Decision ID: 0c1bf524-f23f-4ab1-99d6-e6a2586dffdf
Year: 2013
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 18.03.2013 Art. 17 Abs. 1 ATSG, Art. 28a IVG, Art. 87, 88a und 88bis IVV. Rentenrevision. Rentenaufhebung ohne medizinischen Revisionsgrund nach langer Bezugsdauer einer halben Rente wegen MS-Erkrankung. Methodenwechsel wegen Statusänderung. Ein Methodenwechsel als solcher ist nie Revisionsgrund; für einen solchen bedarf es immer einer erheblichen Sachverhaltsevolution (in der Invaliden- oder der Validenkarriere). Eine Sachverhaltsevolution bedingt (möglicherweise) einen Methodenwechsel und nicht umgekehrt. Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit für die hypothetische Frage der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall. Würdigung der konkrete Situation und der Vorbringen der versicherten Person nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St.Gallen vom 18. März 2013, IV 2011/112). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_286/2013.
Versicherungsrichterin Monika Gehrer-Hug (Vorsitz), Versicherungsrichterin Miriam
Lendfers, Versicherungsrichter Martin Rutishauser; Gerichtsschreiber Tobias Bolt
Entscheid vom 18. März 2013
in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Advokat lic. iur. Martin Boltshauser, c/o procap, Froburgstrasse 4,
Postfach, 4601 Olten,
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gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rentenrevision (Einstellung Rente)
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 9. Oktober 1998 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Sie gab an, sie leide
an Multipler Sklerose (IV-act. 1; Verdachtsdiagnose 1991, IV-act. 3-18; Bestätigung
einer schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose 1997, IV-act. 3-7).
A.b Dr. med. B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, gab am 30. Oktober 1998 als
Diagnosen eine Multiple Sklerose mit schubförmigem Verlauf, eine Adipositas per
magna, einen Status nach Cholecystektomie sowie eine Depression an und bestätigte
ab Mai 1997 eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bei einem sich verschlechternden
Gesundheitszustand. Seinem Bericht legte er diverse spezialärztliche Berichte bei (IV-
act. 3). Die als ungelernte Kassiererin in Vollzeit tätig gewesene Versicherte hatte den
Arbeitsplatz gewechselt; ab ca. Juli 1994 hatte sie beim selben Arbeitgeber als
Verkäuferin am Traiteurstand gearbeitet, ebenfalls in einem vollen Pensum
(Arbeitgeberbericht, IV-act. 5). Der Arbeitgeber kündigte das Arbeitsverhältnis nach
Auslauf der Krankentaggeldleistungen per 31. März 1999 (IV-act. 7).
A.c Die Berufsberaterin der IV-Stelle hielt am 29. März 1999 fest, die Versicherte sei
zu 50% arbeitslos gemeldet und beziehe Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Da
neben habe sie sich an die Fürsorge gewandt. Aus den medizinischen Unterlagen
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sei ersichtlich, dass die Versicherte voraussichtlich weder im Verkauf noch in einer
anderen, besser angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit über 50% erreichen könne
(IV-act. 9).
A.d Mit Wirkung ab 1. Mai 1998 verfügte die IV-Stelle am 22. September 1999 die
Ausrichtung einer halben Rente bei einem IV-Grad von 50% (Valideneinkommen als
Kassiererin/Verkäuferin Fr. 38'740, Invalideneinkommen als Kassiererin/Verkäuferin
Fr. 19'370; IV-act. 16, 17).
A.e Die Berufsberaterin berichtete am 13. Dezember 1999, die Versicherte habe auf
eigene Kosten einen Sennenkurs absolviert und sei von Juni bis November 1999 auf
einer Alp gewesen. Sie habe dort das Kochen übernommen und dafür eine Ent
schädigung von total Fr. 4'000.-- erhalten. Die Versicherte werde sich beim RAV
melden und eine Teilzeitstelle im Verkauf suchen (IV-act. 19).
B.
B.a Am 17. Mai 2001 füllte die Versicherte den Fragebogen für die erste
Rentenrevision aus und erklärte, ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben. Sie sei
nicht erwerbstätig (IV-act. 22). Der Hausarzt bestätigte am 31. Mai 2001 einen
stationären Gesundheitszustand, gekennzeichnet durch rezidivierende leichte Schübe,
jeweils acht bis zehn Tage andauernd, bei vor allem extremer Müdigkeit, sodass die
Versicherte in diesen Phasen praktisch nichts arbeiten oder unternehmen könne (IV-
act. 23). Am 10. Juli 2001 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die Überprüfung des
Invaliditätsgrades habe keine rentenbeeinflussende Änderung ergeben. Die bisherige
(halbe) Rente werde weiterhin ausgerichtet. Die Versicherte wurde auf ihre Meldepflicht
hingewiesen (IV-act. 25).
B.b Am 1. Dezember 2003 füllte die Versicherte den Fragebogen für die nächste
Rentenrevision aus. Sie berichtete von einer Verschlechterung ihres Gesundheitszu
standes (alle drei Monate Taubheitsgefühl in Händen und Beinen, sehr grosse Müdig
keit). Sie sei im eigenen Haushalt tätig (IV-act. 28). Dr. med. B._ bestätigte am
18. Dezember 2003 die Gesundheitsverschlechterung; die Interferonbehandlung habe
wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden müssen. Die Versicherte gebe an, in
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regelmässigen Abständen von vier bis fünf Monaten einen leichten Schub MS zu
verspüren mit deutlicher Zunahme des Kribbelns in den Extremitäten und der
Müdigkeit. Die Belastbarkeit nehme ab. Berufliche Massnahmen seien nicht angezeigt
(IV-act. 29). Ergänzend hielt Dr. med. B._ zuhanden der IV-Stelle am 20. Januar 2004
fest, es sei ihm unmöglich, bei den wechselhaften Befunden eine zumutbare
Arbeitsfähigkeit in adaptierten Tätigkeiten zu bestimmen. Wenn es der Versicherten gut
gehe, sei sicher eine halbtägige leichte Arbeit möglich (IV-act. 32). Dr. med. C._ vom
Regionalen Ärztlichen Dienst der Invalidenversicherung (RAD) erachtete die
angegebene Gesundheitsverschlechterung am 9. Februar 2004 als nicht wesentlich.
Der RAD-Arzt wies darauf hin, falls die Versicherte nur als Hausfrau tätig sei, müsste
die Situation vor Ort geprüft werden (IV-act. 33). Ohne Durchführung einer
Haushaltabklärung teilte die IV-Stelle der Versicherten am 19. Februar 2004 mit, es
bestehe weiterhin Anspruch auf die bisherige Rente bei einem IV-Grad von 50%.
Wiederum wurde die Versicherte auf ihre Meldepflicht hingewiesen (IV-act. 37). Der
Pensionskasse des ehemaligen Arbeitgebers teilte die IV-Stelle am 25. November 2004
mit, der IV-Grad der Versicherten betrage 50% (nicht nach der gemischten
Bemessungsmethode errechnet), die nächste Revision sei per 1. März 2009
vorgesehen (IV-act. 38).
B.c Mit Verfügung vom 14. Oktober 2008 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit
Wirkung ab 1. Oktober 2003 eine Kinderrente für ihren Sohn D._ zu (IV-act. 39).
B.d Die Versicherte füllte am 1. Mai 2009 den Fragebogen für eine weitere Renten
revision aus. Sie gab an, ihr Gesundheitszustand sei veränderlich, sie könne die Darm
funktion nicht mehr kontrollieren und leide unter einer starken Müdigkeit. Sie sei nicht
erwerbstätig und sei bei Dr. B._ und bei Dr. E._, FMH Facharzt für Innere Medizin,
in Behandlung (IV-act. 42). Am 18. Mai 2009 berichtete Dr. E._, der
Gesundheitszustand der Versicherten sei stationär bei konstantem Verlauf. Die
Versicherte sei wegen Luftwegsinfekten, Hautbefunden und akuten Problemen des
Bewegungsapparates diverse Male in der Sprechstunde gewesen. In den letzten
Monaten seien keine speziellen therapeutischen Massnahmen durchgeführt worden
(IV-act. 45).
C.
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C.a Am 1. Juli 2009 stellte die IV-Stelle der Versicherten einen Fragebogen zur
Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/Haushalt zum Ausfüllen zu (IV-act. 48,
59). Nach mehrfachen Nachfragen und Mahnungen (IV-act. 49, 50, 51) mahnte die IV-
Stelle am 25. November 2009 die Versicherte, den ausgefüllten Fragebogen
einzureichen (IV-act. 52), worauf schliesslich ein am 26. November 2009 ausgefüllter
Fragebogen am 30. November 2009 bei der IV-Stelle eintraf. Darin gab die Versicherte
unter anderem an, sie sei nicht erwerbstätig. Ohne Behinderung würde sie als
Verkäuferin mit einem Pensum von 50% arbeiten, es sei aber schwierig, eine
entsprechende Stelle zu finden mit ihrer Erkrankung. Sie wohne mit ihrem Sohn und
ihrem Vater in einem Einfamilienhaus. Wenn sie keinen Schub habe, könne sie den
Haushalt mit mehreren Pausen erledigen, sie werde schnell müde. Sie habe auch
Mühe, lange ausser Haus zu sein, denn sie brauche immer ein WC in der Nähe. Sie
beantwortete nicht alle Fragen (IV-act. 53).
C.b Am 18. Dezember 2009 forderte die IV-Stelle die Versicherte auf, bekannt zu
geben, wieviel sie als Mutter eines Kindes ohne gesundheitliche Einschränkungen
arbeiten würde (in Prozent oder Stunden pro Woche; IV-act. 54). Auf Nachfragen vom
26. Januar und 18. Februar 2010 antwortete die Versicherte am 3. März 2010 (Ein
gangsstempel), sie würde zu 30-50% arbeiten. Sie wünschte, sie wäre gesund. Eine
Begründung für das angegebene Pensum wisse sie nicht (IV-act. 57-1). In einer
internen Notiz hielt die IV-Stelle am 10. März 2010 fest, bisher sei die Versicherte als
Vollerwerbstätige zu qualifizieren gewesen. Anlässlich der Rentenrevision habe man
festgestellt, dass sie am 21. September 2002 Mutter geworden sei. Es sei eine
eingehende Prüfung der Qualifikation erforderlich (IV-act. 58).
C.c Die zuständige Abklärungsperson besuchte die Versicherte am 8. April 2010 zu
Hause. Die Versicherte berichtete, seit einem Jahr habe sich ihr Gesundheitszustand
erheblich verschlechtert, Hauptproblem sei der Stuhlgang, den sie nicht mehr kontrol
lieren könne, auch wenn sie keinen MS-Schub habe. Sie könne deswegen kaum etwas
planen. Die Pausen zwischen den Schüben seien kürzer geworden, Dauer und
Schwere seien unterschiedlich (zwischen einigen Wochen bis zu einem halben Jahr).
Während der Schübe sei sie dann zusätzlich eingeschränkt wegen der fehlenden Kraft
in den Händen und Fingern und sie sehe oft Doppelbilder. Die Hausarbeit könne sie
dann kaum noch verrichten. Allgemein sei sie dauernd sehr müde, auch in Zeiten ohne
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Schübe. Aus wirtschaftlichen Gründen müsste sie mindestens halbtags einer Erwerbs
tätigkeit nachgehen. Mehr wolle sie nicht wegen der Kinderbetreuung. Der Abklärungs
beauftragte hielt fest, die tatsächlichen Einschränkungen im Haushalt seien wegen des
schwankenden Gesundheitszustands schwierig zu bestimmen. Insgesamt könne man
davon ausgehen, dass die Versicherte vielleicht etwa zu einem Drittel in allen Haushalt
tätigkeiten eingeschränkt sei. Der Bericht Haushaltabklärung müsse noch aus medi
zinischer Sicht gewürdigt werden (IV-act. 62). RAD-Arzt Dr. med. F._ hielt dazu am
14. Oktober 2010 lediglich fest, bei der Versicherten liege ein stabiler Gesundheits
zustand vor. Ein medizinischer Revisionsgrund bestehe nicht. Eine Plausibilisierung der
Haushaltabklärung nahm er nicht vor (IV-act. 63).
C.d Mit Vorbescheid vom 25. Oktober 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
nach Überprüfung der Qualifikation ergebe sich, dass sie neben der Betreuung ihres
Sohnes ohne gesundheitliche Einschränkungen eine Erwerbstätigkeit zu 50% ausüben
würde. Bei einer bestehenden Einschränkung von 30% im Haushalt (Anteil 50%), und
einer Einschränkung von 7% im erwerblichen Bereich als Arbeitnehmerin (Anteil 50%),
betrage der Invaliditätsgrad noch 18,5%. Ein Rentenanspruch bestehe deshalb nicht
mehr. Die IV-Stelle teilte der Versicherten deshalb mit, es sei vorgesehen, die halbe
Rente aufzuheben (IV-act. 67).
C.e Namens der Versicherten erhob die procap St.Gallen – Appenzell am 30. No
vember 2010 Einwand und beantragte die nochmalige Prüfung der Invalidität der Ver
sicherten. Diese mache geltend, dass sie heute als Gesunde mehr als 50% arbeiten
würde (IV-act. 71-1). Ergänzend erklärte die procap am 15. Dezember 2010, es sei
noch nicht klar, ob sich bei der Versicherten eine gesundheitliche Verschlechterung
eingestellt habe. Anlässlich der Haushaltabklärung habe diese berichtet, dass sie
massive Darmprobleme habe. Das habe die Abklärungsperson ebenfalls festgestellt
und darauf hingewiesen, dass die medizinische Situation abzuklären sei (IV-act. 73-1).
Mit Einwandergänzung vom 22. Dezember 2010 führte die procap aus, die
Berufsberaterin habe immer wieder darauf hingewiesen, dass die bildungsmässigen
Voraussetzungen für eine erstmalige berufliche Ausbildung oder Umschulung bei der
Versicherten nicht gegeben seien. Nach der Kündigung des langjährigen
Arbeitsverhältnisses sei die Versicherte an das RAV verwiesen worden, in der
Hoffnung, sie finde selber eine andere Arbeitsstelle mit einem Pensum von 50%. Die
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Revisionen 2001 und 2003 hätten einen unveränderten IV-Grad von 50% ergeben. Die
aktuelle Revision eruiere nun einen IV-Grad von 18,5% bei gleichbleibender
Restarbeitsfähigkeit von 50%. Die Versicherte sei aber weiterhin als Vollerwerbstätige
einzustufen, denn sie sei als alleinerziehende Mutter auf ein volles Erwerbseinkommen
angewiesen. Sie habe zwar anlässlich der Haushaltabklärung angegeben, sie würde im
Gesundheitsfall nur zu 50% arbeiten. Aufgrund der bildungsmässigen Voraussetzungen
sei mit grosser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie die hypothetische
Frage nicht verstanden habe. Das zeige sich auch darin, dass sie mehrfach
angeschrieben werden musste, bis sie Fragebogen ausgefüllt an die IV-Stelle
zurückgesandt habe. Auch habe die Versicherte nicht gewusst, dass sie ihren Sohn ab
Geburt hätte anmelden müssen. Aus der Haushaltabklärung sei klar ersichtlich, dass
die Versicherte neben der IV-Rente zu 50% arbeiten müsste. Ohne Rente müsste sie
als Gesunde zu 100% arbeiten, die Kinderbetreuung wäre sichergestellt. Die
Versicherte lebe schon lange unter dem EL-Existenzminimum. Ein Antrag auf
Ergänzungsleistungen wäre aber abgewiesen worden, weil ihr ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet worden wäre. Eine 50%-Stelle habe die Versicherte
seit der IV-Berufsberatung im Jahr 1999 nicht gefunden, trotz jahrelanger Suche. Der
Versicherten seien zusätzlich berufliche Massnahmen zu gewähren zur Verwertung
ihrer Restarbeitsfähigkeit von 50% (IV-act. 74).
C.f Am 10. Februar 2011 stellte die IV-Stelle die Rente gemäss Vorbescheid ein. Zu
den Ausführungen der procap erläuterte sie, die Versicherte sei nicht als Vollerwerbs
tätige einzustufen, sie habe die hypothetische Fragestellung nach entsprechender Er
klärung verstanden und die Antwort gut begründet. Auf dem freien Arbeitsmarkt würde
sie im Übrigen in einem Pensum von 50% ein deutlich höheres Einkommen erzielen, als
der Rentenbetrag ausmache. Der Anspruch auf Hilfestellung bei der Stellensuche
werde derzeit geprüft und separat beantwortet (IV-act. 75).
D.
D.a Gegen diese Verfügung erhob die procap am 14. März 2011 vorsorglich Be
schwerde mit der gleichen Begründung wie im Einwandverfahren (act. G 1). Mit Be
schwerdeergänzung vom 13. Mai 2011 beantragte die nun durch Advokat Martin
Boltshauser vertretene Versicherte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und
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die Weiterausrichtung der halben Rente, eventualiter die Rückweisung der Angelegen
heit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin. Die Beschwerdeführerin habe
offensichtlich Mühe, gewisse Zusammenhänge zu verstehen, sie habe auch die Frage,
was sie als Gesunde arbeiten würde, in ihrer Tragweite nicht verstehen können. Sie
habe die Geburt des Sohnes nicht gemeldet, weil sie keine Ahnung gehabt habe, dass
sie Ansprüche betreffend Kinderrente stellen könne. Erst auf einen auswärtigen Hinweis
hin habe sie das getan. Korrekterweise müsse abgeklärt werden, ob die Beschwerde
führerin in ihrer Situation einer Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Es wäre ihr
durchaus zumutbar, ausser Haus zu arbeiten, der Sohn sei nicht mehr so klein, seine
Betreuung sei gesichert. Da auch die finanzielle Mitunterstützung durch den
zwischenzeitlich verstorbenen Vater wegfalle und die Beschwerdeführerin als
ungelernte Arbeitskraft nur ein deutlich reduziertes Erwerbseinkommen zu erwarten
habe, stehe bereits fest, dass sie mit einer hälftigen Erwerbstätigkeit ihren finanziellen
Verpflichtungen kaum ohne Sozialhilfe nachkommen könnte. Überdies sei aus den IV-
Akten ersichtlich, dass ca. seit einem Jahr eine gesundheitliche Verschlechterung
eingetreten sei. Diese sei nicht abgeklärt worden, obwohl das bereits von der
Abklärungsperson Haushalt beantragt worden sei (act. G 6).
D.b Am 19. Mai 2011 unterzeichnete die Beschwerdeführerin eine Zielvereinbarung für
Eingliederungsmassnahmen bei der Stiftung G._ im Programm H._, (Abklärung und
Wiedereingliederung erwerbsloser Menschen), für den Zeitraum vom 16. Mai bis 12.
August 2011 (IV-act. 89).
D.c Die Beschwerdegegnerin erstattete am 27. Juni 2011 ihre Beschwerdeantwort,
beantragte die Abweisung der Beschwerde und führte aus, anlässlich der Haushalt
abklärung sei der Beschwerdeführerin ausführlich erklärt worden, wie die Frage nach
dem Erwerbsanteil als Gesunde zu verstehen sei und welche Auswirkungen das habe.
Sie habe auch genug Zeit gehabt für ihre Antwort. Sie habe angegeben, dass sie ohne
Behinderung zu 50% arbeiten würde. Mehr wolle sie nicht arbeiten, sie wolle nicht,
dass ihr Sohn auf der Strasse lebe. Ihr Vater könne den Sohn nicht betreuen. Bei dieser
Aussage der ersten Stunde sei sie zu behaften. Mit dem Statuswechsel von einer
Vollzeit- zu einer Teilzeittätigkeit sei ein Revisionsgrund gegeben. Die medizinische Ein
schätzung der Arbeitsfähigkeit von 50% habe sich nicht verändert, sowohl der
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Hausarzt als auch der RAD hätten einen stationären Gesundheitszustand beschrieben.
Die Einschränkung im Haushaltbereich sei nicht beanstandet worden (act. G 8).
D.d Am 24. August 2011 wurde dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege ent
sprochen (act. G 14).
D.e Der Rechtsvertreter reichte am 9. September 2011 die Replik ein, hielt an den
Rechtsbegehren fest und führte aus, auf die allererste spontane Aussage zur Frage,
wie viel sie arbeiten würde, wenn sie gesund wäre, habe die Beschwerdeführerin ge
antwortet, zu etwa 30-50%, sie wünschte, sie wäre gesund, sie wisse keine Be
gründung. Damit sei erstellt, dass auf diese Aussage der ersten Stunde nicht abgestellt
werden könne, da die Beschwerdeführerin eigentlich keine richtige Aussage habe
machen können. Im Abklärungsbericht habe sie dann tatsächlich angegeben, dass sie
zu 50% arbeiten würde, gleichzeitig habe die Abklärungsperson festgehalten, die Be
schwerdeführerin müsste mindestens halbtags einer Erwerbstätigkeit nachgehen, um
sich und ihren Sohn durchzubringen. Das Vorliegen eines Revisionsgrundes werde
bestritten, denn in Bezug auf die familienrechtliche Situation habe sich bei der Be
schwerdeführerin nichts geändert. Unbestritten sei sie in früheren Jahren immer als
Vollerwerbstätige eingestuft worden, obwohl der im Jahr 2002 geborene Sohn damals
die Mutter noch notwendiger gehabt habe als jetzt. Nach dem Tod des Vaters könne
die Beschwerdeführerin heute aufgrund ihres Budgets ohne Aufnahme einer vollen Er
werbstätigkeit ihren Lebensunterhalt ohne Hilfe des Sozialamtes gar nicht bestreiten.
Es sei nicht ersichtlich, weshalb aus diesen Gründen bezüglich der Statusfrage ein Re
visionsgrund vorliegen sollte, die Beschwerdeführerin sei weiterhin als (voll) Erwerbs
tätige einzustufen (act. G 15).
D.f Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 30. September 2011 sinngemäss auf
eine Duplik (act. G 17).

Erwägungen:
1.
1.1 Strittig ist vorliegend die am 10. Februar 2011 verfügte Renteneinstellung zufolge
des von der Beschwerdegegnerin vorgenommenen Statuswechsels. Die Beschwerde
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gegnerin hält dafür, die IV-Stelle habe in der strittigen Verfügung die seit Mai 1998
laufende ganze - auf einem Einkommensvergleich beruhende - Invalidenrente der
Beschwerdeführerin zu Recht unter Zugrundelegung der gemischten Methode der
Invaliditätsbemessung auf eine halbe Rente herabgesetzt (Art. 17 Abs. 1 ATSG; Art. 87,
88a und 88 IVV), da sich bei unverändertem Gesundheitszustand die Grundlage der
Invaliditätsbemessung leistungserheblich verändert habe. Die Beschwerdegegnerin
kam nach Würdigung der medizinischen Unterlagen zum Schluss, der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich im Zeitraum zwischen der
ursprünglichen Rentenzusprache (Verfügung vom 22. September 1999) und der
Revisionsverfügung vom 10. Februar 2011 nicht wesentlich geändert. Diese
Beurteilung wird von der Beschwerdeführerin abgelehnt.
1.2 Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin
für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt nach der auch unter dem ATSG massgeblichen
Rechtsprechung jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Die
IV-Rente ist nicht nur bei einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes,
sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich
gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343
Erw. 3.5 S. 349 f.). Eine einmal vorgenommene Anwendung einer bestimmten Methode
ist nach BGE 97 V 241 nicht unveränderlich. Eine spätere Änderung der persönlichen
und damit verbundenen wirtschaftlichen Situation kann – im Rahmen eines
Revisionsverfahrens – Anlass geben, die bisherige Methode aufzugeben. Ein
Methodenwechsel als solcher ist nie Revisionsgrund; für einen solchen bedarf es
immer einer erheblichen Sachverhaltsevolution (in der Invaliden- oder der
Validenkarriere). Eine Sachverhaltsevolution bedingt (möglicherweise) einen
Methodenwechsel und nicht umgekehrt (vgl. den Entscheid IV 2006/57 des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 4. April 2007, Erw. 1a).
1.3 Die Rechtsprechung verlangt für neue Annahmen bei der Validenkarriere einen
überwiegend wahrscheinlichen hypothetischen Verlauf (BGE 117 V 194 Erw. 3b S. 194;
SVR 1996 IV Nr. 76 Erw. 2c). Für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
bis
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ausgeübten (Teil-) Erwerbstätigkeit ist der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich (vgl. BGE 125 V 146 Erw. 2c
S. 150, 117 V 194 Erw. 3b S. 194 f., je mit Hinweisen; Ulrich Meyer-Blaser, Die
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S. 48 ff.). Der Richter hat
jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die er von allen möglichen Geschehensab
läufen unter den gegebenen Umständen als die wahrscheinlichste erachtet (BGE 121
V 45 Erw. 2a S. 47). Dabei sind die konkrete Situation und die Vorbringen der Ver
sicherten nach Massgabe der allgemeinen Lebenserfahrung zu würdigen (ZAK 1985
S. 468 f. Erw. 1). Tatfragen, über die sich gemäss der Natur der Dinge nur Hypothesen
aufstellen lassen, beurteilen sich nach Erfahrungssätzen (BGE 117 V 194 E. 3b S. 195).
1.4 Ein Methodenwechsel darf nach der älteren Praxis nur vorgenommen werden,
wenn er zwingend notwendig ist (vgl. ZAK 1969 S. 745; BGE 104 V 148 E. 2 S. 149).
Das ist auch heute noch zu postulieren (vgl. Gabriela Riemer-Kafka, Veränderungen der
familiären Verhältnisse als Rentenrevisionsgrund in der IV, in: René Schaffhauser/ Franz
Schlauri [Hrsg.], Die Revision von Dauerleistungen in der Sozialversicherung, St. Gallen
1999, S. 111). Der Methodenwechsel setzt eine Nachführung der hypothetischen
Lebensentwicklung voraus. Es wird auf den realen Verlauf persönlicher und familiärer
Verhältnisse nach Eintritt der Invalidität (und unter den Einwirkungen der Invalidität)
abgestellt, obwohl diese Verhältnisse an sich ohne kausalen Einfluss auf die Invalidität
sind. Aus dieser Realität wird auf wesentliche Änderungen im massgeblichen
hypothetischen Sachverhalt (BGE 117 V 198 E. 3b S. 199) geschlossen. Auf eine all
gemeine Erfahrung über das Verhalten der Mütter nach der Geburt von Kindern lässt
sich indessen heute nicht mehr zurückgreifen (Riemer-Kafka, a.a.O., S. 115 f.). Auf ein
deutige Lebensentwürfe und Lebenserfahrungen ist in der modernen Gesellschaft mit
gleichen Chancen für unterschiedlichste Arten beruflichen Fortkommens immer
weniger Verlass. Darum ist es gerechtfertigt, den Methodenwechsel nur bei triftigen
Gründen zuzulassen, etwa wenn nach einer eindeutigen (hypothetischen) Sachlage ein
Festhalten an der bisherigen Methode missbräuchlich wäre (vgl. den Entscheid IV
2001/3 des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 25. Oktober 2001,
Erw. 3e).
2.
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2.1 Die Beschwerdeführerin machte im Mai 2009 geltend, ihr Gesundheitszustand
habe sich einerseits verbessert, andererseits aber auch verschlimmert. Sie führte zur
Verschlechterung aus, sie könne die Darmfunktion nicht mehr kontrollieren und leide
unter starker Müdigkeit. Was sich verbessert habe, erwähnte sie nicht. Die starke
Müdigkeit hat sie schon früher angegeben (Revision 2003), in der Zwischenzeit haben
sich offenbar die Schwierigkeiten mit der Darmfunktion manifestiert. Arztberichte für
die Zeit zwischen 2003 und 2009 liegen zu dieser Thematik nicht vor.
2.2 Dr. I._ bestätigte am 18. Mai 2009, er habe die Beschwerdeführerin letztmals
am 4. März 2009 in der Praxis gesehen, die Grunderkrankung nehme einen konstanten
Verlauf. Die Beschwerdeführerin habe die Sprechstunde diverse Male wegen Infekten,
Hautbefunden und akuten Problemen des Bewegungsapparates aufgesucht. Darmbe
schwerden erwähnte er nicht. Gestützt auf diese Auskunft hat der RAD-Arzt Dr. F._
im Oktober 2010 festgehalten, der Gesundheitszustand sei weiterhin stabil, eine we
sentliche Veränderung des Gesundheitsschadens sei weiterhin nicht auszumachen. Ein
medizinischer Revisionsgrund sei nicht ausgewiesen. Obwohl seit vielen Jahren kein
aussagekräftiger (aktueller) Arztbericht in den Akten zu finden ist, überzeugt die Auf
fassung des RAD-Arztes Dr. F._. Die Beschwerdegegnerin hat denn auch eine
weiterhin bestehende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50% anerkannt.
3.
3.1 Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch an
lässlich einer Rentenrevision stellt sich die Frage nach der in den drei Absätzen von
Art. 28a IVG normierten Invaliditätsbemessungsmethode. Die Statusfrage, also die
Frage, ob die versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig zu betrachten ist, was je zur Anwendung einer anderen Methode der
Invaliditätsbemessung (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betätigungsver
gleich) Anlass gibt, bestimmt sich aufgrund der Prüfung, was die versicherte Person bei
im Übrigen unveränderten Umständen mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit (BGE 117 V 194 E. 3b S. 195) täte, wenn keine gesundheitliche Be
einträchtigung bestünde. Massgebend für diese Beurteilung ist die gesamte
persönliche, familiäre, berufliche und soziale Situation, die stets nach den konkreten
Gegebenheiten des Einzelfalles zu bestimmen ist und sich nicht auf eine Bezugnahme
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auf die allgemeine Lebenserfahrung oder statistische Erhebungen und Erfahrungswerte
beschränken kann. So darf beispielsweise eine bisher erwerbstätig gewesene
Versicherte im Rentenrevisionsverfahren nach der Geburt des ersten Kindes nicht neu
als Hausfrau eingestuft werden mit der einzigen Begründung, dass nach der
allgemeinen Lebenserfahrung zahlreiche (Ehe-)Frauen die Erwerbstätigkeit
unterbrechen, solange die Kinder der vollständigen Pflege und Erziehung bedürfen
(Ulrich Meyer, a.a.O., S. 52, S. 289 und S. 376; sinngemäss insbesondere BGE 133 V
477 E. 6.1 S. 485 mit Hinweisen; Urteil Schuler-Zgraggen gegen die Schweiz des
EGMR vom 24. Juni 1993, EuGRZ 1996 S. 604 Ziff. 61 ff.). Ein starker Indizwert kommt
dabei auch jener Tätigkeit zu, welche bei Eintritt der invalidisierenden gesundheitlichen
Beeinträchtigung tatsächlich ausgeübt wurde, vor allem bei sonst im Wesentlichen
unveränderten Verhältnissen bis zur Entstehung des Rentenanspruchs (BGE 130 V
393 E. 3.3 S. 396; 125 V 146 E. 2c S. 150, je mit Hinweisen).
3.2 Bei der Beantwortung der vorliegend entscheidenden Statusfrage handelt es sich
zwangsläufig um eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische Willensent
scheidungen der versicherten Person berücksichtigen muss, welche indessen als
innere Tatsachen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich sind und in aller Regel
aus äusseren Indizien erschlossen werden müssen. Der Beschwerdeführerin ist darin
beizupflichten, dass hinsichtlich der Statusfrage nicht ohne weiteres auf die anlässlich
der Abklärung der Verhältnisse im Haushalt erhobenen Angaben abgestellt werden
kann. Obgleich derartige im Verlauf des Abklärungsverfahrens gemachte Aussagen
praxisgemäss stärker zu gewichten sind als spätere, anders lautende Erklärungen,
welche von Überlegungen sozialversicherungsrechtlicher Natur beeinflusst sein
können, gilt es zu beachten, dass der Bedeutungsgehalt der Frage nach der
hypothetischen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall aufgrund der Komplexität des
Rentensystems für Laien nicht einfach zu erkennen ist. Dies muss umso mehr gelten
für eine Person, bei welcher - wie im Falle der Beschwerdeführerin – schon viele Jahre
eine chronische Erkrankung vorliegt. Je länger nämlich die Krankheit bereits andauert,
desto schwieriger ist es für die betroffene Person, sich vorzustellen, wie sie sich als
gesunde Person verhalten würde. Bei der Beschwerdeführerin kommt hinzu, dass sie
zufolge ihrer schulisch bescheidenen Ressourcen weder eine Lehre noch eine Anlehre
absolvieren konnte und als ungelernte Verkäuferin/Kassiererin arbeitete. Dies gibt
Grund zur Annahme, dass es ihr besonders schwer fallen dürfte, von den langjährigen
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tatsächlichen Verhältnissen zu abstrahieren. Der Beschwerdeführerin, welche schon in
jungen Jahren erkrankt ist, dürfte es daher gesamthaft schwer fallen, sich ein Leben
ohne jegliche Behinderung vorzustellen, zumal ihre Arbeitsfähigkeit bereits vor Kenntnis
der Multiplen Sklerose – nämlich durch einen Unfall mit Lendenwirbelfraktur im Jahr
1997 – beeinträchtigt gewesen war (vgl. IV-act. 3–8, 10–1 und 10–2). Massgebend für
die Frage, in welchem Ausmass sie als Gesunde erwerbstätig wäre, sind somit primär
die konkreten Lebensumstände während der letzten Jahre (vgl. 8C_35/2011, Urteil vom
24. Mai 2011, E. 3.3).
3.3 Laut Akten war die Beschwerdeführerin ab 1. März 1989 bis Mai 1997 voll
erwerbstätig. Sie lebte mit ihrem Freund zusammen, verblieb einen Sommer auf einer
Alp, suchte mit Unterstützung des RAV erfolglos eine Teilzeitstelle im Verkauf. Die Ge
burt ihres Sohnes (21. September 2002) hat die Beschwerdeführerin der IV-Stelle nicht
gemeldet. Sie ist ihren Mutterpflichten nachgegangen und hat nicht ausserhäuslich ge
arbeitet, hat sich offenbar von ihrem Freund getrennt, musste die Interferontherapie ab
brechen und ist spätestens gegen Ende 2003 in ihr Elternhaus zurückgekehrt (vgl. IV-
act. 28). Anlässlich der Haushaltabklärung (Selbstdeklaration) gab sie im November
2009 wiederum an, sie suche eine Teilzeitstelle im Verkauf, finde wegen ihrer Er
krankung aber keine. Ergänzend hielt sie auf Nachfrage fest, sie würde zu 30-50%
arbeiten, sie wünschte, sie wäre gesund. Aufgrund dieser Angaben und in nunmehriger
Kenntnis der Mutterschaft beantragte die Abklärungsstelle im März 2010 die Über
prüfung der Qualifikation der Beschwerdeführerin. Anlässlich des Besuchs der ab
klärungsbeauftragten Person erklärte die allein erziehende Beschwerdeführerin am
8. April 2010, sie würde ohne Behinderung aus wirtschaftlichen Gründen mindestens
halbtags eine Erwerbstätigkeit ausüben. Mehr wolle sie nicht, weil sie nicht wolle, dass
ihr Sohn auf der Strasse aufwachse. Ihr Vater, wohnhaft im selben Haus, könne den
Sohn nicht ausreichend betreuen, er habe dazu die Nerven nicht mehr. Während der
Schübe sei sie im Haushalt auf die Mithilfe von Vater und Sohn angewiesen, beim Ein
kauf sei ihre Schwester oft behilflich. Im Einwandschreiben gegen den Vorbescheid der
Rentenaufhebung machte die Beschwerdeführerin dann erstmals geltend, als Gesunde
würde sie heute mehr als 50% arbeiten. Ergänzend liess sie ausführen, als allein
erziehende Mutter sei sie auf ein volles Erwerbseinkommen angewiesen. Die Kinder
betreuung könne sie sicherstellen. Sie habe bis heute trotz jahrelanger Suche keine
Anstelllung gefunden. Die hypothetische Frage des Arbeitspensums im Gesundheitsfall
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habe sie nicht verstanden. Die IV-Stelle hat der offenbar motivierten Beschwerde
führerin inzwischen Unterstützung bei der Arbeitsvermittlung gewährt (IV-act. 82, 84).
Die Schwester der Beschwerdeführerin hat im Beschwerdeverfahren zugesichert, für
die Kinderbetreuung zur Verfügung zu stehen. In diesem Punkt kann überwiegend
wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass die Kinderbetreuung bei einer
Teilzeitanstellung von 50% sichergestellt wäre, zusammen mit ergänzenden
Betreuungsangeboten (z.B. schulischer Mittagstisch) wahrscheinlich auch bei einer
Vollzeiterwerbstätigkeit. Der Knabe besucht mittlerweile die Primarschule.
3.4 Bis zur Diagnose der Multiplen Sklerose bzw. zum Unfall im Jahr 1997 mit Fraktur
der Lendenwirbelsäule arbeitete die Beschwerdeführerin vollzeitig. Danach reduzierte
sie den Beschäftigungsgrad gesundheitsbedingt auf 50 %; zudem wechselte sie in eine
ihrer Behinderung besser angepasste Tätigkeit beim selben Arbeitgeber. Ihre Arbeits
stelle verlor sie zuletzt aus gesundheitlichen Gründen. In der Folge unternahm die Be
schwerdeführerin verschiedene Bemühungen, wieder einer Erwerbstätigkeit nach
zugehen. Sie meldete sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum an und ab
solvierte einen mehrmonatigen Sennenkurs. Trotzdem fand sie keine Arbeitsstelle
mehr. Ihre Erklärung, sobald sie die Multiple Sklerose erwähne, habe sie keine
realistische Chance mehr, eine spezifische Arbeitsstelle zu erhalten, erscheint
nachvollziehbar. Obwohl gesamthaft nur wenige Arbeitsbemühungen in den Akten
ausgewiesen sind, ist überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin ihre
Restarbeitsfähigkeit zu verwerten versucht hat. Ebenso steht ausser Frage, dass sie
ohne gesundheitliche Beeinträchtigung und ohne Geburt ihres Sohnes einer vollzeitigen
Erwerbstätigkeit nachginge. Die entscheidende Frage ist, ob es die Geburt des Sohnes
rechtfertigt, die ursprünglich unterstellte Validenkarriere (vollzeitige Erwerbstätigkeit als
Hilfsarbeiterin) zu ersetzen bzw. davon auszugehen, die Beschwerdeführerin wäre ohne
gesundheitliche Beeinträchtigungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bloss noch
zu 50 % erwerbstätig. Zwar hat die Beschwerdeführerin selbst mehrfach angegeben,
sie wäre aufgrund ihrer Betreuungspflichten bloss noch zu 50 % erwerbstätig. Zur
Begründung führte sie etwa aus, sie wolle nicht, dass ihr Sohn auf der Strasse
aufwachse. Es bestehen allerdings erhebliche Zweifel daran, dass die
Beschwerdeführerin dabei die Frage richtig verstanden hat. Sie hat nämlich trotz ihrer
Behinderung eine Arbeitsstelle mit einem Pensum von 50 % gesucht und
beispielsweise auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin hin angegeben, sie würde zu
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30–50 % arbeiten, wünschte aber, sie wäre gesund. Sie trug ihren gesundheitlich
eingeschränkten Ressourcen also, soweit in den Akten ersichtlich, durchwegs bereits
Rechnung, und zwar auch, wenn sie danach gefragt wurde, wie sie sich ohne
Behinderung verhalten würde. Dies überrascht nicht, wenn berücksichtigt wird, dass
die Beschwerdeführerin seit über 15 Jahren gesundheitlich erheblich in ihrer
Erwerbsfähigkeit beeinträchtigt ist und dass sie davor lediglich während etwas mehr
als zehn Jahren als Gesunde gearbeitet hat, zumal ihre intellektuellen Ressourcen
offenbar bescheiden sind. Da die Beschwerdeführerin durchwegs den Willen gezeigt
hat, ihren Lebensbedarf und den ihres Sohnes soweit möglich aus eigener Kraft zu
bestreiten, erscheint die Annahme, sie würde ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen
und ohne Sozialversicherungsleistungen bloss zu 50 % einer Erwerbstätigkeit
nachgehen, wenig wahrscheinlich. Als Hilfsarbeiterin könnte die Beschwerdeführerin
nur ein bescheidenes Einkommen erzielen, das selbst zur Bestreitung des aus ihrer
einfachen Lebenshaltung resultierenden tiefen Lebensbedarfs nicht ausreichen würde.
Lediglich, wenn die Beschwerdeführerin einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen
würde, könnte sie ihren Lebensbedarf aus eigenen Kräften bestreiten. Es ist angesichts
dessen davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin – was sie bei der
Beantwortung der Anfragen der Beschwerdegegnerin und während der Haushaltsab
klärung augenscheinlich nicht getan hat – nach weiteren Möglichkeiten zur
Vereinbarkeit einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit und ihrer Betreuungspflichten gesucht
hätte. Sie hätte sich wahrscheinlich nicht damit begnügt, eine Betreuung ihres Sohnes
durch ihren Vater zu prüfen, sondern hätte nach weiteren Betreuungsmöglichkeiten
gesucht und beispielsweise ihre Schwester angefragt. Sodann hätte sie nach
Arbeitsstellen ausserhalb ihres angestammten Tätigkeitsgebietes gesucht und dabei
besonders darauf geachtet, eine Stelle zu finden, bei der die Arbeitszeiten eine
möglichst weitgehende Betreuung des Sohnes durch sie selbst zuliessen. Schliesslich
ist auch zu berücksichtigen, dass der Sohn der Beschwerdeführerin bereits
schulpflichtig und damit auf erheblich weniger Betreuung als im Vorschulalter
angewiesen ist. Gesamthaft erscheint die Annahme der Beschwerdegegnerin, die
Beschwerdeführerin würde im hypothetischen Gesundheitsfall keiner vollzeitigen
Erwerbstätigkeit mehr nachgehen, bloss möglich, jedoch nicht überwiegend
wahrscheinlich.
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3.5 Vorliegend erscheint es überwiegend wahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin zufolge ihrer Erkrankung, die mit unregelmässigen längeren bis
langen Ausfällen einher geht oder einher gehen kann, bisher keinen Arbeitgeber
überzeugen konnte, sie anzustellen. Die Mutterschaft allein kann nicht als Argument für
die Behauptung verwendet werden, die Beschwerdeführerin würde nur noch zu 50
Prozent einer ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen und die restliche Zeit dem
häuslichen Aufgabenbereich widmen. Hinzu kommt, dass die Einkommensverhältnisse
nicht für eine Einschränkung der ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit sprechen. Es steht
somit nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass die
Beschwerdeführerin ohne den Gesundheitsschaden nicht weiterhin zu 100 Prozent
erwerbstätig geblieben wäre. Der Statuswechsel kann auch nicht mittels statistischer
Werte nachgewiesen werden, wie bereits das Bundesgericht festgestellt hat (Urteil
9C_446/2012 vom 16. November 2012).
3.6 Nach der Aktenlage ist ein hypothetischer Wechsel aus der bisher ange
nommenen vollen Erwerbstätigkeit zwar möglich, nach den gesamten Umständen hier
aber, wie ausgeführt, nicht überwiegend wahrscheinlich. Da die IV-Stelle einen rechts
verändernden Eingriff in ein Dauerschuldverhältnis vornehmen will, trägt sie die
Beweislast bzw. das Risiko der Beweislosigkeit bei der Eruierung der
Tatsachengrundlagen für diesen Eingriff, nicht etwa die Beschwerdeführerin (vgl.
Entscheid IV 2006/214 vom 18. Februar 2008). Von einer zwingenden Notwendigkeit zu
einem Methodenwechsel kann bei diesen Verhältnissen nicht gesprochen werden. Die
Argumente der Beschwerdegegnerin reichen nach den obigen Erwägungen nicht aus,
um den Statuswechsel als nicht nur möglich, sondern als überwiegend wahrscheinlich
anzunehmen.
3.7 Nach dem Gesagten erweist sich die vorinstanzliche Annahme einer revisions
rechtlich wirksamen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse als nicht zutreffend.
Die Beschwerdegegnerin durfte demnach keine Revision vornehmen und die Be
schwerdeführerin hat weiterhin Anspruch auf die bisher ausgerichtete halbe Invaliden
rente. Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 11. Februar 2011 ist
daher in Gutheissung der Beschwerde aufzuheben.
4.
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4.1 Die gemäss Art. 69 Abs. 1 IVG zu erhebenden und angesichts des durch
schnittlichen Aufwands auf Fr. 600.-- festzusetzenden Gerichtskosten sind ausgangs
gemäss der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
4.2 Mit der Gutheissung der Beschwerde wird die gewährte unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung obsolet. Die Beschwerdegegnerin hat der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von ermessenweise Fr. 3’500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP