Decision ID: ad926ac2-5ae1-44fa-8568-c043f9a8854e
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
M._,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, Waisenhausstrasse 17, Postfach,
9001 St. Gallen,
gegen
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, Ausgleichskasse des Kantons St.
Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
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betreffend
Ergänzungsleistung zur IV
Sachverhalt:
A.
Mit einer Verfügung vom 19. Februar 2004 sprach die IV-Stelle M._ rückwirkend ab
Januar 2001 eine halbe Invalidenrente im Härtefall zu. Am 4. März 2004 füllte M._ die
Anmeldung zum Bezug einer Ergänzungsleistung aus. Dabei gab er u.a. an, weder er
noch seine Ehefrau erzielten ein Erwerbseinkommen. Das RAV St. Gallen teilte am 24.
März 2004 mit, der Versicherte sei in der Lage, seine Restarbeitsfähigkeit zu verwerten.
Allerdings sei eine der Behinderung angepasste Stelle schwer zu finden. Die Ehefrau
des Versicherten hingegen könne ihre Arbeitsfähigkeit nicht verwerten, denn sie habe
in der Schweiz noch nie gearbeitet, beherrsche die deutsche Sprache nicht und könne
sich zudem nicht vorstellen, ausser Haus zu arbeiten. Dr. med. A._ gab am 3. Mai
2004 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit der Ehefrau des Versicherten an. Gemäss
seinem Schreiben vom 4. August 2004 litt sie an einer arteriellen Hypertonie und an
einem chronischen Lumbovertebralsyndrom bei Diskopathie L2/3 und L3/4. Am 31.
August 2004 gab Dr. med. A._ ergänzend an, die Ehefrau des Versicherten sei auch
in einer rückenadaptierten Erwerbstätigkeit zu 100% arbeitsunfähig. Bei der
rückwirkenden Anspruchsberechnung berücksichtigte die EL-Durchführungsstelle nur
ein hypothetisches Erwerbseinkommen des Versicherten selbst. Die entsprechende
Verfügung erging am 25. November 2004. In einem Begleitschreiben vom gleichen Tag
verlangte die EL-Durchführungsstelle vom Versicherten, dass sich die Ehefrau bei der
Invalidenversicherung anmelden müsse. Am 10. Januar 2005 mahnte die EL-
Durchführungsstelle den Versicherten und am 21. März 2005 forderte sie ihn auf, dafür
zu sorgen, dass die Ehefrau sich anmelde, andernfalls ab 1. Mai 2005 ein
hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau angerechnet werde. Die Ehefrau des
Versicherten meldete sich schliesslich am 30. März 2005 zum Bezug von IV-Leistungen
an. Deshalb unterblieb die angedrohte Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens der Ehefrau.
B.
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Im Rahmen des IV-Verfahrens gab Dr. med. A._ am 28. April 2005 an, in einer
körperlich leichten Tätigkeit ohne wesentliche Rückenbelastung betrage die
Arbeitsfähigkeit der Ehefrau des Versicherten je nach Tätigkeit 50 -100%. Dr. med.
B._ vom RAD Ostschweiz hielt dazu am 29. Juni 2005 fest, die
Leistungseinschränkung beschränke sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf
mittelschwere und schwere Arbeiten. Der Gesundheitszustand könnte durch eine
Physiotherapie verbessert werden. Die IV-Stelle forderte die Ehefrau des Versicherten
auf, bis 15. Juli 2005 eine Physiotherapie zu beginnen, ansonsten aufgrund der Akten
entschieden werde. Da sich die Ehefrau des Versicherten nicht mehr meldete, erging
am 25. Juli 2005 eine Sanktionsverfügung in der Form einer Abweisung des
Rentengesuchs. Die EL-Durchführungsstelle forderte den Versicherten am 4. August
2006 auf, seine Ehefrau zu veranlassen, sich beim RAV als stellensuchend zu melden
und sich gezielt um eine Arbeitsstelle zu bemühen (mindestens zehn Bewerbungen
monatlich). Der Versicherte reichte ein Zeugnis von Dr. med. A._ vom 24. August
2006 ein, in dem seine Ehefrau als zu 100% arbeitsunfähig bezeichnet wurde. Die EL-
Durchführungsstelle erklärte dem Versicherten am 29. August 2006, dass sie an ihrer
Aufforderung vom 4. August 2006 festhalte. Am 15. November 2006 ersuchte die EL-
Durchführungsstelle den Versicherten, ihr sämtliche schriftlichen und mündlichen
Bewerbungsunterlagen seiner Ehefrau einzureichen. Dr. med. A._ meldete am 11.
Januar 2007, gemäss der Auskunft der Familie habe sich die Ehefrau des Versicherten
wegen Krankheit nicht beworben. Mit einer Verfügung vom 15. Februar 2007 setzte die
EL-Durchführungsstelle die laufende Ergänzungsleistung per 1. März 2007 herab,
indem sie zusätzlich ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau des
Versicherten anrechnete. Der Versicherte erhob am 9. März 2007 Einsprache gegen
diese Verfügung mit der Begründung, seine Ehefrau könne aufgrund ihrer
gesundheitlichen Situation keine Stelle finden. Das RAV St. Gallen gab am 10. April
2007 an, im jetzigen Arbeitsmarkt seien sozusagen keine leichten Hilfsarbeiten
verfügbar. Die EL-Durchführungsstelle wies die Einsprache am 18. Juni 2007 ab. Sie
machte sinngemäss geltend, die Ehefrau des Versicherten könnte den ihr als
hypothetisches Erwerbseinkommen angerechneten Betrag von Fr. 24'026.-
beispielsweise als Küchenhilfe verdienen. Damit auf die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens verzichtet werden könnte, müsste sich die
Ehefrau des Versicherten über einen längeren Zeitraum schriftlich bewerben und
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zudem die Stelleninserate und die Absagen aufbewahren. Ausserdem müsste sie die
Hilfe des RAV in Anspruch nehmen. Bereits am 23. März 2007 hatte sich die Ehefrau
des Versicherten erneut zum Bezug von IV-Leistungen angemeldet. Dr. med. A._
berichtete am 30. November 2007, die Versicherte leide an einem lumbovertebralen
Schmerzsyndrom und – ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit – an arterieller
Hypertonie, an Adipositas, an Hyperurikämie und an einer ausgeheilten distalen
Vorderarmfraktur rechts. Körperlich leichte Arbeiten ohne wesentliche
Rückenbelastung seien zumutbar. Am 29. Mai 2008 wies die IV-Stelle auch dieses
Rentengesuch der Ehefrau des Versicherten ab.
C.
Die AHV-Zweigstelle teilte der EL-Durchführungsstelle am 30. Oktober 2007 mit, dass
der Versicherte das Revisionsformular trotz Aufforderung nicht eingereicht habe. Die
EL-Durchführungsstelle setzte dem Versicherten eine letzte Frist zum Einreichen dieses
Formulars bis 19. November 2007. Sie drohte die Einstellung der Ergänzungsleistung
per 30. November 2007 an. Mit einer Verfügung vom 19. November 2007 stellte sie
dann die Ausrichtung der Ergänzungsleistung tatsächlich per 30. November 2007 ein.
Der Versicherte erhob am 4. Januar 2008 Einsprache gegen diese Verfügung. Er reichte
das ausgefüllte Revisionsformular samt den erforderlichen Belegen ein. Die EL-
Durchführungsstelle nahm eine rückwirkende Anspruchsberechnung ab 1. Dezember
2007 unter Berücksichtigung der neuen Zahlen vor. Auch diese Anspruchsberechnung
wies wieder ein hypothetisches Erwerbseinkommen beider Ehegatten aus. Der
Versicherte liess am 22. Februar 2008 Einsprache gegen diese Verfügung erheben. Er
beantragte den Verzicht auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens seiner Ehefrau, da diese 57 Jahre alt sei, was allein schon
rechtfertige, von einem hypothetischen Erwerbseinkommen abzusehen. Im übrigen sei
seine Ehefrau vom RAV als vermittlungsunfähig eingestuft. Gemäss dem RAV seien am
jetzigen Arbeitsmarkt keine leichten Hilfsarbeiten verfügbar. Eine Frist zur Einreichung
einer Einspracheergänzung verstrich unbenützt. Die EL-Durchführungsstelle wies die
Einsprache am 10. Juli 2008 ab. Sie begründete diesen Entscheid damit, dass die
Ehefrau des Versicherten in einer körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeit voll
arbeitsfähig sei, weshalb es ihr zumutbar sei, sich um eine Hilfsarbeit zu bewerben. Die
Sprachprobleme seien kein Hindernis, weil Hilfsarbeiten nur sehr beschränkte
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Deutschkenntnisse erforderten. Die Angaben des RAV seien nicht stichhaltig. Das
Durchschnittseinkommen einer Hilfsarbeiterin sei um rund 50% gekürzt worden, um
das zumutbare Erwerbseinkommen zu ermitteln. Die Ehefrau des Versicherten könnte
beispielsweise als Küchenhilfe diesen Betrag verdienen. Damit auf die Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens verzichtet werden könne, müsste sich die
Ehefrau des Versicherten über einen längeren Zeitraum schriftlich bewerben und
ausserdem die Hilfe des RAV in Anspruch nehmen.
D.
Der Versicherte liess am 15. September 2008 Beschwerde gegen diesen
Einspracheentscheid erheben und beantragen, es sei auf die Anrechnung eines
hypothetischen Erwerbseinkommens seiner Ehefrau zu verzichten und es seien ihm die
vollen Ergänzungsleistungen auszurichten. Ausserdem sei ihm die unentgeltliche
Rechtspflege zu gewähren. Er machte sinngemäss geltend, der RAD habe seine
Ehefrau nie untersucht. Stattdessen habe er auf die Angaben von Dr. med. A._
abgestützt, der die Frage nach der Arbeitsfähigkeit aber mehrheitlich offen gelassen
habe. Aufgrund der Angaben des RAV sei davon auszugehen, dass der Arbeitsmarkt
keine geeigneten offenen Stellen aufweise. Hinzu komme, dass seine Ehefrau über
praktisch keine Deutschkenntnisse verfüge, in der Schweiz nie gearbeitet habe und
dementsprechend kein Arbeitszeugnis vorweisen könne, über keine Ausbildung verfüge
und zudem 58 Jahre alt sei. Als Küchenhilfe würde sie maximal Fr. 1500.- verdienen.
E.
Die EL-Durchführungsstelle beantragte am 19. September 2008 die Abweisung der
Beschwerde.
F.
Am 4. Juni 2009 reichte die EL-Durchführungsstelle die IV-Akten der Ehefrau des
Versicherten ein.

Erwägungen:
1.
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Bis und mit Februar 2007 hat die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer nur
dessen eigenes hypothetisches Erwerbseinkommen angerechnet, wie sich der bis
dahin massgebenden Verfügung vom 29. Dezember 2006 entnehmen lässt. Erst mit
der Verfügung vom 15. Februar 2007 hat sie erstmals auch ein hypothetisches
Erwerbseinkommen der Ehefrau des Beschwerdeführers von Fr. 24'062.- angerechnet
und die Ergänzungsleistung dementsprechend per 1. März 2007 herabgesetzt. Diese
Verfügung ist im – formell rechtskräftigen – Einspracheentscheid vom 18. Juni 2007
bestätigt worden. Ursprünglich hatte die Beschwerdegegnerin auf die Anrechnung
eines hypothetischen Erwerbseinkommens der Ehefrau des Beschwerdeführers
verzichtet, weil die Indizien für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit gesprochen hatten
und weil sie offenbar davon ausgegangen war, dass sie selbst nicht in der Lage sei, die
Arbeitsfähigkeit der Ehefrau ausreichend zu klären. Deshalb hatte die
Beschwerdegegnerin die erstmalige Leistungszusprache mit der Aufforderung an den
Beschwerdeführer verbunden, seine Ehefrau zu veranlassen, sich bei der
Invalidenversicherung anzumelden. Damit hatte sie bezweckt, die Arbeitsfähigkeit der
Ehefrau des Beschwerdeführers durch einen anderen, spezialisierten
Sozialversicherungsträger abklären zu lassen, um das Abklärungsergebnis dann
übernehmen und so die Frage, ob und gegebenenfalls in welchem Ausmass die
Ehefrau des Beschwerdeführers arbeitsfähig sei, mit dem erforderlichen Beweisgrad
beantworten zu können. Verfahrensrechtlich kann dieses Vorgehen nur so interpretiert
werden, dass sich die Beschwerdegegnerin bei der erstmaligen Leistungszusprache
die Möglichkeit vorbehalten wollte, je nach dem Ausgang des IV-Verfahrens auf die
Leistungszusprache zurückzukommen und die Ergänzungsleistung ex nunc zu
korrigieren, auch wenn an sich kein entsprechendes Instrument zur Korrektur formell
rechtskräftiger Verfügungen vorhanden war. Die Verfügung vom 15. Februar 2007 bzw.
der Einspracheentscheid vom 18. Juni 2007 sind also in Ausnützung dieser im
November 2004 vorbehaltenen Korrekturmöglichkeit ergangen, denn es ist keine
relevante Sachverhaltsveränderung eingetreten, so dass es sich nicht um eine
Revisionsverfügung nach Art. 17 Abs. 2 ATSG gehandelt haben kann.
2.
Im Rahmen des mit dem Entscheid vom 18. Juni 2007 rechtskräftig abgeschlossenen
Einspracheverfahrens ist das Resultat des IV-Verfahrens (uneingeschränkte
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Arbeitsfähigkeit in einer der Gesundheitsbeeinträchtigung Rechnung tragenden
Erwerbstätigkeit) geprüft worden. Die Beschwerdegegnerin hat auch eine allfällige
"unverschuldete" Arbeitslosigkeit der Ehefrau des Beschwerdeführers untersucht. Die
Beschwerdegegnerin hat sich dort nämlich sowohl mit der Auskunft des RAV vom 10.
April 2007, dass auf dem "jetzigen" Arbeitsmarkt sozusagen keine leichten
Hilfsarbeiten verfügbar seien, als auch mit den übrigen gegen die Verwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit vorgebrachten Umständen (minimale Deutschkenntnisse,
fortgeschrittenes Alter, fehlende Arbeitserfahrung in der Schweiz usw.)
auseinandergesetzt. Die Beschwerdegegnerin hat unter Berücksichtigung dieser
Umstände rechtskräftig entschieden, dass ein hypothetisches Erwerbseinkommen der
Ehefrau des Beschwerdeführers im Betrag von Fr. 24'062.- anzurechnen sei. Allerdings
hat die Beschwerdegegnerin auch diesen Einspracheentscheid wieder mit der
Möglichkeit einer späteren Korrektur ab dem Zeitpunkt einer allfälligen
Wiederaufnahme der Stellenbemühungen versehen. Sie hat dem Beschwerdeführer
nämlich sinngemäss zugesichert, dass sie auf die Anrechnung eines hypothetischen
Erwerbseinkommens verzichten werde, sobald mittels ausreichender, aber erfolgloser
Stellenbewerbungen belegt werden könne, dass eine "unverschuldete" Arbeitslosigkeit
die Erzielung eines Erwerbseinkommens verhindere. Hätte die Ehefrau des
Beschwerdeführers sich in einem ausreichenden Mass – erfolglos – beworben, so hätte
sie damit nachgewiesen, dass kein Einkommensverzicht i.S. von Art. 11 Abs. 1 lit. g
ELG vorliege. Die Beschwerdegegnerin wäre dann aufgrund ihrer Zusicherung im
Einspracheentscheid vom 18. Juni 2007 verpflichtet gewesen, die Ergänzungsleistung
ab dem Beginn der erfolglosen Stellenbemühungen ohne hypothetisches
Erwerbseinkommen der Ehefrau neu festzusetzen. Die Verfügung vom 24. Januar 2008,
mit der die Beschwerdegegnerin die laufende Ergänzungsleistung mit Wirkung ab 1.
Dezember 2007 abgeändert hat, stellt aber offensichtlich keine solche Reaktion auf den
Nachweis einer "unverschuldeten" Arbeitslosigkeit mittels erfolgloser
Stellenbewerbungen dar. Vielmehr handelt es sich um eine reine Revision nach Art. 17
Abs. 2 ATSG als Folge der anlässlich der periodischen Überprüfung festgestellten
Veränderungen anderer Berechnungspositionen. Dazu gehört das hypothetische
Erwerbseinkommen der Ehefrau nicht, auch wenn sich der Gesamtbetrag des
anrechenbaren Erwerbseinkommens aufgrund einer Erhöhung des hypothetischen
Erwerbseinkommens des Beschwerdeführers erhöht hat. Liegt keine Neufestsetzung
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der Ergänzungsleistung unter Benützung der im rechtskräftigen Einspracheentscheid
vom 18. Juni 2007 zugesicherten Korrekturmöglichkeit vor, kann die Behauptung des
Beschwerdeführers, seine Ehefrau sei nachgewiesenermassen arbeitsunfähig oder
zumindest "unverschuldet" arbeitslos, weil sie auf dem in Frage kommenden
Arbeitsmarkt zum vornherein keine Chance habe, eine passende Stelle zu finden, nicht
beurteilt werden. Andernfalls käme es im Ergebnis zu einer gerichtlichen Überprüfung
eines längst formell rechtskräftigen Einspracheentscheides.
3.
Gegenstand einer Revisionsverfügung nach Art. 17 Abs. 2 ATSG bildet nur die aus
einer nachträglichen Sachverhaltsveränderung resultierende Leistungsänderung.
Besteht ein leistungsbegründender Sachverhalt aus mehreren voneinander
unabhängigen Elementen, beschränkt sich der Gegenstand des Revisionsverfahrens
auf die veränderten Elemente und die Auswirkung der Veränderung auf die laufende
Leistung. Eine Revisionsverfügung setzt also die laufende Ergänzungsleistung nicht als
Folge einer Überprüfung aller Einnahmen- und Ausgabenpositionen neu fest, auch
wenn im Fragebogen zur periodischen Überprüfung alle Positionen haben angegeben
werden müssen. Die Revisionsverfügung trägt – dem klaren Wortlaut des Art. 17 Abs. 2
ATSG gemäss – nur den effektiv veränderten Einnahmen- und Ausgabenpositionen
Rechnung. Art. 17 Abs. 2 ATSG (und damit auch Art. 25 ELV, soweit dieser nicht
lediglich den Wirkungszeitpunkt einer Revisionsverfügung regelt) lässt nicht zwei
verschiedene Interpretationen zu, je nachdem ob die Revision auf die Meldung einer
einzelnen Berechnungsposition oder aber auf das Ausfüllen des Fragebogens zur
periodischen Überprüfung reagiert. Diese Bestimmung setzt nur eine nachträgliche
Sachverhaltsveränderung voraus und kümmert sich deshalb nicht darum, auf welche
Weise die EL-Durchführungsstelle den Sachverhalt überprüft bzw. von der
Veränderung Kenntnis erhalten hat. Das Dispositiv einer Revisionsverfügung, die als
Folge einer periodischen Überprüfung ergangen ist, enthält also keine – überflüssige –
Feststellung, dass alle Einnahmen- und Ausgabenpositionen, bei denen sich keine
Veränderung eingestellt hat, weiterhin in gleicher Höhe angerechnet würden. Das
schliesst eine gerichtliche Beurteilung einer derartigen Revisionsverfügung in bezug auf
diejenigen Einnahmen- und Ausgabenpositionen aus, die unverändert geblieben sind.
Das bedeutet im vorliegenden Fall, dass der angefochtene Entscheid als reiner
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Revisionsentscheid keine gerichtliche Beurteilung der Einnahmenposition
'hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau Fr. 24'062.-' zulässt. Daran vermag
auch die Tatsache nichts zu ändern, dass sich die Beschwerdegegnerin im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 10. Juli 2008 auf eine Auseinandersetzung
über die Einnahmenposition 'hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau Fr.
24'062.-' eingelassen hat. Da jeder Hinweis darauf fehlt, dass die Beschwerdegegnerin
damit ihren formell rechtskräftigen Einspracheentscheid vom 18. Juni 2007 hätte in
Wiedererwägung ziehen und im Ergebnis bestätigen wollen, kann es sich bei der
entsprechenden Erwägung im angefochtenen Einspracheentscheid nur um ein obiter
dictum handeln. Über die Richtigkeit eines obiter dictum kann das Gericht im
Beschwerdeverfahren nicht entscheiden. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Einnahmenposition 'hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau Fr. 24'062.-0'
nicht Gegenstand des Revisionsverfahrens und damit auch nicht Gegenstand des
angefochtenen Einspracheentscheides, sondern Gegenstand des formell
rechtskräftigen Einspracheentscheides vom 18. Juni 2007 bildet und deshalb nicht
überprüft werden kann. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
4.
Selbst wenn die Einnahmenposition 'hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau
Fr. 24'062.-' vom Gericht auf ihre Richtigkeit zu prüfen wäre, müsste die Beschwerde
abgewiesen werden. Teilinvalide EL-Ansprecher oder erwerbsfähige
Familienangehörige von EL-Ansprechern trifft eine in Art. 11 Abs. 1 lit. g ELG
verankerte, ganz EL-spezifische "Schadenminderungspflicht". Sie müssen nämlich
ihren Existenzbedarf soweit möglich und zumutbar aus dem eigenen
Erwerbseinkommen bestreiten, ansonsten ihnen ein hypothetisches
Erwerbseinkommen angerechnet wird. Die beiden Ursachen, welche die Erzielung
eines Erwerbseinkommens verunmöglichen können, sind die Arbeitsunfähigkeit und die
Arbeitslosigkeit. Aufgrund der Abklärungen der Invalidenversicherung ist davon
auszugehen, dass die Ehefrau des Beschwerdeführers mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit zu 100% einer geeigneten Erwerbstätigkeit nachgehen könnte.
Damit bleibt nur die Arbeitslosigkeit als Grund für die Unmöglichkeit, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Aber es kann sich natürlich nur um eine
"unverschuldete", d.h. trotz ausreichender Stellenbemühungen nicht überwindbare
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Arbeitslosigkeit handeln, denn nur damit ist die EL-spezifische
"Schadenminderungspflicht" erfüllt. Der Beschwerdeführer trägt den Nachteil der
Beweislosigkeit für seine – sinngemässe – Behauptung, dass seine Ehefrau auch bei
ausreichenden Stellenbemühungen keine geeignete Arbeitsstelle finden würde, so dass
Stellenbemühungen überflüssig oder unzumutbar seien. Die Beschwerdegegnerin kann
den Nachweis, dass eine geeignete offene Stelle gefunden werden könnte, nicht
führen, denn dies liefe auf die Notwendigkeit einer erfolgreichen Stellenvermittlung
hinaus. Deshalb ist es am Beschwerdeführer, die Unüberwindbarkeit der
Arbeitslosigkeit seiner Ehefrau zu beweisen. Nur damit kann er belegen, dass er bzw.
seine Ehefrau der EL-spezifischen "Schadenminderungspflicht" ausreichend
nachgekommen sind. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers reichen die
behindernden Faktoren (fortgeschrittenes Alter, geringe Deutschkenntnisse, fehlende
Arbeitserfahrung in der Schweiz, nicht ausser Haus arbeiten wollen, wenig offene
Stellen) nicht aus, um die objektive Unfähigkeit, die Arbeitslosigkeit zu überwinden, zu
beweisen. Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat es trotz einer klaren Aufforderung
durch die Beschwerdegegnerin unterlassen, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen.
Deshalb ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, die behauptete
"unverschuldete" Arbeitslosigkeit und damit die Erfüllung der EL-spezifischen
"Schadenminderungspflicht" zu belegen. Die Beschwerdegegnerin hat deshalb zu
Recht gestützt auf Art. 3c Abs. 1 lit. g bzw. seit 1. Januar 2008 Art. 11 Abs. 1 lit g ELG
ein hypothetisches Erwerbseinkommen der Ehefrau des Beschwerdeführers als
Einnahme angerechnet.
5.
Im Sinne der Erwägungen 1 bis 3 ist die Beschwerde abzuweisen. Dementsprechend
ist auch das Begehren des Beschwerdeführers um die Zusprache einer
Parteientschädigung abzuweisen. Nun hat der Beschwerdeführer aber um die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ersucht. Da er eine Ergänzungsleistung
bezieht, hat er praxisgemäss einen Anspruch auf die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung. Die Entschädigung bemisst sich gemäss Art. 61 lit. g ATSG
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses. In
bezug auf die zweitgenannte Komponente erweist sich das vorliegende Verfahren als
deutlich unterdurchschnittlich. Dies rechtfertigt es, die Entschädigung auf Fr. 2500.-
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(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen. Diese Entschädigung ist
gemäss Art. 31 Abs. 3 des st. gallischen Anwaltsgesetzes bei einer unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung um einen Fünftel zu kürzen. Der Staat hat den Rechtsbeistand
des Beschwerdeführers also mit Fr. 2000.- zu entschädigen. Sollten es seine
wirtschaftlichen Verhältnisse später einmal gestatten, wird der Beschwerdeführer diese
Entschädigung zurückzuerstatten haben (Art. 99 Abs. 2 VRP i.V.m. Art. 288 Abs. 1
ZPG). Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (Art. 61 lit. a ATSG).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG