Decision ID: 24954fe0-f37c-4e42-bfc7-cd103317f3cc
Year: 2010
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
N._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Poststrasse 6, Postfach 239,
9443 Widnau,
gegen
Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva), Fluhmattstrasse 1, Postfach 4358,
6002 Luzern,
Beschwerdegegnerin,
vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Urs Glaus, Marktplatz 4, 9004 St. Gallen,
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betreffend
Versicherungsleistungen
Sachverhalt:
A.
A.a Die 1972 geborene N._ war seit April 2007 für die A._ als chemisch-
technische Assistentin tätig und dadurch bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen
versichert (Suva-act. 1). Als im Morgenverkehr vom 27. Juni 2007 ein Lieferwagen von
der linken auf die rechte Fahrbahnspur wechselte, übersah der Fahrer den
Personenwagen der Versicherten und touchierte ihn auf der Führerseite (Suva-act. 1,
9/7, 9/9, 9/11). Am Folgetag suchte die Versicherte ihre Hausärztin Dr. med. B._ auf,
welche als Untersuchungsbefund Druckschmerzen im Nacken- und mittleren BWS-
Bereich sowie im linken Handgelenk festhielt. Die Versicherte gab an, zwei Stunden
nach dem Unfall unter Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel, Übelkeit und
Erbrechen gelitten zu haben. Röntgenaufnahmen der HWS ap/seitlich und eine
Densaufnahme transbuccal ergaben unauffällige ossäre Befunde (Suva-act. 4/1-2). Mit
Zeugnis vom 22. August 2007 diagnostizierte die Hausärztin in Anlehnung an die
Quebec Task Force (QTF-)Klassifikation ein kranio-zervikales Beschleunigungstrauma
Grad II. Sie attestierte ab dem Unfalltag eine 100%ige, und ab dem 6. August 2007
eine 85%ige Arbeitsunfähigkeit (Suva-act. 4/2, 5). Die Suva anerkannte ihre
Leistungspflicht und erbrachte die gesetzlichen Leistungen.
A.b Am 28. August und 3. September 2007 untersuchte die Augenärztin Dr. med.
C._ die Versicherte. Dabei konnte sie keinen Zusammenhang zwischen dem
Unfallereignis und der neuen Brillenverordnung vom 3. September 2007 feststellen
(Suva-act. 48). Dr. med. D._, Facharzt für Rheumatologie FMH, Manuelle Medizin
SAMM, diagnostizierte auf Grund seiner Untersuchungen vom 27. September und 13.
November 2007 eine HWS-Distorsion bei aktuell invalidisierenden Schmerzen zerviko-
thorakal, mehrheitlich muskulären Ursprungs, einer radiologisch unklaren
Strukturalteration HWK4 und 5 sowie einem reaktiv-depressiven Zustandsbild und
diversen Medikamentenunverträglichkeiten (Suva-act. 46). Gemäss seinem Bericht vom
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14. November 2007 leidet die Versicherte v.a. unter anfallsartig auftretenden,
migräneartigen Cephalgien begleitet von Nausea (Übelkeit) und Sehstörungen.
Immerhin aber habe die Arbeitsfähigkeit auf 20% gesteigert werden können (Suva-
act. 47).
A.c Mit Bericht vom 19. November 2007 hielt Dr. med. E._, Spezialarzt für Psychia
trie und Psychotherapie FMH, der die Versicherte seit August 2007 behandelte, als
Diagnosen ein ausgeprägtes cephaleal-nuchales Schmerzsyndrom sowie eine
Anpassungsstörung mit ängstlich-depressiver Reaktion bei leistungsbezogener
Persönlichkeit (ICD-10 F43.21) fest (Suva-act. 55).
A.d Am 10. Dezember 2007 wurde in der Rehaklinik Bellikon ein ambulantes
Assessment durchgeführt. Angesichts der Resultate gingen die Ärzte bezüglich
Steigerung der Arbeitsfähigkeit von einer guten Prognose aus (Suva-act. 69). Gemäss
dem nach Konsultation in der Kopfwehsprechstunde vom 28. Januar 2008 verfassten
Bericht wurden als Hauptdiagnosen nach Verkehrsunfall mit HWS-Distorsion eine
chronische posttraumatische Migräne (ICHD-II 5.4), ein myofasziales Schmerzsyndrom
kranio-zerviko-thorakal sowie eine depressive Reaktion festgestellt (Suva-act. 84/1). Im
Auftrag der Suva erstellte die AGU Zürich am 25. März 2008 einen Bericht zur
biomechanischen Beurteilung des Unfalls, der an die Kurzbeurteilung vom 5.
November 2007 (Suva-act. 41) anschloss. Dieser ergab, dass die im Anschluss an das
Unfallereignis festgestellten von der HWS ausgehenden Beschwerden und Befunde
durch die Kollisionseinwirkung im Normalfall weder durch die Belastung in Längs- noch
in Querrichtung erklärbar seien (Suva-act. 95).
A.e Vom 16. April bis 21. Mai 2008 war die Versicherte in der aarReha Schinznach
hospitalisiert (Suva-act. 109). Ab dem 23. Juni 2008 nahm sie ihre Arbeit wieder zu
40% auf (Suva-act. 110). Am 29. Juli 2008 fand eine Untersuchung durch Kreisarzt Dr.
med. F._, Facharzt FMH für Chirurgie, statt. Mit Bericht vom 29. Juli 2008 hielt dieser
fest, dass auf Grund der medizinischen Befunde keine traumatischen Schädigungen
bestünden, welche eine Minderung der Einsatzfähigkeit der Versicherten rechtfertigen
könnten. Auch krankheitsbedingt sei keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
erkennbar (Suva-act. 119/5-6).
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A.f Ab dem 25. August 2008 konnte die Versicherte ihr Arbeitspensum auf 50%
steigern (Suva-act. 122, 138/64). Am 3. Oktober 2008 teilte ihr die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen mit zwei separaten Vorbescheiden
mit, dass ihre Gesuche um Invalidenrente und berufliche Massnahmen der IV abgelehnt
würden (Suva-act. 135). Die Arbeitgeberin kündigte das Arbeitsverhältnis per
31. Januar 2009 mit der Begründung, dass auch im Oktober 2008 keine Steigerung der
Arbeitsfähigkeit über 50% erfolgt sei (Suva-act. 139, Suva-act. vom 10. November
2008 zwischen act. 141 und 142).
A.g Mit Verfügung vom 3. November 2008 verneinte die Suva den adäquaten
Kausalzusammenhang zwischen den fortbestehenden Beschwerden und dem Unfall
vom 27. Juni 2007 und stellte die Versicherungsleistungen per 30. November 2008 ein.
Gleichzeitig lehnte sie einen Anspruch der Versicherten auf Invalidenrente und
Integritätsentschädigung ab (Suva-act. 141).
B.
Die gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt lic. iur. Adrian Fiechter, Widnau, für die
Versicherte erhobene Einsprache (Suva-act. 150) wies die Suva mit
Einspracheentscheid vom 21. April 2009 ab (Suva-act. 159).
C.
C.a Gegen diesen Einspracheentscheid richtet sich die Beschwerde vom 22. Mai
2009 mit den Anträgen, der Einspracheentscheid vom 21. April 2009 sowie die
Verfügung vom 3. November 2008 seien aufzuheben und der Beschwerdeführerin seien
ab 1. Dezember 2008 eine UVG-Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung von
mindestens Fr. 63'000.--, beide gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 50%, zu
gewähren. Weiter sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin zwecks Erhalt der
verbliebenen Erwerbsfähigkeit auch nach Festsetzung der Rente Anspruch auf
Pflegeleistungen und Kostenvergütungen habe. Eventualiter sei festzustellen, dass sie
auch nach dem 30. November 2008 und bis auf weiteres Anspruch auf ein Unfall-
Taggeld bei einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50% sowie auf Pflegeleistungen
und Kostenvergütungen habe. Schliesslich sei der Beschwerdeführerin die
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unentgeltliche Prozessführung zu gewähren, unter Einsetzung von ihm als Vertreter,
und es sei von der Erhebung einer Einschreibgebühr abzusehen; alles unter Kosten-
und Entschädigungsfolge.
C.b Mit Beschwerdeantwort vom 17. August 2009 beantragte die durch Rechtsanwalt
Dr. iur. Urs Glaus, St. Gallen, vertretene Beschwerdegegnerin Abweisung der
Beschwerde.
C.c Mit Replik vom 8. September 2009 beantragte die Beschwerdeführerin zusätzlich
die Durchführung einer mündlichen Verhandlung mit persönlicher Anhörung.
Gleichzeitig reichte sie einen Abschlussbericht und einen Psychologischen Bericht über
die stationäre Rehabilitation im Rehazentrum Leukerbad vom 12. bis 29. Mai 2009 (act.
G 10.1/7-8) sowie einen Arbeitsvertrag über eine neue Anstellung ab September 2009
im Rahmen eines 60%igen Arbeitspensums ein (act. G 10.1/9). In der Duplik vom
18. September 2009 nahm der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin zu den
medizinischen Akten des Rehazentrums Leukerbad Stellung.
C.d Mit Schreiben vom 21. September 2009 wies der Präsident des
Versicherungsgerichts den Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin mit Verweis auf das
Urteil des Bundesgerichts vom 6. Mai 2008 i/S L. (9C_555/2007) E. 3.3.2 darauf hin,
dass vorliegend ein Sachverhalt zu beurteilen sei, der in erster Linie von den Akten und
nicht vom persönlichen Eindruck der Beschwerdeführerin abhänge. Damit erscheine
die Zweckmässigkeit der beantragten Befragung der Beschwerdeführerin über ihre
aktuelle Erwerbssituation und mithin auch die Durchführung einer mündlichen
Verhandlung fraglich.
C.e Mit nachträglicher Eingabe vom 28. Mai 2010 änderte der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin die Rechtsbegehren in dem Sinn ab, als die Anträge auf eine
Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung unter dem Vorbehalt der
Wiedereinbringung zurückgezogen wurden, und das Eventualbegehren betreffend die
Unfalltaggelder dahingehend geändert wurde, als neu vom 1. Dezember 2008 bis 10.
Dezember 2009 ein Unfalltaggeld von Fr. 92.65, vom 11. Dezember 2009 bis 31. März
2010 ein Taggeld von Fr. 74.10, vom 1. April bis 30. April 2010 eines von Fr. 55.60 und
ab dem 1. Mai 2010 ein Taggeld von Fr. 37.05, nebst Zins zu 5% seit dem 1.
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September 2009 (mittlerer Verfall) verlangt wurde. Im Übrigen sei die Sache zur
weiteren Sachverhaltsabklärung und Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Zur
Begründung macht der Rechtsvertreter geltend, dass die Erwerbsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin auf Grund der Verbesserung seit dem 10. Dezember 2009 nicht
mehr "dauerhaft" im Sinn von Art. 18 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
(UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 8 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) sei, weshalb auf die Geltendmachung
einer Rente und einer Integritätsentschädigung verzichtet werde bis die medizinischen
Behandlungen abgeschlossen seien.
C.f Am 2. Juni 2010 fand die beantragte mündliche Verhandlung statt, nachdem die
Beschwerdeführerin auf das Schreiben vom 21. September 2009 (vgl. Erw. C.d) nicht
reagiert hatte.
C.g Auf die Begründungen und Ausführungen in den einzelnen Rechtsschriften, in den
medizinischen Akten und an der mündlichen Verhandlung wird, soweit

entscheidnotwendig, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
1.
1.1 Vorliegend anerkannte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht bezüglich
des Unfalls vom 27. Juni 2007 und erbrachte entsprechende Versicherungsleistungen.
Streitig und zu prüfen ist, ob sie weitere Leistungen ab 1. Dezember 2008 zu Recht
verweigert hat.
1.2 Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid die
rechtlichen Voraussetzungen zur Leistungspflicht des Unfallversicherers, insbesondere
jene des natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfallereignis
und gesundheitlicher Schädigung zutreffend dar; darauf ist zu verweisen. Anzufügen
bleibt, dass im Bereich klar ausgewiesener organischer Unfallfolgen im Sinn von
nachweisbaren strukturellen Veränderungen (ein organisches Substrat konnte mit Bild
gebenden Untersuchungsmethoden [Röntgen, Computertomogramm, EEG]
nachgewiesen werden) die Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem
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natürlichen Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers
praktisch keine Rolle spielt. Sie ist bei ausgewiesener natürlicher Kausalität ohne
Weiteres zu bejahen (BGE 127 V 103 E. 5b/bb, 123 V 102 E. 3b, 118 V 291 E. 3a, 117 V
365 E. 5d/bb mit Hinweisen). Sind dagegen die Unfallfolgen organisch nicht
(hinreichend) fassbar, bewirkt die Bejahung der natürlichen Kausalität nicht
automatisch auch die Bejahung der adäquaten Kausalität, können doch gerade
klinische Befunde erfahrungsgemäss auch psychisch ausgelöst werden. In diesen
Fällen ist eine eigenständige Adäquanzbeurteilung durchzuführen, bei welcher wie folgt
zu differenzieren ist: Es ist zunächst abzuklären, ob die versicherte Person eine
Schleudertraumaverletzung erlitten hat. Ist dies nicht der Fall, gelangt die
Rechtsprechung gemäss BGE 115 V 140 E. 6c/aa zur Anwendung. Ergeben die
Abklärungen indessen, dass eine versicherte Person eine Schleudertraumaverletzung
erlitten hat, muss geprüft werden, ob die zum typischen Beschwerdebild einer solchen
Verletzung gehörenden Beeinträchtigungen zwar teilweise vorliegen, im Vergleich zur
psychischen Problematik aber ganz in den Hintergrund treten. Trifft dies zu, sind für die
Adäquanzbeurteilung ebenfalls die in BGE 115 V 140 E. 6c/aa für Unfälle mit
psychischen Unfallfolgen aufgestellten Grundsätze massgebend (BGE 123 V 99 E. 2a),
andernfalls erfolgt die Beurteilung der Adäquanz gemäss den in BGE 117 V 359
festgelegten bzw. den mit BGE 134 V 109 modifizierten Kriterien. Die Anwendung der
Rechtsprechung zum adäquaten Kausalzusammenhang bei Schleudertraumen der
HWS setzt voraus, dass die psychischen Beschwerden aus dem Unfall hervorgehen
und zusammen mit den organischen Beschwerden, die ebenfalls auf das Unfallereignis
zurückzuführen sind, ein komplexes Gesamtbild ergeben (RKUV 2000 Nr. U 397 S. 328
E. 3b). Zu präzisieren bleibt, dass die zu den Verletzungen nach klassischem
Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung zum natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhang (BGE 119 V 335, 117 V 359) auch auf analoge Verletzungen wie
Distorsionen der HWS sowie Schädel-Hirntraumen anwendbar ist, wenn und soweit
sich deren Folgen mit jenen eines Schleudertraumas vergleichen lassen (vgl. Urteil des
Eidgenössischen Versicherungsgerichts [EVG; seit 1. Januar 2007: Sozialrechtliche
Abteilungen des Bundesgerichts] vom 17. August 2004 i/S O.G. [U 243/03]; RKUV 2000
Nr. U 395 S. 317, E. 3; BGE 117 V 369).
2.
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Den medizinischen Akten ist zu entnehmen, dass die von der Beschwerdeführerin über
den 30. November 2008 hinaus geklagten Beschwerden nicht mit klar ausgewiesenen
organischen Befunden im Sinn nachweisbarer struktureller Veränderungen erklärbar
sind. Erste Röntgenbilder vom 28. Juni 2007 ergaben gemäss Dr. B._ unauffällige
ossäre Befunde (Suva-act. 4/2). Auch Dr. D._ konnte auf diesen Aufnahmen keine
unfallbedingten Veränderungen der HWS ausmachen. Er hielt lediglich eine
unübersichtliche Situation mit Strukturalteration der Wirbelkörper HWK 4 und 5 sowie
differenzialdiagnostisch ein projektionsbedingtes Überlagerungsphänomen durch den
Prozessus transversus fest und sah die Schmerzen zerviko-thorakal muskulär bedingt
(Suva-act. 46). Ein MRI der HWS vom 28. September 2007 zeigte eine lediglich
minimale Bandscheibenprotrusion HWK 5/6 und HWK 6/7 ohne Kompression
neuronaler Strukturen (Suva-act. 23). Für Dr. D._ ergaben sich gestützt darauf keine
beschwerdeerklärenden Pathologien (Bericht vom 9. Oktober 2007: Suva-act. 56). Die
augenärztlichen Untersuchungen vom 28. August und 3. September 2007 liessen
ebenfalls keine Rückschlüsse auf unfallbedingte Augenverletzungen zu (Suva-act. 48).
Schliesslich fanden sich auch bei der am 28. Januar 2008 in der Kopfwehsprechstunde
des Universitätsspitals Zürich durchgeführten neurologischen Untersuchung keine
organisch fassbaren Ursachen für die starken Kopfschmerzen. Als Diagnose hielten die
Ärzte vielmehr eine chronische posttraumatische Migräne (ICHD-II 5.4), ein
myofasziales Schmerzsyndrom kranio-zerviko-thorakal sowie eine depressive Reaktion
fest (vgl. Suva-act. 84). Sodann zeigte sich anlässlich des ambulanten Assessments
vom 10. Dezember 2007 in der Rehaklinik Bellikon entlang der ganzen paravertebralen
Muskulatur im HWS-Bereich eine Druckdolenz sowie ein Triggerpunkt am Trapezius
horizontalis rechts mit Ausstrahlung temporal (Suva-act. 69/5). Auch in der
Kopfwehsprechstunde vom 28. Januar 2008 wurde eine Druckdolenz im Bereich des
Hinterkopfs, der Schläfen, dem Nacken bis auf Höhe des Brustkorbs festgehalten
(Suva-act. 84/2). Klinisch erhobene Druckdolenzen, Muskelhartspann sowie
Bewegungseinschränkungen im Bereich der HWS stellen praxisgemäss jedoch kein
klar fassbares organisches Substrat dar (vgl. EVG-Urteile vom 3. August 2005 i/S M.
[U 9/05] E. 4 und vom 23. November 2004 i/S B. [U 109/04] E. 2.2). Zusammenfassend
ist deshalb davon auszugehen, dass weder äussere noch innere Verletzungen klinisch
oder bildgebend dokumentiert sind.
3.
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3.1 Nach den Ergebnissen der medizinischen Forschung ist bekannt, dass bei
Schleuderverletzungen sowie äquivalenten Verletzungen auch ohne nachweisbare
pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle
Ausfälle verschiedenster Art auftreten können. Der Umstand, dass die für ein
Schleudertrauma, eine Distorsion der HWS oder ein Schädel-Hirntrauma typischen
Beschwerden nicht mit entsprechenden Untersuchungsmethoden (Röntgen,
Computertomogramm, EEG) objektivierbar sind, rechtfertigt für sich allein nicht, die
diesbezüglichen Beschwerden in Abrede zu stellen (BGE 117 V 359 E. 5d/aa).
3.2 Distorsionen der HWS sind Folgen von Beschleunigungskräften, die im Sinn einer
Überdehnung und Überbiegung auf die HWS einwirken und mit einem Kopfanprall
verbunden sein können. Ein eigentliches Schleudertrauma liegt nur dann vor, wenn bei
einer Auffahrkollision durch die plötzliche Beschleunigung des getroffenen Fahrzeugs
der Kopf des Insassen - ohne anzuprallen - zuerst nach hinten zu knicken scheint und
anschliessend nach vorne beschleunigt wird. Führt der Beschleunigungsmechanismus
zu einem Kopfanprall, sollte nicht von einem Schleudertrauma, sondern von einer
HWS-Distorsion gesprochen werden (vgl. diesbezüglich Thomas Locher, HWS-
Distorsionen [Schleudertrauma] - Einführung in die Rechtslage nach schweizerischem
Recht, in: Murer/Niederer/Radanov/Rumo-Jungo/Sturzenegger/Walz [Hrsg.], Das
sogenannte "Schleudertrauma" - medizinische, biomechanische und rechtliche
Aspekte der Distorsionen der Halswirbelsäule, Bern 2001, S. 31 f.). - Im konkreten Fall
wurde das Auto der Beschwerdeführerin an der linken vorderen Seite von einem
Lieferwagen touchiert (Suva-act. 9, 94). Angesichts der obigen Darlegungen fällt bei
diesem Unfallmechanismus ein eigentliches Schleudertrauma von vornherein ausser
Betracht. Gestützt auf die biomechanische Beurteilung ist eine HWS-Distorsion durch
die festgestellte Kollisionseinwirkung ebenfalls nicht erklärbar (Suva-act. 95/4 f.).
Dennoch stellte die erstbehandelnde Hausärztin gestützt auf ihre Untersuchung am
Tag nach dem Unfall mit Zeugnis vom 22. August 2007 die Diagnose einer HWS-
Distorsion Grad II (Suva-act. 4, 3). In den Berichten von Dr. D._ vom 27. September,
9. Oktober und 14. November 2007 (Suva-act. 46, 47, 56), der Rehaklinik Bellikon
(Suva-act. 69), des Universitätsspitals Zürich (Suva-act. 84) und der aarReha
Schinznach (Suva-act. 109) wurde die Diagnose einer HWS-Distorsion wiederholt.
Insgesamt erscheint angesichts des konkreten Unfallablaufs die Diagnose einer dem
HWS-Schleudertrauma äquivalenten Verletzung indessen äussert fraglich.
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3.3 Ist ein Schleudertrauma oder eine dem Schleudertrauma äquivalente Verletzung
diagnostiziert und liegt ein für die Verletzung typisches Beschwerdebild mit einer
Häufung von Beschwerden wie diffusen Kopfschmerzen, Schwindel, Konzentrations-
und Gedächtnisstörungen, Übelkeit, rasche Ermüdbarkeit und Visusstörungen,
Reizbarkeit, Affektlabilität, Depressionen, Wesensveränderung usw. vor, so ist der
natürliche Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und der danach eingetretenen
Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit in der Regel anzunehmen (BGE 117 V 359 E. 4b; vgl.
auch BGE 117 V 369 E. 3e). Nach der aktuellen Rechtsprechung der
Sozialversicherungsrechtlichen Abteilungen des Bundesgerichts (Urteile vom 30.
Januar 2007 i/S T. [U 215/05] und vom 15. März 2007 i/S G. [U 258/06]) muss bei einer
HWS-Verletzung das typische Beschwerdebild (mit einer Häufung von Beschwerden)
nicht in seiner umfassenden Ausprägung innerhalb von 24 bis höchstens 72 Stunden
nach dem Unfall auftreten. Vielmehr genügt es, wenn sich in diesem Zeitraum
Beschwerden in der Halsregion oder an der HWS manifestieren (RKUV 2000 Nr. 359 S.
29 E. 5e). Die andern im Rahmen eines Schleudertraumas oder einer HWS-Distorsion
typischerweise auftretenden Beschwerden müssen sich jedoch immerhin in einem
Zeitraum manifestieren, der es erlaubt, vom Vorhandensein eines natürlichen
Kausalzusammenhangs auszugehen.
3.4 Zwischen den Parteien blieb grundsätzlich unbestritten, dass die zum typischen
Beschwerdebild nach einem Schleudertrauma gehörenden Beeinträchtigungen
innerhalb der erforderlichen Latenzzeit zumindest teilweise aufgetreten sind. Den
medizinischen Akten sind Merkmale eines typischen bunten Beschwerdebilds - Kopf-
und Nackenschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen - denn auch zu entnehmen
(Suva-act. 4/1). Vor diesem Hintergrund ging die Beschwerdegegnerin zunächst von
einem natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfall und einer HWS-
Verletzung aus und anerkannte einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin im
Anschluss an den Unfall. Nach weiteren Abklärungen hielt der Kreisarzt dann aber im
Bericht vom 29. Juli 2008 fest, dass die Beschwerden und Symptome auf Grund der
spezialärztlichen Untersuchungsergebnisse nicht im Rahmen des Unfalls eingeordnet
werden könnten, weshalb die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen nach Prüfung der
adäquaten Kausalität per 30. November 2008 schliesslich einstellte. Selbst wenn das
Vorliegen der natürlichen Unfallkausalität vor diesem Hintergrund bereits ab einem
früheren Zeitpunkt sehr fraglich war, kann nachfolgend geprüft werden, ob anhand der
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medizinischen Akten mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit eine
unfallkausale gesundheitliche Beeinträchtigung spätestens per Einstellungsdatum zu
verneinen ist bzw. die geklagten Beschwerden keiner fassbaren unfallkausalen
gesundheitlichen Beeinträchtigung mehr zugeschrieben werden können (vgl. BGE 119
V 341 E. 2b/bb).
4.
4.1 Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt kumulativ voraus, dass zwischen
dem Unfall und der eingetretenen Gesundheitsbeeinträchtigung die natürliche sowie
die adäquate Kausalität gegeben sein muss. Unter diesem Aspekt wendet die
Beschwerdegegnerin ein, dass sie unabhängig vom Vorliegen eines natürlichen
Kausalzusammenhangs berechtigt sei, die Leistungen einzustellen, da die aktuellen
Beschwerden nicht mehr in einem adäquaten Kausalzusammenhang zum Unfall
stünden. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers entfällt jedoch erst, wenn das
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines
Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nachgewiesen ist. Weil es sich dabei um eine leistungsaufhebende Tatsache handelt,
liegt die Beweislast nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer
(EVG-Urteil vom 15. Oktober 2003 i/S P. [U 154/03], RKUV 2000 Nr. U 363 S. 45).
4.2 Die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen den über den 30.
November 2008 hinaus geklagten Beschwerden und dem streitigen Unfall kann offen
bleiben, wenn - wie nachfolgend zu zeigen sein wird - eine weitergehende
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin mangels Bestehens des kumulativ
vorausgesetzten adäquaten Kausalzusammenhangs verneint wird (BGE 135 V 472 E.
5.1). Die vom Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin während des
Beschwerdeverfahrens eingereichten neuen Akten, welche den Sachverhalt nach
Erlass des streitigen Einspracheentscheids vom 21. April 2009 betreffen, sind dabei für
die vorliegende Prüfung nicht zu berücksichtigen (vgl. BGE 129 V 4 E. 1.2 und 129 V
169 E. 1, je mit Hinweis).
4.3 Die Adäquanzprüfung hat nach Abschluss des normalen, unfallbedingt
erforderlichen Heilungsprozesses zu erfolgen, und nicht solange von einer Fortsetzung
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der ärztlichen Behandlung noch immer eine namhafte Besserung erwartet werden kann
(= Fallabschluss gemäss Art. 19 Abs. 1 UVG; EVG-Urteil vom 11. Februar 2004 i/S K.
[U 246/03]; BGE 134 V 112 ff.). Sind die Voraussetzungen für den Fallabschluss erfüllt,
ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden Leistungen mit gleichzeitiger Prüfung
des Anspruchs auf eine Invalidenrente sowie eine Integritätsentschädigung
abzuschliessen. Der Fallabschluss durch den Unfallversicherer bedingt laut Urteil des
Bundesgerichts 8C_467/2008 vom 4. November 2008 (E. 5.2.2.2) lediglich, dass von
weiteren Massnahmen keine namhafte Besserung des Gesundheitszustands mehr
erwartet werden kann, nicht aber, dass eine ärztliche Behandlung nicht länger
erforderlich ist. Der Gesundheitszustand der versicherten Person ist dabei
prognostisch und nicht auf Grund retrospektiver Feststellungen zu beurteilen (RKUV
2005 Nr. U 577 S. 388 E. 3).
4.4 Während der stationären Rehabilitation in der aarReha Schinznach vom 16. April
bis 21. Mai 2008 wurde die Beschwerdeführerin mittels verschiedener therapeutischer
Massnahmen wie Einzelphysiotherapie, Lymphdrainage, Einzelergotherapie,
Einzeltherapie klinische Psychologie mit interdisziplinärer Besprechung, Bad, Tai Chi
und Laufbandtherapie abgeklärt. Im Verlauf des Aufenthalts habe sich eine deutliche
psychische Stabilisierung sowie eine Verbesserung der Schmerzsituation gezeigt. In
psychologischer Hinsicht wurde eine Anpassungsstörung mit vorwiegender
Beeinträchtigung von anderen Gefühlen (ICD10; F43.23) diagnostiziert. Beim Austritt
wurden weiterhin Physiotherapien und psychologische Betreuungen mit dem Ziel
empfohlen, Schmerzbewältigungs- und Entspannungsstrategien zu vertiefen (Suva-
act. 109). Auf Grund seiner Untersuchung vom 29. Juli 2008 hielt Kreisarzt Dr. F._
fest, dass die Beschwerden und Symptome nicht im Rahmen des Unfallereignisses
eingeordnet werden könnten und auf Grund des Gleichgewichtszustands, ohne Erfolg
der therapeutischen Massnahmen, die sogenannt typischen HWS-Symptome nun auf
ihre Adäquanz zu prüfen seien (Suva-act. 119/5). Da somit spätestens am 30.
November 2008 von weiteren Massnahmen keine Besserung des Gesundheitszustands
mehr zu erwarten war, ist der Zeitpunkt der Adäquanzprüfung per diesem Datum nicht
zu beanstanden.
5.
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5.1 Auf Grund der medizinischen Unterlagen ist nicht belegt, dass bald nach dem
Unfall eine psychische Überlagerung stattgefunden hatte, die das Beschwerdebild der
ersten Monate nach dem Unfall, das durch HWS-Beschwerden geprägt war, ganz in
den Hintergrund treten liess. Die Adäquanz ist daher nach der sogenannten
Schleudertrauma-Praxis gemäss BGE 134 V 109 zu prüfen.
5.2 Gemäss der biomechanischen Beurteilung des AGU Zürich vom 25. März 2008
betrug die kollisionsbedingte vektorielle Geschwindigkeitsänderung des Autos der
Beschwerdeführerin sowohl in Bezug auf den Fahrzeugschwerpunkt als auch bezogen
auf die Sitzposition der Beschwerdeführerin rund 3 bis 5 km/h. Auf Grund dieser
Belastungen wies das Ereignis insgesamt ein sehr tiefes Schädigungspotential auf
(Suva-act. 95). Die seitliche Kollision vom 27. Juni 2007 ist folglich nach dem hier allein
massgebenden augenfälligen Geschehensablauf mit den sich dabei entwickelnden
Kräften höchstens als mittelschwer, im Grenzbereich zu den leichten Unfällen zu
qualifizieren. Damit wäre die Adäquanz des Kausalzusammenhangs nur dann zu
bejahen, wenn von den weiteren massgeblichen Kriterien (besondere dramatische
Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalls; Schwere oder
besondere Art der erlittenen Verletzungen; fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche
Behandlung; erhebliche Beschwerden; ärztliche Fehlbehandlung, welche die
Unfallfolgen erheblich verschlimmert; schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche
Komplikationen; erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen)
entweder ein einzelnes in besonders ausgeprägter Weise oder aber mehrere in
gehäufter oder auffallender Weise gegeben wären (BGE 134 V 126 E. 10.1; 367 f. E. 6;
Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni 2009 i/S W. [8C_951/2008] E. 6.1).
5.2.1 Besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls sind hier klarerweise zu verneinen.
5.2.2 Die Diagnose eines HWS-Distorsionstraumas genügt für sich allein nicht
zur Bejahung des Kriteriums der Schwere oder besonderen Art der erlittenen
Verletzung. Es bedarf hiezu einer besonderen Schwere der dafür typischen
Beschwerden oder besonderer Umstände, welche das Beschwerdebild beeinflussen
können (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06 E. 5.3; RKUV 2005 Nr. U 549 S. 236, U
380/04 E. 5.2.3 mit Hinweisen). Diese können beispielsweise in einer beim Unfall
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eingenommenen besonderen Körperhaltung und den dadurch bewirkten
Komplikationen bestehen (SVR 2007 UV Nr. 26 S. 86, U 339/06 E. 5.3; RKUV 2003 Nr.
U 489 S. 357, U 193/01 E. 4.3 mit Hinweisen). Solche Umstände sind hier nicht
gegeben, gingen doch die Gutachter des AGU gemäss biomechanischer Beurteilung
vom 25. März 2008 von einem Normalfall aus (vgl. Suva-act. 95). Auch sonst liegen
keine erheblichen Verletzungen vor, welche sich die Beschwerdeführerin neben der
diagnostizierten HWS-Distorsion beim Unfall zugezogen hat (vgl. BGE 134 V 109 E.
10.2.2 mit Hinweisen).
5.2.3 Das Kriterium der fortgesetzt spezifischen belastenden ärztlichen
Behandlung (BGE 134 V 128 E. 10.2.3) ist objektiv zu beurteilen und nicht auf Grund
des subjektiven Empfindens der versicherten Person (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 30. September 2009 i/S G. [8C_299/2009] E. 4.3.3). Die Beschwerdeführerin
macht geltend, dieses Adäquanzkriterium sei erfüllt, da sie ärztliche Behandlungen von
einer ausgeprägten Intensität und langer Dauer über sich habe ergehen lassen müssen.
Auf Grund der Akten ist erstellt, dass die gesamte medizinische Behandlung - mit
Ausnahme eines vom 16. April bis 21. Mai 2008 dauernden Rehabilitationsaufenthalts
(Suva-act. 109) - ambulant stattfand. Insbesondere musste die Beschwerdeführerin
auch keine belastenden Operationen über sich ergehen lassen. Neben Konsultationen
bei der Hausärztin, welche sie v.a. medikamentös behandelte (Suva-act. 57), wurden
zu Beginn zweimal wöchentlich Physiotherapien, dabei anfangs eher Fussreflexzonen-
Massagen durchgeführt. Später wurde der Schwerpunkt der Behandlung auf aktive
Physiotherapie im Nackenbereich gesetzt und der Therapierhythmus Ende 2007 auf
dreimal pro Woche gesteigert (Suva-act. 3, 17, 25, 31, 44, 69, 71, 97, 120, 121, 137).
Schliesslich wurden versuchsweise vier Osteopathiesitzungen durchgeführt (Suva-
act. 79, 93/5). Ab August 2007 fand zudem zuerst wöchentlich, dann alle ein bis zwei
Wochen eine psychologische Sitzung bei Dr. E._ statt (Suva-act. 17, 55, 108).
Daneben begab sich die Beschwerdeführerin bis zur Überweisung in die aarReha
Schinznach dreimal für abklärende Untersuchungen zum Rheumatologen Dr. D._
(Suva-act. 46, 47, 56) und einmal in die Kopfwehsprechstunde des Universitätsspitals
Zürich (Suva-act. 84). Bei Kreisarzt Dr. F._ fand am 29. Juli 2008 eine Untersuchung
statt (Suva-act. 119). Da blossen ärztlichen Verlaufskontrollen und
Abklärungsmassnahmen nicht die Qualität einer regelmässigen, zielgerichteten
Heilmethodik zukommt (Urteil des Bundesgerichts vom 9. November 2009 i/S N.
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[8C_626/2009] E.4.3 mit Hinweis) und manualtherapeutische Vorkehren in Form von
Physiotherapie oder Osteopathie keine spezifische, die Beschwerdeführerin speziell
belastende ärztliche Behandlungen im Sinn dieses Kriteriums darstellen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts vom 18. Dezember 2008 i/S D. [8C_500/2007] E. 5.4), kann lediglich in
der mehr oder weniger regelmässig durchgeführten psychologischen Behandlung von
einer fortgeführten Behandlungsfolge ausgegangen werden. Dass es sich dabei um
eine belastende Behandlung im Sinn des zu prüfenden Adäquanzkriteriums handelt,
erscheint jedoch fraglich. So oder so wäre das Kriterium der fortgesetzt spezifischen,
belastenden ärztlichen Behandlung höchstens in geringem Masse als erfüllt zu
betrachten.
5.2.4 Das Merkmal der erheblichen Beschwerden kann angesichts der
dauernden Kopf- und Nackenschmerzen (Suva-act. 119/3) bzw. anfallsartig
auftretenden, migräneartigen Cephalgien begleitet von Nausea und Seestörungen
(Suva-act. 47) zwar bejaht werden. Allerdings liegt es lediglich in wenig ausgeprägter
Weise vor. Denn bereits beim Austritt aus der aarReha Schinznach waren die
Kopfschmerzen in einen erträglichen Bereich gerückt (Suva-act. 109/2) und auch
während der kreisärztlichen Untersuchung im Juli 2008 gab die Beschwerdeführerin an,
dass es mit der Gesundheit einigermassen gehe (Suva-act. 119/3; vgl. u.a. Urteile des
Bundesgerichts vom 9. September 2008 i/S S. [8C_584/2007] E. 4.2.1 und vom 16. Mai
2008 i/S D. [8C_500/2007] E. 5.4).
5.2.5 Ohne Weiteres zu verneinen ist das Kriterium der ärztlichen
Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert hat. Eine solche wird
von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht.
5.2.6 Beim Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs und der erheblichen
Komplikationen müssen die beiden Teilaspekte nicht kumulativ erfüllt sein (BGE 117 V
369E. 7b). Aus der ärztlichen Behandlung und den erheblichen Beschwerden - welche
im Rahmen der spezifischen Adäquanzkriterien zu berücksichtigen sind - darf nicht
bereits auf einen schwierigen Heilungsverlauf und/oder erhebliche Komplikationen
geschlossen werden. Es bedarf hiezu besonderer Gründe, welche die Heilung
beeinträchtigt haben (Urteil des Bundesgerichts vom 8. April 2009 i/S T.
[8C_1020/2008] E. 5.7 und vom 22. August 2008 i/S D. [8C_623/2007] E. 8.6). Die
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Einnahme vieler Medikamente und die Durchführung verschiedener Therapien genügen
nicht zur Bejahung dieses Kriteriums. Gleiches gilt für den Umstand, dass trotz
regelmässiger Therapien weder eine Beschwerdefreiheit noch eine vollständige
Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit erreicht werden konnten (Urteile des
Bundesgerichts vom 16. Mai 2008 i/S M. [8C_252/2007] E. 7.6 und vom 16. Mai 2008 i/
S S. [8C_57/2008] E. 9.6.1, je mit Hinweisen). Im Vergleich mit anderen Fällen von
HWS-Schleudertraumen und äquivalenten Verletzungen kann vorliegend nicht von
erheblichen Komplikationen ausgegangen werden. Auch kann nicht von einem
schwierigen Heilungsverlauf gesprochen werden.
5.2.7 Was schliesslich das Kriterium der Arbeitsunfähigkeit anbelangt, ist dem
Umstand Rechnung zu tragen, dass bei leichten bis mittelschweren Schleudertraumen
der HWS ein längerer oder gar dauernder Ausstieg aus dem Arbeitsprozess vom
medizinischen Standpunkt aus als eher ungewöhnlich erscheint. Nicht die Dauer der
Arbeitsunfähigkeit ist daher massgebend, sondern eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit
als solche, die zu überwinden die versicherte Person ernsthafte Anstrengungen
unternimmt. Darin liegt der Anreiz für die versicherte Person, alles daran zu setzen,
wieder ganz oder teilweise arbeitsfähig zu werden. Gelingt es ihr trotz solcher
Anstrengungen nicht, ist ihr dies durch Erfüllung des Kriteriums anzurechnen. Konkret
muss ihr Wille erkennbar sein, sich durch aktive Mitwirkung raschmöglichst wieder
optimal in den Arbeitsprozess einzugliedern. Solche Anstrengungen der versicherten
Person können sich insbesondere in ernsthaften Arbeitsversuchen trotz allfälliger
persönlicher Unannehmlichkeiten manifestieren. Dabei ist auch der persönliche Einsatz
im Rahmen von medizinischen Therapiemassnahmen zu berücksichtigen. Sodann
können Bemühungen um alternative, der gesundheitlichen Einschränkung besser
Rechnung tragende Tätigkeiten ins Gewicht fallen. Nur wer in der Zeit bis zum
Fallabschluss nach Art. 19 Abs. 1 UVG in erheblichem Masse arbeitsunfähig ist und
solche Anstrengungen auszuweisen vermag, kann das Kriterium erfüllen (BGE 134 V
129 E. 10.2.7 mit Hinweisen; BGE vom 16. Mai 2008 i/S M. [8C_252/2007] E. 7.7.1 mit
Hinweis). Die Beschwerdeführerin war im Anschluss an den Unfall von Ende Juni bis 5.
August 2007 vollständig arbeitsunfähig, danach arbeitete sie mit einem Teilpensum von
15% und ab November 2007 mit einem solchen von 20% (Suva-act. 57). Nach
sukzessiver Steigerung erreichte sie schliesslich ab Juni 2008 einen
Arbeitsfähigkeitsgrad von 40% (Suva-act. 156), den der Kreisarzt gemäss seinem
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Bericht vom Juli 2008 auf Grund der medizinischen Befunde jedoch als nicht
nachvollziehbar erachtete (Suva-act. 119/5). Während der im Herbst 2008 attestierten
50%igen Arbeitsfähigkeit erbrachte sie gemäss Angaben der Arbeitgeberin eher eine
tiefere Leistung (Suva-act. 139). Aus welchen Gründen die von der aarReha
Schinznach postulierte Steigerung der Arbeitsfähigkeit aber schliesslich nicht über
60% realisiert werden konnte, lässt sich auf Grund der Akten nicht schlüssig beurteilen.
Dass sich die Beschwerdeführerin dennoch sehr um eine Wiedereingliederung in der
angestammten Tätigkeit bemühte und ihr Pensum im Rahmen ihrer Arbeitsfähigkeit mit
viel Engagement ausübte, zeigt sich sowohl in der Wertschätzung des Betriebs ihr
gegenüber, als auch dadurch, dass die Arbeitgeberin sie lange Zeit bei der
Wiedereingliederung unterstützte, sei es durch das Zugeständnis zur Durchführung
gewisser Arbeiten von zu Hause aus, durch Übertragung von Aufgaben auf andere
Mitarbeiter oder die Einstellung einer Ersatzkraft für diejenigen Tage, an denen die
Beschwerdeführerin ihrer Arbeit nicht nachgehen konnte, und dies, obgleich sie im
Zeitpunkt des Unfalls erst zweieinhalb Monate für die Arbeitgeberin tätig war (vgl.
Suva-act. 44, 65, 119/3, 131/1). Anstrengungen, die Arbeitsunfähigkeit möglichst tief zu
halten, zeigen sich aber auch im guten Einsatz der Beschwerdeführerin bei den
Abklärungs- und Therapiemassnahmen (vgl. Suva-act. 69/2, 109). Somit ist das
Kriterium einer erheblichen Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen
vorliegend zwar zu bejahen, jedoch nicht in ausgeprägter Weise (vgl. Urteile des
Bundesgerichts vom 16. Mai 2008 i/S D. [8C_500/2007] E. 5.4. und vom 2. Juli 2008 i/S
M. [8C_266/2007] E. 5.6).
5.3 Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass von den sieben relevanten
Kriterien höchstens drei (fortgesetzt spezifische belastende ärztliche Behandlung,
erhebliche Beschwerden und erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener
Anstrengungen) erfüllt sind, keines jedoch in ausgeprägter Weise. Dies genügt zur
Bejahung der Adäquanz allfälliger noch vorhandener unfallbedingter Beschwerden bei
vorliegendem mittelschweren Unfall im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen nicht
(vgl. Urteile des Bundesgerichts vom 2. Oktober 2009 i/S K. [8C_421/2009] E. 5.8, vom
31. Juli 2009 i/S V. [8C_172/2009] E. 5.3.5, vom 3. Juni 2009 i/S W. [8C_951/2008] E.
6.4 und vom 17. September 2008 i/S Z. [8C_9/2008] E. 6.1.5).
6.
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Waren die über den 30. November 2008 hinaus geklagten Beschwerden nicht mehr
adäquat kausal durch das Unfallereignis vom 27. Juni 2007 verursacht, so war die mit
angefochtenem Einspracheentscheid vom 21. April 2009 bestätigte
Leistungseinstellung der Beschwerdegegnerin per 30. November 2008 im Ergebnis
rechtens. Damit wird indessen nicht das Vorhandensein der geklagten Beschwerden in
Abrede gestellt, sondern lediglich deren Ursache als nicht (mehr) mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit mit dem Unfall in Zusammenhang stehend
gesehen. Insbesondere ist festzuhalten, dass die Formel "post hoc ergo propter hoc",
wonach eine gesundheitliche Schädigung schon deshalb als durch einen Unfall
verursacht gilt, weil sie nach diesem aufgetreten ist, nicht als Beweis betrachtet
werden kann (BGE 119 V 335 E. 2b/bb). Auch eine nachfolgende Besserung des
Gesundheitszustands durch spezifische Behandlungsmethoden kann in Bezug auf die
Ursache einer gesundheitlichen Störung keinen genügenden Beweis erbringen.
Demgemäss erübrigen sich Ausführungen zum mit nachträglicher Eingabe vom 28. Mai
2010 geltend gemachten Begehren um Unfalltaggelder ab 1. Dezember 2008.
7.
Im Sinn obiger Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind keine
zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin ist zufolge
Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung durch den Staat zu
entschädigen. Es rechtfertigt sich, die Entschädigung, ausgehend von der üblichen
Entschädigung bei Prozessen mit mündlicher Verhandlung von Fr. 4'750.-- unter
Berücksichtigung der Reduktion um einen Fünftel (Art. 31 Abs. 3 AnwG [sGS 963.70]),
auf Fr. 3'800.-- festzulegen (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer).
Demgemäss hat das Versicherungsgericht