Decision ID: 1361902e-7c86-493f-83d2-b6635ec8e84e
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._
Beschwerdeführer,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war bei der B._, tätig und dadurch bei der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva) gegen die Folgen von Unfällen
versichert, als er laut Unfallmeldung der Arbeitgeberin vom 15. März 2010 am 10. März
2010 beim Kontrollieren einer Dämmung mit einer Leiter zu Boden fiel. Als Verletzungen
wurden eine Verstauchung des linken Fussgelenks sowie eine Prellung des Rückens
angeführt. Nach einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit nahm der Versicherte seine
Tätigkeit am 12. April 2010 wieder auf. Die Heilbehandlung wurde am 3. Mai 2010
abgeschlossen (UV-act. 1 - 3, 6, 11). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht und
erbrachte Heilkosten- und Taggeldleistungen.
A.b Mit E-Mail vom 6. Februar 2011 teilte der Versicherte der Suva mit, dass die
ärztliche Behandlung nach einem Unterbruch wieder intensiviert worden sei, weil die
Schmerzen immer noch nicht weg seien (UV-act. 5). Am 9. Februar 2011 meldete die
Arbeitgeberin des Versicherten einen Rückfall zum Unfall vom 10. März 2010 (UV-act.
7), worauf die Suva beim behandelnden Arzt Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH,
ein Arztzeugnis einholte. Dieser teilte am 18. März 2011 mit, vom 3. Mai 2010 bis 4.
Februar 2011 keinen Patientenkontakt gehabt zu haben. Die Behandlung sei jedoch am
4. Februar 2011 wieder aufgenommen worden. Als Befunde führte Dr. C._ eine
hämatöse Verfärbung im Bereich des linken oberen Sprunggelenks (OSG), eine
Schwellung über dem Aussenknöchel und der lateralen Fusskante sowie deutliche
Supinationsschmerzen und Druckschmerzen über dem Ligamentum tibio-fibulare an.
Anhaltspunkte für eine Fraktur wurden verneint. Als Diagnose stellte er basierend auf
dem Ergebnis einer im Zentrum für medizinische Radiologie, Röntgeninstitut D._, am
18. März 2010 durchgeführten MRI-Untersuchung des linken OSG (UV-act. 12) ein
Supinations-Trauma des OSG links mit partieller Ruptur des Ligamentum calcaneo-
fibulare (UV-act. 11). Dr. C._ hatte den Versicherten sodann wegen OSG-Schmerzen
links, periscapulären Schmerzen links und Nackenschmerzen Dr. med. E._,
Orthopädische Chirurgie FMH, Klinik F._, zugewiesen, der am 1. März 2011 über
seine Untersuchungsergebnisse berichtet (UV-act. 16) und am 14. März 2011 wegen
einer symptomatischen OSG-Instabilität links bei einem posttraumatisch insuffizienten
Ligamentum fibulocalcaneare eine laterale Kapselbandrekonstruktion mit transossärer
Refixation des Ligamentum fibulocalcaneare links durchgeführt hatte (UV-act. 10). Am
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29. März 2011 bejahte Kreisarzt Dr. med. G._ die Rückfallkausalität zwischen der
operativ therapierten OSG-Problematik und dem Unfall vom 10. März 2010 (UV-act.
14). Am 20. April 2011 wurde beim Versicherten eine MRI-Untersuchung der HWS im
H._, durchgeführt, welche mehrsegmentale Diskusprotrusionen in der HWS ohne
Diskushernie/Neurokompression und keine höhergradigen /aktivierten
Spondylarthrosen zutage förderte (UV-act. 23).
A.c Nach Befragung des Versicherten am 20. Juli 2011 (UV-act. 24) sowie nach
Einholung einer Beurteilung bei Kreisarzt Dr. med. I._, Facharzt FMH für Chirurgie
(UV-act. 25), teilte die Suva dem Versicherten mit Schreiben vom 3. August 2011 mit,
dass die Nackenbeschwerden gemäss kreisärztlicher Beurteilung nicht mit der
erforderlichen Wahrscheinlichkeit auf den Schadenfall vom 10. März 2010
zurückzuführen seien. Die Suva sei demzufolge nicht leistungspflichtig (UV-act. 26). Am
17. August 2011 ersuchte der Versicherte um Erlass einer anfechtbaren Verfügung (UV-
act. 27). Mit Verfügung vom 17. August 2011 hielt die Suva an ihrer
Leistungsablehnung fest (UV-act. 28).
B.
Die gegen diese Verfügung erhobene Einsprache vom 22. August 2011 (UV-act. 30)
wurde mit Einspracheentscheid vom 13. Oktober 2011 abgewiesen (UV-act. 34).
C.
C.a Gegen diesen Entscheid erhebt der Versicherte mit Eingabe vom 14. November
2011 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, die Schulter- und
Nackenbeschwerden seien als Folge des Unfallereignisses vom 10. März 2010 zu
qualifizieren und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen zu erbringen (act. G 1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 3. Februar 2012 beantragt die
Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.c Mit Replik vom 9. Februar 2012 hält der Beschwerdeführer an seinem Antrag fest
(act. G 7). Mit Duplik vom 5. März 2012 bestätigt die Beschwerdegegnerin ihrerseits ihr
Rechtsbegehren (UV-act. G 9).
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C.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften und die Ausführungen in
den medizinischen Akten wird, soweit entscheidnotwendig, in den nachfolgenden

Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtliche Voraussetzung des für eine Leistungspflicht des Unfallversicherers
erforderlichen und vom Arzt oder der Ärztin zu beurteilenden natürlichen
Kausalzusammenhangs zwischen Unfallereignis und gesundheitlicher Schädigung (Art.
6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung [UVG; SR 832.20]; BGE 129
V 181 E. 3.1 mit Hinweisen) zutreffend dar (vgl. Erwägung 1). Darauf ist zu verweisen.
1.2 Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der
Anamnese abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet und nachvollziehbar sind (BGE
125 V 352 E. 3a mit Hinweis; RKUV 2000 Nr. K 124 S. 214). Auch den Berichten
versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kann rechtsprechungsgemäss Beweiswert
beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet
sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
bestehen (BGE 125 V 353 f. E. 3b/ee mit Hinweis). Eine ärztliche Beurteilung aufgrund
der Akten, wie sie vorliegend von Dr. I._ am 28. Juli 2011 (UV-act. 25) erstellt wurde,
ist ebenfalls nicht an sich unzuverlässig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über
Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten unbestritten
sind. Voraussetzung ist ein lückenloser Untersuchungsbefund, damit der Experte
imstande ist, sich aufgrund der vorhandenen Unterlagen ein lückenloses Bild zu
verschaffen (PVG 1996, 265 E. 3b; RKUV 1988 Nr. U 56 S. 371).
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1.3 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht.
Danach haben die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen.
Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den
Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2; 122 V 158 E. 1a mit Hinweisen;
vgl. BGE 130 I 183 E. 3.2). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst eine Beweislast im
Sinn der Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess
tragen mithin die Parteien die Beweislast nur insofern, als im Fall der Beweislosigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte (vgl. dazu A. Rumo-Jungo, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, 3. Aufl. Zürich 2003, S. 71 f.). Diese Beweisregel greift jedoch erst
dann Platz, wenn die Verwaltung und - im Beschwerdefall - das Gericht dem
Untersuchungsgrundsatz rechtsgenüglich nachgekommen sind bzw. es sich als
unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 264 E. 3b mit Hinweisen;
RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b).
2.
2.1 Streitig und zu prüfen ist, ob zwischen den am 9. Februar 2011 gemeldeten
linksseitigen Schulter- und Nackenschmerzen des Versicherten und seinem am 10.
März 2010 mit der Leiter erlittenen Sturz auf den Boden ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht. Diese Frage wird von der Beschwerdegegnerin
hauptsächlich gestützt auf die Beurteilung ihres Kreisarztes Dr. I._ verneint (UV-act.
25), welche es nachfolgend mit Blick auf die weiteren - über Anamnese, Verlauf und
gegenwärtigen Status Auskunft gebenden - medizinischen und sonstigen Akten zu
würdigen gilt.
2.2 Was die ebenfalls gemeldete, erneut behandlungsbedürftige und eine
Arbeitsunfähigkeit herbeigeführte Fussproblematik betrifft, hat die Beschwerdegegnerin
ihre Leistungspflicht anerkannt bzw. die entsprechenden Versicherungsleistungen
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erbracht (UV-act. 14, 15). Die Fussproblematik bildet mithin weder Anfechtungs- noch
Streitgegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens.
3.
Der Beschwerdeführer stellt sich in der Beschwerdeeingabe vom 14. November 2011
(act. G 1) auf den Standpunkt, er habe anlässlich des Unfalls vom 10. März 2010 eine
Verletzung der linken Schulter und des Nackens mit fortdauernden,
behandlungsbedürftigen Schmerzen erlitten. Damit übereinstimmend hatte er
ausserdem gegenüber der Beschwerdegegnerin am 20. Juli 2011 dargelegt, er habe -
auch wenn die Fussbeschwerden anfänglich im Vordergrund gestanden hätten - von
Beginn weg Schmerzen in der linken Schulter und im Nacken gehabt und diese auch
bereits anlässlich der Erstbehandlung erwähnt. Er sei davon ausgegangen, dass die
fraglichen Schmerzen von allein irgendwann nachlassen würden (vgl. dazu auch UV-
act. 24). Der Beschwerdeführer argumentiert damit im Sinne eines fortdauernden
Grundfalls, wofür auch der Umstand sprechen würde, dass die
Versicherungsleistungen infolge Wiederaufnahme der Arbeit und Abschluss der
Heilbehandlung eingestellt wurden, ohne dass aus den Akten ersichtlich wäre, dass
diesbezüglich eine schriftliche Mitteilung im Sinn von Art. 51 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) oder eine förmliche Verfügung ergangen wäre (Art. 49 Abs. 1 ATSG) und damit
grundsätzlich kein rechtskonformer Abschluss des Grundfalls vorgenommen wurde
(vgl. BGE 132 V 412 und BGE 134 V 145). Dagegen liesse es der zeitliche Ablauf - bis
zur zweiten Schadensmeldung bzw. erneuten Konsultation eines Arztes war rund ein
Jahr vergangen - als gerechtfertigt erscheinen, von einem Rückfall (vgl. dazu Art. 11
der Verordnung über die Unfallversicherung [UVV; SR 832.202]) auszugehen (vgl. dazu
Franz Schlauri, Verfahrensfragen in der Sozialversicherung, in: René Schaffhauser/
Franz Schlauri [Hrsg.], Veröffentlichungen des Schweizerischen Instituts für
Verwaltungskurse, Band 40, S. 57). Die Beschwerdegegnerin weist demgegenüber auf
die sowohl im Widerspruch zu einem fortdauernden Grundfall als auch zur Definition
des Rückfalls stehende fehlende ärztliche Behandlung der linken Schulter und des
Nackens sowie die diesbezüglich fehlende Arbeitsunfähigkeit hin. Wie es sich letztlich
mit der Beweislastverteilung bzw. der Frage, ob im vorliegenden Fall von einem
Rückfall oder einem fortdauernden Grundfall auszugehen ist, oder ob die Schulter- und
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Nackenbeschwerden als nach dem Unfall vom 10. März 2010 erstmalig aufgetretenes,
neues Beschwerdebild zu betrachten sind, verhält, kann im Hinblick auf die
nachfolgenden Erwägungen offen bleiben. Denn die Frage, wer die Folgen einer
allfälligen Beweislosigkeit zu tragen hat, stellt sich erst, wenn es sich tatsächlich als
unmöglich erweist, in Ausübung des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund der
Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit
für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (vgl. Erwägung 1.3), was vorliegend - wie
nachfolgend zu zeigen ist - nicht zutrifft. Im Übrigen ist entscheidend und hat als
unbestritten zu gelten, dass der Beschwerdeführer Versicherungsleistungen erst
(wieder) ab Beginn der Heilbehandlung der Schulter- und Nackenschmerzen, d.h. ab 4.
Februar 2011, geltend macht.
4.
4.1 In der Unfallmeldung vom 15. März 2010 wurde neben der Verstauchung des
linken Fussgelenks eine Prellung des Rückens vermerkt (UV-act. 1). Laut
Unfallschilderung gegenüber der Suva vom 20. Juli 2011 fiel der Beschwerdeführer am
10. März 2010 aus einer Höhe von ca. vier Metern von einer plötzlich zur Seite
rutschenden Leiter. Beim Sturz sei er mit dem linken Fuss zwischen die Sprossen
geraten und mit den Füssen auf dem Betonboden aufgeschlagen, was zur Verletzung
des linken Fusses geführt habe. Anschliessend sei er nach hinten, mit dem linken
Schulterblatt voran auf den Betonboden gestürzt. Durch den Aufprall auf die harte
Unterlage habe es ihm den Kopf nach hinten links gerissen, worauf er auch noch den
Kopf am Boden angeschlagen habe (UV-act. 24). In der Einsprache vom 22. August
2011 verneinte er, mit den Füssen auf dem Betonboden aufgeschlagen zu sein.
Vielmehr sei er flach mit der Schulter und dem Kopf gleichzeitig - der Fuss sei
zwischen zwei Sprossen der noch stehenden Leiter eingeklemmt gewesen - auf dem
Betonboden aufgeschlagen (UV-act. 30). In der Beschwerdeeingabe vom 14.
November 2011 gab der Beschwerdeführer an, sich mit dem Sturz von der Leiter
zusätzlich zur Fussgelenksverletzung eine Verletzung der linken Schulter und des
Nackens zugezogen zu haben (act. G 1). In der Replik vom 9. Februar 2012 wiederholte
er, mit der Leiter gestürzt und auf dem Betonboden mit der linken Schulter und dem
Rücken aufgeschlagen zu sein (act. G 7). - Angesichts der vorstehenden, grundsätzlich
übereinstimmenden und den Ablauf betreffend nachvollziehbaren Unfallschilderungen
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lässt sich eine Beeinträchtigung der Schulter und des Rückens bzw. Nackens beim
Sturz von der Leiter zumindest nicht ohne Weiteres ausschliessen. Ein direkter
Kopfanprall aus der Höhe von über vier Metern ist bei der in der Schadensmeldung
(und auch später) festgehaltenen Verletzung allerdings mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit auszuschliessen.
4.2
4.2.1 Radiologische und damit eine unfallkausale Verletzung objektivierende
Untersuchungsbefunde im Bereich der HWS liessen sich nicht erheben. Das am 20.
April 2011 im H._ durchgeführte MRI der HWS brachte mehrsegmentale
Diskusprotrusionen ohne Diskushernie/Neurokompression hervor (UV-act. 23), welche
Dr. I._ in seiner ärztlichen Beurteilung als leichte degenerative Veränderungen
bezeichnete. Das Vorliegen traumatischer Läsionen schloss er ausdrücklich aus (UV-
act. 25). Auch Dr. E._ verwies in seinem Bericht vom 1. März 2011 auf radiologische
Aufnahmen der HWS mit degenerativen Veränderungen in den distalen Niveaus rechts
(UV-act. 16). Diese Feststellungen sind vereinbar mit der Praxis des EVG, welche es als
medizinische Erfahrungstatsache im Bereich des Unfallversicherungsrechts betrachtet,
dass Diskushernien in aller Regel degenerative Erkrankungen darstellen. Eine
Diskushernie kann nur dann als weitgehend unfallbedingt betrachtet werden, wenn das
Unfallereignis von besonderer Schwere und geeignet war, eine Schädigung der
Bandscheibe herbeizuführen, und die Symptome der Diskushernie (vertebrales oder
radikuläres Syndrom) unverzüglich und mit sofortiger Arbeitsunfähigkeit aufgetreten
sind (RKUV 2000 Nr. U 379 S. 192 E. 2a mit Hinweisen; Urteil des EVG vom 3. Oktober
2005, U 163/05, E. 3.1, zusammengefasst und kommentiert durch David Weiss in AJP
2006, S. 877, und vom 18. Februar 2002, U 459/00, E. 3b). Die Voraussetzungen für
eine unfallbedingte Verursachung der Diskushernien sind vorliegend überwiegend
wahrscheinlich nicht erfüllt (vgl. nachfolgende Erwägung 4.6.1; UV-act. 24: fehlende
Arbeitsunfähigkeit). Bei der zusätzlich von Dr. E._ als radiologische Befunde
angeführten diskreten Fehlhaltung der HWS nach rechts sowie mässigen Streckhaltung
handelt es sich im Regelfall nicht um traumatisch bedingte Zustände (vgl. dazu Alfred
M. Debrunner, Orthopädie, Orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 595 ff.).
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4.2.2 Mit der von Dr. E._ in seinen Arztberichten vom 6. April und 1. Juni 2011
gestellten Diagnose - posttraumatische Nackenschmerzen mit Parästhesien und
Kraftverlust im Handbereich links (UV-act. 18, 22) - liegen ebenfalls keine Hinweise auf
eine traumatisch bedingte Gesundheitsschädigung vor. Juristisch gesehen vermag der
Begriff "posttraumatisch" nur auszudrücken, dass gewisse Beschwerden nach einem
Unfall aufgetreten sind. Das Bestehen von Nackenschmerzen - von Dr. E._ auch als
Cervicalgien bezeichnet - wird nicht bestritten, deren Ursache - Krankheit,
Degeneration oder Unfall - gilt es jedoch gerade anhand massgebender
Beurteilungskriterien zu prüfen. Mit den Begriffen Nackenschmerzen und Cervicalgien
wird lediglich das Beschwerdebild fassbar gemacht, ohne es dabei eindeutig einem
unfallbedingten Gesundheitsschaden zuzuordnen.
4.3 Ebenfalls auszuschliessen ist eine richtunggebende Verschlimmerung einer
degenerativen Erkrankung. Es entspricht einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass
eine solche Verschlimmerung nur dann als erwiesen gelten kann, wenn die Radioskopie
ein plötzliches Zusammensinken der Wirbel und das Auftreten bzw. die Vergrösserung
von Randzacken nach einem Trauma aufzeigt (E. Morscher, in: Baur/Nigst [Hrsg.],
Versicherungsmedizin, 2. Aufl. Bern 1985, S. 191). Die MRI-Untersuchung des H._
vom 20. April 2011 förderte zwar im Bereich der HWS degenerative Veränderungen
zutage (UV-act. 23), doch wurde in Bezug auf diese das Vorliegen einer
richtunggebenden Verschlimmerung weder im gleichentags erstellten radiologischen
Untersuchungsbericht noch von Dr. E._ erwähnt bzw. diskutiert. Die von Dr. I._
zudem als leicht beschriebenen Degenerationen lassen für ein Geschehen einer
richtunggebenden Verschlimmerung ohnehin kaum Raum bzw. sprechen gegen eine
signifikante, dauernde Verschlimmerung des degenerativen Zustands.
4.4 In Bezug auf die linke Schulter erhob Dr. E._ klinisch am 23. Februar 2011 bei
der linken Scapula eine Druckdolenz am medialen Korpusrand distal im Bereich des
Ansatzes des Musculus rhomboideus. Die Schmerzen interpretierte er als
posttraumatische Ansatztendopathie des Musculus rhomboideus (UV-act. 16). In
Bezug auf den Begriff "posttraumatisch" ist auf Erwägung 4.2.2 zu verweisen. Als
Ursache einer Tendopathie werden sodann in der medizinischen Literatur
übereinstimmend eine chronische Überbelastung der Sehnen, aber auch Mikrotraumen
sowie Stoffwechsel- oder Durchblutungsstörungen angeführt. Die Tendopathie als
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Folge eines Traumas wird nicht beschrieben (vgl. Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch
2011, 262. Aufl., S. 2042; Roche Lexikon Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 1808).
Eine radiologische Untersuchung der linken Schulter bzw. des linken Schulterblatts ist
nicht aktenkundig und wurde von Dr. E._ offensichtlich nicht als notwendig erachtet.
Eine weitere radiologische Untersuchung sah er lediglich in Bezug auf die HWS vor
(UV-act. 16). Aufgrund der medizinischen Akten und in Berücksichtigung der
vorstehenden Überlegungen ist sodann auch eine richtunggebende Verschlimmerung
eines allfälligen Vorzustands zu verneinen.
4.5 Nach dem Gesagten steht fest, dass der Beschwerdeführer angesichts der
dargelegten medizinischen Befunde - entgegen seiner ausdrücklichen Annahme - mit
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit anlässlich des Unfalls vom 10.
März 2011 weder eine klar ausgewiesene neue, bleibende, allenfalls schlecht verheilte
strukturelle Läsion im Bereich der HWS sowie der linken Schulter noch eine
richtunggebende Verschlimmerung eines degenerativen Vorzustands erlitten hat. Es
kommt damit nur eine ausheilende Läsion mit vorübergehenden unfallkausalen
Beschwerden in Frage.
4.6
4.6.1 Der vom Beschwerdeführer geschilderte Sturz vermag ohne weiteres eine
Kontusionsverletzung im Bereich der Schulter und des Nackens zu verursachen.
Allerdings beinhaltet das Arztzeugnis von Dr. C._ vom 18. März 2011 - welches
offensichtlich die echtzeitliche medizinische Sachlage wiedergibt - weder eine
Diagnose noch eine Therapieangabe, welche auf die HWS oder die linke Schulter
Bezug nehmen würden (UV-act. 11). Schulter- und Nackenprobleme sind aktenmässig
erstmals rund ein Jahr nach dem Unfall im Bericht von Dr. E._ vom 1. März 2011
betreffend dessen Heilbehandlung vom 23. März 2011 ausdrücklich erwähnt (UV-act.
16). Erst am 20. April 2011 folgte eine MRI-Untersuchung der HWS (UV-act. 23) und im
Mai 2011 eine entsprechende Physiotherapie-Verordnung (UV-act. 35).
Der Beschwerdeführer erklärte der Beschwerdegegnerin am 20. Juli 2011, er habe
zwar schon von Beginn weg auch Schmerzen im Nacken verspürt, davon aber seinem
Hausarzt noch nichts gesagt, weil er davon ausgegangen sei, die Schmerzen kämen
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vom Aufschlag des Schulterblatts am Betonboden. Es habe denn auch im Schulterblatt
gezogen. Nach ein bis zwei Monaten habe er gemerkt, dass das Ziehen im
Schulterblatt nachlasse, dasjenige im Nacken sich jedoch verstärke. Zudem seien bei
starken Verspannungen auch Kopfschmerzen aufgetreten. Obwohl er seit dem Unfall
bis Februar 2011 alle drei bis vier Tage stärkere Nackenschmerzen, teilweise auch
Kopfschmerzen gehabt habe, habe er diese bei den Arztkontrollen nicht erwähnt in der
Meinung, die Beschwerden liessen dann irgendwann von alleine nach (UV-act. 24). In
der Einsprache vom 22. August 2011 gab er davon abweichend an, er habe die bereits
von Beginn weg bestehenden Schmerzen in der linken Schulter und im Nacken seinem
Hausarzt im Rahmen der Erstbehandlung angegeben und sie beide seien davon
ausgegangen, dass es Zeit brauche, bis sie abklingen würden (UV-act. 30). Am 22.
August 2011 erklärte der Beschwerdeführer, die Protokollierung seiner Aussagen im
Bericht der Beschwerdegegnerin vom 20. Juli 2011 - er habe am Hinterkopf weder eine
Blutung noch eine Beule festgestellt bzw. ertastet und könne sich auch nicht an
Prellmarken im Bereich der linken Schulter erinnern (UV-act. 24) - sei falsch. Er sei
wegen der Prellmarken auch bei Dr. C._ gewesen. Sein Rücken sei ganz blau
gewesen (UV-act. 29). In der Einsprache vom 22. August 2011 beschrieb der
Beschwerdeführer die offenbar auch von Dr. C._ beobachteten Prellungsspuren als
stark (UV-act. 30). Ob die fraglichen Schmerzen anlässlich der Erstbehandlung
besprochen wurden oder nicht, lässt sich nicht mehr klären. Dies spielt aber letztlich
keine Rolle. Denn die Nichterwähnung von Prellmarken der beschriebenen Intensität
sowie die fehlende Dokumentation anhaltender und offensichtlich doch wesentlicher
Schmerzen in den Akten während rund eines Jahres wäre nicht nachvollziehbar. Wenn
der Beschwerdeführer darauf hinweist, die Schmerzen im linken Fuss hätten anfänglich
im Vordergrund gestanden, so überzeugt dies als Erklärung für diese angebliche
Unterlassung auf jeden Fall nicht. Es ist nicht anzunehmen, dass ein Arzt wesentliche
Befunde und Diagnosen in einem Arztzeugnis nicht lückenlos dokumentiert. Im Übrigen
hat die Nacken- und Schulterproblematik im Gegensatz zur Fussproblematik laut
Aussage des Beschwerdeführers auch nie zu einer Arbeitsunfähigkeit geführt (UV-act.
24).
4.6.2 Mit Blick auf das Gesagte verneint Dr. I._ in seiner ärztlichen Beurteilung vom
27. Juli 2011 schlüssig eine Unfallkausalität unter Verweis auf die offensichtlich
fehlende Notwendigkeit therapeutischer Massnahmen oder Abklärungen nach dem
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Unfall (UV-act. 25). Es entspricht zudem einer medizinischen Erfahrungstatsache, dass
Prellungen (Kontusionen), Verstauchungen oder Zerrungen der Wirbelsäule ohne
strukturelle Läsionen normalerweise innert kurzer Zeit, in der Regel nach sechs bis
neun Monaten, spätestens aber nach einem Jahr abheilen und sich die damit
verbundenen Beschwerden gänzlich zurückbilden. Dasselbe gilt allgemein bei
harmlosen Traumen mit fehlenden strukturellen Schädigungen der Gelenke und
Knochen; diese heilen selbst bei degenerativen Vorzuständen normalerweise innert
kurzer Zeit ab. Dieser medizinische Erfahrungssatz darf, zumal er der herrschenden
Lehrmeinung entspricht, im Rahmen des Wahrscheinlichkeitsbeweises berücksichtigt
werden (Urteil des EVG vom 18. September 2002, U 60/02, E. 2.2, E. 3.2 mit Hinweisen
auf die medizinische Literatur; Urteil des Bundesgerichts vom 28. Februar 2007, U
357/06, E. 4.5). Medizinische Erfahrungssätze beziehen sich auf den Regelfall, d.h. auf
medizinische Sachverhalte, die sich im konkreten Fall gleich dargestellt haben. Eine
Ausnahme von der Regel ist grundsätzlich nicht ausgeschlossen, doch muss sie sich
eben als solche präsentieren. Mit der von Dr. E._ in Bezug auf die HWS am 23.
Februar 2011 klinisch erhobenen allseitig eingeschränkten Motilität und der zusätzlich
etwas eingeschränkten Reklination sowie den Druckempfindlichkeiten über den
Dornfortsätzen der unteren HWS und der Paravertebralmuskulatur distal links (UV-act.
16) liegt kein solcher Ausnahmefall vor. Denn diese Befunde taugen nicht für den
Nachweis fortdauernder Unfallrestfolgen, weil die Ursache für die vorgenannten
gesundheitlichen Störungen mindestens gleichermassen in einer Krankheit oder
Degeneration liegen kann. Angesichts der vorstehenden Erwägungen zog Dr. I._ in
seiner ärztlichen Beurteilung die überzeugende Schlussfolgerung, dass die klinisch
unspezifischen Verspannungen im Bereich der Wirbelsäule nicht mit einem
Unfallereignis erklärt werden könnten. Die Heilung der beim Unfall vom 10. März 2011
allenfalls erlittenen Kontusion der linken Schulter sowie der HWS bzw. das Erreichen
des Status quo sine bzw. ante (vgl. RKUV 1994 Nr. U 206 S. 328 E. 3b mit Hinweisen)
spätestens nach einem Jahr erscheint damit überwiegend wahrscheinlich
nachgewiesen. Allein die Tatsache, dass beim Beschwerdeführer vor dem Unfall vom
10. März 2010 noch keinerlei Beschwerden im Bereich der HWS und der linken
Schulter bestanden haben, reicht schliesslich auch nicht aus, um von einer
fortdauernden Unfallkausalität auszugehen (vgl. dazu die beweisrechtlich untaugliche
Formel "post hoc ergo propter hoc" z.B. in: Alfred Maurer, Schweizerisches
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Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 460 Fn. 1205). Aus den vorstehenden
Erwägungen ergibt sich damit insgesamt, dass die am 9. Februar 2012 gemeldeten
Schulter- und Nackenbeschwerden nicht in einem rechtsgenüglich bzw. überwiegend
wahrscheinlichen Zusammenhang zum Unfall vom 10. März 2010 stehen, weshalb die
Beschwerdegegnerin eine diesbezügliche Leistungspflicht zu Recht abgelehnt hat.
5.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde unter Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 13. Oktober 2011 (UV-act. 34) abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39
VRP