Decision ID: 09a4d020-bae8-5de7-9f64-94d2255ee4b7
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin 1,
vertreten durch Rechtsanwalt PD Dr. Dieter Kehl, Poststrasse 22, Postfach 118,
9410 Heiden,
und
SWICA Gesundheitsorganisation, Römerstrasse 38, 8401 Winterthur,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin 2,
gegen
Generali Versicherungen, Rue de la Fontaine 1, 1211 Genève 3,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Michael Alde, c/o Strickler & Partner,
Bahnhofstrasse 26, 9320 Arbon,
betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1976 geborene S._ war bei der A._ tätig und dadurch bei der Generali
Versicherungen (nachfolgend: Generali) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am
9. Januar 2001 wurde sie als Lenkerin eines Personenwagens in einen Auffahrunfall
verwickelt. Dr. med. B._, Klinik für Orthopädische Chirurgie, Kantonsspital St. Gallen
(KSSG), diagnostizierte noch am Unfalltag eine Distorsion der Halswirbelsäule (HWS).
Proximal paravertebral zeigten sich ein Muskelhartspann sowie ein Druckschmerz
beidseitig. Die Versicherte beklagte eine Schmerzausstrahlung vom proximalen Nacken
bis parietal beidseits. Die HWS-Beweglichkeit war subjektiv bis auf die Inklination,
welche aufgrund der Nacken-Spannungschmerzen eingeschränkt war, frei. Der
Röntgenbefund ergab keine ossären Läsionen (Generali-act. 2, 3). Vom 22. Februar bis
24. März 2001 erfolgte ein Rehabilitationsaufenthalt im Kurhaus Cademario. Laut
Austrittsbericht vom 31. März 2001 (Generali-act. 18) wurden ein Status nach
Hyperextensionstrauma der Halswirbelsäule mit radiologischer Streckhaltung und
rechtskonvexer skoliotischer Fehlhaltung der HWS bei kernspintomografisch intakten
Strukturen C0 bis Th4 mit Ausnahme nicht sicherer Darstellung des Ligamentum alare
links ohne sichere Relevanz, radiologisch intakte Akromioklavikulargelenksverhältnisse
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
links mit Ausnahme etwas weiter Gelenkspalte, ein residuelles, posttraumatisches
Syndrom bei/mit massiver Schonhaltung der linken Schulter, residuellem
Schmerzsyndrom, ausgeprägter, vegetativer, vasomotorischen Dysästhesie,
Parästhesie und Störung des Kalt-Warm-Empfindens in der linken Körperseite,
maximal ausgeprägt im linken Arm, ein reaktives, neuropsychisches Defizit, vorwiegend
mnestische Störung sowie eine traumainduzierte psychische und somatische
Leistungsschwäche diagnostiziert. Vom 30. August bis 10. Oktober 2001 erfolgte ein
stationärer Aufenthalt in der Schmerzklinik Kirschgarten, Basel. Im Austrittsbericht vom
21. November 2001 (Generali-act. 60) wurden folgende Diagnosen festgehalten:
Complex Regional Pain Syndrom (CRPS) Typ I mit Dystonie bei Quadrantensyndrom
links (Hals-, Schulter- und Armbeteiligung links) mit sympathisch unterhaltenem
Schmerzanteil, Status nach HWS-Distorsionstrauma vom 9. Januar 2001,
traumainduzierte psychische und somatische Leistungsschwäche, rezidivierende
gastrointestinale Beschwerden bei vegetativer Labilität und normozytäre Anämie. Vom
29. Oktober bis 7. November 2001 erfolgte wegen Magen-Darm-Beschwerden eine
notfallmässige Hospitalisation im Kantonalen Spital Rorschach. Dem Austrittsbericht
vom 7. November 2001 (Generali-act. 62) ist u.a. die Diagnose eines CRPS Typ I mit/
bei Kontraktion des Musculus trapezius links mit Schulterhochstand, genereller
Minderinnervation des linken Arms und Hypästhesie und Hypalgesie in Fingern und
Fussrücken links zu entnehmen. Dr. med. C._, Allgemeine Medizin FMH,
diagnostizierte am 22. Februar und 18. Juni 2002 (Generali-act. 71,79) einen Status
nach HWS-Schleudertrauma mit Kontraktion des Musculus trapezius links mit
Schulterhochstand und einen Morbus Sudeck links bei genereller Minderfunktion des
gesamten linken Arms. Vom 15. Oktober bis 12. November 2002 erfolgte ein Aufenthalt
in der Rehaklinik Rheinfelden. Mit Bericht vom 2. Januar 2003 (Generali-act. 96)
wurden ein Status nach Verkehrsunfall mit HWS-Distorsion und leichter traumatischer
Hirnverletzung (Commotio cerebri), ein persistierendes Zervikobrachialsyndrom links
mit ausgeprägtem Schulterhochstand und kompensatorischer BWS-Skoliose, eine
vegetative Dysregulation mit Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Hypertonie, ein
Status nach CRPS Typ I mit Dystonie bei Quadranten-Syndrom links, eine leichte bis
mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung, eine Anpassungsstörung sowie
Angst und depressive Reaktionen gemischt diagnostiziert. Die medizinische
Begutachtung durch die MEDAS Universitätskliniken Basel vom 7. bis 8. April 2003
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Generali-act. 102) ergab nach der Durchführung einer internistischen, einer
rheumatologischen, einer neurologischen und einer psychiatrischen Untersuchung die
Diagnosen eines chronischen zervikobrachialen Schmerzsyndroms links bei/mit Status
nach HWS-Distorsion am 9. Januar 2001, Status nach CRPS Typ I mit Dystonie und
Quadrantensyndrom links, Schulterhochstand links und konsekutiver skoliotischer
Fehlhaltung, eine leichte bis mittelschwere neuropsychologische Funktionsstörung
nach HWS-Akzelerations-/Dezelerationstrauma und psychologische und
Verhaltensfaktoren bei andernorts klassifizierten Erkrankungen (HWS-
Distorsionstrauma und CRPS) (ICD-10 F54) mit diskret verminderter emotionaler
Belastbarkeit sowie subjektiver Konzentrationsminderung und erhöhter
Erschöpfbarkeit.
A.b In der biomechanischen Beurteilung vom 18. Februar 2002 (Generali-act. 63)
hatten die Spezialisten eine kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-V) von
8 bis 12 km/h errechnet. Möglicherweise habe sich ein biomechanisch ungünstiger
Zusatzeffekt eingestellt, indem sich die Versicherte krampfhaft am Lenkrad
festgehalten habe, da sie die Kollision von hinten habe kommen sehen. Bei einem
maximalen Delta-V-Wert von 12 km/h und einem Körpergewicht von 76 kg sei eine
nicht unbeträchtliche Rückbewegung der Sitzlehne zu erwarten. Falls nun das Lenkrad
umklammert worden sei, hätte sich ein Zug am Arm ergeben können. Aus
biomechanischer Sicht liessen sich von der HWS ausgehende Beschwerden, also
Verspannungen, Druckschmerzhaftigkeit etc. und Kopfschmerzen sowie
Konzentrationsstörungen, somit durch die Kollision erklären. Aufgrund der erwähnten
Hypothese (Zug am Arm bei der Körperrückbewegung) sei es möglich, dass auch die
Armbeschwerden direkt auf die Körperbewegungen während der Kollision
zurückgeführt werden könnten.
A.c Mit Verfügung vom 20. September 2006 (Generali-act. 155) eröffnete die Generali
der Versicherten, dass der adäquate Kausalzusammenhang seit längerer Zeit nicht
mehr gegeben sei und weitere Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung
nicht mehr erbracht werden könnten. Die Taggelder seien bis zum 30. April 2004
abgerechnet worden. Es erscheine sachgerecht, die Leistungseinstellung auf diesen
Zeitpunkt vorzunehmen. Gegen diese Verfügung erhoben sowohl die Versicherte, als
auch deren Krankenversicherung, Swica Gesundheitsorganisation (nachfolgend:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Swica), Winterthur, Einsprache (Generali-act. 163,164). Mit Einspracheentscheid vom 8.
Dezember 2006 (Generali-act. 165) wies die Generali die Einsprachen ab.
B.
B.a Dagegen richtet sich die von Rechtsanwalt Dr. iur. Dieter Kehl, Heiden, im Namen
der Versicherten eingereichte Beschwerde vom 28. Februar 2007 mit den Anträgen, der
Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2006 und die Verfügung vom 20. September
2006 seien aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, für alle Folgen
des Unfalls vom 9. Januar 2001 die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen –
Pflegeleistungen und Kostenvergütungen sowie Geldleistungen: Taggelder, Rente,
Integritätsentschädigung, Hilflosenentschädigung usw. – zu erbringen, rückwirkend
und weiterhin; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der
Beschwerdegegnerin. Zur Begründung wird im Wesentlichen ausgeführt, die
Beschwerdegegnerin übergehe konsequent, dass die Beschwerdeführerin am 9.
Januar 2001 nicht nur eine HWS-Distorsion, sondern durch Zug am Arm bei der
Körperrückbewegung (Traktionsmechanismus) auch eine Verletzung der linken oberen
Körperseite und Extremität erlitten habe. Der natürliche Kausalzusammenhang sei
offensichtlich und werde von der Beschwerdegegnerin auch nicht ernstlich in Frage
gestellt. Die Adäquanzfrage stelle sich gar nicht, da klar fassbare physische Befunde
vorlägen (BGE 117 V 365). Allenfalls wären die Adäquanzkriterien nach BGE 117 V 367
und nicht diejenigen nach BGE 115 V 140 massgebend, denn die zum typischen
Beschwerdebild eines Schleudertraumas der HWS gehörenden Beeinträchtigungen
seien keineswegs ganz in den Hintergrund getreten (BGE 123 V 98). Die
Adäquanzkriterien wären zudem nach BGE 117 V 367 und BGE 115 V 140 erfüllt.
B.b Gegen den Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2006 richtet sich auch die von
der Swica am 8. März 2007 eingereichte Beschwerde mit den Anträgen, die Verfügung
vom 20. September 2006 und der Einspracheentscheid vom 8. Dezember 2006 seien
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, auch über den 30. April
2004 hinaus die gesetzlichen Leistungen nach UVG (insbesondere Taggelder und
Übernahme der Heilkosten) zu erbringen. Zur Begründung wird im Wesentlichen
ausgeführt, dass aufgrund der zahlreichen objektivierbaren organischen Befunde gar
keine Adäquanzprüfung hätte vorgenommen werden müssen. Mangels Nachweis einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dominanz der psychischen Problematik hätte eine eventualiter vorzunehmende
Adäquanzbeurteilung nach dem "Schleudertrauma-Raster" von BGE 117 V 359 zu
erfolgen. Die diesbezüglich massgebenden objektiven Kriterien seien in der von der
Rechtsprechung geforderten Häufung erfüllt.
B.c In den Beschwerdeantworten vom 22. März 2007 (act. UV 2007/31 G 3 und
UV 2007/39 G 3) beantragt die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerden. Die
Ausführungen von Prof. K._ im biomechanischen Gutachten könnten nicht
berücksichtigt werden und hätten keinen Beweiswert im Sinn der bundesgerichtlichen
Anforderungen an Gutachten (vgl. BGE 125 V 352 Erw. 3a). Aus dem Bericht des
Bezirksspitals Lugano gehe hervor, dass die neurologische Untersuchung sehr stark
durch eine wesentliche psychogene "Überlastung", in einem schweren depressiven
Kontext beeinträchtigt worden sei. Somatoforme Schmerzstörungen würden unter die
Kategorie der psychischen Leiden fallen (vgl. BGE 130 V 353). Vorliegend trete die
HWS-Distorsionstraumaproblematik völlig in den Hintergrund. Zentral im ganzen
Beschwerdebild sei das Schmerzsyndrom im Zusammenhang mit der Unfall- bzw.
Schmerzverarbeitungsstörung. Die Adäquanzprüfung sei somit nach der sogenannten
Psychopraxis vorzunehmen. Die diesbezüglichen Adäquanzkriterien seien beim
vorliegenden Sachverhalt nicht erfüllt.
B.d Mit Replik vom 20. Juni 2007 (act. UV 2007/31 G 9) stellte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin 1 in Aussicht, dass er seinen Standpunkt an der mündlichen
Hauptverhandlung nochmals ausführlich begründen werde. Die Swica hielt in der
Replik vom 25. Mai 2007 an ihren Anträgen fest.
B.e Mit Duplik vom 6. Juli 2007 im Verfahren UV 2007/39 hielt die Beschwerdegegnerin
ihrerseits an ihrem Standpunkt und ihrem Rechtsbegehren fest.
C.
Mit Schreiben vom 7. April 2008 (act. UV 2007/31 G 25) teilte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin 1 den Verzicht auf eine mündliche Verhandlung mit. Als Beilage
zum erwähnten Schreiben legte er ein Gutachten des Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamts des Kantons St. Gallen ins Recht. Am 25. April 2008 (act. UV 2007/31
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
G 30) reichte er weitere Akten zum unfallbedingten Schaden am Lenkrad und an der
Lenkspindel des Fahrzeugs der Beschwerdeführerin ein. Auf die nachträglich ins Recht
gelegten Akten und die entsprechenden Ausführungen der Parteien wird - soweit
entscheidnotwendig - in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.
Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht für die Folgen des
Unfalls vom 9. Januar 2001 und erbrachte Heilkosten- und Taggeldleistungen. Streitig
ist, ob sie auch für die nach dem 30. April 2004 (Leistungseinstellung) geltend
gemachten gesundheitlichen Probleme entsprechende Versicherungsleistungen zu
erbringen hat. Soweit der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 1 darüber hinaus die
Ausrichtung von Rentenleistungen, einer Integritätsentschädigung und einer
Hilflosenentschädigung beantragt, kann darauf nicht eingetreten werden, da diese
Leistungsarten nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheids bilden.
2.
2.1 Gemäss ständiger Praxis des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG; seit
1. Januar 2007: Sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichts) kann ein nach einem
versicherten Unfall aufgetretenes Leiden nur dann als dessen Folge betrachtet werden,
wenn und soweit es sicher oder doch zumindest überwiegend wahrscheinlich von
jenem Unfall herrührt (natürliche Kausalität; BGE 115 V 133 und 399 sowie 117 V 359
und 369). Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung
eines Leistungsanspruchs nicht (BGE 119 V 338 und 118 V 289). Der Unfallversicherer
haftet sodann nur für jene Folgen, die mit dem Unfall adäquat-kausal
zusammenhängen, wobei für die Adäquanz nicht die subjektive, sondern die objektive
Voraussehbarkeit des eingetretenen Erfolgs entscheidend ist (SVR 2000 UV Nr. 14
S. 45). Adäquat ist der Kausalzusammenhang dann, wenn ein Ereignis geeignet ist, den
eingetretenen Erfolg zu bewirken, so dass an andere Ursachen vernünftigerweise nicht
zu denken ist (BGE 117 V 359 und 112 V 30). Während es Aufgabe des Arztes oder der
Ärztin ist, den natürlichen Kausalzusammenhang zu beurteilen, obliegt es dem Gericht,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Frage nach dem adäquaten Kausalzusammenhang zu beantworten (BGE 123 III
110 E. 3a). Nicht jeder natürliche Kausalzusammenhang ist zugleich in rechtlicher
Hinsicht adäquat. Der adäquate Kausalzusammenhang ist ein Korrektiv zum
naturwissenschaftlichen Ursachenbegriff, der vom Recht als natürliche Kausalität
übernommen wurde, aber der Einschränkung bedarf, um für die rechtliche
Verantwortlichkeit tragbar zu sein und eine vernünftige Begrenzung der Haftung zu
ermöglichen (BGE 122 V 415 E. 2c und 123 III 110 E. 3a).
2.3 Im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen (organisches Substrat konnte mit Bild
gebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) spielt die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus
dem natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne weiteres zu
bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V 365 E. 5d/
bb mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht (hinreichend) fassbar,
bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht automatisch auch die Bejahung
der adäquaten Kausalität, können doch gerade klinische Befunde erfahrungsgemäss
auch psychisch ausgelöst werden. In diesen Fällen ist eine eigenständige
Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt zu differenzieren ist: Es ist
zunächst abzuklären, ob die versicherte Person beim Unfall ein Schleudertrauma
erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140
E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die Abklärungen indessen, dass eine versicherte
Person eine Schleudertraumaverletzung erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum
typischen Beschwerdebild einer solchen Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen
zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur psychischen Problematik aber ganz in den
Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE
115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze
massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a), andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz
gemäss den in BGE 117 V 366 E. 6a und 382 E. 4b festgelegten (und in BGE 134 V 109
präzisierten) Kriterien (BGE 127 V 103 E. 5b/bb). Die Anwendung der Rechtsprechung
zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der HWS setzt voraus,
dass die psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen und zusammen mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
den organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis zurückzuführen
sind, ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328 E. 3b).
3.
Aus den Akten geht hervor, dass die von der Beschwerdeführerin 1 über den 30. April
2004 hinaus geklagten Beschwerden nicht mit klar ausgewiesenen organischen
Befunden im Sinn nachweisbarer struktureller Veränderungen erklärbar sind. Bei der
am Unfalltag in der Klinik für Orthopädische Chirurgie des KSSG durchgeführten
röntgenologischen Untersuchung der HWS wurden keine ossären Läsionen festgestellt.
Die von Dr. med. D._, Spezialarzt FMH für Röntgendiagnostik, durchgeführte
vertebrospinale Kernspintomographie vom 15. Februar 2001 ergab als Befund eine
"Streckhaltung und rechtskonvexe skoliotische Fehlhaltung der HWS bei klinischerseits
bekannter Torticollis" (Generali-act. 11). Eine von Dr. med. E._, Facharzt FMH
Allgemeine Medizin, veranlasste MRI-Untersuchung der HWS zeigte keinerlei
Pathologie. Insbesondere waren die Ligamenta alaria intakt (Generali-act. 12). Ein am
16. März 2001 im Regionalspital Lugano durchgeführtes MRI der HWS und des
Schädels ergab gemäss Bericht der Schulthess Klinik Zürich vom 22. Mai 2005
(Generali-act. 39) eine starke rechtskonvexe Skoliose der HWS, keine Hinweise für eine
ossäre Läsion, keine traumatischen Diskopathien oder Bandverletzungen sowie ein
normales MRI des Schädels bis auf eine leichte Asymmetrie im Bereich des
Ventrikelsystems. Während des Aufenthalts in der Schmerzklinik Kirschgarten wurden
eine röntgenologische Untersuchung der HWS und ein MRI des Kopfes durchgeführt,
welche die bisherigen Befunde bestätigten.
4.
4.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleuderverletzungen sowie bei äquivalenten Distorsionen der HWS (vgl. dazu RKUV
1999 Nr. 341 S. 408 E. 3b), d.h. bei sogenannten Beschleunigungsverletzungen der
HWS, auch ohne nachweisbare pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre
nach dem Unfall funktionelle Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der
Umstand, dass die für ein Schleudertrauma oder eine Distorsion der HWS typischen
Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa). Gemäss
den medizinischen Akten sowie mit Blick auf den Unfallmechanismus vom 9. Januar
2001 ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin 1 eine
Beschleunigungsverletzung der HWS erlitten hat. Entsprechend hat die
Beschwerdegegnerin den diesbezüglichen Leistungsanspruch auf Heilkosten- und
Taggeldleistungen bis zum 30. April 2004 denn auch anerkannt.
4.2 Wenn sie nun geltend macht, ab 1. Mai 2004 sei der Kausalzusammenhang
zwischen dem Unfallereignis vom 9. Januar 2001 und den geklagten Beschwerden
nicht mehr gegeben, so ist darauf hinzuweisen, dass die Leistungspflicht des
Unfallversicherers erst entfällt, wenn das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von
unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens mit dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist. Da es sich um eine anspruchsaufhebende
Tatfrage handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein
leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der
versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2
mit Hinweisen). Dabei muss nicht etwa der Beweis für unfallfremde Ursachen erbracht
werden. Welche Ursachen ein nach wie vor geklagtes Leiden hat, ob es
Krankheitsursachen, ein Geburtsgebrechen oder degenerative Veränderungen sind, ist
unerheblich. Denn es ist nicht so, dass der Unfallversicherer bei einmal bejahter
Unfallkausalität so lange haftet, als er unfallfremde Ursachen nicht mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nachzuweisen vermag. Entscheidend ist allein, ob unfallbedingte
Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren haben, also
dahin gefallen sind (RKUV 1994 Nr. U 206 S. 329 E. 3b). Ebenso wenig geht es darum,
vom Unfallversicherer den negativen Beweis zu verlangen, dass kein
Gesundheitsschaden mehr vorliegt oder dass die versicherte Person nun bei voller
Gesundheit sei (Urteile des EVG vom 18. Dezember 2003 [U 258/02] i/S Z., 25. Oktober
2002 [U 143/02] i/S L. und vom 31. August 2001 [U 285/00] i/S O.).
4.3 Ist ein Schleudertrauma oder eine äquivalente Verletzung der HWS diagnostiziert
und liegt ein für diese Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer Häufung von
Beschwerden wie diffuse Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations- und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen, Reizbarkeit,
Affektlabilität, Depression, Wesensveränderung usw. vor, so ist der natürliche
Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen Arbeits-
und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl. auch
BGE 117 B 369 E. 3e). Nach der aktuellen Rechtsprechung der
Sozialversicherungsrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts (Urteile vom 30.
Januar 2007 [U 215/05] i/S T. und vom 15. März 2007 [U 258/06] i/S G.) muss bei einer
HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild (mit einer Häufung von Beschwerden)
nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden
nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum
Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS manifestieren (RKUV 2000 Nr. 359 S.
29 E. 5e). Die andern im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer HWS-Distorsion
typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem
Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
4.4 Die Beschwerdeführerin 1 beklagte sich gemäss Arztzeugnis vom 16. Januar
2001 während der Erstbehandlung am Unfalltag – und somit innerhalb der
erforderlichen Latenzzeit – über eine Schmerzausstrahlung vom proximalen Nacken bis
parietal beidseits sowie über Kopfschmerzen und Schwindel. Mit Schreiben vom 20.
Januar 2001 teilte sie der Generali zudem mit, dass sie nach dem Unfall an
Kopfschmerzen und Übelkeit litt. Bei der Konsultation in der Schulthess Klinik vom 22.
Mai 2001 (Generali-act. 39) beklagte sich die Beschwerdeführerin 1 über
Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie über Missempfindungen in Form von
Dysästhesien und Parästhesien im ganzen Arm, vor allem aber in der linken Hand. Dem
Bericht der Schmerzklinik Kirschgarten vom 21. November 2001 (Generali-act. 60) sind
zusätzlich eine allgemeine Leistungsschwäche und Schlafstörungen zu entnehmen.
Gemäss MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2003 (Generali-act. 102) klagte die
Beschwerdeführerin 1 weiterhin über vermehrte Vergesslichkeit, Schwierigkeiten beim
Lesen, Konzentrationsprobleme, Schmerzen im Nacken-Kopf-Bereich, frontale
Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, Schlafstörungen wegen Schmerzen, anhaltende
Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit und Übelkeit bis hin zu Erbrechen. Insgesamt
kann angesichts dieser Aktenlage vom Auftreten eines typischen bunten
Beschwerdebilds mit einer Häufung von Beschwerden gesprochen werden, das als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
natürlich-kausale Unfallfolge eines HWS-Traumas zu betrachten ist. Dass unfallfremde
Krankheitsfaktoren zum gänzlichen Dahinfallen des natürlichen Kausalzusammenhangs
geführt hätten, kann aufgrund der Akten nicht gesagt werden. Demnach ist mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass der Unfall vom 9.
Januar 2001 zumindest eine Teilursache der als Folge der erlittenen HWS-Distorsion
andauernden gesundheitlichen Störungen bildet, was für die Bejahung der natürlichen
Kausalität genügt (Urteil vom 25. Juli 2007, U 328/06, E. 8.2.2, mit Hinweisen).
Diesbezüglich gilt es anzumerken, dass selbst die Beschwerdegegnerin den
natürlichen Kausalzusammenhang - zumindest nicht explizit - nicht verneint. Auch die
dem MEDAS-Gutachten zeitlich vorangehenden Gutachten und Berichte äussern sich
nicht dahingehend, dass die geklagten Beschwerden nicht mehr in einem natürlichen
Kausalzusammenhang zum Unfallereignis stehen würden. Zu prüfen bleibt, ob die nach
dem Zeitpunkt der Leistungseinstellung geklagten Beschwerden auch in einem
adäquat-kausalen Zusammenhang zum Unfall vom 9. Januar 2001 stehen.
5.
5.1 Gemäss Bericht des Regionalspitals Lugano vom 22. März 2001 (Generali-act.
17) besteht eine erhebliche psychische Überlagerung. In der klinischen Untersuchung
hätten sich erhebliche Inkongruenzen zwischen den subjektiven Schilderungen und
den objektivierbaren Befunden ergeben. Gemäss Prof. Dr. med. F._, Leitender Arzt
Schmerzzentrum, Schulthess Klinik, Zürich, spielen psychologische Aspekte bei der
Verarbeitung der Beschwerden eine entscheidende Rolle (Generali-act. 38). In einem
weiteren Bericht der Schulthess Klinik vom 22. Mai 2001 (Generali-act. 39) wurde u.a.
ausgeführt, dass die Versicherte an den direkten Folgen eines HWS-Beschleunigungs-
traumas leide. Die extreme Schonhaltung, welche sich in Form des massiven
Schulterhochstands links präsentiere, die diffusen Schmerzausstrahlungen in den
linken Arm, die multiple vegetative Begleitsymptomatik sowie die nicht Dermatom
bezogenen Hyp- und Parästhesien sowie Dysästhesien würden auf eine traumatisch
bedingte Zerrung des zervikalen Plexus links deuten. Aufgrund der an der Schulthess
Klinik am 6. Juni 2001 durchgeführten elektrophysiologischen Untersuchung lasse sich
eine Schädigung des Plexus brachialis links nicht nachweisen (Generali-act 41). Im
Bericht vom 28. Juni 2001 (Generali-act. 43) führte Dr. med. G._, Oberarzt
Neurologie, Schulthess Klinik, Zürich, u.a. aus, dass bei der Beschwerdeführerin 1 ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
persistierendes Zervikalsyndrom mit ausgeprägtem, reaktivem Schulterhochstand links
und HWS-Skoliose, Pseudoparalyse des linken Arms mit zunehmenden trophischen
Störungen und eine zunehmende Symptomausweitung auf die ganze linke Körperseite
bestehe. Gemäss Bericht der Schmerzklinik Kirschgarten vom 21. November 2001
(Generali-act. 60) bestand eine Dystonie bei CRPS Typ I mit begleitendem sympathisch
unterhaltenem Schmerzgeschehen. Eine psychotherapeutische Begleitung im Sinn der
Trauma- und Schmerzverarbeitung sei anzuraten. Dem Arztbericht des Kantonalen
Spitals Rorschach vom 7. November 2001 (Generali-act. 62) ist ebenfalls u.a. die
Diagnose eines CRPS Typ I zu entnehmen. Im Behandlungsplan wurden neben Physio-
und Kraniosakraltherapie, Kinesiologie und Neuraltherapie auch eine psychologische
Betreuung festgehalten. Dr. C._ diagnostizierte u.a. einen Morbus Sudeck links bei
genereller Minderfunktion des gesamten linken Arms. Psychisch gehe es der
Beschwerdeführerin 1 viel besser, allerdings bestehe nach wie vor ein deutlicher
Schulterhochstand links infolge der Kontraktion des Musculus trapezius sowie eine
generelle Minderfunktion aller Qualitäten im Bereich des linken Arms. Dr. med. H._,
Innere Medizin FMH, Kurhaus Cademario, geht im Bericht vom 26. Juni 2002 (Generali-
act. 80) ebenfalls von einer zweifellos besseren psychischen Verfassung aus. Laut
Bericht der Rehaklinik Rheinfelden vom 2. Januar 2003 (Generali-act. 96) standen im
Krankheitsverlauf das persistierende Zervikobrachialsyndrom links mit
Schulterhochstand links und die Entwicklung eines CRPS Typ I mit dystoniformer
Bewegungsstörung sowie eine konsekutive BWS-Skoliose im Vordergrund. Die
ebenfalls diagnostizierten depressiven Aspekte seien nicht vordergründig. Gemäss
psychiatrischem Fachgutachten der MEDAS Basel vom 7. April 2003 (Generali-act. 102
Beilage 3) liessen sich bei der Beschwerdeführerin 1 anamnestisch und anhand der
Akten keine bedeutenden psychiatrischen Belastungen oder Krisen eruieren. Seit dem
Unfall würden zwar psychoreaktive Belastungen, insbesondere eine ausgeprägte
Schlafstörung mit Müdigkeit und Erschöpfbarkeit sowie vorübergehende
Stimmungsverschlechterungen bestehen, doch lasse sich das Vollbild einer Depression
nicht diagnostizieren. Als Diagnosen wurden psychologische und Verhaltensfaktoren
bei andernorts klassifizierten Erkrankungen (HWS-Distorsionstrauma und CPRS) mit
diskret verminderter emotionaler Belastbarkeit sowie subjektiver
Konzentrationsminderung und erhöhter Erschöpfbarkeit gestellt. Der behandelnde
Psychotherapeut I._ teilte mit Schreiben vom 25. August 2003 (Generali-act. 106) mit,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
dass er dem psychiatrischen Fachgutachten der MEDAS Basel nichts Neues
beizufügen habe, er könne sämtliche Punkte bestätigen.
5.2 Aufgrund der vorliegenden Akten ist neben den geklagten körperlichen
Beschwerden auch von einer psychischen Komponente auszugehen. Insbesondere
sind den medizinischen Akten bereits wenige Monate nach dem Unfallereignis eine
psychische Überlagerung, Symptomausweitung und psychische Aspekte bei der
Trauma- und Schmerzverarbeitung zu entnehmen. Auf somatischer Seite stehen zuerst
ein CRPS Typ I und später ein chronisches zervikobrachiales Schmerzsyndrom im
Vordergrund. Dem psychiatrischen Fachgutachten der MEDAS ist, wie bereits erwähnt,
eindeutig zu entnehmen, dass keine psychischen Beschwerden im Vordergrund
stehen. Eine von Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
vorgeschlagene polydisziplinäre Begutachtung ist ausgeblieben, weshalb insbesondere
auf das schlüssige MEDAS-Gutachten abzustellen ist. Dies umso mehr, als das
MEDAS-Gutachten die letzte medizinische Begutachtung vor der verfügten
Leistungseinstellung darstellt. Im streitigen Zeitraum und zuvor kann bei der
Beschwerdeführerin 1, entgegen der offenbar von der Beschwerdegegnerin vertretenen
Auffassung, nicht eine ausgeprägte, im Vordergrund stehende psychische Problematik
als nachgewiesen gelten. Insbesondere kann bei den psychischen Diagnosen nicht von
einer eigenständigen Krankheit ausgegangen werden, die psychischen Befunde gehen
eindeutig aus dem Unfall hervor und bilden zusammen mit den organischen Leiden ein
komplexes Gesamtbild.
5.3 Die Adäquanzbeurteilung hat dementsprechend rechtsprechungsgemäss nach
den für Schleudertraumen bzw. schleudertraumaähnlichen Verletzungen der HWS
(BGE 117 V 359ff.) geltenden Regeln zu erfolgen. Für die Bejahung des adäquaten
Kausalzusammenhangs ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die
Entstehung der Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung
zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit
anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (BGE 117 V 359 Erw. 6a). Für die
Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei - ausgehend
vom augenfälligen Geschehensablauf - zwischen banalen bzw. leichten Unfällen
einerseits, schweren Unfällen anderseits und schliesslich dem dazwischen liegenden
mittleren Bereich unterschieden wird. Während der adäquate Kausalzusammenhang in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Regel bei schweren Unfällen ohne Weiteres bejaht und bei leichten Unfällen
verneint werden kann, lässt sich die Frage der Adäquanz bei Unfällen aus dem
mittleren Bereich nicht aufgrund des Unfallgeschehens allein schlüssig beantworten. Es
sind weitere, objektiv erfassbare Umstände, welche unmittelbar mit dem Unfall in
Zusammenhang stehen oder als direkte bzw. indirekte Folgen davon erscheinen, in
eine Gesamtwürdigung einzubeziehen. Dabei müssen rechtsprechungsgemäss (vgl.
BGE 115 V 140 Erw. 6c; SVR 1999 UV Nr. 10 S. 31 Erw. 2, 2001 UV Nr. 8 S. 32, je mit
Hinweisen) die weiteren unfallbezogenen Kriterien entweder in gehäufter oder
auffallender Weise oder ein einziges Kriterium in besonders ausgeprägter Weise erfüllt
sein, damit die Adäquanz bejaht werden kann. Als in die Adäquanzbeurteilung
einzubeziehende Kriterien nennt die Rechtsprechung (BGE 134 V 109 E. 10.3)
abschliessend: besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls; die Schwere oder besondere Art der erlittenen
Verletzungen; fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung; erhebliche
Beschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen und
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
5.4 Nach der Rechtsprechung werden einfache Auffahrunfälle in der Regel als
mittelschwer im Grenzbereich zu den leichten Unfällen qualifiziert (RKUV 2005 Nr. U
549 S. 236, U 380/04, E. 5.1.2 mit Hinweisen). Aufgrund des Geschehensablaufs, der
biomechanischen Beurteilung sowie mit Blick auf die entsprechende Kasuistik (vgl.
SZS 2001, S. 429ff.) sind hier keine Gründe ersichtlich um vom Regelfall abzuweichen,
weshalb vorliegend von einem mittelschweren Unfallereignis im Grenzbereich zu den
leichten Unfällen auszugehen ist. Die Adäquanz des Kausalzusammenhangs ist daher
zu bejahen, wenn ein einzelnes der für die Beurteilung massgebenden Kriterien in
besonders ausgeprägter Weise erfüllt ist oder die zu berücksichtigenden Kriterien in
gehäufter oder auffallender Weise gegeben sind (BGE 117 V 359 E. 6b S. 367).
5.5 Der Unfall vom 9. Januar 2001 hat sich weder unter besonders dramatischen
Begleitumständen ereignet noch war er – objektiv betrachtet – von besonderer
Eindrücklichkeit. Das Kriterium der schweren oder besonderen Art der erlittenen
Verletzung wird in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung bejaht, wenn eine
jahrelange Häufung der für ein SchIeudertrauma typischen Beschwerden vorliegt. Wie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bereits dargelegt, ist dem MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2003, mithin 2 1⁄2 Jahre
nach dem Unfall, eine solche Häufung der typischen Beschwerden zu entnehmen.
Sodann kann das Kriterium unter Umständen auch aufgrund der bei der Kollision
eingenommenen Körperhaltung und der damit verbundenen Komplikationen bejaht
werden (RKUV 1998 Nr. U 297 S. 245). Aus der biomechanischen Beurteilung vom 18.
Februar 2002 ist ersichtlich, dass sich bei der Beschwerdeführerin 1 möglicherweise
ein biomechanisch ungünstiger Zusatzeffekt eingestellt hat, indem sie sich krampfhaft
am Lenkrad festgehalten hatte, da sie die Kollision von hinten hatte kommen sehen.
Bei einem maximalen Delta-V-Wert von 12 km/h und einem Körpergewicht von 76 kg
sei eine nicht unbeträchtliche Rückbewegung der Sitzlehne zu erwarten. Falls nun das
Lenkrad umklammert worden sei, hätte sich ein Zug am Arm ergeben können. Somit
sei es möglich, dass die Armbeschwerden direkt auf die Körperbewegung während der
Kollision zurückzuführen wäre. Im Gutachten des Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamts des Kantons St. Gallen vom 11. Februar 2008 (act. UV 2007/31 G 25)
wird festgehalten, dass sich die Deformation des Lenkrads und der Lenksäule dadurch
erklären lasse, dass sich die Beschwerdeführerin 1 bei der Kollision am Lenkrad
festgehalten und sich dadurch eine Krafteinwirkung (Zugkraft) auf die
Lenkungselemente ergeben habe. Bei einer Lenkradumfassung mit der linken Hand
dürfe eine zusätzliche Rotation um die linke Schulter erfolgt sein. Beide Gutachten
basieren auf hypothetischen Annahmen und kommen zum Schluss, dass sich
möglicherweise ein negativer Zusatzeffekt ergeben habe. Ein rechtsgenüglicher
Nachweis eines solchen ungünstigen Effekts mit Auswirkungen auf die erlittenen
Verletzungen kann durch die Gutachten indessen nicht erbracht werden. Ob das
Kriterium der schweren oder besonderen Art der erlittenen Verletzung gegeben ist
braucht allerdings vorliegend - wie die folgenden Ausführungen darlegen werden -
nicht abschliessend beurteilt zu werden. Im Austrittsbericht der Schmerzklinik
Kirschgarten vom 21. November 2001 (Generali-act. 60) wurde die Weiterführung der
Physio- und Wassertherapie zur Dehnung der Muskulatur sowie eine Kraniosakral- und
Neuraltherapie empfohlen. Nach einer Hospitalisation im Kantonalen Spital Rorschach
vom 29. Oktober bis 7. November 2001 wurden zusätzlich eine psychologische
Betreuung und Kinesiologie verordnet (Generali-act. 62). Beim stationären Aufenthalt in
der Rehaklinik Rheinfelden wurden folgende Massnahmen durchgeführt:
Physiotherapie, Kraniosakraltherapie, Wassertherapie und Therapieschwimmen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ergotherapie mit Ergonomie und sensomotorischem Training, klinische Psychologie,
Neuropsychologie, autogenes Training, Körperwahrnehmungsgruppe, Elektrotherapie,
klassische Massage, Fango und Solewickel. Im Austrittsbericht der Klinik Rheinfelden
wurde die Weiterführung der verschiedenen Therapieformen vorgeschlagen (Generali-
act. 96). Im MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2003 wurde ausgeführt, dass das in der
Rehaklinik Rheinfelden entwickelte Therapiekonzept weitergeführt werden sollte. Mit
Schreiben vom 15. Juni 2006 (Generali-act. 150) teilte Dr. C._ mit, dass die
Beschwerdeführerin 1 weiterhin bei ihm in Behandlung sei (Neuraltherapie) und einmal
wöchentlich in die Physiotherapie gehe. Insgesamt ist den medizinischen Akten eine
durchgehende therapeutische Behandlung zu entnehmen. Allerdings kann bei den
erwähnten Therapieformen nicht von einer fortgesetzt spezifischen, belastenden
ärztlichen Behandlung im Sinn der Rechtsprechung ausgegangen werden, weshalb das
Kriterium nicht als erfüllt gelten kann. Die Beschwerdeführerin machte unmittelbar nach
dem Unfallereignis und bis zur Leistungseinstellung erhebliche Beschwerden geltend.
Die Erheblichkeit beurteilt sich nach den glaubhaften Schmerzen und nach der
Beeinträchtigung, welche die verunfallte Person durch die Beschwerden im
Lebensalltag erfährt. Es besteht kein Anlass an der Glaubhaftigkeit der geklagten
Beschwerden zu zweifeln. Im Bericht der Rehaklinik Rheinfelden wurde u.a. eine
schmerzbedingte Funktionseinschränkung des linken Arms festgehalten. Sodann
bewirke der ausgeprägte Schulterhochstand links ebenfalls eine deutliche
Funktionsbeeinträchtigung. Im MEDAS-Gutachten wurde festgehalten, dass das
arbeitsmedizinisch relevante Problem aus rheumatologischer/neurologischer Sicht in
einer weitgehenden - funktionellen – Ge-brauchsunfähigkeit der linken oberen
Extremität für alle Tätigkeiten bestehe. Dr. C._ bestätigte im Schreiben vom 18. Juni
2004 (Generali-act. 126), dass die Beschwerdeführerin 1 in Folge der praktisch
kompletten Unmöglichkeit, den linken Arm zu gebrauchen, auf vielseitige Hilfe,
insbesondere bei Alltagsverrichtungen, angewiesen sei. Somit ist rechtsgenüglich
erstellt, dass der Schulterhochstand, die Beschwerden am linken Arm sowie die
weiteren geklagten Beschwerden die Beschwerdeführerin im Lebensalltag erheblich
beeinträchtigen. Das Kriterium der erheblichen Beschwerden ist damit in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt. Ebenso besteht seit dem Unfall eine durchgehende
100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit ist somit aufgrund der
Aktenlage eindeutig ausgewiesen. Im MEDAS-Gutachten vom 18. Juni 2003 wurde
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
festgehalten, dass berufliche Massnahmen sicher noch verfrüht seien. Ein konkreter
Arbeitsversuch hat dementsprechend auch nicht stattgefunden. Gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin 1 habe sie zu Hause einen Computer mit entsprechenden
Programmen für die Bildbearbeitung. Allerdings sei sie jeweils nach 20 bis maximal 30
Minuten Arbeit total fertig, die Bildschirmarbeit sei für die Augen schwer verträglich. Im
Bericht der Klinik Rheinfelden wurde festgehalten, dass die Beschwerdeführerin 1
motiviert am interdisziplinären Therapieprogramm teilgenommen habe. Ebenfalls sei sie
motiviert, die ambulanten Therapien weiterzuführen. Auch dem MEDAS-Gutachten ist
zu entnehmen, dass die Eigenmotivation der Beschwerdeführerin 1 sehr hoch sei.
Insgesamt sind aus den medizinischen Akten keine Hinweise auf eine fehlende oder
ungenügende Compliance ersichtlich, der persönliche Einsatz im Rahmen der
Therapiemassnahmen wurde nie bemängelt. Insgesamt hat die Beschwerdeführerin 1
die ihr zumutbaren Anstrengungen getroffen, die erhebliche Arbeitsunfähigkeit zu
überwinden. Auch dieses Kriterium ist somit erfüllt. Im Nachgang zum Unfallereignis
erfolgten wie bereits erwähnt zahlreiche therapeutische Massnahmen. Bereits am 16.
Februar 2001 empfahl Dr. E._ eine stationäre Kur um die massive Schonhaltung zu
lockern (Generali-act. 12). Während dem stationären Aufenthalt im Kurhaus Cademario
erfolgte eine psychotherapeutische Schmerzbegleitung nebst verschiedenen
Entspannungstherapien bei beträchtlicher Medikation. Bereits im Austrittsbericht vom
31. März 2001 (Generali-act. 18) wurde bis Ende 2001 eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit festgehalten. Dr. E._ stellte am 24. April 2001 eine sehr schlechte
Prognose, weil aktiv nichts gemacht werden könne. Die Medikamententherapie müsse
fortgeführt werden (Generali-act. 29). Dr. F._ hielt am 22. Mai 2001 fest (Generali-act.
38), dass die psychologische Seite mit genügender Behutsamkeit angegangen werden
müsse. Ebenfalls sei ein kontinuierlicher Abbau der Morphium-Dosen anzustreben.
Aufgrund der sehr schweren Behinderung der Beschwerdeführerin seien ambulant
keine Therapiemöglichkeiten gegeben. Der Aufenthalt in der Schmerzklinik
Kirschgarten brachte ebenfalls keine bedeutende Besserung des Gesundheitszustands
(Generali-act. 60). Im Gegenteil führte eine erneute Umstellung der Medikation zu
häufigem Erbrechen und schliesslich am 29. Oktober 2001 zu einer notfallmässigen
Hospitalisation im Kantonalen Spital Rorschach (Generali-act. 62). Am 18. Juni 2002
(Generali-act. 79) stellte Dr. C._ eine leichte Verbesserung des Gesundheitszustands
fest, wobei er weiterhin von einem äusserst hartnäckigen Verlauf ausging. Allerdings
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
habe sich der Schulterhochstand zurückgebildet und die Schmerzen seien erträglicher
geworden, was sich positiv auf die psychische Situation auswirke. Nach einem
weiteren stationären Aufenthalt in der Rehaklinik Rheinfelden vom 15. Oktober bis 12.
November 2002 wurde trotz Verbesserung der Schmerzsituation und Reduktion der
vegetativen Funktionsstörung weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Fotografin festgehalten. Im MEDAS-Gutachten vom
18. Juni 2003 wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sogar in einer adaptierten
Tätigkeit bestätigt. Berufliche Massnahmen seien momentan sicher verfrüht. Dr. C._
hielt am 13. Juni 2003 (Generali-act. 103) fest, dass es bei der Beschwerdeführerin im
Herbst 2002 zu einem schweren Rückfall gekommen sei. Das Therapiekonzept in
Rheinfelden habe sie deutlich überfordert, der Aufenthalt habe eine Verschlechterung
des Zustands bewirkt. Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass sämtliche
Therapien keine anhaltende Besserung des Gesundheitszustands gebracht haben. Im
Gegenteil haben die unzähligen Therapien und die beträchtliche Medikation sogar
teilweise eine Verschlechterung bewirkt und neue Beschwerden geschaffen. Ein
dauerhafter positiver Heilungsverlauf ist bis zum Zeitpunkt der Einstellung der
Versicherungsleistungen nicht erkennbar. Aufgrund der anhaltenden Therapieresistenz
und den zusätzlich hinzugetretenen Beschwerden ist auch das Kriterium des
schwierigen Heilungsverlaufs und erheblicher Komplikationen erfüllt. Ob allenfalls der
anfängliche "Therapiestrauss" und vor allem die Medikation der Beschwerdeführerin -
teilweise bis zu 18 Medikamente - die Unfallfolgen erheblich verschlimmert haben und
somit von einer ärztlichen Fehlbehandlung auszugehen ist, muss vorliegend nicht
abschliessend beurteilt werden. Allerdings geht auch Dr. J._ davon aus, dass die
Beschwerdeführerin in ihrer Krankheit schlecht geführt worden sei. Es sei einseitig
körperlich abgeklärt und behandelt worden und die wichtigen psychosozialen Aspekte
seien nicht beachtet worden. Da somit drei der zu berücksichtigenden Kriterien erfüllt
sind, wobei das Kriterium der erheblichen Beschwerden in besonders ausgeprägter
Weise gegeben ist und zwei Kriterien nicht eindeutig verneint werden können, ist die
Adäquanz des Kausalzusammenhangs zu bejahen.
5.6 Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die über den 30. April 2004
geklagten Beschwerden weiterhin in einem natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang zum Unfall vom 9. Januar 2001 stehen und die
Beschwerdegegnerin die Leistungen zu Unrecht eingestellt hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/20
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
6.
6.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen sind die Beschwerden unter Aufhebung
des angefochtenen Einspracheentscheids vom 8. Dezember 2006 gutzuheissen und
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin 1 die gesetzlichen
Leistungen für den am 9. Januar 2001 erlittenen Unfall über den 30. April 2004 hinaus
auszurichten.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Gemäss Art. 61
lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Partei Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten. Die Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streitsache und
nach der Schwierigkeit des Prozesses. Unter Berücksichtigung, dass der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin 1 anstelle einer Replik seinen Standpunkt an
der mündlichen Verhandlung darlegen wollte, auf die Durchführung der Verhandlung
jedoch in der Folge verzichtete, erscheint eine Entschädigung von Fr. 3'000.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Die
Beschwerdeführerin 2 hat als Krankenversicherer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (vgl. U. Kieser, ATSG-Kommentar, Rz 97 zu Art. 61 ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG