Decision ID: aeb5c68a-e68e-5057-b20a-2d8a178cf40f
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
J._,
Beschwerdeführerin,
gegen
Progrès Versicherungen AG, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rechtsverweigerung
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
J._ und ihre Tochter sind seit 1. Januar 2005 bei der Progrès Versicherungen AG
(nachfolgend: Progrès) obligatorisch krankenpflegeversichert, wobei R._ als
Prämienzahler eingesetzt war (act. G 7.1 Beilagen 1 und 2). Nachdem der Vertrag mit
R._ per 31. Juli 2005 aufgehoben wurde, erhielten J._ (neue Prämienzahlerin) und
ihre Tochter ab 1. August 2005 eine neue Familienversicherung (act. G 7.1 Beilagen 4
und 5). Im Oktober 2007 hat die Progrès die neuen Versicherungspolicen und die
entsprechenden Prämien mit Gültigkeit ab 1. Januar 2008 versandt (act. G 7.1 Beilagen
6 bis 8). Mit Schreiben vom 10. Oktober 2007 kündigte J._ die
Krankenversicherungspolicen für ihre Tochter und sich selbst "ab sofort" (act. G 3.2).
B.
B.a In der am 21. Februar 2008 erhobenen Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen
die Progrès führte J._ sinngemäss aus, die Beschwerdegegnerin habe die Kündigung
der Krankenversicherungspolicen für ihre Tochter und sich selbst auf den 1. Januar
2008 zu Unrecht nicht berücksichtigt und weiterhin Mahnungen zugestellt sowie
Betreibungskosten verrechnet.
B.b Mit Schreiben vom 5. März 2008 hat der Präsident des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam gemacht, dass in der
Nichtberücksichtigung der Kündigung durch die Progrès keine Rechtsverweigerung
ersichtlich sei und sich die Beschwerde damit als aussichtslos erweise.
B.c Im Schreiben vom 10. März 2008 hat die Beschwerdeführerin sinngemäss an der
Beschwerde vom 21. Februar 2008 festgehalten.
B.d In der Beschwerdeantwort vom 11. April 2008 beantragt die Beschwerdegegnerin
Abweisung der Beschwerde; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten
der Beschwerdeführerin. Mit dem Kündigungsschreiben vom 10. Oktober 2007 habe
die Beschwerdeführerin die Kündigungsfrist gewahrt. Jedoch verkenne sie, dass ihre
Kündigung "ab sofort", frühestens per 31. Dezember 2007 möglich gewesen wäre.
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Allerdings sei seit dem Kündigungsschreiben keine Mitteilung erfolgt, dass die
Beschwerdeführerin bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung des
Versicherungsschutzes ab 1. Januar 2008 versichert sei, weshalb eine Kündigung auch
per 31. Dezember 2007 nicht hätte erfolgen können. Sodann wäre ein Wechsel des
Versicherers aufgrund der ausstehenden Prämien aus dem Jahr 2007 nicht möglich
gewesen. Die Kündigung der Beschwerdeführerin habe somit zu Recht bis zum
jetzigen Zeitpunkt keine Wirkung entfaltet.
B.e Im Schreiben vom 21. April 2008 führte die Beschwerdeführerin erneut aus, dass
sie rechtzeitig gekündigt habe.
C.
Da sich aus der Eingabe der Beschwerdeführerin keine neuen Tatsachen ergeben
haben, erübrigte sich ein weiterer Schriftenwechsel zwischen den Parteien.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerdeführerin hat mit Schreiben vom 10. Oktober 2007 die
Krankenversicherungspolicen für ihre Tochter und sich selbst "ab sofort" gekündigt. In
der Beschwerde macht sie geltend, die Policen auf den 1. Januar 2008 gekündigt zu
haben. Es gilt somit vorliegend zu prüfen, ob die Kündigung der
Krankenversicherungspolicen auf den nächstmöglichen Kündigungstermin Wirkung
entfaltet hat, oder ob die Beschwerdeführerin und ihre Tochter weiterhin bei der
Beschwerdegegnerin obligatorisch krankenpflegeversichert sind.
2.
2.1 Gemäss Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG;
SR 832.10) kann die versicherte Person unter Einhaltung einer dreimonatigen
Kündigungsfrist den Versicherer auf das Ende eines Kalendersemesters wechseln. Die
ordentliche Kündigung auf den 31. Dezember 2007 ist dementsprechend durch die
Beschwerdeführerin zu spät eingereicht worden. Allerdings sieht Art. 7 Abs. 2 KVG eine
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ausserordentliche Kündigungsmöglichkeit vor, wobei die versicherte Person bei der
Mitteilung der neuen Prämie den Versicherer unter Einhaltung einer einmonatigen
Kündigungsfrist auf das Ende des Monats wechseln kann, welcher der Gültigkeit der
neuen Prämie vorangeht. Die Beschwerdegegnerin hat im Oktober 2007 der
Beschwerdeführerin die neuen Policen und die entsprechenden Prämien mit Gültigkeit
ab 1. Januar 2008 mitgeteilt. Die Frist für die ausserordentliche Kündigung der
Versicherungspolicen auf den 31. Dezember 2007 wurde somit durch die
Beschwerdeführerin gewahrt. Dies ist im vorliegenden Verfahren von der
Beschwerdegegnerin auch nicht bestritten worden.
2.2 Allerdings sind bei einem Wechsel des Versicherers neben der Einhaltung der
Kündigungsfrist weitere Voraussetzungen zu beachten. Das Versicherungsverhältnis
endet beim bisherigen Versicherer erst, wenn ihm der neue Versicherer mitgeteilt hat,
dass die betreffende Person bei ihm ohne Unterbrechung des Versicherungsschutzes
versichert ist (Art. 7 Abs. 5 Satz 1 KVG). Die Beschwerdegegnerin teilte in der
Beschwerdeantwort mit, dass seit dem Kündigungsschreiben keine Mitteilung erfolgt
sei, wonach die Beschwerdeführerin bei einem neuen Versicherer ohne Unterbrechung
des Versicherungsschutzes ab 1. Januar 2008 versichert sei. Die Beschwerdeführerin
kann mit den eingereichten Akten den Nachweis nicht erbringen, dass sie ab 1. Januar
2008 bei einem anderen Versicherer obligatorisch krankenpflegeversichert gewesen
wäre. In den Rechtsschriften macht sie dies auch nicht geltend, sondern beruft sich
lediglich darauf, die Versicherungspolicen rechtzeitig gekündigt zu haben. Indem der
Beschwerdegegnerin keine Versicherung bestätigen konnte, dass die
Beschwerdeführerin ab 1. Januar 2008 - oder allenfalls zu einem späteren Zeitpunkt -
bei ihr obligatorisch krankenpflegeversichert ist, hat die Kündigung per 31. Dezember
2007 keine Wirkung entfaltet, die Beschwerdeführerin bleibt weiterhin bei der Progrès
obligatorisch krankenpflegeversichert. Eine Rechtsverweigerung durch die
Beschwerdegegnerin liegt nicht vor.
2.3 Ob die Beschwerdeführerin den Versicherer auch unter Anwendung von Art. 64a
Abs. 4 KVG wegen u. a. noch ausstehenden Prämien nicht hätte wechseln können,
braucht vorliegend nicht beurteilt zu werden, nachdem wie soeben dargelegt, die
Kündigung bereits aufgrund der Anwendung von Art. 7 Abs. 5 KVG keine Gültigkeit hat.
3.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Rechtsverweigerungsbeschwerde
abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu erheben.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG