Decision ID: b474c6fb-4518-5c57-b858-d57646e68d07
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, war bei der
Y._
AG als Vorarbeiter angestellt, als er sich am 24. Oktober 2015 unter Hinweis auf diverse Krankheiten bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 9/13). Nach medizi
nischen und erwerblichen Abklärungen,
in deren Verlauf
a
uch die Akten des Krankentaggeldversicherers, darunter ein psychiatrisches Gutachten (Urk. 9/8/8)
,
beigezogen
wurden
, verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (vgl. Urk. 9/8/83, 9/85, 9/92), mit Verfügung vom 6. März 2018 einen Leistungsanspruch des Versi
cherten (Urk. 9/108). Die dagegen gerichtete Beschwerde des Versicherten vom 23. März 2018 (Urk. 9/
109/3-12) hiess das Sozialversicherungsgericht mit Urteil vom 23. Oktober 2018 im Prozess Nr. IV.2018.00298 in dem Sinne gut, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zu weiteren Abklärungen zurückgewiesen wurde (Urk. 9/119).
1.2
In der Folge holte die IV-Stelle medizinische Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 9/126, 9/127, 9/138, 9/144
-146) und gab beim
Zent
r
um
Z._
ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag, welches am 1
4.
November 2019 erstattet wurde (Urk. 9/159). Mit Vorbescheid vom 21. Februar 2020 stellte die IV-Stelle in Aussicht, das Leistungsbegehren abzu
weisen (Urk. 9/168), woran sie nach Einwänden des Versicherten vom 19. März 2020 (Urk. 9/171) und 27. Mai 2020 (Urk. 9/174; unter Beilage eines Arztberichts, Urk. 9/173) mit Verfügung vom 24. Juli 2020 festhielt (Urk. 9/176= Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 24. Juli 2020 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 14. September 2020 Beschwerde
(Urk. 1 S. 2 oben)
und beantragte, es seien ihm die gesetzlichen Leistungen (berufliche Massnahmen und/oder eine Invaliden
rente) auszurichten
(Ziff. 1)
, eventuell sei die Sache zur Vornahme von ergän
zenden medizinischen Abklärungen (insbesondere BEFAS) an die IV-Stelle zurückzuweisen (
Ziff. 2
).
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und um Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertreterin (Ziff. 4). Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 16. Oktober 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Dies wurde dem Beschwerdeführer, nachdem er am 4. Februar 2021 das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (Urk. 14) eingereicht hatte (Urk. 13)
,
am 9. Februar 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützen sich die Verwaltung und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen, die von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind. Ärztliche Aufgabe ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist.
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.4
Geht es um psychische Erkrankungen wie eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung, ein damit vergleichbares psychosomatisches Leiden oder depressive Störungen, sind für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indika
toren beachtlich, die - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) ander
seits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 145 V 361 E. 3.1 S. 363 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsabweisung damit (Urk. 2),
aus dem Gutachten gehe hervor, dass aus orthopädischer Sicht keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei. Aus psychiatrischer Sicht werde die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
,
genannt. Diese liege jedoch gemäss den Ausführungen im Gutachten an der Grenze zu einer leichten Episode. Aufgrund der im Gutachten geschilderten Aggravation und der Inkonsistenzen könne nicht von einer
invaliden
versicherungsrechtlich
relevanten gesundheitlichen Einschränkung ausge
gangen werden. Dagegen spreche auch die hoch eingeschätzte Restarbeits
fähig
keit von durchschnittlich 65 % in der bisherigen sowie in angepassten Tätig
keiten. Daran ändere der eingereichte Bericht der behandelnden Psychiater nichts (S. 2 oben).
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer vor (Urk. 1),
das
Z._
-Gutachten sei aus näher dargelegten Gründen nicht beweistauglich (S. 2 Ziff. 9), insbesondere sei die Einschätzung der Gutachter mit Blick auf die massgeb
lichen
Indikatoren nicht hinreichend und nachvollziehbar begründet und überzeuge nicht, weshalb auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters abzustellen sei (S. 7 Ziff. 23). Über
dies habe sich
sein
Gesundheitszustand seit der Begutachtung verschlechtert (S. 7 Ziff. 26), entsprechende medizinische Abklärungen seien im Gange (S. 27 Ziff. 27).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf
Leistungen der Invalidenversicherung
hat und insbesondere, ob zur Klärung dieser Frage auf das Gutachten de
s
Z._
abgestellt werden kann.
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht hielt mit Urteil vom 23. Oktober 2018 (Urk. 9/119) fest,
angesichts der von den psychiatrischen Fachärzten (E. 3.3-3.6) diagnostizierten depressiven Störung unterschiedlicher Ausprägung sei das tat
sächlich erreichbare Leistungsvermögen zwingend anhand des strukturierten
Beweisverfahrens zu ermitteln. Da die zur Verfügung stehenden medizinischen Akten allerdings keine Aussagen zu den massgeblichen Indikatoren enthielten und diese aus Aussagen in den Berichten auch nicht hergeleitet werden könnten, sei die Sache zur ergänzenden Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen (E. 4.4).
In der Folge holte die Beschwerdegegnerin bei den behandelnden Ärzten medizi
nische Berichte ein
und gab ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag.
3.
2
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Chirurgie, stellte mit Bericht vom
17. Januar 2019 (Urk. 9/126) folgende Diagnosen (S. 2 unten):
-
lumbovertebrales Syndrom mit/bei
-
Ausstrahlung in beide Beine
-
im Rahmen von
Kettenmyogelosen
-
Lumbosakralgie
,
Glutealgie
beidseits
-
diffuse Ausstrahlung in die Beine
-
spondylogen
im Rahmen von
Kettenmyogelosen
-
Periarthria
humeroscapularis
rechts
-
Vitamin D-Mangel
-
Status nach Entfernung multipler Lipome (keine Malignität)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
d
ige depressive Episode (F33.1)
Es bestehe eine deutliche Einschränkung für Arbeiten verbunden mit Heben von schweren Lasten, nicht mehr als 5 kg kurzfristig und 2 kg längerfristig. Ferner bestehe eine funktionelle Einschränkung für Überkopfarbeiten und Arbeiten in
vornübergeneigter
Haltung. Ausserdem bestehe eine Einschränkung bezüglich Sitzen (nicht länger als 30 Minuten) und Stehen (nicht länger als 30 Minuten) (S. 3 Ziff. 3.4). In der bisherigen Tätigkeit bestehe zurzeit und bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 3 Ziff. 4.1). In einer angepassten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer partiell arbeitsfähig. Um die Arbeitsfähigkeit ermitteln zu können, müsste ein funktioneller Leistungstest durchgeführt werden (S. 3 Ziff. 4.2).
3.
3
Mit Bericht vom 8. Januar 2019 (Urk. 9/127/7-9) stellten die Behandler des Zentrums
B._
folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2 Ziff. 2.5):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode (F33.2)
-
lumbovertebrales Syndrom mit/bei
-
Ausstrahlung in beide Beine
-
Ausstrahlung in den rechten Arm
-
im Rahmen von
Kettenmyogelosen
-
somatoforme Schmerzstörung
(
F45.4
)
-
Diabetes mellitus Typ 2
Es bestünden Funktionseinschränkungen im somatischen wie im psychischen Bereich. Im somatischen Bereich imponierten Einschränkungen durch Ganzkör
perschmerzen mit Schwerpunkt im Rücken, in beiden Beinen und im rechten Arm. Der Beschwerdeführer könne keine schweren Lasten heben und tragen und leide unter Appetitlosigkeit.
Im psychischen Bereich herrsche eine depressive Symp
to
matik mit Müdigkeit, Gedankenk
reisen, Sinnlosigkeitsgedanken,
Antriebslosig
keit, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörung mit kognitiven Einschrän
kungen wie Gedächtnisspeicher neuer Inhalte und Vergesslichkeit (S. 3 Ziff. 3.4).
3.4
Mit Bericht vom 27. April 2019 (Urk. 9/138/7-8) diagnostizierte
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Innere Medizin, ein lumbovertebrales Schmerzsyndrom sowie eine chronische Depression, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten (S. 2 Ziff. 2.5). Der Beschwerdeführer habe wegen der Arbeitsunfähigkeit seine Stelle verloren (S. 2 Ziff. 3.2).
3.5
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte
mit
Bericht vom 15. Mai 2019 (Urk. 9/144) eine depressive Episode
mittleren, intermittierend auch schweren Grades
(
F32.1/32.2
)
, eine Anpassungsstörung
(
F43.25
)
, eine chronische Schmerzstörung mit psychischen und somatischen Komponenten
(
F45.41
)
sowie diverse somatische Krankheiten, insbesondere rheu
matische Leiden (S. 1 unten). Eine Besserung habe nicht erzielt werden können (S. 1 Mitte). Anlässlich einer Begutachtung im Jahre 2017 sei aus psychiatrischer Sicht eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (S. 1 Mitte).
3.6
3.6.1
Am 14. November 2019 erstatteten
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychi
atrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, das bidis
ziplinäre Gutachten de
s
Z._
(Urk. 9/159). Sie stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 Ziff. 4.2):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (F33.1)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 8 Ziff. 4.2)
:
-
Zervikobrachialsyndrom
beidseits ohne radikuläre Reizung
-
pseudoradikuläres
Lumbalsyndrom beidseits
-
Adipositas (BMI 34.2 kg/m2)
3.6.2
Was den aktuellen Schweregrad der Depression angehe, so seien zunächst die drei Hauptsymptome depressiver Episoden (depressive Stimmung, Antriebsmin
derung, Verlust von Interesse und Freude) zu beurteilen. Die Stimmung sei sicher deutlich zum negativen Pol verschoben, die affektive Schwingungsfähigkeit sei reduziert. Was den Antrieb angehe, so habe sich dieser in der Untersuchungs
situation nur
leicht reduziert
gezeigt
. Der Beschwerdeführer habe flüssig, in normaler Sprechgeschwindigkeit berichtet, und es hätten sich keinerlei
Antwort
latenzen
oder längere Gesprächspausen gezeigt (S. 5 unten).
Anamnestisch habe der Beschwerdeführer eine sehr passive Alltagsgestaltung berichtet, er verbringe den grössten Teil des Tages in der Wohnung, liege auf der Couch, schaue ab und zu Fernsehen. Andere
Freitzeitaktivitäten
gebe es nicht. Allerdings sei das angegebene massiv eingeschränkte Aktivität
s
niveau diskrepant zur normal entwickelten Muskulatur. Insgesamt werde eingeschätzt, dass nur von einer leichten, allenfalls leicht- bis mittelgradigen Antriebsminderung auszu
gehen sei. Gegen eine höhere Antriebsminderung spreche im Übrigen auch, dass der Beschwerdeführer durchaus auch aufwändigeren Aktivitäten nachgehe, so sei er im September drei Wochen in Serbien gewesen, wobei Hin- und Rückreise mit dem Bus erfolgt sei
en
. Was das dritte Hauptsymptom, den Verlust von Interesse und Freude angehe, so ergäben sich hier die gleichen Schwierigkeiten wie hin
sichtlich der Kategorie Antrieb: Der Beschwerdeführer schildere ein sehr stark eingeschränktes Aktivitätsniveau im Alltag mit massivem Rückzug, was aber nicht zur normal ausgebildeten Muskulatur passe. Auffallend sei, dass
sich
Symp
tome, die bei stärker ausgeprägten Depressionen häufig vorkämen wie Schuld
gefühle, Gefühle von Wertlosigkeit und vermindertes Selbstwertgefühl
,
nicht gezeigt hätten. Insgesamt ergebe sich nach Abzug von Beschwerdebetonung und Aggravation allenfalls das Bild einer mittelgradigen depressiven Episode, an der Grenze zur leichten depressiven Episode, zusammengefasst damit die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (F33.1
(S. 6 oben
).
3.6.3
Im Rahmen der orthopädisch-traumatologischen Untersuchung bestehe im Bereich der Halswirbelsäule eine massive Diskrepanz zwischen der in sämtlichen Bewegungsrichtungen ausgeprägt eingeschränkt demonstrierten und der spontan nur gering eingeschränkten Beweglichkeit. Druckschmerzangaben erfolgten über sämtlichen Dornfortsätzen und Facettengelenken beidseits. Hinweise auf eine Reizung zervikaler Nervenwurzeln beständen bei fehlender Schon- und Fehlhal
tung, fehlendem paravertebralen Muskelhartspann, seitengleich vollständig vor
geführten Handfunktionen und seitengleich entwickelter Muskulatur beider Ober- und Unterarme nicht. In den aktuellen Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule vom 30. September 2019 stellten sich lediglich
mässiggradige
Degenerationen der
Intervertebralgelenke
im kaudalen Anteil der Halswirbelsäule dar, die das Aus
mass degenerativer Veränderungen der altersgleichen Bevölkerung nicht über
schritten. Aufgrund der klinischen und radiologischen Untersuchungsbefunde seien die vom Versicherten angegebenen Kopfschmerzen und die demonstrierte massive Bewegungseinschränkung des Kopfes nicht nachvollziehbar
(S. 7 oben)
.
Bei seitengleich normal kräftig demonstrierten isometrischen Spannungstests und beidseits negativen Zeichen nach
Jobe
bestehe kein Anhalt auf das Vorliegen einer relevanten
Rotatorenmanschettenruptur
. Die fehlende Angabe eines
painful
arc
so
w
ie das negative Zeichen nach Neer schliesse das Vorliegen eine
s
Subak
romialsyndroms
aus. Trotz Druckschmerzangabe über beiden
Akromioklavikular
gelenken
liege bei nicht schmerzhafter horizontaler Adduktion beidseits keine Reizung der
Akromioklavikulargelenke
vor. Auch die normal entwickelte Ober- und Unterarmmuskulatur ohne wesentliche Seitendifferenz lasse von einem gleichmässigen Gebrauch beider Arme im Alltag ausgehen. Die hier vorgeführten Bewegungseinschränkungen beider Schultergelenke entsprächen auch nicht dem Kapselmuster nach
Cyriax
.
Anhand der vorliegenden Untersuchungsbefunde könnten weder die vorgeführte Bewegungseinschränkung noch die angegebenen Schmerzen und Kraftlosigkeit im Bereich beider Schultergelenke nachvollzogen werden (S. 7 Mitte).
Während die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule massiv eingeschränkt demons
triert worden sei, sei die spontane Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule unbe
hindert. Während der Finger-Boden-Abstand im Stehen mit 42 cm demonstriert worden sei, wobei der Beschwerdeführer sich nach wenigen Sekunden auf einen Stuhl habe setzen müssen, habe der Finger-Zehen-Abstand im schmerzfrei vor
führbaren
Langsitz
auf der Untersuchungsliege 18 cm betragen. Auch das Anzie
hen der Socken am Ende der Untersuchung sei im freiwilligen
Langsitz
auf der Untersuchungsliege erfolgt. Bei der Oberkörper-Rotation nach links seien Schmerzen in der unteren Lendenwirbelsäule beschrieben worden. Im MRT der Lendenwirbelsäule vom 8. September 2015 hätten sich nur geringe mediane
Protrusion
en
der Bandscheiben L3/4, L4/5 und L5/S1 ohne Nervenwurzelkom
pressionen gezeigt. Hinweise auf eine Reizung lumbaler Nervenwurzeln hätten bei fehlender Schon- und Fehlhaltung, fehlendem paravertebrale
m
Muskelhart
spann, seitengleich vorführbaren Gangvarianten und der tiefen Hocke, beidseits
negative
n
Zeichen nach
Lasègue
und
Bragard
sowie bei
d
seits auslösbaren Patel
larsehnen- und Ach
illes
sehnenreflex nicht gezeigt. In den aktuellen Röntgenauf
nahmen der Lendenwirbelsäule vom 30. September 2019
habe
sich eine
gering
gradige
ventralbetonte
Spondylosis
in der gesamten Lendenwirbelsäule mit
Spondylar
th
rosen
L3/S1 dargestellt, die gelegentliche, belastungsabhängige
pseudoradikuläre
ausstrahlende Schmerzen nachvollziehbar machten. Für die ange
gebene Hypästhesie des gesamten rechten Beines bestünden orthopädisch-
traumatologisch
keine entsprechenden pathologischen Korrelate
(S. 8 oben)
.
Anhand der aktuellen klinischen und radiologischen Untersuchungsbefunde könnten
aus
orthopädisch-traumatologischer
Sicht
keine relevante Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit festgestellt werden.
3.6.4
Die Arbeitsfähigkeit
betrage in der bisherigen Tätigkeit und
in
einer angepassten Tätigkeit 60-70 % (zirka 6 Stunden täglich bei einer Leistungsminderung von 10 %) und
sei in der Vergangenheit nur in psy
c
hiatrischer Hinsicht eingeschränkt gewesen: Es sei davon auszugehen, dass eine arbeitsunfähigkeitsrelevante depres
sive Symptomatik ab Januar 2016 vorgelegen habe, nachdem der Beschwerde
führer die Kündigung seines Arbeitsplatzes erfahren und die Depres
sion sich daraufhin verschlechtert habe. Es sei davon auszugehen, dass ab Januar 2016 im Wesentlichen eine Arbeitsfähigkeit im Bereich von 60-70 % vorgelegen habe. Während der stationären Aufenthalte in
G._
und
H._
sei die Arbeits
fähigkeit natürlich aufgehoben gewesen. Des Weiteren erscheine es plausibel, dass im Her
b
st 2016, vor Eintritt in die psychiatrische Universitätsklinik
G._
, über etwa zwei bis drei Monate eine stärker ausgeprägte Depression vorgelegen habe mit einer Arbeitsfähigkeit im Ber
e
ich von
20-30 %
(S. 10 Ziff. 4.7 und S. 11 Ziff. 4.8).
Geeignet seien eher sachorientierte, gut strukturierte, regelmässige Tätigkeiten ohne besonderen Zeitdruck und ohne erhöhte Anforderung an die emotionale Belastbarkeit. Aus orthopädischer Optik seien wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltungen der Hals- und Lendenwirbelsäule möglich (S. 9 Mitte).
Es bestünden Fähigkeitsstörungen in den Bereichen Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität und Umstellungsfähigkeit, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Widerstands- und Durchhaltefähigkeit, Selbstbehauptungsfähig
keit, Konversation und Kontaktfähigkeit zu Dritten. Die körperliche Belastbarkeit sei reduziert (S. 11 Ziff. 1).
3.
7
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst
(RAD)
,
empfahl
in seiner Stellungnahme vom 26. November 2019 (Feststellungs
blatt vom 21. Februar 2020, Urk. 9/167) aus versicherungsmedizinischer Sicht, den Beurteilungen des
Z._
-Gutachtens zu folgen. Die formalen Aspekte könnten als
erfüllt beurteilt werden, die vorbestehenden Berichte hätten vorge
legen und seien gewürdigt worden, auf die Klagen des Beschwerdeführers sei eingegangen und die in den veranlassten Untersuchungen erhobenen Befunde seien nachvollziehbar dargestellt und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen, insbesondere bezogen auf die Arbeitsfähigkeit
,
könnten als plausibel beurteilt werden (S. 5 unten).
3.
8
Am 10. Februar 2020 beantworteten die Behandler des
B._
Fragen des Beschwer
deführers (Urk. 9/173) und hielten insbesondere fest,
dieser
sei seit März 2015 aufgrund chronischer Lendenwirbelsäulenschmerzen 100 % arbeitsunfähig. Es bestünden bereits seit November 2014 Rückenschmerzen, welche jedoch im Verlauf stark zugenommen hätten
. Zusätzlich habe
er
depressive Symptome ent
wickelt. Körperlich schwere Arbeiten seien ihm aufgrund der körperlichen Beschwerden nicht mehr zu
mutbar
.
Er
weise ausserdem eine erhöhte Reizbarkeit, verringerte Frustrationstoleranz sowie Konfliktfähigkeit auf. Eine Arbeit im Team oder mit Kunden sei dadurch deutlich beeinträchtigt. Er sei zudem schnell ausser Atem und benötige häufiger Pausen, um sich zu erholen. Die Anforderungen an den ersten Arbeitsmarkt könne er dadurch nicht mehr erfüllen. Aufgrund der chronischen Schmerzen und der depressiven Störung sei der Beschwerdeführer auch in leichten, angepassten Tätigkeiten 100 % arbeitsunfähig.
3.
9
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothe
rapie, RAD,
hielt
am 22. Juli 2020
fest (Feststellungsblatt vom 24. Juli 2020, Urk. 9/175), dass die Diagnosen
im
B._
-Bericht (E. 3.9), nicht hergeleitet worden seien und dass weder eine Diskussion zur Abweichung von der gutachterlichen Diagnosestellung noch
ein psychopathologischer Befund vorliege. Bezüglich Aggra
vation würden keine neuen Tatsachen hervorgebracht, sondern es werde lediglich erwähnt, dass eine solche nicht bestehe und dass sich der Beschwerde
führer bemühe, seine Funktionsfähigkeit wieder zu erlangen. Aus versicherungs
medizinischer Sicht sei anhand dieses Berichts keine wesentliche Veränderung des
p
sychiatrischen Gesundheitszustandes gegenüber dem Gutachtenszeitpunkt ausgewiesen (S.
5
unten).
4.
4.1
Aus dem Feststellungsblatt der Beschwerde
gegnerin
vom 21. Februar 2020 (Urk. 9/167)
geht hervor
, dass diese gestützt auf das
Z._
-Gutachten davon ausging, dass der Beschwerdeführer bei der Schilderung seiner Beschwerde
n
aggraviere
und bei der Begutachtung zahlreiche Inkonsistenzen aufgetreten seien. Bei einer Arbeitsfähigkeit von 60-70 % beziehungsweise durchschnittlich 65 %
in der angestammten Tätigkeit kam sie gestützt auf einen Prozentvergleich zum Schluss, dass ein I
nvaliditätsg
rad von 35 % vorliege
(S. 7). Der hieraus gezogene Schluss, welcher in die
Begründung des Vorbescheids und der Verfügung
einfloss
, die hohe Restarbeitsfähigkeit von 65 %
ergebe keinen
i
nvalidenversicherungs
rechtlich
relevanten Gesundheitsschaden
,
ist
nicht nachvollziehbar
, ergibt sich doch die
(Teil)
arbeitsunfähigkeit
aus dem Gesundheitsschaden und nicht
der Gesundheitsschaden aus der Arbeitsunfähigkeit
.
Sollte
die Beschwerdegeg
nerin
wie zu vermuten ist -
davon ausgegangen
sein
, dass
aus Sicht der Rechtsan
wendung kein
invalidenrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vorliegt, hätte sie auch
aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausgehen müssen.
4.2
Es liegt regelmässig keine versicherte Gesundheitsschädigung vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht. Hinweise auf solche und andere Äusserungen eines sekundären Krank
heitsgewinns (dazu BGE 140 V 193 E. 3.3 S. 197) ergeben sich namentlich, wenn eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht, intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt, keine medizinische Behand
lung und Therapie in Anspruch genommen wird, demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken, schwere Einschrän
kungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weitge
hend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Ver
halten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1 S. 287 f. mit Hinweisen).
Die Frage, ob ein Verhalten (nur) verdeutlichend ist oder die Grenze zur Aggra
vation und vergleichbaren leistungshindernden Konstellationen überschreitet, bedarf einer einzelfallbezogenen, sorgfältigen Prüfung auf möglichst breiter Beobachtungsbasis (Urteile 9C_520/2019 vom 2
2.
Oktober 2019 E. 6.1, 9C_658/2018 vom 1
1.
Januar 2019 E. 4.1 und 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015
= SVR 2015 IV Nr. 38
E. 4.2.2).
Besteht im Einzelfall Klarheit darüber, dass solche Ausschlussgründe die Annahme einer Gesundheitsbeeinträchtigung verbieten, so besteht von vorn
herein keine Grundlage für eine Invalidenrente,
selbst
wenn die
klassifikatorischen
Merkmale einer gesundheitlichen Störung gegeben sein sollten (
Art.
7
Abs.
2 erster Satz ATSG). Soweit die betreffenden Anzeichen hingegen lediglich neben einer ausgewiesenen verselbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkungen im Umfang der Aggravation zu bereinigen (BGE 141 V 281 E. 2.2.2 S. 288 mit Hinweisen).
4.3
Insoweit sich der Beschwerdeführer darauf beru
f
t, dass die
Z._
-Gutachter Aggravation und
Inkonsistenzen
nicht plausibel
dargelegt hätten
(Urk. 1S. 5 Ziff. 17)
, ist ihm entgegenzuhalten, dass sich die Gutachter einlässlich mit seinem Verhalten anlässlich der Unters
uchung auseinandergesetzt haben: So zeigte sich
in
der orthopädischen Untersuchung
etwa
eine massive Diskrepanz zwischen der in sämtlichen Bewegungsrichtungen ausgeprägt eingeschränkt demonstrierten und der spontan nur gering eingeschränkten Beweglichkeit.
Es lag weder eine Schon- oder Fehlhaltung noch ein paravertebraler Muskelhartspann vor, die vor
geführten Handfunktionen war
en
seitengleich vollständig und die Muskulatur beider Ober- und Unterarme seitengl
e
ich entwickelt. Die vorgeführten Bewe
gungs
einschränkungen beider Schultergelenke konnten anhand der vorlie
genden Untersuchungsbefunde nicht nachvollzogen werden (E. 3.6.3). Der psycho
pathologische Status zeigte ke
ine Schuldgefühle, Gefühle von W
ertlosig
keit oder vermindertes Selbstwertgefühl und das geltend gemachte einge
schränkte Aktivi
tätsniveau
- angeblich verbringt der Beschwerdeführer den grössten Tag zu Hause auf der Couch liegend -
passt nicht zur normal entwickel
ten Muskulatur und der Tatsache, dass der Beschwerdeführer in der Lage war, eine dreiwöchige Ausland
reise mit langer An- und Rückf
ahrt zu unternehmen (E. 3.6.2).
Der Einwand des Beschwerdeführers, dass die normal ausgeprägte Muskulatur der regelmässigen Physiotherapie
und den täglichen 30-minütigen Spaziergängen
geschuldet sei
(Urk. 1 S.
6 Ziff. 19)
, verfängt nicht, ist doch nicht anzunehmen, dass eine einmal wöchentlich durchgeführte Physiotherapie die Dekonditionie
rung der Musk
ulatur durch
ganztägige Inaktivität
vollständig
kompensieren kann.
A
nlässlich der Begutachtung
berichtete der Beschwerdeführer nicht
über tägliche Spaziergänge
, obwohl er von beiden Gutachtern zu seinem Tagesablauf befragt wurde.
Insoweit die Spaziergänge von den Behandlern des
B._
bestätigt werden, ist dem entgegenzuhalten, dass diese sich hierbei
allein
auf die anam
nestischen Angaben des Beschwerdeführers stützen
und diese erst gemacht wurden, nachdem seitens der Gutachter Inkonsistenzen erhoben wurden
.
Ob
- bei ansonsten passivem Tagesablauf -
ein täglicher Spaziergang von 30 Minuten aus
reicht, eine normale Muskulatur zu erhalten, erscheint ohnehin fraglich.
Auch zielt der
Einwand des Beschwerdeführers, d
ie Gutachter hätten nicht dar
gelegt
,
inwiefern die Reise ins Heimatland Einfluss auf seine Krankheit habe (Urk. 1 S. 5 Ziff. 17), ins Leere. Nicht die Auswirkung der Reise auf seine
n Gesund
heitszustand
ist von Belang, sondern der Umstand, dass er eine solche über
haupt antreten konnte,
was
an der behaupteten Schwere der Erkrankung zweifeln
lässt
.
4.4
Der Beschwerdeführer machte geltend, es sei nach der Begutachtung zu einer Verschlechterung seines Gesundheitszustandes gekommen
(Urk. 1 S. 7 Ziff. 26), führt
e
indessen nicht näher aus, worin diese Verschlechterung liegt.
D
em
nach Erlass des Vorbescheids
eingereichten Bericht des
B._
vom 10. Februar 2020 (E. 3.8) kann jedenfalls keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ent
nommen werden. Wohl attestierten die Behandler dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, allerdings
bescheinigten
sie ihm eine solche schon vor der Begutachtung im Bericht vom 8. Januar 2019 (E. 3.3).
Ausserdem berück
sichtigten sie bei ihrer Einschätzung auch die somatischen Beschwerden, womit sie ihr Fachgebiet verliessen.
Mit dem Bericht des
B._
vom 10. Februar 2020 kann der Beschwerdeführer jedenfalls eine Verschlechterung des Gesundheits
zustands nicht n
achweisen.
Welche neue
entscheidwesentliche
Erkenntnisse weiterführende
medizinische Abklärungen
liefern
könnten, ist nicht ersichtlich.
4.
5
Insgesamt
hält das
Z._
-Gutachten nach dem Dargelegten den beweisrecht
lichen Anforderungen eines Gutachtens stand.
Dass die
Z._
-Gutachter, wie vom Beschwerdeführer behauptet
,
das Vorliegen eines
die Arbeitsfähigkeit beein
flussenden
Gesundheitsschadens
verneint haben
sollen
(Urk. 1 S. 7 Ziff. 25), trifft nicht zu
, attestierten sie ihm doch eine 30-40%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen als auch in jeder anderen Tätigkeit
.
4.
6
Die
Z._
-Gutachte
r hab
en
Aggravation
und Inkonsistenzen
bei der Herleitung der Diagnose
n und bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit berücksichtigt
, hielten sie doch fest, dass nach Abzug von Beschwerdebetonung und Aggravation von einer mittelgradigen depressiven Episode, an der Grenze zur leichten depres
siven Episode (E. 3.6.2)
,
und anhand der klinischen und radiologischen Befunde orthopädisch-
traumatologisch
von keiner Arbeitsfähigkeit auszugehen sei
. Die
gutachterlichen Ausführungen verbieten es
daher
, ohne weiteres von einer jegli
chen Rentenanspruch ausschliessenden Aggravation auszugehen, wie dies die
Beschwerdegegnerin
in ihre
r
Verfügung vom 24. Juli 2020 (Urk. 2) getan
hat.
Es ist vielmehr
mit Blick darauf, dass
ein
psychisches Leiden
vorliegt
, zu prüfen, ob aus rechtlicher Sicht von der ärztlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung abzuweichen ist. Dies hängt davon ab, ob
die
Feststellungen
der Gutachter
anhand der rechts
erheblichen Indikatoren auf eine Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
4.
7
4.7.1
Zur Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde führte der psychiatrische Gut
achter an, was die Hauptsymptome depressiver Episoden (depressive Stimmung, Antriebsminderung, Verlust von Interesse und Freude) betreffe, sei die Stimmung
sicher deutlich zum negativen Pol verschoben und die affektive Schwingungs
fähigkeit reduziert. Der Antrieb sei nur leicht reduziert, der Beschwerdeführer habe flüssig und in normaler Sprechgeschwindigkeit berichtet, und es hätten sich keinerlei
Antwortlatenzen
oder längere Gesprächspausen gezeigt. Symptome, die bei stärker ausgeprägten Depressionen häufig vorkämen wie Schuldgefühle, Gefühle von Wertlosigkeit oder vermindertes Selbstwertgefühl
,
hätten sich nicht gezeigt
(E.
3.6.2
)
.
Damit sind die diagnoserelevanten Befunde nicht schwer ausgeprägt.
4.7.2
Der psychiatrische Gutachter führte die in Anspruch genommenen psychiat
rischen Behandlungen, ambulante Behandlung seit März 2015, stationäre psychi
atrische oder psychosomatische Behandlungen vom 2. Dezember 2016 bis 4. Januar 2017 in der psychiatrischen
K
linik
G._
und vom 13. Juni bis 3. Juli 2018 im
Rehaz
entrum
H._
auf
(Urk. 9/159 S. 29 Ziff. 7.2)
. Die Behandlung in der
G._
ergab eine Besserung, die konkret und sehr gut nachvollziehbar dargelegt worden sei (S. 30 unten). Durch die Fortsetzung der ambulanten Behandlung könnte die Arbeitsfähigkeit verbessert werde
n
, a
llerdings
erachtete
der psychiatrische Gutachter
eine Besserung der Depression, die durch die massiven psychosozialen Belastungsfaktoren, insbesondere die Verurteilung zu vier Jahren Haft, unterhalten werde, eher wenig wahrscheinlich
(Urk. 9/159 S. 11 Ziff. 4.10)
.
Auch während des Aufenthalts im
Rehaz
entrum
H._
, während welchem die Schmerzen im Vordergrund standen, konnte der Beschwerdeführer die Trainingsintensität, zwar auf tiefem Niveau, steige
rn (Urk. 9/159/65-68 S. 4 oben) und zeigte sich damit eine Verbesserung unter der stationären Therapie.
Somit zeigt sich, dass die Behandlungsmöglichkeiten noch nicht ausgeschöpft sind.
Dass
die
Symptomatik
durch
psychosoziale Faktoren
aufrechterhalten w
ird
und diese einer Besserung
entgegenstehen, ist invalidenversicherungsrechtlich nicht zu beachten.
4.7.3
Gemäss dem
Z._
-Gutachten kann davon ausgegangen werden, dass keine relevanten Komorbiditäten vorliegen, berichteten die Gutachter doch lediglich von leichten und altersentsprechenden degenerativen Veränderungen
(E. 3.6.3)
.
4.7.4
Als belastend stufte der
psychiatrische
Gutachter die Konflikte mit den beiden Töchtern, die dem Beschwerdeführer sexuellen Missbrauch vorwerfen und die in diesem Zusammenhang inzwischen erstinstanzliche Verurteilung zu
einer Frei
heitsstrafe von
vier Jahren
, ein. Belastend sei
auch die schwierige finanzielle Situation
(Urk. 9/159 S. 9 Ziff. 4.5)
.
Diese Belastungen sind rein psychosozialer Natur und fallen invalidenversicherungsrechtlich nicht ins Gewicht.
Im Hinblick
auf eine berufliche Integration
erachtete der Gutachter
die fehlende Berufsaus
bildung als Belastungsfaktor
(
Urk. 9/159 S. 9 Ziff. 4.5
), wobei diesbezüglich anzumerken ist, dass der Beschwerdeführer bis zum Eintritt des Gesundheits
schadens trotz fehlender Berufsausbildung durchaus in der Lage war, beruflich zu bestehen (vgl. IK-Auszug vom 16. November 2015 (Urk. 9/17).
Als Ressource wurde die stabile Partnerschaft erwähnt (
Urk. 9/159 S. 9 Ziff. 4.5
).
4.7.5
Zum sozialen Kontext wurde im Gutachten ausgeführt, dass der Beschwerde
führer nur zur ältesten Tochter einen guten Kontakt habe. Z
u seinen vier Schwestern stehe er in regelmässigem telefonischen Kon
takt. Auch mit seinen in
Serbie
n wohnenden Eltern und Bruder habe er regelmässigen tel
efonischen Kontakt (
Urk. 9/159
S. 24 oben)
, und die Partnerschaft mit der Ehefrau sei stabil (
Urk. 9/159
S. 31 Ziff. 7.4). Es ist somit nicht von einem
vollständigen
sozialen Rückzug auszugehen.
4.7.6
Der Beschwerdeführer gab anlässlich der Begutachtung an, er betreibe neben gelegentlichem Fernsehen keine Freizeitaktivitäten und habe keine Hobbies.
Immerhin aber war er in der Lage, i
m Sommer 2019 für drei Wochen mit dem Bus nach Serbien
zu fahren (
Urk. 9/159
S. 24 Mitte
)
, was darauf schliessen lässt, dass der Beschwerdeführer in den Aktivitäten nicht gleichmässig eingeschränkt ist.
4.7.7
Der Beschwerdeführer begibt sich
zweimal
monatlich in die Psychotherapie und einmal wöchentlich in die Physiother
ap
ie (
Urk. 9/159
S.
41),
und war im Jahr 2018 letztmals in stationärer Therapie,
was auf einen gewissen Leidensdruck hin
weist. Dieser könnte indessen zumindest teilweise auf seine strafrechtliche Ver
folgung zurückzuführen sein.
4.7.8
In einer Gesamtwürdigung der massgebenden Standardindikatoren
hält die medizinisch-theoretische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch die
Z._
-Gutachter der Indikatorenprüfung
insbesondere im Hinblick darauf, dass beim Beschwerdeführer noch nicht alle Therapieoptionen ausgeschöpft sind und einer Besserung der Symptomatik einzig psychosoziale Belastungsfaktoren entgegen
stehen,
nicht stand.
Hinzu kommt,
dass i
nkonsistentem Verhalten, soweit es über blosse Verdeutlichung hinausgeht, d.h.
aggravatorische
Züge aufweist, bei der Beurteilung der Auswirkungen einer psychischen
Störung
auf das funktionelle Leistungsvermögen Rechnung getragen
werden
(
BGE 141 V 281
E. 2.2.2 S. 288) und auf tatsächlich vorhandene Ressourcen geschlossen werden
darf
(Urteil
des Bundesgerichts
9C_289/2018 vom 1
1.
Dezember 2018 E. 6.2.2
)
.
Es ist daher davon auszugehen, dass
keine rechtlich relevante Einschränkung der Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit vorliegt,
womit die Beschwerdegegnerin einen Leistungs
anspruch zu Recht verneint hat. Folglich ist die Beschwerde abzuweisen.
5.
5.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Verbeistän
dung notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Verbeiständung sind beim Beschwerdeführer, der von der Stadt Zürich unterstützt wird (vgl. Urk. 15/2), erfüllt.
5.2
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand fest
zulegen und vorliegend auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
m
Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge der Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.3
Da die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers vor Fällung des Endentscheids trotz Aufforderung (vgl. Urk. 16) keine Kostennote eingereicht hat, ist die Ent
schädigung nach § 7 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Ent
schädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) nach Ermessen festzusetzen. Vorliegend erscheint beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.
eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 1'
8
00.
(inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.