Decision ID: da4ededd-f3c5-53e6-b6f3-edbf50bf3998
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A._, (...), ersuchte mit Schreiben vom 22. Oktober 2020 die Bun-
desanwaltschaft, ihre Personendaten auf den Bankunterlagen einer ihrer
Kundinnen zu schwärzen, nachdem die Dokumente bei der B._ für
eine allfällige Übermittlung an C._ (ersuchende Behörde im Rah-
men eines internationalen Rechtshilfeverfahrens) ediert worden seien.
B.
Mit Verfügung vom 28. Oktober 2020 entschied die Bundesanwaltschaft,
der ersuchenden Behörde die Kontounterlagen ohne die verlangte Schwär-
zung des Namens zu übermitteln. Zur Begründung führte sie aus, daten-
schutzrechtliche Einwände seien im Anwendungsbereich der Rechtshilfe
in Strafsachen gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur begrenzt
möglich. Bestimmungen über die Bekanntgabe von Personendaten fänden
nach Art. 11f Abs. 2 IRSG (Bundesgesetz über internationale Rechtshilfe
in Strafsachen vom 20. März 1981; Rechtshilfegesetz; SR 351.1) keine An-
wendung in Bezug auf Staaten, die ein angemessenes Datenschutzniveau
gewährleisteten. Die Bekanntgabe könne auch ohne ein solches Schutzni-
veau erfolgen, wenn die Weitergabe aus den in Art. 11f Abs. 3 IRSG ge-
nannten Gründen erforderlich sei. Es entspreche dem Zweck des Vollzugs
eines Rechtshilfeersuchens, die Weitergabe der Personendaten a priori als
allgemein zulässig zu betrachten. Auch gelte das Datenschutzgesetz nicht
für Rechtshilfeverfahren in Strafsachen. Weiters sei die Beschwerdelegiti-
mation fraglich, da nach Art. 9a Bst. a IRSV (Verordnung über internatio-
nale Rechtshilfe in Strafsachen vom 24. Februar 1982; SR 351.11) bei der
Erhebung von Kontoinformationen im internationalen Rechtshilfeverfahren
nur der Kontoinhaber als persönlich und direktbetroffen gelte.
C.
Gegen diesen Entscheid erhebt A._ (nachfolgend: Beschwerdefüh-
rerin) mit Eingaben vom 12. November 2020 beim Bundesverwaltungsge-
richt und beim Bundesstrafgericht Beschwerde und beantragt, die Verfü-
gung der Bundesanwaltschaft vom 28. Oktober 2020 sei aufzuheben und
die Personendaten auf den zu übermittelnden Dokumenten seien zu
schwärzen. Zur Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts führt sie
aus, der Entscheid der Bundesanwaltschaft impliziere, dass sie nicht durch
die im internationalen Rechtshilfeverfahren gültigen datenschutzrechtli-
chen Bestimmungen des Art. 11f IRSG geschützt sei. Die im Datenschutz-
gesetz festgehaltene Ausnahme des Anwendungsbereichs auf Verfahren
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der internationalen Rechtshilfe rechtfertige sich aber nur, wenn die Spezi-
algesetze einen vernünftigen Datenschutz gewährten. Ein Datenschutzan-
spruch ergebe sich schon daraus, dass die Bearbeitung von Personenda-
ten vom Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung geschützt sei.
Gewähre das Spezialgesetz keinen Datenschutz, sei das Datenschutzge-
setz anwendbar und die zuständige Beschwerdeinstanz das Bundesver-
waltungsgericht.
D.
Nachdem das Bundesstrafgericht die Beschwerde der Kundin der Be-
schwerdeführerin mit Entscheid vom 13. Oktober 2020 abgewiesen hat
und das Bundesgericht am 2. November 2020 auf die dagegen erhobene
Beschwerde nicht eingetreten ist, stellt die Bundesanwaltschaft am 19. No-
vember 2020 der ersuchenden Behörde die Unterlagen vorläufig unter
Schwärzung des Namens der Beschwerdeführerin zu, solange ihre Be-
schwerde beim Bundesstrafgericht hängig sei.
E.
In ihrer Vernehmlassung vom 2. Dezember 2020 beantragt die Bundesan-
waltschaft, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten, eventualiter sei sie
vollumfänglich abzuweisen.
F.
Mit Eingabe vom 23. Dezember 2020 beantragt die Beschwerdeführerin
die Sistierung des Beschwerdeverfahrens, bis das Bundesstrafgericht im
parallelen Verfahren über den spezialgesetzlichen Schutzbereich rechts-
kräftig entschieden habe.
G.
Im parallel geführten Verfahren tritt das Bundesstrafgericht auf die Be-
schwerde ein und weist sie mit Entscheid vom 2. Februar 2021
(RR.2020.311) als unbegründet ab. Unabhängig von der Frage, ob sich
eine von der Rechtshilfemassnahme nicht direkt betroffene Drittperson auf
Art. 11f IRSG berufen könne, komme diese Bestimmung nur sehr einge-
schränkt zur Anwendung.
H.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unter-
lagen wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
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Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes (VGG, SR 173.32)
beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen
nach Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVG, SR 172.021), so-
fern eine Vorinstanz im Sinne von Art. 33 VGG entschieden hat und keine
Ausnahme nach Art. 32 VGG gegeben ist.
1.2 Für Beschwerden gegen Verfügungen in internationalen Rechtshilfean-
gelegenheiten in Strafsachen sind die Beschwerdekammern des Bun-
desstrafgerichts zuständig (Art. 37 Abs. 2 Bst. a Ziff. 1 des Bundesgesetzes
über die Organisation der Strafbehörden des Bundes vom 19. März 2010
[StBOG; SR 173.71] i.V.m. Art. 25 Abs. 1 IRSG). Es besteht eine be-
schränkte Weiterzugsmöglichkeit an das Bundesgericht (vgl. Art. 84 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht vom 17. Juni 2005 [BGG; SR
173.110]).
1.3 In datenschutzrechtlichen Verfahren richtet sich der Rechtsschutz nach
den allgemeinen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege (Art. 33 des
Bundesgesetzes über den Datenschutz vom 19. Juni 1992 [Datenschutz-
gesetz; DSG; SR 235.1]).
1.4 Das DSG gilt gemäss dessen Art. 2 Abs. 1 für das Bearbeiten von Da-
ten natürlicher oder juristischer Personen durch private Personen (Bst. a)
und Bundesorgane (Bst. b). Als Bearbeiten gilt jeder Umgang mit Perso-
nendaten, unabhängig von den angewandten Mitteln und Verfahren, ins-
besondere das Beschaffen, Aufbewahren, Verwenden, Umarbeiten, Be-
kanntgeben, Archivieren oder Vernichten von Daten (vgl. Art. 3 Bst. e
DSG). Personendaten (Daten) sind alle Angaben, die sich auf eine be-
stimmte oder bestimmbare Person beziehen (vgl. Art. 3 Bst. a DSG). Bun-
desorgane sind Behörden und Dienststellen des Bundes sowie Personen,
soweit sie mit öffentlichen Aufgaben des Bundes betraut sind (vgl. Art. 3
Bst. h DSG). Nach Art. 2 Abs. 2 Bst. c ist das Gesetz namentlich auf hän-
gige Strafverfahren, Verfahren der internationalen Rechtshilfe sowie
staats- und verwaltungsrechtliche Verfahren mit Ausnahme erstinstanzli-
cher Verfahren nicht anwendbar.
2.
Im Folgenden ist zu prüfen, ob das Bundesverwaltungsgericht sachlich zu-
ständig ist. Konkret ist zu untersuchen, ob es sich bei der Vorinstanz um
eine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG handelt. Auch stellt sich die Frage,
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ob die Verweisungsnorm des Art. 33 DSG, die den Rechtsschutz nach den
allgemeinen Bestimmungen über die Bundesrechtspflege regelt, zur An-
wendung gelangen kann.
2.1 Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen eine Verfügung der
Bundesanwaltschaft, mit der die Schwärzung des Namens in Dokumenten
abgelehnt wurde, die im Rahmen einer internationalen Rechtshilfeangele-
genheit an einen gesuchstellenden Staat übermittelt werden. Wegen der
identischen, beim Bundesstrafgericht hängigen Beschwerde hat die Bun-
desanwaltschaft die Unterlagen nur vorläufig unter Schwärzung des Na-
mens der Beschwerdeführerin zugestellt und der ersuchenden Behörde
eine allfällige Übermittlung der Bankunterlagen ohne Einschwärzung nach
Abschluss des Beschwerdeverfahrens in Aussicht gestellt.
2.2 Art. 33 VGG führt die Vorinstanzen des Bundesverwaltungsgerichts ab-
schliessend auf (vgl. MARKUS SCHOTT, Rechtsschutz, in: BIAG-
GINI/HÄNER/SAXER/SCHOTT [Hrsg.], Fachhandbuch Verwaltungsrecht,
2015, S. 996 ff., Rz. 24.123). Nach Art. 33 Bst. cquarter VGG sind Beschwer-
den gegen Verfügungen des Bundesanwaltes oder der Bundesanwältin auf
dem Gebiet des Arbeitsverhältnisses der von ihm oder ihr gewählten
Staatsanwälte und Staatsanwältinnen sowie des Personals der Bundesan-
waltschaft zulässig. Der Bundesanwalt oder die Bundesanwältin kommt als
Vorinstanz auf dem Gebiet des Arbeitsverhältnisses in Frage, um den ge-
richtlichen Rechtsschutz in Personalangelegenheiten sicherzustellen
(vgl. MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, Prozessieren vor dem Bundesverwal-
tungsgericht, 2. Aufl. 2013, Rz. 1.35). Dies bezieht sich auch auf die Ertei-
lung der Ermächtigung zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen das von
ihm gewählte Personal der Bundesanwaltschaft (vgl. BVGE 2013/28
E. 4.5). Vorliegend handelt es sich aber um keine Personalangelegenheit.
Die Vorinstanz ist daher keine Behörde im Sinne von Art. 33 VGG.
2.3 Darüber hinaus ist die Anwendung des Datenschutzgesetzes und da-
mit auch eine Zuständigkeit bei hängigen internationalen Rechtshilfeange-
legenheiten in Strafsachen ausgeschlossen (vgl. E. 1.4 hiervor).
2.3.1 Die in Art. 2 Abs. 2 Bst. c DSG angeführten Ausnahmen gelten als
gerechtfertigt, weil in diesen Bereichen einerseits der Persönlichkeits-
schutz durch spezialgesetzliche Verfahrensnormen als hinreichend gesi-
chert gilt und andererseits so Normenkollisionen zwischen den jeweils gel-
tenden prozessualen Regeln und dem DSG vermieden werden können
(vgl. BVGE 2015/13 E. 3.2.1; BVGer A-6603/2013 vom 1. Oktober 2014
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E. 4.2; MAURER-LAMBROU/KUNZ, in: Maurer-Lambrou/Blechta [Hrsg.], Da-
tenschutzgesetz (DSG)/ Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ), 3. Aufl. 2014, Art. 2
DSG, Rz. 27). Diese Bestimmungen gehen den allgemeinen Grundsätzen
des Datenschutzgesetzes vor, solange ein internationales Rechtshilfever-
fahren hängig ist (vgl. Erläuternder Bericht des Bundesamtes für Justiz
zum Vorentwurf für das Bundesgesetz über die Totalrevision des Daten-
schutzgesetzes und die Änderung weiterer Datenschutzerlasse vom 21.
Dezember 2016, S. 104; BEAT RUDIN, in: Baeriswyl/Pärli [Hrsg.], Daten-
schutzgesetz, 2015, Art. 2, Rz. 33).
2.3.2 Da das Datenschutzgesetz bei hängigen internationalen Rechtshilfe-
angelegenheiten in Strafsachen nicht zur Anwendung gelangt, bleibt auch
für die Anwendung der Verweisungsnorm des Art. 33 DSG, die den Rechts-
schutz nach den allgemeinen Bestimmungen der Bundesrechtspflege re-
gelt, kein Raum. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher nicht zuständig.
2.4 Da die Beschwerdeführerin vorliegend die Zuständigkeit des Bundes-
verwaltungsgerichts behauptet, ist nach Art. 9 Abs. 2 VwVG in Verbindung
mit Art. 33 VGG auf die Beschwerde nicht einzutreten. Demnach ist auch
der Antrag auf Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zur Rechtskraft
des Entscheids des Bundestrafgerichts abzulehnen. Nach bundesgericht-
licher Rechtsprechung muss eine Sistierung in Hinblick auf Art. 29 Abs. 1
BV gerechtfertigt sein; etwa kann sie in Betracht gezogen werden, wenn
ein anderes Verfahren hängig ist, dessen Ausgang von präjudizieller Be-
deutung für das vorliegende Verfahren ist (vgl. BGE 130 V 90 E. 5; 123 II
1 E. 2; MOSER/BEUSCH/KNEUBÜHLER, a.a.O., Rz. 3.14 ff.). Da aber das
Bundesverwaltungsgericht aufgrund der oben aufgezeigten Zuständig-
keitsordnung unzuständig ist, mithin keine parallele Zuständigkeit zum
Bundesstrafgericht bestehen kann, ist kein Grund für eine Sistierung des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens gegeben.
3.
Zusammenfassend ist das Bundesverwaltungsgericht für die Beurteilung
der vorliegenden Beschwerde, die sich gegen die Übermittlung von Daten
im Rahmen eines internationalen Rechtshilfeverfahrens richtet, nicht zu-
ständig. Da es an einer Sachurteilsvoraussetzung fehlt, ist auf die Be-
schwerde nicht einzutreten.
4.
4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der Beschwerde-
führerin aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG). Gestützt auf die in Betracht
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zu ziehenden Bemessungsfaktoren (Art. 1 ff. VGKE) werden die Verfah-
renskosten auf Fr. 1’000.– festgesetzt und dem in gleicher Höhe geleiste-
ten Kostenvorschuss entnommen.
5. Es ist keine Parteientschädigung zuzusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG).
(Dispositiv nächste Seite)
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