Decision ID: 69e5fd5a-4825-4752-8312-2e94df76f00b
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
G._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Robert Baumann, Waisenhausstrasse 17,
Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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St.Galler Gerichte
betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
A.a G._ (Jahrgang 1959) wurde mit Verfügungen vom 6. und 23. Oktober 2008 mit
Wirkung ab 1. Mai 2007 auf Grund eines Invaliditätsgrads von 50% eine halbe Rente
zugesprochen (IV-act. 142 und 148). Am 25. März 2009 meldete sich der Versicherte
zum Bezug von Ergänzungsleistungen (EL) an. Er gab an, er erziele kein
Erwerbseinkommen. Seit 16. November 2007 sei er bei der Arbeitslosenversicherung
(ALV) ausgesteuert (EL-act. 27).
A.b Mit Verfügungen vom 11. Juni 2009 sprach die EL-Durchführungsstelle des
Kantons St. Gallen dem Versicherten ab 1. Dezember 2007 EL in unterschiedlicher
Höhe zu (EL-act. 8-4/9). Für den Zeitraum vom 1. Mai 2007 bis 30. November 2007
verneinte sie auf Grund der ALV-Taggelder bis Mitte November 2007 einen EL-
Anspruch, weil insgesamt ein Einnahmeüberschuss resultierte (EL-act. 8-1/9 und 10).
Ab 1. Dezember 2007 rechnete sie dem Versicherten ein hypothetisches
Erwerbseinkommen gemäss seiner Erwerbsfähigkeit in der Höhe von Fr. 18'140.-- an
und berechnete einen EL-Anspruch von insgesamt Fr. 763.-- monatlich (ordentliche EL
von Fr. 614.-- und ausserordentliche EL von Fr. 149.--) (EL-act. 12). Vom 1. Januar bis
30. Juni 2008 erhöhte sie den Anspruch auf EL unter Berücksichtigung der
angepassten Prämienverbilligung für das Jahr 2008 sowie eines
sozialversicherungsrechtlichen Nichterwerbstätigenbeitrags auf insgesamt Fr. 807.--
(EL-act. 13). Ab 1. Juli 2008 bis 31. Dezember 2008 betrug die EL neu insgesamt
Fr. 852.-- monatlich, weil der Mietzins ab diesem Datum erhöht worden war (EL-act.
14). Die EL-Durchführungsstelle sprach dem Versicherten ab 1. Januar 2009 noch eine
ordentliche EL von Fr. 661.-- zu. Das angerechnete hypothetische Einkommen erhöhte
sich ab 1. Januar 2009 auf den Betrag von Fr. 18'720.-- (EL-act. 15).
A.c Gegen diese Verfügungen liess der Versicherte am 13. Juli 2009 Einsprache
erheben und die Aufhebung der Verfügungen beantragen, soweit ein hypothetisches
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Einkommen angerechnet werde. Eventualiter sei ihm ohne Anrechnung eines
hypothetischen Einkommens eine Übergangsfrist von einem halben Jahr zu gewähren,
um weitere Nachweise zu erbringen, dass seine Arbeitskraft nicht verwertbar sei. Wie
aus den Beilagen hervorgehe, habe er sich anhaltend und intensiv beworben. So habe
er seit Frühling 2006 über 200 Bewerbungen geschrieben. Die lange
Berufsabwesenheit als Informatiker sowie sein fortgeschrittenes Alter seien bei der
aktuellen Wirtschaftslage hinderlich für eine erfolgreiche Stellensuche. Auch
Bewerbungen für sogenannte Hilfsarbeiten seien erfolglos geblieben, weil er als
überqualifiziert gelte. Insgesamt sei daher die Vermutung der Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit auf Grund der ausgewiesenen Arbeitsbereitschaft und der intensiven
Arbeitsbemühungen klar als widerlegt zu betrachten, weshalb von der Anrechnung
eines hypothetischen Einkommens abzusehen sei (EL-act. 2).
A.d Mit Einspracheentscheid vom 6. November 2009 hiess die EL-Durchführungsstelle
die Einsprache des Versicherten teilweise gut. Der Versicherte habe während der Dauer
des ALV-Taggeldbezugs von Mai 2006 bis November 2007 durchschnittlich acht
Bewerbungen pro Monat nachgewiesen, wobei davon auszugehen sei, dass diese
Anzahl Bewerbungen vom zuständigen RAV als ausreichend betrachtet worden sei.
Damit könne nicht gesagt werden, dass nach Ausschöpfung der ALV-Taggelder der
Versicherte nahtlos ab 1. Dezember 2007 selbstverschuldet arbeitslos geworden sei
und ihm deshalb ein hypothetisches Einkommen habe angerechnet werden dürfen. Ab
März 2008 sei die Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens hingegen
gerechtfertigt. Mit lediglich drei Bewerbungen pro Monat von Dezember 2007 bis Juni
2009 habe der Versicherte zu geringe Arbeitsbemühungen unternommen, um damit die
Vermutung der selbstverschuldeten Arbeitslosigkeit zu widerlegen. Denn der
Versicherte habe die Unüberwindbarkeit der Arbeitslosigkeit Monat für Monat zu
belegen. Der Hinweis auf die prekäre Arbeitsmarktlage vermöge daran nichts zu
ändern, denn die Arbeitsmarktsituation sei für sich allein nie geeignet, die
Überwindbarkeit der Arbeitslosigkeit als zum vornherein als ausgeschlossen
erscheinen zu lassen. Auch lasse sich aus der Umschreibung der adaptierten
Erwerbstätigkeit gemäss IV-Akten keine besonders starke Verengung des noch in
Frage kommenden Stellenmarkts erblicken, welche das Finden einer Stelle unmöglich
machen würde. Dennoch sei schwer zu verstehen, dass der Versicherte die ihm von
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der IV-Stelle des Kantons St. Gallen angebotene Hilfe bei der Stellensuche abgelehnt
habe (G act. 1.2.1).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid lässt der Versicherte am 4. Dezember 2009 Beschwerde
erheben. Er beantragt die Aufhebung des Einspracheentscheids vom 6. November
2009. Sodann seien ihm gestützt auf rechtsgenügliche Berechnungen die gesetzlichen
Leistungen, nämlich für die Zeit vom 1. März bis 30. Juni 2008 EL von zumindest
Fr. 1'759.-- pro Monat, vom 1. Juli bis 31. Dezember 2008 von Fr. 1'804.-- pro Monat
und ab 1. Januar 2009 von Fr. 1'645.-- pro Monat zuzusprechen und auszurichten.
Eventualiter sei ihm ohne Anrechnung eines hypothetischen Erwerbseinkommens eine
Übergangsfrist von einem halben Jahr zu gewähren, um weitere Nachweise dafür zu
erbringen, dass seine (Rest-) Erwerbsfähigkeit nicht verwertbar sei. Der
Beschwerdeführer gibt an, er suche seit Juni 2005 eine Arbeitsstelle. Bis zur
Aussteuerung bei der Arbeitslosenversicherung vom 16. November 2007 habe er sich
über 200 Mal beworben - ohne Erfolg. Dies widerlege zunächst die Vermutung der
Verwertbarkeit der Arbeitsfähigkeit. Im Übrigen schränkten die Teilarbeitsfähigkeit, die
lange Berufsabwesenheit sowie sein Alter die Möglichkeiten zur Stellenbewerbung
erheblich ein. Sodann habe die Wirtschaftslage die Erfolgsaussichten, wieder eine
Stelle zu finden, sehr begrenzt. Weiter führe die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung
zu einer nicht unerheblichen Verengung der noch in Frage kommenden Stellen. Auch
habe er sein Interesse an Arbeitsvermittlungsbemühungen der IV-Stelle durchaus
kundgetan. Vor diesem Hintergrund seien die seit Dezember 2007 in etwas reduziertem
Umfang getätigten Bewerbungen ausreichend. Daher liege keine Verzichtshandlung
des Beschwerdeführers vor. Von der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens ab 1. März 2008 sei bis auf weiteres abzusehen. Die von der
Beschwerdegegnerin gewährte Anpassungsfrist von drei Monaten bis zur
Berücksichtigung eines hypothetischen Einkommens müsse gemäss dem
Eventualantrag als zu kurz bemessen angesehen werden und sei zumindest auf sechs
Monate zu erhöhen. Im Dezember 2007 habe der genaue Invalidenrentenanspruch
noch nicht festgestanden (G act. 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragt am 17. Dezember 2009 unter Verweis auf die

Erwägungen im Einspracheentscheid die Abweisung der Beschwerde (G act. 3).
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B.c Am 15. Februar 2010 reicht der Beschwerdeführer Bewerbungsbemühungen für die
Zeit von Dezember 2009 und Januar 2010 ein sowie ein Schreiben der A._ vom 18.
Oktober 2009, wonach keine Stelle für den Beschwerdeführer hätte gefunden werden
können. Diese Unterlagen seien eine zusätzliche Bestätigung dafür, dass er seine
Resterwerbsfähigkeit nicht verwerten könne (G act. 9).
B.d Die Beschwerdegegnerin erachtet die neu eingereichten Unterlagen von
Arbeitsbemühungen in den Monaten Dezember 2009 und Januar 2010 als Gesuch um
Ausscheidung des hypothetischen Erwerbseinkommens aus der laufenden EL-
Berechnung. Da der Einspracheentscheid die Zeit ab Dezember 2007 betreffe, seien
die eingereichten Unterlagen für die Beurteilung irrelevant (G act. 11).
Erwägungen:
1.
1.1 Auf 1. Januar 2008 ist das neue Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG; SR 831.30) in Kraft getreten.
Das neue ELG ersetzt dasjenige Gesetz vom 19. März 1965 in der bis 31. Dezember
2007 gültig gewesenen Fassung. In Bezug auf die vorliegend umstrittene Frage der
Anrechnung eines hypothetischen Einkommens hat sich die Rechtslage materiell indes
nicht geändert.
1.2 Die jährliche EL entspricht dem Betrag, um den die anerkannten Ausgaben die
anrechenbaren Einnahmen übersteigen (Art. 9 Abs. 1 ELG; Art. 3a Abs. 1 aELG). Die
anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen, worin in bestimmtem
Umfang auch das Vermögen einbezogen ist, werden nach den in Art. 10 und 11 ELG
(Art. 3b und 3c aELG) sowie Art. 11 bis 18 der Verordnung über die
Ergänzungsleistungen zur AHV und IV (ELV; SR 831.301) festgelegten Bestimmungen
ermittelt. Als Einnahmen anzurechnen sind nach Art. 11 Abs. 1 ELG (Art. 3c Abs. 1
aELG) unter anderem Einkünfte, auf die verzichtet worden ist (lit. g). Eine
Verzichtshandlung liegt vor, wenn die versicherte Person ohne rechtliche Verpflichtung
auf Vermögen verzichtet hat, wenn sie einen Rechtsanspruch auf bestimmte Einkünfte
und Vermögenswerte hat, davon aber faktisch nicht Gebrauch macht bzw. ihre Rechte
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nicht durchsetzt oder wenn sie aus von ihr zu verantwortenden Gründen von der
Ausübung einer möglichen und zumutbaren Erwerbstätigkeit absieht (Urteil des
Bundesgerichts vom 9. Juli 2002 [P 18/02]; BGE 121 V 205 E. 4a; AHI 2001 S. 133
E. 1b).
1.3 Art. 14a Abs. 2 lit. b ELV bestimmt, dass bei Teilinvaliden das Einkommen aus
einer zumutbaren Erwerbstätigkeit als Erwerbseinkommen anzurechnen ist, wobei als
anrechenbares Mindesteinkommen für noch nicht sechzigjährige Versicherte bei einem
Invaliditätsgrad von 50 bis unter 60% der Höchstbetrag für den Lebensbedarf von
Alleinstehenden nach Art. 10 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 ELG gilt. Nach der Rechtsprechung
kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass es dem teilinvaliden Versicherten
vermutungsweise möglich und zumutbar ist, im Rahmen seines von den Organen der
Invalidenversicherung festgestellten verbliebenen Leistungsvermögens die in Art. 14a
ELV festgelegten Grenzbeträge zu erreichen. Dies hat eine Umkehr der Beweislast zur
Folge, indem bei unbewiesen gebliebener Unmöglichkeit, dieses Arbeitsvermögen zu
verwerten, das dem Invaliditätsgrad des Versicherten entsprechende
Erwerbseinkommen angerechnet wird (ZAK 1989 S. 568 E. 3c). Die gesetzliche
Vermutung kann durch den Beweis des Gegenteils umgestossen werden, indem der
Ansprecher auch Umstände geltend machen kann, die bei der Bemessung der
Invalidität ohne Bedeutung waren, ihm jedoch verunmöglichen, seine theoretische
Restarbeitsfähigkeit wirtschaftlich zu nutzen (BGE 117 V 153 E. 2c mit Hinweisen).
Ernsthafte, aber erfolglose Bewerbungen sind nicht nur Indizien, die die natürliche
Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit widerlegen, sondern sie sind
auch Ausdruck der (insbesondere in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zum Ausdruck
kommenden) Pflicht, soweit als möglich aus eigener Kraft den Existenzbedarf zu
bestreiten. Die nicht widerlegte Vermutung für die Verwertbarkeit der Erwerbsfähigkeit
bewirkt auf der anderen Seite eine Vermutung für die Verletzung der Pflicht zur
selbstverantwortlichen Finanzierung des Existenzbedarfs und damit für den gemäss
Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG relevanten Verzicht auf die Erzielung eines
Erwerbseinkommens (vgl. die Entscheide des Versicherungsgerichts des Kantons
St. Gallen EL 2007/14 vom 14. Juni 2007, E. 3 f., und EL 2007/21 vom 8. November
2007, E. 2).
2.
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2.1 Der Beschwerdeführer hat sich nach der Zusprache einer halben Rente der
Invalidenversicherung mit Wirkung ab 1. Mai 2007 (Verfügungen vom 6. und
23. Oktober 2008) im März 2009 zum Bezug von EL angemeldet. Damit ist der
Anspruch auf EL über einen rückwirkenden Zeitraum ab Mai 2007 zu überprüfen. Von
Mai 2006 bis November 2007 war der Beschwerdeführer arbeitslos gemeldet und hat
ALV-Taggelder bezogen (EL-act. 23-10/10). Diese Taggelder führen für die EL-
Berechnung ab Mai 2007 bis November 2007 zu einem Einnahmeüberschuss, so dass
sich für diesen Zeitraum kein EL-Anspruch ergibt. Bestritten ist der EL-Anspruch ab
1. Dezember 2007, wobei einzig die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens
strittig ist.
2.2 Der Beschwerdeführer hat während des Bezugs der ALV-Taggelder zwischen
sechs und zehn Bewerbungen, also durchschnittlich acht Bewerbungen pro Monat
(insgesamt 156 Bewerbungen von April 2006 bis November 2007) getätigt (EL-act.
44-1/57 bis 4-30/57). Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Anzahl
Bewerbungen vom Regionalen Arbeitsvermittlungsamt (RAV) als ausreichend
betrachtet worden ist. Grundsätzlich ist die Beendigung der ALV-Taggeldberechtigung
als Folge der "Aussteuerung" oder als Folge des Wegfalls der Vermittlungsfähigkeit
(wozu gemäss Art. 15 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung [AVIG; SR 837.0] auch die
subjektive Bereitschaft gehört, eine zumutbare Arbeit anzunehmen) nicht geeignet,
einen Verzicht auf die Verwertung der Resterwerbsfähigkeit anzunehmen und ein
hypothetisches Erwerbseinkommen anzurechnen. Einer versicherten Person, die zur
Wahrung ihres ALV-Taggeldanspruchs Arbeitsbemühungen vorweisen musste, kann
nicht unterstellt werden, dass sie mit dem Ende der ALV-Taggeldberechtigung ohne
weiteres sofort eine Arbeitsstelle hätte finden oder sich hätte selbständig machen
können. Dies gilt auch dann, wenn die ALV-Taggeldberechtigung wegen des Fehlens
der subjektiven Vermittlungsbereitschaft gemäss Art. 15 Abs. 1 AVIG endet, denn auch
dann ändert sich nichts daran, dass die bis dahin erfolgten Arbeitsbemühungen
erfolglos geblieben sind. Mit dem Ende der ALV-Taggeldberechtigung wird es nicht
leichter, eine Stelle zu finden. Etwas anderes gilt nur dann, wenn anzunehmen ist, dass
die versicherte Person bereits während der Periode der ALV-Taggeldberechtigung eine
Stelle gefunden hätte, wenn sie bereit gewesen wäre, eine zumutbare Arbeit
anzunehmen. Hat es eine versicherte Person aber während der Zeit der ALV-
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Taggeldberechtigung trotz ausreichender Arbeitsbemühungen mit Hilfe des RAV nicht
geschafft, eine Stelle zu finden, dann wird ihr dies wohl auch nach dem Ende des ALV-
Taggeldbezugs nicht sofort und ohne weiteres gelingen. Der Beschwerdeführer hat
nach Ende der ALV-Taggelder weiterhin keine Arbeitsstelle gefunden. Die Gewährung
einer gewissen Anpassungsfrist, um das Bewerbungsverhalten an die veränderte
Situation anzupassen, ist daher gerechtfertigt. Eine Anpassungsfrist von drei Monaten,
wie sie die Beschwerdegegnerin gewährt hat, erscheint dem Gericht angemessen. In
einer solchen Frist hätte allenfalls eine Hilfsarbeit gefunden werden können.
2.3 Zu prüfen ist, ob die Arbeitsbemühungen auch nach Ablauf dieser Anpassungsfrist
ausreichend waren. An der Arbeitslosigkeit des Beschwerdeführers hat sich seit dem
Ende des ALV-Taggeldbezugs nichts geändert. Hingegen haben seine Bemühungen,
eine Arbeitsstelle zu suchen, mit der "Aussteuerung" aus der ALV-Taggeldberechtigung
markant abgenommen. Von März bis Mai 2008 wurden lediglich vier Bewerbungen pro
Monat, im Juni 2008 zwei und im Juli 2008 eine Bewerbung getätigt. Von August
bis Oktober 2008 wurden keine Arbeitsbemühungen unternommen. Im November 2008
liegt der Nachweis für eine und im Dezember 2008 für zwei Bewerbungen vor. Für
Januar bis Juni 2009 liegen Nachweise für drei Bewerbungen pro Monat vor (EL-act.
4-31/57 bis 4-37/57). Aus der in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG zum Ausdruck kommenden
Schadenminderungspflicht folgt, dass der Beschwerdeführer alles in seiner Macht
stehende vorzukehren hat, um den Eintritt einer Situation zu verhindern, in der sein
Existenzbedarf nicht mehr gedeckt ist. Er ist deshalb verpflichtet, sich selbst
(gegebenenfalls unter Ausnützung staatlicher Hilfsangebote) um eine Arbeitsstelle zu
bemühen, um seine Resterwerbsfähigkeit verwerten und so eine Unterschreitung des
Existenzbedarfs (und damit die Entstehung eines EL-Anspruchs) zu verhindern. Vom
Beschwerdeführer kann deshalb erwartet werden, dass er im selben Umfang wie
während des Bezugs von ALV-Taggeldern Bewerbungsbemühungen unternimmt. Denn
es ist kein Grund ersichtlich, weshalb gegenüber dem sozialversicherungsrechtlichen
Zweig der EL eine geringere Anforderung an die Schadenminderungspflicht gestellt
werden sollte als gegenüber dem Zweig der ALV. Daher sind durchschnittlich drei bis
vier Bewerbungen pro Monat nicht als ausreichend zu betrachten. Das Schreiben der
A._ vom 28. Oktober 2009 ersetzt die eigenen Bemühungen des Beschwerdeführers
nicht. Sollte der Beschwerdeführer das Angebot der Invalidenversicherung betreffend
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berufliche Massnahmen in Form von Arbeitsvermittlung in Anspruch nehmen wollen,
kann er sich jederzeit dafür wieder anmelden.
2.4 Zu prüfen bleibt, ob die gesundheitlichen Einschränkungen die Verwertbarkeit der
Resterwerbsfähigkeit verunmöglichen und so den Erfolg ausreichender
Stellenbemühungen von vornherein vereiteln würden. Bei der Festsetzung der
anrechenbaren Einkommen Teilinvalider haben sich die EL-Organe grundsätzlich an die
Invaliditätsbemessung durch die IV-Stelle zu halten und eigene Abklärungen nur
bezüglich invaliditätsfremder Beeinträchtigungen der Erwerbsfähigkeit vorzunehmen
(BGE 117 V 202 neues Fenster E. 2b). Gemäss den IV-Akten leidet der
Beschwerdeführer seit Jahren an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung vom
narzisstischen und paranoiden Typus (ICD-10: F61.0). Mit Bericht vom 18. Dezember
2007 hat die behandelnde Psychiaterin Dr. med. B._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, eine Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers seit 29. Mai 2006
verneint, weil die gesundheitliche Störung das Finden und vor allem das Behalten einer
Arbeitsstelle trotz guter beruflicher Qualifikation verunmögliche. Auf Grund der
Persönlichkeitsstörung bestehe keinerlei Teamfähigkeit und eine Erschwernis, sich
vorgesetzten Personen unterzuordnen. Eine selbständige Tätigkeit käme allenfalls in
Frage (IV-act. 121). Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
erachtete in seinem Gutachten vom 14. Mai 2008 eine Arbeitsfähigkeit von 50% trotz
der psychischen Störungen bei "richtiger Willensanstrengung" als zumutbar. Diese
50% könne der Beschwerdeführer aufteilen auf vier Stunden am Tag am Stück oder
verteilen auf Vor- und Nachmittag. Geeignet seien vor allem Arbeitsstellen ohne regen
Kontakt mit Mitarbeitern oder auswärtigen Personen. Es sei dem Beschwerdeführer
zumutbar, in dieser Arbeitszeit seine Äusserungen und unangemessene Kritik unter
Kontrolle zu halten (IV-act. 127). Die 50%ige Arbeitsfähigkeit war dem
Beschwerdeführer erst mit der Begutachtung im Mai 2008 bekannt. Die behandelnde
Psychiaterin hat seit Mai 2006 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Die
Selbsteinschätzung des Beschwerdeführers war aber eher höher, hat er sich doch
während dieser Zeit umfassend um Arbeitsstellen bemüht. Daher kann auch
rückwirkend auf die 50%ige Arbeitsfähigkeit abgestellt werden. Durch die
beschriebenen Einschränkungen vermindert sich unbestrittenermassen das Spektrum
der dem Beschwerdeführer grundsätzlich noch offen stehenden Möglichkeiten auf dem
Arbeitsmarkt. Doch selbst wenn seine Chancen, eine geeignete Arbeitsstelle zu finden,
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als eher gering einzustufen wären, kann bei der aktuellen Aktenlage doch nicht von
einer gänzlichen Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
Ebenso wenig ist erstellt, dass der Beschwerdeführer nur noch im geschützten
Rahmen eingesetzt werden könnte. Der Beschwerdeführer ist folglich grundsätzlich
gehalten, sich ernsthaft und intensiv um eine Arbeitsstelle zu bemühen. Dazu sind drei
bis vier Bewerbungen pro Monat nicht ausreichend. Gelingt es ihm trotz solcher von
ihm nachzuweisender Stellenbemühungen nicht, auf dem konkreten Arbeitsmarkt eine
für ihn geeignete Stelle zu finden, so wäre für die Zukunft von der Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens abzusehen. Bedingung dafür wäre jedoch, dass
der Beschwerdeführer fortgesetzt den Nachweis der erfolglosen Arbeitsbemühungen
erbringt. Die Anrechnung des hypothetischen Einkommens ab März 2008 ist somit
korrekt.
2.5 Im Übrigen sind die im Rahmen der Replik eingereichten Arbeitsbemühungen für
die Monate Dezember 2009 und Januar 2010 im vorliegenden Verfahren nicht zu
beurteilen, da in zeitlicher Hinsicht lediglich der Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass
des angefochtenen Einspracheentscheids vom 6. November 2009 zugetragen hat,
relevant ist (BGE 129 V 167 E. 1). Die Beschwerdegegnerin wird eine weitere
Anrechnung des hypothetischen Einkommens ab Dezember 2009 separat zu prüfen
haben.
2.6 Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die Bemühungen des
Beschwerdeführers, eine unselbständige Anstellung zu finden, aussichtslos wären,
hätte der Beschwerdeführer seine Fähigkeiten als Informatiker in einer selbständigen
Erwerbstätigkeit anbieten können. Das angerechnete hypothetische Einkommen
beträgt insgesamt Fr. 18'140.-- (ab Januar 2009 Fr. 18'724.--) (EL-act. 12). Pro Monat
wäre somit ein Einkommen von rund Fr. 1'500.-- zu erzielen gewesen. Ein solches
Einkommen hätte möglicherweise nach einer gewissen Aufbauphase mit einer
selbständigen Erwerbstätigkeit erreichbar sein können. Der Beschwerdeführer hätte
über das Internet sowohl seine Dienste anbieten als auch Kunden akquirieren können,
womit der Kontakt mit Kunden hätte minimiert werden können. Dazu erscheint eine
Aufbauphase von drei Monaten als ausreichend, da keine Mitarbeiter eingestellt oder
aufwändige Materialien hätten angeschafft werden müssen.
3.
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Gemäss den obenstehenden Erwägungen ist der angefochtene Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen.
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG)
Demgemäss hat das Versicherungsgericht im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53