nicht in der Lage, die Betreuung gemäss dem hier  Betreuungsplan selber zu übernehmen, ist er , für eine angemessene Betreuung der Tochter durch Drittpersonen auf eigene Kosten besorgt zu sein. Eine Anfrage an die Gesuchstellerin ist möglich; diese ist jedoch nicht verpflichtet, die Betreuung zu übernehmen. In der übrigen Zeit wird D._ von der Gesuchstellerin betreut.
8. Der Gesuchgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin für die Dauer des Getrenntlebens bis zur Wirkung des Scheidungsurteils monatliche, nach dem Beweisverfahren näher zu beziffernde, auf den Ersten des jeweiligen Monats vorauszahlbare angemessene Bar- und Betreuungsunterhaltsbeiträge im Umfang von  CHF 3'000.00 zzgl. Kinderzulage rückwirkend ab dem 01. Juni 2020 für die gemeinsame Tochter D._ geb. tt.mm.2017 zu bezahlen.
9. Der Gesuchgegner sei zu verpflichten, der Gesuchstellerin für die Dauer des Getrenntlebens bis zur Wirkung des Scheidungsurteils monatliche, nach dem Beweisverfahren näher zu beziffernde, auf den Ersten des jeweiligen Monats vorauszahlbare angemessene Unterhaltsbeiträge rückwirkend ab dem 01. Juni 2020 zu . Diese sind nach Auskunft des Gesuchgegners über seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse spätestens nach dem Beweisverfahren zu beziffern.
10. Der Kindesunterhalt und der persönliche Unterhalt sowie das Verbot Kinderbilder von D._ auf Instagramm zu zeigen  Ziffer 6, 8. und 9. seien als vorsorgliche Massnahme  der Dauer des Verfahrens zu verfügen.
11. Es sei die Gütertrennung per Datum der Einreichung des  anzuordnen.
12. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. MwSt. zu  des Gesuchgegners."
des Gesuchsgegners (Urk. 12, Urk. 96, Urk. 115 S. 2, Urk. 122 S. 2, Urk. 144 S. 2):
1. Den Parteien sei das Getrenntleben zu bewilligen und es sei , dass die Parteien den gemeinsamen Haushalt per 21.05.2020 aufgehoben haben.
2. Die eheliche Wohnung an der C._-Strasse ... in ... Zürich sei während des Getrenntlebens der Gesuchstellerin zur Benützung zuzusprechen.
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3. Es sei festzustellen, dass sich die Parteien über die Aufteilung der Möbel und Fahrnisgegenstände bereits geeinigt haben.
4. Die gemeinsame Tochter D._, geb. tt.mm.2017, sei unter die geteilte Obhut der Parteien zu stellen, wobei der gesetzliche Wohnsitz von D._ bei der Gesuchstellerin festzulegen sei.
5. Die Parteien seien zu berechtigen und zu verpflichten, D._ wie folgt zu betreuen:
5.1 vom Gesuchsgegner: jeweils von Mittwoch, 17 Uhr, bis (in  Kalenderwochen) Freitag, 17 Uhr, bzw. (in ungeraden ) bis Sonntag 17 Uhr;
5.2 von der Gesuchstellerin: in ungeraden Kalenderwochen jeweils von Sonntag, 17 Uhr, bzw. in geraden Kalenderwochen von , 17 Uhr, bis zum darauffolgenden Mittwoch, 17 Uhr.
5.3 in Jahren mit ungerader Jahreszahl i. von der Gesuchstellerin am 24.12. und am 31.12., je ab
17.00 Uhr bis anderntags um 10.00 Uhr, von , Schulschluss oder 17.00 Uhr bis Ostermontag, 18.00 Uhr
ii. vom Gesuchsgegner am 25.12. und am 01.01. ab 17.00 Uhr bis anderntags um 10.00 Uhr, von Freitag vor Pfingsten, Schulschluss oder 17.00 Uhr bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr.
5.4 in Jahre[n] mit gerader Jahreszahl i. vom Gesuchsgegner am 24.12. und am 31.12., je ab
17.00 Uhr bis anderntags um 10.00 Uhr, von , Schulschluss oder 17.00 Uhr bis Ostermontag, 18.00 Uhr
ii. von der Gesuchstellerin am 25.12. und am 01.01. ab 17.00 Uhr bis anderntags um 10.00 Uhr, von Freitag vor Pfingsten, Schulschluss oder 17.00 Uhr bis Pfingstmontag, 18.00 Uhr.
5.5 während der Hälfte der Schulferien, wobei sich die Parteien über die Aufteilung der Schulferien jeweils bis spätestens 31. Oktober des Vorjahres per E-Mail für das Folgejahr im Sinne einer  abzusprechen haben. Sollten sich die Parteien nicht fristgerecht einigen können, so kommt dem Gesuchsgegner in Jahren mit gerader Jahreszahl das Recht zu, die Ferien ; in den Jahren mit ungerader Jahreszahl steht dieses Recht im Streitfall der Gesuchstellerin zu.
5.6 Eine Änderung der Betreuungs- und Ferienzeiten unter  der Interessen und Bedürfnisse von D._ auf , vorgängiger und schriftlicher Basis (E-Mail)  den Eltern bleibt vorbehalten.
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5.7 Die Parteien seien zu verpflichten, diejenigen Kosten für D._ zu tragen, die während der Zeit anfallen, die sie beim  Elternteil verbringt.
6. Eventualiter (in Bezug auf Ziff. 5) sei dem Gesuchsgegner ein ausgedehntes Besuchs- und Kontaktrecht wie folgt einzuräumen:
- zwei vom Gericht festzulegende Arbeitstage pro Woche, ab 08.00 Uhr oder Schulbeginn bis um 12.00 Uhr oder  des folgenden Tages;
- jedes zweite Wochenende von Freitag, Schulschluss oder 17.00 Uhr, bis Montagmorgen, Schulbeginn oder 08.00 Uhr;
- Feiertage, Ferien, Änderungsmodalitäten und Kostentragung gem. Ziff. 5.3. - Ziff. 5.7. hiervor.
7. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, an den Unterhalt von D._ nach durchgeführtem Beweisverfahren ziffernmässig noch zu bestimmende, monatliche Unterhaltsbeiträge zzgl. die Hälfte allfällig bezogener Kinder-/Ausbildungszulagen zu , maximal jedoch
- CHF 2'773 für Juli und August 2020; - CHF 2'323 für September und Oktober 2020; - CHF 1'656 ab November 2020; - CHF 1'411 ab August 2021 - CHF 1'303 ab August 2022. Die monatlichen Unterhaltsbeiträge und die Hälfte der Kinder-
und/bzw. Ausbildungszulagen seien auf ein Kinderkonto zahlbar. Diese Zahlungsmodalitäten haben bis zum Abschluss einer  Erstausbildung Geltung, solange D._ im Haushalt einer der Parteien bzw. von den Parteien gemeinsam betreut wird und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem Gesuchsgegner stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
8. Es sei festzustellen, dass kein Betreuungsunterhalt geschuldet ist.
9. Es sei festzustellen, dass kein Ehegattenunterhalt geschuldet ist. Eventualiter sei der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Gesuch-
stellerin einen monatlichen Ehegattenunterhalt in Höhe von  CHF 240 zu bezahlen.
10. Der Gesuchsgegner behält sich vor, insbesondere die  der Unterhaltsbeiträge nach Abschluss des Beweisverfahrens zu präzisieren bzw. zu ändern.
11. Die Gesuchstellerin sei zu verpflichten, die Kontoauszüge  Konti offen zu legen, je für den Zeitraum 21.05.2020 – 31.10.2020:
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- CH...; - sämtliche weiteren auf den Namen der Gesuchstellerin lau-
tenden Konti in der Schweiz oder im Ausland Der Gesuchsgegner behält sich vor, weitere Konti anlässlich der
Verhandlung zu benennen. 12. Es sei die Gütertrennung per Datum Rechtshängigkeit des Ehe-
schutzverfahrens anzuordnen. 13. Es seien die Parteien zur Durchführung einer Mediation aufzufor-
dern. 14 Es sei die Mutter zu verpflichten, dem Bezirksgericht Zürich sämt-
liche Ausweisdokumente der Tochter D._, geb. tt.mm.2017, zu übergeben, insbesondere den schweizerischen und den  Reisepass.
15. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht über die gemeinsame Tochter D._, geb. tt.mm.2017, sei dem Vater zuzuteilen.
16. Es sei der Gesuchstellerin die Bewilligung zum Wegzug für D._, geb. tt.mm.2017, zu verweigern
17. Es sei die Gesuchstellerin für den Fall der Zuteilung der Obhut über D._ an den Gesuchsgegner zu verpflichten, dem  für D._ monatlich vorschüssig vom Gericht festzulegende Unterhaltsbeiträge, mind. CHF 2'000 pro Monat zzgl. allfällig bezogene Kinder-, Familien- und/oder  zu bezahlen.
18. Soweit die Gesuchstellerin mehr oder anderes verlangt, seien ihre Anträge abzuweisen.
19. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  (zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer).
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni 2021: (Urk. 167 S. 36 ff. = Urk. 174 S. 36 ff. = Urk. 190/174 S. 36 ff.)
1. Die Aufhebung des gemeinsamen Haushaltes wird bewilligt und es wird
festgehalten, dass die Parteien seit 21. Mai 2020 getrennt leben.
2. Die Obhut über das Kind D._, geboren am tt.mm.2017, wird für die
Dauer des Getrenntlebens der Gesuchstellerin zugeteilt.
3. Der Antrag des Gesuchsgegners, das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die
gemeinsame Tochter D._ ihm alleine zu übertragen, wird abgewiesen.
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Der Antrag der Gesuchstellerin, das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die
gemeinsame Tochter D._ ihr alleine zu übertragen, wird abgewiesen.
Der Antrag der Gesuchstellerin auf Bewilligung des Wegzugs mit der ge-
meinsamen Tochter D._ nach Deutschland wird abgewiesen.
4. Der Gesuchsgegner wird für berechtigt erklärt, D._
- in den geraden Kalenderwochen (d.h. jedes zweite Wochenende) von Freitag nach Kindergartenschluss respektive Freitag, 12:00 Uhr bis , Kindergartenbeginn respektive 08:30 Uhr,
- in den ungeraden Kalenderwochen von Mittwoch Kindergartenschluss respektive 12:00 Uhr, bis Donnerstag Kindergartenbeginn respektive 08:30 Uhr,
- in geraden Jahren jeweils über die Osterfeiertage von Karfreitag bis und mit Ostermontag sowie am 24. Dezember und in ungeraden Jahren von Pfingstsamstag bis und mit Pfingstmontag sowie am 25. Dezember,
- in geraden Jahren über die Neujahrsfeiertage vom 31. Dezember bis am 1. Januar und in ungeraden Jahren am zweiten Neujahrsfeiertag, d.h. am 2. Januar
auf eigene Kosten zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen. Die Feiertagsbesuche beginnen jeweils um 09:00 Uhr und dauern bis um 20:00 [Uhr].
Zudem wird der Gesuchsgegner für berechtigt erklärt, D._ für die Dauer
von 6 Wochen (wobei höchstens zwei Mal 2 Wochen am Stück bezogen
werden dürfen) pro Jahr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Feri-
en zu nehmen. Die Ausübung des Ferienbesuchsrechts hat der Gesuchs-
gegner mindestens drei Monate im Voraus mit der Gesuchstellerin abzu-
sprechen.
Können sich die Parteien nicht einigen, so gehen in den geraden Jahren die
Ferienwünsche des Gesuchsgegners vor, in ungeraden diejenigen der Ge-
suchstellerin.
Ist der Gesuchsgegner nicht in der Lage, während der vereinbarten Besu-
chen respektive Ferien die gemeinsame Tochter D._ zu betreuen, so ist
er verpflichtet, auf eigene Kosten für eine angemessene Drittbetreuung be-
sorgt zu sein.
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5. Für D._, geboren am tt.mm.2017, wird eine Besuchsbeistandschaft
gemäss Art. 308 Abs. 1 und Abs. 2 ZGB errichtet. Dem Beistand/Der Bei-
ständin werden insbesondere die folgenden Aufgaben übertragen:
- Unterstützung der Parteien bei den Modalitäten des Besuchsrechts; - bei allfälligen Konflikten der Eltern wegen der Betreuung und Erziehung
vermittelnd zu wirken.
6. Die Kindesschutzbehörde wird angewiesen, einen Beistand/eine Beiständin
gemäss Dispositiv Ziff. 5 zu ernennen.
7. Die eheliche Wohnung an der C._-Strasse ..., ... Zürich wird, inkl.
Hausrat und Mobiliar, für die Dauer des Getrenntlebens der Gesuchstellerin
und den Kindern zur alleinigen Benützung zugewiesen.
8. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für D._ einen
monatlichen Unterhaltsbeitrag in der Höhe von Fr. 3'350.– (Barunterhalt),
zuzüglich allfälliger Familienzulagen, zu bezahlen; zahlbar monatlich im Vo-
raus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats, rückwirkend ab dem 1. Juni
2020 bis und mit Juli 2021.
Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für D._ einen
monatlichen Unterhaltsbeitrag in der Höhe von Fr. 2'650.– (Barunterhalt),
zuzüglich allfälliger Familienzulagen, zu bezahlen; zahlbar monatlich im Vo-
raus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats, ab dem 1. August 2021 für
die weitere Dauer des Getrenntlebens.
9. Es wird festgehalten, dass die Parteien sich gegenseitig keine persönlichen
Unterhaltsbeiträge schulden.
10. Der Antrag, wonach dem Gesuchsgegner unter Strafandrohung im Wieder-
holungsfall zu verbieten sei, Fotos der gemeinsamen Tochter D._ in
sozialen Medien wie Instagram, Facebook etc. ohne vorherige Zustimmung
durch die Gesuchstellerin zu veröffentlichen, wird abgewiesen.
11. Es wird die Gütertrennung mit Wirkung ab 11. August 2020 angeordnet.
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12. Die am 19. Mai 2021 eingereichten amtlichen Pass- und Identitätsdokumen-
te (Schweizer Pass lautend auf D._ Nr. ..., Identitätskarte lautend auf
D._ Nr. ... und Amerikanischer Pass lautend auf D._ Nr. ...) la-
gernd bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich (Kautionsartcode K7, De-
potartcode 26), werden der Gesuchstellerin nach Eintritt der Rechtskraft die-
ses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
13. Der Antrag des Gesuchsgegners die Parteien zu einer Mediation aufzufor-
dern wird abgewiesen.
14. Auf die übrigen Anträge wird – soweit sie nicht gegenstandslos geworden
sind – nicht eingetreten.
15. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
16. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Es werden keine
Parteientschädigungen ausgerichtet.
17. [Mitteilung]
18. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge der Erstberufung:
des Gesuchsgegners und Erstberufungsklägers (Urk. 173 S. 2 f.):
"1. Dispositiv-Ziffern 2, 3, 4, 8, 12 und 14 des Urteils EE200207-L/UB vom 18.06.2021 seien aufzuheben und wie folgt neu zu entscheiden und es sei Dispositiv-Ziffer 5 wie folgt zu ergänzen: '2. Die Obhut über das Kind D._, geboren am tt.mm.2017, wird
für die Dauer des Getrenntlebens dem Gesuchsgegner zugeteilt. 3. Der Gesuchsgegner wird berechtigt erklärt, mit dem Kind in einem
Radius von 30km Distanz um Zürich Wohnsitz zu nehmen. 4. Die Gesuchstellerin wird berechtigt erklärt, D._ auf eigene
Kosten wie folgt zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen: - in geraden Kalenderwochen (d.h. jedes zweite Wochenen-
de) von Freitag nach Schulschluss bis Sonntag, 17.00 Uhr,
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- in geraden Jahren jeweils über die Osterfeiertage von  bis und mit Ostermontag sowie am 24. Dezember und in ungeraden Jahren von Pfingstsamstag bis und mit Pfingstmontag sowie am 25. Dezember
- in geraden Jahren über die Neujahrsfeiertage vom 31. Dezember bis am 1. Januar und in ungeraden Jahren am 2. Januar.
Die Feiertagsbesuche beginnen jeweils um 09.00 Uhr und dauern bis um 20.00 Uhr. Die Gesuchstellerin wird ermächtigt, mit D._ zwei Mal pro Woche Videoanrufe zu führen. Die Gesuchstellerin wird berechtigt erklärt, D._ für die Dauer von 6 Wochen (wobei höchstens zwei Mal zwei Wochen am Stück bezogen werden dürfen) pro Jahr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien nehmen zu dürfen. Die Ausübung des Ferienbesuchs hat in den Schulferien zu liegen und ist  3 Monate im Voraus mit dem Gesuchsgegner . Können sich die Parteien nicht einigen, so gehen in den  Jahren die Ferienwünsche der Gesuchstellerin vor, in  Jahren die des Gesuchsgegners. Ein weitergehendes oder anderes Besuchs- und Kontaktrecht wird der Absprache der Parteien überlassen.
5. [...] Dem Beistand/der Beiständin werden insbesondere folgende Aufgaben übertragen: - [...] - [...] - nötigenfalls Veranlassung einer kinderpsychologischen Be-
gutachtung von D._ bzw. auf Empfehlung eines /einer Gutachterin Veranlassung einer Therapie; der Beistand/die Beiständin erhält uneingeschränkt Einsicht in die Prozessakten.
8. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für D._ rückwirkend für die Zeit vom 01.06.2020 bis 25.06.2021 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in Höhe von CHF 1'763 (Barunterhalt), zuzüglich allfällig bezogener Familienzulagen, zu bezahlen.
Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner für D._ einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in der Höhe von CHF 2'570 (Barunterhalt), zuzüglich allfällig bezogener , zu bezahlen; zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats, rückwirkend seit dem 01.07.2021 für die weitere Dauer des Getrenntlebens.
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12. Die am 19.05.2021 eingereichten amtlichen Pass- und  (Schweizer Pass, lautend auf D._ Nr. ..., , lautend auf D._ Nr. ..., und amerikanischer Pass, lautend auf D._ Nr. ..., lagernd bei der Kasse des  Zürich (Kautionskarte K7, Depotartcode 26)) werden dem Gesuchsgegner nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben.
14. Die Gesuchstellerin sei zu verpflichten, die Kontoauszüge  Konti offen zu legen, je für den Zeitraum 21.05.2020 – 31.10.2020: - CH...; - sämtliche weiteren auf den Namen der Gesuchstellerin lau-
tenden Konti in der Schweiz oder im Ausland.' 2. Eventualiter seien Dispositiv-Ziffern 2, 3, 4, 5, 8, 12 und 14 des Urteils
EE200207-L/UB vom 18.06.2021 aufzuheben und zur neuen  an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  (zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer)."
der Gesuchstellerin und Erstberufungsbeklagten (Urk. 186 S. 2 ff.):
"1. Die Berufung sei bezüglich des Antrags auf Aufhebung und  der Dispositivziffern 2, 3, 4, 8, 12 und 14 abzuweisen.
2. Eventualiter sei Dispositivziffer 4, 8 und 9 aufzuheben und wie folgt neu zu entscheiden: '4. Die Gesuchstellerin wird berechtigt, D._ auf eigene Kosten
wie folgt zu betreuen - in den ungeraden Kalenderwochen (d.h. jedes zweite Wo-
chenende) von Freitag nach Kindergartenschluss respektive Freitag, 12:00 Uhr, bis Sonntagabend, 21:00 Uhr
- in geraden Jahren über die ganzen Osterfeiertage, von Gründonnerstagabend 16:00 Uhr, bis Ostermontag, 21:00 Uhr, und in ungeraden Jahren über die ganzen Pfingstfeiertage, von Freitagabend vor dem , Kindergartenschluss respektive Freitag, 12:00 Uhr, bis Pfingstmontag, 21:00 Uhr;
- in ungeraden Jahren während der zweiten  und in geraden Jahren während der ersten Weihnachtsschulferienwoche.
Die Gesuchstellerin ist berechtig[t], D._ für weitere 6  pro Jahr auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
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Eine Ferienwoche dauert von Freitag nach Kindergartenschluss respektive Freitag, 12:00 Uhr, bis Sonntag, 21:00 Uhr. Weitergehende oder abweichende Wochenend-, Feiertags- oder Ferienkontakte nach gegenseitiger Absprache bleiben . Die Gesuchstellerin wird berechtig[t], mit D._ jeden zweiten Abend zwischen 17:00 Uhr und 19:00 Uhr ein Gespräch per  abzuhalten.
8. Es wird festgehalten, dass die Gesuchstellerin aufgrund  Leistungsfähigkeit keinen Unterhalt für D._ schuldet.
9. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in der Höhe von CHF 458.00 zu bezahlen, zahlbar monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten  jeden Monats.'
3. Die Berufung sei bezüglich des Antrags auf Ergänzung von  5 abzuweisen. Es sei den Eltern die Weisung zu erteilen, für D._ per sofort und bis auf Weiteres eine wöchentliche  Therapie zu etablieren. Sollte dies nicht innert zwei  ab Erteilung der Weisung erfolgt sein, sei dem Beistand von D._ den Auftrag zu erteilen, umgehend und bis auf Weiteres eine wöchentliche kinderpsychologische Therapie zu organisieren.
4. Eventualiter sie [recte: sei] die Berufung bezüglich des Antrags auf  von Dispositivziffer 5 gutzuheissen.
5. Die Berufung sei bezüglich Ziff. 2 und 3 abzuweisen. 6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten
des Berufungsklägers."
Berufungsanträge der Zweitberufung:
der Gesuchstellerin und Zweitberufungsklägerin (Urk. 190/173 S. 2 f.):
"1. Ziff. 3 Abs. 2 und Abs. 3 des vorinstanzlichen Urteils seien aufzuheben und durch folgende Formulierung zu ersetzen: Der Berufungsklägerin wird der Wegzug mit der gemeinsamen Tochter D._ nach Deutschland bewilligt.
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2. Ziff. 4 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der  sei für berechtigt zu erklären, D._ jedes zweite  im Monat in Deutschland zu besuchen.
3. Ziff. 8 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der  sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin für D._ einen monatlichen Unterhaltsbeitrag zuzüglich allfälliger Familienzulage auf den Ersten eines jeden Monats, zahlbar an [die] Berufungsklägerin, wie folgt zu bezahlen: - CHF 4'394.– rückwirkend ab dem 1. Juni 2020 bis und mit Weg-
zug nach Deutschland; - EUR 975.– ab Aufenthalt in Deutschland und für die weitere Dau-
er des Getrenntlebens. 4. Ziff. 9 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der Berufungs-
beklagte sei zu verpflichten, der Berufungsklägerin einen monatlichen Unterhaltsbeitrag auf den Ersten eines jeden Monats wie folgt zu : - CHF 255.–, rückwirkend ab dem 1. Juni 2020 bis und mit Ende
Juni 2021; - EUR 1'969.–, ab 1. Juli 2021 und für die weitere Dauer des Ge-
trenntlebens. 5. Ziff. 12 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die am 19. Mai
2021 eingereichten amtlichen Pass- und Identitätsdokumente ( Pass lautend auf D._ Fr. ..., Identitätskarte lautend auf D._ Nr. ... und amerikanischer Pass lautend auf D._ Nr. ...) lagernd bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich (Kautionsartcode K7, Depotartcode 26), seien der Berufungsbeklagten [recte: ] auf erstes Verlangen herauszugeben.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST) zulasten des Berufungsbeklagten."
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des Gesuchsgegners und Zweitberufungsbeklagten (Urk. 190/181 S. 2):
"1. Die Berufung der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin sei  abzuweisen, soweit auf diese eingetreten werden kann.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  und Berufungsklägerin (zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer)."

Erwägungen:
I. Sachverhalt und Prozessgeschichte
1. Die Parteien haben am tt. Februar 2017 in Zürich geheiratet. Der Ehe
entsprang eine Tochter, D._, geboren am tt.mm.2017 (Urk. 3). Die Gesuch-
stellerin, Erstberufungsbeklagte und Zweitberufungsklägerin (nachfolgend: Ge-
suchstellerin) ist zudem Mutter zweier Kinder aus erster Ehe, nämlich E._,
geboren am tt.mm.2009, sowie F._, geboren am tt.mm.2010 (Urk. 17 Rz. 5;
Prot. I, S. 11).
2. Mit Eingabe vom 7. August 2020 machte die Gesuchstellerin das vor-
liegende Eheschutzverfahren bei der Vorinstanz anhängig (Urk. 1). Hinsichtlich
der Prozessgeschichte kann auf das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden
(Urk. 174 S. 7 ff.). Dieses erging am 18. Juni 2021 zunächst in unbegründeter
(Urk. 152) und anschliessend – auf Begehren beider Parteien (Urk. 157; Urk. 160)
– in begründeter Form (Urk. 167 = Urk. 174 = Urk. 190/174).
3. Die Vorinstanz teilte die Obhut über D._ der Gesuchstellerin zu,
bewilligte ihr aber nicht, zusammen mit D._ nach Deutschland wegzuziehen
(Urk. 152 S. 7). Das unbegründete Urteil wurde der Gesuchstellerin am 22. Juni
2021 zugestellt (Urk. 154). Drei Tage später, am 25. Juni 2021, verliess diese die
Schweiz mit den beiden Kindern aus früherer Ehe indes ohne D._. Letztere
lebt seit diesem Zeitpunkt beim Gesuchsgegner, Erstberufungskläger und Zweit-
berufungsbeklagten (nachfolgend: Gesuchsgegner) und wird von ihm betreut
(Urk. 173 Rz. 17 f.; Urk. 186 Rz. 17 f.).
4. Gegen das vorinstanzliche Eheschutzurteil erhoben beide Parteien
fristgerecht (siehe Urk. 169 f.) Berufung und stellten die eingangs wiedergegebe-
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nen Anträge (Urk. 173; Urk. 190/173); der Gesuchsgegner ersuchte zudem um
die Erteilung der aufschiebenden Wirkung hinsichtlich der Obhut und der Kin-
derunterhaltsbeiträge (Urk. 173 S. 3; Urk. 174 S. 36 und 38). Mit Verfügungen
vom 14. September 2021 wurden beide Parteien aufgefordert, einen Kostenvor-
schuss von je Fr. 5'500.– zu leisten; zudem wurde der Gesuchstellerin Frist ange-
setzt, um sich zum Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung zu äussern
(Urk. 178; Urk. 190/178). Die Vorschüsse gingen rechtzeitig hierorts ein
(Urk. 178 f.; Urk. 190/178 f.). Mit Eingabe vom 4. Oktober 2021 liess sich die Ge-
suchstellerin zudem zur aufschiebenden Wirkung vernehmen (Urk. 181). Mit Ver-
fügung vom 5. Oktober 2021 wurde der Berufung des Gesuchsgegners hinsicht-
lich der Obhut und der Kinderunterhaltsbeiträge ab 1. Juli 2021 die aufschiebende
Wirkung erteilt (Urk. 184). Am 21. Oktober 2021 setzte die Kammerpräsidentin
den Parteien Frist an, um die gegnerische Berufung zu beantworten (Urk. 185;
Urk. 190/180). Die Erstberufungsantwort datiert vom 4. Oktober [recte: November]
2021 (Urk. 186), die Zweitberufungsantwort ebenfalls (Urk. 190/181); die Gesuch-
stellerin beantragte dabei eine Vertretung für D._ (Urk. 186 S. 4). Mit Be-
schluss vom 23. November 2021 wurden die beiden Berufungsverfahren verei-
nigt; gleichzeitig wies die Kammer den Antrag der Gesuchstellerin um Anordnung
einer Vertretung für D._ ab, stellte die Berufungsantworten der jeweiligen
Gegenpartei zu und setzte ihnen Frist an, um sich zu den neu eingereichten Un-
terlagen und den neu aufgestellten Behauptungen zu äussern (Urk. 192). Beide
Stellungnahmen datieren vom 9. Dezember 2021 (Urk. 193; Urk. 196). Sie wur-
den mit Beschluss vom 24. Januar 2022 der jeweiligen Gegenpartei zugestellt.
Gleichzeitig wurde beiden Parteien Frist angesetzt, um Fragen zu beantworten
(Urk. 200). Die entsprechenden Stellungnahmen datieren vom 17. Februar 2022
(Urk. 205; Urk. 208) und wurden mit Verfügung vom 10. März 2022 der jeweiligen
Gegenseite zur Kenntnis gebracht (Urk. 212). Am 17. März 2022 liess sich die
Gesuchstellerin, am 23. März 2022 der Gesuchsgegner erneut vernehmen
(Urk. 213; Urk. 216). Nachdem die Stellungnahmen der jeweiligen Gegenpartei
zur Kenntnis zugestellt worden waren (Urk. 219 f.), äusserten sich beide Parteien
am 6. April 2022 erneut (Urk. 221; Urk. 224). Die Stellungnahmen wurden mit Ver-
fügung vom 12. April 2022 der jeweiligen Gegenpartei zur Kenntnisnahme zuge-
- 16 -
stellt (Urk. 227). Es folgten weitere Eingaben der Parteien (Urk. 228; Urk. 232;
Urk. 234).
5. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (Urk. 1–172). Das Ver-
fahren erweist sich als spruchreif, was den Parteien mit Verfügung vom 17. Mai
2022 mitgeteilt worden ist (Urk. 237).
6. Infolge der Pensionierung von Oberrichterin Dr. L. Hunziker Schnider
wirkt am vorliegenden Entscheid Oberrichter Dr. M. Kriech mit, zufolge der Neu-
konstituierung der Kammer per 1. Juli 2022 Oberrichter lic. iur. A. Huizinga als
Vorsitzender.
II. Prozessuale Vorbemerkungen
1. Die Berufung hemmt die Rechtskraft nur im Umfang der Anträge
(Art. 315 Abs. 1 ZPO). Nicht angefochten sind die Dispositiv-Ziffern 1 (Getrenntle-
ben), 6 (Ernennung eines Beistands / einer Beiständin für D._), 7 (Zuweisung
der ehelichen Wohnung), 10 (Veröffentlichung von Fotos von D._), 11 (Gü-
tertrennung) und 13 (Mediation) des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 173 S. 2 f.;
Urk. 174 S. 36 ff.; Urk. 190/173 S. 2 f.). Diese Ziffern sind somit in Rechtskraft er-
wachsen, was vorzumerken ist.
2. Mit der Berufung kann sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als
auch die unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden
(Art. 310 ZPO). Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränkte Kognition be-
züglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger Ermessensaus-
übung (Angemessenheitsprüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1).
3. In der Berufungsschrift ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern
der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu be-
trachten ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet. Das setzt (im Sinne einer
von Amtes wegen zu prüfenden Eintretensvoraussetzung) voraus, dass der Beru-
fungskläger die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, sich ar-
gumentativ mit diesen auseinandersetzt und mittels genügend präziser Verwei-
sungen auf die Akten aufzeigt, wo die massgebenden Behauptungen, Erklärun-
- 17 -
gen, Bestreitungen und Einreden erhoben wurden bzw. aus welchen Aktenstellen
sich der geltend gemachte Berufungsgrund ergeben soll. Die pauschale Verwei-
sung auf frühere Vorbringen oder deren blosse Wiederholung genügen nicht
(BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer 5A_751/2014 vom 28. Mai 2015, E. 2.1;
BGer 5A_247/2013 vom 15. Oktober 2013, E. 3.2). Was nicht oder nicht in einer
den gesetzlichen Begründungsanforderungen entsprechenden Weise bean-
standet wird, braucht von der Rechtsmittelinstanz nicht überprüft zu werden; diese
hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich auf die Beur-
teilung der Beanstandungen zu beschränken, die in der schriftlichen Begründung
formgerecht gegen den erstinstanzlichen Entscheid erhoben werden (BGE 142 III
413 E. 2.2.4; BGer 5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3;
BGer 4A_258/2015 vom 21. Oktober 2015, E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom
1. September 2014, E. 3.1 und 5). Die Anforderungen an die Berufung gelten
sinngemäss auch für die Berufungsantwort (BGer 4A_496/2016 vom 8. Dezember
2016, E. 2.2.2 mit weiteren Hinweisen). Diese Grundsätze gelten auch im Bereich
der unbeschränkten Untersuchungsmaxime (BGer 5A_800/2019 vom 9. Februar
2021, E. 5.1).
4. Für Kinderbelange in familienrechtlichen Angelegenheiten – wie sie
vorliegend zu beurteilen sind – statuiert Art. 296 Abs. 1 und 3 ZPO den Untersu-
chungs- und Offizialgrundsatz, weshalb das Gericht in diesem Bereich den Sach-
verhalt von Amtes wegen erforscht und ohne Bindung an die Parteianträge ent-
scheidet. In Verfahren, welche der umfassenden Untersuchungsmaxime unter-
stehen, können die Parteien zudem im Berufungsverfahren neue Tatsachen und
Beweismittel unbeschränkt vorbringen; Art. 317 Abs. 1 ZPO kommt nicht zum
Tragen (BGE 147 III 301 E. 2.2; BGE 144 III 349 E. 4.2.1).
III. Wegzug der Gesuchstellerin, Obhut und Besuchsrecht
1. Anwendbares Recht
1.1. Der Gesuchsgegner ist deutscher und amerikanischer Staatsangehöri-
ger (Urk. 3). Da Art. 82 Abs. 2 IPRG an die ausländische Staatsangehörigkeit
Rechtswirkungen anknüpft, bestand hinsichtlich der Beziehungen zwischen Eltern
- 18 -
und Kind schon vor dem Wegzug der Gesuchstellerin ein internationales Verhält-
nis im Sinne von Art. 1 Abs. 1 IPRG (zum Begriff des internationalen Verhältnis-
ses bzw. Sachverhalts ZK IPRG-Müller-Chen, Art. 1 N 7 ff.).
1.2. Fraglich ist, ob das Übereinkommen über die Zuständigkeit, das anzu-
wendende Recht, die Anerkennung, Vollstreckung und Zusammenarbeit auf dem
Gebiet der elterlichen Verantwortung und der Massnahmen zum Schutz von Kin-
dern vom 19. Oktober 1996 (Haager Kindesschutzübereinkommen, HKsÜ;
SR 0.211.231.011) anwendbar ist. Die Konvention, die von der Schweiz und
Deutschland ratifiziert wurde, ist zeitlich auf Massnahmen anzuwenden, die in ei-
nem Staat getroffen werden, nachdem das Übereinkommen für diesen Staat in
Kraft getreten ist (Art. 53 Abs. 1 HKsÜ). Der sachliche Anwendungsbereich er-
streckt sich unter anderem auf Massnahmen zum Schutz der Person des Kindes
(Art. 1 Abs. 1 lit. a HKsÜ). Dazu gehören insbesondere die Regelung der elterli-
chen Obhut und des persönlichen Verkehrs (Art. 3 lit. a und b HKsÜ; BGer
5A_744/2016 vom 28. März 2017, E. 5.1). Das Haager Kindesschutzüberein-
kommen ersetzt im Verhältnis zwischen den Vertragsstaaten das Übereinkommen
über die Zuständigkeit der Behörden und das anzuwendende Recht auf dem Ge-
biet des Schutzes von Minderjährigen vom 5. Oktober 1961 (MSA;
SR 0.211.231.01; Art. 51 HKsÜ).
1.3. In der Schweiz trat das Übereinkommen am 1. Juli 2009 in Kraft. Da
D._ ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Zürich hat, sind die dortigen Gerichte
örtlich zuständig (Art. 5 Abs. 1 HKsÜ; diese Vorschrift ist auch im Eheschutzver-
fahren anwendbar: BGer 5A_262/2019 vom 30. September 2019, E. 3.3). Die Be-
hörden der Vertragsstaaten wenden bei der Ausübung ihrer Zuständigkeit nach
den Art. 5 ff. HKsÜ ihr eigenes Recht an (Art. 15 Abs. 1 HKsÜ). Massgebend für
die Frage des Wegzugs der Gesuchstellerin, der Obhut und des Besuchsrechts
ist somit schweizerisches Recht. Davon gehen auch die Parteien aus
(Urk. 190/173 Rz. 5 ff.; Urk. 190/181 Rz. 5 ff.).
- 19 -
2. Wegzug der Gesuchstellerin
2.1. Die Vorinstanz erwog, es seien keinerlei Umstände ersichtlich, welche
einen Umzug der Gesuchstellerin zusammen mit D._ nach Deutschland als
notwendig erscheinen liessen. Die Gesuchstellerin verfüge über eine geregelte
Arbeits- und Wohnsituation und D._ habe einen ungefährdeten Krippenplatz.
Die Nähe des Wohnortes des Gesuchsgegners sei optimal, um den Kontakt mit
dem nicht obhutsberechtigten Vater zu pflegen (Urk. 174 S. 23). Alle diese stabi-
len Faktoren wären gefährdet, würde man der Gesuchstellerin das alleinige Auf-
enthaltsbestimmungsrecht zuweisen. Deshalb sei der entsprechende Antrag der
Gesuchstellerin abzuweisen (Urk. 174 S. 23 f.).
2.2. Die Gesuchstellerin macht geltend, dem wegzugswilligen Elternteil,
welcher die Kinder bislang überwiegend betreut habe und dies auch in Zukunft
tun werde, sei die Verlegung des Aufenthaltsorts der Kinder (auch ins Ausland) in
der Regel zu bewilligen (Urk. 190/173 Rz. 6). Die Verlegung des Aufenthaltsorts
sei dann unzulässig, wenn sie eine eigentliche Kindeswohlgefährdung darstelle.
Anfängliche Integrations- und / oder sprachliche Schwierigkeiten, die bei jedem
Umzug in ein anderes Sprachgebiet üblich seien, würden in aller Regel keine
ernsthafte Gefährdung des Kindeswohls begründen (Urk. 190/173 Rz. 7). Die Ver-
legung des Aufenthaltsorts sei entsprechend entgegen der Vorinstanz nicht posi-
tiv zu begründen, sondern nur zu verweigern, wenn negative Gründe gegen eine
Verlegung des Aufenthaltsorts sprächen (Urk. 190/173 Rz. 9).
2.3. Der Gesuchsgegner erwidert, entscheidend sei, ob das Kindeswohl
besser gewahrt sei, wenn das Kind mit dem auswanderungswilligen Elternteil
wegziehe oder wenn es sich beim zurückbleibenden Elternteil aufhalte
(Urk. 190/181 Rz. 7). Ausgangspunkt bilde das bisher gelebte Betreuungsmodell
(Urk. 190/181 Rz. 9).
2.4. Ausgangspunkt für die Beurteilung der Frage, ob ein Aufenthaltsorts-
wechsel der Kinder nach Art. 301a Abs. 2 ZGB zu bewilligen ist, bildet die vom
Gesetzgeber bewusst getroffene Entscheidung, die Niederlassungs- und Bewe-
gungsfreiheit der Eltern zu respektieren. Das Gericht hat sich entsprechend nicht
- 20 -
mit der Frage auseinanderzusetzen, ob es für das Kind vorteilhafter wäre, wenn
beide Elternteile am angestammten Ort verbleiben würden; die entscheidende
Fragestellung ist vielmehr, ob sein Wohl besser gewahrt ist, wenn es mit dem
wegzugswilligen Elternteil wegzieht oder wenn es sich beim zurückbleibenden El-
ternteil aufhält, was allenfalls eine Umteilung der Obhut impliziert (BGE 142 III
502 E. 2.5). Die Frage, bei wem das Kind besser aufgehoben ist, ist unter Be-
rücksichtigung der gestützt auf Art. 301a Abs. 5 ZGB gegebenenfalls vorzuneh-
menden Anpassungen der Kinderbelange (Betreuung, persönlicher Verkehr und
Unterhalt) zu beantworten. Insofern besteht zwischen der unter dem Aspekt des
Kindeswohls zu beantwortenden Frage, ob die Verlegung des Aufenthaltsortes zu
bewilligen ist, und der allenfalls darauffolgenden Anpassung der Kinderbelange
eine enge Interdependenz (BGE 142 III 481 E. 2.6). Die Kriterien, die das Bun-
desgericht im Zusammenhang mit der Obhutszuteilung im Trennungs- oder
Scheidungsfall entwickelt hat, können auf die Anwendung von Art. 301a
ZGB übertragen werden (BGE 142 III 498 E. 4.4; BGE 142 III 481 E. 2.7;).
2.5. Die Begründung der Vorinstanz hält der bundesgerichtlichen Recht-
sprechung nicht stand. So wies die Vorinstanz die Obhut der Gesuchstellerin zu,
weil sie dies als mit dem Kindeswohl eher vereinbar erachtete (Urk. 174 S. 22 f.);
gleichzeitig verweigerte sie ihr den Aufenthaltsortswechsel D._s, weil keine
Umstände ersichtlich seien, die einen Umzug der Gesuchstellerin zusammen mit
D._ als notwendig erscheinen liessen (Urk. 174 S. 23). Damit verkennt die
Vorinstanz die Bedeutung der Niederlassungs- und Bewegungsfreiheit der Ge-
suchstellerin im vorliegenden Kontext. Da im Rahmen von Art. 301a ZGB auf die
Kriterien abzustellen ist, die für die Obhutszuteilung im Trennungsfall entwickelt
worden sind, und die Obhutszuteilung ebenfalls angefochten worden ist (Urk. 173
S. 2), ist nachfolgend weiter darauf einzugehen.
3. Obhut
3.1. Die Vorinstanz erwog, dass zwischen den Eltern ein schwerer und tief-
greifender Paarkonflikt bestehe. Die Kommunikation der Parteien sei praktisch
zum Erliegen gekommen, da die Gesuchstellerin den Gesuchsgegner nach eige-
nen Angaben praktisch auf allen Kommunikationskanälen gesperrt habe und nicht
- 21 -
mehr bereit sei, mit ihm Absprachen zu treffen. Die Gesuchstellerin scheine
einstweilen nicht in der Lage zu sein, einen Weg zu einer konkreten und sachli-
chen Ebene für die gemeinsame Tochter D._ zu finden, weshalb eine alter-
nierende Obhut als nicht mit dem Kindeswohl vereinbar erscheine (Urk. 174
S. 21). Bereits an dieser Stelle sei jedoch darauf hinzuweisen, dass die Erzie-
hungsfähigkeit der Gesuchstellerin zu einem späteren Zeitpunkt vertieft geprüft
werden müsse, sollte sie ihr Verhalten mit Blick auf die zusätzlich zu ergreifenden
Massnahmen (Beistandschaft) nicht ändern (Urk. 174 S. 21). Die Gesuchstellerin
habe die Frage eines möglichen sexuellen Missbrauchs von D._ durch den
Gesuchsgegner aufgeworfen. Ein solcher habe sich in der Abklärung durch das
Sozialzentrum jedoch nicht erhärten lassen. Die von der Gesuchstellerin gegen-
über dem Gesuchsgegner erhobenen Vorwürfe, wonach dieser ein ausschwei-
fendes Partyleben führe und vor D._ Alkohol trinke, hätten sich in der per-
sönlichen Befragung der Gesuchstellerin als reine Vermutungen herausgestellt.
Demgegenüber habe sich der Gesuchsgegner bei der Ausübung des begleiteten
Besuchsrechts als liebevoller Vater gezeigt (Urk. 174 S. 22). Zusammenfassend
seien grundsätzlich beide Parteien in der Lage, die Obhut über D._ auszu-
üben und die Betreuung sicherzustellen. Da D._ aber nicht ohne Not aus der
gewohnten Wohnsituation herauszureissen und von den beiden Halbgeschwistern
zu trennen sei, sei die Obhut für die Dauer des Getrenntlebens der Gesuchstelle-
rin zu übertragen (Urk. 174 S. 23).
3.2. Der Gesuchsgegner lässt rügen, die Vorinstanz hätte das Kindeswohl
nicht nur am Kriterium des gewohnten Umfelds und des täglichen Kontakts zu den
Halbgeschwistern messen dürfen, sondern wäre gehalten gewesen, sämtliche
Aspekte der emotionalen, geistigen und physischen Entwicklung des Kindes zu
beleuchten. Sie habe nicht berücksichtigt, dass die Gesuchstellerin mit ihrer
selbst gewählten Kommunikations- und Kooperationsblockade gegenüber dem
Gesuchsgegner diesen vollständig aus dem Leben des Kindes auszuschliessen
versucht habe. So habe sie den Anteil des Gesuchsgegners an der Kinderbetreu-
ung nach der Trennung eigenmächtig, sukzessive und planmässig weiter einge-
schränkt, indem sie beispielsweise Übernachtungen bei ihm gestrichen habe. Zu-
dem habe sie durch geeignete Anschuldigungen erreicht, dass ein Besuchsrecht
- 22 -
nur noch begleitet habe stattfinden können. Sie biete keine Gewähr, dass der
nicht obhutsberechtigte Elternteil im Leben des Kindes gleichwohl präsent sei. Sie
habe im vorinstanzlichen Verfahren mit diversen Mitteln und systematisch ver-
sucht, den Charakter und die erzieherischen Fähigkeiten des Gesuchsgegners zu
diskreditieren, indem sie ihm zeitlich abgestuft wahrheitswidrig vorgeworfen habe,
er veröffentliche Bilder des Kindes in sozialen Medien, führe einen unmoralischen
Lebenswandel und konsumiere vor dem Kind regelmässig viel Alkohol. Schliess-
lich habe sie ihm vorgeworfen, er vergehe sich sexuell am Kind. Sie habe Videos
von D._ angefertigt, auf denen die Genitalien des Kindes gezeigt würden,
und diese Videos über WhatsApp an Dritte versandt. Weiter habe sie D._ mit
suggestiven Fragestellungen konfrontiert. Insgesamt habe die Gesuchstellerin ihr
Verhalten darauf ausgerichtet, dem Gesuchsgegner maximalen Schaden zuzufü-
gen; dazu habe sie das Kind instrumentalisiert. Die Vorinstanz hätte daher nicht
nur Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der Gesuchstellerin hegen, sondern diese
verneinen oder wenigstens vertieft abklären müssen (Urk. 173 Rz. 15). D._
lebe seit dem 25. Juni 2021 permanent beim Gesuchsgegner und werde von ihm
betreut (Urk. 173 Rz. 18). Die Kreisschulhörde G._ habe D._ auf Beginn
des Schuljahrs 2021 / 2022 regulär eingeschult. D._ sei einer Kindergarten-
klasse des Kindergartens H._ zugeteilt worden, den sie täglich besuche
(Urk. 173 Rz. 20). Zur ergänzenden Freizeitbeschäftigung bringe der Gesuchs-
gegner D._ regelmässig zu einer Tanzgruppe und in einen Schwimmkurs
(Urk. 173 Rz. 22). Das "Grundgerüst" sehe wie folgt aus: D._ wache meist
um 6.45 Uhr auf und frühstücke mit dem Gesuchsgegner, der die Tochter um
8.15 Uhr zum Kindergarten begleite. Von 8.30 Uhr bis 11.55 Uhr sei sie im Kin-
dergarten. Über Mittag, das heisst, von 11.55 Uhr bis 14.00 Uhr, besuche
D._ den Mittagstisch in der I._-Strasse / Schule J._, wo sie von
Montag bis Donnerstag von 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr die Nachmittagsbetreuung
besuche. Der Gesuchsgegner hole sie dort ab, sodass sie spätestens um
16.45 Uhr zu Hause sei. Um 18.00 Uhr nähmen die beiden das Abendessen ein,
ab 19.00 Uhr mache der Gesuchsgegner mit D._ das gewohnte Abendritual
und gegen 20.00 Uhr schlafe das Kind (Urk. 173 Rz. 23 f.). Um für alle Eventuali-
täten gerüstet zu sein, sei D._ montags bis freitags für die Frühbetreuung ab
- 23 -
7.00 Uhr eingeschrieben (Urk. 173 Rz. 25). Kontakte zwischen D._ und der
Gesuchstellerin fänden jeweils mittwochs ab 18.45 Uhr und samstags ab
17.00 Uhr mittels Videoanrufen statt (Urk. 173 Rz. 27). Der Gesuchsgegner sei
pandemiebedingt weiterhin und auf unbeschränkte Zeit in der Lage, einen Teil
seines Pensums, mindestens zwei Tage pro Woche, im Homeoffice zu erledigen.
Dies werde über längere Zeit so bleiben. Auf diese Weise könne der Gesuchs-
gegner, wenn D._ schlafe, abends von 21.00 Uhr bis 23.00 Uhr rund zwei
Stunden arbeiten und damit pro Woche acht bis zehn Arbeitsstunden kompensie-
ren (Urk. 173 Rz. 28). Dass D._ ihre Halbgeschwister nicht täglich sehe,
scheine sich nicht negativ auf ihr Wohlbefinden auszuwirken (Urk. 173 Rz. 34).
3.3. Die Gesuchstellerin lässt erwidern, dass die Auflistung des Gesuchs-
gegners lediglich aus Vorwürfen gegen sie bestehe (Urk. 186 Rz. 6). Die Kommu-
nikationsblockade werde bestritten. Dass die Gesuchstellerin ihren persönlichen
Kontakt zum Gesuchsgegner aufgrund der Trennung eingeschränkt habe, habe
nichts mit D._ zu tun. Tatsächlich sei es der Gesuchsgegner, der eine Ko-
operations- und Kommunikationsblockade kultiviere. Als Beispiel könne vorge-
bracht werden, dass er sich beharrlich weigere, der Gesuchstellerin mehr als
zweimal in der Woche einen Videoanruf von 30 Minuten zu gewähren. Auch lasse
er D._ nicht allein mit der Gesuchstellerin telefonieren. Hinsichtlich medizini-
scher Belange komme von ihm nur auf mehrfache Nachfrage Information
(Urk. 186 Rz. 7). Die gegnerischen Ausführungen, wonach die Gesuchstellerin
den Anteil an der Kinderbetreuung planmässig reduziert habe, würden zurückge-
wiesen. Die Aussagen von D._ nicht ernst zu nehmen, wäre ein fahrlässiges
Verhalten gewesen. Es sei im Gegenteil der Gesuchsgegner, welcher begonnen
habe, die Gesuchstellerin sukzessive aus dem Leben von D._ auszuschlies-
sen. So bestehe er nach dem Grundsatz "Auge um Auge, Zahn um Zahn" darauf,
Heiligabend mit D._ zu verbringen, da die Gesuchstellerin den letzten Heilig-
abend mit ihr verbracht habe; dies bedeute, dass D._ den Heiligabend von
ihren Halbgeschwistern getrennt verbringen müsse, was nicht dem Kindeswohl
entspreche (Urk. 186 Rz. 8). Es sei fraglich, ob der angebliche Alltagsplan des
Gesuchsgegners eingehalten werden könne. So gehe aus dem Schreiben der Ar-
beitgeberin nicht hervor, dass es möglich sei, an den Tagen, an denen er im Büro
- 24 -
sein werde, später zu erscheinen bzw. sich früher zu entfernen und den Zeitun-
terschied durch abendliche Arbeit zu kompensieren. Es sei auch nicht klar, ob er
seine Arbeitsleistung zwischen 21.00 Uhr und 23.00 Uhr, also ausserhalb der Bü-
rozeiten, überhaupt erbringen könne. Zudem habe er einen langen Arbeitsweg.
Müsse er zuerst D._ wecken, ihr das Frühstück vorbereiten und sie um
8.15 Uhr zum Kindergarten begleiten, liege es nahe, dass er seine Arbeitsleistung
nicht während den vertraglichen bzw. üblichen Bürozeiten werde erbringen kön-
nen (Urk. 186 Rz. 20). Zudem müsste D._ um 5.30 Uhr geweckt werden,
wenn sie bereits ab 7.00 Uhr in die Frühbetreuung müsse; dies entspreche nicht
dem Kindeswohl (Urk. 186 Rz. 21). Es werde bestritten, dass D._ ihre Halb-
geschwister nicht vermisse bzw. dass es sich nicht negativ auf ihr Wohlbefinden
auswirken würde. Das Vorbringen des Gesuchsgegners zeige lediglich, dass er
sich nicht in die emotionale Lage von D._ hineinversetzen könne (Urk. 186
Rz. 23). Die Gesuchstellerin könne das Kind hingegen gut betreuen. In K._
[Stadt in Deutschland] werde D._ nicht nur Kontakt zu ihrer Mutter haben,
sondern auch zu den beiden Halbgeschwistern sowie zu ihren Cousinen und
Cousins. Sie würde eine ausgezeichnete zweisprachige Schule besuchen, die ihr
eine optimale Ausbildung sichern könne (Urk. 186 Rz. 24). Die Gesuchstellerin
besitze ungefähr eine Stunde Zugfahrt von K._ entfernt ein grosszügiges
Landhaus. Sie sei ungefähr zweimal jährlich mit den drei Kindern in K._ ge-
wesen, wobei die Kinder ihre Verwandten und die Freunde der Gesuchstellerin
kennengelernt hätten. K._ und Umgebung seien D._ entsprechend be-
kannt. D._ sei aufgrund ihres Alters noch in einer personenbezogenen Pha-
se. Entsprechend sei es zentral. dass sie mit ihren Hauptbezugspersonen, der
Gesuchstellerin und den Halbgeschwistern, zusammenleben könne. Die Gesuch-
stellerin habe bereits eine Wohnung in K._ und auch eine neue Anstellung
gefunden (Urk. 190/173 Rz. 10). Es werde weiterhin bestritten, dass der Ge-
suchsgegner erziehungsfähig sei und einen Lebensstil pflege, welcher mit der Er-
ziehung eines Kleinkindes im Einklang stehe. Der Umstand, dass die Gesuchstel-
lerin D._ vorübergehend dem Gesuchsgegner in Betreuung habe geben
müssen, sei keine Anerkennung seiner Erziehungsfähigkeit, sondern eine aus
medizinischer Sicht notwendige Massnahme. Die Gesuchstellerin habe sich aus
- 25 -
gesundheitlichen Gründen vom Gesuchsgegner räumlich distanzieren müssen
(Urk. 186 Rz. 25).
3.4. Auch wenn die gemeinsame elterliche Sorge die Regel ist (Art. 296
Abs. 2 ZGB) und das Recht einschliesst, den Aufenthaltsort des Kindes zu be-
stimmen (Art. 301a Abs. 1 ZGB), impliziert sie nicht notwendigerweise die Anord-
nung einer alternierenden Obhut. Das Gericht muss prüfen, ob eine solche mög-
lich und mit dem Kindeswohl vereinbar ist. Letzteres bildet den Ausgangspunkt;
die Interessen der Eltern haben in den Hintergrund zu treten. Das Gericht muss
aufgrund der aktuellen tatsächlichen Situation sowie jener vor der Trennung der
Eltern prüfen, ob die Anordnung einer alternierenden Obhut geeignet ist, das Kin-
deswohl zu wahren. Zu diesem Zweck hat es in erster Linie zu prüfen, ob jeder El-
ternteil über die erzieherischen Fähigkeiten verfügt und ob der Wille vorhanden
ist, zu kommunizieren und kooperieren angesichts der Organisation und des In-
formationsaustauschs, den diese Art der Obhut erfordert. Die Unfähigkeit zur Ko-
operation ist nicht allein deshalb zu bejahen, weil ein Elternteil die alternierende
Obhut ablehnt. Umgekehrt lassen sich aus einem ausgeprägten und dauerhaften
Konflikt unter den Eltern hinsichtlich der Kinderbelange künftige Schwierigkeiten
in der Zusammenarbeit vorhersehen; diese können ein Kind einer Konfliktsituation
aussetzen, was nicht in seinem Interesse ist. Verfügen beide Elternteile über die
erzieherischen Fähigkeiten, so muss das Gericht in zweiter Linie weitere Kriterien
heranziehen. Dazu gehören die geografische Situation und die Distanz zwischen
den Wohnungen der Elternteile, die Fähigkeit und der Wille eines jeden Eltern-
teils, Kontakte zwischen dem anderen Elternteil und dem Kind zu fördern, die
Stabilität der Verhältnisse, die Möglichkeit eines jeden Elternteils, das Kind selber
zu betreuen, das Alter des Kindes, das Vorhandensein von Geschwistern oder ei-
nes sozialen Umfelds sowie der Wunsch des Kindes, auch wenn es nicht urteils-
fähig ist. Die Kriterien hängen voneinander ab und deren Gewichtung ist einzel-
fallabhängig (BGer 5A_11/2020 vom 13. Mai 2020, E. 3.3.3.1 mit weiteren Hin-
weisen; BGer 5A_462/2019 vom 29. Januar 2020, E. 3.2 mit weiteren Hinweisen).
So spielt die Möglichkeit der Eltern, das Kind persönlich zu betreuen, hauptsäch-
lich dann eine Rolle, wenn spezifische Bedürfnisse des Kindes eine persönliche
Betreuung notwendig erscheinen lassen oder wenn ein Elternteil selbst in den
- 26 -
Randzeiten (morgens, abends und an den Wochenenden) nicht bzw. kaum zur
Verfügung stünde; ansonsten ist von der Gleichwertigkeit von Eigen- und Fremd-
betreuung auszugehen (BGer 5A_222/2021 vom 15. Dezember 2021, E. 3.1.1).
Kommt das Gericht zum Schluss, dass die alternierende Obhut nicht im Kinds-
wohl liegt, kommt (neben den genannten Kriterien) der Fähigkeit des Elternteils,
den Kontakt zwischen dem Kind und dem anderen Elternteil zu fördern, eine be-
sondere Bedeutung zu (Art. 298 Abs. 2bis ZGB; BGE 142 III 617 E. 3.2.4).
3.5. Bisherige Betreuung von D._
3.5.1. Die Gesuchstellerin war vor der Geburt von D._ erwerbstätig
(Urk. 5/8; Urk. 190/181 Rz. 13). Nach dem Mutterschaftsurlaub stieg sie Anfang
Oktober 2017 wieder mit einem 60 %-Pensum ins Berufsleben ein (Prot. I, S. 64;
Urk. 44/36; Urk. 190/181 Rz. 13). Gemäss der Gesuchstellerin arbeitete der Ge-
suchsgegner während der gesamten Ehe in einem Pensum von 100 % (Prot. I,
S. 64). Der Gesuchsgegner sagte aus, er arbeite 100 % und verdiene monatlich
Fr. 11'172.– (inklusive 13. Monatslohn, exklusive Bonus; Prot. I, S. 52 f.). Seine
Einkommen in den Jahren 2018 und 2019 bewegen sich im gleichen Rahmen
(Urk. 5/9). Folglich ist davon auszugehen, dass er nach der Geburt von D._
Vollzeit arbeitete.
3.5.2. Wenn die Gesuchstellerin vorbringt, D._ von der Geburt bis zum
Oktober 2017 alleine betreut zu haben (Prot. I, S. 64), erscheint dies mit Blick auf
den Mutterschaftsurlaub und das Arbeitspensum des Gesuchsgegners bezogen
auf die Arbeitstage glaubhaft. Unbestritten ist, dass der Gesuchsgegner vom Ok-
tober 2017 bis zum Dezember 2017 an zwei Tagen pro Woche für D._ ge-
sorgt hat (Prot. I, S. 65; Urk. 76/5). Er bringt darüber hinaus vor, die Gesuchstelle-
rin habe an zwei Tagen nach D._ gesehen und an einem Tag sei diese in der
Krippe gewesen (Urk. 76/5). Da die Gesuchstellerin damals 60 % gearbeitet hat
(E. III.3.5.1.), ist dies glaubhaft.
3.5.3. Unbestritten ist, dass der Gesuchsgegner D._ von Januar 2018
bis Juni 2019 an einem Arbeitstag pro Woche betreute (Prot. I, S. 37;
Urk. 190/181 Rz. 13); die Gesuchstellerin anerkennt, dass er am Dienstag im
- 27 -
Homeoffice mit den drei Kindern zu Hause war (Prot. I, S. 37). Unbestritten ist so-
dann, dass sie für D._ in dieser Zeit an zwei Arbeitstagen pro Woche da war
(Prot. I, S. 37; Urk. 190/181 Rz. 13). Unklar ist, ob D._ an den beiden übrigen
Tagen die Krippe besuchte (Prot. I, S. 37) oder dies nur an einem Tag tat und am
anderen ebenfalls vom Gesuchsgegner betreut wurde (Urk. 190/181 Rz. 13); da
belegt ist, dass D._ ab dem 1. November 2018 zweimal wöchentlich in der
Krippe war (Urk. 44/37; Urk. 56/52), ist zumindest ab diesem Zeitpunkt ersteres
anzunehmen.
3.5.4. Von Juni 2019 bis und mit Februar 2020 wurde D._ an zwei Ar-
beitstagen in der Krippe, an zwei weiteren von der Gesuchstellerin und an einem
vom Gesuchsgegner betreut (Prot. I, S. 39 und 65; Urk. 56/52; Urk. 190/181
Rz. 13).
3.5.5. Ab dem Lockdown im März 2020 bis zur Trennung im Mai 2020 arbei-
teten beide Parteien zu Hause im Homeoffice (Prot. I, S. 12 und 66; Urk. 76/5).
D._ war an drei Tagen pro Woche in der Kita (Urk. 44/40; Urk. 56/52). Wer
sich in der übrigen Zeit wie viel um sie gekümmert hat, ist umstritten (Prot. I, S. 12
und 66).
3.5.6. Am 21. Mai 2020 trennten sich die Parteien (Urk. 174 S. 36; E. II.1.).
Im ersten Monat danach besuchte D._ den Gesuchsgegner jedes zweite
Wochenende von Freitagabend bis Sonntagabend (Urk. 17 Rz. 20; Prot. I, S. 14
und 40). Danach reduzierte die Gesuchstellerin die Kontakte gegen den Willen
des Gesuchsgegners auf einen Samstag alle zwei Wochen (Urk. 17 Rz. 21–23;
Prot. I, S. 12 f. und 15; Urk. 142 Rz. 6; Urk. 144 Rz. 42). Nach ihrer Auffassung
sei es D._ in dieser Zeit nicht gut gegangen, sie habe sie nicht anfassen dür-
fen. Sie habe gesagt, "Mama you are mean" und "Ich will zu Papa wohnen gehen"
(Prot. I, S. 41). Die Gesuchstellerin warf dem Gesuchsgegner im September 2020
vor, D._ zu manipulieren, und kündigte an, nur noch zu bestimmten Zeiten
mit ihm zu kommunizieren (Urk. 19/20; Urk. 64 Rz. 27; Urk. 76/4 [9. und
10. September 2020]). D._ besuchte in dieser Zeit an drei Tagen pro Woche
die Krippe (Urk. 56/52). Per 1. Oktober 2020 trat die Gesuchstellerin eine neue
Stelle bei der L._ mit einem Pensum von 80 % an (Prot. I, S. 22 und 35 f.;
- 28 -
Urk. 5/16). Sie arbeitete jeden Wochentag, hatte aber am Dienstag- und Mitt-
wochnachmittag frei (Prot. I, S. 35). Während der Arbeitszeiten der Gesuchstelle-
rin war D._ in der Krippe (Urk. 19/24; Urk. 56/52).
3.5.7. Anlässlich der Verhandlung vom 29. Oktober 2020 warf die Gesuch-
stellerin dem Gesuchsgegner vor, ständig und viel Alkohol zu trinken (auch vor
D._); er habe nach der Trennung sogleich wieder sein früheres ausschwei-
fendes Partyleben aufgenommen, weshalb sie Angst gehabt habe und weiterhin
habe, dass er seine zahlreichen Partyleute und Frauenbekanntschaften trotz An-
wesenheit von D._ mit zu sich in die neue Wohnung einladen würde und
D._ Sachen zu Gesicht bekäme, die nicht kindgerecht seien (Urk. 17 Rz. 20).
Den Vorschlag des Gerichts, den Kontakt des Gesuchsgegners zu D._ aus-
zudehnen (Prot. I, S. 32; Urk. 26), lehnte die Gesuchstellerin ab (Urk. 27). Ent-
sprechend teilte der Gesuchsgegner dem Gericht am 14. November 2020 mit,
dass er D._ weiterhin nur jeden zweiten Samstag sehen könne (Urk. 31
S. 3). In der Parteibefragung vom 17. Dezember 2020 gestand die Gesuchstelle-
rin dann ein, dass die Vorwürfe des Alkoholkonsums und des Partylebens auf rei-
nen Vermutungen basierten (Prot. I, S. 42–44). Gleichentags brachte sie über ihre
Anwältin die Frage des sexuellen Missbrauchs ins Verfahren ein (Prot. I, S. 61 f.).
Mit Schreiben vom 15. November [recte wohl Dezember; Urk. 49; Urk. 53/1;
Urk. 186 Rz. 10] 2020 hatte die Gesuchstellerin eine entsprechende Meldung bei
der KESB Stadt Zürich eingereicht und namentlich geltend gemacht, D._ sei
am 5. Dezember 2020 nach Hause gekommen, wobei sie untenrum gerötet ge-
wesen sei (Urk. 45). Nach der Verhandlung vom 17. Dezember 2020 erschien die
Gesuchstellerin erneut bei der Vorinstanz und reichte zwei USB-Sticks ein, auf
welchen ein Video gespeichert sei, das sie von D._ am 5. Dezember 2020
nach der Rückkehr vom Vater aufgenommen habe (Urk. 47 f.). Der Vorderrichter
erachtete dieses als wenig aussagekräftig (Urk. 53/5). Die KESB Stadt Zürich er-
teilte am 21. Dezember 2020 einen Abklärungsauftrag beim Sozialzentrum
M._ (Urk. 52; Urk. 53/6). Nachdem sich die Gesuchstellerin am
19. Dezember 2020 geweigert hatte, D._ dem Gesuchsgegner zu übergeben
(Urk. 57 Rz. 18; Urk. 62/3), beantragte dieser am 23. Dezember 2020 ein ausge-
dehntes Besuchsrecht (Urk. 57 S. 2).
- 29 -
3.5.8. Zwischen dem 5. Dezember 2020 und dem 22. April 2021 sah der
Gesuchsgegner seine Tochter einige Male im Rahmen begleiteter Besuche, näm-
lich am 31. Januar 2021, am 7. Februar 2021, am 21. Februar 2021 und am
7. März 2021 (Urk. 103 S. 1; Urk. 106 S. 5); ab dem 1. April 2021 waren wöchent-
lich begleitete Besuche möglich (Urk. 106 S. 5). Der Gesuchsgegner verbrachte
Weihnachten 2020 offenbar (entgegen seinem Willen) ohne Kontakt zu D._;
auch seine Geschenke erreichten die Tochter nicht (Urk. 76/4 [24. Dezember
2020]; Urk. 122 Rz. 17; Urk. 142 Rz. 7). Zudem verweigerte die Gesuchstellerin
dem Gesuchsgegner den Kontakt mit D._ an deren viertem Geburtstag vom
tt.mm.2021 (Urk. 106 S. 8). Das Sozialzentrum M._ kam in seinem Abklä-
rungsbericht vom 28. April 2021 (siehe Urk. 105) zum Schluss, dass sich im In-
timbereich von D._ keine visuelle Rötung oder anderweitige Auffälligkeit er-
kennen lasse (Urk. 106 S. 7). Wie die Gesuchstellerin D._s Verhalten inter-
pretiere, sei gewagt (Urk. 106 S. 9). Der Kontakt von D._ zu ihrem Vater soll-
te zur Normalität werden und ihre gesunde und emotionale Entwicklung fördern
(Urk. 106 S. 10).
3.5.9. Wie oft der Gesuchsgegner D._ ab Ende April 2021 bis zum Er-
lass des vorinstanzlichen Entscheids am 18. Juni 2021 sah, lässt sich nicht ab-
schliessend eruieren. Es ist letztlich aber nicht rechtserheblich. Die Gesuchstelle-
rin behauptete in ihrer Eingabe vom 26. Mai 2021, der Gesuchsgegner habe
D._ seit dem 1. April 2021 "bis heute" einmal wöchentlich gesehen (Urk. 142
Rz. 5); der Gesuchsgegner erwähnt ein Treffen, welches am 29. Mai 2021 statt-
gefunden habe (Urk. 144 Rz. 27).
3.5.10. Am 25. Juni 2021 verliess die Gesuchstellerin die Schweiz und liess
D._ beim Gesuchsgegner zurück. Seither lebt sie bei ihm (E. I.3.). Seit dem
23. August 2021 besucht sie den Kindergarten (Urk. 177/8) und wird bei Bedarf
morgens, mittags und nachmittags ergänzend fremdbetreut (Urk. 177/9;
Urk. 198/4). D._ hat zweimal wöchentlich über Videotelefonie Kontakt mit ih-
rer Mutter (Urk. 186 Rz. 7; Urk. 190/181 Rz. 39 und 42; Urk. 205 Rz. 14; Urk. 208
Rz. 16). Zusätzlich kommt die Gesuchstellerin jedes zweite Wochenende auf Be-
such; eines davon ist ein verlängertes Wochenende, da die Gesuchstellerin be-
- 30 -
reits am Donnerstagabend nach Zürich fliegt, um D._ am Freitagmittag von
der Kita abholen zu können (Urk. 186 Rz. 40; Urk. 190/181 Rz. 42). Entsprechend
ist unter den Parteien unbestritten, dass die Gesuchstellerin D._ an folgen-
den Daten betreut hat: 23. bis 25. Juli 2021; 21. bis 23. August 2021;
4. September 2021; 17. bis 19. September 2021; 2. Oktober 2021; 16. bis
23. Oktober 2021 (Ferien); 6. November 2021; 19. bis 21. November 2021;
4. Dezember 2021; 26. bis 30. Dezember 2021 (Ferien); 14. bis 16. Januar 2022;
5. bis 6. Februar 2022 (Urk. 205 Rz. 12 [S. 5]; Urk. 208 Rz. 11–13).
3.5.11. Zusammenfassend ist davon auszugehen, dass D._ während
des Zusammenlebens etwas mehr von der Gesuchstellerin betreut wurde.
Gleichwohl lebten die Parteien kein traditionelles Rollenmodell. D._ wurde
schon früh fremdbetreut. An den Tagen, an denen das nicht der Fall war, waren
beide Elternteile in D._s Leben sehr präsent; beide waren nämlich auch an
Tagen unter der Woche zu Hause (E. III.3.5.1.–III.3.5.5.). Illustrativ ist zudem die
Tatsache, dass der Gesuchsgegner das Kind in der Regel zur Krippe brachte und
die Gesuchstellerin es normalerweise abholte (Urk. 56/52). Mit der Trennung im
Frühsommer 2020 reduzierten sich die Kontakte zwischen dem Gesuchsgegner
und D._ zunächst auf jedes zweite Wochenende und einen Monat später auf
jeden zweiten Samstag (E. III.3.5.6.). Im Dezember 2020 brach der Kontakt zwi-
schen Vater und Tochter gänzlich ab. Er wurde erst Ende Januar 2021 im Rah-
men begleiteter Besuche wieder reaktiviert (E. III.3.5.7. f.). Während rund eines
Jahres (nämlich von Mai 2020 bis Juni 2021) war somit die Gesuchstellerin die
Hauptbezugsperson für D._; seit Juni 2021 ist es der Gesuchsgegner.
Gleichwohl hat D._ auch seit Juni 2021 regelmässigen Kontakt zur Gesuch-
stellerin: Sie telefoniert mit der Mutter zweimal pro Woche und wird alle zwei Wo-
chen von ihr betreut (E. III.3.5.10.).
3.6. Erziehungsfähigkeit
3.6.1. Die Erziehungsfähigkeit ist die grundlegende Kompetenz eines Eltern-
teils, die emotionalen und körperlichen Bedürfnisse seines Kindes zu erkennen,
das Kind zu versorgen und zu betreuen sowie erzieherisch angemessen auf die
kindlichen Bedürfnisse einzugehen. Dazu gehören (1) die Fähigkeit und Bereit-
- 31 -
schaft, als Bindungsperson für das Kind zu fungieren, (2) die Fähigkeit, die Be-
dürfnisse und Signale des Kindes zu erkennen und angemessen auf sie zu rea-
gieren, (3) die Fähigkeit, Werte und Regeln zu vermitteln, (4) die Fähigkeit, dem
Kind Wertschätzung entgegenzubringen sowie (5) die Fähigkeit, Kontinuität in Er-
ziehung, Beziehung und Umfeld herzustellen. Die elterlichen Kompetenzen sind
differenziert zu beurteilen. Sind bestimmte Erziehungsaspekte oder auch nur ein
einzelner davon als dysfunktional einzustufen, kann die Erziehungsfähigkeit ganz
oder partiell in Frage gestellt sein (Revital Ludewig/Sonja Baumer/Josef Salzge-
ber/Christoph Häfeli/Kurt Albermann, Richterliche und behördliche Entschei-
dungsfindung zwischen Kindeswohl und Elternwohl: Erziehungsfähigkeit bei Fa-
milien mit einem psychisch kranken Elternteil, FamPra.ch 2015, S. 562 ff.,
S. 574 f.).
3.6.2. Dem Bericht des Sozialzentrums M._ ist zu entnehmen, dass
D._ über eine enge und sichere Bindung zu ihrer Mutter verfügt. Die Ge-
suchstellerin pflege einen ruhigen und einfühlsamen Umgang mit ihrer Tochter.
Sie zeige ihr Grenzen auf und kommuniziere mit einem klaren Ja oder Nein. Da-
bei verwende sie auch die Zeichensprache, um D._s Regulationsfähigkeit
besser zu unterstützen oder sie gar auf andere Weise zu fördern (Urk. 106 S. 4).
Auch der Gesuchsgegner anerkennt, dass die Gesuchstellerin in der Lage ist, für
das physische und geistige Wohl und die Entwicklung von D._ zu sorgen. Sie
gebe D._ die zur emotionalen Entwicklung notwendige Geborgenheit
(Urk. 190/181 Rz. 18). Der Abklärungsbericht zeigt ein ausgeprägtes Bedürfnis
von D._, (auch) ihren Vater zu sehen (Urk. 106 S. 5). Die Gesuchstellerin
sagte denn auch aus, D._ sei ein Mama-Kind und ein Papa-Kind; sie sei wie
jedes Kind (Prot. I, S. 42) und liebe ihren Vater (Prot. I, S. 36). Es erstaunt vor
diesem Hintergrund, dass die Gesuchstellerin den Kontakt zwischen D._ und
dem Gesuchsgegner zunächst auf jedes zweite Wochenende und anschliessend
auf einen Tag alle zwei Wochen einschränkte (E. III.3.5.6.). Sie rechtfertigte dies
damit, dass es D._ aufgrund der Trennungssituation nicht gut gegangen sei
(Prot. I, S. 40 f.). Dem Bericht des Sozialzentrums ist indessen zu entnehmen,
dass es in Anbetracht der Trennungssituation nicht verwunderlich sei, dass
D._ mit heftigen Emotionen und Unverständnis reagiere; gleichwohl seien
- 32 -
Kontakte zu den engen Bezugspersonen, welche in D._s Fall beide Eltern
seien, wichtig (Urk. 106 S. 10). Ab Dezember 2020 unterband die Gesuchstellerin
jeglichen Kontakt zwischen D._ und dem Gesuchsgegner und dies offenbar
selbst an Weihnachten 2020. Auch an D._s viertem Geburtstag verwehrte
die Gesuchstellerin dem Gesuchsgegner jeglichen Kontakt mit der Tochter
(E. III.3.5.8.). Wenn die Gesuchstellerin sinngemäss betont, bei der Frage des se-
xuellen Missbrauchs habe es sich nicht um einen konkreten Vorwurf gehandelt
(Prot. I, S. 51 f.; Urk. 64 Rz. 5 und 8), ist dies kein Grund, selbst Kontakte über
Videotelefonie zu unterbinden. Grundsätzlich ist die Gesuchstellerin in der Lage,
auf die Bedürfnisse von D._ einzugehen. Soweit es darum geht, D._s
Bedürfnis, mit dem Vater Kontakt zu haben, zu achten, ist die Erziehungsfähigkeit
in Frage gestellt; insgesamt ist sie jedoch – wenn auch mit Vorbehalten – zu be-
jahen.
3.6.3. Gemäss dem Bericht des Sozialzentrums M._ ist die Tochter-
Vater-Beziehung vertraut. Der Gesuchsgegner habe D._ durch seine Prä-
senz Sicherheit vermittelt. D._ sei ihrem Vater nicht von der Seite gewichen
(Urk. 106 S. 5). Die beiden pflegten einen innigen und herzlichen Umgang
(Urk. 106 S. 6). Die Behauptung der Gesuchstellerin, dass der Gesuchsgegner
die Bedürfnisse von D._ nicht adäquat erkennen und sein Handeln danach
ausrichten könne (Urk. 186 Rz. 25), ist nicht nur unsubstantiiert, sondern steht
auch den Beobachtungen unabhängiger Dritter entgegen. Der Gesuchsgegner
hat D._ sodann bereits betreut, als die Parteien noch nicht getrennt waren
(E. III.3.5.2. ff.). Es ist unbestritten, dass (auch) er D._ ins Bett brachte und
mit ihr Rituale hatte (Prot. I, S. 12 und 40; Urk. 74 Rz. 24). Die Gesuchstellerin
machte vor Vorinstanz geltend, er habe zugegeben, mit der Betreuung überfordert
zu sein (Prot. I, S. 66). Jeder Elternteil kennt Momente der Überforderung. So war
auch die Gesuchstellerin am 27. Mai 2020 derart überfordert, dass sie D._
beim Gesuchsgegner lassen wollte (Prot. I, S. 15 f. und 42; Urk. 76/4). Die Ge-
suchstellerin trägt erneut (Urk. 17 Rz. 20) vor, der Gesuchsgegner pflege einen
Lebensstil, welcher mit der Erziehung eines Kleinkindes nicht im Einklang stehe
(Urk. 186 Rz. 25). Die Vorinstanz hat diesbezüglich bereits festgestellt, dass es
sich dabei lediglich um Vermutungen handle (Urk. 174 S. 22). Die Gesuchstellerin
- 33 -
setzt sich mit dieser Argumentation nicht auseinander, so dass sie den Begrün-
dungsanforderungen nicht genügt (E. II.3.). Auf die Vorwürfe ist daher nicht
nochmals einzugehen. Die Gesuchstellerin behauptet weiter, dass sich der Ge-
suchsgegner beharrlich weigere, ihr mehr als zweimal in der Woche einen Video-
anruf von 30 Minuten zu gewähren (Urk. 186 Rz. 7). Auch dies vermag seine Er-
ziehungsfähigkeit nicht in Frage zu stellen. So sind die Videoanrufe nicht der ein-
zige Kontakt, da die Gesuchstellerin ihre Tochter jedes zweite Wochenende (da-
von eines bereits ab Freitagmittag) sieht und auch Ferien mit ihr verbringt
(E. III.3.5.10.). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass die Gesuchstellerin für
den Fall, dass ihr die Obhut zugeteilt wird, in ihren Anträgen überhaupt keine Vi-
deoanrufe zwischen dem Gesuchsgegner und D._ oder gar ein Ferienbe-
suchsrecht vorsieht (Urk. 190/173 S. 2). Sie wirft ihm vor, dass er nur über eine
kleine 2.5-Zimmer-Wohnung verfüge, in welcher D._ darüber hinaus kein ei-
genes Schlafzimmer und somit keine Rückzugsmöglichkeit habe. Dies zeige,
dass er die Bedürfnisse von D._ nicht erkennen könne und darauf nicht ein-
gehe (Urk. 213 Rz. 1; Urk. 232 Rz. 1). Nach Angaben des Gesuchsgegners ver-
fügt D._ dagegen über ein schön eingerichtetes Kinderzimmer und fühlt sich
dort geborgen (Urk. 205 Rz. 8; Urk. 234 Rz. 2 und 4). Die Wohnung bestehe aus
zwei separaten Zimmern, die in der Mitte von einer Wohnküche verbunden wür-
den. D._ verfüge über eines dieser Zimmer, während der Gesuchsgegner
das andere Zimmer benutze (Urk. 224 Rz. 3). Ob D._ ein eigenes Zimmer
hat oder nicht, ist nicht rechtserheblich. Aufgrund der Bilder im Bericht des Sozial-
zentrums M._ (Urk. 106 S. 4 f.) sowie des vor Vorinstanz eingereichten Vi-
deos (Urk. 62/2) ist nämlich glaubhaft, dass die Wohnung kindsgerecht eingerich-
tet ist. D._ hat ein Bett mit einer kleinen Rutschbahn, einen eigenen Tisch mit
zwei Stühlen sowie viel Platz zum Spielen. Die Wände sind unter anderem mit
Pflanzenmotiven bemalt. Es ist nicht ersichtlich, dass D._s Zimmer auch für
andere Zwecke (beispielsweise als Büro oder Schlafzimmer des Gesuchsgeg-
ners) benutzt würde. Selbst wenn dem so wäre, wäre dies kein Grund, dem Ge-
suchsgegner die Erziehungsfähigkeit abzusprechen. Im Übrigen erscheint es
glaubhaft, wenn er geltend macht, dass er die Wohnsituation bei D._s Über-
tritt in die Primarschule überprüfen und insbesondere ein grösseres Raumangebot
- 34 -
ins Auge fassen werde (Urk. 224 Rz. 4). Schliesslich wirft die Gesuchstellerin dem
Gesuchsgegner vor, die Bedürfnisse von D._ offensichtlich nicht adäquat er-
fassen zu können, wenn er ausführen lasse, dass die Interaktion zwischen ihr und
den Halbgeschwistern anlässlich der Besuchswochenenden angemessen ge-
pflegt werden könnten. Dies sei selbstverständlich nicht der Fall, da die Zeit, wel-
che den Kindern zur Verfügung stehe, sehr kurz bemessen sei. Die Vorbringen
des Gesuchsgegners zeigten jedoch exemplarisch auf, dass er nicht erziehungs-
fähig sei (Urk. 221 Rz. 2). Mit diesen Ausführungen verkennt die Gesuchstellerin,
dass die eingeschränkten Kontakte unter den Halbgeschwistern nicht auf das
Verhalten des Gesuchsgegners zurückzuführen sind. Der Grund dafür liegt viel-
mehr in den neuen Verhältnissen, die sie mit ihrem Wegzug nach K._ ge-
schaffen hat. Zusammenfassend sind keine Gründe ersichtlich, welche zu Zwei-
feln an der Erziehungsfähigkeit des Gesuchsgegners Anlass geben.
3.7. Kommunikation
3.7.1. Das Sozialzentrum M._ hielt fest, dass die Gesuchstellerin hin-
sichtlich der Elternsituation durchgehend in einem Ausnahmezustand zu sein
scheine. Sie sei überfordert und wisse sich nicht anders zu helfen, als selber jeg-
lichen Kontakt zum Vater zu vermeiden (Urk. 106 S. 9). Wenn die Gesuchstellerin
"insbesondere mit Blick auf die Akten des vorinstanzlichen Verfahrens" entgegnet,
dass sehr viel kommuniziert worden sei (Urk. 186 Rz. 7), genügt sie den Begrün-
dungsanforderungen nicht. Zum einen ist die Behauptung nicht substantiiert, zum
anderen fehlen Verweise auf konkrete Aktenstücke (E. II.3.). Im September 2020
kündigte die Gesuchstellerin an, den Gesuchsgegner zu blockieren und ihn nur
donnerstags von 17.30 Uhr bis 18.30 Uhr zu entsperren (Urk. 76/4 [9. und
10. September 2020]). In der Zeit vom 15. September 2020 bis zum 10. Oktober
2020 finden sich keine Anhaltspunkte für eine Kommunikation seitens der Ge-
suchstellerin (Urk. 76/4). Dasselbe gilt für die Zeit vom 19. Dezember 2020 bis
zum 5. Januar 2021 (Urk. 76/4). Es ist demnach glaubhaft, wenn die Sozialbehör-
de im April 2021 schrieb, dass die Gesuchstellerin jeglichen Kontakt zum Ge-
suchsgegner meide. Unbestrittenermassen war dies gar vom 19. Dezember 2020
bis zum Sommer 2021 der Fall (Urk. 196 Rz. 4 f.; Urk. 208 Rz. 19). Seit Erlass
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des vorinstanzlichen Entscheids vom 18. Juni 2021 kommunizieren die Parteien
nämlich wieder (Urk. 173 Rz. 15 [S. 7]; Urk. 186 Rz. 9). Es mutet indessen be-
fremdlich an, dass die Gesuchstellerin zunächst ohne Begründung ihre aktuelle
Wohnadresse in K._ nicht offenlegte (Urk. 186 S. 1; Urk. 190/173 S. 1 und
Rz. 11; Urk. 190/177/5) und auf das entsprechende Editionsbegehren des Ge-
suchsgegners nicht einging (Urk. 173 Rz. 17; Urk. 186 Rz. 17). Erst auf Aufforde-
rung der Kammer (Urk. 200 S. 4 und 6) nannte die Gesuchstellerin ihre aktuelle
Adresse (Urk. 208 Rz. 1). Zusammenfassend bestehen hinsichtlich der Kommuni-
kationsfähigkeit bzw. des Kommunikationswillens der Gesuchstellerin erhebliche
Zweifel, sollte ihr die Obhut über D._ zugesprochen werden. Der Gesuchs-
gegner hat in seiner Berufung vom 8. September 2021 die Edition einer Wohn-
sitzbescheinigung verlangt (Urk. 173 Rz. 17). Gestützt auf den eingereichten Aus-
zug aus dem Mietvertrag (Urk. 210/20) ist die Adresse der Gesuchstellerin ausrei-
chend glaubhaft, weshalb das Editionsbegehren abzuweisen ist.
3.7.2. Gemäss dem Abklärungsbericht war es im Gespräch mit dem Ge-
suchsgegner jeweils möglich, ihn auf eine sachliche und konstruktive Ebene zu
bringen (Urk. 106 S. 9). Die Gesuchstellerin bringt vor, dass er eine Kooperations-
und Kommunikationsblockade kultiviere. Neben der Tatsache, dass er D._
nur zweimal wöchentlich einen Videoanruf von 30 Minuten gewähre (dazu
E. III.3.6.3., III.3.9.2. und III.4.6.3.), informiere er die Gesuchstellerin beispielswei-
se nicht bezüglich medizinischer Belange. So habe er ihr nicht mitgeteilt, dass
D._ sich auf Corona habe testen lassen müssen, wegen Dellwarzen behan-
delt worden sei, geimpft worden sei und weitere Konsultationen beim Arzt und der
Apotheke stattgefunden hätten (Urk. 186 Rz. 7; Urk. 193 Rz. 12; Urk. 213 Rz. 7;
Urk. 221 Rz. 7). Offenbar ging es um eine Zeckenimpfung (Urk. 189/1). Der Ge-
suchsgegner bestreitet, die Gesuchstellerin nicht über medizinische Belange, na-
mentlich eine Behandlung von Dellwarzen und eine FSME-Impfung informiert zu
haben (Urk. 196 Rz. 10). Wie es sich im Einzelnen verhält, kann offenbleiben. Der
Gesuchsgegner weist nämlich zutreffend darauf hin, dass es sich nicht um erheb-
liche medizinische Eingriffe handelte (Urk. 196 Rz. 13). Im Übrigen ist festzuhal-
ten, dass D._ bereits am 29. Dezember 2020 wegen Dellwarzen behandelt
worden ist (Urk. 106 S. 4); (auch) die Gesuchstellerin hielt es damals nicht für
- 36 -
notwendig, den Gesuchsgegner darüber zu informieren (E. III.3.7.1.). Zusammen-
fassend sind keine Anhaltspunkte für eine Kommunikationsblockade seitens des
Gesuchsgegners ersichtlich; vielmehr ist unbestritten, dass die Parteien seit Er-
lass des vorinstanzlichen Urteils kommunizieren (E. III.3.7.1.). Dafür spricht so-
dann allein die Tatsache, dass die Gesuchstellerin ihre Tochter trotz grosser
räumlicher Distanz oft sieht.
3.8. Geografische Situation
Der Gesuchsgegner lebt an der N._-Strasse ... in ... Zürich (Urk. 22/17
= Urk. 215/41), die Gesuchstellerin an der O._-Strasse ... in K._
(Urk. 208 Rz. 1; Urk. 210/20). Damit ist eine alternierende Obhut in kindsgerech-
ter Weise nicht möglich (BGer 5A_397/2018 vom 16. August 2018, E. 4.2).
3.9. Förderung der Kontakte zum anderen Elternteil
3.9.1. Die Gesuchstellerin war von Mai 2020 bis Juni 2021 Hauptbezugsper-
son von D._ (E. III.3.5.11.). In dieser Zeit reduzierte sie die Kontakte des Ge-
suchsgegners zur Tochter gegen seinen Willen (E. III.3.5.6.). Von den Weihnach-
ten 2020 und von D._s viertem Geburtstag am tt.mm.2021 schloss sie ihn
gänzlich aus (E. III.3.5.8.). Sie konnte sich sodann mit begleiteten Besuchen in
den ersten Monaten des Jahres 2021 einverstanden erklären (Urk. 106 S. 5). Die
Gesuchstellerin will aus der Tatsache, dass sie D._ nach dem Wegzug nach
Deutschland dem Gesuchsgegner überliess, ableiten, dass sie den Gesuchsgeg-
ner nicht aus dem Leben von D._ ausschliessen würde (Urk. 193 Rz. 7;
Urk. 221 Rz. 7). Sie hatte die Reisedokumente von D._ der Vorinstanz einge-
reicht (Urk. 137), wo sie sich seither befinden (Urk. 211). Damit war es faktisch
kaum möglich, D._ ausser Landes zu bringen. Insgesamt ist die Bereitschaft,
Kontakte zum Gesuchsgegner zu fördern, mit Blick auf die Vorgeschichte als eher
gering einzustufen.
3.9.2. Seit dem Juni 2021 ist der Gesuchsgegner die Hauptbezugsperson
von D._ (E. III.3.5.11.). Die Gesuchstellerin hat zweimal pro Woche Kontakt
- 37 -
zu D._ über Videotelefonie (E. III.3.5.10.). Sie wünscht, jeden zweiten Abend
zwischen 17 Uhr und 19 Uhr ein Gespräch über Videotelefonie abhalten zu kön-
nen (Urk. 186 S. 3), was der Gesuchsgegner verweigert (Urk. 173 Rz. 35). Weiter
besucht die Gesuchstellerin D._ jedes zweite Wochenende (E. III.3.5.10.). Es
ist im Grundsatz unbestritten, dass der Gesuchsgegner geplanten Besuchen der
Gesuchstellerin nicht im Weg steht (Urk. 173 Rz. 35; Urk. 186 Rz. 24; Urk. 213
Rz. 3). Dies ergibt sich im Übrigen auch aus der Tatsache, dass die Gesuchstelle-
rin ihre Tochter mit Blick auf die weit entfernten Wohnorte sehr oft sieht. Insge-
samt zeigt der Gesuchsgegner Bereitschaft, den Kontakt von D._ zur Ge-
suchstellerin zu fördern. Die fehlende Einigung hinsichtlich der Videotelefonie ist
zu relativieren: So ermöglicht der Gesuchsgegner diese trotz fehlender autoritati-
ver Anordnung; die bisherige Dauer von 30 Minuten bewegt sich mit Blick auf das
Alter von D._ im Rahmen dessen, was angemessen ist; und schliesslich gel-
ten Videotelefonate (zumindest aktuell) nicht als gerichtsüblich (siehe Andrea
Büchler/Sandro Clausen, Das "gerichtsübliche" Besuchsrecht, FamPra.ch 2020,
S. 535 ff., S. 541). Unbestritten ist, dass D._ ihren fünften Geburtstag nicht in
Anwesenheit beider Eltern und der Halbgeschwister feierte (Urk. 224 Rz. 7;
Urk. 232 Rz. 2). Die Gesuchstellerin leitet daraus ab, dass der Gesuchsgegner
versuche, sie und die Halbgeschwister aus D._s Leben auszuschliessen
(Urk. 232 Rz. 2). Der Gesuchsgegner weist darauf hin, dass er die Gesuchstelle-
rin mehrfach und erfolglos aufgefordert habe, ihm ihre Besuchsplanung für die
kommenden Monate bekanntzugeben. In letzter Minute habe sie verlangt, unter
anderem mit ihrer Freundin P._ am Geburtstagsfest teilzunehmen. Diese
Freundin habe vor Vorinstanz Aussagen eingereicht, welche die Vorwürfe des se-
xuellen Missbrauchs hätten glaubhafter erscheinen lassen sollen. Der Gesuchs-
gegner habe es deshalb für keine gute Idee gehalten, wenn die Gesuchstellerin
mit P._ am Geburtstagsfest für D._ teilnehme (Urk. 224 Rz. 7). Aus dem
eingereichten Nachrichtenverlauf geht hervor, dass die Parteien offenbar nicht
einmal in der Lage sind, sich bei der Übergabe von D._ zu sehen. So nahm
das Kind am 5. Februar 2022 allein die Rolltreppe am Flughafen, um zu seiner
Mutter im oberen Stock zu gelangen (Urk. 226/2). Auch die vielen Eingaben mit
diversen Vorwürfen zeugen von einem erheblichen Konflikt unter den Parteien.
- 38 -
Eine gemeinsame Feier hätte vor diesem Hintergrund ein erhebliches Streitpoten-
tial mit sich gebracht. Mit Blick auf die zahlreichen Kontakte zwischen Mutter und
Tochter erscheint es nicht glaubhaft, dass der Gesuchsgegner versucht bzw. –
sollte ihm die Obhut zugesprochen werden – versuchen wird, die Gesuchstellerin
und die Halbgeschwister aus D._s Leben auszuschliessen. Die Gesuchstel-
lerin bringt denn auch nicht vor, dass er an D._s Geburtstag den Kontakt zu
ihnen unterbunden hätte (Urk. 232 Rz. 2). Es wirkt im Übrigen widersprüchlich,
wenn sie einerseits geltend macht, sie habe wegen der "gesundheitsgefährden-
den Situation", die der Gesuchsgegner verursacht habe, nach K._ ziehen
müssen (Urk. 190/173 Rz. 11), und ihm nun andererseits vorwirft, er habe verhin-
dert, dass sich D._ mit der ganzen Familie treffe (Urk. 232 Rz. 2).
3.10. Stabilität der Verhältnisse, Geschwister und soziales Umfeld
3.10.1. Die Gesuchstellerin macht geltend, D._ werde in K._ nicht
nur Kontakt mit ihr selber, sondern auch zu den beiden Halbgeschwistern sowie
ihren Cousinen und Cousins haben (Urk. 186 Rz. 24). In und bei K._ lebten
nämlich drei Brüder der Gesuchstellerin mit ihren jeweiligen Familien und ihren
Kindern im Alter zwischen vier und dreizehn Jahren sowie mehrere gute Freun-
dinnen der Gesuchstellerin. Sie sei ungefähr zweimal jährlich mit ihren drei Kin-
dern in K._ gewesen, wobei die Kinder ihre Verwandten und die Freunde der
Gesuchstellerin kennengelernt hätten (Urk. 190/173 Rz. 10). Der Umzug nach
Deutschland bedeute für D._ familiäre Stabilität, da sie mit ihrer Hauptbe-
zugsperson und ihren Halbgeschwistern leben könne (Urk. 190/173 Rz. 11).
D._ gehe es unter der Obhut des Gesuchsgegners, getrennt von der Ge-
suchstellerin und den Halbgeschwistern, nicht gut (Urk. 186 Rz. 23; Urk. 213
Rz. 1). Im Kindergartenalter schliesse man schnell neue Freundschaften, weshalb
ein Umzug nach K._ für D._ problemlos durchführbar sei (Urk. 186
Rz. 24).
3.10.2. Der Gesuchsgegner wendet ein, K._ und Umgebung seien
D._ nicht vertraut. Die (Halb-)Brüder der Gesuchstellerin, die in und um
K._ lebten, seien kein familiärer Halt für D._. Sie kenne diese Onkel und
deren Familien kaum; es seien keine Bezugspersonen. Diese Familien führten ih-
- 39 -
re Leben und warteten nicht darauf, sich um die Gesuchstellerin und ihre Kinder
kümmern zu können. D._ könne sich an die wenigen Besuche nicht erinnern;
bestenfalls seien einige Bruchstücke von Erinnerungen vorhanden. Korrekt sei,
dass ein Zusammenleben mit den Halbgeschwistern tendenziell von Vorteil wäre,
doch sei aufgrund der grossen Altersunterschiede in diesen Verbindungen keine
übermässige Bindung auszumachen (Urk. 190/181 Rz. 52). D._ lebe seit
dem 25. Juni 2021 permanent bei ihm und werde von ihm betreut (Urk. 173
Rz. 18). Es gehe ihr den Umständen entsprechend gut (Urk. 173 Rz. 34). Die
Kreisschulbehörde habe sie auf Beginn des Schuljahrs 2021/2022 regulär einge-
schult (Urk. 173 Rz. 20). D._ habe im Kindergarten und im Hort schnell
Freundschaften geknüpft. Sie spiele regelmässig mit gleichaltrigen Kindern im
Quartier, die sie nun schon seit längerem kenne (Urk. 173 Rz. 34).
3.10.3. D._ hat nie in K._ gelebt. Sie kennt die dortige Umgebung
höchstens von Besuchen. Da sie damals noch nicht einmal vier Jahre alt war, ist
nicht davon auszugehen, dass sie sich daran erinnert. Vor der Trennung waren
beide Elternteile sehr präsent (E. III.3.5.11.), weshalb beide als Hauptbezugsper-
sonen angesehen werden können (so auch der Abklärungsbericht des Sozialzent-
rums M._; Urk. 106 S. 10). Unabhängig davon, wie der Entscheid über die
Obhut ausfällt, ist davon auszugehen, dass D._ den Elternteil, der sie nicht
hauptsächlich betreut, vermissen wird. Das Kind besucht seit dem 23. August
2021 den Kindergarten in Zürich (Urk. 177/8). Das familiäre Umfeld sowie der
Freundeskreis der Gesuchstellerin in K._ und Umgebung sind vorliegend oh-
ne Belang: So spielten die betreffenden Personen allein aufgrund der Tatsache,
dass D._ ihr ganzes Leben in der Schweiz verbrachte, keine nennenswerte
Rolle. Auch aktuell scheint die Beziehung der Gesuchstellerin zu anderen Famili-
enmitgliedern und Freundinnen nicht besonders eng zu sein: Sie macht zwar gel-
tend, dass ihr grosser Bruder mit seiner Frau lediglich sieben Autominuten von ihr
entfernt wohne. Die Schwägerin befinde sich für die nächsten zwei Jahre in El-
ternzeit, da sie nach dem ersten Sohn (geboren am tt.mm.2017) vor vier Monaten
ihr zweites Kind bekommen habe. Beide könnten bei Bedarf jederzeit bei der Be-
treuung und Pflege der Kinder helfen (Urk. 208 Rz. 10). Gleichzeitig behauptet die
Gesuchstellerin jedoch, sie lasse D._s Halbgeschwister von einem Babysitter
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in K._ betreuen, wenn sie ihre Tochter in der Schweiz besuche (Urk. 186 Rz.
40). Es ist demzufolge nicht glaubhaft, dass die Gesuchstellerin umfassend auf
entsprechende Ressourcen zurückgreifen kann. Zutreffend ist, dass D._ zur-
zeit von den Halbgeschwistern getrennt lebt.
3.11. Möglichkeit zur persönlichen Betreuung
3.11.1. Die Gesuchstellerin behauptet, sie habe in Deutschland eine neue
Stelle gefunden (Urk. 190/173 Rz. 10). Wenn sie vorbringt, in einem Pensum von
100 % zu arbeiten (Urk. 208 Rz. 4), erscheint dies glaubhaft: So verdient sie
EUR 90'000.– brutto pro Jahr (Urk. 189/5) oder EUR 7'500.– brutto pro Monat
(Urk. 189/4), was mehr als das Doppelte des durchschnittlichen monatlichen Brut-
toeinkommens in Deutschland von derzeit EUR 3'467.– ist
(https://www.laenderdaten.info/lebenshaltungskosten.php, besucht am 1. Juni
2022). Die Gesuchstellerin macht weiter geltend, sie könne ihr Arbeitspensum auf
80 % reduzieren, wenn ihr die Obhut zugesprochen werde. Dies sei mit ihrem
Vorgesetzten so vorbesprochen. Weiter bestehe in Deutschland unter gewissen
Voraussetzungen, die vorliegend erfüllt seien (6 Monate in einem Betrieb mit
15 Arbeitnehmern), Anspruch auf Teilzeitarbeit (Urk. 208 Rz. 4). Dies erscheint
glaubhaft (Urk. 223/47). Dasselbe gilt hinsichtlich der Behauptung, im Homeoffice
arbeiten zu können (Urk. 208 Rz. 6; Urk. 210/25). Bezüglich des Betreuungskon-
zepts macht die Gesuchstellerin geltend, dass sich ganz in der Nähe der Kinder-
garten Q._ befinde, der als Ganztageskindergarten von 8 bis 17 Uhr geöffnet
sei (Urk. 208 Rz. 8). Sie würde D._ jeweils morgens hinbringen und nachmit-
tags abholen. D._ würde den Kindergarten an fünf Vormittagen und an drei
Nachmittagen besuchen; an den beiden anderen Nachmittagen würde die Ge-
suchstellerin D._ betreuen (Urk. 208 Rz. 9). Zusammenfassend würde
D._ nach dem Konzept der Gesuchstellerin dreimal pro Woche ganztags
(auch über Mittag) im Kindergarten fremdbetreut. An zwei Nachmittagen würde
die Gesuchstellerin selber für sie sorgen.
3.11.2. Der Gesuchsgegner arbeitet in einem Pensum von 100 % für
R._ International (Prot. I, S. 52). Seit der Pandemie ist er zumindest teilweise
im Homeoffice (Prot. I, S. 53; Urk. 25/26–27; Urk. 177/12). Am 3. September 2021
- 41 -
informierte ihn seine Arbeitgeberin, dass sie wünsche, dass die Arbeitnehmenden
schrittweise an mindestens einem bis zwei Tagen pro Woche wieder ins Büro zu-
rückkämen. Gleichzeitig stellte sie jedoch "eine neue Politik des flexiblen Arbei-
tens" in Aussicht (Urk. 177/12). Damit ist glaubhaft, dass der Gesuchsgegner zu-
mindest teilweise im Homeoffice arbeiten kann. Dies stellt zwar noch kein Betreu-
ungskonzept dar (BGer 5A_627/2016 vom 28. August 2017, E. 4.2). Es erscheint
indessen glaubhaft, dass der Gesuchsgegner abends, wenn D._ schläft,
rund zwei Stunden arbeiten und D._ dafür spätestens um 16.30 Uhr aus der
Nachmittagsbetreuung abholen bzw. sie an Freitagnachmittagen selber betreuen
kann (Urk. 173 Rz. 28 und 30). Der Rechnung des Schulamts der Stadt Zürich
vom 30. November 2021 ist zu entnehmen, dass D._ im November 2021 je-
den Wochentag den Mittagstisch besuchte und von montags bis donnerstags
auch am Nachmittag / Abend betreut wurde; zudem besuchte sie an insgesamt
14 Tagen den Morgentisch (Urk. 198/4). Zumindest in jenem Monat konnte der
Gesuchsgegner seine Tochter somit nur eingeschränkt selber betreuen. Indessen
zeigt ein Vergleich mit den Fremdbetreuungskosten der vorherigen Monate
(Urk. 198/5), dass diese vor dem November 2021 auch teilweise erheblich niedri-
ger ausfielen. Zusammenfassend erscheint es glaubhaft, dass der Gesuchsgeg-
ner seine Tochter unter der Woche zumindest teilweise persönlich betreuen kann.
Gleichwohl ist er in erheblichem Ausmass darauf angewiesen, dass D._
auch neben dem Kindergarten fremdbetreut wird.
3.12. Alter und Wünsche von D._
D._ ist nun fünf Jahre alt (E. I.1.). Da eine Kinderanhörung grundsätz-
lich erst ab dem vollendeten sechsten Altersjahr angezeigt ist (BGE 131 III 553
E. 1.2.3; BGE 133 III 553 E. 3; BGer 5A_809/2018 vom 18. Dezember 2019,
E. 3.3; BGer 5A_354/2015 vom 3. August 2015, E. 3.1), ist vorliegend darauf zu
verzichten. Aus dem Abklärungsbericht geht hervor, dass sich D._ bei beiden
Elternteilen wohlfühlt und mit beiden Elternteilen gerne Zeit verbringt (Urk. 106
S. 4 f.).
3.13. Würdigung
- 42 -
3.13.1. Die Erziehungsfähigkeit ist – wenn auch mit Vorbehalten bei der Ge-
suchstellerin – bei beiden Elternteilen zu bejahen (E. III.3.6.). Bezüglich der
Kommunikationsfähigkeit weist die Gesuchstellerin erheblich grössere Defizite auf
als der Gesuchsgegner (E. III.3.7.). Allein die geografische Situation erlaubt es
vorliegend nicht, eine alternierende Obhut anzuordnen (E. III.3.8.). Der Gesuchs-
gegner bietet eher Gewähr dafür, dass D._ Kontakt zur Gesuchstellerin hat
als umgekehrt (E. III.3.9.). D._ hat ihr ganzes Leben in der Schweiz ver-
bracht. Sie besucht hier den Kindergarten und hat hier daher auch ein soziales
Umfeld. Sie wird sodann seit Juni 2021 hauptsächlich vom Gesuchsgegner be-
treut. Bei einem Umzug nach K._ käme D._ in ein neues Umfeld; ver-
traut wären ihr einzig die Gesuchstellerin und die beiden Halbgeschwister
(E. III.3.10.3.). Die Gesuchstellerin könnte ihr Pensum auf 80 % reduzieren.
Gleichwohl sehen die Betreuungskonzepte beider Parteien vor, dass D._ in
grossem Umfang fremdbetreut wird (E. III.3.11.). Da die Tochter bereits ab dem
Alter von 6 Monaten die Krippe besuchte (E. III.3.5.2. ff.) und keine spezifischen
Bedürfnisse ersichtlich sind, die eine persönliche Betreuung notwendig erschei-
nen liessen, ist dieser Punkt vorliegend nicht von entscheidender Bedeutung. Das
Alter und die Wünsche von D._ sind neutral zu gewichten (E. III.3.12.).
3.13.2. Zusammenfassend überwiegen die Gründe, D._ beim Ge-
suchsgegner zu belassen. Folglich ist dem Gesuchsgegner die alleinige Obhut
zuzuteilen.
4. Besuchs- und Kontaktrecht
4.1. Nach Art. 273 Abs. 1 ZGB haben Eltern, denen die elterliche Sorge o-
der Obhut nicht zusteht, und das minderjährige Kind gegenseitig Anspruch auf
angemessenen persönlichen Verkehr. Bei dessen Ausgestaltung steht das Kin-
deswohl im Vordergrund. Der persönliche Verkehr zwischen Eltern und Kindern
beurteilt sich im Einzelfall nach gerichtlichem Ermessen (Art. 4 ZGB; BGer
5A_570/2016 vom 1. März 2017, E. 2 mit weiteren Hinweisen). Bei grosser Dis-
tanz zwischen den Wohnorten der Elternteile finden Wochenendbesuche tenden-
ziell weniger oft statt als üblich. Dies rechtfertigt es, längere einzelne Wochenen-
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deinheiten und / oder längere Ferienaufenthalte vorzusehen (BGE 142 III 481
E. 2.8; BGer 5A_570/2016 vom 1. März 2017, E. 3.3.2).
4.2. Wochenendbesuchsrecht
4.2.1. Für den Fall, dass die Obhut dem Gesuchsgegner zugeteilt wird, be-
antragen die Parteien übereinstimmend, dass die Gesuchstellerin für berechtigt
zu erklären sei, D._ jedes zweite Wochenende von Freitag nach Schul-
schluss bis Sonntag zu sich zu nehmen. Nach Ansicht des Gesuchsgegners soll
die Gesuchstellerin D._ am Sonntag jeweils bis 17 Uhr betreuen, während
letztere dies bis 21 Uhr tun möchte (Urk. 173 S. 2; Urk. 186 S. 2). Eine Begrün-
dung für die jeweilige Ansicht ist den Rechtsschriften nicht zu entnehmen
(Urk. 173 Rz. 39; Urk. 186 Rz. 27).
4.2.2. Mit Blick auf D._s Alter erscheint eine Übergabe erst um 21 Uhr
als zu spät. Dieser Zeitpunkt entspricht sodann auch nicht der bisher gelebten
Realität (Urk. 205 Rz. 12; Urk. 208 Rz. 12). Angebracht erscheint eine Übergabe
um 18 Uhr. So kann der Gesuchsgegner mit der Tochter gemeinsam das Abend-
essen einnehmen und mit ihr anschliessend das Zu-Bett-gehen-Ritual durchfüh-
ren. Bei späteren Übergaben besteht die Gefahr, dass letzteres erschwert ist, da
D._ aufgewühlt sein könnte. Die Gesuchstellerin hat D._ am 5. und
6. Februar 2022 (einer ungeraden Kalenderwoche) betreut (E. III.3.5.10.). Damit
ist sie berechtigt zu erklären, D._ in den ungeraden Kalenderwochen von
Freitag, Kindergarten- bzw. Schulschluss oder – falls D._ an jenem Tag we-
der den Kindergarten noch die Schule besucht – 12 Uhr, bis Sonntag, 18 Uhr, zu
sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen.
4.3. Ostern und Pfingsten
4.3.1. Die Parteien beantragen übereinstimmend, dass die Gesuchstellerin
berechtigt zu erklären sei, D._ in geraden Jahren über die Osterfeiertage und
in ungeraden Jahren über die Pfingstfeiertage zu betreuen. Differenzen bestehen
beim Beginn an Ostern (Karfreitag vs. Gründonnerstag) und jenem an Pfingsten
- 44 -
(Pfingstsamstag vs. Freitagabend vor dem Pfingstwochenende; Urk. 173 S. 2;
Urk. 186 S. 2).
4.3.2. Da die Gesuchstellerin in K._ lebt und nicht bzw. nur beschränkt
an D._s Alltag teilnehmen kann, rechtfertigt sich die ausgedehnte Variante.
Demzufolge ist die Gesuchstellerin berechtigt zu erklären, D._ in geraden
Jahren über die Osterfeiertage von Gründonnerstag, 16 Uhr, bis Ostermontag,
18 Uhr, und in ungeraden Jahren von Freitag vor dem Pfingstwochenende, Kin-
dergarten- bzw. Schulschluss bzw. 12 Uhr, bis Pfingstmontag, 18 Uhr, zu sich o-
der mit sich auf Besuch zu nehmen (Urk. 186 S. 2; E. III.4.2.2.). In den übrigen
Jahren betreut der Gesuchsgegner D._ über Ostern bzw. Pfingsten. Dies gilt
auch dann, wenn die entsprechenden Feiertage auf das allgemeine Wochenend-
besuchsrecht der Gesuchstellerin fallen.
4.4. Weihnachtsfeiertage
4.4.1. Hinsichtlich der Weihnachtsfeiertage gehen die Anträge der Parteien
auseinander. Der Gesuchsgegner gesteht der Gesuchstellerin in geraden Jahren
den 24. Dezember sowie die Zeit vom 31. Dezember bis zum 1. Januar und in
ungeraden Jahren den 25. Dezember und den 2. Januar zu (Urk. 173 S. 2). Die
Gesuchstellerin möchte ihre Tochter in ungeraden Jahren während der zweiten
Weihnachtsschulferienwoche und in geraden Jahren während der ersten Weih-
nachtsschulferienwoche sehen (Urk. 186 S. 2).
4.4.2. Letzterem ist der Vorzug zu geben, um es der Gesuchstellerin zu er-
möglichen, D._ während der Feiertage zu sich nach K._ zu nehmen. In
der verbleibenden Weihnachtsschulferienwoche betreut der Gesuchsgegner die
Tochter. Ein allfälliges ordentliches Wochenendbesuchsrecht der Gesuchstellerin
entfällt.
4.5. Ferienbesuchsrecht
4.5.1. Die Parteien beantragen übereinstimmend, dass die Gesuchstellerin
berechtigt zu erklären sei, D._ für die Dauer von sechs Schulferienwochen
pro Jahr zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen (Urk. 173 S. 2; Urk. 186
- 45 -
S. 3). Der Gesuchsgegner will der Gesuchstellerin von diesen sechs Wochen
höchstens zweimal zwei Wochen am Stück zugestehen. Zudem soll die Aus-
übung mindestens drei Monate im Voraus mit dem Gesuchsgegner abgesprochen
werden; sollten sich die Parteien nicht einigen können, so sollen in den geraden
Jahren die Ferienwünsche der Gesuchstellerin und in den ungeraden jene des
Gesuchsgegners vorgehen (Urk. 173 S. 2). Die Gesuchstellerin äussert sich nicht
dazu (Urk. 186 S. 3 und Rz. 27).
4.5.2. D._ soll aufgrund ihres noch jungen Alters nicht zu lange von ei-
nem Elternteil getrennt sein. Aus diesem Grund soll das Ferienbesuchsrecht nicht
länger als zwei Wochen am Stück dauern. Die vom Gesuchsgegner beantragte
Regelung bezüglich der Absprache ist gerichtsüblich und trägt zur Lösung allfälli-
ger Konflikte bei; vor diesem Hintergrund liegt sie auch im Kindeswohl von
D._.
4.5.3. Zusammenfassend ist die Gesuchstellerin (zusätzlich zur Weihnachts-
ferienwoche) berechtigt zu erklären, D._ für die Dauer von sechs Schulferi-
enwochen pro Jahr (wobei höchstens zweimal zwei Wochen am Stück bezogen
werden dürfen) auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
Die Ausübung des Ferienbesuchsrechts ist mindestens drei Monate im Voraus mit
dem Gesuchsgegner abzusprechen. Können sich die Parteien nicht einigen, so
gehen in den geraden Jahren die Ferienwünsche der Gesuchstellerin vor, in un-
geraden Jahren jene des Gesuchsgegners.
4.6. Videotelefonate
4.6.1. Der Gesuchsgegner beantragt, dass die Gesuchstellerin zu ermächti-
gen sei, mit D._ zweimal pro Woche Videoanrufe zu führen (Urk. 173 S. 2).
Eine höhere Kontaktfrequenz rechtfertige sich wegen der Beunruhigung von
D._ nicht (Urk. 173 Rz. 35). Die Zeiten seien nicht gerichtlich festzulegen.
Die Parteien seien nämlich in einer psychologischen Beratung bei S._, wel-
che eine Vereinbarung betreffend Videotelefonie-Zeiten vorschlagen werde
(Urk. 173 Rz. 40). Die Gesuchstellerin beantragt ein Videotelefonat jeden zweiten
Abend zwischen 17 und 19 Uhr (Urk. 186 S. 3). Sie begründet dies mit dem sehr
- 46 -
jungen Alter der Tochter, der grossen Entfernung und der starken Beziehung
(Urk. 186 Rz. 27).
4.6.2. Bei Kleinkindern steht der physische Kontakt im Vordergrund. Dieser
lässt sich nicht hinreichend mit anderen Kommunikationskanälen wie Skype sub-
stituieren (BGE 142 III 481 E. 2.8). Die Kammer hat in einem Fall, in welchem die
Kinder in Brasilien lebten, erkannt, dass der Vater zu berechtigen sei, dreimal wö-
chentlich mit ihnen über Videotelefonie zu kommunizieren. Aufgrund der Distanz
war keine Wochenendbetreuung möglich. Dem Vater wurde ein Ferienbesuchs-
recht von vier Wochen pro Jahr eingeräumt (OGer ZH LE200059 vom
08.06.2021, E. III.A.11.3 f. [S. 35]). In einem anderen Fall, in welchem der Vater
ausländischen Wohnsitz hatte, erachtete die Kammer ein Videotelefonat pro Wo-
che als angemessen (OGer ZH LZ200019 vom 06.10.2020, E. III.8. [S. 24]).
4.6.3. Aus den neueren Eingaben vom 17. Februar 2022 geht nicht hervor,
dass sich die Parteien hinsichtlich der Videotelefonie geeinigt hätten (Urk. 205
Rz. 14 f.; Urk. 208 Rz. 16). Es erscheint nicht glaubhaft, dass sich ein Kind in
D._s Alter während zweier Stunden darauf konzentrieren kann, mit der Mut-
ter zu sprechen. Mit Blick auf D._s Alter, die Anzahl der Besuchsrechtswo-
chenenden und das ausgedehnte Ferienbesuchsrecht erscheinen zwei Videotele-
fonate pro Woche von je einer Stunde als angemessen. Die Differenzen der Par-
teien beziehen sich namentlich auf die Häufigkeit und Dauer der Anrufe, nicht je-
doch auf den Zeitpunkt (Urk. 205 Rz. 14; Urk. 208 Rz. 16). Vor diesem Hinter-
grund erscheint es nicht notwendig, einen solchen festzulegen.
4.7. Vorbehalt einer anderen Absprache der Parteien
4.7.1. Beide Parteien beantragen, dass ein weitergehendes oder abwei-
chendes Besuchsrecht nach Absprache möglich sein soll, wobei sich dies gemäss
dem Antrag des Gesuchsgegners auch auf das Kontaktrecht allgemein beziehen
soll (Urk. 173 S. 2; Urk. 186 S. 3).
4.7.2. Gerichtliche Regelungen tragen nicht jeder Besonderheit Rechnung.
Es ist mit Blick auf das Kindeswohl grundsätzlich zu begrüssen, wenn sich die
- 47 -
Parteien in solchen Fällen abweichend einigen können. Dies betrifft sowohl die
Besuchsrechte (Wochenenden, Ostern und Pfingsten, Weihnachtsfeiertage, Feri-
en) als auch das Kontaktrecht (insbesondere Videotelefonate) allgemein.
5. Verlegung des Wohnsitzes des Gesuchsgegners mit D._
5.1. Der Gesuchsgegner beantragt, dass er berechtigt zu erklären sei, mit
D._ in einem Radius von 30 km Distanz um Zürich Wohnsitz zu nehmen
(Urk. 173 S. 2). In seiner Berufungsschrift vom 8. September 2021 bringt er vor,
dass er aktuell keinen konkreten Wunsch habe, Zürich zu verlassen. Sollte es
sich aber weisen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Betreuung durch Verkür-
zung des Arbeitswegs ein relevantes Thema werde, so sei ihm zu gestatten, den
Wohnsitz zu verlegen. Innerhalb des beantragten Radius befinde sich namentlich
der Firmensitz (T._) seiner langjährigen Arbeitgeberin (Urk. 173 Rz. 63). In
seiner Eingabe vom 17. Februar 2022 bestätigt der Gesuchsgegner auf Nachfra-
ge der Kammer, dass er zurzeit nicht beabsichtige, seine Wohnung in Zürich zu
verlassen (Urk. 205 Rz. 3).
5.2. Die Gesuchstellerin ist mit diesem Antrag einverstanden, sofern die
Obhut dem Gesuchsgegner zugeteilt wird (Urk. 186 Rz. 47).
5.3. Die Obhut über D._ ist dem Gesuchsgegner zuzuteilen
(E. III.3.13.2.). Letzterer will aktuell aber gar nicht wegziehen. Art. 301a Abs. 2
ZGB sieht nicht vor, dass ein Umzug "auf Vorrat" bewilligt wird. Der entsprechen-
de Antrag des Gesuchsgegners ist deshalb abzuweisen. Stattdessen ist davon
Vormerk zu nehmen, dass die Gesuchstellerin damit einverstanden ist, dass der
Gesuchsgegner mit D._ in einem Radius von 30 km Distanz um Zürich
Wohnsitz nimmt.
6. Ergebnis
Die Dispositiv-Ziffern 2 bis 4 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen
Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni 2021 sind aufzu-
heben und durch folgende Fassung zu ersetzen:
- 48 -
"2. Die Obhut über das Kind D._, geboren am tt.mm.2017, wird für die
Dauer des Getrenntlebens dem Gesuchsgegner zugeteilt.
3. Es wird davon Vormerk genommen, dass die Gesuchstellerin damit
einverstanden ist, dass der Gesuchsgegner mit D._ in einem Ra-
dius von 30 km Distanz um Zürich Wohnsitz nimmt.
Der Antrag der Gesuchstellerin auf Bewilligung des Wegzugs mit
D._ nach Deutschland wird infolge Gegenstandslosigkeit als erle-
digt abgeschrieben.
4. Die Gesuchstellerin wird für berechtigt erklärt, D._ auf eigene Kos-
ten wie folgt zu sich oder mit sich auf Besuch zu nehmen:
• In den ungeraden Kalenderwochen von Freitag, Kindergarten- bzw.
Schulschluss oder – falls D._ an jenem Tag weder den Kinder-
garten noch die Schule besucht – 12 Uhr, bis Sonntag, 18 Uhr;
• in geraden Jahren über die ganzen Osterfeiertage von Gründon-
nerstag, 16 Uhr, bis Ostermontag, 18 Uhr, und in ungeraden Jahren
von Freitag vor dem Pfingstwochenende, Kindergarten- bzw. Schul-
schluss bzw. 12 Uhr, bis Pfingstmontag, 18 Uhr;
• in ungeraden Jahren während der zweiten Weihnachtsschulferien-
woche und in geraden Jahren während der ersten Weihnachts-
schulferienwoche.
Die Gesuchstellerin wird sodann für berechtigt erklärt, D._ für die
Dauer von sechs Schulferienwochen pro Jahr (wobei höchstens zwei-
mal zwei Wochen am Stück bezogen werden dürfen) auf eigene Kos-
ten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen. Die Ausübung des
Ferienbesuchsrechts ist mindestens drei Monate im Voraus mit dem
Gesuchsgegner abzusprechen. Können sich die Parteien nicht einigen,
so gehen in den geraden Jahren die Ferienwünsche der Gesuchstelle-
rin vor, in ungeraden Jahren jene des Gesuchsgegners.
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Schliesslich wird die Gesuchstellerin für berechtigt erklärt, mit D._
zwei Videotelefonate pro Woche von je einer Stunde zu führen.
Weitergehende oder abweichende Besuchs- und Kontaktrechte nach
gegenseitiger Absprache bleiben vorbehalten."
IV. Kindesschutzmassnahmen
1. Anwendbares Recht
1.1. Der sachliche Anwendungsbereich des Haager Kindesschutzüberein-
kommens (E. III.1.2.) erstreckt sich auf Massnahmen zum Schutz der Person des
Kindes (Art. 1 Abs. 1 lit. a und b HKsÜ). Dazu gehören auch Beistandschaften
(Art. 3 lit. c und d HKsÜ).
1.2. D._ hat ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Zürich, weshalb schwei-
zerisches Recht anwendbar ist (Art. 5 Abs. 1 HKsÜ und Art. 15 Abs. 1 und 2
HKsÜ; E. III.1.3.).
2. Kinderpsychologische Begutachtung / Therapie
2.1. Die Vorinstanz erwog, die Anordnung einer Beistandsperson werde im
Abklärungsbericht als zwingend notwendig erachtet. Es werde darauf hingewie-
sen, dass D._ in ihrer gesunden Entwicklung gefährdet sei. Sie sei darauf
angewiesen, dass sich die Eltern absprechen würden, was momentan ohne Hilfe
von aussen offensichtlich nicht möglich sei (Urk. 174 S. 27). Entsprechend sei ei-
ne Beistandschaft anzuordnen. Dem Beistand bzw. der Beiständin sei insbeson-
dere die Aufgabe zu übertragen, die Parteien bei den Modalitäten des Besuchs-
rechts zu unterstützen und bei allfälligen Konflikten wegen der Betreuung und Er-
ziehung vermittelnd zu wirken (Urk. 174 S. 28).
2.2. Der Gesuchsgegner bringt vor, dass gegenwärtig keine Anzeichen für
eine Traumatisierung des Kindes bestünden. Es sei aber zu erwarten, dass
D._ aufgrund des Erlebten oder noch zu Erlebenden Zeichen der Beeinträch-
tigungen zeigen könnte. Sollte dies eintreffen, wäre schnelles Handeln angezeigt.
- 50 -
Daher sei der Beistand bzw. die Beiständin zu ermächtigen, selbständig eine kin-
derpsychologische Begutachtung von D._ und eine allenfalls notwendige
Therapie zu veranlassen. Damit könne zudem sichergestellt werden, dass ein
Beistand auf den emotionalen Zustand von D._ ein entsprechendes Augen-
merk lege. Damit er seine Beobachtung in den Kontext der bisherigen Ereignisse
stellen könne, solle er uneingeschränkt Einsicht in die Prozessakten erhalten
(Urk. 173 Rz. 42).
2.3. Die Gesuchstellerin erklärt, mit dem gegnerischen Antrag grundsätzlich
einverstanden zu sein. Sie erachtet eine kinderpsychologische Therapie jedoch
unter Berücksichtigung der gesamten Umstände als geboten, da der gesamte
Trennungsprozess der Parteien für D._ eine grosse Herausforderung darstel-
le. Nach den Erfahrungen der Gesuchstellerin gehe es D._ nicht gut, da der
Gesuchsgegner sie entfremdet habe. Selbst wenn es ihr aber gut gehe, sei es
angezeigt, dass D._ eine neutrale Drittperson zur Seite gestellt werde, an die
sie sich wenden könne, um den Trennungsprozess der Parteien zu verarbeiten.
Deshalb sei den Eltern die Weisung zu erteilen, für D._ per sofort und bis auf
Weiteres eine wöchentliche kinderpsychologische Therapie zu etablieren. Des
Weiteren sei dem Beistand von D._ der Auftrag zu erteilen, umgehend und
bis auf Weiteres eine wöchentliche kinderpsychologische Therapie zu organisie-
ren, sollten die Eltern die Weisung nicht innert zwei Wochen umgesetzt haben
(Urk. 186 Rz. 28).
2.4. Ist das Wohl des Kindes gefährdet und sorgen die Eltern nicht von sich
aus für Abhilfe oder sind sie dazu ausserstande, so trifft die Kindesschutzbehörde
(bzw. das Gericht; Art. 315a ZGB) die geeigneten Massnahmen zum Schutz des
Kindes (Art. 307 Abs. 1 ZGB). Das Gericht kann unter anderem den Eltern Wei-
sungen erteilen (Art. 307 Abs. 3 ZGB) oder einen Beistand einsetzen und ihm be-
sondere Befugnisse übertragen (Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB).
2.5. Aus Sicht des Gesuchsgegners geht es D._ gut (Urk. 173 Rz. 34
und 42; Urk. 205 Rz. 8). Die Gesuchstellerin bringt vor, dass dies nicht zutreffe,
da der Gesuchsgegner sie entfremdet habe (Urk. 186 Rz. 28). Eine solche Ent-
fremdung erscheint vor dem Hintergrund der zahlreichen Kontakte zwischen Mut-
- 51 -
ter und Tochter während des Berufungsverfahrens (E. III.3.5.10.) nicht glaubhaft.
Es fehlt mithin aktuell an einer Traumatisierung. Daher erscheint es nicht ange-
zeigt, eine Therapie anzuordnen oder den Aufgabenbereich des Beistandes zu
erweitern. Sollte sich D._s Zustand in Zukunft verschlimmern, können die
Parteien – gegebenenfalls unter Vermittlung des Beistandes – immer noch eine
Therapie aufgleisen oder um entsprechende Kindesschutzmassnahmen ersu-
chen.
2.6. Zusammenfassend sind die Anträge der Parteien betreffend kinderpsy-
chologische Therapie und Erweiterung des Aufgabenbereichs des Beistandes ab-
zuweisen. Dispositiv-Ziffer 5 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen Ver-
fahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni 2021 ist zu bestätigen
(Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
3. Herausgabe der Identitätskarte und des Passes der Tochter
3.1. Die Vorinstanz erwog, dass die von der Gesuchstellerin beim Gericht
eingereichten Ausweisdokumente von D._ mit Verfügung vom 18. Mai 2021
der Bezirksgerichtskasse zur Aufbewahrung übergeben worden seien. Nach Ab-
schluss des Verfahrens bestehe kein Grund mehr, diese Ausweisschriften bei der
Bezirksgerichtskasse zu lagern. Sie seien daher nach Eintritt der Rechtskraft auf
erstes Verlangen der Gesuchstellerin wieder herauszugeben (Urk. 174 S. 35).
3.2. Der Gesuchsgegner macht geltend, dass die Reisedokumente ihm
auszuhändigen seien, wenn ihm die Obhut zugeteilt werde (Urk. 173 Rz. 64). Die
Gesuchstellerin erklärt sich mit dem Antrag für den Fall einverstanden, dass dem
Gesuchsgegner die Obhut zugeteilt wird (Urk. 186 Rz. 48).
3.3. Die Ausweisschriften befinden sich weiterhin bei der Kasse des Be-
zirksgerichts Zürich (Urk. 211). Sie sind dem Gesuchsgegner auszuhändigen, weil
er die Obhut über D._ erhält (E. III.3.13.2.).
3.4. Folglich ist Dispositiv-Ziffer 12 des Urteils des Einzelgerichts im sum-
marischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni 2021
aufzuheben und durch folgende Fassung zu ersetzen:
- 52 -
"12. Die am 19. Mai 2021 eingereichten amtlichen Pass- und Identitätsdo-
kumente (Schweizer Pass lautend auf D._ Nr. ..., Identitätskarte
lautend auf D._ Nr. ... und amerikanischer Pass lautend auf
D._ Nr. ...), lagernd bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich
(Kautionsartcode K7, Depotartcode 26), werden dem Gesuchsgegner
auf erstes Verlangen herausgegeben."
V. Unterhalt
1. Anwendbares Recht
1.1. Art. 49 IPRG und Art. 83 Abs. 1 IPRG verweisen auf das Haager Über-
einkommen über das auf Unterhaltspflichten anzuwendende Recht vom
2. Oktober 1973 (HUntÜ; SR 0.211.213.01). Die Schweiz wendet diesen Staats-
vertrag in Unterhaltssachen somit erga omnes (das heisst gegenüber jedem be-
liebigen ausländischen Staat) an. Art. 5 HUntÜ knüpft an die ausländische
Staatsangehörigkeit Rechtswirkungen an. Aufgrund der deutschen Staatsangehö-
rigkeit des Gesuchsgegners bestand auch (E. III.1.1.) hinsichtlich des Unterhalts
von Anfang an (und nicht erst seit dem Wegzug der Gesuchstellerin nach
K._) ein internationaler Sachverhalt. Das Haager Übereinkommen von 1973
ersetzt in den Beziehungen zwischen den Staaten, die Vertragsparteien sind, das
(Haager) Übereinkommen über das auf Unterhaltsverpflichtungen gegenüber Kin-
dern anzuwendende Recht vom 24. Oktober 1956 (SR 0.211.221.431; Art. 18
Abs. 1 HUntÜ). Dies gilt jedoch nicht bezüglich Staaten, die einen Vorbehalt nach
Art. 13 HUntÜ angebracht haben (Art. 18 Abs. 2 HUntÜ). Die Schweiz und
Deutschland sind Vertragsparteien beider Staatsverträge. Beide haben einen
Vorbehalt nach Art. 15 HUntÜ, nicht aber einen solchen nach Art. 13 HUntÜ er-
klärt (für die Schweiz:
https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1977/1620_1620_1620/de, besucht am 1. Juni
2022; für Deutschland: https://www.hcch.net/fr/instruments/conventions/status-
table/?cid=86 mit Verweis auf
https://www.hcch.net/fr/instruments/conventions/status-table/notifications/?csi
- 53 -
d=541&disp=resdn, besucht am 1. Juni 2022). Demzufolge ist das anwendbare
Recht nach dem Übereinkommen von 1973 zu bestimmen.
1.2. Massgebend ist das am gewöhnlichen Aufenthalt der unterhaltsberech-
tigten Person geltende innerstaatliche Recht (Art. 4 Abs. 1 HUntÜ). Da D._ in
der Schweiz wohnt, ist hinsichtlich der Kinderalimente schweizerisches Recht an-
wendbar.
1.3. Die Gesuchstellerin verlangt für sich einen Ehegattenunterhalt
(Urk. 174 S. 38; Urk. 190/173 S. 2). Wie erwähnt, hat die Schweiz den Vorbehalt
nach Art. 15 HUntÜ erklärt. Demzufolge ist schweizerisches Recht anzuwenden,
wenn sowohl der Berechtigte als auch der Verpflichtete schweizerische Staatsan-
gehörige sind und der Verpflichtete dort seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Der
Gesuchsgegner ist deutscher und amerikanischer Staatsangehöriger (Urk. 3),
weshalb es sich verbietet, gestützt auf Art. 15 HUntÜ schweizerisches Recht an-
zuwenden. Gemäss Art. 8 Abs. 1 HUntÜ ist – abweichend von den Art. 4–6 HUn-
tÜ – in einem Vertragsstaat, in dem eine Ehescheidung ausgesprochen oder an-
erkannt worden ist, für die Unterhaltspflichten zwischen den geschiedenen Ehe-
gatten und die Änderung von Entscheidungen über diese Pflichten das auf die
Ehescheidung angewandte Recht massgebend. Dies gilt auch bei einer Trennung
ohne Auflösung des Ehebandes (Art. 8 Abs. 2 HUntÜ). Umstritten ist, ob das
Eheschutzverfahren darunter zu subsumieren ist (bejahend: OGer ZH LE120028
vom 23.10.2012, E. II.4.2; verneinend: Janine Sprenger, Ehegattenunterhalt und
nachehelicher Unterhalt im internationalen Kontext, AJP 2017, S. 1062 ff.,
S. 1067; ZK IPRG-Widmer Lüchinger, Art. 49 N 17). Aus Art. 31 Abs. 1 des Wie-
ner Übereinkommens über das Recht der Verträge vom 23. Mai 1969 (VRK;
SR 0.111) leitet man ab, dass ein Staatsvertrag grammatikalisch, systematisch
und teleologisch zu interpretieren ist (BGE 138 III 708 E. 3.1). Resultiert kein kla-
res Ergebnis, ist gemäss Art. 32 VRK auch die Entstehungsgeschichte heranzu-
ziehen. In grammatikalischer Hinsicht ist wie erwähnt von einer "Trennung ohne
Auflösung des Ehebandes" die Rede. Das Eheschutzverfahren bezweckt (jeden-
falls vorliegend) die Regelung des Getrenntlebens (Art. 176 ZGB). In systemati-
scher Hinsicht führt Art. 8 HUntÜ die Trennung neben der Scheidung sowie der
- 54 -
nichtig oder ungültig erklärten Ehe auf. Daraus lässt sich nichts ableiten, ebenso
wenig in teleologischer Hinsicht. Soweit geltend gemacht wird, nur Statusent-
scheide seien erfasst (ZK IPRG-Widmer Lüchinger, Art. 49 N 17), ist festzuhalten,
dass die Schweiz den Zivilstand "getrennt" zwar nicht kennt (Art. 8 lit. f Ziff. 1
ZStV), daran aber gleichwohl Rechtsfolgen anknüpft (beispielweise Art. 13 Abs. 2
DBG und Art. 36 DBG). Angesichts des klaren Wortlauts rechtfertigt es sich nicht,
Eheschutzverfahren, welche die Regelung des Getrenntlebens bezwecken, von
Art. 8 HUntÜ auszunehmen. Eine solche Ausnahme ergibt sich auch nicht aus der
Entstehungsgeschichte (BBl 1975 II 1395, S. 1400 f.). Gemäss der deutschen
Fassung von Art. 8 Abs. 1 HUntÜ muss die Ehescheidung bereits ausgesprochen
worden sein. Damit stellt sich die Frage, ob die Vorschrift auch in Fällen gilt, in
denen zugleich über den Scheidungspunkt und den Unterhalt befunden wird.
Gemäss dem Unterschriftenblock des Übereinkommens sollen die englische und
die französische Version des Vertragstexts in gleicher Weise massgebend sein.
Beide Fassungen verwenden (anders als die deutsche Übersetzung) die Pas-
sivform des Präsens ("[...], la loi appliquée au divorce régit, dans l'Etat contractant
où celui-ci est prononcé [...], les obligations alimentaires [...]." "[...] the law ap-
plied to a divorce shall, in a Contracting State in which the divorce is granted [...],
govern the maintenance obligations [...]." [die englische Fassung ist abrufbar un-
ter https://www.hcch.net/en/instruments/conventions/full-text/?cid=86, besucht am
1. Juni 2022]). Demzufolge muss die Scheidung (bzw. die Trennung) nicht bereits
vorher ausgesprochen worden sein. Die Vorinstanz hat in Anwendung schweize-
rischen Rechts (zu dessen Anwendbarkeit E. VI.2.) die Aufhebung des gemein-
samen Haushalts bewilligt und festgestellt, dass die Parteien seit dem 21. Mai
2020 getrennt leben (Urk. 174 S. 11 f. und 36). Demzufolge ist hinsichtlich der
Ehegattenunterhaltsbeiträge trotz des Wegzugs der Gesuchstellerin während des
laufenden Verfahrens schweizerisches Recht anwendbar.
1.4. Zusammenfassend sind sämtliche Fragen betreffend Kinder- und Ehe-
gattenunterhalt nach schweizerischem Recht zu klären. Davon scheinen zumin-
dest für den Fall, dass die Obhut über D._ dem Gesuchsgegner übertragen
wird, auch die Parteien auszugehen (Urk. 186 Rz. 31–46; Urk. 196 Rz. 40–52).
- 55 -
2. Bezifferung der Anträge betreffend Ehegattenunterhalt
2.1. Die Vorinstanz erwog, die Gesuchstellerin verlange für die Monate Ju-
ni, Juli und August 2020 einen Trennungsunterhalt von Fr. 678.– und ab Okto-
ber 2020 einen solchen von Fr. 1'202.–. Beide Parteien hätten beantragt, die Un-
terhaltsbeiträge nach Abschluss des Beweisverfahrens zu präzisieren. Das vorlie-
gende Verfahren sei ein summarisches Verfahren. Ein Beweisverfahren werde in
der Regel nicht durchgeführt, weshalb die Unterhaltsbeiträge aufgrund der einge-
reichten Unterlagen festzusetzen seien; den Parteien sei keine Gelegenheit mehr
einzuräumen, die Anträge zu präzisieren (Urk. 174 S. 28 f.). In der Folge hielt die
Vorinstanz ohne weitere Begründung fest, dass sich die Parteien keine persönli-
chen Unterhaltsbeiträge schuldeten (Urk. 174 S. 38).
2.2. Die Gesuchstellerin rügt, dass aus den Erwägungen der Vorinstanz
selbst hervorgehe, dass sie einen Ehegattenunterhalt von Fr. 678.– pro Monat für
die Monate Juni bis August 2020 und Fr. 1'202.– pro Monat ab Oktober 2020 be-
antragt habe. Zudem habe sie in ihrer Stellungnahme Ausführungen zum Bedarf
und insbesondere zur Überschussverteilung gemacht (Urk. 190/173 Rz. 14). Aus
dem Protokoll des vorinstanzlichen Verfahrens gehe klar hervor, dass das Gericht
die Auffassung vertreten habe, dass zunächst und somit vor Urteilsberatung über
weitere Belange zu entscheiden sei. Es sei ihr somit zu keinem Zeitpunkt die
Möglichkeit gegeben worden, ihre Anträge zu konkretisieren. Die Vorinstanz habe
sich nicht mit ihren materiellen Ausführungen auseinandergesetzt, sondern ledig-
lich überspitzt formalistisch auf die Anträge abgestellt. Damit habe sie insbeson-
dere Art. 56 ZPO verletzt (Urk. 190/173 Rz. 15).
2.3. Der Gesuchsgegner entgegnet, die Vorinstanz habe den Parteien zu
Recht keine Gelegenheit mehr eingeräumt, die Anträge zu präzisieren
(Urk. 190/181 Rz. 55). Sie habe sodann korrekterweise auf die Anträge der Par-
teien abgestellt. Während die Gesuchstellerin die Zusprache angemessener per-
sönlicher Unterhaltsbeiträge beantragt habe, habe er die Feststellung verlangt,
dass keine Unterhaltsbeiträge geschuldet seien. Die Vorinstanz sei nicht gehalten
gewesen, in den Ausführungen der Gesuchstellerin nach einer möglichen Beziffe-
rung ihres unbeziffert gebliebenen Antrags zu suchen (Urk. 190/181 Rz. 56). Die
- 56 -
Gesuchstellerin übersehe, dass für persönliche Unterhaltsbeiträge die Dispositi-
ons- und Verhandlungsmaxime gelte. Es sei nicht überspitzt formalistisch, die gel-
tenden Prozessmaximen konsequent anzuwenden (Urk. 190/181 Rz. 57).
2.4. Der Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 53 Abs. 1
ZPO) verlangt, dass die zuständige Behörde die Vorbringen des Betroffenen tat-
sächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der Entscheidfindung angemes-
sen berücksichtigt (BGE 136 I 184 E. 2.2.1; BGE 135 III 670 E. 3.3.1; BGer
2C_347/2019 vom 16. September 2019, E. 3.1; BGer 9C_190/2015 vom 27. Juli
2015, E. 2). Dies gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und
Anträge, die zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich er-
scheinen (BGE 136 I 184 E. 2.2.1; BGer 9C_190/2015 vom 27. Juli 2015, E. 2).
Wird die Bezahlung eines Geldbetrags verlangt, so ist dieser zu beziffern (Art. 84
Abs. 2 ZPO). Dies hat im Rechtsbegehren zu geschehen, soweit sich nicht ohne
Weiteres aus der Begründung ergibt, auf welchen Betrag der Rechtssuchende ei-
ne Geldleistung festgesetzt wissen will (BGer 5A_983/2020 vom 25. November
2020, E. 2 mit weiteren Hinweisen). Ist es der klagenden Partei unmöglich oder
unzumutbar, ihre Forderung bereits zu Beginn des Prozesses zu beziffern, so
kann sie eine unbezifferte Forderungsklage erheben (Art. 85 Abs. 1 ZPO). Die
Forderung ist zu beziffern, sobald die klagende Partei nach Abschluss des Be-
weisverfahrens oder nach Auskunftserteilung durch die beklagte Partei dazu in
der Lage ist (Art. 85 Abs. 2 ZPO). Dies gilt mit Blick darauf, dass sich die Vor-
schrift im "1. Teil: Allgemeine Bestimmungen" befindet, ohne Weiteres auch für
das summarische Verfahren (im Ergebnis gleich: OGer ZH LY160048 vom
15.06.2017, E. II.3.2). Die Tatsache, dass kein eigentliches Beweisverfahren statt-
findet, ändert daran nichts: So ist eine Bezifferung ohne Weiteres möglich, nach-
dem die Gegenpartei die entsprechenden Unterlagen eingereicht hat. Im summa-
rischen Verfahren können sich die Parteien grundsätzlich nur einmal äussern
(BGE 146 III 237 E. 3.1; BGE 144 III 117 E. 2.2). Verfügbare Urkunden, die als
Beweismittel dienen sollen, sind mit der Gesuchsantwort einzureichen (Art. 221
Abs. 2 lit. c ZPO in Verbindung mit Art. 222 Abs. 2 ZPO und Art. 219 ZPO). Damit
ist die gesuchstellende Partei grundsätzlich gehalten, ihre Anträge nach der Ge-
- 57 -
suchsantwort zu beziffern. Dies geschieht im Rahmen einer Novenstellungnahme
oder einer Replik, falls das Gericht zwei Parteivorträge entgegennehmen will.
2.5. Die Gesuchstellerin hat monatliche, nach dem Beweisverfahren näher
zu beziffernde, angemessene persönliche Unterhaltsbeiträge beantragt (Urk. 17
S. 3) und diese in der Begründung (unter Vorbehalt der Neubezifferung nach
Auskunftserteilung) auf Fr. 1'202.– pro Monat (ab Oktober 2020) bzw. Fr. 678.–
pro Monat (für die Monate Juni bis August 2020) beziffert (Urk. 17 Rz. 71 f.). In-
dem die Vorinstanz dies unberücksichtigt liess, verletzte sie den Anspruch der
Gesuchstellerin auf rechtliches Gehör. Im Ergebnis nicht zu beanstanden ist
demgegenüber, dass die Vorinstanz die Gesuchstellerin nicht zur Bezifferung ih-
rer Anträge anhielt: So äusserte sich ihre damalige Rechtsvertreterin zur Ge-
suchsantwort, ohne ihre Anträge neu zu beziffern (Prot. I, S. 61 ff., insbesondere
S. 74 f.). Dass eine solche Bezifferung (immer noch) nicht möglich gewesen wäre,
hat die Gesuchstellerin weder aufgezeigt (Urk. 190/173 Rz. 13–15) noch ist es er-
sichtlich: Der Rechtsvertreter des Gesuchsgegners erstattete anlässlich der Ver-
handlung vom 29. Oktober 2020 die Gesuchsantwort (Prot. I, S. 8 ff.). Bereits vor-
her, nämlich mit Eingabe vom 19. Oktober 2020, hatte er Unterlagen zu dessen
Einkommen und dessen Bedarf eingereicht (Urk. 12; Urk. 14/1–16). Erst anläss-
lich der Verhandlung vom 17. Dezember 2020 äusserte sich die damalige
Rechtsvertreterin der Gesuchstellerin zur Gesuchsantwort (Prot. I, S. 61 ff.). Da-
mit stand der Gesuchstellerin genügend Zeit zur Verfügung, um ihre Anträge ab-
schliessend zu beziffern und zu begründen.
2.6. Die Gesuchstellerin verlangt neu persönliche Unterhaltsbeiträge von
monatlich Fr. 255.– vom 1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2020 sowie EUR 1'969.–
ab dem 1. Juli 2021 für die weitere Dauer des Getrenntlebens (Urk. 190/173 S. 2).
Hinsichtlich des ehelichen Unterhalts gilt die Dispositionsmaxime (BGE 147 III
301 E. 2.2). Bezüglich der ersten Phase beschränkte sie (mit Ausnahme des Mo-
nats September 2020) ihr Gesuch, was ohne Weiteres zulässig ist. Für die Zeit
danach stützt sie sich mit dem Wegzug auf eine neue Tatsache, sodass die Ge-
suchsänderung ebenfalls möglich ist (Art. 317 Abs. 2 ZPO, Art. 227 Abs. 1 lit. a
ZPO und Art. 219 ZPO). Für den Monat September 2020 kann sie indessen nicht
- 58 -
nachträglich eheliche Unterhaltsbeiträge verlangen, weil es diesbezüglich an neu-
en Tatsachen fehlt (Art. 317 Abs. 2 lit. b ZPO).
2.7. Zusammenfassend wird – mit Ausnahme des Monats September 2020
– im Rahmen der Berufungsanträge zu bestimmen sein, ob der Gesuchstellerin
ein ehelicher Unterhalt zusteht.
3. Methode zur Berechnung der Unterhaltsbeiträge
3.1. Die Vorinstanz hat den Bedarf von D._ ermittelt (Urk. 174 S. 31 f.).
Sodann erwog sie, dass der Gesuchsgegner einen Bedarf von Fr. 6'550.– geltend
mache und nach eigenen Angaben ein Durchschnittseinkommen von rund
Fr. 11'300.– erziele. Damit sei er problemlos in der Lage, "die festgelegten Unter-
haltsbeiträge" zu bezahlen, ohne dass geprüft werden müsse, ob die von ihm gel-
tend gemachten Positionen gerechtfertigt seien oder nicht (Urk. 174 S. 33).
3.2. Die Gesuchstellerin rügt, dass die Vorinstanz die Leistungsfähigkeit
und den Bedarf der Eltern quasi gänzlich unbeachtet gelassen und damit keine
Überschussverteilung vorgenommen habe. Dabei dürften das gemeinsame Kind,
aber auch die Ehefrau zur Ermöglichung des gebührenden Lebensstandards nach
herrschender Lehre und Rechtsprechung klar am Familienüberschuss partizipie-
ren (Urk. 190/173 Rz. 12).
3.3. Der Gesuchsgegner erwidert, die Vorinstanz habe eine Partizipation
der Gesuchstellerin und des Kindes zu Recht verneint (Urk. 190/181 Rz. 54).
3.4. Das Bundesgericht hat in seinem Leitentscheid vom 11. November
2020 die zweistufige Methode mit Überschussverteilung für verbindlich er-
klärt (BGE 147 III 265 E. 6.6). Dazu sind einerseits die zur Verfügung stehenden
Mittel festzustellen; andererseits ist der Bedarf der von der Unterhaltsberechnung
betroffenen Personen zu ermitteln. Schliesslich werden die vorhandenen Res-
sourcen auf die beteiligten Familienmitglieder dahingehend verteilt, dass in einer
bestimmten Reihenfolge das betreibungsrechtliche bzw. bei genügenden Mitteln
das sog. familienrechtliche Existenzminimum der Beteiligten gedeckt und alsdann
ein verbleibender Überschuss nach der konkreten Situation ermessensweise ver-
- 59 -
teilt wird; beim daraus resultierenden Unterhaltsbeitrag sind insbesondere auch
die Betreuungsverhältnisse zu berücksichtigen (BGE 147 III 265 E. 7).
3.5. Die Vorgehensweise der Vorinstanz genügt diesen Anforderungen
nicht. Sie hat den Sachverhalt hinsichtlich der Einkommen und der Bedarfspositi-
onen der Eltern nicht festgestellt, sondern lediglich die Parteibehauptungen wie-
dergegeben (Urk. 174 S. 30 und 33). Weiter hat sie – wie die Gesuchstellerin zu
Recht rügt – die Leistungsfähigkeit der Eltern nicht abschliessend bestimmt und
keine Überschussverteilung vorgenommen. Schliesslich hat sie keine Kinderzula-
gen als Einkommen von D._ berücksichtigt. Dies alles wird nachzuholen sein
(E. V.7. ff.).
4. Einkommen der Gesuchstellerin
4.1. Die Vorinstanz erwog, die Gesuchstellerin rechne sich ein Einkommen
aus Erwerbstätigkeit von geschätzten Fr. 7'900.– inklusive Familienzulage an
(Urk. 174 S. 30).
4.2. Die Gesuchstellerin rügt, die Vorinstanz habe völlig ausser Acht gelas-
sen, dass sie nach Deutschland habe umziehen wollen (Urk. 190/173 Rz. 17). Für
die erste Phase vom 1. Juni 2020 bis zum Wegzug nach Deutschland am 26. Juni
2021 sei von einem Einkommen von Fr. 7'900.– netto pro Monat auszugehen,
danach von einem solchen von EUR 4'300.– bzw. Fr. 4'685.– (bei einem Wech-
selkurs von 1.089; Urk. 190/173 Rz. 18–20). Es werde bestritten, dass sie eine
Steuerrückzahlung an sich genommen habe; eine solche sei ohnehin nicht als
Einkommen anzurechnen (Urk. 193 Rz. 16).
4.3. Der Gesuchsgegner erwidert, die Gesuchstellerin habe ihre unbefriste-
te Arbeitsstelle in der Schweiz freiwillig und ohne Not aufgegeben und damit ihr
Einkommen aus freien Stücken reduziert. Ein solches Verhalten sei nicht zu
schützen. Der Gesuchstellerin sei ein hypothetisches Einkommen im Rahmen des
in der Schweiz erzielbaren Einkommens anzurechnen (Urk. 190/181 Rz. 62). Für
die Zeit bis September 2020 könne auf ihr Einkommen bei U._ Co., für die
Zeit ab Oktober 2020 auf das bei der L._ generierte Einkommen abgestellt
- 60 -
werden; dabei seien die Kinderzulagen, welche sie bezogen habe und beziehe,
wegzulassen (Urk. 190/181 Rz. 63). Weil die Gesuchstellerin den Arbeitgeber
gewechselt und von ihrem alten Arbeitgeber eine Abgangsentschädigung erhalten
habe, sei für das Jahr 2020 ein durchschnittliches monatliches Einkommen zu
ermitteln. Dieses betrage unter Berücksichtigung einer Steuerrückerstattung von
Fr. 4'869.85 monatlich Fr. 10'317.– (Urk. 190/181 Rz. 64–66). Ab 2021 habe die
Gesuchstellerin monatlich netto Fr. 9'129.– verdient (Urk. 190/181 Rz. 67).
4.4. Bei der Bemessung des Unterhaltsbeitrages ist grundsätzlich vom tat-
sächlich erzielten Einkommen des Unterhaltspflichtigen auszugehen. Soweit die-
ses Einkommen allerdings nicht ausreicht, um den ausgewiesenen Bedarf zu de-
cken, kann ein hypothetisches Einkommen angerechnet werden, sofern dieses zu
erreichen zumutbar und möglich ist (BGE 143 III 233 E. 3.2; BGer 5A_730/2019
vom 27. Oktober 2020, E. 4.2; BGer 5A_78/2019 vom 25. Juli 2019, E. 2.2). Da-
bei handelt es sich um zwei Voraussetzungen, die kumulativ erfüllt sein müssen.
Damit ein Einkommen überhaupt oder ein höheres Einkommen angerechnet wer-
den kann, als das tatsächlich erzielte, genügt es nicht, dass der betroffenen Partei
weitere Anstrengungen zugemutet werden können. Vielmehr muss es auch mög-
lich sein, aufgrund dieser Anstrengungen ein höheres Einkommen zu erzielen
(BGE 143 III 233 E. 3.2; BGer 5A_1049/2019 vom 25. August 2021, E. 4.3; BGer
5A_76/2012 vom 4. Juni 2012, E. 2.1). Die postulierte Gleichwertigkeit von Natu-
ral- und Geldleistung kann gegebenenfalls an der fehlenden Leistungsfähigkeit
des Unterhaltsschuldners scheitern. Zu berücksichtigen ist aber, dass diesen eine
besondere Anstrengungspflicht trifft (BGE 147 III 265 E. 7.4 mit weiteren Hinwei-
sen). Insbesondere kann der (an sich zulässige) Wegzug
ins Ausland unbeachtlich bleiben, wenn eine weitere Arbeitstätigkeit in der
Schweiz als zumutbar zu erachten ist. Dem unterhaltspflichtigen Elternteil steht es
insofern nicht frei, nach Belieben ganz oder teilweise auf ein bei zumutbarer An-
strengung erzielbares Einkommen zu verzichten, um sich andere persönliche o-
der berufliche Wünsche zu erfüllen (BGer 5A_899/2019 vom 17. Juni 2020,
E. 2.2.2; BGer 5A_90/2017 vom 24. August 2017, E. 5.3.1). Abgangsentschädi-
gungen, welche einen Stellenverlust abfedern sollen, sind Einkommen (OGer ZH
LP090044 vom 01.07.2011, E. II.B.3.4.2.b [S. 14]). Sie sind auf das Einkommen
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des Jahres anzurechnen, in welchem sie ausgerichtet werden (BGer 5A_90/2017
vom 24. August 2017, E. 7.2.3). Dies wird erreicht, indem sie durch zwölf dividiert
und das Ergebnis als monatliches Einkommen im entsprechenden Jahr berück-
sichtigt wird (OGer ZH LP090044 vom 01.07.2011, E. II.B.3.4.2.b [S. 14]).
4.5. Vorab ist festzuhalten, dass Steuerrückerstattungen entgegen der An-
sicht des Gesuchsgegners (Urk. 190/181 Rz. 66) kein Einkommen sind. Sie sind
allenfalls in der güterrechtlichen Auseinandersetzung zu berücksichtigen.
4.6. Die Gesuchstellerin war bis Ende August 2020 bei U._ Co. ange-
stellt (Urk. 5/7). Der Bruttolohn betrug monatlich Fr. 6'510.–; ausbezahlt wurden
netto Fr. 5'793.50 inklusive Lunchentschädigung von Fr. 135.– und Pauschalspe-
sen von Fr. 270.–, exklusive Kinder-, Ausbildungs- und Familienzulagen von
Fr. 750.– (Urk. 5/15). Im August 2020 erhielt die Gesuchstellerin pro rata den
13. Monatslohn sowie eine Abfindung von drei Bruttomonatslöhnen (Fr. 19'530.–)
abzüglich der Sozialversicherungsbeiträge (Urk. 5/7), welche sich auf Fr. 1'121.50
pro Monat beliefen (Urk. 5/15). Die Initiative für die Beendigung des Arbeitsver-
hältnisses ging von der damaligen Arbeitgeberin aus. Die Abfindung war Teil der
Aufhebungsvereinbarung (Urk. 5/15). Es ist deshalb davon auszugehen, dass sie
den Stellenverlust abfedern sollte. Der Anteil des 13. Monatslohns, der auf die
erste Unterhaltsphase (E. V.7.; Juni, Juli und August 2020) entfällt, belief sich auf
(Fr. 6'510.– - Fr. 1'121.50) / 12 x 3 = Fr. 1'347.–. Die Abfindung betrug 3 x
(Fr. 6'510.– - Fr. 1'121.50) = Fr. 16'166.–. Letztere ist auf das ganze Jahr 2020
aufzuteilen, wobei nur sieben Monate auf die erste Unterhaltsphase fallen
(E. V.7.). Daher sind Fr. 16'166.– / 12 x 7 = Fr. 9'430.– zu berücksichtigen. Per
1. Oktober 2020 trat die Gesuchstellerin die neue Stelle bei der L._ SE an;
das Jahresgrundgehalt betrug brutto Fr. 118'400.–, ausbezahlt wurde es in zwölf
Monatslöhnen (Urk. 5/16). Diese betrugen netto Fr. 8'596.– exklusive Kinderzula-
gen (Urk. 56/51). Zusammenfassend hatte die Gesuchstellerin vom 1. Juni 2020
bis zum 30. Juni 2021 ein Einkommen von (3 x Fr. 5'794.– [Löhne Juni 2020 bis
August 2020] + Fr. 1'347.– [Anteil 13. Monatslohn] + Fr. 9'430.– [Anteil Abfindung]
+ 9 x Fr. 8'596.– (Löhne Oktober 2020 bis Juni 2021) / 13 = Fr. 8'117.– pro Monat.
Die fünf Tage, welche die Gesuchstellerin im Juni 2021 nicht arbeitete, sind ver-
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nachlässigbar (siehe auch Urk. 190/173 Rz. 18 f., wonach die Gesuchstellerin ihr
Einkommen von Fr. 7'900.– bis zum Wegzug nach Deutschland erreichen konn-
te).
4.7. Die Gesuchstellerin arbeitet seit dem 15. Juli 2021 bei einem neuen
Arbeitgeber. Sie verdient dort EUR 90'000.– brutto pro Jahr, welche in zwölf glei-
chen Raten monatlich ausbezahlt werden (Urk. 190/177/7). Einen Bonus erhält
sie nicht (Urk. 208 Rz. 7; Urk. 210/25). Das monatliche Einkommen beträgt –
nach Abzug von Steuern und Krankenkasse – netto EUR 4'296.–
(Urk. 190/177/6). Der Umrechnungskurs von 1.089 blieb unbestritten
(Urk. 190/173 Rz. 20; Urk. 190/181 Rz. 62 ff.). Das aktuelle Einkommen der Ge-
suchstellerin beläuft sich somit auf (gerundet) Fr. 4'680.– netto pro Monat. Die
Gesuchstellerin ist damit einverstanden, dass ihr dieses Einkommen bereits ab
dem 1. Juli 2021 angerechnet wird (Urk. 190/173 Rz. 20).
4.8. Das Nettoeinkommen der Gesuchstellerin in Deutschland ist – selbst
wenn man berücksichtigt, dass die Steuern von EUR 1'990.30 und Krankenkas-
senprämien von EUR 382.17 bereits abgezogen worden sind (Urk. 190/177/6) –
erheblich tiefer als jenes in der Schweiz. Mit Blick auf die überdurchschnittlichen
Einkommensverhältnisse des Gesuchsgegners (E. V.5.4.) rechtfertigt es sich, da-
von abzusehen, der Gesuchstellerin ein schweizerisches hypothetisches Ein-
kommen anzurechnen. Sie wird indessen ihre hohen Wohnkosten reduzieren
müssen (E. V.8.2.). Zudem wird die tiefere Leistungsfähigkeit im Rahmen der
Überschussverteilung zu berücksichtigen sein (E. V.8.3.6. und V.9.3.).
5. Einkommen des Gesuchsgegners
5.1. Die Vorinstanz erwog, dass der Gesuchsgegner gemäss eigenen An-
gaben ein Durchschnittseinkommen von Fr. 11'300.– erziele (Urk. 174 S. 33).
5.2. Die Gesuchstellerin rügt, gemäss den jeweiligen Steuererklärungen
habe das Einkommen des Gesuchsgegners 2018 monatlich netto Fr. 12'100.–
und 2019 Fr. 11'873.– betragen. Das Einkommen für das Jahr 2020 sei etwa
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gleich hoch und betrage unter Beachtung eines kalkulatorischen Bonus rund
Fr. 12'100.– netto pro Monat (Urk. 190/173 Rz. 21).
5.3. Der Gesuchsgegner erwidert, dass bei ihm für 2020 von einem Grund-
einkommen von netto Fr. 11'159.– pro Monat auszugehen sei. Abweichungen ha-
be es im Januar 2020 zufolge eines Bonus (Lohn plus Bonus netto Fr. 13'151.–)
und im Juni 2020 zufolge Kurzarbeit (netto Fr. 10'405.–) gegeben. Es resultiere
ein durchschnittlicher Monatslohn von netto Fr. 11'292.– (Urk. 190/181 Rz. 68).
Es spreche alles dafür und nichts dagegen, auch für die Zukunft von diesen
Fr. 11'292.– auszugehen (Urk. 190/181 Rz. 69).
5.4. Der Gesuchsgegner versteuerte 2018 ein Einkommen von
Fr. 145'278.– (Urk. 5/3), 2019 ein solches von Fr. 142'477.– (Urk. 5/3) und 2020
ein solches von Fr. 155'076.– (Urk. 207/6 S. 2). Der Grundlohn belief sich 2019
auf brutto Fr. 152'100.– (bei einem Bonus von Fr. 8'838.–; Urk. 14/7) und 2020
auf Fr. 150'504.– (bei einem Bonus von Fr. 23'625.–; Urk. 207/7). Ein Bonus ist
gemäss dem Gesuchsgegner nicht unüblich (Prot. I, S. 53). Aufgrund des
schwankenden Einkommens rechtfertigt es sich, auf den Durchschnitt der Jah-
re 2018 bis 2020 abzustellen. Auszugehen ist demzufolge von einem monatlichen
Nettoeinkommen (inklusive Bonus) von (Fr. 145'278.– + Fr. 142'477.– +
Fr. 155'076.–) / 36 = Fr. 12'300.–.
5.5. Die Gesuchstellerin beantragt in ihrer Stellungnahme vom 9. Dezember
2021 die Edition des Lohnausweises 2020, der deutschen Steuererklärung 2020,
der schweizerischen Steuererklärung 2020 und der Lohnabrechnungen von Ja-
nuar 2021 bis November 2021 (Urk. 193 Rz. 22). In ihrer Eingabe vom 17. März
2022 verlangt sie zudem die Edition des Lohnausweises 2021 (Urk. 213 Rz. 5).
5.5.1. Der Gesuchsgegner hat den Lohnausweis 2020 (Urk. 207/7) und die
schweizerische Steuererklärung 2020 (Urk. 207/6) eingereicht; diesbezüglich ist
das Editionsbegehren gegenstandslos.
5.5.2. Die Gesuchstellerin verlangt die Edition der deutschen Steuererklä-
rung 2020, um zu beweisen, dass die Liegenschaft des Gesuchsgegners in
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Deutschland Mieterträge im Umfang von EUR 300.– bis EUR 400.– abwirft
(Urk. 193 Rz. 22). Bezüglich 2020 ist unbestritten, dass dies nicht der Fall ist
(E. V.7.2.). Wie noch zu zeigen sein wird, laufen sämtliche Ein- und Ausnahmen
über das Konto DE... (E. V.8.2.). Diesbezüglich hat der Gesuchsgegner sowohl
vor Vorinstanz als auch im Berufungsverfahren einen Kontoauszug für die Zeit
vom 1. Januar 2020 bis zum 25. September 2020 eingereicht (Urk. 14/15 =
Urk. 207/4). Dasselbe hat er für das gesamte Jahr 2021 getan (Urk. 207/5). Ge-
stützt darauf lässt sich die Behauptung der Gesuchstellerin überprüfen (im Ein-
zelnen E. V.8.2.). Ihr Editionsbegehren ist daher bezüglich der deutschen Steuer-
erklärung 2020 abzuweisen.
5.5.3. Mit den Lohnabrechnungen von Januar 2021 bis November 2021 und
dem Lohnausweis 2021 möchte die Gesuchstellerin eine Gehaltserhöhung und
eine Bonuszahlung beweisen (Urk. 193 Rz. 22; Urk. 213 Rz. 5). Das zivilpro-
zessuale Editionsbegehren zu Beweiszwecken setzt gehörige Behauptungen dar-
über voraus, welche Tatsachen die zu edierenden Dokumente beweisen sollen
(BGE 144 III 43 E. 4.1). Wenn die Gesuchstellerin pauschal eine Gehaltserhö-
hung und einen Bonus behauptet, genügt sie ihren Substantiierungsobliegenhei-
ten nicht. Sie müsste beides konkret beziffern. Im Übrigen ergibt sich aus der
Lohnabrechnung für den Dezember 2021 (Urk. 207/3), dass der Grundlohn von
monatlich Fr. 12'675.– brutto gegenüber 2020 (Urk. 14/6) unverändert geblieben
ist. Bei einem unregelmässigen Bonus ist schliesslich auf den Durchschnitt meh-
rerer Jahre abzustellen (OGer ZH LC150030 vom 17.11.2016, E. II.4.6.5 [S. 25];
OGer ZH LE210005 vom 24.09.2021, E. III.12.6. [S. 32]). Vorliegend wurde auf
diese Weise ein Bonus berücksichtigt (E. V.5.4.). Die Lohnabrechnungen von Ja-
nuar 2021 bis November 2021 sowie der Lohnausweis 2021 sind demzufolge
nicht erforderlich. Das diesbezügliche Editionsbegehren ist abzuweisen.
5.5.4. Zusammenfassend sind die Editionsbegehren der Gesuchstellerin
vom 9. Dezember 2021 und vom 17. März 2022 abzuweisen, soweit sie nicht ge-
genstandslos sind.
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6. Fremdbetreuungskosten vom 1. Juni 2020 bis zum 25. Juni 2021
6.1. Die Vorinstanz erwog, dass Fremdbetreuungskosten von Fr. 2'112.–
ausgewiesen seien (Urk. 174 S. 31 f.).
6.2. Der Gesuchsgegner rügt, er habe mit Eingabe vom 28. Oktober 2021
[recte: 19. Oktober 2020; Urk. 12] konkrete Betreuungsvarianten präsentiert, de-
nen allen gemeinsam sei, dass er das Kind an mindestens zwei vollen Tagen be-
treue. Hätte die Gesuchstellerin ihn nicht systematisch von der Kinderbetreuung
ausgeschlossen, wäre es nicht notwendig gewesen, D._ montags, donners-
tags und freitags ganztägig sowie dienstags und mittwochs morgens durch die
Kita betreuen zu lassen. Es hätte genügt, das Kind in einem Umfang (wie) vor der
Trennung betreuen zu lassen. Dafür wären Kosten von Fr. 1'440.– entstanden
(Urk. 173 Rz. 47). Die Gesuchstellerin habe seine Betreuungszeiten zunächst ei-
genmächtig reduziert und ihn dann mit der Vermutung sexueller Übergriffe für
mehrere Monate ins Betreuungsabseits gestellt (Urk. 173 Rz. 48 f.). Damit habe
sie die Fremdbetreuungskosten mindestens zur Hälfte unnötigerweise selber ver-
ursacht. Soweit diese den Betrag von Fr. 1'440.– überstiegen (nämlich im Umfang
von Fr. 672.– pro Monat), müsse sie sie aus ihrem Überschuss tragen (Urk. 173
Rz. 50).
6.3. Die Gesuchstellerin entgegnet, dass die Fremdbetreuungskosten im
Umfang von Fr. 2'112.– angefallen und ausgewiesen seien. Sie seien nicht ohne
Not und durch egoistisch motiviertes Verhalten im Prozess verursacht worden, da
die Mitteilungen von D._ hätten ernst genommen werden müssen (Urk. 186
Rz. 29).
6.4. Die blosse Behauptung der Flexibilität und der Möglichkeit von Home-
office stellt kein Betreuungskonzept dar (BGer 5A_627/2016 vom 28. August
2017, E. 4.2). Homeoffice ist sodann in der Regel nicht mit Kinderbetreuung
gleichzusetzen. Zwar ist eine Aufsichtsperson zugegen; diese kann sich aber
nicht frei mit dem Kind befassen (OGer ZH LE190048 vom 15.04.2020,
E. III.2.3.3. [S. 12]).
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6.5. D._ war im fraglichen Zeitraum (vom 1. Juni 2020 bis zum 25. Juni
2021) drei bzw. vier Jahre alt (E. I.1.). Sie befand sich noch nicht im Kindergarten
(Urk. 177/8). Aus den Betreuungskonzepten (Urk. 14/5) geht hervor, dass der Ge-
suchsgegner D._ tageweise, von Morgen bis Nachmittag oder nachmittags /
abends hätte betreuen wollen. Er liess dazu vor Vorinstanz lediglich ausführen, er
habe sich die Arbeit so einrichten können, dass er viel persönliche Betreuung
übernehmen und dem Kind einiges an Krippe ersparen könne (Prot. I, S. 20). Er
könne sich sein Arbeitspensum zeitlich flexibel gestalten und von zu Hause aus
arbeiten. Homeoffice sei zwar nicht Kinderbetreuung, spare aber Wegzeit (Prot. I,
S. 21). Wie sich die persönliche Betreuung von D._ an zwei vollen Tagen
konkret mit dem Arbeitspensum von 100 % (E. III.3.5.1.) hätte vereinbaren lassen,
wurde (und wird) nicht dargetan; es ist auch nicht ersichtlich. Dies gilt umso mehr,
als er jetzt, da D._ bei ihm wohnt und in den Kindergarten geht, in erhebli-
chem Umfang auf zusätzliche Fremdbetreuung angewiesen ist (E. III.3.11.2.).
6.6. Zusammenfassend vermag der Gesuchsgegner nicht aufzuzeigen,
dass die Gesuchstellerin die Fremdbetreuungskosten im Umfang von Fr. 672.–
pro Monat unnötigerweise verursacht hat. Indessen sind die Kosten für Fremdbe-
treuung in Höhe von Fr. 2'112.– erst ab dem 1. Oktober 2020 belegt (Urk. 19/24).
Vom 1. März 2020 bis zum 30. September 2020 war D._ nur drei ganze Ta-
ge pro Woche in der Krippe (Urk. 56/52), was Fr. 1'440.– pro Monat kostete
(Urk. 44/40). Der Gesuchsgegner betreut D._ seit dem 25. Juni 2021
(E. I.3.). Um die Berechnung nicht zu verkomplizieren, rechtfertigt es sich, hin-
sichtlich des Unterhalts auf den 30. Juni 2021 als Stichtag abzustellen. Damit ist
für die Zeit vom 1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2021 von durchschnittlichen
Fremdbetreuungskosten von (4 x Fr. 1'440.– + 9 x Fr. 2'112.–) / 13 = Fr. 1'905.–
pro Monat auszugehen.
7. Unterhaltsberechnung für die Zeit vom 1. Juni 2020 bis zum 31. Juni 2021
7.1. Das Einkommen der Gesuchstellerin beläuft sich vom 1. Juni 2020 bis
zum 30. Juni 2021 auf Fr. 8'117.– pro Monat (E. V.4.6.). Die Kinderzulagen für
D._ betragen bis zum 30. Juni 2021 Fr. 200.– pro Monat (Urk. 190/173
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Rz. 22; Urk. 190/181 Rz. 70). Sie wurden von der Gesuchstellerin bezogen
(Urk. 5/15; Urk. 208 Rz. 17). Im September 2020 floss offenbar gar keine Kinder-
zulage (Urk. 205 Rz. 17; Urk. 208 Rz. 17), was aufgrund der Dauer der Phase
vernachlässigbar ist. Das Einkommen des Gesuchsgegners beläuft sich auf
Fr. 12'300.– pro Monat (E. V.5.4.).
7.2. Die monatlichen Bedarfspositionen der Parteien und von D._ ge-
stalten sich vom 1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2021 wie folgt:
Position Gesuchstellerin D._ Gesuchsgegner
1) Grundbetrag Fr. 1'350.00 Fr. 400.00 Fr. 1'200.00
2) Wohnkosten Fr. 1'536.00 Fr. 768.00 Fr. 1'990.00
3) Krankenkasse Fr. 463.00 Fr. 67.00 Fr. 389.00
4) Versicherungen Fr. 43.00 Fr. - Fr. 5.00
5) Kommunikation Fr. 148.00 Fr. - Fr. 148.00
6) Mobilität Fr. 106.00 Fr. - Fr. 247.00
7) Auswärtige Verpflegung Fr. 173.00 Fr. - Fr. 200.00
8) Schuldentilgung Fr. - Fr. - Fr. 380.00
9) Vorsorge Fr. - Fr. - Fr. 0.00
10) Fremdbetreuungskosten Fr. - Fr. 1'905.00 Fr. -
11) Steuern Fr. 600.00 Fr. 512.00 Fr. 1'233.00
Total Fr. 4'419.00 Fr. 3'652.00 Fr. 5'792.00
1) Die Grundbeträge für die erste Phase vom 1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2021 be-
tragen gemäss den Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Exis-
tenzminimums Fr. 1'350.– für die Gesuchstellerin, Fr. 400.– für die bei ihr lebende
D._ und Fr. 1'200.– für den Gesuchsgegner (BlSchK 2009, S. 193). Dies ist im
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Übrigen unter den Parteien unbestritten (Prot. I, S. 27; Urk. 190/173 Rz. 26, 35 und
46; Urk. 190/181 Rz. 72 und 74).
2) Es ist unbestritten, dass die Gesuchstellerin bis zum 30. Juni 2020 Wohnkosten
von Fr. 3'840.– hatte, wovon ihr 40 % (oder Fr. 1'536.–) anzurechnen sind
(Urk. 190/173 Rz. 27; Urk. 190/181 Rz. 72). Unbestritten sind sodann der Wohn-
kostenanteil von 20 % (oder Fr. 768.–) für D._ (Prot. I, S. 27; Urk. 190/173
Rz. 47; Urk. 190/181 Rz. 83) und die Wohnkosten von Fr. 1'990.– für den Ge-
suchsgegner (Urk. 190/173 Rz. 36; Urk. 190/181 Rz. 74).
3) Die Krankenkassenkosten der Gesuchstellerin belaufen sich unbestrittenermassen
auf Fr. 463.– (Urk. 190/173 Rz. 28; Urk. 190/181 Rz. 72), jene von D._ auf
Fr. 67.– (Prot. I, S. 27; Urk. 190/173 Rz. 48; Urk. 190/181 Rz. 83) und jene des Ge-
suchsgegners auf Fr. 389.– (Urk. 190/173 Rz. 37; Urk. 190/181 Rz. 74).
4) Die Gesuchstellerin macht Versicherungskosten von Fr. 43.40 geltend
(Urk. 190/173 Rz. 29). Der Gesuchsgegner äussert sich nicht dazu (Urk. 190/181
Rz. 72 f.). Die Kosten sind ausgewiesen (Urk. 5/13). Unbestritten (und belegt;
Urk. 14/10) sind die Versicherungskosten von Fr. 5.– des Gesuchsgegners
(Urk. 190/173 Rz. 38; Urk. 190/181 Rz. 74).
5) Die Gesuchstellerin macht unter dem Titel Kommunikationskosten Fr. 28.– für Se-
rafe sowie eine praxisgemässe Pauschale von Fr. 120.– geltend (Urk. 190/173
Rz. 30). Der Gesuchsgegner anerkennt ohne Begründung lediglich Fr. 100.–
(Urk. 190/181 Rz. 73). Gerichtsüblich sind Kommunikationskosten von Fr. 120.–
(OGer ZH LZ200021 vom 09.06.2021, E. II.5.3; OGer ZH LY200003 vom
09.09.2020, E. 3.5.e [S. 16]; OGer ZH NC200001 vom 02.03.2020, E. D.3.5 [S. 22])
oder Fr. 150.– (OGer ZH LE200027 vom 12.02.2021, E. III.7.1. [S. 28]; OGer ZH
LZ200015 vom 15.10.2020, E. III.1.4.; OGer ZH LY190009 vom 15.10.2019,
E. IV.5.1). Vor diesem Hintergrund erscheint es angemessen, der Gesuchstellerin
die geltend gemachten Kommunikationskosten von insgesamt Fr. 148.– anzurech-
nen. Dieselben Kosten sind hinsichtlich des Gesuchsgegners unbestritten
(Urk. 190/173 Rz. 39; Urk. 190/181 Rz. 74).
6) Die Gesuchstellerin bringt vor, sie habe in V._ gearbeitet und in Zürich ge-
wohnt. Sie habe somit einen Dreizonen-Pass gebraucht, der monatlich Fr. 125.–
gekostet habe (Urk. 190/173 Rz. 31). Der Gesuchsgegner wendet ein, der Arbeits-
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weg sei mit Fr. 74.– für ein Zonenabonnement der ZVV zu berücksichtigen, ab Ar-
beitsaufnahme bei der L._ seien Fr. 108.– für ein ZVV-Abonnement einzuset-
zen (Urk. 190/181 Rz. 73). Die Gesuchstellerin arbeitete bis zum 31. August 2020
bei U._ Co. in Zürich (Urk. 5/7). Bereits vorher, nämlich am 10. Juli 2020, un-
terschrieb sie den Arbeitsvertrag mit der L._ SE, der ab dem 1. Oktober 2020
V._ als Arbeitsort vorsah (Urk. 5/16). Im September 2020 fielen demzufolge
keine Auslagen für Stellensuche an. Für die Zeit vom 1. Juni 2020 bis zum
31. August 2020 (drei Monate) benötigte sie ein Abonnement für die Zone 110
(Urk. 14/8), welches Fr. 85.– pro Monat kostete (https://www.zvv.ch/zvv/de/abos-
und-tickets/abos/netzpass.html, besucht am 1. Juni 2022). Ab dem 1. Oktober 2021
kam zusätzlich die Zone 121 hinzu. Da die Zone 110 doppelt gezählt wird, resultie-
ren drei Zonen (Urk. 14/8). Das entsprechende Abonnement kostete Fr. 125.– pro
Monat. Die Mobilitätskosten der Gesuchstellerin beliefen sich somit für die Zeit vom
1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2021 (13 Monate) auf durchschnittlich (3 x Fr. 85.– +
9 x Fr. 125.–) / 13 = Fr. 106.– pro Monat.
Die Arbeitswegkosten des Gesuchsgegners von Fr. 247.– sind unbestritten
(Urk. 190/173 Rz. 40; Urk. 190/181 Rz. 74).
7) Die Gesuchstellerin macht für auswärtige Verpflegung Fr. 200.– geltend. Sie habe
sich an vier Tagen pro Woche über Mittag verpflegen müssen und der Gesuchs-
gegner habe den Betrag vor Vorinstanz anerkannt (Urk. 190/173 Rz. 32). Letzterer
erwidert, dass der Gesuchstellerin zufolge Freistellung bis und mit September 2020
kein Betrag einzusetzen sei. Hernach seien Fr. 200.– pro Monat zu berücksichti-
gen, soweit die Gesuchstellerin nicht im Homeoffice gearbeitet habe und den
Nachweis auswärtiger Verpflegung erbringe (Urk. 190/181 Rz. 73). Vor Vorinstanz
anerkannte der Gesuchsgegner auch ohne Nachweis Fr. 200.– ab Oktober 2020,
soweit die Gesuchstellerin nicht im Homeoffice arbeite (Prot. I, S. 25). Darauf ist er
zu behaften. Er zeigt im Übrigen nicht auf, woraus er ableitet, dass die Gesuchstel-
lerin freigestellt worden sei. Dies ergibt sich weder aus ihrem Gesuch (Urk. 17
Rz. 33) noch aus der Aufhebungsvereinbarung (Urk. 5/7). Die Gesuchstellerin ar-
beitete bis Ende August 2020 in einem Pensum von 60 % (E. III.3.5.1.–III.3.5.6.;
Urk. 5/7). Dass sie in dieser Zeit eine Lunchentschädigung erhielt (Urk. 5/15), ist
vorliegend irrelevant, weil die entsprechenden Beträge als Einkommen berücksich-
tigt wurden (E. V.4.6.). Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die Ge-
suchstellerin seit dem 1. Juni 2020 im Homeoffice gearbeitet hätte (siehe Prot. I,
- 70 -
S. 35 f.). Mit Blick auf das Arbeitspensum sind bei der Gesuchstellerin für die Zeit
vom 1. Juni 2020 bis zum 31. August 2020 (drei Monate) Fr. 150.– und vom
1. Oktober 2020 bis zum 30. Juni 2021 (neun Monate) Fr. 200.– pro Monat für aus-
wärtige Verpflegung zu berücksichtigen. Dies ergibt für die Zeit vom 1. Juni 2020
bis zum 30. Juni 2021 (13 Monate) durchschnittliche Kosten von (3 x Fr. 150.– + 9 x
Fr. 200.–) / 13 = Fr. 173.– pro Monat.
Es ist unbestritten, dass dem Gesuchsgegner für auswärtige Verpflegung Fr. 200.–
pro Monat anzurechnen sind (Urk. 190/173 Rz. 41; Urk. 190/181 Rz. 74).
8) Es ist unbestritten, dass dem Gesuchsgegner im Zusammenhang mit Liegenschaf-
ten der Parteien in Deutschland Fr. 380.– für Schuldentilgung anzurechnen sind
(Prot. I, S. 26 f.; Urk. 190/173 Rz. 42; Urk. 190/181 Rz. 74).
9) Der Gesuchsgegner bringt vor, es seien ihm Fr. 568.– pro Monat für Vorsorge an-
zurechnen. Er habe 2020 den Maximalbetrag von Fr. 6'826.– einbezahlt und im lau-
fenden Jahr [2021] bislang Fr. 2'294.– (Urk. 190/181 Rz. 75). Die Gesuchstellerin
entgegnet, dass auf die Verhältnisse während des Zusammenlebens abzustellen
sei. In dieser Zeit sei nichts in die gebundene Vorsorge einbezahlt worden, weshalb
die Zahlungen während des Getrenntlebens unbeachtlich seien. Ohnehin könnten
sie nicht berücksichtigt werden, weil sie der Vermögensbildung dienten (Urk. 193
Rz. 17 f.).
Beiträge an die gebundene Selbstvorsorge (Säule 3a) sind im Rahmen des fami-
lienrechtlichen Existenzminimums nur zu berücksichtigen, wenn sie an die Stelle
der obligatorischen beruflichen Vorsorge (2. Säule) treten, wie das regelmässig bei
Selbständigerwerbenden der Fall ist (OGer ZH LE190014 vom 24.04.2019, E. D.2.2
[S. 17]; ähnlich BGE 147 III 265 E. 7.2). Damit werden letztere den übrigen Arbeit-
nehmenden gleichgestellt, bei denen die Einzahlungen in die 2. Säule schon im
Nettolohn berücksichtigt sind. Soll die Säule 3a die berufliche Vorsorge demgegen-
über nicht ersetzen, so sind die entsprechenden Einzahlungen – sofern behauptet
und belegt – zur Sparquote zu zählen (OGer ZH LE210005 vom 24.09.2021,
E. III.14.4. [S. 36]). Als Referenzperiode für die Berechnung der Sparquote dienen
grundsätzlich die letzten zwölf Monate vor der Trennung (OGer ZH LE210005 vom
24.09.2021, E. III.1.6. [S. 18] mit weiteren Hinweisen).
- 71 -
Der Gesuchsgegner ist angestellt. Entsprechend werden ihm Pensionskassenbei-
träge vom Lohn abgezogen (Urk. 14/6–7). Vor diesem Hintergrund können Einzah-
lungen in die Säule 3a nicht berücksichtigt werden. Eine Sparquote hat er nicht be-
hauptet (Urk. 190/181 Rz. 75 f.). Weder aus den neu eingereichten Belegen
(Urk. 190/183/10) noch aus den Abzügen der Steuererklärung 2019 (Urk. 5/3) geht
sodann hervor, dass er im Zeitraum vom Mai 2019 bis Mai 2020 (E. III.3.5.6.) Ein-
zahlungen in die Säule 3a getätigt hätte.
10) Die Gesuchstellerin macht Fremdbetreuungskosten von Fr. 2'112.– geltend
(Urk. 190/173 Rz. 49). Der Gesuchsgegner bestreitet die Höhe, weil die Gesuch-
stellerin sie unnötig verursacht habe (Urk. 190/181 Rz. 83). Unter Hinweis auf die
vorstehenden Ausführungen (E. V.6.6.) sind Fr. 1'905.– einzusetzen.
11) Die Gesuchstellerin unterliegt dem Verheiratetentarif (§ 35 Abs. 2 StG; Art. 36
Abs. 2bis DBG). Sie ist konfessionslos (Urk. 5/3). Ihr Einkommen beläuft sich auf
Fr. 97'404.– (E. V.4.6.). Hinzu kommen Kinderzulagen von 12 x Fr. 600.– =
Fr. 7'200.–, Unterhaltsbeiträge für E._ und F._ in der Grössenordnung
von Fr. 9'000.– (Urk. 5/3) sowie solche für D._ von geschätzt Fr. 45'600.–. Ab-
zuziehen sind Berufsauslagen von Fr. 5'200.–, Versicherungsprämien von
Fr. 6'500.– (Staatssteuer) bzw. Fr. 3'800.– (Bundessteuer), Fremdbetreuungskos-
ten von rund Fr. 17'000.– (Urk. 5/3) sowie Sozialabzüge von Fr. 27'000.– (§ 34
Abs. 1 lit. a StG) bzw. Fr. 19'500.– (Art. 35 Abs. 1 lit. a DBG) für drei Kinder im
Haushalt. Das steuerbare Einkommen für die Staats- und Gemeindesteuer beträgt
Fr. 103'504.–, jenes für die direkte Bundessteuer Fr. 113'704.–. Das steuerbare
Vermögen ist vernachlässigbar, ebenso das Verrechnungssteuerguthaben (Urk. 5/3
und § 47 Abs. 2 StG). Gibt man die Daten für das Jahr 2020 im Steuerrechner des
Kantons Zürich ein (Zivilstand: getrennt; Tarif: Verheirateten- und Einelterntarif;
Konfession: andere; Gemeinde: Zürich) resultiert eine Staats- und Gemeindesteuer
von Fr. 11'335.35 und eine direkte Bundessteuer von Fr. 2'003.–. Die monatliche
Steuerlast beträgt somit Fr. 1'112.–.
Ein Anteil dieser Steuern von Fr. 1'112.– ist dem Barbedarf von D._ zuzuwei-
sen (BGE 147 III 265 E. 7.2). Dazu sind die dem Kind zuzurechnenden, aber vom
Empfängerelternteil zu versteuernden Einkünfte (namentlich Barunterhaltsbeitrag,
Familienzulagen, Sozialversicherungsrenten und ähnliche für den Unterhalt des
Kindes bestimmte Leistungen, Erträge aus Kindesvermögen; nicht aber das Er-
- 72 -
werbseinkommen des Kindes [siehe Art. 3 Abs. 3 StHG] oder der formell dem Kind
zustehende [Art. 285 Abs. 2 ZGB], materiell aber für den betreuenden Elternteil be-
stimmte Betreuungsunterhaltsbeitrag) in das Verhältnis zu den vom Empfängerel-
ternteil insgesamt zu versteuernden Einkünften zu setzen; der daraus ermittelte An-
teil an der gesamten Steuerschuld des Empfängerelternteils ist im erweiterten Be-
darf des Kindes zu berücksichtigen (BGE 147 III 457 E. 4.2.3.5). Das Verhältnis von
D._s Einkünften zum gesamten steuerbaren Einkommen der Gesuchstellerin
beträgt (Fr. 45'600.– + Fr. 2'400.–) / Fr. 103'504.– = 0.46. 46 % von Fr. 1'112.– ent-
sprechen Fr. 512.–. Der Gesuchstellerin sind somit Fr. 1'112.– - Fr. 512.– =
Fr. 600.– und D._ Fr. 512.– anzurechnen.
Der Gesuchsgegner unterliegt dem Grundtarif (§ 35 Abs. 1 StG; Art. 36 Abs. 1
DBG). Er ist konfessionslos (Urk. 207/6 S. 1). Sein Einkommen beträgt
Fr. 147'600.– (E. V.5.4.). Abzuziehen sind die Berufsauslagen von rund Fr. 6'800.–
(Urk. 207/6 S. 12), Versicherungsprämien von Fr. 2'600.– (Staatssteuer) bzw.
Fr. 1'700.– (Bundessteuer) sowie Unterhaltsbeiträge von geschätzt Fr. 45'600.–.
Aus der Steuererklärung 2020 geht hervor, dass der Gesuchsgegner im betreffen-
den Jahr den Maximalbetrag von Fr. 6'826.– in die Säule 3a einbezahlt hat
(Urk. 207/6 S. 3). Unklar bleibt, in welchem Umfang dies auch 2021 der Fall war
(Urk. 190/183/10). Weder 2018 noch 2019 erfolgten sodann Einzahlungen in die
Säule 3a des Gesuchsgegners (Urk. 5/3). Mit Blick darauf, dass das steuerbare
Einkommen aufgrund des Bonus ohnehin nur annäherungsweise bestimmt werden
kann (E. V.5.4.), rechtfertigt es sich, keinen zusätzlichen Abzug zu berücksichti-
gen. Somit beträgt das steuerbare Einkommen für die Staats- und Gemeindesteuer
Fr. 92'600.–, jenes für die direkte Bundessteuer Fr. 93'500.–. Das steuerbare Ver-
mögen und das Verrechnungssteuerguthaben sind vernachlässigbar (Urk. 207/6
S. 4 und § 47 Abs. 1 StG). Gibt man die Daten für das Jahr 2020 im Steuerrechner
des Kantons Zürich ein (Zivilstand: getrennt; Tarif: Grundtarif; Konfession: andere;
Gemeinde: Zürich), resultiert eine Staats- und Gemeindesteuer von Fr. 12'351.50
und eine direkte Bundessteuer von Fr. 2'445.–. Die monatliche Steuerlast beträgt
somit Fr. 1'233.–.
7.3. Dem Gesamteinkommen von Fr. 20'617.– (E. V.7.1.) steht ein Ge-
samtbedarf von Fr. 13'863.– (E. V.7.2.) gegenüber. Es resultiert ein Überschuss
von Fr. 6'754.–. Umstritten ist, wie vorliegend damit zu verfahren ist:
- 73 -
7.3.1. Die Gesuchstellerin bringt vor, dass der Überschuss grundsätzlich
nach grossen und kleinen Köpfen aufzuteilen sei. Vorliegend müsse jedoch davon
abgewichen werden. Sie habe nämlich noch zwei voreheliche Kinder, welche an
ihrem Überschuss partizipieren dürften. Rechnerisch seien ihr daher 50 % (oder
Fr. 3'439.30) des errechneten Gesamtüberschusses zu belassen. Davon könne
sie Fr. 3'184.45 selbst decken, weshalb ihr in der ersten Phase ein Unterhaltsan-
spruch von Fr. 255.– zustehe (Urk. 190/173 Rz. 52).
7.3.2. Der Gesuchsgegner bestreitet den Überschuss der Gesuchstellerin
von Fr. 3'184.45 (Urk. 190/181 Rz. 85). Verbleibe den Eltern wie vorliegend je ein
Überschuss, so könne von einer Verteilung abgesehen werden, weil das Kind an
der Lebensstellung hinreichend partizipieren könne. Betreffend Ehegattenunter-
halt sei festzustellen, dass die Gesuchstellerin keinen ehebedingten Nachteil erlit-
ten habe (Urk. 190/181 Rz. 87).
7.3.3. Der Überschuss ist in der Regel auf grosse und kleine Köpfe zu vertei-
len (BGE 147 III 265 E. 7.3). Bei einem gemeinsamen Kind beträgt dessen Anteil
üblicherweise 20 % oder 30 %, jener der Eltern je 40 % oder 35 % (OGer ZH
LY180044 vom 12.11.2019, E. III.12. [S. 27]; OGer ZH LC170015 vom
23.02.2018, E. II.3.4.g [S. 39]; Daniel Bähler, Unterhaltsberechnungen – von der
Methode zu den Franken, FamPra.ch 2015, S. 271 ff., S. 277). Wenn die Ge-
suchstellerin unter Hinweis auf die beiden vorehelichen Kinder einen grösseren
Anteil am Überschuss für sich beansprucht (Urk. 190/173 Rz. 52), spricht sie da-
mit die eheliche Beistandspflicht gemäss Art. 278 Abs. 2 ZGB an. Dabei sind zwei
Konstellationen zu unterscheiden (Heinz Hausheer/Annette Spycher/Rolf Brun-
ner/Urs Gloor/Daniel Bähler/Ueli Kieser, Handbuch des Unterhaltsrechts, 2. Aufl.
2010, Rz. 06.60 [S. 396]): Lebt das voreheliche Kind nicht im Haushalt des Stief-
elternteils, so ist dessen Beistandspflicht in dreifacher Hinsicht beschränkt (dazu
BGer 5A_129/2019 vom 10. Mai 2019, lit. A und E. 4.3.1; BGer 5A_352/2010 vom
29. Oktober 2010, lit. A und E. 6.2.2). Lebt das voreheliche Kind dagegen zu-
sammen mit einem leiblichen Elternteil und dessen Ehegatten, so besteht der
Beistand des Stiefelternteils darin, dass er einen allfälligen Unterschied zwischen
einem ungenügenden Unterhaltsbeitrag des leiblichen Elternteils und dem Bedarf
- 74 -
des Kindes auszugleichen hat; er trägt zudem das Risiko für die Einbringlichkeit
der Unterhaltsbeiträge (BGE 120 II 285 E. 2b; BGer 5A_440/2014 vom
20. November 2014, E. 4.3.2.2; BGer 5P.242/2006 vom 2. August 2006, E. 5). In
diesem Fall gehören seine Unterhaltskosten zum Unterhalt der Familie im Sinne
von Art. 163 ZGB. Ist der Stiefelternteil nämlich während des Zusammenlebens
für den ganzen Barbedarf des vorehelichen Kindes aufgekommen und wusste er,
dass sein Ehegatte auf Unterhalt des leiblichen Elternteils verzichtet hat, so ist
davon auszugehen, dass zwischen den Ehegatten eine Vereinbarung hinsichtlich
der finanziellen Unterstützung des Stiefelternteils bestand. Von dieser Vereinba-
rung über die Erfüllung der ehelichen Unterhaltspflicht ist grundsätzlich auch im
Eheschutzverfahren auszugehen (BGer 5A_440/2014 vom 20. November 2014,
E. 4.3.2.2; BGer 5P.242/2006 vom 2. August 2006, E. 5). Rechnerisch ist wie folgt
vorzugehen, wenn das Stiefkind vor der Trennung im Haushalt des Stiefelternteils
lebte: Zuerst sind Einkommen und Bedarf aller Familienmitglieder (inklusive des
Stiefkindes) zu bestimmen. Dann sind die Unterhaltsbeiträge für die leiblichen
Kinder und den Ehegatten zu berechnen, als ob das Stiefkind nicht existierte. In
der Folge ist zu prüfen, ob die Kinderalimente, die der leibliche Elternteil für das
Stiefkind erhält, kostendeckend sind. Ist dies nicht der Fall, muss der leibliche El-
ternteil zur Deckung des Mankos des Stiefkindes seinen Überschussanteil ver-
wenden. Reicht dieser nicht aus, so kommt die Beistandspflicht des Ehegatten
gemäss Art. 278 Abs. 2 ZGB zum Tragen (Bähler, a.a.O., S. 297; ähnlich OGer
ZH LE170013 vom 27.06.2017, E. II.6.1.b).
7.3.4. Die Gesuchstellerin hat – im Gegensatz zur Phase ab dem 1. Juli
2021 (Urk. 186 Rz. 41) – keinen Bedarf und kein Einkommen ihrer beiden vorehe-
lichen Kinder behauptet bzw. nicht aufgezeigt, wo sie dies vor Vorinstanz getan
hätte (Urk. 190/173 Rz. 52). Damit genügt sie den Begründungsanforderungen
nicht. Auch die Tatsache, dass hinsichtlich des ehelichen Unterhalts die be-
schränkte Untersuchungsmaxime gilt (BGE 147 III 301 E. 2.2), ändert daran
nichts (E. II.3.). Aus den Steuererklärungen geht sodann hervor, dass der leibliche
Vater 2018 Unterhaltsbeiträge von insgesamt Fr. 10'800.– und 2019 solche von
Fr. 8'400.– bezahlt hat (Urk. 5/3). Ihr Vorbringen, wonach keine Alimente erhält-
lich zu machen seien (Urk. 186 Rz. 41), ist demzufolge nicht glaubhaft. Darüber
- 75 -
hinaus hat die Gesuchstellerin auch ein eigenes Einkommen erwirtschaftet
(E. III.3.5.1. ff.). Es ist daher fraglich, ob und falls ja in welcher Höhe der Ge-
suchsgegner während des Zusammenlebens für die beiden vorehelichen Kinder
aufgekommen ist bzw. ob überhaupt eine Vereinbarung im vorbeschriebenen
Sinne bestanden hat (letzteres ist umstritten; Urk. 186 Rz. 41; Urk. 196 Rz. 51).
Die Frage kann aber offenbleiben: Wie sogleich zu zeigen sein wird, verbleibt der
Gesuchstellerin ein eigener Überschussanteil von Fr. 2'702.– (E. V.7.3.5.). Es ist
davon auszugehen, dass sie mit diesem und den erhaltenen Unterhaltsbeiträgen
den Bedarf ihrer beiden vorehelichen Kindern decken kann.
7.3.5. Mit Blick auf das tiefe Alter von D._ rechtfertigt es sich, den
Überschuss von Fr. 6'754.– zu je 40 % (oder Fr. 2'702.–) auf die Parteien und zu
20 % (oder Fr. 1'350.–) auf die Tochter zu verteilen. Der Barunterhalt beträgt so-
mit Fr. 12'300.– (Einkommen des Gesuchsgegners) - Fr. 5'792.– (Bedarf des Ge-
suchsgegners) - Fr. 2'702.– (Überschussanteil des Gesuchsgegners) = (gerundet)
Fr. 3'800.–. Dieser Barunterhalt deckt D._s Überschussanteil nicht vollstän-
dig. Indessen ist zu beachten, dass die Gesuchstellerin einen eigenen Über-
schuss von Fr. 8'117.– (Einkommen der Gesuchstellerin) - Fr. 4'419.– (Bedarf der
Gesuchstellerin) = Fr. 3'698.– erwirtschaftet. Dieser ist höher als der Anteil von
Fr. 2'702.–, der ihr zusteht. Er ist darauf zurückzuführen, dass sie D._
fremdbetreuen liess. Es erscheint nicht angemessen, die "Investitionskosten"
gänzlich dem Gesuchsgegner aufzubürden und den "Ertrag" der Gesuchstellerin
zu belassen. Aus diesem Grund ist es ihr zumutbar, für einen Teil der Kosten von
D._ (bei denen es sich im Übrigen ausschliesslich um den Überschussanteil
des Kindes handelt) selber aufzukommen. Da ihr selbst nach Deckung dieser
Kosten und ihres eigenen Bedarfs ein selbst erwirtschafteter Überschuss ver-
bleibt, sind weder ein Betreuungsunterhalt noch persönliche Unterhaltsbeiträge
geschuldet.
7.4. Zusammenfassend ist der Gesuchsgegner zu verpflichten, der Ge-
suchstellerin für D._ in der Zeit vom 1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2021 mo-
natliche Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) von Fr. 3'800.– (ohne Kinderzulagen)
zu bezahlen. Die Unterhaltsbeiträge werden sofort fällig (Art. 75 OR). Der Antrag
- 76 -
der Gesuchstellerin auf Zusprechung persönlicher Unterhaltsbeiträge für die Zeit
vom 1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2021 (Urk. 190/173 S. 2) ist abzuweisen.
8. Unterhaltsberechnung für die Zeit vom 1. Juli 2021 bis 31. Dezember 2022
8.1. Das Einkommen der Gesuchstellerin beträgt seit dem 1. Juli 2021
Fr. 4'680.– (E. V.4.7.). Hinzu kommen – wie noch zu zeigen sein wird (E. V.8.2.) –
Fr. 300.– Mietzinseinnahmen. Der Lohn des Gesuchsgegners beläuft sich weiter-
hin auf Fr. 12'300.– (E. V.5.4.). Seit dem 1. Juli 2021 erhält er die Kinderzulage
für D._ von Fr. 200.– (Urk. 205 Rz. 17; Urk. 207/3; Urk. 208 Rz. 17).
8.2. Die monatlichen Bedarfspositionen der Parteien und von D._ ge-
stalten sich vom 1. Juli 2021 bis zum 31. Dezember 2022 wie folgt:
Position Gesuchstellerin D._ Gesuchsgegner
1) Grundbetrag Fr. 810.00 Fr. 400.00 Fr. 1'350.00
2) Wohnkosten Fr. 2'434.00 Fr. 663.00 Fr. 1'327.00
3) Krankenkasse Fr. 0.00 Fr. 67.00 Fr. 389.00
4) Versicherungen Fr. 42.00 Fr. - Fr. 5.00
5) Kommunikation Fr. 80.00 Fr. - Fr. 148.00
6) Mobilität Fr. 60.00 Fr. - Fr. 247.00
7) Auswärtige Verpflegung Fr. 0.00 Fr. - Fr. 100.00
8) Schuldentilgung Fr. - Fr. - Fr. 785.00
9) Vorsorge Fr. - Fr. - Fr. 0.00
10) Fremdbetreuungskosten Fr. - Fr. 1'100.00 Fr. -
11) Besuchskosten Fr. 810.00 Fr. - Fr. -
12) Unterdeckung der Kinder Fr. 0.00 Fr. - Fr. -
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13) Steuern Fr. 0.00 Fr. - Fr. 1'650.00
Total Fr. 4'236.00 Fr. 2'230.00 Fr. 6'001.00
1) Seit dem 25. Juni 2021 lebt D._ beim Gesuchsgegner (E. III.3.5.10.). Um die
Unterhaltsberechnung nicht zu verkomplizieren, ist ihm ab dem 1. Juli 2021 ein
Grundbetrag von Fr. 1'350.– anzurechnen (BlSchK 2009, S. 193). Dasselbe gilt
grundsätzlich weiterhin für die Gesuchstellerin, da sie mit den beiden minderjähri-
gen vorehelichen Kindern zusammenlebt (E. I.3.); die Gesuchstellerin anerkennt
gestützt auf den UBS-Index 2015 eine Reduktion des Grundbetrages von 40 % we-
gen tieferer Lebenshaltungskosten (Urk. 186 Rz. 36). Der Gesuchsgegner wendet
ein, die Gesuchstellerin lebe in W._ (ausserhalb von K._). Dort seien die
Lebenshaltungskosten tiefer, weshalb nicht mehr als die Hälfte des Schweizer
Grundbetrages, nämlich Fr. 600.– eingerechnet werden könnten (Urk. 196 Rz. 47).
Es erscheint nicht glaubhaft, dass die Gesuchstellerin in W._ lebt
(Urk. 210/20). Im Übrigen bestehen auch an verschiedenen Orten in der Schweiz
unterschiedliche Lebenshaltungskosten, ohne dass dies im Grundbetrag berück-
sichtigt würde (BlSchK 2009, S. 193). Das Preisniveau für das Jahr 2015 vergleicht
drei deutsche Städte mit Zürich (100 %), nämlich Frankfurt (59.4 %), München
(60.6 %) und K._ (55.4 %; Urk. 189/11). Vorliegend ist auf die gröberen (aber
aktuelleren) Preisniveauindizes des Bundesamtes für Statistik abzustellen (BGer
5A_736/2007 vom 20. März 2008, E. 3.2). Danach liegt der Index (tatsächlicher In-
dividualverbrauch) im Jahr 2020 bei 180.3 für die Schweiz und bei 107.5 für
Deutschland
(https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/preise/internationale-
preisvergleiche/preisniveauindizes.html, besucht am 1. Juni 2022). Somit entspre-
chen die Lebenshaltungskosten in Deutschland 107.5 / 180.3 = 60 % von jenen in
der Schweiz (ähnlich die Länderdaten mit einem Kostenindex im Jahr 2021 von
157.1 für die Schweiz gegenüber einem solchen von 100 für Deutschland;
https://www.laenderdaten.info/lebenshaltungskosten.php, besucht am 1. Juni
2022). Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Lebenshaltungs-
kosten in Deutschland um 40 % tiefer liegen als in der Schweiz. Demzufolge ist der
Gesuchstellerin ein Grundbetrag von Fr. 1'350.– / 100 x 60 = Fr. 810.– einzusetzen.
D._s Grundbetrag bleibt unverändert bei Fr. 400.–.
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2) Die Gesuchstellerin macht Miet- und Nebenkosten von Fr. 1'315.– (50 % von
Fr. 2'630.–) geltend. Der Miet- und Nebenkostenanteil von Fr. 438.35 (16.66 % von
Fr. 2'630.–) bezüglich des Zimmers von D._ sei ebenfalls ihrem Bedarf anzu-
rechnen, da sie für die Tochter ein Zimmer zur Verfügung stellen müsse (Urk. 186
Rz. 37). Der Gesuchsgegner wendet ein, dass Wohnkosten (inklusive Nebenkos-
ten) von EUR 2'470.– knapp 60 % des behaupteten Einkommens der Gesuchstelle-
rin konsumieren würden. Würde man bei ihr von einem Einkommen von
EUR 4'300.– ausgehen, so könnten ihr Wohnkosten von maximal EUR 716.– (ent-
sprechend einem Drittel ihres Einkommens, reduziert um 50 % zufolge Ausschei-
dung der Anteile der Kinder F._ und E._) eingerechnet werden. Kosten
für ein Zimmer für D._ seien nicht zu berücksichtigen (Urk. 196 Rz. 48). Die
Drittelsregel lässt sich nicht ohne Weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen,
weil in Deutschland das Nettoeinkommen nach Abzug von Steuern und Kranken-
kasse ausbezahlt wird (E. V.4.7.). Bereinigt man dies, beträgt das monatliche Ein-
kommen EUR 4'296.17 + EUR 382.17 + EUR 1'990.30 = EUR 6'668.64
(Urk. 190/177/6). Die glaubhaft gemachten Miet- und Nebenkosten von
EUR 2'470.– (Urk. 190/177/5) liegen nur geringfügig über einem Drittel davon. Was
die Kosten für das Zimmer für D._ angeht, ist festzuhalten, dass solche Kosten
grundsätzlich nicht berücksichtigt werden können, wenn der betreffende Elternteil
das Kind nicht oder nicht wesentlich betreut (in diese Richtung auch BGer
5A_727/2018 vom 22. August 2019, E. 4.3.2.1). Die Gesuchstellerin legt keine Um-
stände dar, die es rechtfertigen würden, einen Wohnkostenanteil für D._ zu
berücksichtigen (Urk. 186 Rz. 37), und solche sind auch nicht ersichtlich. Vor die-
sem Hintergrund ist davon abzusehen. Der Unterhalt für die beiden vorehelichen
Kinder bemisst sich nach deutschem Recht (E. V.1.2.). Der Wohnbedarf der Kinder
zählt dabei zum gesamten Lebensbedarf im Sinne von § 1610 Abs. 2 des deut-
schen Bürgerlichen Gesetzbuches (nachfolgend: BGB). In den Tabellenbeträgen
der Düsseldorfer Tabelle (Stand: 1. Januar 2021; abrufbar unter https://www.olg-
duesseldorf.nrw.de/infos/Duesseldorfer_Tabelle/Tabelle-2021/Duesseldorfer-
Tabelle-2021.pdf, besucht am 1. Juni 2022; nachfolgend: Tabelle) ist er pauschal
mit 20 % berücksichtigt (OLG Koblenz 13 UF 375/20 vom 1. Dezember 2020,
Rz. 21 [abrufbar unter https://www.landesrecht.rlp.de/bsrp/document/
KORE211392021, besucht am 1. Juni 2022]). Der Tabellenbetrag für E._ be-
trägt EUR 634.–, jener für F._ EUR 542.– (E. V.8.3.4.). 20 % davon entspre-
chen EUR 126.80 bzw. EUR 108.40. Damit sind EUR 235.20 als Wohnkostenanteil
- 79 -
der Kinder von den EUR 2'470.– zu subtrahieren. EUR 2'235.– entsprechen bei ei-
nem Umrechnungskurs von 1.089 (E. V.4.7.) Fr. 2'434.–.
Gemäss den Richtlinien ist der effektive Mietzins zu berücksichtigen. Ist dieser den
wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnissen nicht angemessen, so ist er nach
Ablauf des nächsten Kündigungstermins auf ein ortsübliches Normalmass herabzu-
setzen (BlSchK 2009, S. 193). Grundsätzlich besteht ein Anspruch auf Beibehal-
tung des ehelichen Standards (BGer 5A_493/2017 vom 7. Februar 2018, E. 3.1).
Bei knappen finanziellen Verhältnissen müssen sich die Wohnkosten indessen am
betreibungsrechtlichen Existenzminimum orientieren (BGE 147 III 265 E. 7.2). Die
Gesuchstellerin lebte zwar bereits in der Schweiz in einer teuren 5.5-
Zimmerwohnung (E. V.7.2.; Urk. 5/2). Dabei hatte es sich jedoch um die eheliche
Wohnung gehandelt (Urk. 5/2). In K._ wohnt sie aktuell in einer 4.5-
Zimmerwohnung mit 134 m2 Wohnfläche (Urk. 210/20). Mit dem Umzug nach
Deutschland nahm sie einen tieferen Lohn und höhere Steuern in Kauf, womit sich
tiefere Wohnkosten rechtfertigen. Dies gilt vorliegend umso mehr, als Unterhalts-
pflichtigen in Deutschland EUR 430.– pro Monat (inklusive Nebenkosten) für das
Wohnen zugestanden werden (Tabelle, Anmerkung 5). Mit Blick auf den über-
durchschnittlichen Lohn der Gesuchstellerin erscheint vorliegend ein Wohnkosten-
anteil von Fr. 1'000.– pro Monat angemessen. Unter Berücksichtigung der dreimo-
natigen Kündigungsfrist auf Ende eines jeden Monats (Urk. 208 Rz. 3; Urk. 210/23)
bzw. der Kündigungsmöglichkeit spätestens am dritten Werktag eines Kalendermo-
nats auf Ende des übernächsten Monats (§ 573c Abs. 1 BGB) ist ab dem 1. Januar
2023 mit dem tieferen Mietzins zu rechnen.
Der Gesuchsgegner macht Wohnkosten von monatlich Fr. 1'990.– geltend, wovon
ein Drittel bzw. Fr. 663.– D._ anzurechnen seien (Urk. 173 Rz. 55). Die Ge-
suchstellerin bestreitet dies pauschal, ohne eigene Zahlen zu nennen (Urk. 186
Rz. 31 f.). Die Wohnkosten von Fr. 1'990.– sind belegt (Urk. 22/17). Es rechtfertigt
sich, D._ einen Drittel (oder Fr. 663.–) davon anzurechnen. Dem Gesuchs-
gegner verbleiben mithin Fr. 1'327.–.
3) Die Krankenkassenprämien der Gesuchstellerin sind bereits in ihrem Nettolohn be-
rücksichtigt (E. V.4.7.). Entsprechend macht sie keinen Betrag unter diesem Titel
geltend (Urk. 186 Rz. 36–42).
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Die Krankenkassenprämien für den Gesuchsgegner und D._ sind dieselben
wie in der ersten Phase (Urk. 173 Rz. 55; Urk. 186 Rz. 31 f.), nämlich Fr. 67.– für
das Kind und Fr. 389.– für den Gesuchsgegner (E. V.7.2.).
4) Die Gesuchstellerin macht für Versicherungen Fr. 78.– geltend (Urk. 186 Rz. 42).
Der Gesuchsgegner bestreitet die Kosten für die Rechtsschutzversicherung
(Urk. 196 Rz. 51). Belegt sind monatliche Kosten für Hausratversicherung von
EUR 28.63, Privathaftpflichtversicherung von EUR 9.72 sowie Rechtsschutzversi-
cherung von EUR 34.88 (Urk. 189/12). Letztere kann nur berücksichtigt werden,
wenn sie zum ehelichen Standard gehörte (OGer ZH LE170061 vom 13.03.2018,
E. III.4.2.2 [S. 22]; ähnlich OGer ZH LY180038 vom 08.03.2019, E. C.4.4.2.d
[S. 20]). Es wird von der Gesuchstellerin nicht geltend gemacht und ist auch nicht
ersichtlich (Urk. 5/13), dass die Parteien während des Zusammenlebens über eine
Rechtsschutzversicherung verfügt hätten. Vor diesem Hintergrund ist lediglich der
Betrag von monatlich EUR 28.63 + EUR 9.72 = EUR 38.35 zu berücksichtigen, der
beim Umrechnungskurs von 1.089 (E. V.4.7.) Fr. 42.– entspricht.
Beim Gesuchsgegner sind wie in der vorhergehenden Phase (E. V.7.2.) monatlich
Fr. 5.– einzusetzen.
5) Die Gesuchstellerin macht für Kommunikation (inklusive Internet) insgesamt
Fr. 174.– geltend (Urk. 186 Rz. 42). Sie benötige ein deutsches und ein Schweizer
Abonnement, um mit D._ zu kommunizieren, da das deutsche Abonnement
keine Roaming-Flatrate vorsehe. Insgesamt ergebe dies Fr. 126.–. Zusätzlich fielen
Kosten für das Internet-Abonnement von Fr. 47.90 an (Urk. 186 Rz. 38 f.). Der Ge-
suchsgegner wendet ein, dass die Gesuchstellerin kein Schweizer Mobiltelefona-
bonnement benötige, weshalb die entsprechenden Kosten nicht einzurechnen sei-
en (Urk. 196 Rz. 49). Letztere reichte als Beleg für ihre Kommunikationskosten in
der Schweiz eine Rechnung von Fr. 103.50 über die Periode vom 10. Mai 2021 bis
zum 9. Juni 2021 ein (Urk. 189/7). In jenem Zeitraum lebte sie noch in der Schweiz
(E. I.3.). Es erscheint nicht glaubhaft, dass seit ihrem Wegzug nach Deutschland
Kosten in dieser Höhe anfallen. Glaubhaft erscheinen Mobiltelefonkosten in
Deutschland für die Gesuchstellerin und ihre beiden vorehelichen Kinder von
EUR 14.99 (Urk. 189/8) sowie Internetkosten von EUR 44.95 (Urk. 189/9). Unter
zusätzlicher Berücksichtigung der Kommunikationskosten in der Schweiz erscheint
es angemessen, Fr. 80.– einzusetzen.
- 81 -
Die Kommunikationskosten des Gesuchsgegners bleiben unverändert bei Fr. 148.–
(E. V.7.2.).
6) Die Gesuchstellerin macht für Kosten des öffentlichen Verkehrs Fr. 91.50 geltend
(Urk. 186 Rz. 38). Der Gesuchsgegner bestreitet diese mangels Beleg, soweit sie
höher als Fr. 60.– sind (Urk. 196 Rz. 51). Die geltend gemachten Kosten sind we-
der substantiiert noch belegt. Daher sind die anerkannten Fr. 60.– zu berücksichti-
gen.
Die Mobilitätskosten des Gesuchsgegners bleiben unverändert bei Fr. 247.–
(E. V.7.2.).
7) Die Gesuchstellerin macht für auswärtige Verpflegung Fr. 220.– geltend (Urk. 186
Rz. 42). Der Gesuchsgegner bestreitet diese (Urk. 196 Rz. 51). Der Betrag ist we-
der substantiiert noch belegt. Im Übrigen brachte die Gesuchstellerin in ihrer Ein-
gabe vom 6. April 2022 vor, dass die Halbgeschwister jeweils zwischen 13.30 Uhr
und 14.30 Uhr von der Schule nach Hause kämen und von ihr den ganzen Nach-
mittag betreut würden, da sie zu 100 % im Homeoffice arbeiten könne (Urk. 221
Rz. 3). Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht glaubhaft, dass die Gesuchstelle-
rin Mehrkosten für auswärtige Verpflegung hat. Die üblichen Kosten für Nahrung
sind im Grundbetrag enthalten (BlSchK 2009, S. 193).
Beim Gesuchsgegner wurden in der ersten Phase Fr. 200.– für auswärtige Verpfle-
gung berücksichtigt (E. V.7.2.). Diese gründen unbestrittenermassen auf der An-
nahme, dass der Gesuchsgegner einen Tag pro Woche im Homeoffice ist (Prot. I,
S. 26; Urk. 190/173 Rz. 41). Seit Juli 2021 verpflegt er sich nach eigenen Angaben
durchschnittlich an 1.75 Tagen pro Woche auswärts (Urk. 205 Rz. 11). Dies er-
scheint mit Blick auf das Schreiben seiner Arbeitgeberin vom 3. September 2021,
wonach die Mitarbeitenden schrittweise an mindestens einem bis zwei Tagen pro
Woche wieder ins Büro zurückkommen sollen (Urk. 177/12), glaubhaft. Demzufolge
erscheint es angemessen, ihm Fr. 200.– / 4 x 1.75 = (gerundet) Fr. 100.– für aus-
wärtige Verpflegung anzurechnen.
8) Die Parteien haben zwei Liegenschaften in Deutschland. Die eine Wohnung an der
AA._ Strasse ... in K._ gehört dem Gesuchsgegner; die andere Wohnung
an der AB._-Strasse ... in K._ hat er der Gesuchstellerin geschenkt, wel-
che nun Eigentümerin ist. Beide Liegenschaften sind hypothekarisch belastet. Der
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Gesuchsgegner ist alleiniger Schuldner der Grundpfandschulden und Zinsen beider
Liegenschaften. Beide sind vermietet. Es ist unter den Parteien unbestritten, dass
der Aufwand für die Liegenschaft der Gesuchstellerin höher ist als deren Ertrag
(Urk. 190/181 Rz. 77; Urk. 193 Rz. 19–22). Der Gesuchsgegner macht geltend,
dass er für die Wohnung in Deutschland, die im Eigentum der Gesuchstellerin ste-
he, seit Juli 2021 einen Mehrbetrag von monatlich EUR 820.96 zur Schuldentilgung
leisten müsse. Bis und mit Juni 2021 seien die Mietzinseinnahmen auf ein Konto
bei der DKB (IBAN DE...) geflossen, welches auf den Gesuchsgegner laute. Von
diesem Konto werde sämtlicher Liegenschaftsaufwand bezahlt. Da dies ein defizitä-
res Unterfangen sei, zahle er jeden Monat Fr. 380.– ein, um den Kontostand aus-
zugleichen. Seit die Gesuchstellerin nach Deutschland gezogen sei, würden die
Mietzinseinnahmen aus ihrer Liegenschaft an der AB._trasse ... (Zahlungs-
eingänge von AC._ über EUR 821.71) nicht mehr auf das genannte Konto be-
zahlt, weshalb er als Hypothekarschuldner gezwungen sei, zusätzlich zu den
Fr. 380.– weitere Fr. 865.– in der Höhe der ausbleibenden Mietzinseinnahmen zur
Deckung des Liegenschaftsaufwands aufzubringen. Er bezahle somit seit Juli 2021
monatlich Fr. 865.– an den Erhalt eines Vermögenswerts der Gesuchstellerin. Weil
die Liegenschaftsunterhaltskosten variieren könnten, seien ihm unter dem Titel
Schuldentilgung ab dem 1. Januar (recte: Juli) 2021 monatlich mindestens
Fr. 945.– im Bedarf anzurechnen (Urk. 190/181 Rz. 77). Die Gesuchstellerin be-
streitet, dass es sich bei diesem Betrag um eine familienrechtliche Bedarfsposition
handle (Urk. 193 Rz. 20). Zudem seien die Eigentümer der jeweiligen Wohnungen
verpflichtet, ein sogenanntes Hausgeld zu bezahlen. Damit werde ein Konto ge-
spiesen, welches unter anderem für den Unterhalt der Liegenschaft herangezogen
werde. Im Februar und März 2020 sei ein Ausstand von zwei Hausgeldzahlungen
im Umfang von EUR 939.60 entstanden. Zusätzlich zum Hausgeld habe die Eigen-
tümerversammlung am 31. Mai 2021 beschlossen, dass eine Sanierung vorzuneh-
men sei. Diesbezüglich habe man zusätzlich eine Sonderumlage von EUR 1'445.50
und EUR 413.00 an die Hausverwaltung zahlen müssen. Per Juli 2021 habe der
ausstehende Betrag EUR 2'798.10 betragen, was die Hausverwaltung bei der Ge-
suchstellerin beanstandet habe. Die Mietzinszahlungen seien in Absprache mit der
Hausverwaltung herangezogen worden, um den ausstehenden Betrag zu beglei-
chen (Urk. 193 Rz. 21). Im Übrigen werfe die Liegenschaft an der AA._ Stras-
se ... Mieterträge von EUR 300.– bis EUR 400.– pro Monat ab, welche dem Ein-
kommen des Gesuchsgegners anzurechnen seien (Urk. 193 Rz. 22).
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Die Gesuchstellerin widerspricht sich, wenn sie einerseits Aufwände für Schulden-
tilgung im Zusammenhang mit den Liegenschaften der Parteien in Deutschland für
die erste Phase anerkennt (Urk. 190/173 Rz. 42) und andererseits geltend macht,
der Gesuchsgegner erwirtschafte ein Einkommen. Widersprüchlich argumentiert sie
auch, wenn sie erst für die zweite Phase einwendet, beim geltend gemachten Be-
trag handle es sich nicht um eine familienrechtliche Bedarfsposition (Urk. 193
Rz. 20). Damit verkennt sie zudem, dass eine angemessene Schuldentilgung im
familienrechtlichen Existenzminimum berücksichtigt werden kann (BGE 147 III 265
E. 7.2). Wenn der Gesuchsgegner vorbringt, sämtliche Mietzinseinnahmen und
Auslagen würden über dasselbe Konto bei der DKB abgewickelt (Urk. 190/181
Rz. 77), erscheint dies glaubhaft. Auf dem Auszug des Kontos DE... sind nämlich
nicht nur Eingänge der AC._ GmbH (dazu sogleich), sondern auch solche der
AD._ Verwaltungsgesellschaft mbH vermerkt (Urk. 207/5). Auf diesem Konto-
auszug für das ganze Jahr 2021 finden sich monatliche Einzahlungen des Ge-
suchsgegners (dazu sogleich), jedoch – mit Ausnahme einer Überweisung des
Überschusses von EUR 1'050.– am 1. Juni 2021 – keine Überweisungen auf sein
Konto (Urk. 207/5). Der tiefe Kontostand von EUR 2'581.44 per 31. Dezember 2021
(Urk. 207/5) zeigt ausserdem, dass die Mietzinseinnahmen auch nicht auf dem
Konto bei der DKB verblieben. Die Überweisung von EUR 1'050.– betrifft nicht den
vorliegend interessierenden Zeitraum, weshalb sie unberücksichtigt bleiben kann.
Zusammenfassend erscheint es nicht glaubhaft, wenn die Gesuchstellerin vor-
bringt, dass die Liegenschaft an der AA._ Strasse Mieterträge von EUR 300.–
bis EUR 400.– abwerfe, welche dem Einkommen des Gesuchsgegners anzurech-
nen seien (Urk. 193 Rz. 22).
Hinsichtlich der Liegenschaft an der AB._-Strasse ist unbestritten, dass die
Mietzinserträge nur bis im Sommer 2021 (Juni oder Juli) auf ein Konto bei der DKB
flossen (Urk. 190/181 Rz. 77; Urk. 208 Rz. 18). Die Gesuchstellerin bringt vor, dass
sie seit Dezember 2021 monatlich EUR 380.– bis EUR 390.– an Mietzinseinnah-
men auf ihr eigenes Konto überwiesen erhalte. Zu den Schuldzinsen könne sie kei-
ne Angaben machen (Urk. 208 Rz. 18). Der Gesuchsgegner macht demgegenüber
geltend, seit Juli 2021 flössen die Mietzinsen und die Verwaltungskostenrückerstat-
tung auf ein ihm unbekanntes Konto (Urk. 205 Rz. 28), während er als Hypothekar-
schuldner gezwungen gewesen sei, zusätzlich zu den monatlichen Fr. 380.– weite-
re Fr. 865.– pro Monat einzuschiessen (Urk. 190/181 Rz. 77). Es ist demzufolge
unbestritten, dass die Gesuchstellerin seit Dezember 2021 die Einnahmen aus ihrer
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Liegenschaft an der AB._-Strasse abschöpft, während der Gesuchsgegner für
die Ausgaben aufkommt.
Die Liegenschaft der Gesuchstellerin an der AB._-Strasse wird von der
AC._ GmbH verwaltet (Urk. 205 Rz. 28; Urk. 210/33). Das Vorbringen des Ge-
suchsgegners, wonach die Verwaltung monatlich rund EUR 820.– überwies
(Urk. 190/181 Rz. 77), erscheint für das Jahr 2020 und die erste Hälfte 2021 glaub-
haft (Urk. 207/4–5). Bezüglich 2021 stimmen die Zahlen und Daten (letztere teilwei-
se mit Abweichungen um einen Tag) auf der Sondereigentümerabrechnung vom
14. Februar 2022 (Urk. 210/32 S. 2) mit jenen auf dem Auszug des Kontos DE...
(Urk. 207/5) überein. Aus der Sondereigentümerabrechnung geht indessen eben-
falls hervor, dass die Verwaltung von Juli 2021 bis und mit November 2021 über-
haupt keine Gelder auszahlte (Urk. 210/32 S. 2). 2021 zahlte der Gesuchsgegner
folgende Beträge auf das Konto DE... ein (Urk. 207/5):
Datum Betrag
27. Januar 2021 EUR 275.00
26. Februar 2021 EUR 275.00
26. März 2021 EUR 275.00
27. April 2021 EUR 275.00
27. Mai 2021 EUR 275.00
25. Juni 2021 EUR 275.00
27. Juli 2021 EUR 275.00
27. August 2021 EUR 275.00
27. September 2021 EUR 275.00
29. Oktober 2021 EUR 650.00
29. November 2021 EUR 650.00
29. Dezember 2021 EUR 650.00
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30. Dezember 2021 EUR 1'828.32
Es erscheint glaubhaft, dass der Gesuchsgegner, nachdem die Zahlungen von mo-
natlich rund EUR 820.– durch die Verwaltung ab Juli 2021 versiegten, zusätzlich zu
den monatlich EUR 275.– insgesamt EUR 650.– + EUR 650.– + EUR 650.– +
EUR 1'828.32 - 4 x EUR 275.– = EUR 2'678.32 einzahlte. Dies entspricht von Ju-
li 2021 bis Dezember 2021 (sechs Monate) EUR 446.39 pro Monat. Der Gesuchs-
gegner zahlte somit ab Juli 2021 durchschnittlich EUR 446.39 + EUR 275.– =
EUR 721.39 für die Liegenschaft an der Gesuchstellerin ein. Dies entspricht beim
Wechselkurs von 1.089 (E. V.4.7.) Fr. 785.–.
Die Gesuchstellerin bringt vor, dass es einen Ausstand von zwei Hausgeldzahlun-
gen in Höhe von insgesamt EUR 939.60 gegeben habe. Zusätzlich sei beschlossen
worden, eine Sanierung vorzunehmen, weshalb es eine Sonderumlage in Höhe von
EUR 1'445.50 und eine solche von EUR 413.– gegeben habe. Die Mietzinszahlun-
gen seien in Absprache mit der Hausverwaltung herangezogen worden, um den
ausstehenden Betrag zu bezahlen (Urk. 193 Rz. 21). Dies erscheint glaubhaft: So
sind die Sonderumlagen belegt (Urk. 195/18–19) und die Verwaltung zahlte von Ju-
li 2021 bis und mit November 2021 keine Beträge aus (Urk. 210/32 S. 2). Am
15. Dezember 2021 überwies sie demgegenüber EUR 390.20 (Urk. 210/32 S. 2),
am 17. Januar 2022 folgten weitere EUR 382.68 (Urk. 210/33). Diese Beträge flos-
sen auf ein Konto der Gesuchstellerin (Urk. 190/181 Rz. 77; Urk. 208 Rz. 18) und
sind ihr daher als Einkommen anzurechnen. Die Mietzinseinnahmen von Juli 2021
bis Dezember 2022 (18 Monate) belaufen sich auf 13 x EUR 385.– / 18 =
EUR 278.05. Dies entspricht bei einem Wechselkurs von 1.089 (E. V.4.7.) gerundet
Fr. 300.–. Ab dem 1. Januar 2023 sind EUR 385.– bzw. Fr. 420.– anzurechnen.
Der Gesuchsgegner behauptet, dass die Liegenschaft an der AB._-Strasse
seit dem Wegfall des sog. Mietendeckels in K._ kein Verlustgeschäft mehr sei.
Das Bundesverfassungsgericht habe im Jahr 2021 die Nichtigkeit eines Gesetzes
über einen Mieten-Plafond festgestellt. Demzufolge könnten mit dem Objekt heute
Einnahmen generiert werden, welche den Finanzierungsaufwand überstiegen
(Urk. 205 Rz. 46). Auf die Ausführungen des Gesuchsgegners braucht mangels
Substantiierung nicht näher eingegangen zu werden. So äussert er sich weder zur
Höhe des angeblich erzielbaren Nettoertrags noch zum Zeitpunkt, auf welchen eine
angebliche Mietzinserhöhung durchgesetzt werden kann.
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9) Für Vorsorge kann vorliegend nichts angerechnet werden (E. V.7.2.).
10) Der Gesuchsgegner macht Fremdbetreuungskosten (inklusive Ferienbetreuung)
von Fr. 1'440.– geltend (Urk. 173 Rz. 55). Die Gesuchstellerin anerkennt lediglich
Fr. 780.– (Urk. 186 Rz. 32). Glaubhaft bzw. belegt sind Fremdbetreuungskosten
von Fr. 411.– für August 2021, Fr. 1'431.– für September 2021, Fr. 1'063.– für Ok-
tober 2021 (Urk. 198/5) sowie Fr. 1'407.– für November 2021 (Urk. 198/4). Dies
entspricht durchschnittlich Fr. 1'078.–. Es erscheint angemessen, Fr. 1'100.– zu be-
rücksichtigen. Die Ferienbetreuung ist vernachlässigbar. Zum einen entfallen die
Fremdbetreuungskosten ganz, wenn der Gesuchsgegner mit D._ Ferien ver-
bringt; zum anderen ist die Tochter während eines grossen Teils der Ferien bei der
Gesuchstellerin (E. III.4.5.3.).
11) Die Gesuchstellerin bringt vor, dass sie zweimal pro Monat in die Schweiz reise, um
D._ zu besuchen. Einmal pro Monat fliege sie am Samstag nach Zürich und
lasse die Halbgeschwister in K._; für den Hin- und Rückflug bezahle sie insge-
samt rund Fr. 149.20. Die Uber-Fahrt bis zum Hotel und zurück koste im Durch-
schnitt Fr. 95.90 und die Übernachtung rund Fr. 126.80. Es gelte zu beachten, dass
die Uber-Fahrt bei den Samstagflügen erforderlich sei, weil sie zu Nachtzeiten in
Zürich lande und keine andere Verschiebungsmöglichkeit zur Verfügung stehe. Ein
zweites Mal pro Monat fliege die Gesuchstellerin mit den beiden Kindern aus erster
Ehe bereits am Donnerstagabend nach Zürich, um D._ am Freitagmittag von
der Kita abholen zu können. Die Hin- und Rückflugkosten betrügen hierfür insge-
samt Fr. 696.85 und die Kosten für das Hotel rund Fr. 426.30. Hinzu komme die
Zugfahrt hin und zurück zum Hotel im Umfang von Fr. 40.80. Zusammengerechnet
ergebe dies Gesamtkosten in Höhe von Fr. 1'535.85 (Urk. 186 Rz. 40). Der Ge-
suchsgegner bestreitet diese Kosten. Es gebe keinen Grund, weshalb die Gesuch-
stellerin mit dem Flugzeug mitsamt allen Kindern reisen und in der Schweiz Hotel-
zimmer und Taxifahrten beanspruchen müsste. Reisekosten könnten der Gesuch-
stellerin daher maximal im Umfang von Fr. 150.– pro Monat (entsprechend vier
Bahnfahrten à rund EUR 30.–) angerechnet werden (Urk. 196 Rz. 50).
Im Rahmen des familienrechtlichen Existenzminimums können Kosten zur Aus-
übung des Besuchsrechts berücksichtigt werden (BGE 147 III 265 E. 7.2; BGer
5A_593/2021 vom 29. Oktober 2021, E. 3.2). Miteinbezogen werden kann nur der
Bedarf der von der Unterhaltsberechnung betroffenen Person (BGE 147 III 265 E. 7
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[S. 279 f.]); der Bedarf der vorehelichen Kinder spielt höchstens im Rahmen der
Überschussverteilung eine Rolle (E. V.7.3.3.). Damit sind deren Reisekosten aus-
ser Acht zu lassen.
Die Behauptung des Gesuchsgegners, wonach eine Bahnfahrt von K._ nach
Zürich EUR 30.– koste (Urk. 196 Rz. 50), blieb unbelegt. Es ist sodann nicht glaub-
haft, dass die Gesuchstellerin samstags so spät landen würde, dass sie auf ein U-
ber-Taxi angewiesen wäre; die Flugzeiten auf dem Beleg sind nämlich ohne er-
sichtlichen Grund unkenntlich gemacht worden (Urk. 189/10). Für den Flughafen
Zürich gilt eine Nachtflugsperre von 23 bis 6 Uhr
(https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/laerm/fachinformationen/massna
hmen-gegen-laerm/massnahmen-gegen-fluglaerm.html, besucht am 1. Juni 2022).
Ferner ist notorisch bekannt, dass man auch nach 23 Uhr mit den öffentlichen Ver-
kehrsmitteln vom Flughafen Zürich in die Stadt gelangt. Es erscheint glaubhaft,
dass das Flugbillett von K._ nach Zürich und zurück für eine Person Fr. 150.–
kostet. Dieser Betrag ist zu verdoppeln, da die Gesuchstellerin zweimal pro Monat
in die Schweiz kommt. Weiter sind monatlich vier Hotelübernachtungen (einmal von
Donnerstag bis Sonntag, einmal von Samstag bis Sonntag bzw. zweimal von Frei-
tag bis Sonntag [E. III.4.2.2.]) à Fr. 120.– (Urk. 189/10), somit Fr. 480.–, zu berück-
sichtigen. Für die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr vom Flughafen zum Hotel
(ZVV Einzelbillett, drei Zonen, ohne Halbtax) sind 4 x Fr. 6.80 = Fr. 27.20 zu veran-
schlagen (Urk. 14/8; https://www.zvv.ch/zvv/de
/abos-und-tickets/tickets/einzelbillette-und-mehrfartenkarten.html, besucht am
1. Juni 2022). Zusammenfassend sind der Gesuchstellerin Kosten für die Ausübung
des Besuchsrechts von Fr. 300.– + Fr. 480.– + Fr. 27.20 = (gerundet) Fr. 810.– pro
Monat anzurechnen.
12) Die Gesuchstellerin macht geltend, der Vater der Kinder aus erster Ehe sei mit Ur-
teil vom 15. März 2016 verpflichtet worden, Fr. 600.– pro Kind zu bezahlen. Er habe
jedoch weder Einkommen noch Vermögen und komme seinen Unterhaltsverpflich-
tungen nicht nach. Selbst wenn der Gesuchstellerin die Fr. 1'200.– anzurechnen
wären, würden diese den Bedarf der Kinder aus erster Ehe nicht decken. Gemäss
Düsseldorfer Tabelle betrage dieser total EUR 1'567.00 bzw. Fr. 1'670.40. Der Ge-
suchsgegner habe gemäss Art. 159 ZGB die Pflicht, die Gesuchstellerin zu unter-
stützen. Es rechtfertige sich daher, der Gesuchstellerin den nicht gedeckten Bedarf
der vorehelichen Kinder im Umfang von Fr. 470.– im eigenen Bedarf anzurechnen
- 88 -
(Urk. 186 Rz. 41). Der Gesuchsgegner bestreitet die Bedarfsposition "Unterde-
ckung Kinder aus erster Ehe" (Urk. 196 Rz. 51).
Auslagen für voreheliche Kinder hat grundsätzlich der leibliche Elternteil aus sei-
nem Überschuss zu finanzieren, bevor die Beistandspflicht nach Art. 278 Abs. 2
ZGB greift (E. V.7.3.3.). Sie sind daher nicht Teil des Bedarfs des leiblichen Eltern-
teils. Wie noch zu zeigen sein wird, resultiert aus der Düsseldorfer Tabelle im Übri-
gen kein Betrag von insgesamt EUR 1'567.00 (E. V.8.3.4.).
13) Die Steuern der Gesuchstellerin wurden bereits von deren Einkommen abgezogen
(E. V.4.7.).
Der Gesuchsgegner unterliegt dem Verheiratetentarif (§ 35 Abs. 2 StG; Art. 36
Abs. 2bis DBG). Er ist konfessionslos (Urk. 207/6 S. 1). Sein Einkommen beträgt
Fr. 147'600.– (E. V.5.4.). Hinzu kommen die Kinderzulagen von Fr. 2'400.– sowie
Unterhaltsbeiträge von geschätzt Fr. 8'400.–. Abzuziehen sind die Berufsauslagen
von rund Fr. 6'800.– (Urk. 207/6 S. 12), Versicherungsprämien von Fr. 3'900.–
(Staatssteuer) bzw. Fr. 2'400.– (Bundessteuer), Fremdbetreuungskosten von
Fr. 10'100.– (§ 31 Abs. 1 lit. j StG; Art. 33 Abs. 3 DBG) sowie Sozialabzüge von
Fr. 9'000.– (§ 34 Abs. 1 lit. a StG) bzw. Fr. 6'500.– (Art. 35 Abs. 1 lit. a DBG) für ein
Kind im Haushalt. Das steuerbare Einkommen für die Staats- und Gemeindesteuer
beträgt Fr. 128'600.–, jenes für die direkte Bundessteuer Fr. 132'600.–. Das steuer-
bare Vermögen und das Verrechnungssteuerguthaben sind vernachlässigbar
(Urk. 207/6 S. 4 und § 47 Abs. 2 StG). Gibt man die Daten für das Jahr 2021 im
Steuerrechner des Kantons Zürich ein (Zivilstand: getrennt; Tarif: Verheirateten-
und Einelterntarif; Konfession: andere; Gemeinde: Zürich), resultiert eine Staats-
und Gemeindesteuer von Fr. 15'855.50 und eine direkte Bundessteuer von
Fr. 3'911.–. Die monatliche Steuerlast beträgt somit (gerundet) Fr. 1'650.–.
Grundsätzlich ist ein Anteil dieser Steuern dem Barbedarf von D._ zuzuweisen
(E. V.7.2.). Wie nachfolgend zu zeigen sein wird, wird die Gesuchstellerin aber nur
für einen kleinen Teil des Barbedarfs von D._ aufkommen können
(E. V.8.3.6.). Den übrigen Teil kann der Gesuchsgegner decken, sodass kein Man-
ko entsteht. Da der Gesuchsgegner den Steueranteil sowieso selber wird tragen
müssen, erübrigt es sich, diesen vorliegend zu berechnen.
- 89 -
8.3. Dem Gesamteinkommen von Fr. 17'480.– (E. V.8.1.) steht ein Ge-
samtbedarf von Fr. 12'467.– (E. V.8.2.) gegenüber. Es resultiert ein Überschuss
von Fr. 5'013.–.
8.3.1. Zu untersuchen ist, ob und gegebenenfalls wie sich die beiden vor-
ehelichen Kinder auf die Überschussverteilung auswirken. Alle unterhaltsberech-
tigten Kinder eines Elternteils sind im Verhältnis zu ihren objektiven Bedürfnissen
finanziell gleich zu behandeln. Die minderjährigen Kinder stehen grundsätzlich auf
derselben Anspruchsstufe und müssen sich einen allfälligen Überschuss beim
Unterhaltspflichtigen nach Massgabe ihrer objektiven Bedürfnisse teilen (BGer
5A_78/2019 vom 25. Juli 2019, E. 5.3).
8.3.2. Damit ist vorab zu prüfen, ob die vorehelichen Kinder gegenüber der
Gesuchstellerin überhaupt einen Anspruch auf Barunterhalt haben: Das Bezirks-
gericht Zürich hat in seinem Scheidungsurteil vom 15. März 2016 ihren Bedarf zu-
sammen mit jenem der Gesuchstellerin festgestellt und den Kindsvater verpflich-
tet, monatliche Alimente von Fr. 600.– zu bezahlen (Urk. 189/13). Zu einer allfälli-
gen Unterhaltspflicht der Kindsmutter hat es sich soweit ersichtlich nicht geäus-
sert. Die vorehelichen Kinder haben ihren Wohnsitz in Deutschland, weshalb
deutsches Recht zur Anwendung gelangt (E. V.1.2.). Das Mass des Unterhalts
bestimmt sich nach der Lebensstellung des Bedürftigen (§ 1610 Abs. 1 BGB). Es
ist unter den Parteien unbestritten (Urk. 190/173 Rz. 57; Urk. 190/181 Rz. 93) und
zutreffend
(OGer ZH LE130041 vom 19.12.2013, E. III.4.3.2.), dass die Düsseldorfer Tabelle
anwendbar ist. Da die Kinder Wohnsitz in K._ haben, sind die Unterhalts-
rechtlichen Leitlinien der Familiensenate des Kammergerichts (Stand: 1. Januar
2021; abrufbar unter https://www.K._.de/gerichte/was-moechten-sie-
erledigen/familiensachen/artikel.418017.php, besucht am 1. Juni 2022; nachfol-
gend: Leitlinien) ergänzend heranzuziehen. Unterhaltsverpflichtet sind Verwandte
in gerader Linie (§ 1601 BGB). Ein minderjähriges Kind hat dabei grundsätzlich
Anspruch auf Unterhalt gegenüber seinen Eltern (§ 1602 Abs. 2 BGB). Der Eltern-
teil, der ein minderjähriges Kind betreut, erfüllt seine Unterhaltsverpflichtung in der
Regel durch die Pflege und Erziehung des Kindes (§ 1606 Abs. 3 Satz 2 BGB).
- 90 -
Auch im deutschen Recht gilt somit die Gleichwertigkeit zwischen Geld- und Natu-
ralunterhalt als Grundsatz: Wer die Kinder betreut, muss prinzipiell nicht für deren
Barunterhalt aufkommen. Eine Ausnahme setzt voraus, dass ohne die Beteiligung
des betreuenden Elternteils am Barunterhalt ein erhebliches finanzielles Un-
gleichgewicht zwischen den Eltern entstehen würde. Die Frage, wann ein solcher
Ausnahmefall vorliegt, kann nicht in jedem Einzelfall schematisch durch die Ge-
genüberstellung der beiderseitigen, aufseiten des barunterhaltspflichtigen Eltern-
teils gegebenenfalls auch fiktiven Nettoeinkünfte beurteilt werden. Vielmehr ist die
unterhaltsrechtliche Belastung der Elternteile im Rahmen einer umfassenden Bil-
ligkeitsabwägung angemessen zu würdigen. Beim betreuenden Elternteil kann
dabei bedeutsam sein, dass er auch andere – selbst nachrangige – Unterhalts-
pflichten hat (BGH XII ZB 297/12 vom 10. Juli 2013, Rz. 26 und 28 [abrufbar unter
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-
bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=64918
&pos=0&anz=1, besucht am 1. Juni 2022]). Das monatliche Nettoeinkommen der
Gesuchstellerin beträgt nach Abzug von Steuern und Krankenkasse EUR 4'296.–
(E. V.4.7.). Das Bezirksgericht Zürich ging von einem monatlichen Nettoeinkom-
men des Vaters der beiden vorehelichen Kinder von Fr. 4'700.– aus (Urk. 189/13).
Unter Berücksichtigung von Steuern und Krankenkasse ist das Einkommen er-
messensweise auf Fr. 4'000.– festzulegen, was beim Wechselkurs von 1.089
(E. V.4.7.) EUR 3'673.– entspricht. Die Lohnunterschiede der Eltern der voreheli-
chen Kinder sind nicht so hoch, dass es sich rechtfertigen würde, die Gesuchstel-
lerin zu verpflichten, für einen Teil des Barunterhalts von E._ und F._
aufzukommen. Dies gilt vorliegend umso mehr, als sie gegenüber D._ unter-
haltspflichtig ist.
8.3.3. Hinzu kommt, dass die vorehelichen Kinder der Gesuchstellerin nur
einseitig Anspruch auf den Barunterhalt haben (Leitlinien, S. 5, Ziff. 12.1: "Der El-
ternteil, der in seinem Haushalt ein minderjähriges Kind versorgt, braucht für die-
ses neben dem anderen Elternteil in der Regel keinen Barunterhalt zu leisten, weil
der Betreuungsunterhalt im Sinne von § 1606 Abs. 3 Satz 2 BGB wertmäßig dem
vollen Barunterhalt entspricht. Etwas anderes kann sich ergeben, wenn sein Ein-
kommen bedeutend höher als das des anderen Elternteils ist. In diesem Fall kann
- 91 -
der Barunterhalt des anderen Elternteils angemessen gekürzt werden." [Im vorlie-
genden Eheschutzentscheid ist eine vorfrageweise Kürzung aufgrund der materi-
ellen Rechtskraft des Scheidungsurteils vom 15. März 2016 {Urk. 189/13} nicht
möglich.]). Zusammenfassend haben die beiden vorehelichen Kinder keinen An-
spruch auf Barunterhalt gegenüber ihrer Mutter. Entsprechend hat diese ihren
Überschuss grundsätzlich allein zur Deckung von D._s Barunterhalt zu ver-
wenden.
8.3.4. Der Unterhaltsbetrag bestimmt sich nach dem Nettoeinkommen des
Unterhaltspflichtigen und dem Alter des unterhaltsberechtigten Kindes; vom Be-
trag in der Tabelle ist sodann das halbe Kindergeld in Abzug zu bringen
(https://www.unterhalt.net/unterhaltsrecht/unterhaltsberechnung.html#berechnung
-des-unterhaltsanspruchs-fr-kinder-2021, besucht am 1. Juni 2022; ähnlich
§ 1612b Abs. 1 Nr. 1 BGB). Ausgangspunkt für das unterhaltsrechtlich massgebli-
che Einkommen ist das Bruttoeinkommen (Leitlinien, S. 1, Ziff. 1.1). Von diesem
sind die tatsächlichen Steuern und die Vorsorgeaufwendungen (inklusive Kran-
kenversicherung) abzuziehen; weiter werden berufsbedingte Aufwendungen mit
einer Pauschale von 5 % des Nettoeinkommens berücksichtigt (Tabelle, Anmer-
kung 3; Leitlinien, S. 4). Das massgebliche Einkommen des Vaters der voreheli-
chen Kinder beläuft sich nach Abzug von Steuern und Vorsorgeaufwendungen
auf EUR 3'673.– (E. V.8.3.2.). Subtrahiert man davon die Pauschale von 5 % (o-
der EUR 184.–), resultiert ein unterhaltsrechtlich massgebliches Einkommen von
EUR 3'489.–. Die Düsseldorfer Tabelle weist gemäss Anmerkung 1 den monatli-
chen Unterhaltsbedarf für zwei Unterhaltsberechtigte aus, weshalb sich vorlie-
gend keine Einstufung in eine niedrigere oder höhere Gruppe rechtfertigt.
E._ fällt in die Altersgruppe 12–17, F._ in die Altersgruppe 6–11
(E. I.1.). Der Tabellenbetrag für E._ beträgt somit EUR 634.–, jener für
F._ EUR 542.–. Der Bedarfskontrollbetrag (Tabelle, Anmerkung 6) von
EUR 1'700.– ist damit gewahrt (EUR 3'489.– - EUR 634.– - EUR 542.– =
EUR 2'313.–). Die Gesuchstellerin erhält für beide Kinder ein monatliches Kinder-
geld von EUR 219.– (Urk. 190/173 Rz. 22). Da das volle Kindergeld sich 2021 für
das erste und zweite Kind auf EUR 219.– pro Kind belief (Leitlinien, S. 11), han-
delt es sich um die hälftigen Kindergelder. Diese sind von den Tabellenbeträgen
- 92 -
abzuziehen. Demzufolge hätte E._ nach deutschem Recht Anspruch auf
EUR 524.50 und F._ auf EUR 432.50; dies entspricht beim Wechselkurs von
1.089 (E. V.4.7.) Fr. 571.– bzw. Fr. 471.–.
8.3.5. Die Gesuchstellerin macht geltend, dass der Vater der Kinder aus ers-
ter Ehe seinen Unterhaltsverpflichtungen nicht nachkomme, weil die Verpflichtung
im Scheidungsurteil vom 15. März 2016 auf einem hypothetischen Einkommen
basiert habe. Deshalb sei der Gesuchsgegner nach Art. 159 ZGB verpflichtet, die
Gesuchstellerin zu unterstützen (Urk. 186 Rz. 41). Der Beleg, mit welchem die
Gesuchstellerin glaubhaft machen will, dass sie keine Alimente erhält
(Urk. 189/14), ist nicht aussagekräftig. So ist darauf nicht ersichtlich, ob es sich
überhaupt um ein Konto handelt und wenn ja, um welches. Auch der Zeitraum
lässt sich in Ermangelung eines Datums nicht eruieren. Die Tatsache, dass die
Alimente für E._ und F._ gestützt auf ein hypothetisches Einkommen
des leiblichen Vaters errechnet wurden (Urk. 189/13), stand in der Vergangenheit
der Zahlung von Alimenten offenkundig nicht entgegen: So sind in der Steuerer-
klärung 2018 Unterhaltsbeiträge für die vorehelichen Kinder von je Fr. 5'400.–
aufgeführt und in jener von 2019 je Fr. 4'200.– (Urk. 5/3). Dies entspricht durch-
schnittlich Fr. 400.– pro Kind und Monat. Es erscheint somit lediglich glaubhaft,
dass die Gesuchstellerin für die Differenz von Fr. 571.– + Fr. 471.– - Fr. 400.– -
Fr. 400.– = Fr. 242.– aufkommen muss. Auch wenn die beiden vorehelichen Kin-
der gegenüber ihrer Mutter keinen rechtlichen Anspruch auf Geldunterhalt haben,
erscheint es vorliegend angemessen, den faktischen Gegebenheiten im Rahmen
der Überschussverteilung Rechnung zu tragen.
8.3.6. Grundsätzlich ist der Überschuss nach grossen und kleinen Köpfen zu
verteilen (E. V.7.3.3.). Zu berücksichtigen ist nun aber, dass die Gesuchstellerin
seit ihrem Umzug nach Deutschland nur noch einen eigenen Überschuss von
Fr. 4'980.– (E. V.8.1.) - Fr. 4'236.– (E. V.8.2.) = Fr. 744.– (anstelle der vormals
Fr. 3'698.–; E. V.7.3.5.) erwirtschaftet. Davon entfallen Fr. 300.– auf die Mietzins-
erträge, die so nur möglich sind, weil der Gesuchsgegner die höheren Ausgaben
finanziert. Im Ergebnis handelt es sich bei diesem Betrag um einen versteckten
Ehegattenunterhaltsbeitrag. Es gilt der Grundsatz, dass der Natural- und der
- 93 -
Geldunterhalt (Bar- und Betreuungsunterhalt) gleichwertig sind (BGer
5A_727/2018 vom 22. August 2019, E. 4.3.1); derjenige, der das Kind hauptsäch-
lich betreut, soll nicht auch für dessen Kosten aufkommen müssen. Dieses Prinzip
findet jedoch seine Grenze an der Leistungsfähigkeit des Unterhaltsschuldners
(BGE 147 III 265 E. 7.4). Kann der nicht hauptbetreuende Elternteil finanziell nicht
für den gesamten Barunterhalt des Kindes aufkommen, so kann das Gericht den
anderen Elternteil verpflichten, neben dem Naturalunterhalt einen Teil des Barbe-
darfs des Kindes zu decken (OGer ZH LZ200040 vom 15.06.2021, E. III.10.3.
[S. 32]; BGer 5A_727/2018 vom 22. August 2019, E. 4.3.2.2). Einerseits betreut
der Gesuchsgegner die Tochter, andererseits hat die Gesuchstellerin mit ihrem
Umzug nach K._ eine Reduktion ihrer Leistungsfähigkeit (und damit ihres ei-
genen sowie des Standards der vorehelichen Kinder) in Kauf genommen. Die Ge-
suchstellerin begründet ihren Umzug zwar damit, dass er aus medizinischer Sicht
zwingend notwendig gewesen sei (Urk. 190/173 Rz. 11). Sie reicht dazu eine E-
Mail von lic. phil. AE._, Fachpsychologin für Psychotherapie, zu den Akten
(Urk. 190/177/4). Daraus geht aber nicht hervor, dass der Wegzug medizinisch
notwendig gewesen wäre. Befremdend erscheint vielmehr, dass die Fachpsycho-
login dem Gesuchsgegner pauschal unterstellt, persönlichkeitsauffällig zu sein
und D._ zu instrumentalisieren und zu manipulieren, ohne die beiden jemals
gesehen zu haben (Urk. 190/177/4). Es ist demzufolge nicht glaubhaft, dass die
Gesuchstellerin aus medizinischen Gründen veranlasst war, die Schweiz zu ver-
lassen. Wer seine eigene Leistungsfähigkeit ohne plausiblen Grund schmälert,
kann sich anschliessend nicht auf die eheliche Beistandspflicht berufen, um sich
und den eigenen vorehelichen Kindern einen höheren Standard zu finanzieren. Es
rechtfertigt sich vor diesem Hintergrund nicht, dass die Gesuchstellerin am ge-
samten Überschuss partizipiert. Vielmehr ist ihr Überschussanteil auf den Betrag
festzusetzen, den sie monatlich für ihre beiden vorehelichen Kinder benötigt,
nämlich Fr. 242.–. Damit ist die Gesuchstellerin zu verpflichten, den Betrag von
Fr. 500.– ihrer Tochter als Barunterhalt zu bezahlen. Es sind keine Ehegattenun-
terhaltsbeiträge zuzusprechen.
8.4. Zusammenfassend ist die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem Ge-
suchsgegner für D._ in der Zeit vom 1. Juli 2021 bis zum 31. Dezember 2022
- 94 -
monatliche Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) von Fr. 500.– (ohne Kinderzulagen)
zu bezahlen. Die Unterhaltsbeiträge werden sofort fällig, soweit sie vergangene
Monate betreffen (Art. 75 OR). Für die Zukunft sind sie zahlbar monatlich im Vo-
raus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats. Der Antrag der Gesuchstellerin
auf Zusprechung persönlicher Unterhaltsbeiträge für die Zeit vom 1. Juli 2021 bis
zum 31. Dezember 2022 (Urk. 190/173 S. 2) ist abzuweisen.
9. Unterhaltsberechnung ab dem 1. Januar 2023
9.1. Der Gesuchstellerin sind neu Mietzinseinnahmen von Fr. 420.– anzu-
rechnen (E. V.8.2.). Im Übrigen bleibt die Einkommenssituation gegenüber der
vorherigen Phase unverändert (Lohn der Gesuchstellerin von Fr. 4'680.–; Lohn
des Gesuchsgegners von Fr. 12'300.–; Kinderzulage für D._ von Fr. 200.–;
E. V.8.1.).
9.2. Die monatlichen Bedarfspositionen der Parteien und von D._ ge-
stalten sich ab dem 1. Januar 2023 wie folgt:
Position Gesuchstellerin D._ Gesuchsgegner
1) Grundbetrag Fr. 810.00 Fr. 400.00 Fr. 1'350.00
2) Wohnkosten Fr. 1'000.00 Fr. 663.00 Fr. 1'327.00
1) Krankenkasse Fr. 0.00 Fr. 67.00 Fr. 389.00
1) Versicherungen Fr. 42.00 Fr. - Fr. 5.00
1) Kommunikation Fr. 80.00 Fr. - Fr. 148.00
1) Mobilität Fr. 60.00 Fr. - Fr. 247.00
1) Auswärtige Verpflegung Fr. 0.00 Fr. - Fr. 100.00
1) Schuldentilgung Fr. - Fr. - Fr. 785.00
1) Vorsorge Fr. - Fr. - Fr. 0.00
1) Fremdbetreuungskosten Fr. - Fr. 1'100.00 Fr. -
- 95 -
1) Besuchskosten Fr. 810.00 Fr. - Fr. -
1) Unterdeckung der Kinder Fr. 0.00 Fr. - Fr. -
3) Steuern Fr. 0.00 Fr. 286.00 Fr. 1'620.00
Total Fr. 2'802.00 Fr. 2'516.00 Fr. 5'971.00
1) Die Grundbeträge, Krankenkasse, Versicherungen, Kommunikation, Mobilität, aus-
wärtige Verpflegung, Schuldentilgung, Vorsorge, Fremdbetreuungskosten, Be-
suchskosten und Unterdeckung der Kinder bleiben unverändert, sodass auf die
vorherigen Erwägungen (E. V.8.2.) verwiesen werden kann.
2) Der Wohnkostenanteil der Gesuchstellerin reduziert sich auf Fr. 1'000.– (E. V.8.2.);
im Übrigen bleiben die Wohnkosten unverändert.
3) Die Steuern der Gesuchstellerin wurden bereits von ihrem Einkommen abgezogen
(E. V.4.7.).
Der Gesuchsgegner unterliegt dem Verheiratetentarif (§ 35 Abs. 2 StG; Art. 36
Abs. 2bis DBG). Er ist konfessionslos (Urk. 207/6 S. 1). Sein Einkommen beträgt
Fr. 147'600.– (E. V.5.4.). Hinzu kommen die Kinderzulagen von Fr. 2'400.– sowie
Unterhaltsbeiträge von geschätzt Fr. 19'200.–. Abzuziehen sind die Berufsauslagen
von rund Fr. 6'800.– (Urk. 207/6 S. 12), Versicherungsprämien von Fr. 3'900.–
(Staatssteuer) bzw. Fr. 2'400.– (Bundessteuer), Fremdbetreuungskosten von
Fr. 10'100.– (§ 31 Abs. 1 lit. j StG; Art. 33 Abs. 3 DBG) sowie Sozialabzüge von
Fr. 9'000.– (§ 34 Abs. 1 lit. a StG) bzw. Fr. 6'500.– (Art. 35 Abs. 1 lit. a DBG) für ein
Kind im Haushalt. Das steuerbare Einkommen für die Staats- und Gemeindesteuer
beträgt Fr. 139'400.–, jenes für die direkte Bundessteuer Fr. 143'400.–. Das steuer-
bare Vermögen und das Verrechnungssteuerguthaben sind vernachlässigbar
(Urk. 207/6 S. 4 und § 47 Abs. 2 StG). Gibt man die Daten für das Jahr 2022 im
Steuerrechner des Kantons Zürich ein (Zivilstand: getrennt; Tarif: Verheirateten-
und Einelterntarif; Konfession: andere; Gemeinde: Zürich) resultiert eine Staats-
und Gemeindesteuer von Fr. 17'904.40 und eine direkte Bundessteuer von
Fr. 4'969.–. Die monatliche Steuerlast beträgt somit Fr. 1'906.–.
- 96 -
Ein Anteil dieser Steuern von Fr. 1'906.– ist dem Bedarf von D._ zuzuweisen
(zur Berechnungsweise E. V.7.2.). Dieser beträgt (Fr. 19'200.– + Fr. 2'400.–) /
Fr. 139'400.– = 0.15. 15 % von Fr. 1'906.– entsprechen Fr. 286.–. Dem Gesuchs-
gegner sind somit Fr. 1'620.– und D._ Fr. 286.– anzurechnen.
9.3. Dem Gesamteinkommen von Fr. 17'600.– (E. V.9.1.) steht ein Ge-
samtbedarf von Fr. 11'289.– gegenüber (E. V.9.2.). Es resultiert ein Überschuss
von Fr. 6'311.–. Zu berücksichtigen ist, dass ein grosser Teil von D._s Bedarf
von Fr. 2'516.– auf die Fremdbetreuungskosten von Fr. 1'100.– zurückzuführen
ist. Diese ermöglichen es dem Gesuchsgegner, einen eigenen Überschuss von
Fr. 12'300.– (E. V.9.1.) - Fr. 5'971.– (E. V.9.2.) = Fr. 6'329.– zu erwirtschaften.
Wie in der ersten Phase soll der nicht hauptbetreuende Elternteil nicht die gesam-
ten "Investitionskosten" tragen, während der gesamte "Ertrag" beim anderen ver-
bleibt (E. V.7.3.5.). Aus diesem Grund rechtfertigt es sich, die Gesuchstellerin zu
verpflichten, von ihrem eigenen Überschuss von Fr. 5'100.– (E. V.9.1.) -
Fr. 2'802.– (E. V.9.2.) = Fr. 2'298.– einen Barunterhalt von Fr. 1'600.– zu bezah-
len. Ehegattenunterhaltsbeiträge sind der Gesuchstellerin nicht zuzusprechen: Ei-
nerseits verbleibt ihr ein Überschussanteil von Fr. 698.–, worin Fr. 420.– versteck-
te Ehegattenunterhaltsbeiträge in Form von Mietzinseinnahmen enthalten sind
(E. V.8.3.6.); andererseits ist ihr tieferer Lebensstandard massgeblich darauf zu-
rückzuführen, dass sie durch den Umzug nach Deutschland ihre Leistungsfähig-
keit vermindert hat. Mit ihrem Überschussanteil kann die Gesuchstellerin sodann
ohne Weiteres den ungedeckten Teil der Unterhaltsbeiträge in Höhe von insge-
samt Fr. 242.– (E. V.8.3.5.) für die beiden vorehelichen Kinder decken.
9.4. Zusammenfassend ist die Gesuchstellerin zu verpflichten, dem Ge-
suchsgegner für D._ ab dem 1. Januar 2023 für die weitere Dauer des Ge-
trenntlebens monatliche Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) von Fr. 1'600.– (ohne
Kinderzulagen) zu bezahlen. Die Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monatlich im Vo-
raus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats. Der Antrag der Gesuchstellerin
auf Zusprechung persönlicher Unterhaltsbeiträge für die Zeit vom 1. Januar 2023
für die weitere Dauer des Getrenntlebens (Urk. 190/173 S. 2) ist abzuweisen.
- 97 -
10. Finanzielle Grundlagen
10.1. Werden in einem Entscheid Unterhaltsbeiträge festgelegt, so ist darin
anzugeben, von welchem Einkommen und Vermögen jedes Elternteils und jedes
Kindes ausgegangen wird (Art. 301a lit. a ZPO) sowie ob und in welchem Aus-
mass die Unterhaltsbeiträge den Veränderungen der Lebenskosten angepasst
werden (Art. 301a lit. d ZPO). Die Vorinstanz hat das Einkommen und den Bedarf
der Parteien nicht abschliessend bestimmt (Urk. 174 S. 30 ff.) und entsprechend
auch die finanziellen Grundlagen nicht festgehalten. Auch wenn dies nicht gerügt
wird, ist es im Sinne eines offensichtlichen Mangels (E. II.3.) zu korrigieren.
10.2. Die Unterhaltsbeiträge sind im Rahmen des Eheschutzes praxisge-
mäss nicht zu indexieren (OGer ZH LE210005 vom 24.09.2021, E. III.22.2.
[S. 54 ff.];
OGer ZH LE200061 vom 09.04.2021, E. III.11.1. [S. 48]), da die Massnahmen
grundsätzlich nicht auf Dauer ausgelegt sind.
10.3. Ab dem 1. Januar 2023 liegen den Unterhaltsbeiträgen die folgenden
finanziellen Verhältnisse zugrunde:
Einkommen (netto, inkl. 13. Monatslohn, inkl. Bonus und Mietzinseinnah-
men, exkl. Familienzulage; E. V.9.1.):
• Gesuchstellerin: Fr. 5'100.00 (100 %-Pensum)
• Gesuchsgegner: Fr. 12'300.00 (100 %-Pensum)
• D._: Fr. 200.00 (Kinderzulage)
Bedarf (E. V.9.2.):
• Gesuchstellerin: Fr. 2'802.00
• Gesuchsgegner: Fr. 5'971.00
• D._: Fr. 2'516.00
Vermögen:
• Gesuchstellerin: unbekannt (Liegenschaft in K._)
• Gesuchsgegner: unbekannt (Liegenschaft in K._)
• D._: unbekannt
- 98 -
11. Ergebnis
11.1. Dispositiv-Ziffer 8 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen Ver-
fahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni 2021 ist aufzuheben
und durch folgende Fassung zu ersetzen:
"8.1. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, der Gesuchstellerin für D._
vom 1. Juni 2020 bis zum 30. Juni 2021 monatliche Unterhaltsbeiträge
(Barunterhalt) von Fr. 3'800.– (ohne Kinderzulagen) zu bezahlen.
Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner für D._
vom 1. Juli 2021 bis zum 31. Dezember 2022 monatliche Unterhalts-
beiträge (Barunterhalt) von Fr. 500.– (ohne Kinderzulagen) zu bezah-
len. Die Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monatlich im Voraus jeweils
auf den Ersten eines jeden Monats.
Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner für D._
ab dem 1. Januar 2023 für die weitere Dauer des Getrenntlebens mo-
natliche Unterhaltsbeiträge (Barunterhalt) von Fr. 1'600.– (ohne Kin-
derzulagen) zu bezahlen. Die Unterhaltsbeiträge sind zahlbar monat-
lich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats.
8.2. Bei der Festsetzung der Unterhaltsbeiträge wurde ab 1. Januar 2023
von folgenden finanziellen Verhältnissen ausgegangen:
Einkommen (netto, inkl. 13. Monatslohn, inkl. Bonus und Mietzinsein-
nahmen, exkl. Familienzulage):
• Gesuchstellerin: Fr. 5'100.00 (100 %-Pensum)
• Gesuchsgegner: Fr. 12'300.00 (100 %-Pensum)
• D._: Fr. 200.00 (Kinderzulage)
Bedarf:
• Gesuchstellerin: Fr. 2'802.00
• Gesuchsgegner: Fr. 5'971.00
• D._: Fr. 2'516.00
- 99 -
Vermögen:
• Gesuchstellerin: unbekannt (Liegenschaft in K._)
• Gesuchsgegner: unbekannt (Liegenschaft in K._)
• D._: unbekannt"
11.2. Der Antrag der Gesuchstellerin auf Zusprechung persönlicher Unter-
haltsbeiträge ist abzuweisen und Dispositiv-Ziffer 9 des Urteils des Einzelgerichts
im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom 18. Juni
2021 zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
VI. Auskunft
1. Rechtliches Gehör
1.1. Die Vorinstanz führte das Rechtsbegehren 11 des Gesuchsgegners
(Offenlegung sämtlicher auf den Namen der Gesuchstellerin lautenden Konti) auf
(Urk. 174 S. 6), äusserte sich in den Erwägungen jedoch nicht dazu. Im Dispositiv
befand sie alsdann, auf die übrigen Anträge werde – soweit sie nicht gegen-
standslos geworden seien – nicht eingetreten (Urk. 174 S. 39).
1.2. Der Gesuchsgegner rügt, die Vorinstanz habe seinen Antrag ohne Be-
gründung abgewiesen (Urk. 173 Rz. 70).
1.3. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 53
Abs. 1 ZPO) folgt, dass der gerichtliche Entscheid zu begründen ist (ZK ZPO-
Sutter-Somm/Chevalier, Art. 53 N 13). Es müssen wenigstens kurz die Überle-
gungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
die sich ihr Entscheid stützt (BGE 134 I 83 E. 4.1 mit weiteren Hinweisen). Wird
eine Verweigerung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz festgestellt, so
leidet der Entscheid an einem schweren Mangel und wird aufgrund der sogenann-
ten formellen Natur des Gehörsanspruch, unabhängig davon, ob der Entscheid
ohne die Verletzung anders ausgefallen wäre, aufgehoben. Ausnahmsweise kann
die Verletzung von der Rechtsmittelinstanz geheilt werden. Die Heilung ist nur zu-
lässig, wenn die Verletzung des rechtlichen Gehörs nicht gravierend ist und die
- 100 -
Rechtsmittelinstanz die gleiche Kognition in Tat- und Rechtsfragen hat wie die Vo-
rinstanz (OGer ZH LE120078 vom 20.12.2012, E. 4.1).
1.4. Vorliegend äusserte sich die Vorinstanz nicht zum Antrag des Ge-
suchsgegners, womit sie dessen rechtliches Gehör verletzte. Die Kognition der
Kammer ist dieselbe wie diejenige der Vorinstanz. Das Auskunftsbegehren ist im
Verhältnis zu den übrigen Anträgen von untergeordneter Bedeutung (Urk. 174
S. 4 ff.). Zudem beantragte der Gesuchsgegner in seiner Berufungsschrift einen
Sachentscheid und nur als Eventualbegehren einen Rückweisungsentscheid
(Urk. 173 S. 2 f.). Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es sich, die Verletzung im
vorliegenden Berufungsverfahren zu heilen.
2. Anwendbares Recht
2.1. Die ehelichen Rechte und Pflichten unterstehen dem Recht des Staa-
tes, in dem die Ehegatten ihren Wohnsitz haben (Art. 48 Abs. 1 IPRG). Haben sie
ihren Wohnsitz nicht im gleichen Staat, so unterstehen die ehelichen Rechte und
Pflichten dem Recht des Wohnsitzstaates, mit dem der Sachverhalt in engerem
Zusammenhang steht (Art. 48 Abs. 2 IPRG). Umstritten ist, ob auf den Zeitpunkt
der Rechtshängigkeit (so ZK IPRG-Widmer Lüchinger, Art. 48 N 22) oder jenen
des Massnahmenentscheids (so CR LDIP/CL-Bucher, Art. 48 LDIP N 4; BSK
IPRG-Bodenschatz, Art. 48 N 24) abzustellen ist. Die Frage kann vorliegend of-
fenbleiben:
2.2. Als das Eheschutzbegehren rechtshängig gemacht wurde, hatten beide
Parteien ihren Wohnsitz in der Schweiz (E. I.3.), sodass gemäss Art. 48 Abs. 1
IPRG schweizerisches Recht anwendbar ist. Zum selben Ergebnis gelangt man in
Anwendung von Art. 48 Abs. 2 IPRG, wenn man der anderen Ansicht folgt: So
haben die Parteien 2017 in Zürich geheiratet (Urk. 3) und seither auch dort gelebt
(Urk. 5/2). Die Bezüge nach Deutschland (deutsche Staatsbürgerschaft des Ge-
suchsgegners [Urk. 3]; Studium der Gesuchstellerin in Deutschland von 2000 bis
2007 und 2012 bis 2015 [Urk. 5/8]; Liegenschaften der Parteien in K._
[E. V.8.2.]; Wohnsitznahme der Gesuchstellerin in K._ nach der Trennung)
stehen mit dem Sachverhalt in geringerem Zusammenhang.
- 101 -
2.3. Vor diesem Hintergrund und in Ermangelung eines Staatsvertrages ist
das Auskunftsbegehren des Gesuchsgegners nach schweizerischem Recht zu
beurteilen.
3. Beurteilung des Auskunftsbegehrens (Art. 170 ZGB)
3.1. Der Gesuchsgegner beantragt, dass die Gesuchstellerin zu verpflichten
sei, die Auszüge des Kontos CH... und sämtlicher weiterer auf ihren Namen lau-
tenden Konti in der Schweiz und im Ausland für den Zeitraum vom 21. Mai 2020
bis zum 31. Oktober 2020 offenzulegen (Urk. 12 S. 4; Urk. 173 S. 3). Die Gesuch-
stellerin habe am 24. Mai 2020, kurz nach der Trennung, vom gemeinsamen Kon-
to bei der UBS Fr. 8'000.– auf ein Konto mit der IBAN CH... transferiert. Dieses
Konto sei dem Gesuchsgegner nicht bekannt. Vom gemeinsamen Konto bei der
UBS mit der Bezeichnung "Mountain View" habe die Gesuchstellerin Fr. 2'500.–
auf das genannte Konto und ab dem gemeinsamen Sparkonto bei der UBS weite-
re Fr. 2'000.– auf das genannte Konto überwiesen (Prot. I, S. 30; Urk. 173
Rz. 73). Weiter verfüge die Gesuchstellerin über ein Konto mit der IBAN CH...
und ein Depot mit der Nr. ... bei der Migros Bank. Diese Vermögenswerte stellten
Errungenschaft dar und zwar explizit auch Errungenschaft des Gesuchsgegners.
Es handle sich um mehrere zehntausend Franken. Seit Jahren erfolgten Steuer-
rückzahlungen auf das Konto bei der Migros Bank. Die Gesuchstellerin habe den
Gesuchsgegner am 26. Mai 2020 vom Zugriff auf dieses Konto ausgeschlossen.
Nach dem Entzug der Zugriffsberechtigung müssten auf diesem Konto noch die
Rückerstattung von Steuern aus dem Jahr 2018 und die Corona-Rückerstattung
der Krippe eingetroffen sein. Der Gesuchsgegner brauche mit Blick auf die Schei-
dung Beweismittel, um die güterrechtliche Auseinandersetzung durchführen zu
können. Er habe somit ein Interesse daran, zu erfahren, wie sich die Saldi der
Konten nach der Trennung der Parteien entwickelt hätten, oder aber jedenfalls zu
wissen, wie hoch die Saldi per Stichtag der Anordnung der Gütertrennung gewe-
sen seien (Prot. I, S. 30; Urk. 173 Rz. 74).
3.2. Die Gesuchstellerin entgegnet, sie habe bereits Auszüge der gemein-
samen Konti eingereicht (Prot. I, S. 63). Die Überweisungen ergäben sich bereits
aus dem gemeinsamen Konti, zu denen der Gesuchsgegner Zugang habe
- 102 -
(Urk. 186 Rz. 51). Der Gesuchsgegner sei betreffend die erwartete Steuerrück-
zahlung informiert, er habe die Schlussrechnung für die Staats- und Gemeinde-
steuern 2018. Der zu viel bezahlte Betrag belaufe sich auf Fr. 4'869.85. Es er-
schliesse sich nicht, weshalb er noch weitere Beweise benötige. Zur behaupteten
Corona-Rückerstattung habe er keine Belege eingereicht, es handle sich um eine
blosse Behauptung. Die Vorinstanz habe die Gütertrennung sodann per
11. August 2020 angeordnet. Es erschliesse sich nicht, aus welchem Grund der
Gesuchsgegner die Herausgabe für die Periode zwischen dem 21. Mai 2020 und
dem 31. Oktober 2020 verlange. Relevant für die güterrechtliche Auseinanderset-
zung sei nicht die Entwicklung, sondern der Saldo an einem bestimmten Stichtag.
Der Gesuchsgegner versuche, Informationen über eine "pre-trial discovery" er-
hältlich zu machen, weshalb sein Begehren abzuweisen sei (Urk. 186 Rz. 53).
3.3. Nach Art. 170 ZGB kann jeder Ehegatte vom andern Auskunft über
dessen Einkommen, Vermögen und Schulden verlangen. Auf sein Begehren kann
das Gericht den andern Ehegatten oder Dritte verpflichten, die erforderlichen
Auskünfte zu erteilen und die notwendigen Urkunden vorzulegen. Der Umfang der
Auskunftspflicht differiert entsprechend dem Kontext und den in Frage stehenden
Ansprüchen, insbesondere den Interessen an einer korrekten Festsetzung der
Unterhaltsansprüche bzw. der güterrechtlichen Auseinandersetzung. Es besteht
eine Pflicht, sich gegenseitig über die massgebenden wirtschaftlichen Gegeben-
heiten Auskunft zu erteilen. Bei der Bestimmung des Umfangs der Auskunfts-
pflicht kommt es darauf an, für welchen Zweck und zur Begründung welcher mög-
lichen Rechtsansprüche Auskunft verlangt wird (OGer ZH LC200030 vom
24.09.2021, E. 4.2). Das Bundesgericht erwog, dass folgende Punkte zum Inhalt
des Auskunftsbegehrens gehören: Die gewünschten Auskünfte oder Dokumente,
die zu klärenden Tatsachen und die Personen, welche die entsprechenden Infor-
mationen beizubringen haben; die Informationen müssen sodann geeignet sein,
den behaupteten Anspruch zu beweisen (BGer 5C.308/2001 vom 22. Januar
2002, E. 4a). Ausgeschlossen ist ein Auskunftsbegehren aus blosser Neugier o-
der Schikane, insbesondere um weitere, für die zu prüfenden oder geltend ge-
machten Ansprüche nicht unbedingt erforderlichen Informationen zu erhalten
(BSK ZGB I-Schwander, Art. 170 N 15). Anders als bei der vorsorglichen Beweis-
- 103 -
führung gemäss Art. 158 ZPO darf das Auskunftsbegehren hinsichtlich der ver-
langten Auskünfte eine gewisse Unschärfe aufweisen. Die Anforderungen an die
Bestimmtheit dürfen nicht zu hoch angesetzt werden. Die Beschränkung des Aus-
kunftsrechts auf erforderliche Auskünfte und notwendige Urkunden bedeutet,
dass die betreffende Partei nur zur Erteilung von Auskünften verpflichtet werden
kann, wenn diese zur Begründung eines materiellrechtlichen Anspruchs benötigt
werden, für den ein Rechtsschutzinteresse besteht. Ob sich der Anspruch mit der
verlangten Auskunft tatsächlich begründen lässt, hat das Gericht nicht zu prüfen.
Bei Leistungsklagen (wie im Güter- oder Unterhaltsrecht) ergibt sich das Rechts-
schutzinteresse aus dem geltend gemachten Anspruch; es muss daher nicht be-
sonders nachgewiesen werden. Es ist wie erwähnt zu verneinen, wenn das Aus-
kunftsbegehren aus blosser Neugier oder zum Zweck der Ausforschung gestellt
wird. Bei einem güterrechtlichen Anspruch gibt es keine Vermögenswerte, die
keine Rolle spielen. Vom Auskunftsrecht erfasst sind alle Vermögenswerte und
Schulden. Es kann jedoch nur Auskunft über Tatsachen und Umstände verlangt
werden, die für den betreffenden eherechtlichen Anspruch entscheidrelevant bzw.
potentiell entscheidrelevant sind (OGer ZH LC200030 vom 24.09.2021, E. 4.3 mit
weiteren Hinweisen).
3.4. Ein Auszug des Kontos der Gesuchstellerin bei der UBS mit der IBAN
CH... liegt für die Zeit vom 1. Januar 2020 bis zum 27. November 2020 bereits bei
den Akten (Urk. 44/35). Soweit sich das Auskunftsbegehren auf dieses Konto be-
zieht, von dem der Gesuchsgegner geltend macht, dass er es nicht kenne (Prot. I,
S. 30), ist es infolge Gegenstandslosigkeit abzuschreiben.
3.5. Die Vorinstanz hat die Gütertrennung mit Wirkung ab 11. August 2020
angeordnet (Urk. 174 S. 38), was unangefochten geblieben ist (E. II.1.). Für die
güterrechtliche Auseinandersetzung ist grundsätzlich dieser Zeitpunkt massge-
bend (Art. 204 Abs. 2 ZGB und Art. 207 Abs. 1 ZGB). Dies impliziert, dass die
Saldi sämtlicher Konten zu diesem Zeitpunkt bekannt sein müssen. Sodann sind
Vermögensentäusserungen zur Errungenschaft hinzuzurechnen, die ein Ehegatte
während der Dauer des Güterstandes vorgenommen hat, um den Beteiligungsan-
spruch des anderen zu schmälern (Art. 208 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB). Unbestrittener-
- 104 -
massen transferierte die Gesuchstellerin vor der Gütertrennung Beträge auf ihr
eigenes Konto (Urk. 173 Rz. 73; Urk. 186 Rz. 51). Weshalb sie dies tat und ob
dies tatsächlich güterrechtlich relevant ist, kann vorliegend offenbleiben. Mit Blick
auf Art. 208 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB können Transaktionen vor der Gütertrennung je-
doch potentiell relevant sein. Auch der Zeitraum nach der Gütertrennung kann
entscheiderheblich sein: Dies ist der Fall, wenn Forderungen, die im Zeitpunkt der
Gütertrennung bestanden haben, erst nachträglich beglichen werden. In diesem
Zusammenhang ist festzustellen, dass die Gesuchstellerin die Corona-
Rückerstattung der Krippe an sich nicht bestritten hat (Urk. 186 Rz. 53). Entgegen
der Ansicht der Gesuchstellerin (Urk. 186 Rz. 53) muss der Gesuchsgegner nicht
belegen, dass die Rückzahlung tatsächlich erfolgt ist; das Auskunftsbegehren
dient nämlich gerade dazu, dies im Scheidungsverfahren beweisen zu können.
Damit hat er ohne Weiteres ein Rechtsschutzinteresse. Von einer "pre-trial dis-
covery" kann schliesslich keine Rede sein, hat er sein Auskunftsbegehren doch
auf den Zeitraum vom 21. Mai 2020 bis zum 31. Oktober 2020 beschränkt
(Urk. 173 S. 3).
3.6. Zusammenfassend ist Dispositiv-Ziffer 14 des Urteils des Einzelge-
richts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich, 7. Abteilung, vom
18. Juni 2021 aufzuheben und durch folgende Fassung zu ersetzen:
"14.1. Das Auskunftsbegehren des Gesuchsgegners wird hinsichtlich des
Sparkontos der Gesuchstellerin bei der UBS Switzerland AG mit der
IBAN CH... infolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben.
Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, die Auszüge folgender Konti of-
fenzulegen, je für den Zeitraum vom 21. Mai 2020 bis zum 31. Oktober
2020:
• CH...;
• sämtliche weitere auf den Namen der Gesuchstellerin lautenden
Konti in der Schweiz oder im Ausland (mit Ausnahme ihres Spar-
kontos bei der UBS Switzerland AG mit der IBAN CH,,,)."
- 105 -
14.2. Auf die übrigen Anträge wird – soweit sie nicht gegenstandslos gewor-
den sind – nicht eingetreten."
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kosten- und Entschädigungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens
1.1. Trifft die Berufungsinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie
auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens (Art. 318 Abs. 3
ZPO).
1.2. Die Vorinstanz setzte die Entscheidgebühr auf Fr. 3'000.– fest und auf-
erlegte sie den Parteien je zur Hälfte. Parteientschädigungen sprach sie keine zu
(Urk. 174 S. 39). Dies blieb unangefochten (Urk. 173 S. 2 f.; Urk. 190/173 S. 2 f.)
und ist nicht zu beanstanden. Die Dispositiv-Ziffern 15 und 16 des angefochtenen
Urteils sind daher zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a ZPO).
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahrens
2.1. Hinsichtlich der zweitinstanzlichen Entscheidgebühr ist festzustellen,
dass das tatsächliche Streitinteresse (Obhut über das Kind und Unterhaltsbeiträ-
ge), der Zeitaufwand des Gerichts (über hundertseitiger Entscheid) und die
Schwierigkeit des Falles (internationale Bezüge und Anwendung deutschen
Rechts) hoch sind. Daher ist die Gebühr auf Fr. 10'000.– festzusetzen (§ 12
Abs. 1 und Abs. 2 sowie § 5 Abs. 1 und § 6 Abs. 2 lit. b GebV OG).
2.2. Mit Blick darauf, dass es sich vorliegend um ein familienrechtliches
Verfahren handelt, erscheint eine hälftige Kostentragung angemessen (Art. 107
Abs. 1 lit. c ZPO). Folglich sind die Gerichtskosten für das zweitinstanzliche Ver-
fahren den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und mit ihren Kostenvorschüssen
von je Fr. 5'500.– (Urk. 179; Urk. 190/179) zu verrechnen (Art. 111 Abs. 1 ZPO).
Es sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen.
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