Decision ID: c509054d-a583-496f-b2ac-9ab7a4eea9c0
Year: 2014
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Daniel Ehrenzeller, Engelgasse 214, 9053 Teufen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen,
Familienausgleichskasse, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
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Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rückforderung von Familienzulagen für 2012
Sachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 7. Januar 2009 zum Bezug von Familienzulagen an (act.
G 3.1). Am 19. Januar 2012 sprach die Familienausgleichskasse dem nicht
erwerbstätigen A._ für seine vier Kinder für das Jahr 2012 provisorisch Kinderzulagen
von monatlich Fr. 800.-- zu (act. G 3.2). Mit Verfügung vom 30. August 2013 forderte
die Familienausgleichskasse von A._ die im Jahr 2012 bezogenen Familienzulagen im
Betrag von Fr. 9'600.-- zurück, da gemäss Steuerveranlagung das Einkommen im Jahr
2012 Fr. 46'500.-- betragen habe und die gesetzliche Einkommensgrenze von
Fr. 41'760.-- überschritten worden sei (act. G 3.4).
A.b Dagegen erhob A._ am 30. September 2013 Einsprache (act. G 3.5). In der
ergänzenden Begründung vom 29. November 2013 brachte er vor, offensichtlich seien
bei der Steuererklärung 2012 die Schuldzinsen für die eigene Liegenschaft nicht
geltend gemacht worden, was aber alleine eine Differenz von über Fr. 10'000.-- ergäbe
(act. G 3.8; vgl. auch die weitere Eingabe vom 17. Dezember 2013, act. G 3.9). Die
zuständige Sachbearbeiterin telefonierte am 15. Januar 2014 mit der zuständigen
Steuerkommissärin und hielt fest, diese habe die Steuermeldung von 2012 als korrekt
und rechtskräftig bezeichnet (act. G 3.10). A._ teilte der Familienausgleichskasse am
24. Januar 2014 mit, die in der Steuerveranlagung nicht berücksichtigten
Hypothekarzinsen hätten im Jahr 2012 Fr. 7'672.-- betragen, womit ein den Anspruch
auf Familienzulagen für Nichterwerbstätige begründendes Einkommen von
Fr. 38'828.-- resultiere. Die Familienzulagen seien zu Recht bezogen worden (act.
G 3.12). Die Familienausgleichskasse wies die Einsprache mit Entscheid vom
3. Februar 2014 ab. Zur Begründung brachte sie vor, gemäss telefonischer Auskunft
der Steuerkommissärin beruhe die Steuermeldung auf einer korrekten rechtskräftigen
Steuerveranlagung und sei demnach rechtmässig. A._ hätte sich im
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Steuerveranlagungsverfahren gegen das seines Erachtens zu hoch festgelegte
steuerbare Einkommen wehren müssen. Im vorliegenden Verfahren sei es hierfür zu
spät (act. G 3.13).
B.
B.a Gegen den Einspracheentscheid vom 3. Februar 2014 richtet sich die vorliegende
Beschwerde vom 6. März 2014. Der Beschwerdeführer beantragt darin unter Kosten-
und Entschädigungsfolge dessen Aufhebung. Im Wesentlichen macht er geltend, die
Steuerveranlagung für das Jahr 2012 sei materiell zweifellos falsch, weshalb für die
Ermittlung des Anspruchs auf Familienzulagen nicht darauf abgestellt werden dürfe.
Vielmehr seien die Schuldzinsen bei der Berechnung des steuerbaren Einkommens zu
berücksichtigen (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 1. April 2014
die Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung verweist sie auf den angefochtenen
Einspracheentscheid (act. G 3).
B.c Nach Einsicht in die Akten wiederholte der Beschwerdeführer am 2. Juni 2014
seinen Standpunkt, dass im Fall eines offensichtlichen Versehens bei der Prüfung des
Anspruchs auf Familienzulagen Nichterwerbstätiger nicht auf die rechtskräftige
Steuerveranlagung abgestellt werden dürfe (act. G 7).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine Stellungnahme verzichtet (vgl. act. G 9).

Erwägungen:
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist die Frage, ob die von
der Beschwerdegegnerin geltend gemachte Rückforderung der an den nicht erwerbs
tätigen Beschwerdeführer im Jahr 2012 ausgerichteten Kinderzulagen im Betrag von
Fr. 9'600.-- rechtmässig ist.
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1.1 Unrechtmässig bezogene Leistungen sind grundsätzlich zurückzuerstatten
(Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG, SR 830.1]; zur Geltung des ATSG im Bereich der
Familienzulagen siehe Art. 1 des Bundesgesetzes über die Familienzulagen [FamZG;
SR 836.2]).
1.2 In der AHV obligatorisch versicherte Personen, die bei der AHV als nichterwerbs
tätige Personen erfasst sind, gelten als Nichterwerbstätige. Sie haben Anspruch auf
Familienzulagen (Art. 19 Abs. 1 FamZG). Der Anspruch auf Familienzulagen ist an die
Voraussetzung geknüpft, dass das steuerbare Einkommen den anderthalbfachen
Betrag einer maximalen vollen Altersrente der AHV (im Jahr 2012: Fr. 41'760.--) nicht
übersteigt und keine Ergänzungsleistungen zur AHV/IV bezogen werden (Art. 19 Abs. 2
FamZG). Dabei ist gemäss Art. 17 der Verordnung über die Familienzulagen (FamZV,
SR 836.21) für die Bemessung des Einkommens der Nichterwerbstätigen das
steuerbare Einkommen nach dem Bundesgesetz vom 14. Dezember 1990 über die
direkte Bundessteuer (DBG; SR 642.11) massgebend.
2.
Zunächst ist die allfällige Bindungswirkung rechtskräftiger Steuerveranlagungen
hinsichtlich des Anspruchs Nichterwerbstätiger auf Familienzulagen zu prüfen.
Währenddem die Beschwerdegegnerin von einer absoluten Bindungswirkung bezüglich
des "steuerbaren Einkommens" im Sinn von Art. 19 Abs. 2 FamZG ausgeht (act.
G 3.13, Rz 2), vertritt der Beschwerdeführer den Standpunkt, dass auf offensichtlich
falsche Steuerveranlagungen nicht abgestellt werden dürfe (act. G 1, S. 5).
2.1 Das Gesetz muss in erster Linie aus sich selbst heraus, das heisst nach dem
Wortlaut, Sinn und Zweck und den ihm zugrunde liegenden Wertungen auf der Basis
einer teleologischen Verständnismethode ausgelegt werden. Die Gesetzesauslegung
hat sich vom Gedanken leiten zu lassen, dass nicht schon der Wortlaut die Norm
darstellt, sondern erst das an Sachverhalten verstandene und konkretisierte Gesetz.
Gefordert ist die sachlich richtige Entscheidung im normativen Gefüge, ausgerichtet auf
ein befriedigendes Ergebnis der ratio legis. Dabei befolgt das Bundesgericht einen
pragmatischen Methodenpluralismus und lehnt es namentlich ab, die einzelnen
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Auslegungselemente einer hierarchischen Ordnung zu unterstellen. Die
Gesetzesmaterialien können beigezogen werden, wenn sie auf die streitige Frage eine
klare Antwort geben. Verordnungsrecht ist gesetzeskonform auszulegen. Es sind die
gesetzgeberischen Anordnungen, Wertungen und der in der Delegationsnorm eröffnete
Gestaltungsspielraum mit seinen Grenzen zu berücksichtigen (BGE 139 V 544 E. 5.1
mit Hinweisen).
2.2 Sowohl das FamZG (Art. 19 Abs. 2) als auch die FamZV (Art. 17) sprechen
betreffend die für die Einkommensgrenze massgebende wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit vom - im Sinn des DBG - "steuerbaren" Einkommen.
2.2.1 Die entsprechende Formulierung geht auf die ständerätliche Beratung der
Bestimmung zurück, wo der Begriff des "reinen" Einkommens durch denjenigen des
"steuerbaren" Einkommens ersetzt wurde. Den Kommissionsberatungen kann
entnommen werden, dass es um eine einfache, gut handhabbare Regelung gehen soll.
Zudem wurde bei der ständerätlichen Beratung der Bestimmung ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass mit der entsprechend neu gefassten Bestimmung im "Grundsatz [...]
gegenüber der ersten Lesung nichts" geändert wird. Zugleich muss berücksichtigt
werden, dass bei den Kommissionsberatungen sowohl vom "reinen" wie auch vom
"steuerbaren" Einkommen gesprochen wurde (Ueli Kieser/Marco Reichmuth,
Bundesgesetz über die Familienzulagen, Praxiskommentar, St. Gallen 2010, Rz 88 zu
Art. 19 mit Hinweisen auf das Protokoll SGK-SR vom 23./24./25. Januar 2006, 11, AB
2006 S 100 und Protokoll SGK-SR vom 27./28. Januar 2005, 52).
2.2.2 Im Vordergrund des Begriffs "steuerbares Einkommen" steht eine
materiellrechtliche Betrachtungsweise: Massgebend ist dasjenige Einkommen, das
nach dem materiellen Recht (DBG) zu versteuern wäre bzw. bei korrekter Befolgung
des objektiven Rechts (DBG) als "steuerbar" ermittelt würde. Der Wortlaut bietet keine
Grundlage für die Annahme, es sei nicht die gesetzmässige Bestimmung des
steuerbaren Einkommens von Bedeutung, sondern es sei unbesehen auf die in
Rechtskraft erwachsene Steuerveranlagung abzustellen. Weder Gesetz noch
Verordnung sprechen nämlich vom "versteuerten" Einkommen. Des Weiteren wurde im
Familienzulagenrecht weder ein dem AHV-Recht analoger Terminus verwendet noch
eine analoge Delegation an die Steuerbehörde erlassen, wie sie in Art. 23 Abs. 1 und 4
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der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV; SR 831.101)
ihren Niederschlag gefunden haben ("Die kantonalen Steuerbehörden ermitteln das für
die Bemessung der Beiträge massgebende Erwerbseinkommen auf Grund der
rechtskräftigen Veranlagung für die direkte Bundessteuer, [...]"; "Die Angaben der
kantonalen Steuerbehörden sind für die Ausgleichskassen verbindlich.).
2.3 Die Gesetzesmaterialien äussern sich soweit ersichtlich nicht zur Frage der
Bindungswirkung von rechtskräftigen Steuerveranlagungen hinsichtlich des Begriffs
des steuerbaren Einkommens (vgl. Stellungnahme des Bundesrates vom 28. Juni 2000
[BBl 2000]; ergänzende Stellungnahme des Bundesrates vom 10. November 2004 [BBl
2004 6941]; Zusatzbericht SGK-NR vom 8. September 2004 [BBl 2004 6887]; vgl.
ferner die im amtlichen Bulletin wiedergegebenen Wortprotokolle zum Geschäft
91.411). Insbesondere ergeben sich auch aus dem Votum Schwaller vom 13. März
2006 (AB 2006 S 99 f.) keine Anhaltspunkte hinsichtlich der Bindungswirkung von
rechtskräftigen Steuerveranlagungen. Vielmehr wird darin einzig die Anlehnung an die
AHV-Gesetzgebung bezüglich des Begriffs der nichterwerbstätigen Person sowie der
Obergrenze ("anderthalbfacher Betrag einer maximalen vollen Altersrente der AHV
nicht übersteigt und keine Ergänzungsleistungen zur AHV/IV bezogen werden")
erläutert (vgl. zum Votum Schwaller auch Ueli Kieser/Kaspar Saner, Bundesgesetz über
die Familienzulagen [FamZG] - Eine kritische Einführung, SZS 51/2007, S. 426: "Erst in
der ständerätlichen Differenzberatung wurde der Begriff des «steuerbaren
Einkommens» gewählt, ohne dass dazu eine Erläuterung stattgefunden hätte"). Der
Begriff des "steuerbaren Einkommens" findet sich sodann nicht im AHV-Recht (vgl. Ueli
Kieser/Kaspar Saner, a.a.O., S. 425: Der Terminus des "steuerbaren Einkommens" sei
in anderen sozialversicherungsrechtlichen Erlassen praktisch nicht zu finden. Des
Weiteren weisen sie mit Blick auf die Verwendung des Begriffs "steuerbares
Einkommen" anstelle des zuvor gewählten Terminus "Reineinkommen" darauf hin,
dass sich das Parlament der Tragweite seiner Entscheidung wohl nur wenig bewusst
gewesen sei; S. 426). Deshalb und mangels anderweitiger einschlägiger Anhaltspunkte
kann das Votum Schwaller insbesondere nicht dahingehend interpretiert werden, dass
eine Übernahme der Bindungswirkung von rechtskräftigen Steuerveranlagungen im
Sinn von Art. 23 Abs. 1 und 4 AHVV dem Willen des Gesetzgebers entsprochen hat.
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2.4 Sinn und Zweck der Gesetzgebung über die Familienzulagen ist, das
Erwerbseinkommen von Familien mit geringem Einkommen zu ergänzen, die
(tatsächliche) finanzielle Belastung durch ein oder mehrere Kinder teilweise
auszugleichen und damit die Eltern aus finanziellen Ängsten, die mit dem Aufziehen
von Kindern verbunden sein können, teilweise zu befreien (Handbuch Familienzulagen
vom 1. Januar 2014, Familienausgleichskasse "Versicherung", S. 6; Art. 2 FamZG;
Kieser/Reichmuth, a.a.O., Rz 10 f. zu Art. 2). Mit dem neu geschaffenen Bundesgesetz
wurde der Kreis der Anspruchsberechtigten auf nichterwerbstätige Personen
ausgedehnt. Die Besteuerung im DBG richtet sich grundsätzlich nach der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen (vgl. Markus Reich in:
Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/2a, Rz 7 ff. zu Art. 16).
2.4.1 Wenn also der Gesetzgeber in Art. 19 FamZG und Art. 17 FamZV für die
Bemessung des Einkommens der Nichterwerbstätigen die Bestimmungen des DBG für
massgebend erklärte, so bedeutet dies in erster Linie, dass die dort Gegenstand
bildende wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auch Grundlage für die
Anspruchsberechtigung im Zulagenrecht sein soll. Indessen ist damit nicht gleichzeitig
statuiert, dass dafür selbst auf offensichtlich unrichtige Veranlagungen abgestellt
werden soll. Damit würde eine Vereitelung der mit dem Familienzulagenrecht
angestrebten Verbesserung in Kauf genommen, ohne dass dafür hinreichende Gründe
angeführt werden können (vgl. Entscheid des Versicherungsgerichts vom 3. September
2014, FZG 2014/2, E. 2.4.1, worin es sich auf Fälle offensichtlicher Unrichtigkeit
bezogen hat).
2.4.2 Hinzu kommt, dass die Höhe des "steuerbaren Einkommens"
ausschlaggebend für den Anspruch von Nichterwerbstätigen auf Familienzulagen ist,
da ein solcher bei Überschreitung der Obergrenze entfällt. Der korrekten Befolgung des
objektiven Rechts (DBG) bzw. der gesetzmässigen Leistungsausrichtung kommt daher
grosses Gewicht zu, damit dem Zweck des Familienzulagenrechts Nachachtung
verschafft wird. Dies gilt insbesondere auch dann, wenn die rechtskräftige
Steuerveranlagung nicht sämtliche steuerbaren Einkommen erfasst hat, womit nicht
gesetzmässige Familienzulagen an Nichterwerbstätige ausgerichtet würden, ohne dass
hierfür ein vom FamZG vorausgesetzter tatsächlicher wirtschaftlicher Bedarf bestanden
hat. Schliesslich kennt das DBG keine Wiedererwägung zweifellos unrichtiger
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rechtskräftiger Verfügungen und die in Art. 147 DBG geregelte Revision ist u.a. dann
ausgeschlossen, wenn die antragstellende Person als Revisionsgrund vorbringt, was
sie bei der ihr zumutbaren Sorgfalt schon im ordentlichen Verfahren hätte geltend
machen können (Abs. 2).
2.4.3 Dass für die Obergrenze von Art. 19 Abs. 2 FamZG bzw. die darin erfasste
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse und
nicht eine rechtskräftige Steuerveranlagung, die diese nicht vollständig erfasst, bei der
Anspruchsprüfung massgebend ist, ergibt sich ferner aus dem Umstand, dass auch
nicht nach dem DBG in der Schweiz zu versteuernde, im Ausland erzielte Einkommen
der Eltern bei der Ermittlung der Obergrenze berücksichtigt werden (siehe hierzu
Wegleitung zum Bundesgesetz über die Familienzulagen, Fassung vom 1. Januar 2014,
Rz 610.1 mit Hinweis auf II Tribunale cantonale delle assicurazioni della Republica e
Cantone Ticino, vom 25. November 2011, 39.2011.7). Die Wegleitung sieht darüber
hinaus weitere Tatbestände vor, um den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen
bei der Leistungsausrichtung gerecht zu werden. Betrifft etwa die letzte rechtskräftige
Steuerveranlagung ein früheres als das vorletzte Jahr vor dem Bezugsjahr oder haben
sich die Einkommensverhältnisse seit der letzten Veranlagung grundlegend geändert,
so ist das massgebende Einkommen durch die Familienausgleichskasse zu bemessen.
Die antragstellende Person hat die notwendigen Unterlagen beizubringen (Wegleitung,
Rz 610). Schliesslich kann die Familienausgleichskasse gemäss Rz 611 der Wegleitung
auch im Lauf des Bezugsjahres überprüfen, ob die Voraussetzungen weiterhin gegeben
sind. Bei Änderungen in den Einkommensverhältnissen (z.B. Scheidung, Trennung,
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit, Vermögensanfall von Todes wegen) beginnt oder
endet der Anspruch gemäss Rz 612 der Wegleitung in dem Zeitpunkt, in dem diese
Änderung eintritt. Selbst die Wegleitung, welche die "letzte rechtskräftige
Steuerveranlagung" als "massgebend" bezeichnet (Rz 609 der Wegleitung), bringt zum
Ausdruck, dass der Anspruch auf Familienzulagen sich an den konkreten tatsächlichen
Verhältnissen ausrichtet und nicht unbesehen auf die "letzte rechtskräftige
Veranlagung" abzustellen ist (siehe Entscheid des Versicherungsgerichts vom
3. September 2014, FZG 2014/2, E. 2.3).
2.5 Im Licht der genannten Umstände besteht bei der Anspruchsprüfung gemäss
Art. 19 Abs. 2 FamZG keine rechtliche Grundlage für ein unbesehenes Abstellen auf
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rechtskräftige Steuerveranlagungen. Da die tatsächliche Leistungsfähigkeit der
anspruchstellenden Nichterwerbstätigen im Vordergrund steht, können
Steuerveranlagungen lediglich insoweit massgebend sein, als sie bei der
Anspruchsprüfung eine Grundlage für eine im Sinn des DBG korrekte Ermittlung des
steuerbaren Einkommens bilden. Wenn sich indessen ernsthafte Zweifel an der
Richtigkeit der Steuerveranlagung ergeben, darf sich die Familienausgleichskasse nicht
einfach auf den Steuerentscheid verlassen. Vielmehr hat sie diesfalls eine
eigenständige Beurteilung vorzunehmen.
3.
Aufgrund der Vorbringen des Beschwerdeführers ergeben sich nicht bloss ernsthafte
Zweifel an der Richtigkeit der rechtskräftigen Steuerveranlagung vom 18. Juni 2013
betreffend die Steuerperiode vom 1. Januar bis 31. Dezember 2012, sondern die
Veranlagung ist als offensichtlich unrichtig zu bezeichnen. Denn das Steueramt
berücksichtigte bei der Bestimmung des steuerbaren Einkommens - entgegen der
Veranlagung des Vorjahres - die gemäss Art. 33 Abs. 1 lit. a DBG abziehbaren
Schuldzinsen bei der Ermittlung des steuerbaren Einkommens nicht, obschon sie einen
Ertrag "aus Eigennutzung, Miet- und Pachtzinsen" als Einkommen anrechnete und bei
der Ermittlung des Vermögens die Hypothekarschuld einbezog (act. G 3.9).
3.1 Aus den im Rahmen des Einspracheverfahrens eingereichten, unbestritten
gebliebenen Bankunterlagen ergibt sich, dass bis 29. Juni 2012 Schuldzinsen im
Betrag von Fr. 10'154.30 (Fr. 875.-- + Fr. 337.50 + Fr. 3'900.-- +Fr. 319.85
+ Fr. 3'856.65 + Fr. 865.30) bzw. für die Zeit danach bis 31. Dezember 2012 von
Fr. 5'189.03 dem Konto des Beschwerdeführers sowie seines Bruders belastet wurden
(act. G 3.12). Die betroffene Liegenschaft steht gemäss unbestritten gebliebener
Darstellung des Beschwerdeführers im hälftigen Miteigentum von ihm und seinem
Bruder (act. G 1, Rz 2), was mit den in den Akten liegenden Steuerunterlagen
übereinstimmt (act. G 3.9). Werden die Schuldzinsen von insgesamt Fr. 15'343.33
(Fr. 10'154.30 + Fr. 5'189.03) auf die beiden Miteigentümer aufgeteilt, resultiert pro
Person ein anrechenbarer Schuldzinsabzug von abgerundet Fr. 7'671.65
(Fr. 15'343.33 / 2). Werden diese Schuldzinsen sowie die Familienzulagen von
Fr. 9'600.-- (12 x Fr. 800.-- monatliche Familienzulagen) vom gemeldeten steuerbaren
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Einkommen von 56'100.-- (act. G 3.9) abgezogen, resultiert ein "steuerbares
Einkommen" unter der Einkommensgrenze im Sinn von Art. 19 Abs. 2 FamZG von
Fr. 38'828.35 (Fr. 56'100.-- - Fr. 7'671.65 - Fr. 9'600.--). Die für das Jahr 2012
geleisteten Familienzulagen von Fr. 9'600.-- sind daher rechtmässig, womit eine
Rückforderung entfällt.
3.2 Daran ändert die erst im Einspracheverfahren eingeholte, dem Beschwerdeführer
vor dem Einspracheentscheid offenbar nicht mitgeteilte Telefonnotiz vom 15. Januar
2014 betreffend das gleichentags mit der zuständigen Steuerkommissärin geführte
Gespräch nichts, worin festgehalten wird: "gem. Tel. mit Frau Z._
(Steuerkommissärin Gemeinde B._) ist die Steuermeldung 2012 korrekt und
rechtskräftig" (act. G 3.10). Denn nach der Rechtsprechung stellen formlos eingeholte
und in einer Aktennotiz festgehaltene mündliche bzw. telefonische Auskünfte zu
wesentlichen Umständen des rechtserheblichen Sachverhalts kein zulässiges und
taugliches Beweismittel dar, weil es für die betroffene Person nicht überprüfbar ist,
welche Fragen und Sachverhaltsangaben einer Auskunftsperson unterbreitet worden
sind, wenn deren mündliche oder telefonische Auskunft lediglich in einer Aktennotiz
festgehalten wird. Ebensowenig hat sie die Möglichkeit, der Auskunftsperson
Ergänzungsfragen zu stellen und allenfalls unrichtige oder unvollständige
Sachverhaltsangaben zu korrigieren oder zu ergänzen (BGE 117 V 285 E. 4c). Eine
formlos eingeholte und in einer Aktennotiz festgehaltene mündliche oder telefonische
Auskunft stellt nach der Rechtsprechung nur insoweit ein zulässiges und taugliches
Beweismittel dar, als damit blosse Nebenpunkte, namentlich Indizien oder
Hilfstatsachen, festgestellt werden. Dagegen kommt grundsätzlich nur die Form einer
schriftlichen Anfrage und Auskunft in Betracht, wenn Auskünfte zu wesentlichen
Punkten des rechtserheblichen Sachverhaltes einzuholen sind (Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 1. Oktober 2003, I 479/00, E. 3.3).
Gemäss der vorstehend zitierten Rechtsprechung liegt dem angefochtenen
Einspracheentscheid somit in einem entscheidwesentlichen Punkt eine
Sachverhaltsfeststellung zugrunde, die mittels einer unzulässigen Beweisabnahme
erfolgt ist und darüber hinaus den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches
Gehör verletzt hat. Ohnehin ergibt sich aus der rudimentären Telefonauskunft nicht, ob
die Steuerkommissärin konkret auf die Frage der Schuldzinsen geantwortet hat,
geschweige denn, dass sie Gründe benannt hat, die gegen die Anrechenbarkeit der
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Schuldzinsen sprechen. Auf eine weitere Beweisabnahme in korrekter Form kann
verzichtet werden, weil gemäss gesetzlicher Vorschrift Schuldzinsen abziehbar sind,
wie vorstehend dargelegt (E. 3).
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen und der
Einspracheentscheid vom 3. Februar 2014 aufzuheben.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Der
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers hat auf die Einreichung einer Honorarnote
verzichtet. Im hier zu beurteilenden Fall erscheint mit Blick auf den einfachen
Schriftenwechsel und den Verzicht der Beschwerdegegnerin auf eine begründete
Beschwerdeantwort eine pauschale Parteientschädigung von Fr. 2'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP