Decision ID: 8240caf6-15df-45e7-a881-05abdf8ee25d
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler, Zürcherstrasse 191,
Postfach 1011, 8501 Frauenfeld,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
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St.Galler Gerichte
Sachverhalt:
A.
A.a A._, geboren 1962, war als Betriebsmitarbeiter bei der B._ tätig und dadurch
bei der Schweizerischen Unfallversicherung (Suva) obligatorisch gegen Unfälle
versichert (UV-act. 1). Am Abend des 19. November 2006 lenkte er seinen
Personenwagen, als das entgegenkommende Fahrzeug in einer Kurve auf seine
Fahrbahnseite geriet. Beide Fahrer versuchten, nach rechts auszuweichen. Dennoch
stiessen sie an den linken vorderen Seiten zusammen. Das Fahrzeug des Versicherten
wurde durch die Kollision über den rechten Fahrbahnrand hinaus abgewiesen und mit
der rechten hinteren Fahrzeugecke gegen die angrenzende Mauer geschoben (UV-act.
4). Der Versicherte wurde mit der Ambulanz ins Spital Wil gebracht und dort über Nacht
beobachtet. Im Bericht vom 8. Dezember 2006 diagnostizierten die Ärzte der Klinik für
Chirurgie am Spital Wil eine frontale Rissquetschwunde an der Stirn, eine
Thoraxkontusion und eine Sacrumkontusion (UV-act. 2). Der Hausarzt, Dr. med. C._,
Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, berichtete am 3. Januar 2007, die Beschwerden
der Rippen hätten sich gebessert. Es bestünden jedoch starke Schmerzen im Nacken-
und Schulterbereich mit Ausstrahlung in den rechten Arm. Er veranlasste eine vertebro-
spinale Kernspintomographie (C0-Th7), die am 9. Januar 2007 durch Dr. med. L._,
Facharzt FMH für Radiologie, St. Gallen, durchgeführt wurde (UV-act. 5 und 7). Neben
Normalbefunden zeigte sie eine diskrete ödemartige Signalstörung des
bodenplattennahen Halswirbel-Körpers 5 im ventralen rechtsseitigen Aspekt, minim
auch von Halswirbel-Körper 6.
A.b Der Versicherte war seit dem Unfall 100% arbeitsunfähig geschrieben. Bei der
Befragung am 9. März 2007 berichtete er über einen gescheiterten Arbeitsversuch am
19. und 20. Februar 2007. Er gab an, seit drei Wochen auch unter
Kopfschmerzattacken zu leiden, die jeweils längstens eine Stunde andauern würden
(UV-act. 10). Die neurologische Abklärung an der Klinik für Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen vom 1. März 2007 hatte neben den Kopfschmerzen einen
unauffälligen neurologischen Befund ergeben (UV-act. 17). Das craniocerebrale
Kernspintomogramm vom 13. März 2007 wurde als altersentsprechend interpretiert
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(UV-act. 16). Ab 16. April 2007 machte der Versicherte mehrere Arbeitsversuche zu
50% von unterschiedlicher Dauer (UV-act. 22 bis 27, 29 und 32).
A.c Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (Heilungskosten und Taggelder).
Am 5. Juni 2007 verfügte sie eine Kürzung der Taggeldleistungen um 10%, weil der
Versicherte beim Unfall die Sicherheitsgurte nicht getragen hatte (UV-act. 28). Diese
Verfügung wurde rechtskräftig. In der Zwischenzeit hatte der Versicherte
Rechtsanwältin Dr. iur. Barbara Wyler, Frauenfeld, mit der Wahrung seiner Interessen
beauftragt (UV-act. 37a).
A.d Vom 4. Juli bis 30. August 2007 weilte der Versicherte stationär in der Rehaklinik
Bellikon (UV-act. 37 bis 41). Die Ärzte attestierten ihm volle Arbeitsfähigkeit als
Maschinenführer und Hilfsarbeiter in der Herstellung, sofern keine Lasten über 15kg
gehoben werden müssten. Sie empfahlen ab 5. September 2007 eine
Angewöhnungsphase von vier bis acht Wochen, zunächst mit halbtägiger Schicht (UV-
act. 43 und 51). Der Versicherte arbeitete auch nach dem Rehabilitationsaufenthalt
unregelmässig und erreichte kein volles Arbeitspensum (UV-act. 44 bis 46, 49f., 52 bis
59). Am 20. November 2007 wurde eine Magnetresonanztomographie der
Halswirbelsäule durchgeführt (UV-act. 61). Irritationen der Ulnarisnerven, die im
November 2007 neu aufgetreten waren, wurden am 17. Januar 2008 durch Dr. med.
J._, Facharzt für Neurologie, Wil, abgeklärt. Er verneinte Hinweise für eine
unfallbedingte neurologische Schädigung und beurteilte die geklagten
Sensibilitätsstörungen als unfallunabhängig (UV-act. 65). Am 20. Februar 2008 wurde
der Versicherte durch Kreisarzt Dr. med. D._, Facharzt FMH für Chirurgie, untersucht
(UV-act. 68). Gestützt auf den kreisärztlichen Untersuchungsbericht sowie auf die
übrigen Akten verneinte die Suva die Unfallkausalität der andauernden
Gesundheitsbeschwerden. Mit Verfügung vom 28. Februar 2008 stellte sie die
Versicherungsleistungen per 21. Februar 2008 ein (UV-act. 70).
A.e Dagegen liess der Versicherte am 16. April 2008 durch seine Rechtsvertreterin
Einsprache erheben (UV-act. 80). Am 6. Mai 2008 ergänzte sie ihre
Einsprachebegründung und reichte einen Bericht von Dr. C._ vom 29. April 2008 ein,
wonach die anhaltenden Beschwerden weiterhin Unfallfolgen seien (UV-act. 82f.). Die
Suva holte bei Dr. med. E._, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, Abteilung
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Versicherungsmedizin, eine ärztliche Beurteilung ein, die er am 27. Mai 2008 abgab
(UV-act. 85f.). Mit Entscheid vom 30. Mai 2008 wies sie die Einsprache ab.
A.f Zwischenzeitlich hatte der Versicherte bei der Invalidenversicherung (IV) berufliche
Massnahmen bzw. eine Invalidenrente beantragt. Diese Begehren wurden von der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) mit Entscheiden vom 10. und
11. April 2008 abgewiesen (UV-act. 78).
A.g Die bisherige Arbeitsstelle war dem Versicherten im März 2008 per 30. Juni 2008
gekündigt worden (UV-act. 79).
B.
B.a Am 30. Juni 2008 liess der Beschwerdeführer durch seine Rechtsvertreterin
Beschwerde erheben gegen den Einspracheentscheid vom 30. Mai 2008 mit den
Anträgen auf Aufhebung desselben, auf weitere Ausrichtung der gesetzlichen
Leistungen (Taggelder und Heilungskosten sowie gegebenenfalls Invalidenrente und
Integritätsentschädigung) sowie auf zusätzliche tatsächliche und medizinische
Abklärungen, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Weiter liess er die
unentgeltliche Verfahrensführung und die unentgeltliche Verbeiständung in der Person
seiner bisherigen Rechtsvertreterin beantragen. Zur Begründung führte diese an,
aufgrund des mindestens mittelschweren Unfalls seien körperliche Substrate
nachweisbar. Die medizinische Situation müsse durch eine unabhängige
Gutachterstelle interdisziplinär abgeklärt werden, wie es auch die neueste
bundesgerichtliche Rechtsprechung (BGE 134 V 109 E. 9.3) verlange. In die Abklärung
sei auch eine neuropsychologische Untersuchung zu integrieren. Die natürliche
Kausalität sei auf jeden Fall gegeben und die adäquate Kausalität sei nach der
sogenannten Schleudertrauma-Praxis zu bejahen: Die Adäquanzkriterien schwieriger
Heilungsverlauf mit erheblichen Komplikationen, erhebliche Schmerzen, fortgesetzte
ärztliche Behandlung und erhebliche Arbeitsunfähigkeit seien erfüllt.
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 1. September 2008 beantragte die Suva die
Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung führte sie an, ein unfallkausales
organisches Substrat im Kopf- und Nackenbereich fehle sowohl röntgenologisch als
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auch neurologisch. Innerhalb der ersten 72 Stunden nach dem Unfall seien weder
Kopf- noch Nackenschmerzen aufgetreten. Weder ein HWS-Trauma (= Trauma der
Halswirbelsäule) noch eine relevante Schädel-Hirn-Schädigung seien dokumentiert und
es fehle an natürlich kausalen Unfallfolgen. Falls dieser Argumentation nicht gefolgt
würde, müsste auch die adäquate Kausalität verneint werden.
B.c Am 6. Oktober 2008 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers das
detaillierte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung mit Beilagen ein (act. G 8). Mit
Mitteilung vom 31. Oktober 2008 sah der Gerichtspräsident vor, den Entscheid darüber
bis zur materiellen Beurteilung der Streitsache aufzuschieben (act. G 9).
B.d In der Replik vom 20. Januar 2009 liess der Beschwerdeführer an seinem
Standpunkt festhalten. Seine Rechtsvertreterin betonte die Schwere des Unfalls und
der erlittenen Verletzungen. Sie strich hervor, dass der Beschwerdeführer eine HWS-
Distorsion mit strukturellen Läsionen erlitten hätte. Die Nackenschmerzen seien
unmittelbar nach dem Unfall aufgetreten und die Kopfschmerzen später
hinzugekommen. Weiter beantragte sie die Zustellung der Suva-Akten ab act. 69.
B.e Am 11. Februar 2009 verzichtete die Suva darauf, eine einlässliche Duplik
einzureichen. Sie legte ein Schreiben der Generali Versicherungen AG, der
Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers, vom 3. Oktober 2008, den Bericht der
Firma F._ vom 26. März 2008 und die zugehörige CD, wonach der Verdacht auf
Versicherungsmissbrauch durch den Beschwerdeführer bestehe, ins Recht (act. G 19.1
bis 19.3).
B.f Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers sandte am 26. Februar 2009 act. 69
bis 91 der Suva zurück und verzichtete auf zusätzliche Bemerkungen dazu.
B.g Am 2. März 2009 schloss der Gerichtspräsident den Schriftenwechsel
grundsätzlich ab. Er räumte Rechtsanwältin Wyler die Möglichkeit ein, zu den Akten
über die Observierung des Beschwerdeführers Stellung zu nehmen. Sie beantragte am
3. März 2009, die Drittakten über die Observierung seien aus dem Recht zu weisen. Die
Generali Versicherungen AG sei diesem Verfahren nicht als Nebenintervenientin
beigetreten. Bei der Observierung sei nichts herausgekommen; dem Beschwerdeführer
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hätte weder eine verheimlichte Erwerbstätigkeit noch sonst inkompatible
Beschäftigung nachgewiesen werden können.
C.
C.a Mit Schreiben vom 29. April 2009 reichte die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers verschiedene Arztberichte als Noven ein, und führte aus, diese
würden Unfallfolgen nachweisen. Auch der Endzustand sei noch nicht erreicht. Die
Angelegenheit sei daher für zusätzliche medizinische Abklärungen an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, wie bereits in der Beschwerde vom 30. Juni
2008 beantragt (act. G 25).
C.b Auf Antrag der Suva wurde die Edition der CD mit den Daten des Upright-MRI
vom 18. und 21. August 2008 des FMRI Zentrums Zürich veranlasst. Dazu und zu den
übrigen Unterlagen nahmen Dr. E._ am 13. Juli 2009 und Dr. med. G._, Facharzt
für Neurologie, Abteilung Versicherungsmedizin, am 29. Juli 2009 Stellung. Gestützt
darauf hielt die Suva an ihrem Standpunkt vom 17. August 2009 fest, nach wie vor
seien weder ein organisches Substrat noch eine Unfallkausalität erstellt (act. G 34).
C.c Am 2. November 2009 äusserte sich die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
zur Eingabe der Suva und reichte weitere Unterlagen ein, nämlich die Stellungnahmen
von Dr. med. H._, Facharzt FMH für Neurologie, vom 8. September 2009 und von
Dr. med. I._, Facharzt für Radiologie, vom 30. Oktober 2009, je mit Beilagen (act.
G 40). Sie führte aus, diagnostisch, klinisch und bildgebend sei nachgewiesen worden,
dass der Beschwerdeführer an Unfallfolgen leide. Diese Nachweise könnten durch die
Stellungnahmen von Dr. E._ und Dr. G._ nicht entkräftet werden. Vielmehr würden
Dr. H._ und Dr. I._ die Vorbringen der Suva und ihrer Ärzte widerlegen.
C.d In den Stellungnahmen vom 10. und 27. November 2009 hielten die Suva und die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers je an ihren Standpunkten fest (act. G 42 und
G 45).
D.
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Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie die Ausführungen in den

übrigen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Streitig und zu prüfen ist, ob die Leistungen, welche von der
Beschwerdegegnerin aufgrund des Unfallereignisses vom 19. November 2006
ausgerichtet wurden, auf den 21. Februar 2008 eingestellt werden durften oder nicht.
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt, wenn das Dahinfallen jeder
kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit
dem im Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Da es sich dabei um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handelt, liegt die Beweislast - anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist - nicht bei der
versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2
mit Hinweisen). Dabei muss der Unfallversicherer jedoch nicht den Beweis für
unfallfremde Ursachen erbringen. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden
hat, ist unerheblich. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte Ursachen eines
Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben (RKUV 1994 Nr. U 206
S. 329 E. 3b). Ebenso wenig hat der Unfallversicherer den negativen Beweis zu
erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die versicherte
Person nun bei voller Gesundheit sei (Urteile des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 18. Dezember 2003 i/S Z. [U 258/02], vom 25. Oktober 2002 i/S
L. [U 143/02] und vom 31. August 2001 i/S O. [U 285/00]).
1.2 Gemäss ständiger Rechtsprechung des EVG kann ein nach einem versicherten
Unfall aufgetretenes Leiden nur dann als dessen Folge betrachtet werden, wenn und
soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend wahrscheinlich von jenem Unfall
herrührt (natürliche Kausalität; BGE 115 V 133, 117 V 359 und 134 V 109). Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung des
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Leistungsanspruchs nicht (BGE 129 V 181 E. 3.1, 119 V 338 E. 1 und 118 V 289 E. 1b
je mit Hinweisen). Der Unfallversicherer haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem
Unfall adäquat-kausal zusammenhängen (SVR 2000 UV Nr. 14 S. 45). Während es
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu
beurteilen, obliegt es dem Gericht, die Fragen nach dem adäquaten
Kausalzusammenhang zu beurteilen (BGE 123 III 110 E. 3a). Im Bereich klar
ausgewiesener struktureller Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit
bildgebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu
bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/
bb mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
der adäquaten Kausalität, können doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss
auch psychisch ausgelöst werden. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma
erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140
E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass die versicherte
Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 359 festgelegten bzw. den mit BGE 134 V 109 modifizierten
Kriterien. Die Anwendung der Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang
bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus
dem Unfall hervorgehen und zusammen mit den organischen Beschwerden, die
ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild
ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b). Zu präzisieren bleibt, dass die zu den
Verletzungen nach klassischem Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung zum
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natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang (BGE 119 V 335, 117 V 359) auch
auf analoge Verletzungen wie Distorsionen der HWS sowie Schädel-Hirntraumata
anwendbar ist, wenn und soweit sich deren Folgen mit jenen eines Schleudertraumas
vergleichen lassen (vgl. Urteil des EVG vom 17. August 2004 i/S O.G. [U 243/03]; RKUV
2000 Nr. U 395 S. 317, E. 3; BGE 117 V 369).
2. In Bezug auf die konkreten medizinischen Aspekte ist vorweg festzuhalten, dass
sich der Beschwerdeführer bei der linksseitigen Frontalkollision am 19. November 2006
eine Rissquetschwunde an der Stirn sowie eine Thorax- und eine Sacrumkontusion
zugezogen hat (UV-act. 2). Im Zeugnis vom 3. Januar 2007 wurden vom Hausarzt
zusätzlich Nacken- und Schulterschmerzen aufgeführt (UV-act. 5). Unter
Kopfschmerzattacken litt der Beschwerdeführer zwischen Februar und Sommer 2007
(UV-act. 10, 17 und 51). Ab Mai 2007 klagte er auch über Durchschlafstörungen wegen
Verspannungen im Nacken (UV-act. 22). Die Nacken- und Schulterbeschwerden sowie
die dadurch verursachten Durchschlafstörungen hielten über den Aufenthalt in der
Rehaklinik Bellikon im Sommer 2007 hinaus an (UV-act. 43 und 51) und wurden auch
bei der kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 20. Februar 2008 noch beklagt
(UV-act. 68). Klinisch stellte Dr. D._ Druckdolenzen und Bewegungseinschränkungen
im Nacken- und Brustbereich fest. Die Sensibilitätsstörungen mit Irritationen der
Ulnarisnerven, die im November 2007 auftraten, wurden von Dr. J._ mit
nachvollziehbarer Begründung als unfallfremd beurteilt (UV-act. 65).
3.
3.1 Den medizinischen Akten sind keine Anhaltspunkte zu entnehmen, wonach die
vom Beschwerdeführer über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung (21. Februar 2008)
hinaus geklagten Beschwerden mit klar ausgewiesenen organischen Befunden im Sinn
nachweisbarer unfallkausaler struktureller Veränderungen erklärbar wären. Eine
manuelle ärztliche Untersuchung der versicherten Person fördert klinische, nicht aber
objektivierbare Ergebnisse zu Tage. Objektivierbar sind Ergebnisse, die reproduzierbar
sind und von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten
unabhängig sind. Würde auf Ergebnisse klinischer Untersuchungen abgestellt, so
würde fast in allen Fällen ein organisches Substrat namhaft gemacht. Folglich kann von
organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen erst dann gesprochen werden, wenn
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die erhobenen Befunde mit apparativen/bildgebenden Abklärungen bestätigt werden
(vgl. BGE 134 V 109 E. 9, 117 V 359 E. 5d/aa; SVR 2007 UV Nr. 25 S. 81 E. 5.4 mit
Hinweisen [U 479/05]). Diese Untersuchungsergebnisse müssen zudem
wissenschaftlich anerkannt sein (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweisen). Beispielsweise
sind ein Thoracic outlet Syndrom (TOS), myofasziale und tendinotische bzw.
myotendinotische Befunde für sich allein nicht als organisch hinreichend nachweisbare
Unfallfolgen zu betrachten. Auch Verhärtungen und Verspannungen der Muskulatur,
Druckdolenzen im Nacken sowie Einschränkungen der HWS-Beweglichkeit können für
sich allein nicht als klar ausgewiesenes organisches Substrat der Beschwerden
qualifiziert werden. Gleiches gilt für Nackenverspannungen bei Streckhaltung der HWS
mit Retrohaltung (Urteil des Bundesgerichts vom 17. Oktober 2008 i/S H.B.-G.
[8C_124/2008] mit vielen Hinweisen, sowie vom 7. Februar 2008 i/S D. [U 13/07], E. 3.2
und 3.3).
3.2 Mit den am 9. Januar, 13. März sowie 20. November 2007 durchgeführten
kernspintomographischen Untersuchungen der HWS bzw. des Schädels konnten keine
unfallkausalen strukturellen Veränderungen nachgewiesen werden (UV-act. 7, 16 und
61). Auch die Röntgenaufnahmen am Spital Wil und an der Rehaklinik Bellikon zeigten
keine posttraumatischen Veränderungen (UV-act. 2 und 51 S. 6). - Dr. L._ zog
differentialdi-agnostisch spongiöse Mikrofrakturen als Erklärung für die ödemartige
Signalstörung des bodenplattennahen Halswirbel-Körpers 5 im ventralen rechtsseitigen
Aspekt, minim auch des Halswirbel-Körpers 6, in Erwägung (UV-act. 7). Als
Differentialdiagnosen bezeichnet man Erkrankungen mit ähnlicher bzw. nahezu
identischer Symptomatik, die vom Arzt neben der
eigentlichen Verdachtsdiagnose ebenfalls als mögliche Ursachen der
Patientenbeschwerden in Betracht gezogen werden (vgl. http://flexikon.doccheck.com/
Differentialdiagnose, Abfrage vom 27. Juli 2010). Dr. med. K._, Fachärztin FMH für
Radiologie, erwähnte am 20. November 2007 keine Differentialdiagnosen. Vielmehr
beschrieb sie unauffällige Signalintensitäten (UV-act. 61). Dr. E._ legte in seiner
Beurteilung vom 27. Mai 2008 überzeugend dar, dass die Signalstörungen der
Wirbelkörper C5 und C6 nicht als spongiöse Mikrofrakturen zu interpretieren seien,
sondern in erster Linie als Ödembildung. Er konnte keine Knochenquetschung im
Bereich der Halswirbelsäule und noch viel weniger Mikrofrakturen bestätigen und
verneinte traumatisch bedingte strukturelle Läsionen (UV-act. 86). Es trifft zwar zu,
http://flexikon.doccheck.com/Erkrankung?PHPSESSID=2c556dbdb9d816189250717c5d3a5c6c http://flexikon.doccheck.com/Symptomatik?PHPSESSID=2c556dbdb9d816189250717c5d3a5c6c http://flexikon.doccheck.com/Arzt?PHPSESSID=2c556dbdb9d816189250717c5d3a5c6c http://flexikon.doccheck.com/Verdachtsdiagnose?PHPSESSID=2c556dbdb9d816189250717c5d3a5c6c
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dass Dr. C._ nach der Abklärung durch Dr. L._ spongiöse Mikrofrakturen in der
Halswirbelsäule in seinen Zeugnissen ebenfalls als Diagnose aufführte (so UV-act. 8
und 82). Diese Darstellungen des Hausarztes vermögen jedoch - insbesondere auch
angesichts der weiteren angeführten medizinischen Beurteilungen - die lediglich als
Möglichkeit in Erwägung gezogene Differentialdiagnose des Radiologen nicht zu
sichern.
3.3 Dr. K._ beschrieb am 20. November 2007 neben diskreten medianen Pro-
trusionen in den Segmenten C3/C4 bis C5/C6 eine Ruptur des Anulus fibrosus C3/C4
(UV-act. 61). Ein solcher Riss stellt grundsätzlich eine bildgebend objektivierte
Schädigung dar. Beim Beschwerdeführer ist aber nicht sicher, dass er durch den Unfall
entstanden ist: Dr. L._ hatte bei der vertebro-spinalen Kernspintomographie (C0-Th7)
vom 9. Januar 2007 diesen Bereich ebenfalls untersucht, jedoch keinen
entsprechenden Befund erhoben (UV-act. 7). Als erfahrener Radiologe, der er
bekanntermassen ist, hätte er diesen Riss erkennen und dokumentieren müssen, wäre
er rund zwei Monate nach dem Unfall vorhanden gewesen. Trotz detailliertem
Beschrieb der Halswirbelsäule erwähnte im Übrigen auch Dr. I._ im Bericht vom
30. Oktober 2009 keinen Riss des Anulus fibrosus, was überhaupt gegen das Vorliegen
einer solchen Schädigung spricht (act. G 25.7).
3.4 Mit Eingabe vom 29. April 2009 liess der Beschwerdeführer den Bericht von
Dr. I._ vom 29. August 2008 über das Upright-MRI vom 18. und 21. August 2008 am
FMRI Zentrum Zürich einreichen, in welchem eine Strukturveränderung des linken
Ligamentum alare, eine eingeschränkte Kopfrotation nach rechts, Zeichen einer leicht
verminderten Stabilität im Segment C1/C2, geringe Diskusdegenerationen und
Hypomobilität im Bereich der Segmente C3 bis C5 sowie eine moderate
Diskusdegeneration C5/C6 beschrieben wurden (act. G 25.7). Im begleitenden Bericht
vom 22. April 2009 beurteilte Dr. H._ diese Befunde ohne Begründung als
Unfallfolgen (act. G 25.1). - In Bestätigung und Fortführung seiner Rechtsprechung zum
Beweiswert von funktionalen Magnetresonanztomographien (BGE 134 V 231) hielt das
Bundesgericht im Urteil 8C_238/2009 vom 3. November 2009 i/S W., E. 3.2, fest, bei
Upright-MRI-Untersuchungen handle es sich nicht um eine wissenschaftlich von
Forschern und Praktikern der medizinischen Wissenschaft auf breiter Basis anerkannte
Untersuchungsart. Diese Untersuchungsmethode sei nicht geeignet, die
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Unfallkausalität der erhobenen Befunde zu beweisen (vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts vom 14. Dezember 2009 i/S J. [8C_357/2009], E. 3.2, und vom 12. Juni
2009 i/S H. [8C_25/2009], E. 3.2). Aus den vorliegenden Unterlagen - einschliesslich
der Beurteilung von Dr. E._ vom 13. Juli 2009 und der Stellungnahme von Dr. I._
vom 30. Oktober 2009 (act. G 34.1 und G 40.14, je mit Beilagen) - ergeben sich im
konkreten Fall keine Hinweise, aufgrund derer anders zu entscheiden wäre und
entgegen den Ausführungen in der vorstehenden Erwägung 3.1 von einem organischen
Befund im Sinn einer nachweisbaren strukturellen Schädigung auszugehen wäre, die
auf den Unfall vom 19. November 2006 zurückgeführt werden könnte.
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleudertraumaverletzungen sowie äquivalenten Verletzungen auch ohne
nachweisbare pathologische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle Ausfälle
verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass die für ein Schleudertrauma,
eine Distorsion der HWS oder ein Schädel-Hirntrauma typischen Beschwerden nicht
mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen, Computertomogramm, EEG)
objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die diesbezüglichen Beschwerden
in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa).
4.2 Ist ein Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung
diagnostiziert und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen,
Reizbarkeit, Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl.
auch BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der aktuellen Rechtsprechung des Bundesgerichts
(Urteile vom 30. Januar 2007 i/S T. [U 215/05] und vom 15. März 2007 i/S G. [U
258/06]) muss bei einer HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24
bis höchstens 72 Stunden nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in
diesem Zeitraum Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS - bei einem
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Schädel-Hirntrauma in Form von Kopfschmerzen - manifestieren. Die anderen im
Rahmen eines Schleudertraumas oder einer äquivalenten Verletzung typischerweise
auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem Zeitraum
manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
5.
5.1 Die erstbehandelnden Ärzte am Spital Wil diagnostizierten kein Schleudertrauma
und keine schleudertraumaähnliche Verletzung (UV-act. 2). Der Beschwerdeführer
klagte ihnen gegenüber weder über Beschwerden in der Halsregion oder an der
Halswirbelsäule noch über Kopfschmerzen. Bei der Befragung durch die Polizei am
22. November 2006 gab er die Rippenprellungen an der linken Seite, Schmerzen am
linken Knie sowie die Verletzung an der Stirn an (UV-act. 4, Antwort auf Frage 16). Erst
im Zwischenbericht vom 3. Januar 2007 hielt Dr. C._ unter der Rubrik "Verlauf" fest,
die Beschwerden der Rippen hätten sich gebessert, allerdings bestünden bis heute
starke Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich mit Ausstrahlung in den rechten
Arm, weshalb eine MRI-Untersuchung der HWS geplant sei (UV-act. 5). Über den
genauen Beginn der Nacken-/Schulterbeschwerden wird damit jedoch nichts
ausgesagt. Als Diagnosen nannte Dr. C._ sodann, wie die Ärzte am Spital Wil (UV-
act. 2), "nur" eine Rissquetschwunde an der Stirn, eine Thorax- sowie eine
Sacrumkontusion. Die im Bericht vom 29. April 2008, d.h. erst lange Zeit nach dem
Unfall, gemachte und im Übrigen auch erweiterte Angabe des Hausarztes, der Patient
sei am 21. November 2006 mit starken Nacken-/Kopfschmerzen in seine
Nachbehandlung gekommen (UV-act. 82), zusammen mit der durch eine "HWS-
Distorsion" ergänzte Diagnoseliste, erscheint damit wenig glaubhaft bzw.
nachvollziehbar, zumal Dr. C._ auch im Zwischenbericht vom 26. Februar 2007 (UV-
act. 8) nur Nacken- und Schulterschmerzen angegeben hatte. Kopfschmerzen wurden
eindeutig erstmals am 5. März 2007 durch die Ärztinnen der Klinik für Neurologie am
Kantonsspital St. Gallen dokumentiert, und ihr Beginn drei Wochen vor der
Untersuchung angegeben (UV-act. 17). Dies entspricht den Angaben des
Beschwerdeführers bei der Befragung am 9. März 2007, wo er berichtete,
Kopfschmerzen seien vor drei Wochen erstmals aufgetreten (UV-act. 10).
Kopfschmerzen sind somit erst im Februar 2007 ausgewiesen. Im Übrigen waren sie
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laut Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 24. September 2007 beim Klinikeintritt
am 4. Juli 2007 wieder vollständig verschwunden (UV-act. 51), was Dr. C._ in seinem
Bericht vom 29. April 2008 verschwieg (UV-act. 82). Er gab auch die Indikation für die
neurologische Untersuchung am Kantonsspital St. Gallen ungenau wieder und
beschrieb aktenwidrig keine Besserung des Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers. Sein Bericht vom 29. April 2008 ist daher nicht geeignet, entgegen
den echtzeitlichen Akten Halswirbelsäulen- oder Nackenschmerzen oder gar
Kopfschmerzen innerhalb der ersten 72 Stunden nach dem Unfall nachzuweisen. Bei
der Befragung vom 9. Mai 2007 berichtete der Beschwerdeführer, dass er nachts
wegen der Verspannungen im Nacken aufwache und dann umhergehen und diese
Region durch Bewegungen lockern müsse (UV-act. 22). Gleiche Angaben machte er
bei der Eintrittsuntersuchung in Bellikon und gegenüber Kreisarzt Dr. D._ (UV-act. 51
und 68). Schlafstörungen würden an sich ein weiteres schleudertraumatypisches
Symptom darstellen. Zum einen werden jedoch Durchschlafstörungen bei der
Schlafanalyse vom 15./16. Oktober 2008 gerade nicht dokumentiert und zum andern
könnten sie aufgrund ihres verzögerten Auftretens ohnehin nicht einer
Beschleunigungsverletzung der HWS zugeordnet werden. Unabhängig von der
Nichterfüllung der Latenzzeiten steht im konkreten Fall auch das Auftreten eines
typischen bunten Beschwerdebildes mit einer Häufung von Beschwerden in Frage. So
beschreibt der Beschwerdeführer die Schlafstörungen nicht als eigenständiges Symp
tom, sondern als Folgeerscheinung der Nackenschmerzen (UV-act. 22). Damit
verblieben nur noch zwei Beschwerdeausprägungen (Kopf- und Nackenschmerzen),
womit grundsätzlich nicht von einer eigentlichen Beschwerdehäufung gesprochen
werden könnte. Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass im Sinn der
einschlägigen Rechtsprechung nicht von einer beim Unfall erlittenen
Schleudertraumaverletzung bzw. äquivalenten Verletzung ausgegangen werden kann.
5.2 Ein Schädel-Hirn-Trauma muss nach der Rechtsprechung durch zuverlässige
ärztliche Angaben gesichert sein, damit die sogenannte Schleudertrauma-Praxis zur
Anwendung kommen kann (vgl. BGE 134 V 122 E. 9.1 und Urteil des Bundesgerichts
vom 1. Februar 2010 i/S B. [8C_792/2009], E. 6.1 mit weiteren Hinweisen). Weitere
Voraussetzung für die Anwendung dieser Praxis ist, dass die erlittene
Hirnerschütterung mindestens im Grenzbereich zwischen Commotio und Contusio
cerebri liegt. Eine leichte Hirnerschütterung erfüllt diese Voraussetzung nicht. Der
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Beschwerdeführer hatte beim Unfall vom 19. November 2006 den Kopf am Rahmen
der Windschutzscheibe angeschlagen (UV-act. 4). Er war selbständig aus dem
Personenwagen ausgestiegen, konnte sich an den Unfall erinnern und litt weder an
Übelkeit noch an Erbrechen (UV-act. 2). Die Ärzte der Klinik für Chirurgie am Spital Wil
beurteilten ihn bei seiner Einlieferung mit 15 Punkten auf der Glasgow-Coma-Skala
(GCS), was dem besten Wert entspricht und höchstens auf ein leichtes Trauma
hinweist (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 13. Juni 2005 i/S S. [U 276/06]), und
stellten keine neurologischen Auffälligkeiten fest. Die Ärztinnen der Klinik für Neurologie
am Kantonsspital St. Gallen verneinten eine Commotio cerebri ausdrücklich (UV-act.
17). Selbst wenn beim Beschwerdeführer von einer leichten Hirnerschütterung
ausgegangen würde, liegt keinesfalls ein Schädel-Hirn-Trauma der geforderten
Intensität für die Anwendung der Schleudertrauma-Praxis vor. Wie bereits dargestellt
(vorstehende Erwägung 5.1), wurden beim Beschwerdeführer zudem innerhalb der
Latenzzeit von 72 Stunden insbesondere keine Kopfschmerzen nachgewiesen bzw.
traten Kopfschmerzen erstmals im Februar 2007 auf.
6.
6.1 Angesichts dieser Grundlagen (kein fassbarer pathologischer Befund; keine
Diagnose eines Schleudertraumas oder einer schleudertraumaähnlichen Verletzung;
keine schleudertraumatypischen Beschwerden innerhalb der erforderlichen Latenzzeit)
ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer zum einen nicht an somatischen
Beschwerden leidet und zum anderen nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit einen Unfall mit schleudertraumaähnlicher Verletzung erlitten hat
bzw. das von ihm nach wie vor geklagte Beschwerdebild nicht als natürlich-kausale
Unfallfolge einer schleudertraumaähnlichen Verletzung betrachtet werden kann. Selbst
wenn in Bezug auf die geklagten Beschwerden - wie von der Beschwerdegegnerin
zunächst anerkannt - für die Zeit nach dem Unfall von einer natürlichen Kausalität
ausgegangen wird, muss diese zumindest im Zeitpunkt der Leistungseinstellung vom
21. Februar 2008 mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit verneint
werden. Dieses Bild wird insbesondere durch die in den Akten liegenden medizinischen
Berichte bestätigt.
6.2
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6.2.1 Neurologisch war der Beschwerdeführer am Unfalltag unauffällig (UV-act.
2). Die neurologische Untersuchung vom 1. März 2007 am Kantonsspital St. Gallen
ergab neben den Verspannungen im Nackenbereich und den Kopfschmerzen keine
auffälligen neurologischen Befunde (UV-act. 17). Auch beim Eintritt in die Rehaklinik
Bellikon zeigte sich lediglich eine schmerzhafte Einschränkung der Armtrizepse (UV-
act. 51 S. 5). Die Kopfschmerzen waren zu diesem Zeitpunkt wieder verschwunden. Dr.
J._ stellte am 17. Januar 2008 neben den Verspannungen und Druckdolenzen im
Schulter- und Nackenbereich die unfallfremden Sensibilitätsstörungen der
Ulnarisnerven fest und verneinte Hinweise für eine unfallbedingte neurologische
Schädigung (UV-act. 65). Er vermerkte auch eine freie Beweglichkeit von Kopf, Schulter
und Armen in allen Ebenen. Seit dem Unfall wurden somit ausser den erst spät
erhobenen Nacken-/Schulterbeschwerden (vgl. Erwägung 5.1) in keiner neurologischen
Untersuchung Auffälligkeiten beschrieben, die andauerten und auf den Unfall vom 19.
November 2006 zurückzuführen waren. - Dr. H._ berichtete am 22. April 2009 über
seine Untersuchung vom 1. Juli 2008 (act. G 25.1). Neben Schmerzen an der
Halswirbelsäule bei voller Kopfbeweglichkeit hob er vor allem linksseitig pathologische
Werte der P50-Methode mit evozierten Potentialen und die erhöhten Cholinwerte der
Schädel-Magnetresonanztomographie mit Spektroskopie (act. G 25.2) hervor.
Kopfschmerzen wurden nicht festgestellt. Der Neurologe selbst führte die erhobenen
pathologischen Befunde lediglich beispielsweise auf ein Trauma zurück. Mit seiner
anderen, unbegründeten Beurteilung der Befunde als "sichere Unfallfolgen" machte er
diese Wahrscheinlichkeit nicht grösser. Auch die weiteren Unterlagen, besonders die
Stellungnahme von Dr. H._ vom 8. September 2009 mit Beilagen (act. G 40.1 bis G
40.13), vermögen keine sichere Unfallkausalität zu begründen.
6.2.2 Sehstörungen des Beschwerdeführers wurden erstmals durch den Bericht
von Dr. med. M._, Facharzt FMH für Augenheilkunde, vom 26. November 2008
aktenkundig (act. G 25.5). Der Augenarzt beurteilte die erhobenen Befunde als
vorbestehend. Er schloss jedoch nicht aus, dass die Beschwerden durch den Unfall
verschlimmert worden seien. Damit ist nicht einmal eine allfällige Verschlimmerung mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen,
keineswegs aber die Sehstörungen selbst.
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6.2.3 Mit den in den medizinischen Akten gestellten Diagnosen - Zustand bzw.
Status nach HWS-Distorsionstrauma (UV-act. 65), Druck- und Spontanschmerz C4/5
und C5/6 (act. G 25.7), myofasciales Schmerzsyndrom Nacken (UV-act. 51, 68),
chronifiziertes cerviko-cephales Schmerzsyndrom (UV-act. 65) - liegen ebenfalls keine
Hinweise auf eine traumatisch bedingte Gesundheitsschädigung vor. Die Diagnose von
Schmerzsyndromen bedeutet keinesfalls automatisch auch das Vorliegen
unfallkausaler organischer Gesundheitsschädigungen. Laut Roche Lexikon Medizin (5.
Aufl., München 2003, S. 1791) handelt es sich bei einem Syndrom um ein sich stets mit
etwa den gleichen Krankheitszeichen, d.h. einer Symptomatik mit weitgehend
identischem "Symptommuster" manifestierendes Krankheitsbild mit unbekannter,
vieldeutiger, durch vielfältige Ursachen bedingter oder nur teilweise bekannter
Ätiogenese. Zur jeweiligen Diagnose führt mithin eher das vom jeweiligen Patienten
subjektiv angegebene "Symptommuster" als ein objektiv erhobener organischer
Befund. Insbesondere auch der Zusatz "chronifiziert" weist sodann nicht auf ein
unfallkausales organisches Substrat hin. Im Verlauf der Chronifizierung wird das
ursprünglich erlittene Verletzungsmuster für das Ausmass der erlebten Behinderung
immer bedeutungsloser. Andere Faktoren, wie zum Beispiel das Individuum selber, die
Arbeitsumstände, das soziale Umfeld, das medizinische und legale System und
ökonomische Umstände spielen eine massgebende Rolle (vgl. Bär/Bertrand/Kiener,
Medizinische Mitteilungen der SUVA Nr. 67 vom Dezember 1994, S. 45 ff.). Eine
Statusdiagnose sagt lediglich aus, auf welchen Umstand der heutige Zustand des
Beschwerdeführers zurückzuführen ist. Über Unfallrestfolgen wird damit jedoch nichts
Konkretes ausgesagt. Die Argumentation von Dr. C._ im Bericht vom 29. April 2008
(UV-act. 82), er sei der Meinung, dass die heutigen Beschwerden reine Unfallfolgen
seien, weil er keine andere akzeptable Erklärung finden könne und der
Beschwerdeführer vor dem Unfall beschwerdefrei gewesen sei, reicht schliesslich nach
konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung für die Begründung der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit einer Unfallkausalität ebenfalls nicht aus, da der
zeitliche Aspekt allein keine wissenschaftlich genügende Erklärungskraft besitzt.
Andernfalls würde man sich mit dem blossen Anschein des Beweises bzw. mit der
blossen Möglichkeit begnügen und davon ausgehen, dass eine gesundheitliche
Schädigung schon dann durch den Unfall verursacht sei, wenn sie nach diesem auftrat
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(Alfred Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungsrecht, Bern 1989, S. 460 N 1205;
BGE 119 V 340 E. 2b/bb)
6.3 Im Auftrag der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers war der
Beschwerdeführer zwischen dem 10. Januar und 13. März 2008 überwacht worden
(act. G 19.1 bis G 19.3). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers beantragte am
3. März 2009, die entsprechenden Akten seien aus dem Recht zu weisen (act. G 23). -
Das ehemalige EVG hatte wiederholt festgehalten, dass die Ergebnisse einer von einer
Haftpflichtversicherung veranlassten Observation durch einen Unfallversicherer als
Beweismittel im Sozialversicherungsverfahren verwertet werden können (BGE 132 V
241, 129 V 323). Mit BGE 135 I 169 erklärte das Bundesgericht auch die Überwachung
einer versicherten Person im direkten Auftrag der Unfallversicherung als zulässig. Die
Tatsache, dass die Überwachung durch die Generali Versicherungen AG als im
vorliegenden Verfahren nicht beteiligte Haftpflichtversicherung veranlasst worden war,
genügt nach dieser Rechtsprechung nicht, um die Überwachungsergebnisse aus dem
Recht zu weisen. Insbesondere wurde nicht geltend gemacht und bestehen auch keine
offenkundigen Anhaltspunkte dafür, dass die Überwachung unrechtmässig gewesen
wäre (vgl. zur Thematik auch Ph. Meier / A. Staeger, La surveillance des assurés
[assurances sociales et assurances privées] - état des lieux, in: Jusletter 14. Dezember
2009). Der Überwachungsbericht und die Videosequenzen zeigen, dass der
Beschwerdeführer seinen Kopf ohne irgendwelche Anzeichen von Schmerzen frei nach
vorne und zur Seite bewegen kann (act. G 19.2f.). Die freie Kopfbeweglichkeit stellten
sowohl Dr. J._ am 17. Januar 2008 (UV-act. 65) als auch Dr. H._ am 1. Juli 2008
(act. G 25.1) fest. Auffällig ist jedoch, dass der Kreisarzt bei der Untersuchung vom
20. Februar 2008 Bewegungseinschränkungen festhielt (UV-act. 68), während bei der
Überwachung am gleichen Tag keinerlei Einschränkungen erkennbar waren (act.
G 19.3). Das gibt überhaupt Anlass zu Zweifeln, ob die dem Kreisarzt geschilderten
Beschwerden bestanden haben.
6.4 Der Beschwerdeführer liess mit der Beschwerde und den weiteren
Rechtsschriften beantragen, die Streitsache sei zur Durchführung weiterer
medizinischer Abklärungen, insbesondere zu einer poly- bzw. interdisziplinären
Begutachtung im Sinn von BGE 134 V 109 E. 9.3 S. 124, an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Diesem Antrag kann nicht entsprochen werden. Wie vorstehend
http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2010&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+135+I+169&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-V-241%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page242 http://relevancy.bger.ch/php/clir/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&from_year=1954&to_year=2010&sort=relevance&insertion_date=&from_date_push=&top_subcollection_clir=bge&query_words=BGE+135+I+169&part=all&de_fr=&de_it=&fr_de=&fr_it=&it_de=&it_fr=&orig=&translation=&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F132-V-241%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page242
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ausgeführt (besonders Erwägung 5), sind in diesem Streitfall die Voraussetzungen für
die Anwendung der sogenannten Schleudertrauma-Praxis nicht gegeben. Vor allem
aber erweist sich der medizinische Sachverhalt als genügend abgeklärt und es ist nicht
anzunehmen, dass weitere medizinische Abklärungen für die Beurteilung der
vorliegenden Streitigkeit neue Erkenntnisse bringen würden. In antizipierter
Beweiswürdigung kann daher darauf verzichtet werden (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.3
S. 234 und BGE 131 I 153 E. 3 S. 157 je mit Hinweisen).
6.5 Dem Begehren, eine verkehrstechnische Unfallanalyse anfertigen zu lassen, ist
nicht stattzugeben. Eine solche Expertise könnte Anhaltspunkte zur Schwere des
Unfallereignisses liefern und allenfalls zum natürlichen Kausalzusammenhang im
Unfallzeitpunkt näher Stellung nehmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 20. August
2008 i/S M. [8C_33/2008], E. 7.1 mit Hinweisen). Zur Klärung der im vorliegenden
Verfahren strittigen Fragen, bei denen es um die Kausalität des Unfalls vom 19.
November 2006 im Einstellungszeitpunkt (per 21. Februar 2008) geht, könnte sie
hingegen nichts beitragen.
7.
7.1 Eine Adäquanzprüfung nach Massgabe der in BGE 134 V 109 begründeten
Rechtsprechung bzw. der sogenannten "Schleudertrauma-Praxis" fällt nach dem
Gesagten (Erwägung 5) eigentlich ausser Betracht. Ebenso unpassend stellt sich in
Bezug auf den vorliegenden Fall eine Adäquanzprüfung nach Massgabe der in BGE
115 V 133 begründeten Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen dar,
nachdem im psychosomatischen Konsilium der Rehaklinik Bellikon vom 19. Juli 2007
eine psychische Störung mit Krankheitswert verneint wurde (UV-act, 51), aber auch in
den weiteren Akten keinerlei Hinweise auf eine psychische Komponente bestehen.
Nachfolgend wird dennoch dargelegt, dass eine weitergehende Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin auch mangels der kumulativ vorausgesetzten Adäquanz - sowohl
nach der "Schleudertrauma-Praxis" als auch nach Massgabe der in BGE 115 V 133
begründeten Rechtsprechung zu den psychogenen Unfallfolgen - nicht gegeben wäre.
Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die rechtlichen
Voraussetzungen des Vorliegens eines adäquat-kausalen Zusammenhangs bei
erlittener schleudertraumaähnlicher Verletzung zutreffend dar (Erwägung 5); darauf ist
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zu verweisen. Die bei mittelschweren Unfällen mit psychischer Fehlentwicklung in die
Adäqanzprüfung einzubeziehenden Kriterien stellen sich folgendermassen dar:
Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen; ungewöhnlich lange Dauer
der ärztlichen Behandlung; körperliche Dauerschmerzen; ärztliche Fehlbehandlung,
welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und
erhebliche Komplikationen; Grad und Dauer der Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 140 E.
6c/aa). Im Gegensatz zu den bei psychischen Fehlentwicklungen relevanten Kriterien
wird für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall
mit Schleudertrauma der HWS und in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine
Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, weil
es hier nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/
oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 117 V 359).
7.2 Der Zeitpunkt der Adäquanzprüfung und damit der Leistungseinstellung per
21. Februar 2008 ist nicht zu beanstanden. Gemäss BGE 134 V 114 E. 4.1 hat der
Versicherer die Heilbehandlung und das Taggeld nur solange zu gewähren, als von der
Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein namhafte Besserung des
Gesundheitszustands erwartet werden kann. Ob eine namhafte Besserung noch
möglich ist, bestimmt sich laut höchstrichterlicher Rechtsprechung nach der zu
erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese
unfallbedingt beeinträchtigt ist (vgl. BGE 134 V 115 E. 4.3 und Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Januar 2010 i/S S. [8C_744/2009], E. 8.1). Aufgrund des
bisherigen Heilverlaufs, der vorliegenden ärztlichen Berichte und der attestierten vollen
Arbeitsfähigkeit, konnte im Einstellungszeitpunkt per 21. Februar 2008 von einer
weiteren ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung der Beschwerden erwartet
werden. Von einer solchen ging auch Dr. C._ im Bericht vom 29. April 2008 nicht aus
(UV-act. 82).
7.3 Dem Unfall vom 19. November 2006 kann zwar eine gewisse Eindrücklichkeit -
wie praktisch jedem Unfall mit einer Körperverletzung - nicht abgesprochen werden.
Nach den anwendbaren streng objektiven Kriterien kann jedoch nicht von besonders
dramatischen Begleitumständen oder besonderer Eindrücklichkeit (BGE 115 V 133 E.
6c/aa, 134 V 109 V E. 10.3) gesprochen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
17. November 2009 i/S M. [8C_595/2009], E. 8 mit Hinweisen). Zu verneinen sind
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weiter eine schwere Verletzung oder eine besondere Art der erlittenen Verletzungen,
was vom Beschwerdeführer auch nicht geltend gemacht wird. Er beruft sich auch nicht
auf eine ärztliche Fehlbehandlung. Dieses Adäquanzkriterium ist ebenso zu verneinen.
7.4 Die ärztliche Behandlung des Beschwerdeführers dauerte vom Unfall am
19. November 2006 bis zum Einstellungszeitpunkt am 21. Februar 2008 rund 15
Monate. Bei dieser Zeitspanne kann nicht von einer ungewöhnlich langen Dauer der
ärztlichen Behandlung (BGE 115 V 140 E. 6c/aa) gesprochen werden. Erforderlich ist
überdies eine kontinuierliche, mit einer gewissen Planmässigkeit auf die Verbesserung
des Gesundheitszustandes gerichtete Behandlung des (somatischen) Leidens.
Abklärungsmassnahmen und blossen ärztlichen Kontrollen kommt nicht die Qualität
einer regelmässigen, zielgerichteten Behandlung zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 8. Januar 2010 i/S S. [8C_744/2009], E. 11.3 mit Hinweisen). Der
Beschwerdeführer wurde die erste Nacht nach dem Unfall im Spital Wil überwacht (UV-
act. 2). Vom 4. Juli bis 30. August 2007 weilte er zur stationären Rehabilitation in der
Rehaklinik Bellikon (UV-act. 43 und 51). Die Behandlung durch seinen Hausarzt Dr.
C._ beschränkte sich auf Kontrollen, Verschreibung von Physiotherapie und
Medikamenten sowie auf die Anordnung weiterer Abklärungsmassnahmen. Diese
ärztliche Behandlung erfüllt die Anforderungen an das entsprechende
Adäquanzkriterium nicht, weshalb es zu verneinen ist. Im gleichen Sinne liegt bis zum
Einstellungszeitpunkt auch keine ununterbrochene, konsequent fortgeführte
Behandlungsfolge vor und kann damit objektiv nicht von einer spezifischen, den
Beschwerdeführer speziell belastenden ärztlichen Behandlung nach dem Sinngehalt
dieses Adäquanzkriteriums bei Schleudertraumen der HWS ausgegangen werden (vgl.
BGE 134 V 109 E. 10.3 sowie Urteile des Bundesgerichts vom 29. Januar 2010 i/S H.
[8C_879/2009], E. 5.2, vom 2. Dezember 2009 i/S S. [8C_747/2009], E. 6.2 mit
Hinweisen, und vom 30. September 2009 i/S G. [8C_299/2009], E. 4.3.3). Die beim
Beschwerdeführer durchgeführten Behandlungen zusammen mit dem einmaligen
Klinikaufenthalt liegen im unteren Bereich dessen, was nach einem erlittenen
Schleudertrauma bzw. einer äquivalenten Verletzung mit ähnlichem Beschwerdebild
üblich ist. Die diesbezügliche Inanspruchnahme ist insgesamt nicht als derart intensiv
zu werten, als dass deswegen von einer erheblichen - im Sinn einer sich allein daraus
ergebenden zusätzlichen - Mehrbelastung aussergewöhnlicher Natur gesprochen
werden könnte.
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7.5 Weder aus der ärztlichen Behandlung noch aus den erheblichen Beschwerden,
welche bei der Beurteilung der spezifischen Adäquanzkriterien zu berücksichtigen sind,
kann auf einen schwierigen Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen
geschlossen werden. Vielmehr bedarf es hierzu besonderer Gründe, welche die Heilung
beeinträchtigt haben (vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 4. Januar 2010 i/S H.
[8C_786/2009], E. 5.5, und vom 9. November 2009 i/S N. [8C_626/2009], E. 4.3 mit
Hinweisen). Solche liegen beim Beschwerdeführer nicht vor, weshalb auch dieses
sowohl bei der "Psycho-Praxis" als auch bei der "Schleudertrauma-Praxis"
adäquanzrelevante Kriterium zu verneinen ist.
7.6 Nach dem Abklingen der Schmerzen im Brustbereich wurden vom
Beschwerdeführer durchgehend Beschwerden und Verspannungen im Nacken- und
Schulterbereich geklagt. Von Februar bis Sommer 2007 waren auch
Kopfschmerzattacken hinzugekommen. Andauernde Schmerzen wurden bei den
Befragungen vom 9. März und 9. Mai 2007 nicht angegeben (UV-act. 10 und 22).
Vielmehr beschrieb der Beschwerdeführer Verspannungen in Ruhe und in der Nacht,
die nach gewisser Zeit schmerzhaft würden. Am 31. Oktober 2007 führte er zusätzlich
aus, dass er keine Schmerzmittel mehr nehme (UV-act. 54). Dr. J._ beschrieb er
belastungsabhängige Schmerzen im Schulter-/Nackenbereich (UV-act. 65). Angesichts
dieser Sachlage ist mithin auch das Kriterium der körperlichen Dauerschmerzen (BGE
115 V 140 E. 6c/aa) bzw. dasjenige der erheblichen Beschwerden (BGE 134 V 109 E.
10.3) nicht erfüllt.
7.7 Der Beschwerdeführer war vom Unfalltag am 19. November 2006 bis zum ersten
Arbeitsversuch am 19. Februar 2007 100% arbeitsunfähig (UV-act. 10). Weitere
Arbeitsversuche zu 50% sind vom 16. bis 20. April 2007, am 10./11. und 14. Mai 2007
sowie (nach Ferienunterbruch) am 5. Juni 2007 dokumentiert (UV-act. 22, 26 und 29).
Die Ärzte der Rehaklinik Bellikon erachteten eine volle Arbeitsfähigkeit für zumutbar,
sofern der Beschwerdeführer keine Gewichte über 15kg heben müsse (UV-act. 43 und
51). Obwohl die Arbeitgeberin seine angestammte Arbeit anpasste (UV-act. 21f., 42
und 54), verwirklichte er diese theoretische Arbeitsfähigkeit zu keiner Zeit. Auch die
Angewöhnungsphase zu 50%, die er am 5. September 2007 begann, wurde mehrfach
unterbrochen (UV-act. 44 bis 46 und 49f.). Ab 31. Oktober 2007 wurde mit dem
Hausarzt des Beschwerdeführers eine Arbeitsfähigkeit von 75% vereinbart (UV-act.
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53), die wiederum nicht eingehalten wurde (UV-act. 56). Dr. J._ beurteilte die
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers am 17./18. Januar 2008 aus neurologischer
Sicht als nicht wesentlich eingeschränkt (UV-act. 65). Dr. D._ schloss sich der
Beurteilung im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon an und ging ebenfalls von voller
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus (UV-act. 68). Er verneinte darüber hinaus
eine unfallbasierte Begründung für eine Beschränkung der Belastung auf 15kg.
Spätestens ab 21. Februar 2008 bestand demnach theoretisch volle Arbeitsfähigkeit.
Bei dieser Ausgangslage ist das Adäquanzkriterium Grad und Dauer der physisch
bedingten Arbeitsunfähigkeit (BGE 115 V 140 E. 6c/aa) höchstens in einfacher Weise
erfüllt bzw. ist eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit (BGE 134 V 130 E. 10.3) nicht bzw.
ebenfalls höchstens geringfügig erfüllt. In Bezug auf das adäquanzrelevante Kriterium
der "Schleudertrauma-Praxis" (BGE 134 V 130 E. 10.3) kommt einschränkend hinzu,
dass die ernsthaften Anstrengungen des Beschwerdeführers (seine Arbeitsfähigkeit zu
verwirklichen und) seine Arbeitsunfähigkeit zu überwinden, nicht konkret erkennbar ist.
7.8 Da sowohl in Anwendung der "Psycho-Praxis" als auch der "Schleudertrauma-
Praxis" höchstens das Adäquanzkriterium betreffend Arbeitsunfähigkeit in einfacher
Weise bzw. geringfügig erfüllt ist, ist der adäquate Kausalzusammenhang zwischen
dem Unfall vom 19. November 2006 und den Beschwerden im Nacken-/
Schulterbereich, die über den Einstellungszeitpunkt hinaus geltend gemacht werden,
zu verneinen. Damit fehlt es auf jeden Fall an einer wesentlichen Voraussetzung für eine
Leistungspflicht der Suva über den 21. Februar 2008 hinaus, weshalb die
Versicherungsleistungen zu Recht auf diesen Zeitpunkt hin eingestellt wurden.
8.
8.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) keine zu erheben.
8.2 Der Beschwerdeführer lässt die unentgeltliche Verbeiständung durch seine
bisherige Rechtsvertreterin beantragen. Seine Bedürftigkeit ist aufgrund der
vorliegenden
Unterlagen (besonders act. G 8) erstellt. Eine anwaltliche Vertretung war angesichts der
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komplexen Tat- und Rechtsfragen geboten. Bei detaillierter Betrachtung kann die
Beschwerde im Zeitpunkt der Einreichung nicht als offensichtlich aussichtslos beurteilt
werden. Es war nicht evident, dass der Beschwerdeführer von vorneherein unterliegen
würde. Zudem hätte sich eine Partei, die die nötigen Mittel hätte, wahrscheinlich auch
zum Prozess entschieden (vgl. St. Meichssner, Aktuelle Praxis der unentgeltlichen
Rechtspflege, in: Jusletter 7. Dezember 2009, Rz 29 bis 32; BGE 129 I 129 E. 2.3.1
S. 136f. und BGE 98 V 115 E. 4 S. 109). Da die Voraussetzungen erfüllt sind, kann dem
Beschwerdeführer die unentgeltliche Verbeiständung durch seine bisherige
Rechtsvertreterin bewilligt werden. Er kann aber, wenn es seine wirtschaftlichen
Verhältnisse gestatten, zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung und der vom
Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 des st. gallischen
Zivilprozessgesetzes, systematische Gesetzessammlung des Kantons St. Gallen [sGS]
961.2, i.V.m. Art. 99 Abs. 2 des st. gallischen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1).
8.3 Der Staat hat zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung für die Kosten der
Rechtsvertretung des Beschwerdeführers aufzukommen. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass dem unentgeltlichen Rechtsbeistand lediglich ein um 20% reduziertes Honorar
zusteht (vgl. Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes, sGS 963.70). Am
11. Februar 2010 reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers eine
Honorarnote über Fr. 14'612.80 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) ein und wies
auf das überdurchschnittlich aufwendige Verfahren hin (act. G 47). Der eingereichten
Honorarnote kann nicht entsprochen werden. Die Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten (sGs 963.75) sieht für die Verwaltungsrechtspflege das
Pauschalhonorar als Regelfall vor. In unfallversicherungsrechtlichen Verfahren spricht
das Versicherungsgericht regelmässig eine pauschale Entschädigung von Fr. 4'000.--
zu. Die Komplexität des Falles rechtfertigt vorliegend einen Zuschlag zu dieser
"Normalentschädigung" von 50%. In Würdigung aller Umstände wird die
Parteientschädigung auf Fr. 4'800.-- (80% von Fr. 6'000.-- inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgelegt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG
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