Decision ID: 78456cb6-47d9-4b80-aac4-13d2c6b48d81
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Koch bei der B._ tätig und dadurch bei
der SWICA Versicherungen AG (nachfolgend: SWICA) obligatorisch gegen die Folgen
von Berufs- und Nichtberufsunfällen sowie von Berufskrankheiten versichert, als er am
11. Februar 2018 bei einem tätlichen Angriff im Gesicht verletzt wurde (UV-act. 18, 23).
Der Versicherte erlitt unter anderem drei Kronenfrakturen ohne Pulpabeteiligung sowie
eine Kronenfraktur mit Pulpabeteiligung (UV-act. 3). Die definitiven zahnärztlichen
Behandlungen wurden von November 2018 bis und mit Februar 2019 durchgeführt und
umfassten mehrere Kompositaufbauten, eine Wurzelbehandlung sowie drei
Zirkonkronen (vgl. UV-act. 3-4, 7, 33). Ab Juni 2018 befand sich der Versicherte zudem
in psychiatrischer Behandlung bei Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie der eine Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion
diagnostizierte (ICD-10: F43.21; UV-act. 18-1). Die SWICA anerkannte ihre gesetzliche
Leistungspflicht für die zahnärztliche und die psychiatrische Behandlung (UV-act. 7, 11,
20, 41 ff. und 77-2). Dr. C._ berichtete am 29. Januar 2019, dass die psychiatrischen
Behandlungen per Ende 2018 abgeschlossen worden seien (UV-act. 25).
A.a.
Auf Anfrage des Vertreters des Versicherten, Rechtsanwalt lic. iur. R. Zahner,
St. Gallen, vom 13. Februar 2019 veranlasste die SWICA am 6. März 2019 bei Dr. med.
dent. D._ eine Aktenbeurteilung zur Abklärung des Integritätsschadens (UV-act. 29,
34 f). Unter Berücksichtigung der Aktenbeurteilung vom 30. Mai 2019 wurde der
Versicherte am 12. Juni 2019 darüber informiert, dass die SWICA die Leistungspflicht
per sofort terminieren werde (UV-act. 51 f.). Aufgrund des dagegen erhobenen
A.b.
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B.
C.
Einwandes vom 27. Juni 2019 (UV-act. 61) veranlasste die SWICA erneut eine
Aktenbeurteilung bei Dr. D._ (UV-act. 64), welche dieser am 10. September 2019
abgab (UV-act. 68). In den vorgenannten Aktenbeurteilungen hielt Dr. D._ fest, dass
die zahnärztlichen Behandlungen abgeschlossen seien und keine namhafte Besserung
mehr zu erwarten sei und unter Berücksichtigung der Suva-Tabelle 15
"Integritätsschäden bei unfallbedingten Zahnschäden" kein Anspruch auf eine
Integritätsentschädigung bestehe (UV-act. 51-3 ff., 68-3 ff.).
Mit Verfügung vom 23. September 2019 nahm die SWICA den Fallabschluss per
11. Juni 2019 vor, stellte die vorübergehenden Versicherungsleistungen –
Heilbehandlungen und Taggelder – ein und verneinte einen Anspruch auf
Integritätsentschädigung betreffend Zahnschaden (UV-act. 71-3).
A.c.
Gegen diese Verfügung liess der Versicherte, weiterhin vertreten durch
Rechtsanwalt Zahner, am 14. Oktober 2019 Einsprache erheben und beantragen, es
sei die Verfügung vom 25. September 2019 (richtig: 23. September 2019) betreffend
Ablehnung Integritätsentschädigung aufzuheben und es seien weitere medizinische
Abklärungen vorzunehmen. Eventualiter sei dem Versicherten die ihm zustehende
Integritätsentschädigung auszurichten (UV-act. 72).
B.a.
Mit Entscheid vom 17. Februar 2020 wies die SWICA die Einsprache des
Versicherten ab (UV-act. 77).
B.b.
Gegen den Einspracheentscheid vom 17. Februar 2020 liess der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) durch Rechtsanwalt Zahner mit Eingabe vom
17. März 2020 Beschwerde erheben. Dieser beantragte, der Einspracheentscheid sei
betreffend Ablehnung der Integritätsentschädigung aufzuheben und es sei dem
Beschwerdeführer die ihm zustehende gesetzliche Leistung aus der Unfallversicherung
auszurichten. Eventualiter seien weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen; alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 1).
C.a.
Die SWICA (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) beantragte am 4. Mai 2020 die
Abweisung der Beschwerde (act. G 3).
C.b.
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Erwägungen
1.
Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch auf
Integritätsentschädigung mit Einspracheentscheid vom 17. Februar 2020 zu Recht
abgelehnt hat (vgl. UV-act. 77-5). Sie stützte sich dabei auf die zahnmedizinischen
Aktenbeurteilungen von Dr. D._ vom 30. Mai 2019 und 10. September 2019 (UV-act.
51, 68).
2.
Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers verzichtete auf die Einreichung einer
Replik (act. G 5).
C.c.
Gemäss Art. 24 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG;
SR 832.20) hat die versicherte Person Anspruch auf eine angemessene
Integritätsentschädigung, wenn sie durch den Unfall eine dauernde erhebliche
Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität erleidet. Art. 36
Abs. 1 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) bestimmt, dass
ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen
Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn die
körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit,
augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2).
2.1.
Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentschädigung in Form einer
Kapitalleistung gewährt. Sie wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens
abgestuft, wobei sie den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten
Jahresverdienstes nicht übersteigen darf. Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der
Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
UVV Gebrauch gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung
der Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der Bundesrat in
einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden Skala (BGE 113 V 219 E. 2a;
RKUV 1988 Nr. U 48 S. 236 E. 2a mit Hinweisen) häufig vorkommende und typische
Schäden prozentual gewichtet (BGE 124 V 29 E. 1b).
2.2.
Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integritätsschäden entspricht die
Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrages des
versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die Entschädigung für spezielle oder nicht
2.3.
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aufgeführte Integritätsschäden wird nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert
abgeleitet. Das gilt auch für das Zusammenfallen mehrerer körperlicher, geistiger und
psychischer Integritätsschäden (Ziff. 1 Abs. 2). Integritätsschäden, die gemäss der
Skala 5% nicht erreichen, geben keinen Anspruch auf Entschädigung (Ziff. 1 Abs. 3).
Demgemäss ist davon auszugehen, dass ein Schaden erheblich im Sinne von Art. 24
Abs. 1 UVG ist, wenn er den Wert von mindesten 5% erreicht (Thomas Frei, N 24 zu
Art. 24, in: Marc Hürzeler/Ueli Kieser [Hrsg.], Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht, 2018,
[nachfolgend zitiert: KOSS UVG]). Die völlige Gebrauchsunfähigkeit eines Organs wird
dem Verlust gleichgestellt; bei teilweisem Verlust und teilweiser Gebrauchsunfähigkeit
wird der Integritätsschaden entsprechend geringer, wobei die Entschädigung jedoch
ganz entfällt, wenn der Integritätsschaden weniger als 5% des Höchstbetrages des
versicherten Verdienstes ergäbe (Ziff. 2).
Weiter legt Anhang 3 der UVV fest, dass der Integritätsschaden – mit Ausnahme
der Sehhilfen – ohne Hilfsmittel zu beurteilen ist (Ziff. 1 Abs. 4). Somit ist für die
Bemessung des Schadens der unkorrigierte Zustand massgebend. Dies gilt gemäss
konstanter Rechtsprechung des Bundesgerichts auch für die Versorgung mit
implantierten Prothesen, sogenannten Endoprothesen (Urteile des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts [EVG] vom 4. September 2001, U 40/01, E. 4, 4. September
2003, U 313/02, E. 3 f., und 18. Juli 2005, U 56/05, E. 2.2.2 f.; Urteile des
Bundesgerichts vom 28. April 2008, 8C_600/2007, E. 2.1.2, und 26. Juni 2009,
8C_962/2008, E. 3.2). Zweck der Integritätsentschädigung ist ein gewisser Ausgleich
für körperliche oder geistige Schädigungen (KOSS UVG-Frei, N 28 zu Art. 25). Diese
Schädigung besteht unabhängig von Ausgleichsmöglichkeiten durch Hilfsmittel (BGE
115 V 147 E. 3b).
2.4.
Die medizinische Abteilung der Suva hat in Weiterentwicklung der bundesrätlichen
Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in tabellarischer Form (sog. Feinraster)
erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der Medizinischen Abteilung der SUVA Nr. 57 bis
59 herausgegebenen Tabellen (teilweise geändert und ergänzt in den Mitteilungen Nr.
60, 62 und 66) sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit denen die
Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll, mit dem Anhang 3 zur
UVV vereinbar (BGE 124 V 32 E. 1c, 116 V 157 E. 3a mit Hinweis). Auch andere
Unfallversicherer können auf die genannten Tabellen abstellen (KOSS UVG-Frei, N 15
zu Art. 25).
2.5.
Trotz des Feinrasters der Suva-Tabellen gibt es Integritätsschäden, die sich nicht
direkt einer Position der Skala von Anhang 3 zur UVV oder der Suva-Tabellen zuordnen
2.6.
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3.
lassen. In diesen Fällen ist in direkter oder analoger Anwendung von Ziff. 1 Abs. 2 von
Anhang 3 zur UVV der Grad der Schwere für spezielle oder nicht aufgeführte
Integritätsschäden vom Skalenwert bzw. von Positionen der Suva-Tabellen abzuleiten.
Zuerst ist mithin zu prüfen, ob ein Integritätsschaden in der Skala von Anhang 3 zur
UVV figuriert. Falls dies nicht zutrifft, ist in den Suva-Tabellen eine passende Position
zu suchen. Bei negativem Ausgang der Suche ist schliesslich die Schwere des
Integritätsschadens mittels Vergleichs zu den Werten in der Skala von Anhang 3 zur
UVV oder der Suva-Tabellen abzuleiten (KOSS UVG-Frei, N 17 f. zu Art. 25).
Die Skala der Integritätsentschädigung des Anhangs 3 zur UVV weist einer
schweren Beeinträchtigung der Kaufähigkeit den Wert von 25% zu. Diese Bemessung
bildet den Anknüpfungspunkt der Suva-Tabelle 15. Diese enthält für unfallbedingte
Zahnschäden weitere Präzisierungen (Suva-Tabelle 15, Ziff. 1). So wird für Kronen oder
feste Brücken eine Integritätsentschädigung ausgeschlossen, da weder eine relevante
Beeinträchtigung der Kaufähigkeit noch eine augenscheinliche Veränderung im
sichtbaren Zahnbereich resultiert (Ziff. 2). Bei abnehmbaren Prothesen hingegen sieht
Ziff. 4 Integritätsschadenswerte für verschiedene Sachverhalte vor (vgl. Max B. Berger,
N 32 zu Art. 25, in: Ghislane Frésard-Fellay/Susanne Leuzinger/Kurt Pärli (Hrsg.),
Unfallversicherungsgesetz, Basler Kommentar, 2019 [nachfolgend zitiert: BSK UVG]).
2.7.
Verwaltung und Gericht sind für die Beurteilung der einzelnen Integritätseinbussen
auf ärztliche Sachverständige angewiesen. Die Schwere des Integritätsschadens
beurteilt sich einzig nach deren medizinischem Befund (KOSS UVG-Frei, N 5 zu Art. 25;
BSK UVG-Berger, N 13 zu Art. 25). Dem Gericht ist es nicht möglich, die Beurteilung
aufgrund der aktenkundigen Diagnosen selber vorzunehmen, da die Ausschöpfung des
in den Tabellen offen gelassenen Bemessungsspielraums entsprechende
Fachkenntnisse voraussetzt und von einem medizinischen Laien eine zuverlässige
Zuordnung nicht erwartet werden kann (Urteil des Bundesgerichts vom 23. April 2007,
U 121/06, E. 4.2).
3.1.
Die Schätzung der Integritätseinbusse einer versicherten Person ist ein
Ermessensentscheid. Bei dessen Überprüfung geht es um die Frage, ob der Entscheid,
den die Behörde nach dem ihr zustehenden Ermessen im Einklang mit den allgemeinen
Rechtsprinzipien in einem konkreten Fall getroffen hat, nicht zweckmässigerweise
anders hätte ausfallen sollen. Das Sozialversicherungsgericht darf sein Ermessen nicht
ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf
3.2.
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4.
Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als
naheliegender erscheinen lassen (vgl. BGE 126 V 81 E. 6).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der
Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in
der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 134 V 157 E. 5.1).
3.3.
Gelangt der Rechtsanwender im Rahmen der freien Beweiswürdigung zur
Auffassung, es lägen keine schlüssigen medizinischen Angaben zum Vorliegen eines
Integritätsschadens vor, kann dies Aktenergänzungen in medizinischer Hinsicht
bedingen (vgl. SVR 2009 UV Nr. 27 S. 97, Urteil des Bundesgerichts vom 4. Februar
2009, 8C_459/2008, E. 2.3; Urteil des EVG vom 23. April 2007, U 121/06, E. 4.2; zum
Zusammenwirken ärztlicher Einschätzung und juristischer Wertung bei der Bemessung
der Integritätseinbusse vgl. auch Thomas Frei, Die Integritätsentschädigung nach
Art. 24 und 25 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung, Diss. Freiburg 1998,
S. 68 ff.). Auch wenn weitere Erhebungen schon bei geringen Zweifeln an den
Aussagen versicherungsinterner Expertisen von der Rechtsprechung verlangt werden
(BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweis auf BGE 122 V 157 E. 1d), können solche trotz
gewisser verbleibender Unsicherheiten unterbleiben, wenn ihnen mittels kritischer
gerichtlicher Würdigung medizinischer Erkenntnisse begegnet werden kann.
Zeitaufwändige und oftmals kostenintensive Vorkehren lassen sich so vermeiden, ohne
dass unberechtigte Beeinträchtigungen der Rechtslage einer versicherten Person in
Kauf genommen werden müssten oder gar ungerechtfertigte Leistungsverweigerungen
zu befürchten wären (Urteil des Bundesgerichts vom 5. April 2017, 8C_809/2016,
E. 3.2.2).
3.4.
Dr. D._ nimmt die Bemessung des Integritätsschadens im konkreten Fall anhand
der Suva-Tabelle 15 vor. Gemäss Ansicht des Beschwerdeführers ist diese Tabelle
nicht mit Ziff. 1 Abs. 4 des Anhangs 3 zur UVV vereinbar. Hierzu führt er
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Endoprothesen an, bei denen die Beurteilung
des Integritätsschadens nach dem unkorrigierten Zustand erfolgt (Urteil des EVG vom
4. September 2001, U 40/01; vgl. act. G 1 Ziff. II/2). Im Weiteren erwähnt der
Beschwerdeführer einen Entscheid des Kantonsgerichts Luzern, wonach für die
Bemessung des Integritätsschadens bei Zahnschäden vom unkorrigierten Zustand
4.1.
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5.
ohne Implantate oder Kompositeckaufbauten ausgegangen wurde (LGVE 2018 III Nr. 4;
5V 17 209). Insgesamt erachtet es der Beschwerdeführer mit Blick auf diese
konkretisierende Rechtsprechung für nötig, eine neue medizinische Beurteilung zu
veranlassen, die den unkorrigierten Zustand berücksichtigt (vgl. act. G 1 Ziff. II/3.1).
Die Beschwerdegegnerin argumentiert, die Zahnkronenversorgung stelle eine
Heilbehandlung dar (act. G 1.2/Ziff. 3.4; act. G 3/Ziff. 2.2) und nicht ein Hilfsmittel.
Deshalb sei für die Beurteilung der Integritätsentschädigung der Zustand im Zeitpunkt
des Fallabschlusses massgebend, also jener mit der Zahnkronenversorgung (act.
G 1.2/Ziff. 3.10). Zur Anwendung der Suva-Tabelle 15 bringt sie vor, diese beziehe sich
in Ziff. 2 auf Heilbehandlungen und in Ziff. 4 auf Hilfsmittel (abnehmbare
Zahnprothesen). Wenn die Suva-Tabelle 15 also für Kronen/feste Brücken keinen
(erheblichen) Integritätsschaden vorsehe, sei dies mit Ziff. 1 Abs. 4 des Anhangs 3 zur
UVV vereinbar (act. G 3/Ziff. 2.5). Zur bundesgerichtlichen Rechtsprechung äussert sie,
die Ausdehnung des Hilfsmittelbgriffs auf implantierte Prothesen sei begrenzt auf den
expliziten Fall von U 40/01, E. 4c (act. G 3/Ziff. 2.3).
4.2.
In Ziff. 1 Abs. 4 des Anhangs 3 zur UVV ist ausdrücklich festgehalten, dass nur bei
Sehhilfen die Integritätseinbusse mit dem Hilfsmittel ermittelt werden soll. Ein
Hilfsmittel ist definitionsgemäss ein Gegenstand, dessen Gebrauch den Ausfall
gewisser Teile oder Funktionen des menschlichen Körpers zu ersetzen vermag (BGE
115 V 147 E. 3b). Zusätzlich muss der Gegenstand ohne strukturelle Änderung
ablegbar und wieder verwendbar sein. Dieses gilt nicht nur für den Gegenstand,
sondern auch für den menschlichen Körper und dessen Integrität. So erfüllt ein
Gegenstand, der durch einen eigentlichen chirurgischen Eingriff eingesetzt wird und auf
gleiche Weise wieder zu ersetzen ist, den Hilfsmittelbegriff im Sinne des Gesetzes nicht
(vgl. Urteil des EVG vom 4. September 2001, U 40/01, mit Hinweis auf BGE 115 V 147
E. 3c). Das EVG hielt in U 40/01 fest, dass bei Endoprothesen die Bemessungsregel für
Hilfsmittel analog angewandt wird, obwohl Endoprothesen die Hilfsmitteldefinition nicht
erfüllen (E. 2c). Es führt weiter aus, dass zur Beurteilung des Integritätsschadens "auf
den medizinischen Befund vor der Korrektur abzustellen und der mit Hilfsmitteln oder
implantierten Prothesen erzielbare Ausgleich nicht zu berücksichtigen" ist (E. 3c). In
Bezug auf das Urteil U 40/01 des EVG ist der Auffassung des Beschwerdeführers zu
folgen. Die analoge Anwendung der Hilfsmittelregelung auf Endoprothesen ist jedoch
nicht begrenzt auf den Fall von U 40/01, wie die Beschwerdegegnerin behauptet. Dies
geht deutlich aus E. 4c des genannten Entscheides hervor. Die Ausdehnung auf
Endoprothesen entspricht konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung (vgl. E. 2.4).
5.1.
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Hingegen vermag das Urteil LGVE 2018 III Nr. 2, 5V 17 209 dem Beschwerdeführer
nicht weiterzuhelfen. Soweit in diesem Entscheid von implantierten Zahnprothesen und
abnehmbaren Zahnprothesen die Rede ist, ist zwar die Bemessung, wie zuvor
dargelegt, nach dem unkorrigierten Zustand angezeigt. Bei Zahnkronen und
Kompositaufbauten bleibt jedoch, entgegen den dortigen Erwägungen, Raum für eine
differenzierte Betrachtungsweise, da es sich bei Zahnkronen und
Kompositeckaufbauten weder um implantierte noch abnehmbare Prothesen handelt.
Ziffer 2 der Suva-Tabelle 15 enthält eine Regelung bezüglich Kronen, feste
Brücken und gut sitzende Prothesen. Auf den ersten Blick besteht eine Divergenz
zwischen dieser und Ziff. 1 Abs. 4 des Anhangs 3 zur UVV, da in Ziffer 2 vom
korrigierten Zustand ausgegangen wird. Kronen, feste Brücken und gut sitzende
Prothesen erfüllen jedoch weder den Hilfsmittelbegriff noch den Endoprothesenbegriff.
Ausserdem ist bei diesen Arten von Zahnersatz die Kaufähigkeit und der sichtbare
Zahnbereich in der Regel ganz wiederhergestellt oder zumindest nur unerheblich
eingeschränkt. Die Unerheblichkeit eines reinen Zahnersatzes in Bezug auf die
Kaufähigkeit und die augenscheinliche Veränderung im sichtbaren Zahnbereich ergibt
sich auch im Vergleich zu Ziffer 4 derselben Tabelle, wo eine Oberkiefer-Totalprothese
die Erheblichkeitsschwelle von 5% knapp erreicht, eine Schaltprothese oder eine
Teilprothese mit Frontersatz jedoch nicht (2 resp. 4%). Der Vergleich mit einem
Gesundheitsschaden, der eine Versorgung mit Endoprothese erfordert, führt zum
selben Schluss. Somit ist auch mit Blick auf die Gleichbehandlung der versicherten
Personen festzuhalten, dass ein Zahndefekt, der einen Zahnersatz wie eine Krone oder
eine Kompositeckaufbaute erfordert, von geringerer Bedeutung ist, als ein Zahndefekt,
der einen vollständigen Funktionsersatz braucht. Es rechtfertigt sich nach dem
Gesagten, die Differenzierung von festen Zahnersätzen und abnehmbaren Prothesen in
Suva-Tabelle 15 zuzulassen. Dies steht nicht im Widerspruch zu Ziff. 1 Abs. 4 des
Anhangs 3 zur UVV.
5.2.
Es ist somit nicht zu beanstanden, dass sich Dr. D._ bei seiner Beurteilung des
Zahnschadens auf Suva-Tabelle 15 Ziff. 2 zu Kronen und festen Brücken stützte.
Weiter sind in Bezug auf seine Beurteilungen vom 30. Mai 2019 und 10. September
2019 (UV-act. 51-3 ff., 68-3 ff.) entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers
(act. G 1 Ziff. II/3.2) keine konkreten sachlichen Fehler erkennbar, welche die
Einschätzung der Höhe des Integritätsschadens in Bezug auf die Beeinträchtigung der
Kaufähigkeit oder eines augenscheinlichen Zahndefekts im sichtbaren Zahnbereich in
Frage stellen und ein Abweichen davon rechtfertigen würden. Dr. D._ schätzt den
Integritätsschaden auf 0% (UV-act. 68). Der Einschätzung kann gefolgt werden. Sie
5.3.
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6.
Angesichts der vorangehenden Erwägungen ist die Verneinung einer
Integritätsentschädigung für den vollständig behandelten Zahnschaden durch die
Beschwerdegegnerin nicht zu beanstanden. Inwiefern hier weitere Abklärungen
erforderlich oder gerechtfertigt sein sollten, wird weder vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers dargelegt noch ergeben sich diesbezügliche Anhaltspunkte aus
den Akten. Des Weiteren ist davon auszugehen, dass eine weiterführende medizinische
Abklärung zu keinem anderen Resultat führen würde. Die Beurteilung konnte gestützt
auf die Akten vorgenommen werden. Eine Feststellung des unbehandelten Zustandes
nach bereits erfolgter zahnmedizinischer Behandlung ist im Übrigen gar nicht denkbar
(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 31. Oktober 2014, 8C_561/2014, E. 2.3). Der
entsprechende Antrag des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers ist folglich
abzuweisen.
7.
Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gegen den
Einspracheentscheid vom 17. Februar 2020 abzuweisen. Gerichtskosten sind keine zu
erheben. Ausgangsgemäss hat der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung.