Decision ID: 94286161-102e-40a7-a820-deb3475ef318
Year: 2008
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
Helsana Versicherungen AG, Versicherungsrecht, Postfach, 8081 Zürich,
Beschwerdeführerin,
gegen
Zürich Versicherungs-Gesellschaft, Recht, Postfach, 8085 Zürich,
Beschwerdegegnerin,
H._,
Beigeladene,
betreffend
Versicherungsleistungen i/S H._
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Sachverhalt:
A.
Die 1953 geborene H._ war aufgrund ihrer Tätigkeit als Geschäftsleiterin bei der
A._ bei der "Zürich" Versicherungs-Gesellschaft (nachfolgend: Zürich) gegen die
Folgen von Unfällen versichert, als sie gemäss Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom
27. September 2006 am 9. September 2006 beim Bücken ein Knacken im rechten
Kniegelenk hörte, worauf zunehmende Schmerzen auftraten. Dr. med. B._, Arzt für
allgemeine Medizin FMH, bestätigte im Arztzeugnis vom 24. Oktober 2006 eine
Erstbehandlung am 11. September 2006. Im Rahmen einer MRI-Untersuchung habe
sich ein Rissschaden im Bereich des medialen Meniskus, nahe der Kapsel, nachweisen
und anlässlich der ebenfalls durchgeführten Arthroskopie bestätigen lassen. Dr. B._
diagnostizierte eine akute Meniskopathie rechts medial sowie eine posttraumatische
hämorrhagische Synoviahypertrophie. Vor der am 9. September 2006 akut
aufgetretenen Knieblockierung sei die Versicherte beschwerdefrei gewesen. Am 17.
Oktober 2006 gab die Versicherte gegenüber der Zürich an, sie habe am 9. September
2006 beim in die Knie Gehen ein Knacken im rechten Knie gehört und anschliessend
zunehmende Schmerzen verspürt.
B.
Mit Verfügung vom 10. November 2006 lehnte die Zürich mangels Vorliegens eines
äusseren Ereignisses bzw. eines ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv
feststellbaren, sinnfällligen, eben unfallähnlichen Vorfalls den Anspruch auf Leistungen
ab. Nachdem der Krankenversicherer von H._, die Helsana Versicherungen AG
(nachfolgend: Helsana), gegen diese Verfügung Einsprache erhoben hatte, hielt die
Zürich mit Einspracheentscheid vom 30. April 2007 an ihrem Standpunkt fest.
C.
Dagegen richtet sich die von der Helsana eingereichte Beschwerde vom 23. Mai 2007
mit dem Antrag, die Beschwerde sei gutzuheissen und der Einspracheentscheid vom
30. April 2007 sowie die Verfügung vom 10. November 2006 seien aufzuheben. Die
Beschwerdegegnerin habe die gesetzlichen UVG-Leistungen zu erbringen.
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D.
Mit Schreiben vom 30. Mai 2007 gab die Gerichtsleitung H._ die Möglichkeit, zur
Beschwerde Stellung zu nehmen und ihre Parteirechte wahrzunehmen. Mit Schreiben
vom 4. Juni 2007 liess sich die Versicherte vernehmen.
E.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 5. Juli 2007 liess die Zürich die Abweisung der
Beschwerde beantragen. Mit Schreiben vom 21. August 2007 verzichtete die
Beschwerdeführerin auf die Einreichung einer Replik.
F.
Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften wird, soweit

entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
Gemäss eigenen Angaben der Versicherten hörte diese am 9. September 2006 beim in
die Knie Gehen ein Knacken im rechten Knie und verspürte daraufhin zunehmende
Schmerzen. Bei der Versicherten wurde anschliessend unbestrittenermassen ein
Meniskusriss rechts medial festgestellt.
2.
Nicht strittig ist, dass das Geschehen vom 9. September 2006 das Merkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht erfüllt und somit kein Unfall im Sinn von Art. 4 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) vorliegt. Gemäss Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) kann jedoch der Bundesrat Körperschädigungen, die den Folgen
eines Unfalls ähnlich sind, in die Versicherung einbeziehen. Von dieser Kompetenz hat
er in Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202)
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Gebrauch gemacht. Als so genannte unfallähnliche Körperschädigungen gelten die in
Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgeführten Körperverletzungen (unter anderem
Meniskusrisse, vgl. lit. c), sofern sie auf eine plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende äussere Einwirkung auf den menschlichen Körper zurückzuführen sind.
Das bei einem Unfall im Sinn von Art. 4 ATSG vorausgesetzte Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors ist bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen also nicht erforderlich. Hingegen hat das Eidgenössische
Versicherungsgericht (EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialversicherungsrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts) in BGE 129 V 467 E. 2.2 seine Rechtsprechung
gemäss BGE 123 V 43 bestätigt, wonach mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit auch
bei den unfallähnlichen Körperschädigungen die übrigen Tatbestandsmerkmale des
Unfallbegriffs - fehlende Absicht, äusserer Faktor, Plötzlichkeit, Schädigung (Art. 4
UVG) - erfüllt sein müssen. Laut EVG-Rechtsprechung kommt hierbei der
Voraussetzung eines äusseren Ereignisses besondere Bedeutung zu, d.h. eines
ausserhalb des Körpers liegenden, objektiv feststellbaren, sinnfälligen, eben
unfallähnlichen Vorfalls. Wo ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht
stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h
UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder
degenerativ bedingte Gesundheitsschädigung vor. Kein unfallähnliches Ereignis liegt in
all jenen Fällen vor, in denen der äussere Faktor mit den Schmerzen gleichgesetzt wird,
wie sie anfänglich bei den in Art. 9 Abs. 2 lit. a bis h UVV aufgezählten
Gesundheitsschäden typischerweise in Erscheinung treten. Das Auftreten von
Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender) Faktor im Sinn der
Rechtsprechung. Mit anderen Worten kann von einem erforderlichen äusseren
schädigenden Faktor dort nicht gesprochen werden, wo die versicherte Person nur das
(erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag. Auch
nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das
(erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht,
welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist; denn für die Bejahung
eines äusseren, auf den menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors ist
stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotential
innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende
Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird,
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wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann. Wer hingegen beim
Aufstehen, Absitzen, Abliegen, der Bewegung im Raum, Handreichungen usw. einen
einschiessenden Schmerz erleidet, welcher sich als Symptom einer Schädigung nach
Art. 9 Abs. 2 UVV herausstellt, kann sich nicht auf das Vorliegen einer unfallähnlichen
Körperschädigung berufen. Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren
schädigenden Faktors bei Änderung der Körperlage, die nach unfallmedizinischer
Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinne der
bisherigen Rechtsprechung das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/
oder belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare
Änderung der Körperlage im Sinne der von der Rechtsprechung positiv beurteilten
Sachverhalte (BJV 2003 S. 918 f.).
3.
3.1 Vorliegend ist streitig und zu prüfen, ob das von der Versicherten geschilderte
Ereignis des in die Knie bzw. in die Hocke Gehens ein unfallähnliches Ereignis im Sinn
der vorstehenden Ausführungen darstellt. Der fragliche Bewegungsablauf kann, was
den dazu erforderlichen Kraftaufwand sowie die Intensität der Bewegung betrifft,
grundsätzlich mit der Situation des in der Rechtsprechung des EVG zitierten
Aufstehens aus der Hocke verglichen werden (vgl. dazu auch Empfehlung Nr. 2/86 der
Ad-hoc-Kommission Schaden UVG). Ebensolches wird denn auch von Seiten der
Beschwerdegegnerin nicht konkret bestritten. Hingegen stellt sie sich auf den
Standpunkt, die erhöhte Belastung beim in die Hocke Gehen genüge für die Annahme
eines sinnfälligen Ereignisses insofern nicht, als es dazu einer zusätzlich zur Bewegung
hinzukommenden Komponente, wie ruckartig, plötzlich, brüsk oder ähnliches, bedürfe.
Das Aufstehen aus der Hocke bzw. das in die Hocke gehen könne nur dann als
sinnfällig qualifiziert werden, wenn dieses plötzlich erfolgt sei. In der
Sachverhaltsschilderung der Versicherten sei indessen keine solche Sinnfälligkeit
erkennbar.
3.2 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist jedoch die vom EVG in
RKUV 1988 Nr. U 57 S. 374 in Bezug auf das Aufstehen aus der Hocke zusätzlich
angeführte Plötzlichkeit nicht im Sinne einer zusätzlich zur Bewegung
hinzukommenden Komponente zu verstehen. Angesprochen ist damit vielmehr das
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Unfallbegriffselement der Plötzlichkeit der schädigenden Einwirkung, das seinem
Wortsinn gemäss nicht dahingehend verstanden werden darf, dass es sich um ein
blitz- oder schlagartiges Geschehen handeln müsste. Diesem Erfordernis kommt bloss
relative Bedeutung in dem Sinn zu, dass ein einmaliger, in sich abgeschlossener
Vorgang vorliegen muss. Es sollen damit jene Gesundheitsschäden aus der
Unfallversicherung ausgeschlossen werden, die auf wiederholten oder kontinuierlichen
Einwirkungen beruhen (vgl. A. Bühler, Die unfallähnliche Körperschädigung, in: SZS
1996, 88). Hinweise darauf, dass das in die Knie Gehen der Versicherten nicht plötzlich
erfolgt sein soll, liegen keine vor. Das EVG beurteilte konkret das Aufstehen aus der
Hocke hinsichtlich der Frage nach dem Vorliegen eines unfallähnlichen Ereignisses
positiv bzw. sah darin eine Änderung der Körperlage, die bereits selber eine erhöhte
Gefahrenlage hinsichtlich Herbeiführung eines körpereigenen Traumas schafft. Als
weitere solcher äusseren schädigenden Faktoren werden die bereits erwähnte heftige
und/oder belastende Bewegung sowie die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare
Änderung der Körperlage angeführt. Hinsichtlich dieser nur allgemein formulierten
schädigenden äusseren Faktoren führt das EVG in BGE 129 V 466 einzelne positiv
beurteilte Sachverhalte an, worin nun die von der Beschwerdegegnerin
angesprochenen Zusatzkomponenten wie ruckartig, brüsk, Verdrehung des Knies usw.
teilweise gegeben waren. Daraus lässt sich indessen, anders als es die
Beschwerdegegnerin tut, keine Verschärfung der Anerkennungspraxis für
unfallähnliche Körperschädigungen in dem Sinn ableiten, dass zu den bisher
erforderlichen Kriterien eine weitere Komponente hinzutreten müsste.
Zusammenfassend ist mithin festzuhalten, dass das Ereignis vom 9. September 2006
die Begriffsmerkmale eines unfallähnlichen Ereignisses offensichtlich erfüllt. Da auch
die übrigen Tatbestandsmerkmale der unfallähnlichen Körperschädigung - fehlende
Absicht bzw. Unfreiwilligkeit - nicht angezweifelt werden, ist die Beschwerdegegnerin
leistungspflichtig. Sie hat demnach ihre Leistungspflicht zu Unrecht abgelehnt.
4.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids vom 30. April 2007 gutzuheissen. Kosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG