Decision ID: a4f62d3d-c380-452a-b3d1-993c13baf4bf
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1983,
absolvierte eine
Anlehre
als Autolackierer
und war anschliessend temporär als Allrounder und Lagerist tätig (Urk. 6/2 Ziff.
5.2, Ziff. 5.4). Er
meldete sich unter Hinweis auf psychische Beschwerden am
1.
Juni 2008 bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbe
zug
an (
Urk.
6/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte ein
bidiszipli
näres
Gut
achten ein, das am
1
5.
Januar 2010 erstattet wurde (
Urk.
6/37). Mit Mitteilung vom 1
9.
Februar 2010
(
Urk.
6/40) schloss die IV-Stelle die Berufsbe
ratung ab und verneinte eine
Kos
tengutsprache
für eine erstmalige berufliche Ausbildung. Gestützt auf
eine
psy
chia
trische Standortbestimmung (
Urk.
6/45/7)
des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes
(RAD) sprach die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
3.
Septe
mber 2010
dem Ver
si
cherten
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente ab
1.
Januar 2008
zu (
Urk.
6/59).
1.2
Im Rahmen einer revisionsweisen Überprüfung holte die IV-Stelle unter ande
rem ein
bidisziplinäres
Verlaufsgutachten ein, das am
7.
März 2013 erstattet wurd
e (
Urk.
6/75). Mit Verfügung vom
4.
September 2013
(
Urk.
6/82)
schloss die IV-Stelle die Arbeitsvermittlung ab, da sich der Versicherte subjektiv nicht in der Lage fühlte
,
einer Tätigkeit nachzugehen. Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
6/87
Urk.
6/91) hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
7.
Februar 2014 die
mit
Verfügung vom 2
3.
September 2010
zugesprochene Rente
auf (
Urk.
6/98 =
Urk.
6/99 =
Urk.
2
).
2.
Der Versicherte erhob am
3.
März 2014 Beschwerde gegen die Verfügung vom
7.
Februar 2014 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm weiterhin die Invalidenrente auszurichten (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
3.
April 2014 (
Urk.
5) die
Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1
6.
April 2014
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist
der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
blei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht
kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1
des Bundes
gesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Grad der Invalidität eines Rentenbezügers oder einer
Rentenbe
zügerin
in einer für den Anspruch erheblichen Weise, so ist die Rente laut
Art.
17
Abs.
1 ATSG für die Zukunft entsprechend zu erhöhen, herabzusetzen oder auf
zuheben. Der Revisionsordnung gemäss
Art.
17 ATSG geht jedoch der Grund
satz vor, dass die Verwaltung befugt ist, jederzeit von Amtes wegen auf eine for
mell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richter
li
cher Beurteilung gebildet hat, zurückzukommen, wenn diese zweifellos un
rich
tig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 110 V 176 E. 2a;
Art.
53
Abs.
2 ATSG). Unter diesen Voraussetzungen kann die Verwal
tung eine Rentenverfügung auch dann abändern, wenn die Revisionsvorausset
zungen des
Art.
17
Abs.
1 ATSG nicht erfüllt sind. Wird die zweifellose Unrich
tigkeit der
ursprünglichen Rentenverfügung erst vom Gericht festgestellt, so kann es die auf
Art.
17
Abs.
1 ATSG gestützte Revisionsverfügung der Verwal
tung mit dieser Be
gründung schützen (BGE 125 V 368 E.
2 mit Hinweisen). Nach der Rechtspre
chung lässt sich eine allgemein gültige
betragliche
Grenze für die Voraus
setz
ung der Erheblichkeit der Berichtigung nicht festlegen. Mass
gebend sind viel
mehr die gesamten Umstände des Einzelfalles. Bei periodischen Leistungen ist die Erheblichkeit der Berichtigung zu bejahen (BGE 119 V 475 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts 9C_11/2008 vom 29. April 2008 E. 4.2 mit Hin
weisen.
1.3
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit - als Schranke für ein
wiederer
wägungsweises
Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige
Leistungszuspra
che
- ist
rechtsprechungsgemäss
so zu handhaben, dass die Wiedererwägung
nicht zum Instrument einer voraussetzungslosen Neuprüfung von Dauerleistun
gen
wird, zumal es nicht dem Sinn der Wiedererwägung entspricht, laufende
Ansprüche zufolge nachträglicher besserer Einsicht der Durchführungsorgane jederzeit einer Neubeurteilung zuführen zu können (Urteil des Bundesgerichts I 276/04 vom 2
8.
Juli 2005 E. 5.1).
Das Erfordernis der zweifellosen Unrichtigkeit ist in der Regel erfüllt, wenn eine
Leistungszusprache
aufgrund falsch oder unzutreffend verstandener
Rechtsre
geln
erfolgt ist oder wenn
massgebende
Bestimmungen nicht oder unrichtig an
gewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung notwen
digerweise Ermessenszüge aufweist. Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung solcher Anspruchsvoraussetzungen (Invaliditätsbemessung, Arbeitsunfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbarkeitsfragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräf
ti
gen Leistungszusprechung darboten, als vertretbar, scheidet die Annahme zwei
fel
loser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrichtigkeit, wenn kein ver
nünf
ti
ger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein
einziger Schluss - derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar (Urtei
l des Bundesgerichts 9C_837/2010 vom 3
0.
August 2011 E. 2.5.1).
Zweifellose Unrichtigkeit der ursprünglichen Rentenverfügung kann (auch) bei
unrichtiger Feststellung im Sinne der Würdigung des Sachverhalts gegeben sein
.
Darunter fällt insbesondere eine unvollständige Sachverhaltsabklärung aufgrund
einer klaren Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes. Eine auf kei
ner nach
voll
ziehbaren ärztlichen Einschätzung der
massgeblichen
Arbeitsfähig
keit beruhen
de
Invaliditätsbemessung ist nicht rechtskonform und die entspre
chende Ver
fü
gung
zweifellos unrichtig im wiedererwägungs-rechtlichen Sinne (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_1014/2008 vom 1
4.
April 2009 E. 3.2.2).
Nicht entscheidend ist, ob die frühere
Leistungszusprache
unter Berücksichti
gung
sämtlicher Teilaspekte richtig und angemessen war, sondern ob sie mit Blick auf die damalige Sach- und Rechtslage insgesamt als vertretbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_575/2007 vom 1
8.
Oktober 2007 E. 3.3).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärung
en, insbesondere die Gutachten
des
Y._
, davon aus,
die
Rentenzusprache
vom 2
3.
September 2010 erweise sich als offensichtlich falsch,
da sie auf einer
nicht nachvollziehbaren medizinischen Grundlage erfolgt sei. Bereits
zum da
ma
ligen Zeitpunkt
sei dem Beschwerdeführer
eine angepasste
Tätigkeit zu 100
%
zumutbar gewesen (S. 2)
.
2.2
Der Beschwerdeführer bestritt beschwerdeweise (
Urk.
1) die von der
Beschwer
degegnerin
angenommene Arbeitsfähigkeit und machte geltend, die rechtlichen Voraussetzungen für eine Wiedererwägung seien keinesfalls erfüllt (S. 6 f.). Zu
dem h
ätt
en sich die Gutachter in völlig unzureichender Art mit der Frage ausei
nandergesetzt, ob aufgrund der Tobsuchtsanfälle in Überforderungssituationen eine Zumutbarkeit für das Arbeitsumfeld bestehe. Es werde daran festgehalten, dass eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei und der Invaliditätsgrad weiterhin 100
%
betrage (S. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenans
pruch des Beschwerdeführers und insbe
sondere, ob die ursprüngliche
Rentenzusprache
im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG
zweifellos unrichtig war.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte in sei
nem Bericht vom
6.
Juni 2008 (
Urk.
6/8) als Diagnose eine angstgefärbte de
pressive Verstimmung bei Arbeitslosigkeit (
Ziff.
1.1) und führte aus, dass der Be
schwerdeführer nach einer seit einem Jahr bestehenden Arbeitslosigkeit in seine Sprechstunde gekommen sei. Er mache einen sehr unsicheren und ver
ängstigten Eindruck und glaube nie mehr eine Stelle zu finden. Zur psychothe
rapeutischen Abklärung und Behandlung habe er den Beschwerdeführer ans
A._
überwiesen. Aus somatischer Sicht halte er ihn für arbeitsfähig (
Ziff.
3.3).
3.2
Med.
pract
.
B._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
C._
, nannte in seinem Bericht vom 2
6.
November 2008 (
Urk.
6/11) als Diagnose eine leichte Intelligenzminderung (ICD-10 F70.1) und hielt fest, die Arbeitsfähigkeit sei bis heute
nicht wesentlich eingeschränkt.
Pro
bleme gebe es
,
einen Arbeitsplatz zu finden, der den beruflichen Fähigkeiten des Beschwerdeführers entspreche (S. 1). Bei Aufgaben unter Zeitdruck bestehe eine
eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit und ein deutlich verlangsam
tes
Ar
beits
tempo
. Der er
mittelte
I
ntelligenzquotient (IQ)
von 76 bedeute eine
grenz
wertig
erniedrigte Intelligenz (S. 2
unten
). Im Rahmen eines langfristigen inten
siven Trainings h
ätt
en sich anhaltende deutliche Einschränkungen im Bereich der
Rechenfähigkeit sowie
Wortfindungsstörungen gezeigt. Die beruflichen Schwie
rig
keiten würden mit der Intelligenzminderung im Zusammenhang ste
hen. Ängst
liche Reaktionen oder Symptome einer Belastungsreaktion seien währen der Termine nicht aufgetreten (S. 3.). Die Einschränkung der psychi
schen Resso
ur
cen entstehe durch die reduzierte kognitive Leistungsfähigkeit sowie den mög
licherweise dadurch bedingten verlangsamten Arbeitsstil. Eine
behinde
rungs
an
gepasste
Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer zu 100
%
zumut
bar (S. 5).
3.3
Die dreimonatige berufliche Abklärung
in
D._
(Bericht vom 2
5.
Mai 2009,
Urk.
6/26) ergab, dass das Arbeitstempo des Beschwerdeführers ungenügend sei
und seine Leistungsfähigkeit bei 30
%
liege. Psychisch seien erhebliche Schwan
kungen festzustellen. Auffällig sei die geringe Belastbarkeit (S.
3). Die Leis
tungs
fähigkeit habe im Laufe der Abklärung nicht gesteigert werden kön
nen. Den An
forderungen des ersten Arbeitsmarktes genüge der Beschwerdefüh
rer bei wei
tem nicht, die Platzierung an einem geschützten Arbeitsplatz sei notwendig (S. 6).
3.4
Dr.
med.
E._
, Facharzt für
Neurologie und für
Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neurologie, nannten im
bidis
z
iplinären
Y._
-
Gutachten vom 1
5.
Januar 2010 (
Urk.
6/37)
keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine ängstlich vermeidende
Per
sönlichkeitsakzentuier
ung
(ICD-10 Z
73) bei geringem Intelligenzniveau
(S.
15)
. Da
zu führten sie aus, es zeige sich beim Beschwerdeführer ein sehr niedriges, aber
noch nicht pathologisch erniedrigtes Intelligenzniveau. Die ängstlich ver
mei
den
den Persönlichkeitsakzente lös
t
en Überforderungsgefühle aus. Das in der beruf
lichen Abklärung beschriebene Versagen sei medizinisch-theoretisch durch das Zusammenwirken psychopathologischer Befunde mit den neuropsychologi
schen Defiziten zu erklären. Die Verhaltensauffälligkeiten seien durch ängstlich-ver
meidende Persönlichkeitsakzente in Verknüpfung mit den neuropsychologi
schen
Defiziten zu erklären (S.
15).
Das Ergebnis der beruflichen Abklärung
im
Ab
klärungsbericht
vom 2
5.
Mai 2009
sei aus medizinisch-theoretischer Sicht nicht
durch krankheitswertige Veränderungen erklärbar. Der Beschwerdeführer verfüge
zwar über geringe, aber durchaus vorhandene intellektuelle Ressourcen, auf die er zurückgreifen könne (S. 14).
Aus
bidisziplinärer
Sicht sei der Beschwerdeführer dennoch in der Lage, sämtli
che Tätigkeiten einfacher geistiger Natur mit geringen Verantwortungsgraden
ohne besondere psychische Belastungsfaktoren, insbesondere ohne Zeitdruck und
in möglichst konfliktarmem Arbeitsumfeld ohne Minderung der Leistungs
fähig
keit zu verrichten. Für solche Verweistätigkeiten auf dem allgemeinen Ar
beits
markt, wie Pack-, Kommissionier-, Sortier-, und Kontrolltätigkeiten, be
stehe eine
100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 16). Der Beschwerdeführer sei durchaus in der Lage,
sich in ein
Arbeitsumfeld zu integrieren, sofern dieses keine be
sonderen
Kon
fliktbereiche
aufweise. Trotz seiner gelegentlichen
Belastungsre
aktionen
mit Ausnahmezuständen sei er einem Arbeitsumfeld zumutbar (S. 19).
3.5
Dr.
med.
G._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD,
führte in seiner Stellungnahme vom
3.
Juni 2010 (
Urk.
6/45/7) aus, es müsse da
von ausgegangen werden, dass sich der objektiv gemessene IQ von 76 negativ auf jede Ausbildung in der freien Marktwirtschaft auswirke. Es seien kaum nutzbringende
Ressourcen feststellbar
. Der Beschwerdeführer sei seit Januar 2007 für alle Tätigkeiten im ersten Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsunfä
hig.
3.6
M
ed.
pract
.
B._
(vorstehend E.
3.2
)
nannte in seinem Bericht
vom
3.
August
2012 (
Urk.
6/71/6-8)
als Diagnose wiederum eine leichte
Intelligenz
minderung
(ICD-10 F70.1). Nach dem Eindruck 2008 bis 2009, dem Bericht des
D._
sowie aufgrund des berichteten Verlaufs sei eine verwert
bare Leis
tungsfähigkeit nicht gegeben. Eine wirkliche Belastbarkeit bestehe nicht. Auch eine der Behinderung angepasste Tätigkeit erscheine als nicht mög
lich (S. 7).
3.7
Dr.
E._
(vorstehend E.
3.4)
,
nannte i
m
psychiatrisch-neuropsychologischen
Y._
-Verlaufsgutachten
vom
7.
März 2013 (
Urk.
6/75)
wiederum
keine
Diag
nose
mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit. Als Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine ängstlich-vermeidende
Persönlichkeits
akzentuierung
(
ICD-10
Z73) bei geringem Intelligenzniveau
(S.
11)
.
Die i
m Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung
durchgeführten
Symptomva
lidie
rungsver
fahren
h
ätt
e
n deutliche Auffälligkeiten sowie
keine ausreichende
Anstrengungs
bereitschaft
gezeigt.
In diesem Zusammenhang
sei
zudem fest
zu
halten
, dass in beiden testpsychologischen Voruntersuchungen der Jahre 2008
und 2009 keine Symptomvalidierungstests angewandt worden seien. Eine
Min
der
intelligenz
sei jedoch auszuschliessen, da im Jahr 2008 ein IQ von 76 er
ho
ben worden sei.
Aus
neuropsychologischer Sicht sei von einer grenzwertig nor
malen bis leicht un
ter
durchschnittlichen Intelligenz auszugehen.
Das gezeigte verlangsamte
Ar
beits
tempo
sei zumindest teilweise auf die ungenügende
An
strengungsbereit
schaft
zu
rückzuführen, da eine plausible Erklärung dafür fehle (S.
11
oben
).
Im Ver
gleich zur Vorbegutachtung ergebe sich keine wesentliche Veränderung (S.
11 unten). Der Beschwerdeführer sei in der Lage, Willenskräfte zu mobilisieren, um Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verrich
ten. Ihm seien sämt
liche einfachen geistigen Arbeiten mit geringen psychischen
Belastungs
faktoren
und geringen Verantwortungsgraden, möglichst ohne Zeit
druck und in
konflik
t
armen
Arbeitsumfeld zu 100
%
zumutbar (S. 12).
4.
4.1
Im Lichte der Sachlage im Zeitpunkt der Rentenzusprechung
ist zu prüfen
(vorstehend E.
1.2)
, ob die damalige Annahme einer vollständigen Arbeitsun
fähigkeit und die daraus folgende
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente ab Januar 2008 als zweifellos unrichtig einzustufen ist.
Die Beschwerdegegnerin machte im Wesentlichen geltend,
die
Rentenzusprache
sei auf einer nicht nach
vollziehbaren medizinischen Grundlage erfolgt. Sie stützt
e
sich damals auf die Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
G._
(vorste
hend E. 3.5)
ab, wobei nament
lich seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit zur damaligen, hier strittigen
Ren
ten
zusprache
führte.
Dr.
G._
stützte sich bei seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf
eine
eigene Plausibilitätsuntersuchung, welche in den Akten
jedoch einzig
als
„
psychia
trische Standortbe
stimmung
”
(
Urk.
6/45/7)
aufgeführt wird, die Stellungnahme der Berufsberatung im Verlaufsprotokoll vom 1
9.
Februar 2010 (
Urk.
6/41,
Urk.
6/45/6) und somit sinn
gemäss ebenfalls auf
die Ergebnisse
der beruflichen
Abklärung in
D._
(
vgl.
vorstehend E.
3.3). Daraus zog er den Schluss, dass
sich der objektive ge
messene IQ von 76 auf jede Ausbildung in der freien Markt
wirtschaft
negativ auswirke und kaum nutzbringende Ressourcen feststell
bar seien. Der Beschwer
deführer sei somit in allen Tätigkeiten des ersten Arbeits
marktes zu 100
%
ar
beitsunfähig.
4
.2
Der Beschwerdeführer bringt
mit dem Hinweis auf Erwägung 3.3.1 des Urteils des Bundesgerichts 8C_59/2013 vom 2
2.
April 2013 vor, dass den Ergebnissen leistungsorientierter beruflicher Abklärungen nicht jegliche Aussagekraft abge
sprochen werden dürfe. Das Bundesgericht führe im genannten Urteil aus, dass
im Falle von erheblichen Diskrepanzen zwischen der Einschätzung der Ärzte und
derjenigen der Berufsfachleute das Einholen einer klärenden medizinischen Stell
ungnahme grundsätzlich unabdingbar sei
(vgl. Urk. 1 S. 10)
.
Dabei verkennt der Beschwerdeführer, dass das durch die Beschwerdegegnerin in
Auftrag gegebene
Y._
-
Gutachten
vom
1
5.
Januar 2010
(vorstehend E.
3.4) be
reits als eine solche klärende medizinische Stellungnahme zu werten ist und deshalb eingeholt wurde, weil die in der beruflichen Abklärung ermittelte tiefe
Leis
tungsfähigkeit aus medizinisch-theoretischer Sicht sowie hinsichtlich der me
di
zinischen
Vorakten
nicht plausibel war.
Das
Y._
-Gutachten
vom 1
5.
Janu
ar 2010
(vorstehend E. 3.4)
beruht auf den für die strittigen Belange umfassenden
und allseitigen Untersuchungen sowie einer ausführlichen Anam
nese und be
rück
sichtigte die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden sowie sämt
li
che Befunde in angemessener Weise. Sodann wurde das Gutachten in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstellt und trägt der konkre
ten
medizinischen Situation Rechnung. Ausserdem leuchtet das Gut
achten in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge ein, und die vor
genommene Schlussfolgerung zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit wer
den ausführ
lich begründet. Die Gutachter zeigten in nachvollziehbarer Weise auf, dass das Ergebnis der beruflichen Abklärung aus medizinisch-theoretischer Sicht nicht durch krankheitswertige Veränderungen erklärbar sei und der Be
schwerdeführer zwar über geringe, aber durchaus vorhandene intellektuelle Ressourcen verfüge, auf die er zugreifen könne (vorstehend E.
3.4).
Entgegen der Ansicht des Be
schwerdeführers
führten
die Gutachter ebenso
aus, dass der Beschwerdeführer
trotz seiner gelegentlichen Belastungsreaktionen mit Aus
nahmezuständen einem
Arbeitsumfeld zumutbar sei und berücksichtigten dies zudem bei der Definie
rung
des Arbeitsprofils.
Das
Gutachten
erfüllt damit
die praxisgemässen Kriterien an den Beweiswert
eines medizinischen Berichts (vorstehend E.
1.4) vollumfänglich
und es ist da
von
auszugehen, dass
im Zeitpunkt der
Rentenzusprache
eine Arbeitsfähigkeit von 100 %
in einer angepassten Tätigkeit
bestand
.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer seine Tätigkeit als Autolackierer aufgrund von Allergien - wofür keine medizinischen Angaben vorhanden sind - und nicht aufgrund psy
chischer Beschwerden verlor (vgl. Urk. 6/45/4). Zudem stellten die
Y._
-Gut
achter keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, weshalb grund
sätzlich von einer vollen Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit auszu
gehen ist.
4.3
Im Gegensatz dazu
hat
Dr.
G._
nicht
nachvollziehbar begründet, weshalb hinsichtlich der
Ein
schätzung der
Arbeitsfähigkeit derart massiv von der Auf
fassung der behan
deln
den Ärzte sowie der Beurteilung der Gutachter
abzu
wei
chen
sei
. Au
ch aus
dem Be
richt des
C._
vom
26.
Novem
ber 2008 (vorstehend E.
3.2) geht hervor, dass die Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers trotz der leichten Intelligenzminderung nicht wesentlich einge
schränkt
sei. So gingen auch die Gut
achter (vorstehend E. 3.4) davon aus, dass eine adaptierte Tätigkeit zu 100
%
zumutbar sei.
Sämtliche fachärztlichen Berichte stehen der Einschät
zung von
Dr.
G._
somit entgegen.
D
ie
von
Dr.
G._
abge
gebene Einschätzung
einer vollständigen
Arbeits
un
fähig
keit
vor de
m
Hinter
grund der medizinischen Sachlage, wie sie sich im Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot,
erscheint
als nicht ver
tretbar und
als
offensichtlich unrichtig.
In den Akten findet sich keinerlei Be
richt von Dr.
G._
, der den praxisgemässen Anforderungen an einen
Arzt
be
richt
(vgl. vorstehend E. 1.4) entsprechen könnte; ein solcher wurde nach Lage
der Akten gar nicht erstellt (vgl. Urk. 6/89/2).
4.4
Hiernach
ist der Beschwerdegegnerin folgend davon auszugehen, dass die
Inva
liditätsbemessung
in der rentenzusprechenden Verfügung im Jahr 2010
nicht rechtskonform und im wiedererwägungsrechtlichen Sinne zweifellos unrichtig war, da sie
auf keiner nachvollziehbaren ärztlichen Einschätzung der
massgebli
chen
Arbeitsfähigkeit beruhte
.
4.5
Ergänzend ist sodann
darauf hinzuweisen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zwischenzeit nicht verändert hat.
Die
psychiatrisch-neuropsychologische Verlaufs
begutachtung
des
Y._
vom
7.
März 2013 (vor
steh
end E.
3.7)
ergab
, dass
sich im Vergleich zur Vorbegutachtung im Januar 2010 (vorstehend E.
3.4) keine wesentlichen Veränderungen ergeben haben
. Es sei
k
eine Veränderung des Gesundheitszustandes gegenüber dem Vorgutachten eingetreten.
5.
Aufgrund des Gesagten ist die ursprüngliche
Zusprache
der ganzen Rente mit Verfügung vom
2
3.
September 2010
als zweifellos unrichtig einzustufen und die Rente pro
futuro
aufzuheben. Da die Berichtigung der Verfügung an
ge
sichts des geldwerten Charakters der Leistung von erheblicher Bedeutung ist, war die Verwaltung unter dem Blickwinkel der Wiedererwägung befugt, darauf zurück
zu
kommen. Die
angefochtene
Verfügung und die Auf
hebung der Rente erweisen sich als rech
tens
, was zur Abweisung der Be
schwer
de
führt.
6
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
)
und auf
Fr.
700.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss sind sie dem unterlie
gen
den Beschwerdeführer aufzuerlegen.