Decision ID: 0225a35f-c01e-44ed-a99b-4fe4606dfc7e
Year: 2017
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1990, wurde am 12. Dezember 2005
durch seine
Eltern
unter
Hinweis auf eine Kieferstellungsstörung bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 11/1).
Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medi
zinische Situation ab und erteilte
dem Versi
cherten mit Verfügung vom
23. Januar 2006
Kostengut
sprache für
medizinische Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens
Ziff. 210
(
Prognathia
inferior
congenita
)
gemäss dem Anhang zur Verordnung über Geburtsgeb
rechen (
GgV
-Anhang) und die ärztlich vero
rdneten
Behand
lungsgeräte
vom
5. Dezember 2005 bis 31. Oktober 2010
(Urk. 11/5
)
.
1.2
Am 19. Juni 20
13 meldete sich der Versicherte
unter Hinw
eis auf
Rückenbe
schwerden
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug an (Urk. 11/7). Am 23.
August
2013 schloss er die
Attestausbildung
zum
Haustechnikprak
tiker
, Fachrichtung Sanitär, ab (Urk. 11/12/3).
Die IV-Stelle klärte die medi
zinische und erw
erbliche Situation ab und erteilte
dem Versicherten am 21. März
2014
(Urk. 11/32) und am 22. Juli 2014 (Urk. 11/45)
Kostengut
sprache für eine Neuausbildung bis zum Bürofachdiplom
.
Mit Mitteilung vom 20. Juli 2015 hob die IV-Stelle die Kostengutsprache vom 2
2. Juli 2014 per 8. Juni 2015 auf
, da die Voraussetzungen für die Weiterführung dieser Aus
bildung wegen gehäufter Absenzen nicht mehr gegeben seien (Urk. 7/64).
Der Versicherte ersuchte mit Schreiben vom
30. Juli 2015
um
eine
beschwerde
fähige
Verfügung
(Urk. 11/72)
, woraufhin die IV-Stelle
dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 3. August 2015
den vorzeitigen Abbruch der beruflichen Massnahmen per 8. Juni 2015 in Aussicht
stellte (Urk. 11/73).
Mit Verfügung vom 28. September
2015 hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest (Urk. 11/79).
Nach der Prüfung eines Rentenanspruches (vgl. Urk. 11/82) verneinte die IV-
Stelle n
ach ergangenem Vorbescheid (Urk. 11/89) sodann mit Verfügung vom
8. Januar 2016
einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 11/92).
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Der Versicherte meldete sich am 29. April 2016 erneut bei der Invalidenversi
cherung
für berufliche Massnahmen
an (Urk. 11/99).
Die IV-Stelle
klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und
teilte dem Versicherten mit Mitteilung vom 7. Juli 2016 mit, dass e
r keinen Anspruch auf berufliche Massnahmen, namentlich
auf
eine Umschulung,
habe (Urk. 11/107). Der Ver
sicherte ersuchte mit Schreiben vom 3. August 2016 um eine
beschwerde
fähige
Verfügung (Urk. 11/108). Mit Verfügung vom 5. Oktober 2016
ver
neinte die IV-Stelle sodann
einen Anspruch des
Versicherten auf berufliche Massnahmen (Urk. 11/112 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 27. Oktober 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 5. Oktober 2016 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm berufliche Massnahmen zuzusprechen. Zudem sei ihm die unent
geltliche Rechtspflege zu gewähren (
Urk.
1 S. 1 Ziff. 1-2, Ziff. 4). Die IV-Stelle
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2. Dezember
2016 die Abweisung der
Beschwerde (Urk. 10). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 16. Dezember 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 12).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähig
keit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhal
ten oder zu verbessern; und
b.
die
Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen er
füllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festle
gung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Er
werbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglich
keit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2
). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit
.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen not
wendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen Massnahmen (
lit
. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
be
rufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapital
hilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
.
d).
1.3
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität not
wendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder
verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätig
keit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschulung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Ab
schluss
einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invali
dität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.4
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewe
senen versicherten Person eine ihrer früheren annähernd gleichwertige Er
werbsmöglichkeit zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der „annäh
ernden Gleichwertigkeit" nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Ver
dienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jewei
ligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht
aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn
das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E.
4.2 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E.
2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher aus
geübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtspre
chung ist zwar in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Er
werbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer
Momentaufnahme – ausschliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeit
punkt begrenzten Einkommensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitat
iven Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Möglichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzunehmenden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige
Einkommensentwick
lung
ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu vergleichen
den Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einigermassen vergleichbaren Wert aufweisen (BGE 124 V 108 E. 3b; AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E.
4.1 in
fine
und I 783/03 vom 18. August
2004 E.
5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen
Leistungs
recht
,
Diss
. Bern 1985, S. 186).
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive
Ein
gliederungsfähigkeit
voraus (AHI 1997 S.
82 E.
2b/
aa
; ZAK 1991 S.
179 unten f. E. 3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der
sozialberuf
lichen
Rehabilitation (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeitsmotivation, Stabilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen Grundelemente) mit dem primären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder wieder herzustellen (ZAK 1992 S. 367 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 5. Oktober
2016 (Urk. 2) fest, dass versicherte Personen Anspruch auf Umschulung hätte
n, wenn diese infolge Invalidität notwendig sei und dadurch die Erwerbstätig
keit voraussichtlich erhalten oder wesentlich verbessert werden könne. An
spruch auf Umschulung bestehe sodann, wenn der dauernde,
invaliditätsbe
dingte
Minderverdienst bei zumutbarer Tätigkeit mindestens 20
% betrage. Diese Voraussetzung
sei vorliegend nicht erfüllt, da gemäss rechtskräftigem Entscheid vom 8. Januar 2016 der invaliditätsbedingte Einkommensverlust nur 6 % betrage (S. 1 unten).
2.2
Demgegenüber führte der Beschwerdeführer
in der Beschwerde (Urk. 1) aus, dass der vorliegende Sachverhalt gestützt auf die bundesgerichtliche Recht
sprechung anders zu beurteilen sei, da er erst 26 Jahre alt sei. Da es sich bei den für ihn ohne Umschulung zumutbaren angepassten Tätigkeiten um un
qualifizierte Hilfsarbeiten handle, die im Vergleich zur erlernten Tätigkeit als Sanitär qualitativ nicht als „annähernd gleichwertig“ bezeichnet werden könnten, sei nicht
entscheidwesentlich
, ob die geforderte
Erheblichkeits
schwelle
erreicht werde (S. 3 Ziff. 3). Beim ersten Umschulungsversuch sei er sehr engagiert gewesen, jedoch hätten seine fachfremde berufliche Herkunft sowie seine gesundheitliche Situation einen erfolgreichen Abschluss der Umschulung verunmöglicht (S.
4 Ziff. 5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin den Anspruch
des Be
schwerdeführers
auf berufliche Massnahmen, namentlich auf eine
Umschu
lung
, zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer begann nach seinem Schulabschluss im Jahr 2006 drei
Ausbildungen
(
Lehre
als Heizungsmonteur, Spengler und Haustechniker), die er jeweils abbrach. Im Februar 2012 konnte er die Ausbild
ung zum
Haus
technikpraktiker
mit Fachrichtung Sanitär
beginnen
(Urk. 11/18/1-2, Urk. 11/34
S. 6 unten, S. 7 oben).
Der Beschwerdeführer
meldete sich erst
mals im Juni 2013
bei der Beschwerdegegnerin
unter Hinweis auf Rücken
schmerzen
für berufliche Massnahmen an, als er kurz vor Ende seiner Aus
bildung zum Haustechnikpraktiker war (Urk. 11/7 Ziff. 5.3). Er schloss seine
Lehre dennoch
erfolgreich
im August 2013
ab (vgl. Urk. 11/18/3),
arbeitete
aber nach Abschluss der Lehre praktisch nicht mehr auf diesem Beruf
(Urk. 11/34 S. 7 oben).
Gemäss der Stellungnahme von Dr. med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be
wegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Diens
t (RAD)
,
vom 21. Februar 2014
war
die Tätigkeit als Haustechnikpraktiker seit Mai 2013, mithin
bereits
vor Abschluss der Lehre, aufgrund der zu hohen Belastung für die Wirbelsäule nicht mehr geeignet. In angepasster Tätigkeit – mit körperlich mittelschwerer Tätigkeit, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 25 kg, ohne häufige wirbelsäulenbelastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten – sei de
r
Beschwerdeführer jedoch zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 11/24).
3.2
Am
24.
März 2014
begann
der Beschwerdeführer mit Unterstützung der
Be
schwerdegegnerin
zum ersten Mal mit einer Umschulung
. Er startete mit dem Grundlagenkurs an der
A._
in
B._
, um das Bürofach
diplom zu erwerben
(Urk. 11/32
), das er in der Folge nicht bestand (Urk. 11/41).
Die Beschwerdegegnerin hielt im Anschluss
daran
im Verlaufsprotokoll
der
Berufsberatung vom 22. Juli
2014 fest, dass der Beschwerdeführer, der von der Baubranche her komme, vorher unbedingt einen 6-monatigen Vorbereitungskurs hätte absolvieren müssen. Es werde deshalb eine
2-jährige Vollzeitausbildung (erstes Jahr Bürofachdiplom, zweites Jahr Handel
sdiplom) vorgeschlagen (Urk. 11/44 S. 1 unten).
Am 19.
August 2014
begann der Beschwerdeführer
sodann
erneut mit der
Ausbildung
an der
C._
in
D._
zur Erlangung des Bürofachdiploms
(Urk. 11/45).
Aufgrund von un
genügenden Leistungsnachweisen bestand der Beschwerdeführer die Probe
zeit nicht und wurde nur provisorisch ins nächste Quartal zugelassen. Die
Schulleitung der
C._
gi
ng davon aus, dass sich die 1.5
-
wöchige Krankheitsabwesenheit zu Beginn der
Ausbildung sicherlich negativ ausgewirkt habe, der Beschwerdeführer jedoch intellektuell in der Lage sei, den Stoff mit entsprechender Arbeit zu verstehen und zu begreifen
(Urk. 11/54).
Die Beschwerdegegnerin forderte ihn darauf hin mit Schreiben vom 26. November 2014 auf, seiner Mitwirkungspflicht nachzukommen (Urk. 11/55).
Im Februar 2015 wurde a
ufgrund der vielen Absenzen infolge Krankheit entschieden, dass der Beschwerdeführer das erste Semester noch
mals repetieren soll
e
(Urk. 11/58, Urk. 11/63 S. 1 Mitte)
.
Dies hat
sich
nach Ansicht
der Schulleitung der
C._
auch
gelohnt; so
habe
der Be
schwerdeführer wesentlich selbstbewusster und a
ktiver im Unterricht mit
ge
arbeitet
und
sei
bemüht
gewesen
, die ihm übertragenen Arbeiten zu erledi
gen.
Da der Beschwerdeführer eine Prüfung infolge Absenz nicht absolvieren konnte, war
das Zeugnis e
rneut nicht vollständig,
weshalb
er
ins Provisorium
versetzt wu
rde
(Urk. 11/60). Da auch dieser Versuch
aufgrund
einer erneuten Erkrankung des Beschwerdeführers
– aufgrund einer Darmerkrankung fehlte er oft in der Schule –
missglückte (Urk. 11/63 S. 1 Mitte
, S. 3 oben
)
, beschloss die Beschwerdegegnerin
am 20.
Juli 2015
,
die beruflichen Massnahmen
vorzeitig abzubrechen, da die Voraussetzungen für die Weiter
führung der Ausbildung wegen gehäufter Absenzen nicht mehr gegeben seien
(Urk. 7/64).
4.
4.1
In medizinischer Sicht ergibt sich, dass der Beschwerdeführer seit
Mai 2013
an einem persistierenden
Lumbovertebralsyndrom
rechtsbetont bei
Feh
lhal
tung
und
Grosswuchs leidet, welche
s
die Ausübung
seiner
angestammten
Tätigkeit als Haustechnikpraktiker sei
ther
verunmöglicht.
Eine angepasste Tätigkeit in Wechselbelastung unter Ausschluss ungünstiger
Witterungsbe
dingungen
, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Lasten bis maximal 10 kg körpernah, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ist de
m
Beschwerdeführer
jedoch
zu 100 % zumutbar.
Dies ist
vorliegend
un
bestritten und von diesem Sachverhalt ging die Beschwerdegegnerin auch in ihrer
rechtskräftigen
V
erfügung vom
8.
Januar 2016
bezüglich der Vernei
nung eines Rentenanspruches des Beschwerdeführers
aus (
vgl.
die
Stellung
nahme
des
RAD-Arztes Dr. med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, vom 4. November 2015
in Urk. 11/88/4-5
; vgl. auch Urk. 1 S. 1 unten, Urk. 11/92, Urk. 11/99, Urk. 11/103/1).
4.2
Für
eine berufliche Umschulung
bedarf es unter anderem
der
invaliditätsbe
dingten
Erwerbseinbusse von etwa 20 % (vgl. vorstehend E. 1.
4
).
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung vom 5. Oktober 2016 einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Umschu
lung infolge des in der rechtskräftigen Verfügung vom 8. Januar 2016 fest
gestellten invaliditätsbedingten Einkommensverlustes von 6 % (Urk. 2 S. 1 unten). In der rechtskräftigen Verfügung vom 8. Januar 2016 ermittelte die Beschwerdegegnerin
das
Valideneinkommen
anhand des standardisierten Durchschnittslohns
für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
im Baugewerbe gemäss
der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebe
nen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung
(
LSE
)
. Bei der Bestimmung des Invalideneinkommens zog sie den standardisierten Durchschnittslohn für
ein
fache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in
sämtli
chen Wirtschaftszweigen de
s privaten
Sektors gemäss LSE bei. Beim Ver
gleich
dieser beiden Einkommen resultierte ein nicht rentenbegründender
Invalidi
tätsgrad
von 6 %
(Urk. 11/92 S. 2, vgl. Urk. 11/87).
4.3
Zwar trifft es zu, dass in der Rechtsprechung prinzipiell die
Erheblichkeits
s
chwelle
von 20 % gefordert wird, doch ist hiervon
– wie der Beschwerde
führer zu Recht geltend machte (vorstehend E. 2.2) –
namentlich bei jungen Versicherten mit entsprechend langer verbleibender Aktivitätsdauer abzuwei
chen, wenn es sich bei den ohne Umschulung zumutbaren angepassten Tätigkeiten um unqualifizierte Hilfsarbeiten handelt, die im Vergleich zur erlernten Tätigkeit qualitativ nicht als annährend gleichwertig bezeichnet wer
den können (Ur
teile des Bundesgerichts 8C
_559/2014 vom 29. Oktober
2014
E. 3
und 9C_704/2010
vom 31. Januar 2011 E. 3.1).
Der
Beschwerdeführer
kann, wie bereits erwähnt (vorstehend E. 4.1),
die angestammte Tätigkeit
als Haustechnikpraktiker
mit Fachrichtung Sanitär
infolge seiner Rückenprobleme nicht mehr ausüben, weshalb ihm nur noch angepasste Tätigkeiten zumutbar sind
.
Bei den für den Beschwerdeführer o
hne Umschulung
zumutbaren angepass
ten Tätigkeiten handelt es sich
demnach
mangels anderweitiger Ausbildung einzig
um unqualifizierte Hilfsarbeiten, die im Vergleich zum erlernten Beruf als Haustechnikpraktiker qualitativ nicht als annähernd gleichwertig be
zeichnet werden könne
n
.
Die mit einer angemessenen Umschulung einher
gehende bessere Stellung auf dem Arbeit
smarkt ist für den Beschwerdeführer
umso wichtiger, als er
mit
Jahrgang 1990
noch jung und die verbleibende Aktivitätsdauer dementsprechend lang ist. Der Umschulungsanspruch des
Be
schwerdeführers
ist somit grundsätzlich auch dann gegeben, wenn
wie vor
liegend
ein momentaner Einkommensvergleich eine Verdiensteinbu
sse von
deutlich
weniger als 20
%
ergibt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_994/2009 vom 22. März 2010 E. 4).
4.4
Ausserdem geht aus den Akten hervor, dass es dem Beschwerdeführer nicht am Willen
und den Fähigkeiten
man
gelt, sich umschulen zu lassen bezieh
ungsweise eine Arbeitsstelle zu suchen.
So hielt die Schulleitung der
C._
am 21. Juli 2015, mithin einen Tag nach der vorzeitigen Beendigung der beruflichen Massnahmen durch die Beschwerdegegnerin (
vorstehend E.
3.1
),
fest
, dass es sehr bedauerlich sei, dem Beschwerdeführer kein Zeugnis ausstellen zu können, da wenn er anwesend sei, seine Mitarbeit als hervorra
gend bezeichnet werden könne. Er arbeite aktiv im Unterricht mit, erledige die Hausaufgaben und es scheine, dass er auch gewillt sei, die Ausbildung zu absolvieren. Er habe auch in letzter Zeit bewiesen, dass wenn es ihm gut
gehe, er durchaus in der Lage sei, gute Leistungen zu erbringen (Urk. 11/67). Zudem geht aus dem Schreiben des Beraters
des RAV
vom 21. Oktober 2016 hervor,
dass der Beschwerdeführer
jeweils
die Auflagen wie
Arbeitsbemü
hungen
, Beratungstermine und die Bereitschaft an geeigneten Kursen teilzu
nehmen
,
eingehalten
habe
. Im Januar 201
6 habe
der Beschwerdeführer
einen Bewerbungskurs besucht und diesen auch beendet.
Von März bis April 2016 habe
er zudem ein
en
ECDL (European Computer
Driving
Licence
) Kurs erfolgrei
ch mit Zertifikat abgeschlossen (Urk. 3 S. 1).
4.5
Nach dem G
esagten kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer trotz einer Verdiensteinbusse von weniger als 20 % Anspruch auf berufliche Massnahmen, namentlich
auf
eine Umschulung hat.
Hinzu kommt, dass ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung eine Umschulungsmassnahme nicht
vorzeitig abgebrochen werden soll, wenn und solange der angestrebte Zweck der Eingliederung im Rahmen der Verhältnismässigkeit noch erreicht werden kann (BGE 139 V 399 E.
5.5 mit Hinweis;
Pra
2013 Nr.
110). Vorliegend waren der mehrfache Unterbruch des Schulbesuchs und die dadurch entstan
denen Prüfungslücken im Wesentlichen auf vorübergehende Erkrankungen des Beschwerdeführers zurückzuführen. Mithin kann keine Rede davon sein, dass der Zweck der Eingliederung - sofern der Beschwerdeführer seiner
Mit
wirkungspflicht
nachkommt - nicht mehr erreicht werden könnte.
Ob ein Wiedereinstieg
beziehungsweise die Fortsetzung der
bei der
C._
angefangenen Ausbildung
zum Bürofachdiplom
angezeigt (und auch
möglich)
oder ob ein Neustart
der Ausbildung (an dieser oder einer anderen Schule)
erforderlich ist
, ist von der Beschwerdegegnerin
abzuklären.
4.6
Nach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Entscheid als nicht rechtens.
Dementsprechend ist die Beschwerde gutzuheissen
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit ist das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 1) gegenstandslos.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Unter Berücksichtigung dieser Grundsätze sowie eines praxisgemäss
en Stundenansatzes von Fr. 145.-- (zzgl. MWST) erscheint für den
durch
eine Sozialarbeiterin der
Pro
Infirmis
vertreten
e
n Beschwerdeführer
ei
ne
Partei
entschädigung
von Fr. 1‘100.--
als angemessen.