Decision ID: d6e5fa95-9c23-41e4-b774-b6c8c1858b8b
Year: 2020
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Zusammenfassung des Sachverhalts:
Die Eheleute A. und B. reichten am 26. Juni 2019 ein gemeinsames
Scheidungsbegehren ein und beantragten gemeinsam die Ehescheidung sowie die
Genehmigung der Vereinbarung betreffend güterrechtliche Auseinandersetzung; zudem
beantragten sie, die Regelung aller übrigen Scheidungsfolgen sei in ein separates
Verfahren zu verweisen. Der prozessleitende Familienrichter wies in der Folge darauf
hin, dass das beantragte Vorgehen wegen des Grundsatzes der einheitlichen
Beurteilung der Scheidungsfolgen nicht möglich sei. Er stellte die Sistierung des
Verfahrens in Aussicht, bis das Kantonsgericht über das berufene Verfahren betreffend
Eheschutzmassnahmen entschieden habe. Nachdem sich beide Parteien in
entsprechenden Stellungnahmen gegen eine Sistierung ausgesprochen hatten,
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verfügte das "Kreisgericht X., Familienrichter" in der Besetzung von drei Richterinnen
und Richtern, das Verfahren werde betreffend Scheidungspunkt weitergeführt und im
Übrigen betreffend die Scheidungsfolgen bis zum rechtskräftigen Abschluss des in der
Berufungsinstanz hängigen Eheschutzverfahrens sistiert.

Aus den Erwägungen:
6. Beim anfänglichen Ersuchen der Ehegatten handelt es sich (wahrscheinlich) um ein
gemeinsames Scheidungsbegehren mit Teilkonvention gemäss Art. 112 Abs. 1
ZGB. [...]
7. Weiter ist zu betrachten, wer genau den vorinstanzlichen Entscheid erlassen hat.
Gemäss dem Rubrum wurde der Entscheid durch das "Kreisgericht X., Familienrichter"
erlassen, wobei indessen nicht nur der verfahrensleitende Familienrichter, sondern drei
Richterinnen bzw. Richter sowie eine Gerichtsschreiberin mitwirkten.
Sachlich zuständig für die Behandlung eines gemeinsamen Ehescheidungsbegehrens
ist gemäss Art. 8 EG-ZPO das Kreisgericht. Gemäss Art. 7 EG-ZPO leitet die
Familienrichterin oder der Familienrichter das Verfahren (Art. 7 Abs. 2 EG-ZPO) und
spricht die Ehescheidung aus, wenn sich die Ehegatten geeinigt haben (Art. 7 Abs. 1 lit.
a EG-ZPO).
Warum das vorinstanzliche Gericht mit drei Kreisrichterinnen und Kreisrichtern besetzt
war, erklärt die Vorinstanz nicht. Es ist zu vermuten, dass der Familienrichter des
Kreisgerichtes X. die Frage der Sistierung in Anlehnung an den Entscheid des
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Kantonsgerichtes St. Gallen, II. Zivilkammer, vom 1. Juni 2017 (ZV.2017.32) dem
Kreisgericht vorgelegt hat. Dabei hat die II. Zivilkammer des Kantonsgerichtes
erwogen, dass die Sistierung mittels prozessleitender Verfügung anzuordnen sei.
Zuständig für die Prozessleitung sei das nach kantonalem Recht zuständige Gericht.
Der Kanton St. Gallen lege den Umfang der Delegation an den verfahrensleitenden
Richter in Art. 17 Abs. 1 EG-ZPO fest. Die Sistierung sei dort zwar nicht ausdrücklich
erwähnt, wobei aber unbestritten sei, dass es sich bei Art. 17 Abs. 1 EG-ZPO nicht um
eine abschliessende Aufzählung handle. Angesichts der Bedeutung einer Sistierung
oder ihrer Ablehnung sowie des Umstands, dass bei Art. 17 EG-ZPO auf die bisherige
Regelung ZPO/SG verwiesen werden sollte, rechtfertige es sich, dass der
verfahrensleitende Richter einen Sistierungsantrag ablehnen könne, während
angesichts des Eingriffs in das Rechtsgut der Verfahrensbeschleunigung das in der
Sache zuständige (Kollegial-)Gericht zuständig sei, einen Sistierungsantrag
gutzuheissen. Diese Rechtsprechung ist indessen zu präzisieren.
Gemäss Art. 124 Abs. 2 ZPO kann die Prozessleitung an eines der Gerichtsmitglieder
delegiert werden. Die Delegation erfolgt mittels eines durch den kantonalen
Gesetzgeber erlassenen Gesetzes, mittels einer Weisung bzw. einer Richtlinie des
Gerichtes oder der Aufsichtsinstanz oder im Einzelfall durch eine Verfügung des
Gerichtes (vgl. Frei, Berner Kommentar, Art. 124 ZPO N. 25 und Kaufmann, Dike-
Kommentar, Art. 124 ZPO N. 19). Im Kanton St. Gallen ist die Delegation im EG-ZPO
geregelt. Gemäss Art. 7 Abs. 2 EG-ZPO "leitet die Familienrichterin oder der
Familienrichter das Verfahren, ......". Überdies zählt Art. 17 EG-ZPO unter dem Titel
prozessleitende Verfügungen und vorsorgliche Massnahmen "einige Verfügungen" auf,
die der Gesetzgeber in die Kompetenz des verfahrensleitenden Richters bzw. der
verfahrensleitenden Richterin gibt. Dabei handelt es sich teilweise gar nicht um
prozessleitende Verfügungen, sondern um verfahrensabschliessende Entscheide, so
das Abschreiben des Verfahrens (Art. 17 Abs. 1 lit. e EG-ZPO) und das Nichteintreten
bei Nichtleistung des Kostenvorschusses oder der Sicherheit (Art. 17 Abs. 1 lit. g EG-
ZPO). Bei der Aufzählung der Verfügungen gemäss Art. 17 Abs. 1 EG-ZPO scheint sich
der Gesetzgeber an die früheren Zuständigkeiten gemäss der aZPO/SG gehalten zu
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haben (vgl. Botschaft vom 20. Oktober 2009 zum Einführungsgesetz zur
schweizerischen Zivilprozessordnung, ABl 2009, 3023, 3032 f.
Im Rahmen einer historischen Auslegung stellt sich die Frage, ob der Gesetzgeber die
Prozessleitung eines kollegialgerichtlichen Verfahrens mit der lückenhaften Aufzählung
in Art. 17 Abs. 1 EG-ZPO tatsächlich nur teilweise an die verfahrensleitende Richterin
bzw. den verfahrensleitenden Richter delegieren wollte oder ob dies nicht beabsichtigt
ist. Dabei ist in Betracht zu ziehen:
- Die Überschrift von Art. 17 EG-ZPO, nämlich "prozessleitende Verfügungen und
vorsorgliche Massnahmen" deutet eher daraufhin, dass der Erlass sämtlicher
prozessleitender Verfügungen der verfahrensleitenden Richterin oder dem
verfahrensleitenden Richter ohne Einschränkung übertragen werden sollte.
- Aus der Botschaft der Regierung vom 20. Oktober 2009 zum Einführungsgesetz
der schweizerischen Zivilprozessordnung geht nicht zweifelsfrei hervor, inwiefern an die
bisherige Regelung der ZPO-SG angeknüpft werden soll. Aufgezählt sind insbesondere
Art. 9 Abs. 1, Art. 273 und Art. 284 aZPO/SG. Diese Gesetzesartikel beziehen sich auf
die Zuständigkeit des Präsidenten des zuständigen Gerichtes bei summarischen
Verfahren (Art. 9 aZPO/SG), auf die Stundung und den Erlass von Gerichtskosten (Art.
Während in Art. 7 Abs. 2 EG-ZPO die Verfahrensleitung der Familienrichterin oder
dem Familienrichter uneingeschränkt delegiert zu sein scheint, ist die Aufzählung
von Art. 17 Abs. 1 ZPO lückenhaft. Sinn von Art. 7 Abs. 2 EG-ZPO war aber
insbesondere, der Familienrichterin bzw. dem Familienrichter möglichst umfassende
Befugnisse bei der Prozessleitung zu geben, wie sie die st. gallische Justiz beim
Instruktionsverfahren gemäss Art. 184 ff. aZPO/SG kannte.
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273 aZPO/SG) und die Zuständigkeit zur Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
(Art. 284 aZPO/SG). Sie sagen aber nichts über die Zuständigkeit zum Erlass eines
Sistierungsentscheides aus.
Klarheit betreffend den Umfang der Delegation der Prozessleitungsbefugnis an die
bzw. den Einzelrichter bzw. Einzelrichterin verschafft insbesondere Art. 9 Abs. 3 GO.
Gemäss dieser Regelung gilt ausdrücklich die ganze Prozessleitung als an die
Verfahrensleitung delegiert. Dabei ist zu beachten, dass Art. 9 GO nur für das Verfahren
bei den Kreisgerichten gilt, nicht aber für andere Verfahren.
Weiter ist zu beachten, dass vorliegend die Ehegatten eine prozessleitende Verfügung
gemäss Art. 125 ZPO (Abtrennung eines Teils der Scheidungsfolgen) beantragen,
während das Gericht teilweise eine Nicht-Sistierung und teilweise eine Sistierung des
Verfahrens verfügt hat. Eine Bestimmung der sachlichen Kompetenz je nach dem
Gegenstand einer prozessleitenden Verfügung bzw. eine Rückübertragung der
Kompetenz zur Prozessleitung je nach dem Gegenstand der Verfügung erscheint als
wenig praktikabel und widerspricht dem Grundsatz der Prozessökonomie (Art.124 Abs.
1 ZPO). Vielmehr soll gemäss im Sinne von Art. 124 Abs. 1 ZPO mit dem Erlass von
prozessleitenden Verfügungen eine zügige Vorbereitung und Durchführung des
Verfahrens sichergestellt sein. Um ein effizientes und ökonomisch geführtes Verfahren
zu erreichen, erscheint es als hinderlich, die Kompetenz zum Erlass von
prozessleitenden Verfügungen je nach Thema dem Kollegialgericht oder dem
Einzelrichter zu übertragen. Aus diesem Grund hat der Bundesrat bereits bei der
Gesetzgebung die Möglichkeit der jederzeitigen Kompetenzattraktion der
Prozessleitung durch die "Kammer", wie sie in Art. 114 Abs. 2 VE ZPO vorgesehen war,
bereits für den bundesrätlichen Entwurf gemäss Botschaft gestrichen.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Familienrichter der 1. Abteilung des
Kreisgerichtes X. durchaus kompetent gewesen wäre, die prozessleitende
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Sistierungsverfügung zu erlassen. Ob unter diesen Umständen die angefochtene
Verfügung nichtig oder nur anfechtbar ist, kann offengelassen werden, da sie gemäss
den nachfolgenden Erwägungen ohnehin aufzuheben ist.
8. Die Vorinstanz entschied mit der angefochtenen Verfügung, das Verfahren
betreffend den Scheidungspunkt weiterzuführen (Ziff. 1) und im Übrigen das Verfahren
bis zum rechtskräftigen Abschluss des Eheschutzverfahrens Y. zu sistieren (Ziff. 2). [...]
a) Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid in E. 10 lediglich damit, dass es
vorliegend zweckmässig sei, das Verfahren Z. in Bezug auf die Regelung der
Nebenfolgen bzw. der Nebenfolge des Güterrechts zu sistieren, bis der Eheschutz Y.
rechtskräftig abgeschlossen sei. Sie verwies darauf, dass eine Gesamtkonvention zu
jedem Zeitpunkt möglich wäre. Vorliegend würden die Ehegatten aber vorab den
Eheschutz vom Kantonsgericht überprüfen lassen wollen. Deshalb sei eine gleichzeitige
Vorabentscheidung des Güterrechts mit dem Scheidungspunkt nicht möglich.
b) Gemäss Art. 126 ZPO kann das Gericht das Verfahren sistieren, wenn die
Zweckmässigkeit dies verlangt. Das Verfahren kann namentlich sistiert werden, wenn
der Entscheid vom Ausgang eines anderen Verfahrens abhängig ist. Eine Sistierung mit
Blick auf ein anderes Verfahren kann angeordnet werden, wenn die andere Klage das
im Streit liegende Rechtsverhältnis entscheidend präjudiziert und damit inkohärente
Entscheide vermieden können. Oder es kann sistiert werden, weil eine bedeutende
Vereinfachung des zu sistierenden Verfahrens erwartet werden kann (vgl. Frei, Berner
Kommentar, Art. 26 ZPO N. 3, Staehelin, Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO
Komm., Art. 126 ZPO N. 3; Kaufmann, Dike-Komm, Art. 126 ZPO N. 4). "Da eine
Sistierung regelmässig zu einer Verfahrensverzögerung führt, darf sie im Lichte des in
Art. 124 Abs. 1 ZPO statuierten Beschleunigungsgebots indessen nicht leichthin
angeordnet werden; sie sollte die Ausnahme bilden, einem echten Bedürfnis
entsprechen und nur dann erfolgen, wenn triftige objektive Gründe vorliegen, welche
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die Fortsetzung des Verfahrens verunmöglichen oder als offenkundig unzweckmässig
erscheinen lassen (vgl. den Entscheid des Kantonsgerichtes St. Gallen vom 29. Juli
2015, BE.2015.24-EZE1, E. 3 mit weiteren Hinweisen). Die Vorinstanz unterlässt es,
den genauen Zusammenhang der Sistierung aufzuzeigen, dies wäre umso mehr
erforderlich gewesen, als beide Parteien die Sistierung übereinstimmend gar nicht
wünschten. Mangels eines Grundes ist die Sistierung deshalb aufzuheben.
9. Es ist nicht zu verkennen, dass die Vorinstanz mit ihrem Entscheid auch über den
Antrag der Ehegatten gemäss den Ziffern 1 und 2 ihrer Ehescheidungskonvention
entschieden hat. Darin beantragen die Ehegatten, die Frage der Ehescheidung sowie
der güterrechtlichen Auseinandersetzung von der Regelung der übrigen
Scheidungsfolgen abzuspalten, was wohl einen Antrag auf Verfahrenstrennung gemäss
Art. 125 lit. b ZPO darstellt. Zur Begründung dieser Möglichkeit im Widerspruch zum
Wortlaut von Art. 283 ZPO verweist die Ehefrau insbesondere auf BGE 144 III 298,
dessen Regeste folgendes festhält:
"Der Grundsatz, wonach das Gericht im Entscheid über die Ehescheidung auch über
deren Folgen befindet, schliesst einen Teilentscheid im Scheidungspunkt nicht aus,
wenn die Ehegatten einem Teilentscheid im Scheidungspunkt zustimmen oder wenn
das Interesse des einen Ehegatten an einem Teilentscheid im Scheidungspunkt das
Interesse des anderen Ehegatten an einem gleichzeitigen Entscheid von Scheidung
und Scheidungsfolgen überwiegt (...)".
Das Bundesgericht erklärt in diesem Entscheid, dass sich der Grundsatz der Einheit
des Scheidungsurteils nach der neuen Leseart des Bundesgerichts vor allem auf eine
gesamthafte Beurteilung der Scheidungsfolgen beschränke (mit Hinweis auf
Fankhauser, Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO Komm., Art. 283 ZPO N. 4
a E.; gleicher Meinung Spycher, Berner Kommentar, Art. 283 ZPO N. 16 ff.). Diese
einheitliche Beurteilung der Scheidungsfolgen betont das Bundesgericht auch im
Bundesgerichtsentscheid 5A_769/2015 vom 1. September 2016 E.4.2.2. Dort erklärt
das Bundesgericht, dass die Rechtsmittelinstanz selbst nach Eintritt der Teilrechtskraft
des Scheidungspunktes oder eines Teils der Scheidungsfolgen auch bloss einen
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weiteren Teil der strittigen Fragen selber beurteilen und die übrigen an die erste Instanz
zurückweisen könne. In diesem Fall aber werde der Prozess (insgesamt) fortgeführt
und sei erst dann beendet, wenn alle Nebenfolgen geregelt seien. Daraus folge, dass
Nebenfolgen der Scheidung (mit Ausnahme der güterrechtlichen Auseinandersetzung)
nicht im Sinne von Art. 91 lit. a BGG unabhängig von den anderen Begehren beurteilt
werden könnten (mit Hinweis auf BGE 134 III 426 E.1.2). Hiervon ausgenommen sei
lediglich die güterrechtliche Auseinandersetzung, die gemäss Art. 283 Abs. 2 ZPO aus
wichtigen Gründen in ein separates Verfahren verwiesen werden könne.
Wichtige Gründe im Sinne von Art. 283 Abs. 2 ZPO liegen vor, wenn die güterrechtliche
Auseinandersetzung so komplex ist, dass sich die Beurteilung eines liquiden
Scheidungsanspruchs und der restlichen Scheidungsfolgen übermässig verzögern
würde (vgl. Fankhauser, Sutter-Somm/Hasenböhler, Leuenberger-Komm, ZPO-Komm.,
Art. 283 ZPO N. 9 mit Hinweis auf Bohnet, Les procédures spéciales, in: Haldy et al.
(Hrsg.), Projet de code de procédure civile fédérale, Lausanne 2008, 269 ff., 313). Die
Absicht des Gesetzgebers war also, eine komplexe güterrechtliche
Auseinandersetzung vom übrigen Verfahren abzutrennen, um das spruchreife
Restverfahren inkl. den Scheidungspunkt vorausgehen lassen zu können. Das von den
Ehegatten anbegehrte Vorgehen bezweckt aber gerade das Gegenteil, denn es soll
eine angeblich umfangreiche Auseinandersetzung im Bereiche der Elternrechte und
des Unterhaltes vom spruchreifen Teil der Scheidungsfolgen (d.h. dem Güterrecht)
abgetrennt werden. Ein derartiges Verfahren ist von Art. 283 Abs. 2 ZPO gerade nicht
vorgesehen, und die erste Gerichtsinstanz hat nach wie vor eine gemeinsame
Beurteilung aller Scheidungsfolgen anzustreben.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 02.09.2020 Art. 112 Abs. 1 ZGB, Art. 124 ff. ZPO, Art. 283 Abs. 1 ZPO, Art. 7 und 17 EG-ZPO, Art. 9 Abs. 3 GO: Die Kompetenz zum Erlass prozessleitender Sistierungsverfügungen im Rahmen von Verfahren vor dem Kreisgericht liegt unabhängig davon, ob ein Sistierungsantrag (teilweise) abgelehnt oder gutgeheissen wird, beim verfahrensleitenden Richter (E. 7). Das Verfahren darf – gerade bei übereinstimmender Ablehnung der Sistierung durch die Parteien – nicht ohne Aufzeigen des genauen Grundes sistiert werden (E. 8). Der Antrag der Ehegatten, zuerst die Ehescheidung auszusprechen und die Vereinbarung betreffend die güterrechtliche Auseinandersetzung zu genehmigen, während die Beurteilung der restlichen Scheidungsfolgen in ein separates Verfahren zu verweisen sei, verletzt den Grundsatz der Einheit des Scheidungsurteils (E. 9) (Kantonsgericht, Einzelrichter im Familienrecht, 2. September 2020, FE.2020.8).
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