Decision ID: 9f841a8f-b99c-44e6-8c0d-be01682d1bb4
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend Versicherte) meldete sich im April 2005 unter Hinweis auf sehr
starke und andauernde Schmerzen nach einem (Auffahr-)Unfall am 12. März 2004 zum
Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung (IV) bei der IV-Stelle des Kantons St.
Gallen an (IV-act. 1). Die IV-Stelle führte verschiedenste Abklärungen durch (IV-act. 2
ff.) und veranlasste ein polydisziplinäres Gutachten bei der Medas Ostschweiz. Dieses
erging am 15. Januar 2007. Diagnostiziert wurden ein therapieresistentes
cervikothorakospondylogenes und cervikocraniales Syndrom, eine weitgehend
schmerzbedingte Belastbarkeitsminderung, ein Verdacht auf eine anhaltende
somatoforme Schmerzstörung, eine Persönlichkeit mit histrionischen Zügen, eine
leichte Knieinstabilität links, ein hypermobiles oberes Sprunggelenk (OSG) links, ein
leichtes Sulcus ulnaris-Syndrom links sowie ein Status nach mehreren Operationen in
den Jahren 1987 bis 1999. Die Arbeitsfähigkeit wurde als um 20 % eingeschränkt
beurteilt (IV-act. 49). Mit Verfügung vom 11. Mai 2007 verneinte die IV-Stelle einen
Anspruch auf eine Rente (IV-act. 61). Diese Verfügung blieb unangefochten.
A.a.
Im März 2013 meldete sich die Versicherte erneut, unter Hinweis auf starke
Schmerzen im rechten Sprunggelenk, zum Leistungsbezug bei der IV an (IV-act. 64).
Die IV-Stelle trat auf die Wiederanmeldung ein (IV-act. 76-3), tätigte Abklärungen und
holte medizinische Berichte ein (IV-act. 77 ff.). Am 26. Juni 2014 gewährte die IV-Stelle
berufliche Massnahmen (Arbeitsvermittlung; IV-act. 133), welche indes nicht zur
Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt führten (IV-act. 189). In der Zwischenzeit hatte
die Swica Gesundheitsorganisation (nachfolgend: Swica), Winterthur, als
obligatorischer Unfallversicherer betreffend die Problematik am rechten Sprunggelenk
im Jahr 2014 bei der Swiss Health Services, Amriswil, sowie im Jahr 2016 bei der
A.b.
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B.
SMAB AG, St. Gallen, Expertisen veranlasst (vgl. Fremdakten 49, 55). Gestützt auf das
bidiszplinäre (orthopädische/neurologische) Gutachten der SMAB AG vom 9. März
2016 verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Juni 2016 einen Anspruch auf eine
Rente (IV-act. 193). Auch diese Verfügung blieb unangefochten.
Im April 2018 meldete sich die Versicherte erneut, unter Hinweis auf die
Problematik nach dem Auffahrunfall und die Beschwerden am rechten OSG, zum
Leistungsbezug bei der IV an (IV-act. 194).
B.a.
Die IV-Stelle nahm erneut Abklärungen vor (IV-act. 195 ff.). Nach Vorlage des
Falles bei Dr. med. B._, Facharzt für Innere Medizin FMH, regionaler ärztlicher Dienst
(RAD; IV-act. 212), erliess die IV-Stelle am 9. Oktober 2018 einen Vorbescheid, welcher
der Versicherten wiederum die Ablehnung eines Rentenanspruchs in Aussicht stellte
(IV-act. 220). Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch die Procap C._, am 9.
November 2018 Einwand (IV-act. 224). Diesem wurde stattgegeben (IV-act. 226) und in
der Folge die (medizinische) Aktenlage aktualisiert (IV-act. 227 ff.), ehe eine
polydisziplinäre Begutachtung bei der MediCore AG (nachfolgend: MediCore) in Bad
Ragaz in Auftrag gegeben wurde (IV-act. 253 ff.). Die Untersuchungen in den
Disziplinen Innere Medizin und Psychiatrie durch med. pract. D._, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin (D), sowie
Orthopädie durch Dr. med. E._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, zertifizierter medizinischer Gutachter SIM,
wurden am 23. Juli 2019 durchgeführt und das Gutachten am 4. Oktober 2019 erstellt
(IV-act. 266). In der Konsensbeurteilung diagnostizierten die Gutachterin und der
Gutachter Folgendes:
B.b.
einen Status nach vorderer Kreuzbandersatzplastik mit Semitendinosus-
Transplantat infolge Kniegelenksdistorsionstrauma links vom 20. Mai 2005 mit
isolierter vorderer Kreuzbandruptur
–
einen Status nach arthroskopischem Débridement, Adhäsiolyse und Resektion der
Transplantatstümpfe am 18. Januar 2018 infolge erneutem
Kniegelenksdistorsionstrauma links am 7. Mai 2017 mit verbliebener endgradiger
Beugeeinschränkung sowie
–
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Diesen Befunden massen die Gutachterin und der Gutachter Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit zu. Im Weiteren diagnostizierten die Experten
Diesen Befunden massen sie keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu (IV-act.
266-7 f.). Es bestehe eine 100%-ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (IV-act.
266-9, 64). Nach Vorlage des Gutachtens beim RAD erliess die IV-Stelle am 13.
November 2019 einen Vorbescheid, welcher der Versicherten die Ablehnung eines
Rentenanspruchs in Aussicht stellte (IV-act. 270). Mit Schreiben vom 17. Dezember
2019 an die IV-Stelle hielt die Versicherte unter anderem fest, dass sie weder ein
Alkohol- noch ein Opiatproblem habe. Sie werde mit einem Pilzmedikament behandelt,
welches die Leber belaste und schlechte Blutwerte ergebe. Sie bitte um Hilfe bei der
Suche nach einer geeigneten Stelle (IV-act. 276). Mit Verfügung vom 14. Januar 2020
verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Rente (IV-act. 278).
C.
C.a. Gegen diese Verfügung vom 14. Januar 2020 reichte die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin), neu vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ronald Pedergnana,
St. Gallen, am 14. Februar 2020 Beschwerde beim Versicherungsgericht des Kantons
St. Gallen ein (act. G 1). Die Verfügung sei aufzuheben und der Beschwerdeführerin
eine ganze IV-Rente zuzusprechen. Eventualiter sei ein neutrales interdisziplinäres
Gerichtsgutachten beim asim Basel, der Medas Zentralschweiz oder bei der GutAcht
Expertisen AG einzuholen. Subeventualiter sei die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen zur Einholung eines neutralen Gutachtens. Unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten der IV-Stelle (nachfolgend: Beschwerdegegnerin).
einen Status nach mehrfachen Operationen des rechtsseitigen OSG infolge
rezidivierender OSG-Distorsionen mit verbliebener Bewegungseinschränkung.
–
eine linkskonvexe Thorakolumbalskoliose–
eine Chondropathia patellae rechts–
psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, sowie–
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch.–
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C.b. Mit Beschwerdeantwort vom 29. April 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (act. G 5).
C.c. Mit Replik vom 17. September 2020 liess die Beschwerdeführerin unverändert an
ihren Anträgen und deren Begründungen festhalten (act. G 13). Die
Beschwerdegegnerin reichte am 30. September 2020 eine kurze Stellungnahme ein
und verwies im Übrigen auf die Ausführungen in der Beschwerdeantwort (act. G 15).
C.d. Mit Eingabe vom 4. März 2021 teilte Rechtsanwalt Pedergnana mit, dass die
Schweizerische Unfallversicherung (nachfolgend: Suva), welche – wie die Swica – als
obligatorischer Unfallversicherer involviert ist, auf seine Einsprache hin eine
Neubegutachtung vorsehe (act. G 17). Das Versicherungsgericht holte hierauf die Akten
der Suva per 29. Januar 2020 ein (act. G 21 f.), woraus hervorging, dass ein
polydisziplinäres Gutachten bei der Medas Zentralschweiz vorgesehen war. Mit
Schreiben vom 7. April 2021 stellte die Verfahrensleiterin eine Sistierung bis zum
Vorliegen der Expertise in Aussicht. Sofern die Parteien mit einer formlosen Sistierung
nicht einverstanden seien, könnten sie einen förmlichen Zwischenentscheid verlangen
(act. G 23). Davon machten die Parteien keinen Gebrauch, woraufhin das Verfahren
sistiert wurde (act. G 26).
C.e. Am 17. September 2021 erging das polydisziplinäre Gutachten in den Disziplinen
Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie der Medas Zentralschweiz (act. G 27.1). In der
Konsensbeurteilung diagnostizierten die Gutachter und die Gutachterin der Medas
Zentralschweiz
eine mässige Panarthrose links–
eine beginnende leichte femoro-tibiale und femoro-patellare Arthrose rechts–
eine unklare Bewegungseinschränkung des rechten OSG–
neuropathische Schmerzen am distalen Unterschenkel und Fuss rechts–
eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren–
ein leichtes Cervikalsyndrom mit Residualbeschwerden–
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Aus orthopädisch-neurologischer Sicht sei eine leichte, wechselnd sitzende-gehende-
stehende Tätigkeit vollzeitig zumutbar. Aus psychiatrischer Sicht sei eine
Berufstätigkeit von maximal drei Stunden pro Tag möglich (act. G 27.1 S. 19
Konsensbeurteilung).
C.f. In seiner Eingabe vom 8. November 2021 hielt der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin an seinem Rechtsbegehren fest. Mit dem neuen Gutachten sei ein
Anspruch auf eine ganze Rente ausgewiesen (act. G 27).
C.g. Die Beschwerdegegnerin reichte am 1. Dezember 2021 eine Stellungnahme
inklusive Ausführungen des RAD ein (act. G 32, 32.1).
C.h. Am 19. Januar 2022 wurde der Schriftenwechsel geschlossen (act. G 34).
C.i. Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der
übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist ein Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin.
eine lumbale Hyperlordose und thorakale Hyperkyphose, Haltungsinsuffizienz–
plantare Fersensporne beidseits–
episodische Kopfschmerzen, hauptsächlich Migräne, z.T. mit ophthalmischer Aura,
sowie
–
eine kombinierte dissoziative Störung der Bewegung und der Sinnesempfindungen.–
Gemäss Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird unter Invalidität die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit
1.1.
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verstanden. Erwerbsunfähigkeit ist dabei der durch eine Beeinträchtigung der
körperlichen oder geistigen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung
und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten
auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine
Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG). Nach Art. 28 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20; in der bis 31. Dezember 2021 gültigen, im
vorliegenden Verfahren anzuwendenden und im folgenden zitierten Fassung; vgl. dazu
Rz. 9100 f. des Kreisschreibens über Invalidität und Rente in der Invalidenversicherung
[KSIR]) besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person
mindestens zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie wenigstens zu 60 % invalid
ist. Liegt ein Invaliditätsgrad von mindestens 50 % vor, so besteht Anspruch auf eine
halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % auf eine Viertelsrente.
Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs, jedoch frühestens im Monat, der auf die
Vollendung des 18. Altersjahres folgt (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird bei erwerbstätigen Versicherten
das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und
nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre
(sog. Valideneinkommen; Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden
hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und
einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs;
BGE 128 V 30 E. 1). Bei nicht erwerbstätigen Versicherten, die im Aufgabenbereich
tätig sind und denen die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden
kann, wird gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG für die Bemessung der Invalidität in
Abweichung von Art. 16 ATSG darauf abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind,
sich im Aufgabenbereich (unter anderem im Haushalt) zu betätigen (spezifische
Methode des Betätigungsvergleichs). Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig
sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten,
wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben
1.2.
https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/58c5a559-c6a3-450d-9584-6ba472e794fd/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/unknown/28a90b4c-46d0-4501-962a-706df39ee1ad/citeddoc/ee3e056a-009a-41ee-a4d0-171b3b7a5038/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/58c5a559-c6a3-450d-9584-6ba472e794fd/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/58c5a559-c6a3-450d-9584-6ba472e794fd/042b0d3b-5456-43fd-b41a-c0571c3f6493/source/document-link
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auch im Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a
Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der
unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil
der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden
Bereichen zu bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 27 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201; in der bis 31. Dezember
2021 gültigen, im vorliegenden Verfahren anzuwendenden und im folgenden zitierten
Fassung]; gemischte Methode).
bis
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten
Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen). Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben die urteilenden Instanzen die Beweise frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen
und alle Beweismittel unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige
Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten. Hinsichtlich des Beweiswerts
eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der
medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit Hinweisen). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens formgerecht eingeholten (Administrativ-)Gutachten von
externen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und
Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der
Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4).
1.3.
Im Sozialversicherungsrecht gilt der Untersuchungsgrundsatz. Verwaltung und
Sozialversicherungsgericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
1.4.
https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link https://www.swisslex.ch/doc/aol/3b482e74-06e0-4951-8164-9d24d90585a9/a1a1d458-104b-4ea1-903d-b25052d89755/source/document-link
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2.
Um den Invaliditätsgrad festlegen zu können, muss die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
feststehen.
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (vgl. Art. 43 Abs. 1 und Art.
61 lit. c ATSG). Rechtserheblich sind alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt,
ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen
haben Verwaltungsbehörden und das Sozialversicherungsgericht zusätzliche
Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu veranlassen, wenn hierzu aufgrund der
Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte
hinreichender Anlass besteht (BGE 117 V 282 f. E. 4a). Die Verwaltung resp. das
Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem
Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht
hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (BGE 126 V 360 E. 5b mit
Hinweisen).
Die Beschwerdegegnerin stützt sich für die Ablehnung des Rentenanspruchs
entscheidend auf das Administrativgutachten der MediCore vom 4. Oktober 2019 (IV-
act. 266), welches der Beschwerdeführerin in adaptierten Tätigkeiten eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit bescheinigt und der psychischen Problematik keine Einschränkung auf
die Arbeitsfähigkeit attestiert (vgl. im Sachverhalt lit. B.b). Demgegenüber erachtet die
Beschwerdeführerin das Administrativgutachten der Medas Zentralschweiz vom 17.
September 2021 (act. G 27.1) für massgeblich, welches aus psychiatrischer Sicht
lediglich eine Arbeitsfähigkeit von maximal drei Stunden pro Tag für zumutbar erachtet
(vgl. im Sachverhalt lit. C.e). Zu prüfen ist nachfolgend, ob einem und wenn ja,
welchem dieser aktuellsten Gutachten materiell-rechtlich gefolgt werden kann.
2.1.
Vorab ist festzuhalten, dass die (objektivierbaren) orthopädischen und
neurologischen Gesundheitsschäden, insbesondere an den Knien beidseits, am
rechten OSG und am Rücken/an der Wirbelsäule, die Arbeitsfähigkeit in quantitativer
Hinsicht überwiegend wahrscheinlich nicht einschränken. Diesbezüglich sind sich der
orthopädische Gutachter der MediCore sowie der neurologische und orthopädische
Experte der Medas Zentralschweiz einig (IV-act. 266-9, 266-50 ff.; act. G 27.1 S. 19
2.2.
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Konsensbeurteilung). Die erstellten Zumutbarkeitsprofile für angepasste Tätigkeiten
überschneiden sich in weiten Teilen und scheinen den somatischen
Beeinträchtigungen genügend Rechnung zu tragen (vgl. zu den Belastungsprofilen IV-
act. 266-64 sowie act. G 27.1 S. 18 orthopädisch-chirurgisches Teilgutachten).
Entsprechend sind der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht leichte,
wechselbelastende Tätigkeiten vollzeitig zumutbar. Nicht mehr zumutbar sind
vorwiegend stehende oder gehende Tätigkeiten, Arbeiten auf unebenem Gelände,
Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Knie- oder Sprunggelenke, Arbeiten auf Leitern
oder Gerüsten, regelmässiges Treppensteigen sowie Tätigkeiten in feuchtkalter
Witterung.
Dissens in den Gutachten besteht indes in Bezug auf eine psychiatrische
Problematik bzw. deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Diesbezüglich führt Dr.
B._ in seiner Stellungnahme vom 29. November 2021 aus, dass aus seiner Sicht
beide Gutachten als umfassend und widerspruchsfrei zu bezeichnen seien. Es bleibe
ihm nichts anderes übrig als festzustellen, dass die Gutachter der beiden Institute einen
faktisch fast identischen Gesundheitszustand anders definiert und hinsichtlich der
versicherungsmedizinischen Einschätzungen somit auch anders bewertet hätten (act.
G 32.1). Dem kann nicht zugestimmt nicht. Zwar haben sich beide Teilgutachten
bezüglich Aufbau an die Qualitätsleitlinien für versicherungspsychiatrische Gutachten
der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (SGPP, 3.
vollständig überarbeitete und ergänzte Auflage, 16. Juni 2016) gehalten. Inhaltlich sind
indes erhebliche Differenzen auszumachen.
2.3.
Es fällt insbesondere auf, dass sich die psychiatrische Expertise der Medas
Zentralschweiz einlässlicher mit den relevanten Punkten auseinandersetzt. Vorab
beliess es Dr. med. F._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, in der Anamneseerhebung und dem
Untersuch nicht bei der blossen Wiedergabe der Aussagen der Beschwerdeführerin,
sondern liess sich auf diese ein, hinterfragte kritisch und gab ihr Raum zur Darstellung
ihrer erlebten und aktuellen (Leidens-)Geschichte (act. G 27.1 S. 22 ff. psychiatrisches
Teilgutachten). Sie veranlasste verschiedenste Testverfahren zur Validierung der
Befunde (act. G 27.1 S. 35 ff. psychiatrisches Teilgutachten) und setzte sich mit den
medizinischen Vorakten, welche einen Bezug zu einer möglichen psychischen
Problematik haben (act. G 27.1 S. 46 f. psychiatrisches Teilgutachten), auseinander.
Sie erhob den psychopathologischen Befund (act. G 27.1 S. 34 f. psychiatrisches
Teilgutachten), erklärte nachvollziehbar die Verhaltensmuster der Beschwerdeführerin
(Parathymie zum Selbstschutz, Selbsttäuschung und Fremdtäuschung bezüglich einer
2.3.1.
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psychischen Problematik [act. G 27.1 S. 53 ff., 58 psychiatrisches Teilgutachten],
wobei eine Dissimulation einer psychischen Problematik bereits im Gutachten der
Medas Ostschweiz vom 15. Januar 2007 festgestellt worden war [IV-act. 49-41]) und
leitete lege artis in Abhandlung der einschlägigen Kriterien die psychiatrischen
Diagnosen (chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren,
kombinierte dissoziative Störung der Bewegung und der Sinnesempfindungen [act. G
27.1 S. 48 ff. psychiatrisches Teilgutachten]) schlüssig ab. Auf diese Beurteilung von
Dr. F._ kann damit ohne weiteres abgestellt werden.
Das psychiatrische Teilgutachten der MediCore erscheint im Vergleich zu
demjenigen der Medas Zentralschweiz lückenhaft. Es lässt vieles vermissen: Weder
wurden – wohl mangels Zugangs zur Beschwerdeführerin oder aus Zeitgründen – die
Anamnese sorgfältig erhoben, noch die entscheidenden medizinischen Vorakten
thematisiert bzw. deren Befunde, insbesondere diejenigen des Schmerzzentrums des
Kantonsspital St. Gallen (KSSG; IV-act. 266-19, 22, 24 f.), nachvollziehbar verworfen.
Der inadäquate Affekt wurde zwar festgestellt (IV-act. 266-40. 42), diesbezüglich aber
keine Erklärung geliefert, sondern dieser zulasten der Beschwerdeführerin ausgelegt.
Die Laborwerte, welche zu den psychischen (Abhängigkeits-)Diagnosen führten
(psychische und Verhaltensstörungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom;
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, schädlicher Gebrauch; IV-act.
266-41), wurden fehlinterpretiert, ohne dass die Beschwerdeführerin mit den erhöhten
Werten konfrontiert worden wäre. Erst im Nachgang zum Gutachten konnte sie sich
dazu äussern und die erhöhten CDT-Werte plausibel erklären (vgl. IV-act. 276). Im
Weiteren sind auch Ungenauigkeiten auszumachen. Während im MediCore-Gutachten
an einer Stelle ausgeführt wird, es bestünden keine Störungen des Schlafs (IV-act.
266-34), wird an anderer Stelle von Durchschlafstörungen berichtet (IV-act. 266-36).
Solche werden auch in den Berichten des Schmerzzentrums des KSSG thematisiert
(IV-act. 266-24 f.). Im Weiteren durchlief die Beschwerdeführerin im Schmerzzentrum
des KSSG, entgegen den Angaben im Gutachten (IV-act. 266-33), auch
psychosomatische Behandlungen. Der Schlussbetrachtung von med. pract. D._ – die
Schilderungen, Befragungen und psychopathologischen Befunde der
Beschwerdeführerin würden keine Hinweise auf eine depressive oder eine
schmerzbedingte psychiatrische Störung ergeben (IV-act. 266-42), womit keine
erwerbsrelevanten psychischen Einschränkungen bestehen würden (IV-act. 266-45) –
kann aufgrund der vorgenannten Mängel im Gutachten (keine umfassende
Anamneseerhebung, ungenügende Auseinandersetzung mit der ergangenen
2.3.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/17
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3.
Ausgehend von einer dreistündigen Leistungsfähigkeit pro Tag, was einer
Arbeitsfähigkeit (im Erwerb) von rund 36 % (bezogen auf ein Vollpensum) entspricht (3 /
8.34 Stunden x 100), ist der Invaliditätsgrad zu ermitteln (vgl. dazu vorstehende E. 1.2).
Massgebend ist das Jahr 2018, nachdem bei (Neu-)Anmeldung im April 2018 ab 1.
Oktober 2018 Rentenleistungen zur Diskussion stehen (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG).
medizinischen Aktenlage, Fehlinterpretation der Laborwerte, Widersprüche/
Ungenauigkeiten) nicht gefolgt werden.
Zu prüfen bleibt, ob dem psychiatrischen Teilgutachten der Medas
Zentralschweiz auch in Bezug auf die verbliebene Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin gefolgt werden kann. Dr. F._ legte der Beurteilung der
Leistungsfähigkeit (act. G 27.1 S. 53 ff. psychiatrisches Teilgutachten) den
psychopathologischen Befund zugrunde, legte in Würdigung der
Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin schlüssig dar, weshalb an der
Leistungsmotivation nicht zu zweifeln sei (act. G 27.1 S. 54 f. psychiatrisches
Teilgutachten) und führte eine Mini-ICF-Testung durch (act. G 27.1 S. 55 ff.
psychiatrisches Teilgutachten). Gestützt darauf und in Würdigung der beruflichen
Massnahmen gelangte sie zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin angesichts der
Fähigkeitsstörungen mit überwiegend mittelschweren, vor allem aber der schweren
Einschränkungen der Widerstands- und Durchhaltefähigkeit noch in der Lage sei,
einzelne Stunden, maximal drei Stunden pro Tag, einer vertrauten Arbeitstätigkeit
nachzugehen (act. G 27.1 S. 59 f. psychiatrisches Teilgutachten). Dieser begründeten
Einschätzung ist zu folgen. Dr. F._ hat bei ihrer Beurteilung zwar nicht ausdrücklich
die Indikatoren nach BGE 141 V 281 abgehandelt. Aus ihren begründeten
Ausführungen geht indes hinlänglich hervor, dass die vorhandenen Ressourcen die
gesundheitsbedingten Belastungen nicht in einem Masse aufzuwiegen vermögen, dass
in Beachtung von Art. 7 Abs. 2 ATSG von einer höheren als der veranschlagten
Leistungsfähigkeit auszugehen wäre. Auch der beweisrechtlich entscheidende Aspekt
der Konsistenz führt zu keinem anderen Ergebnis. Aus dem Gutachten von Dr. F._
geht ohne weiteres hervor, dass sich die gesundheitlichen Funktionseinschränkungen
in sämtlichen Lebensbereichen der Beschwerdeführerin relevant und gleichmässig
auswirken (vgl. insbesondere auch die Fremdanamnese in act. G 27.1 S. 39
psychiatrisches Teilgutachten).
2.3.3.
Bei vorgenannter Arbeitsfähigkeit (drei Stunden pro Tag in Berücksichtigung des
Belastungsprofils [vgl. dazu vorstehende E. 2.2]) steht der Beschwerdeführerin auf dem
3.1.
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ausgeglichenen Arbeitsmarkt offensichtlich noch ein genügend weites Feld an
Beschäftigungsmöglichkeiten offen, womit die Arbeitsfähigkeit verwertbar ist. Ihr sind
beispielsweise noch Stellen als Hilfsarbeiterin im Bereich von Überwachungs-,
Administrativ-, und Kontrolltätigkeiten wie auch leichtere Verpackungs-,
Maschinenbedienungs- und Sortierarbeiten zumutbar (vgl. Urteil des Bundesgerichts
vom 22. Dezember 2021, 9C_520/2021, E. 4.3.2). Auch eine Beschäftigung im Bereich
der Wissensvermittlung (z.B. als Aufgabenhelferin) oder als Angestellte im Büro sind ihr
nach wie vor zumutbar. Diesbezüglich bringt sie offensichtlich auch die nötigen
Fertigkeiten mit (vgl. act. G 1 S. 12 Ziff. 38).
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte die Beschwerdeführerin als zu 80 % im
Erwerb und zu 20 % im Haushalt/Aufgabenbereich tätig (IV-act. 277-2, 278-2). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin beantragt die Qualifikation als
Vollerwerbstätige. Die gut dokumentierte Erwerbskarriere lässt die Qualifikation als
Teilerwerbstätige im Umfang von 80 % wahrscheinlicher erscheinen. Die
Beschwerdeführerin war zwar auch nach der Geburt der Kinder immer erwerbstätig (IV-
act. 158), indes nie mehr in einem Vollpensum, auch nicht in der Zeit, als die Kinder
keiner Unterstützung mehr bedurften. Das maximale Pensum hat im Alterszentrum am
Schäflisberg 80 % betragen (act. G 27.1 S. 42 psychiatrisches Teilgutachten). Im
Weiteren lebt die Beschwerdeführerin mit ihrem Ehemann nicht in engen finanziellen
Verhältnissen, sodass sich auch diesbezüglich nicht die Annahme einer
Vollerwerbstätigkeit im Gesundheitsfall aufdrängt. Damit hat die Ermittlung des
Invaliditätsgrads in Anwendung der gemischten Methode zu erfolgen (vgl. dazu
vorstehende E. 1.2).
3.2.
3.3.
Für die Bestimmung des Valideneinkommens stellte die Beschwerdegegnerin auf
den Zentralwert des Kompetenzniveaus 1 der Tabelle TA1 (Monatlicher Bruttolohn
[Zentralwert] nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht) der
Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 ab. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
beantragt die Anwendung von Art. 26 Abs. 2 IVV, nachdem die Beschwerdeführerin aus
invaliditätsbedingten Gründen (Rückenproblematik) eine berufliche Ausbildung im
Pflegebereich nicht habe abschliessen können. Konnte die versicherte Person wegen
der Invalidität eine begonnene berufliche Ausbildung nicht abschliessen, so entspricht
das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte, dem
durchschnittlichen Einkommen einer Erwerbstätigen im Beruf, für den die Ausbildung
begonnen wurde (vgl. Art. 26 Abs. 2 IVV). Echtzeitliche ärztliche Beurteilungen, welche
3.3.1.
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eine erwerbsrelevante Rückenproblematik nach der obligatorischen Schulzeit (ab dem
Jahr 1987) dokumentieren, liegen nicht im Recht. Die Beschwerdegegnerin gab zwar
mehrmals an, dass sie eine Ausbildung zur Krankenschwester aufgrund von
Rückenproblemen habe abbrechen müssen (IV-act. 266-35; act. G 27.1 S. 41 f.
psychiatrisches Teilgutachten). Erwähnt wird aber zudem, dass sie die Ausbildung
auch wegen knapper schulischer Leistungen und damit aus invaliditätsfremden
Gründen habe abbrechen müssen, woraufhin sie eine Ausbildung als G._ absolviert
habe (IV-act. 49-2, 49-25). Eine invalidisierende Rückenproblematik bereits nach der
obligatorischen Schulzeit, welche ihr eine Ausbildung zur Krankenschwester
verunmöglicht hätte, ist damit zumindest nicht überwiegend wahrscheinlich
ausgewiesen, weshalb Art. 26 Abs. 2 IVV nicht zur Anwendung gelangt.
Bei der Bestimmung des Valideneinkommens wird demnach am zuletzt erzielten,
nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten
Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige
Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre (vgl. BGE 139 V 30 E.
3.3.2). Bei ihrer letzten Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden – vor dem Unfall im Jahr
2004 – erzielte die Beschwerdeführerin im Jahr 2005 als G._ bei der H._bei einem
Pensum von 58 % ein Einkommen von Fr. 27'365.-- pro Jahr (IV-act. 14-2).
Hochgerechnet auf ein Vollpensum resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 47'181.--
(Fr. 27'365.-- / 58 x 100). Nominallohnindexiert bis 2018 ergibt sich ein Einkommen von
Fr. 54'024.-- (Fr. 47'181.-- / 117.9 x 135.0). Dies entspricht in etwa dem Zentralwert
des Kompetenzniveaus 1 der Tabelle TA1 (Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach
Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht) der Lohnstrukturerhebung
(LSE) 2018, Total Frauen, welcher einen Wert von Fr. 54'681.-- ausweist (Fr. 4'371.-- /
40 x 41.7 x 12). Von diesem Wert für ein 100 %-Pensum ist im Folgenden auszugehen.
3.3.2.
Gestützt auf das Belastungsprofil (vgl. vorstehende E. 2.2) sind der
Beschwerdeführerin als Verweistätigkeiten leidensangepasste
Hilfsarbeiterinnentätigkeiten zuzumuten. Auch eine Tätigkeit als Büro- oder
Aufgabenhilfe steht der Beschwerdeführerin, wie erwähnt, nach wie vor offen.
Entsprechend ist das Invalideneinkommen unter Beizug des LSE-
Hilfsarbeiterinnenlohns zu bestimmen. Dieser beträgt jährlich, wie unter E. 3.3.2
ausgeführt, bei einem Pensum von 100 % Fr. 54'681.--. Bei Zugrundelegung desselben
Lohns auf Seiten des Validen- und Invalideneinkommens (bei einem Pensum von 100
%) kann der Einkommensvergleich anhand eines sogenannten Prozentvergleichs
vorgenommen werden. Dabei entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der
Arbeitsunfähigkeit, allenfalls unter Berücksichtigung eines Abzugs vom Tabellenlohn
3.4.
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(vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 27. Januar 2017, 9C_734/2016, E. 4.1, mit
Hinweis). Mit dem Tabellenlohnabzug ist zu berücksichtigen, dass gesundheitlich
beeinträchtigte Personen, die selbst bei leichten Hilfsarbeitertätigkeiten beschränkt
sind, im Vergleich zu voll leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren
arbeitnehmenden Personen lohnmässig benachteiligt sind und deshalb mit
unterdurchschnittlichen Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann wird dem Umstand
Rechnung getragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer
versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben
können (BGE 129 V 481 E. 4.2.3). Der Abzug darf 25 % nicht übersteigen (BGE 135 V
301 E. 5.2). Die Beeinträchtigungen sind mit der veranschlagten 64%-igen
Leistungseinschränkung genügend abgedeckt. Im Weiteren rechtfertigen die
qualitativen Einschränkungen keinen Abzug, nachdem der Tabellenlohn im
Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten
umfasst (vgl. nebst vielen das Urteil des Bundesgerichts vom 6. Oktober 2017,
8C_439/2017, E. 5.5). Der tiefe zumutbare Beschäftigungsgrad von 36 % rechtfertigt
indes einen Abzug vom Tabellenlohn von 10 % (vgl. dazu – obwohl auf den
vorliegenden Fall noch nicht zur Anwendung gelangend – auch den neuen, seit 1.
Januar 2022 in Kraft stehenden Art. 26 Abs. 3 IVV). Es resultiert damit im
Erwerbsbereich in Anwendung von Art. 28a Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 27 Abs.
3 IVV ein Invaliditätsgrad von 54.08 % (Erwerbseinbusse 67.6 % [100 % - (36 % x 0.9)]
x 0.8 [Beschäftigungsgrad 80 %]).
bis
bis
Zu bestimmen bleibt der Invaliditätsgrad im Aufgaben- bzw. Haushaltsbereich in
Anwendung von Art. 28a Abs. 3 IVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 4 IVV. Eine
Abklärung im Jahr 2005 hat im Aufgabenbereich eine Einschränkung von rund 27 %
ergeben (IV-act. 21). Im bidiszplinären (orthopädischen/neurologischen) Gutachten der
SMAB AG vom 9. März 2016 wird von einer somatischen Einschränkung von rund 25
% ausgegangen (Fremdakten 55-22). Auf beide Einschätzungen kann nicht (mehr)
abschliessend abgestellt werden. Sie liegen zum einen zu weit zurück und lassen zum
anderen die psychiatrische Problematik ausser Acht. Es erscheint hingegen vertretbar,
aus Gründen der Verhältnismässigkeit auf eine Rückweisung zu weiterer Abklärung,
insbesondere zur Durchführung einer Haushaltsabklärung, zu verzichten. Denn gestützt
auf das schlüssig begründete Gutachten der Medas Zentralschweiz ist die
Beschwerdeführerin in psychiatrischer Hinsicht angesichts der Fähigkeitsstörungen mit
überwiegend mittelschweren, vor allem aber der schweren Einschränkungen der
Widerstands- und Durchhaltefähigkeit in sämtlichen Lebensbereichen, damit auch im
Aufgabenbereich, erheblich eingeschränkt (vgl. act. G 27.1 S. 59 f. psychiatrisches
3.5. bis
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