Decision ID: 96e90c4b-78a9-5fc7-a963-c9ce3c6effec
Year: 2004
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- XY. besitzt den Führerausweis der Kategorie B seit 1961 und jenen der Kategorie C
seit 1975. Im Schweizerischen Administrativmassnahme-Register ist er mit
verschiedenen Einträgen verzeichnet, die bis ins Jahr 1985 zurückgehen. Wegen
Fahrens in angetrunkenem Zustand wurde ihm der Führerausweis am 26. November
1985 für 6 und am 15. Januar 1990 für 13 Monate entzogen. Dazwischen erfolgte am
25. Januar 1989 ein Führerausweisentzug für 2 Monate wegen eines anderen
Fahrfehlers. Ein weiterer Führerausweisentzug für 6 Monate wurde am 19. Dezember
1990 wegen Geschwindigkeit (Aquaplaning) verfügt. Am 5. Juni 1991 erfolgte ein
Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit, mindestens für die Dauer von 24 Monaten,
wegen charakterlicher Nichteignung, welche Massnahme am 11. August 1993 unter
Auflagen (Alkoholabstinenz) aufgehoben wurde. Die Aufhebung dieser Auflagen erfolgte
am 6. September 1996. Wegen Alkoholabhängigkeit erfolgte am 7. März 2001 ein
weiterer Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit, mindestens für die Dauer von 12
Monaten. Nachdem das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen,
Abteilung Personenzulassung (im Folgenden: Strassenverkehrsamt), das Gesuch von
XY. um Wiedererteilung des Führerausweises mit Verfügung vom 19. März 2003
abgewiesen hatte, wurde ihm der Führerausweis nach Einholen eines
verkehrsmedizinisch-verkehrspsychologischen Gutachtens mit Verfügung vom 9.
Dezember 2003 wiedererteilt, jedoch unter weiterer Einhaltung einer fachlich betreuten,
vollständigen und strikte kontrollierten Alkoholabstinenz. Da XY. diese Auflage in der
Folge nur ungenügend einhielt, musste er am 23. März 2004 vom Strassenverkehrsamt
ermahnt werden.
B.- Nachdem XY. die Auflage der Alkoholabstinenz weiterhin nicht korrekt eingehalten
hatte, ordnete das Strassenverkehrsamt mit Zwischenverfügung vom 25. Mai 2004 eine
spezialärztliche Untersuchung beim Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St.
Gallen an. Im verkehrsmedizinischen Gutachten vom 6. Juli 2004 gelangte Dr.med. A.B.
nach Rücksprache mit dem Verkehrspsychologen zum Schluss, dass eine weitere
Befürwortung der Fahreignung von XY. ohne engmaschige, mit Antabus kontrollierte
und betreute Alkoholabstinenz nicht möglich sei. Mit Schreiben vom 21. Juli 2004
machte das Strassenverkehrsamt XY. erneut darauf aufmerksam, dass er die
Abstinenzauflage strikte und lückenlos einzuhalten habe. Sollte es wieder zu
Unregelmässigkeiten kommen, müsste er erneut mit einem Führerausweisentzug
rechnen. Am 13. August 2004 forderte das Strassenverkehrsamt XY. ein letztes Mal
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auf, die Auflagen gemäss Verfügung und Informationsblatt strikte einzuhalten.
Nachdem der Hausarzt dem Strassenverkehrsamt am 1. Oktober 2004 mitgeteilt hatte,
dass XY. letztmals am 20. April 2004 kontrolliert worden sei und sich seither nicht mehr
gemeldet habe, verfügte das Amt am 5. Oktober 2004 einen vorsorglichen
Führerausweisentzug, indem es ihm das Führen von Motorfahrzeugen aller Kategorien
sowie aller Unter- und Spezialkategorien (inkl. Mofa) ab sofort vorsorglich verbot.
Einem allfälligen Rekurs wurde zudem die aufschiebende Wirkung entzogen.
C.- Gegen den verfügten vorsorglichen Führerausweisentzug legte XY. mit Eingabe
vom 12. Oktober 2004 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission ein und ersuchte
um Fristansetzung für Antragstellung und Begründung. Mit Rekursergänzung seines
inzwischen beigezogenen Vertreters vom 21. Oktobers 2004 stellte XY. den Antrag,
dem Rekurs sei aufschiebende Wirkung zu erteilen und der Führerausweis sei für
maximal einen Monat zu entziehen. Zur Begründung machte der Vertreter geltend, der
Rekurrent sei Lastwagenfahrer und führe vor allem internationale Transporte durch.
Diese Fahrten erfolgten von Montag bis Freitagabend. Deshalb hätten die
angeordneten Blastests nicht durchgeführt werden können. Ebenso würden Blutproben
beim Hausarzt am Samstag nicht mehr durchgeführt. Aus diesem Grund könne dem
Rekurrenten wegen angeblicher unregelmässiger Kontrollen kein Vorwurf gemacht
werden. Davon abgesehen wäre der Rekurrent ohne Führerausweis arbeitslos und
würde als 62-jähriger Mann keine Stelle mehr finden. Aus diesem Grund erscheine ein
einmonatiger Führerausweisentzug und die Wiedererteilung der Fahrbewilligung mit
Auflagen als angemessen.
D.- Mit Vermerk vom 9. November 2004 verzichtete das Strassenverkehrsamt auf die
Einreichung einer Vernehmlassung.
E.- Nach Erlass der vorinstanzlichen Verfügung ging am 21. Oktober 2004 beim
Strassenverkehrsamt der Bericht des Blauen Kreuzes vom 19. Oktober 2004 ein,
wonach XY. in der Zeit vom 16. Juli bis 12. Oktober 2004 nur dreimal zur
Alkoholkontrolle erschienen sei, wobei alle Kontrollen negativ ausgefallen seien.

Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Der Präsident der
Abteilung IV der Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die
Befugnis zur Rechtsmittelerhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 12. Oktober 2004
samt Ergänzung vom 21. Oktober 2004 ist rechtzeitig eingereicht worden und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 24 Abs. 1 des
Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG; Art. 41 lit. e, 44, 45, 47 und 48
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf das
Rechtsmittel ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent erachtet den von der Vorinstanz verfügten vorsorglichen
Führerausweisentzug als eine unverhältnismässige Massnahme und will ihn durch
einen Führerausweisentzug für die Dauer von einem Monat ersetzen. Er bestreitet mit
anderen Worten, dass die Voraussetzungen für einen vorsorglichen
Führerausweisentzug gegeben seien.
a) Ausweise und Bewilligungen sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 SVG). Dies ist der Fall, wenn der Fahrzeuglenker aus gesundheitlichen Gründen,
wegen Alkohol-, Drogen- oder Medikamentensucht oder aus charakterlichen Gründen
zum Lenken eines Fahrzeuges nicht geeignet ist (Art. 14 Abs. 2 lit. b, c und d SVG).
Gemäss Art. 35 Abs. 3 der Verordnung über die Zulassung von Personen und
Fahrzeugen zum Strassenverkehr (SR 741.51, abgekürzt: VZV) kann der Führerausweis
bis zur Abklärung von Ausschlussgründen sofort vorsorglich entzogen werden. Diese
Art des Entzuges dient der vorsorglichen Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten
Führern: Bestehen ernsthafte Bedenken über die Eignung eines Führers - liegen also
Anhaltspunkte vor, die den Führer als besonderes Risiko für die anderen
Verkehrsteilnehmer erscheinen lassen -, können die erforderlichen Abklärungen aber
nicht der Dringlichkeit entsprechend rasch getroffen werden, soll der Ausweis bis zum
Sachentscheid vorläufig entzogen werden können (R. Schaffhauser, Grundriss des
schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III, Bern 1995, N 1996; BGE 122 II 359
E. 3a, 125 II 492 E. 2b). Einen derartigen Anhaltspunkt bildet unter anderem eine
Alkoholabhängigkeit (Art. 14 Abs. 2 lit. c SVG). Bei diesem wie den anderen
Ausschlussgründen ist Voraussetzung für einen vorsorglichen Führerausweisentzug,
dass der Fahrzeugführer andere Verkehrsteilnehmer im Vergleich zu den übrigen
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Fahrzeugführern in erhöhtem Mass gefährden könnte, würde er während der
Verfahrensdauer zum Verkehr zugelassen (BGE 106 Ib 115 E. 2b).
b) Bei der rechtlichen Würdigung ist davon auszugehen, dass der Rekurrent nach
einem Sicherungsentzug wegen Alkoholabhängigkeit - verfügt am 7. März 2001 - mit
der Wiedererteilung des Führerausweises am 9. Dezember 2003 u.a. verpflichtet
worden ist, weiterhin „unter fachlicher Betreuung (Arzt und Beratungsstelle) die
vollständige, strikte kontrollierte Alkoholabstinenz gemäss Informationsblatt
einzuhalten“. Dabei ist aktenkundig, dass der Rekurrent die Verpflichtung zur
Abstinenzauflage im Bezug auf Betreuung und Kontrolle von Anfang an nur
ungenügend eingehalten hat. Er musste deswegen von der Vorinstanz mindestens
dreimal schriftlich ermahnt werden. Dass er die Abstinenzauflage konsequent
einzuhalten habe, hat ihm auch der Verkehrsmediziner anlässlich der Untersuchung
vom 9. Juni 2004 nahegelegt. Trotz dieser Hinweise von Seiten der Vorinstanz und des
Verkehrsmediziners hat sich der Rekurrent weiterhin nur ungenügend um seine
Verpflichtungen gekümmert. Insbesondere hat er vom Juli bis Oktober 2004 beim
Blauen Kreuz nur drei Atemluftkontrollen durchgeführt und hat von Ende April bis
Oktober 2004 beim Hausarzt keine Blutkontrollen veranlasst. Im Übrigen ist der
Blastest vom 12. Mai 2004 positiv ausgefallen (0,13/0,14 Gew.-‰), was ebenfalls
darauf hinweist, dass der Rekurrent keine vollständige, strikte kontrollierte
Alkoholabstinenz einhält, wie dies seine Verpflichtung gemäss Abstinenzauflage wäre.
In diesem Zusammenhang kann sich der Rekurrent weder mit dem Argument
rechtfertigen, für ihn als Berufschauffeur seinen Blastest aus zeitlichen Gründen nicht
möglich, noch damit, dass die Urinprobe vom 9. Juni 2004 negativ ausgefallen sei, was
beweise, dass er keinen Alkohol mehr konsumiere, da diese Argumente die
Anforderungen an eine Alkoholabstinenz nicht zu derogieren vermögen. Davon
abgesehen lag der alkoholspezifische Parameter CDT am 9. Juni 2004 im obersten
Normbereich, was darauf hinweist, dass der Rekurrent offenbar nicht in der Lage ist,
auf den Konsum von Alkohol gänzlich zu verzichten. Aus alledem ergibt sich, dass der
Rekurrent die Abstinenzauflage nicht - wie von ihm gefordert - erfüllt hat, weshalb bei
ihm davon auszugehen ist, dass er sein Alkoholproblem bis heute noch nicht
vollständig überwunden hat.
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c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass beim Rekurrenten wegen der nur
ungenügenden Einhaltung der Alkoholabstinenz konkrete Hinweise auf eine noch nicht
vollständig überwundene Alkoholproblematik bestehen. Der Rekurrent stellt aus
diesem Grund ein besonderes Risiko im Strassenverkehr dar. Dass er seit der
Wiedererteilung des Führerausweises am 9. Dezember 2003 bis heute klaglos ein
Motorfahrzeug (insbesondere Kategorie C) gelenkt hat, ändert daran nichts. Denn die
Verkehrssicherheit ist nicht erst beeinträchtigt, wenn ein weiteres FiaZ-Delikt oder gar
ein Unfall unter Alkoholeinfluss geschieht, sondern schon dann, wenn ungeeignete
Fahrzeuglenker ein Motorfahrzeug führen. Dabei kann es nicht darauf ankommen, ob
ein solcher Motorfahrzeuglenker auf den Führerausweis angewiesen ist oder nicht, da
die Verkehrssicherheit hier stärker zu gewichten ist als die Interessen des Einzelnen.
Der vorsorgliche Führerausweisentzug erweist sich damit als angemessene
Massnahme.
3.- Der Vertreter beantragt, dass der Führerausweis dem Rekurrenten nach einer
Entzugsdauer von einem Monat mit Auflagen wiederzuerteilen sei. Damit wird offenbar
der letzte Absatz der Verfügung vom 5. Oktober 2004 angepeilt, wonach die
Wiederaushändigung des Führerausweises erst geprüft werden könnte, wenn der
Rekurrent eine strikte kontrollierte und fachtherapeutisch betreute Alkoholabstinenz
während mindestens vier Monaten nachweisen könnte. Weitere Abklärungen würden
ausdrücklich vorbehalten bleiben.
Aus dieser Formulierung der Vorinstanz geht hervor, dass der vorsorgliche
Führerausweisentzug mindestens vier Monate zu dauern hat. Damit soll dem
Rekurrenten die Gelegenheit gegeben werden, die bei ihm vorhandenen Bedenken
bezüglich einer nicht vollständig überwundenen Alkoholproblematik durch Einhaltung
einer nunmehr strikte kontrollierten und fachtherapeutisch betreuten Alkoholabstinenz
während mindestens vier Monaten zu zerstreuen. Es fragt sich, ob dies zulässig sei.
Das ist zu bejahen und vom Rekurrenten hinzunehmen (vgl. VRKE IV vom 9. September
2004 in Sachen R. R., S. 5 m.w.H.). Denn es ist davon auszugehen, dass die von der
Vorinstanz verlangte kontrollierte und betreute Alkoholabstinenz während mindestens
vier Monaten geeignet ist, die noch vorhandenen Bedenken bezüglich der Fahreignung
des Rekurrenten wegen seines Alkoholproblems auszuräumen (vgl. VRKE IV vom 3.
August 2004 in Sachen I. Sch., S. 6). Dadurch wird die Dauer des vorsorglichen
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Führerausweisentzugs nicht ungebührlich lang hinausgezögert. Sie ist vielmehr im
Interesse der Verkehrssicherheit gerechtfertigt und verhältnismässig.
4.- Die vorstehenden Ausführungen zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurrent
im heutigen Zeitpunkt wegen seiner noch nicht vollständig überwundenen
Alkoholproblematik gerade als Chauffeur der Kategorie C ein besonderes Risiko im
Strassenverkehr darstellt, wenn er wie bisher ohne genügende Einhaltung der
Alkoholabstinenz wieder zum Verkehr zugelassen würde. Es bestehen demnach
ernsthafte Bedenken an seiner Fahreignung. Deshalb kann ihm der vorsorglich
entzogene Führerausweis nicht wieder ausgehändigt werden, so schwerwiegend dieser
Entscheid für den Rekurrenten als Berufschauffeur auch ist. Die Vorinstanz hat dem
Rekurrenten deshalb zu Recht am 5. Oktober 2004 den Führerausweis für
Motorfahrzeuge aller Kategorien sowie aller Unter- und Spezialkategorien (inkl. Mofa)
vorsorglich entzogen. Der Rekurs ist damit als unbegründet abzuweisen.
5.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 400.-- ist angemessen
(vgl. Ziff. 361 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
400.-- ist zu verrechnen.
6.- Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung des Rekurses gegenstandslos geworden.