Decision ID: d8208ed6-2d6a-515a-b632-5dba58ee4236
Year: 2013
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Simon Näscher, Alte Landstrasse 106, Postfach
101, 9445 Rebstein,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
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Rente
Sachverhalt:
A.a A._ meldete sich am 11. Mai 2010 zum Leistungsbezug - berufliche
Eingliederung und Rente - bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen an. Sie befand sich
zu diesem Zeitpunkt in einer stationären Behandlung in der Psychiatrischen Klinik B._
(IV-act. 2). Die Versicherte hatte eine Lehre als Bäckerin/Konditorin abgeschlossen (IV-
act. 11). Vom 30. Oktober 2006 bis 29. Oktober 2008 war sie bei der
Arbeitslosenversicherung angemeldet gewesen (IV-act. 8).
A.b Dr.med. C._, Fachärztin FMH für Neurologie, diagnostizierte im Bericht vom
17. Mai 2010 eine idiopathische generalisierte Epilepsie mit/bei Status nach
wiederholten Grand-Mal-Anfällen 2004, 2005, 2009 sowie am 10. März 2010 und
rezidivierenden Absenzen, häufig durch mangelnde medikamentöse Compliance und
Schlafmanko provoziert (IV-act. 13/3).
A.c Gemäss einem FI-Gesprächsprotokoll des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
der Invalidenversicherung vom 21. Mai 2010 nannte Dr.med. D._, Allgemeine Innere
Medizin FMH, die Diagnosen Epilepsie und Depression. Es lägen keine Organbefunde
vor, die aus somatischer Sicht die Arbeitsfähigkeit quantitativ einschränkten: Körperlich
leichte bis mittelschwere Tätigkeiten seien der Versicherten zumutbar, wobei aufgrund
der Epilepsie die gängigen Einschränkungen, was Eigen- und Fremdgefährdung
betreffe, zu beachten seien. Es bestünden erhebliche psychosoziale Probleme: Die
Versicherte sei Hausfrau und habe Kinder zu versorgen, und sie fühle sich dabei vom
Ehemann nicht geschätzt, was zu Streitereien führe; dazu kämen finanzielle
Schwierigkeiten und Schlaflosigkeit (IV-act. 13/1 f.).
A.d In einem Arztbericht zuhanden der IV-Stelle vom 16. Juni 2010 hielt die Neurologin
Dr. C._ fest, es sei aufgrund der Epilepsie zu vermeiden, dass die Versicherte
Personenwagen lenke, Stapler fahre, potentiell gefährliche Maschinen bediene und
Arbeiten in der Höhe oder Schichtarbeit verrichte. Als Hausfrau sei sie voll arbeitsfähig,
mit der Ausnahme, dass sie nicht auf Leitern steigen sollte. Ein anfallsfreier Zustand sei
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höchstwahrscheinlich erreichbar, wenn sie die Medikamente regelmässig einnehme (IV-
act. 15)
A.e Anlässlich des stationären Aufenthalts ab dem 5. Mai 2010 in der Psychiatrischen
Klinik B._ stellte Dr.med. E._, Oberarzt, am 28. Juni 2010 die Diagnosen einer
rezidivierend depressiven Störung mit aktuell mittelschwerer Episode mit somatischem
Syndrom (ICD-10: F33.11) auf dem Boden einer selbstunsicher vermeidenden und
abhängigen Persönlichkeitsstruktur (ICD-10: Z73.1 gemäss RAD-Aktennotiz vom 6. Juli
2010, IV-act. 19) und einer idiopathischen generalisierten Epilepsie (ICD-10: G40). Nach
der am 1. Juli 2010 vorgesehenen Entlassung aus der Klinik sei beginnend von einer
Arbeitsfähigkeit von 50% in der bisherigen Tätigkeit auszugehen (IV-act. 18).
B.
B.a Im Rahmen der Frühintervention wurde in einem FI-Triage-Protokoll vom 6. Juli
2010 festgehalten, die angestammte Tätigkeit als Bäckerin/Konditorin sei der
Versicherten nicht mehr möglich - dies aufgrund der Epilepsie. Die
Eingliederungsberatung habe vorerst die Einstufung der Versicherten bezüglich
Erwerbstätigkeit zu erfragen und je nachdem sei ein Anspruch auf Umschulung zu
überprüfen (IV-act. 20).
B.b Aus einem Assessmentgespräch vom 12. August 2010 ging hervor, dass die Ver
sicherte mit Mühe die Lehre habe abschliessen können. Auch wenn sie sich daraufhin
zu 100% beim RAV angemeldet habe, hätte sie sich gewünscht, eine 50%ige Stelle zu
finden, weil sie schwanger geworden sei. Nach der Geburt der zweiten Tochter habe
sie eine Zeit lang Unterstützung durch die Spitex erhalten. Nun schaffe sie es nur
knapp, sich um die zwei Töchter zu kümmern, und sei dabei auf zusätzliche
Unterstützung durch die Mutter, die Schwester und die Schwiegermutter angewiesen.
Ein drittes Kind zu bekommen wäre für sie nicht ausgeschlossen, jedoch nicht bevor
die anderen in den Kindergarten kommen würden. Die Versicherte sei davon überzeugt,
zurzeit nicht arbeitsfähig zu sein; sie könne und wolle es auch nicht versuchen: Eine
diesbezügliche Bedenkzeit lehne sie ab (IV-act. 25).
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B.c Im FI-Ergebnis-Protokoll vom 17. August 2010 zog die Eingliederungsberaterin
den Schluss, die Versicherte fühle sich subjektiv nicht arbeitsfähig und habe
angegeben, sie wäre ohne Behinderung zu 50% erwerbstätig (IV-act. 26). In der Folge
teilte die IV-Stelle der Versicherten am 18. August 2010 mit, dass keine
Eingliederungsmassnahmen möglich seien (IV-act. 27).
B.d Am 31. August 2010 erfolgte eine psychiatrische Untersuchung durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Invalidenversicherung. Dr.med. F._, Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte im Bericht vom 29. September 2010
folgende Diagnosen, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten: Leichte bis
mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0), dysthyme Entwicklung und
Epilepsie. Hingegen würden folgende Diagnosen die Arbeitsfähigkeit nicht
beeinflussen: Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6) mit
abhängigen und unreifen wie auch passiv aggressiven Zügen und Probleme mit Bezug
auf sexuellen Missbrauch in der Kindheit durch eine Person innerhalb des engeren
Familienkreises (ICD 10: Z61.4, wohl: ICD 10: Z61.5). Der RAD-Psychiater konstatierte
eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit insbesondere hinsichtlich psychischer
Belastbarkeit, Durchhaltevermögen wie auch sozial mit Selbstabwertung und
schwachem Selbstwertgefühl mit tendenziellem Rückzugsverhalten. Darüber hinaus
lägen aber auch erhebliche psychosoziale Konflikte vor: innere Ablehnung der Kinder,
problematische Beziehung zum Ehemann und unbearbeiteter sexueller Übergriff im
Kindesalter. Ferner wirke sich die Epilepsie so aus, dass die Versicherte nicht in den
Besitz eines Fahrausweises gelangen könne. Andererseits seien auch Zeichen eines
passiv-aggressiven Widerstandes gegen Leistungsansprüche erkennbar, durch
herabgesetzte Dynamik und Leben in einer Opferrolle kaschiert. Bei den geschilderten
Einschränkungen sollte zunächst eine Arbeitsprobe im geschützten Rahmen mit einem
Arbeitspensum von vier Stunden durchgeführt werden; danach sollte eine
Beschäftigung auch auf dem ersten Arbeitsmarkt, beginnend mit 50%, möglich sein.
Nicht in Betracht kämen selbst- und fremdgefährdende Arbeitsplätze, nämlich
Tätigkeiten, die mit Bewegen eines angetriebenen Fahrzeuges, an laufenden
Maschinen, auf Leitern und Gerüsten oder mit besonderer Aufmerksamkeits- und
Kontrollverantwortung verbunden seien (IV-act. 29/3 f.).
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B.e Gemäss ELAR-Notiz vom 6. Oktober 2010 erklärte die Versicherte gegenüber der
IV-Stelle telefonisch, sie könne zurzeit aufgrund der Kinderbetreuung keine
Arbeitstätigkeit aufnehmen - dies im Hinblick auf mögliche Eingliederungsmassnahmen
(IV-act. 32).
B.f Am 5. November 2010 bestätigte die Versicherte, dass sie nach dem Lehrabschluss
im Jahr 2006 nicht erwerbstätig gewesen sei. Sie habe dann bis 2007 diverse
Bewerbungen als Verkäuferin bei mehreren Stellen eingereicht, könne aber keine
entsprechenden Nachweise erbringen (IV-act. 35).
B.g Am 21. Januar 2011 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt durch. Die
Versicherte gab dabei an, wenn sie gesund wäre, würde sie aus wirtschaftlichen
Gründen und Freude am Arbeiten einer Erwerbstätigkeit bis zu 50% nachgehen - bei
einem höheren Arbeitspensum wäre sie überfordert. Sie machte eine Einschränkung
von 20,22% im Haushalt geltend, wobei die Abklärungsperson unter Hinweis auf die
Mithilfe des Ehemannes - im Rahmen der Schadenmilderungspflicht - nur eine
Einschränkung von 6,21% anerkannte. Die Abklärungsperson ging in ihren
Schlussfolgerungen vom 18. März 2011 von einem Status der Versicherten als zu je 50
% erwerbs- und im Haushalt tätig aus und berücksichtigte dabei keine Einbusse im
Erwerbsbereich, so dass insgesamt ein Invaliditätsgrad von 3,1% resultierte (IV-
act. 39).
C.
C.a Mit Vorbescheid vom 30. März 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in
Aussicht, bei einem Invaliditätsgrad von 3,1% einen Anspruch auf Rentenleistungen zu
verneinen (IV-act. 42).
C.b Dagegen erhob die Versicherte am 17. Mai 2011 Einwand mit der Begründung,
ihre Aussage, sie wäre gerne zu 50% erwerbstätig, beziehe sich auf ihren jetzigen
Gesundheitszustand; bei voller Gesundheit hätte sie ausserhäuslich zu 100% arbeiten
wollen, was die RAV-Anmeldung im Jahre 2006 bestätige, als sie zu 100%
vermittlungsfähig eingestuft worden sei. Demzufolge sei der Invaliditätsgrad bei ihr als
Vollerwerbstätige zu ermitteln (IV-act. 45).
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C.c Am 1. Juni 2011 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem Vorbescheid. Sie hielt an
der Qualifikation der Versicherten als zu je 50 % erwerbs- und im Haushalt tätig fest,
weil dies der "Aussage der ersten Stunde" entspreche. Die Versicherte habe ab 2004
bis 2006 eine Lehre absolviert und sei anschliessend nicht mehr ausserhäuslich
erwerbstätig gewesen. Für die Qualifikation seien das bisherig ausgeübte Pensum, die
Kinderbetreuung und die finanzielle Belastung berücksichtigt worden (IV-act. 47).
D.
D.a Dagegen liess die Versicherte am 4. Juli 2011 Beschwerde erheben mit den
Anträgen, die Verfügung vom 1. Juni 2011 sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin
sei ab 17. Mai 2010 eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die
Angelegenheit zur Abklärung des Sachverhaltes an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, insbesondere sei eventualiter ein psychiatrisches Gutachten
einzuholen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur Begründung führt der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen aus, der RAD-Psychiater
lasse die Diagnose einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung ausser Acht,
die sich erheblich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke: Die Beschwerdeführerin habe
während ihrer Kindheit eine Vergewaltigung durchgemacht und leide infolgedessen
unter Angstzuständen und Panikattacken, so dass sie auch bei kleinsten Aufgaben auf
ständige Begleitung angewiesen sei. Der Umstand, dass sie bereits in ihrer Jugend
einen Suizidversuch unternommen habe und bis heute insgesamt fünfmal solche
Versuche geschehen seien, deute auf ein dauerhaftes psychisches Leiden hin, dessen
Schwere mit einem Aufenthalt zur stationären psychiatrischen Behandlung in der Klinik
B._ nachgewiesen sei. Die geschätzte Arbeitsfähigkeit von 50% sei ihr und einem
allfälligen Arbeitgeber in keiner Weise zumutbar: Da sie schnell bei gewöhnlichen
Alltagssituationen an ihre Grenzen stosse, leide sie oft unter Nervenzusammenbrüchen.
Es frage sich deshalb, wie sie den Anforderungen der Arbeitswelt, von Stress geprägt,
gerecht werden könnte. Aufgrund ihrer Verhaltensstörung und ihrer Depression sei sie
verlangsamt und neige zu Fehlleistungen. Ausserdem leide sie an Epilepsie und habe in
den vergangenen Jahren wiederholt Grand-Mal-Anfälle gehabt, so dass ihre Sicherheit
sowie die der anderen nicht gewährleistet seien. Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit
würde ihre (eigene) Gesundheit gefährden. Die Beschwerdeführerin sei obendrein
wegen Absenzen, in welchen sie nicht ansprechbar sei, sowie Panikattacken als
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Angestellte nicht tragbar. Auch den Haushalt könne sie alleine nicht führen: Sie sei auf
eine Unterstützung angewiesen, die weit über die familiäre Beistandspflicht hinaus
gehe, sodass sie mindestens zu 50% bei der Haushaltsführung eingeschränkt sei. Die
Schlussfolgerung, dass die Beschwerdeführerin als zu 50% im erwerblichen Bereich
und zu 50% im Haushalt tätig einzustufen sei, beruhe auf einer falschen Interpretation
ihrer Aussagen; vielmehr sei sie im Gesundheitsfall als zu 100% oder zumindest zu
80% Erwerbstätige zu qualifizieren. Daraus ergebe sich bei einer 100%igen
Einschränkung als Erwerbstätige und einer 50%igen Einschränkung im Haushalt ein
Invaliditätsgrad von 90% (act. G 1).
D.b Die Beschwerdegegnerin macht mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2011
geltend, die Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 50% durch den RAD sei
beweiskräftig und verdiene den Vorzug gegenüber der Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin. Die Qualifikation als zu 50% Erwerbstätige berücksichtige die
Tatsache, dass die Kinder aufgrund ihres Alters eine intensive Betreuung benötigten
und dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der verbliebenen Restarbeitsfähigkeit
weder arbeite noch eine Arbeitsstelle suche, weshalb eine Vollerwerbstätigkeit nicht
den tatsächlichen Verhältnissen zu entsprechen scheine. Anlässlich der
Haushaltsabklärung habe die Abklärungsperson die aus der Beistandspflicht des
Ehegatten abgeleitete Schadenminderungspflicht miteinbezogen: Eine
Arbeitsunfähigkeit von insgesamt 6,21% erscheine rechtens, zumal die
Beschwerdeführerin körperlich nicht eingeschränkt sei. Weil gegen den
Einkommensvergleich nichts eingewendet werde, sei gemäss dem Rügeprinzip auf
diesen nicht näher einzugehen. Der Gesamtinvaliditätsgrad betrage somit 3%
(act. G 4).
D.c Am 4. Oktober 2011 erstattete die Beschwerdeführerin eine Replik. Sie stellt sich
auf den Standpunkt, der RAD-Bericht gehe nicht näher auf die erlittene Vergewaltigung
sowie die daraus resultierende ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung ein und
verkenne damit eine in der Vergangenheit vorhandene und immer noch aktuelle
schwerwiegende Psychose. Ihr Gesundheitszustand habe sich zunehmend
verschlechtert, seitdem sie die Lehre als Bäckerin-Konditorin absolviert habe. Die
finanziellen Umstände und der Migrationshintergrund machten plausibel, dass sie im
Gesundheitsfall zu 100% arbeiten würde (act. G 8).
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D.d Die Beschwerdegegnerin hat mit Schreiben vom 17. Oktober 2011 auf die
Einreichung einer Duplik verzichtet (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Mit der angefochtenen Verfügung hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin abgelehnt. Streitig und vorliegend zu prüfen ist daher, ob diese
Abweisung rechtmässig erfolgt ist.
1.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn eine versicherte Person sei vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen, und es habe ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität.
1.2 Der Invaliditätsgrad bei im Gesundheitsfall erwerbstätigen Personen resultiert
gemäss Art. 28a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR
831.20) aus dem Vergleich zwischen den möglichen Erwerbseinkommen ohne und mit
Gesundheitsschaden im Sinn von Art. 16 ATSG. Soweit eine versicherte Person auch
im Gesundheitsfall nicht erwerbstätig wäre, wird darauf abgestellt, in welchem Mass sie
behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Bei
Personen, die zum Teil erwerbstätig und zum Teil im Aufgabenbereich tätig sind, gilt
Folgendes: Zunächst sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und danach ist der Invaliditätsgrad entsprechend der
Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Ist bei einer
Person, die nur zum Teil erwerbstätig ist, anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der
Prüfung des Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden vollzeitlich erwerbstätig
wäre, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für
Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV; SR 831.201]).
bis
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1.3 Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60% invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40% auf eine Viertelsrente. Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die
Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und
dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4).
2.
Die Beschwerdegegnerin geht davon aus, dass die Beschwerdeführerin, wäre sie
gesund, nur zu 50% einer Erwerbstätigkeit nachginge und im Übrigen im eigenen
Haushalt tätig wäre. Dagegen macht die Beschwerdeführerin geltend, diese
Feststellung beruhe auf einer falschen Interpretation: Ihre Aussage anlässlich der
Haushaltsabklärung, sie wäre zu 50% erwerbstätig, beziehe sich auf ihren aktuell
beeinträchtigten Gesundheitszustand; wenn sie hingegen gesund wäre, wäre sie zu
100% erwerbstätig. Deshalb ist zunächst zu prüfen, in welchem Umfang die
Beschwerdeführerin im hypothetischen Gesundheitsfall erwerbstätig gewesen wäre.
2.1 Der Status einer versicherten Person, das heisst die Antwort auf die Frage, ob sie
im hypothetischen Gesundheitsfall als ganztägig oder teilweise erwerbstätig oder als
nichterwerbstätig einzustufen ist, ergibt sich nach der höchstrichterlichen
Rechtsprechung aus der Prüfung, was sie bei im Übrigen unveränderten Umständen
tatsächlich täte. Nicht von Belang ist, was ihr zumutbar gewesen wäre oder was sie
gegebenenfalls tun könnte (BGE 133 V 508 E. 3.3). Zu berücksichtigen sind die
persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen
Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen.
Massgebend sind die Verhältnissen, wie sie sich bis zum Erlass der Verfügung
entwickelt hätten, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad
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der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 125 V 150 E. 2c; BGE 117
V 194 f. E. 3b mit Hinweisen; AHI 1997 S. 288 ff. E. 2b, AHI 1996 S. 197 E. 1c, je mit
Hinweisen).
2.2 Im Fragebogen zur Rentenabklärung betreffend Erwerbstätigkeit/ Haushalt, am
11. Oktober 2010 ausgefüllt, bejahte die Beschwerdeführerin die Frage, ob sie heute
ohne Behinderung eine Erwerbstätigkeit ausüben würde - dies ohne Angabe eines
konkreten Arbeitspensums. Wer die Betreuung der Kinder übernehmen würde, wusste
sie nicht (IV-act. 33/2 f.). Im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 21. Januar 2011
bejahte sie erneut die Frage der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall: Sie wäre aus
finanziellen Gründen bzw. Freude am Arbeiten erwerbstätig und dies mit einem
Pensum von 40%. Abklärungsperson und Beschwerdeführerin waren gemäss
Würdigung vom 18. März 2011 so verblieben, dass letztere sich das Ausmass der
hypothetischen Erwerbstätigkeit nochmals überlegen könne. Entsprechend führte die
Beschwerdeführerin am 21. Februar 2011 handschriftlich aus, sie würde, wenn sie
gesund wäre, wahrscheinlich 50% ausserhäuslich arbeiten - bei einem höheren
Arbeitspensum wäre sie wohl überfordert (IV-act. 39/3, 6, 10).
2.3 Den Aussagen der versicherten Personen im Rahmen der Haushaltsabklärung, da
noch nicht von möglichen versicherungsrechtlichen Überlegungen geprägt, ist
rechtsprechungsgemäss erhöhtes Gewicht beizumessen; es sei denn, es bestehen
Hinweise dafür, dass die versicherte Person die ihr gestellte Statusfrage nicht korrekt
erfasst hat: Dies kann beispielsweise infolge sprachlicher Verständigungsprobleme
geschehen oder bei Menschen, denen es schwer fallen dürfte, sich ein Leben und im
Speziellen einen beruflichen Werdegang ohne Behinderung vorzustellen, weil sie seit
Kindesalter an gesundheitlichen Gebrechen leiden (Urteil des Bundesgerichtes vom
9. Oktober 2008, 8C_352/2008, E. 3.2.2). Dass die Beschwerdeführerin die Statusfrage
falsch verstanden hätte, macht weder ihr Rechtsvertreter geltend, noch ist es aus den
Akten ersichtlich.
2.4 Das Argument des Rechtvertreters der Beschwerdeführerin, diese habe sich - mit
der Aussage betreffend Arbeitspensum von 50% - auf den aktuellen beeinträchtigten
Gesundheitszustand bezogen, überzeugt nicht. Denn sie brachte zum einen keine
entsprechende Rüge rechtzeitig zu Protokoll (IV-act. 39); zum anderen erklärte sie im
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Rahmen der Eingliederungsmassnahmen, sie könne zurzeit keiner Erwerbstätigkeit
nachgehen, weil sie keine Betreuungsmöglichkeit habe und deshalb zu Hause bei den
Kindern bleiben müsse (IV-act. 32). Die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu 100% kann
bei der Beschwerdeführerin nicht leichthin angenommen werden, waren die Töchter
doch zur Zeit der angefochtenen Verfügung altersbedingt ( knapp zwei bzw. vier Jahre
alt) erhöht betreuungsbedürftig (IV-act. 10). Ein höheres Erwerbspensum als 50%
erscheint auch nicht plausibel im Lichte der geäusserten Absichten der
Beschwerdeführerin, ihres früheren Verhaltens und ihrer Vorstellungen und Pläne zum
Alltag: Die anfängliche beim RAV angegebene Vermittlungsfähigkeit von 100% ist nicht
massgebend, die Beschwerdeführerin hat in der Tat nach dem Lehrabschluss nicht
gearbeitet und gibt an, sie habe bereits damals aufgrund der ersten Schwangerschaft
nicht mehr als zu 50% erwerbstätig sein wollen; mit dem zweiten Kind ist sie zwar
überlastet, ein drittes Kind zu bekommen, wäre aber für sie denkbar, sobald die zwei
Töchter im Kindergarten wären (IV-act. 25). Selbst wenn es zutreffen sollte, dass bei
Menschen mit Migrationshintergrund die Vollerwerbstätigkeit von beiden Ehegatten
üblich ist, ist dies nicht von Belang, weil es bei der Statusfrage auf die konkreten
Lebensverhältnisse bzw. auf den Einzelfall ankommt. Eine Karriere als
Vollerwerbstätige erweist sich vorliegend als unwahrscheinlich. Mit der Hypothese einer
Teilzeitbeschäftigung hat die Beschwerdegegnerin den finanziellen Umständen der
Familie (vgl. dazu IV-act. 39/3) genügend Rechnung getragen.
2.5 Mithin kann angenommen werden, dass die Beschwerdeführerin im hypothetischen
Gesundheitsfall überwiegend wahrscheinlich je hälftig erwerbs- und im Haushalt tätig
wäre. Gestützt darauf hat die Beschwerdegegnerin die sogenannte gemischte Methode
der Invaliditätsbemessung (Art. 28a Abs. 3 IVG) zu Recht angewendet.
3.
Die Beschwerdegegnerin stellte in medizinischer Hinsicht auf den psychiatrischen
RAD-Untersuchungsbericht vom 29. September 2010 ab, wonach bei der
Beschwerdeführerin eine Arbeitsfähigkeit von 50% bestehe (IV-act. 29/4). Im
Folgenden ist zu klären, ob der Sachverhalt auf dieser medizinischen Grundlage
rechtsgenüglich erstellt ist.
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3.1 Der RAD-Psychiater Dr. F._ machte mit dem Untersuchungsbericht vom
29. September 2010 in erster Linie eine psychiatrische Standortbestimmung zur
Klärung der Eingliederungsfähigkeit, er zog aber auch Schlussfolgerungen für die
Arbeitsfähigkeit im Allgemeinen, indem er von einer anfänglichen, danach steigerbaren
Arbeitsfähigkeit von 50% ausgeht (IV-act. 29/1 und 4). Die Sozialversicherungsgerichte
haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die
vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strittigen
Leistungsanspruchs gestatten. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über
die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende
Klarheit besteht (vgl. SVR 2001 IV Nr. 10 S. 28 E. 4b mit Hinweisen).
3.2 Das Bundesgericht hat in BGE 125 V 352 E. 3a Anforderungen an die
Beweistauglichkeit von Arztberichten aufgestellt.
3.2.1 Vorliegend erstellte der RAD-Psychiater seinen Bericht in Kenntnis der
vorhandenen Vorakten (vgl. IV-act. 13/1 f., IV-act. 19 f.) und nahm eine eigene
psychiatrische Untersuchung vor. Die Tatsache, dass der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin - trotz Bedenken über die Schlussfolgerungen des RAD - sich
grundsätzlich auf die Feststellungen seines Untersuchungsberichts stützt, zeigt, dass
dieser im Sinn der Rechtsprechung für die streitigen Belange umfassend ist und die
geklagten Beschwerden berücksichtigt. Dass die Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin und die vom RAD geschätzte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
weit auseinandergehen, vermag die Beurteilung einer fachpsychiatrisch ausgewiesenen
Medizinalperson nicht in Zweifel zu ziehen. Da die Beschwerdeführerin nicht nur unter
affektiven Störungen (ICD-10: F30-F39), als psychische und Verhaltensstörungen
(ICD-10: Kapitel V) eingeordnet, sondern auch unter einer Krankheit des
Nervensystems (ICD-10: Kapitel VI) leidet, fragt es sich, ob eine neurologische
Untersuchung angezeigt gewesen wäre. Dies ist aber zu verneinen, weil die psychische
Problematik (leichte bis mittelgradige depressive Episode und Dysthymie) im
Vordergrund steht (IV-act. 19) und die Epilepsie (ICD:10 G-40) gemäss fachärztlich
neurologischer Stellungnahme der behandelnden Ärztin die Arbeitsfähigkeit nur
qualitativ beeinträchtigt (vgl. IV-act. 15). Somit erübrigte sich eine bidisziplinäre
Untersuchung. Die Feststellung, dass erhebliche psychosoziale Konflikte vorliegen,
stimmt mit den Angaben der behandelnden Ärzte überein (vgl. IV-act. 13/1 f. und IV-
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act. 18) und rechtfertigt, dass diese sogenannt invaliditätsfremden Gesichtspunkte,
welche vom sozialversicherungsrechtlichen Standpunkt aus in der Regel unbeachtlich
bleiben sollen, bei der Arbeitsfähigkeitsschätzung ausgeklammert worden sind (vgl.
Urteile des Bundesgerichtes vom 7. Mai 2010, 9C_651/2009, E. 5.1 und vom 6. Juni
2011, 9C_1040/2010, E. 3.4.1). Nicht zuletzt legt der RAD-Psychiater nachvollziehbar
dar, weshalb er zu seinen Schlussfolgerungen gekommen ist, so dass in formeller
Hinsicht an seinem Untersuchungsbericht nichts zu beanstanden ist.
3.2.2 Was der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin in inhaltlicher Hinsicht
einwendet, vermag den Beweiswert des RAD-Untersuchungsberichts nicht zu
entkräften. Denn er bringt einerseits keine Befunde von behandelnden Ärzten vor, die
im Rahmen der RAD-Untersuchung unerkannt oder ungewürdigt geblieben wären;
vielmehr begnügt er sich damit, die Auswirkung des festgehaltenen
Gesundheitszustandes anders zu beurteilen. Es fällt hier ins Gewicht, dass die
Beurteilungen durch die behandelnden Ärzte und jene durch den RAD-Psychiater im
Wesentlichen nicht auseinandergehen. Andererseits kann gestützt auf die
Feststellungen im RAD-Untersuchungsbericht nicht gesagt werden, dass der RAD-
Psychiater nicht nachvollziehbare Schlussfolgerungen zieht. Entgegen der Ansicht des
Rechtsvertreters zeugt der stationäre Aufenthalt in der Klinik B._ nicht von einer
fortdauernd schweren psychischen Krankheit: Der Oberarzt Dr. med. E._ ging nach
der Entlassung aus der Klinik von einer zu steigernden Arbeitsfähigkeit ab 50% auf der
Grundlage einer rezidivierend depressiven Störung mit aktuell mittelschwerer Episode
aus (vgl. IV-act. 18/1). Die Behauptung, dass der Beschwerdeführerin eine
Arbeitstätigkeit in diesem Ausmass nicht zumutbar sei, beruht nicht auf einer
fachärztlichen Feststellung. Sowohl Dr. E._ als auch der RAD-Psychiater beziehen
sich teilweise auf Belastungen, die in der ICD-10-Klassifikation mit Z-Kodierungen
versehen sind und als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen
Gesundheitsschadens fallen (vgl. Urteil des Bundesgerichtes vom 4. Mai 2009,
8C_570/2008, E. 4.2.5 mit Hinweis): Eine selbstunsicher vermeidende und abhängige
Persönlichkeitsstruktur (ICD-10: Z73 Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der
Lebensbewältigung) und Persönlichkeitszüge und Probleme mit Bezug auf vermuteten
sexuellen Missbrauch in der Kindheit (ICD-10: Z61 Kontaktanlässe mit Bezug auf
Kindheitserlebnisse). Dass ein sexueller Missbrauch nach ICD-10: T74.2 (Verletzungen
und bestimmte andere Folgen äusserer Ursachen [ICD-10: Kapitel XIX S00-T98]) vom
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RAD-Psychiater nicht codiert wurde, lässt sich, soweit ersichtlich, dadurch erklären,
dass der Vorfall erst zu einem späteren Zeitpunkt, anamnestisch festgestellt ist. Und
wenn die Diagnose einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung vom RAD-
Psychiater als sich nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkend geschätzt wurde, erscheint
dies vereinbar mit der Einschätzung von Dr. E._, der eine depressive Störung als im
Vordergrund erkennt, auf dem Boden einer vermeidenden und abhängigen
Persönlichkeitsstruktur ohne Krankheitswert. Es kann nicht die Rede davon sein, dass
die Diagnose ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung ausser Acht gelassen
wurde. Die Kindheitserlebnisse und die Persönlichkeitsstruktur mögen zwar die
depressive Störung und die dysthyme Entwicklung begünstigt haben; indessen hat der
RAD-Psychiater die praktischen Folgen für die Arbeitsfähigkeit in seiner
Gesamteinschätzung nicht ignoriert: Geringe psychische Belastbarkeit und
mangelndes Durchhaltevermögen sowie Selbstabwertung und schwaches
Selbstwertgefühl schränken nach seinen Aussagen die Arbeitsfähigkeit um 50% ein (IV-
act. 29/3 f.). Was die Epilepsie anbelangt, steht fachneurologisch fest, dass sie keine
quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mitbringt und dass bei genügend
Compliance der Beschwerdeführerin mit grosser Wahrscheinlichkeit ein anfallsfreier
Zustand zu erreichen wäre (IV-act. 15).
3.3 Mithin kann bei der Bemessung der Invalidität im Erwerbsbereich auf die
Einschätzung im RAD-Untersuchungsbericht vom 29. September 2010 abgestellt
werden: Die Beschwerdeführerin ist demzufolge in einer beruflichen (ausserhäuslichen)
adaptierten Tätigkeit (anfänglich) zu 50% eingeschränkt.
4.
Dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin kann nicht gefolgt werden, soweit er
unter Hinweis auf die Haushaltsabklärung vom 21. Januar 2011 ausführt, die
Beschwerdeführerin sei mindestens zu 50% in der Haushaltführung eingeschränkt und
die Mithilfe der Familie sei im erwarteten Ausmass nicht zumutbar (act. G 1).
4.1 Für den Beweiswert eines Berichts über die Abklärung im Haushalt einer
versicherten Person sind - analog zur Rechtsprechung betreffend die Beweiskraft von
Arztberichten (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis) - verschiedene Faktoren zu
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berücksichtigen: Es ist wesentlich, dass der Bericht von einer qualifizierten Person
verfasst wird, die Kenntnis von den örtlichen und räumlichen Verhältnissen sowie den
aus den medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu
berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht
aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und
angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und in
Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen. Trifft dies alles
zu, ist der Abklärungsbericht beweiskräftig (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2). Sofern der
Abklärungsbericht im Sinn der vorstehend genannten Rechtsprechung eine
zuverlässige Entscheidungsgrundlage darstellt, greift das Gericht in das Ermessen der
Abklärungsperson nur ein, wenn - etwa im Lichte einer ärztlichen Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit im Haushalt - klar feststellbare Fehleinschätzungen oder Anhaltspunkte
für die Unrichtigkeit der Abklärungsergebnisse (z.B. infolge von Widersprüchlichkeiten)
vorliegen (AHI 2003 S. 218 E. 2.3.2 mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts vom 30.
Oktober 2007 i.S. T., I 246/05, E. 5.2.1 mit Hinweisen).
4.2 Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin bringt gegen den Abklärungsbericht
keine konkreten Mängel vor. Vorliegend sind keine Hinweise gegen die Richtigkeit des
Abklärungsergebnisses auszumachen, es sind vielmehr sämtliche notwendigen
Kriterien für einen beweiskräftigen Bericht erfüllt: Der Zeitaufwand für die
Haushaltsaufgaben und die entsprechende Einschränkung von 20.22% -
Wohnungspflege, Wäsche und Kleiderpflege, Kinderbetreuung betreffend - wurden von
einer dazu geschulten Abklärungsperson gemeinsam mit der Beschwerdeführerin
sowie gestützt auf deren Angaben ermittelt und von dieser am 21. Februar 2011
bestätigt. Zudem erscheint vertretbar, dass dem erwerbstätigen Ehemann ein Einsatz
im Haushalt von etwa einer Stunde täglich (14% von 7.42 Stunden) zugemutet wird
(vgl. IV-act. 39/6 und 10). Deshalb kann gemäss Haushaltsbericht von einer
anerkannten Einschränkung im Haushalt von 6,21% ausgegangen werden. Bei einem
Anteil im Haushalt von 50% ergibt sich ein Teilinvaliditätsgrad von 3,1 %.
5.
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Es bleibt der Invaliditätsgrad im Erwerbsbereich anhand eines Einkommensvergleichs
(Art. 16 ATSG) zu ermitteln: Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare
Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht
invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
5.1 Nach dem Lehrabschluss ist die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit
nachgegangen, weshalb sich das Validen- und das Invalideneinkommen nicht
verlässlich anhand konkreter Zahlen ermitteln lassen und dafür auf die Tabellenlöhne
abzustellen ist. Die Beschwerdegegnerin nahm einen Einkommensvergleich vor,
verkannte aber die berufliche Qualifikation der Beschwerdeführerin, indem sie sich
sowohl beim Validen- als auch beim Invalideneinkommen auf die Löhne für einfache
und repetitive Tätigkeiten nach LSE (Anforderungsniveau 4) stützte. Bei der Ermittlung
des Invaliditätsgrads sind vorliegend jedoch zwei verschiedene Vergleichsgrössen
heranzuziehen: Zum einen hat die Beschwerdeführerin die Lehre als Bäckerin-
Konditorin abgeschlossen (IV-act. 11), und es wäre daher naheliegend, dass sie im
Gesundheitsfall den gelernten Beruf ausgeübt hätte, weshalb das hypothetische
Valideneinkommen gestützt auf die Löhne für Tätigkeiten, die Berufs- und
Fachkenntnisse voraussetzen (Anforderungsniveau 3, Sektor 2 Produktion), zu
bestimmen ist. Zum anderen ist es ihr nach Eintritt der Gesundheitsbeeinträchtigung
nicht mehr zumutbar, den gelernten Beruf auszuüben. Denn die Feststellung vom
6. Juli 2010 im Rahmen der Frühintervention, dass die angestammte Tätigkeit als
Bäckerin/Konditorin wegen Epilepsie nicht mehr möglich sei (IV-act. 20), lässt sich
damit erklären, dass dieser Beruf Nacht- bzw. Schichtarbeiten erfordert, während die
behandelnde Neurologin festhielt: "Um ein anfallsprovozierendes Schlafmanko
vermeiden zu können, sind regelmässige Arbeitszeiten, möglichst keine Schichtarbeit
von Vorteil" (IV-act. 15/2). Ohne besondere Qualifikation ist beim Invalideneinkommen
auf das Anforderungsniveau 4 abzustellen.
5.2 Bei der Berechnung des Valideneinkommens ist somit vom Durchschnittslohn der
Frauen im Sektor 2 Produktion "Herstellung von Nahrungsmitteln und Futtermitteln" mit
Berufs- und Fachkenntnissen (Anforderungsniveau 3) gemäss Tabelle TA1 der
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Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2010 des Bundesamts für Statistik
auszugehen, welcher monatlich Fr. 4'759.-- betrug. Der hieraus errechnete Jahreslohn
von Fr. 57'108.-- (Fr. 4'759.-- x 12) basiert auf 40 Wochenstunden und ist auf die
durchschnittliche branchenspezifische Arbeitszeit 2010, d.h. auf 42.2 Stunden
aufzurechnen (Bundesamt für Statistik [BFS], Tabelle Betriebsübliche Arbeitszeit nach
Wirtschaftsabteilungen), woraus sich ein Betrag von Fr. 60 ́249.-- ergibt.
5.3 Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens ist Folgendes zu berücksichtigen: Im
Jahr 2010 erzielten Frauen gemäss Tabelle TA 1 (Privater Sektor) im tiefsten
Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) und bei einer Arbeitszeit von
40 Wochenstunden einen Monatslohn in der Höhe von Fr. 4 ́230.--. Bei einer
betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41,6 Wochenstunden ergibt sich ein
Jahreslohn von Fr. 52 ́790.--.
5.3.1 Obwohl hier eine geschätzte Arbeitsunfähigkeit von 50% in einer adaptierten
Tätigkeit vorliegt, berücksichtigt die angefochtene Verfügung keine Einschränkung im
Erwerbsbereich, weil die Beschwerdeführerin bei voller Gesundheit jedenfalls nur einer
Tätigkeit mit einem Pensum von 50% nachgehen würde (vgl. Feststellungsblatt vom
24. März 2011, IV-act. 40). Naheliegend wäre gewesen, bei einem hälftigen
Erwerbstätigkeitsanteil die medizinisch geschätzte Arbeitsunfähigkeit von 50%
anteilmässig einzubeziehen, so dass die Einschränkung in der ausserhäuslichen
Erwerbstätigkeit im Rahmen der Gesamteinschätzung 25% ausmachen würde. Das
Bundesgericht geht aber bei einem Teilpensum von 50% und einer Arbeitsfähigkeit von
50% davon aus, dass die Einschränkung im Erwerbsbereich 0% sei, weil der
versicherten Person eine volle Ausschöpfung ihrer Leistungsfähigkeit zuzumuten sei
und dies dem Erwerbsanteil in solchen Fälle entspreche. Das Versicherungsgericht des
Kantons St. Gallen hat diese Berechnungsweise der gemischten Methode wiederholt
beanstandet - dies ohne Erfolg (vgl. z.B. Urteil des EVG vom 2. März 2006, I 669/05,
E. 6).
5.3.2 Nach der vom Bundesgericht praktizierten gemischten Methode kann sich hier
keine zusätzliche Erwerbseinbusse aus der reduziert zumutbaren Arbeitsleistung
ergeben, sondern allein aus der Tatsache, dass versicherte Personen aus
behinderungsbedingten oder anderweitigen Umständen in der Regel das
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durchschnittliche Lohnniveau gemäss statistischen Löhnen nicht erreichen, weshalb
dieser Nachteil mit einem Abzug vom Tabellenlohn auszugleichen ist. Ein solcher
Abzug erfolgt nicht automatisch, er ist vielmehr unter Würdigung der Gesamtumstände
im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen zu schätzen und auf insgesamt
höchstens 25% zu begrenzen (BGE 134 V 327f. E. 5.2; BGE 126 V 78ff. E. 5).
5.3.3 Zu klären wäre deshalb noch die Frage der Höhe des Tabellenabzugs bei der
Bestimmung des Invalideneinkommens. Dies kann vorliegend offen bleiben: Selbst
wenn anzunehmen wäre, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer persönlichen
Situation die Arbeitsfähigkeit von 50% auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten könnte und dies mit dem
maximal zulässigen Tabellenlohnabzug von 25% anzuerkennen wäre, würde daraus ein
Invalideneinkommen von Fr. 19 ́796.-- (50% von Fr. 52 ́790.--x 0.75) resultieren. Wenn
dieser Betrag in Beziehung zum Valideneinkommen von Fr. 30 ́124.-- (50% von Fr. 60
́249.--, vgl. obenstehend Erwägung 5.2) gesetzt würde, ergäbe dies eine
Einkommenseinbusse in der Höhe von Fr. 10 ́328.--, was einen Invaliditätsgrad im
Erwerbsbereich von 34.3% bzw. anteilmässig (nochmals mit 50% gewichtet nach
höchstrichterlicher Rechtsprechung) von nur 17.1% ausmachen würde. Unter
Berücksichtigung der Teilinvaliditätsgrade im Haushaltsbereich von 3.1% und im
Erwerbsbereich von 17.1% würde sich ein Gesamtinvaliditätsgrad von 20.2% ergeben,
aus welchem kein Anspruch auf Rente entstehen kann. Die Ablehnung des
Leistungsbegehrens erweist sich damit im Ergebnis als richtig.
6.
Nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" entsteht der Anspruch auf eine
Invalidenrente, wenn die erforderlichen Eingliederungsmassnahmen durchgeführt
worden sind. Daraus folgt, dass die versicherte Person im Rahmen der
Schadenminderungspflicht an den zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
teilzunehmen hat. Vorliegend hat sich die Beschwerdeführerin krankheitsbedingt für
absolut arbeitsunfähig gehalten und daher keinen Arbeitsversuch aufnehmen wollen;
eine diesbezügliche Bedenkzeit kam für sie nicht infrage (IV-act. 25/3). Da kein
rentenbegründender Invaliditätsgrad gegeben ist, war die Beschwerdeführerin auch
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nicht verpflichtet, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Sie hat aber Anspruch
darauf und kann sich dafür jederzeit bei der Beschwerdegegnerin wieder anmelden.
7.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin zu Recht abgelehnt hat. Das Beschwerdeverfahren ist
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom
Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG).
Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- erscheint in der vorliegend zu beurteilenden
Angelegenheit als angemessen. Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind sie
vollumfänglich der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Der von ihr geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr daran anzurechnen. Ausgangsgemäss hat die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP entschieden:
1. Die Beschwerde wird abgewiesen.
2. Die Beschwerdeführerin hat eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- wird ihr daran angerechnet.
bis
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Versicherungsgericht, 12.07.2013 Art. 28 IVG.Rentenanspruch. Beweiswert RAD-Untersuchungsbericht. Prüfung der Statusfrage (Umfang der hypothetischen Teilerwerbstätigkeit im Gesundheitsfall) und Invaliditätsbemessung nach der vom Bundesgericht praktizierten gemischten Methode (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 12. Juli 2013, IV 2011/219). Bestätigt durch Urteil des Bundesgerichts 9C_650/2013.
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2021-09-19T12:30:23+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen