Decision ID: 0e4e8f3a-a32e-52f9-9454-a82f935c7462
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführer suchten am 22. Juli 2017 in der Schweiz um Asyl
nach. Am 28. Juli 2017 fanden die Befragungen zur Person und am 14. Mai
2018 beziehungsweise am 16. Mai 2018 die Anhörungen statt.
B.
Mit Verfügung vom 20. Februar 2020 stellte das SEM fest, die Beschwer-
deführer erfüllten die Flüchtlingseigenschaft nicht, lehnte ihre Asylgesuche
ab, verfügte die Wegweisung aus der Schweiz und ordnete aufgrund der
Unzulässigkeit beziehungsweise der Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs die vorläufige Aufnahme an.
C.
Mit Eingabe vom 23. März 2020 reichten die Beschwerdeführer unter Bei-
lage eines Identitätsausweises in Kopie (Identitätsausweis [...] inklusive
Übersetzung) und eines Fotos beim Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerde ein und beantragten, es sei vollumfängliche Einsicht in die Akten
A1/21, A6/6, A12/1 A47/3, in den eingereichten USB-Stick sowie in sämtli-
che vom SEM verwendeten Quellen, eventualiter das rechtliche Gehör zu
diesen, zu gewähren. Nach Gewährung der Akteneinsicht, eventualiter des
rechtlichen Gehörs, sei eine angemessene Frist zur Einreichung einer Be-
schwerdeergänzung anzusetzen. Die angefochtene Verfügung des SEM
vom 20. Februar 2020 sei aufzuheben und die Sache dem SEM zur voll-
ständigen und richtigen Abklärung, zur Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts sowie zur Neubeurteilung zurückzuweisen. Eventualiter sei
die Verfügung des SEM aufzuheben und die Flüchtlingseigenschaft festzu-
stellen sowie Asyl zu gewähren. Eventualiter sei die Verfügung des SEM
aufzuheben und sie seien als Flüchtlinge anzuerkennen. Eventualiter sei
die Verfügung des SEM aufzuheben und die Ziffer 4 des Dispositivs zu
berichtigen. In prozessualer Hinsicht sei auf die Erhebung von Verfahrens-
kosten und eines Kostenvorschusses zu verzichten. Eventualiter sei eine
angemessene Frist zur Bezahlung des Kostenvorschusses anzusetzen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorliegende
Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmun-
gen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
2.
Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG, Art. 105 AsylG). Die Beschwerdeführer
sind als Verfügungsadressaten zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48
VwVG). Auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzu-
treten (aArt. 108 Abs. 1 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreitung des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.2 Der Wegweisungsvollzug wurde zugunsten einer vorläufigen Auf-
nahme aufgeschoben und bildet deshalb nicht mehr Gegenstand des Be-
schwerdeverfahrens.
3.3 Die Beschwerde erweist sich als offensichtlich begründet und ist im
Verfahren einzelrichterlicher Zuständigkeit mit Zustimmung einer zweiten
Richterin oder eines zweiten Richters (Art. 111 Bst. e AsylG), ohne Weite-
rungen und mit summarischer Begründung zu behandeln (Art. 111a
AsylG).
4.
Die Beschwerdeführer rügen in formeller Hinsicht, die Vorinstanz habe den
Anspruch auf Akteneinsicht und gleichzeitig den Anspruch auf rechtliches
Gehör schwerwiegend verletzt. Zudem habe sie die Pflicht zur vollständi-
gen und richtigen Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts verletzt.
Hiermit machen sie verschiedene formelle Rügen geltend, die vorab zu
prüfen sind, da sie zu einer Kassation der angefochtenen Verfügung führen
können.
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Seite 4
5.
5.1 Gemäss Art. 29 VwVG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches
Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, ander-
seits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass
eines Entscheides dar, der in die Rechtsstellung des Einzelnen eingreift.
Dazu gehört insbesondere das Recht des Betroffenen, sich vor Erlass ei-
nes solchen Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise bei-
zubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträ-
gen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entwe-
der mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern,
wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch
auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse,
die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren
Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (vgl. BGE 135 II 286 E. 5.1,
BVGE 2009/35 E. 6.4.1 m.w.H.).
Mit dem Gehörsanspruch korreliert die Pflicht der Behörden, die Vorbrin-
gen tatsächlich zu hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung
angemessen zu berücksichtigen. Das gilt für alle form- und fristgerechten
Äusserungen, Eingaben und Anträge, die zur Klärung der konkreten Streit-
frage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begründung muss so ab-
gefasst sein, dass der Betroffene den Entscheid gegebenenfalls sachge-
recht anfechten kann. Sie muss kurz die wesentlichen Überlegungen nen-
nen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren
Entscheid stützt. Nicht erforderlich ist, dass sich die Begründung mit allen
Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 136 I 184 E. 2.2.1).
Aus dem Akteneinsichtsrecht als Teilgehalt des rechtlichen Gehörs folgt,
dass grundsätzlich sämtliche beweiserheblichen Akten den Beteiligten of-
fenzulegen sind, sofern in der sie unmittelbar betreffenden Verfügung da-
rauf abgestellt wird (BGE 132 V 387 E. 3.1 f.). Die Wahrnehmung des Ak-
teneinsichts- und Beweisführungsrechts durch die von einer Verfügung be-
troffene Person setzt die Einhaltung der Aktenführungspflicht der Verwal-
tung voraus, gemäss welcher die Behörden alles in den Akten festzuhalten
haben, was zur Sache gehört und für den Entscheid wesentlich sein kann
(BGE 130 II 473 E. 4.1 m.w.H.). Der Anspruch auf Akteneinsicht setzt eine
geordnete, übersichtliche und vollständige Aktenführung (Ablage, Paginie-
rung und Registrierung der vollständigen Akten im Aktenverzeichnis)
voraus (vgl. BVGE 2012/24 E. 3.2, 2011/37 E. 5.4.1).
http://links.weblaw.ch/BVGE-2009/35 http://links.weblaw.ch/BVGE-2012/24
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5.2 Was die Aktenführung anbelangt, ist vorab festzustellen, dass die
Vorinstanz das Dossier nicht nur der falschen Reihenfolge nach geordnet,
sondern auch einige Aktenstücke an falscher Stelle abgelegt hat. Zudem
wurden die Beweismittel unübersichtlich an verschiedenen Stellen im Dos-
sier abgelegt. So finden sich einige Beweismittel zwar korrekt in den beiden
Beweismittelumschlägen (A37/2), andere sind jedoch hinten im Sichtum-
schlag oder – so beispielsweise A47/3 oder A43/12 inklusive USB-Stick –
an anderer Stelle abgelegt. Es ist dem Beschwerdeführer ferner darin bei-
zupflichten, dass das Aktenstück A12/1 mit der Paginierung «MSF» keinen
Schluss auf den Inhalt des Dokuments zulässt. Deshalb ist das SEM daran
zu erinnern, dass die Akten von Beginn weg in chronologischer Reihen-
folge abgelegt (das neueste Aktenstück jeweils oben im Dossier) und
durchgehend paginiert werden müssen sowie ein Aktenverzeichnis zu er-
stellen ist, das einen Rückschluss auf die abgelegten Dokumente zulässt
und eine chronologische Auflistung sämtlicher in einem Verfahren gemach-
ten Eingaben enthält.
5.3 Was sodann die Akteneinsicht anbelangt, weist der Beschwerdeführer
in Bezug auf die Aktenstücke A1/6 und A6/6 zutreffend darauf hin, dass
Akten anderer Behörden durch die Aufnahme in das Aktenverzeichnis Ge-
genstand des Verfahrens werden und damit grundsätzlich der Aktenein-
sicht unterliegen (vgl. Urteil des BVGer A-5275/2015 vom 4. November
2015 insb. E. 8.8.2.1). Es kann zwar aus überwiegenden öffentlichen oder
privaten Interessen die Einsicht in die Akten teilweise oder ganz verweigert
werden (Art. 27 VwVG). Aus dem Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5
Abs. 2 BV) folgt indessen, dass der Anspruch auf Akteneinsicht nur so weit
als nötig beschränkt werden darf (vgl. BVGE 2015/44 E. 5.1). Angesichts
des ausdrücklichen Ersuchens der Beschwerdeführer an das SEM vom
2. März 2020, Einsicht in sämtliche Akten zu gewähren, insbesondere auch
in die Akten, welche ihnen bereits früher zugestellt worden waren sowie
auch in alle von ihnen selbst eingereichten Akten und Beweismittel, wurde
das ihnen bereits bekannte Aktenstück A47/3 (Schreiben des Beschwerde-
führers vom 24. Mai 2019 inkl. Beweismittel) ebenfalls zu Unrecht nicht
ediert. Das vorliegende, regelmässig wiederkehrende Vorgehen des SEM
bei der Gewährung der Akteneinsicht angesichts des ausdrücklichen Ersu-
chens, Einsicht in sämtliche Akten zu gewähren, ist für das Bundesverwal-
tungsgericht nicht nachvollziehbar und führt jeweils zu unnötigem Aufwand
(vgl. Urteil des BVGer D-6126/2016 vom 24. August 2017 E. 5.2.5). Es ist
ferner nicht ersichtlich, weshalb das Eintrittsblatt A12/1 als internes Doku-
ment paginiert und somit der Geheimhaltung unterstellt wurde. Schliesslich
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soll zwar in das Aktenstück 43/12, das auch den USB-Stick beinhaltet, ge-
mäss Schreiben des SEM vom 13. März 2020 Akteneinsicht gewährt wor-
den sein. Es ist jedoch nicht davon auszugehen, dass in den USB-Stick
Einsicht gewährt wurde, ist doch der Umschlag, in dem sich der USB-Stick
gemäss Aufschrift befinden muss, ungeöffnet im Dossier abgelegt worden.
Auch sind weder ein Rücksendungsauftrag des USB-Sticks noch entspre-
chende Datenkopien dem Dossier zu entnehmen. Folglich wurden dem
Rechtsvertreter im Rahmen seines Akteneinsichtsgesuches die Aktenstü-
cke A1/21, A6/6, A12/1, A47/3 sowie der USB-Stick (in A43/12) nicht zuge-
stellt und damit die Akteneinsicht unvollständig gewährt.
Die Beschwerdeführer beantragen des Weiteren Einsicht in die vom SEM
der Entscheidfindung zugrunde gelegten Quellen. Bei den «Quellen» han-
delt es sich entweder um öffentliche Berichte, die durchwegs im Internet
abrufbar sind oder um Urteile des Bundesverwaltungsgerichts, die auf der
Homepage des Gerichts abgerufen werden können, weshalb auf eine Of-
fenlegung durch die Vorinstanz verzichtet werden kann und der entspre-
chende Antrag abzuweisen ist. Es fällt in diesem Zusammenhang jedoch
auf, dass die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung über eine halbe
Seite hinweg lediglich Quellenverweise aneinanderreiht ohne diese im De-
tail weiter zu würdigen (angefochtene Verfügung S. 4 f.). Hinzu kommt,
dass namentlich die Informationen des ersten Links weder in einer Amts-
sprache des Bundes noch in englischer Sprache abgefasst sind. Mithin
dürfte es dem Beschwerdeführer beziehungsweise seinem Rechtsvertreter
schwer fallen, diese zu verstehen. Ob der Fachspezialist, der die Verfü-
gung redigiert hat, die Informationen auf dieser Internetseite tatsächlich
verstanden hat, kann dahingestellt bleiben.
5.4 Die Rüge, die Beschwerdeführer hätten in den Anhörungen nicht frei
sprechen können, findet in den Anhörungsprotokollen keinen Rückhalt.
Entsprechendes lässt sich – anders als auf Beschwerdeebene behauptet
– auch aus den Fragen 65 und 66 in der Anhörung des Beschwerdeführers
nicht ableiten. Die Befragungsweise ist nicht zu beanstanden. Der jeweils
anwesenden Hilfswerksvertretung ist diesbezüglich nichts aufgefallen, was
sie andernfalls in ihrem Bericht vermerkt hätte (SEM-Akten A42 S. 26 und
A41 S. 21). Auch ergeben sich weder aus diesen Berichten noch aus den
Anhörungsprotokollen Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführer mit
fortschreitender Dauer ihrer Anhörungen nicht mehr in der Lage gewesen
wären, adäquat mitzuwirken, oder die jeweilige Anhörung hätte abgebro-
chen werden müssen. Zwar trifft zu, dass die Dauer der Anhörung des Be-
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schwerdeführers von 9:30 Uhr bis 18:15 Uhr und diejenige der Beschwer-
deführerin von 9:30 Uhr bis 16 Uhr lang erscheinen, diese war jedoch an-
gesichts der integrierten Pausen zumutbar. Die Anhörungen sind mithin
nicht zu beanstanden.
6.
6.1 Gemäss Art. 12 VwVG stellt die Behörde den Sachverhalt von Amtes
wegen fest und bedient sich nötigenfalls der gesetzlichen Beweismittel (Ur-
kunden, Auskünfte der Parteien, Auskünfte oder Zeugnis von Drittperso-
nen, Augenschein und Gutachten von Sachverständigen). Unrichtig ist die
Sachverhaltsfeststellung, wenn der Verfügung ein falscher und aktenwidri-
ger Sachverhalt zugrunde gelegt wird oder Beweise falsch gewürdigt wor-
den sind. Die Sachverhaltsfeststellung ist demgegenüber unvollständig,
wenn nicht alle für den Entscheid rechtswesentlichen Sachumstände be-
rücksichtigt werden (KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl. 2013, Rz. 630).
6.2 Die Rüge, die Vorinstanz habe die Beweismittel nicht gewürdigt und
somit den Sachverhalt unvollständig abgeklärt, ist begründet. So hat die
Vorinstanz im Sachverhalt der angefochtenen Verfügung unter Ziffer 3 zwar
einen Teil der eingereichten Beweismittel aufgeführt, diese aber in ihren
Erwägungen nicht ansatzweise gewürdigt. Zudem fehlt im Sachverhalt die
Auflistung weiterer zentraler Beweismittel (so z. B. A47/3, A43/12 inkl.
USB-Stick, aber auch Beweismittel aus den Beweismittelumschlägen), auf
die in der Begründung ebenfalls kein Bezug genommen wurde. Es ist zwar
nicht erforderlich, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten
einlässlich auseinandersetzt, es entsteht aber der Eindruck, als habe sich
die Vorinstanz nicht einmal ansatzweise mit den Beweismitteln auseinan-
dergesetzt. Dies zeigt sich namentlich an den vorinstanzlichen Erwägun-
gen und darin, dass der Umschlag, in dem sich der USB-Stick befindet,
zwar mit der N-Nummer und einem Zustellhinweis beschriftet, aber unge-
öffnet im Dossier abgelegt wurde. Folglich hat die Vorinstanz den Sachver-
halt unvollständig festgestellt, indem sie mehrere wichtige Beweismittel un-
gewürdigt liess.
7.
Nach dem Gesagten liegen eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör in Form unvollständiger Aktenführung und Akteneinsicht sowie eine
mangelhafte Sachverhaltsfeststellung aufgrund zentraler, nicht gewürdig-
ter Beweismittel vor, die angesichts der dargelegten Vorbringen (sowohl
Vorflucht- als auch mögliche Nachfluchtgründe) von zentraler Bedeutung
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sind und das Beweisergebnis beeinflussen können. Im Übrigen ist dem Be-
schwerdeführer darin beizupflichten, dass in der angefochtenen Verfügung
die Ziffer 4 des Dispositivs nicht mit den entsprechenden Erwägungen
übereinstimmt (angefochtene Verfügung S. 7 und S. 8). Vor diesem Hinter-
grund ist auf die übrigen Rügen nicht weiter einzugehen.
8.
8.1 Gemäss Art. 61 Abs. 1 VwVG entscheidet das Bundesverwaltungsge-
richt in der Sache selbst oder weist diese ausnahmsweise mit verbindlichen
Weisungen an die Vorinstanz zurück. Eine Kassation und Rückweisung an
die Vorinstanz ist insbesondere angezeigt, wenn weitere Tatsachen festge-
stellt werden müssen und ein umfassendes Beweisverfahren durchzufüh-
ren ist (vgl. PHILIPPE WEISSENBERGER, ASTRID HIRZEL, Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl. 2016, Art. 61 VwVG, N 16 S.1264).
Die in diesen Fällen fehlende Entscheidungsreife kann grundsätzlich zwar
auch durch die Beschwerdeinstanz selbst hergestellt werden, wenn dies
im Einzelfall aus prozessökonomischen Gründen angebracht erscheint; sie
muss dies aber nicht (vgl. BVGE 2015/10 E. 7.1).
8.2 Im vorliegenden Fall ist die Sache an das SEM zurückzuweisen, zumal
insbesondere die Erstellung des Sachverhalts weiterer Abklärungen be-
darf.
9.
Die Beschwerde ist gutzuheissen und die vorinstanzliche Verfügung vom
20. Februar 2020 in Anwendung von Art. 61 Abs. 1 in fine VwVG im Sinne
der Erwägungen an die Vorinstanz zur vollständigen und richtigen Sach-
verhaltsermittlung und Neubeurteilung zurückzuweisen. Dabei hat die
Vorinstanz im Sinne der Erwägungen insbesondere die Aktenführung zu
bereinigen, die Akteneinsicht korrekt zu gewähren und den Sachverhalt –
unter Würdigung aller wesentlicher Beweismittel (auch die auf Beschwer-
deebene neu eingereichten) – vollständig und richtig zu ermitteln. Hiermit
werden die übrigen Beschwerdeanträge gegenstandslos.
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben
(Art. 63 Abs. 1 und 2 VwVG). Das Gesuch um Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung und der Antrag auf Verzicht der Erhebung eines Kos-
tenvorschusses werden mit dem vorliegenden Urteil gegenstandslos.
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10.2 Der ganz oder teilweise obsiegenden Partei ist eine Parteientschädi-
gung für die ihr notwendigerweise erwachsenen Parteikosten zuzuspre-
chen (Art. 64 Abs. 1 VwVG sowie Art. 7 des Reglements vom 21. Feb-
ruar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwal-
tungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Es wurde keine Kostennote einge-
reicht, weshalb die notwendigen Parteikosten aufgrund der Akten zu be-
stimmen sind (Art. 14 Abs. 2 in fine VGKE). Gestützt auf die in Betracht zu
ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 9–13 VGKE) ist dem Beschwerde-
führer zulasten der Vorinstanz eine Parteientschädigung von insgesamt
Fr. 2‘600.– (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuerzuschlag) zuzusprechen.
(Dispositiv nächste Seite)
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