Decision ID: 9cc1e903-a66c-4665-9e48-cb8873542572
Year: 2012
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Entscheid Versicherungsgericht, 24.10.2012 Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG. Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit. Vorliegend kann die Beschwerdeführerin nicht nachweisen, dass sie aus gesundheitlichen Gründen während mindestens 12 Monaten an der Erfüllung der Beitragszeit verhindert war (Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 24. Oktober 2012, AVI 2011/64).Vizepräsidentin Marie-Theres Rüegg-Haltinner, Versicherungsrichterinnen Marie Löhrer und Lisbeth Mattle Frei; Gerichtsschreiber Jürg SchutzbachEntscheid vom 24. Oktober 2012in SachenA._,Beschwerdeführerin,vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239, 9443 Widnau,gegenKantonale Arbeitslosenkasse, Davidstrasse 21, 9001 St. Gallen,Beschwerdegegnerin,betreffendArbeitslosenentschädigung / unentgeltliche Rechtsverbeiständung im EinspracheverfahrenSachverhalt:
A.
A.a A._ meldete sich am 20. August 2010 zum Bezug von Arbeitslosentaggeldern
an (act. G 8.1/3). Ihr letzter Arbeitstag bei der B._ war der 21. November 2008; das
Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeitgeberin per 31. Juli 2009 aufgelöst (act. G 8.1/7,
14 und G 10/15.2). Ab 22. November 2008 war sie zu 100 % krank geschrieben und
bezog ein Krankentaggeld (vgl. act. G 10/6.7 und 8.1/40.3). Am 9. Juni 2009 meldete
sich die Versicherte bei der Invalidenversicherung zwecks beruflicher Eingliederung an
(act. G 10/6). Die Endokrinologie/Diabetologie des Kantonsspitals St. Gallen hielt in
ihrem Bericht vom 14. Januar 2009 die Diagnose eines Morbus Basedow (Erstdiagnose
11/08) bei hypervaskularisierter Schilddrüse und solitärem Knoten im linken
Schilddrüsenlappen sowie aktuell persistierender symptomatischer Hyperthyreose fest.
Im Weiteren diagnostizierte sie eine ausgeprägte Druckdolenz der Weichteile im
Schulter- und Nackenbereich (act. G 10/19.14).
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A.b Mit Verfügung vom 12. Januar 2011 wies die Kantonale Arbeitslosenkasse St.
Gallen den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab, da die Versicherte weder über
genügend Beitragszeiten verfüge noch von der Erfüllung der Beitragszeit befreit werden
könne. In der vom 20. August 2008 bis zum 19. August 2010 dauernden Rahmenfrist
könne sie lediglich eine Beitragszeit von 11,373 Monaten vorweisen. Nachdem die
Taggeldzahlungen der Krankentaggeldversicherung per 1. März 2010 eingestellt
worden seien, weil die Versicherte die volle Arbeitsfähigkeit wieder erlangt habe, sei
sodann nicht von einer mindestens zwölfmonatigen vollständigen Arbeitsunfähigkeit
(ausserhalb eines Arbeitsverhältnisses) auszugehen (act. G 8.1/38).
A.c Die Einsprache, mit welcher im Wesentlichen geltend gemacht wurde, der
Hausarzt Dr. C._ habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bis 1. September 2010
bestätigt - womit der Befreiungsgrund nach Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG gegeben sei -,
wies die Kasse mit Entscheid vom 29. Juni 2011 ab. Gleichzeitig wies sie das Gesuch
um unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren ab (act. G 8.1/48).
B.
B.a Gegen diesen Entscheid richtet sich die vorliegende Beschwerde vom 31. August
2011 samt Ergänzung vom 4. Oktober 2011 mit dem Antrag auf Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids. Sodann sei der Beschwerdeführerin
Arbeitslosenentschädigung ab dem 20. August 2010 auszurichten. Ausserdem sei ihr
die unentgeltliche Rechtsverbeiständung sowohl für das Einspracheverfahren als auch
für das vorliegende Beschwerdeverfahren zu gewähren. Die Beschwerdegegnerin gehe
fälschlicherweise davon aus, dass die Beschwerdeführerin seit Anfang Mai 2010 wieder
arbeitsfähig sei. Weder aus der ablehnenden Verfügung der IV-Stelle St. Gallen vom
18. Februar 2011 noch aus dem Schreiben der AXA-Winterthur (Taggeldversicherung)
betreffend Einstellung der Taggeldzahlungen per 1. März 2010 könne abgeleitet
werden, dass ab Mai 2010 keine Arbeitsunfähigkeit im Sinn des
Arbeitslosenversicherungsgesetzes mehr vorliege. Dr. C._, Allgemeine Medizin FMH,
habe bereits mehrfach bestätigt, dass die Beschwerdeführerin aus seiner Sicht bis
1. September 2010 zu 100 % arbeitsunfähig sei. Dem werde offenbar keine Beachtung
geschenkt. Sollte daran gezweifelt werden, sei ein neutrales Gutachten einzuholen (act.
G 1 und 4).
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B.b Mit Beschwerdeantwort vom 16. November 2011 beantragt die Verwaltung unter
Verweis auf den angefochtenen Einspracheentscheid Abweisung der Beschwerde (act.
G 8).
B.c Mit einer weiteren Stellungnahme zur Einsicht der von der Verfahrensleitung bei
gezogenen IV-Akten (act. G 10) vom 9. Februar 2012 wird unter anderem geltend
gemacht, die Ausführungen der Beschwerdegegnerin seien nicht widerspruchsfrei,
gehe sie doch selber von einer ausgewiesenen Arbeitsunfähigkeit bis etwa Anfang Mai
2010 (und nicht Anfang März 2010) aus. Auf Grund der geringen Diskrepanz zur
Ansicht Dr. C._s bedürfe es antragsgemäss der Einholung eines Gutachtens, zumal
der zeitliche Unterschied von entscheidender Bedeutung sei. Der angefochtene
Einspracheentscheid stelle im Ergebnis zudem einen Härtefall dar und sei somit nicht
haltbar. Die Beschwerdegegnerin habe auf Grund ihrer anhaltenden 100 %igen
Arbeitsunfähigkeit gutgläubig erst am 20. August 2010 Antrag auf
Arbeitslosenentschädigung gestellt, da sich erst dann eine gesundheitliche Besserung
eingestellt habe (act. G 13).

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e AVIG hat Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung,
wer die Beitragszeit erfüllt hat (Art. 13 AVIG) oder von der Erfüllung der Beitragszeit
befreit ist (Art. 14 AVIG). Die Beitragszeit hat laut Art. 13 Abs. 1 AVIG erfüllt, wer
innerhalb der dafür vorgesehenen Rahmenfrist für die Beitragszeit während mindestens
zwölf Monaten eine beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat. Von der Erfüllung
der Beitragszeit ist gemäss Art. 14 Abs. 1 AVIG unter anderem befreit, wer innerhalb
der Rahmenfrist während insgesamt mehr als zwölf Monaten wegen Krankheit (lit. b)
nicht in einem Arbeitsverhältnis stand und deshalb die Beitragszeit nicht erfüllen
konnte. Zwischen der Nichterfüllung der Beitragszeit und dem geltend gemachten
Befreiungstatbestand muss ein Kausalzusammenhang vorliegen, wobei das Hindernis
während mehr als zwölf Monaten bestanden haben muss (BGE 131 V 279 E. 1.2 S.
280).
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1.2 Die Befreiungstatbestände von Art. 14 Abs. 1 AVIG sind als Ausnahmeklausel
grundsätzlich restriktiv auszulegen und im Verhältnis zur Beitragszeit subsidiär. Sie
gelangen daher nur zur Anwendung, wenn die in Art. 13 Abs. 1 AVIG verlangte
Erfüllung der Mindestbeitragszeit aus den in Art. 14 Abs. 1 AVIG genannten Gründen
nicht möglich ist (THOMAS NUSSBAUMER, Arbeitslosenversicherung, in: Soziale
Sicherheit, SBVR Bd. XIV, 2007, S. 2248 Rz 233). Die Beitragszeit hat selbst dann den
Vorrang, wenn diese Lösung in bestimmten Einzelfällen (vgl. Höhe des versicherten
Verdienstes [Art. 23 AVIG] und Pauschalansätze [Art. 41 AVIV]) ungünstiger sein sollte
(GERHARD GERHARDS, Kommentar zum Arbeitslosenversicherungsgesetz [AVIG], Bd.
I, 1987, N. 8 zu Art. 14 AVIG).
2.
2.1 Vorliegend ist unbestritten, dass die Rahmenfrist für die Beitragszeit vom
20. August 2008 bis zum 19. August 2010 dauert. Unbestritten ist weiter, dass der
Beschwerdeführerin die Zeit vom 20. August 2008 bis zum 31. Juli 2009 (Auflösung des
Arbeitsverhältnisses) als Beitragszeit angerechnet werden kann (vgl. Art. 13 Abs. 2 lit. c
AVIG, wonach Zeiten, in denen die versicherte Person zwar in einem Arbeitsverhältnis
steht, aber wegen Krankheit oder Unfalls keinen Lohn erhält und daher keine Beiträge
bezahlt, als Beitragszeiten angerechnet werden). Dies ergibt rund 11 1/3 Monate (bzw.
11,373 Monate gemäss Einspracheentscheid). Umstritten ist demgegenüber, wie lange
die Beschwerdeführerin an der Ausübung einer Beitragszeiten generierenden Tätigkeit
verhindert war bzw. ob sie einen Grund für die Befreiung von der Erfüllung der
Beitragszeit vorweisen kann.
2.2 Diesbezüglich macht der Rechtsvertreter gestützt auf die Arztzeugnisse von
Dr. C._ geltend, die Beschwerdeführerin sei vom 15. Dezember 2008 bis
(mindestens) 1. September 2010 vollständig arbeitsunfähig gewesen. Er stützt sich
dabei auf die Angaben von Dr. C._, wonach die Beschwerdeführerin ab
15. Dezember 2008 bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig sei (act. G 8.1/8). Im
Weiteren reichte die Beschwerdeführerin auf Aufforderung der Beschwerdegegnerin hin
ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis von Dr. C._ vom 24. September 2010 ein, das eine
100 %ige Arbeitsunfähigkeit vom 15. Dezember 2008 bis zum 1. August 2010 bestätigt
(act. G 8.1/26). Auf Aufforderung des Anfang Dezember 2010 mandatierten
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Rechtsvertreters (act. G 8.1/31) bestätigte Dr. C._ am 9. Dezember 2010 (bzw. auf
dem Schreiben des Rechtsvertreters diesen Datums), dass bis 1. September 2010 eine
Arbeitsfähigkeit von 0 % bestanden habe, wobei das Datum vom Rechtsvertreter
vorgegeben war und nur nach dem Grad der Arbeitsunfähigkeit gefragt wurde (act.
G 8.1/34, Beilage). Ansonsten finden sich in den Akten noch ein von Dr. C._
ausgefüllter Fragebogen vom 11. Dezember 2009 zu Handen der Taggeldversicherung.
Zu diesem Zeitpunkt ging Dr. C._ ebenfalls davon aus, dass auch in einer den
Beschwerden angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 0 % auszugehen sei
und zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorhersehbar sei, wann mit einer Steigerung der
Arbeitsfähigkeit und mit der Wiederaufnahme der Arbeit zu rechnen sei (act.
G 8.1/40.2).
Demgegenüber stützt sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf einen Arzt
bericht von Prof. Dr. D._, Chefarzt der Klinik für Nuklearmedizin, vom 20. Mai 2010 zu
Handen der IV-Stelle St. Gallen. Darin führte Prof. D._ als Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein follikuläres Schilddrüsenkarzinom links post
operativ 10.08.09 auf. Im Befund führte er aus, dass im Rahmen der letzten Therapie im
Mai 2010 kein Nachweis von restlichem Schilddrüsengewebe sowie keine Hinweise auf
ein Rezidiv oder auf jodspeichernde Lymphknoten- oder Fernmetastasen bestanden
hätten. Der TG-Wert habe auch bei optimaler hypophysärer Stimulation unterhalb der
Nachweisgrenze gelegen. Die Prognose sei ausgezeichnet, die Lebenserwartung
unterscheide sich aktuell nicht wesentlich von der Durchschnittsbevölkerung. Die
weitere Behandlung bestehe in einer teilsuppressiven Schilddrüsenhormonbehandlung
mit jährlichen ambulanten Kontrollen für mindestens 10 Jahre. Die bisherige wie auch
sämtliche anderen Tätigkeiten seien ab 7.Mai 2010 (Abschluss der
Radiologiebehandlung) zu 100 % zumutbar. Dabei beständen keinerlei
Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, weder qualitativ noch quantitativ (act. G
10/45).
Mit der Beschwerdegegnerin ist davon auszugehen, dass die Ausführungen von
Prof. D._ in Bezug auf die Schilddrüsenerkrankung schlüssig sind und sich dies
bezüglich keine weiteren Abklärungen aufdrängen. Daran vermögen auch die
Bescheinigungen von Dr. C._ nichts zu ändern. Abgesehen davon, dass die
Bescheinigungen vom 24. September 2010 und vom 9. Dezember 2010 erst zu
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Verfahrenszwecken erstellt wurden und bezüglich des Endes der Arbeitsunfähigkeit
widersprüchlich sind, geht daraus in keiner Weise hervor, wie Dr. C._ zu seiner
Annahme einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit gelangte. So führte Dr. C._ weder
eine Diagnose noch eine Begründung seiner Ansicht auf. Sein Bericht vom 11.
Dezember 2009 ist zudem durch den mittlerweile erfolgten Behandlungsabschluss am
7. Mai 2010 überholt (vgl. act. G 10/45.4). Im Übrigen ging auch Dr. C._ ursprünglich
davon aus, dass nach einigen Wochen postoperativ wieder mit der vollen
Arbeitsfähigkeit zu rechnen sei (act. G 10/11.2). Mit der Beschwerdegegnerin ist
deshalb davon auszugehen, dass hinsichtlich der Schilddrüsenerkrankung ab 8. Mai
2010 keine relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit mehr bestanden hat und es
der Beschwerdeführerin grundsätzlich möglich gewesen wäre, sich ab diesem
Zeitpunkt beim RAV anzumelden.
2.3 Die Beschwerdeführerin macht sodann geltend, sie habe auch über den Mai 2010
hinaus unter gesundheitlichen Beschwerden gelitten, namentlich an einer Schmerz
störung. Zwar trifft zu, dass die behandelnden Ärzte am Kantonsspital St. Gallen wie
auch Dr. C._ von einer solchen ausgehen (generalisiertes muskulo-skelettales
Schmerzsyndrom mit ausgeprägter Druckdolenz der Weichteile im Schulter- und
Nackenbereich [z.B. act. G 10/19.12]). Abgesehen davon, dass eine solche Diagnose in
der Regel objektiv nicht zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit führt und - ausser von
Dr. C._ - auch nicht ärztlich bescheinigt wird, ist weder aus den Akten noch aus den
Vorbringen der Beschwerdeführerin ersichtlich, inwiefern sie diese Beschwerden in der
Zeit ab dem Behandlungsabschluss in der Nuklearmedizin am 7. Mai 2010 an der
Ausübung einer Tätigkeit bzw. an einer Anmeldung zur Arbeitsvermittlung gehindert
haben sollen. Offensichtlich konnte sich die Beschwerdeführerin am 20. August 2010
auf dem RAV anmelden, obwohl sie von Dr. C._ in der Kranken- und Unfallkarte
(gegenüber der Taggeldversicherung) noch am selben Tag weiterhin zu 100 %
arbeitsunfähig geschrieben wurde (act. G 8.1/8). Es bleibt unersichtlich, inwiefern ihr
dies nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt möglich gewesen wäre. Namentlich ist
nicht ersichtlich und wird von der Beschwerdeführerin auch nicht behauptet, dass sich
im Zeitraum von Mai bis August 2010 eine Verbesserung des Schmerzsyndroms
eingestellt hätte. Im Gegenteil wurde das ursprünglich gegenüber der
Arbeitslosenversicherung auf den 1. August 2010 - also exakt auf ein Jahr nach
Auflösung des Arbeitsverhältnisses - datierte Ende der Arbeitsunfähigkeit im
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Nachhinein noch auf den - allerdings nicht plausibleren - 1. September 2010
verschoben. Damit wird umso unwahrscheinlicher, dass per 20. August 2010 ein
krankheitsbedingtes Hindernis weggefallen war, das die Beschwerdeführerin zuvor an
der Anmeldung gehindert hätte.
Die Anmeldung per 20. August 2010 lässt sich schliesslich auch nicht mit dem Gang
des IV-Verfahrens erklären. Würde man der Beschwerdeführerin zubilligen, dass sie mit
einer Anmeldung auf dem RAV hätte zuwarten dürfen, bis über das Schicksal ihres
zweiten IV-Antrags Klarheit herrschte, so wäre dies nach dem Vorbescheid vom 21.
Juni 2010 (act. G 10/47) der Fall gewesen. Es hätte auch in diesem Fall noch genügend
Zeit für die RAV-Anmeldung zur Verfügung gestanden. Dass sie bis nach Erlass der
Verfügung der IV-Stelle vom 3. September 2010 (act. G 10/49) hätte zuwarten dürfen,
kann ebenfalls nicht in Erwägung gezogen werden, hat doch die Beschwerdeführerin
mit ihrer RAV-Anmeldung vom 20. August 2010 selber den Verfügungserlass vom
3. September 2010 nicht abgewartet.
Eine weitere medizinische Abklärung erscheint unter diesen Umständen nicht mehr
erforderlich. Vielmehr ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführerin eine Anmeldung auf dem RAV auch vor dem 1. August
2010 (in der Zeit ab 8. Mai 2010) möglich gewesen wäre, womit sie über genügend
Beitragszeiten verfügt hätte. Unter diesen Umständen ist es nicht angezeigt, auf einen
Ausnahmetatbestand zur Beitragszeitbefreiung zu erkennen. Ebenso kann in diesem
Resultat keine besondere Härte erblickt werden. Dass schliesslich niemand aus seiner
Rechtsunkenntnis Rechte ableiten kann, entspricht einem allgemeinen Grundsatz.
3.
3.1 Die Beschwerdeführerin verlangt auch für das Einspracheverfahren die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung. Die Beschwerdegegnerin hat darüber erstmals
im angefochtenen Einspracheentscheid befunden. Nachdem diesbezüglich von einer
Zwischenverfügung im Sinn von Art. 52 Abs. 1 ATSG auszugehen ist, gegen welche
eine Einsprache ausgeschlossen und die direkte Beschwerdeerhebung an das
Versicherungsgericht zulässig ist (Art. 56 Abs. 1 ATSG), ist im vorliegenden Verfahren
darauf einzutreten.
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3.2 Art. 29 Abs. 3 BV räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel
verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren
nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf "unentgeltlichen Rechtsbeistand" ein.
Gemäss Art. 37 Abs. 4 ATSG wird im Sozialversicherungsverfahren der
gesuchstellenden Person, wo die Verhältnisse es erfordern, ein "unentgeltlicher
Rechtsbeistand" bewilligt. Damit besteht nun (vgl. die Rechtsprechung vor dem am 1.
Januar 2003 in Kraft getretenen ATSG: BGE 125 V 409 E. 3b) eine bundesrechtliche
Regelung des Armenrechts im Verwaltungsverfahren (BGE 131 V 155 E. 3.1 mit
Hinweis auf Kieser, ATSG-Kommentar, N 22 zu Art. 37). Die hinsichtlich der im Rahmen
von Art. 4 altBV (vgl. Art. 29 Abs. 3 BV) zu den Voraussetzungen der unentgeltlichen
Verbeiständung im Einspracheverfahren ergangene Rechtsprechung (Bedürftigkeit der
Partei, fehlende Aussichtslosigkeit der Rechtsbegehren, sachliche Gebotenheit im
konkreten Fall; BGE 125 V 34 E. 2 mit Hinweisen, AHI 2000 S. 164 E. 2b) ist nach dem
Willen des Gesetzgebers weiterhin anwendbar (BGE 132 V 200 f. E. 4.1 mit Hinweis auf
Urteile M. vom 29. November 2004 [I 557/04] E. 2.1, W. vom 12. Oktober 2004 [I
386/04] E. 2.1; BBl 1999 4595; Kieser, a.a.O., N 17 ff. zu Art. 37).
Hinsichtlich der sachlichen Gebotenheit der unentgeltlichen anwaltlichen
Verbeiständung sind die Umstände des Einzelfalls, die Eigenheiten der anwendbaren
Verfahrensvorschriften sowie die Besonderheiten des jeweiligen Verfahrens zu
berücksichtigen. Dabei fallen neben der Komplexität der Rechtsfragen und der
Unübersichtlichkeit des Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende
Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden. Falls
ein besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung des Bedürftigen droht, ist die
Rechtsverbeiständung grundsätzlich geboten, andernfalls bloss, wenn zur relativen
Schwere des Falls besondere tatsächliche oder rechtliche Schwierigkeiten
hinzukommen, denen die gesuchstellende Person auf sich alleine gestellt nicht
gewachsen ist (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 29. September
2005 in Sachen G. [I 369/2005] E. 2.2). Die sachliche Notwendigkeit wird nicht allein
dadurch ausgeschlossen, dass das in Frage stehende Verfahren von der
Offizialmaxime oder dem Untersuchungsgrundsatz beherrscht wird, die Behörde also
gehalten ist, für die Ermittlung des rechtserheblichen Sachverhalts besorgt zu sein.
Abgesehen davon, dass die Offizialmaxime allfällige Fehlleistungen der Behörde nicht
zu verhindern vermag, ist zu bedenken, dass sie nicht unbegrenzt ist. Sie entbindet die
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Beteiligten nicht davon, durch Hinweise zum Sachverhalt oder Bezeichnung von
Beweisen am Verfahren mitzuwirken (BGE 130 I 183f. E. 3.2 und 3.3 mit Hinweisen).
Die Offizialmaxime rechtfertigt es jedoch, an die Voraussetzungen, unter denen eine
anwaltliche Verbeiständung sachlich geboten ist, einen strengen Massstab anzulegen
(AHI 2000 S. 164 E. 2b; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
7. September 2004 in Sachen H. [I 75/04] E. 2.2 und 29. September 2005 [I 369/05] E.
2.2).
3.3 Vorliegend verneinte die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf die
unentgeltliche Rechtsverbeiständung mit dem Hinweis auf die Aussichtslosigkeit des
Begehrens. So habe der Rechtsvertreter Kenntnis davon gehabt, dass die
Invalidenversicherung von der Arbeitsfähigkeit ausgegangen sei und die Beurteilung
durch den Hausarzt als nicht stichhaltig beurteilt habe. Zudem sei gegen den
Ablehnungsentscheid der IV-Stelle kein Rechtsmittel erhoben worden. Entsprechend
habe der Rechtsvertreter nicht erfolgversprechend davon ausgehen können, dass unter
Berufung auf ein Arztzeugnis des Hausarztes eine Leistungszusprechung durch die
Arbeitslosenversicherung erfolgen könne. Diese Ansicht trifft nicht zu. Auf Grund der
Tatsache allein, dass die IV-Stelle von der vollen Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin ausgegangen ist, kann nicht ohne Weiteres geschlossen werden,
dass das Verfahren um Arbeitslosenentschädigung aussichtslos war. Gerade weil die
Rechtsauffassung der IV-Stelle nicht gerichtlich überprüft worden war, bestand ein
Interesse der Beschwerdeführerin daran, die Frage der Arbeitsfähigkeit wenigstens in
arbeitslosenversicherungsrechtlicher Hinsicht überprüfen und gegebenenfalls durch
neue Beweismittel (Gutachten) untermauern zu lassen.
Im Weiteren war die Rechtsvertretung sachlich geboten. Zweifellos war die
Beschwerdeführerin als Ungelernte albanischer Muttersprache (vgl. act. G 8.1//3 und
10/6.5) nicht in der Lage, die rechtlichen Erwägungen in der Verfügung vom 12. Januar
2011 (act. G 8.1/38) zu verstehen, sich damit auseinanderzusetzen und darauf in Form
einer rechtsgenüglichen Einsprache mit der Formulierung eines Rechtsbegehrens und
einer Begründung zu reagieren. Im Weiteren finden sich auf der angefochtenen
Verfügung die einschlägigen Gesetzesbestimmungen, welche die
Anspruchsvoraussetzung der erfüllten Beitragszeit sowie die Voraussetzungen für die
Befreiung von der Erfüllung der Beitragszeit regeln. Es ging somit in der angefochtenen
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Verfügung um eine sehr technische Materie. Die individuelle Begründung ist sodann
relativ knapp und für Laien wenig verständlich ausgefallen. Gerade das Erfordernis
einer Einsprachebegründung setzt aber voraus, dass sich die Einsprecherin mit der
Argumentation der Verwaltung mindestens rudimentär auseinandersetzen kann.
Vorliegend ist davon auszugehen, dass dies der Beschwerdeführerin nicht möglich war.
Im Weiteren ging es in dieser Verfügung um die Zusprache bzw. Ablehnung von
Leistungen der Arbeitslosenversicherung, mithin um einen starken Eingriff in die
Rechtsposition der Beschwerdeführerin. Damit ist auch die Voraussetzung der
Erforderlichkeit der Rechtsverbeiständung erfüllt.
Auf Grund der eingereichten Unterlagen ist sodann ohne Weiteres davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann nicht in der Lage sind, nebst den
Lebensunterhaltskosten für die Kosten der fraglichen Rechtsverbeiständung
aufzukommen. Ausserdem verfügt die Beschwerdeführerin nicht über eine
Rechtsschutzversicherung (act. G 8.1/40.4 ff. und G 7.1). Nachdem somit sämtliche
Voraussetzungen erfüllt sind, hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren durch Rechtsanwalt lic. iur. A. Fiechter.
Der Rechtsvertreter hat (auch) für das Einspracheverfahren keine Kostennote
eingereicht. Die Angelegenheit ist deshalb zwecks betraglicher Festsetzung der
Entschädigung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
4.
4.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde in materieller Hinsicht abzuweisen, in
Bezug auf die unentgeltliche Rechtsverbeiständung im Einspracheverfahren
gutzuheissen.
4.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).
4.3 Der Beschwerdeführerin ist auch für das vorliegende (materielle)
Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtsverbeiständung zu bewilligen, wie dies
bereits für das Einspracheverfahren begründet wurde. Sofern es die wirtschaftlichen
Verhältnisse der Beschwerdeführerin gestatten, kann sie zur Rückzahlung verpflichtet
werden.
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Die anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin hat auf Grund der bewilligten unent
geltlichen Rechtsverbeiständung grundsätzlich Anspruch auf Ersatz der Parteikosten,
die vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache
und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen werden (Art. 61 lit. g ATSG; vgl.
auch Art. 98 ff. VRP). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Versicherungsgericht nach Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.--
bis Fr. 12'000.--. Nachdem vorliegend von einem durchschnittlichen Aufwand
auszugehen ist, sind die zu ersetzenden Parteikosten auf gesamthaft Fr. 3'000.-- (inkl.
Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Zufolge des teilweisen Obsiegens der
Beschwerdeführerin (hinsichtlich unentgeltlicher Rechtsverbeiständung im
Einspracheverfahren) ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung von Fr. 500.-- zu bezahlen. Bezüglich
des Restbetrags, der wegen Unterliegens (Abweisung der Beschwerde hinsichtlich
Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung) der Beschwerdeführerin aufzuerlegen ist, hat
der Staat zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung für die Kosten der
Rechtsvertretung aufzukommen. Die entsprechende Entschädigung von Fr. 2'500.-- ist
gemäss Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes (AnwG; sGS 963.70) um einen Fünftel zu
kürzen. Somit hat der Staat den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit
Fr. 2’000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 39 VRP