Decision ID: 5040cf56-9384-4f77-a209-da991d0a2b01
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
A.a Der Beschwerdeführer suchte am (...) in der Schweiz um Asyl nach.
Zur Begründung machte er geltend, er habe ab (Nennung Zeitpunkt) für die
B._ als (Nennung Tätigkeit) gearbeitet. Nach Kriegsende sei er von
Angehörigen der Armee in ein Flüchtlingslager gebracht worden und zu
seiner Verbindung zu den B._ befragt worden. Er habe zwar fliehen
können, sei in der Folge jedoch mehrfach von Angehörigen des (Nennung
Behörde) gesucht worden. Bis zur seiner Ausreise am (...) habe er deshalb
an verschiedenen Orten in Sri Lanka gelebt.
A.b Mit Verfügung vom 11. Juni 2019 verneinte das SEM die Flüchtlingsei-
genschaft des Beschwerdeführers, lehnte sein Asylgesuch ab, ordnete die
Wegweisung aus der Schweiz an und verfügte den Wegweisungsvollzug.
Das Bundesverwaltungsgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde
vom 10. Juli 2019 mit Urteil D-3514/2019 vom 15. August 2019 ab.
B.
B.a Mit als "Zweites Asylgesuch resp. Mehrfachgesuch" betitelter Eingabe
vom 11. November 2019 gelangte der Beschwerdeführer erneut an das
SEM. Er machte im Wesentlichen geltend, er habe (Nennung Zeitpunkt) an
einer exilpolitischen Kundgebung in (Nennung Örtlichkeit) teilgenommen,
werde in seinem Heimatstaat vom Staatsapparat gesucht und sei ange-
sichts der veränderten Sicherheitslage in Sri Lanka und den bevorstehen-
den Präsidentschaftswahlen bei einer Rückkehr aufgrund seines Profils
besonders gefährdet, Opfer von Verfolgungsmassnahmen zu werden.
B.b Mit Verfügung vom 18. Dezember 2019 qualifizierte das SEM diese
Eingabe als Mehrfachgesuch, wies dieses ab und ordnete die Wegweisung
des Beschwerdeführers aus der Schweiz und den Wegweisungsvollzug an.
Die gegen diese Verfügung gerichtete Beschwerde vom 22. Januar 2020
wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil D-433/2020 vom 17. Ap-
ril 2020 ab.
C.
Am 2. März 2021 reichte der Beschwerdeführer gegen das Urteil des Bun-
desverwaltungsgerichts D-433/2020 vom 17. April 2020 ein Revisionsge-
such ein. Mit Urteil D-931/2021 vom 10. März 2021 trat das Bundesverwal-
tungsgericht darauf nicht ein.
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D.
Der Beschwerdeführer richtete sich am 26. März 2021 mit einem weiteren
Wiedererwägungsgesuch an das SEM. Er machte geltend, anhand der ein-
gereichten Beweismittel (Nennung Beweismittel) könne er seine Verfol-
gung im Heimatland belegen. Das SEM wies das Wiedererwägungsgesuch
mit Verfügung vom 23. April 2021 ab. Dieser Entscheid erwuchs unange-
fochten in Rechtskraft.
E.
E.a Mit einer als "Mehrfachgesuch" bezeichneten Eingabe vom 2. Juli 2021
gelangte der Beschwerdeführer – damals vertreten durch (Nennung Per-
son) – an das SEM. Er ersuchte in der Hauptsache um Feststellen der
Flüchtlingseigenschaft und Gewährung von Asyl.
Zur Begründung führte an, er habe seine wahren Asylgründe aus Furcht
vor einer Datenweitergabe durch die Schweizer Behörden und einer damit
möglicherweise einhergehenden Gefährdung seiner Familienangehörigen
bislang verschwiegen. Er sei nicht nur (Nennung Tätigkeit) für die
B._, sondern Mitarbeiter jenes (Nennung Organisation) gewesen.
In dieser Funktion habe er (Nennung Tätigkeit). Er befürchte, dass Mitar-
beiter des (Nennung Organisation), die sich der sri-lankischen Regierung
ergeben hätten, und (Nennung weitere Personen) ihn bei den sri-lanki-
schen Behörden denunziert hätten. Ferner sei er in der Schweiz verstärkt
exilpolitisch tätig und engagiere sich dabei für in Sri Lanka verbotene Or-
ganisationen (Nennung Organisationen). Zudem spiele er im (Nennung
Team) der B._ mit. Sodann habe sich die Menschenrechts- und Si-
cherheitslage in Sri Lanka generell verschlechtert. Aufgrund der heutigen
Sicherheitslage werde er verdächtigt, an der Wiederbelebung der
B._ mitzuarbeiten. Er müsse daher vor dem Hintergrund der verän-
derten sri-lankischen Rechtslage bei einer Rückkehr mit einer asylrelevan-
ten Verfolgung rechnen. Sodann erleide seine Familie, welche ebenfalls
den B._ zugehörig sei, seinetwegen Nachteile in Sri Lanka. Auch
habe sich sein physischer und psychischer Gesundheitszustand erheblich
verschlechtert.
Dem Gesuch waren beigelegt: (Aufzählung Beweismittel).
E.b Mit Verfügung vom 5. August 2021 stellte das SEM fest, der Beschwer-
deführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht und wies "das Mehrfach-
gesuch (inkl. die Vorbringen wiedererwägungsrechtlicher Natur)" ab, so-
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weit es darauf eintrat. Auf das Vorbringen betreffend Mitarbeit beim (Nen-
nung Organisation) der B._ trat das SEM mangels funktioneller Zu-
ständigkeit nicht ein, verfügte die Wegweisung des Beschwerdeführers aus
der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug an.
E.c Der Beschwerdeführer erhob gegen diesen Entscheid mit Eingabe
vom 14. September 2021 Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht.
Am 16. September 2021 gingen beim Gericht weitere Beweismittel (Nen-
nung Beweismittel) ein.
E.d Das Bundesverwaltungsgericht hiess mit Urteil D-4095/2021 vom
11. Oktober 2021 die Beschwerde gut, soweit die Aufhebung der vo-
rinstanzlichen Verfügung beantragt wurde, hob die Verfügung des SEM
vom 5. August 2021 auf und wies die Sache zur Neubeurteilung an die
Vorinstanz zurück. Zur Begründung führte das Gericht an, die Vorinstanz
sei mit der Nichterwähnung respektive dem Übergehen der (Nennung Be-
weismittel) zu Unrecht auf diesen Teil der Eingabe des Beschwerdeführers
vom 2. Juli 2021 wegen funktioneller Unzuständigkeit nicht eingetreten und
habe dadurch den Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt.
E.e Am 28. Oktober 2021 reichte der Beschwerdeführer – vertreten durch
den rubrizierten Rechtsvertreter – ein Wiedererwägungsgesuch beim SEM
ein. Er beantragte in der Hauptsache die Aufhebung der Verfügung des
SEM vom 11. Juni 2019 sowie die Feststellung der Flüchtlingseigenschaft
und Gewährung von Asyl, eventualiter die vorläufige Aufnahme infolge un-
zulässigem beziehungsweise unzumutbarem Vollzug der Wegweisung.
Zur Begründung machte er geltend, sein Gesundheitszustand habe sich
weiter verschlechtert. Wegen des Verdachts auf das Vorliegen (Nennung
Diagnose) sei zwingend eine neue Prüfung der Glaubhaftigkeit des ersten
Asylgesuchs im Asylentscheid vom 17. Juli 2019 (recte: 11. Juni 2019) vor-
zunehmen. Die in den beigelegten Arztberichten enthaltenen medizini-
schen Diagnosen (Nennung Diagnosen) seien als starkes Indiz für das Er-
leben von traumatischen Erfahrungen zu werten. Das Suizidrisiko spreche
sodann gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs.
Dem Gesuch waren beigelegt: (Aufzählung Beweismittel).
E.f Mit Schreiben vom 26. November 2021 ersuchte der Beschwerdeführer
das SEM um Zusammenführung seiner beiden hängigen Gesuche (Mehr-
fachgesuch vom 2. Juli 2021 und Wiedererwägungsgesuch vom 28. Okto-
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Seite 5
ber 2021). Dabei teilte er mit, (Nennung Person) sei sowohl mit der Zusam-
menführung beider Gesuche als auch mit der künftigen Führung des Man-
dats durch den rubrizierten Rechtsvertreter einverstanden.
F.
Mit Verfügung vom 10. März 2022 – eröffnet am 14. März 2022 – stellte
das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigenschaft
nicht, wies das Mehrfachgesuch ab, verfügte die Wegweisung des Be-
schwerdeführers aus der Schweiz und ordnete den Wegweisungsvollzug
an. Ferner wies es das Gesuche um wiedererwägungsweise Aufhebung
der Verfügung vom 11. Juni 2019 sowie die Gesuche um Erlass der Ver-
fahrenskosten, Ansetzung einer Anhörung und Durchführung zusätzlicher
Instruktionsmassnahmen über die Schweizer Vertretung in C._ ab
und erhob eine Gebühr von Fr. 600.–.
G.
Gegen die Verfügung des SEM vom 10. März 2022 erhob der Beschwer-
deführer mit Eingabe vom 13. April 2022 Beschwerde beim Bundesverwal-
tungsgericht. Er beantragt, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben,
seine Flüchtlingseigenschaft festzustellen und ihm Asyl zu gewähren be-
ziehungsweise sei er als Flüchtling vorläufig aufzunehmen. Eventualiter sei
die Unzulässigkeit beziehungsweise Unzumutbarkeit des Wegweisungs-
vollzugs festzustellen und die vorläufige Aufnahme anzuordnen. Subeven-
tualiter sei die Sache zur hinreichenden Abklärung des rechterheblichen
Sachverhalts an die Vorinstanz zurückzuweisen. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht ersucht er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
samt Verzicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses und um Beiord-
nung des rubrizierten Rechtsvertreters als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
H.
Mit Schreiben vom 14. April 2022 bestätigte das Bundesverwaltungsge-
richt dem Beschwerdeführer den Eingang der Beschwerde.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG ist das Bundesverwaltungsgericht zur Beurteilung
von Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG zuständig und
entscheidet auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – wie auch vorliegend –
endgültig (Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG; Art. 105 AsylG [SR 142.31]).
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1.2 Der Beschwerdeführer ist als Verfügungsadressat zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert (Art. 48 Abs. 1 VwVG). Auf die frist- und formgerecht einge-
reichte Beschwerde (Art. 108 Abs. 6 AsylG und Art. 52 Abs. 1 VwVG) ist
einzutreten.
2.
Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rügen
richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des Aus-
länderrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5).
3.
Die Abteilungen des Bundesverwaltungsgerichts entscheiden in der Regel
in der Besetzung mit drei Richtern oder Richterinnen (vgl. Art. 21 Abs. 1
VGG). Das Bundesverwaltungsgericht kann auch in solchen Fällen auf die
Durchführung des Schriftenwechsels verzichten (Art. 111a Abs. 1 AsylG).
4.
4.1 Der Beschwerdeführer rügt, das SEM habe den Untersuchungsgrund-
satz – und sinngemäss auch die Begründungspflicht – verletzt. Diese ver-
fahrensrechtlichen Rügen sind vorab zu prüfen.
4.1.1 Das Verwaltungs- respektive Asylverfahren wird vom Untersuchungs-
grundsatz beherrscht (Art. 12 VwVG i.V.m. Art. 6 AsylG), wonach die Be-
hörde von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des
rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen, die für das Verfahren notwen-
digen Unterlagen zu beschaffen, die rechtlich relevanten Umstände abzu-
klären und ordnungsgemäss darüber Beweis zu führen hat (BVGE 2015/10
E. 3.2 m.w.H.).
4.1.2 Es ergeben sich nach Prüfung der Akten keine hinreichenden An-
haltspunkte, welche den Schluss zulassen würden, das SEM habe den
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig abgeklärt, mithin den Untersu-
chungsgrundsatz verletzt. Die Vorinstanz ging zu Recht aufgrund der Par-
teiauskünfte und der eingereichten Beweismittel (vgl. Art. 12 Bstn. a und b
VwVG) davon aus, dass der rechtserhebliche Sachverhalt als erstellt gel-
ten könne und keine weiteren Beweismassnahmen zu ergreifen seien. Die
Vorinstanz hat sich bei der Prüfung der Gesuche an den vom Beschwer-
deführer bislang verheimlichten Tätigkeiten für die B._, den darge-
legten exilpolitischen Aktivitäten (...) und der deswegen befürchteten be-
hördlichen Repression, sowie am Begehren des Beschwerdeführers, auf-
grund des Verdachts einer (Nennung Leiden) sei eine neue Prüfung der
http://links.weblaw.ch/BVGE-2015/10
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Glaubhaftigkeit des ersten Asylgesuchs im Asylentscheid vom 11. Juni
2019 vorzunehmen, orientiert und entsprechend gewürdigt. Dabei hat es
explizit auf die in diesem Zusammenhang geäusserten Befürchtungen und
Schlussfolgerungen des Beschwerdeführers sowie die zur Stützung der-
selben eingereichten Beweismittel Bezug genommen und sich mit diesen
Sachverhaltselementen und den entsprechenden Dokumenten auseinan-
dergesetzt. Der Umstand, dass es nach einer gesamtheitlichen Würdigung
der Parteivorbringen und bei der Einschätzung der spezifischen Ländersi-
tuation zu einem anderen Schluss als der Beschwerdeführer gelangte,
stellt keine unrichtige oder unvollständige Feststellung des Sachverhalts
oder Verletzung des rechtlichen Gehörs dar. Mit dem Vorbringen, die Vor-
instanz verletze mit der ungenügenden Würdigung der (Nennung Beweis-
mittel) und der Verneinung der Relevanz seines exilpolitischen Engage-
ments die Untersuchungs- und (sinngemäss) auch die Begründungspflicht
(vgl. Rechtsmitteleingabe Ziff. 1.3.4), vermengt der Beschwerdeführer die
sich aus dem Untersuchungsgrundsatz ergebende Frage der Feststellung
des Sachverhalts mit der Frage der rechtlichen Würdigung der Sache, wel-
che die materielle Entscheidung über die vorgebrachten Asylgründe be-
trifft. Eine Verletzung der Begründungspflicht ist sodann zu verneinen, weil
es dem Beschwerdeführer möglich war, sich ein Bild über die Tragweite
des vorinstanzlichen Entscheides zu machen und diesen – wie die vorlie-
gende Beschwerde zeigt – sachgerecht anzufechten (vgl. BGE 129 I 232
E. 3.2; 126 I 97 E. 2b).
4.2 Die Rüge der Verletzung formellen Rechts erweist sich als unbegrün-
det. Das Eventualbegehren um Rückweisung der Sache an das SEM ist
abzuweisen.
5.
5.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft
nachweisen oder zumindest glaubhaft machen. Das Bundesverwaltungs-
gericht hat die Anforderungen an das Glaubhaftmachen der Vorbringen in
verschiedenen Entscheiden dargelegt und folgt dabei ständiger Praxis. Da-
rauf kann hier verwiesen werden (vgl. BVGE 2015/3 E. 6.5.1, BVGE 2012/5
E. 2.2).
5.2 Wer sich darauf beruft, dass durch sein Verhalten nach der Ausreise
aus dem Heimat- oder Herkunftsstaat eine Gefährdungssituation erst ge-
schaffen worden ist, macht sogenannte subjektive Nachfluchtgründe im
Sinne von Art. 54 AsylG geltend. Subjektive Nachfluchtgründe begründen
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Seite 8
zwar die Flüchtlingseigenschaft im Sinne von Art. 3 AsylG, führen jedoch
gemäss Art. 54 AsylG zum Ausschluss des Asyls, unabhängig davon, ob
sie missbräuchlich oder nicht missbräuchlich gesetzt wurden. Stattdessen
werden Personen, welche subjektive Nachfluchtgründe nachweisen oder
glaubhaft machen können, als Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl.
BVGE 2009/29 E. 5.1, 2009/28 E. 7.1 m.w.H.).
5.3 Das Wiedererwägungsverfahren ist im Asylrecht spezialgesetzlich ge-
regelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG). Ein entsprechendes Gesuch ist dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schriftlich
und begründet einzureichen.
5.4 In seiner praktisch relevantesten Form bezweckt das Wiedererwä-
gungsgesuch die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an
eine nachträglich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl.
BVGE 2014/39 E. 4.5 m.w.H.). Falls die abzuändernde Verfügung unange-
fochten blieb – oder ein eingeleitetes Beschwerdeverfahren mit einem
blossen Prozessentscheid abgeschlossen wurde – können auch Revisi-
onsgründe einen Anspruch auf Wiedererwägung begründen. Ebenfalls im
Rahmen einer Wiedererwägung zu prüfen sind Beweismittel, die erst nach
dem Beschwerdeentscheid entstanden sind, aber vorbestandene Tatsa-
chen belegen sollen (zum sogenannten "qualifizierten Wiedererwägungs-
gesuch" vgl. BVGE 2013/22 E. 5.4 m.w.H.).
6.
6.1 Das SEM qualifizierte die Eingabe des Beschwerdeführers vom 2. Juli
2021 als Mehrfachgesuch und behandelte die dortigen Vorbringen wie
auch diejenigen des Wiedererwägungsgesuchs vom 28. Oktober 2021 auf
Wunsch des rubrizierten Rechtsvertreters und aus prozessökonomischen
Gründen allesamt in der angefochtenen Verfügung. Es führte zur Begrün-
dung aus, dem Beschwerdeführer könne das neue Vorbringen, er sei nicht
bloss (Nennung Tätigkeit), sondern auch Mitarbeiter des (Nennung Orga-
nisation) der B._ gewesen, nicht geglaubt werden. Seine Behaup-
tung, zahlreiche Tamilen hätten ihm geraten, die Mitarbeit im (Nennung Or-
ganisation) nicht zu offenbaren, weil zu befürchten sei, die Schweizer Be-
hörden könnten vertrauliche Informationen an die heimatlichen Behörden
weiterleiten, überzeuge nicht. Es werde in den Asylbefragungen über die
Geheimhaltungspflicht der schweizerischen Asylbehörden informiert, was
in den Protokollen entsprechend vermerkt werde. Auch sei nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb er eine Mitarbeit im (Nennung Organisation) nicht bereits
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Seite 9
in seinen zahlreichen vorangegangenen Folgegesuchen oder Beschwer-
deschriften vorgebracht habe. Zudem führe er nicht aus, weshalb seine
Befürchtung weggefallen sei und er nun die Wahrheit sagen könne. Der
Beschwerdeführer wäre sodann durch ein reines Männerteam angehört
worden, wenn er in den Befragungen einen entsprechenden Wunsch ge-
äussert hätte; der diesbezügliche Einwand verfange daher nicht. Sodann
handle es sich bei den (Nennung Beweismittel) um Briefe von ihm nahe-
stehenden Personen. Aufgrund deren Gefälligkeitscharakters seien diese
Beweismittel nicht geeignet, den geltend gemachten Sachverhalt glaubhaft
zu machen. Die Zweifel an der Glaubhaftigkeit der im Gesuch vom 2. Juli
2021 neu vorgebrachten Tätigkeit in (Nennung Organisation) würden
dadurch bestärkt, dass im Wiedererwägungsgesuch vom 28. November
2021 – mithin rund vier Monate später – von dieser Tätigkeit keine Rede
mehr sei und der Beschwerdeführer denn auch offensichtlich seinen neuen
Rechtsvertreter darüber nicht informiert habe.
Soweit der Beschwerdeführer geltend mache, es sei wegen des Verdachts
des Vorliegens (Nennung Diagnose) eine erneute Prüfung der Glaubhaf-
tigkeit der Vorbringen des ersten Asylgesuchs im Asylentscheid vom
11. Juni 2019 vorzunehmen, sei festzuhalten, dass ihm in der Anhörung
hinreichende Gelegenheit gegeben worden sei, sich zu seinen Asylgrün-
den zu äussern und allfällige Gedächtnislücken sowie Unsicherheiten of-
fenzulegen. Vor diesem Hintergrund sei davon auszugehen, dass er sich
ohne nennenswerte Einschränkungen zu seinen Asylgründen habe äus-
sern können. Die seinerzeit als unglaubhaft qualifizierten Aussagen wür-
den sich auch nicht durch eine – mehrere Jahre später – gestellte ärztliche
Diagnose erklären lassen. Die ihm in den medizinischen Unterlagen vom
(...) und (...) attestierten Beeinträchtigungen seines psychischen Gesund-
heitszustands vermöchten seine Asylgründe folglich nicht nachträglich
nachzuweisen oder zumindest glaubhaft zu machen, auch wenn die von
Fachpersonen diagnostizierte Krankheit nicht angezweifelt werde.
Weiter seien die neu vorgebrachten exilpolitischen Tätigkeiten – soweit
diese überhaupt konkretisiert würden oder ein Bezug zum Beschwerdefüh-
rer hergestellt werden könne – wie auch die (Nennung Tätigkeit) – als nie-
derschwellig zu qualifizieren. Die zugänglichen und übersetzten Beweis-
mittel würden nicht auf ein exponiertes exilpolitisches Engagement schlies-
sen lassen. Es sei deshalb nicht davon auszugehen, dass die sri-lanki-
schen Behörden dem Beschwerdeführer bei einer Rückkehr eine enge Ver-
bindung zu den B._ unterstellen und ihn zu jener Gruppe zählen
würden, die bestrebt sei, den tamilischen Separatismus wieder aufleben zu
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lassen. Das Vorbringen, seine ebenfalls den B._ zugehörigen Fa-
milienangehörigen würden seinetwegen in Sri Lanka Nachteile erleiden,
stelle eine nicht belegte Parteibehauptung dar. Der Beschwerdeführer
habe ferner keinen persönlichen Bezug zur Präsidentschaftswahl vom
16. November 2019 und mithin auch keine Verfolgungsgefahr aufgrund
derselben für seine Person darlegen können. Ein Vollzug der Wegweisung
sei sodann als möglich, zulässig und angesichts der in Sri Lanka beste-
henden medizinischen Behandlungsmöglichkeiten auch als zumutbar zu
bezeichnen. Allfälligen suizidalen Tendenzen könne im Falle einer Rück-
führung durch angemessene und sorgfältige Vorbereitung Rechnung ge-
tragen werden.
6.2 In der Rechtsmitteleingabe rekapitulierte der Beschwerdeführer zu-
nächst unter Hinweis auf die (Nennung Beweismittel) seine gesundheitli-
che Situation und die in den erwähnten Berichten festgehaltenen Diagno-
sen und Feststellungen. Er leide nicht nur an (Nennung Leiden), sondern
auch unter (Nennung Leiden). Diese schwere Beeinträchtigung müsse
deshalb bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit – nicht nur bezüglich der
neu vorgebrachten Sachverhaltselemente, sondern auch der ursprüngli-
chen Einschätzung im Asylentscheid vom 11. Juni 2019 – berücksichtigt
werden, zumal nach der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts
eine Traumatisierung in die Gesamtbetrachtung der Glaubhaftigkeit einzu-
fliessen habe. Eine posttraumatische Belastungsstörung könne zumindest
als Indiz für eine geltend gemachte Verfolgung beziehungsweise für die
Glaubhaftigkeit von Ausführungen gelten (mit Verweis auf das Urteil des
BVGer E-3415/2013 vom 8. April 2014). Verschiedene Faktoren (wie bspw.
Schuld- und Schamgefühle, Schutzmechanismen) könnten legitime
Gründe für das verspätete Vorbringen von Sachverhaltselementen darstel-
len. Die bei ihm vorliegenden "wahnhaften Elemente" vermöchten zu er-
klären, weshalb er tatsächlich Angst gehabt habe, die schweizerischen Be-
hörden könnten die heimatlichen Behörden informieren, zumal auf der kul-
turellen Ebene die Angst der tamilischen Bevölkerung vor der sri-lanki-
schen Regierung weit verbreitet sei. Weiter sei bei der Beurteilung der
Glaubhaftigkeit im ersten Asylverfahren der grosse zeitliche Abstand zwi-
schen der Befragung zur Person (BzP) und der Anhörung von (Nennung
Dauer) zu berücksichtigen. Während der BzP sei er mehrmals aufgefordert
worden sich kurz zu fassen, was gewisse Unstimmigkeiten zu erklären ver-
möge. Weiter sei auf strukturelle Mängel der BzP (Zeitmangel; rudimentäre
Erzählungen; Übersetzung) hinzuweisen.
Der vorinstanzliche Vorhalt, er sei in seinem Wiedererwägungsgesuch vom
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28. Oktober 2021 nicht auf seine ehemalige Tätigkeit beim (Nennung Or-
ganisation) der B._ eingegangen, sei konstruiert. Er habe die ärzt-
lichen Berichte im Sinne eines Wiedererwägungsgesuchs dem SEM zu-
kommen lassen, seine Erläuterungen zum (Nennung Organisation) hinge-
gen bereits in seinem Gesuch vom 2. Juli 2021 vorgebracht. Er habe des-
wegen auf eine erneute Darstellung im Wiedererwägungsgesuch verzich-
tet. Zudem sei er ein rechtsunkundiger Laie, der unter psychischen Beein-
trächtigungen leide. Da er sich den ehemaligen Rechtsvertreter aus finan-
ziellen Gründen nicht mehr habe leisten können, habe er den Arztbericht
auch nicht durch ihn einreichen lassen. Es sei ihm unter diesen Umständen
nicht in den Sinn gekommen, gegenüber seinem aktuellen Rechtsvertreter
das bereits hängige Mehrfachgesuch zu erwähnen. Dieser Umstand dürfe
ihm in Bezug auf die Glaubhaftigkeit nicht entgegengehalten werden.
Die (Nennung Beweismittel) seien keinesfalls als Gefälligkeitsschreiben zu
bezeichnen. Darin würden seine Aufgaben im (Nennung Organisation) der
B._ sowie deren Ausmass dargelegt, weshalb die Schreiben durch-
aus relevant seien. Die Fälschungssicherheit dieser Schreiben werde
durch das Aufführen von Kontaktdaten der Aussteller und durch Scans von
deren Aufenthaltsbewilligungen bestätigt. Zudem werde in einem dem
SEM zugestellten (Nennung Beweismittel und dessen Inhalt), was sowohl
deren Funktion als auch deren Identität bestätige.
Gemäss der als glaubhaft zu erachtenden neuen Vorbringen zu seiner Tä-
tigkeit für den (Nennung Organisation) der B._ sei er von den sri-
lankischen Behörden zwecks Verhör in ein Flüchtlingslager gebracht und
dort während längerer Zeit festgehalten worden. Auch seine (Nennung Ver-
wandte) sei zu seinen Handlungen befragt worden und seine (Nennung
Verwandte) seien unter gewaltsamen Umständen gestorben. Es liege eine
flüchtlingsrechtlich relevante Vorverfolgung vor, da Motiv, Gezieltheit und
erforderliche Intensität der Verfolgung gegeben seien. Es sei daher auf
eine begründete Furcht vor künftiger Verfolgung zu schliessen.
7.
7.1 Vorweg ist auf das Vorbringen des Beschwerdeführers einzugehen,
wonach die im (Nennung Beweismittel) festgehaltenen psychischen Beein-
trächtigungen bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit – nicht nur bezüglich
der neu vorgebrachten Sachverhaltselemente, sondern auch bezüglich der
ursprünglichen Einschätzung im Asylentscheid vom 11. Juni 2019 – zu be-
rücksichtigen seien.
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Seite 12
7.1.1 In diesem Zusammenhang ist zunächst auf die Feststellungen im Ur-
teil des Bundesverwaltungsgerichts D-3514/2019 vom 15. August 2019
(E. 6.2) hinzuweisen. Danach wurde der Beschwerdeführer sowohl zu Be-
ginn der BzP als auch der Anhörung auf die Wichtigkeit vollständiger, lü-
ckenloser und wahrheitsgetreuer Angaben wie auch auf seine Verantwor-
tung für seine Aussagen hingewiesen. Ferner wurde angeführt, dem Ver-
lauf der Protokolle der BzP und der Anhörung seien keine Anzeichen dafür
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bei den Befragungen verwirrt
oder unter Druck gewesen wäre. Sodann habe die Hilfswerkvertretung bei
der Beobachtung der Einhaltung eines korrekten Ablaufs bei der Anhörung
diesbezüglich keine Beanstandungen angebracht, sondern vielmehr ein-
geräumt, es habe zwischen der BzP und der Anhörung mehrere Wider-
sprüche gegeben. Der Beschwerdeführer habe darüber hinaus durch seine
Unterschrift bestätigt, dass ihm das Protokoll in eine verständliche Sprache
rückübersetzt worden sowie dass es vollständig sei und seiner freien
Äusserung entspreche. Zusammenfassend kam das Gericht in der Folge
zum Schluss, dass die BzP und die Anhörung in nicht zu beanstandender
Weise durchgeführt worden seien.
Der Beschwerdeführer bringt auf Beschwerdeebene nichts vor, welche das
Gericht im heutigen Zeitpunkt bezüglich dieser Feststellungen zu einem
anderen Schluss kommen lassen müssten.
7.1.2 Soweit der Beschwerdeführer auf den zu berücksichtigenden gros-
sen zeitlichen Abstand zwischen der BzP und der Anhörung von (Nennung
Dauer) und auf weitere strukturelle Mängel der BzP hinweist, ist festzuhal-
ten, dass die korrekte Durchführung sowohl der BzP als auch der Anhörung
bereits Gegenstand der Beurteilung im erwähnten Urteil D-3514/2019 (vgl.
E. 6.2) bildete, mithin im Rahmen dieses Verfahrens nicht mehr geltend
gemacht werden kann.
7.1.3 Der Beschwerdeführer hat zum Nachweis seiner beeinträchtigten ge-
sundheitlichen Situation (Nennung Beweismittel) eingereicht. Danach leide
er an (Nennung Leiden). Diesbezüglich ist festzustellen, dass Arztberichte
lediglich über einen gesundheitlichen Befund Auskunft geben können, je-
doch keinen Beweis für das geltend gemachte traumatisierende Ereignis
bilden (vgl. BVGE 2015/11 E. 7.2.1 und 7.2.2). Gleichwohl bildet die Ein-
schätzung eines Facharztes in Bezug auf die Plausibilität von Vorkomm-
nissen oder Ereignissen, die als Ursache für die diagnostizierte posttrau-
matische Belastungsstörung in Betracht fallen, ein Indiz, welches bei der
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Seite 13
Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Vorbringen im Rahmen der Beweis-
würdigung zu berücksichtigen ist (vgl. BVGE 2007/31 E. 5.1; so auch das
in der Rechtsmitteleingabe zitierte Urteil D-3415/2013 E. 4.3.2). Vorliegend
vermag der Beschwerdeführer aus den erwähnten Arztberichten mit Blick
auf die geforderte Neubeurteilung der Glaubhaftigkeit der bisherigen und
neu vorgebrachten Sachverhaltselemente nichts zu seinen Gunsten abzu-
leiten. Wohl werden darin als Symptome der angeführten Diagnosen (Nen-
nung Symptome) formuliert. Der Beschwerdeführer wurde gleichzeitig je-
doch auch als bewusstseinswache und bewusstseinsklare, in allen Quali-
täten voll orientierte Person beurteilt und es wurde ihm ein subjektiv und
objektiv unauffälliges biografisches Langzeitgedächtnis, eine bei Angst
subjektiv subtil reduzierte, bei der Evaluation jedoch unauffällige Aufmerk-
samkeit und Konzentration attestiert. Es wurde kein Gedankenabreissen,
keine Einschiebungen in den Gedankenfluss, keine Zerfahrenheit, kein Da-
neben- oder Vorbeireden und Linearität sowie Kohärenz festgestellt (vgl.
[Nennung Beweismittel]). Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang je-
doch der Umstand, dass den Ausführungen im erwähnten ärztlichen Be-
richt zufolge das diagnostizierte Gesundheitsbild zur Hauptsache auf die –
gemäss Sozialanamnese und der diagnostischen Beurteilung (vgl. S. 3
und 6 ebendort) – Jahre zurückliegende Tätigkeit des Beschwerdeführers
(...) und die in diesem Zusammenhang erlittenen Übergriffe durch den
(Nennung Organisation) respektive (Nennung Organisation) zurückzufüh-
ren sei. Solche behördlichen Übergriffe hat der Beschwerdeführer jedoch
im Rahmen seines ersten Asylverfahrens nicht vorgebracht, vielmehr war
er laut seinen Angaben in der Anhörung vor seiner Platzierung und wäh-
rend seines Aufenthalts im (Nennung Örtlichkeit) jeweils nur kurz nach sei-
nen Personalien und einer allfälligen Unterstützungstätigkeit für die
B._ gefragt worden, welche er jeweils verneint habe. Behelligungen
brachte er keine – auch nicht ansatzweise – vor, sondern führte vielmehr
aus, bei den Vorsprachen des (Nennung Behörde) bei seiner (Nennung
Verwandte) oder bei seinem Freund sei er nie zugegen gewesen (vgl. SEM
act. A21/19, F59, 61, 69, 73, 95, 100, 106). Das SEM hat in diesem Zu-
sammenhang zu Recht darauf hingewiesen, dass sich das behandelnde
ärztliche Personal bei der Erstellung ihrer Berichte in der Regel unhinter-
fragt auf die Aussagen der gesuchstellenden Personen stützt. Vor diesem
Hintergrund ist daher nicht ersichtlich, weshalb es dem Beschwerdeführer
nicht bereits im Rahmen seines ersten Asylverfahrens – oder auch in einem
der nachfolgenden Mehrfachgesuche – hätte möglich sein sollen, sich kon-
kret, umfassend und substanziiert zu den Motiven desselben zu äussern
und diese nicht erst in seinem Wiedererwägungsgesuch vom 28. Oktober
D-1761/2022
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2021 anzuführen. Es ist daher zu schliessen, dass die ärztlich diagnosti-
zierten Beeinträchtigungen des psychischen Gesundheitszustands des
Beschwerdeführers auf andere als die angegebenen Gründe zurückzufüh-
ren sind, zumal nicht nur Folteropfer unter einer posttraumatischen Belas-
tungsstörung oder allfälligen weiteren damit im Zusammenhang stehenden
psychischen Störungen leiden, sondern eine solche regelmässig bei Men-
schen auftreten kann, die einem traumatischen Stresssymptom ausgesetzt
waren. Ein solches Erlebnis dürfte den Akten zufolge möglicherweise in
dem vom Beschwerdeführer geschilderten (Nennung Vorfall) erblickt wer-
den (vgl. SEM act. A6/11, Ziffn. 3.01 und 7.01; A21/19, F54). Im Weiteren
erstaunt, dass es dem Beschwerdeführer auch gegenüber den ihn behan-
delnden Fachärzten nicht möglich gewesen sein soll, sich im Rahmen der
Anamnese zu öffnen und sich umfassend zu seiner Biographie und den
nachträglich geltend gemachten Sachverhaltselementen zu äussern, ob-
wohl er mit den in Frage stehenden ärztlichen Berichten eine Neuüberprü-
fung seiner Asylvorbringen darzulegen versucht und auch im Zeitpunkt der
Einreichung des Wiedererwägungsgesuchs – folgt man den Ausführungen
im (Nennung Beweismittel) – noch immer tagesklinisch behandelt wurde
und weiterhin wird.
7.1.4 Die mit dem Wiedererwägungsgesuch vom 28. Oktober 2021 einge-
reichten ärztlichen Berichte sind daher nicht geeignet, zu einer vom Urteil
des D-3514/2019 abweichenden Einschätzung der Glaubhaftigkeit der Vor-
bringen zu führen.
7.2
7.2.1 Weiter ist die vorinstanzliche Einschätzung, wonach dem Beschwer-
deführer nicht geglaubt werden kann, dass er auch Mitarbeiter des (Nen-
nung Organisation) der B._ gewesen sein soll, zu bestätigen. Der
Beschwerdeführer wurde zu Beginn der BzP und der Anhörung im ersten
Asylverfahren jeweils auf die Verschwiegenheitspflicht aller Anwesenden
und den Umstand, dass er ohne Furcht sprechen könne, da die Aussagen
nicht an die heimatlichen Behörden weitergeleitet würden, hingewiesen;
auf Nachfrage bestätigte er jeweils, seine Rechte und Pflichten respektive
die einleitenden Punkte der Befragung verstanden zu haben (vgl. act.
A6/11, S. 1 f.; A21/19, F3). Vor diesem Hintergrund ist nicht nachvollzieh-
bar, dass er aus Angst vor einer Weiterleitung von Informationen an die
heimatlichen Behörden wesentliche Elemente seiner Asylvorbringen ver-
schwiegen hat, zumal er in die Schweiz gereist sein will, um sich unter den
Schutz der hiesigen Behörden zu stellen. Seine in der Rechtsmitteleingabe
enthaltenen Einwände erweisen sich als unbehelflich. Hätte er sich nämlich
D-1761/2022
Seite 15
in der Tat seinen ehemaligen Rechtsvertreter nicht mehr leisten können,
wäre umso mehr zu erwarten gewesen, dass er seinen neuen Rechtsver-
treter über sämtliche Aspekte, die im Rahmen eines Wiedererwägungs-
oder Mehrfachgesuchs zu seiner Person von Belang sein könnten, orien-
tiert. Daran vermag sein Hinweis, er sei ein rechtsunkundiger Laie mit psy-
chischen Beeinträchtigungen, nichts zu ändern. Dies umso mehr, als es
ihm offensichtlich möglich war, sich für das vorliegende Verfahren durch
eine rechtskundige Person vertreten zu lassen.
7.2.2 Weiter sind die (Nennung Beweismittel), zwei angeblichen ehemali-
gen Mitarbeitern im (Nennung Organisation) der B._, als nicht be-
weiskräftig zu erachten. Diese vom (...) respektive (...) stammenden
Schreiben berichten über angebliche Tätigkeiten des Beschwerdeführers,
welche dieser vor (Nennung Zeitpunkt) für die B._ ausgeführt ha-
ben soll. Aufgrund des Wortlauts weisen die fraglichen Schreiben eindeutig
Gefälligkeitscharakter auf. Weiter ist dem (Nennung Beweismittel) zu ent-
nehmen, dass dieser den Beschwerdeführer (zu einem ungenannt geblie-
benen Zeitpunkt) von seiner Schweigepflicht entbunden haben soll. In die-
sem Zusammenhang erstaunt, dass der Beschwerdeführer – folgt man den
Angaben in der Rechtsmitteleingabe auf der neunten Seite respektive dem
Mehrfachgesuch vom 2. Juli 2021 auf Seite 3, wonach ihm verschiedene
tamilische Personen davon abgeraten hätten, seine weitergehende Tätig-
keit beim (Nennung Organisation) zu erwähnen – offensichtlich keine Be-
denken hatte, die angeblichen Aktivitäten für den (Nennung Organisation)
der B._ mehreren Landsleuten gegenüber zu offenbaren, noch be-
vor er diese den schweizerischen Asylbehörden gegenüber äusserte. Ein
solches Verhalten ist nicht plausibel und bestärkt die Zweifel an der vorge-
brachten Tätigkeit für den (Nennung Organisation). Überdies wird der
Grund für das Offenlegen der bislang verheimlichten Information im Mehr-
fachgesuch vom 2. Juli 2021 auf die ausweglose Situation des Beschwer-
deführers, der sich deswegen seinem vormaligen Rechtsvertreter anver-
traut habe, zurückgeführt. Dass ihn (Nennung Person) von seiner Schwei-
gepflicht entbunden hätte, wird jedoch zu keinem Zeitpunkt thematisiert
(vgl. Gesuch vom 2. Juli 2021, S. 3, 3. Abschnitt). Sodann stellt das blosse
Aufführen von Kontaktdaten der Aussteller und die Einreichung von Scans
von deren Aufenthaltsbewilligungen ihres Zufluchtslandes keinen Beleg
dafür dar, dass es sich nicht um Gefälligkeitsschreiben handelt. Auch ist
der Vermerk von im Jahr (...) verhafteten Personen in einem dem Gesuch
vom 2. Juli 2021 beiliegenden (Nennung Beweismittel) nicht geeignet, die
Funktion und die Identität der Verhafteten zu bestätigen. So wurde der Vor-
name jeweils nur mit dem Anfangsbuchstaben und der volle Nachname
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Seite 16
aufgeführt. Weitere Personalien oder nähere Angaben zur Person liegen
nicht vor, was keinen eindeutigen Rückschluss auf die tatsächliche Identität
der Verhafteten erlaubt, zumal der Name der einen Person mit (Nennung
Name) und nicht – wie im Bestätigungsschreiben angegeben – mit (Nen-
nung Name gemäss Bestätigungsschreiben) angegeben wird.
7.3 Zusammenfassend liegen keine Gründe vor, welche die in der Verfü-
gung des SEM vom 11. Juni 2019 durchgeführte Glaubhaftigkeitsbeurtei-
lung der Asylvorbringen in einem anderen Licht erscheinen lassen müss-
ten. Auch gelingt es dem Beschwerdeführer nicht, erhebliche Tatsachen
oder Beweismittel oder eine wesentliche Änderung der Umstände im Sinne
der wiedererwägungsrechtlichen Bestimmungen darzulegen.
8.
8.1 Die vom Beschwerdeführer zur Stützung seines Mehrfachgesuchs gel-
tend gemachten exilpolitischen Aktivitäten und die dazu eingereichten Un-
terlagen sind ebenfalls nicht geeignet, auf eine aus flüchtlingsrechtlicher
Sicht relevante Gefährdung des Beschwerdeführers bei einer Rückkehr
nach Sri Lanka schliessen zu lassen.
8.1.1 Der Beschwerdeführer vermag aus dem Vorbringen, er sei ein gros-
ser Aktivist für die tamilische Sache innerhalb der sri-lankischen Diaspora
und ein grosser Oppositioneller der B._ in Europa und der Schweiz
(vgl. Mehrfachgesuch vom 2. Juli 2021 und Beschwerde vom 14. Septem-
ber 2021, je S. 5 f.), wie auch aus den allgemeinen Ausführungen zu den
B._ und den behördlichen Massnahmen gegenüber Angehörigen
und Sympathisanten derselben (vgl. Mehrfachgesuch vom 2. Juli 2021
S. 8 ff. und Beschwerde vom 14. September 2021 S. 7 ff.) nichts zu seinen
Gunsten abzuleiten. So substanziiert er dadurch nicht ansatzweise seine
Tätigkeit, die darauf schliessen liesse, er sei ein grosser Oppositioneller
innerhalb der B._.
8.1.2 Hinsichtlich der Vorbringen, aufgrund seiner Stellung innerhalb des
(Nennung Organisationen) und seiner Verbindungen zu deren Führungs-
personen sei er bei einer Rückkehr einer asylrelevanten Verfolgung aus-
gesetzt, fehlen detaillierte Ausführungen zu diesen Verbindungen. Das
pauschale Vorbringen, er habe für die genannten Organisationen verschie-
dene, gegen die sri-lankische Regierung gerichtete Projekte mitgetragen,
genügt nicht, um eine Gefährdung wegen angeblicher Tätigkeiten für die-
selbe zu konkretisieren. Auch der Umstand, dass der Beschwerdeführer
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Seite 17
anlässlich einer Veranstaltung für ein Foto neben (Nennung Person) po-
siert habe, vermag nicht darzulegen, dass er in dieser Bewegung eine
wichtige Rolle einnimmt.
8.1.3 Aus der dem Mehrfachgesuch beiliegenden (Nennung Beweismittel)
geht lediglich hervor, dass die Liste der designierten Personen bezüglich
der "Regulation 4(7) of the United Nations Regulations No. 1 of 2012" er-
weitert worden sei. Diese Liste "of designated persons and entities" enthält
Namen von verbotenen Organisationen und von Personen, die gesucht
werden (vgl. SEM, Notiz Sri Lanka, Lagefortschreibung vom 7. Februar
2020, S. 16). Dabei wird auf der Personenliste auch der – vom Beschwer-
deführer hervorgehobene – (Nennung Person), wohnhaft in E._,
wegen (Nennung Grund) genannt. Daraus alleine lässt sich offensichtlich
keine Verbindung zum Beschwerdeführer respektive zu dessen exilpoliti-
scher Tätigkeit herstellen. Auch die nicht weiter überprüfbare Angabe des
Beschwerdeführers, er sei für dessen Bewegung von eben diesem (Nen-
nung Person) rekrutiert worden, genügt dazu nicht.
8.1.4 Das vom Beschwerdeführer geschilderte exilpolitische Engagement
wie auch die Mitgliedschaft im (Nennung Team) – soweit überhaupt belegt
– ist, entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Auffassung, insge-
samt als niederschwellig zu qualifizieren und nicht geeignet, ein Risikoprofil
im Sinne der bundesverwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung zu begrün-
den. Es ist daran zu erinnern, dass der Beschwerdeführer vor der Ausreise
keine politischen Tätigkeiten ausübte und bei der Ausreise im Jahr (...)
nicht im Fokus der Behörden stand (vgl. D-3514/2019 E. 6). An dieser Ein-
schätzung vermag eine Rückkehr aus der Schweiz nach (Nennung Dauer)
Aufenthalt nichts zu ändern.
8.1.5 Soweit der Beschwerdeführer anführt, sein exilpolitisches Engage-
ment habe behördliche Repression seiner Angehörigen in Sri Lanka zur
Folge, ist die diesbezügliche Erwägung des SEM zu bestätigen, wonach
es sich dabei um eine reine Parteibehauptung handelt. Der Beschwerde-
führer hat auch in diesem Zusammenhang keinerlei Belege eingereicht,
welche seine Behauptung zu stützen vermöchte.
8.1.6 Insgesamt erscheint es somit nicht wahrscheinlich, dass der Be-
schwerdeführer durch das behauptete exilpolitische Wirken nach Erlass
des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts D-3514/2019 vom 15. August
2019 ins Visier der sri-lankischen Behörden geraten ist, zumal aufgrund
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Seite 18
der bereits im erwähnten Urteil festgestellten Unglaubhaftigkeit seiner Asyl-
vorbringen nicht davon auszugehen ist, dass er vor der Ausreise aus Sri
Lanka von den heimatlichen Sicherheitsbehörden registriert worden wäre.
Im ordentlichen Asyl(beschwerde)verfahren verneinte das Bundesverwal-
tungsgericht sodann gestützt auf seine Rechtsprechung (vgl. Referenzur-
teil E-1866/2015 vom 15. Juli 2016) das Vorliegen von Risikofaktoren, die
auf eine aus flüchtlingsrechtlicher Sicht relevante Gefährdung des Be-
schwerdeführers bei einer Rückkehr nach Sri Lanka schliessen lassen wür-
den (vgl. Urteil D-3514/2019 E. 6.7). Die sri-lankischen Behörden dürften
daher die als niederschwellig zu qualifizierende exilpolitische Tätigkeit des
Beschwerdeführers – sollten sie davon überhaupt Kenntnis erlangen –
kaum als ernsthafte Bedrohung erachten.
8.2 Zum allgemeinen Hinweis auf die schlechte Menschenrechtssituation
für nach Sri Lanka zurückkehrende tamilische Asylsuchende, insbeson-
dere infolge der Machtergreifung des Rajapaksa-Clans, ist festzuhalten,
dass zum heutigen Zeitpunkt kein Grund zur Annahme besteht, dass seit
dem Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv ei-
ner Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im
Einzelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Perso-
nen zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive deren
Folgen besteht. Einen solchen Bezug vermag der Beschwerdeführer nicht
darzulegen. Daran vermögen die im Mehrfachgesuch vom 2. Juli 2021 (vgl.
S. 10 ff.) und in der Beschwerde vom 14. September 2021 (vgl. S. 5 und
10 f.) erwähnten Medienberichte nichts zu ändern.
8.3 Insgesamt konnte der Beschwerdeführer keine nach dem rechtskräfti-
gen Abschluss seines ordentlichen Asylverfahrens entstandenen Gründe
geltend machen, die in Bezug auf seine Flüchtlingseigenschaft zu einer
anderen Würdigung führen könnten. Das SEM hat zu Recht die Flüchtlings-
eigenschaft verneint und das Mehrfachgesuch vom 2. Juli 2021 wie auch
das Wiedererwägungsgesuch vom 28. Oktober 2021 abgewiesen.
9.
Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so verfügt
es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den Vollzug
an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie (Art. 44
AsylG). Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtli-
che Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer
solchen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (vgl.
BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
D-1761/2022
Seite 19
10.
10.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
10.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV, Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember
1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedri-
gende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3
EMRK darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender
Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
10.3
10.3.1 Die Vorinstanz wies in der angefochtenen Verfügung zutreffend da-
rauf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kommt der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
nicht zur Anwendung. Seine Rückkehr in den Heimatstaat ist demnach un-
ter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig. Ebenso sind keine anderwei-
tigen völkerrechtlichen Vollzugshindernisse erkennbar. Weder aus den
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Seite 20
Vorbringen des Beschwerdeführers noch aus den Akten ergeben sich An-
haltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Rückführung in den Heimat-
staat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit einer nach Art. 3 EMRK oder
Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung ausgesetzt wäre.
10.3.2 Soweit sich der Beschwerdeführer auf seinen beeinträchtigten psy-
chischen Gesundheitszustand beruft, ist mit Blick auf Art. 3 EMRK festzu-
halten, dass eine zwangsweise Wegweisung von Personen mit gesund-
heitlichen Problemen nur ganz ausnahmsweise einen Verstoss gegen
Art. 3 EMRK darstellen kann. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn
die betroffene Person sich in einem fortgeschrittenen oder terminalen
Krankheitsstadium und bereits in Todesnähe befindet, nach einer Überstel-
lung mit dem sicheren Tod rechnen müsste und dabei keinerlei soziale Un-
terstützung erwarten könnte (vgl. BVGE 2011/9 E. 7 mit Hinweisen auf die
damalige Praxis des EGMR). Eine weitere vom EGMR definierte Konstel-
lation betrifft Schwerkranke, die durch die Abschiebung – mangels ange-
messener medizinischer Behandlung im Zielstaat – mit einem realen Risiko
konfrontiert würden, einer ernsten, raschen und unwiederbringlichen Ver-
schlechterung ihres Gesundheitszustands ausgesetzt zu werden, die zu
intensivem Leiden oder einer erheblichen Verkürzung der Lebenserwar-
tung führen würde (vgl. Urteil des EGMR Paposhvili gegen Belgien 13. De-
zember 2016, Grosse Kammer 41738/10, §§ 180-193 m.w.H., und zum
Ganzen auch BVGE 2017 VI/7 E. 6). Eine solche Situation ist hier nicht
gegeben.
10.3.3 Der Vollzug der Wegweisung ist demnach zulässig.
10.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
10.4.1 Die Vorinstanz hat die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs mit
Verweis auf das vorangegangene Urteil D-3514/2019 vom 15. August 2019
(E. 8.5), in Würdigung der aktuellen Sicherheitslage in Sri Lanka und mit
Blick auf die vorgebrachte Verschlechterung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers bejaht. Es hat angeführt, es sei nicht von einer Si-
tuation allgemeiner Gewalt in Sri Lanka auszugehen und das Vorliegen ei-
ner medizinischen Notlage sei zu verneinen, nachdem eine hinreichende
D-1761/2022
Seite 21
medizinische und psychiatrische Versorgung in Sri Lanka grundsätzlich ge-
währleistet sei. An dieser Beurteilung ist auch im heutigen Zeitpunkt fest-
zuhalten. Es ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer in seiner
heimatlichen Umgebung nach wie vor über ein tragfähiges Beziehungsnetz
und eine gesicherte Wohnsituation verfügt, womit es ihm gelingen dürfte,
sich dort in sozialer und beruflicher Hinsicht wiedereinzugliedern.
10.4.2 Der Beschwerdeführer führt unter Hinweis auf die (Nennung Be-
weismittel) aus, er leide an (Nennung Leiden, Therapie und ärztliche Ein-
schätzungen).
10.4.3 Auf Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs aus medizinischen
Gründen ist nach Lehre und konstanter Praxis erst dann zu schliessen,
wenn eine notwendige medizinische Behandlung im Heimatland nicht zur
Verfügung steht und die Rückkehr zu einer raschen und lebensgefährden-
den Beeinträchtigung des Gesundheitszustands der betroffenen Person
führen würde (vgl. etwa BVGE 2011/50 E. 8.3 und 2009/2 E. 9.3.1 je
m.w.H.). Demgegenüber liegt die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs noch nicht vor, wenn eine nicht dem schweizerischen Standard ent-
sprechende medizinische Behandlung im Heimatland möglich ist (vgl.
BVGE 2011/50 E. 8.3 und BVGE 2009/2 E. 9.3.2).
10.4.4 Das Bundesverwaltungsgericht erachtet die psychische Erkrankung
des Beschwerdeführers nicht als derart gravierend, dass sie der Zumutbar-
keit eines Vollzugs der Wegweisung entgegensteht. Gemäss (Nennung
Beweismittel) ist davon auszugehen, dass die Behandlung des Beschwer-
deführers im (Nennung Zeitpunkt) abgeschlossen wurde. Die psychischen
Probleme dürften sodann – da die Glaubhaftigkeit seiner Asylgründe vom
SEM zu Recht bezweifelt wurde – weniger durch die vorgebrachten Aus-
reisegründe, sondern möglicherweise eher durch (Nennung Gründe) be-
gründet worden sein, zumal im erwähnten (Nennung Beweismittel) zum
weiteren Procedere angeführt wird, (Nennung weiteres Procedere). Nach
Abschluss seiner Behandlung in der Schweiz und des seit über (...) Jahre
zurückliegenden Endes des Bürgerkriegs ist davon auszugehen, dass die
psychischen Probleme des Beschwerdeführers nicht dergestalt sind, dass
von einer medizinischen Notlage im Sinne der vorstehend dargelegten
Rechtsprechung auszugehen ist. Ausserdem sind in Sri Lanka bei psychi-
schen Erkrankungen sowohl stationäre als auch ambulante Betreuungs-
möglichkeiten verfügbar. Diesbezüglich kann zur Vermeidung von Wieder-
holungen vollumfänglich auf die Ausführungen der Vorinstanz im angefoch-
D-1761/2022
Seite 22
tenen Entscheid verwiesen werden. Es liegen demnach keine medizini-
schen Wegweisungsvollzugshindernisse vor. Schliesslich steht es dem Be-
schwerdeführer offen, medizinische Rückkehrhilfe in Anspruch zu nehmen
(vgl. Art. 93 Abs. 1 Bst. d AsylG i.V.m. Art. 75 der Asylverordnung 2 vom
11. August 1999 [AsylV 2, SR 142.312]), die (Nennung Umfang Rückkehr-
hilfe) umfassen kann. Darüber hinaus ist einer allfälligen Suizidalität des
Beschwerdeführers im Rahmen der Ausgestaltung der Vollzugsmodalitä-
ten durch das SEM im Verbund mit den zuständigen kantonalen Behörden
angemessen Rechnung zu tragen.
10.4.5 Der Vollzug der Wegweisung erweist sich somit nicht als unzumut-
bar.
10.5 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
10.6 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
11.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
12.
12.1 Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist der Antrag, es sei auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses zu verzichten, gegenstandslos gewor-
den.
12.2 Eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, wird auf
Antrag hin von der Bezahlung der Verfahrenskosten befreit, sofern ihr Be-
gehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 65 Abs. 1 VwVG). Dabei verfügt
eine Person dann nicht über die erforderlichen Mittel, wenn sie ohne Be-
einträchtigung des notwendigen Lebensunterhaltes die Prozesskosten
nicht zu bestreiten vermag. Eine Beschwerde gilt ferner dann als aussichts-
los, wenn die Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlust-
gefahren und deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können (vgl.
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BGE 125 II 265 E. 4b S. 275). Es ist von der Bedürftigkeit des Beschwer-
deführers auszugehen. Nachdem überdies die Rechtsbegehren im Rah-
men einer summarischen Aktenprüfung nicht als aussichtslos zu beurteilen
waren, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
gutzuheissen. Demnach sind dem Beschwerdeführer keine Verfahrenskos-
ten aufzuerlegen.
12.3 Das Gesuch des Beschwerdeführers um amtliche Rechtsverbeistän-
dung ist gestützt auf Art. 65 Abs. 2 VwVG zu beurteilen (vgl. Art. 102m
Abs. 1 Bst. a AsylG). Das vorliegende Verfahren war weder in tatsächlicher
noch in rechtlicher Hinsicht besonders komplex. Das Gesuch um Einset-
zung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes ist daher abzuweisen.
(Dispositiv nächste Seite)
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