Decision ID: f8617a5c-da10-5574-8d97-82a28e58e19b
Year: 2021
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 16. Februar 2015 bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(IV-act. 3). Prof. Dr. med. B._, Facharzt für Neurochirurgie FMH, hielt im Rahmen
seiner Verlaufskonsultationen über das Jahr 2015 an der Diagnose einer
Spondylolisthesis vera L5/S1 mit Wurzelkompression und Radikulopathie L5 rechts, bei
einem Zustand nach Dekompression und Spondylodese L5/S1 2014, fest (IV-act. 39-4
bis 14). Im Bericht vom 9. März 2016 zu Handen der IV-Stelle befand er die Versicherte
in der angestammten Tätigkeit zu 20% arbeitsfähig (IV-act. 39-2 f.). Hausarzt Dr. med.
C._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Pneumologie FMH, hielt zudem
im Arztbericht vom 31. März 2016 als weitere Diagnosen einen Status nach toxisch
getriggertem Asthma bronchiale nach Chlorgasunfall am 16. Juni 2011 bei schwerer
bronchialer Hyperreagibilität, einen Status nach Nikotinabusus sowie eine Polyallergie
fest. Aus medizinisch/pneumologischer Sicht sei die Versicherte in körperlich nicht
belastenden Arbeiten normal arbeitsfähig, jedoch mit Verweis auf die Berichte von
Prof. B._ (IV-act. 43).
A.a.
Nach einer Operation der Beschwerdeführerin am Fuss mit Bandrekonstruktion
und valgisierender Kalkaneusosteotomie rechts vom 23. Mai 2016 (vgl. IV-act. 60, 73)
wurden am 20. Februar 2017 die störenden Schrauben in der Ferse wieder entfernt (IV-
act. 88-3, vgl. auch IV-act. 79-1).
A.b.
Am 8. Dezember 2017 wurde die Versicherte durch Gutachter der Neuroinstitut St.
Gallen GmbH, IME - Interdisziplinäre Medizinische Expertisen, in orthopädischer und
psychiatrischer Hinsicht begutachtet. Während der orthopädische Gutachter eine
A.c.
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B.
Arbeitsunfähigkeit von 10% attestierte, befand der psychiatrische Gutachter die
Versicherte als in seinem Gebiet zu 100% arbeitsfähig (IV-act. 105-49, 105-103, IME-
Gutachten vom 5. Januar 2018).
Mit Verfügung vom 23. April 2018 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren der
Versicherten um berufliche Massnahmen ab. Da keine gesundheitsbedingten
Einschränkungen bei der Stellensuche bestünden, bestehe kein Anspruch auf aktive
Arbeitsvermittlung (IV-act. 113, 115).
A.d.
Im Vorbescheid vom 5. Juni 2018 sah die IV-Stelle vor, das Gesuch um
Invalidenrente abzuweisen. Dabei ging sie im Erwerb, den die Versicherte zu 80%
ausgeübt hatte, von einem Teilinvaliditätsgrad von 8% und im Haushaltsbereich von
einer vollen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 120). Am 20. Juli 2018 verfügte sie im Sinne
des Vorbescheids eine Rentenabweisung (IV-act. 122).
A.e.
Gegen diese Verfügung richtet sich die vorliegende Beschwerde von Rechtsanwalt
lic. iur M. Roos im Namen der Versicherten vom 13. September 2018 mit dem Antrag
auf deren Aufhebung und auf Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab 16. Februar
2014. Hinsichtlich der Schmerzen der Beschwerdeführerin und ihrer Nierenfunktion sei
ein medizinisches Gutachten einzufordern und die Arbeitsfähigkeit abzuklären. Zudem
sei der Beschwerdeführerin bei der Berechnung ihres Invaliditätsgrads ein
Leidensabzug zu gewähren und es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. Zur
Begründung führt der Rechtsvertreter aus, dass der orthopädische Gutachter unter
anderem unberücksichtigt gelassen habe, dass die Beschwerdeführerin durch eine
medikamentöse Basistherapie eine Niereninsuffizienz riskieren würde, weshalb eine
solche nicht zumutbar sei. Zudem weise das orthopädische Teilgutachten mehrere
wesentliche Fehler auf, weshalb der rechtserhebliche Sachverhalt weder richtig noch
vollständig abgeklärt worden und eine erneute medizinische Begutachtung notwendig
sei. Des Weiteren habe die Beschwerdegegnerin zu Unrecht darauf verzichtet, beim
Valideneinkommen auf Tabellenlöhne abzustellen und einen sog. Leidensabzug
vorzunehmen (act. G 1). Ebenfalls mit Eingabe vom 13. September 2018 begründet der
B.a.
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Erwägungen
1.
Rechtsvertreter das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung (act. G 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 16. November 2018 beantragt die
Beschwerdegegnerin die Beschwerdeabweisung. Als Eventualantrag stellt sie das
Begehren um Einholung eines Gerichtsgutachtens (act. G 4).
B.b.
In der Replik vom 4. Januar 2019 hält die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
fest (act. G 7).
B.c.
Am 8. Januar 2019 wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das
Verfahren vor dem Versicherungsgericht durch dieses bewilligt (act. G 9).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet auf die Einreichung einer Duplik (act. G 11).B.e.
Vorliegend ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf Rentenleistungen der
Invalidenversicherung zu prüfen.
1.1.
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder
teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise
Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Gemäß Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) besteht Anspruch auf eine ganze Rente, wenn
die versicherte Person mindestens zu 70%, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
wenigstens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50%, und auf eine
Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid ist. Der Grad der für einen allfälligen
Rentenanspruch maßgebenden Invalidität wird gemäß Art. 16 ATSG durch einen
Einkommensvergleich ermittelt, bei dem das Einkommen, das die versicherte Person
nach dem Eintritt der Invalidität und nach der Durchführung der notwendigen und
zumutbaren Eingliederungsmaßnahmen bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen
könnte (zumutbares Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Einkommen,
1.2.
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2.
das die versicherte Person erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(Valideneinkommen).
Im Sozialversicherungsprozess gelten die Grundsätze der Untersuchungspflicht
und der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Demgemäss hat der
Versicherungsträger bzw. im Beschwerdefall das Gericht den rechtserheblichen
Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, ohne dabei an die Anträge der Parteien
gebunden zu sein. Verwaltungsbehörden und Sozialversicherungsgerichte haben
zusätzliche Abklärungen stets vorzunehmen, wenn hierzu auf Grund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 110 V 53 E. 4a am Schluss).
1.3.
Der Grundsatz der freien Beweiswürdigung besagt, dass die urteilenden Instanzen
die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden haben, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten
(vgl. Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2020, N 54 ff. zu Art.
43). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch
die beklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
1.4.
Vorab ist somit zu prüfen, ob das vorliegende IME-Gutachten für eine Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit ausreichend ist und darauf abgestellt werden kann.
2.1.
Im Teil-Gutachten vom 8. Dezember 2017 stellte Prof. Dr. med. D._, FMH
Neurologie, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, keine Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeitsfähigkeit. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit seien bei der
Beschwerdeführerin Probleme mit ökonomischen Verhältnissen (ICD-10 Z 59) sowie ein
chronischer Schmerz (ICD-10 R 52). Es finde sich weder ein mittel- noch langfristig
beeinträchtigter Gesundheitszustand auf psychiatrischem Fachgebiet, weshalb aus
psychiatrischer Sicht auch keine Einschränkung der mittel- und langfristigen
Arbeitsfähigkeit in zuletzt ausgeübter und in adaptierter Tätigkeit seit Antragstellung
anhaltend ausgesprochen werden könne (IV-act. 105-50).
2.2.
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Im Rahmen der orthopädischen Begutachtung diagnostizierte Dr. med. E._,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie & Traumatologie des Bewegungsapparats FMH,
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
chronisches lumbosakrales Schmerzsyndrom ohne Radikulopathie bei guter Mobilität
(ICD-10 M54.97) mit verstärkter tieflumbaler Lordose, regelrecht einliegendem Cage
nach im Jahre 2014 erfolgter Laminektomie L5 mit Dekompression des Foramen
intervertebrale L5/S1 links sowie der Nervenwurzeln L5 & S1 nebst interkorporeller
Spondylodese L5/S1 unter Verwendung eines Cages, sowie eine Bewegungs- und
Belastungseinschränkung im Bereich des rechten OSG nach im Mai 2016 erfolgter
valgisierender Calcaneusosteotomie nebst lateraler Bandrekonstruktion, Revision der
Peronealsehnen und medialer Bandnaht (ICD-10 S93.0) mit postoperativ aufgetretener
Verkürzung der Achillessehne mit resultierendem Streckdefizit des OSG um 30°. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lägen ein Status nach 1985 erfolgter Arthroskopie
des rechten Kniegelenks, gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag sowie ohne
Funktionseinschränkung (ICD-10 M25.5) und ein Status nach 2017 erlittener tiefer
Beinvenenthrombose rechts, gegenwärtig ohne Beschwerdevortrag sowie ohne
Funktionseinschränkung (ICD-10 I80.28) vor (IV-act. 105-93).
2.3.
In seiner Beurteilung hielt Dr. E._ fest, er gehe sowohl mit den von Prof. B._
erhobenen Untersuchungsbefunden, den daraus abgeleiteten diagnostischen
Feststellungen, der kurativen Versorgung der LWS in Form einer Dekompression des
Segmentes L5/S1 nebst Cage gestützter Spondylodese, als auch mit der Versorgung
des rechten OSG durch Dr. med. F._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates FMH, uneingeschränkt einig. Indessen könne
die anhaltende langwährende Arbeitsunfähigkeit nach der am 18. August 2014
operativen Versorgung der LWS nicht uneingeschränkt nachvollzogen werden, zumal
die Beschwerdeführerin im Rahmen der aktuellen Anamneseerhebung angebe, bis zu
eineinhalb Stunden beschwerdearm gehen zu können und regelmässig mit ihrem
belgischen Schäferhund spazieren zu gehen. Ferner gebe die Beschwerdeführerin an,
beschwerdearm bis zu zweieinhalb Stunden sitzen zu können. Auf Nachfrage, inwiefern
die Beschwerdeführerin von ihren Schmerzmedikamenten profitieren würde, habe sie
angegeben, bei Bedarf auf Arcoxia 60mg zurückzugreifen, was ca. einmal pro Woche
der Fall sei. Für den Gutachter ergebe sich daraus eine nicht ohne Weiteres
nachvollziehbare Diskrepanz. Zum einen gebe die Beschwerdeführerin an, hinsichtlich
ihrer LWS Schmerzen bis zu VAS 9 sowie ihres rechten OSG bis zu VAS 6 zu
verspüren. Zum anderen greife sie aber gemäss eigenen Angaben lediglich einmal pro
Woche auf Arcoxia zurück und es sei ihr möglich, beschwerdearm bis zu eineinhalb
Stunden zu gehen und bis zu zweieinhalb Stunden am Stück zu sitzen. Daraus
2.4.
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schliesse er, dass durchaus von einer Arbeitsfähigkeit in einer optimal adaptierten
Tätigkeit auszugehen sei (IV-act. 105-96 f.). Auf Grund der klinischen und
radiologischen Verlaufsuntersuchung hat sich gemäss dem Gutachter hinsichtlich der
LWS kein Anhalt auf eine Radikulopathie bei regelrecht einliegendem Cage im Bereich
des Segmentes L5-S1 gezeigt. Hinsichtlich der im Mai 2016 erfolgten valgisierenden
Calcaneusosteotomie nebst lateraler Bandrekonstruktion, Revision der Peronealsehnen
und medialer Bandnaht und der im Februar 2017 erfolgten Metallentfernung zeigten
sich insgesamt reizlose Weichteilverhältnisse bei verkürzter Achillessehne und infolge
dessen bestehendem Streckdefizit des rechten OSG von 30° mit einhergehender
Abrollstörung jedoch ohne objektivierbare collaterale Instabilität. Zur Konsistenz befand
der orthopädische Gutachter, es bestünden keine Hinweise auf etwaige
Verdeutlichungstendenzen, Aggravation oder gar Simulation. Jedoch sei auf Grund der
festgestellten Diskrepanzen durchaus von einer Arbeitsfähigkeit in einer optimal
adaptierten Tätigkeit auszugehen (IV-act. 105-98 f.).
Betreffend Behandlung und Eingliederung befand Dr. E._ die
Beschwerdeführerin in Anbetracht der anhaltenden Schmerzsymptomatik hinsichtlich
ihrer analgetischen Therapie für nicht adäquat versorgt. Hier sei eine regelmässig
einzunehmende Basismedikation zu empfehlen. Eine von der Beschwerdeführerin nach
eigenem Ermessen sporadisch eingenommene Bedarfsmedikation sei nicht zielführend
und entspreche nicht dem WHO-Stufenschema. Um die unter vermehrter Belastung
anhaltende Schmerzsymptomatik zu lindern, empfehle er daher zunächst die Einleitung
einer adäquaten Schmerztherapie idealerweise im Rahmen eines stationären Settings
in einer Einrichtung, in welcher auch eine schmerzdistanzierende Therapie nebst
Coaching erfolgen könnte. In Bezug auf das rechte OSG empfahl Dr. E._ nach
mittlerweile klinischer Ausheilung der Calcaneusosteotomie sowie der collateralen
Bandinstabilität das Einleiten eines Propriozeptionstrainings zur Steigerung der
Stabilität und der Mobilität (IV-act. 105-100).
2.5.
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, dass unter Einhaltung qualitativer
Einschränkungen die zuletzt ausgeführte Tätigkeit als Inhaberin der Firma G._ als
auch diejenige als I._ als adaptiert angesehen werden könnten. Jedoch sei die
Beschwerdeführerin auch in einer optimal rückenadaptierten Tätigkeit mit
intermittierender stehender, gehender und sitzender Körperposition nicht mehr
uneingeschränkt arbeitsfähig. Aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht
bestehe auch in einer optimal adaptierten Tätigkeit bezogen auf ein volles Pensum eine
quantitativ limitierte Arbeitsfähigkeit von 90%. Die Einschränkung von 10% ergebe sich
als Folge der reduzierten Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit, der vermehrten Pausen
2.6.
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3.
sowie der reduzierten Arbeitsschnelligkeit. Es sei hierbei auf eine entsprechende
Hilfsmittelversorgung zu achten (höhenverstellbarer Schreibtisch, Stehhocker,
Greifzange). Somit bestehe sowohl in der angestammten als auch einer optimal
adaptierten Tätigkeit bezogen auf ein volles Pensum lediglich noch eine
Arbeitsfähigkeit von 90% (IV-act. 105-103). Zum Verlauf äusserte sich der Gutachter
dahingehend, dass die postoperative Rekonvaleszenz nach lumbaler monosegmentaler
Spondylodese mit längstens zwölf Monaten beschieden werde. In ihrer angestammten
Tätigkeit als Inhaberin der Firma G._ erachte er die Beschwerdeführerin daher nach
der im August 2014 durchgeführten monosegmentalen Spondylodese spätestens ab
dem 1. September 2015 wieder zu 50% und ab dem 1. November 2015 wieder zu 90%
arbeitsfähig. Dies gelte bis zu der am 23. Mai 2016 erfolgten rechtsseitigen
valgisierenden Calcaneusosteotomie nebst lateraler Bandrekonstruktion, der Revision
der Peronealsehnen und medialen Bandnaht. In Folge der daraufhin anhaltenden
Beschwerden mit notwendiger Metallentfernung im Februar 2017 und etwa zeitgleich
aufgetretener rechtsseitiger tiefer Beinvenenthrombose sei nach der am 23. Mai 2016
erfolgten Operation von einem bis Juli 2017 anhaltenden instabilen
Gesundheitszustand sowohl in angestammter als auch adaptierter Tätigkeit
auszugehen. Seit Juli 2017 bzw. spätestens seit der aktuellen klinischen Untersuchung
(vom 8. Dezember 2017) erachte er die Beschwerdeführerin sowohl in ihrer
angestammten Tätigkeit als Inhaberin der Firma G._ als auch in einer angepassten
Tätigkeit bei vollem Pensum zu 90% arbeitsfähig (IV-act. 105-104).
Sowohl im orthopädischen als auch im psychiatrischen Gutachten finden sich
keinerlei Hinweise, die auf eine fehlende Beweiskraft schliessen lassen. Die Gutachter
berücksichtigten die Vorakten sowie die geklagten Beschwerden und führten eine
gründliche Befunderhebung durch. Diese wurde insbesondere von Dr. E._ im
orthopädischen Teilgutachten exakt und ausführlich dokumentiert. Zudem erscheinen
die Schlussfolgerungen nachvollziehbar und unter Berücksichtigung der gültigen
Vorgaben. Nachfolgend wird daher, soweit angezeigt, auf die von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Argumente eingegangen.
2.7.
Aus Rügen hinsichtlich einer angeblichen Übermüdung des orthopädischen Gut
achters anlässlich seiner Untersuchung der Beschwerdeführerin (act. G 1 S. 14 Ziff. 52)
oder auf Grund der Erwähnung, die Beschwerdeführerin habe eine Niederlassungs
bewilligung anstatt einer Identitätskarte aus ihrer Tasche genommen (vgl. im Gutachten
IV-act. 105-72), die falsche Jahreszahl bei der Sectio aufgeführt oder keine Sehhilfe
verwendet, kann für den medizinischen Inhalt des Gutachtens nichts abgeleitet werden.
3.1.
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Hinweise des Gutachters auf Inkonsistenzen sowie sein Hinterfragen gewisser von der
Beschwerdeführerin gemachter Angaben, gehören zur Natur von Begutachtungen und
das Festhalten solcher Feststellungen sowie deren Interpretation in medizinischer
Hinsicht stellen den eigentlichen Zweck einer Begutachtung dar und sind nicht als
Qualitätsmängel oder Widersprüche auszulegen. Im Übrigen verneint der Gutachter ja
gerade etwaige Verdeutlichungstendenzen, Aggravation oder Simulation (IV-
act. 105-98). Auch die Angabe der Beschwerdeführerin, eine Schmerzintensität von
VAS 5-6 zu verspüren, nachdem sie während der psychiatrischen Begutachtung
Arcoxia eingenommen hat, weist nicht auf eine Diskrepanz hin, sondern auf die
Wirkung des Medikaments (siehe auch nachfolgend E. 3.2 in fine). Überdies stehen die
Schlussfolgerungen des Gutachters grundsätzlich im Einklang mit den Einschätzungen
der Behandler (vgl. IV-act. 105-96). Lediglich hinsichtlich der laufenden
Arbeitsfähigkeitsschätzung weicht der orthopädische Gutachter von jener der
behandelnden Orthopäden der Beschwerdeführerin ab (vgl. IV-act. 97), wobei aber
selbst ihr Hausarzt im Bericht vom 20. Juli 2017 – bezüglich der Rückenproblematik
unter Verweis auf die Berichte des Wirbelsäulenzentrums H._ – eine "normale"
Arbeitsfähigkeit für körperlich nicht belastende Arbeiten im Detailhandel/Zoogeschäft
attestierte (IV-act. 95-2). Auch dies ist nicht außergewöhnlich, ist doch gemäß
bundesgerichtlicher Praxis davon auszugehen, dass behandelnde Ärzte im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen mitunter eher zugunsten
ihrer Patienten aussagen dürften (BGE 125 V 353 E. 3b/cc). Nachdem die
Beschwerdeführerin zudem keinerlei abweichende oder anderslautende medizinische
Berichte eingereicht hat, liegt ebenfalls nichts gegen die Einschätzungen von Dr. E._
vor.
Gegen die von Dr. E._ genannte Diskrepanz, dass die Beschwerdeführerin zwar
Schmerzen in ihrer LWS bis zu VAS 9 und im rechten OSG bis zu VAS 6 angebe, aber
lediglich einmal pro Woche auf das Schmerzmittel Arcoxia zurückgreife, führte ihr
Rechtsvertreter aus, sie könne ihre Schmerzen dadurch eindämmen, dass sie sich
Ruhe verschaffe, sich hinlege, den rechten Fuss hochlagere und zusätzlich Wärme
anwende. Damit erreiche sie eine ähnliche Schmerzreduktion, wie wenn sie auf Arcoxia
zurückgreife (act. G 1 S. 8 Ziff. 27 ff., vgl. auch IV-act. 105-40). Dagegen hatte Dr. E._
befunden, es liege keine krankheitsbedingte Unfähigkeit zur Therapieadhärenz vor,
weshalb keine Gründe gegen die Auferlegung einer intensiven
Behandlungsmassnahme gegeben seien (IV-act. 105-100). Dass die Schmerzen bei
Belastung zunehmen, hat Dr. E._ in seiner Beurteilung berücksichtigt. So ging er
davon aus, dass für die Beschwerdeführerin eine Basismedikation notwendig sei.
Weiter führte er dazu aus, die Auferlegung einer intensiven Behandlungsmassnahme
3.2.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=9C_24%2F2008+&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F125-V-351%3Ade&number_of_ranks=0#page351
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mittels einer Basismedikation bzw. zuerst die Einleitung einer adäquaten
Schmerztherapie erscheine zumutbar (vgl. IV-act. 105-106). Indem die
Beschwerdeführerin jedoch vorbringt, dass ihr lediglich dann eine Arbeitstätigkeit zuge
mutet werden könne, wenn sie eine solche ohne die Einnahme von Schmerzmitteln
umsetzen könnte, verkennt sie die allgemein im Sozialversicherungsrecht geltende
Schadenminderungspflicht. Im Rahmen der Schadenminderungspflicht ist die
versicherte Person jederzeit gehalten, sich im Sinn der Selbsteingliederung einer
zumutbaren Behandlung zu unterziehen, wenn die Möglichkeit dazu besteht (vgl. Art. 7
Abs. 2 lit. d IVG). Grundsätzlich sind die Anforderungen an die
Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der
Invalidenversicherung in Frage steht, insbesondere wenn der Verzicht auf
schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst. Nach der Rechtsprechung ist
die fortgesetzte Krankheitsbehandlung, die insbesondere auch die dauernde Einnahme
ärztlich verschriebener Medikamente umfasst, in aller Regel eine jederzeit zumutbare
Form allgemeiner Schadenminderung; dazu zählt auch die dauernde Einnahme von
ärztlich verschriebenen Schmerzmitteln, selbst wenn diese mit Nebenwirkungen
verbunden ist (Urteil des Bundesgerichts vom 22. Mai 2019, 8C_741/2018, E. 4.1 mit
Hinweis). Bei der vorliegend zur Diskussion stehenden Schmerztherapie handelt es sich
auch hinsichtlich der Nebenwirkungen um einen geringen Eingriff in die
Persönlichkeitsrechte der Beschwerdeführerin. Es sind daher keine hohen
Anforderungen an die Wahrscheinlichkeit der dadurch zu erwartenden Besserung der
Erwerbsfähigkeit zu stellen. Diese ist in casu, wie die vorstehenden ärztlichen Aus
führungen belegen, ohne Weiteres zu bejahen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom
20. März 2017, BGE 9C_671/2016, E. 4.1.2.2).
3.3.
Die in Bezug auf die Zumutbarkeit der grundsätzlich als geeignet qualifizierten
Schmerzmedikation vorgebrachte Argumentation der Beschwerdeführerin, sie habe im
Jahr 2011 eine Niereninsuffizienz erlitten (act. G 1 S. 9 Ziff. 35), ist in den Akten
nirgends belegt und wurde erstmals im Rahmen der Beschwerde geltend gemacht.
Dem mit der Beschwerde eingereichten Bericht des Spitals J._ vom 16. Juni 2011 ist
zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin nach einem Explosionsunfall mit
Chlorgasgranulat in Wasser starke Augenschmerzen sowie eine mittelmäßige akute
Dyspnoe aufgewiesen habe. Beides konnte rasch und effizient behandelt werden (act.
G 1.3). Dem Verlaufsbericht von Dr. B._ zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 9.
März 2016 waren die ausführlichen Notizen seiner mehrfachen Verlaufskonsultationen
nach der Rückenoperation vom 18. August 2014 beigelegt. Darin notierte der Arzt
3.3.1.
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jeweils die besprochenen, durchgeführten und geplanten Behandlungen, die auch
medikamentöse Behandlungen umfassten. An keiner Stelle war jedoch die geltend
gemachte Niereninsuffizienz oder eine darauf gründende
Medikamentenunverträglichkeit oder Einschränkung auf gewisse Medikamente
festgehalten (IV-act. 39). Hätte eine im Jahr 2011 erlittene Niereninsuffizienz
Einschränkungen der Behandlungsmöglichkeiten verursacht, wäre ein solcher Hinweis
unzweifelhaft notwendig gewesen. Auch den Angaben des Hausarztes Dr. C._ vom
31. März 2016 ist nichts Entsprechendes zu entnehmen. Insbesondere hat dieser den
Vorfall als St. n. toxisch getriggertem Asthma bronchiale nach Chlorgasunfall am 16.
Juni 2011 festgehalten und diesbezüglich und auch sonst keine Hinweise auf eine
medikamenteninduzierte Niereninsuffizienz gemacht. Die aktuelle Behandlung der
Rückenschmerzen sowie des Asthmas erfolge durch ambulante Physiotherapie sowie
Inhalationsbehandlungen mit Symbicort und Ventolin bei Bedarf. Überdies bestätigte
der Arzt eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit unter
Ausschluss von rückenbelastenden Arbeiten (IV-act. 43). Wie ausserdem einer
Telefongesprächsnotiz der Unfallversicherung vom 1. Mai 2015 zu entnehmen ist,
nahm die Beschwerdeführerin bereits früher, aber konkret nach 2011 starke
Schmerzmittel ein (IV-Fremdakten A18), ohne Hinweise auf eine Anpassung infolge
einer erlittenen Niereninsuffizienz. Zudem geht aus dem Arztbericht von Dr. B._ vom
24. Juni 2015 hervor, dass die Beschwerdeführerin damals Brufen als Dauermedikation
abgesetzt habe und sie es nur noch bei Schmerzspitzen einnehme. Dafür stellte der
behandelnde Arzt sie auf Palexia 2 x 100mg ret. ein, wobei diese Dosis gegebenenfalls
auch auf 2 x 150mg ret. hätte gesteigert werden können (IV-Fremdakten M4). Da
Brufen den Wirkstoff Ibuprofen enthält, welcher sich bei eingeschränkter Nierenfunktion
negativ auswirken könnte (Abfrage vom 7.12.2020: https://compendium.ch/product/
1331374-brufen-brausegran-600-mg/mpro) erscheint es ebenfalls unwahrscheinlich,
dass die Beschwerdeführerin zuvor bereits einmal eine Niereninsuffizienz erlitten hatte.
Nachdem Dr. B._ dagegen im Bericht vom 16. November 2015 festhielt, es habe sich
unter multimodaler Schmerztherapie eine deutliche Besserung der wandernden
Beschwerden ergeben (IV-Fremdakten M6), spricht auch dieser Bericht für die
Schlussfolgerungen von Dr. E._ hinsichtlich einer aufzuerlegenden Basismedikation.
Folglich ist auf Grund der Aktenlage keine Notwendigkeit ersichtlich, weitere
Abklärungen zur geltend gemachten Niereninsuffizienz durchzuführen. Auch eine
diesbezügliche Nachfrage bei Dr. med. K._, Facharzt FMH für Rheumatologie und
Innere Medizin wie sie der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt hat (vgl.
act. G 7), erscheint nicht zielführend, handelt es sich bei diesem Spezialisten
schliesslich nicht um einen Nephrologen oder Urologen, welcher hinsichtlich des
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4.
Nierenzustands der Beschwerdeführerin dienliche Aussagen machen könnte. Zudem
sind den Akten keine Hinweise auf eine Behandlung durch Dr. K._ in der vorliegend
relevanten Zeit bis zur angefochtenen Verfügung zu entnehmen, so dass ein Bericht
von ihm keinerlei Aufschlüsse hinsichtlich des Gesundheitszustands von der IV-
Anmeldung bis zum Verfügungszeitpunkt erwarten liesse.
Sodann ist der Beschwerdeführerin auch in Bezug auf die mit der Replik geltend
gemachte Allergie gegenüber "verschiedensten Schmerzmitteln" (act. G 7 S. 5 Ziff. 19)
entgegenzuhalten, dass solche Präparate, eine Nennung solcher sich allerdings in den
medizinischen Akten ebenfalls nicht finden lässt, selbstverständlich von der Schmerz
therapie ausgenommen wären. Schliesslich wurde anlässlich der Begutachtung durch
die Beschwerdeführerin ebenfalls weder eine Anmerkung bezüglich entsprechender
Probleme einer Niereninsuffizienz noch von Schmerzmittelunverträglichkeiten
vorgebracht und auch die Gutachter selbst konnten nichts dergleichen aus dem
vorhandenen Aktenmaterial entnehmen.
3.3.2.
Zusammenfassend ist damit auf das beweiskräftige IME-Gutachten vom 5. Januar
2018 abzustellen und nachfolgend der Invaliditätsgrad zu bemessen.
3.4.
Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine Rente, die während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40%
arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b); und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40%
invalid sind (lit. c). Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist für die Herabsetzung des
Rentenanspruchs erst von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen
werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird, in jedem Fall aber,
nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und
voraussichtlich weiterhin andauern wird (vgl. Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die
Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]).
4.1.
Der Gutachter Dr. E._ ging hinsichtlich des zeitlichen Gesundheitsverlaufs wie
dargetan (vgl. Erwägung 2.6) davon aus, dass von August 2014 bis 1. September 2015
eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit bestand, seit dem 1. September 2015 eine
solche von 50% und ab dem 1. November 2015 eine 90%-ige Arbeitsfähigkeit gegeben
war. Ab dem 23. Mai 2016 bis Juli 2017 gab er für die angestammten sowie für
adaptierte Tätigkeiten einen anhaltenden instabilen Gesundheitszustand an (mit
einhergehender vollständiger Arbeitsunfähigkeit) und seit Juli 2017 bzw. spätestens seit
der Begutachtung vom 8. Dezember 2017 attestierte er wieder eine 90%-ige
Arbeitsfähigkeit angestammt sowie adaptiert (vgl. IV-act. 105-104). Auf Grund dieser
4.2.
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5.
Aktenlage ist die einjährige Wartezeit (vgl. Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) somit per August
2014 eröffnet und am 31. Juli 2015 erfüllt. Nachdem die Anmeldung im Februar 2015
erfolgte (IV-act. 3), ist mithin ein allfälliger Rentenanspruch nach Ablauf des
Wartejahres ab August 2015 zu prüfen (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
Ausgehend von der gutachterlich festgestellten Arbeitsunfähigkeit ist der
Invaliditätsgrad anhand des Einkommensvergleichs zu bemessen (vgl. Erwägung 1.2).
5.1.
Vorab ist festzustellen, wie die Beschwerdeführerin hinsichtlich ihrer Erwerbs- und
Haushaltstätigkeit zu qualifizieren ist. Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf die
Tatsache, dass die Beschwerdeführerin zuletzt in einem 80%-Pensum erwerbstätig
war, von einer auch weiterhin geltenden Tätigkeit im Rahmen eines 80%-Pensums aus,
ohne sie jedoch je zu ihrem Pensum befragt und auch ohne eine Abklärung vor Ort für
den Haushaltsbereich durchgeführt zu haben. Diesbezüglich stellte sie auf die Angaben
der Beschwerdeführerin im Rahmen der Begutachtung ab (vgl. IV-act. 117-2). Zudem
ging sie davon aus, dass im Haushaltsbereich die Mithilfe des erwachsenen jüngeren
Sohnes im Rahmen der Schadenminderungspflicht für rückenbelastende
Haushaltstätigkeiten angerechnet werden könne und somit bei der Hausarbeit keine
Einschränkungen resultierten (IV-act. 117-2). Die Beschwerdeführerin arbeitete von
2000 bis 2014 im Umfang von 80% im elterlichen Geschäft, einem Z._. Im Mai 2014
wurden die Bereiche des Z._ aufgeteilt und die Beschwerdeführerin machte sich mit
dem einen Bereich unter dem Namen G._ selbständig (IV-act. 8, 117, 119). Gemäss
ihren eigenen Angaben war das Geschäft erst im Aufbau gewesen, als die
Krankschreibungen ab Juni 2014 eingetreten waren. Zudem laufe es nicht gut (IV-act.
105-55, 117). Wie aus dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) hervorgeht,
verdiente sie jährlich nie über Fr. 38'928.-- (IV-act. 119), was ebenfalls nicht für ein
100%-Pensum spricht, hatte sie schliesslich eine zweijährige Ausbildung als
Bürofachangestellte EFZ sowie Ausbildungen zur Detailhandelskauffrau und
Tierpflegerin absolviert (IV-act. 105-33 f.). Weiter ist jedoch zu beachten, dass sie
gemäss den Angaben in ihrem Lebenslauf von 2011 bis 2017 zusätzliche
Weiterbildungen zur Y._ und X._ sowie eine Ausbildung zur W._ absolvierte (IV-
act. 105-34). Sie bildete sich also offenbar neben der Arbeit weiter. Ihre beiden Söhne
sind nunmehr erwachsen, ihre finanzielle Lage hingegen prekär. Deshalb ist mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sie ohne gesundheitliche
Probleme nach Abschluss der Weiterbildung ein 100%-Pensum ausgeübt hätte.
5.2.
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Da sich die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Eintritts der relevanten
Arbeitsunfähigkeit erst im Aufbau der selbständigen Erwerbstätigkeit befand, kann vom
Grundsatz her mit der Beschwerdegegnerin (vgl. IV-act. 117-2 und 116) und infolge des
früher doch sehr tiefen Einkommens zu Gunsten der Beschwerdeführerin zur
Bestimmung des Invaliditätsgrades ein Prozentvergleich erfolgen (zum
Prozentvergleich siehe Urteil des Bundesgerichts vom 23. Mai 2019, 9C_851/2018,
E. 5.1 mit Hinweisen). Demnach entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit unter allfälliger Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn
(Urteil des Bundesgerichts vom 9. März 2007, I 697/05, E. 5.4 mit Hinweis).
5.3.
Nach der Rechtsprechung können die statistischen Löhne um bis zu 25%
gekürzt werden, um dem Umstand Rechnung zu tragen, dass versicherte Personen mit
einer gesundheitlichen Beeinträchtigung in der Regel das durchschnittliche Lohnniveau
nicht erreichen (RKUV 1999 Nr. U242 S. 412 E. 4b/bb) bzw. ihre Restarbeitsfähigkeit
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg
zu verwerten in der Lage sind. Dabei handelt es sich um einen allgemeinen
behinderungsbedingten Abzug (BGE 126 V 78 E. 5a/bb). Gemäß Rechtsprechung
hängt die Frage, ob und in welchem Ausmaß Tabellenlöhne herabzusetzen sind, von
sämtlichen persönlichen und beruflichen Umständen - auch von invaliditätsfremden
Faktoren - des konkreten Einzelfalles ab (namentlich leidensbedingte Einschränkung,
Alter, Dienstjahre, Nationalität/Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad), die nach
pflichtgemäßem Ermessen gesamthaft zu schätzen sind. Eine schematische Vornahme
des Leidensabzuges ist unzulässig (BGE 126 V 79 E. 5b, bestätigt in AHI 2002 S. 62
und BGE 129 V 481 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
5.3.1.
Laut dem IME-Gutachten wurde die Beschwerdeführerin unter Würdigung aus
führlicher genannter qualitativer Schonkriterien (vgl. IV-act. 105-101 f.) in einer
leidensadaptierten, körperlich leichten wechselnd belastenden, überwiegend sitzend
ausgeführten Tätigkeit aus orthopädisch-versicherungsmedizinischer Sicht rein
quantitativ zu 100% arbeitsfähig erachtet (Positives Leistungsbild, IV-act. 105-102).
Dagegen wurde ihr auf Grund der reduzierten Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit,
wegen vermehrten Pausen sowie reduzierter Arbeitsschnelligkeit eine Einschränkung
von 10% attestiert (IV-act. 105-103), womit die Leistungsminderung auf Grund dieser
Tatsachen bereits Berücksichtigung fanden. Folglich ist nicht ersichtlich, inwiefern
weitere Gründe, wie insbesondere das geltend gemachte "höhere Alter" (vgl. act. G S.
15 Ziff. 58) der im Zeitpunkt, als ihre medizinisch zumutbare (Teil-) Arbeitsfähigkeit auf
Grund des Gutachtens vom 5. Januar 2018 feststand (vgl. dazu: BGE 138 V 461 E. 3.3),
5.3.2.
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-V-457%3Ade&number_of_ranks=0#page457
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6.
erst 49-jährigen Beschwerdeführerin, einen zusätzlichen Leidensabzug rechtfertigen
würden.
Gemäss vorstehender Erwägung 4.2 war das Wartejahr vorliegend am 31. Juli
2015 erfüllt und die Beschwerdeführerin ab diesem Zeitpunkt zu 100% arbeitsunfähig,
sodass in Anwendung von Art. 29 Abs. 3 IVG bei Vornahme des Prozentvergleichs ab
1. August 2015 ein Invaliditätsgrad von 100% und damit ein Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente besteht. Nachdem sich die Arbeitsfähigkeit ab September 2015 auf 50%
erhöhte, reduzierte sich der Invaliditätsgrad nach der dreimonatigen Wartezeit (vgl.
Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]) ab
1. Dezember 2015 auf 50% und somit der Rentenanspruch auf eine halbe Rente.
Infolge der weiteren Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ab November 2015 auf 90%
sank der Invaliditätsgrad ab Februar 2016 auf 10%, was ab diesem Zeitpunkt zum
Erlöschen des Rentenanspruchs führte. Da sodann ab dem 23. Mai 2016 auf Grund
des instabilen Gesundheitszustands erneut eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
bestand, welche längstens bis Ende November 2017 vorlag, entstand ab August 2016
erneut ein Anspruch auf eine ganze Rente. Da das Leiden am OSG den
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin schon seit 2012 beeinflusste und sie in
ihrer Arbeitsfähigkeit seitdem zumindest in qualitativer Hinsicht eingeschränkt hatte
(vgl. insbesondere die Ausführungen des orthopädischen Gutachters, IV-act. 105-95
und 105-101), war nicht erneut ein Wartejahr zu erfüllen (Art. 29 IVV; Urteil des
Bundesgerichts vom 25. Februar 2016, 9C_800/2015, E. 3.2). Nachdem sich der
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin spätestens per Dezember 2017 derart
verbesserte, dass ab diesem Zeitpunkt wieder von einer dauerhaften Arbeitsfähigkeit
von 90% auszugehen war, resultiert wiederum nach Ablauf von drei Monaten per März
2018 ein Invaliditätsgrad von 10%, weshalb die Rente per 28. Februar 2018 zu
befristen ist.
5.4.
bis
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen, die angefochtene
Verfügung vom 20. Juli 2018 aufzuheben und der Beschwerdeführerin vom 1. August
2015 bis 30. November 2015 eine ganze Rente, vom 1. Dezember 2015 befristet bis
zum 31. Januar 2016 eine halbe Rente und vom 1. August 2016 befristet bis 28.
Februar 2018 eine ganze Rente zuzusprechen. Die Sache ist zur Festsetzung und
Ausrichtung der geschuldeten Leistungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Hinsichtlich eines weiteren Rentenanspruchs ist die Beschwerde abzuweisen.
6.1.
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