Decision ID: 67a3b8c0-0f3c-4fb6-bc31-c2870972d29a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich im September 2003 zur beruflichen Eingliederung an (IV-act. 1).
Er gab an, er habe eine Anlehre zum Z._ absolviert. Zuletzt habe er als „Angestellter“
gearbeitet. Die ehemalige Arbeitgeberin berichtete im Oktober 2003, dass der
Versicherte als Monteur angestellt gewesen sei; der Jahreslohn habe sich (im Jahr
2001) auf 54’600 Franken belaufen (IV-act. 6). Der Rheumatologe Dr. med. B._ hatte
im September 2002 festgehalten, dass der Versicherte an einem chronischen lumbo-
spondylogenen Syndrom bei einer ausgeprägten Spondylarthrose und
Discusprotrusion L5/S1 mit einer Beeinträchtigung der Nervenwurzel L5 rechts und
einer mässigen Spondylarthrose L4/5 leide (IV-act. 11–6). Der Allgemeinmediziner Dr.
med. C._ berichtete im November 2003 (IV-act. 11–3 ff.), dem Versicherten könnten
leichte Tätigkeiten zu 50 Prozent zugemutet werden. Bald werde der Versicherte wieder
eine normale Arbeitswoche bewältigen können. Der Allgemeinmediziner Dr. med. D._
teilte der IV-Stelle im November 2003 mit (IV-act. 15), er habe den Versicherten im Juni
2001 zum letzten Mal gesehen. Im Oktober 2002 sei eine kardiologische Abklärung
durchgeführt worden. Die Kardiologin Dr. med. E._ habe eine essentielle arterielle
Hypertonie, eine Hyperlipidämie, ein psychosomatisches Krankheitsbild und ein
lumbovertebrales Schmerzsyndrom diagnostiziert. Im Januar 2004 notierte Dr. med.
F._ vom IV-internen regionalen ärztlichen Dienst (RAD), für eine adaptierte Tätigkeit
könne von einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 50 Prozent ausgegangen werden (IV-act.
17). Die Klinik für orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen berichtete im
Juli 2004, dem Beschwerdeführer seien adaptierte Tätigkeiten uneingeschränkt
zumutbar (IV-act. 25). Mit einer Verfügung vom 12. August 2004 wies die IV-Stelle das
Begehren des Versicherten um berufliche Massnahmen mit der Begründung ab, er
könne ohne Eingliederungsmassnahmen der IV-Stelle in eine adaptierte Tätigkeit
A.a.
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wechseln und damit wieder ein Erwerbseinkommen erzielen, das in etwa so hoch wie
der zuletzt erzielte Lohn sei (IV-act. 30). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in
formelle Rechtskraft.
Im Juni 2013 teilte die Klinik für Neurochirurgie des Kantonsspitals St. Gallen der
IV-Stelle mit (IV-act. 32), der Versicherte sei im Januar 2013 im Bereich der
Lendenwirbelsäule operiert worden. Der anschliessende Verlauf sei sehr wechselhaft
gewesen. Mittlerweile sei die Situation eskaliert. Der Versicherte sei nicht mehr
arbeitsfähig. Die IV-Stelle wies den Versicherten in der Folge darauf hin, dass kein
Leistungsgesuch hängig sei und dass ein Arzt auch keine Anmeldung zum
Leistungsbezug für einen Patienten einreichen könne; der Versicherte müsse sich
selbst mittels des dafür vorgesehenen Anmeldeformulars zum Leistungsbezug
anmelden (IV-act. 33). Noch im Juni 2013 reichte der Versicherte ein ausgefülltes
Anmeldeformular ein (IV-act. 34). Diesem liess sich entnehmen, dass er zuletzt als
Aussendienstmitarbeiter erwerbstätig gewesen war. Der Rheumatologe Dr. B._
berichtete im Juli 2013 (IV-act. 50), der Versicherte leide an einem chronischen lumbo-
spondylogenen Syndrom, an einer Periarthropathia humero-scapularis, an einem
chronischen Cervico-Thoracalsyndrom rechts sowie an einer Polyarthrose. Eine leichte,
wechselbelastende und angepasste Tätigkeit sei im Umfang von etwa 50 Prozent
zumutbar.
A.b.
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS)
Bern am 28. Mai 2014 ein polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 98). Die
Sachverständigen hielten fest, der Versicherte leide an einem chronischen lumbo-
spondylogenen Schmerzsyndrom und – ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit – an
einem chronischen cervico-spondylogenen Schmerzsyndrom, an einer chronischen
Periarthropathia humero-scapularis rechts, an einer mässigen AC-Gelenksarthrose
sowie an einer Arthrose im unteren Sprunggelenk rechts. Weder aus internistischer
noch aus psychiatrischer Sicht könne eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert
werden. Aus neurochirurgischer Sicht bestehe objektiv lediglich ein „etwas
übertriebenes“ lumbo-vertebrales Syndrom ohne radiculäre Ausfälle, weshalb sich die
andauernde Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollziehen lasse. Massgebend für die
Gesamtbeurteilung seien die rheumatologischen Beschwerden an der Wirbelsäule.
Wegen der Schmerzen, der chronischen Überlastung der Wirbelsäule durch eine
A.c.
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massive musculäre Dysbalance, eine Fehlhaltung der Wirbelsäule und ein starkes
Übergewicht sei eine Arbeitsunfähigkeit von 30 Prozent für die zuletzt ausgeübte
Tätigkeit und für andere leidensadaptierte Tätigkeiten zu attestieren. Die
einschränkenden Umstände liessen sich aber therapeutisch verbessern, weshalb mit
einer sukzessiven Leistungssteigerung auf ein volles Pensum innerhalb von sechs bis
acht Monaten gerechnet werden könne. Der RAD-Arzt Dr. med. G._ qualifizierte das
Gutachten als überzeugend (IV-act. 99). Mit einem Vorbescheid vom 12. Juni 2014
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens
bei einem nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 30 Prozent vorsehe (IV-act.
103). Dagegen wandte der Versicherte am 7. Juli 2014 ein, er befinde sich noch in
ärztlicher Behandlung, weshalb mit neuen Erkenntnissen hinsichtlich seines
Gesundheitszustandes zu rechnen sei (IV-act. 105). Mit einer Verfügung vom 8.
September 2014 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 112).
Nachdem der Versicherte am 25. September 2014 eine Beschwerde gegen die
Verfügung vom 8. September 2014 erhoben hatte (vgl. IV-act. 117) und nachdem der
RAD-Arzt Dr. G._ darauf hingewiesen hatte (vgl. IV-act. 125), dass sich der
Gesundheitszustand des Versicherten nach der Begutachtung offenbar verändert habe,
da in den aktuellsten Berichten der behandelnden Ärzte auf einen Bandscheibenvorfall
und auf die Notwendigkeit einer weiteren Operation hingewiesen worden sei, widerrief
die IV-Stelle die angefochtene Verfügung vom 8. September 2014 am 27. Oktober
2014, um weitere Abklärungen zu tätigen (IV-act. 129). Das Beschwerdeverfahren
wurde am 17. November 2014 als gegenstandslos abgeschrieben (Entscheid IV
2014/454 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 17. November 2014; vgl. IV-act.
138). Im Februar 2015 teilte die MEDAS Bern der IV-Stelle mit (IV-act. 147), dass weder
die neusten medizinischen Berichte noch die Ausführungen des Rechtsvertreters des
Versicherten in der Beschwerdeschrift vom 25. September 2014 Anlass zu einer
anderslautenden polydisziplinären Beurteilung gäben. Die behandelnden Ärzte hätten
keine neuen objektiven klinischen Befunde erwähnt. Vor diesem Hintergrund sei auch
fraglich, ob die neu bejahte Operationsindikation lege artis gestellt worden sei, denn
eine solche Indikation müsse sich auf objektive klinische Befunde und nicht auf
bildgebende Abklärungen stützen können. Der RAD-Arzt Dr. G._ qualifizierte die
Ausführungen der MEDAS Bern als überzeugend (IV-act. 149). Mit einem Vorbescheid
A.d.
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vom 26. Februar 2015 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass sie (erneut
beziehungsweise weiterhin) die Abweisung des Rentenbegehrens mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades vorsehe (IV-act. 153). Dagegen liess der
Versicherte am 30. März 2015 einwenden (IV-act. 154), ihm müsse eine halbe Rente
zugesprochen werden. Zur Begründung führte er aus, ein neu erstelltes MRI zeige
narbige Veränderungen mit einer Einengung und Irritation der Wurzel S1. Mit einer
Verfügung vom 30. April 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren ab (IV-act. 156).
Am 18. Mai 2015 liess der Versicherte geltend machen, dass nach fachärztlicher
Auffassung eine stationäre Rehabilitation notwendig sei, weshalb mit dem definitiven
Entscheid über das Rentenbegehren bis zum Abschluss der Rehabilitationsbehandlung
zugewartet werden sollte (IV-act. 157). Der Eingabe lag ein Bericht der Kliniken X._
vom 12. Mai 2015 bei, in dem der Rheumatologe Dr. med. H._ angesichts der
Komplexität des Beschwerdebildes eine stationäre Rehabilitation empfohlen hatte (IV-
act. 158). Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte am 1. Juni 2015 (IV-act. 160), Dr. H._ habe
offenbar neu klinische Befunde an der Halswirbelsäule feststellen können. Zudem habe
er neu ein entzündliches rheumatisches Geschehen erwähnt. Vor diesem Hintergrund
sei damit zu rechnen, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten nach der
Begutachtung wesentlich verändert habe. Mit einer Verfügung vom 1. Juni 2015
widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung vom 30. April 2015 (IV-act. 162). Am 1. Juli 2015
ersuchte sie den Rheumatologen Prof. Dr. med. I._ um eine consiliarische
Stellungnahme zum Gutachten der MEDAS Bern unter Berücksichtigung der
aktuellsten medizinischen Berichte (IV-act. 166). In seiner Stellungnahme vom 30. Juli
2015 hielt Prof. Dr. I._ fest (IV-act. 169), der von ihm umfassend erhobene objektive
klinische Befund seit weitestgehend unauffällig gewesen. Auch die bildgebenden
Befunde hätten keine neuen Erkenntnisse geliefert. Er erachte die Diagnosestellung im
Gutachten der MEDAS Bern als korrekt. Die attestierte Arbeitsunfähigkeit von 30
Prozent sei grosszügig bemessen. Seit der Begutachtung habe sich der
Gesundheitszustand des Versicherten nicht verändert. Die im Gutachten
vorgeschlagene konsequente Durchführung eines muskelaufbauenden
Rehabilitationsprogramms sei angesichts der aktuell detailliert erhobenen klinischen
Befunde offensichtlich nicht durchgeführt worden. Die Ausführungen von Dr. H._
seien nicht nachvollziehbar. Weder der klinische Befund noch die bildgebenden
A.e.
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Abklärungen hätten auch nur den geringsten Hinweis auf eine entzündlich-
rheumatische Erkrankung geliefert. Die von Dr. H._ gestellte Diagnose eines
chronischen lumbo-radiculären Syndroms widerspreche dem objektiven klinischen
Befund. Auch die Diagnose eines chronischen cervico-radiculären Schmerzsyndroms
C6 rechts sei nicht nachvollziehbar. Das Übergewicht sei nicht cortisoninduziert, denn
nach einer im Jahr 1988 durchgeführten Cortisonbehandlung während eines Jahres
habe sich zwar zunächst ein Übergewicht entwickelt, aber der Versicherte habe
anschliessend das Gewicht wieder erfolgreich reduzieren können. Erst nach einer
Operation sei das Gewicht wieder angestiegen. Die von Dr. H._ beschriebene soziale
Regression habe sich nicht objektivieren lassen. In der klinischen Untersuchung hätten
sich stattdessen erhebliche Diskrepanzen gezeigt, die auf eine erhebliche Aggravation
hingedeutet hätten. Der RAD-Arzt Dr. G._ notierte im August 2015, mit seinen
Ausführungen habe Prof. Dr. I._ den Bericht der Kliniken Valens „völlig entwertet“ (IV-
act. 172). Mit einem Vorbescheid vom 1. September 2015 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass sie (erneut beziehungsweise weiterhin) die Abweisung seines
Rentenbegehrens bei einem nicht rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 30 Prozent
vorsehe (IV-act. 175). Der Versicherte liess am 21. September 2015 die Zusprache
einer halben Rente und eventualiter eine weitere Begutachtung beantragen (IV-act.
176). Zur Begründung führte er aus, Dr. I._ habe keine objektive Beurteilung
abgegeben. Er habe ihn nur sehr kurz untersucht. Seine Befundschilderung sei in
wichtigen Punkten unzutreffend. Der Versicherte habe eine Parkkarte für gehbehinderte
Personen erhalten, weil er grosse Mühe mit dem Gehen habe. Der RAD-Arzt Dr. G._
hielt im Oktober 2015 fest, es bestehe kein weiterer Abklärungsbedarf (IV-act. 177). Mit
einer Verfügung vom 21. Oktober 2015 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des
Versicherten ab (IV-act. 178).
Der Versicherte liess am 23. November 2015 eine Beschwerde gegen die
Verfügung vom 21. Oktober 2015 erheben (vgl. IV-act. 179). Sein Rechtsvertreter
machte geltend, das Gutachten der MEDAS Bern leide an zahlreichen Widersprüchen.
Auch der Sachverständige Prof. Dr. I._ habe den Versicherten nicht seriös
untersucht. Zwischenzeitlich habe sich der Versicherte in eine psychiatrische
Behandlung begeben müssen. Der Beschwerde lag ein Bericht des Psychiaters Dr.
med. J._ vom 18. November 2015 bei (IV-act.182–1 f.). Darin war festgehalten
A.f.
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worden, dass der Versicherte an einem multiloculären (rheumabedingten)
chronifizierten Schmerzsyndrom, an einer somatoformen Schmerzstörung mit
somatischen und psychischen Anteilen sowie an einer Verbitterungsstörung
(Anpassungsstörung) leide. Die Anpassungsstörung habe sich im Verlauf der letzten
drei Jahre infolge des zunehmend frustranen Versuchs entwickelt, eine Anerkennung
für den Schmerzzustand und die berufsbedingten Einschränkungen zu erlangen. Die
IV-Stelle forderte die MEDAS Bern und Prof. Dr. I._ in der Folge auf, Stellung zu den
Ausführungen des Versicherten und zu den aktuellsten medizinischen Berichten zu
nehmen. Am 9. Februar 2016 antwortete Prof. Dr. I._ (IV-act. 203), er habe sich
entgegen der Darstellung des Versicherten eingehend zur „fachlich erstaunlichen“
Beurteilung von Dr. H._ geäussert. Für die Wahrheitsfindung sei es nicht erforderlich
gewesen, sämtliche alten Unterlagen zu sichten. Massgebend seien die Ergebnisse der
klinischen Untersuchung und die aktuellsten bildgebenden Befunde. Es sei
„verdienstvoll und empathisch“, dass der Vertrauensarzt des Strassenverkehrsamtes
basierend auf den Aussagen des Versicherten eine Parkkarte für gehbehinderte
Personen ausgestellt habe. Angesichts der lange anhaltenden Schmerzen stelle sich
zwar tatsächlich die Frage nach dem Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung,
aber die klinische Untersuchung habe zweifelsfrei gezeigt, dass der Versicherte
Beschwerden in Art und Intensität vorgetäuscht habe. Eine Simulation schliesse die
Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung aus. Bezüglich des Berichtes von Dr.
J._ falle auf, dass dieser unkritisch auf die Angaben des Versicherten abgestellt
habe. Die MEDAS Bern teilte der IV-Stelle im Februar 2016 mit, dass die Beantwortung
der Rückfrage noch eine Zeit in Anspruch nehmen werde (IV-act. 207). Daraufhin
widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung vom 21. Oktober 2015 am 16. Februar 2016 (IV-
act. 211). Das Beschwerdeverfahren wurde in der Folge als gegenstandslos
abgeschrieben (Entscheid IV 2015/394 des St. Galler Versicherungsgerichtes vom 21.
März 2016; vgl. IV-act. 215).
Da die MEDAS Bern trotz wiederholter Nachfragen der IV-Stelle die Rückfrage
zum Gutachten weiterhin nicht beantwortete, beschloss die IV-Stelle am 29. August
2016, ein Verlaufsgutachten bei der MEDAS Bern einzuholen (IV-act. 223). Mit einer
Mitteilung vom 26. September 2016 informierte sie den Versicherten darüber, dass sie
die MEDAS Bern mit einer Verlaufsbegutachtung beauftragen werde (IV-act. 227). Der
A.g.
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Rechtsvertreter des Versicherten wandte am 28. September 2016 ein (IV-act. 228),
angesichts des Fragenkataloges wolle die IV-Stelle offensichtlich kein Verlaufs-,
sondern ein „ganz neues“ Gutachten in Auftrag geben. Er erwarte deshalb, dass der
Auftrag „in die Gutachtenslotterie“ eingespiesen werde. Zudem wolle er
Ergänzungsfragen stellen. Am 25. Oktober 2016 antwortete die IV-Stelle dem
Rechtsvertreter des Versicherten (IV-act. 231), der RAD-Arzt Dr. G._ erachte es als
sinnvoll, wieder dieselbe Gutachtensstelle mit der Verlaufsbegutachtung zu
beauftragen. Ein Rechtsdienstmitarbeiter habe darauf hingewiesen, dass es
weisungsgemäss zulässig sei, dieselbe Gutachtensstelle mit einer
Verlaufsbegutachtung zu beauftragen, sofern diese den ursprünglichen Auftrag über
„SuisseMED@P“ erhalten habe. Der Rechtsvertreter des Versicherten wandte am 27.
Oktober 2016 ein (IV-act. 234), es handle sich nicht um eine Verlaufsbegutachtung,
denn das erste Gutachten der MEDAS Bern sei ja bekanntlich mangelhaft ausgefallen.
Man könne dieser Stelle nicht den Auftrag erteilen, nochmals ein Gutachten zu
erstellen. Eine Beschwerde gegen eine entsprechende Zwischenverfügung würde wohl
gutgeheissen werden. Andererseits sei bei einer Zufallsverteilung nicht mit einem
qualitativ besseren Gutachten zu rechnen. Die meisten MEDAS „bringen es nicht fertig,
ein taugliches Gutachten für den vom BSV vereinbarten Pauschalpreis zu erstellen“.
Einige seien „derart schlecht [...], dass sich mir die Nackenhaare sträuben, wenn ich
nur schon deren Namen höre“. Deshalb verzichte er darauf, den Erlass einer
anfechtbaren Zwischenverfügung zu verlangen. Er hoffe, dass die MEDAS Bern nun ein
qualitativ besseres Gutachten erstellen werde. Die Kritik am ersten Gutachten befinde
sich ja bei den Akten, die den Sachverständigen zur Verfügung gestellt würden.
Nachdem die IV-Stelle die vorgesehenen Disziplinen und die Namen der
Sachverständigen bekanntgegeben hatte, verlangte der Versicherte, dass auch ein
rheumatologisches Teilgutachten erstellt werde (IV-act. 243). Zur Begründung führte er
an, dass Dr. H._ auf die Möglichkeit eines entzündlich-rheumatischen Geschehens
hingewiesen habe. Die IV-Stelle teilte dem Versicherten am 29. November 2016 mit,
dass es in der Kompetenz der MEDAS Bern stehe, die Disziplinen zu bestimmen,
weshalb sie die Eingabe des Versicherten an die MEDAS weiterleite (IV-act. 245).
Die MEDAS Bern erstattete am 24. Mai 2017 auftragsgemäss ein polydisziplinäres
– internistisches, orthopädisches, psychiatrisches und neurologisches –
A.h.
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Verlaufsgutachten (IV-act. 267). Die Sachverständigen hielten fest, weder die
radiologischen noch die klinischen Befunde hätten einen Hinweis auf ein entzündlich-
rheumatisches Geschehen geliefert. Klinisch habe sich eine leicht eingeschränkte
Beweglichkeit der Halswirbelsäule und – ausgeprägter – der Lendenwirbelsäule sowie
der rechten Schulter gezeigt. Radiologisch hätten eine mässiggradige AC-
Gelenksarthrose rechts, eine medio-laterale Discushernie C5/6 mit Einengung des
Neuroforamens ohne Kompression, leichte degenerative Veränderungen C6–Th1, eine
leichte Einengung L5/S1 ohne Kompression, leichte degenerative Veränderungen L4/5,
leichte degenerative Veränderungen des Os naviculare an beiden Füssen, eine
Chondropathia patellae Grad IV beidseits sowie eine minimale Degeneration im rechten
Daumengrundgelenk gezeigt. Aus orthopädischer Sicht bestehe eine verminderte
Belastbarkeit der beiden Knie, der rechten Hüfte, der Lendenwirbelsäule und der
Halswirbelsäule. Das Ausmass der subjektiven Beschwerdeangaben des Versicherten
sei allerdings nicht nachvollziehbar. Im Vergleich zur letzten Begutachtung sei objektiv
keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes festzustellen. Aus orthopädischer
Sicht sei der Versicherte für leidensadaptierte Tätigkeiten rückwirkend seit dem Jahr
2015 als uneingeschränkt arbeitsfähig zu qualifizieren. Aus neurologischer Sicht habe
sich der objektive Befund weitestgehend unauffällig dargestellt. Nebenbefundlich seien
eine minimale, im Rahmen eines häufigen Alkoholkonsums begründete
Polyneuropathie sowie eine alte Sensibilitätsstörung am Fussaussenrand rechts
festzustellen gewesen, aber diese beiden Befunde seien aus
versicherungsmedizinischer Sicht völlig unbedeutend. Auch aus internistischer Sicht
lägen keine Befunde vor, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken würden. Bei der
aktuellen psychiatrischen Untersuchung hätten keine psychischen Störungen mit einer
versicherungspsychiatrischen Relevanz festgestellt werden können. Bezüglich der zur
Diskussion stehenden anhaltenden somatoformen Schmerzstörung seien die
aggravatorischen Tendenzen des Versicherten zu berücksichtigen, die eine Diagnose
einer somatoformen Schmerzstörung oder einer chronischen Schmerzstörung mit
psychischen und somatischen Faktoren ausschlössen. Weder aktuell noch retrospektiv
könne eine relevante psychische Störung festgestellt werden. Die Tatsache, dass der
Versicherte ein Psychopharmakon einnehme und dass er eine psychiatrische Hilfe in
Anspruch genommen habe, stelle keinen überzeugenden oder gar zwingenden Beleg
für das Vorliegen einer relevanten psychischen Störung dar. Zusammenfassend
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könnten aus interdisziplinärer Sicht also keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Als nicht arbeitsfähigkeitsrelevante Diagnosen seien
im Wesentlichen ein chronisches lumbo-spondylogenes Schmerzsyndrom, chronische
Schmerzen und eine Bewegungseinschränkung der rechten Schulter, ein chronisches
cervico-spondylogenes Schmerzsyndrom, Beschwerden an beiden oberen
Sprunggelenken, Handbeschwerden auf beiden Seiten sowie beidseitige
Fussbeschwerden zu erwähnen. Wechselbelastende Tätigkeiten ohne eine monotone,
vor allem nach vorne gebeugte Arbeitshaltung, mit einer Gewichtslimite von maximal
zwölf Kilogramm, unter Beachtung von rückendisziplinarischen Massnahmen, ohne die
Notwendigkeit, eine Kauer- oder Hockestellung einzunehmen, oberhalb der
Schulterlinie zu arbeiten oder sich auf Leitern, Gerüsten oder im unebenen Gelände
fortzubewegen, seien dem Versicherten uneingeschränkt zumutbar. Die Kritik des
Versicherten am ersten Gutachten habe sich mehrheitlich auf versicherungsmedizinisch
irrelevante Fragen bezogen. Die übrigen Einwände seien nicht nachvollziehbar. Der
Rechtsvertreter des Versicherten habe die radiologischen Befunde überbewertet und
diese mit klinischen oder funktionellen Auswirkungen gleichgesetzt, was medizinisch
nicht folgerichtig sei. Auch die Kritik am Consiliarbericht von Prof. Dr. I._ sei nicht
nachvollziehbar. Der RAD-Arzt Dr. G._ qualifizierte das Gutachten als überzeugend
(IV-act. 268).
Mit einem Vorbescheid vom 8. Juni 2017 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
dass sie die Abweisung des Rentenbegehrens bei einem nicht rentenbegründenden
Invaliditätsgrad von null Prozent vorsehe (IV-act. 271). Dagegen liess der Versicherte
am 13. Juli 2017 einwenden (IV-act. 272), es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die
MEDAS Bern keine rheumatologische Untersuchung durchgeführt habe. Das
Gutachten vom 24. Mai 2017 enthalte keine Begründung dafür; eine
Auseinandersetzung mit dem entsprechenden begründeten Antrag des Versicherten
fehle. Zu rügen sei auch, dass der Auftrag nicht über „SuisseMED@P“ vergeben
worden sei, obwohl es sich nicht um ein Verlaufsgutachten gehandelt habe. Die
MEDAS Bern sei nicht unabhängig und neutral gewesen. Die Sachverständigen hätten
die Erhöhung des Arbeitsfähigkeitsgrades von 70 Prozent auf 100 Prozent nicht
begründet. Die IV-Stelle forderte die MEDAS Bern am 21. August 2017 auf, Stellung zu
den Einwänden des Rechtsvertreters zu nehmen (IV-act. 274). Die MEDAS Bern hielt in
A.i.
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B.
einem Schreiben vom 15. November 2017 fest (IV-act. 276), der von Dr. H._
beschriebene entzündliche Rückenschmerz habe weder klinisch noch bildgebend
verifiziert werden können. Auch habe Dr. H._ entgegen der Ansicht des
Rechtsvertreters des Versicherten keinen kausalen Zusammenhang
zwischen der Spondylarthritis und der Psoriasis hergestellt, denn dann hätte er eine
Psoriasis-Spondylarthritis und nicht eine Spondylarthritis bei Psoriasis diagnostiziert.
Die von Dr. H._ erwähnten objektiven Befunde seien nicht spezifisch für eine
Psoriasis-Arthritis. Der von den Kliniken Valens immer wieder vorgeschlagene Einsatz
von Otezla für die Hautprobleme sei bislang nie erfolgt, was dafür spreche, dass die
Beschwerden kein Ausmass erreicht hätten, das den Versicherten zum Einsatz von
Otezla veranlasst hätte. Auch die sonstigen vielfältigen therapeutischen Optionen seien
bislang nicht genutzt worden. Der behandelnde Rheumatologe Dr. B._ habe nie eine
Spondylarthritis diagnostiziert. Er habe seine Empfehlung, den Versicherten auch
rheumatologisch zu begutachten, nicht begründet. Zusammenfassend sei das
Vorliegen einer rheumatischen Systemerkrankung nicht belegt. Da sich die Fachgebiete
Orthopädie und Rheumatologie überlappten, sei es nicht notwendig gewesen,
zusätzlich zur orthopädischen auch noch eine rheumatologische Untersuchung
durchzuführen. Mit einer Verfügung vom 22. November 2017 wies die IV-Stelle das
Rentenbegehren des Versicherten ab (IV-act. 278).
Am 12. Januar 2018 liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer)
eine Beschwerde gegen die Verfügung vom 22. November 2017 erheben (act. G 1).
Sein Rechtsvertreter beantragte die Zusprache einer halben Rente und eventualiter die
Einholung eines Gerichtsgutachtens mit einem internistisch-rheumatologischen
Teilgutachten. Zur Begründung führte er aus, der Beschwerdeführer leide nicht nur an
einer axialen und peripheren entzündlichen Sponylarthropathie bei einer Psoriasis,
sondern auch an einer chronischen Bursitis olecrani rechts, an einer Uveitis und an
einer Collitis. Trotz dieser entzündlichen Erkrankungen habe die MEDAS Bern kein
rheumatologisches Teilgutachten erstellt, obwohl der Beschwerdeführer dies
ausdrücklich verlangt habe. Dadurch seien der Anspruch auf rechtliches Gehör und die
Partizipationsrechte des Versicherten verletzt worden. Der Versicherte habe ein Recht
auf eine rheumatologische
B.a.
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Erwägungen
1.
Die Beschwerdegegnerin hat die MEDAS Bern aufgefordert, Stellung zu den
Einwänden des Rechtsvertreters des Versicherten gegen den Vorbescheid vom 8. Juni
2017 zu nehmen. Die entsprechende Antwort der MEDAS Bern vom 15. November
2017 hat sie dem Versicherten nicht zur Kenntnisnahme und zur allfälligen
Stellungnahme zugestellt, sondern sie hat sofort die angefochtene Verfügung vom 22.
November 2017 erlassen. Darin ist möglicherweise eine Verletzung der
Vorbescheidspflicht zu erblicken, denn der Art. 57a IVG sieht vor, dass die IV-Stelle der
versicherten Person das rechtliche Gehör gewährt und diese über den vorgesehenen
„Endentscheid“ informiert. Das kann nur so verstanden werden, dass eine IV-Stelle die
versicherte Person nach dem Abschluss der Sachverhaltsabklärung über den
vorgesehenen materiellen Entscheid informiert und dieser die Möglichkeit anbietet,
Einsicht in die gesamten Akten zu nehmen und eine Stellungnahme dazu abzugeben.
Tätigt eine IV-Stelle veranlasst durch Einwände gegen einen (ersten) Vorbescheid
weitere Sachverhaltsabklärungen, kann der frühere (erste) Vorbescheid nicht mehr
geeignet sein, die Vorbescheidspflicht nach Art. 57a IVG zu erfüllen, weil sich die
Aktenlage verändert hat und weil jener Vorbescheid folglich nicht erst nach dem
Abschluss der Sachverhaltsabklärung ergangen ist. In einer solchen Situation muss
deshalb ein zweiter Vorbescheid erstellt oder zumindest auf eine andere Weise das
rechtliche Gehör gewährt werden (vgl. etwa den Entscheid IV 2014/67 des St. Galler
Begutachtung. Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) habe ihre
Untersuchungspflicht verletzt.
Die Beschwerdegegnerin beantragte am 26. Februar 2018 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung führte sie aus, nach der bundesgerichtlichen
Auffassung stehe die Auswahl der beteiligten Disziplinen bei einer polydisziplinären
Begutachtung im alleinigen Ermessen der MEDAS. Eine IV-Stelle könne darauf keinen
Einfluss ausüben. Die Vergabe des Auftrags zu einer Verlaufsbegutachtung an dieselbe
MEDAS, die bereits ein früheres Gutachten verfasst habe, sei weisungsgemäss
zulässig, sofern die Auswahl der MEDAS ursprünglich über „SuisseMED@P“ erfolgt sei.
Das sei hier der Fall.
B.b.
Der Beschwerdeführer liess am 16. April 2018 an seinen Anträgen festhalten (act.
G 6). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 8).
B.c.
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St.Galler Gerichte
Versicherungsgerichtes vom 24. Oktober 2016, E. 2). Indem die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer die Stellungnahme der MEDAS Bern vom 15. November 2017
nicht vor dem Erlass der angefochtenen Verfügung zur Kenntnis und Stellungnahme
zugestellt hat, hat sie folglich die Vorbescheidspflicht nach Art. 57a IVG verletzt. Die
angefochtene Verfügung ist also in einem rechtswidrigen Verfahren zustande
gekommen, weshalb sie an sich aufgehoben werden müsste; die Sache müsste mit der
Anordnung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen werden, erneut – in einem nun
formal korrekten Verfahren – über das Rentenbegehren des Beschwerdeführers zu
verfügen. Rechtsprechungsgemäss kann ein Verfügungsadressat allerdings (explizit
oder implizit) beantragen, dass ein solcher Verfahrensmangel „ignoriert“ wird, damit
möglichst rasch ein materieller Entscheid gefällt werden kann. Das wird oft als eine
„Heilung“ des Formfehlers bezeichnet, was aber missverständlich ist, weil der
Formfehler ja gerade nicht „geheilt“, sondern eben bloss „ignoriert“ wird. Der
Beschwerdeführer hat zwar eine „Verletzung des rechtlichen Gehörs“ gerügt, aber das
hat sich nicht auf die eigentliche Gehörsverletzung respektive Verletzung der
Vorbescheidspflicht, sondern darauf bezogen, dass das Gutachten der MEDAS Bern
seines Erachtens nicht auf umfassenden Untersuchungen beruht hat, worauf
nachfolgend näher einzugehen sein wird. Der seit langen Jahren im
Sozialversicherungsrecht tätige Rechtsvertreter hätte die Verletzung der
Vorbescheidspflicht gewiss gerügt, wenn das Interesse des Beschwerdeführers an
einer in jeder Hinsicht formal korrekten Entscheidung höher als dessen Interesse an
einer raschen materiellen Beurteilung gewesen wäre. Bereits im Verwaltungsverfahren,
nämlich im Zusammenhang mit dem Auftrag der Beschwerdegegnerin an die MEDAS
Bern, ein „Verlaufsgutachten“ zu erstellen, hat der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers ganz bewusst und explizit im Interesse an einer raschen
Beurteilung auf ein formal korrektes Vorgehen verzichtet. Das lässt darauf schliessen,
dass er auch im Beschwerdeverfahren einer raschen Beurteilung den Vorzug
gegenüber einem in jeder Hinsicht formal korrekten Vorgehen eingeräumt hat. Die
Verletzung seines Anspruchs auf rechtliches Gehör im Zusammenhang mit der
Stellungnahme der MEDAS Bern vom 15. November 2017 ist deshalb zu „ignorieren“.
2.
Der Beschwerdeführer hat geltend gemacht, beim zweiten Gutachten der MEDAS Bern
habe es sich entgegen der Bezeichnung nicht um ein Verlaufsgutachten gehandelt.
Dabei hat er aber verkannt, dass der aktuelle Gesundheitszustand der versicherten
Person im Untersuchungszeitpunkt bei einer Verlaufsbegutachtung ebenso umfassend
medizinisch abgeklärt werden muss wie bei einer ersten Begutachtung, denn ohne eine
umfassende Kenntnis des aktuellen medizinischen Sachverhaltes können die
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Sachverständigen nicht fundiert Stellung zum zwischenzeitlichen Verlauf nehmen. Das
zweite Gutachten der MEDAS Bern hat sich nur in einem Punkt von einem
„gewöhnlichen“ Verlaufsgutachten unterschieden: Es hat nämlich auch noch eine
Stellungnahme der Sachverständigen zur Kritik des Beschwerdeführers am ersten
Gutachten enthalten. Die Beschwerdegegnerin hatte die MEDAS Bern schon vor der
Auftragserteilung für eine Verlaufsbegutachtung gebeten, Stellung zur Kritik am ersten
Gutachten zu nehmen. Dieses Vorgehen hat der gängigen Verwaltungspraxis
entsprochen, die rechtsprechungsgemäss ohne Weiteres als zulässig zu qualifizieren
ist. Weil die Sachverständigen diese Rückfrage noch nicht beantwortet hatten, hat die
Beschwerdegegnerin ihre Aufforderung im Zusammenhang mit dem Auftrag, ein
Verlaufsgutachten zu erstellen, erneuert, was nicht zu beanstanden ist. Die
Sachverständigen der MEDAS Bern haben in der Folge ein „klassisches“
Verlaufsgutachten erstellt, das allerdings zusätzlich noch eine Stellungnahme zur Kritik
am ersten Gutachten enthalten hat. Wenn es aber anerkanntermassen zulässig ist, eine
Stellungnahme eines medizinischen Sachverständigen zur Kritik an einem Gutachten
als ein Beweismittel mit vollem Beweiswert zu würdigen, muss es auch zulässig sein,
einer solchen Stellungnahme auch dann den vollen Beweiswert zuzuerkennen, wenn
sie im Rahmen eines Verlaufsgutachtens abgegeben wird. Entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers liegt deshalb kein formaler Grund vor, der dazu zwingen würde,
dem zweiten Gutachten der MEDAS Bern den Beweiswert abzusprechen. Der
Beweiswert des Gutachtens bemisst sich folglich – wie bei jedem anderen Gutachten
auch – anhand der inneren Überzeugungskraft der Ausführungen der
Sachverständigen.
3.
Eine versicherte Person, die ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern kann, die
während eines Jahres ohne einen wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist und die nach dem Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid ist, hat laut dem Art. 28 Abs. 1 IVG einen
Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung. Für die Bemessung der Invalidität
wird gemäss dem Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit dem Art. 16 ATSG das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung und nach der Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei einer ausgeglichenen Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung zu
3.1.
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jenem Erwerbseinkommen gesetzt, das sie erzielen könnte, wenn sie gesund geblieben
wäre.
Der Beschwerdeführer hat keine Berufsausbildung absolviert. Bis zum Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung hat er verschiedene Hilfsarbeiten verrichtet. In den Akten
deutet nichts auf eine deutlich über- oder unterdurchschnittliche Leistungsfähigkeit hin,
weshalb der Beschwerdeführer ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung auf dem
massgebenden allgemeinen und ausgeglichenen Arbeitsmarkt in der Lage gewesen
wäre, ein durchschnittliches Hilfsarbeitereinkommen zu erzielen. Das
Valideneinkommen entspricht folglich dem Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der
Schweiz.
3.2.
Für die Bestimmung des zumutbarerweise erzielbaren Invalideneinkommens ist
massgebend, welche Tätigkeiten dem Beschwerdeführer aus medizinischer Sicht in
welchem Umfang noch zumutbar sind. Zur Beantwortung dieser Frage hat die
Beschwerdegegnerin die MEDAS Bern im Frühjahr 2014 mit der Erstellung eines
polydisziplinären Gutachtens beauftragt. Laut dem Gutachten der MEDAS Bern vom
28. Mai 2014 hat der Beschwerdeführer damals aus internistischer, aus
neurochirurgischer und aus psychiatrischer Sicht nicht an einer nennenswerten
Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten, die sich auf seine Arbeitsfähigkeit ausgewirkt
hätte. Diese Schlussfolgerungen haben auf einer eingehenden Aktenwürdigung und auf
den objektiven klinischen Befunden einer umfassenden persönlichen Untersuchung
des Beschwerdeführers beruht und sie sind von den Sachverständigen überzeugend
begründet worden, weshalb gestützt auf das Gutachten der MEDAS Bern vom 28. Mai
2014 mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststeht, dass der Beschwerdeführer damals weder aus internistischer noch aus
neurochirurgischer oder psychiatrischer Sicht an einer sich auf seine Arbeitsfähigkeit
auswirkenden Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat. In der Zeit zwischen der
(ersten) Begutachtung und der Eröffnung der angefochtenen Verfügung vom 22.
November 2017 hat der Beschwerdeführer neu psychische Beschwerden geltend
gemacht. Er hat sich dementsprechend auch in eine psychotherapeutische
Behandlung begeben. Weder aus den Berichten des behandelnden Psychiaters Dr.
J._ noch aus den Angaben des Beschwerdeführers lässt sich allerdings eine
relevante psychische Gesundheitsbeeinträchtigung ableiten, denn offenbar hat die
psychotherapeutische Behandlung nur eine begleitende, stützende Funktion in Bezug
auf die „eigentliche“ rheumatologische respektive „multimodale“ Behandlung durch die
Kliniken Valens gehabt. Der psychiatrische Sachverständige der MEDAS Bern hat im
zweiten Gutachten vom 24. Mai 2017 nach einer sorgfältigen Würdigung der (wenigen)
3.3.
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Akten zur psychotherapeutischen Behandlung und nach einer eingehenden Exploration
des Beschwerdeführers anhand der objektiven klinischen Befunde mit einer
überzeugenden Begründung aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer (weiterhin) nicht
an einer relevanten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten hat. Der
psychiatrische Sachverständige hat darauf hingewiesen, dass die
psychotherapeutische Behandlung für sich allein nicht geeignet sei, eine psychische
Gesundheitsbeeinträchtigung zu belegen. Auch diese Aussage hat der psychiatrische
Sachverständige überzeugend begründet. Folglich steht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer in
den drei Jahren zwischen den beiden Begutachtungen durch die MEDAS Bern
weiterhin nicht an einer relevanten psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung gelitten
hat. Aus rein neurochirurgischer beziehungsweise neurologischer Sicht fehlt in den
Akten ein Hinweis auf eine relevante Sachverhaltsveränderung nach der ersten
Begutachtung im Mai 2014, weshalb das Attest einer weiterhin bestehenden
uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit aus rein neurologischer Sicht im zweiten Gutachten
der MEDAS Bern vom 24. Mai 2017 ohne Weiteres überzeugt. Nach der ersten
Begutachtung durch die MEDAS Bern hat der behandelnde Rheumatologe Dr. H._
auf ein entzündlich-rheumatisches Geschehen mit rheumatologischen und
internistischen Symptomen hingewiesen. Darauf ist im Zusammenhang mit der
nachfolgenden Würdigung der rheumatologischen Berichte und Teilgutachten
einzugehen. Aus rein internistischer Sicht sind abgesehen davon in den Akten keine
neuen Gesundheitsbeeinträchtigungen nach der ersten Begutachtung durch die
MEDAS Bern belegt. Der internistische Sachverständige der MEDAS Bern hat im
zweiten Gutachten vom 24. Mai 2017 überzeugend aufgezeigt, dass auch in der Zeit
nach dem ersten Gutachten vom 28. Mai 2014 keine relevante internistische
Gesundheitsbeeinträchtigung aufgetreten war. Die Akten enthalten auch keinen
Hinweis darauf, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers aus
internistischer, aus neurochirurgischer oder aus psychiatrischer Sicht in der Zeit
zwischen der zweiten Begutachtung im Mai 2017 und der Eröffnung der angefochtenen
Verfügung wesentlich verändert hätte, weshalb mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass der Beschwerdeführer im gesamten
massgebenden Zeitraum aus internistischer, aus neurochirurgischer respektive
neurologischer und aus psychiatrischer Sicht uneingeschränkt arbeitsfähig gewesen
ist.
Im ersten Gutachten der MEDAS Bern vom 28. Mai 2014 hat der rheumatologische
Sachverständige lediglich ein chronisches lumbo-spondylogenes Schmerzsyndrom als
Gesundheitsbeeinträchtigung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostiziert.
3.4.
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Der Beschwerdeführer hat in der Folge geltend gemacht, seine
Gesundheitsbeeinträchtigung sei vom rheumatologischen Sachverständigen nicht in
ihrem vollen Ausmass erfasst worden. Der Rheumatologe Dr. H._ hat in zwei
Berichten im Frühjahr 2015 auf ein entzündlich-rheumatisches Geschehen
hingewiesen. Gestützt darauf hat der Beschwerdeführer bis zum aktuellen
Beschwerdeverfahren geltend gemacht, dass er an einer systemischen rheumatischen
Erkrankung leide, die bislang nicht richtig untersucht worden sei. Aus diesem Grund
hat er auch darauf bestanden, dass bei der zweiten Begutachtung durch die MEDAS
Bern nicht ein orthopädisches, sondern ein rheumatologisches Teilgutachten erstellt
werde. Allerdings hat er verkannt, dass die Beschwerdegegnerin die Berichte von Dr.
H._ bereits im Sommer 2015 zum Anlass genommen hatte, eine rheumatologische
Consiliarmeinung bei Prof. Dr. I._ einzuholen. Dieser hat den Beschwerdeführer
persönlich untersucht. Er hat die objektiven klinischen Befunde detailliert und
anschaulich festgehalten, er hat sich mit den relevanten Vorakten auseinandergesetzt
und er hat mit einer in jeder Hinsicht überzeugenden Begründung aufgezeigt, dass die
Berichte von Dr. H._ an erheblichen fachlichen Mängeln gelitten haben und dass aus
objektiver Sicht kein Grund zur Annahme eines entzündlichen rheumatischen
Geschehens vorliege. Auch der behandelnde Rheumatologe Dr. B._ hat darauf
hingewiesen, dass er nie eine entzündliche rheumatische Erkrankung diagnostiziert
habe. In seinem Consiliarbericht und in seiner ergänzenden Stellungnahme hat Prof. Dr.
I._ überzeugend dargelegt, dass nicht in erster Linie die bildgebenden Befunde oder
die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers, sondern die objektiven klinischen
Befunde massgebend sein müssten. Er hat ebenso überzeugend aufgezeigt, dass nicht
einmal die labortechnischen und bildgebenden Befunde die These von Dr. H._ haben
stützen können, es liege ein entzündliches rheumatisches Geschehen vor. Der
Beschwerdeführer hat zwar geltend gemacht, Prof. Dr. I._ habe sich nicht alle Bilder
angeschaut, aber Prof. Dr. I._ hat in der Folge völlig zu Recht darauf hingewiesen,
dass für seine Consiliarmeinung in erster Linie nur die aktuellen und nicht auch die
alten Bilder massgebend gewesen seien. Auch hat Prof. Dr. I._ anschaulich
aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer seine Beschwerden massiv verdeutlicht
respektive dass eine Aggravation vorgelegen hat. Da sich den Berichten von Dr. H._
nicht entnehmen lässt, dass dieser die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers
hinterfragt hätte, besteht der starke Verdacht, dass Dr. H._ sich von den
verfälschenden Angaben des Beschwerdeführers hat in die Irre führen lassen. Dasselbe
dürfte auch in Bezug auf die vertrauensärztliche Beurteilung im Auftrag des
Strassenverkehrsamtes gelten, die zur Empfehlung geführt hat, dem Beschwerdeführer
eine Parkkarte für gehbehinderte Menschen abzugeben, obwohl dieser nach der
überzeugenden Darstellung von Prof. Dr. I._ nicht einmal ansatzweise gehbehindert
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gewesen ist. Die Ausführungen von Prof. Dr. I._ belegen jedenfalls mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zeit zwischen Mai 2014 und Juli
2015 aus rheumatologischer Sicht nicht verändert hat und dass die rheumatologische
Beurteilung im Gutachten der MEDAS Bern vom 28. Mai 2014 zutreffend gewesen ist.
Nur die Arbeitsfähigkeitsschätzung (70 Prozent Arbeitsfähigkeit für ideal
leidensadaptierte Tätigkeiten) hat Prof. Dr. I._ ansatzweise kritisiert, indem er diese
als grosszügig bemessen qualifiziert hat. Allerdings ist diesbezüglich zu beachten, dass
die Sachverständigen der MEDAS Bern eine rasche Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf
100 Prozent bei Durchführung einer konsequenten Therapie prognostiziert hatten, die
in der Folge allerdings gemäss den überzeugenden Ausführungen von Prof. Dr. I._
nie erfolgt ist. In den Akten deutet nichts darauf hin, dass sich aus rheumatologischer
Sicht am Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach der Untersuchung durch
Prof. Dr. I._ im Juli 2015 etwas verändert hätte. Die behandelnden Rheumatologen
haben keine neuen Erkenntnisse geltend gemacht und auch der orthopädische
Sachverständige der MEDAS Bern hat keine relevante Veränderung ausmachen
können. Zwar deckt sich das Fachgebiet der Orthopädie nicht vollständig mit jenem
der Rheumatologie, aber weil entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers kein
entzündliches rheumatisches Geschehen, sondern nur Beschwerden der Wirbelsäule
zur Diskussion gestanden haben, ist der orthopädische Sachverständige der MEDAS
Bern durchaus qualifiziert gewesen, sich zum zwischenzeitlichen Verlauf zu äussern.
Zusammenfassend steht deshalb mit dem erforderlichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer auch aus
rheumatologischer respektive orthopädischer Sicht im gesamten hier massgebenden
Zeitraum bezogen auf eine leidensadaptierte Tätigkeit nicht respektive nur
vorübergehend (vgl. dazu die nachfolgende Erwägung) arbeitsunfähig gewesen ist.
Bei einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit für leidensadaptierte Tätigkeiten ist
der Beschwerdeführer in der Lage gewesen, ein durchschnittliches
Hilfsarbeitereinkommen zu erzielen, was bedeutet, dass das zumutbarerweise
erzielbare Invalideneinkommen – wie das Valideneinkommen – dem statistischen
Zentralwert der Hilfsarbeiterlöhne in der Schweiz entsprochen hat. Aus dem
Einkommensvergleich resultiert folglich ein Invaliditätsgrad von null Prozent. Wenn man
davon ausgehen würde, dass der Beschwerdeführer tatsächlich (vorübergehend) zu 30
Prozent arbeitsunfähig gewesen sei, dann müsste der Invaliditätsgrad für den
entsprechenden vorübergehenden Zeitraum anhand eines sogenannten
Prozentvergleichs errechnet werden, denn auch bei einer Arbeitsunfähigkeit von 30
Prozent hätte der Ausgangswert des zumutbarerweise erzielbaren
3.5.
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4.
Die Beschwerde ist abzuweisen. Die angesichts des durchschnittlichen
Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden Gerichtskosten sind dem
unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen. Sie sind durch den von ihm geleisteten
Kostenvorschuss von 600 Franken gedeckt. Der unterliegende Beschwerdeführer hat
keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.