Decision ID: a99a0196-8bd0-44cf-bdcd-85010ce56065
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die
1973
geborene
X._
,
diplomierte Schneiderin in der Türkei,
Mu
tter zweier Kinder (geboren 1996
und
2006
)
reiste im November 2010 in die Schweiz
ein.
Nach einem einjährigen Intensivkurs
zur
Köchin
mit Diplom
arbei
tete sie
zuletzt seit dem
1
5.
November
2018 in einem 100%-Pensum
als Buffet
mitarbeiterin
für die Y._
AG
(
Urk.
6/14
und
Urk.
6/26
).
Am 26.
Juni 2019
(Eingangsdatum) beantragte die Versicherte
bei der Diagnose von chroni
schen Schmerzen am oberen Sprung
gelenk
(OSG) und am Fersen
bds
. bei Fehl
belastung durch Fussdeformitäten mit Knick- und Senkfuss (
Urk.
6/23)
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, den Bezug
von ortho
pädischen Serienschuhen
(
Urk.
6/14
).
Das Arbeitsverhältnis wurde von der Arbeit
geberin
am 2
9.
Juni 2019 gekündigt (
Urk.
6/38/54). A
m
21.
November 20
19
(Eingangsdatum)
meldete sich die Versicherte bei der IV-Stelle
mit Hinweis auf eine psychische Erkrankung, Arthrose an
der Wirbelsäule und chronische
Entzündung
wegen
Plattfüsse
n
zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/26).
Zur Abklä
rung der medizinischen und erwerblichen Verhältnisse zog die IV-Stelle zunächst einen Auszug aus dem individuellen Konto bei (
Urk.
6/31
)
und
holte die Akten der Krankentaggeldversicherung
(
Urk.
6/
38
) sowie Berichte
der behandelnden Ärzte
ein
(
Urk.
6/
51
,
Urk.
6/
53
,
Urk.
6/
60
und
Urk.
6/
65
).
Mit Mitteilung vom
5.
März 2020 gewährte die IV-Stelle Kos
t
engutsprache für orthopädische
Serien
schuhe (
Urk.
6/
58
).
Sodann wurde die Versicherte mit
Mitteilung vom
9.
Juni 2020
informiert, dass aufgrund ihres Gesundheitszustandes keine
Eingliederungs
massnahmen
möglich seien (
Urk.
6/
64
).
Nach
Beizug
des vom Krankentaggeld
versicherer in Auftrag gegebenen
psychiatrischen
Gutachtens vom
1
5.
Juli 2020 von
Dr.
Z._
,
Facharzt
für Psychiatrie und Psychotherapie
,
(
Urk.
6/75)
stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom
4.
September 2020 die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht
(Urk. 6/81).
In der Folge reichte d
ie Versicherte
die S
tellungnahme vom 3
1.
August 2020
ihres
behandelnden P
sy
chiaters
zu den Akten (
Urk.
6/83)
und erhob m
it Schreiben vom 1
6.
September 2020
Einwände
gegen den Vorbescheid (
Urk.
6/85).
Mit Verfügung vom
1.
März 2021
wies die IV-Stelle das
Leistungsbegehren
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte
am
1
6.
April 2021 Beschwerde und beantragte, es seien ihr unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung die gesetzlichen Leis
tungen sowie eine unbefristete, ganze Invalidenrente zuzusprechen
, eventualiter sei ein psychiatrisches Gerichtsgutachten einzuholen,
subeventualiter
sei die Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen (
Urk.
1)
.
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort
vom
2
5.
Mai 2021
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Mit Replik vom
3
0.
Juni 2021
hielt
die Beschwerdeführerin
an den beschwerdeweise gestellten Anträgen fest (
Urk.
9
). Die Beschwerdegegnerin verzichtete mit Schreiben vom
1
9.
Juli 2021
auf eine
Duplik
(
Urk.
11
), was
der Beschwerdeführerin
mit Verfü
gung vom
27.
Juli 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12
).
Mit Eingabe vom 24.
September 2021 reichte die Beschwerdeführerin den Bericht
der K
l
inik für Rheumatologie
des Universitätsspitals A._
vom 2
5.
Juni 2021 ins Recht und beantragte
ergänzend
die Einholung eines
bidisziplinären
Gerichtsgutachten
s
in den
Fachbereichen
Psychiatrie und
Rheumatologie
(
Urk.
13-14).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
Gemäss
stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fah
ren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrele
vante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02
vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, gestützt auf die medizinischen Unterlagen sowie das von der Krankentaggeldversicherun
g
eingeholte
psychiat
rische
Gutachten von
Dr.
Z._
vom 2
5.
Juli 2020 ergebe sich, dass die Beschwer
de
führerin in einer optimal an
ge
passten Tätigkeit spätestens ab
1.
September
2020
zu 100
%
arbeitsfähig sei. Eine langandauernde und weiter
bestehende Arbeitsunfähigkeit bestehe somit nicht (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, da
s
s am Gutachten von
Dr.
Z._
vom 1
5.
Juli 2020 erhebliche Zweifel bestünden, da er sich
nicht
mit dem Bericht
des
behandelnden Psychiater
s
vom 1
5.
Juni 2020
aus
einandergesetzt
habe,
obwohl
dieser
lediglich ein Tag
vor dem Begutachtungs
termin ergangen sei
.
Des Weiteren
erweise sich das Gutachten weder als schlüssig noch als nachvollziehbar.
Hinzu komme, dass
eine umfassende psychiatrische Untersuchung erst recht nicht innerhalb einer
halben
Stunde
erfolgen
könne
,
und
schon gar nicht, wenn noch
eine
Übersetzung
notwendig
se
i
.
Der Beurteilung
des behandelnden Psychiaters
folgend
,
sei nach dem September 2020
weiterhin
von
einer
vollen
Arbeitsunfähigkeit
auszugehen.
Werde das strukturierte Beweisver
fahren angewendet, so ergebe sich auch daraus,
dass
die Beschwerdeführerin
unter einem invali
di
sierenden Gesundheitsschaden leide,
welcher
ihre
Arbeits
fähigkeit
seit langem zu 100
%
einschränke (
Urk.
1).
3.
3.1
Dr.
med. B._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie,
und
lic
. phil.
C._
, Psychologe
FSP
,
hielten in ihrem Bericht vom
2
0.
August 2019
fest, die Beschwerdeführerin leide an einer A
npassu
n
g
sstörung (ICD-10: F43.2)
. Sie sei seit dem
1.
Septembe
r 2017 bei ihnen in Behandlung. Aufgrund der aktu
ellen psychischen Beschwerden der Beschwerdeführerin sei es ihr nicht mehr zumut
b
ar ihre Tätigkeit fortzusetzen
.
Die Arbeitsunfähigkeit stehe in einem Zusammenhang mit
einem
Konflikt am Arbeitsplatz (
Urk.
6/48-50).
3.2
Dr.
med. D._
, Fa
chär
z
t
in für Rheumatologie und Innere Medizin,
stellte
im Bericht
vom 2
8.
Oktober
2019
folgende Diagnosen:
-
Chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
Chronische Schmerzen
gluteal
links
-
Insertionstendinosen
-
Tendinitis
Musculus
gluteus
links, DD Bursitis
trochanterica
:
lokale
Steroidinfiltration am 24.5.2019
-
ISG-Dysfunktion links
-
Chronische Fersenschmerzen rechts
-
Angst- und Panikzustände
:
V.a. Hyperventilationssyndrom
-
Anaphylaktischer Schock bei
Mydocalm
Die Beschwerdeführerin leide seit mehreren Jahren an Rückenschmerzen. Seit einigen Monaten best
ünden
eine deutliche Beschwerdezunahme und Schmerzen im linken
glutealen
Bereich. Die
Fersen
schmer
z
en bestünden seit ca. 2 J
a
h
ren, welche die letzte Zeit
deutlich
zugenommen
hätten.
Die Beschwerdeführerin sei vom 1
6.
Mai bis am
2.
Juni 2019 voll arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
6/38/30-31).
3.3
Die Ärzte des Sanatoriums
E._
, wo sich die Beschwerdeführerin vom 26.
September bis am
2
1.
November 2019
in stationär-psychiatrischer Behand
lung befand,
stellten
in ihrem Bericht vom 2
6.
November 2019
folgende Diagno
sen (
Urk.
6/38/4):
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
-
Panikstörung, episodisch paroxysmale Angst (ICD-10: F41.0)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
St. n. anaphylaktischer Reaktion Grad
ll
auf
Mydocalm
-
Hypothyreose
-
Chronisches
lumbovertebral
es
Schmerzsyndrom
-
DD
seronegative
Spondyloarth
rose
-
Schmer
zexazerbation
05/2019
Im Verlauf sei es zu einer deutlichen Verbesserung der depressiven Symptomatik mit Stimmungsaufhellung sowie einer verbesserten Schlafqualität gekommen. Bezüglich der Panikattacken habe die Beschwerdeführerin eine gewisse Selbst
regulation erlernt, welche zu einer Abnahme von
Frequenz
und Intensität der Panikreaktion
en
geführt habe
. Bis zuletzt sei sie aber durch wiederkehrende Panikattacken, Konzentrationsstörungen, Flashbacks und eine erhöhte psychi
sche Reagibilität im Rahmen der oben genannten Diagnosen belastet gewesen. Während der stationären Behandlung sei sie voll arbeitsunfähig gewesen. Die Arbeitsfähigkeit nach Austritt müsse durch
die ambulanten Behandler
beurteilt
werden. Ob eine volle Wiederaufnahme einer Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt zeitnah möglich sei, scheine aktuell jedoch fraglich. Eine
geleitete
, schrittweise Reintegration mit Aufbau- und B
elastu
n
g
str
a
ini
n
g werde als
sinnvoll
erachtet
. Dies
auch zur Verhinderung einer länger
andauernden
Arbeitsunfähigkeit
oder
Arbeitslosigkeit
, welche sich negativ auf den
Krankheitsverlauf auswirken könne
. In diesem Sinne
sei in
Zusammenarbeit mit dem
Sozialdienst
eine Anmeldung
bei
der IV
-Stelle erfolgt
(
Urk.
6/38/5).
3.4
Im Bericht vom
3.
Januar 2020
nannte
Dr.
D._
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit chronische Fersenschmerzen rechts,
differenzialdiagnos
tisch,
Plantarfaszi
i
tis
sowie ein chronisches intermittierendes
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit ISG-Dysfunktion rechts. Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bewertete sie einen anaphylaktischen Schock
bei
Mydocalm
,
Angst
-
und Panikzustände
bei Verdacht auf ein
Hyperventilationssyndrom. Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine günstige Prognose. Gemäss
letzter
Unter
suchung vom 2
3.
August 2019 bestehe eine Einschränkung
bei
einer
stehen
den
/gehenden
Tätigkeit
wegen Fersenschmerzen. Für eine leidensangepasste Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin
zu
100
%
arbeitsfähig (Urk
.
6/51/10-12).
3.5
Am 2
8.
Januar 2020 ergänzte
Dr.
D._
, es seien der Beschwerdeführerin bereits im Jahr 2013 Fusseinlagen empfohlen worden. Aufgrund von
deutlichen
Fuss
deformitäten mit F
ehlbelastu
n
g
sowie
therapieresistenter
P
lantarfasz
i
i
tis
trotz der durchgeführten
Therapien
sei
eine Versorgung mit Einlagen und Schu
h
zurich
tung nicht ausreichend (
Urk.
6/53).
3.6
Dr.
med.
F._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte
in ihrem Bericht vom
5.
Februar 2020
die Verdachtsdiagnose
Angst und depressive
Störung gemischt (ICD-10: F41.2),
differenzialdiagnostisch eine
Anpassungs
störung (ICD-10: F.
43
.2)
. Z
udem
liege
bei den vorliegenden Symptomen in Form von
Hypervigilanz
, Flashbacks, dissoziative Zustände, Ängsten und Angstan
fällen, die
Verdachtsdiagnose
einer Posttraum
a
tischen B
elastu
n
g
s
s
törung
(PTBS)
vor. Das psychiatrische Erstgespräch
habe
am 4.
Dezember
2019
nach Zuweisung durch das Sanatorium
E._
s
tattgefunden.
Die Beschwerdeführerin sei vom 2
7.
November 2019 bis am 20.
Januar 2020 einmal pro Woche in Behandlung gewesen. Die verhaltensorientierte Psychotherapie sei durch die delegierte Psy
chologin Frau G._
und die psychiatrische Behandlung durch sie (
Dr.
F._
) erfolgt. Aufgrund sprachlicher Verständigungsschwierigkeiten werde die Beschwerdeführerin an
lic
. phil.
C._
zurücküberwiesen.
Die Prognose hinsichtlich der
Wiederaufnahme
der Arbeit
m
üsse
laufend beurteilt werden. Die Beschwerdeführerin sei bis
Ende
Januar 2020 voll
arbeitsunfähig
geschrieben
worden. Sie sei rasch
erschöpft
, müde,
habe
diverse
körperliche
Einschränkungen
(Schulter, Fuss, N
ack
en etc.)
und
leide unter Symptomen einer PTBS. Dieser Zustand bedürfe eine
psychotherapeutische
Behandlung un
d
könne sich allenfalls im Verlauf
verbessern
, jedoch sei
gegenwärtig
aufgrund der körperlichen und psychischen Einschränkungen
eine
Arbeitsfähigkeit
als Buffetangestellte nicht geben. Die Aufnahme
einer
Arbeit in einer angepassten T
ätigkeit
,
müsse
nach
erfolgter
Behandlung
nochmals geprüft
werden (
Urk.
6/60).
3.7
Dr.
B._
stellte
in seinem Bericht vom 1
5.
Juni 2020 folgende Diagnose
n mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/65/6)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, mittelgradige und schwere Episode mit somatischen Beschwerden (ICD-10: F33.1, F33.2)
-
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1)
-
Angststörung mit Panikattacken (ICD-10: F41.0)
-
Gemische Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F.60.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen
und
psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41)
-
Gemischte dissoziative Störung (ICD-10: F44.7)
Die Beschwerdeführerin komme pro Woche
einmal
in Behandlung. Seit dem 30.
Januar 2020 habe er
(
Dr.
B._
)
die Behandlung
übernommen, da
lic
. phil.
C._
ihm
diese
übergeben habe
(
Urk.
6/2-3)
.
Die Beschwerdeführerin sei seit dem 19. August 2019 bis auf weiteres als Mitarbeiterin in der Küche voll arbeitsun
fähig. Sie
könne nicht mehr an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, w
eil
die Gefahr gross sei, dass
sich
die traumatischen Erlebnisse
reaktivieren
könnten
.
Die Rück
kehr könne ihr erst nach Stabilisierung
ihres Gesundheitszustandes
zugemutet
werden. Aufgrund der genannten Gesundheitseinschränkungen
sei
sie
nicht in der Lage, eine leichte Tätigkeit auszuführen. Die Arbeitsunfähigkeit liege bei 100
%
(
Urk.
6/65/11)
.
3.8
Dr.
Z._
stellte
im vom Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebene
n
psy
chiatrischen Gutachten
vom 1
5.
Juli 2020
folgende Diagnosen:
-
Mittelgradig depressive Episode (ICD-10: F32.1), inzwischen partiell
remittiert
-
Panikstörung, episodisch paroxysmale Angst (ICD-10: F41.0)
-
Posttraumatische Bel
astungsst
örung (ICD-10: F43.1)
Eine fachärztliche
Behandlung sei
weiterhin
indiziert
. Andere T
herap
iemass
nahmen, zum Beispiel
eine
wesentliche Umstellung bzw. Erweiterung der Psycho
pharmakotherapie bzw.
eine
nochmalige stationäre
psychiatrische
Behandlung, komme in
Anbetracht
eines
partiell
regredie
nten
Befundes
gegenwärtig
nicht mehr in Betracht. Angesichts eines
teilweise
nachlassenden
Befundes
sei die Beschwerdeführerin längstens noch bis Ende August 2020 arbeitsunfähig, spätestens ab September 2020 wieder vollständig arbeitsfähig
. Aus
psychiat
rischer
Sicht sei die Beschwerdeführerin somit in jeder Aufgabe voll einsetzbar, die ihren Kenntnissen und Fähigkeiten
entspreche
. Zu den geklagten körperlichen
Beschwerden
im Rü
c
ke
n
und im rechten Fuss könne er sich nicht äussern
. Die
schwierige Ausgangslage, in der sich die Beschwerdeführerin vor dem Hinter
grund einer körperlichen Attacke durch eine Drittperson 2017 und zuletzt einer beruflichen Konflikt- bzw. Belastungssituation
befinde
, sei gut nachvollziehbar. Allerdings sei es das aktive Bemühen um die Rückgewinnung beruflicher Fähig
keiten, die an die Kompetenz einer Betroffenen appelliere und damit wieder zu gewohnter Normalität und üblichen Abläufen bzw. Strukturen im Alltag beitrage.
Ein A
rbeitsdispens über einen längeren Zeitraum hinweg laufe
solchen Bestre
bungen eher zuwi
der und solle deswegen zeitlich möglichst begrenzt werden (
Urk.
6/75
/
4-5).
3.9
Im Bericht vom 3
1.
August 2020
führte
Dr.
B._
aus
,
die Gesundheitsstörungen
schränkten
das
Leistungsvermögen
im Erwerb
s
leben der
Beschwerdeführerin
für leicht
e
körperliche
Arbeiten erheblich ein. Sie sei aus
psychiatrischer
Sicht nicht in der Lage, eine leicht
e Tätigkeit
auszuüben
. Sie leide an Antriebsminderung, Konzentrations- und
Gedächtnisstörungen
,
Müdigkeit
, Erschöpfung, Angst, inne
re
r
Unruhe, depressiv
e Stimmungslage,
verlangsamte Psychomotorik,
Angst
symp
tomatik
,
Schmerzen
sowie
dissoziativen Störungen. Die
Arbeitsunfähigkeit
liege
bei
100
%
. Dieser Bericht unterscheide si
ch vom Gutachten von
Dr.
Z._
sowohl
bei den
Diagnosen als auch
bei
der
Beurteilung
d
er
Arbeitsfähigkeit
deut
lich.
Das Gutachten könne nicht
akzeptiert
werden. Die
Arbeitsunfähigkeit
bestehe weiterhin (
Urk.
6/83/8-9).
3.10
Dr.
med. H._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
, führte in seiner Stellungnahme vom
2
3.
Februar 2021 im
Einwandverfahren
aus, das Gutachten vom Juli 2020 würdige alle Berichte. Es sei auf die Diagnosen des Sanatoriums
E._
abgestellt worden. Im Gut
achten sei ein ausführlicher psychopathologischer Befund zu finden, welcher keine erheblichen Einschränkungen zeige. Es könne vollumfänglich darauf abgestellt werden. Eine 100
%
Arbeitsunfähigkeit sei vom
1.
Juli 2019 bis zum 3
1.
August 2020 ausgewiesen gewesen. Seit September 2020 bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Es liege somit kein die Arbeitsfähigkeit andauernder einschrän
kender
Gesundheitszustand
vor
(
Urk.
6/87/3)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich in ihrem ablehnenden Rentenentscheid vom
1.
März 2021 auf das vo
m Krankentaggeldversicherer in Auftrag gegebene
psy
chiatrische
Gutachten
von
Dr.
Z._
vom 1
5.
Juli 2020 (E. 3.
8
)
.
4.2
Aus somatischer Sicht
wurde die Beschwerdeführer
i
n weder
rheumatologisch b
egutachtet, noch wurden
die zitierten
rheumatologischen
Berichte
de
m
RAD
zur
versicherungsinternen B
eurteilung vorgelegt.
Mangels
Ausführungen der Beschwerdegegnerin
im Feststellungsblatt
(
Urk.
6/80)
oder der Verfügung vom
1.
Mä
rz 2021 zum Gesundheitszustand aus
rheumatologischer Sicht
bleibt unklar,
welche Feststellungen
sie
bezüglich der
entsprechenden
Arbeits-/Leistungsfähig
keit
getroffen hat,
zumal gemäss
dem Bericht von
Dr.
D._
vom
3.
Januar 2020
(E. 3.4)
zumindest
aufgrund der
Fussbeschwerden
stehende und gehende Tätig
keiten nur eingeschränkt zumutbar
sind
.
Hingegen
lässt sich die Leistungsfähig
keit
auch
nicht umfassend
anhand dieses Berichts beurteilen, da
Dr.
D._
mit
Auswirkung
auf die
Arbeitsfähigkeit
wohl
ein
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom mit ISG-Dysfunktion rechts diagnostizierte, jedoch
offenliess
,
in welchem
Umfang
sich dies
es
auf die
Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
auswirkt
.
4.3
Aus psychiatrischer Sicht
erscheint das Gutachten von
Dr.
Z._
vom 1
5.
Juli 2020 (E. 3.8)
als nicht
schlüssig
.
Aus dem Gutachten
erhellt nicht, wie
Dr.
Z._
die Diagnosen der Panikstörung und des PTBS herleitete, da
alleine
aufgrund des
erhobenen
psychopathologischen Befund
s
nicht
darauf geschlossen werden kann
.
Zudem
setzte er sich auch nicht ausführlich mit den aktuellen Beschwerden und dem Verhalten der Beschwerdeführerin auseinander.
Er befragte
sie
nur kurz zur aktuellen Situation, wobei er die
geklagten
Beschwerden,
den Tagesablauf
, de
n
soziale
n
Kontext
sowie die biographischen
Daten nicht
umfassend
erfragte (
Urk.
6/75/3)
.
Ferner
erscheint es v
or dem Hintergrund
der von
Dr.
Z._
diag
nostizierten
mittelgradigen
depressiven Störung, Panikstörung
sowie
PTBS
nicht nachvollziehbar, weshalb
der Beschwerdeführerin
die bisherige Tätigkeit
ab Sep
tember 2020 wieder
voll zumutbar sein soll, wenn
zum Zeitpunkt der Begut
ach
tung
lediglich
die mittelgradige depressive Störung remittiert
sei
(
Urk.
6/75/4)
.
Darüber hinaus
enthält das Gutachten keine
umfassenden
Ausführungen
zu den
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren
bei psychischen Erkrankungen
,
weshalb
eine
korrekte
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nach diesen
nicht möglich ist (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281 E. 4.3-4.4).
Der
RAD
erachtete das Gutachten vom 1
5.
Juli 2020
in seiner Stellungnahme vom 2
3.
Februar 2021
(E. 3.10)
zwar
als beweiskräftige
Entscheidgrundlage
,
unterliess
es jedoch, sich dabei
mit der abweichenden Beurteilung von
Dr.
B._
vom 31.
August 202
0
(E. 3.9)
auseinanderzusetzen
.
4.4
Zusammenfassend
fehlt eine rheumatologische Beurteilung
der Leistungsfähig
keit gänzlich und das
psychiatrische
Gutachten
stellt
keine beweiskräftige
Ent
sch
eidgrundlage
dar
(vgl. E. 1.
6
). Es
kann auch nicht auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters abgestellt werden, da diese bei einer attestierten vollen
Arbeitsunfähigkeit für leichte Tätigkeiten detaillierte Ausführungen zur Arbeits
fähigkeit in bisheriger und angepasster Tätigkeit vermissen lässt.
5.
5.1
Nach dem Gesagten fehlt es
demnach
an einer verlässlichen medizinischen Gesamtbeurteilung der Arb
eitsfähigkeit in bisheriger und
in angepasster Tätigkeit und damit an einer hinreichenden
Entscheidgrundlage
zur Beurteilung des Renten
anspruches
der Beschwerdeführerin
. Bei der Beurteilung der Gesamt
ar
beitsfähigkeit handelt es sich um eine notwendige Erhebung einer bisher voll
ständig ungeklärten Frage, da weder
eine
zweifelsfreie
gutachterliche Gesamt
beurteilung noch eine zweifelsfreie Gesamtbeurteilung des RAD den Akten beiliegt. Demnach liegt diesbezüglich aus dem Verwaltungsverfahren gar kein Abklärungsergebnis vor, was
zu
eine
r
Rückweisung zu weiteren Abklärungen
und neuem Entscheid
an die Beschwerdegegnerin
führt
.
5
.2
Die angefochtene Verfügung ist
de
mna
ch
aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt
rechtsgenüglich
abkläre und gestützt darauf neu über den
Leistungs
anspruch
der Beschwerdeführerin
entscheide.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6
.2
Überdies hat
die obsiegende Beschwerdeführerin
Anspruch auf den Ersatz der Parteikosten (
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) in Verbindung mit
Art.
61
lit
. g ATSG). Die Höhe der gerichtlich fest
zusetzenden Entschädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach
Massgabe
dieser Kriterien erscheint eine Parteientschädigung von
Fr.
1
‘7
00
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.