Decision ID: f54f60e9-3e67-46f4-9e1d-1f557bf71566
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war bei der B._ GmbH als Servicemitarbeiterin tätig und dadurch
obligatorisch bei der Swica Versicherungen AG (nachfolgend: Swica) gegen die Folgen
von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert, als sie am 10. Mai 2010 ihren linken
Daumen in einer Fahrzeugtüre einklemmte (act. 1 und 14 bei den UV-Akten bzgl. Unfall
Daumen [nachfolgend: UV1-act. x]). Der erstbehandelnde Dr. med. C._, Facharzt
FMH für Allgemeinmedizin, diagnostizierte eine Kontusion des linken Daumens und
attestierte der Versicherten vom 10. bis 31. Mai 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%
(UV1-act. 14). Die Swica entrichtete darauf Taggelder und übernahm die
Behandlungskosten (Schreiben vom 28. Mai 2010; UV1-act. 8).
A.b Im November 2011 wurde die Versicherte durch die Swiss Medical Assessment-
and Business-Center AG (nachfolgend: SMAB) polydisziplinär abgeklärt. In ihrem
Gutachten vom 13. Januar 2012 diagnostizierten die untersuchenden Ärzte als
unfallrelevant einen Status nach Quetschverletzung der linken Hand mit prolongiertem
und protrahiertem Verlauf mit einerseits neurologisch sehr begrenztem
posttraumatischem CRPS (komplexes regionales Schmerzsyndrom) und andererseits
Folgen eines dysfunktionellen und eines Vermeidungsverhaltens mit diskreter
Inaktivitätsatrophie der Handbinnenmuskulatur links. Weiter bestehe ein degeneratives
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Cervicalsyndrom bei Mehretagendiskushernien, ein Status nach Distorsionsverletzung
des rechten Sprunggelenkes mit langsamem
regredientem Verlauf und eine Anpassungsstörung mit leichter depressiver
Symptomatik. Aus polydisziplinärer Sicht sei die früher ausgeübte Tätigkeit im Service
nicht zumutbar. Für eine ideal adaptierte Tätigkeit ohne besonderen Einsatz der linken
Hand und des linken Daumens bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
20%. Bei dem vor allem neurologisch nur begrenzt nachvollziehbaren Befund eines
CRPS I könne mittel- bis langfristig von einer Besserung ausgegangen werden. Der von
den Unfallfolgen am linken Daumen ausgelöste Integritätsschaden entspreche 5%
(UV1-act. 114).
A.c Mit Schreiben vom 28. Februar 2012 kündigte die Swica der Versicherten im Sinne
der Gewährung des rechtlichen Gehörs die Zusprache einer Integritätsentschädigung
basierend auf einem Integritätsschaden von 5% und die Einstellung der
Taggeldleistungen per 29. Februar 2012 an (UV1-act. 115). Nach Intervention der
Versicherten (Schreiben vom 11. Mai 2012; UV1-act. 132) kündigte die Swica mit
Schreiben vom 25. Mai 2012 eine erneute Begutachtung an (UV1-act. 133).
A.d Mit Schreiben vom 11. Juni 2012 orientierte die Versicherte die Swica formell über
einen Schadenfall vom 14. Oktober 2011. Eine Frau sei ihr mit dem Einkaufswagen von
hinten in die Ferse des linken (richtig: rechten) Fusses gefahren. Sie sei deshalb zu
100% arbeitsunfähig (UV1-act. 141, vgl. UV1-act. 134 f.). Dr. med. D._, Leitender
Arzt Orthopädie des Spitals E._, diagnostizierte am 2. November 2011 eine
Fersenkontusion links (gemeint: rechts) mit konsekutiver Entlastung und Entwicklung
einer ausgeprägten Enthesiopathie am Fuss links (gemeint: rechts) (act. 6 bei den UV-
Akten bzgl. Unfall Fuss [nachfolgend: UV2-act. x], vgl. auch UV2-act. 1). Am 2. August
2012 wurde die Versicherte im Auftrag der Swica bezüglich ihres Fusses von Dr. med.
F._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, untersucht. Dieser stellte fest, es
bestehe der dringende Verdacht auf ein CRPS am rechten Fuss. Rein bezogen auf die
rechte Ferse sollte in
einer sitzenden Tätigkeit ein 50%iges Arbeitspensum möglich sein (UV2-act. 12). Die
Swica kam im Rahmen der Abredeversicherung für die Unfallfolgen bezüglich Fuss auf
(UV2-act. 14).
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A.e Am 23. August 2012 wurde die Versicherte durch Dr. med. G._, Zentrum H._,
untersucht. Diese diagnostizierte mit Gutachten vom 3. September 2012 einen Status
nach Quetschung des linken Daumens und einen Status nach Kontusion der rechten
Ferse/Achilllessehnenregion, beides unter anderem mit einem CRPS I. In der bisherigen
Tätigkeit als Serviceangestellte sei sie 100% arbeitsunfähig. Der Integritätsschaden
betrage bezogen auf die linke Hand und den rechten Fuss je 15% (UV1-act. 154).
Nachdem die Swica der Gutachterin mit Schreiben vom 3. Oktober 2012
zwischenzeitlich eingegangene medizinische Berichte zugestellt und mitgeteilt hatte,
das Gutachten habe sich nur auf die Handverletzung zu beziehen (UV1-act. 161), nahm
diese mit Bericht vom 17. Februar 2013 Stellung und passte das Gutachten
entsprechend an. Sie führte aus, eine Beurteilung unter isolierter Begutachtung der
Schmerzsymptomatik der linken Hand erscheine schwierig, da es sich aufgrund des
CRPS auch im Bereich des rechten Fusses um eine komplexe Schmerzsymptomatik
handle. Der Endzustand sei noch nicht erreicht, sie empfehle eine interdisziplinäre,
schmerztherapeutische Betreuung (UV1-act. 174).
A.f Auf Veranlassung der Swica (UV1-act. 176, 182, 186) befand sich die Versicherte
vom 17. April 2013 bis 16. Mai 2013 in der Rehaklinik Bellikon (UV1-act. 194). Im Juli
2013 wurde sie erneut durch die SMAB polydisziplinär abgeklärt. Die Gutachter hielten
im Gutachten vom 16. August 2013 als unfallrelevante Diagnosen einen Status nach
Quetschverletzung des linken Daumens u.a. mit Status nach abgelaufenem CRPS und
neurologisch dokumentierter diskreter Hypästhesie des linken Daumenendgliedes
sowie einen Status nach Anpralltrauma mit Kontusion der Ferse und der
Achillessehneninsertions-Region fest. Sie beurteilten, ein nach Quetschverletzung des
linken Daumens interkurrent aufgetretenes CRPS sei inzwischen vollständig regredient.
Für die bisherige Tätigkeit als Servicekraft attestierte der Neurologe noch eine 50%ige
Restarbeitsfähigkeit seit 18. Juli 2013. Ansonsten beurteilten sie die Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit fachgebietsübergreifend seit dem 18. Juli 2013 als zu
100% gegeben (UV1-act. 209, S. 20 ff.). Den Integritätsschaden bezüglich der
Hypästhesie im linksseitigen Daumenendglied schätzten sie auf 2% (UV1-act. 209, S.
28).
A.g Mit Schreiben vom 27. August 2013 stellte die Swica der Versicherten die
Einstellung des Anspruchs auf Heilbehandlungen und Taggeldleistungen ab 18. Juli
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2013, die Verneinung eines Rentenanspruchs bei einem Invaliditätsgrad von 0% sowie
die Verneinung eines Anspruchs auf eine Integritätsentschädigung in Aussicht und
gewährte ihr das rechtliche Gehör (UV1-act. 210). Die Versicherte beantragte mit
Eingabe vom 3. Oktober 2013 die rückwirkende Ausrichtung des Taggeldes zu 100%,
die Vornahme weiterer spezialärztlicher Abklärungen und eventuell die Festsetzung von
Invalidenrente und Integritätsentschädigung. Der von der SMAB geschilderte klinische
Befund entspreche nicht ansatzweise dem Normalzustand. Dies lasse sich auch
anhand der eingereichten Fotos der linken Hand und des rechten Fusses der
Versicherten erkennen. Das Gutachten der SMAB sei absolut inakzeptabel und ohne
Beweiswert (UV1-act. 223). Die um Stellungnahme gebetenen SMAB-Gutachter führten
am 21. Oktober 2013 aus, es sei nicht ausgeschlossen, dass die Fehlbelastungen zu
leichten temporären Schwellungen führen könnten. Ein Zusammenhang mit den
beschriebenen Traumen könne nicht gesehen werden. Weder klinisch noch
radiologisch bestünden Hinweise für ein persistierendes CRPS I. Die aktuellen MRI-
Abklärungsbefunde kontrastierten ganz erheblich mit der vorgelegten
Fotodokumentation. Letztere zeige eine deutliche Schwellung und Hämatomfärbung,
welche in einer MRI-Abklärung nicht zu übersehen sein dürfte. Der Befund – sowie er
sich in der Fotodokumentation darstelle – könne von ihnen nicht erklärt werden (UV1-
act. 226). Am 30. Oktober 2013 verfügte die Swica entsprechend ihrer Mitteilung vom
27. August 2013 und verzichtete auf die Rückforderung bereits erbrachter Leistungen
(UV1-act. 227).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 30. Oktober 2013 erhob die Versicherte am 2.
Dezember 2013 Einsprache und beantragte deren Aufhebung. Es sei festzustellen,
dass die geklagten Beschwerden Folgen der Unfallereignisse vom 10. Mai 2010 und
14. Oktober 2011 seien und es seien ihr ab 18. Juli 2013 weiterhin die gesetzlichen
Leistungen zu erbringen. Eventuell seien weitere medizinische Abklärungen
durchzuführen. Sie brachte vor, die eingereichte Fotodokumentation sei nach dem
Gutachten aufgenommen worden, weshalb davon auszugehen sei, dass die Symptome
wie Schwellungen, Verfärbungen und Berührungsempfindlichkeit an der linken Hand
und am rechten Fuss heute noch vorhanden seien. Das Gutachten der SMAB sei damit
nicht vollständig, nicht nachvollziehbar und auch nicht schlüssig (UV1-act. 236).
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B.b Mit Einspracheentscheid vom 4. April 2014 wies die Swica die Einsprache ab
(UV1-act. 239).
C.
C.a Mit Beschwerde vom 16. Mai 2014 beantragt die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) die Aufhebung der Verfügung vom 30. Oktober 2013 und des
Einspracheentscheids vom 4. April 2014. Weiter sei festzustellen, dass die geklagten
Beschwerden der Beschwerdeführerin Folge der Unfallereignisse vom 10. Mai 2010
und vom 14. Oktober 2011 seien und es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten,
ihr ab dem 18. Juli 2013 weiterhin die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen.
Es sei ein Obergutachten anzuordnen und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten,
die Beschwerdeführerin angemessen ausserrechtlich zu entschädigen (act. G1).
C.b Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 19. Juni 2014 die
Abweisung der Beschwerde; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G3).
C.c Mit Schreiben vom 21. Juli 2014 informierte die Beschwerdeführerin das Gericht
über eine beim Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau eingereichte Beschwerde
gegen die Verfügungen der IV-Stelle des Kantons Thurgau betreffend Rente und
berufliche Massnahmen (act. G5). Sie legte eine Kopie des diesbezüglich am 2. Juli
2014 ergangenen Entscheides ins Recht, welcher die Beschwerde teilweise guthiess
und die Sache zu weiteren Abklärungen an die IV-Stelle des Kantons Thurgau
zurückwies (act. G5.1). In ihrer Replik vom 25. August 2014 hielt die
Beschwerdeführerin an ihren bisherigen Anträgen und Ausführungen vollumfänglich
fest. Sie beantragte zudem die Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen der vom
Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau angeordneten ergänzenden medizinischen
Beurteilungen (act. G6).
C.d Das Versicherungsgericht St.Gallen forderte die Beschwerdegegnerin mit
Schreiben vom 26. August 2014 zur Einreichung einer Duplik, insbesondere zur
Stellungnahme zum Sistierungsantrag, auf. Bei Verzicht auf eine Duplik werde das
Verfahren antragsgemäss bis zum Erlass der Verlaufsbegutachtung durch die SMAB
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sistiert (act. G7). Die Beschwerdegegnerin liess sich darauf nicht mehr vernehmen,
weshalb das Verfahren mit Schreiben vom 14. Oktober 2014 sistiert wurde (act. G8).
C.e Mit Eingabe vom 14. August 2015 reichte die Beschwerdeführerin das
Folgegutachten der SMAB vom 13. Mai 2015 (act. G12.2) sowie ein Schreiben der IV-
Stelle des Kantons Thurgau (act. G12.1) ein (vgl. act. G12). Die SMAB-Gutachter
diagnostizierten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein degeneratives HWS-
Syndrom ohne radikuläre Ausfälle. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden
unter anderem ein Zustand nach Quetschverletzung des linken Daumens und ein
Status nach Anpralltrauma der rechten Ferse. Anhaltspunkte für ein CRPS lägen zum
gegenwärtigen Zeitpunkt nicht mehr vor. Die Beschwerdeführerin vermöge leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten zu verrichten, wobei das regelmässige Heben und Tragen
von Lasten über 15kg vermieden werden sollte. Auch ständige Überkopfarbeiten sowie
Tätigkeiten in regelmässigen Zwangshaltungen seien zu vermeiden, dasselbe gelte
auch für dauerhafte Tätigkeiten unter ungünstigen Witterungsbedingungen. In
psychiatrischer Hinsicht seien Tätigkeiten nicht geeignet, die sehr hohe Anforderungen
an Anpassungs- oder Umstellungsvermögen sowie emotionale Belastbarkeit stellten. In
der letzten beruflichen Tätigkeit als Servicekraft bestehe eine Arbeitsfähigkeit in der
Grössenordnung von 80% (bei Präsenz von 100%), in einer leidensadaptierten
Tätigkeit eine solche von 100% (act. G12.2, S. 28 ff.).
C.f Mit Schreiben vom 18. August 2015 hob das Versicherungsgericht St.Gallen die
Sistierung auf und setzte der Beschwerdegegnerin eine neue Frist zur Einreichung einer
Duplik an (act. G13). Mit Schreiben vom 22. September 2015 kündigte es der
Beschwerdeführerin an, ohne Gegenbericht innert Frist werde auf die Durchführung
einer mündlichen Verhandlung verzichtet (act. G14). Die Parteien liessen sich darauf
nicht mehr vernehmen (vgl. act. G15).

Erwägungen
1.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen (Heilbehandlung
und Taggeld) zu Recht per 18. Juli 2013 eingestellt und den Anspruch auf eine Rente
und Integritätsentschädigung verneint hat.
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1.1 Ist die versicherte Person infolge des Unfalls voll oder teilweise arbeitsunfähig (Art.
6 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG; SR 830.1]), so hat sie Anspruch auf ein Taggeld (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832]). Sie hat zudem Anspruch
auf die zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Art. 10 UVG). Ist die versicherte
Person infolge des Unfalls mindestens zu 10 Prozent invalid, so hat sie Anspruch auf
eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den
Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen oder geistigen Integrität,
so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1
UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands der versicherten
Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der
Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die
Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Eine
Integritätsentschädigung wird gemäss Art. 24 Abs. 2 UVG mit der Invalidenrente
festgesetzt oder, falls kein Rentenanspruch besteht, bei der Beendigung der ärztlichen
Behandlung gewährt.
1.2 Die Unfallkausalität bildet Anspruchsvoraussetzung für sämtliche
Versicherungsleistungen der Unfallversicherung. Eine Leistungspflicht des
Unfallversicherers besteht demnach nur für Gesundheitsschäden, die natürlich und
adäquat-kausal mit einem versicherten Unfallereignis zusammenhängen. Ursachen im
Sinn des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren
Vorhandensein die gesundheitliche Beeinträchtigung nicht oder nicht in gleicher Weise
oder nicht zur gleichen Zeit eingetreten wäre. Für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs ist nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder
unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende
Ereignis zusammen mit anderen Faktoren für die Schädigung verantwortlich ist, der
Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die
eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen
dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater
Kausalzusammenhang besteht. Bei organischen Unfallfolgen ist die Adäquanz gemäss
Rechtsprechung jedoch nicht gesondert zu prüfen, sondern sie ist in der Regel ohne
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weiteres anzunehmen, wenn die natürliche Kausalität feststeht (vgl. dazu BGE 129 V
181 f. E. 3.1 f.; BGE 118 V 291 f. E. 3a, 117 V 365 E. 5d/bb; ALEXANDRA RUMO-
JUNGO/ANDRÉ PIERRE HOLZER, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum
Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 53 ff.; ULRICH MEYER-BLASER, Kausalitätsfragen aus dem
Gebiet des Sozialversicherungsrechts, in: SZS 1994 S. 99 f. und 104).
1.3 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, [ATSG; SR 830.1]). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten (vgl. UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2015, N 52
ff. zu Art. 43). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Fachperson begründet und
nachvollziehbar sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss
bildet das Datum des streitigen Einspracheentscheids die zeitliche Grenze der
richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. BGE 129 V 169 E. 1; KIESER, a.a.O., N 99 zu
Art. 61). Spätere Arztberichte (und andere einschlägige Dokumente) sind allerdings in
die Beurteilung miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des
Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegebene Situation erlauben (BGE 121 V 366
E. 1b, Urteil des Bundesgerichts vom 30. Oktober 2009, 8C_447/2009 E. 3.5).
2.
Zu klären ist vorerst der Kausalzusammenhang der von der Beschwerdegegnerin über
den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus geltend gemachten Beschwerden mit
den Unfällen vom Mai 2010 und/oder Oktober 2011. Die Beschwerden bezüglich der
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Halswirbelsäule bzw. das diagnostizierte cervicovertebrale Syndrom sind dabei
unbestritten vollständig unfallunabhängig (vgl. UV1-act. 209, S. 19 f., act. G12.2, S. 28).
Ebenfalls unbestritten hat die Beschwerdeführerin durch die Unfälle eine
Quetschverletzung des linken Daumens sowie ein Anpralltrauma des rechten Fusses
mit Kontusion der Ferse und der Achillessehneninsertsregion erlitten und in der Folge
ein CRPS sowie eine Nervenschädigung entwickelt. Umstritten ist jedoch, ob nach dem
18. Juli 2013 noch ein unfallkausaler Gesundheitsschaden vorlag. Die
Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem Einspracheentscheid vom 4. April 2014 in
medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das Gutachten der SMAB vom 16. August
2013 (vgl. UV1-act. 209). Die Beschwerdeführerin spricht diesem die Beweiskraft ab
(vgl. UV1-act. 236, act. G1).
2.1 Die SMAB-Gutachter beurteilten in ihrem Gutachten vom 16. August 2013 das
CRPS als vollständig regredient.
2.1.1 Beim CRPS handelt es sich um eine zusammenfassende Bezeichnung für
Krankheitsbilder, welche die Extremitäten betreffen, sich nach einem schädigenden
Ereignis entwickeln und durch anhaltenden Schmerz mit Störungen des vegetativen
Nervensystems, der Sensibilität und der Motorik gekennzeichnet sind. Das CRPS (auch
sympathische Algodystrophie, Sudeck-Syndrom; früher sympathische
Reflexdystrophie) ist eine Erkrankung der Extremität, die ohne definierte Nervenläsion
nach relativ geringfügigem Trauma ohne Bezug zum Innervationsgebiet eines Nervs
auftritt. Es kommt am häufigsten nach distaler Radiusfraktur bei wiederholten
Repositionsmanövern, einengenden Gipsverbänden oder ohne nachvollziehbare
Ursache vor. Eingeteilt wird es in drei Stadien: I: Entzündungsstadium; II: Dystrophie;
III: Atrophie (irreversibel). Klinische Zeichen bzw. Symptome des CRPS sind schwer
lokalisierbare brennende Schmerzen (z.B. Allodynie, Hyperalgesie) zusammen mit
autonomen (Ödeme, Temperatur- und Schweisssekretionsstörung, eventuell trophische
Störung der Haut, Nagelveränderungen, lokal vermehrtes Haarwachstum), sensiblen
und motorischen Störungen. Im weiteren Verlauf kann es zu Knochenabbau
(Demineralisation), Ankylose und Funktionsverlust kommen. Das CRPS gehört zu den
neurologisch-orthopädisch-traumatologischen Erkrankungen und ist ein organischer
bzw. körperlicher Gesundheitsschaden (Urteil des Bundesgerichts vom 19. Februar
2011, 8C_1021/2010 E. 7 mit weiteren Hinweisen).
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2.1.2 In ihrem Gutachten vom 16. August 2013 stellten die SMAB-Gutachter die
unfallrelevanten Diagnosen Status nach Quetschverletzung des linken Daumens mit
Status nach ossärem Beugesehnenausriss an der Basis der Endphalanx mit
Gelenkbeteiligung im Ansatzbereich des Musculus flexorum digitorum profundus und
Status nach abgelaufenem CRPS sowie eine neurologisch dokumentierte diskrete
Hypästhesie des linken Daumenendgliedes als Folge der Quetschverletzung. Weiter
bestehe ein Status nach Anpralltrauma der rechten Ferse mit Kontusion der Ferse und
der Achillessehneninsertions-Region. Die im MRI beschriebene Bursitis subachillea und
Peritendinitis der Achillessehne habe keinen pathologisch-topographischen Bezug zur
vorgeführten Einschränkung der Steh- und Gehfähigkeit. Ein nach der
Quetschverletzung des linken Daumens interkurrent aufgetretenes CRPS gelte
inzwischen als vollständig regredient. Neurologisch sei eine verbliebene diskrete
Gefühlsempfindung (Hypästhesie) des linken Daumenendgliedes beschrieben worden.
Alle darüber hinausgehenden subjektiv vorgetragenen Beschwerden – einschliesslich
der behaupteten Einschränkung der Beugefähigkeit des Endgliedes – könnten
pathomorphologisch weder klinisch noch bildgebend zugeordnet werden. Sodann
könnten Folgen des Anpralltraumas der rechten Ferse weder klinisch noch bildgebend
ausgemacht werden. Die im MRI beschriebene Bursitis subachillea und die
Peritendinitis der Achillessehne könne nicht als traumaverursacht erklärt werden. Der
Aspekt, dass die Beschwerdeführerin beim Stehen und Gehen den Fersenauftritt
schone und nur den Vorfuss belaste, sei ohne Bezug zum Trauma vom 14. Oktober
2011. Es sei nicht auszuschliessen, dass die im MRI beschriebenen Befunde eine Folge
der funktionellen Fehlbelastung des rechten Fusses seien. Deren Verursachung gründe
rein im Verhalten der Versicherten und nicht auf traumaverursachten
Gewebeschädigungen (UV1-act. 209, S. 20).
2.1.3 Mit Stellungnahme vom 3. Oktober 2013 liess die Beschwerdeführerin
undatierte Fotos einreichen, auf welchen Schwellungen des linken Daumens und des
rechten Fusses erkennbar sind (UV1-act. 223). Die SMAB-Gutachter führten dazu aus,
anlässlich ihrer orthopädischen und neurologischen Untersuchung hätten keine
Schwellungen im Bereich der linken Hand und des rechten Fusses festgestellt werden
können. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass der MRI-beschriebene
Befund einer Bursitis subachillea und einer Peritendinitis der Achillessehne die Folge
einer funktionellen Fehlbelastung des rechten Fusses sein könnten. Das gleiche gelte
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für die linke Hand, wo im MRI vom 17. Juli 2013 wenig Flüssigkeit im MCP I festgestellt
worden sei. Diese Fehlbelastungen gründeten jedoch nicht auf traumaverursachten
Gewebeschädigungen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass diese Fehlbelastungen zu
leichten temporären Schwellungen führen könnten. Ein Zusammenhang mit den
beschriebenen Traumen könne nicht gesehen werden. Im Übrigen kontrastierten die
MRI-Abklärungsbefunde erheblich mit der vorgelegten Fotodokumentation. Die auf der
Fotodokumentation ersichtliche deutliche Schwellung und Hämatomfärbung wäre in
einer MRI-Abklärung nicht zu übersehen gewesen. Es sei darauf hinzuweisen, dass die
Beschwerdeschilderung und der Beschwerdeverlauf der Beschwerdeführerin
ungewöhnlich seien. Die geklagten Beschwerden seien mit objektiven Befunden nicht
erklärbar (UV1-act. 226). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin (vgl. act.
G1) bestritten die SMAB-Ärzte nicht explizit die Authentizität der Fotos, sondern hielten
lediglich fest, sie seien mit den MRI-Aufnahmen nicht vereinbar und liessen sich wohl
einzig mit der Fehlbelastung erklären. Auf den mit der Einsprache vom 2. Dezember
2013 eingereichten, mit 6. bzw. 7. Oktober 2013 datierten Fotos, welche sich lediglich
als schwarz-weiss Kopien bei den Akten finden, lassen sich sodann aus der Sicht eines
medizinischen Laien, abgesehen von einer allenfalls leichten Schwellung des linken
Daumenendgliedes und der rechten Ferse, keine Auffälligkeiten erkennen (UV1-act.
236). Auf den mit der Beschwerde eingereichten Fotos sind ebenfalls (leichte)
Schwellungen und Hautverfärbungen erkennbar (vgl. act. G1.2). Mit der
Beschwerdegegnerin (act. G3) ist der Erklärung der SMAB zu folgen, wonach sich
solche Schwellungen durch nicht unfallbedingte Fehlbelastungen erklären lassen. Im
SMAB-Gutachten vom 13. Mai 2015 wurden erneut keine Schwellungen, Hämatome
oder andere Symptome eines CRPS festgestellt, obwohl die Beschwerdeführerin
gemäss eigenen Angaben vor der Untersuchung eine Strecke von mindestens 500
Metern zu Fuss zurückgelegt hatte (act. G12.2, S. 30). Es erscheint nicht
nachvollziehbar, dass die eingereichten Fotos wie von der Beschwerdeführerin geltend
gemacht dem Normalzustand entsprechen sollen (vgl. act. G1), die Symptome jedoch
bei den beiden letzten SMAB Untersuchungen nicht festgestellt werden konnten. Es ist
damit davon auszugehen, dass die zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung offenbar
noch teilweise auftretenden Schwellungen und Hautauffälligkeiten durch
Fehlbelastungen bedingt sind und kein CRPS mehr vorliegt.
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2.1.4 Die Beschwerdeführerin bringt weiter vor, die Diagnostik eines CRPS sei
höchst anspruchsvoll, komplex und die Abklärung könne sich nicht in einer einmaligen
Untersuchung erschöpfen. Die Begutachtung der SMAB sei überhaupt nicht CRPS
spezifisch durchgeführt worden. Eine Auseinandersetzung mit den sogenannten
“Budapest-Kriterien“, welche für die Diagnostik von zentraler Bedeutung seien, sei dem
Gutachten nicht zu entnehmen. Hingegen sei auf die Bildgebung verwiesen worden,
obwohl diese für die Diagnostik von untergeordneter Bedeutung sei bzw. hauptsächlich
der Differentialdiagnose (Ausschluss anderer Erkrankungen) diene (act. G1). Entgegen
den Ausführungen der Beschwerdeführerin setzten sich die Gutachter mindestens
teilweise mit den “Budapest-Kriterien“ (vgl. dazu http://www.schmerz-nottwil.ch/files/
pdf4/13_CRPS_5.11.pdf, eingesehen am 1. März 2017; auszugsweise eingereicht als
act. G1.4) auseinander. So führten sie aus, es bestünden keine trophischen Störungen
der oberen Extremität, abgesehen von einer symmetrisch mässig ausgeprägten Cubiti
valga bestünden keine weiteren Aspekte eines Hypermobilitätssyndroms. Die
Beweglichkeit in den Armgelenken sei beidseits frei, es bestehe keine erkennbare
muskuläre Atrophie. Die Hauttemperatur beider Beine sei seitengleich. Es bestünden
keine Ödeme und keine trophischen Störungen in den Beinen. Die Beweglichkeit in
allen Gelenken der unteren Extremitäten sei frei (UV1-act. 209, S. 13 f.). Am linken
Daumenendglied bestehe eine diskrete Hypästhesie (UV1-act. 209, S. 19). Sie
folgerten, für die umfangreich geltend gemachten Beschwerden hätten keine adäquat
korrelierenden klinisch-pathologischen Befunde ausfindig gemacht werden können. Für
die subjektiv mitgeteilte schmerzhafte Beugeeinschränkung des Endgliedes des linken
Daumens finde sich weder klinisch noch im MRI eine plausible korrelierende Erklärung.
Für die vorgeführte Minderbelastbarkeit des rechten Fusses und der linken Hand finde
sich keine pathomorphologische Erklärung (UV1-act. 209, S. 16). Obwohl sie die
“Budapest-Kriterien“ nicht konkret erwähnten, kann den Gutachtern damit nicht
vorgeworfen werden, sie hätten sich nicht damit befasst.
2.1.5 Auch weitere aktenkundige medizinische Berichte deuten auf die (vollständige)
Regredienz des CRPS hin. So diagnostizierte Dr. D._ bereits am 18. Mai 2012 einen
Status nach durchgemachter Sudeckkrankheit des linken Handgelenks (vgl. UV2-act.
1) und ging somit davon aus, das CRPS der linken Hand sei (vollständig) regredient. Dr.
G._ diagnostizierte am 3. September 2012 zwar am linken Daumen und rechten Fuss
ein CRPS I, erwähnte jedoch, die geschilderte Symptomatik, die radiologischen
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Verlaufsbefunde des linken Daumens mit zunehmender Osteopenie sowie die
klinischen und elektrographischen Untersuchungsbefunde passten “zu einem
abgelaufenen CRPS an der linken Hand und am rechten Fuss“ (UV1-act. 154). Folglich
ging auch sie von einem regredienten bzw. mindestens gebesserten CRPS aus. Zudem
wies sie darauf hin, dass bei weiterer Behandlung allenfalls eine Besserung möglich sei
(UV1-act. 154). Die Rehaklinik Bellikon erwähnte am 15. Mai 2013 einen Status nach
abgelaufenem CRPS I des linken Daumens sowie ein CRPS I der rechten Ferse (UV1-
act. 194). Weitere im SMAB-Gutachten vom 13. Mai 2015 aufgeführte Arztberichte
stützen gemäss den nachvollziehbaren Ausführungen der Gutachter die Einschätzung,
wonach das CRPS I vollständig regredient sei (vgl. act. G12.2, S. 21 ff.).
2.1.6 Mit Gutachten vom 13. Mai 2015 diagnostizierten die SMAB-Ärzte mit
Auswirkung auf die Arbeitsunfähigkeit nur das unbestrittenermassen unfallabhängige
degenerative HWS-Syndrom (act. G12.2, S. 28). Die aktuelle neurologische
Untersuchung an der linken Hand und dem rechten Fuss verlaufe vollkommen
unauffällig ohne Hinweise für eine Störung der Motorik, Sensibilität und Trophik. Das
HWS-Syndrom führe zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der letzten
beruflichen Tätigkeit als Servicekraft in der Grössenordnung von 20%. Ansonsten sei
die Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit zu 100% gegeben (act. G12.2,
S. 29 f.). Das Gutachten bestätigt damit die frühere medizinische Beurteilung der
SMAB, wonach kein CRPS mehr vorliegt.
2.1.7 Zusammenfassend ist die Diagnose eines CRPS bezüglich der
Quetschverletzung des linken Daumens und des Anpralltraumas der rechten Ferse im
Zeitpunkt der Leistungseinstellung nicht mehr mit dem notwendigen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
2.2 Die SMAB-Gutachter hielten in ihrem Gutachten vom 16. August 2013 ausserdem
die unfallrelevante Diagnose einer neurologisch dokumentierten diskreten Hypästhesie
des linken Daumenendgliedes als Folge der Quetschverletzung vom Mai 2010 fest
(UV1-act. 209, S. 20). Sie beurteilten, aufgrund der persistierenden diskreten
Hypästhesie des linken Daumenendgliedes bestehe ab dem 18. Juli 2013 für die
bisherige Tätigkeit als Serviceangestellte eine Arbeitsfähigkeit von 50%. In einer
angepassten Tätigkeit ohne permanenten Kontakt mit dem linken Daumenendglied und
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ohne Arbeiten, bei denen feinmotorische Bewegungsabläufe der linken Hand im
Vordergrund stünden, seien 100% zumutbar. Die diskrete Hypästhesie im linksseitigen
Daumenendglied entspreche einem Integritätsschaden von 2% (UV-act. 209, S. 21 und
27 f.). Diese, durch die SMAB-Gutachter nachvollziehbar begründete Einschränkung
wurde in der Folge nicht bestritten und liegt der Verfügung vom 30. Oktober 2013
(UV1-act. 227) sowie dem Einspracheentscheid vom 4. April 2014 (UV1-act. 239)
zugrunde. In ihrem Gutachten vom 13. Mai 2015 hielten die SMAB-Gutachter sodann
fest, im Vergleich zur letzten neurologischen Begutachtung vom 18. Juli 2013, wo im
Lokalbefund der linken Hand noch eine Hypästhesie nachweisbar gewesen sei, sei eine
Besserung eingetreten (act. G12.2, S. 29 f.). Sie zweifelten jedoch die frühere Diagnose
einer Hypästhesie des linken Daumenendgliedes als Folge der Quetschverletzung nicht
an. Damit bestand zum massgeblichen Zeitpunkt überwiegend wahrscheinlich eine
unfallkausale Hypästhesie, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkte.
2.3 Hausärztin Dr. med. J._, Innere Medizin FM, erwähnte am 8. Januar 2014 eine
komplexe somatoforme Störung, welche in besonderem Masse das Bewegungssystem
betreffe und zu einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit führe (vgl. UV1-act. 237). Die SMAB-
Gutachter vermuteten bzw. diagnostizierten am 16. August 2013 ebenfalls eine
Somatisierungsstörung (ICD-10: F45.0), verneinten aber eine diesbezügliche
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Gleiches gelte für die Anpassungsstörung mit
längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) (UV1-act. 209, S. 18 f.). Am 13. Mai
2015 beurteilten sie sodann, es liege eine chronische Schmerzstörung mit somatischen
und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41) sowie Angst und depressive Störung,
gemischt (ICD-10: F45.41) vor, welche sich jedoch nicht auf die Arbeitsfähigkeit
auswirkten (act. G12.2, S. 26 ff.). Dr. J._ stellte nur psychiatrische Diagnosen, deren
Unfallkausalität ausser Betracht fällt (vgl. BGE 115 V 133).
2.4 Bei der Würdigung der medizinischen Situation fällt weiter ins Gewicht, dass die
SMAB-Gutachten vom 16. August 2013 und 13. Mai 2015 auf umfassender
Aktenkenntnis sowie polydisziplinären eigenen Untersuchungen beruhen, das gesamte
Leidensbild der Beschwerdeführerin berücksichtigen und die auf dieser Grundlage
gezogenen Schlüsse nachvollziehbar sind. Aus den von der Beschwerdeführerin
vorgebrachten Einwänden ergeben sich zudem keine objektiven Gesichtspunkte,
welche die Gutachter ausser Acht gelassen hätten. Schliesslich wurden auch keine
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zwischen dem SMAB-Gutachten vom 16. August 2013 und dem umstrittenen
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 4. April 2014 (UV1-act. 239)
eingetretenen massgeblichen Veränderungen mit negativen Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit geltend gemacht und solche ergeben sich auch nicht aus den Akten.
Im Gegenteil ergibt sich aus dem SMAB-Gutachten vom 13. Mai 2015 eine seit dem
letzten Gutachten vom 16. August 2013 eingetretene gesundheitliche Verbesserung.
Ein Obergutachten erübrigt sich. Die inzwischen drei Gutachten der SMAB sowie eine
Stellungnahme zur Fotodokumentation sind umfassend und setzen sich auch mit dem
Verlauf des Gesundheitszustandes auseinander. Es kann darauf abgestellt werden.
2.5 Damit ist mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Leistungseinstellung unter Berücksichtigung der
unfallkausalen Hypästhesie des linken Daumenendglieds in einer adaptierten Tätigkeit
zu 100% arbeitsfähig war. Hinsichtlich der weiteren von der Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden ist eine unfallbedingt erklärbare Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der Leistungseinstellung nicht mit dem notwendigen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin ist überwiegend wahrscheinlich seit 18. Juli 2013 für eine
adaptierte Tätigkeit wieder zu 100% arbeitsfähig und es kann durch weitere
medizinische Behandlung nicht mehr mit einer namhaften Verbesserung des
Gesundheitszustandes gerechnet werden. Die Beschwerdegegnerin hat damit zurecht
die Rentenfrage geprüft (vgl. Art. 19 Abs. 1 UVG).
3.2 Ein zentrales Element der Bemessung des zumutbaren Invalideneinkommens - und
damit indirekt des Invaliditätsgrads - ist in aller Regel der Grad der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit. Ausgehend von einer 100%igen Arbeitstätigkeit in der angestammten
Tätigkeit als Hilfsarbeiterin (Servicemitarbeiterin) im Validenfall und einer
Arbeitsfähigkeit von 100% für eine adaptierte Hilfsarbeitertätigkeit im Invalidenfall
erübrigt sich die Vornahme eines konkreten Einkommensvergleichs, da – vor dem
Hintergrund dessen, dass die Beschwerdeführerin stets unterdurchschnittlich verdient
hat (vgl. UV1-act. 103) und vorliegend keine Gründe für einen Leidensabzug ersichtlich
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sind – offensichtlich kein rentenbegründender Mindestinvaliditätsgrad von 10%
resultiert. Die Beschwerdegegnerin hat damit einen Rentenanspruch zu Recht verneint.
3.3 Mit Gutachten vom 16. August 2013 schätzten die SMAB-Gutachter den
Integritätsschaden aufgrund der damals noch festgestellten diskreten Hypästhesie des
linken Daumenendglieds nachvollziehbar auf 2% (UV1-act. 209). Eine höhere
Integritätsentschädigung rechtfertigt sich mangels weiterer unfallkausaler Restfolgen
nicht. Da gemäss Anhang 3 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR
832.202) Integritätsschäden unter 5% keinen Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung auslösen, ist die Verneinung eines entsprechenden
Anspruchs nicht zu beanstanden.
4.
4.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde vollumfänglich
abzuweisen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Als Versicherungsträger hat die obsiegende Beschwerdegegnerin
praxisgemäss keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung, soweit - wie vorliegend -
die Prozessführung der Gegenpartei nicht als mutwillig oder leichtsinnig zu bezeichnen
ist (vgl. KIESER, a.a.O., N 199 zu Art. 61).