Decision ID: 6ac68d9d-d706-5279-b622-764bc01bf9a9
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
S._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Bruno A. Hubatka, Obere Bahnhofstrasse 24,
Postfach 637, 9501 Wil,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Rente
Sachverhalt:
A.
A.a S._, Jahrgang 1956, meldete sich im September 2005 zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung (IV) an und beantragte die Ausrichtung einer
Rente. Sie leide an Nervenbeschwerden, Kopfweh, Nackenweh und Fersensporn (IV-
act. 1). Im Arztbericht vom 27. September 2005 nannte Dr. med. A._, Facharzt FMH
für Allgemeinmedizin, die Diagnosen depressive Entwicklung, chronische Zephalea
vasomotorica und Fersensporn beidseits, linksbetont. Die Versicherte erledige seines
Wissens knapp den Haushalt, werde aber zusätzlich vom Ehemann (IV-Rentner) und
den Kindern unterstützt. Im gegenwärtigen Gesundheitszustand hielt der Hausarzt die
Versicherte ausserhalb des Haushalts für arbeitsunfähig (IV-act. 7-3, 7-5).
A.b Die IV-Stelle veranlasste daraufhin eine Abklärung im Haushalt der Versicherten
durch einen ihrer Sachbearbeiter, die am 21. März 2006 durchgeführt wurde. Im
Abklärungsbericht vom 3. April 2006 wurde festgehalten, die Versicherte sei
ausschliesslich als Hausfrau zu qualifizieren. Mit ihrer Verhaltensweise demonstriere sie
im Haushalt eine Einschränkung von rund 80%. Eine polydisziplinäre medizinische
Begutachtung sei notwendig, wobei zur Arbeitsfähigkeit und zur Einschränkung im
Haushalt Stellung genommen werden sollte (IV-act. 19-11 f.). Das Gutachten der
MEDAS Zentralschweiz vom 19. Dezember 2006 nennt die Diagnosen chronisches
zervikozephales und zervikobrachiales Schmerzsyndrom beidseits rechtsbetont ohne
adäquates organisches Korrelat am Bewegungsapparat, chronisch rezidivierende
Fussschmerzen beidseits bei Fersensporn und beginnender Subtalararthrose beidseits,
mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom unter Therapie sowie
anhaltende somatoforme Schmerzstörung. In der bisher ausschliesslich ausgeübten
Tätigkeit als Hausfrau erachte man die Versicherte aus rheumatologischen und
psychopathologischen Gründen nur noch zu 80% arbeitsfähig. Eine alternative
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angepasste Tätigkeit sei der Versicherten ebenfalls nur zu 80% zumutbar (IV-act. 23-9
f.).
A.c Im Vorbescheid vom 1. Februar 2007 stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Rentengesuchs in Aussicht (IV-act. 29). Entsprechend verfügte sie am 11. April 2007
(act. G 1.1).
B.
B.a Gegen diese Verfügung richtet sich die in Vertretung der Versicherten am 14. Mai
2007 eingereichte Beschwerde von Rechtsanwalt Bruno A. Hubatka. Er beantragt die
Aufhebung der Verfügung und die Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin
zur Neubeurteilung. Eventuell sei festzustellen, dass bei der Beschwerdeführerin für
eine berufliche Tätigkeit eine minimale Invalidität von 70% bestehe und somit ein voller
Leistungsanspruch gegeben sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Der
Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung
zu gewähren. Die Akten betreffend Ergänzungsleistungen (EL) des Ehemanns seien
beizuziehen. Das Gesuch an die IV-Stelle sei nicht deshalb gestellt worden, um
"zwingend" eine IV-Rente zu erhalten, sondern um zu erreichen, dass kein fiktives
Einkommen bei der Berechnung der EL des Ehemanns aufgerechnet werde. Der
Beschwerdeführerin gehe es um die Feststellung, dass in der Berufswelt eine
Arbeitsunfähigkeit gegeben sei, nicht bei Arbeiten im Haushalt, wo sie ohnehin von
Familienmitgliedern unterstützt werde (act. G 1). Am 15. Mai 2007 reichte der
Rechtsvertreter das Gesuchsformular für die unentgeltliche Prozessführung vom 22.
April 2007 samt Beilagen ein (act. G 3).
B.b In der Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2007 beantragt die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Da der Rechtsvertreter
der Beschwerdeführerin anerkenne, dass der IV-Entscheid richtig sei und die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf IV-Leistungen habe, und nur eine andere
Begründung für die Rentenabweisung verlange, dürfe auf die Beschwerde nicht
eingetreten werden. Die EL-Verfügung vom 15. Februar 2007 sei rechtskräftig und
könne nicht Gegenstand des vorliegenden Verfahrens sein. Der Beizug der EL-Akten
dränge sich nicht auf. Selbst wenn auf die Beschwerde einzutreten wäre, wäre diese
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abzuweisen. Die Beschwerdeführerin sei in ihrem ganzen Leben offenbar noch nie einer
Erwerbstätigkeit nachgegangen. Ohne Gesundheitsschaden würde sie auch heute
(trotz wirtschaftlicher Notwendigkeit) keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Sie sei somit
als 100% Hausfrau zu betrachten. Da eine Einschränkung von 20% im Haushalt
bestehe, habe sie keinen Rentenanspruch. Auch wenn man sie als Teil- oder gar Voll
erwerbstätige betrachten würde, stünde ihr wegen ihrer Leistungsfähigkeit von 80%
keine Rente zu (act. G 4).
B.c Am 26. Juni 2007 bewilligte der zuständige Abteilungspräsident des Gerichts das
Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung; act. G 9).
B.d Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hält in der Replik vom 27. Juni 2007
am Rechtsbegehren fest. Die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sei nicht
identisch mit dem Invaliditätsgrad. Die Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt müsse
festgestellt werden, weil die entsprechenden Konsequenzen für die versicherte Person
existenzbestimmend seien. Zudem müsse die Sicht des Laien eingenommen werden
und nicht die formal-juristische Sicht, was die Beschwerdegegnerin in ihrer
Stellungnahme unterlasse (act. G 10).
B.e Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 6. Juli 2007 auf eine weitere
Stellungnahme (act. G 12).

Erwägungen:
1.
1.1 In der Beschwerde macht der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin geltend, die
Anmeldung zum IV-Leistungsbezug sei nur deshalb erfolgt, weil für die
Beschwerdeführerin bei den EL des Ehemanns ein fiktives Einkommen aufgerechnet
worden sei mit dem Hinweis, sie könne einer Arbeitstätigkeit nachgehen und könne
nicht "Nur-Hausfrau" sein. Der Hausarzt habe für die Beschwerdeführerin stets eine
Arbeitsunfähigkeit ausserhalb des Haushalts attestiert. Eine an sich unbestrittene
Aussage ergebe sich aus den Abklärungen: Die Beschwerdeführerin gestehe ein, dass
es mit Hilfe der Familienmitglieder bei der Haushaltführung "gerade noch geht",
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hingegen stehe sowohl für den Hausarzt wie auch alle Familienmitglieder der
Beschwerdeführerin völlig ausser Diskussion, dass die Beschwerdeführerin in der Lage
wäre, in der freien Wirtschaft einen auch nur annähernd "vernünftigen Lohn" erzielen zu
können. Die Beschwerdeführerin wirft der Beschwerdegegnerin vor, sie sei auf das
Kernproblem ihres Anliegens nicht eingetreten und habe nur einen schematischen
Entscheid gefällt, der für sich allein betrachtet "richtig" sein möge, aber das eigentliche
Problem der Beschwerdeführerin nicht treffe. In der angefochtenen Verfügung fehle
somit die Bemerkung, dass der Einsatz auf dem Arbeitsmarkt für die
Beschwerdeführerin ausser Diskussion stehe bzw. in der gegebenen Situation mit den
Beschwerden nicht möglich sei.
1.2 Im Weiteren weist der Rechtsanwalt der Beschwerdeführerin darauf hin, er habe
die den Ehemann betreffenden EL-Verfügungen leider zu spät erhalten, als dass er
noch in der Lage gewesen wäre, ein Rechtsmittel einzulegen. Somit bleibe der
Beschwerdeführerin nichts anderes übrig, als bei der eigenen Verfügung ein
Rechtsmittel einzulegen mit dem entsprechenden Feststellungsbegehren. Dass dieser
Weg verfahrensmässig nicht unbedingt "ideal" sei und ebenfalls einer koordinierten
Beurteilung widerspreche, werde nicht bestritten, aber es sei im Moment der einzige
Weg, wie eine vernünftige Lösung für die Beschwerdeführerin und ihren Ehemann
gefunden werden könne. Gerade dieser Umstand sei der Grund, weshalb beantragt
werde, dass die Verfügung aufgehoben werde, allenfalls mit der Weisung, nicht nur die
Sache neu zu beurteilen, sondern gleichzeitig eine auf die Ehegatten koordinierte
Beurteilung mit den EL des Ehemanns vorzunehmen. Die Tatsache, dass davon
auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin nicht vermittlungsfähig sei im
Arbeitslosenversicherungsbereich, solle nicht "totgeschwiegen" werden, sondern
vielmehr ein weiterer Hinweis darauf sein, dass gerade hier das
Sozialversicherungssystem vom Ergebnis her eine Lücke habe, die nicht so stehen
gelassen werden könne. Dies sei eine Rechtfertigung, dass eine entsprechende
Feststellung gemacht werden müsse, mit anderen Worten sei das
Feststellungsinteresse der Beschwerdeführerin erwiesen. Dieser Weg sei auch deshalb
zu wählen, weil es bei der Leistungskoordination im engeren Sinn an der Kongruenz
fehle, aber bei der Berechnung der EL des Ehemanns dennoch eine faktische
Kongruenz angenommen werde; es müsse daher ein Korrektiv geben, um das "falsche
Ergebnis" der EL ändern zu können (act. G 1).
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1.3 Die Ausführungen des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin machen deutlich,
dass er zwar grundsätzlich die Qualifikation der Beschwerdeführerin als Nur-Hausfrau
nicht anzweifelt. Er behauptet nicht, die Beschwerdeführerin wäre als Gesunde
teilweise oder vollständig erwerbstätig. Seine Argumentation zielt in keiner Weise
darauf ab, anstelle des Betätigungsvergleichs gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis
Ende 2007 gültig gewesenen Fassung) eine andere Methode der Invaliditätsbemessung
zur Anwendung zu bringen. Seine Ergänzung im Eventualbegehren, es sei festzustellen,
dass "somit ein voller Leistungsanspruch gegeben" sei, substantiiert er in der
Beschwerdebegründung in keiner Weise. Vielmehr gesteht er ein, der
Beschwerdeführerin sei es von Anfang an im Grunde nicht um die Zusprache einer
Invalidenrente, sondern um die Verhinderung der Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens bei der EL-Berechnung des Ehemanns gegangen. Einzig mit Blick
auf die EL des Ehemanns vermisst der Rechtsvertreter in der Verfügungsbegründung
offenbar die Ergänzung, dass die Beschwerdeführerin für eine berufliche Tätigkeit eine
minimale Invalidität von 70% aufweise. Auf das Verfügungsdispositiv hat eine solche
Ergänzung unbestrittenermassen keine Auswirkungen. Da die Beschwerdeführerin als
nichterwerbstätige Hausfrau zu qualifizieren ist, spielt ihre Arbeitsfähigkeit als
Erwerbstätige für die Rentenbemessung keine Rolle. Somit kann diese Frage auch
nicht im Sinn einer Ergänzung der Verfügungsbegründung Relevanz haben. Weder
kann sie ins Dispositiv einfliessen, noch könnte sie eine Erwägung mit
Dispositivcharakter bilden.
2.
2.1 Gemäss Art. 49 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) hat der Versicherungsträger einem
Begehren um Erlass einer Feststellungsverfügung zu entsprechen, wenn die
gesuchstellende Person ein schützenswertes Interesse glaubhaft macht. Erforderlich ist
ein rechtliches oder tatsächliches und aktuelles Interesse an der sofortigen Feststellung
des Bestehens oder Nichtbestehens eines Rechtsverhältnisses, dem keine erheblichen
öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen, und das nicht durch eine
rechtsgestaltende Verfügung gewahrt werden kann (BGE 130 V 391 neues Fenster
Erw. 2.4, 129 V 290 Erw. 2.1, je mit Hinweisen; vgl. auch Kieser Ueli, ATSG-
Kommentar, 2003, Rz. 19 zu Art. 49, wonach "schützenswert" gleich zu verstehen ist
bis
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=feststellungsinteresse+begr%FCndung&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F130-V-388%3Ade&number_of_ranks=0#page391
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wie "schutzwürdig" im Sinn von Art. 25 Abs. 2 VwVG und Art. 59 ATSG). Nach dem
Wortlaut des Art. 49 Abs. 2 ATSG genügt das Glaubhaftmachen eines rechtlichen oder
tatsächlichen und aktuellen Interesses an der sofortigen Feststellung des Bestehens
oder Nichtbestehens eines Rechtsverhältnisses für den Erlass einer
Feststellungsverfügung (Kieser, a.a.O., Rz. 18 zu Art. 49; Entscheid H 47/05 des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [seit 1. Januar 2007: Bundesgericht] vom
3. Mai 2006, Erw. 1).
2.2 Fraglich ist, ob die Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 49 Abs. 2 ATSG bei der
Beschwerdegegnerin den Erlass einer Feststellungsverfügung verlangen könnte. Im
vorliegenden Verfahren kann dies jedoch nicht geprüft werden. Die Beschwerdeführerin
hat nicht etwa ein Begehren um Erlass einer Feststellungsverfügung an die
Beschwerdegegnerin herangetragen; diese war deshalb nicht mit der Frage
konfrontiert, ob sie über die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin im
Erwerbsbereich eine Feststellungsverfügung zu erlassen hätte. Sie erliess nach
materieller Prüfung vielmehr ordnungsgemäss eine Leistungsverfügung über den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. Somit könnte das Versicherungsgericht
lediglich diese Leistungsverfügung überprüfen und nicht etwa die Beschwerdegegnerin
anweisen, die gewünschte Feststellungsverfügung zu erlassen oder gar solches selber
tun. Mit der Leistungsverfügung an sich ist die Beschwerdeführerin im Ergebnis
einverstanden. Sie hat also an deren Aufhebung kein schutzwürdiges Interesse im Sinn
von Art. 59 ATSG. Die Beschwerdebefugnis ist nach der Rechtsprechung zu bejahen,
wenn ein praktisches oder rechtliches Interesse an der Aufhebung oder Änderung der
Verfügung geltend gemacht werden kann (BGE 125 V 342). Dies wird dahingehend
verstanden, dass die Gutheissung der Beschwerde einen Nachteil wirtschaftlicher,
ideeller, materieller oder anderweitiger Natur vermeidet (vgl. m.w.H. Kieser, a.a.O.,
Rz. 4 zu Art. 59). Da sich die Beschwerdeführerin wie oben dargelegt nicht gegen die
Ablehnung der IV-Rentenberechtigung als solche wendet, liegt kein schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung der Verfügung vor. Auf die Beschwerde kann somit nicht
eingetreten werden.
3.
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3.1 Selbst wenn die Beschwerdeführerin mit dem Begehren um Erlass einer
Feststellungsverfügung an die Beschwerdegegnerin gelangen würde und diese einem
solchen entsprechen würde – wovon am Rande bemerkt nicht auszugehen ist –, ist
nicht ohne weiteres ersichtlich, worin diesfalls der Vorteil der Beschwerdeführerin läge.
Die EL-Verfügung vom 17. Februar 2007 ist unbestrittenermassen formell rechtskräftig.
Es ist unwahrscheinlich, dass eine Feststellungsverfügung der Beschwerdegegnerin für
die
– mit der Beschwerdegegnerin nicht identische – EL-Durchführungsstelle einen
Rückkommenstitel auf diese rechtskräftige Verfügung liefern würde. Zur Vornahme
einer Wiedererwägung gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann die EL-Durchführungsstelle
nicht gezwungen werden. Eine solche liegt vielmehr in ihrem Ermessen. Um eine
Wiedererwägung vornehmen zu können, muss jedoch die ursprüngliche Verfügung
jedenfalls zweifellos unrichtig gewesen sein. Auch wenn die Beschwerdeführerin IV-
rechtlich als nichterwerbstätige Hausfrau zu qualifizieren ist, heisst dies nicht, dass ihr
EL-rechtlich kein Erwerbseinkommen anzurechnen wäre. Bei der Qualifikation als
Hausfrau in der IV handelt es sich lediglich um eine Methodenwahl für die
Invaliditätsbemessung. Nach Ansicht des Bundesgerichts kommt es bei der
Methodenwahl nicht darauf an, was der versicherten Person zumutbar ist, sondern was
sie als Gesunde mit überwiegender Wahrscheinlichkeit tun würde. Aus dieser
Methodenwahl könnten für die EL keine Rückschlüsse gezogen werden. Ziel der EL ist
es, Armut zu verhindern, weshalb die versicherte Person sowie die in die EL-Berech
nung einzubeziehenden Personen sämtliche ihnen möglichen und zumutbaren
Einkommensmöglichkeiten auszuschöpfen haben. Ist der Beschwerdeführerin eine
Erwerbsausübung zumutbar – worauf das MEDAS-Gutachten vom 19. Dezember 2006
wohl schliessen lässt –, so ist sie zur Erwerbsaufnahme verpflichtet bzw. muss sich
zumindest ein hypothetisches Erwerbseinkommen anrechnen lassen. Darin liegt weder
ein Widerspruch noch eine ausfüllungsbedürftige Lücke im System der
Sozialversicherung. Mangels zweifelloser Unrichtigkeit der EL-Verfügung vom
15. Februar 2007 würde die EL-Durchführungsstelle also wohl keine Wiedererwägung
vornehmen dürfen. Auch die Voraussetzungen für eine von Amtes wegen
vorzunehmende prozessuale Revision gemäss Art. 53 Abs. 1 ATSG wären kaum
gegeben. Die von der Beschwerdeführerin gewünschte Feststellung, sie sei im
Erwerbsbereich nicht arbeitsfähig resp. nicht vermittelbar, stellt keine qualifiziert neue
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Tatsache dar, deren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen wäre. Es wäre ohne
weiteres möglich gewesen, gegen die EL-Verfügung vom 15. Februar 2007 die
ordentlichen Rechtsmittel zu ergreifen und eine gerichtliche Überprüfung zu bewirken.
Diese Möglichkeit wurde nicht genutzt, wodurch die Verfügung in Rechtskraft erwuchs.
Via IV-Verfahren eine Art zweite Rechtsmittelfrist für das EL-Verfahren zu eröffnen, ist
nicht zulässig.
3.2 Am Rande bemerkt steht es der Beschwerdeführerin nach wie vor offen, in Bezug
auf die EL durch den Nachweis ernsthafter, quantitativ und qualitativ ausreichender
Arbeitsbemühungen gegenüber der EL-Durchführungsstelle nachzuweisen, dass es ihr
nicht gelingt, trotz gebührender Anstrengung eine Arbeitsstelle zu erhalten. Gelingt ihr
dieser Nachweis, stellt dies einen Anpassungsgrund der EL (Nichtberücksichtigung des
hypothetischen Erwerbseinkommens für die Zukunft) dar.
4.
4.1 Gemäss den vorstehenden Erwägungen ist auf die Beschwerde mangels
Rechtsschutzinteresses nicht einzutreten.
4.2 Der Beschwerdeführerin wurde die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung am 26. Juni 2007 bewilligt. Wenn ihre wirtschaftlichen
Verhältnisse es gestatten, kann sie jedoch zur Nachzahlung der Gerichtskosten, der
Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten Parteikosten verpflichtet
werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/SG).
4.2.1 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis
Fr. 1000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint
als angemessen. Der unterliegenden Beschwerdeführerin ist die ganze Gerichtsgebühr
aufzuerlegen. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist sie von der Bezahlung zu
befreien.
4.2.2 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin aufzukommen. Die Höhe der
Parteientschädigung ist vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
bis
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Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen
(Art. 61 lit. g ATSG; vgl. auch Art. 98 ff. VRP/SG, sGS 951.1). Der Rechtsvertreter
reichte am 9. Juli 2007 eine Kostennote über Fr. 2'114.35.- (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) ein. (act. G 14.1). Da er den Stundenansatz lediglich auf Fr. 180.-
festgelegt hat, ist davon auszugehen, dass die im Rahmen der unentgeltlichen
Prozessführung vorzunehmende Kürzung um 20% (vgl. Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes) bereits berücksichtigt ist. Der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin ist somit mit Fr. 2'114.35 zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG