Decision ID: 87356090-57ba-4900-bf94-cba54d144722
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Unmittelbar nach einem am 4. November 1994 erlittenen Sturz aus eineinhalb Metern Höhe auf das Gesäss traten beim im März 1951 geborenen X._ starke Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein sowie Sensi
bilitätsstörungen am rechten Fuss auf (Urk. 7/2/1).
Die auf der Grundlage eines 100%igen Invaliditätsgrades ab 1. November 1995 von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zugespro
chene ganze Invalidenrente (vgl. Urk. 7/4 und 7/9) wurde dem Versicherten im Rahmen dreier Revisionsverfahren mit Mitteilungen vom 15. November 1999 (Urk. 7/5), 4. April 2005 (Urk. 7/10) und 30. September 2010 (Urk. 7/37) bestä
tigt.
1.2
Nachdem sich der Versicherte am 3. März 2009 (Urk. 7/12, 7/16) zum Bezug einer Hilflosenentschädigung angemeldet hatte, sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 11. Januar 2010 ab April 2008 (Urk. 7/29) eine Entschädigung wegen leichter Hilflosigkeit zu. Die dagegen erhobene Beschwerde wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 19. Dezember 2011 (Verfahren Nr. IV.2010.00141, Urk. 7/40) abgewiesen.
Wegen eines vom Versicherten am 21. Februar 2011 (Urk. 7/38) eingereichten Erhöhungsgesuches überprüfte die IV-Stelle dessen Anspruch auf Hilflosenent
schädigung. Aufgrund von Einschränkungen in den alltäglichen Lebensver
richtungen Ankleiden/Auskleiden, Essen, Körperpflege, Verrichtung der Not
durft, Fortbewegung/Kontaktaufnahme sowie des Erfordernisses einer dauern
den Pflege wurde ihm mit Verfügung vom 17. Dezember 2012 ab 1. März 2011 eine solche wegen Hilflosigkeit mittleren Grades zugesprochen (Urk. 7/56).
1.3
Am 23./25. März 2015 stellte der Versicherte ein Gesuch um Zusprechung einer Entschädigung für schwere Hilflosigkeit (Urk. 7/70 f.). Die IV-Stelle liess am 6. Mai 2015 (Urk. 7/76) die Hilflosigkeit beim Versicherten zuhause abklären und holte einen Bericht seiner behandelnden Hausärztin Dr. Y._, Fach
ärztin für Allgemeine Innere Medizin, vom 29. Mai 2015 (Urk. 7/75) ein. Mit Vorbescheid vom 9. Juli 2015 (Urk. 7/77) stellte sie dem Versicherten bei unver
änderter Annahme der Einschränkung in fünf alltäglichen Lebensverrichtungen sowie erforderlicher dauernder Pflege die Abweisung seines Erhöhungsgesuchs in Aussicht. Dagegen erhob dieser am 21. August 2015 (Urk. 7/79) Einwände, zu denen die Abklärungsperson am 17. Dezember 2015 (Urk. 7/81) Stellung nahm. Mit gleichentags erlassener Verfügung wies die IV-Stelle das Erhöhungsgesuch ankündigungsgemäss unter Feststellung eines unveränderten Anspruchs auf eine Entschädigung für eine mittelschwere Hilflosigkeit ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 20. Januar 2016 Beschwerde und bean
tragte die Zusprechung einer Hilflosenentschädigung aufgrund schwerer Hilflosigkeit. In prozessualer Hinsicht beantragte er die Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2016 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 22. September 2016 (Urk. 16) zur Kenntnis gebracht wurde. Mit der gleichen Verfügung wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung gewährt.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine Hilflo
senentschädigung. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwa
chung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung, IVV
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgen
den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
-
Ankleiden, Auskleiden;
-
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
-
Essen;
-
Körperpflege;
-
Verrichtung der Notdurft;
-
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der Rechtsprechung (BGE 117 V 148 E. 2 mit Hinweisen) nicht verlangt, dass die versicherte Person bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist bloss erforderlich, dass sie bei einer dieser Teilfunktionen regel
mässig in erheblicher Weise auf direkte oder indirekte Dritthilfe angewiesen ist. In diesem Sinne ist die Hilfe beispielsweise bereits erheblich:
-
beim Essen, wenn die versicherte Person zwar selber essen, die Speisen aber nicht zerkleinern kann, oder wenn sie die Speisen nur mit den Fingern zum Mund führen kann (BGE 106 V 153 E. 2b);
-
bei der Körperpflege, wenn die versicherte Person sich nicht selber waschen oder kämmen oder rasieren oder nicht selber baden beziehungsweise du
schen kann;
-
bei der Fortbewegung und Kontaktaufnahme, wenn die versicherte Person im oder ausser Hause sich nicht selber fortbewegen kann oder wenn sie bei der Kontaktaufnahme Dritthilfe benötigt (BGE 121 V 91 E. 3c mit Hinweisen; ZAK 1990 S. 45 E. 3 mit Hinweisen).
1.3
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als mittelschwer, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauern
den persönlichen Überwachung bedarf; oder
c.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter und überdies dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV angewiesen ist.
Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades nach Art. 37 Abs. 2 lit. a IVV eine Hilfsbedürftigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebens
verrichtungen voraus (B
GE 121 V 88 E. 3b, 107 V 145 E.
2).
1.4
Gemäss
Art.
37
Abs.
1 IVV gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn die versicherte Person vollständig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn sie in allen alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der persönlichen Über
wachung bedarf.
1.5
Eine formell rechtskräftig zugesprochene Dauerleistung wird von Amtes wegen oder auf Gesuch hin erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben, wenn sich der ihr zu Grunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert (Art. 17 Abs. 2 ATSG). Ändert sich der Grad der Hilflosigkeit in erheblicher Weise, so finden die Art. 87-88
bis
IVV Anwendung (Art. 35 Abs. 2 IVV).
1.6
Gemäss Art. 69 Abs.
2 IVV kann die IV-Stelle zur Prüfung eines Leistungsan
spruchs unter anderem Abklärungen an Ort und Stelle vornehmen. Nach der Rechtsprechung hat ein Abklärungsbericht unter dem
Aspekt der Hilflosigkeit (Art.
9 ATSG) oder des Pflegebedarfs folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstatterin oder Berichterstatter wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und Hilfsbedürftigkeiten hat. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Stö
rungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig
(vgl. BGE 133 V 450 E. 11.1.1)
. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebens
verrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der dauernden Pflege und der persönlichen Überwachung und der lebenspraktischen Beglei
tung sein. Schliesslich hat er in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststell
bare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsperson näher am konkreten Sachver
halt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht (
BGE 140 V 543
E.
3.2.1
mit Hinweisen; SVR 2012 IV Nr. 54 S.
195,
Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2011 vom 12. Juli 2012 E.
3.2). Diese Grundsätze gelten entsprechend auch für die Abklärung der Hilflosigkeit unter dem
Gesichtspunkt
der lebens
praktischen Begleitung (BGE 133 V 450 E. 11.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_464/2015 vom 14. September 2015 E. 4) sowie unter dem Aspekt
de
s Inten
sivpflegezuschlags (vgl.
Urteil
des Bundesgerichts 8C_308/2016 vom 6.
September 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf
8C_756/2011
vom 12. Juli 2012
E.
3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer gemäss den durchgeführten Abklärungen weiterhin in den fünf Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden, Essen, Verrichtung der Notdurft, Körperpflege und Fortbewegung/Kontaktaufnahme regelmässig und erheblich auf Hilfe Dritter angewiesen sei und unverändert dauernde medi
zi
nisch-pflegerische Hilfe benötige. Eine Hilflosigkeit bei der Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen habe sich hingegen nicht objektivieren lassen (Urk. 1 S. 3).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, er leide neben seiner jahre
langen Krebserkrankung nun auch an einer schweren Depression. Neben den weiterhin bestehenden Beeinträchtigungen in fünf Lebensbereichen könne er mehrheitlich nicht ohne Unterstützung von Familienmitgliedern aufstehen, weshalb auch von einer Hilflosigkeit in der Lebensverrichtung Aufstehen/Ab
sit
zen/Abliegen auszugehen sei (Urk. 1 S. 3).
3.
Strittig und zu prüfen ist im vorliegenden Beschwerdeverfahren, ob
sich
der Grad der Hilflosigkeit des Beschwerdeführers
zwischen dem Erlass
der
Verfü
gung
vom
17. Dezember 2012
, mit welcher
ihm eine
Entschädigung wegen
mittelschwerer
Hilflosigkeit
ab 1. März 2011 zugesprochen
worden war,
und dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 17. Dezember 2015 derart verän
derte, dass die weitere Ausrichtung einer Hilflosen
entschädigung
bei mittel
schwerer Hilflosigkeit nicht mehr
gerechtfertigt erscheint
, sondern erhöht wer
den muss
.
4.
Medizinische Grundlage für die Verfügung vom 17. Dezember 2012 waren die Berichte der Dermatologischen Klinik des Z._ vom 9. Juli 2012 (Urk. 7/43) sowie von Dr. Y._ vom 27. August 2012 (Urk. 7/48). Diesen waren die Diagnosen eines metastasierenden malignen Melanoms, Sta
dium IV (pT4 N2M1c), einer tiefen Venenthrombose (TVT) vom Fuss bis ingui
nal links (Duplexsonographisch diagnostiziert am 14. Dezember 2010), eines lumboradikulären sensomotorischen partiellen Ausfallsyndroms L5 und S1 rechts, eines metabolischen Syndroms mit arterieller Hypertonie und Adipositas Grad I, eines Status nach unklarer Synovitis des rechten Knies, sowie eines kol
loidreichen und regressiv veränderten Strumaknotens und eines Zustands nach depressivem Zustandsbild
zu entnehmen
(Urk. 7/43/1 f.).
Anlässlich einer am 23. Mai 2012 (Urk. 7/49) durchgeführten Erhebung im Haus
halt des Beschwerdeführers stellte die Abklärungsperson einen regelmässi
gen und erheblichen Hilfsbedarf in den alltäglichen Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden,
E
ssen, Körperpflege, Verrichtung der Notdurft sowie Fortbewegung/
Kontaktaufnahme
fest
.
Zudem bejahte sie aufgrund der notwen
digen Vorbereitung und Abgabe einer Vielzahl täglich einzunehmender Medi
kamente sowie der Begleitung zu drei bis vier wöchentlichen Terminen bei der Hausärztin, im Spital oder bei der Physiotherapie das Erfordernis der dauernden Pflege (Urk. 7/49/3 f.).
5.
5.1
Am 6. Mai 2015 erfolgte eine Abklärung am Wohnort des Beschwerdeführers (Urk. 7/76). Dabei stellte die Abklärungsperson fest, dass verglichen mit der letzten Abklärung vom 23. Mai 2012 (Urk. 7/49) unverändert Hilfsbedarf bezüglich der Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden, Essen, Körperpflege, Notdurft und Fortbewegung bestehe und auch der Bedarf nach dauernder Pflege weiterhin ausgewiesen sei (Urk. 7/76/4). Der Beschwerdeführer sei während der Dauer des Gesprächs ausschliesslich auf dem Sofa gesessen. Die Angabe, wonach der Beschwerdeführer auch bezüglich der Lebensverrichtung Aufste
hen/Absitzen/Abliegen auf Dritthilfe angewiesen sei, da es ihm nur alle drei bis vier Wochen gelinge alleine aufzustehen, sei nicht nachvollziehbar. Da der Beschwerdeführer aufgrund eines erhöhten Thromboserisikos wöchentliche Termine bei seiner Hausärztin Dr. Y._ wahrgenommen hatte (Urk. 7/76/2, 6/76/4), wurde bei dieser ein aktueller Bericht eingeholt (Urk. 7/75).
5.2
Dr. Y._ berichtete der IV-Stelle am 29. Mai 2015, der Beschwerdeführer leide an einem metastasierenden malignen Melanom, an einem lumboradikulä
ren sensomotorischen partiellen Ausfallsyndrom L5/S1 rechts und einer Depression. Zudem nannte sie einen Status nach unklarer Synovitis des rechten Knies (Entzündung der Schleimhaut des Kniegelenks; Urk. 7/75/1). Dr. Y._ verneinte einen Hilfsbedarf bezüglich sämtlicher Lebensverrichtungen und ging einzig von einem Bedürfnis nach dauernder Pflege aufgrund der Notwen
digkeit täglichen Verabreichens von Medikamenten aus (Urk. 7/75/3 f.)
5.3
Der Beschwerdeführer machte am 21. August 2015 (Urk. 7/79/1) mit Einwand gegen den Vorbescheid vom 9. Juli 2015 (Urk. 7/77) geltend, bezüglich aller Lebensverrichtungen auf die Hilfe Dritter angewiesen zu sein und dauernde persönliche Überwachung zu benötigen. Dazu nahm die Abklärungsperson am 17. Dezember 2015 Stellung. Sie verneinte das Erfordernis einer dauernden Überwachung, da im Urteil des hiesigen Gerichts vom 19. Dezember 2011 deren Notwendigkeit verneint worden sei und seither keine neuen Diagnosen hinzu
gekommen seien (Urk. 7/81/1). Bezüglich der Lebensverrichtung Auf
stehen/Absitzen/Abliegen führte die Sachverständige aus, dass sich eine Hilflo
sigkeit in diesem Bereich weder aufgrund der Abklärung vor Ort noch aus den Angaben von Dr. Y._ ergebe (Urk. 7/81/2).
6.
6.1
Bei der letzten Verfügung im Jahr 2012 bestanden beim Beschwerdeführer erheb
lich hilfebedürftige Einschränkungen in den Bereichen
Anklei
den
/Aus
kleiden, Essen, Körperpflege, Verrichtung der Notdurft und
Fortbewe
gung
/
Kontakt
aufnahme
. An dieser Situation hat sich seither nichts geändert, eine Verbesserung ist in diesen fünf Lebensbereichen unstrittig nicht eingetre
ten. Auch ist der Versicherte weiterhin auf eine erhebliche Dritthilfe bei der Bereitstellung und Einnahme der zahlreichen Medikamente im Sinne einer dau
ernden medizinischen Pflege angewiesen; auch dieses Element ist unbestritte
nermassen immer noch gegeben.
Für die Frage, ob bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung eine schwere Hilflosigkeit eingetreten ist, ist damit einzig entscheidend, ob der Beschwerde
führer zusätzlich zu den bestehenden Einschränkungen auch für die Lebensver
richtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen auf relevante Dritthilfe angewiesen ist (vgl. Art. 37 Abs. 1 IVV, E. 1.4); einer dauernden Überwachung bedarf es nicht.
6.2
Der Abklärungsperson war von Seiten der Ehefrau mitgeteilt worden, der Beschwerdeführer liege tagsüber meistens auf dem Sofa. Er stehe nicht mehr selbständig auf oder setze sich selbständig. Wenn die Kinder da seien, ziehe er sich meistens in ein anderes Zimmer zurück. Alleine aufstehen gehe nur ganz selten, vielleicht alle drei bis vier Wochen. Er sei schon mehrmals bei entspre
chenden Versuchen gestürzt. Auch in der Nacht stehe er nur mit Hilfe der Ehe
frau auf. Er habe in den Beinen sehr starke Schmerzen und keine Kraft. Wenn er stehe, werde ihm schwindlig und er reagiere nervös und aggressiv (Urk. 7/76/2). Der Abklärungsperson waren aufgrund des passiven Verhaltens des Beschwer
deführers anlässlich der Abklärung vom 6. Mai 2015 keine eigenen Wahrneh
mungen bezüglich der Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen mög
lich. Einzige objektive Grundlage zur Beantwortung der Frage, ob auch diesbe
züglich ein dauernder und erheblicher Hilfsbedarf besteht, bildet somit der Bericht von Dr. Y._ vom 29. Mai 2015 (Urk. 7/75). Aus diesem Bericht ergibt sich jedoch keine Veränderung des Gesundheitszustandes im Vergleich zu demjenigen, wie er der Verfügung aus dem Jahr 2012 zugrunde lag (vgl. E. 4). Wie auch in ihrem letzten Bericht vom 27. August 2012 (Urk. 7/48/5) verneinte Dr. Y._ einen relevanten Hilfsbedarf bezüglich der Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen (Urk. 7/75/3).
Gemäss den Angaben von Dr. Y._ behandelt sie den Beschwerdeführer seit 1994 hausärztlich (vgl. Urk. 7/75/1). Zum Zeitpunkt der Berichterstattung nahm dieser wöchentliche Termine bei ihr wahr (Urk. 7/76/4). Bei der zu beur
teilenden Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen handelt es sich um Bewegungsabläufe, die bei jedem Arztbesuch ausgeführt werden. Entsprechend ist davon auszugehen, dass der Hausärztin aufgefallen wäre, wenn sich in die
sem Bereich eine Verschlechterung eingestellt hätte.
Die
von
der Ehefrau beschriebene
und vom Versicherten gezeigte
gänzliche Passivität
ist mit den gestellten Diagnosen der Hausärztin nicht erklärbar, im Besonderen berichtete die Hausärztin weder von einer schweren Depression des Versicherten noch von erfolgten oder behandelten Stürzen. Zu beachten ist auch, dass die Familie im zweiten Stock eines Hauses ohne Lift wohnt. Auch wenn der Versicherte bei der Überwindung der Treppe unterstützende Hilfe braucht, so ist er doch im Stande, diese hinunter und hinauf zu gehen. Ein objektiv notwendiger, erheblicher und dauernder Hilfsbedarf bereits beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen ist deshalb wenig wahrscheinlich und nicht ausgewiesen. Damit ist in Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass in Bezug auf diese Lebensverrichtung weiterhin keine Hilflosigkeit besteht. Damit hat der Beschwerde
führer unverändert Anspruch auf eine Entschädigung bei mittel
schwerer Hilflosigkeit, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von Fr.
6
00.-- als ange
messen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem Beschwerde
führer aufzuerlegen, jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.