Decision ID: e927d9d1-dfbe-41d5-ac59-344d898155f4
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 26. Januar 2012 wegen einer Herzkrankheit zum Bezug von
IV-Leistungen an (IV-act. 1). Dr. med. D._, Chefarzt an der medizinischen Klinik E._
(gemeinnützige Gesellschaft) zählte im Bericht vom 12. März 2012 folgende Diagnosen
auf, denen er einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass: 1. Perikarditis,
wahrscheinlich viraler Genese; 2. ein funktionell gutes Ergebnis nach transkoronarer
Ablation der Septumhypertrophie bei bekannter hypertroph obstruktiver
Kardiomyopathie (09/2011); 3. ein funktionell gutes Ergebnis nach PTCA und Stenting
des Ramus interventrikularis anterior (05/2011) sowie des Ramus circumflexus (IV-
act. 23; siehe auch den Bericht vom 5. Juni 2012 in IV-act. 27). Der behandelnde
Dr. med. F._, Facharzt für Allgemeinmedizin, G._, berichtete am 22. Oktober 2012
(Datum Posteingang), der Versicherte leide aufgrund der Herzkrankheit an starken
körperlichen und reaktiven psychischen Einschränkungen (IV-act. 33-2; siehe auch die
Berichte vom 16. Oktober 2012, IV-act. 33-9 ff., und vom 22. Mai 2013, IV-act. 47). Die
damals zuständige IV-Stelle für Versicherte im Ausland verfügte am 15. August 2013
A.a.
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die Abweisung des Gesuchs um berufliche Massnahmen. Zur Begründung brachte sie
gestützt auf eine Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med. H._, Fachärztin für
Arbeitsmedizin, vom 11. Juni 2013 (IV-act. 49) vor, dem Versicherten sei eine
leidensangepasste körperlich leichte Tätigkeit zumutbar. Somit sei er in seiner
bisherigen Tätigkeit als Geschäftsführer mit Berater- und Reisetätigkeit nicht
eingeschränkt (IV-act. 59). Die dagegen erhobene Beschwerde vom 30. August 2013
(IV-act. 66-5) hiess das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 1. Dezember 2014,
C-5286/2013, insoweit gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache
zur Durchführung weiterer Abklärungen an die IV-Stelle für Versicherte im Ausland
zurückwies (IV-act. 85).
Im Verlaufsbericht vom 10. März 2015 gab Dr. D._ an, der Gesundheitszustand
des Versicherten sei gleich geblieben. Es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit.
Da der Versicherte beruflich an Reisetätigkeiten gebunden sei und einen täglichen
Ortswechsel vornehmen müsse, seien die stressbedingten Anforderungen an diese
Tätigkeit bei den bestehenden Erkrankungen nicht mehr möglich. Auch andere
Tätigkeiten seien dem Versicherten nicht zumutbar (IV-act. 93). Vom 14. Juli bis
8. Dezember 2015 befand sich der Versicherte zu einer ambulanten Rehabilitation in
der Klinik I._ in J._. Die Rehabilitation sei auf Betreiben des Versicherten zur
Überprüfung der kardiopulmonalen Funktionsparameter und gewünschten
Rekonditionierung erfolgt. Am 8. Dezember 2015 sei die ambulante Rehabilitation
durch den Versicherten wegen akuter Verschlechterung des Allgemeinzustands und
erneut aufgetretener pectanginöser Beschwerden beendet worden (Austrittsbericht
vom 15. Januar 2016 [Datum Posteingang; IV-act. 108], IV-act. 109). Daraufhin hielt die
RAD-Ärztin Dr. H._ fest, dass aufgrund der Verschlechterung des
Gesundheitszustands seit dem 8. Dezember 2015 nicht mehr an der bisherigen
Einschätzung des RAD festgehalten werden könne (Stellungnahme vom 22. Januar
2016, IV-act. 113). Gemäss dem am 9. Februar 2016 der seit der Wohnsitznahme des
Versicherten im Kanton St. Gallen (siehe hierzu IV-act. 132-2) zuständigen IV-Stelle des
Kantons St. Gallen zugestellten Bericht der Kliniken K._ hatte sich der Versicherte
dort vom 3. bis 5. Dezember 2015 in Behandlung befunden. Die Aufnahme war bei
Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom erfolgt. Die durchgeführte
Koronarangiographie habe eine hochgradige proximale RIVA-Stenose im Bereich des
A.b.
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implantierten Stents sowie proximal davon gezeigt. Es sei erfolgreich eine DES-
Implantation ohne Reststenose durchgeführt worden (IV-act. 115-5 ff.).
Im «Feststellungsblatt - Berufliche Massnahmen» vom 24. Mai 2016 hielt die
zuständige Mitarbeiterin der IV-Stelle fest, Recherchen hätten ergeben, dass der
Versicherte gemäss Auszügen aus dem Handelsregister am _ 2015 in G._ eine neue
Gesellschaft gegründet habe. Am _ 2016 habe er eine weitere Gesellschaft ebenfalls
in G._ gegründet (siehe zu den Rechercheergebnissen IV-act. 128). Aus dem
individuellen Konto gehe überdies hervor, dass er trotz voller Arbeitsunfähigkeit bei der
bisherigen Arbeitgeberin bis zu Fr. 220'838.-- verdient habe (IV-act. 134; zur Stellung
des Versicherten in der L._ AG, und seiner Rolle als Gesellschafter siehe IV-act. 171).
A.c.
Die IV-Stelle wies in der Mitteilung vom 24. Mai 2016 das Gesuch um berufliche
Massnahmen ab, da der Versicherte sich gesundheitlich nicht in der Lage fühle, an
Eingliederungsbemühungen mitzuwirken und einen Rentenentscheid wünsche (IV-
act. 135). Im Verlaufsbericht vom 11. Juli 2016 gab Dr. F._ an, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich verschlechtert. Zurzeit liege eine
intermittierende Sinustachykardie vor (IV-act. 141). Am 12. Juli 2016 machte der
Versicherte Ausführungen zu seinem Wohnsitz im Kanton St. Gallen, zur
Reiseunfähigkeit, zu seinen gesellschaftsrechtlichen Engagements und seinen
stundenweisen Arbeitseinsätzen (IV-act. 140).
A.d.
Der Versicherte wurde am 30. Januar, 1. Februar und 14. Februar 2017 im Auftrag
der IV-Stelle in der MEDAS Zentralschweiz polydisziplinär (allgemeininternistisch,
kardiologisch und psychiatrisch) begutachtet. Die Gutachter diagnostizierten folgende
Krankheiten, die zu einer wesentlichen Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit
führen würden: eine hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie, eine koronare
Herzkrankheit und eine somatoforme autonome Funktionsstörung des
kardiovaskulären Systems (ICD-10: F45.30). «Die angestammte Tätigkeit als CEO mit
Reisetätigkeit und Führungsfunktionen ist dem Versicherten nicht mehr zumutbar,
100%ige Arbeitsfähigkeit [richtig wohl: Arbeitsunfähigkeit], limitierend erweist sich
diesbezüglich insbesondere die verminderte körperliche Belastbarkeit» (IV-act. 163-28
unten). «Inwieweit dem Versicherten eine körperlich leichte, vorwiegend sitzend
auszuübende Bürotätigkeit aufgrund der verminderten psychischen Belastbarkeit
A.e.
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B.
zumutbar wäre, ist unsererseits (leider) nicht quantifizierbar - erst nach einer noch zu
veranlassenden stationären und nachhaltigen psychosomatischen Rehabilitation
werden dazu präzisere Angaben möglich sein» (IV-act. 163-29 oben; siehe zum Ganzen
das Gutachten vom 23. Mai 2017, IV-act. 163). Die RAD-Ärzte Dres. med. M._,
Facharzt u.a. für Innere Medizin, und N._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, würdigten in der Stellungnahme vom 8./9. Juni 2017 die gutachterliche
Beurteilung. Der RAD-Arzt Dr. M._ hielt fest, für leidensangepasste Tätigkeiten
verfüge der Versicherte über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Aufgrund der hohen
Reisetätigkeit könne die vom kardiologischen Gutachter bescheinigte 100%ige
Arbeitsunfähigkeit für die angestammte Tätigkeit nachvollzogen werden. Der RAD-Arzt
Dr. N._ vertrat aus psychiatrischer Sicht den Standpunkt, es bestünden erhebliche
Inkonsistenzen bezüglich des Aktivitätsniveaus des Versicherten, die zuerst geklärt
werden müssten, da - entgegen der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters -
aufgrund des Realbeweises eventuell naheliege, dass der Versicherte seinen
Arbeitsplatz ideal adaptiert habe und diese Tätigkeit ohne relevante Einschränkung
ausführe. Diesbezüglich empfahl er eine Abklärung im Rahmen der Sachbearbeitung
(IV-act. 167).
Nachdem die IV-Stelle weitere Auskünfte bei der L._ AG eingeholt hatte (IV-
act. 171 und IV-act. 172), stellte sie dem Versicherten (vgl. zu dessen Stellungnahme
vom 8. November 2017, IV-act. 179) mit Vorbescheid vom 7. Februar 2018 in Aussicht,
das Rentengesuch abzuweisen, da er durch den Gesundheitsschaden keine
«wirtschaftliche Erwerbseinbusse» erleide (IV-act. 189). Im Einwand vom 16. März 2018
beantragte der Versicherte die Zusprache der gesetzlichen Leistungen (IV-act. 190;
siehe auch die ergänzende Eingabe vom 16. April 2018, IV-act. 192). Am
13. September 2018 verfügte die IV-Stelle die Abweisung des Rentengesuchs (IV-
act. 193).
A.f.
Gegen die Verfügung vom 13. September 2018 erhob A._ am 16. Oktober 2018
Beschwerde. Er beantragte darin deren Aufhebung und die Ausrichtung der
gesetzlichen Leistungen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Er brachte vor, seit
Krankheitsbeginn unterstütze er die L._ AG zwar noch stundenweise mit seinem
B.a.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Rentenanspruch
des Verstorbenen.
Fachwissen, jedoch bei weitem nicht mehr im gleichen Umfang und auch nicht mehr
regelmässig. Die jeweilige Intensität sei abhängig vom Gesundheitszustand. Beim
ausbezahlten Gehalt (einschliesslich Bonuszahlungen) handle es sich um einen
Soziallohn. Nach Erhalt einer Invalidenrente der Pensionskasse wäre die
Gehaltsstruktur angepasst worden. Gestützt auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen des
psychiatrischen MEDAS-Gutachters und der behandelnden Ärzte resultiere ein
83%iger Invaliditätsgrad (act. G 1).
Am _ 2018 teilte der Rechtsvertreter mit, dass A._ am _ 2018 an einer
Kardiomyopathie verstorben sei (act. G 3; zur Todesbescheinigung der Behörden der
Republik O._ siehe act. G 5.1). Am _ 2018 gab er bekannt, dass die
Erbengemeinschaft, bestehend aus der Ehegattin und der Tochter des Versicherten,
das Beschwerdeverfahren fortführen wolle (act. G 8; zur Erbbescheinigung siehe act.
G 15).
B.b.
Die Beschwerdegegnerin beantragte in der Beschwerdeantwort vom 7. Januar
2019 die Abweisung der Beschwerde. Sie hielt an der Auffassung fest, mangels
invaliditätsbedingter Erwerbseinbusse habe der Verstorbene keinen Anspruch auf eine
Invalidenrente (act. G 10).
B.c.
In der Replik vom 22. Februar 2019 hielten die Beschwerdeführerinnen
unverändert an der Beschwerde fest (act. G 14).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).B.e.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
1.1.
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arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
1.2.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60% invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht
ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40%
ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
1.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
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2.
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob der medizinische Sachverhalt spruchreif
erstellt ist.
2.1.
Bezüglich des Herzleidens des Verstorbenen gelangte der kardiologische
MEDAS-Gutachter zur Einschätzung, der Versicherte sei nur noch leicht bis mässig
belastbar. Mittelschwere bis schwere Dauerbelastungen könnten ihm nicht mehr
zugemutet werden. Der Versicherte sei als Chief Operating Officer (COO) tätig. Diese
Arbeit erfordere eine hohe Reisetätigkeit (eingehend hierzu die Schilderungen des
Versicherten in IV-act. 163-41). Für Reisetätigkeiten sei er eingeschränkt. Eine
mehrheitlich sitzende Tätigkeit sowie eine leicht belastende Tätigkeit auf dem
Arbeitsweg könne ihm zugemutet werden, weshalb er in seiner Tätigkeit als COO nicht
vollständig arbeitsunfähig sei. Dem Versicherten könne jede leicht belastende
vorwiegend sitzend ausgeführte Bürotätigkeit vollumfänglich ganzschichtig zugemutet
werden (IV-act. 163-45). Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass vor allem die
verminderte körperliche Belastbarkeit die Arbeitsfähigkeit des Versicherten
beeinträchtigte (siehe auch IV-act. 163-28) und die bezogen auf die angestammte
Arbeit bescheinigte Arbeitsunfähigkeit ihre Begründung im Wesentlichen in der hohen
Reisetätigkeit fand (siehe auch IV-act. 163-29), wobei selbst nach Angaben des
Versicherten keine absolute Reiseunfähigkeit bestanden habe, sondern (lediglich) eine
«sehr intensive Reisetätigkeit» nicht mehr zumutbar gewesen sei (IV-act. 140-1). Für
diese Sichtweise spricht auch, dass der Versicherte offenbar ausschliesslich in von
seinem Wohnsitz weit entfernten Teilen von P._ medizinische Behandlungen in
Anspruch nahm (IV-act. 163-46). Der vom kardiologischen MEDAS-Gutachter schlüssig
begründete unmittelbare Zusammenhang zwischen der Leistungsbeeinträchtigung und
der körperlichen Belastbarkeit einer Tätigkeit wird durch die übrigen medizinischen
Akten bestätigt. Bereits Dr. D._ hielt im Bericht vom 5. Juni 2012 ausschliesslich die
körperliche Belastbarkeit des Versicherten für eingeschränkt (IV-act. 27-4). Auch
Dr. F._ begründete die körperliche Leistungsbeeinträchtigung im Wesentlichen mit
der «Reiseanforderung» und den vielen «Aussenterminen» (Bericht vom 22. Mai 2013,
IV-act. 47-2; siehe auch dessen Angaben in IV-act. 80-2, IV-act. 93-3 Mitte, IV-
act. 141-2 Mitte und act. G 14.2, S. 2). Die medizinischen Fachpersonen der Q._
GmbH, wo sich der Versicherte am 29. Februar 2016 in Behandlung befand, führten im
Bericht vom 1. März 2016 aus, er sei gut belastbar (IV-act. 192-6 Mitte). Der
Versicherte vermochte sogar beschwerdefrei Ski zu fahren (IV-act. 192-5 unten; zu
2.1.1.
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einem Aufenthalt «in den Alpen» siehe IV-act. 192-11), den Haushalt selbstständig zu
erledigen (IV-act. 163-20; zu den Alltagsaktivitäten mit u.a. teilweise mehrmaligen
täglichen ein- bis zweistündigen Spaziergängen siehe IV-act. 163-20 f.) und teilweise
weiterhin in seinem Unternehmen tätig zu sein (siehe etwa IV-act. 171-2 f.).
Aus den Berichten der behandelnden medizinischen Fachpersonen gehen
ausserdem keine relevanten objektiven Gesichtspunkte hervor, die der kardiologische
MEDAS-Gutachter ausser Acht gelassen hatte. Bezüglich der eher knapp begründeten
Einschätzungen des in P._ tätigen Dr. F._ - der im Übrigen nicht über eine
fachkardiologische Ausbildung zu verfügen scheint - ist anzufügen, dass sich diese auf
den angestammten Arbeitsplatz bzw. auf die «Berufsunfähigkeit» konzentrierten (siehe
etwa IV-act. 47-2 und act. G 14.2, S. 2). Mit Blick auf die ausgewiesene körperliche
Belastungsabhängigkeit des Herzleidens (siehe vorstehende E. 2.1.1) können daraus
keine Schlüsse für die Arbeitsfähigkeit bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten
gezogen werden. Zumindest weckt die Einschätzung von Dr. F._ keine Zweifel an der
kardiologisch-gutachterlichen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten.
2.1.2.
Bei der Würdigung des kardiologischen Gutachtensteils fällt weiter ins Gewicht,
dass er auf umfassenden persönlichen Untersuchungen und unter Berücksichtigung
der Vorakten erfolgte und die darin gezogenen Schlüsse nachvollziehbar begründet
wurden. Gestützt darauf ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass der Versicherte bezogen auf leidensangepasste Tätigkeiten, d.h. u.a. körperlich
leichte Tätigkeiten in der angestammten Branche und Hierarchiestufe, die nicht mit
starkem Reisen und vielen Aussenterminen verbunden sind, über eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit verfügte (IV-act. 163-45). Diese Einschätzung gilt auch rückwirkend (IV-
act. 163-29).
2.1.3.
Demgegenüber lässt sich eine über die kardiologische Einschätzung
hinausgehende psychische Leistungsbeeinträchtigung nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit bejahen.
2.2.
Hinweise darauf, dass der Versicherte in seinen kognitiven Fähigkeiten
beeinträchtigt gewesen wäre, lassen sich weder der gutachterlichen Beurteilung noch
den übrigen medizinischen Akten entnehmen. Auch aus dem vom psychiatrischen
Gutachter erhobenen Befund gehen keine Anhaltspunkte für ein die Leistungsfähigkeit
dauerhaft einschränkendes psychisches Leiden hervor. Vielmehr erschien der
Versicherte dem Gutachter als «psychisch kompensiert» (IV-act. 163-56). Auch im
Rahmen des Ratingbogens «Mini-ICF-APP» wurden fast alle Fähigkeiten - ausser der
2.2.1.
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Verkehrsfähigkeit und der Fähigkeit zu «Spontan-Aktivitäten» - als nicht beeinträchtigt
markiert (IV-act. 163-63 f.; siehe auch IV-act. 163-61 f.). Dem Gutachten lässt sich
denn auch keine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten entnehmen (IV-act. 163-29). Es findet sich lediglich die vage Aussage, in
Tätigkeiten ohne Führungsfunktionen sei die Leistungsfähigkeit des Versicherten höher
einzuschätzen (IV-act. 163-62). Dabei fehlen sowohl im psychiatrischen Teilgutachten
als auch in den übrigen medizinischen Akten Hinweise auf eine über die körperliche
Minderbelastbarkeit hinausgehende Beeinträchtigung der mentalen Belastbarkeit.
Vielmehr ergaben sich - wie eben dargestellt - keine krankheitswertigen Befunde.
Von Bedeutung ist des Weiteren, dass der psychiatrische Gutachter eine
somatoforme autonome Funktionsstörung des kardiovaskulären Systems (ICD-10:
F45.30) diagnostizierte. Zur Begründung führte er aus, unter dem Aspekt, dass der
Versicherte Ängste verdränge, sei aus psychiatrischer Sicht davon auszugehen, dass
bei der Genese der Tachykardien und der Schweissausbrüche psychische Faktoren
eine Rolle spielen würden. In solchen Sequenzen stehe der Organismus unter einem
hohen Disstress. Die dadurch induzierte erhöhte Ermüd- und Erschöpfbarkeit und die
Schmerzen über der Brustwand seien teilweise durch die Persönlichkeitsstruktur des
Versicherten mit Neigung zu psychosomatovegetativen Reaktionsbildungen unter
Disstress erklärbar (IV-act. 163-59). Diese Symptomatik und die dadurch vom
psychiatrischen Gutachter vermutete Leistungsbeeinträchtigung erscheinen reaktiv auf
die kardiologische Symptomatik zu sein. Bereits Dr. F._ beschrieb, dass mit der
körperlichen Einschränkung eine «reaktive psychische Einschränkung» einhergehe (IV-
act. 33-2 unten). So lässt sich denn auch den Ausführungen des psychiatrischen
Gutachters entnehmen, dass das Auftreten der psychogenen Beeinträchtigungen
belastungsabhängig war und vor allem mit den Reisetätigkeiten in Verbindung stand
(IV-act. 163-60). Der RAD-Arzt Dr. N._ wies ebenfalls auf den Zusammenhang mit
dem körperlichen Leiden hin und gab an, die somatoforme autonome Funktionsstörung
führe zu einer relevanten Erschwernis im Umgang mit der als ausgeprägt
ausgewiesenen Grunderkrankung (IV-act. 167-2). Die Aussage, dass sich der
Versicherte - aus psychiatrischer Sicht - nicht mehr für Tätigkeiten mit
Führungsverantwortung eigne (IV-act. 163-60), ist nicht näher begründet und steht im
Widerspruch zu den vom psychiatrischen Gutachter bescheinigten Ressourcen (siehe
hierzu vorstehende E. 2.2.1) und zum vom kardiologischen Gutachter bescheinigten
Leistungspotenzial (siehe hierzu vorstehende E. 2.1.1). Diesbezüglich äusserte sich
auch der RAD-Arzt Dr. N._ kritisch und wies nachvollziehbar begründet auf
erhebliche Inkonsistenzen hin (IV-act. 167-3). In damit zu vereinbarender Weise hielt
2.2.2.
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der psychiatrische Gutachter fest, der Versicherte sei während der ganzen
zweistündigen Untersuchung gut gelaunt gewesen und habe keinen leidenden
Eindruck gemacht (IV-act. 163-59 Mitte). Der Versicherte selbst erwähnte, bei der
Tätigkeit für sein Unternehmen fühle er sich psychisch nicht belastet (IV-act. 163-52).
Lediglich der Reisetätigkeit sei er nicht mehr gewachsen (IV-act. 163-41). Eine reine
Bürotätigkeit komme für ihn aufgrund der Arbeitsauslastung nicht in Frage (IV-
act. 163-41) und nicht etwa wegen gesundheitlicher Beschwerden. Den Haushalt
vermochte er ebenfalls noch selbst zu erledigen (IV-act. 163-20).
Insgesamt ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Versicherte für eine dem kardiologischen Leiden angepasste Tätigkeit, d.h. körperlich
leichte Tätigkeiten u.a. in der angestammten Branche und Hierarchiestufe (zu den
leitenden Tätigkeiten vor der Gründung des eigenen Unternehmens siehe IV-
act. 163-20), die nicht mit starkem Reisen und vielen Aussenterminen verbunden sind,
über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit verfügte. Aus den Akten ergeben sich im Übrigen
keine Hinweise, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten bis zum Erlass der
angefochtenen Verfügung vom 13. September 2018 wesentlich und dauerhaft
verschlechtert hätte. Der Versicherte traute sich denn auch noch Langstreckenflüge
und Ferien auf den O._ zu. Da der Versicherte inzwischen leider verstarb, sind von
weiteren Abklärungsmassnahmen ohnehin keine zusätzlichen Erkenntnisse zu
erwarten.
2.3.
Des Weiteren ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass
sich auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt hinreichend Stellen für leidensangepasste
Führungstätigkeiten finden, die sich hinsichtlich der Erwerbsmöglichkeiten nicht
massgeblich von der vor dem Auftreten der kardiologischen Beeinträchtigungen
bestehenden Situation unterscheiden. Somit resultiert im Rahmen eines
Prozentvergleichs - selbst bei Gewährung des nach der Rechtsprechung
höchstzulässigen 25%igen Tabellenlohnabzugs (BGE 126 V 75) - kein
rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad.
2.3.1.
Selbst wenn kein Prozentvergleich vorgenommen, sondern die
Vergleichseinkommen konkret bemessen würden, resultierte kein rentenbegründender
Mindestinvaliditätsgrad. Entgegen der Auffassung der Parteien (IV-act. 193-1 und act.
G 1, Rz 43) bilden die bis 2010 in der eigenen Unternehmung erzielten Einkommen, wie
sie im individuellen Konto eingetragen wurden, keine verlässliche Grundlage für die
Bestimmung der Erwerbsmöglichkeiten des Versicherten auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Valideneinkommen). Einerseits sind sie stark schwankend und erheblich
2.3.2.
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durch «Bonuszahlungen» bedingt (IV-act. 9, siehe auch die Angaben im Lohnausweis
für das Jahr 2010, IV-act. 18-9). In Anbetracht dessen, dass namhafte Bonuszahlungen
auch nach dem Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung ausgerichtet wurden (zu
den im individuellen Konto eingetragenen Verdiensten der Jahre 2015 bis 2017 siehe
IV-act. 186; siehe ferner die Ausführungen der L._ AG in IV-act. 171-2), erscheint
zweifelhaft, dass diese Ausdruck der Erwerbsfähigkeit des Versicherten waren. Dies gilt
umso mehr, als es nach den Angaben des Versicherten bereits im Jahr 2010 «bergab
gegangen» sei. Er sei über Monate schlapp und leistungsunfähig gewesen (IV-
act. 163-34; vgl. auch zum Auftreten der Symptomatik im Jahr 2010 IV-act. 163-43).
Hinzu kommt, dass das Jahr 2010 «ein schwierigstes Jahr» gewesen sei mit Verlust
eines wichtigen Kunden, mit dem ein finanzieller Verlust einhergegangen sei (IV-
act. 163-52), womit die Bonuszahlung von Fr. 52'000.-- in diesem Jahr offensichtlich
nicht mit der Erwerbsfähigkeit des Versicherten als leitender Mitarbeiter
zusammenhängt. Insgesamt scheinen die ausbezahlten Löhne und die
Bonuszahlungen - zumindest zu einem wesentlichen Teil - auf validitätsfremden bzw.
erwerbsfähigkeitsfremden Gründen zu beruhen. Sie dürften wesentlich durch die
Stellung des Geschäftsführers als Gesellschafter und weniger durch seine
Erwerbsfähigkeit geprägt gewesen sein. Für die Bestimmung des Valideneinkommens
bzw. die Bemessung der Erwerbsfähigkeit ist denn auch nicht das Verdienstpotential
als Gesellschafter im konkreten wirtschaftlichen Umfeld, sondern sind die
Erwerbsmöglichkeiten des Versicherten auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
massgebend (Art. 7 Abs. 1 und Art. 16 ATSG). Gestützt auf die Angaben der L._ AG
vom 23. Februar 2012 erscheint ein Lohn von Fr. 168'000.-- (IV-act. 18-3) als
aussagekräftig für die Bewertung der Erwerbsmöglichkeiten des Versicherten als
Kadermitarbeiter auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Da der frühest mögliche
Rentenbeginn auf das Jahr 2012 festzusetzen ist (Art. 29 Abs. 1 IVG; siehe zur IV-
Anmeldung vom 26. Januar 2012 IV-act. 1), kann auf diesen Betrag abgestellt werden.
Der Medianlohn für Geschäftsführer, leitende Funktionen in Verwaltung und
gesetzgebenden Körperschaften, Total, Männer, betrug im Jahr 2012 Fr. 10'598.-- bei
einer 40 stündigen Arbeitswoche (Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2012, Tabelle
T17). Angepasst an eine durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(siehe hierzu Anhang 2: Lohnentwicklung, IVG-Gesetzesausgabe der Informationsstelle
AHV/IV, Ausgabe 2019) resultiert ein Jahresmedianlohn von Fr. 132'581.--
([Fr. 10'598.-- / 40] x 41.7 x 12). Daraus resultiert ein Verlust an Erwerbsmöglichkeiten
von Fr. 35'419.-- (Fr. 168'000.-- - Fr. 132'581.--) bzw. ein Invaliditätsgrad von 21%
(Fr. 35'419.-- / Fr. 168'000.--). Eine Rechtfertigung für einen Tabellenlohnabzug besteht
nicht, nachdem sich die qualitativen Anforderungen (körperlich leichte Tätigkeiten ohne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/13
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St.Galler Gerichte
3.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie
vollumfänglich den Beschwerdeführerinnen aufzuerlegen. Der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihnen daran anzurechnen. Ausgangsgemäss haben
die Beschwerdeführerinnen keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.