Decision ID: a1774134-49ec-4d16-96a9-67ab3215e0a3
Year: 2019
Language: de
Court: BE_VB
Chamber: BE_VB_006
Canton: BE
Region: Espace_Mittelland
Law Area: public_law

Sachverhalt
A.
Die Ehegatten A. _ kauften mit öffentlich beurkundetem Vertrag vom
9. April 2015 das Grundstück D. _ Gbbl. Nr. 1000 zu Gesamteigentum als
einfache Gesellschaft mit internen Anteilen zu je 1⁄2. Am 20. April 2015 stellten die
Ehegatten A. _ beim zuständigen Grundbuchamt C. _ (nachfolgend:
Grundbuchamt) ein Gesuch um nachträgliche Steuerbefreiung und Stundung der
Handänderungssteuer für selbstgenutztes Wohneigentum.
Mit Verfügung vom 27. April 2015 veranlagte das Grundbuchamt die
Handänderungssteuer in der Höhe von Fr. 20'160.– und stundete die Steuer im
Umfang von Fr. 14‘400.– für eine Dauer von drei Jahren ab dem Datum des
Grundstückserwerbs. Für die gestundete Handänderungssteuer wurde ein
gesetzliches Grundpfandrecht errichtet und im Grundbuch eingetragen.
B.
Die Ehegatten A. _ bezogen am 18. Mai 2015 mit ihren Kindern ihr Haus
an der E._-Strasse 3. Im August 2015 vermieteten sie zwei Zimmer im
Kellergeschoss an eine Drittperson für die Dauer eines Jahres. Nach Ablauf
dieses Mietverhältnisses bezog eine weitere Person diese Räumlichkeiten.
Mit Eingabe vom 2. Juni 2017 reichten die Ehegatten A. _ beim
Grundbuchamt den Nachweis des selbstgenutzten Wohneigentums ein und
legten ihm zwei Wohnsitzbestätigungen bei, ausgestellt durch die
Einwohnergemeinde D. _. Gemäss diesen haben die Ehegatten A. _
am 18. Mai 2015 ihren Wohnsitz in der erworbenen Liegenschaft begründet.
Mit Verfügung vom 18. Juli 2017 hob das Grundbuchamt die
Stundungsverfügung vom 27. April 2015 auf und legte den Ehegatten A. _
die gestundete Handänderungssteuer von Fr. 14‘400.– samt Zins und Gebühren
zur Bezahlung auf. Zur Begründung wies es darauf hin, dass die Ehegatten A.
_, ihre Liegenschaft im entscheidenden Zeitraum nicht alleine bewohnt,
sondern Räumlichkeiten im Keller an Dritte vermietet hätten.
C.
Gegen die Verfügung des Grundbuchamts vom 18. Juli 2017 reichten die
Ehegatten A. _ am 17. August 2017 Einsprache beim Grundbuchamt ein
mit den Anträgen, die Verfügung sei aufzuheben, das Gesuch vom 20. April 2015
sei gutzuheissen, die nachträgliche Steuerbefreiung sei zu verfügen und das
bestehende Grundpfandrecht sei zu löschen.
Nach einem Meinungsaustausch über die Zuständigkeit gemäss Art. 4 des
Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG
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155.21) teilte das Grundbuchamt den Ehegatten A. _ mit Schreiben vom
24. Oktober 2017 mit, dass es die Sache zuständigkeitshalber an die Justiz-,
Gemeinde- und Kirchendirektion (nachfolgend JGK) zur Behandlung als
Beschwerde weiterleiten werde. Mit Verfügung vom 24. November 2017 nimmt
die JGK die Einsprache als Beschwerde an die Hand.
In der Vernehmlassung vom 5. Dezember 2017 beantragt das Grundbuchamt C.
_ die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolge.
Auf den Schriftenwechsel wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den

nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
Die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion zieht in Erwägung:
1.
1.1 Nach Art. 26 Abs. 1 des Gesetzes vom 18. März 1992 betreffend die
Handänderungssteuer (HG; BSG 215.326.2) richtet sich das
Rechtsmittelverfahren nach den Bestimmungen des VRPG. Art. 27 HG enthält für
Verfügungen der Grundbuchämter über die nachträgliche Steuerbefreiung keine
Rechtspflegebestimmungen. In Anwendung von Art. 62 Abs. 1 Bst. a VRPG
beurteilt die JGK Verfügungen der Grundbuchämter. Die JGK ist damit für die
Beurteilung des vorliegend als Einsprache bezeichneten Rechtsmittels gegen die
Verfügung des Grundbuchamtes vom 18. Juli 2017 zuständig.
1.2 Zur Beschwerdeführung ist befugt, wer vor der Vorinstanz am Verfahren
teilgenommen hat, durch die angefochtene Verfügung besonders berührt ist und
ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung hat (Art. 65
Abs. 1 VRPG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Eingabe ist
daher einzutreten. Sie wird als Beschwerde behandelt.
2.
Beim Erwerb eines Grundstücks ist dem Kanton Bern grundsätzlich eine
Handänderungssteuer zu entrichten (Art. 1 i.V.m. 4 und 5 HG). Die Steuer wird
vom Grundbuchamt aufgrund der Selbstdeklaration der steuerpflichtigen Person
und der bei der Grundbuchanmeldung eingereichten Ausweise veranlagt (Art. 16
und 17 Abs. 1 HG).
Gestützt auf Art. 11a Abs. 1 HG kann die Erwerberin oder der Erwerber eines
Grundstücks bei der Grundbuchanmeldung ein Gesuch um eine nachträgliche
Steuerbefreiung stellen, wenn sie oder er das Grundstück als Hauptwohnsitz
nutzen will. Erscheint das Gesuch nicht von vornherein aussichtslos, stundet das
Grundbuchamt die Handänderungssteuer auf den ersten Fr. 800‘000.– der
Gegenleistung für den Erwerb des Grundstücks für maximal vier Jahre ab
Grundstückserwerb (Art. 11a Abs. 2 und 3 i.V.m. Art. 17 Abs. 2 HG).
Die gestundete Steuer wird nicht erhoben, wenn das Grundstück der Erwerberin
oder dem Erwerber als Hauptwohnsitz dient und von dieser oder diesem
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während mindestens zweier Jahre ununterbrochen, persönlich und
ausschliesslich zum Wohnzweck genutzt wird (Art. 11b Abs. 1 HG). Dabei muss
der Hauptwohnsitz innert einem Jahr ab Grundstückserwerb in der
entsprechenden Baute begründet werden, wenn diese bereits besteht. Die
Erwerberin oder der Erwerber hat gegenüber dem Grundbuchamt vor Ablauf der
Stundung unaufgefordert den Nachweis zu erbringen, dass alle Voraussetzungen
zur Steuerbefreiung gemäss Art. 11b HG erfüllt sind oder zum Zeitpunkt des
Ablaufs der Stundung erfüllt sein werden (Art. 17a Abs. 1 HG). Sind die
Voraussetzungen zur Steuerbefreiung erfüllt, heisst das Grundbuchamt das
Gesuch um eine nachträgliche Steuerbefreiung gut (Art. 17a Abs. 2 HG). Kommt
das Grundbuchamt zum Schluss, dass die Voraussetzungen zur Steuerbefreiung
nicht erfüllt sind, weist es das Gesuch ab und hebt die Stundung auf (Art. 17a
Abs. 3 HG).
3.
3.1 Angefochten ist vorliegend die Verfügung des Grundbuchamtes vom
18. Juli 2017, worin dieses das Gesuch der Beschwerdeführende um
nachträgliche Steuerbefreiung vom 20. April 2015 abwies. Zur Begründung führte
das Grundbuchamt an, die Voraussetzungen zur nachträglichen Steuerbefreiung
seien nicht erfüllt, weil das Haus der Beschwerdeführenden nicht ausschliesslich
als Hauptwohnsitz gedient habe. Diese Voraussetzung gelte nur als erfüllt, wenn
das Haus nicht durch weitere, dem Haushalt nicht angehörige Personen genutzt
werde.
3.2 Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführenden eine räumlich abgetrennte
Wohneinheit im Keller der Liegenschaft seit August 2015 an Dritte vermieten.
Die Beschwerdeführenden machen in ihrer Beschwerde im Wesentlichen
geltend, die angefochtene Verfügung basiere auf dem „Merkblatt der
Geschäftsleitung der Grundbuchämter betreffend nachträglicher Steuerbefreiung
gemäss Artikel 11a und 17a des Gesetzes betreffend die Handänderungssteuer
(HG)“ vom 9. Februar 2016, mit Ergänzungen vom 5. Februar 2019 (nachfolgend:
Merkblatt der Grundbuchämter). Dieses Merkblatt sei als Verwaltungsverordnung
einzustufen und stelle damit kein Gesetz im formellen Sinne dar. Deshalb
könnten darauf gestützt auch keine verwaltungsrechtlichen Verhältnisse geregelt
werden. Der Begriff der Ausschliesslichkeit nach Art. 11b Abs. 1 HG sei allein auf
Basis der gesetzlichen Grundlage auszulegen. Das Merkblatt enthalte eine
unzutreffende Auslegung der oben zitierten Bestimmungen.
Eine grammatikalische Auslegung der einschlägigen Bestimmung ergebe
sodann, dass sich „ausschliesslich“ nicht auf den Hauptwohnsitz oder die
persönliche Nutzung, sondern auf den Wohnzweck beziehe. Dies verdeutliche
insbesondere der französische Gesetzestext von Art. 11b Abs. 1 HG. Die
restriktive Auslegung durch das Grundbuchamt sei weiter eine Folge einer
unzulässigen Übernahme der solothurnischen Steuerpraxis. Auch eine
historische Auslegung der Bestimmung auf Basis des Vortrags der
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vorberatenden Kommission des Grossen Rates für die Initiative «Schluss mit
gesetzlicher Verteuerung der Wohnkosten für Mieter und Eigentümer» zur
Änderung des Gesetzes über die Handänderungssteuer (HG) (direkter
Gegenvorschlag zur Initiative «Schluss mit gesetzlicher Verteuerung der
Wohnkosten für Mieter und Eigentümer», Tagblatt des Grossen Rates des
Kantons Bern 2013/3, Beilage 17; nachfolgend: “Vortrag der Kommission”) und
der damit zusammenhängenden Medienmitteilung des Grossen Rates führe in
ihrem Fall zu einer nachträglichen Steuerbefreiung.
3.3 Das Grundbuchamt hält dem entgegen, dass sich die Verfügung entgegen
der Meinung der Beschwerdeführenden nicht etwa auf das von ihnen erwähnte
Merkblatt der Grundbuchämter, sondern unmittelbar auf das Gesetz stütze. Das
Merkblatt gebe ohnehin lediglich die auf Art. 11b HG gestützten Auslegungen
wieder und bewege sich damit innerhalb der für Verwaltungsverordnungen
geltenden Grenzen. Damit sei auch unerheblich, dass das Merkblatt erst anfangs
2016 und damit nach dem Einzug der ersten Mieterin publiziert worden sei.
Weiter weist das Grundbuchamt darauf hin, dass eine nachträgliche
Steuerbefreiung nur möglich sei, wenn das Grundstück einzig von den Erwerbern
und zu deren Haushalt gehörenden Personen als Hauptwohnsitz genutzt werde.
Durch die Vermietung der Räumlichkeiten im Kellergeschoss während der
zweijährigen Nutzungsfrist fehle es hingegen an der Ausschliesslichkeit. Auf die
Grösse der vermieteten Fläche oder auf die Höhe des Mietzinses komme es
daher nicht an.
4.
4.1 Sowohl die Beschwerdeführenden als auch die Vorinstanz gehen
richtigerweise davon aus, dass sich die angefochtene Verfügung des
Grundbuchamtes direkt auf Art. 11b HG stützen muss und dass das Merkblatt
der Grundbuchämter keine Rechtswirkungen entfaltet.
Uneinig sind sich die Parteien hingegen, wie diese gesetzliche Bestimmung zu
verstehen ist bzw. welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit der
Tatbestand von Art. 11b Abs. 1 HG erfüllt ist. Umstritten ist dabei, ob mit dem
Satzteil «ausschliesslich zu Wohnzwecken» bzw. «exclusivement à des fins
d’habitation» eine Ausschliesslichkeit nur mit Bezug auf die Wohnnutzung oder
zusätzlich mit Bezug auf die Person der Erwerberin oder des Erwerbers erfasst
wird. Bei dieser Ausgangslage ist folglich auch zu prüfen, ob unter
«Wohnzwecken» im Sinne der Bestimmung auch eine Teilvermietung des
Hauptwohnsitzes an Dritte verstanden werden kann.
Der Sinn und Zweck einer öffentlich-rechtlichen Norm ist durch Auslegung zu
ermitteln, wenn deren Wortlaut unklar ist oder Zweifel bestehen, ob ein scheinbar
klarer Wortlaut den wahren Sinn der Norm wiedergibt
(HÄFELIN/MÜLLER /UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl., 2016,
N. 175). Ausgangspunkt jeder Auslegung ist der Wortlaut. Vom Wortlaut kann
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abgewichen werden, wenn aufgrund der weiteren Auslegungselemente triftige
Gründe für die Annahme bestehen, dass er nicht den wahren Sinn der Vorschrift
wiedergibt (BGE 143 III 646 E. 3 mit Hinweisen; BVR 2013 S. 151 E. 3.3, 2013
S. 173 E. 4.3, 2012 S. 401 E. 3.3, 2011 S. 183 E. 4.3.1 je mit Hinweisen).
4.2 Der Wortlaut von Art. 11b Abs. 1 HG lautet wie folgt: «Die gestundete
Steuer gemäss Artikel 11a Absatz 1 wird nicht erhoben, wenn das Grundstück
der Erwerberin oder dem Erwerber als Hauptwohnsitz dient. Ein Hauptwohnsitz
ist von der Erwerberin oder vom Erwerber während mindestens zweier Jahre
ununterbrochen, persönlich und ausschliesslich zum Wohnzweck zu nutzen»,
bzw. in der französischen Fassung: «Un domicile principal doit être utilisé
personnellement par l’acquéreur ou l’acquéreuse pendant au moins deux ans,
sans interruption, et exclusivement à des fins d’habitation. » Sowohl der deutsche
als auch der französische Wortlaut richten sich an die Erwerberin oder den
Erwerber des Grundstücks. Daraus lässt sich schliessen, dass die kumulativ zu
erfüllenden Voraussetzungen der Steuerbefreiung unmittelbar von diesen als
Normadressaten zu erfüllen und nicht etwa auf das Grundstück als solches zu
beziehen sind. Damit spricht bereits der Wortlaut der Bestimmung dafür, dass die
Voraussetzungen für die Steuerbefreiung nicht erfüllt sind, wenn Teile der
massgebenden Liegenschaft an Drittpersonen vermietet werden, welche dem
Haushalt der Erwerberin oder des Erwerbers nicht zugehören. Wie die
Beschwerdeführenden zwar zu Recht geltend machen, schliessen weder der
deutsche noch der französische Wortlaut eine solche Nutzung bzw.
Weitervermietung an Dritte ausdrücklich aus. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführenden kann daraus nun aber nicht geschlossen werden, dass
die Steuerbefreiung deshalb ohne Weiteres auch dann greift, wenn Teile der
Liegenschaft an Dritte vermietet werden.
4.3 So sind dem von den Beschwerdeführenden zitierten Vortrag der
Kommission auf S. 5 folgende Ausführungen zu Art. 11b Abs. 1 HG zu
entnehmen: «Der Erwerber muss das ganze Grundstück als Wohneigentum
selbst nutzen. Das bedeutet, dass der Erwerb eines Mehrfamilienhauses, in dem
der Erwerber bloss eine oder mehrere Wohnungen selbst bewohnt, nicht
steuerbefreit ist. Dasselbe gilt, wenn ein Wohn- und Geschäftshaus erworben
wird. Wohnt der Erwerber darin und vermietet er Teile desselben (Geschäfts-
und/oder Wohnräume), liegt keine vollumfängliche Selbstbewohnung vor. [...] Die
Steuerbefreiung gilt ausschliesslich für selbst bewohntes Wohneigentum, nicht
aber dann, wenn auf demselben Grundstück Geschäftsräume mitbenutzt werden
oder andere Personen (auch Angehörige) in einer anderen Wohneinheit wohnen.
Anders ist in diesen Fällen bloss zu entscheiden, wenn vor dem fraglichen
Eigentumsübergang auf dem fraglichen Grundstück Stockwerkeigentum
begründet wurde und der Erwerber eine solche Einheit vollständig selbst
bewohnt».
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Daraus ergibt sich, dass es sich bei der Vermietung einer Wohneinheit um einen
kommerziellen Zweck handelt und die Liegenschaft damit nicht ausschliesslich
Wohnzwecken im Sinne von Art. 11b Abs. 1 HG dient.
4.4 Der Sinn und Zweck der Bestimmung ist die Förderung des
selbstbewohnten Wohneigentums. Die nachträgliche Steuerbefreiung soll nach
dem eindeutigen Willen des Gesetzgebers nur denjenigen Erwerberinnen und
Erwerbern gewährt werden, die das erworbene Grundstück vollumfänglich selbst
bewohnen – oder aber eine sachenrechtliche Aufteilung durch die Bildung von
Stockwerk- oder Miteigentum vornehmen und eine solche Einheit vollständig
selbst bewohnen.
Dabei weisen die Materialien auch deutlich darauf hin, dass eine nachträgliche
sachenrechtliche Aufteilung des erworbenen Grundstücks durch die Bildung von
Stock- oder Miteigentum nach Ablauf der Einzugsfrist den Anforderungen der
Ausschliesslichkeit dieser Bestimmung nicht genügt. Im Vortrag zur
Gesetzesänderung wird gefordert, dass eine allfällige Ausscheidung sogar vor
dem fraglichen Eigentumsübergang zu erfolgen hat und nicht erst innert der
Einzugsfrist nach dem Erwerb. Werden innerhalb der zwei Jahre, in welchem das
Grundstück als Hauptwohnsitz dienen muss, Teile davon an Dritte vermietet
ohne vorgängige sachenrechtliche Ausscheidung, so sind die Voraussetzungen
für eine Steuerbefreiung nach Art. 11b Abs. 1 HG daher nicht (mehr) gegeben.
Eine rein räumliche Ausscheidung einer an Dritte vermieteten Wohneinheit
innerhalb der Einzugsfrist genügt nicht. Dabei kommt es auf die Grösse der
vermieteten Räumlichkeiten nicht an. Auch die Vermietung einer – im Vergleich
zur gesamten Liegenschaft – kleinen Fläche, führt dazu, dass die Liegenschaft
nicht mehr vollumfänglich durch die Erwerberinnen und Erwerber selbst bewohnt
wird.
4.5 Die Stundung der Handänderungssteuer und die damit in Aussicht gestellte
Befreiung wurde für das gesamte Grundstück gewährt. Da die
Beschwerdeführenden nicht die ganze Liegenschaft während mindestens zweier
Jahre ununterbrochen, persönlich und ausschliesslich zum Wohnzweck genutzt
haben, sind die Voraussetzungen zur Steuerbefreiung vorliegend nicht erfüllt.
Vor diesem Hintergrund führt auch die Argumentation der Beschwerdeführenden
ins Leere, die Auslegung von Art. 11b Abs. 1 HG durch die Vorinstanz beruhe auf
einer rechtlich nicht haltbaren Übernahme der solothurnischen Steuerpraxis.
Ihnen ist diesbezüglich lediglich entgegenzuhalten, dass der Vortrag der
Kommission auf S. 5 ausdrücklich Bezug nimmt auf die von den
Beschwerdeführenden angeführte Solothurner Regelung und darauf hinweist,
dass diese der vorberatenden Kommission als Vorbild gedient habe. Schliesslich
ist nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführenden in ihren Eingaben
auch nicht näher dargelegt, inwieweit sich aus der von ihnen angerufenen
Medienmitteilung zum Gegenvorschlag der Kommission etwas zu ihren Gunsten
ableiten lassen könnte.
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5.
5.1 Die Beschwerdeführenden rügen weiter einen Verstoss gegen das
verfassungsmässige Rechtsgleichheitsgebot. Zur Begründung führen sie im
Wesentlichen aus, die von ihnen angefochtene Praxis der Vorinstanz würde sie
gegenüber Erwerberinnen und Erwerbern gemischter Wohn- und
Geschäftshäusern schlechter stellen. Gemäss dem Beispiel in Ziff. 3.3 des
Merkblatts der Grundbuchämter seien Erwerberinnen und Erwerber solcher
Liegenschaften nach Art. 11b HG von der Handänderungssteuer befreit, wenn
unter Anwendung der Präponderanzmethode – zur Unterscheidung zwischen
Geschäfts- und Privatvermögen – feststehe, dass die private Nutzung überwiege.
Dies stelle eine sachlich nicht gerechtfertigte Unterscheidung und damit eine
unzulässige Ungleichbehandlung dar.
5.2 Wie das Grundbuchamt in seinen Eingaben zu Recht ausgeführt hat,
können die Beschwerdeführenden aus Ziffer 3.3 des Merkblattes der
Grundbuchämter nichts zu ihren Gunsten ableiten. – Die Frage, ob es tatsächlich
der Absicht des Gesetzgebers entspricht, dass auch der Erwerb von gemischt
genutzten Bauten (Wohn- und Geschäftsräume), die dem Privatvermögen
zugeordnet sind, steuerlich privilegiert wird, solange diese von der Erwerberin
oder dem Erwerber selber nur überwiegend, aber nicht ausschliesslich zu
Wohnzwecken benutzt werden, ist zwar nicht Gegenstand des vorliegenden
Verfahrens und braucht deshalb vorliegend nicht abschliessend beantwortet zu
werden. Es erscheint aber zumindest zweifelhaft, ob die von den
Beschwerdeführenden zitierte und in Ziffer 3.3 des Merkblatts der
Grundbuchämter festgehaltene Praxis mit Art. 11b HG zu vereinbaren bzw.
rechtmässig ist. So ist die Präponderanzmethode zwar unbestrittenermassen
ausschlaggebend bei der Beurteilung der Frage, ob eine Liegenschaft dem
Privat- oder dem Geschäftsvermögen anzurechnen ist. Eine andere Fragte ist
indessen, ob eine Liegenschaft auch ausschliesslich der Wohnnutzung dient und
damit die Voraussetzungen für die Steuerbefreiung nach Art. 11b HG erfüllt sind.
Wie vorstehend unter Ziffer 4 bereits ausführlich dargelegt, ist für die JGK bei der
Beurteilung der Rechtmässigkeit der angefochtenen Verfügung aber letztlich
einzig die gesetzliche Bestimmung von Art. 11b HG massgebend und nicht etwa
die zitierten, weitergehenden Erwägungen im Merkblatt der Grundbuchämter. –
Vor diesem Hintergrund gelangt die JGK zum Ergebnis, dass die
Beschwerdeführenden auch aus dem Rechtsgleichheitsgebot nichts zu ihren
Gunsten ableiten können und sich die Beschwerde damit auch in diesem Punkt
als unbegründet erweist.
5.3 Schliesslich vermögen die Beschwerdeführenden nicht darzulegen,
inwiefern sie einen Anspruch aus dem verfassungsmässigen Vertrauensschutz
geltend machen könnten. Insbesondere nicht zu überzeugen vermag ihre
Argumentation, das massgebende Merkblatt der Grundbuchämter sei erst am
9. Februar 2016 und damit nach dem Einzug ihrer ersten Mieterin publiziert
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worden. Wie vorstehend unter Erw. 4 dargelegt, entfaltet das Merkblatt der
Grundbuchämter keine Rechtswirkung. Die angefochtene Verfügung basiert
vielmehr direkt auf Art. 11b HG. Diese Bestimmung ist auf den 1. Januar 2015 in
Kraft getreten und war damit im Zeitpunkt, indem die Beschwerdeführenden ihre
Liegenschaft erworben haben, in Kraft. Nicht relevant ist schliesslich, dass sich in
diesem Zeitpunkt noch keine Praxis zu Art. 11b HG entwickelt hat, an welcher
sich die Beschwerdeführenden hätten orientieren können.
6.
Zusammenfassend gelangt die JGK zum Schluss, dass die Voraussetzungen für
die nachträgliche Steuerbefreiung nicht erfüllt sind. Dass das Grundbuchamt das
Gesuch der Beschwerdeführenden um nachträgliche Steuerbefreiung und die
Stundung aufgehoben hat, ist somit nicht zu beanstanden.
Die Beschwerde erweist sich demnach in allen Teilen als unbegründet und ist
deshalb abzuweisen.
7.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die unterliegenden
Beschwerdeführenden die entstandenen Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108
Abs. 1 VRPG). Diese sind auf pauschal Fr. 2’000.– festzulegen (Art. 19 Abs. 1
der Verordnung über die Gebühren der Kantonsverwaltung vom 22. Februar
1995 [GebV; BSG 154.21]). Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 108 Abs. 3
VRPG).
Demnach entscheidet die Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion:
1.
Die Beschwerde wird abgewiesen.
2.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens vor der Justiz-, Gemeinde- und
Kirchendirektion in der Höhe von pauschal Fr. 2’000.– werden den
Beschwerdeführenden zur Bezahlung auferlegt unter solidarischer Haftbarkeit.
Eine separate Zahlungseinladung erfolgt, sobald dieser Entscheid in Rechtskraft
erwachsen ist.