Decision ID: 4de59082-734b-5e2a-bf30-46d9caf295de
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführenden suchten am 18. November 2019 in der Schweiz
um Asyl nach.
Dabei machten sie geltend, dass (...) von A._ (nachfolgend: Be-
schwerdeführer) im Jahre (...) von Soldaten der UÇK (frühere paramilitäri-
sche Organisation Ushtria Çlirimtare e Kosovës, «Befreiungsarmee des
Kosovo») festgenommen und ermordet worden sei. Der Vater des Be-
schwerdeführers kenne die Namen der beiden Täter und sei deswegen am
(...) vom (Tribunal) beziehungsweise von dessen Sonderuntersuchungs-
beauftragten (nachfolgend: Specialist Prosecutor's Office) als Zeuge in
C._ vorgeladen worden – dies, nachdem sein Vater bereits am (...)
von den damaligen Polizeibehörden der United Nations Interim Administ-
ration Mission (UNMIK) im D._ befragt worden sei. Im (...) sei sein
Vater ausserdem in E._, wo dieses Gericht einen Ableger habe, be-
fragt worden. Vor besagtem Hintergrund (Vorladung seines Vaters als
Zeuge in C._) sei der Beschwerdeführer am (...) auf dem Heimweg
von einem unbekannten Mann mit den Worten angesprochen worden, sein
Vater solle seinen Mund nicht zu weit aufmachen, andernfalls es für ihn als
auch für seinen Vater zu grossen Problemen kommen werde. Die Be-
schwerdeführenden hätten daher beschlossen, aus dem Kosovo auszurei-
sen.
B.
Mit Verfügung vom 17. März 2020 verneinte das SEM die Flüchtlingseigen-
schaft der Beschwerdeführenden, lehnte ihr Asylgesuch ab und ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz sowie den Vollzug an.
C.
Eine gegen diese Verfügung erhobene Beschwerde wies das Bundesver-
waltungsgericht mit Urteil D-1700/2020 vom 1. April 2020 ab. Dabei wurde
unter anderem festgehalten, dass es den Beschwerdeführenden nicht ge-
lungen sei, einen glaubhaften Konnex zwischen der Vorladung des Vaters
des Beschwerdeführers als Zeuge und einer angeblichen Bedrohung sei-
tens der UÇK herzustellen (vgl. Urteil des BVGer D-1700/2020 vom 1. April
2020 E. 7.1).
D.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 25. Juni 2021 gelangten die Be-
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schwerdeführenden abermals ans SEM. Sie machten dabei im Wesentli-
chen geltend, aufgrund der bevorstehenden Zeugenaussage des Vaters
des Beschwerdeführers in C._ seien sie einer Reflexverfolgung
ausgesetzt, vor welcher sie die kosovarischen Behörden nicht schützen
könnten respektive wollten.
Das SEM nahm diese Eingabe als Mehrfachgesuch gemäss Art. 111c
AsylG (SR 142.31) entgegen.
E.
Mit Verfügung vom 20. Juli 2021 (Eröffnung am 28. Juli 2021) verneinte
das SEM die Flüchtlingseigenschaft der Beschwerdeführenden, lehnte das
Mehrfachgesuch ab, ordnete die Wegweisung aus der Schweiz sowie den
Vollzug an und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–.
F.
Diese Verfügung fochten die Beschwerdeführenden mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 27. August 2021 beim Bundesverwaltungsgericht an.
Sie beantragten die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die
Rückweisung der Sache an die Vorinstanz. Eventualiter sei die Flüchtlings-
eigenschaft festzustellen und Asyl zu gewähren. Eventualiter seien die Zif-
fern drei bis fünf der angefochtenen Verfügung aufzuheben und eine vor-
läufige Aufnahme anzuordnen.
Weiter ersuchten sie um Mitteilung des Spruchkörpers und um Bekannt-
gabe, wie der Spruchkörper ausgewählt worden sei. Falls bei der Auswahl
eingegriffen worden sei, seien die objektiven Kriterien dafür bekannt zu ge-
ben. Dazu sei Einsicht in die Datei der Software zu gewähren, mit welcher
die Auswahl kreiert worden sei und offenzulegen, wer diese Auswahl ge-
troffen habe.
G.
Am 1. September 2021 teilte das Bundesverwaltungsgericht den Be-
schwerdeführenden den Spruchkörper mit und erhob einen Kostenvor-
schuss.
H.
Mit Eingabe vom 15. September 2021 ersuchten die Beschwerdeführen-
den um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gemäss Art. 65
Abs. 1 VwVG.
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I.
Mit Zwischenverfügung vom 28. September 2021 lehnte das Gericht das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung wegen Aus-
sichtslosigkeit ab und setzte eine Nachfrist zur Begleichung des Kosten-
vorschusses.
J.
In der Folge bezahlten die Beschwerdeführenden zwar den Kostenvor-
schuss, beantragten beim Gericht jedoch mit Eingabe vom 11. Oktober
2021, dass das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung wiedererwä-
gungsweise gutzuheissen sei oder die Gerichtspersonen, welche für die
Verfügung vom 28. September 2021 verantwortlich seien, auszuwechseln
seien.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Die Be-
schwerdeführenden haben am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenom-
men, sind durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und haben
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Ände-
rung. Sie sind daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105
und Art. 108 Abs. 6 AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
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richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Zu den Anträgen zur Bildung des Spruchkörpers und den Ausführun-
gen in der Eingabe vom 11. Oktober 2021 ist zu bemerken, dass den Be-
schwerdeführenden der Spruchkörper am 1. September 2021 mitgeteilt
wurde. Im Übrigen ist zu bestätigen, dass der Spruchkörper im Auftrag des
Abteilungspräsidiums durch eine Kanzleiperson gemäss Art. 31 Abs. 3 so-
wie Art. 32 Abs. 1 des Geschäftsreglements für das Bundesverwaltungs-
gericht vom 17. April 2008 (VGR, SR 173.320.1) unter Berücksichtigung
objektiver Kriterien generiert wurde.
4.2 Gemäss Art. 26 Abs. 1 VwVG haben die Partei oder ihr Vertreter An-
spruch darauf, in ihrer Sache folgende Akten einzusehen: Eingaben von
Parteien und Vernehmlassungen von Behörden (Bst. a), alle als Beweis-
mittel dienenden Aktenstücke (Bst. b) und Niederschriften eröffneter Verfü-
gungen (Bst. c). Die Software, mit welcher das Bundesverwaltungsgericht
den Spruchkörper bestimmt, welcher die bei ihm eingereichten Rechtsmit-
tel beurteilt, ist als solche keine das konkrete Verfahren betreffende Akte,
in die Einsicht gewährt werden könnte. Der Antrag, es sei Einsicht in die
Datei der Software zu gewähren, mit der die Bestimmung des Spruchkör-
pers vorgenommen worden sei, ist daher abzuweisen.
5.
5.1 In ihrer Eingabe vom 11. Oktober 2021 verlangen die Beschwerdefüh-
renden die Auswechslung der zuständigen Instruktionsrichterin sowie des
zuständigen Gerichtsschreibers, sofern die Zwischenverfügung vom
28. September 2021 nicht wiedererwägungsweise aufgehoben werde. So-
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weit damit ein Ausstandsbegehren gestellt wird, ist dieses abzuweisen, wo-
bei die Frage, ob ein bedingtes Ausstandsbegehren überhaupt zulässig ist,
offenbleiben kann.
5.2 Gemäss Praxis kann eine Behörde selber über ihren Ausstand bezie-
hungsweise denjenigen ihrer Mitglieder bestimmen, wenn die gestellten
Ablehnungsbegehren von vornherein unzulässig oder offensichtlich unbe-
gründet sind (vgl. Urteil des BVGer D-7915/2015 vom 5. Januar 2016
E. 1.2 m.H.a. Urteil des BGer 9C_513/2015 vom 9. Dezember 2015 E. 4.3).
Dies ist vorliegend zu bejahen, zumal der Umstand, dass die Beschwerde-
führenden die Ausführungen in der Zwischenverfügung vom 28. Septem-
ber 2021 für unzutreffend halten, offensichtlich keinen Ausstandsgrund dar-
stellt.
6.
6.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
6.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
7.
7.1 Die Beschwerdeführenden begründeten ihr Mehrfachgesuch damit,
dass sie im ersten Asylverfahren noch davon ausgegangen seien, der Va-
ter des Beschwerdeführers werde vor dem (Tribunal) gegen die (...) Scher-
gen der UÇK aussagen, die (...) persönlich entführt hätten. Heute sei aber
klar, dass er als zentraler Zeuge in einem Prozess gegen einen hochran-
gingen UÇK-Kommandanten aussagen werde. Daraus resultiere eine weit-
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aus grössere Dimension, woraus sich eine hochgradige Gefährdung er-
gebe. Der Zeugenschutz im Kosovo sei absolut ungenügend und die Be-
hörden seien weder schutzfähig noch schutzwillig.
7.2 Das SEM begründete seine Verfügung damit, dass hinsichtlich der bis-
herigen Beurteilung einer begründeten Furcht vor Verfolgung vollumfäng-
lich auf das Urteil D-1700/2020 zu verweisen sei. Aus dem eingereichten
Schreiben des Deputy Specialist Prosecutor ergebe sich, dass die Identität
des Vaters derzeit noch geheim sei und der Verteidigung des Kommandan-
ten erst einen Monat vor Prozessbeginn bekannt gegeben werde. Ferner
werde der Vater nicht öffentlich aussagen und seine Identität werde daher
der breiten Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht. Die Zeugenschutz-
massnahmen würden sich darauf beschränken, dass der Kommandant in
Haft genommen worden sei. Somit gehe die Anklage von keiner akuten
Gefährdung aus, ansonsten weitere Massnahmen ergriffen worden wären.
Ferner würden sich die Familienangehörigen der Beschwerdeführenden
ohne Sicherheitsvorkehrungen weiterhin im Kosovo befinden und es seien
seit dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 1. April 2020 keine
Zwischenfälle gegenüber dem Vater oder den Brüdern des Beschwerde-
führers aktenkundig. Aus dem Umstand, dass es gegenüber anderen Zeu-
gen zu Repressalien gekommen sei, lasse sich nicht unbesehen darauf
schliessen, dass es auch gegenüber dem Vater und seinen Familienange-
hörigen zu ebensolchen kommen werde.
7.3 In der Beschwerdeschrift wurde vorgebracht, das SEM habe den An-
spruch auf rechtliches Gehör verletzt, da die neu vorgebrachte Sachlage
nicht korrekt geprüft worden sei. Das SEM verkenne die Gefährdung von
Zeugen und negiere diese pauschal. Ferner werde die Einholung weiterer
Informationen beim Deputy Specialist Prosecutor mit der unzutreffenden
Begründung abgelehnt, das Verfahren werde grundsätzlich schriftlich ge-
führt. Dies verletze die Begründungspflicht.
Das SEM habe zudem die Wichtigkeit des Vaters im Strafverfahren res-
pektive die hohe Bedeutung seiner Zeugenaussage und die Reflexverfol-
gungsgefahr nicht ermittelt, und verkenne die Gefährdung von Zeugen, die
sich aus einschlägigen Länderberichten ergebe, wodurch der Sachverhalt
unzureichend festgestellt worden sei.
In materieller Hinsicht wurde eingewendet, der Vater des Beschwerdefüh-
rers sei Schlüsselzeuge im Anklagepunkt "Mord", da nur er – und allenfalls
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(...) des Beschwerdeführers – diesen Anklagepunkt substantiieren könn-
ten. Aus den Länderinformationen ergebe sich, dass sowohl Zeugen als
auch ihre Familienangehörigen an Leib und Leben gefährdet seien und von
einem kompletten Schutzunwillen der kosovarischen Behörden auszuge-
hen sei. Diese Sachlage werde von der Vorinstanz ignoriert.
8.
8.1 In der Beschwerde werden formelle Rügen erhoben. Diese sind vorab
zu beurteilen, da sie allenfalls geeignet wären, eine Kassation der vor-
instanzlichen Verfügung zu bewirken.
8.2 Vorliegend ist weder auf eine Verletzung der Begründungspflicht (vgl.
BVGE 2016/9 E. 5.1) noch auf eine unrichtige oder unvollständige Sach-
verhaltsfeststellung (vgl. BVGE 2016/2 E. 4.3) zu schliessen.
In Bezug auf die Begründungspflicht gilt es anzumerken, dass das SEM in
seiner Verfügung hinreichend darlegt, weshalb es die Flüchtlingseigen-
schaft bei der aktuellen Lage verneint und eine Rückkehr der Beschwerde-
führenden für zulässig, zumutbar und möglich erachtet. Daran vermag
auch nichts zu ändern, dass das SEM auch auf die Erwägungen und
Schlussfolgerungen im ordentlichen Verfahren verwies, zumal die neu gel-
tend gemachte Verfolgungssituation eng an die bisherigen Vorbringen an-
knüpft und auf die angeblich veränderte Sachlage genügend eingegangen
wird. Der Sachverhalt wurde vom SEM auch vollständig sowie richtig ab-
geklärt und auf eine Beschaffung ergänzender Informationen beim Deputy
Specialist Prosecutor wurde zu Recht verzichtet. In diesen Rügen wird ins-
besondere verkannt, dass die darin aufgeworfene Frage, ob die angefoch-
tene Verfügung inhaltlich richtig ist, nicht die Begründungsflicht oder die
Sachverhaltsermittlung, sondern vielmehr die materielle Beurteilung be-
schlägt.
Soweit Verfahrensfehler im ordentlichen Asylverfahren moniert werden,
insbesondere die mangelhafte Übersetzung und Würdigung eingereichter
Beweismittel, ist darauf vorliegend nicht weiter einzugehen, zumal dies Ge-
genstand des ersten Beschwerdeverfahrens war.
9.
Der Sachverhalt ist als hinreichend erstellt zu erachten, weshalb die Be-
weisanträge, beim Specialist Prosecutor's Office und Experten weitere
Auskünfte einzuholen oder ein Gutachten in Auftrag zu geben, abzuweisen
sind.
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10.
10.1 Bereits im ersten Asylverfahren brachten die Beschwerdeführenden
vor, sie hätten aufgrund der Aussagen des Vaters gegenüber den Polizei-
behörden der United Nations Interim Administration Mission (UNMIK) und
dem Specialist Prosecutor's Office des (Tribunals) sowie des bevorstehen-
den Auftretens des Vaters als Zeuge vor Gericht begründete Furcht, an
Leib und Leben bedroht zu sein. Dies wurde mit Urteil des Bundesverwal-
tungsgerichts D-1700/2020 vom 1. April 2020 rechtskräftig verneint.
10.2 Vorliegend handelt es sich im Wesentlichen um dieselben, bereits
rechtskräftig beurteilten Asylgründe, nämlich eine Reflexverfolgungsgefahr
wegen der Involvierung des Vaters als Zeuge vor dem (Tribunal)l. Neu ist
einzig, dass gemäss den Beschwerdeführenden am (...) gegen einen
UҪK-Kommandanten Anklage erhoben worden sei, dieser am (...) verhaf-
tet worden sei und der Vater nunmehr vor Gericht als Zeuge aussagen
werde. Die neue Entwicklung bestehe – so die Beschwerdeführenden –
darin, dass tatsächlich gegen einen hochrangingen ehemaligen UҪK-Ex-
ponenten Anklage erhoben worden sei und dem entsprechenden Prozess
eine grosse Signal- und Präzedenzwirkung zukomme.
Damit wird – wie bereits im ersten Asylverfahren – lediglich eine abstrakte
Gefährdung geltend gemacht, ohne dass dies – wiederum analog zu den
Feststellungen im Verfahren D-1700/2020 – zu konkreten, gezielt gegen
die Beschwerdeführenden und ihre Familie gerichteten asylrelevanten
Massnahmen geführt hätte. So wurde das Mehrfachgesuch vom 25. Juni
2021 einzig mit dieser abstrakten Gefahr begründet. Die auf Beschwerde-
ebene nachgeschobene Schilderung der Bedrohungslage der im Kosovo
verbliebenen Angehörigen ist aufgrund der späten Geltendmachung sowie
der fehlenden Substanz nicht glaubhaft. Das Vorbringen beschränkt sich
auf die vage Behauptung, dass die Beschwerdeführenden indirekt erfahren
hätten, dass der Druck auf die Familie des Beschwerdeführers massiv zu-
genommen habe und sich sein jüngerer Bruder fast ausschliesslich zu-
hause aufhalte, ohne diese Zunahme des Drucks auch nur annähernd
greifbar zu machen. In diesem Zusammenhang nicht nachvollziehbar ist
auch, dass der Vater gemäss Beschwerdeschrift zwar hochgradig an Leib,
Leben und Freiheit gefährdet sein soll, gegen ihn aber, soweit aus den Ak-
ten ersichtlich, bisher keinerlei Repressalien ergriffen worden sind. Die da-
für beiläufig abgegebene Erklärung, wonach der Vater nicht habe belangt
werden können beziehungsweise dieser sich unbeeindruckt gegenüber
Einschüchterungsversuchen gezeigt habe, überzeugt nicht.
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Somit erschöpft sich die nunmehr vorgetragene Gefährdung im Kern einzig
in der abstrakten Gefahr einer Reflexverfolgung aufgrund des Zeugensta-
tus des Vaters und des mangelnden staatlichen Schutzes der kosovari-
schen Behörden, was bereits Gegenstand des abgeschlossenen Asylver-
fahrens gewesen ist, während neue Entwicklungen im Sinne von tatsäch-
lich den Beschwerdeführenden und ihren Familienangehörigen widerfah-
renen Vorkommnissen nicht (substanzvoll) vorgetragen wurden. In diesem
Punkt erschöpft sich das Mehrfachgesuch somit in einer appellatorischen
Kritik am Urteil des BVGer D-1700/2020.
10.3 Den Beschwerdeführenden gelingt es damit nicht, eine Furcht vor Ver-
folgung aufgrund der neuen Sachverhaltselemente als objektiv begründet
erscheinen zu lassen, weshalb das SEM das Mehrfachgesuch zu Recht
abgelehnt hat.
11.
11.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
11.2 Die Beschwerdeführenden verfügen insbesondere weder über eine
ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf
Erteilung einer solchen. Die Wegweisung wurde demnach ebenfalls zu
Recht angeordnet (vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
12.
12.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der
Schweiz (insbesondere Art. 5 Abs. 1 AsylG, Art. 33 Abs. 1 des Abkommens
über die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30], Art. 25 Abs. 3
BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und
andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe [FoK, SR 0.105] und Art. 3 EMRK) einer Weiterreise der Ausländerin
oder des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat ent-
gegenstehen (Art. 83 Abs. 3 AlG).
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Gemäss Art. 83 Abs. 4 AlG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat aufgrund
von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und medizini-
scher Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung fest-
gestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AlG – die vorläufige Auf-
nahme zu gewähren.
Der Vollzug ist schliesslich nicht möglich, wenn die Ausländerin oder der
Ausländer weder in den Heimat- oder in den Herkunftsstaat noch in einen
Drittstaat ausreisen oder dorthin gebracht werden kann (Art. 83 Abs. 2
AlG).
12.2 Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt ge-
mäss Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard
wie bei der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu be-
weisen, wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens
glaubhaft zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
12.3 Die Vorinstanz hat in der angefochtenen Verfügung mit zutreffender
Begründung erkannt, dass der in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der
Nichtrückschiebung mangels Erfüllung der Flüchtlingseigenschaft keine
Anwendung findet und keine anderweitigen völkerrechtlichen Vollzugshin-
dernisse erkennbar sind.
12.4 Mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-1700/2020 vom 1. April
2020 wurde der Wegweisungsvollzug letztmals für zumutbar befunden.
Neue Entwicklungen, welche gegen die Zumutbarkeit sprechen würden,
wurden weder substanziiert geltend gemacht noch sind sie aus den Akten
ersichtlich.
12.5 Schliesslich obliegt es den Beschwerdeführenden, sich bei der zu-
ständigen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendi-
gen Reisedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu
auch BVGE 2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als
möglich zu bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
12.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
13.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
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Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
14.
14.1 Der Antrag auf wiedererwägungsweise Gewährung der unentgeltli-
chen Prozessführung gemäss Art. 65 Abs. 1 VwVG ist abzuweisen, zumal
in der Eingabe vom 11. Oktober 2021 keine Gründe vorgebracht wurden,
weshalb auf die in der Zwischenverfügung vom 28. September 2021 ge-
machte Feststellung der Aussichtslosigkeit zurückzukommen wäre.
14.2 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten den Be-
schwerdeführenden aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insge-
samt Fr. 1'500.– festzusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Für deren Begleichung ist der in gleicher
Höhe geleistete Kostenvorschuss zu verwenden.
(Dispositiv nächste Seite)
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