Decision ID: 5d2b744b-41f5-444b-8094-d4cededa2cda
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962,
Vater von vier Kindern, meldete sich am
3.
Januar 2011 beim regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) zur Stellenvermittlung an und bean
tragte
Arbeitslosenentschä
di
gung
ab dem 1.
Januar 2011
(Urk.
6
/
67
; Urk.
6
/
5 Ziff. 2
).
Die
Arbeitslosen
kasse
des Kantons Zürich richtete ihm daraufhin Tag
gelder
sowie den Kinder
zulagen ent
sprechende Zuschläge dazu
aus (vgl.
Urk.
2 S.
3
Ziff.
2
).
Nachdem die
Arbeits
losen
kasse Kenntnis davon erhielt, dass die Ex-Ehefrau und Mutter des ge
mein
samen Sohnes
Y._
seit Mai 2011 Kinderzulagen über ihren Arbeitgeber bezieht (vgl.
Urk.
6/22), verfügte sie am 1
7.
Juni 2013
eine Rück
forderung
für zu
Unrecht ausbezahlte Kinderzulagen
im Betrag von Fr.
2
'
903
.15 (Urk.
6/6
).
Die dagegen erhobene Einsprache
des Versicherten
(
Urk.
6/2) wies
die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
mit Entscheid vom 3
0.
August 2013
ab (Urk.
6
/1 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
2
9.
September
201
3
Beschwerde gegen den Einspra
che
entscheid vom
3
0.
August 2013
(Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuhe
ben
und
der zu viel ausbezahlte Betrag
von Fr.
2’903.15
sei
von
seiner Ex-Ehe
frau ein
zufordern
(Urk. 1). Die
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
beantragte am
2
5
.
Okto
ber 201
3
die Abweisung der Beschwerde (Urk.
5
). Diese Eingabe wurde dem
Beschwerdeführer
am
30. Oktober 2013
zur Kenntnis
nahme zuge
stellt (Urk.
8
).
Der Einzelrichter

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Nach
Art.
95
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
ver
sicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
richtet sich die Rückfor
de
rung
mit Ausnahme der Fälle von
Art.
55
und
Art.
59c
bis
Absatz 4
AVIG nach
Art.
25
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
(ATSG)
.
Gemäss
Art.
25
Abs.
1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leis
tungen zu
rückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung der einzelnen Leistung. Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche
das Strafrecht eine längere Verjährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massge
bend
(
Art.
25
Abs.
2 ATSG).
1.3
Art. 25 Abs. 1 ATSG knüpft die Rückerstattungspflicht an einen
unrechtmässi
gen
Bezug der Leistung. Die
Unrechtmässigkeit
einer bereits bezogenen Leistung kann
sich beispielsweise aus der Wiedererwägung oder der Revision der
leis
tungs
zu
sprechenden
Verfügung ergeben, wobei die Korrektur rückwirkend er
folgen muss.
Bei Leistungen, welche durch formlose Entscheide zugesprochen wurden, sind Rück
forderungen ebenso möglich wie bei verfügungsweise festge
setzten Leis
tung
en (vgl. Ueli
Kieser
,
ATSG-Kommentar,
2. Auflage, Zürich/Basel/ Genf 2009, N 12 ff. zu Art. 25).
Gemäss einem allgemeinen Grundsatz des Sozialversicherungsrechts kann die Ver
waltung eine formell rechtskräftige Verfügung, welche nicht Gegenstand mate
rieller richterlicher Beurteilung gebildet hat, in Wiedererwägung ziehen, wenn
sie zweifellos unrichtig und ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung ist (BGE 122 V 270 E. 2; Art. 53 Abs. 2 ATSG). Die für die Wiedererwägung
formell rechtskräftiger Verfügungen massgebenden Voraussetzungen gelten auch
mit Bezug auf die Rückerstattung zu Unrecht bezogener Geldleistungen der Arbeits
losenversicherung gemäss Art. 95 AVIG (BGE 122 V 270 E. 2).
2.
2.1
Gemäss
Art.
22
Abs.
1 AVIG beträgt ein volles Taggeld 80 Prozent des versi
cherten Verdienstes. Der Versicherte erhält zudem einen Zuschlag, der den auf den Tag umgerechneten gesetzlichen Kinder- und Ausbildungszulagen ent
spricht
, auf die er Anspruch hätte, wenn er in einem Arbeitsverhältnis stände. Dieser Zuschlag wird nur ausbezahlt, soweit die Kinderzulagen dem Versicher
ten wäh
rend der Arbeitslosigkeit nicht ausgerichtet werden, und für dasselbe Kind kein Anspruch einer erwerbstätigen Person besteht.
2.
2
In tatsächlicher Hinsicht steht fest, dass
die Beschwerdegegnerin dem Beschwer
deführer seit Januar 2011
Arbeitslosenentschädigung inklusive de
r
den Kinder
zu
lagen entsprechenden Zuschl
äge
zum Arbeitslosentaggeld
ausrichtete (vgl.
Urk.
2
S.
3
Ziff.
2;
Urk.
6/7-21
).
Des Weiteren ist dem Schreiben der Familien
aus
gleichs
kasse vom 1
0.
Juni 2013 (
Urk.
6/22) zu entnehmen, dass
Z._
,
die Ex-
Ehefrau des Beschwerdeführers, für den gemeinsamen Sohn
Y._
seit
1.
Mai 2011 Kinderzulagen über ihren Arbeitgeber be
zieht.
2.
3
Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde
(
Urk.
1)
geltend,
e
r habe den
monatlichen Betrag von
Fr.
200.-- mittels Dauerauftrag an seine Ex-Ehe
frau
überweisen lassen. Der von der Beschwerdegegnerin zurückgeforderte Be
trag von
Fr.
2‘903.15 sei somit i
m
Besitz seiner Ex-Ehefrau, welche die Kinder
zulagen von
ihm und von ihrem Arbeitgeber doppelt erhalten habe. Da er nicht mit seiner
Ex-Ehefrau kommuniziere, ersuche er darum, den
zu viel ausbezahl
ten Betrag von
Fr. 2’903.15 direkt bei ihr einzufordern.
2.
4
Festzuhalten ist, dass die Beschwerdegegnerin gestützt auf die gesetzlichen Be
stimmungen (
Art.
95
Abs.
1 AVIG in Verbindung mit
Art.
25
Abs.
1 ATSG) be
rechtigt ist, zu Unrecht ausbezahlte Leistungen zurückzufordern (vgl. vorste
hend
E. 1.2).
Da die Ex-Ehefrau des Beschwerdeführers ab Mai 2011 Kinderzu
lagen für den gemeinsamen Sohn bezog, bestand ab diesem Zeitpunkt gemäss
Art.
22
Abs.
1 AVIG kein Anspruch auf die Ausrichtung des Zuschlags zum
Ar
beits
lo
sen
taggeld
mehr. Bei den von Mai 2011 bis Juli 2012 ausgerichteten
Zu
schlä
gen für
Kinderzulagen handelt es sich folglich um unrechtmässig bezogene Leis
tung
en
(vgl. vorstehend E.
1.3)
, welche im Sinne von Art. 25 Abs. 1 ATSG zurück
zu
er
statten sind.
Die Beschwerdegegnerin
hat ihren Rückforderungsanspruch rechtzeitig geltend ge
macht
und auch
die
Höhe der Rückforderung ist nicht zu beanstanden. Der Be
trag von Fr.
2’903.15
ergibt sich aus den Abrechnungen für die Monate Mai 2011
bis Juli 2012 (
Urk.
6/7-21).
2.
5
Soweit der Beschwerdeführer
beantragt
e
,
die
zu viel ausbezahlten Kinderzula
ge
n seien
direkt bei
sein
er Ex-Ehefrau einzufordern
, ist festzuhalten, dass
Art.
25
Abs.
1 ATSG für die Zuordnung der Rückerstattungsverpflichtung auf den Emp
fang der Leistung ab
stellt
. Vorliegend
richtete
die Beschwerdegegnerin die Tag
gelder einschliesslich der Zuschläge dem Beschwerdeführer aus. Wie
dies
er das Geld verwendete – und damit auch die Tatsache, dass er die den Kin
derzulagen entsprechenden Zuschläge jeweils direkt seiner Ex-Ehefrau über
wiesen hat –, ist für die Rückerstattungspflicht unerheblich.
Die
Beschwerde
gegnerin
hat sich
so
mit
für die Rückerstattung
richtigerweise
an den Beschwer
deführer gehalten.
Im Übrigen
fehlt es
ihr
an einem Rechtstitel, um die Zu
schläge direkt von der Ex-
Ehefrau des Beschwerdeführers
zurück
zufordern.
Wie die Beschwerdegegnerin
zu
Recht
festgehalten hat
(vgl.
Urk.
2 S.
3)
, erscheint
die Ex-Ehefrau tatsächlich
doppelt begünstigt und es steht dem Beschwerde
führer frei, sich bezüglich Rück
zahlung an sie zu wenden
.
2.
6
N
ach dem Gesagten erweist sich der angefochtene Entscheid der
Arbeitslosen
kasse
des Kantons Zürich
vom
3
0.
August 2013
(Urk. 2)
als rechtens. Die
s führ
t
zur Abweisung der
Beschwerde.