Decision ID: 1db8a245-e291-4c28-8db8-6d226d14b462
Year: 2017
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Griechenland ersuchte die Schweiz mit Rechtshilfeersuchen vom 29. April
2014 um ergänzende Rechtshilfe betreffend aktive und passive Bestechung
von Amtsträgern. Ersucht wird um die Übermittlung von Bankunterlagen.
B. Die Bundesanwaltschaft (nachfolgend "BA") trat am 28. Juli 2015 auf das
Rechtshilfeersuchen ein (Rechtshilfeverfahren RH.12.0100). Sie zog am
1. Juli 2016 die Unterlagen betreffend das Konto Nr. 1 bei der Bank B., lau-
tend auf †C., aus dem nationalen Strafverfahren SV.12.0528 ins vorliegende
Rechtshilfeverfahren bei. Mit Verfügung vom 9. August 2016 ordnete die BA
sodann die Herausgabe von weiteren Unterlagen der Bank B. an. Die Bank
B. reichte die verlangten Unterlagen mit Schreiben vom 12. August 2016 ein.
C. Rechtsanwalt Jean-Jacques Martin zeigte am 8. Juli 2016 an, er wahre die
Interessen von A., Witwe und einzige Erbin des Kontoinhabers †C. Die BA
gab am 7. Dezember 2016 Akteneinsicht (act. 1.4). A. nahm am 9. Januar
2017 zum Rechtshilfeersuchen Stellung, ohne die Zustimmung zur verein-
fachten Ausführung zu geben (act. 1.5; act. 1.1 Schlussverfügung).
D. Die BA erliess am 26. Juli 2017 die Schlussverfügung (act. 1.1). Diese ent-
spricht dem Rechtshilfeersuchen und gibt heraus die Eröffnungsunterlagen
der Stamm-Nr. 1 bei der Bank B., die Vermögensübersicht zur Kontoverbin-
dung sowie Unterlagen zu den Unterkonten in USD, EUR und CHF (act. 1.1
Dispositiv Ziffer 2).
E. Dagegen erhebt A. am 28. August 2017 Beschwerde (act. 1). Sie beantragt
im Wesentlichen, es sei keine, eventualiter nur teilweise Rechtshilfe zu ge-
währen (act. 1 S. 1 f.), subeventualiter sei die Sache zu neuer Beurteilung
zurückzuweisen (act. 1 S. 3).
Es wurde kein Schriftenwechsel durchgeführt (vgl. Art. 57 Abs. 1 VwVG im
Umkehrschluss).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.
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Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Für die Rechtshilfe zwischen Griechenland und der Schweiz ist in erster Li-
nie das Europäische Übereinkommen vom 20. April 1959 über die Rechts-
hilfe in Strafsachen (EUeR; SR 0.351.1) massgebend. Überdies gelangen
die Bestimmungen der Art. 48 ff. des Übereinkommens vom 19. Juni 1990
zur Durchführung des Übereinkommens von Schengen vom 14. Juni 1985
(Schengener Durchführungsübereinkommen, SDÜ; ABl. L 239 vom 22. Sep-
tember 2000, S. 19–62) zur Anwendung, wobei die zwischen den Vertrags-
parteien geltenden weitergehenden Bestimmungen aufgrund bilateraler Ab-
kommen unberührt bleiben (Art. 48 Abs. 2 SDÜ). Ebenso zur Anwendung
kommt vorliegend das Übereinkommen vom 8. November 1990 über Geld-
wäscherei sowie Ermittlung, Beschlagnahme und Einziehung von Erträgen
aus Straftaten (Geldwäschereiübereinkommen, GwUe; SR 0.311.53).
1.2 Soweit diese Staatsverträge bestimmte Fragen weder ausdrücklich noch
stillschweigend regeln, bzw. das schweizerische Landesrecht geringere An-
forderungen an die Rechtshilfe stellt (sog. Günstigkeitsprinzip; BGE 142 IV
250 E. 3; 140 IV 123 E. 2; 136 IV 82 E. 3.1; 135 IV 212 E. 2.3; ZIMMERMANN,
La coopération judiciaire internationale en matière pénale, 4. Aufl.
Bern 2014, N. 229), sind das Bundesgesetz vom 20. März 1981 über inter-
nationale Rechtshilfe in Strafsachen (IRSG; SR 351.1) und die dazugehörige
Verordnung vom 24. Februar 1982 (IRSV; SR 351.11) anwendbar (Art. 1
Abs. 1 IRSG; BGE 143 IV 91 E. 1.3; BGE 136 IV 82 E. 3.2; 130 II 337 E. 1;
vgl. auch Art. 54 StPO). Vorbehalten bleibt die Wahrung der Menschenrechte
(BGE 139 II 65 E. 5.4 letzter Absatz; 135 IV 212 E. 2.3; 123 II 595 E. 7c;
ZIMMERMANN, a.a.O., N. 211 ff., 223 ff., 680 ff.).
Auf das vorliegende Beschwerdeverfahren sind zudem anwendbar die Be-
stimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Ver-
waltungsverfahren (Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR 172.021;
Art. 39 Abs. 2 lit. b i.V.m. Art. 37 Abs. 2 lit. a des Bundesgesetzes vom
19. März 2010 über die Organisation der Strafbehörden des Bundes [Straf-
behördenorganisationsgesetz, StBOG; SR 173.71]; BGE 139 II 404 E. 6/8.2;
ZIMMERMANN, a.a.O., N. 273).
2.
2.1 Zur Beschwerdeführung ist berechtigt, wer persönlich und direkt von einer
Rechtshilfemassnahme betroffen ist und ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 80h lit b. IRSG). Als persönlich
und direkt betroffen wird im Falle der Herausgabe von Kontoinformationen
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an den ersuchenden Staat der jeweilige Kontoinhaber angesehen (Art. 9a
lit. a IRSV; Übersicht über die Rechtsprechung in BGE 137 IV 134 E. 5;
TPF 2010 47 E. 2.1; ZIMMERMANN, a.a.O., N. 524–535).
Mit dem Ableben des Kontoinhabers wird die Gesamtheit der Erben gemein-
sam, die Erbengemeinschaft, beschwerdeberechtigt. Davon kann nur in zwei
Fällen ausnahmsweise abgewichen werden: Erstens wenn entweder ein-
zelne Erben in dringenden Fällen Beschwerde führen, um damit die Interes-
sen der Erbengemeinschaft zu wahren oder zweitens, wenn an einem Streit
innerhalb der Erbengemeinschaft alle Erben beteiligt sind und dieser den
Gegenstand des Rechtshilfeverfahrens betrifft (Entscheide des Bundesstraf-
gerichts RR.2015.94 vom 9. Juli 2015, E. 1.2; RR.2012.113 vom 5. Oktober
2012, E. 1.3).
2.2 Der Erblasser hinterlässt neben seiner Ehefrau, der Beschwerdeführerin,
noch zwei Töchter (vgl. Akten BA SV.12.0528 B07.106.001.01.E-0017 For-
mular A). Die Beschwerdeführerin reichte einen Auszug vom 19. September
2013 des "District Probate Registry at Winchester" des High Court of Justice
ein, wonach ihr als persönlicher Vertreterin des in Griechenland am 6. Okto-
ber 2012 ohne Erlass eines Testamentes Verstorbenen †C. die Verwaltung
des Nachlasses gewährt werde, wobei sich dieser in England und Wales auf
GBP 71'207.-- zu belaufen scheine (act. 1.3). Die Beschwerdeführerin hat
damit weder den Nachweis ihrer alleinigen Berechtigung am Konto noch ih-
rer Beschwerdeberechtigung im Sinne der in Erwägung 2.1 zitierten Recht-
sprechung erbracht. Das Gericht hielt sie indes nicht zur Klärung ihrer Be-
schwerdeberechtigung an, da die Beschwerde aus den folgenden Gründen
ohnehin als offensichtlich unbegründet abzuweisen ist.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin bringt zunächst vor, dass die Rechtshilfe die Her-
ausgabe von Unterlagen des Kontos von †C. zugunsten des griechischen
Strafverfahren denselben betreffe. Die Beschwerdeführerin rügt, dass das
Ableben das griechische Strafverfahren gegen †C. beendet habe, weshalb
dafür auch keine Rechtshilfe mehr geleistet werden könne (act. 1 S. 9–11).
3.2 Das griechische Auslieferungsersuchen ist indes durch die Schweiz zu erle-
digen, solange es nicht ausdrücklich zurückgezogen wurde (vgl. BGE 115 Ib
186 E. 3; Urteile des Bundesgerichts 1C_284/2011 vom 18. Juli 2011, E. 1;
1C_559/2009 vom 11. Februar 2010, E. 1; 1A.241/2005 vom 24. Februar
2006, E. 3). Das Strafverfahren in Griechenland richtet sich denn auch nicht
nur gegen †C., sondern auch gegen weitere Personen, namentlich gegen D.
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sowie die Brüder E. (vgl. Akten BA RH.12.0100 01.000-0827 Rechtshilfeer-
suchen). Die vorgesehene Rechtshilfe ist damit insoweit zulässig.
4.
4.1 Die Beschwerdeführerin rügt sodann, die Rechtshilfe sei so wie vorgesehen
nicht verhältnismässig. Von den zahlreichen Transaktionen des Kontos von
†C. würden nur deren zwei von Gesellschaften der im Rechtshilfeersuchen
erwähnten Brüder E. stammen: USD 850'000.-- kämen von der Gesellschaft
F. Inc. und USD 360'000.-- von der G. Ltd. Die Schlussverfügung gebe je-
doch sämtliche Kontounterlagen heraus und damit auch solche ohne jegli-
chen Bezug zu den Brüdern E. (act. 1 S. 12 f.).
4.2 Das Rechtshilfeersuchen beruht zusammengefasst auf folgendem Sachver-
halt (vgl. Akten BA RH.12.0100 01.000-0828–32): Im Zusammenhang mit
der Lieferung von russischen Raketen [...] seien von russischen Unterneh-
men an griechische Spitzenbeamte Bestechungszahlungen ausgerichtet
worden. D. und †C. würden dabei verdächtigt, über die gemeinschaftlich ver-
tretene H. und die Gesellschaft I., Bestechungszahlungen an den ehemali-
gen griechischen Verteidigungsminister und den ehemaligen Generaldirek-
tor des griechischen Verteidigungsministeriums ausbezahlt zu haben. So
seien diverse Überweisungen auf Konten von Gesellschaften erfolgt, deren
Zeichnungs- oder wirtschaftliche Berechtigte die Brüder E. gewesen seien,
darunter die F. Inc. sowie die G. Ltd. Über die J. LLC seien die Gelder wie-
derum auf Konten überwiesen worden, über die †C. direkt oder indirekt ver-
fügungsberechtigt gewesen sei.
Um Rechtshilfe wird ersucht zur Aufklärung dieser Bestechungsdelikte sowie
zur Aufspürung und Beschlagnahme von deliktisch erworbenen Vermögens-
werten. Ersucht wird dabei um alle Unterlagen zu den Privat- und Geschäfts-
konten von †C. bei der Bank B.
4.3 Rechtshilfemassnahmen müssen verhältnismässig, mit anderen Worten für
ihren Zweck tauglich, erforderlich und massvoll sein, also nicht über das hin-
ausgehen, was zu dessen Erreichung notwendig ist (Art. 5 Abs. 2 und Art. 36
Abs. 3 BV, Art. 63 Abs. 1 IRSG; BGE 139 II 404 E. 7.2.2 Abs. 2). Das
Rechtshilfeersuchen hat den Gegenstand und den Grund des Begehrens zu
spezifizieren (Art. 14 Ziff. 1 lit. b EUeR). Grundsätzlich muss die ersuchte
Behörde aufzeigen, dass zwischen dem Gegenstand der Strafuntersuchung
und den von der Rechtshilfe betroffenen Unterlagen eine ausreichende in-
haltliche Konnexität, d.h. ein ausreichender Sachzusammenhang, besteht
(BGE 129 II 462 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 1A.47/2007 vom 12. No-
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vember 2007, E. 5.1; TPF 2008 44 E. 3.6). Sie kann dies nicht dem ersu-
chenden Staat überlassen, indem sie ihm die Gesamtheit der beschlag-
nahmten Dokumente übermittelt. Ein solches Vorgehen wäre unverhältnis-
mässig (BGE 130 II 14 E. 4.3/4.4; TPF 2011 97 E. 5.1; ZIMMERMANN, a.a.O.,
N. 717–726).
Zielt das Rechtshilfeersuchen auf die Ermittlung ab, auf welchem Weg Geld-
mittel mit möglicherweise strafbarer Herkunft verschoben wurden, so sind
die Behörden des ersuchenden Staates grundsätzlich über alle Transaktio-
nen zu informieren, die von Gesellschaften und über Konten getätigt wurden,
welche in die Angelegenheit verwickelt sind. Es sind grundsätzlich alle sach-
lich und zeitlich konnexen sichergestellten Aktenstücke zu übermitteln
(BGE 136 IV 82 E. 4.4; 129 II 462 E. 5.3/5.5; 121 II 241 E. 3c; Urteile des
Bundesgerichts 1C_625/2012 vom 17. Dezember 2012, E. 2.2; 1A.79/2005
vom 27. April 2005, E. 4; TPF 2011 97 E. 5.1 und 2009 161 E. 5; ZIMMER-
MANN, a.a.O., N. 723).
4.4 Die vorgesehene Rechtshilfe ist verhältnismässig: Die ausführende Behörde
zeigt in der Schlussverfügung detailliert und nachvollziehbar auf, wie das
fragliche Konto durch Gelder in Zusammenhang mit dem griechischen Straf-
verfahren geäufnet wurde. Sie legt zutreffend dar, dass gemäss Sachverhalt
die mutmasslichen Bestechungsgelder in einem komplexen Netz verscho-
ben wurden und dass es im griechischen Strafverfahren zu klären gilt, wie
genau das Konto von †C. darin verwickelt ist. Auf diese Ausführungen
(act. 1.1 S. 4 f. Ziff. 4, 5) kann hier verwiesen werden. Den sachlichen Kon-
nex des Kontos zum griechischen Strafverfahren bestreitet die Beschwerde-
führerin jedenfalls nicht (vgl. obige Erwägung 4.1). In sachlicher und zeitli-
cher Hinsicht entspricht die Schlussverfügung dem Ersuchen der griechi-
schen Strafbehörden um alle Belege (insbesondere den Kontobewegungen)
der Stammbeziehung bis zum aktuellen Tag. Die vorgesehene Rechtshilfe
ist im Lichte der Rechtsprechung zeitlich und sachlich verhältnismässig. Im
Übrigen setzt sich die Beschwerdeführerin nicht im Einzelnen mit den von ihr
allgemein kritisierten, zur Übermittlung vorgesehenen Unterlagen auseinan-
der. Insoweit ist sie ihrer Mitwirkungspflicht (dazu BGE 134 II 318 E. 6.4; 130
II 14 E. 4.3; 126 II 258 E. 9b/aa; Urteil des Bundesgerichts 1C_307/2016 vom
2. August 2016, E. 1.2) nicht nachgekommen. Die Beschwerdeinstanz
forscht nicht von sich aus nach einzelnen Aktenstücken, die im ausländi-
schen Verfahren (mit Sicherheit) nicht erheblich sein könnten (vgl. z.B. Ent-
scheid des Bundesstrafgerichts RR.2016.62 vom 9. Juni 2016, E. 8.4).
5. Nach dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
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6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten der Beschwer-
deführerin aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG). Die Gerichtsgebühr ist
auf Fr. 3'000.-- festzusetzen (vgl. Art. 63 Abs. 4bis und Abs. 5 VwVG i.V.m.
Art. 73 StBOG sowie Art. 5 und Art. 8 Abs. 3 lit. a des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]), der ge-
leistete Kostenvorschuss (act. 7) daran anzurechnen.
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