Decision ID: 85721871-ab1c-5e90-9fc6-0d8ec4ea4a70
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die X._ AG (ehemals: Y._ AG) ist Teil eines Konzerns. Im
Rahmen der Übernahme einer «externen» Gesellschaft, der A._
Inc., durch eine andere Gruppengesellschaft, stellte sich die Eidgenössi-
sche Steuerverwaltung (ESTV; nachfolgend auch: Vorinstanz) auf den
Standpunkt, die X._ AG, welche als Effektenhändlerin im Sinne des
Bundesgesetzes vom 27. Juni 1973 über die Stempelabgaben (StG, SR
641.10) gelte, habe an der Transaktion als Vermittlerin mitgewirkt und
schulde eine Umsatzabgabe von Fr. 4'262'848.50. Nachdem die
X._ AG am 1. November 2016 unter Vorbehalt Fr. 4'300'000.-- ein-
bezahlt hatte, vergütete die Vorinstanz am 27. März 2017 Fr. 37'151.50 zu-
rück und bestätigte mit Verfügung vom 11. August 2017, der Betrag sei im
Umfang von Fr. 4'262'848.50 zu Recht bezahlt worden.
B.
Die X._ AG erhob gegen die Verfügung vom 11. August 2017 am
13. September 2017 Einsprache, welche die Vorinstanz mit Einspracheent-
scheid vom 22. Februar 2019 abwies.
C.
Gegen diesen Einspracheentscheid erhob die X._ AG (nachfol-
gend: Beschwerdeführerin) am 25. März 2019 Beschwerde ans Bundes-
verwaltungsgericht. Sie beantragt, den angefochtenen Einspracheent-
scheid aufzuheben; die mit Valuta vom 1. November 2016 durch sie (die
Beschwerdeführerin) unter Vorbehalt bezahlte Umsatzabgabe von
Fr. 4'300'000.--, abzüglich der mit Valuta vom 27. März 2017 durch die Vor-
instanz zurückvergüteten Zahlung von Fr. 37'151.50, insgesamt somit
Fr. 4'262'848.50, sei durch die Vorinstanz zurückzuerstatten, nebst ein-
schlägigem Vergütungszins seit wann rechtens.
D.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 23. Mai 2019 die
kostenpflichtige Abweisung der Beschwerde.
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie die Akten wird – so-
weit dies für den Entscheid wesentlich ist – im Rahmen der folgenden Er-
wägungen eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Angefochten ist ein Einspracheentscheid der ESTV und damit eine Ver-
fügung nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das
Verwaltungsverfahren (VwVG, SR 172.021). Das Bundesverwaltungsge-
richt ist die zuständige Beschwerdeinstanz (Art. 31, Art. 32 e contrario und
Art. 33 Bst. d des Bundesgesetzes vom 17. Juni 2005 über das Bundes-
verwaltungsgericht [VGG, SR 173.32]). Das Verfahren vor dem Bundes-
verwaltungsgericht richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG nichts
anderes bestimmt (Art. 37 VGG). Die Beschwerdeführerin ist zur Erhebung
der vorliegenden Beschwerde berechtigt (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG) und
hat diese frist- und formgerecht eingereicht (vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52
Abs. 1 VwVG).
Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht kann den angefochtenen Entscheid in
vollem Umfang überprüfen. Die Beschwerdeführerin kann neben der Ver-
letzung von Bundesrecht (Art. 49 Bst. a VwVG) und der unrichtigen oder
unvollständigen Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts (Art. 49
Bst. b VwVG) auch die Unangemessenheit rügen (Art. 49 Bst. c VwVG).
1.3 Im Beschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der Rechtsanwendung von
Amtes wegen. Das Bundesverwaltungsgericht ist verpflichtet, auf den unter
Mitwirkung der Verfahrensbeteiligten festgestellten Sachverhalt die richti-
gen Rechtsnormen und damit jenen Rechtssatz anzuwenden, den es als
den zutreffenden erachtet, und ihm jene Auslegung zu geben, von der es
überzeugt ist (vgl. BGE 119 V 347 E. 1a). Aus der Rechtsanwendung von
Amtes wegen folgt, dass das Bundesverwaltungsgericht als Beschwer-
deinstanz nicht an die rechtliche Begründung der Begehren gebunden ist
(vgl. Art. 62 Abs. 4 VwVG). Es kann eine Beschwerde auch aus anderen
als den geltend gemachten Gründen (allenfalls auch nur teilweise) gutheis-
sen oder den angefochtenen Entscheid im Ergebnis mit einer von derjeni-
gen der Vorinstanz abweichenden Begründung bestätigen (sog. Motivsub-
stitution; vgl. BVGE 2007/41 E. 2; Urteile des BVGer A-6966/2018 vom
24. Oktober 2019 E. 1.5, A-3678/2016 vom 6. August 2018 E. 2.2; ANDRÉ
MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem
Bundesverwaltungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.54; PIERRE MOOR/ETIENNE
POLTIER, Droit administratif, Bd. II, 3. Aufl. 2011, Ziff. 2.2.6.5 S. 300 f.).
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1.4 Der vorliegend relevante Sachverhalt (dazu später E. 3 ff.) verwirklichte
sich im Zeitraum von April bis September 2016, weshalb grundsätzlich die
während dieser Zeit geltenden materiellrechtlichen Bestimmungen zur An-
wendung gelangen.
2.
2.1 Der Bund erhebt Stempelabgaben unter anderem auf dem Umsatz ge-
wisser in- und ausländischer Urkunden (Art. 1 Abs. 1 Bst. b StG). Gegen-
stand dieser Umsatzabgabe ist die entgeltliche Übertragung von Eigentum
an steuerbaren Urkunden, sofern eine der Vertragsparteien oder einer der
Vermittler inländischer Effektenhändler ist (Art. 13 Abs. 1 StG).
Damit die Umsatzabgabe geschuldet ist, müssen demnach folgende Ele-
mente erfüllt sein: Eigentumsübertragung, Entgeltlichkeit, Übertragung von
steuerbaren Urkunden sowie die Beteiligung eines inländischen Effekten-
händlers, sei es als Vertragspartei oder als Vermittler (vgl. THOMAS
JAUSSI/MARKUS PFIRTER, Die eidg. Stempelabgaben, 2. Aufl. 2017, S. 60;
MARTIN BÜELER, in: Zweifel/Beusch/Bauer-Balmelli [Hrsg.], Kommentar
zum schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Stempelab-
gabe, 2. Aufl. 2019 [nachfolgend: Kommentar StG], Art. 13 N. 1).
2.2 Ob eine Eigentumsübertragung stattfindet, bestimmt sich nach dem Zi-
vilrecht. Entscheidend ist, ob formell eine Eigentumsübertragung sattfindet,
nicht entscheidend ist dagegen der wirtschaftliche Gehalt eines Rechtsge-
schäfts (BGE 143 I 350 E. 2.2 f.; vgl. JAUSSI/PFIRTER, a.a.O., S. 61;
vgl. auch E. 2.7).
2.3 In Bezug auf die Frage der Entgeltlichkeit genügt hier festzuhalten,
dass eine Geldzahlung gleich welcher Währung Entgelt ist (FILIPPO LURÀ,
in: Oberson/Hinny [Hrsg.], StG, Kommentar Stempelabgaben, 2006,
Art. 13 N. 55).
2.4 Was unter den Begriff der steuerbaren Urkunden fällt, wird in Art. 13
Abs. 2 StG umschrieben. Darunter fallen gemäss der im relevanten Zeit-
raum (E. 1.4) geltenden Fassung namentlich die von einem Inländer aus-
gegebenen Obligationen, Aktien, Stammanteile von Gesellschaften mit be-
schränkter Haftung, Anteilscheine von Genossenschaften (gemäss
AS 2007 4791 4848), Partizipationsscheine, Genussscheine und Anteile
an kollektiven Kapitalanlagen (Art. 13 Abs. 2 Bst. a StG) sowie die von ei-
nem Ausländer ausgegebenen Urkunden, welche in ihrer wirtschaftlichen
Funktion den genannten Titeln gleichstehen (Art. 13 Abs. 2 Bst. b StG).
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2.5 Als Effektenhändler gelten laut Art. 13 Abs. 3 StG unter anderem die
Banken, die bankähnlichen Finanzgesellschaften im Sinne des Bankenge-
setzes vom 8. November 1934 (BankG, SR 952.0), die Schweizerische Na-
tionalbank sowie die zentralen Gegenparteien im Sinne des Finanz-
marktinfrastrukturgesetzes vom 19. Juni 2015 (SR 958.1) (Bst. a); die nicht
unter Bst. a fallenden inländischen natürlichen und juristischen Personen
und Personengesellschaften, inländischen Anstalten und Zweigniederlas-
sungen ausländischer Unternehmen, deren Tätigkeit ausschliesslich oder
zu einem wesentlichen Teil darin besteht, (1) für Dritte den Handel mit steu-
erbaren Urkunden zu betreiben (Händler) oder (2) als Anlageberater oder
Vermögensverwalter Kauf und Verkauf von steuerbaren Urkunden zu ver-
mitteln (Vermittler) (Bst. b); die nicht unter die Buchstaben a und b fallen-
den inländischen Aktiengesellschaften, Kommanditaktiengesellschaften,
Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Genossenschaften sowie in-
ländischen Einrichtungen der beruflichen Vorsorge und der gebundenen
Vorsorge, deren Aktiven nach Massgabe der letzten Bilanz zu mehr als
10 Mio. Franken aus steuerbaren Urkunden nach Abs. 2 bestehen (Bst. d).
2.6 Als Vertragspartei kommt ein Effektenhändler in Frage, wenn er die
Wertschriften entweder in eigenem Namen abgibt oder in eigenem Namen
erwirbt.
Wann ein Effektenhändler Vermittler sein kann, wird im Folgenden darge-
stellt.
2.6.1 Das Umsatzabgaberecht kennt mehrere Vermittlerbegriffe. So ist der
in Art. 13 Abs. 1 StG (E. 2.1) gebrauchte Vermittlerbegriff inhaltlich nicht mit
jenem in Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG (E. 2.5) identisch.
2.6.1.1 Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG definiert die Eigenschaft als Effek-
tenhändler für eine bestimmte Gruppe von Personen näher. Demnach
ist  soweit diese Bestimmung anwendbar ist  Effektenhändler nur, wer
gewerbsmässig als Anlageberater oder Vermögensverwalter den Kauf und
Verkauf von steuerbaren Urkunden vermittelt. Gemäss Gesetzestext muss
nämlich die Tätigkeit ausschliesslich oder zu einem wesentlichen Teil in der
beschriebenen bestehen.
2.6.1.2 In Art. 13 Abs. 1 StG geht es hingegen um die konkrete Handlung,
die ein (bereits definierter) Effektenhändler ausführen muss, damit – soweit
die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind – die Umsatzabgabe zu entrich-
ten ist. Diese Tätigkeit kann auch einmalig sein.
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2.6.1.3 Ein weiterer Vermittlerbegriff, der inhaltlich zumindest nicht mit je-
nem in Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG identisch ist (vgl. GERNOT ZITTER,
Vermittlung durch die Muttergesellschaft, in: Der Schweizer Treuhänder,
2011/10 S. 860 ff., 862), findet sich in Art. 17 Abs. 3 StG. Demnach gilt ein
Effektenhändler als Vermittler, wenn er: mit seinem Auftraggeber zu den
Originalbedingungen des mit der Gegenpartei abgeschlossenen Geschäfts
abrechnet (Bst. a); lediglich Gelegenheit zum Geschäftsabschluss nach-
weist (Bst. b); die Urkunden am Tag ihres Erwerbs weiterveräussert
(Bst. c). Art. 17 Abs. 3 StG enthält keine Legaldefinition des Begriffs «Ver-
mittlung», sondern nennt lediglich abschliessend die drei aufgezählten
Fälle. Daraus ergeben sich immerhin Hinweise darauf, von welchem Ver-
mittlerbegriff der Gesetzgeber ausgeht (vgl. ROLF GEIER/SILVAN GULER, in:
Kommentar StG, Art. 17 N. 27).
2.6.2 In Rechtsprechung und Literatur scheinen die Meinungen, ob der
Vermittlerbegriff in Art. 17 Abs. 3 StG (E. 2.6.1.3) jenem von Art. 13. Abs. 1
StG (E. 2.6.1.2) entspricht, auseinanderzugehen.
2.6.2.1 Das Urteil des Bundesgerichts vom 4. März 1985 (veröffentlicht in:
Archiv für schweizerisches Abgaberecht [ASA] 54 S. 599 ff. E. 1b) hält fest,
dass dem Vermittlerbegriff von Art. 13 Abs. 1 StG nicht jener von Art. 17
Abs. 3 StG zugrunde liege. Art. 17 Abs. 3 StG solle vielmehr Mehrfachbe-
lastungen desselben steuerpflichtigen Geschäftes verhindern, indem er
unter mehreren Effektenhändlern, namentlich unter mehreren Vermittlern,
den Abgabepflichtigen bestimmt. Mit Hinweis auf dieses Urteil hält LURÀ
(a.a.O., Art. 13 N. 71) fest, die Vermittlereigenschaft nach Art. 13 Abs. 1
StG sei einerseits von derjenigen gemäss Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG
zu unterscheiden, decke sich andererseits aber auch nicht mit jenem von
Art. 17 Abs. 3 StG, wobei sich Art. 17 StG ohnehin nur auf die Art der Steu-
erberechnung beziehe.
2.6.2.2 Ohne dies zu thematisieren, verweisen einige Autoren zur Defini-
tion des Vermittlerbegriffs nach Art. 13 Abs. 1 StG auf Literatur und Recht-
sprechung zu Art. 17 Abs. 3 StG oder umgekehrt. In der Regel wird bei
Art. 13 Abs. 1 StG auf eine Definition des Vermittlerbegriffs verzichtet und
dieser erst im Rahmen von Art. 17 Abs. 3 StG definiert (vgl. JAUSSI/PFIR-
TER, a.a.O., S. 74; diverse Autoren in: Kommentar StG, Art. 13 [keine Defi-
nition] und Art. 17 N. 27 ff.).
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2.6.2.3 Mit Hinweis auf das genannte Urteil des Bundesgerichts
(E. 2.6.2.1) lässt sich festhalten, dass, wer in Art. 17 Abs. 3 StG als Ver-
mittler genannt ist, auch Vermittler im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StG sein
muss. Dient Art. 17 StG dazu, zu entscheiden, wer von verschiedenen Ver-
mittlern die Umsatzabgabe zu entrichten hat, so kann dieser Begriff nur
enger, nicht aber weiter sein als jener gemäss Art. 13 Abs. 1 StG.
Eine systematische Betrachtung zeigt umgekehrt, dass Art. 17 StG zwar
formell unter dem Titel «Steuererhebung» steht. Auch definiert Art. 17
Abs. 3 StG in erster Linie den Vermittlerbegriff nach Art. 17 Abs. 2 Bst. a
StG. Es wäre nun aber nicht zielführend, in Art. 13 Abs. 1 StG für das Steu-
erobjekt eine Person als Vermittler zu bezeichnen, die nach Art. 17 Abs. 3
StG gar nicht abgabepflichtig wäre.
Für den vorliegenden Fall ist ohnehin die Frage, ob und wenn ja, inwiefern
der Vermittlerbegriff von Art. 13 Abs. 1 StG über jenen von Art. 17 Abs. 3
StG hinausgehen könnte, nicht wesentlich, da es nicht darum gehen wird,
welcher von mehreren Vermittlern die Umsatzabgabe zu entrichten hat,
sondern nur um die Frage, ob die Beschwerdeführerin als Vermittlerin gilt
und als solche die Umsatzabgabe schuldet. Im Folgenden wird daher nicht
mehr unterschieden, ob die Ausführungen in Judikatur und Literatur unter
dem Titel von Art. 13 Abs. 1 oder Art. 17 Abs. 3 StG gemacht werden (der
Vollständigkeit halber sei nochmals festgehalten, dass der Vermittlerbegriff
nach Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 [E. 2.6.1.1] vom nachfolgend genannten
zu unterscheiden ist). Auch ist nachfolgend (in Bezug auf Art. 17 Abs. 3
StG) nur auf den Vermittlerbegriff gemäss Art. 17 Abs. 3 Bst. b StG näher
einzugehen, da für den vorliegenden Fall die beiden anderen Konstellatio-
nen (Art. 17 Abs. 3 Bst. a und c StG) nicht relevant sind.
2.6.2.4 Der Vollständigkeit halber ist darauf hinzuweisen, dass das teil-
weise in der Literatur genannte Kreisschreiben Nr. 12 der ESTV vom
10. März 2011 «Umsatzabgabe» keine Definition des Vermittlerbegriffs ent-
hält. Soweit eine Definition ansatzweise enthalten ist, lehnt sich diese an
Art. 17 Abs. 3 StG an (z.B. Rz. 50 des Kreisschreibens).
2.6.3 Massgeblich ist eine wirtschaftliche Betrachtungsweise des Vermitt-
lerbegriffs, nicht die Rechtsform der Vermittlung (vgl. Urteil des BVGer
A-515/2007 vom 26. März 2010 E. 3.1.1, welches sich zwar mit dem Ver-
mittlerbegriff nach Art. 13 Abs. 3 Bst. b Ziff. 2 StG auseinandersetzt; die
dortigen E. 3.1.1 und 3.1.2 können aber, im Gegensatz zu Erwägung 3.1.3,
auf den Begriff nach Art. 13 Abs. 1 StG übertragen werden). Der teilweise
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in der Literatur geäusserten Kritik, bei einer formellen Rechtsverkehrs-
steuer wie der Stempelabgabe (dazu E. 2.7) dürfe ein Begriff nicht wirt-
schaftlich ausgelegt werden (ZITTER, a.a.O., S. 863 und 865), ist entgegen-
zuhalten, dass der Gesetzgeber eine solche Auslegung nicht nur zulässt,
sondern geradezu voraussetzt, indem das Gesetz den allgemeinen Begriff
«Vermittler» verwendet und keinen spezifischeren, im Privatrecht explizit
definierten Begriff (MAJA BAUER-BALMELLI/MARKUS KÜPFER, in: Kommentar
StG, Vorbemerkungen, N. 37; GEIER/GULER, in: Kommentar StG, Art. 17
N. 29; vgl. LURÀ, a.a.O., Art. 13 N. 75). In der Literatur wird demgegenüber
teilweise davon ausgegangen, dass mit «Vermittler» gemäss Art. 17 Abs. 3
Bst. b StG nur der zivilrechtliche Mäkler gemeint sein könne (ZITTER,
a.a.O., S. 863).
Allerdings definieren auch die Artikel zum Mäklervertrag (Art. 412 ff. des
Obligationenrechts vom 30. März 1911 [OR, SR 220]) nicht, was unter der
Vermittlung zu verstehen ist. Art. 412 Abs. 1 OR lautet: «Durch den Mäk-
lervertrag erhält der Mäkler den Auftrag, gegen eine Vergütung, Gelegen-
heit zum Abschlusse eines Vertrages nachzuweisen oder den Abschluss
eines Vertrages zu vermitteln». Soweit in der Literatur darauf hingewiesen
wird, es müsse ein Mäklerlohn (Art. 413 ff. i.V.m. Art. 412 Abs. 1 OR) ge-
schuldet sein, damit überhaupt ein Mäklervertrag vorliegen könne (vgl. ZIT-
TER, a.a.O., S. 863), kann festgehalten werden, dass dieser nicht zwingend
in einer Geldzahlung bestehen muss (vgl. CATERINA AMMANN, in: Lüchin-
ger/Oser [Hrsg.], Basler Kommentar, Obligationenrecht I, 7. Aufl. 2020,
Art. 413 N. 1). Zumindest denkbar wäre ein «ideeller» Lohn, nämlich die
Erschliessung neuer Märkte (a.M. ZITTER, a.a.O., S. 864, der dies gerade
nicht als «Vergütung» sieht: «Die Muttergesellschaft will die Zielgesell-
schaft unter ihre Kontrolle bringen, um neue Märkte zu erschliessen und
keine Provision von der Tochtergesellschaft vereinnahmen»). Diese Frage
ist indessen nicht weiter zu vertiefen, da ohnehin entscheidend ist, dass
Art. 17 Abs. 3 Bst. b StG im Gegensatz zu Art. 412 Abs. 1 in Verbindung
mit Art. 413 ff. OR gerade keine Vergütung verlangt, sondern spezialge-
setzlich festhält, dass nur «die Gelegenheit zum Geschäftsabschluss
[nachgewiesen]» sein muss. Zudem ist zu berücksichtigen, dass, gerade
wenn ausländische Urkunden übertragen werden, diese möglicherweise
ausländischem Recht unterstehen, welches andere Konstrukte als das
schweizerische Recht kennt. Die Einschränkung auf zivilrechtliche Ver-
träge, welche im schweizerischen Recht geregelt sind, ist demnach zu eng.
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Überhaupt ergibt sich aus den in Art. 17 Abs. 3 StG aufgezählten Varianten
des Vermittlerbegriffs, die teilweise keinem explizit privatrechtlich geregel-
ten Vertragsverhältnis zugeordnet werden können, dass eine wirtschaftli-
che Betrachtungsweise angezeigt ist.
2.6.4 «Wirtschaftliche Betrachtungsweise» bedeutet demnach, dass zu
prüfen ist, ob jemand – ohne für sich selber zu kaufen oder zu verkaufen –
einen Beitrag zum Gelingen einer Transaktion leistet, der ihn als Teil einer
für die Umsatzabgabe in Frage kommenden Transaktionskette zwischen
einer Vertragspartei als Verkäuferin und einer Vertragspartei als Käuferin
erscheinen lässt (vgl. Urteil des BVGer A-515/2007 vom 26. März 2010
E. 3.1.1 f.; HANS PETER HOCHREUTENER, Die Eidgenössischen Stempelab-
gaben und die Verrechnungssteuer, 2013, Teil I Rz. 1431 und 1435). Ge-
mäss Rechtsprechung gilt ein Effektenhändler dann als Vermittler, wenn
sein Einsatz für das Zustandekommen der Transaktion kausal war. Bei der
Vermittlung handelt es sich um eine Tätigkeit, die bezweckt, den Abschluss
des Geschäfts zu bewirken, indem sie auf die Willenseinigung der am Ge-
schäft beteiligten Personen ausgerichtet ist. Jedenfalls liegt dem StG ein
weiter Begriff der Vermittlung zugrunde. Unerheblich ist, ob der Effekten-
händler als Kommissionär, Agent, Makler oder Beauftragter tätig wird (Ur-
teil des BGer vom 4. März 1985, veröffentlicht in: ASA 54 S. 599 E. 1b
m.Hw.a. Botschaft vom 16. Mai 1917 betreffend den Erlass eines Ausfüh-
rungsgesetzes zu Art. 41bis der Bundesverfassung [Bundesgesetz über
die Stempelabgaben] in: BBl 1917 III 83 ff., S. 121; vgl. Urteil des BVGer
A-515/2007 vom 26. März 2010 E. 3.1.1; GEIER/GULER, in: Kommentar
StG, Art. 17 N. 28 f.; vgl. LURÀ, a.a.O., N. 73 f.). Es gibt Stimmen, die dafür
plädieren, einen solchen Kausalzusammenhang nicht leichthin anzuneh-
men (GEIER/GULER, in: Kommentar StG, Art. 17 N. 30 und 36; vgl. ZITTER,
a.a.O., S. 862). Allerdings kann nicht vorausgesetzt werden, dass der Bei-
trag des Effektenhändlers in dem Sinne entscheidend war, dass das Ge-
schäft ohne seinen Einsatz nicht zustande gekommen wäre. Eine kausale
Wirkung kann selbst dann gegeben sein, wenn der Effektenhändler sich
kurz vor dem Geschäftsabschluss zurückgezogen hat, wenn er beim Ab-
schluss nicht persönlich anwesend war oder wenn sein Name in keinem
der den Geschäftsabschluss betreffenden Dokumente aufgeführt ist (LURÀ,
a.a.O., Art. 13 N. 74).
2.6.5 Im Folgenden werden ein paar Beispiele genannt, in denen insbe-
sondere die Vorinstanz eine Vermittlerrolle angenommen hat oder gerade
nicht. Diese Beispiele können jedoch nur als Hinweise herangezogen wer-
den, sind doch für die Beurteilung, ob ein Effektenhändler als Vermittler
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handelte, die konkreten Umstände des Einzelfalls entscheidend. Auch ist
zu beachten, dass eine Verwaltungspraxis das Bundesverwaltungsgericht
nicht zu binden vermag (vgl. E. 1.3), wobei von einer gefestigten, der ein-
heitlichen Rechtsanwendung dienenden Praxis der Vorinstanz auch nicht
abzuweichen ist, sofern sie den richtig verstandenen Sinn des Gesetzes
wiedergibt (vgl.  allerdings in Bezug auf Kreisschreiben u.ä.  ERNST BLU-
MENSTEIN/PETER LOCHER, System des schweizerischen Steuerrechts,
7. Aufl. 2016, S. 479).
2.6.5.1 In ihrer bisherigen Praxis hat die ESTV die Vermittlereigenschaft
beispielsweise bejaht, wenn eine Muttergesellschaft, welche Effektenhänd-
lerin ist, die von ihr beherrschte Gesellschaft A veranlasst hat, bestimmte
Aktien an die ebenfalls von ihr beherrschte Gesellschaft B zu veräussern.
Die Muttergesellschaft weist dadurch der Gesellschaft A sowie der Gesell-
schaft B Gelegenheit zum Geschäftsabschluss nach, womit sie den Ab-
schluss wissentlich verursacht oder mitverursacht (GEIER/GULER, in: Kom-
mentar StG, Art. 17 N. 37 2. Lemma m.Hw.a. MAJA BAUER-BALMELLI/
THOMAS M. FISLER, Die Praxis der Bundessteuern, II. Teil: Stempelabgabe
und Verrechnungssteuer, Bd. 1, Art. 13 Abs. 1 und 2 StG, 2. Vermittlerbe-
griff, Nr. 5).
2.6.5.2 Eine inländische Muttergesellschaft, welche Effektenhändlerin ist,
gründet eine Tochtergesellschaft, welche einzig dem Zwecke dient, die Be-
teiligung an einer Zielgesellschaft zu erwerben und danach durch Absorp-
tionsfusion Letztere direkt zu halten. Die Tochtergesellschaft dient also ein-
zig der Akquisition einer Dritten Gesellschaft und existiert nach deren Ak-
quisition nicht mehr (vgl. GEIER/GULER, in: Kommentar StG, Art. 17 N. 37
3. Lemma). Auch hier wird die Vermittlereigenschaft der Muttergesellschaft
bejaht.
GEIER/GULER, in: Kommentar StG, Art. 17 N. 37 3. Lemma, weisen hier da-
rauf hin, dass ihrer Meinung nach der Fall anders liegt, wenn die gegrün-
dete Tochtergesellschaft selbständig einen bestimmten Markt auf strategie-
konforme Akquisitionsobjekte untersucht und in der entsprechenden Trans-
aktion mehr oder weniger selbständig auftritt, z.B. durch ein von der Mut-
tergesellschaft getrenntes Management mit relativ eigenständiger – aber
innerhalb einer etwaig vorhandenen Konzernrichtlinie geleiteten – Ver-
handlungsautonomie. Sofern der Akquisitionsentscheid formell von der
Tochtergesellschaft getroffen werde, solle die Benutzung von gruppenin-
ternen Dienstleistungen wie Rechts- oder Finanzberatung für die entspre-
chende Akquise nicht schädlich sein (sie verweisen auf das Kreisschreiben
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der ESTV Nr. 24 vom 20. November 2017 [«Kollektive Kapitalanlagen als
Gegenstand der Verrechnungssteuer und der Stempelabgaben»],
Ziff. 3.2.3.6, welche lautet: «Die Erbringung von Anlageberatungsdienst-
leistungen durch einen inländischen Effektenhändler an eine ausländische
Gegenpartei im Sinne der blossen Abgabe einer Kauf- oder Ver-
kauf[e]mpfehlung für eine Wertschrift qualifiziert nicht als Vermittlung für
Umsatzabgabezwecke solange der formelle Entscheid durch die ausländi-
sche Gegenpartei getroffen wird.»).
2.6.5.3 Weist beispielsweise ein Anlageberater nur unverbindlich auf denk-
bare Käufe oder Verkäufe hin, ohne dass er sich dabei direkt an den kon-
kreten Transaktionen beteiligt, fehlt die verlangte Kausalität (vgl. Urteil des
BVGer A-515/2007 vom 26. März 2010 E. 3.1.1; HOCHREUTENER, a.a.O.,
Teil I Rz. 1436). Ebenso löst die Tätigkeit einer ausländischen Tochterge-
sellschaft in der Regel keine Umsatzabgabe aus, soweit sie nur auf Instruk-
tion der schweizerischen Mutter handelt. Dies gilt zumindest dann, wenn
die ausländische Gesellschaft nicht nur mit dem Ziel eingeschaltet wird, die
schweizerische Umsatzabgabe zu umgehen (LURÀ, a.a.O., Art. 13 N. 65,
zwar zu Art. 13 Abs. 3 Bst. b StG, hier aber, da die Vermittlereigenschaft
abstrakt und nicht nur in Bezug auf diesen Artikel umschrieben wird, zu
beachten).
2.7 Bei der Stempelabgabe handelt es sich um eine Kapitalverkehrssteuer,
die an bestimmte, im Gesetz umschriebene Vorgänge des Rechtsverkehrs
anknüpft (weshalb auch oft von «Rechtsverkehrssteuer» die Rede ist). Für
ihre Festsetzung ist gemäss Art. 27 Abs. 1 StG der wirkliche Inhalt der Ur-
kunde oder Rechtsvorgänge massgebend. Dem formalen Charakter der
Stempelabgaben entsprechend ist grundsätzlich die rechtliche Gestaltung
des zu beurteilenden Geschäfts massgebend und nicht dessen wirtschaft-
licher Zweck (BGE 143 II 350 E. 2.2 f.). Deshalb hat sich der Steuerpflich-
tige nach ständiger Praxis auf die von ihm vorgenommene formelle Gestal-
tung seiner Rechtsbeziehungen behaften zu lassen. Es kann somit keine
Rolle spielen, ob er eine steuerlich günstigere Gestaltung hätte vornehmen
können (Urteil des BGer vom 25. August 1998, veröffentlicht in: ASA 67
S. 748 ff. E. 3c; Urteile des BVGer A-2347/2014 vom 29. September 2015
E. 2.2, A-1665/2006 vom 13. Juli 2009 E. 2.3). Eine Ausnahme greift nur
dort, wo das Gesetz selber wirtschaftlich geprägte Begriffe und Umschrei-
bungen verwendet (BGE 143 II 350 E. 2.2; Urteil des BGer 2C_349/2008
vom 14. November 2008 E. 2.4; Urteil des BGer vom 26. November 1993,
veröffentlicht in: ASA 63 S. 65 ff. E. 3a; Urteile des BVGer A-6828/2017
vom 29. Oktober 2018 E. 2.5.3, A-7065/2013 vom 11. September 2014
A-1480/2019
Seite 12
E. 3.4, A-1592/2006 vom 15. April 2009 E. 4.4.3; BÜELER in: Kommentar
StG, Art. 13 N. 2; CONRAD STOCKAR, Übersicht und Fallbeispiele zu den
Stempelabgaben und zur Verrechnungssteuer, 4. Aufl. 2006, S. 36 f.), wie
dies beim Vermittlerbegriff der Fall ist (E. 2.6.3 f.). Für die Anwendung des
Gesetzes nicht massgebend ist ferner das Motiv, das den Gesetzgeber zu
seinem Erlass bewogen hat; abzustellen ist einzig auf den im Gesetz um-
schriebenen Tatbestand, an welchen die Abgabepflicht geknüpft ist (BGE
108 Ib 450 E. 5).
3.
3.1 Im vorliegenden Fall geht es um die Frage, ob die Beschwerdeführe-
rin – welche unbestrittenermassen eine Effektenhändlerin im Sinne von
Art. 13 Abs. 3 Bst. d StG (E. 2.5) ist – bei der Übernahme der A._
Inc. durch eine Gruppengesellschaft, nämlich die B._ Inc., als Ver-
mittlerin im Sinne des StG gilt oder nicht. Dass die übrigen Voraussetzun-
gen (E. 2.1 - 2.5) gegeben sind, damit die Stempelabgabe geschuldet ist,
und insbesondere keine Ausnahmebestimmung greift, ist unbestritten und
ergibt sich zudem aus den Akten.
Im Folgenden wird der relevante Sachverhalt zunächst übersichtsmässig
dargestellt (E. 3.2). Anschliessend wird beurteilt, ob die Beschwerdeführe-
rin im konkreten Fall als Vermittlerin gilt oder nicht, wobei hier weitere
Sachverhaltselemente eingebracht und eingeordnet werden, insbesondere
in Bezug auf die Rolle, die die Beschwerdeführerin spielte (E. 3.3 ff.).
3.2
3.2.1 Wie erwähnt (Sachverhalt Bst. A), war die Beschwerdeführerin im re-
levanten Zeitraum Teil eines Konzerns, der C._-Gruppe. Die
C._-Gruppe wurde danach in einen Geschäftsteil «***1» und einen
Geschäftsteil «***2» aufgeteilt. Zuvor wurde (und darum geht es vorlie-
gend) die A._ Inc., eine US-amerikanische Gesellschaft, die eben-
falls im [gleichen Industriebereich] tätig ist, von einer hierzu gegründeten
Sub-Tochtergesellschaft der Beschwerdeführerin, der B._ Inc., im
sogenannten Reverse-Merger-Verfahren übernommen. Da zu prüfen ist,
ob die Beschwerdeführerin bei dieser Übernahme Vermittlerin im Sinne des
StG war, sind hier die Verhältnisse zu schildern, wie sie sich im Zeitraum
darstellten, in dem die zu beurteilende Transaktion vorbereitet und durch-
geführt wurde. Auf den Umstand, dass die Übernahme der A._ Inc.
vor dem Hintergrund einer geplanten Aufspaltung der C._-Gruppe
stattfand, ist nur am Rande einzugehen. Soweit vorliegend relevant, sahen
die Konzernverhältnisse wie folgt aus (unten links in der Grafik ist bereits
A-1480/2019
Seite 13
die A._ Inc. aufgeführt, welche von der B._ Inc. übernom-
men wurde):
3.2.2 Zusammengefasst stellte sich der relevante Sachverhalt, soweit er
unbestritten ist, folgendermassen dar:
3.2.2.1 Die Beschwerdeführerin war Konzernobergesellschaft der
C._-Gruppe, welche unter anderem in der Entwicklung, der Produk-
tion und dem Vertrieb von [Produkten des Industriebereichs, in dem die
Gruppe tätig ist, sowie die Führung entsprechender Geschäfte und Leis-
tungen im Bereich der Logistik und von Datenbanken und Netzwerken] tä-
tig war. [Im Frühjahr] 2017 verkaufte die Beschwerdeführerin die Aktien der
damaligen J._ AG (heute: [...]) ans Publikum, wodurch der Be-
triebsteil «***2» vom Betriebsteil «***1», der nach wie vor von der Be-
schwerdeführerin geleitet wird, getrennt wurde.
3.2.2.2 Vor dieser Abspaltung sollte – so die unbestrittene Darstellung der
Beschwerdeführerin – der Betriebsteil «***1» weiter wachsen. Eine Mög-
lichkeit dazu ergab sich durch die Übernahme der A._ Inc. mit Sitz
in den USA, welche ebenfalls im [gleichen Industriebereicht] tätig war.
A-1480/2019
Seite 14
Durch einen Artikel [einer Agentur] war bekannt geworden, dass die
A._ Inc. über die K._ LLC Kaufsangebote prüfen würde.
3.2.2.3 Die Übernahme wurde schliesslich – nach Verhandlungen mit dem
Verwaltungsrat der A._ Inc. sowie einer Due Diligence-Prüfung –
mittels öffentlichem Kaufsangebot für die Aktien der A._ Inc. und
darauffolgendem Kauf der (Mehrheit der) Aktien vollzogen. Der Kaufpreis
wurde durch einen Kredit der [Bank] finanziert.
3.2.2.4 Aufgrund von Überlegungen, die das US-amerikanische Recht be-
treffen, wurde für die Übernahme in den USA eine indirekte Tochtergesell-
schaft der Beschwerdeführerin, die B._ Inc. mit Sitz in den USA,
gegründet. Diese diente als reines Erwerbsvehikel, welches die Aktien der
A._ Inc. kaufte und unmittelbar nach der Übernahme der Aktien mit
dieser fusionierte und so in dieser aufging («Reverse Merger»). Die
B._ Inc. war eine direkte Tochtergesellschaft der I._ Inc.,
ebenfalls mit Sitz in den USA. Diese wiederum war Tochter der H._
AG, mit Sitz in der Schweiz, welche ihrerseits von der G._ AG, mit
Sitz in der Schweiz, gehalten wurde, welche wiederum eine Tochtergesell-
schaft der Beschwerdeführerin war. Bei der G._ AG handelte es
sich gemäss der Beschwerdeführerin um eine reine Subholding ohne eige-
nes Personal, die den gesamten Geschäftsbereich von ***1 bündelte. Sie
war in dieser Funktion Eigentümerin fast aller [...]beteiligungen [des Indust-
riebereichs], wozu unter anderem auch die D._ AG (heute: [...]) ge-
hörte.
3.2.2.5 Bei der E._ AG handelte es sich um eine gemeinsame Toch-
tergesellschaft der F._ (die im Folgenden keine Rolle spielen wird)
und der Beschwerdeführerin.
3.2.2.6 In der folgenden Tabelle wird – soweit dies wesentlich ist – darge-
stellt, welche natürlichen Personen in welchem Zeitraum für welche Grup-
pengesellschaft zeichnungsberechtigt waren (als Datum ist das Datum des
Tagebucheintrags genannt gemäss den Online-Handelsregisterauszügen;
letztmals aufgerufen am 9. Juni 2020):
A-1480/2019
Seite 15
Beschwerdefüh-
rerin
D._ AG
(heute: [...])
E._ AG
L._ 30.10.2017-
heute
18.07.2016-
heute
04.11.2016-
heute
M._ 06.09.1995-
heute
27.03.2008-
12.05.2017
26.11.2010-
heute
N._ 30.05.2006-
30.10.2017
27.03.2008-
20.07.2017
31.01.2012-
05.09.2017
O._ 13.12.2013-
heute
29.06.2009-
heute
20.05.2014-
heute
P._ 30.10.2017-
heute
08.08.2014-
heute
20.05.2014-
heute
Q._ 27.03.2008-
heute
26.11.2010-
heute
R._ 23.10.2014-
25.07.2016
27.10.2014-
18.07.2016
25.02.2015-
04.11.2016
S._ 23.10.2013-
heute
23.10.2013-
heute
20.05.2014-
heute
T._ 07.08.2002
heute
27.03.2008-
20.07.2017
04.11.2016-
05.09.2017
3.3 Bevor anschliessend konkret beurteilt wird, ob die Beschwerdeführerin
als Vermittlerin zu gelten hat, ist auf ein paar ihrer Argumente vorab einzu-
gehen.
3.3.1 Die Beschwerdeführerin erklärt, als Gesellschaft mit Holdingstatus
sei es ihr gar nicht erlaubt, als Vermittlerin zu handeln. Dem ist entgegen-
zuhalten, dass die Beschwerdeführerin von einem anderen Vermittlerbe-
griff ausgeht (nämlich jenem des zivilrechtlichen Mäklers) als dem vorlie-
gend relevanten (E. 2.6.1 ff.). Hier ist zu beurteilen, ob die Beschwerdefüh-
rerin im konkreten Fall als Vermittlerin im Sinne von Art. 13 Abs. 1 StG zu
gelten hat und nicht, ob das Resultat ihren Holdingstatus zu beeinflussen
vermöchte.
3.3.2 Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, mit ihren wenigen Mit-
arbeitenden gar nicht in der Lage zu sein, ein Geschäft der vorliegenden
Art zu vermitteln. Auch dieses Argument verfängt indessen nicht. An einer
Transaktion wie der vorliegend zu beurteilenden, sind regelmässig (auch)
externe Anwälte und Berater beteiligt. So war auch vorliegend mindestens
ein US-amerikanisches Anwaltsbüro beteiligt (nämlich [...], vgl. Pressemit-
teilung vom [...] Juli 2016 in Beschwerdebeilage [nachfolgend: BB] 26/3
A-1480/2019
Seite 16
S. 3 sowie Darstellung in BB 21 S. 18). Ausserdem bringt auch die Vor-
instanz nicht vor, dass die Beschwerdeführerin die ganze Transaktion und
Fusion abgewickelt habe, sondern dass sie eine umsatzabgaberechtlich
relevante Vermittlerrolle gespielt habe.
3.3.3 Unerheblich ist sodann, ob, wie dies die Beschwerdeführerin geltend
macht, die meisten, damals bei der Beschwerdeführerin angestellten Per-
sonen nach der Aufspaltung im Betriebsteil «***2» beschäftigt (gewesen)
seien, während die Akquisition für den Betriebsteil «***1» getätigt worden
sei. Die Beschwerdeführerin war damals Obergesellschaft über beide Be-
triebsteile und hatte sich entsprechend zu verhalten und ihre Mitarbeiten-
den zu entsprechendem Handeln anzuhalten. Die Handlungen ihrer Mitar-
beitenden und insbesondere ihrer Organe hat sie sich entgegenhalten zu
lassen.
3.3.4 Unbeachtlich sind im vorliegenden Zusammenhang die diversen Li-
zenzvereinbarungen, die die damalige D._ AG (heute: [...]) abge-
schlossen hat. Zwar zeigen diese, dass letztere Gesellschaft aktiv ihr Li-
zenzportfolio erweitert hat. Daraus lässt sich aber für die vorliegend zu be-
urteilende Frage, ob nämlich die Beschwerdeführerin beim Kauf der
A._ Inc. durch die B._ Inc. als Vermittlerin im umsatzabga-
berechtlichen Sinn beteiligt war, nichts ableiten. Selbst wenn die
D._ AG (heute: [...]) ein Interesse an der Akquisition der A._
Inc. hatte, spricht das noch nicht gegen eine umsatzabgaberechtlich rele-
vante Beteiligung der Beschwerdeführerin.
3.3.5 In diesem Zusammenhang bringt die Beschwerdeführerin weiter vor,
wenn schon sei nicht sie selbst, sondern ihre indirekte Tochtergesellschaft,
die damalige D._ AG (heute: [...]) als Vermittlerin tätig geworden.
Letztlich wird dies offenbleiben können. Selbst wenn der D._ AG
(heute: [...] AG) eine Vermittlerrolle zugekommen wäre (vgl. aber
E. 3.9.1.4), würde dies nicht ausschliessen, dass die Beschwerdeführerin
eine weitere Vermittlerin ist. Eine solche Rolle der (indirekten) Tochterge-
sellschaft der Beschwerdeführerin könnte, wenn überhaupt, ein Indiz dafür
oder dagegen sein, dass diese selbst Vermittlerin war.
3.4
3.4.1 Ebenfalls noch vorab ist festzuhalten, dass verständlich ist, dass die
Vorinstanz die Beschwerdeführerin ursprünglich für eine Vertragspartei ge-
halten hat. Im Dokument, mit dem die (damaligen) Aktionäre der
A._ Inc. zum Verkauf ihrer Aktien (bzw. zum Angebot ihrer Aktien)
A-1480/2019
Seite 17
aufgefordert wurden, nämlich dem «Tender Offer Statement Under Section
14(D)(1) or 13(E)(1) of The Securities Exchange Act of 1934», der Ver-
kaufsangebotserklärung (BB 21), wurde die Beschwerdeführerin ausdrück-
lich genannt, wenn auch  wie die Beschwerdeführerin zu Recht an-
merkt  als «Parent of Offerer», also Muttergesellschaft der Anbieterin. Un-
terschrieben wurde das Dokument dennoch von der Beschwerdeführerin
(nicht etwa der C._-Gruppe oder in deren Namen)  und zwar von
N._ und S._  und der B._ Inc.  von O._ und
L._. Auch im «Agreement and Plan of Merger», der Vereinbarung
und dem Plan zur Fusion (BB 19), wurde die Beschwerdeführerin aus-
drücklich neben der B._ Inc. auf der einen und der A._ Inc.
auf der anderen Seite genannt. Wiederum wurde das Dokument (auch) von
der Beschwerdeführerin unterzeichnet. Daran ändert auch der Umstand
nichts, dass die unterzeichnenden Personen für weitere Gesellschaften der
C._-Gruppe zeichnungsberechtigt waren. Im Gegenteil macht die-
ser Umstand deutlich, dass es umso wichtiger gewesen wäre, klar und ein-
deutig festzuhalten, für welche Gruppengesellschaft sie im konkreten Fall
zeichneten.
3.4.2 Auch wenn die beiden genannten Dokumente noch nicht direkt die
Akquisition der A._ Inc. bewirkten, handelte es sich bei den doku-
mentierten Umständen doch um wichtige Schritte auf dem Weg zu dieser
Übernahme. Mit dem «Agreement and Plan of Merger» (BB 19) verpflich-
teten sich die Beschwerdeführerin (neben der B._ Inc.) und die
A._ Inc., die Übernahme voranzutreiben. Das «Tender Offer»
(BB 21) richtete sich an die Aktionäre der A._ Inc. und forderte
diese auf, ihre Aktien der B._ Inc. zu den angegebenen Bedingun-
gen anzubieten.
Da die Beschwerdeführerin nunmehr unbestrittenermassen nicht als Partei
bei der Übernahme selbst angesehen werden kann, ist nun zu prüfen, ob
sie Vermittlerin im umsatzabgaberechtlichen Sinn ist. Dazu ist auf diverse,
in den Akten liegende Dokumente einzugehen, wobei diese  auch unter
Einbezug weiterer Akten  zu würdigen sind.
3.5 Es liegen mehrere Medienmitteilungen bei. Wie bereits erwähnt, sind
jene, in denen es um Lizenzvereinbarungen geht, vorliegend nicht von Be-
deutung (E. 3.3.4). Auch Mitteilungen, mit denen Änderungen in der Lei-
tungsstruktur der (damaligen) C._-Gruppe bekannt gegeben wur-
den, lässt sich in dieser Hinsicht nichts Entscheidrelevantes entnehmen,
sind die entsprechenden Änderungen doch auch dem Handelsregister zu
A-1480/2019
Seite 18
entnehmen (vgl. Aufstellung in E. 3.2.2.6), dem zudem eine höhere Be-
weiskraft zukommt als Medienmitteilungen (vgl. Art. 932 Abs. 2 und
Art. 933 OR). Auch ist verschiedentlich unklar, ob in den Medienmitteilun-
gen von der Gruppe, einem Betriebsteil oder einer Gruppengesellschaft die
Rede ist. Für eine Medienmitteilung dürfte das nicht von Bedeutung sein.
Im vorliegenden Fall ist jedoch gerade relevant, wer für welche Gesell-
schaft welche Handlungen vorgenommen hat. Als Beispiel für unklare Be-
zeichnungen kann z.B. die Medienmitteilung vom [...] August 2014 (BB 5)
dienen, in der unklar ist, ob mit «U._» der Betriebsteil «***1» oder
die damalige D._ AG (heute: [...]) gemeint ist. Ersteres dürfte der
Fall sein. In der Medienmitteilung vom [...] Oktober 2016 (BB 7) dürfte
«U._» hingegen teilweise für den Unternehmensteil [***1], teilweise
die damalige D._ AG (heute: [...]) stehen. In der Medienmitteilung
vom [...] 2016 (BB 20), in der bekannt gegeben wurde, dass ein öffentli-
ches Kaufangebot für die [Aktien der A._] erfolgt, ist zuerst von der
C._-Gruppe die Rede. Hier wird auch explizit festgehalten, dass die
Vereinbarung und der Plan zum Unternehmenszusammenschluss zwi-
schen der Beschwerdeführerin, der B._ Inc. und der A._ Inc.
abgeschlossen wurde (dazu, dass die Beschwerdeführerin dennoch nicht
als Vertragspartei gilt, bereits E. 3.4; zum in der Medienmitteilung genann-
ten «Agreement and Plan of Merger»: E. 3.8). Den Medienmitteilungen
lässt sich demnach nichts Einschlägiges zur Frage entnehmen, ob die Be-
schwerdeführerin als Vermittlerin an der Übernahme der A._ Inc.
beteiligt war.
Nachfolgend wird zunächst auf das «Tender Offer» eingegangen, weil sich
darin eine Darstellung des Sachverhalts befindet. Wie schon zuvor erwähnt
(E. 3.4.2 a.E.), werden die Ausführungen teilweise unter Einbezug weiterer
Unterlagen gewürdigt.
3.6 Im Tender Offer (also dem Antrag an die Aktionäre der A._ Inc.,
ihre Aktien der B._ Inc. anzubieten; BB 21) wird auf den S. 15 ff.
der Sachverhalt wie folgt dargestellt:
3.6.1 Am 8. April 2016 habe ein Vertreter der V._ einen Vertreter
der K._ LLC (welche gemäss einem Artikel der Nachrichtenagentur
[...] der A._ Inc. dabei helfe, Kaufangebote zu prüfen; E. 3.2.2.2)
angerufen und sich aufgrund des Artikels der Agentur [...] erkundigt, ob die
A._ Inc. sich in einem Verkaufsprozess befinde, und mitgeteilt, dass
die V._ daran interessiert sei, eine mögliche Transaktion mit der
A._ Inc. zu prüfen (S. 15).
A-1480/2019
Seite 19
«V._» steht gemäss der Einleitung des Tender Offer («S. i») für die
(damalige) Y._ AG, also die Beschwerdeführerin. Das deutet zumin-
dest darauf hin, dass die Beschwerdeführerin (und gerade nicht die dama-
lige D._ AG [heute: [...]]) den Anstoss für die Übernahmeverhand-
lungen gab.
Auch den weiteren Unterlagen lässt sich nicht entnehmen, welche Grup-
pengesellschaft den Anstoss dafür gab, dass eine Übernahme der
A._ Inc. geprüft wurde. In einem (unvollständig in den Akten liegen-
den) E-Mail-Austausch vom 13. März 2019 (BB 10) wurde Q._ ge-
nannt, der seinerseits meinte, sich an den [Agentur]-Artikel erinnern zu
können und, als er ihn gelesen habe, gleich S._ informiert zu ha-
ben. Q._ war und ist damals wie heute sowohl für die D._
AG (heute: [...]) als auch die E._ AG zeichnungsberechtigt. Glei-
ches gilt für S._, der zusätzlich für die Beschwerdeführerin zeich-
nungsberechtigt ist (E. 3.2.2.6). Auch wenn der E-Mail-Austausch erst
Jahre nach der Akquisition und wohl schon im Hinblick auf die vorliegend
zu klärende Frage stattfand, besteht kein Anlass, daran zu zweifeln, dass
die Beteiligten ihre Erinnerungen korrekt wiedergeben. Allerdings hilft der
Inhalt der E-Mails schon deshalb nicht weiter, weil unklar ist, für welche
Gesellschaft die genannten Personen handelten. Q._s Name er-
scheint auch in verschiedenen weiteren Dokumenten. Im hier analysierten
Tender Offer Statement (BB 21) werden ab S. 14 der Hintergrund der Of-
ferte sowie der Ablauf der Kontakte, Transaktionen, Verhandlungen und
Übereinkommen beschrieben. Dort wird Q._ als für die E._
AG handelnd bezeichnet (auf S. 16 erscheint er als «Deputy Chief Execu-
tive Officer of E._ AG»). Demnach lässt sich  wie eingangs er-
wähnt  nicht mehr rekonstruieren, welche Gesellschaft seinerzeit die Prü-
fung der Übernahme veranlasst hat. Dieser Umstand wäre allerdings oh-
nehin nur eines von mehreren Indizien dafür oder dagegen, dass die Be-
schwerdeführerin eine Vermittlerrolle bei der Akquisition der A._
Inc. innehatte.
3.6.2 Gemäss S. 15 f. des Tender Offer habe sich P._, Chief Exe-
cutive Officer der E._ AG, am 18. April 2016 mit Z._, dem
Präsidenten und CEO der A._ Inc. getroffen. Anlässlich dieses Tref-
fens habe P._ Z._ über das Kaufsinteresse der
«V._» informiert. Auch habe er die strategische Überlegung für die-
ses Interesse erwähnt, einschliesslich der vorgesehenen Abspaltung der
D._ AG (heute: [...]) von der «V._». Er habe darum gebeten,
dass die A._ Inc. der «V._» Zugang zu Unterlagen für eine
A-1480/2019
Seite 20
Due Diligence-Prüfung gebe, damit die «V._» einen möglichen Vor-
schlag weiter evaluieren könne. P._ habe vorgeschlagen, dass
Z._ sich am folgenden Tag mit Q._, dem stellvertretenden
CEO der E._ AG treffe, worauf P._ dieses Treffen arrangiert
habe. Am 19. April 2016 habe Q._ Z._ darüber informiert,
dass die «V._» an einer möglichen Transaktion mit der A._
Inc. interessiert sei.
Auch hier muss mit «V._» die «Y._ AG» gemeint sein,
denn  abgesehen davon, dass «V._» für die (damalige) Y._
AG also die Beschwerdeführerin steht (schon E. 3.6.1)  wird kurz darauf
festgehalten, dass die «V._» via die A._ Inc. die D._
AG (heute: [...]) und die E._ AG bei der Vermarktung ihrer Produkte
in den USA unterstützen wolle. Für die Beschwerdeführerin wäre
Q._ grundsätzlich nicht zeichnungsberechtigte gewesen
(E. 3.2.2.6). Auch wird er als CEO der E._ AG bezeichnet. Aller-
dings ist nicht auszuschliessen, dass er, trotz grundsätzlich fehlender
Zeichnungsberechtigung für die Beschwerdeführerin, von dieser für den
konkreten Fall eingesetzt wurde. Auch ging es noch nicht um konkrete Ver-
tragsabschlüsse. Gleiches galt im damaligen Zeitpunkt für P._
(E. 3.2.2.6).
3.6.3 Auf S. 16 des Tender Offer wird zudem das Nachfolgende festgehal-
ten. Am 26. April 2016 habe eine Telefonkonferenz von Vertretern der Ge-
schäftsleitung der A._ Inc., der D._ AG (heute: [...]) und der
E._ AG stattgefunden, in der eine weitergehende Due Diligence-
Prüfung durch die «V._» im Zusammenhang mit einer möglichen
Offerte der «V._», die A._ Inc. zu übernehmen, diskutiert
wurde. Am 8. Mai 2016 schlossen die A._ Inc. und die «V._»
eine Vertraulichkeitsvereinbarung (Confidentiality Agreement) ab (dazu
E. 3.7). Vertreter der «V._» und der E._ AG sowie deren Be-
rater hätten mit Vertretern der A._ Inc. und deren Beratern gearbei-
tet, um eine detaillierte Due Diligence-Prüfung der A._ Inc. durch-
zuführen. Am 18. Mai 2016 habe Q._ für die («on behalf of»)
«V._» einen unverbindlichen Vorschlag zur Akquirierung gemacht.
Es wird auf S. 16 f. des Tender Offer berichtet, dass die «V._» mit
der A._ Inc. über den Aktienpreis verhandelt habe.
Wie bereits erwähnt (E. 3.6.1), steht «V._» für die (ehemalige)
Y._ AG, also die Beschwerdeführerin. Hier wird nun klar, dass
A-1480/2019
Seite 21
Q._ zumindest auch für die Beschwerdeführerin handelte («on be-
half of»).
Q._ wird weiter anlässlich eines Telefongesprächs am 7. Juni 2016
mit Z._ erwähnt. Wiederum wird er für die «V._» tätig. Er teilt
nämlich mit, dass die durch die «V._» durchgeführte Due Diligence-
Prüfung gut vorwärtsgehe und die «V._» damit rechne, bald eine
neue unverbindliche Offerte machen zu können. Weiter teilte er mit, dass
M._, der «Executive Chairman of the V._ Board and Chair-
man of E._ AG», sowie weitere Mitglieder der Geschäftsleitung der
E._ AG gerne mit der Geschäftsleitung der A._ Inc. zusam-
mentreffen würden, um das Interesse von «V._» an der Akquisition
der A._ Inc. zu besprechen.
3.6.4 Im Weitern verhandelten die «V._», soweit überhaupt ange-
geben, vertreten durch Q._, gelegentlich auch M._, und die
A._ Inc. (einmal auch die K._ LLC) weiterhin über den Kauf-
preis der Aktien (S. 17). Der Verwaltungsrat der «V._» bewilligte
schliesslich am 30. Juni 2016 die Transaktion im Grundsatz und autori-
sierte M._, der Transaktion die Zustimmung zu erteilen (S. 18).
Zwar war M._ damals unter anderem auch für die D._ AG
(heute: [...]) zeichnungsberechtigt. Aus dem Zusammenhang wird aber
klar, dass er für die Beschwerdeführerin handelte, für die er ebenfalls über
eine Zeichnungsberechtigung verfügte. Dies ergibt sich deutlich aus S. 17
unten, wo zuerst festgehalten wird, Mitglieder der Geschäftsleitung der
A._ Inc. hätten sich mit M._ und Mitgliedern der Geschäfts-
leitung der D._ und der E._ AG getroffen. Gleich darauf wird
festgehalten, die Vertreter der «V._», der D._ und der
E._ AG hätten sich nur mit Z._ getroffen. Als Vertreter der
«V._» kommt bei dieser Formulierung nur M._ in Betracht.
Auch wird er auf S. A-1 (Schedule A zum Tender Offer) als Verwaltungs-
ratspräsident der Beschwerdeführerin aufgeführt bzw. auf S. A-2 als CEO
der Beschwerdeführerin.
3.6.5 Die D._ AG, die heutige [...] wird in diesem Ablauf als Akteurin
das erste Mal im Zusammenhang mit einer Telefonkonferenz vom 26. April
2016 zwischen ihr, der A._ Inc. und der E._ AG erwähnt, bei
der es um eine zusätzliche Due Diligence-Prüfung durch die «V._»
bei der A._ Inc. ging. Weiter genannt wird sie bei der Zusammen-
fassung eines Telefongesprächs vom 16. Juni 2016 (S. 17) zwischen der
A-1480/2019
Seite 22
K._ LLC und M._. Dort informiert Letzterer Erstere darüber,
dass er, Mitglieder der Geschäftsleitung der D._ AG (heute: [...])
und der E._ AG immer noch im Sinne hätten (trotz Uneinigkeit über
den Aktienkaufpreis), am 20. Juni 2016 den Hauptsitz der A._ Inc.
zu besuchen. Es kam dann tatsächlich zu diesem Treffen und zwar zwi-
schen Vertretern der «V._», der D._ AG (heute: [...]) und der
E._ AG auf der einen und Z._ als Vertreter der A._
Inc. auf der anderen Seite (ebenfalls S. 17). Am 13. Juli 2016 sprach
schliesslich T._, Vize-CEO der D._ AG (heute: [...]), mit
Z._, in Bezug auf den von Q._ bereits vorbesprochenen
Zeitplan der Fusion (Merger; S. 19). Am 20. Juli 2016 stimmte M._
dem von den involvierten Anwaltskanzleien fertig verhandelten Merger Ag-
reement im Namen der «V._» zu. Gleichentags informierte die
A._ Inc. die «V._», dass auch ihr Verwaltungsrat zugestimmt
hatte. Später am gleichen Tag schlossen die A._ Inc., die
«V._» und der «Purchaser» (gemeint ist wiederum gemäss den An-
gaben auf «S. i» des Tender Offer die B._ Inc.) das Merger Agree-
ment ab (S. 19).
3.6.6 Insgesamt lässt sich dieser Darstellung im Tender Offer, das im Na-
men der (damaligen) Y._ AG, also der Beschwerdeführerin, von
N._ und S._ (die auch für weitere Gruppengesellschaften
zeichnungsberechtigt sind) unterschrieben wurde, entnehmen, dass die
Beschwerdeführerin an jedem Schritt bei der Akquirierung der A._
Inc. beteiligt war. Auch Q._ wurde hier  wie gesehen  im Namen
der Beschwerdeführerin tätig. Die damalige D._ AG (heute: [...])
wird in dieser Darstellung der Ereignisse nur selten erwähnt. Der Beitrag
der Beschwerdeführerin am Zustandekommen der Übernahme der
A._ Inc. erscheint indessen erheblich.
3.7 Weiter liegt in BB 21 eine Vertraulichkeitsvereinbarung «Confidentiality
Agreement» zwischen der E._ AG und der A._ Inc., welches
per 6. Mai 2014 gültig war, bei. Diesem sowie seiner Änderung per 6. Mai
2015 ist für den vorliegenden Fall nichts zu entnehmen. Ein weiteres «Con-
fidentiality Agreement» vom 8. Mai 2016 (vgl. auch BB 12a) wurde zwi-
schen der Beschwerdeführerin und der A._ Inc. abgeschlossen.
Aufgrund dieser Vertraulichkeitsvereinbarung wurde der Beschwerdefüh-
rerin und ihren Vertretern Einsicht in Unterlagen der A._ Inc. ge-
währt, sofern diese vertraulich behandelt würden. Über die Beschwerde-
führerin werden alle ihre Konzerngesellschaften («affiliates») zur Vertrau-
lichkeit verpflichtet. Auf der Titelseite steht zwar die E._ AG; das
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Anschreiben der A._ Inc. richtet sich aber an die Beschwerdeführe-
rin und diese hat das Abkommen auch unterzeichnet. Es ist richtig, dass 
wie die Beschwerdeführerin ausführt  R._ auf dem Dokument den
Stempel als CEO D._ AG (heute: [...]) angebracht hat. Er war da-
mals aber auch für die Beschwerdeführerin zeichnungsberechtigt. Rele-
vant ist ohnehin, dass als Vertragspartei die Beschwerdeführerin genannt
ist. Der zweitunterzeichnende O._ war ebenfalls  auch  für die
Beschwerdeführerin zeichnungsberechtigt. Der Zusatzvertrag («amend-
ment») vom 11. Mai 2016 ist von denselben Personen unterschrieben
(BB 12b).
Da in diesem Dokument via die Beschwerdeführerin alle Konzerngesell-
schaften zur Vertraulichkeit verpflichtet werden, tritt die Beschwerdeführe-
rin hier weniger als Vermittlerin im umsatzabgaberechtlichen Sinn auf, als
vielmehr als Konzernobergesellschaft. Dennoch ergibt sich aus den Ver-
traulichkeitsvereinbarungen, dass auch die Beschwerdeführerin zur Ver-
traulichkeit verpflichtet wurde, weil sie Zugriff zu vertraulichen Dokumenten
hatte. Das zeigt, dass sie bei der Transaktion eine aktive Rolle spielte.
3.8
3.8.1 Im «Agreement and Plan of Merger» (also der Vereinbarung und dem
Plan zur Fusion) vom 20. Juli 2016 zwischen der Beschwerdeführerin und
der B._ Inc. einerseits und der A._ Inc. andererseits steht
an mehreren Stellen, dass die Beschwerdeführerin die B._ Inc. ver-
anlasse («cause»), etwas zu tun (z.B. Art. 1.1 Bst. a, Art. 1.1 Bst. c Ziff. v
und vi, Art. 1.1. Bst. d). Der Beschwerdeführerin kommt somit eine wichtige
aktive Funktion zu.
3.8.2 An verschiedenen Stellen wird neben der B._ Inc. gar auch
die Beschwerdeführerin verpflichtet, Handlungen vorzunehmen bzw. zu
unterlassen, bzw. es wird festgehalten, dass die beiden Gesellschaften
nicht zu bestimmten Handlungen verpflichtet sind oder bestimmte Rechte
haben bzw. Informationen erhalten (z.B. Art. 1.1 Bst. c Ziff. iv und v, Art. 1.1
Bst. e und f, Art. 1.2, Art. 2.2, Art. 2.7). Teilweise wird gar nur die Beschwer-
deführerin verpflichtet (so in Art. 1.2 Bst. a, wo sie selbst verpflichtet wird,
dafür zu sorgen, dass das Formular 14D-9 [«schedule 14D-9»; ein Formu-
lar, welches die zu übernehmende Gesellschaft der US-amerikanischen
Börsenaufsichtsbehörde, der Security Exchange Commission, SEC, einzu-
reichen hat] zusammen mit weiteren Dokumenten den Aktionären der
A._ Inc. zugänglich gemacht wird) oder berechtigt (Art. 1.2. Bst. b,
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wo sie Informationen erfragen kann; Art. 2.7 Bst. b Ziff. ii, wo sie ihre Zu-
stimmung zu bestimmten Zahlungen geben muss; Art. 2.8 Bst. a, wo sie
den Zahlungsagenten bestimmen soll; Art. 3.1 Bst. b und Art. 3.13 Bst. b
und Art. 3.15 Bst. a, wo bestätigt wird, dass die ihr zugänglich gemachten
Informationen korrekt sind; Art. 5.2, wo sie ihre Zustimmung erteilen muss;
Art. VIII über die Vertragsauflösung, wobei sich auch hier zeigt, dass Par-
teien dieser Vereinbarung die A._ Inc. und die Beschwerdeführerin
sind). Der Beschwerdeführerin kommen auch nach der Übernahme wich-
tige Pflichten zu (z.B. Art. 6.9). An anderer Stelle scheint sie eher Zahlun-
gen zu garantieren (z.B. Art. 2.7 Bst. c und d).
3.8.3 In Art. 3.26 werden dann zwar auch Tochtergesellschaften der ver-
tragsschliessenden Gesellschaften erwähnt. Dies aber nur insoweit, als
dort (zusammengefasst) festgehalten wird, dass, abgesehen von dem in
der Vereinbarung Festgehaltenen weder die Beschwerdeführerin noch die
B._ Inc. noch deren Tochtergesellschaften oder irgend eine von die-
sen beauftragte Person für diese Gesellschaften in Zusammenhang mit der
Übernahme weitere Zusicherungen oder Garantien abgegeben hätten oder
dies tun würden und dass die A._ Inc. sich auf keine anderen Zusi-
cherungen oder Garantien stützen werde, als jene, die in Artikel IV der Ver-
einbarung festgehalten seien.
3.8.4 Die Vereinbarung ist für die Beschwerdeführerin von N._ und
S._ unterschrieben, die beide auch für andere Konzerngesellschaf-
ten, darunter die damalige D._ AG (heute: [...]) zeichnungsberech-
tigt sind. Für die B._ Inc. unterschrieben O._ und
L._, wobei Ersterer auch für die Beschwerdeführerin und die
D._ AG (heute: [...]) zeichnungsberechtigt war, Letzterer noch
nicht.
3.8.5 Der Beschwerdeführerin ist zwar darin zuzustimmen, dass mit dieser
Vereinbarung die Übernahme der A._ Inc. noch nicht vollzogen
wurde. Die Vereinbarung stellt aber einen wichtigen Schritt auf dem Weg
zur Übernahme dar. Ohne diese Vereinbarung wäre die Übernahme zu-
mindest sehr erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht worden. So aber
konnten die Gesellschaften einen Weg finden, damit die A._ Inc.
ihren Aktionären empfehlen konnte, der B._ Inc. die Aktien zu ver-
kaufen. Insgesamt hat die Beschwerdeführerin viele Rechte und Pflichten
gemäss dem Vertrag. Diese gehen über die Stellung als blosse Garantin
weit hinaus. Der Einfluss der Beschwerdeführerin geht insofern gar weiter
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als jener einer Mäklerin, die als solche keine Zustimmung zu Handlungen
zwischen den Parteien des von ihr vermittelten Vertrages geben muss.
Die Beschwerdeführerin hat angesichts der gesamten Umstände in klarer
Weise kausal zum Zustandekommen der Akquisition der A._ Inc.
beigetragen. Sie war Vermittlerin im umsatzabgaberechtlichen Sinn und
schuldet daher die Umsatzabgabe.
3.8.6 Selbst wenn  was hier nicht zu klären ist  das US-amerikanische
Recht vorschreiben würde, dass die Konzernobergesellschaft entspre-
chend mitverpflichtet wird (E. 3.2.2.4), würde das die Frage, ob die Be-
schwerdeführerin als Vermittlerin im umsatzabgaberechtlichen Sinn zu gel-
ten hat, nicht beeinflussen, ist doch unerheblich, warum eine Person die
Vermittlerrolle übernimmt. Bei diesem Ergebnis ist nicht mehr näher auf
den Umstand einzugehen, dass der vorliegende Sachverhalt Ähnlichkeiten
(aber auch Unterschiede) mit dem in E. 2.6.5.2 beschriebenen aufweist.
3.9 An diesem Ergebnis vermögen auch die folgenden Vorbringen der Be-
schwerdeführerin nichts zu ändern.
3.9.1
3.9.1.1 Die Beschwerdeführerin bringt vor, das Management der
D._ AG (heute: [...]) sei von ihrem, weitgehend getrennt.
Wie sich aus der Tabelle ergibt (E. 3.2.2.6) und bereits im Rahmen des
Tender Offer festgehalten wurde (E. 3.6, insb. E. 3.6.1; vgl. auch E. 3.4.1),
waren diverse natürliche Personen zumindest für mehrere der Gesellschaf-
ten (und damit auch für diese beiden) gleichzeitig zeichnungsberechtigt.
Ob ihnen auch eine Managementfunktion zukam, ist hier letztlich nicht ent-
scheidend.
3.9.1.2 Weiter hält die Beschwerdeführerin fest, bei der Verhandlung für
die Lizenz [eines Produktes] habe die D._ AG (heute: [...]) die
A._ Inc. kennen gelernt.
Ob dem so ist, kann dahingestellt bleiben, weil sich aus diesem Umstand
keine Rückschlüsse auf die hier einzig relevante Frage ergeben, ob die
Beschwerdeführerin bei der Übernahme der A._ Inc. als Vermittlerin
im umsatzabgaberechtlichen Sinn wirkte.
3.9.1.3 Auch wird geltend gemacht, die Beschwerdeführerin sei bei der Fi-
nanzierung nur Garantin gewesen.
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Im Kreditvertrag («Multicurrency Term Facility Agreement»), mit dem die
[Bank] die Bereitstellung des Kaufpreises versprach, ist die Beschwerde-
führerin zwar als Vertragspartei genannt, übernimmt hier aber  soweit er-
sichtlich  tatsächlich die Stellung einer Bürgin, was sich schon aus dem
Titelblatt ergibt (der Kreditvertrag befindet sich ebenfalls in BB 21).
Ob tatsächlich die D._ AG (heute: [...]) den Kredit abzahlen musste,
kann offenbleiben. Im Vertrag wird jedenfalls deren Muttergesellschaft, die
G._ AG genannt und die D._ AG (heute: [...]) nur kurz er-
wähnt.
3.9.1.4 Dass die D._ AG (heute: [...]) die Akquisition eingefädelt
und deren Management diese genehmigt habe – wie die Beschwerdefüh-
rerin weiter behauptet –, ist den Unterlagen, wie oben festgestellt wurde,
nicht zu entnehmen. Im Gegenteil ist immer von der Y._ AG (heute:
X._ AG), also der Beschwerdeführerin, und der E._ AG die
Rede, kaum aber von der D._ AG (heute: [...]). Zwar wurde oben
festgehalten, dass Vermittler auch sein kann, wer nicht in den Unterlagen
erscheint (E. 2.6.4 a.E.). Ob dem so ist, kann indessen  wie bereits vorab
festgehalten (E. 3.3.5)  offenbleiben. Zu betonen ist immerhin, dass in kei-
ner Weise nachgewiesen ist, dass entscheidende Handlungen von der
D._ AG (heute: [...]) ausgeführt wurden. Personen, die für die
D._ AG (heute: [...]) zeichnungsberechtigt waren, waren (und sind)
zu einem grossen Teil auch für andere Gruppengesellschaften, insbeson-
dere die Beschwerdeführerin, tätig und zeichnungsberechtigt. Damit war
zu prüfen, in welcher Eigenschaft sie tätig wurden. Wie sich aus den Ver-
trägen ergibt und wie oben dargelegt wurde, handelten sie im Wesentlichen
für die Beschwerdeführerin, gelegentlich auch für die E._ AG.
3.9.2 Aus dem Umstand, dass der Vertreter der Beschwerdeführerin in ei-
ner E-Mail vom 5. August 2016 an die ESTV (im Rahmen einer Rulingan-
frage bei der Vorinstanz) darauf hinwies, dass sich das Tender Offer nicht
am Sitz der Beschwerdeführerin befand (BB 30), lässt sich nichts ableiten.
Daraus ist jedenfalls nicht  wie dies der Vertreter der Beschwerdeführerin
in dieser E-Mail andeutet  zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin bei
der Akquisition der A._ Inc. nur eine untergeordnete Rolle spielte.
3.9.3 [Zwei Personen], die die Beschwerdeführerin als Personen nennt, die
in die Verhandlungen mit und die Due Diligence-Prüfung der A._
Inc. eingebunden gewesen seien und die allesamt Mitglieder der Ge-
schäftsleitung der D._ AG (heute: [...]) gewesen seien, werden in
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den Verhandlungsunterlagen – soweit ersichtlich – nicht [der Eine] bzw.
kaum ([der Andere]; nämlich als «Contract Owner» in den Vertraulichkeits-
erklärungen vom 8. Mai 2016 [BB 12a] und 12. Mai 2016 [BB 12b]) ge-
nannt. Die vorhandenen Unterlagen stützen somit das Vorbringen der Be-
schwerdeführerin nicht, womit dessen Relevanz offenbleiben kann.
3.10 Die Berechnung der Höhe der Umsatzabgabe ist nicht bestritten und
die Art der Berechnung ergibt sich aus den Akten. Damit hat die Beschwer-
deführerin die Umsatzabgabe in Höhe von Fr. 4'262'848.50 zu Recht ent-
richtet. Die Beschwerde ist abzuweisen.
Da die Zahlung bereits unter Vorbehalt erfolgte, hat die Vorinstanz keine
Zinsen erhoben. Es erübrigt sich demnach, der Frage nachzugehen, wann
die Umsatzabgabe geschuldet war.
4.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten, die auf Fr. 25'000.--
festzulegen sind, der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen
(Art. 63 Abs. 1 VwVG sowie Art. 1 ff. des Reglements vom 21. Februar
2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungs-
gericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der von dieser einbezahlte Kostenvor-
schuss in gleicher Höhe ist zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu ver-
wenden.
Die unterliegende Beschwerdeführerin sowie die Vorinstanz haben keinen
Anspruch auf eine Parteientschädigung (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG i.V.m.
Art. 7 VGKE Abs. 1 e contrario, Art. 7 Abs. 3 VGKE).