Decision ID: 3770349d-fd12-4615-a67a-30904ee5294a
Year: 2009
Language: de
Court: CH_BSTG
Chamber: CH_BSTG_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: penal_law

Sachverhalt:
A. Im Strafverfahren gegen A. und Mitbeteiligte wegen Verdachts der  an bzw. Unterstützung einer kriminellen Organisation im Sinne von Art. 260ter StGB und Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 StGB schloss das eidgenössische Untersuchungsrichteramt die Voruntersuchung mit Verfügung vom 30. September 2007 und übermittelte die Akten mit dem Schlussbericht der Bundesanwaltschaft (act. 5.5). Am 22. Oktober 2007 richtete die Bundesanwaltschaft ein internationales Rechtshilfeersuchen (teilweise in Ergänzung zu vorgängig gestellten Rechtshilfeersuchen des eidgenössischen Untersuchungsrichteramtes) an Italien, worin sie um  der Einvernahmeprotokolle von bestimmten, in Italien  Personen ersuchte (act. 1.1).
B. Mit Beschwerde vom 29. Oktober 2007 beantragt A. bei der  die Aufhebung der vorgenannten Verfügung (Antrag Ziff. 1), den Verzicht auf die Einvernahmen von B. und C. bzw. die Entfernung von  Einvernahmeprotokollen aus den Verfahrensakten (Ziff. 2) sowie die  der aufschiebenden Wirkung (Ziff. 3), unter Kosten- und  zu Lasten der Bundesanwaltschaft bzw. der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Ziff. 4).
C. Mit Stellungnahme vom 8. November 2007 beantragt die Bundesanwalt-
schaft, auf das Gesuch um aufschiebende Wirkung sei nicht einzutreten, eventuell sei dieses abzuweisen, unter Kostenfolgen (act. 4).
D. Am 8. November 2007 stellte A. ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspfle-
ge mit Bezug auf die Gerichtskosten und die Rechtsvertretung (act. 5).

Die I. Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gemäss Art. 62 Abs. 1 BGG hat, wer das Bundesstrafgericht anruft, nach
Anordnung des Instruktionsrichters die mutmasslichen Gerichtskosten . Das Bundesstrafgericht befreit eine Partei, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, auf Antrag von der Bezahlung der , sofern ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint
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(Art. 64 Abs. 1 BGG). Wenn es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist, bestellt das Bundesstrafgericht der Partei einen Anwalt (Art. 64 Abs. 2 BGG). Bedürftig ist eine Partei, welche die Leistung der erforderlichen - und Parteikosten nur erbringen kann, wenn sie die Mittel angreift, die sie zur Deckung des Grundbedarfs für sich und ihre Familie benötigt (BGE 125 IV 161, 164 E. 4a; 124 I 1, 2 f. E. 2a; vgl. auch BGE 128 I 225, 232 E. 2.5.1; 127 I 202, 205 E. 3b). Die prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten wirtschaftlichen Situation des Rechtsuchenden im  der Einreichung des Gesuchs. Dazu gehören einerseits sämtliche  Verpflichtungen, andererseits die Einkommens- und  (BGE 124 I 1, 2 E. 2a; 120 Ia 179, 181 E. 3a, je mit ). Bei der Ermittlung des notwendigen Lebensunterhaltes soll nicht schematisch auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum abgestellt, sondern den individuellen Umständen Rechnung getragen werden. Ein  Überschuss zwischen dem zur Verfügung stehenden Einkommen und dem Zwangsbedarf der Gesuch stellenden Partei ist mit den für den konkreten Fall zu erwartenden Gerichts- und Anwaltskosten in Beziehung zu setzen (BGE 118 Ia 369, 370 f. E. 4a); dabei sollte es ihr der monatliche Überschuss ermöglichen, die Prozesskosten bei weniger aufwändigen  innert eines Jahres, bei anderen innert zweier Jahre zu tilgen (vgl. zum Ganzen Urteil des Bundesgerichts 5P.457/2003 vom 19. Januar 2004 E. 1.2).
Grundsätzlich obliegt es dem Gesuchsteller, seine Einkommens- und  umfassend darzulegen und soweit wie möglich zu . Dabei dürfen umso höhere Anforderungen an eine umfassende und klare Darstellung der finanziellen Situation gestellt werden, je komplexer die finanziellen Verhältnisse sind. Aus den eingereichten Belegen muss auf jeden Fall der aktuelle Grundbedarf des Gesuchstellers hervorgehen. Die Belege haben zudem über sämtliche finanziellen Verpflichtungen des  sowie über seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse Aufschluss zu geben (BGE 125 IV 161, 164 f. E. 4a). Kommt der  dieser umfassenden Pflicht zur Offenlegung seiner finanziellen Situation nicht nach bzw. ergeben die vorgelegten Urkunden und die  Angaben kein kohärentes und widerspruchsfreies Bild seiner  Verhältnisse, so kann sein Gesuch mangels ausreichender  oder mangels Bedürftigkeitsnachweis abgewiesen werden (BÜHLER, Die Prozessarmut, in: Schöbi [Hrsg.], Gerichtskosten, , Prozesskaution, unentgeltliche Prozessführung, Bern 2001, S. 189 f.; BGE 125 IV 161, 165 E. 4a; TPF BB.2005.26 vom 14. Juni 2005 E. 2.1).
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1.2 Der Gesuchsteller hat Jahrgang 1929 und ist nicht erwerbstätig. Er  ein monatliches Renteneinkommen von Fr. 2'022.-- und einen  Vermögensertrag von Fr. 83.--, mithin Einkünfte von Fr. 2'105.--. Vermögenswerte im Betrag von Fr. 126'550.-- (Konti, Sparhefte, ) bezeichnet er im Gesuch vom 8. November 2007 unter Hinweis auf den Schlussbericht des Eidg. Untersuchungsrichteramtes vom 30.  2007 als von der Beschwerdegegnerin blockiert (act. 5 S. 2), ohne die diesbezüglichen Beschlagnahmeverfügungen aufzulegen. Im Formular betreffend unentgeltliche Rechtspflege führt er hingegen zusätzlich einen Bargeldbetrag von Fr. 25'000.-- auf und deklariert das Total seiner  entsprechend mit Fr. 151'550.-- (act. 5.3). Sodann ist er  einer Kapitalversicherung in der Höhe von Fr. 68'058.--, welche einen Steuer- und Rückkaufswert per 31. Dezember 2006 von Fr. 43'784.-- aufweist (act. 5.4). Der Gesuchsteller verfügt zudem über  auf seinen Namen eingelösten Personenwagen D., Jg. 1998, zum Neuwert von Fr. 24'000.-- (act. 5.3). Es wird nicht behauptet, dass er als nicht erwerbstätiger Rentner auf ein Fahrzeug angewiesen ist.  Unterhaltskosten sind deshalb nicht zu berücksichtigen;  ist ein Verkehrswert von Fr. 2'500.-- zu veranschlagen. Auf der  ist die Miete von monatlich Fr. 600.-- nicht belegt. Der  wohnt offenbar bei seinem Bruder, bezahlt diesem jedoch seit 1. Juli 2005 keinen Mietzins mehr (act. 5 S. 3). Somit ist davon , dass ein allfällig geschuldeter Mietzins seither gestundet worden ist, zumal keinerlei Mahnungen dokumentiert sind (vgl. Art. 257d OR). Die Krankenkassenprämie für den Gesuchsteller beträgt monatlich Fr. 192.40, während diejenige für dessen erwachsenen Sohn (Jg. 1960) mangels nachgewiesener Unterstützungspflicht nicht zu berücksichtigen ist. Die Kosten der Haushalt- und Haftpflichtversicherung des Gesuchstellers betragen monatlich Fr. 28.--. Der Anteil für Steuern von monatlich Fr. 358.-- ist mit der Steuerrechnung 2007 vom 6. Juni 2007 belegt. Für eine geplante zahnärztliche Behandlung hat der Gesuchsteller laut Kostenschätzung des Zahnarztes vom 11. Mai 2007 Fr. 8'676.25 aufzubringen; hiefür hat er eine Teilzahlung von Fr. 4'000.-- geleistet. Für den Restbetrag kann ein  Anteil von Fr. 390.-- berücksichtigt werden. Der Grundbetrag ist mit Fr. 775.-- (Haushaltsgemeinschaft mit dem Bruder) bzw. unter  des Zuschlages von 20 % mit Fr. 930.-- zu veranschlagen. Der  Notbedarf des Gesuchstellers beträgt demnach rund Fr. 1'900.--.
1.3 Der laufende Lebensunterhalt des Gesuchstellers von Fr. 1'900.-- kann mit
seinen monatlichen Einkünften von Fr. 2'105.-- bestritten werden. Mit dem monatlichen Überschuss von Fr. 205.-- und dem mutmasslichen Erlös aus dem Verkauf seines nicht benötigten Wagens ist der Gesuchsteller in der
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Lage, die mutmasslichen Gerichtskosten zu bezahlen bzw. sicherzustellen sowie allfällige Kosten seiner Rechtsvertretung zu begleichen. Bei dieser Sachlage kann offen bleiben, wie es sich mit der zumindest teilweise  Vermögenssituation sowie der Frage der Berücksichtigung der  als verfügbarer Vermögenswert verhält. Das Gesuch um  Rechtspflege ist somit mangels Bedürftigkeit abzuweisen.
1.4 Dem Gesuchsteller ist erneut Frist zur Leistung eines Kostenvorschusses
anzusetzen, wobei für die Zahlungsmodalitäten und die Fristwahrung auf die erste Aufforderung vom 30. Oktober 2007 verwiesen wird (act. 3).
1.5 Der Gesuchsteller wird im Strafverfahren seit 31. August 2004 durch
Rechtsanwalt Robert Vogel amtlich verteidigt (act. 5.1 S. 16). Gemäss  der Beschwerdekammer wird die im Ermittlungsverfahren bzw. in der Voruntersuchung bestellte amtliche Verteidigung in dem Sinne im  übernommen, als die Beschwerdekammer die  der amtlichen Verteidigung garantiert (vgl. Weisung 06/2007 der I. Beschwerdekammer vom 19. November 2007). Im Falle eines  im Beschwerdeverfahren und entsprechend fehlenden Anspruchs auf Parteientschädigung (Art. 68 Abs. 1 BGG) wird der Gesuchsteller für diese Kosten gegenüber dem Bundesstrafgericht rückerstattungspflichtig.
2. 2.1 Die Beschwerde ist gegen Amtshandlungen und wegen Säumnis des Bun-
desanwalts zulässig (Art. 214 Abs. 1 i.V.m. Art. 105bis Abs. 2 BStP) und steht den Parteien und einem jeden zu, der durch eine Verfügung oder durch die Säumnis des Bundesanwalts einen ungerechtfertigten Nachteil erleidet (Art. 214 Abs. 2 BStP). Die Beschwerde hemmt den Vollzug der angefochtenen Verfügung nur, wenn die Beschwerdekammer oder ihr  es anordnet (Art. 218 BStP). Die Gewährung des Suspensiveffektes hängt in der Regel von den konkreten Umständen und einer Abwägung der widerstreitenden Interessen ab (vgl. BGE 107 Ia 269, 270 f. E. 1). Der  der angefochtenen Verfügung darf nicht aufgeschoben werden, wenn damit der Zweck der Untersuchung bzw. der mit der Massnahme  Zweck gefährdet oder vereitelt würde (vgl. GUIDON/WÜTHRICH, Zur Praxis bei Beschwerden gegen das Bundesstrafgericht, plädoyer 4/2005, S. 34 ff., 39 f.; BÖSCH, Die Anklagekammer des Schweizerischen  [Aufgaben und Verfahren], Diss. Zürich 1978, S. 87; zum Ganzen: TPF BB.2006.119 und 127, Präsidialverfügung vom 12. Dezember 2006).
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2.2 Gemäss angefochtener Verfügung – dem Rechtshilfeersuchen vom 22.  2007 an Italien – richtete die Eidgenössische Untersuchungsrichterin am 15. März sowie am 10. und 26. September 2007 Rechtshilfeersuchen an das italienische Justizministerium betreffend die Einvernahme diverser italienischer Staatsangehöriger. Mit vorliegend angefochtenem  beantragte die Beschwerdegegnerin – teilweise in Ergänzung der vorgenannten Rechtshilfeersuchen – die Zustellung sämtlicher  der im italienischen Strafverfahren erfolgten Einvernahmen von elf namentlich aufgeführten Personen, darunter B. und C.; mit  der letztgenannten Personen wurde von der Eidgenössischen  bereits rechtshilfeweise um Einvernahme der  Personen ersucht (act. 1.1). Die Beschwerde richtet sich nur gegen die Einvernahme bzw. den rechtshilfeweisen Beizug der  von B. und C. aus den italienischen Verfahrensakten (act. 1, Antrag Ziff. 1 und 2 sowie Begründung S. 3). Nachdem die Beschwerdegegnerin nicht um Einvernahme dieser Personen ersucht hat, ist insoweit mangels Anfechtungsobjekt nicht auf die Beschwerde einzutreten; entsprechend  sich die Anordnung der aufschiebenden Wirkung. Mit Bezug auf die Einvernahmeprotokolle, welche gemäss angefochtener Verfügung zum schweizerischen Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer und  genommen werden sollen, könnte die allfällige Erteilung der  Wirkung lediglich ein vorläufiges Verwertungsverbot der  bewirken, sollte die Rechtshilfe durch Italien bereits vor rechtskräftigem Abschluss des vorliegenden Beschwerdeverfahrens  werden.
2.3 Der Beschwerdeführer macht geltend, das bisherige Verfahren habe auf-
gezeigt, dass die Bundesanwaltschaft und die Eidgenössische  die Akten ausschliesslich einseitig zum Nachteil der  auslegten. Es sei deshalb davon auszugehen, dass die  die rechtshilfeweise beantragten Einvernahmeprotokolle von B. und C. wieder einseitig zu seinen Lasten nutzen werde. Einmal in den Akten enthaltene Indizien würden die Meinungsbildung der  und des Gerichts beeinflussen, selbst wenn sie nachfolgend aus den Akten entfernt würden. Nur die Erteilung der aufschiebenden Wirkung  eine Beeinflussung der Meinungsbildung dieser Behörden durch rechtswidrig erlangte Beweismittel verhindern.
Mit dieser Argumentation vermag der Beschwerdeführer kein  Interesse darzutun, welches das Interesse der  am sofortigen Vollzug der angefochtenen Verfügung überwiegt. Es ist zunächst nicht ersichtlich, inwiefern es sich bei den von Italien verlang-
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ten Einvernahmeprotokollen um rechtswidrig erlangte Beweismittel handeln sollte. Der Beschwerdeführer bringt einzig vor, dass diese zu seinem  gewürdigt werden könnten. Sodann ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdegegnerin in der Anklageschrift die Beweismittel für die  bezeichnet (Art. 126 Abs. 1 Ziff. 4 BStP), also gegebenenfalls die italienischen Einvernahmeprotokolle als Beweismittel im Rahmen der Anklage nennt. Im Hauptverfahren können – auf Antrag der Parteien oder von Amtes wegen – weitere Beweise erhoben werden (Art. 138 und 157 BStP). Bei Gutheissung der Beschwerde können mithin die  von B. und C. nicht als Beweismittel der Anklage genannt ; hingegen steht es dem Gericht frei, selber Beweise zu erheben,  auch rechtshilfeweise diese Einvernahmeprotokolle anzufordern oder um Einvernahme der betreffenden Personen zu ersuchen. Inwiefern bei  allfälligen nachträglichen Entfernung der Einvernahmeprotokolle aus den Verfahrensakten „die Meinungsbildung von BA und Gerichten .... “ würde, ist nicht nachvollziehbar (gemeint kann nur sein, dass die  beeinflusst werde). Sowohl der Bundesanwalt als auch das Bundesstrafgericht können sich nur auf rechtmässig erhobene, definitiv zu den Akten genommene Beweismittel stützen (Art. 167 Abs. 1 und 169 Abs. 3 BStP). Das Interesse der Beschwerdegegnerin an einer  des Strafverfahrens (vgl. act. 1.1 S. 3) überwiegt somit das  Interesse des Beschwerdeführers, eine sofortige Kenntnisnahme der Einvernahmeprotokolle durch die Beschwerdegegnerin nach Leistung der Rechtshilfe zu verhindern. Ohnehin nicht gehört werden kann das , Studium und Auswertung der italienischen Einvernahmeprotokolle seien für die Verteidigung mit einem grossen zeitlichen Aufwand und  Kosten verbunden, welche sich bei Gutheissung der  als unnütz erweisen würden. Diese rein wirtschaftliche  vermag vorliegend eine allfällige Verfahrensverzögerung nicht zu rechtfertigen.
2.4 Die aufschiebende Wirkung ist nach dem Gesagten zu verweigern.
3. Die Kosten des vorliegenden Entscheids bleiben bei der Hauptsache.
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