Decision ID: 35202378-48b6-42d1-93c0-e4ff4ad7cdba
Year: 2016
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972, bezog während einer vom 1. Mai 2004 bis 30. April 2006 dauernden Rahmenfrist für den Leistungsbezug Taggelder der Arbeitslosenversicherung (
Urk.
10/21/3) und war damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) gegen Unfälle versichert. Am 5. Februar 2005 erlitt sie einen Verkehrsunfall, als sie bei einer Kreuzung bei grün korrekt abbiegen wollte und ein mit massiv übersetzter Geschwindigkeit heranfahrender Lenker das Rotlicht überfuhr und seitlich in ihr Fahrzeug prallte (
Urk.
10/233/95).
Dabei zog sie sich eine Kniekontusion, ein
postcommotionelles
Syndrom sowie ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule (HWS) zu (
Urk.
10/233/148-149 und
Urk.
10/233/66-68). Die SUVA trat auf den Schaden ein und gewährte Heilbehandlung sowie Taggeld.
In der Folge unterzog sich die Versicherte während Jahren verschiedenen Be
handlungen, wobei mannigfaltige Beschwerden persistierten. Mit Verfügung vom 21. November 2013 (
Urk.
10/336) schloss die SUVA den Fall ab und stellte ihre Leistungen per 31. Dezember 2013 ein unter Hinweis darauf, dass die ge
klagten Beschwerden aus psychiatrischer Sicht als überwindbar zu betrachten seien. Die dagegen am 28. November 2013 (
Urk.
10/340/1-12) erhobene Ein
sprache wies sie mit Entscheid vom 17. November 2014 (
Urk.
2) ab.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 5. Januar 2015 Beschwerde mit dem
Rechts
begehren
um Ausrichtung der gesetzlichen Leistungen über den 31. De
zember 2013 hinaus; eventuell sei eine Begutachtung durch das Gericht anzu
ordnen (
Urk.
1 S. 2). Die SUVA ersuchte am 1. Mai 2015 (
Urk.
9) um Abweisung der Beschwerde. Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien an den gestellten Anträgen fest (
Urk.
15 und
Urk.
20). Am 4. November 2015 (
Urk.
22) nahm die Versicherte erneut Stellung, was der SUVA am 6. November 2015 (
Urk.
23) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Die Eidgenössische Invalidenversicherung sprach der Versicherten mit Verfü
gung vom 9. Mai 2014 (
Urk.
10/354) ab 1. Februar 2006 bis 30. November 2008 eine
befristete
halbe Rente zu.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetztes über die Unfallversicherung (UVG) hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % (Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
So
zial
versicherungsrechts
, ATSG) invalid, so hat sie Anspruch auf eine Inva
li
den
rente (Art. 18 Abs. 1
UVG
).
1.2
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem ge
wöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebens
erfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses
Er
folges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129
V 177 E. 3.2, 405 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer ge
wissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Be
einträchtigun
gen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zu
rückzuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störun
gen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeu
tung für die Entstehung der Arbeits- bezie
hungsweise der Erwerbsunfähigkeit zu
kommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit ande
ren Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträch
tigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne
weiteres
zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne
weiteres
zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittle
ren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig da
von, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere herangezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls;
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
erhebliche Beschwerden;
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bundes
gericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beurtei
lung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psy
chischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleudertrauma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Be
schwerden auf eine Dif
ferenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht ent
scheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psy
chischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117
V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte einen weiteren Leistungsanspruch der Be
schwerdeführerin mit der Begründung, von weiteren Heilbehandlungen sei keine Verbesserung des Gesundheitszustandes mehr zu erwarten. In neurologi
scher Hinsicht sei kein Gesundheitszustand ausgewiesen, welcher eine dauer
hafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im Beruf als
Selbständigerwerbende
im Bereich Import und Export als Leiterin Marketing-Kommunikation bewirken könne. In psychiatrischer Hinsicht seien schmerzpsychotherapeutische Behand
lungen empfohlen worden und zuletzt habe die Beschwerdeführerin ihr Schmerzmanagement etablieren und vertiefen können (
Urk.
2 S. 14 f.). Die Ärzte seien sodann zur Auffassung gelangt, dass die Beschwerdeführerin für alle ihrem Ausbildungsstand entsprechenden Tätigkeiten uneingeschränkt be
lastbar sei und sie in psychiatrischer Hinsicht über grosse Ressourcen verfüge. Mit therapeutischer Hilfe sollte sie in der Lage sein, mit dem Leiden besser um
zugehen und die Auswirkungen auf ihr Leben zu reduzieren. Unter einer schmerzpsychotherapeutischen Behandlung sollte sie in der Lage sein, mit we
nig bis keinen Einschränkungen wieder im angestammten Beruf arbeiten zu können (S. 17). Die Beschwerdegegnerin ging schliesslich von der
Überwindbar
keit
des noch vorhandenen Leidens aus und prüfte die Adäquanzfrage nicht
(S. 17 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin ihrerseits ging davon aus, dass der natürliche und adä
quate Kausalzusammenhang gegeben sei (
Urk.
1 S. 13 ff.) und erachtete die noch vorhandenen Schmerzen als nicht überwindbar (S. 15 ff.). Sodann ging sie vom Vorliegen organisch bedingter Beschwerden aus (S. 19 f.).
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Spezialarzt FMH für Neurologie, diagnostizierte mit Bericht vom 16. Februar 2005 (
Urk.
10/233/66-67) ein
postcommotionelles
Syndrom sowie (wahrscheinlich) ein leichtes Distorsionstrauma der HWS und führte aus, nach
dem Unfall hätten sich Wortfindungs-, Konzentrations- und Schlafstörun
gen manifestiert. Zudem leide die Beschwerdeführerin seit kurzem an einem diffusen
Schwankschwindel
mit wechselhafter Ausprägung. Die neurologische Untersuchung habe keine Abweichung von der Norm ergeben, insbesondere keine Anhaltspunkte für eine zentral- oder peripher-vestibuläre Läsion. Die ver
anlassten Zusatzuntersuchungen (MRI der HWS und des Schädels) hätten eben
falls vollständig normale, altersgemässe Befunde ohne jeden Anhaltspunkt für posttraumatische Veränderungen ergeben. Die Untersuchung des Mentalstatus habe weitgehend normale Befunde gezeigt ausser beim schriftlichen Rechnen und beim Kopfrechnen, was gegen eine signifikante
cerebrale
Schädigung an
lässlich des Unfalles spreche (S. 3).
3.2
Kreisarzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie FMH, verwies in seinem Be
richt vom 27. Juli 2005 (
Urk.
10/8) auf den offensichtlich eindrücklichen Unfall sowie eine festgestellte HWS-Distorsion, wobei unter adäquaten therapeutischen Massnahmen eine Verbesserung habe erreicht werden können. Es bestehe eine Restsymptomatik im Sinne eines minimalen
zervikovertebralen
Syndroms (anamnestisch
zervikozephales
Syndrom) mit minimaler rechtsseitig verspannter Nackenmuskulatur und vereinzelten
Triggerpunkten
okzipital und am Ansatz der Muskulatur an der
Scapula
sowie Schmerzausstrahlung über die rechte Schulter, den Ellbogen bis in die Hand mit Sensibilitätsstörung im
Ulnaris-Aus
breitungsgebiet
vom
Sulcus
ulnaris
nach distal. Angegeben w
e
rde sodann die sogenannt typische HWS-Symptomatik mit andauernden und unter Belastung zunehmenden druckartigen Kopfschmerzen, Nackenschmerzen, Konzentrations
störungen, Schwindel, Vergesslichkeit, Leistungsknick, unregelmässiger Tinnitus sowie Lärmempfindlichkeit. Unter Hinweis auf sehr diskrete Befunde ging
Dr.
Z._
von einer raschen Steigerung der Arbeitsfähigkeit (bis anhin 25 %, was aus somatischer Sicht wohl nicht gerechtfertigt sei) aus (S. 4).
3.3
Die Ärzte der
RehaClinic
A._
, wo die Beschwerdeführerin vom 14. bis
25. November 2005 hospitalisiert gewesen war, diagnostizierten im Austritts
-
bericht
vom 19. Dezember 2005 (
Urk.
10/17/2-4) Restbeschwerden bei Status nach HWS-Distorsionstrauma durch Autounfall mit anamnestisch Commotio cerebri. Sie verwiesen auf die durchgeführten Therapien und schilderten – im Rahmen der neuropsychologischen Beurteilung - im Bereich Aufmerksam
keit/Konzentration Beeinträchtigungen bei der Selektivität in Form einer deutli
chen Verlangsamung sowie bei anspruchsvollen Aufgaben einer erhöhten Feh
lerzahl. Die Daueraufmerksamkeit sei vermindert gewesen ebenso wie die Stressresistenz. Die gezeigte psychophysische Belastbarkeit sei mit einem Pen
sum von 50 % bei schrittweiser Steigerung vereinbar.
3.4
Dr.
med.
Y._
, Spezialarzt FMH für Neurologie, berichtete am 29. August 2006 (
Urk.
10/33) über die Untersuchungen vom 18. und 25. August 2006 und diagnostizierte einen Status nach Unfallereignis mit Schädel-Hirntrauma mit kurzer anamnestischer Lücke und konsekutiven kognitiven Defiziten,
postcom
motionellem
Syndrom, wahrscheinlich leichtem posttraumatischem
Thoracic
Outlet Syndrom sowie bei Status nach leichtem Distorsionstrauma der HWS
(S. 1). Er schilderte einen altersgemässen Normalbefund der HWS (MRI vom
25. August 2006), insbesondere vollständig normale Verhältnisse im gesamten
Be
wegungssegment
C7/Th1 mit freier Wurzel C8 rechts (S. 2).
Dr.
Y._
führte aus, im Vordergrund stehe ein Persistieren kognitiver Defizite in Form von Konzentrationsstörungen, Merkfähigkeitsstörungen, Auftreten von Flüchtigkeitsfehlern und eine vorzeitige Ermüdung. Zudem stelle sich bei
Über
forderungssituationen
ein diffuses druckartiges Kopfweh ein. Diese Beschwerden führte er am ehesten auf ein Schädel-Hirn-Trauma zurück, für welches die zwar kurze, aber glaubhafte anamnestische Lücke von Minutendauer spreche. Die ge
klagten Kopfwehbeschwerden interpretierte er am ehesten als
Spannungskopf
weh
. Anhaltspunkte für ein schwerwiegendes HWS-Distorsionstrauma sah er keine.
3.5
Die Ärzte des
B._
, ORL, neurologische und psychiatri
sche Poliklinik, diagnostizierten im Bericht vom 11. April 2007 (
Urk.
10/52) einen Verdacht auf eine vestibuläre Migräne, posttraumatisch nach HWS-Distorsionstrauma und Commotio cerebri bei Autounfall (S. 1). In ihrer Beurteilung hielten sie fest, die seit dem Autounfall auftretenden Kopfschmer
zen erfüllten semiologisch die Kriterien einer Migräne ohne Aura. Der Schwin
del sei am ehesten eine Manifestation der Migräne. Der neuro-
otologische
und allgemein-neurologische Status sei unauffällig, sodass keine Hinweise auf eine Läsion des vestibulären Systems bestünden (S. 3).
3.6
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie FMH, referierte in seinem Gutachten vom 18. August 2008 (
Urk.
10/94) vorweg (S. 13) die bildgebenden
Untersu
chungsresultate
der Kernspintomographie HWS und Kopf vom 2
2.
Februar 2005 (keine posttraumatischen Veränderungen intrakraniell, regelrechtes
Hirnpa
renchym
, keine fokale Läsion, als Nebenbefund eine
Thornwaldt
-Zyste des
Epipharynx
links paramedian, Streckhaltung zervikal,
Disci
und Wirbelkörper intakt, keine posttraumatischen Veränderung) sowie derjenigen vom 25. August 2006 (keine Pathologie, vgl. auch E. 3.4).
Er schilderte die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden im Sinne einer Kraftminderung und Missempfindungen im rechten Arm,
Schulterschmer
zen
, Muskelkatergefühl an der rechten Halsseite, Nackenschmerzen mit Aus
strahlungen bis in die Stirnregion (S. 14).
Der Gutachter führte aus, bei der aktuellen neurologischen Untersuchung hätten sich vollumfänglich unauffällige Befunde ergeben. Die Beweglichkeit der HWS sei nicht messbar eingeschränkt gewesen. Es hätten sich lediglich leichtere mus
kuläre Verspannungen im Bereich des
Trapeziusmuskels
und der rechtsseitigen vorderen Halsmuskulatur gezeigt. Hierbei handle es sich um einen unspezifi
schen Befund. Die Beschwerdeführerin habe bei der Untersuchung vom klini
schen Eindruck her keineswegs krank oder schmerzgeplagt gezeigt. Über die fast zweistündige Untersuchung und Befragung hinweg sei sie stets voll konzentriert und in ihrer Belastbarkeit
un
eingeschränkt geblieben. Die vorgetragenen Schulter-, Arm- und Nackenbeschwerden seien von neurologischer Seite her nicht erklärbar. Insbesondere fänden sich kein objektivierbares
radikuläres
Syn
drom, keine klinischen Zeichen einer peripheren Nervenschädigung oder einer
Plexusläsion
(S. 25).
Bei der aktuellen neuropsychologischen Untersuchung (des
D._
vom 4. August 2008,
Urk.
10/95) hätten sich eine Verlangsamung der psychomotorischen Geschwin
digkeit (30 %), eine mittelgradig beeinträchtigte
attentionale
Leistung und eine deutliche Ermüdung nach einem Zeitintervall von 21⁄2 Stunden gezeigt. Darüber hinaus habe sich bei der Erhebung des allgemeinen kognitiven Niveaus ein sig
nifikanter Unterschied zwischen fluiden und kristallinen Anforderungen erge
ben. Die Leistungsminderungen seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Folge einer gestörten Schmerzverarbeitung und –
interferenz
zu interpretieren, nachdem sich anhand der Aktenlage keine Hinweise für eine strukturelle Läsion kortikaler oder subkortikaler Hirnstrukturen beziehungsweise eine relevante psychiatrische Komorbidität ergäben. Aus neuropsychologischer Sicht entspre
che das aktuelle Arbeitspensum der momentanen Leistungsfähigkeit. Nach Op
timierung der Schmerztherapie sei mit einer Wiedererlangung der vollen Ar
beitsfähigkeit im bisherigen Tätigkeitsbereich zu rechnen (S. 26). Im
Original
gutachten
sprachen die Gutachter von einer Einschränkung durch eine leichte Verlangsamung von ungefähr 30 % mit erkennbaren Leistungseinbrüchen, wes
halb aktuell insbesondere in der zeitlichen Erstreckung eine Einschränkung be
stehe; das von der Beschwerdeführerin täglich eingehaltene Arbeitsintervall
(25 %) scheine derzeit realistisch zu sein, eventuell sollte es ihr möglich sein, ein zweites Arbeitsintervall am späteren Nachmittag zu bewältigen (
Urk.
10/95 S. 14 und S. 4).
Dr.
C._
diagnostizierte einen wahrscheinlichen Kopfschmerz bei
Analge
-
tikaüber
gebrauch
, einen Verdacht auf eine vorbestehende Migräne ohne Aura sowie eine sekundäre neuropsychologische Funktionsstörung bedingt durch Schmerzinterferenz und eine Schmerzverarbeitungsstörung (S. 26).
Er hielt sodann fest, dass drei Jahre nach dem Unfall bei fehlenden strukturellen traumatischen Läsionen das geklagte und rein subjektiv zu fassende
Beschwer
debild
nicht mehr mit dem Grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf das Ereignis vom 5. Februar 2005 bezogen werden könne. Hinzu komme, dass ein Teil der Beschwerden mit erheblicher zeitlicher Latenz zum Ereignis aufgetreten sei, was gegen eine Unfallkausalität spreche. Es liege auch keine milde trauma
tische Hirnverletzung vor, da kein Kopfanprall stattgefunden habe. Als
Vorzu
stand
nannte er eine Migräne. Er erachtete die Beschwerden nach einer – wie vorliegend –
leichten
HWS-Distorsion über einen Zeitraum von sechs Monaten als nachvollziehbar. Spätestens ab dem Zeitpunkt der kreisärztlichen Untersu
chung vom 27. Juli 2005 hätten unfallfremde Faktoren den weiteren Verlauf vollumfänglich beherrscht, nachdem zu dieser Zeit bereits keine relevanten so
matischen Befunde mehr nachweisbar gewesen seien. Auf neurologischem Ge
biet sei kein Gesundheitsschaden ausgewiesen, der eine dauerhafte Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit im Beruf als
Selbständigerwerbende
im Bereich Im
port und Export und als Leiterin Marketing-Kommunikation bewirke. Die im Vordergrund stehende Schmerzproblematik sei behandelbar (S. 27 ff.).
3.7
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, diagnosti
zierte im Gutachten vom 5. Oktober 2011 (
Urk.
10/222) akzentuierte narzissti
sche Persönlichkeitszüge sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung; differenzialdiagnostisch eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (S. 16).
In Bezug auf die narzisstischen Anteile führte er aus, auf der einen Seite lege die vor dem Unfall auf den ersten Blick unauffällige Anamnese und die steile Karriere sowie
die
immer wieder genannte Freundlichkeit der Beschwerdeführe
rin eine Ausprägung der narzisstischen und
histrionischen
Charaktereigen
schaften nahe. Auf der anderen Seite erwiesen sich die narzisstischen Charak
tereigenschaften als sehr stark, hätten ausgeprägte Auswirkungen auf Gesund
heit und beruflichen Erfolg und würden selbst dann noch aufrechterhalten, wenn sie dysfunktional würden. Sie wirkten auch stark in das Helfersystem der Beschwerdeführerin und verleiteten dieses zum mitagieren (S. 19 f.).
Der Gutachter verwies weiter auf die im Vordergrund der Aufmerksamkeit der Beschwerdeführerin stehenden anhaltenden und belastenden Schmerzen, vor
allem in den Knien, im rechten Arm, Schultern und Nacken,
migräniforme
Kopfschmerzen und durch die Schmerzproblematik induzierte neuropsycholo
gische Funktionsstörungen. Von der wahrscheinlich bereits vor dem Unfall auf
getretenen Migräne abgesehen finde sich trotz der Schwere des Unfallvorganges für die Schmerzen keine medizinische Erkrankung im Sinne eines pathophysio
logischen Prozesses oder einer körperlichen Störung. Es lägen keine psychiatri
schen Krankheiten, insbesondere keine Depression, keine Anpassungsstörung und keine posttraumatische Belastungsstörung vor. Damit sei die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung zu stellen. Die neuropsychologischen Funk
tionsstörungen seien als schmerzbedingt beurteilt worden und sollten nach ei
ner erfolgreichen Schmerztherapie weitgehend bis vollständig reversibel sein
(S. 20). Insbesondere sei mit einer Verbesserung der Affekt- und
Bedürfniswahr
nehmung
, der Selbstwahrnehmung und der Abwehr zu rechnen. Medizinisch-theoretisch werde es dadurch zu einer Reduktion der Schmerzsymptomatik und einer Verbesserung der neuropsychologischen Funktion sowie der Lebensquali
tät kommen. Mit einer signifikanten Besserung sei – im ambulanten Setting - nicht vor sechs bis neun Monaten zu rechnen (S. 21 unten).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit erachtete der Experte die Beschwerdeführerin als in der Lage,
stundenweise
Unterricht zu erteilen, was sie nach dem Unfall auch bereits getan habe. Aus psychiatrischer Sicht sei das im Rahmen der neu
ropsychologischen Begutachtung aufgeführte Profil (E. 3.6) weiterhin gültig
(S. 24).
Aus psychiatrischer Sicht wäre es zwar ohne den Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht zu der jetzigen Symptomatik gekommen. Die anhal
tende somatoforme Schmerstörung sei als Folge einer dysfunktionalen Verar
beitung des Unfalles und der durch ihn ausgelösten Affekte, Konflikte und Verluste zu betrachten (S. 26).
3.8
Dr.
med.
F._
, FMH Anästhesiologie, Oberarzt Schmerzambulatorium am
B._
, berichtete am 21. November 2012 (
Urk.
10/288) über die Konsultation vom Vortag und diagnostizierte ein
cervicocephales
und
cervicobrachiales
Schmerzsyndrom mit hochgradigem Verdacht einer
facettären
Affektion rechts im Bereich C5/6/7 ausgehend vom Unfallhergang, dem schmerzhaften Niveau und der klinischen Untersuchung, wahrscheinlich muskulär
getriggerte
ulnar
betonte
Hypästhesien
im rechten Handbereich sowie ein chron
isch intermittie
rendes
lumboradi
kuläres
Schmerzsyndrom, aktuell inaktiv (S. 2). Er themati
sierte verschiedene Therapieempfehlungen (diagnostische
Facettengelenksab
klärung
, Hitzeverödung, intravenöse Austestung, physiotherapeutische Abklä
rung, stationäre Rehabilitation, S. 2 f.).
3.9
Lic.phil
.
G._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
Instituts
leiterin
des
H._
für psychologische Therapie, berich
tete am 28. Oktober 2013 (
Urk.
10/332) über ihre elf Sitzungen umfassende Therapie. Sie führte aus, die Beschwerdeführerin erkläre sich ihre Schmerzen anhand eines somatischen Erklärungsmodells. Eine Mit
b
eteiligung von psychi
schen Faktoren sei für sie bedingt nachvollziehbar. Im Verhaltensbereich sei ein günstiger Umgang mit den Schmerzen klar ersichtlich, die Beschwerdeführerin habe bereits bei Therapiebeginn über viele gute Strategien im Umgang mit Schmerzen verfügt. Das Schmerzmanagement sei gut etabliert. Ein wesentlicher Faktor sei die ungeklärte Versicherungssituation. Diese Belastung habe dazu geführt, dass ausser bei der Etablierung und Verbesserung des
Schmerzmana
gements
keine wesentlichen Veränderungen beim Ausmass der
Schmerzproble
matik
und der Steigerung der Leistungsfähigkeit hätten erzielt werden können. Es werde deshalb zum jetzigen Zeitpunkt die Beendigung der Therapie empfoh
len.
4.
4.1
Vorweg ist zu prüfen, ob zwischen den über den 1. Januar 2014 hinaus geklag
ten Beschwerden und dem Unfall vom 5. Februar 2005 ein natürlicher Kausal
zusammenhang gegeben ist.
4.2
Das höchste Gericht führte in seiner Rechtsprechung aus, dass im Hinblick auf die in der medizinischen Wissenschaft gesicherten Erkenntnisse nach
Schleu
dertrauma
die Zurechnung eines solchen zu einem Unfall zu verneinen sei, wenn die Latenzzeit von Beschwerden und medizinischen Befunden in der Halsregion nicht binnen 24 bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftre
ten (Urteil des Bundesgerichts U 264/97 vom 12. August 1999). Hierbei genügt es, wenn die versicherte Person an Nackenschmerzen leidet, und weitere
praxis
gemässe
Beschwerden erst mit der Zeit hinzukommen.
Diesfalls
ist vom Vorlie
gen einer HWS-Distorsion auszugehen (Urteil des Bundesgerichts U 336/06 vom 30. Juli 2007 E. 5.1).
4.3
Vorliegend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der
Erstuntersu
chung
am Unfalltag im
B._
über Schmerzen an der HWS geklagt hat (
Urk.
10/233/148-149
Ziff.
3).
Einschlägige Beschwerden im Sinne eines typi
schen Beschwerdebildes kamen im Verlauf hinzu, wobei unter anderem auch
Wortfindungs- und Konzentrationsstörungen (E. 3.1),
Kopfschmerzen,
Schwin
del, Vergesslichkeit, Leistungsknick, unregelmässiger Tinnitus sowie
Lärmemp
findlichkeit
(E. 3.2) beklagt wurden.
4.4
Damit ergibt sich, dass bei der Beschwerdeführerin innerhalb der
rechtsprechungs
gemäss
geforderten Zeit Nackenschmerzen aufgetreten sind und sie sich später auch über weitere einschlägige Beschwerden beklagte. Bei der entsprechend ärztlicherseits gestellten Diagnose einer HWS-Distorsion ist daher die natürliche Kausalität zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfall vom 5. Februar 2005 gegeben.
Im Zeitpunkt der Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin per 31. Dezem
ber 2013 stand dann indes vorweg die Schmerzproblematik im Vordergrund, namentlich Kopf- und Nackenschmerzen, daneben
Konzentrationsschwierigkei
ten
und Schwindel (
Urk.
10/317/2). Das Beschwerdebild war damit weit weniger bunt als noch zu Beginn, weshalb sich die Frage aufdrängt, ob die Kausalität überhaupt nach der für HWS-Distorsionen anwendbaren Rechtsprechung zu prüfen ist. Angesichts von einigen – dem bundesgerichtlich umschriebenen bunten Beschwerdebild – entsprechenden Beschwerden ist dies vorliegend (knapp) zu bejahen. Es ist demnach vom Bestehen einer natürlichen Kausalität zwischen den über den 1. Januar 2014 hinaus geklagten Beschwerden und dem Unfall vom Februar 2005 auszugehen.
5.
5.1
5.1.1
In Bezug auf die Adäquanzfrage ist zu klären, ob die von
der
Beschwerdeführe
rin geklagten Beschwerden einem organisch nachweisbaren unfallbedingten Substrat zuzuordnen sind.
5.1.2
Währenddem
die Beschwerdegegnerin dies verneinte, machte die Beschwerdefüh
rerin geltend, es liege ein struktureller Schaden vor, namentlich habe
Dr.
Y._
eine
cerebrale
und damit organische Schädigung angenommen. Weitere Abklärungen (CT) seien mangels Erforderlichkeit und
Behandlungsal
ternativen
nicht vorgenommen worden. Auch im neuropsychologischen Gut
achten seien Funktionsstörungen im Bereich bi-
fronto
-basaler und tieferer Strukturen unter Einbezug links-frontaler Strukturen beschrieben worden. Auch aus dem Bericht des
Dr.
F._
ergebe sich, dass der Unfall somatische Be
schwerden auf organischer Grundlage verursacht habe (
Urk.
15 S. 2 f.). Sodann hätten gewaltige Kräfte auf den Organismus und das Gehirn gewirkt. Es sei an
erkannt, dass unter anderem die unerwartete Beschleunigung des Kopfes als Pathogenese der Kopfverletzungen betrachtet werde (
Urk.
1 S. 17).
5.1.3
Den Akten sind keine dokumentierten organischen Schäden zu entnehmen. Die am Unfalltag im
B._
angefertigten Röntgenbilder zeigten keine Auffälligkeiten (
Urk.
10/233/149).
Dr.
Y._
konnte im Rahmen seiner neurologischen Unter
suchung keine Pathologie erkennen und verwies auf unauffällige MRI-Bilder der HWS und des Schädels. Schliesslich sprachen die klinischen Erhebungen gegen eine signifikante
cerebrale
Schädigung (E. 3.1; dies entgegen der Dar
stellung der Beschwerdeführerin,
Urk.
15 S. 2). Auch Gutachter
Dr.
C._
er
kannte – aufgrund der bildgebenden Untersuchungsresultate in den
Vorakten
- keine organische Pathologie und verwies lediglich auf einen irrelevanten
Ne
benbefund
(E. 3.6).
Nicht beigepflichtet werden kann der Beschwerdeführerin, soweit sie einzig auf
grund der Heftigkeit des Aufpralls auf eine Hirnverletzung schliesst. Sie aner
kennt (in Bezug auf diese strittige Frage) selber, dass die medizinische Diagnos
tik noch nicht perfekt ist und es Dinge gibt, die noch nicht mittels Bildgebung erfasst werden können (
Urk.
1 S. 20
Ziff.
16.5). Ein fehlender objektivierbarer Nachweis einer Hirnverletzung führt unfallversicherungsrechtlich dazu, dass eine solche grundsätzlich nicht angenommen werden kann.
Soweit die Beschwerdeführerin eine Commotio cerebri thematisiert (
Urk.
1 S. 20) ist zu bemerken, dass eine allfällige entsprechende Beeinträchtigung im vorlie
genden Zusammenhang nicht relevant ist. Das Bundesgericht verwendet diese Diagnose (in Abgrenzung zur
Contusio
cerebri) zur Prüfung der Frage, ob die Adäquanz geklagter Beschwerden ohne organisch nachweisbare Grundlage nach der Schleudertrauma-Praxis zu prüfen (oder ohne weiteres zu verneinen) ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_75/2016 vom 18. April 2016 E. 4.2 mit Hinwei
sen). Vorliegend erlitt die Beschwerdeführerin eine HWS-Distorsion, weshalb die entsprechende Praxis – bei Fehlen von im Vordergrund stehenden psychischen Beschwerden - ohnehin zur Anwendung gelangt.
Eine Commotio cerebri ist ein Zustand vorübergehender, schnell reversibler neu
rologischer Dysfunktion, der mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit kurz nach der Verletzung einhergeht. Der Verletzte hat oft eine Amnesie für die Zeit der Ver
letzung und/oder für die Zeit vor der Verletzung. Es bestehen aber keine neu
rologischen Auffälligkeiten. Die
Contusio
cerebri ist eine fokale Gewaltanwen
dung auf das zerebrale Gewebe, die mit kleinen
parenchymatösen
Blutungen oder einem lokalen Ödem einhergeht (Definitionen
gemäss
MSD-Manual der Di
agnostik und Therapie, Hrsg. von MSD Sharp &
Dohme
, 5. Aufl., München 1993, S. 1838; vgl. erwähntes Urteil
8C_75/2016
).
Gemäss
den echtzeitlichen medizinischen Akten wurde ein
postcommotionelles
Syndrom (neben einer HWS-Distorsion) diagnostiziert und auf Wortfindungs-, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie
Schwankschwindel
verwiesen. Die neurologische Untersuchung ergab keine Abweichung von der Norm, die MRI-Bilder von HWS und Schädel waren ebenfalls unauffällig. Nähere Untersuchun
gen des Gehirns wurden nicht angeordnet. Demnach wurden auch weder s
truk
turelle
Veränderungen noch Mikroblutungen im Gehirn gefunden.
Bei dieser Ausgangslage – die Beschwerdeführerin konnte bei geschilderter kurzer anam
nestischen Lücke nach dem Unfall selber aus dem Fahrzeug aussteigen und die Unfallmodalitäten erledigen (
Urk.
10/233/66,
Urk.
10/233/80 ff., insbesondere Frage 5,
Urk.
10/233/96 oben)
- ist eine solche Verletzung nicht nachgewiesen
. Ein herabgesetzter Glasgow-
Coma
-
Scale
-Wert wurde echtzeitlich nicht geschil
dert, mithin auch keine Bewusstlosigkeit, Gedächtnislücke oder eine andere Be
wusstseinsstörung (
Urk.
10/233/148-149). Eine Bewusstlosigkeit oder Amnesie für das Ereignis wurden gar explizit verneint (
Urk.
10/115/2). Zusammenfassend kann nicht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin eine ernsthaftere Verletzung des Gehirns (im Sinne einer
Contusio
cerebri) erlitten hat.
Bei diesem Ergebnis kann auch aus den Ergebnissen der neuropsychologischen Tests nichts zu Gunsten der Beschwerdeführerin abgeleitet werden. Diese ver
mögen gemäss konstanter Rechtsprechung keinen Nachweis für die Kausalität zwischen geltend gemachten kognitiven Leistungsschwächen und dem
Unfaller
eignis
zu erbringen (Urteil des Bundesgerichts 8C_409/2009 vom 29. Januar 2010 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 119 V 335 E. 3c).
Zum von
Dr.
F._
geäusserten Verdacht einer
facettären
Affektion rechts im Bereich C5/6/7 (
Urk.
1 S. 19
Ziff.
16.4 und E. 3.8) ist zu bemerken, dass er hierzu einzig vom Unfallhergang, dem schmerzhaften Niveau und der klini
schen Untersuchung ausging. Bei unauffälligen bildgebenden HWS-Befunden kann aus diesem unspezifisch geäusserten Verdacht keine organische Pathologie hergeleitet werden und rechtfertigen sich auch keine weiteren Abklärungen. Die Beschwerdeführerin selber legte keine entsprechenden Untersuchungsergebnisse auf.
Zusammenfassend fehlen jegliche objektivierbaren Anhaltspunkte für das Vorlie
gen einer unfallbedingten organischen Verletzung. Anzufügen bleibt, dass
rechtsprechungsgemäss
von organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden kann, wenn die erhobenen Befunde mit apparati
ven/bildgebenden Abklärungen bestätigt wurden und die hierbei angewendeten Untersuchungsmethoden wissenschaftlich anerkannt sind (Urteil des Bundesge
richts 8C_216/2009 vom 28. Oktober 2009 E. 2 mit Hinweis). Dies ist vorliegend nicht der Fall.
5.2
5.2.1
Zur Unfallschwere äusserte sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Ent
scheid nicht, liess sie doch die Adäquanz ungeprüft. Im Rahmen der
Beschwer
deantwort
schloss sie auf einen Unfall im eigentlichen mittleren Bereich (
Urk.
9 S. 4
Ziff.
5.6). Die Beschwerdeführerin ging dagegen von einem schweren Unfall aus (
Urk.
15 S. 5).
5.2.2
In der Kasuistik (vgl. hierzu Urteil des Bundesgerichts 8C_316/2008 vom
29. Dezember 2008 E. 3.2) wurden etwa folgende Unfälle dem mittleren Bereich zu
geordnet: Unfälle, bei welchen das Fahrzeug mit der versicherten Person bei ei
nem Überholmanöver mit ca. 100 km/h abrupt abgebremst wurde, dabei ins Schleudern geriet, gegen einen
Strassenwall
prallte, sich überschlug und auf der Fahrerseite zu liegen kam (Urteil 8C_169/2007 vom 5. Februar 2008, E. 4.2), ei
nen Lastwagen beim Überholen touchierte und sich überschlug (Urteil 8C_743/2007 vom 14. Januar 2008, Sachverhalt und E. 3), von der
Strasse
ab
kam und sich überschlug (Urteil U 213/06 vom 29. Oktober 2007, Sachverhalt und E. 7.2), auf der Autobahn in einer Kurve ins Schleudern geriet, sich über
schlug und auf dem Dach liegend zum Stillstand kam (Urteil U 258/06 vom
15. März 2007, Sachverhalt und E. 5.2) oder sich bei einer Geschwindigkeit von ca. 90 km/h auf einer Autobahn über eine Mittelleitplanke hinweg überschlug - wobei die versicherte Person hinausgeschleudert wurde - und mit Totalschaden auf der Gegenfahrbahn auf dem Dach zu liegen kam (Urteil U 492/06 vom
16. Mai 2007, E. 4.2).
Zu den schweren Ereignissen im mittleren Bereich hat die Rechtsprechung bei
spielsweise einen Unfall gezählt, bei dem ein Personenwagen auf der Überhol
spur der Autobahn bei einer Geschwindigkeit von rund 130 km/h plötzlich ins Schleudern geriet, die Normalspur und den Pannenstreifen überquerte, mit der Böschung kollidierte und sich überschlug; der Personenwagen wurde auf die Überholspur zurückgeschleudert und kam auf den Rädern stehend zum Still
stand, wobei der Beifahrer beim Überschlagen aus dem Dachfenster auf die Bö
schung geschleudert wurde und die versicherte Person das Fahrzeug nicht mehr eigenständig verlassen konnte (Urteil vom 11. Februar 2009, 8C_799/2008,
E. 3.2.2). Ebenfalls als schwerer Fall im mittleren Bereich wurde (nicht ein Auf
fahrunfall, sondern) ein Zusammenprall mit einem aus der Gegenrichtung kommenden Fahrzeug in einem Tunnel qualifiziert, mit drei beteiligten Autos, bei dem ein Toter und mehrere Verletzte zu beklagen waren (RKUV 1999 Nr.
U 335 S. 207; vgl. auch RKUV 2005 Nr. U 555 S. 322 E. 3.4.1 und Nr. U 548
S. 228 E. 3.2.2).
5.2.3
Beim vorliegend zu beurteilenden Unfall wurde die Beschwerdeführerin, als sie an der Ampel bei grün abbiegen wollte, von einem mit massiv übersetzter Ge
schwindigkeit
heranfahrenden Lenker, welcher das Rotlicht überfuhr und sich mutmasslich an einem
Raserrennen
beteiligte, seitlich gerammt (
Urk.
10/233/95), drehte sich zweieinhalb mal (
Urk.
15 S. 5) und prallte in einen Wegweiser (
Urk.
10/233/29). Die Beschwerdeführerin selber erlitt keine schwe
ren Verletzungen, der Beifahrer hingegen musste hospitalisiert (
Urk.
10/233/107) werden, erlitt - nach den Angaben der Beschwerdeführerin – ein schweres Hirntrauma und invalidisierte (
Urk.
1 S. 3; vgl. dagegen den Hin
weis auf einen Verdienst des Partners und damit die Ausübung seines Berufs als Grafiker;
Urk.
10/222/14, vgl. auch
Urk.
10/95/4). Ein unfallanalytisches Gut
achten des Instituts für Unfallanalysen,
O._
, errechnete eine
kollisionsbe
dingte
Geschwindigkeitsänderung von 55 km/h (
Urk.
10/28/2). Die
I._
, schl
oss auf eine solche von 40 bis
50 km/h, ohne dass sie den von den
O._
er
Kollegen geschätzten Wert aus
schlossen (
Urk.
10/49/5). Die Bilder des Unfallwagens zeigen erhebliche Schä
den, namentlich eine starke Deformierung der Beifahrertüre, ein weggeknicktes Hinterrad links und eine erhebliche Delle auf der Höhe der Hinterachse rechts (
Urk.
10/233/35-39).
5.2.4
Angesichts der erwähnten Kasuistik erscheint der vorliegend zu beurteilende Unfallablauf als mittelschwer. Die vom Bundesgericht als im Grenzbereich zu den schweren Unfällen gewerteten Konstellationen heben sich in ihrer Schwere insofern ab, als regelmässig höhere Geschwindigkeiten vorlagen und sich das Fahrzeug nicht bloss drehte, sondern überschlug (was teilweise auch bei den mittelschweren der Fall war) sowie gar Tote zu beklagen waren. Solches ist vor
liegend nicht gegeben. Damit ist der Unfall als mittelschwer
im engeren Sinn
zu qualifizieren. Die adäquate Kausalität ist damit gegeben, wenn
ein einzelnes
praxismässiges
Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder min
destens drei der zu berücksichtigenden Kriterien gegeben sind (Urteil des Bun
desgerichts 8C_12/2016 vom 1. Juni 2016 E. 7.3.2 mit Hinweisen).
5.3
5.3.1
Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklich
keit des Unfalls vorliegen ist objektiv und nicht aufgrund des subjektiven Emp
findens beziehungsweise Angstgefühls des Versicherten zu beurteilen (SVR 2013 UV Nr. 3 S. 7 E. 6.1). Abzustellen ist nicht auf das subjektive Erleben des Unfallgeschehens, sondern auf dessen objektive Eignung, bei den Betroffenen psychische Beeinträchtigungen auszulösen. Zu beachten ist, dass jedem min
destens mittelschweren Unfall eine gewisse Eindrücklichkeit eigen ist, welche somit noch nicht für eine Bejahung des Kriteriums ausreichen kann (vgl. Urteil 8C_39/2008 vom 20. November 2008 E. 5.2). Das Bundesgericht bejahte dieses Kriterium etwa bei einer Massenkarambolage auf einer Autobahn (Urteil 8C_623/2007 vom 2
2.
August 2008 E. 8.1; vgl. auch Urteil 8C_633/2007 vom
7. Mai 2008 E. 6.3), bei einem
Zusammenstoss
zwischen einem Personenwagen und einem Lastwagen in einem Autobahntunnel mit mehreren sich
anschlies
senden
Kollisionen mit der Tunnelwand (Urteil 8C_257/2008 vom 4. September 2008 E. 3.3.3), bei einem Zusammenprall zwischen einem Sattelschlepper und einem Personenwagen, wobei der Fahrer des Sattelschleppers die Kollision zu
nächst nicht bemerkte und den Personenwagen der versicherten Person noch auf einer längeren Distanz vor sich herschob, wobei die Insassen des Personen
wagens verzweifelt versuchten, den Unfallverursacher auf sie aufmerksam zu machen (Urteil 8C_508/2008 vom 2
2.
Oktober 2008 E. 5.3), bei einem in der
29. Woche schwangeren Unfallopfer (Urteil 8C_590/2008 vom 3. Dezember 2008 E. 5.3) oder bei einem Abbrechen des linken Hinterrads auf der Autobahn bei star
kem Verkehr mit hoher Geschwindigkeit und anschließendem Schleudern, zweimaligem Überqueren der Normalspur, wobei der Beifahrer durch das Dach aus dem Wagen geschleudert wurde, als sich das Fahrzeug überschlug (Urteil 8C_799/2008 vom 11. Februar 2009 E. 3.2).
Die Kollision war sicher eindrücklich, aber nicht von besonderer Dramatik. Grundsätzlich handelt es sich um eine einfache seitliche Kollision. Die Beson
derheit der Situation reduziert sich auf die hohe Geschwindigkeit, mit welcher der Unfallverursacher in das Fahrzeug der Beschwerdeführerin prallte. Ange
sichts fehlender massiver Verletzungen der Beschwerdeführerin sowie der Ka
suistik (
welche erheblich schlimmere Unfallabläufe
voraussetzt) kann das Krite
rium nicht als erfüllt betrachtet werden.
5.3.2
Ebenfalls zu verneinen ist das Vorliegen einer schweren oder besonders gearte
ten Verletzung (vgl. BGE 134 V 109 E. 10.2.2). Die Kniekontusion kann
klarer
weise
nicht als solche gefasst werden und die Beeinträchtigung an der HWS re
duzierte sich auf die diagnostizierte Distorsion ohne organisch nachweisbare Pathologie.
5.3.3
Die Annahme einer fortgesetzt spezifischen, belastenden ärztlichen Behandlung bedingt, gesamthaft betrachtet, eine kontinuierliche, mit einer gewissen
Plan
mässigkeit
auf die Verbesserung des Gesundheitszustandes gerichtete ärztliche Behandlung von ungewöhnlich langer Dauer.
Blosse
ärztliche
Verlaufskontrol
len
und
Abklärungsmassnahmen
sowie
manualtherapeutische
und medikamen
töse Behandlungen vermögen das Kriterium nicht zu erfüllen (Urteil des Bun
desgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.3). Einzig aufgrund des Umstandes, dass die Beschwerdeführerin ihre Schmerzen seit dem Unfall bei verschiedenen Ärzten zu lindern versuchte, kann noch nicht auf eine spezifi
sche, belastende ärztliche Behandlung geschlossen werden. Auch fand – soweit ersichtlich abgesehen von der zweiwöchigen Abklärung in der
RehaClinic
A._
im Anschluss an den Unfall – keine stationäre Therapie statt (vgl. auch
Urk.
10/222/18).
Praxisgemäss
werden an dieses Kriterium deutlich höhere An
forderungen gestellt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_910/2009 vom 1 3. Ja
nuar 2010 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen).
5.3.4
Die Erheblichkeit der Beschwerden beurteilt sich nach den glaubhaften Schmer
zen und nach der Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im Lebensalltag erfährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2013 vom 11. September 2013 E. 8.4). Die Beschwerdeführerin klagt seit dem Unfall ununterbrochen über Beschwerden (Knie, Arm, Schulter, Nacken, Hals;
Urk.
10/222/12) bei im Vordergrund stehendem Kopfweh. Sie kann ihren
Le
bensalltag
selber bestreiten, gibt einige Stunden Unterricht und erfüllt
Bera
tungsmandate
für verschiedene Firmen
(
Urk.
10/94/16-17). Angesichts der jah
relangen Beschwerden, welche therapeutisch angegangen wurden, ist das Krite
rium erfüllt. Die Beschwerden übersteigen das bei HWS-Distorsionen übliche
Mass
indes jedenfalls nicht derart, dass das Kriterium in besonders ausgeprägter Weise bejaht werden könnte (Urteil des Bundesgerichts 8C_580/2010 vom
30. August 2010 E. 5.3.2).
5.3.5
Mangels entsprechender Anhaltspunkte in den Akten kann nicht von einer ärztli
chen Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hätte, gesprochen werden.
5.3.6
Ohne weiteres zu verneinen ist sodann das Kriterium des schwierigen
Heilungs
verlaufs
und der erheblichen Komplikationen. Hierfür bedürfte es besonderer Gründe, welche die Heilung beeinträchtigt haben. Dass Beschwerden trotz der durchgeführten Behandlungen persistieren, genügt ebenso wenig (Urteil des
Bundesgerichts 8C_1015/2008 vom 6. April 2009 E. 5.4.3) wie der Umstand, dass die versicherte Person unter verschiedenartigen Symptomen leidet, die sich im Rahmen umfassender medizinischer Untersuchungen keinem organisch nachweisbaren Substrat zuordnen lassen, handelt es sich dabei doch gerade um ein für eine Schleudertrauma-Verletzung charakteristisches Phänomen (vgl. BGE 117 V 359 E. 4b).
5.3.7
Was
schliesslich
das Kriterium der erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewie
sener Anstrengungen anbelangt, ist dem Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom medizinischen Stand
punkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der Arbeitsunfähig
keit ist daher
massgebend
, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit als sol
che, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen unter
nimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen, wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung schnellst möglich wieder optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstren
gungen der versicherten Person können sich insbesondere in ernsthaften
Ar
beitsversuchen
trotz allfälliger persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz im Rahmen von medizinischen
Thera
piemassnahmen
zu berücksichtigen. Sodann können Bemühungen um alterna
tive, der gesundheitlichen Einschränkung besser Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum Fallabschluss in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V 109 E. 10.2.7 mit Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin arbeitet seit dem Unfall nur noch reduziert. Sie gibt an drei Stunden pro Monat Unterricht im Fach Marketing an einer Privatschule und bearbeitet Beratungsmandate für verschiedene Firmen im Umfang von 25
%
(
Urk.
10/94/16). Ihre diesbezüglichen Anstrengungen beziehen sich hauptsächlich auf ihre selbständige Erwerbstätigkeit. Ein ernsthafter Versuch, das Pensum zu steigern oder sich um eine unselbständige Tätigkeit zu bemühen, fand – soweit ersichtlich - nicht statt. Damit ist fraglich, ob das Kriterium als erfüllt gewertet werden kann, obschon durchweg
s
eine 75%ige Arbeitsunfähig
keit attestiert wurde und sie mit dem Restpensum von 25
%
ordentlich
zu
r
echt
kommt
(
Urk.
10/222/13 und
Urk.
10/95/4). Das Kriterium ist jedenfalls nicht in ausgeprägter Form erfüllt.
5.3.8
Von den sieben relevanten Kriterien sind demnach höchstens zwei in nicht beson
ders ausgeprägter Weise erfüllt. Das genügt beim gegebenen Schweregrad des Unfalls nicht für die Bejahung der Adäquanz.
Weitere Abklärungen in Form einer Begutachtung sind nicht erforderlich, wes
halb darauf zu verzichten ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157
E. 1d). Die objektivierbaren Befunde stehen fest und sind unbestritten. Die vorlie
gend entscheidende unfallversicherungsrechtliche Relevanz der Beschwer
-
den
beschlägt eine Rechtsfrage, welche nicht mittels medizin
i
scher Einschätzung zu klären ist.
6.
6.1
Bei diesem Ergebnis erübrigt sich an sich die von den Parteien schwergewichtig thematisierte Frage der „Überwindbarkeit“, diese soll aber gleichwohl kurz be
leuchtet werden.
Rechtsprechungsgemäss beurteilt sich nach der entsprechenden Praxis, o
b eine spezifische und unfalladäquate HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne orga
nisch nachweisbare Funktionsausfälle invalidisierend wirkt (BGE 136 V 279). Die im Bereich der Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechungsänderung zu den anhaltenden somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren psy
chosomatischen Leiden
gemäss
BGE 141 V 281
gilt
sinngemäss
auch, wenn bei natürlich und adäquat unfallkausalen
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syn
dromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage der Anspruch auf eine Rente der obligatorischen Unfallversicherung zu beurteilen ist (BGE 141 V 574).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und
an
schliessende
Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades nur zulässig ist, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
grundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind.
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanam
nestisch ausgewiesener
Leidens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
6.2
Vorliegend erweisen sich die diagnoserelevanten Befunde als nicht erheblich ausgeprägt. Die Beschwerdeführerin hat wohl ein HWS-Distorsionstrauma erlit
ten, organisch sind aber keine Pathologien nachweisbar. Die Beschwerden redu
zieren sich auf die subjektiv geklagten (Kopf-)Schmerzen. Die
Behandlungsbe
mühungen
zeitigten keinen durchschlagenden Erfolg, die Beschwerdeführerin klagt weiterhin über praktisch unveränderte Schmerzen. Die berufliche Einglie
derung nahm die Beschwerdeführerin selbständig (hauptsächlich) im Rahmen der Tätigkeit in ihrer Firma vor, wobei eine Steigerung über ein Pensum von 25
%
nicht erfolgte. Komorbiditäten sind keine ersichtlich, namentlich genügt die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung nicht zur Erfüllung dieses Kriteriums, fällt doch diese vielmehr selber unter den Prüfungsraster. Die Be
schwerdeführerin verfügt über erhebliche Ressourcen (Bereitschaft zur Therapie, Strategien, Wille, Ausgleich finden, kein Schonverhalten) und ein stabiles sozi
ales Umfeld (
Urk.
10/317/2). Zur
gleichmässigen
Einschränkung des
Aktivitä
tenniveaus
in den verschiedenen Lebensbereichen ist namentlich der Tagesab
lauf von Bedeutung. Hier zeigen sich weitgehend unauffällige Verhältnisse: mit Hund
spazierengehen
, zwei Stunden Arbeit am häuslichen Schreibtisch,
Haus
haltarbeiten
, Einkäufe, Hund betreuen, kochen. Statt Skulpturen aus Ton formen betreibt sie Nordic-Walking (
Urk.
10/94/16-17). Sie kann auch an geschäftli
chen Anlässen teilnehmen, die Tage verlaufen aber nicht immer konstant. Das Leben mit dem Partner bezeichnet sie als beschaulich, welches jenem zweier Rentner gleiche (
Urk.
10/95/4). Das
Aktivitätenniveau
ist bei den geschilderten
Tätigkeiten nicht besonders auffällig, erkennbar ist ein tieferer Rhythmus und längerer Zeitbedarf zur Erholung, indes war das bisherige Leistungsniveau mit 60 Wochenarbeitsstunden (
Urk.
10/94/16) auch überdurchschnittlich hoch. Er
kennbar ist ein behandlungs- und (teilweise ein) eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck. Die Beschwerdeführerin bemühte sich während Jahren um verschiedene Behandlungen, wobei indes eine längerdauernde sta
tionäre
Hospitalisation
mit schmerztherapeutischem Ansatz nicht aktenkundig ist (hingegen eine ambulante Kopfwehtherapie im Universitätsspital Zürich,
Urk.
10/287).
6.3
Nach dem Gesagten sind einige Kriterien (knapp) gegeben, andere dagegen doku
mentieren eine durchaus vorhandene Leistungsfähigkeit und entsprechende Ressourcen. Bei diesem Ergebnis kann nicht geschlossen werden, dass eine nicht angehbare Arbeitsunfähigkeit
vorliegt
. Unfallversicherungsrechtlich sind allfäl
lige verbleibende Beschwerden
demgemäss
nicht relevant.
7.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die über den 31. Dezember 2013 hinaus bestehenden Beschwerden nicht in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum erlittenen Unfall vom 5. Februar 2005 stehen und allfällige Beschwerden
un
fallversicherungsrechtlich
nicht von Bedeutung sind. Damit erweist sich die (folgenlose) Leistungseinstellung per 31. Dezember 2013 als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
Zutreffend ist, dass das Tragen der Unfallrestfolgen durch die Beschwerdeführe
rin als Opfer eines
Raserunfalls
einen schalen Beigeschmack hat (vgl. das ent
sprechende Vorbringen,
Urk.
1 S. 21
Ziff.
17.3). Die Gesetzgebung (und Recht
sprechung) zur Unfallversicherung hat indes eine leicht abweichende Optik und reduziert die Haftung der (obligatorischen) Unfallversicherung entsprechend dem oben Dargelegten. Andere Fragen können im vorliegenden
Prozess
nicht erörtert werden.