Decision ID: 8bf16ce5-235d-42e0-abb7-6762e71947fe
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
Der 1957 geborene
X._
war zwischen
1
5.
Januar 2006
und Juli 2010 in einem 100
%
Pensum für die
Y._
AG als 1
st
level
PC
Supporter
und
ab
August 2010
für die
Z._
AG als Web Publisher
/
Web Service
Responsible
tätig
(
Urk.
10/1
7
S
.
2 und S. 9
)
.
A
m 21.
Dezember 2012 meldete er sich unter Hinweis auf gesundheitliche Beschwerden, namentlich chronische Lymphödeme in den Beinen, Angststörungen, eine Suchtproblematik sowie eine latente Depression in Form eines
Burnout-Syndroms
bei der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der In
validenversicherung an (
Urk.
10/2).
Im Rahmen der Abklärung der
erwerblichen und medizinischen Verhältnisse
holte die IV-Stelle bei Prof. Dr. med.
A._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie
FMH, ein
bidisziplinäres
neurologisch-psychiatrisches Gutachten ein (
Urk.
10/69)
. Gestützt darauf
verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
19. August 2014 (
Urk.
2 [= 10/72])
einen Rentenanspruch
.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte mit Eingabe vom 1
9.
September 2014 Beschwerde
(
Urk.
1)
einlegen
und beantragen, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen
Invalidenversiche
rungs
leistungen
zuzusprechen
(
Urk.
1 S.
2)
. In prozessualer Hinsicht
ersuchte
der Beschwerdeführer
um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
Mit Eingabe vom 2
0.
Oktober 2014
substantiierte
der Beschwerdeführer
seine prozessuale Bedürftigkeit
(
Urk.
6,
7
und 8
/1-14). Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Oktober 2014 beantragte die IV-Stelle Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
Am
3.
November 2014 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet
(Urk.
11).
Der Beschwerdeführer
präzisierte
mit Replik
(
Urk.
13)
vom
4.
Dezember 2014 – unter Einreichung eines Berichts von Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie FMH
, Oberarzt
an
der
C._
, und
Dr.
phil.
D._
, Psychologin und Psychotherapeutin FSP
an
der
C._
,
vom
4.
Dezember 2014 (
Urk.
14) –
seine Beschwerdeanträge, indem er verlangte, ihm sei eine Invalidenrente zuzusprechen; eventuell sei eine gerichtliche psychiatrisch-neuropsychologische Begutachtung anzuordnen und
hernach über den Anspruch auf eine
Invalidenrente zu entscheiden
(
Urk.
13 S. 2).
Am 1
0.
Dezember 2014 wurde das Doppel der Replik der Beschwerdegegnerin zu
gestellt (
Urk.
15). Diese beantragte
mit Duplik vom 3
0.
März 2015 (
Urk.
19)
erneut
Abweisung der Beschwerde
und reichte
eine Stellungnahme von Dr.
A._
zu Ergänzungsfragen
zum Gutachten
sowie eine Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Diensts der Invalidenversicherung (RAD) zu den
Akten (Urk. 20/1-4)
. Am
2.
April
2015 wurde das Doppel der Duplik dem Beschwer
deführer zugestellt (
Urk.
21).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des B
undesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
[IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.
5
Das
So
zialversicherungsgericht
hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
ach
tens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Un
ter
suchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen
sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem
bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob
die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind,
dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklar
heiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V
157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994,
S. 24 f.).
2.
2.1
Die
IV-Stelle
erwog im
angefochtenen Entscheid
,
das
bidisziplinäre
Gutachten von
Prof.
Dr.
A._
habe
ergeben, dass der Beschwerdeführer in seiner an
gestammten Tätigkeit als Projektlei
ter seit mehreren Jahren zu 100
% und in seiner
bisherigen
Tätigkeit al
s Web Service
Responsible
zu 50
–
60
%
arbeits
unfähig sei. In einer angepassten Tätigkeit – einfache Arbeiten ohne Anforde
rungen an die Handlungsplanung und die Lernfähigkeit
–, habe zu keinem Zeit
punkt eine lang
an
dauernde Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit bestanden
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde dagegen vor, seine Arbeits
fähigkeit sei aufgrund chronischer Lymphödeme in beiden Beinen und eines Verdachts auf ein beginnendes
amnestisches
Syndrom als Folge eines langjähri
gen Alkoholabusus beeinträchtigt. Selbst in einer optimal angepassten Tätigkeit sei er massgeblich in seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit eingeschränkt (
Urk.
1).
Der Beschwerdeführer
brachte
sodann in seiner Replik vom 4.
Dezem
ber 2014
vor
, d
ie
behandelnden Fachpersonen
seien der Meinung, dass die Diagnose einer Persönlichkeitsänderung aufgrund der
erhobenen
Befunde
sehr wohl
gestellt werden könne. Im Weiteren sei zur
Festlegung
des
Invaliden
ein
kommens
die Tabelle TA 1,
Hilfsarbeiten
,
Anforderungsniveau 4
, zu verwen
den, unter Vornahme eines
leidensbedingte
n
Abzug
s
von 15 %
. Ein
Arbeitsstel
len
wechsel
sei nicht sinnvoll, er sei in einem 50
% Pensum in seiner
bisherigen und
aktuellen
Täti
gkeit bestmöglich eingegliedert
(
Urk.
13).
3.
3.1
Dem psychiatrischen Gutachten vom 2
2.
Juli 2014 (
Urk.
10/69 S.
1 ff.) von
Prof.
Dr.
A._
,
ist
folgende psychiatrische Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
10/69 S. 41):
Neuropsychologische Funktionsstörung mit im Vordergrund stehenden exe
kutiven Defiziten (Aufmerksamkeitskontrolle, Problemlösefähigkeit) sowie Unsicherheiten im Abruf von neu gelernten Gedächtnisinhalten am ehesten im Rahmen einer neurologischen Erkrankung
(ICD-10 F
01
.
1
,
Differentialdi
agnose: alkoholischer Genese
)
Es wurden folgende
psychiatrischen Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit gestellt
(
Urk.
10/69 S. 41)
:
Multipler Substanzgebrauch (ICD-10 F 90.2) mit:
Alkoholabhängigkeit seit 1983, gegenwärtig abstinent (
ICD-10 F10.2)
Benzodiazepinabhängigkeit
, gegenwärtig
low
do
se Abhängigkeit (ICD-10 F13.24)
Opioidabhängigkeit
, gegen
wärtig abstinent (ICD-10 F11.2)
Schädlicher Konsum von Kokain, seit 22
Jahren abstinent (ICD-10 F14.1)
Schädlicher Gebrauch von Cannabis, gegen
wärtig abstinent (ICD-10 F12.1)
Nikotinabhängigkeit, gegenwärtig S
ubstanzgebrauch (ICD-10 F17.24)
Verdacht auf reaktive depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4), Differenzialdiagnose Status nach Burnout-Syndrom (ICD-10 Z73.0
)
bei psychosozialen Problemen mit familiären Problemen aufgrund einer psy
chischen Erkrankung des Sohnes (ICD-10 Z63) sowie Schwierigkeit
en am Arbeitsplatz (ICD-10 Z56)
Zur
Arbeitsfähigkeit des Bes
chwerdeführers führte Prof. Dr.
A._
sodann
aus, im Vordergrund der
handicapierenden
Funktionsstörung stünden neu
ro
psy
chologische Fähigkeitsstörungen, so namentlich exekutive Defizite mit Proble
men in der Aufmerksamkeitskontrolle und der Problemlösefähigkeit sowie Unsi
cher
heiten im Abruf von neu gelernten Gedächtnisinhalten. Diese seien
akten
anamnestisch
anhaltend zumindest seit der neuropsychologischen Unter
suchung
vom 1
8.
November 201
3.
Es sei anzunehmen, dass sie bereits zuvor bestanden hätten, da sich der Prozess wohl schleichend eingestellt habe. Es sei nicht un
wahrscheinlich, dass sich die kognitiven Beschwerden bereits seit dem Jahr 2010
auf dem Boden einer sich langsam entwickelnden neuropsychologi
schen Stö
rung
abgespielt
hätten und
zwischenzeitlich durch eine affektive de
pressive Sympto
matik überlagert worden seien. Zurückzuführen sei die Störung sehr wahr
schein
lich auf ein
mikroangiopathisches
Geschehen bei langjährig nicht oder nich
t ausreichend behandeltem Hypertonus. Differentialdiagnostisch sei eine
alko
holtoxische
hirnorganische Ursache
als unwahrscheinlich
er
zu
be
nennen
(Urk. 10/69 S.
4
1
f.).
Die neuropsychologische
n
Fähigkeitsstörung
en
h
ätt
e
n
eine
berufliche Relevanz.
Die
Fähigkeit
des Beschwerdeführers
, komple
xe
re
Aufgaben
stellungen eigenständig und zuverlässig zu bearbeiten, sei durch diese
Fähig
keitsstörung
deutlich negativ beeinflusst worden. In seiner zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als PC-Experte im Webbereich sei der Beschwerdeführer
dadurch
handi
capiert
, woraus eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in
der
Tätigkeit als Projekt
leiter
resultiere. In der
Tätigkeit als Web Service
Responsible
sei von einer 40 bis 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
. Einfache Tätigkeiten ohne Anforde
rungen an die Handlungsplanung und die Lernfähigkeit seien durch den Be
schwerdeführer zu jeder Zeit vollschichtig
leistbar
gewesen. Eine Erhöhung des Pensums in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit sei aktuell nicht sinnvoll. Zu emp
fehlen sei es, den Beschwerdeführer im Arbeitsprozess zu halten und ihm seine aktuelle Arbeitsstelle zu belassen (Urk. 10/69 S. 42 f.).
Dem neurologischen Zusatzgutachten von Prof.
Dr.
A._
vom 2
4.
Juli 2014 (
Urk.
10/69 S.
45 ff.) kann folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit entnommen werden (
Urk.
10/69 S. 70):
Cerebrale
Mikroangiopathie
mit neuropsychologischen Ausfällen im Sinne einer beginnenden vaskulären Demenz bei unzu
reichend behandeltem
Hy
pertonus
Prof.
A._
führte dazu näher aus, im
Neurologischen
hätten sich somatisch keine Auffälligkeiten gezeigt. Insbesondere
hätten sich keine Hinweise auf eine Polyneuropathie finden lassen.
Die Reflexe seien symmetrisch erhalten gewesen und es hätten sich keine Auffälligkeiten in der Tiefen- und
Oberflächensensibi
lität
finden lassen.
Sodann
hätten
keine Zeichen für
radikuläre
Läsionen oder periphere Nervenlähmungen vor
gelegen
.
Des
Weiteren seien auch Zeichen der langen Bahnen unauffällig gewesen
(
Urk.
10/69 S. 69)
.
Zur Frage der Arbeitsfä
higkeit aus neurologischer Sicht hielt Prof.
A._
fest, e
s lägen neuropsy
chologische Ausfälle sowie
Kribbeldysästhesien
vor. Dies
e seien am ehesten
mikroangiopathischer
Genese bei nicht
oder nur
unzureichend ein
gestelltem Hypertonus
(DD: alkoholischer Genese)
und würden
d
ie Fähigkeit des Be
schwerdeführers, komplexe Aufgabenstellungen eigenständig und zuverlässig zu bearbeiten, deutlich negativ beeinfluss
en
.
Es sei davon auszugehen, dass der Explorand dadurch in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als PC-Experte im Web-Bereich
handicapiert
worden sei. Dabei dürfte er – so der Gutachter weiter – in der Tätigkeit eines Projektleiters zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sein
(vermutlich schleichend seit 2010, nicht näher bestimmbar). In der Tätigkeit ei
nes
Web Service
Responsible
sei von einer verbliebenen 40-50%igen
Restar
beits
fähig
keit
in Bezug auf ein 100
%
-Pensum auszugehen. Einfache Tätigkeiten
ohne Anforderungen an die Handlungsplanung und ohne Anforderungen an die Lernfähigkeiten
seien
zu jederzeit vom Exploranden vollschichtig
lei
stbar
ge
wesen
(
Urk.
10/69 S. 70 f.)
.
3.2
Prof.
A._
führte weiter aus,
d
er
behandelnde
Psychiater
Dr.
B._
habe
beim Beschwerdeführer eine
Persönlichkeitsänderung mit depressiven, ängstli
chen und unsicheren Zügen nach langjähriger psychischer Krankheit, Heroin-, Kokain- und Alkoholabhängigkeit
(
ICD-10: F62.1),
eine
Panikstörung, mittel
gradig (ICD-10: F41.0)
,
chronische Lymphödeme in beiden Beinen
und
einen
Verdacht auf
ein
beginnendes
amnestisches
Syndrom als Folge des langjährigen Alkoholabusus
diagnostiziert.
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
be
stünde
n
eine
Alkoholabhängigkeit –
gegenwärtig kontrollierter Konsum an den Wochenenden
–
(ICD-10: F10.24)
, eine
Benzodiazepinabhängigkeit
, gegenwärtig weitgehend abstinent (ICD-10: F13.20),
eine
Opioidabhängigkeit
, gegenwä
rtig
abstinent (ICD-10: F11.20),
eine
Nikotinabhängigkeit (ICD-10: F17.24)
,
ein
Tin
ni
tus und
eine
arterielle Hypertonie sowie
ein
Status nach Hepatitis B und C
(Urk.
10/69 S.
3
5
f.)
.
Dr.
B._
habe
im verbalen und figuralen Gedächtnis Einbussen der Lernfähigkeit festgestellt, wobei er gemutmasst habe, es bestehe ein beginnendes
amnestis
ches
Syndrom. Dr.
B._
habe
noch
eine Arbeits
fähigkeit
von 50
%
als gegeben
angesehen
. Die diagnostizierte
Persönlichkeits
störung
habe
Dr.
B._
nicht begründet
(
Urk.
10/69 S. 36)
.
Der Gutachter
führte weiter aus
, b
ei der gutachterlichen Untersuchung habe sich im Affektiven kein depressives Bild
gezeigt. K
eines der drei Hauptsymptome einer Depression mit gedrückter Grundstimmung, Interessenlosigkeit und Freud
losigkeit sowie einer Antriebsstörung sei in genügendem Masse objektivierbar.
Eine Depression, welche allenfalls zuvor bestanden habe, müsse aktuell als remittiert angesehen werden.
Der Beschwerdeführer
habe
nachvollziehbare Zukunftsängste
geäussert
und eine schwierige Situation am Arbeitsplatz mit Degradierung und Reduktion seines Pensums
beschrieben
(ICD-10: Z56)
. Im Untersuch habe ein gewisses Kränkungserleben imponiert und Zukunftsängste seien erkenn
bar
geworden, da er nach seinem erfolgreichen Entzug ein Entge
genkommen seines Arbeitgebers erwartet
hätte
. Der Arbeitgeber habe die Leis
tungsfähigkeit des Beschwerdeführers
trotz Coaching-Bemühungen durch die Invalidenversicherung weiterhin bei 50
%
bezogen auf ein 100
%
-Pensum ge
sehen
, weshalb es ab
1.
Januar 2014 zu einer Änderungskündigung gekommen sei.
Seither arbeite der Explorand mit einem Pensum von 50
%
.
Im Vordergrund
seiner Beschwerden
sehe der Beschwerdeführer somatische Symptome mit
Ganz
körperkribbeld
y
sästhesien
, die bisher keine somatische Abklärung erfahren hätten
.
Ausser
dem beschreibe er ein Erschöpfungserleben mit Reduktion seiner
Durchhaltefähigkeit. Es lägen zudem Gedächtnisstörungen vor.
Der Beschwer
deführer habe keine
Symptome einer Panikstörung geäussert, so dass gegen
wärtig keine Angststörung anzunehmen sei. Die psychosozialen Belastungen würden durch den Beschwerdeführer kaum thematisiert
(
Urk.
10/69 S. 37)
.
Unter dem Titel “Diagnostische Einordnung“ führte der Gutachter aus, es sei von einer primären
Polytoxikomanie
auszugehen. Ergänzend habe
Dr.
B._
in seinem Arztbericht vom 2
1.
Februar 2014
eine
Persönlichkeitsänderung mit depressiven, ängstlichen und unsicheren Zügen nach langjähriger Krankheit bei Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F.62.1)
diagnostiziert.
Diese Diagnose finde sich auch in einem Arztbericht des
Dr.
med.
E._
vom 1
5.
August 201
2.
Eine Be
handlung der vermeintlichen Persönlichkeitsstörung sei bisher jedoch nicht er
folgt.
Die Diagnose
dieses Störungsbildes
habe
gemäss ICD-10
zu erfolgen, wenn eine
Persönlichkeitsänderung
auf der Basis einer traumatisierenden Er
fahrung bei schweren psychiatrischen Erkrankungen entstehe. Dabei könne
die Änderung der Persönlichkeit
nicht durch eine vorbestehende
Persönlichkeits
störung
erklär
t werden und
sei vom Residualzustand vorbestehende
r
psychi
sche
r
Störung
en
zu differenzieren.
Die
Persönlichkeitsänderung müsse andauern und sich als unflexibles und unangepasstes Muster des Erlebens und der Funk
tionsfähigkeit manifestieren und zu langfristigen zwischenmenschlichen, sozia
len
und beruflichen Beeinträchtigungen führen. Sie entwickle sich
dabei
nach der klinischen Rückbildung einer psychiatrischen Störung, die für das be
troffe
ne
Indi
viduum als emotional belastend und zerstörerisch erlebt worden sei (
Urk.
10/69
S.
37 f.).
Zur Diagnose
müssten sechs
klinische Merkmale
erfüllt sein, was vorliegend jedoch nur bei
zweien
der Fall sei.
Dies sei
einerseits
die Überzeugung, durch die vorangegangene Krankheit verändert oder stigmatisiert worden zu sein, was zur Unfähigkeit zur Aufnahme und Beibehaltung enger und vertrauensvoller Beziehungen
sowie
zu sozialer Isolation geführt habe
,
und
andererseits
das Vorliegen einer deutlichen Störung der sozialen und beruf
lichen Funktionsfähigkeit im Vergleich zum prämorbiden Niveau. Nicht erfüllt seien
die
folgende
n
vier
Kriterien: 1) Hochgradige Abhängigkeit sowie
An
spruchshaltung
gegenüber anderen, 2) Passivität sowie verminderte Interessen und Vernachlässigun
g von Freizeitbeschäftigung, 3)
ständige Klagen, krank zu sein, oft verbunden mit hypochondrischen Beschwerden und kränkelndem Ver
halten, 4)
dysphorische
oder labile Stimmung, die nicht auf dem Vorliegen einer gegenwärtigen psychischen Störung oder einer vorausgegangenen psychischen Störung mit aff
ektiven Residualsymptomen beruhe
.
Um die Diagnose stellen zu können – so der Gutachter weiter – müssten die vorliegenden Kriterien über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren vorliegen.
Die Ä
nderung dürfe ausserdem nicht auf einer Hirnschädigung oder anderen Krankheit des Gehirns
beruhen.
Beim Beschwerdeführer seien weder
sämtliche
Kriterien erfüllt, noch liege die Störung
während einem Zeitraum von
zwei Jahren nach Beendigung der Sucht vor, wobei die Sucht die für die Diagnose
stellung
notwendige psychi
atrische Vorerkrankung darstelle.
Zudem werde durch den behandelnden Psy
chiater
Dr.
B._
mit einem
amnestischen
Syndrom gleichzeitig eine
hirn
organische
Störung geltend gemacht, welche die Diagnose per se ausschliesse. Daher könne die Diagnose einer anhaltenden Persönlichkeitsänderung nach psy
chischer Erkrankung gemäss ICD-10 F62.1
gutachterlicherseits
nicht gestellt werden
(Urk. 10/69 S. 38 f.)
.
Am 1
8.
November 2013 sei eine Abklärung des kognitiven Leistungsni
veaus des Exploranden durch die Neuropsychologin
Dr.
phil.
D._
erfolgt. Die
Testergeb
nisse
– ohne Symptomvalidierung – hätten nach ihrer Interpretation Hinweise auf ein beginnendes
amnestisches
Psychosyndrom ergeben
.
In einer aktuellen neuropsychologischen Zusatzuntersuchung durch die
Neuro
psychologin
F._
vom
2.
Juli 2014
habe sich eine gute
Anstren
gungsbereitschaft
in der
Testung bei valide zu beurteilenden Testergebnissen
finden lassen
. An Leistungs
minderung
en
hätten sich leichte exekutive Defizite in Form gestörter
Aufmerk
samkeitskontrollprozesse
und vermin
d
erter
Prob
lemlösefähigkeit
finden lassen. I
m
mnestische
n
Bereich
hätten
sich überwiegend mengenmässig unauffällige Ergebnisse, bei
leichte
n
qualitative
n
Auffälligkeiten in Form erhöhter Intru
sio
nen und Konfabulationen im verbalen Bereich sowie Entstellungen im visuell-räumlichen Bereich
gezeigt
.
Zusammenfassend
sei auf
grund des Verteilungstyps und der Art der neuropsychologischen Störungen
e
in
amnestisches
Syndrom
(
Korsakow
-Syndrom nach Alkoholabhängigkeit)
– wie in den Akten als Ver
dacht beschrieben –
mit Sicherheit aus
zuschliessen
. Auch die deutlichen verba
len Gedächtnisstörungen
, welche in der Voruntersuchung vom 1
8.
November 2013 beschrieben worden seien,
könnten aktuell nicht bestätigt werden. Qua
n
t
i
t
ativ
hätten sich
in der verbalen Lern- und Merkfähigkeit keine Einschrän
kungen
gezeigt
. Hingegen
hätten sich
in der aktuellen Untersuchung qualitative Auffälligkeiten im Abrufen und in den
Fluencyleistungen
gezeigt
, welche in den Vorbefunden nicht beschrieben worden seien
. D
iese Diskrepanzen
würden
ver
mut
lich
vorrangig mit de
r
unterschiedlichen Abstinenzdauer des Beschwerde
führers zu den Untersuchungszeitpunkten zusammen
hängen
.
Mög
licherweise spielten auch
untersuchungsmethodische Aspekte
eine Rolle
(
Urk.
10/6
9 S. 39)
.
Schliesslich hielt der Gutachter fest, z
usammenfassend bestehe aktuell eine leichte neuropsychologische Funktionsstörung mit im Vordergrund stehenden exekutiven Defiziten (Aufmerksamkeitskontrolle, Problemlösefähigkeit) sowie Un
sicherheiten im Abruf von neu gelernten Gedächtnisinhalten mit vermehr
t
falsch abgerufenen Items.
Es sei
dabei
von einer beruflichen Relevanz dieser kognitiven Schwierigkeiten als PC-Experte im Web-Bereich auszugehen. Die
neuropsychologischen
Fähigkeitsstörung
en
dürfte
n – so der Gutachter weiter –
die Fähigkeiten des Beschwerdeführers, komplexere Aufgabenstellungen eigen
ständig und zuverlässig zu bearbeiten, deutlich negativ
beeinflussen
.
Die vom Arbeitgeber veranlasste
Reduktion des Anforderungsniveaus der Arbeitstätigkeit sei aus neuropsycho
logischer Sicht
gut nachzuvollziehen. Der Explorand gebe an, seit vier bis fünf Wochen alkoholabstinent zu sein. In der Literatur werde eine gewisse kognitive Erholung mit
zunehmender Abstinenzdauer beschrieben.
In der Regel
trete
zunächst
eine Verbess
erung der Gedächtnisleistungen
inner
halb weniger Wochen
und
dann eine Verbesserung der exekutiven Leistungen
innerhalb von drei bis sechs Monaten ein.
Prognostisch
bestehe somit die Mög
lichkeit, dass mit
weiterer
Abstinenz
eine relevante Verbesserung der
kognitive
n
Leistungsfähigkeit
, insbesondere der exekutiven Auffälligkeiten,
eintrete
, sofern die kognitiven Defizite auf die Alkoholabhängigkeit zurückzuführen seien.
Dif
ferentialdiagnostisch
sei auch an einen
Einfluss der
Benzodiazepine
zu denken
, weshalb eine
diesbezügliche
Abstinenz
sinnvoll erscheine
.
Dies sei mit gewisser Wahrscheinlichkeit anzunehmen, da das MRI vom 2
1.
Juli 2014 keine struktu
rellen Hirnläsionen erbracht habe, welche
die neuropsychologischen Störungen sowie die
Kribbeldysästhesien
hinreichend
erklären
könnten
. Deshalb sei e
in Ein
fluss
hirnorganisch toxisch wirkender
Substanzen als
Auslöser der neu
ro
psychologischen Veränderungen als
sehr w
ahrscheinlich
anzunehmen
(Urk.
10/69
S.
40
).
4.
4.1
Das
bi
disziplinäre
Gutachten
von Prof.
Dr.
A._
(
Urk.
10/69)
vermag die an eine beweiskräftige ärzt
liche Expertise gestellten Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen (E. 1.5).
Es
beruht auf
sorgfältige
n
,
allseitigen Untersuchungen
(Urk.
10/69 S.
28-32 sowie 66-68), berücksichtigt die geklagten Beschwerden
(
Urk.
10/69 S.
17-
27
sowie 61-65) und
ist
in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben worden (
Urk.
10/69 S.
4-17 sowie 48-61). Die Beurteilung des aktuellen Ge
sundheitszustands
ist
schlüssig und nachvollziehbar; der Gutachter setzte sich mit den abweichenden Auffassungen der behandelnden Klinikärzte
eingeh
end auseinander und zeigte überzeugend auf, aus welchen Gründen sich deren Ein
schätzungen nicht bestätigen liessen (
Urk.
1
0/69 S. 32 ff., 37 ff., 69 ff.)
.
4.2
Die nachträgliche Stellungnahme
der
Dres
.
B._
und
D._
vom 4.
Dezem
ber 2014 (
Urk.
14)
zum Gutachten
vermag daran
nichts zu ändern.
Sie hielten
darin
an ihrer früheren diagnostischen Beurteilung und Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers fest (vgl. Bericht vom 2
1.
Februar 2014
,
Urk.
10/59 S.
1 ff.
)
und
gaben an,
m
an sei sich einig, dass
die neuropsy
cho
logischen Funktionsstörungen als Folge langjähriger Alkoholkra
nkheit vor
lie
gen würden
.
Diese hirnorganische Komponente sei zwar wichtig, aber nicht so
schwer, dass die Hauptdiagnose einer Persönlichkeitsänderung nach langjäh
riger
psychischer Krankheit nicht gestellt werden dürfe.
Dr.
A._
schreibe, dass eine Persönlichkeitsänderung nach psychischer Krankheit nicht diagnosti
ziert werden dürfe, falls eine Hirnschädigung vorliege. Gemäss ICD-10 (F62.1) dürfe die Diagnose jedoch nur bei Vorliegen einer schweren Hirns
chädigung oder Krankheit des Gehirns nicht gestellt werden.
Eine jahrelange
Suchterkran
kung
im Ausmass, wie sie der Beschwerdeführer erlebt habe –
Heroinabhängig
keit
am Platzspitz, jahrelanger Alkoholmissbrauch –
,
sei extrem belastend und zerstö
rerisch für das Selbstbild und führe praktisch regelmässig über die Jahre zu einer solchen Persönlichkeitsänderung
(
Urk.
14 S.
1)
.
Der Beschwerdeführer er
fülle entgegen den gutachterlichen Feststellungen nicht nur die Punkte 2 und 6 der klinischen Merkmale einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach psy
chischer Erkrankung, sondern viel
mehr auch die Punkte 3, 4 und 5
(
Urk.
14 S. 2)
.
Inwiefern die
klinischen Merkmale
Punkt 3, 4, und 5
aufgrund der erho
benen
Befunde entgegen den gutachterlichen Feststellungen erfüllt sein sollten, begrün
deten
die
Dres
.
B._
und
D._
indes
nicht
und stellten auch nicht in Frage,
dass
das Merkmal Nr. 1
nicht gegeben ist
(“Hochgradige Abhängigkeit sowie
Anspruchshaltung gegenüber anderen“
,
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], Inter
na
tionale
Klassifikation psychischer Störungen,
9.
Aufl. 2014, S.
288)
.
Auch den Mindestz
eitraum, während welchem die
sechs
klinischen Merkmale vorzuliegen haben,
stellten
die
Dres
.
B._
und
D._
nicht in Frage
.
Prof.
Dr.
A._
hingegen setzte sich in seinem Gutachten mit der Be
urteilung de
s behandelnden
Dr.
B._
sorgfältig
auseinander
und
führte über
zeugend aus
,
dass die Diag
nose einer Persönlichkeitsänderung nicht gestellt werden könne
, da
nicht alle sechs Kriterien gemäss ICD-10 erfüllt gewesen
sind
und die psychische Störung zudem nicht während zwei Jahren seit Beendigung der Suc
ht vorgelegen
hat
(Urk. 10/69 S. 39
).
Nach dem Gesagten gibt d
er Be
richt der
Dres
.
B._
und
D._
keinen Anlass, von der
Diagnosestellung des Gutachters
abzuweichen.
4.3
Wie bereits erwähnt, führte der Gutachter aus, die Fähigkeitsstörungen dürften die Fähigkeit des Beschwerdeführers, komplexere Aufgabenstellungen eigen
ständig und zuverlässig zu bearbeiten, deutlich negativ beeinflussen. Es sei davon auszugehen, dass der Versicherte dadurch in seiner zuletzt ausgeübten Tä
tigkeit als PC-Experte im Web-Bereich
handicapiert
worden sei. In der Tätigkeit als Projektleiter dürfte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestehen. In der Tä
tigkeit eines Web Service
Responsible
sei von einer 40 bis 50%igen
Restar
beitsfähigkeit
in Bezug auf ein 100%-Pensum auszugehen. Einfache Tätig
keiten ohne Anforderungen an die Handlungsplanung und ohne Anforde
rungen an die Lernfähigkeit seien jederzeit vom Exploranden vollschichtig
leistbar
gewesen (Urk. 10/69 S. 42 und 70
f.). An dieser Einschätzung hielt Prof. Dr.
A._
in seiner Stellungnahme vom 19. März 2015 fest (Urk. 20/2). Präzisierend führte er aus, dass es sich bei der Tätigkeit eines Web Service
Responsible
nicht um die angestammte, sondern um eine teiladaptierte Tätigkeit im Sinne einer
Selbst
adaption
handle (Urk. 20/2 S. 2). Dass es sich bei der Tätigkeit des Web Service
Responsible
lediglich um eine teiladaptierte Tätigkeit handelt, erhellt auch aus der aktuellen Stellenbeschreibung. Demnach soll der Beschwerdeführer für die Inhaltsbereiche von Corporate Distribution im
unter
nehmensinternen
Netzwerk und auf der Website der Gruppe verantwortlich sein, ebenso für die Inhalte im Bereich der Web Services im Intranet. Sodann hat er Software-Trainings mit Bezug auf die von ihm verantworteten Komponenten durchzuführen und er soll für den 2
nd
Level Support im Webbereich der Gruppengesellschaften in der Re
gion Europa Nord zuständig sein. Vorausgesetzt werden schliesslich Kompeten
zen in verschiedenen Software-Anwendungen (Urk. 10/51 S. 2). Die aktuell aus
geübte Tätigkeit stellt demnach nicht wenige
Anforderungen an die
Handlungs
planung
und die Lernfähigkeit. Da es sich somi
t nicht um eine vollständig adaptierte Tätigkeit handelt, schöpft der Beschwer
deführer mit der Ausübung dieser Tätigkeit in einem Pensum von 50 % seine
gutachterlich attestierte
Rest
arbeitsfähigkeit
nicht aus. Daran ändert nichts, wenn
die behandelnden Ärzte und der Gutachter vor dem Hintergrund des realen Arbeitsmarktes dafürhalten, dass der teiladaptierte konkrete Arbeitsplatz erhal
ten werden sollte (vgl. Urk. 20/2). Schwierigkeiten bei der Stellensuche auf dem konkreten Arbeits
markt sind bei der Invaliditätsbemessung nicht zu berücksich
tigen; auf dem massgebenden hypothetischen, als ausgeglichen unterstellten Arbeitsmarkt (vgl. BGE 134 V 64 E. 4.2.1, 110 V 273 E. 4b) lassen sich ge
nü
gend Arbeitsstellen finden, welche dem gutachterlichen Zumutbarkeitsprofil entsprechen und dem Beschwerdeführer unter Berücksichtigung seiner Fähig
kei
ten offen stehen.
Schliesslich ist bezüglich der Einschätzung des Dr.
B._
darauf hinzuweisen, dass das Gericht der Erfahrungstatsache, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, Rechnung tragen soll und darf (BGE 125 V 351 E. 3b/cc). Damit vermag die undifferenzierte Einschätzung des behandeln
den Arztes, die "Belastbarkeit für einen 100 % Job" sei nicht mehr gegeben (Urk. 14 S. 2), die gutachterliche Beurteilung, wonach eine Tätigkeit ohne An
forderungen an die Handlungsplanung und die Lernfähigkeit vollschichtig zu
mutbar sei, nicht zu entkräften.
4.4
Vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer auf einen Antrag zur
Rück
weisung
der Sache an die Verwaltung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs verzichtet hatte (Urk. 13 S. 3), wäre eine allfällige Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (vgl. Urk. 13 S. 2 f. und 7) als geheilt zu betrachten.
4.5
Nach dem Gesagten ist mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Beschwer
deführer in seiner angestammten Tätigkeit als Projektleiter zu 100 % arbeits
unfähig und in der zuletzt ausgeübten teiladaptierten Tätigkeit als Web Service
Responsible
zu 50 bis 60 % arbeitsunfähig ist. In einer angepassten, einfachen Tätigkeit ohne Anforderungen an die Handlungsplanung und die Lernfähigkeit besteht dagegen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Inva
liditätsgrad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
5.
2
.
1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frü
hest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt wor
den
wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
5.2.2
Gemäss
den
Angaben der Arbeitgeberin des Beschwerdeführers würde
dies
er
im Jahr 2013
ohne Gesundheitsschaden ein Einkommen von
Fr.
93‘000.
--
erzielen (Urk.
10/17 S. 3).
Wie aus den
A
uszügen
des Lohnkontos
der Arbeitgeberin aus den Jahren 2011 und 2012 hervorgeht, verdiente der Beschwerdeführer im Jahr 2011 monatlich brutto
Fr.
7‘110.--
(x13
=
Fr.
92‘430.--
, nach Abzug der Famili
enzulagen
) und im Jahr 2012 monatlich brutto Fr. 7‘185.-- (x13 = 93‘405.
--, nach Abzug der Familienzulagen
). Damit ergibt sich ein monatliches Bruttoein
kommen
von durchschnittlich
rund
Fr.
93‘000.-- (vgl. Urk. 10/17 S.
3)
.
Damit kann auf die Angaben der Arbeitgeberin abgestellt werden.
5.3
5.3.
1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-er
werblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht.
Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, na
mentlich weil
die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jeden
falls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so
können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt fü
r Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) heran
gezo
gen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1).
Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Brutto
löhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) aus
zugehen ist. Bei der Anwen
dung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zu
grunde liegt, weshalb der
massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende
be
triebsübliche
Wochen
arbeits
zeit
aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E.
3b/
bb
, 124 V 321 E.
3b/
aa
; AHI 2000 S. 8
1 E. 2a).
5.
3
.
2
Da de
r Beschwerdeführer seine 100%ige
Restarbeitsfähigkeit derzeit nicht ausschöpft, ist zur Bestimmung des Invalideneinkommens ein statistischer
Tabel
lenlohn
heran
zuziehen. Aus medizinischer Sicht ist
er
für jede adaptierte
ein
fache Tätigkeit ohne Anforderungen an die Handlungsplanung und die Lern
fähig
keit zu 100
%
arbeitsfähig
. Auf dem hypo
thetischen, als ausgeglichen unter
stellten Arbeitsmarkt (vgl. BGE 134 V 64 E. 4.2.1, 110 V 273 E. 4b) lassen sich genügend Arbeitsstellen finden, welche diesem Zumutbarkeitsprofil ent
spre
chen und de
m
Beschwerdeführer unter Berücksichtigung
seiner
Fähigkeiten
offen stehen.
Da er über eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung ver
fügt
und nach wie vor fähig ist,
gewöhnliche
kaufmännische Arbeiten, bei welchen Be
rufskenntnisse vorausgesetzt sind, auszuführen, ist entsprechend
vom (nicht
nach Branchen differenzierten) standardisierten monatlichen Bruttolohn (Me
di
an;
inklusive 13. Monatslohn, basierend auf einer wöchentlichen Arbeits
zeit von 40
Stunden) für
männliche
Arbeitskräfte an Arbeitsplätzen des
Anforde
rungsniveaus
3
von Fr.
5
'
909
.-- auszugehen (Tabelle TA1 der LSE 2010 S. 26).
Aufgerechnet auf die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stun
den pro Woche im Jahr 201
3
(Die Volkswirtschaft, 3/4-2015 S. 88 Tabelle B9.2) und angepasst an die Entwicklung der Nominal
löhne für
männliche
Ar
beits
kräfte von
2‘150
Punkten im Jahr 20
10
auf
2‘204
Punkte im Jahr 201
3
(vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, T 39: Entwicklung der
Nomi
nallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne, 1976-2014) ergibt dies
ein Bruttoeinkommen von
Fr. 75‘
778
-- (Fr.
5‘909.
--
: 40 x 41,7 x 12 : 2‘
150
x
2‘
204
)
für ein Pensum von 100
%.
Weitere persönliche oder berufliche Merkmale, welche sich auf die Lohnhöhe im Anforderungsniveau
3
auswirken könnten (vgl. BGE 126 V 75),
sind
nicht ersichtlich.
5.3.3
Gründe, welche die Gewährung eines Leidensabzugs erfordern würden
,
sind vor
liegend nicht
auszumachen
.
D
em Beschwerdeführer
ist
eine Vollzeittätigkeit zu
mutbar
,
und
es bestehen
für die Verrichtung von gewöhnlichen
kaufmänni
sche
n
Tätigkeiten ohne Kaderfunktion
keine Einschränkungen, da solche weder rele
vante Anforderungen an die Handlungsplanung noch an die Lernfähigkeit stellen.
5.
4
Bei einem
Invalideneinkommen von
Fr.
75‘
778
.
--
resultiert im Vergleich zum
Valideneinkommen
von
Fr.
93‘000
.
--
eine Erwerbseinbusse von Fr.
17‘
22
2
.
--
, was
einem
rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von gerundet
19
%
ent
spricht
(zur Rundung BGE 130 V 121 E. 3.2)
.
5.5
Damit ist die angefochtene Verfügung, mit welcher ein Rentenanspruch ver
neint wurde, nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
6.
6
.1
Der Beschwerdeführer hat
mit seiner Beschwerde
ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gestellt (Urk. 1 S. 2, Urk. 6-7 und Urk. 8/1-14
).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen
Prozess
führung
und
Verbeiständung
erfüllt,
wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Pflicht des Staates zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege geht der familienrechtlichen Unterhaltspflicht nach; entsprechend ist bei der Beurteilung der Bedürftigkeit das Einkommen und Vermögen beider Ehegatten zu berück
sich
tigen (BGE 115
Ia
195 E. 3a). Erst wenn alle diese Mittel zur Finanzierung des Prozesses nicht ausreichen, ist die Mittellosigkeit im Sinne des prozessualen Armenrechts gegeben (ZR 90 Nr. 82 S. 260).
6.2
Unter
lit
. C/I des Formulars zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit
dekla
rierte der Beschwerdeführer
zusammen mit seiner Ehefrau per 31.
Dezember 20
13 Vermögen in der Höhe von Fr.
23‘823.
-- (Urk. 7 S. 2)
.
Dies ergibt sich auch aus dem Wertschriften- und Guthabenverzeichnis der Steuererklärung der Ehegatten aus dem Jahr 2013 (
Urk.
8/4)
Sodann deklarierte er per
1
6.
Oktober 2014
ein
Vermögen
von noch ungefähr
Fr.
15‘000.-- (Urk. 7 S. 2).
Dazu
reicht
e
er keine Belege
ein
.
Bei dieser Sachlage sind die massgebenden finanziellen Verhältnisse nicht belegt worden
,
und es ist - wie mit Verfügung vom 24. September 2014 angedroht (Urk. 4) - davon auszugehen, dass keine pro
zessuale Bedürftigkeit besteht. Entsprechend ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung abzuweisen.
6
.
3
Die Gerichtskosten sind auf
Fr.
600.-- festzulegen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Das Gericht beschliess
t
:
Das Gesuch des Beschwerdeführers vom
19. September 2014
um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung wird abgewiesen.
und
erkennt
:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr. 600
.-- werden
dem Beschwerdeführer auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden dem Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
Rechtsdienst
Inclusion
Handicap
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.