Decision ID: a9f61d20-7301-5299-ba15-5e6ac505c7ba
Year: 2020
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Der Beschwerdeführer suchte am 6. März 2020 in der Schweiz um Asyl
nach und machte anlässlich der Personalienaufnahme (PA; Akte [...]; Akte
4) vom 12. März 2020, dem Dublin-Erstgespräch vom 17. März 2020 (Akte
8) und der Anhörung zu den Asylgründen nach Art. 29 AsylG (SR 142.31)
vom 29. Juni 2020 (Akte 23) im Wesentlichen Folgendes geltend:
Er sei algerischer Staatsangehöriger arabischer Ethnie. Er habe in Algerien
zuletzt in B._ gelebt. Er habe sechs Jahre lang die Grundschule
und ein Jahr die Mittelschule besucht. In Algerien habe er als (...) und
(...)händler gearbeitet und eine Ausbildung zum (...) absolviert. Er habe
mehrere legale Reisen nach Tunesien und in die Türkei vorgenommen.
Im Dezember 2016 habe er Algerien verlassen und sei zunächst nach Ita-
lien und anschliessend zur Schwester in C._ (D._) weiter-
gereist. In D._ habe er sich rund dreieinhalb Jahre lang aufgehal-
ten.
Er habe Algerien verlassen, weil das Leben dort schwierig gewesen sei. Er
habe sich um ein wirtschaftlich und sozial anständiges Leben bemüht. Auf-
grund der dortigen schwierigen Begebenheiten (Arbeits- und Wohnsitua-
tion, Heiratsmöglichkeiten) habe er es gesellschaftlich und finanziell nicht
weit gebracht. Zudem habe er nicht heiraten können, weil er nicht in genü-
gend guten Verhältnissen gelebt habe.
Seine Familie sei nicht politisch aktiv gewesen. Er selbst habe sich seit
seiner Kindheit politisch betätigt, indem er ab und zu an Kundgebungen
teilgenommen habe. Mit den algerischen Behörden oder mit Drittpersonen
habe er nie Probleme gehabt. Er sei stets unbescholten gewesen, es habe
aber viele Ungerechtigkeiten in Algerien gegeben. Im Weiteren sei er im
Heimatland ein bekannter (...)sportler gewesen, habe an Wettkämpfen (...)
im In- und Ausland teilgenommen und dabei den (...) erreicht. Weil er in
Algerien keine Perspektive mehr gesehen habe, sei er nach Europa ge-
reist.
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In Europa habe er sich vorwiegend, rund dreieinhalb Jahre lang, in
D._ aufgehalten, habe aber zeitweise auch in Spanien oder in der
Schweiz gearbeitet. Während seines Aufenthaltes in D._ habe er
an Demonstrationen gegen die algerische Regierung («Hirak-Protesten»)
teilgenommen. Insbesondere habe er sich am (...) 2019 an einer Demonst-
ration vor dem algerischen Konsulat in C._ beteiligt. Dabei sei er
auch auf Videoaufnahmen erkennbar, die vom Präsidenten der Organisa-
tion der Sans Papiers in D._ («Association E._) veröffent-
licht worden seien. Der neue algerische Staatspräsident Tebboune habe
2020 ein Gesetz erlassen, welches die Teilnahme an derartigen Demonst-
rationen untersage. Der Beschwerdeführer habe die entsprechenden Vi-
deoahmen auf seinem eigenen Facebook-Profil geteilt und veröffentlicht.
Nachdem er auf Facebook mit negativen Kommentaren verunglimpft wor-
den sei, habe er diese Beiträge auf seinem Profil wieder gelöscht.
Von seinem Vater habe er erfahren, dass die algerischen Behörden kürz-
lich zu Hause vorgesprochen hätten und ihn – den Beschwerdeführer –
gesucht hätten. Wegen den publizierten Beiträgen auf Facebook und sei-
ner Teilnahme an regimekritischen Kundgebungen in D._ sei er ins
Visier der algerischen Behörden geraten.
Im Verlauf seiner Befragungen trug der Beschwerdeführer weiter vor, er
leide wegen eines in D._ erlittenen Motorradunfalls und wegen
Kopfverletzungen, die er sich anlässlich einer körperlichen Auseinander-
setzung in einer (...) zugezogen habe, an Gedächtnisschwierigkeiten und
-lücken.
Zu seinen persönlichen Verhältnissen trug er weiter vor, er sei ledig. Er
habe insgesamt sieben Geschwister. Seine Eltern und fünf Geschwister
würden nach wie vor in B._, im familieneigenen Haus leben.
Zur Stützung seiner Vorbringen reichte der Beschwerdeführer die folgen-
den Beweismittel zu den Akten:
- einen USB-Stick mit Videoaufnahmen (gemäss Angaben des Be-
schwerdeführers: zwei Aufnahmen betreffend seine Teilnahme an einer
Kundgebung vor dem algerischen Konsulat in C._ vom (...)
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2019 und eine Aufnahme betreffend seine Teilnahme an (...)-Sport-
kämpfen);
- ein Farbfoto betreffend Reisepass des Beschwerdeführers;
- diverse Diplome und Zertifikate sowie zwei Farbfotos betreffend die
Ausbildung als (...) und die Teilnahme an Wettkämpfen der algerischen
(...).
B.
Das SEM gab dem Beschwerdeführer, beziehungsweise seiner damaligen,
zugewiesenen Rechtsvertreterin, am 3. bzw. 6. Juli 2020 Gelegenheit, zum
Entscheidentwurf Stellung zu nehmen und gewährte gleichzeitig Einsicht
in die verfahrenswesentlichen Akten (vgl. Akte 27).
C.
Die Rechtsvertretung reichte eine entsprechende Stellungnahme (datiert:
7. Juli 2020) ein, worin sie ausführte, aus welchen Gründen der Beschwer-
deführer mit dem Entscheidentwurf nicht einverstanden sei (vgl. Akte 33).
Ergänzend zur Stellungnahme wurden 4 Fotos eingereicht (eine Foto be-
treffend Bestätigung der «E._» vom 8. Januar 2020 sowie drei Auf-
nahmen von einer Personengruppe) zu den Akten gereicht.
D.
Mit gleichentags eröffneter Verfügung vom 8. Juli 2020 (vgl. Akten 34 und
35) lehnte das SEM das Asylgesuch des Beschwerdeführers mangels
Glaubhaftigkeit und Asylrelevanz der Vorbringen ab, ordnete dessen Weg-
weisung aus der Schweiz an und verfügte den Wegweisungsvollzug.
E.
Mit Schreiben vom 8. Juli 2020 teilte die zugewiesene Rechtsvertretung
dem SEM die Beendigung des Vertretungsmandats mit (vgl. Akte 35).
F.
Mit Eingabe vom 5. August 2020 (Poststempel) erhob der Beschwerdefüh-
rer beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde und beantragte, es sei die
Verfügung der Vorinstanz aufzuheben; ihm sei die Flüchtlingseigenschaft
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(wegen subjektiven Nachfluchtgründen) zuzuerkennen und er sei als
Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei die Unzulässigkeit oder
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und die vorläu-
fige Aufnahme anzuordnen.
In prozessualer Hinsicht wurde sinngemäss die unentgeltliche Prozessfüh-
rung und der Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses bean-
tragt.
G.
Die vorinstanzlichen Akten lagen am 6. August 2020 dem Bundesverwal-
tungsgericht in elektronischer Form vor (Art. 109 Abs. 1 AsylG).
H.
Mit Instruktionsverfügung vom 12. August 2020 wurde seitens des Bundes-
verwaltungsgerichts bestätigt, dass der Beschwerdeführer den Entscheid
in der Schweiz abwarten könne.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend – endgül-
tig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG).
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, soweit das VGG und das
AsylG nichts anderes bestimmen (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
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durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und 108 Abs. 1
AsylG; Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
1.4
1.4.1 Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Rechtsmitteleingabe ex-
plizit, er sei als Flüchtling vorläufig aufzunehmen (vgl. Rechtsbegehren Nr.
1). In der Beschwerdeschrift trägt er zur Begründung ausschliesslich Argu-
mente vor, die sich auf das von ihm geltend gemachte exilpolitische Profil
beziehen, indem er auf die von ihm in D._ – und somit nach seiner
Ausreise aus Algerien im Dezember 2016 - entfalteten politischen Aktivitä-
ten verweist. Auch in der Stellungnahme seiner Rechtsvertreterin vom
7. Juli 2020 zum SEM-Entscheidentwurf werden lediglich Ausführungen
zur exilpolitischen Tätigkeit des Beschwerdeführers nach seiner Ausreise
aus Algerien gemacht.
1.4.2 Die vom SEM in seiner Verfügung vom 8. Juli 2020 verfügte Ableh-
nung des Asylgesuches (Dispositivziffer 2) und die Anordnung der Weg-
weisung als solche (Dispositivziffer 3) hat der Beschwerdeführer in seiner
Eingabe vom 8. Juli 2020 nicht angefochten. Er beschränkt seine Be-
schwerde ausdrücklich auf die Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft
wegen subjektiven Nachfluchtgründen und beruft sich dabei ausdrücklich
auf Art. 3 i.V.m. Art. 54 AsylG (vgl. Kapitel «II. Materielles», Bst. B. a), 2.
Abschnitt, S. 2 der Rechtsmitteleingabe).
1.4.3 Die prozessführende Partei definiert mit ihren Rechtsbegehren den
Prozessgegenstand (sog. Verfügungsgrundsatz respektive Dispositions-
maxime, vgl. zum Ganzen statt vieler FRITZ GYGI, Bundesverwaltungs-
rechtspflege, 2. Aufl. 1983, S. 203 ff. m.w.H.).
Die Beschwerde richtet sich somit ausschliesslich gegen die Ziffern 1, 4
und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung (Feststellung des
SEM, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht, An-
ordnung des Wegweisungsvollzuges). Die Ablehnung des Asylgesuchs
und die Anordnung der Wegweisung als solche (Dispositiv-Ziffern 2 und 3)
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bleiben somit von der Anfechtung unberührt und sind in Rechtskraft er-
wachsen.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Über offensichtlich unbegründete Beschwerden wird in einzelrichterlicher
Zuständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters beziehungsweise ei-
ner zweiten Richterin entschieden (Art. 111 Bst. e AsylG). Wie nachste-
hend aufgezeigt, handelt es sich um eine solche, weshalb das Urteil nur
summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 2 AsylG).
Gestützt auf Art. 111a Abs. 1 AsylG wurde auf die Durchführung eines
Schriftenwechsels verzichtet.
4.
4.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken (Art. 3 Abs. 2 AsylG). Nach
Lehre und Rechtsprechung erfüllt eine asylsuchende Person die Flücht-
lingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, wenn sie Nachteile von be-
stimmter Intensität erlitten hat, beziehungsweise solche mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss, sofern ihr
die Nachteile gezielt und aufgrund bestimmter, in Art. 3 Abs. 1 AsylG auf-
gezählter Verfolgungsmotive zugefügt worden sind, respektive zugefügt zu
werden drohen. Im Weiteren braucht es einen sogenannten zeitlichen und
materiellen Kausalzusammenhang zwischen den letzten flüchtlingsrecht-
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lich relevanten nachteiligen Erlebnissen und der Ausreise, ausser es be-
stehe aus anderen Gründen eine begründete Furcht vor künftiger Verfol-
gung (BVGE 2010/57 E. 2.4 und 3.2).
4.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.3 Flüchtlingen wird kein Asyl gewährt, wenn sie erst durch ihre Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach
der Ausreise Flüchtlinge im Sinne von Art. 3 AsylG wurden (Art. 54 AsylG).
5.
5.1 Zur Begründung seiner Verfügung führte das SEM aus, in Algerien sei
tatsächlich im April 2020 ein Gesetz eingeführt worden, welches sich ge-
gen Proteste richte; dieses Gesetz stelle eine Reaktion auf die «Hirak-Pro-
teste» dar, welche innerhalb und ausserhalb Algeriens seit der Zeit Bou-
teflikas gegen die jeweiligen algerischen Regierungen abgehalten würden.
Es erscheine jedoch nicht plausibel, dass die algerischen Behörden den
Beschwerdeführer aufgrund seiner Teilnahme an diesen Protesten in
D._ ins Visier nehmen sollten. Exilpolitische Aktivitäten könnten nur
dann im Sinn von subjektiven Nachfluchtgründen zur Flüchtlingseigen-
schaft führen, wenn davon ausgegangen werden müsse, dass diese Akti-
vitäten im Falle einer Rückkehr ins Heimatland mit überwiegender Wahr-
scheinlichkeit ernsthafte Massnahmen für den Betroffenen zur Folge hät-
ten.
Aufgrund des genannten Gesetzes sei es durchaus wahrscheinlich, dass
sich die algerischen Behörden grundsätzlich auch für die exilpolitischen
Aktivitäten ihrer Staatsangehörigen interessieren würden. Es sei jedoch
davon auszugehen, dass sie sich bei dieser Überwachung auf Personen
konzentrieren würden, die mit ihren politischen Aktivitäten aus der Masse
der regimekritischen Staatsangehörigen hervortreten und als ernsthafte
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Bedrohung für das algerische Regime wahrgenommen würden. Massge-
bend sei dabei nicht primär das Hervortreten im Sinne der optischen Er-
kennbarkeit und Individualisierbarkeit, sondern eine öffentliche Exponie-
rung, die aufgrund der Persönlichkeit des Betreffenden, der Form des Auf-
tritts und des Inhalts der in der Öffentlichkeit abgegebenen Erklärungen
den Eindruck erwecke, dass die Person eine Gefahr für das politische Sys-
tem des jeweiligen Heimatlandes darstelle. Hierzu werde auf den Ent-
scheid BVGE 2009/28 E. 7.4.3 verwiesen, welcher die Praxis bei Asylvor-
bringen aus dem Iran betreffe, einem Land mit ungleich aktiveren Geheim-
diensten als jenen Algeriens.
Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Aktivitäten vermöchten keine
Furcht vor flüchtlingsrelevanter Verfolgung bei einer Rückkehr nach Alge-
rien zu begründen. Den Akten seien keine konkreten Hinweise darauf zu
entnehmen, dass sich der Beschwerdeführer in qualifizierter Weise exilpoli-
tisch betätigt habe. Auch die eingereichten Beweismittel vermöchten hieran
nichts zu ändern. Anhand der Videos, auf denen der Beschwerdeführer
sich selbst mittels Selfie-Stick hinter einem Mann mit Mikrophon aufgenom-
men habe und dabei weitgehend tatenlos bleibe und vorwiegend in die ei-
gene Kamera – also nicht in dieselbe Richtung, wie die übrigen Demonst-
ranten – blicke, lasse sich genauso wenig wie aus den Aussagen während
der Anhörung, in denen sehr niederschwellige Protestaktivitäten geltend
gemacht worden seien, eine exponierte exilpolitische Betätigung ableiten.
Das Verhalten des Beschwerdeführers in Europa sei insgesamt betrachtet
nicht geeignet, um ein ernsthaftes Verfolgungsinteresse der algerischen
Behörden zu bewirken.
Trotz seines (...) bei der algerischen Meisterschaft und (...), verfüge der
Beschwerdeführer nicht über ein ausreichend prominentes Profil, um ihn
für die heimischen Behörden interessant zu machen. Dies gelte umso
mehr, als diese sportlichen Erfolge inzwischen bereits einige Jahre zurück-
liegen würden.
Es könne insgesamt nicht davon ausgegangen werden, dass der Be-
schwerdeführer als konkrete Bedrohung für die algerische Regierung und
Behörden wahrgenommen und deshalb verfolgt werde. Er verfüge somit
nicht über ein politisches Profil, das ihn bei der Rückkehr in sein Heimat-
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land einer konkreten Gefährdung nach Art. 3 AsylG aussetzen würde. So-
mit erscheine es auch nicht plausibel, dass die algerischen Behörden sich
bei der Familie des Beschwerdeführers nach seinem Verbleib erkundigt
haben sollten.
Der Beschwerdeführer habe auch während seiner Anhörung nicht nach-
vollziehbar darlegen können, weshalb die algerischen Behörden erst Ende
Juni 2020 bei seiner Familie nach ihm gesucht haben sollten, zumal das
fragliche Gesetz seit April 2020 bestehe und die Demonstration bereits
kurze Zeit später erstmals veröffentlicht worden sei. Der Umstand, dass er
selbst Videos von dieser Demonstration kurz vor dem angeblichen Behör-
denbesuch bei der Familie erneut auf Facebook geteilt habe, reiche nicht
als plausible Erklärung. Es sei zudem fraglich, ob der Beschwerdeführer
diese Filme je auf seinem eigenen Facebook-Profil geteilt habe. Seine Er-
klärung, er habe das Video inzwischen wieder gelöscht, weil er in den ent-
sprechenden Kommentaren zu sehr beleidigt worden sei, sei nicht plausi-
bel.
Das Asylgesuch des Beschwerdeführers scheine ausschliesslich wirt-
schaftlich begründet zu sein. Im Dublin-Gespräch, das allerdings vor dem
geltend gemachten Behördenbesuch stattgefunden habe, habe der Be-
schwerdeführer dargelegt, dass er in die Schweiz gekommen sei, weil er
sich hier weiterentwickeln und sich etwas ermöglichen wolle.
Angesichts seiner gesamten Aussagen sei es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen, die geltend gemachte Furcht vor Verfolgung glaubhaft zu ma-
chen.
Auch die vorgetragene allgemeine Lage in Algerien (verbreitete Korruption,
schwierige Lebensbedingungen, fehlende Perspektiven) entfalte keine
flüchtlingsrechtliche Relevanz im Sinne von Art. 3 AsylG.
In der Stellungnahme vom 7. Juli 2020 seien seitens der Rechtsvertretung
keine Tatsachen oder Beweismittel vorgelegt worden, welche eine Ände-
rung des Standpunkts des SEM rechtfertigen könnten. Als einfaches Mit-
glied einer regierungskritischen NGO und regelmässiger Demonstrations-
teilnehmer habe sich der Beschwerdeführer nicht ausreichend exilpolitisch
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betätigt, um das Interesse der heimatlichen Behörden zu wecken. Dies
gelte auch für Protestaktionen in (...) D._.
Schliesslich sei der Wegweisungsvollzug zulässig, zumutbar und möglich,
wozu insbesondere auf das familiäre Beziehungsnetz und auf die medizi-
nische Versorgungslage in Algerien verwiesen wurde.
5.2 In der Beschwerde verweist der Beschwerdeführer auf den vom SEM
in seiner Verfügung vom 8. Juli 2020 zusammengefassten Sachverhalt. Im
Weiteren betont er seine qualifizierte exilpolitische Tätigkeit, insbesondere
in D._, und verweist diesbezüglich nochmals auf das im April 2020
von den algerischen Behörden erlassene Gesetz, welches ein repressive-
res Vorgehen gegen regimefeindliche Protestierende ermögliche. Die
«Hirak»-Protestbewegung habe sich wegen des allgemeinen Versamm-
lungsverbots im Rahmen des «Corona-Lockdowns» in den Social-Media-
Bereich verlagert. Er habe tatsächlich ein Video auf seinem Facebook-Pro-
fil geteilt und später – wegen der Vielzahl der eingegangenen, ihn beleidi-
genden Kommentare – wieder gelöscht. Dieses Verhalten sei durchaus
nachvollziehbar.
6.
6.1 Das SEM hat in der angefochtenen Verfügung ausführlich und mit zu-
treffender Begründung dargelegt, weshalb die Asylvorbringen des Be-
schwerdeführers hinsichtlich der Entfaltung angeblich exponierter exilpoli-
tischer Tätigkeiten den Anforderungen an die Glaubhaftmachung nicht ge-
nügen. Seine Schilderungen sind in massgeblichen Teilen unsubstanziiert
und vage ausgefallen.
6.1.1 Vorweg fällt auf, dass der Beschwerdeführer bei der Dublin-Erstan-
hörung vom 17. März 2020 sowie eingangs der Anhörung vom 29. Juni
2020 primär soziale, gesellschaftliche und ökonomische Gründe für seine
Ausreise aus Algerien vorträgt (schwierige Bestreitung des Lebensunter-
halts, Korruption der Ämter in Algerien, problematische Arbeits- und Woh-
nungssuche, Schwierigkeiten bei der Heiratsplanung etc; vgl. insbeson-
dere: A23, Antworten 72-85). In diesem Zusammenhang fällt weiter auf,
dass er explizit angibt, in Algerien unbescholten gewesen zu sein und mit
den heimatlichen Behörden respektive mit Drittpersonen nie Probleme ge-
habt zu haben; seine Familie sei nicht politisch aktiv gewesen (vgl. A23,
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Antworten 72, 76, 87 und 111). Bei dieser Sachlage erscheint seine pau-
schal formulierte Angabe, er habe «seit seiner Kindheit an politischen De-
monstrationen» teilgenommen, fraglich und zudem inhaltlich äusserst vage
(vgl. A23, Antwort 88). Als Antwort auf die Frage nach seinen politischen
Aktivitäten gab der Beschwerdeführer zudem zu Protokoll, es habe «ab
und zu mal» «irgendwelche Demonstrationen» gegeben. Dabei hätten «die
Jungs auf der Strasse geschrien». Er habe auch mitgemacht, aber es sei
friedlich gewesen (vgl. A23, Antwort 86). Diese Schilderungen respektive
dieses Aussageverhalten lassen nicht auf ein exponiertes politisches Inte-
resse oder Engagement des Beschwerdeführers schliessen.
6.1.2 Es mag zwar zutreffen, dass der Beschwerdeführer nach seiner Aus-
reise aus Algerien im Dezember 2016 (vgl. A23, Antwort 44) und während
seines Aufenthaltes in D._ von Dezember 2016 bis Frühjahr 2020
dort an Kundgebungen teilgenommen hat. Seine dortige Teilnahme als Mit-
läufer an Kundgebungen vermag jedoch keine flüchtlingsrechtliche Rele-
vanz zu entfalten.
Diesbezüglich erwog das SEM zu Recht, die Vorbringen des Beschwerde-
führers liessen nicht darauf schliessen, dass er aufgrund exponierter exil-
politischer Tätigkeiten in D._ das Augenmerk der algerischen Be-
hörden auf sich gezogen habe. Der Beschwerdeführer hat insbesondere
nie vorgetragen, als Urheber regimekritischer, politischer Inhalte aufgetre-
ten zu sein. Er hat zwar angegeben, von einer Drittperson aufgenommene
Videofilme auf seinem Facebook-Profil geteilt zu haben. Da er jedoch nicht
dargelegt hat, dass er selbst aus der Sicht des algerischen Regimes poli-
tisch missliebige Äusserungen gemacht hat, genügt alleine das Teilen ei-
nes Videofilms auf Facebook nicht, um eine daraus folgende, politische
Verfolgungslage als überwiegend wahrscheinlich darzutun.
6.1.3 Hinzu kommt, dass sich der Beschwerdeführer nach Einschätzung
des Gerichts bezüglich seiner Verwendung von «Social Media» wider-
sprüchlich verhalten hat. Einerseits will er regimekritische Videofilme auf
seinem Facebook-Profil geteilt haben; dies im Wissen, dass er sich dabei
gedacht habe, er sei «sowieso jetzt gebrandmarkt» (vgl. A23, Antwort 109).
Andererseits will er den entsprechenden Film wieder gelöscht haben, weil
er negative, beleidigende Kommentare erhalten habe (vgl. A23, Antworten
146 und 147). Dieses Verhalten widerspricht der Logik des Handelns.
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Wenn der Beschwerdeführer bereits bei der Weiter-Verbreitung des Films
davon ausgegangen sein will, dass er «gebrandmarkt» sei, bleibt nicht
nachvollziehbar, weshalb er sich durch die – angesichts des behaupteten
brisanten Filminhalts – zu erwartenden, später eingegangenen negativen
Kommentare dazu veranlasst sah, diesen wieder zu löschen. Zudem gab
er ausdrücklich zu Protokoll, er habe sein (Facebook-) «Account» lediglich
geführt, um auf diese Weise mit seiner Mutter über den «Messenger» kom-
munizieren zu können (vgl. A23, Antwort 147). Bei dieser Sachlage hat er
Facebook als «social-media»-Plattform nicht primär zur Verbreitung von
politischen Botschaften verwendet, sondern zur Kontaktpflege mit seiner
Familie.
6.1.4 Durch die vom Beschwerdeführer selbst angegebene Löschung des
Films auf Facebook bleibt es dem Gericht auch verunmöglicht, die entspre-
chenden Inhalte und Kommentare auf Facebook auf ihre flüchtlingsrechtli-
che Relevanz hin zu überprüfen. In diesem Zusammenhang ist der Voll-
ständigkeit halber jedoch festzuhalten, dass der Beschwerdeführer im
Rahmen seiner Anhörung zum Inhalt der Videoaufnahme über die De-
monstrationsteilnahme befragt wurde. Hierzu gab er zu Protokoll, man höre
ihn auf dem Video; sie hätten auch Musik gemacht und die Nationalhymne
gesungen (vgl. A23, Antworten 126 und 127). Auch diese Angaben vermö-
gen kein exponiertes politisches Engagement des Beschwerdeführers als
überwiegend wahrscheinlich darzutun.
6.1.5 Der Beschwerdeführer weist insgesamt kein eigenes, konkretes, ihn
im länderspezifischen Kontext gefährdendes Risikoprofil auf. Hieran ver-
mögen auch die eingereichten Beweismittel (Fotos und Zertifikate zum En-
gagement als Sportler und entsprechende Filmaufnahmen) nichts zu än-
dern.
6.1.6 Die vom Beschwerdeführer geschilderten Schwierigkeiten sozialer
und ökonomischer Natur (Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche, Bestrei-
tung eines angebrachten Lebensunterhalts, Heiratswunsch, Ämterkorrup-
tion) beruhen insgesamt auf der allgemeinen Lage in Algerien. Auch in die-
sem Zusammenhang hat das SEM zu Recht auf die fehlende flüchtlings-
rechtliche Relevanz verwiesen.
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Seite 14
6.2 Nach dem Gesagten muss die vom Beschwerdeführer geltend ge-
machte Verfolgung im Zusammenhang mit subjektiven Nachfluchtgründen
als unglaubhaft respektive nicht flüchtlingsrelevant qualifiziert werden. Es
bestehen keine hinreichenden Anhaltspunkte für eine diesbezüglich be-
gründete Furcht vor flüchtlingsbeachtlichen Nachteilen.
6.3 Andere Asylvorbringen hat der Beschwerdeführer nicht vorgetragen.
Das SEM hat die Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers zu Recht
verneint. In der Beschwerdeschrift wird nichts Schlüssiges vorgetragen
und werden keine Beweismittel eingereicht, die an der vorinstanzlichen
Einschätzung etwas ändern könnten.
6.4 Zusammenfassend ergibt sich, dass es dem Beschwerdeführer nicht
gelungen ist, darzulegen, dass er im Falle einer Rückkehr nach Algerien
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit flüchtlingsrelevanten Nachteile aus-
gesetzt würde oder solche künftig befürchten müsste. Das SEM hat seine
Flüchtlingseigenschaft zu Recht und mit zutreffender Begründung abge-
lehnt.
7.
Die Abweisung des Asylgesuchs und in der Folge die Anordnung der Weg-
weisung als solche sind, wie oben festgehalten (vgl. E. 1.4), mangels An-
fechtung nicht Prozessgegenstand des vorliegenden Verfahrens. Zu prüfen
bleibt die Anordnung des Wegweisungsvollzugs.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
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Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem Be-
schwerdeführer nicht gelungen ist, eine flüchtlings- respektive asylrechtlich
erhebliche Gefährdung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der
in Art. 5 AsylG verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegen-
den Verfahren keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des
Beschwerdeführers in den Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von
Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss der Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr ("real risk") nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien vom 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06,
§§ 124–127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im
Heimatstaat lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht
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als unzulässig erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Weg-
weisung sowohl im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestim-
mungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
7.4.1 Die allgemeine Situation im Heimatstaat des Beschwerdeführers ist
nicht von einer landesweiten Situation von Krieg, Bürgerkrieg oder allge-
meiner Gewalt geprägt. Somit sprechen weder die aktuelle politische Lage
noch andere allgemeine Gründe gegen die Zumutbarkeit einer Rückfüh-
rung nach Algerien. Auch die vom Beschwerdeführer vorgetragene schwie-
rige gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Situation vermag keine an-
dere Einschätzung zu rechtfertigen.
7.4.2 Auch in individueller Hinsicht sind keine Gründe ersichtlich, welche
eine Wegweisung als unzumutbar erscheinen liessen. So verfügt der Be-
schwerdeführer gemäss eigenen Angaben über eine Berufsausbildung als
(...) und jahrelange Berufserfahrung als (...)händler. In seiner Heimatre-
gion leben mehrere nahe Verwandte (Eltern und fünf Geschwister), mit de-
nen er in aktuellem Kontakt steht. Seine Familie besitzt ein eigenes Haus
(vgl. A23, Antworten 40-43 und 63). Somit kann davon ausgegangen wer-
den, dass er im Heimatland über ein tragfähiges familiäres Beziehungsnetz
verfügt, das ihn bei der Reintegration in Algerien unterstützen wird.
Praxisgemäss ist bei einer Rückweisung von Personen mit gesundheitli-
chen Problemen nur dann von einer medizinisch bedingten Unzumutbar-
keit auszugehen, wenn die ungenügende Möglichkeit einer Weiterbehand-
lung eine drastische und lebensbedrohliche Verschlechterung des Ge-
sundheitszustands nach sich zöge. Diese Schwelle ist vorliegend nicht er-
reicht. Der Beschwerdeführer leidet gemäss bei den Akten befindlichen
Arztberichten an Gedächtnisproblemen. Diese rühren von einer körperli-
chen Auseinandersetzung in einer (...) in D._ und einem dort erlit-
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tenen Verkehrsunfall. Wie das SEM in der angefochtenen Verfügung fest-
gestellt hat, ist davon auszugehen, dass die notwendige medizinische Ver-
sorgung für den Beschwerdeführer in Algerien zugänglich ist; in der Be-
schwerde wurden keine diesbezüglichen Einwände vorgetragen.
7.4.3 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
7.5 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
8.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
9.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem Beschwerdefüh-
rer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG) und auf insgesamt Fr. 750.– fest-
zusetzen (Art. 1–3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die Kosten
und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR
173.320.2]). Das Gesuch um Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvor-
schusses ist mit Ergehen des vorliegenden Urteils gegenstandslos gewor-
den. Das mit der Beschwerde gestellte Gesuch um Gewährung der unent-
geltlichen Prozessführung ist abzuweisen, da die Begehren – wie sich aus
den vorstehenden Erwägungen ergibt – als aussichtlos zu bezeichnen wa-
ren, weshalb die Voraussetzungen von Art. 65 Abs. 1 VwVG nicht erfüllt
sind.
(Dispositiv nächste Seite)
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