Decision ID: 414aa039-e54d-5ad9-86ab-af4873803cd8
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S. R. führt in der Politischen Gemeinde R. einen landwirtschaftlichen
Nebenerwerbsbetrieb. Er umfasst 7,42 ha Nutzfläche in der Landwirtschaftszone. Auf
dem Grundstück Nr. 000, Grundbuch R., befinden sich das Wohnhaus (Assek.-Nr. 000)
mit freistehenden Scheunen und Ställen (Assek.-Nrn. 000, 000).
Am 24. März 2006 führten das kantonale Veterinäramt (heute: Amt für Gesundheits-
und Verbraucherschutz) und das Amt für Umweltschutz (AFU; heute: Amt für Umwelt
und Energie) eine angemeldete Betriebskontrolle durch. Im unmittelbar östlich des
Wohnhauses gelegenen Hauptstall (Assek.-Nr. 000) wurden sechs Esel gehalten. Die
Tiere verfügen über einen rund 10 m grossen, mit einem Metallgitter umgebenen
Laufhof. Der Laufhof ist vom Hauptstall aus jederzeit frei zugänglich. Der Boden war
unbefestigt, morastig und mit Mist bedeckt. Auch der Bodenzustand der unmittelbar
nördlich des Laufhofs angrenzenden Fläche, die den Eseln ebenfalls als Auslauf zur
Verfügung steht, hat sich anlässlich der Betriebskontrolle ähnlich präsentiert. Dort war
die Grasnarbe ebenfalls abgelaufen und der Boden war mit Kot und Harn stark
verschmutzt. S. R. hält zudem eine Herde mit Mutterkühen der Rasse "Aberdeen
Angus". Gemäss eigenen Angaben vom 10. Oktober 2007 handelt es sich um 24 Tiere.
Nach den Feststellungen des Veterinäramts können sich die Rinder das ganze Jahr
über auf einer in mehrere Koppeln aufgeteilten Weide bewegen und haben immer
Zugang zu einem Feldstall (Assek.-Nr. 000). Das Futter wird in Form von grossen
Heuballen direkt auf dem Weideboden verabreicht. Hinter dem Feldstall befindet sich
eine Tränke mit fliessendem Wasser. Das Veterinäramt erachtet die Haltung der
Rinderherde im Grundsatz als tierfreundlich. Es hat indessen anlässlich der
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Betriebskontrolle festgestellt, dass das Gelände in den genannten Bereichen sehr tief,
nass und stark zertreten war, auch als Folge von Urin- und Kotabsatz. Die Tiere sind
weit über den Kronrand der Klauen eingesunken.
B./a) Nachdem S. R. das rechtliche Gehör gewährt worden war, verfügte das
Veterinäramt am 23. Mai 2006 was folgt:
1. Der elektrisierende Zwickdraht innerhalb des Unterstandes ist umgehend zu
entfernen.
2. Bei der dauernden Haltung von Nutztieren im Freien muss bei extremer Witterung ein
natürlicher oder künstlicher Witterungsschutz zur Verfügung stehen.
3. Der Stall/Unterstand muss so gross sein, dass die Mindestflächen laut
Tierschutzverordnung (SR 455.1; abgekürzt TSchV) eingehalten werden. Dient ein
Unterstand für Rindvieh zum Schutz gegen Nässe und Kälte, wird eine Reduktion der
Mindestfläche gemäss Anhang 1, Tabelle 11, Ziff. 33 bis 37 TSchV (Liegefläche mit
Einstreu) um höchstens 10 Prozent toleriert. Frist: 1. November 2006.
4. Ein Witterungsschutz muss bei Nässe-/Kälteperioden einen eingestreuten, trockenen
und windgeschützten Liegebereich aufweisen.
5. Der Boden der eingezäunten Fläche darf in den Bereichen, in denen sich die Tiere
vorwiegend aufhalten (Futterstelle, Tränke und Bereich des Stalls/Unterstandes) nicht
morastig und nicht erheblich mit Kot oder Harn verunreinigt sein. Frist: 1. November
2006.
6. Futter, das ergänzend zur Weide verabreicht wird, muss den üblichen Qualitäts- und
Hygieneanforderungen genügen. Zur Erfüllung dieser Anforderungen sind geeignete
Fütterungseinrichtungen (gedeckte Raufe) einzusetzen. Frist: 1. November 2006.
7. Zuwiderhandeln gegen diese Verfügung wird nach Art. 29 Ziff. 2 des
Tierschutzgesetzes (SR 455; abgekürzt TSchG) bestraft (vgl. auch Art. 292 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.0).
8. Die Gebühr für diese Verfügung beträgt Fr. 150.--.
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Die Verfügung wird im Wesentlichen damit begründet, die Rinderhaltung stehe in
verschiedener Hinsicht mit der Tierschutzgesetzgebung nicht in Einklang. Im Bereich
des Stalls, der Tränke und der Futterstelle(n) sei der Boden morastig, die Futterstelle(n)
sei(en) ungenügend, die Stallfläche sei zu klein und entlang der Innenwand sei auf
Tierhöhe ein elektrisierender Draht gespannt.
b) Am 5. Juni 2006 erhob S. R. Rekurs beim Volkswirtschaftsdepartement und stellte
den Antrag, die Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 sei aufzuheben.
Nachdem das Volkswirtschaftsdepartement mit dem Baudepartement am 8. Mai 2007
einen gemeinsamen Augenschein durchgeführt hatte, wurde der Rekurs am 4. Juli
2007 teilweise gutgeheissen. Es wurde festgestellt, dass Ziff. 2 und 4 des Dispositivs
keinen Verfügungscharakter haben. Im
übrigen wurde der Rekurs abgewiesen und für die Anordnungen nach Ziff. 3, 5 und 6
des Dispositivs wurde neu Frist bis 1. November 2007 gesetzt.
c) Am 10. August 2007 erhob S. R. gegen den Entscheid des
Volkswirtschaftsdepartements vom 4. Juli 2007 Beschwerde beim Verwaltungsgericht.
Sie stellte das Rechtsbegehren, die "erstinstanzliche, ursprüngliche Verfügung vom 23.
Mai 2006 sei aufzuheben".
Das Volkswirtschaftsdepartement nahm am 12. September 2007 Stellung und
beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Am 10. Oktober 2007 machte S. R. von
der Möglichkeit Gebrauch, sich zu neuen tatsächlichen und rechtlichen Argumenten zu
äussern.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
1.1. Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist unter Vorbehalt von Ziff. 1.4.
hienach gegeben (Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt VRP). Sodann entspricht die Beschwerdeeingabe vom
10. August 2007 zeitlich, formal und inhaltlich grundsätzlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
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1.2. Nach Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit 45 Abs. 1 VRP ist zur Beschwerde
berechtigt, wer an der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheids
ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut. Dies setzt (auch) voraus, dass der
Rechtsmittelkläger (formell) beschwert ist, d.h. dass er mit seinem Rechtsbegehren
nicht oder nicht vollständig durchgedrungen ist. Ob jemand beschwert ist, beurteilt
sich durch einen Vergleich des Rechtsbegehrens des Betroffenen mit dem Dispositiv
des vorinstanzlichen Entscheids (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 403 mit Hinweisen).
Das Volkswirtschaftsdepartement hat den Rekurs von S. R. teilweise gutgeheissen. Es
hat festgestellt, Ziff. 2 und 4 des Dispositivs der Verfügung des Veterinäramtes vom
23. Mai 2006 betreffend Witterungsschutz komme kein Verfügungscharakter zu.
Insoweit kann auf die Beschwerde mangels Beschwer nicht eingetreten werden.
1.3. Nach Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 muss die Beschwerde u.a.
einen Antrag enthalten. Mit dem Antrag soll der Beschwerdeführer die
Rechtsfolgebehauptung zum Ausdruck bringen. Aus dem Antrag soll sich somit
ergeben, inwiefern der angefochtene Entscheid aufzuheben oder abzuändern ist. Der
Antrag ist grundsätzlich so zu formulieren, dass er zum Urteil erhoben werden kann,
sofern der Antragsteller obsiegt (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 915 mit Hinweis auf F. Gygi,
Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl., Bern 1983, S. 191). Der Inhalt des Antrags -
soweit er sich nicht von selbst versteht - ist durch Auslegung zu ermitteln (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 916).
S. R. stellt den Antrag, "die angefochtene erstinstanzliche, ursprüngliche Verfügung
vom 23. Mai 2006 sei aufzuheben". Daraus lässt sich ableiten, sie beantrage auch die
Aufhebung des Rekursentscheides des Volkswirtschaftsdepartements vom 4. Juli
2007. Dies betrifft die Anordnungen des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 betreffend
den "Zwickdraht" (Ziff. 1), Grösse des Stalls bzw. Unterstands bezogen auf die Grösse
des Tierbestands (Ziff. 3), Bodenqualität (Ziff. 5) und Futterverabreichung (Ziff. 6).
1.4. Nach Art. 27 VRP sind Gesuche um Wiedererwägung zulässig, begründen aber
keinen Anspruch auf eine Stellungnahme der Behörde in der Sache und hemmen den
Fristenlauf nicht. Nach der bundesgerichtlichen Praxis besteht indessen unter
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bestimmten Voraussetzungen ein Anspruch auf materielle Wiedererwägung (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 575 mit Hinweisen).
Mit einem Gesuch um Wiedererwägung wird die verfügende Verwaltungsbehörde
ersucht, auf ihre Verfügung zurückzukommen und eine günstigere Anordnung zu treffen
(Kölz/Bosshart/Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons
Zürich, 2. Auflage, Zürich 1999, Vorbem. zu §§ 19-28 N 23). Auf den Antrag von S. R.,
die Anordnungen des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 seien in Widererwägung zu
ziehen, weil in der Zwischenzeit ein Baubewilligungsverfahren für ein Stallbauprojekt
eingeleitet worden sei und die Jauche von zwei Kühen direkt mit dem Hausabwasser
gemischt werde, kann somit mangels Zuständigkeit nicht eingetreten werden.
1.5. Auf die Beschwerde ist im Sinn der Erwägungen einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin beantragt, das Verfahren sei zu sistieren, weil sie in der
Zwischenzeit ein Baugesuch für einen neuen Stall eingereicht habe.
Als Sistierung wird die vorübergehende Einstellung bzw. das "Ruhenlassen" eines
hängigen Verfahrens bezeichnet (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1092 mit Hinweis auf Kölz/
Bosshart/Röhl, a.a.O., §§ 4-31 N 27). Die Sistierung bedeutet eine Abweichung vom
Grundsatz einer möglichst beförderlichen Fortführung und Erledigung des Verfahrens
und bedarf deshalb einer Rechtfertigung. Eine Sistierung ist anzuordnen, wenn sie
gesetzlich vorgeschrieben ist oder wenn ein anderes Verfahren hängig ist, dessen
Ausgang von präjudizieller Bedeutung ist (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 1093).
Es liegt im öffentlichen Interesse, baldmöglichst und unabhängig davon, ob der Bau
eines neuen Stalls geplant ist und ob ein solcher in Zukunft gegebenenfalls zur
Verfügung steht, zu prüfen, ob die angefochtenen Anordnungen betreffend Tierhaltung
rechtmässig sind oder ob die Rinderherde der Beschwerdeführerin gemäss den
Vorgaben der Tierschutzgesetzgebung gehalten wird. Das Sistierungsgesuch ist
deshalb abzuweisen.
3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Verfahren müsse neu aufgerollt werden,
weil die Vorinstanz ihr rechtliches Gehör verletzt habe. Sie begründet dies damit, die
Vorinstanz habe ihrem Gesuch um Erstreckung der Frist zur Stellungnahme vom
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30. Mai 2007 nicht entsprochen, obschon berufliche Beanspruchung geltend gemacht
worden sei. Die von der Vorinstanz gewährte Frist sei unangemessen kurz gewesen,
sodass es nicht möglich gewesen sei, ein Baugesuch einzureichen und zu den
strittigen Punkten Stellung zu nehmen.
3.1. Nach Art. 17 Abs. 1 VRP setzt die Behörde den Beteiligten für die Mitwirkung
angemessene Fristen. Werden die Fristen nicht eingehalten, so kann die Behörde nach
Art. 17 Abs. 2 VRP ohne Rücksicht auf die Säumigen verfügen, wenn sie dies
angedroht hat. Was unter einer angemessenen Frist zu verstehen ist, bestimmt sich im
Einzelfall nach den konkreten Umständen. Der Betroffene sollte die geforderte
Handlung ohne Hast und mit der notwendigen Sorgfalt vornehmen können (GVP 2000
Nr. 27).
3.2. Im Anschluss an den Augenschein, den die Vorinstanz am 8. Mai 2007 zusammen
mit dem Baudepartement durchgeführt hatte, wurde der Beschwerdeführerin am
15. Mai 2007 in Anwendung von Art. 17 VRP mit eingeschriebenem Brief die
Gelegenheit eingeräumt, sich "zu den 27 Fotos (samt den jeweiligen Bemerkungen)",
die anlässlich des Augenscheins gemacht worden sind, bis 31. Mai 2007 zu äussern.
Gleichzeitig wurde ihr ein Schreiben des Veterinäramtes vom 10. Mai 2007 samt Fotos,
die in der Zeit vom 27. September 2006 bis 20. April 2007 entstanden sind, zur
Stellungnahme bis 31. Mai 2007 übermittelt. Die Vorinstanz hat darauf hingewiesen, die
Frist könne nicht erstreckt werden und wenn sie unbenutzt verstreiche, werde davon
ausgegangen, auf eine Stellungnahme werde verzichtet. Mit Schreiben vom 30. Mai
2007 teilte der Vertreter der Beschwerdeführerin der Vorinstanz mit, er sei beruflich
ausserordentlich stark beansprucht und ersuche, "zur genauen Antragstellung und zur
Begründung" sei ihm eine Nachfrist bis 30. Juni 2007 anzusetzen. Die Vorinstanz wies
dieses Gesuch am 1. Juni 2007 ab.
3.3. Aktenkundig ist, dass das Schreiben der Vorinstanz am 18. Mai 2007 abgeholt
worden ist. Die Beschwerdeführerin hatte somit zu diesem Zeitpunkt Kenntnis von
dessen Inhalt und sie hätte bis zum 31. Mai 2007 Zeit gehabt, eine Stellungnahme
einzureichen. Diese Frist ist angemessen, zumal es lediglich darum ging, sich zu Fotos
betreffend tatsächliche Feststellungen vor Ort zu äussern. Hinzu kommt, dass der
Vertreter der Beschwerdeführerin erst am 30. Mai 2007, somit einen Tag vor
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Fristablauf, mit dem nicht weiter dokumentierten allgemeinen Hinweis auf berufliche
Beanspruchung um Fristerstreckung nachgesucht hat.
3.4. Der Vorwurf der Beschwerdeführerin, die Vorinstanz habe ihr rechtliches Gehör
verletzt, erweist sich somit als unbegründet, und der Beschwerde ist in dieser Hinsicht
keine Folge zu geben.
4. Die Beschwerdeführerin wirft der Vorinstanz vor, der angefochtene Entscheid sei
unter Verletzung des Koordinationsgebots nach Art. 25a Abs. 1 des
Raumplanungsgesetzes (SR 700, abgekürzt RPG) ergangen. Zwischen Tierschutz,
Gewässerschutz und dem Anschluss eines Wohnhauses in der Landwirtschaftszone an
die öffentliche Kanalisation bestehe ein enger Sachzusammenhang, weshalb
diesbezügliche Verfahren zu koordinieren und mit einem einzigen Entscheid
abzuschliessen seien. Die Verfügung des Veterinäramtes betreffend Tierschutz sei
indessen am 23. Mai 2006 ergangen, die Verfügung des AFU betreffend Sanierung der
Hofdüngerlager und Entsorgung des häuslichen Abwassers am 13. Juli 2006 und
schliesslich habe der Gemeinderat R. am 19. Dezember 2006 angeordnet, das
Wohnhaus Vers.-Nr. 178 auf dem Grundstück Nr. 223 sei an die öffentliche
Kanalisation anzuschliessen. Seither seien drei verschiedene Verfahren in Gang, die
formell und materiell aufeinander hätten abgestimmt werden müssen.
4.1. Nach Art. 25a Abs. 1 RPG, in Vollzug seit 1. Januar 1997 (AS 1996 965, 966) ist
eine Behörde zu bezeichnen, die für ausreichende Koordination sorgt, wenn die
Errichtung oder Änderung einer Baute oder Anlage Verfügungen mehrerer Behörden
erfordert. Die für die Koordination verantwortliche Behörde: kann die erforderlichen
verfahrensleitenden Anordnungen treffen (Abs. 2 lit. a); sorgt für eine gemeinsame
öffentliche Auflage aller Gesuchsunterlagen (Abs. 2 lit. b); holt von allen beteiligten
kantonalen und eidgenössischen Behörden umfassende Stellungnahmen zum
Vorhaben ein (Abs. 2 lit. c); sorgt für eine inhaltliche Abstimmung sowie möglichst für
eine gemeinsame oder gleichzeitige Eröffnung der Verfügungen (Abs. 2 lit. d). Nach Art.
25a Abs. 3 RPG dürfen die Verfügungen keine Widersprüche enthalten.
Die Koordinationspflicht nach Art. 25a RPG erstreckt sich grundsätzlich auf sämtliche
kantonalen und bundesrechtlichen Verfahren, die im Zusammenhang mit Bauvorhaben
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durchgeführt werden müssen, und die der Bewilligungszuständigkeit der Kantone
unterliegen. Dazu gehören ordentliche Baubewilligungen gemäss Art. 22 RPG,
Ausnahmebewilligungen nach Art. 24 RPG, Sonderbewilligungen, wie
Rodungsbewilligungen, Bewilligungen zur Beseitigung der Ufervegetation,
fischereirechtliche Bewilligungen oder Bewilligungen zur Wasserentnahme über den
Gemeingebrauch hinaus (Waldmann/Hänni, Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Art. 25a
RPG N 21). Unerheblich ist die Natur der zu koordinierenden Bewilligungen, namentlich
ob es sich um raumplanungs- bzw. umweltschutzrechtliche oder um
gewerbepolizeiliche Verfügungen handelt (Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 25a RPG
N 22). Die Koordinationspflicht kann nur so weit reichen, als ein Koordinationsbedürfnis
auch tatsächlich besteht. Ein Bedürfnis ist grundsätzlich dann nachgewiesen, wenn ein
Bauvorhaben ausser der eigentlichen Baubewilligung noch weitere Bewilligungen,
Konzessionen, Zustimmungen oder Genehmigungen benötigt. Kann ein Projekt
dagegen allein aufgrund einer Baubewilligung ausgeführt werden, besteht kein
Koordinationsbedarf, selbst wenn gleichzeitig noch weitere Massnahmen getroffen
werden sollen, die eigene Bewilligungen erfordern. Wo kein Koordinationsbedarf
besteht, sind weiterhin Einzelverfügungen zulässig. Anders entscheiden hiesse, mittels
der Koordinationsbestimmungen beliebig viele, voneinander unabhängige Verfahren zu
einem einzigen zusammenzufassen und damit die ordentlichen Zuständigkeiten ausser
Kraft zu setzen (Waldmann/Hänni, a.a.O., Art. 25a RPG N 25).
Unter formeller Koordination wird eine verfahrensmässige Koordination verschiedener
Bewilligungsverfahren verstanden. Sind zur Beurteilung einzelner der materiellen
Koordination bedürftiger Rechtsfragen verschiedene erstinstanzliche Behörden
zuständig, so müssen diese die Rechtsanwendung in einer Weise abstimmen, dass
qualitativ ein gleichwertiges Koordinationsergebnis erzielt wird (Rausch/Keller,
Kommentar zum Umweltschutzgesetz, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2004, N 3a zu Art. 9).
4.2.
4.2.1. Am 13. Juli 2006 ordnete das AFU einerseits die Sanierung des Hofdüngerlagers
bis 30. September 2007 an. Danach ist eine befestigte Mistplatte von mindestens
35 m zu erstellen. Sodann sind der projektierte Fressplatz für die Mutterkühe mit einer
Fläche von rund 29 m , der rund 10 m grosse Laufhof für die Esel und die Stallböden
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zu betonieren und in die Güllengrube zu entwässern. Anderseits hat das AFU verfügt,
das häusliche Abwasser des Wohnhauses Assek.-Nr. 000 dürfe nicht mehr
landwirtschaftlich verwertet werden und bis 30. September 2007 seien in Absprache
mit der Gemeinde die notwendigen Strukturen zu erstellen.
Am 24. Juli 2006 erhob S. R. gegen die Verfügung des AFU vom 13. Juli 2006 Rekurs
beim Baudepartement. Sie stellte das Rechtsbegehren, die Verfügung sei aufzuheben.
4.2.2. Am 19. Dezember 2006 entschied der Gemeinderat R., S. R. habe das
Wohnhaus Assek.-Nr. 000 an die öffentliche Kanalisation anzuschliessen. Der
Entscheid wird damit begründet, das häusliche Abwasser dürfe nicht mit Jauche
vermischt und auf dem Betrieb landwirtschaftlich verwertet werden.
Am 4. Januar 2007 erhob S. R. gegen den Beschluss des Gemeinderats R. vom 19.
Dezember 2006 Rekurs beim Baudepartement. Sie stellte das Rechtsbegehren, der
angefochtene Entscheid sei aufzuheben.
4.2.3. Nachdem das Baudepartement mit dem Volkswirtschaftsdepartement am 8. Mai
2007 einen gemeinsamen Augenschein durchgeführt hatte, wurden die
Rekursverfahren gegen die Verfügung des AFU vom 13. Juli 2006 und gegen den
Entscheid des Gemeinderats R. vom 19. Dezember 2006 vereinigt. Am 5. Oktober 2007
hat das Baudepartement die Rekurse mit einem Entscheid abgewiesen.
4.2.4. Am 17. Oktober 2007 erhob S. R. gegen den Entscheid des Baudepartements
vom 5. Oktober 2007 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie stellte das
Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und die Angelegenheit
sei zwecks Durchführung eines inhaltlich koordinierten Verfahrens an das
Baudepartement und an das Volkswirtschaftsdepartement zurückzuweisen. Sodann
ersuchte sie das Verwaltungsgericht, die Beschwerdeverfahren zu sistieren, bis Klarheit
bestehe, ob einem Baugesuch betreffend einen Stallneubau entsprochen werde. Am
13. Dezember 2007 hat der Präsident des Verwaltungsgerichts das Sistierungsgesuch
abgewiesen.
4.3. Die Anordnungen des Veterinäramtes sind gestützt auf die
Tierschutzgesetzgebung ergangen, namentlich gestützt auf Vorschriften über die
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tiergerechte Haltung (Art. 1 Abs. 1 des Tierschutzgesetzes, SR 455, abgekürzt TSchG),
Art. 1 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 2 der Tierschutzverordnung, SR 455.1, abgekürzt TSchV)
und Fütterung (Art. 3 Abs. 1 TSchG, Art. 2 TSchV). Es handelt sich um
Verhaltensanweisungen an die Adresse der Beschwerdeführerin als Tierhalterin, die sie
unabhängig davon zu befolgen hat, ob Vorgaben gestützt auf Gewässerschutzrecht
verwirklicht werden müssen.
4.3.1. Die Anordnungen, wonach der "Zwickdraht" im Weidstall zu entfernen und die
Tiere mittels gedeckter Raufen, die auf der Weide aufgestellt werden, zu füttern sind
(Ziff. 1 und 6 der Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006) und diejenigen, die
ihre Grundlage im Gewässerschutzrecht haben, bedingen weder die Errichtung noch
die Änderung einer Baute oder Anlage. Es handelt sich um Vorkehrungen, die ohne
grossen Aufwand und insbesondere ohne bauliche Massnahmen sofort verwirklicht
werden können. Auch die Feststellung, wonach die Grösse des Feldstalls bezogen auf
die Grösse der Herde zu klein ist (Ziff. 3 der Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai
2006) bedingt keine neue Stallbaute. Es genügt, die Herde entsprechend zu
verkleinern.
4.3.2. Bezüglich der Befestigung von landwirtschaftlich genutztem Boden hat das
Veterinäramt verfügt, der Boden der eingezäunten Fläche dürfe in den Bereichen, in
denen sich die Tiere vorwiegend aufhalten (Futterstelle, Tränke und Bereich des
Stalles/Unterstandes) nicht morastig und nicht erheblich mit Kot oder Harn verunreinigt
sein und dieser Zustand sei bis 1. November 2006 (Ziff. 5 der Verfügung des
Veterinäramtes vom 23. Mai 2006) bzw. bis 1. November 2007 (Ziff. 1 des
Rekursentscheids vom 4. Juli 2007) herzustellen. Das AFU hat am 13. Juli 2006 im
Zusammenhang mit der Sanierung des Hofdüngerlagers u.a. angeordnet, der
projektierte Fressplatz für die Mutterkühe mit einer Fläche von rund 29 m müsse bis
30. September 2007 betoniert und in die Güllengrube entwässert werden (Ziff. II der
Verfügung).
Die beiden Anordnungen betreffen wohl (zum Teil) die gleiche Fläche. Das
Baudepartement und das AFU verlangen indessen, dass der projektierteFressplatz für
die Mutterkühe (vgl. Plankopie eines neuen Stallkonzeptes) betoniert werde. Auch die
Vorinstanz und das Veterinäramt schreiben der Beschwerdeführerin vor, sie habe die
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ungenügende Trittfestigkeit des Bodens zwecks tierschutzkonformer Haltung der
Rinderherde zu beseitigen, und zwar unabhängig davon, ob das Projekt, auf das sich
die Verfügung des AFU vom 13. Juli 2006 bezieht, verwirklicht wird. Sie stellen es der
Beschwerdeführerin zudem frei, wie sie die Qualität des Bodens in allen Bereichen, wo
sich die Tiere aufgrund der tatsächlichen Verhältnisse, wie sie heute bestehen,
vorwiegend aufhalten, verbessern will. Denkbar sind neben der Reduktion des
Tierbestandes Kofferungen aus Kies, regelmässiges Verstellen der Futterraufen und
mobile Tränken in verschiedenen Bereichen der Auslauffläche.
Es ergibt sich somit, dass das Baudepartement und das AFU zwar verlangen, der
projektierte Fressplatz für die Mutterkühe sei zu betonieren und in die Güllengrube zu
entwässern, dass es der Beschwerdeführerin aus Sicht der Vorinstanz und des
Veterinäramtes im übrigen aber frei steht, wie sie die zur Diskussion stehende Fläche
befestigt.
4.3.3. Der Vorwurf, das Verfahren, das seine Grundlage in der Tierschutzgesetzgebung
habe, hätte mit den Verfahren, die gestützt auf Gewässerschutzrecht eingeleitet
worden sind, koordiniert werden müssen, erweist sich deshalb als unbegründet. Die
Beschwerde ist in dieser Hinsicht abzuweisen.
5. Die Beschwerdeführerin beantragt, Dr. Peter Reichert, Meikirch, sei als unabhängiger
Experte beizuziehen.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig
angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht
erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache
Beweis zu erbringen (BGE 124 I 242 E. 2; 117 Ia 268 E. 4b). Gutachten von
Sachverständigen sind anzuordnen, wenn zur Ermittlung des Sachverhalts besondere
Sachkenntnisse erforderlich sind. Aufgabe des Sachverständigen ist es, ein Gutachten
über Tatsachen abzugeben und diese mit seiner besonderen Fachkunde zu würdigen
(Kölz/Bosshart/Röhl, a.a.O., § 7 N 22 mit Hinweis). Angezeigt ist der Beizug eines
Sachverständigen vor allem dann, wenn der Behörde die zum Entscheid erforderliche
Sachkunde über umstrittene Tatsachen fehlt, was insbesondere bei Fragen der
Naturwissenschaft und Technik der Fall ist (F. Gygi, a.a.O., S. 276; Rhinow/Koller/Kiss,
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Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, Basel/
Frankfurt am Main 1996, Rz. 1136; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 976).
Im vorliegenden Fall ergeben sich die rechtserheblichen Tatsachen aus den Akten.
Sodann verfügt das Veterinäramt als Fachstelle für Tierschutz über die erforderliche
Fachkenntnis. Auf den Beizug einer Fachperson kann deshalb verzichtet werden.
6. Zu prüfen ist, ob zu Recht angeordnet worden ist, der elektrische "Zwickdraht"
innerhalb des Unterstandes sei umgehend zu entfernen, weil er mit den einschlägigen
Tierschutzvorschriften nicht vereinbar sei (Ziff. 1 des Dispositivs der Verfügung des
Veterinäramtes vom 23. Mai 2006).
6.1. Der Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 kann entnommen werden,
dass sich innerhalb des Stalles eine unerlaubte elektrisierende Steuerung befindet bzw.
dass entlang der Innenwand des Feldstalls auf Tierhöhe ein elektrisierender Draht
gespannt ist. Diese Steuervorrichtung verletzt nach Ansicht der Vorinstanz und des
Veterinäramtes Art. 15 TSchV).
Die anlässlich des Augenscheins des Veterinäramtes vom 24. März 2006 und
desjenigen der Vorinstanz vom 8. Mai 2007 entstandenen Fotos belegen, dass im
Innenbereich des Feldstalls, zu dem die Rinder immer Zugang haben und der ihnen als
Unterstand dient, aber auch im überdeckten Aussenbereich auf Tierhöhe ein
elektrisierender Steuerdraht gespannt ist. Die Beschwerdeführerin bestreitet in ihrer
Beschwerdeschrift vom 10. August 2007 nicht, dass sich dieser "Zwickdraht" nach wie
vor dort befindet und in Betrieb ist, behauptet aber sinngemäss, er sei mit der
Tierschutzgesetzgebung vereinbar.
6.2. Nach Art. 15 TSchV sind scharfkantige, spitze oder elektrisierende Vorrichtungen,
die das Verhalten der Tiere im Stall steuern, verboten. Zulässig sind auf das einzelne
Tier einstellbare Elektrobügel für Rindvieh und, vorübergehend, elektrische
Abschrankungen in Laufställen (vgl. auch Goetschel/Bolliger, Das Tier im Recht, Zürich
2003, S. 77).
6.3. Demnach ist der elektrisierende Steuerdraht mit Art. 15 TSchV nicht vereinbar.
Weil X. R. in der Zeit vom 24. März 2006 bis 8. Mai 2007 im Stall das Verhalten bei
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Tieren der Rindergattung mit elektrisierenden Drähten gesteuert hat, ist er vom
Kantonalen Untersuchungsamt am 4. September 2007 denn auch der Übertretung des
Tierschutzgesetzes schuldig erklärt und zu einer Busse von Fr. 500.--, bei
schuldhaftem Nichtzahlen ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, verurteilt
worden. Die Anordnung, wonach die Beschwerdeführerin verpflichtet worden ist, den
elektrisierenden Zwickdraht umgehend zu entfernen, erweist sich somit als rechtmässig
und ihr Rekurs ist in dieser Hinsicht zu Recht abgewiesen worden. An dieser
Beurteilung ändert nichts, dass Elektrobügel (sog. Kuhtrainer) nach Art. 15 TSchV unter
bestimmten Voraussetzungen zulässig sind (vgl. dazu auch Ziff. 2.14 ff. der Richtlinien
des Bundesamtes für Veterinärwesen [BVET] für die Haltung von Rindvieh, Richtlinie
800.106.02[4] Tierschutz). Ohne Belang ist in diesem Zusammenhang schliesslich, dass
die Jungtiere nach Ansicht der Beschwerdeführerin durch den "Zwickdraht" nicht
tangiert werden und dass sie behauptet, der Zirkus Knie setze im Elefantenstall
elektrisierende Steuervorrichtungen ein.
7. Die Beschwerdeführerin stellt die Anordnung im Zusammenhang mit der Grösse des
Feldstalls von 31 m (Ziff. 3 des Dispositivs der Verfügung des Veterinäramtes vom 23.
Mai 2006) nicht grundsätzlich in Frage, macht indessen geltend, weil ein
Baubewilligungsverfahren für einen Stallneubau eingeleitet worden sei, liege ein
wesentlich veränderter Sachverhalt vor, weshalb das Verfahren neu aufgerollt werden
müsse. Ferner treffe es nicht zu, dass es sich um einen "Tiefstreu Weidstall" handle.
Sie habe auf "Holzhackschnitzel" umgestellt.
In Ziff. 3 des Dispositivs der Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 wird
festgehalten, der Stall/Unterstand müsse so gross sein, dass die Mindestflächen laut
TSchV eingehalten würden. Wenn ein Unterstand für Rindvieh zum Schutz gegen
Nässe und Kälte diene, werde eine Reduktion der Mindestfläche gemäss Anhang 1,
Tabelle 11, Ziff. 33 bis 37 TSchV um höchstens 10 Prozent toleriert.
Diese Anordnung ist zwar nicht direkt vollstreckbar, nach Treu und Glauben kann
daraus indessen geschlossen werden, der Weidstall sei bezogen auf den Tierbestand
der Beschwerdeführerin zu klein bzw. die Anzahl Tiere müsse reduziert werden,
solange nur dieser als Unterstand zur Verfügung stehe. Entgegen der Auffassung der
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Beschwerdeführerin besteht kein Anlass, mit der Verkleinerung der Herde zuzuwarten,
bis ein Stallprojekt verwirklicht worden ist.
8. Die Beschwerdeführerin bestreitet weiter die Rechtmässigkeit der Anordnung,
wonach der Boden der eingezäunten Fläche in den Bereichen, in denen sich die Tiere
vorwiegend aufhalten (Futterstelle, Tränke und Bereich des Stalls/Unterstand) bis
1. November 2006 (Ziff. 5 der Verfügung des Veterinäramtes 23. Mai 2006) bzw. bis
1. November 2007 (Ziff. 1 des Rekursentscheids vom 4. Juli 2007) zu sanieren ist, weil
er morastig und erheblich mit Kot oder Harn verunreinigt ist.
8.1. Wer ein Tier hält oder betreut, muss ihm nach Art. 3 Abs. 1 TSchG soweit nötig
Unterkunft gewähren. Gehege, in denen sich Tiere dauernd oder vorübergehend
aufhalten, müssen so gross und so gestaltet sein, dass die Tiere sich artgerecht
bewegen können; die Gehege und deren Böden müssen so beschaffen sein, dass die
Gesundheit der Tiere nicht beeinträchtigt wird (Art. 5 Abs. 3 TSchV). In der Information
800.106.18 Tierschutz führt das BVET aus, dass ungenügende Kenntnisse über die
Anforderungen der Weidehaltung und über die Anpassungsfähigkeit der Tiere zu
tierschutzrelevanten Situationen führen können. Zu beachten ist, dass die Trittfestigkeit
des Bodens (Morastbildung) infolge Überbeanspruchung den Anforderungen an eine
tiergerechte Haltung manchmal nicht entspricht (Ziff. II). Das BVET stellt fest, dass
eingezäunte Flächen in der Regel mit einem Tierbesatz betrieben werden, der an den
Boden in Bezug auf seine Trittfestigkeit hohe Anforderungen stellt. Vor allem in den
Bereichen, in denen sich die Tiere häufig aufhalten, wie z.B. an einer Futterraufe,
müsse der Boden in einem solchen Zustand sein, dass er die Klauen- und
Hufgesundheit nicht beeinträchtige. Insbesondere Morast, der mit Kot und/oder Harn
versetzt sei, wirke stark schädigend auf Horn und Haut. Der Boden sei daher an
solchen Stellen entweder entsprechend zu befestigen und zu reinigen, oder es sei zum
Beispiel durch regelmässiges Verstellen der Raufe die Belastung des Bodens auf
unterschiedliche Bereiche der Weide zu verteilen (Ziff. IV). Das BVET sieht im Sinn einer
Massnahme vor, dass der Boden der eingezäunten Fläche in den Bereichen, in denen
sich die Tiere vorwiegend aufhalten, nicht morastig und nicht erheblich mit Kot oder
Harn verunreinigt sein darf (Ziff. V).
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8.2. Gemäss Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 war der Boden
anlässlich des Augenscheins vom 24. März 2006 im Umfeld des Stalls, der Tränke und
der
Futterstelle(n) sehr tief, sodass die Tiere weit über den Kronrand der Klauen
eingesunken sind. Der Boden war zudem sehr nass, einerseits als Folge der Witterung
(Schneeschmelze), andererseits verursacht durch Urin und Kotabsatz. Der Boden der
im Winter zur Verfügung gestellten
Weide wies kaum mehr eine Grasnarbe auf; er glich vielmehr einem Acker. Das
Veterinäramt führt aus, die ungenügende Trittfestigkeit entspreche den Anforderungen
an eine tiergerechte Haltung nicht. Diese Bereiche seien entweder zu befestigen, oder
die Zahl der Tiere sei soweit zu reduzieren, dass die Trittfestigkeit gewährleistet bleibe.
Auch die Vorinstanz, die am 8. Mai 2007 einen Augenschein durchgeführt hat, stellt im
angefochtenen Entscheid fest, dass der Boden auf der offenen Seite des Feldstalls, im
Bereich des Brunnens und bei den Futterstellen auf der Weide nicht trittsicher bzw.
morastig und erheblich mit Kot oder Harn verunreinigt gewesen sei. Die Vorinstanz hält
dafür, die Trittfestigkeit könne dadurch verbessert werden, dass der Boden gereinigt
und befestigt werde; im Anschluss daran seien die Standorte der Futterstellen auf der
Weide
häufiger zu wechseln.
8.3. Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass die Trittfestigkeit des Bodens auf der
Weide stellenweise nicht ausreichend sei. Sie hält dafür, die Rinderherde werde in
dieser Hinsicht entsprechend den Vorgaben des Tierschutzrechts gehalten und die
Klauen- und Hufgesundheit werde durch das Freilandhaltesystem gefördert. Nach
Meinung der Beschwerdeführerin belegen die Fotos, die anlässlich der
Betriebskontrolle am 24. März 2006 gemacht worden sind, nicht, dass der Boden in
den zur Diskussion stehenden Bereichen morastig und mit Kot und Harn verunreinigt
ist. Sie begründet dies damit, zu diesem Zeitpunkt seien grosse
Mengen an Schmelzwasser freigesetzt worden, welche über die Weiden den Hang
hinunter geflossen seien. In der ganzen Schweiz habe eine Notsituation geherrscht und
es sei zu diesem Zeitpunkt nicht angebracht gewesen, Rinderhufe zu kontrollieren.
8.4. Die Fotos, die anlässlich der Betriebskontrolle des Veterinäramtes am 24. März
2006 gemacht worden sind, dokumentieren eindrücklich, dass sich Rinder zum
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damaligen Zeitpunkt auf dem völlig durchnässtem Boden aufgehalten und Heu
gefressen haben. Die Fotos, die das Veterinäramt am 27. September 2006, am
31. Oktober 2006, am 13. Dezember 2006, am 13. Februar 2007, am 22. Februar 2007
und am 20. April 2007 gemacht hat, bestätigen den Eindruck, wonach das Gelände im
fraglichen Bereich durchnässt, stark zertreten und ohne Grasnarbe ist. Schliesslich
belegen die Fotos, die anlässlich des Augenscheins vom 8. Mai 2007 entstanden sind,
dass die Feststellungen der Vorinstanz zutreffen. An der Stirnseite des Feldstalles, im
Umfeld der Tränke, ist der Boden stellenweise derart durchnässt, dass das Wasser
gestaut wird und Pfützen bildet. Die Beschwerdeführerin beruft sich zwar auf ein Foto,
das anlässlich des Augenscheins vom 8. Mai 2007 gemacht worden ist. Sie führt aus,
es zeige die Leiterin der Bauverwaltung R. vor sauberen, trittsicheren Weideställen. Auf
diesem Foto ist indessen der Unterstand der Esel zu sehen, somit der östlich des
Wohnhauses gelegene Hauptstall, und nicht der Bereich beim Weidstall, dessen
Sanierung angeordnet worden ist und wo sich die Rinderherde aufhält.
8.5. Zusammenfassend ergibt sich, dass zu Recht angeordnet worden ist, der Boden
sei dort zu reinigen und zu sanieren, wo sich die Tiere vorwiegend aufhalten. Die
Beschwerde ist in diesem Punkt abzuweisen.
9. Schliesslich rügt die Beschwerdeführerin, sie sei zu Unrecht dazu verpflichtet
worden, zwecks Fütterung der Rinder ab 1. November 2006 (Ziff. 6 der Verfügung des
Veterinäramtes vom 23. Mai 2006) bzw. ab 1. November 2007 (Ziff. 1 des
Rekursentscheids vom 4. Juli 2007) gedeckte Raufen einzusetzen, weil das Futter
andernfalls den üblichen Qualitäts- und Hygieneanforderungen nicht immer genüge.
9.1. Wer ein Tier hält oder betreut, muss es angemessen ernähren (Art. 3 Abs. 1
TSchG). Die Fütterung ist angemessen, wenn sie nach dem Stand der Erfahrung und
den Kenntnissen der Physiologie, Verhaltenskunde und Hygiene den Bedürfnissen der
Tiere entspricht (Art. 1 Abs. 2 TSchV). Tiere sind regelmässig und ausreichend mit
geeignetem Futter und, soweit nötig, mit Wasser zu versorgen. Werden Tiere in
Gruppen gehalten, muss der Tierhalter dafür sorgen, dass jedes Tier genügend Futter
und Wasser erhält (Art. 2 Abs. 1 TSchV). Laut Information 800.106.18 Tierschutz des
BVET muss Futter, das zur Weide verabreicht wird, den üblichen Qualitäts- und
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Hygieneanforderungen genügen. Nötigenfalls sind zur Erfüllung dieser Anforderungen
geeignete Futtereinrichtungen einzusetzen.
9.2. Im angefochtenen Entscheid wird ausgeführt, die Qualität von Dürrfutter leide
insbesondere während
Nässeperioden, wenn es gegen Witterungseinflüsse ungeschützt verabreicht werde.
Hinzu komme, dass die Rinder auf das Futter treten und liegen würden und dass
dieses mit Kot und/oder Urin verschmutzt werde. Anlässlich der Betriebskontrolle vom
24. März 2006 hat das Veterinäramt festgestellt, dass die Rinder mit Heu in Form von
grossen Ballen, welche auf dem Feld lagern, gefüttert werden. Zum damaligen
Zeitpunkt waren jeweils drei Ballen übereinander gelagert und die oberste Schicht des
obersten Ballen war nass. Wenn die Tiere das Depot gefressen haben, wird ihnen
gemäss Angaben in der Verfügung des Veterinäramtes vom 23. Mai 2006 eine neue
Koppel mit sechs Heuballen zugänglich gemacht. Sodann wird ausgeführt, die Tiere
seien anlässlich der Kontrolle auf dem Futter herumgetreten und sie hätten frühere
Futterplätze als eingestreuten Liegeplatz benutzt. Zudem sei das Futter Regen und
Schnee sowie den Fäkalien der Tiere schutzlos ausgesetzt gewesen. Bei Dauerregen
oder bei Vermischung des Futters mit Erde oder allenfalls Fäkalien könne - mindestens
kurzfristig - nur noch bedingt von geeignetem Futter gesprochen werden.
9.3. Die Beschwerdeführerin behauptet, die Rinder würden nicht auf dem Futter
herumtreten und liegen, sondern auf den Futterresten, welche als organische Substanz
in den
Boden eingearbeitet würden. Sodann sei das Futter zu keiner Zeit Fäkalien ausgesetzt.
Dies treffe höchstens auf Futterresten zu, die indessen nicht gefressen würden, weil
den Tieren jederzeit genügend frisches Futter zur Verfügung stehe.
9.4. Ein Foto, das anlässlich der Betriebskontrolle vom 24. März 2006 gemacht worden
ist, zeigt, dass Heuballen unmittelbar auf den morastigen und mutmasslich mit Fäkalien
verunreinigten Boden gegeben worden sind und dass drei
Rinder davon fressen. Ersichtlich ist auch, dass das Dürrfutter in Ermangelung einer
überdachten Futtereinrichtung den Witterungsverhältnissen schutzlos ausgesetzt ist.
Dies bedeutet, dass das Heu, wenn es nicht sofort aufgefressen wird, bei heftigem
Regen oder während Schlechtwetterperioden mehr oder weniger schnell durchnässt
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wird und dass die Gefahr besteht, dass es verfault. Auf einem anderen Foto, das
ebenfalls vom 24. März 2006 stammt, ist sodann ersichtlich, dass Rinder auf Heu
herumtreten, das auf dem nassen Boden verzettelt liegt. Ein weiteres Bild, das am
20. April 2007 aufgenommen worden ist, zeigt Tiere, die Dürrfutter fressen, wobei das
Heu im ganzen sichtbaren Teil des Geheges verstreut liegt. Die Beschwerdeführerin
behauptet zwar, wenn ein Heudepot aufgefressen sei, werde den Tieren unverzüglich
neues Heu bereitgelegt. Es mag zutreffen, dass die Rinder bei länger anhaltender
trockener Witterung ausschliesslich qualitativ und hygienisch einwandfreies Heu
fressen. Die Vorinstanz geht indessen mit Recht davon aus, dass diese Massnahme bei
länger anhaltendem Regen und durchnässtem Boden nicht ausreicht, um eine
Fütterung mit Raufutter zu gewährleisten, das qualitativ einwandfrei und hygienisch ist.
Es ist deshalb sachlich gerechtfertigt, von der Beschwerdeführerin zu verlangen, dass
sie zwecks Fütterung der Rinderherde gedeckte Raufen einsetzt. Demzufolge erweist
sich die Beschwerde auch in diesem Punkt als unbegründet.
10. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Die Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung (Art.
98 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht