Decision ID: e24905b8-2a78-405a-9135-af834cc753bd
Year: 2022
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 28. März 2017 das Asylgesuch des
Beschwerdeführers vom 12. Oktober 2015 ablehnte, ihn aus der Schweiz
wegwies und den Vollzug anordnete,
dass das Bundesverwaltungsgericht die Beschwerde gegen diese Verfü-
gung mit Urteil des Bundesverwaltungsgerichts D-2518/2017 vom 10. Juni
2022 abwies,
dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 15. Juli 2022 ein Wiederer-
wägungsgesuch einreichte,
dass die Vorinstanz mit Verfügung vom 12. August 2022 (eröffnet am 17.
August 2022) auf dieses Gesuch nicht eintrat und die Rechtskraft sowie die
Vollstreckbarkeit des Asyl- und Wegweisungsentscheids vom 28. März
2017 feststellte,
dass der Beschwerdeführer durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom
23. August 2022 gegen diesen Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde erhob,
dass er darin beantragte, es sei die Verfügung vom 12. August 2022 auf-
zuheben und das SEM anzuweisen, auf das Wiedererwägungsgesuch ein-
zutreten und dieses positiv zu beurteilen,
dass er des weiteren beantragte, der Vollzug der Wegweisung sei auszu-
setzen und der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen,
dass er gleichzeitig um Befreiung von der Bezahlung der Verfahrenskosten
und eines Kostenvorschusses ersuchte,
dass die Instruktionsrichterin mit Zwischenverfügung vom 26. August 2022
die Gesuche um Aussetzung des Wegweisungsvollzugs und um Herstel-
lung der aufschiebenden Wirkung sowie das Gesuch um unentgeltliche
Prozessführung abwies,
dass wegen Aussichtslosigkeit der Beschwerde auch die Gesuche um Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege (nach Art. 65 Abs. 1 VwVG) und
um Befreiung von der Kostenvorschusspflicht (gemäss Art. 63 Abs. 4
VwVG) abgewiesen wurden,
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dass der Beschwerdeführer gleichzeitig aufgefordert wurde, innert Frist ei-
nen Kostenvorschuss von Fr. 1'500.– einzuzahlen, unter Androhung des
Nichteintretens im Unterlassungsfall (Art. 63 Abs. 4 VwVG),
dass der Beschwerdeführer den einverlangten Kostenvorschuss am 31.
August 2022 – und damit fristgerecht – einbezahlt hat,
dass der Beschwerdeführer am 23. August 2022 beim SEM beantragte, die
am 8. September 2022 ablaufende Ausreisefrist zu verlängern, den Weg-
weisungsvollzug weiterhin auszusetzen und ihm die Möglichkeit zu geben,
seiner Beschäftigung im B._ in C._ weiter nachzugehen,
dass das SEM dieses Gesuch am 30. August 2022 «aufgrund des Devolu-
tiveffekts zuständigkeitshalber an das BVGer» weitergeleitet hat,

und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht unter anderem zuständig für die Be-
handlung von Beschwerden gegen Verfügungen des SEM ist, wobei das
Gericht auf dem Gebiet des Asyls in der Regel – und so auch vorliegend –
endgültig entscheidet (vgl. dazu Art. 105 AsylG [SR 142.31] i.V.m. Art. 31–
33 VGG und Art. 83 Bst. d Ziff. 1 BGG),
dass Fragen der Verlängerung der Ausreisefrist nach Art. 64d Abs. 1 AIG
(SR 142.29) sowie der Bewilligung einer Beschäftigung nach Art. 43 AsylG
nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind und sich
das Bundesverwaltungsgericht demnach nicht zu diesen Fragen äussert,
dass der Beschwerdeführer legitimiert ist (Art. 48 Abs. 1 VwVG) und er
seine Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht hat (Art. 108 Abs. 3
AsylG; Art. 52 Abs. 1 VwVG), womit auf die Beschwerde – mit nachfolgen-
dem Vorbehalt (S. 4) – einzutreten ist,
dass sich das Verfahren nach dem VwVG, dem VGG und dem BGG richtet,
soweit das AsylG nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG; Art. 6 AsylG),
dass sich die Kognition des Gerichts und die zulässigen Rügen im Asylbe-
reich nach Art. 106 Abs. 1 AsylG richten und im Bereich des AIG nach
Art. 49 VwVG (vgl. BVGE 2014/26 E. 5),
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dass sich die Beschwerde indes – wie nachfolgend aufgezeigt – als offen-
sichtlich unbegründet erweist, weshalb über diese in einzelrichterlicher Zu-
ständigkeit mit Zustimmung eines zweiten Richters oder einer zweiten
Richterin zu entscheiden ist (Art. 111 Bst. e AsylG),
dass gleichzeitig auf einen Schriftenwechsel verzichtet wurde und der Ent-
scheid nur summarisch zu begründen ist (Art. 111a Abs. 1 und 2 AsylG),
dass das Wiedererwägungsverfahren im Asylrecht spezialgesetzlich gere-
gelt (vgl. Art. 111b ff. AsylG) ist und ein entsprechendes Gesuch dem SEM
innert 30 Tagen nach Entdeckung des Wiedererwägungsgrundes schrift-
lich und begründet einzureichen ist (Art. 111b Abs. 1 AsylG),
dass in seiner praktisch relevantesten Form das Wiedererwägungsgesuch
die Änderung einer ursprünglich fehlerfreien Verfügung an eine nachträg-
lich eingetretene erhebliche Veränderung der Sachlage (vgl. BVGE
2014/39 E. 4.5 m.w.H.) bezweckt,
dass das SEM praxisgemäss ein nicht genügend begründetes Wiederer-
wägungsgesuch mit einem Nichteintretensentscheid erledigen kann,
dass das Bundesverwaltungsgericht bei Beschwerden gegen Nichteintre-
tensentscheide lediglich überprüft, ob die Vorinstanz zu Recht auf das Ge-
such nicht eingetreten ist,
dass insofern auf den Antrag, das SEM sei anzuweisen, das Wiedererwä-
gungsgesuch positiv zu beurteilen, nicht einzutreten ist,
dass sich – wie nachfolgend dargelegt – alle vom Beschwerdeführer ge-
stützten Verfahrensverstösse und die geltend gemachte Verletzung des
Anspruchs auf rechtliches Gehör sich als unbegründet erweisen,
dass das SEM in Anwendung von Art. 111b Abs. 2 AsylG einen Nichteintre-
tensentscheid gefällt hat und im Rahmen der angefochtenen Verfügung
zum Schluss gelangt, die vom Beschwerdeführer als neu und erheblich an-
gerufenen Tatsachen und Beweismittel (im Sinne von Art. 66 Abs. 2 Bst. a
VwVG) weder auf der individuellen Ebene noch vor dem Hintergrund der
aktuellen Lage in Sri Lanka eine wesentliche Änderung der Umstände be-
gründen würden,
dass dieser Schluss in entscheidrelevanter Hinsicht zu bestätigen ist,
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dass das Vorbringen des Beschwerdeführers, er habe am (...) Dezember
2021 einen Herzinfarkt erlitten und sei daher dauerhaft behandlungsbe-
dürftig, im Rahmen des Beschwerdeverfahrens gegen die Verfügung vom
28. Juli 2017, welches am 10. Juni 2022 rechtskräftig abgeschlossen
wurde, hätte eingebracht werden müssen,
dass sich der Beschwerdeführer entgegen seiner Beschwerdevorbringen
das Verhalten des vormaligen Rechtsvertreters anrechnen lassen muss,
dass er mit dem Vorbringen, die politische und wirtschaftliche Lage habe
sich in jüngster Zeit dramatisch verschlechtert, allerdings eine neue Tatsa-
che eingebracht hat, so dass das SEM insofern die Eingabe richtigerweise
als Wiedererwägungsgesuch behandelt hat,
dass für das SEM dabei keine Veranlassung bestand, auf die Frage der
Flüchtlingseigenschaft des Beschwerdeführers näher einzugehen, zumal
der vage Verweis auf die unsichere Lage, weshalb der Beschwerdeführer
der Gefahr ausgesetzt wäre, dass sich die staatliche Gewalt gegen ihn
wenden könnte, eine konkrete Gefährdung offensichtlich nicht zu begrün-
den vermag,
dass es trotz der als volatil zu bezeichnenden Lage zum heutigen Zeitpunkt
keinen Grund zur Annahme gibt, in Sri Lanka wären ganze Bevölkerungs-
gruppen kollektiv einer Verfolgungsgefahr oder der Gefahr einer Verletzung
des Folterverbots ausgesetzt,
dass dementsprechend die generelle Lage in Sri Lanka auch kein für eine
ganze Bevölkerungsgruppe bestehendes Wegweisungsvollzugshindernis
zu begründen vermag,
dass der Beschwerdeführer in individueller Hinsicht seine Eingaben beim
SEM auf Tatsachen und Beweismittel beschränkt, die auf die Beurteilung
medizinischer Sachverhalte im Kontext mit dem Vollzug der Wegweisung
gerichtet sind,
dass medizinische Gründe in der Regel lediglich dann zu einer vorläufigen
Aufnahme führen, wenn eine notwendige Behandlung im Herkunftsland
nicht verfügbar ist und dadurch bei einer allfälligen Rückkehr eine konkre-
ten Gefährdung der physischen Integrität der betroffenen Person droht (vgl.
BVGE 2011/50 E 8.3),
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dass der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang geltend macht, er
sei wegen eines Herzinfarkts und eines Protein S Mangels lebenslang auf
das Medikament D._ angewiesen,
dass damit auch mit Blick auf die weitere Aktenlage, keine andauernde und
schwerwiegende Erkrankungslage ausgewiesen ist,
dass in diesem Kontext insbesondere darauf hinzuweisen ist, dass dem
vorgelegten Sprechstundenbericht des E._ vom (...) April 2022 zu
entnehmen ist, die Belastbarkeit des Beschwerdeführers sei zufriedenstel-
lend, es könne auf weitere medizinische Abklärungen verzichtet und falls
erwünscht auch der verschriebene Betablocker F._ «probatorisch
mit vertretbarem Risiko pausiert werden»,
dass das SEM daher zu Recht festgestellt hat, der Beschwerdeführer habe
in diesem Zusammenhang eine ihn betreffende massgebliche Verände-
rung der Sachlage nicht genügend begründet,
dass das SEM davon ausgehen durfte, das vom Beschwerdeführer benö-
tigte Medikament (D._) oder dessen Wirkstoff (G._) sei in
Sri Lanka verfügbar, da es sich um ein weitverbreitetes Standardmedika-
ment handelt, bei dem eine Nichtverfügbarkeit trotz der sehr angespannten
Situation im srilankischen Gesundheitswesen nicht anzunehmen ist,
dass das SEM daher zu Recht festgestellt hat, dass keine wesentliche Än-
derung der Umstände in individueller oder genereller Hinsicht vorgebracht
wurde,
dass an dieser Feststellung das mit anwaltlichem Schreiben vom 3. Okto-
ber 2022 eingereichte ärztliche Schreiben aus Sri Lanka vom 30. Septem-
ber 2022 nichts zu ändern vermag, da das Schreiben nicht geeignet ist, die
Nichtverfügbarkeit des vom Beschwerdeführer benötigten Standardmedi-
kaments zu belegen,
dass darüber hinaus unmittelbaren Engpässen hinsichtlich der Verfügbar-
keit des Medikaments direkt nach Ankunft durch eine entsprechende me-
dizinische Rückkehrhilfe im Rahmen der Rückkehrorganisation begegnet
werden könnte,
dass daher der Nichteintretensentscheid des SEM vom 12. August 2022
im Resultat ohne weiteres zu bestätigen ist,
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dass der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 22. September 2022 einen
angeblichen srilankischen Haftbefehl vom (...) Januar 2022 vorgelegt hat,
der wegen Nichterscheinen vor dem Gericht im Rahmen eines Verfahrens
hinsichtlich «LTTE activities» ausgestellt worden sei,
dass auch diese Eingabe bezüglich des vorliegenden Prozessgegenstan-
des zu keinem anderen Ergebnis zu führen vermag, zumal entsprechende
Beweismittel im Rahmen eines Revisionsverfahrens geltend zu machen
wären,
dass ein entsprechendes Gesuch vorliegend durch den professionell ver-
tretenen Beschwerdeführer nicht gestellt und damit auch nicht begründet
worden ist, weshalb nicht weiter auf diese Beweismittel einzugehen ist.
dass schliesslich dem Vollzug der Wegweisung des Beschwerdeführers in
seinen Heimatstaat aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage auch sonst
keine Wegweisungsvollzugshindernisse entgegen stehen,
dass nach vorstehenden Erwägungen die angefochtene Verfügung zu be-
stätigen und die Beschwerde vom 23. August 2022 als offensichtlich unbe-
gründet abzuweisen ist,
dass bei diesem Ausgang des Verfahrens die Kosten des Verfahrens dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen sind (Art. 63 Abs. 1 VwVG),
dass die Kosten im vorliegenden Verfahren betreffend eine als aussichtslos
erkannte Beschwerde gegen einen Wiedererwägungsentscheid praxisge-
mäss auf Fr. 1'500.– festzusetzen sind (Art. 1-3 des Reglements vom
21. Februar 2008 über die Kosten und Entschädigungen vor dem Bundes-
verwaltungsgericht [VGKE, SR 173.320.2]),
dass der am 31. August 2022 in gleicher Höhe geleistete Kostenvorschuss
zur Bezahlung der Verfahrenskosten zu verwenden ist.
(Dispositiv nächste Seite)
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