Decision ID: 03274f5b-3f20-512d-80bb-cf4e77e97ad1
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Eigenen Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer, ein sri-lanki-
scher Staatsangehöriger tamilischer Ethnie, aus der Nordprovinz stam-
mend, am 30. November 2015 auf dem Luftweg sein Heimatland. Am
10. Mai 2016 reiste er in die Schweiz ein und stellte gleichentags ein Asyl-
gesuch.
Am 19. Mai 2016 wurde der Beschwerdeführer im Empfangs- und
Verfahrenszentrum (EVZ) in B._ zu seiner Person, seinem
Reiseweg und summarisch zu seinen Asylgründen befragt (Befragung zur
Person [BzP]). Am 10. Juli 2018 fand die Anhörung zu den Asylgründen
statt.
B.
B.a Der Beschwerdeführer legte hinsichtlich seines Lebenslaufs dar, er sei
in C._ aufgewachsen, habe dort bis 2004 und danach erneut von
2010 bis zu seiner Ausreise gelebt. Nachdem er zehn Schuljahre absolviert
habe, habe er zuerst für die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam), da-
nach für private Personen als Bus- und Lastwagenfahrer gearbeitet. Nach
dem Krieg habe er mit verschiedenen Arbeiten Geld verdienen und sich ein
eigenes Haus bauen können. 2010 habe er geheiratet. Seine Ehefrau und
sein 2011 geborener Sohn würden in Sri Lanka leben.
B.b Zur Begründung seines Asylgesuchs brachte der Beschwerdeführer
im Wesentlichen vor, er habe 2004 erstmals für die politische Abteilung der
LTTE im Camp (...) als Fahrer gearbeitet. Er habe Rebellen, verschiedene
Waren und Lebensmittel an die Front transportiert und vorwiegend mit dem
(...)-Regiment der LTTE zu tun gehabt. Mitte 2006 habe er ein vierzigtägi-
ges Basistraining absolvieren müssen. Da sein Bruder bereits bei den
LTTE gewesen und 1995 als Märtyrer gestorben sei, sei er selber nicht als
Kämpfer in den Krieg eingezogen worden. Er habe jedoch geholfen, Stütz-
punkte einzurichten und Kämpfer mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Mitte
März 2009 sei die Gegend, wo er sich aufgehalten habe, angegriffen und
bombardiert worden. Eine der abgeworfenen Bomben habe ihn schwer am
Oberschenkel verletzt. In der Folge sei er ins Spital in D._ gebracht
worden. Mitte Mai 2009 habe das Militär die Gegend umzingelt und die
zivile Bevölkerung sei von den LTTE-Angehörigen separiert worden. Man
habe ihm nicht nachweisen können, dass er ein Mitglied der LTTE gewe-
sen sei, da er dies konsequent abgestritten habe. Danach sei er während
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ungefähr eines Jahres im Flüchtlingscamp in D._ in Vavuniya ge-
wesen, um danach zu seiner Mutter ins Heimatdorf zurückzukehren. Dort
habe er ungefähr vier Monate später geheiratet, da er gehört habe, dass
Verheiratete keine Probleme mit den sri-lankischen Behörden bekommen
würden.
Bis 2013 habe er ein ruhiges Leben führen und ein Haus finanzieren kön-
nen. Danach hätten die Sicherheitskräfte auch in seiner Wohnregion ein
Büro eingerichtet. In der Folge sei er auf den Polizeiposten in E._
vorgeladen und von Mitarbeitern des Criminal Investigation Departements
(CID) befragt worden. Während des Verhörs habe man ihm unterstellt, er
sei ein ehemaliges Mitgliedglied der LTTE und habe nicht am Rehabilitati-
onsprogramm teilgenommen. Ausserdem sei er weiterhin für die LTTE tä-
tig. Dabei habe ein Offizier ihn mit einer Holzstange angegriffen und ihn
dabei am rechten Arm verletzt. Danach habe man ihn freigelassen und in
der Folge sei er unter Beobachtung gestanden. Zwei Mal seien Beamte
des CID zu ihm nach Hause gekommen und hätten ihn bedroht. Im Frühling
2014 sei einmal ein Armeeangehöriger vorbeigekommen. Im Mai 2015 sei
ein ehemaliger Mitstreiter der LTTE namens F._ bei ihm zu Hause
aufgetaucht, welcher zwischenzeitlich für das CID gearbeitet habe. Dieser
habe ihn dazu drängen wollen, zuzugeben, dass er früher auch bei den
LTTE gewesen sei. Am nächsten Tag seien andere Mitarbeiter des CID
gekommen und hätten das Haus durchsucht. Er sei bei der Arbeit gewesen
und habe von diesem Vorfall durch seine Ehefrau erfahren. Daraufhin habe
er ernsthafte Furcht vor einer Verhaftung und insbesondere vor einem
möglichen Verrat durch F._ gehabt. Zwei oder drei Tage später sei
er deshalb bei einem Cousin untergetaucht und danach bei weiteren Ver-
wandten in G._, bevor er mithilfe eines Schleppers Ende November
2015 ausgereist sei.
Der Beschwerdeführer reichte folgende Beweismittel ins Rech: Identitäts-
karte, temporäre Identitätskarte (ausgestellt im September 2009), ein
Schreiben des Northern Provincial Council vom 17. Mai 2016, eine Kopie
des Todesscheins seines als Märtyrer gefallenen Bruders inklusive Über-
setzung, seine sowie die Geburtsurkunden seiner Ehefrau und seines Soh-
nes, den Eheschein und verschiedene Internetauszüge seinen gefallenen
Bruder betreffend, sowie einen Operationsbericht des (...) vom 28. März
2017 ins Recht.
Auf die weiteren Ausführungen des Beschwerdeführers wird, soweit
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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C.
Mit Verfügung vom 21. November 2019 – eröffnet am 22. November 2019
– stellte das SEM fest, der Beschwerdeführer erfülle die Flüchtlingseigen-
schaft nicht und lehnte sein Asylgesuch ab. Gleichzeitig ordnete es die
Wegweisung aus der Schweiz an und verfügte den Vollzug der Wegwei-
sung.
D.
Der Beschwerdeführer focht mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom
23. Dezember 2019 die Verfügung des SEM beim Bundesverwaltungsge-
richt an und beantragte, die Verfügung der Vorinstanz sei aufzuheben, er
sei als Flüchtling anzuerkennen und ihm sei Asyl zu gewähren. Als Even-
tualantrag stellte er das Begehren, er sei aufgrund von Unzulässigkeit oder
Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs vorläufig aufzunehmen. In pro-
zessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Pro-
zessführung sowie um Verzicht auf Erhebung eines Kostenvorschusses.
Weiter beantragte er die Beiordnung des rubrizierten Rechtsvertreters als
amtlichen Rechtsbeistand gemäss aArt. 110a Bst. a und Abs. 3 AsylG (SR
142.31).
Der Beschwerde wurden folgende Beweismittel beigelegt: eine Fürsorge-
bestätigung, datiert vom 11. Dezember 2019 (Beilage 4), diverse Bestäti-
gungsschreiben (Beilagen 5 bis 14), sowie Auszüge von zwei Pressearti-
keln (Beilagen 15 und 16) und verschiedene Fotos.
E.
Mit Zwischenverfügung vom 7. Januar 2020 hiess die Instruktionsrichterin
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung im Sinne
von Art. 65 Abs. 1 VwVG gut und erhob keinen Kostenvorschuss. Fürspre-
cher Christian Wyss wurde antragsgemäss als amtlicher Rechtsbeistand
beigeordnet. Gleichzeitig wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, innert
der ihm gesetzten Frist die angekündigten Beweismittel einzureichen.
F.
Mit Eingabe vom 15. Januar 2020 wurden folgende Beweismittel ins Recht
gelegt: Eine Vorladung des CID Nord-Ost, eine Kopie eines Zustellungs-
umschlags, verschiedene Übersetzungen und die Originale verschiedener,
bereits eingereichter Beilagen.
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G.
Die Vorinstanz nahm mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2020 zur Be-
schwerde Stellung.
H.
Mit Eingabe vom 2. März 2020 replizierte der Beschwerdeführer und legte
dieser weitere Beweismittel, unter anderem einen Arztbericht vom 28. Feb-
ruar 2020 sowie eine Kostennote bei.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 VGG beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das SEM gehört zu den
Behörden nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesver-
waltungsgerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne
von Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher
zuständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entschei-
det auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Auslie-
ferungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG). Eine solche
Ausnahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb
das Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6 AsylG).
1.3 Am 1. März 2019 ist eine Teilrevision des AsylG in Kraft getreten
(AS 2016 3101); für das vorliegende Verfahren gilt das bisherige Recht
(vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung des AsylG vom
25. September 2015).
1.4 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht worden. Der
Beschwerdeführer hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist
durch die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutz-
würdiges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Er ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und aArt. 108
Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 Abs. 1 VwVG). Auf die Be-
schwerde ist einzutreten.
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2. Die Kognition des Bundesverwaltungsgerichts und die zulässigen Rü-
gen richten sich im Asylbereich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG, im Bereich des
Ausländerrechts nach Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26, E.5).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder be-
gründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden (Art. 3
Abs. 1 AsylG). Als ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung
des Leibes, des Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen
unerträglichen psychischen Druck bewirken, Art. 3 Abs. 2 AsylG).
3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentlichen
Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den Tatsa-
chen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder verfälschte
Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Vorinstanz kam in ihrer Verfügung zum Schluss, den Ausführungen
des Beschwerdeführers, er sei erst ab 2013 als ehemaliges Mitglied der
LTTE gesucht worden, könne nicht geglaubt werden. Das angebliche Ver-
folgungsinteresse der sri-lankischen Behörden an ihm sei fiktiv, zumal ver-
schiedenen Quellen zufolge die Militärpräsenz und somit das Interesse an
Verfolgungen in seiner Wohnregion vor allem vor 2013 sehr hoch gewesen
sei, daraufhin abgenommen habe und die Anzahl der Teilnehmenden an
Rehabilitationsprogrammen im Jahr 2015 bis auf eine geringe Zahl von 60
Personen gesunken sei. Diese Angaben stünden seinen Schilderungen, er
habe von 2010 bis 2013 keine Probleme mit den Behörden gehabt, entge-
gen. Auch hätten grundsätzlich nur Mitglieder des militärischen Flügels der
LTTE an einem Rehabilitationsprogramm teilnehmen müssen und nicht
auch die zivile Bevölkerung. Sodann sei es zu Widersprüchen gekommen,
indem er während der BzP dargelegt habe, von einer Person beobachtet
und zu Hause mit Fragen bedrängt worden zu sein, um in der Anhörung zu
erörtern, ein, respektive zwei Mitarbeiter des CID seien zwei Mal bei ihm
zu Hause gewesen. Er habe diese Widersprüche auf Vorhalt hin weder
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aufzulösen vermögen, noch habe er diese Ereignisse zeitlich einordnen
können. Weiter falle auf, dass seine Ausführungen zu den Befragungen im
Gegensatz zu seinen ansonsten detaillierten Ausführungen zum Bürger-
kriegsgeschehen, eher substanzlos und ohne Realkennzeichen ausgefal-
len seien. Auch hinsichtlich F._ sei es zu Unklarheiten gekommen.
So habe er protokollieren lassen, nicht zu wissen, woher F._ seine
Wohnadresse kenne, obwohl es zu erwarten gewesen wäre, dass sie wäh-
rend der gemeinsamen Zeit bei den LTTE miteinander gesprochen und
auch persönliche Informationen, wie etwa den Wohnort, untereinander
ausgetauscht hätten. Sodann erstaune es, dass er sich nach dem Besuch
von F._ sicher gewesen sei, dass man ihn verhaften würde, und
dennoch einige Tage im Dorf geblieben sei. Es wäre zu erwarten gewesen,
dass er unverzüglich geflohen wäre. Schliesslich sei es bezüglich seines
Untertauchens zu zeitlichen Unstimmigkeiten gekommen.
Zu den eingereichten Beweismitteln sei anzufügen, dass diese keine asyl-
rechtlich relevante Verfolgung des Beschwerdeführers belegen könnten,
selbst wenn sein Bruder als Märtyrer gestorben sei. Dasselbe gelte für das
Bestätigungsschreiben des Northern Provincial Councils vom 17. Mai
2016, welches zudem teilweise inhaltlich von seinen eigenen Aussagen
abweiche. Sodann bestehe kein Kausalzusammenhang zwischen den von
ihm vorgebrachten Erlebnissen und seiner Ausreise, zumal er sich nach
Kriegsende noch sechs Jahre in Sri Lanka aufgehalten habe.
4.2 Der Beschwerdeführer monierte, für die Beurteilung der Flüchtlingsei-
genschaft sei massgebend, ob er tatsächlich während dreier Jahre Mitglied
bei den LTTE gewesen sei und als solches am Krieg teilgenommen habe.
Die diversen Beweismittel respektive Schreiben verschiedener ehemaliger
Kameraden, würden die von ihm geschilderten Aktivitäten bei den LTTE,
seine Kriegsverletzung, den Heldentod seines Bruders, dem Entgehen des
Rehabilitationsprogramms und die erneute Suche nach ihm durch die sri-
lankischen Sicherheitskräfte bestätigen. Insbesondere müssten die ver-
fassten Schreiben der inzwischen nach Europa geflüchteten ehemaligen
Kameraden überprüft werden. Sodann treffe die vorinstanzliche Behaup-
tung, er habe zwischen 2010 und 2013 keine Probleme gehabt, nicht zu,
vielmehr habe er protokollieren lassen, man habe ihn kontrolliert, jedoch
bis 2013 in Ruhe gelassen, weil er verheiratet gewesen sei. Erst danach
sei es zu ernsthaften Problemen gekommen. Die Situation habe sich seit
dem Auftauchen von F._ jedoch grundlegend verändert, da dieser
seine vor den Behörden verheimlichte Vergangenheit gekannt habe. Er
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habe annehmen müssen, von ihm verraten und danach in ein Rehabilitati-
onsprogramm gebracht zu werden.
Des Weiteren sei anzufügen, dass es nicht richtig sei, dass lediglich ehe-
malige Frontkämpfer der LTTE einem Rehabilitationsprogramm unterzo-
gen worden seien, zumal der Prevention of Terrorism Act (PTA) nach wie
vor in Kraft sei, weshalb alle LTTE-Leute mit Entführung, Festnahmen und
Folter rechnen müssten. Seine Schilderungen zu den Befragungen vom
CID seien präzise und detailliert ausgefallen, und um die Substanz der
diesbezüglichen Aussagen zu erhöhen, hätte die Vorinstanz Rückfragen
dazu stellen müssen. Auch sei in diesem Zusammenhang darauf hinzuwei-
sen, dass bei der Übersetzung oftmals die farbigen Details verloren gehen
würden. Sodann würde die eingereichte Bestätigung vom 17. Mai 2016 des
Northern Provincial Councils die damalige Lage in der Region bestätigen.
Mit den der Beschwerde beigelegten weiteren zahlreichen Schreiben seien
seine Fluchtgründe genügend untermauert.
Ferner gelte es anzuerkennen, dass die LTTE immer noch als terroristische
Organisation betrachtet werde und die Verfolgung von potentiellen oder
ehemaligen Mitgliedern immer noch Realität sei, welche mit Folter oder gar
Tötungen einhergehe. Insgesamt habe er glaubhaft darlegen können, we-
gen seiner LTTE-Vergangenheit vom CID gesucht worden zu sein. Dass er
rechtzeitig habe die Flucht ergreifen können, schliesse nicht aus, dass er
keine berechtigte Furcht vor einer Verfolgung im Heimatland habe.
4.3 In ihrer Vernehmlassung äusserte sich die Vorinstanz zu den neu ins
Recht gelegten Bestätigungsschreiben dahingehend, dass diese als Gefäl-
ligkeitsschreiben betrachtet werden müssten und demensprechend kaum
beweiskräftig seien. Auch die eingereichten Fotos, welche die Suche der
Militärbehörden nach dem Beschwerdeführer belegen sollten, würden ins-
zeniert wirken und hätten keinen ausreichenden Beweiswert. Die einge-
reichte Vorladung des CID Nord-Ost vom 3. November 2018 (Beilage 17)
erweise sich aufgrund einiger Mängel als Fälschung. Es fehle der Briefkopf
und der oben angeführte Behördenname wirke unrealistisch. Weiter ent-
halte der Text Fehler und sei nicht verständlich. Überdies erstaune es, dass
der Beschwerdeführer die im Schreiben erwähnte Vorladung vom 12. Mai
2015 nicht erwähnt habe. Sodann sei es wenig wahrscheinlich, dass ihn
die Behörden erst dreieinhalb Jahren nach dieser Vorladung wegen seines
Fernbleibens vorgeladen haben sollen. Ausserdem sei es nicht nachvoll-
ziehbar, weshalb er diese Vorladung erst ein Jahr nach deren Ausstellung
eingereicht habe. In Bezug auf die verschärfte Gefährdungslage nach den
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Wahlen und einem Vorfall auf der Schweizer Botschaft im November 2019
sei zu ergänzen, dass verschiedenen Quellen zufolge die Gefährdungs-
lage für ganze Volksgruppen, einer kollektiven Verfolgung ausgesetzt
seien, nicht vorhanden sei. Um eine Verfolgungsgefahr in diesem Zusam-
menhang annehmen zu können, sei ein persönlicher Bezug der asylsu-
chenden Person zu diesen Ereignissen respektive dessen Folgen eine not-
wendige Voraussetzung.
4.4 In der Replik wurde dem entgegengehalten, dass es sich bei den ein-
gereichten Schreiben um keine Gefälligkeitsschreiben handle, da die meis-
ten Verfasser mit dem Beschwerdeführer nicht verwandt seien und dem-
entsprechend kein persönliches Interesse an einer Art Gefälligkeit aufwei-
sen würden. Bei Bedarf könnten diese auch persönlich befragt werden.
Hinsichtlich der von der Vorinstanz erwähnten Zweifel zur Vorladung des
CID vom 3. November 2018 sei zu bemerken, dass er bei seiner Anhörung,
welche im Juli 2018 stattgefunden habe, noch nichts von der betreffenden
Vorladung habe wissen können, da diese erst im November 2018 ausge-
stellt worden sei. Ausserdem komme es öfters vor, dass das CID keinen
Briefkopf verwende, auch würden Schreiben in englischer Sprache ver-
fasst, vor allem wenn die betroffene Person Tamilisch spreche und der Ab-
sender dieser Sprache nicht mächtig sei. Dass es dabei zu Fehlern
komme, sei nachvollziehbar.
Betreffend die generelle Lage in Sri Lanka wurde auf einen Bericht der SFH
verwiesen (Beilage 34). Aus diesem gehe hervor, dass die Gefährdung
ehemaliger Mitglieder der LTTE seit November 2019 zugenommen habe,
weshalb eine Wegweisung des Beschwerdeführers unzulässig sei. Auch
aus medizinischer Sicht erscheine ein Vollzug der Wegweisung unzumut-
bar, zumal er regelmässige Behandlungen wegen seiner psychischen
Problemen benötige.
5.
5.1 Grundsätzlich sind Vorbringen dann glaubhaft, wenn sie genügend
substanziiert, in sich schlüssig und plausibel sind; sie dürfen sich nicht in
vagen Schilderungen erschöpfen, in wesentlichen Punkten widersprüchlich
sein oder der inneren Logik entbehren und auch nicht den Tatsachen oder
der allgemeinen Erfahrung widersprechen. Darüber hinaus muss die asyl-
suchende Person persönlich glaubwürdig erscheinen, was insbesondere
dann nicht der Fall ist, wenn sie ihre Vorbringen auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abstützt (vgl. Art. 7 Abs. 3 AsylG), aber auch dann,
wenn sie wichtige Tatsachen unterdrückt oder bewusst falsch darstellt, im
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Laufe des Verfahrens Vorbringen auswechselt, steigert oder unbegründet
nachschiebt, mangelndes Interesse am Verfahren zeigt oder die nötige Mit-
wirkung verweigert. Glaubhaftmachung bedeutet ferner – im Gegensatz
zum strikten Beweis – ein reduziertes Beweismass und lässt durchaus
Raum für gewisse Einwände und Zweifel an den Vorbringen des Gesuch-
stellers. Eine Behauptung gilt bereits als glaubhaft gemacht, wenn das Ge-
richt von ihrer Wahrheit nicht völlig überzeugt ist, sie aber überwiegend für
wahr hält, obwohl nicht alle Zweifel beseitigt sind. Für die Glaubhaftma-
chung reicht es demgegenüber nicht aus, wenn der Inhalt der Vorbringen
zwar möglich ist, aber in Würdigung der gesamten Aspekte wesentliche
und überwiegende Umstände gegen die vorgebrachte Sachverhaltsdar-
stellung sprechen. Entscheidend ist im Sinne einer Gesamtwürdigung, ob
die Gründe, die für eine Richtigkeit der Sachverhaltsdarstellung sprechen,
überwiegen oder nicht; dabei ist auf eine objektivierte Sichtweise abzustel-
len (vgl. BVGE 2012/5 E. 2.2; 2010/57 E. 2.3).
5.2 Nach Lehre und Praxis setzt die Anerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft im Sinne von Art. 3 AsylG voraus, dass die asylsuchende Person
ernsthafte Nachteile von bestimmter Intensität erlitten hat beziehungs-
weise solche im Fall einer Rückkehr in den Heimatstaat mit beachtlicher
Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zukunft befürchten muss. Die Nach-
teile müssen gezielt und aufgrund bestimmter Verfolgungsmotive drohen
oder zugefügt worden sein. Die betroffene Person muss zudem einer lan-
desweiten Verfolgung ausgesetzt sein. Ausgangspunkt für die Beurteilung
der Flüchtlingseigenschaft ist die Frage, ob im Zeitpunkt der Ausreise eine
Verfolgung oder eine begründete Furcht vor einer solchen bestand. Die
Verfolgungsfurcht muss im Zeitpunkt des Asylentscheids noch aktuell sein
(vgl. dazu BVGE 2013/11 E. 5.1; 2010/57 E. 2 und 2008/12 E. 5 je m.w.H.).
5.3 Begründet ist die Furcht vor Verfolgung, wenn ein konkreter Anlass zur
Annahme besteht, letztere hätte sich – aus der Sicht im Zeitpunkt der Aus-
reise – mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit und in absehbarer Zeit verwirk-
licht oder werde sich – auch aus heutiger Sicht – mit ebensolcher Wahr-
scheinlichkeit in absehbarer Zukunft verwirklichen. Es müssen damit hin-
reichende Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung vorhanden sein, die
bei jedem Menschen in vergleichbarer Lage Furcht vor Verfolgung und da-
mit den Entschluss zur Flucht hervorrufen würden. Dabei hat die Beurtei-
lung einerseits aufgrund einer objektivierten Betrachtungsweise zu erfol-
gen und ist andererseits durch das von der betroffenen Person bereits Er-
lebte und das Wissen um Konsequenzen in vergleichbaren Fällen zu er-
gänzen. Wer bereits staatlichen Verfolgungsmassnahmen ausgesetzt war,
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hat objektive Gründe für eine ausgeprägtere (subjektive) Furcht (vgl. BVGE
2014/27 E. 6.1 und 2010/57 E. 2).
5.4 Einleitend kommt das Bundesverwaltungsgericht zum Schluss, dass
die Vorbringen des Beschwerdeführers zu den Kriegsgeschehen gegen
Ende des Kriegs im Jahr 2009 äusserst lebhaft, detailreich sowie mit zahl-
reichen Realkennzeichen, nebensächlichen Erwähnungen und persönli-
chen Empfindungen gekennzeichnet ausgefallen und dementsprechend
als glaubhaft zu qualifizieren sind (vgl. act. A14/17, F27-28). Dies wurde
denn auch von der Vorinstanz nicht explizit bezweifelt. Sodann überzeugen
auch seine Erklärungen zu seiner Tätigkeit als Fahrer bei den LTTE, ob-
wohl diese etwas knapper als die Schilderungen zum Kriegsgeschehen
ausgefallen sind. Er thematisierte, wie er 2004 nach einem Lehrgang als
Fahrer bei den LTTE eingestellt worden war. Aus persönlicher Perspektive
schilderte er weiter, ihnen hauptsächlich wegen der damals herrschenden
Armut beigetreten zu sein und gedacht zu haben, nach seinem Schulab-
schluss Geld verdienen zu müssen. Da die damalige allgemeine Meinung
gewesen sei, die LTTE sei die Regierung, weil sie alles beherrscht hätten,
seien sie die massgebenden Arbeitgeber gewesen. Daneben äusserte er
sich in etwas knapper Weise über sein Basistraining und situierte dieses in
zeitlicher Hinsicht. Er beschrieb ohne Übertreibungen seine dortigen Tätig-
keiten und stellte explizit klar, dass er nicht zum Kampf eingesetzt worden
sei, sondern sich lediglich um den Transport von Personen und verschie-
denen Waren gekümmert, sowie teilweise geholfen habe, Stützpunkte auf-
zubauen (vgl. act. A14/17, F14-26, F36; A4/12, F7.01). Insgesamt ist davon
auszugehen, dass seine Tätigkeiten für die LTTE zwar als glaubhaft zu
werten sind, jedoch ist aufgrund der nachfolgenden Erwägungen von ei-
nem mangelnden Verfolgungsinteresse seitens der sri-lankischen Behör-
den auszugehen, zumal er dieses nicht glaubhaft darzulegen vermochte.
5.5 Die geltend gemachten Observierungen sowie die drei Befragungen
zwischen 2013 und 2015 wirken – in Übereinstimmung mit der Einschät-
zung der Vorinstanz – eher substanz- und inhaltslos dargelegt. Dennoch
kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdeführer
– wie von ihm dargelegt – beobachtet und befragt worden war. Im Bericht
«Lagebild Fokus Sri Lanka von 2016» wird ausgeführt, dass die Präsenz
der Armee im Norden und Osten von Sri Lanka bis 2014, in der Nordprovinz
bis 2016 stark gewesen und auch die zivile Bevölkerung streng überwacht
worden sei. Oftmals seien die Bewohner dazu verpflichtet worden, sich re-
gelmässig bei den Sicherheitsbehörden zu melden. Ab 2015 habe sich die
Lage etwas entspannt und es käme seither selten vor, dass jemand noch
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bei den Behörden vorsprechen müsse (vgl. Staatssekretariat für Migration
[SEM], Focus Sri Lanka – Lagebild, 05.07.2016, LKA-lagebild-2016-d.pdf,
Punkt 3.1 und 4.8, abgerufen am 28. April 2021). Es ist davon auszugehen,
dass es sich bei den Schilderungen des Beschwerdeführers um in dieser
Zeitspanne typische und allgemeine Überwachungsmassnahmen han-
delte, unter welchen die breite Zivilbevölkerung litt. Seine einmalige Befra-
gung auf dem Polizeiposten in E._ durch den CID im Jahr 2013 ist
insofern als glaubhaft zu erachten, als dass er diese detailliert schilderte,
einen Gesprächsausschnitt in der direkten Rede wiedergab und in an-
schaulicher Weise erwähnte, wie es zu einem Übergriff mit einer Holz-
stange gegen ihn gekommen ist. Obwohl der einmalige körperliche Über-
griff gegen ihn bedauerlich ist, ist kein ausgeprägtes Interesse am Be-
schwerdeführer erkennbar, zumal er ansonsten nicht lediglich aufgrund der
Anwesenheit seiner Ehefrau und seines Kindes bereits nach kurzer Zeit
wieder entlassen worden wäre (vgl. act. A14/17, F53, F59). Hätte ein tat-
sächlicher Verdacht gegen ihn bestanden, wäre anzunehmen gewesen,
dass ernsthaftere Massnahmen gegen ihn ergriffen worden wären. Die da-
rauffolgenden Observierungen durch die beiden Mitarbeitenden des CID,
welche zudem auch das ganze Dorf beobachtet haben sollen, ereigneten
sich innerhalb einer Zeitspanne von zwei Jahren und seine Probleme mit
den Behörden beschränkten sich auf insgesamt weitere drei Befragungen.
Zudem gilt es anzumerken, dass er lediglich in oder vor seinem Haus an-
gesprochen und ausgefragt, jedoch seit 2013 nicht mehr behördlich vorge-
laden wurde. Die Annahme, dass kein besonderes Interesse an ihm be-
standen haben kann, wird dadurch verstärkt, dass das CID über seine ei-
gene Tätigkeit bei den LTTE und über den Märtyrertod seines Bruders in-
formiert war und er dennoch keine weiteren Konsequenzen erlitt (vgl. act.
A14/14, F53, F59, F67-71, F90, F92).
5.6 Des Weiteren vermögen die Schilderungen des Beschwerdeführers im
Zusammenhang mit dem Auftauchen von F._ nicht zu überzeugen
und wirken angesichts seiner ansonsten reichhaltigen Erzählungen auffal-
lend vage, detailarm und emotionslos. So fehlt es seinen diesbezüglichen
Ausführungen etwa an Realkennzeichen, nebensächlichen Bemerkungen
oder einer Wiedergabe des geführten Gesprächs. In diesem Zusammen-
hang ist es ausserdem nicht nachvollziehbar, weshalb er sich nach dem
Besuch von F._ vor einer Festnahme gefürchtet haben soll, zumal
das CID bereits über seine Tätigkeiten bei den LTTE informiert war und
auch die Dorfbewohner über seine Aktivitäten im Bilde gewesen seien (vgl.
act. A14/17, F72, F75-76, F78, F90).
file:///C:/Users/U80852782/Downloads/LKA-lagebild-2016-d%20(2).pdf
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5.7 Die eingereichten Beweismittel, insbesondere die Bestätigungsschrei-
ben sowie die Fotos vermögen nach dem Gesagten keine begründete
Furcht vor behördlicher Verfolgung zu belegen. Vielmehr weisen einige der
Bestätigungsschreiben teilweise sogar entgegengesetzte Aussagen zu
denjenigen des Beschwerdeführers auf, indem etwa bezeugt wird, dass er
Soldat gewesen sei, im Krieg gekämpft habe oder dass er sich unter Zwang
den LTTE habe anschliessen müssen (vgl. Beilagen 19, 22, 31). Die Be-
stätigungsschreiben sind demensprechend nicht geeignet, eine allfällige
Verfolgung oder eine Mitgliedschaft bei den LTTE beziehungsweise Teil-
nahme an Kampfhandlungen zu belegen, zumal er solche auch nie be-
hauptet hat. Vielmehr sind diese Schreiben aufgrund ihrer Kontroversität
der Glaubhaftigkeit eher abträglich. Dasselbe ist bezüglich des Schreibens
der Northern Provincil Councils vom 17. Mai 2016 und desjenigen des Par-
lamentsmitglieds des Vanni-Distrikts vom 9. Dezember 2019 festzustellen
(Beilage 29), wonach der Beschwerdeführer von den Geheimdiensten der
Armee schwerer Folter unterzogen worden sein soll, obwohl er in seinen
Asylvorbringen keine schweren Foltervorwürfe erhoben hat. Sodann dürfte
es sich bei der Vorladung des CID vom 3. November 2018 aus zweierlei
Gründen nicht um ein echtes Dokument handeln. Einerseits verfügt diese
über keinen Briefkopf, keinen Stempel und keine Auskunft über die Funk-
tion der unterschreibenden Person, was Anlass zu Zweifeln an dessen Au-
thentizität gibt. Das Argument des Beschwerdeführers, dass das CID oft-
mals keinen Briefkopf verwende und Schreiben teilweise in englischer
Sprache verfasst würde, vor allem wenn die betroffene Person Tamilisch
spreche und der Absender dieser Sprache nicht mächtig sei, überzeugt
nicht. Anderseits ist es nicht kohärent, dass er sich gemäss dieser Vorla-
dung bereits am 12. Mai 2015 hätte bei dieser Behörde melden sollen, dies
jedoch anlässlich seiner Anhörung mit keinem Wort erwähnte, obwohl er
darüber hätte informiert sein sollen, zumal er erst Ende November 2015
aus Sri Lanka ausgereist ist. Überdies erscheint es nicht schlüssig, wes-
halb die Behörde nachdem er der Vorladung keine Folge geleistet hat,
mehr als drei Jahre damit zugewartet haben soll, ihn erneut vorzuladen.
5.8 Angesichts der vorangehenden Erwägungen ist zwar davon auszuge-
hen, dass der Beschwerdeführer verschiedenen Kontrollmassnahmen
durch die sri-lankischen Behörden ausgesetzt war. Nach einer Abwägung
der glaubhaften gegenüber den unglaubhaften Elementen kommt das Ge-
richt jedoch zum Schluss, dass die unglaubhaften Elemente überwiegen
und er nicht überzeugend hat darlegen können, dass ein behördliches Ver-
folgungsinteresse an ihm bestanden hat. Dementsprechend ist auch die
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Seite 14
von ihm behauptete Furcht vor einem Rehabilitationsprogramm unbegrün-
det und somit auch die Frage, ob gewöhnliche ehemalige Mitglieder der
LTTE ebenso an einem solchen teilnehmen müssen. Seine geltend ge-
machten Behelligungen durch die sri-lankischen Behörden erreichen die
Intensität ernsthafter Nachteile im Sinne von Art. 3 Abs. 2 AsylG nicht.
6.
6.1 Weiter bleibt zu prüfen, ob der Beschwerdeführer über ein erhöhtes
Risikoprofil verfügt und ihm bei einer Wiedereinreise ins Heimatland eine
asylrelevante Verfolgung im Sinne von Nachfluchtgründen droht oder dro-
hen könnte.
6.2 Das Bundesverwaltungsgericht hat im Referenzurteil E-1866/2015
vom 15. Juli 2016 eine Analyse der Situation von Rückkehrenden nach Sri
Lanka vorgenommen und festgestellt, dass aus Europa respektive der
Schweiz zurückkehrende tamilische Asylsuchende nicht generell einer
ernstzunehmenden Gefahr von Verhaftung und Folter ausgesetzt seien
(vgl. a.a.O. E. 8.3). Das Gericht orientiert sich bei der Beurteilung des Ri-
sikos von Rückkehrenden, Opfer ernsthafter Nachteile in Form von Verhaf-
tung und Folter zu werden, an verschiedenen Risikofaktoren. Dabei han-
delt es sich um das Vorhandensein einer tatsächlichen oder vermeintli-
chen, aktuellen oder vergangenen Verbindung zu den LTTE, um die Teil-
nahme an exilpolitischen regimekritischen Handlungen und um das Vorlie-
gen früherer Verhaftungen durch die sri-lankischen Behörden, üblicher-
weise im Zusammenhang mit einer tatsächlichen oder vermuteten Verbin-
dung zu den LTTE (sogenannte stark risikobegründende Faktoren,
vgl. a.a.O., E. 8.4.1–8.4.3). Einem gesteigerten Risiko, genau befragt und
überprüft zu werden, unterliegen ausserdem Personen, die ohne die erfor-
derlichen Identitätspapiere nach Sri Lanka einreisen wollen, die zwangs-
weise zurückgeführt werden oder die über die Internationale Organisation
für Migration (IOM) nach Sri Lanka zurückkehren, sowie Personen mit gut
sichtbaren Narben (sogenannte schwach risikobegründende Faktoren,
vgl. a.a.O., E. 8.4.4 und 8.4.5). Das Gericht wägt im Einzelfall ab, ob die
konkret glaubhaft gemachten Risikofaktoren eine asylrechtlich relevante
Gefährdung der betreffenden Person ergeben. Dabei zieht es in Betracht,
dass insbesondere jene Rückkehrenden eine begründete Furcht vor ernst-
haften Nachteilen im Sinne von Art. 3 AsylG haben, denen seitens der sri-
lankischen Behörden zugeschrieben wird, dass sie bestrebt seien, den ta-
milischen Separatismus wiederaufleben zu lassen (vgl. a.a.O., E. 8.5.1).
D-6855/2019
Seite 15
6.3 Am 16. November 2019 wurde Gotabaya Rajapaksa zum neuen Präsi-
denten Sri Lankas gewählt (vgl. Neue Zürcher Zeitung [NZZ], In Sri Lanka
kehrt der Rajapaksa-Clan an die Macht zurück, 17.11.2019;
https://www.theguardian.com/world/2019/nov/17/sri-lanka-presidential-
candidate-rajapaksa-premadas-count-continues, abgerufen am 5. März
2020). Gotabaya Rajapaksa war unter seinem älteren Bruder, dem ehema-
ligen Präsidenten Mahinda Rajapaksa, der von 2005 bis 2015 an der Macht
war, Verteidigungssekretär. Er wurde angeklagt, zahlreiche Verbrechen ge-
gen Journalistinnen und Journalisten sowie Aktivisten begangen zu haben.
Zudem wird er von Beobachtern für Menschenrechtsverletzungen und
Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht; er bestreitet die Anschuldigun-
gen (vgl. Human Rights Watch [HRW]: World Report 2020 – Sri Lanka,
14.1.2020). Kurz nach der Wahl ernannte der neue Präsident seinen Bru-
der Mahinda zum Premierminister und band einen weiteren Bruder, Cha-
mal Rajapaksa, in die Regierung ein; die drei Brüder Gotabaya, Mahinda
und Chamal Rajapaksa kontrollieren im neuen Regierungskabinett zusam-
men zahlreiche Regierungsabteilungen oder -institutionen (vgl. vgl.
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-
brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state 20191127174753,
abgerufen am 4. März 2020). Beobachter und ethnische oder religiöse Min-
derheiten befürchten insbesondere mehr Repression und die vermehrte
Überwachung von Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Journalis-
tinnen und Journalisten, Oppositionellen und regierungskritischen Perso-
nen (vgl. Schweizerische Flüchtlingshilfe [SFH]: Regierungswechsel weckt
Ängste bei Minderheiten, 21.11.2019). Am 5. August 2020 fanden Parla-
mentswahlen statt mit dem Resultat, dass der Rajapaksa-Clan seine Macht
in Sri Lanka ausweiteten konnte (vgl. Sri Lanka: Rajapaksa-Clan weitet
seine Macht weiter aus [nzz.ch] vom 7. August 2020).
Das Bundesverwaltungsgericht ist sich dieser Veränderungen in Sri Lanka
bewusst. Es beobachtet die Entwicklungen aufmerksam und berücksichtigt
diese bei seiner Entscheidfindung. Zwar ist beim derzeitigen Kenntnisstand
durchaus von einer möglichen Akzentuierung der Gefährdungslage auszu-
gehen, der Personen mit einem bestimmten Risikoprofil ausgesetzt sind
beziehungsweise bereits vorher ausgesetzt waren (vgl. Referenzurteil des
Bundesverwaltungsgerichts E-1866/2015 vom 15. Juli 2016, HRW, Sri
Lanka: Families of "Disappeared" Threatened, 16.02.2020). Dennoch gibt
es zum heutigen Zeitpunkt keinen Grund zur Annahme, dass seit dem
Machtwechsel in Sri Lanka ganze Bevölkerungsgruppen kollektiv einer
Verfolgungsgefahr ausgesetzt wären. Unter diesen Umständen ist im Ein-
zelfall zu prüfen, ob ein persönlicher Bezug der asylsuchenden Personen
https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state%2020191127174753 https://www.aninews.in/news/world/asia/sri-lanka-35-including-presidents-brother-chamal-rajapksa-sworn-in-as-ministers-of-state%2020191127174753
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Seite 16
zur Präsidentschaftswahl vom 16. November 2019 respektive den Parla-
mentswahlen vom August 2020 sowie deren Folgen besteht.
6.4 Der Beschwerdeführer konnte nicht glaubhaft darlegen, wegen seiner
zivilen Tätigkeiten bei den LTTE zwischen den Jahren 2004 und 2009
ernsthaften Nachteilen im Heimatland ausgesetzt gewesen zu sein (vgl.
E.5.8). Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er befürchtete, mit
dem Auftauchen von F._, welcher angeblich seine Vergangenheit
bei den LTTE bezeugen könnte, zumal den Behörden sowohl seine Arbeit
bei den LTTE ebenso bekannt war, wie auch die Tatsache, dass sein Bru-
der als Märtyrer starb (vgl. act. 14717, F59, F79, F90). Ein konkretes Ver-
folgungsinteresse im Falle der Wiedereinreise lässt sich daraus nicht ab-
leiten. Auch konnte er nicht ausführen, inwiefern seine Ehefrau in Sri Lanka
Probleme mit den Behörden hatte. Die einzige Erklärung hierzu in der BzP,
dass sie sich deshalb an den Northern Provincial Council gewandt habe,
lässt noch nicht auf eine Verfolgung schliessen (vgl. act. A4/12, F7.03).
Auch aus den eingereichten Fotos von einem Besuch der Behörden bei
seiner Ehefrau und seinem Sohn geht nicht hervor, dass der Beschwerde-
führer gesucht worden wäre. Die weiteren Vorfälle nach seiner Ausreise,
wie das (erneute) Observieren seines Hauses und der einmalige Besuch
des Militärs lässt ebenfalls nicht auf ein konkretes Interesse der sri-lanki-
schen Behörden an ihm schliessen (vgl. act. A14/17, F84). Weitere Suchen
nach ihm machte er nicht geltend. Sodann reiste er legal mit seinem eige-
nen Pass aus (vgl. act. A14/17, F97). Schliesslich hat er angegeben, sich
in der Schweiz nie politisch betätigt zu haben (vgl. act. A14/17, F1.01). Wei-
tere risikobegründende Faktoren machte der Beschwerdeführer nicht gel-
tend.
Vor diesem Hintergrund ist nicht anzunehmen, dass der Beschwerdeführer
aufgrund seiner ehemaligen Arbeit bei den LTTE oder wegen Familienver-
bindungen von den sri-lankischen Behörden verdächtigt wird, zu den Per-
sonen zu gehören, welche bestrebt sind, den tamilischen Separatismus
wieder aufleben zu lassen. Das Vorhandensein eines Risikoprofils ist zu
verneinen. Zusammenfassend kommt das Gericht zum Schluss, dass es
dem Beschwerdeführer nicht gelungen ist glaubhaft vorzubringen, dass
ihm bei einer Rückkehr eine Gefahr vor einer asylbegründeten Verfolgung
drohen würde. Die Vorinstanz hat zu Recht die Flüchtlingseigenschaft ver-
neint und sein Asylgesuch abgelehnt.
D-6855/2019
Seite 17
7.
7.1 Lehnt das SEM das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein, so
verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet den
Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Familie
(Art. 44 AsylG).
7.2 Der Beschwerdeführer verfügt weder über eine ausländerrechtliche
Aufenthaltsbewilligung noch über einen Anspruch auf Erteilung einer sol-
chen. Die Wegweisung wurde demnach zu Recht angeordnet (Art. 44
AsylG; vgl. BVGE 2013/37 E. 4.4; 2009/50 E. 9, je m.w.H.).
8.
8.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das SEM das Anwesenheitsverhältnis nach den
gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme (Art. 44 AsylG;
Art. 83 Abs. 1 AIG [SR 142.20]).
Beim Geltendmachen von Wegweisungsvollzugshindernissen gilt gemäss
Praxis des Bundesverwaltungsgerichts der gleiche Beweisstandard wie bei
der Prüfung der Flüchtlingseigenschaft; das heisst, sie sind zu beweisen,
wenn der strikte Beweis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft
zu machen (vgl. BVGE 2011/24 E. 10.2 m.w.H.).
8.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in den
Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83 Abs. 3
AIG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwun-
gen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem Grund
nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft, zur Aus-
reise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1 AsylG; vgl.
ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über die Rechts-
stellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]). Gemäss Art. 25 Abs. 3 BV,
Art. 3 des Übereinkommens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und an-
dere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder
Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der
Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung
unterworfen werden.
8.3 Das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement schützt nur
Personen, welche die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es dem
D-6855/2019
Seite 18
Beschwerdeführer nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr des Beschwerdeführers nach Sri
Lanka ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen des Beschwerdeführers
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass er für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behandlung
ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes für
Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste der Beschwerdeführer eine konkrete Gefahr («real risk») nachwei-
sen oder glaubhaft machen, dass ihm im Fall einer Rückschiebung Folter
oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. Urteil des EGMR
Saadi gegen Italien 28. Februar 2008, Grosse Kammer 37201/06, §§ 124–
127 m.w.H.). Auch die allgemeine Menschenrechtssituation in Sri Lanka
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt nicht als unzulässig
erscheinen. Nach dem Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl
im Sinne der asyl- als auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
8.4 Der EGMR hat sich mit der Gefährdungssituation im Hinblick auf eine
EMRK-widrige Behandlung namentlich für Tamilen, die aus einem europä-
ischen Land nach Sri Lanka zurückkehren müssen, wiederholt befasst
(vgl. Urteil R.J. gegen Frankreich vom 19. September 2013, Beschwerde
Nr. 10466/11; E.G. gegen Grossbritannien vom 31. Mai 2011, 41178/08;
T.N. gegen Dänemark vom 20. Januar 2011, 20594/08; P.K. gegen Däne-
mark vom 20. Januar 2011, 54705/08; N.A. gegen Grossbritannien vom
17. Juli 2008, 25904/07). Dabei unterstreicht der Gerichtshof, dass nicht in
genereller Weise davon auszugehen sei, zurückkehrenden Tamilinnen und
Tamilen drohe eine unmenschliche Behandlung. Eine Risikoeinschätzung
müsse im Einzelfall vorgenommen werden (vgl. Urteil des EGMR R.J. ge-
gen Frankreich vom 19. September 2013, Nr. 10466/11; Rechtsprechung
zuletzt bestätigt in J.G. gegen Polen vom 11. Juli 2017, Nr. 44114/14). Aus
den Akten ergeben sich keine konkreten Anhaltspunkte dafür, dass der Be-
schwerdeführer bei einer Rückkehr nach Sri Lanka mit beachtlicher Wahr-
scheinlichkeit Massnahmen zu befürchten hätte, die über einen so genann-
ten «Background Check» (Befragung und Überprüfung von Tätigkeiten im
In- und Ausland) hinausgehen würden, oder dass er persönlich gefährdet
wäre.
D-6855/2019
Seite 19
8.5 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AIG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf-
grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und me-
dizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefährdung
festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AIG – die vorläufige
Aufnahme zu gewähren.
8.6 In Sri Lanka herrscht weder Krieg noch eine Situation allgemeiner Ge-
walt. Der bewaffnete Konflikt zwischen der sri-lankischen Regierung und
den LTTE ist im Mai 2009 zu Ende gegangen. In den beiden Referenzur-
teilen E-1866/2015 vom 15. Juli 2016 und D-3619/2016 vom 16. Oktober
2017 hat das Bundesverwaltungsgericht eine aktuelle Einschätzung der
Lage in Sri Lanka vorgenommen. Dabei stellte es fest, dass der Wegwei-
sungsvollzug sowohl in die Nordprovinz als auch in die Ostprovinz unter
Einschluss des sogenannten Vanni-Gebiets zumutbar ist, wenn das Vorlie-
gen von individuellen Zumutbarkeitskriterien bejaht werden kann. Zu den
individuellen Zumutbarkeitskriterien gehören insbesondere das Vorhan-
densein eines tragfähigen familiären oder sozialen Beziehungsnetzes so-
wie Aussichten auf eine gesicherte Einkommens- und Wohnsituation
(vgl. Referenzurteil des BVGer E-1866/2015 E. 13.2 ff. und Urteil des
BVGer D-3619/2016 vom 16. Oktober 2017 E. 9.5).
8.7 Der Beschwerdeführer stammt aus C._ in der Nordprovinz, wo
auch seine Ehefrau, sein inzwischen zehnjähriger Sohn, drei Geschwister
und seine Mutter leben. Im selben Dorf besitzt er ein eigenes Haus, in wel-
chem seine Ehefrau und sein Sohn wohnen, und um welche sich sein Bru-
der seit seiner Ausreise kümmert, da es diesem (finanziell) gut gehe (vgl.
act. A14/17, F45, F51). Somit ist im Heimatland sowohl ein enges familiä-
res Netz als auch eine geregelte Wohnsituation vorhanden. Der Beschwer-
deführer verfügt über eine zehnjährige Schulbildung und über langjährige
Berufserfahrung als Fahrer verschiedener Arten von Fahrzeugen. Es ist
davon auszugehen, dass ihm mithilfe seiner Familie die Reintegration,
auch aus beruflicher und finanzieller Sicht, in Sri Lanka gelingen wird.
8.8 Aus dem Arztbericht von 28. Februar 2020 geht hervor, dass der Be-
schwerdeführer unter Schlafstörungen und teilweise suizidalen Phasen
leide. Es wurde eine sequentielle Traumatisierung diagnostiziert, welche
supportiv angegangen werde. Dass er auf Medikamente oder eine spezi-
elle Behandlung angewiesen wäre, geht aus dem Bericht nicht hervor. Der
Ansicht des behandelnden Arztes, dass keine Möglichkeit im Heimatland
D-6855/2019
Seite 20
bestünde, eine entsprechende Behandlung wahrzunehmen, kann nicht
beigepflichtet werden.
Dem Länderinformationsblatt der International Organization for Migration
(IOM) vom Juni 2014 ist zu entnehmen, dass Sri Lanka grosse Fortschritte
bei der medizinischen Versorgung erzielt hat und die Investitionen ins Ge-
sundheitswesen zugenommen haben. In jeder grösseren Stadt gebe es
staatliche Krankenhäuser, welche zahlreiche Behandlungsmethoden an-
bieten könnten. Die medizinischen Dienstleistungen seien in der Regel
kostenlos. Zusätzlich gebe es sehr viele sehr gut ausgestattete Privatklini-
ken. Diese seien jedoch in der Regel teuer (International Organization for
Migration (IOM), Länderinformationsblatt – Sri Lanka, 06.2014,
< http://www.bamf.de/SharedDocs/MILo-DB/DE/Rueckkehrfoerderung/La-
enderinformationen/Informationsblaetter/cfs_sri-lanka-dl_de.pdf;jsessio-
nid=129A642CCB742AC2E7B0C0A694A8FCFB.1_cid294?_blob=publi-
cationFile >, abgerufen am 19. März 2021). Ferner befinden sich in Sri
Lanka 23 Spitäler mit psychiatrischen Abteilungen zur stationären Betreu-
ung und über 300 Kliniken für ambulante Behandlungen psychisch kranker
Patienten (Ministry of Health, Nutrition and Indigenous Medicine Sri Lanka,
Annual Health Bulletin 2014, published in 2016,
< http://www.health.gov.lk/moh_final/english/public/elfinder/files/publica-
tions/AHB/AHB2014.pdf >, abgerufen am 3. Mai 2021). Die geltend ge-
machten psychischen Probleme des Beschwerdeführers können demnach
auch in Sri Lanka behandelt werden. Der Vollzug der Wegweisung erweist
sich deshalb auch im Hinblick auf seine psychischen Beschwerden als zu-
mutbar.
8.9 Nach dem Gesagten erweist sich der Vollzug der Wegweisung auch als
zumutbar.
8.10 Schliesslich obliegt es dem Beschwerdeführer, sich bei der zuständi-
gen Vertretung des Heimatstaates die für eine Rückkehr notwendigen Rei-
sedokumente zu beschaffen (vgl. Art. 8 Abs. 4 AsylG und dazu auch BVGE
2008/34 E. 12), weshalb der Vollzug der Wegweisung auch als möglich zu
bezeichnen ist (Art. 83 Abs. 2 AIG).
8.11 Zusammenfassend hat die Vorinstanz den Wegweisungsvollzug zu
Recht als zulässig, zumutbar und möglich bezeichnet. Eine Anordnung der
vorläufigen Aufnahme fällt somit ausser Betracht (Art. 83 Abs. 1–4 AIG).
D-6855/2019
Seite 21
9.
Aus diesen Erwägungen ergibt sich, dass die angefochtene Verfügung
Bundesrecht nicht verletzt, den rechtserheblichen Sachverhalt richtig so-
wie vollständig feststellt (Art. 106 Abs. 1 AsylG) und – soweit diesbezüglich
überprüfbar – angemessen ist. Die Beschwerde ist abzuweisen.
10.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wären die Kosten dem Beschwerde-
führer aufzuerlegen (Art. 63 Abs. 1 VwVG; Art. 1-3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Nachdem jedoch das mit der
Beschwerde eingegangene Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege mit Verfügung vom 7. Januar 2020 gutgeheissen wurde und
weiterhin von der Bedürftigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist,
werden keine Verfahrenskosten auferlegt.
11.
Die Honorarnote vom 2. März 2020 weist einen Aufwand von zehn Stunden
aus. Ausgehend von diesem angemessen erscheinenden Zeitaufwand,
dem geltend gemachten Stundensatz von Fr. 200.– und den aufgeführten
Auslagen ist das zulasten der Gerichtskasse auszurichtende amtliche Ho-
norar antragsgemäss auf Fr. 2’342.– (inklusive Auslagen und Mehrwert-
steuerzuschlag) festzusetzen.
(Dispositiv nächste Seite)
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Seite 22