Decision ID: eced6f95-ce7b-45ba-9730-07cfad7a2ae9
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
D
ie 1966 geborene
X._
ist Mutter eines im
Januar
2006 geborenen Sohnes. V
om
1.
November 2007 bis 31. August 2008
war sie
als Kassiere
rin/Verkäuferin bei der
Y._
tätig.
Am 25.
November 2008 meldete sie sich unter Hinweis auf Rücken-, Hüft-, Knie- und Gelenkschmerzen bei der Invalidenversicher
ung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/8). Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizini
sche Abklärungen und wies das Rentenbegehren nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
6/29
) mit Verfügung vom
15. November 2010
(
Urk.
6/49
) ab.
Der Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Daraufhin war die Versicherte von
September 2011 bis 30.
Juni 2013 in einem 40
%
Pensum bei der
Z._
als Laborassistentin tätig (
Urk.
6
/
56
).
Am 3
1.
Mai 2013 meldete
sie
sich unter Hinweis auf zusätzliche Beschwerden
im Fuss,
in
der linken Ferse
und
zwischen den Schultern,
auf
eine Diskushernie sowie eine
n
allgemein verschlechterten Zustand erneut zum
Leistungsbezug an (
Urk.
6/51). Im
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/70) holte die
IV-Stelle ein
bidis
ziplinäres
Gutachten (Rheumatologie/Psychiatrie) ein (
Expertise
vom
20.
September und
1
3.
Oktober 2014;
Urk.
6/85/1-
74
und
Urk.
6/88) und wies das Rentenbegehren n
ach
G
ewährung des rechtlichen Gehörs
(Urk. 6/
89-90
) mit Verfügung vom
20.
Januar 2015
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
4.
Februar 2015 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte,
die Verfügung vom 2
0.
Januar 2015 sei aufzuheben und es sei ihr ab dem
1.
Juni 2013 eine Rente auf der Basis einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
zuzusprechen.
Die Sache sei an die Vorinstanz zurückzuweisen mit dem Auf
trag, den IV-Grad auf
dieser
Basis festzulegen.
Der
Beschwerdeführerin sei als Schadenminderungspflicht aufzugeben, die laufende ambulant-psychiatrische Gesprächstherapie in der Frequenz von mindestens einmal pro Woche und die von der Therapeutin angeordnete antidepressive Medikation durchzuführen. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen mit dem Auftrag, das psychiatrische Gutachten v
on PD
Dr.
med.
Z._
vom 13.
Oktober 2014 in Bezug auf den Beginn der Arbeitsunfähigkeit zu ergänzen. Am 1
6.
März 2015 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
5), was der Beschwerdeführerin mit Mitteilung vom 1
8.
März 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
(Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.5
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Ver
änderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschlies
sen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom 2
0.
Januar 2015 (Urk. 2) damit, dass aus somatischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe. Die psy
chiatris
chen Diagnosen seien nicht IV-relevant. Es sei demnach kein IV-relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), das rheumatologische Gutachten
sei widersprüchlich
(S. 4).
Gestützt auf das psychiatrische Gutachten sei erstellt, dass die psychischen Beeinträchtigungen
der Beschwerdeführerin Krankheitswert aufweisen würden. Aus Sicht des Gut
achters sei es ihr aktuell nicht möglich,
die Funktionseinbussen aus psychiatri
scher Sicht von 50
%
zu überwinden. Es sei deshalb von einer Arbeitsunfähig
keit in einer angestammten oder in einer Verweistätigkeit von 50 % auszugehen (S. 5 f.). Die Beschwerdeführerin habe vor Eintritt des Ges
undheitsschadens in einem 100
%
-
Pensum gearbeitet. Der IV-Grad sei
daher
nicht nach der gemischten Methode festzulegen. Bei der Berechnung des IV
Grades sei zudem ein leidensbedingter Abzug von mindestens 15
%
zu berücksichtigen. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei im Übrigen nicht erst ab
dem
Untersuchungs
datum
erstellt
.
E
ventualiter sei dem psychiatrischen Gutachter
eine diesbezügli
che
Ergänzungsfrage zu stellen
(S. 6 f.)
.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Innere Medizin und Rheumaerkrankungen FMH, hielt in seinem
im Rahmen der Erstanmeldung eingeholten Gutachten vom 19.
Juni 2009 (
Urk.
6/25) folgende Diagnosen fest (S. 16):
Chronisches panvert
ebrales, vor allem
lumbospondylogenes
Syndrom links mit/bei
Hüftschmerzen links
Knieschmerzen links
Schlafstörungen
Fehlhaltung und Haltungsins
u
ffizienz
Verdacht auf
Dekonditionierung
Leicht
skoliotischem
Flachrücken
Diskopathie
L2/3, L4/5 und L5/S1
Erosiver
Osteochondrose
L4/5
Status nach Morbus
S
cheuermann
Adipositas (BMI 33)
Nikotinabusus
(26
py
)
Dazu führte er aus, dass
der
Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht ab dem
1.
Mai 2009
ihre
angestammte sowie
jede andere körperlich leichtere
bis allenfalls mitt
elschwere
Tätigkeit bei normalem Rendement
uneingeschränkt zumutbar sei (S. 17).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, stellte in seinem Gutachten vom 2
7.
Januar 2010 (
Urk.
6/40) folgende Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9):
Anhaltende depressive Entwicklung bei chronischen Schmerzen und psycho
sozialer Belastungssituation
Zudem führte er folgende Diagnose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 9):
DD: Anpassungsstörung
Ergänzend hielt er fest, dass
die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht seit September 2008 sowohl in ihrer angestammten als auch in einer angepass
ten Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig sei (S. 12).
3.
3
Im
im
Rahmen der Neuanmeldung eingeholten
bidisziplinären
Gutachten vom
2
0.
September 2014 (
Urk.
6/85/1-74) und 13. Oktober 2014 (
Urk.
6/88) stellten
Dr.
med.
Dr.
sc. nat. ETH
C._
, Innere Medizin FMH, und PD
Dr.
med.
Z._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/88 S. 23):
Mittelgradige depressive Episode
Verminderte Belastbarkeit und Beschwerden der Wirbelsäule bei
Leichten bis mässigen degenerativen Veränderungen mit
HWS:
mediolateraler
Diskusprotrusion
C4/C5 links ohne Kompression neuraler Strukturen
BWS: mässigen, teilweise überbrückenden spondylotischen Verände
run
gen ohne Diskushernie und ohne Kompression neuraler Strukturen
LWS:
mediolateraler
Diskushernie L4/L5 rechts mit Irritation der
Nerven
wurzeln
L4 beidseits und L5 rechts
Aktuell ohne
radikuläre
Zeichen
Dazu hielten sie fest, dass
bei der Beschwerdeführerin strukturelle Verände
run
gen im Bereich der Wirbelsäule beständen, die ihre Leistungsfähigkeit ein
schränken würden. Die Befunde würden jedoch das Ausmass der Beschwerden nicht erklären. Aus rheumatologischer Sicht sei die Beschwerdeführerin
in der angestammten oder einer angepassten Tätigkeit
mit leichtem bis knapp mittel
schwerem Belastungsniveau
voll arbeitsfähig (Urk. 6/85/66
und 69
).
Die Beschwerdeführerin habe während acht Jahren intensiv ihre kranke Mutter und später auch ihren kranken Vater gepflegt, bis diese kurz nacheinander verstor
ben seien. 2006 habe sie nach einem jahrelang unerfüllten Kinderwunsch „end
lich“ ein Kind geboren. Gleichzeitig sei sie
während
viele
n
Jahre
n
immer wieder arbeitstätig gewesen. Es habe also eine Mehrfachbelastung bestanden, im Rah
men welcher sie eine teilweise Erschöpfung ihrer innerpsychischen Res
sourcen erlebt habe (
Urk.
6/88
S. 12).
Die Beschwerdeführerin stehe morgens zwischen 7:00 und 7:15 Uhr auf. Ihr Sohn sei unterdessen genügend selbständig, dass er sich alleine anziehen und eine Kleinigkeit zum Frühstück zubereiten könne. Sie versuche dann, einzelne
n
Haushaltstätigkeiten nachzugehen, müsse aber immer wieder Pausen einlegen. Manchmal lasse sie die Sachen auch einfach liegen. Die Wäsche könne sie selbst
erledigen. Sie bereite ihrem Sohn das Mittagessen zu,
als Abendessen gebe es noch einmal dasselbe.
Ausser zum Beispiel in der Gratiszeitung „20 Minuten“ lese sie tagsüber nichts. Sie gehe zwei- bis dreimal pro Woche in ein Schwimm
bad,
um sich dort im warmen Wasser aufzuhalten
. E
ine grössere körperliche Betätigung sei dies aber nicht. Zweimal pro Woche gehe sie
zudem
in die Phy
siotherapie und versuche
,
möglichst täglich einige Minuten ihre Übungen zu machen. Nachmittags gehe sie hin und wieder mit ihrem Sohn auf einen Spiel
platz, ansonsten gehe sie nicht nach draussen. Manchmal nehme auch ihre Schwester oder ihre Nachbarin den Sohn mit auf den Spielplatz. Die Einkäufe erledige sie nur, wenn es einzelne Kleinigkeiten seien, den Rest würden ihr Ehemann und ihre Schwester erledigen. Sie reise noch maximal einmal pro Jahr mit dem Flugzeug in den Kosovo. Früher habe sie recht viele Freundinnen gehabt, unterdessen habe sie nur noch mit ihrer Familie und einer Nachbarin Kontakt.
Ihre Schwester sehe sie fast täglich, mit ihren beiden Brüdern im Kosovo telefoniere sie hin und wieder.
Die Beziehung zu ihrem Ehemann sei eigentlich intakt, doch litten beide unter ihrer schwierigen gesundheitlichen Situation
. Er verstehe zudem auch nicht, wie sehr sie unter ihren Schmerzen leide
(S. 7 f.).
Die Beschwerdeführerin sei 2009/2010 für wenige Monate in einer ambulant psychiatrischen Behandlung gestanden. Vor zwei Monaten, das heisst ungefähr Anfang August 2014, habe sie erneut eine ambulant psychiatrische Behandlung begonnen.
Bisher
sei es zu drei Terminen gekommen, der nächste Termin finde zwei Tage
nach der Begutachtung statt (S.
5 f.).
2009/2010 habe sie während
ungefähr
einem Monat ein Antidepressivum eingenommen. Vor
ungefähr
zwei Monaten habe sie erneut mit einer antidepressiven Medikation begonnen, diese jedoch vor zwei Wochen wieder abgesetzt infolge einer antibiotisch behandelten
Pyelonephritis
. Die bisherigen Behandlungsversuche aus rein psychiatrischer Sicht seien also noch sehr spärlich ausgefallen
(S. 14 f.).
Die Körperschmerzen
seien
somatisch
erklärbar
,
nicht jedoch vollumfänglich
das subjektive Ausmass, mit welchem die Beschwerdeführerin diese Schmerzen selbst erlebe. Eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung könne
jedoch
ausgeschlossen werden (
Urk.
6/88 S. 11 f.). Aufgrund ihrer psychischen Beschwerden sei sie in einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig (S. 23).
Die beiden psychiatrischen Gutachten von
Dr.
D._
vom 1
0.
Juni 2009 und von Dr.
B._
vom 2
7.
Januar 2010
würden
erhebliche Mängel und Inkonsistenzen auf
weisen
, so dass
darauf
nicht zurückgegriffen werden könne, um den Verlauf der depressi
ven Störung abzubilden. Es liege
zwar
auf der Hand, dass die Beschwerdeführe
rin nicht erst seit
der psychiatrischen Begutachtung vom
6.
Oktober 2014
unter ihrer
depressiven Symptomatik leide
.
Mit Sicherheit könne jedoch einzig gesagt werden, dass sie seit diesem Zeitpunkt zu 50 % arbeitsunfähig sei (S. 16).
4
.
Das
bidisziplinäre
Gutachten
von
Dr.
C._
und PD
Dr.
Z._
vom
20. September und
1
3.
Oktober 201
4
(
E. 3.3 hiervor
) beruht auf den erforderli
chen
rheumatologischen und
psychiatrischen Untersuchungen und wurde in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den fallrelevanten
Vorakten
erstellt. Die Gutachter legten die medizinischen Zusammenhänge einleuchtend dar und setzten sich mit den geklagten Beschwerden und dem Verhalten de
r
Beschwerdeführer
in
auseinander.
Insbesondere begründete PD Dr.
Z._
aus
führlich, weshalb vorliegend die Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode, nicht aber diejenige einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung zu stellen ist.
Die Experten
gelangten sodann zur begründeten Schlussfolgerung, dass
die
Beschwerdeführerin
zu 50
%
arbeitsfähig ist. Sie kann Lasten bis zu 12.5 kg heben oder tragen. Überkopfarbeiten, Vibrationen
und
Arbeiten mit repetitiven Rotationsbewegungen des Oberkörpers sind zu meiden, ebenso das längere Verharren in vornüber geneigter Haltung. Unerwartete, asymmetrische Lasteneinwirkungen sind a
uszuschliessen.
E
her günstig sin
d wechselbelastende Tätigkeiten. Sowohl die angestammte Tätigkeit als
Kassiererin
als auch eine angepasste körperlich leichte bis knapp mittelschwere Tätigkeit
sind ihr damit zumutbar
.
PD
Dr.
Z._
legte zudem dar, weshalb er den Verlauf der depressi
ven Störung nicht genau abbilden kann
. Gemäss seinen Ausführungen ist einzig sicher, dass die
aufgezeigte
Arbeitsfähigkeit seit der psychiatrischen Begutach
tung besteht
(
Urk.
6/85/69 und
Urk.
6/88 S.
23).
Zur nach Ansicht der Beschwerdeführerin angeblichen Widersprüchlichkeit des rheumatologischen Gutachtens ist
festzuhalten, dass Dr.
C._
die Beschwerdeführerin aus rheumatologischer Sicht als zu 100
%
arbeitsfähig ein
schätzte. Dies jedoch
-
wie soeben dargelegt
-
lediglich in einer leichten bis knapp mittelschweren
und
den Beschwerden angepassten Tätigkeit. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin berücksichtigte sie damit die Einschrän
kungen aufgrund der Rückenbeschwerden, befand diese aber nicht als derart gravierend, dass sie eine (teilweise) Arbeitsunfähigkeit zur Folge hätten. Ein Widerspruch ist damit nicht auszumachen.
Das Gutachten entspricht
somit
den rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E.
1
.4
hiervor
).
5
.
Bei der
Beschwerdeführerin
besteh
t eine leichte bis mässige degenerative Ver
änderung der Wirbelsäule
.
Die Beweglichkeit der LWS ist in der
Lateralfle
xion
beidseits leicht eingeschränkt bei normaler Inklination und
Reklination
, die BWS und die HWS sind normal beweglich. Im Bereich der HWS bestehen dis
krete degenerative Veränderungen mit einer
mediolateralen
Diskusprotrusion
C4/C5 links ohne Kompression neuraler Strukturen
, im Bereich der BWS mäs
sige, teilweise überbrückende spondylotische Veränderungen ohne Diskushernie und ohne Kompression neuraler Strukturen. Die bildgebenden Befunde sind nicht gravierend
;
radikuläre
Zeichen sind keine vorhanden.
Im Bereich der LWS besteht eine
mediolaterale
Diskushernie L4/L5 rechts mit Irritation der
Nerven
wurzeln
L4 beidseits und L5 rechts,
radikuläre
Zeichen sind ebenfalls nicht vor
handen (
Urk.
6/85/66).
Wie bereits dargelegt ist es nicht widersprüchlich, bei einem solchen Befund von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer den Beschwer
den angepassten Tätigkeit auszugehen. Weitere Einwände gegen eine Arbeitsfä
hig
keit in diesem Umfang werden von der Beschwerdeführerin nicht vorgebracht und sind auch nicht ersichtlich.
Die abweichenden (älteren) medizi
nischen Einschätzung vermögen an diesen Schlussfolgerungen nichts zu ändern: Soweit
Dr.
med.
E._
, Facharzt Rheumatologie und Innere Medi
zin FMH, am 1
5.
August 2013 (
Urk.
6/66/4-13) zu Händen des
Krankentaggeld
versicherers
unter Hinweis auf ein chronisch rezidivierend bis chronisch persis
tierendes
lumbospondylogenes
Syndrom mit Verdacht auf ein
lumboradikuläres
Reizsyndrom im Sinne einer neurogenen
Cladicatio
der Wurzel L5 links auf eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (wechselbelastend mit häufig möglichem Wechsel der Körperposition unter Vermeidung - näher bezeichneter - Verrichtungen) schloss (S. 8 ff.), ist festzuhalten, dass sich
Dr.
C._
hiermit eingehend auseinandersetzte und den geäusserten Ver
dacht nicht bestätigen konnte. Sie hielt fest, es lägen keine Angaben zu objekti
vierbaren
radikulären
Ausfällen der Nervenwurzel L5 links vor. Sie konstatierte ein Fehlen eines
radikulären
Reizsyndroms anlässlich ihrer Untersuchung und beschrieb mögliche Bewegungsabläufe, die bei einem lumbalen
radikulären
Reizsyndrom nicht möglich seien (
Urk.
6/85/71).
Die Arbeitsunfähigkeitsatteste der
Dres
.
F._
, Spezialarzt FMH für Physikali
sche Medizin und Rehabilitation, vom 2
4.
Juni 2013 (
Urk.
6/66/14) und
G._
, Allgemeine Medizin FMH, vom 1
6.
September 2013 (
Urk.
6/67/4) entbehren einer Begründung und vermögen deshalb die begründeten Angaben von
Dr.
C._
nicht in Zweifel zu ziehen. Dies gilt auch für die entsprechende Aktenzusammenfassung von RAD-Arzt
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädi
sche Chirurgie und Traumatologie, vom 2
0.
November 2013 (
Urk.
6/69/5).
Es ist damit mi
t überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt
, dass
die
Beschwer
deführerin
aus somatischer Sicht trotz einer verminderten Belastbarkeit der Wirbelsäule ihre
angestammte
Tätigkeit als Kassiererin
oder eine leichte bis knapp mittelschwere, den Beschwerden angepasste Tätigkeit (vgl. E.
4
hiervor) in einem Vollpensum
ausüben kann
.
6
.
6
.1
Die
Beschwerdeführer
in
leidet an einer
depressiven Störung mit im Zeitpunkt der Begutachtung durch
PD
Dr.
Z._
m
ittelgradiger Episode
. Nach Ansicht des Gutachters ist sie deshalb in ihrer Arbeitsfähigkeit zu 50
%
eingeschränkt
(E. 3.3 hiervor
).
6
.2
6.2.1
Laut bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind leichte bis höchstens mittel
schwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar und führen invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_836/2014 vom 23. März 2015 E. 3.1; 9C_667/2013 vom 29. April 2013 E.
4.3.2; 9C_917/2012 vom 14. August 2012 E. 3.2 und 9C_736/2011 vom 7. Februar 2012 E. 4.2.2.1; vgl. auch Rahel Sager, Die bun
desgerichtliche Rechtsprechung betreffend Depressionen, in: SZS 2015 S. 308 ff., 317 f. Ziff. 5.2). Daran hat auch BGE 141 V 281 nichts geändert (Urteil des Bundesge
richts 9C_892/2015 vom 22. Januar 2016 E. 2).
Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung ist aller
dings nicht schlechthin auszuschliessen; deren Annahme bedingt nach den höchstrichterlichen Vorgaben jedoch, dass es sich nicht bloss um die Begleiter
scheinung einer Schmerzkrankheit, sondern um ein selbständiges, vom psycho
genen Schmerzsyndrom losgelöstes depressives Leiden handelt (Urteile des Bun
desgerichts 9C_917/2012 vom 14. August 2013 E. 3.2 und 9C_210/2012 vom 9. Juli 2012 E. 3.1). Im Weiteren ist vorausgesetzt, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist. Fehlt es daran, ist nach der Rechtsprechung in der Regel keine invali
di
sierende Wirkung des Gesundheitszustandes anzunehmen (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1). Dabei stellt das Bundes
gericht sowohl an die
Langjährigkeit
(verneint im vorgenannten Urteil 9C_892/2015 bei einer Therapiedauer von weniger als anderthalb Jahren) als auch an die Intensität der Therapiebemühungen (vgl. etwa das vorgenannte Urteil 9C_454/2013 E. 4.1) hohe Anforderungen.
6.2.2
Nach der Rechtsprechung ist es in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beein
trächtigungen, somit auch bei psychischen Störungen, keineswegs allein Sache der mit dem
konkreten Einzelfall (gutachterlich) befassten Arztpersonen, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) ver
bindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu
einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe
und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tatsächlichen und rechtlichen Gegebenhei
ten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache
des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu beur
teilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diag
nose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Fol
genabschätzung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beurtei
lungskompetenz
zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2). Es kann damit von einer medizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Sicht abge
wichen werden, ohne dass ein
wie vorliegend grundsätzlich beweiskräftiges
Gutachten dadurch seinen Beweiswert verlöre (Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2015 vom 1. April 2015 E. 6.3).
6
.3
Nach
Angaben der Beschwerdeführerin
leidet sie seit mehreren Jahren an einer depressiven Grundstimmung, seit ungefähr zwei Jahren ist diese anhaltend aus
geprägt vorhanden. Anlässlich der psychiatrischen Begutachtung gab sie an, dass sie
2009/2010 für wenige Monate in einer ambulant
en
psychiatrischen Behandlung
war
. Ungefähr Anfang August 2014 begann sie erneut eine ambu
lant
e
psychiatrische Behandlung, dabei fanden in zwei Monaten vier Konsulta
tionen statt. 2009/2010 nahm
die Beschwerdeführerin
während ungefähr einem Monat ein Antidepressivum ein. Ungefähr Anfang August 2014 begann sie erneut mit einer
medikamentösen
antidepressiven Behandlung, musste die Medikamente jedoch zwei Wochen vor der B
egutachtung wieder absetzen (E.
3.3 hiervor).
Berichte ihrer behandelnden Psychiater
reichte die
Besc
hwer
deführerin keine ein
.
Obwohl
sie
angab, dass sich ihre psychische Verfassung seit Jahren stetig verschlechtert
hat
und seit ungefähr 2012 anhaltend schlecht ist (
Urk.
6/88 S. 5), begab sie sich - abgesehen von einer nicht dokumentierten Behandlung 2009/2010 - erst im August 2014
, kurz vor der angeordneten Begutachtung
in psychiatrische Behandlung
und konsultierte ihre Psychiaterin
lediglich
alle zwei Wochen
.
Eine solche Behandlungsfrequenz
deutet nicht auf
einen allzu
grossen
Leidensdruck hin.
Auch ging
die Beschwerdeführerin
ihre
psychischen
Beschwerden nicht mit einer antidepressiven Medikation
konse
quent
an. So befand auch der Gutachter PD
Dr.
Z._
, dass
die bisherigen Behandlungsversuche aus rein psychiatrischer Sicht
sehr spärlich
ausgefallen sind
(
Urk.
6/88 S. 15).
Bei dieser Sachlage kann von
einer konsequenten Depressionstherapie, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist, jedenfalls im Zeitpunkt der rentenabweisenden Verfügung vom 20. Januar 2015
(noch)
nicht gesprochen werden.
Eine invalidisierende Wirkung der mittelschweren depressiven Störung ist damit nicht ausgewiesen.
Daran ändert nichts, dass die Beschwerdeführerin gemäss Gutachter aufgrund ihrer jahrelangen Mehrfachbelastung einen Teil ihrer innerpsychischen Ressour
cen deutlich strapaziert hat, sodass sie aktuell nicht auf die Gesamtheit dersel
ben zurückgreifen kann (
Urk.
6/88 S. 14). Die Eltern der Beschwerdeführerin verstarben Ende 2008/Anfang 200
9.
Im Zeitpunkt der rentenabweisenden Ver
fügung war ihr Sohn bereits 9 Jahre alt und damit nicht mehr im vorherigen Masse auf Betreuung angewiesen. Die Mehrfachbelastung
durch die langjährige Pflege der schwerkranken Eltern, die Betreuung eines Kleinkindes und die Arbeitstätigkeit is
t somit zu einem grossen Teil weggefallen. Der Gutachter selbst geht zudem davon aus, dass die Beschwerdeführerin bei konsequenter antidepressiver Behandlung bereits nach sechs bis zwölf Monaten eine nachhal
tig verbesserte Grundstimmung aufweisen wird. Er bezweifelt mit Hinweis auf die strapazierten innerpsychischen Ressourcen einzig, dass sich die depressive Symptomatik anschliessend vollständig auflösen wird
(
Urk.
6/88 S. 15).
Die
genannte
Mehrfachbelastung
entspricht zudem einem p
sychosoziale
n
Belas
tungsfaktor
, d
er
IV-rechtlich nicht
relevant
ist
.
Bei der B
eschwerdeführer
in
bestehen
weitere solche Belastungsfaktoren
(
jahrelang unerfüllter Kinder
wunsch,
Spannungen in der Ehe,
Migrationshintergrund, geringer Ausbil
dungsstand; vgl. E. 3.3 hiervor).
Diese
vermögen medizinisch die Diagnose einer leichten bis mittelschweren Depression, aber rechtlich keine Invalidität zu begründen.
Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausge
prägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von
Krankheits
wert
vorhanden sein (vgl. zum Ganzen BGE 127 V 294 E. 5a sowie Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2), was vorliegend nicht der Fall ist.
6
.4
Obwohl also eine
depressive Symptomatik vorliegt, kann dem Leiden de
r
Beschwerdeführe
r
in
aufgrund der l
ediglich mittelschweren Störung,
einer feh
lenden konsequenten Depressionstherapie
und deutlich ausgeprägten psy
choso
zialen Belastungsfaktoren
keine invalidisierende Wirkung zuerkannt wer
den.
Eine Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung des Beginns der psy
chi
schen Beschwerden erübrigt sich damit.
6
.5
Die Pathologien der Beschwerdeführerin führen damit
– mit Ausnahme des
Belas
tungsprofils
zu
k
einer sozialversicherungsrechtlich relevanten
Einschrän
kung der
Arbeitsfähigkeit
. Namentlich ist die
angestammte
Tätigkeit als Kassie
rerin sowie jede
den
Rückenb
eschwerden
angepasste, körperlich
leichte bis knapp mittelschwere
Tätigkeit
zumutbar
.
Ein anspruchsbegründender
Invali
ditätsgrad
ist
somit
zu verneinen.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7
.
Die Kosten des Verfahrens (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) sind auf
Fr.
7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.