Decision ID: 58c9e7b8-e788-45ea-acff-7681367c6878
Year: 2017
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 22.06.2017 Art. 17 Abs. 1 ATSG. Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur  6a. Definition der Anwendungsfälle des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zum ersten Massnahmenpaket der sechsten  anhand einer historischen und teleologischen Interpretation jener Bestimmung (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 22. Juni 2017, IV 2014/278). Entscheid vom 22. Juni 2017 Besetzung Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Karin Huber-Studerus und Michaela Machleidt Lehmann; Gerichtsschreiber Tobias Bolt Geschäftsnr. IV 2014/278 Parteien A._, Beschwerdeführer, vertreten durch Fürsprecher lic. iur. Daniel Küng, Anwaltskanzlei St. Jakob, St. Jakob Strasse 37, 9000 St. Gallen, gegen IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen, Beschwerdegegnerin, Gegenstand Rentenrevision (Einstellung; IV-Revision 6a) Sachverhalt
Entscheid Versicherungsgericht, 22.06.2017
A.
A.a A._ meldete sich im Mai 2000 zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an (IV-act. 28). Er gab an, er habe in B._ eine sechsmonatige
Ausbildung zum Plattenleger mit Diplom und in der Schweiz eine sechsmonatige
Ausbildung zum Industrielackierer mit Diplombestätigung absolviert. In der Schweiz
habe er fünf Jahre als Kundenmaurer und acht Jahre als Industrielackierer gearbeitet
(IV-act. 25). Der Hausarzt Dr. med. C._ berichtete im Juni 2000 (IV-act. 20), der
Versicherte leide an einer Periarthropathia humero-scapularis rechts und an einem
depressiven Zustandsbild nach dem Tod der Mutter im September 1999. Seines
Erachtens sei der Versicherte für leichte Arbeiten ohne stereotype Bewegungsabläufe
uneingeschränkt arbeitsfähig. Im Dezember 2000 erstattete Dr. med. D._ im Auftrag
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der IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten (IV-act. 9). Er hielt fest, der Versicherte
leide an einer psychischen Überlagerung von körperlichen Beschwerden bei einer
Störung der Persönlichkeitsentwicklung mit depressiven und narzisstischen Zügen.
Differentialdiagnostisch müsse eine rezidivierende depressive Störung mit einem
somatischen Syndrom oder eine somatoforme Störung in Betracht gezogen werden.
Die Arbeitsfähigkeit sei um etwa 30 Prozent eingeschränkt. Mit einer adäquaten
Therapie könne die Arbeitsfähigkeit aber wieder auf 100 Prozent gesteigert werden. Im
Februar 2002 erstattete der orthopädische Chirurg Dr. med. E._ ein fachärztliches
Gutachten (IV-act. 6). Er führte aus, der Versicherte leide an einer minimen
objektivierbaren Einschränkung der Innenrotation der rechten Schulter, an einer
minimen Impingement-Symptomatik der rechten Schulter und an einer leichten
Bandscheibendehydration C5/6 und C6/7. Die vom Versicherten angegebenen
massiven Beschwerden hätten nicht objektiviert werden können. Eine
Arbeitsunfähigkeit könne nicht attestiert werden. Der Berufsberater der IV-Stelle
notierte nach einem persönlichen Gespräch mit dem Versicherten (IV-act. 2), dieser
habe unrealistische Erwartungen, was berufliche Massnahmen zum Vorneherein
verunmögliche. Mit einer undatierten Verfügung (der Vorbescheid war am 26.
September 2002 ergangen; IV-act. 33 f.) wies die IV-Stelle das Begehren des
Versicherten um die Gewährung beruflicher Massnahmen ab
A.b Der neue Hausarzt des Versicherten, Dr. med. F._, teilte der IV-Stelle im April
2003 mit, dass der Versicherte an einem chronisch rezidivierenden lumbo-
spondylogenen Schmerzsyndrom links, an einem Status nach einem lumbo-radiculären
Schmerzsyndrom rechts bei einer medialen Discushernie L5/S1 sowie an einer
depressiven Entwicklung leide und deswegen nicht mehr arbeitsfähig sei (IV-act. 35).
Im Auftrag der IV-Stelle erstattete Dr. med. G._ im Januar 2004 ein psychiatrisches
Gutachten (IV-act. 50). Er hielt fest, der Versicherte leide an einer
Persönlichkeitsstörung mit gewissen histrionischen Zügen, welche die Arbeitsfähigkeit
aber nicht einschränke. Aus rein psychiatrischer Sicht sei der Versicherte
uneingeschränkt arbeitsfähig. Im April 2004 erstattete Dr. med. H._ ein
orthopädisches Gutachten (IV-act. 56). Er führte aus, der Versicherte leide an einer
Bandscheibendegeneration und an einer medialen Discushernie L4/5 und L5/S1, an
einer Bandscheibendehydratation C5/6 und C6/7 sowie an einem Impingement der
rechten Schulter. Schwere Tätigkeiten seien dem Versicherten nicht mehr, leichte
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dagegen uneingeschränkt zumutbar. Mit einer Verfügung vom 22. Juni 2004 wies die
IV-Stelle das Rentenbegehren und das Begehren um berufliche Massnahmen ab (IV-
act. 60).
A.c Im Juli 2004 liess der nun anwaltlich vertretene Versicherte eine Einsprache gegen
die Verfügung vom 22. Juni 2004 erheben (IV-act. 72). Im Dezember 2004 berichtete
der Psychiater Dr. med. I._ (IV-act. 92–5 f.), der Versicherte leide an einer
chronifizierten Anpassungsstörung mit Angst und Depression sowie vorwiegender
Beeinträchtigung von anderen Gefühlen. Es bestehe der Verdacht auf ein
somatoformes Schmerzsyndrom und auf eine histrionische Persönlichkeitsstörung. Die
Arbeitsfähigkeit müsse im Rahmen eines Abklärungsverfahrens neu bestimmt werden.
Ein Arzt des IV-internen regionalen ärztlichen Dienstes (RAD) notierte im März 2005, der
Bericht von Dr. I._ belege keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes
des Versicherten, weshalb keine weiteren medizinischen Abklärungen notwendig seien
(IV-act. 94). Eine Mitarbeiterin des Rechtsdienstes notierte im April 2005 (IV-act. 100),
als Nichtmedizinerin habe sie das Gefühl, dass die Diagnosen zwischen Dezember
2003 und Dezember 2004 zahlreicher geworden seien. Zudem habe der Versicherte
offenbar im Februar 2005 einen Unfall erlitten. Bei dieser Sachlage seien weitere
Abklärungen unumgänglich. Mit einer Verfügung vom 20. April 2005 widerrief die IV-
Stelle ihre Verfügung vom 22. Juni 2004 (IV-act. 107). Der RAD-Arzt notierte im Juni
2005, dass der Unfall vom Februar 2005 keine bleibenden
Gesundheitsbeeinträchtigungen zur Folge gehabt habe und dass der medizinische
Sachverhalt nach wie vor unverändert geblieben sei (IV-act. 112). Mit einer Verfügung
vom 15. Juni 2005 wies die IV-Stelle das Rentenbegehren und das Begehren um
berufliche Massnahmen erneut ab (IV-act. 114).
A.d Dagegen liess der Versicherte im Juli 2005 eine Einsprache erheben (IV-act. 115).
Im Juli 2005 berichteten die Projektleiter einer beruflichen Abklärungsstelle der
Arbeitslosenversicherung (IV-act. 125), der Versicherte habe während der
zweimonatigen Abklärung starke Stimmungsschwankungen gezeigt. Seine
Arbeitsleistung habe morgens bei etwa 60 Prozent und nachmittags bei etwa 40–50
Prozent gelegen. Der Neurologe Dr. med. J._ berichtete im September 2005 (IV-act.
138), von klinisch-neurologischer Seite her ergäben sich im Moment keinerlei Hinweise
für zentrale, radiculäre oder periphere Nervenschädigungen. Der Versicherte leide an
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einem chronifizierten generalisierten Schmerzsyndrom mit Schwerpunkt im cervicalen
und lumbalen Bereich. Der RAD-Arzt notierte im Oktober 2005, die medizinische
Sachlage erscheine nach wie vor als klar, doch empfehle sich nun angesichts der
zeitlichen Verzögerung seit der letzten Begutachtung eine polydisziplinäre
Begutachtung (IV-act. 145). Mit zwei Verfügungen vom 20./21. Oktober 2005 widerrief
die IV-Stelle ihre Verfügung vom 15. Juni 2005 (IV-act. 149 f.). Im Auftrag der IV-Stelle
erstattete die medizinische Abklärungsstelle (MEDAS) Ostschweiz im Januar 2007 ein
polydisziplinäres Gutachten (IV-act. 175). Die Sachverständigen hielten fest, weder in
orthopädischer noch in psychiatrischer Hinsicht habe sich der Gesundheitszustand des
Versicherten seit der letzten Begutachtung relevant verändert. Der psychiatrische
Sachverständige Dr. med. K._ attestierte allerdings eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit um maximal 20 Prozent. Mit einer Verfügung vom 3. September 2008
wies die IV-Stelle das Rentenbegehren des Versicherten mangels eines
rentenbegründenden Invaliditätsgrades ab (IV-act. 202).
A.e Dagegen liess der Versicherte im September 2008 eine Beschwerde erheben. Im
Beschwerdeverfahren liess er einen Austrittsbericht der psychiatrischen Klinik L._
vom 13. Juni 2008 betreffend eine stationäre Behandlung im Zeitraum vom 31. März
2008 bis zum 27. Juni 2008 einreichen, laut dem er an einer schweren depressiven
Episode ohne psychotische Symptome bei einer anhaltenden somatoformen
Schmerzstörung litt und nur noch zu 20 Prozent im geschützten Rahmen arbeitsfähig
war (IV-act. 206). Im Mai 2009 berichtete die behandelnde Psychiaterin Dr. med. M._
der IV-Stelle (IV-act. 229), der Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven
Störung mit teilweise schwergradigen Episoden und Suizidalität sowie an chronischen
Schmerzen, vermutlich im Rahmen einer somatoformen Schmerzstörung. Er sei
vollständig arbeitsunfähig. Die Prognose sei schlecht. Im Juni 2009 empfahl ein RAD-
Arzt eine erneute Begutachtung des Versicherten durch die MEDAS Ostschweiz (IV-act.
231). Mit einer Verfügung vom 4. Juni 2009 widerrief die IV-Stelle ihre Verfügung vom 3.
September 2008 (IV-act. 235). Das Beschwerdeverfahren wurde am 10. Juni 2009
abgeschrieben (IV-act. 240). Im Auftrag der IV-Stelle erstattete die MEDAS Ostschweiz
im Oktober 2009 ein polydisziplinäres Verlaufsgutachten (IV-act. 246). Die
Sachverständigen führten aus, der psychische Gesundheitszustand habe sich seit der
letzten Begutachtung verschlechtert. Der Versicherte leide nun an einer rezidivierenden
depressiven Störung mit einer gegenwärtig leichten bis allenfalls mittelgradigen
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depressiven Episode. Die psychogene Überlagerung der Schmerzen erfülle mittlerweile
die Kriterien für die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung. Der
psychiatrische Sachverständige Dr. med. N._ hielt zur sich „in Bezug auf die aktuelle
Gerichtspraxis“ stellenden Frage, ob es dem Versicherten unter Aufwendung der
zumutbaren Willensanstrengung möglich sei, die Schmerzen zu überwinden und wieder
in den Arbeitsprozess einzusteigen, fest, es liege zwar keine schwere chronische
psychische Begleiterkrankung mit einem mehrjährigen Krankheitsverlauf und einer
unveränderten oder progredienten Symptomatik ohne eine längerfristige Remission
vor. Seit dem Jahr 2008 sei in Bezug auf die depressive Störung nämlich eindeutig eine
Besserungstendenz zu verzeichnen. Auch eine schwerwiegende chronische
Erkrankung liege nicht vor. Aber es müsse von einem teilweisen sozialen Rückzug
ausgegangen werden. Zudem liege mittlerweile ein primärer Krankheitsgewinn vor,
denn es liege ein verfestigter, therapeutisch nur noch marginal angehbarer
innerseelische Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung vor. Die sogenannten Foerster’schen Kriterien seien deshalb
teilweise erfüllt, weshalb die Überwindung der Schmerzen dem Versicherten nur noch
teilweise zumutbar sei. Angesichts der Einschränkungen hinsichtlich der Ausdauer, der
Aufmerksamkeit und der Konzentration sowie der verminderten emotionalen
Belastbarkeit und der verminderten Stress- und Frustrationstoleranz sei der Versicherte
bloss noch zu 50 Prozent arbeitsfähig. Mit einer Verfügung vom 30. November 2010
sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Wirkung ab dem 1. September 2008 eine
halbe Rente zu (IV-act. 288).
A.f Am 21. September 2011 ersuchte der Versicherte um eine revisionsweise
Rentenerhöhung (IV-act. 292). Einen Tag später berichtete Dr. F._, seines Erachtens
habe sich der psychische Gesundheitszustand des Versicherten seit November 2010
verschlechtert, da Spannungen mit der Lebenspartnerin die depressive Symptomatik
verstärkt hätten (IV-act. 294). Am 14. März 2012 berichtete Dr. M._ (IV-act. 308), der
Versicherte leide an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
schwergradigen Episode und Suizidalität, an einer gemischten Persönlichkeitsstörung
mit histrionischen und dependenten Zügen, an einer chronischen Schmerzstörung,
vermutlich im Sinne einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung, sowie an
Problemen bei einer ungeklärten Wohnsituation und einer Zerrüttung der
Paarbeziehung. Sie habe den Versicherten am 22. Februar 2012 einer stationären
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Behandlung durch die psychiatrische Klinik L._ zugewiesen, wisse aber nicht, ob er
eingetreten sei. Er sei längerdauernd vollständig arbeitsunfähig. Die psychiatrische
Klinik L._ hatte am 9. Februar 2012 berichtet (IV-act. 310), sie habe den Versicherten
in der Zeit vom 3. Januar 2012 bis zum 9. Februar 2012 stationär behandelt. Er leide an
kombinierten Persönlichkeitsstörungen mit histrionischen und narzisstischen Anteilen
sowie an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer gegenwärtig
mittelgradigen Episode. Der RAD-Arzt Dr. med. O._ notierte am 3. April 2012, der
Gesundheitszustand des Versicherten habe sich seit Oktober 2009 mit Sicherheit
verschlechtert; es sehe nach einer länger dauernden Verschlechterung aus (IV-act.
314). Am 17. Juli 2012 berichtete Dr. F._ (IV-act. 331), der Gesundheitszustand des
Versicherten habe sich seit der Hospitalisation im Januar 2012 nicht geändert. Wegen
seiner Depression sei der Versicherte weiterhin vollständig arbeitsunfähig. Die
Psychiaterin Dr. M._ habe die ambulante psychiatrische Therapie abgebrochen, weil
der Versicherte ihres Erachtens davon nicht habe profitieren können. Im Auftrag der IV-
Stelle erstattete die MEDAS Ostschweiz am 10. Mai 2013 ein polydisziplinäres
Verlaufsgutachten (IV-act. 345). Der rheumatologische Sachverständige Dr. med. P._
führte aus, im Vergleich zur letzten Begutachtung habe sich der Gesundheitszustand
des Versicherten in somatischer Hinsicht nicht wesentlich verändert. Der psychiatrische
Sachverständige Dr. K._ hielt fest, auch in psychischer Hinsicht habe sich der
Gesundheitszustand seit der letzten Begutachtung nicht wesentlich verändert. Der
Versicherte leide nach wie vor an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
sowie an einer depressiven Störung schwankenden Ausmasses mit einer gegenwärtig
leichten bis allenfalls mittelgradigen Episode. Trotz des gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes falle die Arbeitsfähigkeitsschätzung gemäss der aktuellen
Rechtsprechung anders aus. Der Versicherte leide nicht an einer schweren
körperlichen Begleiterkrankung. Ein sozialer Rückzug liege nur teilweise vor. Ein
primärer Krankheitsgewinn könne weder anamnestisch noch anhand der Akten
bestätigt werden. Ausserdem werde der Versicherte psychiatrisch-
psychotherapeutisch adäquat behandelt, wenn auch eine gewünschte Besserung
seines psychopathologischen Zustandes bislang nicht habe erzielt werden können.
Eine psychische Störung von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer,
die die Willensanstrengung des Versicherten erheblich beeinträchtigen würde, liege
nicht vor. Aus psychiatrischer Sicht sei der Versicherte uneingeschränkt arbeitsfähig.
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Der RAD-Arzt Dr. Q._ notierte am 24. Mai 2013 (IV-act. 346), das Gutachten der
MEDAS Ostschweiz belege, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit
der letzten Begutachtung nicht wesentlich verändert habe. Die Argumentation von Dr.
K._, die sich auf „Verweise auf juristische Gegebenheiten“ beschränke, erstaune.
A.g Am 18. Juni 2013 fragte ein Sachbearbeiter der IV-Stelle den RAD an (IV-act. 351),
ob die rentenbegründende Arbeitsunfähigkeit überwiegend mit einem „Leiden gemäss
Schlussbestimmungen begründet“ worden sei und ob die Kriterien zur
Willensanstrengung erfüllt seien. Der RAD-Arzt Dr. med. R._ antwortete am 24. Juni
2013, die von Dr. N._ attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50 Prozent sei damals mit der
Schmerzstörung begründet worden. Angesichts eines teilweisen sozialen Rückzuges,
eines nur noch marginal angehbaren innerseelischen langjährigen Verlaufs und einer
verminderten Belastbarkeit habe Dr. N._ die Foerster’schen Kriterien als teilweise
erfüllt erachtet. Dr. K._ habe die Foerster’schen Kriterien dagegen als nicht erfüllt
qualifiziert. Inwieweit seine Arbeitsfähigkeitsschätzung „rechtsgenüglich“ sei, könne
aus medizinischer Sicht nicht beantwortet werden. Mit einem Vorbescheid vom 9.
August 2013 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit (IV-act. 355), dass sie die
Aufhebung der laufenden Rente vorsehe. Zur Begründung führte sie aus, die
Überprüfung des Rentenanspruchs gemäss der Schlussbestimmung zum ersten
Massnahmenpaket der sechsten IVG-Revision („IVG-Revision 6a“) habe ergeben, dass
der Versicherte an einem pathogenetisch-ätiologisch unklaren syndromalen
Beschwerdebild ohne eine nachweisbare organische Genese leide. Den vorliegenden
medizinischen Akten seien keine objektivierbaren anatomischen Befunde zu
entnehmen, die aus versicherungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Es lägen keine Anhaltspunkte für eine
psychiatrische Komorbidität oder sonstige schwere Funktionseinschränkungen vor.
Zudem seien auch die übrigen Kriterien für die Annahme einer Nichtüberwindbarkeit
der Schmerzen nicht erfüllt. Folglich bestehe kein Anspruch mehr auf eine Rente der
Invalidenversicherung. Dagegen liess der Versicherte am 31. Oktober 2013 einwenden
(IV-act. 364), mangels einer Veränderung des Gesundheitszustandes seien die
Voraussetzungen für eine Rentenaufhebung nicht erfüllt. Er sei aber jederzeit bereit und
willens, aktiv an beruflichen Massnahmen mitzuwirken, soweit ihm dies seine
Beschwerden erlaubten. Nach einem Assessmentgespräch teilte der Versicherte der
Eingliederungsverantwortlichen der IV-Stelle mit, dass er den ihm unterbreiteten
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Eingliederungsplan nicht unterzeichnen könne, da er sich ausserstande sehe, ein volles
Arbeitspensum zu leisten. Daraufhin schloss die Eingliederungsverantwortliche die
berufliche Eingliederung ab (IV-act. 376 und 378). Mit einer Verfügung vom 16. April
2014 hob die IV-Stelle die laufende Rente auf das Ende des der Zustellung der
Verfügung folgenden Monats auf (IV-act. 379).
B.
B.a Dagegen liess der Versicherte (nachfolgend: der Beschwerdeführer) am 26. Mai
2014 eine Beschwerde erheben (act. G 1). Sein Rechtsvertreter beantragte die
Aufhebung der Verfügung vom 16. April 2014, die Zusprache einer ganzen
Invalidenrente spätestens ab September 2011, eventualiter die Weiterausrichtung der
bisherigen halben Rente und subeventualiter die Rückweisung der Sache zur weiteren
Abklärung und zur anschliessenden neuen Verfügung. Zur Begründung führte er aus,
die Rechtsprechung des Bundesgerichtes betreffend pathogenetisch-ätiologisch
unklare Beschwerdebilder ohne eine nachweisbare organische Genese stehe seit
einigen Jahren fest. Der BGE 130 V 352 datiere vom 12. März 2004. Die
rentenzusprechende Verfügung vom 30. November 2010 sei in Anwendung dieser
Rechtsprechung ergangen. Damit könne kein Anwendungsfall der
Schlussbestimmungen der IVG-Revision 6a vorliegen.
B.b Die IV-Stelle (nachfolgend: die Beschwerdegegnerin) beantragte am 19. August
2014 die Abweisung der Beschwerde (act. G 5). Zur Begründung führte sie aus, seit
dem Inkrafttreten der IVG-Revision 6a gälten die Leiden des Beschwerdeführers nicht
mehr als invalidisierend, weshalb die Rente gestützt auf das überzeugende
Verlaufsgutachten der MEDAS Ostschweiz zu Recht aufgehoben worden sei.
B.c Der Beschwerdeführer liess am 2. Dezember 2014 an seinen Anträgen festhalten
(act. G 15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf eine Duplik (act. G 17).

Erwägungen
1.
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Der Beschwerdeführer hat im September 2011 um eine revisionsweise
Rentenerhöhung ersucht. Die Beschwerdegegnerin hat die Eintretensvoraussetzung
des Art. 87 Abs. 2 IVV geprüft, zu Recht bejaht und anschliessend Abklärungen zu
einer allfälligen relevanten Sachverhaltsveränderung im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG
getätigt. Gestützt auf das Verlaufsgutachten der MEDAS Ostschweiz vom 10. Mai 2013
und die RAD-Notiz vom 24. Mai 2013 ist sie offenbar zur Auffassung gelangt, dass kein
Revisionsgrund vorliege. Sie hat in der Folge aber weder eine Mitteilung noch eine
Verfügung erlassen, mit der das durch das Gesuch vom September 2011 eingeleitete
Revisionsverfahren abgeschlossen worden wäre. Im Juni 2013 hat sie erstmals die
Frage aufgeworfen, ob ein Anwendungsfall des Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a vorliege. Spätestens in jenem Zeitpunkt hat
sie folglich ein Verfahren zur Überprüfung des Rentenanspruchs im Sinne des Abs. 1
der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a eröffnet. Nun könnte die
Ansicht vertreten werden, mit der angefochtenen Verfügung vom 16. April 2014 habe
die Beschwerdegegnerin nur jenes zweite Verfahren abgeschlossen. Das würde
bedeuten, dass das Revisionsverfahren nach wie vor hängig wäre und folglich auf den
Hauptantrag des Beschwerdeführers gar nicht eingetreten werden könnte. Allerdings
hat der Gesetzgeber keine derartige Trennung von Überprüfungsverfahren im Sinne der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a und von Rentenrevisionsverfahren
beabsichtigt, sondern im Gegenteil folgendes Standardvorgehen vorgesehen (BBl 2010
1843 ff.): Zuerst hat die IV-Stelle zu prüfen, ob ein Revisionsgrund im Sinne des Art. 17
Abs. 1 ATSG vorliege. Ist dies der Fall, hat sie die Rente zu revidieren, womit das
Verfahren abgeschlossen wird. Ist dies hingegen nicht der Fall, hat sie eine Anwendung
des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a zu prüfen. Ergibt
diese Prüfung einen Korrekturbedarf, ist die formell rechtskräftige Rentenverfügung
entsprechend zu modifizieren und das Verfahren abzuschliessen. Ergibt sich, dass kein
Anwendungsfall des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a
vorliegt, hat die IV-Stelle zu prüfen, ob mittels geeigneter Massnahmen die
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person verbessert werden kann. Nach dem Willen
des Gesetzgebers beinhaltet ein Verfahren zur Überprüfung einer formell rechtskräftig
zugesprochenen Rente gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur
IVG-Revision 6a also immer zwingend ein Rentenrevisionsverfahren im Sinne des Art.
17 Abs. 1 ATSG. Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass die
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Beschwerdegegnerin nicht im September 2011 ein erstes (Revisions-) Verfahren und im
Juni 2013 ein zweites Verfahren eröffnet, sondern vielmehr innerhalb eines einzigen
Verfahrens die vom Gesetzgeber vorgesehene mehrstufige Prüfung einer Korrektur der
formell rechtskräftigen rentenzusprechenden Verfügung durchgeführt hat. Mit der
angefochtenen Verfügung vom 16. April 2014 hat sie das Revisionsbegehren des
Beschwerdeführers abgewiesen und die Rente gestützt auf den Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a aufgehoben. Das bedeutet, dass sämtliche
Beschwerdeanträge vom Streitgegenstand erfasst sind, weshalb vollumfänglich auf die
Beschwerde einzutreten ist.
2.
Laut dem Art. 17 Abs. 1 ATSG wird eine Rente für die Zukunft erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad des Rentenbezügers erheblich
geändert hat. Im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenzusprache hatte der
Beschwerdeführer an einer rezidivierenden depressiven Störung mit einer damals
leichten bis allenfalls mittelgradigen depressiven Episode sowie an einer anhaltenden
somatoformen Schmerzstörung gelitten, weshalb er aus psychiatrischer Sicht zu 50
Prozent arbeitsunfähig gewesen war. Die behandelnde Psychiaterin Dr. M._ hat im
März 2012 eine schwergradige depressive Episode diagnostiziert, was für eine
erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zu
sprechen scheint. Praktisch gleichzeitig hat die psychiatrische Klinik L._ aber eine
mittelgradige depressive Episode diagnostiziert, was gewisse Zweifel an der
Zuverlässigkeit der Angaben von Dr. M._ weckt. Aufgrund der beiden Berichte steht
aber jedenfalls fest, dass der Beschwerdeführer zum Jahreswechsel 2011/2012 wegen
einer akuten Beziehungskrise erheblich zusätzlich belastet gewesen ist. Damit ist zwar
davon auszugehen, dass sich sein Gesundheitszustand damals tatsächlich wesentlich
verschlechtert hat. Eine anhaltende wesentliche Verschlechterung des
Gesundheitszustandes über die akute Phase der Beziehungskrise hinaus lässt sich
damit aber nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit belegen. Vergleicht man die Schilderungen der anamnestischen
Angaben und der klinischen Befunde der behandelnden Ärzte der psychiatrischen
Klinik L._ und von Dr. M._ einerseits und des Sachverständigen Dr. K._
andererseits, stellt man fest, dass sich der psychische Gesundheitszustand des
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Beschwerdeführers nach der Krise zu Beginn des Jahres 2012 bis zum Zeitpunkt der
Begutachtung durch die MEDAS Ostschweiz wieder wesentlich gebessert haben muss.
Dr. K._ hat im Übrigen eine schwergradige depressive Episode zu Beginn des Jahres
2012 als ausgewiesen erachtet, aber darauf hingewiesen, dass der Schweregrad der
depressiven Störung im langjährigen Verlauf stets geschwankt habe. Er hat gestützt auf
die von ihm erhobenen objektiven klinischen Befunde und unter Berücksichtigung der
vom Sachverständigen Dr. N._ im zweiten Gutachten der MEDAS Ostschweiz
beschriebenen klinischen Befunde überzeugend aufgezeigt, dass sowohl die
depressive Störung als auch die anhaltende somatoforme Schmerzstörung seit der
letzten Begutachtung respektive seit der Rentenzusprache abgesehen von kurzfristigen
Schwankungen keine wesentlichen Veränderungen erfahren hatten. Gestützt auf das
psychiatrische Teilgutachten von Dr. K._ steht deshalb mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest, dass sich der psychiatrische
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zwischen der ursprünglichen
Rentenzusprache und der Eröffnung der nun angefochtenen Verfügung nicht in einem
im Sinne des Art. 17 Abs. 1 ATSG relevanten Ausmass verändert hat. In somatischer
Hinsicht sind zwar nach der Rentenzusprache weitere bildgebende Abklärungen
getätigt worden, die (diskrete) neue bildgebende Befunde zu Tage gefördert haben,
doch hat der rheumatologische Sachverständige Dr. P._ in seinem Teilgutachten
überzeugend aufgezeigt, dass sich der massgebende objektive klinische Befund im
Vergleich zur letzten Begutachtung nicht wesentlich verändert hatte. Auch
diesbezüglich fehlt es somit überwiegend wahrscheinlich an einer relevanten
Sachverhaltsveränderung. Hinweise auf andere relevante Sachverhaltsveränderungen
liegen nicht vor. Die Beschwerdegegnerin hat das Revisionsbegehren des
Beschwerdeführers folglich zu Recht abgewiesen.
3.
3.1 Das ehemalige Eidgenössische Versicherungsgericht (seit dem 1. Januar 2007:
sozialrechtliche Abteilungen des Bundesgerichtes) hat in seinem Leitentscheid BGE
130 V 352 eine neue Praxis zum Umgang mit anhaltenden somatoformen
Schmerzstörungen begründet, die es in der Folge auf weitere ähnliche
Beschwerdebilder ausgeweitet hat, für die später der Sammelbegriff „pathogenetisch-
ätiologisch unklare Beschwerdebilder ohne eine nachweisbare organische
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Genese“ („Päusbonog“) eingeführt worden ist. Der Kerngehalt dieser „Päusbonog“-
Praxis hat in der Vermutung bestanden, dass eine versicherte Person, die an einem
„Päusbonog“ leidet, mit einer zumutbaren Willensanstrengung ihre subjektive
Arbeitsunfähigkeitsüberzeugung „überwinden“ und trotz Schmerzen arbeiten kann.
Diese Vermutung hat nur mit dem Nachweis widerlegt werden können, dass die
sogenannten Foerster’schen Kriterien erfüllt seien und der versicherten Person deshalb
die „Überwindung“ – ausnahmsweise – nicht zugemutet werden könne. Da eine
Änderung der Rechtsprechung nur zulässig ist, wenn die neue Lösung einer besseren
Erkenntnis des Gesetzeszwecks, veränderten äusseren Verhältnissen oder
gewandelten Rechtsanschauungen entspricht (statt vieler: BGE 137 V 282 E. 4.2 S. 291
f. mit zahlreichen Hinweisen), bedeutet eine Praxisänderung stets, dass die alte (nun
geänderte) Praxis als nicht (mehr) richtig erkannt worden ist. Mit dem BGE 130 V 352
hat das Bundesgericht also notwendigerweise all jene Rentenzusprachen nachträglich
als falsch qualifiziert, bei denen nicht von der „Überwindbarkeitsvermutung“
ausgegangen worden war. Während es danach in allen neuen – nach der
Praxisänderung geprüften – Fällen eine Rentenzusprache als rechtswidrig erachtet hat,
wenn bei der Rentenprüfung nicht von der „Überwindbarkeitsvermutung“ ausgegangen
worden war, hat es allerdings ein Zurückkommen auf rechtskräftig erledigte „Prä-
Päusbonog“-Fälle ohne eine gesetzliche Grundlage als unzulässig qualifiziert (BGE 135
V 201). Im Rahmen des ersten Massnahmenpaketes zur sechsten IVG-Revision hat der
Gesetzgeber dann aber eine solche gesetzliche Grundlage geschaffen, die es –
während einer beschränkten Zeit (drei Jahre ab Inkrafttreten am 1. Januar 2012; AS
2011 5672) – den IV-Stellen erlaubt hat, die „Päusbonog“-Praxis auch auf „Prä-
Päusbonog“-Fälle anzuwenden und die nun als falsch erachteten Rentenzusprachen
mittels der „Überwindbarkeitsvermutung“ nochmals zu überprüfen (BBl 2010 1841 f.).
Der Sinn und Zweck des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision
6a hat sich also darauf beschränkt, die „Päusbonog“-Praxis (BGE 130 V 352) auf „Prä-
Päusbonog“-Fälle anzuwenden und damit entsprechende „Altlasten“ ex nunc et pro
futuro zu sanieren (BBl 2010 1839 f.). Dem Gesetzgeber ist es mit anderen Worten nur
darum gegangen, die „rechtliche Grundlage für die Überprüfung und Anpassung
laufender Renten“ zu schaffen, „die vor dem 1. Januar 2008 infolge somatoformer
Schmerzstörungen, Fibromyalgie und ähnlicher Sachverhalte zugesprochen“ worden
waren (BBl 2010 1819 und 1911; Amtl. Bull. SR 2010 663 f. und Amtl. Bull NR 2010
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2117 ff.). Ein Anwendungsfall des Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a kann folglich nur dann vorliegen, wenn die ursprüngliche Rentenzusprache
vor der „Päusbonog“-Praxisänderung (BGE 130 V 352) erfolgt ist. Der Abs. 1 der lit. a
der Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a erlaubt es mit anderen Worten nur, die
„Päusbonog“-Praxis auf „Prä-Päusbonog“-Fälle anzuwenden.
3.2 Hier liegt offenkundig kein solcher Anwendungsfall vor. Die ursprüngliche
Rentenzusprache ist nämlich erst lange nach der Einführung der „Päusbonog“-Praxis –
am 30. November 2010 – erfolgt. Sie hat sich in psychiatrischer Hinsicht auf das
Teilgutachten des Sachverständigen Dr. N._ abgestützt, der sich eingehend mit der
„Päusbonog“-Praxis auseinandergesetzt hat respektive von der
„Überwindbarkeitsvermutung“ ausgegangen ist, aber überzeugend dargelegt hat, dass
diese gemäss den Foerster’schen Kriterien vorliegend (ausnahmsweise) widerlegt sei.
Das hat er damit begründet, dass sich der an sich missglückte, aber psychisch
entlastende innerseelische Verlauf verfestigt hatte, sodass ein primärer
Krankheitsgewinn vorgelegen hatte, der die „Überwindbarkeitsvermutung“ in Bezug auf
den Beschwerdeführer im Ergebnis widerlegt hatte. Die „Päusbonog“-Praxis ist also
bereits bei der Rentenzusprache angewendet worden, weshalb hier kein „Prä-
Päusbonog“-Fall vorliegt. Deshalb kann der Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen
zur IVG-Revision 6a keine Anwendung finden.
3.3 Nun könnte die „Päusbonog“-Praxis aber ursprünglich fehlerhaft angewendet
worden sein, sodass ein Interesse daran bestünde, die ursprüngliche Rentenzusprache
entsprechend zu korrigieren. Der Abs. 1 der lit. a der Schlussbestimmungen zur IVG-
Revision 6a ist aber nicht das für eine solche Korrektur vorgesehene Instrument, denn
sein Sinn und Zweck beschränkt sich nur darauf, „Prä-Päusbonog“-Fälle der
„Päusbonog“-Praxis zu unterwerfen. Die Korrektur eines falschen „Päusbonog“-Falles
ist von diesem Sinn und Zweck nicht gedeckt. Auf einen – richtig oder falsch
abgeschlossenen – „Päusbonog“-Fall findet der Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a also keine Anwendung. Ein falscher
„Päusbonog“-Entscheid könnte nur auf dem Wege der Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2
ATSG) durch einen richtigen „Päusbonog“-Entscheid ersetzt werden, denn wie in allen
anderen Fällen auch würde es nur die Wiedererwägung erlauben, einen qualifiziert
falschen Rechtsanwendungsvorgang nochmals – nun aber richtig – durchzuführen. Die
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Beschwerdegegnerin hat ihre ursprüngliche rentenzusprechende Verfügung
offenkundig nicht in Wiedererwägung ziehen wollen (weil sie fälschlicherweise davon
ausgegangen ist, sie könne die „Päusbonog“-Praxis ohne weiteres einfach nochmals
anwenden, obwohl die Voraussetzungen des Abs. 1 der lit. a der
Schlussbestimmungen zur IVG-Revision 6a nicht erfüllt gewesen sind). Die
angefochtene Verfügung kann bereits aus diesem Grund nicht mit der
„substituierenden“ Begründung der Wiedererwägung „gerettet“ werden. Eine
Wiedererwägung würde aber auch daran scheitern, dass die Voraussetzungen des Art.
53 Abs. 2 ATSG nicht erfüllt sind. In den Akten finden sich keine Hinweise darauf, dass
der massgebende Sachverhalt bei der ursprünglichen Rentenzusprache falsch ermittelt
worden wäre. Namentlich hat mit dem (ansonsten überzeugenden) Gutachten von Dr.
K._ nicht belegt werden können, dass das frühere Gutachten von Dr. N._ an einem
gravierenden Mangel gelitten hätte, denn Dr. K._ hat sich gar nicht mit den
nachvollziehbaren und überzeugenden Ausführungen zu den Foerster’schen Kriterien
im Vorgutachten von Dr. N._ auseinandergesetzt. Er hat mit keinem Wort begründet,
weshalb seines Erachtens nun plötzlich kein primärer Krankheitsgewinn mehr hätte
vorliegen sollen. Sein pauschaler Hinweis auf die „geänderte“ Rechtsprechung (die seit
der Begutachtung durch Dr. N._ keine wesentliche Änderung erfahren hatte) vermag
die unterschiedliche Beurteilung nicht zu erklären. Dr. K._ hat nicht aufzeigen
können, weshalb die Schlussfolgerung von Dr. N._ bezüglich des primären
Krankheitsgewinns von Beginn weg falsch oder nun nicht mehr aktuell hätte sein
sollen. Weil er sich auch nicht so eingehend wie Dr. N._ mit dem primären
Krankheitsgewinn auseinandergesetzt hat, sind seine Ausführungen weniger
überzeugend als jene von Dr. N._. Bei der im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache massgebenden Rechtslage ist es richtig gewesen, auf das Gutachten
von Dr. N._ abzustellen. Folglich kann die ursprüngliche rentenzusprechende
Verfügung auch in rechtlicher Hinsicht nicht als zweifellos unrichtig qualifiziert werden.
Im Umstand, dass die „Päusbonog“-Praxis mittlerweile durch die „Post-Päusbonog“-
Praxis abgelöst worden ist (vgl. E. 4.1), kann ebenfalls kein Wiedererwägungsgrund
erblickt werden, denn die Unterschiede zwischen der „Päusbonog“- und der „Post-
Päusbonog“-Praxis sind nicht derart gravierend, dass alle Verfügungen, die in
Anwendung der „Päusbonog“-Praxis ergangen sind, nun als zweifellos unrichtig im
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Sinne des Art. 53 Abs. 2 ATSG qualifiziert werden müssten. Auch eine Wiedererwägung
der ursprünglichen rentenzusprechenden Verfügung wäre also rechtwidrig gewesen.
4.
4.1 Mittlerweile ist die „Päusbonog“-Praxis bereits wieder überholt. Im BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht sein Regel-Ausnahme-Modell aufgegeben und festgehalten,
dass die Arbeitsfähigkeit künftig ressourcenorientiert festzulegen sei. Obwohl die
angefochtene Verfügung noch vor dieser Praxisänderung ergangen ist, ist diese für das
vorliegende Verfahren massgebend. Mit der Praxisänderung hat das Bundesgericht
nämlich seine frühere („Päusbonog“-) Praxis notwendigerweise als falsch erklärt (vgl.
die Ausführungen zur früheren Praxisänderung in der E. 3.1). Der angefochtenen
Verfügung hat also insofern eine falsche Rechtsauffassung zugrunde gelegen. Das
Gericht kann die angefochtene Verfügung aber nicht unter dem Gesichtspunkt der nun
als falsch erkannten „Päusbonog“-Praxis auf deren Rechtmässigkeit überprüfen, denn
die Anwendung einer falschen Praxis würde das Legalitätsprinzip verletzen. Deshalb
muss das Gericht die neue Praxis anwenden und gestützt auf diese entscheiden, ob
die angefochtene Verfügung rechtmässig sei. Es kann also nicht nur um die Frage
gehen, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht die „Päusbonog“-Praxis auf einen „Prä-
Päusbonog“-Fall angewendet hat. Auf den vorliegenden Fall muss vielmehr die neue
„Post-Päusbonog“-Praxis zur Anwendung gelangen. Dies trifft die Parteien nicht
unerwartet, denn sowohl die Beschwerdegegnerin als auch der seit langen Jahren im
Sozialversicherungsbereich tätige Rechtsvertreter des Beschwerdeführers haben
selbstverständlich längst Kenntnis von der neuen Praxis erhalten und folglich damit
rechnen müssen, dass das Versicherungsgericht diese anwenden wird. Somit besteht
keine Notwendigkeit, den Parteien vorgängig das rechtliche Gehör zum neuen
rechtlichen Aspekt zu gewähren.
4.2 Das psychiatrische Gutachten von Dr. N._ hat keine Auseinandersetzung mit den
verbliebenen Ressourcen des Beschwerdeführers enthalten. Wie damals üblich hat Dr.
N._ seine Arbeitsfähigkeitsschätzung hauptsächlich anhand der Foerster’schen
Kriterien begründet. Sein Gutachten erlaubt deshalb keine ressourcenorientierte
Arbeitsfähigkeitsschätzung. Im Gutachten von Dr. K._ ist zwar ein Abschnitt
enthalten, der mit „Handicaps und erhaltene Funktionen/Ressourcen“ überschrieben ist
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(IV-act. 345–21). Dieser enthält aber keinerlei Ausführungen zu den erhaltenen
Funktionen und Ressourcen. Sein Inhalt beschränkt sich auf die sich aus der
„Selbstlimitierung“, der „immer wieder auftretenden reaktiven depressiven
Verstimmungen“ und der „Merkmale einer Persönlichkeit [der] Cluster-Gruppe B“
ergebenden Einschränkungen, die aber „gemäss aktuelle[r] bundesgerichtlicher
Rechtsprechung“ das Leistungsvermögen nicht beeinträchtigen würden. Die
Anwendung der im BGE 141 V 281 als entscheidrelevant bezeichneten Indikatoren für
die Arbeitsfähigkeitsschätzung ist vor diesem Hintergrund nicht möglich. Der
massgebende Sachverhalt erweist sich diesbezüglich als ungenügend abgeklärt. Die
Sache ist zur Einholung eines weiteren, sich mit den Indikatoren gemäss dem BGE 141
V 281 auseinandersetzenden psychiatrischen Gutachtens und zur anschliessenden
neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
Da die Rückweisung zur weiteren Abklärung rechtsprechungsgemäss hinsichtlich der
Kosten- und Entschädigungsfolgen als ein vollständiges Obsiegen der
beschwerdeführenden Partei zu qualifizieren ist, sind die angesichts des
durchschnittlichen Verfahrensaufwandes auf 600 Franken festzusetzenden
Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Diese hat dem obsiegenden
Beschwerdeführer zudem eine Parteientschädigung auszurichten, die angesichts des
durchschnittlichen Vertretungsaufwandes praxisgemäss auf 3'500 Franken
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt wird.