Decision ID: 803a7d5b-ec9a-4bb7-806e-7ac938bb65ca
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog seit dem 1. August 2006 Ergänzungsleistungen zur ihrer Altersrente
(EL-act. 80). Als Ausgabe wurde ihr stets der gesamte Mietzins angerechnet, da sie
sowohl im Anmeldeformular als auch im Rahmen der folgenden periodischen
Überprüfungen der Jahre 2009 und 2013 angegeben hatte, alleine zu leben (vgl. EL-
act. 45, 68, 90).
A.b Im Oktober 2016 erfolgte eine erneute periodische Überprüfung der
Ergänzungsleistungen. Im entsprechenden Formular gab die Versicherte an, dass ihr
Sohn B._ seit dem 1. November 2014 bei ihr wohne (EL-act. 23, 30). Daraufhin
erliess die EL-Durchführungsstelle am 4. Februar 2017 eine Verfügung, mit welcher sie
den Anspruch der Versicherten auf Ergänzungsleistungen u.a. unter der
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Berücksichtigung des hälftigen Mietzinses als Ausgabe rückwirkend von November
2014 bis Februar 2017 neu berechnete und die seitdem zu viel ausbezahlten
Ergänzungsleistungen in Höhe von Fr. 4'148.-- zurückforderte (EL-act. 17).
A.c Am 6. April 2017 ersuchte die Versicherte um den Erlass der Rückforderung. Sie
führte sinngemäss aus, sie habe im guten Glauben, alles richtig zu machen, gehandelt.
Sie sei davon ausgegangen, dass sie, nachdem sie, auf Hinweis des Sozialdienstes der
Klinik C._ hin, ihren Sohn beim Einwohneramt D._ gemeldet habe, diesbezüglich
nichts weiter tun müsse. Zudem hätten ihr Sohn und sie ausschliesslich von ihren
Einnahmen gelebt. Die Rückforderung träfe sie ausserordentlich (EL-act. 12). Die EL-
Durchführungsstelle wies das Erlassgesuch der Versicherten am 13. April 2017 ab. Zur
Begründung führte sie aus, dass die Versicherte auf ihre Meldepflicht, insbesondere in
Bezug auf die Veränderung der Anzahl von Mitbewohnern, aufmerksam gemacht
worden sei. Da sie den Zuzug ihres Sohnes, der nicht in ihre Berechnung der
Ergänzungsleistungen eingeschlossen und somit als Mitbewohner zu betrachten sei,
dennoch nicht gemeldet habe, sei der Bezug der zu viel ausgerichteten
Ergänzungsleistungen nicht gutgläubig erfolgt (EL-act. 11).
A.d Daraufhin erklärte die Versicherte in ihrer Einsprache vom 1. Mai 2017, sie sei in
gutem Glauben davon ausgegangen, dass es genüge, wenn sie ihren Sohn
ausschliesslich beim Einwohneramt D._ anmelde. Ihr Sohn habe sich, seitdem er bei
ihr wohne, nie finanziell an ihren Lebenskosten oder dem Haushalt beteiligt, weshalb
sie nicht auf die Idee gekommen sei, dass sein Zuzug für die EL-Durchführungsstelle
relevant sein könnte. Es tue ihr aufrichtig leid, dass sie sich diesbezüglich in einem
Irrtum befunden habe, der weder durch den Sozialdienst der Klinik C._ noch durch
die Pro Senectute E._ oder das Einwohneramt D._ aufgedeckt worden sei (EL-act.
7). Am 11. Mai 2017 fand ein Telefongespräch zwischen der Versicherten und einer
Mitarbeiterin der EL-Durchführungsstelle statt, in welchem die Versicherte u.a. auf
Rückfrage hin bestätigte, dass ihr Schreiben vom 1. Mai 2017 als Einsprache gegen die
Verfügung vom 13. April 2017 zu behandeln sei (EL-act. 9). Daraufhin informierte die
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EL-Durchführungsstelle sie am 17. Mai 2017, dass aufgrund des laufenden
Einspracheverfahrens für die Rückforderung der Ergänzungsleistungen ein Mahnstopp
gesetzt werde (EL-act. 6).
A.e Mit einem Einspracheentscheid vom 31. Oktober 2017 wies die EL-
Durchführungsstelle die Einsprache der Versicherten ab. Zur Begründung erklärte sie
abermals, dass in jeder EL-Verfügung explizit auf die Meldepflicht in Bezug auf die
Veränderung der Anzahl der Mitbewohner hingewiesen werde und es ausserdem nicht
Sache der Versicherten sei, sich über die Notwendigkeit einer Meldung an die EL-
Durchführungsstelle Gedanken zu machen. Weil die Versicherte den Zuzug ihres
Sohnes nicht gemeldet habe, könne kein gutgläubiger Leistungsbezug bejaht werden.
Ob die Rückforderung eine grosse Härte bedeute, könne deshalb offenbleiben (EL-act.
4).
B.
B.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Versicherte (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 22. November 2017 Beschwerde. Darin beantragte sie den
Erlass der Rückforderung in Höhe von Fr. 4'148.--, den Erlass der Mahngebühren in
Höhe von Fr. 30.--, die erneute Überprüfung ihres EL-Anspruchs sowie Hilfe bei der
Situation mit ihrem Sohn. Zur Begründung ihrer Anträge erklärte sie sinngemäss und
ergänzend zu ihren Ausführungen in der Einsprache, dass ihr monatlich nur Fr. 2'479.--
zur Verfügung stünden, sodass ihr die Mittel zur Sicherung ihrer Existenz fehlten und es
ihr gar nicht möglich sei, die Forderung der EL-Durchführungsstelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) zu begleichen. Zudem berufe sie sich auf ihre Gutgläubigkeit. Für
sie als Mutter sei es schwierig, ihrem Sohn "die Haustüre zu versperren". Dieser
befinde sich in einer schwierigen Lebenssituation, in welcher sie ihm aus finanziellen
Gründen lediglich moralische Hilfe anbieten könne. Im Übrigen sei telefonisch ein
Mahnstopp besprochen und am 17. Mai 2017 schriftlich bestätigt worden (act. G 1)
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B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 6. Dezember 2017 die Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf ihre Ausführungen im
Einspracheentscheid (act. G 3).
B.c In der Replik vom 5. Januar 2018 (Eingang) erklärte die Beschwerdeführerin, aus
gesundheitlichen Gründen habe sie die finanziellen Folgen des Einzuges ihres Sohnes
nicht abschätzen können. So habe auch Dr. med. F._, FMH Innere Medizin, bestätigt,
dass sie unter diversen Krankheiten leide, die ihr körperlich sowie seelisch sehr
zusetzten. Zudem weise sie nochmals auf ihre Gutgläubigkeit als Mutter hin sowie
darauf, dass sie nicht die Ressourcen habe, ihren Sohn und sich noch länger ohne
Sozialhilfe über Wasser zu halten (act. G 5). Der Replik lag ein Arztzeugnis bei, in
welchem Dr. F._ am 21. Dezember 2017 folgende Diagnosen gestellt hatte:
idiopathisches Parkinsonsyndrom, Depression, chronischer Schwindel, chronische
Bronchitis, fortgeschrittene generalisierte Osteoporose, chronisches panvertebrales
Schmerzsyndrom und lumbospondylogenes Schmerzsyndrom rechts,
gastroösophagealer Reflux und Makuladegeneration mit deutlicher Einschränkung des
Visus. In Bezug auf die sozialen Umstände der Beschwerdeführerin hatte er ausgeführt,
dass deren Sohn nach jahrelanger kontaktloser Abwesenheit plötzlich mit der Bitte vor
ihrer Tür gestanden habe, ihn, der er an Krebs leide, vorübergehend bei sich
aufzunehmen. Trotz des angespannten Verhältnisses und trotz der prekären Situation
habe sich die Beschwerdeführerin mit Blick auf den (vermeintlich) baldigen Tod ihres
Sohnes entschlossen, ihren mütterlichen Gefühlen nachzugeben und ihren Sohn bei
sich zu pflegen. Nach einigen Monaten habe sich jedoch per Zufall herausgestellt, dass
der Sohn gar nicht an Krebs leide. Dennoch habe die Beschwerdeführerin ihren Sohn
weiterhin bei sich leben lassen, da sie ihn nicht mit polizeilichen Mitteln vor aller
Öffentlichkeit in Bedrängnis habe bringen wollen. Im weiteren Verlauf habe sich
herausgestellt, dass ihr Sohn aus Gründen, die der Beschwerdeführerin infolge der
mangelnden Gesprächsbereitschaft ihres Sohnes nicht bekannt seien, keiner
geregelten Arbeit nachgehen könne. In ärztlichen Sprechstunden seien zwar Lösungen
gesucht, jedoch unter anderem weil die Beschwerdegegnerin mit diversen
Erkrankungen zu kämpfen habe, bislang nicht gefunden worden. Die
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Beschwerdeführerin sei bei der Verrichtung ihrer Geschäfte wegen eines Augenleidens
eingeschränkt (act. G 5.1).
B.d Auf Nachfrage des Gerichts (act. G 7) liess die Beschwerdegegnerin erklären, sie
habe die versehentlich ausgebliebene Stornierung der am 4. April 2017 verfügten
Mahngebühr in Höhe von Fr. 30.-- nachgeholt (act. G 8). Dazu reichte sie eine
Abrechnung vom 16. Oktober 2018 ein (act. G 8.1).
B.e Am 6. November 2018 zog die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde betreffend
den Erlass der Mahngebühren in Höhe von Fr. 30.-- zurück (act. G 14).

Erwägungen
1.
Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Beschwerde neben dem Erlass der Rückforderung
in Höhe von Fr. 4'148.-- und dem Erlass der Mahngebühren in Höhe von Fr. 30.—auch
die erneute Überprüfung der Ergänzungsleistungen beantragt; ausserdem hat sie um
Lösungsvorschläge in Bezug auf die Situation mit ihrem Sohn gebeten (act. G 1). Den
Antrag, die Mahngebühren zu erlassen, hat sie am 6. November 2018 zurückgezogen
(act. G 14), sodass die Beschwerde diesbezüglich gegenstandslos geworden ist. Der
Antrag der Beschwerdeführerin, die Ergänzungsleistungen erneut zu überprüfen, zielt
am Streitgegenstand des Einspracheentscheides vorbei und kann deshalb nicht
Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens sein. In Bezug auf die Bitte der
Beschwerdeführerin, sie in ihrer aktuellen Lebenssituation zu beraten bzw.
Lösungsansätze aufzuzeigen, erachtet sich das Versicherungsgericht des Kantons St.
Gallen als nicht zuständig. Der Beschwerdeführerin wird diesbezüglich geraten, sich
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allenfalls an das zuständige Sozialamt oder die IV-Stelle zu wenden und dort ihre
Situation zu schildern. Gegenstand dieses Beschwerdeverfahrens ist demnach einzig
die Frage, ob der Beschwerdeführerin die Rückforderungsschuld in Höhe von Fr.
4'148.-- zu erlassen ist.
2.
2.1 Nachdem die Beschwerdeführerin seit ihrer Anmeldung für den Bezug von
Ergänzungsleistungen stets alleine gewohnt hatte, ist am 1. November 2014 ihr Sohn
bei ihr eingezogen (vgl. EL-act. 30). Dieser Umstand ist der EL-Durchführungsstelle
mangels einer früheren Meldung durch die Beschwerdeführerin erst im Rahmen der
periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen im Oktober 2017 bekannt
geworden (vgl. EL-act. 23, 30). Die Beschwerdegegnerin hat in der Folge die seit dem
1. November 2014 zu viel bezogenen Ergänzungsleistungen zurückgefordert.
Angesichts dieser formell rechtskräftigen und damit verbindlichen
Rückforderungsverfügung vom 13. April 2017 steht fest, dass die Beschwerdeführerin
infolge des nicht gemeldeten Zuzugs ihres Sohnes im November 2014
Ergänzungsleistungen in Höhe von Fr. 4'148.-- bezogen hat, die ihr von Gesetzes
wegen nicht zugestanden haben (EL-act. 11).
2.2 Der Art. 25 Abs. 1 Satz 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) sieht als Grundsatz vor, dass
unrechtmässig bezogene Leistungen zurückerstattet werden müssen. Eine
entsprechende Rückforderungsverfügung dient der Verwirklichung des
Legalitätsprinzips und des Gleichbehandlungsgebotes, denn sie bildet die Grundlage
dafür, dass einer versicherten Person, die ihr von Gesetzes wegen nicht zustehende
Leistungen bezogen hat, diese zu viel bezogenen Leistungen zurückerstatten muss.
Von diesem Grundsatz sieht der Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG eine Ausnahme vor:
Unrechtmässig bezogene Leistungen, die in gutem Glauben empfangen worden sind,
müssen nicht zurückerstattet werden, wenn eine grosse Härte vorliegt. Die für einen
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Erlass geforderte Voraussetzung des guten Glaubens ist nicht erfüllt, wenn die
versicherte Person wusste oder bei gebührender Sorgfalt hätte wissen müssen, dass
sie mehr als die gesetzlich geschuldeten Leistungen bezog. Rechtsprechungsgemäss
ist ein Erlass einer Rückforderung darüber hinaus aber auch ausgeschlossen, wenn die
versicherte Person die zu hohen Leistungen zwar gutgläubig bezogen, aber mit einer
groben Verletzung ihrer Melde- oder ihrer Kontroll- und Hinweispflicht jenen Fehler
(mit-)verursacht hat, der zur Ausrichtung der zu hohen Leistungen geführt hat. Nach
der Terminologie des Bundesgerichtes kann sich die versicherte Person in einem
solchen Fall nicht auf ihren guten Glauben berufen (BGE 102 V 245 E. 3a f. S. 245 f. mit
Hinweisen). Damit ist gemeint, dass es stossend wäre, wenn eine versicherte Person
durch eine (grobe) Nachlässigkeit beziehungsweise durch eine Verletzung ihrer Melde-
oder ihrer Kontroll- und Hinweispflicht einen Fehler (mit-)verursacht hätte, die
Beseitigung der Folgen dieses Fehlers durch eine Rückforderung aber mit dem Hinweis
auf ihre Gutgläubigkeit beim Leistungsbezug verhindern könnte. Der Erlass einer
Rückforderung ist daher rechtsprechungsgemäss namentlich dann ausgeschlossen,
wenn eine versicherte Person ihre Melde- und Kontrollpflichten verletzt und dadurch
den Fehler der EL-Durchführungsstelle (mit-)verursacht hat (vgl. zum Ganzen auch den
Entscheid EL 2013/31 des Versicherungsgerichtes des Kantons St. Gallen vom 21.
Oktober 2014, E. 2.1).
2.3 Die Beschwerdeführerin hat sinngemäss argumentiert, sie habe davon ausgehen
dürfen, dass sie den Zuzug ihres Sohnes der Beschwerdegegnerin nicht habe melden
müssen, weil ihr Sohn sich nie finanziell an den Lebenskosten beteiligt habe. Sie habe
deshalb nicht auf die Idee kommen können, dass sein Zuzug EL-rechtlich relevant sein
könnte (vgl. act. G 5 sowie EL-act. 7, 12). Damit hat die Beschwerdeführerin geltend
gemacht, dass es sich ihres Erachtens in Bezug auf den Zuzug ihres Sohnes um einen
Sonderfall gehandelt habe, in dem ausnahmsweise keine Meldepflicht bestanden habe.
Art. 31 Abs. 1 ATSG sieht vor, dass jede wesentliche Änderung in den für eine Leistung
massgebenden Verhältnissen u.a. von den Bezügerinnen und Bezügern zu melden ist.
Bezogen auf die Ergänzungsleistungen spezifiziert Art. 24 der Verordnung über die
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR
831.301; ELV) die Meldepflicht dahingehend, dass u.a. die Anspruchsberechtigten den
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kantonalen Durchführungsstellen von jeder Änderung ihrer persönlichen und von jeder
ins Gewicht fallenden Änderung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse unverzüglich
Mitteilung zu machen haben. Dem Wortlaut dieser Bestimmungen zufolge und weil der
Staat unter der Berücksichtigung des Subsidiaritätsprinzips erst dann eine Aufgabe zu
übernehmen hat, wenn sie nicht durch seine Bürger bewältigt werden kann, obliegt es
also grundsätzlich zunächst den Bezügerinnen und Bezügern einer
Sozialversicherungsleistung abzuschätzen, welche konkreten Änderungen ihrer
wirtschaftlichen Verhältnisse "ins Gewicht fallen" bzw. welche Verhältnisse für die
beanspruchte Leistung massgebend sind. Im vorliegenden Fall hätte die
Beschwerdeführerin die Relevanz des Zuzugs ihres Sohnes für die
Ergänzungsleistungen also allein gestützt auf Art. 24 ELV bzw. Art. 31 Abs. 1 ATSG
dem Grundsatz nach selbstständig abschätzen und deshalb zum Schluss kommen
dürfen, dass diesbezüglich keine Meldepflicht bestehe, weil ja eben gerade keine
offenkundige Veränderung in ihren wirtschaftlichen Verhältnissen eingetreten war, da
der Sohn sich nicht an den Mietkosten beteiligte. Der gute Glaube wäre also
grundsätzlich zu bejahen. Weil die Beurteilung der Relevanz einer Veränderung der
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse insbesondere im Zusammenhang mit
den Ergänzungsleistungen aber aufgrund der damit verbundenen komplexen
Sachverhalts- und Rechtslage die Fähigkeiten der EL-Bezüger oftmals übersteigt,
enthalten die EL-Verfügungen unter dem Titel "Meldepflicht" eine (nicht
abschliessende) Auflistung von massgeblichen und damit meldepflichtigen Änderungen
der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Damit haben die EL-
Durchführungsstellen die Aufgabe der Beurteilung der Massgeblichkeit einer
Sachverhaltsveränderung bzw. die Aufgabe der Beurteilung des Vorliegens oder
Nichtvorliegens einer Meldepflicht im Umfang der erstellten Auflistung übernommen.
2.4 Gemäss der Auflistung in den EL-Verfügungen gilt u.a. die "Veränderung der
Personenzahl im Haushalt" als meldepflichtig. Eine Beschränkung dieser Meldepflicht
auf den Zuzug oder Wegzug von Personen, die sich finanziell an den Wohn- oder
Lebenskosten beteiligen, ist dabei nicht vorgesehen. Die Würdigung der Relevanz
eines Zuzugs oder Wegzugs einer Person in oder aus dem Haushalt eines EL-Bezügers
obliegt somit vollständig der EL-Durchführungsstelle und nicht den EL-Bezügern.
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Vorliegend kann den Akten nichts entnommen werden, das im konkreten Fall eine
gegenteilige Annahme zugelassen hätte. Von einer EL-Bezügerin muss erwartet
werden, dass sie die EL-Verfügungen aufmerksam durchliest, um sich insbesondere
auch über ihre Pflichten im Klaren zu sein. Die Beschwerdeführerin kann sich deshalb
nicht darauf berufen, dass sie durch das Einwohneramt D._, den Sozialdienst der
Klinik C._, die Pro Senectute E._ o. ä. auf ihre Meldepflicht gegenüber der
Beschwerdegegnerin hätte aufmerksam gemacht werden müssen. Sollte die
Beschwerdeführerin aufgrund ihres Augenleidens (vgl. act. G 5.1) nicht in der Lage
gewesen sein, den Inhalt der EL-Verfügungen zu lesen, so wäre es ihr zumutbar
gewesen, sich Hilfe zu holen und sich die Verfügung beispielsweise vorlesen zu lassen.
Obwohl es also nachvollziehbar ist, dass es für die Beschwerdeführerin nicht
selbstverständlich gewesen ist, dass der Zuzug ihres Sohnes eine meldepflichtige
Veränderung darstellte, weil dieser nichts an die Mietkosten beitrug, hat die
Beschwerdeführerin den Hinweis auf den Umfang ihrer Meldepflicht in den EL-
Verfügungen kennen müssen. Weil die Veränderung der Anzahl von Mitbewohnern
ohne jede Einschränkung explizit als Beispiel für meldepflichtige
Sachverhaltsveränderungen in den EL-Verfügungen aufgeführt gewesen ist, hätte sie
sich ihrer diesbezüglichen Meldepflicht bewusst sein müssen und nicht davon
ausgehen dürfen, dass sie selbst über das Vorliegen oder Nichtvorliegen einer
Meldepflicht im Falle einer Veränderung der Personenzahl im Haushalt entscheiden
dürfe. Deshalb muss sie sich vorwerfen lassen, ihre Meldepflicht in grober Art und
Weise verletzt zu haben. Die Erlassvoraussetzung des guten Glaubens ist somit nicht
gegeben.
2.5 Da die Voraussetzungen für den Erlass kumulativ erfüllt sein müssen, hat die
Beschwerdegegnerin aufgrund des fehlenden guten Glaubens den Erlass der
Rückforderung der zu viel bezogenen Ergänzungsleistungen von November 2014 bis
Februar 2017 selbst dann zu Recht verneint, wenn die Rückerstattung eine grosse
Härte bedeutensollte. Es ist jedoch festzuhalten, dass Rückforderungen, die nicht
eingetrieben werden können, erfahrungsgemäss als uneinbringlich abgeschrieben
werden.
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3.
Zusammenfassend ist die Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist, abzuweisen.
Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a ATSG keine zu erheben.