Decision ID: 3a12adc2-3c63-46af-affd-21ffeb0a691e
Year: 2016
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die Sozialen Dienste der Stadt St. Gallen, die A.A. (geb. 1953) mit finanzieller
Sozialhilfe unterstützen, unterbreiteten ihr am 12. Juni 2014 die Anmeldung zum
vorzeitigen Bezug der AHV-Rente ab April 2015 (act. 5/7-3). A.A. erbat sich Bedenkzeit,
um die Angelegenheit mit dem Arzt zu besprechen und allenfalls eine IV-Rente zu
beantragen (act. 5/7-4). Die Sozialen Dienste wiesen sie in der Folge mehrfach
mündlich und schriftlich darauf hin, sie sei mit einer vorbezogenen AHV-Rente und
Ergänzungsleistungen besser gestellt als mit der finanziellen Sozialhilfe, die per 31.
März 2015 eingestellt werde, auch wenn sie den AHV-Vorbezug nicht rechtzeitig
anmelde. A.A. meldete sich für den Vorbezug der AHV-Rente nicht an. Die Sozialen
Dienste St. Gallen verfügten am 18. Dezember 2014, die finanzielle Sozialhilfe an sie
werde per 31. März 2015 eingestellt. Das Departement des Innern des Kantons St.
Gallen wies den dagegen erhobenen Rekurs am 23. Februar 2015 ab, soweit es auf ihn
eintrat.
B. A.A. (Beschwerdeführerin) wandte sich mit als "Einspruch" bezeichnetem
Schreiben vom 2. März 2015 an den Vorsteher des Departements des Innern
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(Vorinstanz) und machte geltend, sie habe nie in Frühpension gehen wollen. Das
Sozialamt sei ohne ihr Einverständnis und ohne ihr Wissen aktiv geworden. Die
Vorinstanz übermittelte die Eingabe zusammen mit den von der Beschwerdeführerin
eingereichten Unterlagen und den Vorakten am 3. März 2015 dem Verwaltungsgericht
zur Behandlung als Beschwerde. Die Überweisung wurde der Beschwerdeführerin zur
Kenntnis gebracht.
Das Verwaltungsgericht forderte die Beschwerdeführerin am 5. März 2015 auf, die
Beschwerde hinsichtlich Darstellung des Sachverhalts und Begründung bis 13. April
2015 zu ergänzen. Am 10. März 2015 gingen beim Verwaltungsgericht Bemerkungen
der Beschwerdeführerin vom 5. März 2015 zur Übermittlung ihres "Einspruchs" vom 2.
März 2015 an das Verwaltungsgericht ein. Auf der eingereichten Kopie des
Überweisungsschreibens hatte sie handschriftlich den Vermerk angebracht, sie wende
sich "gegen diese Vorgehensweisen". Da damit Unklarheit über ihren
Beschwerdewillen bestand, forderte das Verwaltungsgericht die Beschwerdeführerin
am 10. März 2015 – in Ergänzung zur verfahrensleitenden Verfügung vom 5. März 2015
– auf, bis 13. April 2015 klarzustellen, ob sie eine gerichtliche Beurteilung der
Verfügung vom 23. Februar 2015 wünsche, und gegebenenfalls die Beschwerde
insbesondere mit der Begründung zu ergänzen, weshalb sie mit der Auffassung der
Vorinstanz, das Sozialhilferecht verpflichte sie zum Vorbezug der AHV-Rente,
andernfalls die finanzielle Sozialhilfe eingestellt werden könne, nicht einverstanden sei.
Die Beschwerdeführerin wandte sich daraufhin mit Eingaben vom 10. und 14. März
2015 an das Verwaltungsgericht. Im Wesentlichen brachte sie vor, in „Bundesbern“
werde über neue Berechnungen der AHV debattiert. Dies gelte auch für die
Ergänzungsleistungen. Niemand könne ihr garantieren, wie das ausgehe. Deshalb sei
sie mit einer Frühpensionierung und der damit verbundenen Kürzung der AHV-Rente
nicht einverstanden. Sie habe sich zudem in St. Gallen, in Aarau und in Genf mehrfach
erfolglos bemüht, ihre „korrekten AHV-Zahlungen zu bekommen“.

Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 11. Mai 2015 auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheides und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen. Die
Sozialen Dienste St. Gallen beantragten für die Politische Gemeinde St. Gallen
(Beschwerdegegnerin) mit Vernehmlassung vom 10. Juni 2015, es sei auf die
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Beschwerde mangels eindeutiger Beschwerdeerklärung und mangels Begründung
nicht einzutreten, eventualiter sei die Beschwerde abzuweisen. Entsprechend der
verwaltungsgerichtlichen Aufforderung reichte die Beschwerdegegnerin zusammen mit
der Vernehmlassung eine provisorische Berechnung der mit einer Frühpensionierung
per 1. April 2015 und per 1. April 2016 verbundenen Kürzung der AHV-Rente der
Beschwerdeführerin ein (act. 25, Beilage 1). Die Beschwerdeführerin äusserte sich am
16. Juni 2015 zu den Vernehmlassungen.
Auf die Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid sowie der
Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin zur Begründung ihrer Anträge und
die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59bis
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführerin ist Adressatin des angefochtenen Entscheides, mit welchem ihr
Rekurs gegen die von der Beschwerdegegnerin verfügte Einstellung der Sozialhilfe per
31. März 2015 abgewiesen wurde, und deshalb zur Erhebung der Beschwerde befugt
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom
2. März 2015 rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit den Ergänzungen vom 10.
und 14. März 2015 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Die
Beschwerdeführerin hat mit der auf dem angefochtenen Entscheid handschriftlich
angebrachten Bemerkung, sie «erhebe „Einspruch“ gegen diesen Entscheid», mit ihrer
ausführlichen Eingabe vom 10. März 2015 und ihren handschriftlichen Anmerkungen
auf der verfahrensleitenden Verfügung vom 10. März 2015, wonach
„Beschwerdeerklärung und Begründung“ ihrer Meinung nach „korrekt wiedergegeben“
seien, ihre Beschwerdeabsicht hinreichend klar zum Ausdruck gebracht. Mit dem
Hinweis auf die unsichere Entwicklung der zukünftigen Berechnung von AHV-Renten
und Ergänzungsleistungen hat sie auch eine Begründung vorgetragen, die sich mit dem
Argument der Vorinstanz, sie erleide mit der Frühpensionierung keinen wirtschaftlichen
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Nachteil, auseinandersetzt. Zumal hinsichtlich der Bestandteile einer Beschwerde –
Antrag, Darstellung des Sachverhalts und Begründung – vorab dann, wenn Laien die
Streitsache selbst führen, keine hohen Anforderungen gestellt werden (vgl. Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 458 mit
Hinweisen), ist auf die Beschwerde einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin wendet sich gegen eine Frühpensionierung mit der
sinngemässen Begründung, sie sei nicht bereit, eine gekürzte AHV zu beziehen, weil
der Gesetzgeber die Berechnung von AHV-Renten und Ergänzungsleistungen neu
regeln wolle und niemand garantieren könne, wie das ausgehe.
2.1. Persönliche Sozialhilfe bezweckt gemäss Art. 2 des Sozialhilfegesetzes (sGS
381.1, SHG), der Hilfebedürftigkeit vorzubeugen, deren Folgen nach Möglichkeit zu
beseitigen oder zu mildern und die Selbsthilfe der Hilfebedürftigen zu fördern (Abs. 1);
sie wird unter anderem geleistet, soweit kein Anspruch auf
Sozialversicherungsleistungen besteht (Abs. 2 Ingress und lit. b). Frauen haben gemäss
Art. 21 Abs. 1 Ingress und lit. b und Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung (SR 831.10, AHVG) Anspruch auf eine Altersrente ab dem
ersten Tag des Monats, welcher der Vollendung des 64. Altersjahrs folgt. Männer und
Frauen, welche die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine ordentliche Altersrente
erfüllen, können die Rente ein oder zwei Jahre vorbeziehen, wobei die vorbezogene
Altersrente nach versicherungstechnischen Grundsätzen gekürzt wird (Art. 40 AHVG).
Die Kürzung beträgt pro Vorbezugsjahr 6,8 Prozent der vorbezogenen Rente (Art. 56
Abs. 2 der Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung; SR 831.101,
AHVV), bei einem Vorbezug von zwei Jahren mithin 13,6 Prozent. Bei einem
Rentenvorbezug wird gemäss Art. 15a der Verordnung über die Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.301, ELV) für die
Berechnung der jährlichen Ergänzungsleistung die gekürzte Rente als Einnahme
angerechnet.
2.2. Angesichts dieser Subsidiarität der Sozialhilfe gegenüber allen anderen
Sicherungs- und Schadenausgleichssystemen (vgl. H. Landolt, Inwieweit darf die
Sozialhilfebehörde am sozialversicherungsrechtlichen Honigtopf naschen? in: AJP
21/2012 S. 639 ff., S. 640), die sich im Verhältnis zu den Ergänzungsleistungen auch
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aus Art. 11 Abs. 3 Ingress und lit. b des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (SR 831.30, ELG) ergibt, kann
vom Sozialhilfebezüger grundsätzlich erwartet werden, dass er alle ihm zustehenden
Ansprüche auf Leistungen der primären sozialen Sicherheit geltend macht (vgl.
Entscheid des Verwaltungsgerichts des Kantons Zürich VB.2003.00241 vom 13.
November 2003 E. 2a, www.vgrzh.ch). Wegen der versicherungstechnischen Kürzung
der vorbezogenen Altersrente sollen nach Ziffer E. 2.4 der "Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe für die Ausgestaltung und Bemessung der
Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien)", die als Massstab des im schweizerischen
Fürsorgewesen Üblichen herangezogen werden können, auch wenn das kantonale
Recht nicht direkt darauf verweist, unterstützte Personen nur dann zu einem AHV-
Vorbezug angehalten werden, wenn sie im ordentlichen Rentenalter ohnehin auf
Ergänzungsleistungen angewiesen sein werden und deshalb durch den Vorbezug
keinerlei wirtschaftliche Nachteile erleiden (vgl. BGer 2P.298/2006 vom 20. März 2007
E. 2.3). Da vorbezogene Renten lebenslange Leistungskürzungen zur Folge haben,
sollten unterstützte Personen nur ausnahmsweise und nach sorgfältiger Abwägung
aller Umstände von dieser Möglichkeit Gebrauch machen müssen (vgl. VB.2003.00241,
a.a.O., E. 2b). Ein solcher Ausnahmefall ist dann gegeben, wenn die durch den
Vorbezug der AHV-Rente ausgelöste Rentenkürzung nicht ins Gewicht fällt, weil die
Alterssicherung durch den Rentenvorbezug nicht geschmälert wird. Dieser Fall tritt ein,
wenn der Sozialhilfeempfänger sowohl mit gekürzter als auch mit ordentlicher Rente
Anspruch auf Ergänzungsleistungen zur AHV hat, da er ungeachtet der Höhe seiner
Rente aufgrund der ihm ausgerichteten Ergänzungsleistungen über die gleichen
finanziellen Mittel verfügen wird (vgl. VB.2003.00241, a.a.O., E.2c).
2.3. Die Beschwerdegegnerin hat zwar wiederholt darauf hingewiesen, die
Beschwerdeführerin würde nach dem Vorbezug der AHV-Rente zusammen mit den
Ergänzungsleistungen "mehr Finanzen zur Verfügung haben als die aktuelle
Sozialhilfe" (Schreiben vom 1. September 2014, act. 5/7-7), sie sei "eh auf
Ergänzungsleistungen EL angewiesen" (Schreiben vom 19. September 2014, act.
5/7-9) und sie sei "auch mit einer vorbezogenen AHV-Rente und Ergänzungsleistungen
finanziell besser gestellt als mit Sozialhilfe" (Schreiben vom 12. November 2014, act.
5/7-14). Aus den vorinstanzlichen Akten gingen indessen die konkreten
sozialversicherungsrechtlichen Verhältnisse der Beschwerdeführerin nicht hervor.
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Weder wurde ersichtlich, mit welcher – ungekürzten – AHV-Altersrente sie rechnen
könnte noch welche weiteren Ansprüche ihr gegebenenfalls aus der beruflichen
Vorsorge zustehen. Da damit nicht hätte beurteilt werden können, wie sich die Kürzung
auf die wirtschaftlichen Verhältnisse auswirkt und ob beziehungsweise in welchem
Ausmass die Beschwerdeführerin bei einer ungekürzten AHV-Rente auf
Ergänzungsleistungen angewiesen wäre, hat das Verwaltungsgericht die
Beschwerdegegnerin mit verfahrensleitender Verfügung vom 13. Mai 2015
aufgefordert, den Sachverhalt diesbezüglich zu ergänzen. Die Beschwerdegegnerin hat
dies mit einer Vorausberechnung der Altersrente, wie sie mit dem Formular 318.282
(vgl. www.ahv-iv.ch, Merkblätter & Formulare, Formulare, Allgemeine
Verwaltungsformulare) beantragt werden kann, getan (vgl. Art. 50a Abs. 1 Ingress und
lit. e Ingress und Ziff. 1 AHVG). Damit konnten die allenfalls drohenden wirtschaftlichen
Nachteile geklärt und der Beschwerdeführerin die konkreten Auswirkungen der
Frühpensionierung zahlenmässig dargelegt werden. Dem Umstand, dass
Beschwerdegegnerin und Vorinstanz den Sachverhalt nur unvollständig festgestellt
haben, ist bei der Kostenverlegung Rechnung zu tragen.
2.4. Die Vorausberechnung der AHV-Renten der Beschwerdeführerin bei
ordentlicher Pensionierung einerseits und bei Frühpensionierung per April 2016 – eine
Frühpensionierung per April 2015 kommt zufolge Zeitablaufs nicht mehr in Frage –
anderseits, ergibt eine Kürzung von monatlich CHF 1‘481 auf CHF 1‘408 (act. 22 und
22.1). Das voraussichtliche jährliche Einkommen aus der AHV-Rente wird von CHF
17‘772 um CHF 876 auf CHF 16‘896 sinken. Dass die Beschwerdeführerin nach
geltendem AHV-Recht in beiden Fällen auf Ergänzungsleistungen angewiesen sein
wird, ist offenkundig. Daran würde auch nichts ändern, wenn die Kürzung – wie in der
Klammer auf dem Berechnungsformular angemerkt, aber mit den errechneten
Rentenbeträgen nicht vereinbar – monatlich CHF 103 oder jährlich CHF 1‘236 betragen
würde. So oder anders liegt die Kürzung deutlich unter jener von monatlich CHF 274
beziehungsweise jährlich CHF 3‘288, welche das Bundesgericht als unwesentlich
bezeichnete, weil die Ergänzungsleistungen den Rentenausfall ausgleichen würden
(vgl. BGer 2P.298/2006 vom 20. März 2007 E. 2.2).
Die Ergänzungsleistungen entsprechen gemäss Art. 9 ELG der Differenz zwischen den
anerkannten Ausgaben und den anrechenbaren Einnahmen. Durch die anerkannten
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Ausgaben wird dabei gleichzeitig das Existenzminimum definiert, welches durch die
Ergänzungsleistungen gesichert werden soll. Bei Personen, die zu Hause leben,
werden gemäss Art. 10 Abs. 1 ELG als Ausgaben bei alleinlebenden Personen ein
Betrag von jährlich CHF 19‘290 für den allgemeinen Lebensbedarf (lit. a Ziff. 1) und der
Mietzins einer Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten, jährlich
höchstens CHF 13‘200 (lit. b Ziff. 1) anerkannt. Hinzu kommen als anerkannte
Ausgaben gemäss Art. 10 Abs. 3 Ingress und lit. d ELG ein jährlicher Pauschalbetrag
für die obligatorische Krankenpflegeversicherung, welcher der kantonalen
beziehungsweise regionalen Durchschnittsprämie (inklusive Unfalldeckung) zu
entsprechen hat. Diese beträgt gemäss Art. 2 der Verordnung des EDI über die
Durchschnittsprämien 2015 der Krankenpflegeversicherung für die Berechnung der
Ergänzungsleistungen (SR 831.309.1) für Erwachsene im Kanton St. Gallen je nach
Prämienregion jährlich zwischen CHF 4‘332 und 4‘884. Die Stadt St. Gallen liegt in der
Prämienregion 1 (vgl. Anhang zur Verordnung über die Prämienregionen vom 25.
November 2015, SR 832.106), in welcher sich die massgebliche Durchschnittsprämie
auf CHF 4‘884 beläuft. Nach dem geltenden Recht kann damit von anerkannten
Ausgaben der Beschwerdeführerin von jährlich CHF 37‘374 ausgegangen werden,
wobei ihre tatsächlichen Wohnkosten nicht bekannt sind.
Der Hinweis der Beschwerdeführerin, es sei vorgesehen, das Bundesgesetz über
Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen und Invalidenversicherung zu
revidieren, trifft zu. Der Bundesrat hat dem Parlament vorgeschlagen, den Mietzins für
eine Wohnung und die damit zusammenhängenden Nebenkosten für eine alleinlebende
Person an die Mietzinsentwicklung seit 2001 anzupassen und auf jährlich CHF 14‘520
bis 16‘440 je nach Region anzuheben (vgl. Botschaft zur Änderung des
Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung [ELG, Anrechenbare Mietzinsmaxima], in: BBl 2015 S. 849 ff.).
Der Nationalrat hat indessen am 22. September 2015 beschlossen, die Vorlage mit
dem Auftrag an den Bundesrat zurückzuweisen, die Anpassung der Mietzinsmaxima in
die anstehende Reform der Ergänzungsleistungen zu integrieren (vgl. AB 2015 N 1734
ff.). Den Entwurf zur Reform der Ergänzungsleistungen hat der Bundesrat am 25.
November 2015 in die Vernehmlassung geschickt. Im erläuternden Bericht
(veröffentlicht auf www.bsv.admin.ch) wird festgehalten, dass das
Ergänzungsleistungsniveau grundsätzlich erhalten bleiben soll, um eine
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Leistungsverschiebung in die Sozialhilfe und damit eine finanzielle Mehrbelastung der
Kantone zu vermeiden (S. 2).
Die vorgeschlagenen Revisionen ändern unabhängig vom Ausgang der Reform nichts
daran, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sein wird, mit ihren Renten aus
der ersten und zweiten Säule – die Beschwerdeführerin macht dazu keine konkreten
Angaben – ein Einkommen zu erzielen, welches die für die Berechnung von
Ergänzungsleistungen massgebenden minimalen Lebenshaltungskosten zu decken
vermag. Im Gegenteil wird aufgrund der Kostenentwicklung davon auszugehen sein,
dass ihr Anspruch auf Ergänzungsleistungen in Zukunft steigen wird.
3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin mit dem
Vorbezug der AHV-Rente zwar eine Rentenkürzung in Kauf nehmen muss, die Kürzung
aber nicht ins Gewicht fällt, weil ihre Alterssicherung dadurch nicht geschmälert wird.
Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen. Die dem angefochtenen Entscheid
zugrunde liegende Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 18. Dezember 2014 ist
dahin gehend anzupassen, dass die Leistung der finanziellen Sozialhilfe gegenüber der
Beschwerdeführerin ab April 2016 eingestellt wird.
4. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Indessen hat die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt unvollständig abgeklärt. Eine
Beurteilung der zahlenmässigen Auswirkungen des Rentenvorbezugs war erst möglich,
nachdem das Verwaltungsgericht eine Vorausberechnung einholen liess.
Dementsprechend ist es gerechtfertigt, die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin je zur
Hälfte aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 2 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500
erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Auf
die Erhebung des Kostenanteils der Beschwerdeführerin, die sozialhilfebedürftig ist, ist
zu verzichten (Art. 97 VRP). Auf die Erhebung des Kostenanteils der
Beschwerdegegnerin, die finanzielle Interessen verfolgt, ist nicht zu verzichten (Art. 95
Abs. 3 VRP).
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