Decision ID: aa921510-23f8-4f54-b709-db38b3892da4
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_008
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
Das Bezirksgericht Lenzburg sprach den Gesuchsteller mit Urteil vom
13. Februar 2020 von den Vorwürfen des mehrfachen Entziehens von
Minderjährigen sowie des Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen frei,
verurteilte ihn wegen mehrfacher Vergewaltigung, mehrfacher sexueller
Nötigung, mehrfacher Nötigung und mehrfacher Tätlichkeiten während der
Ehe [mit B.] zu einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren sowie einer Busse von
Fr. 800.00, verwies ihn unter Ausschreibung im Schengener Informations-
systems (SIS) für 10 Jahre des Landes und entschied über die beschlag-
nahmten Gegenstände, die Zivilklage sowie die Freigabe der Sicherheits-
leistung.
2.
Auf Berufung des Gesuchstellers und Anschlussberufung der Staats-
anwaltschaft stellte das Obergericht mit Urteil vom 30. August 2021 das
Verfahren in Bezug auf den Vorwurf der Tätlichkeiten für den angeklagten
Zeitraum bis 14. Februar 2017 ein und sprach ihn vom Vorwurf der
mehrfachen Nötigung frei. Es verurteilte ihn wegen mehrfacher Verge-
waltigung, mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfachen Entziehens von
Minderjährigen, mehrfacher Tätlichkeiten während der Ehe sowie Unge-
horsams gegen amtliche Verfügungen zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren
sowie einer Busse von Fr. 2'800.00 und bestätigte im Übrigen das erst-
instanzliche Urteil weitgehend.
3.
Das Bundesgericht wies eine vom Gesuchsteller dagegen erhobene
Beschwerde mit Urteil 6B_1130/2021 vom 25. Oktober 2021 ab, soweit es
darauf eingetreten ist.
4.
Mit Revisionsgesuch vom 20. Oktober 2022 beantragte der Gesuchsteller,
das Urteil des Obergerichts vom 30. August 2021 sei aufzuheben, es sei
ein neues Urteil zu fällen und der Gesuchsteller vollumfänglich
freizusprechen. Eventualiter sei die Sache zur erneuten Behandlung und
Beurteilung zurückzuweisen.
- 3 -

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Das Revisionsgesuch des Gesuchstellers richtet sich gegen das Urteil des
Obergerichts vom 30. August 2021. Tritt das Berufungsgericht auf eine
Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche Urteil
ersetzt (Art. 408 StPO, Art. 81 StPO). Nachdem das Bundesgericht weder
gestützt auf Art. 105 Abs. 2 BGG die obergerichtliche Feststellung des
Sachverhalts abgeändert noch eigene Sachverhaltsfeststellungen ge-
troffen hatte, sind neue Tatsachen oder Beweismittel mit einem Revisions-
gesuch im Kanton geltend zu machen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6F_1/2017 vom 17. März 2017 E. 2 mit Verweis auf BGE 134 IV 48).
Gegenstand des Revisionsgesuches ist somit vorliegend das Urteil des
Obergerichts vom 30. August 2021.
2.
2.1.
Mit dem ausserordentlichen Rechtsmittel der Revision kann ein rechts-
kräftiges Strafurteil angefochten werden, wenn neue, vor dem Entscheid
eingetretene Tatsachen oder neue Beweismittel vorliegen, die geeignet
sind, einen Freispruch, eine wesentlich mildere oder wesentlich strengere
Bestrafung der verurteilten Person oder eine Verurteilung der frei-
gesprochenen Person herbeizuführen (Art. 410 Abs. 1 lit. a StPO). Die
Revisionsgründe müssen eine gewisse Erheblichkeit aufweisen. Daran
fehlt es, wenn sich die Vorbringen nicht auf das Urteil auswirken können.
Die Erheblichkeit von Tatsachen lässt sich in antizipierter Beweiswürdigung
beurteilen. Die früheren Urteilsgrundlagen lassen sich einzig durch Um-
stände infrage stellen, welche diese zu erschüttern vermögen (HEER, in:
Basler Kommentar, Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N. 65 f. zu Art. 410
StPO mit Hinweisen). Vorbestehende Tatsachen und Beweismittel sind
neu, wenn das Gericht zum Zeitpunkt der Urteilsfällung keine Kenntnis von
ihnen hatte, sie ihm also nicht bereits in anderer Form unterbreitet worden
sind (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 6B_127/2020 vom 20. Juli 2021
E. 1.3 mit Verweis auf BGE 137 IV 59 E. 5.1.2).
2.2.
Der Gesuchsteller reichte 5 Audioaufnahmen von Gesprächen im Dialekt
Hazaragi ein, welche durch den Bruder des Gesuchstellers ins Deutsche
und in die Hochsprache Dari übersetzt wurden. Bei den Beweismitteln 1 bis
3 handle es sich um Audioaufnahmen, die zwar vor dem Urteil entstanden
seien, dem Gesuchsteller jedoch in diesem Zeitpunkt nicht zugänglich
gewesen seien. Nachdem B. am 1. Mai 2019 (angeblich) spurlos
verschwunden gewesen sei, sei der Gesuchsteller davon ausgegangen,
dass die Ehe vorüber sei und er die Aufnahmen nicht mehr benötige. Aus
diesem Grund habe er die Aufnahmen von seinem Laptop gelöscht. Er sei
weiter davon ausgegangen, dass diese Dateien unwiderruflich gelöscht
- 4 -
seien und eine Wiederherstellung nicht möglich sei. Erst nachdem das
Urteil des Bundesgerichts in Rechtskraft erwachsen sei, sei dem Bruder
des Gesuchstellers, C., der während des Verfahrens beschlagnahmte
Laptop ausgehändigt worden. Jenem sei es gelungen, Ende November
2021 mit Hilfe eines Freundes die verloren geglaubten Dateien
wiederherzustellen. Bei den Beweismittel 4 und 5 handle es sich um
solche, die erst nach dem angefochtenen Urteil entstanden seien, sich aber
auf Tatsachen beziehen würden, die vor dem Urteil entstanden seien.
2.3.
Zunächst ist festzustellen, dass die Übersetzung durch den Bruder des
Gesuchstellers offenbar teilweise, in der Regel in Klammern gesetzte,
eigene Ergänzungen oder Interpretationen enthält, die dann auch teilweise
im Gesuch übernommen wurden. Als Beispiel sei die Aussage erwähnt,
wonach sie «sehr wütend wütend/ böse (nachtragend, rachesüchtig)»
geworden sei. Solche aggravierende, persönliche Ergänzungen sind nicht
zu berücksichtigen.
2.4.
Die vom Gesuchsteller eingereichten Aufnahmen bzw. die Tatsachen, die
er daraus ableiten will, sind offensichtlich nicht geeignet, die sorgfältige
Beweiswürdigung der Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen von B. als
Opfer und Ehefrau des Gesuchstellers in Zweifel zu ziehen.
2.4.1.
Ob B. den Gesuchsteller betrogen bzw. eine Affäre gehabt habe (Beilage 3)
oder nicht, war Thema des Verfahrens (vgl. Urteil des Bezirksgerichts
E. 2.4.5). Vor Obergericht auf ein aussereheliches Verhältnis mit D. ange-
sprochen hat B. «bloss» verneint, Sex gehabt zu haben, nicht jedoch
telefonischen Kontakt, SMS und so weiter (Protokoll der Berufungs-
verhandlung, S. 6). Das Obergericht hat hierzu keine Ausführungen
gemacht und dem Thema damit keine entscheidende Bedeutung
zugemessen.
Dass sich der Gesuchsteller den Bedürfnissen bzw. dem Willen von B.
gegenüber gleichgültig verhalten haben soll (Beilage 3), war ebenfalls
Thema des Verfahrens (vgl. u.a. hinsichtlich Kleidervorschriften oder Arbeit
samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil des
Bezirksgerichts E. 2.4.5.1 S. 40-42). Das Obergericht hat ein Handeln des
Gesuchstellers gegen den Willen von B., soweit diese nicht bereits Eingang
in die Beweiswürdigung genommen hätten – im Wesentlichen bei den
Handlungen gegen die sexuelle Integrität, aber auch bei den Ausführungen
zum Beziehungsbild wie explizit den Kleidervorschriften –, als weder für
sich noch in der Gesamtheit geeignet erachtet, am gewonnenen
Beweisergebnis etwas zu ändern (vgl. Urteil des Obergerichts E. 2.4.5.6).
- 5 -
Dass der Gesuchsteller und B. zumindest eine Zeitlang in getrennten
Zimmern geschlafen hätten (Beilage 3), war ebenfalls Thema des Ver-
fahrens (vgl. samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil des
Bezirksgerichts E. 3.1.3.3 S. 59) und B. hat vor Obergericht ähnliche
Aussagen gemacht (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 9; zum
Schlafen «getrennt» von ihr vgl. Ziff. 2.4.3), was auch Eingang in die
Beweiswürdigung durch das Obergericht gefunden hat (Urteil des
Obergerichts E. 2.4.5.2 S. 8 f.).
Dass B. wütend reagieren kann (Beilage 5), hat sie bereits ausgesagt (vgl.
Urteil des Bezirksgerichts E. 3.2.3.3 S. 71, wonach sie die Kinder aus Wut
geschlagen habe). Im Übrigen hätte der Gesuchsteller als Antwort
ausgesagt, dass sie nicht so («zwei Charakter haben») sein soll, denn tue
sie es, dann er auch. Mithin gälte das Gleiche auch für ihn. Auch war ein
mögliches Rachemotiv von B. Thema des Verfahrens gewesen (vgl. Urteil
des Bezirksgerichts E. 2.4.5.1 S. 35, E. 3.1.3.3 S. 56 f.). Zudem hatte B.
bereits ausgesagt, dass die Bekanntgabe ihrer Affäre ihren Ruf ruiniert
hätte (vgl. u.a. samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil
des Bezirksgerichts E. 2.4.3.1 S. 22). Der Gesuchsteller hat auch bereits
ein anderes aufgenommenes sowie übersetztes Gespräch mit B. vor
Obergericht eingereicht (angeblich vom Februar 2019, vgl. Berufungs-
begründung, S. 13), worin sie u.a. ausgesagt haben soll, dass er ihr Leben
zur Hölle gemacht habe, sie sich rächen werde und sie nicht still sitzen
werde, bis sie mit ihm fertig sei (Beilage 7 zur Berufungsbegründung des
Gesuchstellers vom 2. November 2020, S. 6, S. 13). Das Obergericht hat
hierzu keine Ausführungen gemacht und diesen Themen damit keine
entscheidende Bedeutung zugemessen.
Inwiefern Aussagen von B. darüber, dass das zweite Kind E. aus dem Bett
gefallen sei oder dass der Gesuchsteller wieder heiraten könne (vgl. zu
Letzterem samt Verweis auf entsprechende Aussagen von B.: Urteil des
Bezirksgerichts E. 2.4.3.2 S. 24), hinsichtlich der erhobenen Vorwürfe von
Relevanz sind, erschliesst sich nicht. Das Obergericht hat zu Letzterem
keine Ausführungen gemacht und dem Thema damit keine entscheidende
Bedeutung zugemessen.
Die Ausführung von B. aus einem Gespräch angeblich vom 1. Mai 2019
(Beilage 7), wonach sie auf die Frage des Gesuchstellers, weshalb sie die
Kinder nicht mitgebracht habe, geantwortet habe, dass sie kein Ticket
gekauft habe, stimmt mit früheren Aussagen überein. So hat sie vor
Obergericht ausgesagt, dass der Gesuchsteller die Tickets von ihr sowie
den Kindern abgenommen habe, dass sie kein Geld gehabt habe und durch
den Verkauf des mitgenommenen Goldes [immerhin] für sich ein Ticket
habe kaufen können (Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 22).
- 6 -
2.4.2.
Entgegen dem Gesuchsteller lässt sich aus dem von seinem Bruder
übersetzten Gespräch zwischen B. und der Schwester des Gesuchstellers
angeblich vom 13. Dezember 2021 (Beilage 9) offensichtlich nicht
entnehmen, dass B. falsch ausgesagt bzw. gelogen hätte, nicht aus einer
isolierten Aussage und erst recht nicht aus dem Zusammenhang:
Im Gegenteil hat B. explizit gesagt, dass sie nicht gelogen habe, so dass
sich der Gesuchsteller nicht mehr frei bewegen könne. Auch habe sie
nichts unnötig ausgesagt und die von ihr ausgesagten Sachen seien wahr.
Inwiefern der Umstand, dass sie nicht «direkt» gesagt habe, dass es eine
Vergewaltigung gewesen sei, sondern dass «sie» gedacht hätten, dass es
eine sei, daran etwas ändert, erschliesst sich nicht, zumal bereits das
Obergericht erwogen hat, dass der Dolmetscher B. anlässlich der
erstinstanzlichen Hauptverhandlung das Konzept des einvernehmlichen
Geschlechtsverkehrs habe erklären müssen (Urteil des Obergerichts
E. 2.4.5.5 S. 14). Gleiches gilt für die Aussage von B., dass es zu 100 %
nicht möglich gewesen wäre, wenn sie nicht zum Arzt gegangen wäre und
keine Belege von ihm gehabt hätte, was auch ihre Anwältin bestätigt habe.
Oder für diejenige Aussage, dass, wenn man Belege vom Arzt erhalte, egal
ob man lüge, «sie» alles akzeptieren würden bzw. solche Belege für «sie»
alles bedeuten würden, und dass es dann gar nicht wichtig sei, dass man
es selber erklären solle. Gleiches gilt für ihre Antwort auf die Frage der
Schwester des Gesuchstellers, ob der Gesuchsteller, dessen Charakter
[nach Ansicht der Schwester des Gesuchstellers] nicht zu einer
Vergewaltigung passe, ein solcher Mensch sei. Hierauf habe B. gesagt,
dass dies richtig sei und dass sie einen Fehler gemacht habe. Er habe ihr
aber Tausende Sachen gesagt, mit wem sie schlafe, während sie zu Hause
mit den Kindern geputzt, gewaschen und gekocht habe. Da würde jede
wütend/böse werden.
Einen Arztbericht hat das Obergericht in seinen Erwägungen explizit im
Zusammenhang mit den Vorwürfen der mehrfachen Tätlichkeit
berücksichtigt und festgestellt, dass «schliesslich» auch dieser die
Aussagen von B. stützen würde (Urteil des Obergerichts E. 4.4 S. 20). In
diesem Zusammenhang hat das Obergericht allerdings neben den als
konstant sowie detailliert gewürdigten Aussagen von B. primär noch auf
Aussagen von D., von ihrem Chef sowie von dessen Frau, wonach sie B.
mit blauen Augen gesehen hätten, einen Polizeirapport der Kantonspolizei
Aargau betreffend einen Vorfall häuslicher Gewalt vom 5. Februar 2017
und die Aussagen des Gesuchstellers vor dem Bezirksgericht, wonach er
B. im 2014/2015 geschlagen habe und 2017 der schlimmste Vorfall
gewesen sei, berücksichtigt. Mithin hat diesbezüglich selbst der
Gesuchsteller zumindest zum Teil Aussagen von B. bestätigt. Das
Obergericht hat weitere Arztberichte nicht explizit erwähnt oder auf solche
verwiesen und diesen damit keine entscheidende Bedeutung zugemessen.
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Zu Fehlern, die B. gemacht habe, hat sie sich bereits geäussert,
beispielsweise anlässlich eines Streits mit dem Gesuchsteller nach einem
Besuch, wo sie sich beklagt habe, dass er nichts gemacht habe, und er
erwarte, dass sie die Gäste bediene. Kurz darauf werfen sich beide
gegenseitig vor, sich zu prostituieren bzw. fremd zu gehen. Zwischendurch
fügt B. in diese gegenseitigen Vorwürfe hinzu, dass sie so viele Fehler
gemacht habe, er aber hundertmal mehr Fehler gemacht habe (Beilage 7
zur Berufungsbegründung des Gesuchstellers vom 2. November 2020
S. 3 f., S. 9).
2.4.3.
Entgegen dem Gesuchsteller lässt sich auch aus dem von seinem Bruder
übersetzten Gespräch zwischen der Schwester von B. (F.) und ihm
angeblich vom 4. Januar 2022 (Beilage 11) offensichtlich nicht entnehmen,
dass B. falsch ausgesagt bzw. gelogen hätte:
Vorab ist festzuhalten, dass die Aussagen von der Schwester von B., u.a.
dass B. gelogen habe, als reine subjektive Einschätzungen offensichtlich
nicht erheblich sind, zumal die Schwester auch noch die Frau des Bruders
des Gesuchstellers ist (vgl. Protokoll der Berufungsverhandlung, S. 26).
Des Weiteren handelt es sich bei ihren Aussagen zu einem nicht
unwesentlichen Teil um blosse Aussagen vom Hörensagen, denen bereits
daher keine erhebliche Bedeutung zukommen kann. Die Aussage, dass B.
nicht gesagt habe, dass er sie vergewaltigt habe, ist – wie sich aus dem
später aus dem in diesem Gespräch abgespielten Gespräch zwischen B.
und deren Bruder entnehmen lässt – eine verkürzte und damit falsche
Wiedergabe, was sie denn auch kurz vor dieser Wiedergabe gleich selber
bestätigt, nämlich damit, dass B. nicht «direkt» gesagt habe, dass er sie
vergewaltigt habe (siehe hierzu im Übrigen vorstehende Ziffer).
Überdies hat B. ähnliche Aussagen bereits gemacht. Zu einem Schlafen
des Gesuchstellers «getrennt» von ihr hat B. schon ausgesagt, dass der
Gesuchsteller sie so verletzt habe, denn sie sei seine Frau, sie habe sich
ihn gewünscht, aber seine Freude sei den ganzen Tag lang bei der
Schwiegertochter der Mutter von G. gelegen, er habe sie so verletzt und
jetzt sei sie dran. Weiter hat sie gesagt, dass so viele Fehler wie sie
gemacht habe, habe er hundertmal mehr Fehler gemacht, dass sie es
genauso wie er in Afghanistan gemacht habe («vögeln gegangen»), wo
ständig die Hand seiner Schwägerin in seiner Hose gewesen sei, dies habe
sie von ihm gelernt (vgl. Beilage 7 zur Berufungsbegründung des
Gesuchstellers vom 2. November 2020, S. 9).
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Nichts anderes ergibt sich aus dem von F. während dieses Gesprächs
abgespielten Gespräch zwischen B. und deren Bruder über den
Gesuchsteller (u.a. dass es in Afghanistan zwischen «ihm» und der
Schwiegertochter seines Onkels zu einer Rufschädigung gekommen sei;
dass die Dinge, die er ihr angetan habe, ihr wehgetan bzw. sie verletzt
hätten, sie deshalb das gleiche getan habe und er nicht in ihre Nähe habe
kommen wollen). Vielmehr bestätigen sich weitgehend bereits von B.
gemachte Aussagen, welche dem Obergericht bekannt waren.
Zum Grund weshalb B. im April 2019 nach Afghanistan gegangen sei
(gemäss Gespräch mit ihrem Bruder, da der Gesuchsteller ihre Hände und
Füsse geküsst habe, Beilage 11), hat das Obergericht keine Ausführungen
gemacht und dem Thema damit keine entscheidende Bedeutung
zugemessen. Vielmehr hat es im Zusammenhang mit den Vorwürfen des
mehrfachen Entziehens von Minderjährigen sowie des Ungehorsams
gegen amtliche Verfügungen in wesentlichem Umfang auf Aussagen des
Gesuchstellers selber und vor allem auf dessen Handlungen im Nachgang
abgestellt. Inwiefern eine Aufforderung des Bruders an B., in die Schweiz
zu kommen und die Kinder in Afghanistan zu lassen, auch wenn sie dies
im Gespräch bejaht habe, geeignet wäre, ihre Aussagen, was danach
passiert sein soll, in Zweifel zu ziehen, erschliesst sich nicht.
2.5.
Soweit es bereits bekannte Tatsachen betrifft, handelt es sich um Rügen,
die innert der ordentlichen Rechtsmittelfrist hätten vorgebracht werden
müssen. Darauf kann daher nicht eingetreten werden (Urteil des
Bundesgerichts 6B_22/2018 vom 15. März 2022 E. 5). Denn ein
Beweismittel ist nicht neu, wenn das Gericht (angeblich) nicht die richtigen
Schlüsse daraus gezogen habe oder es sich (angeblich) nicht bewusst
gewesen sei, was das Beweismittel beweisen solle. Diese Kritik bezieht
sich auf die Beweiswürdigung und betrifft nicht die Neuheit des
Beweismittels. Im Zweifelsfall muss davon ausgegangen werden, dass das
Gericht alle Aktenstücke und alle in der Verhandlung vorgebrachten
Beweismittel zur Kenntnis genommen hat (vgl. hierzu BGE 122 IV 66),
zumal vorstehend erwähnte Aussagen von B. in nicht unwesentlichem
Umfang anlässlich der Berufungsverhandlung erfolgt sind oder zu den
Akten genommene, aufgenommene Gespräche betreffen. Ebenfalls die
Beweiswürdigung betreffen die Rügen, soweit das Obergericht einzelnen
Punkten keine oder keine entscheidende Bedeutung zugemessen hat.
Soweit es sich überhaupt um neue Tatsachen handelt, sind diese
offensichtlich weder einzeln noch gesamthaft geeignet, die sorgfältige und
ausführliche Würdigung der detaillierten Aussagen von B. zu ihren
konkreten Anschuldigungen und der gesamten weiteren Beweismittel in
Frage zu stellen, da – wie vorstehend ausgeführt – bereits ähnliche
Aussagen vorgelegen haben.
- 9 -
Soweit der Gesuchsteller oder F. das Opfer B. «bloss» der Lüge
bezichtigen oder ihre Glaubwürdigkeit (oder durch den Gesuchsteller auch
vereinzelt diejenige von D.) als persönliche Eigenschaft in Zweifel ziehen,
ist darauf hinzuweisen, dass das Konzept einer allgemeinen
Glaubwürdigkeit in der Aussagepsychologie als wenig brauchbar bewertet
wird. Vielmehr ist für den Beweiswert einer Aussage die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussage entscheidend. Entsprechend sind diese subjektiven
Einschätzungen ebenfalls offensichtlich nicht geeignet, etwas an der
sorgfältigen und ausführlichen Beweiswürdigung zu ändern.
In Anbetracht der vorstehenden Ausführungen ist eine Änderung des
Urteils des Obergerichts vom 30. August 2021 offensichtlich nicht sicher,
höchstwahrscheinlich oder jedenfalls wahrscheinlich. Das Revisions-
verfahren dient nicht dazu, rechtskräftige Entscheide jederzeit infrage zu
stellen oder frühere prozessuale Versäumnisse zu beheben oder
nachzuholen (BGE 130 IV 72 E. 2.2 S. 74). Dies gilt auch für Rügen der
Beweiswürdigung und Sachverhaltsfeststellung (Urteil des Bundesgerichts
6B_1055/2018 vom 27. Juni 2019 E. 3). Das Revisionsgesuch erweist sich
als offensichtlich unbegründet, weshalb darauf in Anwendung von Art. 412
Abs. 2 StPO nicht einzutreten ist.
3.
Ausgangsgemäss hat der Gesuchsteller die Kosten des Revisions-
verfahrens zu tragen und es ist ihm keine Parteientschädigung auszu-
richten (Art. 428 Abs. 1 StPO).