Decision ID: 138c0659-03a1-5cb2-8551-bedf882f66a1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer ist iranischer Staatsangehöriger. Sein erstes Asyl-
gesuch vom 16. Juli 2016 – der Beschwerdeführer war zu diesem Zeitpunkt
(...) Jahre alt – wurde mit Verfügung des SEM vom 3. August 2016 abge-
wiesen; gleichzeitig wurden die Wegweisung aus der Schweiz und der
Wegweisungsvollzug angeordnet. Diese Verfügung erwuchs unangefoch-
ten in Rechtskraft.
B.
Am 16. April 2019 reichte der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsver-
treter ein Mehrfachgesuch beim SEM ein. Dieses wies das SEM mit Verfü-
gung vom 24. Juni 2019 ab.
Das Bundesverwaltungsgericht hiess die gegen diese Verfügung gerich-
tete Beschwerde mit Urteil E-3830/2019 vom 10. Oktober 2019 gut, es hob
die angefochtene Verfügung aufgrund eines nicht hinlänglich erstellten
Sachverhalts auf und wies die Sache an die Vorinstanz zurück.
C.
C.a Das SEM führte das vorinstanzliche Verfahren in der Folge antragsge-
mäss (vgl. Antrag des Beschwerdeführers an das SEM vom 25. Oktober
2019) in deutscher Verfahrenssprache.
C.b Mit Zwischenverfügung vom 3. März 2021 (anfechtbar erst mit dem
Endentscheid) lehnte das SEM das ebenfalls mit Eingabe vom 25. Oktober
2019 gestellte Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung im vorinstanzlichen Verfahren ab.
C.c Mit Eingaben vom 14. Februar 2020 und vom 2. Juli 2020 reichte der
Beschwerdeführer weitere Beweisunterlagen ein (Bestätigung der Vereini-
gung zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran e.V. [im Folgenden:
VVMIran], vom 2. Dezember 2019; mehrere Monatszeitschriften der VVM-
Iran; Bericht von Amnesty International zur Situation im Iran). Ferner er-
suchte er darum, bei Spruchreife des Verfahrens Akteneinsicht und die Ge-
legenheit zur Stellungnahme zu erhalten.
C.d Das SEM nahm von Amtes wegen eine summarische Übersetzung der
eingereichten Beweisunterlagen (Artikel in der Monatszeitschrift der VVM-
Iran) vor (vgl. Aktennotiz vom 13. April 2021; Akten SEM act. 24/13).
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D.
In seiner Verfügung vom 20. April 2021, eröffnet am 22. April 2021, stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, es wies das Mehrfachgesuch ab und ordnete die Wegweisung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz sowie den Wegweisungsvollzug an,
unter Ansetzung einer Ausreisefrist bis zum 15. Juni 2021. Ferner hielt das
SEM fest, das Gesuch um Erlass der Verfahrenskosten sei mit Verfügung
vom 3. März 2021 abgewiesen worden, und erhob eine Gebühr von
Fr. 900.–. Den Antrag auf Akteneinsicht und Gelegenheit zur Stellung-
nahme vor Erlass der Verfügung lehnte das SEM ab.
E.
Mit einer weiteren Eingabe an das SEM vom 21. April 2021 reichte der
Beschwerdeführer erneut Beweisunterlagen (Monatszeitschriften der
VVMIran der Monate Juni 2020 bis November 2020) ein; die Eingabe traf
am 23. April 2021 (mithin nachdem die vorliegend angefochtene Verfügung
bereits eröffnet war), beim SEM ein; dieses retournierte die Eingabe in der
Folge mit Schreiben vom 28. April 2021 an den Beschwerdeführer.
F.
Mit Beschwerde vom 24. Mai 2021 liess der Beschwerdeführer durch sei-
nen Rechtsvertreter die Verfügung vom 20. April 2021 (betreffend Abwei-
sung des Mehrfachgesuchs und Wegweisung) sowie die Zwischenverfü-
gung vom 3. März 2021 (betreffend Verweigerung der unentgeltlichen
Rechtspflege im vorinstanzlichen Verfahren) anfechten.
Der Beschwerdeführer beantragte die Aufhebung der Verfügung vom
20. April 2021, die Gutheissung des Asylgesuchs, eventualiter die vorläu-
fige Aufnahme, subeventualiter die Rückweisung der Sache an die
Vorinstanz zur Durchführung einer persönlichen Befragung und zur voll-
ständigen Sachverhaltsabklärung. In verfahrensmässiger Hinsicht sei der
Vollzug der Wegweisung auszusetzen und die kantonale Behörde anzu-
weisen, dem Beschwerdeführer einen Ausweis N auszustellen. Für das Be-
schwerdeverfahren sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren
und der Rechtsvertreter als unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
In Anfechtung der Zwischenverfügung vom 3. März 2021 wurde beantragt,
es sei dem Beschwerdeführer für das vorinstanzliche Verfahren die unent-
geltliche Prozessführung zu gewähren und ihm sein Rechtsvertreter als
unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen.
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Seite 4
G.
Mit Zwischenverfügung vom 1. Juni 2021 bestätigte die Instruktionsrichte-
rin den Eingang der Beschwerde und stellte fest, die Beschwerde habe
aufschiebende Wirkung, der Beschwerdeführer dürfe den Ausgang des
Verfahrens in der Schweiz abwarten. Die Gesuche um Gewährung der un-
entgeltlichen Prozessführung und um Beiordnung eines amtlichen Rechts-
beistands wies sie ab und forderte den Beschwerdeführer auf, innert Frist
einen Kostenvorschuss von Fr. 1500.– zu leisten, unter Androhung des
Nichteintretens, falls die Zahlung ausbleibe. Des Weiteren forderte sie den
Beschwerdeführer unter Hinweis auf seine Mitwirkungspflicht, und nach
Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche Prozessführung, auf, die von
ihm mit der Beschwerde eingereichten Beweisunterlagen zu erläutern, ge-
gebenenfalls zu übersetzen (vgl. Ziff. 5 der Zwischenverfügung vom 1. Juni
2021).
H.
Am 10. Juni 2021 bezahlte der Beschwerdeführer fristgerecht den Kosten-
vorschuss.
I.
Am 16. Juni 2021 ersuchte der Beschwerdeführer mit Hilfe seines Rechts-
vertreters um eine Fristerstreckung für die Erläuterungen und Übersetzun-
gen seiner Beweismittel. Die Instruktionsrichterin verlängerte die Frist an-
tragsgemäss bis zum 7. Juli 2021.
J.
Am 6. Juli 2021 ersuchte der Beschwerdeführer mit Hilfe seines Rechts-
vertreters erneut um Fristerstreckung. Die Instruktionsrichterin verlängerte
die Frist nochmals bis zum 19. Juli 2021.
K.
Das dritte Fristerstreckungsgesuch des Beschwerdeführers vom 19. Juli
2021 wies die Instruktionsrichterin mit Verfügung vom 20. Juli 2021 ab, un-
ter Hinweis auf Art. 32 Abs. 2 VwVG.
L.
Am 2. August 2021 legte der Beschwerdeführer eine Ergänzung zur Ein-
gabe vom 24. Mai 2021 ins Recht. Er rügt, für ihn als Mittellosen sei der
Zugang zum Rechtsweg durch die Erhebung des unüblich hohen Kosten-
vorschusses in Höhe von Fr. 1500.– erheblich erschwert worden, zumal
das Gericht keine Gründe zur Rechtfertigung derart hoher Gerichtskosten
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angegeben habe. Da das Gericht in seiner Zwischenverfügung die Be-
schwerde bereits als aussichtslos bezeichnet habe, gewinne er den Ein-
druck, dass es – obwohl es seine erste Beschwerde gutgeheissen habe –
nicht gewillt sei, sich mit seinen Vorbringen auseinanderzusetzen. Seine
Beschwerde sei jedoch keineswegs aussichtslos, mache er doch substan-
tiiert subjektive Nachfluchtgründe geltend. Das SEM habe seinen Anspruch
auf rechtliches Gehör verletzt, weil er zu den Übersetzungen und Zusam-
menfassungen seiner Artikel nicht habe vorgängig Stellung nehmen kön-
nen. Pauschal werde nun auch vom Bundesverwaltungsgericht behauptet,
seine Beiträge würden sich in Art und Umfang gleichen, ohne dass genau
erklärt werde, um welche Beiträge es sich genau handle. Dies, obwohl fest-
stehe, dass er intensive und umfangreiche, dezidiert politische Arbeit ver-
richtet habe, die zumindest vergleichbar sei mit der, welche in anderen Ur-
teilen des Bundesverwaltungsgerichtes gewürdigt worden sei (vgl. Urteile
D-474/2016 vom 10. Juli 2018 und E-5863/2016 vom 12. Oktober 2018).
Die erwähnte Aktennotiz des SEM erfasse keinesfalls das umfassende Bild
seiner extensiven politischen Arbeit, er habe weit überdurchschnittlich und
engagiert politische Schriften verfasst sowie Vereinsaktivitäten geleitet und
organisiert.
Mit der vorliegenden Eingabe lege er nun drei von ihm selbst verfasste
Übersetzungen der folgenden Beiträge im Monatsheft der VVMIran vor:
- Monatsausgabe (...) zum (...) (Beilage 1),
- Monatsausgabe (...) zum Thema (...) (Beilage 2),
- Monatsausgabe (...) zum Thema «(...)» (Beilage 3).
Auch das Bundesverwaltungsgericht anerkenne, dass die iranischen Ge-
heimdienste ihre Ermittlungen auf die Erfassung von Personen richteten,
die über die massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exil-
politischer Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vor-
genommen haben. Der Beschwerdeführer verfüge über ein solch heraus-
ragendes politisches Profil, weshalb ihm im Fall der Rückkehr Folter bis hin
zur Todesstrafe drohe, zumal die Regierung seit den regimekritischen Pro-
testen Ende des Jahres 2019 noch rigoroser gegen die politische Opposi-
tion vorgehe. Es bestehe das Risiko einer Behandlung im Sinne von Art. 3
EMRK und Art. 25 Abs. 3 BV.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1. Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM ist eine Be-
hörde im Sinne von Art. 33 VGG und somit eine Vorinstanz des Bundes-
verwaltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist für die
Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig. Es entscheidet auf
dem Gebiet des Asyls – in der Regel und auch vorliegend – endgültig
(Art. 105 AsylG [SR 142.31]; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2. Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde ist einzutreten (Art. 108 Abs. 3 AsylG und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
1.3. Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG und dem VGG, soweit das
AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters entschieden
(Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachstehend aufgezeigt, handelt es sich um
eine solche, weshalb das Urteil nur summarisch begründet wird
(Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel ver-
zichtet.
4.
Der Beschwerdeführer macht formelle Rügen geltend, welche vorab zu
prüfen sind, da deren Gutheissung geeignet wäre, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
http://links.weblaw.ch/BVGE-2014/26
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Seite 7
4.1. Der Beschwerdeführer rügt, die Vorinstanz habe im Rahmen der Prü-
fung seines Mehrfach-Asylgesuchs den Sachverhalt erneut nicht hinläng-
lich abgeklärt und namentlich nicht, wie im Kassationsurteil vom 10. Okto-
ber 2019 aufgefordert, für korrekte Übersetzungen der Artikel gesorgt, die
er in den Monatszeitschriften der VVMIran publiziert habe. Erneut würden
nur ganz kurze, punktuelle und grobe Zusammenfassungen anstatt der ge-
forderten Übersetzungen der Artikel vorliegen (Beschwerde S. 4 f., 7); die
vom SEM erstellte Zusammenfassung ziele ferner «ergebnisorientiert auf
eine Abweisung des Gesuchs» ab (Beschwerde S. 5). Einzelne Beiträge
seien überhaupt nicht übersetzt worden (Beschwerde S. 4, 6); das Vorge-
hen der Vorinstanz sei unfair und willkürlich und verletze seinen Anspruch
auf das rechtliche Gehör. Der Sachverhalt sei weiterhin nicht erstellt (Be-
schwerde S. 7, 8).
In der Beschwerdeergänzung vom 2. August 2021 wird ergänzend vorge-
bracht, dass auch das Gericht in seiner Zwischenverfügung vom 1. Juni
2021 zum Schluss gekommen sei, dass die übersetzten Beiträge von Um-
fang und Inhalt her anderen Beiträgen entsprechen würden, ohne dies kon-
kret darzutun. Für den Beschwerdeführer sei daher unklar, von welchen
Beiträgen überhaupt die Rede sei, die sich von Umfang und Inhalt her glei-
chen sollten. Es werde ihm auf diese Weise die Möglichkeit genommen, zu
dieser Unterstellung Stellung zu nehmen; dies verletze seinen Anspruch
auf das rechtliche Gehör (Beschwerdeergänzung Ziff. 4).
Das Gericht erachtet diese Rügen für nicht begründet. Die Vorinstanz hat
in einer ausführlichen Aktennotiz die Beiträge des Beschwerdeführers, die
dieser in den Monatszeitschriften der VVMIran publiziert hat, übersetzt und
zusammenfassend festgehalten (vgl. Aktennotiz vom 13. April 2021, SEM
Akten act. 24/13). Die Durchsicht der Aktennotiz erlaubt es dem SEM wie
auch dem Gericht, sich ein umfassendes Bild über die redaktionellen Bei-
träge des Beschwerdeführers zu verschaffen; dass dabei einzelne Beiträ-
ger abgekürzt protokolliert wurden, ist nicht zu beanstanden. Soweit an-
geblich Beiträge wie jener von (...) 2019, von (...) 2018 oder von (...) 2018
nicht ausreichend berücksichtigt wurden (Beschwerde S. 5, 6), entspricht
dies nicht der Aktenlage (vgl. vielmehr SEM act. 24/13 S. 1 f., 4 f., 10).
Auch der Umstand, dass der Übersetzer beziehungsweise Verfasser der
Aktennotiz für einzelne Beiträge lediglich festgehalten hat, die Ausgaben
seien durchgeschaut worden und die Beiträge würden von Umfang und
Inhalt her stark den anderen, in der Aktennotiz übersetzten Beiträgen glei-
chen (vgl. SEM act 24/13 S. 11), vermag die Verletzung des rechtlichen
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Gehörs nicht zu begründen (Beschwerde S. 4, 6). Für das Gericht genügen
vor diesem Hintergrund die Ausführungen des SEM, um dessen Argumen-
tation als zutreffend zu schützen. Es stand dem Beschwerdeführer frei,
durch eigene Ausführungen die Unterschiedlichkeit der von ihm verfassten
Beiträge auszuführen, schliesslich kennt er den Inhalt seiner Beiträge am
besten. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs vermag dieser Einwand
nicht zu begründen.
4.2. Des Weiteren rügt der Beschwerdeführer eine Verletzung der Begrün-
dungspflicht durch die Vorinstanz. Er führt aus, die vom SEM erstellte Ak-
tennotiz zum Inhalt seiner Beiträge in den Monatszeitschriften der VVMIran
sei lückenhaft, fehlerhaft und unvollständig; es sei in keiner Weise nach-
vollziehbar, wie die Vorinstanz gestützt auf diese Aktennotiz zu ihrem Ent-
scheid habe gelangen können, und dies werde in der Verfügung auch nicht
begründet (Beschwerde S. 7); die Verfügung erfülle «die minimalen Anfor-
derungen an eine willkürlose, nachvollziehbare und faire Entscheidfindung
und -begründung nicht» (Beschwerde S. 8).
Auch dieser Rüge vermag sich das Gericht nicht anzuschliessen. Es geht
vielmehr davon aus, dass die Vorinstanz, gestützt auf die korrekt erstellte
Aktennotiz, die Beiträge des Beschwerdeführers in den Monatszeitschrif-
ten zutreffend als im Wesentlichen pauschal bleibende Kritik gewertet hat;
es trifft auch zu, dass sich Themen und Passagen aus früheren Beiträgen
in späteren Aufsätzen wiederholen. Diese Einschätzung vermögen auch
die drei mit der Beschwerdeergänzung vorgelegten Übersetzungen nicht
zu entkräften. Die Übersetzungen illustrieren vielmehr erneut die Einschät-
zung der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer seine Kritik in sehr allge-
meiner Form äussert, dass er das iranische System in Beziehung zu ande-
ren Regimen setzt (vor allem im Beitrag (...), Beilage 2) und ansonsten in
seinen Beiträgen sehr abstrakt und allgemein bleibt.
4.3. Soweit der Beschwerdeführer festhält, das Verfassen von Sitzungs-
protokollen sei ein Teil seiner exponierten politischen Arbeit, ebenso wie
die (im Übrigen nicht näher erläuterte oder belegte) Teilnahme an und Mit-
organisation von Demonstrationen, und beantragt, er sei hierzu zu befra-
gen (Beschwerde S. 7), gilt das Folgende:
4.3.1. Der Beschwerdeführer brachte vor, zwar bei der Asylgesuchseinrei-
chung in der Schweiz volljährig, während seiner Flucht aber noch minder-
jährig gewesen zu sein; man habe ihm in der Schweiz daher zu Unrecht
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keine Vertrauensperson beigegeben und Garantien zum Schutz des Kin-
des und des Kindeswohls nicht eingehalten. In der Folge habe er seine
Asylgründe nicht angemessen vortragen können, weshalb er erneut zu be-
fragen sei; die Befragung müsse sich sowohl auf die Vorfluchtgründe als
auch auf die Nachfluchtgründe beziehen (Beschwerde S. 4, 12 f.). Damit
kommt der Beschwerdeführer wiederholt auf Vorbringen zurück, die bereits
im Urteil E-3830/2019 vom 10. Oktober 2019 gewürdigt worden waren
(vgl. dort E. 3). Ein neuer Sachverhalt ist diesen Punkt betreffend nicht fest-
zustellen.
4.3.2. Der Antrag auf eine erneute Befragung zu seinen subjektiven Nach-
fluchtgründen ist bei dieser Ausgangslage – und unter Hinweis auf die be-
reits erfolgte Würdigung im Urteil E-3830/2019 vom 10. Oktober 2019 –,
unbegründet. Beachtlich ist dabei ferner, dass das Asylgesetz für Verfahren
betreffend Mehrfachgesuche grundsätzlich vorsieht, dass die Gesuchs-
gründe schriftlich und begründet darzulegen sind; Befragungen sind in der
Regel nicht vorgesehen (vgl. Art. 111c AsylG). Darüber hinaus ist festzu-
halten, dass der Beschwerdeführer seine subjektiven Nachfluchtgründe
vor allem mit der fortlaufenden Publikation regimekritischer Beiträge im Me-
dium der VVMIran begründet hat. Da die Beweismittel den Asylbehörden
in Form der Publikationen vorliegen, ist kein Anlass ersichtlich, weshalb der
Beschwerdeführer ausnahmsweise erneut anzuhören wäre. Das Gericht
sieht sich daher nicht veranlasst, dem Antrag auf erneute Anhörung statt-
zugeben und weist ihn ab.
4.4. Der Beschwerdeführer rügt schliesslich auch die Verweigerung der Ak-
teneinsicht, weil das SEM seinen Antrag auf Akteneinsicht und Stellung-
nahme vor dem Erlass der vorinstanzlichen Verfügung abgelehnt habe;
diesbezüglich geht das Gericht davon aus, dass die Wahrnehmung des
rechtlichen Gehörs, des Rechts, sich vorgängig zur Sache zu äussern und
Beweise beizubringen (Beschwerde S. 8), im vorliegenden Mehrfachge-
suchsverfahren durch die verschiedenen Eingaben des Beschwerdefüh-
rers an die Vorinstanz zur Begründung seines Gesuchs erfolgt ist. Auch
das Gericht selbst hat dem Beschwerdeführer genügend Gelegenheit ge-
geben, sein Anliegen zu präzisieren. Es wird die Eingabe vom 2. August
2021 im Rahmen der materiellen Würdigung berücksichtigen.
4.5. Schliesslich hat das SEM im vorinstanzlichen Verfahren zwar von Am-
tes wegen für die Übersetzung der vom Beschwerdeführer eingereichten
Beweisunterlagen gesorgt, im Übrigen aber das Gesuch um unentgeltliche
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Prozessführung und Rechtsverbeiständung abgewiesen und dem Be-
schwerdeführer demnach eine Gebühr für das Verfahren gemäss Art. 111d
AsylG auferlegt. Der Beschwerdeführer bringt diesbezüglich im Wesentli-
chen einzig vor, seine Nachfluchtgründe seien relevant und müssten ein-
gehend geprüft werden, weshalb ihm keine Gebühr auferlegt werden dürfe
(Beschwerde S. 14), und «auch für das vorinstanzliche Verfahren [sei] eine
Rechtsverbeiständung notwendig [gewesen], wie sich herausgestellt
[habe]» (Beschwerde S. 14). Nach dem oben Gesagten ist dieser Einwand
unbehelflich; die vorinstanzliche Zwischenverfügung vom 3. März 2021 ist
zu bestätigen.
4.6. Auch der Einwand auf Beschwerdestufe, es sei im Beschwerdeverfah-
ren ein zu hoher Kostenvorschuss erhoben worden, was die Rechtsweg-
garantie des Beschwerdeführers erneut verletze (Beschwerdeergänzung
Ziff. 3), kann nicht gehört werden. Praxisgemäss erhöht das Bundesver-
waltungsgericht bei Beschwerden gegen Mehrfachgesuche den Kosten-
vorschuss, sofern es die Beschwerdevorbringen als von vornherein aus-
sichtslos erachtet. In der Zwischenverfügung vom 1. Juni 2021 hat die In-
struktionsrichterin ausführlich begründet, weshalb sie die Beschwerdevor-
bringen als aussichtlos erachtet. Sofern der Beschwerdeführer anderer
Auffassung ist und diese Einschätzung nicht teilt (vgl. ebenda, Ziff. 2), ist
diese Erwiderung Gegenstand der materiellen Prüfung der Beschwerde-
vorbringen und vermag keine formelle Rüge zu begründen.
4.7. Im Ergebnis ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer mit seinen
formellen Rügen nicht durchzudringen vermag. Alle entsprechenden An-
träge wurden zu Recht abgelehnt.
5.
5.1. Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
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Seite 11
5.2. Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat – insbesondere durch politische Exil-
aktivitäten – eine Gefährdungssituation erst geschaffen worden ist, macht
sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im Sinne von Art. 54 AsylG gel-
tend. Begründeter Anlass zur Furcht vor künftiger Verfolgung besteht dann,
wenn der Heimat- oder Herkunftsstaat mit erheblicher Wahrscheinlichkeit
von den Aktivitäten im Ausland erfahren hat und die Person deshalb bei
einer Rückkehr in flüchtlingsrechtlich relevanter Weise verfolgt würde (vgl.
BVGE 2009/29 E. 5.1). Dabei muss hinreichend Anlass zur Annahme be-
stehen, die Verfolgung werde sich mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und
in absehbarer Zukunft verwirklichen – eine bloss entfernte Möglichkeit
künftiger Verfolgung genügt nicht (vgl. BVGE 2011/51 E. 6.2).
Subjektive Nachfluchtgründe begründen zwar die Flüchtlingseigenschaft
im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch gemäss Art. 54 AsylG zum Aus-
schluss des Asyls, unabhängig davon, ob sie missbräuchlich oder nicht
missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen werden Personen, welche
subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder glaubhaft machen können,
als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.1).
5.3. Die am 1. Februar 2014 in Kraft getretene Bestimmung von Art. 3
Abs. 4 AsylG hält zwar fest, dass Personen, die Gründe geltend machen,
die wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise entstanden und weder Aus-
druck noch Fortsetzung einer bereits im Heimat- oder Herkunftsstaat be-
stehenden Überzeugung oder Ausrichtung sind, nicht als Flüchtlinge gelten
können; diese einschränkende Feststellung wurde vom Gesetzgeber aller-
dings durch den ausdrücklichen Hinweis auf den Vorbehalt der Geltung des
Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge
(FK, SR 0.142.30) relativiert (vgl. Art. 3 Abs. 4 in fine AsylG).
5.4. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
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Seite 12
6.
6.1. Das SEM erklärte zur Ablehnung des Asylgesuchs, der Beschwerde-
führer vermöge mit den von ihm geltend gemachten exilpolitischen Tätig-
keiten das Vorliegen einer Verfolgung beziehungsweise von Nachteilen im
Sinne von Art. 3 AsylG nicht zu begründen. Zwar sei er unbestritten seit
November 2017 und bis heute ein Mitglied der VVMIran. Mit seinen Aktivi-
täten für die VVMIran und den damit verbundenen Tätigkeiten habe er sich
jedoch nicht in einem Mass hervorgetan, als dass er aus der Perspektive
des iranischen Regimes als potentielle Bedrohung erscheinen würde. Un-
ter Rückgriff auf die einschlägige Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts betreffend vergleichbare Sachverhalte (vgl. Entscheid Ziff. III
S. 6 f.) legte das SEM dar, dass der Beschwerdeführer namentlich keine
Aktivitäten oder Funktionen ausgeübt habe, die über die massentypischen,
niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer Proteste hinausgin-
gen, und ihn demnach aus der Masse der mit dem Regime Unzufriedenen
herausstechen und als ernsthaften beziehungsweise gefährlichen Regime-
gegner erscheinen liessen. Nach sorgfältiger Durchsicht seiner Vorbringen
und der Beweismittel sei die gemäss Rechtsprechung erforderliche Expo-
nierung beziehungsweise Profilierung zu verneinen. Schliesslich, so das
SEM, gehe das Bundesverwaltungsgericht betreffend die VVMIran nicht
von einem erhöhten Einfluss auf die iranische Oppositionsbewegung im
Exil oder gar im Iran aus (vgl. Urteil BVGer E-5816/2016 vom 23. Januar
2018 E. 6.3). Abgesehen von der allgemeinen Einschätzung betreffend die
VVMIran und ihre Publikationsorgane führe auch die Würdigung der Aktivi-
täten und Beiträge des Beschwerdeführers im Besonderen zum Schluss,
dass sein exilpolitisches Engagement niedrigprofiliert und massentypisch
sei. Zwar sei er gemäss Bestätigung des Vorsitzenden der VVMIran seit
November 2017 Mitglied der VVMIran. Aus den eingereichten Beweismit-
teln gehe weiter hervor, dass er regelmässig an Sitzungen teilnehme und
Beiträge sowie Sitzungsberichte verfasse. Darüber hinaus nehme er aber
keine Aufgaben oder Funktionen wahr, die ihm ein besonderes politisches
Profil verleihen würden oder ihn als ernstzunehmenden Kritiker der Islami-
schen Republik Iran erscheinen liessen. Die verfassten Beiträge enthielten
nur eine pauschale Kritik. Die Durchsicht der Beiträge habe ferner ergeben,
dass er wiederholt frühere Themen oder Passagen aus früheren Beiträgen
erneut aufgegriffen habe. Das geltend gemachte Verfassen von Sitzungs-
berichten oder -Protokollen sei eine administrative Aufgabe, die keine Ex-
ponierung verleihe. Auch die übrigen geltend gemachten Aktivitäten, wie
die Teilnahme an Büchertisch-Aktionen oder die (weitgehend unbelegte)
Teilnahme an Demonstrationen, führten gemäss der weiter oben zitierten
Rechtsprechung zu keiner Schärfung des Profils.
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Seite 13
6.2. Den Erwägungen der Vorinstanz entgegnete der Beschwerdeführer,
es sei durch die von ihm eingereichten Beweismittel erstellt, dass er ab
Januar 2018 in der monatlich erscheinenden Zeitschrift der VVMlran zahl-
reiche regimekritische Beiträge veröffentlicht habe, die zudem im Internet
unter www.basharyat.org publiziert seien. Ferner habe er an diversen Ver-
anstaltungen und Sitzungen der VVMlran teilgenommen, die er mitorgani-
siert und darüber auch Protokoll geführt habe. Bei der VVMlran handle es
sich um eine politische Gruppierung, welche dem iranischen Staat bekannt
sei. Gerade Mitglieder, wie der Beschwerdeführer, die eine regelmässige
und intensive oppositionelle Aktivitäten betrieben, dürften dem iranischen
Regime bekannt sein, dies habe auch das Bundesverwaltungsgericht in
verschiedenen Urteilen festgehalten (vgl. BVGer-Urteile D-474/2016 vom
10. Juli 2018 E. 6.5.4 und E- 5863/2016 vom 12. Oktober 2018 E. 5.6).
Zudem erschöpfe sich die Tätigkeit des Beschwerdeführers nicht in der
Mitgliedschaft bei diesem Verein, sondern er nehme innerhalb dieser Ver-
einigung wichtige organisatorische Funktionen wahr als Sitzungsleiter, Pro-
tokollführer, Organisator von Veranstaltungen und Treffen in der Öffentlich-
keit. Die iranische Regierung werde auch deshalb die Aktivitäten der VVM-
lran nicht ignorieren können, weil diese über ein weit verzweigtes Netzwerk
verfüge und ihre Tätigkeiten und Botschaften daher von vielen Personen
und Organisation weltweit beachtet würden. Der Beschwerdeführer sei ein
leitendes und in der Öffentlichkeit exponiertes Mitglied der Vereinigung, de-
ren Aktivitäten vom iranischen Staat beobachtet würden. Die Vorinstanz
habe dem Beschwerdeführer vorgeworfen, in seinen Beiträgen und Publi-
kationen lediglich «pauschale» Kritik am System zu üben und Themen aus
früheren Beiträgen erneut aufzugreifen. Die Vorinstanz halte dabei ganz
allgemein (und zu Unrecht) fest, die VVMlran würde lediglich pauschale
Kritik am iranischen System üben. Daraus leite die Vorinstanz ab, dass
deswegen auch der Beschwerdeführer lediglich pauschale Kritik üben
würde. Das SEM habe keine einzelfallbezogene Prüfung vorgenommen.
Mit Blick auf die Publikationen des Beschwerdeführers sei festzustellen,
dass dieser relevante und wichtige Kritik am iranischen System übe, was
das SEM hätte erkennen können, wenn es die Beiträge übersetzt hätte. In
der Beschwerde wird dazu beispielhaft aufgeführt, zu welchen verschiede-
nen Themen sich der Beschwerdeführer geäussert habe (vgl. Beschwer-
deeingabe Ziff. 7, S. 5 ff.). Zur politischen Qualität des Verfassens von Sit-
zungsprotokollen wird in der Beschwerde ausgeführt, das Engagement des
Beschwerdeführers sei als weit überdurchschnittlich zu qualifizieren. Die
Sitzungsprotokolle seien Teil der politischen Arbeit und würden im Internet
und auch in den Publikationen verbreitet. Zu den Sitzungen würden auch
http://www.basharyat.org/
E-2447/2021
Seite 14
andere Gäste zugeschaltet. Genau gleich verhalte es sich mit der Teil-
nahme an öffentlichen Veranstaltungen und Demonstrationen, an denen
der Beschwerdeführer auch organisatorisch beteiligt sei.
Das exilpolitische Engagement sei insbesondere auch vor dem Hinter-
grund der jüngsten Entwicklungen im Iran zu würdigen, namentlich der lan-
desweiten Proteste seit dem 15. November 2019 gegen die Erhöhung der
Benzinpreise. Während dieser Proteste seien tausende Personen getötet
und verletzt worden. Am 26. November 2019 habe ein Sprecher des Par-
lamentsausschusses für nationale Sicherheit und Aussenpolitik mitgeteilt,
dass 7000 Personen festgenommen worden seien. Die Festgenommenen
seien in den iranischen Gefängnissen der Folter ausgesetzt, wie aus Be-
richten hervorgehe. Die iranische Regierung sei zumindest seit diesen letz-
ten Protesten dazu übergegangen, sämtliche Regimekritiker – und seien
dies auch nicht besonders exponierte oder weitherum bekannte Personen
– in Haft zu nehmen und zu foltern.
Das Bundesverwaltungsgericht habe in einem neueren Urteil anerkannt,
dass die iranischen Behörden die exilpolitischen Aktivitäten ihrer Lands-
leute vor Ort überwachten. Es genüge bereits, sich im Internet kritisch über
den iranischen Staat zu äussern, um verhaftet, angeklagt und verurteilt zu
werden (BVGer D-6006/2017 vom 12. März 2020 E 5.3.2). Der Beschwer-
deführer betätige sich nunmehr seit Jahren und dezidiert politisch, indem
er sich für die Menschenrechte im Iran einsetze und hierfür die Regierung
hart kritisiere. Diese politischen Beiträge verbreite er etwa durch die dem
SEM eingereichten Zeitschriften, die allesamt ebenfalls im Internet abruf-
bar seien, sowie über zahlreiche Aktionen, Demonstrationen und Ver-
sammlungen, an denen er teilnehme. Er halte Vorträge und organisiere po-
litische Kundgebungen. Sein politisches Engagement sei als qualifiziert
und wesentlich einzustufen.
Mit der Beschwerdeergänzung vom 2. August 2021 legte der Beschwerde-
führer von ihm selbst verfasste Übersetzungen von drei seiner Beiträge für
die Publikation der VVMIran ins Recht, um die Gewichtigkeit seiner politi-
schen Aussagen zu untermauern und den Vorhalt zu entkräften, er kriti-
siere das iranische System nur pauschal (vgl. Bst. L).
7.
7.1. Es ist bekannt, dass die iranischen Behörden die politischen Aktivitä-
ten ihrer Staatsbürger im Ausland überwachen und erfassen (vgl. dazu
E-2447/2021
Seite 15
BVGer D-6006/2017 vom 12. März 2020 E. 5.3. 2 m.w.H.). Es ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob diese Aktivitäten bei einer allfälligen Rückkehr in den
Iran mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ernsthafte Nachteile im asyl-
rechtlichen Sinn nach sich ziehen. Gemäss Praxis des Bundesverwal-
tungsgerichts ist dabei davon auszugehen, dass sich die iranischen Ge-
heimdienste auf die Erfassung von Personen konzentrieren, die über die
massentypischen, niedrigprofilierten Erscheinungsformen exilpolitischer
Proteste hinaus Funktionen ausgeübt und/oder Aktivitäten vorgenommen
haben, welche die jeweilige Person aus der Masse der mit dem Regime
Unzufriedenen herausstechen und als ernsthaften und gefährlichen Re-
gimegegner erscheinen lassen. Dabei darf davon ausgegangen werden,
dass die iranischen Sicherheitsbehörden zu unterscheiden vermögen zwi-
schen tatsächlich politisch engagierten Regimekritikern und Exilaktivisten,
die mit ihren Aktionen in erster Linie die Chancen auf ein Aufenthaltsrecht
zu erhöhen versuchen (vgl. BVGE 2009/28 E. 7.4.3).
Der EGMR geht ebenfalls davon aus, dass eine möglicherweise drohende
Verletzung von Art. 3 EMRK jeweils aufgrund der persönlichen Situation
des Beschwerdeführers zu beurteilen ist. Die Berichte über schwerwie-
gende Menschenrechtsverletzungen im Iran begründen für sich allein noch
keine Gefahr einer unmenschlichen Behandlung (vgl. Urteil des EGMR S.F.
et al. gegen Schweden vom 15. Mai 2012, 52077/10, §§ 63 f.; vgl. zum
Ganzen Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-830/2016 vom 20. Juli
2016 [als Referenzurteil publiziert]).
7.2. Zunächst ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer keine schon im
Heimatland bestandene Verfolgung glaubhaft machen konnte. Es ist nicht
davon auszugehen, er sei den iranischen Behörden im Zeitpunkt seiner
Ausreise als politischer Aktivist bekannt gewesen und entsprechend regis-
triert worden. Der Entscheid des SEM vom 3. August 2016 ist nicht ange-
fochten worden (vgl. Bst. A).
7.3. Die gemäss oben skizzierter Rechtsprechung des Bundesverwal-
tungsgerichts geforderte Exponiertheit ist im Fall des Beschwerdeführers,
obwohl er exilpolitisch regelmässig in Erscheinung tritt, weiterhin zu ver-
neinen. Den Akten kann nicht entnommen werden, dass er sein politisches
Profil seit dem ersten Asylverfahren wesentlich schärfte. Aufgrund der Be-
sichtigung mehrerer sozialer Netzwerke der VVMIran (Facebook, Insta-
gram, Twitter, Youtube) sowie einer Internetsuche zur Organisation, ist
nicht von einem erhöhten Einfluss dieser Vereinigung auf die iranische Op-
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Seite 16
positionsbewegung im Exil oder gar im Iran auszugehen. In den Bestäti-
gungen der VVMIran vom (...) 2018 und vom (...) 2019 bestätigt der Vor-
sitzende des Vereins die Mitgliedschaft des Beschwerdeführers seit No-
vember 2017, stellt ihn als aktives Mitglied dar, unter anderem im Komitee
für (...) respektive im Komitee (...), und attestiert ihm fleissige und verant-
wortungsvolle Teilnahme an Veranstaltungen und Sitzungen. Auch in der
Beschwerdeschrift wird bekräftigt, der Beschwerdeführer nehme regelmäs-
sig an Vereinssitzungen teil, er führe Protokoll und verfasse regimekritische
Artikel für die Vereinszeitschrift. Zum Beleg hat der Beschwerdeführer ver-
schiedene Ausgaben dieser Zeitschrift ins Recht gelegt.
Zu den vom Beschwerdeführer verfassten Beiträgen ist Folgendes festzu-
halten: Die in den monatlichen Vereinszeitschriften der VVMIran publizier-
ten Berichte und Referate des Beschwerdeführers weisen gemäss vom
SEM besorgter beziehungsweise vom Beschwerdeführer eingereichter
Übersetzung eine überwiegend allgemein gehaltene Regimekritik auf, die
in ähnlicher Weise bereits massenhaft von im Exil lebenden Iranern geäus-
sert wurde. An dieser Einschätzung vermögen auch die mit der Beschwer-
deergänzung vom 2. August 2021 vorgelegten Übersetzungen von drei
Beiträgen zur Situation (...) (Beilage 1), zum Thema (...) (Beilage 2) sowie
zum Thema «(...)» nichts zu ändern. Vielmehr wird nach Durchsicht deut-
lich, dass auch diese Beiträge dem vom SEM im angefochtenen Entscheid
skizzierten Muster folgen (vgl. Entscheid Ziff. III S. 7), der Beschwerdefüh-
rer nur sehr oberflächliche Kritik übt und allgemein Bekanntes vorbringt und
ergänzt.
Darüber hinaus ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer seine Teil-
nahme an Demonstrationen bis anhin kaum belegt hat, weshalb aus seinen
Vorbringen keine erhöhte Gefährdungslage abgeleitet werden kann. Bei
seinen – mehrheitlich im Rahmen seiner Mitgliedschaft bei der VVMIran –
erfolgten oppositionellen Tätigkeiten handelt es sich nicht um höherrangige
oder bedeutende Aktivitäten, die ein ernst zu nehmendes Ansehen inner-
halb dieser Organisation respektive ein gewisses Renommee innerhalb der
iranisch-exilpolitischen Bewegung mit sich bringen würden. Die Vorbringen
hinsichtlich seiner exilpolitischen Tätigkeiten sind daher nicht geeignet, um
beim Beschwerdeführer das Profil eines exponierten Regierungsgegners
bejahen zu können, welcher für die iranischen Machthaber als gefährliche
Person beziehungsweise von diesen als Gefahr für ihr politisches Gefüge
eingestuft werden müsste.
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Seite 17
7.4. Soweit der Beschwerdeführer in den Beschwerdeeingaben auf Urteile
hinweist, in denen das Bundesverwaltungsgericht die Gefährdung von Mit-
gliedern der VVMIran bejaht hat, so ist festzuhalten, dass in diesen Fällen
nebst der Mitgliedschaft und dem Engagement in der VVMIran noch wei-
tere, deutlich exponierendere Sachverhaltsaspekte zum Tragen kamen,
weshalb die dortigen Beschwerdeführenden ein viel markanteres und brei-
teres politisches Profil als vorliegend der Beschwerdeführer aufwiesen. In
Fällen, in denen sich das exilpolitische Engagement auf Tätigkeiten im
Rahmen der VVMIran beschränkte, und somit mit dem des Beschwerde-
führers vergleichbar ist, wurde eine auch objektiv drohende asylbeachtli-
che Gefährdung regelmässig nicht festgestellt (vgl. zum Beispiel die Urteile
des Bundesverwaltungsgerichts D-6968/2017 vom 15. März 2018,
E-5816/2016 vom 23. Januar 2018, E-1033/2015 vom 20. September
2017, E-5508/2017 vom 26. Oktober 2017, E-5725/2017 vom 7. November
2017).
7.5. Der Hinweis in der Beschwerdeschrift auf das neuere Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts D-6006/2017 vom 12. März 2020, in dem festge-
halten wurde, dass iranische Behörden die exilpolitischen Aktivitäten ihrer
Landsleute vor Ort überwachen, und sich die Lage seit den Protesten vom
15. November 2019 gegen die Erhöhung der Benzinpreise noch verschärft
habe, vermag nicht zu verfangen. Der Sachverhalt, welcher dem Urteil
D-6006/2017 zugrunde liegt, betrifft eine Person, die sich in den sozialen
Medien über längeren Zeitraum sehr konkret und dezidiert gegen verschie-
dene Mitglieder der iranischen Regierung geäussert hat und die zudem be-
reits vor der Ausreise über ein (niederschwelliges) regimekritisches Profil
verfügte (vgl. Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-6006/2017 vom
12. März 2020 E. 5.3.3., 5.3.4). Diese Sachlage ist nicht vergleichbar mit
dem vorliegenden Sachverhalt. Der Beschwerdeführer kann daraus nichts
für sich ableiten.
7.6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die geltend gemachten sub-
jektiven Nachfluchtgründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich re-
levante Verfolgungsfurcht zu begründen, weshalb der Beschwerdeführer
nicht als Flüchtling anerkannt werden kann. An dieser Einschätzung ver-
mögen weder die weiteren Ausführungen in den Eingaben noch die einge-
reichten Beweismittel etwas zu ändern. Die Vorinstanz hat die Flüchtlings-
eigenschaft zu Recht verneint und das Mehrfachgesuch zu Recht abge-
wiesen.
E-2447/2021
Seite 18
8.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG).
Der Beschwerdeführer verfügt insbesondere weder über eine ausländer-
rechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung
einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu Recht ange-
ordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
9.
9.1. Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
9.2. Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz – namentlich das flüchtlingsrechtliche Refoulement-Verbot
(Art. 5 Abs. 1 AsylG; Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]) und das menschen-
rechtliche Refoulement-Verbot (Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK, SR 0.105],
Art. 3 EMRK) – einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AIG).
Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind.
9.3. Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
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Seite 19
Beschwerdeführer nicht gelungen sei, eine asylrechtlich erhebliche Ge-
fährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, sei der Wegweisungs-
vollzug in dieser Hinsicht zulässig. Der Beschwerdeführer habe auch keine
Anhaltspunkte für eine ihm drohende menschenrechtswidrige Behandlung
aufgezeigt.
Weiter hielt die Vorinstanz fest, weder die im Iran herrschende politische
Situation noch andere Gründe würden gegen die Zumutbarkeit des Weg-
weisungsvollzugs sprechen. Sie wies auf ihre Erwägungen in den Verfü-
gungen vom 3. August 2016 und vom 24. Juni 2019 hin, wonach der Be-
schwerdeführer ein junger und gesunder Mann sei, und ergänzte, seit den
damaligen Ausführungen seien keine neuen relevanten Elemente akten-
kundig geworden, die die Zumutbarkeit des Vollzugs in Frage stellen könn-
ten.
9.4. Diese Erwägungen sind zutreffend, und der Beschwerdeführer bringt
diesbezüglich weder in der Beschwerde noch in seiner Beschwerdeergän-
zung vom 2. August 2021 etwas vor, das die Erwägungen des SEM ent-
kräften würde.
Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung als zulässig
und als zumutbar.
9.5. Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
9.6. Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
10.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Es erübrigt sich, auf den weiteren Inhalt der
Beschwerde und die eingereichten Beweismittel noch näher einzugehen.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
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11.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten von Fr. 1500.– dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Der Beschwerde-
führer hat bereits einen Kostenvorschuss in gleicher Höhe bezahlt. Dieser
Betrag wird für die Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
(Dispositiv nächste Seite)
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