Decision ID: ec410671-3a64-4737-8810-9eef3ae5563a
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ war bei der Avenir Krankenversicherung AG (nachfolgend: Avenir)
obligatorisch krankenversichert (act. G 3.2). Im März 2014 reichte der Versicherte der
Avenir einen „Medical Report“ über eine Malaria-Behandlung vom 29. Oktober bis 30.
November 2013 in B._ und eine Rechnungsquittung im Betrag von XXX 730‘000.00
ein (act. G 3.3). Mit Leistungsabrechnung vom 21. März 2014 lehnte die Avenir die
Übernahme der Kosten des Spitalaufenthalts in B._ über XXX 730‘000.00,
umgerechnet gesamthaft Fr. 4‘161.00, ab (act. G 3.4). Am 7. Mai 2014 erliess sie eine
entsprechende Verfügung (act. G 3.8).
A.b Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 28. Mai 2014 Einsprache und
machte geltend, er habe sich aufgrund einer akuten Malaria-Erkrankung in
spitalärztliche Behandlung begeben müssen, womit die Voraussetzungen für die
Kostenübernahme klar erfüllt seien. Der Versicherte ersuchte zudem um Akteneinsicht
(act. G 3.9).
A.c Mit Schreiben vom 17. Juni, 20. August und 22. Dezember 2014 informierte die
Avenir den Versicherten, dass ihre Partnerfirma für Auslandfragen, die Allianz Global
Assistance (nachfolgend: AGA), weitere Abklärungen tätige (vgl. act. G 3.10 f., G 3.14).
Am 4. Februar 2016 berichtete die AGA der Avenir, dass es sich beim Spitalaufenthalt
des Versicherten um eine Notfallbehandlung gehandelt habe. Die Rechnung sei
allerdings überfakturiert, die Dauer der Hospitalisation sei übertrieben und die
Behandlungskosten seien zu hoch (vgl. die Fragebögen vom 19. Dezember 2014 und 4.
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Februar 2016, act. G 3.13, G 3.15). Am 16. März 2016 gewährte die Avenir dem
Versicherten Akteneinsicht (act. G 3.16).
A.d Mit Einspracheergänzung vom 18. März 2016 beantragte der Versicherte die
Einholung eines unabhängigen ärztlichen Berichts über die Notwendigkeit der
stationären Behandlung einer akuten Malariaerkrankung (act. G 3.17).
A.e Mit Einspracheentscheid vom 8. April 2016 wies die Avenir die Einsprache des
Versicherten ab (act. G 3.18).
B.
B.a Dagegen erhob der Versicherte am 11. Mai 2016 Beschwerde und beantragte, der
Entscheid vom 8. April 2016 sei aufzuheben und die Sache sei zur Gewährung des
rechtlichen Gehörs und zur Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die Kosten
im Zusammenhang mit dem Spitalaufenthalt vom 29. Oktober bis 30. November 2013
in B._ in Höhe von XXX 730‘000.00, umgerechnet Fr. 4‘161.00, zu übernehmen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen (act. G 1). Er reichte ausserdem ein Schreiben
seines Hausarztes vom 31. März 2016 zu den Akten (act. G 1.5).
B.b Mit Beschwerdeantwort vom 10. Juni 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 3). Zudem reichte sie eine Stellungnahme ihres
Vertrauensarztes vom 1. Juni 2016 ein (act. G 3.19).
B.c Mit Replik vom 2. September 2016 und Duplik vom 28. September 2016 hielten
die Parteien an ihren Rechtsbegehren fest und bestätigten ihre Standpunkte (act. G 8,
G 10).
B.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
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1.1 Der Beschwerdeführer rügte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Er machte
insbesondere geltend, ihm seien die Resultate der ergänzenden Abklärungen erstmals
im angefochtenen Einspracheentscheid zur Kenntnis gebracht worden. Mit
Akteneinsicht vom 16. März 2016 seien ihm insbesondere die Abklärungsberichte der
AGA vom 19. Dezember 2014 und 4. Februar 2016 nicht zugestellt worden (act. G 1 S.
4 ff., act. G 8).
1.2 Gemäss Art. 42 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1; siehe auch Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung, BV; SR 101) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör.
Dieser Anspruch umfasst insbesondere das Recht, sich vor Erlass eines in die eigene
Rechtsstellung eingreifenden Entscheides zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise
beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid
zu beeinflussen. Das Recht, angehört zu werden, stellt einerseits ein
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht im Verwaltungsverfahren dar und dient
andererseits der Sachaufklärung (vgl. etwa BGE 124 V 180 E. 1a S. 181 mit zahlreichen
Hinweisen).
1.3 Das Recht auf Akteneinsicht ist wie das Recht, angehört zu werden, formeller
Natur. Die Verletzung des Rechts auf Akteneinsicht führt ungeachtet der
Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst zur Aufhebung des
angefochtenen Entscheides. Vorbehalten bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die
Verletzung des Akteneinsichtsrechts nicht besonders schwer wiegt und dadurch
geheilt wird, dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer
Instanz äussern kann, welche sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen
uneingeschränkt überprüft (BGE 115 V 305 E. 2h). Von einer Rückweisung der Sache
zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Verwaltung ist im Sinne einer Heilung
des Mangels selbst bei einer schwer wiegenden Verletzung des rechtlichen Gehörs
dann abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf
und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung
gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer beförderlichen Beurteilung
der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis).
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1.4 Dem Beschwerdeführer wurden die Unterlagen zu den Abklärungen der AGA und
insbesondere die Fragebögen vom 19. Dezember 2014 und 4. Februar 2016 (act. G
3.13, G 3.15), auf welche sich die Beschwerdegegnerin im angefochtenen
Einspracheentscheid im Wesentlichen stützte, im Rahmen der am 16. März 2016
gewährten Akteneinsicht offensichtlich nicht zugestellt (vgl. act. G 8, G 8.1). Dies stellt
eine Verletzung des Anspruchs des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör dar. Der
Beschwerdeführer machte sowohl in der Beschwerdeschrift als auch in der Replik
deutlich, dass er grundsätzlich auf der vollumfänglichen Wahrnehmung des
Gehörsanspruchs festhält. Dennoch rechtfertigt es sich insgesamt betrachtet – und da
die Ausführungen des Beschwerdeführers dennoch ein gewisses Interesse an einer
beförderlichen Beurteilung des Falles erkennen lassen (vgl. act. G 1 S. 8) – von einer
Rückweisung der Sache zur Gewährung des rechtlichen Gehörs an die Vorinstanz
abzusehen. Die obgenannten Akten wurden im Einspracheentscheid vom 8. April 2016
in ihren zentralen Aussagen wiedergegeben, womit sich der Beschwerdeführer im
vorliegenden Beschwerdeverfahren eingehend dazu äussern konnte. Auch erhielt der
Beschwerdeführer im Rahmen des Beschwerdeverfahrens Gelegenheit, in sämtliche
der von der Beschwerdegegnerin mit der Beschwerdeantwort eingereichten Akten
Einsicht zu nehmen. Dem Versicherungsgericht steht zudem uneingeschränkte
Kognition in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht zu. Zu beachten ist im Weiteren,
dass die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer mehrmals darüber informiert
hatte, dass sie die AGA als ihre Partnerfirma für Auslandsfragen mit weiteren
Abklärungen bzw. der Überprüfung der Tarife beauftragt hatte (vgl. act. G 3.10 f., G
3.14), dieser dazu jedoch keine Stellung nahm und sich auch nicht nach dem Inhalt
dieser Abklärungen erkundigte. Nachdem schliesslich davon auszugehen ist, dass die
Beschwerdegegnerin auch bei nachträglicher Gewährung des rechtlichen Gehörs auf
die Abklärungen der AGA abstellen würde, käme eine Rückweisung der Sache an die
Beschwerdegegnerin einem formalistischen Leerlauf gleich. Angesichts dieser
Darlegungen kann die Gehörsverletzung trotz ihrer Schwere als im
Rechtsmittelverfahren geheilt erachtet werden.
2.
2.1 Weiter ist streitig und zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin die Übernahme der
Kosten für die Behandlung des Beschwerdeführers in B._ vom 29. Oktober bis 30.
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November 2013 im Gesamtbetrag von Fr. 4‘161.00 (XXX 730‘000.00) zu Recht
ablehnte.
2.2 Gemäss Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG;
SR 832.10) übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten für die
Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen
dienen. Die Versicherer dürfen im Rahmen der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung keine anderen Kosten als diejenigen für die Leistungen
nach den Artikeln 25-33 KVG übernehmen (Art. 34 Abs. 1 KVG). Art. 32 Abs. 1 KVG
verlangt als generelle Voraussetzung, dass die im Rahmen der obligatorischen
Krankenpflegeversicherung zu erbringenden Leistungen wirksam, zweckmässig und
wirtschaftlich sind.
2.3 Für das KVG gilt das Territorialitätsprinzip, d.h. die Versicherer müssen nur die
Kosten jener Leistungen übernehmen, die in der Schweiz erbracht werden. Eine
Ausnahme vom Territorialitätsprinzip setzt gemäss Art. 34 Abs. 2 KVG i.V.m. Art. 36 der
Verordnung über die Krankenversicherung (KVV; SR 832.102) den Nachweis voraus,
dass die – vom allgemeinen Leistungskatalog gemäss Art. 25 Abs. 2 KVG erfasste –
medizinische Behandlung in der Schweiz nicht erbracht werden kann oder dass ein
Notfall vorliegt.
2.4 Gemäss Art. 36 Abs. 2 KVV liegt ein Notfall vor, wenn Versicherte bei einem
vorübergehenden Auslandaufenthalt einer medizinischen Behandlung bedürfen und
eine Rückreise in die Schweiz nicht angemessen ist. Kein Notfall besteht, wenn sich
Versicherte zum Zweck dieser Behandlung ins Ausland begeben (Art. 36 Abs. 2 KVV).
Mit anderen Worten ist von einem Notfall auszugehen, wenn die Behandlung im
Ausland aus medizinischen Gründen unaufschiebbar und eine Rückkehr in die Schweiz
nicht angemessen bzw. unmöglich ist. Ist die Rückreise hingegen medizinisch gesehen
möglich und auch unter Berücksichtigung der damit verbundenen Kosten zumutbar,
liegt kein Notfall vor. Notfallcharakter kann beispielsweise Gesundheitssituationen mit
drohender Lebensgefahr, akutem Schmerzzustand oder der Gefahr bleibender
Krankheitsfolgen zugestanden werden. In die Beurteilung sind stets die gesamten
Umstände des Einzelfalles einzubeziehen (vgl. GEBHARD EUGSTER,
Krankenversicherung, in: Schweizerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 3. Aufl.,
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Basel 2016, S. 575 Rz 543; GEBHARD EUGSTER, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum KVG, Zürich 2010, Art. 34 Rz 8). Für Behandlungen bei Notfällen
im Ausland wird höchstens der doppelte Betrag der Kosten übernommen, die in der
Schweiz vergütet würden (Art. 36 Abs. 4 KVV).
2.5 Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht. Die
Verwaltung als verfügende Instanz und – im Beschwerdefall – das Gericht haben von
sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts
zu sorgen. Dabei sind rechtserheblich alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt,
ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. Der
Untersuchungsgrundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in
den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 195 E. 2, 122 V 158 E. 1a, je mit
Hinweisen). Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der
Beweisführungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen
mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem
unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu
ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (BGE 138 V 218 E. 6 mit Hinweisen).
2.6 Das Gericht darf eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn es von
ihrem Bestehen überzeugt ist. Es hat seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas
Abweichendes vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
zu fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu
folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste
würdigt (BGE 130 III 321 E. 3.2 und 3.3).
2.7 Für das gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Danach haben die
urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln
sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig
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davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten.
3.
3.1 Der Beschwerdeführer machte geltend, er sei anlässlich eines Ferienaufenthaltes in
B._ an akuter Malaria erkrankt und sei deshalb gezwungen gewesen, sich
notfallmässig im Spital behandeln zu lassen. Er habe dadurch sogar seinen Rückflug in
die Schweiz verschieben müssen (vgl. act. G 1, G 8; vgl. auch G 3.5, 3.17). Zur
Bestätigung reichte er der Beschwerdegegnerin eine Rechnungsquittung des Spitals
C._, vom 30. November 2013 über Behandlungskosten in der Höhe von XXX
730‘000.00 sowie einen „Medical Report“ von Dr. D._ vom 7. Dezember 2013 ein.
Darin wurde ausgeführt, dass der Beschwerdeführer vom 29. Oktober bis 30.
November 2013 wegen akuter Malaria, typhoiden Fiebers und starker Kreuzschmerzen
hospitalisiert gewesen sei (act. G 3.3). Im Fragebogen über die medizinische
Behandlung im Ausland vom 11. April 2014 gab der Beschwerdeführer ergänzend an,
er sei vom 10. Oktober bis 8. Dezember 2013 in B._ in den Ferien gewesen. Vor dem
Aufenthalt sei er nicht in medizinischer Behandlung gewesen und nach seiner Rückkehr
habe er in der Schweiz keinen Arzt aufgesucht. Die Behandlungskosten habe er bar
bezahlt (act. G 3.7).
3.2 Zur Überprüfung der fakturierten Tarife und zur Klärung der Frage, ob die vom
Beschwerdeführer geltend gemachte Behandlung tatsächlich stattgefunden hatte,
übermittelte die Beschwerdegegnerin das Dossier der AGA (act. G 3.10 ff.).
3.2.1 Die AGA hielt nach einer ersten Überprüfung des Sachverhaltes am 19.
Dezember 2014 fest, dass das Spital C._ existiere und Dr. D._ als Arzt (und CEO)
regelmässig dort tätig sei. Der Beschwerdeführer sei in diesem Spital behandelt
worden und es habe sich um eine Notfallbehandlung gehandelt. Hinsichtlich der
Behandlungsdauer gab die AGA an, dass diese bei der angegebenen Diagnose
unwahrscheinlich und übertrieben sei. Über Komplikationen gebe es keine
Informationen und es würden notwendige Unterlagen wie Arztberichte, detaillierte
Abrechnungen etc. fehlen (act. G 3.13).
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3.2.2 Dr. D._ führte im von der AGA eingeholten „Medical Report“ vom 1. Februar
2016 (in englischer Sprache) im Wesentlichen aus, dass der Beschwerdeführer am 29.
Oktober 2013 von Verwandten in die Notaufnahme („emergency units“) des Spitals
begleitet worden sei. Er habe u.a. unter starken Bauchschmerzen mit Übelkeit,
Erbrechen, hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Atemnot, Appetitlosigkeit,
Schwäche, Ohnmachtsanfällen und Durchfall gelitten. Ausserdem habe er über starke
Kreuzschmerzen geklagt. Der Beschwerdeführer sei notfallmässig hospitalisiert
worden. Die medizinischen Abklärungen und Laboruntersuchungen hätten unter
anderem Blutabnahmen, Stuhlproben, Röntgenbilder des Brustkorbs und des
Abdomens und einen CT-Scan umfasst. Es sei die Diagnose akutes typhoides Fieber
und Darmperforation mit Peritonitis und septischem Schock gestellt worden (bei act. G
3.15).
3.2.3 Am 4. Februar 2016 hielt die AGA betreffend die Behandlungsdauer und die
durchgeführte Behandlung ergänzend fest, Dr. D._ habe bei der erneuten
Kontaktaufnahme vom 12. Januar 2016 argumentiert, dass der Beschwerdeführer
aufgrund der konservativen Behandlung der Darmperforation so lange hospitalisiert
gewesen sei. Dies sei äusserst unglaubwürdig, da eine Darmperforation aufgrund eines
Typhus mit Peritonitis und septischem Schock chirurgisch hätte behandelt werden
müssen. Das Spital sei für eine Behandlung von Malaria und Typhus ohne
Komplikationen ausgestattet. Eine Behandlung einer Darmperforation sei jedoch
äusserst fragwürdig. Die von Dr. D._ aufgeführten Medikamente entsprächen den
Behandlungen, wobei die Medikamentennamen nicht exakt angegeben worden seien.
Der Arzt habe die erhaltene Rechnung bestätigt und erwähnt, dass der
Beschwerdeführer einen Rabatt von XXX 20‘000.00 (Fr. 115.00) erhalten habe. Es habe
nicht bewiesen werden können, dass die Rechnung gefälscht sei. Allerdings hätten
weder der Arzt noch die Krankenschwester eine Kopie der Rechnungsquittung finden
können (act. G 3.15).
3.3 Der Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin hielt in seiner Stellungnahme vom 1.
Juni 2016 im Wesentlichen fest, dass bei den vorliegenden Diagnosen ein
Spitalaufenthalt von mehr als vier Wochen nicht gerechtfertigt gewesen sei. Je nach
Verlauf und Komplikationen sei von einer maximalen Spital-Behandlungsdauer von
10-15 Tagen auszugehen. Eine solche Behandlung hätte ambulant fortgesetzt werden
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müssen. Eine Nachbehandlung einer akuten Malaria und eines typhoiden Fiebers in der
Schweiz wäre sicherlich angezeigt gewesen (act. G 3.19).
4.
4.1 Mit Blick auf die vorliegenden Akten ergeben sich verschiedene Hinweise darauf,
dass sich der Sachverhalt nicht wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht
zugetragen hat. Festzuhalten ist zunächst, dass kaum echtzeitliche Dokumente
vorhanden sind, welche eine Hospitalisation des Beschwerdeführers von der
behaupteten Dauer zu belegen vermöchten. Aus dem Behandlungsjahr 2013 liegt
lediglich ein aus einem Satz bestehender „Medical Report“ vor, wonach der
Beschwerdeführer wegen einer akuten Malaria, Typhus und starker Kreuzschmerzen
knapp vier Wochen hospitalisiert gewesen sei (act. G 3.3). Zwar ist nicht in Abrede zu
stellen, dass es sich bei einer Behandlung von akuter Malaria und Typhus grundsätzlich
um eine Notfallbehandlung handelt. Die damals ausgestellte Behandlungsbestätigung
enthält jedoch keinerlei detaillierte Ausführungen zur Art der Behandlung, zu allfälligen
Komplikationen sowie zu den durchgeführten Behandlungsmassnahmen. Insbesondere
fehlen wesentliche echtzeitliche Angaben zur Verlaufsform der beim Beschwerdeführer
diagnostizierten Malaria, welche Aufschluss über die Angemessenheit der geltend
gemachten Behandlungsdauer hätten geben können. Im Weiteren bestehen erhebliche
Zweifel an den von Dr. D._ rund zwei Jahre später gegenüber der AGA gemachten
Angaben (vgl. E. 3.2.2). Insbesondere bestehen hinsichtlich der im Bericht vom 1.
Februar 2016 erstmals erwähnten Darmperforation mit Peritonitis und septischem
Schock einige Unklarheiten. So ist einerseits angesichts der Schwere der Diagnose
nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer diese weder im
Verwaltungsverfahren erwähnt hatte noch in der Beschwerdeschrift thematisierte.
Andererseits macht eine solche sog. freie Darmperforation in der Regel eine
notfallmässige Operation erforderlich (vgl. auch PSCHYREMBEL, Klinisches
Wörterbuch, 266. Aufl., 2014, S. 444). Doch selbst wenn die Dünndarmperforation im
Fall des Beschwerdeführers – wie von Dr. D._ beschrieben (vgl. E. 3.2.3) –
konservativ behandelt worden wäre, hätte sie mit Sicherheit eine Nachbehandlung in
der Schweiz erforderlich gemacht (vgl. auch act. G.3.19). Im Übrigen wäre selbst bei
einer komplikationslos verlaufenen Malariainfektion zu erwarten gewesen, dass der
Beschwerdeführer nach seiner Rückkehr in die Schweiz bei einem Arzt zur Kontrolle
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vorstellig geworden wäre. Das Fehlen einer Nachbehandlung in der Schweiz lässt die
diagnostischen Ausführungen von Dr. D._ und insbesondere das Vorliegen einer
Darmperforation mit Peritonitis und septischem Schock als wenig glaubwürdig
erscheinen. Darüber hinaus bestehen auch keine Unterlagen, welche die Angaben von
Dr. D._ in irgendeiner Weise bestätigten könnten. Zwar kann bei Behandlungen im
Ausland nicht immer von denselben Dokumentationsstandards ausgegangen werden
wie bei einer vergleichbaren Situation in der Schweiz. Das belegen die im vorliegenden
Fall vorhandenen Fotos aus der Spitaladministration des Spitals C._ in B._
eindrücklich. Wie die Beschwerdegegnerin diesbezüglich zu Recht anführte, lässt sich
schon von daher nicht schlüssig begründen, wie der behandelnde Arzt den damaligen
Behandlungsverlauf zwei Jahre später und ohne weitere Unterlagen derart detailliert
wiedergeben konnte. Dass Dr. D._ nicht zumindest die in seinem Bericht erwähnten
Röntgenbilder, den CT-Scan oder die Laborergebnisse erhältlich machen konnte, lässt
dessen Ausführungen umso mehr als zweifelhaft erscheinen.
4.2 Bei fehlender Dokumentation und fehlender Nachbehandlung in der Schweiz kann
auch die Höhe der durch die Behandlung entstandenen Kosten nicht rechtsgenüglich
nachvollzogen werden. Daran vermag auch die Rechnungsübersicht vom 1. Februar
2016 (bei act. G 3.15) nichts zu ändern, zumal es sich dabei lediglich um eine zwei
Jahre nach der eigentlichen Behandlung erstellte Pauschalabrechnung handelt,
welcher nicht die hinsichtlich einer Kostenübernahme i.S.v. Art. 34 KVG geforderte
Aussagekraft zugestanden werden kann. Darüber hinaus muten die für die jeweiligen
Positionen angegebenen Rechnungsbeträge willkürlich an. So ist beispielsweise der
Rechnungsbetrag für die Unterbringung ohne Verpflegung (Accommodation) höher als
derjenige für die behaupteten umfangreichen Labor- bzw. medizinischen
Untersuchungen (Laboratory/Medical investigations, vgl. E. 3.2.2), was ebenfalls an der
Angemessenheit der in Rechnung gestellten Kosten zweifeln lässt.
4.3 Was schliesslich die Bezahlung der Behandlungskosten im Betrag von XXX
730‘000.00 durch den Beschwerdeführer betrifft, so findet sich in den Akten lediglich
die Rechnung bzw. Quittung vom 30. November 2013 (act. G 3.3). Abgesehen von
dieser Quittung sind nicht ansatzweise konkrete Anhaltspunkte für eine tatsächlich
geleistete Zahlung dokumentiert. Obwohl er von der Beschwerdegegnerin im
Fragebogen vom 11. April 2014 (act. G 3.7) explizit dazu aufgefordert wurde, bei einer
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Barzahlung entsprechende Belege vorzulegen, reichte er weder Kontoauszüge noch
andere Dokumente über einen vorgängigen Geldbezug oder einen Kontoübertrag in
Höhe des Rechnungsbetrags ein. Weitere Belege oder Zahlungsnachweise wurden
vom Beschwerdeführer ebenfalls nicht beigebracht. Insgesamt erscheint es wenig
glaubhaft, dass der Beschwerdeführer, welcher beschwerdeweise ein „bescheidenes
Familienbudget“ geltend machte (vgl. act. G 1 S.8), eine Rechnung im Betrag von über
Fr. 4‘000.00 mit einer in bar geleisteten Einmalzahlung ohne vorgängigen Geldbezug
beglichen hatte, zumal er auch keine anderweitige plausible Erklärung hinsichtlich der
Herkunft des nicht unerheblichen Geldbetrages lieferte. Damit gelingt es dem
Beschwerdeführer nicht, überwiegend wahrscheinlich darzutun, dass er den bei der
Beschwerdegegnerin eingeforderten Rechnungsbetrag von Fr. 4‘161.00 auch
tatsächlich bezahlt hatte.
5.
In Würdigung der gesamten Umstände und mit Blick auf die verschiedenen
Unklarheiten und Widersprüchlichkeiten ist es zwar möglich, nicht aber überwiegend
wahrscheinlich, dass der Beschwerdeführer vom 29. Oktober bis 30. November 2013 in
B._ infolge eines Notfalls hospitalisiert war und dafür Behandlungskosten zu
bezahlen hatte. Wie vorstehend dargelegt, vermag ein bloss möglicher Sachverhalt
dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweismass der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nicht zu genügen (vgl. vorstehende E. 2.5; Urteil des
Bundesgerichtes vom 8. August 2016, 9C_721/2015, E. 4.3). Da von weiteren
Sachverhaltsabklärungen im heutigen Zeitpunkt in antizipierender Beweiswürdigung
keine wesentlichen neuen Erkenntnisse zu erwarten sind, ist darauf zu verzichten und
es liegt Beweislosigkeit vor, deren Folgen der Beschwerdeführer zu tragen hat (vgl. E.
2.5 f.). Die Beschwerdegegnerin verneinte ihre Leistungspflicht daher zu Recht.
6.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 8. April 2016 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben (Art. 61 lit. a ATSG).