Decision ID: 442ace09-de18-5b5e-916c-4a48ac3c1625
Year: 2014
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die [...] geborene, ursprünglich aus der Dominikanischen Republik
stammende und nun dort wohnhafte X._ (nachfolgend: Versicher-
te oder Beschwerdeführerin) besitzt seit Dezember 2003 das Schweizer
Bürgerrecht. Sie arbeitete über 12 Jahre in der Schweiz, zuletzt als Ver-
kaufs- und Küchenmitarbeiterin bei M._ Restaurant. Dementspre-
chend entrichtete sie die Beiträge an die schweizerische Alters-, Hinter-
lassenen- und Invalidenversicherung (AHV/IV). Seit ihrem Wegzug aus
der Schweiz ist die Versicherte als Hausfrau tätig.
B.
Mit Formular vom 19. Januar 2011 meldete sich die Beschwerdeführerin
bei der IV-Stelle für Versicherte im Ausland IVSTA (nachfolgend: Vorin-
stanz) zum Leistungsbezug an und machte geltend, aufgrund einer seit
1993 bestehenden Schilddrüsenunterfunktion und einer seit 1999 beste-
henden psychischen Erkrankung arbeitsunfähig zu sein (vgl. IV act. 7).
C.
Zur Prüfung des Rentengesuchs nahm die Vorinstanz verschiedene Un-
terlagen wirtschaftlichen und medizinischen Inhalts zu den Akten. Ge-
stützt auf die medizinischen Akten, welche von 1993 bis 2003 datieren,
legte der Arzt des Regionalärztlichen Dienstes (nachfolgend: RAD) Dr.
med. A._ seinen Bericht vom 21. September 2011 vor. Er kam
zum Schluss, dass die vorliegenden medizinischen Berichte nicht genü-
gen, um den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zu beurteilen,
weshalb eine aktuelle psychiatrische Begutachtung notwendig sei (vgl. IV
act. 40).
D.
In der Folge forderte die Vorinstanz mit Schreiben vom 2. November 2011
– unter Beilage aller bestehenden medizinischen Akten – die schweizeri-
sche Botschaft der Dominikanischen Republik auf, eine psychiatrische
Begutachtung der Beschwerdeführerin zu veranlassen (vgl. IV act. 50).
Daraufhin stellte die Botschaft mit Schreiben vom 15. Dezember 2011 der
Vorinstanz einen undatierten psychiatrischen Bericht von Dr. B._
zu (vgl. IV act. 53).
Anschliessend legte die Vorinstanz das Dossier dem RAD-Arzt zur Beur-
teilung vor. Dr. med. A._ kam in seiner Stellungnahme vom 3.
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Februar 2012 zum Schluss, dass der Bericht von Dr. B._ von gu-
ter Qualität sei und darauf abgestellt werden könne. Er erachtete die Be-
schwerdeführerin als voll arbeitsfähig (vgl. IV act. 57).
E.
Mit Vorbescheid vom 21. Mai 2012 teilte die Vorinstanz der Beschwerde-
führerin mit, dass keine Invalidität vorliege, die einen Rentenanspruch zu
begründen vermöge, weshalb das Leistungsbegehren abgewiesen wer-
den müsse (vgl. IV act. 58).
Mit Eingabe vom 16. Juli 2012 erhob die Beschwerdeführerin Einwände
gegen diesen Vorbescheid (vgl. IV act. 59).
Mit Verfügung vom 8. August 2012 bestätigte die Vorinstanz ihren Vorbe-
scheid vom 21. Mai 2012 und wies das Leistungsgehren der Beschwer-
deführerin ab (vgl. IV act. 60).
F.
Gegen diese Verfügung vom 8. August 2012 erhob die Beschwerdeführe-
rin mit Eingabe vom 4. September 2012 Beschwerde bei der schweizeri-
schen Botschaft in der Dominikanischen Republik, welche die Beschwer-
deschrift samt Beilagen an das Bundesverwaltungsgericht weiterleiteten.
Sie beantragt sinngemäss, die angefochtene Verfügung aufzuheben und
ihr eine Invalidenrente zuzusprechen. Zur Begründung bringt sie zusam-
mengefasst vor, dass sie seit 1993 eine Schilddrüsenunterfunktion habe,
weswegen sie Hormone nehmen müsse. Des Weiteren habe sie eine
dauerhaft psychische Erkrankung und sei täglich auf die Einnahme von
Psychopharmaka angewiesen. Ein Absetzen der Psychopharmaka führe
zu einem Zustand der akuten Depression, welcher im Jahr 1999 eine
Einweisung in eine psychiatrische Klinik zur Folge gehabt habe. Ihre
Krankheiten hätten reduzierende Auswirkungen auf ihre körperliche, geis-
tige und mentale Leistungs- und Arbeitsfähigkeit. Es sei es ihr nicht mög-
lich, eine längerfristige existenzsichernde Arbeitsstelle zu halten. Die
durch die Krankheiten verbliebene Restarbeitsfähigkeit reiche nicht aus,
dauerhaft die Anforderungen eines Arbeitgebers zu erbringen. Auch bei
den Aufgaben im Haushalt und bei der Kindererziehung sei sie auf Unter-
stützung angewiesen.
G.
In ihrer Vernehmlassung vom 22. April 2013 verweist die Vorinstanz in
Ermangelung neuer, psychiatrischer Sachverhaltselemente auf die Stel-
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lungnahme des RAD vom 3. Februar 2012 und beantragt die Abweisung
der Beschwerde und die Bestätigung der angefochtenen Verfügung.
H.
Mit Replik vom 20. Mai 2013 bestätigt die Beschwerdeführerin ihre Anträ-
ge und macht ergänzende Ausführungen. Sie rügt, dass die Arbeitsfähig-
keit nicht abgeklärt worden sei. So komme auf dem realen Arbeitsmarkt
bei psychisch kranken Personen, die Psychopharmaka einnehmen wür-
den, aus Sicherheitsgründen kein Arbeitsplatz in Frage. Des Weiteren
beanstandet sie die zeitlich kurze Begutachtungszeit des Begutachters
Dr. B._ und bringt vor, dass sie vom Wortlaut dieses Berichtes
keine Kenntnis habe.
I.
In ihrer Duplik vom 20. Juni 2013 hielt die Vorinstanz vollumfänglich an ih-
ren Anträgen fest.
J.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterla-
gen – wird soweit erforderlich und rechtserheblich – in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) in Verbindung mit Art. 33 Bst. d VGG und Art. 69
Abs. 1 Bst. b des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die Invaliden-
versicherung (IVG, SR 831.20) sowie Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20.
Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021)
beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügun-
gen der IV-Stelle für Versicherte im Ausland. Eine Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor.
1.2 Nach Art. 37 VGG richtet sich das Verfahren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht nach dem VwVG, soweit das VGG nichts anderes bestimmt.
Indes findet das Verwaltungsverfahrensgesetz aufgrund von Art. 3 Bst.
d bis
VwVG keine Anwendung in Sozialversicherungssachen, soweit das
Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den allgemeinen Teil des Sozi-
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alversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) anwendbar ist. Nach Art. 1 Abs.
1 IVG sind die Bestimmungen des ATSG auf die Invalidenversicherung
(Art. 1a – 26 bis
und 28 – 70) anwendbar, soweit das IVG nicht ausdrück-
lich eine Abweichung vom ATSG vorsieht.
1.3 Anfechtungsgegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Verfü-
gung der IV-Stelle für Versicherte im Ausland vom 8. August 2012. Die
Beschwerdeführerin hat frist- und formgerecht Beschwerde erhoben (Art.
60 ATSG). Als Adressatin der angefochtenen Verfügung ist sie besonders
berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Änderung oder
Aufhebung (Art. 59 ATSG). Damit ist auf das ergriffene Rechtsmittel,
nachdem auch der Kostenvorschuss fristgerecht geleistet wurde, einzu-
treten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht prüft die Verletzung von Bundesrecht
einschliesslich der Überschreitung oder des Missbrauchs des Ermessens,
die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen
Sachverhalts und die Unangemessenheit, wenn nicht eine kantonale Be-
hörde als Beschwerdeinstanz verfügt hat (Art. 49 VwVG).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht ist gemäss dem Grundsatz der
Rechtsanwendung von Amtes wegen nicht an die Begründung der Be-
gehren der Parteien gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann die Be-
schwerde auch aus anderen als den geltend gemachten Gründen gut-
heissen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer Be-
gründung bestätigen, die von jener der Vorinstanz abweicht (vgl. HÄBERLI,
in: Waldmann/Weissenberger, Praxiskommentar VwVG, Art. 62 N 40).
2.3 Im Sozialversicherungsprozess hat das Gericht seinen Entscheid, so-
fern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem Beweis-
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Mög-
lichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen
nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen,
die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichs-
te würdigt (BGE 126 V 353 E. 5b, 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
3.
Vorab ist zu prüfen, welche Rechtsnormen im vorliegenden Verfahren zur
Anwendung gelangen.
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3.1 Die Beschwerdeführerin ist Schweizer Staatsbürgerin und lebt in der
Dominikanischen Republik. Mangels einschlägiger staatsvertraglicher
Vereinbarungen mit der Dominikanischen Republik richtet sich der An-
spruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der schweizerischen Inva-
lidenversicherung im Prinzip sowohl in materiellrechtlicher als auch in ver-
fahrensrechtlicher Hinsicht nach schweizerischem Recht, insbesondere
dem IVG, der Verordnung vom 17. Januar 1961 über die Invalidenversi-
cherung (IVV, SR 831.201), dem ATSG sowie der entsprechenden Ver-
ordnung vom 11. September 2002 (ATSV, SR 830.11).
3.2 Nach den allgemeinen intertemporalen Regeln sind in verfahrens-
rechtlicher Hinsicht diejenigen Rechtssätze massgebend, welche im Zeit-
punkt der Beschwerdebeurteilung Geltung haben (BGE 130 V 1 E. 3.2).
In materiellrechtlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze
massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Sach-
verhalts Geltung haben (BGE 130 V 329 E. 2.3). Ein allfälliger Leistungs-
anspruch ist für die Zeit vor einem Rechtswechsel aufgrund der bisheri-
gen und ab diesem Zeitpunkt nach den neuen Normen zu prüfen (pro rata
temporis; BGE 130 V 445). Im vorliegenden Verfahren finden demnach
grundsätzlich jene schweizerischen Rechtsvorschriften Anwendung, die
bei Erlass der angefochtenen Verfügung vom 8. August 2012 in Kraft
standen; weiter aber auch alle übrigen Vorschriften, die für die Beurtei-
lung der streitigen Verfügung im vorliegend massgeblichen Zeitraum von
Belang sind. Da sich vorliegend der zu beurteilende Sachverhalt im Zeit-
raum von Januar 2011 bis August 2012 zugetragen hat, sind bis zum
31. Dezember 2011 die auf den 1. Januar 2008 in Kraft getretenen Be-
stimmungen der 5. IV-Revision anwendbar (AS 2007 5129 bzw. AS 2007
5155), und ab dem 1. Januar 2012 die zu diesem Zeitpunkt in Kraft getre-
tenen Bestimmungen des ersten Massnahmenpaket der 6. IV-Revision
(AS 2011 5659 bzw. AS 2011 5679).
3.3 Bezüglich der vorliegend auf Grund von Art. 2 ATSG in Verbindung mit
Art. 1 Abs. 1 IVG zu berücksichtigenden ATSG-Normen zur Ar-
beitsunfähigkeit (Art. 6), Erwerbsunfähigkeit (Art. 7), Invalidität (Art. 8)
und zur Bestimmung des Invaliditätsgrades (Art. 16) hat das Schweize-
rische Bundesgericht (vormals Eidgenössisches Versicherungsgericht
[EVG]) erkannt, dass es sich bei den in Art. 3-13 ATSG enthaltenen Le-
galdefinitionen in aller Regel um eine formellgesetzliche Fassung der
höchstrichterlichen Rechtsprechung zu den entsprechenden Begriffen vor
In-Kraft-Treten des ATSG handelt und sich inhaltlich damit keine Ände-
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rung ergibt, weshalb die hierzu entwickelte Rechtsprechung übernommen
und weitergeführt werden kann (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.1, 3.2 und 3.3).
4.
Im vorliegenden Verfahren ist in der Hauptsache streitig und vom Bun-
desverwaltungsgericht zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht den An-
spruch der Beschwerdeführerin auf eine schweizerische Invalidenrente
verneint hat.
4.1 Anspruch auf eine Rente der schweizerischen Invalidenversicherung
hat, wer invalid im Sinne des Gesetzes ist (Art. 7, 8, 16 ATSG; Art. 4, 28,
28a, 29 IVG) und beim Versicherungsfall mindestens während dreier Jah-
re (Art. 36 Abs. 1 IVG) Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invali-
denversicherung geleistet hat. Diese zwei Bedingungen müssen kumula-
tiv erfüllt sein.
Die Beschwerdeführerin hat in der Schweiz während der Dauer von über
12 Jahren Beiträge an die Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversiche-
rung geleistet, womit die beitragsmässigen Voraussetzungen für den Be-
zug einer ordentlichen Invalidenrente erfüllt sind (vgl. IV act. 36). Zu prü-
fen bleibt damit, ob und gegebenenfalls ab wann und in welchem Umfang
sie invalid im Sinne des Gesetzes (geworden) ist.
4.2 Gemäss Art. 8 Abs. 1 ATSG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 IVG ist In-
validität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit als Folge von Geburtsgebrechen,
Krankheit oder Unfall. Erwerbsunfähigkeit ist gemäss Art. 7 ATSG der
durch Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Gesundheit ver-
ursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei-
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt. Arbeitsunfähigkeit ist
die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi-
schen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisheri-
gen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer
Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder
Aufgabenbereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
4.3 Der Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität beurteilt sich nach Art. 28
Abs. 1 IVG. Der Rentenanspruch entsteht frühestens in dem Zeitpunkt, in
dem Versicherte ihre Erwerbsfähigkeit nicht durch zumutbare Eingliede-
rungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können
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(Bst. a); während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch-
schnittlich mindestens zu 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen sind (Bst.
b); und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid
verbleiben (Bst. c).
4.3.1 Die seit dem 1. Januar 2004 massgeblichen Rentenabstufungen
geben bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent Anspruch
auf eine Viertelsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Pro-
zent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von min-
destens 60 Prozent Anspruch auf eine Dreiviertelsrente und bei einem In-
validitätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente
(Art. 28 Abs. 2 IVG).
4.3.2 Sowohl im Rahmen einer erstmaligen Prüfung des Rentenanspru-
ches als auch anlässlich einer Rentenrevision (Art. 17 Abs. 1 ATSG) stellt
sich unter dem Gesichtspunkt des Art. 28a Abs. 3 IVG in Verbindung mit
Art. 16 und 7 Abs. 2 ATSG die Frage nach der anwendbaren Invaliditäts-
bemessungsmethode. Ob eine versicherte Person als ganztägig oder
zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist – was je
zur Anwendung einer anderen Methode der Invaliditätsbemessung (Ein-
kommensvergleich, Betätigungsvergleich, gemischte Methode) führt –,
ergibt sich aus der Prüfung, was die Person bei im Übrigen unveränder-
ten Umständen täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung be-
stünde.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades bei Erwerbstätigen wird das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidi-
tät und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus-
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Valideneinkommen; Art. 16
ATSG in Verbindung mit. Art. 28a Abs. 1 IVG).
Bei Teilzeit-Erwerbstätigen wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit
und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im
Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Per-
son ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt
sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, fa-
miliären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der ge-
mischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Er-
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Seite 9
werbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungs-
vergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der
Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvali-
ditäten ergibt (BGE 130 V 393 ff. E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
4.4 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und
im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand
zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und be-
züglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4, BGE 115 V 133
E. 2; AHI-Praxis 2002 S. 62 E. 4b/cc). Eine zumutbare Arbeitsmöglichkeit
hat sich der Versicherte anrechnen zu lassen (leidensangepasste Verwei-
sungstätigkeit; ZAK 1986 S. 204 f.).
4.5 Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und
im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche
und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen ha-
ben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszu-
stand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig
ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für
die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zu-
gemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen). Die – ar-
beitsmedizinische – Aufgabe der Ärzte und Ärztinnen besteht darin, sich
dazu zu äussern, inwiefern die versicherte Person in ihren körperlichen
oder geistigen Funktionen leidensbedingt eingeschränkt ist. Eine zumut-
bare Arbeitsmöglichkeit hat sich der Versicherte anrechnen zu lassen
(leidensangepasste Verweisungstätigkeit; ZAK 1986 S. 204 f.).
5.
5.1 Die angefochtene Verfügung vom 8. August 2012 sowie bereits der
Vorbescheid vom 21. Mai 2012 basieren hauptsächlich auf dem undatier-
ten medizinischen Bericht von Dr. B._ und der diesbezüglich ein-
geholten Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. med. A._ vom
3. Februar 2012. Hiernach werden der Beschwerdeführerin im Wesentli-
chen eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion ge-
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mischt (F43.22), eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
remittiert (F33.4) sowie eine Funktionsstörung der Schilddrüse diagnosti-
ziert, welche zu keinen Einschränkungen der Arbeits- bzw. Leistungsfä-
higkeit führen würden.
5.2 Die Beschwerdeführerin bringt im Rahmen ihrer Replik vom 20. Mai
2013 vor, vom Wortlaut des Berichtes von Dr. B._ keine Kenntnis
zu haben. Nach entsprechender Aufforderung des Bundesverwaltungsge-
richts teilte die Vorinstanz in ihrer Eingabe vom 23. Juni 2014 mit, dass
der medizinische Bericht von Dr. B._ und die RAD-Stellungnahme
von Dr. med. A._ vom 3. Februar 2012 der Beschwerdeführerin
nicht zugestellt worden sind.
5.3 Es stellt sich somit die Frage, ob der Anspruch der Beschwerdeführe-
rin auf rechtliches Gehör verletzt worden ist, indem ihr die beiden medizi-
nischen Berichte nicht zugestellt worden sind und sie keine Gelegenheit
erhalten hat, sich zu diesen Berichten zu äussern, obwohl diese für den
Entscheidfindungsprozess der Vorinstanz zentral gewesen sind.
6.
6.1 Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV haben die Parteien Anspruch auf rechtli-
ches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung,
andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht
beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer
Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass
des in ihre Rechtsstellung eingreifenden Entscheids zur Sache zu äus-
sern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen,
mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu
beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundes-
gerichts (BGer) 8C_102/2007 vom 25. Oktober 2007 E. 3.1).
6.2 Aus Inhalt und Funktion des Akteneinsichtsrechts als Teil des An-
spruchs auf rechtliches Gehör folgt, dass grundsätzlich sämtliche be-
weiserheblichen Akten den Beteiligten gezeigt werden müssen, sofern in
der sie unmittelbar betreffenden Verfügung darauf abgestellt wird. Denn
es gehört zum Kerngehalt des rechtlichen Gehörs, dass der Verfügungs-
adressat vor Erlass eines für ihn nachteiligen Verwaltungsaktes zum Be-
weisergebnis Stellung nehmen kann. Das Akteneinsichtsrecht ist somit
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Seite 11
eng mit dem Äusserungsrecht verbunden, gleichsam dessen Vorbedin-
gung. Der Versicherte kann sich nur dann wirksam zur Sache äussern
und geeignete Beweise führen oder bezeichnen, wenn ihm die Möglich-
keit eingeräumt wird, die Unterlagen einzusehen, auf welche sich die Be-
hörde bei ihrer Verfügung gestützt hat. Das rechtliche Gehör dient in die-
sem Sinne einerseits der Sachaufklärung und stellt anderseits ein persön-
lichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verfahren dar. Daraus ergibt
sich, dass der Versicherer, welcher neue Akten beizieht, auf die er sich in
seiner Verfügung zu stützen gedenkt, grundsätzlich verpflichtet ist, die
Beteiligten über den Aktenbeizug zu informieren (BGE 132 V 387 E. 3;
Urteil BGer 8C_102/2007 vom 25. Oktober 2007 E. 3.1.2; THOMAS LO-
CHER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 3. Auflage, Bern 2003,
S. 448, § 68 N 27, mit Hinweis auf BGE 124 II 132 E. 2b).
6.3 Diesem Gebot hat die Vorinstanz nicht nachgelebt. Sie hat den unda-
tierten Bericht von Dr. B._ und die RAD-Stellungnahme vom 3.
Februar 2012, welche bereits vor Erlass des Vorbescheids am 21. Mai
2012 vorgelegen haben, der Beschwerdeführerin nicht zur Kenntnis ge-
bracht. Im Vorbescheid wurde zur Begründung des in Aussicht gestellten
Entscheides sodann lediglich ausgeführt, es gehe aus den Akten hervor,
dass keine ausreichende durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit während ei-
nes Jahres vorliege. Auf welche Akten sich die Vorinstanz bei dieser
Feststellung genau stützte, geht aus dem Vorbescheid nicht hervor. Somit
hatte die Beschwerdeführerin bereits bei der Erhebung der Einwände ge-
gen den Vorbescheid vom 21. Mai 2012 weder Kenntnis der gesamten
Vorakten noch von der eingeholten medizinischen Stellungnahme des
RAD. Auch in der Verfügung vom 8. August 2012 wird nicht explizit er-
wähnt, dass sich die Feststellung der Vorinstanz, dass keine langfristige
Arbeits- bzw. Leistungsunfähigkeit besteht, insbesondere auf den Bericht
von Dr. B._ und die RAD-Stellungnahme vom 3. Februar 2012
stützt. Die Beschwerdeführerin hatte somit nie Gelegenheit, sich zu den
genannten, für die Entscheidfindung der Vorinstanz wesentlichen Unter-
lagen vernehmen zu lassen. Ohne Einsicht in diese Berichte konnte sie
sich über die Würdigung der medizinischen Aktenstücke durch die Vorin-
stanz kein Bild machen. Damit wurde ihr Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt (vgl. Urteil BGer 8C_147/2007 vom 27. Februar 2008 E. 4.2).
6.4 Das Recht, angehört zu werden, ist formeller Natur. Die Verletzung
des rechtlichen Gehörs führt ungeachtet der Erfolgsaussichten der Be-
schwerde in der Sache selbst zur Aufhebung der angefochtenen Verfü-
gung. Es kommt mit anderen Worten nicht darauf an, ob die Anhörung im
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Seite 12
konkreten Fall für den Ausgang der materiellen Streitentscheidung von
Bedeutung ist, d.h. die Behörde zu einer Änderung ihres Entscheides
veranlasst wird oder nicht (BGE 132 V 387 E. 5.1, 127 V 431 E. 3d/aa;
Urteil BGer 8C_102/2007 vom 25. Oktober 2007 E. 3.1.1).
Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende
– Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten,
wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Be-
schwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechts-
lage frei überprüfen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/aa). Von einer Rückwei-
sung der Sache an die Verwaltung ist selbst bei einer schwerwiegenden
Verletzung des rechtlichen Gehörs dann abzusehen, wenn und soweit die
Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestell-
ten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung
der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1; Urteil
BGer 8C_102/2007 vom 25. Oktober 2007 E. 3.1.1).
6.5 Vorliegend wurde die Beschwerdeführerin, welche Wohnsitz in der
Dominikanischen Republik hat, mit Verfügung des Bundesverwaltungsge-
richts vom 4. Februar 2013 aufgefordert ein Zustelldomizil in der Schweiz
anzugeben. Dieser Aufforderung kam die Beschwerdeführerin nicht nach,
so dass Androhungen und Entscheide durch Publikation im Bundesblatt
eröffnet werden müssen.
Mangels Zustelldomizil in der Schweiz kann das Bundesverwaltungsge-
richt der Beschwerdeführerin im vorliegenden Beschwerdeverfahren den
undatierten medizinischen Bericht von Dr. B._ und die RAD-
Stellungnahme vom 3. Februar 2012 nicht nachträglich zur allfälligen
Stellungnahme zustellen. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren scheidet
somit eine Heilung der Verletzung des rechtlichen Gehörs aus. Die ange-
fochtene Verfügung der Vorinstanz vom 8. August 2012 ist daher aufzu-
heben. Die Sache ist an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit sie der
Beschwerdeführerin das rechtliche Gehör gewähre und anschliessend,
unter Berücksichtigung der durch sie vorgebrachten Argumente, neu über
die Sache verfüge.
7.
Zu befinden bleibt noch über die Verfahrenskosten und eine allfällige Par-
teientschädigung.
B-5317/2012
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7.1 Gemäss Art. 63 Abs. 1 VwVG auferlegt das Bundesverwaltungsge-
richt die Verfahrenskosten in der Regel der unterliegenden Partei. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens sind der obsiegenden Beschwerdeführe-
rin keine Kosten aufzuerlegen, so dass der geleistete Kostenvorschuss
der Beschwerdeführerin auf ein von ihr anzugebendes Konto zurückzuer-
statten ist. Der Vorinstanz werden keine Verfahrenskosten auferlegt (Art.
63 Abs. 2 VwVG).
7.2 Da der obsiegenden Beschwerdeführerin, welche nicht anwaltlich ver-
treten war, keine verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, ist ihr
keine Parteientschädigung zuzusprechen (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG und
Art. 7 ff. des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Ent-
schädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Als Bundesbehörde hat die Vorinstanz ebenfalls keinen An-
spruch auf Parteientschädigung (Art. 7 Abs. 3 VGKE).