Decision ID: e16544e7-33f4-4fdf-b728-e1d01beb3177
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1954
,
arbeitet seit 1998 als selbständiger Auto
reiniger
(
Urk.
6/7/2
)
.
Unter Hinweis auf
Schulter
beschwerden
meldete
er
sich am
2
4.
Dezember 2011
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/1
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisch
e und erwerbliche Situation ab
und zog die Akten des
Kranken
versicherers
(
Urk.
6/18) sowie des
kantonalen Steueramtes bei (
Urk.
6/22,
Urk.
6/24)
. Mit Mitteilung vom 2
3.
Januar 2012 (
Urk.
6/ 10) teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, aufgrund
seines
Gesundheitszustandes seien keine beruf
lichen Eingliederungsmassnahmen möglich
.
Mit Verfügung vom
8.
März 2012
(
Urk.
6/17) verneinte die IV-Stelle eine Kostengutsprache für einen Schaum
stoff-
Armabduktionskeil.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/32
;
Urk.
6/33 =
Urk.
6/38,
Urk.
6/47
) sprach die IV-Stelle dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von
55
%
eine
befristete halbe
Rente ab
Juli 2012 bis August 2013
zu (
Urk.
6/58
=
Urk.
6/59 =
Urk.
6/60 =
Urk.
6/61 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
1
4.
März 2014
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1
9.
Februar 2014
(
Urk.
2) und beantragte
sinngemäss
, diese sei aufzuheben und es sei
ihm
eine unbefristete halbe Rente
zuzusprechen
(
Urk.
1
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
9.
April 2014
(
Urk.
5
) die
Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
1
0.
Juni 2014
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Der Beschwerdeführer reichte daraufhin am
2
7.
Juni 2014 (
Urk.
8) einen weiteren Bericht ein (
Urk.
9). Dies wurde der
Be
schwer
degegnerin
am 3
0.
Juni 2014 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 des Bundes
gesetzes über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
3
Gemäss
Art.
88a
Abs.
1
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
ist bei einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Auf
gabenbereich zu betätigen oder bei einer Verminderung der Hilflosigkeit, des
in
va
liditätsbedingten
Betreuungsaufwandes oder des Hilfebedarfs die
an
spruchs
beeinflussende
Änderung für die Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung von
dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen, in dem angenommen wer
den kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern wird. Sie ist in jedem Fall zu berück
sich
tigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate angedauert hat
und voraussichtlich weiterhin andauern wird. Die hierzu not
wendige Prognose
unterliegt dabei dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 119 V 7 E. 3c/
aa
mit Hinweisen).
Nach der bundesgerichtlichen Praxis zu
Art.
88a
Abs.
1 IVV ist eine Rente bei Wegfall der Invalidität im Normalfall erst nach Ablauf von drei Monaten seit dem Eintritt der anspruchserheblichen Veränderung aufzuheben (BGE 119 V 98 E. 4a, Urteil des Bundesgerichts I 569/06 vom 20. November 2006 E. 3.3).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
ne
n (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die m
edizinischen Abklärungen davon aus, dass der Beschwerdeführer seine bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben könne.
Eine angepasste Tätigkeit sei ihm jedoch zu 50
%
und
ab
August 2013 zu 100
%
zumutbar (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer bestritt beschwerdeweise (
Urk.
1) die von der
Beschwer
de
gegnerin
angenommene Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und machte geltend,
dass er mit dem Einkommensvergleich nicht einverstanden sei und das berechnete Invalideneinkommen nicht erreichen könne
(S. 1)
. Er
erhalte
wegen seines Gesundheitszustande
s nur kleinere Aufträge
.
2.3
Strittig und zu prüfen ist
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer
be
hinderungsangepassten
Tätigkeit sowie die Bemessung des
Invalideneinkom
mens
.
3.
3.1
In der Konsultation
vom
8.
August 2011
berichteten die Ärzte der Klinik
Y._
von einer präoperativen MRI-Besprechung der am 3
1.
August 2011 vorge
sehenen
arthroskopischen
Versorgung der
Rotatorenmanschette
(
Urk.
6/18/22-23). Sie nannten als Diagnose eine
Musculus
supraspinatus
-/
i
nfra
spi
natussehnenruptur
mit langer
Biz
epssehnentendinopathie
der rechten Schulter
sowie eine
Rotatorenmanschettenruptur
der linken Schulter. Sie be
richteten, dass
die Operationsindikation zur
arthroskopischen
Refixation
der rechten
Rotatoren
manschette
bestehen bleibe. Dabei ergebe sich eine
Gesamtar
beitsunfähigkeit
bei harter körperlicher Arbeit für zirka sechs Monate.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
ma
to
logie des Bewegungsapparates,
Klinik
Y._
,
nannte in seinem Bericht
vom
6.
Oktober 2011
(
Urk.
6/18/15)
als Diagnose einen Status nach
arthrosko
pischer
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion mit Bi
z
eps-
Tenodese
rechts
(
Operations
bericht
vom 3
1.
August 2011,
Urk.
6/18/16-17)
und berichtete
, der Beschwerde
führer habe kaum mehr Schmerzen, wobei die Beweglichkeit lang
sam Fort
schritte mache.
Bei sonst regelrechtem Verlauf berichtete er
von einer leicht ver
mehrten Steife, welch
e
im Rahmen des Diabetes melli
tus
jedoch
als normal zu taxieren sei. Bis zur nächsten klinischen postoperativen Kontrolle in drei Monaten sei der Beschwerdeführer weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig.
3.
3
Dr.
Z._
(vorstehend E.
3.
2
)
nannte in seinem Bericht vom 2
4.
Januar 2012 (
Urk.
6/15
=
Urk.
6/18/12
) als Diagnose einen Status nach
arthroskopischer
Ro
tatorenmanschetten-Rekonstruktion
links (vor 5 Wochen) und rechts (vor 5 Monaten)
und berichtete von einem regelrechten, problemlosen und schmerz
freiem Verlauf beidseits. Bis zur nächsten klinischen Kontrolle in drei Monaten sei der Beschwerdeführer weiterhin zu 1
00
%
arbeitsunfähig.
3.4
Dr.
Z._
(vorstehend E.
3.2)
führte in seinem Bericht vom
2
5.
Mai
2012 (
Urk.
6/20/6-7) aus, der Beschwerdeführer habe in beiden Schultern immer noch
impi
nge
ment
-artige Beschwerden. In der Physiotherapie komme es nur zu einer langsamen Verbesserung der Situation. Klinisch und bildgebend zeige sich eine stabile Heilung mit jedoch persistierendem Reizzustand. Im Vordergrund stehe
n
die
impi
n
gement
-artigen Beschwerden rechts.
Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit sei bis Ende Mai 2012 attestiert worden. Aufgrund der reduzierten Belastbarkeit attestierte
Dr.
Z._
für den Juni 2012 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Ab Juli 2012 bestehe wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 7).
3.5
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine In
nere Medizin, wiederholte in seinem Bericht vom 2
0.
Juni 2012 (
Urk.
6/20) die bereits bekannten Diagnosen der
Rotatorenmanschettenruptur
links und rechts (
Ziff.
1.1) und führte dazu aus, der Beschwerdeführer
sei seit Juli 2011 zu 100
%
arbeitsunfähig. Se
ine bisherige Tätigkeit
könne er
aufgrund der deutlich einge
schränkten Beweglichkeit in beiden Schultern nicht mehr ausführen.
Für eine l
eichte körperliche Tätigkeit sei
er
ab Juni 2012 zu 50
%
arbeitsfähig (
Ziff.
1.7)
.
3.6
Am
8.
November 2012 berichtete
Dr.
Z._
(vorstehend E. 3.2) von einem persi
stierenden
Impignement
der beiden Schultern
, rechts mehr als links (
Urk.
6/26). Bildgebend zeige sich keine relevante Rezidiv-Läsion, sodass von einem persis
tierenden
Impi
ng
ement
auszugehen sei. Bei insgesamt eher rückläufigen Be
schwerden k
ö
nn
e
zum jetzigen Zeitpunkt auf eine nochmalige
Steroid
i
n
fil
tra
tion
verzichtet werden. Langfristig müsse in einer körperlich belastenden Tätig
keit von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Dies werde vom
Beschwerdeführer bereits durchgeführt und gut toleriert.
3.7
Am
1
7.
Januar 2013 berichtete
Dr.
Z._
(vorstehend E.
3.2) von vermehrten Be
schwerden vor allem in der rechten Schulter und fügte an, dass die Arbeitsfä
hig
keit nach wie vor 50
%
betrage und nicht gesteigert werden könne.
3.8
Dr.
Z._
berichtete am 2
3.
August 2013 (
Urk.
6/42/5-6) von einem
arthroskopi
schen
Débridement
der rechten Schulter. Das
Débridement
habe keine Verbes
serung der Situation gebracht. Die Schmerzen seien unverändert und w
ü
rden durch repetitive Überkopf-Tätigkeiten ausgelöst
werden
. Der Beschwerdeführer
arbeite zurzeit zu 100
%
als Storen-Monteur, was jedoch oberhalb des tolera
blen
Limits liege. Es habe sich wieder ein chronischer
myofascialer
Schmerzzustand
einge
stellt.
Bei intraoperativ intakter
Rotatorenmanschette
und reizloser Schulte
r müsse von weiteren chirurgischen Eingriffen abgeraten und mit den Mitteln der konservativen Therapie versucht werden
,
einen erträglichen Zustand zu errei
chen. Für eine körperlich wenig belastende Tätigkeit mit Belastungen bis 5 kg bis zur Brusthöhe und der Möglichkeit für regelmässigen Lagewechsel bestehe
eine volle Arbeitsfähigkeit. Längerfristig sei eine Überkopf-Tätigkeit
,
wie sie jetzt
als Storen-Monteur ausgeführt werde
,
eher ungünstig.
3.9
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.5) nannte in seinem Bericht vom 1
7.
Dezember 2013
(
Urk.
6/51 =
Urk.
3)
folgende Diagnosen:
persistierende Schulterschmerzen rechts bei
Rotatorenmanschettenruptur
rechts
Status nach
arthroskopischer
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion September 2011
Status nach erneuter
arthroskopischer
Revision Juli 2013
Diabetes mellitus Typ II (Erstdiagnose 2008)
arterielle Hypertonie
Tennisellbogen links
Dazu führte er aus,
nach einer Akupunkturbehandlung
sei es
zu einer Besserung der Beweglichkeit und der Schmerzen gekommen, wobei diese Wirkung bis jetzt nicht
angehalten habe
. Nach einer Steroidinfiltration sei de
r Beschwerdeführer hinsichtlich des Tennisellbogens auf der linken Seite beschwerdefrei. Der Be
schwerdeführer sei in seinem angestammten Beruf weiterhin
zu
100
%
arbeits
un
fähig. Eine Umschulung komme aus seiner Sicht angesichts des Alters und der Grundausbildung nicht in Betracht.
Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in ei
ner angepassten Tätigkeit erfolgte nicht.
3.10
Di
e Ärzte des
B._
berichteten in ihrem Gesuch um
Kostenüber
nahme
einer
Neurostimulation vom
3.
April 2014 (
Urk.
9) von einem komplexen regionalen Schmerzsyndrom beider Schultern (CRPS I nach dreimaligen opera
tiven Eingriffen).
4.
4.1
Unbestritten und gemäss vorliegender Aktenlage ausgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer an beidseitigen Schulterbeschwerden leidet
. Zu bestimmen bleiben die Auswirkungen dieser Beschwerden auf die Arbeitsfähigkeit des Be
schwerdeführers.
4.2
Alle involvierten Ärzte attestierten übereinstimmend eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit in der angestammten Tätigkeit als Autoreiniger.
Zur
Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
stellte die Beschwerdegegnerin
zu
recht
auf die Berichte der Klinik
Y._
(
vorstehend E. 3.1-4, E. 3.6-8)
ab
.
Es ist ihr zu folgen, wenn sie
ab
Juli 2012 -
nach Ablauf der einjährigen Wartezeit
(vorste
hend E.
1.2)
-
von einer 50%igen
und ab August 2013 von einer 100%ige
n
Ar
beitsfähigkeit in einer angepassten
Tätigkeit
aus
geht
.
Soweit der Beschwerdeführer einwendet, mit dem Bericht des
B._
seien neue Tatsachen belegt (
Urk.
8,
Urk.
9), ist zu bemerken, dass
für die Eignung eines Gesundheitsschadens, die Leistungsfähigkeit rechtserheblich ein
zuschränken, nicht bereits Befunde und Diagnosen, sondern erst deren
Folge
ab
schätzung
entscheidend ist.
Zudem
beurteilt das Sozialversicherungsgericht n
ach
ständiger Rechtsprechung die
Gesetzmässigkeit
der
Verwaltungsverfügun
gen
in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Verfügungserlasses ge
geben war (BGE 121 V 366 E. 1b).
4.3
Der medizinische Sachverhalt ist somit dahingehend erstellt, dass dem Be
schwerdeführer eine körperlich wenig belastende Tätigkeit, mit Belastungen bis 5 kg bis Brusthöhe und der Möglichkeit für regelmässigen Lagewechsel,
spätes
tens ab August 2013
zu 100
%
zumutbar ist.
5.
5.1
Weiter ist zu beurteilen, ob für den Beschwerdeführer auf dem allgemeinen Ar
beitsmarkt
realistischerweise
geeignete Arbeitsstellen zur Verfügung stehen, a
n denen er die ihm verbleibende
(Rest-)Arbeitsfähigkeit
zumutbarerweise
noch ganz oder teilweise verwerten kann.
5.2
Bei der Prüfung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit darf
gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts nicht von realitätsfremden
Ein
satz
möglichkeiten
ausgegangen werden. Insbesondere kann von einer
Ar
beits
gelegenheit
im Sinne von Art. 28 Abs. 2 IVG beziehungsweise Art. 16 ATSG dor
t nicht mehr gesprochen werden, wo die zumutbare Tätigkeit nur in so einge
schränkter Form möglich ist, dass sie der allgemeine Arbeitsmarkt prak
tisch nicht kennt oder dass sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer ent
spre
chen
den Stelle deshalb zum vornherein als ausgeschlossen erscheint (ZAK 1991 S.
320 E. 3b,
ZAK
1989 S.
321 E. 4a). Ferner beinhaltet der Begriff des ausge
glichenen Arbeitsmarktes nicht nur ein gewisses Gleichgewicht zwischen dem
An
gebot und der Nachfrage nach Stellen, sondern bezeichnet auch einen Arbeits
markt, der von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stel
len offen hält, und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellek
tuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsat
zes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob eine invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu verwerten und ob sie ein
ren
tenausschliessendes
Einkommen zu erzielen vermag oder nicht (Urteil des Bundesgerichts I 617/02 vom 10. März 2003 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.3
Die Rechtsprechung hat das fortgeschrittene Alter, obgleich an sich ein
invalidi
tätsfremder
Faktor (AHI 1999 S. 240 unten sowie Urteil des Bundesgerichts I 97/00 vom 29. August 2002 E. 1.4 mit Hinweisen), als Kriterium anerkannt, wel
ches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die der versicherten Person verbliebene
Resterwerbsfä
higkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr
nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die
Selbst
eingliederungspflicht
nicht mehr zumutbar ist. Ist die Resterwerbsfähigkeit in diesem Sinne wirtschaftlich nicht mehr verwertbar, liegt vollständige Erwerbs
unfähigkeit vor, die zum Anspruch auf eine ganze Invalidenrente führt.
Der
Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermö
ge
n auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen. Die Bedeutung des fortgeschrittenen Alters für die Besetzung entsprechender Stellen ergibt sich vielmehr aus den
Einzel
fallum
ständen
, die mit Blick auf die Anforderungen der Verweisungstätigkeiten
mass
gebend
erscheinen. Zu denken ist zunächst an die Art und Beschaffenheit des Gesundheitsschadens und seiner Folgen, angesichts der beschränkten Dauer ver
bleibender Aktivität sodann namentlich auch an den absehbaren
Umstel
lungs
-
und Einarbeitungsaufwand, dessen
Ausmass
wiederum anhand von Kri
terien wie
der Persönlichkeitsstruktur, vorhandenen Begabungen und Fertigkei
ten,
Ausbil
dung und beruflichem Werdegang sowie der Anwendbarkeit von Berufser
fahrung
aus dem angestammten Bereich abzuschätzen ist (Urteil des Bundesgerichts I 376/05 vom 5. August 2005 E. 4.1 mit Hinweisen).
5.4
Der Beschwerdeführer war in dem für die richterliche Beurteilung
massgeben
den
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (vgl. dazu B
GE 121 V 362
E. 1b mit Hinweis)
60 Jahre alt und daher nicht leicht vermittelbar. Die ihm verbleibende Aktivitätsdauer bis zum Eintritt ins AHV-Alter betrug somit noch
5
Jahre. Dennoch bestehen für den Beschwerdeführer mit Bezug auf den hypo
thetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt Möglichkeiten, eine Stelle zu fin
den. Einerseits werden Hilfsarbeiten auf dem hypothetischen ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 28 Abs. 2 IVG) grundsätzlich altersunabhängig nachgefragt (Urteil des Bundesgerichts I 39/04 vom 20. Juli 2004). Andererseits ist der Be
schwerde
führer entgegen seiner Ansicht nach wie vor im Rahmen eines
Voll
pensums
arbeitsfähig und die ihm zumutbare Tätigkeit unterliegt nicht so vielen Ein
schrän
kungen, dass eine Anstellung nicht mehr als realistisch zu bezeichnen wäre. Tätigkeiten mit einem solchen, nicht allzu eingeschränkten
Anforde
rungs
profil
, sind auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ausreichend vorhanden, wobe
i an Tätigkeiten in der Produktion oder Kontrolltätigkeiten zu denken ist, welche zum Teil durchaus wechselbelastend ausgestaltet sind. Dabei ist zu be
rücksich
tigen, dass in Industrie und Gewerbe Arbeiten, welche physische Kraft verlan
gen, seit vielen Jahren und in ständig zunehmendem
Ausmass
durch Maschinen verrichtet werden, während den Überwachungsfunktionen wie auch im
Dienst
leistungsbereich
grosse
und wachsende Bedeutung zukommt. Insge
samt besteht auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus die entsprechende Nachfrage für
den
gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers angepasste Tätigkeiten.
Nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit war der Beschwerdeführer aufgrund seines beruflichen Beziehungsnetzes und seiner Flexibilität zudem in der Lage
,
ver
schiedene Hilfsarbeiten zu organisieren und
bewies damit
, dass er in der Lage
ist sich selbst einzugliedern
und ihm
ein Umstellungs- und
Einarbeitungsauf
wand
noch zumutbar ist.
5.5
In Gesamtwürdigung der für die Zumutbarkeitsfrage im vorliegenden Fall
mass
gebenden
objektiven und subjektiven Umstände ist davon auszugehen, dass dem Beschwerdeführer auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt geeignete Arbeits
stellen zur Verfügung stehen, an denen er die ihm verbleibende
Restarbeitsfä
higkeit
noch verwerten kann und ihm die Verwertung gestützt auf die
Selbst
eingliederungslast
zumutbar ist.
6
.
6
.1
Schliesslich
ist der
durch die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung der erwerbli
chen Auswirkungen vorgenommene
Einkommensvergleich zu beurteilen.
6
.2
Das von der
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung
ermittelte
Valideneinkommen
wird von Seiten des Beschwerdeführers nicht bestritten und gibt zu keinen Beanstandungen Anlass.
6
.3
Hinsichtlich der Höhe des Invalideneinkommens
wendet
der Beschwerdeführer
ein
, dass er dieses nicht erreichen könne.
Hierzu ist anzumerken,
dass für die Invaliditätsbemessung nicht entscheidend ist, ob der Versicherte seine (Rest-)Arbeitsfähigkeit tatsächlich erwerblich ver
wertet oder nicht. Vielmehr ist die Invalidität stets auf der Grundlage desjenigen Einkommens zu bemessen, das der Versicherte durch eine ihm zumutbare Tätig
keit erzielen könnte.
Übt eine versicherte Person nach Eintritt der gesundheitli
chen
Beeinträchtigung eine Erwerbstätigkeit aus,
so kann
der damit erzielte
Ver
dienst nur dann als Invalideneinkommen herangezogen werden, wenn be
son
ders stabile A
rbeitsverhältnisse gegeben sind
und
weiter anzunehmen ist, dass
sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll aus
schöpft (
BGE
129 V 472
E. 4.2.1 S.
475 mit Hinweisen; Urteil 9C_772/2009 vom 1
2.
Januar 2010
E. 2).
Bei den verschiedenen temporären Anstellungen des Beschwerdeführers (vgl.
6/44) kann nicht von stabilen Arbeitsverhältnissen gesprochen werden, wes
halb auf die dabei erzielten Einkommen nicht abgestellt werden kann.
Die
Be
schwer
degegnerin
stellte folglich
zur Ermittlung des Invalideneinkommens
zu Recht
auf Tabellenlöhne ab
.
D
ie von der Beschwerdegegnerin im Rahmen der
In
vali
ditätsbemessung
berücksichtigte
Parallelisierung des unterdurch
schnitt
li
chen
Valideneinkommens
sowie Gewährung eines behinderungsbedingten Abzu
ge
s
im Umfang von 15
%
geben ebenfalls
zu keinen Beanstandungen Anlass.
6.4
Hingegen
ist
die ab August 2013 ausgewiesene
V
erbesserung der
Arbeitsfähig
keit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit
,
welche zu einer Befristung der
Rente führt,
im Hin
blick auf
Art.
88a
Abs.
1 IVV
(vgl. vorstehend E. 1.3)
erst nach
Ablauf von drei Monaten zu berücksichtigen
.
Damit hat der Beschwerdeführer mit Wirkung ab
1.
Juli 2012 bis 3
0.
November 2013 Anspruch auf eine halbe Invalidenrente.
Dies führt zur teilweisen
Gutheissung
der Beschwerde.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.