Decision ID: c00f44f9-d2cb-5515-9276-edeabcc1a392
Year: 2012
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
Die Beschwerdeführerin verliess ihren Heimatstaat nach eigenen Anga-
ben im April 2009 über den Luftweg und gelangte über ihr unbekannte
Länder am 15. April 2009 in die Schweiz, wo sie am gleichen Tag um Asyl
nachsuchte. Am 20. April 2009 wurde sie im Empfangs- und Verfahrens-
zentrum C._ befragt und am 23. April 2009 führte das BFM eine
direkte Anhörung durch. Mit Verfügung vom 7. Mai 2009 wurde sie für den
Aufenthalt während des Asylverfahrens dem Kanton D._ zugewie-
sen.
B.
Im Wesentlichen machte die Beschwerdeführerin geltend, sie sei ivori-
sche Staatsbürgerin der Ethnie Gueré und in E._ geboren worden.
Im Alter von sechs bis sieben Jahren sei sie mit den Eltern nach
F._ gezogen und habe dort die Primarschule besucht. Als sie
zwölf oder dreizehn Jahre alt gewesen sei, habe die Familie in
G._ Wohnsitz genommen. Auch dort habe sie die Schulen be-
sucht. Anschliessend habe sie mit einem Mann, den drei mit ihm gemein-
samen und einem weiteren, aus einer andern Beziehung stammenden
Kind in H._ gelebt. Dann sei sie erneut nach E._ gezogen,
habe dort bei einem Vormund gelebt und wieder die Schule besucht. Im
Dezember 2002 habe sie in G._ mit ihren Ersparnissen eine klei-
ne Küche eingerichtet und kulinarische Spezialitäten hergestellt, welche
sie vorwiegend an Gendarmen des nahen Camps verkauft habe. Ende
2003 sei sie dort von Rebellen entführt und zusammen mit andern Leuten
in einem Camion in einen Wald gebracht worden. Anschliessend habe sie
bis zu ihrer Flucht im April 2009 in einem Rebellencamp gelebt, wo sie
und andere Frauen immer wieder vergewaltigt – auch öffentlich – worden
seien. Man habe sie ausserdem zum Töten gezwungen. Sie habe jede
Nacht mit einem andern Rebellenchef schlafen müssen und sei zu Sex
mit Teenagern gezwungen worden. Obwohl sie bei Schwangerschaften
habe abtreiben müssen, sei es ihr gelungen, im Geheimen zwei Kinder
von Rebellenchefs zu gebären. Mit der Zeit habe sie das Vertrauen der
Rebellenchefs soweit gewonnen, dass sie für diese habe kochen dürfen.
Eine weisse Journalistin, welche im Camp Fotos und Filme erstellte, sei
auf die Kinder der Beschwerdeführerin aufmerksam geworden, habe ih-
nen helfen wollen und sich für deren medizinische Versorgung sowie ei-
nen Schulbesuch eingesetzt. Nachdem sie das Camp wieder verlassen
habe, sei die Beschwerdeführerin von einem Rebellen über die beabsich-
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tigte Tötung ihrer Person und ihrer Kinder durch die Rebellenchefs orien-
tiert worden. Der Rebell habe ihr ein Pulver verschafft, das sie dem Essen
der Rebellenchefs habe beifügen können, damit diese schlafen und daran
sterben würden. Zudem habe er ihr eine Attestation d'Identité (ONI) und
zwei Träger für die Kinder besorgt, um das Lager verlassen und sich bei
Strassenkontrollen ausweisen zu können. Nach zwei Tagen Fussmarsch
sei sie mit den Kindern auf einem Motorrad an einen unbekannten Ort ge-
fahren, und von dort seien sie in einem anderen Fahrzeug nach
I._ gelangt.
Das BFM verzichtete auf weitere Abklärungen.
Die Beschwerdeführerin gab eine Attestation d'Identité zu den Akten.
C.
Mit Verfügung vom 8. Mai 2009 – eröffnet am gleichen Tag – stellte das
BFM fest, die Beschwerdeführerin erfülle die Flüchtlingseigenschaft nicht,
und lehnte ihr Asylgesuch ab. Gleichzeitig verfügte es ihre Wegweisung
aus der Schweiz und deren Vollzug. Es begründete seinen ablehnenden
Entscheid im Wesentlichen damit, dass die geltend gemachten Vorbrin-
gen den Anforderungen an die Glaubhaftigkeit nicht zu genügen ver-
möchten. Insbesondere legte das BFM dar, die Beschwerdeführerin habe
keine substanziellen Angaben über das Rebellencamp, in welchem sie
gelebt haben wolle, zu Protokoll geben können. Sie habe weder den Ta-
gesablauf noch das Camp selber beschreiben können und sei nicht in der
Lage gewesen, mehr als zwei Namen von Rebellenführern bekannt zu
geben, obwohl sie gemäss ihren Aussagen jede Nacht mit ihnen zu tun
gehabt habe. Zudem habe sie keine Angaben zu den Mitgefangenen lie-
fern können und wisse nicht, wie viele Mitgefangene ihr Schicksal geteilt
hätten. Angesichts dessen, dass sie unter der Situation, in welcher ihre
Kinder gelebt hätten, gelitten habe, sei dies nicht nachvollziehbar. Die
freie Schilderung der geltend gemachten Vergewaltigungen sei in drei
Zeilen erfolgt, und die Aufforderung, mehr darüber zu erzählen, habe
nicht zu detaillierteren Aussagen geführt. Zudem habe sich die Beschwer-
deführerin in ihren Aussagen mehrfach widersprochen. So habe sie unter-
schiedliche Aussagen zur Anzahl der Rebellenführer und Teenager, mit
welchen sie habe schlafen müssen, sowie zu den Umständen der
Schwangerschaften und Abtreibungen, welche sich daraus ergeben hät-
ten, zu Protokoll gegeben. Die Frage, in welchem Monat der Schwanger-
schaft sie jeweils habe abtreiben müssen, habe sie als vierfache Mutter
damit beantwortet, dass es im Wald keinen Kalender gegeben habe und
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sie es deshalb nicht wisse. Unterschiedliche Angaben habe sie auch dar-
über gegeben, wie oft sie für die Rebellenführer gekocht habe. Den Na-
men des Rebellen, der ihr zur Flucht verholfen habe, habe sie zunächst
nicht preisgeben wollen, um ihn angeblich nicht in Gefahr zu bringen,
während sie in einer weiteren Version diesen Namen nicht gewusst ha-
ben will. Ferner seien die dargelegten Umstände der Beschaffung der
ONI nicht nachvollziehbar ausgefallen. Insbesondere habe sie in diesem
Zusammenhang unerwähnt gelassen, dass für die Ausstellung dieses
Dokumentes ein Nationalitätenschein nötig sei, obwohl es sich dabei ge-
mäss den Erkenntnissen des BFM um eine zwingende Voraussetzung
handle. Es könne auch nicht nachvollzogen werden, wie der Rebell sich
für die Beschaffung des Dokumentes aus dem Lager habe entfernen,
über 900 Kilometer in den Geburtsort der Beschwerdeführerin reisen und
wie er das mit dem Fingerabdruck der Beschwerdeführerin versehene
Dokument habe beschaffen können, ohne dass die Beschwerdeführerin
dazu anwesend gewesen sei. Überdies könne ihre Angabe, die im Rebel-
lencamp geborenen Kinder seien bei einer unbekannten Frau in
I._, deren Name und Adresse sie nicht kenne, nicht geglaubt wer-
den. Unglaubhaft ausgefallen seien ausserdem ihre Angaben zur Reise in
die Schweiz, da sie zu den näheren Reiseumständen keine konkreten
und detaillierten Aussagen zu Protokoll gegeben habe, obwohl sie nach
Europa geflogen sei. Persönliche Eindrücke des über sechs Jahre dau-
ernden geltend gemachten Leidensweges würden gänzlich fehlen, und
die Angaben der Beschwerdeführerin seien trotz mehrfacher Aufforderung
zu mehr Details vage geblieben. Den Wegweisungsvollzug erachtete die
Vorinstanz als zulässig, zumutbar und möglich. Diesbezüglich legte sie
dar, in I._ und den umliegenden Gebieten herrsche keine Situation
allgemeiner Gewalt, weshalb die Wegweisung der Beschwerdeführerin in
diese Gebiete als zumutbar erachtet würden. Sie habe gemäss ihren An-
gaben während acht Jahren mit einem Mann eine Autostunde von
I._ entfernt gelebt. Zudem sei es nicht nachvollziehbar, warum sie
als volljährige Frau anschliessend zu einem Vormund gezogen sei, denn
ihre Angabe, sie habe eine Schule besucht, sei nicht übereinstimmend
ausgefallen. Da ihre ONI in I._ ausgestellt worden sei, müsse es
als naheliegend erachtet werden, dass sie dort gelebt habe, was sie denn
später auch zugegeben habe. Als gesunde Frau mit Schulbildung und Ar-
beitserfahrung und mangels glaubhafter Angaben zu den persönlichen
Familienverhältnissen sei der Wegweisungsvollzug als zumutbar zu be-
trachten.
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D.
Mit Eingabe an das Bundesverwaltungsgericht vom 2. Juni 2009 (Datum
Poststempel: 8. Juni 2009) beantragte die Beschwerdeführerin, die Verfü-
gung des BFM sei aufzuheben, es sei ihr Asyl zu gewähren, eventualiter
sei die vorinstanzliche Verfügung aufzuheben und die Sache zur Neube-
urteilung an das BFM zurückzuweisen, und subeventualiter sei infolge
fehlender Unzulässigkeit und Unzumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs
die vorläufige Aufnahme anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht er-
suchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Ver-
zicht auf die Erhebung eines Kostenvorschusses. Zur Begründung wurde
im Wesentlichen vorgebracht, dass das BFM zu Unrecht von der fehlen-
den Glaubhaftigkeit der Vorbringen ausgehe. Es sei nicht nachvollziehbar,
wie das BFM zum Schluss gekommen sei, bei der geltend gemachten
sechsjährigen Gefangenschaft, verbunden mit Demütigungen, Vergewalti-
gungen und ständiger Angst um das Leben ihrer Kinder und um das eige-
ne Leben, handle es sich um ein Konstrukt. Sie habe diese Leidenszeit
im Rebellencamp ausführlich und detailliert geschildert, was auch die bei
der Anhörung anwesend gewesene Hilfswerksvertretung in ihrem Bericht,
der beigelegt und um dessen Berücksichtigung ersucht werde, bestätigt
habe. Wesentliche Widersprüche hätten sich zudem nicht ergeben. Das
fehlende Ernstnehmen ihrer Verfolgung bedeute für sie eine weitere De-
mütigung. Es sei offensichtlich, dass die geltend gemachten Verfolgungs-
handlungen – fortgesetzte Vergewaltigungen und weitere Demütigungen
– schwerste Menschenrechtsverletzungen darstellten und somit unter den
Flüchtlingsbegriff fielen. Zur Zumutbarkeit des Wegweisungsvollzugs ha-
be sich das BFM nur ungenügend geäussert. Insbesondere habe es un-
berücksichtigt gelassen, dass die aktuelle Lage in der Elfenbeinküste
trotz des im März 2007 abgeschlossenen Friedensvertrags immer noch
prekär sei, weil das Land nach wie vor zweigeteilt sei und die Entmilitari-
sierung kaum Fortschritte erziele. Eine Vielzahl von bewaffneten Banden
und herumziehenden Söldnern stelle eine grosse Gefahr für die Zivilbe-
völkerung dar. Gestützt auf die Praxis des Bundesverwaltungsgerichts sei
der Vollzug der Wegweisung nur für junge und gesunde Männer, welche
im Grossraum I._ über ein soziales Netz verfügten, zumutbar. Da
ihre Eltern gestorben seien und sie zu ihrem Ex-Mann und den drei ge-
meinsamen Kindern seit 2002 infolge ihrer Gefangenschaft keinen Kon-
takt mehr gehabt habe, seien in ihrem Fall die Voraussetzungen für einen
Wegweisungsvollzug nicht gegeben. Diesen Faktoren habe das BFM in
der angefochtenen Verfügung zu wenig Rechnung getragen.
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Der Eingabe lagen nebst einer Kopie der angefochtenen Verfügung eine
Kopie des Berichts der an der Anhörung anwesenden Hilfswerksvertre-
tung bei.
E.
Am 9. Juni 2009 wurde eine Fürsorgebestätigung zu den Akten gegeben.
F.
Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 16. Juni 2009 wurde
der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass sie den Ausgang des Beschwer-
deverfahrens in der Schweiz abwarten könne, dass das Gesuch um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege gutgeheissen werde und dass
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses verzichtet werde. Gleichzeitig
wurde das Dossier der Vorinstanz zur Vernehmlassung gegeben.
G.
Das BFM hielt in seiner Vernehmlassung vom 7. Juli 2009 vollumfänglich
an seinen Vorbringen fest und beantragte die Abweisung der Beschwer-
de.
H.
Am 10. Juli 2009 wurde die vorinstanzliche Vernehmlassung der Be-
schwerdeführerin zur Kenntnis ohne Replikrecht gebracht.
I.
Mit undatierter Eingabe, welche am 25. September 2009 beim Bundes-
verwaltungsgericht eintraf, legte die inzwischen vertretene Beschwerde-
führerin dar, sie sei am 19. April 2009 im Empfangs- und Verfahrenszent-
rum gefilmt worden. Dabei habe sie über ihre Fluchtgründe und über die
sozio-ökonomische Situation in ihrem Heimatland gesprochen. Da sie –
obwohl sie dies verlangt habe – im Film, der auch im ivorischen Fernse-
hen ausgestrahlt worden sei und von jedermann habe gesehen werden
können, nicht verdeckt gezeigt worden sei und man auch ihre Stimme
nicht unkenntlich gemacht habe – sei sie von ihren Landsleuten erkannt
worden. Die gleichen Rebellen, von welchen sie gefangen genommen
und misshandelt worden sei, würden nun in ihrem Heimatland an der
Macht sein und es nicht schätzen, dass sie über deren Kriegsverbrechen
öffentlich gesprochen habe. Damit sei sie im Fall einer Rückkehr ins Hei-
matland einer Gefahr ausgesetzt, weshalb von einer begründeten Furcht
vor asylrelevanter Verfolgung auszugehen sei. Unter diesen Umständen
sei sie als Flüchtling anzuerkennen. Ausserdem sei es für sie nicht zu-
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mutbar, ins Heimatland zurückzukehren, da sie erneut schwanger gewor-
den und zudem traumatisiert, alleinstehend und ohne soziales bezie-
hungsweise familiäres Beziehungsnetz sei. Ferner habe sie keine gute
Bildung und berufliche Erfahrung geniessen können, welche ihr eine Ar-
beitsstelle ermöglichen würden. Schliesslich müsse auch beachtet wer-
den, dass das erwartete weitere Kind der Beschwerdeführerin betreut
werden müsste und medizinische Versorgung bräuchte. Somit müsse von
einem Vollzug der Wegweisung auch aus humanitären Gründen abgese-
hen werden.
Der Eingabe lag eine Vollmacht bei.
J.
Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 27. Oktober 2009
wurde die Beschwerdeführerin unter Hinweis auf die Fortsetzung des Ver-
fahrens gestützt auf die Akten für den Fall der Unterlassung aufgefordert,
innert angesetzter Frist den Namen der Sendung, in welcher sie inter-
viewt worden sei, sowie den Tag der Ausstrahlung im Schweizer Fernse-
hen bekannt zu geben und entsprechende Beweismittel in geeigneter
Form nachzureichen. Zudem wurde ihr eine Frist gewährt zur Einreichung
eines Arztberichtes und der Entbindung von der ärztlichen Schweige-
pflicht.
K.
Mit Eingabe vom 30. November 2009 reichte die Beschwerdeführerin
zwei Arztberichte vom 5. November 2011, ihre Schwangerschaft bestäti-
gend, und vom 14. November 2011, eine [med. Problem] diagnostizie-
rend, zu den Akten. Sie machte geltend, aufgrund ihrer aktuellen Erkran-
kung sei sie nicht in der Lage gewesen, die geforderten Beweismittel in-
nert der angesetzten Frist zu den Akten zu geben, weshalb sie um Er-
streckung der Frist ersuche.
L.
Am 2. Dezember 2009 wurde ihr eine Fristerstreckung bis am 15. Dezem-
ber 2009 gewährt.
M.
Mit Eingabe vom 20. Dezember 2009 reichte die Beschwerdeführerin ei-
ne CD zu den Akten und machte geltend, es handle sich um eine am [...]
ausgestrahlte Sendung des Schweizer Fernsehens. Die gleiche Reporta-
ge sei auch im ivorischen Fernsehen gezeigt worden, was sie jedoch im
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Moment nicht belegen könne. Sie werde sich um weitere Beweismittel
bemühen und ersuche darum, diese im Rahmen von Art. 32 Abs. 2 des
Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember 1968 (VwVG,
SR 172.021) zu berücksichtigen.
N.
Am 11. August 2010 gingen beim Bundesverwaltungsgericht Kopien einer
Kindesanerkennung ein.
O.
Mit Eingabe vom 25. August 2010 legte die Beschwerdeführerin dar, sie
habe am 4. April 2010 ein Kind geboren, das von seinem Vater, einem
Ausländer mit Niederlassungsbewilligung in der Schweiz, anerkannt und
unterstützt werde. Da sich der Vater um das Kind kümmere und eine sta-
bile Beziehung zu ihm pflege, während die Beschwerdeführerin und ihr
Kind im Heimatland kein stabiles Beziehungsnetz hätten, das sie bei der
Wiedereingliederung unterstützen könnte, sei die Beschwerde auch in
diesem Sinn gutzuheissen.
Der Eingabe lagen Kopien der Kindesanerkennung bei.
P.
Mit Eingabe vom 10. Februar 2011 ersuchte die Beschwerdeführerin um
Einbezug ihres in der Schweiz geborenen Kindes in die Flüchtlingseigen-
schaft seines in der Schweiz als Flüchtling anerkannten und mit einer
C-Bewilligung lebenden Vaters.
Q.
Mit Zwischenverfügung vom 16. Januar 2012 wurde das BFM zu einer er-
gänzenden Vernehmlassung eingeladen.
R.
In seiner zweiten Vernehmlassung vom 31. Januar 2012 legte das BFM
dar, es würden keine neuen erheblichen Tatsachen oder Beweismittel vor-
liegen, welche eine Änderung des bisherigen Standpunktes rechtfertigen
könnten. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin sei der Vater
des Kindes kein anerkannter Flüchtling, weshalb das Kind nicht in dessen
Flüchtlingseigenschaft einbezogen werden könne. Der Vater des Kindes
sei indessen Inhaber einer C-Bewilligung (Niederlassungsbewilligung),
weshalb die Beschwerdeführerin und ihr Kind Anspruch auf eine B-Bewil-
ligung (Aufenthaltsbewilligung) in der Schweiz hätten, sofern die Bezie-
hung zwischen dem Vater, dem Kind und der Beschwerdeführerin tat-
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sächlich gelebt werde. Diese Fakten könnten jedoch nicht abschliessend
beurteilt werden. Zudem sei der Anspruch auf Erhalt einer B-Bewilligung
ohnehin bei den kantonalen Migrationsbehörden geltend zu machen und
von diesen zu beurteilen. Im Übrigen verwies das BFM auf seine Erwä-
gungen und beantragte erneut die Abweisung der Beschwerde.
S.
Mit Zwischenverfügung des Instruktionsrichters vom 7. Februar 2012 wur-
de der Beschwerdeführerin die vorinstanzliche zweite Vernehmlassung
zur Stellungnahme unterbreitet.
T.
Mit Eingabe vom 20. Februar 2012 nahm die Beschwerdeführerin zur vor-
instanzlichen Vernehmlassung Stellung und legte dar, dass auch dann ei-
ne begründete Furcht vorliege, wenn das Kind der Beschwerdeführerin
nicht die Flüchtlingseigenschaft erhalten könne. Erneut wurde auf die der
alleinstehenden Beschwerdeführerin ohne Ausbildung und ohne berufli-
che Erfahrung und ihrem Kind drohende Situation im Heimatland hinge-
wiesen. Zudem wurde geltend gemacht, die im Heimatland verbliebenen
Kinder der Beschwerdeführerin würden vom Amt des Hohen Flüchtlings-
kommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) betreut, wie die Beschwer-
deführerin in der Schweiz in Erfahrung habe bringen können. Da die Be-
ziehung zwischen dem in der Schweiz geborenen Kind und seinem Vater
vertraglich geregelt sei, erfahre das Kind in der Schweiz eine Unterstüt-
zung, die es in seinem Heimatland nicht erhalten könne. Der zuständige
Kanton könne ihm keine C-Bewilligung erteilen, da Vater und Kind nicht
im gleichen Haushalt lebten. Trotzdem müsse vorliegend das Kindeswohl
gestützt auf Art. 3 des Übereinkommens vom 20. November 1989 über
die Rechte des Kindes (SR 0.107) berücksichtigt werden. Ausserdem sei
auch der Anspruch auf Familienleben nach Art. 44 des Asylgesetzes vom
26. Juni 1998 (AsylG, SR 142.31) und Art. 8 der Konvention vom 4. No-
vember 1950 zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK, SR 0.101) zu beachten.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gemäss Art. 31 des Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) beurteilt das Bundesverwaltungsgericht Beschwerden
gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG. Das BFM gehört zu den Behörden
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nach Art. 33 VGG und ist daher eine Vorinstanz des Bundesverwaltungs-
gerichts. Eine das Sachgebiet betreffende Ausnahme im Sinne von
Art. 32 VGG liegt nicht vor. Das Bundesverwaltungsgericht ist daher zu-
ständig für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde und entscheidet
auf dem Gebiet des Asyls endgültig, ausser bei Vorliegen eines Ausliefe-
rungsersuchens des Staates, vor welchem die beschwerdeführende Per-
son Schutz sucht (Art. 105 AsylG; Art. 83 Bst. d Ziff. 1 des Bundesge-
richtsgesetzes vom 17. Juni 2005 [BGG, SR 173.110]). Eine solche Aus-
nahme im Sinne von Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG liegt nicht vor, weshalb das
Bundesverwaltungsgericht endgültig entscheidet.
1.2 Das Verfahren richtet sich nach dem VwVG, dem VGG und dem
BGG, soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG und Art. 6
AsylG).
1.3 Die Beschwerde ist frist- und formgerecht eingereicht. Die Beschwer-
deführerin hat am Verfahren vor der Vorinstanz teilgenommen, ist durch
die angefochtene Verfügung besonders berührt und hat ein schutzwürdi-
ges Interesse an deren Aufhebung beziehungsweise Änderung. Sie ist
daher zur Einreichung der Beschwerde legitimiert (Art. 105 und Art. 108
Abs. 1 AsylG, Art. 48 Abs. 1 sowie Art. 52 VwVG). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2.
Mit Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und
die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 106 Abs. 1 AsylG).
3.
3.1 Gemäss Art. 2 Abs. 1 AsylG gewährt die Schweiz Flüchtlingen grund-
sätzlich Asyl. Flüchtlinge sind Personen, die in ihrem Heimatstaat oder im
Land, in dem sie zuletzt wohnten, wegen ihrer Rasse, Religion, Nationali-
tät, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer
politischen Anschauungen ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder
begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. Als
ernsthafte Nachteile gelten namentlich die Gefährdung des Leibes, des
Lebens oder der Freiheit sowie Massnahmen, die einen unerträglichen
psychischen Druck bewirken. Den frauenspezifischen Fluchtgründen ist
Rechnung zu tragen (Art. 3 AsylG).
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3.2 Wer um Asyl nachsucht, muss die Flüchtlingseigenschaft nachweisen
oder zumindest glaubhaft machen. Diese ist glaubhaft gemacht, wenn die
Behörde ihr Vorhandensein mit überwiegender Wahrscheinlichkeit für ge-
geben hält. Unglaubhaft sind insbesondere Vorbringen, die in wesentli-
chen Punkten zu wenig begründet oder in sich widersprüchlich sind, den
Tatsachen nicht entsprechen oder massgeblich auf gefälschte oder ver-
fälschte Beweismittel abgestützt werden (Art. 7 AsylG).
4.
4.1 Die Aussagen der Beschwerdeführerin zu ihrer Reise in die Schweiz
sind – wie das BFM zu Recht ausführte – äusserst substanzlos ausgefal-
len. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, sei auf die entsprechen-
den und zutreffenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung ver-
wiesen. In Ergänzung dazu ist festzuhalten, dass die der französischen
Sprache mächtige Beschwerdeführerin weder die Fluggesellschaft, mit
welcher sie aus ihrem Heimatland geflogen sein will, noch das Ziel des
Fluges oder weitere nähere Umstände ihrer Flugreise offenlegen wollte,
obwohl gemäss ihren Aussagen französisch gesprochen worden sei und
sie somit offensichtlich im Bild über ihr Reiseziel und weitere Einzelheiten
ihrer Reise war. Zudem wich sie anlässlich der Anhörung der ihr zur Rei-
se gestellten Fragen ständig aus und gab kein nachvollziehbares Bild zu
Protokoll, wie sie im Zielland eingereist sein will (vgl. Akte A9/37 S. 14 ff.).
Insgesamt ist aus den allgemein kargen Aussagen der Beschwerdeführe-
rin und dem nicht nachvollziehbaren fehlenden Wissen über die Einzel-
heiten zu ihrer Reise in die Schweiz, welche jedem durchschnittlichen
Reisenden bekannt wären, auf ihre offensichtliche Unwilligkeit, die nähe-
ren Umstände der Ausreise aus dem Heimatland bekannt zu geben, zu
schliessen. Derartige Unstimmigkeiten bezüglich des Reisewegs bezie-
hungsweise der dabei verwendeten Papiere lassen praxisgemäss auch
Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit einer geltend gemachten Verletzung
zu (vgl. EMARK 1998 Nr. 17 E. 4b S. 150). Dieser Umstand fällt umso
mehr ins Gewicht, als sie zu Beginn des Asylverfahrens auf die ihr oblie-
gende Mitwirkungs- und Wahrheitspflicht hingewiesen wurde und somit
verpflichtet ist, auch diesen Teil des Sachverhalts detailliert und tatsa-
chengerecht preiszugeben. Mit der offen zu Tage tretenden diesbezügli-
chen Verweigerung ist deshalb ihre persönliche Glaubwürdigkeit stark an-
geschlagen, was zur Folge hat, dass grundsätzliche Zweifel an ihren ge-
samten Vorbringen angebracht erscheinen. Da sich aus ihren Aussagen
weitere Ungereimtheiten, zusätzliche nicht nachvollziehbare Angaben und
an verschiedenen zentralen Punkten des Sachverhalts auch eine fehlen-
de Substanz und Nachvollziehbarkeit ergeben, wie die nachfolgenden Er-
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wägungen zeigen, ist im Resultat mit der Argumentation des BFM bezüg-
lich der fehlenden Glaubhaftigkeit der geltend gemachten Fluchtgründe
übereinzustimmen.
4.2 So gab die Beschwerdeführerin nicht nachvollziehbar, substanzlos
und ohne jeglichen persönlichen Bezug Angaben über die von ihr darge-
legte Entführung durch Rebellen und über das Camp, in welches sie ge-
bracht worden sein will, sowie über den Aufenthalt in diesem Camp zu
Protokoll. Ihre einzeiligen, einsilbigen und oft mit den Worten "ich weiss
es nicht" versehenen Antworten auf die gestellten Fragen ziehen sich wie
ein roter Faden durch das Protokoll der Anhörung. Es kann nicht nach-
vollzogen werden, dass sie die Entführung an sich nicht detaillierter und
lebendiger darstellen konnte, sollte sie diese tatsächlich selber erlebt ha-
ben. Sie war nicht in der Lage, konkrete Einzelheiten – wie beispielsweise
über die Zusammensetzung der Leute auf dem Lastwagen, über allfällige
Zwischenfälle, über das, was ihr persönlich zu schaffen gemacht hatte
oder über andere Umstände der Entführung – darzulegen. Substanzielle,
nachvollziehbare und persönliche Angaben fehlen auch über das Camp,
in welchem sie gestützt auf ihre Aussagen mehr als sechs Jahre ver-
bracht haben will, was ihre Aussagen besonders unglaubhaft macht. Je-
mand, der während mehrerer Jahre den von der Beschwerdeführerin
dargelegten unfreiwilligen Aufenthalt in einem Rebellencamp und die da-
mit einhergehenden schwierigen Situationen tatsächlich erlebt hat, weiss
erfahrungsgemäss viel zu erzählen, insbesondere, wenn er – wie in casu
– konkret nach Einzelheiten gefragt wird. Die Beschwerdeführerin hinge-
gen kannte auch nach sechs Jahren die Namen oder Beinamen der Re-
bellenführer – welchen sie gemäss ihren Aussagen jede Nacht für den
Beischlaf zur Verfügung habe stehen müssen – nur teilweise. Und dies,
obwohl aus diesen angeblichen Vergewaltigungen zwei Kinder hervorge-
gangen und weitere abgetrieben worden sein sollen. Sie weiss auch
sonst keine wesentlichen Einzelheiten über die Rebellenführer zu berich-
ten, was nach mehr als sechs Jahren Umgang mit ihnen nicht realistisch
ist. Sie konnte nicht übereinstimmend angeben, ob es drei oder fünf Re-
bellenchefs gegeben habe (Akte A9/37 S. 23), obwohl angesichts der tie-
fen Anzahl eine eindeutige und konkrete Aussage zu erwarten wäre. Die
Beschwerdeführerin erwähnte an verschiedenen Stellen, dass im Camp
nichts gesprochen worden sei und dass man sich nicht unterhalten habe,
weshalb sie nichts über die Rebellen wisse, was indessen angesichts des
langen Aufenthaltes im Camp nicht nachvollziehbar ist (vgl. beispielswei-
se Akte A9/37 S. 23 Antwort 231 oder S. 24 Antwort 240 f.). Vielmehr hat
sie mit diesen substanzlosen Antworten nur den Anschein erweckt, sie
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wolle den ihr konkret gestellten Fragen ausweichen. Zudem sind letztere
Angaben nicht zu vereinbaren mit ihren Aussagen aus dem Anhörungs-
protokoll, aus welchen hervorgeht, dass sie sich mit den Rebellen unter-
halten haben muss (vgl. Akte A9/37 S. 13 Mitte ["....Sie fingen daraufhin
an, mich anzuhören...","...Sie sagten mir, ich sei sanft, ruhig, ich sei ge-
horsam. Sie werden mit mir grosse Sachen machen...", "...Deshalb fin-
gen sie an, Vertrauen an mich zu haben ..." sowie "...Eines Tages haben
sie mir ein Geheimnis anvertraut..."] und S. 33 Antwort 363). Ferner war
die Beschwerdeführerin nicht in der Lage anzugeben, mit wievielen Leu-
ten sie in einem Haus gelebt und für wieviele Personen sie gekocht ha-
ben will, obwohl die zweite Angabe für die Zubereitung der Speisen – wel-
che der Beschwerdeführerin anvertraut worden sein soll – von Bedeutung
ist. Überdies gab sie – wie das BFM zutreffend ausführte – widersprüch-
lich an, wie oft sie gekocht haben will, nämlich gemäss ihrer ersten Aus-
sage am Morgen, am Mittag und am Abend (vgl. Akte A9/37 S. 13) und
gemäss ihrer späteren Version ein Mal pro Tag (vgl. Akte A9/37 S. 25 und
26). Aufgrund dieser und zahlreicher weiterer substanzloser beziehungs-
weise widersprüchlicher Aussagen über das Camp kann ihr nicht ge-
glaubt werden, dass sie von Rebellen entführt und während mehr als
sechs Jahren in deren Camp festgehalten wurde. Um unnötige Wiederho-
lungen zu vermeiden, sei an dieser Stelle zudem auf die zutreffende Ar-
gumentation in der angefochtenen Verfügung (vgl. Akte A13/9 S. 3 Ziff. 1)
verwiesen.
4.3 Unter diesen Umständen können auch die in diesem Zusammenhang
geltend gemachten Vergewaltigungen, Einschüchterungen, Misshandlun-
gen, Erniedrigungen, Abtreibungen und Geburten nicht den Tatsachen
entsprechen. Auch wenn die Beschwerdeführerin in dem Teil der Anhö-
rung, in welchem sie frei über ihre Fluchtgründe berichten konnte (vgl. Ak-
te A9/37 S. 12 ff.), verhältnismässig ausführlich über die geltend gemach-
ten Nachteile während ihres Aufenthaltes im Camp berichtete, weshalb
der Argumentation der Vorinstanz, die freie Schilderung der Beschwerde-
führerin bezüglich der ersten Vergewaltigung habe sich in drei Zeilen er-
übrigt, in dieser pauschalen Weise nicht zugestimmt werden kann, ist
festzustellen, dass sich ihre Ausführungen trotz deren Länge meistens an
der Oberfläche des Geschehens bewegten und sie insbesondere im Zu-
sammenhang mit den geltend gemachten immer wiederkehrenden Verge-
waltigungen kaum Details preisgab, die über das hinausgehen, was je-
mand vom Hörensagen her oder vom Zusehen zu erzählen weiss. Es feh-
len Aussagen über die persönliche Betroffenheit, Details zum Ablauf des
Geschehens oder darüber, wie die Beschwerdeführerin das Geschehene
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erlebt und verarbeitet hat, sowie unerwartete Einschübe von Einzelheiten,
welche der Beschwerdeführerin beim Erzählen spontan wieder in den
Sinn kommen, weshalb ihr nicht geglaubt werden kann, sie habe diese
Vorkommnisse auch tatsächlich selber erlebt. Gegen die Glaubhaftigkeit
spricht zudem – wie das BFM zutreffend ausführte – auch der Umstand,
dass die von der befragenden Person in der Anhörung zum Thema Ver-
gewaltigung gestellten ergänzenden Fragen im Anschluss an die freie
Schilderung äusserst rudimentär beziehungsweise gar nicht oder auswei-
chend beantwortet wurden (vgl. beispielsweise Akte A9/37 S. 27 f.).
4.4 Sind die Vergewaltigungen nicht als glaubhaft zu betrachten, können
auch die in der Folge in diesem Zusammenhang eingetretenen, geltend
gemachten weiteren Schwangerschaften, Abtreibungen und Geburten
nicht den Tatsachen entsprechen. Bezeichnenderweise gab die Be-
schwerdeführerin auch zu diesem Teil des Sachverhalts keine konsisten-
ten und nachvollziehbaren Aussagen zu Protokoll. Insbesondere können
unter den von ihr behaupteten Umständen ihre Aussagen, sie sei jede
Nacht – auch als Schwangere – von einem der Rebellenführer vergewal-
tigt worden, und sie habe zwei Kinder unbemerkt austragen und gebären
können, nicht geglaubt werden. Diese Aussagen widersprechen – insbe-
sondere im Hinblick auf die behaupteten täglichen Vergewaltigungen –
jeglicher Realität. Sowohl ihre körperlich deutlich sichtbaren Veränderun-
gen im Fall einer Schwangerschaft als auch das nicht vermeidbare und
hörbare Weinen von kleinen Kindern kann nicht spurlos an den Rebellen-
führern, mit welchen die Beschwerdeführerin gemäss ihren Angaben täg-
lich unfreiwillige sexuelle Kontakte gehabt habe, vorbeigegangen sein.
Auch aufgrund dieser im Gesamtkontext als realitätsfremd zu beurteilen-
den Aussagen ist der Schluss zu ziehen, dass allfällige Beischlafshand-
lungen, Schwangerschaften und Geburten der Beschwerdeführerin nicht
in dem von ihr behaupteten Zusammenhang stattgefunden haben kön-
nen.
4.5 Da zudem die Aussagen der Beschwerdeführerin zur Entführung und
zum Aufenthalt im Camp an sich nicht als glaubhaft zu betrachten sind,
können ohnehin sämtliche von ihr geschilderten Nachteile – seien es Ver-
gewaltigungen, andere Misshandlungen, Abtreibungen oder Erniedrigun-
gen – trotz der anfänglich eher ausführlicheren Schilderung nicht oder
nicht im behaupteten Zusammenhang stattgefunden haben, weshalb sie
ebenfalls nicht glaubhaft sind.
D-3677/2009
Seite 15
4.6 Wie das BFM zudem auch zu Recht ausführte, ist die von der Be-
schwerdeführerin vorgetragene Flucht aus dem Camp nicht mit der Reali-
tät zu vereinbaren. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, sei auch
an dieser Stelle auf die entsprechenden und zutreffenden Ausführungen
in der angefochtenen Verfügung verwiesen (vgl. Akte A13/9 S. 4 Ziff. 3).
4.7 Insgesamt kann der Beschwerdeführerin folglich nicht geglaubt wer-
den, sie sei im Zuge der kriegerischen Ereignisse in ihrem Heimatland
von Rebellen entführt und während mehr als sechs Jahren in deren
Camp festgehalten, zu täglichen Vergewaltigungen und anderen nachteili-
gen Handlungen gezwungen worden, habe dort unbemerkt zwei Kinder
geboren und andere abtreiben müssen, bis ihr schliesslich mit der Hilfe
eines Rebellen die Flucht aus dem Camp gelungen sei.
4.8 An dieser gesamthaften Einschätzung vermögen weder die in der Be-
schwerdeschrift erhobenen Einwände noch die der Beschwerde beigeleg-
te Kopie der Einschätzung der an der Anhörung anwesenden Hilfswerks-
vertregung etwas zu ändern. Zum einen ist die Prüfung der Glaubhaftig-
keit der Vorbringen durch die Asylbehörden vorzunehmen, während die
diesbezügliche Einschätzung der Hilfswerksvertretung von den Asylbe-
hörden höchstens als weiteres Indiz für oder gegen die Glaubhaftigkeit
von Aussagen zu werten ist, ohne indessen massgebliches Kriterium für
die Beurteilung zu sein. Auch wenn sich vorliegend die Einschätzung der
Hilfswerksvertretung insgesamt nicht mit derjenigen des BFM und des
Bundesverwaltungsgerichts deckt, ist anzumerken, dass auch die Hilfs-
werksvertretung gestützt auf die eingereichte Kopie des Kurzberichtes in
gewissen Punkten Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Be-
schwerdeführerin anzumerken hatte. Zum andern brachte die Beschwer-
deführerin in ihrer Beschwerde keine wirklich konkreten und stichhaltigen
Einwände gegen die vorinstanzliche Einschätzung vor. Vielmehr be-
schränkte sie sich auf die Feststellung und Wiederholung der geltend ge-
machten Fluchtgründe und widersprach der vorinstanzlichen Einschät-
zung in pauschaler Weise.
4.9 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin
nicht geglaubt werden kann, sie sei in seinem Heimatland Opfer von
asylerheblichen Verfolgungsmassnahmen geworden. Aufgrund ihrer ins-
gesamt unglaubhaften Aussagen besteht somit keine begründete Furcht,
sie oder ihr Kind würden im Heimatland infolge der dort erfolgten Vor-
kommnisse gesucht.
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Seite 16
5.
5.1 Die Beschwerdeführerin macht im Weiteren mit Verweis auf ihren Auf-
enthalt im Empfangs- und Verfahrenszentrum geltend, ein Filmteam des
Schweizer Fernsehens habe mit ihr ein Interview durchgeführt, in wel-
chem sie über ihre Fluchtgründe gesprochen und die sozio-ökonomische
Situation in ihrem Heimatland kritisiert habe. Das Interview sei nicht nur in
der Schweiz, sondern auch im ivorischen Fernsehen ausgestrahlt wor-
den. Diejenigen Personen, welche ihr im Heimatland flüchtlingsrechtlich
relevante Nachteile zugefügt hätten, würden sich nun dort an der Macht
befinden, weshalb sie mit ihren kritischen Aussagen Gefahr laufe, im Fall
einer Rückkehr in ihr Heimatland asylerheblichen Nachteilen ausgesetzt
zu sein. Obwohl sie den Journalisten gegenüber zum Ausdruck gebracht
habe, dass ihr Körper und ihre Stimme unkenntlich gemacht werden soll-
ten, sei dies nicht geschehen, womit sie für jedermann erkennbar als Kri-
tikerin ihres Heimatlandes aufgetreten sei.
5.2 Allgemein sind subjektive Nachfluchtgründe dann anzunehmen, wenn
eine asylsuchende Person erst durch die Flucht aus dem Heimat- oder
Herkunftsstaat oder wegen ihres Verhaltens nach der Ausreise eine Ver-
folgung im Sinne von Art. 3 AsylG zu befürchten hat. Personen mit sub-
jektiven Nachfluchtgründen erhalten zwar kein Asyl, werden jedoch als
Flüchtlinge vorläufig aufgenommen (vgl. Art. 54 AsylG; Entscheidungen
und Mitteilungen der Schweizerischen Asylrekurskommission [EMARK]
2000 Nr. 16 E. 5a mit weiteren Hinweisen; BVGE 2009/28 E. 7.1 und
E. 7.4.3). Massgeblich ist, ob die ivorischen Behörden das Verhalten der
Beschwerdeführerin als staatsfeindlich einstufen und diese deswegen bei
einer Rückkehr in den Heimatstaat eine Verfolgung im Sinne von Art. 3
AsylG befürchten muss. Es bleiben damit die Anforderungen an den
Nachweis einer begründeten Furcht massgeblich (Art. 3 und 7 AsylG).
Die vom Gesetzgeber bezweckte Bestimmung subjektiver Nachflucht-
gründe als Asylausschlussgrund verbietet auch ein Addieren solcher
Gründe mit Fluchtgründen vor der Ausreise aus dem Heimat- oder Her-
kunftsstaat, die für sich allein nicht zur Bejahung der Flüchtlingseigen-
schaft und zur Asylgewährung ausreichen (vgl. EMARK 2000 Nr. 16 E. 5a
S. 141 f., mit weiteren Hinweisen; 1995 Nr. 7 E. 7b und 8 S. 67 ff.).
5.3 Im Folgenden ist zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin durch ihr Ver-
halten nach der Ausreise aus dem Heimatland, namentlich durch ihr Auf-
treten im Fernsehen, befürchten muss, einer zukünftigen Verfolgung sei-
tens der heimatlichen Behörden ausgesetzt zu sein und aus diesem
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Seite 17
Grunde die Voraussetzungen für die Zuerkennung der Flüchtlingseigen-
schaft erfüllt.
5.4 Die Beschwerdeführerin wurde – wie die nachträglich zu den Akten
gegebene Disk zeigt – anlässlich einer Reportage über den Aufenthalt
von Asylsuchenden in einer der Erstempfangsaufnahmestellen der
Schweiz porträtiert. Unter einem Pseudonym wurde ein Teil ihrer Flucht-
gründe während der Befragung aufgenommen und in der TV-Sendung
wiedergegeben. Auch wenn sie dabei unverhüllt und äusserlich gut er-
kennbar im Bild erscheint, sind dank der Angabe eines Pseudonyms nur
für Personen, die sie persönlich kennen, Rückschlüsse auf ihre tatsächli-
che Identität auszumachen. Es ist gestützt auf die Filmaufnahmen folglich
möglich, dass die Beschwerdeführerin von jemandem, der sie persönlich
kennt, im Film wiedererkannt wird. Indessen kann unter den gegebenen
Umständen – sie ist mit Pseudonym aufgetreten – mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass sie von den heimatli-
chen Behörden als Kritikerin ihres Landes identifiziert worden ist. Einer-
seits dürfte es sehr unwahrscheinlich sein, dass Vertreter ihres Heimat-
landes in der Schweiz nach Kritikern Ausschau halten und andererseits
ist nicht davon auszugehen, dass diese vom schweizerischen Fernsehen
produzierte, teils in schweizerdeutsch gesprochene und über den schwei-
zerischen Sender ausgestrahlte Sendung auch im ivorischen Fernsehen
gezeigt wurde, auch wenn die Beschwerdeführerin dies behauptet, zumal
diese Option sehr weit weg geholt erscheint. Den Beweis dafür blieb sie
zudem schuldig. Überdies kann der Behauptung der Beschwerdeführerin,
die momentanen Machthaber in ihrem Heimatland seien die gleichen
Leute, von welchen sie entführt, während sechs Jahren festgehalten und
mehrmals vergewaltigt worden sei, weshalb sie von ihnen im Fernsehen
wiedererkannt worden sei, nicht zugestimmt werden, wie sich aus den vo-
rangehenden Erwägungen ergibt: Da ihre Fluchtgründe nicht als glaub-
haft betrachtet werden können, kann sie auch nicht von den aktuellen
Machthabern wiedererkannt worden sein. Unter diesen Umständen ist die
von ihr geltend gemachte Gefahr, im Fall einer Rückkehr in ihr Heimat-
land infolge der ausgestrahlten Reportage einer aktuellen asylerheblichen
Gefahr ausgesetzt zu sein, nicht begründet.
5.5 Somit ist festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die Flüchtlingsei-
genschaft auch unter dem Aspekt der subjektiven Nachfluchtgründe nicht
erfüllt.
D-3677/2009
Seite 18
5.6
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Asylvorbringen der Be-
schwerdeführerin den Anforderungen an das Glaubhaftmachen nicht zu
genügen vermögen und die geltend gemachten subjektiven Nachflucht-
gründe nicht geeignet sind, eine flüchtlingsrechtlich relevante Verfol-
gungsfurcht zu begründen. An dieser Einschätzung vermögen die weite-
ren Ausführungen in der Rechtsmitteleingabe sowie die eingereichten Do-
kumente nichts zu ändern, weshalb darauf nicht näher einzugehen ist.
Das BFM hat das Asylgesuch der Beschwerdeführerin demnach zu Recht
abgelehnt.
6.
6.1 Lehnt das Bundesamt das Asylgesuch ab oder tritt es darauf nicht ein,
so verfügt es in der Regel die Wegweisung aus der Schweiz und ordnet
den Vollzug an; es berücksichtigt dabei den Grundsatz der Einheit der Fa-
milie (Art. 44 Abs. 1 AsylG).
6.2 Die Beschwerdeführerin und ihr Kind verfügen gestützt auf die beste-
hende Aktenlage nicht über eine ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilli-
gung. Aus den Akten ergibt sich, dass der Vater des Kindes der Be-
schwerdeführerin in der Schweiz mit einer Niederlassungsbewilligung
lebt, weshalb sich die Frage stellt, ob die Beschwerdeführerin und ihr
Kind aus diesem Umstand einen grundsätzlichen Anspruch auf die Ertei-
lung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsregelung ableiten können. Wie
der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 20. Februar 2012 zu entneh-
men ist, soll sich der zuständige Kanton gegen eine solche Erteilung stel-
len, weil die Beschwerdeführerin und ihr Kind nicht mit dem Kindsvater
zusammenleben. Unter diesen Umständen ist es fraglich, ob ein An-
spruch auf Erteilung einer ausländerrechtlichen Aufenthaltsregelung be-
steht, weshalb vorliegend die von der Vorinstanz verfügte asylrechtliche
Wegweisung zu bestätigen ist (vgl. BVGE 2009/50 E. 9 S. 733 m.H.a.
EMARK 2001 Nr. 21). Es bleibt der Beschwerdeführerin überlassen, ob
sie das entsprechende Gesuch bei den zuständigen kantonalen Behör-
den dennoch einreichen will.
7.
7.1 Ist der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig, nicht zumutbar oder
nicht möglich, so regelt das Bundesamt das Anwesenheitsverhältnis nach
den gesetzlichen Bestimmungen über die vorläufige Aufnahme von Aus-
ländern (Art. 44 Abs. 2 AsylG; Art. 83 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
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Seite 19
16. Dezember 2005 über die Ausländerinnen und Ausländer [AuG,
SR 142.20]).
Bezüglich der Geltendmachung von Wegweisungshindernissen gilt ge-
mäss ständiger Praxis des Bundesverwaltungsgerichts und seiner Vor-
gängerorganisation ARK der gleiche Beweisstandard wie bei der Flücht-
lingseigenschaft, das heisst, sie sind zu beweisen, wenn der strikte Be-
weis möglich ist, und andernfalls wenigstens glaubhaft zu machen (vgl.
WALTER STÖCKLI, Asyl, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser [Hrsg.], Aus-
länderrecht, 2. Aufl., Basel 2009, Rz. 11.148).
7.2 Der Vollzug ist nicht zulässig, wenn völkerrechtliche Verpflichtungen
der Schweiz einer Weiterreise der Ausländerin oder des Ausländers in
den Heimat-, Herkunfts- oder einen Drittstaat entgegenstehen (Art. 83
Abs. 3 AuG).
So darf keine Person in irgendeiner Form zur Ausreise in ein Land ge-
zwungen werden, in dem ihr Leib, ihr Leben oder ihre Freiheit aus einem
Grund nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gefährdet ist oder in dem sie Gefahr läuft,
zur Ausreise in ein solches Land gezwungen zu werden (Art. 5 Abs. 1
AsylG; vgl. ebenso Art. 33 Abs. 1 des Abkommens vom 28. Juli 1951 über
die Rechtsstellung der Flüchtlinge [FK, SR 0.142.30]).
Gemäss Art. 25 Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eid-
genossenschaft vom 18. April 1999 (BV, SR 101), Art. 3 des Übereinkom-
mens vom 10. Dezember 1984 gegen Folter und andere grausame, un-
menschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (FoK, SR 0.105)
und der Praxis zu Art. 3 EMRK darf niemand der Folter oder unmenschli-
cher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.
7.3 Die Vorinstanz wies in ihrer angefochtenen Verfügung zutreffend dar-
auf hin, dass das Prinzip des flüchtlingsrechtlichen Non-Refoulement nur
Personen schützt, die die Flüchtlingseigenschaft erfüllen. Da es der Be-
schwerdeführerin nicht gelungen ist, eine asylrechtlich erhebliche Gefähr-
dung nachzuweisen oder glaubhaft zu machen, kann der in Art. 5 AsylG
verankerte Grundsatz der Nichtrückschiebung im vorliegenden Verfahren
keine Anwendung finden. Eine Rückkehr der Beschwerdeführerin in den
Heimatstaat ist demnach unter dem Aspekt von Art. 5 AsylG rechtmässig.
Sodann ergeben sich weder aus den Aussagen der Beschwerdeführerin
noch aus den Akten Anhaltspunkte dafür, dass sie für den Fall einer Aus-
schaffung in den Heimatstaat dort mit beachtlicher Wahrscheinlichkeit ei-
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Seite 20
ner nach Art. 3 EMRK oder Art. 1 FoK verbotenen Strafe oder Behand-
lung ausgesetzt wäre. Gemäss Praxis des Europäischen Gerichtshofes
für Menschenrechte (EGMR) sowie jener des UN-Anti-Folterausschusses
müsste die Beschwerdeführerin eine konkrete Gefahr ("real risk") nach-
weisen oder glaubhaft machen, dass ihr im Fall einer Rückschiebung Fol-
ter oder unmenschliche Behandlung drohen würde (vgl. EGMR [Grosse
Kammer], Saadi gegen Italien, Urteil vom 28. Februar 2008, Beschwerde
Nr. 37201/06, §§ 124 – 127, mit weiteren Hinweisen). Dies ist der Be-
schwerdeführerin jedoch mangels Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen nicht
gelungen. Auch die allgemeine Menschenrechtssituation im Heimatstaat
lässt den Wegweisungsvollzug zum heutigen Zeitpunkt klarerweise nicht
als unzulässig erscheinen. In diesem Zusammenhang ist auch das Vorlie-
gen eines aus Art. 8 EMRK fliessenden Anspruchs der Beschwerdeführe-
rin oder ihres Kindes zu verneinen, da sie gemäss ihren Angaben mit
dem Vater des Kindes nicht in einem tatsächlich gelebten Familienverhält-
nis leben, wie der Eingabe vom 20. Februar 2012 zu entnehmen ist. Da-
mit sind die Voraussetzungen für die Inanspruchnahme der Garantie von
Art. 8 EMRK zu verneinen (vgl. hierzu etwa EGMR, K. und T. gegen Finn-
land [Grosse Kammer], Urteil vom 12. Juli 2001, Beschwerde
Nr. 25702/94, § 150), weshalb sich die Beschwerdeführerin nicht auf die-
se Bestimmung berufen kann. Zudem steht es der Beschwerdeführerin
frei, den Kontakt zum Vater des Kindes im Rahmen eines allfälligen Be-
suchsrechts ausserhalb der Schweiz zu pflegen. Sollte die Beschwerde-
führerin mit dem Vater des Kindes ein eheliches oder eheähnliches Zu-
sammenleben beabsichtigen, wird sie auf den ausländerrechtlichen Weg
verwiesen. Schliesslich spricht der Vollzug der Wegweisung auch nicht
gegen das im Übereinkommen vom 20. November 1989 über die Rechte
des Kindes (SR 0.107) festgehaltene Kindeswohl, zumal – wie den vor-
ausgehenden Erwägungen entnommen werden kann – die geltend ge-
machten Ausreisegründe nicht als glaubhaft zu erachten sind. Nach dem
Gesagten ist der Vollzug der Wegweisung sowohl im Sinne der asyl- als
auch der völkerrechtlichen Bestimmungen zulässig.
7.4 Gemäss Art. 83 Abs. 4 AuG kann der Vollzug für Ausländerinnen und
Ausländer unzumutbar sein, wenn sie im Heimat- oder Herkunftsstaat auf
Grund von Situationen wie Krieg, Bürgerkrieg, allgemeiner Gewalt und
medizinischer Notlage konkret gefährdet sind. Wird eine konkrete Gefähr-
dung festgestellt, ist – unter Vorbehalt von Art. 83 Abs. 7 AuG – die vor-
läufige Aufnahme zu gewähren.
D-3677/2009
Seite 21
7.5
7.5.1 In Bezug auf die gegenwärtige Menschenrechtslage in der Côte d'I-
voire ist vorweg auf die vom Bundesverwaltungsgericht vorgenommene
Lageeinschätzung im publizierten Urteil vom 24. November 2009 zu ver-
weisen: Das Gericht hält darin fest, dass im Rahmen des Abkommens
von Ouagadougou vom März 2007 die politische Lage deutlich habe sta-
bilisiert werden können und eine positive Entwicklung der allgemeinen Si-
cherheits- und Menschenrechtslage festzustellen sei (vgl. BVGE 2009/41
E. 7.3.2 ff.). Weiter wurde im erwähnten Entscheid festgehalten, dass ei-
ne Rückkehr von Personen in den Norden und in den Westen des Landes
aufgrund der dort zurzeit herrschenden ungenügenden Sicherheitslage
nicht zumutbar sei. Bei Personen, die aus dem Westen oder dem Norden
des Landes stammen, könne jedoch grundsätzlich eine interne Aufent-
haltsalternative im Süden und Osten des Landes, insbesondere in den
grossen Städten, bejaht werden, wobei jedoch eine individuelle Prüfung
ihrer Situation (Gesundheitszustand, Berufsausbildung, Beziehungsnetz,
Möglichkeit der Reintegration) zu erfolgen habe (vgl. a.a.O. E. 7.10 f.).
Diese Einschätzung trifft grundsätzlich nach wie vor zu, obwohl es im Zu-
sammenhang mit den Präsidentschaftswahlen vom November 2010 in
der Côte d'Ivoire zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den
Anhängern des ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo und dessen He-
rausforderers Alassane Ouattara gekommen ist, welche zu einer humani-
tären Krise geführt haben. Insbesondere waren dabei auch in I._
sexuelle Übergriffe auf Frauen zu verzeichnen und sind weiterhin Rache-
akte an Getreuen und Sympathisanten des Ex-Präsidenten festzustellen.
7.5.2 Eigenen Angaben zufolge ist die Beschwerdeführerin in E._
geboren, lebte im Kindesalter mit ihren Eltern in F._ und
G._, wo sie die Schulen besuchte, und anschliessend während
acht Jahren mit einem Mann und den gemeinsamen Kindern in
K._ bei I._. Nach der Trennung von Mann und Kindern zog
sie nach E._, wo sie während eines Jahres blieb, um anschlies-
send nach G._ weiterzureisen. Dort lebte sie zwischen Dezember
2002 und Ende Januar 2003 und richtete eine kleine Küche ein, in wel-
cher sie Speisen anbot. Da ihre Aussagen über die Fluchtgründe nicht
geglaubt werden können, steht nicht fest, wo und unter welchen Umstän-
den sie zwischen Ende Januar 2003 und ihrer Ausreise aus dem Heimat-
land im April 2009 war. Abgesehen von einem einjährigen Kochkurs, wel-
cher ohne Abschluss beendet worden sein soll, will die Beschwerdeführe-
rin nicht über eine Ausbildung verfügen. Vier ihrer teilweise bereits er-
wachsenen Kinder sollen in K._ leben, zwei will die Beschwerde-
D-3677/2009
Seite 22
führerin vor ihrer Ausreise in I._ bei einer ihr unbekannten Frau
zurückgelassen haben. Ihre drei Schwestern – zwei davon verheiratet –
sollen in G._ leben und die Eltern sollen in den Jahren 2002 und
2003 gestorben sein. Die Beschwerdeführerin lebt seit April 2009 in der
Schweiz und hat hier ein Kind geboren. Als alleinerziehende Mutter eines
Kleinkindes gehört sie zu einer Personengruppe mit besonderem Schutz-
bedürfnis (sog. "vulnerable group"). Aufgrund der Aktenlage ist sodann
nicht davon auszugehen, dass sie in I._ über ein familiäres Bezie-
hungsnetz verfügt, auch wenn dort der Vater dreier ihrer Kinder sowie
diese selbst leben sollen, da sie gemäss ihren Angaben seit Jahren kei-
nen Kontakt mehr mit ihnen hatte. Obwohl diese Aussagen angesichts ih-
rer zuletzt vorgebrachten Angabe, sie habe erfahren, dass ihre Kinder
vom UNHCR betreut würden (vgl. Eingabe vom 20. Februar 2012), mit
Zweifeln behaftet sind und anzunehmen ist, sie verfüge im Heimatland
über ein Beziehungsnetz im weiteren Sinn, kann nicht ernsthaft davon
ausgegangen werden, dass dort mutmasslich lebende Verwandte oder
gute Bekannte beziehungsweise Freunde ihr und ihrem in der Schweiz
geborenen Kind, dessen Vater kein Staatsbürger der Côte d'Ivoire ist, ei-
ne gesicherte Existenzgrundlage bieten könnten. Ihre drei Schwestern
befinden sich im Westen des Landes, wohin die Rückkehr gestützt auf die
geltende Praxis nicht zumutbar ist. Mithin fehlen die entscheidenden Zu-
mutbarkeitskriterien für die Annahme, die Beschwerdeführerin könne in
I._ für sich und ihr Kind eine Existenzgrundlage aufbauen. In Be-
rücksichtigung der Tatsache, dass es sich bei der Beschwerdeführerin
und ihrem Kleinkind um eine "vulnerable group" handelt und vor dem Hin-
tergrund der dargelegten Situation im Heimatstaat, welche sich sowohl
generell als auch im Lichte des privaten Umfelds besehen als äusserst
unsicher erweist, erscheinen die persönlichen Verhältnisse der Beschwer-
deführerin und ihres jüngsten Kindes zum gegenwärtigen Zeitpunkt als
derart ungünstig, dass das öffentliche Interesse am Wegweisungsvollzug
gegenüber dem gegenläufigen privaten Interesse zurückzutreten hat (vgl.
dazu EMARK 1994 Nr. 18). Aufgrund des Gesagten ist der Wegweisungs-
vollzug der Beschwerdeführerin und ihres in der Schweiz geborenen Kin-
des in die Côte D'Ivoire ohne eingehende weitere Prüfung als zurzeit
nicht zumutbar zu qualifizieren.
7.5.3 Der Vollzug der Wegweisung in die Côte d'Ivoire erweist sich nach
dem Gesagten als unzumutbar im Sinne von Art. 83 Abs. 4 AuG. Nach-
dem sich aus den Akten keine Hinweise auf das Vorliegen von Aus-
schlussgründen im Sinne von Art. 83 Abs. 7 AuG ergeben, sind die Vor-
aussetzungen für die Anordnung der vorläufigen Aufnahme erfüllt.
D-3677/2009
Seite 23
7.6 Aus den vorangehenden Erwägungen ergibt sich, dass die angefoch-
tene Verfügung betreffend den Vollzug der Wegweisung Bundesrecht ver-
letzt und unangemessen ist (Art. 106 AsylG). Das BFM ist anzuweisen,
der Beschwerdeführerin infolge Unzumutbarkeit des Wegweisungsvoll-
zugs die vorläufige Aufnahme zu gewähren.
7.7 Die Beschwerde ist im Sinne der vorstehenden Erwägungen gutzu-
heissen.
8.
8.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist von einem hälftigen Obsiegen
auszugehen.
8.2 Die Verfahrenskosten wären somit zu halbieren. Indessen wurde das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Zwischen-
verfügung des Bundesverwaltungsgerichts vom 16. Juni 2009 gutgeheis-
sen, weshalb keine Verfahrenskosten auferlegt werden.
8.3 Der Beschwerdeführerin ist zudem angesichts des teilweisen Obsie-
gens im Beschwerdeverfahren in Anwendung von Art. 64 Abs. 1 VwVG
eine Parteientschädigung für die ihr erwachsenen notwendigen und ver-
hältnismässig hohen Kosten zuzusprechen (vgl. Art. 7 des Reglements
vom 21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]). Der Rechtsvertreter
legte keine Kostennote zu den Akten. Wie diesem indessen bekannt sein
dürfte, beschloss die Präsidentenkonferenz des Bundesverwaltungsge-
richt im Jahr 2009, dass bei Anwältinnen und Anwälten und anderen
Rechtsvertreterinnen und -vertretern, die ihren Vertretungsaufwand nicht
unaufgefordert und rechtzeitig ausweisen, grundsätzlich keine Kostenno-
te eingeholt, sondern der zu entschädigende Parteiaufwand geschätzt
wird (vgl. den auf der Homepage des Bundesverwaltungsgerichts abge-
legten Geschäftsbericht 2009 S. 75). Aufgrund der Akten lässt sich der
Parteiaufwand zudem hinreichend zuverlässig abschätzen, weshalb die
Entschädigung für das Beschwerdeverfahren gestützt darauf festzuset-
zen ist (Art. 14 Abs. 2 in fine VKGE). Dass die Beschwerdeführerin nicht
schon bei der Beschwerdeerhebung, sondern erst im Verlauf des Be-
schwerdeverfahrens eine Vertretung mandatierte, ist bei der Bemessung
der Entschädigung ebenso wie ihr bloss hälftiges Obsiegen zu berück-
sichtigen. Unter Berücksichtigung der massgebenden Bemessungsfakto-
ren (Art. 9-13 VGKE) und der Entschädigungspraxis in Vergleichsfällen ist
das BFM anzuweisen, der Beschwerdeführerin für das Rechtsmittelver-
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fahren eine Parteientschädigung in der Höhe von pauschal Fr. 600.– (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer) auszurichten.
(Dispositiv nächste Seite)
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