Decision ID: 8f85b45f-9861-5c0d-af1f-42dc76025ac6
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1949, war als Geschäftsführer
bei
der
Y._
in
Z._
angestellt und über diese bei der Branchen Ver
sicherung Genossenschaft gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Am
1.
März 2015 (richtig: 2016) verletzte er sich bei einem Sturz beim Skifahre
n (
Urk.
8/K1
Ziff.
1-6 und 9). Die
Branchen Versicherung Genossenschaft
erbrachte für die
Folgen des Ereignisses die g
esetzlichen Leistungen.
Mit Verfügung vom
9.
Januar
2019 (
Urk.
8/K12
)
stellte die Branchen Versiche
rung Genossenschaft die Versicherungsleistungen per 3
1.
Dezember 2017 ein.
Der Versicherte erhob dagegen
am
1.
Februar
2019 (
Urk.
8/K1
5
)
Einsprache
. Die Bran
chen Versicherung Genossenschaft holte am
9.
März 2020 (
Urk.
8/M26) ein Aktengutachten ein. Mit Entscheid vom
1.
April 2020 (
Urk.
8/K35 =
Urk.
2) wies sie die Einsprache ab.
2.
Der Versicherte erhob am
5.
Mai
2020
Beschwerde gegen den Einspracheent
scheid vom
1.
April 2020 (
Urk.
2) und beantragte,
dieser sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen nach dem Bundesgesetz über die Unfall
versicherung (UVG) auszurichten (
Urk.
1 S. 1
Ziff.
1 unten).
Die Branchen Versicherung Genossenschaft beantragte mit
Beschwerdeantwort vom 1
3.
Juli 2020
die Abweisung der Beschwerde
, soweit darauf einzutreten sei (
Urk.
7 S. 2 oben).
Dies
wurde
dem Beschwerdeführer am 1
6.
Juli 2020 zur Kennt
nis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. No
vember 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des
UVG
und der Ver
ordnung über die Unfallversic
herung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem
1. Januar
2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
1.
März
2016
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art.
6 UVG werden -
soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krank
heiten gewährt (
Abs.
1).
1.3
Nach
Art.
10
Abs.
1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16
Abs.
1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10
%
invalid, so hat sie Anspruch auf eine I
nvalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18
Abs.
1 UVG).
1.4
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des na
türlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.5
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kos
tenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest,
Dr.
med. A._
, Facharzt für Chirurgie, sei zum Schluss gekommen, dass es durch den Unfall zur Aktivierung eines degenerativen Vorzustandes gekommen sei. Der Status quo sine sei Ende Dezember 2017 erreicht worden (
Urk.
S. 3 oben). Gemäss PD
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
könne von einem regulären Heilverlauf der
ossären
Unfallfolgen im Becken, in der Lendenwirbelsäule und im
Sakrum
ausgegangen werden (S.
3 Mitte). Nach dem Aktengutachten von
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie und für Neurochirurgie, vom
9.
März 2020 sei der grosszügig bemessene Endzustand Ende 2017 erreicht worden. Der Unfall sei demzufolge als nicht mehr kausal für die momentanen Beschwerden zu erachten (S. 3 unten).
2.
2
Der Beschwerdeführer
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
Dr.
A._
habe sich bereits
zur Frage der
Kausalität geäussert. Die Bespre
chung
der Beschwerdegegnerin
mit
PD
Dr.
B._
sei daher nicht angezeigt und er
forderlich gewesen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3).
Er
habe
in seiner Stellungnahme
vom 2
3.
März
2020 zum
Akteng
utachten
von
Dr.
C._
ausführlich begründet, dass das Gutachten als unzulässige
second
opinion
anzusehen sei. Die Beschwerdegegnerin habe sich im angefochtenen Ent
scheid
jedoch
nicht mit seiner Kritik auseinandergesetzt und diese
auch
nicht bestritten (S. 3
Ziff.
4).
Sie habe auch nicht
erwähnt, ob und inwiefern das Gut
achten von
Dr.
A._
unklar gewesen sei und ob überhaupt ein Erklärungs- und Erläuterungsbedarf bestanden habe.
Zudem wäre
in diesem Fall
Dr.
A._
die
Ansprechperson gewesen. Auf die Stellungnahme von
PD
Dr.
B._
und auf
das
Gutachten von
Dr.
C._
dürfe daher nicht abgestellt werden (S. 3
Ziff.
5).
Dr.
C._
habe sodann seine Ausführungen gewürdigt, was nicht die Aufgabe eines medi
zinischen Gutachters sei. Die Beschwerdegegnerin habe sich im Einspracheent
scheid auch damit nicht auseinandergesetzt (S. 3
Ziff.
6).
2.
3
Über den
Vorwurf der mangelhaften Begründung des angefochtenen Entscheides
ist vorab zu entscheiden.
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Darstel
lung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Gemäss
Art.
52
Abs.
2 Satz
2 ATSG werden Einspracheentscheide begründet. Die Begründung eines Ent
schei
des muss so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls
anfech
ten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmitte
linstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen kön
nen. In die
sem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung aus
drücklich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand
auseinander setzen
muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid we
sent
lichen Gesichts
punkte beschränken (BGE 126 V 75 E. 5b/
dd
mit Hinweis, 118
V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann ge
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt wer
den, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entscheidenden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen kön
nen und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1). Gemäss der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtsprechung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Ge
hörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinwegsetzen und darauf vertrauen, dass solche Verfahrens
mängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angeho
benen Gerichts
verfahren behoben würden. Der Umstand, dass eine solche Hei
lungs
möglichkeit besteht, rechtfertigt es demnach nicht, auf die Anhörung des Betrof
fenen vor Erlass eines Entscheides zu verzichten. Denn die nachträgliche Ge
wäh
rung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen unvollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgängige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Person zuge
mutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
Der Beschwerdeführer
erhob in der
Stellungnahme vom 2
3.
März 2020
(
Urk.
8/
K
34)
Einwendungen gegen das
Aktengutachten von
Dr.
C._
.
Auch wenn die Be
schwer
de
gegnerin im Einspracheentscheid vom
1.
April 2020 nicht
im
De
tail auf die zuvor geäusserte Kritik
des
B
eschwerdeführers
eingegangen ist
,
lässt sich dem Entscheid entnehmen, auf
welche
medizinischen Berichte
die Beschwer
degeg
ne
rin
abstellen wollte
und aufgrund welcher Erwägungen
sie einen weiteren Leis
tungs
anspruch verneinte. Eine sachgerechte Anfechtung des
Einsprache
ent
schei
des
war dem Beschwerdeführer damit möglich. Die Beschwerdegegnerin
setzte sich zudem
in der Vernehmlassung vom 1
3.
Juli 2020
(
Urk.
7)
eingehend
mit der Kritik des Beschwerdeführers auseinander
.
Eine Verletzung der Begrün
dungs
pflicht liegt daher nicht vor.
2.4
Streitig und
nachfolgend
zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Versiche
rungsleistungen zu Recht per Ende Dezember 2017 eingestellt hat.
3
.
3
.1
Gemäss einer am 2
2.
März 2016 bei der Beschwerdegegnerin eingegangenen
Un
fallmeldun
g stürzte der Beschwerdeführer am
1.
März 2015 (richtig: 2016) beim Skifahren schwer, wobei er sich Verletzungen an den Beinen und der Schulter zuzog (
Urk.
8/K1
Ziff.
2
4-6 und 9).
3
.2
Dr.
med. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Be
richt vom 1
3.
April 2016 (
Urk.
8/M3) aus, beim Patienten seien Anfang März in
folge eines Sturzes beim Skifahren ausgeprägte Schmerzen tieflumbal und im Bereich der Adduktoren rechts aufgetreten. Nach
einer vorübergehenden
Besse
rung hätten die Schmerzen erneut
exa
z
erbiert
. Ein MRI habe eine frischere nicht dislozierte
Sakrumfraktur
ergeben (S. 1 unten).
3
.3
Die Ärzte des
E._
stellten im Austrittsbericht vom 2
1.
April
2016 (
Urk.
8/M4) nach
der Hospitalisation
vom 1
3.
bis 2
6.
April
2016 folgende Dia
gnosen (S. 1):
-
Beckenringfraktur Typ B
-
obere und untere Schambeinastfraktur
, rechts
-
obere Schambeinastfraktur bis ins
Ac
e
tabulum
reichend
, links
-
H-förmig
Sakruminsuffizienzfraktur
-
Fraktur
Pro
c
essus
transversus
Lendenwirbelkörper
(LWK)
5
-
Diabetes mellitus Typ 2
3
.4
Prof.
Dr.
med. F._
,
Facharzt für Chirurgie,
Chefarzt,
E._
,
führte
im Bericht vom 2
4.
November 2016 (
Urk.
8/M7 =
Urk.
8/M8) a
us
, der Patient habe deutlich weniger Schmerzen im Bereich des Beckens bei einem Sta
tus nach Beckenringverletzung am
1.
März 2016
und konservativer Behandlung mit verzögerter Knochenheilung und zunehmender Reduktion der Schmerzmittel. Er
schwerend habe
im Verlauf
eine leicht- bis mittelgradige depressi
ve Episode be
standen (
Ziff.
1).
Prof.
F._
nannte als endgültige Diagnosen (
Ziff.
2):
Schmerzsituation bei Status nach Beckenringfraktur Typ B am
1.
März 2016
-
leichte degenerative Spinalkanalstenose rechtsbetonte
diskoligamen
täre
Einengung des
Processus
L5 mit leichter Wurze
l
kompression
-
essentieller Tremor
Die im Verlauf aufgetretene leichte depressive Episode habe bezüglich der Schmerzsituation am Becken keinen Einfluss gehabt. Es habe sich eine verzögerte
Knochenheilung ergeben.
Seines E
rachte
ns hätten
keine unfallfremden Faktoren die Heilung verzögert (
Ziff.
3). Der Patient arbeite aktuell zweimal zwei Stunden in der Metzgerei, die der Sohn führe (
Ziff.
4). Bei einer Beckenringfraktur müsse mindestens mit einer
Heilungsdauer
von einem Jahr gerechnet werden. Der Ab
schluss der Behandlung werde frühestens im Frühling/Sommer
2017 erfolgen (
Ziff.
5).
3
.5
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie,
E._
, führte im Bericht vom 1
9.
Januar
2017 (
Urk.
8/M9) aus, dem Patienten gehe es zehn Monate nach der Verletzung von Seiten der Beckenverletzung deutlich besser. Diesbezüglich bestünden kaum noch Beschwerden. Er sei im Alltag wieder gut mobil und auch belastbar. Die Behandlung sei abzuschliessen.
3
.6
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.2) führte
im Bericht vom 2
6.
März 2017 (
Urk.
8/M10) zum Heilungsverlauf a
us
, in den letzten Monaten sei es zu einer langsamen
B
es
serung der Beschwerden gekommen. Der Patient sei seit dem 1
5.
November 2016
mit einem Pensum von 50
%
wieder teilweise arbeitsfähig
, d
ies in einem Bereich, der mit einer leichten körperlichen Belastung einhergehe.
Nach einer Tätigkeit von zirka zwei Stunden bestünden nach wie vor Schmerzen lumbal mit Aus
strahlung in beide Oberschenkel und im Bereich des kleinen Beckens sowie Er
müdungserscheinungen. Er müsse sich daher auf eine Tätigkeit von 4 bis 4
1⁄2
Stun
den
pro Tag
beschränken. Dabei bestehe nach wie vor ein relevanter
Anal
ge
tika
bedarf
(
Ziff.
1). Ein Einfluss von unfallfremden Krankheiten, Gebrechen oder Unfallfolgen bestehe nicht (
Ziff.
3).
Vom Unfallereignis bis zum 1
4.
November 2016 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Seit dem 1
5.
November 2016 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
.
Das
Heben und Tragen von schweren Lasten und längeres
Arbeiten im Stehen in gebeugter Haltung
sei
en
nach wie vor zu vermeiden (
Ziff.
4). Die Be
handlung dauere an (
Ziff.
5).
3
.7
3
.7.1
Dr.
A._
(vorstehend E. 2.1)
erstattete am 2
6.
April 2017 (
Urk.
8/M12) ge
stützt auf die Untersuchung des Beschwerdeführers vom 2
0.
April 2017 (S. 2 oben)
ein medizinisches
Gutachten
.
Er
führte aus, der Beschwerdeführer habe an
gegeben, dass er mehrmals täglich ein Kribbeln beziehungsweise
ein
«Einschla
fen» im Bereich des rechten Fusses verspüre.
Weiter verspüre er Rückenschmerzen lumbal beziehungsweise
lumbo
-thorakal. Die Schmerzen würden vorwiegend rechtsseitig auftreten (S. 5
Ziff.
2.1). Bei einer CT-Untersuchung nach dem Unfall seien eine Beckenringfraktur sowie eine
Prozessus
transversi
-Fraktur festgestellt worden (S. 5
Ziff.
2.3.2).
Der Beschwerdeführer
arbeite zwei bis drei Stunden pro Tag in
einer
Metzgerei (S. 6
Ziff.
2.7.2).
Als objektive Befunde seien eine Mus
kelatrophie der rechten unteren Extremität, ein linksseitiger Hartspann lumbal sowie eine
Klopfdolenz
lumbal festgestellt worden (S. 8
Ziff.
3.2 Mitte).
3
.7.2
Es sei
zur
verspäteten Diagnostik einer Beckenring
fraktur mit
Sakrum
H-Fraktur und
einer
Prozessus
transversus
-
Fraktur
LWK
4/5 gekommen. Die Diagnose
sei einen Monat nach dem Unfallereignis bei
zunehmender Gehunfähigkeit und
Schmerzexazerbation
gestellt worden. Unter konservativer Therapie mit Physio- und
einer
Schmerztherapie sei
nach
zirka neun Monaten eine deutliche Besserung erreicht worden. Der Beschwerdeführer habe schliesslich wieder für zwei Stunden in seinem ehemaligen Betrieb arbeiten können. Als Restzustand
bestünden
ein intermittierend auftretendes Kribbeln im rechten Unterschenkel und
im
Fussbe
reich sowie gelegentliche
Do
lenzen
im Rückenbereich lumbal (S. 8
Ziff.
4 unten).
Ob
die
intermittierend auftretende
n Missempfindungen
direkt auf das Unfaller
eignis zurückzuführen sei
en
oder
ob
sie
aufg
rund einer Diskushernie erfolgten,
sei mit den jetzt vorhandenen Unterlagen schwer zu differenzieren. Es werde eine neue radiologische Abklärung (MRI lumbal) empfohlen, um ein eventuelles Fort
schreiten der Wurzelkompression bei L5 rechts ausschliessen zu können.
Auf eine Wurzelkompressions-Komponente deute auch die vorhandene Muskelatrophie in der rechten unteren Extremität hin. Bezüglich der Beckenfraktur scheine die
ossäre
Konsolidation abgeschlossen zu sein, da keine Kompressionsschmerzen mehr vorhanden seien.
Für die
Arbeitsfähigkeit sei eine intermittierende Entlas
tung der rechten unter Extremität anzustreben, um die Missempfindungen allen
falls reduzieren zu können (S. 8 f.
Ziff.
4).
Dr.
A._
nannte als Diagnosen einen Status nach
einer
Beckenringfraktur mit
einer
Fraktur des
Sakrum
s
h-förmig des oberen Schambeinastes links sowie des oberen und unteren Schambeinastes rechts, eine Fraktur des
Prozessus
trans
versus
LWK 4/5 und eine Dysästhesie im Versorgungsgebiet der Nervenwurzel LWS 5 rechts sowie nach den Akten ein
en
Diabetes mellitus Typ II (S. 9
Ziff.
4
).
Für die bisherige Tätigkeit als Metzger bestehe eine Arbeitsfähigkeit von zirka 50
%
(S. 9
Ziff.
5 a). In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
(S. 10
Ziff.
5 b). Hinsichtlich der Frakturen sei der Endzustand erreicht. Im Zusammenhang mit den neurologischen Komponenten bestehe ein Restdefizit, das weiter abgeklärt werden sollte. Weiter sei eine Neubeurteilung der Fraktur des
Acetabulums
links notwendig (S. 10
Ziff.
6).
3
.8
Dr.
med.
H._
,
Facharzt für Radiologie,
I._
, berichtete am 2
4.
November 2017 (
Urk.
8/M21) über ein
e Untersuchung (
MRI)
der Lenden
wirbels
äule (
LWS) vom gleichen Tag.
Er
gab an, es sei eine
Dis
k
opathie
der un
teren LWS festgestellt
worden.
B
ei L4/5 rechts bestehe eine
paramediane und
foraminale
Dis
k
ushernie. Weiter bestünden
eine Facettengelenksarthrose sowie enge anatomische Verhältnisse der
Recessus
laterale L5 rechts mit möglicher Be
einträchtigung dieser Nervenwurzel.
3
.9
Der Beschwerdeführer wurde a
m 2
5.
Januar
2018
am Rücken operiert
(vgl. den Austrittsbericht
der Ärzte des I._
vom
2.
Februar
2018,
Urk.
8/M22)
.
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
nannte im Bericht vom 1
0.
April 2018 (
Urk.
8/M16) als Diagnose einen Status nach Dekompression bei L4/5 rechts vom 2
5.
Januar 2018 bei L5-Radikulopathie rechts bei
rezessaler
Stenose L4/5 rechts.
Dr.
J._
führte
zur Anamnese a
us
, der Beschwerdeführer habe berichtet, dass es ihm von Seiten der Ischialgie deutlich
besser
gehe
. Er habe jetzt hauptsächlich Rückenschmerzen im Sinne von Anlaufbeschwerden. Er leide noch unter Restbeschwerden, insbe
sondere beim Stehen oder bei Positionswechseln.
Vom
2
5.
Januar bis 1
3.
März 2018 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden
. Vom 1
4.
März bis 2
2.
Mai 2018 sei
der Beschwerdeführer
zu 50
%
arbeitsunfähig geschrieben.
I
m Bericht
vom 2
7.
Juli 2018 (
Urk.
8/M18) über eine Verlaufskontrolle
führte
Dr.
J._
aus
, der Beschwerdeführer habe angegeben, dass sich die Bein
schmerzen rechts deutlich gebessert hätten. Die Gehstrecke sei nicht mehr einge
schränkt
.
Jedoch habe er f
rühmorgens
viel öfters krampfartige Beschwerden im rechten Bein als tagsüber. Gelegentlich würden beim Stehen auch Rückenschmer
zen auftreten. Die Wirbelsäule sei in der Inklination und
Reklination
schmerzfrei beweglich mit einem Finger-Bodenabstand von 10 cm.
Nach
dem operativen Eingriff
bestehe insgesamt
ein günstiger Verlauf.
3.10
3.10
.1
Dr.
A._
erstattete am 2
9.
Oktober
2018 (
Urk.
8/M19) gestützt auf die Un
tersuchung
en
des Beschwerdeführers vom
1
9.
April und
2
5.
Oktober 2018 (S. 1 Mitte)
ein weiteres
Gutachten
.
Er führte aus,
bei längerem Gehen und Sitzen
be
stünden nach wie vor
tief
lumbale Rückenschmerzen
. Zusätzlich verspüre der Be
schwerdeführer
gelegentlich im Bereich der rechten lateralen unteren Extremität gewisse Sensibilitätsstörungen beziehungsweise
Missempfindungen. Die Schmer
zen seien seit der Operation im Januar 2018 etwas besser geworden. Zusätzlich bestünden auffallende Müdigkeitsattacken.
Er könne nur
stundenweise arbeiten und müsse sich zwischendurch immer wieder erholen. Längeres Stehen und auch längeres Sitzen bereite
ten
ihm immer noch deutliche Beschwerden (S. 5
Ziff.
2.1).
Das Taubheitsgefühl im Bereich der rechten unteren Extremität
lateralseits
sei seit der Operation immer noch etwas vorhanden
. Regelmässig erfolge eine physiothe
rapeutische Behandlung,
die jeweils vorübergehend eine Besserung bringe (S. 6
Ziff.
2.3.2).
3.10
.2
Nach
der
Hospitalisation
im
E._
im April 2016
sei
bis zum 3
0.
Mai 2016
die
Weiterbehandlung
in einer Rehaklinik
erfolgt
.
Die Mobilisation sei an
schliessend m
ittels Physiotherapie
deutlich verbessert worden, so dass die
Be
handlung im
E._
am 1
9.
Januar 2017 abgeschlossen worden
sei
. Zu diesem Zeitpunkt
hätten
tief
lumbale Rückenbeschwerden und eine Dysästhe
sie im Bericht
des
Dermatom
s
5 rechts
l
ateral
persistiert
, was eine volle Arbeits
fähigkeit verhindert habe. Der Beschwerdeführer habe zu 50
%
im a
ngestammten Betrieb gearbeitet. Im November 2017 seien eine
Diskopathie
L4/5 sowie eine L5-Radikulopathie rechts mit einer
rezessalen
Stenose L4/5 festgestellt worden.
Im Januar 2018 seien eine mikrochirurgische Dekompression L4/5 rechts und eine
Neurolyse
der Wurzel L5 rechts durchgeführt worden
. Der Beschwerdeführer habe subjektiv eine gewisse Besserung aufgrund des operativen Eingriffes angegeben
(S. 8
Ziff.
4 unten).
In Anbetracht d
es Alters
des Beschwerdeführers
, der vorhandenen degenerativen Veränderungen im Bereich der LWS und der Brustwirbelsäule (BWS) sowie auf
grund der statischen
Dysbalance
durch eine Beckenringfraktur mit einer H-för
migen
Sakrumfraktur
sei eine volle Beschwerdefreiheit kaum mehr zu erwarten.
Eine
dem Alter angepasste Arbeitsfähigkeit von 100
%
sei ebenfalls kaum mehr
möglich. Es verbleibe ein Restzustand, der sich mit belastungsabhängigen Schmerzen nach ein bis zwei Stunden Hilfsarbeit äussere. Es sei kaum zu erwar
ten, dass mit weiteren invasiven medizinischen Massnahmen eine wesentliche Besserung erreicht werden könne. Es gelte
den Ist-Zustand mit
regelmässige
n
Physiotherapie
n
mit
einem maximal wöchentlichen Abstand
zu erhalten (S. 8 f.
Ziff.
4).
Durch das Unfallgeschehen sei es zur Aktivierung eines degenerativen Vorzustandes gekommen. Es handle sich um eine bilaterale rechtsbetonte
Spon
dylarthrose
L4/5, eine Hypertrophie der Ligamenta
Flava
, eine leichte zentrale Spinalkanalstenose und eine
rezessale
Einengung der L5-Wurzel rechts sowie eine Einengung des rechten
Neuroforamens
und eine deutliche rechtsbetonte
Spondylarth
rose
LWK 5/
SWK
1.
Dadurch erklär
e sich auch eine deutliche vor
übergehende Minderung der Arbeitsfähigkeit (S. 9
Ziff.
4).
Dr.
A._
nannte als Diagnosen einen Stat
us nach Beckenringfraktur Typ B,
einen Status nach Fraktur des
Prozessus
transversus
LWK 5, einen Diabetes mel
litus und einen Status nach L5-Radikulopathie rechts bei
rezessaler
Stenose L4/5 rechts (S. 9 f.
Ziff.
5.4).
3.10
.3
Die vorhandenen Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf das Unfallereignis zurückzuführen im Sinne einer Aktivierung von degenerativen Veränderungen (S. 10
Ziff.
5.1). Als unfallfremde Ursachen lägen deutliche de
generative Veränderungen vor im Bereich der LWS sowie im
lumbosakralen
Über
gangsbereich
rechtsbetont
. Der Status quo sine dürfte Ende Dezember
2017 erreicht worden sein (S. 10
Ziff.
5.2.1 und 5.2.2). Der Endzustand sei erreicht
. Wei
tere invasive medizinische Massnahmen seien nicht erforderlich und
führten nicht zu einer
Verbesserung
(S. 11
Ziff.
6). In Anbetracht des Alters des Beschwer
deführers, der bereits vorhandenen degenerativen Veränderung und deren Akti
vierung durch das Unfallgeschehen bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 30-50
%
. In der bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeite
r
bestehe eine Arbeitsfähig
keit von 30
%
. In einer angepasste
n
Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
(S. 11
Ziff.
7).
3.11
Es liegt eine Aktennotiz einer Mitarbeiterin der Beschwerdegegnerin vom 1
6.
April
2019 (
Urk.
8/M25) über eine versicherungsmedizinische Beurteilung
durch
PD
Dr.
B._
vom 1
5.
April 2019
vor
.
Zum
Gutachten von
Dr.
A._
vom 2
9.
Oktober
2018
wurde
ausgeführt,
unfallbedingt
bestünden
tieflumbale Rü
ckenschmerzen mit
einer
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Der Sturz habe die degenerativen Veränderungen der LWS richtunggebend aktiviert. Der Status quo sine sei per Ende 2017 erreicht worden.
PD
Dr.
B._
habe zur Kausalität der Beschwerden an der LWS angegeben, in den vorliegenden Berichten und der Bildgebung seien
keine Hinweise zu finden
für eine objektiv verstärkte Progredienz der degenerativ bedingten Vorzustände in der unteren LWS und im
lumbo
-sakralen Übergang. Die Beckenfraktur sei zeit
gerecht stabil verheilt und begründe keine chronischen Schmerzen der LWS. Dies gelte auch für die initiale Querfortsatzfraktur auf Höhe L4/5 (S. 1 unten).
Der Beschwerdeführer habe infolge des Sturzes beim Skifahren zusätzlich eine
Sak
rum-Insuffizienzfraktur
erlitten. Da die
Sakrumfraktur
links in der unfallnahen Bildgebung ausgeprägter erscheine als rechts, korreliere diese Unfallfolge schlecht mit der
Radikulopathie
L5 rechts
, die im Laufe des Jahres 2017 in den Vorder
grund getreten sei und die im Januar 2018 eine chirurgische Intervention erfor
dert habe. Aus wirbelsäulen-orthopädischer Sicht dürfe somit von einem regulä
ren
Heilungsverlauf
der
ossären
Unfallfolgen im Becken, der LWS und im
Sakrum
ausgegangen werden. Bezüglich der Unfallfolgen sei der Status quo sine spätes
tens per Ende 2016 erreicht worden.
Alle darüberhinausgehenden tieflumbalen, die Mobilität limitierenden Beschwerden erklärten sich überwiegend wahrschein
lich durch die Vorzustände einer Spinalkanalstenose L4/5 sowie einer fortge
schrittenen Spondylose L5/S1 und dem ohnehin eingetretenen Verlauf (S. 2 oben).
Es sei klar, dass im Rahmen
einer Aktenbesprechung keine Auseinandersetzung mit allen Argumenten aus zwei vorangegan
genen Gutachten erfolgen könne
(S.
2 unten).
3.12
3.12
.1
Die Beschwerdegegnerin holte bei
Dr.
C._
ein Aktengutachten ein, das am
9.
März
2020 (
Urk.
8/M26) ohne Unterschrift und am 2
3.
Juni 2020 (
Urk.
8/2) unterschrieben erstattet wurde. Der Beschwerdeführer nahm am 2
3.
März
2020 (
Urk.
8/K34)
dazu Stellung
.
Dr.
C._
führte zur Anamnese aus, der Unfall habe sich am
1.
März 2016 ereignet. Der Patient habe sich lumbale Schmerzen rechts zugezogen, welche initial als Prellungsschmerzen eingestuft worden seien.
In der Nacht darauf sei es zur Exazerbation gekommen mit einer Gehunfähigkeit.
Anschliessend sei
eine Beckenringfraktur festgestellt worden mit einer
Sacrumfraktur
und einer Scham
beinastfraktur beidseits, einer haarförmigen, nicht dislozierten
Sacrum
-Insuf
fizienzfraktur sowie eine
r
Querfortsatzfraktur LWK 4/
5.
In einem MRI seien vor
be
stehend degenerative Veränderungen der LWS festgestellt worden
mit einer Spi
nalkanalstenose LWK 4/5, einer fortgeschrittenen Spondylose LWK 5/S1 und einer
Rezessusstenose
L5 rechts. Zunehmende Schmerzen bis zur Gehunfähigkeit hätten im April 2016
zu einer
Hospital
isation während
14 Tage
n
geführt. Es habe sich um eine konservative Behandlung gehandelt
. Eine Operation sei nicht erfolgt
. Der Beschwerdeführer sei anschliessend bis zum 3
0.
Mai 2016 in
einer
Rehaklinik weiterbehandelt worden. Nach Abschluss der Behandlung im
E._
am 1
9.
Januar 2017 hätten tieflumbale Rückenschmerzen persistiert sowie eine Dysästhesie im Bereich des
Dermatoms
L5 rechts lateral (S. 1
Ziff.
1 unten).
Gemäss den Angaben des Beschwerdeführers habe am 1
3.
April 2016 eine Steh- und Gehunfähigkeit bestanden mit Schmerzen dorsal, am Trochanter
major
rechts. Weiter hätten Schmerzen
lumbosakral
bestanden und eine Muskelzerrung der Adduktoren rechts.
Im
November
2016
habe der Patient
deutlich weniger Schmerzen im Bereich
des Beckens angegeben und
die Schmerzmittel reduzieren können. Erschwerend sei
in dieser Zeit
eine
m
ä
ssiggradige
depressive
Episode aufgetreten. Im Januar 2017 sei er praktisch ohne Beschwerden und im Alltag wieder gut mobil und belastbar gewesen.
In einem Bericht vom 2
6.
März
2017 seien Schmerzen lumbal beschrieben worden, die nach einer Tätigkeit von zwei Stunden auftreten würden. Diese strahlten in beide Oberschenkel und in den Be
reich des kleinen Beckens aus. Zudem bestünden Ermüdungserscheinungen.
Um den 2
6.
April 2017 sei es
zu einem
Einschlafen im Bereich des rechten Fusses ge
kommen. Der Beschwerdeführer habe das Kribbeln im Zusammenhang mit
einer zunehmenden Müdigkeit gegen Abend interpretiert. Weiter habe er Rücken
schmerzen lumbal,
lumbo
-thorakal verspürt, die vorwiegend rechtsseitig
und auch nachts aufgetreten
seien
(S. 2
Ziff.
2 oben).
Insgesamt bestünden g
emäss den Angaben des Patienten lumbale Schmerzen mit Ausstrahlung in beide Ober
schenkel und ins kleine Becken sowie Ermüdungserscheinungen mit einem Ein
schlafgefühl im Bereich des rechten Fusses (S. 2
Ziff.
2 unten).
Im
Gutachten
von
Dr.
A._
vom 2
6.
April 2017
seien zusammenfassend
eine
Muskelatrophie der rechten unteren Extremität, ein linksseitiger Hartspann lum
bal und eine
Klopfdolenz
lumbal
festgestellt worden
. Die Kraft sei symmetrisch voll erhalten (S. 3 unten).
3.12
.2
Dr.
C._
nannte als Diagnosen (S. 4
Ziff.
4):
-
Status nach Skiunfall am
1.
März 2016
-
obere und untere Schambeinfraktur rechts
-
obere Schambeinfraktur mit
Acetabulum
-Beteiligung links
-
Beckenringfraktur Typ B
-
nicht dislozierte, haarförmige
Sacrumfraktur
-
Processus
transversus
-Fraktur LWK 5
-
chronisches
subacromiales
Impingement
beider Schultern, links mehr als rechts, bei
Tendinopathie
Supraspinatussehne
und Bursitis
acromialis
und degenerativer
Bizepsveränderung
-
chronisches
spondylogenes
Schmerzsyndrom
-
Gonarthrose beidseits
-
chronische Niereninsuffizienz Stadium II
-
Migräne
-
arterielle Hypertonie
-
vorbestehend im MRI: degenerative Veränderungen
der LWS
mit
Re
zessusstenose
L5 rechts, keine Nervenwurzelkompression
3.12
.3
Ein Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der heute bestehenden ge
sundheitlichen Beeinträchtigung sei eher unwahrscheinlich. Die noch vorhandene Beeinträchtigung sei nicht auf den Unfall als alleinige oder als Teilursache im Sinne einer Conditio sine qua non zurückzuführen.
Der
gesundheitlichen Störung lägen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallfremde Ursachen zugrund
e (S.
5
Ziff.
5.1 und
5.2). Als unfallfremde Faktoren
seien
eine geringe ventrale Spon
dylose LWK 4/5
zu erwähnen und
eine ausgeprägte hypertrophe bilaterale rechts
betonte
Spondylarthrose
mit Zeichen einer geringen Aktivierung rechts bei einem minimalen fokale
n
Knochenmarksödem. Weiter bestünden eine Hyper
tro
phie der Ligamenta
flava
LWK 4/5,
eine leichte zentrale Spinalkanalstenose LWK 4/5 und zusätzlich eine
epidurale
Lipomatose und eine
rezessale
Einengung der
L5-Wurzel rechts und eine leichte Einengung des rechten
Neuroforamens
, jedoch keine Ner
venwurzelkompression (siehe MRI vom
1.
April 2016, S. 5
Ziff.
5.2.1). Ab einem bestimmten Zeitpunkt lägen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nur noch un
fallfremde Ursachen (Status quo sine) vor (S. 5
Ziff.
5.3
).
Der
Beschwerdeführer habe sich die Frakturen am
1.
März
2016 zugezogen. Grosszügig bemessen sei der Endzustand bezogen auf die Beckenringfraktur Typ
B mit oberer und unterer Schambeinastfraktur rechts und oberer Scham
beinastfraktur mit
Acetabulum
-Beteiligung links Ende 2017 erreicht worden
, d
ies aufgrund der protrahierten Heilung bei einem erschwerten Verlauf und aufgrund der
ossär
stabilen, durchgebauten Verhältnisse (S. 5
Ziff.
6).
Die erwähnten Frak
turen seien abgeheilt, konsolidiert, nicht disloziert und stabil (S. 5
Ziff.
6
a).
Wesentlich
für die weitere Beurteilung sei auch die Tatsache, dass in den vorhan
denen Akten
keine
Rede von
radikulären
neurologischen positiven Provokations
tests
sei
. Die Reflexe und die Motorik seien stets seitengleich
beschrieben worden
. Die angegebene Sensibilitätsstörung
werde
in den Akten widersprüchlich aufge
führt. Der Patient selber habe das Kribbeln im Zusammenhang mit einer Müdig
keit gegen Abend angegeben. Er habe aber nicht präzisiert, in welchem
Dermatom
im Bein oder im Fuss das Einschlafgefühl aufgetreten sei (S. 6
Ziff.
5 b).
Bezüglich der Operationsindikation bestehe ein grosses Fragezeichen. Radiomorphologisch habe keine Kompressi
on der Nervenwurzel vorgelegen
(S. 6
Ziff.
7 oben).
Dr.
A._
sei
zum Schluss
gekommen
, dass sich durch das Unfallgeschehen eine Aktivierung eines degenerativen Vorzustandes (
Spondylarthrose
LWK 4/5, Einengung der Nervenwurzel L5) ergeben habe. Dies treffe
seines Erachtens
nicht zu. D
ie Untersuchungen vom
1.
April
2016 und vom 2
4.
November 2017 hätten gezeigt, dass es nicht
zur
Progredienz der degenerativen Veränderungen gekom
men sei. Von einer Aktivierung durch das Unfallgeschehen könne daher keine Rede sein.
Der Status quo sine, der Ende Dezember 2017 erreicht worden sei, müsse sich auf die beschriebenen und erlittenen
Sacrum
- und Beckenfrakturen beziehen. Die
Rezessusstenose
L5 rechts bei fehlender Nervenwurzelkompression stelle eine andere Problematik dar. Diese habe mit dem Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nichts zu tun. Möglicherweise wäre sie früher oder später ohnehin zur Manifestation gelangt. Entgegen dem Beschwerdeführer sei eine Ak
ti
vierung von degenerativen Veränderungen gar nicht nachgewiesen worden. Es liege in der Natur von degenerativen Veränderungen der LWS, dass sich eine radiomorphologische Veränderung früher oder später klinisch manifestieren könne (S. 6
Ziff.
7 unten).
Enge anatomische Verhältnisse beispielsweise im
Re
zessus
lateralis
L5 rechts müssten nicht zu einer klinisch m
anifesten L5-Patholo
gie führen
(S. 7 oben)
.
Der Beschwerdeführer beziehe sich in einer Eingabe
auf eine Aussage von
Dr.
A._
,
wonach
eine Bes
chwerdefreiheit
kaum mehr
zu erwarten sei. Er beziehe sich dabei auf
eine
irrtümliche Beurteilung
des Gutachters
. Die haarför
mige, nicht dislozierte
Sacrum
-Insuffizienzfraktur sei vollständig knöchern durchgebaut und konsolidiert. Von einer von
Dr.
A._
erwähnten statischen
Dysbalance
sei radiomorphologisch und auch aufgrund fehlender klinisch-neu
rologischer Untersuchungsbefunde nicht auszugehen (S. 7 unten). Die Frakturen stellten daher keine Teilursache des späteren Beschwerdebildes dar. Eine statische
Dysbalance
werde widerlegt, da keine Muskelverkürzungen oder Muskelabschwä
chungen zwischen Agonist und Antagonist beschrieben worden seien.
Zudem sei keine Minderung der Kraft angegeben worden. Demnach dürfe von einer beidsei
tigen Kraftentwicklung ausgegangen werden (S. 8 oben).
Er sei
mit der Aussage
von
Dr.
A._
nicht
einverstanden,
wonach
eine volle
Beschwerdefreiheit kaum mehr zu erwarten sei
. Es sei klar
zu unterscheiden, zwi
schen
den erlittenen Beckenfrakturen
durch das Trauma und den vorbestehenden degenerativen Veränderungen der LWS (S. 9 unten).
4
.
4.1
Der Beschwerdeführer
stürzte a
m
1.
März 2016
beim Skifahren
.
Die
Ärzte des
E._
nannten
r
und einen
Monat
nach dem Unfall
als Diagnosen
eine Beckenringfraktur Typ B
bei einer oberen und unteren Schambeinastfraktur rechts, eine
r
obere
n
Schambeinastfraktur bis ins
Acetabulum
reichend links
und
eine
r
H-förmige
n
S
akruminsuffizienzfrak
t
ur
sowie
eine Fraktur
des
Prozessu
s
transversus
LWK 5
und einen Diabetes mellitus Typs 2
(E.
3
.3 hiervor).
Am 2
5.
Januar
2018 wurde der Besch
werdeführer am Rücken operiert (
Dekom
pres
sion bei L4/5 rechts,
E.
3
.9).
Dr.
A._
nannte
im Gutachten vom 2
9.
Oktober 2018
als Diagnosen
einen Status nach Beckenringfraktur Typ B, einen Status nach Fraktur des
Prozessus
transversus
LWK 5, einen Diabetes mellitus und einen
Status nach L5-Radikulo
pathie
rechts bei
rezessaler
Stenose L4/5 rechts
(E
3.10
.2).
Er
kam zur Einschät
zung, dass es
durch den
Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
zur
Akti
vierung von degenerativen Veränderungen
der LWS
gekommen sei
. Ausserdem
stellte er fest, dass der Status quo sine Ende Dezember 2017 erreicht worden sei (
vorstehend
E.
3.10
.3).
Abweichend
zur Einschätzung durch
Dr.
A._
hielten
PD
Dr.
B._
und
Dr.
C._
fest
, dass in den Akten
keine Hinweise zu finden seien
für eine objektiv verstärkte Progredienz der degenerativ bedingten Vorz
ustände
an der LWS
. Eine Aktivierung der degenerativen Veränderungen
der LWS
schlos
sen sie daher aus
.
Wie
Dr.
A._
kamen sie ebenfalls zur Einschätzung
, dass
der Status quo sine per Ende Dezember 2017 erreicht worden sei
und
die noch bestehenden Beschwerden nicht mehr auf den Unfall vom
1.
März
2016 zurück
zuführen seien
(E.
3.11
und
3.12
.3).
4.2
PD
Dr.
B._
und
Dr.
C._
setzten sich mit den massgeblichen
Vorakten
auseinan
der
und legten
anhand der
medizinischen Akten
dar, dass
nicht von einer Akti
vierung der degenerativen Vorzustände
der LWS
durch den Unfall ausgegangen
werden könne
.
So wiesen
PD
Dr.
B._
und
Dr.
C._
darauf hin, dass von einem regulären Heilungsverlauf der
ossären
Unfallfolgen im Becken, der LWS und im
Sakrum
ausgegangen werden könne und die haarförmige, nicht dislozierte
Sak
rum-Insuffizienzfraktur
vollständig knöchern durchgebaut und konsolidiert sei (E.
3.11
und E.
3.12
.3
hiervor).
Dr.
C._
betonte sodann, dass
die durch den Unfall erlittenen Beckenfrakturen und die vorbestehenden degenerativen Veränderun
gen der LWS zu unterscheiden
seien
(E.
3.12
.3).
Nachdem
Dr.
A._
im Gutachten
vom 2
9.
Oktober 2018
sowohl eine Akti
vierung
der
Vorzustände der LWS
als auch das Erreichen des Status quo sine per Ende 2017
vor der Operation im Januar 2018
angegeben
hatte
,
ist nicht zu bean
standen, dass di
e Beschwerdegegnerin PD
Dr.
B._
um
eine Stellungnahme er
suchte
, um
offene
Fragen
zur Kausalität der noch bestehenden Beschwerde
n
zu beantworten
.
Der
medizinische
n
Einschätzung und
den
Schlussfolgerungen von PD
Dr.
B._
und der
C._
ist
daher
entgegen
den Vorbringen
des Beschwerdefüh
rers Beweiswert beizumes
sen (vgl. E. 1.
6
).
Da das Aktengutachten von
Dr.
C._
der Klärung offener Fragen diente,
i
st
darin
auch
keine unzulässige
second
opinion
zu sehen
.
Anzufügen ist, dass die
zweiseitige Beurteilung durch PD
Dr.
B._
ohnehin nur als Ergänzung zu den Gutachten
von
Dr.
A._
zu bewerte
n
ist.
4.3
Gestützt auf die Beurteilung durch PD
Dr.
B._
und
Dr.
C._
ist
in Ergänzung
zum Gutachten von
Dr.
A._
vom 2
9.
Oktober 2018 nicht davon auszugehen, dass es durch den Unfall vom
1.
März 2016 zur Aktivierung der festgestellten degenerativen Vorzustände an der LWS gekommen ist.
Der medizinische Sach
verhalt ist somit als dahingehend erstellt zu erachten
, dass der
status
quo sine spätestens per Ende Dezember 2017 erreicht
worden ist, was sich mit der Ein
schätzung durch
Dr.
A._
deckt
. Die im Januar 2018
erfolgte
Operation und die zu diesem Zeitpunkt und danach geklagten Beschwerden
sind
daher
mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit
nicht mehr auf den Unfall vom
1.
März 2016 zu
rückzuführen.
4.4
Zusammenfassend ist nicht zu bestanden, dass die Beschwerdegegnerin den Fall per Ende Dezember 2017 abgeschlossen und
sie einen weiteren
Leistungsanspruch des Beschwerdeführers verneint hat.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom
1.
April 2020 erweist sich nach dem Gesagten als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.