Decision ID: 975e181e-4729-4a1e-b6be-4310b0d2bab4
Year: 2009
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
O._,
Rekurrent,
vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel, LL.M., c/o K & B Rechtsanwälte,
Freudenbergstrasse 24, Postfach 213, 9240 Uzwil,
gegen
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons
St. Gallen, Moosbruggstrasse 11, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
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St.Galler Gerichte
Vorschuss nach OHG
Sachverhalt:
A.
A.a Am 17. Januar 2008 reichte O._, vertreten durch Fürsprecher Marco Büchel,
beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen (nachfolgend: SJD)
ein Gesuch um Entschädigung nach Opferhilfegesetz und um einen Vorschuss für
Entschädigung ein. Er sei am 29. (richtig: 19.) Juni 2007 in D._ Opfer einer schweren
Körperverletzung geworden. Er habe ein Strafverfahren eingeleitet, doch liege noch
kein Urteil vor. Die Taggeldversicherung bezahle ihm die Heilungskosten und ein um
50% gekürztes Taggeld. Wegen der Taggeldkürzung befinde sich seine Familie in Not
und könne die laufenden Rechnungen nicht bezahlen. Er benötige einen Vorschuss in
Höhe von Fr. 4'522.60, um längst fällige Krankenkassenprämien sowie Spital- und
Arztrechnungen für Frau und Kind begleichen zu können (act. G 5.1/1).
A.b Mit Verfügung vom 2. April 2008 wies das SJD das Vorschussbegehren ab. Eine
summarische Prüfung der Strafakten habe ergeben, dass der Gesuchsteller Opfer einer
Körperverletzung geworden sei. Dabei gehe aus dem ärztlichen Zeugnis von Dr. med.
B._ hervor, dass er immer noch zu 100% arbeitsunfähig sei. Im Weiteren sei
aufgrund der eingereichten Unterlagen ausgewiesen, dass er sich in einer schwierigen
finanziellen Situation befinde. Damit seien die Voraussetzungen für die Gewährung
eines Vorschusses grundsätzlich erfüllt. Aus dem Polizeirapport vom 6. Juli 2007
ergebe sich jedoch, dass der Gesuchsteller und C._, kurz nachdem sie aus ihren
Autos ausgestiegen seien, mehrfach mit den Fäusten aufeinander eingeschlagen
hätten. Ferner könne nicht eindeutig gesagt werden, ob C._ ihn (den Gesuchsteller)
absichtlich auf die Strasse gestossen habe oder ob der Gesuchsteller im Verlauf des
Streits selber auf die Fahrbahn getreten und dort von einem Fahrzeug erfasst worden
sei. Auch nach der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 7. Dezember 2007
bleibe umstritten, wer die Auseinandersetzung angefangen habe und wie sie genau
verlaufen sei. Beim heutigen Stand der Strafuntersuchung sei daher die Entschädigung
für den Erwerbsausfall bzw. der Vorschuss auf Entschädigung - ebenso wie die
Geldleistung der Unfallversicherung - wegen Beteiligung an einer Rauferei bzw.
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Schlägerei zu kürzen. Sodann seien die Taggeldleistungen der Unfallversicherung an
die Leistungen nach dem Opferhilfegesetz anzurechnen. Zudem sei zu
berücksichtigen, dass sich der Heilungsverlauf gemäss ärztlichem Zeugnis von Dr.
B._ aus anderen Gründen verzögere. Insgesamt sei das Vorschussbegehren
abzuweisen, da - bei summarischer Prüfung - nach der Reduktion wegen
Selbstverschuldens und nach Anrechnung der Leistungen des Unfallversicherers kein
Anspruch mehr verbleibe (act. G 5.1/6).
B.
B.a Mit Strafbescheid vom 8. Juli 2008 wurde C._ der einfachen Körperverletzung
gemäss Art. 123 Ziff. 1 des Schweizerischen Strafgesetzbuchs (StGB; SR 311.0)
schuldig gesprochen sowie zu einer bedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je Fr.
40.-- und zu einer Busse von Fr. 1'000.-- verurteilt. Allfällige Zivilforderungen wurden
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Diesem Strafbescheid wurde folgender
Sachverhalt zugrundegelegt: Am 19. Juni 2007 sei es in D._ zwischen C._ und dem
Gesuchsteller zu einer Schlägerei gekommen. Dabei habe C._ Faustschläge
ausgeteilt und sei auch sonst gegen den Gesuchsteller tätlich geworden. Im Zuge der
Schlägerei sei letzterer zudem in die Fahrbahn geraten und dabei von einem
vorbeifahrenden Motorfahrzeug leicht und mit geringer Geschwindigkeit touchiert
worden. Bei der Schlägerei habe der Gesuchsteller eine Hirnerschütterung, Frakturen
am Nasenbein und im Bereich der Kieferhöhle sowie weitere Verletzungen wie
Prellungen, Schwellungen usw. erlitten (act. G 5.1/7b).
B.b Ebenfalls am 8. Juli 2008 wurde das Strafverfahren gegen den Gesuchsteller
wegen einfacher Körperverletzung eingestellt, nachdem C._ am 5. Juli 2007 den
Verzicht auf einen Strafantrag erklärt hatte. Zum Sachverhalt wurde festgehalten, dass
der Gesuchsteller anlässlich der Schlägerei unter anderem Faustschläge ausgeteilt und
C._ dabei verletzt habe. Dieser habe insbesondere Prellungen erlitten (act. G 5.1/7a).
C.
C.a Am 25. November 2008 ersuchte der Vertreter des Gesuchstellers um
Wiedererwägung bzw. Revision der Verfügung vom 2. April 2008, da C._ mit
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Strafbescheid vom 8. Juli 2008 wegen einfacher Körperverletzung zum Nachteil des
Gesuchstellers schuldig gesprochen worden sei. Gleichzeitig reichte er ein neues
Gesuch ein mit dem Begehren, die mittlerweile aufgelaufenen Schulden bei der
Sozialhilfe in Höhe von Fr. 10'260.95 seien zu übernehmen und dem Gesuchsteller sei
künftig ein Vorschuss von Fr. 2'565.25 pro Monat für den allgemeinen Lebensunterhalt
der Familie auszurichten (act. G 5.1/7).
C.b Mit Verfügung vom 8. Dezember 2008 trat das SJD auf das
Wiedererwägungsgesuch ein und wies es sowie das neue Vorschussbegehren ab. Die
definitive Einstellung des Strafverfahrens gegenüber dem Gesuchsteller ändere nichts
an seinem Mitverschulden; sie sei lediglich erfolgt, weil C._ auf einen Strafantrag
verzichtet habe. Aus dem Sachverhalt ergebe sich jedoch klar, dass es zwischen dem
Gesuchsteller und C._ zu einer Schlägerei gekommen sei, wobei der Gesuchsteller
diesen verletzt habe. Schliesslich seien die schlechte finanzielle Situation des
Gesuchstellers und die damit verbundene Abhängigkeit von Sozialhilfeleistungen seit
Juli 2008 nicht allein auf die Folgen der Straftat vom 19. Juni 2007 zurückzuführen. So
würden im Gesuchsformular vom 25. November 2008 bei den Einnahmen lediglich die
Unfalltaggelder des Gesuchstellers von monatlich Fr. 825.-- angegeben, während im
Gesuchsformular vom 17. Januar 2008 neben seinen Unfalltaggeldern von monatlich
Fr. 1'600.-- noch Fr. 2'350.-- Arbeitslosentaggelder der Ehefrau aufgeführt worden
seien (act. G 1.4).
D.
D.a Mit Eingabe vom 23. Dezember 2008 erhebt der Vertreter des Gesuchstellers
Rekurs und beantragt, die Verfügung des SJD vom 8. Dezember 2008 sei aufzuheben.
Das Wiedererwägungsgesuch um Vorschussleistung sowie das neue
Vorschussbegehren zur Leistung eines monatlichen Vorschusses von Fr. 2'565.25
seien zu bewilligen. Dem Rekurrenten sei die unentgeltliche Prozessführung zu
gewähren. Zur Begründung bringt er im Wesentlichen vor, dem Rekurrenten könne kein
(wesentliches) Mitverschulden angelastet werden. In finanzieller Hinsicht habe die
Unfallversicherung ihre Leistungen um 50% gekürzt. Bis Ende September 2008 habe
das Taggeld Fr. 1'657.-- betragen. Seit 1. Oktober 2008 gebe es eine weitere Kürzung
um 50%, da angeblich die bestehende Arbeitsunfähigkeit nicht mehr allein auf das
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Unfallereignis zurückzuführen sei, sondern unfallfremde Faktoren die Arbeitsfähigkeit
des Rekurrenten negativ beeinflussten. Sodann erhalte die Ehefrau des Rekurrenten
seit Juni 2008 keine Arbeitslosengelder mehr, da sie ausgesteuert worden sei. Ohnehin
sei sie im 9. Monat schwanger und erwarte bald ihr zweites Kind. Die Familie lebe
deshalb von der Sozialfürsorge (act. G 1).
D.b Mit Rekursantwort vom 19. Januar 2009 beantragt die Vorinstanz die Abweisung
des Rekurses. Zur Begründung bringt sie im Wesentlichen vor, wenn der Rekurrent
unschuldig wäre und sich lediglich verteidigt hätte, müsste er in erster Linie gegen
seine Unfallversicherung vorgehen, die das Taggeld wegen Beteiligung an einer
Schlägerei um 50% reduziert habe. Da den Rekurrenten ihres (der Vorinstanz)
Erachtens jedoch ein erhebliches Mitverschulden an der Auseinandersetzung treffe,
habe sie dieses auch bei der Entschädigung nach Opferhilfegesetz zu berücksichtigen.
Auch bezüglich der weiteren Kürzung des Unfalltaggelds ab Oktober 2008 habe sich
der Rekurrent in erster Linie an die Unfallversicherung zu halten. Im Übrigen sei die
weitere Kürzung erfolgt, weil die bestehende Arbeitsunfähigkeit nach Auffassung der
Unfallversicherung nicht mehr allein auf das Unfallereignis zurückzuführen sei, also aus
einem Grund, der gegebenenfalls auch bei der Entschädigung nach Opferhilfegesetz zu
berücksichtigen wäre. Schliesslich sei darauf hinzuweisen, dass die schlechte
finanzielle Situation und die damit verbundene Abhängigkeit von Sozialhilfeleistungen
seit Juli 2008 nicht allein auf die Folgen der Straftat, sondern insbesondere auch auf
die Arbeitslosigkeit der Ehefrau seit Juni 2008 zurückzuführen seien (act. G 5).
D.c Am 21. Januar 2009 wird dem Rekurrenten die unentgeltliche Prozessführung
bewilligt (act. G 6).
D.d Mit Replik vom 13. Februar 2009 hält der Vertreter des Rekurrenten an seinen
Anträgen fest. Der Rekurrent habe gegen die Verfügung der Unfallversicherung vom 8.
Oktober 2008 Einsprache erhoben; das Einspracheverfahren sei allerdings noch
pendent. Wäre der Rekurrent nicht zusammengeschlagen worden, würde er nach wie
vor einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Heute könne er dies nicht mehr und sei deshalb
nicht in der Lage, seine Familie zu ernähren (act. G 8).
D.e Die Vorinstanz verzichtet auf das Einreichen einer Duplik (act. G 10).
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D.f Am 15. Juli 2009 zieht das Gericht die Akten aus dem Unfallverfahren bei und
gewährt den Parteien diesbezüglich das rechtliche Gehör (act. G 12 und 15). Diese
verzichten in der Folge auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
Am 1. Januar 2009 ist das revidierte Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von
Straftaten (OHG; SR 312.5) in Kraft getreten. Nach den Übergangsbestimmungen von
Art. 48 lit. a des ab 1. Januar 2009 in Kraft stehenden OHG gilt das bisherige Recht für
Ansprüche auf Entschädigung oder Genugtuung für Straftaten, die vor Inkrafttreten
dieses Gesetzes verübt worden sind. Weil vorliegend Ansprüche für eine am 19. Juni
2007 verübte Straftat im Streit stehen, gelangen die materiellen Vorschriften des am 1.
Januar 2009 in Kraft getretenen revidierten OHG vorliegend nicht zur Anwendung. Bei
den im Folgenden zitierten Bestimmungen handelt es sich deshalb - soweit nicht
anders vermerkt - um die Fassungen, wie sie bis Ende 2008 in Kraft gewesen sind.
2.
2.1 Gemäss dessen Art. 1 bezweckt das OHG, den Opfern von Straftaten wirksame
Hilfe zu leisten und ihre Rechtsstellung zu verbessern. Die Hilfe umfasst Beratung,
Schutz des Opfers und Wahrung seiner Rechte im Strafverfahren sowie Entschädigung
und Genugtuung. Hilfe nach OHG erhält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer
körperlichen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden
ist (Opfer), und zwar unabhängig davon, ob der Täter ermittelt worden ist und ob er
sich schuldhaft verhalten hat (Art. 2 Abs. 1 OHG).
2.2 Gemäss Art. 15 OHG wird aufgrund einer summarischen Prüfung des
Entschädigungsgesuchs ein Vorschuss gewährt, wenn das Opfer sofortige finanzielle
Hilfe benötigt, oder die Folgen der Straftat kurzfristig nicht mit hinreichender Sicherheit
festzustellen sind.
2.3 Die Entschädigung kann herabgesetzt werden, wenn das Opfer den Schaden
wesentlich mit verschuldet hat (Art. 13 Abs. 2 OHG).
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3.
Vorliegend geht aus den Akten hervor und ist im Übrigen unbestritten, dass dem
Rekurrenten Opferstellung im Sinn von Art. 2 Abs. 1 OHG zukommt. Umstritten und zu
prüfen ist demgegenüber, ob er die Voraussetzungen für die Ausrichtung eines
Vorschusses nach Art. 15 OHG erfüllt, insbesondere, ob er sofortige finanzielle Hilfe
benötigt. Dabei muss zwischen der Straftat und dem Schaden, für den Bedarf an
sofortiger finanzieller Hilfe geltend gemacht wird, ein Kausalzusammenhang bestehen.
4.
4.1 Der Rekurrent beansprucht finanzielle Hilfe im Rahmen eines monatlichen
Vorschusses von Fr. 2'565.25 für die Deckung der laufenden Lebenshaltungskosten. Er
begründete dies im Wesentlichen damit, dass er wegen der Kürzung der
Unfalltaggeldleistungen infolge Selbst- bzw. Mitverschuldens sowie wegen des
Wegfalls der Arbeitslosenentschädigung seiner Ehefrau von der Sozialhilfe abhängig
sei.
4.2 Die Unfallversicherung kürzte dem Rekurrenten die Geldleistungen mit Verfügung
vom 14. September 2007 um 50% gestützt auf Art. 49 Abs. 2 lit. a der Verordnung über
die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202), da sich der Unfall bei der Beteiligung an
einer Rauferei bzw. Schlägerei ereignet habe (act. G 5.1/1g). Gegen diese Kürzung ist
derzeit ein Verfahren am Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hängig. Da die
Leistungen des OHG subsidiär zu Leistungen der Unfallversicherung (und übrigen
Leistungspflichtigen) sind (vgl. Art. 14 OHG), und die Unfallversicherung dem
Rekurrenten Leistungen ausrichtet, erübrigen sich insoweit Leistungen des OHG. Es ist
auch nicht Sinn und Zweck dieses Gesetzes, einen Ausfall auszugleichen, der
grundsätzlich von der Unfallversicherung gedeckt werden muss, jedoch infolge eines
Selbstverschuldens der versicherten Person gekürzt wurde. Daran ändert nichts, dass
über die Kürzung der Unfallversicherungsleistungen noch nicht rechtskräftig
entschieden wurde. Dasselbe gilt für die nochmalige Reduktion infolge (umstrittener)
50%iger Arbeitsfähigkeit des Rekurrenten.
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Abgesehen davon, geht aus den Strafakten zweifelsfrei hervor, dass sich der Rekurrent
an einer Schlägerei beteiligt hat. Entgegen seiner Auffassung kann aufgrund der
Strafakten nicht davon ausgegangen werden, dass ihn an der Straftat kein
Mitverschulden traf. Insbesondere kann aus dem Umstand, dass C._ auf einen
Strafantrag gegen den Rekurrenten verzichtet hat, nicht darauf geschlossen werden,
dass sich jener als Täter (und den Rekurrenten damit als Opfer) betrachtete. Auch kann
nicht als erstellt gelten, dass sich der Rekurrent nur verteidigt hat. So geht aus dem
Protokoll betreffend die Befragung des Zeugen Michael Hasler hervor, dass sich C._
und der Rekurrent auf dem Trottoir gestritten haben. Zwar seien die meisten "Aktionen"
von C._ ausgegangen, der Rekurrent habe jedoch ebenfalls Schläge ausgeteilt und
sich nicht nur verteidigt. So führte der Zeuge aus, der "Flüchtende" (C._) müsste
auch Spuren des Kampfs aufweisen (vgl. act. A.1.5 aus dem Verfahren ST.2007.17937
des Untersuchungsamts). Aus dem Bericht der Kantonspolizei St. Gallen vom 6. Juli
2007 geht zudem hervor, dass der Rekurrent und C._ bereits zuvor auf dem
Parkplatz mit Fäusten aufeinander eingeschlagen haben (act. A.1 aus dem Verfahren
ST.2007.17937 des Untersuchungsamts). In der Einstellungsverfügung der
Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen vom 8. Juli 2008 wird denn auch
ausdrücklich festgehalten, dass der Rekurrent C._ verletzt hat; letzterer habe
insbesondere Prellungen erlitten (act. G 5.1/7a). Unter diesen Umständen ist von einem
wesentlichen Mitverschulden des Rekurrenten an der Straftat im Sinn von Art. 13 Abs.
2 OHG auszugehen, der zu einer Herabsetzung der Entschädigung (und damit zu einer
entsprechenden Reduktion eines allfälligen Vorschusses) führt, hat er sich doch aktiv
an der Schlägerei beteiligt. Die von der Vorinstanz vorgenommene Kürzung um 50%
erscheint angemessen und ist nicht zu beanstanden.
4.3 Da die Taggeldleistungen der Unfallversicherung (maximal) 80% des versicherten
Verdiensts betragen (Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung
[UVG; SR 832.20]), bleibt damit zu prüfen, ob aufgrund der nicht gedeckten 20% ein
Bedarf an sofortiger finanzieller Hilfe zu bejahen ist. 80% des versicherten Verdiensts
des Rekurrenten entsprechen Fr. 3'207.-- pro Monat (vgl. act. G 5.1/1f); die nicht
gedeckten 20% belaufen sich demnach auf Fr. 801.75 pro Monat. Der vom
Rekurrenten geltend gemachte Ausfall liegt jedoch deutlich über diesem Betrag,
weshalb er von vornherein nicht (vollständig) auf den auf die Straftat
zurückzuführenden Verdienstausfall des Rekurrenten zurückgeführt werden kann. So
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macht der Rekurrent denn auch selbst geltend, die finanzielle Notlage und der damit
verbundene Bezug von Sozialhilfe seien auch auf den Wegfall der
Arbeitslosenentschädigung seiner Ehefrau zurückzuführen. Die Arbeitslosentaggelder
der Ehefrau beliefen sich gemäss Angaben im Rahmen des ersten Gesuchs auf
durchschnittlich Fr. 2'350.-- pro Monat (act. G 5.1/1a). Damit ist erstellt, dass die
finanzielle Notlage des Rekurrenten in einem erheblichen Umfang nicht auf die Straftat
zurückzuführen ist, weshalb dafür auch keine Leistungen nach OHG in Anspruch
genommen werden können.
4.4 Steht nach dem Gesagten fest, dass zwischen der vom Rekurrenten geltend
gemachten finanziellen Notlage und der Straftat grösstenteils kein
Kausalzusammenhang besteht, bzw. dass für Leistungen, die der Unfallversicherer
wegen (wesentlichem) Mitverschuldens bzw. fehlender Unfallkausalität kürzt, nicht
ausfallsweise die Opferhilfe in Anspruch genommen werden kann, hat die Vorinstanz
das Wiedererwägungsgesuch und das erneute Vorschussbegehren des Rekurrenten zu
Recht abgelehnt.
5.
5.1 Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Rekurs abzuweisen. Gerichtskosten
sind keine zu erheben (Art. 16 Abs. 1 OHG).
5.2 Dem Rekurrenten wurde die unentgeltliche Prozessführung und
Rechtsverbeiständung am 21. Januar 2009 bewilligt (act. G 6). Wenn die
wirtschaftlichen Verhältnisse des Rekurrenten es gestatten, kann er jedoch zur
Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung und der vom Staat entschädigten
Parteikosten verpflichtet werden (Art. 288 Abs. 1 ZPO/SG i.V.m. Art. 99 Abs. 2 VRP/
SG).
5.3 Der Staat ist zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu verpflichten, für die
Kosten der Rechtsvertretung des Rekurrenten aufzukommen. Der Rechtsvertreter des
Rekurrenten verzichtete auf das Einreichen einer Kostennote. Die Entschädigung ist auf
Fr. 3'000.-- festzulegen und um einen Fünftel zu kürzen (Art. 31 Abs. 3 AnwG). Somit
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hat der Staat den Rechtsvertreter des Rekurrenten mit Fr. 2'400.-- (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht