Decision ID: 205b2db2-4bfd-56a0-b421-40504e07027e
Year: 2012
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Bührer, St. Leonhard-
Strasse 20,Postfach, 9001 St. Gallen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
Sachverhalt:
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A.
A.a A._ meldete sich im September 2006 zum Bezug von IV-Leistungen an (IV-act.
15). Die B._ AG teilte am 4. Oktober 2006 mit (IV-act. 17), sie habe die Versicherte
vom 3. März 2003 bis 31. März 2006 als Versandmitarbeiterin beschäftigt. Der
Stundenlohn habe Fr. 18.-- (zuzüglich 10% FE) betragen bei einer normalen Arbeitszeit
im Betrieb von 8,5 Std. Dr. med. C._, Eidg. Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, berichtete der IV-Stelle am 12. Oktober 2006 (IV-act. 20), die
Versicherte leide an einer depressiven Störung schwankenden Ausmasses, derzeit
mittelgradiger Ausprägung, reizbar agitierten Charakters, mit somatischem Syndrom,
und an einer somatoformen Schmerzstörung. Seit dem 1. Januar 2006 bestehe eine
Arbeitsunfähigkeit, die zwischen 50% und 100% wechsle. Dem Bericht von Dr. C._
an die IV-Stelle lag u.a. ein Bericht von Dr. med. D._, Spezialarzt FMH für Psychiatrie
und Psychotherapie, an die SWICA vom 30. April 2006 bei (IV-act. 20-9 ff.). Dr. D._
hatte angegeben, die Versicherte leide an einer somatoformen Schmerzstörung, die
von einer Depression (mit erschöpft-nervös-reizbarer-agitierter Symptomatik auf dem
Hintergrund einer familiären Problematik) begleitet sei. Die Klinik Gais hatte am 28. Juni
2006 über einen dreiwöchigen Rehabilitationsaufenthalt berichtet (IV-act. 20-15 ff.),
folgende Diagnosen seien erhoben worden: Erschöpfungsdepression mit somatischem
Syndrom und Verdacht auf Fibromyalgiesyndrom. Weiter war angegeben worden, die
Versicherte habe keinen Zugang zu einem psychosomatischen Krankheitskonzept
entwickeln können und sei auf die körperliche Attribuierung ihrer Beschwerden fixiert
gewesen. Auch bei der Bewältigung weiterer Konfliktfelder, insbesondere im familiären
Bereich, habe die Versicherte kaum Flexibilität bezüglich möglicher Veränderungen
ihrer Verhaltensmuster entwickelt. Sie sei mit einem weitgehend unveränderten
Zustandsbild entlassen worden. Dr. med. E._, FMH Allgemeine Medizin, berichtete
der IV-Stelle am 26. November 2006 (IV-act. 23), folgende Diagnosen lägen vor:
Somatoforme Schmerzstörung mit Depression, Verdacht auf (latente) psychotische
Symptome, Fibromyalgie, Zervikothorakalgie bei radiologisch nachgewiesenen
degenerativen Veränderungen und Adipositas.
A.b Die IV-Stelle beauftragte die ABI Ärztliche Begutachtungsinstitut GmbH mit einer
interdisziplinären Abklärung (IV-act. 29). Die Sachverständigen der ABI GmbH
berichteten in ihrem Gutachten vom 26. November 2007 (IV-act. 33), bei der
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psychiatrischen Exploration seien eine leichte depressive Episode und eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden. Die Versicherte habe von 1988
bis 2005 als Hilfsarbeiterin ein 100%-Pensum und zusätzlich oft Überstunden geleistet.
Daneben habe sie sich um die beiden Kinder und den Haushalt gekümmert. Sie sei
während Jahren durch die Berufstätigkeit, die Aufgabe als Hausfrau und Mutter und die
schwierige Beziehung zum alkoholkranken Ehemann belastet gewesen. Die Kündigung
des Arbeitsverhältnisses habe eine gewisse Entlastung gebracht, denn die Versicherte
müsse nun keiner ausserhäuslichen beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen und die
Beziehung zum Ehemann habe sich gebessert. Das Ausmass der geklagten
Beschwerden und die subjektive Überzeugung, noch maximal 2 Std. täglich arbeiten zu
können, liessen sich durch die somatischen Befunde nicht objektivieren, so dass eine
psychische Überlagerung angenommen werden müsse. Aufgrund der jahrelangen
psychosozialen Belastungssituation sei von einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung auszugehen. Die Versicherte leide unter leichten Einschlafstörungen,
könne aber gut schlafen, habe allerdings Mühe, morgens aufzustehen, da sie wegen
der Schmerzen lieber im Bett bleibe. Den Haushalt erledige sie bis auf die schwereren
Arbeiten selbständig. In der Freizeit lese sie oder sehe fern, wobei sie nicht unter
Konzentrationsschwierigkeiten leide. Am Wochenende treffe sie sich mit ihren
zahlreichen Kolleginnen im Schrebergarten. Sie freue sich auf das Enkelkind, das sie
die ersten drei Monate betreuen werde, damit die Tochter die Ausbildung beenden
könne. Aufgrund der chronischen Schmerzen habe sie gelegentlich den
"Lebensverleider", aber keine eigentlichen Suizidgedanken oder -impulse. Der
psychiatrische Sachverständige zog daraus den Schluss, dass eine leichte depressive
Episode vorliege. Hinweise auf unbewusste Konflikte oder auf einen primären
Krankheitsgewinn fehlten. Die Arbeitsfähigkeit sei um 20% reduziert. Die Versicherte
nehme die verordneten Antidepressiva nur unregelmässig oder in zu niedriger
Dosierung ein. Die Klinik Gais und der behandelnde Psychiater hätten eine
Arbeitsunfähigkeit von 50% attestiert. Tatsächlich liege aber nur eine leichte depressive
Episode vor. Der rheumatologische Sachverständige gab an, die Abklärung habe ein
chronisches multilokuläres Schmerzsyndrom mit allgemeiner Dekonditionierung,
reaktiver Myogelose der Subokzipital- und Trapeziusmuskulatur bei
Wirbelsäulenfehlhaltung, aber ohne zervikal oder lumbal relevante degenerative
Veränderungen ergeben. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei ungünstig gewesen, da sie
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mit repetitiven Überkopfarbeiten verbunden und in einer fixierten Körperhaltung
(vorgeneigter Oberkörper) auszuüben gewesen sei. Deshalb sei die Versicherte dort nur
noch zu 50% arbeitsfähig, allerdings mit einer eindeutigen Besserungsfähigkeit unter
adäquaten rehabilitativen Massnahmen. Für körperlich leichte, wechselbelastende
Tätigkeiten ohne repetitive Überkopfarbeiten, ohne stereotype Rotationsbewegungen
der HWS und der LWS, aber mit der Möglichkeit, die Arbeitsposition regelmässig zu
wechseln, bestehe eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Es sei unklar, weshalb noch
kein adäquates Krafttrainingsprogramm instruiert worden sei, denn damit könnte auch
in der früheren Tätigkeit wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100% erreicht werden. Dr.
med. F._ vom RAD betrachtete dieses Gutachten als umfassend, schlüssig und
nachvollziehbar (IV-act. 34).
A.c Der Eingliederungsberater notierte am 13. Februar 2008 (IV-act. 39), die
Versicherte habe angegeben, mit der Aussteuerung durch das RAV im April 2008
werde sie die Stellensuche beenden. Die IV-Stelle verglich ein Valideneinkommen als
Versandmitarbeiterin von Fr. 42'739.-- mit einem zumutbaren Invalideneinkommen bei
einem Arbeitsfähigkeitsgrad von 80% gemäss der Lohnstrukturerhebung des
Bundesamtes für Statistik von Fr. 34'191.-- und ermittelte so einen Invaliditätsgrad von
20% (IV-act. 42). Mit Vorbescheiden vom 11. April 2008 (IV-act. 44, 46) kündigte sie der
Versicherten die Abweisung der Gesuche um berufliche Eingliederungsmassnahmen
und um eine Invalidenrente an. Die Versicherte liess am 9. Mai 2008 die Gewährung
beruflicher Massnahmen und die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente beantragen
(IV-act. 47). Sie begründete dies damit, dass sich die Beschwerden wesentlich
verschlechtert hätten. Am 3. Juni 2008 liess sie ergänzend ausführen (IV-act. 51), sie
verlange berufliche Eingliederungsmassnahmen und die beiden Verwaltungsverfahren
seien bis zum Abschluss dieser Massnahmen zu sistieren. Sie gab weiter an, sie
arbeite seit dem 1. Mai 2007 mit einem Pensum von 20%. Sie benötige
Eingliederungsberatung, Berufsberatung und Arbeitsvermittlung. Die IV-Stelle teilte ihr
am 25. Juni 2008 mit (IV-act. 55), dass sie Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche gewähre. Die Klinik Gais berichtete am 14. Januar 2009 über eine
stationäre Rehabilitation vom 3. bis 22. November 2008 (IV-act. 69), die Versicherte
leide an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode,
mit somatischem Syndrom, an Fibromyalgie, an einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung und an einem Verdacht auf eine akzentuierte Persönlichkeit mit
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histrionischen und impulsiven Zügen. Die Versicherte sei mit einer deutlich
verbesserten Stimmung entlassen worden. Die Chancen auf eine nachhaltige
Veränderung der Verhaltensmuster seien allerdings als gering einzustufen. Die
Arbeitsfähigkeit betrage 50% (5 Tage à 2 x 2 Std.). Die G._ hielt in einem ersten
Standortprotokoll vom 19. Februar 2009 u.a. fest (IV-act. 70), die Versicherte habe eine
Präsenzzeit von 50% (nachmittags). Sie sei eine fröhliche, positiv denkende Frau, die
gut mit ihrer Krankheit zurechtkomme. Dem Team gegenüber sei sie offen. Wenn
Unklarheiten bestünden, komme sie auf das Team zu. Gemäss ihrer eigenen Aussage
komme sie mit allen Frauen gut zurecht und sie arbeite gerne im G._, denn so sei sie
abgelenkt und müsse nicht immer an ihre Probleme denken. Dr. C._ berichtete dem
Rechtsvertreter der Versicherten am 10. Februar 2009 (IV-act. 74), diese sei seit dem 1.
Januar 2006 zu 50% arbeitsunfähig. Die Sachverständigen der ABI GmbH hätten mit
den behandelnden Ärzten Rücksprache nehmen müssen. Sie seien von einer
Momentaufnahme ausgegangen und hätten den wahren Gesundheitszustand nicht
erkannt. Der psychopathologische Zustand habe sich seit der Begutachtung
verschlechtert. Effektiv sei die Versicherte nun noch zu 25% arbeitsfähig (5 Tage à 2 x
2 Std. mit einem um 50% reduzierten Rendement). In einem zweiten Standortprotokoll
der G._ wurde festgehalten (IV-act. 76), die Versicherte wirke fröhlich und
aufgeschlossen. Sie scheine die Zusammenarbeit mit anderen Frauen zu schätzen. Der
dreissigminütige Fussweg von zuhause und wieder zurück tue ihr gut. Es sei keine
Verschlechterung, aber auch keine Verbesserung des allgemeinen Zustands zu
erkennen. Während der Präsenzzeit betrage die Leistungsfähigkeit 60%-70%. Der
Eingliederungsberater der IV-Stelle notierte am 3. April 2009 (IV-act. 79), die
Versicherte habe sich gegen eine Verlängerung des Einsatzprogramms im G._ und
gegen ein anderes Einsatzprogramm entschieden. Sie wolle weitere medizinische
Abklärungen, weil sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe. Mit einer
Verfügung vom 7. Juli 2009 stellte die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ein (IV-act. 91).
A.d Dr. C._ berichtete der IV-Stelle am 25. August 2009 (IV-act. 95), die Versicherte
leide an einer somatoformen Schmerzstörung und an einer depressiven Störung
schwankenden Ausmasses zwischen mittelschwer und schwer, agitierten Charakters,
mit somatischem Syndrom. Das Scheitern des Arbeitstrainings bei G._ sei auf die
Verschlechterung des Gesundheitszustands zurückzuführen gewesen. Die Versicherte
sei die ganze Zeit niedergeschlagen, hoffnungslos, ständig gedrückter Stimmung
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(wenn auch oft dissimulierend) und sie habe Weinkrämpfe. Die mnestischen Funktionen
seien beeinträchtigt, die Versicherte könne sich nicht auf eine Aktivität/Arbeit einlassen
und sie habe keine Ausdauer. Sie habe sich sozial ganz zurückgezogen, ebenfalls aus
dem familiären Geschehen. Alles sei für sie gleichgültig und sinnlos. Sie wünsche sich
den Tod, erwäge oft den Selbstmord. Dr. med. H._ vom RAD empfahl am 8.
September 2009 eine Verlaufsbegutachtung (IV-act. 96). Die Sachverständigen der ABI
GmbH berichteten in ihrem Gutachten vom 5. März 2010 (IV-act. 103), die Versicherte
wohne zusammen mit der verheirateten Tochter, deren Ehemann und dem Enkelkind
sowie dem Sohn in einer Vierzimmerwohnung. Der Ehemann sei im April 2009 nach
Portugal zurückgekehrt. Sie lebe von der Unterstützung durch die Kinder. Im Haushalt
mache sie eigentlich nichts. Der psychiatrische Sachverständige gab an, er habe eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode ohne somatisches
Syndrom, und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert. Die
Untersuchung habe einen depressiven Zustand mit Schlafstörung, Lustlosigkeit,
bedrückter Grundstimmung und Müdigkeit gezeigt. Das Ausmass der Störung sei als
leichtgradig einzustufen. Hinweise für eine mittelschwere oder schwere depressive
Störung in der Form einer vitalen Traurigkeit, eines zirkadianen Rhythmus, einer
Suizidalität, einer Verzweiflung oder psychotischer Symptome fehlten. Gegenüber der
Vorbegutachtung ergäben sich keine veränderten Beurteilungen in der
Diagnosestellung. Die geltend gemachte Zustandsverschlechterung könne aufgrund
der objektiven Befunde nicht bestätigt werden. Im Psychostatus weise die Versicherte
sehr ähnliche Beurteilungen wie im Jahr 2007 auf. Negative Lebensereignisse seit 2007
seien nicht zu verzeichnen. Es gebe nur wenige Anhaltspunkte für eine klare krankhafte
Störung. Vielmehr überwögen unspezifische Symptome, die auf ein Nachlassen der
Kräfte und Energien ohne schwerwiegende depressiv-affektive Komponente hinwiesen.
Die Versicherte wirke energielos und müde. Ein solcher Zustand könne aber keiner
Störung gemäss der ICD-10-Klassifikation zugeordnet werden. Die aktuelle
Symptomatik werde durch die sekundären Auswirkungen einer ungeordneten
Tagesstruktur überlagert. Dieser Umstand nehme bereits eine Eigendynamik an und
wirke sich seinerseits negativ auf das Rendement der Versicherten aus. Die anhaltende
somatoforme Schmerzstörung in Komorbidität mit einer rezidivierenden leichtgradigen
depressiven Störung habe eine Arbeitsunfähigkeit von 20% zur Folge. Die
Willensanspannung sei durch die affektive Störung nur geringgradig beeinträchtigt.
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Gegen die Annahme einer mittelgradigen Depression durch die Klinik Gais spreche,
dass die Versicherte im Familienalltag integriert sei und keineswegs abseits stehe. Bei
einer mittelgradigen bis schweren Depression müsste die Versicherte offenkundige
funktionelle Defizite aufweisen. Sie zeige aber Interesse am Familienleben, kümmere
sich um das Enkelkind, fahre mit der Tochter in die Stadt, besuche eine Freundin und
mache Ferien. Akzentuierte Persönlichkeitszüge seien nicht in einem nennenswerten
Ausmass vorhanden. Die These einer Zustandsverschlechterung könne nicht gestützt
werden. Der orthopädische Sachverständige des ABI GmbH gab ein chronisches
panvertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle bei einem
altersentsprechend regelrechten radiologischen Befund der zervikalen und der
lumbalen Wirbelsäule mit freier Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte und ein
chronisches, unspezifisches, multilokuläres Schmerzsyndrom an. In Anbetracht der
äusserst diffusen Schmerzsymptomatik und des klinisch weitgehend blanden Befundes
habe er auf die Anfertigung neuer Bilddokumente verzichtet. Die angegebenen
Beschwerden liessen sich weder durch die objektivierbaren Befunde noch durch die
vorliegenden Bilddokumente begründen. Insgesamt bestünden massive Hinweise für
eine Ausweitung der Schmerzproblematik. Sämtliche körperlich leichten Tätigkeiten
unter Wechselbelastung seien zu 100% zumutbar. Abschliessend hielten die
Sachverständigen der ABI GmbH fest, die andernorts gestellte Diagnose einer
Fibromyalgie lasse sich nicht bestätigen.
A.e Die Versicherte liess am 5. Mai 2010 beantragen, es sei ihr ab 1. März 2007 eine
halbe und ab 1. November 2008 eine ganze Invalidenrente auszurichten (IV-act. 106).
Ihr Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic.iur. Michael Bührer, St. Gallen, machte geltend,
Dr. C._ behandle die Versicherte seit dem 15. November 2005. Deshalb kenne er sie
weit besser als der begutachtende Psychiater, der die Versicherte nur einmal gesehen
und dabei einen Dolmetscher benötigt habe. Dr. C._ habe in der Muttersprache mit
der Versicherten kommunizieren können. Er habe 2006 eine mittelgradige Ausprägung
der depressiven Störung und 2009 eine depressive Störung, die zwischen mittelschwer
und schwer geschwankt habe, angegeben. 2009 habe er eine Verschlechterung
festgestellt und darauf hingewiesen, dass Suizidgedanken ein Dauerthema in der
Therapie gewesen seien. Auch Dr. D._ habe als Vertrauensarzt der SWICA eine
mittelgradige depressive Episode diagnostiziert. Die Klinik Gais habe 2006 und 2008
jeweils eine mittelgradige depressive Episode ermittelt. Entgegen der Auffassung des
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psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH gebe es Hinweise auf eine
mindestens mittelschwere depressive Störung, nämlich die Selbstmordgedanken.
Ausserdem habe sich die Situation zwischen der ersten und der zweiten Begutachtung
verändert. Im ersten Gutachten sei angegeben worden, die Versicherte erledige den
Haushalt bis auf die schweren Arbeiten selbständig. Im zweiten Gutachten sei dann
festgestellt worden, dass die Versicherte im Haushalt praktisch nichts mehr mache. Im
ersten Gutachten sei festgehalten worden, die Versicherte schlafe gut. Im zweiten
Gutachten sei dann festgestellt worden, dass die Versicherte meist schlecht schlafe.
Die psychiatrische Exploration durch die Sachverständigen der ABI GmbH sei jeweils
nicht lange und nicht vertieft genug erfolgt. Die Sachverständigen hätten durch die
einmalige, kurze Momentaufnahme nur einen ersten Eindruck gewinnen können. Die
Versicherte habe sich den Sachverständigen gegenüber nicht geöffnet und die
Suizidgedanken verschwiegen. Ab 1. Januar 2005 sei von einer Arbeitsunfähigkeit von
50% und ab 30. November 2008 von einer solchen von 75% auszugehen. Die IV-Stelle
bat die Sachverständigen der ABI GmbH, sich dazu zu äussern. In der Stellungnahme
der ABI GmbH vom 21. Mai 2010 wurde ausgeführt (IV-act. 110), die Differenzen
liessen sich dadurch erklären, dass die Begutachtung ausgewogen und umfassend
erfolgt sei. Die psychische Störung sei umfassend dargestellt worden und es sei eine
Analyse der Restressourcen, der Alltagsaktivitäten und der sozialen Einflussfaktoren
erfolgt. Keine der angeführten ärztlichen Stellungnahmen enthalte eine solch
ausgewogene Darstellung. Diese Stellungnahmen fokussierten vielmehr einseitig auf
das Krankheitsbild. Dadurch sei die psychische Störung überdimensioniert
wahrgenommen und die Restressourcen seien schlicht ausgeblendet worden. Bei der
Begutachtung sei auch nach objektiven Kriterien für eine akute Suizidalität gefahndet
worden. Als solche wären frühere Suizidversuche, eine auffällige Absonderung oder ein
Abbruch der Behandlung in Frage gekommen. Solche indirekten Hinweise hätten der
Versicherten nicht nachgewiesen werden können. Auch bei Personen mit einer
leichtgradigen depressiven Störung träten passagere Gedanken des
Lebensüberdrusses auf. Dr. med. I._ und Dr. med. J._ vom RAD notierten am 14.
Juni 2010 (IV-act. 111), die beiden Gutachten wiesen die grösste Beweisdichte auf.
Deshalb sei auf eine Arbeitsfähigkeit adaptiert von 80% abzustellen. Mit einer
Verfügung vom 15. Juni 2010 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der Ver
sicherten ab (IV-act. 112).
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B.
B.a Die Versicherte liess am 17. August 2010 Beschwerde erheben und die Zusprache
einer halben Rente ab dem 1. März 2007 und einer ganzen Rente ab dem 1. November
2008 beantragen (act. G 1). Die Begründung entsprach weitgehend der Eingabe vom
5. Mai 2010. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hatte zudem eine
Stellungnahme von Dr. C._ eingeholt (act. G 1.1.4). Gemäss den Ausführungen in der
Beschwerdeschrift hatte Dr. C._ darin ausgeführt, entgegen den Angaben im zweiten
Gutachten liege keine rezidivierende depressive Störung vor, denn eine solche setze
eine weitgehende Symptomfreiheit zwischen einer früheren und der aktuellen
depressiven Episode voraus. Eine solche Symptomfreiheit sei vom Sachverständigen
anamnestisch nicht erhoben worden. Die Diagnose sei also nichtig. Dies spreche für
eine mangelhafte Kenntnis des Krankheitsbildes der Beschwerdeführerin. Die
depressive Störung schwanke zwischen mittelgradig und schwer; es habe keine
symptomfreie Episode gegeben. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hielt dazu
fest, nach der Auffassung von Dr. C._ seien die Kriterien einer mittelschweren bis
schweren depressiven Störung erfüllt. Die vom Sachverständigen der ABI GmbH
gestellte Diagnose halte also einer kritischen Würdigung nicht stand. Dass die Ärzte
des RAD die fehlende Thematisierung der Suizidalität nicht bemängelt hätten, belege
ihre Parteilichkeit.
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 11. Oktober 2010 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4). Zur Begründung machte sie insbesondere geltend, die
psychiatrischen Sachverständigen der ABI GmbH hätten sich nicht auf
Momentaufnahmen gestützt, denn sie hätten ja über die in den Akten dokumentierte
Krankengeschichte verfügt und die Beurteilungen durch die behandelnden Ärzte
gekannt. Behandelnde Ärzte neigten dazu, die Angaben ihrer Patienten als objektiv zu
betrachten. Demgegenüber prüfe ein unabhängiger Gutachter die Angaben des
Exploranden stets auf deren Plausibilität. Die Angaben der behandelnden Ärzte wiesen
keine objektiven Aspekte auf, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben
wären. Die Komorbidität in der Form einer leichten depressiven Episode sei nicht
relevant, da es sich nicht um ein selbständiges psychisches Leiden erheblichen
Ausmasses handle. Andere relevante Kriterien seien nicht gegeben. Deshalb sei von
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einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer der Behinderung angepassten
Erwerbstätigkeit auszugehen.
B.c Die Beschwerdeführerin liess am 4. November 2010 einwenden (act. G 6),
verschiedene Indizien sprächen gegen die Zuverlässigkeit der Gutachter, nämlich der
Widerspruch zu den Angaben von Dr. C._ sowie der anderen Ärzte betreffend die
Einstufung der depressiven Störung als leicht, die nachweislich falsche Behauptung,
dass Hinweise auf eine mittelschwere oder sogar schwere depressive Störung fehlten,
sowie Missachtung verschiedener Indizien für eine Änderung des Gesundheitszustands
nach der ersten Begutachtung. Dr. D._ habe die Beschwerdeführerin nicht als
Therapeut untersucht. Da eine mindestens mittelgradige depressive Störung vorliege,
komme die "Überwindbarkeitspraxis" nicht zur Anwendung. Die Beschwerdegegnerin
könne nicht erklären, weshalb sie die Suizidalität übersehen habe, obwohl ihr doch
angeblich das gesammelte Wissen über die Beschwerdeführerin zur Verfügung
gestanden habe.
B.d Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 12. November 2010 auf eine Duplik (act.
G 8).

Erwägungen:
1.
Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer zu mindestens 40% invalid ist (Art. 28 Abs. 2
IVG). Gemäss Art. 16 ATSG ist zur Bemessung des Invaliditätsgrades das Einkommen,
das die versicherte Person nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung
der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung zu setzen zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen).
1.1 Das ausschlaggebende Element der Bemessung des zumutbaren
Invalideneinkommens - und damit indirekt des Invaliditätsgrades - ist in aller Regel der
Grad der verbliebenen Arbeitsfähigkeit, so dass dessen Bemessung normalerweise den
ersten Schritt bei der Ermittlung des massgebenden Sachverhalts bildet. Als
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Versandmitarbeiterin ist die Beschwerdeführerin seit dem 1. Januar 2006 zu 50%
arbeitsunfähig. Nach der vor dem Inkrafttreten der 5. IV-Revision am 1. Januar 2008
massgebenden Regelung des Rentenbeginns (aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG) wäre also ein
Rentenanspruch ab Januar 2007 (Ablauf des Wartejahres) zu prüfen. Die aktuelle
Regelung (Art. 29 Abs. 1 IVG) liesse einen Rentenanspruch erst ab dem 1. Februar
2007 zu, da die Anmeldung zum Leistungsbezug erst im September 2006 eingereicht
worden ist und der Rentenanspruch erst sechs Monate nach diesem Zeitpunkt
entstehen könnte. Die massgebende Übergangslösung zur 5. IV-Revision (vgl. das IV-
Rundschreiben Nr. 253 des Bundesamtes für Sozialversicherungen) sieht für solche
Fälle - als Ausnahme von der geltenden Regelung in Art. 29 Abs. 1 IVG - die weitere
Anwendbarkeit des an sich aufgehobenen Rechts, hier also des aArt. 29 Abs. 1 lit. b
IVG, vor. Zur Diskussion steht deshalb ein möglicher Rentenanspruch ab dem Moment
des Ablaufs des sogenannten Wartejahres, d.h. ab 1. Januar 2007.
1.2
1.2.1 Aus rein somatischer Sicht hat die Beschwerdeführerin nach der
übereinstimmenden Einschätzung aller beteiligten medizinischen Fachpersonen in einer
der Behinderung angepassten Erwerbstätigkeit keine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in Kauf zu nehmen. Eine allfällige invaliditätsrelevante
Arbeitsunfähigkeit wäre also allein auf den psychischen Gesundheitszustand
zurückzuführen. Dr. D._ und die Klinik Gais haben bereits im April und Juni 2006 die
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung begleitet von einer
Depression bzw. einer Erschöpfungsdepression gestellt. Erst Dr. C._ hat im Oktober
2006 die depressive Störung ausdrücklich als mittelgradig qualifiziert. Im ersten
Gutachten der ABI GmbH vom November 2007 ist die Diagnose einer die anhaltende
somatoforme Schmerzstörung begleitenden Depression grundsätzlich bestätigt
worden. Allerdings ist der Schweregrad dieser Krankheit deutlich geringer eingeschätzt
worden. Dr. C._ hat die Qualifikation der Depression als mittelgradig mit einem
schwankenden psychopathologischen Zustand mit Angst, Nervosität, Agitiertheit,
Schlaflosigkeit und andauernder Müdigkeit begründet. Dem psychiatrischen
Sachverständigen der ABI GmbH hat sich ein anderer psychischer Gesundheitszustand
dargeboten. Ihm hat die Beschwerdeführerin angegeben, sie leide zwar unter leichten
Einschlafstörungen, könne aber gut schlafen. Sie erledige den Haushalt selbständig,
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soweit ihr das körperlich möglich sei. Die Beziehungen zu den Familienangehörigen
seien gut. Sie lese und sehe fern, ohne in ihrer Konzentrationsfähigkeit eingeschränkt
zu sein. Sie treffe sich mit Kolleginnen, freue sich auf das erste Enkelkind und habe vor,
dieses in den ersten drei Monaten nach der Geburt zu betreuen. Das war offenkundig
nicht das Bild einer mittelgradig depressiven Person, die das Interesse und die Freude
an Aktivitäten verloren hat, welche normalerweise angenehm sind, in ihrem Antrieb
vermindert und gesteigert ermüdbar ist, das Selbstvertrauen oder das Selbstwertgefühl
verloren hat, sich unbegründete Selbstvorwürfe macht oder ausgeprägte,
unangemessene Schuldgefühle hat, immer wieder an den Tod oder an einen Suizid
denkt, im Konzentrations- oder Denkvermögen vermindert ist, über Unschlüssigkeit
oder Unentschlossenheit klagt, psychosomatisch agitiert ist, Schlafstörungen hat oder
an einem Appetitverlust leidet (vgl. den von der Weltgesundheitsorganisation
herausgegebenen Taschenführer zur ICD-Klassifikation psychischer Störungen, 5. A.,
S. 135 f.). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hat sinngemäss geltend
gemacht, diese habe sich dem psychiatrischen Sachverständigen nicht geöffnet und
ihm deshalb einen psychischen Gesundheitszustand geschildert, der nicht mit der
Realität übereingestimmt, sondern die Situation viel zu positiv dargestellt habe. Diese
Behauptung vermag nicht zu überzeugen, denn die Beschwerdeführerin hätte in
diesem Fall zwar vielleicht angegeben, sie schlafe gut, besorge den Haushalt
selbständig und habe eine gute Beziehung zu den Familienangehörigen. Sie hätte aber
nicht angegeben, sie lese und sehe fern, ohne dabei in ihrer Konzentrationsfähigkeit
eingeschränkt zu sein, sie treffe sich regelmässig mit Kolleginnen im Schrebergarten,
sie freue sich auf das Enkelkind und werde es in den ersten Monaten betreuen, wenn
das nicht wahr gewesen wäre. Hätte die Beschwerdeführerin tatsächlich versucht,
einen schlechten psychischen Gesundheitszustand vor dem psychiatrischen
Sachverständigen zu "verstecken", so hätte sie tendenziell eher wenige und pauschale
Angaben gemacht, d.h. sie hätte keine Details geschildert. Gerade das hat sie aber
getan, was für die Richtigkeit ihrer Angaben spricht. Diese Angaben wiederum
sprechen gegen eine mittelgradige Depression, denn in einem solchen Zustand wäre
es der Beschwerdeführerin beispielsweise nicht möglich gewesen, sich auf das
Enkelkind zu freuen und es in den ersten Monaten zu betreuen, um der Tochter den
Ausbildungsabschluss zu ermöglichen. Die abweichende Einschätzung der Schwere
der Depression lässt sich nicht mit einem schwankenden Zustand erklären, denn weder
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der Bericht von Dr. D._ noch derjenige der Klinik Gais lassen auf eine damals noch
vorliegende effektiv mittelgradige Depression schliessen.
1.2.2 Dasselbe gilt für die Zeit nach der ersten Begutachtung, denn die Stellen
vermittlungsbemühungen durch die Beschwerdegegnerin wären bei einer
mittelgradigen Depression als offensichtlich aussichtslos nie aufgenommen oder auf
jeden Fall sofort wieder eingestellt worden. Dass die Eingliederungsberatung der
Beschwerdegegnerin keine Veranlassung zu einem solchen Verhalten gesehen hat,
spricht gegen eine mittelgradige und für eine leichtgradige Ausprägung der Depression.
Dasselbe gilt für die beiden Standortberichte der G._. Dort ist die
Beschwerdeführerin als Person geschildert worden, die fröhlich sei und positiv denke,
die gut mit ihrer Krankheit zurechtkomme, die dem Team gegenüber offen sei, die gern
in der Institution arbeite und die dazu den zu Fuss zurückzulegenden Arbeitsweg (je 30
Min.) gern in Kauf nehme. Auch hier gilt, dass die Beschwerdeführerin, wäre sie in
diesem Zeitraum mittelgradig depressiv gewesen, nicht den geschilderten Eindruck
hätte machen können. Den beiden Standortberichten kann nicht der Vorwurf gemacht
werden, sie beruhten auf nicht aussagekräftigen "Momentaufnahmen". Im zweiten
Standortbericht hat die G._ wieder angegeben, die Beschwerdeführerin sei fröhlich
und sie scheine die Abwechslung zu geniessen, auch wenn sie sich gemäss den
Angaben der Tochter zuhause in ihrem Zimmer "verkrieche". Gegenüber der
Eingliederungsberatung der Beschwerdegegnerin hat die Beschwerdeführerin die
Aufgabe des Einsatzprogramms mit der Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes
begründet. Gemeint haben kann sie damit aber nicht ihren psychischen
Gesundheitszustand, sondern die subjektiv empfundenen Schmerzen. Die
Entscheidung, nicht mehr im G._ tätig zu sein und auch keiner anderen Tätigkeit
nachzugehen, beruht also nur auf einer subjektiv empfundenen Verschlechterung.
Darin kann kein Indiz für eine Zunahme der Depression erblickt werden. Im Sommer
2009 hat Dr. C._ Symptome geschildert, die tatsächlich für eine zumindest
mittelgradige Depression sprechen würden, nämlich insbesondere dass die
Beschwerdeführerin sich sozial - auch vom Familiengeschehen - ganz zurückgezogen
habe, sich den Tod wünsche und oft den Selbstmord als die beste Lösung für alle
erwäge (was zum Dauerthema der Therapie geworden sei). Die Beschwerdeführerin
dissimuliere ihren Zustand oft. Dr. C._ hat daraus auf eine noch höhere
Arbeitsunfähigkeit von 75% geschlossen. Nur wenige Monate nach diesem Bericht von
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Dr. C._ ist die Beschwerdeführerin zum zweiten Mal durch einen Sachverständigen
der ABI GmbH psychiatrisch abgeklärt worden. Erneut sind keine Symptome
festgestellt worden, die auf eine mittelgradige depressive Episode hätten schliessen
lassen. Die Angaben der Beschwerdeführerin haben erneut nur die Diagnose einer die
somatoforme Schmerzstörung begleitenden leichten depressiven Episode zugelassen.
Dass möglicherweise zu Unrecht von einer rezidivierenden Störung gesprochen
worden ist, wie Dr. C._ geltend gemacht hat, ist für die Schwere der Störung und
damit für das Ausmass der durch sie bewirkten Arbeitsunfähigkeit irrelevant. Geht man
davon aus, dass die erste Begutachtung ein korrektes Ergebnis geliefert hat, was sich
mit den Angaben der G._ deckt, so muss auch davon ausgegangen werden, dass die
Beschwerdeführerin dem Sachverständigen der ABI GmbH ihre effektive psychische
Situation geschildert hat, als sie ihm angegeben hat, sie sehe fern, lese und stricke ab
und zu kleine Tischdecken, sie gehe mit ihrer Tochter zum Einkaufen in die Stadt, sie
verbringe den Abend mit der Familie, sie habe eine gute Beziehung zum Enkelkind, sie
habe regelmässigen Kontakt mit einer portugiesischen Freundin und sie habe 2009
zwei Wochen Ferien im eigenen Haus in Portugal verbracht. Hätte die Beschwerde
führerin, wie Dr. C._ unterstellt, nur versucht, eine sehr schlechte psychische
Gesundheitssituation zu dissimulieren, so hätte sie erfahrungsgemäss mit einer
gewissen Stereotypie nur negative Umstände dargestellt, ohne diese mit Details
auszuschmücken. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Beschwerdeführerin hat eine
wenig beeinträchtigte psychische Situation mit einer Fülle von Details geschildert. Dies
spricht gegen den von Dr. C._ behaupteten völligen sozialen Rückzug sogar
innerhalb der Familie, gegen einen Todeswunsch oder Suizidgedanken, gegen
erhebliche Konzentrationsschwierigkeiten usw. Unter diesen Umständen vermag seine
Einschätzung der Schwere der Depression und des Arbeitsunfähigkeitsgrades keine
ernsthaften Zweifel an der Richtigkeit der Einschätzung durch die Sachverständigen
des ABI zu wecken.
1.2.3 Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin kann nicht davon
ausgegangen werden, dass die Kombination einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung mit einer leichten Depression nie eine Arbeitsunfähigkeit bewirken
könne. Symptom der somatoformen Schmerzstörung ist ein andauernder, schwerer
und quälender Schmerz (vgl. Weltgesundheitsorganisation, a.a.O., S. 195).
Schmerzempfindungen können selbstverständlich durch eine zumutbare
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Willensanstrengung nicht im eigentlichen Wortsinn überwunden werden, denn das
willensmässige "Zum-Verschwinden-Bringen" der Schmerzempfindungen käme einer
Selbstheilung gleich. Durch eine Willensanstrengung überwindbar sind also nicht die
Schmerzempfindungen, sondern nur die durch sie ausgelöste subjektive Überzeugung,
schmerzbedingt keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen zu können. Es ist bis zu
einem gewissen Mass objektiv zumutbar, trotz Schmerzempfindungen zu arbeiten. Die
Symptome einer depressiven Episode sind nicht nur vielfältiger als diejenigen einer
somatoformen Schmerzstörung (vgl. Weltgesundheitsorganisation, a.a.O., S. 132 f.),
sondern teilweise auch von anderer Qualität. Dazu gehören folgende Symptome:
Antriebs- und Aktivitätsminderung, Beeinträchtigung von Interesse und Konzentration,
ausgeprägte Müdigkeit nach kleinsten Anstrengungen, Beeinträchtigung des
Selbstwertgefühls und des Selbstvertrauens, deutliche psychosomatische Hemmung,
Agitiertheit. Diese Symptome sind geeignet, die Arbeitsfähigkeit objektiv
herabzusetzen, denn anders als die Schmerzempfindung
können sie nicht durch eine Willensanstrengung "umgangen", d.h. einfach nicht zur
Kenntnis genommen werden. Es nützt nichts, wenn eine depressive Person "die Zähne
zusammenbeisst", um konzentriert, interessiert, ohne vorzeitig zu ermüden etc. zu
arbeiten, denn diese Eigenschaften können nicht durch eine Willensanstrengung
erzwungen werden, wenn sie krankheitsbedingt fehlen. Andernfalls käme es zu einer
(teilweisen) willensmässigen Selbstheilung von einer depressiven Episode. Weist eine
leicht depressive Person Symptome auf, die sich negativ auf die Leistungsfähigkeit im
Erwerb auswirken, so hat dies also eine entsprechende Arbeitsunfähigkeit zur Folge.
Insbesondere anlässlich der zweiten Begutachtung ist dem psychiatrischen
Sachverständigen der ABI GmbH durchaus bewusst gewesen, dass die Auswirkungen
der psychischen Beeinträchtigung auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
unter Berücksichtigung einer zumutbaren Willensanstrengung zur Erwerbstätigkeit trotz
der Krankheitsfolgen zu beurteilen sind. Er hat trotzdem eine Arbeitsunfähigkeit von
20% angegeben. Auf diese Einschätzung ist abzustellen.
1.3 Die Beschwerdeführerin ist also in der Lage, zu 80% einer adaptierten Hilfsarbeit
nachzugehen. Im massgebenden Jahr 2007 hat eine Hilfsarbeiterin durchschnittlich
(Zentralwert) Fr. 51'047.-- verdient (vgl. Anhang 2 der von der Informationsstelle AHV/IV
herausgegebenen Textausgabe IVG). Bei einem Arbeits- bzw. Beschäftigungsgrad von
80% entspricht das einem Einkommen von Fr. 40'838.--. Als in ihrer psychischen
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Gesundheit beeinträchtigte Arbeitnehmerin hätte die Beschwerdeführerin erhebliche
Nachteile gegenüber gesunden Arbeitnehmerinnen mit einem Beschäftigungsgrad von
80% in Kauf zu nehmen, denn aus der Sicht eines potentiellen Arbeitgebers böte sie
schwerwiegende Nachteile wie etwa die Gefahr überproportionaler Krankheitsabsenzen
oder von Tag zu Tag schwankender Leistung, die Unfähigkeit, bei Bedarf Überstunden
zu leisten bzw. den Beschäftigungsgrad auf mehr als 80% anzuheben, die Unfähigkeit,
bei Bedarf an einem nicht adaptierten Arbeitsplatz tätig zu sein, oder die Notwendigkeit
besonderer Rücksichtnahme seitens der Vorgesetzten und der Arbeitskollegen. Diese
Nachteile rechtfertigen ermessensweise einen zusätzlichen Abzug vom
Durchschnittslohn von 15%. Das zumutbare Invalideneinkommen beträgt somit
34'712.--. Als Versandmitarbeiterin hat die Beschwerdeführerin bis 2006 einen
erheblich unterdurchschnittlichen Verdienst erzielt. Wäre sie gesund geblieben und
hätte ihr ein anderer Arbeitgeber damals eine durchschnittlich entlöhnte Arbeitsstelle
angeboten, so hätte sie mit grosser Wahrscheinlichkeit den Arbeitsplatz gewechselt.
Die Validenkarriere richtet sich deshalb nicht nach dem - wohl rein arbeitsmarktbedingt
gewählten - letzten Arbeitsplatz im Versandhandel, sondern nach einer
durchschnittlichen Hilfsarbeit. Dem zumutbaren Invalideneinkommen ist deshalb ein
Valideneinkommen in der Höhe des Durchschnittseinkommens 2007, also von Fr.
51'047.-- gegenüberzustellen. Die behinderungsbedingte Erwerbseinbusse von Fr.
16'335.-- entspricht einem Invaliditätsgrad von 32%. Die Beschwerdegegnerin hat
demnach im Ergebnis zu Recht einen Rentenanspruch verneint.
2.
Da kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht, ist die Beschwerde abzuweisen. Die
unterliegende Beschwerdeführerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung
(Art. 61 lit. g Satz 1 ATSG), so dass auch das entsprechende Begehren abzuweisen ist.
Das Beschwerdeverfahren in IV-Sachen ist kostenpflichtig. Die Höhe der
Gerichtsgebühr richtet sich nach dem Verfahrensaufwand (Art. 69 Abs. 1 IVG). Der
konkrete Verfahrensaufwand ist als durchschnittlich zu werten, was praxisgemäss eine
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- rechtfertigt. Die unterliegende Beschwerdeführerin hat
für diese Kosten aufzukommen. Die Gerichtsgebühr ist durch den von ihr geleisteten
Kostenvorschuss von Fr. 600.-- gedeckt.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
bis
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im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP