Decision ID: 05279799-bb8d-4b5d-87bb-8f3426fdeecf
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1984
, leidet seit Geburt an einer Dysmelie der unteren rechten Extremität sowie einer Hüftaphasie links.
Die Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erbrachte
im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen
Ziff.
176
seit 198
4
verschiedenste Leistungen
(vgl.
unter anderem Leistungsblätter in
Urk.
8/
2 und
Urk.
8/66
sowie Übersicht in
Urk.
8/286/1-2
).
Die Versicherte absolvierte ein Jura-Studium (vgl.
Urk.
8/271/11
)
und geht einer 80%igen Erwerbstätigkeit als Juristin nach (vgl.
Urk.
1 S. 3 unten
).
1.2
Am
9.
September 2015 stellte die Versicherte ein Gesuch um Übernahme der
Kosten für einen Elektro-Hilfsantrieb
NJ1 e-
assistant
im Betrag von
Fr. 10‘751.70
(
Urk.
8/339) und für einen
Leichtlauf-Faltr
ollstuhl
Pro
Activ
Traveler
im Betrag
von
Fr. 8‘032.75
(Urk. 8/340). Nach getätigten Abklärungen und durchgeführ
t
em
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/
365
;
Urk.
8/
366
;
Urk.
8/
375
) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom
6.
April 2016
die Kostenübernahme für
einen Elektro-Hilfs
antrieb
NJ1
(
Urk.
8/
388
=
Urk.
2
/1
).
Mit Verfügung vom selben Datum gewährte sie der Versicherten die Übernahme der Kosten für einen günstigeren Rollstuhl von
Fr.
4‘585.70 respektive einen Kostenbeitrag
an den gewünschten Rollstuhl
in dieser Höhe
(
Urk.
8/
389
=
Urk.
2
/2
).
2.
Die Versicherte erhob am
9.
Mai 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung
en
vom
6.
April 2016
(
Urk.
2
/1-2
) und beantragte, diese sei
en
aufzuheben und es sei ihr
Kostengutsprache für einen Elektro-Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
in der Höhe von
Fr.
10‘751.70 sowie für einen Rollstuhl Pro
Activ
Traveler
in der Höhe von Fr. 8‘032.75 zu erteilen
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1 und 2
).
Eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
Juni 2016
(
Urk.
7
) die Ab
weisung der Beschwerde.
Mit Replik vom
6.
Oktober 2016 hielt die
Versi
cherte an
ihr
en Beschwerdeanträgen fest (
Urk.
1
3
)
und reichte einen aktuellen Bericht ein (
Urk.
14)
. Die
IV-Stelle
teilte am
1.
November 2016 mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik verzichte (
Urk.
17).
Dies wurde der Beschwerde
füh
rerin am
1
6.
November 2016
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
20
).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
1.2
Gemäss
Art.
21
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste An
spruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder
der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbs
fähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versicherte, die infolge ihrer Inva
lidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, haben im Rahmen einer
vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit An
spruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2). Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu
Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausführung ab. Er
se
tzt ein Hilfsmittel Gegenstände, die der Versicherte auch ohne Invalidität an
schaf
fen müsste, so hat er sich an den Kosten zu beteiligen (Abs. 3). Der Bun
des
rat kann vorsehen, dass der Versicherte ein leihweise abgegebenes Hilfs
mittel nach Wegfall der Anspruchsvoraussetzungen weiter verwenden darf (Abs.
4).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vor
schriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14
der Verordnung
über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
an das Eidgenössische Depar
te
ment des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfs
mitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufge
führ
ter Hilfsmittelliste erlassen hat. Laut
Art.
2 HVI besteht im Rahmen der im Anhang aufgeführten Liste Anspruch auf Hilfsmittel, soweit diese für die Fort
be
wegung, die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbst
sor
ge notwendig sind (
Abs.
1). Anspruch auf die in dieser Liste mit * bezeichneten Hilfs
mittel besteht nur, soweit diese für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit oder die Tätigkeit im Aufgabenbereich, für die Schulung, die Ausbildung, die funktionelle Angewöhnung oder für die in der zutreffenden Ziffer des Anhangs ausdrücklich genannte Tätigkeit notwendig sind (
Abs.
2; BGE 122 V 212 E. 2a).
G
emäss
Art.
2
Abs.
4 HVI
besteht
nur Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher
,
zweckmässiger
und wirtschaftlicher
Ausführung. Durch eine andere Ausführung bedingte zusätzliche Kosten hat
d
er
Versicherte
selbst zu tragen.
1.3
Nach
Ziffer
9
Anhang HVI werden
Elektrorollstühle
(Ziffer
9.02)
an Versicherte abgegeben, die
einen gewöhnlichen Rollstuhl nicht bedienen und sich nur dank elektromotorischem Antrieb selbständig fortbewegen können
. Gemäss Rand
ziffer
2082
des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (KHMI)
ist darauf zu achten, dass nur Elektrorollstühle und
Scooter
mit einer Geschwindigkeit von
maximal 10 km/h abgegeben werden. Auf Wunsch des Versicherten kann an
stelle
eines Elektrorollstuhls ein batteriebetriebener Hilfsantrieb für einen gewöhnli
chen Rollstuhl abgegeben werden (
Rz
2085 KHMI).
1.4
Im Hilfsmittelbereich der Invalidenversicherung hat das Bundesgericht folgen
den Grundsatz aufgestellt: Umfasst das von der versicherten Person selber ange
schaffte Hilfsmittel auch die Funktion eines ihr an sich zustehenden Hilfs
mit
tels, so steht einer Gewährung von Amortisations- oder Kostenbeiträgen nichts entgegen; diese sind alsdann auf der Basis der Anschaffungskosten des Hilfs
mittels zu berechnen, auf das die versicherte Person an sich Anspruch hat (Aus
tauschbefugnis; BGE 120 V 288 E. 3c, 111 V 209 E. 2b und 215, vgl. auch BGE 131 V 107 E. 3.2.1; ZAK 1988 S. 182 E. 2b, 1986 S. 527 E. 3a; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 87 ff.). In der jüngeren Rechtsprechung hat das Bundesgericht die Aus
tauschbefugnis auch im Bereich weiterer Arten von Eingliederungsmassnahmen
(
Art.
8,
Art.
12 ff. IVG) zur Anwendung gebracht. Die Austauschbefugnis kommt
jedoch insbesondere nur zum Tragen, wenn zwei unterschiedliche, aber von der
Funktion her austauschbare Leistungen in Frage stehen. Vorausgesetzt wird mi
t
hin neben einem substitutionsfähigen aktuellen gesetzlichen Leistungsanspruch auch die funktionelle Gleichartigkeit der Hilfsmittel (BGE 127 V 121 E. 2b, 120 V 280 E. 4; AHI 2000 S. 73 E. 2a und 1999 S. 176 f. E. 5). Schliesslich ist noch zu beachten, dass für die Bejahung der Austauschbefugnis massgeblich ist, dass das von der versicherten Person angeschaffte Hilfsmittel nicht nur unter den Vor
aussetzungen der unmittelbaren Gegenwart, sondern auch unter den Vor
aussetzungen, mit denen auf weitere Sicht gerechnet werden muss, die Funktion des ihr rechtens zustehenden Hilfsmittels erfüllt (BGE 111 V 209 E. 2c).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist die Übernahme der
Kosten für einen Elektro-Hilfs
antrieb NJ1 e-
assistant
in der Höhe von
Fr.
10‘751.70 sowie für einen Rollstuhl
Pro
Activ
Traveler
in der Höhe von Fr. 8‘032.75 durch die Invalidenver
siche
rung
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin sprach der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom
6.
April 2016
(
Urk.
2
/2
)
einen
Kostenbeitrag
an den gewünschten Rollstuhl Pro
Activ
Traveler
in der Höhe
von
Fr.
4'585.7
0 zu.
Sie
führte zur Begründung aus,
dass ein kostengünstigerer Rollstuhl eingesetzt werden könnte. Ihren Abklä
rung
en zufolge sei es möglich, den Rollstuhl
Küschall
Compact auf die nötige Sitzgrösse anzupassen. Dieser habe zwar keine
abfaltbare
Rückenlehne, wie von der Beschwerdeführerin gewünscht. Dies werde aber, da es sich um einen Zweit
rollstuhl handle, auch nicht mehr als eine einfache und zweckmässige Versor
gung erachtet (S. 1 unten).
Des Weiteren verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom
6.
April 2016
(
Urk.
2/1) einen Anspruch auf einen Elektro-Hilfsantrieb.
Sie hielt fest,
dass Elektro-Hilfsantriebe im Rahmen der Austauschbefugnis anstelle eines Elek
tro
rollstuhls eingesetzt werden könnten, sofern die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt seien. Dies sei vorliegend der Fall. Da es mit dem Elektro-Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
jedoch möglich sei, die Geschwindigkeit von 10 km/h zu über
schreiten, könnten die Kosten nicht übernommen werden (S.
1 Mitte). Beim bean
tragten
Handbike
erfolge die Elektrounterstützung bis zu einer Geschwin
dig
keit von 25 km/h und könne nicht beschränkt werden. Diese Geräte seien grundsätzlich für den sportlichen Einsatz entwickelt worden (S. 1 unten).
2.3
Die Beschwerdeführerin
hielt
in ihrer Beschwerde (
Urk.
1)
fest
,
dass sich in der IV-Gesetzgebung keine Regelung finde, wonach mit einem Rollstuhl die Ge
schwindigkeit von 10 km/h nicht überschritten werden
dürfte.
Bei
m
KHMI handle
es sich um eine verwaltungsinterne Weisung des Bunde
samtes für Sozialver
si
che
rungen, welche
für die Gerichtsinstanzen nicht verbindlich
sei (S.
6 unten).
Der Grund für die Beschränkung auf eine Geschwindigkeit von maximal 10 km
/h
liege wohl
nicht im Sozialversicherungsrecht, sondern in der Stra
ssenverkehrs
gesetzgebung
(S. 7 oben). Die Behauptung der Beschwerdegegnerin, dass
die elektr
ische Unterstützung nicht beschränkt werden könne, gehe fehl
; vielmehr sei eine Beschränkung ab Werk auf maximal 10 km/h möglich
(S. 7 Mitte).
Zum Rollstuhl führte d
ie
Beschwerdeführerin
aus, dass sich die Sitzhaltung und ihr täglicher Ablauf verändert hätten, weshalb sie nach wie vor einen Faltroll
stuhl
benötige, aber die Sitzneigung, in Kombination mit dem Einstellbereich der Vorderradgabel, sowie die nötige speziell kurze Sitztiefe mit dem Rollstuhl Pro
Activ
besser erreicht werden könne (S.
8 oben). Die Beschwerde
gegn
erin habe sich nicht zur
Gefahr des nach vorne Kippens geäussert (S. 8 unten). Auf
grund der Rahmenkonstruktion des Pro
Activ
Traveler
sei dieser um einiges ver
windungssteifer und stabiler als der
Küschall
Compact und die Standfestigkeit daher wesentlich besser (S. 9 oben).
Im Übrigen lasse sich der Pro
Activ
Traveler
am besten mit dem
Handbike
kombinieren. Der
Küschall
Compact
sei
für die
H
andbike
-Montage nicht geeignet
(S.
9 Mitte).
Im Rahmen der Replik (
Urk.
13)
verwies
die Beschwerdeführerin
im Wesent
li
chen auf einen neu eingereichten Arztbericht
(
Urk.
14)
.
3.
3.1
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, hielt im Formular „Medizinische Angaben für die Abgabe eines Rollstuhles“
vom
9.
September 2015
(
Urk.
19/1) fest, die Beschwerdeführerin sei aufgrund eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms auf ein
Zuggerät
angewiesen, welches ihr auch erlaube, aktiver zu sein, um die Rückenmuskulatur zu trainieren.
3.2
In der
Stellungnahme
der
S
A
H
B
Hilfsmittelberatung
vom
4.
Dezember 2015 (
Urk.
8/356
/3-4
)
wurde festgehalten, beim offerierten Elektro-Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
handle es sich um ein
Handbike
, welches beim Kurbeln mit dem Antriebssystem
BionX
IGH3 unterstützt werde. Das Antriebssystem sei für per
ma
nente Unterstützung ausgerüstet (S.
1 unten)
. Sofern man gemäss HVI Ziffer
9.
02 die Randziffer 2082 trotz der
Gesetzesanpassungen strikte anwende, könne ihres Erachtens keine Kostenübernahme empfohlen werden, da man sich mit dem
Handbike
schneller als mit lediglich 10 km/h fortbewege (S. 1 f.). Die
Anspruchsvoraussetzungen für einen Elektro-Hilfsantrieb Swiss-
Trac
seien erfüllt
(S. 2). Der bestehende Swiss-
Trac
aus dem Jahr 2002 sei infolge der intensiven Nutzung stark verschlissen (S. 1
unten).
Betreffend Rollstuhl Pro
Activ
Traveler
wurde ebenfalls ausgeführt, dass die Offerte korrekt, aber nicht einfach und zweckmässig sei. Es handle sich um eine
Folgeversorgung, die Reparatur des bestehenden Rollstuhls lohne sich nicht mehr
. Es könne jedoch ein günstigeres Konkurrenzprodukt eingesetzt werden. Mit dem Modell
Küschall
Compact inklusive Zubehör ergebe sich ein Endpreis von
Fr.
4‘585.70 (S. 1 Mitte).
3.3
In der
Stellungnahme
der
SAHB
vom 2
3.
März 2016 (
Urk.
8/383
/3-4
)
wurde aus
geführt, dass der Einwand und die Begründungen der Beschwerdeführerin nur teilweise nachvollziehbar seien. Auch andere Rollstühle könnten auf die ge
nannten Sitzgrössen angepasst werden. Die Wahl des beantragten Rollstuhls sei wohl in Zusammenhang mit dem beantragten
Handbike
-Vorspann erfolgt. Die
Beschwerdeführerin wolle auch den zweiten Rollstuhl ins Auto verladen könne
n, falls der
a
ndere defekt sei. Dies sei nicht mehr einfach und zweckmässig. An
stelle eines Zuggerätes Swiss-
Trac
wolle die Beschwerdeführerin nun ein Hand
bike. Dieses werde an den Rollstuhl angekoppelt und verfüge über Handkurbeln
und
eine Gangschaltung analog einem
Sportrad
. Die Elektrounterstützung erfolge
bis 25 km/h. Eine Reduktion der Geschwindigkeit sei nicht möglich und auch nicht sinnvoll bei einem solchen Sportgerät. Durch die präzisere Auslegung des Kreisschreibens würden solche Hilfsmittel
seit einigen Monaten nicht mehr
zur Kostenübernahme empfohlen (S. 2 Mitte).
3.4
Der Verkaufsberater der
Z._
führte mit E-Mail vom
4.
Mai 2016 zu
handen der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin (
Urk.
3/16) aus,
dass der
Rollstuhl
Pro
Activ
Traveler
aufgrund der Rahmenkonstruktion um einiges ver
windungssteifer und stabiler sei als der
Küschall
Compact. Daher sei die Stand
festigkeit des vorgeschlagenen Aktiv-Rollstuhls Pro
Activ
Traveler
wesentlich besser. Da der Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
vom gleichen Hersteller wie der
Traveler
stamme, sei die Kombination am besten ausgereift. Der
Küschall
Com
pact hingegen sei für diese
Handbike
-Montage eher ungeeignet, da diverse Ver
bindungselemente nicht dafür ausgelegt seien. Der Rollstuhl an sich sei durch die faltbare Kreuzstrebe auch zu instabil für einen
Handbike
-Einsatz. Die elek
tri
sche Unterstützung des Hilfsantriebs NJ1 e-
assistant
könne ab Werk auf maxi
mal 10 km/h beschränkt werden. Diese Beschränkung müsse
dem Hersteller
bei der Bestellung des Handbikes schriftlich mitgeteilt werden.
3.5
Dem
Bericht der
A._
,
Orth
opädie
, vom 2
9.
August 2016 (
Urk.
14) ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin an
einem chronischen
lumbospondylogenen
Syndrom
leidet
, welches
im Jahr 2015 zu einer einmona
tigen A
rbeitsunfähigkeit geführt hatte
.
Ursächlich dafür sei die überwiegend sitzende Position im Rollstuhl
(S. 2
unt
en).
D
ie
Beschwerdeführerin
teste aktuell den
e-
assistant
Pro
Activ
NJ1 und den dazu passenden
Rollstuhl Pro
Activ
Traveler
(S.
1
unten). Bereits nach einem dreiwöchigen Test berichte sie über weniger Rückenprobleme (S. 2 oben).
Der Vorschlag des Rheumatologen, mög
lichst viel Rückenaktivität in den Alltag zu integrieren, sei zu unterstützen, da
die Arbeitsfähigkeit besser erhalten und Rückfälle des
lumbospondylogenen
Syn
droms vermindert und gemildert werden könnten. Der e-
assistant
Pro
Activ
würde
diese Möglichkeit bieten; die Beschwerdeführerin könne in aufrechter Hal
tung den Rollstuhl in möglichst physiologischer Stellung antreiben und dadurch neben den oberen Extremitäten den Rücken stärken. Sie benötige einen Rollstuhl, den sie gut zusammenlegen könne und der nicht sperrig sei, da sie diesen selbständig in das Fahrzeug transportiere. Hier käme anstelle des doch teuren Pro
Activ
Traveler
der etwas weniger teure
Küschall
Champion in Frage. Der
Küschall
Compact sei mit den abnehmbaren Fussstützen nicht geeignet für die Beschwerdeführerin (S. 2 unten).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung fest, dass vor
liegend die Voraussetzungen erfüllt seien, um einen Elektro-Hilfsantrieb im Rah
men der Austauschbefugnis anstelle eines Elektrorollstuhls einzusetzen. Das Ge
such um Kostenübernahme für den Hilfsantrieb wies sie jedoch mit der Be
grün
dung ab, dass ein Rollstuhl nicht schneller sein dürfe als 10 km/h. Dabei stützte sie sich auf die Empfehlung der SAHB respektive Randziffer 2082 KHMI, wo
nach darauf zu achten sei, dass nur Elektrorollstühle und
Scooter
mit einer Geschwindigkeit von maximal 10 km/h abgegeben werden (E. 1.3).
Die Beschwerdeführerin nutzte bisher einen Elektro-Hilfsantrieb Swiss-
Trac
. Beim
nun gewünschten
NJ1 e-
assistant
handelt es sich um ein Rollstuhl-Zug
gerät mit reinelektrischer, elektrounterstützter u
nd manueller Fahrfunktion
. Die Beschwerdeführerin gab dazu an, dass der Motor des Hilfsantriebs lediglich als Unterstützung der Muskelkraft konzi
piert sei. Für sich allein, in der Starthilfefunktion und ohne Einsatz von zu
sätz
licher Muskelkraft, könne der Motor nur eine maximale Geschwindigkeit von
6
km/h erreichen (Einsprache gegen den Vorbescheid,
Urk.
8/375/1-2 S. 1 unten
).
In den ärztlichen
Stellungnahmen
wurde
festgehalten, dass die Beschwerde
führerin
aufgrund eines
lumbospondylogenen
Syndroms
auf ein
Zuggerät
ange
wiesen sei, welches ihr er
laube, aktiver zu sein, um die Rückenmuskulatur zu trainieren. Der Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
wäre dafür geeignet, wie sich aus dem Bericht der
A._
ergibt.
Soweit die Beschwerdegegnerin die Kostenübernahme
für einen Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
mit der Begründung verneinte, dass die Elektrounterstützung bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h
erfolge,
ist festzuhalten
,
dass
diese
ab Werk auf 10 km/h beschränkt werden kann (vgl.
E-Mail der
Z._
,
E.
3.4).
Frag
lich ist indessen,
ob es auch sinnvoll
und notwendig
ist
, die Elektrounter
stützung entsprechend zu begrenzen.
Die Beschwerdegegnerin äusserte sich nic
ht zu Sinn und Zweck der im Kreisschreiben vorgesehenen Geschwindig
keits
begren
zung.
4.2
Randziffer 2082 KHMI
bezieht sich auf Elektrorollstühle und
Scooter
.
Bei solchen Hilfsmitteln erfolgt die Fortbewegung einzig mittels elektromotorischen Antriebs. Mit dem
von der Beschwerdeführerin gewünschten
Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
kann
mit reiner Motorenleistung, also ohne menschliche Muskelkraft,
eine Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h erreicht werden.
Nur durch manuelles
Kurbeln
kann diese Geschwindigkeit überschritten werden und
es
ist eine elek
trische Unterstützung der Muskelkraft bis 25 km/h möglich, wohl vergleichbar mit einem E-Bike. Fraglich ist, ob ein derart funktionierender Hilfsantrieb über
haupt unter
Randziffer
2082 KHMI fällt respektive
sogar
mit dieser Anweisung im
Einklang steht, da mit reiner Motorenleistung die Geschwindigkeit von
10
km/h nicht überschritten wird. Dass eine entsprechende Auslegung des Kreis
schreibens möglich ist, ergibt sich auch aus der Stellungnahme der SAHB vom 2
3.
März 201
6.
Darin wurde festgehalten, dass solche Hilfsmittel „durch die präzisere Auslegung des Kreisschreibens“
seit einigen Monaten nicht mehr
zur Kostenübernahme empfohlen würden. Dies wurde jedoch nicht näher dargelegt.
So ist nicht nachvollziehbar
,
weshalb seitens der SAHB eine Praxisänderung erfolgte
.
Die Beschwerdeführerin vermutete, dass der Grund für die Beschränkung auf eine Geschwindigkeit von maximal 10 km/h in der Strassenverkehrs
gesetz
geb
ung
liege
. So würden Rollstühle mit elektrischem Antrieb und einer Höchst
geschwindigkeit von 10 km/h weder Fahrzeugausweis noch Kontrollschilder be
nötigen
(
Urk.
1
S.
7 oben)
. Dies ist durchaus möglich, zumal sich
im
Strassen
verkehrsrecht teilweise spezielle
Regelungen
für
„
Rollstühle mit elektrischem
An
trieb und einer Höchstgeschwindigkeit bis 10 km/h
“
finden
(vgl. beispiels
weise
Art.
72
Abs.
1
lit
. l der Verkehrszulassungsverordnung
, VZV,
sowie
Art.
181
Abs.
2
und 5
der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassen
fahrzeuge, VTS).
Für eine strassenverkehrsrechtliche Regelung spricht auch,
dass
in derselben Randziffer
des Kreisschreibens
die Übernahme
der Kosten
von Zusatz
einrichtungen für die Benützung des Elektrorollstuhls im Strassenverkehr geregelt
wird
.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten
, dass
die Verwendung eines
Hilfsantriebs NJ1 e-
assistant
für die Beschwerdeführerin
zweckmässig
ist. Damit
kann sie sich
nicht nur mittels reinelektrischer Fahrfunktion
fortbewegen
, sondern den Roll
stuhl auch durch Kurbeln antreiben, wodurch ihre Rückenmuskulatur
im Alltag
trainiert wird.
Dies im Gegensatz zum bisher genutzten
Zuggerät
Swiss-
Trac
, welches keine eigene Betätigung des Rollstuhlfahrers ermöglicht.
Dass der Hilfs
antrieb
NJ1 e-
assistant
auch als Sportgerät genutzt werden kann, vermag nichts an seiner Zweckmässigkeit zu ändern.
E
ine Begrenzung der Geschwindigkeit
des Handbikes
auf 10 km/h
erscheint nicht
sinnvoll. Dies wurde auch in der Stellungnahme der SAHB festgehalten.
Wie die Beschwerdeführerin in ihrer Einsprache
ausführte
, kann
diese Geschwindigkeit auch mit einem Handrollstuhl bei kleinem Gefälle und entsprechender Muskelkraft überschritten werden (
Urk.
8/375/1).
Da die Geschwindigkeit von 10 km/h nur mittels Muskelkraft
über
schritten werden kann,
steht auch
Randziffer 2082 KHMI
– eine
Anwei
sun
g, welche
sich auf Elektrorollstühle und
Scooter
bezieht und
wohl
einen strassen
verkehrsrechtlichen Hintergrund hat
– der Abgabe eines Hilfsantriebs NJ1 e-
assistant
nicht entgegen.
Angesichts dessen hat die Beschwerdegegnerin
die Kosten für
den beantragten
Hilfsantrie
b NJ1 e-
assistant
zu übernehmen.
4.4
In Bezug auf den gewünschten Rollstuhl Pro
Activ
Traveler
argumentierte die Beschwerdegegnerin, dass dieser nicht einfach und zweckmässig sei und ein
güns
tigeres Konkurrenzprodukt
–
der
Küschall
Compact –
eingesetzt werden könnte
.
Die Beschwerd
eführerin
führte
aus,
dass
ihre Rollstühle
, bedingt durch ihre Be
hin
derung,
in der Sitztiefe sehr kurz sein
müssten
. Um sicher in den Rollstuhl einsteigen zu können, müsse der Vorderrahmen ebenfalls sehr kurz ausgeführt werden. Ansonsten bestehe die Gefahr
des nach vorne Kippens des Rollstuhls. Durch die spezielle Rahmen-/Kreuzkonstruktion sei der von ihr mit fachlicher Unterstützung der
Z._
ausgewählte Rollstuhl Pro
Activ
Traveler
einer der ganz wenigen Faltrollstühle, bei dem ihre Masse überhaupt erhältlich seien. Der
Küschall
Compact könne zwar in den richtigen Massen bestellt werden, diese würden sich jedoch nur auf die Sitzfläche und nicht auf den Rahmen beziehen. Der Rollstuhl würde daher deutlich länger ausfallen, so dass der Ein
stieg für sie gefährlich wäre und sie im Alltag durch den unnötig grossen Rota
tionsradius eingeschränkt würde
(vgl. Einsprache,
Urk.
8/375/3)
.
Angesichts des Anspruchs der Beschwerdeführerin auf einen Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
(
Handbike
) ist ein Rollstuhl erforderlich, der mit diesem
zusammen
verwendet werden kann.
D
as
von der Beschwerdegegnerin als günstigeres Kon
kur
renz
produkt vorgeschlagene
Modell
Küschall
Compact
ist für die Beschwer
de
führerin nicht geeignet.
So ergibt sich aus dem E-Mail des Beraters der
Z._
, dass der
Küschall
Compact zu instabil für einen
Handbike
-Einsatz sei und diverse Verbindungselemente nicht dafür ausgelegt seien. Auch im Bericht der
A._
wurde der
Küschall
Compact als für die Beschwerdeführerin nicht geeignet beurteilt.
Demgegenüber
lässt sich der Pro
Activ
Traveler
gut mit dem Hilfsantrieb NJ1 e-
assistant
kombinieren, ist in den richtigen Massen erhält
lich und bietet eine wesentlich
bessere Standfestigkeit.
Angesichts dessen hat die
Beschwerde
führ
erin
Anspruch auf Kostenübernahme für ein
en Rollstuhl Pro
Activ
Traveler
in der Höhe von Fr. 8‘032.7
5.
5.
5.1
Die Kosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind ermessensweise auf Fr. 600.
--
fest
zusetzen und
ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Die
Beschwerdeführer
in
obsiegt im vorliegenden Verfahren vollständig, womi
t die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten ist, ih
r
eine Prozessentschädigung aus
zu
richten. Nach Einsicht in die
Honorarnote von
Rechtsanwältin Sarah-Maria
Kaisser
, der Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin,
vom
6.
Oktober 2016
(
Urk.
15
), worin diese
einen
angemessenen
Aufwand von 9 Stunden sowie Bar
aus
lagen von
Fr.
69.80 (zuzüglich Mehrwertsteuer) geltend
macht
,
ist die Pro
zess
entschädigung b
eim
praxisgemässen
Stundenansatz von
Fr.
220.-- (
zuzüg
lich Mehrwertsteuer)
auf
Fr.
2'214.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) fest
zusetzen
.