Decision ID: cd852ca5-326c-4858-9505-00f3c20d6e61
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, wurde im Jahr 1970 von der Eidgenössischen In
validen
versicherung, IV-Kommission des Kantons Zürich, aufgrund einer seit Geburt bestehenden Deformation des Unterkiefers die Kosten
übernahme
für
kiefer
ortho
pädische
und kieferchirurgische Vorkehren zugesprochen
(Urk. 7/6-8). Im Jahr 1983 erwarb sie das Diplom zur Kinder
gärtnerin/Hortnerin (Urk. 7/9 S. 3). Im Jahr 1991 meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalidenversiche
rung zum Bezug einer Invalidenrente aufgrund diverser, chronischer psychoso
ma
ti
scher Leiden an (Urk. 7/9). Die Sozialversicherungs
-
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nachfolgend: IV-Stelle)
,
sprach ihr in der Folge wegen einer neuro
tischen Fehlent
wicklung mit absoluter Stressintoleranz (Urk. 7/11 S. 2), eines
Chronic
fatigue
Sydroms
respektive einer Neurasthenie (
ICD-10 F48.0;
Urk. 7/22 S. 9) beziehungsweise einer schweren multiplen körperlichen Fehl
steuerung im Sinne einer
Somatisierung
(Urk. 7/25 S. 5) mit Verfügung vom 6. Oktober 1992 ab dem 1. August 1990 eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 7/27). In den Jahren 1994 und 1996 wurde die halbe Rente bestätigt (Urk.
7/37
, Urk. 7/4
4
).
Im Rahmen des Revisionsverfahrens im Jahr
1999 und der geltend gemachten Schwierigkeit, einer
Erwerbst
ätigkeit nachzugehen (vgl. Urk. 7/4
9, Urk. 7/55, Urk. 7/61
), wurde der Versicherten mit Verfü
gung vom 12. Mai 2000 ab dem 1. März 1999 eine ganze Rente ausgerichtet (Urk. 7/
63
) und in den folgenden Revisionsverfahren
in den Jahren 2003 und 2007
bestätigt
(
Urk. 7/8
3
, Urk. 7/11
5
).
Mit Verfügung vom 28. Oktober 2000 hatte die IV-Stelle zudem
dem Begehren um berufliche Mass
nahmen für eine Zusatzausbildung zur
Block
flötenlehrerin
entsprochen (Urk. 7/
69
, Urk. 7/
74
). Im Jahr 2004 ersuchte die Versicherte um
Zusprache
von Hilfsmit
teln (Urk. 7/
84
). Die IV-Stelle übernahm die Kosten für
eine
Hörgeräte-Anpassung
, welche indes nicht den erwünschten Erfolg brachte
(Urk. 7/
104
,
Urk. 7/120
, Urk. 7/122
).
1.2
Im
Juni 2009 beantragte
die Versicherte
eine
Hilflosenent
schädigung
(Urk. 7/
124
).
Nach Abklärung der
beruflichen und me
di
zi
nischen Verhältnisse (Urk. 7/
126
, Urk.
7/123-127
)
bestätigte die IV-Stelle
der Versi
cherten mit
Mit
tei
lung
vom 4. September 2009
den
An
spruch auf eine ganze Rente (Urk. 7/1
30
).
Das Begehren um eine
Hilflosenentschädigung
wies die IV-Stelle
nach der
Ab
klärung betreffend
Hilflosenentschädigung
vom
19. April 2010
(Urk. 7/135) und nach
Durch
führung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 7/
137
) mit Verfügung vom 31. August 2010 ab (Urk.
7/141
).
Die dagegen am 28. September 2010 erhobene Beschwerde (Urk. 7/142/3-4) wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil
vom 22. August 2012 ab und überwies die Sache zur Prüfung eines allfälligen Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
für die Zeit ab dem 1. September 2010 an die IV-Stelle (Urk. 7/158/15).
1.3
Nach
erneuten
Abklärungen, namentlich der Abklärung
für
Hilflosen
entschädi
gung
vom
24. August 2013
(Bericht vom 10. Januar 2014, Urk. 7/296)
,
kündigte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 10
.
Januar 2014 die Abweisung des Gesuchs um
Hilflosenentschädigung
an
(Urk. 7/207)
.
Dagegen erhob die Ver
sicherte mit E-Mail vom 20. Januar 2014 (Urk. 7/211)
, ergänzt mit Schreiben vom 2. April 2014 (Urk. 7/229) und unter Beilage des Berichts von Dr.
med. A.
Y._
,
Fachärztin für Innere Medizin,
vom 26. März 2014 (Urk. 7/229/8-10)
,
Einwand
.
In derselben Zeit leitete
die IV-Stelle
ein
Revisions
verfahren
bezüglich der In
validenrente ein (Urk. 7/224, Urk. 7/295/1)
und holte den Bericht von Dr.
Y._
vom 26. März 2014
(mit diversen weiteren
Arzt
berichten
, Urk. 7/227)
ein.
Mit Mitteilung vom 22. Mai 2014
kündigte die IV-Stelle die Durchführung einer polydisziplinären medizinischen Untersuchung mit den Fachrichtungen der Inneren Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie
sowie
die Auswahl der
Be
gut
achtungsstelle
mittels Zufallsprinzip
an
und sandte der Versicherten die gut
achterlich zu beantwortenden Fragen zu
(Urk. 7/
230-
231). Mit Schreiben vom 31. Mai 2014 beantragte die Versicherte, die Begutachtung
sei nebst dem Psy
chiater
hauptsächlich durch einen Neurologen und ausserdem durch einen Im
munologen s
owie eine
n
Schmerzspezialisten
durchzuführen
. Ausserdem machte sie eine eingeschränkte Reisefähigkeit geltend und bat um eine
Gutach
tensstelle
, die in der näheren Umgebung ihres Wohnortes
liegen
,
mit dem Auto in wenigen Minuten
und
ohne Weg durch eine grosse Stadt erreichbar
sein
sowie die wegen ihrer Probleme mit dem Immunsystem nicht in einem Spital oder grossen Zentrum
liegen solle
(Urk. 7/237).
Mit Schreiben vom 17. Juli 2014 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass an den angekündigten Fach
richtungen und
an der Be
stimmung der Gutachtensstelle mittels Zufalls
prinzip
gestützt auf Art. 72
bis
der Verordnung über die Invaliden
ver
sicherung (IVV) sowie mangels ausgewiesener Reiseunfähigkeit festgehalten werde (Urk. 7/245).
Die IV-Stelle
vergab den Auftrag zur Begutachtung der Versicherten gestützt auf die Auswahl nach Zufallsprinzip gemäss der dafür vom
Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV)
eingerichteten
web
basierte
n
Vergabeplattform
SuisseMED@P
an die
Z._
(Urk. 7/250-251), welche der IV-Stelle in der Folge die Namen und Fachrichtungen (Innere Medi
zin, Rheumatologie, Psychiatrie und Neurologie) der an der Begutachtung teil
nehmenden Gutachter mitteilte (Urk. 7/252). Mit Schreiben vom 21. August 2014 orientierte die IV-Stelle die Versicherte über dieses Ergebnis des
Auswahl
verfahrens
und ihre gesetzlichen
Mitwirkungs
pflichten
(Urk. 7/253).
Mit
Schrei
ben vom 25. August 2014
teilte
die
Z._
der Versicherten die
Begutachtungs
daten
(11., 30. September und 13., 15. Oktober 2014) mit
(Urk. 7/
261
)
, welche die IV-Stelle während der laufenden, verlän
gerten Frist zur Stellung
nahme stor
nieren liess (Schreiben vom 27. August 2014, Urk. 7/263).
Am 9. Oktober 2014 verfügte die IV-Stelle, dass an der Ab
klärung durch das
Z._
mit den festgelegten Fachrichtungen fest
gehalten werde (Urk. 2).
2.
Dagegen
erhob die Versicherte mit Eingabe vom
6. November 2014
Beschwerde und
beantragte,
die Verfügung vom 9. Oktober 2014 sei dahingehend auf
zu
he
ben und abzuändern, dass die Begutachtung unter
Beizug
eines Immuno
logen, eines Spezialisten für chronische Schmerzen und eines Neurologen mittels Hausbesuchen sowie ohne allzu lange Sitzungen durchgeführt werde, und es sei ihr zu gestatten,
vorab
Gutachten aller geplanten Diszip
linen durch neutrale Ärzte einzuholen, welche von der Beschwerdegegnerin zu beachten
seien, wobei vor den neurologischen und rheumatologischen Unter
suchungen eine neue Magnetresonanztomographie (MRT) ihres Schädels und der
Lenden
wirbelsäule
(LWS)
anzufertigen seien
sowie es sei sowohl bei den Abklärungen durch die neutralen Ärzte als auch durch die IV-Gutachter jeweils angepasst an ihren Gesund
heitszustand ausreichend Zeit
zu gewähren
. Ausser
dem sei ihr Akten
einsicht in die Begleitbriefe und Fragebögen sowie in die CD ihres IV-Dossiers zu gewähren, welche im August oder September 2014 an die vier IV-Gutachter verschickt worden seien
(Urk.
1 S. 1).
Die
Be
schwerde
gegnerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom 16. Dezember 2014 auf Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6).
Hierzu liess sich die Beschwerde
füh
rerin mit Schreiben vom 22. Dezember 2014 verlauten (Urk.
9). Die
Beschwerde
geg
nerin
verzichtete auf e
ine weitere Stellungnahme (
Urk.
11
).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
Anfechtungsgegenstand ist die Verfügung vom
9. Oktober 2014
, mit welcher die Beschwerdegegnerin die p
olydisziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin
durch
das
Z._
angeordnet
hat
, unter Einbezug der am
22. Mai
und
21. August 2014
mitgeteilten Fachrichtungen und unter Mitwirkung der namentlich bekanntgegebenen Fachpersonen (
Urk.
7/
231
und
Urk.
7/
253
). Es handelt sich dabei um eine Zwischenverfügung im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
). Diese ist in Anwendung von
Art.
46
lit
. a
VwVG
selbständig anfechtbar, wenn sie einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken kann (vgl. BGE 132 V 93 E. 6.1).
Das Bundesgericht hat in seinen neusten Entscheiden in Änderung der früheren Rechtsprechung (BGE 132 V 93 E. 6.5) festgehalten, unter dem Titel des nicht wieder gutzumachenden Nachteils könnten - im erstinstanzlichen Verfahren - nicht nur gesetzliche
Ausstandsgründe
gegen einzelne Personen genannt wer
den, sondern die Einwendungen könnten beispielsweise auch die Notwen
digkeit einer Begutachtung, die Auswahl der medizinischen Disziplinen oder die Fach
kompetenz der beauftragten Sachverständi
gen betreffen (BGE 138 V 271 E.
1.1 und E. 3, 137 V 210 E. 3.4.2.7).
Auf die Beschwerde, mit welcher
die
Be
schwer
deführer
in unter anderem
die
Auswahl der medizinischen Fach
richtun
gen
und den Ort der Begutachtung beanstandet, ist damit einzutreten.
2.
2.1
In BGE 137 V 210
äusserte sich das Bundesgericht eingehend zur Einholung von Administrativgutachten bei medizinischen Abklärungsstellen namentlich unter dem Aspekt der Stärkung der Mitwirkungsrechte und der
Verfahrens
fair
ness
. Als Folge der in diesem Entscheid aufgestellten Forderungen setzte der Bundesrat den neuen Artikel 72
bis
der Verordnung über die Invaliden
ver
siche
rung (IVV) auf den 1. März 2012 in Kraft. Demnach haben polydisziplinäre medizinische Gutachten, das
heisst medizinische Gutachten, an denen drei und mehr Fachdisziplinen beteiligt sind, ausschliesslich bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das
BSV
eine Vereinbarung getroffen hat
(Abs.
1).
Ge
meint sind die Medizinischen Abklärungsst
ellen (MEDAS
) im Sinne von Art.
59
Abs.
3
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
. Die Vergabe der Aufträge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (
Art.
72
bis
Abs.
2 IVV). Zu dessen Umsetzung hat das BSV die webbasierte Vergabeplattform
SuisseMED@P
ein
gerichtet, über
welche der gesamte Verlauf der Gutachtens
-
einholung ge
steuert und kontrolliert wird (
BGE
139 V 349
E. 2.2).
2.2
In einem ersten S
chritt teilt die IV-Stelle der v
ersicherten
Person
mit,
dass
eine Expertise eingeholt werden soll; zugleich gibt sie ihr die Art der vorgesehenen Begutachtung (poly- oder mono- bzw.
bidisziplinär
) sowie die vorgesehenen Fachdisziplinen und Gutach
terfragen bekannt (vgl. auch
Rz
2080 ff. des
Kreis
schreibens
über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI], gültig ab 1.
Januar 2010; Stand 1. März 2014
[derz
eit gültig: Stand 1. Januar 2015
]). In diesem Stadium kann die Versicherte (nicht personenbezogene) materielle Ein
wendungen gegen eine Begutachtung an sich oder gegen Art oder Umfang der Begutachtung vorbringen (Beispiele: unnötige
second
opinion
; unzu
treffende Wahl der medizinischen Disziplinen). In einem zweiten Schritt teilt die IV-Stelle der Versicherten die mittels Zufallszuweisung (durch die vom Bundes
amt für Sozialversicherungen [BSV] entwickelte Vergabeplattform
SuisseMED@P
, über welche der gesamte Verlauf der Gutachtenseinholung gesteuert und kontrolliert wird; vgl.
SuisseMED@P
: Handbuch für Gutachter- und IV-Stellen = Anhang
V KSVI) zugeteilte Gutachterstelle und die Namen der Sachverständigen inklusive Facharzttitel mit. In der Folge hat die Versicherte die Möglichkeit, materielle oder formelle personenbezogene Einwendungen geltend zu machen (
BGE 139 V 349
E.
5.2.2).
Die Gutachterwahl bei polydisziplinären MEDAS-Begutachtungen hat
immer
nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen (
Art.
72
bis
Abs.
2 IVV;
BGE 138 V 271
E.
1.1
, 139 V 349 E.
5.2.1).
Nur bei stichhaltigen Einwendungen gegen bezeichnete Sach
ver
ständige ist die Zufallszuweisung allenfalls zu wiederholen
beziehungsweise
zu modifi
zieren, indem die Beteiligten beispielsweise über
ein
kommen, an der ausgelosten MEDAS festzu
halten, dabei aber eine
Arzt
person
nicht mitwirken zu lassen. Bei erneuter Nichteinigkeit ist eine
Zwischen
verfü
gung
zu erlassen. Auch nach Ein
führung der
Zuweisungs
plattform
Suisse
MED@P
haben sich die Beteiligten mit Einwen
dungen aus
einan
derzusetzen, die sich aus dem konkreten Einzelfall ergeben, insoweit sind
Kon
sensbestrebungen
weiterhin nicht hinfällig (
BGE 139 V 349
E.
5.2.1, 5.2.2 und 5.2.2.1; Urteil
des Bundesgerichts
9C
_475/2013 vom 6.
August 2013 E.
2.1
;
zum Ganzen: zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundes
gerichts 9C_708/2013 vom 28. Oktober 2014 E. 3.1).
3
.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen Zwischenentscheid auf den Standpunkt, die Begutachtung durch zusätzliche Fachdisziplinen sei nicht angezeigt, da die immunologischen Probleme mit der Disziplin der Inneren Me
dizin berücksichtigt und die neurologischen Aspekte
von der
rheuma
tolo
g
ische
n
Abklärung umfasst würden.
Auch sei keine umfassende und vollständige
Reise
unfähigkeit
ausgewiesen. Es würden nachvollziehbare Befunde fehlen, welche eine Reiseunfähi
gkeit plausibilisieren könnten. Weitere Abklärungen vor der Durchführung der Begutachtung seien
nicht angezeigt, da die
Erhebung
aller Diagnosen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit Inhalt der Be
gut
achtung sei. A
n der Be
gutachtung durch die
Z._
sei
festzuhalten (Urk. 2 S. 1 f.).
3.2
Die Beschwerdeführerin wendet dagegen ein, ihre Reisefähigkeit sei aufgrund ihrer diversen gesundheitlichen Probleme, namentlich der Immunschwäche, ver
schiedener Arten häufiger Migräne,
ihrer
Phonophobi
e, Reiseübelkeit, Photo
phobie, immer wiederkehrenden Schwächezuständen
, langanhaltenden
Rekon
valeszenzzeiten
nach Infekten,
Lumboischialgie
, Insomnie, absoluter
Stress
in
to
leranz
und geringer Belastbarkeit erheblich vermindert, auch auf privater Ebene. Sie habe daher in den letzten vier Jahren auch nicht in die Ferien fahren kön
nen.
Sie könne nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und mit dem Auto nur kurze Strecken von 15 Kilometer über Landstrassen im
Stadt
rand
gebiet
, wo der Verkehr nicht so dicht sei.
Es sei ihr daher absolut nicht möglich nach
A._
zu reisen, weshalb sie um Hausbesuche durch die Gutachter ersuche. Von vielen verschiedenen Fachärzten habe sie ausserdem unabhängig von
ein
an
der erfah
ren, dass
die IV-Gutachter in 95 % aller Fälle sowieso schreiben würden, dass die Erkrankung keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Daher sei vorgän
gig in sämtlichen Disziplinen eine Begutachtung durch neu
trale Ärzte ange
zeigt, welche
sie
den IV-Gutachter vorlegen möchte.
Sie könne zudem, da sie an verschiedenen Krankheiten leide, an vielen Tagen überhaupt keine Termine wahrnehmen, weshalb der Zeitraum der Abklärungen sehr gross
zügig zu bemessen sei, zumal er aus gesundheitlichen Gründen nicht genau planbar sei. Für die neurologische respektive rheumatologische Begutachtung brauche es sodann ein aktuelles MRT des Gehirns respektive der LWS.
Diese Bilder könnten jedoch erst sechs Wochen nach Abklingen der winterlichen Grippewelle
gemacht werden, da sie bis dahin isoliert lebe. Da die
Be
schwerde
gegnerin
ihr die Immunschwäche seit Jahren hartnäckig abspreche, sei sie auch von einem Immunologen zu untersuchen.
A
uf die
separate
Begutachtung durch einen Neurologen könne
ebenfalls
nicht verzichtet werden, da die neuro
logischen Pro
bleme frappant seien
, und das chronische Schmerzsyndrom gehöre in die Hände eines Schmerzspezialisten. Zu beachten sei weiter, dass sie wegen ihrer
Kopf
beschwerden
nicht lange an einem
Gespräch teilnehmen könne, was
den Berichten von
Dr.
B._
, Fachärztin für Neurologie, vom 26.
Sep
tember 2011 und von Dr.
Y._
vom 3. November 2014 zu entnehmen sei. Daher
sei
das beim Psychiater vorgesehene Gespräch von zwei Stunden auf
vier mal
30 Minuten
aufzuteilen
.
Im Übr
igen habe sie aufgrund von Art.
8
Abs.
1 und
Abs.
5 des Bundesgesetzes über den Datenschutz
(DSG
) Anspruch
darauf zu erfahren
, welche Akten den Gutachtern des
Z._
zugesandt worden seien und welche nicht. Bisher sei ihr Ende Mai 2014 nur eine CD ihres IV-Dossiers mit vielen Leerseiten zugesandt worden
(Urk. 1)
.
3.3
Strittig und zu prüfen ist
, ob die
Einwendungen
der Beschwerde
führerin
gegen eine polydisziplinäre Begutachtung durch die MEDAS-Stelle
Z._
sprechen.
4
.
4.1
Die Parteien sind sich darin einig
, dass die medizinischen Abklärungen mittels einer
poly
diszi
plinären
Begutachtung vorzunehmen sind. Die
Beschwerde
geg
nerin
führte das dazu nach Art. 72
bis
IVV vorgesehene Auswahlverfahren zur Bestimmung einer Begutachtungsstelle korrekt durch.
Soweit
die
Beschwerdeführer
in
generell die Unabhängigkeit der
Gutachter von MEDAS-Stellen an
zweifelt
, indem sie von einer allgemeinen Tendenz
deren
Einschätzung
en
zu Ungunsten der Versicherten ausgeht
(
Urk. 1 S. 2
),
ist darauf hinzuweisen, dass
das Bundesgericht im bereits zitierten Gru
ndsatzentscheid (BGE 137 V 210), in welchem es sich
mit der Gefährdung der Unabhängigkeit von MED
AS-Gutachtern eingehend befasst hat
(BGE 137 V 210 E. 2.4),
unter anderem die
Vergabe
der Aufträge nach dem Zufallsprinzip als In
strument
an
geregt hat
, um
dieser Gefährdung zu begegnen (BGE 137 V 210 E.
3.1.1).
Auch hat das Bundesgericht
die Auftragsvergabe nach
dem in der Folge neu geschaf
fene
n
-
und von der Beschwerdegegnerin hier korrekt befolgte
n
-
Zu
weisungs
system
SuisseMED@P
für polydisziplinäre Gutach
ten als recht
mässig beurteilt (vgl. BGE
139 V 339 E. 4.46, 138 V 271 E.
1.1).
Es ist gerade Sinn dieses Systems
generelle, aus den Rahmen
be
dingungen des
Gutach
terwesens
fliessende
Abhängigkeits- und Befangenheitsbefürchtungen
zu
neutralisieren (
BGE 139 V 349
E. 5.2.2.1
;
zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundes
gerichts 9C_7
08/2013 vom 28. Oktober 2014 E.
3.1
).
Gemäss
Art.
72
bis
Abs.
1 IVV hat d
ie Begutachtung
ausschliesslich bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das BSV eine Vereinbarung getroffen hat
(vgl. hierzu
https://www.suissemedap.ch/pages/medasmap.aspx
)
.
Eine Voreinge
nommenheit der
Z._
-Gutachter oder
der Gutachter
einer
anderen
solchen
MEDAS-Stelle ist somit nicht anzunehmen,
was hier umso mehr gilt, als keine
konkreten
materielle
n
oder formelle
n
personenbezogene
n
Einwendungen
in Bezug auf die einzelnen Gutachter geltend gemacht wurden.
4.
2
Daneben s
teht
es
der Beschwerdeführerin frei, ein polydisziplinäres
Partei- respek
tive
Privatgutachten einzuholen. Dieses ist aufgrund des geltenden
Unter
suchungsgrundsatzes
jedenfalls dann von der Verwaltung (respektive im
Be
schwerdefall
vom Gericht)
in die
Entscheidfindung
miteinzubeziehen
, wenn es
alle recht
sprechungsgemäss erfor
derlichen Kriterien für beweis
kräftige ärztli
che Entscheidungs
grundlagen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c) erfüllt
und am durch die IV-Stelle ermittelten
Abklärungs
ergebnis
erhebliche Zweifel zu wecken vermag.
Die Kosten für ein
Privat
gutachten
sind jedoch grund
sätzlich nicht von der Verwaltung zu tragen (vgl. Urteil des Bun
desgerichts
8C_850/2012
vom 2
4.
Januar 2013
E. 4
je mit Hin
weisen; vgl. auch BGE 139 V 496 E. 4.4, 140 V 70 E. 6).
Es besteht
zudem
kein Anspruch darauf, dass die Verwaltung mit den eige
nen Abklärungen zuwartet bis die versicherte Person ein eigenes Gutachten ein
ge
holt hat. Insofern ist
dem Begehren der Beschwerdeführerin nicht statt
zu
geben.
Denn d
ie
Bereitstellung der medizinischen Entscheidungsgrundlage ist nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG in erster Linie Sache des Sozialversicherungsträgers. Er befindet darüber, mit welchen Mitteln er den rechtserheblichen Sachverhalt abklärt. Beim Entscheid, ob aufgrund der vorhandenen Akten bereits eine
rechtsgenügliche
Beurteilung vorgenommen werden kann oder eine zusätzliche Abklärung angezeigt ist, ebenso wie bei der Wahl der Art der Abklärung steht der Verwaltung ein Ermessensspielraum zu. In diesen greifen die Gerichte ohne triftigen Grund nicht ein (
Urteil des Bundesgerichts
9C_235/2013
vom 10.
Sep
tember 2013 E. 2
mit Hinweisen
).
Im Übrigen hat das Bundesgericht im BGE 137 V 210, E. 1.3.4 und E. 1.4, erneut bestätigt, dass sämtliche Beweis
mittel, somit auch medizinische Berichte und Sachver
ständigen
gutachten, der freien Beweiswürdigung unterliegen (Art. 61
lit
. c ATSG), was bei überzeugen
dem Beweisergebnis seit jeher erlaubt, dass das im Beschwerdefall ange
rufene Gericht für seine Beurteilung ab
schlies
send auf die im Administrativverfahren eingeholten medi
zinischen Berichte und Sach
verständigengutachten abstellt (BGE 104 V 209, bestätigt in BGE
122 V 157).
5.
5.1
Die Einwendungen
im Hinblick auf den
konkreten Einzelfall
beziehen sich auf die Zumutbarkeit der Begutachtung in
A._
respektive
ausser
Haus
aus gesund
heitlichen Gründen
und
auf
die
Auswahl der medizinischen Disziplinen
der be
auftragten Sachverständigen.
5.2
5.2.1
Wenn eine
versicherte
Person
aufgrund ihres Gesundheitszustandes nicht in der Lage ist, ihren Mitwirkungspflichten nachzukommen
, kann ihr
die Ver
w
e
i
ge
rung der Mitwirkung nicht zugerechnet werden, was sie ent
schuldbar macht
(Urteil des Bundesgerichts
9C_235/2013
vom 10.
Sep
tember 2013 E.
3.
2
mit Hin
weisen). Entsprechend hat sich die versicherte Person einer ärztlichen oder fachlichen Untersuchung
nur dann
zu unterziehen, wenn sie für die Beurteilung notwendig und
zumutbar ist (
Art.
43
Abs.
2 ATSG). Die Zumutbarkeit muss objektiv und sub
jektiv gegeben sein, wobei auch die Frage der subjektiven Zumutbarkeit objektiv zu klären ist. Es geht mithin nicht darum, ob
die ver
si
cherte Person
die Untersuchung aus ihrer eigenen (subjektiven) Wahrneh
mung heraus als zumutbar betrachtet oder nicht, sondern darum, dass die subjektiven Umstände (etwa Alter der Person, Gesundheitszustand)
in einer objektiven Be
trachtung dahingehend gewürdigt werden, ob diese Umstände die Unter
suchung zulassen oder nicht. Die üblichen
Untersuchungen in einer Gutach
tensstelle sind ohne konkrete entgegenstehende Umstände generell als zumutbar zu betrachten (SVR 2007 IV Nr. 48 I 988/06 E. 4.2;
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2.
Aufl. 2009,
Art.
43
Rz
44).
5.2.2
Gemäss
dem Bericht des
C._-Spitals
vom 12. August 2009
, unterzeichnet von Dr.
Y._
,
leidet
die Beschwerdeführerin
seit vielen Jahren
an einer Stressinsuffizienz (bei Belastung sofort In
fek
te, Migräne), an chronisch rezidivierenden lang
an
haltenden Cluster-Kopf
schmerzen und Mi
g
räne, an chronischen Lumbalgien,
Fibromyalgie
,
Hyperlaxi
tät
, an rezidi
vieren
den
Iliosakralgelenks
-
(ISG-)
Blockaden, an belastungsabhängigen Hüft-,
rechts
be
tonten
Schulter- und Fussschmerzen, an linksbetonten und
be
lastungs
abhän
gigen
Knieschmerzen sowie an chronisch rezidivierenden Infekten der oberen Luft
wege und vaginal oft mit schwerem
Infektverlauf
und bleiben
den Schä
di
gungen (zum Beispiel Hörverminderung infolge wiederholter schwe
rer Sinusi
ti
den). Es bestehe
eine verminderte Selbständigkeit in der Bewältigung der
Haus
haltarbeiten
. Immer wieder sei der Schlaf wegen der Schmerzen gestört. Es sei nur langsames Gehen, am Stück nur für 50 Minuten, möglich. Sitzen gehe nur auf über 55 cm hohen Stühlen, wobei Rück- und Vorlage nicht möglich sei
en. Liegen und Schlafen gehe nur mit hochgelagerten Armen und Beinen be
zie
hungsweise mit einer Speziallagerung im Bett. Es bestehe eine Hitze-, Kälte- und
Lärmempfind
lich
keit
. Die Versicherte sei beschränkt mobil: An vielen Ta
gen könne sie wegen
der
Migräne
,
Kopf
schmerzen und
Lumboischialgien
weder Auto noch Bus oder Zug fahren
(
Urk. 7/
127
/6-9
).
Dr.
Y._
führte im Bericht vom 15. Januar 2013 die folgenden Diagnosen auf
:
Chronisches Schmerzsyndrom mit chronischen
Cervicobrachialgien
, chro
nischen Spannungskopfschmerzen und Migränen, chro
nische
Lumbo
ischial
gien
rechtsbetont mi
t
My
ogelosen
, intermittier
e
nde
ISG-Blockaden rech
ts, chro
ni
sche intermittierende
Knieschmerzen linksbetont bei
Chondro
pathia
pa
tellea
sowie rezidivierende
Plantarsehnenentzündungen
und
Poly
arth
rose
, ink
lusive
Spondylarthrose
. Ein- bis dreimal pro Woche würden Migräne mit
einem
da
rauf
folgenden
Erschöpfungstag und fast täglich seit Januar 2011 Schwindel unterschiedlicher Art und Intensität auftreten. Auch lägen eine reduzierte
Im
munabwehr
mit erhöhter
Infektanfälligkeit
(die Beschwerdeführerin stecke sich sofort an und erleide schwere Infekte, welche mit bleibenden Schäden wie Ge
hörverlust einhergegangen seien), Schwächezust
ä
nde mit geringer körper
-
licher
Belastbarkeit (verstärkt seit März 2010), Phonophobie (verstärkt seit November 2007) und Insomnie mit Ein- und Durchschlafstörungen (mit allen darauf
fol
genden Konsequenzen; verstärkt seit 2006) vor
(Urk. 7/199)
.
Im ärztlichen Zeugnis vom 1
5.
November 2011 bestätigte Dr.
Y._
, dass die Beschwerdeführerin aus medizinischen Gründen grosse Menschen
an
samm
lungen, insbesondere im Winter meiden sollte.
Ihre Immunabwehr
sei deutlich reduziert und sie sei schon bei geringen Kontakten
infektgefährdet
(Urk. 7/199/8).
Gemäss dem Bericht von Dr.
Y._
26. März 2014 bestehe eine zu
neh
mende Verschlechterung der Beschwerden sowohl in körperlicher als auch psy
chischer Hinsicht.
D
ie Beschwerdeführerin
sei
wegen des seit der Synkope am 2
9.
Januar 2011 (mit Rippenfraktur und Kontusionen) konstant bestehenden Schwindels
in drei Jahren rund sechs Mal gestürzt.
Das MRT vom 24. Mai 2011 (vgl. Urk. 7/199/6) habe mehrere
subcortical
lokalisierte hyperintensive
Mark
la
ger
läsionen
und
eine
kleine fokale Läsion im Pons rechts gezeigt.
Auch die
Phono
phobie
sei zu
nehmend, so dass bereits kleinste Geräusche oft Kopf
schmerzen provozieren würden. Daher könne sie nicht lange Zug fahren und sich auch nicht in Einkaufshäusern oder an anderen Orten mit erhöhtem Lärm
pegel auf
halten.
Das Koordinieren von Handlungen, Konzentrieren und das Sehen von Bewegungen (Menschen, die gestikulieren) könnten ebenfalls Kopf
schmerzen auslösen.
Auch könne sie nur noch selten Menschen besuchen, einerseits wegen der Schmerzen
,
andererseits da sie sofort krank werde, wenn andere Personen auch nur leicht erkältet seien, und sie leide zunehmend an Darminfekten mit Durchfall mit anschliessend zwei
monatiger Erholungszeit. Es sei auch eine Zunahme der sehr langen
Migräne
phasen
(2012 und 2013: fünf- bis sieben Mal pro Jahr, früher: ein- bis zweimal pro Jahr) zu verzeichnen. Im 2013 habe sie zirka acht Mal eine invalidisierende
Lumboischialgie
erlitten, während deren sie tagelang
habe
zuhause bleiben müsse
n
und kaum mehr
habe
gehen könne
n
. Auch ihre Wohnung versinke zunehmend im Chaos, da sie es nicht mehr schaffe aufzu
räumen
(Urk. 7/227/3).
Mit Schreiben vom 12. September 2014 attestierte Dr.
Y._
eine einge
schränkte Reisefähigkeit. Und zwar könnten öffentliche Verkehrsmittel nicht be
nutzt werden wegen Reizüberflutung (bei Stressinsuffizienz,
Phono
phobie
) und wegen der Ansteckungsgefahr wegen
Infektanfälligkeit
. In fremden, nicht ergo
nomisch eingerichteten
Autos als Mitfahrerin leide die Beschwerdeführerin re
gelmässig an Übelkeit
. Sie habe dies viele Jahre ausprobiert (zum Beispiel mit dem Rotkreuz-Taxi) und habe regelmässig Migräne bekommen nach solchen Fahrten.
Mit dem eigenen Auto könne sie maximal 20 Minuten, mithin für eine Fahrt von 15 Kilometer schmerzfrei Sitzen. Danach würden die verschiedenen Schmer
zen beginnen (Rücken-, Nacken-, Kopfschmerzen, was schnell Migräne und andere Schmerzschübe auslöse;
Urk. 7/277/5).
Ergänzend zu
m bereits in den
ob
genannten
Berichten Ausgeführte
n
erklärte Dr.
Y._
zur einge
schränkten Reisefähigkeit im Bericht vom 3. November 2014 ausserdem, an
Tagen mit
migräne
bedingten
Schlafstörungen sei die
Kon
zentrations
- und Reaktions
fähigkeit massiv reduziert.
D
ie Beschwerde
führerin
könne dann unmöglich Autofahren. Beim Fahren im Auto werde es ihr nach mehreren Ampeln (15-20 Ampeln) wegen dem Be
schleunigen-Abbremsen-Beschleunigen
und in den öffentlichen Verkehrs
mitteln nach durchschnittlich fünf Haltestellen übel und es werde Migräne ausgelöst. Migräne und Tinnitus würden in öffentlichen Verkehrs
mitteln auch bereits nach durchschnittlich fünf bis zehn Minuten wegen des Lärmpegels der Stimmen und der Motoren begin
nen. Normale Gespräche würden nach zirka 30 Minuten, Hundegebell, lautes Rufen, das Zuknallen von Auto- und Wohnungstüren wür
den bereits nach drei bis fünf Minuten (Phonophobie) und ebenso das Aufnehmen von vielen Infor
mationen mit den Augen in kurzer Zeit (etwa beim Fahren durch eine Stadt mit vielen Schildern und Verkehr; Photophobie) Migräne auslösen. Normale Reize würden verstärkt und schmerzhaft wahrge
nommen
(
Hoch
sensibilität
). Die Infekte, welche wegen der deutlich reduzierten
Immun
abwehr
schon bei gerin
gen Kontakten mit fremden Viren und Bakterien entstehen könnten, würden jeweils schwer verlaufen und kaum auf Medika
mente ansprechen.
Nach über vierzig irreversiblen Gehörschädigungen nach ORL-Infekt
en
betrage die Hör
fä
higkeit nur noch 50
%
. Sie habe erfolglos zehn Hörgeräte getestet. Allein in den letzten 6 Jahren habe die Vertaubung links um 14 % und rechts um 16
%
zuge
nommen. Die spürbare Ver
schlech
terung der Hörfähigkeit erfolge immer unmittelbar während eines In
fektes der oberen Atemwege. Die Beschwerdefüh
rerin lese von den Lippen ab.
Die Gesprächs
partner sollten sie anschauen, langsam und möglichst in gleichbleibender Lautstärke sprechen, damit
sie etwas verstehe.
In Räumen ohne Teppiche und ohne Vorhänge verstehe die Beschwer
deführerin kaum, was gesprochen werde, selbst wenn sich der Gesprächspartner bemühe. Die Infekte würden fast immer gepaart auftreten. Wenn sie einen Infekt der oberen Atemwege habe, dann folge der Magen-Darminfekt meistens zwei Tage später parallel dazu. Die gesamte Infekt- und
Rekonvaleszenz
zeit
dauere im Schnitt zwei- bis drei Monate. Bei einem Magen-Darminfekt könne sie nicht ausser Haus, dann falle auch die Physiotherapie aus, denn sie müsse innert zwei Minuten Zugang zu einem WC habe. In dieser Zeit sei sie sehr geschwächt und könne auch nicht essen wie vor dem Infekt.
Aufgrund der neurotischen Fehlentwicklung mit absoluter
Stress
intoleranz
und multipler neurovegetativer Symptomatik, Neurasthenie,
könne die Beschwerdeführerin nicht mehrere Termine in wenigen aufeinander
folgen
den Tagen wahr
nehmen
, ansonsten
dekompensiere
ihr ganzes System.
Sie brauche lange Erholungszeiten zwischen den Terminen. Ihre Leistungsfähigkeit sei deutlich eingeschränkt. Überlastung löse schnell Infekte, tage- bis wochenlange Kräftezusammenbrüche, Vergesslichkeit, Unkonzen
triert
heit, Migräne und Insomnie aus. Sie leide an immer wiederkehrenden Schwächezustände
n
und dann fahre sie nicht Auto. Da sie chronisch unter nicht erholsamem Schlaf leide, brauche sie täglich eine lange Anlaufzeit. Am Morgen fahre sie daher nicht Auto, um sich und andere nicht zu gefährden.
Sie könne daher nur Nachmittagstermine wahrnehmen.
Aufgrund der
Lumboischialgie
könne sie nur mit Keilkissen auf Stühlen sitzen und diese müssten mindestens 55 cm hoch sein, anderenfalls würden wochen
lang
Lumbo
ischialgien
auftreten. Eine Fahrstrecke sollte daher nicht länger als 20 Minuten am Stück dauern. In ihrem Leihauto habe sie mit ihrem Physiothe
rapeuten eine Sitzeinstellung so optimal als möglich eingerichtet. Die
Abklä
rungsstelle
in
A._
sei unzumutbar, da sie viel zu weit weg sei,
der Weg
durch eine Stadt führe und sie an vielen Tagen im Monat überhaupt nicht fahrfähig sei.
Im Winter könnten wegen der
Infektanfälligkeit
keinerlei Termine ausser Haus abgemacht werden. Termine bei ihr zuhause seien möglich, wenn der Gut
achter einen Mundschutz trage, nicht erkältet sei und die Hände desinfiziere sowie wenn sie nicht selbst gerade Migräne
habe
oder an einer Erkrankung leide. Die Gutachtertermine seien zudem über einen langen Zeitraum zu vertei
len, da die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer wiederkehrenden Ausfälle viel Zeit benötige. Es sei
en
sodann wegen der vielfältigen neurologischen Probleme eine Begutachtung durch einen Neuro
logen sowie ein neues MRT des Schädels notwendig
(Urk. 3/3).
5
.
3
5
.3.1
Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin, welche sich auf die S
tellung
nahme von Dr. med. D._
, Facharzt für Anästhesiologie, des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes (RAD) vom 8. Oktober 2014 stützte, wonach es in den ein
gereichten
ärztlichen Berichten an nachvollziehbaren Befunden fehle, die eine vollständige Reiseunfähigkeit plausibilisieren könnten (Urk. 2 S. 1, Urk. 6, Urk. 7/295/5), ist die Unzumutbarkeit einer Begutachtung in
A._
nicht erst bei einer voll
ständigen Reiseunfähigkeit anzunehmen.
Massgeblich
ist die Reise
-
fähigkeit nach
A._
im Rahmen einer
zweckmässigen
Durchführung der Be
gut
achtung.
Die jahrelange, mehrmals bestätigte Rente wurde der Beschwerdeführerin nicht vorwiegend aufgrund von somatischen Beschwerden mit organischen Be
funden zugesprochen, sondern aufgrund einer psychisch überlagerten Schmerz
-
respek
tive
Soma
tisierungsstörung
(neuro
tische
Fehlent
wicklung mit absoluter Stressintoleranz, Urk. 7/11 S. 2,
Chronic
fatigue
Sydrom
respektive Neura
sthe
nie [ICD-10 F48.0], Urk. 7/22 S. 9, schwere multiple körperliche Fehl
steue
rung im Sinne einer
Somatisierung
, Urk. 7/25 S. 5). Die diesbezüglich er
hobe
nen Symptome, namentlich die multiplen Schmerzen wurden nie durch den Ver
dacht auf Aggravation oder Simu
lation in Frage gestellt. Im Rahmen der hier zu beurteilenden Frage der Zumutbarkeit der Reise an den
Begutach
tungs
ort
sind dies
e
Beschwerden
daher entsprechend zu be
rück
sichtigen.
Hinzu kommt die Anfälligkeit auf Migräneattacken und Schwindel, die aus neu
rologischer Sicht von Dr.
B._
im Bericht vom 26. September 2011
auf
grund der Untersuchungen vom 25. August und vom 15. September 2011
als Diagnosen
einer Migräne mit und ohne Aura, chronischer
Spannungs
typkopf
schmerzen
und eines unklaren
Schwank
schwindels
(
differentialdiag
nostisch
: phobischer Schwindel) festgehal
ten wurden. Die Untersuchung habe auf zwei Termine verteilt werden müssen, da die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gewesen sei, länger als eine halbe Stunde teilzunehmen (Urk. 7/227/13).
Auch daraus ist eine eingeschränkte Be
lastbarkeit ersichtlich.
Des Weiteren
ist der geltend gemachten Immunschwäche gebührend Rechnung zu tragen.
Zwar wurde
in den Akten eine reduzierte Im
munabwehr mit erhöhter
In
fektanfälligkeit
nicht ausdrücklich als Diagnose nach einem anerkannten
Klassifikations
system
aufgeführt
. Jedoch wurde eine solche Problematik in den Berichten von
Dr.
Y._
zumindest beschrieben
,
und gemäss dem
labor
ärztlichen
Befundbericht der ORTHO-
Analytic
vom 2. Februar 2010 deutete eine verminderte Konzentration von
sekretorische
m
Immun
globulin
A (
sIgA
) im Stuhl auf einen verminderten Aktivitätsgrad des
Mukosa
-Immunsystems hin, was bei dauerhaft verminderten Werten auf eine erhöhte
Infektanfälligkeit
hin
deuten könne (Urk. 7/228/20).
Zusammen mit den multiplen Schmerzen und der Anfälligkeit auf Exazer
batio
nen und Migräneattacken bei
besonderen
Anstrengung und unter externen Ein
flüssen ist
- wenn auch nicht eine vollständige Reiseunfähigkeit, jedoch
zumin
dest
-
eine reduzi
erte Reisefähigkeit
nachvollzie
h
bar.
Zu beachten ist dabei auch, dass
es sich entsprechend
den
einzelnen Untersuchungen bei den ver
schiedenen Fachärzten (vgl. Urk. 7/261) nicht nur um eine
,
sondern um mehrere R
eisen nach
A._
handelt
und im An
schluss an die Reise je eine eineinhalb bis zw
eistündige Untersuchung ansteht
.
Die Durch
führ
barkeit dieser Untersuchun
gen wäre angesichts der gegebenen medi
zinischen Aktenlage von vorneherein in Frage gestellt, wenn die Begutachtung mit einer längeren Anreise verbunden wäre.
5
.3.2
Da die Beschwerdeführerin
hingegen
nach wie vor
grundsätzlich
fähig ist,
mit dem
Auto
jeweils von ihrem Wohnort in
E._
zur Therapie und zu
Arzt
kon
sultationen
nach
F._
(
Dr.
B._
,
Urk. 7/22
8/1
;
Urk. 7/227/15)
,
G._
(
Adus
Radiologie,
Urk. 7/227/12)
und nach
H._
(SZ; Dr.
Y._
, Urk. 7/228) zu gelangen
,
ist es als zumutbar anzusehen, dass sie sich einer
MEDAS-
Begutachtung in
I._
unterzieht.
Und zwar sind die
p
oly
disziplinäre
n
Gutachter
stellen
, welche über einen
Vertrag
mit dem BSV gemäss
Art.
72
bis
IVV
verfügen, in
I._
derzeit das
Medizinische
Zentrum
J._
und die
K._
Klinik
Gutachterzentrum
.
Die Fahrt dorthin mit dem Au
to dauert rund eine halbe Stunde und ist damit kürzer als der Weg zu Dr.
Y._
in
H._
. Die Beschwerdeführerin kann auf der Fahrt dorthin zudem eine Pause einlegen.
Eine vollkommene Reiseunfähigkeit und die Notwendigkeit
von
Hausbesuche
n
sind
damit mit der Beschwerdegegnerin zu verneinen.
5
.
4
5.4.1
Bezüglich der beantragten
Beschränkung auf kurze Sitzungen und der Durch
führung der Begutachtung über einen ausreichend grossen Zeitraum
sowie der Rücksichtnahme auf den aktuellen Gesundheitszustand
und
die Jahreszeit (Ansteckungsgefahr bei Grippewellen)
ist es unter den gegebenen besonderen Umstände
n
des Einzelfalls sinnvoll
und angezeigt
, wenn
die
Be
schwerdegegne
rin
mit einer
MEDAS-Stelle
in
I._
- etwa unter Vorlage des Berichts
von Dr.
Y._
vom 3. November 2014 (Urk. 3/3) -
vorab klärt
, ob und inwie
fern der Be
schwerdeführerin ent
gegengekommen werden kann
und wenn bei der Terminabsprache auf die Einschränkungen der Beschwerdeführerin Rück
sicht genommen wird
.
Die Be
schwerdeführerin hat ihrerseits Hand für eine Lösung zu bieten.
Die konkreten Modalitäten der Begutachtung sind
jedoch
jedenfalls
nicht im Vorneherein
und nicht gerichtlich
festzulegen
, zumal
dies nicht ohne die Koordination mit der MEDAS-Stelle in
I._
möglich ist
.
5
.
4.2
Auch die Frage, ob und welche neuen bildgebenden Abklärungen vor den Unter
suchungen durch die MEDAS-Gutachter respektive im Rahmen deren Be
gutachtung notwendig sind, ist von den Gutachtern zu entscheiden. Es steht der Beschwerdeführerin indes frei,
vorgängig erfolgte medizinische Abklärungen
de
n
Gutachter
n
zukommen zu lassen oder an die Begutach
tung mitzu
nehmen.
5
.5
5.5
.1
Die Auswahl der
medizinischen Fachrichtungen
ist
abschliessend
von
der
Gutach
te
nsstelle
zu bestimmen.
Die beauftragten Sachverständigen sind
letzt
verantwortlich
einerseits für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der inter
disziplinär erstellten Entscheidungsgrundlage, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklärung. Mit dieser Gutachterpflicht nicht vereinbar wäre es, wenn den Sachverständigen eine
Disziplinenwahl
aufgezwungen würde, die sie - auch nach
pflichtgemässer
Würdigung der für den Auftrag ausschlaggebenden Überlegungen - für (versicherungs-)medizinisch nicht vertretbar hielten. Den Gutachtern muss es also freistehen, die von der IV-Stelle
beziehungsweise
dem RAD (oder im Beschwerdefall durch ein Gericht) bezeichneten Disziplinen gegen
über der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorga
ben nicht einsichtig sind. Unter diesem Vorbehalt steht insbesondere auch eine vorgängige Verständigung zwischen IV-Stelle und versicherter Person über die Fachdisziplinen. Eine erneute Mitwirkung der versicherten Person in diesem Pu
nkt ist alsdann ausgeschlossen
(
BGE 139 V 349
E. 3.3).
5.5.2
Die von der
Beschwerdegegnerin
bisher
vorgesehene
n
Fachrichtungen der In
neren Medizin, Rheumatologie, Neurologie und Psychia
trie
stehen somit
recht
sprechungsgemäss
unter dem Vorbehalt der Expertenentscheidung.
Der Ent
scheid darüber, o
b
die Gutachter
mit Bezug auf die im konkreten Fall sich stel
lenden Fragen
ein Konsilium von einem
Immunolog
en und von einem Schmerzspezialisten einholen oder bereits selbst über
ausreichend
Spezial
kennt
nisse
in diesen Fachdisziplinen
verfügen
, liegt
damit im Ermessen der Gutach
ter.
6.
Der
Antrag der Beschwerdeführerin auf
Akteneinsicht
in die Begleitbriefe und Fragebögen sowie in die
CD mit dem IV-Dossier, welche an die
Z._
-Gutach
ter
für den Gutachtensauftrag gesandt
wurden
, ist nach dem Gesagten hinfällig. Zudem wurden
die IV-Akten
der Beschwerdeführerin und
den
von ihr genannten
Beratungsstellen
(
L._
, Urk. 7/287
;
Sozialversicherungsbe
ra
tungsstelle
Kantone Zürich und Schaffhausen, Urk. 7/289
) bereits mehrmals zu
gesandt
(Urk. 7/266, Urk. 7/288)
. Darin hatte
n
sich auch der
Gutachtens
auftrag
(Urk. 7/251)
und die Fragen an die Gutachter befunden (
Urk. 7/230
/1-4
;
vgl. Beilagen
der Mitteilung vom 22. Mai 2014, Urk. 7/231; vgl. auch
Urk. 7/253), worauf die Beschwerdeführerin von der Beschwerdegegnerin
zudem
mit Schrei
ben vom 10.
November 2014
ausdrücklich
aufmerksam gemacht
wurde
(
Urk. 7/291).
Das Akteneinsichtsrecht
wurde hinreichend gewahrt.
7.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Zwischenverfügung vom
9. Oktober 2014 in teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und es ist fest
zu
stellen, dass
im Sinne der Erwägungen
eine polydisziplinäre medizinische Begutachtung der Be
schwerdeführerin
in einer MEDAS-Stelle in I._
durch
zuführen ist. Im Übrigen
ist
die Beschwerde
abzuweisen
.
8.
Das Verfahren ist kostenlos; das Gesuch der Beschwerdeführerin um un
ent
geltli
che Prozessführung
(Urk. 1 S. 1) erweist sich damit als
gegenstandslos.