Decision ID: 3a0f2aa4-c6de-5265-a7f4-a0b0384e3066
Year: 2007
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

C. Mit Verfügung vom 14. Februar 2005 lehnte das BFM das Asylgesuch des  ab, ordnete seine Wegweisung aus der Schweiz an und erwog, der Vollzug der Wegweisung sei zulässig, zumutbar und möglich. Zur Begründung wurde ausgeführt, die Vorbringen des Beschwerdeführers würden den  an die Glaubhaftmachung nach Art. 7 AsylG nicht genügen. Insbesondere habe er zu wesentlichen Punkten des geltend gemachten Sachverhaltes  und somit widersprüchliche Angaben gemacht; zudem seien seine Schilderungen zu wenig konkret, detailliert und differenziert ausgefallen, sodass der Eindruck vermittelt werde, er habe das Geschilderte nicht selbst erlebt.  des Wegweisungsvollzugs stellte die Vorinstanz fest, dass es der  Regierung unter dem am 9. Oktober 2004 gewählten Präsidenten Hamid Karzai gelungen sei, die Situation im Land insgesamt zu stabilisieren. Ausserdem habe sie durch die Einbindung eines Grossteils der lokalen Machthaber ihren  wesentlich über Kabul hinaus ausdehnen können. Zur Gewährung der Sicherheit der Bevölkerung werde die Regierung auch von der internationalen Schutztruppe ISAF unterstützt und die Wiederaufbauteams seien weiterhin operationell. Es sprächen auch keine individuellen Gründe gegen die Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs des Beschwerdeführers, zumal er sein Leben lang in seinem Heimatdorf gelebt habe und dort über ein tragfähiges soziales  verfüge.
D. Der Beschwerdeführer beantragte bei der Schweizerischen Asylrekurskommission (ARK) mit Eingabe vom 4. März 2005 die Aufhebung der Ziffern 4 und 5 der vorins-
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tanzlichen Verfügung. Es sei die Unzulässigkeit und allenfalls die Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzuges festzustellen und infolgedessen die vorläufige  anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte er die unentgeltliche Prozessführung und den Erlass des Kostenvorschusses. Er begründete seine  im Wesentlichen mit dem Verweis auf verschiedene Berichte der  Flüchtlingshilfe (SFH), des UNHCR und der Human Rights Watch. Seit dem Sturz des Taliban-Regimes bemühe sich die afghanische Regierung zwar um die Etablierung von Sicherheit, Stabilität und Frieden, sei aber von dieser  noch weit entfernt. Nach gewissen Berichten habe sich die Sicherheitslage in Afghanistan nicht verbessert, da Warlords, bewaffnete Gruppen und  der Taliban das Land dominieren und gegen die Menschenrechte verstossen würden. Die Zentralregierung habe sich nicht durchgesetzt. Besonders gefährlich sei die Lage ausserhalb Kabuls. Auch die humanitäre Situation stelle sich äusserst kritisch dar. Bezüglich der individuellen Situation machte der Beschwerdeführer geltend, Angehörige der Hazara seien weiterhin diskriminiert und Opfer von , denen sie schutzlos ausgesetzt seien.
E. Mit Eingabe vom 11. März 2005 liess der Beschwerdeführer eine  zu den Akten reichen.
F. Mit Zwischenverfügung vom 14. März 2005 hiess die ARK das Gesuch um  Rechtspflege gut und verzichtete auf die Erhebung eines .
G. Die Vorinstanz schloss mit Vernehmlassung vom 18. März 2005 auf Abweisung der Beschwerde, da diese keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel enthalte, welche eine Änderung ihres Standpunktes rechtfertigen könnten. Das BFM strich dabei hervor, dass die Hazara in Afghanistan keiner gezielten  ausgesetzt seien und Angehörige dieser Ethnie auch in der Regierung und der staatlichen Verwaltung vertreten seien. Die Vernehmlassung wurde dem  am 22. März 2005 ohne Replikrecht zur Kenntnis gebracht.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 (VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das  (VwVG, SR 172.021), sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG . Als Vorinstanzen gelten die in Art. 33 und 34 VGG genannten Behörden. Dazu gehören Verfügungen des BFM gestützt auf das Asylgesetz; das  entscheidet in diesem Bereich endgültig (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]).
1.2 Das Bundesverwaltungsgericht übernimmt, sofern es zuständig ist, die Beurteilung der am 31. Dezember 2006 bei der ARK hängigen Rechtsmittel. Das neue  ist anwendbar (vgl. Art. 53 Abs. 2 VGG).
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1.3 Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder  Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und die  gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
2. Die Beschwerde ist form- und fristgerecht eingereicht; der Beschwerdeführer ist  (Art. 6 AsylG i.V.m. Art. 48 und 50 ff. VwVG). Auf die Beschwerde ist .
3. Die vorliegende Beschwerde richtet sich lediglich gegen die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung des BFM. Die Ziffern 1, 2 und 3 des  der Verfügung (betreffend Flüchtlingseigenschaft, Asylgewährung und  der Wegweisung an sich) sind somit in Rechtskraft erwachsen. Im  ist daher zu prüfen, ob die Vorinstanz den Vollzug der Wegweisung zu Recht angeordnet hat.
4.
4.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht möglich, nicht zulässig oder nicht zumutbar, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach den gesetzlichen  über die vorläufige Aufnahme von Ausländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 14a Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 26. März 1931 über Aufenthalt und  der Ausländer [ANAG, SR 142.20]).
4.2 Der Vollzug ist nicht möglich, wenn der Ausländer weder in den Herkunfts- oder in den Heimatstaat noch in einen Drittstaat verbracht werden kann. Er ist nicht , wenn völkerrechtliche Verpflichtungen der Schweiz einer Weiterreise des  in seinen Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen. Der Vollzug kann insbesondere nicht zumutbar sein, wenn er für den Ausländer eine konkrete Gefährdung darstellt (Art. 14a Abs. 2 - 4 ANAG).
4.3 Niemand darf in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land gezwungen werden, in dem sein Leib, sein Leben oder seine Freiheit aus einem Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet sind oder in dem die Gefahr besteht, dass er zur Ausreise in ein solches Land gezwungen wird (Art. 5 Abs. 1 AsylG).
4.4 Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen  vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkommens vom 10.  1984 gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder  Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105) und der Praxis zu Art. 3 der  zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (EMRK, SR 0.101) darf niemand der Folter oder unmenschlicher oder  Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
4.5 Die erwähnten drei Bedingungen für einen Verzicht auf den Vollzug der  (Unzulässigkeit, Unzumutbarkeit und Unmöglichkeit) sind alternativer Natur. Sobald eine von ihnen erfüllt ist, ist der Vollzug der Wegweisung als  zu betrachten und die weitere Anwesenheit in der Schweiz gemäss den  über die vorläufige Aufnahme zu regeln (vgl. die weiterhin geltende Praxis der ehemaligen ARK in Entscheidungen und Mitteilungen der  Asylrekurskommission / [EMARK] 2006 Nr. 10).
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4.6 Weil sich vorliegend der Vollzug der Wegweisung - aus den nachfolgend  Gründen - als unzumutbar erweist, ist auf eine Erörterung der beiden  Kriterien - insbesondere der Zulässigkeit des Wegweisungsvollzuges - zu .
4.7 Aus humanitären Gründen, nicht in Erfüllung völkerrechtlicher Pflichten der Schweiz, wird auf den Vollzug der Wegweisung auch verzichtet, wenn die  in den Heimatstaat für den Betroffenen eine konkrete Gefährdung darstellt. Eine solche Gefährdung kann angesichts der im Heimatland herrschenden  politischen Lage, die sich durch Krieg, Bürgerkrieg oder durch eine  allgemeiner Gewalt kennzeichnet, oder aufgrund anderer Gefahrenmomente, wie beispielsweise einer notwendigen medizinischen Behandlung, angenommen werden (vgl. Botschaft zum Bundesbeschluss über das Asylverfahren vom 22. Juni 1990, BBl 1990 II 668).
4.7.1 Die ARK hat sich in EMARK 2003 Nr. 10 und 30 eingehend zur Lage in Kabul  und die Unterschiede zwischen der Stadt Kabul und anderen Regionen  dargestellt. Infolge der vergleichsweise günstigeren Situation hat sie den Wegweisungsvollzug nach Kabul unter bestimmten strengen , insbesondere einem tragfähigen Beziehungsnetz und einer gesicherten Wohnsituation, als zumutbar erachtet. Die ARK kam in ihrem publizierten Urteil vom 25. November 2003 (EMARK 2003 Nr. 30) gestützt auf eine eingehende  zum Schluss, dass eine Rückkehr in die Provinz Ghazni als  und damit als unzumutbar zu qualifizieren sei. In ihrem Urteil vom 24. Januar 2006 (EMARK 2006 Nr. 9) bestätigte und ergänzte die ARK ihre Rechtsprechung aus dem Jahr 2003. Zusätzlich zu Kabul erachtete sie den Wegweisungsvollzug in jene Regionen Afghanistans als grundsätzlich zumutbar, in welchen seit dem  2004 keine signifikanten militärischen Aktivitäten stattgefunden haben oder die keiner dauernden Unsicherheit ausgesetzt sind. Diese Voraussetzungen sind im Fall einer Wegweisung nach Kabul und - seit EMARK 2006 Nr. 9 - auch in die  Parwan, Baghlan, Takhar, Badakhshan, Kunduz, Balkh, Sari Pul, Herat und in die Gegend von Samangan, die nicht zum Hazarajat zu zählen ist, gegeben,  im Sinne einer Einschränkung die in EMARK 2003 Nr. 10 erwogenen strengen Bedingungen beachtet werden müssen.
4.7.2 Wie vorstehend erwähnt, ist der Beschwerdeführer Angehöriger der Ethnie der Hazara und stammt aus dem Distrikt Djaghuri der Provinz Ghazni, wo er bis zu der von ihm geltend gemachten Ausreise im Jahre 2002 mit seinen Verwandten gelebt habe. Dieser - westliche - Teil der Provinz Ghazni gehört zum Hazarajat (vgl. EMARK 2003 Nr. 30 E. 7a S. 193). Dahin erachtet die ARK - wie sich aus den  Erwägungen ergibt - den Vollzug der Wegweisung als unzumutbar, andererseits ergibt sich aus EMARK 2006 Nr. 9, dass die ARK einen generellen Wegweisungsvollzug in das Hazarajat bewusst ausschloss, zumal sie festhielt, dass der Wegweisungsvollzug in die Region Samangan nur unter Ausschluss  Gebiete, welche zum Hazarajat gehören, als generell zumutbar erachtet würde (EMARK 2006 Nr. 9 E. 7.8 S. 102). Das Bundesverwaltungsgericht sieht keinen Grund zu einer Änderung oder Präzisierung der in EMARK 2006 Nr. 9  und sich auf die frühere Praxis stützenden Einschätzung der Lage in Afghanistan. Die bisherige, in EMARK 2003 Nr. 10 und 30 sowie EMARK 2006 Nr. 9 festgelegte Praxis hat folglich auch im heutigen Zeitpunkt noch Gültigkeit.
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4.7.3 Es stellt sich daher die Frage, ob dem Beschwerdeführer allenfalls eine  in einem anderen Landesteil Afghanistans zur Verfügung steht. Die Anerkennung einer zumutbaren innerstaatlichen Aufenthaltsalternative eines aus dem Hazarajat stammenden Asylsuchenden etwa nach Kabul - wo die allgemeine Situation als relativ stabil zu bezeichnen ist (vgl. EMARK 2003 Nr. 10 E. 10b S. 66 ff.) - setzt insbesondere die Existenz eines tragfähigen Familien- oder  sowie eine gesicherte Wohnsituation in dieser Stadt voraus; mithin ist bei der Beurteilung der individuellen Zumutbarkeitskriterien eine differenzierte  angezeigt (vgl. EMARK 2003 Nr. 30 E. 7b S. 193 f.). Der Beschwerdeführer verfügt in Kabul oder in einer anderen Gegend Afghanistans aufgrund der  weder über eine gesicherte Wohnsituation noch über ein tragfähiges Familien- oder Beziehungsnetz. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Vater des Beschwerdeführers früher Besitzer eines Hauses in Kabul gewesen sein soll, das jedoch zerstört worden ist. Mithin fehlen ihm die entscheidenden , um sich in einem anderen Gebiet seines Heimatlandes eine  aufbauen beziehungsweise sichern zu können.
4.8 Angesichts der gesamten Umstände ist der Vollzug der Wegweisung - der Praxis dar ARK, welche in diesem Punkt auch für das Bundesverwaltungsgericht  Gültigkeit erlangt, entsprechend - als unzumutbar zu bezeichnen. Die  für die Gewährung der vorläufigen Aufnahme sind demnach erfüllt.  vorläufigen Aufnahme stehen im Übrigen auch keine einschränkenden  Tatbestände (Art. 14 Abs. 6 ANAG) entgegen.
4.9 Die Beschwerde ist bezüglich der Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der  Verfügung gutzuheissen. Die Ziffern 4 und 5 des Dispositivs der Verfügung des Bundesamtes sind aufzuheben und das Bundesamt ist anzuweisen, den  vorläufig aufzunehmen (vgl. Art. 44 Abs. 2 AsylG und Art. 14a Abs. 1 bis 4 ANAG).
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind keine Kosten zu erheben (Art. 63 Abs. 1 VwVG).
6. Die Beschwerdeinstanz kann der ganz oder teilweise obsiegenden Partei von  wegen oder auf Begehren eine Entschädigung für ihr erwachsene notwendige und verhältnismässig hohe Kosten zusprechen (Art. 64 Abs. 1 VwVG). Aufgrund der Aktenlage ist nicht davon auszugehen, dass dem nicht vertretenen  durch das Abfassen seiner Beschwerde notwendige und verhältnismässig hohe Kosten erwachsen sind, weshalb keine Parteientschädigung zu entrichten ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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