Decision ID: 9b2720a0-613e-4a60-9fd0-44d700e67106
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1984, war vom
1.
Mai 2014 bis 3
1.
August 2016 als Reinigungsmitarbeiterin bei der
Y._
AG, Zürich, tätig
(
Urk.
7/13
). Am 2. September 2016 meldete sie sich bei der Arbeitslosen
versicherung zum Leis
tungs
bezug ab diesem Zeitpunkt an und stellte sich der Arbeitsvermittlung im Umfang eines Vollzeitpensums zur Verfügung (Urk.
7/21
). Mit Verfügung vom
2
5.
Oktober 2016
(
Urk.
7/6
)
stellte die Arbeitslosenkasse
Unia
die Versicherte für die Dauer von 32 Tage
n
(effektiv 18.6 Tage) ab
1.
September 2016 wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit in der Anspruchsberechtigung ein. In teil
weiser Gutheissung der von der Versicherten am 2
1.
November 2016 gegen die Verfügung vom 2
5.
Oktober 2016 erhobenen Einsprache (
Urk.
7/5)
reduzierte die Arbeitslosenkasse
Unia
die Einstelldauer mit Entscheid vom 1
7.
März 2017 (
Urk.
7/3 =
Urk.
2) auf 27 Tage (effektiv 16.2 Tage).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1
7.
März 2017
(
Urk.
2
) erhob die Versi
cherte am
1
0.
April
2017 (
Urk.
1) Beschwerde und bean
tragte sinngemäss des
sen
Aufhebung und die ungekürzte Ausrichtung von Arbeitslosen
entschädigung ab
1.
September 2016.
Mit Beschwerdeantwort vom
2
7.
April 2017
beantragte
die Arbeitslosenkasse
Unia
die Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
6
)
, wovon der Beschwerdeführerin am
3.
Mai 2017 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
9).
Die Einzelrichterin

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwer
de
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Gemäss Art. 30 Abs. 1
lit
. a des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) ist die ver
si
cherte Per
son in der Anspruchsberechtigung einzustellen, wenn sie durch
eigenes Ver
schul
den arbeitslos ist. Die Arbeitslosig
keit gilt insbeson
dere da
nn als selbst ver
schul
det, wenn
die ver
sicherte Person das Arbeitsver
hältnis von sich aus auf
ge
löst hat, ohne dass ihr eine andere Stelle zugesi
chert war, es sei denn, dass ihr das Verbleiben an der Arbeitsstelle nicht zu
gemutet werden konnte (Art. 44 Abs. 1
lit
. b der Verordnung über die obli
gatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung, AVIV).
Sodann gilt die Arbeits
losigkeit gemäss Art. 44 Abs. 1
lit
.
a AVIV dann als selbst verschul
det, wenn die versi
cherte Per
son durch ihr Verhalten, insbeson
dere wegen Verletzung ar
beits
vertraglicher Pflichten, dem Arbeitge
ber Anlass zur Auflö
sun
g des Arbeitsverhältnisses gege
ben hat.
1.3
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Ar
beitslosigkeit gemäss
Art. 30 Abs. 1
lit
. a AVIG in Verbindung mit Art.
44
Abs.
1
lit
.
a AVIV setzt keine Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichti
gen Gründen gemäss
Art.
337 beziehungsweise
Art.
346
Abs.
2 des Obliga
tio
nen
rechts (OR) voraus. Es genügt, dass d
as allgemeine Verhalten der versi
c
herten Person Anlass zur Kündigung beziehungsweise Entlassung gegeben hat; Bean
stan
dungen in berufl
icher Hinsicht müssen nicht vorgele
gen haben. Mithin ge
hören dazu auch charakterliche
Eigen
schaften im weiteren Sinne, die den Ar
beit
nehmer oder die Arbeitnehmerin für den Betrieb als untragbar erscheinen lassen. Ei
ne Einstellung in der Anspruchs
berechtigung kann je
doch nur verfügt werden, wenn das der versicherten Person zur Last gelegte Verhalten kla
r fest
steht (BGE 112 V 242 E. 1 und Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2014 vom 12. Januar 2015 E. 4, je mit weiteren Hinweisen
).
1.4
Das vorwerfbare Verhalten muss zudem nach
Art.
20
lit
. b des Übereinkom
mens Nr.
168 der Internationalen Arbeitsorganisation (
IAO
) über
Beschäfti
gungs
-
förde
rung und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vo
m 21. Juni 1988 (SR 0.822.726.8
) vorsätzlich erfolgt sein, wobei Eventualvorsatz genügt (vgl. BGE 124 V 234 E.
3b, welche Rechtsprechung gemäss Urteil des Bundesge
richts C
5
3/00 vom 17. Oktober 2000 E. 3b
auch im Bereich von
Art.
44
Abs.
1
li
t
. a AVIV anwendbar ist
).
Eventualvorsatz ist gegeben, wenn die be
troffene Person wissen konnte und musste, dass sie durch ihr Verhalten wo
möglich eine Kündi
gung bewirkt, und sie eine solche dennoch in Kauf nimmt (Urteile des Bundes
gerichts 8C_466/2007 vom 1
9.
November
2007
E.
3.1, und 8C_326/2014 vom 1
4.
August 2014 E. 2, je mit Hinweisen)
.
1.5
Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten darf nicht ohne weite
res auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitnehmers oder der Arbeit
nehmerin geschlossen werden, wenn der Arbeitgeber nur unbestimmte Gründe
geltend zu machen vermag, für welche er keine Beweise anführen kann (BGE
112 V 242 E.
1
mit Hinweisen; zum Ganzen vgl. auch Barbara Kupfer Bucher
,
Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversiche
rung und Insolvenz
ent
schädigung,
4.
Auflage, Zürich
/Basel/Genf
2013, S.
161 ff., und Thomas
Nussbaumer, Ar
beits
losenversicherung, in: Schweizeri
sches Bundesverwal
tungs
recht [SBVR], 3.
Aufl
age, Basel 2015, S. 2515
Rz
837
).
Das vorwerfbare Verhalten muss in beweismässiger Hinsicht klar festste
hen, wobei
im Falle von Differenzen zwi
schen Arbeitgeber und Arbeit
nehmer nicht bloss auf
die Behauptungen des Ar
beitgebers abgestell
t werden darf (BGE 112 V 245 E
. 1;
Urteil des Bundesge
richts C 212/04 vom 16. Februar 2005 E. 1.2.1
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 1
7.
März 2017
(Urk
. 2)
davon aus
, dass
die
Y._
AG
zwar das bisherige vollzeitliche Arbeitsverhältnis
mit der Beschwerdeführerin
gekündigt habe, dass sie der Beschwerdeführerin indes eine Weiterbeschäftigung im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
angeboten habe
. Die
Kündigung des Arbeitsverhält
nisses im Umfang eines Arbeitspensums von 40
%
durch ihre bisherige Arbeit
geberin
stelle
zwar keine
selbstverschuldete Arbeitslosig
keit dar
. Der
Beschwer
deführerin
sei es
indes zuzumuten gewesen, die ihr angebotene Tätigkeit im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
im Sinne einer
Zwischenverdiensttä
tigkeit
anzunehmen und für die Arbeitslosigkeit im Umfang eines Arbeitspen
sums von 40
%
bei der Arbeitslosenversicherung Kompensationszahlungen zu beantragen
(S. 2). Auf Grund der Umstände sei von einem mittelschweren Ver
schulden auszugehen und
die Beschwerdeführerin
sei
in
der
Anspruchsberechti
gung
wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit
im Umfang von 27 Tagen (ef
fektiv von 16.2 Tagen)
einzustellen
(S. 3), wobei das Einstelltaggeld aus der Dif
ferenz zwischen dem ordentlichen Taggeld und dem Zwischenverdienst-Ausgleichstaggeld zu bemessen sei (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
bringt
hiegegen
vor, dass
ihr eine Annahme der ihr im Rahmen der Änderungskündigung angebotenen Weiterbeschäftigung
bei der
Y._
AG
im Umfang eines Arbeitspensums von 6
0
%
nicht zuzumuten gewesen sei
;
es sei
von einer Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter
Arbeitslosigkeit
abzusehen (
Urk.
1).
3.
3
.1
Um eine
Änderungskündigung im engeren Sinn
handelt es sich
, wenn eine Par
tei den Arbeitsvertrag kündigt, aber gleichzeitig eine neue Vertragsofferte mit geänderten Bedingungen unterbreitet.
Damit
wird in erster Linie nicht die Been
digung des Arbeitsverhältnisses bezweckt, sondern dessen Weiterführung mit veränderten Pflichten und Rechten. Von einer
Ä
nderungskündigung im weite
ren Sinn kann gesprochen werden, wenn die beiden Rechtsgeschäfte nicht un
mittelbar miteinander verknüpft werden und einer Partei gekündigt wird, weil sie zu einer einverständlichen Änderung der Arbeitsbedingungen nicht bereit war
(BGE 123 III 246 E. 3)
.
Nach der Rechtsprechung
ist
eine
Anpassung eines Arbeitsvertrages an veränderte wirtschaftliche oder betriebliche Bedürfnisse zu
lässig
. Eine
Änderungskündigung
ist daher
nicht bereits als solche
im arbeits
vertragsrechtlichen Sinne
missbräuchlich
. Sie ist
jedoch
dann missbräuchlich, wenn für
die Änderung der Lohn- und Arbeitsbedingungen keine betrieblichen oder marktbedingten Gründe bestehen
,
wenn die Kündigung
lediglich
als Druckmittel dient, um eine für die Gegenseite belastende Vertragsänderung her
beizuführen, die sich sachlich nicht rechtfertigen lässt
(BGE 123 III 246 E. 3b)
.
3
.2
Unzumutbare Arbeit darf die arbeitslose Person ohne versiche
rungsrechtlich nachteilige Folgen ablehnen. Gemäss Art. 16 Abs. 2 AVIG ist eine Arbeit unzu
mutbar und somit von der Annahmepflicht ausgenommen,
-
wenn sie den berufs- und ortsüblichen, insbesondere den gesamt- oder nor
malarbeitsvertraglichen Bedingungen nicht entspricht (
lit
. a);
-
wenn sie nicht angemessen auf die Fähigkeiten oder auf die bisherige Tä
tig
keit des Versicherten Rücksicht nimmt (
lit
. b);
-
wenn sie dem Alter, den persönlichen Verhältnissen oder dem Gesund
heits
zustand des Versicherten nicht angemessen ist (
lit
. c);
-
wenn sie eine Wiederbeschäftigung des Versicherten in seinem Beruf we
sentlich erschwert, falls darauf in absehbarer Zeit überhaupt Aussicht be
steht (
lit
. d);
-
wenn sie in einem Betrieb auszuführen ist, in dem wegen einer kollektiven Arbeitsstreitigkeit nicht normal gearbeitet wird (
lit
. e);
-
wenn sie einen Arbeitsweg von mehr als zwei Stunden je für den Hin- und Rückweg notwendig macht, und wenn für die versicherte Person am Arbeitsort keine angemessene Unterkunft vorhanden ist, oder wenn bei Vorhandensein
einer entsprechenden Unterkunft die versicherte Person ih
rer Betreuungspflicht gegenüber den Angehörigen nicht ohne grössere Schwierigkeiten erfüllen kann (
lit
. f);
-
wenn sie eine ständige
Abrufsbereitschaft
des Arbeitnehmers über den Um
fang der garantierten Beschäftigung hinaus erfordert (
lit
. g);
-
wenn sie in einem Betrieb auszuführen ist, der Entlassungen zum Zwecke vorgenommen hat, Neu- oder Wiedereinstellungen zu wesentlich schlech
teren Arbeitsbedingungen vorzunehmen (
lit
. h);
-
oder wenn sie der versicherten Person einen Lohn einbringt, der geringer ist als 70 Prozent des versicherten Verdienstes, es sei denn, sie erhalte Kompensationsleistungen nach Art. 24 AVIG (Zwischenverdienst), wobei in Ausnahmefällen das regionale Arbeitsvermittlungszentrum mit Zu
stimmung der
tripartiten
Kommission auch eine Arbeit für zumutbar er
klären kann, deren
Entlöhnung
weniger als 70 Prozent des versicherten Verdienstes beträgt (
lit
. i).
3
.3
Art.
24
Abs.
1 AVIG bestimmt, dass als Zwischenverdi
enst jedes Einkommen aus unselb
ständiger oder selbständiger Erwerbstätigkeit gilt, das die a
r
beitslose Person innerhalb einer Kontrollperiode erzielt, und dass die versicherte Person Anspruch auf Ersatz des Verdienstausfalls hat.
In
Art.
41a
Abs.
1 AVIV
wird
präzisiert, dass innerhalb der Rahmenfrist für den Leistungsbezug ein Anspruch auf Kompensationszahlungen besteht, wenn das Einkommen geringer ist als die der versicherten Person zustehende Arbeitslosenentschädigung.
Laut
Art.
41a
Abs.
3 AVIV ist der Zwischenverdienst nicht anrechenbar und es besteht kein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung, wenn das Arbeitsver
hältnis innerhalb eines Jahres zwischen den gleichen Parteien wieder aufge
nommen oder nach einer Änderungskündigung fortgesetzt wird und wenn die Arbeitszeit reduziert wurde und die damit verbundene Lohnkürzung überpro
portional ist (
lit
. a) oder die Arbeitszeit beibehalten, der Lohn aber gekürzt wur
de (
lit
. b).
3.4
Nach der
Verwaltungspraxis (AVIG-Praxis
ALE
Ziff.
D
19
;
www.ar
-
beit.swiss/
secoalv
)
ist die versicherte Person in der Anspruchs
berechtigung infolge selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit einzustellen, wenn sie den vom Arbeitgeber vorgelegten Arbeitsvertragsänderungen (Änderungs
kündigung) nicht zustimmen will, sofern die Arbeit im Sinne von
Art.
16 AVIG
weiterhin zumutbar gewesen wäre. Dabei wird das Einstelltaggeld, wenn
die Vertragsänderung zu einem unter Berücksichtigung von
Art.
41a AVIV aus
gleichsberechtigenden
Zwischenverdienst
geführt
hätte
, aus
der Differenz zwi
schen dem ordentlichen Taggeld und dem
Zwischenverdienst
-Ausgleichstaggeld
berechnet, da die
Arbeitslosigkeit lediglich im Umfang dieser Differenz selbst
verschuldet
ist
(AVIG-Praxis
ALE
Ziff.
D
.
68 f.).
3.5
Gemäss AVIG-Praxis
Ziff.
D 68 ist bei
einer Einstellung bei Nichtannahme oder Aufgabe eines Zwischenverdienstes bei
der Bemessung der Einstellungsdauer der gleiche Verschuldensmassstab anzulegen wie im Falle einer Ablehnung oder Aufgabe einer zumutbaren Stelle. Gegenstand der Einstellung ist
jedoch
der
be
tragliche
Unterschied zwischen dem Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung
und dem Anspruch auf Kompensations- oder Differenzzahlungen. Lediglich im Umfang dieser Differenz kann unter den Gesichtspunkten der Kausalität und Verhältnismässigkeit von einer schuldhaft verlängerten Arbeitslosigkeit ausge
gangen werden.
3.6
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
schei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zu
lassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungs
wei
sungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vor
gaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1; 133 V 257 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. BGE 133 II 305 E. 8.1).
4.
4.1
Bei den Akten befindet sich ein zwischen der Beschwerdeführerin und der
Y._
AG geschlossener Arbeitsvertrag vom 1
7.
März 2016 für eine Tätig
keit als Reinigungsfrau im Umfang ei
nes Arbeitspensums von 100
%
,
mit
einem
Arbeitsort am Wolframplatz 1 in Zürich und
mit Beginn am
1.
März 2016 (
Urk.
7/12)
und de
n übrigen
Anstellungsbedingungen (
Urk.
7/15/1-3). Des Wei
teren befindet sich ein
e Offerte für eine
Vertragsänderung der
Y._
AG vom 2
4.
Juni 2016 betreffend eine Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Reini
gungsfrau an verschiedenen Arbeitsorten in der Stadt Zürich im Umfang eines Arbeitspensums von 60
%
ab
1.
September 2016 (
Urk.
7/9/3)
und einem auf 60
%
reduzierten Lohn
bei den Akten.
Dieser Antrag auf Vertragsänderung wurde von der Beschwerdeführerin nicht unterzeichnet.
Mit einem
als
„Änderungskündigung“ bezeichneten Schreiben vom 2
4.
Juni 2016 (
Urk.
7/9/4) kündigte die
Y._
AG das Arbeitsverhältnis mit der Beschwerdeführerin per 3
1.
August 201
6.
Gleichzeitig unterbreitete die
Y._
AG der Beschwerdeführerin
die genannte
Vertragsofferte mit geänderten Bedingungen.
4.
2
Mit Schreiben vom 1
3.
Juli 2016 (
Urk.
7/9/2) teilte die Beschwerdeführerin der
Y._
AG mit, dass sie die Vertragsofferte vom 2
4.
Juni 2016 für ein Arbeitsverhältnis bei einem Beschäftigungsgrad von 60
%
nicht annehmen wer
de.
4.
3
Mit Schreiben vom 2
2.
Juli 2016
(
Urk.
7/9/1) stellte
die
Y._
AG
fest
, dass sie
das
Schreiben
der Beschwerdeführerin
vom 1
3.
Juli 2016, worin
diese
erklärt habe, dass sie mit der Vertragsänderung nicht einverstanden sei, zur Kenntnis genommen habe
, und teilte der Beschwerdeführerin mit, dass nun
die am 2
4.
Juni 2016 ausgesprochene Kündigung des Arbeitsverhältnisses zur An
wendung
gelange, und dass dies
zur Folge
habe
, dass das Arbeitsverhältnis per 3
1.
August 2016 enden werde (
Urk.
1).
5.
5.1
Nach Gesagtem steht daher fest, dass die
Y._
AG das Arbeitsverhält
nis mit der Beschwerdeführerin betreffend deren Tätigkeit als Reinigungsfrau im Umfang eines Arbeitspensums von 100
%
am
2
4.
Juni 2016 per 3
1.
August 2016
kündigte,
und
dass sie der
Beschwerdeführerin
gleichzeitig
eine Vertrags
offerte für ein Arbeitsverhältnis im Umfang eines Arbeitspensums
von 60 % ab
1.
September 2016 unterbreitete
(vorstehend E. 4.
1
). Dabei handelt
es sich um eine Änderungskündigung im Sinne der erwähnten Rechtsprechung (vorstehend E. 3.1) und Verwaltungspraxis (vorstehend E. 3.4).
5.2
Die Beschwerdeführerin hätte bei Annahme der Vertragsofferte vom 2
4.
Juni 2016 für ein Arbeitsverhältnis bei einem Beschäftigungsgrad von 60
%
gemäss
Art.
24
Abs.
1 AVIG in Verbindung mit
Art.
41a
Abs.
1 AVIV
Anspruch auf Kompensationszahlungen zu dem als Zwischenverdienst geltenden Einkommen aus dem Arbeitsverhältnis bei der
Y._
AG im Umfang eines Beschäfti
gungsgrades von 60
%
gehabt. Demzufolge stellte das der Beschwerdeführerin mit Vertragsofferte vom 2
4.
Juni 2016 von der
Y._
AG angebotene Arbeitsverhältnis bei einem Beschäftigungsgrad von 60 % gemäss
Art.
16
Abs.
2
lit
. i AV
IG grundsätzlich eine zumutbare
Arbeit dar (
vgl.
vorsehend E.
3.2
), welche die Beschwerdeführerin in Nachachtung der ihr obliegenden Scha
denminderungspflicht anzunehmen
verpflichtet
gewesen
war
(Urteil des Bun
desgerichts C 348/00 vom 2
1.
Februar 2001 E. 2d).
Der offerierte Lohn wurde proportional zum Beschäftigungsgrad von 60
%
ge
kürzt (vorstehend E. 4.1). Damit bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Kompensationszahlung in Anwendung von
Art.
24
Abs.
2 AVIG in Verbindung mit
Art.
41a
Abs.
3
lit
. a AVIV)
ausser Acht gefallen wäre, was denn auch die Beschwerdegegnerin nicht geltend machte.
5.3
Indem die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 1
3.
Juli 2016 (vorstehend E.
4.3
) gegenüber der
Y._
AG eine Annahme der Vertragsofferte vom 2
4.
Juni 2016 ablehnte, hat sie in vorsätzlicher Weise eine Zwischenverdienst
tätigkeit nicht angenommen und in diesem Umfang die ab
2.
September 2016 bestehende Arbeitslosigkeit im Sinne von
Art.
44
Abs.
1
lit
. a AVIV selbst ver
schuldet. Daran ändert nichts, dass auch der Arbeitsort beziehungsweise die üb
rige Belegschaft des Betriebs verändert wurden (vgl.
Urk.
1), denn diese Um
stände führen nicht zur Unzumutbarkeit der angebotenen Tätigkeit.
Eine Ein
stellung in der Anspruchsberechtigung ist daher grundsätzlich zu Recht erfolgt.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt die Dauer der Einstellung, insbesondere der Grad des dafür massgebenden Verschuldens.
6.2
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach
dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (
Art. 45 Abs.
3
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung, AVIV
).
Ein schweres Verschulden liegt nach Art. 45 Abs. 4 AVIV vor, wenn die versi
cherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen Arbeitsstelle aufgegeben (
lit
. a) oder eine zumutbare Arbeit abgelehnt hat (
lit
. b). Bei Vorliegen eines entschuldbaren Grundes kann der Sanktionsrahmen des schweren Verschuldens recht
sprechungs
gemäss unter
schritten werden. Unter einem entschuldbaren Grund im Sinne von Art. 45 Abs. 4 AVIV ist demnach ein Grund zu verstehen, der das Verschulden leichter als schwer erscheinen lässt (BGE 130 V 125 E. 3.5).
Ein sol
cher im konkreten Einzel
fall liegender Grund kann
- wie
etwa gesund
heit
liche Probleme -
die sub
jektive Situation der betroffe
nen Person oder
- so die Befristung einer Stelle -
eine objektive Gegebenheit beschlagen (BGE 130 V 125).
6.3
Die verfügte Einstellung in der Anspruchsberechtigung für die Dauer von 27 Tagen befindet sich im oberen Bereich des mittelschweren Verschuldens. Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen
Einspracheentscheid
davon aus, dass die Verminderung des Arbeitspensums um 40
%
eine spürbare Reduktion der Arbeitszeit beziehungsweise des Arbeitsentgelts
zur Folge gehabt hätte
,
ob
wohl
die Beschwerdeführerin davon habe ausgehen können, weiterhin im Um
fang eines Vollzeitarbeitspensums beschäftigt zu werden. In dieser Erwartung sei sie ohne ihr Zutun durch die
Y._
AG enttäusch
t
worden, weshalb
ihr
der
Verlust
der Arbeitsstelle im Umfang eines
Arbeitspensums von 40
%
nicht vorzuwerfen
sei
.
6.4
Vorliegend gilt es insbesondere zu berücksichtigen, dass der Antrag auf Ver
tragsänderung vom 2
4.
Juni 2016 (
Urk.
7/9/3) nicht lediglich eine Reduktion des Arbeitspensums von 100
%
auf 60
%
umfasste,
sondern
dass darin
auch
ein neuer
Arbeitsort
festgelegt wurde
. Während die Beschwerdeführerin bisher le
diglich an einem einzigen Arbeitsort tätig war (
Urk.
7/12), hätte sie ab
1.
September 2016
abwechslungsweise an insgesamt 14 Arbeitsorten tätig sein müssen. Die Änderungskündigung
hätte
für die Beschwerdeführerin daher eine erhebliche Veränderung der Arbeitsbedingungen zur Folge gehabt.
6.5
In Würdigung der gesamten Umstände ist eine Einstufung des Verhaltens der Beschwerdeführerin im oberen Bereich des mittelschweren Verschuldens nicht zu beanstanden, so dass eine Einstellung in der Anspruchsberechtigung im Um
fang von 27 Tagen als angemessen erscheint.
Diesbez
üglich ist die Beschwerde daher abzuweisen.
7.
7.1
Zu prüfen bleibt
das Einstelltaggeld
.
7.2
Gegenstand der Einstellung ist
, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
3.4
)
der
be
tragliche
Unterschied zwischen dem Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung
und dem Anspruch auf Kompensations- oder Differenzzahlungen
, beziehungs
weise die Differenz zwischen dem ordentlichen Taggeld und dem Zwischenver
dienst-Ausgleichstaggeld
(BGE 124 V 225 E. 2b)
.
7.3
Der massgebende versicherte Verdienst beträgt unbestrittenermassen (
Urk.
1) Fr. 3'691.-- (
vgl.
Urk. 7/10), woraus ein Taggeld von 80
%
des versicherten Ver
dienstes im Betrag von
Fr.
136.05 resultiert.
Gemäss AVIG-Praxis
Ziff.
D 68 (Beispiel 1) bemisst sich das Einstelltaggeld fol
gendermassen:
versicherter Verdienst
Fr.
3'691.--
Zwischenverdiensttätigkeit
bei einem
Arbeits
pensum
von 60
%
(
Fr.
3'691.
-- x
0.6)
-
Fr.
2
’
214.6
0
Differenz
Fr.
1
’
476.4
0
Ausgleich von 80
%
(
Fr.
1
’
476.4
0 x 0.8)
Fr.
1’181.12
Taggeld Zwischenverdienst-Ausgleich (
Fr.
1'181.12 ÷ 21.7 Tage)
Fr.
54.45
Taggeld versicherter Verdienst
Fr.
136.05
Taggeld Zwischenverdienst-Ausgleich
-
Fr.
54.45
Einstelltaggeld
Fr.
81.6
0
7.4
Die Beschwerdegegnerin hat ausgehend vom vollen Taggeld von Fr. 136.05 die Dauer der Einstellung - wie vorstehend ausgeführt zu Recht - auf 27 Tage festgesetzt. Dies entspricht bei einem Einstelltaggeld von Fr. 81.60 (vorstehend E. 7.3) einer effektiven Dauer von 16.2 Einstelltagen (
27 :
136.05 x 81.60). Zum gleichen Schluss gelangte die Beschwerdegegnerin (Urk. 2 S. 1 und S. 2 unten), wenn sie auch das Einstelltaggeld nicht ausdrücklich beziffert hat.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.