Decision ID: 8788f548-e004-461c-b91b-cfd16ee28026
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1974 geborene
X._
, türkische Staatsangehörige und Mutter
eines 2005 geborenen Kindes, war seit ihrer Einreise in die Sch
weiz am 1
6.
Oktober
1999 (
Urk.
7
/1/1,
Urk.
8/13/1) nie
erwerbstätig (vgl.
Urk.
7
/1/5-6;
Urk.
7/5). Aufgrund einer
im September
2010 erfolgten Anmeldung (
Urk.
7
/1)
sowie nach medizinischen Abklärungen
und durchgeführtem Vorbescheid
ver
fah
ren
(
Urk.
7/15,
Urk.
7/23)
verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kant
ons Zürich, IV
Stelle, mit Verfügung vom 2. März 2011
einen
Leistungs
anspruch der Versi
cherten (
Urk.
7
/25). Die dag
egen erhobene Beschwerde (
Urk.
7
/27/3ff.) hiess das hiesige Gericht mit Urteil IV.2011.00299
vom 15.
Dez
ember 2011 in dem Sinne gut, dass
es die Sache zur Vornahme weiterer medizinischer Abklärungen an
die IV-Stelle zurückwies (Urk.
7
/30
/1-11
).
1.2
In Umsetzung des
vorgenannten Gerichtsentscheids
veranlasste die IV-Stelle
beim
A._
das polydisziplinäre Gutachten (All
gemeinmedizin/Rheumatologie/
Gastro
-
enterologie
/Psychia
trie) vom 1
5.
April 2014 (Urk. 7
/53
/1-34
). Ferner beauftragte sie ihren
Abklärungsdienst mit der Abklä
rung
der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit der Versicherten im Haushalt (
vgl.
Ab
klä
rungs
bericht vom
5.
Juni 2014,
Urk.
7
/54).
Nach durchgeführtem Vorbescheid
ver
fahren
(
Urk.
7
/57
,
Urk.
7
/61,
Urk.
7
/66/2
,
Urk.
7/76
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vo
m
6.
März
201
5
einen Leistungsanspruch der Versicherten
(Urk
. 7/81
).
Die von derselben sowie von den
Sozialhilfebehörde
n
der Stadt
B._
dagegen erhobene Beschwerde
(
Urk.
7/85/3 ff.)
wies das hiesige Gericht m
it Urteil IV.2015.00439 vom 11.
August 2015 ab (
Urk.
7/89/1-20
). Dieser Ent
scheid verblieb unangefochten.
1.3
Im
August
2017
meldete die leitende
Ärztin der p
sychiatrischen
K
linik
C._
die Versicherte
erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/94
; von der Ver
si
cherten nachträglich gezeichnet am 2
8.
August 2017,
Urk.
7/97
).
Nach durchge
führtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/101) trat die IV-Stelle mangels einer glaub
haftgemachten wesentlichen Ve
ränderung mit Verfügung vom 16.
November 2017
auf die Neuanmeldung nicht ein (
Urk.
7/102).
Diese Verfügung verblieb unange
fochten.
1.4
Im März 2
019
meldete
der
seit Januar 2018 delegierend
behandelnde
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH für P
sychiatrie und Psychotherapie, Z
entrum
E._
,
die Versicherte
unter Hinweis auf eine Zusta
ndsverschlechterung aber
mals zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/111; von der Versicherten nachträglich ge
zeichnet am 1
2.
April 2019,
Urk.
7/113). Nach
medizinischen Abklärungen sowie
Abklärung
der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit der
Versicherten im Haushalt
(vgl. Abklärungsbericht vom
2
1.
November
2019,
Urk.
7/123)
und
durchge
führ
tem Vorbescheidverfahren (
Urk.
7/125,
Urk.
7/126
,
Urk.
7/142
) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
2.
Jun
i 2020 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
4.
August 2020 Beschwerde und beantragte, es sei ihr in Aufhebung des angefochtenen Entscheids gestützt auf einen IV-Grad von zumindest 50
%
rückwirkend ab
dem
1.
April 2019 eine IV-Rente zuzu
sprechen. Eventualiter sei die
Haushaltsabklärung vom 3
0.
Oktober 2019 als un
gültig zu erklären und die IV-Stelle anzuweisen, den Sachverhalt richtig und vollständig abzuklären.
Subeventualiter
sei die Sache zur Neubeurteilung an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
5.
Oktober 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am
6.
Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17
des
Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(
ATSG
)
eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.
2
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer
wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche
Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.4
Bei nichterwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich tätig sind und denen
eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, wird für die Bemessung der Invalidität in Abweichung von
Art.
16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich zu betätigen.
Art.
7
Abs.
2 ATSG ist sinngemäss anwendbar (Art. 28a
Abs.
2 IVG in Verbindung mit
Art.
8
Abs.
3 ATSG; spezifische Methode der Invaliditätsbemessung [Betätigungsvergleich]; vgl. statt vieler: BGE 142 V 290 E. 4). Als Aufgabenbereich nach Artikel 7 Absatz 2 IVG der im Haushalt tätigen Versicherten gilt die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und Betreuung von Angehörigen (
Art.
27
Abs.
1 IVV in der seit
1.
Januar 2018 geltenden Fassung).
1.5
Bei der Bemessung der Invalidität von im Haushalt tätigen Versicherten ist die Schadenminderungspflicht von erheblicher Relevanz. Nach der Rechtsprechung ist dabei vom Grundsatz auszugehen, dass einem Leistungsansprecher im Rahmen der Schadenminderungspflicht Massnahmen zuzumuten sind, die ein vernünfti
ger Mensch in der gleichen Lage ergreifen würde, wenn er keinerlei Ent
schä
digung zu erwarten hätte. Für die im Haushalt tätigen Versicherten bedeutet dies, dass sie Verhaltensweisen zu entwickeln haben, welche die Auswirkungen der
Behinderung im hauswirtschaftlichen Bereich reduzieren und ihnen eine mög
lic
hst vollständige und unabhängige Erledigung der Haushaltarbeiten ermög
lichen. Kann die versicherte Person wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Ein invaliditätsbedingter Ausfall darf bei im Haushalt tätigen Personen nur insoweit angenommen werden, als die Aufgaben, welche nicht mehr erfüllt werden können, durch Drittpersonen gegen
Entlöhnung
oder durch Angehörige verrichtet werden, denen dadurch nachge
wiesenermassen eine Erwerbseinbusse oder doch eine unverhältnismässige Belas
tung entsteht. Die im Rahmen der Invaliditätsbemessung bei einer Hausfrau zu berücksichtigende Mithilfe von Familienangehörigen geht daher weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende Unterstützung. Geht es um die Mitarbeit von Familienangehörigen, ist danach zu fragen, wie sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einrichten würde, wenn keine Versicherungs
leistungen zu erwarten wären. Dabei darf nach der Rechtsprechung unter dem Titel der Schadenminderungspflicht nicht etwa die Bewältigung der Haushalt
tätigkeit in einzelnen Funktionen oder insgesamt auf die übrigen Familien
mit
glieder überwälzt werden mit der Folge, dass gleichsam bei jeder festgestellten Einschränkung danach gefragt werden müsste, ob sich ein Familienmitglied fin
den lässt, das allenfalls für eine ersatzweise Ausführung der entsprechenden Teil
funktion in Frage kommt. Schliesslich vermag die Tatsache, dass sich die der Rechtsprechung
zugrunde liegenden
, in
Art.
159
Abs.
2 und 3 ZGB zwischen den Ehegatten und in
Art.
272 ZGB zwischen Eltern und Kindern statuierten Bei
standspflichten nicht unmittelbar durchsetzen lassen (d.h. weder klagbar noch vollstreckbar sind), sondern nur freiwillig erfüllt werden können, an der Schaden
minderungspflicht der im Haushalt beschäftigten Versicherten nichts zu ändern. Denn wie auch im Erwerbsbereich darauf abzustellen ist, ob die verbleibende Erwerbsfähigkeit auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt grundsätzlich verwert
bar ist, unabhängig davon, ob eine solche Anstellung rechtlich durchsetzbar ist, ist auch in Bezug auf den Haushaltbereich davon auszugehen, was in der sozialen Realität üblich und zumutbar ist, unabhängig davon, ob eine Mithilfe rechtlich durchsetzbar ist (BGE 133 V 504 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.6
Die von einer qualifizierten Person durchgeführte Abklärung vor Ort (nach Mass
gabe des Art. 69 Abs. 2 IVV; vgl. auch Rz. 3081 ff. des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung, KSIH, gültig ab 1. Janu
ar 2015) stellt für gewöhnlich die geeignete und genügende Vorkehr zur Bestimmung der gesundheitlichen Einschränkung im Haushalt dar.
Hinsichtlich des Beweiswerts der entsprechenden Berichterstattung ist wesentlich, dass sie durch eine qualifizierte Person erfolgt, die Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den medizinischen Diagnosen sich erge
benden Beeinträchtigungen und Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinungen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plau
sibel, begründet und angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschrän
kungen sein sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Diese Beweiswürdigungskriterien sind nicht nur für die im Abklärungsbericht enthaltenen Angaben zu Art und Umfang der Behinderung im Haushalt mass
gebend, sondern gelten analog für jenen Teil eines Abklärungsberichts, der den mutmasslichen Umfang der erwerblichen Tätigkeit von teilerwerbstätigen Versi
cherten mit häuslichem Aufgabenbereich im Gesundheitsfall betrifft (Urteil des Bundesgerichts
I 236/06 vom 19. Juni 2006 E. 3.2
).
2.
2.1
Im angefochtenen
Entscheid erwog
die Beschwerdegegnerin
, gestützt auf die Haushaltsabklärung sei die
Beschwerdeführerin
als zu 100% im Aufgaben
bereich tätig zu qualifizieren
. Dabei sei sie
insgesamt
zu 16.5
%
eingeschränkt.
Daraus
resultiere ein rentenausschliessender IV-Grad von 16.5
%
(
Urk.
2)
.
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein, die IV-Stelle habe die psychische Krankheit im Rahmen der Hausabklärung nicht berücksichtigt und damit den Sachverhalt nicht korrekt abgeklärt.
Zudem sei der Abklärungsperson die fach
liche Qualifikation abzusprechen, da sie die psychischen Leiden nicht geprüft und berücksichtigt habe. Darüber hinaus habe letztere zu wenig nachgefragt bzw. abgeklärt, weshalb die geschilderten Einschränkungen bestünden. Damit fehle dem Bericht die sachliche und rechtliche Richtigkeit und sei von Willkür auszu
gehen. Zudem
sei den fachärztlichen Einschätzungen im Bereich psychischer Störungen den Vorrang zu geben, soweit
eine divergierende
Haushaltsabklärung bestehe. Schliesslich sei
der Beschwerdeführerin die Unterstützung durch den Sohn im Haushalt nicht anzurechnen im Sinne der Schadenminderungspflicht. Einerseits absolviere dieser derzeit eine Berufslehre und müsse er sich andererseits mehr um sich selber, statt um seine Eltern, kümmern. Dies sei denn auch den
Protokollen der zuständigen Sozialbehörde zu entnehmen. Unterstützungen durch
die Nachbarn seien eine Gefälligkeit und ebenfalls nicht im Sinne der Schaden
minderungspflicht anzurechnen
(
Urk.
1 S. 8 ff.)
.
3.
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung eingetreten.
Gestützt auf den in allen Teilen als beweisbildend zu beurteilenden Abklärungsbericht vom
21. November 2019
(
vgl. nachfolgend E. 5) ist der (Ex-
)
Ehemann
der Beschwerde
führerin
im massgeblichen Zeitraum zwischen der
gerichtlich bestätigten Ver
fügung
6.
März 2015 (Urk.
7/81,
Urk.
7/89; vgl. E. 1.2
)
und de
r angefochtenen
Verfügung vom 2
2.
Juni 2020
(
Urk.
2)
aus der Familienwohnung
ausgezogen. Zudem ist die bisher
ige ausserschulische
Fremdbetreuung des Sohns (Hort)
ab Sommer 2019
weggefallen
(vgl. dazu diskrepant das Protokoll der Sozialbehörde der Stadt
B._
vom
1.
Oktober 2019, wonach der Beschwerdeführerin bis
2
0.
April 2020 Kostengutsprache für den Mittagstisch erteilt wurde, vgl.
Urk.
3/12)
.
Beides
wirkt
sich auf den Aufgabenbereich der Beschwerdeführerin aus. Eine solche Änderung in den familiären Verhältnissen führt in der Regel zu einer Neugewichtung der einzelnen Tätigkeiten, die der Aufgabenbereich "Haushalt" umfasst. So bedeutet ein von der Anzahl Personen her kleinerer Haushalt eine Entlastung der für diesen Aufgabenbereich verantwortlichen Person, indem etwa weniger eingekauft, gekocht und geputzt werden muss und weniger Arbeit bei der Wäsche und Kleiderpflege anfällt. Im Gegenzug fällt eine allfällige Mithilfe der nicht mehr im selben Haushalt wohnenden Personen weg. Insofern ist ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG gegeben (vgl. Urteil des Bun
desgerichts 9C_410/2015 vom 1
3.
November 2015, E
. 4.2.1).
Daran ändert auch nichts,
wenn
d
em Abklärungsbericht vom
5.
Juni 2014 weder eine Festlegung der Qualifikation noch Gewichtung der einzelnen Tätigkeiten und Einschränkungen innert derselben zu entnehmen ist (
vgl.
Urk.
7
/54
).
Z
u prüfen
ist im Folgenden
, ob
die Beschwerdeführerin nunmehr
einen Renten
anspruch hat
.
Im Rahmen der Neuanmeldung vom August 2019 stellte sich die Aktenlage wie folgt dar:
4.
4.1
4.1.1
Dr.
D._
diagnostizierte nach dem Erstgespräch vom 1
8.
Januar 2018 (1) eine
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10: F33.3), (2) eine posttraumatische Belastungs
stö
rung (
PTBS,
ICD-10: F43.1), (3) eine emotional instabile Persönlichkeits
stö
rung, Borderline-Typ (ICD-10:
F60.31
), (4) Störungen durch Opiate, Abhängig
keits
syn
drom (ICD-10: F11.2) und (5) Störungen durch Tabak, Abhängigkeitssyn
drom (ICD-10: F17.2,
Urk.
8/111/11). Die
alevitisch
-
kurdi
sche Beschwerdefüh
rerin sei
mit vier
(Halb-)
Geschwistern in der Türkei
aufgewachsen
. Die Familie sei politisch verfolgt worden. Die Elter
n hätten sich scheiden lassen und d
er neue Partner der Mutter habe sie (die Beschwerdeführerin) rege
lmässig sexuell missbraucht. Weiter
habe die Beschwerdeführerin
in Ankara französische Literatur studiert. Bei Demon
strationen sei sie verhaft
et worden und 2004 als Asylsuchende
in die Schweiz gekommen. Im Asylheim habe sie ihren zukünftigen Mann kennengelernt.
Ca.
2014
sei es zur Scheidung gekommen
. Das Verhältni
s zum Ex-Mann sei nicht gut; zu ihrer
Herkunftsfamilie
habe die Beschwerdeführer
i
n
wegen Konflikten
kein
en
Kontakt
(
vgl.
Bericht vo
m 18.
Januar 2018,
Urk.
7/111/10 f.
).
Beim Ersttermin hätten sich Einschränkungen der Aufmerksamkeit, Konzen
tra
tion und Merkfähigkeit gezeigt. Zudem bestünden
taktile Halluzinationen und akustische
Akoasmen
,
Interessen- und Freudverlust, eine Antriebsverminderung, Hinweise auf Ängste, eine psychomotorische Verlangsamung, Durchschlaf
stö
rungen, Al
b
träume, Flashbacks, eine erhöhte Schreckhaftigkeit und Inappetenz. Die Beschwerdeführerin sei im Affekt deprimiert, erhöht reizbar, autoaggressiv (Schlagen des Kopfes gegen die Wand) und habe Schuldgefü
hle. Zweifach habe sie versucht
sich umzubringen (in der Türkei mittels Pulsadern aufschneiden und in der Schweiz c
a. 2014 mit Medikamenten,
Urk.
7
/11
1
/10 f.).
4.1.2
Auf Zuweisung der behandelnden Psychologin wurde die Beschwerdeführerin v
om 1
6.
Oktober 2018 bis 1
5.
Januar 2019 auf der Spezialstation für
Trauma
folgestörungen
der i
ntegrierten Psychiatrie
F._
stationär behandelt
.
Im Austrittsbericht vom 2
9.
Januar 2019
hielt
Dr.
med. G._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie sowie leitender Arzt des
F._
,
im Wesentlichen (1) eine rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige E
pisode (ICD-10: F33.1), (2)
PTBS (ICD-10: F43.1), (3) Panikstörung (ICD-10: F41.0) sowie (4)
emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ
(ICD-10:
F60.31
) fest
. Die Beschwerdeführerin habe berichtet, schon seit vielen Jahren unter ein
schiessenden, schlimmen Bildern zu leiden. Seit sechs bis sieben Jahren höre sie immer wieder Schreie im Kopf und rhythmische Geräusche wie auf einer Bau
stelle, wobei ihr klar sei, dass diese nicht real
existierten. Sie leide unter Alb
träumen,
welche
die schlim
me Zeit in der Türkei betreffen würden
. Auf Fla
sh
backs reagiere sie mit Aufreg
ung und Sel
bstbeschuldigungen. Weiter habe die Beschwerdeführerin Angst vor der Dunkelheit,
ihrem Schatten und vor Personen; selbst wenn sie wisse, dass dies
e ihr nichts tun würden. Zudem
fürchte sie sich
vor Stille. Alsdann
kontrolliere
die Beschwerdeführerin
ih
re Wohnungstüre abends
mehrfach daraufhin,
ob sie denn auch wirklich
geschlossen sei. D
ie Wohnung
verlasse sie
tagsüber nur, wenn sie müsse und abends nur in Begleitung ihres halbwüchsigen Sohnes. Alle zwei bis drei Tage erleide sie eine Panikattacke, welche sie mit
Temesta
behandle. Es komme vor, dass ihr im Haushalt Missge
schicke passierten und sie Dinge einfach
fall
en lasse. Dann erschrecke sie jeweils extrem und das Herz klopfe bis zum Hals. Sie sei stark deprimiert und hoff
nungslos, erheblich gereizt bis hin zu Wutausbrüchen
, im Antrieb stark reduziert. Sie
habe sich sozial erheblich zurückgezogen. Es bestünden meistens unterdrückte Aggressionen; ca.
ein Mal
die Woche fege sie Gegenstände vom Tisch. Etwa zwei
Mal im Monat schlage sie mit dem Kopf gegen die Wand oder mit der offen
en Hand auf die Schenkel (
Urk.
7
/111/4).
Dr.
G._
kam zum Schluss, die
einer religiösen Minderheit angehörend
e
Be
schwerdeführerin
sei
unter der Fuchtel einer gewalttätigen Mutter in der Türkei
aufgewachsen. N
ach wiederholten sexuellen Übergriffen durch lokale Behörden
mitglieder und einer sehr nahen Bezugsperson
habe sie «schleichend und
c
achet
»
durch depressive Episoden, agoraphobisch anmutenden Ängsten und Panik
at
tacken das Vollbild einer
PTBS
entwickelt. Darüber hinaus habe die im Elternhaus erfahrene jahrelange Gewalt und Erniedrigung, verbunden mit Resignation, Angst- und Schamgefühlen
,
zu anhaltenden Fehlregulationsmustern
geführt, welche namentlich die B
orderline
-
Anteile erklären könnten. So etwa eine gestörte Affekt- und Impulsregulation mit Sachbeschädigungen zu Hause und sich selber Schlagen,
Somatisierungsphänomene
im
Gastrointestinaltrakt
und in den Beinen, dissoziative Symptomatik mit Wahrnehmungs- und Bewegungsstörungen,
ein
chronisch beeinträchtigtes Identitätsgefühl mit wahrgenommener Leere, Selbst
be
schuldigung und überdauernde, negative Einstellungen sich selbst
und der Um
welt gegenüber (
Urk.
7
/111/6).
4.1.3
Mit Schreiben vom 2
8.
März 2019 machte
Dr.
D._
eine Verschlechterung
akte
nkundig
und begründete dies wie folgt: Die Depression habe sich trotz psycho- und
pharmakotherapeutischer
Massnahmen chronifiziert; die als Persön
lichkeitsakzentuierung beurteilte Problematik sei als Persönlichkeitsstörung zu werten; betreffend die chronische Diarrhoe und Stuhlinkontinenz seien die thera
peutischen Massnahmen ausgeschöpft. Es
lägen
komplexe psychische und soma
tische Erkrankungen
vor
, die sich gegenseitig negativ beeinflussten. Die Be
schwerdeführerin sei seit Behandlungsbeginn im August 2017 (initial im Zentrum
H._
, seither bei
E._
)
zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/114
).
4.1.4
Im Bericht vom 2
1.
Mai 2019
erneu
er
t
e
Dr.
D._
die bereits erwähnten Dia
gnosen
(vgl. E. 4.1.1)
und
hielt
zudem fest, die Beschwerdeführerin sei im ersten und zweiten Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsunfähig. Im Haushaltsbereich könne sie keine schweren Dinge heben und
es
bestehe eine verminderte Belastbarkeit bei Aufräum- und Putzarbeiten; zur Unterstützung bestehe eine wöchentliche ha
uswirtschaftliche Spitex (
Urk.
7
/119/6).
4.2
Anlässlich der Haushaltsabklärung vom 3
0.
Oktober 2019
(
Urk.
7
/123)
kam die Abklärungsperson zum Schluss, die Beschwerdeführerin sei als zu 100
%
im
Haushalt tätig zu qualifizieren. Sie sei
seit vier bis fünf Jahren geschieden
und
wohne nunmehr mit ihrem 14-jährigen
Sohn
in einer 3.5-Zimmerwohnung an der bisherigen Adresse. S
ei
t
ihrer Einreise in die Schweiz
1999 sei sie weder
einer
E
rwerbstätigkeit nachgegangen noch
habe
sie sich
intensiv um eine St
elle be
müht; seit 2010 werde die Beschwerdeführerin vom Sozialamt unterstützt. Mithin sei
davon aus
zugehen
, dass die Beschwerdeführerin auch ohne Gesundheits
scha
den aktuell keiner
ausserhäuslichen
Er
werbstätigkeit nachginge (
Urk.
7/123
/4 f.).
Alsdann gewichtete
d
ie Abklärungsperson
den Haushaltsanteil «Ernährung»
mit 30
%
. Unter Berücksichtigung der altersentsprechenden Mithilfe durch den Sohn sowie
wöchentliche
Haushaltspitex
für die Wohnungsgrundreinigung
hielt
sie
in diesem Bereich eine 20
%
ige resp. gewichtet 6
%
ige Einschränkung fest
.
Zur Be
gründung notierte die Abklärungsperson, s
eit Sommer 2019 komme der Sohn
mittags zum Essen nach Hause; altershalber habe er nicht mehr zum Mittagstisch gewollt. Die Zubereitung der Mahlzeiten sei der Beschwerdeführerin weiterhin
selbständig
möglich. Kochen und rüsten bereiteten ihr keine Probleme.
Sie koche zeitweise auch mehr, damit der Sohn am Folgetag den Rest in der Mikrowelle aufwärmen könne. Selber nehme sie nicht viel zu sich. Oftmals bediene man sich auch nur aus dem Kühlschrank und esse kalt.
Der Sohn esse mittags
meist alleine, sie selber esse
vermehrt am Abend.
Wenn der Ex-Mann vorbeikomme, esse man im Familienkollektiv am Tisch. Der Tisch werde von der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn gedeckt und aufgeräumt. Pfannen- und Geschirrspülen erledige die Beschwerdeführerin selber, zeitweise helfe der Sohn beim Aufräumen der Küche.
Leichtere, oberflächliche Reinigungsarbeiten erledige die Beschwerdeführerin weiterhin selbständig;
für
die Grundreinigung
der Wohnung
komme seit Mai 2019 die
Haushaltspitex
ein Mal
pro Woche für eine Stunde und 15 Minuten
(Urk. 7/123/7)
.
Im mit 35
%
gewichteten Aufgabenbereich
«
Wohnungs- und Hauspflege»
sei die Beschwerdeführerin unter
Berücksichtigung der Mithilfe durch den Sohn sowie
die
Haushaltspitex
zu 30
%
, gewichtet
10.5
%
eingeschränkt
. Die oberflächliche Reinigung (Aufräumen, Abstauben, Boden mit einem leichten Staubwischer aufnehmen, Auswischen der Lavabos etc.) sei ihr weiterhin über den Tag
verteilt möglich. Altershalber räume der Sohn sein Zimmer selber auf. D
ie Fenster
rei
ni
gung werde ein bis zwei Mal pro Jahr von der Nachbarin übernommen.
Das Be
wässern der Zimmerpflanze erledige die Beschwerdeführer
in
selber (
Urk.
7/123/8).
In den Haushaltsbereichen «Betreuung von Kindern und/oder Angehörigen», «Wäsche und Kleiderpflege» sowie «Einkauf und weitere Besorgungen» notierte die Abklärungsperson keinerlei Einschränkung. Der Sohn gehe selbständig zur Schule und sei nach eigenen Angaben sowohl in der Schule als auch in der Freizeit gut organisiert; zu seinem Vater bestehe regelmässig Kontakt. Die Wäsche und Kleiderpflege erledige die Beschwerdeführer selbständig. Die Waschmaschine befinde sich in der Wohnung; gelegentlich werde sie beim Aufhängen von
grösseren Wäschestücken von der
Haushalt
spitex
unterstützt. Sodann
gehe die Beschwerdeführerin mit einer Bekannten mit dem Auto einkaufen; kleinere Ein
käufe übernehme der Sohn oder der Ex-Mann. Kleider würden online bestellt.
Daraus result
ier
e eine Gesamtinvalidität im Hau
shaltsbereich von 16.5
%
(
Urk.
7
/123
/10
).
5.
5.1
Gemäss Feststellungblatt
(
Urk.
7/124/3 ff.)
stützte sich die Beschwerdegegnerin
im Rahmen ihrer Beurteilung
unter anderem
auf die unter E. 4.1 zitierte
n Arzt
berichte von
Dres
.
D._
und
G._
,
einschliesslich des
Be
richts vom 21.
Mai 2019 sowie auf den Abklärungsberi
cht vom 21. November 201
9.
Soweit die Be
schwerdeführerin moniert, die Beschwerdegegnerin habe die psychischen Leiden im Rahmen ihrer Beurteilung nicht gewürdigt und deshalb den Untersu
chungs
grundsatz verletzt (
Urk.
1 S. 8), kann ihr damit nicht gefolgt werden.
5.2
Sodann ist d
er
A
bklärungsbericht vom 2
1.
November
2019
von einer qualifi
zier
ten Person in Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhäl
tnisse verfasst worden sowie
plausibel und angemessen detailli
ert bezüglich der einzelnen Ein
schrän
kungen
begründet worden
,
womit er den an ihn gestellten Anforderungen ent
spricht (E. 1.5)
.
Soweit die Beschwerdeführerin argumentiert, abzustellen sei auf die Angaben der behandelnden Ärzte, welche mehr Gewicht hätten als der Ab
klärungsbericht
(
Urk.
1 S. 8)
, bezieht sich dies auf den Fall, dass sich bei einer psychisch beeinträchtigten versicherten Person die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen widersprechen. Prinzipiell stellt der Abklärungsbericht auch dann eine beweistaugliche Grundlage dar, wenn es um die Bemessung einer psychisch bedingten Invalidität geht, d.h. wenn die Beur
teilung psychischer Erkrankungen im Vordergrund steht. Widersprechen sich die Ergebnisse der Abklärung vor Ort und die fachmedizinischen Feststellungen zur Fähigkeit der versicherten Person, ihre gewohnten Aufgaben zu erfüllen, ist in der Regel den ärztlichen Stellungnahmen mehr Gewicht einzuräumen als dem Bericht über die Haushaltsabklärung, weil es der Abklärungsperson regelmässig nur beschränkt möglich ist, das Ausmass des psychischen Leidens und der damit verbundenen Einschränkungen zu erkennen (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts
8C_157/2017
vom
6.
November 2017, E. 4.3 mit weiteren Hinweisen
). Entgegen der von der Beschwerdeführerin vertretenen Auffassung sind
vorliegend
keine Umstände auszumachen, welche den Abklärungsbericht als ungeeignet oder mangelhaft erscheinen liessen.
Insbesondere wurden die p
sychiatrischen Dia
gnosen
sowie die
Arztberichte von
Dres
.
D._
und
I._
vom
2
1.
Mai 2019 und
1
6.
Juni 2019
im Abklärungsbericht dokumentiert und
berücksichtigt
. Das
selbe gilt für die Angaben
und Äusserungen
der Beschwerdeführerin
gegenüber der Abklärungsperson
(vgl.
Urk.
7/123/2
f.
)
.
Soweit die Beschwerdeführerin
der Abklärungsperson
K
enntnis über die Beeinträch
tigungen und Behinderungen, die sich aus den medizinischen Diagnosen ergeben, abspricht (
Urk.
1 S. 10)
oder gar Willkür unterstellt (
Urk.
1 S. 12)
, kann ihr
damit
nicht gefolgt werden.
Davon abgesehen
findet
die Untersuchungspflicht
der Verwaltung
im Bereich des Sozial
versicherungsrechts
sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a, vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Weiter
liegen
weder
Hinweise auf ung
laubwürdig
erscheinende und/oder
widersprüchliche Angaben der Beschwerdeführer
in vor noch ergeben sich
Widersprüche zu de
n fach
ärzt
lichen Beurteilungen. Insbesondere
hat
Dr.
D._
die postulierten Einschrän
kungen im Haushaltsbereich
nicht
quantifiziert
(vgl.
Urk.
7
/119/6
=
Urk.
3/8
,
Urk.
3/10
)
.
A
uf
den
beschwerdeweise eingereichten
Bericht vom 25.
April 2020, worin
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Allgemeine Medizin,
unter Hin
weis auf die «integrative Diagnose» eine mehr als 50%ige Einschränkung im Haushaltsbereich
postulierte
(vgl.
Urk.
3/7)
,
kann bereits deshalb nicht allein abgestellt werden
, weil es sich
bei
Dr.
I._
nicht um einen Facharzt für Psy
ch
iatrie
handelt
. Entsprechend räumte dieser
im
Bericht vom 16.
Juni
2019
denn auch
noch ein
,
dass
er die Einschränkung der Beschwerdeführerin im Haus
halts
bereich
nicht
beurteilen
könne
und
verwies
hierfür
auf die psychiatrischen Be
handler (
Urk.
3/6)
.
Demgegenüber
lässt sich
der
Abkl
ärungsbericht vom 2
1.
November 2019
mit
der fachärztlichen Beurteilung i
m
A._
-Vorgutachten 201
4
vereinbaren, wonach
im Haushalt
sbereich
eine
15%ige
Einschrän
kung
bestand
(Urk. 7
/53 S. 20); eine
in medizinischer Hinsicht
seither
eingetretene wes
entliche Veränderung
ist
zu
verneinen.
Dr.
I._
hat ausdrücklich festge
halten, dass
die somatische
Situation stationär ist
(vgl. Bericht vom
1
6.
Juni
2019,
Urk.
7/
120/1). In
psychiatrischer Hinsicht
hielt
Dr.
D._
im Januar 2018 zwar neu eine
Persönlichkeitsstörungsstörung,
Borderlin
e Typ (ICD-10: F 60.31) sowie PTBS
(ICD-10: F 43.1)
fest
.
Letzteres
indes lediglich
aufgrund
eines
Erstge
sp
räches und
augenscheinlich vornehmlich gestützt auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin; objektive B
efunde sind dem Bericht vom 28.
Januar 2018 jedenfal
ls kaum zu entnehmen. Zudem
steht die
mit einer Latenz von Jahrzehnten diagnostizierte PTBS
im Widerspruch zu
den diagnostischen Leitlinien des ICD-Klassifikationssystems der WHO für psychi
sche Störungen
.
Demnach soll eine PTBS nur dann diagnostiziert
werden, wenn sie innerhalb von sechs
Monaten nach einem traumatisierenden Ereignis aufgetreten ist (vgl. Internationale Klassi
fikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), 1
0.
Auflage, S
. 208
).
Von eine
r Diagnose lege artis kann
damit
jedenfalls
nicht die Rede sein. Weshalb die
im Vorgutachten festgestellte Persönlichkeitsakzentuierung diagnostisch nun
mehr
als Persönlichkeitsstörung zu interpretie
ren sei, liess Dr.
D._
gänzlich
unbe
gründet
(vgl. Bericht vom 2
8.
März 2019,
Urk.
7/114)
. Davon abgesehen sind p
sy
chiatrische Explorationen von der Natur der Sa
che her nicht ermessensfrei und
verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, z
ulässig und zu respektieren
, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist
(
vgl. auch
Urteil des Bundesgerichts vom 5. März 200
9 in Sachen A., 8C_694/2008, E
. 5.1
; vgl. auch Urteil des hiesigen Gerichts IV.2015.00439 vom 1
1.
August
2015 E.
5.3, Urk.
7/89/13
)
; d
ie
lediglich
unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts
ist
im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E
. 2.3 mit Hinweisen, vgl. E. 1.2
). Bei der im Austrittsbericht des
F._
vom 2
9.
Januar 2019 von
Dr.
G._
festgehaltenen Persönlichkeitsstörung handelt es sich im Übrigen nicht um eine
von diesem
eigens gestellte Diagnose. Vielmehr bezog sich
Dr.
G._
hierfür auf die Vorakten und gab er zudem an, die Auswirkungen derselben hätten jedenfalls aktuell nicht
im Vordergrund ge
standen (Urk.
7
/111/6).
Zu vermerken ist auch, dass
Diagnosen aus dem
depres
siven Formenkreis
bereits
seit 2008
in volatiler Ausprägung
und
mit oder ohne
psychotische Symptome
festgehalten
wurden. E
ine stationäre Behandlung erfolgte
erstmals 2014 (vgl. Austrittsbericht der
K
linik
J._
vom
2
8.
Oktober 2014, worin
eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere
Episode mit psychotischen Symptomen [ICD-10: F33.3]
diagnostiziert
wurde,
Urk.
7
/85/21). Der neuerliche Klinikaufenthalt Ende 2018/anfan
gs 2019 lässt damit nicht per se
auf eine
(anhaltende)
Verschlechterung schliessen.
Das
selbe gilt für den
Hinweis von
Dr.
D._
auf
eine
Chronifizierung der
vorbe
kannten
Leiden (
vgl.
Schreiben vom 2
8.
Mä
rz 2019,
Urk.
7/114
;
Urteil des Bun
desgerichts 9C_288/2008 vom 16. Mai 2008 E. 5)
.
Die
Ausführungen
desselben
im beschwerdeweise eingereichten Bericht vom 2
8.
April 2020 (
Urk.
3/10)
sind zudem
nicht geeignet, die im Abklärungsbericht
aufgrund detaillierter Erhebun
gen festgestellten Einschränkung im Haushaltsbereich
in Zweifel zu ziehen
.
Ins
besondere tangieren
die
darin
beschriebenen
Einschränkungen der
Selbstbehaup
tungsfähigkeit,
Verkehrstauglichkeit
und Mobilität
(aufgrund der
Stuhlinkon
ti
nenz
)
,
Interessen
sowie
die
rasche Überforderung in administrativen Belangen
und
im Rahmen von
Konflikten mit der Nachbarin
den Aufgabenbereich
der Beschwerdeführerin
weniger
.
Zudem
befinden sich die Einkaufs
möglichkeiten in unmittelbarer Wohnu
mgebung
; erreichbar in wenigen Minuten zu Fuss (vgl.
Urk.
7/123/7)
und
ist die Beschwerdeführerin jedenfalls insoweit verkehrsfähig, als sie offenbar in de
r Lage ist, mittels öffentlichen
Verkehr
s
von ihrem Wohnort (
B._
) nach
K._
in die
psychothe
rapeutischen Sitzungen zu gelangen (
Urk.
7/123/3). Kommt hinzu, dass
die Schadenminderungspflicht
bei der Bemes
sung der Invalidität von
im Haushalt tätigen Versicherten
n
ach ständiger Recht
sprechung
von erheblicher Relevanz
ist
(vgl. E.1.7)
; kann die versicherte Person etwa wegen ihrer Behinderung gewisse Haushaltarbeiten nur noch mühsam und mit viel höherem Zeitaufwand erledigen, so muss sie in erster Linie ihre Arbeit einteilen und in üblichem Umfang die Mithilfe von Familienangehörigen in Anspruch nehmen. Dies gilt etwa auch für grössere und/oder schwere Einkäufe. Inwiefern dem
gesunden
Sohn der Beschwerdeführerin ein altersgerechtes Mit
helfen zu Hause nicht zuzumuten wäre, ist nicht einzusehen. Daran ändert auch nichts, wenn
er
mit der belasteten familiären Situation zuweilen nicht zu Recht kommt (vgl. Urk. 7/123/4, vgl. auch Urk. 7/127.
Inwiefern dem gesunden Sohn der Beschwerdeführerin ein altersgerechtes Mit
helfen zu Hause nicht zuzumuten wäre, ist nicht einzusehen. Daran ändert auch nichts, wenn er aufgrund der belasteten familiären Situation Beistand braucht (vgl. Urk. 7/123/4, vgl. auch Urk. 7/127). Erzieherische Fähigkeiten sind bei der Beurteilung der Einschränkung im Aufgabenbereich unbeachtlich. Der beschwer
deweise Hinweis auf die von der Sozialbehörde der Stadt
B._
2019 erteilte Kostengutsprache für ein temporäres Jugendcoaching zur Unterstützung des Sohnes vermag keine wesentliche Beeinträchtigung in den Betreuungsaufgaben darzutun, zumal es sich dabei lediglich um eine temporäre Massnahme (Septem
ber 2019 bis März 2020, vgl. Urk. 1 S. 11, Urk. 7/127) handelte. Dass die Beschwerdeführerin unter dem Titel «Betreuung von Kindern und/oder Angehö
rigen» eingeschränkt wäre, hat sie weder selbst behauptet noch liefert die Haus
haltsabklärung Hinweise hierfür (vgl. Urk. 7/123/9 f., vgl. E. 4.2). Der Sohn der Beschwerdeführerin war mit Blick auf sein Alter sowie gestützt auf die Angaben der Beschwerdeführerin weitestgehend selbständig, so etwa bei der Bewältigung des Schulwegs, der Hausaufgaben sowie Einnahme von Mahlzeiten (Urk. 7/123/9, Urk. 7/123/4). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass selbst bei einem voll
stän
digen Ausfall in den Betreuungsaufgaben (Anteil 10 %) kein relevanter Inva
liditätsgrad resultieren würde. Dass sich die Beschwerdeführerin aufgrund der (wie bereits ausgeführt fraglichen) PTBS nicht in die Waschküche trauen soll (vgl. Urk. 3/10), erweist sich bereits angesichts dessen, dass sich die Waschmaschine in der Wohnung befindet (vgl. 7/123/6), als
unbehelflich
. Zudem hat die Be
schwerdeführerin Ängste vor dem Keller und/oder der Waschküche anlässlich der Haushaltsabklärung nicht erwähnt. Die erst beschwerdeweise Behauptung er
scheint damit als bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen ver
sicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst (vg
l. BGE 121 V 47 E
. 2a). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass die von Dr.
D._
ausserdem festge
haltene verminderte Belastbarkeit für Aufräum- und Putzarbeiten (vgl. Bericht
vom 28. April 2020, Urk. 3/10) von der Abklärungsperson adäquat gewürdigt wurde, indem diese im Aufgabenbereich «Wohnungs- und Hauspflege» von einer 30%ige Einschränkung (von max. 40 %) ausging (vgl. Urk. 7/123/8).
Zusammenfassend erweisen sich die Einwände der Beschwerdeführerin als unbe
gründet und ist gestützt auf den beweistauglichen Abklärungsbericht vom
21.
November 2019 hinreichend erstellt, dass die Beschwerdeführerin als zu 100 %
im Haushalt tätig zu qualifizieren und in diesem Bereich insgesamt zu 16.5 % eingeschränkt ist. Ersteres hat die Beschwerdeführerin denn auch nicht ausdrück
lich moniert (vgl. Urk. 1). Bei diesem Beweisergebnis besteht – entgegen der Be
schwerdeführerin – kein weiterer Abklärungsbedarf (antizipierte Beweiswürdi
gung; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_468/2007 vom 6. Dezember 2006 E.2.2 mit Hinweisen).
6.
Da die Beschwerdef
ührerin
a
l
s zu 100
%
im Haushalt tätig zu qualifizieren ist, ist die Invalidität aufgrund eines
Betätigungsvergleich
s
(vgl. E. 1.
4
)
zu bestimmen. Daraus
resultiert ein rentenauss
chliessender IV-Grad von 16.5
%
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von L
eistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten des vorliegenden Verfahrens sind ermessensweise auf Fr. 700.-- fe
stzulegen und ausgangsgemäss der
Beschwerdeführer
in
aufzuer
legen.