Decision ID: ad5772a3-35b9-5a05-86c3-db92a8f11f53
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985
,
ist gelernte Dentalassistentin und war zuletzt von
September
2015
bis
Januar
2016
bei
der
Y._
im Call Center
tätig
(
Urk. 14/6 S. 2;
Urk. 14/12 Ziff. 5.3
;
Urk. 14/20/13;
Urk. 14/87 Ziff. 1.4
). Unter Hinweis auf
einen Erschöpfungszustand
meldete sich
die Versicherte am 28. Septem
ber 2016
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
14/12
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog A
kten der
Kranken
tag
geldversicherung
bei (Urk.
14/21
; Urk. 14/24; Urk. 14/29
)
.
Die IV-Stelle über
nahm
im Rahmen von
Frühinterventionsmassnahmen
die Kosten
eines
Achtsam
keits
trainings
und eines externen Job Coachings (
vgl.
Mitteilungen vom 14. Dezember
2016
und vom 29. Mai 2017
, Urk. 14/23
,
Urk. 14/32)
. Am 19. September 2017
sprach die IV-Stelle der Versicherten Arbeitsvermittlung
durch die Eingliede
rungs
beratung
vom 18. September bis zum 31. Dezember 2017
(
vgl.
Mitteilung vom 19. September
2017, Urk. 14/45)
und am 27. Oktober 2017 einen Arbeitsversuch
im Amt
Z._
vom 1. November 2017 bis zum 30. April 2018
zu
(
vgl.
Mitteilung vom 27. Oktober
2017, Urk. 14/52)
. Die Beschwerdeführerin
trat
den Arbeitsversuch jedoch
aus gesundheitlichen Gründen
nicht an (vgl. Urk. 14/52;
Urk. 14/61 S. 10
).
In der Folge teilte die IV-Stelle der Versicherten am 1. Dezember 2017 mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes derzeit keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien. Es werde ihr Anspruch auf eine Rente geprüft, ein Anspruch auf Umschulung bestehe nicht (Urk. 14/60 = Urk. 14/62). Die Versicherte verlangte mit Schreiben vom 20. Dezember 2017 einen beschwerdefähigen Vorbescheid, da sie mit der Mitteilung nicht einverstanden sei (Urk. 14/68).
Mit Vorbescheid vom
28. Dezember
2017 (Urk. 14/69), der die Mitteilung vom 1. Dezember
2017 ersetzte
, stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung des
Gesuchs um Durchführung von Eingliederungsmassnahmen
in Form von Arbeitsvermittlung und Umschulung in Aussicht. Dagegen erhob die Versicherte am 16. Januar 2018 Einwand (Urk. 14/72). Mit Verfügung vom 12. Februar 2018 (Urk. 14/76 = Urk. 2) hielt die IV-Stelle an ihrem Vorbescheid fest und wies das Leistungsbegehren
betreffend
Arbeitsvermittlung und Umschulung ab.
2.
Die Versicherte erhob am 13. März 2018
Besch
werde gegen die Verfügung vom 12. Februar 2018 (Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en ihr berufliche Massnahmen zu gewähren (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2
).
Mit Beschwerde
ergänzung vom 21. April 2018
(Urk. 7) hielt die Versicherte
an ihren Anträgen fest.
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom 23. Mai 2018
(Urk.
13
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit
V
erfügung vom
4. Juni 2018 (Urk. 16)
wurden antragsgemäss (vgl. Urk.
1
S. 2 Ziff. 4; Urk. 7 S. 2 Ziff. 3
) die unentgelt
liche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwer
deantwort zugestellt.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige beruf
liche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
Drohende Invalidität liegt gemäss
Art.
1
novies
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) vor, wenn der Eintritt einer Erwerbsunfähigkeit überwiegend wahrscheinlich ist. Der Zeitpunkt des Eintritts der Erwerbsunfähigkeit ist uner
heblich.
1.3
Arbeitsunfähige (
Art.
6 ATSG) Versicherte, welche eingliederungsfähig sind, haben
gemäss
Art.
18
Abs.
1 IVG Anspruch auf aktive Unterstützung bei der Suche eines geeigneten Arbeitsplatzes (
lit
. a) und auf begleitende Beratung im Hinblick auf die Aufrechterhaltung ihres Arbeitsplatzes (
lit
. b). Die IV-Stelle veranlasst diese Massnahmen unverzüglich, sobald eine summarische Prüfung ergibt, dass die Voraussetzungen dafür erfüllt sind (
Abs.
2).
1.
4
Die Invalidenversicherung kann einer versicherten Person versuchsweise einen Arbeitsplatz für längstens 180 Tage zuweisen (Arbeitsversuch), um die tatsäch
liche Leistungsfähigkeit der versicherten Person im Arbeitsmarkt abzuklären (Art. 18a IVG).
Es kann sich ein weiterer Arbeitsversuch bei einem anderen Arbeit
geber anschliessen, wenn dies für das Erreichen des Eingliederungsziels sinnvoll und notwendig ist (Kreisschreiben über die Eingliederungsmassnahmen beruflicher Art, KSBE, Stand 1. Januar 201
8
Rz
5024).
1.5
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig
ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden
kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wie
der
einschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Inva
li
di
tät zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus, dass sie die Beschwerdeführerin seit Dezember 2016 bei der beruflichen Eingliederung unterstützt und die Kosten des Achtsamkeitstrainings und eines externen Job Coachs übernommen
habe
. Ab dem 1. November 2017 sei ein Arbeitsversuch geplant und zugesprochen gewesen. Die Beschwerdeführerin sei
jedoch
nicht in der Lage gewesen, den Arbeitsversuch beim
Z._
zu absolvieren. Einglie
derungsmassnahmen (Arbeitsversuch/Arbeitsvermittlung) seien deshalb aktuell nich
t möglich. Ein Anspruch auf Umschulung bestehe grundsätzlich nicht. Es werde deshalb der Anspruch auf eine Rente geprüft, worüber in einer separaten Verfügung entschieden werde (S. 1 unten f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 7),
dass sie gesundheits
bedingt einschneidend in ihrer Arbeitsfähigkeit einge
schränkt
sei, dennoch
bestehe
in einem sehr hohen
Mass eine reelle Chance
, dass sie im richtigen Umfeld und ohne unter Druck gesetzt zu werden, nachhaltig den Schritt in das Berufsleben finden werde. Mit dem richtigen Umfeld seien einerseits eine Tätigkeit ausserhalb des Büros und andererseits ein wohlwollendes, verl
ässliches Ar
beitsklima gemeint. Es seien mit ihrer behandelnden Psychiaterin sowie der Achtsamkeitstrainerin die geeigneten beruflichen Massnahmen zu planen, wobei in einem ersten Schritt ein Arbeitstraining und danach eine Umschulung als zielführend
erscheinen
würden (S. 22 Ziff. 118-120).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
der Anspruch
Beschwerdeführe
rin
auf berufliche
Mass
nahmen
.
3.
3.1
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in ihrem Bericht vom 28. April 2016 (Urk. 14/21/19-22
= Urk. 14/24/19-22
= Urk. 14/29/46-49
) aus, dass die Beschwerdeführerin
aufgrund
eine
r
drogen
ab
hän
gige
n
Mutter und
der
Platzierung in einer religiösen Pflegefamilie
eine schwierige Kindheit
gehabt habe. Bei körperlichen und psychischen Beschwerden habe sie sich seit ihrer Lehr
e
als Dentalassistentin wiederholt in psychothe
ra
peu
tisch-spirituell ausgerichtete Behandlungen begeben. Es sei ihr jeweils innert kürzester Zeit gelungen, sich so
weit zu stabilisieren, dass sie bisher nie längere Zeit arbeitsunfähig gewesen sei, insbesondere habe es auch keine
Hospita
lisa
tionen
gegeben (Ziff. 1).
Als Diagnose nannte Dr.
A._
eine Anpassungsstörung, depressive Reaktion (ICD-10 F43.2)
, differentialdiagnostisch eine
p
osttraumatische Belastungsstörung (
PTBS,
ICD-10 F43.1), und führte aus,
dass
s
eit Januar 2016 zwei psychiatrisch-psychotherapeutische Sitzungen pro Woche statt
fänden
(Ziff. 4). Die Beschwerde
führerin sei seit Beginn der Behandlung durchgehend zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Die Prognose sei grundsätzlich gut, da die Beschwerdeführerin sehr moti
viert sei und ausgezeichnet kooperiere. Bis
im
Herbst 2016 sollte eine Teil
arbeitsfähigkeit
wiedererlangt
werden
können
(Ziff. 5).
3.2
In ihrem Bericht vom 17. Oktober 2016 (Urk. 14/21/9-11
= Urk. 14/24/17-18
= Urk. 14/29/18-19
) führte Dr.
A._
aus, dass
d
ie Beschwerdeführerin weiterhin ein bis zwei Mal pro
Woche
psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelt
werde
(Ziff. 3). Nach einer vorübergehenden Besserung im Sommer, als eine niedrigpro
zentige Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit von 20-40 % im Herbst 2016 möglich erschienen
sei
, habe sich die psychopathologische Symptomatik wieder so verstärkt, dass gegenwärtig wieder eine vollumfängliche 100%ige Arbeitsun
fähigkeit attestiert werden müsse. Trotz der neuerlichen Verstärkung der Krank
heitssymptomatik halte sie an ihrer Prognose einer mittel- bis langfristigen
Wie
-
derherstellung
der Arbeitsfähigkeit fest, da die Beschwerdeführerin sehr motiviert sei, wieder zu arbeiten und entsprechend ausgezeichnet kooperiere (Ziff. 4).
3.3
Dr.
A._
führte in ihrem Bericht vom 13. März 2017 (Urk. 14/37/2-4) aus, dass
d
ie Beschwerdeführerin weiterhin ein bis zwei Mal pro Woche psychiatrisch-
psy
-
chotherapeutisch
behandelt
werde und n
ach wie vor ein Therapieende nicht
abseh
bar
sei
(Ziff. 3). Die Beschwerdeführerin sei seit Herbst 2016 trotz punk
tueller Besserung der depressiven Symptomatik stets zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Sie bedürfe voraussichtlich einer Umschulung. Trotz der anhaltenden Krankheitssymptomatik werde an der Prognose einer mittel- bis langfristigen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit festgehalten, da die Beschwerdeführerin sehr motiviert sei, wieder
zu
arbeiten und entsprechend ausgezeichnet kooperiere (Ziff. 4).
3.4
Dr. med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler
Ärztlicher Dienst (RAD), legte in ihrer Stellungnahme vom 21. Jul
i
2017 (Urk. 14
/38/1
= Urk. 14/61/3
) dar, dass aufgrund der in den Arztberichten be
schrie
benen Einschränkungen der Beschwerdeführerin eine psychische Proble
matik angenommen werden könne. Die Diagnose einer PTBS sei jedoch fraglich, viel eher sei eine Persönlichkeitsproblematik plausibel. Ob eine Persönlichkeits
störung oder nur akzentuierte Persönlichkeitszüge, die sich in einer Krisensitu
a
tion verstärkt zeigen würden, vorhanden seien, könne aktuell nicht beantwortet werden. Es sei aber anzunehmen, dass bei weiteren psychosozialen Belastungen keine längerdauernde Besserung eintreten werde, zudem bestehe die Gefahr der Entwicklung einer depressiven Störung. In diesem Sinne könne zumindest von einem drohenden längerdauernden Gesundheitsschaden ausgegangen werden.
3.5
Die RAD-Är
zt
in Dr.
B._
führte in ihrer Stellungnahme vom 27. November 2017 (Urk. 14/56/1
= Urk. 14/61/10-11
) aus, dass aufgrund der aktuellen vorliegenden Unterlagen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer kombinierten Per
sön
lichkeitsstörung ausgegangen werden könne. Mit der kombinierten Persön
lich
keitsstörung sei ein langandauernder Gesundheitsschaden ausgewiesen, aller
dings könne dadurch nicht per se eine Arbeitsunfähigkeit abgeleitet werden. In einer angepassten ruhigen, strukturierten, jedoch möglichst selbständigen Tätig
keit ohne Zeit- und Termindruck, mit möglichst wenig Kunden- oder Teamkon
takt, sei eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % denkbar.
3.6
Dr.
A._
nannte in ihrem – nach Verfügungserlass erstellten – Bericht vom 19. April 201
8
(Urk. 14/87) eine komplexe
PTBS
(ICD-10 F43.1) seit der Kindheit beziehungsweise seit Sommer 2016, differentialdiagnostisch eine emotional in
sta
bile Persönlichkeitsstörung mit ausgeprägten dissoziativen Anteilen (ICD-10 F60.3), als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1).
Die Beschwerdeführerin habe über einen persönlichen Kontakt zum
Z._
Ende August 20
17 einen Arbeitsversuch für ein
50%-Pensum per 25. Septem
ber 2017 orga
ni
siert. Nach gutem
Beginn habe sie sich zunehmen
d
an ihre Situation als Kind erinnert. Sie habe exzessiv gearbeitet, habe zu Hause wieder erhebliche Zwänge entwickelt, sei reizbar geworden, habe Fehler gemacht und grosse
existenzielle Ängste gehabt und ihre
n Körper nicht mehr gespürt. Die Beschwerdeführerin
habe die Beschwerden erst spüren und einen Arzt aufsuchen können, als sie am Arbeitsplatz von der für sie zuständigen Person dazu aufgefordert worden sei. Anfang November 2017 sei ein schwerer aufsteigender Harnwegsinfekt diag
nos
tiziert worden. Der Arbeitsversuch habe in der Folge sistiert werden müssen, um den körperlich-psychischen Zustand nicht weiter zu verschlimmern (Ziff. 1.4).
Dr.
A._
legte dar, dass sie weiterhin an ihrer Prognose einer mittel- bis
lang
-
fristigen
Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit festhalte, da die Beschwerdefüh
rerin über eine gute Intelligenz verfüge und weiterhin sehr motiviert sei, wieder
zu
arbeiten und entsprechend ausgezeichnet kooperiere. Wie sich im Verlauf – insbesondere im Arbeitsversuch im Herbst 2017 – gezeigt habe, sei bei der Be
schwerdeführerin ein anderes Tätigkeitsfeld als Büroarbeit dringend notwendig, eventuell sei sogar eine Umschulung angezeigt (Ziff. 1.4). Seit dem Jahr 2016 bestehe bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der zuletzt ausge
übten Tätigkeit im Call
C
enter (Ziff. 1.6). Die psychischen Einschränkungen be
stün
den darin, dass die Beschwerdeführerin unzureichend bis nicht
kommuni
-
zieren
könne, wenn ihr etwas zu viel werde beziehungsweise sie etwas nicht könne und dass sie so schnell wie möglich arbeite, um so viel wie möglich zu
schaffen. Sie überschreite dann ihr geistig-psychisches und körperliches Leistung
s
vermögen. In einer angepassten Tätigkeit, zum Beispiel im Umgang mit Tieren, und
in einer
wohlwollenden Umgebung könnte die Beschwerdeführerin wahr
schein
lich bald (in einigen Monaten) an ein bis drei Tagen für jeweils zwei bis vier Stunden arbeiten (Ziff. 1.7, Ziff. 1.9).
4.
4.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
an einer psychischen Problematik leidet,
seit Januar 2016 von Dr.
A._
p
sychiatrisch-psycho
thera
peutisch behandelt wird und seither in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit in einem Call Center in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist (vorstehend
E. 3.1-3.3, E. 3.6
). Auch die RAD-Ärztin Dr.
B._
ging im Juli 2017 davon aus, dass
zumin
-
dest
von einem drohenden längerdauernden Gesundheitsschaden ausgegangen werden könne (vorstehend E. 3.4). Im November 2017 war die RAD-Ärztin
Dr.
B._
sodann der Ansicht, dass ein langandauernder Gesundheitsschaden aus
gewiesen sei, wobei in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 50 % bestehe (vorstehend E. 3.5).
Demnach
ist erstellt, dass
die Beschwerdeführerin
zum Verfügungszeitpunkt in ihrer Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt und deshalb zumindest von einer Invalidität bedroht
war
(vgl. vorstehend E. 1.1, E. 1.2).
4.2
Der Anspruch auf konkrete berufliche Massnahmen unterliegt
den
allgemeinen Anspruchsvoraussetzungen des
Art. 8 Abs.
1 IVG.
Die Eingliederungsmassnahme
hat somit neben den dort ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwendigkeit auch demjenigen der Angemessenheit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Danach muss sie unter Berücksichtigung der gesamten tatsächlichen
und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum
angestrebten Eingliederungsziel stehen. Hinsichtlich der Angemessenheit lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finan
zielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Massnahme prog
nostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit aufweisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte
Eingliederungserfolg voraus
sicht
lich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkreten Eingliederungs
mass
nahme stehen; schliesslich muss die Massnahme dem Betroffenen auch zumutbar sein (
BGE
142 V 523 E. 2.3
mit Hinweisen
).
4.3
Die
Beschwerdeführerin
kam
–
nach
dem ihr die Beschwerdegegnerin im Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen ein Achtsamkeitstraining
und ein externes Job Coaching
zugesprochen hatte (vgl. Mitteilungen vom 14. Dezember 2016 und vom 29. Mai
2017, Urk. 14/23, Urk. 14/32) – vom 18. September bis zum 31. Dezember
2017 in den Genuss einer Arbeitsvermittlung durc
h die Ein
gliede
rungsberatung
(
vgl.
Mitteilung vom 19. September 2017, Urk. 14/45).
Zudem
startete
die Beschwerdeführerin
am 25. September 2017 einen einmonatigen therapeutischen Arbeitsversuch
im
Z._
, den
sie selbständig
organisier
t hat
te
(vgl. Urk. 14/45; Urk. 14/61 S. 1).
In der Folge sprach
ihr
die Beschwerdegegnerin am 27. Oktober 2017 einen Arbeitsversuch im
Z._
vom 1. November 2017 bis zum 30. April 2018 zu (
vgl.
Mitteilung vom 27. Oktober 2017, Urk. 14/52).
Die Be
schwerdeführerin wurde aufgrund eines verschleppten
Harn
weg
i
nfektes ab d
em 1. November 2017
zu 100 %
krankgeschrieben, weshalb eine Fortsetzung des Arbeitsversuches nicht möglich war und abgebrochen wurde
beziehungsweise der
ab dem 1. November 201
7
zugesprochene Arbeitsversuch nicht angetreten werden
konnte
(Urk. 14/61 S. 10
; vgl. Urk. 14/52 S. 1
).
4.4
In Bezug auf den gescheiterten Arbeitsversuch legte die behandelnde Psychiaterin Dr.
A._
in ihrem Bericht vom April 2018 (vorstehend E. 3.6) – der zwar nach Verfügungserlass erstellt wurde, sich jedoch zum
massgebenden
Sachverhalt
äusserte – dar, dass sich die Beschwerdeführerin nach gutem Beginn z
unehmend an ihre Situation als Kind
erinnert
, exzessiv
gearbeitet
und zu Hause wieder erhebliche Zwänge
entwickelt habe
. Dr.
A._
kam deshalb in nachvollziehbarer Weise zum Schluss,
dass ein anderes Tätigkeitsfeld als B
üroarbeit dringend not
wendig
, eventuell sogar eine Umschulung angezeigt sei.
Sie hielt jedoch weiterhin
an
ihrer Prognose einer mittel- bis langfristigen Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit fest, da die Beschwerdeführerin über eine gute Intelligenz verfüge und weiterhin sehr motiviert sei, wieder
zu
arbeiten und entsprechend ausgezeichnet kooperiere.
C._
, welche die Beschwerdeführerin seit April 2016
achtsam
keitsbasiert
begleitet
e
, führte in ihrem undatierten, bei der Beschwerdegegnerin am 8. Januar 2018 eingegangenen Bericht (Urk. 14/70) aus, dass der Arbeits
ver
such den inneren Druck und damit den inneren Stress der Beschwerdeführerin gest
eigert habe. Die Personen an den
Arbeitsstellen hätten sich zwar sehr ver
ständnisvoll und umgänglich gezeigt, jedoch habe sich diese Tätigkeit
, nament
lich das Akten
lesen und Sortieren
zu
m Thema
Missbrauchsopfer
, nicht zur Über
prüfung der Belastbarkeit der Beschwerdeführerin geeignet
. Diese Tätigkeit habe vielmehr ihre eigene Geschichte getriggert,
so
dass sie ihren Körpern nicht mehr gespürt habe. Die heftige Harnwegsinfektion sei i
m Rahmen
des Arbeitsversuches entstanden; die Beschwerdeführerin habe aufgrund der Entfremdung und
Deper
so
na
lisierung
die starke somatische Erkrankung überhaupt nicht gespürt und habe
notfallmässig behandelt werden müssen (Ziff. 1.2). Aufgrund der
Traumafolge
störung
beziehungsweise Bindungsstörung werde eine angepasste Tätigkeit im Tierbereich für eine Umschulung empfohlen. Eine sinnvoll empfundene und ange
passte Tätigkeit sei für den Krankheitsverlauf der Beschwerdeführerin sehr entscheidend (Ziff. 2.1). Die Belastbarkeit könne massgeblich durch eine ange
passte Tätigkeit (Umschulung) und einen entsprechenden Arbeitsplatz gesteigert werden (Ziff. 4.2).
4.5
Den nachvollziehbaren Berichten von Dr.
A._
und Frau
C._
fol
gend, war der Arbeitsversuch im
Z._
für die Beschwerdeführerin
aufgrund ihrer Vorgeschichte
ungeeignet.
Die Beschwerdeführ
erin ist jedoch weiterhin
sehr
motiviert, wieder im Arbeitsmarkt Fuss zu fassen
(vgl. Urk. 7 S. 10
Rz
38, S. 21
Rz
115)
. Dies bestätigte Dr.
A._
in ihren Berichten (vorstehend
E. 3.1-3.3
,
E. 3.6
)
und auch
C._
sah ein grosses Potential
für eine
Wieder
eingliederung in einer angepassten Tätigkeit (Urk. 14/70 Ziff. 2.1).
Ferner
ist der undatierten, am 27. Oktober 2017 bei der Beschwerdegegnerin eing
e
gangen Leistungsbeurteilung des
Z._
(Urk. 14/51/1-3) zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
die ihr übertragenen Aufgaben gut und mit grosser Sorgfalt ausgeführt habe und
während des Arbeitsversuches sehr engagiert, zuverlässig, einsatzwillig und
interessiert gewesen sei (S. 2 f.).
Somit scheint die Beschwer
deführerin durchaus über Ressourcen zu verfügen, um an einem weiteren Arbeits
versuch oder an anderen geeigneten Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen.
Demnach sind - entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin (vorstehend E. 2.1) – aktuell durchaus Eingliederungsmassnahmen möglich, sofern sie den Bedürf
nissen der Beschwerdeführerin angepasst sind.
4.6
Zusammenfassend steht daher fest, dass die Beschwerdeführerin grundsätzlich Anspruch auf berufliche Massnahmen hat. Die Sache ist daher an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen
,
damit diese nach entsprechender Abklärung und unter Mitwirkung der Beschwerdeführerin
die geeigneten Einglieder
ungsmass
nahmen prüft und durch
führt; insbesondere kommen eine Arbeitsvermittlung, ein Arbeitsversuch und/oder eine Umschulung in Betracht.
Dabei wird die Beschwer
de
gegnerin zu beachten haben, dass bei psychisch erkrankten Versicherten die beruflichen Massnahmen zeitlich und organisatorisch nach Möglichkeit so zu gestalten sind, dass den gesundheitlichen Schwankungen angemessen Rechnung getragen werden kann (KSBE
Rz
1010).
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleitungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Da die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin vor Fällung des Endentscheids keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach §
7
Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
si
che
rungsgericht (
GebV
SVGer
) nach Ermessen festzusetzen. Vorliegend erscheint
beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- eine Prozessentsc
hädigung in der Höhe von Fr. 2‘8
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als ange
messen.