Decision ID: d65072f0-38d3-49fa-bdf7-63f6fa01b7b8
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Thöny, Bahnhofstrasse 8, 7000 Chur,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente (Nichteintreten)
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Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 21. April 2005 bei der IV-Stelle des Kantons St. Gallen zum
Bezug von Rentenleistungen an. Sie gab als Beschwerden Knie-, Arm- und
Wirbelsäulenprobleme sowie hohen Blutdruck an (IV-act. 1). Anlässlich der
Haushaltsabklärung vom 26. Oktober 2005 wurde die Versicherte als zu 100% im
Haushalt tätig qualifiziert (vgl. IV-act. 15).
A.b Im von der IV-Stelle in Auftrag gegebenen Gutachten vom 27. November 2006
stellten die Ärzte der Klinik B._ im Wesentlichen folgende Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit: Erstens diffuse Schmerzangabe am ganzen
Bewegungsapparat mit/bei Status nach anteriorer zervikaler Diskektomie und Fusion
C5/6 am 16. Mai 2006, Zustand nach Spanentnahme am Beckenkamm rechts am
16. Mai 2006, kernspintomographisch nachgewiesen ausgesprochenen degenerativen
Veränderungen im Bereich der unteren Halswirbelsäule vor allem C5/6, degenerative
Veränderungen C4/5 und C6/7, zweitens mittelgradige depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) mit/bei verschiedenen Belastungsfaktoren
sowie drittens metabolisches Syndrom mit Diabetes mellitus Typ II, arterieller
Hypertonie, Hyperlipidämie und Adipositas Grad II mit einem BMI von 39 kg/m . Ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden ein mässiges lumbovertebrales
Syndrom mit/bei Osteochondrose L5/S1 sowie Chondrosen und Spondylarthrosen
Th10-S1. Die zumutbare Arbeitsfähigkeit im Haushalt betrage aus somatischer wie
auch aus psychiatrischer Sicht rund 50% und der Versicherten seien
Haushalttätigkeiten im Umfang von vier bis fünf Stunden täglich zumutbar (IV-act. 23).
A.c Mit Verfügung vom 4. Mai 2007 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten ab (IV-act. 32). Sie stützte sich dabei im Wesentlichen auf die
Stellungnahme des Abklärungsdienstes vom 26. Februar 2007 (IV-act. 27). Darin wurde
ausgeführt, dass bei Berücksichtigung der medizinischen Ergebnisse (vgl. IV-act. 23),
gemessen an der realen Haushaltsituation und unter Anrechnung der
Schadenminderungspflicht durch die Angehörigen eine anrechenbare Einschränkung
von 18% resultiere. Die Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
2
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B.
B.a Am 10. Dezember 2009 meldete sich die Versicherte erneut zum Bezug von
Rentenleistungen bei der IV-Stelle an (IV-act. 39). Am 18. Dezember 2009 reichte sie
diverse Arztberichte nach (vgl. IV-act. 41).
B.b Im Bericht vom 28. September 2009 stellten die Ärzte der Klinik für Innere
Medizin, Spital C._, folgende Diagnosen: Lumbospondylogenes Syndrom mit/bei
aktuell erneuter Exazerbation sowie Röntgen LWS vom 27. September 2009: Skoliose
mit degenerativen Spondylarthrosen im LWS-Bereich und Osteochondrosen L5/S1.
Weitere behandlungsrelevante Diagnosen seien Diabetes mellitus Typ II sowie arterielle
Hypertonie und verschiedene Komorbiditäten (IV-act. 43).
B.c Im Bericht vom 30. Oktober 2009 stellten die behandelnden Ärzte des
Kantonsspitals St. Gallen folgende Diagnosen: Lumboischialgie links sowie Zustand
nach Operation eines zervikalen Bandscheibenvorfalls C5/6 am 16. Mai 2005. Das
Kernspintomogramm der LWS vom 13. Oktober 2009 habe einen
Bandscheibenprolaps L4/5 medial bei primär eng angelegtem Spinalkanal gezeigt (IV-
act. 42-3 f.).
B.d Die behandelnden Ärzte des Kantonsspitals St. Gallen diagnostizierten im Bericht
vom 26. November 2009 eine lumbale Diskushernie L4/5 links mit sensomotorischem
Ausfall L5 und S1 links sowie Status nach Operation einer zervikalen Diskushernie C5/6
am 16. Mai 2005. Die Operation vom 13. November 2009 (Dekompression durch
Laminotomie L4 und L5 sowie Sequesterektomie und Nukleotomie L4/5) sei
komplikationslos verlaufen. Es seien nach dem Eingriff keine neuen neurologischen
Defizite zu verzeichnen und bei Austritt habe die Versicherte ein flüssiges Gangbild
gezeigt. Bis zum Nachkontrolltermin am 16. Dezember 2009 bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit (IV-act. 42-1 f.).
B.e In einer internen Stellungnahme führte Dr. med. D._, Facharzt FMH für
Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie Rheumatologie, vom Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD) am 18. Januar 2010 aus, eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes der Versicherten könne aufgrund der neu hinzugekommenen
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lumbalen Problematik nicht ausgeschlossen werden, auch wenn bereits im Gutachten
der Klinik B._ 2006 ein mässiges lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei
Osteochondrose L5/S1 beschrieben worden sei. Medizinisch theoretisch dürfe jedoch
insgesamt erwartet werden, dass sich unter Berücksichtigung der
Schadenminderungspflicht der Angehörigen keine IV-relevante, zusätzliche
Verminderung der Arbeitsfähigkeit in der zu betrachtenden Haushaltstätigkeit ergeben
sollte (IV-act. 45).
B.f Mit Vorbescheid vom 25. Januar 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit,
dass vorgesehen sei, auf das Gesuch nicht einzutreten (IV-act. 49). Daraufhin erhob die
Versicherte am 28. Januar 2010 sinngemäss Einwand und beantragte umfassende
medizinische Abklärungen. Sie führte aus, die Schmerzen seien nach der Operation an
der Bandscheibe nicht zurückgegangen und sie könne auch zu Hause nur mit Stöcken
gehen. Den Haushalt könne sie nicht zur Hälfte ausführen (IV-act. 50).
B.g Am 8. März 2010 verfügte die IV-Stelle gemäss Vorbescheid, dass auf das
Gesuch nicht eingetreten werde. Zum Einwand der Versicherten führte sie aus, mit dem
Schreiben vom 28. Januar 2010 seien keine neuen Tatsachen geltend gemacht
worden. Es sei nicht davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand der
Versicherten seit Verfügung vom 4. Mai 2007 dahingehend verändert habe, dass sie in
IV-relevanter Weise in ihrer Tätigkeit als Hausfrau eingeschränkt sei (IV-act. 51).
B.h In einem Schreiben vom 15. März 2010 führte der Hausarzt der Versicherten,
Dr. med. E._, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin, aus, die Versicherte könne den
Haushalt nicht mehr führen. Die Versicherte sei nicht im Stande gewesen, den Einwand
auf den Vorbescheid so zu formulieren, dass die IV-Stelle darauf hätte eingehen
können, weshalb ein versicherungsinterner Untersuch beantragt worden sei (IV-
act. 52). Auf das Schreiben des Hausarztes Bezug nehmend teilte die IV-Stelle der
Versicherten am 23. März 2010 mit, sie habe schon zum Zeitpunkt des ersten
Entscheides 2007 nur noch geringfügig Haushaltstätigkeiten ausgeübt und sei sehr
stark entlastet worden. Die eingereichten Unterlagen seien dem RAD zur
Stellungnahme unterbreitet worden und es habe keine IV-relevante zusätzliche
Verminderung der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden können (IV-act. 55).
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B.i Dr. E._ teilte im Schreiben vom 12. April 2010 mit, dass bei der Beurteilung der
Invalidität der Versicherten im Jahre 2006 die zervikale Symptomatik im Vordergrund
gestanden habe und die lumbale Situation nebensächlich gewesen sei. Die lumbale
Symptomatik sei vor allem Anfang 2010 (gemeint wohl: Anfang 2009) aufgetreten. Die
Versicherte habe notfallmässig operiert werden müssen und die akute Lumboischialgie
habe sich nach der Operation verbessert. Nicht verbessert hätten sich die
degenerativen Beschwerden der ganzen Lendenwirbelsäule mit sehr starker
Fehlhaltung. Die Beeinträchtigungen hätten sich mindestens verdoppelt (IV-act. 60).
C.
C.a Gegen diese Verfügung vom 8. März 2010 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 22. April 2010. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
beantragt, die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, auf das Leistungsbegehren der
Beschwerdeführerin einzutreten und weitere Abklärungen vorzunehmen. Zur
Begründung führt er im Wesentlichen an, die IV-Stelle habe nach erfolgter Operation
und Nachkontrolle keine zusätzlichen Abklärungen vorgenommen, sondern der RAD
habe lediglich gestützt auf eine Aktenbeurteilung eine Stellungnahme abgegeben. Der
RAD habe zudem reine Mutmassungen angestellt, denn es seien keine aktuellen
Berichte, insbesondere darüber, wie sich der Heilungsprozess nach dem 16. Dezember
2009 entwickelt habe, eingeholt worden. Für eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin spreche insbesondere, dass es zu
einer Hypästhesie und einer Schwäche im linken Bein gekommen sei und die
Beschwerdeführerin nur noch mit Mühe habe gehen können. Auch Dr. E._ spreche
im Bericht vom 12. April 2010 (IV-act. 60) von einer erheblichen Zunahme der
Beeinträchtigung (act. G 1).
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. Juni 2010 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führt sie an, dass aus den Aussagen
der Beschwerdeführerin zu ihrer Arbeitsfähigkeit im Haushalt keine Verschlechterung
abgeleitet werden könne, da die Beschwerdeführerin schon bei der Haushaltabklärung
vom 26. Oktober 2005 (vgl. IV-act. 15) angegeben habe, sie mache den ganzen Tag
kaum etwas und liege die meiste Zeit. Der Hausarzt habe bereits im Vorfeld der
Verfügung vom 4. Mai 2007 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit angegeben, weshalb die
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geltend gemachte Verdoppelung der Beeinträchtigung nicht möglich sei. Die
Beschwerden an der Lendenwirbelsäule würden seit Jahren bestehen, ansonsten seien
die Aussagen der Beschwerdeführerin, dass sie sich seit 2005 tagsüber immer wieder
hinlege, nicht erklärbar. Der Einwand der Beschwerdeführerin, sie könne auch zu
Hause nur mit Stöcken gehen, sei durch den Bericht des Kantonsspitals, nach
welchem sich nach der Operation ein flüssiges Gangbild zeigte, zu entkräften.
Schliesslich sei die temporäre Verschlechterung vor der Operation vom 13. November
2009 mit einem Beinbruch vergleichbar und stelle keinen Grund für ein neues Gesuch
dar. Zudem sei hinsichtlich der Lendenwirbelsäule durch die Operation im Minimum der
Vorzustand erreicht worden (act. G 4).
C.c Mit Replik vom 26. Juli 2010 (act. G 8) hält der Rechtsvertreter an seinen Anträgen
fest. Die in der Beschwerdeantwort angeführte Begründung sei unzureichend und
könne einen Nichteintretensentscheid nicht rechtfertigen. Es sei zumindest glaubhaft,
dass das lange Hinauszögern der operativ behobenen Diskushernie L4/5 zu einem
chronifizierten Schmerzprozess und dieser wiederum zur Zunahme der Behinderung
geführt haben könnte (act. G 8). Der Rechtsvertreter reicht zudem ein Schreiben des
Hausarztes Dr. E._ vom 19. Juli 2010 ein. Darin führte dieser aus, die
Beschwerdeführerin könne nur mit einem Stock gehen und der Gang sei
vornübergebeugt und hinkend. Die somatischen Befunde der Lendenwirbelsäule
würden die geschilderten Beschwerden glaubhaft machen (act. G 8.1).
C.d Die Beschwerdegegnerin hat am 30. Juli 2010 auf die Einreichung einer Duplik
verzichtet (act. G 10).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2012 ist der erste Teil der 6. Revision der Invalidenversicherung in Kraft
getreten. In zeitlicher Hinsicht gilt der übergangsrechtliche Grundsatz, dass der
Beurteilung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklichte (vgl. BGE 127 V
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467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die Beschwerdegegnerin hat die
angefochtene Verfügung am 8. März 2010 und somit vor Inkrafttreten der IV-Revision
6a erlassen. Die übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen im vorliegenden Fall
ohnehin keine materiell-rechtlichen Folgen, weshalb nachfolgend die zum Zeitpunkt
des Verfügungserlasses anwendbaren Bestimmungen wiedergegeben werden.
2.
Streitig und vorliegend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf
das Gesuch der Beschwerdeführerin eingetreten ist. Eine materielle Beurteilung bildet
nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
2.1 Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit, es sei denn, eine versicherte Person ist vor dem Eintritt der
Gesundheitsbeeinträchtigung nicht erwerbstätig gewesen und es hat ihr auch nicht
zugemutet werden können, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. In diesem Fall gilt
gemäss Art. 8 Abs. 3 ATSG die Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
als Invalidität. Die Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG wird durch einen
Einkommensvergleich ermittelt (Art. 16 ATSG). Die Methode zur Bemessung der
konkreten Unmöglichkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wird vom ATSG nicht
geregelt. Diese Lücke füllt Art. 28a Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20). Es ist darauf abzustellen, in welchem Masse
die betreffende Person behindert ist, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wofür ein
so genannter Betätigungsvergleich durchzuführen ist. Als Aufgabenbereich der im
Haushalt tätigen Person gelten insbesondere die übliche Tätigkeit im Haushalt, die
Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten (Art. 27 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG
besteht ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70%, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60%
invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50% besteht ein Anspruch auf
eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% ein Anspruch auf
eine Viertelsrente.
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2.2 Wird ein Gesuch um Rentenanpassung eingereicht, ist darin glaubhaft zu
machen, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise
geändert hat (Art. 87 IVV). Durch diese Eintretensvoraussetzung soll verhindert werden,
dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher
begründeten Rentengesuchen befassen muss (vgl. Urteil des Bundesgerichtes vom 2.
November 2011, 8C_624/2011, E. 4.3.1, mit Hinweis). Eine erstmalige
Rentenzusprache aufgrund einer Neuanmeldung nach vorangegangener Ablehnung
eines Rentengesuchs gemäss Art. 87 Abs. 4 IVV in Verbindung mit Abs. 3 dieser
Bestimmung setzt voraus, dass seit der letzten rechtskräftigen Verfügung, die auf einer
materiellen Prüfung des Anspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung,
Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V
108 E. 5, 130 V 71 E. 3.2.3), eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen
eingetreten ist, welche zu einem höheren Invaliditätsgrad führt, der nunmehr einen
Rentenanspruch begründet (BGE 133 V 108 E. 5).
2.3 Unter Glaubhaftmachen im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV ist nicht der Beweis nach
dem im Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu verstehen. Die Beweisanforderungen sind vielmehr dergestalt
herabgesetzt, als es genügt, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen
Sachumstand wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch
mit der Möglichkeit zu rechnen ist, dass sich bei eingehender Abklärung die
behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lässt (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
vom 8. Juli 2011, 9C_236/2011, E. 2.1.1, mit Hinweisen).
3.
3.1 Ausgangspunkt für die Verlaufsbeurteilung ist vorliegend die rechtskräftige Ver
fügung vom 4. Mai 2007 (IV-act. 32).
3.2 Im von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht des Kantonsspitals St.
Gallen vom 30. Oktober 2009 (IV-act. 42-3 f.) führten die behandelnden Ärzte aus, es
bestünden seit mehreren Wochen therapieresistente Lumboischialgien links bei im
Kernspintomogramm nachgewiesenem, medialem Bandscheibenprolaps L4/5. Vom
11.-19. November 2009 war die Beschwerdeführerin im Kantonsspital St. Gallen
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hospitalisiert und wurde am 13. November 2009 operiert. Diese Operation musste
aufgrund der starken Schmerzen der Beschwerdeführerin vorverlegt werden (vgl. IV-
act. 42-1 f.). Entgegen den Ausführungen der Beschwerdegegnerin ist die
Bandscheibenoperation vom 13. November 2009 durchaus als möglicher Anhaltspunkt
für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
anzuführen, auch wenn diese gemäss Bericht komplikationslos verlaufen ist und die
Beschwerdeführerin bei Austritt am 19. November 2009 ein flüssiges Gangbild zeigte.
Was sich dem Bericht allerdings nicht entnehmen lässt, ist der weitere postoperative
Verlauf. Zudem teilten sowohl die Beschwerdeführerin als auch ihr Hausarzt mit, die
Schmerzen seien trotz der Operation nicht zurückgegangen und sie könne nur an
Stöcken gehen (IV-act. 50, IV-act. 52). Es kann somit nicht per se ein
komplikationsloser Heilungsverlauf angenommen werden. Geht man nunmehr davon
aus, dass sich die lumbale Problematik, wie von der Beschwerdeführerin und ihrem
Hausarzt geltend gemacht, verschlechtert hat, könnte sich dies auf ihre
Haushalttätigkeit auswirken und sie insbesondere in Tätigkeiten einschränken, die mit
dem Heben schwerer Lasten verbunden sind (wie zum Beispiel das Tragen von
Einkaufstaschen, Putzutensilien oder Wäschekörben) sowie in solchen, die die
Einnahme von Zwangshaltungen erfordern (z.B. Putzen, Kochen, Wäsche
zusammenlegen). In seiner Stellungnahme vom 18. Januar 2010 geht der RAD sodann
grundsätzlich davon aus, eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin könne nicht ausgeschlossen werden (IV-act. 45).
3.3 Es ergeben sich somit unter Berücksichtigung der Operation und allfälliger
Komplikationen während des Heilungsverlaufs sowie der Verschlechterung der
lumbalen Problematik genügend Anhaltspunkte für eine relevante Veränderung des
Sachverhalts.
3.4 Was die Ausführungen des RAD-Arztes Dr. D._ betrifft, wonach unter
Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht der Angehörigen trotz einer allfälligen
Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin erwartet werden
dürfe, dass sich keine IV-relevante Verminderung der Arbeitsfähigkeit in der zu
betrachtenden Haushalttätigkeit ergeben sollte, so ist vorliegend nicht erstellt, wie sich
die Haushaltsituation der Beschwerdeführerin zum heutigen Zeitpunkt darstellt. Es ist
mithin nicht belegt, ob sich diesbezüglich Änderungen gegenüber der Situation im
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Zeitpunkt der ersten Abklärung im Oktober 2005 ergeben haben, die es zu berück
sichtigen gilt. Insbesondere aber können die Voraussetzungen für das Eintreten auf das
neue Leistungsgesuch nicht verneint werden aufgrund von Mutmassungen über
Fragen, die schliesslich im Rahmen der materiellen Anspruchsprüfung zu klären sind.
3.5 Vor dem gegebenen Hintergrund ist eine relevante Änderung des
Invaliditätsgrades im Sinne von Art. 87 Abs. 4 in Verbindung mit Abs. 3 IVV seit Erlass
der Verfügung vom 4. Mai 2007 glaubhaft gemacht. Die Beschwerdegegnerin ist
angesichts dessen zu Unrecht nicht auf das entsprechende Gesuch vom 10. Dezember
2009 eingetreten.
4.
4.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 8. März
2010 aufzuheben und die Sache zur materiellen Prüfung der Neuanmeldung vom
10. Dezember 2009 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Die unterliegende Beschwerdegegnerin
hat die gesamte Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der von
Beschwerdeführerin geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.-- ist ihr
zurückzuerstatten.
4.3 Bei diesem Verfahrensausgang hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Parteientschädigung. Diese ist vom Gericht ermessensweise festzusetzen, wobei
insbesondere der Bedeutung der Streitsache und dem Aufwand Rechnung zu tragen
ist (Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Bedeutung und
Komplexität der Streitsache angemessen erscheint eine Parteientschädigung von
pauschal Fr. 3'500.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP