Decision ID: e82214e4-81f9-4050-bdde-f82df83a8554
Year: 2011
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- Am Samstag, 26. Juni 2010, um 13.00 Uhr, verursachte X als Lenker eines
Personenwagens (Renault) auf der Hauptstrasse in Berg/TG einen Selbstunfall mit
Sachschaden. Kurz vor der Ortseinfahrt kollidierte er rechts mit einem
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Beleuchtungskandelaber. Anschliessend driftete das Fahrzeug in einem Bogen über die
ganze Fahrbahn auf die linke Strassenseite. Dort fuhr der Personenwagen mit der Front
voraus über eine Böschung mit Steinen und blieb in Schräglage auf dem unterhalb der
Strasse liegenden Vorplatz einer Autogarage stehen. Das rechte Hinterrad und der
hintere Fahrzeugteil befanden sich noch auf der Strasse.
B.- Mit Strafverfügung des Bezirksamtes Weinfelden vom 9. August 2010 wurde X
wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs infolge mangelnder Aufmerksamkeit sowie
ungenügenden Abstands zum rechten Fahrbahnrand schuldig gesprochen und zu einer
Busse von Fr. 500.-- verurteilt. Der Strafentscheid erwuchs unangefochten in
Rechtskraft.
Mit Schreiben vom 21. Oktober 2010 informierte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt (nachfolgend: Strassenverkehrsamt) X über das
Administrativmassnahmeverfahren und lud ihn zur Stellungnahme ein. Mit Schreiben
vom 15. November 2010 beantragte die Y Rechtsschutz als Vertreterin von X die
folgenlose Einstellung des Verfahrens, da der Unfall auf einen Reifenplatzer
zurückzuführen sei. Mit Verfügung vom 17. November 2010 entzog das
Strassenverkehrsamt X den Führerausweis wegen Nichtbeherrschens des Fahrzeugs
für die Dauer eines Monats.
C.- Gegen diese Verfügung erhob X durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
2. Dezember 2010 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Er beantragte, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge, die Aufhebung der Verfügung vom
17. November 2010 und den Verzicht auf die Anordnung von
Administrativmassnahmen aufgrund des Unfalls vom 26. Juni 2010. Mit
Vernehmlassung vom 17. Januar 2011 trug die Vorinstanz auf Abweisung des Rekurses
an. Die Verwaltungsrekurskommission zog die Strafakten bei und gab den
Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme; davon machte der Rekurrent mit
Eingabe vom 17. Februar 2011 Gebrauch.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die

Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Erwägungen:
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1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 2. Dezember 2010 ist rechtzeitig
eingereicht worden und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Der Rekurrent rügt eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Insbesondere habe die
Vorinstanz sich nicht mit dem Argument des Rekurrenten auseinandergesetzt, dass er
nicht über ein allfälliges Administrativverfahren orientiert worden sei, und werfe ihm vor,
den Reifenplatzer nicht bereits am Unfallort vorgebracht zu haben, obwohl dies auf fast
jeder Seite des Polizeiprotokolls festgehalten sei.
a) Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101, abgekürzt: BV) gewährt den Parteien
Anspruch auf rechtliches Gehör. Aus diesem Anspruch leitet das Bundesgericht die
Pflicht der Behörde ab, ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (z.B.
BGE 133 III 439 E. 3.3). Als persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt dieser
Grundsatz, dass die Behörden die Vorbringen des vom Entscheid oder der Verfügung
in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft
und in der Entscheidfindung berücksichtigt (G. Steinmann, in: St. Galler Kommentar,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2008, N 27 zu Art. 29 BV). Der von einem Entscheid oder
einer Verfügung Betroffene soll wissen, warum die Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat; die Begründung muss deshalb so abgefasst sein, dass er den
Entscheid oder die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann
(BGE 133 III 439 E. 3.3). Dies ist nur möglich, wenn sich sowohl der Betroffene als auch
die Rechtsmittelinstanz über die Tragweite des Entscheids oder der Verfügung ein Bild
machen können; in diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt
werden, von denen sich die Behörde leiten liess und auf welche sich ihr Entscheid
stützt. Auf der anderen Seite bedeutet dies nicht, dass sich die Behörde ausdrücklich
mit jeder tatbeständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid oder die
Verfügung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 270 E. 3.1). Ist die
Sachlage klar und sind die anwendbaren Normen bestimmt, kann ein Hinweis auf diese
Rechtsnormen genügen, während ein weiter Spielraum der Behörde – aufgrund von
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Ermessen oder unbestimmten Rechtsbegriffen – und eine Vielzahl von in Betracht
fallenden Sachverhaltselementen eine ausführliche Begründung gebieten (Urteil des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen B 2009/211 vom 18. März 2010, E. 2.1 mit
Hinweisen zur Lehre und Rechtsprechung).
b) Der Rekurrent machte gegenüber der Vorinstanz im Wesentlichen geltend, dass sie
die administrativrechtlichen Folgen trotz rechtskräftiger Bussenverfügung vom
9. August 2010 selbst zu prüfen habe. Er sei fälschlicherweise mit einer Busse belegt
worden. Er habe nicht mit administrativen Massnahmen gerechnet und deshalb den
Entscheid akzeptiert. Von den Strafbehörden sei er nicht auf den Umstand hingewiesen
worden, dass zwei Verfahren laufen. Aufgrund der Akten erscheine ein Reifenplatzer als
Ursache für den Selbstunfall mit grosser Wahrscheinlichkeit in Frage zu kommen. Die
Auskunftspersonen hätten beide angegeben, vor dem Zusammenstoss mit dem
Kandelaber einen Knall gehört zu haben, der Rekurrent selbst habe diesen bestätigt,
jedoch aufgrund des erlittenen Schrecks zeitlich nicht einordnen können. Gemäss
Auskunft des Leiters der Abteilung Unfallanalyse der AXA-Winterthur ziehe ein
Fahrzeug nach rechts, wenn der rechte Vorderreifen geplatzt sei. Sinngemäss wurde
somit vorgebracht, den Rekurrenten treffe kein Verschulden.
Die Vorinstanz hielt dem entgegen, der Rekurrent sei strafrechtlich rechtskräftig
verurteilt worden. Er hätte den Reifenplatzer bereits am Unfallort oder bei der
Strafbehörde mittels Einsprache vorbringen können. Zudem sei die Analyse, dass es
sich um einen Reifenplatzer handeln soll, nicht nachvollziehbar. Der Rekurrent habe
infolge Nichtbeherrschens des Fahrzeugs und ungenügenden Abstands zum rechten
Fahrbahnrand einen Verkehrsunfall verursacht und andere Verkehrsteilnehmer dadurch
konkret gefährdet.
c) Es kann nicht gesagt werden, die Vorinstanz sei auf die Argumente des Rekurrenten
überhaupt nicht eingegangen. Mit dem Verweis auf das rechtskräftige strafrechtliche
Urteil knüpft sie an die Rechtsprechung zur grundsätzlichen Bindung der
Verwaltungsbehörde an die tatsächlichen Feststellungen des strafrechtlichen Urteils an
(siehe nachfolgend E. 3a). Diese Argumentation sowie die Gründe, weshalb der
Rekurrent mit der Eröffnung eines Administrativverfahrens hätte rechnen müssen,
wurden dann auch in der Rekursvernehmlassung weiter dargelegt (act. 8). Die
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Vorinstanz äusserte sich auch zum Vorbringen des Rekurrenten bezüglich
Reifenplatzer. Es fragt sich, ob im vorliegenden Fall weitergehende Ausführungen
sowie ein klarer Hinweis auf die begrenzte Bindungswirkung des Strafurteils
angebracht gewesen wären. Die Frage kann indessen offen bleiben, da der Rekurs aus
anderen Gründen zu schützen ist.
3.- Der Rekurrent macht geltend, dass der Selbstunfall in tatsächlicher Hinsicht auf
einen Reifenplatzer zurückzuführen sei und ihn deshalb kein Verschulden treffe. Daher
bestehe keine Grundlage für eine Administrativmassnahme.
a) Nach ständiger Rechtsprechung darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen
Feststellungen im Strafurteil nur abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem
Entscheid zu Grunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht
beachtet hat, wenn sie zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem anderen
Entscheid führt, oder wenn die Beweiswürdigung durch den Strafrichter den
feststehenden Tatsachen klar widerspricht (hat sie hingegen keine zusätzlichen
Beweise erhoben, hat sie sich grundsätzlich an die Würdigung des Strafrichters zu
halten) oder schliesslich wenn der Strafrichter bei der Rechtsanwendung auf den
Sachverhalt nicht sämtliche Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere die Verletzung
bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (BGE 124 II 103). Die Verteidigungsrechte
und allfällige Rechtsmittelmöglichkeiten hat der Beschuldigte bereits im Strafverfahren
wahrzunehmen, wenn er weiss oder annehmen muss, dass gegen ihn auch ein
Führerausweisentzugsverfahren durchgeführt werden wird.
b) Nach der Auffassung des Rekurrenten bestehen klare Anhaltspunkte für die
Unrichtigkeit der Sachverhaltsfeststellungen, welche das Bezirksamt der
Strafverfügung zugrunde gelegt hat. So hätten zwei unabhängige Auskunftspersonen
von einem Knall vor dem Zusammenstoss mit dem Kandelaber berichtet. Aufgrund der
Beschädigung am Fahrzeug infolge des Unfalls habe die Polizei vor Ort nicht mehr
feststellen können, ob der Reifen vor oder nach dem Zusammenstoss mit dem
Kandelaber beschädigt worden sei. Der Rekurrent habe die Strafverfügung akzeptiert,
weil er nicht gewusst habe, dass es zu einer Administrativmassnahme kommen könnte;
er sei durch den Verteilervermerk im Strafbefehl irregeführt worden. Auf dem Verteiler
des Strafbefehls sei das Strassenverkehrsamt nicht erwähnt worden (die
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Strafverfügung wurde an das Tiefbauamt Thurgau, Werkhof Bezirk 2, Sulgen,
weitergeleitet). Auf telefonische Erkundigung sei ihm vom Strafrichter bestätigt worden,
dass mit der Zahlung der Busse "das Ganze" erledigt sei. Zudem hätte er zu diesem
Zeitpunkt nicht realisiert, dass ein Reifenplatzer das Ausscheren des Fahrzeugs bewirkt
habe.
In der Vernehmlassung brachte die Vorinstanz vor, dass ein Reifenplatzer im
Strafverfahren nicht thematisiert worden sei. Dies wäre jedoch dannzumal mit
Leichtigkeit überprüfbar gewesen, da das Unfallfahrzeug sichergestellt worden sei. Für
den Rekurrenten sei in Anbetracht seines getrübten automobilistischen Leumunds
auch ohne Hinweis der Polizei oder des Strafrichters voraussehbar gewesen, dass ein
Administrativverfahren durchgeführt werde. Er hätte sich daher mit Rücksicht auf den
Grundsatz von Treu und Glauben bereits im vorgängigen Strafbefehlsverfahren wehren
müssen.
c) Im Jahr 2003 wurde dem Rekurrenten der Führerausweis wegen einer
Geschwindigkeitsüberschreitung für die Dauer eines Monats entzogen und er wurde
dabei darauf hingewiesen, dass das Administrativmassnahme- und das Strafverfahren
zwei verschiedene Verfahren darstellen (act. 10). Zudem besitzt er den Führerausweis
seit dem 3. Oktober 1986 (act. 9/2). Aufgrund dieses langjährigen Besitzes wusste er
um die Möglichkeit von Administrativmassnahmen nebst Bussen (Urteil des
Verwaltungsgerichtes des Kantons St. Gallen B 2010/94 vom 16. Dezember 2010,
E. 5.4). Bei diesen Vorkenntnissen hätte der Rekurrent mit der Eröffnung eines
Administrativverfahrens rechnen müssen, auch wenn sich das Strassenverkehrsamt
nicht im Verteiler des Strafbefehls befand. Die angebliche Auskunft des Strafgerichts,
"das Ganze" sei mit der Zahlung der Busse erledigt, konnte sich offensichtlich nicht auf
das Administrativverfahren beziehen, für welches das Strafgericht nicht zuständig ist
(Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl., Zürich 2010, S. 153
N 675). Auch wenn der Rekurrent nach dem Selbstunfall tatsächlich kein
Administrativverfahren erwartete, so hätte er dennoch damit rechnen müssen. Da er
annehmen musste, dass gegen ihn auch ein Führerausweisentzugsverfahren
durchgeführt werden wird, ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich an den Entscheid
des Strafrichters gebunden, auch wenn dieser in Form eines Strafbefehls erging
(BGE 1C_71/2007 vom 11. September 2007, E. 4.2; BGE 121 II 214, in: Praxis 85
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(1996) Nr. 204, E. 3.a). Dies bedeutet hingegen nicht, dass der Rekurrent mit
tatsächlichen Einwendungen gänzlich auszuschliessen ist. Insbesondere ist dies dann
nicht der Fall, wenn hinreichende Anhaltspunkte für einen Fehler bei den
Sachverhaltsfeststellungen im Strafurteil bestehen.
Gemäss dem Polizeirapport vom 21. Juli 2010 (act. 9/2) sagte der Fahrzeuglenker,
welcher vor dem Rekurrenten fuhr, aus, vor der Kollision einen Knall gehört und eine
"Rauchwolke" beim vorderen rechten Radkasten gesehen zu haben (S. 6). Der
Rekurrent sei anständig, unauffällig und korrekt gefahren, habe genügend Abstand
eingehalten und sei mit höchstens 70 km/h bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit
von 80 km/h unterwegs gewesen (S. 1, 6 f.). Der Eigentümer der Autogarage, vor
welcher sich der Unfall ereignete, hörte nach eigenen Angaben einen "Chlapf", worauf
er nach draussen auf die Strasse geschaut und den Zusammenprall mit dem
Kandelaber beobachtet habe (S. 8). Zwar sagten die Auskunftspersonen gegenüber der
Polizei aus und standen deshalb nicht unter der Wahrheitspflicht gemäss Art. 307 des
Schweizerischen Strafgesetzbuchs (SR 311.0); es deutet jedoch nichts darauf hin, dass
sie den Rekurrenten bewusst fälschlicherweise entlasten wollten. Es sind keine
persönlichen Verbindungen zu ihm bekannt, und eine Absprache wäre ihnen kaum
möglich gewesen, wurde der Rekurrent doch nach dem Unfall zur Kontrolle ins Spital
gebracht und dort polizeilich befragt. Die erste Erwähnung eines Knalls stammt somit
von unabhängigen Auskunftspersonen, an deren Glaubwürdigkeit zu zweifeln kein
Anlass besteht.
Der Rekurrent selbst konnte den Knall zeitlich nicht einordnen (S. 5). Dies ist jedoch mit
dem beim Unfall erlittenen Schreck erklärbar. Einen Grund, weshalb er über den
rechten Fahrbahnrand hinausgeraten war, konnte er nicht angeben; er habe weder an
Radio oder Handy manipuliert noch sonst Verrichtungen vorgenommen (S. 4). Es
bestehen somit, auch aufgrund der Aussage des vor ihm fahrenden Lenkers, keine
genügenden Anzeichen, welche auf eine Unachtsamkeit schliessen lassen (S. 9 sowie
act. 7).
Im Bereich der Kollisionsstelle wurde von der Polizei ein Guss- oder Eisenteil
sichergestellt. Es konnte jedoch nicht geklärt werden, in welchem Zusammenhang
dieses zum Unfall, insbesondere zum Knall, stehen könnte (S. 9). Auf der
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Fotodokumentation der Kantonspolizei Thurgau (act. 16/4) ist ersichtlich, dass das
rechte Vorderrad zerstört wurde (Bild 08). Es ist ungeklärt, ob dies auf einen
Reifenplatzer vor dem Unfall oder auf den Zusammenprall mit dem Kandelaber
zurückzuführen ist.
Der Knall, den die Auskunftspersonen gehört haben, im Zusammenhang mit der
Rauchentwicklung beim vorderen rechten Radkasten lässt einen Reifenplatzer
wahrscheinlich erscheinen, während für die vermutete Unachtsamkeit des Rekurrenten
in den Akten keine Anhaltspunkte zu finden sind. Anders als in BGE 6A.35/2004 vom
1. September 2004, E. 3.3.1, wurde ein Reifenplatzer durch die Untersuchungen der
Polizei weder bestätigt noch widerlegt. Ein solcher Platzer war auch tatsächlich
geeignet, das Fahrzeug des Rekurrenten beim Geradeausfahren nach rechts driften zu
lassen (act. 2/2). Unter den gegebenen Umständen erscheint ein Reifenplatzer am
rechten Vorderrad als mögliche Ursache des Unfalls. Dafür sprechen insbesondere die
Aussagen der Auskunftspersonen, welche unabhängig voneinander einen Knall gehört
und Rauch beim rechten Radkasten festgestellt haben, und zwar vor der Kollision mit
dem Kandelaber. Von den tatsächlichen Feststellungen des Strafrichters kann deshalb
abgewichen werden. Am Unfallfahrzeug wurden am 1. März 2010, wenige Monate vor
dem Unfall, Servicearbeiten vorgenommen, weshalb der Reifenplatzer dem
Rekurrenten nicht aufgrund mangelnden Unterhalts vorzuwerfen ist (act. 9/2, S. 9). Da
von einem Reifenplatzer als Unfallursache auszugehen ist und sich dieser nicht auf
einen ungenügenden Fahrzeugunterhalt zurückführen lässt, trifft den Rekurrenten kein
Verschulden am Selbstunfall, weshalb auf einen Warnungsentzug zu verzichten ist (vgl.
Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band III Die
Administrativmassnahmen, Bern 1995, S. 185 N 2285).
d) Dementsprechend ist der Rekurs gutzuheissen und die angefochtene Verfügung der
Vorinstanz vom 17. November 2010 aufzuheben.
4.- a) Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die Kosten zu
tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen werden. Es gilt der
Grundsatz der Kostentragung nach Massgabe des Obsiegens und Unterliegens
(Hagmann, Die st. gallische Verwaltungsrechtspflege und das Rechtsmittelverfahren
vor dem Regierungsrat, Diss. Zürich 1979, S. 267 f.). Der Rekurrent ist mit seinem
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Antrag auf ersatzlose Aufhebung der angefochtenen Verfügung durchgedrungen. Die
amtlichen Kosten sind daher vom Staat zu tragen. Eine Entscheidgebühr von
Fr. 1'200.-- erscheint angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Die Finanzverwaltung ist anzuweisen, dem Rekurrenten den
Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- zurückzuerstatten.
b) Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP werden im Rekursverfahren ausseramtliche Kosten
entschädigt, soweit sie aufgrund der Rechts- und Sachlage als notwendig und
angemessen erscheinen. Im Rekursverfahren war der Beizug eines Rechtsbeistandes
geboten. Eine Kostennote ist nicht eingereicht worden, entsprechend werden die
Parteikosten nach Ermessen zugesprochen (Art. 6 Honorarordnung für Rechtsanwälte
und Rechtsagenten; sGS 963.75, abgekürzt: HonO). Angesichts des Aktenumfangs
und des Aufwands für die Rekurseingabe erscheint eine Entschädigung von
Fr. 1'900.-- (Barauslagen und Mehrwertsteuer inbegriffen) als angemessen (Art. 19, 22
Abs. 1 lit. b, 28 und 29 HonO). Entsprechend dem Verfahrensausgang sind dem
Rekurrenten die ausseramtlichen Kosten vollumfänglich, d.h. im Betrag von Fr. 1'900.--
zu entschädigen (Art. 98 VRP). Kostenpflichtig ist der Staat (Strassenverkehrsamt).