Decision ID: a46f275d-606a-5b31-95e2-75acca96df9f
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer – ein sri-lankischer Staatsangehöriger tamilischer
Ethnie aus B._ – suchte am 4. Mai 2017 in der Schweiz um Asyl
nach.
B.
Anlässlich der Summarbefragung (BzP) vom 16. Mai 2017 und der vertief-
ten Anhörung vom 17. Dezember 2019 machte er im Wesentlichen geltend,
er habe in Sri Lanka das (...) seines Vaters übernommen und im Rahmen
seiner geschäftlichen Tätigkeit auch (...) für die Partei TNA (Tamil National
Alliance) ausgeführt. Ab 2015 habe das CID (Criminal Investigation Depart-
ment) unter Todesdrohungen mehrmals versucht, Geld von ihm zu erpres-
sen. Am 10. Januar 2017 sei er von unbekannten Personen beziehungs-
weise von CID-Agenten geschlagen worden und am 17. Januar 2017 seien
CID-Agenten an seinem Wohnhaus erschienen und hätten sich nach sei-
nem Verbleib erkundigt. Aus Angst vor weiteren Behelligungen habe er sich
einstweilen für drei Monate in C._ versteckt gehalten, ehe er am
10. April 2017 via Colombo aus Sri Lanka ausgereist sei.
C.
Mit am 9. Februar 2020 eröffneter Verfügung vom 8. Februar 2020 stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, und lehnte sein Asylgesuch ab. Zugleich verfügte es die Wegweisung
aus der Schweiz und ordnete den Vollzug an.
D.
Mit Eingabe vom 29. Februar 2020 erhob der Beschwerdeführer beim Bun-
desverwaltungsgericht gegen diesen Entscheid Beschwerde und bean-
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, seine Flüchtlingsei-
genschaft sei festzustellen und ihm sei Asyl zu gewähren.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung und um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschus-
ses.
E.
Mit Schreiben vom 3. März 2020 bestätigte das Bundesverwaltungsgericht
den Eingang der Beschwerde.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Am 1. März 2019 ist die Teilrevision (AS 2016 3101) des Asylgesetzes
vom 26. Juni 1998 (AsylG; SR 142.31) in Kraft getreten. Für das vorlie-
gende Verfahren gilt das bisherige Recht (vgl. Abs. 1 der Übergangsbe-
stimmungen zur Änderung des AsylG vom 25. September 2015).
1.2 Am 1. Januar 2019 wurde das Ausländergesetz vom 16. Dezember
2005 (AuG, SR 142.20) teilrevidiert (AS 2018 3171) und in Ausländer- und
Integrationsgesetz (AIG) umbenannt. Die vorliegend anzuwendenden Ge-
setzesartikel (Art. 83 Abs. 1–7 und Art. 84) sind unverändert vom AuG ins
AIG übernommen worden, weshalb das Gericht nachfolgend die neue Ge-
setzesbezeichnung verwendet.
2.
Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwer-
den gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG und entscheidet auf dem Gebiet
des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgültig (Art. 83 Bst. d
Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG). Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsad-
ressat zur Beschwerdeführung legitimiert (Art. 48 VwVG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten (aArt. 108 Abs. 1
AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG).
3.
3.1 Mit Beschwerde in Asylsachen kann die Verletzung von Bundesrecht
(einschliesslich Missbrauch und Überschreiten des Ermessens) sowie die
unrichtige und unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachver-
halts gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG). Die Kognition im Bereich des
Ausländerrechts richtet sich nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.2 Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf einen Schriftenwechsel
verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
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des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Sie ist glaubhaft gemacht, wenn die Be-
hörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für gege-
ben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG). Das Bundesverwaltungsge-
richt hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in ei-
nem publizierten Entscheid dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (BVGE 2015/3 E. 6.5.1, m.w.H.).
5.
5.1 Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Auffassung hat sich das
SEM im vorliegenden Fall keine unrichtige Anwendung der Beweisregel
von Art. 7 AsylG vorzuwerfen. Wie in der angefochtenen Verfügung mit um-
fassender Begründung zutreffend erläutert wird, halten die Vorbringen des
Beschwerdeführers in den wesentlichen Punkten den Anforderungen an
das reduzierte Beweismass des Glaubhaftmachens nicht stand.
So hat sich der Beschwerdeführer in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
Ungereimtheiten hinsichtlich der Art und Weise entgegenhalten zu lassen,
in welcher er gemäss seinen Angaben von den sri-lankischen Behörden
angegangen worden sein will. Im Gegensatz zu seinen Aussagen in der
BzP, CID-Agenten seien sieben bis achtmal an seinem Wohnhaus erschie-
nen, hätten Geld von ihm zu erpressen versucht und ihn geschlagen (vgl.
act. A5/12, S. 7), gab er im weiteren Verlauf der BzP und in der Anhörung
an, er habe persönlich nie CID-Agenten getroffen, weil er bei deren Auftau-
chen jeweils in der Schule oder bei der Arbeit gewesen sei (vgl. act. A5/12,
S. 8; A14/17, F51). In der Anhörung machte er zudem erstmals geltend, die
CID-Agenten hätten nicht von ihm, sondern von seinen Eltern, Geld zu er-
pressen versucht (vgl. act. A14/17, F44). Diese Ungereimtheiten werden in
der Beschwerde trotz darauf Bezug nehmender Einwendungen (vgl. da-
selbst, S. 3) nicht aufgelöst und lassen sich nicht schlüssig auf angebliche
«Sprachunterschiede» und «Missverständnisse» in den Befragungen zu-
rückführen, lassen sich doch in den Protokollen keine solchen Hinweise
finden. In der Tat ist von einem Asylgesuchsteller, der über aussergewöhn-
liche und zwangsläufig einprägsame Erlebnisse wie behördliche Nachstel-
lungen und Todesdrohungen berichtet, natürlicherweise zu erwarten, dass
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er das Naheliegende in den Vordergrund stellt. Demnach ist es schlechter-
dings nicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführer in den Befragun-
gen diese Vorfälle derart unterschiedlich wiedergibt. Diese Zweifel werden
dadurch verstärkt, dass der Beschwerdeführer kein nachvollziehbares Ver-
folgungsinteresse der sri-lankischen Behörden an ihm zu substanzzieren
vermag. So hat er für die TNA lediglich niederschwellige Arbeiten ausge-
führt und war eigenen Angaben gemäss selbst politisch nie aktiv (vgl. act.
A14/17, F82). Inwiefern an einer Person mit diesem Profil ein behördliches
Interesse bestehen sollte, leuchtet nicht ein. Aus diesen Gründen lässt sich
das Fazit ziehen, dass der Beschwerdeführer die wesentlichen Teile seiner
Gesuchsbegründung weder nachzuweisen noch glaubhaft im Sinne von
Art. 7 Abs. 2 und 3 AsylG zu machen vermag. Angesichts der aufgezeigten
Sachlage erübrigt es sich, auf weitere Einwendungen in der Beschwerde
einzugehen, da sie nicht geeignet sind, eine andere Einschätzung in der
Frage der Glaubhaftmachung eines unter dem Blickwinkel von Art. 3 AsylG
relevanten Sachverhalts herbeizuführen.
5.2 Es liegen auch keine Risikofaktoren vor (vgl. zu diesen Faktoren Urteil
des Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 E. 9.2.4
[als Referenzurteil publiziert]), die für den Beschwerdeführer die ernsthafte
Gefahr begründeten, bei einer Rückkehr nach Sri Lanka Verfolgungsmass-
nahmen ausgesetzt zu werden. Der Beschwerdeführer konnte keine asyl-
relevante Verfolgung vor seiner Ausreise glaubhaft machen. Vielmehr
konnte er vor Ort leben, die Schule abschliessen und arbeiten. Die – sofern
überhaupt glaubhaften – Ausführungen zu den Beziehungen seiner Fami-
lie zu den LTTE sind zu oberflächlich ausgefallen und haben kein Verfol-
gungsinteresse seitens der sri-lankischen Behörden an seiner Person aus-
gelöst respektive haben sich als unglaubhaft erwiesen. Es bestehen keine
hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass dem Beschwerdeführer bei einer
Rückkehr nach Sri Lanka persönlich ernsthafte Nachteile im Sinne von
Art. 3 AsylG drohen könnten.
5.3 Seit Einreichung des Asylgesuchs durch den Beschwerdeführer war
die Lage in Sri Lanka verschiedenen Veränderungen unterworfen, wobei
namentlich politische Spannungen, die Terroranschläge an Ostern 2019
sowie zuletzt die Wahl von Gotabaya Rajapaksa zum Präsidenten von Sri
Lanka zu erwähnen sind. Der neue Präsident war unter seinem älteren
Bruder Mahinda Rajapaksa, der seinerseits von 2005 bis 2015 Präsident
Sri Lankas war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche
Verbrechen gegen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten be-
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gangen zu haben. Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechts-
verletzungen und Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet
die Anschuldigungen (vgl. Human Rights Watch: World Report 2020 – Sri
Lanka, 14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident sei-
nen Bruder Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder,
Chamal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Ma-
hinda und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett
zusammen zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state20191127174753/,
abgerufen am 17. Juni 2020). Beobachter und ethnische / religiöse Minder-
heiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte Über-
wachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalistinnen
und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Personen (vgl.
Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt Ängste
bei Minderheiten, 21.11.2019). Anfang März 2020 löste Gotabaya Rajapa-
ksa das Parlament vorzeitig auf und kündigte Neuwahlen an (vgl. NZZ, Sri
Lankas Präsident löst das Parlament auf, 3.3.2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
sie bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E 1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of «Disappeared» Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
zu den Präsidentschaftswahlen vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Ein solcher Bezug ist vorliegend, wie sich aus den vorste-
henden Erwägungen ergibt, nicht ersichtlich.
5.4 Damit ist nach Würdigung der gesamten Umstände als Ergebnis fest-
zuhalten, dass der Beschwerdeführer die Voraussetzungen zur Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG nicht erfüllt. Folgerichtig bleibt
ihm die Gewährung von Asyl durch die schweizerischen Behörden versagt
(Art. 2 Abs. 1 und Art. 49 AsylG). Die Ablehnung des entsprechenden Ge-
suchs durch die Vorinstanz ist zu bestätigen.
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6.
Gemäss Art. 44 AsylG verfügt das SEM in der Regel die Wegweisung aus
der Schweiz, wenn es das Asylgesuch ablehnt oder darauf nicht eintritt.
Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche Aufent-
haltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer solchen (vgl.
BVGE 2009/50 E. 9). Die Wegweisung wurde zu Recht angeordnet.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Staatssekretariat das Anwesenheitsverhältnis
nach den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme
(Art. 44 AsylG; Art. 83 Abs. 1 AIG).
7.2 Nach Art. 83 Abs. 3 AIG ist der Vollzug nicht zulässig, wenn völkerrecht-
liche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder
des Ausländers in den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegen-
stehen.
Da der Beschwerdeführer die Flüchtlingseigenschaft nicht erfüllt, ist das
flüchtlingsrechtliche Rückschiebungsverbot von Art. 33 Abs. 1 des Abkom-
mens vom 28. Juli 1951 über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (FK,
SR 0.142.30) und Art. 5 AsylG auf ihn nicht anwendbar. Die Zulässigkeit
des Vollzugs beurteilt sich vielmehr nach den allgemeinen verfassungs-
und völkerrechtlichen Bestimmungen (Art. 25 Abs. 3 BV; Art. 3 des Über-
einkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame,
unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe [FoK,
SR 0.105]; Art. 3 EMRK).
Die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka lässt den Wegwei-
sungsvollzug – auch mit Blick auf die in der Beschwerde zitierten Berichte
– nicht als unzulässig erscheinen (BVGE 2011/24 E. 10.4). Auch der Euro-
päische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat wiederholt festge-
stellt, dass nicht generell davon auszugehen sei, Rückkehrern drohe in Sri
Lanka eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung müsse
im Einzelfall vorgenommen werden (Urteil des EGMR R.J. gegen Frank-
reich vom 19. September 2013, 10466/11, Ziff. 37). Weder aus den Be-
schwerdeausführungen noch aus den Akten ergeben sich konkrete An-
haltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer für den Fall einer Ausschaf-
fung nach Sri Lanka dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach
EMRK oder FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre. So
weist der Beschwerdeführer kein Profil auf, das auf die Gefahr hindeutet,
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zukünftig staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt zu sein. Es sind
keine Anhaltspunkte ersichtlich, nach denen der Beschwerdeführer Mass-
nahmen zu befürchten hätte, die – wenn überhaupt – über einen sogenann-
ten background check (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im In-
und Ausland) hinausgingen oder dass ihm persönlich im Falle einer Rück-
kehr eine Gefährdung drohen könnte. Solches lässt sich gemäss obenste-
henden Ausführungen auch nicht annehmen. Aussergewöhnliche Um-
stände, die gestützt auf die Praxis des EGMR zu Art. 3 EMRK zur Feststel-
lung der Unzulässigkeit des Wegweisungsvollzuges aus gesundheitlichen
Gründen führen könnten (vgl. dazu EGMR, Urteil i.S. N gegen Grossbritan-
nien vom 27. Mai 2008, Beschwerde Nr. 26565/05, §§ 34 und 42 ff.; BVGE
2009/2 E. 9.1.3; EGMR, Urteil i.S. Paposhvili gegen Belgien vom 17. April
2014, Beschwerde-Nr. 41738/10), sind aufgrund der Akten ebenfalls nicht
ersichtlich. Der Vollzug der Wegweisung ist zulässig.
7.3 Nach Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und Aus-
länder unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind.
Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und den
LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. Aktuell herrscht in Sri Lanka we-
der Krieg noch eine Situation allgemeiner Gewalt; dies gilt auch angesichts
der dortigen aktuellen Ereignisse (vgl. Urteil des BVGer D-2205/2018 vom
25. Januar 2019, E. 11.2.1). Mit Referenzurteil E-1866/2015 vom 15. Juli
2016 hat das Bundesverwaltungsgericht seine bisherige Rechtsprechung
(vgl. BVGE 2011/24) und die gegenwärtige Praxis des SEM bestätigt, wo-
nach der Wegweisungsvollzug in die Ost- und Nordprovinz grundsätzlich
zumutbar ist, was gemäss Urteil D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 (als
Referenzurteil publiziert) auch für das Vanni-Gebiet gilt.
Der Beschwerdeführer stammt ursprünglich aus B._ und hat bis zu
seiner Ausreise aus Sri Lanka über zwanzig Jahre in der Nordprovinz ge-
lebt. Der Vollzug in dieses Gebiet ist gemäss gefestigter Rechtsprechung
grundsätzlich zumutbar. In vorliegenden Fall sprechen sodann keine indi-
viduellen Gründe gegen einen Wegweisungsvollzug. Beim Beschwerde-
führer handelt es sich um einen jungen, gesunden Mann mit Schulbildung
und Berufserfahrung. Im Weiteren verfügt er in Sri Lanka mit seiner Familie
(Eltern, Geschwister) über ein tragfähiges Beziehungsnetz und insoweit
eine gesicherte Wohnsituation.
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7.4 Nach Art. 83 Abs. 2 AIG ist der Vollzug auch als möglich zu bezeichnen,
weil der Beschwerdeführer über eine ID verfügt und es ihm weitergehend
obliegt, sich die für eine Rückkehr notwendigen Reisedokumente bei der
zuständigen Vertretung seines Heimatstaats zu beschaffen (Art. 8 Abs. 4
AsylG, vgl. dazu BVGE 2008/34 E. 12). Der Vollzug der Wegweisung ist
möglich.
7.5 Die Vorinstanz hat den Vollzug demnach zu Recht als zulässig, zumut-
bar und möglich erachtet. Damit fällt die Anordnung der vorläufigen Auf-
nahme ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt und auch sonst nicht zu beanstanden ist
(Art. 106 AsylG und Art. 49 VwVG). Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären dessen Kosten grundsätzlich
dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Da sich die
Beschwerde indessen nicht als aussichtslos erweist, ist das in der Be-
schwerde gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung gutzuheis-
sen, und es sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskosten aufzuer-
legen. Mit dem vorliegenden Urteil ist der Antrag auf Verzicht auf einen
Kostenvorschuss gegenstandslos geworden.
(Dispositiv nächste Seite)
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