Decision ID: df714312-7534-4034-b807-893359d118e6
Year: 2007
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eheleute X. und Y. leben mit ihrer Tochter seit Februar 2004 in Z. X. war im Jahr
2004 als kaufmännischer Angestellter mit einem Beschäftigungsgrad von 80 % bei der
A. Versicherungsgesellschaft tätig. Daneben absolvierte er ein Rechtsstudium an der
Universität Fribourg. Seine Ehefrau war bis 31. Juli 2004 bei der B. Versicherungen
angestellt. In der Steuererklärung für 2004 deklarierten die Eheleute ein steuerbares
Einkommen von Fr. 81'590.--, ohne steuerbares Vermögen. In der Steuererklärung
wurden Berufskosten des Ehemannes von Fr. 30'662.-- zum Abzug gebracht,
namentlich Kosten des privaten Motorfahrzeugs von Fr. 1'040.--, Mehrkosten für
auswärtige Verpflegung von Fr. 3'000.-- sowie Weiterbildungs- und
Umschulungskosten im Zusammenhang mit dem Studium in Fribourg von Fr.
18'662.--. Das kantonale Steueramt reduzierte die Berufskosten des Ehemanns auf Fr.
15'353.--. Davon entfielen Fr. 5'113.-- auf Weiterbildungsaufwand im Rahmen des
Studiums in Fribourg. Ausserdem reduzierte die Steuerbehörde die Berufskosten der
Ehefrau sowie den geltend gemachten Schuldzinsenabzug und setzte den steuerbaren
Eigenmietwert der Wohnung auf Fr. 15'870.-- fest. Dementsprechend wurden die
Pflichtigen für 2004 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr. 100'700.--, ohne
steuerbares Vermögen, veranlagt. Eine von den Pflichtigen gegen diese Veranlagung
erhobene Einsprache wurde vom kantonalen Steueramt mit Entscheid vom 22.
September 2006 abgewiesen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B./ Gegen den Einspracheentscheid erhoben die Pflichtigen mit Eingabe vom 21.
Oktober 2006 Rekurs. Die Verwaltungsrekurskommission forderte die Pflichtigen auf,
weitere Beweismittel einzureichen. Ausserdem wurden sie darauf hingewiesen, dass
aufgrund der bundesgerichtlichen Praxis das Rechtsstudium möglicherweise als
Ausbildung und nicht als Weiterbildung betrachtet werden könnte, was zur Folge hätte,
dass die gesamten geltend gemachten Weiterbildungskosten nicht abzugsfähig wären.
Den Pflichtigen wurde Gelegenheit gegeben, sich zu dieser möglichen
Schlechterstellung zu äussern oder den Rekurs zurückzuziehen. Die Pflichtigen hielten
in der Folge an ihrem Standpunkt fest, dass es sich bei den Kosten des Studiums um
abzugsfähige Weiterbildungskosten handle.
Die Verwaltungsrekurskommission wies den Rekurs mit Entscheid vom 8. Juni 2007 ab
und veranlagte die Eheleute für 2004 mit einem steuerbaren Einkommen von Fr.
101'500.--, ohne steuerbares Vermögen. Die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.--
auferlegte sie den Rekurrenten. Die Verwaltungsrekurskommission reduzierte die
abzugsfähigen Berufskosten von Fr. 19'464.-- auf insgesamt Fr. 14'855.--. Namentlich
liess sie anstelle des vom Steueramt gewährten Abzuges für Weiterbildung von Fr.
5'113.-- aufgrund des Studiums lediglich den pauschalen Abzug von Fr. 400.-- zu.
Dagegen erhöhte sie den Schuldzinsenabzug auf Fr. 3'772.-- und reduzierte den
steuerbaren Eigenmietwert auf Fr. 12'760.--. Dementsprechend wurde das steuerbare
Einkommen auf Fr. 101'500.-- festgelegt. Die Verwaltungsrekurskommission erwog, die
geltend gemachten Kosten im Zusammenhang mit dem Rechtsstudium seien nicht
zum Abzug zuzulassen. Es handle sich beim Rechtsstudium um eine (Zusatz-)
Ausbildung und nicht um eine Weiterbildung. Das Studium diene nicht dazu,
vorhandenes Wissen als Schadenspezialist zu vertiefen, zu wiederholen oder
anzupassen. Mit dem Studium strebe der Rekurrent nicht einen Aufstieg im
angestammten kaufmännischen Beruf an, sondern wolle in funktioneller Hinsicht sowie
bezüglich der Ausbildung und der wahrzunehmenden Verantwortung einen anderen
Beruf ergreifen, wenn auch beim gleichen Arbeitgeber oder gar in derselben Abteilung.
Er eigne sich durch das Studium neue Kenntnisse an, die über den Rahmen seiner
beruflichen Tätigkeit hinausgingen. Das Studium vermittle ein juristisches Grundwissen
und baue nicht auf dem bereits erlernten kaufmännischen Beruf auf. Es verschaffe
damit die fachlichen Voraussetzungen für einen Berufswechsel oder den Aufstieg in
eine vom bisherigen Beruf zu unterscheidende höhere Stellung. Die Kosten würden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
daher nicht mehr im Rahmen des bereits erlernten und ausgeübten Berufs
aufgewendet, sondern dienten einer neuen Ausbildung.
C./ Mit Eingabe vom 9. Juli 2007 erhob X. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit
dem Antrag, die Auslagen für das Studium seien steuerlich als Weiterbildungskosten
zum Abzug zuzulassen und er sei von den amtlichen Kosten des Rekursentscheids zu
befreien. Zur Begründung macht er im wesentlichen geltend, bereits im Rahmen der
Bachelor-Stufe seien zahlreiche Inhalte vermittelt worden, die einen Zusammenhang
mit seiner beruflichen Tätigkeit aufweisen würden. Das Master-Studium an der
Universität Fribourg sei in der Tat für Versicherungsspezialisten nicht ideal. Daher habe
er diesen Teil des Studiums in Bern absolviert. Auch seine Masterarbeit habe er einem
Versicherungsthema gewidmet. Er sei daher weiterhin der Ueberzeugung, dass in
seinem Fall das Studium der Rechtswissenschaften als Weiterbildung anzuerkennen
und die entsprechenden Auslagen als abzugsfähig zu qualifizieren seien. Auf die
einzelnen Vorbringen wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen
näher eingegangen.
Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 29. August 2007 unter Hinweis
auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der Beschwerde.
Auch das kantonale Steueramt schliesst in seiner Vernehmlassung vom 17. September
2007 auf Abweisung der Beschwerde und hält fest, es schliesse sich den
Ausführungen der Verwaltungsrekurskommission vollumfänglich an.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeführer sind zur
Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert, und ihre Eingabe entspricht zeitlich, formal
und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG in Verbindung mit
Art. 161 StG und Art. 64 Abs. 1 sowie Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2. Streitgegenstand sind der Abzug der Kosten im Zusammenhang mit dem Studium
der Rechtswissenschaft sowie der Kostenpruch des Rekursentscheids. Die übrigen
Berufskosten sowie die Schuldzinsen und der Eigenmietwert blieben unangefochten.
Darauf ist im Beschwerdeverfahren nicht weiter einzugehen. Zu prüfen ist einzig, ob die
Vorinstanz die Kosten des Studiums zu Recht als nicht abzugsfähige
Ausbildungskosten qualifiziert hat.
2.1. Nach Art. 39 Abs. 1 lit. d StG werden als Berufskosten die mit dem Beruf
zusammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungskosten abgezogen.
Demgegenüber sind Ausbildungskosten grundsätzlich nicht abzugsfähig. Die auf
Anfang 2007 aufgehobene Bestimmung von Art. 46 lit. b StG sah zwar vor, dass
Ausbildungskosten des Steuerpflichtigen und der von ihm unterhaltenen Kinder in
gewissem Umfang abzugsfähig sind. Art. 49 Abs. 1 Ingress StG enthielt jedoch einen
Vorbehalt. Für den Fall, dass Art. 46 lit. b StG aufgrund des Bundesgesetzes über die
Steuerharmonisierung (SR 642.14, abgekürzt StHG) nicht mehr anwendbar war, sah
diese Bestimmung anstelle des Ausbildungskostenabzuges für Kinder gemäss Art. 46
lit. b StG einen anderen Abzug vor. Für Ausbildungskosten des Pflichtigen selber war
hingegen kein Abzug mehr vorgesehen. Ein solcher Abzug ist nach Art. 9 StHG nicht
zulässig. Art. 9 Abs. 1 StHG lässt unter anderem die mit dem Beruf
zusammenhängenden Weiterbildungs- und Umschulungskosten zum Abzug zu; die
weiteren zulässigen Abzüge sind einzeln aufgeführt. Ausbildungskostenabzüge finden
sich in der Auflistung nicht. Art. 9 Abs. 4 StHG bestimmt ausdrücklich, dass weitere
Abzüge nicht zulässig sind (vgl. Markus Reich, Kommentar zum schweizerischen
Steuerrecht I/1, 2. Aufl., Basel/Genf/München, N 24 ff. zu Art. 9 StHG mit Hinweisen).
Der Beschwerdeführer bestreitet denn auch grundsätzlich nicht, dass der streitige
Aufwand nicht als Ausbildungskosten abgezogen werden kann, sondern macht
geltend, in seinem Fall handle es sich bei den Kosten des Studiums um
Weiterbildungsaufwand.
2.2. Als Weiterbildungskosten gelten alle Kosten, die objektiv mit dem gegenwärtigen
Beruf des Pflichtigen im Zusammenhang stehen und auf die zu verzichten dem
Pflichtigen nicht zugemutet werden kann. Auslagen für Weiterbildung sind somit auch
dann abziehbar, wenn nicht fest steht, dass die Weiterbildung unerlässlich war, um die
Erhaltung der Einkommensquelle zu gewährleisten. Das Bundesgericht verwendet sich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
für eine weitherzige Auslegung des Begriffs der Weiterbildungskosten. Auch die
Berufsaufstiegskosten sind abziehbare Weiterbildungsaufwendungen, sofern sie im
Hinblick auf den Aufstieg im angestammten Beruf erfolgen. Nur soweit sie im Hinblick
auf den Aufstieg in eine eindeutig vom bisherigen Beruf zu unterscheidende höhere
Berufsstellung oder gar in einen anderen Beruf aufgewendet werden, handelt es sich
nicht mehr um Weiterbildungs-, sondern um Ausbildungskosten, die den
Lebenshaltungskosten zuzuordnen sind. Auch die Umschulungskosten bilden
Ausbildungskosten. Die Umschulung ist auf das Erlangen der für die Ausübung eines
anderen als des angestammten Berufs erforderlichen Kenntnisse gerichtet. Insofern
handelt es sich um eine Ausbildung besonderer Art, ausgehend von einer
abgeschlossenen Erstausbildung. Aber nicht jede Zweitausbildung kann als
Umschulung im Sinn von Art. 9 Abs. 1 StHG verstanden werden; es muss sich nach
dem Wortlaut der Bestimmung um eine mit dem bisherigen Beruf zusammenhängende
Umschulung handeln. Damit kann kein inhaltlicher oder fachlicher Zusammenhang
gemeint sein. Vielmehr müssen die Beweggründe für die Umschulung in der Ausübung
des bisherigen Berufs liegen. Diese Beweggründe müssen objektiv gewichtig sein (vgl.
statt vieler Reich, a.a.O., N 11 ff. zu Art. 9 StHG).
Die Vorinstanz hat Lehre und Praxis zur Abgrenzung von Weiterbildungskosten,
Berufsaufstiegskosten und Ausbildungskosten ausführlich und zutreffend dargelegt.
Sie hielt fest, der Beschwerdeführer sei als kaufmännischer Angestellter bei den A.
Versicherungen angestellt und verfüge daher bereits über einen Berufsabschluss. Er sei
als Fachspezialist Schaden tätig. Das Studium der Rechtswissenschaft sei auf den
Erwerb des Lizenziats bzw. Masterdiploms ausgerichtet. Mit Hinblick auf das
Studienreglement der Universität Fribourg hielt die Vorinstanz fest, es gebe keine
Wahlfächer, die in direktem Zusammenhang mit Versicherungsrecht stünden. Auch
mache das Privatversicherungsrecht nur einen kleinen Teil der Vorlesungen aus. Das
Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Fribourg diene somit nicht dazu,
vorhandenes Wissen als Schadensspezialist zu vertiefen, zu wiederholen oder
anzupassen. Es sei daher nicht davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer mit
dem Studium einen Aufstieg in seinem angestammten kaufmännischen Beruf anstrebe,
sondern in funktioneller Hinsicht sowie bezüglich der erforderlichen Ausbildung und der
wahrzunehmenden Verantwortung einen anderen Beruf ergreifen wolle, wenn auch
beim gleichen Arbeitgeber oder gar in der selben Abteilung. Der Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eigne sich durch das Studium neue Kenntnisse an, die über den Rahmen seiner
beruflichen Tätigkeit hinausgingen.
2.3. In der Beschwerde macht der Steuerpflichtige geltend, die Vorinstanz übersehe,
dass im Studium bereits im Rahmen der Bachelorstufe zahlreiche Inhalte vermittelt
würden, die im Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit stünden. Das
Masterstudium an der Universität Fribourg sei in der Tat für Versicherungsspezialisten
nicht ideal. Daher habe er das Masterstudium in Bern absolviert, und über die dort
absolvierten Fächer orientiere der Leistungsausweis. Das öffentliche Gesundheitsrecht
sei schwerwiegend im Bereich der Unfall- und Krankenversicherung von Interesse,
dasselbe gelte für das Arbeitsrecht. Selbsterklärend sei das Sozialversicherungsrecht,
und es erscheine offenbar auch der Vorinstanz einleuchtend, dass ein Zusammenhang
seiner Tätigkeit mit den Fächern Privatversicherungs- und Haftpflichtrecht bestehe.
Auch habe er in der Masterarbeit ein Versicherungsthema behandelt. Er sei daher
weiterhin der Ueberzeugung, dass in seinem Fall das Studium der
Rechtswissenschaften als Weiterbildung anzuerkennen und die entsprechenden
Auslagen abzugsfähig seien.
2.4. Gegenüber der Vorinstanz erwähnte der Beschwerdeführer nicht, dass er das
Master-Studium in Bern absolvierte. Er reichte im Einspracheverfahren den
Stundenplan für das Wintersemester 2006/2007 der Universität Fribourg ein. Zwar ist in
der Bestätigung vom 18. November 2005 festgehalten, dass sich der
Beschwerdeführer an diesem Datum exmatrikulierte. Hinweise auf einen Wechsel des
Studienorts fehlten aber sowohl im Einsprache- als auch im Rekursverfahren. Der
Beschwerdeführer verwies in seinen Eingaben ausdrücklich auf den Stundenplan der
Universität Fribourg. Der Vorinstanz kann daher keine fehlerhafte
Sachverhaltsfeststellung vorgehalten werden, wenn sie die Frage des Vorliegens von
Weiterbildungs- oder Ausbildungskosten nach Massgabe des Studienreglements der
Universität Fribourg beurteilte. Der Umstand, dass der Beschwerdeführer das Master-
Studium in Bern abgeschlossen hat, ist im vorliegenden Fall nicht von entscheidender
Bedeutung. Zwar trifft es zu, dass verschiedene Fächer einen Zusammenhang mit dem
Versicherungsrecht und Versicherungswesen aufweisen. Dies betrifft sowohl das
öffentliche Gesundheitsrecht als auch das Privat- und das Sozialversicherungsrecht,
daneben aber auch das Haftpflichtrecht. Allein der Zusammenhang der genannten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsgebiete mit dem Versicherungswesen lässt das Rechtsstudium im vorliegenden
Fall aber nicht als Weiterbildung im angestammten Beruf erscheinen. Rechtsgebiete,
die an der Universität gelehrt werden, befähigen einen Studienabsolventen in der Regel
nicht, im fraglichen Spezialgebiet ohne weiteres praktisch tätig zu sein. Als
Schadensspezialist kennt sich der Beschwerdeführer in den Abläufen der
Schadenserledigung und in der praktischen Handhabung der entsprechenden
Bestimmungen und Regelungen aus. Wenn er in seinem angestammten Beruf
Rechtsfragen behandeln und entscheiden müsste, konnte er dies auch vor Abschluss
des Studiums. Zutreffend hielt die Vorinstanz fest, dass ihm das Rechtsstudium die
Voraussetzungen für eine Tätigkeit in einem anderen Bereich verschafft. Wer als
Schadensspezialist ein Rechtsstudium absolviert, der macht dies nicht mit der Absicht,
seine Arbeit qualifizierter zu erledigen bzw. die angestammte Tätigkeit mit einem
erweiterten rechtlichen Hintergrundwissen auszuführen. Vielmehr verschafft er sich
damit die Voraussetzungen, eine andere bzw. eine höhere Funktion zu bekleiden. Dies
kann, wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ebenfalls beim bisherigen
Arbeitgeber und sogar in der angestammten Abteilung sein. Das Studium kann aber
auch einen Wechsel ermöglichen. Ohnehin werden in der Praxis komplexere
Rechtsfragen im Bereich der Schadensbearbeitung in den Rechtsabteilungen oder von
spezialisierten Juristen erledigt, nicht von Schadenssachbearbeitern ohne juristische
Grundausbildung. Der Beschwerdeführer würde gegen jegliche Vernunft handeln, wenn
er nach abgeschlossenem Studium weiterhin auf seinem angestammten Bereich tätig
sein würde, nachdem ihm das Studium die fachlichen Voraussetzungen für einen
Aufstieg in erheblich höhere Positionen verschaffte. Daran ändert die Tatsache, dass
verschiedene Studienfächer einen näheren Bezug zur bisherigen Tätigkeit des
Beschwerdeführers aufweisen, nichts.
2.5. Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die
Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, dass es sich beim juristischen Studium
nicht um eine Weiterbildung oder Umschulung handelte, sondern um eine Ausbildung,
die für den Beschwerdeführer einen dauernden Gegenwert darstellt, indem er aufgrund
seines zusätzlich erworbenen Wissens seine berufliche Leistungsfähigkeit und seine
Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich erhöht. Folglich hat die Vorinstanz die
Aufwendungen zu Recht als Ausbildungskosten qualifiziert und die Abzugsfähigkeit
verweigert. In diesem Punkt ist die Beschwerde abzuweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.6. Der Beschwerdeführer ficht weiter den Kostenspruch des Rekursentscheids an.
Die Vorinstanz auferlegte ihm die amtlichen Kosten von Fr. 1'200.--. Der
Beschwerdeführer macht geltend, der Rekurs sei nicht vollständig abgewiesen worden,
sondern in einigen Punkten (Eigenmietwert, Darlehen, Fahrkosten), auf die sich der
Rekurs schwergewichtig bezogen habe, sei auf seine Darlegungen abgestellt worden,
weshalb nach seinem Dafürhalten eine Kostentragungspflicht entfalle.
Nach Art. 95 Abs. 1 VRP werden die amtlichen Kosten in Streitigkeiten demjenigen
Verfahrensbeteiligten auferlegt, der mit seinem Begehren ganz oder teilweise
unterlegen ist. Amtliche Kosten werden nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz.
758 ff.; R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 93 ff.). Massgebend ist, ob
dem Begehren des Beschwerdeführers entsprochen wurde. Im Bereich der
Ausbildungskosten hat die Vorinstanz den angefochtenen Entscheid zu Ungunsten des
Beschwerdeführers abgeändert. Trotz der teilweisen Gutheissung im Bereich anderer
Abzüge ergab sich für den Beschwerdeführer im Rekursentscheid eine
Verschlechterung seiner Rechtsstellung. Dies rechtfertigte es, die gesamten amtlichen
Kosten des Rekursverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.
3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens sind dem Verfahrensausgang
entsprechend dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Der Beschwerdeführer ist
unterlegen (Art. 98bis VRP), und der Beschwerdegegner hat keinen Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung (vgl. Hirt, a.a.O., S. 176).