Decision ID: 57d634fd-f885-411a-b1d0-a7aa95d223e3
Year: 2010
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ R. , geb. 1988, erwarb den Führerausweis für Personenwagen auf Probe am
29. Juni 2006. Zuvor war ihm der Führerausweis für Motorräder der Kategorie A 1
wegen schwerer Widerhandlung gegen Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von
vier Monaten, vom 1. Dezember 2005 bis 31. März 2006, entzogen worden. Wegen
mittelschwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften durch Führen
eines Personenwagens mit nicht angepasster Geschwindigkeit entzog das
Strassenverkehrsamt R. den Führerausweis mit Verfügung vom 15. August 2007 für
die Dauer von vier Monaten und verlängerte die Probezeit um ein Jahr. Dieser Entzug
dauerte vom 23. Oktober 2007 bis 22. Februar 2008.
Am 16. Juni 2008, 16.05 Uhr, lenkte R. seinen Personenwagen Subaru auf der
Sonnenstrasse in St. Gallen stadteinwärts. Dabei wurde mittels Radarmessung eine
Überschreitung der gesetzlichen Innerorts-Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h um
rechtlich relevante 17 km/h festgestellt. Mit Bussenverfügung der Staatsanwaltschaft
vom 13. August 2008 wurde R. wegen Überschreitens der Höchstgeschwindigkeit
innerorts um 17 km/h mit Fr. 650.-- gebüsst.
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Mit Verfügung vom 18. September 2008 annullierte das Strassenverkehrsamt den
Führerausweis auf Probe und entzog einem allfälligen Rekurs die aufschiebende
Wirkung.
B./ Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamts erhob R. mit Eingabe seiner
Rechtsvertreterin vom 3. Oktober 2008 Rekurs und beantragte unter anderem, es sei
die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Mit Verfügung vom 16. Januar 2009 wies der Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung
ab.
Mit Entscheid vom 26. Februar 2009 wies die Verwaltungsrekurskommission den
Rekurs von R. ab.
C./ Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 23. April 2009 erhob R. Beschwerde
beim Bundesgericht mit dem Antrag, der Entscheid der Verwaltungsrekurskommission
vom 26. Februar 2009 sei aufzuheben, es sei ein Führerausweisentzug für die Dauer
eines Monats auszusprechen und der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu
erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Verwaltungsrekurskommission verzichtete auf eine Vernehmlassung zur
Beschwerde und beantragte die Abweisung des Gesuchs um aufschiebende Wirkung.
Mit Verfügung vom 20. Mai 2009 wies der Präsident der I. öffentlich-rechtlichen
Abteilung des Bundesgerichts das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden
Wirkung ab.
Das Bundesamt für Strassen beantragte in seiner Vernehmlassung, die Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten sei abzuweisen.
Das Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine Vernehmlassung.
Das Bundesgericht entschied am 23. November 2009 über die Angelegenheit
(1C_172/2009). Es hielt fest, es habe mit Urteil vom 6. November 2009 (1C_346/2009)
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erkannt, dass die Verwaltungsrekurskommission auf dem Gebiet der Massnahmen im
Strassenverkehr kein oberes Gericht im Sinne von Art. 86 Abs. 2 des
Bundesgerichtsgesetzes (SR 173.110) sei. Das Bundesgericht trat auf die Beschwerde
nicht ein und überwies die Sache zur weiteren Behandlung dem Verwaltungsgericht.

Die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die Vorbringen des
Beschwerdeführers und des Bundesamts für Strassen werden, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (BGE 1C_172/2009
vom 23. November 2009). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 23. April 2009 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich auch
den gesetzlichen Anforderungen des kantonalen Rechts (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung
mit Art. 47 Abs. 1 und 3 sowie Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Nach Art. 15a Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt SVG)
wird der erstmals erworbene Führerausweis für Motorräder und Motorwagen zunächst
auf Probe erteilt. Die Probezeit beträgt drei Jahre. Wird dem Inhaber der Ausweis auf
Probe wegen einer Widerhandlung entzogen, so wird die Probezeit um ein Jahr
verlängert (Art. 15a Abs. 3 Satz 1 SVG). Nach Art. 15a Abs. 4 SVG verfällt der
Führerausweis auf Probe mit der zweiten Widerhandlung, die zum Entzug des
Ausweises führt.
2.1. Die Vorinstanz erwog, der Wortlaut von Art. 15a Abs. 4 SVG sei eindeutig. In dieser
Bestimmung werde klar zum Ausdruck gebracht, dass der zweite Ausweisentzug
innerhalb der Probezeit zwingend zum Verfall des Führerausweises auf Probe führe. Es
bestünden auch keine ernsthaften Zweifel, dass dieser Wortlaut den wahren Sinn der
Norm wiedergebe. Die Geschwindigkeitsüberschreitung von 17 km/h führe aufgrund
des getrübten automobilistischen Leumunds gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG zu einem
Entzug des Ausweises für die Dauer von einem Monat. Damit sei die in Art. 15a Abs. 4
SVG genannte Voraussetzung der zweiten Widerhandlung innerhalb der Probezeit, die
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zu einem Entzug führe, erfüllt. Ob dem Entzug eine leichte, eine mittelschwere oder
eine schwere Widerhandlung vorausgegangen sei, spiele nach der gesetzlichen
Regelung von Art. 15a Abs. 4 SVG keine Rolle. Diese Rechtsanwendung entspreche
der vom Gesetzgeber bewusst angestrebten Verschärfung für Neulenker. Innerhalb der
Probezeit werde ein Warnungsentzug toleriert. Komme es trotz eines ersten
Warnungsentzugs, der eigentlich eine Besserung des Lenkers bewirken sollte, zu einer
weiteren Widerhandlung, die zu einem Entzug führe, habe sich der Neulenker nicht
bewährt und der Führerausweis auf Probe verfalle.
Den Überlegungen der Vorinstanz ist zuzustimmen. Soweit in der Beschwerde
vorgebracht wird, der Entzug des Ausweises auf Probe müsse im Sinne einer ultima
ratio angewendet werden, falls Charakterschwächen und fehlender Fahreignung eines
Neulenkers nicht anders begegnet werden könne, und bei einer mittelschweren und
einer späteren leichten Widerhandlung könne noch nicht davon gesprochen werden,
dass diese Vorfälle einer Charakterschwäche zuzuschreiben wären, sind diese
Ausführungen unbegründet. Der Wortlaut von Art. 15a Abs. 4 SVG ist
unmissverständlich. Entscheidend ist, dass der Führerausweis auf Probe mit der
zweiten Widerhandlung innerhalb der Probezeit, die zum Entzug des Ausweises führt,
verfällt. Damit wird den strengen Anforderungen an Neulenker Rechnung getragen. Es
würde Sinn und Zweck des Gesetzes widersprechen, wenn die zweite Widerhandlung
des Beschwerdeführers vom 16. Juni 2008 ungeachtet des getrübten Leumunds als
Motorfahrzeuglenker isoliert beurteilt und lediglich als Grund für eine Verwarnung
qualifiziert würde. Der Gesetzgeber toleriert lediglich einen Ausweisentzug während der
Probezeit; bei einem zweiten Entzug innerhalb der Probezeit verfällt der Führerausweis
für Neulenker. Dies ergibt sich insbesondere auch aus der gesetzlichen Bezeichnung
des Ausweises "auf Probe". Somit ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
2.2. Das Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung für das Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht wird mit dem Entscheid in der Hauptsache gegenstandslos.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
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Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht