Decision ID: 6ccb979f-264a-47dd-be3a-89ad507f5884
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend mehrfache versuchte Erpressung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 1. Abteilung, vom 4. September 2013 (DG130076)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 18. März
2013 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 14).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
- der mehrfachen versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1
StGB, teils in Verbindung mit Art. 156 Ziff. 4 StGB und je in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie
- der vorsätzlichen Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen
im Sinne von Art. 239 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 289
Tage durch Haft erstanden sind.
Es wird davon Vormerk genommen, dass sich der Beschuldigte seit dem
15. März 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befindet.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
28. Februar 2013 beschlagnahmte Festplatte Western Digital 500 GB
(Sachkaution ...) wird der Kantonspolizei Zürich, TEU-ICT, Zeichen ..., zur
gutscheinenden Verwendung bzw. Vernichtung überlassen.
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5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 12'636.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 10'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 48'060.85 Auslagen Vorverfahren
Fr. 8'388.55 amtliche Verteidigung Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens,
ausgenommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Die Kosten für die amtliche Verteidigung – über deren Höhe separat
entschieden wird – werden auf die Gerichtskasse genommen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 73 S. 2)
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 04.09.2013 (Prozess-
Nr. DG130076) aufzuheben;
2. es sei der Berufungskläger von jeglicher Schuld und Strafe
freizusprechen;
3.1 eventualiter sei der Berufungskläger hinsichtlich des Hauptdossiers
(HD) schuldig zu sprechen.
3.2 diesfalls sei der Berufungskläger mit einer bedingten Freiheitsstrafe
von maximal 24 Monaten zu bestrafen, unter Ansetzung einer
Probezeit von 2 Jahren
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4. dem Berufungskläger sei für die zu Unrecht erlittene Haft eine
angemessene Genugtuung nebst 5% Zins sei 30.05.2012
zuzusprechen;
5. Die Kosten für Untersuchung, Verfahren und Verteidigung seien dem
Staat zu überbinden;
6. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 8% Mwst. zu
Lasten des Staates.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 74 S. 2)
Das Urteil der Vorinstanz sei zu bestätigen mit Ausnahme des Strafmasses;
hier sei eine Freiheitsstrafe gegen den Beschuldigten in der Höhe von 9
Jahren auszusprechen.
_

Erwägungen:
I.
Verfahrensgang
1. Mit Urteil vom 4. September 2013 sprach das Bezirksgericht Zürich, 1.
Abteilung, den Beschuldigten A._ schuldig der mehrfachen versuchten
Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB, teils in Verbindung mit Art. 156
Ziff. 4 StGB, und je in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der vorsätzlichen
Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, im Sinne von Art. 239 Ziff. 1
StGB und bestrafte ihn - unter Anrechnung von 289 Tagen Haft - mit 7 1⁄2 Jahren
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Freiheitsstrafe, wobei davon Vormerk genommen wurde, dass sich der
Beschuldigte seit dem 15. März 2013 im vorzeitigen Strafvollzug befindet. Des
Weiteren wurde eine beschlagnahmte Festplatte Western Digital 500 GB
(Sachkaution ...) der Kantonspolizei Zürich zur gutscheinenden Verwendung bzw.
Vernichtung überlassen und es wurden dem Beschuldigten die Kosten der
Untersuchung sowie des gerichtlichen Verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der
amtlichen Verteidigung, auferlegt (Urk. 58, insb. S. 51).
2. Gegen das am 4. September 2013 mündlich eröffnete Urteil liess der
Beschuldigte innert Frist mit Eingabe vom 12. September 2013 Berufung
anmelden (Prot. I S. 28; Urk. 44). Mit Eingabe vom 10. Februar 2014 reichte die
Verteidigung rechtzeitig die Berufungserklärung ein (Urk. 56/2, Urk. 63), wobei sie
bemerkte, die Berufung nicht zu beschränken (Urk. 63 S. 3). Konkrete
Beweisergänzungsanträge (vgl. Art. 399 Abs. 3 lit. c StPO) stellte die Verteidigung
keine (vgl. Urk. 63, insb. S. 5). Mit Präsidialverfügung vom 12. Februar 2014
wurde die Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
sowie den Privatklägern zugestellt, und es wurde ihnen Frist angesetzt, um zu
erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde, oder um begründet ein
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 64). Fristgerecht erklärte der
Vertreter der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich Anschlussberufung mit
dem Bemerken, die Berufung auf die Bemessung der Strafe zu beschränken
(Urk. 66). Die Privatkläger äusserten sich nicht. Mit Präsidialverfügung vom 17.
März 2014 wurden dem Beschuldigten und den Privatklägern die
Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich zugestellt
(Urk. 67).
3. Am 21. März 2014 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den
23. Mai 2014 vorgeladen, wobei den Privatklägern die Teilnahme freigestellt
wurde (vgl. Urk. 69). Zur Berufungsverhandlung erschien der Vertreter der
Anklagebehörde sowie der Beschuldigte (aus dem vorzeitig angetretenen
Strafvollzug vorgeführt) in Begleitung seines Verteidigers (Prot. II S. 4).
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II.
Prozessuales / Umfang der Berufung
A. Umfang der Berufung
1. Mit seiner Berufung verlangt der Beschuldigte in seinem Hauptstandpunkt
einen vollumfänglichen Freispruch. Seine Berufung richtet sich mithin gegen den
vorinstanzlichen Schuldspruch, die ausgefällte Sanktion sowie die Kostenauflage
(vgl. Urk. 63 S. 2 f.; Urk. 73 S. 2). Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft
richtet sich gegen das ausgefällte Strafmass (vgl. Urk. 66; Urk. 74). Nicht
angefochten ist somit die vorinstanzliche Kostenfestsetzung sowie die
Überlassung der beschlagnahmten Festplatte an die Kantonspolizei Zürich zur
gutscheinenden Verwendung bzw. Vernichtung.
2. Somit ist festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil vom 4. September
2013 bezüglich Dispositivziffern 4 (Überlassung der Festplatte Western Digital
500 GB der Kantonspolizei Zürich zur gutscheinenden Verwendung bzw.
Vernichtung) und 5 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen ist.
B. Verwertbarkeit der erhobenen Beweismittel
1. Das Bezirksgericht hat sich zutreffend zur Verwertbarkeit des
psychiatrischen Gutachtens, der Einvernahmen des Beschuldigten sowie der
mittels technischer Mittel erhobenen weiteren Beweise verbreitet (Urk. 58 S. 6-8
und S. 10 f.); auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen sei verwiesen
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend dazu das Folgende:
2. Mit Bezug auf den von der Polizei beobachteten Briefeinwurf durch den
Beschuldigten am 30. Mai 2012, kurz nach 18.00 Uhr bei der Postfiliale B._
(vgl. Urk. HD 1/13), machte die Verteidigung vor Vorinstanz und auch im
Berufungsverfahren geltend, die im Wahrnehmungsbericht wiedergegebene
Beobachtung sei nicht verwertbar, mit der sinngemässen Begründung, die
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beobachtenden Polizeibeamten seien nicht als Zeugen befragt worden (Prot. I
S. 23; Urk. 63 S. 4). Beim Wahrnehmungsbericht vom 5. Juni 2012 handelt es
sich um einen amtlichen Bericht im Sinne von Art. 195 Abs. 1 StPO. Diese
Bestimmung hat zum Ziel, Einvernahmen von Beamten überflüssig zu machen;
diese Amtsberichte sind häufig prozessökonomischer und sachdienlicher als
Zeugeneinvernahmen, da sich die befragten Personen ohnehin regelmässig auf
ihre Unterlagen stützen müssen (vgl. BSK, StPO-Bürgisser, 2011, N 2 zu Art. 195
StPO; Niklaus Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts,
Zürich/St. Gallen 2009, N 967). Der Wahrnehmungsbericht ist demnach ohne
Weiteres verwertbar und eine Befragung der Polizeibeamten über ihre
Beobachtungen ist entbehrlich.
3. Die von der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich mit Gesuch vom
25. April 2012 beantragte Genehmigung einer verdeckten Ermittlung (HD
Urk. 5/3/2) bewilligte das Zwangsmassnahmengericht des Obergerichts des
Kantons Zürich mit Verfügung vom 26. April 2012 (HD Urk. 5/3/3).
4. Zu ergänzen ist des Weiteren, dass die Aussagen der polizeilich als
Auskunftspersonen - in Abwesenheit des Beschuldigten und seines Verteidigers -
einvernommenen Personen aus dem Umfeld des Beschuldigten mangels
nachfolgender Befragung unter Einräumung der Beschuldigtenrechte nicht zu
Lasten des Beschuldigten verwertbar sind (vgl. Art. 147 StPO; so auch die
Verteidigung in Urk. 63 S. 4). Darauf hat bereits die Vorinstanz hingewiesen
(Urk. 58 S. 11).
5. Letztlich sind - mit dem Bezirksgericht - auch die Einvernahmen des
Beschuldigten verwertbar, anlässlich welcher noch kein Verteidiger teilnahm (vgl.
HD Urk. 2/1, HD Urk. 2/2, HD Urk. 9/4), nachdem der Beschuldigte jeweils
eingangs der Befragungen auf seine Rechte (vgl. auch Art. 158 Abs. 1 StPO)
hingewiesen wurde. Der vom Beschuldigten zu Beginn des Vorverfahrens
gewünschte amtliche Verteidiger (HD Urk. 2/2 S. 5: Rechtsanwalt lic. iur.
Y._), war zufolge Auslandabwesenheit erst nach durchgeführter
Hafteinvernahme verfügbar (vgl. HD Urk. 10/1).
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C. Beweisergänzung
1. Wie noch zu zeigen sein wird, kann - mit der Vorinstanz (dazu Urk. 58 S. 38)
- die von der Staatsanwaltschaft vor Bezirksgericht beantragte Beweisergänzung
(nämlich, dass das MacBook Air des Beschuldigten nach dessen Verhaftung nicht
mehr in Betrieb war bzw. nicht mehr eingeloggt wurde; vgl. dazu Prot. I S. 12)
unterbleiben. Der Beweisantrag wurde im Übrigen im Berufungsverfahren nicht
erneuert.
2. Mit dem Bezirksgericht (vgl. Urk. 58 S. 38 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) erweist
sich auch im Berufungsverfahren die formelle Einvernahme von C._ und
D._ als Zeugen als entbehrlich. Ein entsprechender Antrag wurde denn auch
im Berufungsverfahren seitens der Verteidigung nicht mehr gestellt.
III.
Schuldpunkt
A. Anklagevorwurf
1. Im Hauptdossier wird dem Beschuldigten kurz zusammengefasst zur Last
gelegt, nach einem entsprechenden Entschluss im Frühjahr 2012 im Zeitraum
vom 19. März 2012 bis 30. Mai 2012 versucht zu haben, von der Stadt Zürich
mittels per Brief oder E-Mail gesandter Drohungen verschiedener
Bombenanschläge auf wichtige öffentliche Institutionen und Einrichtungen
(Hauptbahnhof Zürich, Flughafen, Schulhäuser) - und damit verbunden dem Tod
vieler Menschen - eine Geldsumme in Millionenhöhe zu erwirken, damit er auf die
Ausführung der Bombenanschläge verzichte. Zur Untermauerung seiner
Drohungen und Geldforderungen habe der Beschuldigte zu einem nicht mehr
genau bestimmbaren Zeitpunkt eine Bombenattrappe an den Gleisen der ... Bahn
(...) in der Nähe des Bahnüberganges ...-Weg/...-Strasse deponiert, woraufhin
dieser Bereich - nach entsprechendem Hinweis des Beschuldigten und der
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Forderung nach Fr. 2 Mio. in einem E-Mail vom 13. April 2012 - grossräumig habe
abgesperrt und die Wohnhäuser in der unmittelbaren Nähe hätten evakuiert
werden müssen.
2. Im Nebendossier wird dem Beschuldigten zusammengefasst vorgeworfen,
E._ mittels eines Schreibens, in welchem Todesdrohungen gegen ihn und
seine Familie ausgestossen worden seien, zu veranlassen, eine grosse Menge
Geld (Fr. 50 Mio.) zu zahlen, wozu es jedoch nicht gekommen sei.
B. Standpunkt des Beschuldigten
1. Nachdem der Beschuldigte zu Beginn des Vorverfahrens, d.h. in den ersten
Befragungen mit Bezug auf den Anklagevorwurf Hauptdossier, noch gewisse
Zugaben gemacht hatte [Urheber des Schreibens vom 19. März 2012; HD
Urk. 2/1 S. 15 f.; textliche Vorbereitung der E-Mails nach Diktat von 'F._', HD
Urk. 2/1 S. 17], er am 30. Juni 2012 gar in einem Schreiben an den
sachbearbeitenden Staatsanwalt den Vorwurf grundsätzlich eingestand [HD
Urk. 11/10: "(...) I done everything, I send mail I send emails I put red box on the
train road. Name F._ is not exsisting (...)"], er in der staatsanwaltschaftlichen
Befragung vom 24. Juli 2012 an seinem Geständnis festhielt (HD Urk. 2/4 S. 3 ff.;
auch HD Urk. 2/5 S. 2) und am 17. September 2012 gegenüber der Polizei
ausdrücklich die Urheberschaft am Schreiben vom 30. Mai 2012 einräumte (HD
Urk. 2/6 S. 8), rückte er in den folgenden Befragungen (ab November 2012) von
diesen Zugaben ab [u.a. HD Urk. 2/7 S. 3 f. : "(...) ich habe nichts zu tun mit all
diesen Drohungen (...)"; vgl. auch HD Urk. 11/21 (Schreiben vom 13. November
2012 an die Staatsanwaltschaft): "(...) I never blackmailed anybody neither in
writing or verbally (...)"] und distanzierte sich schliesslich auch vor Vorinstanz
vollumfänglich von den Anklagevorwürfen und stellte jedwelche diesbezügliche
Beteiligung in Abrede (Urk. 34 S. 17 ff.; vgl. auch Prot. I S. 26 f.). Diesen
Standpunkt nimmt der Beschuldigte auch im Berufungsverfahren ein (Prot. II
S. 12 ff.; vgl. auch Urk. 63 S. 4).
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2. Bezüglich Anklagevorwurf Nebendossier bestritt der Beschuldigte während
des gesamten Verfahrens konsequent, etwas mit dem inkriminierten Schreiben an
E._ zu tun zu haben (HD Urk. 2/4 S. 8, HD Urk. 2/5 S. 3, HD Urk. 2/6
S. 14 ff., HD Urk. 2/10 S. 3; Prot. I S. 27; Prot. II S. 12 f.).
C. Ablauf der polizeilichen Ermittlungen
Die Vorinstanz hat die wesentlichen Ereignisse, den Ablauf der polizeilichen
Ermittlungen (insbes. die getroffenen technischen Massnahmen) und die via E-
Mail erfolgte Korrespondenz bzw. stattgefundenen Verhandlungen mit der
unbekannten Täterschaft im Zusammenhang mit dem vorliegenden
Erpressungsvorwurf (bzw. des mehrfachen Versuchs dazu) einlässlich und
zutreffend nachgezeichnet (Urk. 58 S. 3-5); zwecks Vermeidung von
Wiederholungen kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO).
D. Sachverhalt Anklage lit. A (Hauptdossier)
1. Das Bezirksgericht hat zutreffend die Grundsätze der Beweiswürdigung kurz
dargelegt (Urk. 58 S. 11 f.); darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Zur Erstellung des Anklagesachverhalts hat das Bezirksgericht einerseits auf
die Aussagen des Beschuldigten, mit welchen er Zugaben machte, abgestellt,
nachdem es diese einer kritischen Würdigung unterzogen hatte, und anderseits
aber insbesondere auf die Erkenntnisse aus den technischen Massnahmen
zurückgegriffen. Das Bezirksgericht kam dabei im Ergebnis zum Schluss, dass
der Anklagesachverhalt erstellt sei und kein vernünftiger Zweifel an der
Täterschaft des Beschuldigten bestehe (Urk. 58 S. 12-33). Auf diese einlässlichen
Ausführungen der Vorinstanz, die - soweit im Folgenden nicht abweichende
Ausführungen gemacht werden - zu überzeugen vermögen, kann vorab
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verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen sind vor
allem zusammenfassender, teils auch ergänzender Natur.
3.1. Die Vorinstanz hat die wesentlichen Depositionen des Beschuldigten in den
einzelnen Einvernahmen bei der Polizei und der Staatsanwaltschaft wie auch
anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung zutreffend wiedergegeben
(Urk. 58 S. 12-17; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Das Bezirksgericht hat sich des Weiteren eingehend mit den Aussagen bzw.
dem Aussageverhalten des Beschuldigten auseinandergesetzt, diese bzw. dieses
gewürdigt und ist zum Ergebnis gelangt, die Ausführungen, in denen der
Beschuldigte (teilweise) ein Geständnis abgelegt habe, seien nachvollziehbarer
als jene teils wirren Erklärungsversuche zu seiner Unschuld, zumal erstere mit
dem Ergebnis der technischen Ermittlungen in Einklang stehen würden (vgl.
Urk. 58 S. 18-21). Den überzeugenden vorinstanzlichen Ausführungen und
Folgerungen ist vollumfänglich beizupflichten (Art. 82 Abs. 4 StPO), wobei sich
nur wenige Ergänzungen aufdrängen. Mit der Vorinstanz - und entgegen den
Ausführungen der Verteidigung (Urk. 73 S. 4) - ist darauf hinzuweisen, dass die
vom Beschuldigten im Zusammenhang mit seinen Zugaben zum Anklagevorwurf
ins Feld geführte Medikation zwischen dem 5. Juni 2012 und dem 13. Oktober
2012 (dazu HD Urk. 6/6 S. 49 f.) gemäss dem überzeugenden Gutachten von
Prof. Dr. med. G._ und Dr. med. H._ aufgrund der Art und Dosierung
der Medikamente sowie der psychischen Verfassung des Beschuldigten dessen
Aussageverhalten nicht beeinträchtigte. Beim Beschuldigten werde - so die
Gutachter - zu keinem Zeitpunkt eine übermässige Sedation durch die
verschriebenen Medikamente beschrieben. Der Beschuldigte selber habe
derartiges zu keinem Zeitpunkt beklagt oder beschrieben und auch in den
Einvernahmen werde sein Zustand nicht so beschrieben. Weder für eine - für
jeden Laien leicht erkennbare - massive noch für eine leichte Sedation würden
sich irgendwelche Anhaltspunkte finden. Psychopharmaka führten generell nicht
dazu, dass das Hirn quasi autonom Aussagen erfinde; auch vermöchten
Psychopharmaka keinesfalls eine Person gegen deren Willen dazu zu verleiten,
Briefe mit unwahren Angaben zu schreiben und zu verschicken (vgl. HD Urk. 6/6
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S. 94 f.). Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte in der ersten
Befragung (am 30. Mai 2012) Zugeständnisse machte, zu einem Zeitpunkt also,
an welchem er nicht unter dem Einfluss der von ihm angeführten Medikamenten
stand. Somit sind entgegen der Auffassung des Verteidigers nicht alle
Geständnisse des Beschuldigten als ungültig zu qualifizieren (Urk. 73 S. 5).
Bezüglich der (ersten) polizeilichen Einvernahme ist auf ein bemerkenswertes
Verhalten des Beschuldigten hinzuweisen. Nachdem ihm vom befragenden
Polizeibeamten ein Teil der Erkenntnisse aus den verschiedenen technischen
Massnahmen, mithin den Beschuldigten stark belastende Momente, vorgehalten
worden war, benötigte dieser offenbar Zeit, um sich über seine weitere (Aussage-
)Strategie im Klaren zu werden. So lässt sich sein Wunsch erklären, eine
Toilettenpause einlegen zu wollen (vgl. HD Urk. 2/1 S. 15). Des Weiteren gab der
Beschuldigte Täterwissen zu Protokoll, beispielsweise den Lageort der Tasche
mit dem (vermeintlichen) Geld (HD Urk. 2/1 S. 20 und beide Anhänge zur
Einvernahme; vgl. bezüglich Täterwissen auch die Protokollnotiz in HD Urk. 2/1
S. 15). Weder die zu Beginn der Untersuchung vorgetragene Version des
Beschuldigten, wonach er auf Geheiss eines 'F._' agiert habe, wobei dieser
'F._' immer in seiner Nähe (ca. 100 Meter) gewesen sei (HD Urk. 2/1 S. 16),
noch jene im späteren Verlauf der Untersuchung vorgebrachte Version, wonach
ein Komplott von Personen aus seinem Bekanntenkreis gegen ihn inszeniert
worden sei (HD Urk. 2/7 S. 3 f.), vermögen zu überzeugen. Bezüglich der ersten
Version ist bemerkenswert, dass der Beschuldigte mit dieser Darstellung eine
Erklärung für die - wie ihm kurz zuvor vorgehalten (vgl. HD 2/1 S. 15) - örtliche
Nähe seines Mobiltelefons und seines MacBook Air, der im Besitz von 'F._'
gewesen sein soll (HD Urk. 2/1 S. 16), bezogen auf einen bestimmten Zeitpunkt,
liefern konnte (dazu noch unten Erw. III/D/3.3.). Hinsichtlich der Komplott-Version
sah sich der Beschuldigte denn auch ausser Stande, ein plausibles Motiv für
seine Behauptung darzulegen. Massgeblich für die Überführung des
Beschuldigten als Täter der eingeklagten Delinquenz sind jedoch weniger die
kaum konstanten Zugaben des Beschuldigten als vielmehr die Erkenntnisse aus
den technischen (Überwachungs-)Massnahmen.
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3.3. Neben den (wenig konstanten) Aussagen des Beschuldigten weisen
verschiedene Erkenntnisse aus naturwissenschaftlichen und technischen
Massnahmen untrüglich auf den Beschuldigten als Täter hin.
3.3.1. Hinsichtlich des zweiten Drohbriefes vom 30. Mai 2012 fanden sich sowohl
auf dem Brief selber als auch auf dem Umschlag die Fingerabdrücke des
Beschuldigten (HD Urk. 4/5 S. 5). Der Beschuldigte stand denn auch beim
Einwurf des Briefes am 30. Mai 2002 bei der Poststelle B._ in den
Aussenbriefkasten dieser Poststelle (dazu HD Urk. 1/12) unter Beobachtung (vgl.
HD Urk. 1/13). Dem Erklärungsversuch der Verteidigung (vgl. HD Urk. 36 S. 8 und
Urk. 73 S. 7; profaner der Beschuldigte in Urk. 34 S. 20 sowie heute in Prot. II
S. 14) kann eine gewisse Originalität bezüglich Erklärung, wie die Fingerabdrücke
des Beschuldigten auf Brief und Umschlag kamen, nicht abgesprochen werden.
Dass indes die Fingerabdrücke des Beschuldigten im Rahmen von dessen
beruflicher Tätigkeit (Anfertigung von Inneneinrichtungen) sowohl auf das
Briefpapier wie auch auf den Briefumschlag gelangt sein sollen und Personen aus
dem persönlichen Umfeld des Beschuldigten präzis dieses Material für den Brief
vom 30. Mai 2012 verwendeten (so die Mutmassung der Verteidigung), kann mit
Fug ausgeschlossen werden.
Bezüglich der Argumentation der Verteidigung, es sei nicht plausibel, weshalb das
Schreiben einen Poststempel vom 31. Mai 2012 aufweise, der Beschuldigte habe
zu diesem Zeitpunkt aufgrund seiner Festnahme vom 30. Mai 2012 keine Briefe
mehr versenden, abschicken oder einwerfen können, ist festzuhalten, dass
diesbezüglich ein Ermittlungsbericht der Polizei bei den Akten liegt (HD
Urk. 1/12). Dieser hält fest, dass der betreffende Brief mit den Stempelangaben "-
31.-5.12-18" und einem "b" versehen sei. Es komme häufig vor, dass die
Angestellten an den Schaltern nicht zum Abstempeln der vortags eingeworfenen
Briefe kommen würden und diese Arbeit der Person beim Briefversand
überlassen würden. So habe der "b"-Stempel, welcher bedeute, dass ein Brief in
den Aussenbriefkasten der Poststelle B._ eingeworfen worden sei, meist
unverändert die Uhrzeit "18" eingestellt. Dies lasse die Schlussfolgerung zu, dass
der betreffende Brief zwischen dem 30. Mai 2012, ca. 18:00 Uhr, und dem 31. Mai
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2012, ca. 18 Uhr, abgestempelt worden sei. Da der Beschuldigte beobachtet
wurde, wie er am 30. Mai 2014, zwischen 18:06 und 18:08 Uhr, mit einem
weissen Couvert in der Hand im Eingangsbereich der Post B._ verschwand
und kurz darauf mit leeren Händen wieder zur zuvor verlassenen Pizzeria
zurückkehrte (HD Urk. 1/13 S. 2), und er am selben Tag erst um 20:00 Uhr
verhaftet wurde (HD Urk. 1/9 S. 1), ist der zeitliche Ablauf somit entgegen der
Auffassung der Verteidigung durchaus möglich und plausibel.
3.3.2. Auf dem beim Beschuldigten anlässlich seiner Arretierung sichergestellten
iPhone 4 (...; Ruf-Nummer ..., vgl. HD Urk. 8/9; dazu auch der Beschuldigte in
HD Urk. 2/9 S. 3) war die App 'local.ch' installiert (vgl. HD Urk. 4/8 S. 2). Die
Auswertung der Software durch den polizeilichen Dienst 'Informations- und
Kommunikationstechnologie' ergab, dass am 20. April 2012 nach dem Namen
'I._' gesucht wurde. Dabei handelt es sich um den Namen, welchen die
Polizei gegenüber dem Täter als Kontaktperson im Rahmen der Verhandlungen
ab 18. April 2012 verwendete (vgl. HD Urk. 1/1, Beilage 8, HD Urk. 4/10 S. 5),
wobei der Name rein fiktiv war (vgl. HD Urk. 2/9 S. 3). Dieser Name konnte somit
nur der Polizei und dem Verfasser der inkriminierten E-Mails bekannt sein.
I._ wird im Übrigen auch im zweiten inkriminierten Brief erwähnt (vgl. HD
Urk. 1/12, Beilage), was ebenfalls auf den Beschuldigten als Autor hinweist. Am
30. Mai 2012 (ca. um 13.25 Uhr), also jenem Tag, als der zweite inkriminierte
Brief an das Stadtpräsidium Zürich versandt wurde (vgl. HD Urk. 1/12, Beilage),
wurde gemäss dem polizeilichen Spezialdienst in der App 'local.ch' auf dem
iPhone des Beschuldigten der Suchbegriff 'stadtpresidentin Zurich' eingegeben
(vgl. HD Urk. 4/8 S. 2). Die unter 'local.ch' aufscheinende Adresse entsprach
genau der Anschrift auf dem zweiten inkriminierten Brief (vgl. HD Urk. 2/9 S. 4,
HD Urk. 1/12, Beilage). Bereits am 30. November 2011 war auf 'local.ch' nach
dem Namen 'E._' gesucht worden (vgl. HD Urk. 4/8 S. 2, HD Urk. 2/9 S. 6;
dazu auch unten Erw. III/E/2.).
3.3.3. Des Weiteren konnte die Kantonspolizei Zürich via FBI bei Google USA alle
Maildaten des angegebenen Kontos 'F._...@gmail.com' erhältlich machen.
Demgemäss wurde dieses Konto am 5. März 2012 unter Verwendung eines
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unverschlüsselten WLAN einer Privatperson, wohnhaft im ... [Adresse], eröffnet
(vgl. HD 1/7 S. 9). Dieses Netz befindet sich in der Nähe des damaligen
Wohnortes des Beschuldigten (...-Strasse ...). In der Folge wurde über dieses
Konto die gesamte - wie noch zu erwägen sein wird - erpresserische
Mailkommunikation zwischen dem Erpresser und der Polizei über das MacBook
Air des Beschuldigten (vgl. unten Erw. III/D/3.3.4.) ausschliesslich über
unverschlüsselte WLAN in der Stadt Zürich abgewickelt. Bereits hier sei darauf
hingewiesen, dass über ein weiteres unverschlüsseltes WLAN einer Privatperson,
wohnhaft ...-Strasse ..., d.h. wiederum in der Nähe des damaligen Wohnortes
des Beschuldigten, am 14. Februar 2012 die Mailadresse 'J._@gmail.com'
eröffnet wurde (vgl. HD Urk. 1/7 S. 10), welche als Kontaktadresse im Schreiben
an die Familie E._ angegeben wurde (dazu unten Erw. III/E/2.).
3.3.4. Der Beschuldigte stellte zu keinem Zeitpunkt in Abrede, dass es sich beim
MacBook Air (Mac Adresse ...), dessen Verpackung im Zimmer des
Beschuldigten an der ...-Strasse ..., Zürich, sichergestellt werden konnte (vgl. HD
Urk. 4/10 S. 39 f.; HD Urk. 8/3 S. 4), um das seine handelte (HD Urk. 2/1 S. 10 f.;
HD Urk. 34 S. 18). Dass der Beschuldigte behauptet, das Gerät in Zürich gekauft
zu haben (HD Urk. 2/1 S. 6, S. 10 f. und S. 19), wohingegen gestützt auf die
rechtshilfeweise erhobenen Daten davon auszugehen ist, dass das MacBook Air
am 28. März 2010 vom Beschuldigten in England gekauft und am November 2011
in die Schweiz eingeführt wurde (vgl. HD Urk. 4/10 S. 37), ist ohne Belang, ist
aber einmal mehr Beleg für die geringe Verlässlichkeit der Aussagen des
Beschuldigten. Das MacBook Air konnte - obgleich das Gerät am Tag der
Verhaftung des Beschuldigten (30. Mai 2012) um die Mittagszeit (12.49 Uhr bis
12.53 Uhr und 13.04 Uhr bis 13.07 Uhr) im offenen WLAN ...-Strasse ..., Zürich,
eingeloggt war (HD Urk. 4/10 S. 39) - anlässlich der Verhaftung des
Beschuldigten am Abend jenes Tages nicht sichergestellt werden (HD Urk. 4/10
S. 39). In jenem Zeitraum am Mittag hielt sich der Beschuldigte in der Pizzeria
'K._' an der ...-Strasse ... auf (vgl. HD Urk. 1/15 S. 3, HD Urk. 1/14 S. 2). Es
kann daher keinem vernünftigen Zweifel unterliegen, dass er damals noch im
Besitz des MacBook Air war. Dass er während der polizeilichen Observation nicht
konkret beobachtet wurde, wie er an einem Laptop hantierte, ist ohne Weiteres
- 16 -
damit erklärbar, dass er während der Zeitspanne, als er sich jeweils im Innern von
Gebäuden (beispielsweise seinem Arbeitsort, der Pizzeria "K._), nicht
observiert wurde (HD Urk. 14 S. 1). Dies schliesst somit - entgegen der
Auffassung der Verteidigung (Urk. 73 S. 8) - nicht aus, dass der Beschuldigte im
tatrelevanten Zeitraum über das besagte MacBook Air verfügte. Seine beiden -
sich widersprechenden - Versionen, das Gerät sei ihm ca. zwei oder drei Monate
vor seiner Verhaftung (aus seinem Auto) gestohlen worden (HD Urk. 2/1 S. 5 und
S. 11, HD Urk. 2/6 S. 12) bzw. 'F._' habe das Gerät ca. zwei Monate vor der
Verhaftung behändigt (HD Urk. 2/1 S. 19 und S. 23; HD Urk. 9/4 S. 4), können
nicht zum Nennwert genommen werden. Falls das Gerät aus seinem
(unverschlossenen; vgl. HD Urk. 2/1 S. 11) Fahrzeug abhanden gekommen wäre,
wäre zu erwarten gewesen, dass dies vom Beschuldigten bei der Polizei
beanzeigt worden wäre. Da verschiedene Personen aus dem Umfeld des
Beschuldigten nicht staatsanwaltschaftlich befragt wurden, können deren
Aussagen gegenüber der Polizei - wie bereits erwähnt - nicht zum Nachteil des
Beschuldigten verwendet werden. Deshalb kann - entgegen der Vorinstanz (vgl.
Urk. 58 S. 24) - der Umstand, dass die Personen aus dem Bekanntenkreis des
Beschuldigten nicht erwähnten, der Beschuldigte habe einen Diebstahl des
MacBook Air erwähnt, nicht zum Nachteil des Beschuldigten gewertet werden. Mit
der Vorinstanz (vgl. Urk. 58 S. 25) hatte der Beschuldigte am 30. Mai 2012
während des Nachmittages - trotz Überwachung (vgl. dazu HD Urk. 1/13 und
1/14) - die Möglichkeit, das MacBook Air an einem Ort zu deponieren oder einer
Person zu übergeben, wo es bis heute durch die Polizei nicht aufgefunden
werden konnte. Die - sich auf polizeiliche Abklärungen stützende - Behauptung
der Staatsanwaltschaft anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, das
MacBook Air des Beschuldigten sei seit dessen Verhaftung nie mehr eingeloggt
worden (HD Urk. 35 S. 8, Prot. I S. 11 f.), kann - entgegen der Vorinstanz (Urk. 58
S. 25) - nicht als Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten herangezogen
werden, da die Informationen lediglich informell der Staatsanwaltschaft
zugekommen sind (vgl. Prot. I S. 11) und nicht im Sinne eines formellen
Beweismittels (beispielsweise mittels eines Amtsberichtes) erhoben wurden.
Anderseits kann der erwähnte Umstand - würde der These der Verteidigung vor
- 17 -
Vorinstanz gefolgt, wonach ein Dritter den Beschuldigten habe ans Messer liefern
wollen (Prot. I S. 17) - auch nicht zur Entlastung des Beschuldigten herangezogen
werden, da für eine Dritttäterschaft schlicht keine Anhaltspunkte bestehen.
3.3.5. Der Beschuldigte hat in der Untersuchung eingeräumt, er habe über das
sichergestellte Notebook Sony Vaio verfügen können (HD Urk. 2/1 S. 5) bzw. er
habe dieses Gerät benutzt (HD Urk. 9/4 S. 4). Die Staatsanwaltschaft geht davon
aus, das Gerät gehöre dem Beschuldigten, zumal auch keine Drittansprüche
geltend gemacht worden seien (Prot. I S. 12). Der Beschuldigte behauptet
demgegenüber, das Gerät gehöre C._, seiner ehemaligen Freundin (HD
Urk. 2/1 S. 5). Vor dem Hintergrund der Zugaben des Beschuldigten hat die
Vorinstanz zu Recht den Antrag der Verteidigung (HD Urk. 33, HD Urk. 36 S. 12)
abgewiesen, den Käufer des Notebook Sony Vaio zu eruieren (Prot. I S. 10;
Urk. 58 S. 25 f.). Bemerkenswert ist hingegen Folgendes: Die Spezialisten der
Dienststelle 'Informations- und Kommunikationstechnologie' der Kantonspolizei
Zürich stellten im gelöschten Bereich der Festplatte aus dem Notebook Sony Vaio
ein Text-Fragment fest, welches direkt mit dem Namen 'F._ ...' in Verbindung
gebracht werden konnte. Dabei handelt es sich um den Inhalt des (zweiten)
Schreibens vom 30. Mai 2012 (vgl. HD Urk. 4/8 S. 1 f.; HD Urk. 1/11, Beilage).
Auch dieser Umstand weist auf den Beschuldigten als Urheber der inkriminierten
Schreiben und Mails.
3.3.6. Einen entscheidenden Hinweis auf den Beschuldigten als Täter liefert ein
Vergleich der Standorte von offenen WLAN, in welchen das MacBook Air (Mac
Adresse ...) zu einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. beim Versand eines
inkriminierten E-Mails) eingeloggt war, mit den Standorten der jeweiligen
Mobilfunk-Antenne des Netzes von Sunrise, welche vom iPhone des
Beschuldigten (Rufnummer ...) zu einem ähnlichen Zeitpunkt beansprucht wurde.
Dabei wurden im Bericht der Technischen Ermittlungsunterstützung der
Kantonspolizei Zürich vom 26. Juni 2012 rund 30 Vergleiche angestellt, wobei -
mit Ausnahme von zwei Vergleichen (Distanz von 1'450 bzw. 2'000 Metern) -
Distanzen (Luftlinie) von 90 Metern bis 910 Metern zwischen jeweiligem WLAN
und jeweiliger Antenne berechnet werden können (vgl. die Vorinstanz in Urk. 58
- 18 -
S. 26). Bei zwei weiteren Vergleichen ergaben sich grössere zeitliche
Unterschiede von ca. 34 bzw. 31 Minuten (vgl. HD Urk. 4/7, insb. S. 3, 19, 25 und
29). Diese grösseren 'Abweichungen' belegen - entgegen der Ansicht der
Verteidigung (HD Urk. 36 S. 13 f.; Urk. 73 S. 11 f.) - nicht, dass sich der
Beschuldigte nicht am Ort des MacBook Air befand und als Verfasser der
inkriminierten E-Mails ausser Betracht fällt. Im Gegenteil: die zahlreichen übrigen
Vergleiche zeigen mit jeder nur wünschbaren Deutlichkeit eine Koinzidenz auf, die
nicht mit Zufällen erklärt werden kann. Im Übrigen geht der Einwand der
Verteidigung, im fraglichen Quartier, wo die Ortungen hätten festgestellt werden
können (Kreis ...), würden zig Tausend Personen leben, weshalb ein weiter
Personenkreis in Frage kommen, der sich in die jeweiligen offen WLAN habe
einloggen können (HD Urk. 36 S. 13; Urk. 73 S. 10), ins Leere, nachdem das
Einloggen des MacBook Air des Beschuldigten in Korrelation zum Standort der
vom iPhone des Beschuldigten beanspruchten Antenne gesetzt wurde. Untrüglich
auf den Beschuldigten als Verfasser der E-Mails, der im Übrigen angab, das
iPhone immer bei sich gehabt zu haben (HD Urk. 2/6 S. 11: "Sogar beim Schlafen
habe ich mein Natel dabei"), weisen folgende Parallelen zwischen WLAN-
Standort und Antennenstandort hin:
3.3.6.1. Am 18. April 2012, um 09.22 Uhr, schrieb der Täter auf dem MacBook Air
(Mac Adresse ...) eine E-Mail an die Polizei mit folgendem Inhalt (HD Urk. 1/1,
Beilage 7):
"3 schools got explosion packs in L._ M._ N._ its liquid binary explosion control by mobile phone if I don't get what want your kids get hurt maybe killed you have one hour to back to me"
Das MacBook Air war um 9:22 Uhr in ein WLAN eingeloggt und nur eine Minute
vorher war das Mobiltelefon des Beschuldigten aktiv: Die Antenne befand sich
dabei 600 Meter Luftlinie vom WLAN entfernt (HD Urk. 4/7 S. 4).
- 19 -
3.3.6.2. Ebenfalls am 18. April 2012, um 14:14 Uhr, verschickte der Täter erneut
eine E-Mail (HD Urk. 1/1 Beilage 8):
"you know what I don't take money and just relax and look happen tomorrow morning if zurich fink I play games then I don't get money and is nothing happen lets see do I lie or not. but just remember is be for somebody is be very painful lesson plus now I sending email to news people telling true what Zurich fink is are game and don't want to deal whit me"
Zur gleichen Zeit war auch das MacBook Air des Beschuldigten eingeloggt und
knapp drei Minuten später auch sein Handy, wobei sich die benutzte Sunrise-
Antenne in einer Entfernung von lediglich 380 Metern Luftlinie befand (HD
Urk. 4/7 S. 5).
3.3.6.3. Am 19. April 2012, 08.57 Uhr, erhielt die Polizei vom MacBook Air des
Beschuldigten folgende E-Mail (HD Urk. 1/1, Beilage 10):
"hello you just win half day
if you want have deal its my rules 1 minimum is need to be Fr. 900'000 2 is need to be today about 14.00 money delivered
like I say before I don't care about money any more I don’t take money if 1 person who pick money get arrested (don't fink I so stupid to pick money my self) 2 money not real tracing or paint 3 if you say I need more time
if money real an be deliver to me what you have from me 1 3 names of school 2 may address after Sunday an d in the basement 9 more explosion 3 and I don't send email to news people
its your country it your solution
IF NO DEAL I DON’T CARE ABOUT MONEY YOU HAVE 1.5 HOUR TO BACK TO ME WHAT YOU WANT TO DO"
Rund achteinhalb Minuten später beanspruchte das Mobiltelefon des
Beschuldigten eine Sunrise-Antenne in einer Entfernung von lediglich 150 Metern
vom WLAN (HD Urk. 4/7 S. 6).
3.3.6.4. Wiederum am 19. April 2012, 11.33 Uhr, wurde eine E-Mail an die Polizei
gesandt; rund 50 Sekunden zuvor hatte das Mobiltelefongerät des Beschuldigten
eine Antenne in einer Distanz von 370 Metern beansprucht (vgl. HD 4/7 S. 7).
- 20 -
3.3.6.5. Ebenfalls am 19. April 2012, 16.29 Uhr, ging erneut eine E-Mail bei der
Polizei ein (HD Urk. 1/1, Beilage 14):
"for starts you was late its no deal go and pick money question for you what spy cameras doing (spying) i say to you i watching his place 24 hours a day and streets around tell your people to go home to proof u have nice Mercedes, plus audi strait in my camera standing, and more cars if you like i give to you colours and num you just make me very angry lets see what happen next i have 12 explosion I do now modifications what be more stronger lets see how many kids get killed i say i don't care about money, keep the money let see how many life you can buy from this money"
Das MacBook Air des Beschuldigten war zeitgleich online, sein Mobiltelefon mit
einer zeitlichen Differenz von knapp drei Minuten ebenfalls. Die räumliche Distanz
zwischen den beiden Netzen betrug lediglich 180 Meter (HD Urk. 4/7 S. 9).
3.3.6.6. Der Täter sandte am 19. April 2012, 23.15 Uhr, erneut eine E-Mail. Vom
benutzten unverschlüsselten WLAN bloss 330 Meter entfernt stand die Sunrise-
Mobilfunk-Antenne, welche vom iPhone des Beschuldigten eine gute Minute
später benutzt wurde (vgl. HD Urk. 1/1, Beilage 16 und HD Urk. 4/7 S. 11).
3.3.6.7. Aus einer handschriftlichen Notiz geht hervor, dass der Täter das Bild der
Sporttasche für die Geldübergabe am 20. April 2012 um 09.11 Uhr nochmals
anschaute (HD Urk. 1/1, Beilage 17). Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl das
MacBook Air als auch das iPhone des Beschuldigten mit einer räumlichen Distanz
zwischen den beiden Netzen von lediglich 280 Meter und einer zeitlichen
Differenz von 52 Sekunden online (HD Urk. 1/1, Beilage 17 und HD Urk. 4/7
S. 12).
3.3.6.8. Die Sendezeit einer E-Mail vom 20. April 2012, 11.05 Uhr, betreffend eine
erneute Geldübergabe stimmt mit dem Login des MacBook Air des Beschuldigten
überein. Sein iPhone beanspruchte 53 Sekunden später die in 590 Meter
Entfernung zur Verfügung stehende Mobilfunk-Antenne (HD Urk. 1/1 Beilage 19
und HD Urk. 4/7 S. 16).
- 21 -
3.3.6.9. Am 20. April 2012, 14.52 Uhr, verschickte der Täter eine detaillierte
Anleitung, wie die angebrachte Bombe zu entschärfen sei (HD Urk. 1/1 Beilage
21):
"[...] list what you need to do its doble box vacuum in between you need to have ice soon you remove from one box apply ice on the box its make cool open box make sure temperature not change little of temperature can activate explosion in side you see phone and kitchen timer don't do mistake from phone to timer you see is going 4 wares cut 2 wares market 1 and 4 [...] don't doit different way its be are problem u need new building and maybe people be dead its you start from the back its protected doit like I say and be ok [...]"
Zu diesem Zeitpunkt war das MacBook Air des Beschuldigten ebenfalls online.
Das benutzte WLAN befand sich bloss 330 Meter von der Mobilfunk-Antenne
entfernt, bei welcher das iPhone des Beschuldigten 36 Sekunden nachher aktiv
war (HD Urk. 4/7 S. 18).
3.3.6.10. Am 23. April 2012, 16.07 Uhr, erkundigte sich der Täter per E-Mail über
ein offenes WLAN bei der Polizei, ob das Geld gebracht werde oder nicht (HD
Urk. 1/1, Beilage 24). Ca. 40 Sekunden später beanspruchte der Beschuldigte mit
seinem iPhone eine Mobilfunk-Antenne, wobei die Antenne lediglich 200 Meter
vom WLAN entfernt war (vgl. HD Urk. 4/7 S. 22).
3.3.6.11. Wiederum am 23. April 2012, um 20.01 Uhr, wurde eine E-Mail an die
Polizei gesandt. Ca. 80 Sekunden später beanspruchte der Beschuldigte mit
seinem Mobiltelefon eine Antenne in einer Entfernung vom WLAN von lediglich 90
Metern (vgl. HD Urk. 4/7 S. 23).
3.3.6.12. Am 24. April 2012, 9.33 Uhr, wurde folgende E-Mail an die Polizei
geschickt (HD Urk. 1/1, Beilage 25): "hello
i tell you one think if no money today i wait when kids holiday finish after is be explosion
- 22 -
to stop me after 1 explosion i be asking for 10'000'000, after 2 i be asking for 50'000'000, after 3 is be 100'000'000 you have dead kids plus you need to pay more i will don't stop before i get what i want
i personally think is better to pay 900'000 and is be over plus you get explosion packs from my home but if you deliver money and is police be waiting or is no real money i go for hard option its mean i get more money its good for me
i ask last time do you delivering money or not
like i say is be in same place money deliver
plus i need your mob number“
Auch in diesem Fall lässt sich sowohl eine örtliche (310 Meter) als auch eine
zeitliche (6:57 Minuten) Nähe zwischen der Beanspruchung der beiden durch das
Mobiltelefon und das MacBook Air des Beschuldigten benutzten Netze (Mobilfunk
und WLAN) feststellen (vgl. HD Urk. 4/7 S. 24).
3.3.6.13. Am 7. Mai 2012,12.13 Uhr, wurde erneut eine E-Mail verschickt (HD
Urk. 1/1, Beilage 28): "ok i very not happy today you bring money is need to be 10'000'000 Fr if not you need to bring tomorrow 20'000'000 i will proof to you is very real
i know you in office you better replay if i not get response from you is be problem in school trust me"
Das MacBook Air des Beschuldigten war online in einem WLAN, welches sich
590 Meter von der vom iPhone des Beschuldigten vier Minuten 40 Sekunden
zuvor beanspruchten Mobilfunk-Antenne befand (vgl. HD Urk. 4/7 S. 26).
3.3.6.14. Wiederum am 7. Mai 2012, um 15.53 Uhr, wurde ein E-Mail folgenden
Inhalts verschickt (HD Urk. 1/1, Beilage 29): "hello i think you dead very simple roles you bring the money in same place and don’t removed if is need to stay for 4/5 days over night and no police waiting his time is 10'000’000 if not to night i will proof for you is very real but i doit in the night what nobody get killed
soon explosion be in the night you need tomorrow deliver 20'000'000 and tomorrow kids get killed
what is be i need to proof my point or us going easy way i dont waiting for your email i waiting for money finish play games to night is be proof my point if no money
plus i watching you all the time i know who you are"
- 23 -
Als diese Mail verschickt wurde, war das MacBook Air des Beschuldigten in ein
offenes WLAN eingeloggt, welches sich in 110 Metern Distanz von der benutzten
Mobilfunk-Antenne befand. Allerdings war das iPhone des Beschuldigten eine
halbe Stunde vorher aktiv (HD Urk. 4/7 S. 27).
3.3.6.15. Am 21. Mai 2012, 11.40 Uhr, war das MacBook Air des Beschuldigten
über ein offenes WLAN eingeloggt (vgl. HD Urk. 4/10 S. 36). Rund eineinhalb
Minuten zuvor hatte das iPhone des Beschuldigten eine Mobilfunk-Antenne in
einer Distanz von 230 Metern vom WLAN entfernt beansprucht (vgl. HD Urk. 4/7
S. 32).
3.3.7. Insgesamt deuten diese örtlichen Übereinstimmungen mit Bezug auf die
benutzten WLAN und die Antennen-Standorte mit der Vorinstanz (Urk. 58 S. 30 f.)
untrüglich auf den Beschuldigten als Täter bzw. Verfasser der inkriminierten E-
Mails hin.
3.4. Neben diesen, gestützt auf technische Ermittlungen festgestellten
Übereinstimmungen finden sich auch Parallelen bzw. Auffälligkeiten im
sprachlichen Bereich in den inkriminierten E-Mails, verglichen mit den Schreiben,
welche der Beschuldigte aus der Untersuchungshaft verfasste. Diese
Übereinstimmungen deuten wiederum hin auf den Beschuldigten als Verfasser
der inkriminierten E-Mails an die Polizei.
3.4.1. Auffällig ist beispielsweise die Formulierung 'givet' (wohl für 'to give') in den
E-Mails vom 16. April 2012 (11.43 Uhr) und 9. Mai 2012 (16.08 Uhr) (vgl. HD
Urk. 1/1, Beilagen 6 und 39; HD Urk. 4/10 S. 30). Diese auffällige Anomalie findet
sich - teils mehrfach im selben Brief - in drei verschiedenen handschriftlichen
Schreiben des Beschuldigten (vgl. HD Urk. 11/24/1, Beilage; HD Urk. 11/24/2; HD
Urk. 11/24/3).
3.4.2. Eine weitere nicht alltägliche Schreibweise ('whit' anstatt 'with') findet sich in
den inkriminierten E-Mails vom 22. März 2012 (08.25 Uhr), 18. April 2012 (14.14
Uhr), 19. April 2012 (23.15 Uhr) und 20. April 2012 (11.05 Uhr) (vgl. HD Urk. 1/1,
Beilagen C, 8, 16, 19) sowie im inkriminierten Schreiben vom 30. Mai 2012 (HD
- 24 -
Urk. 1/11, Beilage). Dieselbe Anomalie findet sich aber auch - teilweise mehrfach
im selben Brief - in den handschriftlichen, aus der Haft verfassten Schreiben des
Beschuldigten (vgl. HD Urk. 11/24/1, 11/24/2, 11/24/3, 11/24/5, 11/24/6, 11/24/8
und 11/24/9).
3.4.3. Eher ungewöhnlich ist auch die Casus-Verwechslung des Pronomens 'us'
anstatt 'we' in den E-Mails vom 7. Mai 2012 (15.53 Uhr) und vom 8. Mai 2012
(16.01 Uhr) (vgl. HD Urk. 1/1, Beilagen 29 und 35). Dieselbe Auffälligkeit findet
sich - teils mehrfach im selben Schriftstück - auch in den handschriftlichen, aus
der Haft verfassten Schreiben des Beschuldigten (vgl. HD Urk. 11/24/3; HD
Urk. 11/24/9, verso).
3.5. Damit ist zusammengefasst mit der Vorinstanz, auf deren Erwägungen
verwiesen werden kann (Urk. 58 S. 31 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO), der
Anklagesachverhalt lit. A (Hauptdossier) erstellt. Zu ergänzen ist lediglich
Folgendes: Gestützt auf die bisherigen Erwägungen ist der Beschuldigte als Täter
des Anklagevorwurfes überführt. Die Schreiben und E-Mails stehen in einem
Konnex und nehmen teilweise auch Bezug zueinander. Unabhängig vom
widerrufenen Geständnis des Beschuldigten ist daher auch erstellt, dass er das
erste inkriminierte Schreiben, adressiert an das Präsidialdepartement der Stadt
Zürich (erwähnt in Anklageziffer A.1.), verfasste. Mit Bezug auf die
Bombenattrappe (Anklagesachverhalt lit. A.4.) ist gestützt auf die Formulierung im
E-Mail vom 13. April 2012 [07.41 Uhr: "(...) i left red box (...)"] (HD Urk. 1/1,
Beilage 4) und der genauen Ortsangabe der Deponierung davon auszugehen,
dass der Beschuldigte die Attrappe baute und am vorgefundenen Ort deponierte.
E. Sachverhalt Anklage lit. B (Nebendossier)
1. Das Bezirksgericht erachtete diesen Anklagevorwurf als erstellt. Als
Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, die Mailadresse, welche der
erpressten Familie als Kontakt angegeben worden sei, sei in einem WLAN erstellt
worden, welches der Beschuldigte immer wieder in Anspruch genommen habe.
- 25 -
Zudem habe der Beschuldigte auf seinem Mobiltelefongerät nach dem Namen
des Privatklägers gesucht. Auch wenn mit der Verteidigung ein gänzlich anderer
Modus Operandi vorliege, passe das Prinzip zum Beschuldigten, indem der Brief
ebenfalls im gleichen schlechten Englisch geschrieben sei wie die diversen E-
Mails an die Polizei. Zudem sei, auch wenn ein Team behauptet werde, ebenfalls
mit Explosionen gedroht worden (Urk. 58 S. 32 f.).
2. Den Ausführungen des Bezirksgerichtes ist beizupflichten. Es wurde bereits
erwähnt, dass am 30. November 2011 auf dem iPhone des Beschuldigten auf der
App 'local.ch' nach dem Namen 'E._' gesucht wurde (vgl. HD Urk. 4/8 S. 2,
HD Urk. 2/9 S. 6). Auf Vorhalt dieses Umstandes sah sich der Beschuldigte
bezeichnenderweise zu einer Stellungnahme ausser Stande (vgl. HD Urk. 2/9
S. 7). Dass die Privatadresse von E._ nicht über "local.ch" eruiert werden
kann, spricht sodann nicht gegen eine Täterschaft des Beschuldigten (vgl. Urk. 73
S. 17). Ebenfalls erwähnt wurde, dass über ein unverschlüsseltes WLAN einer
Privatperson, wohnhaft ...-Strasse ..., d.h. in der Nähe des damaligen Wohnortes
des Beschuldigten, am 14. Februar 2012 die Mailadresse 'J._@gmail.com'
eröffnet wurde (vgl. HD Urk. 1/7 S. 10), welche als Kontaktadresse im Schreiben
an die Familie E._ angegeben wurde (vgl. ND 1, Urk. 2/1).
3. Des Weiteren kommt hinzu, dass auch im Schreiben an E._ (ND 1,
Urk. 2/1) ungewöhnliche Formulierungen bzw. Anomalien zu finden sind, die
ebenfalls in den handschriftlichen Schreiben des Beschuldigten, verfasst aus der
Untersuchungshaft, vorkommen. So beispielsweise die mehrfache Verwechslung
der Pronomen 'us' anstatt 'we' (vgl. dazu die Schreiben in HD Urk. 11/24/3; HD
Urk. 11/24/9, verso; dazu auch oben Erw. III/D/3.4.3.). Dann wird im Schreiben an
E._ (ND 1: Urk. 2/1), wie auch in einem Teil der inkriminierten E-Mails
bezüglich Anklagevorwurf Hauptdossier (vgl. HD Urk. 1/1, Beilagen C, 8, 16 und
19) sowie im inkriminierten Schreiben vom 30. Mai 2012 (HD Urk. 1/11, Beilage),
in den handschriftlichen Briefen des Beschuldigten aus der Untersuchungshaft
(vgl. HD Urk. 11/24/1, 11/24/2, 11/24/3, 11/24/5, 11/24/6, 11/24/8 und 11/24/9)
das englische Wort für 'mit' als 'whit' anstatt 'with' geschrieben.
- 26 -
4. Eine weitere Parallele zwischen Anklagevorwurf Hauptdossier und
Nebendossier offenbart sich des Weiteren, als die im Schreiben an E._
genannte Korrespondenzadresse bzw. E-Mail-Adresse (J._@gmail.com)
bzw. die diesbezüglich fehlerhafte Schreibweise ('inportant' anstatt 'important')
sich auch in zwei E-Mails (jenen vom 16. April 2012, 11.43 Uhr, und 10. Mai 2012,
17.56 Uhr) betreffend Anklagevorwurf Hauptdossier wiederfindet (vgl. HD
Urk. 1/1, Beilagen 6 und 40, jeweils Betreff 'inportant'). Diese verräterische
Parallele vermag nicht zu relativieren, dass der Beschuldigte anlässlich einer
polizeilichen Befragung das Wort 'wichtig' in englischer Sprache korrekt schrieb
(vgl. HD Urk. 2/9 S. 6), zumal er in einem handschriftlichen, in der
Untersuchungshaft verfassten Brief präzis den beschriebenen Fehler machte (vgl.
HD Urk. 11/24/2).
5. Insgesamt verbleiben aufgrund all dieser Indizien deshalb keine vernünftigen
Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten hinsichtlich Anklagevorwurf
Nebendossier.
F. Zusammenfassung Anklagesachverhalt
Zusammengefasst ist der Anklagesachverhalt sowohl mit Bezug auf das
Hauptdossier wie auch hinsichtlich des Nebendossiers erstellt.
G. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat sich eingehend zur rechtlichen Qualifikation der eingeklagten
Taten verbreitet und ist zum Schluss gekommen, der Beschuldigte habe sich der
mehrfachen versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 StGB, teils in
Verbindung mit Art. 156 Ziff. 4 StGB, und je in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
sowie der vorsätzlichen Störung von Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, im
Sinne von Art. 239 Ziff. 1 StGB schuldig gemacht (Urk. 58 S. 33-39). Auf diese
Ausführungen, denen auch seitens der Verteidigung im Berufungsverfahren nichts
- 27 -
entgegen gesetzt wurde (vgl. Urk. 63, insb. S. 5; Urk. 73 S. 19; dazu bereits vor
Vorinstanz in HD Urk. 36 S. 24) und die lediglich einer Ergänzung bzw. einer
kleinen Korrektur bedürfen, kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StGB).
Entgegen den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 58 S. 37) fanden sich hinsichtlich
Anklage lit. A am zweiten Drohbrief und dem Umschlag - und nicht am ersten
Brief - die Fingerabdruckspuren des Beschuldigten. Somit ist der Beschuldigte
schuldig zu sprechen der mehrfachen versuchten Erpressung im Sinne von
Art. 156 Ziff. 1 StGB, teils in Verbindung mit Art. 156 Ziff. 4 StGB, und je in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der vorsätzlichen Störung von
Betrieben, die der Allgemeinheit dienen, im Sinne von Art. 239 Ziff. 1 StGB.
IV.
Sanktion
A. Vorinstanzlich ausgesprochene Sanktion/Parteistandpunkte
1. Das Bezirksgericht verurteilte den Beschuldigten zu einer Freiheitsstrafe von
siebeneinhalb Jahren (Urk. 58, insb. S. 51). Dagegen richtet sich die
Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft, die - wie bereits vor Vorinstanz - eine
Bestrafung des Beschuldigten mit neun Jahren Freiheitsstrafe verlangt (Urk. 66).
Als Begründung dazu führt sie im Wesentlichen aus, dass zwar faktisch keine
Gefahr für Leib und Leben oder schweren Schäden an wichtigen öffentlichen
Einrichtungen bestanden habe und der Beschuldigte soweit ersichtlich zu keinem
Zeitpunkt fähig, willens oder in der Lage gewesen sei, effektive
Bombenexplosionen vorzunehmen. Jedoch habe der Beschuldigte mit einer
hohen Deliktsdynamik und kriminellen Energie agiert und die Drohungen mit
Bombenanschlägen auf Schulhäuser etc. hätten einen grossen polizeilichen
Aufwand verursacht. Der Beschuldigte habe aus krass egoistischen und rein
pekuniären Gründen gehandelt und sei durchaus raffiniert vorgegangen, so etwa
beim Absetzen der Erpresser-Mails über offene WLAN. Weiter weist die
- 28 -
Staatsanwaltschaft darauf hin, dass beide Qualifikationskriterien von Art. 156
Ziff. 4 StGB erfüllt seien. Innerhalb der Drohung der Tötung vieler Menschen habe
er sogar noch mehrmals den Kernpunkt herausgegriffen, nämlich die Tötung von
vielen Kindern, womit er auf heimtückische und perfide Weise den zentralen Nerv
jeder Sicherheitsbehörde getroffen habe. Strafschärfend sei sodann die
mehrfache Tatbegehung zu werten, wobei sein Tatvorgehen bezüglich
Nebendossier zwar weniger hartnäckig, ausgefeilt und raffiniert gewesen sei als
im HD, er jedoch auch dort ein schwerwiegendes Drohszenario entwickelt habe.
Als entlastendes Element sieht die Staatsanwaltschaft nur, dass es bei Versuchen
geblieben sei und objektiv keine effektive Gefahr vom Beschuldigten
ausgegangen sei (Urk. 74 S. 2 ff.).
2. Die Verteidigung ihrerseits hält in ihrem Eventualstandpunkt die
erstinstanzlich ausgesprochene Strafe für massiv zu hoch (Urk. 63 S. 5). Vor
Vorinstanz machte sie im Wesentlichen geltend, in verschiedenen Fällen von
Erpressungen seien deutlich tiefere Strafen ausgesprochen worden. Es sei beim
Versuch geblieben und es sei nichts und niemand zu Schaden gekommen. Es sei
lediglich eine völlig ungefährliche Bombenattrappe deponiert worden. Mithin habe
der Täter keine hohe kriminelle Energie aufgewiesen. Der Täter sei eher
dilettantisch vorgegangen; beispielsweise habe er sich nicht einmal auf einen
Betrag festlegen können. Angesichts dieser Umstände sei das Tatverschulden
nicht als sehr schwer zu qualifizieren. Die Strafe sei deshalb am unteren Rand
anzusetzen unter Gewährung des bedingten oder eventuell teilbedingten
Strafvollzuges. Dem Beschuldigten werde durch das Gutachten keine erhöhte
Gewaltbereitschaft attestiert. Im Übrigen sei bereits wegen der theoretischen
Strafandrohung ohnehin eine Strafe von maximal siebeneinhalb Jahren möglich
(HD Urk. 36 S. 25 ff.; Prot. I S. 17-19). Diese Argumentation wurde im
Berufungsverfahren wiederholt (Urk. 73 S. 19 ff.).
3. Vorab ist darauf hinzuweisen, dass die von der Verteidigung für ihren
Standpunkt ins Feld geführten Fälle von Erpressungen mangels Kenntnis der
gesamten Umstände und der Akten nichts zur Frage der Angemessenheit der vor-
instanzlich ausgefällten Strafe beizutragen in der Lage sind. Das
- 29 -
exemplifikatorisch eingereichte Urteil der I. Strafkammer des Obergerichts des
Kantons Zürich aus dem Jahre 1990 (HD Urk. 37/7) betrifft einen einfachen
Erpressungsversuch, wobei die Verminderung der Zurechnungsfähigkeit des
(geständigen) Angeklagten in leichtem bis mittlerem Grade zu einer erheblichen
Strafmilderung führte (HD Urk. 37/7 S. 10; Urk. 73 S. 20 f.). Zu den von der
Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung zitierten Fällen aus
Deutschland und Österreich liegen dem erkennenden Gericht sodann keine
weiteren Informationen vor, so dass nicht beurteilt werden kann, ob diese mit dem
heute zu beurteilenden Fall vergleichbar sind (Urk. 73 S. 21). Aus diesen nicht mit
dem vorliegenden Anklagevorwurf vergleichbaren Fällen kann die Verteidigung
nichts für die Frage der angemessenen Sanktion herleiten.
B. Strafrahmen
1. Die qualifizierte Erpressung als schwerstes Delikt sieht als Strafandrohung
Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr vor (Art. 156 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 156
Ziff. 4 StGB). Die Höchstdauer der Freiheitsstrafe beträgt 20 Jahre (vgl. Art. 40
StGB; dazu auch Weissenberg in: Basler Kommentar, Strafrecht II, 2. Auflage,
N 46 zu Art. 156 StGB). Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die
Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das
Gericht zu der Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf
jedoch das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte
erhöhen und ist dabei an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden
(Art. 49 Abs. 1 StGB). Art. 49 Abs. 1 StGB greift nur, wenn das Gericht im
konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt.
Mithin ist nicht bloss gemeint, dass die anwendbaren Strafnormen abstrakt
gleichartige Strafen androhen. Sieht das Gericht im zu beurteilenden Fall z.B. für
die eine Tat eine Busse (obwohl die entsprechende Norm abstrakt auch
Freiheitsstrafe androht) und für die andere eine Freiheitsstrafe vor, kommen die
Regeln von Art. 49 Abs. 1 StGB nicht in Betracht. Die Strafschärfungsregel von
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Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur anwendbar, wenn mehrere zeitige Freiheitsstrafen
oder mehrere (bestimmte) Bussen auszusprechen sind (Ackermann in: Basler
Kommentar, Strafrecht I, 2. Auflage, N 36 f. zu Art. 49 StGB und dortige
Verweise).
2. Vorliegend ist für alle vom Beschuldigten begangenen Delikte eine
Freiheitsstrafe auszufällen. Damit würde sich theoretisch der obere Strafrahmen
erweitern. Da Art. 156 Ziff. 1 i.V.m. Art. 156 Ziff. 4 StGB bereits die Höchststrafe
androht, bleibt es bei diesem Strafmass. Wegen der teilweise versuchten
Erpressen öffnet sich indes der (theoretische) Strafrahmen nach unten (vgl.
Art. 22 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 48a StGB). Festzuhalten ist jedoch, dass der
ordentliche Strafrahmen beim Vorliegen von Strafmilderungs- und
Strafschärfungsgründen nur zu verlassen ist, wenn aussergewöhnliche Umstände
vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu
hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55, Erw. 5.8). Vorliegend bestehen
keine solchen aussergewöhnlichen Umstände, welche ein Verlassen des
ordentlichen Strafrahmens nach unten rechtfertigen würden. Die Deliktsmehrheit
bzw. die versuchte Tatbegehung wirken sich innerhalb des ordentlichen
Strafrahmens straferhöhend bzw. strafmindernd aus.
C. Allgemeine Grundsätze der Strafzumessung
1. Die Strafe ist innerhalb des massgebenden Strafrahmens nach dem
Verschulden des Täters zu bemessen, wobei das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu
berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der
Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der
Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie
danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen
in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2
StGB).
- 31 -
Was im Einzelnen über das Mass des Verschuldens entscheidet, welche
Momente in diesem Zusammenhang und wie diese zu berücksichtigen sind, lässt
sich kaum in allgemeiner Weise umschreiben. Der Begriff des Verschuldens muss
sich jedenfalls auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten
Straftat beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen der Tat- und der
Täterkomponente (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Schweizerisches
Strafgesetzbuch, 18. Auflage, Zürich 2010, S. 117 samt Zitaten). Bei der
Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Erfolges, die Art und Weise
der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung, mit der der Täter
gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen zu beachten. Sodann sind
für das Verschulden auch das "Mass an Entscheidungsfreiheit" beim Täter sowie
die sogenannte Intensität des deliktischen Willens bedeutsam
(Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., S. 117 f. samt Zitaten). Je leichter es
für ihn gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die
Entscheidung gegen sie (Urteile des Bundesgerichtes 6S.270/2006 vom 5.
September 2006 Erw. 6.2.1., 6S.43/2001 vom 19. Juni 2001 Erw. 2. und
6S.333/2004 vom 23. Dezember 2004, Erw. 1.1.; BGE 122 IV 241 und Pra 2001
S. 832 lit. a; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. Auflage, Bern
2006, S. 179 N 13).
2. Vorerst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die
Verschuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Es gilt zu prüfen, wie
stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut überhaupt beeinträchtigt worden ist.
Darunter fallen etwa das Ausmass des Erfolges (Deliktsbetrag,
Gefährdung/Risiko, Sachschaden etc.) sowie die Art und Weise des Vorgehens.
Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie
(Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., S. 117 f.; Trechsel/Affolter-Eijsten,
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen
2013, N 19 zu Art. 47 StGB), wie sie durch die Tat und die Tatausführung
offenbart wird.
3. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die schweizerische Praxis
bei nicht besonders schwerem Verschulden in aller Regel die Strafen im unteren
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bis mittleren Teil des vorgegebenen Strafrahmens ansiedelt. Strafen im oberen
Bereich, insbesondere Höchststrafen, sind bloss ausnahmsweise und bei sehr
schwerem Verschulden des Täters auszusprechen (Wiprächtiger in: Basler
Kommentar, StGB I, 2. Auflage, Basel 2007, N 15 zu Art. 47 StGB).
Allerdings ist bei Würdigung der objektiven Tatschwere auch das
Doppelverwertungsverbot zu beachten. Das Doppelverwertungsverbot verbietet
es, Umstände die zur Anwendung eines höheren beziehungsweise tieferen
Strafrahmens führten, innerhalb des geänderten Strafrahmens noch einmal als
Straferhöhungs-
oder Strafminderungsgrund zu berücksichtigen. Sonst würde dem Täter der
gleiche Umstand zweimal zur Last gelegt oder zu Gute gehalten. Indessen hat der
Richter bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, in welchem Ausmasse ein
qualifizierender Tatumstand gegeben ist. Der Richter verfeinert dadurch nur die
Wertung, die der Gesetzgeber mit der Festsetzung des Strafrahmens
vorgezeichnet hat (Entscheid des Bundesgerichts 6P.115/2004 vom 10.
Dezember 2004, Erw.7.1).
4. In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (subjektiven) Verschuldens
vorzunehmen. Es stellt sich somit die Frage, wie dem Täter die objektive
Tatschwere tatsächlich anzurechnen ist. Dazu gehören etwa die Frage der
Zurechnungsfähigkeit (wer in seiner Einsichts- und/oder Handlungsfähigkeit
beeinträchtigt ist, den trifft letztlich ein geringerer subjektiver Tatvorwurf; sein
Verschulden ist minder, was zu einer tieferen Strafe führen muss) sowie das
Motiv. Ferner sind die weiteren subjektiven Verschuldenskomponenten (zum
Beispiel einige der in Art. 64 aStGB aufgeführten Gründe) zu berücksichtigen.
In subjektiver Hinsicht ist sodann festzuhalten, dass das Verschulden eines
Täters, der eine Tat vorsätzlich begeht, wesentlich schwerer zu werten ist, als das
Verschulden eines Täters, der "bloss" fahrlässig oder mit Eventualvorsatz handelt.
Dies ist beim Verschulden zu berücksichtigen, wiegt dieses doch dann geringer
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Januar 2004,
Erw. II. 7.5.; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. Auflage, Bern
- 33 -
2006, S. 185 f. N 25 ff.; Wiprächtiger in: Basler Kommentar, StGB I, 2. Auflage,
Basel 2007, N 89 zu Art. 47 StGB).
D. Umsetzung auf den konkreten Fall
1. Mit dem Bezirksgericht (Urk. 58 S. 41) ist das objektive Tatverschulden im
Rahmen der qualifizierten Erpressung (Anklagevorwurf lit. A) als erheblich bis
mittelschwer einzustufen, auch wenn der Beschuldigte mutmasslich nicht über die
Mittel verfügte, um die Drohungen in die Tat umzusetzen. Bereits zu Beginn - im
ersten Erpresserbrief - stellte der Beschuldigte Anschläge auf mehrere Orte mit
grossen Menschenansammlungen (öffentliche Verkehrsmittel, Flughafen,
Hauptbahnhof Zürich) in Aussicht und drohte mit der Tötung vieler Personen,
wobei er Parallelen zu - damals aktuellen - Anschlägen in Norwegen und
Russland zog. In der darauffolgenden E-Mailkorrespondenz erweiterte er seine
potentiellen Opfer auf Kleinkinder und Schüler, indem er mit Bombenanschlägen
in Schulhäusern drohte. Dass der Beschuldigte selbst Kleinkinder ("baby groups")
und Schüler in sein Zielfeld rückte, zeugt mit der Vorinstanz von einer
moralischen und sittlichen Verrohung. Der Beschuldigte agierte mit einer hohen
Deliktsdynamik und inszenierte eine eigentliche Dramaturgie seiner Drohungen.
Um seinen Forderungen teils im höheren Millionenbereich Nachdruck zu
verleihen, scheute er sich auch nicht davor, eine Bombenattrappe am Gleis der
...-Bahn zu deponieren. Durch die Benutzung offener WLAN, welche
Vorgehensweise die Überführung des Beschuldigten erheblich erschwerte,
manifestierte dieser eine gewisse Raffinesse im Rahmen der erpresserischen E-
Mailkommunikation. Mit seinem deliktischen Vorgehen erfüllte er beide
Qualifikationsmerkmale von Art. 156 Ziff. 4 StGB, indem er einerseits mit der
Schädigung eines Flughafens, des Hauptbahnhofes und von Schulen und
anderseits mit der Tötung vieler Menschen drohte. In Berücksichtigung der
objektiven Tatschwere ist die (theoretische) Einsatzstrafe im Bereich von ca.
siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe anzusetzen.
- 34 -
2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist mit dem Bezirksgericht davon
auszugehen, dass das Motiv des Beschuldigten rein finanzieller und damit
egoistischer Natur war. Die Vorinstanz (Urk. 58 S. 41 f.) hat in diesem
Zusammenhang zutreffend auf die undurchsichtigen bzw. von widersprüchlichen
Gegebenheiten geprägten finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten
hingewiesen, der als - nach eigenen Angaben - erfolgreicher und vermögender
Geschäftsmann mit seiner Freundin bei deren Stiefvater, Mutter und Bruder in
einer Wohnung bzw. einem Zimmer auf deren Kosten logierte. Der Beschuldigte
sagte auch anlässlich der Berufungsverhandlung höchst widersprüchlich aus,
indem er zunächst angab, kein Vermögen zu haben (Prot. II S. 9) und erst auf
mehrfaches Nachfragen angab, er besitze in England mehr als 300'000 Pfund
(Prot. II S. 11), um wiederum später anzugeben, er könne nicht beantworten, ob
er Guthaben auf Banken habe oder nicht (Prot. II S. 17). Auch wenn der
Beschuldigte allenfalls einmal zu Beginn seines Aufenthaltes in der Schweiz über
gewisse finanzielle Mittel verfügt hat (vgl. dazu HD Urk. 8/11/4/EIZ 7/4,
entsprechender Kontoauszug der Bank Halifax), womit sich auch die
verschiedenen, auf den Beschuldigten lautenden Kreditkarten erklären liessen
(vgl. HD Urk. 8/11/4/EIZ 2, Beilagen), scheinen diese Mittel mit der Zeit
aufgebraucht gewesen zu sein (u.a. luxuriöse Auslandreisen teils mit C._
etc.; vgl. dazu die Verteidigung vor Vorinstanz in HD Urk. 36 S. 16). Anders lässt
sich auch nicht erklären, dass der Beschuldigte die von ihm eingegangenen
Verpflichtungen aus dem Kauf diverser Fahrzeuge der gehobenen bzw.
Luxusklasse im Frühjahr 2012 - entgegen seiner Behauptung (HD Urk. 9/4 S. 6) -
nicht erfüllte (vgl. HD Urk. 8/11/4/EIZ 3 S. 6; HD Urk. 8/11/4/EIZ 4/7 ff.) und auch
vom beabsichtigten Kauf einer Liegenschaft Abstand nahm (vgl. HD
Urk. 8/11/4/EIZ 3 S. 6). Zumindest in der Schweiz verfügt der Beschuldigte
gemäss den Abklärungen der Untersuchungsbehörden über keinerlei
Vermögenswerte (vgl. HD Urk. 8/11/4 EIZ 10). Ferner handelte der Beschuldigte
bei seinem deliktischen Vorgehen (direkt-)vorsätzlich.
Das umfassende psychiatrische Gutachten von Dr. med. H._ und Prof.
Dr. med. G._ (HD Urk. 6/6) kommt im Rahmen der Beurteilung der
Persönlichkeit des Beschuldigten zum Schluss, dass sein Aussageverhalten in
- 35 -
der Strafuntersuchung und während der gutachterlichen Exploration
eingeschliffene Interaktions- und Verhaltensmuster zeigten. Diese seien
gekennzeichnet durch eine hohe Bereitschaft zu lügen, unvermittelt und ohne
innere Hemmschwelle, wechselnde nützliche "Wahrheiten" zu präsentieren und
nach Möglichkeit keine überprüfbaren Details oder Referenzpersonen
preiszugeben (S. 72 f.). Beim Beschuldigten liege das Symptom des
"pathologischen Lügens" vor (S. 75), welches als ein Symptom psychopathischer
Persönlichkeitseigenschaften zu verstehen sei, welches seinerseits Teil einer
manipulativ-psychopathischen Persönlichkeitsdisposition sei. So zeige der
Beschuldigte das typische Verhaltensrepertoire einer Person, die prioritär auf
Nützlichkeit und ein manipulatives Interaktionsverhalten ausgerichtet sei. Bei
einem derart prägnanten und homogen beobachtbaren Verhaltensmuster sei nicht
anzunehmen, dass dieses plötzlich auftrete. Daher müsse davon ausgegangen
werden, dass es schon länger bestehe, vermutlich seit der Kindheit (S. 76). Damit
einher gingen zudem eine mangelnde Empathie für andere Personen und eine
geringe Hemmschwelle für normabweichendes Verhalten (S. 77). Nach diesen
Ausführungen zur Persönlichkeit des Beschuldigten - so die Experten weiter - sei
die Frage zu beantworten, ob die dargestellten auffälligen
Persönlichkeitsmerkmale in eine psychiatrische Diagnose überführt werden
können und ob zusätzlich eine vorübergehende psychische Störung zu
diagnostizieren sei. Der Beschuldigte habe im Rahmen der aktuellen
Begutachtung stets angegeben, bis zu seiner Inhaftierung nie wesentliche
psychische Probleme gehabt zu haben. Nach seinen eigenen Beschreibungen
seien auch zu keinem Zeitpunkt schwerwiegende psychopathologische
Auffälligkeiten aufgetreten. Auch die gutachterlichen Abklärungen und
Untersuchungen hätten keine Hinweise für eine psychische Störung im engeren
Sinne ergeben, insbesondere keine Anhaltspunkte für eine Erkrankung aus dem
schizophrenen Formenkreis (S. 78). Auch läge beim Beschuldigten trotz seiner
manipulativ-psychopathischen Persönlichkeitsdisposition keine
Persönlichkeitsstörung gemäss internationaler Klassifikation vor (S. 79). Die
beschriebene Disposition sei eine deutliche Persönlichkeitsakzentuierung im
Sinne psychopathischer Merkmale, die aber nicht die Grenze zur Diagnose einer
- 36 -
Persönlichkeitsstörung überschreite. Da diese mit einer starken Lügenbereitschaft
einhergehe, müsse differentialdiagnostisch geprüft werden, ob es sich um eine
sogenannte Pseudologia phantastica handle (S. 80). Dies wird von den Experten
in der Folge klar verneint, da die Lügen beim Beschuldigten zielgerichtet nach
subjektiven Nützlichkeitsaspekten eingesetzt seien, je nach Situation flexibel
angepasst würden und eng umschriebene, wechselnde Inhalte umfassen
könnten, die gezielt einer Nachprüfbarkeit entzogen würden (S. 81). Gemäss dem
psychiatrischen Gutachten ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, dass beim
Beschuldigten zur Zeit der Delinquenz psychiatrische Erkrankungen oder
Störungen im engeren Sinne bestanden. Zwar seien - so die Experten -
manipulativ-psychopathische Persönlichkeitsmerkmale festzustellen; die
Diagnoseschwelle für eine Persönlichkeitsstörung werde aber nicht überschritten.
Vielmehr sei die manipulativ-psychopathische Persönlichkeitsdisposition als eine
Persönlichkeitsakzentuierung ohne eigentlichen Krankheitswert zu beschreiben.
Als Folge dieser Einschätzung kommen die Gutachter zum Schluss, es würden
sich unter forensisch-psychiatrischen Gesichtspunkten keine Anhaltspunkte dafür
finden, dass die Einsichts- oder Steuerungsfähigkeit des Beschuldigten im Sinne
der Art. 19 Abs. 1 und 2 StGB durch eine wesentliche Einschränkung relevanter
psychischer Funktionen während der Begehung der aktuell untersuchten Delikte
beeinträchtigt gewesen sei. Es liege für alle Anlassdelikte volle Schuldfähigkeit
vor (S. 81 und S. 90 f.). Diese Ausführungen und Folgerungen sind schlüssig und
vermögen zu überzeugen, weshalb ihnen zu folgen ist. Seitens der Verteidigung
wurde vor Vorinstanz gegen die gutachterlichen Ausführungen und Feststellungen
denn auch nichts vorgebracht (vgl. HD Urk. 36 S. 24 ff.).
Insgesamt betrachtet erfährt daher die objektive Tatschwere durch die
erwähnten Komponenten keine Reduktion. Es sind auch keine anderen
subjektiven Verschuldenskomponenten zu erblicken, welche eine Reduktion der
Einsatzstrafe bewirken könnten. Damit bleibt es bei der Einsatzstrafe im Bereich
von ca. siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe.
3. Der Umstand, dass es bei einer versuchten Tatbegehung blieb, führt
lediglich zu einer geringen Strafreduktion im Umfang von vier bis sechs Monaten,
- 37 -
da der Beschuldigte nicht von sich aus von seinem Vorhaben abliess, so dass
letztlich eine Einsatzstrafe von sieben bis etwas über sieben Jahre resultiert.
4. Was die Erpressung zum Nachteil von E._ anbelangt, griff der
Beschuldigte ebenfalls zu massiven Drohungen (Exekutionen, Vergiftung von
Lebensmitteln) und verlangte eine Summe Schweizerfranken in zweistelliger
Millionenhöhe. Auch der Hinweis, dass E._ bzw. dessen Familie rund um die
Uhr überwacht werde, war geeignet, das allgemeine Sicherheitsgefühl beim Opfer
bzw. seinen Angehörigen massiv zu schmälern. In subjektiver Hinsicht ist
ebenfalls von einem finanziellen Motiv und von (direkt-)vorsätzlichem Handeln
des Beschuldigten auszugehen. Das objektive Verschulden wird in subjektiver
Hinsicht nicht relativiert. Zu seinen Gunsten ist davon auszugehen, dass der
Beschuldigte sein Vorhaben aus eigenen Stücken nicht weiterverfolgte und es
deshalb bei einer versuchten Tatbegehung blieb. Eine Strafe für dieses Delikt im
Bereich von ca. eineinhalb Jahren Freiheitsstrafe erscheint angemessen.
5. Was die objektive Tatschwere in Bezug auf die Störung von Betrieben, die
der Allgemeinheit dienen, anbelangt, ist zu beachten, dass der Bahnbetrieb 75
Minuten eingestellt werden musste. In subjektiver Hinsicht wollte der Beschuldigte
mit der Platzierung einer Bombenattrappe die Ernsthaftigkeit seiner Drohungen
unter Beweis stellen. Die Störung des Bahnbetriebes nahm er zumindest billigend
in Kauf (Eventualvorsatz). Wiederum ist von keiner Beeinträchtigung der
einsichts- und/oder Steuerungsfähigkeit, mithin keiner verminderten
Schuldfähigkeit, auszugehen. Für dieses Delikt erscheint eine Freiheitsstrafe im
Bereich von acht bis neun Monaten angemessen.
6. Es wurde aufgezeigt, dass für den qualifizierten Erpressungsversuch eine
Einsatzstrafe im Bereich von ca. siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe
angemessen erscheint. Es ist nun unter Einbezug der anderen Strafen die
Einsatzstrafe angemessen zu erhöhen. Allerdings können und dürfen die
vorhandenen Einsatzstrafen nicht einfach zusammengezählt werden; vielmehr ist
das Asperationsprinzip zu beachten. Aufgrund der gesamten Tatschwere
erscheint eine hypothetische Einsatzstrafe von knapp acht Jahren Freiheitsstrafe
als angemessen.
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7. Was die Täterkomponente betrifft, hat sich das Bezirksgericht zutreffend
zum Werdegang des Beschuldigten und zu seinen übrigen persönlichen
Verhältnissen, welche im Wesentlichen anlässlich der Begutachtung des
Beschuldigten erhoben wurden (vgl. HD Urk. 2/10 S. 11 i.V.m. HD Urk. 6/6
S. 51 ff.), verbreitet (Urk. 58 S. 47). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Anlässlich des Berufungsverfahrens erklärte der Beschuldigte, er sei
mittlerweile geschieden, wisse aber nicht genau, wann die Scheidung gewesen
sei, da er nur Papiere von einem litauischen Gericht erhalten habe (Prot. II S. 7).
Resümiert lassen sich aus dem Werdegang und den persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten, die über
das hinaus gehen würden, was bei der Abhandlung der subjektiven Tatschwere
ausgeführt worden ist. Mit anderen Worten wirken sich die persönlichen
Verhältnisse des Beschuldigten strafzumessungsneutral aus.
8. Der Beschuldigte weist in seinem Heimatland eine Vorstrafe wegen
Diebstahls aus dem Jahre 2000 auf; er wurde mit einem Jahr Gefängnis bedingt
und einer geringfügigen Geldstrafe belegt (vgl. HD Urk. 11/17). Diese Vorstrafe ist
- entgegen der Vorinstanz (vgl. HD Urk. 58 S. 48) - als Delikt gegen das
Vermögen für die vorliegende Strafzumessung nicht unbeachtlich. Vielmehr wirkt
sie sich leicht bzw. minimal straferhöhend aus.
9. Andere, nicht bereits erwähnte Strafzumessungsfaktoren sind nicht
ersichtlich. Insbesondere kann nicht von einem Geständnis oder von Einsicht und
Reue des Beschuldigten ausgegangen werden. Des Weiteren sind keine
Auswirkungen der Strafe auf das Leben des Beschuldigten zu erkennen, welche
über das gewöhnliche, mit dem Vollzug bzw. der Ausfällung einer Sanktion
zusammenhängenden Mass hinausgehen würden.
10. In Würdigung sämtlicher Umstände erweist sich eine Strafe von acht Jahren
Freiheitsstrafe dem Verschulden und den persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten angemessen. An diese Strafe anzurechnen sind 723 Tage
Untersuchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug, die bis und mit heute erstanden
sind.
- 39 -
E. Vollzug
Bei diesem Strafmass fällt ein Aufschub der Strafe bereits aus objektiven
Gründen ausser Betracht (Art. 42 f.).
V.
Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Allgemeines
1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt wird.
Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Verteidigung. Bei einem Freispruch
können der beschuldigten Person die Verfahrenskosten ganz oder teilweise
auferlegt werden, wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des
Verfahrens bewirkt oder dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 1 und
Abs. 2 StPO).
2. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen, hat sie
u.a. Anspruch auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer
notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind (Art. 429 Abs. 1 lit. b
StPO). Die Behörde prüft den Anspruch von Amtes wegen und sie kann die
beschuldigte Person auffordern, ihre Ansprüche zu beziffern und zu belegen
(Art. 429 Abs. 2 StPO).
3. Bei Freispruch ist die Frage der Kostenauflage für jede Verfahrensstufe und
bei Teilfreispruch für jeden Anklagekomplex gesondert zu prüfen (Niklaus Schmid,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, Zürich/St. Gallen 2009,
N 1791).
4. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
- 40 -
B. Kostenauflage
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche Kostenauflage
zu bestätigen.
2. Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen
vollumfänglich. Es rechtfertigt sich, die Kosten des Berufungsverfahrens dem
Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im
Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Art. 135 Abs. 4 StPO
bleibt vorbehalten. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr.
5'000.– festzusetzen.