Decision ID: 8677955f-7e82-53fb-b55b-e3b42b3945b3
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ meldete sich am 15./23. März 2010 (IV-act. 1) zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung an. Sie, verwitwete Mutter von _ Kindern und im Dezember
2004 in die Schweiz gekommen (im Oktober 2009 vorläufig aufgenommen, vgl. IV-
act. 9-1), sei als _helferin angestellt und habe sich am 22. September 2009 bei der
Arbeit (Heben) erhebliche Verletzungen im Rücken- und Nackenbereich zugezogen. Sie
leide auch an tiefem Blutdruck und massiven Kopfschmerzen. Dr. med. B._, FMH
Innere Medizin, hatte am 23. Dezember 2009 (IV-act. 12-6 f.) angegeben, die
Abklärungen zu den Rückenbeschwerden der Versicherten hätten bisher lediglich
gewisse Achsenabweichungen ergeben, doch bestehe klinisch ein massiver
paravertebraler Hartspann der Wirbelsäule. Daneben bestünden seit Jahren
Magenbeschwerden (gastrointestinale Refluxerkrankung). Gemäss seinem Einfachen
Arztzeugnis vom 7. Oktober 2009 (IV-act. 15-15) hatte bei der Versicherten schon
einmal ab 13. August 2009 keine Arbeitsfähigkeit bestanden. Die Medizinische Klinik
am Spital C._ hatte in einem Austrittsbericht vom 24. Februar 2010 (IV-act. 12-2 f.)
als Diagnosen bei der Versicherten einen V. a. muskulo-skelettale Beschwerden und
ausserdem eine psychosoziale Belastungssituation benannt. Eine Aggravationstendenz
bestehe gemäss dem Psychiater des Spitals nicht. In der Arbeitgeberbescheinigung
vom 10. Mai 2010 (IV-act. 15) wurde festgehalten, die Versicherte sei von Juni 2008 bis
März 2010 angestellt gewesen. Ab 13. August 2009 sei sie zum Teil (bzw.) zu 50 %
tätig gewesen (letzter Arbeitstag 6. Oktober 2009). Das Arbeitsverhältnis sei ihr wegen
der (sc. mangelnden) Belastbarkeit (für ein Pensum von 100 %), der Belastung und
dem Bedarf gekündigt worden. Ohne Gesundheitsschaden würde sie jährlich
Fr. 65'400.-- verdienen. Die Abteilung Rheumatologie am Spital C._ gab in einem IV-
Arztbericht vom 29. Juli 2010 (IV-act. 26-2 ff.) an, die bisherige Tätigkeit sei der
Versicherten noch ganztags zumutbar. Rückenbelastende _ Tätigkeiten seien ihr
aber wegen der Wirbelsäulenfehlform und der Dekonditionierung mit
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Haltungsinsuffizienz nur eingeschränkt (mit Unterstützung) möglich. Dr. med. D._,
Facharzt FMH für Rheumatologie und Innere Medizin, schätzte die Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einem Gutachten zuhanden der Krankentaggeld-
und Unfallversicherung vom 17. Mai 2010 (IV-act. 42-2 ff.) auf 30 % (bei ganztägiger
leidensadaptierter Tätigkeit) ein. Die Evaluation der Funktionellen Leistungsfähigkeit
(EFL; vgl. IV-act. 42-12 ff.) sei wegen Selbstlimitierung nicht schlüssig. Nach der EFL
war festgehalten worden, körperliche Limiten hätten aufgrund des selbstlimitierenden
Verhaltens und minimalster Leistung nicht beobachtet werden können. Die
Leistungsbereitschaft sei nicht zuverlässig und die Konsistenz bei den Tests schlecht
gewesen. Es habe eine erhebliche Symptomausweitung vorgelegen. Die Abteilung
Rheumatologie am Spital C._ erwähnte in einem Untersuchungsbericht vom
11. Oktober 2010 (IV-act. 34) bei der Diagnose eines Panvertebralsyndroms eine
aktuelle Exazerbation der lumbalen Schmerzkomponente mit einem massiven
schädlichen Analgetikakonsum. Es scheine eine zunehmende Dekompensation bei
gleichzeitig zunehmendem sozialem Druck zu erfolgen. Die Versicherte wirke psychisch
erschöpft. Das MRI der LWS zeige degenerative Befunde, die zumindest die lumbale
Schmerzkomponente auch organisch erklären könnten. Zur Analgetikareduktion und
Muskelkräftigung sei eine stationäre Rehabilitation zu empfehlen. Die
[Rehabilitationsstelle] E._ gab in einem Austrittsbericht vom 26. November 2010 über
einen stationären Aufenthalt der Versicherten vom 8. bis 26. November 2010 (IV-
act. 46) unter anderem an, diese sei durch eine Schmerzzunahme bei einer Sitzdauer
von mehr als fünf Minuten deutlich eingeschränkt. Nach korrekter Durchführung der
weiterführenden ambulanten Physiotherapie bzw. des Heimprogamms sollte eine
schrittweise Steigerung der Arbeitsfähigkeit für körperlich leicht belastende Tätigkeiten
möglich sein. Eine weiterführende psychotherapeutische Behandlung wünsche die
Versicherte nicht. - Die MEDAS Ostschweiz diagnostizierte im Gutachten vom 9. März
2011 (IV-act. 54) bei der Versicherten ein diffuses chronisches Schmerzsyndrom
panvertebral, cervicocephal, pectoral und lumbofemoral links mit vielen vegetativen
Begleitbeschwerden, bildgebend im MRI 05/10 degenerative Veränderungen der
unteren zwei Bewegungssegmente, und eine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit psychosozialer Belastung, einhergehend mit einer leichten
depressiven Störung mit somatischem Syndrom. Ihre bisherige Tätigkeit als _helferin
sei wegen der psychischen und körperlichen Belastungen ungeeignet. In körperlich
leichten bis auch mittelschweren, umschriebenen Adaptationskriterien entsprechenden
Tätigkeiten bestehe eine Einschränkung von ca. 20 % im Sinn einer leicht verminderten
Leistungsfähigkeit wegen vermehrt nötiger Pausen. Diese Einschränkung ergebe sich
weniger aufgrund objektivierbarer Befunde als multipler funktioneller Beschwerden, vor
allem des diffusen Schmerzsyndroms in Kombination mit den bekannten
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psychosozialen Belastungsfaktoren. Subjektiv fühle sich die Versicherte für
ausserhäusliche Erwerbstätigkeiten voll arbeitsunfähig. Im psychiatrischen
Consiliargutachten waren körperlich adaptierte Tätigkeiten als zu 80 bis 90 %
zumutbar bezeichnet worden. - Dr. med. F._, Fachärztin FMH Physikalische Medizin
und Rehabilitation, nannte in einem ärztlichen Attest vom 7. Oktober 2011 (IV-
act. 80-7 f.) als bei der Versicherten vorliegende Diagnosen ein panvertebrales
Schmerzsyndrom bei muskulärer Dysbalance, aktivierten Spondylarthrosen L4/5 bds.
und L5/S1 sowie Diskushernie L1/2 sowie ein Fibromyalgiesyndrom DD somatoforme
Schmerzstörung bei V. a. Depression. Die degenerativen Veränderungen L4-S1
könnten nur einen kleinen Teil der Beschwerden erklären. Eine psychiatrische
Beurteilung sei dringend indiziert. - Mit Verfügung vom 26. Januar 2012 (IV-act. 87)
wies die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen einen
Rentenanspruch der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 37 %
(Valideneinkommen Fr. 65'400.--, Invalideneinkommen Fr. 41'094.--, Arbeitsfähigkeit
80 %) ab. Eine Beschwerde hiergegen vom 29. Februar 2012 (IV-act. 91-2 ff.) wies das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 23. Januar 2014 (IV-
act. 102) ab. Die Arbeitsfähigkeit der Versicherten in einer adaptierten Erwerbstätigkeit
betrage 100 %, der Invaliditätsgrad rund 23 % (Valideneinkommen Fr. 65'400.--;
Invalideneinkommen Fr. 50'151.--, ausgehend vom Tabellenlohn 2010 von
Fr. 52'790.--, bei einem Abzug von 5 %).
B.
Am 12./13. Februar 2014 (IV-act. 104) meldete sich die Versicherte, unterdessen
noch Mutter eines inzwischen _ Monate alten Kindes geworden, erneut zum Bezug
von IV-Leistungen an. Seit 23. September 2013 und noch bis 31. März 2014 sei sie als
Reinigungsangestellte in einer _ angestellt (Bruttoeinkommen Fr. 3'600.--). Sie leide
seit dem 22. September 2009 an Rücken- und Nacken- und allgemein an Schmerzen
am Körper. - Dr. med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, hatte der
Versicherten in einem Arztbericht vom 22. Juni 2013 (IV-act. 101) über ihre vier
Konsultationen von Januar bis April 2013 berichtet, als _helferin bestehe bei ihr
zurzeit aus rein psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von knapp 50 %. Zu einer
beruflichen Neuorientierung gebe es bei ihr keine Motivation bzw. es gebe bei ihr dafür
kein Interesse. Soziokulturelle Faktoren würden das Krankheitsgefühl verstärken.
Ausserdem stelle sich die Frage, ob die _fache Mutter eine solche Aufgabe wie die
Wiedereingliederung bewältigen könnte. Dr. F._ erklärte in einem ärztlichen Attest
B.a.
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vom 11. April 2014 (IV-act. 110-4 f.), seit Ende 2013 sei bei der Versicherten neu eine
opioid-induzierte Hyperalgesie dazugekommen. Die Versicherte sei weiterhin voll
arbeitsunfähig. Das Psychiatrie-Zentrum H._ (Dr. med. I._) gab in einem Bericht
vom 25. April 2014 (IV-act. 110-1 f.) an, es lägen nebst den somatischen Diagnosen
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und eine
undifferenzierte Somatisierungsstörung vor. Aus rein psychiatrischer Sicht sei die
Versicherte als Hilfs_ mindestens zu 50 % arbeitsunfähig. Dr. med. J._, Allgemeine
Innere Medizin FMH, gab in einem Bericht vom 28. April 2014 (IV-act. 110-3) an, die
Versicherte sei am 15. November 2013 bei der Arbeit auf einer feuchten Metalltreppe
ausgerutscht. Es sei zu einer Wirbelsäulenkontusion mit anschliessender starker
Lumbosacralgie gekommen. Im Verlauf seien die Schmerzen in das bekannte,
beherrschende Beschwerdebild übergegangen. - Mit Verfügung vom 29. Juli 2014 (IV-
act. 113) trat die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen auf das
neue Gesuch der Versicherten nicht ein. - Auf Beschwerde vom 12. September 2014
(IV-act. 118-2 ff.) hin hob das kantonale Versicherungsgericht diese Verfügung mit
Entscheid vom 14. September 2016 (IV-act. 133) auf und wies die Sache, soweit es
darauf eintrat, zur Durchführung eines korrekten Vorbescheidsverfahrens und
anschliessender neuer Entscheidung an die Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle
zurück. Ausserdem wies es darauf hin, dass mit Anhaltspunkten aus den Berichten von
Dr. F._ (neu opioid-induzierte Hyperalgesie, Schmerzausweitung und -zunahme), des
Psychiatrie-Zentrums H._ vom 25. April 2014 (neu mittelgradige depressive Episode)
sowie von Dr. G._ (also eventuell Depression neu verselbständigtes Leiden) und dem
Bericht von Dr. J._ über einen Sturz vom 15. November 2013 eine wesentliche
Veränderung glaubhaft gemacht worden sei.
Am 30. November 2016 (IV-act. 139) teilte die Rechtsvertreterin der Versicherten
mit, beim körperlich anspruchsvollen Arbeitsversuch als Reinigungsangestellte sei
diese überfordert gewesen und es sei nach kürzester Zeit ein Arbeitsunfall mit
konsekutiver Arbeitsunfähigkeit eingetreten. Erst im Herbst 2015 sei es der
Versicherten wieder gelungen, ein Anstellungsverhältnis zu finden. Derzeit reinige sie
unter Schmerzen an ca. neun Stunden pro Woche (verteilt auf mehrere Werktage)
private Haushalte. - Dr. F._ erachtete die Versicherte gemäss IV-Arztbericht vom
13. Dezember 2016 (IV-act. 141) als arbeitsfähig für drei bis vier Stunden leichter
B.b.
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angepasster körperlicher Tätigkeit pro Tag. - Dr. J._ gab im IV-Arztzeugnis vom
17. Dezember 2016 (IV-act. 143) an, er behandle die Versicherte seit Dezember 2012.
Als _helferin und Reinigungsangestellte sei sie seit Juni 2014 zu 80 % arbeitsunfähig.
Auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei an maximal zwei Stunden pro Tag
zumutbar. - Das Psychiatrie-Zentrum H._ erklärte im IV-Arztbericht vom 21. Februar
2017 (IV-act. 150), aus rein psychiatrischer Sicht sei die Versicherte als Hilfs_
mindestens zu 50 % arbeitsunfähig. Welches die Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungsangepassten Tätigkeit sei, wurde nicht beantwortet. - Dr. J._ teilte am
1. April 2017 (IV-act. 153) mit, die Versicherte habe die Reinigungsarbeit wieder
aufgeben müssen, da sie bei den chronischen Schmerzen für sie zu anspruchsvoll sei.
In einem bidisziplinären Gutachten der Begutachtungsstelle IME Interdisziplinäre
Medizinische Expertisen (fortan kurz IME) vom 26. Juni 2017 (IV-act. 169) gaben die
Gutachter (Dr. med. K._, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie FMH, und _
Dr. med. _ L._, Neurologie und Psychiatrie und Psychotherapie FMH) als bei der
Versicherten vorliegende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (verkürzt
wiedergegeben) einerseits ein chronisches lumbosakrales Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie und anderseits eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit
leichtgradiger depressiver Verstimmung an. Ohne Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit seien multiple psychosoziale Belastungsfaktoren (Probleme in
Verbindung mit Ausbildung und Beruf, Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit,
ökonomischen Verhältnissen, in der soziokulturellen Eingewöhnung und durch negative
Kindheitserlebnisse sowie sonstige Probleme in der primären Bezugsgruppe
einschliesslich familiärer Umstände). In der angestammten Tätigkeit sei die Versicherte
nicht mehr arbeitsfähig, in einer angepassten Tätigkeit sei sie es zu 80 %. Die
Einschränkung von 20 % ergebe sich als Folge einer reduzierten Belastbarkeit,
Durchhaltefähigkeit und Arbeitsgeschwindigkeit mit Bedarf an vermehrten Pausen (vgl.
IV-act. 169-4). Das psychiatrische Störungsbild sei unverändert (im Vergleich zum
Gesundheitszustand bei der Begutachtung im Jahr 2011; vgl. IV-act. 169-3 ff.), wobei
IV-fremde Faktoren aus juristischer Sicht Beachtung finden sollten und medizinisch
beschrieben worden seien. Aus orthopädischer Sicht bestehe in einer
leidensadaptierten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 80 % (vgl. IV-act. 169-5). - Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD) der Invalidenversicherung hielt am 12. Juli 2017 (IV-
B.c.
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act. 174) fest, es habe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von
20 % Gültigkeit (wie vom RAD im Übrigen bereits am 22. Juli 2014 festgestellt).
Mit Vorbescheid vom 14. Juli 2017 (IV-act. 177) kündigte die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle eine Abweisung des Leistungsgesuchs der
Versicherten an. - In einem Einwand vom 21. September 2017 (IV-act. 178) beantragte
die Rechtsvertreterin der Versicherten, es sei dieser eine nach Massgabe des noch
besser abzuklärenden Invaliditätsgrads zu bestimmende Rente der
Invalidenversicherung auszurichten. Mit einer vorweggenommenen Rechtsanwendung
habe der IME-Gutachter der Psychiatrie nicht nur seine fachliche Kompetenz
überschritten, sondern auch falsche Schlüsse gezogen. Es müsse vermutet werden,
dass die Schlussfolgerungen auf unvollständiger Grundlage betreffend den
tatsächlichen Gesundheitszustand der Versicherten beruhten. Auf sie könne umso
weniger abgestellt werden, als sie nicht unwesentlich auf bestrittenen angeblichen
Aussagen der Versicherten zu einer Verbesserung der Depression und zur
Schmerzintensität von lediglich drei bis fünf von zehn Einheiten beruhe. Letzteres
entspreche nicht ihrem Erleben; nach Angaben von Dr. I._ habe sie dort zudem stets
Werte am oberen Ende der Skala angegeben. Die Exploration sei daher durch Edition
von Ton- und Videoaufzeichnungen der psychiatrischen Begutachtung und Befragung
der Dolmetscherin zu prüfen. Ausserdem sei eine Stellungnahme der behandelnden
Psychiaterin Dr. I._ unabdingbar; sie werde nachgereicht werden. Es sei nach wie vor
davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand in rentenrelevantem Ausmass
verschlechtert habe. - Am 31. Oktober 2017 wurde die Stellungnahme von Dr. I._
vom 30. Oktober 2017 (IV-act. 180-2 f.) eingereicht. Die Psychiaterin hatte erwähnt, es
zeige sich trotz regelmässiger Teilnahme der Versicherten an der Therapie ein
erfolgloser Verlauf. Die Symptomatik sei nach wie vor vorhanden und die Versicherte
sei aus ihrer Sicht zu mindestens 50 % arbeitsunfähig.
B.d.
Am 20. Dezember 2017 (IV-act. 185) beantworteten die IME verschiedene, auf
Empfehlung des RAD (IV-act. 181) an sie gestellte (IV-act. 182) Fragen. Das Entstehen
der aktuellen psychischen Störung beruhe auf psychosozialen Belastungen und
daneben auf einer Minderung der psychischen Resilienz, mit welcher die Versicherte in
die Schweiz eingereist sei. Das sei als IV-fremd einzustufen. Die Umstände des
Untersuchs seien im Gutachten vermerkt. Auffälligkeiten im Interpersonellen hätten
B.e.
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C.
nicht bestanden. Die Versicherte sei nicht unter Druck gesetzt worden; sie habe
solches damals auch nicht andeutungsweise geäussert. Dass der Untersuch in
freundlicher und sachlicher Atmosphäre verlaufen sei, werde die Dolmetscherin
bestätigen können; sie sei diesbezüglich allenfalls zu befragen. Zur Schmerzintensität
habe sich die Versicherte nicht durch Angabe von Zahlen, sondern durch Einstellen
eines Schiebers auf der visuellen Analogskala (VAS) geäussert, auf welcher für sie keine
Zahlen ersichtlich gewesen seien. Die behandelnde Psychiaterin habe in ihrem
Schreiben vom 30. Oktober 2017 nicht einmal eine ICD-10-Diagnose angegeben. Die
Differenz zu ihrer Arbeitsfähigkeitsschätzung ergebe sich durch ihren Einbezug von IV-
fremden psychosozialen Faktoren.
Am 17. Januar 2018 (IV-act. 191; zuvor vgl. IV-act. 187, 190 und 192) eröffnete die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle der Rechtsvertreterin der Versicherten die neuen
Abklärungsergebnisse. - Im zweiten Einwand vom 16. Februar 2018 (IV-act. 196)
brachte diese vor, der IME-Gutachter irre, wenn er annehme, die als (Mit-) Ursache -
conditio sine qua non - des heutigen Gesundheitsschadens der Versicherten
identifizierte beeinträchtigte Persönlichkeitsentwicklung bzw. die sich daraus
ergebende verminderte psychische Resilienz als IV-fremd aus der Beurteilung
ausscheiden zu müssen. Wenn dies dennoch geschehen sei, sei die gutachterliche
Beurteilung offensichtlich falsch. Der Gutachter habe sich nicht dazu geäussert, wie
hoch die Resterwerbsfähigkeit ohne Ausscheiden des Schadens sei. Da die Separation
zu Unrecht erfolgt sei und die Diskrepanz zur Arbeitsfähigkeitsschätzung der
behandelnden Psychiaterin sich aus dem Umstand ergebe, dass diese IV-fremde
psychosoziale Faktoren einschliesse, sei auf ihre Schätzung, also auf eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 %, abzustellen. Es bestehe Anspruch auf eine halbe Rente.
B.f.
Mit Verfügung vom 27. März 2018 (IV-act. 202) wies die
Sozialversicherungsanstalt/IV-Stelle des Kantons St. Gallen den Rentenanspruch der
Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 23 % ab. Es könne weiterhin an der
Feststellung, dass im Vergleich zum Gutachten von 2011 keine Verschlechterung
eingetreten sei, und am Ergebnis des Entscheids des Versicherungsgerichts des
Kantons St. Gallen vom 23. Januar 2014 festgehalten werden.
B.g.
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Gegen diese Verfügung richtet sich die von Rechtsanwältin lic. iur. Nadeshna Ley für
die Betroffene am 8. Mai 2018 erhobene Beschwerde. Die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin beantragt, der Beschwerdeführerin sei eine Dreiviertelsrente der
Invalidenversicherung zuzusprechen und die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren. Einen gleichen Zustand der Beschwerdeführerin wie zum Referenzzeitpunkt
habe der IME-Gutachter der Psychiatrie nur unter Vorbehalt bestätigt. Er habe Befunde
erhoben, die auf eine deutlich höhere Arbeitsunfähigkeit schliessen liessen, habe diese
aber in der (irrigen) Annahme ausgeklammert, sie seien IV-fremd. Für die finale
Invalidenversicherung sei die Ursache eines Gesundheitsschadens aber grundsätzlich
ebenso irrelevant wie eine konstitutionelle Prädisposition. Die ohne Gelegenheit zum
Stellen von Ergänzungsfragen veranlasste nachträgliche Erklärung des Gutachters
habe die Befürchtung dessen falscher Rechtsanwendung bestätigt. Die von ihm als
(Mit-) Ursache des Gesundheitsschadens identifizierte Beeinträchtigung der
Persönlichkeitsentwicklung mit verminderter psychischer Resilienz, die bereits bei der
Einreise der Beschwerdeführerin in die Schweiz vorgelegen habe, habe er als IV-fremd
aus der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ausgeschieden, weshalb die Beurteilung
offensichtlich falsch sei. Der Gutachter habe sich nicht dazu geäussert, wie hoch die
Resterwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin ohne dieses Ausscheiden sei. Mangels
rechtlicher (statt nur medizinischer) Auseinandersetzung mit dem erhobenen Einwand
habe die Beschwerdegegnerin auch keine diesbezügliche Abklärung veranlasst. Das
Gutachten liefere aber dennoch zahlreiche Anhaltspunkte für das korrekte Ergebnis. So
verfüge die Beschwerdeführerin nur über wenig persönliche Ressourcen und die
Überwindung der Schmerzen sei ihr durch Willenskraft nicht mehr möglich. Die
Diskrepanz der gutachterlichen zur Arbeitsfähigkeitsschätzung der behandelnden
Psychiaterin ergebe sich daraus, dass Letztere IV-fremde psychosoziale Faktoren mit
Auswirkungen auf die Psychopathologie miteingeschlossen habe. Werde die zu
Unrecht erfolgte Separation unterlassen, sei auf die Schätzung der - mehreren -
behandelnden Psychiater abzustellen und die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf mindestens 50 % festzulegen. Im Jahr 2010 hätte sie gemäss
dem Entscheid des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 23. Januar 2014
Fr. 65'400.-- Einkommen erzielen können; angepasst an die Nominallohnentwicklung
bis 2014 seien das Fr. 67'584.--. Der statistische durchschnittliche Bruttolohn von
Frauen für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art solle 2014
Fr. 54'438.-- betragen haben. Unter Berücksichtigung des Leidensabzugs von 5 % und
einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ergebe sich ein Invalideneinkommen von Fr. 25'858.05
und ein Invaliditätsgrad von rund 62 %.
D.
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In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. Juni 2014 beantragt die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde. Gemäss dem bidisziplinären Gutachten habe sich weder
der körperliche noch der psychiatrische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
seit der Verfügung vom 26. Januar 2012 als erster Vergleichsverfügung (für eine
Anpassung) erheblich verändert. Da kein Revisionsgrund substanziiert worden sei,
bestehe nur schon gemäss Art. 17 Abs. 1 ATSG kein Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin. Ein Rentenanspruch ergäbe sich aber selbst im andern Fall nicht,
denn psychosoziale und soziokulturelle Belastungen, die direkte negative Folgen für die
Befindlichkeit einer versicherten Person zeigten, müssten bei der Bemessung der
Invalidität ausgeklammert bleiben. Anders wäre es nur, wenn nebst den erwähnten
Belastungsfaktoren eine davon abschichtbare, ausgeprägte psychische Störung
vorläge, wenn also die invalidisierende psychische Störung bei Wegfall der
psychosozialen oder soziokulturellen Belastungen weiterhin vorhanden wäre. Aus den
Ausführungen des IME-Gutachters der Psychiatrie ergebe sich, dass er der
Beschwerdeführerin vorwiegend aufgrund der psychosozialen und soziokulturellen
Belastungsfaktoren eine psychische Erkrankung mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit attestiert habe. Ohne diese Faktoren läge bei der Beschwerdeführerin
dagegen keine invalidisierende psychiatrische Gesundheitsschädigung vor. Es werde
diesbezüglich auf Ziff. 3 der Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2014 (im Verfahren
IV 2014/409) hingewiesen. Es treffe nicht zu, dass der Gutachter der Psychiatrie zu
berücksichtigende Gesichtspunkte zu Unrecht ausgeklammert habe. Ihre
medikamentöse Non-Compliance weise im Übrigen darauf hin, dass der psychische
Leidensdruck der Beschwerdeführerin nicht allzu gross sei. Im rudimentären
Arztbericht von Dr. I._ würden keine neuen Gesichtspunkte genannt, die im Rahmen
der Begutachtung unerkannt geblieben und geeignet seien, zu einer abweichenden
Beurteilung zu führen. Zudem sei der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behandelnde Ärzte aufgrund ihrer auftragsrechtlichen Stellung überwiegend zugunsten
ihrer Patienten aussagten. Es sei vollumfänglich auf das bidisziplinäre Gutachten
abzustellen. Da die Beschwerdeführerin in adaptierter Tätigkeit nach wie vor zu 80 %
arbeitsfähig sei, könne weiterhin auf den Einkommensvergleich gemäss dem Entscheid
des kantonalen Versicherungsgerichts vom 23. Januar 2014 abgestellt werden.
E.
Am 26. Juni 2018 wurde dem Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung) entsprochen.
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F.
Mit Replik vom 26. November 2018 beantragt die Rechtsvertreterin der
Beschwerdeführerin die Zusprache einer Dreiviertelsrente an die Beschwerdeführerin,
eventualiter eine Rückweisung der Angelegenheit an die Beschwerdegegnerin zur
Vervollständigung der Abklärungen. Ein Revisionsgrund sei vorhanden. Nicht bestritten
werde, dass die diversen psychosozialen Belastungsfaktoren der Beschwerdeführerin
auszuklammern seien. Im IME-Gutachten habe es aber damit nicht sein Bewenden
gehabt, sondern es seien dort ausserdem die geminderte psychische Resilienz der
Beschwerdeführerin und ihre Folgen unberücksichtigt geblieben. Die
Invalidenversicherung kenne aber keine Vorbehalte für Vorzustände. Trete die
Invalidität nach Ablauf der in Art. 6 Abs. 2 und Art. 36 Abs. 1 IVG genannten Fristen ein,
sei die Person für die Folgen des gesamten Gesundheitsschadens versichert. Auf die
gutachterliche Beurteilung unter Wegdenken der hauptsächlichen Ursache des
Gesundheitsschadens könne nicht abgestellt werden. Nach der Verfügung vom
26. Januar 2012 habe die Beschwerdeführerin zudem am 15. November 2013 bei
einem Arbeitsunfall eine Wirbelsäulenkontusion erlitten. Die Dres. J._, F._ und I._
hätten die Beschwerdeführerin nicht umsonst in verschlechtertem Zustand angetroffen.
Das Ereignis sei allerdings im orthopädisch-traumatologischen Fachgutachten vom
9. Juni 2017 unerklärt und zu Unrecht unberücksichtigt geblieben. Sollten die nebst
dem Gutachten vorhandenen Akten wider Erwarten die Abklärungslücke nicht wie in
der Beschwerde ausgeführt füllen können, wäre allenfalls - wegen gegenüber dem
Gutachter bereits zum Ausdruck gebrachter Parteilichkeit der Beschwerdegegnerin -
durch das Gericht beim Gutachter eine Rückfrage zu stellen, wie seine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin ohne unzutreffende Ausklammerung ausfalle.
G.
Die Beschwerdegegnerin hat von der ihr mit Schreiben vom 29. November 2018
eingeräumten Gelegenheit zur Einreichung einer Duplik keinen Gebrauch gemacht.

Erwägungen
1.
Im Streit liegt die Verfügung vom 27. März 2018, mit welcher die Beschwerdegegnerin
das Gesuch der Beschwerdeführerin um eine Rente vom 12./13. Februar 2014
abgewiesen hat. Es handelte sich um eine Neuanmeldung, nachdem ein am
15./23. März 2010 gestellter Rentenanspruch mit Verfügung vom 26. Januar 2012
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abgelehnt und eine Beschwerde dagegen unter Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin für adaptierte Tätigkeiten abgewiesen worden war. Die
Beschwerdeführerin lässt die Ausrichtung einer Dreiviertelsrente beantragen.
2.
Unbestritten geblieben ist, dass die Beschwerdeführerin, welche (2004 in die
Schweiz eingereist ist, den Status einer vorläufig aufgenommenen Ausländerin -
Ausweis F - besitzt, vgl. IV-act. 9-1, und) bis 2008 ein volles Beitragsjahr aufweist (vgl.
IV-act. 6-1), die versicherungsmässigen Voraussetzungen für einen Bezug von
Leistungen der schweizerischen Invalidenversicherung (vgl. Art. 6 Abs. 2 IVG) erfüllt.
2.1.
Nach Art. 28 IVG besteht der Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
40 % Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.2.
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2
ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu
berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver
Sicht nicht überwindbar ist (vgl. auch BGE 102 V 165). Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung (BGE 143 V 418 E. 7.1 f.) sind grundsätzlich (bei Ausnahmen nach
dem jeweiligen Beweisbedarf) sämtliche psychischen Erkrankungen einem
strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen. Für die Beurteilung
des funktionellen Leistungsvermögens sind danach in der Regel diverse
Standardindikatoren beachtlich, die in zwei Kategorien systematisiert werden, nämlich
einerseits in der Kategorie des funktionellen Schweregrads und anderseits in jener der
Konsistenz. - Eine leistungs-, insbesondere rentenbegründende Invalidität setzt
zunächst jedenfalls eine psychiatrische, lege artis gestellte Diagnose voraus. Das ist
vor allem mit Blick darauf bedeutsam, dass soziale Belastungen, die direkt negative
funktionelle Folgen zeitigen, auszuklammern sind, und dass eine Abgrenzung zu
reaktivem, invaliditätsfremdem Geschehen aufgrund von psychosozialen Belastungen
erforderlich ist (so bezüglich depressiver Leiden BGE 143 V 409 E. 4.5.2). - Die
funktionellen Folgen von Gesundheitsschädigungen werden auch mit Blick auf
psychosoziale und soziokulturelle Belastungsfaktoren abgeschätzt, welche den
Wirkungsgrad der Folgen einer Gesundheitsschädigung beeinflussen. Soweit diese
Belastungsfaktoren direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie wie erwähnt
ausser Acht. Hingegen können sie mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit
2.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/22
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3.
sie zu einer ausgewiesenen Beeinträchtigung der psychischen Gesundheit als solcher
mit Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt haben, wenn sie also einen
verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
- unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Folgen
verschlimmern (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 20. Januar 2020, 8C_559/2019 E. 3.2).
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beschreiben
und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten
die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen Auskünfte sind im Weiteren
eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der
versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 99 f. E. 4, vgl. BGE
141 V 281 E. 5.2.1). Ärztlicherseits ist substanziiert darzulegen, aus welchen
medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle
Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und
zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3). Das
Bundesgericht hat den bio-psychosozialen Krankheitsbegriff als im Rahmen der
Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6 ATSG rechtlich nicht massgebend bezeichnet (BGE 143
V 418 E. 6) und es als rechtmässig erachtet, dass [schon] ein medizinischer Gutachter
sich nicht von diesem Modell hat leiten lassen (vgl. Bundesgerichtsurteil vom 25.
September 2019, 9C_436/2019 E. 4.2.4). - Durch den Versicherungsträger und im
Beschwerdefall durch das Gericht ist zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen
Experten ihre Arbeitsunfähigkeitsschätzung unter Beachtung der massgebenden
Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben (vgl.
BGE 145 V 361 E. 4.3). Kommen die medizinischen Experten der oben erwähnten
Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE 141 V 281 normierten Beweisthemen
überzeugend nach, wird die medizinisch-psychiatrische Folgenabschätzung auch aus
der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungsstelle oder Gericht -
Bestand haben. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen
davon gebietet (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3). Dabei gilt als Leitschnur, dass die ärztliche
Beurteilung - von der Natur der Sache her unausweichlich - Ermessenszüge aufweist,
die auch den Rechtsanwender begrenzen (vgl. BGE 145 V 361 E. 4.3).
2.4.
Gemäss dem bidisziplinären IME-Gutachten vom 23. Juni 2017 liegen bei der
Beschwerdeführerin einerseits ein chronisches lumbosakrales Schmerzsyndrom ohne
Radikulopathie und anderseits eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit
leichtgradiger depressiver Verstimmung vor. Multiple psychosoziale
Belastungsfaktoren sind als die Arbeitsfähigkeit nicht tangierende gesundheitliche
3.1.
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Probleme bezeichnet worden (vgl. IV-act. 169-2). In einer angepassten Tätigkeit sei die
Beschwerdeführerin (durchgehend seit dem ersten Antrag vom März 2010) zu 80 %
arbeitsfähig. Die Einschränkung von 20 % ergebe sich als Folge einer reduzierten
Belastbarkeit und Durchhaltefähigkeit und Arbeitsgeschwindigkeit sowie eines Bedarfs
an vermehrten Pausen (vgl. IV-act. 169-4).
Bei der orthopädischen IME-Begutachtung beklagte die Beschwerdeführerin
Rückenschmerzen, hauptsächlich im Bereich der Lendenwirbelsäule mit dort rund um
die Uhr und in jeder Körperposition anhaltendem Schmerz (vgl. IV-act. 169-115). Dieser
verstärke sich bei mehr als zweistündigem Sitzen und wetterabhängig. Linderung
erfahre sie bei leichten Bewegungen, Wärmeanwendungen und Einnahme von
Analgetika (vgl. IV-act. 169-117). Bei der umfassenden orthopädischen Abklärung
ergab sich das erwähnte lumbosakrale Schmerzsyndrom bei verstärkter rechtsseitiger
Lumbalskoliose, diskreter treppenartiger Retrolisthese bei L2/3, L3/4 und L4/5,
moderater Höhenminderung im Segment L4/5 bei Osteochondrose, nach links rezessal
luxierter und sequestrierter Diskushernie im Segment L4/5 und Spondylarthrose im
Segment L4/L5 (vgl. IV-act. 169-145). Es habe sich eine durchgehende Konsistenz der
Untersuchungsbefunde gezeigt. Es habe keine massgebliche
Bewegungseinschränkung der einzelnen Gelenke und der Wirbelsäule gegeben. Im
privaten Aktivitätsniveau zeige die Beschwerdeführerin keine Einschränkungen. Sie
verfüge über ausreichende Ressourcen, um eine rückenadaptierte Tätigkeit bei vollem
Pensum auszuführen (vgl. IV-act. 169-148 f.). Dabei sei sie zu 80 % leistungsfähig. Das
sei seit März 2010 durchgehend anzunehmen (vgl. IV-act. 169-152). Dieser Teil des
Gutachtens ergibt keinen Hinweis auf Unvollständigkeit oder andere Unzulänglichkeiten
und sein Ergebnis ist nachvollziehbar begründet.
3.2.
Auch die psychiatrische IME-Begutachtung basiert auf einer Kenntnis der Vorakten
und es wurden dabei die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin detailliert
aufgenommen. Diese berichtete gemäss dem Gutachten von in ihrer Heimat erlebten
schlimmen Zeiten (Miterleben des Unfalltods eines _ und von _), von der Trauer
wegen eines kürzlich von einem _ verursachten tödlichen Verkehrsunfalls und von
der Sorge, wegen ihres Ausweises F ihre Familie in der Heimat nicht besuchen zu
können. Es habe Zunahme der subjektiv empfundenen Schmerzen seit 2012 mit
häufigeren Kopfschmerzen wegen vielen Stresses, Geldsorgen und unsicheren Status
in der Schweiz gegeben. Der ununterbrochene Ganzkörperschmerz sei aber bisher -
seit Beginn im September 2009 - unverändert geblieben (vgl. IV-act. 169-80). Die
Beschwerdeführerin gab danach an, eine Schmerzverstärkung ergebe sich durch
"falsche Bewegungen" und (nach Befragen) durch psychosoziale und emotionale
3.3.
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Belastungsfaktoren. Eine Schmerzlinderung trete nur minim durch die Einnahme von
Oxycodon ein. Die Depression habe sich seit 2010 deutlich verbessert (vgl. IV-
act. 169-80 f.). Hingegen seien die Schmerzen stärker geworden (vgl. IV-act. 169-81).
Der Experte der Psychiatrie erhob des Weiteren den psychiatrischen Befund
samt Blutserumspiegelmessungen (vgl. IV-act. 169-83 ff.).
3.3.1.
Gestützt darauf begründete der Gutachter seine Diagnosestellung
nachvollziehbar. Es bestünden bei der Beschwerdeführerin keine wesentlichen
organischen Befunde und altersgerechte röntgenologische Befunde des Stütz- und
Bewegungsapparates sowie eine Diskrepanz zwischen den Befunden und den
subjektiven Beschwerden. Zurzeit bestehe begleitend zur
Schmerzverarbeitungsstörung und zu psychosozialen Belastungsfaktoren als
Trauerreaktion auf die jüngsten Ereignisse um den _ ein leichtgradiges depressives
Syndrom, das gemäss ICD-10-Definition keiner zusätzlichen Codierung bedürfe, weil
eine leichtgradige depressive Verstimmung zum Störungsbild gehöre. Eine
mittelgradige Depression liege nicht vor (vgl. IV-act. 169-95). Es handle sich um eine
Störung der Ich-Strukturen und eine depressiv affektive Fehlverarbeitung im Rahmen
der chronischen Schmerzverarbeitungsstörung und der multiplen psychosozialen
Belastungen (vgl. IV-act. 169-94). Weitere Störungsbilder hätten sich nicht gezeigt,
namentlich keine Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung oder eine
Suchterkrankung (vgl. IV-act. 169-96).
3.3.2.
Zum Leidensdruck der Beschwerdeführerin hielt der Gutachter fest, die
Ergebnisse der Blutserumspiegelmessungen würden eindeutig auf eine fehlende
Einnahme der (wohl: Schmerz-) Medikamente (Duloxetin im therapeutischen Bereich,
Paracetamol aber sehr weit unterhalb des entsprechenden Spiegels) hindeuten, was
den tatsächlichen Leidensdruck in Frage stelle (vgl. IV-act. 169-95; Labor vgl. IV-
act. 169-87).
3.3.3.
Der Gutachter der Psychiatrie gab ferner Stellungnahmen zu den psychiatrischen
Vorberichten ab und begründete die Abweichungen (vgl. IV-act. 169-89 ff.).
3.3.4.
Ausserdem setzte er sich auch unter den Aspekten der Konsistenz, der
Persönlichkeit und des sozialen Kontextes mit den Standardindikatoren gemäss der
Rechtsprechung auseinander. Dabei fand er keine Verdeutlichungen und keine
Selbstlimitation der Beschwerdeführerin vor, ebenso verneinte er, Hinweise auf einen
sekundären Krankheitsgewinn festgestellt zu haben (vgl. IV-act. 169-94). Er hielt weiter
fest, durch die Traumatisierungen in der Zeit ihrer Persönlichkeitsbildung sei es bei der
3.3.5.
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4.
Beschwerdeführerin zu einer Minderung der psychischen Resilienz gekommen. Durch
die Schmerzerfahrungen im Rahmen des Verhebetraumas im September 2009 sei eine
Dekompensation der bis dahin erfolgreichen Abwehrmechanismen eingetreten und
habe sich auf der Basis der zusätzlichen erheblichen psychosozialen Belastungen (erst
_ Kinder, dann _tes Kind; Krankheit zweier [Kinder]; fehlende berufliche Ausbildung
und schulische Qualifizierungen; unzureichende soziokulturelle Eingliederung;
finanzielle Schwierigkeiten) die chronische Schmerzstörung entwickelt, in deren
Rahmen dann auch noch eine Störung der Affektsteuerung (Entwicklung der
leichtgradigen depressiven Episode; vgl. IV-act. 169-94). - Der Gutachter
berücksichtigte, dass die Beschwerdeführerin tatsächlich nur über wenige persönliche
Ressourcen verfüge (vgl. IV-act. 169-96). - Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass der
beschriebene Tagesablauf (vgl. IV-act. 169-81) nicht auf weitreichende
Einschränkungen der Fähigkeiten der Beschwerdeführerin zu Aktivitäten hinweist.
Der IME-Gutachter stellte schliesslich fest, aus psychiatrischer gutachterlicher
Sicht bestehe ein im Vergleich zum Referenzzeitpunkt bei der Begutachtung der
MEDAS Ostschweiz von 2011 im Wesentlichen unveränderter psychischer
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin. Er bestätige also jene
Arbeitsfähigkeitsschätzung (vgl. IV-act. 169-96; von 10 bis 20 %, unten E. 4.2).
3.3.6.
Auch bezüglich des psychiatrischen Teils gibt es unter den oben erwähnten
Aspekten keine Anhaltspunkte für eine Unvollständigkeit oder Zweifel an einer
fachgerechten Begutachtung.
3.3.7.
In der bidisziplinären Zusammenfassung des IME-Gutachtens wurde festgehalten,
aus psychiatrischer Sicht werde die Arbeitsfähigkeitsschätzung des Vorgutachtens
bestätigt, doch werde aus IV-relevanter Sicht auf zwei Aspekte hingewiesen. Zum
einen sei - bei der Abgrenzung der Funktionseinschränkungen, die auf die psychische
Gesundheitsstörung zurückzuführen seien, von solchen, die den (direkten) Folgen nicht
versicherter Faktoren zuzurechnen seien - zu beachten, dass psychosoziale
Belastungsfaktoren das Störungsbild erheblich modulierten (vgl. IV-act. 169-3; dazu
nachfolgend E. 4.2 ff.), zum andern, die Beschwerdeführerin sei mit ursächlichen
Belastungsfaktoren bereits eingereist (dazu wie erwähnt unten E. 5.1 ff.).
4.1.
Was zunächst die erwähnte Arbeitsfähigkeitsschätzung des Vorgutachtens betrifft,
war der Beschwerdeführerin im betreffenden psychiatrischen Consiliarteil vom
9. Februar 2011 zum Gutachten der MEDAS Ostschweiz vom 9. März 2011 eine
Arbeitsfähigkeit von 80 bis 90 % attestiert worden (IV-act. 54-18; Wiedergabe im IME-
4.2.
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Gutachten, IV-act. 169-90). Insgesamt war eine Arbeitsfähigkeit von 80 % angegeben
worden (IV-act. 54-11). Gerichtlich war allerdings eine volle Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin angenommen worden, weil die gutachterliche Annahme eines
zusätzlichen Pausenbedarfs von (durchschnittlich) 15 % auf der Schmerzschilderung
der Beschwerdeführerin und nicht auf willentlich nicht beeinflussbaren Symptomen der
psychischen Erkrankung beruhen würden. Die somatischen Symptome hätten die
geklagten Schmerzen nicht erklären können, was der psychiatrische Sachverständige
wohl übersehen habe (vgl. IV-act. 102-15). Es ist nach dem Dargelegten davon
auszugehen, dass der IME-Gutachter der Beschwerdeführerin eine psychiatrisch
bedingte Arbeitsunfähigkeit von ebenfalls 10 bis 20 % - wie der Vorgutachter -
attestierte.
In der Stellungnahme vom 20. Dezember 2017 verdeutlichte der IME-Gutachter der
Psychiatrie ergänzend, dass die oben genannten psychosozialen Faktoren
unmittelbaren Einfluss auf die Stimmung und das Lebensgefühl der
Beschwerdeführerin hätten. In seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit seien dagegen nur
Faktoren eingeflossen, welche krankheitsbestimmt seien (vgl. IV-act. 185-3). Diese
Feststellung und die entsprechende gutachterliche Würdigung werden - zu Recht -
nicht beanstandet. Denn eine psychiatrische Diagnose für sich allein vermag noch
keinen Leistungsanspruch zu begründen. Entscheidend ist vielmehr, ob und wie sich
eine Krankheit leistungslimitierend auswirkt. Entsprechend genügt eine durch
belastende Lebensumstände begründete fachärztliche Diagnose (beispielsweise einer
depressiven Störung) für sich allein noch nicht, sondern es ist für einen
Leistungsanspruch eine krankheitswertige, d.h. von den reaktiven, invaliditätsfremden
Geschehen auf psychosoziale Belastungsfaktoren abgrenzbare psychische Störung
vorausgesetzt, die sich auf die Arbeitsfähigkeit der versicherten Person auswirkt (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 22. August 2018, 9C_262/2018 E. 4.2.1). Die vom Gutachter
genannten psychosozialen Faktoren modulieren das Störungsbild in erheblicher Weise
(vgl. IV-act. 169-3). Der Gutachter hat die Faktoren in der Diagnoseliste aufgeführt und
gleichzeitig kenntlich gemacht, dass er sie als die Arbeitsfähigkeit nicht tangierende
Einflüsse würdigt. Dass er also darauf achtete, ausschliesslich funktionelle Ausfälle zu
berücksichtigen, die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (vgl. Art. 7
Abs. 2 erster Satz ATSG), und darauf, dass die versicherungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage erfolgt (vgl. Art. 7 Abs. 2 zweiter
Satz ATSG), ist nicht zu beanstanden.
4.3.
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5.
Zum andern wurde in der bidisziplinären Zusammenfassung zum psychiatrischen
Teil dargelegt, bei der ergebnisoffenen Diskussion der Standardindikatoren hätten sich
Hinweise darauf ergeben, dass der Beschwerdeführerin die Überwindung der
Schmerzen durch Willenskraft nicht mehr vollständig gelinge. Allerdings sei sie mit
diesen Belastungen in die Schweiz eingereist. Deshalb sei die Minderung der
psychischen Resilienz, auf deren Basis die chronische Schmerzverarbeitungsstörung
sich unter anderem habe entwickeln können, aus gutachterlicher Sicht als IV-fremd
einzustufen (vgl. IV-act. 169-3). Der Gutachter der Psychiatrie hatte dargelegt, aus IV-
relevanter Sicht sei darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin mit den
Belastungen und Traumatisierungen ihrer schwierigen Kindheit und Jugendzeit in die
Schweiz eingereist sei und die Minderung der psychischen Resilienz daher als IV-fremd
einzustufen wäre (vgl. IV-act. 169-94).
5.1.
Hierzu gilt es vorweg festzuhalten, dass es vorliegend keinen Grund gibt, einen Teil
eines Gesundheitsschadens deshalb aus der Beurteilung der relevanten
Arbeitsfähigkeit auszuschliessen, weil er vor der Einreise in die Schweiz bereits
vorhanden war, hatte doch eine mindestens 40 % betragende Invalidität nicht bereits
bei der Einreise 2004 bzw. vor der Leistung von Beiträgen während mindestens eines
vollen Jahres - und selbst noch nicht am 26. Januar 2012 - bestanden und war
demnach noch kein Versicherungsfall Rente eingetreten gewesen (vgl.
Bundesgerichtsurteil vom 30. Mai 2017, 8C_93/2017 E. 4.1).
5.2.
Es stellt sich damit die strittige Frage, ob der IME-Gutachter der Psychiatrie seine
medizinische Arbeitsfähigkeitsschätzung unter rechtlich unzutreffender
Ausklammerung von Befunden bzw. der erwähnten Minderung der psychischen
Resilienz als (Mit-) Ursache des vorhandenen psychischen Leidens abgegeben habe,
wie es die Beschwerdeführerin geltend machen lässt.
5.3.
Ein solcher Eindruck könnte gewonnen werden, wenn anzunehmen wäre, der IME-
Gutachter habe trotz eines inzwischen erheblich verschlechterten psychischen
Zustands der Beschwerdeführerin (Überwindung der Schmerzen durch Willenskraft
nicht mehr vollständig möglich) die gleiche Arbeitsunfähigkeitsschätzung wie das
Vorgutachten abgegeben. Indessen ist zu beachten, dass er nebst der von ihr
angegebenen subjektiven Verschlechterung deren Schmerzintensität im Gutachten
gleichzeitig auch ihre Beschreibung einer Verbesserung des psychischen
Zustandsbilds wiedergegeben hat (vgl. IV-act. 169-95). Die Beschwerdeführerin hat ihm
- auch - von einer solchen (deutlichen) Verbesserung berichtet (vgl. IV-act. 169-80 f.),
5.4.
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und zwar nicht etwa lediglich pauschal, sondern mit Bezug auf die Auswirkungen im
Einzelnen begründet und daher plausibel. Sie hatte ihm nämlich bekanntgegeben, dass
Aggressivität, Gehässigkeit und suizidale Gedanken zurückgegangen seien und der
Antrieb besser geworden sei. Die innere Unruhe habe nachgelassen. Die
Beschwerdeführerin führte das auf die Behandlung (veränderte Medikation und
Gespräche) zurück. - Es erscheint daher nachvollziehbar, dass im Ergebnis ein im
Wesentlichen unveränderter Zustand (vgl. IV-act. 169-96 f.) vorlag.
Auch aus dem gutachterlichen Hinweis auf die Berücksichtigung der aktuellen
bundesgerichtlichen Vorgaben (Standardindikatoren) und der IV-Vorgaben gemäss
dem IV-Rundschreiben Nr. 339 (vgl. IV-act. 169-97) lässt sich nichts ableiten, das auf
eine schon bei der medizinischen Begutachtung erfolgte unrechtmässige
Ausklammerung von Arbeitsunfähigkeitsanteilen hindeuten würde. In der
Stellungnahme vom 20. Dezember 2017 wies der IME-Gutachter ebenfalls lediglich auf
eine durch ihn vorgenommene Kennzeichnung - nicht ein Ausserachtlassen - von im
Ausland erworbenen Krankheiten hin (vgl. IV-act. 185-3).
5.5.
Dazu kommt, dass sich der Experte, wie sich aus dem Gutachten der IME ergibt,
der Aufgabenteilung zwischen Medizin und Recht bewusst war. Er hielt fest, seine
Bewertungen basierten auf medizinisch-theoretischer Grundlage und implizierten keine
rechtlichen Aspekte (vgl. IV-act. 169-97). Wenn er darauf hinwies, dass die Minderung
der psychischen Resilienz der Beschwerdeführerin nach seiner gutachterlichen
Meinung als IV-fremd einzustufen "wäre" (vgl. IV-act. 169-94) bzw. sei (vgl. IV-
act. 169-96), so ist das demnach als seine Aufforderung an den Rechtsanwender zu
betrachten, nötigenfalls die entsprechenden rechtlichen Schlüsse zu ziehen. Bei der
bidisziplinären Schlussfolgerung wurde denn auch entsprechend ausdrücklich
festgehalten, aus psychiatrischer Sicht sei das Störungsbild der Beschwerdeführerin
unverändert, wobei IV-fremde Faktoren aus juristischer Sicht Beachtung finden sollten
und medizinisch beschrieben worden seien (vgl. IV-act. 169-5). - Wie oben (E. 5.2)
dargelegt hat ein solches Ausserachtlassen aus juristischen Gründen indessen nicht zu
erfolgen.
5.6.
Schliesslich ist festzuhalten, dass die IME-Gutachter nicht nur das chronische
lumbosakrale Schmerzsyndrom, sondern auch die anhaltende somatoforme
Schmerzstörung mit leichtgradiger depressiver Verstimmung als Hauptdiagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bezeichnet haben und diesen Leiden demnach
beiden eine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zugeschrieben haben (während sie
bei den psychosozialen Faktoren gemäss den Diagnosen deklarierten, sie davon
ausgenommen zu haben). - Zum Attest einer psychiatrisch bedingten
5.7.
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6.
Bei diesen Gegebenheiten ist darauf abzustellen, dass die Beschwerdeführerin in einer
den diversen Vorgaben entsprechenden adaptierten Tätigkeit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit aus polydisziplinärer, orthopädischer und psychiatrischer Sicht zu
80 % arbeitsfähig ist, wie es ihr im überzeugenden Gutachten der IME attestiert
worden ist.
7.
Arbeitsunfähigkeit wäre es nach der Aktenlage zudem gar nicht gekommen, wenn auch
noch der erwähnte psychische Gesundheitsschaden der chronischen Schmerzstörung
bereits vom medizinischen Gutachter ausgeklammert worden wäre, für dessen
Entstehung die früher in der Heimat erlebten traumatisierenden Erlebnisse
unabdingbare Voraussetzung waren (vgl. IV-act. 185-3 f.). Das Attest der
Einschränkung der psychiatrischen Arbeitsfähigkeit beruhte jedoch gerade auf der
Berücksichtigung der erwähnten Schmerzstörung.
Angesichts dieses Ausmasses an Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin liegt
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vor. Würde ein Einkommensvergleich anhand
der früher verwendeten Grundlagen vorgenommen, zeigte sich Folgendes: Nach
Angaben in der Arbeitgeberbescheinigung hätte die Beschwerdeführerin 2010 ohne
Gesundheitsschaden Fr. 65'400.-- verdient. Der statistische Durchschnittslohn von
Frauen für einfache und repetitive Tätigkeiten betrug damals Fr. 52'728.-- (vgl.
Anhang 2 der Textausgabe Invalidenversicherung, Allgemeiner Teil des
Sozialversicherungsrechts, Gesetze und Verordnungen, 2015, herausgegeben von der
Informationsstelle AHV/IV, S. 226, basierend auf der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung LSE des Bundesamtes für Statistik). Bei einer Arbeitsunfähigkeit
von 20 % ergäbe sich unter Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 5 %
(Invalideneinkommen Fr. 40'073.--) ein Invaliditätsgrad von rund 39 %.
7.1.
Indessen fragt sich, ob vorliegend ein solcher Betrag von Fr. 65'400.-- (2010) als
Valideneinkommen der Beschwerdeführerin betrachtet werden kann. Eine Bindung an
die früher vorgenommene Würdigung besteht im Rahmen der Neuanmeldung nicht
(zumindest in einem zweiten Schritt ist der allfällige Anspruch in tatsächlicher und
rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen, vgl. Bundesgerichtsurteil vom 22. Februar
2019, 9C_5/2019 E. 2). Das genannte Einkommen hat die Beschwerdeführerin zwar
ehemals während einer gewissen Zeit einer Anstellung tatsächlich erzielt. Indessen hat
sie jene Stelle verloren und es wurde in der Arbeitgeberbescheinigung nicht allein auf
7.2.
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8.
krankheitsbedingte Gründe hierfür hingewiesen. Nach der Aktenlage kann jedenfalls
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit angenommen werden, die
Beschwerdeführerin hätte ohne Eintritt des Gesundheitsschadens weiterhin längere
Zeit mit entsprechendem Lohn an der betreffenden Stelle bleiben oder nach einer
Kündigung wieder das gleiche Lohnniveau erreichen können. Denn das Einkommen
war nicht nur im Vergleich zu den statistischen Durchschnittsentlöhnungen für einfache
und repetitive Tätigkeiten allgemein (2010 wie erwähnt Fr. 52'728.--), sondern auch im
Vergleich zu den entsprechenden Löhnen von Frauen im Bereich Gesundheits- und
Sozialwesen (nämlich 2010 Fr. 58'353.--; 12x Fr. 4687.-- x 41.5/40, Tabelle TA1,
Anforderungsniveau 4, LSE 2010, S. 27) überdurchschnittlich, obwohl die
Beschwerdeführerin keine berufliche Ausbildung besitzt und kaum ausreichende
sprachliche (vgl. IV-act. 169-69) und schulische (vgl. IV-act. 169-71) Voraussetzungen
für eine Tätigkeit als _helferin mitbringt. Stattdessen ist vielmehr mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass das Valideneinkommen nicht über jenem
Durchschnitt anzusetzen ist, für 2010 also nicht über Fr. 58'353.--. Der Invaliditätsgrad
beträgt demnach bei einem Invalideneinkommen von Fr. 40'073.-- (bei einer
Arbeitsunfähigkeit von 20 % und Berücksichtigung eines Tabellenlohnabzugs von 5 %,
ausgehend von Fr. 52'728.--) höchstens 31 %.
Die verfügte Abweisung erweist sich demnach jedenfalls als rechtmässig.7.3.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen.8.1.
Nach Art. 69 Abs. 1 IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die
Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von 200 bis 1000 Franken festgelegt. Die
Beschwerdeführerin ist im Verfahren unterlegen, weshalb ihr die Gerichtskosten in der
Höhe von Fr. 600.-- aufzuerlegen sind. Zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen
Prozessführung (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung; Letztere vgl. unten) am 26. Juni 2018 ist sie jedoch von deren
Bezahlung zu befreien.
8.2. bis
Der Staat ist aufgrund der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung zu verpflichten,
für die Kosten ihrer Rechtsvertretung aufzukommen. Der Bedeutung der Streitsache
und dem Aufwand angemessen erscheint eine Parteientschädigung von Fr. 3'500.--
(einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer). Diese ist in Anwendung von Art. 31
8.3.
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