Decision ID: c30a0708-d429-44df-807d-9027a614141b
Year: 2020
Language: de
Court: ZH_OG
Chamber: ZH_OG_002
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: penal_law

betreffend versuchte sexuelle Nötigung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 20. September 2018 (DG180055)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 28. Mai 2018
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 25).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB,
- des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,
- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
- der versuchten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG,
- der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2
SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 und Abs. 5
VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV,
- des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2
lit. b SVG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 und 2 lit. c VRV,
- der Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch im Sinne von
Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG,
- des Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG,
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- des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von Art. 96 Abs. 2
Satz 1 SVG in Verbindung mit Art. 63 SVG,
- der missbräuchlichen Verwendung von Kontrollschildern im Sinne von
Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG sowie
- des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit. a WG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten (wo-
von 3 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Geldstrafe von
120 Tagessätzen à Fr. 90.– und mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe wird aufgeschoben und die
Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 3. August
2015 für eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 110.–, entsprechend
Fr. 1'100.–, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren gewährte bedingte
Strafvollzug wird widerrufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
5. Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen.
6. Der Beschuldigte wird verpflichtet, Fr. 2'000.– als Ersatzforderung an den
Staat zu bezahlen.
7. Der sichergestellte, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservats-Triage, gelagerte
Schlagring aus Metall (Asservat-Nr. A010'380'855) wird eingezogen und der
Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
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8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'800.0
; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'800.0
Gebühr Vorverfahren
Fr. 1'735.0
Auslagen (Polizei, ausserkantonale Verfahrenskosten,
Fr. 19'994.
amtliche Verteidigung (inkl. Auslagen und MwSt.)
Fr. 29'329.
Total
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich
die Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.
9. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühr Vorverfahren, Auslagen) und des ge-
richtlichen Verfahrens, einschliesslich diejenigen der amtlichen Verteidigung,
werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
werden indessen einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Nach-
forderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 81 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen
- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB
- der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB
- des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
sowie
- der versuchten sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
freizusprechen.
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2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von höchstens 12 Mona-
ten zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen 3 Tage Haft sowie
des über 6 Monate erstandenen Rayonverbots.
3. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsver-
fahrens seien mit Ausnahme derjenigen für die amtliche Verteidigung
zur Hälfte dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Hälfte der Kosten der
amtlichen Verteidigung sei definitiv abzuschreiben. Für die andere Hälf-
te sei die Nachzahlungspflicht vorzusehen.
Die Kosten des Berufungsverfahrens einschliesslich derjenigen für die
amtliche Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 54, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

Erwägungen:
I.
1. Mit Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 20. September 2018 wurde
der Beschuldigte - mit einer geringfügigen Abweichung in der rechtlichen Würdi-
gung - anklagegemäss schuldig gesprochen und mit einer bedingten Freiheits-
strafe von 18 Monaten, einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 90
Franken und einer Busse von 300 Franken bestraft. Die Einzelheiten ergeben sich
aus dem im Ingress dieses Entscheides wiedergegebenen Dispositiv des ange-
fochtenen Entscheides. Das Urteil wurde gleichentags mündlich sowie schriftlich
im Dispositiv eröffnet (Urk. 39; Prot. I S. 49 ff.). Die Verteidigerin des Beschuldig-
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ten meldete am 27. September 2018 fristgerecht Berufung an (Urk. 42; Art. 399
Abs. 1 StPO). Das begründete Urteil (Urk. 44 bzw. Urk. 48) wurde der Verteidige-
rin des Beschuldigten am 8. März 2019 zugestellt (Urk. 45), woraufhin diese mit
Eingabe vom 20. März 2019 innert Frist die Berufungserklärung beim hiesigen
Gericht einreichte (Urk. 49; Art. 399 Abs. 3 StPO).
2.1 Innert der angesetzten Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO (Urk. 52)
verzichtete die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland (fortan Staatsanwalt-
schaft) am 6. Mai 2019 auf eine Anschlussberufung und beantragte die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils sowie die Dispensation von der Teilnahme an
der Berufungsverhandlung, welche bewilligt wurde (Urk. 54; vgl. auch Urk. 58).
Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.
2.2 Mit Eingabe vom 6. November 2019 stellte die Verteidigerin den Antrag,
dass die Akten der Strafuntersuchung Nr. 2019/10010039 der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl beizuziehen seien (Urk. 62). Der Antrag wurde gutgeheissen (Urk. 63).
Nach Einsicht in diese Akten stellte die Verteidigung mit Eingabe vom 19. No-
vember 2019 weiter den Antrag, die Privatklägerin B._ durch das Berufungs-
gericht zum Sachverhalt gemäss den Anklagevorwürfen Dossiers 6 und 7 zu be-
fragen (Urk. 67). Mit Beschluss vom 25. November 2019 wurde die Staatsanwalt-
schaft Zürich-Sihl, Büro G-6, ersucht, DNA-Spuren auswerten zu lassen, die an-
lässlich eines - von der Privatklägerin und ihrem Vater dem Beschuldigten zuge-
rechneten - Vorfalls vom 5. Dezember 2019 sichergestellt worden waren. Die Be-
fragung der Privatklägerin als Auskunftsperson wurde vorbehalten (Urk. 69). Am
28. November 2019 teilte der zuständige Staatsanwalt telefonisch mit, dass er die
Auswertung der DNA-Spuren veranlasst, aber die Rückmeldung erhalten habe,
dass auf dem Feuerwerkskörper nicht genügend DNA-Material vorhanden gewe-
sen sei, um daraus ein DNA-Profil erstellen zu können (Urk. 72). Die Untersu-
chungsakten zum Vorfall vom 5. Dezember 2019 (STA Zürich-Sihl
2019/10010039) gingen in der Folge erneut hierorts ein (Urk. 77). Mit Präsidialver-
fügung vom 10. Januar 2020 wurde die Befragung der Privatklägerin als Aus-
kunftsperson anlässlich der Berufungsverhandlung angeordnet (Urk. 75).
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3. Nach einer Abnahme der Ladung zur Berufungsverhandlung vom 22. No-
vember 2019 (vgl. Urk. 69 S. 3) fand die Berufungsverhandlung schliesslich heute
in Anwesenheit des Beschuldigten und dessen Verteidigerin statt (Prot. II S. 7 ff.).
Die Privatklägerin, B._, wurde bei dieser Gelegenheit als Auskunftsperson
einvernommen (Prot. II S. 22 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung ersuchte
die Verteidigung im Sinne eines Eventualantrags zum Hauptantrag eines Frei-
spruchs in Bezug auf die Dossiers 6 und 7 um Sistierung dieses Berufungsverfah-
rens bis zum Abschluss des Strafverfahrens STA Zürich-Sihl 2019/10010039
(Prot. II S. 9 f.). Da – wie zu zeigen sein wird – ein Freispruch hinsichtlich der dem
Beschuldigten in den Dossiers 6 und 7 der Anklageschrift vorgeworfenen Delikte
zu ergehen hat, wird dieser Sistierungsantrag hinfällig.
II.
1. Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren einen Freispruch von
den Vorwürfen der Tätlichkeiten, der mehrfachen Drohung, des mehrfachen
Hausfriedensbruchs und der versuchten sexuellen Nötigung, die Ausfällung einer
milderen (Freiheits-)Strafe von höchstens 12 Monaten unter Anrechnung auch
des Rayonverbots auf der Basis der weiteren Schuldsprüche, die er unangefoch-
ten lässt, und eine neue Regelung der Kostenfolgen (Urk. 49; Urk. 81 S. 2). Nicht
angefochten und in Rechtskraft erwachsen sind folglich die Ziffern 1 teilweise
(Schuldsprüche wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs
[Dossier 2], mehrfacher Widerhandlung gegen das BetmG, grober Verkehrsregel-
verletzung, Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Entwendung eines Motorfahr-
zeugs, Fahrens ohne Berechtigung, Fahrens ohne Haftpflichtversicherung, miss-
bräuchlicher Verwendung von Kontrollschildern, Vergehens gegen das Waffenge-
setz), 5 (Absehen von einer Landesverweisung), 6 (Ersatzforderung), 7 (Einzie-
hung) und 8 (Kostenfestsetzung) des vorinstanzlichen Entscheids, was vorab mit-
tels Beschluss festzustellen ist. Dispositivziffer 4 gilt aufgrund des Sachzusam-
menhangs mit dem Entscheid über die Höhe der Sanktion als mitangefochten.
2. Tätlichkeiten, Drohung und Hausfriedensbruch sind lediglich auf Antrag hin
strafbar (Art. 126 Abs. 1 StGB; Art. 180 Abs. 1 StGB; Art. 186 StGB). Die Privat-
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klägerin stellte entsprechende Strafanträge am 2. Oktober 2017 (Dossier 6,
Urk. 2) und am 14. November 2017 (Dossier 7, Urk. 2). Die Verteidigung machte
jedoch geltend, dass die Privatklägerin den Strafantrag bezogen auf Dossier 6 zu-
rückgezogen habe (Urk. 36 S. 2). Eine den Formerfordernissen von Art. 304 StPO
genügende Rückzugserklärung liegt jedoch nicht vor. In dem vom 3. November
2017 datierenden Formular "Klärung Strafantrag" kreuzte die Privatklägerin zwar
die Rubrik "Ich ziehe den Strafantrag zurück" an, unterzeichnete das Formular
aber nicht (Urk. 7/3), womit die Erklärung der Schriftform nicht genügt. Ein münd-
lich zu Protokoll erklärter Rückzug des Strafantrags liegt ebenfalls nicht vor; in der
polizeilichen Einvernahme vom 14. November 2017 gab sie lediglich ihrer Über-
zeugung Ausdruck, sie habe mit dem erwähnten Formular auf eine weitere Straf-
verfolgung verzichtet (Urk. 3/2 S. 4 [Frage 28]; vgl. auch Urk. 3/4 S. 2 [Frage 6]),
was nach dem Erwogenen nicht zutrifft. Schliesslich gilt der von der Privatklägerin
am 6. November 2017 erklärte Verzicht auf ihre Parteistellung (Urk. 7/4) nicht
auch als Rückzug des Strafantrags (BGE 138 IV 248 E. 4.2.1).
III.
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens bilden in tatsächlicher und rechtlicher
Hinsicht noch die Vorfälle vom 2. Oktober und 14. November 2017. Dem Be-
schuldigten wird von der Anklage in diesem Zusammenhang zusammengefasst
zur Last gelegt, sich in den frühen Morgenstunden des 2. Oktober 2017 ein erstes
Mal zum Wohnort der Privatklägerin begeben, dort eine Mauer überwunden und
unbefugt den vor ihrem Schlafzimmer befindlichen Balkon betreten, an die dortige
Balkontüre geklopft und sie dazu bewegt zu haben, auf den Balkon zu kommen
sowie sie dort dann bedroht und mindestens einmal geohrfeigt und den Versuch
unternommen zu haben, sie zu sexuellen Handlungen zu nötigen. Am 14. No-
vember 2017 habe er sich erneut an den Wohnort der Privatklägerin begeben, die
Mauer überwunden und den Balkon vor ihrem Schlafzimmer unbefugt betreten
und dort die Lamellen des heruntergelassenen Storens nach unten gedrückt, in
das Innere des Schlafzimmers der Privatklägerin geblickt und die durch sein neu-
erliches Auftauchen massiv verängstigte Privatklägerin aufgefordert, die Türe zu
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öffnen, was diese aber nicht getan, sondern stattdessen ihre Eltern verständigt
habe (vgl. zu den Einzelheiten Urk. 25 S. 9 ff.).
Die Anklage beruht auf den Aussagen der Privatklägerin.
2.1 Der Beschuldigte bestreitet die Vorwürfe bis heute. Er räumt zwar inzwi-
schen ein, die Privatklägerin zu kennen; es sei vor Jahren während kurzer Zeit ei-
nige Male zu sexuellen Kontakten zwischen ihr und ihm gekommen. Er habe aber
seit 2012 keinen Kontakt mehr zu ihr. Zur fraglichen Zeit sei er nicht am Wohnort
der Privatklägerin gewesen und habe sie auch nicht mit den Aussagen, dass er
ihr Haus "abfackeln" und ihre Eltern "abstechen" werde sowie mit den Sätzen "Du
weisch nöd, was ich alles mit dir mache würd!" und "Wotsch du, dass ich dich jetzt
grad mitnäh und vergewaltige?" gedroht. Ferner stimme es nicht, dass er die Pri-
vatklägerin zum Oralverkehr zu zwingen versucht und ihr mindestens eine Ohrfei-
ge versetzt habe. Die Privatklägerin lüge (Urk. 2/5 S. 3 ff.; Urk. 2/6 S. 5 ff.;
Urk. 2/7 S. 2 ff.; Urk. 2/8 S. 10 ff.; Prot. I S. 10 f., 40 ff.; Prot. II S. 15 ff.; vgl. auch
Urk. 2/4 S. 1 f.).
2.2 Die Aussagen des Beschuldigten zum Tatvorwurf beschränken sich mithin
auf die Behauptung, nicht am Tatort gewesen und (deshalb auch) nichts mit den
angeklagten Vorgängen zu tun zu haben. Sie sind einer Glaubhaftigkeitsanalyse
naturgemäss nicht zugänglich. Dagegen steht fest, dass der Beschuldigte anfäng-
lich wahrheitswidrig behauptete, die Privatklägerin nicht zu kennen (vgl. Urk. 2/4
S. 2). Er macht geltend, sich erst aufgrund eines Gesprächs mit einem Kollegen
nach der ersten Befragung zur Sache wieder daran erinnert zu haben, dass er mit
ihr früher einmal Kontakt hatte (Urk. 2/5 S. 2; Urk. 2/7 S. 4). War die Privatklägerin
nur eine kurze, für den Beschuldigten unbedeutende Episode in seinem Leben,
wie er es zumindest sinngemäss behauptet (vgl. Urk. 2/5 S. 2 [Frage 31], ist das
nicht undenkbar. Die Annahme, dass er anfänglich glaubte, sich mit dem Abstrei-
ten jeglicher Beziehung zur Privatklägerin am wirkungsvollsten gegen deren Vor-
würfe verteidigen zu können, liegt allerdings mindestens so nahe. Insgesamt lässt
sich aber lediglich konstatieren, dass der Beschuldigte die Tat bestreitet und sich
aus seinen Aussagen abgesehen vom Eingeständnis, mit der Privatklägerin
schon sexuelle Kontakte gehabt zu haben, die bei objektiver Betrachtung nicht
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von besonderem Respekt gegenüber (jungen) Frauen zeugen, nichts Sachdienli-
ches ergibt. Namentlich kann aus ihnen weder geschlossen werden, dass er im
Tatzeitpunkt noch an der Privatklägerin interessiert war noch dass ein solches In-
teresse nicht mehr bestand.
3.1 Die Vorinstanz hat die Protokolle der Einvernahmen der Privatklägerin im
Vorverfahren und im bezirksgerichtlichen Verfahren richtig wiedergegeben
(Urk. 48 S. 11-17, 21-23; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist auf die Aufzeich-
nung der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme der Privatklägerin vom 21. Feb-
ruar 2018 in Bild und Ton zu verweisen (Urk. 3/5). Zusammengefasst machte die
Privatklägerin geltend, den Beschuldigten von früher zu kennen. Sie habe ihn
2012 als Bekannten einer Kollegin kennengelernt. Es habe sich um eine einmali-
ge Begegnung im Bekanntenkreis gehandelt, und es sei einfach geredet worden.
Danach hätten sie keinen Kontakt mehr gehabt, bis der Beschuldigte anfangs Ok-
tober 2017 in den frühen Morgenstunden bei ihr auf dem Balkon gestanden sei,
von ihr habe wissen wollen, warum sie sich nicht mehr gemeldet und Zutritt zur
Wohnung verlangt sowie sie schliesslich bedroht, geohrfeigt und sexuell zu nöti-
gen versucht habe. Am 14. November 2017 sei der Beschuldigte gegen vier Uhr
morgen wieder auf dem Balkon gestanden (Urk. 3/1 S. 1 ff; Urk. 3/2 S. 2 f.;
Urk. 3/4 S. 8 ff.; Prot. I S. 14 ff.). Eine Verwechslung könne sie ausschliessen. Sie
habe sein Gesicht sehen können, und er habe gesagt, dass er A._ aus
C._ sei (Urk. 3/4 S. 6; Prot. I S. 18).
3.2 Anfangs Dezember 2018 brachten die Eltern der Privatklägerin einen weite-
ren Vorfall zur Anzeige, den sie dem Beschuldigten zurechnen; er soll am
5. Dezember 2018 zunächst Feuerwerk gegen ihren Balkon gerichtet und später
den Balkon unbefugt erklettert haben (Urk. 77/1; Urk. 77/3/1-2; Urk. 77/4/1-4). Der
Beschuldigte bestreitet auch diese Vorwürfe; er sei nicht dort gewesen (Urk. 4/5;
Prot. II S. 15). Das Untersuchungsverfahren steht erst am Anfang. Die Vorwürfe
sind nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Die Anzeige gegen den Be-
schuldigten beruht jedoch u.a. auf der Annahme, dass zwischen den Vorfällen
vom 2. Oktober und 14. November 2017 einerseits und dem Vorfall vom 5. De-
zember 2018 andererseits ein innerer Zusammenhang besteht. In der polizeili-
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chen Befragung vom 20. Dezember 2018 äusserte sich die Privatklägerin deshalb
auch kurz zu den Vorfällen, die vorliegend von Interesse sind (Urk. 77/4/4 S. 3 ff.).
Auf die Frage, ob sie den Beschuldigten in der Zwischenzeit wieder einmal gese-
hen habe, führte sie dann aus, das sei nicht der Fall. Sie finde es erstaunlich,
dass sie ihn draussen nie sehe. Sie denke, er lebe auch eher in der Nacht. Wel-
cher normale Mensch würde auch sonst in der Nacht einfach zu anderen Leuten
gehen. Wenn sie ihn persönlich treffen würde, hätte sie weniger Angst. Im Schlaf
habe sie mehr Angst. Als sie ihn vor einem Jahr gesehen habe, habe er Hand-
schuhe und eine Gesichtsmaske getragen. Er sei nicht blöd (Urk. 77/4/4 S. 4
[Frage 31]). Gemäss diesen Aussagen hätte der Beschuldigte bei den Vorfällen
im Jahr 2017 also seine Identität zu verbergen versucht. Damit setzte sie sich in
einen unauflösbaren Widerspruch zu ihren Aussagen im vorliegenden Verfahren,
gemäss welchen der Beschuldigte ihr damals offen gegenübertrat, wobei er ihr
beim ersten Mal ausserdem seinen Namen genannt habe. Sie wurde daher zur
erneuten Befragung im Rahmen der Berufungsverhandlung vorgeladen.
3.3 Bei dieser Gelegenheit äusserte sie sich wie folgt: Auf entsprechenden Vor-
halt bestätigte die Privatklägerin ihre Aussage aus dem neu angehobenen Straf-
verfahren gegen den Beschuldigten, wonach dieser bei den Vorfällen im Jahre
2017 eine Gesichtsmaske getragen habe (Prot. II S. 36 f.). Nachdem sie jedoch
damit konfrontiert worden war, dass sie früher angegeben habe, bei jenen Vorfäl-
len das Gesicht des Täters gesehen zu haben, relativierte sie ihre vorgängige An-
gabe dahingehend, dass der Beschuldigte die Maske nicht angehabt habe, weil er
sie ausgezogen habe (Prot. II S. 37). Was die Frage danach betrifft, woran die
Privatklägerin die Identifizierung des Beschuldigten als Täter festmachen konnte,
zeigen sich in ihren Angaben aus der Berufungsverhandlung zudem neue Unge-
reimtheiten in Bezug auf den Vorfall vom 14. November 2017. So gab sie im Wi-
derspruch zu ihren bisherigen Angaben, wonach sie damals das Gesicht des Tä-
ters von vorne gesehen habe und sie ihn auch ganz klar gesehen habe (Urk. 3/2
S. 2), neu an, dass sie damals eigentlich niemanden erkannt habe. Sie habe kei-
ne Person gesehen, sondern einfach gemerkt, dass jemand auf dem Balkon ge-
standen sei und geklopft sowie gerufen habe. Wer dort gestanden sei, habe sie
aber nicht erkannt (Prot. II S. 33). Überdies gab sie in der Berufungsverhandlung
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wie bereits in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 21. Februar 2018
an, dass sie den Nachnamen des Beschuldigten nicht mehr gewusst habe, als sie
ihn gesehen habe. Diesen habe sie dann erst gekannt, als sie bei der Polizei ge-
wesen sei. Als sie dort dann habe sagen können, dass er von C._ sei, hätten
sie dann das mit dem Namen und allem sagen können, damit sie es habe bestäti-
gen können (Prot. II S. 32). Mit anderen Worten hat ihr die Polizei - gemäss ihrer
Darstellung - den Nachnamen des Beschuldigten vorgehalten.
4.1 Die Vorinstanz stellte u.a. fest, dass die Privatklägerin das Vorgehen des
Beschuldigten im Vorverfahren und im bezirksgerichtlichen Verfahren ohne we-
sentliche Widersprüche geschildert habe (vgl. Urk. 48 S. 31 ff.). Jedenfalls unter
Berücksichtigung ihrer Aussage im neuen Verfahren gegen den Beschuldigten
sowie angesichts ihrer Angaben in der Berufungsverhandlung trifft das aber über-
haupt nicht mehr zu. Ihre neue Behauptung, der Täter habe vor einem Jahr eine
Maske und Handschuhe getragen, als wahr unterstellt, steht ihre Schilderung des
Ablaufs der Ereignisse und die damit verbundene eindeutige Identifizierung des
Beschuldigten als Täter grundsätzlich in Frage. Zweifel an der eindeutigen Identi-
fizierung des Beschuldigten als Täter kommen zudem auch deshalb auf, weil sie
nun neu erklärte, die Person, welche sich am 14. November 2017 auf ihren Bal-
kon begeben habe, gar nicht erkannt zu haben (Prot. II S. 33 ff.). Ging die Vo-
rinstanz noch davon aus, dass die Vorgeschichte den Beschuldigten in keinem
Fall entlaste (Urk. 48 S. 27 f.), stimmt das jedenfalls unter den so veränderten
Vorzeichen auch nicht mehr. Frühere Sexualkontakte zum Beschuldigten wären
vielmehr eine denkbare Grundlage für eine vordergründig glaubhafte, aber den-
noch bewusst oder unbewusst falsche Zuschreibung der Vorgänge vom 2. Okto-
ber und 14. November 2017. Trug der Täter damals weder Handschuhe noch ei-
ne Gesichtsmaske, steht ihre neue Aussage zumindest für ein Bestreben, dem
Beschuldigten mit wahrheitswidrigen Aussagen kriminelle Raffinesse zuzuschrei-
ben, um ihrer Belastung Glaubhaftigkeit zu verleihen, was die Feststellung der
Vorinstanz relativiert, die Aussagen der Privatklägerin wirkten ehrlich und ergäben
nicht den Eindruck, dass sie den Beschuldigten um jeden Preis in ein schlechtes
Licht rücken wolle (Urk. 48 S. 32). Zusammengefasst besteht konkreter Anlass,
die Aussagen der Privatklägerin mit grösster Vorsicht und im Bewusstsein zu
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würdigen, dass namentlich die Verbindung von tatsächlich Erlebtem und Erfunde-
nem zu einer Darstellung führen kann, die nur schwer als (teilweise) falsch er-
kennbar ist. Allein der Umstand, dass die Schilderung der Privatklägerin vorder-
gründig stimmig ist, darf unter den gegebenen Umständen nicht dazu verleiten,
Unstimmigkeiten in den Details vorschnell als unbedeutend zu bewerten. Das gilt
um so mehr, als die Beziehungsverhältnisse unklar sind (vgl. nachfolgend
E. III.4.2) und die Privatklägerin im Tatzeitpunkt erwiesenermassen darum be-
müht war, in ihren Augen potentiell rufschädigende Ereignisse vor ihren Eltern
geheim zu halten (vgl. Urk. 3/4 S. 12). Es greift bei dieser Ausgangslage jeden-
falls zu kurz, eine mögliche Falschaussage der Privatklägerin nur bezogen auf ihr
Verhalten als Jugendliche in Erwägung zu ziehen, wie das die Vorinstanz zu tun
scheint (vgl. Urk. 48 S. 25 f.), und davon auszugehen, dass ein Motiv für eine
Falschaussage zwingend erkannt werden könnte.
4.2 Gemäss den von der Privatklägerin am Tattag bei der Polizei deponierten
Aussagen knüpfte die Begegnung vom 2. Oktober 2017, an der der Beschuldigte
mit Bemerkungen wie "hey, ich bins", "ich bins, de A._" (Urk. 3/1 S. 1;
Urk. 3/4 S. 11), "de A._ vo C._" (Urk. 3/1 S. 1) bzw. "ich bins, weisch no,
wer ich bin" (Urk. 3/4 S. 11), "hey, scho lang nüt meh ghört" (Urk. 3/1 S. 2), "scho
lang nümä gseh" (Urk. 3/4 S. 12), "worum häsch dich nüme gmolde" (Urk. 3/4
S. 13) auf sich aufmerksam gemacht habe, an einen Kontakt an, der ungefähr
fünf bis sechs Jahre zuvor stattgefunden hatte. Sie habe den Beschuldigten da-
mals geblockt. Sie habe gewusst, dass er kein Guter sei. Sie hätten keine Liebes-
beziehung und keine sexuellen Kontakte gehabt. Er sei nur ein Bekannter gewe-
sen. Sie seien nicht einmal richtig befreundet gewesen, weshalb sie nicht verste-
he, warum er jetzt so gekommen sei (Urk. 3/1 S. 2, 4). Auf die Frage, warum sie
den Kontakt abgebrochen habe, gab sie an, sie sei mit ihrer damaligen besten
Freundin im Streit auseinandergegangen. Er habe schon damals ihre Nummer
gewollt. Sie habe aber nichts mit ihm zu tun haben wollen. Sie habe schon da-
mals Sachen gehört betreffend Drogen und Dealen. Sie habe auch von sexuellen
Kontakten zwischen ihm und betrunkenen Frauen gehört. Er habe mal erzählt,
wie er mit einer Frau Sex gehabt habe, die geschlafen habe. Sie habe das ko-
misch gefunden. Sie sei in der 1. Sekundarschule gewesen und habe nichts mehr
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mit ihm zu tun haben wollen. Der Kontakt zu ihrer Freundin und zum Beschuldig-
ten sei gleichzeitig abgebrochen. Sie habe ihn seit damals bis heute morgen nicht
mehr gesehen (Urk. 3/1 S. 4). Danach gefragt, woher der Beschuldigte wisse, wo
sie wohne, erklärte sie, er habe sie einmal abgeholt damals, als diese Kollegin bei
ihr gewesen sei (Urk. 3/1 S. 4). In der Zwischenzeit habe sie immer mal wieder
gehört, dass er schlechten Umgang habe, dass er ein Stalker sei. Er habe immer
mal wieder über andere Leute mit ihr in Kontakt kommen wollen (Urk. 3/1 S. 4).
Mit dieser Darstellung vermittelte die Privatklägerin den Eindruck, dass ihre einige
Jahre zurückliegende Bekanntschaft mit dem Beschuldigte zumindest einige Zeit
gedauert und zu mehreren Begegnungen – darunter eine an ihrem Wohnort – ge-
führt hatte, wobei der Beschuldigte ein gewisses Interesse an ihr zeigte, das er
auch später nie ganz verlor. In die gleiche Richtung deutet ihre Aussage anläss-
lich der polizeilichen Einvernahme vom 14. November 2017, wonach es sich beim
Beschuldigten um den Freund ihrer Ex-Kollegin gehandelt habe und sie damals
miteinander herumgehangen seien (Urk. 3/2 S. 2).
Anlässlich ihrer Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 21. Februar 2018
bestand sie dann aber darauf, dass es, als sie 13 Jahre alt gewesen sei, lediglich
zu einem einmaligen Treffen mit dem Beschuldigten gekommen sei und sie ein
erstes und einziges Mal im August/September 2017 vernommen habe, dass der
Beschuldigte zu ihr Kontakt suche. Im Einzelnen gab sie an, sie habe den Be-
schuldigten mit einer Kollegin namens D._ einmal in C._ gesehen und
sonst nie Kontakt zu ihm gehabt (Urk. 3/4 S. 4, 9). D._ habe ihn schon vorher
gekannt. Sie habe gesagt, dass sie rausgehen würden. Sie sei mitgegangen, oh-
ne viel zu überlegen; sie habe kein Interesse am Beschuldigten gehabt und nicht
mit ihm befreundet oder so sein wollen. Sie seien dann nach C._ gegangen,
und der Beschuldigte sei auch dort gewesen. Sie seien einfach auf einem abgele-
genen Platz in der Nähe des Waldes gewesen, etwas weiter unten. Dort seien sie
auf einem Bänkchen gesessen und hätten geredet. Das Treffen habe ungefähr
eine Stunde gedauert (Urk. 3/4 S. 8). Zu Intimitäten mit ihm sei es nicht gekom-
men (Urk. 3/4 S. 9). Der Beschuldigte habe ihr keine Avancen gemacht (Urk. 3/4
S. 11). Die Telefonnummern seien dort nicht ausgetauscht worden, und es sei
- 15 -
nicht zu weiteren Treffen zwischen ihr und dem Beschuldigten gekommen. Auch
anderweitig habe es keinen Kontakt mehr gegeben und der Beschuldigte sei nie
an ihrem Wohnort gewesen (Urk. 3/4 S. 8). Im August/September 2017 habe ihr
eine E._ dann per WhatsApp mitgeteilt, dass A._ aus C._ zu ihr,
der Privatklägerin, Kontakt haben wolle, was sie aber nicht gewollt und auch so
gesagt habe. Sie habe sofort alles gelöscht, weil sie mit all dem nichts mehr habe
zu tun haben wollen. Es sei ihr komisch vorgekommen, dass eine Person, mit der
sie vor sieben Jahren mal zu tun gehabt habe, plötzlich Kontakt zu ihr suche. Und
diese E._ habe sie auch nicht gekannt. E._ habe ihr gesagt, dass sie sie
über Instagram gefunden habe (Urk. 3/4 S. 10). Sie habe ihre Telefonnummer,
diejenige der Privatklägerin, "wegen A._" gehabt und dieser habe sie, nehme
sie an, von ihrer Ex-Kollegin D._, die die einzige sei, die ihren Nachnamen
und ihren Wohnort kenne (Urk. 3/4 S. 11). Allerdings erwähnte sie auch, dass sie
bei der Anzeigeerstattung über die Telefonnummer des Beschuldigten verfügt ha-
be, die sie von E._ erhalten habe (Urk. 3/4 S. 9), was die Frage aufwirft, ob
sie wirklich, wie behauptet, sofort alle Daten löschte, weil sie damit nichts mehr zu
tun haben wollte. Wenn E._ die Privatklägerin davor warnte, dass der Be-
schuldigte vorher schon aggressiv gewesen und mehrere Frauen gestalkt habe
und ihr riet, ihn sofort anzuzeigen, wenn etwas vorfalle (Urk. 3/4 S. 24), lässt sich
das zudem nur schwer damit vereinbaren, dass sich E._ vom Beschuldigten
für eine Kontaktaufnahme mit der Privatklägerin einspannen liess oder die Privat-
klägerin keinerlei Interesse an einem Kontakt mit dem Beschuldigten zeigte. An-
lässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung schilderte die Privatklägerin die
Hintergründe der Kontaktaufnahme durch E._ denn auch grundsätzlich an-
ders: Demnach wollte E._ wissen, ob die Privatklägerin etwas mit ihrem
Freund zu tun gehabt habe, worauf der Beschuldigte ein Thema wurde. Warum
genau, wird aus ihren Aussagen nicht verständlich (Prot. I S. 25 f.). Sie äusserte
in diesem Zusammenhang aber jedenfalls auch, dass der Beschuldigte ihre
Nummer wohl noch von früher gehabt habe (Prot. I S. 26), obwohl sie bis dahin
immer bestritten hatte, dass je Telefonnummern ausgetauscht worden waren.
Neu erwähnte sie auch, dass bei der Jahre zurückliegenden, einzigen Begegnung
mit dem Beschuldigten, noch F._ anwesend gewesen und sie in Begleitung
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von G._ und H._ gewesen sei (Prot. I. 15 ff., 21). Auf entsprechende
Frage stellte sie dabei klar, dass H._ und D._ verschiedene Personen
sind (Prot. I S. 26). Im Ergebnis schilderte sie damit ein gänzlich anderes erstes
Treffen mit dem Beschuldigten als noch bei der Staatsanwaltschaft. Im Übrigen
blieb sie dabei, dass sie nie sexuelle Kontakte zum Beschuldigten gehabt habe
und dieser vor den anklagegegenständlichen Ereignissen auch nie bei ihr zuhau-
se gewesen war. Im Zusammenhang mit den in der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme angesprochenen Gerüchten über sie (Urk. 3/4 S. 23) erwähnte sie aber
zusätzlich, dass H._ am Tag ihrer ersten Begegnung mit dem Beschuldigten
gesagt habe, sie solle aufpassen und nicht mit "solchen Leuten", womit sie den
Beschuldigten gemeint habe, zusammen sein (Prot. I S. 20). Sie habe auch
mehrmals gesagt, dass er kein guter Mensch sei. Auch andere Leute, die sie in
C._ und I._ kennengelernt habe, hätten ihr gesagt, dass er Probleme
habe und kein guter Umgang sei. Sie habe im Lauf der Zeit immer wieder gehört,
dass er schlechte Sachen mache, Sachen stehle, Drogenhandel. Das habe sie
von H._ gehört (Prot. I S. 21). Noch in der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme hatte sie allerdings behauptet, der Polizist habe ihr von den anderen Delik-
ten des Beschuldigten bei der ersten Einvernahme erzählt (Urk. 3/4 S. 21).
In der Berufungsverhandlung berichtete die Privatklägerin wieder davon, dass es
zwischen ihr und dem Beschuldigten vor dem 2. Oktober 2017 nur zu einem ein-
zigen Treffen gekommen sei. Dieses habe in C._ an einem abgelegenen Ort
auf einer Bank stattgefunden, als sie in die erste Oberstufe gegangen sei. Neben
ihr und dem Beschuldigten seien damals auch noch eine Kollegin und sonst noch
jemand dabei gewesen. Sie seien einfach so in einer Gruppe gewesen (Prot. II
S. 24 ff.). Von dieser Darstellung, dass sie den Beschuldigten vor dem Vorfall auf
dem Balkon vom 2. Oktober 2017 nur dieses eine Mal in C._ gesehen habe,
rückte die Privatklägerin auch dann nicht ab, als ihr vorgehalten worden war, dass
sie einmal gesagt habe, der Beschuldigte habe manchmal einen Kinnbart getra-
gen und diese Aussage den Anschein erwecke, dass sie ihn zuvor mehrmals ge-
sehen haben könnte (Urk. 3/1 S. 3 f.; Prot. II S. 29). Was die von ihr bereits zuvor
geschilderte Kontaktaufnahme durch E._ betrifft, gab sie neu an, dass sie
von dieser nicht nur die Telefonnummer des Beschuldigten, sondern auch noch
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ein Bild von ihm erhalten habe. Auf den Vorhalt, dass sie zuvor in diesem Verfah-
ren erklärt habe, dass sie vom Beschuldigten noch von früher ein Foto gehabt ha-
be, welches sie aus ihren WhatsApp Kontakten abgespeichert habe, gab sie an,
dass das auch stimme und sie mithin zwei Fotos von ihm gehabt habe. Ebenfalls
neu erklärte sie zudem, dass sie das Bild, das sie von E._ erhalten habe,
erst gelöscht habe, nachdem sie bei der Polizei gewesen sei und das Bild gezeigt
habe (Prot. II S. 27 ff.).
Insgesamt überzeugen die Aussagen der Privatklägerin über ihre Beziehung zum
Beschuldigten nicht. Sie sind bruchstückhaft und widersprüchlich. Aus ihnen lässt
sich kein auch nur einigermassen verlässliches Gesamtbild gewinnen. Sowohl die
Intensität und die Art der Kontakte der Privatklägerin zum Beschuldigten als auch
das Beziehungsgeflecht, in dem sich die Privatklägerin und der Beschuldigte seit
ihrem Kennenlernen bewegten, bleiben letztlich undurchsichtig. Warum das so ist,
lässt sich nicht abschliessend beurteilen. Möglicherweise ging es der Privatkläge-
rin darum, ihre eher abenteuerlichen sexuellen Kontakte zum Beschuldigten im
Sommer 2012 (oder allenfalls zu einem früherem Zeitpunkt) zu verschleiern, wie
die Vorinstanz annimmt (Urk. 48 S. 25 f.). Es kann aber auch nicht ausgeschlos-
sen werden, dass sie Umstände zu verschleiern versuchte, die geeignet wären,
die Glaubhaftigkeit ihrer Darstellung der anklagegegenständlichen Vorgänge sel-
ber in Frage zu stellen.
4.3.1 Der Vorfall vom 2. Oktober 2017 lässt sich ausgehend von den Schilde-
rungen der Privatklägerin grob in drei Phasen einteilen: In der ersten Phase be-
fand sich die Privatklägerin in ihrem Schlafzimmer, während der Beschuldigte sich
auf dem Balkon aufhielt. Sie endete damit, dass die Privatklägerin ebenfalls auf
den Balkon ging. In der zweiten Phase setzte sich die Diskussion, die in der ers-
ten Phase zwischen der Privatklägerin und dem Beschuldigten begonnen hatte,
auf dem Balkon fort. In der dritten Phase wurde der Beschuldigte verbal ausfällig
und körperlich aggressiv. Die erste Phase des Geschehens schilderte die Privat-
klägerin im Ergebnis widerspruchsfrei; der Beschuldigte drängte sie verbal dazu,
schnell zu öffnen, er wolle schnell mit ihr sprechen, es sei wichtig, sie wollte das
eigentlich nicht, forderte ihn auf zu gehen, gab schliesslich aber in der Weise
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nach, dass sie sich auf den Balkon begab (Urk. 3/1 S. 1; Urk. 3/4 S. 11). Sie habe
auf keinen Fall gewollt, dass ihre Eltern das mitbekommen würden. Sie habe kei-
nen Stress gewollt und gedacht, dass es sich erledigt habe, wenn er einfach wie-
der gehe (Urk. 3/4 S. 12; vgl. auch Prot. I S. 16). Nachdem sie auf den Balkon ge-
treten war, wollte der Beschuldigte gemäss ihrer Schilderung wissen, warum sie
sich nicht mehr gemeldet habe, während sie ihn dazu bewegen wollte, zu gehen.
Ihre erste Darstellung bei der Polizei vermittelt dabei den Eindruck, dass die At-
mosphäre weitgehend ruhig blieb, während sie den Beschuldigten mit dem Ver-
sprechen, sich zu melden, zum Gehen zu bewegen versuchte (Urk. 3/1 S. 2). An-
lässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft sprach sie zwar auch noch
davon, der Beschuldigte habe zunächst auf befreundet gemacht bzw. einen "Aus-
druck von befreundet" gehabt (vgl. Urk. 3/4 S. 12). Dass sie selber den Beschul-
digten mit dem Versprechen, sich bei ihm zu melden, zum Gehen zu überreden
versuchte, schilderte sie aber nicht mehr. Stattdessen behauptete sie neu, den
Beschuldigten gefragt zu haben, woher er wisse, wo sie wohne und beschrieb im
Übrigen nur noch klare, teilweise auch aggressive Aufforderungen ihrerseits, sie
in Ruhe zu lassen bzw. zu gehen (Urk. 3/4 S. 12). Eine grundlegend andere Dar-
stellung der zweiten Phase der Ereignisse gab die Privatklägerin damit zwar nicht
zu Protokoll. Sie betonte mit der so angepassten Schilderung aber zusätzlich,
dass sie den Besuch des Beschuldigten nicht gewünscht hatte.
4.3.2 In der dritten Phase des Geschehens wollte der Beschuldigte gemäss den
ersten Depositionen der Privatklägerin bei der Polizei nun explizit ins Haus gelas-
sen werden und bemerkte, ob er ihr Haus abfackeln und ihre Eltern abstechen
solle. Die Privatklägerin versuchte ihn mit dem Versprechen, sich zu melden und
dem Hinweis, dass es jetzt nicht gehe, weil ihr Vater komme, um sie zu wecken
und sie zur Arbeit müsse, zum Gehen zu bewegen (Urk. 3/1 S. 2). Der Beschul-
digte äusserte darauf, dass das eine Lüge sei und er warten werde, um zu schau-
en, ob sie tatsächlich arbeiten gehe. Auf die erneute Aufforderung zu gehen, folg-
te die Frage des Beschuldigten, ob er sie gerade jetzt da ausziehen und verge-
waltigen solle und die Bemerkung, er schwöre, er mache sie kaputt. Sie sei darauf
etwas lauter geworden und habe ihn wiederum gebeten zu gehen, sie müsse zur
Arbeit und ihr Vater komme (Urk. 3/1 S. 2). Er sei darauf zu jenem Ort des Bal-
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kons, wo man problemlos hinunterklettern könne, und habe gesagt, sie solle
kommen. Er habe auf ein Auto gezeigt und gefragt, ob er sie mitnehmen und
dann vergewaltigen solle. Dann habe er sie gepackt, habe versucht, ihr die Hosen
auszuziehen und sie anzufassen. Dann habe er versucht, sie zu Oralverkehr zu
zwingen. Wie der am Ende des Balkons stehende Beschuldigte und sie in eine
räumliche Nähe gelangten, die diesen Übergriff ermöglichte, schilderte sie nicht
(Urk. 3/1 S. 2).
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme liess sie – wie bereits für die zweite
Phase des Geschehens – unerwähnt, dass sie den Beschuldigten mit dem Ver-
sprechen, sich zu melden, zum Gehen bewegen wollte. Im Übrigen kehrte sie die
Abläufe um: der Beschuldigte versuchte sie demnach zuerst zu Oralverkehr zu
nötigen, bewegte sich dann zum Ende des Balkons und versuchte dort schliess-
lich noch, ihr die Hosen auszuziehen. Zum Ende des Balkons sei er selber ge-
gangen. Sie sei ihm dorthin gefolgt, weil er gesagt habe, dass er gehen würde,
wenn sie zu ihm komme (Urk. 3/4 S. 14, 17 [Frage 81]). Sie füllte damit zwar die
Lücke, die sich in ihrer ersten Deposition bei der Polizei zeigt. Dass die Angst vor
den Eltern, die Angst vor dem Beschuldigten auch nach einer versuchten Nöti-
gung zu Oralverkehr noch überwog, überzeugt allerdings nicht ohne weiteres.
Den Versuch, sie zu Oralverkehr zu zwingen, schilderte die Privatklägerin bei der
Polizei sodann so, dass der Beschuldigte gesagt habe, sie solle seinen entblöss-
ten Penis anschauen. Dann habe er sie an den Haaren gepackt und habe sie
nach unten drücken wollen. Sie habe ihn weggestossen, er habe ihr eine Ohrfeige
gegeben. Er habe sie immer wieder an den Handgelenken gepackt, sie habe sich
immer wieder losgerissen und er habe ihr jedes Mal eine Ohrfeige gegeben; das
sei drei Mal so gegangen. Auf konkrete Frage ergänzte sie, dass er, so glaube
sie, zweimal mit links und einmal mit rechts zugeschlagen habe. Sie sei dann lau-
ter geworden und habe gesagt, dass sie die Polizei rufe. Er habe gelacht und ge-
sagt, dass ihm das scheissegal sei. Sie solle doch anrufen. Die Polizei könne ihm
gar nichts machen. Sie sei verzweifelt gewesen und habe ihn gebeten zu gehen.
Er habe gesagt, er schwöre, er werde sie töten. Sie habe dann gesagt, dass er
krank sei. Dann habe er gesagt, dass er nicht wisse, was er alles mit ihr machen
- 20 -
würde, er habe dies recht sexistisch gesagt, wahrscheinlich mit fesseln und so
Sachen. Sie habe gesagt, er solle sich jetzt verpissen. Dann habe sie ihn sehr
stark gestossen, so dass er mit dem Kopf gegen das Geländer gefallen sei. Er
habe irgendwie nicht mehr reagiert. Sie habe ihn am Kopf gehalten und gesagt,
dass er jetzt gehe, er verpisse sich jetzt. Sie sei dann sofort in die Wohnung ge-
gangen, habe die Türe zugemacht und noch gehört, wie er runtergesprungen sei.
Dann sei ihre Mutter gekommen (Urk. 3/1 S. 2 f.).
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme schilderte sie den Vorgang ausführ-
licher, im Einzelnen aber auch abweichend von ihren ersten Aussagen. Nament-
lich sprach sie nicht mehr davon, dass der Beschuldigte sie – nachdem er sie an
den Haaren gepackt und nach unten gezogen hatte – wiederholt an den Handge-
lenken packte und die Ohrfeigen seine Reaktion darauf waren, dass sie sich wie-
der losriss. Vielmehr soll er sie am Pullover gezogen und versucht haben, sie mit
der rechten Hand ins Gesicht zu schlagen, während er sie an den Haaren zog,
wobei er nur einmal getroffen habe (Urk. 3/4 S. 13). Mit einer Hand habe er sie an
Haaren und Kopfhaut gehalten, mit der anderen am Arm und an der Schulter. Die
Hand, die er an ihrer Schulter gehabt habe, habe sie wegstossen können
(Urk. 3/4 S. 13, 16 f.). Dass sie dem Beschuldigten mit der Polizei und er ihr mit
dem Tod gedroht und sie ihn nach seinem Sturz gegen das Balkongeländer am
Kopf gehalten und gesagt habe, er solle jetzt verschwinden, schilderte sie auch
nicht mehr. Das obwohl es sich dabei um eindrückliche Passagen ihrer ersten
Darstellung handelte und sie seine Bemerkung "mit oder ohni Polizei, ich wird
dich sowieso umbringe und mit dir mache was ich will" selber als schlimmsten
Satz bezeichnet hatte (Urk. 3/1 S. 5). Stattdessen behauptete sie neu, der Be-
schuldigte habe noch gesagt, dass er jetzt jeden Tag kommen werde, er habe je-
den Tag Zeit und für sie hätte er ohnehin immer Zeit. Er werde jeden Morgen um
viertel nach vier auf sie warten (Urk. 3/4 S. 18). Ferner will sie nach ihrer Rück-
kehr in die Wohnung nicht nur die Balkontüre geschlossen, sondern neu auch den
Vorhang zugezogen haben, den Beschuldigten aber dennoch auf seiner Flucht
beobachtet und ihm noch hinterhergerufen haben, er solle sich verpissen
(Urk. 3/4 S. 14).
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4.4 Was den Vorfall vom 14. November 2017 betrifft, fällt auf, dass die Privat-
klägerin in der ersten Einvernahme bei der Polizei betonte, dass sie den Beschul-
digten nicht nur gesehen, sondern auch seine Stimme erkannte habe, als er ge-
sagt habe "B._ mach die Türe auf" (Urk. 3/2 S. 1 ff.). In der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme verneinte sie dann, dass der Beschuldigte beim zwei-
ten Vorfall etwas gesagt habe (Urk. 3/4 S. 19). Vor Vorinstanz behauptete sie
wieder, der Beschuldigte habe auch ihren Namen gesagt (Prot. I S. 17). Gänzlich
anders schilderte sie die Umstände dieses Vorfalles sodann im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung. So verneinte sie in dieser Darstellung – wie bereits dargelegt
(vgl. E.III.3.3) – gar, damals jemanden erkannt zu haben. Sie gab an, dass sie
zwar gemerkt habe, dass jemand auf dem Balkon gestanden sei und sie das
Klopfen sowie ein Rufen gehört habe, dass sie aber nicht erkannt habe, wer dort
gestanden oder wer es gewesen sei. Auch ihre Eltern hätten nur einen Schatten
und jemanden davonrennen gesehen. Dass sie den Beschuldigten sodann als Tä-
ter genannt habe, begründete sie damit, dass sie dies nach dem ersten Ereignis
natürlich vermutet habe. Noch in der polizeilichen Einvernahme vom 14. Novem-
ber 2017 hatte sie demgegenüber erklärt, dass sie sich zu hundert Prozent sicher
sei, dass der Beschuldigte sowohl am 2. Oktober 2017 als auch in der damaligen
Nacht der Täter gewesen sei (Urk. 3/2 S. 2); wohingegen sie in der Berufungsver-
handlung anfügte, in Anbetracht dessen, dass es sich um eine Vermutung gehan-
delt habe, damals auch nicht "zu hundert Prozent" gesagt zu haben, dass er der
Täter gewesen sei (Prot. II S. 33 ff.).
5. Zusammengefasst weisen bereits die von der Privatklägerin im Vorverfah-
ren deponierten Aussagen zur Sache erhebliche Widersprüche und sonstige Un-
gereimtheiten auf. Ihre Aussagen im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren erklären
diese nicht befriedigend und ihre Bemerkungen im neuesten Verfahren gegen den
Beschuldigten sowie ihre Angaben aus der Berufungsverhandlung stellen ihre
Sachdarstellung im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren
grundsätzlich in Frage. Insbesondere die anfänglichen Beteuerungen der Privat-
klägerin, dass sie sich sicher sei, dass es der Beschuldigte gewesen sei, welcher
am 2. Oktober 2017 und am 14. November 2017 nachts zu ihr auf den Balkon ge-
kommen sei, erweisen sich angesichts ihrer im neu angehobenen Strafverfahren
- 22 -
sowie in der Berufungsverhandlung gemachten Angaben als unglaubhaft. Dazu
kommen ungeklärte Beziehungsverhältnisse und das manifeste Bestreben der
Privatklägerin, gewisse ihrer persönlichen Kontakte vor ihren Eltern zu verheimli-
chen. Was am 2. Oktober und 14. November 2017 auf dem Balkon der Familien-
wohnung tatsächlich passierte und wer in die Vorgänge nebst der Privatklägerin
involviert war, lässt sich bei dieser Ausgangslage nicht zuverlässig erstellen. Der
rechtsgenügende Nachweis, dass der Beschuldigte den Balkon gegen den Willen
der Privatklägerin betrat und sie dort bei einer Gelegenheit auch bedrohte und se-
xuell zu nötigen versuchte, lässt sich nicht erbringen. Der Beschuldigte ist von
den entsprechenden Vorwürfen freizusprechen.
IV.
1. Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Limmat-
tal/Albis vom 3. August 2015 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln im
Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 110.– sowie mit einer Busse von Fr. 200.– verurteilt. Die Strafe wurde unter
Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren bedingt ausgesprochen (Urk. 51). Bei
den heute noch zu beurteilenden Delikten handelt es sich um Vergehen, die der
Beschuldigte alle innerhalb dieser Probezeit beging. Die Vorstrafe, die laufende
Probezeit und sein bereits damals grundsätzlich funktionierendes soziales Netz
(er war in seine Herkunftsfamilie eingebunden und hatte eine langjährige Freun-
din; vgl. Prot. I S. 30 ff.; Prot. II S. 12 f.), hielt den Beschuldigten nicht davon ab,
erneut mehrfach gegen das Strassenverkehrsgesetz und zusätzlich gegen unter-
schiedlichste Tatbestände des Haupt- und Nebenstrafrechts zu verstossen. Für
sein künftiges Verhalten kann ihm vor diesem Hintergrund ohne Vollzug der Vor-
strafe keine günstige Prognose mehr gestellt werden. Dass er inzwischen nicht
mehr nur temporär, sondern regelmässig arbeitet, ist zwar erfreulich. Bereits in
der Vergangenheit waren objektiv stabile soziale Verhältnisse allerdings kein zu-
verlässiger Gradmesser für das Wohlverhalten des Beschuldigten, weshalb die in
den letzten zwei Jahren eingetretene berufliche Stabilisierung an der Schlecht-
prognose nichts zu ändern vermag. Die bedingte Strafe ist daher in Anwendung
von Art. 46 Abs. 1 Satz 1 StGB zu widerrufen.
- 23 -
2. Der Beschuldigte beging die heute zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttre-
ten der seit 1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen
Teils des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionsrechts; AS 2016 1249).
Gemäss der im Tatzeitpunkt geltenden Fassung von Art. 40 und Art. 41 Abs. 1
StGB betrug die Freiheitsstrafe in der Regel mindestens sechs Monate. Auf eine
(unbedingte) Freiheitsstrafe von weniger als sechs Monaten konnte das Gericht
nur ausnahmsweise erkennen, wenn die Voraussetzungen für eine bedingte Stra-
fe gemäss Art. 42 aStGB nicht gegeben waren (für die Ausnahme vgl. BGer
6B_808/2017 E. 2.1.3.) und zu erwarten war, dass eine Geldstrafe nicht würde
vollzogen werden können. Für Strafen bis zu sechs Monaten galt damit eine ge-
setzliche Prioritätenordnung zugunsten nicht freiheitsentziehender Sanktionen
(BGE 134 IV 62; BGE 137 IV 313). Die Geldstrafe betrug höchstens 360 Tages-
sätze (Art. 34 Abs. 1 StGB). Seit dem Inkrafttreten der neuen Bestimmungen des
Allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS
2016 1249) am 1. Januar 2018 beträgt die Freiheitsstrafe mindestens drei Tage
(Art. 40 Abs. 1 StGB) und die Geldstrafe mindestens drei und höchstens 180 Ta-
gessätze (Art. 34 Abs. 1 StGB). Das Gericht kann sodann statt auf eine Geldstra-
fe auf eine Freiheitsstrafe erkennen, wenn eine solche geboten erscheint, um den
Täter von der Begehung weiterer Verbrechen und Vergehen abzuhalten oder eine
Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden kann (Art. 41 Abs. 1 StGB). Die
Tagessatzhöhe entspricht der alten, durch die bundesgerichtliche Rechtspre-
chung präzisierten Regelung. Das neue Sanktionenrecht zielt damit auf eine Ver-
schärfung im Bereich der Geldstrafe und kurzen Freiheitsstrafe, namentlich durch
Abschaffung von Geldstrafen über 180 Tagessätzen. Es kann aber im Einzelfall
als Folge der Reduktion der Maximalhöhe der Geldstrafe zu einem für den Täter
günstigeren Ergebnis führen, wenn dieser wegen mehreren Delikten zu Geldstra-
fen verurteilt wird (vgl. BGE 144 IV 313 E. 1.1.3.). Wie zu zeigen ist, ist der Be-
schuldigte allerdings mit Freiheitsstrafen zu sanktionieren. Eine Geldstrafe ist ein-
zig als Verbindungsstrafe gemäss Art. 96 Abs. 2 SVG zu verhängen. Das neue
Sanktionenrecht ist für ihn insofern nicht vorteilhafter. Hingegen würde die An-
wendung von Art. 46 Abs. 1 Satz 2 StGB, gemäss welchem aus der widerrufenen
Geldstrafe und der neu auszufällenden (Verbindungs-)Geldstrafe eine Gesamt-
- 24 -
strafe zu bilden wäre, durch die Anwendung des Asperationsprinzips im Ergebnis
zu einer insgesamt tieferen Geldstrafe führen. Die neu gebildete Geldstrafe könn-
te angesichts der ungünstigen Prognose im Zusammenhang mit dem Widerruf der
Vorstrafe allerdings nur unbedingt ausgefällt werden (vgl. BGer 6B_677/2019
E. 1.2), während nach dem im Tatzeitpunkt geltenden Recht und in Beachtung
des Verschlechterungsverbots der Vollzug der Strafe für die heute neu zu beurtei-
lenden Delikte - wie zu zeigen ist - bedingt aufzuschieben ist. Das bisherige Recht
erweist sich damit im Ergebnis als das für den Beschuldigten mildere. Die Sankti-
on ist daher in Anwendung des im Tatzeitpunkt geltenden Rechts zu bestimmen.
3.1 Sämtliche vom Beschuldigten verwirklichten Straftatbestände sehen als
Sanktion eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor, wobei
für das Fahren ohne Haftpflichtversicherung eine allfällige Freiheitsstrafe zwin-
gend mit einer Geldstrafe zu verbinden ist (Art. 19 Abs. 1 lit. c und d BetmG;
Art. 90 Abs. 2 SVG; Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG; Art. 94 Abs. 1 lit. a SVG; Art. 95
Abs. 1 lit. b SVG; Art. 96 Abs. 2 Satz 1 SVG; Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG; Art. 33
Abs. 1 lit. a WG). Die Strafe ist innerhalb dieses ordentlichen Strafrahmens zu
bemessen. Aussergewöhnliche Umstände, die es angezeigt erscheinen lassen
würden, diesen zu verlassen, bestehen auch unter Berücksichtigung der teilweise
mehrfachen Tatbegehung und der Tatmehrheit nicht (vgl. Art. 49 Abs. 1 StGB).
3.2 Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Täters sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind
(Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und BGE 136
IV 55). Kommen für einen Normverstoss Freiheitsstrafe und Geldstrafe alternativ
in Betracht, sind als wichtigste Kriterien die Zweckmässigkeit einer bestimmten
Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre prä-
ventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Ist der Täter wegen
einer Mehrheit begangener Taten mit gleichartigen Strafen zu bestrafen, ist die
Strafe ausgehend von den mindestens gedanklich festzulegenden hypothetischen
Einzelstrafen unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips festzulegen (Art. 49
Abs. 1 StGB; vgl. dazu im Einzelnen BGE 144 IV 217; BGE 144 IV 313 E. 1.1.2).
- 25 -
4.1 Der Beschuldigte wurde am 3. August 2015 wegen eines Strassenverkehrs-
delikts mit einer bedingten Geldstrafe und einer Busse, die er zu bezahlen hatte,
bestraft. Noch während laufender Probezeit wurde er erneut mehrfach straffällig,
wobei er gegen unterschiedlichste Tatbestände des Haupt- und Nebenstrafrechts
verstiess. Im Nachgang zur ersten Verurteilung steigerte sich die Delinquenz des
Beschuldigten folglich. Die Sanktionierung mit den ihn am wenigsten hart treffen-
den Strafen hat also ihre präventive Wirkung klar verfehlt. Bei dieser Ausgangsla-
ge ist davon auszugehen, dass vorliegend eine Freiheitsstrafe die zweckmässige
Sanktion auch in den Fällen darstellt, in denen die Verschuldensbewertung eine
Geldstrafe als Sanktion noch zulassen würde.
4.2 Der Beschuldigte erwarb zusammen mit einem Mittäter Kokain in einer
Kleinmenge von ca. 10 Gramm zum Zweck des Weiterverkaufs, streckte die er-
worbenen Betäubungsmittel und verkaufte sie in Kleinstportionen an diverse Ab-
nehmer. Das tat er in einem Zeitraum von ca. acht Monaten mehrfach, wobei die
verkaufte Menge Kokaingemisch sich insgesamt auf ca. 30 bis 60 Gramm und der
auf ihn entfallende hälftige Gewinn auf ca. Fr. 2'000.– belief. Über die Qualität der
gekauften bzw. verkauften Drogen ist nichts bekannt, womit es in objektiver Hin-
sicht bei der Feststellung bleiben muss, dass der Beschuldigte selbständig mit
harten Drogen handelte, dabei aber auf der untersten Stufe des Drogenhandels
agierte. In subjektiver Hinsicht gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte
mit direktem Vorsatz und aus rein finanziellen Motiven handelte. Bei dieser Aus-
gangslage ist das objektive und subjektive bzw. das Gesamtverschulden des Be-
schuldigten mit der Vorinstanz als noch leicht zu bewerten. Für den Kauf von je-
weils ca. 10 Gramm Kokain und deren Weiterverkauf in gestreckter Form in
Kleinstportionen wäre davon ausgehend bei einer Einzelbetrachtung eine Frei-
heitsstrafe von ca. vier Monaten angemessen. Im Rahmen der Asperation ist zu
beachten, dass alle Taten Teil der Drogenhandelsaktivität des Beschuldigten wa-
ren und so einen engen inneren Zusammenhang aufweisen, die mehrfache Tat-
begehung über einen längeren Tatzeitraum aber auch von einer nicht unbeachtli-
chen kriminellen Energie zeugt. Die Freiheitsstrafe von um die vier Monaten für
die erste Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ist vor diesem Hin-
- 26 -
tergrund für die folgenden mindestens zwei weiteren um je ca. drei Monate auf
um die zehn Monate zu erhöhen.
4.3 Der Beschuldigte stahl zusammen mit seinem Mittäter Zigaretten, Zigarillos
und Tabak in einem Gesamtwert von gut Fr. 1'300.–. Der Deliktsbetrag übersteigt
den Bagatellbereich, ist aber dennoch nicht besonders hoch. Die Tat war zwar
nicht von langer Hand geplant, der Beschuldigte und sein Mittäter gingen aber
dennoch gezielt und mit nicht unerheblicher krimineller Energie vor, was sich na-
mentlich darin zeigt, dass sie ihr Vorhaben nach einem ersten erfolglosen Ver-
such nicht einfach aufgaben und Vorkehren trafen, um unentdeckt bzw. unerkannt
zu bleiben (Vermummen, Diebstahlsalarm am eigenen Auto auslösen). Das Ver-
schulden ist objektiv als noch leicht einzustufen. Der Beschuldigte handelte aus
egoistischen Gründen. Wie die Vorinstanz richtig bemerkte, befand er sich trotz
Arbeitslosigkeit nicht in einer finanziellen Notlage, die sein subjektives Verschul-
den relativieren würde, da er von seinen Eltern unterstützt wurde und sich im Üb-
rigen an die Sozialbehörden hätte wenden können. Es ist von einem insgesamt
leichten Verschulden und einer hypothetischen Einzelstrafe von um die drei Mo-
nate Freiheitsstrafe auszugehen. Das Delikt steht in keinem Zusammenhang mit
der Betäubungsmitteldelinquenz. Die hypothetische Gesamtstrafe für diese Delik-
te ist in Anwendung des Asperationsprinzips für den Diebstahl um zwei Monate
auf um die 12 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
Den Hausfriedensbruch beging der Beschuldigte nachts in einer Geschäftsliegen-
schaft. Auch wenn er direktvorsätzlich handelte, ist bei dieser Ausgangslage von
einem insgesamt sehr leichten Verschulden und einer hypothetischen Einzelstrafe
von wenigen Tagen Freiheitsstrafe auszugehen. Eine wesentliche eigenständige
Bedeutung hat das Delikt neben dem Diebstahl nicht. Eine weitere Erhöhung der
hypothetischen Gesamtstrafe ist nicht angezeigt.
Hinsichtlich der Sachbeschädigung ist in objektiver Hinsicht festzuhalten, dass der
Beschuldigte und sein Mittäter eine Glastüre und eine Fensterscheibe beschädig-
ten (vgl. Urk. D2/5). Wie die Vorinstanz richtig erwog, ist der dadurch verursachte
Sachschaden, auch wenn er betragsmässig nicht feststeht, nicht unerheblich. Er
erreicht die Deliktssumme des Diebstahls mit Sicherheit. Das Vorgehen mit einer
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Axt war vergleichsweise rabiat und spricht für eine nicht zu unterschätzende kri-
minelle Energie. Objektiv ist die Deliktsschwere davon ausgehend als leicht zu
bewerten. In subjektiver Hinsicht sind keine Umstände ersichtlich, welche das ob-
jektive Tatverschulden zu relativieren vermögen würden. Es ist von einem leichten
Gesamtverschulden und einer hypothetischen Einzelstrafe von um die drei Mona-
te auszugehen. Die Sachbeschädigung steht zwar in direktem Zusammenhang
mit dem Diebstahl. Das dadurch verwirklichte Unrecht hat aber dennoch eine we-
sentliche eigenständige Bedeutung, weshalb die hypothetische Gesamtstrafe in
Anwendung des Asperationsprinzips um weitere zwei Monate auf um die 14 Mo-
nate Freiheitsstrafe zu erhöhen ist.
4.4 Der Beschuldigte entwendete den Audi TT von J._ bei Gelegenheit oh-
ne besonderen Aufwand aber in Verletzung des Vertrauens, das ihm dieser ent-
gegenbrachte. Er legte mit dem Fahrzeug keine besonders lange Strecke zurück,
verwendete es aber u.a. bei einem Einbruchdiebstahl. Schliesslich stellte er es
wieder am Wohnort von J._ ab. J._ erlitt im Ergebnis keinerlei Nachteile.
Das Verschulden des Beschuldigten wiegt vor diesem Hintergrund objektiv leicht.
In subjektiver Hinsicht liegen keine Umstände vor, welche das objektive Verschul-
den relativieren würden. Insgesamt ist folglich von einem leichten Verschulden
und einer hypothetischen Einzelstrafe von gegen zwei Monaten Freiheitsstrafe
auszugehen.
Hinsichtlich der objektiven Schwere der missbräuchlichen Verwendung von Kon-
trollschildern ist zu bemerken, dass der Beschuldigte ohne besonderen Aufwand
an die fremden Kontrollschilder gelangte. Sie ist daher als sehr leicht zu bewer-
ten. Sie wird allerdings durch das subjektive Verschulden erhöht, handelte der
Beschuldigte doch nicht nur direktvorsätzlich, sondern mit der Absicht, die Kon-
trollschilder für ein Fahrzeug zu besorgen, mit dem er in der Folge einen Ein-
bruchdiebstahl verüben wollte (vgl. Urk. 2/1 S. 3). Es ist daher mit der Vorinstanz
von einem insgesamt leichten Verschulden auszugehen und die hypothetische
Einzelstrafe auf zwei bis drei Monate Freiheitsstrafe festzulegen.
Zum Fahren ohne Haftpflichtversicherung ist in objektiver Hinsicht zu bemerken,
dass der Beschuldigte keine besonders lange Fahrtstrecke zurücklegte, er aber
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namentlich durch die Verwendung des Fahrzeuges bei einem Einbruchdiebstahl
(Fluchtwagen) abstrakte Risiken einging, die diejenigen einer normalen Fahrt
überstiegen. Das objektive Verschulden ist als leicht zu bewerten. Es wird durch
das subjektive Verschulden, der Beschuldigte handelte direktvorsätzlich, nicht re-
lativiert. Verschuldensangemessen wäre eine Freiheitsstrafe von gegen vier Mo-
nate. Da eine Freiheitsstrafe zwingend mit einer Geldstrafe zu verbinden ist und
die beiden Strafen insgesamt die verschuldensangemessene Sanktion nicht über-
steigen dürfen, wäre bei einer Einzelbetrachtung eine Freiheitsstrafe von drei Mo-
naten mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu verbinden.
Die drei Delikte weisen unter sich und mit dem Diebstahl, dem Hausfriedensbruch
und der Sachbeschädigung einen engen Sachzusammenhang auf. Namentlich
das Fahren ohne Haftpflichtversicherung stellt aber dennoch ein gewichtiges zu-
sätzliches Unrecht dar, weshalb die drei Delikte insgesamt eine Erhöhung der hy-
pothetischen Gesamtstrafe auf um die 18 Monate Freiheitsstrafe rechtfertigen.
Dazu kommt eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen.
4.5 Der Beschuldigte überschritt die signalisierte Höchstgeschwindigkeit auf der
Autobahn mit 41 Stundenkilometern erheblich. Eine besondere Verkehrslage, die
die Tempoüberschreitung über das mit ihr per se verbundene Risiko hinaus er-
höht hätte, lag nicht vor. Das objektive Verschulden wiegt daher innerhalb des
Tatbestandes der groben Verletzung von Verkehrsregeln, die per se eine schwere
Verletzung wichtiger Verkehrsvorschriften und eine erhebliche (konkrete oder
abstrakte) Gefährdung voraussetzt, leicht. Der Beschuldigte handelte zumindest
mit Eventualvorsatz. Beweggründe, die sein Verhalten in milderem Licht erschei-
nen lassen würden, sind nicht ersichtlich. Das subjektive Tatverschulden relati-
viert das objektive folglich nicht. Insgesamt ist das Verschulden als leicht zu be-
werten, womit eine hypothetische Einzelstrafe von einem Monat Freiheitsstrafe
angemessen wäre. Die hypothetische Gesamtstrafe von um die 18 Monate Frei-
heitsstrafe ist unter Berücksichtigung dieses Delikts, das ein eigenständiges Un-
recht darstellt, in Anwendung des Asperationsprinzips auf gut 18 Monate Frei-
heitsstrafe zu erhöhen. Dazu kommt eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen.
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4.6 Die am 28. Mai 2017 begangenen weiteren Strassenverkehrsdelikte führen
zu einer weiteren Erhöhung der hypothetischen Gesamtstrafe auf rund 19 Monate
Freiheitsstrafe. Dazu kommt eine Geldstrafe von 15 Tagessätzen. Die festgestell-
te Blutkonzentration von Kokain (vgl. Urk. D5/6/2 S. 2) überschritt den massgebli-
chen Grenzwert erheblich. Die von ihm in fahrunfähigem Zustand zurückgelegte
Strecke war mit 17 Kilometern nicht unbedeutend. Auffälligkeiten im Fahrverhal-
ten zeigten sich aber offenbar nicht. Objektiv wiegt sein Verschulden daher auch
insoweit leicht. Das subjektive Verschulden relativiert das objektive nicht. Ausge-
hend von einem leichten Verschulden wäre bei einer Einzelfallbetrachtung eine
Freiheitsstrafe von ca. zwei Monaten angemessen. Was das Fahren trotz Entzug
des Führerausweises betrifft, sind objektiv und subjektiv keine besonders erwäh-
nenswerte Umstände erkennbar. Das Verschulden wiegt insgesamt sehr leicht,
was bei einer Einzelstrafenzumessung zu einer Freiheitsstrafe von wenigen Ta-
gen führen würde. Ähnliches gilt für die Widerhandlung gegen das Waffengesetz,
die damit im Ergebnis keinen wesentlichen Einfluss auf die Höhe der hypotheti-
schen Gesamtstrafe hat.
5.1 Bei der Täterkomponente ist mit Bezug auf die persönlichen Verhältnisse
festzuhalten, dass der 24 Jahre alte Beschuldigte italienischer Staatsangehöriger
ist und noch bei seinen Eltern sowie seiner älteren Schwester in C._ lebt, wo
er auch aufwuchs. Er besuchte die Primar- und die Sekundarschule A und absol-
vierte danach eine vierjährige Lehre als Elektroinstallateur. Nach deren Abschluss
hat er für verschiedene Temporärbüros gearbeitet, war dazwischen aber immer
wieder arbeitslos und wurde von seinen Eltern finanziell unterstützt. Beim RAV
habe er sich nicht gemeldet (Urk. 2/8 S. 14 ff., Prot. I S. 26 ff.). Aktuell arbeitet der
Beschuldigte in einer Festanstellung bei der K._ in C._ als Bauleiter
(Prot. II S. 12). Sein monatliches Einkommen beträgt aktuell Fr. 5'000.– brutto (in-
klusive 13. Monatslohn). Von diesem Lohn gibt er zu Hause monatlich Fr. 800.–
für Kost und Logis ab. Früher wurden ihm von seinem Lohn teilweise noch
Fr. 3'900.– unter dem Titel "Akontozahlung" für Weiterbildungen abgezogen
(Prot. II S. 12 f.). Für die Krankenkasse bezahlt er gemäss eigenen Angaben mo-
natlich Fr. 350.– und für die Steuern Fr. 400.– (Urk. 56/1; Prot. II S. 14). Vermö-
gen oder Schulden hat er nicht. Der Beschuldigte ist ledig und hat keine Kinder
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(Urk. 56/1; Prot. II S. 12 ff.). Er ist gemäss seinen Aussagen mit seiner Freundin
seit sieben Jahren zusammen. Als Hobbys nennt er Laufen und Fitness. Er trinke
ab und zu Alkohol und rauche Cannabis, mit der Drogenszene habe er aber
nichts mehr zu tun (Urk. 2/8 S. 15 f.; Prot. I S. 28 ff., Prot. II S. 12 ff.). Aus den
persönlichen Verhältnissen und dem Werdegang lassen sich keine strafzumes-
sungsrelevanten Faktoren ableiten.
5.2 Der Beschuldigte weist die bereits mehrfach erwähnte, teilweise einschlägi-
ge Vorstrafe auf. Ferner handelte er während laufender Probezeit. Das wirkt sich
leicht straferhöhend aus. Merklich strafmindernd ist sein Geständnis und die ge-
zeigte Reue zu berücksichtigen
5.3 Insgesamt ist die Strafe aufgrund der Täterkomponente deutlich auf 13 Mo-
nate Freiheitsstrafe und 10 Tagessätze Geldstrafe zu mindern. Der Tagessatz ist
bei Fr. 90.– zu belassen (Urk. 48 S. 48 f.), zumal auch die Verteidigung nichts
vorbringt, was für eine Reduktion desselben sprechen würde.
6.1 Damit ist der Beschuldigte mit 13 Monaten Freiheitsstrafe und einer Geld-
strafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 90.– zu bestrafen, wobei drei Tage Freiheits-
strafe durch Haft erstanden sind (Art. 51 StGB; Urk. 12/1-2, Urk. 13/3, Urk. 13/7,
Urk. 14/3, Urk. 14/8). Eine Anrechnung der angeordneten Ersatzmassnahmen,
wie dies die Verteidigung beantragt (Urk. 49 S. 3), hat nicht stattzufinden. Wie die
Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat (Urk. 48 S. 49), handelt es sich bei der in Fra-
ge stehenden Ersatzmassnahme um ein Rayon- und Kontaktverbot mit Bezug auf
die Privatklägerin (Urk. 14/11 und Urk. 14/12/8), welches den Beschuldigten in
seiner Bewegungs- und Kontaktfreiheit nur sehr unwesentlich einschränkte.
6.2 Die Vorinstanz hat den Vollzug sowohl mit Bezug auf die Geld- als auch die
Freiheitsstrafe aufgeschoben und eine Probezeit von drei Jahren angesetzt
(Urk. 48 S. 50 f.). Die Verweigerung des bedingten Strafvollzugs würde das Ver-
schlechterungsverbot verletzen, weshalb sich weitere Ausführungen grundsätzlich
erübrigen. Die von der Vorinstanz festgesetzte Dauer der Probezeit trägt der er-
neuten Delinquenz des Beschuldigten während laufender Probezeit angemessen
Rechnung und ist zu bestätigen.
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VII.
1. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzli-
chen Verfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Be-
schuldigten zur Hälfte aufzuerlegen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Vorverfahren und im erstin-
stanzlichen Gerichtsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rück-
zahlungspflicht des Beschuldigten im Umfang der Kostenauflage ist vorzubehal-
ten.
2.1 Im Berufungsverfahren obsiegt der Beschuldigte mit seinen Anträgen auf
einen Teilfreispruch und Reduktion der Strafe. Die Reduktion der Strafe fällt dabei
nur unwesentlich geringer aus als von ihm beantragt. Zwar unterliegt er mit sei-
nem Antrag betreffend die Anrechnung des Rayonverbots. Dennoch erweist es
sich aufgrund seines weitgehenden Obsiegens als angemessen, die Kosten des
Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, auf
die Gerichtskasse zu nehmen.
2.2 Die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten, Rechtsanwältin Dr. iur.
X._, ist für ihre Bemühungen im Berufungsverfahren mit Fr. 6'200.– (inkl.
MwSt.) zu entschädigen (Urk. 61/1-3; Urk. 68; Urk. 80).