Decision ID: 74bea578-ad5b-48d6-8c1f-bcf2c837f96f
Year: 2018
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 09.03.2018 Art. 25 Abs. 1 ATSG, Art. 43 Abs. 1 ATSG, Art. 11 Abs. 1 lit. f, g und h ELGBevor ein Rückforderungsanspruch entstehen kann, muss die alte, bislang formell rechtskräftige, leistungszusprechende Verfügung aufgehoben und korrigiert bzw. der EL-Anspruch rückwirkend revisionsweise angepasst werden. Weil der massgebliche Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, kann im konkreten Fall nicht bestimmt werden, welchen Korrekturinstrumentes sich die Beschwerdegegnerin bedient hat (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 9. März 2018, EL 2017/7).
Entscheid vom 9. März 2018
Besetzung
Präsident Ralph Jöhl, Versicherungsrichterinnen Monika Gehrer-Hug
und Karin Huber-Studerus; Gerichtsschreiberin Annemarie Haase
Geschäftsnr.
EL 2017/7
Parteien
A._,
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Beschwerdeführerin,
vertreten durch B._,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse, Brauerstrasse
54, Postfach, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
Gegenstand
Ergänzungsleistung zur IV und Rückforderung
Sachverhalt
A.
A.a A._ bezog seit 2008 Ergänzungsleistungen zu ihrer Dreiviertelsrente der
Invalidenversicherung (EL-act. 86, 93, 130, 138). Sie lebte mit ihrem Lebensgefährten
zusammen (vgl. EL-act. 96, 113). Am _ August 2009 brachte sie ihren Sohn C._ zur
Welt (EL-act. 115). Dem daraufhin der EL-Durchführungsstelle eingereichten
Unterhaltsvertrag zwischen dem Kindsvater und dem Kind war zu entnehmen, dass der
Kindsvater ab der Geburt bis zur Vollendung des 6. Altersjahres verpflichtet war,
monatlich Fr. 650.--, bis zur Vollendung des 12. Altersjahres monatlich Fr. 750.-- und
anschliessend bis zur Mündigkeit monatlich Fr. 850.-- zu bezahlen. Weiter war er zur
Geltendmachung und zur zusätzlichen Bezahlung der Kinderzulagen verpflichtet, sofern
sie nicht anderweitig bezogen würden (EL-act. 110). Ab dem 1. September 2009
berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle den Sohn der Versicherten in der EL-
Berechnung. Sie rechnete neu eine IPV-Pauschale für das Kind, die IV-Kinderrente und
die im Rahmen des Unterhaltsvertrages vereinbarten Unterhaltsbeiträge in Höhe von
jährlich Fr. 7'800.-- an. Zudem teilte sie den Mietzins zu gleichen Teilen auf drei
Personen auf und berücksichtigte 2/3 der Miete als Ausgabe (EL-act. 80).
Kinderzulagen wurden nicht als Einnahmen berücksichtigt.
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A.b Im Rahmen der periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen im Jahr 2011
erklärte die Versicherte, sie lebe mit ihrem Sohn und dessen Vater in einem Haushalt.
Unterhaltsbeiträge seien keine bezahlt worden (EL-act. 60). In den darauffolgenden EL-
Berechnungen berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle weiterhin Unterhaltsbeiträge
in Höhe von jährlich Fr. 7'800.-- als Einnahmen (EL-act. 57 f.).
A.c Am 1. Oktober 2012 teilte die Versicherte der EL-Durchführungsstelle mit, dass sie
sich vom Kindsvater getrennt habe und ab sofort mit ihrem Sohn in einer neuen
Wohnung lebe (EL-act. 56). Daraufhin rechnete die EL-Durchführungsstelle ab dem 1.
Oktober 2012 einen Mietzins in Höhe von Fr. 15'300.-- an, was zu einem EL-Anspruch
auf ordentliche Ergänzungsleistungen in Höhe von monatlich Fr. 1'565.-- und auf
ausserordentliche Ergänzungsleistungen in Höhe von monatlich Fr. 25.-- führte (EL-act.
54 f.).
A.d Am 18. Januar 2016 informierte die Versicherte die EL-Durchführungsstelle
darüber, dass ihr Sohn und sie ab dem 1. März 2016 in D._ im Kanton Thurgau
wohnen würden (EL-act. 37, vgl. auch EL-act. 34). Die EL-Durchführungsstelle verfügte
daraufhin die Einstellung der Ergänzungsleistungen per 1. April 2016 (EL-act. 31).
A.e Im Rahmen der periodischen Überprüfung der Ergänzungsleistungen gab die
Versicherte am 13. März 2016 an, sie habe einen Anspruch auf
Kinderunterhaltsbeiträge in Höhe von jährlich Fr. 8'892.-- (EL-act. 25). Dazu reichte sie
einen Kontoauszug ein, gemäss welchem sie vom Finanzamt der Stadt E._ monatlich
Fr. 741.-- erhalten hatte (EL-act. 27). Auf Nachfrage der EL-Durchführungsstelle hin
liess die Versicherte am 8. November 2016 erklären, sie habe von August 2009 bis
September 2012 mit dem Kindsvater zusammengelebt, weshalb sie keine
Unterhaltszahlungen erhalten habe. Von September 2012 bis März 2013 habe sie
weder Zahlungen erhalten noch habe sie mit dem Kindsvater zusammengelebt.
Dennoch seien ihr die Unterhaltsbeiträge als Einnahmen angerechnet worden. Seit
März 2013 erhalte sie von den Sozialen Diensten der Stadt E._ eine
Alimentenbevorschussung in Höhe der Unterhaltsbeiträge. Im September 2015 seien
die Unterhaltsleistungen mit Erreichen des siebten Altersjahres des Sohnes gemäss
dem vorliegenden Unterhaltsvertrag auf monatlich Fr. 751.-- erhöht worden. Ab dem 1.
Januar 2016 habe sie von den Sozialen Diensten aufgrund der negativen Teuerung
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monatlich Fr. 741.-- erhalten. Dies sei ihr jedoch erst aufgefallen, als sie beim Umzug
nach D._ einen EL-Antrag gestellt habe. Ihr sei daher bewusst, dass sie von
September 2015 bis März 2016 zu viel Ergänzungsleistungen bezogen habe. Dies sei
jedoch keine Absicht gewesen. In Anbetracht dessen, dass ihr in der Vergangenheit
Unterhaltszahlungen angerechnet worden seien, die sie effektiv nie erhalten habe, sei
ihre Situation wohlwollend zu prüfen. Ausserdem habe der Kindsvater nie
Kinderzulagen bezahlt. Er arbeite nicht und wenn, dann "schwarz" (EL-act. 22-3 f.). Zu
dieser Stellungnahme reichte die Versicherte Revisionsverfügungen der Sozialen
Dienste der Stadt E._ ein, mit welchen die Alimentenbevorschussung ab dem 1.
Januar 2014 auf Fr. 651.--, ab dem 1. September 2015 auf Fr. 751.-- und ab dem 1.
Januar auf Fr. 741.-- angepasst worden war (EL-act. 22-5 ff.). In einer internen Notiz
vom 5. September 2016 hielt ein Mitarbeiter der EL-Durchführungsstelle fest, dass
monatlich Kinderzulagen in Höhe von Fr. 200.-- durch den Kindsvater bezogen worden
seien. Woher er die entsprechende Information genommen hatte, gab er nicht an. Er
hielt nur fest, mit einem Herrn Z._ telefoniert zu haben, gemäss welchem die
Kinderzulagen von Januar 2011 bis November 2015 durch die AK 16 an den
Arbeitgeber des Kindsvaters bezahlt worden seien. Ohne den Hinweis auf eine weitere
Informationsquelle hielt der Mitarbeiter der EL-Durchführungsstelle zudem fest, dass
die ALV St. Gallen von Dezember 2015 bis Juli 2016 die Kinderzulagen bezahlt habe
(EL-act. 21).
A.f Mit einer Verfügung vom 26. November 2016 passte die EL-Durchführungsstelle
die Ergänzungsleistungen rückwirkend per Dezember 2011 an und forderte die zu viel
ausbezahlten ordentlichen Ergänzungsleistungen von Fr. 10'742.-- zurück. Im
Verfügungsdispositiv hielt sie fest, infolge der Berücksichtigung der Kinderzulagen für
den Sohn der Versicherten, welche von Januar 2011 bis Juli 2016 durch den
Kindsvater bezogen worden seien, sei eine Neuberechnung vorzunehmen. Die EL-
Anpassung erfolge angesichts der Rückforderungsfrist von fünf Jahren rückwirkend per
1. Dezember 2011. Ausserdem seien ab September 2015 Unterhaltszahlungen von
monatlich Fr. 751.-- und ab Januar 2016 von monatlich Fr. 741.-- anzurechnen. Für
den Monat März 2016 würden die Mietzinsausgaben in D._ sowie die
Prämienpauschale des Kantons Thurgau berücksichtigt (EL-act. 17). Konkret
berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle also neu ab dem 1. Dezember 2011
Kinderzulagen in Höhe von Fr. 2'400.-- (EL-act. 20). Ab dem 1. Januar 2012 nahm sie
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den Sohn der Versicherten aus der Berechnung (EL-act. 13) und berücksichtigte ihn
erst wieder ab der Mietzinsanpassung per 1. Oktober 2012 (EL-act. 10). Während die
EL-Durchführungsstelle durchgehend unter dem Einnahmenposten "familienrechtliche
Unterhaltsbeiträge" Fr. 7'800.-- angerechnet hatte, rechnete sie per 1. September 2015
Fr. 9'012.-- (EL-act. 14) und ab dem 1. Januar 2016 Fr. 8'892.-- an (EL-act. 16). Ab
dem 1. März 2013 nahm die EL-Durchführungsstelle den Sohn der Versicherten aus
der Berechnung und berücksichtigte deshalb lediglich noch die Hälfte des neuen
Mietzinses in Höhe von insgesamt Fr. 16'800.-- (EL-act. 11).
A.g Dagegen liess die Versicherte am 6. Dezember 2016 eine Einsprache erheben. In
dieser liess sie sinngemäss die Aufhebung der Verfügung beantragen und ein Gesuch
um Erlass der Rückforderung stellen. Zur Begründung liess sie ergänzend zu ihrer
bisherigen Stellungnahme ausführen, der Kindsvater lebe seit mehreren Jahren am
Existenzminimum. Sobald er ein Einkommen erziele, werde es gepfändet. Die
Erhöhung der Unterhaltszahlungen per September 2015 habe sie selber nicht bemerkt
und deshalb unbeabsichtigt nicht gemeldet. Sie sei davon ausgegangen, dass bei der
Berechnung der Höhe ihres EL-Anspruchs stets der vorliegende Unterhaltsvertrag
berücksichtigt werde und die EL-Berechnung somit korrekt sei. Die Rückforderung sei
allerdings ohnehin verjährt, weil die Erhöhung des Kindesunterhalts aus dem der EL-
Durchführungsstelle seit 2009 vorliegenden Unterhaltsvertrag ersichtlich gewesen sei.
Die Rückforderung könne aufgrund der finanziellen Situation nicht beglichen werden
(EL-act. 6).
A.h Am 15. Februar 2017 erhielt die EL-Durchführungsstelle eine E-Mail von einer
Mitarbeiterin der Stadt E._, in welcher diese erklärte, die Versicherte habe von Januar
2013 bis Februar 2016 Kinderzulagen erhalten. Im Januar 2016 habe es sich um Fr.
193.55, im Februar 2016 um Fr. 212.-- und ansonsten um Fr. 200.-- gehandelt. Seit
März 2016 erhalte vermutlich die Gemeinde D._ die Kinderzulagen, da die
Versicherte dort ein Gesuch um Alimentenbevorschussung habe stellen wollen (EL-act.
4).
A.i Im Einspracheentscheid vom 20. März 2017 hielt die EL-Durchführungsstelle fest,
dass der Vater des Sohnes der Versicherten ein genügend hohes Erwerbseinkommen
erzielt habe, um seinen Unterhaltspflichten nachzukommen. Die Versicherte habe
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deshalb, indem sie die Unterhaltsforderungen ihres Sohnes gegenüber dessen Vater
nicht geltend gemacht habe, auf die entsprechenden Zahlungen verzichtet. Zu
erwähnen sei, dass nicht weiter überprüft worden sei, ob die im Unterhaltsvertrag
vereinbarten Kindesunterhaltsbeträge zu tief ausgefallen seien bzw. ob die Versicherte
nach der Trennung nicht höhere Beiträge hätte fordern können und diese als Verzicht
anzurechnen wären. Ausserdem seien die Kinderzulagen nicht als Einnahmen in die
Berechnung eingeflossen. Obwohl die Erhöhung der Unterhaltsbeiträge im Jahr 2015
übersehen worden sei, sei die Rückforderung nicht verjährt. Die Versicherte hätte im
Rahmen der Überprüfungs- und Meldepflicht auf diesen Fehler aufmerksam machen
müssen. Das Erlassgesuch werde nach Eintritt der Rechtskraft des
Einspracheentscheids überprüft (EL-act. 3).
B.
B.a In der dagegen erhobenen Beschwerde vom 12. April 2017 liess die Versicherte
(nachfolgend Beschwerdeführerin) die Aufhebung des Einspracheentscheids und "die
Gutheissung der Einsprache" beantragen. Zur Begründung liess sie ergänzend zu ihren
Ausführungen in der Einsprache darlegen, dem der EL-Durchführungsstelle
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) seit 2009 vorliegenden Unterhaltsvertrag lasse sich
u.a. entnehmen, dass der Kindsvater grundsätzlich zur Zahlung von Kinderzulagen
verpflichtet gewesen sei. In der Vergangenheit habe die Beschwerdegegnerin jedoch
keine Kinderzulagen angerechnet, was für sie als Laiin korrekt gewesen sei, da sie
effektiv keine Zahlungen seitens des Kindsvaters erhalten habe. Ihr sei unbekannt, wie
viel der Kindsvater zwischen 2011 und 2013 verdient habe. Ob er in der Lage gewesen
sei, den Unterhalt zu bezahlen, könne den durch die Beschwerdegegnerin eingeholten
IK-Auszügen nicht entnommen werden und eine Anfrage beim Betreibungsamt sei
ausgeblieben. Ein Verzicht auf Unterhaltszahlungen liege im Übrigen nicht vor. Ihr sei
mitgeteilt worden, dass es unüblich sei, den Unterhalt in Geld zu erhalten, wenn beide
Elternteile zusammenlebten (act. G 1).
B.b Die Beschwerdegegnerin beantragte am 17. Mai 2017 die Abweisung der

Beschwerde. Ergänzend zu ihren Erwägungen im Einspracheentscheid führte sie aus,
der Vater des Kindes müsse die ihm entrichteten Familienzulagen zur Erfüllung seiner
Unterhaltspflicht gegenüber seinem Kind verwenden. Die Kinderzulagen von jährlich Fr.
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2'400.-- seien folglich als familienrechtliche Unterhaltsbeiträge zusätzlich in der EL-
Anspruchsberechnung zu berücksichtigen, weil diese vom Vater zusätzlich zu den
Unterhaltsbeiträgen zu bezahlen wären. Ferner habe auch die Vormundschaftsbehörde
die Erbringung des Unterhalts trotz der bestehenden Lohnpfändung als möglich
angesehen und die Höhe der Unterhaltsleistung als den finanziellen Verhältnissen der
Eltern angepasst gewürdigt. Dennoch habe die Beschwerdeführerin - wie sie in der
Beschwerde bestätigt habe - auf deren Einbringung verzichtet (act. G 3).
B.c In einer Replik vom 13. Juni 2017 liess die Beschwerdeführerin festhalten, die
Ausgleichskasse Thurgau, die ab März 2016 zuständig sei, habe die Kinderzulagen
nicht angerechnet. Auf ihre Nachfrage hin sei ihr erklärt worden, dass nur tatsächlich
bezogene Leistungen angerechnet würden. Dass die Beschwerdegegnerin die
Kinderzulagen anrechne, obwohl sie diese gar nicht beziehe, sei für die
Ausgleichskasse Thurgau befremdend. Die Meldepflicht sei nie verletzt worden, weil
keine Veränderungen eingetreten seien. Der Unterhaltsvertrag habe seit 2009
vorgelegen und sei nie abgeändert worden (act. G 5).
Erwägungen
1.
Mit der Verfügung vom 26. November 2016 hat die Beschwerdegegnerin
Ergänzungsleistungen zurückgefordert, woraufhin die Beschwerdeführerin eine
Einsprache erhoben und dabei auch ein Erlassgesuch gestellt hat (EL-act. 6, 17). Auf
das Erlassgesuch ist die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid
nicht eingetreten (EL-act. 3). Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Beschwerde die
Gutheissung ihrer Einsprache - also auch des Erlassgesuchs - beantragt und sich
zudem zur Frage der Gutgläubigkeit beim Bezug unrechtmässiger
Ergänzungsleistungen und zum Vorliegen der grossen Härte geäussert (act. G 1). Diese
Kriterien werden jedoch erst im Rahmen des Erlasses der Rückforderung gemäss Art.
25 Abs. 1 Satz 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (SR 830.1; ATSG) zu berücksichtigen sein. Ein Erlass kann
erst geprüft werden, wenn über die Anpassung der Ergänzungsleistungen sowie über
die daraus hervorgehende Rückforderung formell rechtskräftig entschieden worden ist.
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Auf die den Erlass betreffende Argumentation kann deshalb im Rahmen des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens nicht eingegangen werden, weil der Erlass nicht
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bilden kann. Im Sinne eines obiter dictum ist
jedoch festzuhalten, dass das durch die Beschwerdeführerin gestellte Erlassgesuch bei
Vorliegen der Eintretensvoraussetzungen ohne eine erneute Einreichung eines
Erlassgesuches durch die Beschwerdegegnerin zu prüfen sein wird.
2.
2.1 Mit der Verfügung vom 26. November 2016 bzw. mit dem Einspracheentscheid
vom 20. März 2017 hat die Beschwerdegegnerin die seit dem 1. Dezember 2011 zu viel
bezogenen ordentlichen Ergänzungsleistungen in Höhe von Fr. 10'742.--
zurückgefordert. Diese Ergänzungsleistungen waren gestützt auf formell rechtskräftige,
jeweils einen konkreten Leistungsanspruch begründende Verfügungen ausgerichtet
worden und deshalb rechtmässig. Wird nachträglich bekannt, dass die Berechnung
eines EL-Anspruchs in der Vergangenheit fehlerhaft gewesen ist, muss die Verfügung,
in welcher sich der Ursprung dieses Fehlers befindet, aufgehoben und korrigiert
werden. Würde stattdessen direkt eine Rückforderungsverfügung erlassen, die
rückwirkend einen von den fehlerhaften, aber formell rechtskräftigen
Leistungsverfügungen abweichenden EL-Anspruch vorsehen würde, entstünde ein
unerträglicher Widerspruch. Einerseits läge nämlich aufgrund der formell
rechtskräftigen, leistungszusprechenden Verfügungen ein verbindlich verfügter und
damit formal rechtmässiger - wenn auch fehlerhafter - Leistungsbezug vor,
andererseits wiche die Rückforderungsverfügung offensichtlich davon ab und forderte
einen Teil der ausgerichteten Leistungen zurück. Deshalb muss einer
Rückforderungsverfügung zwingend eine Korrekturverfügung vorausgehen, die die
fehlerhaften, aber formell rechtskräftigen Leistungsverfügungen aufhebt bzw. korrigiert.
Nur so ist es nämlich möglich, einen rechtmässigen Leistungsbezug nachträglich in
einen unrechtmässigen Leistungsbezug i.S.v. Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG umzuwandeln
und so die Voraussetzungen für eine Rückforderung zu schaffen.
2.2 Der Verfügung vom 26. November 2016 ist nicht zu entnehmen, dass eine
Korrektur früherer Leistungsverfügungen erfolgt wäre. Auch der Wortlaut des
angefochtenen Einspracheentscheides vom 20. März 2017 enthält keinen Hinweis
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darauf, dass der Rückforderung eine Korrektur früherer, formell rechtskräftiger
Leistungsverfügungen vorausgegangen wäre. Das Versicherungsgericht St. Gallen geht
praxisgemäss davon aus, dass Rückforderungsverfügungen und -
einspracheentscheide in aller Regel entgegen ihrem Wortlaut eine Korrektur der
früheren Leistungsverfügungen enthalten (vgl. etwa den Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen vom 26. August 2009, EL 2009/10, E 2.1). Die Frage,
welche Art von Korrektur erfolgt ist, lässt sich nur beantworten, wenn der massgebliche
Sachverhalt mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststeht und gestützt darauf festgestellt werden kann, ab wann eine allfällige Korrektur
der Leistungsverfügungen vorgenommen werden muss. Das ATSG sieht verschiedene
Korrekturinstrumente vor: Gemäss Art. 17 Abs. 2 ATSG werden formell rechtskräftig
zugesprochene Dauerleistungen revisionsweise erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben,
wenn sich der ihr zugrunde liegende Sachverhalt nachträglich erheblich verändert hat.
Art. 53 Abs. 2 ATSG sieht ein Zurückkommen auf eine formell rechtskräftige Verfügung
im Sinne einer Wiedererwägung dann vor, wenn diese Verfügung von Anfang an
zweifellos unrichtig und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist. Ob eine
Wiedererwägung oder eine Revision vorgenommen wird, hängt also davon ab, ob
bereits die erstmalige Leistungszusprache falsch gewesen ist (Wiedererwägung), ob
sich nach der erstmaligen Leistungszusprache eine Veränderung des Sachverhalts
zugetragen hat, die eine ursprünglich richtige Verfügung ex nunc hat unrichtig werden
lassen, was von der zuständigen EL-Durchführungsstelle aber erst mit Verspätung
festgestellt worden ist (rückwirkende Revision), oder ob eine Revisionsverfügung von
Anfang an falsch gewesen ist (Wiedererwägung einer Revisionsverfügung). Deshalb
muss ermittelt werden, ob bereits die erstmalige Leistungszusprache auf einem
unzutreffenden Sachverhalt beruhte oder ob die Revisionsverfügungen ursprünglich
oder ab einem bestimmten späteren Zeitpunkt falsch waren.
3.
3.1 Die Beschwerdegegnerin hat angegeben, der Grund für die Rückforderung sei die
Tatsache, dass der Kindsvater von Januar 2011 bis Juli 2016 Kinderzulagen für den
Sohn der Beschwerdeführerin bezogen habe. Ausserdem sei die Erhöhung der
Alimentenbevorschussung per 1. September 2015 bzw. deren Verminderung per
Januar 2016 zu berücksichtigen (EL-act. 17). Gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. f und h des
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Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung (SR 831.30; ELG) werden Familienzulagen und familienrechtliche
Unterhaltsbeiträge als Einnahmen angerechnet.
3.2 Die Beschwerdegegnerin hat im Rahmen der Verfügung vom 26. November 2016
rückwirkend ab dem 1. Dezember 2011 Kinderzulagen angerechnet und
Ergänzungsleistungen zurückgefordert. Den Akten ist jedoch nicht zu entnehmen, dass
ab diesem Zeitpunkt eine Sachverhaltsveränderung betreffend die Kinderzulagen
eingetreten wäre. Dieser Zeitpunkt ist von der Beschwerdegegnerin vielmehr gewählt
worden, weil die Ergänzungsleistungen aufgrund der fünfjährigen Verwirkungsfrist
gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG mit der Verfügung vom 26. November 2016 nur für die
Zeit ab dem 1. Dezember 2011 haben zurückgefordert werden können (vgl. EL-act. 17).
Die Verwirkung der Rückforderung steht jedoch in keinem Zusammenhang mit der
Korrektur formell rechtskräftiger, aber unrechtmässiger Leistungsverfügungen. Welche
formell rechtskräftige Verfügung mit der Verfügung vom 26. November 2016 hat
korrigiert werden sollen oder ob damit eine rückwirkende Revision der
Ergänzungsleistungen vorgenommen worden ist, ist durch eine Auslegung dieser
Verfügung zu ermitteln.
3.3 Sowohl die im Rahmen der Verfügung vom 26. November 2016 massgebliche
Kinderzulagenberechtigung des Kindsvaters als auch dessen Unterhaltspflicht ist mit
der Geburt des Sohnes der Beschwerdeführerin entstanden. Im Normalfall, in dem der
Kindsvater zum Zeitpunkt der Geburt des Sohnes erwerbstätig gewesen wäre oder
allenfalls Taggelder bezogen hätte, hätten deshalb beide Einnahmen in der auf die
Geburt des Sohnes der Beschwerdeführerin reagierenden Revisionsverfügung vom 3.
Dezember 2010 ab dem auf die Geburt folgenden Monat angerechnet werden müssen
(vgl. Art. 11 Abs. 1 lit. f und h ELG i.V.m. Art. 25 Abs. 2 lit. a ELV). Tatsächlich ist jedoch
nur der vereinbarte Unterhaltsbeitrag des Kindsvaters berücksichtigt worden (vgl. EL-
act. 84). Hätte sich daher nachträglich herausgestellt, dass ab der Geburt des Sohnes
der Beschwerdeführerin auch eine Kinderzulagenberechtigung des Kindsvaters
bestanden hätte und dass der Kindsvater die Kinderzulagen für seinen Sohn verwendet
hätte, dass er entsprechende Zahlungen an die Beschwerdeführerin gerichtet hätte
oder dass die Beschwerdeführerin einen Drittanspruch hätte geltend machen können,
hätte es sich bei der Verfügung vom 26. November 2016 um eine Wiedererwägung der
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Revisionsverfügung vom 3. Dezember 2010 gehandelt. In diesem Fall hätten die
Kinderzulagen nämlich bereits ab dem auf die Geburt des Sohnes der
Beschwerdeführerin folgenden Monats angerechnet werden müssen. Sollte der
Kindsvater jedoch zum Zeitpunkt der Geburt des Sohnes der Beschwerdeführerin noch
nicht kinderzulagenberechtigt gewesen sein, hätte es sich bei der Verfügung vom 26.
November 2016 wohl um eine rückwirkende Revision ab dem Zeitpunkt gehandelt, ab
dem die Kinderzulagenberechtigung des Kindsvaters entstanden ist. Zunächst ist
deshalb der massgebliche Sachverhalt in Bezug auf die Kinderzulagen zu prüfen.
4.
Es ist zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin und der Kindsvater eine Zeit
lang in einem Haushalt gelebt haben. Obwohl die Beschwerdegegnerin, weil die
Beschwerdeführerin am 1. Oktober 2012 gemeldet hat, dass sie sich von ihrem
Lebenspartner getrennt habe und ab sofort mit ihrem Sohn in einer kleinen Wohnung
lebe (EL-act. 56), gemäss Art. 16 i.V.m. Art. 25 Abs. 2 lit. b ELV zu Recht ab dem 1.
Oktober 2012 keine Mietzinsaufteilung mehr vorgenommen hat, steht nicht fest, bis
wann die Beschwerdeführerin und ihr Sohn tatsächlich mit dem Kindsvater
zusammengelebt haben. Es ist nämlich durchaus denkbar, dass der Kindsvater bereits
im August 2012 oder gar früher aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ist und
die Beschwerdeführerin und ihr Sohn somit bereits vor ihrem Umzug in die neue
Wohnung im Oktober 2012 alleine gewohnt haben. So hat die Beschwerdeführerin
denn auch im Rahmen des Verwaltungsverfahrens sinngemäss erklären lassen, dass
sie nur bis August 2012 mit dem Kindsvater zusammengelebt habe (EL-act. 6, 22 S. 3).
Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zunächst im Rahmen der ihr gemäss Art. 43 Abs.
1 ATSG auferlegten Untersuchungspflicht den genauen Zeitpunkt des Auszugs des
Kindsvaters zu ermitteln.
5.
5.1 Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin zu bestimmen, wann während des
Zusammenlebens bzw. während des Getrenntlebens der Beschwerdeführerin, deren
Sohnes und des Kindsvaters Kinderzulagen als Einnahme haben berücksichtigt werden
müssen. Grundsätzlich haben Kinderzulagen während der Zeit, in der der Kindsvater
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diese bezogen hat, angerechnet werden müssen, sofern sie direkt vom Vater für den
Sohn der Beschwerdeführerin verwendet worden sind, an die Beschwerdeführerin
ausbezahlt worden sind oder hätten ausbezahlt werden können, indem die
Beschwerdeführerin gemäss Art. 20 ATSG einen Drittauszahlungsanspruch gegenüber
der Familienausgleichskasse hätte geltend machen können. Eine nachträgliche,
rückwirkende Korrektur der Ergänzungsleistungen müsste also ab dem Zeitpunkt
vorgenommen werden, ab dem die Kinderzulagen erstmals als Einnahmen hätten
angerechnet werden müssen.
5.2 Im Rahmen der Verfügung vom 26. November 2016 ist die Beschwerdegegnerin
davon ausgegangen, dass der Kindsvater von Januar 2011 bis Juli 2016 lückenlos
Kinderzulagen bezogen habe und diese an die Beschwerdeführerin hätte weiterleiten
müssen (EL-act. 17). Gemäss einer internen Notiz der Beschwerdegegnerin vom 5.
September 2016 hat der Vater monatliche Kinderzulagen in Höhe von Fr. 200.--
bezogen. Aus einer telefonischen Auskunft eines Herrn Z._ von der AK 16 soll
hervorgegangen sein, dass die Kinderzulagen jeweils an den Arbeitgeber des
Kindsvaters bezahlt worden seien. Weiter ist der internen Notiz zu entnehmen, dass
von Dezember 2015 bis Juli 2016 die Auszahlung der Kinderzulagen an den
Arbeitgeber des Kindsvaters durch die F._ erfolgt sei (EL-act. 21). Zu dem genannten
Telefongespräch mit der AK 16 liegen weder eine vom entsprechenden Mitarbeiter der
AK 16 unterzeichnete Telefonnotiz noch ein Schreiben der AK 16 vor, welche die
festgehaltenen Aussagen bestätigen würden. Die Herkunft der übrigen, in der internen
Notiz festgehaltenen Informationen betreffend den Kindesunterhalt ist unbekannt. Die
interne Notiz der Beschwerdegegnerin kann deshalb in Bezug auf die darin
festgehaltenen Angaben betreffend die Kinderzulagen keinen ausreichenden
Beweiswert haben. Somit sind die übrigen dem Gericht vorliegenden Akten zu Rate zu
ziehen: Eine Mitarbeiterin der Stadt E._ hat in einer Mail vom 15. Februar 2017
erklärt, dass die Beschwerdeführerin von Januar 2013 bis Februar 2016 Kinderzulagen
erhalten habe. Im Januar 2016 hätten die Kinderzulagen Fr. 193.55, im Februar 2016
Fr. 212.-- und sonst stets Fr. 200.-- betragen (EL-act. 4).
5.3 Die Beschwerdeführerin hat hingegen geltend machen lassen, nie Zahlungen
seitens des Kindsvaters - auch keine Kinderzulagen - erhalten zu haben. Der
Kindsvater arbeite nicht und wenn, dann nur "schwarz" (vgl. EL-act. 6, 22). Damit weist
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nichts darauf hin, dass der Kindsvater ausgerechnet ab dem 1. Dezember 2011
erstmals die Kinderzulagen bezogen und für seinen Sohn verwendet hat. Auch hat der
angeblich telefonisch mitgeteilte Beginn der Kinderzulagenzahlung per 1. Januar 2011
nicht anderweitig bestätigt werden können. Das Argument der Beschwerdeführerin, der
Kindsvater habe die Kinderzulagen nicht an sie weitergeleitet, weshalb sie nicht als
Einnahmen angerechnet werden dürften (vgl. act. G 1, 5), ist nicht stichhaltig. Die
Beschwerdeführerin hätte nämlich gegenüber der zuständigen
Familienausgleichskasse gestützt auf Art. 20 Abs. 2 ATSG die Drittauszahlung der
Kinderzulagen durchsetzen können. Sollte sie dies unterlassen haben, wären ihr die
Kinderzulagen während der Zeit, in der sie ausbezahlt worden sind, als Verzicht im
Sinne des Art. 11 Abs. 1 lit. g i.V.m. Art. 11 Abs. 1 lit. f ELG anzurechnen. Insgesamt
steht also nicht mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit fest, dass und ab wann der Kindsvater Kinderzulagen bezogen hat
(sei es in Verbindung mit dem Bezug eines Erwerbseinkommens oder eines ALV-
Taggeldes). Ebenso wenig ist bekannt, ob die Beschwerdeführerin, sollten allfällige
Kinderzulagen nicht für ihren Sohn verwendet bzw. ihr ausbezahlt worden sein, auf die
Drittauszahlung der Kinderzulagen verzichtet hat.
6.
6.1 In der Verfügung vom 26. November 2016 hat die Beschwerdegegnerin ab dem 1.
Dezember 2011 zunächst den bisher unter dem Einnahmenposten "familienrechtliche
Unterhaltsbeiträge" angerechneten Betrag in Höhe von Fr. 7'800.-- übernommen (vgl.
EL-act. 20). Diesen Betrag hat sie erstmals mit der rückwirkenden Revisionsverfügung
vom 3. Dezember 2010 per August 2009 angerechnet und sich dabei auf den am 16.
November 2009 geschlossenen Unterhaltsvertrag gestützt. Gemäss diesem hat der
Sohn der Beschwerdeführerin bis zur Vollendung des 6. Altersjahres einen Anspruch
auf monatlich Fr. 650.-- gehabt (vgl. EL-act. 80, 101, 110 S. 2). Sollte die
Beschwerdegegnerin im Rahmen der weiteren Sachverhaltsabklärung (vgl. E 5) zu dem
Schluss kommen, dass bereits ab der Geburt des Sohnes der Beschwerdeführerin
Kinderzulagen hätten angerechnet werden müssen und dass somit mit der Verfügung
vom 26. November 2016 die Revisionsverfügung vom 3. Dezember 2010
wiedererwogen worden ist, so hätte sie auch zu prüfen, ob während des
Zusammenlebens der Beschwerdeführerin und des Kindsvaters überhaupt
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Unterhaltszahlungen hätten angerechnet werden dürfen. Im Rahmen einer
Wiedererwägung wird nämlich diese formell rechtskräftige Revisionsverfügung
aufgehoben und anschliessend durch eine neue, korrigierte Revisionsverfügung
ersetzt, weshalb alle Berechnungspositionen, die im Rahmen dieser
Revisionsverfügung ursprünglich eine Änderung erfahren haben, erneut auf ihre
Richtigkeit zu prüfen sind.
6.1.1 In diesem Fall hätte die Beschwerdegegnerin zu prüfen, ob der Kindsvater
seine Unterhaltspflicht seit der Geburt des Sohnes, also zunächst während der Zeit des
Zusammenlebens, erfüllt hat. Gemäss Ziff. 7 des am 16. November 2009
geschlossenen Unterhaltsvertrags werden die vereinbarten Unterhaltsbeiträge im Falle
eines einvernehmlichen Zusammenlebens der Eltern mit dem Kind getilgt, wenn der
verpflichtete Elternteil im vorstehenden Umfang für den Unterhalt des Kindes aufkommt
(vgl. EL-act. 110 S. 3). Der Kindsvater hat seine Unterhaltspflicht während des
Zusammenlebens mit der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn also entweder erfüllt,
wenn er den vereinbarten Betrag in natura geleistet hat (z.B. indem er Betreuungs-
oder Hausarbeiten übernommen hat) oder wenn er den vereinbarten Geldbetrag für
den Unterhalt seines Sohnes verwendet hat (z.B. indem er Nahrungsmittel, Kleider etc.
gekauft oder das Geld Zuhause abgegeben hat). Sollte sich herausstellen, dass der
Kindsvater seiner Unterhaltspflicht weder in natura noch in Geld ausreichend
nachgekommen, ist zu prüfen, ob er erwerbstätig gewesen ist bzw. über ein Vermögen
verfügt hat. Sollte dies entgegen der Angaben der Beschwerdeführerin der Fall
gewesen sein, wäre der gesamte Unterhaltsbetrag als Einnahme zu berücksichtigen,
wenn die Beschwerdeführerin nicht versucht hätte, die Unterhaltsleistungen in Geld
einzutreiben. Hätte der Kindsvater hingegen finanziell nichts beitragen können und in
natura ungenügend geleistet, so würde wohl davon ausgegangen werden müssen,
dass die Beschwerdeführerin die Erfüllung der Unterhaltspflicht des Kindsvaters -
selbst wenn sie es versucht hätte - nicht mit wirksamen Mitteln hätte durchsetzen
können. Die vereinbarten Unterhaltsleistungen könnten in diesem Fall also weder im
Rahmen eines Verzichts gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG noch als tatsächliche
Einnahmen gemäss Art. 11 Abs. 1 lit. h ELG in der EL-Anspruchsberechnung
berücksichtigt werden.
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6.1.2 Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin am 18. März 2013
ein Gesuch um Alimentenbevorschussung gestellt hat (EL-act. 22 S. 10). Weil die
Alimentenbevorschussung anschliessend erfolgt ist, muss unter der Berücksichtigung
der Voraussetzung für die Ausrichtung von Vorschüssen der elterlichen
Unterhaltsbeiträge gemäss Art. 2 Abs. 1 des st. gallischen Gesetzes über Inkassohilfe
und Vorschüsse für Unterhaltsbeiträge (sGS 911.51; GIVU) angenommen werden, dass
die Unterhaltsbeiträge "trotz angemessener Inkassoversuche nicht rechtzeitig"
eingegangen sind und dass die Beschwerdeführerin sich somit vor der Gesuchstellung
(erfolglos) darum bemüht haben muss, die Unterhaltszahlungen des Kindsvaters
einzutreiben. Familienrechtliche Unterhaltsleistungen dürfen nur dann als Einnahme
berücksichtig werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass die Beschwerdeführerin
diese tatsächlich vom Kindsvater erhalten oder auf diese verzichtet hat, indem sie nicht
versucht hat, sie einzutreiben. Deshalb dürfen der Beschwerdeführerin für den
Zeitraum zwischen dem Auszug des Kindsvaters und dem Beginn der
Alimentenbevorschussung keine Unterhaltsbeiträge als Einnahmen angerechnet
werden.
6.2 Ergibt sich allerdings, dass der Kindsvater erst nach der Geburt des Sohnes der
Beschwerdeführerin gearbeitet bzw. Taggelder und damit Kinderzulagen bezogen hat,
hat es sich bei der Verfügung vom 26. November 2016 um eine rückwirkende Revision
der Ergänzungsleistungen und nicht um eine Wiedererwägung der Revisionsverfügung
vom 3. Dezember 2010 gehandelt. Damit fallen erst ab dem Revisionszeitpunkt alle
darauffolgenden, bisher formell rechtskräftigen Revisionsverfügungen dahin. Die
Beschwerdegegnerin hat deshalb erst ab diesem Zeitpunkt alle
Sachverhaltsveränderungen - also auch jene betreffend die Unterhaltszahlungen - zu
berücksichtigen. In Bezug auf die Unterhaltsleistungen des Kindsvaters würde dies
bedeuten, dass diese erst ab dem Zeitpunkt des Beginns der
Alimentenbevorschussung anzurechnen wären. Es stellt sich jedoch die Frage, wann
der Beginn der Alimentenbevorschussung gewesen ist. Nach Angaben der
Beschwerdeführerin ist die Alimentenbevorschussung durch die Stadt E._ ab März
2013 erfolgt (EL-act. 22 S. 3). Eine entsprechende Verfügung der Sozialen Dienste der
Stadt E._ liegt jedoch nicht vor. Gemäss Art. 2 Abs. 2 GIVU werden nämlich nicht nur
die Beiträge bevorschusst, die ab Beginn des Monats fällig werden, in dem die
Anmeldung des Anspruchs erfolgt, sondern auch jene, die in den letzten drei Monaten
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vor Anmeldung des Anspruchs fällig geworden sind. Es ist also durchaus möglich, dass
die Beschwerdeführerin bereits für die Zeit vor März 2013 Alimente erhalten hat. Auch
die Aussage der Beschwerdeführerin, erst ab März 2013 Zahlungen der Sozialen
Dienste erhalten zu haben, schliesst diese Möglichkeit nicht aus, weil die Zahlungen für
die Zeit vor März 2013 durchaus auch im März 2013 haben erfolgen können. Der
Beginn des Anspruchs auf Alimentenbevorschussung steht also nicht mit dem
erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest.
6.3 Die Alimente sind jedenfalls ab Beginn des Anspruchs auf die
Alimentenbevorschussung unter dem entsprechenden Einnahmenposten
"Alimentenbevorschussung" (nicht "familienrechtliche Unterhaltsbeiträge") im
tatsächlich ausbezahlten Umfang zu berücksichtigen. Ab Beginn des Anspruchs auf die
Alimentenbevorschussung ist somit ein jährlicher Betrag in Höhe von Fr. 7'836.--, ab
dem 1. Januar 2014 von Fr. 7'812.-- (vgl. EL-act. 22 S. 10), ab dem 1. September 2015
von Fr. 9'012.-- (vgl. EL-act. 14, 22 S. 15, 110, 115) und ab dem 1. Januar 2016 von Fr.
8'892.-- (vgl. EL-act. 22 S. 20) anzurechnen.
7.
Zusammenfassend steht der massgebliche Sachverhalt nicht mit dem erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit fest. Es ist nämlich unklar, ab wann
und in welchen Zeiträumen Kinderzulagen und Unterhaltsleistungen angerechnet
werden müssen und ab wann ein Anspruch auf Alimentenbevorschussung bestanden
hat. Weil es somit nicht möglich ist, zu bestimmen, welchen Korrekturinstruments sich
die Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Verfügung vom 26. November 2016 bedient
hat, kann der Gegenstand der Verfügung vom 26. November 2016, des angefochtenen
Einspracheentscheids vom 20. März 2017 oder dieses Beschwerdeverfahrens nicht
bestimmt werden. Fest steht, dass alte, formell rechtskräftige Leistungsverfügungen
und neue Leistungsverfügungen nicht nebeneinander bestehen und denselben Inhalt
regeln können, ohne dass dies zu einem unauflösbaren Widerspruch führt und dass
deshalb alte, bislang formell rechtskräftige Verfügungen zwingend im Rahmen der
gesetzlichen Voraussetzungen wiedererwägungsweise aufgehoben werden müssen
bzw. der EL-Anspruch rückwirkend revisionsweise angepasst werden muss, bevor ein
Rückforderungsanspruch entstehen kann (vgl. E 2.1). Deshalb kann ein
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unrechtmässiger Leistungsbezug und somit ein neuer Rückforderungsanspruch nur
bestehen, wenn eine formell rechtskräftige Verfügung als Grundlage für einen
bisherigen Leistungsbezug durch den Erlass einer Wiedererwägungs- oder
Revisionsverfügung dahinfällt. Der in Verletzung der Untersuchungspflicht ergangene
Einspracheentscheid vom 20. März 2017 ist deshalb als rechtswidrig aufzuheben. Es
kann nicht die Aufgabe des Versicherungsgerichtes sein, ein Versäumnis hinsichtlich
der ureigensten Aufgabe der Beschwerdegegnerin, nämlich der Sachverhaltsabklärung,
nachzuholen. Deshalb ist die Sache zur weiteren Abklärung des massgeblichen
Sachverhalts in Bezug auf die Kinderzulagen, den Unterhalt und die
Alimentenbevorschussung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
unter der Berücksichtigung des im Rahmen der Verfügung vom 26. November 2016
verwendeten und im Rahmen dieses Beschwerdeverfahrens nicht erkennbaren
Korrekturinstrumentes überprüfen kann, ob die Verfügung vom 26. November 2016
tatsächlich korrekt gewesen ist. Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a
ATSG).