Decision ID: 753d0747-6511-5469-9cfb-c66d67107ce7
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
A._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Kreso Glavas, Haus zur alten Dorfbank,
9313 Muolen,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
IV-Leistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Am 20. Mai 2004 stürzte A._ in einem anfahrenden Kleinbus und zog sich
Prellungen an der linken Schulter und der linken Hüfte zu (act. G 4.16-4). Die
Versicherte meldete sich am 20. August 2004 erstmals zum Bezug von IV-
Rentenleistungen an (act. G 4.3). Vom 9. bis 28. Mai 2005 befand sich die Versicherte
zur Rehabilitation in der Klinik Valens. Die dort behandelnden medizinischen
Fachpersonen diagnostizierten ein Fibromyalgie-Syndrom, eine Periarthropathia
humeroscapularis tendinopathica links, ein cervicocephales Schmerzsyndrom, ein
chronisches lumbales Schmerzsyndrom, unklare Leberwerterhöhungen und Lipase
sowie eine leicht- bis mittelgradige Depression (Austrittsbericht vom 17. Juni 2005, act.
G 4.29-27). Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte am 16. August 2005 in der
ABI Aerztliches Begutachtungsinstitut GmbH polydisziplinär (orthopädisch-
psychiatrisch) untersucht. Die Experten kamen im Gutachten zum Schluss, dass die
Versicherte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit an chronischen Schulterschmerzen
links (ICD-10: M79.6) sowie an einem chronischen lumbovertebralen Schmerzsyndrom
ohne radikuläre Symptomatik (ICD-10: M54.5) leide. Für die angestammte Tätigkeit als
Pflegehilfe bescheinigten sie eine volle Arbeitsunfähigkeit. Für leidensangepasste
Tätigkeiten verfüge die Versicherte über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (act.
G 4.28-20 ff.). Gestützt auf diese gutachterliche Einschätzung lehnte die IV-Stelle einen
Rentenanspruch der Versicherten ab (Verfügung vom 17. November 2005, act. G 4.43,
und Einspracheentscheid vom 5. März 2007, act. G 4.56).
A.b Der behandelnde Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin FMH, meldete die
Versicherte in deren Auftrag am 28. März 2007 erneut zum Bezug von IV-Leistungen an
(act. G 4.59). Er berichtete am 5. Juli 2007, dass die Versicherte an chronischen
Schmerzen in der linken Schulter, Hüfte und Knie, an einer Innenohrschwerhörigkeit
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links, einer reaktiven Depression sowie einer Fibromyalgie leide, und bescheinigte ihr
eine 20%ige Restarbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten (act. G 4.69).
A.c Am 12. August 2008 nahm die ABI eine polydisziplinäre (internistische,
psychiatrische und orthopädische) Verlaufsbegutachtung vor. Die Experten stellten im
Verlaufsgutachten vom 11. September 2008 folgende Diagnosen mit Einfluss auf die
Arbeitsfähigkeit: leichte depressive Episode (ICD-10: F32.0), eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10: F45.4), chronische Schulterschmerzen links
sowie ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom ohne radikuläre Ausfälle. Aus
psychiatrischer Sicht bestehe im Vergleich zur Vorbegutachtung im August 2005 neu
eine 20%ige Leistungseinbusse für somatisch leidensangepasste Tätigkeiten (act.
G 4.81-22 ff.).
A.d Im Vorbescheid vom 8. Januar 2009 ermittelte die IV-Stelle einen nicht
rentenbegründenden Invaliditätsgrad von 37% und stellte die Abweisung des
Rentenbegehrens in Aussicht (act. G 4.89). Dagegen erhob die Versicherte am
9. Januar 2009 Einwand (act. G 4.90; ergänzende Begründung vom 9. Februar 2009,
act. G 4.92). Am 16. Februar 2009 verfügte die IV-Stelle entsprechend dem
Vorbescheid, dass das Rentengesuch abgewiesen werde (act. G 4.93).
A.e Gegen die Verfügung vom 16. Februar 2009 erhob die Versicherte am 17. März
2009 Beschwerde (act. G 4.101). Mit Verfügung vom 15. Mai 2009 widerrief die IV-
Stelle die Verfügung vom 16. Februar 2009 (act. G 4.119; zum Abschreibungsbeschluss
des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 19. Juni 2009, IV 2009/98, vgl.
act. G 4.128).
A.f Im Vorbescheid vom 22. Juli 2009 ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad
von 35% (act. G 4.132). Dagegen erhob die Versicherte am 28. August 2009 Einwand
(act. G 4.134). Am 31. August 2009 reichte sie einen Bericht des Psychiatrischen
Zentrums St. Gallen vom 20. August 2009 ein (act. G 4.136; zu den ergänzenden
Angaben des Psychiatrischen Zentrums vom 28. August 2009 vgl. act. G 4.141). Die
behandelnden Psychiater stellten darin die Diagnose einer rezidivierenden depressiven
Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10:
F33.11). Es bestünde keine nennenswerte Restarbeitsfähigkeit mehr (act. G 4.135). Der
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RAD-Arzt hielt in der Stellungnahme vom 11. September 2009 fest, dass sich aus dem
Bericht des Psychiatrischen Zentrums vom 20. August 2009 im Vergleich zur ABI-
Verlaufsbegutachtung keine wesentliche gesundheitliche Verschlechterung ergebe (act.
G 4.142).
A.g Mit Verfügung vom 24. September 2009 lehnte die IV-Stelle einen
Rentenanspruch der Versicherten ab (act. G 4.143).
B.
B.a Gegen die Verfügung vom 24. September 2009 richtet sich die Beschwerde vom
8. Oktober 2009. Die Beschwerdeführerin beantragt darin unter Kosten- und
Entschädigungsfolge deren Aufhebung und die Zusprache mindestens einer
Viertelsrente. Die Beschwerdegegnerin sei weiter zu verpflichten, geeignete berufliche
Massnahmen zu gewähren. Eventualiter sei die Streitsache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie nach zusätzlichen Abklärungen neu entscheide. Im
Wesentlichen bringt die Beschwerdeführerin vor, dass sich ihr Gesundheitszustand seit
der ABI-Verlaufsbegutachtung verschlechtert habe. Ferner habe die
Beschwerdegegnerin zu Unrecht keine beruflichen Massnahmen gewährt. Des
Weiteren kritisiert die Beschwerdeführerin die Berechnung des Validen- und
Invalideneinkommens (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt in der Beschwerdeantwort vom 5. Januar
2010 die Beschwerdeabweisung. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass eine
gesundheitliche Verschlechterung seit der ABI-Verlaufsbegutachtung nicht
ausgewiesen und bei der Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit auf das
Verlaufsgutachten vom 11. September 2008 abzustellen sei. Das Valideneinkommen
sei korrekt gestützt auf die Angaben der ehemaligen Arbeitgeberin ermittelt worden.
Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens sei zu Recht kein Tabellenlohnabzug
gewährt worden (act. G 4).
B.c In der Replik vom 15. Februar 2010 hält die Beschwerdeführerin vollumfänglich an
ihrer Beschwerde fest (act. G 10).
B.d Die Beschwerdegegnerin hat auf eine begründete Duplik verzichtet (act. G 12).
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B.e Das Gericht zog die seit Verfügungserlass ergangenen Akten der
Beschwerdegegnerin betreffend berufliche Massnahmen bei (act. G 19 und 19.1). Die
Beschwerdeführerin reichte dazu am 28. September 2011 eine Stellungnahme ein (act.
G 21).

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2008 sind die im Zug der 5. IV-Revision revidierten Bestimmungen des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20), der Verordnung über
die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) und des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass
der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des
angefochtenen Entscheids beziehungsweise im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V
467 E. 1, 126 V 136 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Verfügung ist am
24. September 2009 (act. G 4.143) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist,
der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmungen der 5. IV-Revision am
1. Januar 2008 begonnen hat (Neuanmeldung vom 28. März 2007, act. G 4.59). Daher
ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31.
Dezember 2007 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeitpunkt auf
die neuen Normen der 5. IV-Revision abzustellen (vgl. zur 4. IV-Revision: BGE 130 V
445 ff.; Urteil des Bundesgerichts vom 7. Juni 2006, I 428/04, E. 1). Diese
übergangsrechtliche Lage zeitigt indessen insoweit keine materiellrechtlichen Folgen,
als die 5. IV-Revision hinsichtlich des Begriffs und der Bemessung der Invalidität keine
substantiellen Änderungen gegenüber der bis Ende 2007 gültig gewesenen Rechtslage
gebracht hat. Neu normiert wurde demgegenüber der Zeitpunkt des Rentenbeginns,
der, sofern die entsprechenden Anspruchsvoraussetzungen gegeben sind (Art. 28
Abs. 1 IVG), gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG frühestens 6 Monate nach Geltendmachung
des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG entsteht (zur bis 31. Dezember
2007 gültigen Rechtslage vgl. Art. 48 Abs. 2 aIVG). Da ein allfälliger Rentenanspruch im
vorliegend zu beurteilenden Fall vor dem 1. Januar 2008 entsteht (vgl. nachstehende
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E. 6), wirkt sich diese Neuerung auf den hier zu prüfenden Fall nicht aus (IV-
Rundschreiben Nr. 253 vom 12. Dezember 2007; Urteil des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 28. Oktober 2009, IV 2009/5, E. 2, bestätigt in Urteil des
Bundesgerichts vom 12. Februar 2010, 9C_1029/09). Nachfolgend werden die seit
1. Januar 2008 gültigen Bestimmungen des ATSG und IVG wiedergegeben, sofern
nicht anders vermerkt.
2.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung und damit auch Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens bildet der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Nicht
Gegenstand der angefochtenen Verfügung bildete der Anspruch auf berufliche
Massnahmen. Dieser ist auch nach dem Grundsatz "Eingliederung vor Rente" nicht
notwendigerweise deren Gegenstand, da bei der Beschwerdeführerin mit Blick auf ihre
berufliche Biographie lediglich ein Anspruch auf Arbeitsvermittlung bestand (vgl. act.
G 19.1-11) und die Arbeitsvermittlung nicht unter den Grundsatz "Eingliederung vor
Rente" fällt; sie hat keinen Einfluss auf einen allfälligen Rentenanspruch (Urteil des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 6. Mai 2010, IV 2009/78, E. 2 mit
Hinweis). Soweit die Beschwerdeführerin die Gewährung beruflicher Massnahmen
beantragt, ist demnach mangels Anfechtungsgegenstands auf die Beschwerde nicht
einzutreten.
3. Zu prüfen ist daher nachfolgend der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.1 Unter Invalidität wird die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit verstanden (Art. 8 ATSG). Erwerbsunfähigkeit
ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung
verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in
Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Nach Art. 28
Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte
Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60%
invalid ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50% vor, so besteht Anspruch auf
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eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% auf eine
Viertelsrente.
3.2 Um das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit beurteilen und somit den Invaliditätsgrad
bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf
Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur
Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V
261 E. 4).
4.
4.1 In medizinischer Hinsicht stützt sich die angefochtene Verfügung auf das ABI-
Verlaufsgutachten vom 11. September 2008. Darin haben die Experten der
Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit für
leidensangepasste Tätigkeiten bescheinigt (act. G 4.81-24). Das ABI-Verlaufsgutachten
erfüllt sämtliche rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige
Gutachten (vgl. hierzu BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Damit geht einher, dass die
Beschwerdeführerin keine substantiierten Rügen gegen das ABI-Verlaufsgutachten
vorbringt.
4.2 Die Beschwerdeführerin stellt sich aber auf den Standpunkt, dass sich ihr
psychischer Gesundheitszustand seit dem ABI-Gutachten verschlechtert habe (act.
G 1, S. 4). Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die Beurteilung durch das
Psychiatrische Zentrum St. Gallen vom 20. August 2009 (Aufenthalt in der
Kurzzeittherapie-Station vom 17. Juli bis 20. August 2009, act. G 4.135; vgl. auch das
ergänzende Schreiben vom 28. August 2009, act. G 4.137).
4.2.1 Die Ärzte des Psychiatrischen Zentrums St. Gallen erhoben bei Austritt
folgenden psychopathologischen Status: Wache, bewusstseinsklare, zu allen
Qualitäten orientierte, gepflegte Patientin. Konzentration und Merkfähigkeit unauffällig.
Formales Denken geordnet und kohärent, weniger grüblerisch. Im inhaltlichen Denken
keine Hinweise auf Wahn, Halluzinationen, Ich-Störungen oder Zwänge. Affektiv
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ausgeglichen bei noch reduzierter Schwingungsfähigkeit, zeitweise aufbrausend, sich
stark abgrenzend. Psychovegetativ keine Ein- und Durchschlafstörungen sowie guter
Appetit. Psychomotorisch ruhig. Keine Hinweise auf akute Suizidalität oder
Fremdgefährdung (act. G 4.135-3).
4.2.2 Damit decken sich die Befunde des psychiatrischen ABI-
Verlaufsgutachters: Die Explorandin "sprach mit normaler Stimme, wirkte resigniert und
enttäuscht. [...] Die Klagen ihrer körperlichen Beschwerden waren diffus. Neben ihren
Schmerzen klagte sie über Verstimmungszustände mit auch aggressiver Gestimmtheit,
vegetativen Symptomen wie Schwitzen und zum Teil Ängsten sowie nächtliche
Schlafschwierigkeiten. Die Stimmung war depressiv. Mimik und Gestik waren leicht
herabgesetzt. Die affektive Modulationsfähigkeit war eingeschränkt. [...]. Sie war
bewusstseinsklar und allseits orientiert. Die Aufmerksamkeit, die Auffassung und das
Gedächtnis waren nicht beeinträchtigt. Das Denken war formal unauffällig. Inhaltlich
waren depressive Gedanken erkennbar. Wahnhafte Gedanken, Sinnestäuschungen,
Halluzinationen und Ich-Störungen waren nicht vorhanden" (act. G 4.81-13 f.). Bei
diesen mit den Angaben der behandelnden Psychiater übereinstimmenden
Feststellungen des psychiatrischen ABI-Verlaufsgutachters ist eine wesentliche,
dauerhafte gesundheitliche Verschlechterung zu verneinen. Ergänzend ist darauf
hinzuweisen, dass auch der im Austrittsbericht vom 20. August 2009 festgehaltene
psychopathologische Status bei Eintritt (vgl. act. G 4.135-2) im Vergleich zum
Verlaufsgutachten keine erheblichen Abweichungen aufweist. Zumindest kann aber mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit eine über drei Monate andauernde wesentliche
gesundheitliche Verschlechterung im Sinn von Art. 88a IVV verneint werden.
4.2.3 Vor diesem Hintergrund vermag auch die im Austrittsbericht vom
20. August 2009 vorgenommene Arbeitsfähigkeitsbeurteilung ("besteht keine
nennenswerte Arbeitsfähigkeit, es ist auch keine Bereitschaft erkennbar, zudem dürften
die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden aufgrund des Alters der
Patientin nicht gross sein", act. G 4.135-4) keinen Zweifel an der
verlaufsgutachterlichen Einschätzung zu begründen. Dies umso weniger, als die
Beurteilung der behandelnden Psychiater hauptsächlich auf der Einstellung der
Beschwerdeführerin ("keine Bereitschaft") sowie ihr fortgeschrittenes Alter fusst und sie
sich mit der verlaufsgutachterlichen Einschätzung nicht auseinandersetzt. Ferner
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erscheint eine volle Arbeitsunfähigkeit für jegliche Arbeitstätigkeit mit Blick auf die
erhobenen psychopathologischen Befunde (act. G 4.135-2 ff.) nicht nachvollziehbar.
5.
Ausgehend von einer 80%igen Restarbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
bleiben damit die erwerblichen Auswirkungen der eingeschränkten Leistungsfähigkeit
im Rahmen eines Einkommensvergleichs (vgl. hierzu Art. 16 ATSG) zu prüfen.
5.1 Gemäss Art. 16 ATSG richtet sich das Valideneinkommen danach, was eine
versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Massgebend
für das Valideneinkommen ist, was die versicherte Person aufgrund ihrer beruflichen
Fähigkeiten und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen Rentenbeginns verdient
hätte. Dabei ist in der Regel vom zuletzt - d.h. vor dem Beginn der ganzen oder
teilweisen Arbeitsunfähigkeit erzielten - (Brutto-)Verdienst auszugehen (Urteil des
Bundesgerichts vom 22. September 2009, 8C_143/2009, E. 2.2.1). Vorliegend beginnt
ein allfälliger Rentenanspruch im Jahr 2007 (vgl. nachstehende E. 6). Aus der
detaillierten Gehaltsberechnung der ehemaligen Arbeitgeberin ergibt sich, dass die
Beschwerdeführerin im Jahr 2006 einen Jahreslohn von Fr. 65'000.-- erzielt hätte (act.
G 4.115-2). Unter Berücksichtigung der entsprechenden Nominallohnentwicklung von
+ 1,3% resultiert für das Jahr 2007 ein Einkommen von Fr. 65'845.--. Für das von der
Beschwerdeführerin gestützt auf die nicht substantiierte "Basis der Lohnentwicklung im
Pflegebereich" geltend gemachte Valideneinkommen von Fr. 78'000.-- bzw. 71'500.--
(act. G 1, S. 4 f.) bestehen keine überzeugenden Anhaltspunkte, zumal sich diese
Beträge auch nicht der von ihr ins Feld geführten Verfügung der Unfallversicherung
entnehmen lassen (worin für das Jahr 2005 von einem Valideneinkommen von
Fr. 63'920.-- ausgegangen wurde [Fr. 4'873.-- x 13 plus Aufrechnung Teuerung 0,9%
für 2005], act. G 1.5). Gestützt auf die plausiblen Angaben der ehemaligen
Arbeitgeberin ist daher das Valideneinkommen für das Jahr 2007 auf Fr. 65'845.--
festzusetzen.
5.2 Ist wie im vorliegenden Fall kein tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen
gegeben, so ist zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf die LSE-Tabellenlöhne
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abzustellen (vgl. BGE 129 V 475 E. 4.2.1). Gemäss Tabelle TA1, Anforderungsniveau 4,
Total, Frauen, betrug im Jahr 2006 der aufgrund einer 40-Stundenwoche erhobene
Monatslohn Fr. 4'019.--. Entgegen der Auffassung der Beschwerdegegnerin ist dieser
Lohn nicht an eine 43-Stundenwoche (act. G 4.156), sondern an die im Jahr 2007
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden (Bundesamt für Statistik,
Betriebs-übliche Arbeitszeit) anzupassen. Daraus resultiert ein monatliches Einkommen
von Fr. 4'190.-- bzw. ein jährliches von Fr. 50'280.-- für das Jahr 2006. Für das Jahr
2007 ergibt sich unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung von 1,3% ein
Einkommen von Fr. 50'934.--.
5.3 Wird zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf die LSE-Tabellenlöhne
abgestellt, so kann zusätzlich ein Abzug vom statistischen Lohn von maximal 25%
vorgenommen werden (zum Abzug vom Tabellenlohn vgl. BGE 129 V 481 E. 4.2.3).
Vorliegend erscheint aufgrund der leidensbedingten Beschränkungen der
Beschwerdeführerin auf körperlich leichte bis mittelschwere Arbeiten in nicht lärmiger
Umgebung (vgl. act. G 4.81-24) und des fortgeschrittenen Alters der
Beschwerdeführerin (vgl. zur Benachteiligung von Personen ab 50 Jahren auch
Bundesamt für Statistik, Erwerbstätigkeit der Personen ab 50 Jahren, 2008, S. 12) bzw.
der ihr verbleibenden Aktivitätsdauer von weniger als fünf Jahren ein
Tabellenlohnabzug von 10% als angemessen. Unter zusätzlicher Berücksichtigung der
80%igen Restarbeitsfähigkeit resultiert damit ein Invalideneinkommen von Fr. 36'672.--
(Fr. 50'934.-- x 0.9 x 0.8), eine Erwerbseinbusse von Fr. 29'173.-- (Fr. 65'845.-- -
Fr. 36'672.--) und ein Invaliditätsgrad von abgerundet 44% ([Fr. 29'173.-- /
Fr. 65'845.--] x 100). Damit hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine
Viertelsrente.
6.
Im Zusammenhang mit dem Rentenbeginn ist darauf hinzuweisen, dass gemäss
aArt. 29 Abs. 1 lit. b IVG (in der vorliegend anwendbaren, bis 31. Dezember 2007
gültigen Fassung) die Arbeitsunfähigkeit im bisherigen Beruf für die Rentenentstehung
relevant ist (BGE 130 V 99 E. 3.2 mit Hinweisen) und es zur Erfüllung des Wartejahres
bei einer Wiederanmeldung genügt, wenn im Zeitpunkt der rechtsgenüglich erwiesenen
Verschlechterung des Gesundheitszustands bzw. des festzusetzenden Rentenbeginns
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das Wartejahr bestanden ist. Das Erfordernis des Wartejahres beginnt daher bei einer
Wiederanmeldung grundsätzlich nicht von neuem (Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des
Bundesgerichts] vom 20. Juni 2003, I 285/02, E. 2.3; vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts vom 27. Dezember 2007, 9C_684/07, E. 2.3 f. sowie des
Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich vom 24. September 2009, IV.
2008.00433, E. 4.1). Die ABI-Gutachter gingen davon aus, dass für die angestammte
Tätigkeit seit dem 24. Mai 2004 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und für
leidensangepasste Tätigkeiten ab März 2007 eine 80%ige Restarbeitsfähigkeit besteht
(act. G 4.81-24). Unter Berücksichtigung von aArt. 29 IVG (in der bis 31. Dezember
2007 gültigen Fassung) und der dreimonatigen Frist von Art. 88a Abs. 2 IVV beginnt
daher der Rentenanspruch im Juni 2007.
7.
7.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 24.
September 2009 aufzuheben und der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab Juni 2007
eine Viertelsrente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung der Rentenhöhe sowie
zur Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. Auf den Antrag um Gewährung beruflicher Massnahmen ist nicht
einzutreten.
7.2 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint als angemessen. Die Beschwerdegegnerin hat ausgangsgemäss die gesamte
Gerichtsgebühr von Fr. 600.-- zu bezahlen. Der geleistete Kostenvorschuss von Fr.
600.-- ist der Beschwerdeführerin zurückzuerstatten.
7.3 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach
bis
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Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.-- bis Fr. 12'000.--. Im hier
zu beurteilenden Fall erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'000.-- (inklusive
Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP