Decision ID: baa5b64c-a41a-48ae-82f1-230e7e32cb28
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972, besuchte in der Türkei die Primar- und Sekundar
schule und absolvierte anschliessend während drei Jahren das Berufsgymnasium (Ausbildung im Bereich Finanzbuchhaltung, abgeschlossen mit Diplom; vgl.
Urk.
6/2/9). Anschliessend war sie in der Türkei während eineinhalb Jahren als Buchhalterin tätig. Im Jahr 1992 heiratete sie einen in der Schweiz lebenden türkischen Staatsangehörigen und reiste in die Schweiz ein. Ab September 1994 war sie mit Unterbrüchen teilzeitlich als Reinigungskraft tätig und kümmerte sich um den Haushalt sowie die 1993, 1996 und 2004 geborenen Kinder. Zwischen
durch bezog sie Arbeitslosentaggelder (
Urk.
1 S. 2,
Urk.
6/46/16 und
Urk.
6/8). Ab Juli 2009 war sie beim
Y._
mit einem Pensum von 80
%
als Mitarbeiterin Hausdienst angestellt, wobei sie ab dem
7.
Juni 2011 ganz oder teilweise krankgeschrieben war; zwei von ihr (im Oktober 2011 und im Sep
tember 2012) unternommene Arbeitsversuche scheiterten (vgl.
Urk.
6/13/18 und
Urk.
6/20/2). Am 4. Oktober 2012 (Eingangsdatum) meldete sie sich unter Hin
weis auf physische und psychische Beeinträchtigungen bei der Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1). Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, wobei sie namentlich auch das von der Pensionskasse der Versicherten eingeholte psychiatri
sche Gutachten v
on Dr. med.
Z._
,
FMH Psychiatrie und Psychotherapie, vom
6.
Juli 2012 (
Urk.
6/13/7-28) beizog. Am
8.
März 2013 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass zur Klärung der Leistungsansprüche eine
bidisziplinäre
(Rheumatologie und Psychiatrie) Begutachtung erforderlich sei (
Urk.
6/22). Mit Schreiben vom 14. März 2013 ersuchte die Versicherte die IV
Stelle um Durchführung einer polydisziplinären Begutachtung (
Urk.
6/23). Glei
chentags teilte sie mit, dass sie eine berufliche Integration wünsche, und bat um einen Termin bei der Eigliederungsberatung (
Urk.
6/29); dies, nachdem das
Y._
anfangs März (nach einem weiteren erfolglosen Arbeitsversuch) das Arbeitsver
hältnis per Ende Juni 2013 aufgelöst hatte (
Urk.
1,
Urk.
6/20/2 und
Urk.
6/68). Die IV-Stelle gab bei der MEDAS
A._
(nachfolgend:
Medas
) eine polydisziplinäre Begutachtung (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie, Rheuma
tologie, Otorhinolaryngologie [ORL]) in Auftrag (
Urk.
6/25). Am
4.
Juni 2013 teilte sie der Versicherten mit, dass derzeit aufgrund der instabilen gesundheitli
chen Situation kein Eingliederungsauftrag angezeigt sei. Nach Vorliegen des Gut
achtens könnten berufliche Massnahmen geprüft werden (Urk. 6/31). In der Folge zog die IV-Stelle die Akten der Krankentag
geldversicherung (
Urk.
6/38-39), darunter auch das von
diese
r
eingeholte psychiatrische Gutachten
von
Dr.
med. B._
,
Facharzt
FMH
für
Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
2.
April 2013, (Urk.
6/39/2-16) bei. Das polydisziplinäre Gutachten wurde am
4.
Oktober 2013 erstattet (Urk.
6/46; vgl.
auch die ergänzende gutac
hterliche Stellungnahme vom 12.
November 2013,
Urk.
6/48). Am 1
8.
Januar 2014 nahm
Dr.
med. C._
,
Facharzt
FMH
für
Psychiatrie und Psychotherapie, zur von den
Medas
-Gutachtern empfohlenen längeren vollstationären Spitalbehandlung Stellung (
Urk.
6/51; vgl.
Urk.
6/50). Mit Schreiben vom 2
7.
Juni 2014 wurde die Versi
cherte – unter Hinweis auf ihre Schadenminderungspflicht – dazu aufgefordert, sich in eine mehrmonatige stationäre psychiatrische Behandlung zu begeben (
Urk.
6/58). Mit Vorbescheid vom gleichen Tag stellte die IV-Stelle der Versicher
ten die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht
(
Urk.
6/60). Mit Eingabe vom 8.
August 2014 stellte sich die Versicherte gegen die Auferlegung der Schadenminderungspflicht (
Urk.
6/66). Sodann erhob sie am
1.
September 2014 Einwand gegen den Vorbescheid vom 2
7.
Juni 2014 (
Urk.
6/69). Die IV
Stelle teilte der Versicherten
mit Schreiben vom 23.
Januar 2015 mit, dass ihr Gesund
heitszustand gemäss der medizinischen Einschätzung mit einer ambulanten Rehabilitation über einen Zeitraum von mehreren Wochen verbessert werden könne, und forderte sie dazu auf, ihr mitzuteilen, bei welchem Arzt oder welcher Ärztin sie diese Mas
snahme durchführen werde (
Urk.
6
/72
, vgl. Urk. 6/122/3
). Mit Schreiben vom 2
7.
Februar 2015 ersuchte die Versicherte die IV-Stelle unter Hin
weis darauf, dass sie weiterhin regelmässig Physio- und Psychotherapie erhalte und seit rund zwei Monaten (seit 15.
Dezember 2014 zunächst befristet bis Ende April 2015,
Urk.
6/78) im Sinne eines Arbeitsversuchs in einem Pensum von 50
%
beim Reinigungsdienst des
D._
arbeite, darum, den Arbeitsversuch zu unterstützen und die Anordnung einer ambulanten Rehabilitation zu sistieren (
Urk.
6/74). Am 1
1.
Juni 2015 teilte die Versicherte der IV-Stelle (ihrer Aufforde
rung entsprechend, vgl.
Urk.
6/77) mit, dass sie eine Vertragsverlängerung als Raumpflegerin beim
D._
bei einem Pensum von 50
%
erhalten habe (
Urk.
6/80-81). Am
7.
Juli 2015 ersuchte sie sodann um Durchführung e
iner Ver
laufsbegutachtung (Urk.
6/83). Nach weiteren medizi
nischen Abklärungen
wurde die Versicherte im Okto
ber 2016 in der
Medas
erneut polydisziplinär begutachtet (Verlaufsgutachten der
Medas
vom 9.
Februar 201
7
,
Urk.
6/111).
Am 23.
August 2017 wurde ein Wahrnehmungsberic
ht erstellt (Urk.
6/115). Am 1.
September 2017 wurde der Versicherten Frist angesetzt, um zu den Ergebnissen der im Rahmen des
Einwandverfahrens
getätigten Abklärungen Stellung zu nehmen (
Urk.
6/116). In den betreffenden Stellung
nahmen ersuchte die Versicherte darum, den Wahrnehmungsbericht aus
dem Dossier zu entfernen (Urk. 6/117 und Urk.
6/119). Mit neuem (denjenigen vom 2
7.
Juni 2014 ersetzendem) Vorbescheid vom 28.
Februar
2018 stellte die IV
Stelle der Versicherten wiederum die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
6/123),
wogegen die Ver
sicherte am 13.
April 2018 vorsorglich (
Urk.
6/125) und
am 2
2.
Mai 2018 begrün
det (Urk.
6/127) Einwand erhob. Mit Verfügung vom 3
0.
Mai 2018 wies die IV
Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk.
2 =
Urk.
6/130).
2.
Dagegen erhob die
Beschwerdeführerin
am 28. Juni 2018 Beschwerde und bean
tragte
,
die Verfügung vom 30. Mai 2018
sei aufzuheben und es sei ihr
mindestens
eine halbe Rente auszurichten.
Zudem
beantragte sie, es sei der nachzureichende Bericht des behandelnden Psychiaters zu den Akten zu nehmen. Ausserdem seien dem psychiatrischen Gutachter der Abklärungsstelle durch das Gericht ergän
zende versicherungsmedizinische
Fragen
«
zu Krankheitseinsicht, allfällig krank
heitsbedingtem Unvermögen, über familiäre Belange zu sprechen, und Therapie
fähigkeit im stationären Setting
»
vorzulegen
. In p
rozessualer Hinsicht ersuchte
die
Beschwerdeführerin
um
Durchführung einer öffentlichen, mündlichen Ver
handlung (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 30. August 2018 schloss die
Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage ihrer Akten Urk. 6/1-131), was der
Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 4. Septem
ber 2018 angezeigt wurde (Urk. 7).
Mit Eingabe vom 10. Mai 2019
reichte
die Beschwerdeführerin
weitere Unterlagen ein
(Urk. 8
und
Urk.
9/1-3).
Am
16. Mai 2019 wurden die
se der
Beschwerdegegnerin
zur Kenntnisnahme
zugestellt (Urk. 10).
Am 2
5.
September 201
9
wurde eine öffentliche Verha
ndlung durchge
führt (vgl. Protokoll [Prot.] S.
3ff.). Die Beschwerde
gegnerin, welcher das Erschei
nen freigestellt worden war
(Urk.
12)
, blieb der Verhandlung,
wie von ihr ange
kündigt (
Urk.
14
)
,
fern. Am 1
1.
Oktober 2019
(
Urk.
19)
wurde den Parteien
eine Kopie des
Protokoll
s
der Verhandlung
(
Urk.
18)
zugestellt
, der Beschwerde
gegnerin
unter Beilage
je
einer Kopie
der
Plädoyernotizen
von Fürsprecher Frank Goecke
(Urk. 16)
sowie der
von ihm ins Recht gelegten
Unterlagen (
Urk. 17
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
G
emäss der mit
BGE 130 V 352
begründeten und seither stetig weiter entwickel
ten Rechtsprechung vermochten eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung und vergleichbare psychoso
matische Leiden (
BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 142 V 342
) in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invali
dität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung (IVG)
führende Arbeitsunfähigkeit zu bewirken. Vielmehr bestand die Ver
mutung, dass solche Beschwerdebilder oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar seien und nur bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machten, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand ver
schiedener Kriterien (so genannte «Foerster-Kriterien», vgl.
BGE 130 V 352, BGE
131 V 49 E. 1.2, je wiedergegeben BGE 139 V 547 E. 5 mit weiteren Hin
weisen).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht die Überwindbarkeitsvermutung auf
gegeben und das bisherige Regel-/Ausnahme-Modell durch einen struktu
rierten normativen Prüfungsraster ersetzt. In dessen Rahmen wird im Regelfall anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen ergebnisoffen und symmetrisch beurteilt, indem gleichermassen den äusseren Belastungsfaktoren wie den vorhandenen Ressourcen Rechnung getragen wird (BGE 141 V 574 E. 4.1; Urteil des Bundes
gerichts
9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2). Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachge
wiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3).
Gemäss BGE 143 V 418 (E. 7) sind neu sämtliche psychischen Leiden, laut BGE
143 V 409 (E. 4.5.2) namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.2.3
Auch im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 gilt der Grundsatz, wonach das Invalidenversicherungsrecht soziale Faktoren so weit ausklammert, als es darum geht, die für die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit kausalen versicherten Faktoren zu umschreiben. Die funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen werden hingegen auch mit Blick auf psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren abgeschätzt, welche den Wirkungsgrad der Folgen einer Gesundheitsschädigung beeinflussen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1). Soweit sie direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie mithin ausser Acht (BGE 141 V 281 E. 3.4.3.3, 127 V 294 E. 5a). Psychosoziale Belastungs
faktoren können jedoch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie zu einer ausgewiesenen Beeinträchtigung der psychischen Integrität als solcher führen, welche ihrerseits eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bewirkt, wenn sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen verschlimmern (Urteil des Bundesgerichts 9C_371/2019 vom
7.
Oktober 2019 E. 5.1.3 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
1.4.1
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestimmun
gen (Art. 17 ATSG in Verbindung mit Art. 88a
der Verordnung über die Invali
denversicherung
,
IVV
) analog anzuwenden (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinwei
sen; Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 E. 4.8.1). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revi
sionsgrund
gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeit
punkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art. 88a Abs. 1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchsän
derung (vgl. BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen; vgl.
statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25. August 2017 E. 2.2 und 8C_350/2013 vom 5. Juli 2013 E. 2.2 mit Hinweis
)
.
1.4.2
Da die Rentenrevision nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG
eine Änderung in medizinischer oder erwerblicher Hinsicht voraussetzt, kann die Rente für eine folgende Teilpe
riode nicht endgültig festgelegt werden, solange sie für die vorangehende Teilpe
riode nicht rechtskräftig beurteilt ist. Im Lichte der Einheit des Renten
ver
hältnisses (BGE 125 V 413) ist daher grundsätzlich davon abzusehen, eine spätere Periode materiell zu beurteilen, solange in Bezug auf einen voran
gehenden Anspruchszeitraum die Sache noch zu näheren Abklärungen zurück
gewiesen wird
(Urteil des Bundesgerichts 8C_530/2010 vom 2
4.
Januar 2011 E.
3.3 mit weiterem Hinweis; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_554/2018 vom
1.
Januar 2019 E. 1.3.1
)
.
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK
1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Unter
suchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenen
falls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die
Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozia
lversicherungsgericht,
GSVGer
; vgl.
BGE 139 V 99 E. 1.1
, 137 V 210 E. 4.4.1.4; vgl. Urteil des Bundesgericht 9C_463/2019 vom 2
5.
September 2019).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
2.2
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich in ihrer abweisenden Verfügung im Wesent
lichen auf den Standpunkt, die medizinischen Abklärungen hätten bei der
Beschwerdeführerin
aus somatischer Sicht eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit für eine ihrem Ausbildungsstand entsprechende körperlich leichte bis mittel
schwere Tätigkeit ohne Zwangshaltungen und Überkopfarbeiten ergeben. Aus psychiatrischer Sicht liege bei wenig ausgeprägten objektivierbaren Befunden ein psychisches Leiden leichten Schweregrades vor, welches behandel
bar sei. Die
Beschwerdeführerin
verfüge über ein gutes familiäres Umfeld. Die Therapie
optionen seien nicht ausgenutzt, eine Therapieresistenz liege nicht vor.
Im Sinne des Gesetzes liege somit keine Arbeitsunfähigkeit vor.
Die von der Beschwerde
führerin genannten Beschwerden seien nicht als invalidisierend im Rechtssinne zu betrachten
(Urk. 2 S. 2).
2.3
Dahingegen führte die
Beschwerdeführerin
zusammengefasst
aus,
eine erhebliche Einschränkung
ihrer
Leistungsfähigkeit
sei gestützt auf die Aktenlage
ausge
wiesen. Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin
würden die Gut
achter sehr wohl erhebliche diagnoserelevante Befunde einer mittelgradigen Depression beschreiben und mit diesen Befunden überzeugend eine Ein
schränkung von 50 % im Beruf begründen (Urk. 1 S. 20).
Eine engmaschige The
rapie habe aus Gründen, auf welche
sie
keinen Einfluss habe, nicht durchgeführt werden können
(Urk. 1 S. 8, Urk. 1 S. 23-24)
. Der soziale Rückzug sei manifest und aktenkundig (Urk. 1 S. 8
, Urk. 1 S. 22-23
).
Der Stellenwert der familiären Ressource sei ganz klar erheblich zu relativieren (
Urk.
1 S.
24-25).
Darüber hinaus gebe die
Beschwerdegegnerin
unvollständig Rechenschaft darüber, dass aufgrund ihres Schulterschadens, des Tinnitus, der leichtgradigen Schwerhörigkeit,
des
gelegentlichen
Drehschwindel
s
, der
Chondropathia
femoralis
Knie links,
des Schmerzsyndroms LWS sowie
de
s
psychisch bedingten Erbrechen
s
eine erhebli
che Komorbidität vorliege
n würde
(Urk. 1 S. 25).
3.
3.1
Im
Medas
-Gutachten vom
4.
Oktober 2013 wurden die bis zur Begutachtung im August/September 2013 und im
Medas
-Gutachten vom
9.
Februar 2017 die bis zur Begutachtung im Oktober 2016 aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (
Urk.
6/46/2-15 und
Urk.
6/111/2-11), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
3.2
Im Gutachten der
Medas
vom
4. Oktober 2013 hielten die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf Arbe
itsfähigkeit fest (Urk. 6/46/24
):
-
Unvollständig remittierte depressive Störung, aktuell auf dem Niveau einer mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F 33.1), bestehend seit spätestens Juni 2011
-
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F 45.41) bestehend seit spätestens Juni 2011
-
gastrointestinale Dysfunktion (ICD-10 F 45.31)
-
Supraspinatus
sehnenteilruptur
Schulter rechts, bestehend seit 2010, mit/bei
-
myofaszialem
Begleitsyndrom Schultergürtel rechts
-
Chronifizierte
s
panvertebrales Schmerzsyndrom, bestehend seit mehr als 5 Jahren, mit/bei
-
Fehlhaltung,
Dekonditionierung
-
myosfazialem
Begleitsyndrom
Daneben notierten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (Urk. 6/46/25):
-
Glomus
tympanicus
Typ A rechts (ICD-10 D 44.7)
-
Status nach retroaurikulärer Entfernung mit temporärer Entfernung des
Incus
und Rekonstruktion mit
Incusinterposition
rechts am 1. März 2007
-
Tinnitus rechts (ICD-10 H 93.1)
-
Leichtgradige Schalleitungsschwerhörigkeit rechts (H 90.1)
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung führten die Gutachter aus, dass r
h
euma
tolo
gisch beurteilt
die Bil
d
gebungen der HWS und der LWS einen altersent
sprechen
den Befund
zeigten
. An der HWS sei eine Streckhaltung und eine
Diskopathie
HWK5/6 sowie HWK6/7 dokumentiert. Hinweise auf eine Neuro
kompression bestünden weder auf der Bildgebung noch aufgrund der klinischen Untersuchung. Bei der klinischen Untersuchung falle eine Hyperkyphose der BWS auf sowie eine allgemeine
Muskelhypotrophie. Die Nacken- und LWS
Beschwerden seien erklär
bar mit einer Fehlhaltung und
Dekonditionierung
. Im Bereich des Nackens und der BWS wie auch im Bereich der Schultern finde sich ein ausgeprägtes
myofas
ziales
Schmerzsyndrom. Im Bereich der rechten Schulter bestehe eine
Rotatoren
manschettenverletzung
, welche die Kraftminderung im Bereiche des rechten Armes zu erklären vermöge. Jedoch nicht erklärbar seien die aktuell stark ausge
p
r
ägten Ruheschmerzen in einer Ausp
r
ägung auf einer VAS-Skala mit 8 von 10
Punkten. Aufgrund der ausgedehnten Beschwerden bestünden Hinweise auf eine Symptomausweitung. Die Schulteroperation sollte die
Rotatoren
manschetten
ver
letzung
verbessern können. In Anbetracht dieser Verletzung und der geplanten Operation Ende September 2013 sei die Beschwerdeführerin für eine Tätigkeit im Reinigungsdienst zum jetzigen Zeitpunkt nicht arbeitsfähig. Dies gelte seit dem Sturzereignis im Jahr 201
0.
Bei normalem Verlauf sollte sechs Monate nach der Operation wieder eine normale Arbeitstätigkeit in der bisherigen Tätigkeit möglich sein. Allerdings müsste dann eine Neubegutachtung erfolgen. In einer angepassten körperlich nur leicht belastenden Tätigkeit sei zum jetzigen Zeit
punkt eine Arbeit zu 50
%
zumutbar. Dies gelte für den Zeitraum drei Monate ab Sturzereignis bis heute. Auch in einer angepassten Verweistätigkeit sollte nach dem operativen Eingriff wieder eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben sein
(Urk. 6/46/28-29)
.
Im Rahme
n der HNO-Begutachtung zeige sich
ein erfreuliches Resultat nach Exzision eines
Glomus
tympanicus
Typ A rechts. Die klinischen und radiologi
schen Untersuchungen zeigten keinen Hinweis auf ein Rezidiv des Tumors.
Das Hörvermögen sei gut, wenn auch rechtsseitig eine leichtgradige tiefentonbetonte Schallleitungsschwerhörigkeit vorliege. Es bestehe ein persistierender
Rausch
tinnitus
, welcher teils auch
pulsatil
wahrgenommen werde. Dieser könne nur als teilweise kompensiert beurteilt werden, da er vor allem abends und nachts doch erheblich störe. Allerdings dürften sich Depression, Tinnitus und Schmerzen auch gegenseitig negativ beeinflussen. Bei den Schwindelbeschwerden dürfte es sich nicht um Folgen der Ohroperation handeln. Es stelle sich die Frage, ob diese Beschwerden nicht eher mit der Depression in Zusammenhang stünden. Die sub
jektiven Beschwerden seien jedenfalls sehr hoch. Aus rein HNO-ärztlicher Sicht ergebe sich aufgrund der HNO-Diagnosen keine Einschränkung der Arbeitsfähig
keit in den früheren Tätigkeiten als Küchenhilfe und als Mitarbeiterin im Haus
dienst des
Y._
(
Urk.
6/46/29).
Aus rein internistischer Sicht bestünden zum jetzigen Zeitpunkt keine Einschränkungen oder Krankheiten, die einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten (
Urk.
6/46/29).
Die psychiatrische Synthese aus den Akten, der Anamnese und der eigenen Untersuchung habe bei der Beschwerdeführerin zur Diagnose einer unvollständig remittierten depressiven Störung, gegenwärtig verbleibend auf dem Niveau einer mittelgradigen depressiven Störung geführt. Es lasse sich bei der Versicherten auch eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren beschreiben. Es seien also nicht ursächlich psychische Faktoren, die den Schmerz generierten. Es seien jedoch psychische Faktoren vorhanden, die eine wesentliche Rolle spielten für den Schweregrad, Exazerbation und Aufrechterhaltung der Beschwerden. Hinzu komme eine weitere Somatisierung in Folge von rezidi
vierendem Erbrechen, die allerdings in den letzten Wochen und Monaten
regre
dient
sei. Diese Störung sei einer somatoformen autonomen Funktionsstörung gleichzusetzen. Im gegenwärtigen Zustand sei die Anpassung an Regeln und Routinen leicht eingeschränkt. Die Planung und Strukturierung von Aufgaben sei deutlich eingeschränkt, auch die Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsfähigkeit sei eingeschränkt. Zum jetzigen Zeitpunkt sei keine Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft gegeben, allenfalls nur im Sinne einer stufenweise zu steigernden Tätigkeit, geschützt und einfach strukturiert. Die depressive Symptomatik sei nicht willentlich direkt beeinflussbar. Willentlich beeinflussbar sei aber die Inan
spruchnahme von therapeutischen Massnahmen, eine verbesserte Pharmako
therapie etwa herstellbar im Rahmen eines stationären Aufenthaltes, der länger dauere als einen Tag oder eine Nacht, gefolgt von einem längerfristigen tages
klinischen Aufenthalt mit soziotherapeutischen Elementen und einem Arbeiten im geschützten Bereich. Die Beschwerdeführerin sei zum jetzigen Zeitpunkt keinem Arbeitgeber zumutbar (
Urk.
6/46/30).
Eine medizinisch begründete Arbeitsunfähigkeit von 20 % und m
ehr bestehe spätestens seit
Juni 2011, das
heisse
seit dem Zeitpunkt,
als
die
Beschwerde
führerin
zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden sei
. Der Grad der Arbeits
unfähigkeit sei seither unverändert geblieben.
Das heisse, es bestehe seit
Juni 2011 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl für die bisherigen Tätigkeiten wie auch für angepasste Verweistätigkeiten. Die Arbeitsfähigkeit könne durch medi
zinisch zumutbare therapeutische Massnahmen verbessert werden. Geplant sei eine Schulteroperation Ende September 201
3.
Von psychiatrischer Seite her sei eine stationäre psychiatrische
Behandlung indiziert
.
Dabei müsse die Compliance der Pharma
kotherapie mittels regelmässigen
Serumspiegeln überprüft werden. Eine solche Massnahme sei der
Beschwerdeführerin
zumutbar und könne ihr als Schadenminderung auferlegt werden.
(Urk. 6/46/31
-3
3
; vgl. auch die ergänzende
Stellungnahme vom 12.
November
2013,
Urk.
6/48
).
3.3
Im Verlaufsgutachten
vom 9. Februar 2017
hielten
die Gutachter der
Medas
fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (Urk. 6/111/25):
-
Chronische
Frozen-Shoulder
rechts
-
myofas
z
iales
Begleitsyndrom
-
insuffiziente
Skapulafixation
(ICD-10 M 75.0)
-
Depressive Störung, unvollständig remit
tiert, leicht- bis mittelgradig
(
ICD
10 F 32.1
)
Daneben notierten sie folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (Urk. 6/111/25):
-
Leichtgradiges
lumbosakrales
Schmerzsyndrom
-
Chondropathia
femoralis
Knie links
-
März 2007 operierter
Glomus
tympanicus
Typ A rechts,
-
Tinnitus, teilweise kompensiert
-
leichtgradige Schallleitungsschwerhörigkeit rechts
Bei der internistischen Erstuntersuchung hätten unverändert Schulterschmerzen rechts und eine depressive Symptomatik im Vordergrund gestanden, eindrucks
mässig beides vom selben Schweregrad wie bei der Begutachtung 201
3.
Neu
sei über ein
en
Kniegelenkschmerz links geklagt worden, ein MRI von August 2015 habe keinen relevanten Befund gezeigt. Objektiv habe sich eine eingeschränkte Beweglichkeit im rechten Schultergelenk gezeigt, an der LWS und den Kniege
lenken hätten sich keine wesentlichen Befunde und keine ausgep
rägten Ein
schränkungen gezeigt (Urk. 6/111/21).
Auch b
ei der rheumatologischen Untersuchung
seien Schmerzen und Ein
schränkungen der rechten Schulter im Vordergrund gestanden.
Objektiv hätten sich Funktionseinschränkungen
an der rechten Schulter, mangelnde muskuläre Fixation de
r Schulterblätter und
Weichteildruckschmerzen an allen Muskeln des Schultergürtels
ergeben
. Es bestünden keine wesentliche Kraftminderung an Schultern, Armen und Händen und keine neurologischen Defizite.
Aus rheuma
tologischer Sicht habe weiterhin eine nicht vollständig ausgeheilte
Frozen-Shoul
der
mit Verschlechterung im Vergleich zur Vorbegutachtung 2013 und auch zum
orthopädischen
Konsil
von Februar 2016 bestanden. Vom
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom und
den
Beschwerden im linken Knie
gingen
aus Sicht des Rheumatologen keine wesentlichen Einschränkungen aus. Die zurzeit praktizierte Tätigkeit
zu 50 % als Reinigungskraft sei grenzwertig zumutbar. Für
angepasste Tätigkeiten bestehe
aus rheumatologischer Sich
t eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (Urk. 6/111/21-22).
Die HNO-ärztliche Untersuchung habe einen guten Zustand nach operativer Ent
fernung eines
Glomus
tympanicus
rechts im Jahre 2007 ergeben.
Residuell
hätten eine leichtgradige Schallleitungsschwerhörigkeit rechts, ein teilkompensierter Rausch-Tinnitus und eine Schwindelsymptomatik nicht organischer Ursache bestanden. Aus den leichtgradigen Beeinträchtigungen durch die Beschwerden
habe sich
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus HNO-ärztlicher Sicht ergeben
(Urk. 6/111/22).
Die psychiatrische Untersuchung habe eine von der
Beschwerdeführerin
nur vage beschreibbare psychische Symptomatik mit Stimmungsveränderungen
zum depressiven Pol, sozialem Rückzug, Unwohlsein unter vielen Menschen und in öffentlichen Verkehrsmitteln ergeben. Belastungen insbesondere im Rahmen der Ehe seien im Gegensatz zu früher negiert worden. Insgesamt habe sich aus psychiatrischer Sicht ein Bild einer nach wie vor nicht vollständig remittierten depressiven Störung ergeben. Im Vergleich zur Voruntersuchung 2013 seien bei der psychiatrischen Exploration die Schmerzproblematik und die
Somatisierungs
symptome
in den Hintergrund getreten. Insgesamt habe sich der psychische Befund gebessert. Insofern habe sich im Vergleich zur Voruntersuchung auch die Arbeitsfähigkeit gebessert, aktuell sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen wie sie auch von der
Beschwerdeführerin
praktiziert werde. A
us psychiatri
scher Sicht bestünden
noch w
eitere Therapieoptionen
, so dass langfristig auch eine weitere Verbesserung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht möglich wäre
(
Urk.
6/111/22)
.
In der bisherigen und aktuellen Tätigkeit bestehe ein Restleistungsvermögen von maximal 50 %, das heisse eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Dies gelte ab 3 Monaten postoperativ,
somit
ab Anfang 201
4.
In einer der körperlichen Einschränkung angepassten Tätigkeit ohne schwere Arbeiten, ohne Heben, Tragen oder Überkopfarbeiten bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 % aus somatischer Perspektive
. Aktuell bestehe eine noch 50
%
ige
Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischen Gründen, überwiegend wahrscheinlich zu bessern durch Aus
schöpfung aller Therapieoptionen. In welcher Zeit und in welchem Ausmass diese Verbesserung erreicht werden könne, sei nicht verlässlich vorauszusagen (Urk. 6/111/28).
4.
4.1
Gemäss
Aktenlage war die Beschwerdeführerin
ab Juli 2009 bis
zur Krank
schrei
bung im Juni 2011 zu
80
%
beim
Y._
als Mitarbeiterin Hausdie
nst angestellt (
Urk.
6/10). A
nlässlich des Standortgesp
rächs vom 2
3.
Oktober 2012 gab sie an
, sie würde wohl auch bei guter Gesundhei
t nicht zu 100
%
arbeiten (Urk. 6/52/2). Angaben, die auf ein höheres als ein 80%iges Pensum im Gesundheitsfall
schliessen
lassen würden, sind nicht aktenk
undig. Namentlich wurden solche
von der Beschwerdeführerin auch im Rahmen des Beschwerdeverfahrens nicht
vorge
bracht (
Urk.
1 und Prot. S. 3ff.
). Es ist demnach – mit der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
6/122/9) – davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin im Zeit
raum zwischen April 2013 (möglicher Rentenbeginn) und Mai 2018 (Erlass der angefochtenen Verfügung)
zu 80
%
im Erwerb
sbereich
und zu 20
%
im Haushalt tätig
gewesen wäre.
4.2
Die Beschwerdeführerin hat sich im Oktober 2012 zum L
eistungsbezug angemel
det (
Urk.
6/1
). Ein Rentenanspruch kann demnach im April 2013 entstanden sein (
Art.
29
Abs.
1 IVG)
.
4.3
Die
Beschwerdegegnerin verweist
in der – einen Rentenanspruch verneinenden –Verfügung vom 1
8.
Mai 2018
in medizinischer Hinsicht
zunächst
(
Urk.
2 S. 1)
auf
die Gutachten der
Medas
vom 4.
Oktober 2013 und vom
9.
Februar 2017
(
vgl. E.
3.2 und E. 3.3
)
.
Diese Gutachten
beruhen auf den erforderliche
n allseitigen Untersuchungen (inter
nistisch, HNO-ärztlich, rheumatologisch und psychiatrisch
) und
wurden in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben
. Die Gutachter haben detaillierte Befunde erhoben, nachvollziehbare Diag
nosen gestellt und auch die
geklagten Beschwer
den berücksichtigt.
4.4
Gemäss
der insoweit nicht in Frage zu stellenden Beurteilung im
Medas
-Gutach
ten vom
4.
Oktober 2013 war die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns (April 2013) in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit bereits seit über einem Jahr zu 100
%
arbeitsunfähig. Demnach war in diesem Zeitpunkt das Wartejahr
gemäss
Art.
28
Abs.
1
lit
. b
IVG
jedenfalls
erfüllt.
D
ie Beschwerdegegnerin
bezog sich
im Rahmen der Begründung
der ange
fochte
nen Verfügung
einzig
auf
die
Feststellungen und Einschätzungen
im Verlauf
s
g
utachten
der
Medas
vom
9. Februar 2017
(
Urk.
2 S. 2)
.
Gemäss
d
iesem Gutachten
haben sich jedoch der Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit seit der Begutachtung im
August/September 2013 in somatischer Hinsicht ab anfangs 2014 und in psychischer Hinsicht ab anfangs 2015 verbessert.
Die Beschwerdegegnerin hätte
– angesichts der im Verlaufsgutachten dargelegten Verbesserung der somatischen und psychischen Befundlage und da
gemäss
(geänderter Rechtsprechung)
die Therapierbarkeit allein keine abschliessende evidente Aussage über das Gesamtmass der Beeinträchtigung und deren Relevanz im invalidenversicherungsrechtlichen Kontext zu liefern vermag
(BGE 143 V 409 E. 4.2.2
) –
zunächst anhand der Diagnosen, Befunde und weiteren Feststellungen im Gutachten der
Medas
vom
4.
Oktober 2013 prüfen müssen,
ob die Beschwer
deführerin im
April 2013 sowie im weiteren Verlauf
je
zu mindestens 40 % invalid
(
Art.
8 ATSG)
war
oder nicht
(Art.
28 Abs.
1
lit
. c IVG; vgl. E. 1.3 und E.
1.4.1
).
5.
5.1
I
n somatischer Hinsicht
wurde im Gutachten der
Medas
vom 4. Oktober 2013
und in der Folge auch im Verlaufsgutachten vom 9.
Fe
bruar
2017
nachvollziehbar dargelegt, dass sich
aus
internistischer und
HNO
ärztliche
r Sicht
keine
Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit stellen lassen
.
5.2
5.2.1
Der rheumatologische Gutachter
der
Medas
,
Dr.
med.
E._
, FMH Rheuma
tologie
,
führte
im
rheumatologischen Teilgutachten
vom 17. September 2013 (Urk.
6/46/59-64)
zu den Auswirkungen der von ihm gestellten
-
im Rahmen der Gesamtbeurteilung übernommene
n (vgl. E.3.2
)
-
Diagnosen einer
Supraspinatus
sehnen-Teilruptur
Schulter rechts bei/mit
myofaszialem
Schmersyndrom Schul
tergürtel rechts sowie eines
chronifizierten
panvertebralen Schmerzsyndroms, vorwiegend bedingt durch Fehlhaltung,
Dekonditionierung
und
myofasziales
Schmerzsyndrom
auf die Arbeits
fähigkeit
aus
,
dass die Beschwerdeführerin in Anbetracht der
Rotatorenmanschettenverletzung
für eine Tätigkeit in einem Reinigungsbetrieb nicht mehr arbeitsfähig sei
.
Theoretisch sollte bei erfolgreicher Operation in einer solchen Tätigkeit und in einer Tätigkeit als Küchenhilfe wieder eine normale resp. uneingeschränkte Tätigkeit möglich sein. Ebenfalls
wieder zumutbar sein sollten
körperlich leicht bis mittelsc
hwer belastende Tätigkeiten
.
Die Angaben gälten seit dem Treppensturz im Jahr 2010, bei welchem sich die Beschwerdeführerin wahrscheinlich die
Supraspinatussehnenverletzung
zugezo
gen habe. In einer angepassten körperlich nur leicht belastenden Tätigkeit sei zum jetzigen Zeitpunkt eine Arbeit zu 50
%
zumutbar
. Dies gelte für den Zeitraum drei
Monate nach dem Sturzereignis
201
0.
Die
Mehrheit der Patienten sei ab diesem Zeitpunkt in einer nicht belastenden Tätigkeit wieder einsetzbar. Ein
schränkungen gälten für sämtliche Überkopf-, Hebe- und Tragtätigkei
ten (Urk.
6/46/63-64
).
Im Rahmen der Gesamtbeurteilung
hielten
die Gutachter
unter dem Titel «Beeinträchtigu
ng (qualitativ und quantitativ)
aufgrund der festgestell
ten Störungen auf der somatischen Ebene»
lediglich
-
fest,
dass
aufgrund der Schulterverletzung
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Reinigungsfachfrau oder Küchenhilfe nicht mehr zumutbar sei. Hingegen sei die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit teilweise
eingeschränkt (Urk. 6/46/30
; vgl. auch Urk. 6/46/29
).
5.2.2
RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie, bezeichnete in seiner Stellungnahme vom 2
3.
Oktober 2013 die Schlussfolgerungen im Gutachten der
Medas
vom
4.
Oktober 2013 als nachvoll
ziehbar. Er bestätigte die
gutachterlichen Diagnosen und hielt im Weiteren – le
diglich – Folgendes fest: «Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Mitarbeiterin Hausdienst: Durch das Schulterleiden
re
. sind kraftfordernde Tätigkeiten des rechten Armes nicht möglich. Durch die geistig-seelischen Symp
tome resultieren Einschränkungen (u.a. Müdigkeit, Traurigkeit, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörung), welche die AF
ggw
. vollumfänglich einschränken. Belastungsprofil: Entfällt. AUF in bisheriger Tätigkeit als Mitarbeiterin Haus
dienst: seit 06/2011: 100%. AUF in angepasster Tätigkeit gemäss Belastungs
profil: seit 06/2011: 100
%
»
(
Urk.
6/70/4-5)
.
5.2.3
D
ie Beurteilung von
Dr.
E._
im rheumato
logischen Teilgutachten vom 17.
Sep
tember 2013
, wonach die Beschwerdeführerin au
s
(rein)
rheumatologischer
Sicht seit dem Treppensturz im Jahr 2010 auch in einer körperlich nur leicht belasten
den Tätigkeit
(ohne
Überkopf-, Hebe- und Tragtätigkeiten
)
– bloss –
zu 50
%
arbeitsfähig gewesen sein soll,
leuchtet
mit Blick auf die
von ihm erhobenen Befunde und die
von ihm festgestellte Symptomausweitung
(Urk. 6/46/62-64)
nicht ohne weiteres ein.
Es kann aber nicht einfach darüber hinweggesehen wer
den, dass die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
aus somatischer Sicht
auch in der gutachterlichen Gesamtbeurteilung
als
«teilweise eingeschränkt»
bezeich
net wurde. Soweit RAD
Arzt
Dr.
F._
die Auffassung vertrat, es hätten damals aus somatischer Sicht nur qualitative Einschränkungen bestanden, erscheint dies mangels Begründung nicht nachvollziehbar.
Zur – sich aufgrund der Feststellungen im rheumatologischen Teilgutachten vom 17. September 2013 stellenden – Frage nach somatisch bedingten Ein
schränkungen
im Haushalt haben sich weder die Gutachter der
Medas
noch der RAD geäussert. Eine Haushaltabklärung wurde von der Beschwerdegegnerin nicht veranlasst.
Es liegt demnach keine schlüssige Einschätzung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit (Belastungsprofil und Pensum) sowie im Haushalt ab April 2013 vor.
5.3
Die im Verlaufsgutachten der
Medas
vom
9.
Februar 201
7
aus somatischer Sicht
vorgenommene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in bis
heriger und angepasster Tätigkeit
(vgl. E. 4.5.2) ist – zu Recht – nicht umstritten.
5.4
Demnach erweist sich
der mediz
inische Sachverhalt
in somatischer Hinsicht (nur, aber immerhin)
im
Zeitraum
zwischen April 2013 und Ende Dezember 2013
als ergänzungsbedürftig.
6
.
6
.1
Der psychiatrische Gutachter der
Medas
,
Dr.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte im psychiatrischen Teilgutachten vom 6. September 2013 (
Urk.
6/46/36-53) eine mittelgradige depressive Episode, eine «chronische
Schmerzstörung (ICD-10 F45.41) mit somatischen und psychi
schen Anteilen
»
sowie
eine weitgehend remittierte Somatisierungsstörung im Bereich des
Gastrointestinaltraktes
.
Im Rahmen seiner dia
gnostischen Beurteilung hielt
Dr.
G._
ausserdem
fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin zahlreiche der in ICD-10 F54.4 beschriebenen
Verhaltensauffälligkeiten resp.
Phänomene (
«
wie Symptomausweitung, Selbstlimitierung, Malkooperation, Ent
schädigungshaltung,
Dekonditionierung
, Schonverhalten, Verharren in der Krankenrolle etc.
»
) gefunden hätten, diese aber der somatoformen Störung zuge
ordnet würden (
Urk.
6/46/49
)
.
Dr.
G._
kam zum Schluss, dass die
ge
genwärtigen Auswirkungen der diagnostizierten
drei psychiatrischen Erkrankungen in ihrer Komorbidität sowie in Betrachtung der Komorbidität mit weitere
n körperlichen Belastungen
als 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl in den bisherigen auch als in (anderen) angepassten Tätigkeiten zu qualifizieren
seien
. Letztlich sei nicht zu erkennen, warum dies nicht seit Juni 2011 so durchgängig zu beurteilen sei. Dies werde immer wieder bestätigt, durch den behandelnden Psychiater
Dr.
C._
und die Gutachterin
Dr.
Z._
im Juli 201
2.
Diagnose und Befund würden im Wesentlichen auch durch den Gutachter
Dr.
B._
bestätigt, lediglich die Einschätzung der daraus resultierenden
Arbeitsunfähigkeit variiere.
Dr.
G._
stellte sodann fest, dass die depressive Sympto
matik willentlich nicht überwindbar sei; die Somatisierungsstörung eher, möglicherweise sei deren Überwindbarkeit aber auch im Rahmen
der Komorbidi
tät eingeschränkt (Urk.
6/46/51-52).
6
.2
Vorwegzunehmen ist, dass die Einschätzung von
Dr.
G._
in Anwen
dung der inzwischen überholten Foerster-Kriterien erfolgte, weshalb das Gutach
ten den bestehenden normativen Vorgaben nicht genügt (vgl. E. 1.2.1). Indessen verlieren gemäss altem Verfahrensstand eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert.
Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E.
6
; Urteil des Bundesgerichts8C_309/2018 vom
2.
August 2018 E. 5.3.2
). Mithin ist im konkreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten – allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung anhand der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht (vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom
1.
Februar 2018 E. 4.2).
Das Wesen des strukturierten Beweisverfahrens besteht darin, anhand eines Kataloges von (Standard-) Indikatoren (vgl. dazu
E. 1.2.2
)
das unter Berücksich
tigung sowohl leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren als auch von Kompensationspotentialen (Ressourcen) tatsächlich erreichbare Leistungsvermö
gen einzuschätzen (
vgl. E. 1.2.1
). Der Indikator
«
Komorbiditäten
»
im Besonderen ist bedeutsam für die Frage nach potenziell ressourcenhemmenden Faktoren (BGE
141 V 281 E. 4.3.1.3
i.
V.m
. BGE 143 V 418
), die Komplexe
«
Persönlichk
eit (Per
sönlichkeitsdiagnostik)
»
und
«
Sozialer Kontext
»
dafür, inwiefern die ver
sicherte Person über (mobilisierbare) Ressourcen
verfügt (BGE
141 V 281 E.
4.3.2 und E. 4.3.3
; Urteil des Bundesgerichts 9C_289/2018 vom 1
1.
Dezember 2018 E.
6). Dabei bezieht sich der K
omplex
«
Sozialer Kontext
»
ebenfalls auf den funktio
nellen Schweregrad und bildet einen wesentlichen Teil des Grundgerüsts der Fol
genabschätz
ung (BGE 141 V 281 E. 4.3
). Soweit soziale Belastungen direkt nega
tive funktionelle Folgen zeitigen, bleiben
sie nach wie vor ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_206/2019 vom 3
1.
Juli 2019 E. 7.2.2 mit weiteren Hin
weisen
; vgl. auch vorstehend E. 1.2.3
).
6
.3
6
.3.1
Dr.
Z._
war in ihrem
–
im Auftrag der Pensionskasse der Beschwerde
führerin verfassten – psychiatrischen
Gutachten vom
6.
Juli 2012
(
Urk.
6/13, vgl.
Sachverhalt Ziffer 1)
aufgrund
der von ihr im Februar 2012 durchgeführten Untersuchung zum Schluss gelangt, dass die Beschwerdeführerin unter
einer
(
länger andauernden
)
mittelgradigen depressiven Episode
(ICD-10 F32.1) sowie einer somatoformen autonomen Funktionsstörung, mehrere Organe und Systeme, (ICD-10 F45.37)
leide und deswegen aktuell in jeder Tätigkeit zu 100
%
arbeits
unfähig sei
. Sie hatte sodann darauf hingewiesen, dass aufgrund seit langer Zeit anhaltender Schmerzen in der Schulter, im Nacken, im Rücken und im rechten Bein anfangs 2012 eine umfangreiche Abklärung bei
Dr.
H._
stattgefunden habe.
Gemäss
Dr.
H._
bestünden auch aus rheumatologischer Sicht Ein
schränkungen der Arbeitsfähigkeit, sodass eine rheumatologische Beurteilung der Arbeits- bzw. Berufsfähigkeit angezeigt sei (
Urk.
6/
13)
.
Dr.
B._
, welcher die Beschwerdeführerin
im Auftrag der Krankentaggeldversicherung
im April 2013
(
und damit
just im Zeitpunkt des möglichen Rentenbeginns
)
psychiatrisch
begut
achtet hatte
(
Urk.
6/39, vgl. Sachverhalt Ziffer 1.1)
,
stellte fest, dass es laut
dem behandelnden Psychiater Dr.
C._
dank der bisherigen Behandlung zu einer Teil
remission des Erbrechens gekommen sei;
der Schweregrad der somatoformen
autonomen
Funktionsstörung
sei aktuell als leicht bis mittelgradig einzustufen. Die depressive Symptomatik scheine sich jedoch nicht verbessert zu haben
(Urk.
6/39/10)
.
A
ufgrund der Beschwerden vonseiten der im Schweregrad als mit
telgradig zu beurteilenden Depression wie auch der somatoformen Funktions
stö
rung
sei
die psychophysische Belastbarkeit als einges
chränkt zu beurteilen
.
Der Beschwerdeführerin seien die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sowie eine angepasste Tätigkeit während 4,5 Stunden pro Tag zumutbar, wobei medizinisch-theoretisch eine 100%ige Leistungsfähigkeit bestehe (
Urk.
6/39)
.
Laut
Dr.
Z._
bestanden im Zeitpunkt der von ihr durchgeführten Untersu
chung Optimierungsmögl
i
chkeiten in der Pharmakotherapie. Eine begleitende Psychotherapie finde schon statt und sei mit zwei bis drei Konsultationen pro Monat adäquat. Zur optimalen Behandlung des depressiven Zustandsbildes wäre eine s
tationäre Behandlung in einer psychiatrischen Klinik angezeigt (
Urk.
6/13/25-27).
Dr.
B._
hatte aus therapeutischer Sicht die Weiterführung der Gesprächstherapie mit einer etwas intensiveren Sitzungs
frequenz, das
heisse
mit mindestens einer Sitzung pro Monat empfohlen. Auch die psychopharmako
logische Behandlung sei weiterzuführen, wobei die Beschwerde
führerin zu einer besseren Compliance bezüglich Medikamenten
einnahme resp. zur Medikamen
teneinnahme überhaupt
motiviert werden sollte (
Urk.
6/39/11-12;
die Werte der verordneten Psychopharmaka lagen
gemäss
der
Dr.
B._
durchgeführten Blutkonzent
rationsbestimmung unterhalb des therapeutischen Bereichs,
Urk.
6/39/9).
Dr.
Z._
hatte s
odann
angegeben, dass
invaliditätsfordernde, aber
medizi
nalfremde
Faktoren (schwierige finanzielle Lage der Familie, die Situation des Ehemannes
[arbeitsunfähig nach Unfall und ohne oder nur eine Teilrente]
und die sehr wahrscheinlich probl
ematische Beziehung zu ihm) vorlägen
(Urk.
6/13/27)
.
Sie wies
ausserdem
darauf hin, dass die Gesundheit der Beschwer
deführerin bereits seit 2007, nachdem bei ihr ein Tumor diagnostiziert worden sei, angeschlagen sei. Wahrscheinlich habe dies ihre Belastbarkeit und Stress
toleranz eingeschränkt (
Urk.
6/13/27-28, vgl. auch Urk. 6/13/25).
Laut Dr.
B._
sind
als
ursächliche Faktoren der Arbeitsunfall des Ehemannes, seine daran
anschliessende
Arbeitsunfähigkeit und die daraus resultierenden finanziellen Schwierigkeiten zu nennen (Urk. 6/39/10)
.
Dr.
B._
hatte sodann ebenfalls vermutet, dass möglicherweise erhebliche Probleme in der Beziehung zum Ehe
mann bestünden
, wobei
er
dazu bemerkte, dass
gegebenenfalls krankheitsfremde Faktoren eine w
esentliche Rolle spielten (Urk.
6/39/13).
6
.3.2
Dr.
C._
, bei welchem die Beschwerdeführerin seit August 2007 in Behandlung stand, hatte
ihr
in seinem Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
5.
Januar 2013 aufgrund einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode ohne psychotische Symptome, (ICD-10 F33.2)
eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit attestiert
(
Urk.
6/19/5-6; vgl. auch
Urk.
6/38/9-11). A
uf Anfrage von
Dr.
G._
hatte er
sodann
erklärt, dass die Beschwerdeführerin
schwer depressiv sei. Sie sei
in einer schweren Lebenslage. Sie habe einen brutalen Vater gehabt, sie habe studieren wollen und es nicht können. N
ach dem Elektrounfall ihres Mannes habe alles begonnen, irgendwie sei alles vorbei, die Beschwerde
führerin könne nichts mehr machen, der Mann benehm
e sich unmöglich in der Familie. Sie habe Probleme in der Schulter, alles sei förmlich
«
zum kotzen
»
(
Urk.
6/46/37-38).
6
.4
6
.4.1
Aufg
rund der insoweit überzeugenden Beurteilung
von
Dr.
Z._
,
Dr.
B._
und
Dr.
G._
steht fest, dass bei der Beschwerdeführerin im Zeit
punkt des möglichen Rentenbeginns
(April 2013) sowie im weiteren Verlauf bis zur psychiatrischen Begutachtung in der
Medas
(September 2013) eine mittelgra
dige depressive Symptomatik sowie
eine leichte bis mittelgradige
Somatisierungs
störung bestanden.
Dr.
G._
legte sodann schlüssig dar, dass überdies die Diagnose einer Schmerzstörung (ICD-10 F45.41) zu stellen sei.
Nicht
nach
vollziehbar ist allerdings
seine (
mit keinem Wort
begründete) Feststellung, wonach die von ihm festgestellten Verhaltensauffälligkeiten der somatoformen Störung zuzuordnen sind.
6
.4.2
Die
zumindest seit Febru
ar 2012 (Begutachtung durch Dr.
Z._
) ausge
wiesene
mittelgradig
e depressive Symptomatik
und die im Gutachten der
Medas
vom
4.
Oktober 2013
dargelegten psychischen und somatischen Komorbi
ditäten
deuten
auf einen potentiell
erheblichen Schweregrad des psychischen Zustandsbildes
im April 2013 hin.
Sodann hat
te
die Beschwerdeführerin
-
wie in allen psychiatrischen
Gutachte
n festgestellt
-
die Behandlungs
möglichkeiten
im
April 2013
zwar nicht voll ausgeschöpft. Sie stand aber in diesem Zeitpunkt bereits
seit Jahren in (laut
Dr.
Z._
grundsätzlich adäquater
)
psychiatrischer Behandlung und hatte bis dahin (seit Juni 2011) drei Arbeitsversuche unter
nommen. Dies deutet auf einen vorhandenen Leidensdruck hin.
Das
aktenkundige
Aktivitätsniveau (
Urk.
6/3
9/6-7 und
Urk.
6/46/42-43; vgl.
aber auch
Urk.
6/46/12
) steht der Annahme einer rentenbegründenden Arbeitsunfähigkeit ebenfalls nicht entgegen.
Für die vorzunehmende Gesamtbetrachtung anhand der Indikatoren
gemäss
BGE
141 V 281 (vgl. E. 1.2.2) fehlt es jedoch an schlüssigen
fachärztlichen
Angaben zu den
Ressourcen
und der Persönlichkeit
der Beschwerdeführerin sowie zur Frage,
ob
und
inwieweit die aktenkundigen
psychosozialen Belastungs
faktoren direkt negative Folgen zeitigen, und ob und inwieweit sie die medizinisch zumut
bare Willensanstrengung zur Bewältigung der Defizite behindern
(vgl.
E.
6.2
und E.
1.2.3
)
.
Solche finden sich
insbesondere auch ni
cht im Gutachten der
Medas
vom
4.
Oktober 201
3.
So
stellten die Gutachter
der
Medas
darin
im Rahmen der Gesamtbeu
rteilung
einerseits fest
,
dass im sozialen Bereich verschiedene Faktoren vorlägen, die der Genesung und einer Ein
gliederung in die Ar
beitswelt entgegen
wirkten (Urk.
6/46/30)
; dementsprechend
empfahlen sie zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit unter anderem auch
sozio
therapeutische
Massnahmen
(Urk.
6/46/51 und
Urk.
6/48; vgl. auch das
Verlaufsgutachten
der
Medas
vom
9.
Februar 2017,
Urk.
6/111/24 und
Urk.
6/111/57)
.
Anderseits erklärten sie aber, dass die von ihnen attestierte 100%ige Arbeitsunfähigkeit
«
auf psychische und somatische Leiden mit Krankheitswert
»
zurückzuführen sei (Urk. 6/46/31
; vgl. auch Urk.
6/111/23
).
Zudem
liegt auch keine schlüssige fachärztliche Stellungnahme zu den
von
Dr.
G._
beschriebenen Verhaltensauffällig
keiten
der Beschwerde
führerin
(vgl. E. 6
.4.1)
vor.
Unter diesen
Umständen lässt sich
weder die Kategorie
«
funktioneller Schweregrad
»
noch die Kategorie
«
Kon
sistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens)
abschliessend
beurteilen.
6
.5
Es ergibt sich so
mit, dass die vorlie
genden Akten
keine zuverlässige
Beurteilung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
ab April 2013 sowie im weiteren Ver
lauf
anhand
der Standardindikatoren erlauben
.
Insbesondere stellt
nach dem Gesagten auch
das Gutachten der
Medas
vom
4.
Oktober 2013
keine zureichende medizinische Entscheidungsgrundlage dar
, zumal aufgrund der darin
sowie in der ergänzenden Stellungnahme vom 1
2.
November 2013 (
Urk.
6/48
/1
)
gemachten Ausführungen
d
er Eindruck besteht, dass
sich
die Gutachter der
Medas
bei ihrer Beurteilung der psychisch bedingten Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin vom bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell
leiten
liessen
. Dieses ist jedoch – entgegen der von der Beschwerdeführerin offenbar vert
retenen Auffassung (
Urk.
1 S. 9 Ziffer 27
) – aus rechtlich
er Sicht nicht
massgebend
(vgl.
BGE 143 V 418 E. 6).
6.6
Die Streit
frage, ob auf die Beurteilung im
Medas
-Gutachten vom
9.
Februar
2017
, wonach seit
anfangs 2015 aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsun
fähig
keit in bisheriger und angepasster Tätigkeit besteht
, abgestellt werden kann oder nicht
(
vgl.
E.
2; vgl. Urk.
1
,
Urk.
16 und
Prot. S. 3ff.
mit Verweis auf die
im Rahmen des Beschwerdeverfahrens eingereichten Berichte von
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 17. Dezember 2018 und vom 3. Mai 2019
[
Urk.
9/2-3]
)
,
ist nach dem Gesagten
(vgl. E.
1.
4.2
)
und aufgrund der nachfolgenden Erwägung
offen zu lassen.
7
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden kann, ob im April 2013 ein Anspruch auf eine Rente entstanden ist oder nicht.
I
n somatischer Hinsicht fehlt
es
insbesondere
an einer schlüssigen fachärztlichen (rheumatologischen) Stellungnahme zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in angepasster Tätigkeit (Belastungsprofil, Pensum) im Zeit
raum zwischen April 2013 und Ende Dezember 2013
(vgl. E.
5
)
, in
psychischer Hinsicht an einer den
Anforderungen an beweiskräftige
ärzt
liche Stellungnahmen (vgl. E. 1.5 und BGE 145 V 361 mit Hinweisen
[bezüglich der sich aus BGE 141 V 281 ergebenden Anfor
derungen]) genügenden psychiatrischen Stellungnahme zur
Arbeitsfähigkeit de
r Beschwerdeführerin
seit April 2013
(vgl. E.
6
)
.
Die ange
fochtene Verfügung ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit sie zunächst die medizinische und erwerbliche Aktenlage aktualisiere und hernach
die
besagten (fehlenden) fachärztlichen
(rheumat
ologischen und psychiatrischen) Beurteilungen einhole
.
Je nach dem
Ergebnis der ergänzenden medizinischen Abklärungen
hat die Beschwerde
gegnerin
anschliessend
eine Haushaltabklärung durchzuführen. Danach hat sie über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin ab April 2013 neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
8
.
8
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2).
8
.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
1’000
.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegeg
nerin aufzuerlegen.
8
.3
Die obsiegende Beschwerdeführerin hat gemäss
§
34
Abs.
1
GSVG
er
in Ver
bindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten. Daher ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Prozessent
schädigung zu bezahlen, die bei
praxis
gemässem Stundensatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwerts
teuer) ermessensweise auf
Fr.
2'900.--
(inklusive Barausla
gen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.