Decision ID: 8e4a6a0f-8e48-4590-8826-aec21341064f
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Horgen, I. Abteilung, vom 27. Februar 2018 (DG170024)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis des Kantons Zürich
vom 19. Oktober 2017 (Urk. 12) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 30 S. 47 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist hinsichtlich der Übergabe zwecks Aufbewahrung von ins-
gesamt 107 kg Marihuana schuldig des Vergehens gegen das Betäubungsmittel-
gesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG.
2. Hinsichtlich der Einfuhr der insgesamt 107 kg Marihuana in die Schweiz wird der
Beschuldigte freigesprochen.
3. Der mit Urteil des Bezirksgerichts Uster vom 3. März 2016 für eine Freiheitsstrafe
von 24 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren gewährte bedingte
Strafvollzug wird widerrufen.
4. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen Freiheitsstrafe
(vgl. Dispositiv-Ziffer 3) bestraft mit einer Gesamtfreiheitsstrafe von 36 Monaten,
wovon 54 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
5. Es wird der Vollzug der Freiheitsstrafe angeordnet.
6. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66abis StGB für 5 Jahre des Landes ver-
wiesen. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system wird angeordnet.
7. Sämtliche durch die Kantonspolizei Zürich unter der Lager Nr. B02472-2017
sichergestellten Betäubungsmittel und -utensilien werden eingezogen zwecks Ver-
nichtung durch die Lagerbehörde.
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 17. Oktober 2017 beschlagnahmte
Barschaft von Fr. 1'000.– wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
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9. Der amtliche Verteidiger wird für seine Bemühungen und Auslagen mit Fr. 9'302.90
(inkl. Fr. 678.40 Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
10. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 1'980.60 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'297.00 Auslagen
Fr. 1'750.00 Auslagen Polizei
Fr. 9'302.90 amtlicher Verteidiger
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausser diejenigen
des amtlichen Verteidigers, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
12. (Mitteilungen)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 32, Urk. 43 S. 1, Prot. II S. 6):
1. Ziff. 1, 3, 4, 5, 6, 8 und 11 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei auch vom Vorwurf der Übergabe von 107 kg Marihua-
na zwecks Aufbewahrung freizusprechen.
3. Infolge vollständigem Freispruch sei selbstverständlich gar keine Strafe (kein
Widerruf der früheren bedingten Strafe, keine Freiheitsstrafe und auch keine
Landesverweisung) auszusprechen. Eventualiter wäre zumindest eine tiefe-
re und mind. noch teilbedingte Freiheitsstrafe auszusprechen, vom Widerruf
des mit Urteil des BG Uster vom 3. März 2016 gewährten bedingten Straf-
vollzugs abzusehen und keine Landesverweisung anzuordnen.
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4. Es seien sämtliche Verfahrenskosten auf die Staatskasse zu nehmen und
dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung für die anwaltliche
Verteidigung und eine Genugtuung im Betrag von Fr. 200.-- pro Hafttag zu-
zusprechen sowie die mit Verfügung der STA vom 17. Oktober 2017 be-
schlagnahmte Barschaft von Fr. 1'000.-- herauszugeben.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 36):
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis erhob am 23. Oktober 2017 (Da-
tum Eingang) Anklage gegen den Beschuldigten wegen Widerhandlungen gegen
das Betäubungsmittelgesetz (Urk. 12). Die vorinstanzliche Hauptverhandlung
wurde am 27. Februar 2018 durchgeführt und der Beschuldigte gemäss des ein-
gangs erwähnten Urteilsdispositivs für teilweise schuldig befunden und bestraft.
Das Urteil wurde den Parteien anlässlich der Hauptverhandlung mündlich eröffnet
und erläutert (Prot. I. S. 42). Mit Eingabe vom 2. März 2018 meldete der amtliche
Verteidiger des Beschuldigten fristgerecht Berufung an (Urk. 22).
1.2. Nach Erhalt der schriftlich begründeten Fassung des Urteils am 20. August
2018 (Urk. 29/2), liess der Beschuldigte die Berufungserklärung rechtzeitig innert
der 20-tägigen Frist (Art. 399 Abs. 3 StPO) einreichen (Urk. 32).
1.3. Nach Eingang der Akten wurde der Anklägerin mit Präsidialverfügung vom
13. September 2018 Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder um
begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 34). Die An-
klägerin verzichtete mit Eingabe vom 19. September 2018 (Urk. 36) auf das Er-
heben einer Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung des vorinstanz-
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lichen Urteils. Hierauf wurden die Parteien mit Verfügung vom 28. September
2018 zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 38).
1.4. Am 5. November 2018 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des
Beschuldigten und seines amtlichen Verteidigers statt (Prot. II. S. 3 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. Nicht angefochten wurden der Freispruch wegen Einfuhr der insgesamt
107 kg Marihuana in die Schweiz (Dispositivziffer 2), der Einzug und die Vernich-
tung der sichergestellten Betäubungsmittel und -utensilien (Dispositivziffer 7), die
Entschädigung des amtlichen Verteidigers (Dispositivziffer 9) sowie die Kosten-
festsetzung (Dispositivziffer 10). Entsprechend ist dieser Teil des vorinstanzlichen
Urteils in Rechtskraft erwachsen und nicht mehr Gegenstand des vorliegenden
Berufungsverfahrens, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404
Abs. 1 StPO).
2.2. Im Übrigen steht das vorinstanzliche Urteil zwecks Überprüfung zur Dispo-
sition.
II. Sachverhalt
1. Ausgangslage / Anklagevorwurf
1.1. B._ wurde verdächtigt, in C._ ZH eine Indoor-Hanfanlage zu be-
treiben und mit den daraus hervorgehenden Betäubungsmitteln zu handeln, wes-
halb er am 5. Juli 2017 von der Kantonspolizei Zürich verhaftet wurde. Bei der
Verhaftung trug B._ diverse Schlüssel auf sich. Polizeiliche Ermittlungen
brachten zu Tage, dass einer dieser Schlüssel zum Vorhängeschloss eines La-
gerraums an der D._-Strasse ... in E._ ZH passte, welcher gemäss An-
gaben der zuständigen Liegenschaftsverwaltung an einen Mann namens F._
vermietet wurde. Anlässlich der Hausdurchsuchung des besagten Lagerraums
konnten zwei Paletten mit vakuumverpackten Säcken Marihuana von gesamthaft
105 kg sichergestellt werden (vgl. zum Ganzen Urk. 1 und 4).
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1.2. B._ führte dazu zusammengefasst aus, dass das im Lagerraum auf-
gefundene Marihuana dem Beschuldigten gehöre. Der Beschuldigte habe das
Marihuana zusammen mit einer anderen Person im Lagerraum abgeliefert, wobei
er (B._) beim Entladen der Ware geholfen habe. Für die Lagerung des Mari-
huanas habe ihm der Beschuldigte ein Entgelt von CHF 1'000.– angeboten. Als er
(B._) dann die Entschädigung nicht erhalten habe, habe er dafür aus dem
Lagerraum zwei Kilo Marihuana an sich genommen (Prot. I. S. 21 ff.).
1.3. Dementsprechend wird dem Beschuldigten in der vorliegenden Anklage
vorgeworfen, dass er 107 abgepackte Portionen à 1 kg Marihuana zwecks Auf-
bewahrung in einem Raum in der Liegenschaft an der D._-Strasse ... in
E._ (nachfolgend "Lagerraum") an B._ übergeben habe (Urk. 12 S. 1).
1.4. Der Beschuldigte stellte den ihm zur Last gelegten Sachverhalt in der Un-
tersuchung und vor Vorinstanz vollumfänglich in Abrede. Er führte zusammenge-
fasst aus, er kenne B._ zwar seit einigen Jahren (Urk. 5/6 S. 2), doch habe
er mit dem Marihuana im Lagerraum grundsätzlich nichts zu tun. B._ habe
ihn im Zusammenhang mit dem eingelagerten Marihuana kontaktiert und ihm er-
zählt, dass das Marihuana zwei anderen Männern gehöre, diese das Marihuana
aber nicht mehr abholen würden. Vor diesem Hintergrund habe B._ ihn ge-
beten, einen dieser Männer zu kontaktieren, um den Abtransport des eingelager-
ten Marihuanas zu forcieren (vgl. Urk. 5/6 S. 1 ff.; Urk. 5/7 S. 3 f.; Urk. 5/9 S. 3 ff.;
Urk. 5/11; Prot. I. S. 11 ff.). Auch anlässlich der Berufungsverhandlung legte der
Beschuldigte dar, nichts mit dem aufgefundenen Marihuana zu tun gehabt zu ha-
ben (Urk. 41 S. 5 f.).
1.5. Gegen B._ wurde am Bezirksgericht Horgen im selben Sach-
zusammenhang ein separates Verfahren wegen mehrfachen Widerhandlungen
gegen das Betäubungsmittelgesetz durchgeführt (DG1700027-F).
1.6. Im Folgenden ist zu prüfen, ob sich der dem Beschuldigten zur Last geleg-
te Anklagesachverhalt mit rechtsgenügender Sicherheit erstellen lässt. Die Beru-
fungsinstanz muss sich dabei nicht mit jedem einzelnen Vorbringen des Beschul-
digten auseinandersetzen. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid we-
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sentlichen Punkte beschränken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich
sein Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen).
2. Aussagen von B._
2.1. Hafteinvernahme
2.1.1. Nachdem B._ bei der Einvernahme durch die Kantonspolizei Zürich
vom 6. Juli 2017 (vgl. Urk. 5/2) die Aussage grundsätzlich verweigert hatte, führte
er anlässlich der Hafteinvernahme durch die Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis
vom 7. Juli 2017 (Urk. 5/4) aus, dass das Marihuana, welches im Lagerraum auf-
gefunden wurde, einem "G._" gehöre und vermutlich aus Albanien stamme.
"G._" – so B._ weiter – sei der Spitzname einer Person, deren richtiger
Vorname "H._" laute. Den Nachnamen kenne er nicht. "G._" sei Koso-
vare, wohne wohl in I._ ZH, weise eine Glatze auf, sei ca. zwei Meter gross
und rund 40–45 Jahre alt (Urk. 5/4 S. 5). Nachdem B._ der Staatsanwalt-
schaft die in seinem Mobiltelefon gespeicherte Telefonnummer von "G._"
und vorstehend genannte Beschreibung gegeben hatte, wurde ihm ein Fotobogen
vorgelegt, worauf B._ eindeutig den Beschuldigten als "G._" identifizie-
ren konnte (vgl. hierzu Urk. 5/4 S. 4 f. und S. 13 i.V.m. Urk. 5/5).
2.1.2. B._ führte weiter aus, dass der Beschuldigte ihm ein Entgelt von
CHF 1'000.– angeboten habe, damit er das Marihuana für ihn lagere. Daraufhin
habe er (B._) F._ angefragt, ob er "im Raum" etwas lagern könne, wo-
bei F._ nicht gewusst habe, dass es sich dabei um Marihuana handle
(Urk. 5/4 S. 5). Anfänglich sei mit dem Beschuldigten eine Lagerdauer von rund
einem Monat vereinbart gewesen, doch der Beschuldigte habe ihm immer wieder
mitgeteilt, dass er keine Zeit habe, das Marihuana abzuholen, sodass sich die La-
gerzeit verlängert habe (Urk. 5/4 S. 5 f.). Am Tag seiner Verhaftung, dem 5. Juli
2018, sei das Marihuana bereits ein bis maximal zwei Monate eingelagert gewe-
sen, weshalb er den Beschuldigten angerufen habe, um ihm mitzuteilen, dass er
die Drogen sobald als möglich wieder abholen solle (Urk. 5/4 S. 5).
Hinsichtlich diverser weiterer Fragen machte B._ – wie schon bei der polizei-
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lichen Einvernahme – von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch (vgl.
Urk. 5/4).
2.2. Schriftliche Stellungnahme des Verteidigers
2.2.1. Im Vorfeld zur Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten verfasste
der amtliche Verteidiger von B._ am 22. August 2017 eine ausführliche
schriftliche Stellungnahme zu den Geschehensabläufen (Urk. 5/8). Es sei
B._ ein Anliegen, bereits im Voraus eine einlässliche Stellungnahme zu den
inkriminierten Vorwürfen im Zusammenhang mit den im Lagerraum vorgefunde-
nen 105 kg Marihuana abzugeben. B._ behalte sich vor, anlässlich der Kon-
frontationseinvernahme auf die detaillierten Ausführungen in der schriftlichen Stel-
lungnahme zu verweisen (Urk. 5/8 S. 2). In der schriftlichen Stellungnahme hielt
der amtliche Verteidiger unter anderem nochmals fest, dass B._ die 105 kg
Marihuana lediglich eingelagert habe, wofür ihm vom Beschuldigten ein Entgelt
von CHF 1'000.– in Aussicht gestellt worden sei (Urk. 5/8 S. 5).
2.2.2. In Abweichung zu den Ausführungen anlässlich der Hafteinvernahme vom
7. Juli 2017 wies der amtliche Verteidiger darauf hin, dass neben dem Be-
schuldigten noch weitere Personen einen Bezug zu dem in E._ gelagerten
Marihuana aufweisen würden, B._ von diesen Personen aber nur ganz ober-
flächlich Kenntnisse habe und insbesondere über keine Mobiltelefonnummern
verfüge (Urk. 5/8 S. 2). B._ habe vor den weiteren involvierten Personen so-
wie auch vor dem Beschuldigten grosse Angst und sei nach seiner Verhaftung un-
ter Schock gestanden, weshalb er anlässlich der Hafteinvernahme lediglich von
seiner einzigen und direkten Kontaktperson, dem Beschuldigten, gesprochen ha-
be (Urk. 5/8 S. 2). Einerseits habe ein gewisser "I._" an einem Abend zwi-
schen 19:00 und 21:00 Uhr in der Dunkelheit das Marihuana zusammen mit dem
Beschuldigten mit Hilfe eines Lastwagens beim Lagerraum angeliefert, wobei
"I._" die Rolle als Chauffeur zugekommen sei (Urk. 5/8 S. 3 f.). Andererseits
habe der Beschuldigte zusammen mit einem gewissen "J._" ca. im
März/April 2017 den Lagerraum aufgesucht, woraufhin er (B._) die Türe zum
Lagerraum habe öffnen müssen (Urk. 5/8 S. 3).
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2.2.3. Schliesslich korrigierte der amtliche Verteidiger eine frühere Aussage von
B._ dahingehend, dass die Anlieferung des Marihuanas nicht erst ca. zwei
Monate vor der Verhaftung (also anfangs Mai 2017), sondern bereits ungefähr im
Januar oder Februar 2017 stattgefunden habe. Während der Beschuldigte und
sein Helfer beim Ausladen des Marihuanas Handschuhe getragen hätten, habe
B._ über keine Handschuhe verfügt, sondern habe die Marihuana-Pakete di-
rekt mit den Händen berührt (Urk. 5/8 S. 4). Nachdem das Marihuana nicht wie
vereinbart wieder abgeholt worden sei, sei ihm nichts anderes übrig geblieben, als
über den Beschuldigten als seine Kontaktperson, den Abtransport der Ware zu
forcieren (Urk. 5/8 S. 5).
2.3. Konfrontationseinvernahme
Anlässlich der Konfrontationseinvernahme durch die Staatsanwaltschaft vom
30. August 2017 (Urk. 5/9) verwies B._ – wie angekündigt – mehrheitlich auf
die schriftlich eingereichte Stellungnahme seines Verteidigers vom 22. August
2018 (Urk. 5/8) sowie auf seine bisher gemachten Ausführungen und verweigerte
hinsichtlich diverser Fragen die Aussage. Ergänzend führte er aus, dass ur-
sprünglich 107 kg Marihuana bei seinem Lagerraum abgeliefert worden seien, er
jedoch im Anschluss 2 kg Marihuana "geklaut" habe, um sich auch einmal im
Handel mit Marihuana zu betätigen (Urk. 5/9 S. 8). Zudem gab B._ hinsicht-
lich eines Nebenschauplatzes zu Protokoll, dass das ebenfalls an der D._-
Strasse ... in E._ aufgefundene Boot ihm gehöre. Angeln sei eines seiner
Hobbies und er habe auf dem ...-See ein Jahrespatent, um dort zu fischen. Er sei
gerade daran, die theoretische Bootsprüfung zu absolvieren und hätte am
14. oder 15. Juli 2017 bereits einen Termin gehabt. Er habe beabsichtigt, mit dem
erwähnten Boot die Bootsprüfung zu machen, um grössere Boote lenken zu kön-
nen. Er habe nicht beabsichtigt, das Boot zu verkaufen (Urk. 5/9 S. 17 f.).
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2.4. Antrag auf abgekürztes Verfahren
Im schriftlichen Antrag auf ein abgekürztes Verfahren vom 29. September 2017
(Urk. 5/10) führte der amtliche Verteidiger von B._ sodann aus, B._ ha-
be die Indoor-Hanfanlage in C._ ZH alleine betrieben. Hinsichtlich des im
Lagerraum aufgefundenen Marihuanas bestätigte der Verteidiger von B._
seine bisherigen Ausführungen. Ergänzend fügte er an, dass B._ die anläss-
lich einer Hausdurchsuchung an seinem Wohnort aufgefundenen 2 kg Marihuana
ohne Wissen des Beschuldigten aus dem Lager mitgenommen habe, weil er von
diesem noch keinen einzigen Franken für die Lagerung des Marihuanas erhalten
habe und das Marihuana bereits viel länger als angekündigt dort gelagert gewe-
sen sei, was ihn sehr beunruhigt habe (Urk. 5/10 S. 3).
2.5. Schlusseinvernahme
Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme vom 18. Oktober
2017 blieb B._ grundsätzlich bei seinen bisher gemachten Angaben (vgl.
Urk. 5/12).
2.6. Hauptverhandlung
2.6.1. An der erstinstanzlichen Hauptverhandlung machte B._ auf Befragen
erstmals ausführlichere Angaben zum Anklagevorwurf und bestätigte mehrheitlich
seine bisherigen Aussagen. Erwähnenswert ist jedoch, dass B._ auf ent-
sprechende Frage auf einmal – und in Abweichung zu seinen bisher getätigten
Ausführungen – zu Protokoll gab, nicht zu wissen, wem das eingelagerte Mari-
huana gehöre, der Beschuldigte jedoch seine einzige Kontaktperson gewesen sei
(Prot. I. S. 22), ehe er daraufhin auf Vorhalt seines Widerspruchs korrigierte, die
Frage wohl nicht richtig verstanden zu haben (Prot. I. S. 23). Er wies zudem da-
rauf hin, dass es schon sein könne, das das eingelagerte Marihuana einer Gruppe
gehöre, er kenne jedoch nur den Beschuldigten als Kontaktperson (Prot. I. S. 23).
Im späteren Verlauf der Befragung liess B._ sodann verlauten, dass sicher-
lich nicht nur eine Person, sondern eine ganze Gruppe "dahinter" stecke (Prot. I.
S. 31).
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2.6.2. Hinsichtlich des Transports des Marihuanas zum Lagerhaus führte B._
aus, dass er vom Beschuldigten an jenem Abend angerufen und angehalten wor-
den sei, sofort zum Lagerraum zu kommen, welcher rund drei Minuten Fuss-
marsch von seiner Wohnung entfernt sei. Als er dort angekommen sei, sei der
Lieferwagen – ein roter Lastwagen mit serbischem Kennzeichen und weissem
Kühlwagen-Anhänger – bereits dort gewesen. Der Chauffeur mit Spitznamen
"I._" habe auf den Anhänger klettern müssen, um das Marihuana heraus-
zunehmen und hinunterzuwerfen. Während der Beschuldigte und der Chauffeur
beim Abladen des Marihuanas Handschuhe getragen hätten, habe er es ohne
Handschuhe anfassen müssen, weil sie das Marihuana "schnell zusammen-
nehmen" mussten. Der Abladevorgang habe ca. 15 bis 30 Minuten gedauert
(vgl. Prot. I. S. 24 f. und S. 32).
2.6.3. Schliesslich führte B._ aus, dass er den Beschuldigten bereits seit
mehreren Jahren kenne. In der ersten Hälfte des Jahres habe er mit dem Be-
schuldigten mindestens drei- bis viermal in der Woche Kontakt gehabt, weil sich
dieser jeweils über das eingelagerte Marihuana habe vergewissern wollen. Am
Tag seiner Verhaftung, am 5. Juli 2018, habe er den Beschuldigten ein letztes Mal
angerufen und ihm mitgeteilt, er solle das Marihuana nun endlich abholen, wo-
raufhin ihm dieser versichert habe, das Lager noch am gleichen Nachmittag oder
am nächsten Tag zu räumen (Prot. I. S. 26 f.).
3. Aussagen des Beschuldigten
Was die Aussagen des Beschuldigten betrifft, ist darauf hinzuweisen, dass die
Vorinstanz seine Aussagen allesamt korrekt wiedergegeben hat (Urk. 30 S. 14
ff.), weshalb an dieser Stelle vollumfänglich darauf verwiesen werden kann
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Es wird an späterer Stelle darauf zurückzukommen sein.
4. Objektive Beweismittel
4.1. B._ trug bei der Verhaftung diverse Schlüssel auf sich, wobei polizeili-
che Ermittlungen zu Tage brachten, dass einer dieser Schlüssel zum Lagerraum
in E._ passte. In diesem Lagerraum konnten anlässlich einer Hausdurchsu-
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chung zwei Paletten mit vakuumverpackten Säcken Marihuana von gesamthaft
105 Portionen à 1 kg sichergestellt werden (Urk. 1 S. 6; Urk. 6/7).
4.2. Das Forensische Institut Zürich (FOR) wurde beauftragt, diverse Spu-
renasservate aus dem Lagerraum einem DNA-Vergleich mit den DNA-Profilen
von B._ und dem Beschuldigten zu unterziehen. Die DNA-Analysen ergaben
jedoch an allen Spurenasservaten inkomplette, komplexe DNA-Mischprofile, de-
ren DNA-Merkmale nicht reproduzierbar dargestellt werden konnten, weshalb ei-
ne sichere Interpretation bezüglich der Spurengeberschaft – und damit ein Ver-
gleich mit den DNA-Profilen von B._ und dem Beschuldigten – nicht möglich
war (vgl. Urk. 6/10 i.V.m. Urk. 6/15).
4.3. Ausserdem wurde das FOR beauftragt, die daktyloskopischen Spuren,
welche an den vakuumierten Marihuanapaketen aus dem Lagerraum in E._
gesichert wurden, mit B._ und dem Beschuldigten abzugleichen. Dabei konn-
ten zumindest sieben gesicherte Spuren eindeutig B._ zugeordnet werden,
während dem Beschuldigten keine zugeordnet werden konnten (Urk. 6/17 i.V.m.
Urk. 6/7).
4.4. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurden zudem Hausdurch-
suchungen am Wohnort von B._ und am Wohnort des Beschuldigten durch-
geführt. Am Wohnort von B._ am L._-Weg ... in E._ ZH konnten
dabei rund zwei Kilogramm Marihuana und weitere Utensilien zur Drogenverarbei-
tung und -verpackung (z.B. eine Waage, diverse Minigrips, Vakuumiergerät,
9 Schachteln Vakuumierbeutel, etc.) sichergestellt werden (Urk. 6/6–7). Am Woh-
nort des Beschuldigten wurden diverse SIM-Karten, zwei Mobiltelefone und
CHF 1'000.– Bargeld sichergestellt (Urk. 8/2), wobei Letzteres gestützt auf
Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO beschlagnahmt wurde (Urk. 8/6).
4.5. Schliesslich konnte im Rahmen der Hafteinvernahme von B._ ein
Screenshot seines Mobiltelefons erstellt werden, welcher aufzeigt, dass B._
kurz vor seiner Verhaftung noch mit dem Beschuldigten telefoniert hatte (vgl.
Urk. 5/4 S. 12).
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5. Beweiswürdigung
5.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Ausführungen zur Erstellung des
Sachverhaltes korrekt wiedergegeben, worauf zwecks Vermeidung unnötiger
Wiederholungen zu verweisen ist (vgl. Urk. 32 S. 8 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.2. Ebenso erweisen sich die Ausführungen der Vorinstanz zur allgemeinen
Glaubwürdigkeit des Beschuldigten und von B._ als zutreffend (Urk. 30 S. 12
f.). Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von B._ ist der Vollständigkeit halber je-
doch nochmals hervorzuheben, dass gegen diesen am Bezirksgericht Horgen im
selben Sachzusammenhang ein separates Verfahren wegen mehrfachen Wider-
handlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz im abgekürzten Verfahren durch-
geführt worden ist (DG1700027-F). Dabei gestand B._, alleiniger Betreiber
der Hanf-Indooranlage in C._ ZH gewesen zu sein, wohingegen er im Hin-
blick auf die Einlagerung der 105 bzw. 107 kg Marihuana in E._ ZH lediglich
als Gehilfe zu qualifizieren sei (vgl. Urk. 5/10). Nachdem B._ angesichts der
393 sichergestellten Hanfpflanzen in der Indoor-Anlage in C._ ZH (vgl.
Urk 6/7) ursprünglich verdächtigt worden war, seit unbekannter Zeit gewerbsmäs-
sig dem Handel mit Marihuana nachzugehen (Urk. 1 S. 3), wies dessen Verteidi-
ger in seinem Antrag auf ein abgekürztes Verfahren mit Nachdruck darauf hin,
dass die Hanfpflanzen gerade erst zwei Wochen vor der Hausdurchsuchung
erstmals gepflanzt worden seien, der daraus resultierende Umsatz CHF 0.– be-
tragen habe und entsprechend kein qualifiziertes Betäubungsmitteldelikt im Sinne
von Art. 19 Abs. 2 BetmG vorliege (vgl. Urk. 5/10 S. 2 ff.). Vor diesem Hintergrund
ist festzuhalten, dass B._ ein grosses Interesse daran hatte, sich in einem
möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen bzw. darauf hinzuwirken, dass
das im Lagerraum aufgefundene Marihuana ihn möglichst geringfügig belastet,
andernfalls im abgekürzten Verfahren wohl mit einer weit höheren Strafe und al-
lenfalls einer Landesverweisung zu rechnen gewesen wäre. Mit anderen Worten
hatte B._ ein erhebliches Interesse daran, im Zusammenhang mit dem ein-
gelagerten Marihuana nicht als Täter zu erscheinen. Wie die Vorinstanz zutref-
fend festhielt, richtet sich dieses Interesse zwar nicht direkt gegen die Person des
Beschuldigten selber, zumal zwischen B._ und dem Beschuldigten keine
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Feindschaft bestand (vgl. Urk. 30 S. 23 m.w.H.). Allerdings ist der Vorinstanz da-
hingehend zu widersprechen, als dass sich B._ angesichts der gegen ihn
vorliegenden objektiven Beweise (vgl. vorstehend) wohl nicht einfach mit der Be-
hauptung hätte begnügen können, das sichergestellte Marihuana gehöre einer
namentlich nicht bekannten Drittperson, um selbst als Tatverdächtiger betreffend
das in E._ eingelagerte Marihuana auszuscheiden. Zusammenfassend ist je-
denfalls festzuhalten, dass bei der Würdigung der Aussagen von B._ eine
erhebliche Zurückhaltung angezeigt ist, obwohl der Glaubwürdigkeit im Rahmen
der Aussageanalyse regelmässig untergeordnete Bedeutung zukommt und die
Glaubhaftigkeit der Aussagen entscheidender ist.
5.3. Im vorliegenden Verfahren belasten praktisch sämtliche objektiven Be-
weismittel nicht direkt den Beschuldigten, sondern deuten – wenn überhaupt –
eher auf B._ als möglichen "Eigentümer" des eingelagerten Marihuanas hin.
5.3.1. Wie bereits erwähnt, zeigte sich B._ geständig, in C._ ZH eine
gross angelegte Hanf-Indooranlage betrieben zu haben (vgl. Urk. 5/10). Als er in
diesem Zusammenhang verhaftet wurde, konnte ein Schlüssel sichergestellt wer-
den, welcher zum Vorhängeschloss des Lagerraums passte, in dem das sicher-
gestellte Marihuana von insgesamt 105 kg aufgefunden wurde. Den besagten La-
gerraum hat B._ gemäss übereinstimmender Aussagen von F._ gemie-
tet, um dort selbst Sachen einzulagern (Urk. 5/2). Nach Auffassung der Vo-
rinstanz zeige der Umstand, dass der Beschuldigte selbst keinen Schlüssel zum
Lagerraum hatte, sondern lediglich B._, dass sich der Beschuldigte aufgrund
seiner Vorstrafe des Risikos des Marihuanabesitzes bewusst und deshalb umso
bedachter gewesen sei, keine Rückschlüsse von den 107 kg Marihuana auf seine
Person hervorzurufen (Urk. 30 S. 19). Die Auffassung der Vorinstanz stellt nichts
weiter als eine Hypothese dar. Es könnte genauso gut so gewesen sein, dass der
Beschuldigte mit dem im Lagerraum gelagerten Marihuana nichts zu tun hatte o-
der dass lediglich B._ über einen Schlüssel zum Lagerraum verfügte, weil
ihm – und nicht dem Beschuldigten – das eingelagerte Marihuana gehörte. Es er-
scheint auch nicht lebensnah, dass jemand über eine in diesem Zusammenhang
unbeteiligte Drittperson 107 kg Marihuana einlagert – mit welchem sich ein be-
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trächtlicher Strassenverkaufswert erzielen liesse – ohne dabei selbst über einen
Schlüssel zum Lager zu verfügen, sich dann aber vier bis fünf Mal pro Woche te-
lefonisch über das eingelagerte Marihuana vergewissert.
5.3.2. Das im Lagerraum aufgefundene Marihuana von gesamthaft 105 kg wies
einzig die daktyloskopischen Spuren von B._ auf, hingegen keine des Be-
schuldigten (vgl. Urk. 6/17). Im Sinne einer Erklärung führte der Verteidiger von
B._ in seiner schriftlichen Stellungnahme (Urk. 5/8) aus, der Beschuldigte
sowie die Drittperson "J._" hätten bei der Anlieferung des Marihuanas Hand-
schuhe getragen, wohingegen B._ keine habe anziehen können, weil es
schnell habe gehen müssen. In diesem Zusammenhang wies die Vorinstanz rich-
tigerweise darauf hin, dass B._ [bzw. dessen Verteidiger] diese Aussage be-
reits getätigt hatte, bevor das Ergebnis der daktyloskopischen Auswertung be-
kannt wurde (Urk. 30 S. 21, vgl. auch Urk. 5/8 i.V.m. Urk. 11/14). Allerdings hat
B._ diese Aussage nicht zeitnah zu seiner Verhaftung gemacht, was in die-
sem Zusammenhang für eine erhöhte Glaubhaftigkeit der Aussage sprechen wür-
de (vgl. hierzu nachstehend). Vielmehr ist es möglich, dass der Verteidiger zu
diesem Zeitpunkt bereits vermutete oder gar wusste, wie das Ergebnis des Spu-
renberichts ausfallen wird und mit der schriftlichen Stellungnahme eine plausible
Erklärung hierfür geliefert werden sollte. Wie die Aussage in der schriftlichen Stel-
lungnahme auch immer zustande kam, die daktyloskopischen Spurenergebnisse
deuten nicht darauf hin, dass der Beschuldigte etwas mit dem Marihuana zu tun
hatte, sondern beweisen lediglich, dass B._ damit hantiert hat bzw. in Kon-
takt kam.
5.3.3. Des Weiteren wurden im Rahmen einer Hausdurchsuchung am Wohnort
von B._ 2 kg Marihuana sowie Hilfsmittel zur Drogenverpackung und sonsti-
ge Drogenutensilien sichergestellt (Urk. 6/7), während anlässlich der Hausdurch-
suchung am Wohnort des Beschuldigten – abgesehen von einer bemerkenswert
grossen Anzahl an SIM-Karten – keine verdächtigen Gegenstände sichergestellt
werden konnten (Urk. 8/2).
Nachdem B._ anlässlich der Hafteinvernahme seine Aussage in Bezug auf
die sichergestellten 2 kg Marihuana noch verweigert hatte (Urk. 5/4 S. 6), erklärte
- 16 -
er anlässlich der Konfrontationseinvernahme, die bei ihm sichergestellten 2 kg
Marihuana entstammten der gleichen Lieferung wie die sichergestellten 105 kg
bzw. ursprünglich 107 kg Marihuana, welche an der D._-Strasse ... in
E._ ZH eingelagert gewesen waren (Urk. 5/9 S. 8). B._ gab zu Protokoll,
dass er die 2 kg Marihuana "gestohlen" habe, weil er gedacht habe, dass er sich
auch einmal im Handel mit Marihuana betätigen könne (Urk. 5/9 S. 8). Im Antrag
auf ein abgekürztes Verfahren vom 29. September 2017 (Urk. 5/10) führte
B._s Verteidiger sodann aus, dass B._ die aufgefundenen 2 kg Mari-
huana ohne Wissen des Beschuldigten aus dem Lager mitgenommen habe, weil
er von diesem noch keinen einzigen Franken [des vereinbarten Entgelts von
CHF 1'000.–] für die Lagerung des Marihuanas erhalten habe und das Marihuana
bereits viel länger als angekündigt dort gelagert gewesen sei, was ihn sehr beun-
ruhigt habe (Urk. 5/10 S. 3).
B._s Ausführungen lassen in diesem Zusammenhang jegliche Realitätskrite-
rien vermissen und betten den angeblichen Abtransport von 2 kg Marihuana vom
Lagerraum zu seinem Wohnort aufgrund des noch nicht bezahlten Entgelts auch
nicht in einem äusseren Geschehensablauf ein. Zudem erwähnt B._ in seiner
ersten Äusserung lediglich, dass er sich "auch einmal" im Handel mit Marihuana
habe betätigen wollen. Einen Konnex zum im Rahmen des Antrags auf ein abge-
kürztes Verfahren geäusserten Beweggrund der angeblich zu langen Lagerungs-
zeit bzw. zum noch nicht erhaltenen Entgelt von CHF 1'000.– stellt er nicht her.
Dies verwundert umso mehr, als dass von B._ in freier Erzählung auch bei
seiner ersten Aussage zu erwarten gewesen wäre, dass er das vermeintliche Mo-
tiv, welches hinter dem Abtransport der 2 kg Marihuana steckte, nicht unerwähnt
lassen würde. Schliesslich scheint B._ mit den mitgenommenen 2 kg Mari-
huana nicht nur seine Forderung von CHF 1'000.– sichergestellt zu haben, zumal
der auf der Strasse erzielbare Verkaufswert des Marihuanas wohl um ein Vielfa-
ches höher sein dürfte.
Diesen Verdacht bekräftigen auch die weiteren Sicherstellungen am Wohnort von
B._. Ob B._ die sichergestellten Drogenutensilien angeschafft hatte, um
die erwartete – nach eigenen Angaben – erste Ernte seiner Hanf-Indooranlage in
- 17 -
C._ ZH oder die jeweils aus dem Lager mitgenommenen, portionenweise
verpackten Marihuanapäckchen zu verarbeiten, bleibt unklar. Es erscheint jedoch
alles andere als unwahrscheinlich, dass B._ nicht nur einmal von den über
100 kg Marihuana eine geringe Anzahl abgepackter 1 kg-Portionen vom Lager-
raum zu seinem lediglich drei Fussminuten entfernten Wohnort (vgl. hierzu Prot. I.
S. 28 f. und S. 31 f.) verbrachte bzw. verbringen wollte, um diese mittels der dort
sichergestellten Betäubungsmittelutensilien zwecks Weiterverkaufs zu verarbeiten
und zu portionieren, sondern dies mehrfach tat bzw. tun wollte. Jedenfalls legt die
Sicherstellung der 2 kg Marihuana sowie der übrigen Drogenutensilien eher den
Schluss nahe, dass B._ das Marihuana nicht nur eingelagert hatte, sondern
auch weitergehend darüber verfügte bzw. dieses nach seinem Gutdünken ver-
wendete.
5.4. Was die weiteren Aussagen von B._ betrifft, erweisen sich diese als
teilweise widersprüchlich sowie fast gänzlich vage und detailarm.
5.4.1. In Bezug auf die Einlagerung des Marihuanas führte B._ aus, dass er
hierfür vom Beschuldigten CHF 1'000.– angeboten bekam und er "dann" F._
angefragt habe, ob er (B._) im Lagerraum etwas einlagern dürfe (Urk. 5/4
S. 5). Am 5. Juli 2017 habe sich F._ bei ihm erkundigt, wann er ihm den
Schlüssel für den Lagerraum wieder zurückgeben könne (vgl. Urk. 5/4 S. 5).
F._ hingegen führte anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme vom 6. Juli
2017 (Urk. 5/3) aus, dass er selbst den besagten Lagerraum ungefähr seit dem
Jahr 2010 miete (Urk. 5/3 S. 1). B._ verfüge bereits seit ca. einem oder zwei
Jahren über einen Schlüssel zum Lagerraum und lagere dort Sachen ein, wes-
halb sich B._ hin und wieder an den Mieten beteiligt habe (Urk. 5/3 S. 2). Vor
diesem Hintergrund scheint einerseits nicht nachvollziehbar, inwiefern B._
F._ überhaupt erneut hätte anfragen müssen, ob er etwas einlagern dürfe
und andererseits, aus welchem Grund F._ B._ am 5. Juli 2017 zur
Rückgabe des Schlüssels hätte auffordern sollen, obwohl B._ über einen
solchen bereits seit einem bis zwei Jahren verfügte.
5.4.2. Hinsichtlich der Lagerdauer des Marihuanas erweisen sich die Aussagen
insoweit als inkonstant, als dass B._ anlässlich der Hafteinvernahme im
- 18 -
freien Bericht noch aussagte, das Marihuana sei erst seit ungefähr einem Monat
bis "maximal zwei Monaten" eingelagert gewesen (Urk. 5/4 S. 5), diese Aussage
dann jedoch in der Stellungnahme seines Verteidigers dahingehend korrigieren
liess, dass das Marihuana bereits seit ca. Januar oder Februar 2017 eingelagert
gewesen sei (act. 5/8 S. 4 Ziff. 16). An letzterer Aussage betreffend der Lager-
dauer hielt B._ dann während des restlichen Verfahrens fest (Urk. 5/9 S. 9;
Urk. 5/12 S. 5; Prot. I. S. 21 und S. 26). In diesem Zusammenhang ist bemer-
kenswert, dass B._ gemäss schriftlicher Stellungnahme seines Verteidigers
die 2 kg Marihuana vom Lagerraum nur deshalb an seinen Wohnort verbracht ha-
ben will, weil er vom Beschuldigten das vereinbarte Entgelt für die Lagerung nicht
erhalten hatte und das Marihuana bereits viel länger als vereinbart eingelagert
gewesen war, was ihn sehr beunruhigt haben will (vgl. Urk 5/10 S. 3). Falls
B._ wirklich "sehr beunruhigt" gewesen war, weil der Beschuldigte das Mari-
huana länger als angekündigt eingelagert hatte, und deshalb so weit ging, dass er
diese Person, von welcher er "grosse Angst" hatte (vgl. Urk 5/8 S. 2) um 2 kg Ma-
rihuana "bestiehlt", so wäre zu erwarten, dass sich B._ in freier Erzählung im
Rahmen der Hafteinvernahme über die bisherige Lagerdauer nicht um mehr als
die Hälfte irrte. Mit anderen Worten ist schwer verständlich, dass B._ die La-
gerdauer, welche ihn gemäss eigenen Angaben sehr beunruhigt hatte, zuerst auf
rund ein bis maximal zwei Monate schätzte, ehe er dann in der Stellungnahme
seines Verteidigers die bisherige Lagerdauer auf fünf bis sechs Monate korrigier-
te. Dies gilt umso mehr, als dass B._ selber ausführte, es sei ursprünglich
vereinbart gewesen, das Marihuana rund einen Monat einzulagern (Urk. 5/4 S. 5
f.). Entsprechend hätte es bei einer einmonatigen Einlagerung (gemäss der Erst-
aussage von B._) noch gar keine Veranlassung gegeben, 2 kg Marihuana zu
entnehmen.
5.4.3. Zudem kommt im Rahmen der Aussageanalyse der Erstaussage, die un-
mittelbar nach einer Verhaftung erfolgt, ein besonderes Gewicht zu, da diese
Aussage in der Regel zeitnah und frei von äusseren Einflüssen erfolgt. Gerade
weil die Gegebenheiten noch gut erinnerlich sind, gehört eine sehr grosse Energie
dazu, dieser "Macht der Tatsachen" zu widerstehen sowie eine davon abwei-
chende Lüge zu erfinden und glaubwürdig vorzutragen. Eine wirklich überzeu-
- 19 -
gende Lüge ist eine ausserordentlich schwierige Aufgabe. Sie muss gut überlegt
sein und auf Schwachpunkte sowie Widersprüche geprüft werden. Das braucht
seine Zeit – und die hat eine aussagende Person gar nicht, wenn sie unmittelbar
nach dem Ereignis vernommen wird. Schliesslich benötigen auch die Motive, die
zur Lüge drängen, oftmals eine gewisse Zeit, bis sie tatsächlich bis zur Lüge
"durchschlagen." Schon bei der Zweitaussage neigen nicht wenige einvernom-
mene Personen dazu, ihre Aussagen der Prozesslage entsprechend zu "modi-
fizieren" (Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Auflage,
N 347 ff.).
Im Zusammenhang mit dem Aussageverhalten von B._ fällt auf, dass dieser
im Rahmen der polizeilichen Einvernahme noch jegliche Aussagen verweigerte
und bei der Hafteinvernahme nur beschränkt Aussagen machte. B._ hat erst
im Verlauf des Verfahrens ausführlichere Aussagen getätigt, wobei diese – abge-
sehen von der erstinstanzlichen Hauptverhandlung – hauptsächlich in der Form
von schriftlichen Stellungnahmen seines Verteidigers abgegeben wurden. Im
Rahmen der Konfrontationseinvernahme verwies B._ in Bezug auf die an-
gebliche Übergabe des eingelagerten Marihuanas praktisch vollumfänglich auf die
zuvor eingereichte Stellungnahme seines Verteidigers und blieb in seinen Aussa-
gen ausserordentlich detailarm und vage. Dasselbe wortkarge Verhalten zog sich
sodann auch wie ein roter Faden durch die Schlusseinvernahme von B._
(Urk. 5/12). In Bezug auf die angebliche Übergabe des Marihuanas beschränkte
sich B._ grundsätzlich darauf, die Vorhalte zur Kenntnis zu nehmen bzw.
diese "im Rahmen des abgekürzten Verfahrens" als zutreffend anzuerkennen.
Dass B._ gerade zu Beginn der Untersuchung vermehrt seine Aussage ver-
weigerte und erst im Laufe der Untersuchung mit mehr Details aufwartete, ist der
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen entsprechend abträglich. Dies gilt umso mehr,
als die meisten Detailangaben bis zur erstinstanzlichen Hauptverhandlung aus
der Feder seines Verteidigers stammten.
5.4.4. Hinsichtlich der spärlichen Aussagen von B._ bis zur erstinstanzlichen
Hauptverhandlung lässt sich überdies feststellen, dass diese praktisch keinerlei
Realitätskriterien oder Originalität und weder spontane Empfindungen noch ir-
- 20 -
gendwelche Komplikationen enthalten. B._s Äusserungen erscheinen karg
und sind kaum mit äusseren Umständen verflochten. Beispielsweise fehlen fast
gänzlich nähere Angaben, wann, wo und wie der Beschuldigte B._ angefragt
haben soll, ob er bereit sei, für ein Entgelt von CHF 1'000.– das Marihuana einzu-
lagern (vgl. lediglich Prot. I. S. 29).
Die in der schriftlichen Stellungnahme seines Verteidigers (Urk. 5/8) enthaltenen
Realitätskriterien – wie beispielsweise betreffend der guten bzw. schlechten Zäh-
ne von "I._" und "J._" und der nähere Beschrieb des Transportmittels –
vermögen den Aussagen von B._ jedenfalls nicht mehr Gewicht zu geben.
Da diese Realitätskriterien im Rahmen einer schriftlichen Stellungnahme und
nicht im freien Bericht von B._ erfolgten, ist eine eigentliche Glaubhaftig-
keitsbeurteilung der Aussagen grundsätzlich nicht möglich. Im Gegensatz zu einer
mündlichen Schilderung hat die erzählende Person in einer schriftlichen Stellung-
nahme genügend Ressourcen, um die allfällige kognitive Belastung auszuglei-
chen, welche bei der mündlichen Schilderung einer nicht vorhandenen Erinnerung
besteht. Wenn ein schriftlicher Bericht daher bunt und mit Details geschildert wird,
kommt ihm deutlich weniger Glaubhaftigkeit zu als einer mündlichen Schilderung
derselben Qualität. Dies gilt umso mehr, als die schriftliche Stellungnahme nicht
von B._, sondern von seinem amtlichen Verteidiger verfasst worden ist. Sel-
biges gilt selbstredend auch für die Vorbringen im schriftlichen Antrag auf ein ab-
gekürztes Verfahren des Verteidigers von B._ (Urk. 5/10).
5.4.5. Zwar machte B._ anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
erstmals ausführlichere Angaben, doch fällt in diesem Zusammenhang auf, dass
B._ – wenn überhaupt – nur auf entsprechende Fragen hin bereit oder in der
Lage war, nähere Details zur Übergabe des Marihuanas zu liefern, ohne dabei
aber spontane Ereignisse oder Nebenpunkte zu schildern. Im freien Bericht blieb
er weiterhin sehr vage und konnte auch auf explizites Nachfragen nur bruch-
stückhaft weitere Details zum Anklagevorwurf schildern. Dies zeigt sich insbeson-
dere, als B._ auf entsprechende Frage des Vorsitzenden, ob er noch [weite-
re] Details über die Lieferung des Marihuanas erzählen könne, welche er noch
nicht erzählt habe, antwortete (vgl. Prot. I. S. 31 f.):
- 21 -
"Von der Lieferung kann ich nicht viel erzählen. Als ich kam, war der Liefer-
wagen an der D._-Strasse ... in E._ schon parkiert. Meine Woh-
nung ist wie gesagt nur zwei Minuten vom Lager entfernt. Wie gesagt lief ich
zu Fuss zum Lager. Da sah ich, dass der Lastwagen schon dort war. Der
Beschuldigte und der Chauffeur waren schon vor Ort. Als ich kam, sagte mir
der Beschuldigte, dass es nicht viel zu diskutieren gebe und das Marihuana
abgeladen werden müsse. Der Beschuldigte hat mir erklärt, dass innerhalb
einer Woche alles erledigt sei. Ich war selber schockiert, als ich das Ganze
gesehen habe. Ich konnte deshalb nicht mehr sprechen. Danach gab ich
Vollgas."
Gerade die vorstehende Antwort auf eine ausdrückliche Frage nach mehr Details
zum Kerngeschehen zeigt exemplarisch auf, dass die Aussagen von B._ –
entgegen der vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 30 S. 24) – jedenfalls nicht "le-
bendig, überzeugend sowie detailreich" bzw. "spontan und authentisch" und "we-
der eintönig noch einsilbig" sind. Das Gegenteil ist der Fall. Die Aussagen von
B._ hätten weitestgehend auch ohne direkten Erlebnisbezug gemacht wer-
den können.
Dass B._ aber durchaus in der Lage war, buntere und detailreichere Aussa-
gen zu tätigen, zeigte sich anlässlich der Konfrontationseinvernahme. Als er ge-
fragt wurde, ob das ebenfalls im Lagerraum aufgefundene Boot ihm gehöre, führ-
te er aus, dass Angeln eines seiner Hobbies sei und er auf dem ...-see eine Jah-
respatent habe, um dort zu fischen. Zudem habe er beabsichtigt, dietheoretische
Bootsprüfung zu absolvieren und habe bereits einen Termin gehabt (vgl. Urk. 5/9
S. 17 f.). Diese spontanen, mit Details angereicherten Weiterungen sprechen für
eine erhöhte Glaubhaftigkeit der Aussagen. Allerdings betrifft dies nur einen Ne-
benschauplatz und eben gerade nicht das entscheidende Kerngeschehen.
5.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Glaubwürdigkeit von B._
durch sein parallel laufendes Strafverfahren stark beeinträchtigt ist. Zudem belas-
ten praktisch sämtliche objektiven Beweismittel B._ und nicht den Beschul-
digten, was vermutungsweise auch dazu geführt hat, die Verteidigungsstrategie
entsprechend auszurichten. Ausführungen zum Tatgeschehen wurden hauptsäch-
- 22 -
lich mit schriftlichen Stellungnahmen gemacht, während B._ im freien Bericht
oftmals die Aussagen verweigerte bzw. auf die schriftlichen Eingaben seines Ver-
teidigers verwies. Schliesslich erscheinen die von B._ getätigten Aussagen in
Bezug auf das angeklagte Geschehen teilweise als widersprüchlich sowie fast
gänzlich detailarm und vage.
5.6. Was die Aussagen des Beschuldigten betrifft, hat die Vorinstanz die Aus-
sagen des Beschuldigten allesamt korrekt wiedergegeben sowie überzeugend
gewürdigt (Urk. 30 S. 14 ff.), weshalb vollumfänglich darauf verwiesen werden
kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Die nachfolgenden Erwägungen sind lediglich als Er-
gänzung bzw. als Verdeutlichung gedacht.
5.6.1. Erwähnenswert ist, dass auch der Beschuldigte ausführte, mit B._ we-
gen des eingelagerten Marihuanas in telefonischem Kontakt gestanden zu haben,
was unter anderem durch den im Rahmen der Hafteinvernahme von B._
gemachten Screenshots seines Anrufverlaufs erstellt ist (vgl. Urk. 5/4 S. 12). Al-
lerdings hält der Beschuldigte inhaltlich weitgehend konstant an seiner Version
fest, wonach B._ nicht ihn zur Abholung des Marihuanas angehalten habe,
sondern ihn angefragt habe, ob er während seiner Ferien im Kosovo mit einem
Mann aus Albanien zwecks Abholung des eingelagerten Marihuanas Kontakt auf-
nehmen könne. Dass B._ den weiter nicht involvierten Beschuldigten betref-
fend das eingelagerte Marihuana gebeten haben soll, im Rahmen seiner Ferien
im Kosovo eine sich dort befindliche Drittperson zur Abholung des Marihuanas
anzuhalten, scheint realitätsfremd. Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte aus-
führte, B._ habe ihm zu diesem Zweck die Telefonnummer dieses Mannes
gegeben (Urk. 5/9 letzte Seite). B._ hätte diesen Mann wohl gleich selber
kontaktieren können. Weshalb ein persönliches Treffen bei einem Kaffee im Ko-
sovo (vgl. Urk. 5/9 letzte Seite) hinsichtlich der anscheinend überfälligen Abho-
lung des eingelagerten Marihuanas zielführender gewesen wäre als ein einfaches
Telefonat, ist jedenfalls nicht erkennbar.
5.6.2. Zudem gab der Beschuldigte in Bezug auf die Frage, ob, wieso und wann
er sich im Lagerraum aufgehalten hat, immer wieder unterschiedliche Angaben zu
Protokoll (vgl. Urk. 30 S. 17). Ausserdem fällt auf, dass der Beschuldigte teilweise
- 23 -
ausführte, die Personalien der (Hinter-)Männer zu kennen, denen das eingelager-
te Marihuana gehörte, ehe er dann kurz darauf deren Personalien wieder verges-
sen hatte bzw. angab, diese gar nicht zu kennen (vgl. Urk. 30 S. 15 ff.). Das in
diesem Zusammenhang widersprüchliche Aussageverhalten des Beschuldigten,
welches auch anlässlich der Berufungsverhandlung keine Klärung erfuhr (Urk. 41
S. 6 ff.), lassen seine Ausführungen unglaubhaft erscheinen. Allerdings kommt es
gerade im Bereich der organisierten (Drogen-)Kriminalität oft vor, dass die Betei-
ligten die Namen der Hintermänner aus Angst vor Vergeltung nicht preisgeben.
So hat denn auch B._ im Zusammenhang mit dem eingelagerten Marihuana
zunächst nur vom Beschuldigten gesprochen, ehe er verlauten liess, er habe aus
Angst die beiden weiteren involvierten Männer "I._" und "J._" nicht er-
wähnt (Urk. 5/8 S. 2). Er habe Angst vor der albanischen Mafia (Prot. I. S. 31) und
das eingelagerte Marihuana gehöre sicherlich einer Gruppe bzw. es stecke si-
cherlich eine solche dahinter (Prot. I. S. 23 und S. 31).
5.6.3. Die obgenannten Widersprüche, in welche sich der Beschuldigte im Rah-
men der Untersuchung immer wieder verstrickte, legen – wie die Vorinstanz zu-
treffend ausführte – den Schluss nahe, dass der Beschuldigte wohl nicht einfach
ein eher zufällig Beteiligter des ganzen Geschehens ist. Vielmehr ist es durchaus
denkbar, dass der Beschuldigte irgendwelche Verstrickungen mit dem eingelager-
ten Marihuana und der Betäubungsmittelszene aufweist. Entscheidend ist jedoch
nicht, ob es plausibel erscheint, dass der Beschuldigte irgendeine strafrechtlich
relevante Verbindung zu dem eingelagerten Marihuana bzw. zur Betäubungsmit-
telszene aufweist, sondern welcher Art diese ist, bzw. ob es sich rechtgenügend
erstellen lässt, dass dem Beschuldigten tatsächlich die im Anklagevorwurf ge-
schilderte Rolle zukam oder nicht.
5.7. Angesichts der objektiven Beweismittel, welche B._ und nicht den Be-
schuldigten belasten, der eingeschränkten Glaubwürdigkeit von B._ sowie
aufgrund dessen teilweise widersprüchlichen und fast gänzlich detailarmen sowie
hauptsächlich schriftlich vorgefassten Aussagen, verbleiben mehr als nur theore-
tische Zweifel darüber, ob der Beschuldigte das Marihuana tatsächlich B._
zwecks Einlagerung übergeben hat. Der Anklagevorwurf stützt sich praktisch aus-
- 24 -
schliesslich auf die Aussagen von B._. Aussagen im Strafverfahren müssen
jedoch ein gewisses Mindestmass an Überzeugungskraft erreichen, um die Hypo-
these auszuschliessen, dass die Aussagen nicht realitätsbegründet sind. Diese
Hypothese kann vorliegend nicht zuverlässig ausgeräumt werden. Die Aussagen
von B._ erreichen den notwendigen Überzeugungsgrad für eine strafrechtli-
che Verurteilung nicht. Wie vorstehend beschrieben, mag es durchaus sein, dass
der Beschuldigte eine strafrechtlich relevante Verbindung zum eingelagerten Ma-
rihuana aufweist. Nicht rechtsgenügend erstellen lässt sich jedoch, dass sich das
Geschehen entsprechend dem Anklagevorwurf ereignet hat. Es bleibt somit un-
klar, ob der Beschuldigte B._ wirklich 107 kg Marihuana zwecks Einlagerung
übergeben hat. Aufgrund des im Strafprozess geltenden Grundsatzes "in dubio
pro reo" darf sich eine solche Unsicherheit nicht zu Lasten des Beschuldigten
auswirken.
5.8. Entsprechend ist der Beschuldigte in Anwendung des Grundsatzes in du-
bio pro reo vom Anklagevorwurf freizusprechen.
III. Herausgabe Barschaft
Mit Verfügung vom 17. Oktober 2017 (Urk. 8/6) beschlagnahmte die Staats-
anwaltschaft Bargeld des Beschuldigten im Umfang von CHF 1'000.–, um die Ver-
fahrenskosten, Geldstrafen, Bussen und Entschädigungen sicherzustellen
(sog. Deckungsbeschlagnahme; Art. 263 Abs. 1 lit. b StPO). Fällt der Grund für
die Beschlagnahme weg, so hebt das Gericht die Beschlagnahme auf und händigt
die Vermögenswerte der berechtigten Person aus (Art. 267 Abs. 1 StPO). Über
die Rückgabe an die berechtigte Person, die Verwendung zur Kostendeckung
oder über die Einziehung ist spätestens im Endentscheid zu befinden (Art. 267
Abs. 3 StPO). Nachdem der Beschuldigte freizusprechen ist und sämtliche Ver-
fahrenskosten auf die Gerichtskasse zu nehmen sind (vgl. nachstehend), ist das
beschlagnahmte Bargeld in der Höhe von CHF 1'000.– dem Beschuldigten in vol-
lem Umfang herauszugeben.
- 25 -
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Verfahrenskosten
1.1. Nachdem der Beschuldigte heute freizusprechen ist, sind die Kosten der
Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens vor beiden Instanzen, ein-
schliesslich der Kosten für die amtliche Verteidigung, vollumfänglich auf die Ge-
richtskasse zu nehmen (Art. 423 und 426 Abs. 1 und 2 StPO, Art. 428 Abs. 1
StPO).
1.2. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz.
1.3. Der amtliche Verteidiger RA X._ reichte mit Datum vom 5. November
2018 die Honorarnote für seine Bemühungen im Berufungsverfahren ein
(Urk. 40). Die aufgeführten Leistungen sind ausgewiesen und erscheinen ange-
messen. Damit ist der amtliche Verteidiger für seine Aufwendungen im Beru-
fungsverfahren entsprechend seiner Honorarforderung im Betrag von Fr. 4'688.50
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
2. Schadenersatz
2.1. Die Verteidigung beantragte, es sei dem Beschuldigten eine angemessene
Entschädigung auszurichten (vgl. Urk. 32). Nach Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO steht
dem Beschuldigten ein Anspruch auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbus-
sen zu, die ihm aus seiner notwendigen Beteiligung am Strafverfahren adäquat
kausal entstanden sind.
2.2. Der Beschuldigte ging zur Zeit der Untersuchungshaft (7. Juli 2017 –
30. August 2017) gemäss eigenen Angaben keiner Arbeit nach. Er sei aber von
Oktober 2016 bis Januar 2017 als Chauffeur tätig gewesen und habe bei einem
50 %-Pensum ein Nettoeinkommen von CHF 2'200.– erzielt, ehe er mit einem er-
höhten Pensum rund CHF 3'300.– erzielt habe. In der Folge habe er die Taxi-
prüfung absolvieren wollen, sei jedoch gescheitert. Auf die Frage, wie er seinen
Lebensunterhalt bestreite, teilte der Beschuldigte in der Untersuchung mit, dass
seine drei Töchter bei ihm wohnten und seine Frau aktuell Geld von SUVA erhal-
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te. Er selbst erhalte keine Unterstützungsleistungen (vgl. Urk 5/6 S. 3; Urk. 5/11
S. 5).
2.3. Da der Beschuldigte zur Zeit der Untersuchungshaft vom 7. Juli 2017 bis
zum 30. August 2017 keiner Arbeit nachging und auch sonst nicht ersichtlich ist,
inwiefern der Beschuldigte aufgrund des Strafverfahrens einen adäquat kausalen
wirtschaftlichen Nachteil erlitten haben soll, ist dem Beschuldigten keine Entschä-
digung für wirtschaftliche Einbussen zuzusprechen.
3. Genugtuung
3.1. Wird der Beschuldigte freigesprochen, so ist ihm eine Genugtuung auszu-
richten, wenn er in dem gegen ihn geführten Strafverfahren besonders schwer in
seinen persönlichen Verhältnissen verletzt wurde (Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO).
Dass ein Freiheitsentzug einen besonders schweren Eingriff in die persönlichen
Verhältnisse darstellt und einen Genugtuungsanspruch des Betroffenen auslöst,
geht explizit aus der genannten Gesetzesvorschrift hervor.
3.2. Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht auf richterlichem Er-
messen. Bei dessen Ausübung ist den Besonderheiten des Einzelfalls Rechnung
zu tragen. Zu berücksichtigen sind alle Umstände, auch die Schwere des vorge-
worfenen Delikts sowie die Auswirkungen der Haft auf die persönliche Situation
des Verhafteten und die Belastung durch das Verfahren (vgl. BSK StPO-
Wehrenberg/Frank, Art. 429 N 28). Bei kürzeren Freiheitsentzügen erachtet das
Bundesgericht CHF 200.– pro Tag als angemessene Genugtuung, sofern nicht
aussergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine höhere oder geringere Ent-
schädigung rechtfertigen. Bei längerer Untersuchungshaft (von mehreren Mona-
ten Dauer) ist der Tagessatz in der Regel zu senken, da die erste Haftzeit beson-
ders erschwerend ins Gewicht fällt (vgl. BGer 6B_196/2014 vom 5. Juni 2014
E. 1.2 m.w.H.).
3.3. Mit dem vorliegenden Vorwurf wurde gegen den Beschuldigten ein
schwerwiegender Tatverdacht erhoben. Konkret stand aufgrund der Anträge der
Staatsanwaltschaft eine rund dreijährige Freiheitsstrafe sowie eine Landesver-
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weisung zur Debatte, womit sich der Beschuldigte mit einschneidenden Konse-
quenzen bedroht sah. Der Beschuldigte verbrachte die Zeit vom 7. Juli 2017 bis
zum 30. August 2017 – mithin 54 Tage – in Untersuchungshaft. Dabei machte er
nicht geltend, dass er durch die erlittene Haft über das übliche und jede inhaftierte
Person treffende Mass hinaus besondere negative psychische oder physische
Einwirkungen erlitten habe, welche erschwerend ins Gewicht fallen würden. Bei
dieser Ausgangslage rechtfertigt es sich, dem Beschuldigten für die Haftdauer ei-
ne Genugtuung von Fr. 10'900.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.