Decision ID: 24d6b140-fbc5-4e55-858c-22163bb074a5
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Der Führerausweis wurde X wegen einer in H/A am 8. November 2008 begangenen
Trunkenheitsfahrt mit einer (umgerechneten) Blutalkoholkonzentration von 0,96 Gew.-
‰, die in Österreich ein bis und mit 8. Dezember 2008 wirksames einmonatiges
Fahrverbot zur Folge hatte, für die Dauer eines Monats entzogen. Nach
Berücksichtigung des Umstandes, dass ihm der Führerausweis nach der Abnahme auf
der Stelle durch die österreichische Polizei erst am 1. Dezember 2008 wieder
ausgehändigt werden konnte, verblieb eine restliche Entzugsdauer von sieben Tagen.
Der Vollzug dauerte vom 6. bis und mit 12. November 2009.
B.- X, der seit 24. Juni 2009 die militärische Fahrberechtigung für schwere Motorwagen
samt Anhänger besitzt, befand sich vom 13. Juli 2009 bis 2. Januar 2010 als
Durchdienersoldat beim Katastrophenhilfe-Bereitschaftsverband im militärischen
Dienst in der Kaserne A. Aufgrund einer Kontrolle der Tachoscheiben stellte die
Militärpolizei fest, dass er am 8., 9., 11. und 14. September 2009 auf der Autobahn A12
zwischen Châtel-St-Denis/FR und Echangeur de la Veyre/VD mit Militärlastwagen des
Typs Iveco 6x6 und 4x4 mit Betriebsgewichten zwischen 20 und 25 Tonnen die für die
Fahrzeugart zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h vor Abzug einer
Sicherheitsmarge um 35 km/h, 39 km/h und zweimal 40 km/h überschritten hatte.
C.- Nachdem am 2. Februar 2010 der Rapport der Militärpolizei vom 11. Januar 2010
eingegangen war, eröffnete das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St.
Gallen am 14. Juli 2010 gegenüber X ein Administrativmassnahmeverfahren und entzog
ihm mit Verfügung vom 26. Juli 2010 den Führerausweis wegen einer schweren
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer von zwölf
Monaten.
D.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
6. August 2010 und Ergänzung vom 23. August 2010 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die
Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Mit
Vernehmlassung vom 25. Oktober 2010 beantragte die Vorinstanz die Abweisung des
Rekurses. Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer

Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen. Da die
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Verkehrsregelverletzungen strafrechtlich noch nicht beurteilt waren, wurde das
Rekursverfahren am 5. November 2010 sistiert. Mit Strafmandat vom 5. April 2011
büsste der Auditor des Militärgerichts 5 X wegen mehrfacher Verkehrsregelverletzung
mit Fr. 1'200.--. Das Strafmandat wurde unangefochten rechtskräftig und das
Rekursverfahren am 20. Mai 2011 wieder aufgenommen. Die Vorinstanz verzichtete am
25. Mai 2011 auf eine Stellungnahme zum Strafurteil. Am 5. Juli 2011 bestätigte der
Rekurrent auf Nachfrage, beruflich auf den Führerausweis angewiesen zu sein.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 6. August 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden. Er erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 23. August 2010 in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45,
47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt:
VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, abgekürzt: SVG)
wird nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz vom 24. Juni 1970 ausgeschlossen ist,
der Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet zwischen leichten (Art. 16a SVG), mittelschweren (Art. 16b SVG)
und schweren Widerhandlungen (Art. 16c SVG). Eine leichte Widerhandlung begeht,
wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG).
Ist die Verletzung der Verkehrsregeln grob und wird dadurch eine ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer hervorgerufen oder in Kauf genommen, ist die Widerhandlung
schwer (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Von einer mittelschweren
Widerhandlung ist immer dann auszugehen, wenn nicht alle privilegierenden Elemente
einer leichten und nicht alle qualifizierenden einer schweren Widerhandlung erfüllt sind
(vgl. Botschaft, in: BBl 1999 S. 4487).
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3.- In tatsächlicher Hinsicht ist entsprechend dem Strafmandat des Auditors des
Militärgerichts 5 vom 5. April 2011 davon auszugehen, dass der Rekurrent als Lenker
beladener Militärlastwagen des Typs Iveco 6x6 am 8., 9. und 11. September 2009
sowie des Typs Iveco 4x4 am 14. September 2009 auf der Autobahn A12 zwischen
Châtel-St-Denis und Echangeur de la Veyre die für die beiden Fahrzeugarten zulässige
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h nach Abzug einer Sicherheitsmarge von 10 km/h
um 25 km/h, zweimal je 30 km/h und 29 km/h überschritt. Der Rekurs erweist sich
deshalb insoweit als begründet, als damit beanstandet wird, die Vorinstanz sei zu
Unrecht von den auf den Tachoscheiben abgelesenen Geschwindigkeiten
ausgegangen, ohne den von Art. 8 Abs. 2 lit. a der Verordnung des ASTRA zur
Strassenverkehrskontrollverordnung (SR 741.013.1, abgekürzt: VSKV-ASTRA) bei
Aufzeichnungen analoger Fahrtschreiber vorgeschriebenen Abzug zu berücksichtigen.
Soweit hingegen in Frage gestellt wird, dass die Fahrtschreiber mit den
vorgeschriebenen Plomben versehen und ordnungsgemäss geprüft und geeicht waren,
ist dem Rekurrenten die unangefochten rechtskräftig gewordene strafrechtliche
Erledigung der Vorfälle, von der abzuweichen kein Anlass besteht, entgegenzuhalten
(vgl. BGE 123 II 97 E. 3c/aa; Urteil des Bundesgerichts 1C_71/2007 vom
11. September 2007 E. 4.2 mit Hinweisen). Da sich der Rekurrent – er gab in den
militärpolizeilichen Befragungen an, nach seiner Wahrnehmung sei er ca. 110 km/h
gefahren – der Überschreitungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit bewusst war,
steht fest, dass er an den vier genannten Daten die für die von ihm gelenkte
Fahrzeugart zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn A12 zwischen Châtel-
St-Denis und Echangeur de la Veyre um 25, 29 und zweimal 30 km/h schuldhaft
überschritten und damit jeweils Art. 32 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. a
der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt: VRV), der die
Höchstgeschwindigkeit für schwere Motorwagen auf 80 km/h festlegt, verletzt hat.
4.- Zur Sanktionierung von Geschwindigkeitsüberschreitungen hat die Praxis im
Interesse der rechtsgleichen Behandlung Grenzwerte festgelegt. Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist – unabhängig der konkreten Umstände – in
objektiver Hinsicht von einer schweren Widerhandlung auszugehen, wenn die zulässige
Höchstgeschwindigkeit auf einer Autobahn um 35 km/h oder mehr überschritten wird.
Zumindest von einer mittelschweren Widerhandlung ist auszugehen, wenn die
Überschreitung 31-34 km/h beträgt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 1C_526/2009 vom
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25. März 2010 E. 3.1 und 1C_83/2008 vom 16. Oktober 2008 E. 2.6 je mit Hinweisen).
Die Widerhandlung wiegt in der Regel leicht, wenn die Überschreitung 26-30 km/h
beträgt, zumal Überschreitungen bis 25 km/h im Ordnungsbussenverfahren erledigt
werden können (vgl. Ziff. 303.3 des Anhangs 1 zur Ordnungsbussenverordnung, SR
741.031., abgekürzt: OBV). Ob dabei die allgemeine, eine signalisierte oder eine auf die
Fahrzeugart bezogene Höchstgeschwindigkeit überschritten wird, ist grundsätzlich
nicht von Belang (vgl. Ziff. 303 des Anhangs 1 zur Ordnungsbussenverordnung, SR
741.031; Ph. Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsgesetz,
Bundesgerichtspraxis, Zürich/St. Gallen 2011, N 52 zu Art. 90 SVG).
Die Strafbehörde ist dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung folgend deshalb nicht
von – der schweren Widerhandlung im Recht der Administrativmassnahmen
entsprechenden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6A.64/2006 vom 20. März 2007 E. 2
mit Hinweis auf BGE 132 II 238 E. 3.1 und 3.2; Urteil des Verwaltungsgerichts B
2010/167 vom 14. Oktober 2010 E. 2.3) – groben Verkehrsregelverletzungen gemäss
Art. 90 Ziff. 2 SVG in Verbindung mit Art. 218 Abs. 3 des Militärstrafgesetzes (SR
321.0), sondern von einfachen Verkehrsregelverletzungen gemäss Art. 90 Ziff. 1 SVG
ausgegangen, welche im Recht der Administrativmassnahmen die leichte und die
mittelschwere Widerhandlung umfassen (vgl. BGE 135 II 138 E. 2.4). Die Vorinstanz hat
sich ebenfalls auf die dargelegte bundesgerichtliche Rechtsprechung berufen, hat
jedoch zunächst mangels Berücksichtigung der Sicherheitsmarge bei der Bestimmung
des Ausmasses der Geschwindigkeitsüberschreitungen schwere Widerhandlungen
angenommen. In der Vernehmlassung macht sie geltend, auch bei geringeren
Geschwindigkeitsüberschreitungen könne aufgrund der konkreten Umstände im
Einzelfall eine schwere Widerhandlung angenommen werden. Dies sei gegeben, weil
der Rekurrent die Höchstgeschwindigkeit auf einer der steilsten Autobahnstrecken der
Schweiz, die mit entsprechenden Hinweistafeln versehen sei, mit einem Fahrzeug mit
einem Betriebsgewicht von ca. 25 Tonnen wiederholt erheblich überschritten habe.
Die Strafbehörde hat in Kenntnis dieser Besonderheiten festgehalten, es sei
"offensichtlich" nicht von einer groben Verkehrsregelverletzung auszugehen. Dabei
stützte sie sich nicht bloss auf den Rapport der Militärpolizei vom 11. Januar 2010 mit
den sinngemässen Aussagen des Rekurrenten, wie er auch den Administrativbehörden
vorliegt, sondern zudem auf die Protokolle der polizeilichen Befragungen vom 16. und
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24. November 2009. Angaben zu den konkreten Strassen-, Witterungs- und
Verkehrsverhältnissen im Zeitpunkt der Verkehrsregelverletzungen sind dem
Polizeirapport nicht zu entnehmen. Zudem gilt die für die Fahrzeugart festgelegte
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auch ausserorts, mithin also auch für
Strassenverläufe mit grösserem Gefährdungspotenzial als es der fragliche
Autobahnabschnitt beinhaltet. Da sich die Höchstgeschwindigkeit auf schwere
Motorwagen bezieht, ist auch davon auszugehen, dass sie dem zulässigen
Betriebsgewicht ausreichend Rechnung trägt. Schliesslich kann die mehrfache
Begehung ein und derselben Verkehrsregelverletzung keinen Einfluss auf die
Qualifikation der einzelnen Widerhandlung haben. Vielmehr ist dem Umstand der
mehrfachen Begehung bei der Bemessung der Massnahme nach dem
Asperationsprinzip Rechnung zu tragen (vgl. dazu nachfolgend E. 5).
Unter den dargelegten Umständen besteht kein Anlass, die vom Rekurrenten
begangenen Geschwindigkeitsüberschreitungen im Administrativmassnahmeverfahren
als schwere oder mittelschwere Widerhandlungen im Sinn von Art. 16c oder Art. 16b je
Abs. 1 lit. a SVG zu behandeln. Vielmehr ist von leichten Widerhandlungen im Sinn von
Art. 16a Abs. 1 SVG auszugehen.
5.- Gemäss Art. 16a Abs. 2 SVG wird der Lernfahr- oder Führerausweis nach einer
leichten Widerhandlung für mindestens einen Monat entzogen, wenn in den
vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde. Die fehlbare Person wird verwarnt, wenn in
den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis nicht entzogen war und keine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (Art. 16a Abs. 3 SVG).
Die Vorinstanz ist bei der Bemessung der Entzugsdauer davon ausgegangen, der
Führerausweis sei dem Rekurrenten vor den im Zeitraum vom 8. bis 14. September
2009 begangenen Verkehrsregelverletzungen entzogen gewesen. Sie stützt sich dabei
auf den am 12. November 2009 abgelaufenen Führerausweisentzug, der wegen
Fahrens in angetrunkenem Zustand mit einer – nach schweizerischen Regeln
umgerechneten – Blutalkoholkonzentration von mindestens 0,96 Gew.-‰ gestützt auf
Art. 16c Abs. 2 lit. a in Verbindung mit Art. 16c Abs. 2 SVG verfügt worden war. Wie
der von der Vorinstanz angewendete Art. 16c Abs. 2 lit. c SVG verlangen auch die
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Rückfallbestimmungen von Art. 16b Abs. 2 lit. b SVG für die Anwendung der längeren
Mindestentzugsdauer und Art. 16a Abs. 2 SVG für die Anordnung eines mindestens
einmonatigen Führerausweisentzugs anstelle einer Verwarnung, dass der Ausweis
entzogen war. Massgebend ist nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung der Tag,
an dem die Massnahme endete (vgl. BGE 136 II 447 E. 5.3; Urteil des Bundesgerichts
1C_180/2010 vom 22. September 2010 E. 2; vgl. auch Weissenberger, a.a.O., N 17 zu
Art. 16a, N 19 zu Art. 16b und N 33 zu Art. 16c SVG). Der Vollzug des im Anschluss an
die vom Rekurrenten in Österreich begangene Trunkenheitsfahrt von den
schweizerischen Behörden am 1. April 2009 verfügten Warnungsentzugs endete –
wovon auch die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung ausgegangen ist – am
12. November 2009, mithin nach den jetzt zu beurteilenden Verkehrsregelverletzungen.
Die an die Stelle des Grundsatzes gemäss Art. 16a Abs. 3 SVG, wonach der fehlbare
Lenker nach einer leichten Widerhandlung zu verwarnen ist, tretende Regel von
Art. 16a Abs. 2 SVG, welche ausnahmsweise den Entzug des Führerausweises
vorschreibt, könnte deshalb lediglich dann angewendet werden, wenn das von den
österreichischen Behörden ausgesprochene und bis und mit 8. Dezember 2008
vollzogene und ausschliesslich für Österreich wirksame Fahrverbot die Rückfallfrist
auslösen würde. Dafür, dass auch ausländische Massnahmen die Rückfallfrist
auslösen, lassen sich dem Gesetz indessen keine Anhaltspunkte entnehmen. Zwar
bezieht sich der Wortlaut nicht ausdrücklich auf schweizerische Massnahmen. In
systematischer Hinsicht ist jedoch zu beachten, dass die Rückfallbestimmungen der
Art. 16a, 16b und 16c SVG an der Qualifikation der vorangegangenen Widerhandlung
als leichte, mittelschwere oder schwere Widerhandlung nach schweizerischem Recht
und an den dafür vorgesehenen Entzugsdauern anknüpfen. Die kaskadenartig sich
erhöhenden Mindestentzugsdauern sind deshalb nicht geeignet, auf ausländischen und
damit anders konzipierten Sanktionssystemen aufzubauen. Hinzu kommt, dass die
schweizerischen Behörden nicht in allen Fällen Kenntnis von ausländischen
Massnahmen erhalten und eine rechtsgleiche Anwendung der Rückfallbestimmung
deshalb von vornherein nicht gewährleistet wäre. Deshalb verlangt eine
verfassungskonforme Auslegung der Rückfallbestimmungen, einzig auf schweizerische
Massnahmen abzustellen. Zudem schränkt die für einen einzelnen ausländischen Staat
und nicht für die Schweiz geltende Aberkennung des schweizerischen Führerausweises
einen in der Schweiz wohnhaften Lenker in der Regel vergleichsweise wenig ein, so
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dass damit nur eine relativ geringe Warnungswirkung verbunden ist. Dies gilt
namentlich dann, wenn sich der betroffene Fahrzeuglenker selten im entsprechenden
Staat aufhält. Schliesslich sind der Botschaft keine Hinweise dafür zu entnehmen, dass
auch ausländische Massnahmen die kaskadenartig erhöhten Mindestentzugsdauern
auslösen können (vgl. BBl 1999 S. 4462 ff.). Mangels Anwendbarkeit der
Rückfallbestimmung ist deshalb davon auszugehen, dass der Rekurrent gemäss
Art. 16a Abs. 3 SVG zu verwarnen ist.
6.- Der Rekurrent hat die zulässige Höchstgeschwindigkeit viermal auf ein und
demselben Autobahnabschnitt überschritten. Im Rekurs wird zu Recht nicht geltend
gemacht, die vier Geschwindigkeitsüberschreitungen vom 8., 9., 11. und
14. September 2009 seien als natürliche Handlungseinheit und folglich als eine Tat zu
betrachten. Eine strafbare Handlung im Sinn einer natürlichen Handlungseinheit liegt
nur dann vor, wenn das gesamte, auf einem einheitlichen Willensakt (einheitliches Ziel,
einmaliger Entschluss) beruhende Tätigwerden des Täters kraft eines engen räumlichen
und zeitlichen Zusammenhangs der Einzelakte bei natürlicher Betrachtungsweise
objektiv noch als ein einheitliches, zusammenhängendes Geschehen erscheint (vgl.
BGE 118 IV 91 E. 4a mit Hinweisen). Von einer Handlungseinheit ist das Bundesgericht
bei einem Lenker ausgegangen, der im Verlauf einer Fahrt – bei zwischenzeitlicher
Beachtung der Höchstgeschwindigkeit – dreimal die Höchstgeschwindigkeit ausserorts
von 80 km/h im Ausmass einer groben Verkehrsregelverletzung überschritten hat
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 6S.134/1998 vom 2. Juli 1998; im Ergebnis ebenso
Urteil des Bundesgerichts 6B_720/2007 vom 29. März 2008 E. 4.2, wo die auf der
gleichen Fahrt über 30 km nacheinander begangenen zahlreichen
Verkehrsregelverletzungen als insgesamt eine grobe Verkehrsregelverletzung
qualifiziert wurden, obschon mindestens eine der Handlungen bereits für sich
genommen diese Voraussetzungen erfüllte; vgl. Weissenberger, a.a.O., N 29 zu Art. 90
SVG). Die Verwaltungsrekurskommission ist von einer natürlichen Handlungseinheit
ausgegangen im Fall einer Mutter, welche ihren Sohn aus der Kinderkrippe abholte,
rechtzeitig zur Rückkehr der Tochter aus der Schule zu Hause zurück sein wollte und
dabei auf dem Hin- und Rückweg an derselben Stelle innerhalb von rund 15 Minuten
die zulässige Höchstgeschwindigkeit in ungefähr demselben Ausmass überschritten
hatte (vgl. VRKE IV-2010/38 vom 23. September 2010, publiziert auf
www.gerichte.sg.ch). Demgegenüber wurden zwei Geschwindigkeitsüberschreitungen,
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die der Lenker an derselben Stelle an zwei aufeinanderfolgenden Tagen begangen
hatte, nicht als Handlungseinheit behandelt (vgl. VRKE IV-2008/165 vom 23. April
2009). Unter Berücksichtigung dieser Rechtsprechung besteht kein Anlass, die vier
Fahrten, welche der Rekurrent mit verschiedenen Fahrzeugen und an vier
verschiedenen Tagen absolvierte, mit den vier Geschwindigkeitsüberschreitungen als
Handlungseinheit anzusehen. Im Übrigen ist auch die Strafbehörde nicht von einer
einheitlichen Betrachtungsweise ausgegangen und hat das Asperationsprinzip
angewendet.
Liegen mehrere Gründe für einen Entzug des Führerausweises vor, ist Art. 49 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches (SR 311.0, abgekürzt: StGB) sachgemäss
anzuwenden. Danach ist ein Täter, welcher durch eine oder mehrere Handlungen die
Voraussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, für die schwerste Straftat zu
bestrafen; die Strafe ist angemessen zu erhöhen (vgl. BGE 120 Ib 54 E. 2a; Urteil des
Bundesgerichts 6A.74/2005 vom 15. März 2006 E. 5.3). Art. 49 StGB ist analog
anzuwenden, wenn mehrere administrativrechtliche Führerausweisentzugsgründe nach
Art. 16 Abs. 3 und 4 SVG vorliegen (BSK Strafrecht I-Ackermann, Art. 49 N 40; Urteil
des Bundesgerichts 6A.74/2005 vom 15. März 2006, E. 5.3). Folglich ist nicht für jede
Verkehrsregelverletzung eine einzelne Massnahme anzuordnen. Vielmehr ist die für die
schwerere Verletzung verfügte Massnahme angemessen zu verschärfen, um so zu
einer Gesamtmassnahme zu gelangen, welche allen Verfehlungen Rechnung trägt
(Urteil des Bundesgerichts vom 8. Januar 1999 in Sachen M.B., S. 4). Da im
strafrechtlichen Geltungsbereich von Art. 49 Abs. 1 StGB das Gericht in jedem Fall an
das gesetzliche Höchstmass einer Strafart gebunden ist (BSK Strafrecht I-Ackermann,
Art. 49 N 50; Urteil des Bundesgerichts 6S.270/2006 vom 5. September 2006, E. 5.2),
die Erhöhung der Strafe mithin nicht zu einer schärferen Strafart führen darf, ist es nicht
zulässig, im analogen Anwendungsbereich der strassenverkehrsrechtlichen
Administrativmassnahmen mehrere, je mit einer Verwarnung zu ahndende
Widerhandlungen mit einem Entzug des Führerausweises zu sanktionieren. Gegen eine
solche Änderung der Massnahmeart spricht im Übrigen auch Art. 16a SVG selbst, nach
dessen klarem Wortlaut ein Entzug des Führerausweises anstelle einer Verwarnung
einzig dann möglich ist, wenn in den zwei, einer leichten Widerhandlung
vorangegangenen Jahren der Ausweis bereits entzogen war oder eine andere
Administrativmassnahme verfügt wurde (vgl. VRKE IV-2010/38 vom 23. September
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2010 E. 6; publiziert auf www.gerichte.sg.ch, Rechtsprechung/
Verwaltungsrekurskommission, GVP 2010 Nr. 34).
7.- Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene Verfügung
vom 26. Juli 2010 ist aufzuheben. Der Rekurrent ist zu verwarnen. Die Kosten des
vorinstanzlichen Verfahrens sind auf Fr. 120.-- festzusetzen und vom Rekurrenten zu
bezahlen (vgl. Ziff. 206.02.1 des Verkehrsgebührentarifs, sGS 718.1). Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom Staat zu tragen
(Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist angemessen (vgl. Art. 7
Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist
anzuweisen, dem Rekurrenten den Kostenvorschuss von Fr. 1'200.--
zurückzuerstatten.
Bei diesem Verfahrensausgang hat der Rekurrent Anspruch auf Entschädigung der
ausseramtlichen Kosten (Art. 98 VRP und Art. 98 VRP; GVP 1983 Nr. 56; vgl.
Leuenberger/Uffer-Tobler, Schweizerisches Zivilprozessrecht, Bern 2010, Rz. 10.36 ff.),
soweit diese aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und angemessen
erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Im Rekursverfahren war der Beizug eines
Rechtsbeistandes geboten. Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht. Im
Verfahren vor der Verwaltungsrekurskommission wird das Honorar als Pauschale
ausgerichtet, und zwar liegt der Rahmen zwischen Fr. 1'000.-- und Fr. 12'000.--
(Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
963.75, abgekürzt: HonO). Innerhalb dieses Rahmens wird das Grundhonorar nach den
besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der
Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (Art. 19 HonO). Zu prüfen waren bei üblichem Aktenumfang neben der
Qualifikation der Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften die Fragen
des Rückfalls und der Bestimmung der Massnahmeart, wobei sich die Ausführungen
des Rechtsvertreters im Wesentlichen auf die Frage der Qualifikation der
Widerhandlung beschränkten. Der Rechtsvertreter hat den Rekurrenten bereits im
Militärstrafverfahren verteidigt, so dass ihm der Sachverhalt bekannt und sein Aufwand
im Administrativverfahren entsprechend geringer war. Unter diesen Umständen
erscheint ein Honorar von Fr. 1'500.-- (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen,
Art. 28 Abs. 1 und Art. 29 HonO) als angemessen. Entschädigungspflichtig ist der
bis ter
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Staat (Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt). Entsprechend der Verlegung der
amtlichen Kosten sind dem Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten vollständig zu
entschädigen (vgl. Art. 98 und 98 VRP; Leuenberger/Uffer-Tobler, a.a.O., Bern
2010, Rz. 10.38).