Decision ID: eaf6d4bc-f00d-5dbd-b5f8-90bd0ea8a3bc
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Gesuchsteller suchte am 24. September 2014 ein erstes Mal in der
Schweiz um Asyl nach, wobei das damals zuständige Bundesamt für Mig-
ration auf dieses Gesuch mit Verfügung vom 4. Dezember 2014 nicht ein-
trat und die Wegweisung nach Spanien anordnete. Das Bundesverwal-
tungsgericht wies die gegen diesen Entscheid gerichtete Beschwerde mit
Urteil D-7356/2014 vom 5. Januar 2015 ab.
B.
B.a Ein Wiederwägungsgesuch des Gesuchstellers im Rahmen des Dub-
lin-Verfahrens wurde mit Verfügung vom 29. September 2015 abgewiesen,
wogegen erneut eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einge-
reicht wurde. Am (...) August 2016 heiratete der Gesuchsteller seine Ver-
lobte B._, welche über eine Niederlassungsbewilligung in der
Schweiz verfügt. Daraufhin zog das SEM seine Verfügung in Wiedererwä-
gung und entschied, das Asylgesuch des Gesuchstellers in der Schweiz zu
prüfen. Das Beschwerdeverfahren D-7091/2015 wurde daraufhin vom
Bundesverwaltungsgericht am 26. Oktober 2016 wegen Gegenstandslo-
sigkeit abgeschrieben.
B.b Mit Verfügung vom 18. Dezember 2019 lehnte das SEM das Asylge-
such des Gesuchstellers ab und stellte fest, dass für die weitere Ausgestal-
tung seines Aufenthalts der Kanton C._ zuständig sei.
B.c Der Gesuchsteller liess dem SEM mit Schreiben vom 21. Dezember
2019 diverse (weitere) Beweismittel zukommen.
B.d Mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom 26. Januar 2020 erhob der
Gesuchsteller beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde gegen die Ver-
fügung vom 18. Dezember 2019 und beantragte die Feststellung seiner
Flüchtlingseigenschaft sowie die Gewährung von Asyl. Eventualiter sei die
Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen zur neuen Entscheidung, wobei
Einsicht in die vollständigen und paginierten Verfahrensakten zu gewähren
sei sowie sämtliche Herkunftsländerinformationen mittels Quellenangaben
offenzulegen seien.
B.e Die Instruktionsrichterin wies das in der Beschwerdeeingabe gestellte
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung mit
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Zwischenverfügung vom 31. Januar 2020 ab und forderte den Gesuchstel-
ler auf, einen Kostenvorschuss zu bezahlen. Dieser wurde fristgerecht ge-
leistet.
B.f Der Gesuchsteller liess mit Eingabe vom 16. Februar 2020 weitere Be-
weismittel zu den Akten reichen.
B.g Mit Zwischenverfügung vom 25. März 2020 wies die Instruktionsrich-
terin das SEM an, dem Gesuchsteller Akteneinsicht in die durchgeführte
Botschaftsabklärung zu gewähren. Daraufhin stellte das SEM dem Ge-
suchsteller mit Schreiben vom 5. Juni 2020 eine Kopie der Botschaftsan-
frage zu und führte hinsichtlich des Antwortschreibens der Botschaft vom
31. Mai 2017 aus, dass der Bericht Angaben enthalte, an deren Geheim-
haltung ein erhebliches öffentliches Interesse bestehe. Das betreffende
Schreiben könne daher nicht offengelegt werden, es werde ihm aber des-
sen wesentlicher Inhalt zur Kenntnis gebracht. Mit Eingabe vom 25. Juni
2020 teilte der Gesuchsteller dem Gericht mit, er habe vom SEM nur eine
willkürliche "Mini-Auswahl" der zu edierenden Akten erhalten. Insbeson-
dere liege gemäss dem Aktenverzeichnis weitere Korrespondenz respek-
tive Mailverkehr zwischen dem SEM und der Botschaft vor. Es werde daher
erneut Einsicht in die Botschaftsantwort sowie die weiteren Aktenstücke
(C40 bis und mit C45) verlangt.
B.h Das Bundesverwaltungsgericht wies die Beschwerde mit Urteil
D-502/2020 vom 9. Juli 2020 vollumfänglich ab. Dabei kam es auf die Zwi-
schenverfügung vom 31. Januar 2020 zurück, hiess das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege sowie Beiordnung einer amtli-
chen Rechtsbeiständin wiedererwägungsweise gut und erstattete dem Ge-
suchsteller den geleisteten Kostenvorschuss zurück.
C.
Mit Schreiben vom 23. August 2020 reichte der Gesuchsteller durch seine
Rechtsvertreterin beim Bundesverwaltungsgericht eine als Revisions- und
Wiedererwägungsgesuch bezeichnete Eingabe ein. Darin beantragte er,
das Urteil D-502/2020 sei wegen Verletzung von Art. 121 Bst. c und d BGG
revisionsweise aufzuheben, seine Flüchtlingseigenschaft sei festzustellen
und ihm sei in der Schweiz Asyl zu gewähren. Weiter sei festzustellen, dass
die vom SEM gewährte Akteneinsicht nur die Akten vom 2. Juli 2015 bis
zum 28. Juni 2018 umfasst habe, beginnend beim Aktenstück C1 und en-
dend mit Aktenstück C69 beziehungswiese der Kopie eines Strafbefehls
vom 17. Oktober 2018 als Akte C70. Ferner sei festzustellen, dass sich in
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dem losen Aktenbündel auch Akten befunden hätten, welche zum Fall der
Tochter des Gesuchstellers (D._) gehörten, während wiederum an-
dere Akten – zugehörig zum Asylgesuch des Vaters – gefehlt hätten, inklu-
sive einzelner Beweismittel. Es sei auch festzustellen, dass dem Gesuch-
steller entgegen früherer Zusicherungen keine Möglichkeit zur Stellung-
nahme zu diesem Aktenbündel eingeräumt worden sei. Schliesslich sei
festzustellen, dass das Asylgesuch von D._ seit ihrer Einreise am
(...) August 2019 pendent sei. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid
wiedererwägungsweise aufzuheben und die Sache sei zur vollständigen
und richtigen Feststellung des Sachverhalts und zur neuen Entscheidung
an die Vorinstanz zurückzuweisen. In jedem Fall sei das SEM zu verpflich-
ten, die vollständigen Verfahrensakten paginiert und samt Aktenverzeich-
nis zur Einsicht zu edieren sowie sämtliche Herkunftsländerinformationen,
auf welche sich seine Verfügung stütze, mittels Quellenangaben offenzu-
legen. Zu allem sei dem Gesuchsteller das rechtliche Gehör zu gewähren.
Weiter sei das Bundesverwaltungsgericht zu verpflichten, dem Gesuchstel-
ler ohne Verzug Einsicht in seine sämtlichen Akten – inklusive der von ihm
selbst eingereichten – zu geben, mit Aktenverzeichnis, Paginierung und
Datierung des Eingangs. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte der
Gesuchsteller um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zudem sei ihm für
das erstinstanzliche und die laufenden Verfahren die unentgeltliche Verbei-
ständung zu bewilligen und die unterzeichnende Rechtsvertreterin als amt-
liche Rechtsbeiständin beizuordnen. Der Eingabe lagen ein Schreiben der
Rechtsvertreterin an das SEM vom 28. März 2020, ein Schreiben von
E._ vom 30. Januar 2020 mit zwei Zustellcouverts (in Kopie) sowie
das Urteil des BVGer D-502/2020 vom 9. Juli 2020 bei.
D.
Mit superprovisorischer Massnahme vom 26. August 2020 setzte die In-
struktionsrichterin den Vollzug der Wegweisung per sofort einstweilen aus.
E.
Die Instruktionsrichterin verzichtete mit Zwischenverfügung vom 3. Sep-
tember 2020 einstweilen auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und
forderte den Gesuchsteller auf, einen Beleg für seine prozessuale Bedürf-
tigkeit einzureichen. Gleichzeitig hob sie den angeordneten Vollzugsstopp
wieder auf, da das SEM im Fall des Gesuchstellers aufgrund der Zustän-
digkeit der kantonalen Migrationsbehörden keine Wegweisung angeordnet
hatte und somit keine Vollzugsmassnahmen drohten, welche einen nicht
wiedergutzumachenden Nachteil bewirken könnten.
D-4199/2020
Seite 5
F.
Mit Eingabe vom 18. September 2020 liess der Gesuchsteller als Nachweis
für seine prozessuale Bedürftigkeit Verfügungen der Sozialhilfe für die letz-
ten drei Monate sowie zwei Sozialhilfeverfügungen betreffend seine Ehe-
frau und die drei Söhne zu den Akten reichen.
G.
Mit Zwischenverfügung vom 9. November 2020 hiess die Instruktionsrich-
terin das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gut und ordnete dem
Gesuchsteller lic.iur. Verena Gessler, Advokatin, als amtliche Rechtsbei-
ständin bei. Gleichzeitig forderte sie ihn auf, zu präzisieren, in welche Akten
des Bundesverwaltungsgerichts Einsicht verlangt werde. Zur Behandlung
des Gesuchs um Einsicht in die vorinstanzlichen Akten wurden diese dem
SEM überwiesen. In diesem Zusammenhang wurde darauf hingewiesen,
dass das vorinstanzliche Dossier aus verschiedenen einzelnen Dossiers
besteht, betitelt mit den Buchstaben "A" (Dublin-Verfahren), "B" und "D"
(zwei Kantonswechselgesuche) sowie "C" (Wiedererwägungsgesuch). In
Bezug auf das Dossier "C" wurde festgehalten, dass mehrere Aktenstücke
erst am 21. Juli 2020 und damit nach dem Urteil D-502/2020 vom 9. Juli
2020 paginiert und als Aktenstücke C72 ff. abgelegt wurden, obwohl diese
teilweise aus den Jahren 2017, 2018 und 2019 stammten.
H.
Der Gesuchsteller teilte dem Gericht mit Eingabe vom 24. November 2020
mit, es werde einstweilen um Einsicht in die Aktenverzeichnisse der ihn
betreffenden Verfahren des Bundesverwaltungsgerichts (D-7356/2014,
D-7030/2015, D-7091/20215 und D-502/2020) ersucht. Des Weiteren
wurde festgehalten, dass das SEM bislang keine Einsicht in die vorinstanz-
lichen Akten gewährt habe, weshalb dazu noch nicht Stellung genommen
werden könne. Zudem wurde erneut Kritik an der Aktenführung des SEM
geäussert und der Antrag auf Einsicht in dessen Akten – darunter insbe-
sondere die Aktenstücke C42 – C45 und alle Herkunftsländerinformationen
inklusive Quellenangaben – bekräftigt. Als weiteres Beweismittel wurde
überdies eine Ausgabe der kamerunischen Zeitung (...) vom (...) Oktober
2020 im Original eingereicht, unter Hinweis auf den Artikel (...), in welchem
der Gesuchsteller und weitere Angehörige seiner Familie namentlich er-
wähnt würden. Abschliessend wurde in verfahrensrechtlicher Hinsicht da-
rum ersucht, nach Zustellung der verlangten Akten eine Frist zur ergänzen-
den Stellungnahme einzuräumen und in jedem Fall einen weiteren Schrif-
tenwechsel durchzuführen.
D-4199/2020
Seite 6
I.
I.a Mit Verfügung vom 10. Dezember 2020 gewährte das SEM dem Ge-
suchsteller Einsicht in die vorinstanzlichen Akten, wobei es die Einsicht in
verschiedene Aktenstücke verweigerte aufgrund von überwiegenden öf-
fentlichen oder privaten Interessen an der Geheimhaltung respektive weil
es sich um interne Akten oder solche anderer Behörden handle.
I.b Der Gesuchsteller erhob mit Eingabe vom 29. Januar 2021 beim Bun-
desverwaltungsgericht Beschwerde gegen diesen Entscheid, woraufhin
unter der Verfahrensnummer D-476/2021 ein separates Verfahren eröffnet
wurde.
J.
J.a Das Gericht stellte dem Gesuchsteller mit Zwischenverfügung vom
13. Januar 2021 die gewünschten Aktenverzeichnisse zu und räumte ihm
die Gelegenheit ein, eine ergänzende Stellungnahme einzureichen.
J.b Mit Eingabe vom 28. Januar 2021 reichte der Gesuchsteller durch
seine Rechtsvertreterin eine entsprechende Stellungnahme ein und er-
suchte um Einsicht in die Aktenstücke 1 (alle vier Beilagen), 3, 4, 9, 15 und
16 des Dossiers D-502/2020. Weiter bat er um Einsicht in die Botschafts-
antwort vom 31. Mai 2017 sowie die weiteren diesbezüglichen Aktenstücke
C40 bis C45. Zwar habe das Gericht im Urteil D-502/2020 festgehalten,
das SEM habe ihm rechtsgenüglich Einsicht in die Botschaftsabklärung ge-
währt. Dabei habe es jedoch übersehen, dass es sich bei den Aktenstü-
cken C42 – C45 um eine weitere Botschaftsabklärung handle, welche zu-
mindest dem Inhalt nach mitzuteilen gewesen wäre.
J.c In der Folge wurden dem Gesuchsteller mit Verfügung vom 18. Februar
2021 antragsgemäss die Aktenstücke 1 (vier Beilagen), 3, 4, 9 und 15 des
Dossiers D-502/2020 zugestellt. Weiter wurde darauf hingewiesen, dass
es sich beim Aktenstück 16 um den Entscheidbogen handle, welcher ein
nicht dem Akteneinsichtsrecht unterstehendes gerichtsinternes Dokument
darstelle, weshalb in diesen keine Einsicht gewährt werde. Auf die Anset-
zung einer Frist für eine weitere Stellungnahme wurde verzichtet, da es
sich bei den zur Einsicht zugestellten Akten weitestgehend um Unterlagen
handelte, welche der Gesuchsteller selbst eingereicht hatte und die ihm
somit bereits bekannt waren.
D-4199/2020
Seite 7

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet gemäss Art. 105 AsylG
(SR 142.31) auf dem Gebiet des Asyls in der Regel endgültig über Be-
schwerden gegen Verfügungen des SEM (vgl. zur Ausnahme: Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG). Es ist ausserdem zuständig für die Revision von Urteilen, die
es in seiner Funktion als Beschwerdeinstanz gefällt hat (vgl. BVGE
2007/21 E. 2.1).
1.2 Gemäss Art. 45 VGG gelten für die Revision von Urteilen des Bundes-
verwaltungsgerichts die Art. 121‒128 des BGG sinngemäss. Nach Art. 47
VGG findet auf Inhalt, Form und Ergänzung des Revisionsgesuches Art. 67
Abs. 3 VwVG Anwendung. Nicht als Revisionsgründe gelten Gründe, wel-
che die Partei, die um Revision nachsucht, bereits im ordentlichen Be-
schwerdeverfahren hätte geltend machen können (Art. 46 VGG).
1.3 Das Revisionsgesuch ist ein ausserordentliches Rechtsmittel, das sich
gegen einen rechtskräftigen Beschwerdeentscheid richtet. Wird das Ge-
such gutgeheissen, beseitigt dies die Rechtkraft des angefochtenen Ur-
teils, und die bereits entschiedene Streitsache ist neu zu beurteilen
(vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 5.36).
1.4 An die Begründung ausserordentlicher Rechtsmittel werden erhöhte
Anforderungen gestellt. Reine Urteilskritik genügt den gesetzlichen Anfor-
derungen an die Begründung eines Revisionsgesuchs nicht (vgl. AUGUST
MÄCHLER, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.], Kommentar zum VwVG,
2. Aufl. 2019, Art. 67, N 10). Das Gesetz umschreibt die Revisionsgründe
eng und die Rechtsprechung handhabt diese restriktiv, was insbesondere
auf den Ausnahmecharakter der Revision als solchen zurückzuführen ist
(vgl. ELISABETH ESCHER, Basler Kommentar zum Bundesgerichtsgesetz,
3. Aufl. 2018, Art. 121 BGG Rz. 1 f.; NIKLAUS OBERHOLZER, in: Seiler/von
Werdt/Güngerich/Oberholzer, Stämpflis Handkommentar SHK, Bundesge-
richtsgesetz, 2. Aufl. 2015, Art. 121 Rz. 9).
2.
2.1 Im Revisionsgesuch ist insbesondere der angerufene Revisionsgrund
anzugeben und die Rechtzeitigkeit des Revisionsbegehrens im Sinne von
Art. 124 BGG darzutun (Art. 67 Abs. 3 VwVG). Gemäss Art. 124 Abs. 1
Bst. b BGG ist das Revisionsgesuch in Fällen, in denen aufgrund der Ver-
letzung von Verfahrensvorschriften im Sinne von Art. 121 Bst. b-d BGG um
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Revision eines Urteils ersucht wird, innert 30 Tagen nach der Eröffnung der
vollständigen Ausfertigung des Entscheids einzureichen.
Der Gesuchsteller macht als Revisionsgründe geltend, es seien einzelne
Anträge unbeurteilt geblieben und das Gericht habe in den Akten liegende
erhebliche Tatsachen aus Versehen nicht berücksichtigt (Art. 121 Bst. c
und d BGG). Das Urteil D-502/2020 datiert vom 9. Juli 2020 und wurde
dem Gesuchsteller am 23. Juli 2020 eröffnet. Die Revisionseingabe vom
23. August 2020 wurde damit unter Anrufung eines Revisionsgrundes frist-
und formgerecht eingereicht (Art. 52 VwVG i.V.m. Art. 47 VGG und Art. 67
Abs. 3 VwVG; Art. 121 Bst. c und d BGG; Art. 124 Abs. 1 Bst. b BGG).
2.2 Der Gesuchsteller war im Beschwerdeverfahren D-502/2020 Partei,
weshalb er durch das Urteil vom 9. Juli 2020 besonders berührt ist und ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat. Dem-
nach ist er zur Einreichung eines Revisionsgesuchs legitimiert (Art. 89
Abs. 1 BGG analog; vgl. ANDRÉ MOSER/MICHAEL BEUSCH/LORENZ KNEU-
BÜHLER, a.a.O. Rz. 5.70). Auf das Revisionsgesuch ist somit einzutreten.
3.
In der Eingabe vom 24. November 2020 ersuchte der Gesuchsteller um
Durchführung eines Schriftenwechsels. Da sich das vorliegende Revisi-
onsgesuch – wie in den nachstehenden Erwägungen aufgezeigt – als un-
begründet erweist, ist gestützt auf Art. 127 BGG auf die Durchführung ei-
nes Schriftenwechsels zu verzichten.
4.
4.1 Die Revision eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts kann ge-
mäss Art. 121 Bst. c BGG verlangt werden, wenn einzelne Anträge unbe-
urteilt geblieben sind. Unter "Anträgen" im Sinne dieser Bestimmung sind
dabei grundsätzlich nur solche materieller Art zu verstehen, während
blosse Verfahrensanträge nicht darunter fallen (vgl. Urteil des BVGer E-
5637/2017 vom 30. Oktober 2017 E. 3.2.2 m.H.). Der Revisionsgrund ist
zudem nicht schon verwirklicht, wenn das Urteil, dessen Revision verlangt
wird, auf einen Antrag nicht ausdrücklich eingeht. In diesem Fall ist zu prü-
fen, ob ein Antrag allenfalls stillschweigend beurteilt wurde. Erst wenn an-
genommen werden kann, das Gericht habe es tatsächlich unterlassen,
über das Begehren zu entscheiden, sei es, weil es diesen Punkt bei der
Urteilsfällung überhaupt ausser Acht gelassen hat, sei es, weil es irrtümlich
davon ausging, der fragliche Antrag sei nicht gestellt worden, gilt ein Antrag
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Seite 9
als unbeurteilt geblieben (NIKLAUS OBERHOLZER, in: Seiler/von Werdt/Gün-
gerich/Oberholzer, a.a.O., Art. 121 Rz. 20).
4.2 Gemäss Art. 121 Bst. d BGG kann die Revision eines Entscheids des
Bundesverwaltungsgerichts verlangt werden, wenn das Gericht in den Ak-
ten liegende erhebliche Tatsachen aus Versehen nicht berücksichtigt hat.
Ein Versehen ist anzunehmen, wenn ein Aktenstück oder eine Aktenstelle
übergangen beziehungsweise nicht zur Kenntnis genommen oder deren
Sinn nicht korrekt erfasst worden ist. Das Versehen muss sich dabei auf
den Inhalt der nicht berücksichtigten Tatsache beziehen, auf die Wahrneh-
mung des Gerichts, und nicht auf die Sachverhalts- oder Beweiswürdigung.
Eine Revision scheidet daher aus, wenn einer bestimmten Tatsache be-
wusst keine Rechnung getragen wird, weil das Gericht diese nicht für aus-
schlaggebend hält. Ferner muss die übersehene Tatsache erheblich sein.
Das bedeutet, dass die Tatsache geeignet ist, die tatbeständlichen Grund-
lagen des Entscheids zu ändern, was bei zutreffender rechtlicher Würdi-
gung zu einem anderen, für den Gesuchsteller günstigeren Ergebnis hätte
führen müssen (vgl. BGE 122 II 17 E. 3 sowie statt vieler: Urteile des BVGer
D-1476/2020 vom 3. April 2020 E. 2; E-6550/2019 vom 10. März 2020 E.
4.2; siehe auch MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 5.51 und 5.54).
4.3 Weiter ist festzuhalten, dass die Revision eines Urteils des Bundesver-
waltungsgerichts nicht wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs verlangt
werden kann. Es handelt sich dabei nicht um einen der in Art. 121-123 BGG
aufgelisteten Revisionsgründe (vgl. zum Ganzen BVGE 2015/20 E. 3).
5.
5.1 Zur Begründung des Revisionsgesuchs wurde einleitend geltend ge-
macht, dass der angefochtene Entscheid de facto trotz seiner Länge ein
summarisch begründetes Urteil sei. Das Gericht habe zunächst halbwegs
mit einem Schriftenwechsel begonnen und dann mittendrin ohne Not und
ohne gesetzliche Grundlage die ordentliche Fortsetzung unterdrückt und
ein Urteil gefällt. Dessen Aufbau bestehe in kumulativ aneinandergereihten
dass-Sätzen, wobei in der Regel auf die Nennung der genauen Aktenstü-
cke verzichtet und beispielsweise pauschal ein Affidavit – obwohl sich meh-
rere bei den Akten befänden – als unglaubwürdig qualifiziert werde, ohne
dass die im Kontext angebotenen Beweise je abgenommen und geprüft
worden wären. Das Urteil sei nicht rechtsgenüglich begründet und verletze
den Untersuchungsgrundsatz und den Anspruch auf rechtliches Gehör. Es
mute seltsam an, dass das Gericht auf Seite 3 des Urteils nicht einmal in
D-4199/2020
Seite 10
der Lage sei, die Familienverhältnisse des Gesuchstellers korrekt wieder-
zugeben. Eine weitere Merkwürdigkeit stelle der Umstand dar, dass im Ur-
teil hinsichtlich der Verfügung des SEM vom 18. Dezember 2019 stehe,
das Eröffnungsdatum sei unbekannt. Das Gericht werde dringend ersucht,
herauszufinden und mitzuteilen, wann die Verfügung eröffnet worden sei.
Zudem sei weder das SEM noch das Bundesverwaltungsgericht auf die
Eingabe des Gesuchstellers vom 21. Dezember 2019, welche mit zahlrei-
chen neuen Beweismitteln versehen gewesen sei, eingetreten, weshalb
dies umgehend nachzuholen sei.
5.2
5.2.1 Es ist festzuhalten, dass das Urteil vom 9. Juli 2020, auch wenn es
in der Form eines "dass-Urteils" redigiert wurde, nicht bloss mit einer sum-
marischen Begründung versehen ist. Es handelt sich nicht um einen ein-
zelrichterlichen Entscheid, sondern um ein Urteil, welches in der Besetzung
von drei Richterinnen und Richtern erging. Ein solches bedarf einer or-
dentlichen Begründung (vgl. Art. 111a Abs. 2 AsylG e contrario), welche in-
dessen nicht an eine bestimmte Form gebunden ist. Allein aus dem Um-
stand, dass das Urteil nicht in Prosa verfasst wurde, lässt sich keineswegs
ableiten, es handle sich de facto um ein summarisch begründetes Urteil.
Die Art und Weise, wie ein Urteil erstellt wurde, stellt im Übrigen ohnehin
keinen der in Art. 121 BGG aufgelisteten Verfahrensmängel dar und ist so-
mit einer Revision nicht zugänglich.
5.2.2 Weiter wurde in der Revisionseingabe gerügt, dass kein ordentlicher
Schriftenwechsel durchgeführt worden sei. In diesem Zusammenhang ist
festzuhalten, dass sich auf Seite 9 des angefochtenen Urteils der Hinweis
befindet, es werde gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG auf einen Schriften-
wechsel verzichtet. Diese spezialgesetzliche Bestimmung erlaubt es auch
in Fällen, in denen drei Richterinnen oder Richter über eine Beschwerde
befinden, von der Durchführung eines Schriftenwechsels abzusehen. Das
entsprechende Vorgehen stützt sich somit auf eine gesetzliche Grundlage,
welche im Entscheid ausdrücklich erwähnt wurde, und erweist sich offen-
sichtlich als rechtmässig.
5.2.3 Sodann kann die im Revisionsgesuch geäusserte Kritik, das Gericht
habe die Familienverhältnisse im Urteil falsch dargestellt, nicht nachvollzo-
gen werden. An der zitierten Stelle auf Seite 3 des Urteils D-502/2020 wur-
den nicht etwa die vollständigen Familienverhältnisse des Gesuchstellers
wiedergegeben, sondern dessen Aussagen im Rahmen der Anhörung zu-
D-4199/2020
Seite 11
sammengefasst. Dies lässt sich ohne Weiteres aus dem Kontext der be-
treffenden Textpassage erkennen. Tatsächlich gab der Gesuchsteller an-
lässlich seiner Anhörung im Dezember 2016 an, dass er mit seiner Ehefrau
zwei gemeinsame Söhne habe, die in der Schweiz geboren seien
(vgl. C34, F43). Der dritte Sohn kam erst im Jahr (...) und damit nach der
Anhörung zu den Asylgründen zur Welt.
5.2.4 Weiter ist nicht ersichtlich, inwiefern dem Gesuchsteller ein Nachteil
daraus erwachsen sein soll, dass das Eröffnungsdatum der Verfügung des
SEM vom 18. Dezember 2019 keinen Eingang in das Beschwerdeurteil ge-
funden hat, zumal ihm nicht vorgeworfen worden war, die Beschwerde sei
verspätet eingereicht worden. Der Vollständigkeit halber ist indessen anzu-
merken, dass die betreffende Verfügung dem Gesuchsteller gemäss Sen-
dungsverfolgung der Post (Sendungsnummer ...) am 27. Dezember 2019
eröffnet worden war.
5.2.5 Soweit der Gesuchsteller kritisiert, weder das SEM noch das Bun-
desverwaltungsgericht sei auf seine Eingabe vom 21. Dezember 2019 "ein-
getreten", ist nicht ersichtlich, was darunter zu verstehen wäre. Ein formel-
les Eintreten auf (Beweismittel-)Eingaben ist nicht erforderlich und es reicht
aus, wenn aus dem Entscheid hervorgeht, dass die vorgelegten Beweis-
mittel zu den Akten genommen und gewürdigt wurden. Im revisionsweise
angefochtenen Urteil wurde auf Seite 5 die betreffende Eingabe inklusive
der darin vorgelegten Beweismittel erwähnt und somit zur Kenntnis genom-
men. Der Umstand, dass der Gesuchsteller mit der Würdigung der Beweis-
mittel durch das Bundesverwaltungsgericht auf Seite 11 f. des Urteils nicht
einverstanden ist und diese für unzureichend hält, stellt keinen Revisions-
grund dar. Die Beweismitteleingaben werden im Urteil ausdrücklich er-
wähnt, weshalb nicht davon ausgegangen werden kann, das Gericht habe
diese übersehen respektive aus Versehen nicht berücksichtigt. Der Revisi-
onsgrund von Art. 121 Bst. d BGG ist daher in dieser Hinsicht nicht erfüllt.
5.2.6 Sodann wurde in der Revisionseingabe vorgebracht, dem angefoch-
tenen Urteil fehle es an einer rechtsgenüglichen Begründung. Damit wird
eine Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör geltend gemacht.
Eine Revision des Urteils D-502/2020 aufgrund der Verletzung des rechtli-
chen Gehörs ist jedoch ausgeschlossen, da es sich dabei nicht um einen
der in Art. 121-123 BGG aufgelisteten Revisionsgründe handelt (vgl. oben
E. 4.3).
D-4199/2020
Seite 12
6.
6.1 Im Revisionsbegehren wird weiter dargelegt, es sei bereits in der Be-
schwerde vom 26. Januar 2020 beantragt worden, das SEM sei zu ver-
pflichten, Einsicht in die vollständigen und paginierten Verfahrensakten
samt Aktenverzeichnis (vom 24. September 2014 bis dato) zu gewähren.
Im angefochtenen Entscheid werde nun aktenwidrig behauptet, es sei nicht
deklariert worden, in welche Aktenstücke keine Einsicht gewährt worden
sei. Weiter sei im Beschwerdeverfahren um Einsicht in die Botschaftsab-
klärungen ersucht worden. Das SEM habe auf entsprechende Aufforde-
rung des Bundesverwaltungsgerichts – wenn auch eingeschränkte – Ein-
sicht in die Botschaftsabklärung gewährt, wobei dies Akten bis zum 31. Mai
2017 umfasst habe. Dem Aktenverzeichnis lasse sich indessen entneh-
men, dass der E-Mailverkehr zwischen dem SEM und der Botschaft in Ka-
merun bis zum 27. Juli 2017 gedauert habe und mehrere Botschaftsanfra-
gen beinhalte. Diese Korrespondenz und der Inhalt der zweiten Botschafts-
anfrage sei vom SEM nicht offengelegt worden, was einen flagranten Ge-
setzesverstoss darstelle. Da die Anträge auf Akteneinsicht somit unbeur-
teilt geblieben seien, sei das Urteil gestützt auf Art. 121 Bst. c BGG in Re-
vision respektive eventualiter in Wiedererwägung zu ziehen. Ebenfalls un-
beurteilt geblieben sei der Antrag, das SEM sei anzuweisen, sämtliche Her-
kunftsländerinformationen, auf welche sich die Verfügung stütze, mittels
Quellenangaben offenzulegen und dem Gesuchsteller das rechtliche Ge-
hör dazu zu gewähren.
Zur Aktenführung des SEM sei ferner anzumerken, dass als Beweismittel
für die Niederbrennung des väterlichen Hauses durch das Militär eine CD
eingereicht worden sei, welche aber nicht in der "Beweisliste" der Verfü-
gung des SEM figuriere. Die CD sei dem SEM ein zweites Mal zugestellt
worden, was in den Akten nirgends erscheine, ebenso wenig wie die dies-
bezügliche Korrespondenz mit Staatssekretär Mario Gattiker. Das SEM
habe diverse Ereignisse – namentlich die Flucht der weiteren Familienan-
gehörigen des Gesuchstellers und deren Hintergründe – als irrelevant an-
gesehen beziehungsweise gar nicht behandelt und diesbezügliche Be-
weismittel ignoriert. Das Bundesverwaltungsgericht habe sich diesem pau-
schalen Vorgehen fatalerweise unbesehen angeschlossen, in Verletzung
des Untersuchungsgrundsatzes und des Anspruchs auf rechtliches Gehör.
Sodann sei in der Eingabe vom 16. Februar 2020 ein Schreiben von
E._ vom 30. Januar 2020 inklusive zwei Zustellcouverts (alles im
Original) zu den Akten gereicht worden, in welchem die langjährige Mit-
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gliedschaft des Gesuchstellers beim (...) und seine damit zusammenhän-
genden Tätigkeiten bestätigt würden. Dabei handle es sich um ein zentra-
les Dokument, da dieses insbesondere die hohe Funktion des Gesuchstel-
lers in der (...) darlege und beweise. Im angefochtenen Urteil sei hinsicht-
lich der Eingabe vom 16. Februar 2020 vermerkt, es seien Kopien – und
nicht etwa die Originale – von Zustellcouverts eingereicht worden. Zudem
werde ausgeführt, das als Beilage erwähnte Schreiben eines E._
vom 30. Januar 2020 habe sich nicht bei der Eingabe befunden. Es sei ein
krasser Verstoss gegen Treu und Glauben, dass die Instruktionsrichterin
den Gesuchsteller nicht unverzüglich auf das Fehlen dieses zentralen Do-
kuments hingewiesen beziehungsweise ihm die Gelegenheit eingeräumt
habe, dieses nachzureichen. Da die Originale eigentlich bereits eingereicht
worden seien, könnten nun lediglich Kopien des Schreibens vom 30. Ja-
nuar 2020 sowie der beiden Zustellcouverts eingereicht werden.
6.2
6.2.1 In Bezug auf die Aktenführung des SEM im erstinstanzlichen Asylver-
fahren ist festzuhalten, dass diese tatsächlich als mangelhaft angesehen
werden muss. So wurden diverse Aktenstücke – darunter die erwähnte
Korrespondenz mit Staatssekretär Mario Gattiker – erst nach dem Be-
schwerdeentscheid des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. Juli 2020 pa-
giniert (vgl. Aktenverzeichnis Dossier C, Aktenstücke C72 ff.). Das N-Dos-
sier, welches dem Bundesverwaltungsgericht im Rahmen des vorliegen-
den Revisionsverfahrens im August 2020 übermittelt worden war, enthielt
immer noch eine erhebliche Anzahl von unpaginierten Aktenstücken. Nach-
dem das Dossier mit Zwischenverfügung vom 9. November 2020 dem SEM
überwiesen wurde zur Behandlung des mit der Revisionseingabe gestell-
ten Akteneinsichtsgesuchs, wurden erneut diverse Akten nachpaginiert
(vgl. Aktenverzeichnis Dossier "A", Aktenstücke A24 ff., Aktenverzeichnis
Dossier "C", Aktenstücke C91 ff., Aktenverzeichnis Dossier "D", Aktenstück
D6 f.), bevor dem Gesuchsteller am 10. Dezember 2020 die von ihm bean-
tragte Einsicht in die vorinstanzlichen Akten gewährt wurde. Dieses Vorge-
hen erscheint zwar grundsätzlich fragwürdig. Indessen hat das Gericht im
Urteil D-502/2020 den Antrag des Gesuchstellers auf Akteneinsicht nicht
unbehandelt gelassen. Vielmehr hat es festgehalten, dass bezüglich der
geltend gemachten unvollständigen Gewährung der Akteneinsicht durch
die Vorinstanz – mit Ausnahme der Akten zur Botschaftsabklärung – in der
Beschwerde nicht deklariert worden sei, in welche Aktenstücke keine Ein-
sicht gewährt worden sein soll, und dass kein konkretes Gesuch gestellt
worden sei, weshalb auf diesen Punkt nicht näher einzugehen sei (vgl.
a.a.O. S. 10). Der Gesuchsteller teilt diese Auffassung offensichtlich nicht
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und ist der Ansicht, sein Gesuch um Akteneinsicht sei ausreichend konkret
gewesen. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um inhaltliche Kritik am
angefochtenen Entscheid, da die Beurteilung des Antrags um Gewährung
der Akteneinsicht als unzutreffend erachtet wird. Das Revisionsverfahren
dient jedoch nicht dazu, eine abweichende rechtliche Würdigung in Bezug
auf einzelne Beschwerdeanträge vorzunehmen. Das Gericht hat den An-
trag um Akteneinsicht weder übersehen noch unbeurteilt gelassen, son-
dern diesen nicht zur Zufriedenheit des Gesuchstellers behandelt. Ein Re-
visionsgrund im Sinne von Art. 121 BGG liegt damit nicht vor. Dasselbe gilt
für das Vorbringen, das Bundesverwaltungsgericht habe die vom SEM ge-
währte Einsicht in die Botschaftsabklärung als ausreichend qualifiziert und
dabei übersehen, dass in eine zweite Botschaftsanfrage und -antwort (Ak-
ten C42-C45) keine Einsicht gewährt worden sei. Im Urteil D-502/2020
wurde ausdrücklich festgehalten, dass das SEM die Aktenstücke C42-C45
als Akten mit überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen an der
Geheimhaltung und das Aktenstück C41 als "interne Akten" qualifiziert
habe, was nicht zu beanstanden sei. Im Weiteren hielt das Gericht fest,
dass das SEM auf keines der genannten Aktenstücke zum Nachteil des
Gesuchstellers abgestellt habe, weshalb keine weitere Akteneinsicht zu
gewähren sei (vgl. a.a.O. S. 10). Von einer übersehenen zweiten Bot-
schaftsanfrage oder einem nicht beurteilten Antrag kann auch in dieser
Hinsicht nicht die Rede sein.
6.2.2 Der Gesuchsteller beanstandet ferner, sein Antrag, das SEM habe
sämtliche Herkunftsländerinformationen, auf welche sich seine Verfügung
stütze, mittels Quellenangaben offenzulegen, sei nicht behandelt worden.
Der betreffende Antrag wurde auf Seite 6 des Urteils D-502/2020 ausdrück-
lich erwähnt. In der Folge kam das Gericht indessen zum Schluss, dass die
Vorinstanz das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers nicht verletzt und
den rechtserheblichen Sachverhalt richtig und vollständig festgestellt habe
(vgl. a.a.O. S. 11 und 13). Auch wenn es den Antrag auf Offenlegung der
Quellenangaben damit nicht explizit abgewiesen hat, handelt es bei diesen
Feststellungen doch um eine stillschweigende Beurteilung respektive Ab-
weisung dieses Antrags.
6.2.3 In der Revisionseingabe wird schliesslich gerügt, das SEM habe eine
als Beweismittel eingereichte CD sowie weitere Dokumente nicht korrekt
in den Akten abgelegt. Zudem habe es massgebliche Beweismittel und ent-
scheidende Ereignisse ignoriert, wobei das Bundesverwaltungsgericht sich
diesem Vorgehen unbesehen angeschlossen habe. Zunächst ist festzuhal-
ten, dass sich die betreffende CD in den Akten befindet (vgl. C68) und in
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der angefochtenen Verfügung ausdrücklich erwähnt wurde (vgl. C81, S. 3
Ziff. 6). Sodann handelt es sich beim Umstand, welche Bedeutung das
SEM einem konkreten Beweismittel beimisst und wie es einzelne Vorbrin-
gen wertet, um die rechtliche Würdigung eines Sachverhalts. Das Gericht
hat vorliegend die Einschätzung des SEM in seinem Urteil D-502/2020 trotz
der im Beschwerdeverfahren geäusserten Kritik bestätigt (vgl. a.a.O.
S. 11 f.). Entgegen der in der Revisionseingabe vertretenen Auffassung
stellt dies keinen zulässigen Revisionsgrund dar, da es sich nicht um einen
unbeurteilten materiellen Antrag handelt und das Gericht keine erheblichen
Tatsachen übersehen, sondern diese anders als der Gesuchsteller gewür-
digt hat.
6.2.4 Sodann macht der Gesuchsteller geltend, dass er mit Eingabe vom
16. Februar 2020 ein Schreiben von E._ vom 30. Januar 2020 (im
Original, inklusive zwei Zustellcouverts) zu den Akten gereicht habe. Erst
dem Urteil vom 9. Juli 2020 habe er entnommen, dass das Schreiben sich
nicht bei den Beilagen der betreffenden Eingabe befunden habe und sich
in den Akten des Bundesverwaltungsgerichts lediglich Kopien der Zustell-
couverts fänden. Dies stelle einen Revisionsgrund im Sinne von Art. 121
Bst. c und d BGG dar. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, dass das
Gericht im Verfahren D-502/2020 das Fehlen des betreffenden Beweismit-
tels – welches die exilpolitischen Tätigkeiten des Gesuchstellers belegen
sollte – zwar bemerkt hat, es jedoch nicht als notwendig erachtete, dieses
nachzufordern. Im angefochtenen Urteil äusserte sich das Gericht durch-
aus zur vom Gesuchsteller geltend gemachten exilpolitischen Tätigkeit.
Dabei stützte es die Einschätzung der Vorinstanz, dass diese als zu nie-
derschwellig einzustufen sei, um die Aufmerksamkeit der heimatlichen Re-
gierung auf sich zu ziehen (vgl. a.a.O. S. 12). Es muss folglich davon aus-
gegangen werden, dass das Gericht in antizipierter Beweiswürdigung zum
Schluss kam, dass das als Beweismittel angebotene Schreiben von
E._ vom 30. Januar 2020 nicht geeignet sei, zu einer anderen Ein-
schätzung zu führen. Nachdem das Urteil ausdrücklich festhält, dass sich
das Schreiben nicht bei der Eingabe vom 16. Februar 2020 befunden habe,
kann nicht angenommen werden, dass die fehlende Nachforderung dieses
Dokuments ein Versehen des Gerichts darstellt. Inwiefern in dieser Hinsicht
ein (materieller) Antrag unbeurteilt geblieben sein soll, ist ebenfalls nicht
ersichtlich, zumal sich das Gericht mit der exilpolitischen Tätigkeit des Ge-
suchstellers auseinandergesetzt hat. Der Umstand, dass dieser die Auffas-
sung des Gerichts nicht teilt und die Würdigung seiner politischen Aktivitä-
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ten als unzutreffend einschätzt, ist als blosse appellatorische Kritik zu wer-
ten, die nicht geeignet ist, zur Revision des angefochtenen Urteils zu füh-
ren.
7.
7.1 In den Rechtsbegehren wurde sodann beantragt, es sei festzustellen,
die von der Vorinstanz am 11. Dezember 2010 gewährte Akteneinsicht
habe nur die Akten vom 2. Juli 2015 bis und mit 28. Juni 2018 (C1-C69)
umfasst. Zudem hätten sich in den vorinstanzlichen Akten auch Akten be-
funden, die zum Fall der Tochter D._ gehörten, während andere Ak-
ten, zugehörig zum Asylgesuch von D._ Vater, gefehlt hätten. Wei-
ter sei festzustellen, dass dem Gesuchsteller im erstinstanzlichen Asylver-
fahren entgegen früherer Zusicherungen nach Gewährung der Aktenein-
sicht keine Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt worden sei.
Schliesslich sei festzustellen, dass das Asylgesuch der Tochter D._
seit ihrer Einreise am (...) August 2019 pendent sei.
7.2 Vorab ist darauf hinzuweisen, dass minderjährige Kinder vom SEM re-
gelmässig unter derselben "N-Nummer" erfasst werden wie die Eltern,
weshalb sich in den Akten der letzteren oft auch solche befinden, welche
zum – allenfalls separat geführten – Verfahren der Kinder gehören. Dies ist
nicht zu beanstanden und es ist nicht ersichtlich, inwiefern dem Gesuch-
steller daraus ein Nachteil entstanden sein soll. Das Verfahren der Tochter
bildete überdies nicht Gegenstand des revisionsweise angefochtenen Ur-
teils und kann somit nicht Thema des Revisionsverfahrens sein. Weiter be-
stand im erstinstanzlichen Verfahren des Gesuchstellers kein Anspruch da-
rauf, dass ihm vor dem Asylentscheid die Möglichkeit eingeräumt wird, Ein-
sicht in die Akten zu nehmen und eine Stellungnahme einzureichen. In Be-
zug auf sämtliche der aufgeführten Feststellungsbegehren ist festzuhalten,
dass diese keinen der in Art. 121 BGG abschliessend aufgezählten Revisi-
onsgründe beschlagen. Zur Aktenführung des SEM und der geltend ge-
machten unvollständig gewährten Akteneinsicht wurde bereits in den vor-
stehenden Erwägungen Stellung genommen. Im Rahmen eines Revisions-
verfahrens besteht kein Raum für die Feststellung von angeblichen Verfah-
rensfehlern durch die Vorinstanz, da dies keinen Revisionsgrund darstellt.
8.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die im Revisionsbegehren aufge-
führten Kritikpunkte am angefochtenen Urteil weder den Tatbestand der
unbeurteilt gebliebenen Anträge noch der aus Versehen nicht berücksich-
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tigten erheblichen Tatsachen im Sinne von Art. 121 Bst. c und d BGG er-
füllen. Es liegen keine Gründe vor, welche eine Revision des Urteils D-
502/2020 vom 9. Juli 2020 rechtfertigen könnten. Das Revisionsbegehren
ist daher abzuweisen und auf die Begehren, es sei die Flüchtlingseigen-
schaft des Gesuchstellers festzustellen und ihm Asyl zu gewähren, ist nicht
einzutreten.
9.
Der Gesuchsteller beantragt eventualiter, dass das angefochtene Urteil in
Wiedererwägung zu ziehen und die Sache zur vollständigen und richtigen
Feststellung des Sachverhalts und zur neuen Entscheidung an das SEM
zurückzuweisen sei. Diesbezüglich ist anzumerken, dass ein gerichtliches
Urteil nicht in Wiedererwägung gezogen werden kann, sondern nur mit den
dafür vorgesehenen Rechtsmitteln angefochten oder in den gesetzlich vor-
gesehenen Fällen einer Revision unterzogen werden kann (vgl. Urteil des
BGer 2C_945/2016 vom 7. Oktober 2016 E. 2.5). Nachdem das Bundes-
verwaltungsgericht im Asylverfahren des Gesuchstellers letztinstanzlich
geurteilt hat, ist eine Abänderung des Urteils D-502/2020 ausschliesslich
im Rahmen der Revision möglich. Auf das Eventualbegehren, das betref-
fende Urteil sei in Wiedererwägung zu ziehen, ist daher nicht einzutreten.
Das mit der Eingabe vom 24. November 2020 unter dem Zwischentitel
"Wiedererwägungsgesuch" eingereichte neue Beweismittel (Zeitungsarti-
kel vom (...) Oktober 2020) kann folglich nicht berücksichtigt werden, zu-
mal eine Revision aufgrund von nachträglich entstandenen Beweismitteln
nicht möglich ist (vgl. BVGE 2013/22).
10.
10.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten grundsätzlich
dem Gesuchsteller aufzuerlegen (vgl. Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Auf die Erhe-
bung von Kosten ist jedoch angesichts der mit Verfügung vom 9. Novem-
ber 2020 gewährten unentgeltlichen Prozessführung zu verzichten.
10.2 Mit derselben Instruktionsverfügung wurde dem Gesuchsteller lic.iur.
Verena Gessler als amtliche Rechtsbeiständin beigeordnet. Die Rechtsver-
treterin hat keine Kostennote eingereicht, weshalb das amtliche Honorar
aufgrund der Akten zu bestimmen ist (vgl. Art. 14 Abs. 2 VGKE). Unter Be-
rücksichtigung der massgeblichen Bemessungsfaktoren (vgl. Art. 8 ff. des
Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen
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vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]) ist das amtli-
che Honorar auf insgesamt Fr. 1'500.– (inklusive Auslagen) festzusetzen.
10.3 Soweit in der Revisionseingabe beantragt wird, dem Gesuchsteller sei
"für das erstinstanzliche und die laufenden Verfahren" die unentgeltliche
Verbeiständung zu bewilligen, soweit dies nicht schon geschehen sei, wird
dieser Antrag nicht weiter begründet. Inwieweit sich dieses Rechtsbegeh-
ren auf einen Revisionsgrund stützt, wird nicht geltend gemacht und ist
nicht ersichtlich. Auf diesen nicht präzisierten und unbegründeten Verfah-
rensantrag ist daher nicht einzutreten.
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