Decision ID: bd48511e-4c8d-4c27-9354-5dee67b17d5c
Year: 2003
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1. P._, geboren 1943, war seit 1987 bei der A._ AG als Kranführer beschäftigt und über diese bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) versichert, als er sich am 4. November 1997 beim Sturz von einer Leiter eine Thorax-Nieren-Hüftkontusion links zuzog (Urk. 10/1-2). Die ärztliche Behandlung wurde am 21. August 1998 abgeschlossen (Urk. 10/9).
Am 20. August 2000 kollidierte der vom Versicherten gelenkte PW frontal mit einem entgegenkommenden Motorrad (Urk. 11/1-2). Die SUVA übernahm in der Folge die Behandlungskosten und richtete Taggelder aus. Diese Leistungen stellte sie mit Verfügung vom 20. Juni 2001 auf Ende Juni 2001 ein (Urk. 11/33 = Urk. 3/3). Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Stephan Kübler, Winterthur, am 26. Juli 2001 Einsprache (Urk. 11/38). Dem Krankenversicherer wurde die Verfügung am 10. August 2001 zugestellt (Urk. 11/43), welcher auf eine Einsprache verzichtete (Urk. 11/45). Am 19. November 2001 wies die SUVA die Einsprache ab (Urk. 11/47 = Urk. 2).
2. Gegen den Einspracheentscheid vom 19. November 2001 erhob der Versicherte, weiterhin vertreten durch Rechtsanwalt Kübler, am 5. Februar 2002 Beschwerde und beantragte, dieser sei aus formellen Gründen aufzuheben; eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung des Sachverhalts an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 2 S. 2 Ziff. 1-2).
Mit Beschwerdeantwort vom 15. April 2002 beantragte die SUVA, vertreten durch Rechtsanwalt Mathias Birrer, Luzern, die Abweisung der Beschwerde (Urk. 9).
Mit Verfügung vom 5. Mai 2002 lehnte das Gericht den Antrag, die aufschiebende Wirkung der Beschwerde wieder herzustellen (Urk. 1 S. 2 oben), ab (Urk. 12).
Mit Replik vom 4. Juli 2002 (Urk. 15) und Duplik vom 30. Juli 2002 (Urk. 19) hielten die Parteien an ihren Standpunkten fest. Am 31. Juli 2002 wurde der Schriftenwechsel geschlossen (Urk. 20).

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Am 1. Januar 2003 sind das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des So-zialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG) und die Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 11. September 2002 (ATSV) in Kraft getreten und haben in einzelnen Sozialversicherungsgesetzen und -verordnungen zu Revisionen geführt. In materiellrechtlicher Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 467 Erw. 1, 126 V 136 Erw. 4b, je mit Hinweisen). Da sich der hier zu beurteilende Sachverhalt vor dem 1. Januar 2003 verwirklicht hat, gelangen die materiellen Vorschriften des ATSG und der ATSV sowie die gestützt darauf erlassenen Gesetzes- und Verordnungsrevisionen im vorliegenden Fall noch nicht zur Anwendung. Bei den im Folgenden zitierten Gesetzes- und Verordnungsbestimmungen handelt es sich deshalb - soweit nichts anderes vermerkt wird - um die Fassungen, wie sie bis Ende 2002 in Kraft gewesen sind.
2. Vorab zu behandeln ist der Antrag des Beschwerdeführers, der angefochtene Entscheid sei aus formellen Gründen aufzuheben (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1).
Zur Begründung führt der Beschwerdeführer an, die Beschwerdegegnerin habe seinen Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen sei und sich in ihrem Entscheid mit den Vorbringen in der Einsprache nicht auseinandergesetzt habe (Urk. 1 S. 6 ff. Ziff. 4.1).
Die Beschwerdegegnerin hat zutreffend ausgeführt, welchen Umfang die ihr obliegende Begründungspflicht hat und inwiefern sie dieser nachgekommen ist (Urk. 9 S. 5 f. Ziff. 2). Darauf wird vollumfänglich verwiesen.
Der Antrag, den angefochtenen Entscheid aus formellen Gründen aufzuheben, erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
3.
3.1 Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG) setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 123 V 45 Erw. 2b, 119 V 337 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches nicht (BGE 119 V 338 Erw. 1, 118 V 289 Erw. 1b, je mit Hinweisen).
3.2 Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
Einen Anspruch auf Heilbehandlung hat die versicherte Person so lange, als von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann (Art. 19 Abs. 1 UVG e contrario, BGE 116 V 44 Erw. 2c). Der Anspruch auf Taggeld erlischt unter anderem mit der Wiedererlangung der vollen Arbeitsfähigkeit (Art. 16 Abs. 2 UVG).
3.3 Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V 352 Erw. 3a, 122 V 160 Erw. 1c).
4.
4.1 Strittig ist, ob die Verneinung der Leistungspflicht durch die Beschwerdegegnerin per 30. Juni 2001 zu Recht und insbesondere gestützt auf eine ausreichende Abklärung des Sachverhalts erfolgt ist, was der Beschwerdeführer bestreitet (Urk. 1 S. 8 ff. Ziff. 4.2.1-5).
Zur Prüfung dieser Frage ist näher auf die vorhandenen - insbesondere medizinischen - Akten einzugehen.
4.2 Anlässlich des Unfalls vom 4. November 1997 (Leitersturz) zog sich der Beschwerdeführer eine Thorax-Nieren-Hüftkontusion links zu (Urk. 10/2). Die diesbezügliche ärztliche Behandlung wurde am 21. August 1998 abgeschlossen (Urk. 10/9).
4.3 Am 20. März 2000 wandte sich B._, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, Winterthur, an die Beschwerdegegnerin (Urk. 10/11) und führte aus, das Ereignis vom 4. November 1997 habe zu einem eigentlichen Knick bezüglich Gesundheit und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers geführt. Obwohl objektiv keine wesentlichen Körperschädigungen vorgelegen hätten, sei die Arbeitsaufnahme verzögert erfolgt. Anschliessend seien wiederholte kürzere Arbeitsunfähigkeiten aufgetreten und der Beschwerdeführer habe nur noch die angestammte Tätigkeit als Kranführer ausüben und nicht mehr wie früher auch als allgemeiner Bauarbeiter eingesetzt werden können.
Wenngleich sicherlich verschiedene somatische und psychosoziale Gründe eine Rolle spielten, so sei der Beschwerdeführer überzeugt, dass der Unfall vom November 1997 für den allgemein schlechten Zustand verantwortlich sei. Der Beschwerdeführer wünsche deshalb eine Beurteilung durch die Beschwerdegegnerin, was Dr. B._ unterstütze (Urk. 10/11 unten).
4.4 Kreisarzt C._, Facharzt FMH für Chirurgie, untersuchte den Beschwerdeführer am 6. April 2000 und führte aus, die heute geklagten persistierenden Schmerzen im Rücken, im Leisten- und Gesässbereich könnten nicht auf das Unfallereignis zurückgeführt werden (Urk. 10/12 S. 2 f.).
4.5 Am Sonntag 20. August 2000 kollidierte der vom Versicherten gelenkte PW frontal mit einem entgegenkommenden Motorrad (Urk. 11/1-2). Am Montag nahm der Beschwerdeführer gemäss eigenen Angaben die Arbeit wieder auf und fühlte sich bis am Donnerstag beschwerdefrei; dann traten Nacken-, Rücken- und Kopfschmerzen sowie Schwindel auf (Urk. 11/6 S. 1 Mitte), und der Beschwerdeführer suchte am 26. August 2000 Dr. B._ auf (Urk. 11/4 Ziff. 1). In seinem Bericht vom 22. September 2000 nannte Dr. B._ als Befund „nach schmerzfreiem Intervall Schmerzen distale HWS-Trapeziusmuskulatur bds., Beweglichkeit HWS voll, Endphasen-Schmerz /
verspannt
, Röntgenbefund HWS: Fehlhaltung, keine ossäre Läsion“ und diagnostizierte ein etwas unklares Halswirbelsäulen (HWS)-Distorsionstrauma (Urk. 11/4 Ziff. 4-5). Eine Arbeitsunfähigkeit bestehe nicht, jedoch sei der Beschwerdeführer seit 1. September 2000 arbeitslos (Urk. 11/4 Ziff. 8). Im Unfallschein attestierte Dr. B._ allerdings eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit 31. August 2000 (Urk. 11/5).
4.6 Am 7. November 2000 untersuchte Kreisarzt D._, Facharzt FMH für Chirurgie, den Beschwerdeführer (Urk. 11/10) und führte aus, gut 11 Wochen nach dem Unfall finde sich klinisch noch eine leichte vertebrale Symptomatik am cervikothorakalen Übergang und über dem mittleren Sakrum. Nachweisbar seien sodann leichte Hinweise für eine gewisse muskuläre Problematik im linken Nacken- und Schulterbereich. Die Arbeitsfähigkeit betrage - angesichts der bestehenden Arbeitslosigkeit medizinisch-theoretisch festgelegt - 100 % für eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit ab 8. November 2000 (Urk. 11/10 S. 2 unten). Obwohl die Schwindelbeschwerden nach Angaben des Beschwerdeführers stark rückläufig seien, wäre es wohl von Vorteil, wenn dieser in nächster Zeit keine Arbeit mit Sturzgefährdung aufnähme (Urk. 11/10 S. 3 oben).
4.7 Am 15. November 2000 wurde der Beschwerdeführer in der Rheumaklinik E._ untersucht. Im entsprechenden Bericht vom 16. November 2000 wurde ein Cervicolumbovertebralsyndrom bei Status nach HWS-Distorsion im August 2000 und Status nach Arbeitsunfall mit Rücken- und Gesässkontusion im November 1997 diagnostiziert (Urk. 11/14 S. 1 Mitte). Um einer Chronifizierung entgegen zu treten, werde eine aktive physiotherapeutische Behandlung empfohlen (Urk. 11/14 S. 2 unten). Bezüglich Arbeitsfähigkeit scheine eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit zu 100 % realisierbar (Urk. 11/14 S. 3 oben).
4.8 Dr. B._ berichtete am 22. Dezember 2000, der Beschwerdeführer habe als Kranführer gearbeitet, wofür er sich sehr gut eigne. Arbeiten auf dem Bauplatz hingegen könne er aus diversen körperlichen Gründen nicht mehr über längere Zeit ausführen. Er schildere glaubwürdig, dass in der Krankabine mit dauernd inklinierter HWS starker Schwindel auftrete bis hin zum Erbrechen. Somit sei an eine Arbeitsfähigkeit nicht zu denken. Die vorgeschlagene leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit sei seines Erachtens unrealistisch (Urk. 11/16).
Nach einer Verlaufskontrolle am 15. Januar 2001 in der Rheumaklinik E._ wurde eine Medizinische Trainingstherapie bis längstens Mai 2001 empfohlen (Urk. 11/17 S. 1 f. Ziff. 3d). Bei günstigem Therapieverlauf sei eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit realisierbar; bei ungünstigem Therapieverlauf sei möglicherweise von einer bleibenden Arbeitsunfähigkeit von 50 % auszugehen (Urk. 11/17 S. 2 Ziff. 4a).
Kreisarzt-Stellvertreter Dr. D._ kam nach seiner Untersuchung vom 20. Februar 2001 zum Schluss, der gegenwärtige Therapieansatz scheine ihm wenig erfolgversprechend, und veranlasste eine stationäre Rehabilitation (Urk. 11/20 S. 3 Mitte).
4.9
4.9.1 Vom 28. März bis 2. Mai 2001 weilte der Beschwerdeführer in der Rehaklinik Bellikon, worüber F._, Assistenzärztin, und G._, Spezialarzt FMH für Physikalische Medizin, Leitender Arzt, am 30. Mai 2001 berichteten (Urk. 11/29). Sie stellten die folgenden funktionellen Diagnosen (Urk. 11/29 S. 1 f.):
1. Lumbovertebrales Schmerzsyndrom linksbetont
mit
—
bewegungs- und belastungsabhängigen Beschwerden lumbosacral
—
Ausstrahlung der Symptomatik gluteal linksbetont
—
keiner wesentlichen Lendenwirbelsäulen-Beweglichkeitseinschrän-kung
—
lokalisierter Klopfdolenz am lumbosacralen Übergang
ohne
—
Anhaltspunkte für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik
2. Zervikocephales Schmerzsyndrom linksbetont
mit
—
belastungs- und witterungsabhängigen Beschwerden linksseitig im Nacken- und im Hinterkopfbereich
—
mässiggradiger schmerzhafter HWS-Beweglichkeitseinschränkung
—
Missempfindungen (Einschlafgefühl) am Hinterkopf, zeitweilig Brechreiz
—
subjektiv allgemein eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit
ohne
—
Hinweise für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik
bei
—
Status nach HWS-Distorsionstrauma am 20. August 2000.
4.9.2 Dr. F._ und Dr. G._ führten weiter aus, gemäss Konsilium von H._, FMH Neurologie, Leitender Arzt Neurorehabilitation, vom 9. April 2001 habe beim Leitersturz im November 1997 sicher keine milde traumatische Hirnverletzung stattgefunden; die heftigen persistierenden Schmerzen seien durch lokale Kontusionen im Beckenbereich und Kreuz bedingt. Beim neuen Unfall im August 2000 sei es möglicherweise zu einer milden traumatischen Hirnverletzung gekommen, belegt durch die ausgeprägte Schwierigkeit im früher völlig intakten Gleichgewichtssystem. Die neurologische Untersuchung ergebe jedoch praktisch normale aktuelle Verhältnisse in detaillierten Gleichgewichtstests. Im übrigen Status seien keine verwertbaren Anomalien feststellbar, die gefundenen Sensibilitätsveränderungen seien mit Wahrscheinlichkeit durch die Schmerzsymptomatik zu erklären (Urk. 11/29 S. 2 Mitte).
4.9.3 In ihrer Beurteilung führten Dr. F._ und Dr. G._ aus, es bestehe ein unter stationärer physikalischer Therapie nicht wesentlich regredientes lumbovertebrales mehr als zervikocephales Schmerzsyndrom linksbetont, ohne wesentliche Lendenwirbelsäulen-Beweglichkeitseinschränkung, nur mässiggradiger HWS-Beweglichkeitseinschränkung, ohne Anhaltspunkte für eine radikuläre Reiz- oder Ausfallsymptomatik. Eine psychosomatische Evaluation sei nicht eingeholt worden; eine Schmerzverarbeitungsstörung sei nicht ausgeschlossen (Urk. 11/29 S. 4 Mitte).
Das Heben und Tragen auch von leichten Lasten, speziell repetitiv und über Schulterhöhe, sei beschwerlich und limitiert. Das Einhalten von Zwangsposi-tionen mit nach vornüber geneigtem Oberkörper sei schmerzhaft und eingeschränkt. Subjektiv bestünden Schwierigkeiten im Gleichgewichtssystem mit vegetativen Begleitsymptomen (Übelkeit, Brechreiz). Aufgrund dieser Beschwerden sollte das Besteigen von Gerüsten oder Leitern vermieden werden (Urk. 11/29 S. 4 unten).
Aufgrund der Unfallfolgen seien dem Beschwerdeführer aktuell leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne zeitliche Limitierung, wegen der subjektiven Schwindelproblematik ohne das Besteigen von Gerüsten oder Leitern, zumutbar (Urk. 11/29 S. 5 oben).
4.10 Dr. B._ attestierte dem Beschwerdeführer ab 4. Mai 2001 wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %, dies laut Unfallschein jedenfalls bis 18. Dezember 2001 (Urk. 11/49).
4.11 Kreisarzt-Stellvertreter Dr. D._ nahm am 15. Februar 2002 Stellung zur beantragten Kostenübernahme (vgl. Urk. 11/50 = Urk. 10/14) für im Oktober/November 1998 (Urk. 11/52 = Urk. 10/15 = Urk. 3/4) und im Oktober 1999 (Urk. 11/51 = Urk. 10/16 = Urk. 3/5) absolvierte Badekuren und führte aus, es hätten keine unfallkausalen somatischen Verletzungen festgestellt werden können, die eine Badekur als zwingend indiziert gerechtfertigt hätten (Urk. 11/54 = Urk. 10/18).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer steht auf dem Standpunkt, es könne nicht auf den Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon abgestellt werden (Urk. 1 S. 11 ff. Ziff. 4.2.2): Es sei nicht nachvollziehbar, wie sich die Gleichgewichtsproblematik im Alltag auswirke, es habe nur eine einzige neurologische Untersuchung stattgefunden, und die Schlussfolgerungen des Neurologen zur Arbeitsfähigkeit seien nicht bekannt (Urk. 1 S. 11 Mitte). Sodann leide er seit dem Unfall von 1997 an Lendenschmerzen. Zwischen der Beurteilung damaliger und aktueller Röntgenbilder bestünden Unterschiede, auf die im Austrittsbericht der Rehaklink Bellikon nicht eingegangen werde (Urk. 1 S. 11 unten). Möglicherweise seien die Beschwerden im Sakrum-/Lendenbereich auf den Sturz von 1997 zurückzuführen (Urk. 1 S. 12). Vor dem Unfall vom 20. August 2000 habe kein zervikocephales Schmerzsyndrom bestanden (Urk. 1 S. 12 unten Ziff. 4.2.3). Seit dem Unfall vom 20. August 2000 lägen die für ein Schleudertrauma oder einen äquivalenten Verletzungsmechanismus typischen Beschwerden vor, auch wenn diese erst zirka 96 Stunden nach dem Unfall aufgetreten seien (Urk. 1 S. 13).
5.2 Bezüglich der neurologischen Abklärungen ist darauf hinzuweisen, dass die Auswirkungen der sogenannten Gleichgewichtsproblematik sehr wohl in die Beurteilung einbezogen wurde, wurde doch bei der Zumutbarkeit leidensangepasster Tätigkeiten ausdrücklich das Besteigen von Leitern oder Gerüsten ausgeschlossen (Urk. 11/29 S. 5 oben). Sodann ist nicht ersichtlich, inwiefern der Umstand, dass eine neurologische Untersuchung nicht wiederholt durchgeführt wurde, als Mangel zu erachten wäre. Zur Frage der Arbeitsfähigkeit schliesslich hatte der konsiliarisch beigezogene Neurologe keine Veranlassung, Stellung zu nehmen, weil er keine verwertbaren Anomalien festgestellt hatte (Urk. 11/29 S. 2 Mitte).
5.3 Die These des Beschwerdeführers, die Beschwerden im Sakrum-/Lendenbereich seien möglicherweise auf den Leitersturz vom November 1997 zurückzuführen, stützt sich ausschliesslich auf seine eigene Interpretation verschiedener Röntgenbefunde.
Inwiefern solche vom Beschwerdeführer selber angestellte Überlegungen geeignet erscheinen könnten, die behauptete Mangelhaftigkeit der medizinischen Beurteilung zu belegen, ist nicht nachvollziehbar. Ebenso wenig erscheinen sie geeignet, die fachmedizinischen Darlegungen inhaltlich in Frage zu stellen und von deren Schlussfolgerungen abzuweichen.
5.4 Die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers betreffen nicht die behauptete Mangelhaftigkeit der vorgenommenen Abklärungen, sondern die materielle Frage der Unfallkausalität einzelner Beschwerden. Auf sie ist an dieser Stelle nicht weiter einzugehen.
Nach dem Gesagten erweist sich die Behauptung des Beschwerdeführers, die Beschwerdegegnerin habe sich auf mangelhafte medizinische Abklärungen gestützt, als unbegründet (vorstehend Erw. 5.2-3). Es ist vielmehr festzuhalten, dass die herangezogenen fachärztlichen Stellungnahmen den praxisgemässen Kriterien (vgl. vorstehend Erw. 3.3) vollumfänglich genügen.
Der Antrag, die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, ist somit abzuweisen.
6.
6.1 Es bleibt zu prüfen, ob die per 30. Juni 2001 vorgenommene Einstellung der Heilungskosten- und Taggeldleistungen materiell richtig ist.
6.2 Im Austrittsbericht der Rehaklinik Bellikon vom 30. Mai 2001 wurde ausgeführt, es bestehe ein lumbovertebrales mehr als zervikocephales Schmerzsyndrom linksbetont, das unter stationärer physikalischer Therapie nicht wesentlich regredient geworden sei (Urk. 11/29 S. 4 Mitte).
6.3 Nach dem Unfall vom November 1997 wurde dem Beschwerdeführer ab 1. April 1998 eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert (Urk. 10/6 S. 2 unten) und die medizinische Behandlung wurde am 21. August 1998 abgeschlossen (Urk. 10/9).
Nach dem Unfall vom August 2000 wurde dem Beschwerdeführer seit November 2000 wiederholt und übereinstimmend eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten attestiert (Urk. 11/10 S. 2 unten, Urk. 11/14 S. 3 oben, Urk. 11/29 S. 5 oben). Einzig die (zweite) Einschätzung durch die Rheumaklinik E._ vom Januar 2001 war mit dem Vorbehalt eines erfolgreichen Therapieverlaufes verbunden (Urk. 11/17 S. 2 Ziff. 4a), und der Hausarzt Dr. B._ attestierte durchwegs eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (vgl. Urk. 11/49).
Auf die Einschätzung durch die Rheumaklinik E._ vom Januar 2001 ist deshalb nicht abzustellen, weil Kreisarzt-Stellvertreter Dr. D._ im Februar 2001 anstelle des damals verfolgten Therapieansatzes eine stationäre Therapie veranlasste (Urk. 11/20 S. 3 Mitte). Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. F._ und Dr. G._ vom 30. Mai 2001 erfolgte nach Durchführung dieser stationären Therapie und ist deshalb aktueller und aussagekräftiger als jene vom Januar 2001, so dass auf sie abzustellen ist.
Hausarzt Dr. B._ schliesslich wies im März 2000 die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass der Beschwerdeführer nicht mehr wie früher auch als Bauarbeiter, sondern nur noch ausschliesslich als Kranführer tätig sein könne, wobei sicherlich verschiedene somatische und psychosoziale Gründe eine Rolle spielten (Urk. 10/11). Im August 2000 ereignete sich sodann der Verkehrsunfall, und im Dezember 2000 führte Dr. B._ aus, der Beschwerdeführer könne auch als Kranführer nicht mehr arbeiten; an eine Arbeitsfähigkeit sei nicht zu denken. Die vorgeschlagene leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit sei seines Erachtens „unrealistisch“ (Urk. 11/16). Hinsichtlich der angestammten Tätigkeit als Kranführer stimmt die Einschätzung durch Dr. B._ mit allen andern insofern überein, als diesbezüglich keine Arbeitsfähigkeit mehr angenommen wurde. Die in allen übrigen Beurteilungen attestierte volle Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten hingegen bezeichnete Dr. B._ lediglich als „unrealistisch“, was mangels einer näheren medizinischen Begründung nur dahingehend verstanden werden kann, dass damit biographische und konjunkturelle Einschränkungen angesprochen wurden. Die Beurteilung ist als hausärztliche durchaus nachvollziehbar; nicht nachvollziehbar - und auch nicht näher begründet - ist sie jedoch insoweit, als sie auch leidensangepasste Tätigkeiten ausschliessen und dies erst noch auf einen der Unfälle zurückführen sollte. Vor diesem Hintergrund ist zwar verständlich, dass Dr. B._ dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsunfähigkeit attestierte; begründen lässt sich eine solche aber nur bezogen auf die angestammte Tätigkeit.
6.4 Im Austrittsbericht betreffend den Aufenthalt vom 28. März bis 2. Mai 2001 in der Rehaklinik Bellikon wurde festgehalten, dass die vorhandenen Beschwerden weitgehend therapieresistent seien (vorstehend Erw. 6.2). Damit ist das Kriterium, dass von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Bes-serung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann (vorstehend Erw. 3.2), erfüllt und die Befristung der Kostenübernahme für die Heilbehandlung per 30. Juni 2001 erweist sich als rechtens.
6.5 Eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten ohne Besteigen von Gerüsten oder Leitern wurde dem Beschwerdeführer seit November 2000 attestiert (vorstehend Erw. 6.3).
Der Beschwerdeführer macht geltend, es hätte ihm eine gewisse Anpassungszeit eingeräumt werden müssen, da sich die attestierte Arbeitsfähigkeit nicht auf die angestammte Tätigkeit als Kranführer, sondern (lediglich) auf leidensangepasste andere Tätigkeiten bezog (Urk. 1 S. 14 f. Ziff. 4.2.5).
Kreisarzt-Stellvertreter Dr. D._ attestierte am 7. November 2000 eine Arbeitsfähigkeit von 100 % für eine leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeit ab 8. November 2000, unter Vermeidung von Arbeiten mit Sturzgefährdung (Urk. 11/10 S. 2 f.), ebenso die Ärzte der Rheumaklinik E._ am 16. November 2000 (Urk. 11/14 S. 3 oben). Am 22. Dezember 2000 führte Dr. B._ aus, die Tätigkeit als Kranführer komme nicht mehr in Frage (Urk. 11/16).
Der Beschwerdeführer, seit September 2000 arbeitslos, war somit seit November 2000 darüber im Bilde, dass eine Tätigkeit als Kranführer für ihn nicht mehr in Frage käme. Dies wird auch durch den Umstand bestätigt, dass er im November 2000 Taggeldleistungen der Arbeitslosenversicherung erhielt, bei welcher per 8. November 2000 eine Rahmenfrist für den Leistungsbezug eröffnet worden war (Urk. 16/1), er sich mithin im Rahmen der Arbeitslosenversicherung im Monat November 2000 dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt hat. Diese hat ihre Leistungen sodann wieder eingestellt, und zwar, wenn man der Darstellung des Beschwerdeführers folgt (Urk. 1 S. 6 Mitte, Urk. 15 S. 2), gestützt auf die Beurteilung durch den Hausarzt Dr. B._. Dessen Einschätzung vermag jedoch an der Feststellung einer vollen Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere wechselbelastende Tätigkeiten ohne Besteigen von Gerüsten oder Leitern ab November 2000, wie bereits dargelegt (vorstehend Erw. 6.3), nichts zu ändern.
Somit ist von einer beruflichen Neuorientierung des Beschwerdeführers ab November 2000 auszugehen. Dieser Zeitpunkt liegt rund acht Monate vor jenem der Leistungseinstellung. Es erscheint als zumutbar, vom Beschwerdeführer im Verlauf dieser Zeitspanne die Umstellung auf eine Arbeit aus dem Spektrum der leidensangepassten Tätigkeiten zu verlangen (vgl. Alexandra Rumo-Jungo, Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 3. Auflage Zürich, 2003, S. 114 ff., sowie RKUV 2000 Nr. U 366 S. 92).
Vor diesem Hintergrund bestand für die Beschwerdegegnerin keine Veranlassung oder Verpflichtung, statt der am 20. Juni 2001 per 30. Juni 2001 verfügten Einstellung der Taggeldleistungen noch eine weitere Anpassungszeit einzuräumen.
Dies führt zur Feststellung, dass die Leistungseinstellung per 30. Juni 2001 nicht zu beanstanden ist. Der angefochtene Entscheid erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Mit dem Beschwerdeführer ist schliesslich festzuhalten, dass allfällige andere Leistungen vorliegend nicht zu beurteilen sind (Urk. 1 S. 15 Ziff. 4.2.6). Damit erübrigt sich ein Eingehen auf Ausführungen, welche sich nicht auf die Anspruchsvoraussetzungen für Heilkostenübernahme und Taggelder beziehen (vgl. vorstehend Erw. 5.1 und 5.4).