Decision ID: 2b44aaba-45eb-4359-9b97-91a441bc9d96
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972,
absolvierte
nach der Sekunda
r
schule und Handels
mittelschule
eine Lehre als
Kaufmännische Angestellte (EFZ)
und war
danach bei verschiedenen Arbeitgebern als Buchhalterin angestellt
(
Urk.
6/2 und
Urk.
6/93).
Ab
1.
Juli 2014
arbeitete
sie
in einem 80
%
Arbeitspensum bei der
Z._
AG und
war
hauptsächlich für die Administration sowie für das Rechnungs- und Personalwesen verantwortlich
,
wobei sie
das Arbeitsverhältnis
per Ende Februar
2015
kündigte
(
Urk.
6/17/4; Arbeitszeugnis vom 5.
März
2015
; vgl. auch
Urk.
6
/60/15
). Unter
Angabe
psychischer Beeinträchtigungen meldete sie sich
am
1
5.
Dezember 2015 zum
Bezug von Leistungen der I
nvalidenversicherung (beruf
liche Massnahmen) an (
Urk.
6/3
Ziff.
6
und
Ziff.
10
). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte Abklärungen in medizinischer und erwerblicher Hinsicht
. Sodann
erteilte
sie
Kostengutsprache
n
für ein Belastbar
keitstraining vom 2
3.
Mai bis 2
2.
August 2016
und
ein Aufbautraining vom 2
3.
August 2016 bis 2
3.
Februar 2017
mit
Verlängerung bis 2
3.
Mai 2017 bei der
A._
AG zuzüglich Taggelder
(
Urk.
6/19
,
6/24
, 6/26, 6/28, 6/34, 6/36
).
Mit Mitteilung vom 1
8.
Mai 2017
teilte die IV-Stelle die Beendigung der Integra
tionsmassnahmen mit und wies auf
die
separat
e
Rentenprüfung hin (
Urk.
6/38; vgl. auch
Urk.
6/41/2).
Nachdem
die
IV-Stelle medizinische Berichte
bei den be
han
delnden Ärzten angefordert hatte (vgl.
Urk.
6/42
,
6/45, 6/46/ 6/53),
veran
lasste sie eine
psychiatrische Begutachtung bei
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
(vgl. Gutachten vom 2
9.
September 2017 [
Urk.
6/60
]). Mit Vorbescheid vom
2
3.
Oktober 2017 (
Urk.
6/63
) stellte die IV-
Stelle die
Verneinung ein
es Anspruchs auf IV-Leistungen
(Invalidenrente; vgl. S. 2
unten)
in Aussicht.
Mit Einwand vom 2
8.
November 2017 (
Urk.
6/69) beantragte die Versi
cherte, es seien ihr berufliche
Massnahmen zu gewähren.
I
m Rahmen
einer
i
nterinstitutionellen Zusammenarbeit (IIZ) mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit, dem kantonalen Sozialamt und dem Amt für Jugend
und
Berufsberatung
beteiligte sich die IV-Stelle
daran
,
die Versicherte in der Aufnahme einer Tätigkeit im soziale
n Bereich
in
einem Pensum von
70
%
zu unterstützen (
vgl.
Urk.
6/
99
und
Urk.
6/
101
).
Mit Mitteilung vom 17.
Dezember 2018 (
Urk.
6/104)
gewährte die IV-Stelle Arbeitsv
ermittlung für die Zeit vom 20.
November 2018 bis 1
7.
Mai 201
9.
Vom 2
1.
Oktober 2019 bis 8.
Januar 2020 war die Versicherte als Mitar
beiterin Administration/Projektarbeit zu 60
%
in einem
«
Stelle
n
pooleinsatz
»
be
schäftigt
(
Urk.
6/
116 und
Urk.
6/117 S. 3
). Vom 14.
Januar bis 2
8.
Februar 2020 hielt
sie sich
stationär und vom
4.
bis 1
0.
März 2020 teilstationär in der Psychia
trischen Universitätsklinik
C._
auf (
Urk.
6/115).
Am
1
1.
September 2020 (
Urk.
6/125) teilte die IV-Stelle den Abschluss der Arbeitsvermittlung mit und
wies
hinsichtlich einer
Invalidenr
ente auf eine separate Verfügung hin. In der Folge
nahm
die IV-Stelle eine
psychiatrische (
V
erlaufs-) B
egutachtung bei
Dr.
B._
in Aussicht
(
Urk.
6/128). Nach
dem die Versicherte
Einwand gegen
Dr.
B._
als
Gutachterin
erhoben hatte
(
Urk.
6/129)
,
wurde
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
mit der (Verlauf
s-) Begutachtung beauftragt. Dieser erstellte d
as Gutach
ten am 2
2.
Januar 2021
(
Urk.
6/134). M
it
Verfügung vom
2.
März 2021 (
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle ei
nen Anspruch auf IV-Leistungen
.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
9.
April 2021
(
Urk.
1)
Beschwerde mit fol
gen
den Anträgen:
«1.
Die angefochtene Verfügung sei aufzuheben.
2.
Es seien der Beschwerdeführerin Rentenleistungen der Invaliden
ver
si
cherung zuzusprechen.
3.
Eventualiter sei die Angelegenheit zur erneuten Abklärung an die Vorin
stanz
zurückzuweisen.»
Die IV-Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2021
(
Urk.
5
) mit Verweis auf die Akten auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerd
e
führerin am 1
1.
Mai 2021
(
Urk.
7)
zur
Kenntnis gebracht wurde
.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
Die Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit einge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (AHI 1998 S. 124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni 2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen).
Arbeitsunfähigkeit ist die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bis
herigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten. Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufga
ben
bereich berücksichtigt (Art. 6 ATSG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215
E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei,
das
heisst
ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflich
t
gemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbe
sondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Pro
zess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren leistungsabweisenden Entscheid damit
,
dass die
Beschwerden
aufgrund von Unzufriedenheit über nicht zusagende Arbei
ten, ungenügender Work-Life-Balance, sowie durch existentiell-
finanzielle Prob
leme
ausgelöst worden
und auch mangelnde
Freizeitaktivitäten Auslösefaktoren
seien
.
D
ie Beschwerdeführerin
sei
mit einer Beschäftigungsmassnahme unterstützt und
die
Arbeitsvermittlung am 1
1.
September 2020 abgeschlossen worden.
Zur Prü
fung des
R
entenanspruch
s
sei
ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben
worden
und daraus
ergebe sich, dass die Beschwerdeführerin
in ihrer Arbeits
fähigkeit
als Buchhalterin
seit dem Jahr 2015
eingeschränkt
sei. I
m Jahr 2017
sei es
zu einer Besserung des Gesundheitsz
ustandes gekommen
.
E
nde 2019 habe
sie
die
psychopharmakologische Medikation abgesetzt, w
orauf sich die
gesundheit
liche Situation vers
chlechtert habe
.
Die Beschwerdeführerin gebe zwar
an
,
Prob
leme
in
grösseren Menschenmassen
zu haben,
könne aber
ohne Einschränkung die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und täglich einkaufen gehen. Es bestehe
daher
eine erhebliche Diskrepanz zwischen subjektiv empfundener 100%iger Arbeitsunfähigke
it und den Alltagsstrukturen
. Auch werde
die
finanzielle Situa
tion
vermehrt
als Belastungsfaktor angegeben.
Die Abklärungen
hätten
aber
ge
zeigt
, dass
es
bei Einnahme
der
Medikamente
immer wieder
zu einer deutlichen Besserung bis hin zu
einer Teilremission beziehungsweise
Remission
komme.
L
aut
Laborbericht
nehme sie
die
Medikamente
zwar
regelmässig ein
;
d
ass Einschrän
kung
en in jeglicher Tätigkeit bestünden
und
eine
schwer
e Beeinträchtigung
der A
rbeitsfähigkeit aufgrund
eine
r
psychiatrische
n
Erkrankung
vorliege,
sei
jedoch
nicht
dokumentiert
.
D
aher
könnten
keine IV-Leistungen zugesprochen werden.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt
e
sich auf den Standpunkt (
Urk.
1 S. 5 f.), die Ein
schätzung der Beschwerdegegnerin entspreche nicht den medizinischen Behand
lungen und Berichten. Die Diagnose
n
seien u
nbestritten und sämtliche Ärzte, wie
auch der RAD
,
hielten eine
Teilarbeitsunfähigkeit sowohl i
n der
angestammten wie auch in
einer
angepassten Tätigkeit fest
. Von invaliditätsfremden Faktoren s
ei zwar
die Rede, diese beeinflussten aber die gestellte Diagnose der Gutachter nicht. Die Beschwerdegegnerin
verweigere
damit den Anspruch auf eine rechtlich korrekte und angemessene Beurteilung. Dies
e
sei
anhand der in den Akten fest
gehaltenen Arbeitsunfähigkeiten
und
eine
r
Bemessung des Invaliditätsgrades vorzunehmen und
mit neuem Vorbescheid
zu
eröffnen
.
Da
zu sei
der Invalidi
tätsgrad
mittels Einkommensvergleich
s
zu ermitteln
.
I
n angepasste
r
Tätigkeit
sei sie immer wieder
mit längerdauernden Arbeitsunfähigkeiten konfrontiert, was auf das Finden und das Behalten einer Stelle und auf den Lohn Auswirkungen
habe
. Zudem
seien
persönlichkeitsbezogene, soziale Kompetenzeinschränkungen mit leicht erhöhter Aggressivität
und inadäquater Durchsetzungsfähigkeit
vorhanden, was
in der Bemessung der Arbeitsfähigkeit nicht berücksichtigt
worden sei. Dies sei mittels eines
Abzugs vom Tabellenlohn von 20
%
zu berücksichtigen (S. 7).
2.3
Im Streit lieg
t damit der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
(
Urk.
2).
3.
3.1
3.1.1
Im psychiatrischen Gutachten vom 2
9.
September 2017 (
Urk.
6/60) nannte
Dr.
B._
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S. 33)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leicht- bis knapp mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.0 / F33.11)
-
Probleme mit Bezug auf Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit:
-
gegenwärtig nicht
zusagende Arbeit (ICD-10 Z56/ Z56.5)
-
Status nach Burnout (ICD-10 Z73.0)
-
Anamnestisch Status nach Problemen mit Bezug auf Wohnbedingungen und wirtschaftliche Verhältnisse,
gegenwärtig noch
verschuldet (ICD-10 Z59)
.
Diagnosen
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1)
-
Status nach drei Suizidversuchen (Intoxikationen) (ICD-10 X61)
3.1.2
Die Beschwerdeführerin berichte (S. 26), frustriert und unzufrieden zu sein, weil seit Monaten
weder vom RAV noch von der IV her
etwas laufe. Zwar sei ihr nun vom RAV ein Kurs
beziehungsweise ein
Praxis-Check zugesprochen worden
,
aber dieser beginne wegen der Warteliste erst am 2
0.
November 201
7.
Zumindest sei sie da
nn
einen Monat lang zu 50
%
, also jeden Morgen
,
beschäftigt.
Sie sei überzeugt, dass ihre Begabungen im sozialen Bereich liegen
würden
und
dass
nur
die
Arb
eit mit Leuten nie langweilig werde
. Hingegen sei ihr in jeder Buch
haltungsanstellung früher oder
später langweilig geworden und sie
müsse es ver
meiden
, unterfordert zu werden, andernfalls sie
depressiv
werde
. S
ie wolle
aber
auch nicht mehr ausgenu
tz
t werde
n
und
täglich
14 Stunden
arbeiten
,
ohne
Ferien zu
bekommen. Sie wolle eine gut ausgeglichene Work-Life Balance. Ihr Wunsch sei es nach wie vor, Fachfrau für Migration zu werden
,
wobei
sie aber eine Stelle im sozialen Bereich brauche, damit sie zwei Jahre Erfahrung
vorweisen könne, so
dass sie die berufsbegleit
ende Ausbildung anfangen könne. Da s
ie weiterhin zu 70
%
krankgeschrieben
sei
,
era
chte
sie sich auch nicht fähig
,
von
einem
Tag auf den anderen in der freien Wirtschaft
zu arbeiten. Handkehrum sei es aber gerade die 30%
ige Arbeitsfähigkeit
,
die ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt
reduzieren würde. Sie wünsche sich von
der IV nach dieser langen Ausz
eit ein erneutes Aufbautraining
,
damit sie
wieder in Gang
komme.
3.1.3
Zur
Lebenssituation und
zum
Tagesablauf
führte die Gutachterin aus
(S. 25)
,
die
Beschwerdeführerin gebe
an,
sie wohne seit Februar
2017 zusammen mit ihrem (arbeitslosen)
Partner in einer 21⁄2
-Zimmerwohnung mit einer Monatsmiete von
Fr.
2'000.
--. Sie
lebe von Taggelde
rn der Arbeitslosenversicherung von
Fr.
3'000.
--
.
Wei
l sie
sich
nach
der
Kündigung
der
letzten Stelle nicht arbeitslos gemeldet habe, hätten sich
hohe Schulden
angestaut, was mit
ein
Grund
für ihre Verzweiflun
g und Suizidalität gewesen sei.
Inzwischen habe sie ihre Schulden zum Teil mit Verlust
scheinen sa
niert
und offen seien noch Fr.
14'000.--.
Eine richtige Tagesstruktur habe sie nicht
,
aber
sie
versuche
sich zu beschäftigen und
nehme
sich
täglich eine Aufgabe vor, damit
sie
da
s Gefühl habe, etwas gemacht zu
haben.
Sie stehe morgens um 9 Uhr
auf
und i
hr
Partner
sei dann schon weg. Dieser absolviere
an fünf Wochentagen ein RAV-Reintegrationsprogra
mm.
Am Morgen
habe sie nicht viel
Appetit und am
Mittag
esse sie nicht,
wei
l sie
alleine sei. Sie
nasche aber zwischendurch v
iel
,
ansonsten
sie aber
zusammen mit ihrem Partner
schaue,
dass
sie ausgewogen esse.
Dieser koche m
eist am Abend
, d
as Einkaufen
sei ihre
Aufgabe. S
ie
kaufe täglich ein, weil
dies ein Grund sei
, jeden Tag aus der Wo
hnung zu kommen. Ängste vor
sozialen Begegnungen oder Prob
leme im Supermar
kt oder mit Menschenmengen habe
sie nicht. Auch sonst schaue sie, dass sie täglich eine Verpfli
chtung
oder einen Termin habe.
Einmal pro Woche empfange sie zu Hause ihre psychia
trische Spitex-Betreuerin, mit der
sie es sehr gut habe. Mit der Se
lbstpflege habe sie keine Mühe
. S
ie dusche stets
am Abend
, was
eine Art Entspannungsritual
sei
;
so schlafe
sie auch besser ein.
Weiter schaue sie sich
täglich auf
dem
Internet die Stelleninserate an und bewerbe s
ich. Auch hole sie die Post aus
dem Briefkasten und erledige ihre administrativen Aufg
aben
. Tagsüber schlafe
sie ni
cht,
lege sich aber manchmal, bei schlech
ter Tagesver
fassung, doch hin
und
mache liegend Sudokus oder lese ein Buch
.
Auch der Haus
halt sei
ihr
e Aufgabe. Sie wasche und putze.
A
bends esse
sie mit ihrem Partner
etwas
Warmes
und danach unterhalte man sich
,
schaue zusammen TV
oder spiele ein
Gesell
schaftsspiel oder Schach
, b
ei gutem Wetter
mache man
auch mal einen abendlichen Spaziergang.
Danach dusche sie sich und gehe gegen 23 Uhr
ins Bett.
3.1.4
Unter objektiven Befunde
n
und Psychostatus
hielt
die Gutachterin
fest
(S. 27), es präsentiere sich eine 45-jährige, jünger aussehende, gepflegte, adipöse Beschwer
de
führerin. Kontakt und affektive
r
Rapport seien sehr gut herstellbar
.
Sie
sei
kooperativ und wohlwollend zugewandt.
Aspektmässig
bestehe eine durchschnit
t
liche Intelligenz und
in ihren
Ausführungen
sei sie differenziert. D
as Auftreten wirke souverän und die Interaktion
sei auch
der Norm entsprechend
, wenn kon
frontative Fragen gestellt w
ü
rden. Schwierige Gesprächsthemen
gehe
sie
offen an
. E
inzig auffallend sei die Strenge und Rigidität
,
mit der sie ihre p
rinzipielle Überzeugung vertrete, dass
eine
ihr zusprechende
Tätigkeit
im sozialen Bereich beziehungsweise mit vielen sozialen Kontakten und
mit
eine
r
Ausbildun
g
zur
Fachfrau für Migration
die einzig wirksame
Prophylaxe gegen erneute depressive Phasen
und
auch die
Voraussetzung für
eine
Remission
der
anhaltenden Verstim
mung
und Antriebsschwäche
sei.
Die Beschwerdeführerin
sei
bewusstseinsklar, allseits orientie
rt und ohne
Intoxikationszeichen. M
nestische
Störungen
seien keine
feststellbar und
d
ie Kon
zentrationsspanne könne während
zweieinhalb
Stun
de
n
gut aufrechterh
alten
werden. A
uch subjektiv bekunde
sie
,
keine Konzen
trationsstörungen
und
keine Mühe mit
i
ntellektuell
e
n
Aufgaben
zu
habe
n
.
Das formale Denken
sei geor
dnet und
die
Fragen
könnten
gut fokussiert und gut selbststrukturiert beantwortet
werden
. Inhaltlich
sei das
Denken leicht- bis mittel
gradig, allerdings auch situatio
nskonform
auf die Thematik des
Wechsels auf eine berufliche
Tätigkeit
im sozialen Bereich und die
Theorie
eingeengt
,
dass
nur
so
die Depressivität
erfolgreich bekämpft werden könne.
Ansonsten
sei
aber das Denken
hinreichend beweglich beziehungsweise
im gutachterlichen Gespräch
sei sie
problemlos fä
hig, sich den verschiedenen ihr
gebotenen Themenbereichen zu widmen. Etwaige pat
hologische Schuld-, Scham- oder
Insuffizienzgefühle
seien
nicht feststellbar. Es sei aber e
ine Selbstw
ertproblematik mit neurotischen
narzis
sti
schen Zügen
aus
den Ausführungen ableitbar.
Eine
pathologische Kränkbar
keit, Kritik- oder Frustrationsintoleranz
s
ei
jedoch nicht festzustellen
und auch nicht
bekannt.
Weiter
bestünden k
eine Phobien,
pathologische
n
Ängste oder
Zwänge. Die Affek
tivität
sei klinisch leicht- bis
mittelgradig gestört und
sie sei
leichtgradig b
e
drückt.
Die Beschwerdeführerin
wirke
recht starr beziehungsweise
ve
rmindert schwingungsfähig, teilweise
sorgenvoll,
streckenweise auch leichtgradig
dyspho
risch
. Sie wechsle
aber themenadäqua
t zwischen den Affektregistern.
Psychomo
to
risch
sei sie
ungestört,
mit
lebhafte
r
Mimik und Gestik, w
irke in ihrem Präsen
tationsbild
sthenisch,
dies
im
Kontrast
zu
den subjektiv bekl
agten zentralen Beschwerden der
raschen Erschöpfbarkeit und der Antriebsschwäche
. Sie beklage
schwankende
bis mittelschwere
Motivationslosigkeit,
Lustlosigkeit und Asthenie, allerdings bestünden
zusammen
mit dem
Partner
doch Genussfähigke
it und Fähigkeit zu gemeinsamen
Aktivitäten. Der spontan
e Appetit sei unharmonisch, teilweise vermindert, aber mit vielem
Naschen zwischendurch
und Lust auf Schokolade.
Hierunter habe sie in den letzten zwei
Jahren seit
der
Hospita
li
sierung 20 kg
zugenommen und sie leide
nachvollziehbar an dieser ne
uen auch rein gewichtsbedingten
Schwere und Trägheit.
Die
Libido
sei
durch Ne
ben
wir
kungen vermindert, Sexualität werde
aber in der Partnerschaft
zärtlich genossen.
Es bestehe eine v
erminderte
Schlafqualität, Ein- und Durchschlafstörungen wobei
die Schlafreserve nur sporadisch beansprucht
werde.
Habituell
sei die Beschwer
deführer
sozial isoliert
beziehungsweise seit 2001 bestünden
keine Anstrengun
gen
zum
Unterhalten von sozialen Kontakten,
wobei sie aber die
Zweisamkeit mit
ihrem
Partner
geniesse.
3.1.5
Zur Arbeitsfähigkeit führte die Gutachterin aus
(S. 33 f.)
, die Beschwerdeführerin leide
unter einer
leicht
en
- bis mittelgradigen depressiven Episode bei Status nach schwerer depressiver Episode, gegenwärtig somit in Teilremissio
n. Der Depres
sions
grad begründe
eine gegenwärtig noch maximal 40%ige Arbeitsunfähigkeit. Aus rein psychiatrischer Sicht sei eine administrative KV-Tätigkeit
gut mit dem depressiven Erkrankungsgrad vereinbar. Unter Voraussetzung weiterer psycho
pharmakologischer Behandlungsoptimierung und In
tensivierung der Psychothe
ra
pie
könne die Arbeitsfähigkeit innerhalb von drei bis sechs Monaten auf 100
%
erhöht werden.
3.2
Im Bericht der Psychiatrischen Universitätsklinik
C._
v
om 1
3.
August 2020 (
Urk.
6/115)
nannten die Ärzte folgende Diagnosen (S. 4):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (seit mehre
ren Jahren
,
ICD-10 F62.0)
Es wurde die stationäre Behandlung vom 1
4.
Januar bis 2
8.
Februar, die teil
sta
tionäre Behandlung vom
4.
bis 1
0.
März und die
anschliessend einmal wöch
ent
lich erfolgte
ambulante Behandlung seit 1
2.
März 2020 festgehalten (
Ziff.
1.1
f.
).
Die Ärzte legten dar, das
Zustandsbild der Beschwerdeführerin
erfülle bei Eintritt die Kriterien einer
mittelgradig ausgeprägten depressiven Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung. Bei anamnestisch vorbekannter, mul
ti
pler Traumatisierung sei die Psychopathologie zudem im Rahmen einer andau
ernden Persönlichkeitsveränderung beziehungsweise einer komplexen posttrau
ma
tischen Belastungsstörung zu interpretieren
(
Ziff.
2.4)
. Aktuell bestehe keine Arbeitsfähigkeit im Sinne einer regelmässigen berufsbezogenen Tätigkeit mit Leistungsanspruch. Prognostisch sei bei konsequenter Fortführung der psycho
pha
rmakologischen und psychotherapeutischen Behandlung eine günstige Prog
nose für die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit mit reduziertem Pensum
zu
stellen
(
Ziff.
2.7)
.
Es wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit dauernd ab 1
4.
Janu
ar 2020 attestiert (
Ziff.
1.3)
und festgehalten, a
us psychiatrischer Sicht
sei
aktuell eine 100% Berentung
zu empfehlen (
Ziff.
5).
3.3
3.3
.1
Im psychiatrischen
(Verlaufs-)
Gutachten vom 2
2.
Januar 2021
(
Urk.
6/134)
ging
Dr.
D._
diagnostisch
von
einer rezidivierenden depressiven Störung, gegen
wärtig
leichte Episode o
hne somatisches Syndrom (ICD-10
F33.00) aus
(S. 16)
.
Die
Beschwerdeführerin
gebe an, die
Probleme
würden
seit 2015 bestehen. Sie habe dam
als aufgrund
einer Burn-out-Problematik eine suizidale Phase durch
lebt. Nach 2016 sei es deutlich
besser gewesen und sie
habe
eine sehr stabile Phase erlebt
.
2019 habe sie sich dan
n wieder schlechter gefühlt und
alle Medi
kamente abgesetzt. Aufgru
nd dessen sei sie dann zunächst
stationär und
an
schliessend
teilstationär in der Psychiatri
schen Universitätsklinik
C._
behan
delt worden. Aktuell sehe
sie
sich zu 100
%
arbeits
unfähig (S. 7).
3.3
.2
Zum Tagesablauf schildere die Beschwerdeführerin
(S. 11 f.)
, sie stehe meistens um 8 Uhr morgens auf und
f
rühstück
e
gemeinsam mit ihrem Partner. Dann mache sie den Haushalt
,
wobei sie sich aufgrund von Antriebsstörungen teilweise ein
geschränkt fühle.
Zwischendurch
beschäftige sie sich mit
positiv empfundene
n
Dinge
n
, wie Su
doku und
Lesen
. Ausserdem
gehe
sie vormittags spazieren und
nach dem Mittag
einkaufen.
Anschliessend
meditiere und entspanne sie sich
, wobei sie auch
hier gewisse Einschränkung des Antriebs mit etwas Ermüdung
empfinde
. Sie müsse sich jedoch
weder hinlegen noch sonstige Rückzugs
mög
lichkeiten wahrnehmen. Nach dem
täglichen Einkauf
koche
sie ge
meinsam mit ihrem Partner
. Es
werde
das
Abendessen eingenommen und d
en Abend
verbringe man zusammen
mit fernsehen, spi
elen und positiv wahrgenommenen
Freizeit
aktivitäten. Ihr Partner habe früher in
einer therapeutischen Tätigkeit
gearbeitet und
habe
dort Ziegen in einem Alter
sheim betreut. A
lle
zwei bis drei Wochen an einem Wochenende
betreu
t
e
n
sie
dort
die Zieg
en.
S
portliche
oder andere Akti
vitäten führe sie aufgrund finanzieller Einschränkungen nicht
aus
. Sie sei früher gerne schwimmen gegangen, aber dies sei ihr aufgrund der finanziellen Engpässe aktuell nicht möglich. Einen Führerschein
hab
e
sie nicht
, aber sie könne ohne jegliche Einschränkungen die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen.
3.3
.3
Zum Untersuchungsbefund
hielt
der Gutachter
fest
(S. 13)
, die Beschwerde
füh
rerin habe
sich
innerhalb der gesamten Interaktion bis zu
r
Rückfrage bezüglich Labor a
bgegrenzt
, sicherwirkend
,
kompetent
und
bei der Bitte
,
eine Laborunter
suchung durchzuführen, wenig kooperationsbereit, durchsetzungsfähig und teil
weise aggressiv gezeigt. Hinweis für ein ausgeprägtes Stressniveau oder auffällige Anzeichen von Stress hätten sich keine ergeben. Zur Frage, inwieweit die Untersuchung bedrohlich oder schwierig für sie gewesen sei, habe sie ange
geben, es sei
zu
keinem Zeitpunkt bei den
Angabe
n
erlebter
Traumatisierungen zu einer Dissoziation oder zu einem
schwierigen Zustand gekommen
. Sie empfinde jedoch die gesamte Untersuchung als unnötig, da man ihr eine 100%ige IV zugesagt und angeboten habe.
Es sei ihrer Meinung nach auch
bereits eine Begutachtung durchgeführt
worden
, in der eine entsprechende Rente dokumentiert worden sei.
Die Beschwerdeführerin sei
a
lters- und situationsadäquat gepflegt auftretend
.
Be
wusstsein
s- oder Orientierungsstörungen zeigten sich keine. Bezüglich der kogni
tiven Fähigkeiten
bestünden keine
Hinweis
e
auf Konzentrations- oder Aufmerk
sam
keitsstörungen, keine Einschränkungen bezüglich der Abstraktionsfähigkeit und
insgesamt seien
während der gesamten Untersuchung keine Hinweise auf kognitive Ein
schränkungen zu finden. Formale
Denkstörungen bestünden
auch
keine
.
Für die
Angabe
der Beschwerdeführerin
, dass sie Probleme bei grösseren Menschenmassen h
abe, habe sich
innerhalb der gesamten Untersuchung kein Hinweis für ängstliches Verhalten, Befürchtungen oder Zwangsverhalten
ergeben
.
Es bestünden
ausserdem
keine Hinweise für Wahn, Sinnestäuschungen und Ich-Störungen. Auch während der Angabe bezüglich der subjektiv empfundenen traumatischen Erlebnisse
sei
es zu keinem Zeitpunkt zu
einer
Dissoziation oder
Derealisation
gekommen
. Innerhalb der Untersuchung
habe
sich eine affektiv
grossteils
kompetente, vollständig schwingungsfähige
Explorandin
ohne jegliche Ei
nschränkungen
gezeigt
. Der Affekt wirke
teilweise abgegrenzt, misstrauisch und kontrolliert. Während der mehr als zweistündigen Untersuchung
hätten
sich
auch
kein Hinweis für Antriebsstörungen oder Abnahme der
kognitiven Fähig
keiten, wie zum Beispiel eine Abnahme der
Konzentrations- oder Aufmerk
sam
keitsfähigkeit
gezeigt
. Die Persönlichkeit wirke abgegrenzt, misstrauisch und in der Interaktion klar strukturiert, fordernd (S. 14 f.).
3.3
.4
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus (S
. 25
), als angestammte Tätigkeit sei eine kaufmännische Tätigkeit im
1.
Arbeitsmarkt zu dokumentieren. Im Ver
gleich zu den Befundberichten von 2017 sei explizit keine Verschlechterung innerhalb der Psychopathologie und des aktuellen Zustandes zu finden und eher von einer Verbesserung in Bezug auf
die
aktuell
leichtgradige depressive
Symp
tomatik bei vorbestehender mittelgradiger, mit teilweisen Hinweisen auf eine leichtgradige Symptomatik auszugehen. Bereits 2017 sei eine entsprechende Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit definiert
worden
und aktuell sei nicht von einer Verschlechterung der Symptomatik
und somit auch
zum aktuellen Zeitpunkt von einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in
der
angestammten Tätigkeit auszugehen
.
Als optimal angepasste Tätigkeit sei eine Tätigkeit in einem kleinen Team mit einer klaren Leitungsstruktur zu sehen und in einer solchen Tätigkeit sei eine höhere Arbeitsfähigkeit gegeben und von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
(S. 26)
.
4.
4.1
Vorwegzuschicken ist, dass sich das Gutachten von Dr.
D._
vom 22. Januar 2021 (Urk. 6/134) wie auch dasjenige von Dr.
B._
vom 29. September 2017 (Urk. 6/60) im Lichte der höchstrichterlichen Anforderungen an den Beweiswert eines Arztberichtes (E. 1.4) als für die streitigen Belange umfassende Beurtei
lun
gen erweisen, welche die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in umfass
en
der Aktenkenntnis abgegeben worden sind und in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge einleuchten. Die beiden gutachterlichen Schlussfolgerungen decken sich weitgehend, dies sowohl hinsichtlich der erhobenen Befunde, der Diagnostik als auch der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit.
4.2
Die
Indikatorenprüfung
für die erste Periode (Gutachten Dr.
B._
) ergibt in Bezug auf die Nachvollziehbarkeit der attestierten 40%igen Arbeitsunfähigkeit, dass die Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde im mittleren Bereich anzu
siedeln ist. So fanden sich ein leicht- bis mittelgradig eingeengtes Denken, eine leicht- bis mittelgradig gestörte Affektivität, eine leichtgradige Bedrücktheit, die Beschwerdeführerin wirkte starr beziehungsweise vermindert schwingungsfähig, teilweise sorgenvoll, streckenweise auch leichtgradig
dysphorisch
, sie sei - vom Partner abgesehen - sozial isoliert (E. 3.1.4). Trotz verschiedenen Behandlungen - so etwa ab November 2015 - samt stationärer
Hospitalisation
(Urk. 6/60/35) sowie Integrationsmassnahmen der Beschwerdegegnerin konnte lediglich eine Teil
arbeitsfähigkeit etabliert werden. «Komorbiditäten» liegen bei der Beschwer
de
führerin unter anderem mit den akzentuierten Persönlichkeitszügen und Status nach drei Suizidversuchen vor.
Bei der Beschwerdeführerin sind durchaus mobilisierende Ressourcen vorhanden, wenn auch der soziale Kontext durch eine Isolation geprägt ist, abgesehen von der intakten Beziehung zum Partner. Die Einschränkungen zeigen sich in sämt
lichen Lebensbereichen, allerdings nicht in hohem Ausmass, namentlich in Bezug auf den seit Jahren stattfindenden sozialen Rückzug. Der Leidensdruck ist inso
fern nachvollziehbar, als die Beschwerdeführerin den Behandlungsvorschlägen der Ärzte nachkommt und von den Eingliederungsvorschlägen der Beschwer
degegnerin Gebrauch macht (Urk. 6/60 S. 36 f.).
Angesichts dieser Umstände ist eine gewisse Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar und die von der Gutachterin Dr.
B._
attestierte Arbeitsun
fähigkeit von 40 % zu bestätigen.
4.3
In der Folge kam es zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes. Dr.
D._
schilderte hierzu, dass nach einer Verschlechterung im Januar und Februar 2020 mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit nach Absetzen der Medikation (Urk. 6/134 S. 20 und S. 25) ab März 2020 wieder eine 60%ige Arbeitsfähigkeit vorlag. Im Zeitpunkt der Begutachtung konstatierte er verglichen mit den Verhältnissen bei der Vorbegutachtung eine Verbesserung des Gesundheitszustandes in dem Sinne, dass er
nurmehr
eine leichtgradige depressive Symptomatik bestätigte. In diesem Sinne schloss er auch erst ab Januar 2021 auf eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in angepasster Tätigkeit und nicht bereits für die Zeit davor (Urk. 6/134 S. 25 und S. 27).
4.4
Mit der Einschätzung der Fachpersonen
der Psychiatrischen Universitätsklinik
C._
vom 13. August 2020 (E. 3.2)
setzte sich
Dr.
D._
in begründeter Weise auseinander und legte nachvollziehbar dar, inwiefern die darin attestierten Funktionseinschränkungen nicht mit den fehlenden klinischen Befunden einher
g
ehen. So legte er schlüssig dar, dass gar keine kognitiven Einschränkungen angegeben wurden, weshalb sich auch keine diesbezügliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigt
(Urk. 6/134 S. 2
2
).
Bei diesem Ergebnis ist auf die Diskrepanzen in der Diagnosestellung nicht weiter einzugehen, da die funktio
nellen Auswirkungen der Gesundheitsschädigung relevant sind und nicht die Dia
gnosen an sich.
4.5
Zusammenfassend ist der Sachverhalt als in dem Sinne erstellt zu erachten, dass die Beschwerdeführerin im vorliegend massgebenden Zeitraum zu 60 % arbeits
fähig in der angestammten Tätigkeit war und ist. In angepasster Tätigkeit - in einem kleinen Team mit klarer Leitungsstruktur - besteht ab dem Zeitpunkt der Untersuchung bei Dr.
D._
am 18. Januar 2021 eine 70%ige Arbeitsfähigkeit. Angesichts des Ergebnisses des Einkommensvergleichs kann für diese Periode auf eine
Indikatorenprüfung
verzichtete werden, kann doch eine solche keinen höhe
ren Arbeitsunfähigkeitsgrad als den attestierten bestätigen (
Urteil des Bundes
gerichts 8C_629/2019 vom 8. November 2019 E. 4.2.4
.).
5.
5.1
Angesichts der Anmeldung der Beschwerdeführerin bei der Invalidenver
siche
rung am 15. Dezember 2015 stehen grundsätzlich Rentenleistungen ab Juni 2016 im Raum (Art. 29 Abs. 1 IVG). Zu jenem Zeitpunkt absolvierte sie indes Inte
gra
tionsmassnahmen und erhielt ein Taggeld ausgerichtet. Dies endete am 23. Mai 2017, weshalb die Ausrichtung von Rentenleistungen erst ab 1. Mai 2017 in Frage kommt (Art. 29 Abs. 2 und Art. 47 Abs. 2 IVG).
5.2
Die Beschwerdegegnerin absolvierte eine Lehre als kaufmännische Angestellte und arbeitete als Buchhalterin respektive in der Administration sowie im
Rech
nungs
- und Personalwesen. Seit ihrem Einstieg ins Berufsleben hatte sie verschie
dene Stellen inne und verblieb zuletzt zwischen einem und zwei Jahren an einer Stelle (Urk. 6/17/2-3 und Urk. 6/11). Die letzte Stelle bei der
Z._
AG kündigte sie per Februar 2015 (Urk. 6/17/4) offensichtlich nicht aus gesundheitlichen Gründen, sondern weil sie darin keine Zukunft mehr sah (Urk. 6/15/3) und sie die Arbeit langweilte (E. 3.1.2). Sie beabsichtigte, Migrationsfachfrau zu werden (Urk.
6/17). Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit zeigten sich nach Lage der Akten während der Arbeitstätigkeit keine und eine Arbeitsunfähigkeit wurde erst ab November 2015 attestiert (Urk. 6/15/6 und Urk. 6/3/4 Ziff. 4.3).
5.3
Bei dieser Ausgangslage ergibt sich, dass
sowohl das Validen- als auch das Inva
lideneinkommen anhand statistischer Durchschnittswerte zu ermitteln
ist
.
Da die Beschwerdeführerin in der bisherigen und stets ausgeübten Tätigkeit teilarbeits
fähig ist,
kann rechnerisch ein Prozentvergleich erfolgen
. Dabei
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines (allfälligen) Abzugs vom Tabellenlohn (vgl. etwa Bundesgerichtsurteil 9C_532/2016 vom 25. November 2016 E.
3.1 mit Hinweis; Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Aufl. 2014 N 35 f. zu Art. 28a).
Dabei
geht es um eine rein rechnerische Vereinfachung
(Urteil des Bundesgerichts 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
5.4
Gründe für einen Abzug vom Tabellenlohn sind keine ersichtlich. Die von der Beschwerdeführerin ins Feld geführten Argumente, dass sie mit längerdauernden
Arbeitsunfähigkeiten konfrontiert sein werde und persönlichkeitsbezogene, soziale
Kompetenzeinschränkungen mit leicht erhöhter Aggressivität und inadäquater Durchsetzungsfähigkeit vorlägen (Urk. 1 S. 7), verfangen nicht. Dass in Zukunft wiederum Arbeitsunfähigkeiten auftreten, ist lediglich eine Hypothese der Be
schwerdeführerin und entspricht nicht der ärztlichen Prognose. Sodann sind die Schwierigkeiten in der Interaktion laut gutachterlicher Einschätzung nicht krank
heitsbedingt und wirken sich bei der Arbeit auch nur sehr bedingt aus, kann doch die Beschwerdeführerin an einem regulären Arbeitsplatz adäquat arbeiten (Urk.
6/134 S. 27).
Damit resultiert bei einer Arbeitsfähigkeit von 60 % im angestammten Beruf ein Invaliditätsgrad von 40 %, weshalb die Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2017 An
spruch auf eine
Viertelsrente
hat.
5.5
Im Zuge der Verbesserung des Gesundheitszustandes per 18. Januar 2021 und der gutachterlichen Umschreibung einer angepassten Tätigkeit ist der Beschwerde
führerin nach wie vor eine Arbeit im angestammten Beruf möglich. Die formu
lierten Anforderungen - kleines Team mit klarer Leitungsstruktur - findet sich zwanglos im Bürobereich. Damit ist auch unter dieser Prämisse der Invalidi
tätsgrad gleich zu berechnen. Zum neuen Stellenprofil in 70%igem Pensum ergibt sich, dass praxisgemäss auch hierfür kein Abzug vom Tabellenlohn zu erfolgen hat. Kleine Teams finden sich auf dem ausgeglichenen Stellenmarkt ohne Wei
teres und eine aus psychischen Gründen erforderliche verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen gilt rechtsprechungsgemäss nicht als eigenständiger abzugsfähiger Umstand. Das
Angewiesensein
auf einen verständ
nis
vollen Chef, der auch bereit ist, die Arbeitnehmerin eng zu führen, rechtfertigt demnach keinen Abzug vom Tabellenlohn (Urteil des Bundesgerichts 9C_233/2018 vom 11. April 2019).
Damit ergibt sich ab Januar 2021 ein Invaliditätsgrad von 30 %, welcher unter der rentenbegründenden Schwelle liegt. Nach Ablauf von drei Monaten (Art. 88a Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), mithin ab 1. Mai 2021, wäre die Rente grundsätzlich aufzuheben. Indessen endet der gerichtliche Beurteilungszeitraum mit dem Verfügungserlass am 2. März 2021 (Urk. 2), wes
halb die Renteneinstellung nicht festgelegt werden kann, zumal eine allfällig gesundheitliche Veränderung nach dem 2. März 2021 nicht in diesem Verfahren zu prüfen ist. Allerdings enthalten die Akten keine Hinweise hierauf.
5.6
Zusammenfassend hat die Beschwerdeführerin ab 1. Mai 2017 Anspruch auf eine
Viertelsrente
der Invalidenversicherung und es ist festzuhalten, dass ab 18. Januar 2021 eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in angepasster Tätigkeit gegeben ist und der Invaliditätsgrad 30 % beträgt, wovon
Vormerk
zu nehmen ist. In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
6.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind auf Fr. 800.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Die vertretene Be
schwer
deführerin hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung, welche unter Berücksichtigung
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses
(Art. 61
lit
. g ATSG)
auf Fr.
1‘500
.-- (inklusive Barauslagen und Mehr
wertsteuer) festzusetzen ist.