Decision ID: 36c1e558-51f0-4873-9481-545f90888c75
Year: 2022
Language: de
Court: AG_OG
Chamber: AG_OG_006
Canton: AG
Region: Northwestern_Switzerland
Law Area: 

Der Einzelrichter entnimmt den Akten:
A.
Der Gesuchsgegner hat eigenen Angaben zufolge im Jahr 2015 seine Frau
in der Schweiz geheiratet und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung (Protokoll
S. 4, act. 32). Am 20. April 2021 verfügte das Migrationsamt Zürich die
Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung infolge Sozialhilfebezugs
und wies den Gesuchgegner sowie seine Ehefrau aus der Schweiz weg
(Akten des Amts für Migration und Integration [MI-act.] 3 ff.). Am 21. August
2021 bestätigte die Eidgenössische Zollverwaltung die gleichentags
erfolgte Ausreise des Gesuchsgegners Richtung Frankreich (MI-act. 32 ff.).
Gemäss EURODAC-Registerauszug hatte der Gesuchsgegner in der
Folge in Frankreich am 10. September 2021 ein Asylgesuch gestellt (MI-
act. 99).
Am 15. Januar 2022 wurde der Gesuchgegner wegen des Verdachts auf
mehrfachen Einbruchdiebstahl in Gränichen AG vorläufig festgenommen
und zwecks angeordneter Untersuchungshaft ins Zentralgefängnis
Lenzburg versetzt (MI-act. 36 ff.). Auf den Zeitpunkt seiner Entlassung aus
der Untersuchungshaft ordnete das MIKA am 24. Februar 2022 gestützt
auf Art. 76a AIG eine Administrativhaft an (MI-act. 113 ff.). Mit Verfügung
vom 8. März 2022 wies das Staatssekretariat für Migration (SEM) den
Gesuchgegner gestützt auf Art. 64a Abs. 1 AIG nach Frankreich weg (MI-
act. 130 ff., 162) und verfügte ein vom 20. März 2022 bis zum 19. März
2026 gültiges Einreiseverbot für das schweizerische und liechtensteinische
Staatsgebiet sowie dessen Ausschreibung im Schengener
Informationssystem (SIS II) (MI-act. 141). Am 13. April 2022 wurde der
Gesuchsgegner schliesslich mittels unbegleiteten Linienflugs nach
Frankreich ausgeschafft (MI-act. 175 ff.).
Am 10. August 2022 wurde der Gesuchgegner anlässlich einer
Fahrzeugkontrolle in Zürich wegen Missachtung des Einreiseverbots und
rechtswidrigem Aufenthalt in Polizeihaft genommen (MI-act 194 ff.). In
Vollstreckung einer Ersatzfreiheitsstrafe für die Bussenverfügung vom
20. Oktober 2021 der Staatsanwaltschaft Baden wurde der Gesuchgegner
den aargauischen Strafverfolgungsbehörden zugeführt und im
Zentralgefängnis Lenzburg für einen Tag inhaftiert. Am 12. August 2022,
07.45 Uhr, wurde der Gesuchsgegner aus dem Strafvollzug entlassen und
dem MIKA zugeführt (MI-act. 211 ff.).
B.
Im Rahmen der Befragung durch das MIKA wurde dem Gesuchsgegner am
12. August 2022 das rechtliche Gehör betreffend die Anordnung einer
Administrativhaft gewährt (MI-act. 214 ff.). Im Anschluss an die Befragung
- 3 -
wurde dem Gesuchsgegner die Anordnung der Haft wie folgt eröffnet
(act. 1):
1. Es wird eine Administrativhaft gemäss Art. 76a AIG angeordnet.
2. Die Haft begann am 12. August 2022, 07.45 Uhr.
3. Die Haft wird im Ausschaffungszentrum Aarau oder im Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft Zürich vollzogen.
C.
Im Anschluss an die Eröffnung der angeordneten Haft unterzeichnete der
Gesuchsgegner eine Erklärung, wonach er eine richterliche
Haftüberprüfung wünsche (MI-act. 226).
D.
Zur weiteren Abklärung des Sachverhalts ordnete der Einzelrichter eine
mündliche Verhandlung für den 15. August 2022, 14.00 Uhr, an. In der
Folge bestellte das Verwaltungsgericht dem Gesuchsgegner einen
amtlichen Rechtsvertreter und stellte diesem die Akten sowie die Vorladung
zur mündlichen Verhandlung vom 15. August 2022 elektronisch zu.
E.
Anlässlich der heutigen Verhandlung vor dem Einzelrichter des
Verwaltungsgerichts wurden der Gesuchsteller und der Gesuchsgegner
befragt.
F.
Der Gesuchsteller beantragte die Bestätigung der Haftanordnung
(Protokoll S. 9, act. 37).
Der Gesuchsgegner liess folgenden Antrag stellen (Protokoll S. 9, act. 37).
Der Gesuchsgegner sei sofort aus der Haft zu entlassen.

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
I.
1.
Das angerufene Gericht überprüft die Rechtmässigkeit und
Angemessenheit einer durch das MIKA angeordneten Dublin-
Administrativhaft auf Antrag der betroffenen Person innert 96 Stunden seit
Antragstellung grundsätzlich in einem schriftlichen Verfahren (Art. 80a
- 4 -
Abs. 3 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und
über die Integration vom 16. Dezember 2005 [Ausländer- und
Integrationsgesetz, AIG; SR 142.20] i.V.m. Art. 80 Abs. 2 AIG; § 6 des
Einführungsgesetzes zum Ausländerrecht vom 25. November 2008
[EGAR; SAR 122.600]). Im Rahmen der Haftüberprüfung bleibt auch in
einem schriftlichen Verfahren die Abnahme weiterer Beweise vorbehalten
(§ 14 Abs. 2 EGAR). Damit schliesst Art. 80a Abs. 3 AIG nicht aus, dass
der Einzelrichter eine mündliche Verhandlung durchführen kann, sofern er
dies aufgrund der Akten für erforderlich hält.
Nachdem der Gesuchsgegner anlässlich der Eröffnung der Haftanordnung
eine richterliche Haftüberprüfung verlangt hat, ist diese vorzunehmen. Die
Haftüberprüfungsfrist beginnt sodann mit der Antragsstellung des
Gesuchsgegners zu laufen, welche vorliegend am 12. August 2022,
9.45 Uhr, erfolgte (MI-act. 226). Am 15. August 2022 wurde eine mündliche
Verhandlung mit Parteibefragung durchgeführt, wobei das Urteil um
15.00 Uhr eröffnet wurde. Nach dem Gesagten ist die Haftüberprüfungsfrist
mit vorliegendem Entscheid eingehalten.
2.
Gemäss § 14 Abs. 2 EGAR entscheidet der Einzelrichter des
Verwaltungsgerichts über die angeordnete Haft aufgrund der Akten und der
Vorbringen der Parteien. Die Abnahme weiterer Beweise bleibt
vorbehalten.
Im Rahmen des rechtlichen Gehörs brachte der Gesuchsgegner
sinngemäss vor, er bevorzuge die Ausschaffung in sein Heimatland
Nordmazedonien anstelle der Rückführung nach Frankreich (MI-
act. 214 f.). Nach Frankreich wolle er unter keinen Umständen. Er verfüge
neben seinem Führerschein über keinerlei Identitätsnachweis. Seinen
Reisepass habe er im Jahr 2017 verloren (MI-act. 216.). Anlässlich der
heutigen Verhandlung brachte der Gesuchsgegner demgegenüber vor, er
sei zwar bereit, selbstständig in den Kosovo auszureisen. Er wolle aber
weder in sein Heimatland noch nach Frankreich zurückzukehren (Protokoll
S. 7, 8, act. 35, 36).
Der Rechtsvertreter des Gesuchsgegner brachte anlässlich der heutigen
Verhandlung vor, die Administrativhaft sei einerseits nicht notwendig und
andererseits seien die Haftvoraussetzungen für eine Administrativhaft
gemäss Art. 76a AIG vorliegend nicht erfüllt. Es habe jeder
Dublinmitgliedstaat gemäss Art. 3 Ziff. 3 der EU-Verordnung Nr. 604/2013
vom 26. Juni 2013 das Recht, eine ausländische Person in einen sicheren
Drittstaat zurück- oder auszuweisen. Die Ausreise in den Kosovo sei dem
Gesuchsgegner deshalb zu ermöglichen. Eine Rückführung nach
Frankreich sei weder notwendig noch zielführend, insbesondere da der
Gesuchsgegner, wie heute erklärt worden sei, das Asylgesuch in
- 5 -
Frankreich zurückziehen werde. Es lägen zudem keine Anzeichen vor,
wonach sich der Gesuchsgegner einer Ausschaffung widersetzen würde
(Protokoll S. 10, act. 38). Es gäbe schliesslich mildere und weniger
einschneidende Massnahmen, wie beispielsweise eine Meldepflicht
(Protokoll S. 11, act. 39).
Der Gesuchsteller stellt sich auf den Standpunkt, beim Gesuchsgegner
lägen konkrete Anzeichen dafür vor, dass er sich der Durchführung einer
Wegweisung entziehen wolle. So habe er unter anderem aufgrund seiner
ersten Wegweisung gewusst, dass nicht die Schweiz, sondern Frankreich
für ihn zuständig sei. Trotzdem sei er erneut in die Schweiz eingereist. Er
müsse sich damit vorhalten lassen, dass er als quasi Asyltourist in Europa
befinden würde. Weiter habe der Gesuchsgegner anlässlich des
rechtlichen Gehörs erklärt, dass er nicht bereit sei, nach einer neuerlichen
Wegweisung selbständig nach Frankreich zurückzukehren. Seine Renitenz
behördlichen Anordnungen gegenüber habe er auch durch sein
strafrechtlich relevantes Verhalten zum Ausdruck gebracht (act. 3, MI-
act. 222). Folglich sei bei ihm eher als bei einer unbescholtenen Person
davon auszugehen, er würde sich behördlichen Anordnungen künftig
widersetzen (MI-act. 220 f.; Protokoll S. 9, act. 37).
II.
1.
1.1.
Die zuständige kantonale Behörde kann eine betroffene Person, für deren
Asylverfahren ein anderer Dublin-Staat zuständig ist, zur Sicherstellung
des Wegweisungsvollzugs in Haft nehmen, wenn die entsprechenden
Voraussetzungen von Art. 76a AIG erfüllt sind.
1.2.
Wurde die betroffene Person dem Kanton Aargau zugewiesen oder hält sie
sich im Kanton Aargau auf (Art. 80a Abs. 1 lit. b AIG), ist das MIKA gemäss
§ 13 Abs. 1 EGAR zuständige kantonale Behörde im Sinne von Art. 76a
AIG.
Nachdem der Gesuchsgegner ursprünglich dem Kanton Aargau
zugewiesen worden war, ist die Zuständigkeit des Kantons Aargau nach
wie vor gegeben. Vorliegend wurde die Haftanordnung durch das MIKA und
damit durch die zuständige Behörde erlassen (act. 1 ff.).
1.3.
Für die Überstellung in einen Dublin-Staat ist seit dem 1. Januar 2014 die
auch für die Schweiz geltende sogenannte "Dublin III-Verordnung"
(Verordnung [EU] Nr. 604/2013 des Europäischen Parlaments und des
Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur
Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem
- 6 -
Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten
Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist [Neufassung], in der
Fassung gemäss ABl. L 180 vom 29. Juni 2013, S. 31 ff.) massgebend. Per
1. Juli 2015 wurde die Dublin-III-Verordnung durch Anpassung des
nationalen Rechts vollständig in Kraft gesetzt (vgl. Bundesbeschluss vom
26. September 2014 über die Genehmigung und die Umsetzung des
Notenaustausches zwischen der Schweiz und der EU betreffend die
Übernahme der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die
Prüfung eines Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist
[Weiterentwicklung des Dublin/Eurodac-Besitzstands]; AS 2015 1841). Mit
Blick auf die Ausführungsbestimmungen gilt die Verordnung (EG)
Nr. 1560/2003 der Kommission vom 2. September 2003 (Dublin-
II-Durchführungsverordnung; ABl. L 222 vom 5. September 2003, S. 3 ff.)
grundsätzlich weiter, wobei gemäss Art. 48 Satz 2 der
Dublin III-Verordnung die Art. 11 Abs. 1, Art. 13, Art. 14 und Art. 17 der
Dublin II-Durchführungsverordnung aufgehoben wurden. Für die nicht
mehr gültigen Verweise in der Dublin II-Durchführungsverordnung auf die
Verordnung (EG) Nr. 343/2003 (Dublin II-Verordnung) wurde im Anhang II
zur Dublin III-Verordnung eine Konkordanztabelle eingefügt (vgl.
Notenaustausch vom 14. August 2013 zwischen der Schweiz und der
Europäischen Union betreffend die Übernahme der Verordnung [EU]
Nr. 604/2013 zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung
des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines Antrags auf internationalen
Schutz zuständig ist [Weiterentwicklung des Dublin/Eurodac-Besitzstands];
SR 0.142.392.680.01).
1.4.
Das MIKA informierte das SEM am 12. August 2022 über die
Haftanordnung betreffend den Gesuchsgegner und ersuchte darum, einen
Rückübernahmeantrag an die französischen Behörden zu richten
(act. 231). Es ist somit davon auszugehen, dass das SEM die Stellung
eines entsprechenden Antrags bzw. eines Übernahmegesuchs vorbereitet.
Gemäss EURODAC-Registerauszug vom 4. Februar 2022 stellte der
Gesuchsgegner vor seiner Einreise in die Schweiz am 10. September 2021
in Frankreich ein Asylgesuch (MI-act. 99). Nachdem der Gesuchsgegner in
Frankreich ein Asylgesuch eingereicht hat, ist davon auszugehen, dass
Frankreich für die Durchführung des Asylverfahrens zuständig ist.
2.
Vorliegend wurde eine „Dublin-Kombihaft“ angeordnet. Das bedeutet, dass
sich die Haft in einer ersten Phase auf Art. 76a Abs. 3 lit. a AIG stützt
(Vorbereitung Wegweisungsentscheid) und vorerst maximal sieben
Wochen dauert. Vorbehalten bleibt im Falle einer negativen Antwort des
Dublin-Zielstaates der Einschub einer Phase von maximal fünf Wochen
während eines Remonstrationsverfahrens (Art. 76a Abs. 3 lit. b AIG). Liegt
- 7 -
ein Wegweisungsentscheid vor, kann die Haft gestützt auf Art. 76a Abs. 3
lit. c AIG (Wegweisungsvollzug) für weitere sechs Wochen fortgesetzt
werden.
Das MIKA begründet seine Haftanordnung damit, dass mit der Haft
zunächst die Durchführung des Wegweisungsverfahrens und
anschliessend der Vollzug der Wegweisung des Gesuchsgegners
sichergestellt werden soll. Damit ist der Haftzweck sowohl in Bezug auf die
Phase der Vorbereitung eines Wegweisungsentscheids als auch in Bezug
auf die Phase des Wegweisungsvollzugs erstellt.
3.
Art. 76a Abs. 1 lit. a AIG zufolge müssen konkrete Anzeichen dafür
vorliegen, dass sich die betroffene Person der Durchführung der
Wegweisung entziehen will. Davon ist insbesondere auszugehen, wenn
einer der in Art. 76a Abs. 2 AIG genannten Umstände vorliegt.
Gemäss Art. 76a Abs. 2 lit. b AIG liegt ein solch konkretes Anzeichen vor,
wenn das Verhalten des Betroffenen in der Schweiz oder im Ausland darauf
schliessen lässt, dass er sich behördlichen Anordnungen widersetzt.
Der Gesuchsgegner gab im Rahmen des rechtlichen Gehörs vor dem MIKA
zu Protokoll, er sei unter keinen Umständen bereit, nach Frankreich
zurückzukehren. Nach Ausstellung eines Ersatzreisedokuments sei er aber
gewillt, in sein Heimatland nach Nordmazedonien zu reisen. Anlässlich der
heutigen Verhandlung erklärte der Gesuchsgegner demgegenüber, er sei
nun weder bereit nach Frankreich noch nach Nordmazedonien
zurückzukehren. Wie bereits in Erw. II./1.4. festgestellt wurde, ist
Frankreich für den Gesuchsgegner und sein dort anhängig gemachtes
Asylverfahren zuständig. Vor dem Hintergrund, dass der Gesuchsgegner
deshalb bereits im April 2022 nach Frankreich ausgeschafft wurde sowie
durch seine in sich widersprüchlichen Aussagen betreffend Ausreiseziel,
erscheint die geäusserte Bereitschaft, die Schweiz überhaupt freiwillig zu
verlassen, als unglaubhaft und ist als Schutzbehauptung zu qualifizieren.
Vielmehr ist aufgrund der bisherigen Aussagen und des Verhaltens des
Gesuchsgegners davon auszugehen, dass er sich auch nach Vorliegen
eines Wegweisungsentscheids weigern wird, die Schweiz in Richtung
Frankreich zu verlassen. Damit liegen konkrete Anzeichen vor, dass er sich
dieser behördlichen Anordnung widersetzen wird. Entgegen der Ansicht
des Rechtsvertreters vermag daran auch eine möglicherweise tatsächlich
bestehende Bereitschaft, in den Kosovo zu reisen, nichts ändern.
Ein konkretes Anzeichen dafür, dass sich die ausländische Person der
Wegweisung entziehen möchte, liegt gemäss Art. 76a Abs. 2 lit. e AIG
auch dann vor, wenn sie trotz Einreiseverbots das Gebiet der Schweiz
betritt und nicht sofort weggewiesen werden kann.
- 8 -
Mit seiner illegalen Einreise, eigenen Angaben zufolge im Juli 2022,
verletzte der Gesuchsgegner das vom 20. März 2022 bis zum 29. März
2026 gültige Einreiseverbot (MI-act. 141). Dies, obwohl er aufgrund seiner
ersten Wegweisung und der darauffolgenden Rücküberstellung nach
Frankreich wusste, dass die Schweiz nicht für sein Asylverfahren zuständig
ist und er über keine Aufenthaltsbewilligung verfügt. Der Gesuchgegner
bringt gegen diesen Haftgrund nichts vor, was ihn infrage stellen würde.
Solches ist den Akten ebenso wenig zu entnehmen. Damit betrat der
Gesuchsgegner das Gebiet der Schweiz trotz gültigem Einreiseverbot und
er kann nicht sofort weggewiesen werden.
Zusammenfassend liegen konkrete Anzeichen im Sinne von Art. 76a
Abs. 2 lit. b und e AIG vor, dass der Gesuchsgegner sich dem Vollzug der
Wegweisung entziehen würde, womit die genannten Haftgründe gegeben
sind.
4.
Bezüglich der Haftbedingungen liegen keine Beanstandungen vor.
5.
Es liegen auch keine Anzeichen dafür vor, dass das MIKA dem
Beschleunigungsgebot nicht ausreichend Beachtung geschenkt hätte.
6.
Abschliessend stellt sich die Frage, ob die Haftanordnung deshalb nicht zu
bestätigen sei, weil sie im konkreten Fall gegen das Prinzip der
Verhältnismässigkeit verstossen würde. Eine mildere Massnahme zur
Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung ist nicht ersichtlich. Es ist
nicht nachvollziehbar und wird vom Rechtvertreter auch nicht dargelegt,
inwiefern eine Meldepflicht geeignet wäre, die Rückführung des
Gesuchsgegners nach Frankreich sicherzustellen (Protokoll S. 11, act. 39).
Das Vorbringen, wonach dem Gesuchsgegner die Ausreise in die Republik
Kosovo zu ermöglichen sei, ist nicht weiter beachtlich. Zwar hat gemäss
Art. 3 Ziff. 3 der EU-Verordnung Nr. 604/2013 vom 26. Juni 2013 jeder
Dublinmitgliedstaat das Recht, eine ausländische Person in einen sicheren
Drittstaat zurück- oder auszuweisen. Daraus lässt sich aber kein Anspruch
des Ausländers auf Ausschaffung in einen beliebigen Drittstaat ableiten.
Soweit der Gesuchsgegner meint, er könne mit einem nordmazedonischen
Ersatzreisepapier in den Kosovo ausreisen, hat er dies einerseits
nachzuweisen und andererseits seine Ausreise selbst zu organisieren.
Bezüglich der familiären Verhältnisse ergeben sich keine Anhaltspunkte,
welche gegen eine Haftanordnung sprechen würden. Der Gesuchsgegner
macht auch nicht geltend, er sei nicht hafterstehungsfähig. Insgesamt sind
keinerlei Gründe ersichtlich, welche die angeordnete Haft als
unverhältnismässig erscheinen liessen.
- 9 -
7.
Das MIKA ordnete die Administrativhaft gestützt auf Art. 76a Abs. 3 lit. a
AIG für zunächst maximal sieben Wochen bis zum 29. September 2022 an
(act. 1 ff.). Dies ist nicht zu beanstanden.
Nach Eröffnung des Wegweisungsentscheides erfolgt die weitere
Inhaftierung des Gesuchsgegners bis zur Rücküberführung gestützt auf
Art. 76a Abs. 3 lit. c AIG (Wegweisungsvollzug) und dauert längstens
sechs Wochen. Den Übergang in die Verfahrensphase des
Wegweisungsvollzugs hat das MIKA mittels Feststellungsverfügung
anzuzeigen.
Weigert sich der Gesuchsgegner, ein Transportmittel zur Durchführung der
Überstellung in den zuständigen Dublin-Zielstaat zu besteigen, oder
verhindert er auf eine andere Art und Weise durch sein persönliches
Verhalten die Überstellung, so kann er, um die Überstellung
sicherzustellen, weiter in Haft belassen werden, sofern die Anordnung der
Haft nach Art. 76a Abs. 3 lit. c AIG nicht mehr möglich ist und eine weniger
einschneidende Massnahme nicht zum Ziel führt (Renitenzhaft). Die Haft
darf nur so lange dauern, bis die erneute Überstellung möglich ist, jedoch
höchstens sechs Wochen. Sie kann mit Zustimmung der richterlichen
Behörde verlängert werden, sofern die betroffene Person weiterhin nicht
bereit ist, ihr Verhalten zu ändern. Die Höchstdauer dieser Haft beträgt
gemäss nationalem Gesetz drei Monate (Art. 76a Abs. 4 AIG, vgl. aber
Urteil des Bundesgerichts 2C_610/2021 vom 11. März 2022, Erw. 4 ff.).
8.
Es bestehen überdies keine Anzeichen dafür, dass die für die Rückführung
des Gesuchsgegners nach Frankreich notwendigen Schritte nicht innert der
jeweils maximal zulässigen Haftdauer abgeschlossen werden könnten und
die Haft gemäss Art. 80a Abs. 7 lit. a AIG zu beenden wäre.
III.
1.
Gemäss § 28 Abs. 1 EGAR ist das Verfahren betreffend Haftüberprüfung
unentgeltlich. Demgemäss werden keine Kosten erhoben.
2.
Dem Gesuchsgegner ist gemäss § 27 Abs. 2 EGAR zwingend ein amtlicher
Rechtsvertreter zu bestellen, da der Gesuchsteller eine Haft für eine Dauer
von mehr als 30 Tagen angeordnet hat.