Decision ID: eaf18771-614e-49f4-9df5-c6d93c644a9e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1956, bezieht seit dem 1. August 1997 eine ganze Invalidenrente (Verfügung vom 14. Oktober 1998, Urk. 6/41). Jeweils nach durchgeführter Rentenrevision teilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten am 20. August 1999 (Urk. 6/47), 4. Februar 2002 (Urk. 6/54), 20. Mai 2005 (Urk. 6/57) und am 9. Oktober 2009 (Urk. 6/63) mit, dass der Rentenanspruch unverändert sei.
1.2
Im April 2016 beantragte die Versicherte sowohl Hilfsmittel (Versorgung mit
einem Spezialschuh; Urk. 6/68) als auch einen Assistenzbeitrag (vgl.
Urk. 6/67/1). Aufgrund der Anmeldung für den Assistenzbeitrag wurde von der IV-Stelle gleichzeitig der Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung geprüft (Urk. 6/75).
Am 29. Juni 2016 wurde Kostengutsprache für die Versorgung mit einem Spe
zialschuh erteilt (Urk. 6/87). Mit Verfügungen vom 18. Juli 2016 wies die IV-Stelle sowohl den Anspruch auf einen Assistenzbeitrag (Urk. 6/89
)
als auch je
nen auf Hilflosenentschädigung (Urk. 6/90) ab.
Gegen die Verfügung betreffend den Anspruch auf Hilflosenentschädigung erhob die Versicherte beim hiesigen Sozialversicherungsgericht Beschwerde (Urk. 6/93/3). Mit Urteil vom 5. Januar 2017 wurde die Beschwerde teilweise gutgeheissen und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen (Prozess IV.2016.00902; Urk. 6/95).
1.3
In der Folge holte die IV-Stelle weitere medizinische Berichte ein (Urk. 6/101-103) und führte erneut eine Haushaltsabklärung durch (Bericht vom 19. Juni 2017, Urk. 6/107). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 6/109; Urk. 6/115) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 8. September 2017 den An
spruch auf eine Hilflosenentschädigung erneut ab (Urk. 6/119 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 27. September 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 8. September 2017 (Urk. 2) und beantragte sinngemäss, diese sei aufzuhe
ben und es sei ihr eine Hilflosenentschädigung zuzusprechen (Urk. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2. November 2017 (Urk. 5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 7. November 2017 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die rechtlichen Grundlagen wurden im Urteil vom
5. Januar 2017
im Prozess IV.
2016.00902
in Erwägung 1
dargeleg
t (Urk. 6/95/2-4
). Darauf kann
– mit den nachfolgenden Ergänzungen -
verwiesen werden.
1.2
Art. 37
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
sieht drei Hilflosig
keitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erhebli
cher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Ge
brechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wie
sen ist.
1.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
vor, wenn eine volljährige versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung ei
ner Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Zu berücksichtigen ist nur diejenige lebenspraktische Begleitung, die regelmäs
sig und im Zusammenhang mit den in Absatz 1 erwähnten Situationen erfor
derlich ist. Nicht darunter fallen insbesondere Vertretungs- und Verwaltungstä
tigkeiten im Rahmen
von Massnahmen des Erwachsenenschutzes nach den Ar
tikeln 390-398 des Zivilgesetzbuches
(
Art.
38
Abs.
3 IVV).
Der Anspruch auf Berücksichtigung des Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung ist nicht auf Menschen mit Beeinträchtigung der psychischen oder geistigen Gesundheit beschränkt. Es ist durchaus möglich, dass auch andere Behinderte einen Bedarf an lebenspraktischer Begleitung geltend machen können. Zu den
ken ist insbesondere an hirnverletzte Menschen (BGE 133 V 450 E. 2.2.3).
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450
E. 2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebensprakti
sche Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Insti
tut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf Hilflosenentschädigung nicht davon abhän
gig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, die Angaben im Rahmen der Abklärung vor Ort hätten klar gezeigt, dass die Beschwerdeführerin in der Lage sei, ihre Grundversorgung sowohl bei den Verrichtungen des alltäglichen Lebens als auch im Haushalt selbständig zu si
chern. Dies bedeute, dass sie keine regelmässige lebenspraktische Begleitung im geforderten Ausmass von wöchentlich mindestens zwei Stunden benötige (S. 1 f.). Sodann sei sie nicht isoliert im Sinne des Gesetzes. Gesamthaft bestehe kein Anspruch auf eine Hilflosenentschädigung, weshalb das Leistungsbegehren ab
zuweisen sei (S. 2). Daran hielt die Beschwerdegegnerin mit der Beschwerde
antwort fest (Urk. 5).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt (Urk. 1), die Abklärungsperson sei ihr gegenüber unfreundlich auf
getreten und habe sie aufgefordert, Rückfragen jeweils nur zu bejahen oder zu verneinen. Damit sei es ihr verunmöglicht worden, ihren gesundheitlichen Zu
stand genau darzustellen (S. 1 oben). Um überhaupt aus dem Haus zu kommen, sei sie immer auf ein Taxi und Begleitung angewiesen. Die Fortbewegung sei sehr eingeschränkt, und zu Fuss könne sie nur kurze Strecken bewältigen. Im Abklärungsbericht seien die Arztberichte nicht berücksichtigt worden (S. 1 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf Hilflo
senentschädigung zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Die Abklärungsperson der Beschwerdegegnerin ging im Abklärungsbericht vom 18. Mai 2016 von der Diagnoseliste aus, welche im Jahr 1998 zur Rentenzu
sprache geführt hatte, ohne aktuelle medizinische Angaben und neu hinzuge
tretene Beschwerden und Diagnosen zu berücksichtigen (Urk. 6/78/1). Aufgrund der veralteten Diagnoseliste und mangels Einholung aktueller Angaben von ärztlichen Fachpersonen zur Einschränkung der körperlichen und geistigen Funktionen wurde die Beschwerdegegnerin vom hiesigen Gericht zur Vornahme weiterer Abklärungen aufgefordert (Erwägung 4 des Urteils vom 5. Januar 2017, Urk. 6/95/7-8).
Im Nachgang zum besagten Urteil sind den Akten folgende Angaben zu entneh
men:
3.2
Dr. med. Y._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab mit Bericht vom 26. April 2017 (Urk. 6/102) an, die Beschwerdeführerin leide an seronegativer Polyarthritis (Ziff. 1.3). Tendenziell verschlechtere sich ihr Ge
sundheitszustand kontinuierlich (Ziff. 1.4). Aktuell benötige die Beschwerde
führerin jedoch einzig im Bereich der Fortbewegung im Freien regelmässige und erhebliche Hilfe. Schmerzbedingt sei der Radius eingeschränkt (Beiblatt Ziff. 5; Urk. 6/102/4). Ansonsten verneinte Dr. Y._ die Hilfsbedürftigkeit in sämtlichen Bereichen.
3.3
Mit Bericht vom 9. Mai 2017 (Urk. 6/103/6-7) nannten Ärzte der Klinik für Rheu
matologie des Z._ folgende Diagnosen als relevant für das Ausmass der Hilflosigkeit (Ziff. 1.3):
-
Knochenmarksödemsyndrom
-
Steroid induzierte Osteoporose
-
seronegative rheumatoide Arthritis
Die Ärzte gaben an, die Beschwerdeführerin sei insbesondere bei der Fortbewe
gung eingeschränkt. Sie sei aufgrund von massiven Schmerzen der multiplen und rezidivierenden Insuffizienzfrakturen im Bereich beider Füsse deutlich ein
geschränkt. Die aktuelle Gehstrecke liege bei ungefähr 20 bis 50 Metern, danach müsse die Beschwerdeführerin absitzen. Aufgrund der rheumatoiden Arthritis und eines Handgelenks-Ganglions sei die Unterstützung mittels Rollator res
pektive Gehstöcken nicht möglich (Ziff. 2.1). Dementsprechend sei das Einkau
fen und die Wohnungsreinigung aufgrund der Beschwerden nicht möglich (Ziff. 2.2), und die Beschwerdeführerin benötige wegen der eingeschränkten Gehfähigkeit Unterstützung oder Begleitung bei der Kontaktpflege ausserhalb der Wohnung (Ziff. 2.3). Zudem liege einerseits aufgrund der somatischen Be
schwerden und andererseits aus psychologischen Gründen, weil sie unter der somatischen Problematik stark leide und sich der Gesellschaft nicht mehr zuge
hörig fühle, eine zunehmende Isolation vor (Ziff. 2.4).
3.4
Am 15. Juni 2017 erfolgte eine weitere Abklärung bei der Beschwerdeführerin zu Hause (Abklärungsbericht vom 19. Juni 2017; Urk. 6/107). Diese wurde in Anwesenheit der für die Beschwerdeführerin zuständigen Person der Spitex durchgeführt (S. 1 Mitte). Die Beschwerdeführerin habe berichtet, sie habe Schmerzen im Bereich der Hände und Füsse, wobei die Schmerzen in den Füs
sen sehr einschränkend seien (S. 1 unten). Zusätzlich zu den Schmerzen und den wiederholten Brüchen leide sie auch an einem Knochenödem im Fuss. Je nach Tagesform komme es zu wandernden Schmerzen in allen Gelenken. Alle Alltagsaktivitäten müsse sie sorgfältig und in Etappen ausführen. Die Tätigkei
ten könne sie nicht langfristig planen, da sie dem jeweiligen Beschwerdebild entsprechend handeln müsse. Dies führe für sie zu einem Dauerstress. Manch
mal befürchte sie, dass ihr Gesamtzustand auch der Psyche dauernden Schaden zufügen könnte (S. 2 oben). Die Besuche bei der psychiatrischen Fachärztin habe sie eingestellt, da sie diese nicht als hilfreich empfunden habe (S. 2 Mitte).
Die Beschwerdeführerin berichte, dass die Schwierigkeiten beim Gehen das grösste Hindernis im Alltag bilden würden und hier der Grund für ihre Hilfsbe
dürftigkeit zu suchen sei. Trotz der Probleme sei sie allein und auch mit Um
steigen mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs. Treppensteigen sei möglich, jedoch erschwert. Im Freien bestehe die Schwierigkeit darin, dass sie nur kurze Gehstrecken zurücklegen könne und dann jeweils eine Pause einlegen müsse. Sie wohne in der Nähe eines wichtigen Verkehrsknotenpunktes der Stadt Zü
rich. Damit sie Tram und Bus erreichen könne, müsse sie mindestens einen Fussgängerstreifen überqueren. Sie könne nur langsam gehen, was bei den üb
rigen Verkehrsteilnehmern gemäss ihren Angaben Ungeduld auslöse. Dies be
deute für sie Stress. Daher verbinde sie die notwendigen Wege wo immer mög
lich; so erledige sie beispielsweise bei einem anfallenden Arzttermin auch ihre Zahlungen und tätige Kleineinkäufe (S. 5 oben).
Die Abklärungsperson hielt fest, dass im Austrittsbericht des A._ vom 6. Juli 2016 festgehalten worden sei, dass die Beschwerdeführerin zirka 15 Minuten langsam laufen könne. Die Beschwerdeführerin habe diese Angaben bestätigen können (S. 5 Mitte). Weiter führte die Abklärungsperson aus, dass die Beschwerdeführerin selbst unter Erschwernissen in der aktuellen Akutphase (aktuell bestehendes Knochenödem; S. 5 oben) selbständig sei im Bereich der Fortbewegung und Pflege gesellschaftlicher Kontakte. In den übrigen Lebens
verrichtungen bestehe ebenfalls keine Hilfslosigkeit (S. 2 ff.).
Die Beschwerdeführerin lebe alleine und erhalte wöchentlich eine Stunde Unter
stützung durch die Spitex. Ein Mindestaufwand von zwei Stunden pro Woche für die Bejahung der lebenspraktischen Begleitung werde damit allerdings nicht erreicht (S. 6 oben):
Die Wohnungspflege bewältige die Beschwerdeführerin alleine in Etappen. Auch die Spitexperson habe bestätigt, dass die Beschwerdeführerin ihren Alltag al
leine organisieren und planen könne. Gründliche Reinigungsarbeiten, insbeson
dere in der Höhe, könne sie nicht mehr selbständig machen. Ebenso bringe je
mand aus dem Bekanntenkreis jeweils den Kehrricht zum Container, und selten bis höchstens einmal pro Monat komme eine Kollegin bei ihr staubsaugen (S. 6 unten). Ihr Sohn bringe ihr Getränke ins Haus und eine Kollegin tätige jeweils die Einkäufe und bringe sie ihr nach Hause. Sie habe zwei Katzen, wobei sie die Alltagspflege des Katzenklos selbst übernehmen könne. Sodann pflege sie auf dem Balkon einen kleinen „Hochbeetgarten“ (S. 7 oben).
Die Abklärungsperson hielt fest, dass die Hilfestellungen im Haushalt nicht regel
mässig erfolgen würden. Die Grundversorgung könne die Beschwerdefüh
rerin selbst bewerkstelligen und darüber hinaus noch ihre Tiere und Pflanzen umsorgen. Es werde weder Hilfe bei der Tagesstrukturierung noch Unterstüt
zung bei der Bewältigung von Alltagssituationen benötigt (S. 7 Mitte).
Für ausserhäusliche Verrichtungen und Kontakte finde keine regelmässige Beglei
tung statt. Die Beschwerdeführerin vereinbare ihre Termine selbst und ko
ordiniere die Wege ihrem Befinden entsprechend (S. 7 unten).
3.5
Am 22. Juni 2017 erfolgte in der B._ ein CT beider Füsse (Bericht vom 23. Juni 2017, Urk. 6/114/1-2). Die ärztliche Beurteilung ergab, dass in Teilbereichen beider Füsse entzündliche Begleitreaktionen bei Arthrose / Diffe
rentialdiagnose (DD) Arthritis vorliegen würden (S. 2).
3.6
Die Ärzte des Z._ nannten im Bericht vom 29. Juni 2017 (Urk. 6/114/3-4) als neue zusätzliche Diagnose ein Bone Bruise (S. 1). Die Be
schwerdeführerin habe sich erneut wegen Schmerzexacerbation im Bereich des linken Sprunggelenkes gemeldet. In der Magnetresonanztomographie habe sich ein deutliches Knochenmarksödem im Bereich des medialen Malleolus mit mög
licher leichter Fissurlinie gezeigt. Dies habe erneut zur Beschwerdeaggravierung der ohnehin schon stark geheingeschränkten Beschwerdeführerin geführt. Die Gehstrecke habe sich dadurch zunehmend verschlechtert (S. 2).
3.7
Nachdem die Beschwerdeführerin im Vorbescheidverfahren Kritik am Abklärungs
bericht und insbesondere an der Gesprächsführung durch die Ab
klärungsperson - die Beschwerdeführerin machte geltend, sie habe Fragen le
diglich mit „ja“ oder „nein“ beantworten sollen (vgl. Urk. 6/115; vgl. auch gleichlautende Vorbringen vorstehend E. 2.2) - geäussert hatte, nahm die Ab
klärungsperson schriftlich Stellung dazu (Urk. 6/118).
Unter anderem führte die Abklärungsperson aus, die Beschwerdeführerin habe sich zu allen Verrichtungen des alltäglichen Lebens sowie zu den Bereichen der Haushaltstätigkeit äussern können. Es sei richtig, dass hie und da eine Frage mit ja oder nein zu beantworten gewesen sei. Diese Angaben seien jeweils nötig, um beispielsweise eine Zusammenfassung eines geschilderten Ablaufs entweder zu bestätigen oder zu verneinen und um Missverständnisse zu vermeiden (S. 1 Mitte). Zudem seien aus den eingereichten Arztberichten keine neuen Erkennt
nisse medizinischer Art hervorgegangen. Die Beschwerdeführerin habe vor Ort alle mit den gesundheitlichen Beschwerden einhergehenden Einschränkungen schildern können und diese seien im Abklärungsbericht berücksichtigt worden (S. 2 unten).
4.
4.1
Der Abklärungsbericht zur
Hilflosenentschädigung (vorstehend E. 3.
4
) erfolgte durch eine qualifizierte Fachperson in Kenntnis der räumlichen Verhältnisse am Wohnort der Beschwerdeführerin sowie von deren gesundheitlichen Beeinträch
tigungen (vgl. Urk. 6/
107/1-2
). Auch die benötigten Hilfsmittel waren der Ab
klärungsperson bekannt (vgl. Urk. 6/
107/2 unten
). Das Gespräch fand im Bei
sein und unter Einbezug der zuständigen Person der
Spitex statt
. Die Ausfüh
rungen der Abklärungsperson sind detailliert und ihre Schlussfolgerungen in nachvollziehbarer Weise begründet. Dem Bericht lassen sich
schliesslich
keine divergierenden Meinungen der Beteiligten entnehmen.
4.2
Die von der Beschwerdeführerin geäusserte Kritik am Gesprächsstil der Abklä
rungsperson - und die damit letztlich geltend gemachte Verletzung des rechtli
chen Gehörs - ist aufgrund des ausführlichen Abklärungsberichts nicht nach
vollziehbar. So beginnt der Bericht mit einer einlässlichen Schilderung der Be
schwerdeführerin betreffend ihre Beschwerden (Urk. 6/107/1-2). Zu jedem Le
bensbereich - wie zur allenfalls benötigten Hilfeleistung für die Pflege gesell
schaftlicher Kontakte oder für das selbständige Wohnen (Urk. 6/107/5-7) sowie zu den Fragen betreffend Bedarf an regelmässiger Anwesenheit einer Drittper
son zur Verhinderung einer dauernden Isolation und betreffend dauernder me
dizinisch-pflegerischer Hilfe oder persönlicher Überwachung (Urk. 6/107/8) - wurden im Bericht Ausführungen der Beschwerdeführerin dokumentiert, die nicht lediglich durch das Bejahen oder Verneinen von Fragen entstanden sein konnten. Die Abklärungsperson nahm sodann zu den Vorwürfen Stellung und widerlegte die Darstellung der Beschwerdeführerin nachvollziehbar und über
zeugend (vorstehend E. 3.7). Es ist demnach aufgrund des vorliegenden Abklä
rungsberichts und der Stellungnahme der Abklärungsperson überwiegend wahrscheinlich erstellt, dass die Beschwerdeführerin gehört und ihre Angaben entsprechend berücksichtigt und dokumentiert wurden.
4.3
Die Beschwerdeführerin ist bei der Fortbewegung insbesondere ausser Haus auf
grund ihrer gesundheitlichen Situation eingeschränkt. Jedoch ist es ihr eigenen Angaben gegenüber der Abklärungsperson zufolge möglich, ihre Arztbesuche oder sonstigen Termine mit dem Tram oder Bus zu bewältigen. Sodann ist es ihr sogar möglich, damit weitere notwendige Besorgungen (wie Zahlungen oder kleinere Einkäufe erledigen) zu verbinden. Ihre im Rahmen des Vorbescheid
verfahrens erstmals gemachte Darlegung, sie sei stets auf ein Taxi und eine Be
gleitung angewiesen, um überhaupt aus dem Haus zu kommen, ist aufgrund ihrer Angaben im Abklärungsbericht nicht nachvollziehbar. Dass es ihr lediglich möglich ist, kurze Strecken zu Fuss zu bewältigen, ist unbestritten und mittels ärztlicher Stellungnahmen auch belegt (vorstehend E. 3.2 f. und E. 3.6). Selbst wenn im Bereich Fortbewegung aufgrund des eingeschränkten Fortbewegungs
radius zu Fuss ein regelmässiger und erheblicher Hilfebedarf zu bejahen wäre, ist letzterer für die übrigen alltäglichen Lebensverrichtungen aufgrund der An
gaben der Beschwerdeführerin im Abklärungsbericht nicht gegeben. Die Be
schwerdeführerin machte für die restlichen Lebensverrichtungen auch keine Einschränkung geltend (vgl. vorstehend E. 2.2).
4.4
Ebensowenig sind die Voraussetzungen für die Bejahung der lebenspraktischen Begleitung (vgl. vorstehend E. 1.3) erfüllt. Die Beschwerdeführerin strukturiert ihren Alltag selbständig und agiert auch weitgehend selbständig in den Berei
chen Wohnungspflege, Essen, Einkäufe, Wäsche sowie häusliche Administra
tion. Lediglich für die gründliche Reinigung der Katzenkiste sowie bei gründli
chen Reinigungsarbeiten, insbesondere in der Höhe sowie beim Entsorgen des Kehrichtsackes sowie bei den grösseren Einkäufen, bedarf die Beschwerdeführe
rin der Hilfe. Einmal pro Monat übernehme jemand das Staubsaugen ihrer Wohnung. Gesamthaft wird die benötigte Zeit für diese Unterstützung auf eine Stunde pro Woche veranschlagt (vorstehend E. 3.4). Damit ist das erforderliche Ausmass von mindestens zwei Stunden wöchentlich nicht erfüllt. Wie bereits oben (vorstehend E. 4.3) dargelegt, ist bisher nicht ausgewiesen, dass die Be
schwerdeführerin für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf die Begleitung einer Drittperson angewiesen ist, da es ihr insbesondere möglich ist, alleine mit den öffentlichen Verkehrsmitteln innerhalb der Stadt Zürich ihre Termine wahrzunehmen.
Weiter machte die Beschwerdeführerin geltend, ihr Freundeskreis werde immer kleiner und sie komme nur noch aus dem Haus, wenn sie zum Arzt oder ins Spital müsse (Urk. 1 S. 2). Eine ernsthafte Gefahr, sich von der Aussenwelt zu isolieren, ist aufgrund der Angaben im Abklärungsbericht jedoch ebenfalls zu verneinen. Die Beschwerdeführerin erzählte der Abklärungsperson von ihrem Sohn und einigen Kolleginnen, mit denen sie in Verbindung sei. Sodann besu
che sie hie und da eine Bekannte, um bei ihr Kaffee zu trinken. Die Problematik der Isolation gehöre zur wöchentlichen Besprechung mit der zuständigen Spi
texperson (Urk. 6/107/8). Sodann geht die Beschwerdeführerin einmal wöchent
lich in die Physiotherapie ins Z._ (Urk. 6/107/2 Mitte).
Nach dem Gesagten sind die Voraussetzungen zur Bejahung des Bedarfs an le
benspraktischer Begleitung nicht erfüllt. Im Übrigen ist anzufügen, dass die Beschwerdeführerin der Beschwerdegegnerin nicht erlaubte, bei der Psychiate
rin, bei welcher sie zwischenzeitlich die Behandlung abbrach (vgl. vorstehend E. 3.4), einen Bericht zu den möglicherweise vorhandenen Einschränkungen aus psychiatrischer Sicht einzuholen (vgl. Email vom 23. Mai 2017, Urk. 6/106).
4.5
Dementsprechend ist zwar ein gewisser krankheitsbedingter Unterstützungsbe
darf nicht von der Hand zu weisen. Dennoch erreicht das Ausmass der Hilfsbe
dürftigkeit nicht das Ausmass, welches für eine leichte Hilflosigkeit erforderlich wäre (vgl. dazu vorstehend E. 1.2). Die angefochtene Verfügung ist daher nicht zu beanstanden. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr.
5
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
sind sie der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.