Decision ID: 37f7e73b-05b0-4a12-a349-894a0b7f3f36
Year: 2021
Language: de
Court: NW_OG
Chamber: NW_OG_001
Canton: NW
Region: Central_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die 1963 geborene A._ («Beschwerdeführerin»/«Versicherte») meldete sich am 25. Februar
2017 bei der IV-Stelle Nidwalden wegen den Folgen eines am 12. Oktober 2016 erlittenen
Thalamusinfarkts rechts zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (IV-act. 1).
Die IV-Stelle Nidwalden nahm Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht vor (IV-
act. 11 ff.) und lud die Versicherte zum Assessmentgespräch vom 30. März 2017 (IV-act. 20).
Nach diversen Standortgesprächen wurden der Versicherten Frühinterventionsmassnahmen
in Form von Unterstützung und Beratung beim Arbeitsplatzerhalt zugesprochen. Es folgte ein
Arbeitsversuch in Januar 2018 (die Transportkosten eines Fahrdienstes übernahm die
Invalidenversicherung) der jedoch abgebrochen werden musste (IV-act. 53 ff.). Im Juni 2018
kündigte der Arbeitgeber der Versicherten per Ende September 2018 (IV-act. 74). Da keine
relevante Arbeitssteigerung erzielt werden konnte, wurden die Frühinterventionsmassnahmen
im August 2018 abgeschlossen (IV-act. 83, 86). In der Folge aktualisierte die IV-Stelle die
medizinische Aktenlage (IV-act. 76-79, 92) und veranlasste bei der B._ AG das
polydisziplinäre Gutachten vom 27. Juni 2019 (IV-act. 111) sowie die Haushaltsabklärung vor
Ort vom 3. Dezember 2019 (IV-act. 124). Mit Vorbescheid vom 15. Februar 2020 stellte die IV-
Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (IV-act. 132). Daran hielt sie auf
Einwand hin (IV-act. 138) mit Verfügung vom 27. August 2020 fest (IV-act. 142).
B.
Gegen die vorgenannte Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom 17. September
2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht Nidwalden mit den Anträgen:
«1. Die Verfügung der IV-Stelle Nidwalden vom 27. August 2020 sei aufzuheben und es seien
der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zu erbringen.
2. Zur Klärung des Gesundheitszustands und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, mithin
der Leistungspflicht der Invalidenversicherung, sei durch das Gericht ein Gutachten
einzuholen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. Auslagen und MWST zulasten der
Beschwerdegegnerin.»
3
C.
Mit Vernehmlassung vom 16. November 2020 beantragte die IV-Stelle Nidwalden die
vollumfängliche Beschwerdeabweisung unter Kostenfolge zulasten der Beschwerdeführerin.
D.
Es wurde kein zweiter Schriftenwechsel angeordnet. Am 27. November 2020 wurde der
Beschwerdeführerin die beantragte Replikfrist gewährt. Mit Replik vom 11. Januar 2021 legte
sie neue Belege ins Recht und erneuerte ihre Rechtsbegehren. Die IV-Stelle hielt mit Duplik
vom 18. Januar 2021 an ihren Anträgen fest. Damit war der Rechtschriftenwechsel
abgeschlossen.
E.
Die Sozialversicherungsabteilung des Verwaltungsgerichts Nidwalden hat die Streitsache an
ihrer Sitzung vom 22. März 2021 in Abwesenheit der Parteien beraten und beurteilt. Auf die
Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in den Akten wird – soweit für die
Entscheidfindung erforderlich – in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Die Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung vom 27. August 2020 der IV-Stelle
Nidwalden. Zuständig für deren Beurteilung ist die Sozialversicherungsabteilung des
Verwaltungsgerichts Nidwalden (Art. 69 IVG i.V.m. Art. 57 ATSG [SR 830.1] und Art. 39 GerG
[NG 261.1]), die in Dreierbesetzung entscheidet (Art. 33 Ziff. 2 GerG). Die Beschwerdeführerin
ist durch die angefochtene Verfügung berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren
Aufhebung, weshalb sie zur Beschwerde befugt ist (Art. 59 ATSG). Da auch die örtliche
Zuständigkeit (Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG) sowie die Voraussetzungen über Frist und Form (Art.
60 und Art. 61 lit. b ATSG) eingehalten sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
4
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen,
Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Anspruch auf eine Rente haben Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich
im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wiederherstellen, erhalten oder verbessern können; während eines Jahres ohne wesentlichen
Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen und nach Ablauf
dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid sind (Art. 28 Abs. 1 lit. a-c IVG).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder
Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare
Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
2.2
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und alle
Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu
entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches
gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer
Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die
Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a). Vor diesem Hintergrund ist hinsichtlich des Beweiswertes
eines ärztlichen Gutachtens entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen
umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten
Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten
Person auseinander setzt ‒ was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist ‒, in
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Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden
ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob
die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die
rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte nicht
auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen
erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125
V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist somit weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten, sondern dessen Inhalt. Eine von
anderen mit der versicherten Person befassten Ärzten abweichende Beurteilung vermag die
Objektivität des Experten nicht in Frage zu stellen. Es gehört vielmehr zu den Pflichten eines
Gutachters, sich kritisch mit dem Aktenmaterial auseinanderzusetzen und eine eigenständige
Beurteilung abzugeben. Auf welche Einschätzungen letztlich abgestellt werden kann, ist eine
im Verwaltungs- und allenfalls Gerichtsverfahren zu klärende Frage der Beweiswürdigung
(BGE 132 V 93 E. 7.2.2).
2.3
Die Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht dürfen eine
Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas
Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen,
die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigen (u.a. BGE
126 V 360 E. 5b) und zudem angenommen werden darf, dass weitere Beweismassnahmen
an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern (Urteil BGer 9C_717/2009 vom 20.
Oktober 2009 E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
2.4
2.4.1
Der gerichtliche Überprüfungszeitraum beschränkt sich grundsätzlich auf den Sachverhalt, wie
er sich bis zum Erlass der streitigen Verwaltungsverfügung (hier: 27. August 2020) verwirklicht
hat (BGE 132 V 215 3.1.1; 130 V 242 E. 2.1; Urteil BGer 9C_175/2018 vom 16. April 2018
E. 3.3.2). Später eingetretene Tatsachen sind soweit zu berücksichtigen, als sie mit dem
6
Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im
Zeitpunkt des Verfügungserlasses zu beeinflussen (Urteil BGer 9C_24/2008 vom 27. Mai 2008
E. 2.3.1 mit Hinweisen). Soweit sich während des Verfahrens ein- bzw. nachgereichte
Arztberichte zum Gesundheitszustand im Zeitpunkt des Verfügungserlasses äussern oder
bereits bei den Akten liegende Berichte erläutern und ergänzen, sind auch diese Berichte in
die Beurteilung einzubeziehen (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweisen).
2.4.2
Im Rahmen der Replik legt die Beschwerdeführerin drei selbstverfasste Zeugnisse auf, betitelt
mit (1) «Haushalt-Alltag und Corona-Alltag», (2) «Bei einer Überforderung passiert folgendes»
sowie (3) «Berufs-Alltag als Drogistin» auf. Im Gutachten seien jegliche
Aggravationstendenzen verneint, weshalb ihre «Atteste» ohne Weiteres beweistauglich seien.
Es bestehe ein «augenfälliger Kontrast» zum Gutachten, das den Aspekt der
Langzeitbeurteilung, welche die wellenförmigen Leistungskurven beachte in den richtigen
Kontext stelle, nicht berücksichtige (Replik S. 2 f. Ziffer 2 ff.).
In den aufgelegten «Zeugnissen» beschreibt die Beschwerdeführerin u.a. ihre Alltagssituation.
Diese hat sie bereits im Rahmen der Exploration umfassend schildern können; eine erhebliche
Veränderung bzw. erhebliche neue oder unberücksichtigt gebliebene Aspekte sind nicht zu
erkennen. Zudem ist für die Beurteilung des Leistungsanspruches bzw. der Arbeitsfähigkeit
nicht die subjektive Einschätzung der versicherten Person massgebend. Es ist vielmehr
ärztliche Aufgabe, die sich basierend auf der objektiven Befunderhebung ergebenden
Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit zu bestimmen (u.a. Urteil BGer 8C_101/2014 vom 3.
April 2014 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen). Die Anforderungen am Arbeitsplatz sind mit einem
Arbeitgeberbericht ebenfalls aktenkundig (vgl. IV-act. 22). Mit der angeblich fehlenden
Langzeitbeurteilung befasst sich die nachfolgende Erwägung 6.3. Die durchwegs subjektiven
Schilderungen der Beschwerdeführerin vermögen, wären sie zu berücksichtigen, die
medizinischen Feststellungen denn auch nicht in Frage zu stellen.
3.
3.1
Die IV-Stelle kam gestützt auf das Gutachten der B._ AG vom 27. Juni 2019 sowie der
Haushaltsabklärung vom 3. Dezember 2019 zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin
ausserhäuslich zu 21% und im Haushalt zu 15% eingeschränkt sei. Unter Anwendung der
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gemischten Methode errechnete sie einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von
19.8%.
3.2
Die Beschwerdeführerin macht in formeller Hinsicht eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
geltend. Materiell beanstandet sie die Eingliederungsmassnahmen, das Gutachten sowie den
Einkommensvergleich.
4.
4.1
4.1.1
Zunächst ist, da formeller Natur (vgl. BGE 132 V 387 E. 5.1), die geltend gemachte Verletzung
des rechtlichen Gehörs zu prüfen, da diese ungeachtet der materiellen Begründetheit der
Beschwerde grundsätzlich zur Aufhebung des angefochtenen Entscheids führt
(BGE 142 II 218 E. 2.8.1; 135 I 187 E. 2.2.).
4.1.2
Nach Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör, wobei sie vor Erlass
von Verfügungen, die durch Einsprache anfechtbar sind, nicht angehört werden müssen.
Ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben der expliziten gesetzlichen
Regelung in Art. 42 ATSG auch in Art. 29 Abs. 2 BV garantiert wird (vgl. BGE 124 V 180
E. 1a), ist das Recht der versicherten Person, sich vor Erlass eines in ihre Rechtsstellung
eingreifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in
die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1).
Der Gehörsanspruch verpflichtet die Behörde, die Vorbringen der betroffenen Person auch
tatsächlich zu hören, zu prüfen und in der Entscheidfindung zu berücksichtigen, weshalb sie
ihren Entscheid zu begründen hat (BGE 134 I 83 E. 4.1). Die Pflicht der Behörde, ihre
Verfügungen – sofern sie den Begehren der Parteien nicht voll entsprechen (Art. 49 Abs. 3
ATSG) – zu begründen, bezweckt insbesondere, die betroffene Person in die Lage zu
versetzen, eine Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten zu können (BGE 124 V 180
E. 1a, vgl. auch BGE 134 I 83 E. 4.1 mit Hinweisen). Um den verfassungsrechtlichen
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Anforderungen zu genügen, muss die Begründung wenigstens kurz die Überlegungen nennen,
von denen sich die Behörde bei ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der
Entscheid stützt. Aus der Begründung muss jedenfalls ersichtlich werden, ob und warum die
Behörde ein Vorbringen einer Partei für unzutreffend beziehungsweise unerheblich hält. Es
muss erkennbar sein, ob die Behörde es überhaupt in Betracht gezogen hat. Sie darf sich nicht
auf den Hinweis beschränken, die Überlegungen der versicherten Person seien zur Kenntnis
genommen und geprüft worden. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass eine
Anfechtung des Entscheids möglich ist (UELI KIESER, Kommentar ATSG, 4. A., 2020, N 65 ff.
zu Art. 49 ATSG). Das Vorbescheidverfahren geht über den verfassungsrechtlichen
Mindestanspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV) hinaus, indem es Gelegenheit gibt,
sich nicht nur zur Sache, sondern auch zum vorgesehenen Entscheid zu äussern (BGE 134 V
97 E. 2.8.2 mit Hinweisen).
4.1.3
Eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs kann
ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor
einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei
überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus ‒ im Sinne einer Heilung des
Mangels ‒ selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs von einer
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu
einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit
dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 137 I 195 E. 2.3.2; 133 I 201 E. 2.2;
132 V 387 E. 5.1).
4.2
Konkret rügt die Beschwerdeführerin zunächst eine Verletzung des Replikrechts. Sie habe
ausführlich zum Vorbescheid Stellung genommen und der IV-Stelle, nachdem diese am
23. Juli 2020 wörtlich weitere Abklärungen in Aussicht gestellt habe, am 29. Juli 2020
mitgeteilt, dass sie vor Erlass des definitiven Entscheids noch einmal angehört werden wolle
(Beschwerdeschrift S. 6, Ziffern 12-14).
Die Beschwerdeführerin liess sich unstrittig mit Eingabe vom 15. Juli 2020 zum Vorbescheid
vernehmen (IV-act. 138). Da sich aufgrund dessen keine neuen medizinischen Abklärungen
aufdrängten, verfügte die IV-Stelle am 27. August 2020 ohne Weiterungen (IV-act. 142).
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Mangels weiterer Abklärungen bzw. neuer Erkenntnisse erübrigte sich die Gewährung einer
erneuten Äusserungsmöglichkeit. Die Beschwerdeführerin hat sich im Rahmen des
Einwandverfahrens umfassend äussern können, womit keine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vorliegt.
4.3
Weiter beanstandet die Beschwerdeführerin die angefochtene Verfügung sinngemäss als
unzureichend begründet. Eine nachvollziehbare inhaltliche Auseinandersetzung mit ihren
Einwendungen finde nicht statt, obwohl diese sorgfältig und nachvollziehbar formuliert
gewesen seien (Beschwerdeschrift S. 6 f. Ziffern 14 f.).
Die IV-Stelle hat sich mit den 19 Kritikpunkten zum Gutachten tatsächlich nicht eingehend
auseinandergesetzt. Nachdem die Beschwerdeführerin im Rahmen des vorliegenden
Rechtsmittelverfahrens ihre (weitgehend pauschal gehaltenen) Kritikpunkte erneut und
identisch präsentiert und das Gericht volle Kognition hat, ist eine allfällige Gehörsverletzung
im vorliegenden Verfahren ohne Weiteres heilbar, womit sich Weiterungen erübrigen.
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin behauptet, es sei dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» nicht
Genüge getan worden. Die Durchführung der Eingliederungsmassnahmen sei
«unbefriedigend» gewesen, mithin sei überhaupt nicht genügend geklärt worden, ob sie
arbeitsfähig sei. Sie habe sich um berufliche Wiedereingliederung bemüht.
5.2
Eine der (kumulativen) Anspruchsvoraussetzungen für die Zusprache einer Rente besteht
darin, dass die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit des Versicherten, sich im Aufgabenbereich
zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederhergestellt, erhalten
oder verbessert werden kann (Art. 28 Abs. 1 lit. a IVG). Die Eingliederungsmassnahmen
bestehen in medizinischen Massnahmen, Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung, Massnahmen beruflicher Art sowie die Abgabe von Hilfsmitteln
(Art. 8 Abs. 3 IVG). Es gilt der Grundsatz «Eingliederung vor Rente» (BGE 139 V 547 E. 5.7
S. 557 f.). Für die Leistungsgewährung fallen nur Massnahmen in Betracht, die den
Fähigkeiten und soweit als möglich auch den Neigungen der versicherten Person entsprechen
und die das Eingliederungsziel auf einfache und zweckmässige Weise anstreben. Dies
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bedeutet, dass zwischen der Dauer und den Kosten der Massnahme einerseits und dem
wirtschaftlichen Erfolg (im Sinne der Eingliederungswirksamkeit) andererseits ein vernünftiges
Verhältnis bestehen soll. Zudem soll die berufliche Ausbildung in einer auf die Anforderungen
des Arbeitsmarktes ausgerichteten Weise soweit wie möglich im ersten Arbeitsmarkt erfolgen
(Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über die
Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art [KSBE], gültig ab 1. Januar 2014 [Stand: 1. Januar
2020, <http://www.sozialversicherungen.admin.ch>], N 1006 [1/18]).
5.3
Die Anmeldung durch die Versicherte erfolgte am 25. Februar 2017 (IV-act. 1); die Beendigung
der Frühintervention bzw. die Rentenprüfung teilte die IV-Stelle der Versicherten 18 Monate
später, am 6. September 2018 mit (IV-act. 86). Es ist aktenkundig, dass die Versicherte im
dazwischenliegenden Zeitraum bei ihrer damaligen Arbeitgeberin erste Arbeitsversuche
(2h/Tag an jeweils zwei Wochentagen) tätigte, wobei sie von Seiten der beteiligten
Versicherungen umfassende Unterstützung erfuhr (Standortgespräche [in Anwesenheit der
Arbeitgeberin, dem Case-Manager der Taggeldversicherung, dem Ehemann der
Versicherten]; Eingliederungsplan; Angebot eines Job-Coachings; Übernahme von
Fahrkosten; IV-act. 83). Besagte Arbeitsversuche standen auch im Einklang mit der
fortwährenden ambulant-medizinische Betreuung. Die behandelnden Ärzte attestierten der
Versicherten grundsätzlich eine gute Prognose und erachteten eine schrittweise Steigerung
der Arbeitseinsätze als möglich und vertretbar (IV-act. 28; 37 S. 5 ff.; 40 S. 7 ff.; 79; 92). Trotz
all dieser begünstigenden Umstände in optimalstem Setting (bekanntes Arbeitsumfeld,
engmaschige Betreuung durch Ärzte und beteiligte Versicherungen, Möglichkeit des
schrittweise aufgebauten Arbeitseinstiegs) konnte keine relevante Arbeitssteigerung erreicht
werden. Vielmehr musste der Wiedereinstieg in die Arbeitstätigkeit abgebrochen werden und
der Arbeitgeber kündigte der Versicherten. Im Lichte dieser Geschehnisse ist nicht zu
beanstanden, dass die IV-Stelle von weiteren beruflichen Massnahmen absah und zur
Rentenprüfung schritt. Die Beschwerdeführerin qualifiziert die Durchführung und den Abbruch
der Eingliederungsmassnahmen denn auch bloss pauschal als ungenügend bzw. nicht
nachvollziehbar. Inwiefern das Vorgehen der IV-Stelle nicht den rechtlichen Vorgaben
entsprochen hat bzw. welche konkreten weiteren Eingliederungsmassnahmen angezeigt
gewesen wären und weshalb sie ihre Beanstandungen nicht zeitnah vorbrachte, lässt sie
offen. Im Ergebnis ist ihr Vorbringen unbegründet.
11
6.
Im Weiteren beanstandet die Beschwerdeführerin das Gutachten. Die medizinisch relevante
Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
6.1
6.1.1
Am 12. Oktober 2016 erlitt die Beschwerdeführerin beim Fahrradfahren einen Thalamusinfarkt.
In der Folge wurde sie im Zentrum für Neurologie und Neurorehabilitation des Spitals E._
stationär behandelt. Der Chefarzt Prof. Dr. med. C._ hielt im Austrittsbericht vom 2. November
2016 die Diagnosen «Thalamusinfarkt rechts am 12.10.2016» und «einmalige Episode mit
supraventrikulärer Tachykardie 12.10.2016» fest (IV-act. 21, S. 11).
Vom 24. Oktober bis 12. November 2016 wurde sie in der Klinik D._ behandelt und bei
verbesserter Mobilität in stabilem Allgemeinzustand nach Hause entlassen. In ihrem
Austrittsbericht vom 1. Dezember 2016 ergänzten die behandelnden Neurologen bzw.
Neuropsychologen die Diagnoseliste mit «Strabismus links». Aus neuropsychologischer Sicht
sei angesichts der soliden kognitiven Leistung der Patientin und der guten Selbständigkeit im
Klinikalltag eine Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit als Drogistin realistisch. Allerding
seien die erhöhte Ermüdbarkeit sowie die reduzierte Belastbarkeit der Patientin zu
berücksichtigen, so dass ein gestufter Einstieg mit sukzessiver Steigerung des Pensums
empfohlen werde (IV-act. 9 S. 2 ff.).
6.1.2
In seinem IV-Arztbericht vom 29. März 2017 hielt der Hausarzt Dr. med. F._, die Diagnosen
«Thalamusinfarkt Okt. 2016», «Vitamin D- und Eisenmangel März 2017» und
«Leberwerterhöhung DD statinbedingt März 2017» fest. Die Patientin sei in der zuletzt
ausgeübten Tätigkeit als Drogistin bis am 10. April 2017 arbeitsunfähig. Aktuell werde jegliche
Tätigkeit durch Müdigkeit und Konzentrationsstörung sowie durch einen schwankenden Gang
und eine gewisse Sozialphobie verhindert. Mit den medizinischen Massnahmen sollte eine
partielle Arbeitsfähigkeit mit allmählicher Steigerung auf 100% erreicht werden können.
Sodann vermerkte der Hausarzt, die Patientin sei im Januar 2017 durch einen grippalen Infekt
mit verstärktem Schwindel und Müdigkeit im Verlauf zurückgeworfen worden (IV-act. 17).
6.1.3
Mit (undatiertem) IV-Arztbericht (Eingang: 19. Mai 2017) bestätigte G._, Assistenzarzt am
12
Neurozentrum des Spitals E._, die Diagnose des Thalamusinfarkts rechts. Es bestünden
keine körperlichen Einschränkungen, aber der Verdacht auf eine Angststörung. Die grösste
Hürde sei der Arbeitsweg sowie eine verminderte geistige Leistungsfähigkeit mit
Konzentrationsstörungen. Letztere könne nicht objektiviert werden. Aus neurologischer Sicht
bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Allerdings sei bei Verdacht auf eine Angststörung eine
psychiatrische Exploration erforderlich (IV-act. 28])
6.1.4
Die Neurologin Dr. med. H._, hielt in ihrem Sprechstundenbericht vom 12. September 2017
folgende Diagnosen fest (IV-act. 40, S. 7):
− St. n. Thalamusinfarkt rechts am 12.10.2016
Systemische Thrombolyse 12.10.2006 [recte: 2016]
− Rezidiv. Schwankschwindelepisoden mit Kopfdruck und Kribbelparästhesien mit V.a. funktionellen
Schwindel bei Angstsymptomatik DD Panikattacken
isoliert im öffentlichen Nahverkehr und in Menschenansammlungen
− Tinnitus
− Episodischer Spannungstypkopfschmerz ohne perikraniale Kopfempfindlichkeit
− St. n. einmaliger Episode mit supraventrikulärer Tachykardie 12.10.2016 »
Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich die Neurologin nicht konkret, hielt aber fest, dass sie der
Patientin die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag empfohlen habe.
In Ihrem Verlaufskontrollbericht 26. Oktober 2017 bestätigte die Neurologin die Diagnosen.
Die Patientin berichte u.a. über wieder verstärkt auftretenden Schwankschwindel. In der
zerebralen MRI-Diagnostik hätten sich, bis auf die bekannte Narbe bei St. n. Thalamusinfarkt
rechts, keine neuen Befunde ergeben. Grösstes Hindernis, auch für den Wiedereinstieg in ihre
bisherige Arbeitsstelle, sei das Aufsuchen des Arbeitsortes aufgrund der erheblichen Ängste
im öffentlichen Verkehr und in Menschenansammlungen. Sie habe der Patientin empfohlen
die Angstsymptomatik mit am ehesten phobischem Schwankschwindel multimodal anzugehen
(IV-act. 40 S. 5).
6.1.5
Dr. med. I._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, berichtete der Neurologin
am 19. Dezember 2017 die Diagnose einer wahrscheinlichen psychischen Überlagerung einer
somatischen Restsymptomatik (Anpassungsstörung; ICD-10 F43.23). In der
Gesprächssituation in der Praxis zeige die Versicherte relativ wenig Auffälligkeiten.
Nachvollziehbar beschreibe sie einen beträchtlichen Leidensdruck unter der Umstellung des
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ganzen Alltagsablaufs. Ebenso habe sie ihre Beschwerde sehr detailliert und nachvollziehbar
beschrieben. Sie setze sich unter einen beträchtlichen Erfolgsdruck und wünsche sich bald
sichtbare Resultate der Behandlung (IV-act. 76 S. 5 ff.).
6.1.6
In ihrem IV-Bericht vom 4. Juli 2018 notierten der Psychiater Dr. med. I._ und die Psychologin
J._ als Diagnose eine Agoraphobie mit Panikstörung (F 40.01). Die Patientin sei zuletzt an
zwei Tagen pro Woche rund 21⁄2 Stunden an ihrer Arbeitsstelle gewesen. Bei einer langsamen
Steigerung des Pensums seien mehrere Arbeitsstunden zumutbar. In einer Arbeitsstelle, bei
der die Versicherte ihrer Ressourcen nutzen könne, ein positives Arbeitsklima herrsche und
die Arbeitsstunden laufend gesteigert werden können, seien die Eingliederungsprognosen gut
(IV-act. 79).
6.1.7
Der Psychiater I._ und die Psychologin K._ (vormals J._) verweisen in ihrem IV-
Verlaufsbericht vom 16./19. November 2018 in weiten Teilen – bei dementsprechend
gleichbleibender Beurteilung – auf ihren Bericht vom 4. Juli 2018 (vgl. vorstehende E. 4.7). Die
Versicherte habe Fortschritte erzielen können. Dennoch sei sie sehr schnell überfordert und
habe grosse Mühe mit der Konzentration und der Merkfähigkeit. Sie fühle sich unter vielen
Menschen unwohl und bekomme Panik; entsprechend sei sie ihrem Handlungsradius.
Konkrete Angaben zur Arbeitsfähigkeit fehlen (IV-act. 92).
6.1.8
Das polydisziplinäre Gutachten der B._ AG vom 27. Juni 2019 basiert auf den
Untersuchungen des fallführenden Neurologen Prof. Dr. med. L._, der Internistin Dr. med.
M._, der Neuropsychologin MSc N._ und des Psychiaters med. pract. O._ (IV-act. 111).
Im Rahmen der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter zusammengefasst fest, die
versicherte Person klage aktuell über Schwankschwindel mit begleitend Übelkeit und
Kopfschmerzen, gelegentlich alleiniger Kopfschmerz, Wetterfühligkeit, schnelle Ermüdbarkeit
und fehlende Stresstoleranz. Mit Relevanz auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten
Tätigkeit seien die Diagnosen (S. 8 f.):
 St. p. Thalamus-Infarkt am 12.10.2016
 Systemische Thrombolyse 12.10.2016
 Rezidivierende Schwankschwindel-Episoden, am ehesten einem phobischen Schwindel entsprechend
14
 Anamnestisch Tinnitus, aktuell nicht berichtet
 Agoraphobie ohne Angaben einer Panikstörung
Ohne Relevanz für die Arbeitsfähigkeit seien die Diagnosen:
 Minimale neuropsychologische Störung
 Adipositas WHO Grad I (BMI 32.4 kg/m3)
 Aktenanamnestisch Status nach Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2)
Die Explorandin sei vor allem durch ihre psychischen Störungen beeinträchtigt. Die
durchgeführten Symptomvalidierungsverfahren seien unauffällig ausgefallen, wobei
fluktuierend eine leicht demonstrativ-umständliche Arbeitsweise mit fraglich eine leichte
Selbstlimitierung bestehe. Die Konsistenzprüfung ergebe in der Gesamtschau keine Hinweise
auf eine bewusste Aggravation bei allenfalls normaler Verdeutlichungstendenz zur Darstellung
des Leidens und der subjektiv eingeschränkten kognitiven Leistung. Die Explorandin habe in
drei Teilfunktionen ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielt, was für einen grundlegend
erhaltenen Leistungswillen und Anstrengungsbereitschaft spreche. Der Vergleich zu der
Voruntersuchung zeige bezüglich der damals relevanten Symptomatik (Gesichtsfeldstörung,
erschwertes visuelles Verarbeitungstempo und visuelle Raumexploration) eine Verbesserung.
Unverändert bestehe eine leichte Störung der Aufmerksamkeitsteilung, neu sei die Störung
der Diskriminabilität des verbalen Gedächtnisses und der verbalen Handlungsplanung (damals
seien Gedächtnis- und Exekutivfunktionen normgerecht gewesen). Neuropsychologisch
inkonsistent sei, dass die aktuellen Befunde eher linkshemisphärisch einzuordnen seien,
jedoch eine Schädigung im rechten Thalamus vorliege. Die aktuelle minimale
neuropsychologische Störung könne ätiologisch nicht abschliessend und plausibel erklärt
werden. Diese sei ohnehin rein «akademischer» Natur; im Übrigen bestünden keine
eigentlichen Inkonsistenzen im Sinne von unklaren anamnestischen Angaben (S. 11).
Aus interdisziplinärer Sicht ergebe sich in der angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit
von 20% und in einer Verweistätigkeit von 10%. Dabei gelte das seitens der neurologischen
und psychiatrischen Teilgutachten geäusserte Fähigkeitsprofil.
Eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ohne die begutachtete Person auch früher
selber untersucht zu haben sei nicht unproblematisch, da man sich auf von anderen Personen
erhobenen Anamnesen, Befunden und daraus abgeleiteten Diagnosen verlassen müsse.
Retrospektiv sei den Gutachtern eine abschliessende Überprüfung der echtzeitlich erhobenen
Befunde und gestützt darauf vorgenommenen Diagnosen und
Arbeitsfähigkeitseinschätzungen nicht möglich. Möglich sei aber eine Würdigung aus heutiger
Sicht.
15
Auf Grundlage der von den Gutachtern im aktuellen Zeitpunkt erhobenen Befunde und daraus
abgeleiteten Diagnosen erscheinen die echtzeitlich vorgenommenen, als wesentlich
erachteten Beurteilungen mehrheitlich als nachvollziehbar. In den ersten Monaten nach dem
Thalamus-Infarkt dürfte eine Arbeitsunfähigkeit von 100% bestanden haben. Diese habe
jedoch 6‒9 Monate nach Thalamus-Infarkt sistiert und seither könne die oben attestierte
Arbeitsfähigkeit postuliert werden.
6.2
6.2.1
Die Beschwerdeführerin beanstandet das Gutachten mannigfaltig. Zunächst kritisiert sie die
Konsensbeurteilung. Diese bilde das Kernstück einer polydisziplinären Begutachtung, sodass
man zentrale Fragen wie beispielsweise die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
nicht mit Verweisen beantworten könne. Auch innerhalb der Synthese dürfe nicht verwiesen
werden. Die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sei unbegründet und die Frage nach der Gesamt-
Arbeitsfähigkeit werde im Kern gar nicht beantwortet. Unbegründet geblieben sei auch,
inwiefern die festgestellte Inkonsistenz akademischer Natur sei, zumal keine eigentlichen
Inkonsistenzen vorlägen. Der beklagte Tinnitus sei komplett vergessen worden.
6.2.2
Der Zweck polydisziplinärer Gutachten besteht darin, alle relevanten gesundheitlichen
Beeinträchtigungen zu erfassen und die sich daraus je einzeln ergebenden Einschränkungen
der Arbeitsfähigkeit in ein Gesamtergebnis zu bringen. Der abschliessenden, gesamthaften
Beurteilung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit kommt damit dann grosses Gewicht
zu, wenn sie auf der Grundlage einer Konsensdiskussion der an der Begutachtung
mitwirkenden Fachärzte erfolgt (BGE 143 V 124 E. 2.2.4, 137 V 210 E. 1.2.4). Dass dies
vorliegend der Fall war haben die beteiligten Gutachter unterschriftlich bestätigt.
6.2.3
In der Konsensbeurteilung rekapitulierten die Gutachter in Ziffer 4.7 unter dem Titel
«Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit» sowohl die von einzelnen Teilgutachtern
attestierten Arbeitsunfähigkeiten in der bisherigen Tätigkeit als Drogistin als auch jene für eine
Verweistätigkeit. Sie hielten fest, dass daraus aus interdisziplinärer Sicht eine
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit von 20% und in einer Verweistätigkeit von
10% resultiere; es gelte das seitens des neurologischen und psychiatrischen Teilgutachtens
16
geäusserte Fähigkeitsprofil. In den verwiesenen Teilgutachten wird die attestierte
Arbeitsunfähigkeit erläutert. Demnach beruht die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auf einer
verminderten Stresstoleranz (vgl. neurologisches Teilgutachten [IV-act. 111, S. 50, Ziff. 8.1.1])
sowie der restsymptomatischen Agoraphobie ohne Panikstörung (psychiatrisches
Teilgutachten [IV-act. 111, S. 113 f. Ziff. 6.3]). Der Neurologe attestierte der Explorandin in der
angestammten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 20%, in einer Verweistätigkeit von 10%.
Der Psychiater erachtete die Explorandin sowohl in der angestammten als auch einer
Verweistätigkeit im Umfang von 10 % arbeitsunfähig. Angesichts des Aussagegehalts von
Ziffer 4.7 bedurfte es unter der Ziffer 4.8 mit dem Titel «Arbeitsfähigkeit in angepasster
Tätigkeit» keiner Wiederholung.
Die kritisierte Unklarheit im Zusammenhang mit der Konsistenzprüfung lässt sich ebenfalls
nicht ausmachen. Die neuropsychologische Inkonsistenz wurde im entsprechenden
Teilgutachten erläutert: Die erhobenen Befunde sind eher linkshemisphärisch einzuordnen,
geschädigt ist jedoch der rechte Thalamus. Dies konnte die Neuropsychologin ätiologisch nicht
abschliessend und plausibel erklären. Diese Widersprüchlichkeit bezeichneten die Gutachter
als rein «akademisch», weil der Begriff «Inkonsistenz» ansonsten Widersprüche im Sinne von
unklaren anamnestischen Angaben erfasst. Soweit ein Fehlen des Tinnitus beklagt wird,
scheint die Beschwerdeführerin zu übersehen, dass dieser in der Diagnosenliste (mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit) mit dem Vermerk «aktuell nicht berichtet» aufgeführt ist.
6.3
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Gutachter hätten offenbar das Anforderungsprofil
der bisherigen Tätigkeit nicht gekannt, da sie festhielten, der Auftrag habe keine
diesbezüglichen Angaben enthalten. Die Gutachter hätten auch auf das Einholen
fremdanamnestischer Erhebungen bei den Behandlern, dem Ehemann oder der Arbeitsstelle
verzichtet, obwohl sie die retrospektive Beurteilung als problematisch erachtet hätten.
Überdies bedürfe das diskutierte Beschwerdebild zwingend einer Beurteilung über eine
längere Beobachtungsdauer.
Die Tätigkeit der Beschwerdeführerin wird in der IV-Akte, die den Gutachtern unstrittig vorlag,
mehrfach aufgeführt. Die Akte enthält überdies einen Bericht der Arbeitgeberin mit der
Beschreibung des Arbeitsplatzes sowie einen Bericht der Berufsberatung (IV-act. 22).
Ausserdem erhielten die Gutachter im Rahmen der Anamneseerhebung Kenntnis von der
zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Drogistin (IV-act. 111, S. 43, 62, 81, 106). Nachdem die IV-
Akten die Krankengeschichte der Beschwerdeführerin mit den Berichten der Behandler, des
17
Arbeitgebers und der Eingliederungsverantwortlichen einlässlich dokumentiert, erweist sich
auch der Einwand des zu kurzen Beurteilungshorizonts als unbegründet. Ob zusätzliche
fremdanamnestische Auskünfte notwendig sind entscheidet der Experte. Letztlich ist die
medizinische Beurteilung massgebend und nicht jene des Ehemannes oder des Arbeitgebers.
Schliesslich vermag die Beschwerdeführerin auch mit dem Verweis auf die
Krankentaggeldleistungen nichts zu ihren Gunsten ableiten, denn diese hat eine andere
Aufgabe und andere Anspruchsvoraussetzungen als die Invalidenversicherung.
6.4
Die Beschwerdeführerin beanstandet eine fehlende und nachvollziehbare
Auseinandersetzung mit der Aktenlage bzw. dem Bericht von Dr. F._ vom 29. März 2017,
wonach sie durch einen grippalen Infekt im Januar 2017 zurückgeworfen worden sei.
Massgebend ist die Arbeitsunfähigkeit, also die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen
aufgrund der medizinisch festgestellten Einschränkungen, im Zeitpunkt der Begutachtung.
Diese ist basierend auf einer objektiven Befunderhebung zu bestimmen (Urteil BGer
8C_101/2014 vom 3. April 2014 E. 5.1). Die Gutachter haben sich mit der Aktenlage
auseinandergesetzt und Abweichungen zu den Voruntersuchungen aufgezeigt. Inwiefern
insbesondere die Aussage des Hausarztes F._ entscheidwesentlich sein soll, ist nicht
ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht aufgezeigt.
6.5
Im Weiteren kritisiert die Beschwerdeführerin das neurologische Teilgutachten. Das
Teilgutachten sei zu kurz und oberflächlich, enthalte zu viele Verweise, jedoch keine
Antworten. Die Schwindelanfälle würden zwar erwähnt, fänden jedoch keinen Einfluss in der
Beurteilung. Es finde keine fachneurologische Diskussion mit der vorhandenen Aktenlage
statt, namentlich mit den Berichten von Dr. med. H._. Auch sei nicht nachvollziehbar, weshalb
von der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit von Dr. med. H._ abgewichen und derjenigen von
Assistenzarzt Dr. G._ gefolgt werde, obwohl dessen Bericht nicht hinreichend begründet sei.
Überdies sei die persönliche Exploration zu kurz ausgefallen.
Der Neurologe hat sich mit dem berichteten Schwankschwindel befasst und festgehalten, dass
sich diesbezüglich, wie in früheren Untersuchungen, keine pathologischen Befunde zeigen
würden. Damit liege am ehesten ein phobischer Schwindel vor. Zur analogen
Schlussfolgerung war die behandelnde Neurologin H._ in ihrem Bericht vom 12. September
2017 gekommen (vgl. vorstehende E. 6.1.4). Diese hat sich entgegen der Behauptung der
18
Beschwerdeführerin nicht zur Arbeitsfähigkeit geäussert, aber explizit festgehalten, dass sie
der Patientin die Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag empfohlen habe (vgl. vorstehende
E. 6.1.4). Der neurologische Gutachter ist somit nicht von deren Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit abgewichen. Schliesslich vermag alleine die Untersuchungsdauer die
Beweistauglichkeit nicht in Frage zu stellen, sofern sie sich nicht negativ auf die Qualität des
Gutachtens ausgewirkt hat, was vorliegend nicht der Fall ist (Urteil BGer 8C_639/2011 vom 5.
Januar 2012 E. 4.3.1). Die behaupteten Verweise sind nicht auszumachen.
6.6
Die Beschwerdeführerin beanstandet das psychiatrische Teilgutachten. Es seien keine
fremdanamnestischen Erhebungen getätigt worden. Dem Teilgutachten fehle die Tiefe und
enthalte namentlich keine Ausführungen dazu, weshalb die von der Beschwerdeführerin
angegebene körperliche Symptomatik nicht geeignet war, eine Erkrankung aus dem
somatoformen Diagnosespektrum zu bedingen. Es werde auch nicht erläutert, weshalb die
Diagnose der Anpassungsstörung nicht mehr gestellt werde. Es finde keine Diskussion mit der
vorhandenen Aktenlage, bspw. der Berichte des Psychiatrie-Teams Q._ statt. Die Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit sei nicht nachvollziehbar, wobei die Psychiaterin das Profil der
angestammten Tätigkeit nicht zu kennen scheine.
Der psychiatrische Experte erläuterte unter dem Titel «Herleitung der für die Beurteilung
wesentlichen Diagnosen», weshalb er die im Erstkonsultationsbericht des Psychiatrie-Teams
Stans vom 19. Oktober 2017 gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung nicht (mehr)
bestätigen konnte. Die Symptomatik gemäss Definition ICD-10 sei abgeklungen und eine
darüberhinausgehende depressive Symptomatik lasse sich nicht mehr explorieren und
bestehe im Zeitpunkt der Exploration mit Sicherheit nicht (IV-act. 111, S. 114). Dies steht in
Einklang mit der Tatsache, dass eine Anpassungsstörung per Definition nicht länger als sechs
Monate dauert. Bezüglich der im Juli bzw. November 2018 vom Psychiatrie-Team Stans
diagnostizierte Agoraphobie konnte der Psychiater nur noch eine gewisse Restsymptomatik
feststellen. Der Psychiater hat sich offenkundig mit den aktenkundigen Beurteilungen
auseinandergesetzt. Nachdem die Beschwerdeführerin keinen an den meisten Tagen
anhaltenden schweren und belastenden Schmerz in einem Körperteil während mindestens
sechs Monaten beklagte, der nicht ausreichend durch einen körperlichen Befund erklärt
werden kann, stand die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht im
Raum. Inwiefern sie die Einschätzung des Psychiaters, die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Drogistin (bei einem wohlwollenden Arbeitgeber, nicht ausschliesslichem Publikumsverkehr
19
und der Möglichkeit sich gelegentlich zurücknehmen zu können) sei eine ideal angepasste
Tätigkeit, nicht nachvollziehen kann, lässt die Beschwerdeführerin wiederum offen. Die als
fehlend monierten Fremdauskünfte können zwar ein wichtiger Bestandteil des Gutachtens
sein. Es steht aber grundsätzlich im Ermessen der Experten zu entscheiden, ob solche
einzuholen sind (Urteil BGer 9C_275/2016 vom 19. August 2016 E. 4.3.2). Insgesamt vermag
die Beschwerdeführerin nicht darzutun, inwiefern die gutachterlichen Ausführungen des
Psychiaters mangelhaft sind.
6.7
Die Beschwerdeführerin moniert auch das neuropsychologische Teilgutachten. Es seien keine
fremdanamnestischen Erhebungen getätigt worden. Die Begründung einer minimalen
neuropsychologischen Störung sei weder nachvollziehbar noch schlüssig. Das Teilgutachten
sei zu oberflächlich. So sei die Aussage, wonach die Befunde mit dem primären Ereignis nicht
typischerweise vereinbar seien, nicht nachvollziehbar begründet. Die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit, namentlich die Feststellung, die Versicherte sei in ihrer bisherigen Tätigkeit
mit optimalem Pausenmanagement nicht eingeschränkt, sei «gänzlich unhaltbar».
Die Neuropsychologin hat konkret festgehalten, welche Kriterien der diagnostizierten
minimalen neuropsychologischen Störung zugrunde liegen. Sie listete ihre Untersuchungen
und Befunde sowie die testpsychologischen Ergebnisse auf, deren Auswertung eine leichte
Störung in der Aufmerksamkeitsteilung, in der schriftlichen Handlungsplanung und in der
verbalen Gedächtnisdiskriminablität ergab (IV-act. 111, S. 84 ff.). Alle übrigen
Gedächtnisfunktionen sowie die praktische Handlungsplanung waren normgerecht. Da die
Ergebnisse insgesamt weder einem bekannten spezifischen Funktionsausfall zugeordnet
werden konnten noch mit einem typischen rechtshemisphärischen Thalamusinfarkt vereinbar
waren, hielt die Gutachterin fest, dass die ätiologische Einordnung der Befunde unklar sei.
Dementsprechend thematisierte sie diese Inkonsistenz auch im Rahmen ihrer
Konsistenzbeurteilung (IV-act. 111, S. 88 f.). In ihrer Kritik an der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
bleibt die Beschwerdeführerin bei pauschalen Behauptungen. Offenbar übersieht sie, dass die
berichtete Ermüdbarkeit ihre kognitive Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigte, weshalb die
Gutachterin mit entsprechendem Pausenmanagement keine zeitlichen Einschränkungen
erwartete (IV-act. 11, S. 89 f.). Schliesslich gilt auch hier, dass Fremdauskünfte, so auch
Angaben von behandelnden Ärzten, ein wichtiger Bestandteil des Gutachtens sein können.
Der Entscheid, ob eine Rücksprache mit den behandelnden Ärzten angezeigt ist, steht ‒ wie
bereits festgehalten ‒ im Ermessen der Experten.
20
6.8
Die replicando behauptet fehlende spezifizierte Auflistung der den Gutachtern vorgelegten
medizinischen Unterlagen (Replik, S. 3, Ziffern 8 f.) geht fehl. Das Gutachten enthält eine
fächerübergreifende Aktenzusammenfassung (IV-act. 111, S. 17 ff.).
6.9
Insgesamt wird die Expertise der B._ AG den von der Rechtsprechung entwickelten
Anforderungen in allen Punkten gerecht. Sie beruht auf allseitigen Untersuchungen, setzt sich
mit allen Aspekten der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auseinander, berücksichtigt die
geklagten Beschwerden sowie frühere medizinische Beurteilungen und abweichende
Einschätzungen werden nachvollziehbar begründet. Die Darlegung der medizinischen
Befunde sowie deren Beurteilungen leuchten ein und die Schlussfolgerungen sind begreiflich
erklärt. Angesichts der beweiskräftigen medizinischen Aktenlage besteht entgegen dem
Antrag der Beschwerdeführerin weder Anlass für die Einholung eines Gerichtsgutachtens noch
für weitere Abklärungen (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. u.a. BGE 124 V 90 E. 4b). Es ist
somit nicht zu beanstanden, dass es von der Beschwerdegegnerin als Basis für die
Beurteilung des Leistungsbegehrens beigezogen wurde.
7.
7.1
Die Beschwerdeführerin moniert die Haushaltsabklärung. Sie macht jedoch schlicht geltend,
angesichts des Störungsbilds und der Aktenlage sei eine Einschränkung im Haushalt von
lediglich 15 % nicht nachvollziehbar.
7.2
Für die Einschränkungen im Haushaltsbereich ist das Leistungsvermögen auf Grund einer
Abklärung vor Ort unter Berücksichtigung der ärztlichen Einschätzung massgeblich. Die von
einer qualifizierten Person (nach Massgabe von Art. 69 Abs. 2 IVV) durchgeführte Abklärung
vor Ort stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der
gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar. Hinsichtlich des Beweiswertes der
entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person
erfolgt, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den
medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Der
21
Abklärungsbericht ist zwar seiner Natur nach in erster Linie auf die Ermittlung des Ausmasses
physisch bedingter Beeinträchtigungen zugeschnitten, weshalb seine grundsätzliche
Massgeblichkeit unter Umständen Einschränkungen erfahren kann, wenn die versicherte
Person an psychischen Beschwerden leidet. Prinzipiell jedoch stellt er auch dann eine
beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten
Invalidität geht, d.h. wenn die Beurteilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht.
Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinische
Feststellung zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist
aber regelmässig den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht
über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt
möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der verbundenen Einschränkungen
zu erkennen (Urteil BGer 9C_201/2011 vom 5. September 2011 E. 2).
Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben
umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der Abklärungsperson nur ein, wenn klar
feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte für die Unrichtigkeit der
Abklärungsresultate (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten) vorliegen. Das gebietet
insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am
konkreten Sachverhalt steht als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (Urteil BGer
8C_107/2008 vom 18. August 2008 E. 3.2.1).
7.3
Die Abklärungsperson ging in Nachachtung einer geringen Schadenminderungspflicht des
Ehemannes von einer Einschränkung von insgesamt 15 % aus (IV-act. 124). Aus
gutachterlicher Sicht wurde sie in den haushaltlichen Tätigkeiten als nicht eingeschränkt
angesehen (IV-act. 111, S. 14). Es ergeben sich keine Anhaltspunkte für eine fehlerhafte
Abklärung noch wird eine solche geltend gemacht, sodass auf den vor Ort erhobenen
Abklärungsbericht vom 10. Dezember 2019 abgestellt werden kann. Die Beschwerde erweist
sich auch in diesem Punkt als unbegründet.
8.
8.1
Die Beschwerdeführerin macht geltend, die IV-Stelle habe fälschlicherweise keinen
leidensbedingten Abzug vorgenommen. Dieser müsse im Bereich von 20 bis 25 Prozent zu
liegen kommen.
22
8.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage der Tabellenlöhne gemäss den vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) ermittelt,
kann der entsprechende Tabellenlohn gegebenenfalls um einen sogenannten Leidensabzug
von bis zu 25 % reduziert werden (BGE 126 V 75 E. 5 b/cc S. 80). Damit soll der Tatsache
Rechnung getragen werden, dass versicherte Personen mit einer gesundheitlichen
Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau nicht erreichen bzw. ihre
Restarbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg zu verwerten in der Lage sind. Nach der Rechtsprechung hängt die Frage,
ob und in welchem Ausmass Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von sämtlichen persönlichen
und beruflichen Umständen des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte
Einschränkung, Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad),
die nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Dabei ist zu beachten,
dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichseinkommen mitverantwortliche
invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht nochmals
berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2 S. 328).
8.3
Die Beschwerdeführerin vermag offenkundig kein Argument für den beanspruchten
Leidensabzug anzuführen. Eine Herabsetzung des beigezogenen Tabellenlohns bzw. eine
Abweichung von den Durchschnittsannahmen drängt sich aufgrund der aktenkundigen
persönlichen und beruflichen Umstände auch nicht auf. Die Statusfrage, die von der IV-Stelle
herangezogene gemischte Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrads und das ermittelte
Valideneinkommen blieben unbeanstandet. Aus den Akten ergibt sich keine Veranlassung zur
näheren Prüfung. Insgesamt erweist sich auch dieses Vorbringen als unbegründet.
9.
Zusammenfassend hat die IV-Stelle das Rentenbegehren der Beschwerdeführerin zu Recht
verneint. Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und vollumfänglich abzuweisen.
23
10.
10.1
Abweichend von Art. 61 lit. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig (Art. 69 Abs. 1bis IVG). Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.‒ bis Fr. 1'000.‒
festgelegt.
Die Kosten für das vorliegende Verfahren werden auf Fr. 800.– festgesetzt und
ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin auferlegt. Die Beschwerdeführerin wird verpflichtet,
den Betrag innert 30 Tagen seit Rechtskraft dieses Urteils mit beiliegendem
Einzahlungsschein an die Gerichtskasse Nidwalden zu bezahlen.
10.2
Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 61
lit. g ATSG e contrario).
24