Decision ID: 399b2f9b-8525-40f1-9078-dd0b9f924474
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
D
ie 1987 geborene
X._
wurde
erstmals am 9.
April 1996
unter Hinweis auf eine schwere Sprachstörung
bei der Invalidenversicherung
zum Bezug von Leistungen für Minderjährige
angemeldet
(Urk.
9/3)
. Die
Eidgenössische
Invali
den
versicherung
,
IV-Stelle Bern,
übernahm die Kosten für
Sonderschulm
ass
nahmen
(
Legastheniebehandlung
)
vom 1. Januar 1996 bis 31. Dezember 1997
(Urk.
9/7)
.
Am 23.
Oktober 2002
erfolgte eine weitere Anmeldung bei der Invali
d
en
versicherung
unter Ang
abe einer Lernbehinderung (Urk.
9/8).
Die IV-Stelle Bern sprach der Versicherten
mit Verfügungen vom 5. Dezember
2002 und 24. März
2003
berufl
iche Massnahmen zu (Urk. 9/16 und Urk. 9/19).
Vom 1. August
2003 bis 31.
Juli
2005 absolvierte die
Versicherte
als erstmalige beruf
liche Ausbildung eine
Anlehre
im Bereich Garten im geschützten
Rahmen
(Urk. 9/18 und Urk. 9/25
).
Mit Verfügung vom 25.
August 2005 sprach die IV-Stelle
Bern der Versicherten
ab 1. August 2005
be
i einem Invaliditätsgrad von
93
% eine ausserordentliche ganze Rente
der Invalidenversicherung
zu (Urk.
9
/31).
Vom 1. August 2005 bis zum 31. Mai 2006 arbeitete
die Versicherte
als Hilfs
gärtnerin in der Gärtnere
i
A._
(Urk. 9/41). Die IV-Stelle Bern vermittelte ihr sodann eine Arbeitsstelle als Ba
ckstubenge
hilfin (Urk. 9/36).
Im Rahmen einer im April 2006 eingeleiteten Rentenrevision setzte die IV-S
telle Bern mit Ver
fügung vom 2.
Oktober 2006 die bisherige ganze Rente der Versicherten be
i einem Invaliditätsgrad von 61
% auf ein
e
Dreiviertelsrente
herab (Urk.
9/40).
Vom 1.
März 2008 bis
31.
Oktober 2008
versah
die Versicherte eine Saison-Stelle
bei der Gärtnerei
A._
(Urk. 9/49).
Vom 3. November 2008 bis 28. Februar 2009 bezog sie Arbeitslosentaggelder (Urk. 9/55).
Nach einer im März 2008 ein
geleiteten Rentenrevision teilte
die IV-Stelle Bern
der Versicherten am 1.
Mai 2009 eine unverä
nderte Invalidenrente mit (Urk.
9/56).
V
om
1. Dezember 2010
bis 31.
Mai 2011
arbeitete
die Versicherte
bei der
B._
AG
in einem 100
%-Pensum, wobei sie das Arbeitsverhältnis selbst kündigte
(Urk. 9/57 und Urk. 9/58).
Vom
1.
bis 30.
Juni 2011
war sie bei
der
B._
AG
als Callcenter Sales Agentin
tätig
(Urk.
9/57 und Urk.
9/60).
Im Rahmen einer im September 2011 eingeleiteten Rentenrevision hob die IV-Stelle Bern die Rente der Ver
sicherten mit Verfügung vom 13.
Dezember 2011 be
i einem Invaliditätsgrad von 13
% auf Ende des der Zustel
lung folgenden Monats auf (Urk.
9/68). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 21. November 2014
meldete sich
die Versicherte
unter Hinweis auf eine Anorexia
nervosa
erneut
zum Leistungsbezug an (Urk.
9/71).
Die
zufolge
Wohn
sitznahme
der Versicherten im Kanton Zürich neu zuständige
IV-Stelle
Zürich
tätigte medizinis
che und
erwerbliche Abklärungen. Am 14.
Juli 2017 erteilte sie
der Versicherten Kostengutsprache
für
eine Potenzialabklärung
in der
C._
(
Urk.
9/
116). Am 12.
September 2017 teilte sie der Versicherten mit, dass beruf
liche Massnahmen zu
rzeit nicht möglich seien (Urk.
9/129).
Nach Einholung medizinischer Berichte (Urk. 9/136 und Urk. 9/139)
forderte
die IV-Stelle Zürich d
i
e
Versicherte
m
it Schreiben vom 22.
Januar 2018
dazu
auf
,
in einem Zeitraum von sechs Monaten
eine intensive ambulante Therapie für Ess
störungen
oder eine stationäre störungsspezifische Behandlung
durchzuführen
,
und wies darauf hin, dass ein allfälliger Leistungsanspruch abgelehnt oder ge
kürzt werden könne, wenn
s
ie sich der
Behandlung
nicht unterziehe
. Wenn sie bis am 19
.
Februar 2018 nicht mitgeteilt habe,
bei welchem Arzt sie die Behand
lung durchführe, werde aufgrund der Akten entschieden oder ein Nichteintreten verfügt
(Urk. 9/142). Die Beschwerdeführerin teilte der IV-Stelle
Zürich
am 12.
Febru
ar 2018
telefonisch
mit, dass sie die
auferlegte
Therapie
nicht
durch
führen
werde (Urk.
9/144).
Mit Vorbescheid vom 14. Februar 2017 stellte die IV-
Stelle der Versicherten die Abweisung des Rentengesuchs in Aussicht (Urk. 9/147
). Dagegen erhob diese am 22. März 2018 vorsorglich und am 8. Mai 2018 be
gründet Einwand, wobei sie beantragte, der Vorbescheid sei aufzuheben, die Ver
fügung der IV-Stelle Bern vom 13. Dezember 2011 sei wiedererwägungsweise auf
zuheben und es sei ihr rückwirkend eine Rente der Invalidenversicherung auszurichten (Urk. 7/150 und Urk. 7/156). Mit Verfügung vom 7. Juni 2018 wies die IV-Stelle das Rentengesuch der Versicherten ab (Urk. 9/159 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch die sozialen Dienste der Stadt
Y._
,
am 5. Juli 2018
Beschwerde und beantragte, die angefochtene Ver
fügung sei aufzuheben
, d
ie Verfü
gung der IV-Stelle Bern vom 13.
November 2011
sei wiedererwägungsweise aufzuheben und es sei ihr rückwirkend eine Invaliden
rente zuzusprechen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung (Urk. 1 S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
August 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Be
schwer
de (Urk.
8), was der Beschwerd
eführerin mit Verfügung vom 31.
Aug
ust 2018 mitgeteilt wurde (Urk.
10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Intelligenzminderungen werden nach dem heute zur Anwendung gelangenden
Klassifikationssystem ICD-10 in leichte (Intelligenzquotient [IQ] 69 bis 50), mitt
el
gradige (IQ 49 bis 35), schwere (IQ 34 bis 20) und schwerste (IQ weniger als 20) Fälle eingeteilt (ICD-10 F.70 bis F.73
)
. Nach konstanter Rechtsprechung wird heute bei einem IQ von 70 und mehr ein invalidenversicherungsrechtlich mass
geblich
er Gesundheitsschaden verneint
. Demgegenüber führt ein IQ unterhalb dieses Werts in der Regel zu einer im vorliegenden Kontext relevanten vermin
derten Arbeitsfähigkeit. Auch
diesfalls
ist jedoch stets eine objektive Beschrei
bung der Auswirkungen der festgestellten Intelligenzminderung der versicherten Person auf ihr Verhalten, die berufliche Tätigkeit, die normalen Verrichtungen des täglichen Lebens und das soziale Umfeld erforderlich. Zudem kommt es nicht
nur auf die Höhe des IQ an, sondern ist immer der Gesamtheit der gesund
heitlichen Beeinträchtigungen Rechnung zu tragen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2018 vom 11. Februar 2019 E. 5.2 mit zahlreichen Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.
5
Wurde eine Rente
,
wegen eines zu geringen verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
eine neue Anmeldung nur
geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind
. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.6
Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Überprüfung gebildet haben, zurück
kommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (sogenannte Wiedererwägung; Art. 53 Abs. 2 und 3 ATSG; BGE 144 I 103 E. 2.2, 141 V 405 E. 5.2, 138 V 147 E. 2.1 mit Hinweis).
Gemäss
Art. 53 Abs. 2 ATSG
«kann»
der Versicherungsträger wiedererwägen, muss aber nicht. Ob er eine Verfügung in Wiedererwägung zieht, liegt in seinem Ermessen. Er kann hierzu weder von der betroffenen Person noch vom Gericht verhalten werden. Es besteht mithin kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Wiedererwägung. Auf eine Beschwerde gegen ein Nichteintreten auf ein Wieder
erwägungsgesuch kann das Gericht nicht eintreten (BGE 133 V 50 E. 4.2.1, 119 V 475 E. 1b/cc mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_210/2017 vom 22. August 2017 E. 8.2 mit weiteren Hinweisen).
1.7
1.7.1
Sowohl das Verfahren vor dem Versicherungsträger wie auch der kantonale Sozial
versicherungsprozess werden vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 43 Abs. 1 und Art. 61 lit. c ATSG
).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsgerichts (oder der verfügenden Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein. Im Sozialver
sicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE
138 V 218 E. 6 mit Hinweisen.
1.7.2
Im Rahmen der Abklärung durch den Versicherungsträger sieht Art. 43 Abs. 3 ATSG
Folgendes vor
: «
Kommen die versicherte Person oder andere Personen, die Leistungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unent
schuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hin
weisen; ihnen ist eine angeme
ssene Bedenkzeit
einzuräumen.»
1.8
1.8.1
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vorzu
kehren hat, um die Folgen ihrer Invalidi
tät bestmöglich zu mildern (BGE
113 V 28 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der Schadenmin
de
rungs
pflicht
(vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b
), wobei jedoch vom Versicherten nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumut
bar sind (BGE 113 V 22 E. 4a S. 28 mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung; ZAK 1989 S. 214 E. 1c). Als Ausdruck der allgemeinen Schadenminderungspflicht geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur Selbsteingliederung zu unterneh
men, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Eingliederungs
an
sp
ruch vor (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2017 vom 19. September 2017 E.
5.2
mit weiterem Hinweis).
1.8.2
Gemäss Art. 7 IVG muss die versicherte Person alles ihr Zumutbare unternehmen, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu ver
ringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern (Abs. 1). Die versicherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhaltung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufgabenbereich) dienen, aktiv teilnehmen (Abs. 2).
Dies sind insbesondere medizinisch
e Behand
lungen nach Art. 25 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (Art. 7 Abs. 2 lit. d
IVG). Als zumutbar gilt jede Massnahme, die der Eingliederung der versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Gesund
heits
zustand nicht angemessen sind (Art. 7a IVG). Die Leistungen können nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die
versicherte Person
den Pflichten nach Art. 7 IVG
oder nach Art. 43 Abs. 2 ATSG
n
icht nachge
kommen ist (Art.
7b Abs. 1 IVG). Beim Entscheid über die Kürzung oder Ver
weigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (Art.
7b Abs. 3 IVG).
1.8.3
Art. 21 Abs. 4 ATSG bestimmt Folgendes:
«
Entzieht oder widersetzt sich eine versicherte Person einer zumutbaren Behandlung
oder Eingliederung ins Erwerbs
leben, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbsmöglichkeit verspricht, oder trägt sie nicht aus eigenem Antrieb
das
ihr Zumutbare dazu bei, so können ihr die Leistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt oder verweigert werden. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechtsfolgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene
Bedenkzeit einzuräu
men. Behandlungs- oder Eingliederungsmassnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, sind nicht
zumutbar.
»
1.9
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angef
ochtenen Entscheid erwog die
IV-Stelle,
die Prüfung des medizinischen Sachverhaltes habe ergeben, dass sich die gesundheitliche Situation der Be
schwer
deführerin mit einer intensiven ambulanten störungsspezifischen Therapie wesentlich verbessern würde. Diese Behandlung sei ihr als Schadenminde
rungs
pflicht auferlegt worden. Die Beschwerdeführerin sei ihrer Mitwirkungspflicht nicht nachgekommen. Eine Anspruchsprüfung könne
bei
der
jetzigen Ausgangs
lage nicht durchgeführt werden.
Zu den Anträgen und Ausführungen der Be
schwerdeführerin im Einwand vom 8. Mai 2018 (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.2) hielt die Beschwerdegegnerin fest, es scheine nicht nachvollziehbar, warum
die Ver
fügung aus dem Jahr 2011 aufgehoben werden solle. Die Beschwerdeführerin sei damals in der Lage gewesen, eine Tätigkeit in der freien Wirtschaft aufzunehmen. Eine rückwirkende
Zusprache
, sieben Jahre nach Einstellung der Rente, scheine daher nicht angezeigt. Zudem hätte zeitnah des Stellenverlustes ein Zusat
zgesuch erfolgen müssen
.
Im Schlussbericht der Potentialabklärung werde ersichtlich, dass eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt vorerst nicht angezeigt gewesen sei. Es werde aber auch erwähnt, dass die Beschwerdeführerin über berufliche Resso
urcen wie eine rasche Auffassungsgabe und praktische Fähigkeiten verfüge. Aus keinem Dokument lasse sich erkennen, dass die Intelligenzminderung ausschlag
gebend sei für ihre jetzigen Einschränkungen. Vielmehr liessen sich diese auf ihre Essstörungen zurückführen. Sie – die Beschwerdegegnerin – gehe daher nach wie vor davon aus, dass durch eine Therapie eine Besserung zu erwarten wäre und
der Gesundheitszustand zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschliessend beurteilt werden könne.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber – wörtlich gleich wie im Einwand vom 8. Mai 2018 (Urk. 9/156) – geltend, sie sei, entgegen der
Feststellung in der rentenaufhebenden Verfügung der IV-Stelle Bern vom 13. Dezember 2011,
auf
grund ihres geringen Potentials von 70
nicht in der Lage, über einen längeren Zeit
raum den Anforderungen im ersten Arbeitsmarkt gerecht zu werden. Diese
Verfügung sei daher offensichtlich falsch und müsse deswegen wiedererwä
gungs
weise aufgehoben werden. Es sei ihr als Frühinvalide wieder eine Invaliden
rente zuzusprechen. Soweit aufgrund der diagnostizierten Anorexie/Bulimie zu
min
dest vorübergehend wieder eine zusätzliche Verschlechterung des Gesund
heits
zu
stan
des eingetreten sei und der Rentenanspruch aufgrund der Nichtbe
folgung der Schadenminderung verneint werde, sei festzuhalten, dass sie
auf
grund ihrer flui
den Intelligenz von 70 nicht in der Lage
sei
, in einer Psychotherapie ihre Hand
lungen und Fähigkeiten zu reflektieren. Das Ziel der Massnahme könne aufgrund des vorhandenen Potentials nicht erreicht werden
. Wenn einer Massnahme jedoch jeglicher Zweck entgehe, so bleibe die Nichtbefolgung ohne negative Folgen und dürfe in der Konsequenz nicht berücksichtigt werden (Urk. 1).
2.3
In ihrer Vernehmlassung vom 30. August 2018 hielt die Beschwerdegegnerin ergänzend fest, dass eine Verschlechterung zur letztmaligen rechtskräftigen Beur
teilung im Jahr 2011 aufgrund fehlender Mitwirkung der Beschwerdeführerin nicht ausgewiesen sei. Die Folgen der Beweislosigkeit trage die Beschwerde
füh
rerin. Entgegen den Ausführungen vermöchten die vorliegenden Akten aber auch keinen rentenbegründenden Gesundheitsschaden auszuweisen. Mit Schreiben vom 25. Oktober 2017 habe die behandelnde Ärztin der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsfähigkeit attestiert (Urk. 8).
3.
Zu den Anträgen der Beschwerdeführerin auf wiedererwägungsweise Aufhebung der (rechtskräftigen) Verfügung vom 13. Dezember 2011 und auf rückwirkende
Zusprache
einer Rente ist zu bemerken, dass sich die Beschwerdegegnerin in den Erwägungen der angefochtenen Verfügung gegen eine Wiedererwägung der be
sag
ten Verfügung vom 13. Dezember 2011 ausgesprochen hat, wobei sie dies lediglich äusserst summarisch begründete (Urk. 2, vgl. E. 2.1). Es liegt demnach ein gerichtlich nicht anfechtbarer Ermessensentscheid vor, weshalb insoweit auf die Beschwerde nicht einzutreten ist (vgl. E. 1.6; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_432/2018 vom 3. September 2018 E. 3).
Gründe für eine prozessuale Revision der Verfügung vom 13. Dezember 2011 gestützt auf Art. 53 Abs. 1 ATSG machte die Beschwerdeführerin nicht geltend.
Aufgrund der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 21. November 2014 (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.2) fällt vorliegend die
Zusprache
von Rentenleistungen (frühestens) ab Mai 2015 in Betracht. Soweit die Beschwerdeführerin für die Zeit davor eine Rente beantragt, ist die Beschwerde daher abzuweisen.
4
.
4
.1
Dr.
D._
, Fachärztin FMH für Innere Medizin, nannte in ihrem Bericht vom 17. Januar 2015 zuhanden der IV-Stelle
als
Diag
nose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
Bulimia
nervosa
, Status nach Anorexia
nervosa
mit
Laxantienabusus
(E
rstdiagnose
2004).
Sie führte aus
, die Krankheit bestehe bereits seit mehr als zehn Jahren, daher sei leider von einer zunehmenden
Chronifizierung
auszugehen. Seit Januar 2015 habe die Beschwer
deführerin leider sämtliche ambulanten Therapien wie hausärztliche Betreuung, Psychologin und Ernährungsberatung bei fehlender Krankheitseinsicht abgebro
chen. Eine regelmässige psychologisch psychiatrische Begleitung
wäre
wün
schens
wert.
Schwere körperliche Tätigkeiten seien aktuell nicht möglich, leichte körperliche Tätigkeiten seien gut zumutbar. Geistige und psychische Einschrän
kungen bestünden am Arbeitsplatz aktuell keine
. Vom 3. Juni 2014 bis zum 3. Juli 2014 und vom 9. Oktober 2014 bis zum 31. Januar 2015 sei sie zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Ab dem 1. Februar 2015 sei sie zu 100 % arbeitsfähig
(Urk. 9/91
; vgl. auch Urk. 9/100-101
).
4
.2
E._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
und L
eitende Ärztin der
K
linik
F._
,
und
G._
, Dipl. Psych. FH,
nannte
n
in ihrem Bericht vom 9. Februar 2015
zuhan
den der IV-Stelle
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfäh
igkeit eine
Bulimia
nervosa
,
und
einen
Status nach Anorexia
nervosa
(ICD-10 F50.2
)
mit
Laxan
tienabusus
, seit ca. 2004
,
und einen Status nach
P
o
lytoxikomanie
. Die Beschwer
deführerin habe letztmals am 15.
Januar 2015 einen Termin wahrgenommen. Sie wünsche aktuell keine Be
ha
ndlung mehr. Sie strebe eine volle Arbeitsfähigkeit an und befinde sich aktuell im Bewerbungsprozess.
Die längerfristige Wiederein
gliederung in den Arbeitsprozess ohne psychiatrisch-psychotherapeutische Be
hand
lung sei schwierig. Sie lehne eine Behandlung mit Psychopharmaka ab, auch wenn sie während des stationären Aufenthaltes gut darauf angesprochen habe. Eine stationäre psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei klar indiziert. Die Beschwerdeführerin lehne aktuell aber jegliche Behandlung ab. Per Februar 2015 sei sie zu 50 % arbeitsfähig für eine Tätigkeit ohne schwere körperliche Belastung (Urk. 9/98).
4.3
Im «Schlussbericht Potenzialerhebung» der
C._
vom 18. September 2017 wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin in den ersten zweieinhalb Wochen eine
Präsenzzeit von drei Stunden und während der restlichen Poten
tialerhebung ein Pensum von vier Stunden pro Tag geleistet habe. Damit sei sie an ihre aktuelle Belastungsgrenze gekommen, was sich durch eine Zunahme des Gedankenkreisens, der Schmerzen und der Erschöpfungsgefühle gezeigt habe. Die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aufgrund ihrer aktuell eingeschränkten Belastbarkeit wie auch der beschriebenen Symptomatik (akute Krise, reduzierte Gefühlswahrnehmung, Selbstreflexionsfähigkeit und Selbstfür
sorge) beeinträchtigt. Eine Integration in den 1. Arbeitsmarkt sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich (Urk. 9/131/5).
4.4
Dr.
D._
führte in ihrem Bericht vom 4. Oktober 2017 zuhanden der IV-Stelle aus,
es
erfolgten aktuell regelmässige Kontrollen in der haus
ärzt
lichen Sprechstunde. Daneben habe die Beschwerdeführerin eine ambulante Psy
chotherapie am Zentrum für Essstörungen des Unispitals
H._
begonnen
.
In der Tätigkeit als Gärtnerin sei die Beschwerdeführerin vom 19. Juni
2017 bis 1.
Okto
ber 2017 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Sie erachte die Beschwerde
führerin auch weiterhin als zu 50 % arbeitsunfähig. Sie leide unter Konzentrations
störungen. Aufgrund ihres Untergewichts sei sie auch in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt (Urk. 9/136).
4.5
Im Bericht des Universitätsspitals
H._
, Klinik für Psychiatrie und Psycho
therapie, Zentrum für Essstörungen, vom 28. August 2017 wurde die Diagnose einer Essstörung mit
anorektischen
und
bulimischen
Elementen, aktuell restrik
tives Essverhalten (ICD-10: F50.9) genannt. Es wurde ausgeführt, die medi
zi
ni
sche Indikation für eine störungsspezifische stationäre Behandlung sei gegeben, die Motivation der Beschwerdeführerin jedoch
nicht. Die Beschwerdeführerin wolle zuerst im ambulanten Setting eine Einzeltherapie durchführen (Urk. 9/139).
4.6
Dr.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD hielt in ihrer Stellungnahme vom 19. Januar 2018 fest, die Beschwer
deführerin sollte zunächst eine intensive störungsspezifische (Essstörungen) Therapie mit mindestens wöchentlichen Therapiesitzungen durchführen. Nach sechs Monaten solle dann der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin neu beurteilt werden. Alternativ könnte natürlich eine stationäre Behandlung durch
geführt werden, welche die Beschwerdeführerin jedoch aktuell ablehne. Die störungs
spezifische Therapie könne der Beschwerdeführerin als Schadenminde
rungs
pflicht auferlegt werden (Urk. 9/146/4).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom 21. November 2014 eingetreten. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerde
gegnerin einen (erneuten) Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat.
5.2
Bezüglich des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ist den vorliegenden Arztberichten – einzig – zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin seit ca. 2004 unter einer Essstörung mit
anorektischen
und
bulimischen
Elementen leidet und dass sie – nach einer Exazerbation der Symptomatik im Sommer 2014 – vom 9. Oktober bis 11. Dezember 2014 in der
Klinik
F._
hospitalisiert war. Laut der Hausärztin, Dr.
D._
, ging es der Beschwerdeführerin nach dem Aufenthalt in der
Klinik
F._
deutlich besser und war sie ab April 2015 wieder zu 100 % arbeitsfähig. «Ca. im Frühling 2017» sei es aber erneut zu einer Exazerbation der Essstörung gekommen, es bestünden ein stark restriktives Essverhalten, teilweise Essattacken, häufiges Erbrechen und
Laxantien
-Abusus (Urk. 9/101 und Urk. 9/136/1-2). Im ärztlichem Zeugnis vom 25. Oktober 2017 bescheinigte Dr.
D._
der Be
schwer
deführerin – wieder – eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/149).
Dass – wie die Beschwerdeführerin vorbrachte (vgl. E. 2.2) - eine Intelligenz
minderung besteht, wird in den beigezogenen Arztberichten nicht erwähnt. Dem «Schlussbericht Potenzialerhebung» der
C._
vom 18. September 2017 ist jedoch zu entnehmen, dass anlässlich der Potenzialerhebung vom 14. August bis 8. September 2018 – nebst anderen Tests – der Intelligenzstrukturtest 2000 R CH – (Standard A) durchführt wurde, wobei dieser offenbar bezüglich des schluss
folgernden Denkens einen Wert von 70, bezüglich des Wissens einen Wert von 78 und bezüglich der Merkfähigkeit der Beschwerdeführerin einen Wert von 74 ergab (Urk. 9/131/2). Angaben zum Gesamt-IQ-Wert wurden im genannten Be
richt nicht gemacht. Es wurde lediglich festgehalten, dass die Beschwerdeführerin allgemein reduzierte resp. tiefe Werte erzielt habe, was einerseits mit ihrer aktuellen Krise und andererseits mit der Beschulung zusammenhängen könnte (Urk. 9/131/2 und Urk. 9/131/4). Diese Angaben der Berufsfachleute der
C._
lassen – entgegen der von der Beschwerdeführerin offenbar vertretenen Auffas
sung - nicht erkennen, dass die Kriterien einer leichten Intelligenzminderung ge
mäss ICD-10 F70 (vgl. E. 1.3) erfüllt sein könnten. Aufgrund der weiteren Feststellungen im besagten Bericht der
C._
sowie angesichts des schulischen und beruflichen Werdeganges der Beschwerdeführerin, der häufigen Stellen
wechsel und der niedrigen Einkommen in den letzten Jahren (vgl. Sachverhalt Ziffer 1.1 und IK-Auszüge vom 5. Dezember 2014 und vom 6. September 2017, Urk. 9/76 und Urk. 9/152) kann bei den im Bericht genannten tiefen IQ-Werten
aber nicht ohne weiteres ausgeschlossen werden, dass Einschränkungen der kog
ni
tiven Ressourcen der Beschwerdeführerin bestehen, welche sich auf ihre Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
auswirk
(t)en.
Zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Verlauf seit dem Austritt aus der
Klinik
F._
bis zur angefochtenen Verfügung hat lediglich Dr.
D._
Stellung genommen; die Fachärzte des
H._
und/oder RAD-Ärztin Dr.
I._
haben dazu keine Angaben gemacht. Dr.
D._
äusserte sich aber nur zu den Auswirkungen der Essstörung auf die Arbeits
fähigkeit. Ausserdem ist sie als Fachärztin für Innere Medizin nicht berufen, die Auswirkungen dieser Störung auf das psychische Zustandsbild zu beurteilen. Sie bat denn in ihrem Bericht vom 4. Oktober 2017 auch ausdrücklich darum, zu ihrer Einschätzung der Arbeitsfähigkeit eine Stellungnahme der behandelnden Psychiater (des Zentrums für Essstörung des
H._
) einzuholen (Urk. 9/136/2). Eine solche liegt jedoch nicht vor.
5.3
5.3.1
Die Argumentation der Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung sowie in der Beschwerdeantwort (vgl. E. 2.1 und E. 2.3) geht aus mehreren Grün
den fehl.
5.3.2
Die Beschwerdegegnerin übersieht dabei zunächst, dass in der Invaliden
ver
si
che
rung die Therapierbarkeit eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegrün
denden Invalidität nicht absolut entgegensteht. Für die Entstehung eines Anspruchs auf eine Rente ist vielmehr immer und einzig vorausgesetzt, dass während eines Jahres (ohne wesentlichen Unterbruch) eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähig
keit (Art. 6 ATSG) bestanden hat (Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) und eine an
spruchsbegründende Erwerbsunfähigkeit weiterhin besteht (Art. 28 Abs. 1 lit. c IVG; vgl. E.
1.4; BGE 143 V 409 E.
4.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_682/2016 vom 16. Februar 2017 E. 3.2).
Die vorliegenden medizinischen Akten lassen
– entgegen dem (neuen) Vorbringen der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort (vgl. E.
2.3) -
eine ab
schliesse
nde Beurteilung der Frage, ob im Mai 2015 (vgl. E. 3) oder im weiteren Verlauf bis zur Verfügung vom 7. Juni 2018 (Urk. 2) die genannten Anspruchs
voraussetzungen für eine Rente erfüllt waren,
– mangels schlüssiger ärztlicher Feststellungen zum Gesundheitszustand sowie zur Arbeitsfähigkeit der Beschwer
de
führerin
im genannten Zeitraum (vgl. E. 5.2) – nicht zu. Aufgrund des Unter
suchungsgrundsatzes (vgl. E. 1.7.1) wäre die Beschwerdegegnerin daher gehalten gewesen, ergänzende medizinische Abklärungen zu tätigen. Die Weigerung der Beschwerdeführerin, sich der mit Schreiben vom 22. Januar 2018 angeordneten
Behandlung zu unterziehen, ändert daran aufgrund der nachfolgenden Erwä
gungen nichts.
5.4
5.4.1
Unter dem Titel Mitwirkungspflicht kann im Abklärungsverfahren eine Behand
lung angeordnet werden, wenn dies zur schlüssigen Beurteilung der Frage, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, erforderlich erscheint. So bejahte die
bisherige
(mit BGE 145 V 215 geänderte)
Rechtsprechung zu den primären Suchterkrankungen grundsätzlich die Möglichkeit der Anordnung einer Entzugs
be
handlung unter dem Titel der Abklärungsmassnahme
,
wo es darum ging, die erwerblichen Auswirkungen einer - invaliditätsfremden - primären Abhängigkeit von denjenigen eines invalidisierenden Gesundheitsschadens abzugrenzen (
Urteil des Bundesgerichts 9C_370/2013 vom 22. November 2013 E. 4.2;
vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9C_
309/2019 vom 7. November 2013 E.
4.2
.2, worin das Bundes
gericht unter Hinweis darauf, dass n
ach geänderter
Rechtsprechung [BGE 145 V 215]
auch primäre Abhängigkeiten von psychotropen Substanzen als - potenziell - invalidisierende Gesundheits
schäden abzuklären seien, feststellte, dass wie bei
den sekundären Suchtgeschehen neu auch bei primären Abhängigkeits
syndro
m
en die Anordnung einer Entzugsbehandlung im Vorfeld einer Begutachtung unter dem Titel der Mitwirkungspflicht im Abk
lärungsverfahren nicht
statthaft
sei)
.
Solche Abgrenzungsfragen stellen sich aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten nicht. Auch sonst ist nicht ersichtlich, weshalb für die Abklärung des Rentenanspruchs der Beschwerdeführerin eine vorgängige Behandlung erforder
lich sein soll (vgl. E. 5.3.2 Absatz 1). Soweit die Anordnung der Behandlung unter dem Titel der Mitwirkungspflicht erfolgte, erweist sie sich somit als nicht statt
haft. Eine Verletzung der Mitwirkungspflicht ist der Beschwerdeführerin demnach nicht vorzuwerfen.
5.4.2
Als Behandlungsmassnahme darf eine Therapie – sofern im konkreten Fall zu
mutbar – grundsätzlich jederzeit zur Schadenminderung angeordnet werden. Eine Verletzung von Schadenminderungspflichten berechtigt die Verwaltung jedoch nicht zum Nichteintreten auf das Leistungsersuchen oder zu einem Entscheid in der Sache auf Grund der Akten trotz ungenügend abgeklärten Sachverhalt im Sinne von Art. 43 Abs. 3 ATSG (vgl. E. 1.7.2), sondern allenfalls zur Kürzung oder Verweigerung von Leistungen (Art. 7 Abs. 1 sowie Abs. 1 lit. d IVG in Ver
bindung mit Art. 21 Abs. 4 ATSG, vgl. E. 1.8.2-3; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_309/2019 vom 7. November 2019 E. 4.2.2). Letzteres (Kürzung oder Verwei
ge
rung von Leistungen) im Sinne dieser Bestimmungen fällt allerdings (schon rein begrifflich) erst dann in Betracht, wenn feststeht, dass eine anspruchs
be
gründende Arbeitsunfähigkeit vorliegt. Dies ist vorliegend nach dem Gesagten
nicht der Fall. Ausserdem hätte – wie eingangs dargelegt – die Festlegung einer Sanktion im Sinne von Art. 21 Abs. 4 ATSG aufgrund aller Fallumstände, insbesondere auch des Verschuldens, zu erfolgen, und sie hätte auch das Gebot der Verhältnismässigkeit, namentlich die Relation zur günstigen Wirkung der streitbetroffenen Massnahme zu wahren (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_865/2017 vom 19. Oktober 2018 E. 3.2, E. 3.3 und E. 5.2.2). Diese Punkte sind vorliegend jedoch allesamt ungeklärt.
5.4.3
Die Beschwerdegegnerin hätte demnach das Rentenbegehren der Beschwerde
führerin trotz ihrer Weigerung, sich der angeordneten Behandlung zu unter
ziehen, nicht ohne weiteres abweisen dürfen.
5.5
Es ergibt sich somit, dass die Beschwerdegegnerin den medizinischen Sachverhalt ungenügend abgeklärt hat. Die Verfügung vom 7. Juni 2018 ist daher aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie unter Berücksichtigung der Erwägungen den Gesundheitszustand (inklusive dessen Behandelbarkeit) sowie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin fachärztlich (jedenfalls psychiatrisch und neuropsychologisch, falls nach Auffassung des RAD resp. der begutachtenden Arztperson[en] notwendig, auch in weiteren Fachdis
ziplinen) umfassend abkläre und, je nach dem Ergebnis dieser Abklärungen, den Sachverhalt auch in beruflich/erwerblicher Hinsicht ergänze. Danach hat sie über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Im Übrigen ist sie abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist (vgl. E. 3).
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin stellte ein Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Urk. 1). Vorliegend sind die Voraussetzungen gemäss § 16 Abs. 1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt (vgl. Urk. 6), weshalb dem Gesuch der Beschwerdeführerin zu entsprechen ist. Sie ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlu
ng der ihr
erlassenen Gerichtskosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.
6.2
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen, wobei der auf die Beschwerdeführerin entfallende Kostenanteil jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
ist
.