Decision ID: 8b5dd166-50a9-4d9d-8a9c-5b469462def8
Year: 2019
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: civil_law

betreffend Auskunftspflicht (Art. 170 ZGB)
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes im summarischen Verfahren des
Bezirksgerichtes Dietikon vom 16. Januar 2019 (EF180005)
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Rechtsbegehren:
der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (act. 1 S. 2-4):
" 1. Der Gesuchsgegner sei unter Androhung von Busse nach Art. 292 StGB zu verpflichten, der Gesuchstellerin innert 30  ab Zustellung des Entscheids folgende Unterlagen :
- vollständige Steuererklärungen, inkl. sämtliche Beiblätter,  das Liegenschaftenverzeichnis, für die Jahre 2014, 2015, 2016 und 2017;
- sämtliche Lohnausweise, resp. Lohnabrechnungen sowie  für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- sämtliche detaillierten Wertschriftenabrechnungen für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- sämtliche detaillierten Liegenschaftenabrechnungen aller  für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige Bilanz und Erfolgsrechnung sowie sämtliche  der C._ AG, ... [Adresse 1], der Jahre 2015, 2016 und 2017;
- vollständige Bilanz und Erfolgsrechnung sowie sämtliche  der D._ AG, c/o E._ AG, ... [Adresse 2], der Jahre 2015, 2016 und 2017;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Gesuchsgegners lautenden Kontos mit der Nummer 1 bei der Credit Suisse, für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Gesuchsgegners lautenden Kontos mit der Nummer 2 bei der UBS AG, für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Gesuchsgegners lautenden Kontos mit der Nummer 3 bei der UBS AG, F._ [Ortschaft], für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Gesuchsgegners lautenden Kontos mit der Nummer 4 bei der GKB Chur, für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge allfälliger weiterer auf den Namen des Gesuchsgegners lautenden Kontos für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kreditkartenabrechnungen über  auf den Gesuchsgegner lautenden Kreditkarten (Haupt- und Zusatzkarten) für die Jahre 2015 bis 18.05.2018.
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2. Der Gesuchsgegner sei zu verpflichten, schriftlich zu bestätigen, sämtliche Einkommensquellen, Kontoauszüge und  offengelegt zu haben.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich MWST) zu Lasten des Gesuchsgegners."
Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 16. Januar 2019: (act. 21 [ = act. 18 = act. 23])
1. Das Auskunfts- und Editionsbegehren wird abgewiesen, soweit es nicht be-
reits erfüllt wurde.
2. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
3. Die Kosten werden der Gesuchstellerin auferlegt.
4. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, dem Gesuchsgegner eine Parteient-
schädigung in der Höhe von Fr. 3'500.– zu bezahlen.
5. Mitteilungen.
6. Rechtsmittelbelehrung.
Berufungsanträge:
der Gesuchstellerin und Berufungsklägerin (act. 22 S. 2-4):
" 1. Dispositiv-Ziffer 1. des Urteils vom 16. Januar 2019 des Einzelgerichts
im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Dietikon (EF180005-M) sei aufzuheben und es sei der Berufungsbeklagte unter Androhung von Busse nach Art. 292 StGB zu verpflichten, der Berufungsklägerin innert 30 Tagen ab Zustellung des Entscheids folgende Unterlagen :
- sämtliche detaillierten Liegenschaftenabrechnungen aller  für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- sämtliche Kontoblätter der C._ AG, ... [Adresse 1], der Jahre 2015, 2016 und 2017;
- sämtliche Kontoblätter der D._ AG, c/o E._ AG, ... [Adresse 2], der Jahre 2015, 2016 und 2017;
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- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Berufungsbeklagten lautenden Kontos mit der Nummer 1 bei der Credit Suisse, für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Berufungsbeklagten lautenden Kontos mit der Nummer 2 bei der UBS AG, für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Berufungsbeklagten lautenden Kontos mit der Nummer 3 bei der UBS AG, F._, für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge des auf den Namen des Berufungsbeklagten lautenden Kontos mit der Nummer 4 bei der GKB Chur, für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kontoauszüge allfälliger weiterer auf den Namen des Berufungsbeklagten lautenden Kontos für die Jahre 2015 bis 18.05.2018;
- vollständige detaillierte Kreditkartenabrechnungen über  auf den Berufungsbeklagten lautenden Kreditkarten (Haupt- und Zusatzkarten) für die Jahre 2015 bis 18.05.2018.
2. Der Berufungsbeklagte sei zu verpflichten, schriftlich zu , sämtliche Einkommensquellen, Kontoauszüge und  offengelegt zu haben.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich ) zu Lasten des Berufungsbeklagten, sowohl für das erst- wie auch für das zweitinstanzliche Verfahren."

Erwägungen:
1.
1.1. Die Parteien sind miteinander verheiratet, leben aber getrennt. A._
wohnt in G._, Deutschland, und B._ in H._. Am 5. November 2018
stellte A._ gestützt auf Art. 271 lit. d ZPO beim Einzelgericht im summari-
schen Verfahren des Bezirksgerichtes Dietikon (nachfolgend Vorinstanz) das ein-
gangs wiedergegebene Auskunftsbegehren im Sinne von Art. 170 ZGB. Mit Urteil
vom 16. Januar 2019 wies die Vorinstanz das Gesuch im Wesentlichen ab (vgl.
den eingangs wiedergegebenen Entscheid). Dagegen erhob A._ (nachfol-
gend Berufungsklägerin) Berufung mit den eingangs erwähnten Anträgen.
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1.2. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen (act. 1-19). Den Kostenvor-
schuss von Fr. 3'200.– für das Berufungsverfahren leistete die Berufungsklägerin
auf erste Aufforderung hin (vgl. act. 25, act. 26, act. 28). Auf die Einholung einer
Berufungsantwort wurde verzichtet (Art. 312 Abs. 1 ZPO). Das Verfahren ist
spruchreif.
2.
2.1. Mit der Berufung sind u.a. erstinstanzliche Endentscheide anfechtbar
(Art. 308 Abs. 1 lit. a ZPO). In vermögensrechtlichen Angelegenheiten ist die Be-
rufung nur zulässig, wenn der Streitwert der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbe-
gehren mindestens Fr. 10'000.– beträgt (Art. 308 Abs. 2 ZPO). In der Sache geht
es um ein Auskunftsbegehren nach Art. 170 ZGB. Dieses ist vermögensrechtli-
cher Natur (vgl. BGer 5A_9/2015 E. 2.1). Der massgebende Streitwert ist ange-
sichts der vorliegenden Verhältnisse gegeben (vgl. E. 4 unten). Die Berufung ist
daher zulässig.
2.2. Die Berufung ist schriftlich, mit Anträgen versehen und begründet einzu-
reichen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Es kann die unrichtige Rechtsanwendung sowie
die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO). Neue Tatsachen und Beweismittel werden im Berufungsverfahren nur noch
berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer
Sorgfalt nicht schon vor Vorinstanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1
ZPO). Die Berufung wurde rechtzeitig, schriftlich, mit Anträgen versehen und be-
gründet bei der Kammer als zuständige Berufungsinstanz eingereicht (zur Recht-
zeitigkeit vgl. act. 19/2 und act. 24/2). Die Berufungsklägerin ist durch den ange-
fochtenen Entscheid beschwert und somit zur Berufung legitimiert. Es ist daher
auf die Berufung einzutreten.
3.
3.1. Die Berufungsklägerin verlangte mit ihrem Gesuch Auskünfte vom Beru-
fungsbeklagten, um in einem allfälligen Eheschutz- oder Scheidungsverfahren ih-
re unterhaltsrechtlichen Ansprüche geltend machen zu können. Konkret verlangte
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sie Unterlagen zum Einkommen des Berufungsbeklagten und zu den während der
Ehe getätigten Ausgaben (vgl. act. 1 S. 6-9 und S. 9 f., siehe auch eingangs wie-
dergegebene Anträge). Über die das Einkommen betreffenden Unterlagen hatte
die Vorinstanz nicht zu entscheiden, da der Berufungsbeklagte mit seiner Stel-
lungnahme die Steuererklärungen 2014 - 2016 eingereicht hatte (vgl. act. 12/2-4).
Bezogen auf die von der Berufungsklägerin verlangten Unterlagen zu den Le-
benshaltungskosten erwog die Vorinstanz im Wesentlichen, da diese weder unter
die Kategorie "Einkommen" noch "Vermögen" noch "Schulden" subsumiert wer-
den könnten, würden sie nicht unter die Auskunftspflicht gemäss Art. 170 ZGB fal-
len. Zudem seien beide Parteien am gemeinsam gelebten Lebensstandard aktiv
beteiligt gewesen und würden über denselben Wissensstand verfügen. Weshalb
die Berufungsklägerin nicht in der Lage sein sollte, ihren selbst gelebten eheli-
chen Lebensstandard substantiiert darzulegen, sei nicht ersichtlich. Ob sie nebst
den üblichen Auslagen regelmässig weitere Leistungen, die für einen gehobenen
oder gar luxuriösen Lebensstandard kennzeichnend seien, in Anspruch genom-
men habe oder nicht, müsse ihr bestens bekannt sein (vgl. act. 21 S. 6 E. 3.4.).
3.2. Die Berufungsklägerin ist demgegenüber der Ansicht, dass die von ihr ver-
langte Auskunft in den Anwendungsbereich von Art. 170 ZGB fällt. Im Wesentli-
chen bringt sie in ihrer Berufung vor, sie benötige diese Unterlagen, weil sie – was
den gelebten Lebensstandard betreffe – nicht über den gleichen Wissensstand
wie der Berufungskläger verfüge. Sie könne zwar Ausführungen zum luxuriösen
Lebensstil machen, aber nicht zu den effektiven Kosten. Die einzelnen Positionen
könne sie in einem allfälligen Eheschutz- oder Scheidungsverfahren daher weder
substanzieren noch beziffern (vgl. act. 22 S. 5 Rz 5 und S. 6 Rz 8).
3.3. Jeder Ehegatte kann vom andern Auskunft über dessen Einkommen, Ver-
mögen und Schulden verlangen (vgl. Art. 170 Abs. 1 ZGB). Das Gericht kann den
andern Ehegatten oder Dritte auf Begehren verpflichten, die erforderlichen Aus-
künfte zu erteilen und die notwendigen Urkunden vorzulegen (Art. 170 Abs. 2
ZGB). Die erforderlichen Auskünfte und die notwendigen Unterlagen haben sich
dabei stets an den in Absatz 1 genannten Bereichen zu orientieren (vgl.
ZR 89/1990 Nr. 46 S. 84, siehe auch BSK ZGB I-SCHWANDER, 6. A., Art. 170
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N 14). Die geltend gemachte Information muss mit anderen Worten entweder das
Vermögen oder das Einkommen oder die Schulden betreffen. Inwiefern die von
der Berufungsklägerin verlangten Belege (über die vor der Trennung gelebte Le-
benshaltung) einem der drei gesetzlich genannten Bereiche zugeordnet werden
und damit Gegenstand der Auskunftspflicht sein können, ist weder ersichtlich
noch zeigt dies die Berufungsklägerin auf. Daran ändert auch die Behauptung der
Berufungsklägerin nichts, wonach sie auf die verlangten Informationen angewie-
sen sei, um in einem Eheschutz- bzw. Scheidungsverfahren ihren materiellrechtli-
chen Unterhaltsanspruch substanziert behaupten, beziffern und beweisen zu
können (vgl. act. 22 S. 6 Rz 7 f.), da sie damit bloss das für das Auskunftsbegeh-
ren erforderliche Rechtsschutzinteresse und den Umfang ihres Gesuchs begrün-
det. Da das Begehren der Berufungsklägerin – wie gesehen – von vornherein
nicht in den Anwendungsbereich von Art. 170 ZGB fällt, ist die Berufung abzuwei-
sen. Selbst wenn es sich anders verhielte, könnte die Berufung nicht gutgeheis-
sen werden, weil die Berufungsklägerin in ihrem Gesuch nicht konkret angegeben
hat, über welche einzelnen Tatsachen sie Auskunft verlangt (vgl. act. 1 S. 9 f.),
und es für ein Auskunftsbegehren nicht genügt, lediglich in pauschaler Weise Be-
lege zum damaligen ehelichen Bedarf zu verlangen (vgl. dazu BGer 5C.308/2001
E. 4a).
4. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens der Berufungs-
klägerin aufzuerlegen (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Ausgehend von einem Streitwert von
rund Fr. 60'000.– (vgl. act. 21 S. 7 E. 4.3.) ist die Entscheidgebühr in Anwendung
von § 12 Abs. 1 und 2 i.V.m. § 4 Abs. 1 und 2 sowie § 8 Abs. 1 GebV OG auf
Fr. 3'200.– festzusetzen. Entschädigungen sind keine zuzusprechen: Der Beru-
fungsklägerin nicht, weil sie unterliegt, dem Berufungsbeklagten nicht, weil ihm in
diesem Verfahren keine entschädigungspflichtigen Umtriebe entstanden sind.
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