Decision ID: a6d135c4-6520-53b2-b070-7f0c63c0bc50
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. oec. Hubert Bühlmann, Museumstrasse 35,
9000 St. Gallen,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach
4358, 6002 Luzern,
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Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Fürsprecherin Dr. iur. Marianne Sonder, Rossimattstrasse 17,
3074 Muri b. Bern,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a A._, Jahrgang 1952, war seit Januar 1989 als Chauffeuse bei der B._
angestellt und dadurch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) obligatorisch gegen Unfälle versichert (UV-act. I/1). Aufgrund eines
Autounfalls 1992, bei dem sie sich eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS)
zugezogen hatte, war der Versicherten eine Integritätsentschädigung bei einer
Integritätseinbusse von 7,5% sowie ab 1. April 1995 eine Rente der Suva bei einem
Invaliditätsgrad von 30% zugesprochen worden (UV-act. III/92). Ab 1. März 2004 war
der Invaliditätsgrad der Versicherten auf 15% reduziert worden (UV-act. III/118). - Eine
Schulterverletzung, die sie bei einem Sturz am 15. Dezember 2003 erlitten hatte, war
folgenlos abgeheilt (vgl. UV-act. II/25, II/27). Krankheitsbedingt war der Versicherten
2004 an der linken Hüfte eine Totalprothese eingesetzt worden.
A.b Am 13. Mai 2008 rückte die Versicherte einen Anhänger zurecht und stürzte dabei
aufs Gesäss (UV-act. I/1). Sie suchte noch am gleichen Tag ihren Hausarzt, Dr. med.
C._, auf, der sie 50% arbeitsunfähig schrieb (UV-act. I/2 ff.). Da die lumbalen
Schmerzen der Versicherten trotz Schonung und analgetischer Therapie eher
zunahmen und aufgrund der Röntgenbilder vom 27. Mai 2008 eine Fraktur nicht sicher
ausgeschlossen werden konnte, wurde am 16. Juni 2008 ein
Magnetresonanztomogramm (MRT oder MRI) mit der Frage nach einer
Knochenverletzung im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) durchgeführt (UV-act. I/
124). Dr. med. D._, Facharzt für Radiologie und Nuklearmedizin, berichtete über eine
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frischere Impressionsfraktur des 12. Brustwirbelkörpers (BWK) mit Bildung eines
ventralen Keilwirbels, eine frische umschriebene Deckenplattenimpression im dorsalen
Bereich des 1. Lendenwirbelkörpers (LWK) und diverse degenerative Veränderungen an
der lumbalen Wirbelsäule (UV-act. I/124). Gestützt auf diese Tomogramme und auf die
Röntgenbilder, die am 1. Juli 2008 am Kantonsspital St. Gallen angefertigt worden
waren (vgl. UV-act. I/122), wurde mit der Versicherten in der Wirbelsäulen-
Sprechstunde der dortigen Klinik für Orthopädische Chirurgie das operative Vorgehen
besprochen. Sie entschied sich gegen die Stabilisierung der zwei gebrochenen Wirbel
mittels Vertebroplastie und für die dorsale Aufrichtungsspondylodese Th11 bis L5 mit
transforaminaler lumbaler interkorporeller Fusion L3 bis L5 (TLIF, vgl. UV-act. I/6).
Diese Operation wurde am 2. Oktober 2008 durchgeführt und die Versicherte bis
15. Oktober 2008 hospitalisiert (UV-act. I/10; TLIF L2 bis L5). Die Suva kam für die
Heilbehandlung auf (mit Operation, stationärem Rehabilitationsaufenthalt,
Physiotherapie usw.; vgl. UV-act. I/8, I/14, I/16 f) und richtete aufgrund der
Arbeitsunfähigkeit Taggelder aus (UV-act. I/4 f., I/7, I/25, I/27, I/30, I/33, I/59).
A.c Anlässlich eines neurologischen Konsiliums vom 27. Juli 2009 am Kantonsspital
St. Gallen wurden eine posttraumatische Radikulopathie L5/S1 links und das bereits
anlässlich des Rehabilitationsaufenthalts in der Klinik Valens diagnostizierte
Karpaltunnelsyndrom links festgehalten (UV-act. I/23, I/47). Auf Nachfrage berichtete
die Versicherte über eine Stressinkontinenz und morgendliche
Blasenentleerungsstörungen. Die weiteren Abklärungen an der Klinik für Urologie am
Kantonsspital St. Gallen führten zur Diagnose einer Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie
(UV-act. I/83). Zur Klärung des Umfangs ihrer Leistungspflicht legte die Suva die
Unterlagen der Abteilung Versicherungsmedizin in Luzern vor. Dr. med. E._,
Fachärztin FMH für Neurologie, ging in ihrem Bericht vom 23. August 2010 von einem
überwiegend wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen der Operation vom
2. Oktober 2008, die dem Sturz vom 13. Mai 2008 gefolgt war, und der diagnostizierten
Blasenentleerungsstörung aus (UV-act. I/108). Am 8. Februar 2011 nahm Dr. med.
F._, Facharzt FMH für orthopädische Chirurgie, Luzern, zu den medizinischen
Unterlagen, insbesondere zur Bildgebung Stellung (UV-act. I/128 bzw. I/143). Er kam
zum Schluss, dass aufgrund des MRI vom 16. Juni 2008 eine Fraktur von Th12 und L1
nur möglich sei. Vielmehr sei von Knochenkontusionen bzw. Bone bruises auszugehen.
Die Lumbalskoliose sei sicher vorbestehend und durch den Unfall vom 13. Mai 2008
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nicht verschlimmert worden. Die Wirbelsäulenoperation sei nachträglich nicht durch
den Unfall indiziert gewesen und die Unfallversicherung habe für die damit
zusammenhängenden Parästhesien nicht aufzukommen. Gestützt auf diese ärztlichen
Beurteilungen beschloss die Suva, ihre Leistungen zu terminieren. Die Terminierung
wurde der Versicherten am 28. Februar 2011 im Gespräch und am 16. März 2011 in
einer formellen Verfügung eröffnet (vgl. UV-act. I/131, I/133). Es wurde festgehalten,
dass die Operation vom 2. Oktober 2008 nicht mit der geforderten Wahrscheinlichkeit
durch das Unfallereignis vom 13. Mai 2008 notwendig geworden sei und daher ab dem
Operationszeitpunkt keine Leistungspflicht der Unfallversicherung mehr bestehe.
Entgegenkommenderweise würden die Leistungen per 31. März 2011 eingestellt und
auf die Rückforderung der zu viel ausgerichteten ca. Fr. 70'000.-- verzichtet.
B.
Gegen die Verfügung vom 16. März 2011 liess die Versicherte, vertreten durch
Rechtsanwalt Dr. oec. Hubert Bühlmann, St. Gallen, Einsprache erheben (UV-act. I/
145). Mit Entscheid vom 4. Mai 2011 wies die Suva die Einsprache ab.
C.
C.a Dagegen richtet sich die Beschwerde vom 6. Juni 2011 mit den Anträgen, der
angefochtene Einspracheentscheid der Suva vom 4. Mai 2011 sei aufzuheben, der
Beschwerdeführerin seien über den 31. März 2011 hinaus die Kosten der notwendigen
Heilbehandlung sowie die Taggelder im bisherigen Umfang auszurichten; eventualiter
sei die Streitsache zur erneuten medizinischen Begutachtung und Neubeurteilung an
die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur Begründung wird angeführt, die
Beschwerdegegnerin habe den Anspruch der Beschwerdeführerin auf das rechtliche
Gehör verletzt, indem sie in der Begründung des Einspracheentscheids mit keinem
Wort auf ihre Vorbringen eingegangen sei. Die ärztlichen Diagnosen seien immer von
frischen Impressionsfrakturen am BWK12 und LWK1 ausgegangen und die Suva habe
gestützt darauf während fast drei Jahren Versicherungsleistungen erbracht. Dr. F._
setze den bisher übereinstimmenden Diagnosen lediglich eine medizinische Hypothese
gegenüber und stütze sich allein auf die bildgebenden Unterlagen. Insgesamt ergebe
sich der natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom 13. Mai
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2008 und ihren Beschwerden sowie der daraus resultierenden Notwendigkeit der
Operation vom 2. Oktober 2008 und der anschliessenden weiteren Heilbehandlung.
Der Bericht von Dr. F._ vom 8. Februar 2011 könne diesen Zusammenhang nicht
schlüssig widerlegen.
C.b Die Suva beauftragte Rechtsanwältin Dr. iur. Marianne Sonder, Muri bei Bern, mit
ihrer Vertretung. Mit Beschwerdeantwort vom 8. September 2011 liess sie die
vollumfängliche Abweisung der Beschwerde vom 6. Juni 2011 beantragen. Zur
Begründung verneinte sie eine Verletzung des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf
rechtliches Gehör. Unbestritten sei, dass mit der Lumbalskoliose ein massiver
degenerativer Vorzustand bestanden habe. Durch den Unfall habe keine
Verschlimmerung des Vorzustands stattgefunden. Sowohl Dr. E._ als auch Dr. F._
hätten die Diagnose einer Deckenplattenfraktur Th12 und L1 in Zweifel gezogen und
würden darin mit der Beurteilung des Kantonsspitals St. Gallen vom 23. Dezember
2009 (UV-act. I/86) übereinstimmen. Auf jeden Fall sei die Indikation für die
Aufrichtungsoperation der lumbalen Skoliose nicht unfallbedingt. Die Ärzte am
Kantonsspital St. Gallen hätten der Beschwerdeführerin primär die Stabilisierung der
beiden Wirbel Th12 und L1 mittels Vertebroplastie empfohlen, was mit einem
minimalen chirurgischen Eingriff und einem kurzen stationären Aufenthalt verbunden
gewesen wäre (UV-act. I/6). Für die Behandlung der krankheitsbedingten Skoliose und
der Folgen dieser Operation (Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie und Radikulopathie L5/
S1) treffe die Beschwerdegegnerin jedenfalls keine Leistungspflicht.
C.c Mit Replik vom 28. Oktober 2011 liess die Beschwerdeführerin an ihren
Argumenten festhalten. Die Rechtsvertreterin der Beschwerdegegnerin verzichtete auf
die Einreichung einer Duplik.
C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den nachfolgenden
Erwägungen näher eingegangen.

Erwägungen:
1.
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1.1 Soweit die Beschwerdeführerin zum angefochtenen Einspracheentscheid vom
4. Mai 2011 geltend machen lässt, ihr Anspruch auf das rechtliche Gehör sei verletzt
worden, indem die Beschwerdegegnerin darin mit keinem Wort auf ihre Vorbringen
eingegangen sei, ist dazu vorab Stellung zu nehmen.
1.2 Die Beschwerdegegnerin hat die Begründung des Einspracheentscheids auf die
medizinischen Unterlagen gestützt und die Schlüssigkeit der Beurteilungen von
Dr. E._ und Dr. F._ unterstrichen. Auf die gegnerische Argumentation ist sie vor
allem bezüglich zeitlichem Element eingegangen. Sie stellte dar, ihre Leistungspflicht
könne nicht deshalb gegeben sein, weil die vorbestehende Skoliose trotz körperlich
strenger beruflicher Tätigkeit als Chauffeuse vor dem Unfall keine Beschwerden und
keine Arbeitsunfähigkeit verursacht habe, was danach in starker Ausprägung der Fall
gewesen sei. Damit hat sie den Einspracheentscheid einlässlich und nachvollziehbar
begründet und so abgefasst, dass die Beschwerdeführerin diesen sachgerecht
anfechten konnte (vgl. BGE 134 I 88 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.3 Selbst wenn von einer Verletzung der Begründungspflicht und damit des
rechtlichen Gehörs ausgegangen würde, würde es sich um eine nicht besonders
schwerwiegende Verletzung handeln, die geheilt werden könnte, da das Gericht im
vorliegenden Verfahren Sachverhalt und Rechtslage frei überprüft (vgl. BGE 132 V 390
E. 5.1 und BGE 126 V 132 E. 2b, je mit Hinweisen, sowie René Wiederkehr, Die
Begründungspflicht nach Art. 29 Abs. 2 der Schweizerischen Bundesverfassung [BV;
SR 101] und die Heilung bei Verletzung, in: ZBl 2010 S. 481 ff., besonders S. 499 ff.).
2.
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht davon ausgegangen
ist, dass die Rückenoperation vom 2. Oktober 2008 (dorsale Aufrichtungsspondylodese
Th11 bis L5 und transforaminale lumbale interkorporelle Fusion L2 bis L5) weder sicher
noch wahrscheinlich aufgrund des Unfalls vom 13. Mai 2008 notwendig war und sie
daher ab dem 2. Oktober 2008 keine Leistungspflicht mehr treffe.
3.
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3.1 Die Beschwerdegegnerin hat im angefochtenen Einspracheentscheid (E. 1) die
Voraussetzungen der Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss Bundesgesetz
über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) sowie das Erfordernis eines natürlichen
und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis und dem
eingetretenen Schaden zutreffend dargestellt. Darauf kann verwiesen werden.
Dasselbe gilt für die Ausführungen zur Formel "post hoc ergo propter hoc" und ihrer
beweisrechtlichen Untauglichkeit (vgl. E. 1b 2. Absatz des angefochtenen
Einspracheentscheids sowie SVR 2009 UV Nr. 13 [8C_590/2007] S. 52 E. 7.2.4 sowie
Urteil des Bundesgerichts vom 9. Mai 2011, 8C_979/2010, E. 6.2 mit Hinweisen).
Hinzuweisen ist zusätzlich auf Art. 6 Abs. 3 UVG, wonach der Unfallversicherer für
unerwünschte Folgen der von ihm übernommenen Eingriffe einzustehen hat, ohne dass
die behandlungsbedingte Schadenverursachung den Unfallbegriff, den Tatbestand des
haftpflichtrechtlichen Kunstfehlers oder der strafrechtlich relevanten Körperschädigung
erfüllen muss (BGE 118 V 292 f. E. 3b).
3.2 Zum Beweiswert eines Arztberichts ist zu ergänzen, dass nach der
höchstrichterlichen Rechtsprechung entscheidend ist, ob der Bericht für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese abgegeben
worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
medizinischen Fachperson begründet und nachvollziehbar sind. Ausschlaggebend für
den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch
die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als
Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt (BGE 134 V 232 E. 5.1 und BGE 125 V
352 E. 3a mit Hinweis). Auch den Berichten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte
kann rechtsprechungs-gemäss Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 135 V 467 ff. E. 4 und
BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee, je mit Hinweisen). Art. 8 BV und Art. 6 Ziff. 1 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK; SR 0.101) geben keinen formellen Anspruch auf versicherungsexterne
Begutachtung, wenn Leistungsansprüche streitig sind. Erachtet das
Sozialversicherungsgericht die rechtserheblichen tatsächlichen Entscheidgrundlagen
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bei pflichtgemässer Beweiswürdigung als schlüssig, darf es den Prozess ohne
Weiterungen - insbesondere ohne Anordnung eines Gerichtsgutachtens - abschliessen
(vgl. BGE 135 V 469 E. 4.3.2 mit Hinweisen). An die Beweiswürdigung von
Stellungnahmen versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte sind jedoch strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen
vorzunehmen (BGE 135 V 472 E. 4.7).
3.3 Weiter schliesst der Untersuchungsgrundsatz, der im
Sozialversicherungsverfahren gilt, die Beweislast im Sinn einer Beweisführungslast
begriffsnotwendig aus. Die Parteien tragen eine objektive Beweislast nur insofern, als
im Fall der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus
dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (vgl. BGE 121 V 208
E. 6a, Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2. Aufl. Zürich 2009, N 39 zu Art. 43, sowie
Thomas Locher, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Aufl. Bern 2003, S. 451,
je mit weiteren Hinweisen). Bei einer in Aussicht genommenen Einstellung einer bisher
ausgerichteten Leistung trägt entsprechend diejenige Partei die Beweislast, die daraus
Rechte ableiten will (vgl. Kieser, a.a.O., N 40 zu Art. 43).
4.
4.1 Die Beschwerdegegnerin hatte die Versicherungsleistungen (Heilungskosten und
Taggelder) nach dem Unfall vom 13. Mai 2008 ohne jeglichen Vorbehalt erbracht. Mit
Verfügung vom 16. März 2011 hielt sie fest, bereits ab Datum der Rückenoperation
(2. Oktober 2008) habe keine Leistungspflicht mehr bestanden.
Entgegenkommenderweise würden die Leistungen erst per 31. März 2011 eingestellt
und auf die Rückforderung der zu viel ausgerichteten ca. Fr. 70'000.-- werde verzichtet.
Bei dieser Sachlage steht im vorliegenden Fall eine anspruchsaufhebende Tatfrage zur
Diskussion, für welche die Beweislast bei der Beschwerdegegnerin liegt (vgl.
vorstehende E. 3.3).
4.2
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4.2.1 Die Beschwerdeführerin stürzte am 13. Mai 2008 aufs Gesäss und klagte
über tief lumbale Rückenschmerzen (vgl. UV-act. I/3). Dr. C._ erhob als Befund
diffuse Palpationsschmerzen thorakolumbal und lumbal sowie eine eingeschränkte
Beweglichkeit von Brust- und Lendenwirbelsäule. Einen Achsenstoss-Schmerz sowie
neurologische Ausfälle verneinte der Hausarzt (UV-act. I/3).
4.2.2 Dr. D._ nannte als Motiv für das MRI vom 16. Juni 2008, die lumbalen
Schmerzen hätten trotz Schonung und analgetischer Therapie eher zugenommen. Neu
sei auch ein Kribbelgefühl im linken lateralen Oberschenkel und im linken Fuss
hinzugekommen. Die Fragestellung laute auf eine ossäre Läsion im LWS-Bereich. Im
Bericht vom 16. Juni 2008 führte der Radiologe aus: "Frischere Impressionsfraktur des
12. BWK mit Bildung eines ventralen Keilwirbels. Die Impression der Deckplatte dieses
Wirbelkörpers ist möglicherweise schon z.T. älter als das Traumadatum. Das diffuse
Knochenmarködem spricht für eine frische Komponente. Die Hinterkante wird von dem
Knochenmarködem erreicht, keine Konturunterbrechung, keine Höhenminderung.
Frische umschriebene Deckenplattenimpression im dorsalen Bereich des 1. LWK mit
Einbeziehung der nicht relevant höhengeminderten bzw. deformierten Hinterkante. (...)"
Weiter beschrieb er eine linkskonvexe Skoliose bei links lateraler Subluxation des
3. LWK, Osteochondrosen und Protrusionen L2 bis L5 und eine
Pseudospondylolisthesis L4/5, stellte eine deutliche lumbale Spondylarthrose fest und
verneinte Zeichen einer frischen Fraktur im Kreuz- und Steissbeinbereich (UV-act. I/
124). Diese Aussagen von Dr. D._ lassen auf eine Unfallkausalität als Möglichkeit
schliessen; letztlich liess er diese Frage aber offen.
4.2.3 Dr. F._ zog aufgrund eines Vergleichs der verschiedenen Bildgebungen
die Diagnose der Impressionsfrakturen Th12 und L1 in Zweifel, legte im Bericht vom
8. Februar 2011 dar, dass diese Befunde lediglich möglich seien und führte die
Signalanomalien auf Knochenkontusionen (Bone bruises) zurück (UV-act. I/128 bzw. I/
143). Den erkennbaren Defekt im Bereich der Bodenplatte von Th12 interpretierte er als
grossen Schmorl'schen Knoten. Weiter begründete er seine Stellungnahme,
Wirbelfrakturen Th12 und L1 seien lediglich möglich, mit der Tatsache, dass auf dem
MRI vom 23. Dezember 2009, mithin fast 15 Monate nach der Operation (und mehr als
19 Monate nach dem Sturz vom 13. Mai 2008), die Bodenplatte von Th12 zwar
weiterhin einen grossen Defekt zeige, aber weder bei Th12 noch bei L1 eine
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signifikante Höhenverminderung des Wirbelkörpers noch reparative Vorgänge
festzustellen seien, wie sie als Folge einer Impressionsfraktur zu erwarten wären.
Weiter führte Dr. F._ aus, der Entscheid, die Skoliose aufzurichten, sei im
Zusammenhang mit der vermuteten Fraktur im thorakolumbalen Übergang getroffen
worden. Die Operation, deren Ergebnis radiologisch ausgezeichnet gewesen sei, lasse
sich nachträglich nicht durch den Unfall vom 13. Mai 2008 begründen, denn auch wenn
eine Wirbelimpressionsfraktur auf Höhe Th12 und L1 sicher dokumentiert worden wäre,
wäre ihre therapeutische Sanktion sicher keine Spondylodese von Th11 bis L5
gewesen. Dieser Eingriff habe der Aufrichtung der lange vorbestehenden lumbalen
Skoliose gegolten. - Diese Beurteilung von Dr. F._ ist für die streitigen Belange
umfassend, beruht auf allen bildgebenden Untersuchungen der Beschwerdeführerin,
berücksichtigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden, leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Situation
ein und die Schlussfolgerungen sind begründet und nachvollziehbar. Damit erfüllt sie
die Voraussetzungen an einen beweiskräftigen Arztbericht gemäss vorstehender
Erwägung 3.2 und es kann darauf abgestellt werden.
4.2.4 Soweit die Beschwerdeführerin die Ausführungen von Dr. F._ als
widersprüchlich gegenüber der Beurteilung durch die behandelnden Ärzte kritisieren
lässt, ist ihr entgegenzuhalten, dass letztere die Interpretation der
Magnetresonanztomogramme vom 16. Juni 2008 durch Dr. D._ (UV-act. I/124)
übernahmen. Wie ausgeführt (vgl. vorstehende E. 4.2.2), liess der Radiologe darin
offen, ob die als Impressionsfrakturen interpretierten Signalanomalien Th12 und L1
möglicherweise durch den Sturz der Beschwerdeführerin vom 13. Mai 2008 verursacht
worden seien. Lediglich Dr. C._ wurde mit dem Formular Arztzeugnis UVG zur
Kausalität befragt, die er am 27. Juni 2008 für die damals aktuelle Behandlung in den
ersten sechs Wochen nach dem Unfall zutreffenderweise bejahte (UV-act. I/3). Den
andern behandelnden Ärzten, insbesondere den Operateuren an der Klinik für
orthopädische Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen, wurden keine ausdrücklichen
Fragen nach dem natürlichen Kausalzusammenhang gestellt. Nachdem die Suva am
26. September 2008 für die Behandlung aufgrund der diagnostizierten
Impressionsfraktur Kostengutsprache erteilt hatte (vgl. UV-act. I/8) und während der
gesamten Behandlung bis zu deren Abschluss am 15. April 2010 (vgl. UV-act. I/99)
nicht auf ihre Leistungspflicht zurückkam, hatten jedoch weder diese Ärzte noch das
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Kantonsspital St. Gallen Anlass, sich zu einschlägigen Themen zu äussern. - Es trifft
auch nicht zu, dass sich Dr. F._ allein auf die bildgebenden Unterlagen stützte.
Vielmehr lagen ihm sämtliche Unterlagen vor, auch diejenigen über die Unfälle von
1992 mit anhaltenden Folgen an der Halswirbelsäule sowie von 2004 betreffend die
rechte Schulter. Er bezog diese auch in seine Beurteilung vom 8. Februar 2011 mit ein
(vgl. UV-act. I/128 bzw. I/143, v.a. S. 9).
4.2.5 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sturz aufs Gesäss vom
13. Mai 2008 bei der Beschwerdeführerin zwar einen Schmerzschub ausgelöst hat. Das
Unfallereignis hatte jedoch nur möglicherweise Impressionsfrakturen der Wirbelkörper
Th12 und L1 verursacht; es fehlt an der geforderten überwiegend wahrscheinlichen
Verursachung.
4.3 Anlässlich des Untersuchs vom 1. Juli 2008 am Kantonsspital St. Gallen wurden
der Beschwerdeführerin zwei mögliche operative Vorgehensweisen skizziert (UV-act. I/
6). Primär wurde "aufgrund der mässigen Klinik" eine Vertebroplastie zur Stabilisierung
der als gebrochen vermuteten Wirbel Th12 und L1 vorgeschlagen, die minimalinvasiv
vorgenommen worden wäre. Wegen der massiven Degeneration der LWS schlugen die
Ärzte der Klinik für orthopädische Chirurgie aufgrund der Röntgenbilder die dorsale
Spondylodese Th11 bis L5 mit TLIF L2 bis L5 vor. Für diese Variante hatte sich die
Beschwerdeführerin gemäss Nachtrag im Bericht noch gleichentags entschieden (UV-
act. I/6). Diese Behandlung betraf die Skoliose, wie bereits aus der Darstellung des
Prozederes im Bericht vom 2. Juli 2008 hervor ging. Diese Tatsache leiteten auch
Dr. E._ und Dr. F._ in ihren Beurteilungen vom 23. August 2010 bzw. 8. Februar
2011 begründet her (vgl. UV-act. I/108 bzw. I/142, I/128 bzw. I/143) und führte
Kreisarzt Dr. med. G. Del Monte, Facharzt FMH für Chirurgie, speziell Allgemein- und
Unfallchirurgie, St. Gallen, in seiner medizinischen Stellungnahme vom 28. Oktober
2010 an (UV-act. I/115). Gleiches zeigten die Diagnose Lumbalskoliose und der
Ablaufbeschrieb im Operationsbericht vom 2. Oktober 2008 (UV-act. I/10) sowie die
Tatsache, dass die vermuteten Frakturen der Wirbelkörper Th12 und L1 mit keinem
Wort erwähnt, noch an diesen Wirbelkörpern spezielle Massnahmen getroffen wurden.
Ein Kausalzusammenhang hätte damit höchstens für die Vertebroplastie bestanden, für
die Spondylodese konnte er nie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit bejaht werden.
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4.4 Aus dem zeitlichen Ablauf, besonders aus der entsprechenden Auskunft der
Beschwerdeführerin am 20. April 2010 (UV-act. I/141), ergibt sich, dass ihre
Blasenstörung nach der Operation vom 2. Oktober 2008 auftrat. Dr. E._ fasste in
ihrer Aktenbeurteilung vom 23. August 2010 die einschlägigen Aktenstücke zusammen
und stellte überzeugend begründet dar, dass die Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie, die
mit erheblicher Verzögerung zur Operation vom 2. Oktober 2008 diagnostiziert worden
sei, überwiegend wahrscheinlich im Zusammenhang mit dieser stehe (UV-act. I/108
bzw. I/142). - Demgegenüber legten Dr. med. G._, Assistenzärztin, und Dr. med.
H._, Facharzt FMH für Urologie, im Schreiben vom 3. Mai 2010 dar, sie sähen die
Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie als Folge des Sturzereignisses der
Beschwerdeführerin an, da die Blasenentleerungsstörungen vor dem Sturz bei der
Patientin nicht bekannt gewesen seien und es durch ein Trauma des Rückenmarks im
thorakalen Bereich zu einer Verletzung des oberen Motoneuroms kommen könne. Beim
Sturz der Beschwerdeführerin, der laut unfallnahen Angaben (UV-act. I/1, I/3) auf das
Gesäss erfolgte, wurde das Rückenmark höchstens indirekt traumatisiert. Dabei kann
kaum eine strukturelle Rückenmarksverletzung entstehen. Eine solche ist im Übrigen
(radiologisch) auch nicht nachgewiesen (vgl. auch Beurteilung Dr. E._ [UV-act. I/108],
S. 6). Die Argumentation, die Blasenentleerungsstörungen seien auf den Sturz
zurückzuführen, weil bei der Beschwerdeführerin vorher keine solchen Beschwerden
bekannt gewesen seien, und damit nach der Formel "post hoc ergo propter hoc", ist
nach der Rechtsprechung beweisrechtlich untauglich (vgl. vorstehende E. 3.1 und
E. 1b 2. Absatz des angefochtenen Einspracheentscheids). Vielmehr ist davon
auszugehen, dass die Blasenschwäche überwiegend wahrscheinlich auf die
Rückenoperation vom 2. Oktober 2008 zurückzuführen ist. Da für diese der
Kausalzusammenhang zum Unfall vom 13. Mai 2008 zu verneinen ist (vgl. vorstehende
E. 4.2), ist der Tatbestand von Art. 6 Abs. 3 UVG nicht erfüllt und besteht für die
Detrusor-Sphinkter-Dyssynergie keine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.
4.5 Auch die posttraumatische Radikulopathie L5/S1 trat als Folge der
Rückenoperation vom 2. Oktober 2008 auf und steht damit nicht im direkten
Zusammenhang mit dem Sturz vom 13. Mai 2008. Im Bericht der Klinik für Neurologie
des Kantonsspitals St. Gallen vom 14. August 2009 wurde festgehalten, dass die
Patientin seit der Operation anhaltende Sensibilitätsstörungen des linken Fusses sowie
begleitende Schwäche und Koordinationsstörungen des linken Beins schildere
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(Untersuch vom 27. Juli 2009; UV-act. I/47). Auch für die Behandlung der
posttraumatischen Radikulopathie L5/S1 fehlt es somit an den Voraussetzungen einer
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin.
4.6 Soweit auf der Höhe L4/L5 eine Diskushernie festgestellt wurde, ist festzuhalten,
dass diese bereits im MRI vom 16. Juni 2008 (UV-act. I/124) dokumentiert ist und
weiterhin im MRI vom 23. Dezember 2009 (UV-act. I/122; vgl. auch Ausführungen von
Dr. F._ in seiner Beurteilung vom 8. Februar 2011, UV-act. I/128 bzw. I/143). Sie
wurde nicht unmittelbar nach dem Sturz vom 13. Mai 2008 symptomatisch; weder
Dr. C._ am 27. Juni 2008 (UV-act. I/3) noch die Ärzte an der Klinik für orthopädische
Chirurgie des Kantonsspitals St. Gallen am 2. Juli 2008 (UV-act. I/6) berichteten über
entsprechende Symptome. Fehlt es aber an einem Symptomatisch-Werden durch den
Unfall, kann erst recht nicht von einer Verursachung durch den Sturz am 13. Mai 2008
gesprochen werden, zumal es im Bereich des Unfallversicherungsrechts einer
medizinischen Erfahrungstatsache entspricht, dass praktisch alle Diskushernien bei
Vorliegen degenerativer Bandscheibenveränderungen entstehen und ein Unfallereignis
nur ausnahmsweise, unter besonderen Voraussetzungen, als eigentliche Ursache in
Betracht fällt (vgl. RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 und Urteil des Bundesgerichts vom
27. Juni 2012, 8C_681/2011, E. 3.2, je mit Hinweisen).
4.7 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass ein natürlicher Kausalzusammenhang
zwischen dem Sturz der Beschwerdeführerin aufs Gesäss am 13. Mai 2008 und der
Aufrichtungsspondylodese Th11 bis L5 mit TLIF L2 bis L5 am 2. Oktober 2008 nicht mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit gegeben ist. Die Beschwerdegegnerin hat daher ihre
Leistungspflicht für die Rückenoperation sowie die darauf zurückzuführenden Detrusor-
Sphinkter-Dyssynergie und Radikulopathie L5/S1 sowie das Syptomatisch-Werden der
Diskushernie L4/L5 zu Recht verneint. Da sie ihre Leistungspflicht am 16. März 2011
per 31. März 2011 und damit nur für die Zukunft verneint und auf die Rückforderung
der zu viel erbrachten ca. Fr. 70'000.-- verzichtet hat, erübrigen sich Ausführungen, für
welche Leistungen der natürliche Kausalzusammenhang zu bejahen gewesen wäre und
welche daher zu Recht erbracht worden waren.
5.
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Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP