Decision ID: 4f391a4a-8a91-4418-8d34-737f700aea61
Year: 2022
Language: de
Court: GR_VG
Chamber: GR_VG_005
Canton: GR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

I. Sachverhalt:
1. Das strittige Strassenkorrektions- und Lärmsanierungsprojekt erstreckt
sich von km 5.45 unterhalb des ehemaligen Hotels D._ und endet
beim Dorfeingang von E._ bei km 6.50. Mit Beschluss vom 16.
November 2021 genehmigte die Regierung des Kantons Graubünden das
betreffende Strassensanierungsprojekt unter Auflagen und bereinigte die
dagegen erhobenen Einsprachen. Die Einsprache von A._ und
B._, Miteigentümerin und Miteigentümer von Parzelle F._ in der
Gemeinde C._, wurde von der Regierung teilweise gutgeheissen. Die
Gutheissung bezieht sich auf die beantragte Herabsetzung der
signalisierten Höchstgeschwindigkeit und eine terminliche Koordination mit
einer allfälligen Erneuerung privater Werkleitungen; soweit die Einsprecher
eine Entschädigung für den Landerwerb geltend machten, wurde die
Einsprache dem Tiefbauamt, Sektion Landerwerb, überwiesen; die
weiteren Rügen wurden abgewiesen.
2. Dagegen erhoben A._ und B._ beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden am 17. Dezember 2021 Beschwerde (Verfahren R
21 118) und beantragten, der Projektgenehmigungsbeschluss der
Regierung des Kantons Graubünden vom 16. November 2021 (mitgeteilt
am 17. November 2021), Protokoll Nr. 971/2021, sei aufzuheben und zur
Überarbeitung und Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Der
Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
3. Am 10. Januar 2022 schrieb die Gemeinde C._ dem Gericht, sie habe
nichts gegen die Erteilung der aufschiebenden Wirkung einzuwenden.
4. Am 11. Januar 2022 beantragte die Regierung, der Beschwerde sei keine
aufschiebende Wirkung zu erteilen. Eventualiter sei eine allfällige Erteilung
der aufschiebenden Wirkung auf den Strassenabschnitt zwischen den
Profilen 195.000 bis 250.000 zu beschränken.
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5. In seiner Verfügung vom 18. Januar 2022 kam der Instruktionsrichter im
Verfahren R 21 118 zum Schluss, dass die sofortige Umsetzung der
Strassenkorrektion zu keinem nicht wiedergutzumachenden Nachteil für
die Beschwerdeführer führe. Somit müsse deren Interesse an der
Beibehaltung des status quo hinter den Interessen des Kantons an der
planmässigen Ausführung der Strassenkorrektion zurückstehen.
Entsprechend wies der Vorderrichter das Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung ab.
6. Mit Prozessbeschwerde vom 31. Januar 2022 beantragten A._ und
B._ (nachfolgend Beschwerdeführer) die Aufhebung der in der
vorstehenden Ziffer genannten Verfügung und beantragten, dass der
Beschwerde im Verfahren R 21 118 die aufschiebende Wirkung zu
gewähren sei, eventualiter sei die aufschiebende Wirkung auf den
Strassenabschnitt zwischen den Profilen 195.000 bis 250.000 zu
beschränken. Sie begründen ihre Anträge im Wesentlichen damit, dass der
Vorderrichter falsche und aktenwidrige Ausführungen zum Sachverhalt
gemacht habe und keine summarische Abwägung aller auf dem Spiel
stehenden Interessen vorgenommen habe; stattdessen habe er unkritisch
die Argumentation des Kantons übernommen.
7. In ihrer Stellungnahme vom 10. Februar 2022 befürwortete die Gemeinde
C._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin 2) die Erteilung der
aufschiebenden Wirkung im Beschwerdeverfahren R 21 118 für den
Strassenabschnitt zwischen den Profilen 195.000 bis 250.000. Sie sei
daran, mit den Grundeigentümern ausserhalb des Beschwerdeverfahrens
Lösungsmöglichkeiten zu suchen und sei deshalb ebenfalls darauf
angewiesen, dass die Bauarbeiten zumindest auf dem besagten
Strassenabschnitt während der Dauer des Beschwerdeverfahrens (recte:
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nicht) begonnen würden, um die geplanten Gespräche ungestört führen zu
können.
8. Die Regierung des Kantons Graubünden (nachfolgend
Beschwerdegegnerin 1) stellte in ihrer Stellungnahme vom 14. Februar
2022 zunächst die Zulässigkeit der Prozessbeschwerde in Frage; weiter
hält sie dafür, dass die Rügen der Beschwerdeführer teils auf einem
Missverständnis beruhten, teils haltlos seien. Nach Ausführungen und
Betonung ihres eminenten Interesses, die Erneuerung dieses
Hauptstrassenprojekts ohne weitere Verzögerung an die Hand zu nehmen,
beantragte sie aus prozessökonomischen Überlegungen, dem
Eventualbegehren der Beschwerdeführer zu entsprechen und die
aufschiebende Wirkung – unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten der Beschwerdeführer – auf den Strassenabschnitt zwischen den
Profilen 195.000 bis 250.00 zu beschränken. Mit einer derart beschränkten
aufschiebenden Wirkung würde der Interessenlage der Beschwerdeführer
vollumfänglich entsprochen und die Bauarbeiten an den übrigen
Projektabschnitten könnten zeitnah in Angriff genommen werden.
9. Mit Verfügung vom 21. Februar 2022 bestimmte der Instruktionsrichter: Der
Beschwerde R 22 7 wird die aufschiebende Wirkung betreffend den
Strassenabschnitt zwischen den Profilen 195.000 bis 250.000 zuerkannt.
In diesem Umfang gilt die aufschiebende Wirkung vorläufig auch im
Beschwerdeverfahren R 21 118. Soweit weitergehend wird keine
aufschiebende Wirkung erteilt (vgl. Dispositiv Ziff. 1 der Verfügung). Damit
wurde folglich, zumindest für die Dauer des vorliegenden
Prozessbeschwerdeverfahrens, dem Eventualantrag (Ziff. 3) entsprochen.
10. In ihrer Replik vom 18. März 2022 beschränken die Beschwerdeführer ihre
Rechtsbegehren auf den Umfang der von ihnen beantragten
aufschiebenden Wirkung auf den Strassenabschnitt zwischen den Profilen
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195.000 bis 250.000. Die Beschwerdegegnerinnen hätten der teilweisen
Gewährung der aufschiebenden Wirkung zugestimmt und die
Prozessbeschwerde diesbezüglich anerkannt. Deshalb sei die
Prozessbeschwerde gutzuheissen und die Verfahrenskosten im Minimum
zur Hälfte der Beschwerdegegnerin 1 aufzuerlegen; diese habe zudem die
Beschwerdeführer zu entschädigen.
11. Die Beschwerdegegnerin 1 verzichtete mit Schreiben vom 29. März 2022
auf das Einreichen einer Duplik.

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die prozessleitende Verfügung vom 18.
Januar 2022, worin der Vorderrichter der Beschwerde im Hauptverfahren
R 21 118 die aufschiebende Wirkung nicht gewährte, mit der Begründung,
die sofortige Umsetzung der Strassenkorrektion führe zu keinem nicht
wiedergutzumachenden Nachteil für die Beschwerdeführer. Nach Art. 42
und Art. 52 Abs. 2 i.V.m. Art. 50 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) können die Parteien solche
prozessleitenden Verfügungen innert zehn Tagen beim Verwaltungsgericht
anfechten, sofern sie durch den angefochtenen Entscheid berührt sind und
ein schutzwürdiges Interesse an seiner Aufhebung oder Änderung haben.
Die Beschwerdeführer sind als Miteigentümer der Parzelle F._
unterhalb und in unmittelbarer Nähe zur geplanten Strassenkorrektur- und
Strassenlärmsanierung gegen Osten hin ohne Zweifel zur Beschwerde
legitimiert. Die Prozessbeschwerde vom 31. Januar 2022 wurde überdies
frist- und formgerecht eingereicht, weshalb darauf (zzgl. E.1.2) eingetreten
werden kann.
1.2. Mit dem Entgegenkommen der Beschwerdegegnerin 1 (Regierung), eine
auf den Strassenabschnitt zwischen den Profilen 195.000 bis 250.000
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beschränkte aufschiebende Wirkung zu akzeptieren, liegt keine
vollständige Anerkennung der Prozessbeschwerde vor. Die
Beschwerdeführer haben nämlich im Hauptbegehren die aufschiebende
Wirkung noch selbst ohne Einschränkung beantragt (Ziff. 2), erst im
Eventualbegehren (Ziff. 3) wurde eine Beschränkung der aufschiebenden
Wirkung auf einen bestimmten Strassenabschnitt beantragt. Das
Fallenlassen des Hauptbegehrens durch die Beschwerdeführer im Zuge
des Schriftenwechsels mit der Replik macht deshalb das
Beschwerdeverfahren nicht bereits von selbst (formell) gegenstandslos;
dies ist nur schon deshalb so, weil andernfalls das Provisorium vom 21.
Februar 2022, in welchem der Vorderrichter die aufschiebende Wirkung
explizit auf den Strassenabschnitt zwischen den Profilen 195.000 bis
250.000 beschränkte, dahinfallen und mit nichts ersetzt würde. Bei der
geschilderten Ausgangslage ist – so oder anders – ein materieller
Sachentscheid unerlässlich, um das Beschwerdeverfahren R 22 7
abzuschliessen. Auf die Prozessbeschwerde ist daher auch aus diesem
Grund einzutreten.
2.1. Ausgangspunkt für das vorliegende Prozessbeschwerdeverfahren (R 22 7)
ist die Frage, ob der Vorderrichter im Hauptverfahren (R 21 118) mit seiner
Verfügung vom 18. Januar 2022 zu Recht die aufschiebende Wirkung nicht
erteilt bzw. verweigert hat, im Wesentlichen mit der Begründung, die
sofortige Umsetzung der Strassenkorrektion führe zu keinem nicht
wiedergutzumachenden Nachteil für die Beschwerdeführer und deren
Interessen an der Beibehaltung des IST-Zustands müssten deshalb hinter
die Interessen der Beschwerdegegnerin 1 an der planmässigen
Ausführung der betreffenden Strassenkorrektion zurückstehen. Weil sich
im Zuge des Schriftenwechsels die gegenteiligen Positionen aber
verändert bzw. in Bezug auf ihre Anträge "im Sinne einer Einigung"
gefunden haben, gilt es neu darauf abzustellen.
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2.2. Nachdem sich alle Parteien einhellig mit einer teilweisen Gewährung der
aufschiebenden Wirkung – nämlich beschränkt auf den Strassenabschnitt
zwischen den Profilen 195.000 bis 250.000 einverstanden erklärt haben –
erübrigen sich vertiefte Abklärungen und Ausführungen dazu ebenfalls.
2.3. Diesen Vorgaben entsprechend ist die Prozessbeschwerde (im Sinne des
Eventualantrags gemäss Ziff. 3) im Verfahren R 22 7 gutzuheissen, die
angefochtene Verfügung des Vorderrichters vom 18. Januar 2022 im
Beschwerdeverfahren R 21 118 teilweise aufzuheben und die
aufschiebende Wirkung, ausdrücklich beschränkt auf den
Strassenabschnitt zwischen den Profilen 195.000 bis 250.000, zu
gewähren.
3.1. Im Rechtsmittelverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die
Kosten zu tragen (Art. 73 Abs. 1 VRG). Die Verfahrenskosten bestehen aus
der Staatsgebühr, den Gebühren für die Ausfertigungen und Mitteilungen
des Entscheids sowie den Barauslagen (Art. 75 Abs. 1 VRG). Die
Staatsgebühr beträgt höchstens CHF 20'000.--, sie richtet sich nach dem
Umfang und der Schwierigkeit der Sache sowie nach dem Interesse und
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Kostenpflichtigen (Art. 75 Abs. 2
VRG).
3.2. Der oben in Erwägung 2.3. resümierte Ausgang des Verfahrens bedeutet
nicht ein vollständiges Obsiegen der Beschwerdeführer, haben diese doch
als Prozessbegehren (Ziff. 2) eine uneingeschränkte aufschiebende
Wirkung für das Hauptverfahren R 21 118 verlangt. Auch das Fallenlassen
des Hauptbegehrens in der Replik vom 18. März 2022 ändert daran nichts;
ausser, dass es im Urteilsdispositiv eine Gutheissung anstelle einer
teilweisen Gutheissung gibt. Im Endeffekt bedeutet diese Anpassung im
Verlaufe des Schriftenwechsels nichts Anderes als eine nachträgliche
Reduktion des ursprünglichen Streitgegenstands. Vor diesem Hintergrund
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rechtfertigt sich eine Kostenaufteilung von 50 % zu Lasten der
Gerichtskasse und je 25 % zu Lasten der Beschwerdegegnerin 1
(Regierung) und der Beschwerdeführer; letztere unter sich solidarisch
haftend. Die Beschwerdegegnerin 2 (Gemeinde) ist hingegen nicht mit
Kosten zu belasten, weil sie schon im Hauptverfahren die beschränkte
aufschiebende Wirkung beantragt hat; und dies im Gegensatz zur
Beschwerdegegnerin 1 nicht nur als Eventualantrag. Im vorliegenden
Beschwerdeverfahren wird die Staatsgebühr im Sinne von Art. 75 Abs. 2
VRG auf CHF 1'000.-- (zzgl. Kanzleiauslagen) festgesetzt, wobei die
Kosten für den Erlass der Verfügung vom 21. Februar 2022 darin bereits
mitenthalten sind. Diese Kostenhöhe ist angemessen, weil der Fall
überschaubar ist und insgesamt als nicht aufwändig zu betrachten ist.
3.3. Nach Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei in der Regel
verpflichtet, der obsiegenden Partei alle durch den Rechtsstreit
verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Bund, Kanton und
Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten
Organisationen wird in der Regel keine Parteientschädigung
zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen (Art.
78 Abs. 2 VRG). Laut Honorarnote des Rechtsvertreters (RA Burtscher)
der Beschwerdeführer vom 18. März 2022 wurden für das
Prozessbeschwerdeverfahren mit doppeltem Schriftenwechsel 8.625
Stunden aufgewendet. Dieser Zeitaufwand ist nicht zu beanstanden. Nach
Art. 3 Abs. 1 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen/Rechtsanwälte (Honorarverordnung [HV]; BR 310.250)
gilt im Kanton Graubünden üblicherweise ein Stundenansatz von im
Durchschnitt CHF 240.--. Laut Art. 4 Abs. 1 HV kann bei Vorliegen einer
Honorarvereinbarung davon abgewichen werden, wobei der maximale
Stundenansatz in diesem Fall praxisgemäss bei CHF 270.-- liegt.
Vorliegend liegt eine Honorarvereinbarung vom 5. Dezember 2021 mit
einem Stundenansatz von CHF 250.-- vor. Somit beträgt die
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Parteientschädigung gesamthaft CHF 2'391.95 (zusammengesetzt aus:
Arbeits-/Stundenaufwand 8.625 h x CHF 250.-- [= CHF 2'156.25], zzgl. 3
% Spesen [CHF 64.70] und 7.7 % MWST auf CHF 2'220.95 [CHF 171.--]).
Die Parteientschädigung ist nach dem gleichen Kostverteilschlüssel
aufzuteilen wie die Verfahrenskosten, nämlich zulasten der Gerichtskasse
aufgerundet CHF 1'196.-- (= 50 % von CHF 2'391.95); zulasten der
Beschwerdegegnerin 1 (Regierung) aufgerundet CHF 598.-- (25 % von
CHF 2'391.95) und zulasten der Beschwerdeführer CHF 598.-- (25 % von
CHF 2'391.95; hier Selbstbehalt). Den Beschwerdegegnerinnen steht keine
Entschädigung zu (Art. 78 Abs. 2 VRG).