Decision ID: 8c0bf300-bc5d-559f-acc4-5f75834f06bb
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_BRK
Chamber: ZH_BRK_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: public_law

hat sich ergeben:
A. Mit Beschluss vom 31. August 2020 setzte der Gemeinderat X das  kommunale Inventar der schützenswerten Gebäude in der Kernzone fest. Wie sich der Publikation des Beschlusses vom 4. Dezember 2020  lässt, wurde dabei unter anderem das Gebäude Vers.-Nr. 1 auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an der P.-Strasse 1 aus dem Inventar .
B. Mit Eingabe vom 30. Dezember 2020 erhob der Zürcher Heimatschutz (ZVH) fristgerecht Rekurs an das Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte, es sei der Beschluss des Gemeinderats, das Gebäude P.- Strasse 1 aus dem kommunalen Inventar der Schutzobjekte von  Bedeutung zu entlassen, aufzuheben und das Gebäude im kommunalen Inventar zu belassen, eventualiter sei der Gemeinderat anzuweisen, das äussere Erscheinungsbild unter Schutz zu stellen, unter Kostenfolgen  der Vorinstanz.
C. Mit Präsidialverfügung vom 4. Januar 2021 wurde vom Rekurseingang Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
D. Mit Vernehmlassung vom 5. Februar 2021 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des Rekurses, unter Kostenfolge zulasten des Rekurrenten. Die Mitbeteiligten liessen sich nicht vernehmen.
E. Mit Replik vom 3. März 2021 hielt der Rekurrent an seinen Anträgen fest. Die Vorinstanz beantragte mit Duplik vom 26. März 2021, der Rekurs sei
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abzuweisen, soweit auf diesen einzutreten sei. Die Mitbeteiligten  stillschweigend auf Einreichung einer Duplik.
F. Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung , in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

Es kommt in Betracht:
1. Gemäss § 338b Abs. 1 lit. a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) sind gesamtkantonal tätige Verbände, die sich seit wenigstens zehn Jahren im Kanton statutengemäss dem Natur- und Heimatschutz oder verwandten, rein ideellen Zielen widmen, zum Rekurs gegen Anordnungen und Erlasse berechtigt, soweit sich diese auf den III. Titel (Natur- und Heimatschutz, §§ 203 - 217 PBG) oder § 238 Abs. 2 PBG stützen. Der Rekurrent erfüllt diese Voraussetzungen unbestrittenermassen. Auch stellt eine  eine Verfügung dar, die von den beschwerdeberechtigten  angefochten werden kann (VB.2009.00662, E. 3.2, in BEZ 2010 Nr. 27). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den Rekurs einzutreten.
2. Es wird die Durchführung eines Augenscheins beantragt (vgl. § 7 des  [VRG]). Das Baurekursgericht hat  von Parteianträgen nur dann einen Augenschein durchzuführen, wenn die Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, auf Grund der Akten aber noch unklar sind. Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht erfüllt, so dass kein Augenschein durchzuführen war.
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3. Das gemäss BZO der Gemeinde X in der Kernzone K gelegene Gebäude Vers.-Nr. 1 (P.-Strasse 1, Kat.-Nr. 1) bildet mit den Gebäuden Vers.-Nrn. 2 (C.-Gasse 1, Kat.-Nr. 2) und 3 (P.-Strasse 2, Kat.-Nr. 3), mit denen es auf der Nordwest- bzw. Südwestseite zusammengebaut ist, eine Baugruppe. Die Südostseite des Gebäudes ist auf die P.-Strasse ausgerichtet, die Nordostseite auf die C.-Gasse, die in diesem Bereich parallel zur seewärts gelegenen S.-Strasse verläuft. Der Ursprungsbau entstand im Jahre 1815, im Jahre 1861 erfolgte der Umbau in ein erstes Postlokal. 1979 wurde das Gebäude abgebrochen und im historischen Stil wiederaufgebaut. Das  war im kommunalen Inventar der schützenswerten Einzelobjekte im Dorfkern vom 26. November 1990 verzeichnet. Bei der Überarbeitung  Inventars wurden (nebst weiteren Änderungen) insbesondere 52 neue kommunale Inventarobjekte erfasst und zwei Objekte, darunter das  Gebäude, aus dem Inventar entlassen. Im Inventar der  Ortsbilder von überkommunaler Bedeutung (KOBI) ist die  Gebäudegruppe als prägendes oder strukturbildendes Gebäude erfasst; bezüglich des streitbetroffenen Gebäudeteils P.-Strasse 1 wird dessen Nordostfassade als wichtige Begrenzung von Strassen-, Platz- und  ausgewiesen. Schliesslich ist X auch im Bundesinventar der  Ortsbilder der Schweiz (ISOS) verzeichnet, wobei die fragliche Baugruppe zusammen mit weiteren Gebäuden als Baugruppe 2.1 (", drei-/viergeschossige Gasthöfe und Wohnhäuser in prominenter  am Seeplatz, v.a. 18./19. Jh.") mit Erhaltungsziel A erfasst ist. In der  des heutigen Ortes heisst es insoweit, die Bebauung östlich des Kerns bestehe vorwiegend aus Gasthöfen, Hotels und grossvolumigen Wohn- und Geschäftsbauten; ein imposantes Ensemble (Nr. 2.1) bestimme die Seefront.
4.1 Mit der Überarbeitung des Inventars der Schutzobjekte von kommunaler Bedeutung in der Kernzone wurde seitens der Gemeinde X die v. GmbH beauftragt. Diese würdigte den streitbetroffenen Gebäudeteil als markanten Eckbau, der räumlich sehr bedeutsam und ortsbildprägend sei. Unter  auf den vollständigen Abbruch und Wiederaufbau im Jahre 1979  jedoch festgehalten, das Gebäude verfüge über keine historische Sub-
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stanz und sei daher kein Inventarobjekt von kommunaler Bedeutung,  es zur Entlassung aus dem Inventar empfohlen werde (act. 4.1).
Der Rekurrent macht geltend, das Geviert bilde ein markantes Element im alten Dorfkern; das streitbetroffene Gebäude sei als ehemaliges Postbüro auch in sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht von Bedeutung und seine Stellung an der Seefront sei höchst bedeutsam. Die  Beurteilung durch die v. GmbH könne so verstanden werden, dass dem Gebäude ein hoher Situationswert, jedoch kein Eigenwert  werde. Ein Gebäude könne jedoch auch vor allem wegen seines hohen Situationswerts und trotz eines geringen Eigenwerts unter Schutz gestellt werden. Zwar sei in der Rechtsprechung verlangt worden, dass ein  bescheidener Eigenwert noch vorhanden sein müsse. Dass es sich vorliegend um ein rekonstruiertes Gebäude handle, könne aber kein Grund sein, dieses kategorisch als nicht schutzwürdig zu beurteilen. Wenn  Rechtsprechung der Situationswert durch Rekonstruktion oder  wiederhergestellt werden könne, dann müsse auch der Schutz eines Gebäudes möglich sein, an welchem nicht die Bausubstanz, sondern allein noch der Situationswert oder das äussere Erscheinungsbild die historische Situation im Ortsbild verkörpere. Zu berücksichtigen sei auch, dass das ISOS, welches die Bedeutung der fraglichen Baugruppe betone, im Jahr 2010 und damit bezüglich des streitbetroffenen Gebäudeteils in voller Kenntnis der fehlenden historischen Bausubstanz erstellt worden sei. Im Falle eines üblichen Kernzonenprojekts drohe jedenfalls der Seefront von X erheblicher Schaden. In der Replik wird ergänzend darauf hingewiesen, wesentlich sei die Zeitdimension: Abbrüche zwecks Rekonstruktion in der Zukunft seien abzulehnen, in der Vergangenheit rekonstruierte Gebäude könnten jedoch schutzwürdig sein.
4.2 Dem hält die Vorinstanz im Rahmen der Vernehmlassung entgegen,  § 8 der Kantonalen Natur- und Heimatschutzverordnung (KNHV)  die Inventare nach Bedarf nachzuführen. Dabei sei für die Frage, ob  mangels Erfüllung der Voraussetzungen für eine Inventarisierung aus dem Inventar zu entlassen seien, das Kriterium der Schutzfähigkeit . An dieser fehle es unter anderem bei zerstörten oder zu stark in der Substanz veränderten Objekten. Der potentielle Schutzwert des  Objekts liege in seiner möglichen Ortsbildprägung. Einen
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Eigenwert weise das Objekt offensichtlich nicht auf, zumal es nicht einmal teilweise im Original erhalten sei. Die im Inventarblatt genannten Epochen seien für den heutigen Betrachter nicht authentisch erlebbar. Weiter weise das Objekt auch offensichtlich keinen Situationswert auf. Gemäss der Rechtsprechung fehle es an einem solchen, wenn das betreffende Objekt durch die zahlreichen Veränderungen massiv an Erinnerungswert  habe. Es wäre absurd und entspräche nicht Sinn und Zweck eines ehrlichen, glaubwürdigen und nachvollziehbaren Denkmalschutzes, , nichthistorische Objekte, welche aber historisch , unter Schutz zu stellen. Entsprechend dem Grundsatz, dass es  oder in ihrer Substanz zu stark veränderten Objekten an der Schutzfähigkeit fehle, weise das streitgegenständliche Objekt keinen  auf. Ein Objekt, das historisch aussehe, es in Tat und Wahrheit aber gar nicht sei, könne keine die Umgebung wesentlich und positiv  Wirkung haben. Es könnten höchstens teilweise rekonstruierte Objekte schutzwürdig sein, und die vom Rekurrenten angeführte  betreffend Verpflichtung zum Wiederaufbau zerstörter  verfolge lediglich einen pönalen Zweck. Würde sich die Auffassung durchsetzen, dass auch Rekonstruktionen generell einen Situationswert aufweisen könnten, dürfte umgekehrt auch keine Bewahrung von  zur Erhaltung des Situationswerts verlangt werden, was aber nicht der bisherigen Rechtsprechung entspreche. Konsequenterweise  vorliegend mangels authentischer historischer Substanz nicht von der Schutzfähigkeit des Objekts ausgegangen werden. Im Übrigen handle es sich nicht einmal um eine Rekonstruktion, sondern um einen analogen , der sich gestalterisch an das abgebrochene Vorgängergebäude anlehne. Weiter sei das entlassene Objekt insbesondere auch im  mit anderen potentiellen Schutzobjekten ausgeschieden, da es  der fehlenden Originalsubstanz im Vergleich nicht wertvoll genug , um dereinst als Denkmalschutzobjekt in Frage zu kommen. Es  ausgeschlossen, dass das Gebäude dereinst als schutzwürdig  werden könnte. Schliesslich sei eine direkte Anwendung des ISOS, bei dem es sich um ein Ortsbild- und kein Denkmalschutzinventar handle, ausgeschlossen. Eine Revision des Eintrags im KOBI sei nicht vorgesehen. Die Gemeinde plane, das Objekt bei der laufenden Revision des  Kernzonenplans gelb mit prägenden Fassaden zu markieren, womit die Erscheinung vom See her gewahrt bleibe. Kanton und Gemeinde berück-
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sichtigten das Ortsbildschutzinteresse damit in zumindest vertretbarer .
5.1 In der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung wird zwischen  Formen der Inventarentlassung differenziert: Ist Anlass der Entlassung eine drohende Beeinträchtigung des Schutzobjekts oder ein , so hat der Entlassung eine umfassende Abklärung der  vorauszugehen. Gegenstand des Rechtsmittelverfahrens bildet alsdann die Frage, ob in Bestätigung der Inventarentlassung definitiv auf Schutzmassnahmen zu verzichten ist oder ob im Gegenteil solche in  fallen. Erfolgt demgegenüber die Entlassung eines Objekts im  einer Inventarbereinigung, so hat das Rechtsmittelverfahren nicht die Anordnung von Schutzmassnahmen bzw. den Verzicht darauf zum , sondern betrifft einzig die Frage, ob die Voraussetzungen für eine Inventarentlassung erfüllt sind. Trifft dies nicht zu, so ist die  aufzuheben und bleibt das Objekt im Inventar, ohne dass definitiv über seine Schutzwürdigkeit zu entscheiden ist (VB.2009.00662, E. 3.3, in BEZ 2010 Nr. 27). Zwar kann unter Umständen auch im Rahmen einer  eine Überprüfung der Schutzwürdigkeit und ein  über Schutzmassnahmen erfolgen (VB.2020.00342 vom 3.  2020, E. 3.3). Soweit jedoch die Vorinstanz namentlich im Rahmen  (und nicht bloss ein Einzelobjekt betreffender)  Entlassungen angeordnet hat, ohne dabei umfassende  vorzunehmen, gelangt die vorstehend referierte Rechtsprechung betreffend Entlassungen zufolge Inventarbereinigung zur Anwendung. Dies mit folgender Konsequenz: Da das Inventar alle schutzfähigen Objekte zu umfassen hat, muss die Behörde im Falle einer entsprechenden  darlegen können, dass den fraglichen Objekten schon die  abgeht, während blosse Zweifel an der Schutzwürdigkeit die  nicht zu rechtfertigen vermögen (VB.2009.00662, E. 3.3, in BEZ 2010 Nr. 27). In diesem Zusammenhang wird weiter ausgeführt, solche  seien nur zulässig, wenn ein Objekt die Voraussetzungen für die Inventaraufnahme nicht mehr erfülle, beispielsweise weil es zerstört oder so verändert worden sei, dass es nicht mehr als schutzfähig erscheine (VB.2010.00032, E. 5.3 und 5.4, in BEZ 2011 Nr. 21). Zum Teil wird  zum Terminus der Schutzfähigkeit auch darauf hingewiesen, eine Ent-
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lassung zwecks Inventarbereinigung sei dann zulässig, wenn die  für die Inventaraufnahme, nämlich die ursprüngliche Vermutung der Schutzwürdigkeit, nicht mehr gegeben sei. Ein Verlust der  sei beispielsweise denkbar, wenn es sich unbestrittenermassen um ein bereits gänzlich abgebrochenes, fast vollständig abgebrochenes bzw.  oder durch Umbauten seiner Schutzwürdigkeit unstreitig beraubtes Objekt handle. Soweit stattdessen seitens der Vorinstanz eine  vorgenommen werde, wie sie einem in dieser Konstellation  nicht zu treffenden Entscheid über die Schutzwürdigkeit vorbehalten sei, müsse das fragliche Objekt zufolge grundsätzlich gegebener  im Inventar verbleiben (BRGE IV Nr. 0084/2014, E. 6 und 7, in BEZ 2014 Nr. 40).