Decision ID: c81cec75-d62f-4cbb-bf2c-6b0ac704f301
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976,
ist seit dem
10. August 2001
als Produktions
mit
arbeiter
in
der Bäckerei der
Y._
tätig
(Urk. 10/7/1
, Urk. 10/14
). Unter Hinwei
s auf «Nacken-, Arm- und Rücken
beschwerden
bei einem Sturz auf die linke Schulter
» meldete sich der
Versicherte am
7.
Februar 2019
bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog Akten de
s
Unfall
-
(Urk. 10/7+22+41) sowie
des Krankentaggeldversicherers
(Urk. 10/42)
bei
. Nach durchgeführtem Vorbe
scheidverfahren (Urk.
10/45; Urk. 10/48+51
) verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
7. Juli 2020 einen Rentenanspruch (
Urk.
2)
2.
Der Versicherte erhob am
18. August 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom
7. Juli 2020
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
eine Invalidenrente
zuzusprechen, eventuell sei
die Sache zur ergänzenden medizi
ni
schen Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Versicherte um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie
der
unentgeltliche
n
Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Markus
Wytten
bach
, Zürich (Urk. 1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
24. September 2020
(Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
14. Okto
ber 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11
).
Der Rechtsvertreter des Beschwerde
führers legte am 21. Oktober 2020 seine Honorarnote ins Recht (Urk. 12+13).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 25. Juli 2018 in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Die b
isherige Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiter sei ihm im Ver
lauf vom August 2019 wieder zu 50 % zumutbar
gewesen
. In einer körperlich optimal angepassten Tätigkeit bestehe hingegen bereits seit dem 23. April 2019 wieder eine 90%ige Arbeitsfähigkeit (S. 1). Die Arbeits
un
fähigkeit von zirka sechs Wochen nach dem Schleudertrauma vom 18. Juli 2019 sei nicht langandauernd gewesen, weshalb diese auch nichts an der zuvor erfolgten gutachterlichen Ein
schätzung ändere. Die Invaliditätsbemessung ergebe einen Invaliditätsgrad von 3 %, weshalb kein Rentenanspruch bestehe (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1)
, auf das Gutachten vom 23. März 2019 könne nicht abgestellt werden. Dieses sei ver
altet, da er am 18. Juli 2019 einen Unfall erlitten habe (S. 3 f. Ziff. 7 ff.). Es sei unter anderem gestützt auf die Beurteilung des Hausarztes
Dr.
Z._
von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen (S. 4 Ziff. 11 ff.).
Sodann
könne nicht
auf das Gutachten abgestellt werden, da die Gutachterin in einem Abhängigkeits
verhältnis zur Beschwerdegegnerin stehe (S. 5 Ziff. 14).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Besc
hwerdegegnerin zu Recht von einer zumut
baren Arbeitsfähigkeit von 90 %
in einer leidensangepassten Tätigkeit
seit dem 23. April 2019 ausg
ing
und einen Rentenanspruch dementsprechend
ver
neinte
.
3.
3.1
Aus dem Bericht vom 30. April 2019
der Rheumatologen
des Kantonsspitals
A._
(Urk.
10/38/13-16
)
geht hervor, dass der Beschwerdeführer an Schmerzen im Bereich der Hals- (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS) leide
t
. Eine Schmerzausstrahlung in die Arme
bei der Arbeit
liege nicht direkt vor, es komme jedoch zu Schmerzen mit einhergehenden Kribbelparästhesien im linken Unter
arm
ulnarseitig
sowie in sämtlichen Fingern, Finger III bis V verstärkt. Sodann bestehe eine Muskelschwäche im ganzen linken Arm, vorwiegend im Ellbogen- und Handgelenk. Lumbal würden beidseits paravertebrale Schmerzen im
lumbosakralen
Übergang, die rechts zum Trochanter ausstrahlen würden, beste
hen. Weiter werde ein Schmerz im Fussrücken und bei sämtlichen Zehen erwähnt. Eine Muskelschwäche oder eine Fühlstörung in den unteren Extremitäten werde verneint (S. 2 «jetziges Leiden»).
Die Ärzte stellten im Wesentlichen folgende Diagnosen (S. 1 f.):
-
chronisch rezidivierendes
zervikoradikuläres
Reizsyndrom C6 und C7 links bei Diskushernie C5/6 und C6/7 bei Status nach Stolpersturz im August 2018
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit möglicher inter
mittierender
radikulärer
Reizung von L5 rechts ohne neurologische Aus
fallsymptomatik
-
thorakospondylogenes
Schmerzsyndrom links
-
aktenanamnestisch radiologisch Verdacht auf beginnende Coxarthrose beidseits
Nach Beurteilung der Ärzte hätten sich weder in der klinischen rheumato
logi
schen Untersuchung noch in der neurologischen Beurteilung (vgl. dazu auch den Bericht vom 15. April 2019, Urk. 10/15) Hinweise für eine Nervenwurzel
irritation gefunden bei unauffälliger elektrophysiologischer Diagnostik bei unver
ändertem
M
r
-tomographischem Befund mit anhaltender Kompression der Nerven
wurzeln C6 und C7 links und Kontakt zum
Myelon
ohne Myelopathie.
In der Kraftgrad
messung bei den Physiotherapeuten h
abe
sich ebenfalls kein eindeutiger Kraft
verlust gefunden, wobei in
der
Bellometrie
eine relativ grosse Streuung zwischen
den einzelnen Messpunkten bestanden habe, was gegen einen strukturellen Kraft
verlust spreche. In der internen wie externen (gemäss telefonischer Rücksprache) Physiotherapie sei zudem eine Selbstlimitierung notiert worden.
Zusammenfassend sei eine relevante Teilkomponente der panvertebralen Rücken
schmerzen unverändert auf eine funktionelle Problematik basierend auf einer Gelenks- und Weichteilirritation zurückzuführen. Dennoch würden zervikal wie auch lumbal degenerative Veränderungen vorliegen, die an der HWS bild
mor
phologisch und an der LWS aktenanamnestisch bekannt seien und bei der Arbeit als Bäcker mit monotoner Körperhaltung sowie beim repetitiven Heben und Tragen von schweren Lasten in teils ergonomisch ungünstigen Körper
haltungen zu relevanten Schmerzen führen könnten.
In einer leidensangepassten Tätigkeit mit leichter körperlicher Belastung in wechselnder Körperhaltung unter Vermeidung von statischen Positionen in flektierter Oberkörperhaltung sei eine Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 % zumut
bar. Unter optimalen Bedingungen sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zu erwarten (S. 3 «Beurteilung»
; vgl. zum Ganzen auch den auf denselben Untersuchungen basierenden Formularbericht vom 17. Mai 2019, Urk. 10/18/7
10
).
3.2
Seit dem 9. Oktober 2018 ist der Beschwerdeführer aufgrund von Schmerz
be
schwerden alle sechs Wochen in der
Klinik B._
bei Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie
FMH
, Fähig
keits
ausweis
Interventionelle
Schmerztherapie sowie Vertrauensarzt, in Behand
lung (undatierter Bericht, eingegangen am 15. Mai 2019, Urk.
10/17
).
Unter Diagnosen führte Prof.
C._
die Folgenden auf:
Impingement
Hüfte beidseits,
Fazettenarthrose
lumbal,
ISG-Arthropathie
rechts, Diskushernien C5/6 und C6/7 mit Spinalkanalstenose und eventuell Myelopathie,
costosternale
Blockaden (Ziff. 2.5). Eine Arbeitsunfähigkeit habe er keine ausgestellt (Ziff. 1.3). Die beruf
liche Situation des Beschwerdeführers sei ihm nicht bekannt (Ziff. 3).
3.3
Im Auftrag des Unfallversicherers erstellte
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
zertifizierte medizinische Gutachterin SIM,
das Gutachten vom 23. Mai 2019 (Urk. 10/22/5-20).
Gestützt auf die ausführliche Befunderhebung (S. 7-10) stellte
Dr.
D._
fol
gende Diagnosen (S. 11):
-
deutliche Selbstlimitierung/Aggravation
-
mögliche
rezidivierende Beschwerden der Wirbelsäule bei Fehlstatik, Haltungsinsuffizienz, muskulärem Hartspann und
verschmächtigter
Rumpf
muskulatur. Degenerative Veränderungen der HWS ohne nerven
wurzelbezogenes neurologisches Defizit. Beidseits erheblich verkürzte
Ischiokruralmuskulatur
.
-
radiologischer Nachweis degenerativer Veränderungen an HWS, LWS und den Hüftgelenken
-
anamnestischer und klinischer Hinweis auf
myofasciale
Beschwerden
-
Status nach Stolpersturz am
9.
August 2018
Bei der Untersuchung habe sich eine deutliche Selbstlimitierung und Aggravation gezeigt, so dass das Gespräch und die Untersuchung erschwert gewesen sei
en
. Eine Indikation für eine Operation sei nicht gegeben (S. 12). Aus orthopädischer Sicht sei ab sofort die Wiederaufnahme der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter zu 50 % möglich, Steigerung auf 75 % nach Ablauf von 14 Tagen und Steigerung auf 100 % nach Ablauf von nochmals 14 Tagen. Die stufenweise Wiederaufnahme erfolge ausschliesslich bei Dekonditionierung (S. 13 zu Ziff. 8). Aus somatischer Sicht würden sich krankheitsbedingt Einschränkun
gen für ausschliesslich schwere Arbeiten in Kombination mit häufigem Bücken, ständigen Zwangshaltungen und auch Tätigkeiten über Kopf ergeben. Krank
heitsbedingt könne der Beschwerdeführer körperlich leichte und mittelschwere Tätigkeiten, die bevorzugt aus wechselnder Ausgangslage verrichtet würden, ab sofort in vollem Pensum ausüben, wobei zu einer stufenweisen Wiedereingliede
rung bei Dekonditionierung geraten werde (S. 14 oben).
3.4
In der Verlaufskontrolle vom 1. Juli 2019 im
A._
habe sich im Vergleich zur letzten Konsultation zervikal und lumbal ein unverändertes Beschwerdebild präsentiert. Ebenfalls sei ein weitgehend unveränderter neurologischer Status erhoben worden (Bericht vom 2. Juli 2019, Urk.
10/38/7-9
, insbesondere S. 2 «Beurteilung»).
3.5
Am 18. Juli 2019 habe der Beschwerdeführer einen Auffahrunfall erlitten, als er mit dem Auto vor einer Barriere gebremst habe und ihm dabei ein anderes Auto aufgefahren sei. Wie dem Bericht vom 26. Juli 2019 der
Ärzte und Ärztinnen des Universitären Wirbelsäulenzentrums der
Universitätsklinik
E._
weiter
zu ent
nehmen ist (Urk.
10/38/10-11
), habe er sich am 25. Juli 2019 notfallmässig bei ihnen vorgestellt. Er
habe
über seit dem Unfall bestehende sehr ausgeprägte Nackenschmerzen mit Brustschmerzen ohne Ausstrahlung in die Schulter
berich
tet
. Ebenfalls habe er Armschmerzen im Bereich des
Dermatoms
C7 links ange
geben, wobei diese bereits vor dem Unfall seit einigen Monaten bestanden hätten, jedoch noch weniger ausgeprägt
.
Kopfschmerzen, Bewusstseinsverlust, Erbrechen oder Übelkeit hätten seit dem Unfall nicht bestanden
(S. 1 «Anamnese»)
.
Im Befund wurden insbesondere Schmerzen bei Palpation der HWS mit starker Anspannung der Muskulatur und Schmerzen bei Palpation des Halses lateral mit einer leichten Schwellung am Hals
, Kraft M5 von 5 der oberen und unteren
Extremitäten, leichte Kribbelparästhesie bei Palpation der Finger II bis V bei ansonsten keiner Sensibilitätsminderung festgehalten. Der
Spurling
-Test sei auf
grund der Muskelspannung nicht durchführbar
gewesen
,
Trömner
beidseits negativ. Thorakal und über der LWS hätten keine Schmerzen bestanden (S. 2 f.).
Mittels MRI habe eine Fraktur oder eine Myelopathie ausgeschlossen werden können. Das Röntgen des Thorax habe keine Verbreiterung des
Mediastinums
gezeigt und das EKG sei unauffällig gewesen. Es werde eine konservative Behandlung mittels Schmerzmittel und
Muskelrelaxans
empfohlen und eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für drei Wochen mit Reisefähigkeit attestiert (S. 2 «Beurteilung und Prozedere»).
Folgende Diagnosen wurden aufgeführt (S. 1):
-
Zervikalgie
und schmerzhafte Radikulopathie C7 links mit/bei
-
Schleudertrauma nach Autounfall am 18. Juli 2019
-
Diskushernie C6/C7 rechts mit Kompression der Wurzel C7 links
3.6
Prof.
C._
hielt mit Kurzbericht vom 29. August 2019 fest, der Beschwerde
führer habe mittlerweile ein Hals-Distorsionstrauma erlitten und sei dementspre
chend krankgeschrieben worden. Bezüglich des ISG liege keinerlei Veränderung vor. Der Beschwerdeführer wolle keine Infiltrationen oder gar eine Fusion und melde sich wieder bei Bedarf (Urk.
10/38/12
).
3.7
Der Hausarzt des Beschwerdeführers,
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Medizin FMH,
führte im Bericht vom 24. Februar 2020 (Urk. 10/42/7-8; vgl. auch Bericht vom 11. Februar 2020, Urk.
10/38/1-6
, sowie Stellungnahme vom 12. Februar 2020, Urk. 10/42/12
) aus, der Beschwerdeführer sei am 9. August 2018 auf die linke Schulter gestürzt und habe seither relevante Nacken
beschwer
den. Leider sei es am 18. Juli 2019 zu einem Autounfall mit Schleuder
trauma und Kompression der Wurzel C7 links gekommen
(Ziff. 1).
Unter Belastung leide er aktuell immer noch an einem zervikobrachialen Syndrom und es komme zur Dekompensation des Rückens. Aus diesem Grund könne er zurzeit nur 50 % arbeitsfähig geschrieben werden (Ziff. 2 und 6). Die Arbeitsfähigkeit in einer anderen Tätigkeit sei aus betrieblichen Gründen und auch aus Belastungs
gründen nicht zu erhöhen (Ziff. 7).
Dr.
Z._
verwies auf die Diagnosestellung im Bericht der Universitätsklinik
E._
(Ziff. 3; vgl. E. 3.5).
3.8
Prof.
C._
empfahl zur Linderung der Schmerzen im Bereich des Beckengürtels zwei Behandlung
s
optionen: Einerseits eine erneute Infiltration des rechten
ISG
oder eine minimal-invasive Stabilisation des rechten ISG in Kombination mit einer endoskopischen
Denervation
desselben (Bericht vom 3. Juni 2020, Urk.
10/52/2
).
3.9
Am 30. März 2020 nahm
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), Stellung (Urk. 10/44/5
7). Er führte aus, gestützt auf die vorliegenden Arztberichte sei ein somatischer Gesundheitsschaden mit daraus ableitenden Einschränkungen der funktionellen Leistungsfähigkeit ausgewiesen. Er nannte folgende Diagnosen:
-
chronisch-rezidivierendes
zervikoradikuläres
Reizsyndrom C6 und C7 links bei Diskushernie C5/6 und C6/7 links mit
Neuroforaminalstenosen
der C6- und C7-Wurzel links, klinisch und neurophysiologisch ohne Anhalt für radikuläre Läsion
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit möglicher inter
mittierender
radikulärer
Reizung von L5 rechts ohne neurogene Ausfall
symptomatik mit/bei
-
multifaktorieller Genese bei Facettengelenk-Dysfunktion mit
myo
faszialer
Begleitreaktion und
Diskopathie
-
MRI Oktober 2018: bei L4/5 aktivierte Osteochondrose und mittel
gradige
rezessale
Kompression L5 rechts;
Diskopathie
L5/S1 mit leichter Irritation S1 rechts
Diese Gesundheitsschäden seien seit längerem stabil.
Da die bisherige Tätigkeit
durch den Arbeitgeber
als oft verbunden mit Heben und Tragen leichter und manchmal mittelschwerer Lasten beschrieben werde, sei eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 50 % seit dem 29. August 2019 (zuvor vom 25. Juli 2019 bis 28. August 2019 100 %) nachvollziehbar im Hinblick auf die degenerativen Veränderungen der HWS und LWS. Für eine leidensangepasste Tätigkeit sei jedoch, abstellend auf die in allen Arztberichten beschriebenen klinischen Befunde und zweifellos plausiblen Angaben im Gutachten mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit von einer ganztägig-vollschichtigen Arbeits
fähig
keit auszugehen mit einer höchstens minimalen Leistungsminderung von zirka 10 % wegen der nachvollziehbaren Notwendigkeit, zwecks Wechsel der Posi
tion/Arbeitshaltung. Dies gelte seit dem Untersuchungstag bei
Dr.
D._
(23. April 2019), wobei die zumutbare Arbeitsfähigkeit höchstens vorübergehend für maximal sechs Wochen nach dem am 18. Juli 2019 erlittenen «Schleuder
trauma» unterbrochen worden sei.
3.10
Auf Nachfrage des Krankentaggeldversicherers (vgl. Urk. 2/3) gab
Dr.
Z._
am 16. Juli 2020 an, es sei weiterhin von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit aus
zugehen. Der Beschwerdeführer bemühe sich, diese Tei
larbeitsfähigkeit aufrecht zu halten
. Die Arbeitsfähigkeit könne nicht erhöht werden wegen der Schmerz
progression. Die 50%ige Arbeitsunfähigkeit beziehe sich auf jede Art von Arbeit (Urk.
3
/3).
4.
4.1
Im Rahmen der Untersuchung bei
Dr.
D._
wehrte dieser diverse Bewegungs
funktionsprüfungen ab aufgrund von Schmerzen. Teils fielen die aktiven Funktions
überprüfungen auffallend aus, wohingegen die passive Überprüfung
einen Normalbefund ergab. Das in
der Untersuchungssituation gezeigte Gangbild sei im Widerspruch gestanden zum gemeinsam zurückgelegten Weg vom Wartebereich zum Untersuchungszimmer (vgl. Urk. 10/22/12-14). Insofern ist die von
Dr.
D._
genannte deutliche Selbstlimitierung sowie Aggravation nach
vollziehbar
und ausgewiesen
.
Bereits die Ärzte des
A._
wiesen auf eine Selbst
limitierung hin, welche auch seitens der externen Physiotherapie bestätigt worden
ist
(vgl. E. 3.1). Beruht die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation, liegt regelmässig keine versicherte Gesundheits
schädigung vor (BGE 131 V 49 E. 1.2).
Dabei ist nicht in Abrede zu stellen, dass beim Beschwerdeführer durchaus zwar verschiedene objektivierbare Befunde im Bereich des Rückens dokumentiert und von den Ärzten im Rahmen ihrer Beur
teilung
en
auch berücksichtigt wurden. Gestützt auf die umfassende Befunderhe
bung und die schlüssige Beurteilung sowohl durch Dr.
D._
wie auch seitens der Ärzte des
A._
ergibt sich insgesamt ein vollständig und schlüssig ermitteltes Bild des Gesundheitszustandes. Demnach ist mit überwiegender Wahrscheinlich
keit eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit in
der
bisherigen Tätigkeit als Produktions
mitarbeiter aufgrund der Rückenproblematik des Beschwerdeführers durchaus nachvollziehbar. Diese
r
steht hingegen eine zumutbare Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit nicht entgegen.
Dr.
D._
bezifferte diese auf 100 %. Durch die Ärzte des
A._
wurde dem Beschwerdeführer eine durch
schnittliche Arbei
tsfähigkeit von 90 % attestiert und auch der RAD-Arzt begrün
dete eine Arbeitsfähigkeit von 90 % in angepasster Tätigkeit als zumutbar (vgl.
E. 3.9).
4.2
E
ntgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
machte
der behandelnde Hausarzt
Dr.
Z._
keine objektiv fassbaren Aspekt
e namhaft, welche
Dr.
D._
, den Ärzte
n
des
A._
oder
auch
der Universitätsklinik
E._
e
ntgangen waren oder mit denen diese
sich nicht befasst hatte
n
. Die von
Dr.
Z._
attestierte Arbeits
unfähigkeit ist auch aufgrund der Erfahrungstatsache zu relativieren, dass Hausärztinnen und Hausärzte wie überhaupt behandelnde Arztpersonen beziehungs
weise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Nach dem Gesagten nannte
Dr.
Z._
keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte, welche Zweifel am Gutachten begründen würden.
Ohnehin
führte
er weder
Diagnosen
noch die
durch ihn erhobenen Befunde auf. Er verwies diesbezüglich jeweils auf andere Arztberichte (vgl. Urk. 10/
38/2-3, 10/42/8 Ziff. 3
). Dement
sprechend mangelt es in seinen Berichten
an einer eigent
lichen medizinischen Begründung, womit seine
Einschätzung nicht nachvollziehbar ist.
Aus den Berichten von Prof.
C._
lässt sich ebenfalls nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ableiten. Diesen mangelt es ebenfalls an einer Beschreibung des erhobenen Befundes. Zudem erachtete er es
- trotz Behandlung seit Oktober 2018 und offenbar regelmässigen Behandlungen -
offensichtlich nicht als not
wendig, sich über die berufliche Situation des Beschwerdeführers zu erkunden, da er ihm ohnehin keine Arbeitsunfähigkeit attestierte (vgl.
E. 3.2, 3.6 und 3.8).
4.3
Die Diskushernien C5/C6 und C6/C7 bestanden bereits vor dem Autounfall
vom Juli 201
9.
Ebenfalls wurde
in den MRI
-Aufnahmen
vom August 2018 und März 2019 bereits eine Kompress
ion der Wurzeln C6 und C7 ersichtlich
(Berichte
A._
vom 4. Oktober 2018, Urk. 10/7/23-24, und vom 30. April 2019, Urk. 10/38/13
; vgl. auch Bericht Arbeitsplatzanalyse vom 8. Februar 2019, Urk. 10/7/2
)
. Es fehlt
somit
an einer objektivierbaren Verschlimmerung aufgrund des Unfallereignisses vom Juli 201
9.
Die geschilderte Beschwerdeproblematik anlässlich der notfall
mässigen Konsultation in der Universitätskl
inik
E._
(vorstehend E. 3.5
) lässt ebenfalls auf keine erhebliche gesundheitliche Veränderung
aufgrund dieses Unfalles
schliessen. Die Ärzte attestierten
dem Beschwerdeführer lediglich
eine
vorübergehende
dreiwöchige 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
4.4
Soweit der Beschwerdeführer des Weiteren vorbringt,
Dr.
D._
stehe in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Beschwerdegegnerin, da diese
Dr.
D._
regel
mässig mandatiere, ist zu erwähnen, dass das Gutachten durch den Unfallver
sicherer veranlasst wurde und nicht durch die Beschwerdegegnerin.
Ohnehin führen u
nter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Abhängigkeit von einem Versicherungsträger gemäss gefestigter Rechtsprechung der regelmässige
Beizug
eines Gutachters oder einer Begutachtungsinstitution, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein genommen nicht zum Ausstand. Ein
Ausstandsgrund
ist nicht schon deswegen gegeben, weil jemand Aufgaben für die Verwaltung erfüllt, sondern erst bei persönlicher
Befangenheit (BGE 137 V 210 E.
1.3.3 mit Hinweisen).
4.5
Zusammenfassend ist nach dem Gesagten von einer dauerhaft eingeschränkten Arbeitsfähigkeit von 50 % in der bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter auszugehen. In einer leidensangepassten Tätigkeit besteht
hingegen
seit dem 23. April 2019 eine 90%ige Arbeitsfähigkeit.
Wenn der Beschwerdeführer diese
medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht verwertet, ist er trotzdem nach dieser, mithin nach dem ihm objektiv zumutbaren Arbeitsausmass, zu beurteilen (BGE 127 V 294 E. 4c).
5.
Die Invaliditätsbemessung der Beschwerdegegnerin wurde vom Beschwerdeführer in
masslicher
Hinsicht nicht bestritten und ist aufgrund der Akten- und Rechts
lage nicht zu beanstanden, weshalb von einem Invaliditätsgrad von 3 % auszu
gehen ist. Die Beschwerdegegnerin hat den Rentenanspruch zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
Der Beschwerdef
ührer ersu
chte um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Markus
Wyttenbach
, Zürich (Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung not
wendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechts
vor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex
ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren unge
fähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei ver
nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer brachte im vorliegenden Verfahren zur medizinischen Ent
scheidungsgrundlage im Wesentlichen lediglich vor,
es könne nicht auf das Gut
achten von
Dr.
D._
abgestellt werden, da dieses veraltet sei zufolge des Unfalles vom 18. Juli 2019 und seinen danach verstärkt ausgeprägten Beschwerden
. Es sei auf die Einschätzung der Behandler, allen voran
Dr.
Z._
, abzustellen
. Wie zuvor dargelegt findet sich in den Akten keinerlei Stütze für einen invalidisierenden
Gesundheitsschaden aufgrund des Unfallereignisses vom 18
. Juli 2019, weshalb die Beurteilung von
Dr.
D._
dadurch nicht als veraltet gelten kann.
Sodann sind die Berichte von
Dr.
Z._
derart rudimentär, dass gestützt darauf seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht als ansatzweise aus
gewiesen erachtet werden kann.
Der Beschwerdeführer wurde sodann bereits von seiner Rechtsschutzversicherung darauf hingewiesen, dass
vorliegend keine hin
reichende
Aus
sicht
auf Erfolg erkannt
werde
(vgl. Schreiben vom 12. Juni 2020, Urk. 3/10).
Aufgrund der Akten- und Rechtslage mussten ihm daher die Gewinn
aussichten von Anfang an beträchtlich geringer erscheinen als die Gefahr zu unterliegen, weshalb seine Beschwerde als offensichtlich aussichtslos anzusehen ist.
Das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist daher zufolge Aussichtslosigkeit abzuweisen.
6.2
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.