Decision ID: fb4529e2-12fb-4be8-99fd-6730dacbf74e
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, arbeitete seit 1993 als Serviceangestellter
im Hotel
A._
(
Urk.
6/3
,
Urk.
6/9
)
,
und meldete sich am
2
3.
März 2009
wegen eines Bandscheibenvorfalls
bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/4
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
6/27;
Urk.
6/29,
Urk.
6/32,
Urk.
6/35;
Urk.
6/38), in dessen Rahmen eine Untersuchung durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) statt
fand (
Urk.
6/43),
mit Verfügung vom
7.
Juni 2010 einen Leistungsanspruch des Versicherten (
Urk.
6/53).
Die dagegen am
9.
Juli 2010 erhobene Beschwerde (
Urk.
6/60/3-10) wies das hiesige Gericht mit Urteil
vom
1.
November 2010 ab (Prozess Nr. IV.2010.00663;
Urk.
6/66). Das Bundesgericht hob dieses Urteil mit Entscheid vom 2
1.
Februar 2011 auf (Prozess Nr. 9C_8/2011;
Urk.
6/69)
und wies die Sache zur ergänzenden Abklärung an die IV-Stelle zurück. In der Folge ver
anlasste die IV-Stelle eine Evaluation der körperlichen Leistungsfähigkeit, über die
am
9.
Januar 2012 berichtet wurde (
Urk.
6/87).
Nach erneutem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
6/94;
Urk.
6/96) verneinte die IV-Stelle mit
Verfügung vom
3
1.
Juli 2012 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
6/102).
1.2
Am 2
1.
August 2014 (
Urk.
6/110) meldete sich der Versicherte
aufgrund eines am
4.
September 2013 erlittenen Schädelhirntraumas
erneut bei der Invalidenver
si
cherung an.
Die IV-Stelle holte die Akten der Unfallversicherung ein (
Urk.
6/114/1-236
;
Urk.
6/116/1-259
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(
Urk.
6/120-121) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
April 2015 (
Urk.
6/124) erneut einen Leistungsanspruch des Versicherten.
Diese Verfü
gung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.3
Am 2
4.
März 2016 machte der Versicherte eine Verschlechterung geltend (
Urk.
6/133).
Die IV-Stelle veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten am
Begutachtungsinstitut B._
, dessen Gutachten am 19.
Januar 2017 erstattet wurde (
Urk.
6/162).
Nach Durchführung des
Vorbe
scheid
verfahrens
(
Urk.
6/170,
Urk.
6/173)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
Juli 2017 einen Rentenanspruch des Versicherten (
Urk.
6/179 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
9.
August 2017 (
Urk.
1) Beschwerde gegen die Verfü
gung vom 1
1.
Juli 2017 (
Urk.
2) und beantragte sinngemäss deren Aufhebung sowie die
Zusprache
einer Rente. Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
September 2017 (
Urk.
5) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Mit
Replik
vom 1
8.
Oktober 2017 (
Urk.
10) hielt der Beschwerde
führer an seinen Anträgen fest.
Mit Gerichtsverfügung vom 1
0.
November 2017 (
Urk.
14) wurde dem Beschwerdeführer antragsgemäss (vgl.
Urk.
7) die unent
geltliche
Prozess
führung
bewilligt. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 1
4.
Dezember 2017 auf die Einreichung einer Duplik (
Urk.
15), was dem Beschwerdeführer am 1
8.
Dezember 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teil
weise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend (
«
allseitig
»
) zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss des aktuellen Verwaltungsverfahrens eine anspruchserhebliche Änderung des Invali
ditätsgrades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
ver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) beruht (BGE 133 V 108; vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_297/2016 vom
7.
April 2017 E. 2.2, nicht publiziert in: BGE
143 V 77, aber in SVR 2017 IV Nr. 51 S. 152).
1.4
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung reicht die analoge Anwendbarkeit der in BGE 109 V 262 E. 4a dargelegten Rechtsprechung auf das Neuanmeldungs
ver
fahren nur so weit, als auch hier von Amtes wegen zu prüfen ist, ob seit der ersten
Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Renten
anspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revi
sionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensver
fügungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begründungs
aufwan
des der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ersten Leistungs
verweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Renten
anspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sach
verhalts
abklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhalts
punkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wirkungen des Gesundheits
zustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis
– vorbehältlich der Recht
sprechung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE 130 V 71 E. 3.2.3).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten
sei von einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
in Tätigkeiten, die der Lendenwirbelsäule des Beschwerdeführers ange
passt seien, auszugehen. Dabei sei das folgende Belastungsprofil zu beachten: Körperlich leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende Tätig
keiten ohne das Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Zwangs
haltungen und mit der Möglichkeit von Positionswechseln. Die psychischen Beschwerden begründe
ten keine Arbeitsunfähigkeit, zudem seien verschiedene, nicht zu berück
sichti
gende psychosoziale Belastungen vorhanden.
Der Invaliditäts
grad betrage 15
%
(S. 1-2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (
Urk.
1), er sei aufgrund von kognitiven Beschwerden nach Schädelhirntrauma und chronischen Einschränkungen der
Rücken
funktion auch für leichte Tätigkeiten
maximal zu 50
%
arbeitsfähig. Daran hielt er mit Replik vom 1
8.
Oktober 2017 (
Urk.
10) fest.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob seit Erlass der rentenanspruch
s
verneinenden Verfü
gung vom 2
8.
April 2015 (
Urk.
6/124) eine anspruchsrelevante Verände
rung ein
getreten ist.
3.
3.1
Der Verfügung vom 2
8.
April 2015 lagen folgende medizinischen Berichte zugrunde:
Vom
4.
bis
9.
September 2013 war der Beschwerdeführer aufgrund eines am
4.
Sep
tember 2013 erlittenen Fahrradsturzes im Spital
C
._
hospitalisiert. Mit Austrittsbericht vom 1
1.
September 2013 (
Urk.
6/114/70-71) wurden fol
gende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
Schädelhirntrauma mit Skalpierungsverletzung
fronto
-temporal links
-
Fraktur
Processus
spinosus
Halswirbelkörper
(HWK) 4 und Fraktur des rechten
Pedikels
HWK 6
-
vorbekannte Diskushernien im Bereich von HWK 3/4 und HWK 6/7
-
arterielle Hypertonie
Klinisch habe sich der Beschwerde
führer neurologisch unauffällig und
gut orien
tiert mit einem Glasgow-
Coma
-
Scale
von 15 präsentiert
(S. 1).
3.2
Dr.
D
._
, Facharzt für Neurologie,
stellte mit Bericht vom
3.
De
zember 2013 (
Urk.
6/114/73-76) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Velounfall am
4.
September 2013 mit Commotio cerebri und Skalpierungsverletzung
frontotemporal
links sowie Frakturen des
Processus
spinosus
HWK 4
und des rechten
Pedikels
HWK 6
-
vorbestehendes
lumbo-radikuläres
Reiz- und Ausfallsyndrom S1 rechts sowie leichtgradig links, bei Diskushernie L5/S1 rechtsbetont
I
m neurologischen Bereich bestünden
eine partielle Parese des
N.
facialis
l
inks und
Sensibilitätsstörun
gen. Die angegebenen Konzentrations- und Gedächtnis
schwächen deuteten im Weiteren auf die Möglichkeit einer minimalen Hirn
schä
digung hin. Die übrige neurologische Untersuchung habe
residuelle
Ausfälle in den Segmenten S1 rechts, weniger auch links,
ergeben.
Im Rahmen des Unfalls müsse es somit zu einer Schädigung des
N.
facialis
und des
N.
trigeminus
links gekommen sein. Die angegebenen Konzentrations- und Gedächtnis
schwierig
kei
ten deuteten im Weiteren
auf die Möglichkeit einer minimalen Hirnschädigung hin. Die übrige neurologische
Untersuchung habe
residuelle
Ausfälle in den Segmenten S1 ergeben. Diese Ausfälle seien vorbestehend und gingen auf die langjährige Anamnese mit rezidivierenden Lumbalgien zurück, hätten aber eine bis heute anhaltende Verschlechterung bewirkt (S. 3). Seit dem Unfall bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, woran sich kurz- und mittelfristig keine Ände
rung ergeben dürfte (S. 4).
3.3
Die Ärzte der Abteilung Neurologie an der
Klinik
E
._
stellten mit Bericht vom 1
2.
März 2014 (
Urk.
6/114/136-137) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Schädelhirntrauma mit Skalpierungsverletzung
fronto
-temporal links durch Velounfall am
4.
September 2013
-
Fraktur des
Processus
spinosus
HWK 4 und des rechten
Pedikels
HWK 6
-
Verdacht auf chronisches posttraumatisches Syndrom
-
Klinik: Sensibilitätsstörung im
fronto
-temporalen Kopfbereich links
Die bildgebende Untersuchung des Schädels zeige keine strukturellen Läsionen. Die Beschwerden mit vermehrter Nervosität, stärkerer Gereiztheit und inter
mittierend auftretenden
holokraniellen
Kopfschmerzen seien dement
sprechend am ehesten auf ein chronisches posttraumatisches Syndrom zurückzuführen
(S.
1). Diese Untersuchung fand im Nachgang zur Konsultation vom 1
1.
Februar 2014 statt (vgl.
Urk.
6/114/138-140)
, wo die Ärzte einen möglichst baldigen, idealerweise stufenweisen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt empfahlen (S. 3).
3.4
Am 2
6.
Mai 2014 fand eine verhaltensneurologische Abklär
ung des Beschwerde
führers statt. Mit Bericht vom
5.
Juni 2014 (
Urk.
6/114/188-190) hielten
Dr.
F
._
, Neuropsychologin, und
Dr.
G
._
, Fach
ärztin für Neurologie, fest, es zeige sich bei diesem deutlich verstimmten, leicht gereizten, aber kooperativen Patienten eine sprachlich betonte Lern- und Gedächtnisschwäche sowie eine Verminderung der kognitiven Flexibilität. Gegen Ende der Untersuchung sei eine zunehmende Müdigkeit aufgetreten.
Diese Befunde, die einer Dysfunktion
fronto
-temporaler Areale entsprächen, seien differentialdiagnostisch unfallbedingt oder Ausdruck einer depressiven Stimmungs
lage, die bekanntlich zu Hypofunktion linkshemi
sphärischer sprach
gebundener Funktionen führe. Es sei eine antidepressive medi
ka
mentöse Behand
lung zu empfehlen (S. 2).
3.5
Am 2
4.
September 2014 fand eine kreisärztliche Untersuchung statt. Mit glei
chentags verfasstem Bericht (
Urk.
6
/
114/213-
219) stellte
Dr.
H
._
, Facharzt für Chirurgie, folgende Diagnosen (S. 6):
-
Velounfall am
4.
September 2013 mit Fraktur des rechten
Pedikel
HWK 6 und der
Processi
spinosi
HWK 3
und 4
und Schädelhirntrauma mit Skal
pierungs
verletzung
fronto
-temporal links mit partieller Parese des
Nervus
facialis
links und Sensibilitätsstörungen im Versorgungsgebiet des
N.
trigeminus
links
-
vorbestehende Diskushernien C3/4, C6/7 und L5/S1
-
Wundversorgung mit Primärnaht
am
4.
September 2013
Subjektiv persistierten Schlafstörungen, Nervosität, Gereiztheit, Wetterfühligkeit mit Kopfschmerzen, Lärmempfindlichkeit, Konzentrationsstörungen, Vergesslich
keit, Taubheitsgefühl im Bereich der linken Gesichtshälfte und Schmerzen im rechten Bein. Objekti
v fä
nde
n
sich eine leichte Einschränkung der HWS
Be
weglic
h
keit, eine Einschränkung der L
WS-Beweglichkeit, eine muskuläre Hypo
trophie der rechten unteren Extremität, muskuläre Verspannungen
lumbal, im Bereich des
thorakolumbalen
Übergangs und weniger ausgeprägt auch in der Nackenmuskulatur jeweils beidseits sowie ein Ausfall des Achillessehnenreflexes rechts. Bezüglich der Bandscheibenveränderungen habe sich durch den Unfall keine Veränderung zu dem Vorzustand ergeben. Die Diskushernien im Bereich der Hals- wie auch der Lendenwirbelsäule
hätten keine richtunggebende Ver
schlimmerung erfahren. Die Frakturen im Bereich der HWS hätten zu keinen Ver
änderungen der Statik geführt. Der Beschwerdeführer gebe diesbezüglich auch wenig Beschwerden an, sondern hauptsächlich von Seiten des rechten Beins. Es sei eine weitere neurologische Abklärung zu empfehlen (S. 6). Die neuropsycho
logische Situation sei
im Hinblick auf die Differentialdiagnose einer depressiven Störung und einer allfälligen Therapie
gegebenenfalls durch einen
Konsiliarpsy
chiater
zu beurteilen
(S. 7).
3.6
Eine am
5.
November 2014 durchgeführte Computertomographie der Halswirbel
säule ergab geringe, altersentsprechend zu erwartende, degenerative Verände
run
gen multisegmental. Posttraumatische oder degenerative Veränderungen seien nicht sicher nachweisbar (
Urk.
6/116/240).
Die Ärzte der
Klinik
E
._
berichteten am
5.
November 2014 ü
ber eine glei
chentags durchgeführte neurologische Konsultation
und diagnostizierten zusätz
lich zu den bereits mit Bericht vom 1
2.
März 2014 (vgl. vorstehend E. 3.3) gestellten Diagnosen ein chronisches
lumboradikuläres
Reiz- und sensibles Aus
fallssyndrom S1 rechts bei Diskushernie für L5/S1 rechts (
Urk.
6/116/241-
243; S.
1). Eine antidepressive Therapie habe der Beschwerdeführer, der anamnestisch zwei Mal einen Psychiater konsultiert habe, abgelehnt (S. 1 unten f.). Seit der letzten Untersuchung hätten sich anamnestisch
und im klinisch neurologischen Untersuchungsbefund keine neuen Informationen oder B
efunde ergeben (S. 2 unten).
3.7
Mit Stellungnahme vom 2
0.
November 2014 (
Urk.
6/116/247-250) hielt Kreisarzt
Dr.
H
._
fest,
es seien bildgebend keine frischen oder alten Frakturen mehr nach
weisbar. Neurologisch habe nur noch eine Sensibilitätsstörung
fronto
-temporal links bei ansonsten unauffälligem Hirnnervenstatus festgestellt werden können. Eine
Fa
s
zialisparese
sei nicht mehr nachgewiesen worden
,
so dass auch hier davon ausgegangen werden könne, dass bis auf die
residuelle
Hypästhesie
fronto
temporal
keine dauerhafte Hirnschädigung aufgetreten sei. Diese sei unfallkausal, jedoch nicht von funktioneller Bedeutung.
Von somatischer Seite her bestehe keine Arbeitsunfähigkeit mehr. Die Wiederaufnahme der
angestamm
ten Tätigkeit
wäre zu 100
%
möglich (S. 3). Die
neuropsychologische und psychi
sche Situation könne
kreisärztlicherseits
nicht adäquat
beurteilt werden (S. 4).
3.8
Dr.
I
._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, hielt am 2
9.
Januar 2014 (
richtig: 2015;
Urk.
6/119/4-5) fest, es liege keine Veränderung vor.
Beim Schädelhirntrauma mit allen Folgezuständen handle es sich um Unfallfolgen; das Lumbalsyndrom und die Diskushernie C5/6 seien vorbestehend. Hinsichtlich der Halswirbelsäule seien leichte angepasste Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 10 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen, ohne dauerhafte Armvorhaltebelastungen und Überkopf
arbei
ten
zumutbar. Für die Lendenwirbelsäule seien ebenfalls leichte wechsel
be
lastende Tätigkeiten unter Ausschluss ungünstiger Witterungsbe
dingungen, auch mit gelegentlichem Heben, Tragen und Transportieren von Las
ten bis maximal 10 kg körpernah, ohne Verharren in Zwangshaltungen, zumutbar. Gemäss Kreis
arzt
Dr.
H
._
sei die angestammte, gleichzeitig behinderungs
angepasste Tätig
keit als Chauffeur ab November 2014 wieder möglich. Hin
sichtlich der Vorbe
funde der Lendenwirbelsäule
sei keine Änderung eingetreten.
3.9
Gestützt auf diese medizinischen Grundlagen verneinte die Beschwerdegegnerin mit Verfügung vom 2
8.
April 2015 einen Leistungsanspruch des Beschwerde
führers.
4.
4.1
Der Neuanmeldung
vom 2
4.
März 2016 (
Urk.
6/133) lagen
die
folgende
n
medizi
nische
n
Berichte zugrunde:
J._
, praktischer Arzt, stellte mit Bericht vom 1
5.
Juli 2016 (
Urk.
6/142/1-10) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Persönlichkeitsstörung mit rigiden und misstrauischen Wesenszügen sowie ausgeprägter Neigung zu Opferhaltung und Schuldzuweisung (ICD
10 F60.8)
Die Behandlung erfolge seit 2
7.
August 2014
(
Ziff.
1.2). Eine psychopharmako
lo
gische Medikation lehne der Beschwerdeführer ab (
Ziff.
1.5). Als Fahrer sei er seit 2
7.
August 2014 bis auf weiteres zu 50
%
arbeitsfähig (
Ziff.
1.6). Hins
ichtlich der Befunde hielt J._
fest, der Beschwerdeführer wechsle alle 10
15
M
inuten seine Sitzposition und sage,
er müsse dies tun, damit seine Schmerzen erträglich würden. Er spreche mit lauter Stimme und versuche, bestimmt (bestimmend) aufzutreten
. Es lägen keine Bewusstseinsstörungen vor, der Beschwerdeführer sei zeitlich, örtlich, situativ und zur eigenen Person orientiert. Auffassungsstörungen seien vorhanden, ebenso starke Konzentrations
störungen, jedoch keine Merkfähigkeits- oder Gedächtnis
störungen. Affektiv wirke er depri
miert, sehr ängstlich, sei mittel- bis
schwergradig
dysphorisch
-gereizt
und inner
lich unruhig. Im Antrieb sei er motorisch unruhig, ansonsten leicht verlangsamt. Zirkadiane Besonderheiten bestünden nicht, jedoch ein sozialer Rückzug. Ein- und Durchschlafstörungen bestünden zwar, seien aber nicht psychisch, sondern durch laute Nachbarn bedingt. Das
Beck'sche
Depressionsinventar wolle der Be
schwerdeführer nicht ausfüllen (S. 4 f.).
Dass der Beschwerdeführer nicht mehr in gleichem Umfang und mit gleicher Kraft arbeiten könne wie vor dem Jahr 2009, belaste ihn sehr in seiner sozialen Rolle als Ehemann und Vater.
Er sehe sich als Opfer. Aus diesem Dilemma der ver
meintlichen eigenen Ohnmacht gegenüber der Allmacht des Systems komme er aus eigen
er Kraft nicht heraus, weshalb
eine Psychotherapie angezeigt sei. Er nehme diese jedoch nur mit Mühe an und lehne eine Pharmakotherapie ab (S. 5 unten f.). Die Einschränkungen liessen sich durch regelmässige psychothera
peutische Sitzungen und durch geeignete Psychopharmaka vermindern (
Ziff.
1.8).
4.2
4.2.1
Das Gutachten des
B._
(
Urk.
6/162)
erging am
1
9
.
Januar 2017 unter Berück
sich
tigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer allgemein
in
ternistischen,
psychiatrischen, orthopädischen und neurologischen Untersu
chung. Darin wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 32):
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
-
radiologisch leichtgradige
Spondylarthrose
(LWK 3/4/5/SWK1) beid
seits und
brei
t
basige
Diskushernien
(LWK 3/4/5/SWK1) mit möglicher beidseitiger Affektion der Nervenwurzeln L5 und S1
-
radikuläre
Reiz- und sensomotorische Ausfallssymptomatik der Wurzel S1 rechts bei medio-rechtslateraler Diskushernie L5/S1
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 32):
-
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
-
Status nach Velounfall am
4.
September 2013
-
Schädelhirntrauma
-
Commotio cerebri/milde traumatische Hirnschädigung
-
Skalpierungsverletzung
fronto
-temporal links
-
persistierende Sensibilitätsstörungen in diesem Bereich
-
Fraktur des
Processus
spinosus
HWK 4 und des
Pedikels
HWK 6 rechts, konservativ therapiert
-
Adipositas mit BMI von 30.5 kg/m
2
-
Arterielle Hypertonie
-
Leichte Leberwerterhöhung
4.2.
2
Der internist
ische Gutachter hielt fest,
der Beschwerdeführer
berichte
über seine Tätigkeit, bei der er in einem Pensum von etwa 50
%
auf Abruf Waren zum Ver
schicken einpacke. Er wohne zusammen mit seiner Ehefrau und seinem jüngsten Kind
und erledige den Haushalt zusammen mit seiner Frau, wobei diese
das
Meiste mache. Er selbst verbringe seine Freizeit meistens zu Hause liegend auf dem Sofa und lese Zeitung oder versuche zu schlafen. Er mache auch kleinere Spaziergänge
. Er fahre mit dem eigenen Auto zur Arbeit oder sei mit den öffent
lichen Verkehrsmitteln mobil (S. 11 unten). Er gebe an, dass er sich die aktuelle Tätigkeit zu 50
%
weiterhin vorstellen könne, mehr wäre nicht möglich (S. 12 Mitte).
Aus allgemeininternistischer Sicht bestehe eine volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit (S. 13 Mitte).
4.2.
3
Gegenüber dem psychiatrischen Gutachter führte der Beschwerdeführer aus, er habe zum Glück im Oktober 2015 eine Arbeit bei einem Kollegen gefunden, dar
über sei er sehr froh
(S. 13 unten). Er sei seit drei Jahren bei Herrn
J._
in Behandlung, den er etwa einmal monatlich sehe. Aber auch mit ihm habe er sich kürzlich verkracht. Die Gespräche seien ja soweit in Ordnung, lösten aber seine finanziellen Probleme nicht. Er nehme
Dafalgan
und
Ponstan
gegen die Schmerzen ein. Das Antidepressivum habe er in den letzten Tagen nicht einge
nommen, er verspüre keine grosse Wirkung dieses Medikaments.
Er habe wegen
den
lauten Nachbarskindern Mühe einzuschlafen
. Er
habe immer eine gute Beziehung mit seinen Eltern und seinen Geschwistern unterhalten. In der Regel fahre er zweimal im Jahr nach Bosnien und nehme dazu aus finanziellen Gründen den Bus oder den Zug, gelegentlich fahre er mit dem Auto seines Sohnes mit. Er könne aber nur kurze Strecken fahren (S. 14).
Weiter berichte der Beschwerdeführer, sich aufgrund der angespannten finan
ziellen Situation nichts leisten zu können, was ihn belaste. Er habe sich auch deswegen von den Kollegen zurückgezogen, halte die Begegnung mit Kollegen, die Geld verdienen würden, sich etwas leisten könnten, nicht aus. Er habe keine festen Zeiten, zu denen er zu Bett gehe. Zum Teil schlafe er auch tagsüber, wenn er nicht so gut geschlafen habe. Im Haushalt helfe er mit und bereite auch einfa
che Mahlzeiten zu
. Kurze Spaziergänge seien möglich. Er halte sich auch meistens in seiner Wohnung auf, da er kein Geld habe, um beispielsweise etwas trinken zu gehen. Aufgrund seiner gesundheitlichen Probleme sei er nicht in der Lage, mehr als 50
%
zu arbeiten. Er müsse sich bereits voll anstrengen, um überhaupt 50
%
leisten zu können (S. 15 Mitte).
Der psychopathologische Befund ergab, dass die Klagen über die somatischen Beschwerden überwiegend im Vordergrund gestanden hätten. Im Laufe der Unter
suchung habe der Beschwerdeführer immer wieder über die angespannte finan
zielle Situation geklagt
und berichtet, dass er sich nichts leisten könne. Die Stimmung sei
klagsam
, gelegentlich auch leichtgradig depressiv gewesen. Die Psycho
motorik sei lebhaft, der Antrieb nicht vermindert gewesen. Der Beschwer
de
führer habe einen wachen Eindruck gemacht, sei bewusstseinsklar und
zeitlich
, örtli
ch, situativ und zur eigenen Person gut orientiert gewesen. Er habe sich differenziert ausgedrückt und während der ganzen Untersuchung nie Zeichen von Konzentrationsschwäche gezeigt. Er habe gut auf die gestellten Fragen eingehen können und
die Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistung sei intakt gewesen (S.
15 unten).
Aus seinen Schilderungen hätten sich keine Hinweise auf Verän
de
rungen der Stimmung und des Antriebes im Laufe des Tages ergeben (S. 16 oben).
Der Beschwerdeführer
klage
über Schmerzen und Taubheitsgefühl im rechten Bein. Daneben klage er auch über Reizbarkeit seit einem Fahrradsturz im Jahr 2013, bei dem e
r sich eine Kopfverletzung zugezogen habe
. Am meisten klage er aber über die angespannte finanzielle Situation. Er könne die Rechnungen nicht bezahlen, sei pleite, dies belaste ihn. Auch seine Ehefrau leide darunter, mache ihm Vorwürfe wegen der angespannten finanziellen Situation
. Bei der psychiat
ri
schen Untersuchung
sei die Stimmung
klagsam
, herabgesetzt, gelegentlich auch etwas depressiv gewesen. Vor allem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hätten zu den depressiven Verstimmungen
beigetragen. Der Beschwerdeführer arbeite aber in einem 50%-Pensum. Er helfe im Haushalt mit, kümmere sich um das Administrative
, sei in der Lage, kürzere Strecken mit dem Auto zu fahren. Die Beziehung zu den Familienangehörigen sei im Prinzip gut, die Familie sei aber belastet durch die finanziellen Schwierigkeiten. Der Beschwerdeführer nehme auch die verordneten Antidepressiva nicht regelmässig ein
. Diagnostisch handle es sich um eine
Dysthymie
bei ausgeprägten psychosozialen Belastungen. Der Beschwerdeführer klage zwar über Schmerzen, berichte aber nicht, dass er im Alltag dadurch gross eingeschränkt sei. Es würden auch keine Therapien durch
geführt. Vorbestehende psychosoziale Belastungen bestünden nicht, so dass die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung nicht gestellt werden könne (S.
16).
Sowohl angestammt wie angepasst bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Es lägen keine Hinweise darauf vor, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht jemals eingeschränkt gewesen sei
(S. 17 oben).
Die von
J._
gestellte Diagnose einer schweren depressiven Stö
rung könne nicht bestätigt werden. Ein schwer depressiver Mensch sei nicht in der Lage, in einem Pensum von 50
%
zu arbeiten. In der Regel sei
ein solcher
kaum handlungsfähig, es bestehe eine grosse Hemmung, die betroffene Person leide unter Suizidgedanken und in der Regel müsse auch eine stationäre psychiatrische Behandlung durchgeführt werden
. Der Beschwerdeführer arbeite aber in einem 50%-Pensum, helfe daneben im Haushalt mit, sei in der Lage Auto zu fahren und reise zweimal pro Jahr in seine Heimat.
Bei der psychiatrischen Untersuchung hätten keine depressiven Symptome festgestellt werden können. Es entspreche auch nicht der klinischen Erfahrung, dass schwer depressive Menschen die Antidepressiva nicht einnähmen, da sie bei zu vernachlässigenden Neben
wirkungen doch sehr von der Wirkung profitieren würden. Der Beschwer
de
führer nehme jedoch die verordneten Antidepressiva nicht regel
mässig ein
(S.
17 Mitte).
Eine Persönlichkeitsstörung könne ebenfalls nicht diagnostiziert werden. Der Beschwerdeführer habe während mehr als 20 Jahren in der Schweiz im Gastge
werbe gearbeitet und habe dabei keinerlei Schwierigkeiten gehabt. Jetzt sei er enttäuscht von den Versicherungen, von der Gesellschaft, dass er nicht unter
stützt werde, dass er finanziell am Limit sei. Er habe aber früher nie paranoide Verhaltensweisen gezeigt
. Dass er enttäuscht sei, dass die Versicherungen ihm keine Rente bezahlen würden, sei bei der ausgeprägten subjektiven Krankheits
überzeugung nachvollziehbar. Dies reiche aber nicht, um die Diagnose einer Per
sönlichkeitsstörung stellen zu können. Eine solche schränke sowohl die Arbeits
fähigkeit als auch die sozialen Beziehungen ab
Eintritt ins Erwachsenenalter massiv ein. Somit könnten die Diagnosen des behandelnden Arztes in keiner Weise nachvollzogen werden (S. 17 unten).
4.2.
4
Der orthopädische Gutachter hielt fest, der Beschwerdeführer habe, als ihm im Wartebereich eine Trinkflasche zu Boden gefallen sei, diese spontan und zügig aufgehoben. Er
habe
mit Ausnahme eines einmaligen kurzen Aufstehens während einer Dreiviertelstunde ruhig
gesessen
und sehr gereizt
gewirkt
. Ununterbrochen habe er über finanzielle Probleme und die nicht
ausübbare
Tätigkeit als Kellner gesprochen. Das Entkleiden
in stehender
Position einschliesslich beidseits einge
nommen
Einbeinstandes
sowie Überkopfmanöver gelinge flüssig, zügig und offenbar ohne Einschränkung, nur zum Ausziehen der Socken
habe
sich der Beschwerdeführer kurz
hingesetzt
(S. 21 Mitte).
Das Gangbild auf der Treppe und auf ebenem Terrain sei mitsamt den geprüften Varianten unauffällig
gewesen
. Bei der Untersuchung der Wirbelsäule
habe
sich die Beweglichkeit thorakal wenig und l
umbal mittelgradig eingeschränkt, zervi
kal aber frei
gezeigt
, indem die initial verminderte Kopfrotation unter Ablenkung bis in die Endposition gelinge. Auch an den oberen und unteren Extremitäten bestehe eine freie Beweglichkeit. Die gesamte ausführliche Untersuchung im Stehen, Gehen, Sitzen und Liegen
habe
bei ausreichender Kooperation problemlos durchgeführt werden
können
. Auffallend seien völlig diffus angegebene Beschwerden bei Prüfung der rechten unteren Extremität in Rückenlage, während die forcierte Vornahme derselben Manöver in sitzender Position mit hängenden Beinen ohne jegliche Beschwerdeäusserung toleriert
worden sei
. Drei von fünf
Waddell
-Zeichen seien positiv
. Die beklagten Beschwerden liessen sich durch die klinischen und radiologischen Befunde keinesfalls vollständig begründen. Nach
vollziehbar sei
en
eine gewisse Minderbelastbarkeit der lumbalen Wirbelsäule bei leichtgradiger Degeneration
und
Diskopathie
, keinesfalls aber die als invalidi
sierend angegebene Symptomatik. Die deutlichen Inkonsistenzen sowie das anamnestisch fehlende Ansprechen auf konservative Therapiemassnahmen, lang
dauernde körperliche Schonung und Arbeitskarenz könnten als klare Hinweise für eine massiv nicht-organische Beschwerdekomponente angesehen werden (S.
24).
4.2.
5
Die neurologische Begutachtung ergab keine Anhaltspunkte für eine Aggravation (S. 29 oben). Anhaltspunkte für eine relevante akute Wurzelkompression ergäben sich zum aktuellen Zeitpunkt keine (mehr), speziell erwähnenswert sei das Fehlen von
Denervationszeichen
in der
Elektromyographie
; die Veränderungen seien chronisch. Der bildgebende Befund sei jedoch eindeutig (S. 30). Beschwerden im Bereich des
Nackens seien aktuell nicht relevant beklagt worden, erwähnenswert sei, dass ein MRI dieser Region am 2
0.
März 2014 bis auf die stattgehabten Frak
turen keine Auffälligkeit gezeigt habe. Der Beschwerdeführer sei auch anlässlich der aktuellen Befragung gereizt und
dysphorisch
gewesen, wobei sich im Gespräch keine Anhaltspunkte für kognitive Defizite ergeben hätten. Aufgrund der zur Verfügung stehenden Informationen sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer anlässlich des Unfalls vom
4.
September 2013 eine Commotio cerebri / milde traumatische Hirnschädigung erlitten habe. Es bestünden aber keine Hinweise darauf,
dass diese Schädigung bezogen auf das Hirn über eine "milde" traumatische Hirnschädigung hinausgegangen sei. Auch seien die Krite
rien für ein organisches Psychosyndrom
nach Schädelhirntrauma nicht erfüllt. Spürbar sei vielmehr eine grosse Frustration, wobei hier nicht "nur" medizinische, sondern auch berufliche und soziale Faktoren mitspielen dürften. Diesbezüglich werde auf das psychiatrische Teilgutachten verwiesen (S. 31).
4.2.
6
In der
Konsensualbeurteilung
kamen die Gutachter zum Schluss, dass aus neuro
logischer Sicht als Folge des
lumboradikulären
Ausfallsyndroms S1 rechts eine reduzierte Arbeitsfähigkeit bestehe. Körperlich schwere und überwiegend mittel
schwere Tätigkeiten seien dem Beschwerdeführer nicht mehr zumutbar. Möglich sei eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 10
kg, ohne Zwangshaltungen und mit der Möglichkeit von Positions
wechseln. Für eine solche Tätigkeit bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
. Aus orthopädischer Sicht bestehe für die angestammte Tätigkeit im Service sowie für andere andauernd stehende und gehende sowie permanent mittelschwere und schwere Tätigkeiten eine bleibende und vollständige Arbeits
un
fähigkeit. Für kör
perlich leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten bestehe aus orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte
Arbeitsfähigkeit, wobei das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über 15 kg vermieden werden sollte (S. 33). Aus psychiatrischer Sicht bestehe volle Arbeits- und Leistungsfähigkeit, ebenso aus allgemeininter
nistischer Sicht. Zusammen
fassend sei der Beschwerdeführer aus polydiszi
pli
närer Sicht in der angestamm
ten Tätigkeit als Servicemitarbeiter
und
ebenso für jede andere andauernd gehende und stehende sowie in jeder körperlich schweren und mittelschweren Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig. Für körperlich leichte, angepasste Tätigkeiten bestehe eine Arbeits- und Leistungsfähigkeit von 80
%
. Das Pensum könne voll
schichtig, mit erhöhtem Pausenbedarf, umgesetzt werden (S. 34 oben).
Diese Einschätzung gelte spätestens seit dem
9.
Januar 201
2.
Seither dürfte für angepasste Tätigkeiten keine länger dauernde
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit bestanden haben, als aktuell festgestellt (S. 34 Mitte).
4.3
Dr.
I
._
, Facharzt für Chirurgie,
RAD,
hielt am
9.
Februar 2017 (
Urk.
6/169
/3-5
)
gestützt auf das Gutachten
fest, es bestehe
in Bezug auf
die anges
tammte Tätigkeit als Servicefachangestellter
bei Erkrankungen der Len
den
wirbelsäule eine verminderte Belastbarkeit für: regelmässiges mittel
schweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten mit Über
streckbelastung der Wirbelsäule über Kopf- und Schulterhöhe, auf Leitern und Gerüsten, für ausschliesslich stehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken und Arbeiten in vorgeneigten Körperpositionen sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangshaltungen. Das zumutbare Belastungsprofil umfasse leichte bis selten mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, ohne Zwangshaltungen und mit der Möglichkeit von Positions
wechseln. Solche Tätigkeiten seien zu 80
%
zumutbar
(
Urk.
6/169/2)
.
5.
5.1
Zu der seit langem bestehenden Diskushernie auf Höhe L5/S1 trat infolge des am
4.
September 2013 erlittenen Unfalls eine Kopfverletzung sowie
eine Verletzung der Halswirbelkörper hinzu (vgl. vorstehend E. 3.1, 3.2).
Die verhaltens
neuro
lo
gische Abklärung ergab eine sprachlich betonte Lern- und Gedächtnis
schwäche sowie eine Verminderung der kognitiven Flexibilität
, was entweder unfallbedingt oder Ausdruck einer depressiven Stimmungslage sei (vorstehend E. 3.4).
Etwas mehr als ein Jahr nach dem Unfall war kein sicherer Nachweis von post
trauma
tischen oder degenerativen Veränderungen der Halswirbelsäule mehr möglich (vorstehend E. 3.6).
Kreisarzt
Dr.
H
._
stellte im September 2014 objek
tiv eine leichte Einschränkung der HWS-Beweglichkeit, eine Einschränkung der LWS
Beweglich
keit, eine muskuläre
Hypothrophie
der rechten unteren Extre
mität, muskuläre Verspannungen lumbal, im Bereich des
thorakolumbalen
Über
gangs und weniger ausgeprägt auch in der Nackenmuskulatur sowie
einen Ausfall des Achillessehnenreflexes rechts fest. Bezüglich der Bandscheiben
ver
ände
rungen habe sich durch den Unfall keine Veränderung zum Vorzustand ergeben; die Diskushernien in der Hals- und Lendenwirbelsäule hätten keine richtung
gebende Verschlimmerung erfahren (vorstehend E. 3.5).
Die neurolo
gische Unter
suchung ergab
ein chronisches
lumboradikuläres
Reiz- und sensibles Ausfall
syndrom S1 rechts bei Diskushernie L5/S
1.
Eine antidepressive Therapie habe der Beschwer
deführer abgelehnt
(vorstehend E. 3.6).
Dr.
H
._
ging sodann von keiner soma
tisch bedingten Arbeitsunfähigkeit mehr aus; neurologisch war im Wesentlichen die Sensibilitätsstörung
frontotemporal
links feststellbar
(vor
stehend E. 3.7).
Dr.
I
._
erachtete demensprechend eine leichte angepasste wechselbe
lastende Tätigkeit wie diejenige als Chauffeur ohne Verharren in Zwangshal
tungen und ohne Bewegen von Lasten über 10 kg ab November 2014 für zumut
bar
(vorstehend E. 3.8)
.
5.2
Im Vergleich dazu ging
J._
neu von einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome sowie einer Persönlichkeitsstörung mit rigiden und misstrauischen Wesenszügen sowie ausgeprägter Neigung zu Opfer
haltung und Schuldzuweisung aus
und erachtete den Beschwerdeführer seit August 2014 als Fahrer zu 50
%
arbeitsfähig
(vorstehend E. 4.1).
Dieser Ein
schätzung kann aus verschiedenen Gründen nicht gefolgt werden. Insbeson
dere ist
J._
praktischer Arzt und kein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie.
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesund
heitszu
standes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind
jedoch grundsätz
lich
psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hin
weisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4).
Die Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit erging somit nicht gestützt auf eine fachärztlich qualifizierte Beurteilung; zudem ver
säum
te es J._
, Angaben zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit zu machen
. Aus der Stellungnahme des psychiatrischen Gutachters des
B._
ergibt sich sodann
in nachvollziehbarer Weise
, w
eshalb die Beurteilung durch J._
nicht beweiswer
tig ist (dazu nachfolgend E. 5.4
).
5.3
Das polydisziplinäre Gutachten des
B._
(vorstehend E. 4.2) erging gestützt auf die Akten, die Erhebung der vollständigen Anamnese und die Durchführung der notwendigen Untersuchungen. Darin wurden die beklagten Beschwerden berück
sichtigt und die Ergebnisse der Untersuchungen umfassend gewürdigt, ebenso wurde Stellung zu den früheren Arztberichten genommen. Das Gutachten genügt somit den beweisrechtlichen Anforderungen (vgl. vorstehend E. 1.5), wes
halb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
Darin diagnostizierten die Gutachter ein chronisches
lumbovertebrales
Schmerz
syndrom, welches Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers habe. Dabei wurde die
bereits bekannte
Diskushernie L5/S1 berücksich
tigt, zusätzlich
wurden weitere Diskushernien auf Höhe LWK
3/4/5 sowie eine leichtgradige
Spondylarthrose
auf Höhe LWK 3/4/5/S1 festgestellt. Unverändert besteht die
radikuläre
Reiz- und sensomotorische Ausfallsymptomatik der Wurzel S1 rechts bei medio-rechtslateraler Diskushernie (vgl. vorstehend E. 4.2
.1
).
Somit bestehen im Wesentlichen unveränderte Diagnosen hinsichtlich der Lendenwir
belsäule, wobei zusätzlich
eine
Spondylarthrose
festgestellt wurde
. Wie bereits anlässlich der Prüfung im April 2015 kam dem Status nach erlittenem Unfall keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr zu, und in psychischer Hinsicht wurde einzig eine
Dysthymie
festgestellt, welche keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit habe.
5.4
Diese Beurteilung wird durch genaue Begründung untermauert. So
besteht mangels relevanter Diagnosen aus allgemeininternistischer Sicht keine Arbeits
unfähigkeit (vgl. vorstehend E. 4.2.
2
).
Die psychiatrische Begutachtung ergab, dass der Beschwerdeführer insbesondere unter seinen somatischen Beschwerden leidet, jedoch
psychisch nicht relevant eingeschränkt ist. So wurde auch bei gelegentlicher leichtgradiger Depressivität eine lebhafte Psychomotorik und ein unverminderter Antrieb festgestellt, weiter
habe der Beschwerdeführer während der ganzen Untersuchung keine Zeichen von Konzentrationsschwäche gezeigt. Die Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistung seien intakt gewesen und es hätten sich keine Hinweise auf Veränderungen der Stimmung und des Antriebes im Laufe des Tages ergeben.
Es bestand ein erheb
licher
Einfluss von psychosozialen Faktoren
, indem der Beschwerdeführer am meisten über seine angespannte finanzielle Situation klagte. Der Gutachter hielt fest, dass vor allem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu den depressiven Ver
stimmungen beigetragen hätten, weshalb er eine
Dysthymie
bei ausgeprägten psychosozialen Belastungen diagnostizierte.
Dass der Beschwerdeführer weder eine Psychotherap
ie wahrnimmt noch Antidepressiva
einnimmt, lässt auf gerin
gen Leidensdruck aufgrund der psychischen Beeinträchtigung schliessen.
Eine Persönlichkeitsstörung schloss der psychiatrische Gutachter
weiter
aus, da eine solche bislang nie zutage getreten war.
Dass der Beschwerdeführer aus psychi
schen Gründen nicht in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, ist somit schlüssig.
Ebenfalls nachvollziehbar begründet wurde, warum - nebst dem Umstand der fehlenden
fachlichen Qualifikation - der Einschätzung durch.
J._
nicht gefolgt werden kann: Eine Arbeitstätigkeit von 50
%
lässt sich mit einer schweren Depression nicht vereinbaren, ebenso wenig wie die Aktivitäten des Beschwerdeführers (Mithilfe
im Haushalt, Auto fahren, anstrengende Reisen per Bahn und Bus nach Bosnien).
Depressive Symptome konnten nicht festgestellt werden.
5.5
Die orthop
ädische Begutachtung ergab ein differenziertes Bild
der
Fähigkeiten des Beschwerdeführers, welcher beim Entkleiden keine Einschränkungen zeigte. Die gesamte ausführliche Untersuchung
im Stehen, Gehen, Liegen und Sitzen habe problemlos dur
ch
geführt werden können. Die Wirbelsäule sei thorakal wenig und lumbal mittelgradig eingeschränkt gewesen. Dabei bestanden Inkon
sistenzen, indem
bei Prüfung der rechten unteren Extremität in Rückenlage
völlig diffus
e
Beschwerden
angegeben
worden seien
,
während die forcierte Vornahme derselben Manöver in sitzender Position mit hängenden Beinen ohne jegliche Beschwerdeäusserung toleriert worden sei. Drei von fünf
Waddell
-Zeichen seien positiv
gewesen
.
Der Gutachter hielt fest, dass sich die
beklagten Beschwerden durch die klinischen und radiologischen Befunde keinesfalls vollständig begrün
den
liessen. Zwar sei
eine gewisse Minderbelastbarkeit der lumbalen Wirbelsäule bei leichtgradiger Degeneration und
Diskopathie
nachvollziehbar
, keinesfalls aber die als invalidisierend angegebene Symptomatik. Die deutlichen Inkonsistenzen sowie das anamnestisch fehlende Ansprechen auf konservative Therapiemass
nahmen,
die
langdauernde körperliche Schonung und Arbeitskarenz könnten als klare Hinweise für eine massiv nicht-organische Beschwerdekomponente ange
sehen werden
(vorstehend E. 4.2.
4
).
Die neurologische Begutachtung ergab sodann aktuell keine Anhaltspunkte für eine relevante
akute Wurzelkompression. Kognitive Folgen der Kopfverletzung waren nicht (mehr) feststellbar, hingegen eine grosse Fr
ustration (vorstehend E.
4.2.
5
)
.
5.6
In Berücksichtigung dieser Ergebnisse ist die Einschätzung einer 80%igen Rest
arbeitsfähigkeit schlüssig und trägt den
durch das chronische
lumboverte
brale
Schmerzsyndrom verursachten Einschränkungen angemessen Rechnung. Gestützt auf das
B._
-Gutachten ist somit von einer leichten Verschlechterung in dem Sinne auszugehen, dass aufgrund der neu festgestellten Diskushernien und der
Spondylarthrose
die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit um 20
%
reduziert ist. Die angestammte Tätigkeit als Servicefachangestellter ist weiterhin nicht mehr zumutbar.
Aus dem im Beschwerdeverfahren eingereichten Arbeitsunfähigkeitszeugnis von
Dr.
K._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin (
Urk.
3/2), lässt sich nichts
Entscheidwesentliches
ableiten, handelt es sich doch dabei nicht um einen Arztbericht im Rechtssinn (vgl. vorstehend E. 1.5).
5.7
Hinsichtlich der psychiatrischen Diagnose der
Dysthymie
- die von den Gut
ach
tern als ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beurteilt wurde - ist der Voll
stän
digkeit halber Folgendes festzuhalten:
Gemäss BGE 143 V 418 sind grund
sätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das
Bundesgericht in BGE 143 V 409
ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung
-
fest, dass eine invaliden
ver
sicherungs
rechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszu
schliessen sei (E.
5.1; zur bishe
rigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesge
richts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressi
ven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es
-
unter Berück
sichtigung leistungs
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspoten
tialen (Ressourcen) andererseits
-
erlauben, das tat
sächlich erreichbare Leistungs
vermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapier
barkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzu
nehmende allseitige Beweiswür
digung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E.
4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar
2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Eine
Dysthymie
ist nach der im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10
ent
haltenen Umschreibung eine chronische depressive Verstimmung, die weder schwer noch hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug ist, um die Krite
rien einer schweren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu erfüllen. Findet sich im Psychostatus nur eine
Dysthymie
, so kann dies rechtsprechungsgemäss wohl eine Einbusse an Leistungsfähigkeit mit sich bringen, kommt aber für sich allein betrachtet nicht einem Gesundheitsschaden im Sinne des Gesetzes gleich. Diese Schlussfolgerung, die sich auf medizinische Empirie abstützt und damit eine Rechtsfrage darstellt, ist freilich nicht absolut zu setzen; eine
dysthyme
Störung kann die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall erheblich beeinträchtigen, wenn sie zusammen mit anderen Befunden - wie etwa einer ernst
haften Persönlichkeitsstörung
- auftritt (Urteile des Bundesgerichts 8C_623/2013 vom 11. März 2014 und 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E. 3.2, je mit Hinweisen). Diese Grundsätze wurden durch die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 nicht relativiert (Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2015 vom 19. Januar 2016 E 3.2 mit Hinweis; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_162/2015 vom 30. September 2015 E. 3.3.3).
5.8
Eine Persönlichkeitsstörung ist nach dem Gesagten nicht ausgewiesen.
Die
Prü
fung der Standardindikatoren
ist vorliegend jedoch nicht notwendig:
Aus Grün
den der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisver
fahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähig
keit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegen
teiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Beweis
verfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/2017 vom 1
6.
Januar 2018 E. 3.1).
Vorliegend wurde eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen nachvoll
ziehbar verneint und es liegt keine gegenteilige fachärztliche Ein
schätzung vor. Zudem wurde lediglich eine
Dysthymie
und keine leichtgradige depressive Stö
rung diagnostiziert. Eine relevante Komorbidität ist nicht anzunehmen, viel
mehr
haben vor allem die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zur
psychische
n
Sympto
matik
beigetragen.
6.
6.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid
geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.2
Die Beschwerdegegnerin
ermittelte gestützt auf das in der Tätigkeit als Service
angestellter
letztmals
erzielte Einkommen ein hypothetisches
Validen
einkommen
von
Fr.
62'563.-- (vgl.
Urk.
6/168
;
Urk.
6/9
)
. Dies ist nicht zu beanstanden und im Übrigen unbestritten.
6.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch heraus
gege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Der Griff zur Lohnstatistik ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens auf
grund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592
E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl.
auch Meyer/
Reichmuth
, IVG, 3. Aufl. 2014, N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
6.4
Da der Beschwerdeführer mit seiner 50%igen Tätigkeit die Restarbeitsfähigkeit von 80
%
nicht ausschöpft,
berechnete die Beschwerdegegnerin das hypo
theti
sche Invalideneinkommen mittels LSE und ermittelte einen Wert von
Fr.
53'481.95 (
Urk.
6/168). Auch dies ist nicht zu beanstanden; der erhöhte Pausenbedarf wurde mit der Annahme eines reduzierten Pensums berücksichtigt, so dass kein Abzug vom Tabellenlohn
(vgl. dazu BGE 135 V 297 E. 5.2)
vorzu
nehmen ist.
Der Vergleich des hypothetischen
Valideneinkommens
von
Fr.
62'563.-- mit dem hypothetischen Invalideneinkommen von
Fr.
53'482.-- ergibt eine Erwerbsein
busse von
Fr.
9'081.-- und damit einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 14.5
%
. Selbst bei Gewährung des maximalen Abzugs von 25
%
- wofür kein Anlass besteht - würde die Anspruchsschwelle von 40
%
(vgl. vorstehend E. 1.2) nicht
erreicht: Bei einem hypothetischen Invalideneinkommen von
Fr.
40'111.50 (
Fr.
53'482.-- x 0.75)
resultiert
e
eine Erwerbseinbusse von
Fr.
22'451.10 und damit ein Invaliditätsgrad von 35.8
%
.
6.5
Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem
u
nterliegenden Beschwerde
führer
aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Der Beschwerdeführer
ist auf § 16 Abs. 4
des
Gesetz
es
über das Sozialversiche
rungs
gericht (
GSVGer
)
hinzuweisen, wonach
er
zur Nachzahlung verpflichtet werden kann, sofern
er
dazu in der Lage ist.