Decision ID: 0568c1a5-2495-4940-baa6-b1e80b21958e
Year: 2014
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1950 geborene
X._
war als Arbeitsloser durch die SUVA gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er am 5. November 1999 und am 13. Februar 2000 (Urk. 8/1 und Urk. 8/5) stürzte und eine
Rückenkontusion
bei einer seit 1996 bekannten Diskushernie L4/L5 diagnostiziert wurde (Urk. 8/3). In der Folge klagte der Versicherte über diffuse Schmerzen entlang der gesamten Wirbelsäule (Urk. 8/6-7). Die SUVA trat auf den Schaden ein und gewährte Taggeld und Heilbehandlung.
Nachdem der Versicherte vom 9. August bis 13. September 2000 stationär in der
Y._
behandelt worden war und deren Ärzte den Versicherten in einer zumindest mittelschweren Tätigkeit als zu 100 % arbeitsfähig erachtet hatten, stellte die SUVA die Leistungen mit Verfügung vom 12. Oktober 2000 per 30.
September
2000 ein (Urk. 8/23). Die
dagegen gerichtete
Einsprache
des Versicherten vom 19. Oktober 2000 (Urk. 8/25)
wurde am 14. Februar 2001 (Urk. 8/41) und diejenige
des Krankenversicherers vom
22. Februar 2001 (Urk. 8/43) am 6. März 2001 (Urk. 8/46) zurückgezogen.
1.2
Am 28. September 2007 stellte der Versicherte ein Leistungsbegehren (Urk. 8/54), auf welches die SUVA mit formlosem Schreiben vom 9. Oktober 2007 nicht eintrat (Urk. 8/55).
Am 24. Juni 2010 wandte sich der Versicherte erneut an die SUVA und stellte einen Antrag auf eine Rente der Unfallversi
cherung (Urk. 8/60), welchen die SUVA als Wiederwägungs
-
und
Revisionsge
such
entgegennahm und mit Schreiben vom 23. Juli 2010 darauf nicht eintrat (Urk. 8/59). Auf die dagegen gerichtete
Beschwerde
trat das hiesige Gericht mit Beschluss vom 10. Januar 2011 nicht ein und überwies die Akten
der
SUVA zur Entscheidung (Urk.
8/64
). Unter Hinweis auf diesen Gerichtsbeschluss erneuerte der Versicherte gegenüber der SUVA sein Leistungsgesuch (Urk. 8/68), welches die SUVA mit Verfügung vom 11. März 2011 abwies (Urk. 8/72).
Nach um
fangreicher Korrespondenz zwischen dem Versicherten, der SUVA, de
m hiesigen Gericht und dem
Bundesgericht
, in deren Verlauf das hiesige Gericht
im Rahmen einer Rechtsverzögerungsbeschwerde
die SUVA mit Urteil vom 11. September 2012 anwies,
ein an
sie
gerichtetes Schreiben
des Versicherten
vom 30. September 2011 (Urk. 8/75)
als Einsprache zu behandeln
(Prozess Nr.
UV.2012.00154, Urk. 8/101)
, wies die SUVA
die
se
mit Entscheid vom 20. Dezember 2012 ab
, soweit sie darauf eintrat
(Urk. 8/10
9
= Urk. 2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
0.
Dezember 2012 (
Urk.
2)
erhob der Versi
cherte am 5. Januar 2013 Beschwerde und beantragte sinngemäss die
Ausrichtung der
ge
setzlichen Unfallversicherungsleistungen (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 13. Februar 2013
schloss die
Beschwerdegegnerin
auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 6),
was dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 15. Februar 2013
mitgeteilt
wurde (Urk. 9). Am 12. März 2013 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er an der Beschwerde festhalte (Urk. 10) und reichte mit undatierter Eingabe (Urk. 13)
sowie
mit Eingabe
n
vom 9. August 2013 (Urk. 14
a
)
und 15. Oktober 2013 (Urk. 17)
weitere medizinische Unterlagen ein (Urk. 14/1-5
,
Urk. 15/
1-4 und Urk. 18/1-3).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Vorab ist darauf hinzuweisen, dass
kein Anspruch auf
Wiedererwägung
besteht. Deshalb steht kein Rechtsmittel
zur Verfügung, wenn ein Versicherungsträger es ablehnt, einen Entscheid in
Wiedererwägung
zu ziehen, indem er das
Wiederer
wägungsgesuch
abweist oder nicht darauf eintritt. Ein solcher
Nichteintretens
entscheid
ist
daher endgültig (BGE 133 V 50 E. 4.4.2 mit Hinweisen), weshalb die Beschwerdegegnerin auf die
diesbezügliche
Einsprache zu Recht nicht ein
getreten ist.
2.
2.1
Laut
Art.
53
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozial
ver
sicherungsrechts
(
ATSG
)
müssen formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen ent
deckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (sogenannte prozessuale Revision).
2.2
Als „neu" gelten Tatsachen, welche sich zwar vor Erlass der formell rechtskräfti
gen Verfügung oder des
Einspracheentscheids
verwirklicht haben, dem Gesuch
steller trotz hinreichender Sorgfalt jedoch nicht bekannt waren (Urteil
des Bundesgerichts
U 22/07 vom
6.
September 2007 E. 4.1 mit Hinweisen). Das revisionsweise vorgebrachte Element, welches lediglich eine neue Würdigung einer bereits bekannten Tatsache beinhaltet, rechtfertigt keine prozessuale Revi
sion.
Die neuen Tatsachen müssen zudem „erheblich" sein. Eine neue Tatsache ist jedenfalls nur dann im Sinne von
Art.
53
Abs.
1 ATSG erheblich, wenn sie die tatsächliche Grundlage der Verfügung oder des
Einspracheentscheids
so zu än
dern vermag, dass bei zutreffender rechtlicher Würdigung ein anderer Entscheid resultiert.
Im Rahmen der prozessualen Revision muss die erhebliche neue Tatsache selber bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu einem anderen Entscheid führen; der Gesuchsteller hat den Revisionsgrund allein gestützt auf die Parteivorbringen oder andere, sich aus den Akten ergebende Anhaltspunkte mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b) nachzuwei
sen, da andernfalls das Revisionsgesuch abzuweisen ist (Urteil des Bundesge
richts 8C_720/2009 vom 1
5.
Februar 2010, E. 5.1 mit Hinweisen).
2.3
Neue Beweismittel haben entweder dem Beweis der die Revision begründenden neuen erheblichen Tatsachen oder dem Beweis von Tatsachen zu dienen, die zwar bekannt gewesen, zum Nachteil des Gesuchstellers aber unbewiesen ge
blieben sind. Sollen bereits vorgebrachte Tatsachen mit neuen Mitteln bewiesen werden, hat der Gesuchsteller auch darzutun, dass er die Beweismittel im früheren Verfahren nicht beibringen konnte. Ausschlaggebend ist, dass das Be
weismittel nicht bloss der Sachverhaltswürdigung, sondern der
Sachverhalts
feststellung
dient. Es genügt daher nicht, dass ein neues Gutachten den Sach
verhalt anders wertet; vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher Natur, welche die Entscheidungsgrundlagen als objektiv mangelhaft erscheinen lassen. Auch ist ein Revisionsgrund nicht schon gegeben, wenn die Verwaltung bereits im Hauptverfahren bekannte Tatsachen möglicherweise unrichtig gewürdigt hat. Notwendig ist vielmehr, dass die unrichtige Würdigung erfolgte, weil für den Entscheid wesentliche Tatsachen nicht bekannt waren oder unbewiesen blieben (Urteil
des Bundesgerichts
U 68/06 vom
4.
Januar 2007 E. 2.2 und BGE 110 V 138 E. 2 S. 141, je mit Hinweisen). Das Beweismittel muss sich auf eine Tatsa
che beziehen, welche Grundlage des gegebenenfalls zu revidierenden Entschei
des bildete (Urteil des Bundesgerichts 8C_720/2009 vom 1
5.
Februar 2010, E.
5.2 mit Hinweisen).
3.
3.1
Gestützt auf den Austrittsbericht der
Y._
vom
10. September 2000
stellte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen mit Verfügung vom 12. Oktober 2000 ein (Urk. 8/23).
In
diesem Bericht
wurden folgende funktionel
le Diagnosen genannt (Urk. 8/22 S. 1 f.):
p
anvertebrales Schmerzsyndrom
mit
d
iffusen
myofaszialen
Weichteilbeschwerden
z
eitweilig starken Begleitkopfschmerzen (1-2x wöchentlich) und
Schwank
schwindelsensationen
o
hne
Hinweise für eine
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik
b
ei
Status nach Sturz am 13.02.00
u
nfallunabhängig
er
Spondylarthrose
der LWS,
Protrusion
L4/5
s
omatoforme
Überlagerun
g
des Beschwerdebildes im Rahmen einer larvier
ten Depression mit zusätzlicher Symptomausweitungstendenz
Beim Beschwerdeführer seien zwei Sturzereignisse bekannt, eines vom 5. November 1999 mit Sturz auf vereister Fläche, wobei diesbezüglich keine speziellen medizinischen Unterlagen vorhanden seien. Das jetzige
Beschwerde
bild
präsentiere der Beschwerdeführer seit einem Sturzereignis vom 13. Februar 2000, als er zu Hause im Badezimmer rückwärts gestürzt sei. Wegen Angabe von heftigsten Beschwerden im Bereich des ganzen Rückens seien ausgedehnte radiologische Abklärungen vorgenommen worden, von
Hals
,
Brust
und
Len
denwirbelsäule
(
LWS
)
. Eine diagnostische Unklarheit sei nach der Untersuchung der LWS mittels MRI
aufgetaucht
, welches nicht konklusiv beurteilbar gewesen sei, da sich der Beschwerdeführer während der Untersuchung immer bewegt habe. Trotzdem sei
aufgrund des
MRI
s
der Verdacht auf eine rechtslateral gele
gene Diskushernie L4/5 geäussert
worden
. Dieser Befund sei mit einem
Compu
tertomogramm
anlässlich des Aufenthalts wiederholt worden, das eine
mäs
siggradige
Spondylarthrose
der LWS und lediglich eine
Protrusion
auf Höhe L4/5
gezeigt habe
.
Das vom Beschwerdeführer präsentierte Schmerzbild
befinde sich
im Bereich der ganzen Wirbelsäule und zeige eine Ausdehnung vom
Nackenhinterhauptsbe
reich
bis zur Lendenwirbelsäule. Bei der klinischen Untersuchung werde die gesamte Wirbelsäule steif gehalten und lasse sich kaum untersuchen.
Die Gründe für das Beschwerdeverhalten und das Beschwerdebild seien mit Sicherheit nicht mehr
die
Kontusionsfolgen des Rückens.
In sämtlichen radiolo
gischen Abklärungen hätten für eine organisch zu definierende Mitbeteiligung keine Hinweise erkannt werden können. Es liege eine schwi
e
rige psychosoziale Problematik vor.
3.2
Prof.
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Neurologie und Psychiatrie
,
diagnos
tizierte
im Gutachten vom
6. Juni 2010 (Übersetzung, Urk. 8/77)
F
olgendes:
Hem
i
paresis
lat
eralis
sinister
Cephalea
chronica
post
traumatica
Syndrom
psychoorganicum
Der Beschwerdeführer habe zweimal Kopf- und Körperverletzungen erlitten. Die Folge sei
en
eine Hirnschwäche (
Hemiparesis
l
ateralis
sin
ister
) und chronische Kopfschmerzen mit
Ohrensausen. Klinisch bestehe das Bild des
psychoorgani
schen
Syndroms und einer organischen Depression, was durch die angeführten Veränderungen am Gehirn (NMR-Befund) und psychologische Tests bestätigt worden sei. Der Beschwerdeführer sei zu 100
%
arbeitsunfähig. Überdies bestehe eine Verminderung der Lebensaktivitäten um 70 %.
Im Bericht vom
16.
März 2012 (Übersetzung, Urk. 8/90) wiederholt Prof.
Dr.
Z._
die von ihm gestellten Diagnosen. Der Beschwerdeführer
klage
über starke Kopfschmerzen besonders im Hinterkopf und Nacken (Hals). Nach
Kopf
lageänderung
empfinde er Schwindelgefühl und Übelkeit mit Brechreiz.
3.3
Dr.
med.
A._
,
Facharzt für Chirurgie, und
Dr.
med.
B._
,
Fachärztin für Neurologie FMH, Kompetenzzentrum für
Versicherungs
medizin
der Beschwerdegegnerin, führten in ihrer Beurteilung vom 1
7.
Dezember 2012 (
Urk.
8/107) aus, es seien anlässlich der Unfallereignisse keine Verletzungen des Kopfes und insbesondere keine traumatischen
Hirnver
letzungen
, weder leichte noch schwere, dokumentiert. Ein natürlich kausaler Zusammenhang zwischen den nun bildgebend gefundenen Veränderungen und einem Sturz auf den Rücken in den Jahren 1999 und 2000 könne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.
4.
4.1
D
ie von Prof.
Dr.
Z._
gestellten Diagnosen wurden im Wesentlichen bereits von den Ärzten der
Y._
gestellt. So wurden in ihrem Bericht unter anderem Kopfschmerzen,
Schwankschwindel
und eine la
r
vierte Depres
sion genannt. Neu
diagnostizierte
Prof.
Dr.
Z._
eine links
s
eitige Hemiparese
sowie Ohrensausen
.
Als objektive Befunde
konnte Prof.
Dr.
Z._
Verände
rungen am
H
i
r
n feststellen.
4.2
Prof.
Dr.
Z._
führt die Einschränkungen des Beschwerdeführers auf zwei Unfälle mit Kopf- und Körperverletzungen zurück, wobei äusserst fraglich ist, dass der Beschwerdeführer anlässlich der geltend gemachten Unfallereignisse überhaupt ei
nen Kopfanprall erlitten hat:
Laut Austrittsbericht der
Y._
(E. 3.1) stürzte der Beschwerde
führer am 5. November 1999 auf vereister Strasse und zog sich dabei eine Rückenkontusion zu, welche im
C._
ambulant abgeklärt wurde. Da es sich um einen Bagatellunfall handelte, sind keine Unterlagen mehr vorhan
den (vgl. Urk. 6 S. 2
Ziff.
5.1). Nach dem Sturz im Badezimmer vom 13. Februar 2000 gab der Beschwerdeführer i
n der Unfallmeldung vom 29. Februar 2000 (Urk. 8/1)
an,
auf den Boden gestü
r
zt zu sein und am Rücken eine Quetschung erlitten zu haben.
Dr.
med.
D._
,
der
den Beschwerdeführer tags darauf behandelt hatte,
wies
im Bericht vom 20. März 2000 (Urk. 8/3)
auf die Erstdiagnose
eine
r
Rückenkontusion
hin (vgl.
Ziff.
4)
. Gegenüber den Ärzten der
E._
gab der Beschwerdeführer laut Be
richt vom 12. April 2000 (
U
rk. 8/7) an, er leide an Rückenschmerzen entlang der gesamten Wirbelsäule. Als Diagnose nannten die Ärzte ein akutes
lum
bovertebrales
Syndrom ohne Ausstrahlungen in die unteren Extremitäten.
Erst gegenüber den Ärzten der
Y._
(E. 3.1) gab der Beschwerdeführer an,
auch mit
dem Hinterkopf
auf de
m
Boden aufgeschlagen zu haben
.
4.3
Dass der Beschwerdeführer anlässlich seines Sturzes
auf der Strasse oder
im Badezimmer
einen Kopfanprall erlitten hat, erscheint angesichts seiner Schil
derungen wenig wahrscheinlich
.
Ausserdem wurde
n
in den echtzeitlichen medi
zinischen Akten keine Kopfverletzung
en
und
insbesondere keine traumatischen Hirnverletzungen
dokumentiert.
Wären Kopfverletzungen und deren Folgen damals in Betracht gezogen worden, wäre der Beschwerdeführer mit an Sicher
heit grenzender Wahrscheinlichkeit
entsprechend untersucht worden. Denn es ist nicht einzusehen, weshalb auf Untersuchungen im Schädel-/Hirnbereich hätte verzichtet werden sollen, während
umfangreiche Abklärungen bezüglich der
geklagten
Rückenbeschwerden statt
gefunden haben (vgl. E. 3.1).
Es muss daher
mit der versicherungsmedizinischen Beurteilung (vorstehend E. 3.3)
da
von ausgegangen werden, dass die von Prof.
Dr.
Z._
festgestellten Verän
derungen auf der Haut des Grosshirns und der weissen Masse (frontal rechts) erst nach
Fallabschluss
und nicht als Folge des Unfallereignisses entstanden sind und
es sich dabei
zwar
um neue
, nicht aber revisionsrelevante (vgl. vorste
hend E. 2.2)
Tatsachen handelt.
4.4
Nach dem Dargelegten
können den
medizinischen Bericht
en
von Prof.
Z._
keine bereits vorhandenen neuen Elemente tatsächlicher Natur entnommen werden, weshalb die Beschwerdegegnerin das Revisions
gesuch zu Recht abge
wiesen hat.