Decision ID: 03a2d905-ca70-5b85-a5e1-4512b8acce71
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) wurde erstmals im September 19_ bei der IV-
Stelle des Kantons St. Gallen (nachfolgend: IV-Stelle) für medizinische Massnahmen
angemeldet (IV-act. 2). In einem Bericht der pädiatrischen Pneumologie des Spital
Z._ vom 6. Juni 19_ war unter anderem festgehalten worden, dass die Mutter den
Versicherten als deutlich verhaltensauffällig wahrnehme. Auch den behandelnden
Ärzten war eine ausgeprägte Fahrigkeit, Unkonzentriertheit und Hyperaktivität
aufgefallen (IV-act. 3). Mit Verfügung vom 31. Januar 19_ wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren um medizinische Massnahmen ab, da kein anerkanntes
Geburtsgebrechen vorliege (IV-act. 9). In einem Bericht vom 22. Februar 19_ nannte
Dr. med. B._, Entwicklungspädiatrie/Rehabilitation Spital Z._, ein
psychoorganisches Syndrom mit massiven Verhaltensstörungen und empfahl eine
Ergotherapie (IV-act. 10 S. 5). Mit Verfügung vom 2. Mai 19_ erteilte die IV-Stelle
schliesslich Kostengutsprache für die Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 404 (IV-
act. 12; zur Verlängerung der Kostengutsprache vgl. IV-act. 22 und 45). Am 21. Mai
A.a.
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19_ teilte Dr. B._ der IV-Stelle mit, dass der Versicherte neben den motorischen
Störungen sowie den Teilleistungsstörungen in der Visuomotorik, im Konstruieren und
in der auditiven Merkfähigkeit massivste Verhaltensprobleme mit Aggressivität
aufweise. Die Ergotherapie habe wegen der Ablehnung durch den Versicherten nicht
weitergeführt werden können. Sie empfahl eine Psychotherapie (IV-act. 15), für deren
Kosten die Invalidenversicherung (IV) aufkam (IV-act. 16).
Anfangs _ reagierte der Versicherte aufgrund einer Versetzung von der
Sekundarschule, die er gegen den Rat der Lehrer besucht hatte, in die Realschule, mit
einer Schulverweigerung, wobei er gleichzeitig kaum mehr ausser Haus ging (vgl. IV-
act. 23 S. 1 und 17 S. 1 f.). In einer Abklärung durch den schulpsychologischen Dienst
des Kantons St. Gallen zeigte sich der Versicherte in der allgemeinen Entwicklung und
im emotionalen Verhalten sehr auffällig mit einer hohen Erregbarkeit und Impulsivität,
Schwierigkeiten in der Kommunikation und einer Überschätzung seiner Fähigkeiten bei
gleichzeitig geringer Selbstsicherheit. Der schulpsychologische Dienst ging von einer
Fehlentwicklung auf dem Hintergrund von emotionalen und sozialen Schwierigkeiten
aus und empfahl eine stationäre Behandlung sowie eine Sonderbeschulung für normal
begabte, verhaltensauffällige Kinder (IV-act. 17). Nach einer vorübergehenden
ambulanten Betreuung im kinder- und jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons St.
Gallen, in deren Rahmen die Diagnose einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung mit
deutlicher Beeinträchtigung der sozialen und kommunikativen Fertigkeiten gestellt
worden war (IV-act. 19), wurde der Versicherte vom 2. Mai bis 13. Oktober 20_ im
C._ stationär behandelt. Im Austrittsbericht vom 2. November 20_ nannten die
behandelnden Ärzte als Diagnosen eine emotionale Störung mit sozialer Ängstlichkeit
(Selbstwert-, Kontakt- und Beziehungsstörung) und eine kombinierte
Entwicklungsstörung. Weiter hielten sie fest, dass es in der Behandlung immer wieder
Phasen gegeben habe, in denen der Versicherte seine Probleme verleugnet habe.
Hinsichtlich der sozialen Kompetenz habe der Versicherte Fortschritte erzielt. Die
Selbstwertproblematik und Beziehungsstörung hätten ansatzweise behandelt werden
können, jedoch sei die Problematik in diesen Bereichen weiterhin gross. Die früheren
kompensatorisch eingesetzten Grössenphantasien seien in den Hintergrund getreten.
Bei der Beschulung habe sich gezeigt, dass der Versicherte prinzipiell zwar
Sekundarschulniveau habe, jedoch aufgrund seiner Defizite im sozialen Bereich und
A.b.
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der psychischen Belastungen in einer öffentlichen Sekundarschule wahrscheinlich nicht
bestehen könnte (IV-act. 23). Nach dem Austritt aus der stationären Therapie besuchte
der Versicherte die D._, wobei sich rasch eine Überforderung zeigte. Nach einer
Eskalation der Situation mit zunehmender Aggressivität und suizidalen Äusserungen
wurde der Versicherte am 23. Januar 20_ erneut im C._ untergebracht und bis zum
24. November 20_ stationär behandelt. Im Austrittsbericht nannten die behandelnden
Ärzte als neue Diagnose den Verdacht auf ein Prodromalstadium einer nicht
organischen Psychose. Weiter hielten sie fest, der Versicherte habe in der ersten Zeit
einen schwer kranken Eindruck gemacht. Die bekannte Kränkbarkeit und die Angst vor
einem erneuten Scheitern hätten sein psychopathologisches Zustandsbild nicht
hinreichend erklärt. Im Sozialverhalten habe er häufig verwirrt und hilflos gewirkt. Seine
Einschätzungen und Befindlichkeiten hätten innerhalb von Minuten geändert, mit ihm
getroffene Vereinbarungen hätten eine sehr geringe Verbindlichkeit aufgewiesen. Die
Psychomotorik habe ängstlich und gehetzt gewirkt, das Verhalten häufig bizarr. Der
Versicherte habe sich nur anzupassen vermocht, jedoch habe er keinen wirklichen
Kontakt aufnehmen können. Es sei zu vermuten, dass der Versicherte hinter einer
mühsam aufrecht erhaltenen Fassade eine eigene isolierte Welt erlebt habe. Auch habe
er von akustischen, optischen und taktilen Halluzinationen berichtet. Er habe insgesamt
die Symptome einer chronischen Störung mit psychotischen Zügen gezeigt, ohne
eindeutige Schizophreniekriterien zu erfüllen. Eine neu eingeleitete medikamentöse
Therapie habe zu einer gewissen Stabilisierung beigetragen, sodass die Halluzinationen
in den Hintergrund getreten seien. Bei Austritt sei der Übertritt in eine haltgebende, klar
strukturierte Institution mit Sonderbeschulung in einem kleinen Rahmen empfohlen
worden. Der Versicherte habe mit Suizid gedroht, falls die Eltern einem solchen
Übertritt zustimmen würden. Schliesslich sei der Versicherte nach Hause und in eine
ambulante Psychotherapie entlassen worden (IV-act. 38 und 41). Beim erneuten
Besuch einer öffentlichen Realschule kam es zu häufigen Schulverweigerungen,
sodass im Sommer 20_ die Ausschulung aus der öffentlichen Schule erfolgte (vgl. IV-
act. 49 S. 1). Wegen der gebrochenen Schulkarriere mit erheblichen Bildungslücken
und dem Bedarf an pädagogischer Förderung besuchte der Versicherte in der Folge für
ein Jahr die E._ (vgl. IV-act. 49 und 72), wobei die IV-Stelle eine Kostenbeteiligung
ablehnte, da die Schule nicht als Sonderschule der IV zugelassen sei (vgl. IV-act. 63).
Gemäss einem Bericht eines IV-Berufsberaters hatte der Versicherte während des
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Schulbesuchs grosse schulische und persönliche Fortschritte gemacht, sodass sogar
ein Besuch der Mittelschule in Betracht gezogen wurde (vgl. IV-act. 72).
Nach einer erneuten IV-Anmeldung vom 17. Juli 20_ für Berufsberatung (IV-
act. 70) kam die IV-Stelle für die behinderungsbedingten Mehrkosten der erstmaligen
beruflichen Ausbildung des Versicherten zum Kaufmann Profil E auf. Zunächst war eine
schulische Ausbildung angedacht gewesen, welche jedoch abgebrochen werden
musste (vgl. IV-act. 86 und 96). Der Versicherte wechselte in eine reguläre Berufslehre
in das Unternehmen, in dem auch sein Vater angestellt war. Dieses war bereit, dem
Versicherten trotz ungewissen Verlaufs eine Ausbildungschance zu geben. Infolge des
invaliditätsbedingt erhöhten Ausbildungsaufwandes wurde jedoch kein Lehrlingslohn
ausgerichtet (vgl. IV-act. 95, 96 und 100). Die IV-Stelle kam auch für die
psychotherapeutische Begleitung des Versicherten sowie vor der Abschlussprüfung für
eine Lernbegleitung auf (vgl. IV-act. 93, 109 und 118). Im Schlussbericht vom 9. Juli
20_ hielt ein Berufsberater fest, dass der Versicherte seine berufliche Ausbildung zum
Kaufmann Profil E erfolgreich abgeschlossen habe. Der Überwachungsaufwand sei
zeitweilig sehr aufwändig gewesen, jedoch habe ein anspruchsvolles Ziel erreicht
werden können. Der Versicherte werde noch die restlichen Ferien beziehen. Im Oktober
20_ beginne er die Vollzeitausbildung zur nachträglichen Berufsmatur. Für später sei
ein Studium an einer Fachhochschule geplant. Die weitere Ausbildung könne nicht
mehr über die IV laufen, zumal während der Vorbereitung zur Berufsmatur keine
invaliditätsbedingten Mehrkosten deklariert werden könnten (IV-act. 120). Mit Mitteilung
vom 24. Juli 20_ schloss die IV-Stelle die beruflichen Massnahmen ab (IV-act. 122). In
der Folge schloss der Versicherte die Berufsmaturitätsprüfung kaufmännische Richtung
erfolgreich ab (vgl. act. G 1.1.7). Von Oktober 2010 bis April 2011 arbeitete der
Versicherte als F._ bei der G._ AG. Er kündigte die Anstellung aus persönlichen
Gründen (vgl. IV-act. 140). Von Juli bis September 2011 war er bei der H._ AG in
einer befristeten Anstellung als Z._ tätig (IV-act. 138). Im November 2011 trat er eine
Anstellung als Y._ bei der I._ AG, an, welche er jedoch noch in der Probezeit
kündigen musste, um einer Kündigung der Arbeitgeberin wegen mangelnder
Leistungen zuvorzukommen (vgl. IV-act. 139).
A.c.
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B.
Am 18. Februar 2013 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle an (IV-
act. 130). In einem Bericht vom 28. Februar 2013 hielt Dr. med. J._, Fachärztin
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, fest, dass der Versicherte seit März 2012 bei ihr
in Behandlung sei (zur notfallmässigen Zuweisung durch Dr. med. K._, Facharzt für
Allgemeinmedizin, L._ AG, wegen einer Depression mit latenter Suizidalität vgl. IV-
act. 141 S. 7). Unter der aktuellen Medikation und intensiver Psychotherapie habe sich
das Zustandsbild nur leicht verbessert (weniger Wutausbrüche, psychomotorisch
ruhiger als am Anfang). Da es dem Versicherten trotz grosser Motivation nicht gelungen
sei, seine letzte Arbeitsstelle zu behalten, sei es im Januar 2013 zu einer erneuten
Destabilisierung gekommen. Eine im Januar 2013 durchgeführte testpsychologische
Abklärung habe gezeigt, dass der Versicherte an einer ausgeprägten Form des ADHS-
Syndroms leide (zur extern in Auftrag gegebenen psychodiagnostischen Untersuchung
vgl. IV-act. 141 S. 9 ff.). Sein dysfunktionales Verhalten verunmögliche es ihm, eine
Arbeitsstelle oder eine Partnerschaft aufrechtzuerhalten. Einer Invalidisierung sollte
vorgebeugt werden, weshalb der Versicherte durch berufliche Massnahmen in die
Arbeitswelt eingegliedert werden sollte (IV-act. 141 S. 6). Anlässlich eines Telefonats
mit dem regionalen ärztlichen Dienst (RAD) vom 17. Juni 2013 gab Dr. J._ eine
50%ige Arbeitsfähigkeit an, korrigierte diese Angabe am 24. Juni 2013 dann auf eine
100%ige Arbeitsfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten. Als beim Versicherten bestehende
Defizite, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkten, nannte sie allerdings mangelnde
soziale Kompetenzen, eine Konzentrationsschwäche sowie eine reduzierte psychische
Belastbarkeit (IV-act. 145).
B.a.
Anlässlich eines Assessmentgesprächs vom 19. August 2013 berichtete der
Versicherte, dass er seines Erachtens gesundheitlich stabiler unterwegs sei, jedoch bei
der Stellensuche an die Grenzen stosse. Er erhalte Absage um Absage; seine
gesundheitliche Problematik schrecke die potenziellen Arbeitgeber ab. Er absolviere
aktuell ein Praktikum, das ihm sein Vater vermittelt habe, um ihm eine Tagesstruktur
und eine Aufgabe zu geben. Der Einsatz gehe Ende _ 2013 zu Ende. Für den _ 2013
habe er einen Sprachaufenthalt geplant, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu
erhöhen. Er wünsche sich eine Anstellung im kaufmännischen Bereich. Es mache ihn
B.b.
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C.
Auf ein vom Versicherten per Mail gestelltes Gesuch um berufliche Massnahmen vom
11. Juni 2014 (er sei nun vom Sprachaufenthalt zurück und benötige bei der
Stellensuche dringend Hilfe, IV-act. 154) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Juli
2014 mangels glaubhaft gemachter Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen
nicht ein (IV-act. 158).
D.
traurig, dass er keine Chance bekomme. In der Vergangenheit sei es jeweils sehr bald
zur Kündigung gekommen (IV-act. 151).
Mit Verfügung vom 22. November 2013 wies die IV-Stelle das Gesuch des
Versicherten um berufliche Massnahmen ab mit der Begründung, bei ihm bestehe in
einer leidensangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit, wobei auch die
angestammte Tätigkeit leidensangepasst ausgeübt werden könne. Ausserdem befinde
er sich in einem längeren Auslandaufenthalt. Folglich bestehe kein Anspruch auf
berufliche Massnahmen oder Rentenleistungen (IV-act. 153).
B.c.
Am 6. Oktober 2015 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (IV-act. 166). In einem Bericht vom 27. Oktober 2015 hielt lic. phil.
M._, Psychologin FSP, ärztlich delegierte Psychotherapeutin, fest, dass der
Versicherte seit Juli 2015 wöchentlich zu ihr in die Psychotherapie komme. Sie arbeite
als delegierte Psychologin. Therapieanlass sei die bereits früher diagnostizierte
Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung ADHS, die dem Versicherten
insbesondere im Berufsleben Schwierigkeiten bereite. Der Versicherte habe auch
Unterstützung in Bezug auf sein Studium erwartet. Schon vor Studienbeginn habe der
Versicherte unter einer hohen psychischen Belastung gestanden. Diese sei vor allem
seiner unsicheren beruflichen Situation geschuldet gewesen, da seine Arbeitsstelle auf
ein Jahr befristet gewesen sei. Mit der Aufnahme des Studiums habe sich die Situation
verschärft. Der Versicherte habe sich überfordert gefühlt, habe sich im Studium nicht
zurechtfinden können, sei oftmals gar nicht zu den Vorlesungen gegangen. Die
depressive Verstimmung habe sich verstärkt und es hätten sich starke Zukunftsängste,
Insuffizienzgefühle, Grübelzwänge sowie eine Resignation eingestellt. Der Versicherte
habe sich ungerecht behandelt und nicht ernst genommen gefühlt, sei ausgesprochen
D.a.
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reizbar und ruhelos gewesen. Schliesslich sei es zu einem Zusammenbruch
gekommen, sodass der Hausarzt den Versicherten vom 3. Oktober bis 16. November
2015 habe krankschreiben müssen. Der Versicherte habe sich gezwungen gesehen,
das Studium abzubrechen. Inzwischen habe er sich wieder etwas stabilisieren können,
jedoch belaste ihn die ungewisse berufliche Zukunft weiterhin sehr (IV-act. 170; zum
Bericht des delegierenden Arztes vgl. IV-act. 179). Am 30. November 2015 endete eine
vom Versicherten am _ 2015 angetretene Anstellung als temporärer Mitarbeiter (IV-
act. 190). In einer Stellungnahme vom 10. Februar 2016 ging der RAD davon aus, dass
medizinisch-theoretisch ein Eingliederungspotential von 50 %, steigerbar,
angenommen werden könne. Günstig seien Tätigkeiten, die einerseits gut strukturiert
seien, andererseits aber auch eine gewisse Abwechslung aufwiesen. Der Versicherte
benötige bei der Stellensuche allenfalls Hilfe (IV-act. 186). In einer E-Mail vom 16.
Februar 2016 gelangte der Vater des Versicherten an die Eingliederungsverantwortliche
der IV mit der Bitte um schnellstmögliche Eingliederung des Sohnes (vgl. IV-act. 193
S. 4; zu den vorherigen Bemühungen des Vaters zum Auffinden allfälliger
Eingliederungsoptionen vgl. IV-act. 172). Am 8. März 2016 fand ein
Assessmentgespräch mit der Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle statt,
anlässlich welchem der Versicherte angab, er denke auf dem ersten Arbeitsmarkt in
einem Pensum von 60 % bestehen zu können (vgl. IV-act. 196). Am 29. März 2016
unterzeichnete der Versicherte einen Eingliederungsplan der IV-Stelle (IV-act. 198). Mit
Mitteilung vom 8. April 2016 leistete die IV-Stelle Kostengutsprache für eine
Integrationsmassnahme im Sinne eines vom 11. April bis 14. Oktober 2016 dauernden
Aufbautrainings bei der N._ AG (IV-act. 201). Mit einer (versehentlich falsch
adressierten; vgl. IV-act. 217 S. 3) E-Mail vom 13. April 2016 teilte der Versicherte der
IV-Stelle mit, dass er in Rücksprache mit lic. phil. M._ zum Schluss gekommen sei,
dass die Integrationsmassnahme seinen bisherigen therapeutischen Fortschritten
zuwiderlaufe. Er sei schon beim Vorgespräch von der Massnahme nicht richtig
überzeugt gewesen, habe sich jedoch genötigt gefühlt, den Eingliederungsplan zu
unterzeichnen und habe sich aus Respekt und Fairness auch ein Bild von der
Massnahme machen wollen. Doch sei er der Meinung, dass das Programm für ihn
nicht zielführend sei und eine weitere Verzögerung bei der Integration in den ersten
Arbeitsmarkt darstelle. Für ihn sei seitens der N._ AG kein Konzept erkennbar. Seines
Erachtens richte sich die Massnahme an eine andere Zielgruppe und der persönliche
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Nutzen der Beschäftigung sei für ihn fraglich. Er sei der Überzeugung, mit der
passenden Betreuung wieder in den ersten Arbeitsmarkt eingegliedert werden zu
können. Er mache von seinem Recht Gebrauch, die Massnahme per sofort nicht mehr
weiterzuführen und bitte um eine alternative Vorgehensweise. Weiter listete er zwei in
seinen Augen sinnvolle Angebote auf (IV-act. 205). Im Schlussbericht der N._ AG
vom 20. April 2016 wurde festgehalten, dass der Versicherte an einem Büroarbeitsplatz
gearbeitet habe mit dem Auftrag, seine Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren. Ihm sei
es wichtig gewesen, alles so schnell wie möglich zu erledigen. Er habe mitgeteilt, die
Unterlagen fertiggestellt zu haben, habe diese aber nicht vorweisen wollen, sondern
sogleich eine neue Aufgabe erwartet. Der Versicherte habe einen motivierten Eindruck
gemacht, sei jedoch in erster Linie sehr ungeduldig und unkonzentriert gewesen. Nach
zwei Tagen sei er nicht mehr erschienen und nicht erreichbar gewesen (IV-act. 204;
zum Ablauf der Massnahme vgl. ferner die Aktennotizen in IV-act. 216 f., wo unter
anderem festgehalten wurde, es sei der Eindruck entstanden, der Versicherte stehe
sehr unter Druck). Mit Mitteilung vom 18. Mai 2016 hob die IV-Stelle die berufliche
Massnahme per 18. April 2016 auf (IV-act. 210).
In einem Bericht vom 31. Mai 2016 nannte lic. phil. M._ als Diagnosen ein seit
der Geburt bestehendes ADHS sowie eine seit Geburt bestehende rezidivierende
depressive Störung. Weiter hielt sie fest, dass der Arbeitsvertrag des Versicherten nach
dessen Krankschreibung aufgelöst worden sei. Dies habe den Versicherten einerseits
entlastet, andererseits aber die depressive Symptomatik natürlich nicht verbessert. Die
Versagensgefühle hätten zugenommen. Der Versicherte habe den Eindruck
bekommen, trotz Anstrengung keine Chance zu erhalten. Er habe sich bemüht, eine
Tagesstruktur einzuhalten und seine Aktivität zu erhöhen. Einen gewissen Sinn habe er
auch im Erlernen von Fremdsprachen erblickt. Allmählich sei er auch bereit gewesen,
die Medikamente für seine ADHS zu nehmen, was einen merkbaren Effekt gehabt
habe. Die Eltern hätten bestätigt, dass der Versicherte stabiler und umgänglicher
geworden sei. Er habe zunehmend wieder eine Zukunftsperspektive gesehen. Beruflich
Fuss zu fassen, hätte für ihn oberste Priorität gehabt. Er habe daher das Programm bei
der N._ AG begonnen, jedoch kurz nach Antritt dieses als nicht passend erachtet.
Das Umfeld habe ihn deprimiert. Er habe den Eindruck erhalten, auf einem
"Abstellgleis" gelandet zu sein. Die Schilderungen des Versicherten seien glaubhaft
D.b.
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gewesen. In der Tat sei es essentiell, dass er seine kognitiven Fähigkeiten in einem
Beruf einbringen könne. Ihm helfe es nicht, wenn die diesbezüglichen Anforderungen
reduziert würden. Ihm wäre aus therapeutischer Sicht am meisten damit gedient, wenn
er eine qualifizierte, der kaufmännischen Ausbildung entsprechende Stelle antreten
könnte, der Betrieb jedoch zunächst finanziell entlastet würde und dem Versicherten
ein Coach an die Seite gestellt würde. Neben der geistigen Herausforderung sei ein
soziales Arbeitsumfeld wichtig. Der Versicherte sei überzeugt, dass sich seine Situation
mit den Medikamenten verbessert habe, und ihm wäre es daher zu wünschen, den
Beweis erbringen zu können (IV-act. 212).
In einer Stellungnahme vom 14. Juli 2016 hielt der RAD fest, dass medizinisch-
theoretisch davon auszugehen sei, dass die Eigen- und Fremdwahrnehmung bezüglich
Arbeitsfähigkeit und Leistungsfähigkeit diskrepant seien. Ab dem 1. August 2016 habe
der Versicherte einen Praktikumsplatz bei der O._. Dort solle die Leistungsfähigkeit
praktisch nochmals evaluiert werden (IV-act. 222). Mit Mitteilung vom 12. August 2016
erteilte die IV-Stelle dem Versicherten Kostengutsprache für einen persönlichen
Support am Arbeitsplatz im Rahmen eines vom 1. August 2016 bis 31. Januar 2017
dauernden Coachings (IV-act. 230; zum unterzeichneten Eingliederungsplan vgl. IV-
act. 225). Mit Mitteilung vom 9. Februar 2017 verlängerte die IV-Stelle das Jobcoaching
bis zum 31. Juli 2017 (IV-act. 248). Per 31. März 2017 wurden der Arbeitsversuch bei
der O._ sowie das Jobcoaching vorzeitig abgebrochen, da sich eine negative
Gesundheitsentwicklung zeigte (vgl. IV-act. 258 und 259 S. 3; zu den Schwierigkeiten
während des Eingliederungsprozesses vgl. den Zwischen- und Schlussbericht des
Coachings in IV-act. 255 und 259; vgl. ferner IV-act. 226 und 232 ff.). In einer
Schlussbeurteilung vom 7. April 2017 hielt die IV-Eingliederungsverantwortliche fest,
dass es nicht gelungen sei, den Versicherten an einem Arbeitsplatz einzugliedern. Die
Arbeitsfähigkeit habe während der Massnahme maximal 50 % betragen. Eine weitere
Steigerung sei nicht erfolgt, da aus ihrer Sicht eine Destabilisierung des
Gesundheitszustandes zu erwarten gewesen wäre. Der Versicherte habe sich zur
Weiterführung der Massnahme nicht mehr in der Lage gesehen (IV-act. 260 S. 44). Mit
Mitteilung vom 18. April 2017 hob die IV-Stelle die am 9. Februar 2017 zugesprochene
berufliche Massnahme auf (IV-act. 263).
D.c.
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In einem Bericht vom 30. Mai 2017 hielt lic. phil. M._ fest, dass sich der
Gesundheitszustand des Versicherten verschlechtert habe. Er habe im August 2016 ein
Praktikum in der (...) der O._ begonnen, welches durch die IV finanziert worden sei.
Die Arbeit im wohlwollenden Team habe ihm gut gefallen, da sie auch gefordert habe
und er Erfolgserlebnisse habe verbuchen können. Da man ihm aber keine Aussicht auf
eine reguläre Stelle habe geben können, sei die Hoffnungslosigkeit in Bezug auf die
berufliche Situation bestehen geblieben. Nach Ablauf des Praktikums habe der
Versicherte die Möglichkeit erhalten, in einer anderen Abteilung ein zweites, wiederum
von der IV-Stelle unterstütztes Praktikum zu absolvieren. Der Versicherte habe diese
Abteilung von Anfang an nicht gemocht, weil er die Arbeit in Bezug auf die ADHS-
Symptomatik als ungünstig erachte habe. Er habe sich jedoch gezwungen gefühlt, die
Anstellung anzunehmen. Schon nach kurzer Zeit habe er sich demotiviert und
ausgenutzt gefühlt. Der Zustand habe sich verschlechtert, weshalb das Praktikum Mitte
März 2017 habe abgebrochen werden müssen. Es bestehe weiterhin eine depressive
Symptomatik mit wiederkehrenden Suizidgedanken. Theoretisch wäre es zwar
denkbar, dass der Versicherte in einer leidensangepassten Stelle im Arbeitsleben Fuss
fasse, in der Praxis scheine es jedoch trotz seiner hohen Motivation nicht realistisch zu
sein, dass es zu einem längerfristigen Arbeitsverhältnis komme. Inzwischen halte sie
aufgrund der reduzierten Belastbarkeit ohnehin nur noch eine Teilzeitbeschäftigung für
allenfalls realistisch (IV-act. 268). Dr. K._ nannte in einem Bericht vom 21. August
2017 als Diagnosen eine seit Kindheit bestehende ADHS, eine emotionale Störung mit
sozialer Ängstlichkeit (Selbstwert-, Kontakt- und Beziehungsstörung), eine kombinierte
umschriebene Entwicklungsstörung sowie aktuell zusätzlich eine schwere depressive
Entwicklung mit latenter Suizidalität. Seit der Kindheit des Versicherten bestünden den
Diagnosen entsprechende Defizite sowie depressive und psychotische Symptome. Die
Schulen hätten nur in geschütztem Umfeld durchlaufen werden können, ein
Berufsabschluss sei nur dank Hilfe der IV erreicht worden. Aus seiner Sicht sei der
Versicherte nie wirklich richtig arbeitsfähig gewesen. Die medizinischen Massnahmen
dienten in erster Linie dazu, dem Versicherten zu ermöglichen, durch das Leben zu
kommen (IV-act. 273 S. 2 f.).
D.d.
Am 22. Januar 2018 wurde der Versicherte im Auftrag der IV-Stelle von Dr. med.
P._, Psychiatrie und Psychotherapie, spez. forensische Psychiatrie und
D.e.
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Psychotherapie FMH, begutachtet (IV-act. 285 S. 2). Im Rahmen des
Gutachtensauftrags war am 21. November 2017 zudem eine testpsychologische
Untersuchung durch dipl.-psych. Q._, Fachpsychologin Verkehrspsychologie FSP,
durchgeführt worden (IV-act. 285 S. 43 ff.). In ihrem Gutachten vom 30. März 2018
(zum Datum vgl. IV-act. 285 S. 2) nannte Dr. P._ als psychiatrische Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit
emotional instabilen, unreifen und narzisstischen Anteilen sowie eine seit der Kindheit
bestehende Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS). Als psychiatrische
Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine rezidivierende
depressive Störung, derzeit remittiert (IV-act. 285 S. 36). Weiter hielt Dr. P._ fest,
dass beim Versicherten aufgrund des psychischen Beschwerdebildes aktuell in erster
Linie die soziale Interaktionsfähigkeit und damit im Berufskontext die Gruppenfähigkeit,
die Selbstbehauptungsfähigkeit, die Flexibilität bzw. Umstellungs- und
Anpassungsfähigkeit sowie die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit (emotional
verzerrte Beurteilung von sozialen Situationen) mittelgradig tangiert seien. Durch die
ADHS-Symptomatik seien die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen, zur
Planung und zur Strukturierung von Aufgaben sowie die Durchhaltefähigkeit als leicht
bis mittelgradig beeinträchtigt einzuschätzen (IV-act. 285 S. 40). Aufgrund des
dargestellten beeinträchtigten Leistungsprofils weise der Versicherte in seinem
erlernten Beruf des Bürokaufmanns eine um 50 % herabgesetzte Arbeitsfähigkeit auf.
Die angestammte Tätigkeit sei prinzipiell als leidensangepasste Tätigkeit anzusehen.
Auch in sämtlichen anderen in Frage kommenden Arbeitstätigkeiten sei die
Arbeitsfähigkeit auf 50 % zu schätzen (IV-act. 285 S. 41).
Mit Schreiben vom 9. Mai 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass
weitere berufliche Massnahmen nicht angezeigt seien (IV-act. 289).
D.f.
Mit Vorbescheid vom 19. Juni 2018 stellte die IV-Stelle dem Versicherten unter
Verweis auf das eingeholte Gutachten einen Anspruch auf eine halbe Invalidenrente ab
dem 1. April 2017 in Aussicht (IV-act. 293). Gegen diesen Vorbescheid erhob der
Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt lic. oec. HSG F. Dahinden, St. Gallen, am
31. August 2018 Einwand, mit welchem er die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente
beantragte (IV-act. 300). Mit Verfügung vom 30. November 2018 sprach die IV-Stelle
dem Versicherten ab dem 1. Dezember 2018 (act. G 1.1.2) und mit Verfügung vom 13.
D.g.
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E.

Erwägungen
1.
Angefochten sind im vorliegenden Beschwerdeverfahren die Verfügungen der
Beschwerdegegnerin vom 30. November und 13. Dezember 2018 (act. G 1.1.2 und
1.1.4). Dass in der Kopie der Verfügung vom 30. November 2018 als Datum der 29.
November 2018 aufgeführt ist (vgl. IV-act. 307 S. 1), ist als Versehen einzustufen. Als
einschlägige Verfügung ist diejenige vom 30. November 2018 anzusehen, da es sich
Dezember 2018 auch rückwirkend für den Zeitraum vom 1. April 2017 bis 30.
November 2018 eine halbe Invalidenrente zu (act. G 1.1.4; IV-act. 308; zur Mitteilung
der IV-Stelle vom 11. September 2018 mit der Anweisung an die zuständige
Ausgleichskasse zum Erlass der entsprechenden Verfügungen vgl. IV-act. 304).
Gegen diese Verfügungen erhob der weiterhin durch Rechtsanwalt Dahinden
vertretene Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 15. Januar 2019
Beschwerde (act. G 1). Er beantragte, die Verfügungen vom 30. November und 13.
Dezember 2018 seien aufzuheben und ihm sei eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
Eventualiter sei eine medizinische Begutachtung zur Frage, ob überhaupt von einer
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden könne,
durchzuführen. Schliesslich sei ihm für die Kosten der Rechtsvertretung eine
angemessene ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen (act. G 1 S. 2).
E.a.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2019 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G 4).
E.b.
In seiner Replik vom 28. März 2019 hielt der Beschwerdeführer an den in der
Beschwerde gestellten Rechtsbegehren fest (act. G 6).
E.c.
Mit Schreiben vom 9. April 2019 hielt die Beschwerdegegnerin an dem in der
Beschwerdeantwort gestellten Antrag fest und verzichtete auf die Einreichung einer
ausführlichen Duplik (act. G 8).
E.d.
Am 10. März 2020 zeigte Rechtsanwalt Dahinden die Mandatsübernahme durch
Rechtsanwältin lic. iur. N. Ley, St. Gallen, an (act. G 10).
E.e.
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dabei anders als bei der auf den 29. November 2018 datierten Verfügungskopie um
das Original handelt. Da die Zusprache einer halben Rente befristet für die Dauer vom
1. April 2017 bis 30. November 2018 (act. G 1.1.4) und die ab 1. Dezember 2018 auf
unbestimmte Zeit wirkende Zusprache einer halben Rente (act. G 1.1.2) ein
einheitliches Rechtsverhältnis bilden, ist der Rentenanspruch für den gesamten
Zeitraum Gegenstand der in diesem Verfahren vorzunehmenden gerichtlichen
Überprüfung (vgl. BGE 131 V 164; Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen vom 5. Februar 2020, IV 2017/193 und 2017/226, E. 1).
2.
Einen Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung haben Versicherte, die
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht
durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder
verbessern können, während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch
durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen sind und nach Ablauf dieses
Jahres zu mindestens 40 % invalid sind (Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Invalidität ist gemäss Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit wird in Art. 7 Abs. 1 ATSG als der durch eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt definiert. Die Invalidität ist grundsätzlich durch einen
Einkommensvergleich zu ermitteln. Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen kann, in Beziehung
gesetzt zum Einkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Art. 16 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 50 % besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.1.
Um den Arbeitsfähigkeitsgrad bestimmen zu können, ist die Verwaltung - und im
Beschwerdefall das Gericht - auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
2.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
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3.
Arztes oder der Ärztin ist es dabei, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die
versicherte Person arbeitsfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4 und 115 V 134 E. 2).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten bzw. der Anamnese
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweis).
Zunächst zu prüfen ist demnach, ob die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
gestützt auf die vorliegende medizinische Aktenlage mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit festgestellt werden kann (zum Beweismass siehe BGE 138 V 221 E.
6 und Urteil des Bundesgerichts vom 2. August 2017, 8C_128/2017, E. 2).
3.1.
Die Beschwerdegegnerin hat ihrer Invaliditätsbemessung gestützt auf das von ihr
eingeholte psychiatrische Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 50 % zu Grunde gelegt
(vgl. IV-act. 304). Demgegenüber hegt der Beschwerdeführer gewisse Zweifel daran,
ob überhaupt noch eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit besteht (vgl. act. G 1
und 6).
3.2.
Abgesehen von der Beanstandung der gutachterlichen Annahme, mit einer
Anpassung der medikamentösen und therapeutischen Behandlung liesse sich allenfalls
noch eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erreichen (vgl. act. G 1 S. 8 f. und 6 S. 3; IV-
act. 285 S. 39 und 41), macht der Beschwerdeführer keine konkreten Mängel des
Gutachtens geltend (vgl. act. G 1 und 6). Es ist davon auszugehen, dass allfällige
Unterbrechungen in der Medikamenteneinnahme, wie sie der Beschwerdeführer
angeblich behauptet hat (vgl. IV-act. 285 S. 16 f.), in einem Zusammenhang mit der
Krankheit stehen. Denn aus der Aktenlage geht hervor, dass die Durchhaltefähigkeit
des Beschwerdeführers eingeschränkt ist, er teilweise sprunghaft agiert und
Abmachungen nicht immer einhalten kann (vgl. z.B. IV-act. 285 S. 40, unten, und 25,
oben, 141 S. 6; 38 S. 2, unten und 96 S. 1). Da dem Beschwerdeführer selbst bei
Unterbrüchen in der Medikamenteneinnahme also keine schuldhafte Verletzung seiner
Mitwirkungspflichten vorgeworfen werden könnte, und die Beschwerdegegnerin ihn
auch nicht zu einer Therapieänderung aufgefordert hat (vgl. Art. 21 Abs. 4 ATSG),
würde ein vorhandenes Verbesserungspotential in der medizinischen Behandlung der
Annahme einer rentenbegründenden Invalidität in diesem Verfahren nicht
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
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entgegenstehen (vgl. BGE 143 V 414 ff. E. 4.4 f.; Urteil des Bundesgerichts vom 15.
Februar 2018, 9C_590/2017, E. 5.1). Entscheidend für die Beurteilung des
Invaliditätsgrades ist somit vorliegend, inwiefern der Beschwerdeführer unter
Berücksichtigung der bisherigen Therapie arbeitsfähig ist.
Die psychiatrische Gutachterin hat ihre Beurteilung der Arbeitsfähigkeit unter
Berücksichtigung der medizinischen Aktenlage sowie der seitens des
Beschwerdeführers geklagten Leiden abgegeben. Sie hat den Beschwerdeführer
ausführlich zu seinem Alltag, seinen Einschränkungen und Vorstellungen befragt und
auch testdiagnostische Mittel zur Beurteilung der Einschränkungen eingesetzt. Es
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass objektiv wesentliche Aspekte in der
Begutachtung nicht berücksichtigt worden wären (vgl. IV-act. 285). Die Gutachterin hat
die von ihr gestellten Diagnosen sodann schlüssig begründet (vgl. IV-act. 285 S. 36 ff.).
Die von ihr genannten Einschränkungen der arbeitsrelevanten Fähigkeiten (vgl. IV-
act. 285 S. 40) sowie die Gesamtbeurteilung einer 50%igen medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit (IV-act. 285 S. 41) sind aufgrund der Aktenlage überdies gut
nachvollziehbar. Der Beschwerdeführer ist im Stande gewesen, eine Ausbildung in
einem Lehrbetrieb zu absolvieren (vgl. IV-act. 120) und er hat im Rahmen der vor der
Begutachtung durch die Beschwerdegegnerin unterstützten beruflichen Eingliederung
in einem Pensum von 50 % gearbeitet, wobei sich allerdings gezeigt hat, dass eine
Steigerung des Arbeitspensums ohne gesundheitliche Dekompensation nicht möglich
gewesen ist (vgl. IV-act. 260 S. 44). Auch die behandelnde Psychotherapeutin lic. phil.
M._ hat den Beschwerdeführer in einer Teilzeitbeschäftigung von 50 % theoretisch
für arbeitsfähig befunden (vgl. IV-act. 285 S. 29 und 268 S. 2). Einzig Dr. K._ hat den
Beschwerdeführer in einem Bericht vom 21. August 2017 als nie wirklich richtig
arbeitsfähig bezeichnet (vgl. IV-act. 273 S. 3). Inwiefern er bei dieser Beurteilung jedoch
ausschliesslich die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit berücksichtigt hat, ist
fraglich. Dies einerseits schon aufgrund der gewählten Formulierung, andererseits, weil
er die Einschätzung im Anschluss an die gescheiterten beruflichen
Integrationsbemühungen abgegeben hat. In der Gesamtschau der medizinischen
Berichte und unter Berücksichtigung der erfolgten Massnahmen zur Integration in den
Arbeitsmarkt erscheint die gutachterliche medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeitsschätzung jedenfalls plausibel. Wie erwähnt (vgl. E. 3.3), wird sie auch
vom Beschwerdeführer nicht explizit in Abrede gestellt. Nicht ohne Weiteres
einleuchtend präsentiert sich jedoch das gutachterliche Adaptionsprofil. Die
Gutachterin hat die Tätigkeit als Bürokaufmann als leidensangepasst bezeichnet, ohne
weitere qualitative Anforderungen an die Tätigkeit zu stellen (vgl. IV-act. 285 S. 41).
Angesichts der gutachterlich attestierten gesundheitlichen Einschränkungen
3.4.
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4.
(vgl. namentlich IV-act. 285 S. 40) sowie der aktenkundigen Berufskarriere erscheint es
offenkundig, dass der Beschwerdeführer nicht für jede kaufmännische Aufgabe bzw.
nicht für jeden Betrieb geeignet ist. Im Hinblick auf die Integration des
Beschwerdeführers hat der RAD in einer Stellungnahme vom 10. Februar 2016
beispielsweise festgehalten, dass eine gut strukturierte Tätigkeit, die gleichzeitig auch
Abwechslung biete, gefunden werden sollte (vgl. IV-act. 186). Wie lic. phil. M._
nachvollziehbar dargelegt hat, dürfte eine Anstellung auch nur in einem Betrieb in Frage
kommen, in dem ein verständnisvolles Arbeitsumfeld besteht und in dem der
Beschwerdeführer seine intellektuellen Fähigkeiten einbringen kann (vgl. IV-act. 212).
Diese qualitativen Anforderungen sind bei einer leidensangepassten Tätigkeit somit im
Minimum vorauszusetzen. Allenfalls bestehen auch weitergehende Einschränkungen
(vgl. dazu E. 4).
In einem nächsten Schritt ist zu prüfen, ob der Beschwerdeführer seine
medizinisch-theoretische Restarbeitsfähigkeit von 50 % auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt sozialpraktisch überhaupt noch verwerten kann. Dies bestreitet der
Beschwerdeführer mit Verweis auf seine gescheiterten beruflichen
Integrationsbemühungen sowie die Einschätzungen von lic. phil. M._ und Dr. K._
(vgl. act. G 1 S. 7 ff.). Die Beschwerdegegnerin nimmt hingegen eine Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit namentlich mit Verweis auf die Praktikumstätigkeit in der (...) der
O._ an (vgl. act. G 4 S. 5 f.).
4.1.
Die Zumutbarkeit der Ausschöpfung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit ist unter
Annahme eines ausgeglichenen Arbeitsmarktes zu bestimmen. Der Begriff des
ausgeglichenen Arbeitsmarktes gemäss Art. 16 ATSG ist ein theoretischer und
abstrakter Begriff, welcher die konkrete Arbeitsmarktlage nicht berücksichtigt (BGE 134
V 70 f. E. 4.2.1). Er umschliesst einerseits ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem
Angebot von Stellen und der Nachfrage nach solchen. Andererseits bezeichnet er einen
Arbeitsmarkt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen
offenhält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE
110 V 276 E. 4b; Urteil des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E.
2.2; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG] vom 3. Dezember 2003, I
349/01, mit Hinweisen). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch sogenannte
Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei welchen mit einem
sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers gerechnet werden kann (Urteil
des Bundesgerichts vom 28. November 2014, 9C_485/2014, E. 2.2 mit Hinweis auf
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
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Urteil vom 29. August 2007, 9C_95/2007, E. 4.3). Von einer Arbeitsgelegenheit kann
allerdings nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch
nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden
Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (Urteil des Bundesgerichts
vom 28. April 2010, 8C_1050/2009, E 3.3 mit weiteren Hinweisen).
Dem Beschwerdeführer ist darin zuzustimmen, dass sich aufgrund der Aktenlage
gewisse Zweifel an einer Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit ergeben. Wie er zu Recht
vorbringt (vgl. act. G 1 S. 7, oben), ist er bereits in seiner Schulzeit sowie im Rahmen
seiner beruflichen Ausbildung auf die Unterstützung der Beschwerdegegnerin
angewiesen gewesen (vgl. z.B. IV-act. 86, 93, 95 ff., 109 und 118). Die Ausbildung hat
er in einem Betrieb absolviert, welcher aufgrund des invaliditätsbedingt erhöhten
Betreuungsaufwandes keinen Lehrlingslohn ausgerichtet hat (IV-act. 95 f.). Auch ist ihm
der Ausbildungsplatz über seinen Vater vermittelt worden (vgl. IV-act. 96). Im
Schlussbericht vom 9. Juli 20_ hat der IV-Berufsberater festgehalten, dass der
Überwachungsaufwand zeitweilig sehr aufwändig gewesen sei (IV-act. 120). Die
beruflichen Massnahmen sind seitens der Beschwerdegegnerin nach erfolgreichem
Lehrabschluss beendet worden, weil der Beschwerdeführer eine schulische
Weiterbildung in Angriff genommen hat, ohne dass sichergestellt gewesen wäre, dass
er später den Berufseinstieg selber schafft (IV-act. 120 und 122). Der Einstieg in das
Berufsleben scheint denn auch von Anfang an mit Schwierigkeiten verbunden gewesen
zu sein (vgl. z.B. IV-act. 138 ff.), was die seit langer Zeit bestehende
Selbstwertproblematik (vgl. z.B. IV-act. 23, 38 und 41) in gut nachvollziehbarer Weise
wieder verstärkt zum Vorschein gebracht hat. Sowohl Dr. J._ als auch lic. phil M._
haben auf den hohen psychischen Druck hingewiesen, der die fehlende Aussicht auf
eine Festanstellung beim Beschwerdeführer ausgelöst hat (vgl. IV-act. 170 und 141
S. 6). Die durch die Beschwerdegegnerin aufgegleisten beruflichen
Integrationsmassnahmen, die dem Beschwerdeführer wohl mangels für ihn klar
erkennbarer Chance auf eine Festanstellung kein Gefühl von Stabilität und Sicherheit
gegeben haben, haben die Verschlechterung der psychischen Problematik nicht
aufhalten können. Durch den Arbeitsversuch bei der N._ AG hat sich der
Beschwerdeführer zudem erst recht als minderwertig gefühlt, da eine Tätigkeit im
geschützten Bereich nicht seinen Vorstellungen von beruflicher Eingliederung
entsprochen hat (vgl. IV-act. 205 und 212 S. 6 f.). Dazu passend hat die psychiatrische
Gutachterin festgehalten, die narzisstische Persönlichkeitskomponente habe dazu
geführt, dass der Beschwerdeführer das Leistungsprofil, das für ihn angesichts seiner
4.3.
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psychischen Gesamtproblematik in Frage komme, ablehne, weil er es als "unter
Niveau" empfinde und starr an Tätigkeiten festhalte, die ihm theoretisch intellektuell
eventuell möglich wären, für die er aber nicht die psychische Stabilität aufweise
(vgl. IV-act. 285 S. 36, oben). Während der Beschwerdeführer im ersten Praktikum bei
der O._ mit intellektuellen Herausforderungen in einem sozialen, geschützten Umfeld
mit Begleitung durch einen Jobcoach und mit der Hoffnung auf eine Festanstellung
scheinbar zumindest vorübergehend einigermassen hat bestehen können (vgl. IV-
act. 259 S. 2), haben schon kleine in den Augen des Beschwerdeführers nicht
passende Umstände (z.B. zu wenig Arbeit und fehlende Berechtigungen) in einer
anderen Abteilung des Praktikumsbetriebs zu einer Verschlechterung der psychischen
Problematik und schliesslich zum Scheitern der beruflichen Integration geführt (vgl. IV-
act. 259 S. 3). Mithin ist die fehlende Aussicht auf eine Festanstellung entgegen der
Ansicht der Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 4 S. 6) nicht der einzige Grund für das
Scheitern der beruflichen Integrationsmassnahme gewesen. Überdies verkennt die
Beschwerdegegnerin mit ihrer Argumentation, dass das gesteigerte Gefühl der
Perspektivlosigkeit, der Angst und der Resignation teilweise gepaart mit Aggression
gerade auch als Teil des Krankheitsbildes des Beschwerdeführers zu verstehen ist. So
hat die psychiatrische Gutachterin festgehalten, dass den Beschwerdeführer
Leistungsanforderungen, die ihn aufgrund seines Gesamtstörungsbildes unter Druck
setzten, überforderten und schliesslich oftmals scheitern liessen und er auf solche sehr
dysfunktional mit narzisstisch gefärbter Abwehr (Kränkung, Grössen- und
Rachephantasien, Entwertung des Umfelds/des Gegenübers) und aggressiv-
manipulativem Verhalten im Sinne von Drohungen mit suizidalen, aber auch
fremdaggressiven Handlungen reagiere. Eine weitere sehr dysfunktionale Strategie sei
das Vermeidungsverhalten, das sich zum Beispiel im Verleugnen und Bagatellisieren
von Problemen zeige (IV-act. 285 S. 36). In der neuropsychologischen gutachterlichen
Untersuchung haben sich entsprechend den klinisch feststellbaren
Persönlichkeitsauffälligkeiten kritisch-negative und eigenwillig-paranoide Züge, eine
über der Norm liegende Aggressionsbereitschaft, die Erwartungshaltung einer geringen
Selbstkontrolle und Selbstdisziplin sowie Frustrationstoleranz und eine externe
Kontrollüberzeugung mit häufigen Gefühlen von Abhängigkeit, Ohnmacht und
Hilflosigkeit gezeigt (vgl. IV-act. 285 S. 35, oben). Gemäss dem Abschlussbericht des
Jobcoachs hat das Praktikum bei der O._ das Potential und die Einschränkungen
des Beschwerdeführers denn auch gut aufgezeigt. Der Beschwerdeführer habe sich in
den Gesprächen für Methoden zur Verhaltensveränderung offen gezeigt und sich aktiv
am Prozess beteiligt. Aus unterschiedlichen Gründen habe er Termine jedoch
kurzfristig absagen müssen oder er habe zwischen den wöchentlichen Terminen
telefonische Zuwendung benötigt. Die wohlwollenden und geduldigen Gespräche
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hätten ihm geholfen, sich wieder zu erden und einen Lösungsansatz zu entwickeln
(vgl. IV-act. 259 S. 4). Der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers sei im Praktikum
bei der O._ sehr hoch gewesen. Der Beschwerdeführer habe zeigen wollen, dass er
wieder fit für den Arbeitsmarkt sei. Hinter dieser leistungsorientierten Fassade habe
jedoch ein unsicherer und verletzlicher junger Mann gestanden, der über enorm viele
Fähigkeiten, Kompetenzen und Qualitäten verfügt habe, aber kaum Lösungsansätze für
die Bewältigung seiner Stolpersteine habe umsetzen können. Es habe ihm nicht an
Wissen oder Erfahrungen gemangelt, sondern an der Überzeugung, dass ein
bewährtes Konzept auch längerfristig bestehen könne. Er habe Situationen hinterfragt
und analysiert und sei immer wieder in einen Überforderungsmodus gekommen,
sodass sich kaum eine langfristige Lösung habe manifestieren können. Zunehmend
habe der Beschwerdeführer immer mehr Schwachstellen, Leerläufe und
Wiederholungen im Arbeitsalltag bemerkt, was seine Motivation getrübt habe. Auch
habe der Beschwerdeführer kein Mittelmass entwickeln können, sondern in Extremen
gelebt. Es habe ihm am notwendigen Selbstvertrauen gefehlt, um sich für sich und
seine Anliegen einzusetzen. Er sei gekränkt gewesen, weil er sich nicht genügend
gefördert und unterstützt gefühlt habe. Aus seiner Betroffenheit heraus habe er Angst
vor Konfrontation gehabt, die durch die Angst durch Zurückweisung entstanden sei.
Kurz nach einem Standortgespräch, anlässlich welchem besprochen worden sei, dass
die Arbeitgeberin nach einer geeigneten Anschlusslösung suchen würde, habe der
Versicherte an der Weiterführung des Arbeitsversuchs gezweifelt, weil sich bei ihm
noch nicht die für ihn passende Abteilung gemeldet habe. Auf die Idee, selber
nachzufragen, sei er nicht gekommen. Er habe sich nicht getraut, sich klar für eine
Lösung auszusprechen, da er Konflikte habe vermeiden wollen. Sein Wunsch sei es
gewesen, eine Rolle in einem System zu finden, in dem er subtil agieren könne und
welches ihn unterstütze, seine Muster und Neigungen in Balance zu halten, wobei
diesbezüglich nicht mehr viele Möglichkeiten im KV-Bereich offen gestanden hätten. In
der Fortsetzung des Praktikums in einer neuen Abteilung habe sich der
Beschwerdeführer nicht wohl gefühlt. Er habe das Gefühl verspürt, der Arbeitgeberin
nicht wirklich etwas bringen zu können. Er habe sich über zu wenig Arbeit und fehlende
Berechtigungen beklagt. Wegen der negativen Gesundheitsentwicklung sei die
berufliche Massnahme schliesslich beendet worden (vgl. IV-act. 259 S. 2 f.).
Die als unangepasst imponierende Art des Beschwerdeführers mit den überhöhten
Ansprüchen an einen Arbeitgeber gepaart mit einem starken Motivationsabfall, wenn
nicht sämtliche Ansprüche befriedigt sind, kann ihm somit nicht oder zumindest nur
teilweise zum Vorwurf gemacht werden. Angesichts der beschriebenen
Verhaltensmuster und Einstellungen des Beschwerdeführers ist die Verwertbarkeit der
4.4.
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Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt allerdings fraglich. Zwar ist es nicht
ausgeschlossen, auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt einen sozial
eingestellten Arbeitgeber zu finden, welcher dem Beschwerdeführer mit viel
Verständnis und Geduld begegnet und ihm genügend Struktur und Halt gibt.
Gleichwohl bestehen gewisse Zweifel, ob ein Arbeitgeber bereit wäre, sich derart den
Bedürfnissen des Beschwerdeführers anzupassen, dass eine längerfristige
Arbeitsbeziehung möglich wäre. Wie aufgezeigt (vgl. E. 4.3), hat der Jobcoach im
Schlussbericht zum Praktikum bei der O._ doch ein ziemlich kompliziertes und
wechselhaftes Verhalten des Beschwerdeführers geschildert. Zur Wechselhaftigkeit hat
er überdies noch festgehalten, dass der Beschwerdeführer innerhalb eines Gesprächs
stark zwischen den Zuständen der Vernunft, der Dominanz, der Anpassung und der
Rebellion gewechselt habe. Teilweise wirke er aggressiv, überheblich, gekränkt oder
weinerlich. Er wolle nichts verpassen und sei daher enorm schnell unterwegs, übersehe
aber so manch wichtiges Element auf seinem Weg (vgl. IV-act. 259 S. 4). Dazu passend
ist auch im Schlussbericht zur Integrationsmassnahme bei der N._ AG vom 20. April
2016 festgehalten worden, der Beschwerdeführer habe immer alles sehr schnell
erledigen wollen. Die Ergebnisse der Arbeit habe er aber nicht zeigen wollen, sondern
sogleich nach neuen Aufgaben verlangt. Er sei motiviert, in erster Linie jedoch sehr
ungeduldig und unkonzentriert gewesen (IV-act. 204). Zweifel an der Zumutbarkeit für
einen Arbeitgeber ergeben sich namentlich auch aufgrund der mehrfach
dokumentierten Aggressionen, die sich teilweise zu konkreten Drohgebärden verfestigt
haben (vgl. dazu IV-act. 285 S. 36, oben; vgl. zu ähnlichem Verhalten bereits in der
Jugend IV-act. 38 und 41). Anlässlich der von der Beschwerdegegnerin in Auftrag
gegebenen Begutachtung hat er von Rachegefühlen und Hackerangriffsphantasien
gesprochen (vgl. IV-act. 285 S. 23), die er zuvor anscheinend auch schon bei lic. phil.
M._ geäussert hatte (vgl. IV-act. 285 S. 29; vgl. dazu ferner auch IV-act. 38 und 42).
Selbst wenn sich aber ein geeigneter Arbeitgeber finden liesse, der sich dem
Beschwerdeführer optimal anpassen würde und auch mit den auffälligen
Verhaltensweisen zu Recht käme, würde sich noch immer die Frage stellen, ob der
Beschwerdeführer die medizinisch-theoretisch zwar vorhandene Arbeitsfähigkeit
tatsächlich auch im Rahmen einer längerfristigen Anstellung gewinnbringend verwerten
könnte. Dr. J._ hat nämlich trotz der Annahme einer medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit (vgl. IV-act. 145 und 141 S. 6) darauf hingewiesen, dass das
dysfunktionale Verhalten des Beschwerdeführers es ihm verunmögliche, eine
Arbeitsstelle aufrechtzuerhalten (vgl. IV-act. 141 S. 6). Bezeichnend ist in diesem
Zusammenhang auch, dass selbst die psychiatrische Gutachterin eingeräumt hat, die
bisherigen von der Beschwerdegegnerin aufgegleisten Integrationsmassnahmen
könnten als dem Störungsbild angemessen bezeichnet werden, jedoch seien sie vom
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
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5.
Beschwerdeführer überwiegend störungsbedingt (narzisstisch-unreife Züge mit
unrealistischen Ansprüchen sowie Abwertungstendenz gegenüber unterstützenden
Personen) nicht oder nicht anhaltend wahrgenommen worden und seien dadurch
gescheitert (vgl. IV-act. 285 S. 39). Zweifel an der praktischen Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit hat auch lic. phil M._ geäussert. Sie hat ausgeführt, es wäre
theoretisch zwar denkbar, dass der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten
Stelle im Arbeitsleben Fuss fasse, in der Praxis scheine es jedoch trotz hoher
Motivation nicht realistisch zu sein, dass es zu einem längerfristigen Arbeitsverhältnis
komme (vgl. IV-act. 268). Schliesslich hat auch Dr. K._ festgehalten, dass der
Beschwerdeführer seines Erachtens gar nie wirklich arbeitsfähig gewesen sei, mithin
sieht auch er keine realistische berufliche Perspektive (IV-act. 273 S. 2 f.).
Zusammenfassend bestehen also selbst unter Berücksichtigung eines
ausgeglichenen Arbeitsmarktes grosse Zweifel an der praktischen Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit. Die bisherige schulische Entwicklung des Beschwerdeführers,
seine Motivation und seine intellektuellen Fähigkeiten geben aber gleichwohl eine
gewisse Hoffnung, dass er bei optimalen Rahmenbedingungen doch noch eine Chance
hat, auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen zu können. Da, wie der nachfolgende
Einkommensvergleich zeigen wird, ohnehin ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
besteht, kann die im vorliegenden Fall nur schwierig zu beantwortende Frage nach der
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit offengelassen werden.
4.5.
Ausgehend von der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung sind (die
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit vorausgesetzt, vgl. dazu E. 4) in einem
nächsten Schritt die erwerblichen Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu
prüfen. Für den Einkommensvergleich sind grundsätzlich die Verhältnisse im Zeitpunkt
des Beginns des Rentenanspruchs entscheidend (vgl. BGE 129 V 222). Mit den
Parteien kann von einem Rentenbeginn am 1. April 2017 ausgegangen werden (vgl.
act. G 1.1.4 und 1 S. 3, oben), da die beruflichen Massnahmen per 31. März 2017
geendet haben (vgl. IV-act. 263) und ab dem 1. April 2017 keine Taggeldleistungen
mehr ausgerichtet worden sind (vgl. IV-act. 299 S. 1; Art. 29 Abs. 2 IVG). Das Wartejahr
nach Art. 28 Abs. 1 IVG ist am 1. April 2017 auch bereits verstrichen gewesen, da der
Beschwerdeführer an einem Geburtsgebrechen leidet und seine gesundheitlichen
Einschränkungen sich bereits in der Kindheit und Jugend bemerkbar gemacht haben
(vgl. IV-act. 1 ff.). Auch steht die in Art. 29 Abs. 1 IVG enthaltene Frist einer Entstehung
des Rentenanspruchs per 1. April 2017 nicht entgegen, da die letzte IV-Anmeldung des
Beschwerdeführers bereits am 6. Oktober 2015 bei der Beschwerdegegnerin
5.1.
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eingegangen ist (vgl. IV-act. 166 S. 1). Für den Einkommensvergleich massgebend ist
somit das Jahr 2017.
Für das Valideneinkommen ist entscheidend, was die versicherte Person aufgrund
ihrer beruflichen und persönlichen Umstände nach dem Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit im massgebenden Zeitpunkt des allfälligen
Rentenbeginns verdient hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Art. 16 ATSG;
BGE 135 V 59 E. 3.1 und 139 V 30 E. 3.3.2, je mit Hinweisen). Hat eine versicherte
Person wegen der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen
können, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen
könnte, dem durchschnittlichen Einkommen eines Erwerbstätigen im Beruf, für den die
Ausbildung begonnen worden ist (Art. 26 Abs. 2 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]). Für die monetäre Berücksichtigung
potentieller Laufbahnschritte beim Validenlohn müssen konkrete Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass die versicherte Person einen beruflichen Aufstieg und ein entsprechend
höheres Einkommen tatsächlich realisiert hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre.
Nicht ausreichend sind Absichtserklärungen. Vielmehr muss die Absicht, beruflich
weiterzukommen, bereits durch konkrete Schritte wie Kursbesuche oder die Aufnahme
eines Studiums kundgetan worden sein (Ulrich Meyer/Marco Reichmuth, Bundesgesetz
über die Invalidenversicherung, in: Hans-Ulrich Stauffer/Basile Cardinaux (Hrsg.),
Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, 3. Aufl. 2014, N 64
zu Art. 28a mit Hinweisen; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 57 f. zu Art.
16 mit Hinweisen).
5.2.
Die Beschwerdegegnerin hat zur Bestimmung des Validenenkommens auf die
Lohnempfehlungen des kaufmännischen Verbandes (KV) Schweiz für kaufmännische
Angestellte mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis in der Region _ abgestellt.
Ausgehend davon ist sie von einem Valideneinkommen von Fr. 69'160.-- ausgegangen
(IV-act. 303 S. 1; act. G 1.1.13). Der Beschwerdeführer ist hingegen der Ansicht, dass
er ohne seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen sicherlich noch ein Masterstudium
an einer Fachhochschule absolviert hätte. Deswegen sei entsprechend den
Lohnempfehlungen des KV Schweiz für das Jahr 2017 ein Valideneinkommen von
Fr. 105'360.-- anzunehmen (vgl. act. G 1 S. 11).
5.3.
Dem Beschwerdeführer ist darin zuzustimmen, dass im vorliegenden Fall konkrete
Anhaltspunkte dafür bestehen, dass er ohne seine gesundheitlichen Einschränkungen
eine Laufbahn mit Fachhochschulabschluss eingeschlagen hätte. Zum einen ist sein
Wille zu einer solchen Laufbahn deutlich zu erkennen. Schon früh hat der
Beschwerdeführer den Wunsch geäussert, ein Studium zu absolvieren (vgl. z.B. IV-act.
5.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/28
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49 S. 1 und 120 S. 1) und generell zeigt sich in den Akten sein Interesse an Bildung und
kognitiver Herausforderung. So hat er beispielsweise mit einer Schulverweigerung
reagiert, als er von der Sekundarschule in die Realschule abgestuft worden ist (vgl. IV-
act. 23 S. 1 und 17 S. 1 f.). Im an die Schulverweigerung anschliessenden Aufenthalt im
C._ ist ihm denn grundsätzlich auch ein Sekundarschulniveau bescheinigt worden,
ein Besuch einer öffentlichen Sekundarschule aber aufgrund der Defizite im sozialen
Bereich und den psychischen Belastungen nicht für möglich gehalten worden (vgl. IV-
act. 23). Die gesundheitlichen Einschränkungen haben den Beschwerdeführer in seiner
schulischen Laufbahn somit schon früh behindert. Trotzdem hat der Beschwerdeführer
weiterhin eine Mittelschulausbildung angestrebt. In nur einem Schuljahr an einer
Sonderschule scheint es ihm denn auch gelungen zu sein, seine schulischen Lücken
aus der Oberstufenzeit zu schliessen und sogar eine Aufnahmeprüfung an eine
Kantonsschule zu absolvieren, die er nur knapp nicht bestanden hat. Diesbezüglich hat
ein IV-Berufsberater zudem festgehalten, dass er ausgerechnet in einem Fach versagt
habe, in dem er sonst gute Leistungen erzielt habe. Überdies hat der Berufsberater auf
psychosoziale Belastungsfaktoren hingewiesen, die im Zeitpunkt der Aufnahmeprüfung
bestanden hätten (vgl. IV-act. 72). Der Umstand, dass es dem Beschwerdeführer in
einem seinen Bedürfnissen angepassten Setting möglich gewesen ist, sein Schulniveau
in kurzer Zeit praktisch auf das Eintrittsniveau für die Kantonsschule anzuheben,
während er zuvor aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigungen von der
Sekundarschule runtergestuft worden ist, zeigt deutlich auf, wie sehr ihn seine
psychischen Probleme an der Entfaltung der intellektuellen Ressourcen hemmen
können. Seine Ausbildung zum Kaufmann Profil E hat der Beschwerdeführer sodann
mit guten Schulnoten abgeschlossen, während für den Ausbildungsbetrieb aber ein
invaliditätsbedingter Mehraufwand bestanden hat (vgl. IV-act. 95, 96, 100 und 120). So
hat der Berufsberater im Schlussbericht zu der durch die Beschwerdegegnerin
unterstützten erstmaligen beruflichen Ausbildung beispielsweise festgehalten, dass der
Überwachungsaufwand zeitweilig sehr hoch gewesen sei (vgl. IV-act. 120). Auch die
Ausbildung hat somit gezeigt, dass der Beschwerdeführer über ein grosses
intellektuelles Potential verfügt, dieses aber aufgrund seiner Beeinträchtigungen in der
Praxis nur schwer bzw. mit grosser Unterstützung entfalten kann. Nach dem
erfolgreichen Lehrabschluss hat der Beschwerdeführer seinen Willen, eine
Maturitätsprüfung zu absolvieren und danach ein Studium anzutreten, erneut bekräftigt
(vgl. IV-act.120) und auch konkret in die Tat umgesetzt, indem er eine Ausbildung zur
Berufsmaturität kaufmännische Richtung erfolgreich zum Abschluss gebracht hat
(vgl. act. G 1.1.7).
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Mit dem Berufsmaturitätsabschluss hat der Beschwerdeführer die
Voraussetzungen geschaffen, um ein Studium an einer Fachhochschule aufzunehmen.
Schliesslich hat er auch ein Studium an einer Fachhochschule aufgenommen und sich
unter anderem hierfür psychologische Unterstützung geholt (vgl. IV-act. 170). Lic. phil.
M._ hat in einem Bericht vom 27. Oktober 2015 sodann festgehalten, dass sich mit
der Aufnahme des Studiums die psychische Situation des Beschwerdeführers
verschlechtert habe. Er habe sich überfordert gefühlt, habe sich im Studium nicht
zurechtfinden können und sei oftmals gar nicht zu den Vorlesungen gegangen.
Schliesslich sei es zu einem Zusammenbruch gekommen, sodass der Hausarzt den
Beschwerdeführer habe krankschreiben und der Beschwerdeführer das Studium habe
abbrechen müssen (vgl. IV-act. 170). Folglich ist grundsätzlich davon auszugehen,
dass gesundheitliche Gründe zum Studienabbruch geführt haben, zumal potentielle
Schwierigkeiten in einem Studium aufgrund des bestehenden Beschwerdebildes sowie
der gesamten Aktenlage gut nachvollziehbar sind. Soweit die Beschwerdegegnerin
anführt, der Beschwerdeführer habe das Studium nicht aus gesundheitlichen Gründen
abgebrochen, sondern weil er sich gemäss seinen im Rahmen der Begutachtung
gemachten Aussagen nicht mehr mit dem Studienfach habe identifizieren können,
sprunghaft und ohne anhaltende Motivation gewesen sei und lieber auf Reisen habe
gehen und das Leben geniessen wollen (vgl. act. G 4 S. 7), verkennt sie, dass gerade
diese Sprunghaftigkeit, die teils schwankende Motivation sowie die Resignation bei
Überforderung Teil des aktenkundigen Krankheitsbildes des Beschwerdeführers sind
(vgl. E. 4). Bereits im Austrittsbericht des C._ vom Februar 20_ ist beispielsweise
beschrieben worden, dass sich die Einschätzungen und Befindlichkeiten des
Beschwerdeführers teilweise innerhalb von Minuten geändert hätten, mit ihm getroffene
Vereinbarungen nur eine geringe Verbindlichkeit aufgewiesen hätten. Das Zentrum hat
eine Sonderbeschulung in einer klar strukturierten und haltgebenden Institution
empfohlen (vgl. IV-act. 38 und 41). An einer Fachhochschule dürfte dem
Beschwerdeführer eine solche haltgebende Struktur gerade gefehlt haben.
Durchhalteschwierigkeiten haben sich auch im beruflichen Kontext gezeigt. Dr. J._
hat ausgeführt, dass das dysfunktionale Verhalten des Beschwerdeführers es ihm
verunmögliche, eine Arbeitsstelle oder eine Partnerschaft aufrechtzuerhalten (IV-
act. 141 S. 6). Der von der Beschwerdegegnerin finanzierte Jobcoach hat sodann
exemplarisch ausgeführt, dass der Beschwerdeführer über enorm viele Fähigkeiten,
Kompetenzen und Qualitäten verfüge, aber kaum Lösungsansätze für die Bewältigung
seiner Stolpersteine umsetzen könne (vgl. IV-act. 259 S. 2). Folglich erscheint es
naheliegend, dass sich die gesundheitlichen Probleme auch auf das Studium
ausgewirkt haben und schliesslich für den Studienabbruch verantwortlich gewesen
sind. Dass die intellektuellen Fähigkeiten des Beschwerdeführers sein durch die
5.5.
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psychische Instabilität und die sozialen Fertigkeiten faktisch eingeschränktes
Leistungsprofil übersteigen, hat überdies auch die psychiatrische Gutachterin zum
Ausdruck gebracht (vgl. IV-act. 285 S. 36). Ohnehin ist die im Rahmen der
Begutachtung gemachte Aussage des Beschwerdeführers, wonach er das Studium
abgebrochen habe, weil er das Leben habe geniessen wollen (vgl. IV-act. 285 S. 33),
aber mit Vorsicht zu geniessen. Auch Verklärungen der Realität und Fluchtverhalten bei
Misserfolgen scheinen nämlich gemäss Aktenlage das Krankheitsbild des
Beschwerdeführers mitzubestimmen (vgl. z.B. IV-act. 23, 41 S. 2, 285 S. 34 und 36).
Soweit die Beschwerdegegnerin weiter behauptet, von einem Erreichen eines
Masterabschlusses könne auch deswegen nicht ausgegangen werden, weil der
Beschwerdeführer das Studium nur mangels Arbeitsstelle aufgenommen habe, es sich
mithin beim Studium nicht in erster Linie um einen Wunsch, sondern um eine
Beschäftigung gehandelt habe (vgl. act. G 4 S. 6 f.), kann ihr ebenfalls nicht gefolgt
werden. Wie bereits dargelegt, hat der Beschwerdeführer schon ganz früh den Wunsch
nach einem Studium geäussert (vgl. z.B. IV-act. 49 S. 1) und sich mit grosser
Motivation für dieses Ziel eingesetzt. Selbst wenn er aber, wie von der
Beschwerdegegnerin behauptet, als gesundheitlich Beeinträchtigter doch irgendwann
nicht mehr den Wunsch nach einem Studium verspürt haben sollte, sagt dies nichts
über die Validenkarriere aus. Denn es gibt gerade eine Vielzahl invaliditätsbedingter
Faktoren (längerer Ausbildungsweg, mangelndes Selbstvertrauen für das Studium etc.),
die den Beschwerdeführer von einer sofortigen Aufnahme des Studiums abgehalten
haben könnten. Jedenfalls hat er das Studium schliesslich aufgenommen (vgl. act. G
1.1.10), womit konkrete Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass es ohne
Gesundheitsbeeinträchtigung zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen wäre.
Zusammenfassend ist somit von einer Validenkarriere mit einem Masterabschluss an
einer Fachhochschule auszugehen. Das vom Beschwerdeführer angeführte
Valideneinkommen von jährlich Fr. 105'360.-- (vgl. act. G 1 S. 11) erscheint gestützt auf
die Empfehlungen des KV Schweiz plausibel (vgl. act. G 1.1.12), zumal der
Beschwerdeführer auch über gute fremdsprachliche Kenntnisse verfügt (vgl. act. G
1.1.11).
Das von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Salärangaben des KV Schweiz
für kaufmännisch ausgebildete Personen mit einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis
angenommene Invalideneinkommen von Fr. 69'160.-- ist nicht zu beanstanden
(vgl. act. G 1.1.2 S. 5 i.V.m. act. G 1.1.13). Auch der Beschwerdeführer ist mit dieser
Basis für das Invalideneinkommen einverstanden (vgl. act. G 1 S. 11). Angepasst an die
50%ige Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers ergibt sich, wie von der
5.6.
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6.