Decision ID: f0984034-b137-520f-b82a-795a06a1ae0d
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ wurde im August 2015 von seiner Mutter bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen zum Bezug einer Hilflosenentschädigung für Minderjährige angemeldet. Die
Mutter gab an, dass der Versicherte in allen Lebensverrichtungen regelmässig und in
erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen sei. Sie müsse den Versicherten
vollständig an- und auskleiden und benötige dafür durchschnittlich 30 Minuten. Der
Versicherte stehe am Abend immer wieder aus dem Bett auf und sie müsse neben ihm
bleiben, bis er schlafe. Das Abliegen dauere zwischen 45 und 60 Minuten. Beim Essen
müsse sie den Versicherten anleiten und ihm die Nahrung zerkleinern. Auch müsse sie
ihn oft umziehen, da er immer wieder das Getränk verschütte. Im Bereich der
Körperpflege verweigere der Versicherte das Duschen und das Zähneputzen. Sie
wasche ihn mit einem Trinkbecher. Das Baden lasse er seit Kurzem zu, aber er
benötige dafür mindestens 30 Minuten. Auch das Kämmen müsse sie vollständig
übernehmen. Beim Verrichten der Notdurft müsse sie den Versicherten bei der
Körperreinigung anleiten. In der Nacht trage er Windeln. Im Bereich der Fortbewegung
und der Pflege gesellschaftlicher Kontakte müsse er ständig beaufsichtigt werden. Der
Versicherte erkenne keine Gefahren und könne nur für kurze Sequenzen
unbeaufsichtigt gelassen werden. Er reagiere nicht auf Rufen und erkenne oft den Weg
nach Hause nicht, auch wenn er sich in der Nähe befinde. Mit Spielkameraden könne
er sich nicht selbständig verabreden. Schliesslich müsse sie den Versicherten dauernd
überwachen, d.h. ständig eine überdurchschnittlich hohe Aufmerksamkeit und ständige
Interventionsbereitschaft leisten (IV-act. 3). Am 3. September 2015 bestätigte Dr. med.
B._, FMH Pädiatrie, die Angaben der Mutter zur Hilflosigkeit. Beim Versicherten
bestünden ein Autismus, eine Entwicklungsdyspraxie und ein kognitiver
Entwicklungsrückstand (IV-act. 8).
A.a.
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Am 6. November 2015 fand eine Abklärung vor Ort beim Versicherten zu Hause
statt. Die zuständige Abklärungsperson notierte, dass der Versicherte in der
Lebensverrichtung An- und Auskleiden auf Dritthilfe angewiesen sei. Er kenne die
Reihenfolge der Kleider nicht und er verstehe den Sinn der Handlung des An- bzw.
Auskleidens nicht. Ausserdem akzeptiere er keine schmutzigen Kleidungsstücke. Der
Mehraufwand betrage insgesamt 35 Minuten. Im Bereich Essen bestehe ein
Mehraufwand von täglich 50 Minuten. Die Mutter müsse die Nahrung zerkleinern, den
Versicherten zum Essen auffordern, ihn an den Tisch zurückholen und während des
Essens kleinere Hilfestellungen leisten. Sobald der Versicherte verschmutzte Hände
oder ein schmutziges Gesicht habe, müsse umgehend eine Reinigung erfolgen, da er
sonst nicht mehr weiteresse. Bei der Körperpflege bestehe ein 20-minütiger
Mehraufwand. Der Versicherte verstehe aufgrund des Entwicklungsrückstandes den
Sinn der Körperhygiene nicht. Obwohl er nicht gerne schmutzig sei, habe er grosse
Mühe, sich selbständig zu reinigen. Er bedürfe beim Waschen, Kämmen, Baden/
Duschen und beim Zähneputzen der regelmässigen und erheblichen Hilfe durch die
Mutter. Bei der Verrichtung der Notdurft betrage der Mehraufwand täglich 15 Minuten,
da der Versicherte Hilfe bei der Reinigung nach dem Toilettengang benötige. In der
Nacht sei er noch auf Windeln angewiesen. Ausserdem bedürfe er im Bereich der
Fortbewegung im Freien und bei der Pflege der gesellschaftlichen Kontakte der
regelmässigen Dritthilfe, da er die Gefahren des Strassenverkehrs nicht einschätzen
könne und da er nicht wisse, wie er mit seinem Gegenüber in Kontakt treten solle.
Schliesslich bestehe gemäss der Mutter ein ständiger Überwachungsbedarf. Beim
Aufstehen/Absitzen bestehe kein regelmässiger und erheblicher Bedarf an Dritthilfe
(vgl. den Abklärungsbericht, unterschrieben am 18. November 2015, IV-act. 15).
A.b.
Die zuständige Abklärungsperson hielt am 11. November 2015 fest, dass in den
Bereichen Fortbewegung, Essen, An-/Auskleiden, Verrichten der Notdurft und
Körperpflege eine Hilflosigkeit ausgewiesen sei. Ausserdem benötige der Versicherte
eine hörende Überwachung mit Kontrollblicken; eine Überwachung mit dauernder
Interventionsbereitschaft, wie sie in der Anmeldung beschrieben werde, sei nicht
ausgewiesen. Insgesamt liege eine Hilflosigkeit mittleren Grades vor. Bezüglich des
Intensivpflegezuschlags hielt die Abklärungsperson fest, dass der tägliche
Mehraufwand 2 Stunden und 4 Minuten betrage. Hinzu komme die dauernde
A.c.
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B.
Überwachung von ebenfalls 2 Stunden. Insgesamt bestehe ein Mehraufwand an
Betreuung von Total 4 Stunden und 4 Minuten und der Versicherte habe Anspruch auf
einen Intensivpflegezuschlag. Die Leistungen könnten aufgrund der verspäteten
Anmeldung ab dem 26. August 2014 ausgerichtet werden (IV-act. 15-11 f.). Mit
Verfügung vom 25. Januar 2016 sprach die IV-Stelle dem Versicherten vom 26. August
2014 bis zum 31. Juli 2018 (Revision) eine Entschädigung wegen einer mittleren
Hilflosigkeit sowie einen Intensivpflegezuschlag zu (IV-act. 18).
Im Juli 2017 meldete die Mutter den Versicherten zum Bezug von medizinischen
Massnahmen an (IV-act. 26). Im Rahmen der diesbezüglichen Abklärungen berichtete
die Kinder- und Jugendpsychiaterin Dr. med. C._ am 13. September 2017, dass der
Versicherte an einem atypischen Autismus (F84.10), einer umschriebenen
Entwicklungsstörung der motorischen Funktionen (F82) sowie an anamnestisch
umschriebenen Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache (F80) leide.
Der Versicherte befinde sich in kinderpsychiatrischer Behandlung und erhalte
Ergotherapie. Bereits im Alter von vier Jahren sei bei ihm eine allgemeine
Entwicklungsverzögerung im motorischen, kognitiven und sozio-emotionalen Bereich
festgestellt worden. Er bekomme therapeutische Förderung und es liessen sich
Entwicklungsfortschritte erkennen. Aktuell liessen sich einige Symptome der Autismus-
Spektrums-Störung feststellen, jedoch erfüllten diese in der Menge und Ausprägung
nicht überall die Kriterien der Diagnose des frühkindlichen Autismus (IV-act. 32). Am 1.
Oktober 2018 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass die Voraussetzungen zur
Zusprache des Geburtsgebrechens Ziffer 405 (Autismus-Spektrum-Störungen) erfüllt
seien. Sie übernehme die Kosten für die Behandlung von Ziff. 405 GgV vom 11. August
2016 bis 31. Januar 2029 (vgl. zum Ganzen IV-act. 53, 60, 63, 65, 67, 73, 77).
A.d.
Im Herbst 2018 leitete die IV-Stelle ein amtliches Revisionsverfahren betreffend
Hilflosenentschädigung und Intensivpflegezuschlag ein (vgl. IV-act. 71 f.). Im
entsprechenden Fragebogen vom 13. November 2018 gab die Mutter des Versicherten
an, dass sich der Gesundheitszustand des Versicherten seit 2016 verschlechtert habe.
Er brauche noch intensivere Betreuung. Der Versicherte sei in allen sechs alltäglichen
Verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf ihre Hilfe angewiesen. Bei der
B.a.
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alltäglichen Lebensverrichtung aufstehen/absitzen/abliegen bestehe die Hilfe darin,
dass man bei ihm sein müsse, bis er einschlafe, und dass man nachts bei ihm sein
müsse, wenn er wach sei. Bei der alltäglichen Lebensverrichtung essen müsse man die
Nahrung zerkleinern, die Nahrungsaufnahme überwachen und den Versicherten immer
wieder (wohl: an den Tisch) zurückbringen. Seit April 2016 benötige er dauernde
medizinisch-pflegerische Hilfe und er müsse überwacht werden, da er dazu neige, blau
anzulaufen und das Bewusstsein zu verlieren (IV-act. 87). Am 3. Dezember 2018
bezeichnete der Kinderarzt Dr. B._ den Zustand des Versicherten als
besserungsfähig. Die Angaben der Mutter zur Hilflosigkeit stimmten mit seinen
Feststellungen überein (IV-act. 89).
Im Rahmen dieses Revisionsverfahrens holte die IV-Stelle den Lernbericht vom 5.
April 2018 über das Schuljahr 2017/2018 an der Heilpädagogischen Schule D._ ein.
Darin hatte die zuständige Klassenlehrperson u.a. festgehalten, der Versicherte habe
durch die Förderung der Kompetenzen im sozialen Bereich mit einem
Belohnungssystem eine deutliche Verbesserung im Einhalten der Klassenregeln, im
Befolgen von Anweisungen von Erwachsenen, im Akzeptieren eines "Nein" und im
Respektieren von Grenzen gezeigt. Er verfüge über einen altersgemässen Wortschatz
und könne sich gut ausdrücken. Er könne Velo fahren und Bälle zielgerichtet werfen,
prellen und fangen; Seilspringen und Hüpfen auf einem Bein bereiteten noch Mühe. Die
Arbeitshaltung des Versicherten sei noch grossen Schwankungen unterworfen, sie sei
auch von der jeweiligen Tagesverfassung abhängig (IV-act. 93).
B.b.
Am 19. Februar 2019 fand eine weitere Abklärung vor Ort beim Versicherten zu
Hause statt. Die Abklärungsperson hielt fest, dass der Versicherte gemäss den
Angaben der Mutter vergesslich sei, sich rasch ablenken lasse, keine Ausdauer habe
und sich nur sehr schlecht konzentrieren könne. Selbst Aufgaben, die jeden Tag
durchgeführt würden, müssten ihm immer wieder nahegebracht werden. Der
Versicherte sei weiterhin in den Bereichen An- und Auskleiden, Körperpflege,
Verrichtung der Notdurft und Fortbewegung hilflos. Im Bereich Aufstehen/Abliegen
bestehe nach wie vor keine Hilflosigkeit und im Bereich Essen seien keine direkten und
erheblichen Hilfestellungen mehr notwendig. Beim An- und Auskleiden bestehe ein
Mehraufwand von 26 Minuten. Der Versicherte könne sich grundsätzlich selbst an- und
ausziehen, aber er könne die Auswahl der geeigneten Kleider nicht selbst treffen. Die
B.c.
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Mutter müsse dabeibleiben und ihn Schritt für Schritt anleiten, damit er das Ziel nicht
aus den Augen verliere, denn er schweife immer wieder ab und vergesse sich. Der
Versicherte habe keine physische Einschränkung, er könne selber auf einen Stuhl
absitzen und auch wieder aufstehen. Auch der Transfer ins Bett gelinge ihm ohne Hilfe.
Der Versicherte könne grundsätzlich allein essen. Die weichen Speisen könne er –
zumindest in der Schule – selbst zerkleinern; nur die harten Speisen würden für ihn
zerkleinert. Essen und trinken könne er allein. Er sitze aber beim Essen nicht gern ruhig.
Es komme vor, dass er viel aufstehe und davonlaufe. Er müsse immer wieder an den
Tisch gerufen werden. Generell seien in diesem Bereich keine erheblichen und direkten
Hilfestellungen mehr notwendig. Bei der Körperpflege benötige der Versicherte
Führung. Beim Zähneputzen sei eine Nachreinigung erforderlich und beim Duschen
müsse er Schritt für Schritt angeleitet werden. Insgesamt ergebe sich ein Mehraufwand
von 24 Minuten. Bei der Verrichtung der Notdurft belaufe sich der anrechenbare
Mehraufwand auf 10 Minuten. Der Versicherte könne sich nach dem Toilettengang
selbst reinigen, aber die Reinigung sei nicht immer gründlich. In der Nacht sei er immer
noch auf Windeln angewiesen. Zur Fortbewegung habe die Mutter angegeben, dass
der Versicherte im Freien noch Orientierungshilfen benötige und längere Strecken nicht
bewältigen könne. Der Versicherte kommuniziere selbständig und er könne Wünsche
und Bedürfnisse verbal formulieren. Aufgrund seiner Besonderheit bestünden immer
wieder Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion mit anderen Kindern. Ein
Mehraufwand sei hier nicht anrechenbar. Der anrechenbare Mehrbedarf im Bereich der
sechs Lebensverrichtungen belaufe sich auf 60 Minuten. Bezüglich der Begleitung zu
Arztterminen oder Therapiebesuchen sei zudem ein Mehraufwand von 1 Minute
anzurechnen. Zusätzlich sei eine Pauschale von 2 Stunden für eine nicht
altersentsprechende Überwachungsbedürftigkeit anzurechnen, nicht aber eine weitere
Pauschale von 2 Stunden für eine intensive Überwachungsbedürftigkeit. Die Mutter
könne den Versicherten nicht für eine Stunde alleine lassen, da er nicht gerne alleine
sei und in Panik geraten würde. Er könne sich aber in seinem Zimmer beschäftigen und
die Mutter könne sich gut um den Haushalt kümmern. Es bestehe keine akute Selbst-
oder Fremdgefährdung zu Hause. Damit belaufe sich der Mehraufwand insgesamt auf
3 Stunden und 1 Minute (IV-act. 99).
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Mit einem Vorbescheid vom 24. April 2019 teilte die IV-Stelle dem Versicherten
mit, dass er bis zum 30. April 2024 (Revision) weiterhin einen Anspruch auf eine
Entschädigung wegen einer mittleren Hilflosigkeit habe. Ab dem 1. Juli 2019 werde
aber kein zusätzlicher Intensivpflegezuschlag mehr übernommen. Die Abklärungen
hätten ergeben, dass der Versicherte seit der letzten Abklärung Fortschritte gemacht
habe und dass er gewisse Fähigkeiten habe erlernen können. Obwohl sich die
allgemeine Situation generell verbessert habe, sei der Versicherte im Vergleich zu
einem gleichaltrigen Kind ohne Besonderheiten weiterhin in sämtlichen relevanten
Alltagsverrichtungen ausser dem Aufstehen/Absitzen/Abliegen auf gewisse
Hilfestellungen angewiesen. Aufgrund der Verbesserungen habe sich der zeitliche
Mehraufwand für die Grund- und Behandlungspflege aber im Durchschnitt verringert;
er liege aktuell unter 4 Stunden pro Tag, so dass die Kriterien für einen
Intensivpflegezuschlag nicht mehr ausgewiesen seien (IV-act. 101).
B.d.
Dagegen liess der Versicherte am 27. Juni 2019 durch seine Rechtsvertreterin
einwenden, dass im Vorbescheid auch der Bereich Essen anerkannt worden sei. Dies
sei im Abklärungsbericht aber nicht berücksichtigt worden, obwohl korrekt festgestellt
worden sei, dass der Versicherte immer wieder aufstehe und an den Tisch
zurückgeholt werden müsse. Dieses Verhalten sei krankheitsbedingt und werde
gemäss dem Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der
Invalidenversicherung (KSIH) bei autistischen Kindern angerechnet. Der
krankheitsbedingte Mehraufwand werde von Dr. C._ bestätigt. Auch in der Schule
benötige der Versicherte beim Essen eine dauernde Begleitung und Anleitung. Der
zusätzliche Mehraufwand belaufe sich für die Hauptmahlzeiten auf 105 Minuten (30
Minuten Frühstück, 45 Minuten Mittagessen, 30 Minuten Abendessen). Darüber hinaus
sei für das Ankleiden/Auskleiden ein höherer zeitlicher Mehraufwand von 15 Minuten
morgens und abends geschuldet. Ausserdem seien die Voraussetzungen für das
Anrechnen eines Mehrbedarfs im Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen erfüllt, da
gemäss dem KISH Einschlafrituale zu berücksichtigen seien, sofern sie
gesundheitsbedingt notwendig seien. Die Mutter müsse den Versicherten ins Bett
bringen, ihn zudecken und bei ihm bleiben bis er einschlafe, was bis zu zwei Stunden
dauern könne. Nachts stehe er regelmässig auf und müsse zurück ins Bett gebracht
werden. Die Einschlaf- und Durchschlafprobleme des Versicherten seien
B.e.
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krankheitsbedingt, regelmässig und erheblich. Bei der Verrichtung der Notdurft sei ein
zusätzlicher Mehraufwand dafür anzurechnen, dass die Mutter stets anwesend sein
müsse, wenn der Versicherte auf die Toilette gehe. Schliesslich sei aufgrund der
Intensität der Überwachung eine Pauschale von 4 Stunden anzurechnen. Faktisch
benötige der Versicherte eine 1:1 Betreuung (IV-act. 107). Die Rechtsvertreterin reichte
einen Bericht von Dr. C._ vom 25. Juni 2019 ein, in dem diese die Angaben der
Mutter zu den bis zu 30 bis 45 Minuten verlängerten Essenszeiten, zur
Einschlafbegleitung von bis zu 2 Stunden und zur ständigen Überwachung bestätigt
hatte (IV-act. 107-4).
Am 2. Juli 2019 führte die IV-Stelle eine ergänzende telefonische Abklärung mit der
Heilpädagogischen Schule durch. Die zuständige Lehrperson gab an, dass der
Versicherte beim An- und Auskleiden in der Schule mehrheitlich selbständig und nicht
mehr auf eine direkte Hilfe angewiesen sei. Hingegen müsse noch kontrolliert werden,
ob er richtig angezogen sei. Beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen sei der Versicherte
selbständig. Beim Essen benötige er eine Betreuung und Unterstützung. Er müsse
angeleitet werden, damit er sich auf das Essen konzentriere. Grundsätzlich könne er
die üblichen weichen Speisen selber zerkleinern und essen. Je nach Tagesform komme
es vor, dass man ihm die Speisen hin und wieder zerkleinern müsse; dies sei aber nicht
die Regel. Es komme auch vor, dass er während dem Essen aufstehe und weggehe. In
solchen Fällen werde er aber wieder an den Tisch geholt, was keine halbe Minute
dauere. Das Essen am Mittag dauere prinzipiell ca. 30 Minuten. Bei der Körperpflege
müsse er kontrolliert und angeleitet werden, damit er sich nicht ablenken lasse.
Hilfestellungen würden nicht mehr benötigt. Auf die Toilette gehe der Versicherte
meistens selbständig. Im Schulhaus sei er selbständig mobil; ausserhalb des
Schulgeländes werde er an die Hand genommen (IV-act. 112).
B.f.
Am 29. August 2019 verfügte die IV-Stelle die Zusprache einer unveränderten
Hilflosenentschädigung für Minderjährige und die Aufhebung des
Intensivpflegezuschlags per 1. Oktober 2019. Zu den Einwänden führte sie an, von der
Lehrperson sei bestätigt worden, dass der Versicherte alleine essen könne. Die
Angaben der Mutter und der Psychiaterin zu den Essenszeiten stünden im krassen
Gegensatz zu den Angaben der Lehrperson, wonach für das Essen ca. 30 Minuten
benötigt werde. Sowohl die Mutter als auch die Lehrperson hätten bestätigt, dass sich
B.g.
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C.
der Versicherte aus motorischer Sicht grundsätzlich selber an- und ausziehen könne.
Von der Schule werde bestätigt, dass jeweils Kontrollen erforderlich seien, was mit 26
Minuten ausreichend berücksichtigt worden sei. Der Bereich Aufstehen/Absitzen/
Abliegen sei bis jetzt nicht angerechnet worden und der Gesundheitszustand habe sich
nicht verschlechtert. Einschlafrituale gehörten zur Aufsichts- und Erziehungspflicht der
Eltern. Im Bereich der Notdurft sei der Versicherte gemäss der Erstaussage der Mutter
mehrheitlich selbständig, was die Lehrperson bestätige. Bei der Überwachung habe die
geltend gemachte "1:1 Betreuung" während der Abklärung vor Ort nicht beobachtet
werden können. Schliesslich sei eine allgemeine Unruhe, die sich auf sämtliche
Bereiche auswirke, im Rahmen der Autismus-Spektrums-Störung verständlich und
nachvollziehbar. Allerdings werde ein entsprechender Aufwand mit der
Überwachungspauschale von 2 Stunden genügend berücksichtigt. Die doppelte
Anrechnung sei zu vermeiden, weshalb der Aufwand im Bereich des Essens und beim
An- und Auskleiden nicht nochmals angerechnet werden könne (IV-act. 113).
Am 2. Oktober 2019 liess der Versicherte (im Folgenden: der Beschwerdeführer)
Beschwerde erheben. Seine Rechtsvertreterin beantragte die teilweise Aufhebung der
Verfügung und die "Zusprache" (wohl: Weiterausrichtung) eines
Intensivpflegezuschlags. Eventualiter sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Rechtsvertreterin wiederholte im
Wesentlichen die im Vorbescheidverfahren vorgebrachten Argumente. Zudem führte
sie an, dass eine Abklärung an der Schule allein nicht für die Kürzung der
anrechenbaren Zeiten ausschlaggebend sein könne. Vielmehr sei die Situation zu
Hause genau abzuklären und es sei auf die Aussagen der Eltern abzustellen.
Ausserdem müsse der Versicherte auch gemäss den Auskünften der Lehrperson
kontrolliert und eng geführt werden. Insgesamt müsse der Mehraufwand für die
indirekte Hilfe und somit ein Mehraufwand von mindestens 4 Stunden anerkannt
werden (act. G 1).
C.a.
In einer internen Stellungnahme vom 20. November 2019 hielt der Fachbereich der
IV-Stelle (im Folgenden: die Beschwerdegegnerin) fest, dass eine indirekte Hilfe nur
berücksichtigt werde, wenn sie erheblich sei. Nicht jede indirekte Hilfe könne als
C.b.
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erheblich geltend. Der Fachbereich verwies auf Rz 8030 des KSIH, die darauf abziele,
dass man bei der Ausführung der Verrichtung anwesend sein müsse. Ein Hinweis, eine
Ermahnung oder eine Aufforderung sei keine Begleitung einer Verrichtung. Verbale
Anweisungen generierten nicht wirklich einen Zeitaufwand und Aufforderungen seien
im Kindesalter nicht aussergewöhnlich. Hinweise und Aufforderungen seien demnach
nicht anzurechnen, da sie keinen erheblichen Aufwand verursachten. Im Falle des
Beschwerdeführers seien in den Bereichen An- und Auskleiden und Körperpflege eine
indirekte Hilfe berücksichtigt und ein überdurchschnittlicher Überwachungsbedarf
anerkannt worden. Eine offensichtliche Fehleinschätzung betreffend Hilfebedarf seitens
der Abklärungsperson liege in keiner der Lebensverrichtungen vor. Für das An- und
Auskleiden sei ein umfassender Hilfsbedarf anerkannt worden. Auch das
Oppositionsverhalten sei mit 5 Minuten berücksichtigt worden. Die Aussagen der
Lehrpersonen wiesen darüber hinaus auf eine grössere Selbständigkeit hin, weshalb
sich der ermittelte Zeitaufwand von 26 Minuten als eher grosszügig erweise. Beim
Aufstehen/Abliegen/Absitzen könne auf die Verfügung verwiesen werden. Dass man
Kinder ins Bett begleite und sich noch Zeit nehme, sei üblich. Der Bereich Essen sei
nicht anerkannt worden und bei der Aussage im Vorbescheid, dass alle Bereiche
ausser dem Aufstehen/Absitzen/Abliegen berücksichtigt worden seien, sei ein Fehler
unterlaufen. Ein erheblicher Hilfebedarf am gemeinsamen Esstisch sei nicht
ausgewiesen. Die Eltern könnten gleichzeitig essen und ein Mehrbedarf an Betreuung
sei nicht erkennbar. Bei der Notdurft werde weder zu Hause noch in der Sonderschule
eine Dritthilfe benötigt. Das Tragen der Windeln nachts sei entsprechend berücksichtigt
worden. Zuletzt sei zu erwähnen, dass bei der ersten Abklärung der Mehraufwand mit 4
Stunden und 4 Minuten nur knapp erfüllt worden sei. Aufgrund der Fortschritte, die
offensichtlich seien, sei es nachvollziehbar, dass der Gesamtaufwand nun unter 4
Stunden gefallen sei. Ein Mehraufwand von 60 Minuten zusätzlich zum ermittelten
Aufwand könne nicht plausibilisiert werden (IV-act. 124).
Am 9. Dezember 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf die
Stellungnahme ihres Fachbereichs vom 20. November 2019 die Abweisung der
Beschwerde (act. G 4).
C.c.
Der Beschwerdeführer verzichtete auf die Einreichung einer Replik (vgl. act. G 6).C.d.
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Erwägungen
1.
Der Beschwerdeführer hat seit dem 26. August 2014 eine Entschädigung wegen einer
Hilflosigkeit mittleren Grades sowie einen Intensivpflegezuschlag bezogen (Verfügung
vom 25. Januar 2016; IV-act. 18). Im Rahmen des im Jahr 2018 eingeleiteten
Revisionsverfahrens hat die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Hilflosenentschädigung sowie auf einen
Intensivpflegezuschlag überprüft. Mit der angefochtenen Verfügung vom 29. August
2019 hat sie den Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Hilflosenentschädigung
mittleren Grades bestätigt und den Intensivpflegezuschlag aufgehoben (IV-act. 113).
Die Verfügung vom 29. August 2019 enthält folglich zwei voneinander unabhängige
Entscheide, nämlich einerseits die revisionsweise Bestätigung der laufenden
Hilflosenentschädigung und andererseits die revisionsweise Aufhebung des laufenden
Intensivpflegezuschlages. Der Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag setzt zwar
den Bezug einer Hilflosenentschädigung voraus, beruht im Übrigen aber auf einer
anderen Gesetzesnorm und auf einem anderen Sachverhalt als der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung. Bei der Hilflosenentschädigung und dem
Intensivpflegezuschlag handelt sich folglich um zwei verschiedene Leistungen, weshalb
die Verfügung vom 29. August 2019 eigentlich zwei Verfügungen enthält, nämlich eine
Verfügung betreffend die Revision der Hilflosenentschädigung und eine Verfügung
betreffend die Revision des Intensivpflegezuschlages (vgl. auch den Entscheid des
Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen vom 13. März 2019, IV 2018/122 E. 1.1).
Der Beschwerdeführer hat lediglich gegen die revisionsweise Aufhebung des
Intensivpflegezuschlags Beschwerde erhoben. Die revisionsweise Bestätigung der
Hilflosenentschädigung ist von ihm nicht angefochten worden, so dass die
entsprechende Verfügung unangefochten in Rechtskraft erwachsen ist. Den
Anfechtungsgegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet also nur die Verfügung
betreffend den Intensivpflegezuschlag. Zu beurteilen ist also, ob der laufende
Intensivpflegezuschlag zu Recht per 30. September 2019 eingestellt worden ist.
2.
Die Hilflosenentschädigung für Minderjährige, die zusätzlich eine intensive Betreuung
brauchen, wird um einen Intensivpflegezuschlag erhöht. Der monatliche
Intensivpflegezuschlag beträgt bei einem invaliditätsbedingten Betreuungsaufwand von
mindestens acht Stunden pro Tag 60%, bei einem solchen von mindestens sechs
Stunden pro Tag 40% und bei einem solchen von mindestens vier Stunden pro Tag
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20% des Höchstbetrages der Altersrente nach Art. 34 Abs. 3 und 5 AHVG. Der
Zuschlag berechnet sich pro Tag (Art. 42 Abs. 3 IVG). Eine intensive Betreuung liegt
bei Minderjährigen vor, wenn diese im Tagesdurchschnitt infolge der Beeinträchtigung
der Gesundheit zusätzliche Betreuung von mindestens vier Stunden benötigen (Art. 39
Abs. 1 IVV). Anrechenbar als Betreuung ist der Mehrbedarf an Behandlungs- und
Grundpflege im Vergleich zu nicht behinderten Minderjährigen gleichen Alters. Nicht
anrechenbar ist der Zeitaufwand für ärztlich verordnete medizinische Massnahmen,
welche durch medizinische Hilfspersonen vorgenommen werden, sowie für
pädagogisch-therapeutische Massnahmen (Art. 39 Abs. 2 IVV). Bedarf eine
minderjährige Person infolge Beeinträchtigung der Gesundheit zusätzlich einer
andauernden Überwachung, so kann diese als Betreuung von zwei Stunden
angerechnet werden. Eine besonders intensive behinderungsbedingte Überwachung ist
als Betreuung von vier Stunden anrechenbar (Art. 39 Abs. 3 IVV). Gemäss den
Erläuterungen zu den Änderungen der IVV vom 21. Mai 2003 (AHI 2003 S. 311, S. 330)
entsteht ein Anspruch auf den Intensivpflegezuschlag im Sinne von Art. 39 Abs. 3 IVV
nicht bereits dann, wenn ein Kind bloss während bestimmter Stunden am Tag
pflegerische Unterstützung benötigt. Abgegolten werden soll vielmehr die für die Eltern
extrem belastende Tatsache einer darüber hinausgehenden, rund um die Uhr
notwendigen invaliditätsbedingten Überwachung, sei es aus medizinischen Gründen
(z.B. Gefahr epileptischer Anfälle), sei es infolge einer spezifischen geistigen
Behinderung oder wegen Autismus (vgl. auch Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts vom 19. Dezember 2006, I 684/05 E. 4.4). Die dauernde
persönliche Überwachung bezieht sich als eigenständiges Bemessungskriterium (vgl.
Art. 37 Abs. 1, Abs. 2 lit. b und Abs. 3 lit. b IVV) nicht auf die alltäglichen
Lebensverrichtungen und ist von der indirekten Dritthilfe zu unterscheiden. Sie umfasst
vielmehr Hilfeleistungen, die nicht bereits als direkte oder indirekte Hilfe in einer
Lebensverrichtung berücksichtigt werden (Urteil 9C_666/2013 des Bundesgerichtes
vom 25. Februar 2014 E. 8.1).
3.
ter
Die Beschwerdegegnerin hat beim Beschwerdeführer das Vorliegen des
Geburtsgebrechens Ziff. 405 (Autismus-Spektrum-Störung) anerkannt (IV-act. 78). Sie
hat im Rahmen der Abklärung des Intensivpflegezuschlags einen Mehraufwand für die
alltäglichen Lebensverrichtungen (1 Stunde), einen Mehraufwand für die Arzt- und
Therapiebegleitung (1 Minute) und einen Mehraufwand für invaliditätsbedingte
andauernde Überwachung (pauschal 2 Stunden; insgesamt 3 Stunden 1 Minute)
ermittelt und dann einen Anspruch auf einen Intensivpflegezuschlag verneint, weil der
3.1.
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Mindest-Mehraufwand von 4 Stunden nicht mehr erreicht sei (vgl. IV-act. 99). Der
Beschwerdeführer macht insbesondere geltend, dass bei den alltäglichen
Lebensverrichtungen auch in den Bereichen Aufstehen/Absitzen/Abliegen und Essen
ein Mehraufwand gegeben sei und zudem eine Überwachungspauschale von 4
Stunden, also eine intensive behinderungsbedingte Überwachung, angerechnet
werden müsse.
Die Mutter hat hinsichtlich der Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen
dargelegt, dass sie den Beschwerdeführer ins Bett bringen und bis zu 2 Stunden bei
ihm bleiben müsse, damit er einschlafe. Nachts müsse er zudem regelmässig beruhigt
und zurück ins Bett gebracht werden. Bei der Lebensverrichtung Essen benötigt der
Beschwerdeführer gemäss der Aussage sowohl seiner Mutter als auch der Lehrperson
der Heilpädagogischen Schule regelmässige Betreuung und Unterstützung. Zwar
könne er grundsätzlich selber essen, aber er müsse begleitet und angeleitet werden,
damit er sich auf das Essen konzentriere. Ausserdem stehe er während des Essens auf
und gehe weg und müsse dann zurückgeholt werden (IV-act. 107, 112). Die IV-Stelle
hat weder in der Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen noch in der
Lebensverrichtung Essen einen Bedarf an (direkter oder indirekter) Dritthilfe anerkannt.
Sie hat vielmehr argumentiert, dass sich die allgemeine Unruhe, die mit der Autismus-
Spektrums-Störung des Beschwerdeführers einhergehe, in allen Lebensbereichen
auswirke. Allerdings werde ein entsprechender Aufwand mit der
Überwachungspauschale genügend berücksichtigt und könne bei der entsprechenden
Lebensverrichtung nicht nochmals angerechnet werden. Auch könnten Einschlafrituale
und Bettgewohnheiten nicht berücksichtigt werden und gehörten in die Aufsichts- bzw.
Erziehungspflicht der Eltern. Auch in diesem Bereich handle es sich um einen
"Überwachungsbedarf", der bereits in der Pauschale berücksichtigt werde (vgl. IV-act.
113).
3.2.
3.3.
Das Bundesgericht hat im Urteil 8C_533/2019 vom 11. Dezember 2019 die
Auffassung vertreten, dass ein anspruchsrelevanter Bedarf nach einer erheblichen und
regelmässigen indirekten Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen vorliege,
wenn die Eltern abends jeweils eine halbe bis eine Dreiviertelstunde bei ihrem Kind
bleiben, es beruhigen, mit ihm reden, es in den Arm nehmen und streicheln müssten,
damit es im Bett bleibe und einschlafe (E. 4.9). Das Bundesgericht hat also den Bedarf
nach einer indirekten Dritthilfe beim Aufstehen, Absitzen und Abliegen – trotz der
ausgewiesenen motorischen Fähigkeit des Kindes, selbständig aufzustehen,
3.3.1.
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abzusitzen und abzuliegen – mit einer überdurchschnittlichen Betreuungsbedürftigkeit
des Kindes beim Einschlafen begründet. Damit hat das Bundesgericht im Bereich
Absitzen/Aufstehen/Abliegen die weitergehende Betreuungsleistung als indirekte
Dritthilfe definiert. Die Betreuung des Kindes durch das Verweilen eines Elternteils am
Bett betrifft nämlich offensichtlich nicht den Kernbereich der Lebensverrichtung
Aufstehen/Absitzen/Abliegen, sondern soll dem Kind das Einschlafen ermöglichen. Sie
hätte also bei einer auf den Kernbereich beschränkten Betrachtung der alltäglichen
Lebensverrichtung Aufstehen/Absitzen/Abliegen keine Relevanz. Damit liegt der
Auffassung des Bundesgerichtes eine sehr weite Interpretation des Begriffs der
indirekten Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen zugrunde. Folgt
man dieser Auffassung, muss die Betreuung einer versicherten Person im Umfeld jeder
alltäglichen Lebensverrichtung als eine erhebliche indirekte Dritthilfe qualifiziert werden,
sofern diese Betreuung einen erheblichen Aufwand verursacht. Die indirekte Dritthilfe
wird derart ausgeweitet, dass im Gegenzug im Rahmen der Überwachungspauschale
nur die Überwachung, die das Kind ausserhalb des Umfelds jeder einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen benötigt, berücksichtigt werden kann.
In Anwendung dieser Bundesgerichtspraxis ist gemäss den überzeugenden
Aussagen der Mutter die indirekte Dritthilfe bei der alltäglichen Lebensverrichtung
Aufstehen/Absitzen/Abliegen – in der Form der Betreuung beim Schlafen – entgegen
der Auffassung der Beschwerdegegnerin zu bejahen. Dies gilt ebenso für die alltägliche
Lebensverrichtung Essen. Wenn der Beschwerdeführer beim Essen begleitet und
angeleitet und nötigenfalls an den Tisch zurückgeholt werden muss, bedeutet dies
nichts anderes, als dass während des Essens immer jemand beim Beschwerdeführer
bleiben muss, um ihn beim Essen zu unterstützen und um ihn nötigenfalls
zurückzuholen. Ebenso wie die Betreuung beim Einschlafen ist diese ausserhalb des
Kernbereichs der alltäglichen Lebensverrichtung Essen liegende Betreuung in
Anwendung der oben dargestellten Auffassung des Bundesgerichtes als indirekte
Dritthilfe zu qualifizieren.
3.3.2.
Damit wäre der Beschwerdeführer auch bei den alltäglichen
Lebensverrichtungen Aufstehen/Absitzen/Abliegen und Essen und damit in allen sechs
Lebensverrichtungen hilflos im Sinne des Gesetzes. Da die Verfügung betreffend die
Hilflosenentschädigung jedoch in formelle Rechtskraft erwachsen ist (vgl. vorstehende
E 1.1), kann die Frage nach dem Grad der Hilflosenentschädigung nicht
Streitgegenstand sein. Allerdings ist auch der zeitliche Mehraufwand, den die Eltern bei
der Hilfeleistung in den jeweiligen Lebensverrichtungen leisten müssen und der für die
Bemessung des Intensivpflegezuschlag relevant ist, grösser. Im Falle des
3.3.3.
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4.
Beschwerdeführers muss die Mutter beispielsweise beim gesamten Einschlafvorgang
dabei sein und kann sich daneben nicht um andere Dinge (wie z.B. um den Haushalt)
kümmern. Gleiches gilt beim Essen, denn entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin beschränkt sich die Betreuung nicht auf jene 30 Sekunden, die
nach den Angaben der Lehrperson nötig sind, um den Beschwerdeführer jeweils
wieder an den Tisch zurückzuholen. Da der Beschwerdeführer angeleitet werden muss,
damit er sich auf das Essen konzentriert, und da er, wenn er wegläuft, wieder
zurückgeholt werden muss, kann die Betreuungsperson wohl nicht gleichzeitig essen.
Das bedeutet, dass der Betreuungsaufwand wohl dem Zeitaufwand entspricht, den der
Beschwerdeführer selbst für das Essen benötigt.
Die Beschwerdegegnerin ist davon ausgegangen, dass der notwendige
Betreuungsaufwand beim Aufstehen/Absitzen/Abliegen und beim Essen durch die
Überwachungspauschale abgedeckt sei. Deshalb hat sie darauf verzichtet, den
genauen Zeitaufwand für diese Betreuungsleistungen zu ermitteln. Sie hätte den
Zeitaufwand für die Betreuungsleistungen aber als indirekte Dritthilfe bei den jeweiligen
Lebensverrichtungen anrechnen müssen. Der Sachverhalt erweist sich folglich als
ungenügend abgeklärt. Die Sache ist deshalb an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit die Beschwerdegegnerin die Abklärung anhand der weit
definierten indirekten Dritthilfe erneut durchführt. Dabei wird sie abzuklären haben, wie
hoch der Bedarf an Betreuungsleistungen in den einzelnen Lebensverrichtungen unter
Berücksichtigung der sehr weiten Interpretation des Begriffs der indirekten Dritthilfe im
Sinne der Auffassung des Bundesgerichts ist. Zudem wird sie zu prüfen haben, ob
unabhängig von den Betreuungsleistungen bei den einzelnen alltäglichen
Lebensverrichtungen eine zusätzliche, von den Lebensverrichtungen unabhängige
Überwachungsbedürftigkeit (beispielsweise beim Spielen) besteht.
3.4.
Demnach ist die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache ist zur
weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
3.5.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Dem
Ausgang des Verfahrens entsprechend ist sie vollumfänglich der Beschwerdegegnerin
4.1.
bis
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