Decision ID: b3faa5ff-b2d7-5d06-af49-30174d685edd
Year: 2015
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Rekurrentin,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse,
Brauerstrasse 54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
individuelle Prämienverbilligung 2014
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ ersuchte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) am 20.
März 2014 um eine individuelle Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr 2014 (act. G
6.1/9).
A.b Mit Verfügung vom 20. Mai 2014 wies die SVA das Gesuch aufgrund des für das
Berechnungsjahr (2012) deklarierten Einkommens ab (act. G 6.1/11).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob die Gesuchstellerin am 5. Juni 2014 Einsprache. Sie
beantragte, die Berechnung der IPV für das Jahr 2014 solle auf Basis des steuerbaren
Einkommens des Jahres 2013 erfolgen. Zudem beantragte sie sinngemäss, dass bei
der Berechnung auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle des ermittelten
Einkommens abzustellen sei (act. G 6.1/14).
B.b Die SVA wies die Einsprache mit Entscheid vom 13. Juni 2014 ab. Zur Begründung
machte sie geltend, dass gemäss dem zuständigen Steueramt die steuerliche
Festsetzung des Jahres 2013 noch hängig sei und dass deren Abschluss nicht
abgewartet werde, wenn sich eine Einsprache abschliessend beurteilen lasse. So habe
die SVA für die Prüfung des Anspruchs auf die definitiven und rechtskräftigen
Steuerdaten des Jahres 2012 abgestellt. Die Gesuchstellerin mache keinen Grund
geltend, welcher darlegen würde, dass das ermittelte Einkommen offensichtlich und
dauerhaft nicht mehr der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspräche. Der Wechsel
von einer Arbeitnehmertätigkeit in die Selbständigkeit sei nicht von dauerhafter Natur,
und dass sich das Einkommen vom massgebenden Steuerjahr zum Bezugsjahr um
einen Viertel reduziert habe, könne nicht berücksichtigt werden (act. G 6.1/16).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die Gesuchstellerin (Rekurrentin) am 26.
Juni 2014 Beschwerde (richtig: Rekurs) und beantragte eine Nachfrist für die
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Rekursergänzung. Diese wurde bis zum 25. August 2014 gewährt (act. G 1, G 2, G 3).
Ausserdem beantragte sie sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheids unter
Gewährung einer individuellen Prämienverbilligung für das Jahr 2014. Dabei hielt sie im
Wesentlichen an der bereits in der Einsprache vom 5. Juni 2014 vorgebrachten
Begründung fest, ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit habe sich um über 25%
dauerhaft verändert (act. G2). Am 7. Juli 2014 reichte sie unter anderem die
Steuerveranlagung des Jahres 2013 sowie eine Erfolgsrechnung ein (act. G 4).
C.b Mit Beschwerdeantwort (richtig: Vernehmlassung) vom 14. August 2014 beantragte
die SVA (Vorinstanz) die Abweisung des Rekurses. Sie begründete, es sei unbestritten,
dass zum Zeitpunkt des Einspracheentscheids die definitive Steuerveranlagung für das
Jahr 2013 noch nicht vorgelegen habe, weshalb sie sich zur Berechnung auf die
Steuermeldungen vom 12. März sowie vom 12. Mai 2014 bezüglich des Jahres 2012
gestützt habe. Eine dauerhafte Veränderung des Einkommens liege nicht vor, und das
Einkommen Selbständigerwerbender zeichne sich durch mehr oder weniger grössere
Schwankungen aus. Bei der Rekurrentin liege keine strukturelle Änderung im Betrieb
vor, womit eine dauerhafte Verminderung des Einkommens verneint werden müsse.
Einzig aufgrund einer pessimistischen Prognose könne nicht auf eine dauerhafte
Einkommensverminderung geschlossen werden (act. G 6).
C.c Mit Stellungnahme vom 16. September 2014 führte die Rekurrentin erneut
sinngemäss aus, dass eine dauerhafte Einkommensverminderung sowie eine
strukturelle Veränderung gegeben seien. Sie machte des Weiteren geltend, die SVA
hätte nach dem Rekurs vom 20. Juni 2014 auch die Vermögenssituation
berücksichtigen können. Sie habe sich privat für ihren Betrieb verschuldet und habe
Anspruch auf die finanziell benötigte IPV (act. G 8).
C.d Die Vorinstanz verzichtete auf eine weitere Stellungnahme (act. G 12).
C.e Am 9. März 2015 reichte die Rekurrentin die Steuererklärung des Jahres 2014
sowie die Bilanz ihres Betriebes per 31. Dezember 2014 und die Erfolgsrechnung 2014
ein (act. G 13).

Erwägungen:
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1.
1.1 Nach Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG; SR
832.10) haben die Kantone den Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen zu gewähren. Dazu haben sie nach Art. 97 Abs. 1
KVG Ausführungsbestimmungen zu Art. 65 KVG zu erlassen. Der Kanton St. Gallen ist
dieser Verpflichtung durch die Art. 9 bis 16 des Einführungsgesetzes zur
Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (EG-KVG; sGS 331.11) und die
dazugehörigen Vollzugsvorschriften in Art. 9 bis 38 der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung (Vo-EG;
sGS 331.111) nachgekommen, wobei er insbesondere die persönlichen (Art. 10 EG-
KVG) und die einkommensmässigen (Art. 11 EG-KVG) Voraussetzungen sowie die
Höhe der Prämienverbilligung (Art. 12 EG-KVG) festgesetzt hat. Vorliegend sind die
Bestimmungen in der im Jahr 2014 geltenden Fassung massgebend.
1.2 Eine Prämienverbilligung wird nach Art. 10 Abs. 1 EG-KVG Personen gewährt, die
im Kanton St. Gallen steuerrechtlichen Wohnsitz haben (lit. a) und ein die
Prämienverbilligung auslösendes Einkommen erzielen (lit. b). In Bezug auf die
einkommensmässigen Voraussetzungen bestimmt Art. 11 EG-KVG, dass das die
Prämienverbilligung auslösende Einkommen unter teilweiser Berücksichtigung des
steuerbaren Vermögens von der Regierung durch Verordnung festgesetzt wird (Abs. 1).
Grundlage des die Prämienverbilligung auslösenden Einkommens bildet gemäss der
bis Ende 2014 in Kraft gewesenen Fassung des EG-KVG in der Regel die letzte
definitive Steuerveranlagung (Abs. 2). Liegt im Zeitpunkt der Anspruchsprüfung bzw.
am Ende des Anspruchsjahres die definitive Veranlagung des vorangehenden Jahres
vor, so ist diese Veranlagung der Anspruchsprüfung zugrunde zu legen. Auf die
Steuerdaten der vorletzten Steuerperiode (vgl. Art. 12 Abs. 1 Vo-EG) kann lediglich
dann abgestellt werden, wenn die definitive Veranlagung des vorangehenden Jahres im
Zeitpunkt der Anspruchsprüfung noch nicht vorliegt (vgl. dazu das vor der Änderung
von Art. 11 Abs. 2 EG-KVG ergangene Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons St.
Gallen vom 11. Dezember 2012, B 2011/223, E. 4.2).
1.3 Nach Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird sodann von der letzten definitiven Steuerveran
lagung abgewichen, wenn das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der
ter
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wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit entspricht. Mit der Verwendung des Begriffs
"offensichtlich" in Art. 11 Abs. 3 EG-KVG wird zum Ausdruck gebracht, dass nicht jede
Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse massgebend sein kann, um von den
Steuerdaten abzuweichen. Die Diskrepanz zwischen der früheren und der aktuellen
wirtschaftlichen Lage, welche sowohl vom Einkommen als auch vom Vermögen
beeinflusst wird, muss rechtserheblich sein. Praxisgemäss rechtfertigen nur
grundlegende und tiefgreifende Änderungen der Verhältnisse ein Abweichen von der
letzten definitiven Steuerveranlagung. Anders wäre der Vollzug der Prämienverbilligung
in einem einfachen und raschen Verfahren gar nicht zu bewerkstelligen (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 10. Mai 2005, B 2005/23, E. 2c).
1.4 Gemäss Art. 12 Vo-EG wird auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle
des ermittelten Einkommens abgestellt, wenn sich die Einkommensgrundlagen
dauerhaft verändert haben (Abs.1) und die Abweichung im Bezugsjahr wenigstens
einen Viertel des massgebenden Einkommens des vorletzten Jahres beträgt (Abs. 2).
Nur vorübergehende Änderungen, welche nicht die eigentliche Einkommensgrundlage
betreffen, wirken sich dagegen lediglich auf das (rein rechnerisch ermittelte) steuerliche
Reineinkommen und damit systembedingt erst auf künftige Berechnungen der
Prämienverbilligung aus (Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom
13. September 2005, KV-SG 2005/1, E. 2c).
1.5 Der Begriff "dauerhaft" beinhaltet gemäss Definition (über einen längeren Zeitraum
bzw. einen langen Zeitraum überdauernd [vgl. http://www.duden.de/, abgerufen am
8. Mai 2015]) ein eindeutiges zeitliches Element. Die Dauerhaftigkeit muss jedoch auch
in der Sache selbst bzw. in der veränderten Einkommensgrundlage liegen.
Dauerhaftigkeit ist bei Vorliegen eines unabänderlichen Zustands anzunehmen.
Allerdings kann eine Veränderung auch dauerhaft sein, wenn sie dem Grundsatz nach
nicht unabänderlich ist. Dies wurde vom Versicherungsgericht bei Antritt einer auf drei
Jahre angelegten Weiterbildung bejaht, die eine mindestens auf den entsprechenden
Zeitraum ausgerichtete Umstellung der Lebensverhältnisse in wirtschaftlicher und
organisatorischer Hinsicht bedingte. Sind solche Umstellungen erforderlich, bezwecken
sie nämlich die Etablierung stabiler Verhältnisse auf einem der neuen Situation
angepassten wirtschaftlichen Niveau (vgl. Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2014, KV-SG 2014/1, E. 3.3).
quater
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2.
2.1 Die Rekurrentin machte geltend, ihre wirtschaftlichen Einkommensverhältnisse
hätten sich vom Jahr 2012 bis zum Jahr 2014 um mindestens 25% verändert, wobei
die Veränderung der Einkommensverhältnisse dauerhaft sei, bzw. auf den zu dieser
Zeit möglichen Planzahlungen des Betriebes der Rekurrentin beruhten. Es sei deshalb
für die Prüfung des Anspruchs auf IPV auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
abzustellen (act. G 4 und 2). Die Rekurrentin ist seit 2013 hauptberuflich selbständig
erwerbend (act. G 6.1/6). Per Ende 2012 hat sie ihre unselbständige Tätigkeit
aufgegeben, welche bis dahin ihr Haupteinkommen generiert hatte (vgl. act. G 8.2).
Zwar ging die Vorinstanz richtig in der Annahme, dass Schwankungen des
Einkommens einer selbständigen Erwerbstätigkeit inhärent sind und dass alleine
aufgrund einer pessimistischen Prognose für den Betrieb für das Jahr 2014 kein
dauerhafter Charakter anzunehmen ist (vgl. act. G 6.1/17). Dies gilt allerdings nur im
Rahmen einer selbständigen Erwerbstätigkeit an sich. Der Wechsel von einer
Arbeitnehmertätigkeit in die selbständige Erwerbstätigkeit stellt hingegen eine
Umstellung der Lebensverhältnisse in wirtschaftlicher und organisatorischer Hinsicht
dar; dies insbesondere in einem Kleinstbetrieb, wo eine Person alleine sich um
sämtliche Aspekte der Erwerbstätigkeit zu kümmern hat. Daran ändert nichts, wenn die
sich selbständig machende Person sich mit ihrer Tätigkeit letztlich wirtschaftlichen
Erfolg verspricht, welcher den in unselbständiger Tätigkeit erzielten Ertrag
möglicherweise übersteigt. Die mit dem Wechsel einhergehenden Veränderungen sind
in qualitativer Hinsicht grundlegend, tiefgreifend und zeitlich grundsätzlich unlimitiert.
Somit liegt in qualitativer Hinsicht eine dauerhafte Veränderung der
Einkommensgrundlage vor. Es bleibt abzuklären, ob die Abweichung im Bezugsjahr
wenigstens einen Viertel des massgebenden Einkommens des vorletzten Jahres
beträgt. Die Vorinstanz ging für das Jahr 2012 von einem Reineinkommen von CHF
64'402.- aus (act. G 6.1/11). Hierbei handelt es sich wohl um ein Verschreiben, weist
doch die Bestätigung der Steuerbehörde ein Reineinkommen von CHF 62'402.- aus
(act. G 8.2 und 6.1/9, S. 4). Die Vorinstanz verneinte eine dauerhafte qualitative
Veränderung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Rekurrentin und stütze sich zur
Überprüfung der quantitativen Veränderung auf die Steuermeldungen des Jahres 2012.
Angesichts der offensichtlichen qualitativ veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse
hätte die Vorinstanz jedoch die Steuerveranlagung für das Jahr 2013 abwarten
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müssen, um beurteilen zu können, ob die Rekurrentin einen Anspruch auf IPV hat. Die
nun vorliegende Steuerveranlagung 2013 weist ein Reineinkommen von CHF 44'770.-
auf, und das Reineinkommen der Steuererklärung 2014 beläuft sich auf CHF 34'700.-.
Gegenüber demjenigen des Jahres 2012 ist es also jeweils um über 25% gesunken
(act. G 4.1, 6.1/18). Somit ist die Veränderung auch in quantitativer Hinsicht so
bedeutend, dass für die Prüfung des Anspruchs auf IPV auf die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit der Rekurrentin abgestützt werden muss.
3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs unter Aufhebung des
Einspracheentscheids vom 13. Juni 2014 dahingehend gutzuheissen, dass die
Angelegenheit zur Prüfung der individuellen Prämienverbilligung für das Jahr 2014 an
die Vorinstanz zurückzuweisen ist. Nach Art. 95 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRP; sGS 951.1) hat in Streitigkeiten grundsätzlich jener
Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder zum Teil abgewiesen
werden. Beim vorliegenden Verfahrensausgang hat demnach die Vorinstanz die
Gerichtsgebühr zu bezahlen. Diese ist in Anwendung von Art. 7 Ziff. 122 der
Gerichtskostenverordnung (sGS 941.12), der einen Rahmen von CHF 500.-- bis CHF
15'000.-- vorsieht, wie in gleichartigen Fällen üblich, auf CHF 500.-- festzusetzen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP