Decision ID: 96c1f203-4959-45a8-86cf-b2fa83238f6f
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ wurde von der gesetzlichen Vertretung am 13. November 2001 zum Bezug
von Leistungen bei der Invalidenversicherung angemeldet (IV-act. 1, 135). Die
medizinischen Abklärungen durch die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St.
Gallen im Jahr 2002 ergaben, dass der Versicherte aufgrund der allgemeinen
Entwicklungsverzögerung und der ausgeprägten kognitiven, insbesondere sprachlichen
Defizite bei einem enorm langsamen Arbeitstempo eine reguläre Berufsausbildung mit
hoher Wahrscheinlichkeit nicht erfolgreich absolvieren könne. Als Ressourcen wurden
benannt eine gründliche Arbeitshaltung, ein sorgfältiger Arbeitsstil, eine hohe
Frustrationstoleranz sowie gute Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer (IV-act. 8). Am
25. September 2002 verfügte die IV-Stelle als berufliche Massnahmen ein Vorlehrjahr
zum Metallbearbeiter (IV-act. 16) und nach erneuter Anmeldung zum Bezug von
Leistungen der Invalidenversicherung am 21. August 2003 (IV-act. 20) die erstmalige
berufliche Ausbildung zum Mechapraktiker (11. August 2003 - 10. August 2006; IV-act.
29). Nach zweimaligem Unterbruch (23. Dezember 2004 - 13. März 2005 und 20. Mai
2005 - 31. Mai 2007; IV-act. 46, 48, 54, 61, 65, 100, 106 und 115) schloss der
Versicherte im geschützten Rahmen die Ausbildung zum Mechapraktiker per 31. Juli
2008 erfolgreich ab (IV-act. 127 f., 137). Anschliessend fand er jedoch keine der
Ausbildung entsprechende Stelle im ersten Arbeitsmarkt. Durch Vermittlung seines
Bruders und mit ihm zusammen arbeitete er als Bodenleger vom 1. Januar bis 31. Juli
2010 (IV-act. 134 S. 5 f., 138, 156 S. 2, 195 S. 6 f.). Auf Aufforderung des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums (RAV) und der Sozialversicherungsanstalt (SVA) hin,
meldete sich der Versicherte am 4. November 2010 erneut zum Bezug von Leistungen
bei der Invalidenversicherung an (IV-act. 134).
A.b Am 10. Januar 2011 wurde der Versicherte im Psychiatrischen Zentrum B._
untersucht (IV-act. 152 S. 5 ff.). Im ergänzenden Arztbericht vom 28. Januar 2011
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erklärte Dr. med. C._, dass deutliche Störungen bezüglich Aufmerksamkeit,
Konzentration und Gedächtnis festgestellt worden seien. Aufgrund einer
Intelligenzminderung bestünden anhaltende Schwierigkeiten bei der Etablierung einer
Leistungsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt (IV-act. 152 S. 1 - 4).
A.c Mit Mitteilung vom 9. Mai 2011 wurden die beruflichen Massnahmen für
abgeschlossen erklärt (IV-act. 160).
A.d Aufgrund eingeholter Auskünfte kam die IV-Stelle zur Überzeugung, dass der
monatliche Verdienst des Versicherten als Bodenleger von Fr. 5'000.- in der Zeit von
Januar bis Juli 2010 nicht seiner Leistung entsprochen habe. Die Minderleistung des
Versicherten sei vom Bruder, mit welchem er immer zusammen gearbeitet habe, durch
entsprechende Mehrarbeit kompensiert worden (IV-act. 161 - 167).
A.e Am 9. Dezember 2011 führte die Arbeitskontrollstelle Kanton Zürich eine
Arbeitskontrolle auf einer Baustelle (Umbau eines Mehrfamilienhauses) in D._ durch.
Der Versicherte wurde dort beim Zuschneiden und Verlegen von Parkett angetroffen
(IV-act. 177 S. 2 ff.).
A.f Mit Verfügung vom 21. Februar 2012 sprach die IV-Stelle dem Versicherten
basierend auf dem ermittelten Invaliditätsgrad von 82% eine ganze Rente ab dem 1.
Mai 2011 zu (IV-act. 172 f., 179).
A.g Mit Schreiben vom 5. Juli 2012 wurde die IV-Stelle über die Feststellungen der
Arbeitskontrollstelle Kanton Zürich vom 9. Dezember 2011 informiert (IV-act. 177). In
der Folge forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, den Fragebogen "Revision der
Invalidenrente/Hilflosenentschädigung" ausgefüllt einzureichen (IV-act. 183 f.). Am 23.
Januar 2013 fand ein Standortgespräch mit dem Versicherten statt (IV-act. 193). Erstellt
wurden ein vom Versicherten unterzeichnetes Gesprächsprotokoll (IV-act. 195) sowie
ein Bericht über die Wahrnehmungen anlässlich der Befragung (IV-act. 194).
A.h Die IV-Stelle beauftragte Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie FMH, mit der Begutachtung des Versicherten (IV-act. 209). Die
Begutachtung fand am 14. Juni 2013 statt. Am 2. September 2013 fand ergänzend eine
neuropsychologische Beurteilung durch Dr. phil. F._ statt, welcher mit Bericht vom 8.
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September 2013 die IV-Stelle über die Erkenntnisse informierte. Im psychiatrischen
Gutachten vom 20. September 2013 (IV-act. 213) stellte Dr. E._ die
Verdachtsdiagnose leichte Intelligenzminderung (ICD-10: F70). Zur Arbeitsfähigkeit
oder zu den Einschränkungen konnte er keine Aussagen machen.
A.i Mit Bericht vom 5. November 2013 nahm Dr. med. G._, Mitarbeiterin der IV-Stelle,
zur internen medizinischen Anfrage Stellung (IV-act. 214). Sie erklärte, dass
medizinisch weder eine Verbesserung noch eine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes postuliert werden könne. Aufgrund der gesamten Aktenklage
und der Biographie des Versicherten sei jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
anzunehmen, dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Versicherten, die im Jahr
2011 zur Berentung geführt habe, nicht den tatsächlichen Möglichkeiten / Fähigkeiten
entspreche. Selbst wenn eine leichte Intelligenzminderung vorhanden sein sollte, wäre
sie für die Arbeitsfähigkeit auf dem freien Markt nicht relevant. So sei der Versicherte
für einfache Arbeiten auf dem freien Markt zu 100% arbeitsfähig.
A.j Mit Vorbescheid vom 5. Dezember 2013 informierte die IV-Stelle den Versicherten,
dass vorgesehen sei, die Verfügung vom 21. Februar 2012 aufzuheben, denn er habe
keinen Anspruch auf eine IV-Rente (IV-act. 216 f.). Zur Begründung wurde
insbesondere angeführt, dass formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide in Revision zu ziehen seien, wenn die versicherte Person oder
der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckten oder
Beweismittel auffänden, deren Beibringung zuvor nicht möglich gewesen sei. Diese
Voraussetzung sei vorliegend erfüllt, denn der Versicherte sei am 9. Dezember 2011 -
und damit während der laufenden Rentenanspruchsabklärung - auf einer Baustelle bei
der Arbeit angetroffen worden. Die IV-Stelle habe jedoch erst am 9. Juli 2012 Kenntnis
davon erhalten. Da die Erwerbsaufnahme in die Zeit vor der Rentenverfügung falle,
lägen neue Tatsachen vor, die eine prozessuale Revision unumgänglich machten. Die
daraufhin veranlassten medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit im erlernten Beruf sowie in Verweistätigkeiten auszugehen
sei. Es bestehe deshalb kein Anspruch auf eine IV-Rente. Die zu Unrecht bezogenen
Leistungen müssten zurückerstattet werden.
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A.k Am 27. Januar 2014 verfügte die IV-Stelle die Aufhebung der Rentenverfügung
vom 21. Februar 2012 (IV-act. 227). Mit Verfügung vom 28. Januar 2014 forderte die IV-
Stelle Rentenleistungen im Betrag von Fr. 51'220.- zurück (IV-act. 228).
B.
B.a Mit handschriftlichem Schreiben vom 27. Februar 2014 erhob der Versicherte
(nachfolgend Beschwerdeführer) Beschwerde. Er stellte sinngemäss folgende
Rechtsbegehren: Die Renteneinstellungsverfügung vom 27. Januar 2014 sei
aufzuheben und es sei ihm weiterhin die bisherige Rente auszurichten. Eventualiter sei
der IV-Grad neu zu bestimmen (act. G 1).
B.b Mit Verfügung vom 24. März 2014 teilte die IV-Stelle (nachfolgend
Beschwerdegegnerin) dem Beschwerdeführer die Ablehnung seines Gesuchs zum
Erlass der Rentenrückforderung mit (IV-act. 231). In der Beschwerdeantwort vom 16.
Mai 2014 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (act. G
4).
B.c Mit Schreiben vom 22. Mai und 10. Juni 2014 bewilligte der Abteilungspräsident
das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und unentgeltliche Rechtsverbeiständung
(act. G 3 und G 9).
B.d In der Beschwerdeergänzung vom 28. August 2014 (act. G 14) stellte der
Beschwerdeführer, neu vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Mattias Dolder, St.
Gallen, folgende Rechtsbegehren: 1. Die Verfügung der IV-Stelle vom 27. Januar 2014
sei aufzuheben; 2. Dem Beschwerdeführer sei weiterhin eine ganze Invalidenrente
auszurichten. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen, damit diese
nach formgerechter Abklärung, insbesondere nach einer neuen interdisziplinären
Begutachtung der Arbeitsunfähigkeit und gegebenenfalls nach einer Abklärung der
Verwertbarkeit einer allfälligen Restarbeitsfähigkeit, über den Rentenanspruch neu
verfüge; 3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge, wobei für das vorliegende
Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu gewähren sei.
Zur Begründung wurde insbesondere angeführt, dass das Revisionsverfahren nicht
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hätte durchgeführt werden dürfen, da keine neuen erheblichen Tatsachen vorgelegen
hätten.
B.e In der Duplik vom 22. September 2014 hielt die Beschwerdegegnerin unverändert
an ihrem Antrag gemäss Beschwerdeantwort vom 16. Mai 2014 fest (act. G 18).

Erwägungen
1.
Streitgegenstand bildet die Frage der Zulässigkeit der revisionsweisen
Renteneinstellung bzw. Aufhebung der rentenzusprechenden Verfügung vom 21.
Februar 2012 (prozessuale Revision). Die Beschwerdegegnerin verneint einen
Rentenanspruch, da das durchgeführte Rentenrevisionsverfahren ergeben habe, dass
keine invaliditätsbedingte Arbeitsunfähigkeit vorliege (act. G 18). Der Beschwerdeführer
geht dagegen von einem andauernden Rentenanspruch aus, da kein Revisionsgrund
gegeben sei (act. G 14).
2.
Hinsichtlich der Rentenleistungsverfügung vom 21. Februar 2012 (IV-act. 179) ist
einleitend festzustellen, dass diese einerseits die Höhe der monatlichen Rente festlegt
und andererseits die Abrechnung der Rentenleistungen für die Zeit vom 1. Mai 2011 bis
31. März 2012 beinhaltet. Aus der Verfügung ergeht jedoch nicht, inwieweit bzw. wann
die Zusprache der Invalidenrente (sog. Verfügungsteil 2, inkl. Abklärungsergebnis; vgl.
IV-act. 172) dem Beschwerdeführer eröffnet wurde, obschon die
Rentenrevisionsverfügung vom 27. Januar 2014 (IV-act. 227) nur die Rentenverfügung
vom 12. Februar 2012 (IV-act. 179) aufhebt. Wie nachfolgende Erwägungen zeigen,
können diese Fragen unbeantwortet bleiben, da diese Begebenheit in der vorliegenden
Fallkonstellation keine Folgen zeitigt.
3.
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die Voraussetzungen für eine prozessuale Revision nach
Art. 53 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) gegeben waren.
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3.1 Formell rechtskräftige Verfügungen müssen in Revision gezogen werden, wenn die
versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue
Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht
möglich war (vgl. Art. 53 Abs. 1 ATSG).
3.2 Der Begriff der Entdeckung setzt voraus, dass es sich um eine Tatsache handeln
muss, die zur Zeit der Erstbeurteilung bereits bestand, jedoch bei der Entscheidfällung
der um Revision ersuchenden Person oder der Verwaltung trotz hinreichender Sorgfalt
nicht bekannt gewesen sein darf, das heisst sie muss unverschuldeterweise unbekannt
geblieben sein (vgl. Entscheid des Eidgenössischen Versicherungsgerichts [heute
Bundesgericht] vom 18. September 2002, I 183/02, E. 2.1; Urteil des Bundesgerichts
vom 19. Januar 2007, I 522/06, E. 3.1.1; UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl.
2015, N 23 zu Art. 53 ATSG). Anlass für die Rentenrevision war die bei der
Beschwerdegegnerin am 9. Juli 2012 eingegangene Mitteilung, dass der
Beschwerdeführer am 9. Dezember 2011 zusammen mit seinen älteren Bruder H._
beim Zuschneiden und Verlegen von Parkett in einem Mehrfamilienhaus-Umbau an der
I._ in D._ angetroffen worden sei (IV-act. 177). Folglich handelt es sich um eine
Tatsache, die sich vor Erlass der Verfügung der Rentenleistung vom 21. Februar 2012
(IV-act. 179) ereignet hatte, von der die Beschwerdegegnerin jedoch erst danach
Kenntnis erhielt.
3.3 Hinsichtlich des Kriteriums Neuigkeit wird verlangt, dass das betreffende
Sachverhaltselement im Zeitpunkt der Entscheidfällung nicht bekannt war. Nicht als
neu wird eine Tatsache dann betrachtet, wenn das im Revisionsverfahren vorgebrachte
Element lediglich eine neue Würdigung einer bereits bekannten Tatsache in sich
schliesst. Die zu prüfende Tatsache muss so gestaltet sein, dass - bei zutreffender
rechtlicher Würdigung - sich aus ihr die Unrichtigkeit der bisherigen Annahme ergeben
kann (vgl. BGE 127 V 358; KIESER, a.a.O., N 25 ff. zu Art. 53 ATSG mit Hinweisen).
3.3.1 Im Bericht der Arbeitskontrollstelle Kanton Zürich wurde festgehalten, dass der
Beschwerdeführer als Parkett-Hilfsbodenleger am 9. Dezember 2011 tätig gewesen sei
und dafür als Entschädigung Fr. 10.- als Spesen, jedoch keinen Lohn erhalten habe (IV-
act. 177 S. 8). Der Beschwerdeführer half damals seinem Bruder Parkett zu tragen und
Aufräumarbeiten zu erledigen (act. G 1). In der Befragung vom 23. Januar 2013 erklärte
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der Beschwerdeführer, an drei Tagen zusammen mit dem Bruder gearbeitet zu haben
(IV-act. 195 S. 15). Hinsichtlich des Berichts der Arbeitskontrollstelle Kanton Zürich ist
festzustellen, dass dieser für sich allein keine sichere Grundlage für
Sachverhaltsfeststellungen betreffend Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit der
versicherten Person bildet. Er kann diesbezüglich höchstens Anhaltspunkte liefern oder
Anlass zu Vermutungen geben.
3.3.2 Hinsichtlich der neuen Arbeitseinsätze ist von Relevanz, dass der
Beschwerdeführer bereits vom 1. Januar bis 31. Juli 2010 als ungelernter Parkett-/
Bodenleger gearbeitet hatte, wovon die Beschwerdegegnerin bereits vor Erlass der
Rentenverfügung Kenntnis hatte. Auch damals arbeitete der Beschwerdeführer unter
Anleitung eines Bruders und führte Hilfsarbeiten aus. Im Rentenprüfungsverfahren war
die mehrmonatige Arbeitstätigkeit denn auch Inhalt von Abklärungen (IV-act. 134 S. 5
f., 138, 154, 156 S. 2, 162 - 164, 166 f., 195 S. 6 f.). In Kenntnis dieser Situation sprach
die Beschwerdegegnerin mit Beschluss vom 11. Oktober 2011 und Verfügung vom 21.
Februar 2012 dem Beschwerdeführer basierend auf einem Invaliditätsgrad von 82%
eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu. Dabei ging sie von einem jährlichen
Invalideneinkommen von Fr. 12'000.- aus (IV-act. 172). Die Beschwerdegegnerin muss
sich daher entgegenhalten lassen, dass sie zum Zeitpunkt des Erlasses der
Rentenverfügung wusste - und dies auch berücksichtigte -, dass der Beschwerdeführer
fähig ist, einfache Hilfsarbeiten (als Bodenleger) auszuführen, zumindest wenn dies
unter Anleitung und Aufsicht (eines Bruders) geschieht. Folglich handelt es sich beim
neuen Arbeitseinsatz zwar um einen Sachverhalt, welcher sich vor der Verfügung der
Rentenleistung vom 21. Februar 2012 ereignet hatte und von dem die
Beschwerdegegnerin erst danach Kenntnis erhielt, jedoch nicht um eine neue Tatsache
hinsichtlich den bei der Rentenanspruchsprüfung relevanten Faktoren wie der
Erwerbsfähigkeit. Von der Beschwerdegegnerin wurde auch nicht geltend gemacht,
dass der Beschwerdeführer am 9. Dezember 2011 im Vergleich zur früheren
Erwerbstätigkeit als Bodenleger vom 1. Januar bis 31. Juli 2010 einer qualifizierteren
bzw. einer besser bezahlten Arbeit nachgegangen sei.
3.3.3 Aus der Tatsache, dass der Beschwerdeführer an drei Tagen gearbeitet hatte,
kann nicht abgeleitet werden, dass ihm eine rentenausschliessende Tätigkeit (zum
Zeitpunkt des Erlasses der Rentenverfügung) zugemutet werden kann bzw. konnte.
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Eine diesbezüglich nachvollziehbare und überzeugende ärztliche
Arbeitsfähigkeitseinschätzung fehlt. So nahm der Facharzt Dr. E._ im Gutachten vom
20. September 2013 keine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit vor (IV-act. 213). Lediglich
Dr. G._ ging von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus (IV-act. 214). Hinsichtlich des
Beweiswertes der Einschätzung von Dr. G._ ist festzustellen, dass es sich bei ihr um
eine bei der Beschwerdegegnerin angestellte Ärztin handelt und ihre Einschätzungen
weder auf einer persönlichen Untersuchung des Beschwerdeführers noch auf einem
aussagekräftigen Gutachten zur Arbeitsfähigkeit beruhen. Deshalb kann wegen
fehlenden Nachweises der Ansicht der Beschwerdegegnerin, dass zum Zeitpunkt des
Erlasses der Rentenverfügung eine 100%ige Arbeitsfähigkeit vorlag, nicht gefolgt
werden.
3.3.4 Es ist somit keine Tatsache entdeckt und kein Beweismittel im Sinne von Art. 53
Abs. 1 ATSG produziert worden, das aufzeigen würde, dass die damals beurteilte
Leistungseinschränkung auf Aggravation (und nicht auf einer krankheitsbedingten, die
Arbeitsfähigkeit einschränkenden Beeinträchtigung; vgl. Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts i/S T. vom 13. April 2006, I 645/05 E. 3.2.1)
beruhte. Ob die Erstbegutachtenden bei Würdigung des vom Beschwerdeführer
eingestandenen erneuten Arbeitseinsatzes von insgesamt drei Tagen zu einer anderen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gelangt wären, lässt sich ebenfalls nicht eruieren, da
jene Fachpersonen nicht mehr befragt wurden. Sollte ursprünglich eine unzutreffende
Würdigung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erfolgt sein, genügt das für
eine prozessuale Revision nicht. Zu bedenken ist, dass die psychiatrische Exploration
von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen kann. Sie eröffnet dem
begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb
dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig
und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (Entscheid des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 18. April 2006, I 783/05; Entscheid des
Bundesgerichts vom 19. November 2010, 8C_567/10).
3.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der für eine prozessuale Rentenrevision
nach Art. 53 Abs. 1 ATSG erforderliche Revisionsgrund fehlt. Die rentenaufhebende
Verfügung vom 27. Januar 2014 ist demzufolge ohne gesetzliche Grundlage und damit
zu Unrecht erlassen worden.
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4.
Wie nachfolgend aufgezeigt wird, lag auch keine zweifellose Unrichtigkeit der
Rentenverfügung vom 21. Februar 2012 (IV-act. 172 f., 179) vor, welche eine
Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG rechtfertigten würde.
4.1 Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG kann die Verwaltung eine formell rechtskräftige
Verfügung, welche nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet hat,
in Wiedererwägung ziehen, wenn sie zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von
erheblicher Bedeutung ist (BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen). Zweifellos ist die
Unrichtigkeit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung
unrichtig war (BGE 141 V 405 E. 5.2). In diesem Sinne qualifiziert unrichtig ist eine
Verfügung, wenn eine Leistung aufgrund falscher Rechtsregeln bzw. ohne oder in
unrichtiger Anwendung der massgeblichen Bestimmungen zugesprochen wurde (BGE
103 V 126 E. 2a), oder wenn die notwendigen fachärztlichen Abklärungen überhaupt
nicht oder nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden (Urteil des
Bundesgerichts vom 1. Dezember 2014, 9C_427/2014, E. 2.2 mit Hinweisen). Soweit
ermessensgeprägte Teile der Anspruchsprüfung (z.B. Invaliditätsbemessung,
Einschätzungen der Arbeitsunfähigkeit, Beweiswürdigungen, Zumutbarkeitsfragen) vor
dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage einschliesslich der Rechtspraxis im
Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung (BGE 125 V 383 E. 3) in
vertretbarer Weise beurteilt worden sind, scheidet die Annahme zweifelloser
Unrichtigkeit aber aus (Urteile des Bundesgerichts vom 16. März 2015, 8C_680/2014,
E. 3.1, vom 7. Mai 2007, I 907/06, E. 3.2.1 und vom 2. Juli 2007, 9C_215/2007, E. 3.2).
4.2 Der Rentenverfügung vom 21. Februar 2012 gingen umfangreiche Abklärungen
sowie Eingliederungsmassnahmen beginnend im Jahr 2001 voraus. Es wurden
insbesondere berufliche Massnahmen verfügt sowie Abklärungen und
Standortgespräche durchgeführt. Am 10. Januar 2011 wurde der Beschwerdeführer im
Auftrag der Beschwerdegegnerin im Psychiatrischen Zentrum B._ untersucht. Im
testpsychologischen Untersuchungsbericht von lic. phil. J._, Psychologin FSP, vom
13. Januar 2011 (IV-act.152 S. 5 ff.) wurde festgehalten, dass die aktuelle
Intelligenzleistung des Beschwerdeführers im Bereich sehr niedriger bis niedriger Werte
(IQ 61 - 71) und damit im Grenzbereich zur leichten Intelligenzminderung gemäss
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ICD-10 liege. Das kognitive Leistungsprofil sei mittelgradig bis deutlich vermindert mit
Einbussen im sprachlichen, visuell-räumlichen, attentionalen, exekutiven und
mnestischen Funktionsbereich. Als relative Stärken seien die visuell-räumliche
Wahrnehmung, die phasische Alertness und die Handlungsplanung und -kontrolle zu
werten. Der Beschwerdeführer dürfte im Alltag bei komplexeren Umgebungen oder
Anforderungen schnell überfordert sein. Die eruierten Verminderungen dürften sich in
Verbindung mit der unterdurchschnittlichen Intelligenz deutlich auf das berufliche und
psychosoziale Funktionsniveau auswirken. Im Arztbericht vom 28. Januar 2011 (IV-act.
152 S. 1 - 4) erklärte Dr. med. K._, Oberarzt, Psychiatrisches Zentrum St. B._,
unter Berücksichtigung der testpsychologischen Erkenntnisse, dass beim
Beschwerdeführer deutliche Störungen bezüglich Aufmerksamkeit, Konzentration und
Gedächtnis feststellbar seien. Es bestünden aufgrund der Intelligenzminderung
anhaltende Schwierigkeiten bei der Etablierung einer Leistungsfähigkeit auf dem ersten
Arbeitsmarkt. Der Facharzt ging aktuell von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit für alle
Tätigkeiten aus, denn der Beschwerdeführer benötige einfache Arbeitsabläufe und eine
enge Begleitung, die im ersten Arbeitsmarkt nicht gewährleistet werden könnten. In
Würdigung der Aktenlage und insbesondere der medizinischen Untersuchungsberichte
vom 13. und 28. Januar 2011 ist festzustellen, dass der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers ausreichend abgeklärt worden ist und die Befunde und Diagnose
sowie Arbeitsfähigkeitseinschätzung nachvollziehbar und schlüssig sind. In der
Aktennotiz vom 28. Februar 2011 hielt RAD-Arzt Dr. med. L._ fest, dass der
neuropsychologische Untersuchungsbericht nachvollziehbar sei, womit sich auch
plausibel das bisherige Scheitern des Beschwerdeführers im ersten Arbeitsmarkt
erkläre. Zur Verwertung seiner Arbeitsleistung sei er auf einen Nischenarbeitsplatz
angewiesen (IV-act. 154). Die daraufhin erfolgte Festlegung der Arbeitsfähigkeit durch
die Beschwerdegegnerin ist nachvollziehbar und vertretbar, denn diese beruht auf einer
umfassenden Würdigung der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers.
Selbst der Arbeitseinsatz als (Hilfs-) Bodenleger vom 1. Januar bis 31. Juli 2010 wurde
in die Würdigung einbezogen. Die Beschwerdegegnerin ging hinsichtlich des
erzielbaren jährlichen Invalideneinkommens dann auch nicht von Fr. 0.-, sondern Fr.
12'000.- aus.
4.3 Vorliegend sind auch keine anderweitigen Anhaltspunkte vorhanden, dass die
Leistungszusprechung auf Grund falscher oder unzutreffender Rechtsregeln erlassen
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worden ist oder massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt worden
sind. Wie in der Erwägung 4.2 dargelegt, ist die der Rentenverfügung zugrundeliegende
Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers wie auch die
Arbeitsfähigkeitsschätzung vertretbar. Das von der Beschwerdegegnerin neu
vorgetragene Argument, dass in der Vergangenheit nicht nach einer möglichen
Simulation geforscht worden sei (act. G 18 S. 4 f.), rechtfertigt vorliegend selbst dann
keine Wiedererwägung der Rentenverfügung, wenn der im Rahmen einer neuen
neuropsychologischen Beurteilung erhobene Verdacht der Simulation - aufgrund der
erbrachten massiv unterdurchschnittlichen Leistungen - zutreffen sollte, denn es lässt
sich damit nicht belegen, dass bei den früheren ärztlichen Untersuchungen eine
Simulation vorlag bzw. notwendige fachärztliche Abklärungen überhaupt nicht oder
nicht mit der erforderlichen Sorgfalt durchgeführt wurden.
4.4 Da keine zweifellose Unrichtigkeit der Rentenverfügung vom 21. Februar 2012
nachgewiesen werden kann, ist auch eine Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG
ausgeschlossen.
5.
Die Prüfung, ob eine Rentenanpassung im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG (Anpassung
an erheblich geänderte tatsächliche Verhältnisse) in Frage käme, erübrigt sich
vorliegend, weil die Grundlagen der Rentenanpassung nach Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht
identisch sind mit jenen für eine prozessuale Revision nach Art. 53 Abs. 1 ATSG und
die Beschwerdegegnerin eine Rentenanpassung nie thematisiert und folglich der
Beschwerdeführer auch nie Gelegenheit zur Stellungnahme hatte (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 12. Juli 2016, 9C_384/2016, E. 3 und vom 16. September 2009,
9C_272/2009, E. 4.1).
6.
6.1 In Gutheissung der Beschwerde ist die Verfügung vom 27. Januar 2014
aufzuheben.
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6.2 Die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Befreiung von den
Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung) vom 22.
Mai und 10. Juni 2014 ist damit obsolet geworden.
6.3 Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.- bis Fr.
1'000.- festgelegt (Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20]). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.- erscheint in
der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Der unterliegenden
Beschwerdegegnerin sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 600.- aufzuerlegen.
6.4 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Parteientschädigung wird vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen. In
der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor Versicherungsgericht nach Art.
22 Abs. 1 lit. b HonO (sGS 963.75) pauschal Fr. 1'000.- bis Fr. 12'000.-. Das mittlere
Honorar bei einer Zeitaufwandbemessung beträgt Fr. 250.- je Stunde (Art. 24 Abs. 1
HonO). Der Rechtsvertreter hat am 7. April 2015 eine Honorarnote über insgesamt Fr.
3'571.80 eingereicht (act. G 19.1). Der darin geltend gemachte Aufwand (15.90
Stunden) kann als angemessen betrachtet werden. Die geltend gemachte
Entschädigung von Fr. 200.- pro Stunde berücksichtigt die Fünftelskürzung auf dem
mittleren Honorar von Fr. 250.-. Zu entschädigen ist daher ein Honorar von Fr. 3'180.-
(Fr. 200.- x 15.90 Stunden) zuzüglich Barauslagen von Fr. 127.20 (Fr. 3'180.- x 0.04)
und Mehrwertsteuer von 8% von Fr. 264.60.- ([Fr. 3'180.- + Fr. 127.20] x 0.08), womit
eine Entschädigung von insgesamt Fr. 3'571.80 resultiert. Dem Entschädigungsantrag
des Rechtsvertreters wird entsprochen.