Decision ID: 9eee1ded-3483-4255-bbf2-ec4d6f72a455
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Entscheid Verwaltungsgericht, 23.01./19.02.2015 Ausländerrecht. Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG (SR 142.20); Art. 8 EMRK (SR 0.101).Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines seit 1987 in der Schweiz lebenden türkischen Staatsangehörigen erweist sich angesichts seiner Verschuldung und der wiederholten Straffälligkeit als rechts- und verhältnismässig. Ausschlaggebend dafür ist in erster Linie die diagnostizierte hohe Rückfallgefahr bezüglich Drogen- und Vermögensdelikten. Weder eine Suchttherapie, welche im Rahmen einer gerichtlich angeordneten stationären Massnahme angetreten wurde, und das daran anschliessende betreute Wohnen, noch das Verhältnis zu seiner in der Schweiz lebenden Tochter, das nur punktuell gepflegt wird, vermögen den Widerruf abzuwenden (Verwaltungsgericht, B 2013/211).Entscheid vom 23. Januar/19. Februar 2015 BesetzungPräsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Rufener, Bietenharder; Gerichtsschreiber ScherrerVerfahrensbeteiligteX.Y., Beschwerdeführer,vertreten durch Rechtsanwalt Paul Rechsteiner, Oberer Graben 44, 9000 St. Gallen,gegenSicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen, Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,Vorinstanz,GegenstandWiderruf der NiederlassungsbewilligungDas Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. ist türkischer Staatsangehöriger, lebte bis zu seinem 16. Lebensjahr in
der Türkei und reiste am 4. Januar 1987 im Rahmen des Familiennachzugs in die
Schweiz ein. Anfangs erhielt er eine Aufenthaltsbewilligung, worauf im April 1991 eine
Niederlassungsbewilligung folgte (act. 2 aus dem Dokumentenarchiv des
Migrationsamtes St. Gallen, nachfolgend: DaM-SG). X.Y. ist Vater einer Tochter, T.B.,
geboren 1997, die bei der geschiedenen Mutter in A. wohnt und seit dem 11. Mai 2010
das Schweizer Bürgerrecht besitzt (act. 2).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B. Während seinem Aufenthalt in der Schweiz ist X.Y. wie folgt verurteilt respektive
gebüsst worden (Stand: 21. März 2011, Zeitpunkt der Verfügung des Migrationsamtes
betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung):
- mit Bussenverfügung der Bezirksamtes Werdenberg vom 26. Februar 1997
wegen Ausführens einer Lernfahrt mit einem Personenwagen ohne vorgeschriebene
Begleitung zu einer Busse von CHF 400 (act. 4 DaM-SG),
- mit Strafbescheid des Bezirksamtes Werdenberg vom 3. April 1998 wegen
mehrfachen Diebstahls, Hausfriedensbruchs, geringfügigen Vermögensdelikts durch
Sachbeschädigung und versuchten betrügerischen Missbrauchs einer
Datenverarbeitungsanlage zu einer Gefängnisstrafe von 8 Wochen, unter Gewährung
des bedingten Strafvollzuges mit einer Probezeit von drei Jahren und einer Busse von
CHF 400 (act. 8 DaM-SG),
- mit Bussenverfügung des Bezirksamtes Werdenberg vom 12. Mai 2000 wegen
mehrfachen Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und Konkursverfahren zu
einer Busse von CHF 120 (act. 64 DaM-SG),
- mit provisorischer Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 25.
Juli 2000 wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes zu einer
Busse von CHF 150 (act. 63 DaM-SG),
- mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 11. Dezember
2000 wegen mehrfachen Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und
Konkursverfahren zu einer Busse von CHF 150 (act. 17 DaM-SG),
- mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 23. April 2001
wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zum
Eigenkonsum zu einer Busse von CHF 150 (act. 19 DaM-SG),
- mit Urteil des Fürstlichen Landgerichts Vaduz vom 20. Januar 2004 wegen
mehrfachen Einbruchdiebstahls und Versuchs dazu zu einer Freiheitsstrafe von 8
Monaten, bedingt unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren (act. 45/47 DaM-
SG),
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
- mit Entscheid des Kreisgerichts Werdenberg-Sargans vom 28. Juni 2007 wegen
gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und
mehrfachen Hausfriedensbruchs im Zusatz zum Urteil des Fürstlichen Landgerichts
vom 20. Januar 2004 zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten, davon acht Monate
vollziehbar; für acht Monate wurde der Vollzug mit einer Probezeit von drei Jahren
aufgeschoben (act. 67 DaM-SG),
- mit Bussenverfügung des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 21. August 2007
wegen Vergehen und Übertretung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 100, entsprechend CHF 3'000, und einer
Busse von CHF 400; der Vollzug der Geldstrafe wurde unter Ansetzung einer Probezeit
von zwei Jahren aufgeschoben (act. 72 DaM-SG),
- mit Bussenverfügung des Bussenzentrums der Staatsanwaltschaft vom 16.
Oktober 2007 wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer
Busse von CHF 50 (act. 75 DaM-SG),
- mit Urteil der Bezirksgerichtskommission Arbon vom 14. Januar 2010 wegen
mehrfachen Diebstahls und Versuch dazu, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen
Hausfriedensbruchs und Versuch dazu sowie mehrfacher Übertretung gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten und einer Busse von
CHF 200 (act. 103 DaM-SG),
- mit Urteil des Bezirksgerichts Arbon vom 17. September 2010 wegen Diebstahls,
Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs zu einer Freiheitsstrafe von 5 Wochen
(act. 106 DaM-SG).
C. Das Migrationsamt teilte X.Y. mit Schreiben vom 24. Oktober 1996 im Sinne einer
Verwarnung mit, dass er durch sein Verhalten berechtigten Anlass zur Klage gegeben
und sich daher in Zukunft in jeder Beziehung klaglos zu halten habe, da er sonst mit
fremdenpolizeilichen Massnahmen gegen sich rechnen müsse (act. 4 DaM-SG). Grund
für diese Verwarnung war ein Privatkonkurs, aus welchem Verlustscheine in Höhe von
CHF 45'986.40 resultierten (act. 11 und 15 DaM-SG). Mit Verfügung vom 19. Oktober
2007 drohte das Migrationsamt X.Y. die Ausweisung an. Begründet wurde die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügung mit den durch den Verfügungsempfänger zahlreich begangenen Straftaten,
dessen Schulden sowie dem permanenten Bezug von Sozialhilfe. Das Migrationsamt
hielt ausdrücklich fest, dass X.Y. durch sein Verhalten Ausweisungsgründe gesetzt
habe, jedoch auf Grund des Umstandes, dass er schon über 20 Jahre in der Schweiz
wohnhaft sei, eine solche unverhältnismässig wäre. Falls es jedoch erneut zu
Straffälligkeiten (Verbrechen oder Vergehen) kommen sollte, oder sonst zu erheblichen
Klagen Anlass gegeben werde, werde er trotz seines langjährigen Aufenthaltes in der
Schweiz ausser Landes verwiesen (act. 74 DaM-SG).
D. Das Migrationsamt informierte X.Y. am 6. Dezember 2010 über die Absicht, seine
Niederlassungsbewilligung zu widerrufen und räumte ihm eine Frist zur Wahrnehmung
des rechtlichen Gehörs ein (act. 112 DaM-SG). Zudem gewährte ihm das Amt die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung (Art. 29 Abs. 3 BV, SR 101; Art. 99 Abs. 1 VRP,
sGS 951.1), welche durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul Rechsteiner wahrgenommen
wurde. Mit Verfügung vom 21. März 2011 widerrief das Migrationsamt die
Niederlassungsbewilligung von X.Y. mit der Begründung, dass er mit seinem Verhalten
wiederholt zu schweren Klagen Anlass gegeben und somit sein Gastrecht in der
Schweiz in schwerwiegender Weise missbraucht habe. Folglich bestehe ein
öffentliches Interesse an der Fernhaltung, welches in Bezug auf die persönlichen
Interessen von X.Y., in der Schweiz bleiben zu können, überwiege. Auch im Hinblick
auf die Europäische Menschenrechtskonvention und das darin enthaltene Recht auf
Achtung des Privat- und Familienlebens erweise sich die erlassene Verfügung als
rechtmässig, da diese auf einer gesetzlichen Grundlage basiere und dem öffentlichen
Interesse entspreche. Es gebe keine Umstände, welche gegen den Vollzug der
Wegweisung sprächen und eine Rückkehr in sein Heimatland sei möglich, zulässig und
zumutbar (act. 125 DaM-SG).
Gegen diese Verfügung erhob X.Y., vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Paul
Rechsteiner mit Schreiben vom 5. April 2011 und 29. April 2011 Rekurs beim
Sicherheits- und Justizdepartement und beantragte die Aufhebung der Verfügung vom
21. März 2011 sowie ein Absehen vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung (act.
9/1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
E. X.Y. hatte im Zeitpunkt des Rekurses vom 5. April 2011 erhebliche Schulden. Beim
Sozialamt Steinach, welches ihn seit 2007 unterstützt, belief sich der Saldo auf CHF
62'646.60 (act. 104 DaM-SG). Beim Sozialamt Buchs SG war aus den Jahren 1998 –
2006 ein Betrag von CHF 25'305.75 offen (act. 109 DaM-SG). Beim Betreibungsamt
Steinach bestanden acht offene Verlustscheine in Höhe von CHF 6'861.75. Beim
Betreibungsamt Buchs bestanden sodann 18 Verlustscheine in Höhe von CHF
24'855.90 (act. 104 DaM-SG). Mit Verfügung vom 5. Juli 2012 wurde bei X.Y. von der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
festgestellt und ihm eine Invalidenrente in Höhe von monatlich CHF 641.00
zugesprochen.
Das Untersuchungsamt St. Gallen ordnete mit Verfügung vom 5. Oktober 2012 gestützt
auf Art. 60 des Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, StGB) und Art. 236 der
Schweizerischen Strafprozessordnung (SR 312.0, StPO) eine stationäre
Suchtbehandlung an, welche im Rahmen des vorzeitigen Massnahmenvollzuges am
23. Oktober 2012 mit Eintritt in die Psychiatrische Klinik Wil begonnen hatte (act. 9/23),
wobei in der Folge eine Verlegung bis auf Weiteres ins Rehabilitationszentrum Z.
erfolgte, in welchem X.Y. schon im Zeitraum vom Juni 2003 bis März 2007 für eine
stationäre Massnahme zum Drogenentzug untergebracht worden war.
Das Kreisgericht Rorschach verurteilte X.Y. am 10. April 2013 wegen gewerbsmässigen
Diebstahls, unrechtmässiger Aneignung, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen
Hausfriedensbruchs sowie mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes
unter Berücksichtigung der Rückversetzung hinsichtlich der bedingten Entlassung vom
10. Dezember 2010 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 14 Monaten. Zudem ordnete
das Gericht eine stationäre suchttherapeutische Massnahme im Sinne von Art. 60
StGB an, zu deren Gunsten der Vollzug der Freiheitsstrafe aufgeschoben wurde (act.
9/28).
F. Mit Entscheid vom 19. September 2013 wies das Sicherheits- und
Justizdepartement den Rekurs von X.Y. ab und lud das Migrationsamt ein, dem
Rekurrenten eine neue Frist zur Ausreise anzusetzen. Begründet wurde der Entscheid
damit, dass das öffentliche Interesse am Widerruf der Niederlassungsbewilligung und
an der Wegweisung des Rekurrenten sein privates Interesse, in der Schweiz bleiben zu
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dürfen, überwiege (act. 2). Am 4. Oktober 2013 erhob X.Y. (Beschwerdeführer) durch
seinen Rechtsvertreter gegen den Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements
(Vorinstanz) vom 19. September 2013 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen, welche in der Beschwerdeergänzung vom 25. Oktober 2013
begründet wurde, mit folgenden Rechtsbegehren:
1. Der Entscheid des Sicherheits- und Justizdepartements vom 19. September 2013
sei aufzuheben.
2. Es sei vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung abzusehen.
3. Unter Kosten und Entschädigungsfolge.
Zudem wurde in der Beschwerdeschrift ein Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung gestellt mit der Begründung, dass der Beschwerdeführer
mittellos sei und einem solchen Begehren schon von den Vorinstanzen entsprochen
worden sei. Durch Verfügung des Verwaltungsgerichts vom 22. November 2013 wurde
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung wegen
Aussichtslosigkeit der Beschwerde rechtskräftig abgewiesen. Die Vorinstanz stellt mit
Schreiben vom 6. Dezember 2013 den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen, unter

Verweis auf die Erwägungen im angefochten Entscheid und die Akten.
G. Im Folgenden gaben beide Parteien des Beschwerdeverfahrens weitere Unterlagen
zu den Akten. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers reichte am 11. Dezember
2013 ein Schreiben der Bewährungshilfe ein, in welchem auf den aktuellen psychischen
Zustand des Beschwerdeführers eingegangen wird. Am 25. Juli 2014 reichte das
Migrationsamt eine Einvernahme (Art. 157 StPO) der Stadtpolizei St. Gallen bezüglich
einer Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes ein (act. 14). Dem Beschwerdeführer
wurde am 19. Juli 2014 der Konsum sowie Besitz einer geringen Menge (0.3g) Kokain
vorgeworfen. Am 2. September 2014 reichte das Migrationsamt den Strafbefehl zum
eben erwähnten Sachverhalt ein, in welchem der Beschwerdeführer der Übertretung
(Besitz/Konsum von Kokain) von Art. 19a des Bundesgesetzes über die
Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe (Betäubungsmittelgesetz; SR 812.121,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
BetmG) schuldig gesprochen und mit einer Busse in Höhe von CHF 200 bestraft wurde
(act. 16.1/2). Die Dokumente wurden den Parteien zur Kenntnisnahme zugestellt.
Im Rahmen der am 27. Oktober 2014 verfügten bedingten Entlassung aus der
stationären Massnahme (act. 18), wurde im Sinne einer Anschlusslösung mit dem
Beschwerdeführer ein Vertrag zum Heimaufenthalt mit unterstütztem Wohnen und
geschütztem Arbeitsplatz im Rehabilitationszentrum Z. geschlossen (act. 19.2).
Zusätzlich zur Reaktivierung der Invalidenrente per 1. Oktober 2014 (act. 22.1), wurde
ein Antrag auf Revision derselben sowie auf Ergänzungsleistungen gestellt (act.
22.5/22.7).
Da der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 23. Januar 2015, dem Tag an
welchem die Streitsache vor dem Verwaltungsgericht erstmals behandelt wurde,
weitere Unterlagen einreichte (act. 21 und 22), wurde der hier vorliegende Entscheid,
unter Berücksichtigung dieser Dokumente, am 19. Februar 2015 erneut beraten.
Auf die Darlegungen der Parteien in den Eingaben und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1; VRP). Sodann ist
der Beschwerdeführer zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Weiter erfüllt die Beschwerdeeingabe vom 4.
Oktober 2013 zusammen mit der Beschwerdeergänzung vom 25. Oktober 2013 die
gesetzlichen Anforderungen in zeitlicher, sachlicher und inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist
somit einzutreten.
2. Für ausländische Personen gilt das Bundesgesetz vom 16. Dezember 2005
über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20, AuG), soweit keine andere
Bestimmung des Bundesrechts oder von der Schweiz abgeschlossene völkerrechtliche
Verträge zur Anwendung gelangen. Nach Art. 63 Abs. 1 lit. a (in Verbindung mit Art. 62
lit. b) und Art. 63 Abs. 2 AuG kann die Niederlassungsbewilligung auch nach einem, wie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
im vorliegenden Falle, länger als 15 Jahre dauernden ununterbrochenen und
ordnungsgemässen Aufenthalt in der Schweiz widerrufen werden, wenn der Ausländer
zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Als längerfristig gilt nach der
gefestigten Rechtsprechung eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr (BGE 135 II
377 E. 4.2). Diese Grenze gilt auch dann als erreicht, wenn die Freiheitsstrafe bloss
bedingt oder teilbedingt ausgesprochen wurde (BGE 139 I 16 E. 2.1; BGer
2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Der Beschwerdeführer bestreitet nicht, dass
mit Blick auf die strafrechtlichen Verurteilungen vom 28. Juni 2007 und 10. April 2013
zu Freiheitsstrafen von 16 und 14 Monaten grundsätzlich ein Widerrufsgrund für die
Niederlassungsbewilligung im Sinne des AuG vorliegt. Er bringt diesbezüglich jedoch
vor, dass auf Grund der konkreten Umstände im vorliegenden Einzelfall ein Widerruf
nach Art. 63 i. V. m. Art. 62 AuG im Sinne von Art. 96 AuG unverhältnismässig sei.
2.1. Nach Art. 96 Abs. 1 AuG haben die zuständigen Behörden bei der
Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer zu berücksichtigen.
Es ist somit zu prüfen, ob der Widerruf der Niederlassungsbewilligung verhältnismässig
im Sinne von Art. 96 Abs. 1 AuG ist (BGE 139 I 16 E. 2.2.2 und BGE 135 II 377 E. 4.3,
4.5). Dabei sind namentlich die Schwere des Delikts und Verschuldens des
Betroffenen, der seit der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers
während diesem, der Grad seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen
Anwesenheit sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen
(BGE 135 II 377 E. 4.3). Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich
schon seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zurückhaltung widerrufen werden. Bei
wiederholter bzw. schwerer Straffälligkeit ist dies jedoch selbst dann nicht
ausgeschlossen, wenn er hier geboren ist und sein ganzes bisheriges Leben im Land
verbracht hat (BGer 2C_562/2011 vom 21. November 2011 E. 3.3, in welchem das
Bundesgericht den Widerruf der Niederlassungsbewilligung eines in der Schweiz
geborenen 43-jährigen Türken bestätigte). Bei schweren Straftaten und bei Rückfall
beziehungsweise wiederholter Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches
öffentliches Interesse daran, die Anwesenheit eines Ausländers zu beenden, der die
Sicherheit und Ordnung derart beeinträchtigt (BGE 139 I 145 E. 2.4 f.; BGer
2C_903/2010 vom 6. Juni 2011 E. 3.1; BGE 137 II 233; BGE 130 II 176 E. 4.4.2). Die
konventionsrechtliche Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Abs. 2 der Konvention
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) entspricht
jener nach Art. 96 Abs. 1 AuG (BGE 122 II 1 E. 2; BGer 2C_11/2013 vom 25. März 2013
E. 3.1 sowie BGer 2C_718/2013 vom 27. Februar 2014 E. 3.1).
2.1.1. Der Beschwerdeführer bringt im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung vor,
dass die stationäre therapeutische Massnahme, in welcher er sich noch bis vor kurzem
befand, erfolgreich verlaufen und dies von der Vorinstanz zu Unrecht nicht
berücksichtigt worden sei. Dies gelte umso mehr, als dass der mit der Massnahme
verbundene Freiheitsentzug bezüglich Intensität und Dauer die ausgefällte
Freiheitsstrafe übersteige und die Motivation des Beschwerdeführers erkennen lasse,
nicht mehr in die frühere Delinquenz zurückzufallen.
2.1.2. Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Abwägung ist die vom Strafgericht verhängte Strafe (BGE 129 II
215 E. 3.1). Der Beschwerdeführer ist seit mehreren Jahren drogenabhängig und seit
Ende 2007 in Methadonbehandlung. Allein in der Zeit zwischen Januar 2004 und April
2013 wurde er wegen mehrfachen Vermögens-, Betreibungs- und Konkurs- sowie
Betäubungsmitteldelikten zu Haftstrafen von rund 45 Monaten und zu Geldstrafen von
insgesamt CHF 3'000 verurteilt (act. 2, S. 7). Bereits das Kreisgericht Werdenberg-
Sargans hielt in seinem Urteil vom 28. Juni 2007 fest, dass das Verschulden des
Beschwerdeführers schwer wiege, was sich an der grossen kriminellen Energie, welche
er an den Tag legte, und an der unbelehrbaren und uneinsichtigen Einstellung
bezüglich der Delikte erkennen lasse (act. 67 DaM-SG, S. 4). Kurz vor dem Erlass des
genannten Urteils (16. März 2007) war der Beschwerdeführer aus einer knapp
vierjährigen stationären Massnahme entlassen worden, was das Gericht dazu bewogen
hatte, ihm eine günstige Legalprognose zu stellen. Das Wohlverhalten während der
stationären Massnahme wie auch die Tatsache, dass sich der Beschwerdeführer
gewillt zeigte, die angebotene Unterstützung durch die Bewährungshilfe in Anspruch zu
nehmen, liessen zum damaligen Zeitpunkt eine solche Prognose zu. Den Umstand,
dass der Beschwerdeführer, schon als es zur mündlichen Verhandlung des Urteiles
vom 28. Juni 2007 kam, seine Arbeitsstelle, welche er nach der Massnahme angetreten
hatte, auf Grund mehrmaligen Zuspätkommens respektive Nichterscheinens verloren
hatte, was auch in Zusammenhang mit erneutem Alkohol- und Drogenkonsum stand,
hat das Gericht in seiner Beurteilung zwar lediglich als "einmaligen Rückfall" taxiert
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(act. 67 DaM-SG, S. 5), ist jedoch im Nachhinein betrachtet das erste Anzeichen dafür
gewesen, dass sich die positive Legalprognose nicht bewahrheitete. Vielmehr glitt der
Beschwerdeführer nach dem Ende der stationären Massnahme innert kürzester Zeit
wieder in den Suchtmittelkonsum ab. Nicht nur, dass er intensiver als früher
(mittlerweile täglich) Suchtmittel konsumierte (act. 78 DaM-SG, S. 27 f.), wobei nun
auch härtere Drogen, insbesondere Heroin, eingenommen wurden, sondern auch, dass
er sogar kurzzeitig versuchte, das genannte Suchtmittel zu verkaufen (act. 65 DaM-SG,
S. 5), zeigen mit Bestimmtheit, dass die stationäre Massnahme auf längere Sicht
erfolglos geblieben ist. Neben dem Rückfall in die Drogensucht und den damit
verbundenen Delikten im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes beging der
Beschwerdeführer, teilweise trotz bestehender Probezeit, erneut zahlreiche Diebstähle
respektive Einbruchdiebstähle. Auch die Verwarnung des Migrationsamtes vom 19.
Oktober 2007, welche nach derjenigen vom 24. Oktober 1996 die zweite an den
Beschwerdeführer darstellte, hielt diesen nicht davon ab, weitere Straftaten zu
begehen. Diesbezüglich kann der Einwand des Beschwerdeführers der erfolgreich
verlaufenen stationären Massnahme nicht in dem Masse gewürdigt werden, als dass
dadurch eine Unverhältnismässigkeit des Widerrufes der Niederlassungsbewilligung
resultieren würde. Sein Wohlverhalten ist ihm zwar zu einem gewissen Masse
anzuerkennen, auf Grund der konkreten Umstände, in welchen dieses in Erscheinung
trat, aber auch wieder zu relativieren. Eine Besserung des Verhaltens kann während
einer stationären Massnahme sowie einer strafrechtlichen Probezeit erwartet werden
und fällt bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit nicht massgeblich ins Gewicht
(BGer 2C_210/2014 vom 17. März 2014 E. 3.3.2; BGer 2C_1162/2013 vom 28. August
2014 E. 2.4). Angesichts des damaligen raschen Rückfalls in die Drogensucht und der
Delinquenz sowie des Scheiterns der stationären Massnahme ist trotz des Wunsches
des Beschwerdeführers, von den Drogen wegzukommen, auch künftig von einer
schweren und gegenwärtigen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch seine
Person auszugehen.
2.1.3. Der Beschwerdeführer macht in diesem Zusammenhang geltend, dass eine
Rückfallgefahr nur bestehen könne, wenn im Anschluss an die erst kürzlich beendete
stationäre Massnahme seine Lebenssituation nicht geregelt sei. Für die Zeit nach der
bedingten Entlassung aus der stationären Massnahme wurde mit dem
Beschwerdeführer ein Heimaufenthalt mit unterstütztem Wohnen und geschütztem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Arbeitsplatz im Rehabilitationszentrum Z. vereinbart (act. 19.2). Dies verändere die
Rückfallprognose entscheidend zu Gunsten des Beschwerdeführers.
2.1.4. Die Vorinstanz geht basierend auf dem psychiatrischen Gutachten vom 10. März
2012 davon aus, dass die Rückfallgefahr des Beschwerdeführers für die Begehung mit
den inkriminierten Anlasstaten vergleichbarer Taten (Einbruchdiebstahl, Diebstahl oder
sonstige Bereicherungsdelikte) als sehr hoch zu erachten ist (act. 2, S. 7 f.;
Psychiatrisches Gutachten vom 10. März 2012, act. 9/25, S. 31, nachfolgend:
Gutachten). Der Beschwerdeführer kommt im Gutachten nach FOTRES (Forensisches
Operationalisiertes Therapie-Risiko-Evaluations-System) auf einen Wert von 3,5 (auf
einer Skala von 0-4) bezüglich strukturellen Rückfallrisikos, wobei in dieser Wertung
schon sämtliche günstig wirkenden Faktoren aus legalprognostischer Sicht mit
einbezogen wurden (Gutachten S. 31). Für eine legalprognostisch Erfolg versprechende
Behandlung, welche der Gefahr weiterer Straftaten begegnen würde, bedarf es nach
Aussage des Gutachters eines stabilen Lebensrahmens mit einem sozialen
Beziehungsnetz oder einer stabilen Partnerschaft sowie einer gefestigten und
genügenden Arbeitssituation (Gutachten S. 35). Auch wenn nach dem Gutachten kein
direkt motivierter Zusammenhang zwischen den Straftaten und der
Suchtmittelkonsumproblematik besteht, sei eine Suchtmittelabstinenz aber als
Grundvoraussetzung zu erachten, um sich überhaupt in geregelte
Lebensrahmenbedingungen einbinden zu können. Am 19. Juli 2014, während der
stationären Massnahme, wurde der Beschwerdeführer wegen einer Übertretung des
Betäubungsmittelgesetzes (Konsum und Besitz von Kokain) angezeigt und mit
Bussenverfügung des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 24. Juli 2014 zu einer
Busse vom CHF 200 verurteilt (act.16.2). Aus dem aktuellen Bericht des
Rehabilitationszentrums geht sodann hervor, dass der Beschwerdeführer kurz vor
seiner bedingten Entlassung aus der stationären Massnahme vermehrt positiv auf
Kokain getestet wurde (act. 19.1). Diese Umstände machen deutlich, dass der
Beschwerdeführer seine Suchtproblematik, wie schon nach der ersten stationären
Massnahme, nicht überwunden hat. Somit kann basierend auf den Befunden des
psychiatrischen Gutachtens gefolgert werden, dass unter diesen Voraussetzungen
keine geregelte Lebenssituation möglich ist und demzufolge weiterhin ein erhebliches
Rückfallrisiko, mit damit verbundener Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, besteht.
Dies rechtfertigt es auch, den Antrag des Beschwerdeführers auf ergänzende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gutachterliche Abklärungen beziehungsweise Ergänzungsfragen abzuweisen. Für eine
positive Rückfallprognose bedarf es nicht nur einer geregelten Lebenssituation,
sondern auch einer Einbindung in dieselbe (Gutachten S. 35), welche vorliegend,
mangels Suchtmittelabstinenz, nicht bejaht werden kann. Daran würde auch ein
ergänzendes Gutachten nichts zu ändern vermögen. Selbst bei einem durchwegs
positiv beurteilten Verhalten kann ein erhöhtes Rückfallrisiko nicht ausgeschlossen
werden, zumal auch ausserhalb der stationären Massnahme eine engmaschige
Betreuung und Kontrolle, beispielsweise im Rahmen eines betreuten Wohnens,
teilweise entfällt (BGer 2C_893/2013 vom 24. März 2014 E. 4.4.2). Dies trifft nach der
Aussage des Gutachters besonders beim Beschwerdeführer zu, da er nach FOTRES,
im Rahmen der Bewertung der Beeinflussbarkeit, einen Wert von 1,0 (Skala von 0-4)
erreicht hat, was selbst einen positiven Einfluss eines geregelten Lebensrahmens
vermindert oder zumindest erst in einer längerfristigen zeitlichen Perspektive zu
Verbesserungen führen kann (Gutachten, S. 22 und 32). Der Umstand, dass der
Beschwerdeführer, trotz mehrfachem Abraten, regelmässigen Kontakt zu seinem
früheren sozialen Umfeld (Gasse und Gassenküche St. Gallen) pflegt, stellt zudem
weiteres Gefahrenpotential für einen möglichen Rückfall dar (act. 19.1). Des Weiteren
kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit (act. 5
DaM-SG; act. 20 DaM-SG; act. 9/13), wie auch zum heutigen Zeitpunkt (act. 19.1, S.
2), teilweise zu ungehaltenen und ausfallenden Reaktionen neigt, wenn er sich
überfordert, gestresst oder angegriffen fühlt. Auch wenn sich diese Verhaltensweise
durch die stationäre Massnahme deutlich gebessert hat (act. 19.1), so bildet sie keine
unerhebliche Gefahr für einen potentiellen Rückfall. Alles in allem ist die Vorinstanz zu
Recht davon ausgegangen, dass selbst bei einem positiven Verlauf der stationären
Massnahme ein erhebliches Risiko des Rückfalls bestehen bleibt (act. 2, S. 9). Das gilt
auch für den Fall eines unterstützen Wohnens in einer betreuten Institution. Ebenfalls
geht die Vorinstanz richtigerweise davon aus, dass dem Kriterium der Rückfallgefahr
bzw. der Wahrscheinlichkeit eines künftigen Wohlverhaltens ausserhalb des
Geltungsbereiches des Freizügigkeitsabkommens (SR 0.142.112.681; Art. 5 Anhang I
FZA) keine zentrale Bedeutung zuzumessen ist und bei der Interessensabwägung
betreffend Personen, welche nicht als Angehörige der EU- und EFTA-Staaten gelten,
auch generalpräventive Gesichtspunkte im Rahmen des Widerrufs einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Niederlassungsbewilligung berücksichtigt werden dürfen (BGer 2C_1000/2013 vom 20.
Juli 2014 E. 3.2; BGer 2C_903/2010 vom 6. Juni 2011 E. 4.3).
2.1.5. Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 96 Abs. 1 AuG wird des
Weiteren auch auf den Grad der Integration der Person, welcher die
Niederlassungsbewilligung entzogen werden soll, abgestellt. Eine erfolgreiche
Integration kann unter Umständen den Ausschlag zu Gunsten des persönlichen
Interesses für den Verbleib in der Schweiz geben und den Widerruf unverhältnismässig
werden lassen (BGE 134 II 1 E. 4.2; VerwGE ZH VB.2013.00686 vom 4. Juni 2014 E. 6
ff.). Dies ist im vorliegenden Entscheid jedoch nicht der Fall. Der Beschwerdeführer
gelangte im 16. Lebensjahr in die Schweiz und hat folglich knapp 27 Jahre hierzulande
verbracht. Nach den Feststellungen der Vorinstanz ist der Beschwerdeführer sozial
nicht gut integriert und lebe zurückgezogen. Seine einzigen sozialen Kontakte
beschränken sich im Wesentlichen auf Personen aus der Medizinisch-Sozialen
Hilfsstelle (MSH) und der Gasse (act. 2, S. 8; Gutachten S. 14). Seine Tochter T.B.,
welche bei ihrer Mutter lebt, sieht er nach eigenen Angaben monatlich (vgl. dazu
jedoch die Ausführungen in E. 3.2) und ansonsten beschränkt sich der Kontakt zu ihr
auf wöchentliche Telefonate. Des Weiteren bestehen persönliche und telefonische
Kontakte zu seinen beiden in St. Gallen wohnhaften Neffen (act. 2, S. 8; act. 5, Bericht
der Bewährungshilfe). Auch in beruflich-wirtschaftlicher Hinsicht kann beim
Beschwerdeführer nicht von einer erfolgreichen Integration gesprochen werden. Zwar
hat er eine schulische Ausbildung genossen und im Rahmen seines ersten Aufenthaltes
im Rehabilitationszentrum Z. eine Anlehre zum Drucker abgeschlossen, jedoch konnte
er auf Grund seiner Alkohol- und Drogensucht niemals auf dem primären Arbeitsmarkt
richtig Fuss fassen und verlor die wenigen Stellen, welche er erhalten hatte, innert
kürzester Zeit (Gutachten, S. 12 f.). So habe beispielsweise der Beschwerdeführer trotz
mehrheitlich positivem Abschlussbericht der Gartengruppe, in welcher er durch die
Medizinisch-Soziale Hilfsstelle Arbeitserfahrung sammeln durfte, oftmals gefehlt
(Fremdaussage der zuständigen Person der Medizinisch-Sozialen Hilfsstelle, in:
Gutachten, S. 23). Auch bezüglich der nicht unerheblichen Schuldenwirtschaft kann
keine Rede von Integration sein. Neben dem angemeldeten Privatkonkurs im Jahre
1996 bestehen auch zum heutigen Zeitpunkt mehrere Betreibungsverfahren sowie
offene Verlustscheine gegen den Beschwerdeführer.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, dass sich durch die Verfügung einer halben
Invalidenrente seine persönliche und finanzielle Situation geändert habe, wie auch dass
der dadurch festgestellte beeinträchtigte Gesundheitszustand ausländerrechtlich zu
seinen Gunsten berücksichtigt werden müsse. In Zusammenhang mit der Stabilisierung
der persönlichen Situation als Folge der stationären Massnahme müsste dies
konsequenterweise zur Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheides führen.
2.2.1. Der Beschwerdeführer vermag in diesem Punkt nicht zu belegen, inwiefern die
verfügte Invalidenrente zu einer Veränderung der Lebenssituation geführt hat, zumal
sein Verhalten auch nach dem Erlass der Verfügung vom 5. Juli 2012 wenige
Anhaltspunkte für eine Besserung zulässt. Der Beschwerdeführer machte sich schon
am 3. August 2012, wenige Tage nach Verfügung der Invalidenrente (act. 9/21), eines
Einbruchdiebstahls schuldig, für welchen er durch das Kreisgericht Rorschach am 10.
April 2013 verurteilt wurde. Dass sich der Beschwerdeführer diesbezüglich nicht auf
den Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung, sondern auf den für ihn günstigeren
Zeitpunkt der Rechtskraft derselben als ausschlaggebenden Zeitpunkt für die
Beurteilung der vermeintlichen Veränderung der Lebensumstände beruft, kann nicht als
massgeblich betrachtet werden. Auch bezüglich seiner Drogensucht und den damit
verbundenen Delikten gegen das Betäubungsmittelgesetz lässt sich kaum eine
Besserung verzeichnen, was aus der Übertretung gegen das BetmG vom 24. Juli 2014
sowie den mehrfach positiven Drogentests (Alkohol, Opiate und Kokain) während der
stationären Massnahme ersichtlich wird (act. 19.1). Dies vermögen auch die positiven
Entwicklungen im persönlichen und sozialen Bereich des Beschwerdeführers nicht zu
relativieren (act. 19.1), zumal solche, wie bereits erwähnt, im Rahmen einer stationären
Massnahme durchaus zu erwarten sind. Daraus kann gefolgert werden, dass allein
durch die beschriebene Verbesserung der finanziellen Situation des Beschwerdeführers
durch die Verfügung einer halben Invalidenrente sich seine Lebensumstände nicht
dahingehend verändert haben, als dass diesen eine massgebliche Rolle bei der
Beurteilung der Verhältnismässigkeit zukommt. Dass eine Revision der IV-Rente oder
Ergänzungsleistungen an diesem Umstand etwas verändern würden, vermag der
Beschwerdeführer weder zu belegen, noch kann ein solcher Schluss aus dem
Gesagten gezogen werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2.2. Die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers, welche sich aus der
Verfügung der Sozialversicherungsanstalt vom 5. Juli 2012 sowie weiteren
psychologischen und fachmännischen Gutachten ergibt (act. 9/24; act. 5; act. 12.2;
act. 19.1), ist ebenfalls im Rahmen der Prüfung der Verhältnismässigkeit und
Zumutbarkeit der Rückkehr des Beschwerdeführers in die Türkei zu berücksichtigen.
Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung und die damit verbundene Ausreise eines
Ausländers aus der Schweiz trotz angeschlagenen Gesundheitszustandes ist nur dann
unzumutbar, wenn der Betroffene an einer ernsthaften gesundheitlichen
Beeinträchtigung leidet, die während einer langen Zeitspanne dauernde ärztliche
Behandlung oder punktuelle medizinische Notfallmassnahmen notwendig macht,
welche im Herkunftsland nicht erhältlich sind, so dass eine Ausreise aus der Schweiz
die Gefahr schwerwiegender Folgen für seine Gesundheit nach sich zieht. Der blosse
Umstand, dass das Gesundheits- oder Sozialversicherungswesen in einem anderen
Staat allenfalls nicht mit demjenigen in der Schweiz vergleichbar ist und die hiesige
medizinische Versorgung einem höheren Standard entspricht, kann nicht die
Unzumutbarkeit der Rückreise zur Folge haben (BGE 128 II 200 E. 5.3; BGer
2C_833/2011 vom 6. Juni 2011 E. 3.3.2; BGer 2C_113/2009 vom 30. Juni 2009 E. 3.2;
BGer 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 4.2). Dies entspricht auch der vom
Bundesgericht gestützten Rechtsprechung des Verwaltungsgerichts in Bezug auf eine
Drogenkrankheit respektive Abhängigkeit (BGer 2C_407/2013 und 2C_408/2013 vom
15. November 2013; VerwGE B 2012/127 vom 12. März 2013 E. 4.3,
www.gerichte.sg.ch). Der Beschwerdeführer ist seit vielen Jahren drogenabhängig und
hat mehrere Versuche unternommen, endgültig von seiner Sucht wegzukommen. Er
steht zudem seit Ende des Jahres 2007 in einem Methadonprogramm. Dem
psychiatrischen Gutachten vom 10. März 2012 ist zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer unter einer Störung durch multiplen Substanzgebrauch,
Abhängigkeitssyndrom sowie einer kombinierten Persönlichkeitsstörung leidet
(Gutachten, S. 25 ff. und 33). Anhaltspunkte für anderweitige psychische Störungen
liegen laut Gutachten keine vor (Gutachten, S. 27). Aus dem Gutachten geht jedoch
nicht hervor, mit welcher Dauer der Behandlung zu rechnen ist. Ebenfalls wird nicht
dargetan, dass sich die Krankheit des Beschwerdeführers im Falle einer Rückkehr in
seinen Heimatstaat verschlimmern würde, weil dort keine oder nur eine unzureichende
Behandlung möglich sei. Es ist im Interesse des Beschwerdeführers, dass seine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
persönliche und soziale Stabilisation auch nach Entlassung aus der stationären
Massnahme bestehen bleibt (act. 19.1). Diesbezüglich ist festzuhalten, dass auch wenn
die Behandlung in seinem Heimatstaat möglicherweise nicht im gleichen Ausmass wie
in der Schweiz fortgesetzt werden kann, sowohl bezüglich eines Suchtproblems wie
auch von Persönlichkeitsstörungen eine ärztliche Versorgung in der Türkei besteht,
welche der Beschwerdeführer in Anspruch nehmen kann, um die positiven
Entwicklungen im persönlichen und sozialen Bereich beizubehalten und
möglicherweise fortzuführen (BVGE D-2477/2012 vom 12. Februar 2013 E. 8.5.3). Das
türkische Gesundheitswesen hat sich vor allem im Bereich der Suchttherapie in den
letzten Jahren stark entwickelt und bietet in weiten Teilen des Landes und zahlreichen
Institutionen Therapie- und Substitutionsmöglichkeiten für Drogenabhängige an,
welche sowohl ambulant wie auch stationär mit psychologischer Betreuung
ausgestaltet sein können (National Report 2013, Turkey: to the European Monitoring
Centre for Drugs and Drug Addiction [EMCDDA] S. 78 ff., publiziert: Mai 2014,
www.emcdda.europa.eu). Eine ähnliche Entwicklung durchläuft die psychische
Gesundheitsfürsorge in der Türkei (European Observatory on Health Systems and
Policies, Turkey, 2011, S. 143, www.euro.who.int), was es dem Beschwerdeführer
ermöglicht, sowohl die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung wie auch die aus dem
IQ-Test (act. 12.2) hervorgehende leichte Intelligenzminderung (ICD-10: F70.0) in seiner
Heimat weiterhin behandeln zu lassen. Neben der Tatsache, dass die genannten
Behandlungen grundsätzlich von den allgemeinen Krankenkassen (universal health
insurance) in der Türkei übernommen werden (National Report 2013 Turkey: [EMCDDA]
S. 82 f.), würde die halbe IV-Rente des Beschwerdeführers, basierend auf dem
Abkommen zwischen der Schweiz und der Republik Türkei über soziale Sicherheit (SR
0.831.109.763.1), auch bei einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung weiterhin an
diesen und somit in die Türkei ausbezahlt, was eine Fortführung der Behandlungen
finanziell ermöglichen würde. Somit kann der Meinung der Vorinstanz gefolgt werden,
dass eine Behandlung des Beschwerdeführers in seinem Heimatstaat möglich und
diesem auch zuzumuten ist.
3. Der Beschwerdeführer beruft sich des Weiteren auf sein Recht auf Familienleben
nach Art. 8 EMRK. Er pflege regelmässigen Kontakt zu seiner Tochter, T.B., geboren
1997. Abgesehen von den Kontakten zu den ihn betreuenden Personen sei dies die
einzige funktionierende Beziehung neben derjenigen zu seinen zwei in St. Gallen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
lebenden Neffen. Der Widerruf der Niederlassungsbewilligung, mit der damit
verbundenen Rückkehr in die Türkei, würde es ihm faktisch verunmöglichen, diesen
familiären Kontakt aufrecht zu erhalten.
3.1. Art. 8 EMRK gewährleistet den Schutz des Familienlebens, verschafft aber kein
Recht auf Aufenthalt in einem bestimmten Konventionsstaat. Hat der Ausländer nahe
Verwandte in der Schweiz und ist diese familiäre Beziehung intakt und wird sie
tatsächlich gelebt, kann es hingegen das in Art. 8 Ziff. 1 EMRK garantierte Recht auf
Achtung des Familienlebens verletzen, wenn ihm die Anwesenheit in der Schweiz
untersagt wird (BGer 2C_1031/2011 vom 22. März 2012 E. 4.1.4). Das geschützte
Familienleben beschränkt sich dabei grundsätzlich auf die Kernfamilie (BGE 135 I 143
E. 1.3.2). Die Beziehung erwachsener Rechtsuchender zu ihren Eltern, Geschwistern,
Grosseltern oder sonstigen Verwandten fällt nur beim Vorliegen besonderer Umstände
unter den Schutz von Art. 8 Ziff. 1 EMRK (BGer 2C_893/2013 vom 24. März 2014 E.
4.2.3). Da aus der Beschwerdeschrift weder ersichtlich noch dargetan wird, dass
solche besonderen Umstände in Bezug auf die beiden Neffen des Beschwerdeführers
vorliegen, ist die Prüfung von Art. 8 Ziff. 1 EMRK nur in Bezug zum familiären Verhältnis
zu seiner Tochter vorzunehmen.
3.2. Unter den Begriff des Familienlebens nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK fällt nicht nur das
tatsächliche, sondern auch ein de facto bestehendes Familienleben. In jedem Fall fallen
familiäre Beziehungen aber nur dann unter den Schutzbereich des Rechts auf Achtung
des Familienlebens, wenn eine genügend nahe, echte und tatsächliche Beziehung
zwischen den Familienmitgliedern besteht (M. Caroni, Privat- und Familienleben
zwischen Menschenrecht und Migration, Bern 1999, S. 24; BGer 2C_1031/2011 vom
22. März 2012 E. 4.1.4). Nach Angaben des Beschwerdeführers erfolge der Kontakt zur
Tochter monatlich persönlich und wöchentlich telefonisch (act. 5). Aus den Akten geht
jedoch hervor, dass der Beschwerdeführer in der Vergangenheit keinen engen Kontakt
zu seiner Tochter pflegte und seine familiären Beziehungen über weite Strecken
vernachlässigte. Nach Aussage der Ex-Frau des Beschwerdeführers wollen weder sie
noch ihre Tochter Kontakt zum Beschwerdeführer haben, weshalb sie jetzt auch schon
über ein Jahr keinen Kontakt mehr zum Genannten pflegen (Schlussbericht der
Kantonspolizei St. Gallen vom 17. November 2011, act. 9/13). Diesen Zeitraum
bestätigt der Beschwerdeführer in der Einvernahme vom 11. November 2011 (act.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
9/13). Des Weiteren ist festzuhalten, dass in nahezu sämtlichen Einvernahmen der
Beschwerdeführer auf die Frage, ob Verwandte über die Festnahme informiert werden
sollen, nicht die Tochter oder andere Familienmitglieder benachrichtigen wollte,
sondern stets seinen rechtlichen Vertreter respektive Bewährungshelfer nannte (vgl.
statt vieler: Einvernahme der Kantonspolizei vom 10. September 2012, S. 2; act. 9/22).
Aus den Akten geht sodann hervor, dass die Tochter des Beschwerdeführers diesen
noch nie während seinem knapp zwei Jahre andauernden Aufenthalt im
Rehabilitationszentrum besucht hat und es stets dieser war, welcher seine Tochter an
ihrem Wohnort besucht hat (act. 5; act. 19.1). Diese Gegebenheiten lassen den Schluss
naheliegend erscheinen, dass der Wunsch nach familiärem Kontakt lediglich von Seiten
des Beschwerdeführers ausgeht und seine Tochter einen solchen nicht, jedenfalls nicht
intensiv, zu pflegen wünscht. Unabhängig davon kann im konkreten Einzelfall und
anhand der vorliegenden Umstände nicht davon ausgegangen werden, dass zwischen
dem Beschwerdeführer und seiner Tochter ein Familienverhältnis besteht, welches
unter den Schutzbereich von Art. 8 Ziff. 1 EMRK fällt. In Anbetracht der Tatsache, dass
die Tochter in wenigen Monaten mündig wird, darf zudem auf die Rechtsprechung des
Bundesgerichts verwiesen werden, nach welcher die Beziehung zwischen Eltern und
ihren mündigen Kindern nur dann von Art. 8 Ziff. 1 EMRK erfasst wird, wenn ein
besonderes Abhängigkeitsverhältnis zwischen ihnen besteht, welches auf Grund der
vorliegenden Akten jedoch nicht ausgemacht werden kann (BGE 137 I E. 3.4.2; BGE
129 II 11 E. 2; BGer 2C_408/2013 vom 15. November 2013 E. 4.4). Dass sich die
Vorinstanz nicht explizit zur Anwendbarkeit von Art. 8 Ziff. 1 EMRK äussert und direkt
auf die Verhältnismässigkeit des Eingriffs in das Recht auf Familienleben abstellt, ist in
diesem Zusammenhang nicht von Bedeutung, da im vorliegenden Fall einem Widerruf
der Niederlassungsbewilligung unter den Gesichtspunkten von Art. 8 EMRK nichts
entgegensteht. Die konventionsrechtlich geforderte Interessenabwägung bezüglich der
Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK entspricht inhaltlich der
innerstaatlichen Verhältnismässigkeitsprüfung (BGer 2C_1162/2013 vom 28. August
2014 E. 2.3; BGer 2C_11/2013 vom 25. März 2013 E. 3.1; BGer 2C_718/2013 vom 27.
Februar 2014 E. 3.1), weshalb an dieser Stelle auf die entsprechenden Erwägungen zur
Prüfung der Verhältnismässigkeit unter Art. 96 Abs. 1 AuG verwiesen werden kann (vgl.
dazu: E. 2.1.2. ff.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4. Dass der Widerruf der Niederlassungsbewilligung, mit der damit verbundenen
Ausreise aus der Schweiz, eine Person grundsätzlich hart treffen kann, ist nicht von der
Hand zu weisen. Der Beschwerdeführer wohnt nunmehr seit 27 Jahren in der Schweiz.
Er hat während seinem ersten Aufenthalt im Rehabilitationszentrum Z. eine Anlehre
zum Drucker abgeschlossen, jedoch in der Folge niemals für längere Zeit im erlernten
oder einem anderen Beruf gearbeitet. Dies kann nicht zuletzt auf eine
Suchtmittelabhängigkeit zurückgeführt werden, welche dem Beschwerdeführer eine
Integration in den primären Arbeitsmarkt erheblich erschwerte. Neben der fehlenden
beruflichen Integration, welche vom Beschwerdeführer nicht bestritten wird, werden
auch seine wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse nicht in Abrede gestellt,
welche sich vor allem in einem Privatkonkurs von 1996 und den zum Zeitpunkt des
Widerrufes der Niederlassungsbewilligung bestehenden Schulden und offenen
Verlustscheinen in einer beträchtlichen Gesamthöhe widerspiegeln (vgl. Sachverhalt
Punkt E). Die Verfügung einer halben Invalidenrente sowie die Verrechnung eines Teils
derselben mit den ausstehenden Schulden vermögen daran nichts zu ändern. Dass
dem Beschwerdeführer die Niederlassungsbewilligung entzogen wurde, ist in erster
Linie dem Umstand zuzuschreiben, dass dieser über Jahre hinweg immer wieder
straffällig geworden ist und dass weder ein länger dauernder Freiheitsentzug, noch ein
mehrjähriger Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum, noch die Verwarnungen
bezüglich des Widerrufs der Niederlassungsbewilligung, noch der Vollzug des
angedrohten Wiederrufs den Beschwerdeführer davon abgehalten haben, weiterhin mit
dem Gesetz in Konflikt zu treten. Ebenfalls hat es der Beschwerdeführer bis zum
heutigen Zeitpunkt nicht geschafft, sich ganz von seiner Suchtmittelabhängigkeit zu
lösen, was unter anderem für die berechtigte Annahme eines nicht unerheblichen
Rückfallrisikos sowie einer bestehenden Gefährdung der öffentlichen Sicherheit spricht.
Auch ein aktueller Bericht über die Verhältnisse und sozialen Perspektiven, wie vom
Beschwerdeführer beantragt (act. 21), würde diese Annahme nicht entscheidend zu
dessen Gunsten abzuändern vermögen. Neben der Tatsache, dass der Bericht des
Rehabilitationszentrums Z. vom Oktober 2014 ausführlich auf die persönliche Situation
des Beschwerdeführers Bezug nimmt, würde ein solcher für diesen bestenfalls die
stabilisierende Wirkung der Massnahme respektive des betreuten Wohnens
unterstreichen, jedoch nicht das Rückfallrisiko und die potentielle Gefährdung
relativieren, welche aktuell bestehen und bei einer verminderten Betreuung, oder gar
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem kompletten Wegfall derselben, noch zunehmen würden. Der Beschwerdeführer
hat bis zu seinem 16. Lebensjahr in der Türkei gelebt und ist sowohl mit der Sprache
wie auch mit den Verhältnissen und der Lebensweise vor Ort vertraut. Der Umstand,
dass sein Vater und zwei Schwestern in der Türkei leben (act. 9/8), kann auf Grund
mangelnden Kontakts nur am Rande berücksichtigt werden. Das türkische
Gesundheitssystem gewährleistet die ärztliche Behandlung von Suchtproblemen wie
auch Persönlichkeitsstörungen, was es dem Beschwerdeführer ermöglicht, sich
weiterhin in seinem Heimatsstaat behandeln zu lassen (BVGE D-2477/2012 E. 8.5.3
vom 12. Februar 2013). Der Kontakt zur Tochter kann problemlos mittels Briefverkehr,
Telefonaten und anderen Formen der Informationstechnologie (E-Mail usw.) gepflegt
werden, wobei es beiden Seiten frei steht, den Kontakt auch durch gegenseitige
Besuche zu pflegen (BGer 2C_481/2012 vom 1. März 2013 E. 3.4).
5. Zusammenfassend erweist sich der Widerruf der Niederlassungsbewilligung des
Beschwerdeführers unter dem Gesichtspunkt der Vorgaben des Bundesgesetzes über
die Ausländerinnen und Ausländer sowie der Europäischen Menschenrechtskonvention
als recht- und verhältnismässig. Das öffentliche Interesse an der Ausweisung des
Beschwerdeführers aus der Schweiz überwiegt sein privates Interesse, weiterhin hier
leben zu können. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
6. In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die amtlichen Kosten zu tragen, dessen
Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Dem
Verfahrensausgang entsprechend – die Beschwerde ist abzuweisen und das Gesuch
um unentgeltliche Rechtspflege wurde auf Grund von Aussichtslosigkeit rechtskräftig
abgelehnt – hat vorliegend der Beschwerdeführer die amtlichen Kosten zu bezahlen.
Aus der Verfügung vom 22. Oktober 2013 betreffend das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege werden dem Beschwerdeführer keine Kosten auferlegt (Art. 99 Abs. 2
VRP i.V.m. Art. 119 Abs. 6 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272; ZPO).
Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem Kostenvorschuss des
Beschwerdeführers von CHF 2'000 zu verrechnen. Ein Anspruch auf Entschädigung
ausseramtlicher Kosten besteht nicht (Art. 98 Abs. 1 und 98bis VRP).