Decision ID: f29155ea-4999-5c69-bab3-55120a6d14ba
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Sachverhalt:
A.
X._, geboren am [...], absolvierte in den Jahren [...] bis [...] eine
Lehre als [...] bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB (SBB AG).
Vom [...] bis [...] war er als [...] und seit dem [...] als [...] bei der SBB AG
tätig. [...].
B.
Am [...] stellte sich heraus, dass X._ an diesem Tag den Prozess
der Prüfung von Bremszangen nicht korrekt ausführte, indem er Messwerte
in das maschinelle Prüfsystem eintrug, ohne das vorgeschriebene Mess-
werkzeug [...] zu verwenden.
Daraufhin nahm die SBB AG Sachverhaltsabklärungen hinsichtlich der
Prüfung von Bremszangen vor. Am 19. Mai 2020 fand eine persönliche Be-
fragung von X._ statt. Weiter erfolgten Nachkontrollen der von ihm
geprüften Bremszangen. Dabei wurden mehrere Bremszangen eruiert,
welche nicht ordnungsgemäss funktionierten. Zudem wurden zahlreiche
Messungen von Bremszangen, die X._ durchgeführt hatte, nachge-
prüft. Es ergab sich, dass bei einem hohen Anteil seiner Messungen exakt
derselbe Messwert im Prüfsystem eingetragen war, während die Nachmes-
sung abweichende Messergebnisse hervorbrachte.
C.
Mit Schreiben vom 2. Juni 2020 stellte die SBB AG X._ in Aussicht,
das Arbeitsverhältnis wegen eines wichtigen Grundes fristlos auflösen zu
wollen. Gleichzeitig räumte die SBB AG ihm Gelegenheit ein, sich zur Un-
tersuchung, zum Sachverhalt und zur vorgesehenen Kündigung zu äus-
sern.
D.
Mit Schreiben vom 5. Juni 2020 bezog X._ Stellung und ersuchte
seine Arbeitgeberin darum, von der fristlosen Kündigung abzusehen.
E.
Mit Verfügung vom 10. Juni 2020 löste die SBB AG das Arbeitsverhältnis
mit X._ fristlos auf. Sie begründete die fristlose Kündigung im We-
sentlichen damit, dass das zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nötige
Vertrauen durch seine Verfehlungen bei der Prüfung von Bremszangen un-
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wiederbringlich zerstört worden sei. Eine andere arbeitsrechtliche Mass-
nahme sei aufgrund der Pflichtverletzungen und des dadurch eingetrete-
nen Vertrauensverlusts nicht verhältnismässig.
F.
Mit Eingabe vom 9. Juli 2020 erhebt X._ (nachfolgend: Beschwer-
deführer) Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht. Er beantragt, es
sei festzustellen, dass die Verfügung vom 10. Juni 2020 unwirksam sei. Die
SBB AG (nachfolgend: Vorinstanz) sei zu verpflichten, ihm eine Entschädi-
gung in der Höhe eines Bruttojahreseinkommens zu entrichten. Er macht
insbesondere geltend, dass die Vorinstanz die Reaktionsfrist für eine frist-
lose Kündigung nicht eingehalten habe und mit der ungenauen Messung
von Bremszangen allein kein wichtiger Grund für die Kündigung vorliege.
G.
Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 30. September 2020
die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Sie hält daran fest, dass
ein wichtiger Grund für die fristlose Kündigung bestehe.
H.
Mit Eingaben vom 6. November 2020 und vom 11. Dezember 2020 reichen
der Beschwerdeführer und die Vorinstanz weitere Stellungnahmen ein. Am
18. Januar 2021 nimmt der Beschwerdeführer erneut Stellung.
I.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie die sich bei den Akten be-
findlichen Schriftstücke wird – soweit entscheidrelevant – im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

Das Bundesverwaltungsgericht zieht in Erwägung:
1.
1.1 Verfügungen des Arbeitgebers im Sinne von Art. 3 des Bundesperso-
nalgesetzes vom 24. März 2000 (BPG, SR 172.220.1) können mit Be-
schwerde beim Bundesverwaltungsgericht angefochten werden (Art. 36
Abs. 1 BPG und Ziff. 182 des Gesamtarbeitsvertrags der SBB vom 26. No-
vember 2018 [GAV SBB 2019, nachfolgend: GAV]).
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Bei der angefochtenen Kündigung handelt es sich um eine Verfügung im
Sinne von Art. 5 des Verwaltungsverfahrensgesetzes vom 20. Dezember
1968 (VwVG, SR 172.021), die von der SBB AG als Arbeitgeberin gemäss
Art. 3 Abs. 1 Bst. d BPG erlassen wurde. Das Bundesverwaltungsgericht
ist daher zur Beurteilung der vorliegenden Beschwerde zuständig.
1.2 Das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht richtet sich nach
dem VwVG, soweit das Verwaltungsgerichtsgesetz vom 17. Juni 2005
(VGG, SR 173.32) nichts anderes bestimmt (Art. 37 VGG).
1.3 Der Beschwerdeführer ist als Adressat der angefochtenen Verfügung,
mit welcher die Vorinstanz das bestehende Arbeitsverhältnis fristlos aufge-
löst hat, sowohl formell als auch materiell beschwert. Er ist deshalb zur
Beschwerde legitimiert (vgl. Art. 48 Abs. 1 VwVG).
1.4 Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
(vgl. Art. 50 Abs. 1 und Art. 52 VwVG) ist demnach einzutreten.
2.
2.1 Das Bundesverwaltungsgericht überprüft die angefochtene Verfügung
auf Rechtsverletzungen – einschliesslich unrichtiger oder unvollständiger
Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts und Rechtsfehler bei der
Ausübung des Ermessens – sowie auf Angemessenheit hin (vgl. Art. 49
VwVG). Bei der Prüfung der Angemessenheit auferlegt es sich indes eine
gewisse Zurückhaltung, soweit es um die Leistungsbeurteilung von Ange-
stellten, um verwaltungsorganisatorische Fragen oder um Probleme der
betriebsinternen Zusammenarbeit und des Vertrauensverhältnisses geht.
In diesen Fällen weicht es im Zweifel nicht von der Auffassung der
Vorinstanz ab und setzt sein eigenes Ermessen nicht an deren Stelle
(vgl. statt vieler Urteil des BVGer A-5997/2017 vom 14. März 2019 E. 2).
2.2 Das Bundesverwaltungsgericht würdigt die vorgelegten Beweismittel
frei (Art. 40 des Bundesgesetzes vom 4. Dezember 1947 über den Bun-
deszivilprozess [BZP, SR 273] i.V.m. Art. 19 VwVG). Der Beweis ist er-
bracht, wenn das Gericht gestützt auf die Beweiswürdigung nach objekti-
ven Gesichtspunkten zur Überzeugung gelangt, dass sich der rechtserheb-
liche Sachverhalt verwirklicht hat. Absolute Gewissheit ist indes nicht erfor-
derlich. Es genügt, wenn es an der behaupteten Tatsache keine ernsthaf-
ten Zweifel mehr hat oder allenfalls verbleibende Zweifel als leicht erschei-
nen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 2.2, A-1399/2017
vom 13. Juni 2018 E. 2.2, je m. H.).
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Seite 5
Bleibt eine entscheidrelevante Tatsache unbewiesen, gilt im Bereich des
öffentlichen Rechts grundsätzlich die Beweislastregel von Art. 8 ZGB als
allgemeiner Rechtsgrundsatz. Demnach hat jene Partei die Folgen der Be-
weislosigkeit zu tragen, die aus der unbewiesen gebliebenen Tatsache
Rechte ableitet. Im Beschwerdeverfahren betreffend Kündigung trägt die
kündigende Behörde daher die (objektive) Beweislast für das Vorliegen ei-
nes rechtsgenüglichen Kündigungsgrundes (zum Ganzen Urteile des
BVGer A-1399/2017 vom 13. Juni 2018 E. 2.2, A-6031/2017 vom 3. April
2019 E. 2.2 m. w. H.).
2.3 Die Bestimmungen über das Dienstverhältnis des Bundespersonals
gelten grundsätzlich auch für das Personal der Vorinstanz (Art. 15 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Schweizerischen Bundesbahnen vom
20. März 1998 [SBBG, SR 742.31]; Art. 2 Abs. 1 Bst. d BPG). Ergänzend
ist auf die (Ausführungs-)Bestimmungen des erlassenen GAV abzustellen.
Dagegen ist die Bundespersonalverordnung vom 3. Juli 2001 (BPV,
SR 172.220.111.3) auf das Personal der Vorinstanz – welche für ihren Be-
reich stattdessen mit den Personalverbänden den GAV abgeschlossen
hat – nicht anwendbar (statt vieler: Urteil des BVGer A‐5997/2017 vom
14. März 2019 E. 3).
3.
Streitig und zu prüfen ist vorliegend, ob ein wichtiger Grund besteht, der
die Vorinstanz zur fristlosen Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit dem
Beschwerdeführer berechtigte.
3.1 Nach Art. 10 Abs. 4 BPG und Ziff. 176 Abs. 1 GAV können die Vertrags-
parteien das Arbeitsverhältnis aus wichtigen Gründen fristlos kündigen. Als
wichtiger Grund gilt gemäss Ziff. 176 Abs. 2 GAV jeder Umstand, bei des-
sen Vorhandensein der kündigenden Partei nach Treu und Glauben die
Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr zugemutet werden darf.
Die Voraussetzung zur fristlosen Auflösung des Arbeitsverhältnisses orien-
tiert sich damit an den "wichtigen Gründen" gemäss Art. 337 Abs. 1 und 2
des Obligationenrechts vom 30. März 1911 (OR, SR 220), der die fristlose
Auflösung privatrechtlicher Arbeitsverhältnisse regelt. Um zu beurteilen, ob
eine fristlose Kündigung gerechtfertigt ist, kann somit die zu Art. 337 OR
entwickelte Rechtsprechung angemessen berücksichtigt werden. Den Be-
sonderheiten des öffentlichen Dienstes ist dabei allerdings Rechnung zu
tragen (Urteile des BVGer A-1508/2020 vom 9. September 2020 E. 4.1,
A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 3.2, A-5997/2017 vom 14. März 2019
E. 5.3).
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Eine fristlose Kündigung ohne vorgängige Verwarnung ist nur bei einem
besonders schweren Fehlverhalten der angestellten Person gerechtfertigt.
Dieses muss einerseits objektiv geeignet sein, die für das Arbeitsverhältnis
wesentliche Vertrauensgrundlage zu zerstören oder zumindest so tiefgrei-
fend zu erschüttern, dass dem Arbeitgeber die Fortsetzung des Arbeitsver-
hältnisses nicht mehr zuzumuten ist; andererseits muss es sich auch tat-
sächlich so auf das Vertrauensverhältnis auswirken. Wiegen die Verfehlun-
gen weniger schwer, ist die fristlose Kündigung wie im privaten Arbeitsrecht
nur gerechtfertigt, wenn die Verfehlungen trotz Verwarnung wiederholt be-
gangen werden (Urteile des BVGer A-1508/2020 vom 9. September 2020
E. 4.1, A-6031/2017 vom 3. April 2019 E. 3.2, A-615/2018 vom 22. Januar
2019 E. 5.2.1).
3.2 Dem Arbeitgeber kommt beim Entscheid, ob ein wichtiger Grund für
eine fristlose Kündigung vorliegt, ein erheblicher Ermessensspielraum zu.
Er hat aber den Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten und die-
jenige Massnahme zu wählen, die angemessen ist bzw. genügt. Als
strengste ihm zur Verfügung stehende Massnahme darf er die fristlose
Kündigung nur in Ausnahmefällen als letztes Mittel ("ultima ratio") ausspre-
chen. Er hat dabei unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des kon-
kreten Falls zu prüfen, ob sie gerechtfertigt ist (Urteile des BVGer
A-1508/2020 vom 9. September 2020 E. 4.2, A-6031/2017 vom 3. April
2019 E. 3.2, A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.2).
3.3 Ein wichtiger Grund für eine fristlose Kündigung kann insbesondere in
einer schweren Verletzung der in Art. 20 Abs. 1 BPG und Ziff. 36 GAV ver-
ankerten Treuepflicht liegen, also der Pflicht der Angestellten, die berech-
tigten Interessen ihres Arbeitgebers wie auch des Bundes zu wahren (sog.
"doppelte Loyalität"). Der Umfang der Treuepflicht ist beschränkt und sie
besteht nur so weit, als es um die Erreichung und Sicherung des Arbeits-
erfolges geht, also soweit ein genügender Zusammenhang zum Arbeits-
verhältnis besteht. Sie hängt daher stark von Funktion und Aufgabe des
Arbeitnehmers und den betrieblichen Verhältnissen ab und ist für jedes Ar-
beitsverhältnis gesondert aufgrund der Umstände und Interessenlage des
konkreten Falls zu bestimmen (Urteile des BVGer A-6031/2017 vom 3. Ap-
ril 2019 E. 3.3, A-3148/2017 vom 3. August 2018 E. 7.1.3, A-4389/2016
vom 21. September 2016 E. 5.5.2).
Die Treuepflicht verbietet unter anderem gewisse das Arbeitsverhältnis
oder die Interessen des Arbeitgebers störende Aktivitäten. Zu unterlassen
sind insbesondere strafbare oder sonstige rechtswidrige Handlungen, die
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Seite 7
das Arbeitsverhältnis beeinträchtigen (etwa Veruntreuungen oder Dieb-
stähle) sowie Fehlinformationen, z.B. unwahre Angaben in Arbeits- und
Reiserapporten (Urteile des BVGer A-4312/2016 vom 23. Februar 2017
E. 5.5.3, A-403/2016 vom 29. August 2016 E. 3.5, A-7515/2014 vom
29. Juni 2016 E. 4.5).
Als schwere Verletzungen der Treuepflicht qualifizierte das Bundesverwal-
tungsgerichts aufgrund der konkreten Fallumstände z.B. die missbräuchli-
che Verwendung von Mitarbeitervergünstigungen (Urteil des BVGer
A-1508/2020 vom 9. September 2020 E. 6), die manipulierte bzw. unwahre
Erfassung der Arbeitszeit (Urteil des BVGer A-403/2016 vom 29. August
2016 E. 5) oder eine Tätlichkeit gegenüber einem Mitarbeiter (Urteil des
BVGer A-656/2016 vom 14. September 2016 E. 6). Auch durch Fälschung
von Arbeitsergebnissen oder Arbeitsrapporten kann die Treuepflicht
schwer verletzt werden (vgl. STREIFF/VON KAENEL/RUDOLPH, Arbeitsvertrag
- Praxiskommentar zu Art. 319–362 OR, 7. Aufl. 2012, Art. 337 Rz. 5,
Art. 321a Rz. 7 m. Verw. auf das Jahrbuch des Schweizerischen Arbeits-
rechts [JAR] 1990, S. 257).
3.4
3.4.1 Vorliegend begründet die Vorinstanz die schwere Verletzung der
Treuepflicht damit, dass der Beschwerdeführer bei der Prüfung der Brems-
zangen Messwerte im Wissen um die Gefährdung der Sicherheit absicht-
lich manipuliert bzw. nicht korrekt in die Prüfmaschine eingetragen habe.
Durch seine Arbeitsweise habe er den Eisenbahnbetrieb sowie die Sicher-
heit der Kundschaft auf das Gröbste gefährdet. Aufgrund der daher not-
wendigen Nachkontrollen der von ihm geprüften Bremszangen habe er
kostenintensive Folgen für das Unternehmen bewirkt. Erschwerend
komme hinzu, dass er sich nach dem Vorfall vom [...] (Bst. B) bei seinem
Gruppenleiter erkundigt habe, wer ihn «verpfiffen» habe.
3.4.2 Der Beschwerdeführer wendet im Wesentlichen ein, der einzige er-
wiesene und unbestrittene Vorwurf bestehe in der ungenauen Prüfmes-
sung von Bremszangen, welche die Vorinstanz zudem genehmigt habe.
Der Kausalzusammenhang zwischen der vorwerfbaren Handlung und den
festgestellten Schäden an den Bremszangen sei nicht erwiesen. Hinzu
komme, dass die Ungenauigkeit der Messungen auf eine ungenügende
Ausbildung und Instruktion zurückzuführen sei, was allein die Vorinstanz
zu verantworten habe.
A-3509/2020
Seite 8
3.5
3.5.1 Wie sich aus den Akten ergibt, beinhaltet die Prüfung der Bremszan-
gen eine Kontrolle, ob die Nachstellung der Bremszange ordnungsgemäss
funktioniert. Ist dies nicht der Fall, nimmt die Bremskraft während der Ab-
nützung der Bremsbeläge kontinuierlich ab. Sind die Bremsbeläge soweit
abgeschliffen, dass die Zange automatisch nachstellen müsste und erfolgt
dies nicht, wird nur noch ein Bruchteil der Bremskraft an der betroffenen
Wagenachse wirksam. Im Fall einer Notbremse könnte der Zug daher nicht
schnell genug gebremst werden. Vor der Inbetriebnahme des Zuges erfolgt
zwar eine Kontrolle der Bremskraft. Das Funktionieren des Nachstellens
kann dabei jedoch nicht hinreichend geprüft werden, da möglich ist, dass
die Bremskraft in diesem Zeitpunkt noch ausreicht und der Defekt somit
nicht bemerkt wird. Hinzu kommt laut Vorinstanz, dass moderne Triebzüge
hauptsächlich elektronisch bremsen und die Bremszangen nur noch zum
Anhalten am Perron und zur Notbremsung benutzt werden, weshalb eine
Reduktion der Bremskraft im täglichen Betrieb kaum auffällt.
Die vorliegend betroffenen Messungen, mit denen der Beschwerdeführer
betraut war, bestehen unter anderem darin, den Nachsteller der Brems-
zange mit geeignetem Werkzeug vollständig zusammenzuziehen, damit
die Bremszange maximal geöffnet ist. In diesem Zustand wird die Öffnung
der Bremszange manuell gemessen. Gibt die prüfende Person diesen Wert
in das Programm ein, schliesst das Prüfprogramm die Bremszange mehr-
mals maschinell. Anschliessend misst sie erneut und trägt den entspre-
chenden Wert ebenfalls ein. Daraus ergibt sich in der Folge ein Differenz-
wert. Liegt dieser innerhalb des Toleranzbereichs, wird das Prüfprogramm
fortgesetzt. Ansonsten kann der nächste Arbeitsvorgang nicht erfolgen und
die Bremszange wird zur Nachmessung bzw. zur Analyse des Defekts zu-
rückgewiesen (vgl. zum Prüfablauf: Vorakten, act. 8.7 [mit Abbildungen der
Messschritte]; act. 8.9, S. 3 f.).
3.5.2 Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, dass die Prüftätig-
keit des Beschwerdeführers für die Sicherheit des Eisenbahnverkehrs und
des Betriebs der Vorinstanz in hohem Mass relevant ist.
3.6
3.6.1 Die Vorinstanz hat im Rahmen ihrer Sachverhaltsabklärungen zahl-
reiche (mehrere hundert) Bremszangen überprüft, die vom Beschwerde-
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Seite 9
führer seit [...] vermessen worden waren. Sie hat die von ihm im Prüfpro-
gramm eingetragenen Messwerte eruiert und den durch Nachmessung tat-
sächlich ermittelten Werten gegenübergestellt. Aus der Analyse vom
20. Mai 2020 geht hervor, dass bei 80 % von 95 geprüften Messungen des
Zangentyps 716-26-60 aufgrund der Einträge des Beschwerdeführers
exakt derselbe Messwert (Differenzwert) von 5.5 mm resultierte. Es handelt
sich dabei um den Minimalwert, der für die Fortsetzung des maschinellen
Prüfprozesses mindestens erforderlich ist. Die Nachmessungen ergaben
hingegen durchwegs abweichende Werte und, für die verschiedenen
Bremszangen, grösstenteils unterschiedliche Messergebnisse. Weiter ver-
glich die Vorinstanz die Werte des Beschwerdeführers mit 165 Messungen
anderer Mitarbeiter, die im Jahr 2014 nach dem Zufallsprinzip erhoben wur-
den. Deren Messergebnisse zeigten, wie aus der grafischen Darstellung
des Vergleichs ersichtlich ist, weitgehend unterschiedliche Werte und eine
klar erkennbare Verteilung über eine Bandbreite von 5.6 bis 11.5 mm.
Die als Beschwerde-Beilage 4 eingereichte Auswertung der Nachprüfung
ergab für weitere Messungen in hoher Zahl, dass der Beschwerdeführer
mehrheitlich denselben Messwert von 5.5 mm (nebst einigen Werten von
8 und 10 mm) generierte und dieser sich von den tatsächlichen Werten
erheblich unterscheidet. Es fehlt die übliche Verteilung. In einigen Fällen
wiesen die Messungen des Beschwerdeführers den Wert von 5.5 mm so-
gar für Bremszangen aus, deren Nachstellung überhaupt nicht funktio-
nierte und für welche der Wert von 1 mm nachgemessen wurde.
3.6.2 Unter diesen Umständen bestehen keine ernsthaften Zweifel an der
Feststellung der Vorinstanz, dass der Beschwerdeführer – über mehrere
Monate – eine Vielzahl von Messwerten absichtlich manipuliert und den
vorgeschriebenen Prüfungsablauf dadurch bewusst missachtet hat. Hinge-
gen erscheint nicht glaubhaft, dass der Beschwerdeführer die Bremszan-
gen lediglich ungenau gemessen hat, wie er geltend macht. Auch für «nur»
unsorgfältige Messungen oder solche mit ungeeignetem Messwerkzeug
(z.B. Metermass statt Schieblehre) kann vernünftigerweise ausgeschlos-
sen werden, dass sie in der überprüften Anzahl weitgehend denselben
Wert ergeben hätten, zumal die effektiv nachgemessenen Werte eine er-
hebliche Verteilung aufweisen. Es ist daher mit der Vorinstanz davon aus-
zugehen, dass die identischen Messergebnisse durch die gezielte Eingabe
passender (fingierter) Werte in das System entstanden sind.
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Seite 10
3.6.3 Demnach führten, abweichend von der Sichtweise des Beschwerde-
führers, nicht ungenaue Prüfmessungen bzw. schlechte Leistungen zur so-
fortigen Auflösung des Arbeitsverhältnisses. Er beruft sich in diesem Zu-
sammenhang auf die privatrechtliche Rechtsprechung des Bundesge-
richts, wonach eine mangelhafte Arbeitsleistung grundsätzlich keine sofor-
tige Kündigung des Arbeitsvertrags rechtfertigt. Anders kann es sich etwa
verhalten, wenn sie auf grobes Verschulden zurückzuführen ist (Urteile des
BGer 4C.329/1998 vom 23. Dezember 1998 E. 2b, in: JAR 1999, S. 271,
4C.180/2004 vom 16. August 2004 E. 2.1, 4A_570/2009 vom 7. Mai 2010
E. 6.1). Es mag sein, dass nicht korrekte Messleistungen allein die
Vorinstanz kaum zur fristlosen Kündigung berechtigt hätten. Vorliegend be-
steht der ausschlaggebende Grund für die fristlose Kündigung jedoch da-
rin, dass der Beschwerdeführer seine Arbeitsergebnisse – ohne eine ei-
gentliche Messung durchzuführen – manipuliert bzw. das Prüfprogramm
der Vorinstanz fehlgeleitet hat, sodass die Messwerte innerhalb des Tole-
ranzbereichs lagen und die Fortsetzung des Prozesses erlaubten. Für
diese Verletzung der Treuepflicht fällt eine sofortige Auflösung des Arbeits-
vertrags durchaus in Betracht, sofern sie als schwerwiegend zu qualifizie-
ren ist bzw. die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für die Vorinstanz als
unzumutbar erscheinen lässt.
3.7
3.7.1 Für eine schwerwiegende Pflichtverletzung spricht insbesondere,
dass der Beschwerdeführer seine Arbeitgeberin mit den manipulierten
Messergebnissen über einen erheblichen Zeitraum willentlich getäuscht
hat und sie glauben liess, die Messungen gemäss dem vorgegebenen
Prüfprozess durchgeführt zu haben. Dadurch blieben ihr die realen Werte
verborgen. Es ist daher objektiv nachvollziehbar, dass die Vorinstanz sich
fortan auf seine Angaben bzw. Arbeitsergebnisse nicht mehr verlassen
konnte und entsprechend das für die weitere Zusammenarbeit notwendige
Vertrauen nicht mehr vorhanden war.
3.7.2 Besonderes Gewicht verleiht den Verfehlungen des Beschwerdefüh-
rers, dass er sie im Rahmen einer sicherheitsrelevanten Tätigkeit began-
gen hat (E. 3.5). Bei der Befragung vom 19. Mai 2020 hat er zu Protokoll
gegeben, es sei ihm bewusst, dass sein Fehlverhalten eine Gefährdung
des Betriebs der Vorinstanz auslösen könne. Durch die Manipulation der
Messwerte hat er demnach die Sicherheits- und Schadensrisiken, die mit
defekten Bremszangen der Züge einhergehen können, in Kauf genommen.
Zudem hat er unstrittig umfangreiche Nachkontrollen von (teilweise bereits
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an Fahrzeugen eingebauten) Bremszangen verursacht, die aus Sicher-
heitsgründen erforderlich wurden. Er hat somit bewusst und in gravieren-
der Weise gegen die Interessen seiner Arbeitgeberin gehandelt.
Sein Einwand, die Ungenauigkeit liege mit den vielfach weniger als 3 mm
abweichenden Werten im vertretbaren und ungefährlichen Bereich, wirkt
sich mit Blick auf die relevante Grössenordnung nicht zu seinen Gunsten
aus. Zum einen entscheiden bei jeder Messung Millimeter darüber, ob der
zur Vermeidung von Sicherheitsrisiken erforderliche Toleranzwert erreicht
wird oder nicht. Zudem andern kann die Manipulation der Ergebnisse ohne
vorgeschriebene Messung bewirken, dass jegliche und somit auch sicher-
heitsgefährdende Werte unerkannt bleiben.
3.7.3 Der Beschwerdeführer sieht sich ferner dadurch entlastet, dass die
Vorinstanz seine Arbeitsergebnisse genehmigt habe. Zwar trifft wie ausge-
führt zu, dass das Prüfprogramm die Messungen maschinell «genehmigt»
bzw. den Vorgang fortsetzt, wenn der resultierte Messwert über der erfor-
derlichen Schwelle liegt. Das pflichtwidrige Verhalten des Beschwerdefüh-
rers bestand indessen gerade darin, dass er bewusst den dafür nötigen
Minimalwert als Messergebnis bewirkte und dadurch die Wirksamkeit des
maschinellen Prüfprozesses aushebelte, sodass keine Nachmessung er-
forderlich wurde. Da der Prüfprozess zudem Schritt für Schritt nach detail-
lierten maschinellen Vorgaben abläuft, bestand für die Vorgesetzten kein
Anlass, alle Ergebnisse des Beschwerdeführers im erwähnten Millimeter-
bereich systematisch nachzumessen, zumal er zu den Messleistungen
grundsätzlich in der Lage war. Nach dem Prüfvorgang wurden laut
Vorinstanz lediglich noch Sichtkontrollen (Vier-Augen-Prinzip) vorgenom-
men. Dass der Beschwerdeführer in diesem Sinn unter einer gewissen Be-
obachtung stand, lässt die Schwere der Pflichtverletzung im konkreten Fall
nicht entfallen und führt– angesichts der von absichtlichen Manipulationen
geprägten Arbeitsweise – nicht zur Zumutbarkeit der Weiterbeschäftigung.
3.7.4 Aus den genannten Gründen war das Fehlverhalten des Beschwer-
deführers objektiv geeignet, die für das Arbeitsverhältnis wesentliche Ver-
trauensgrundlage tiefgreifend zu erschüttern, sodass es der Vorinstanz
nicht mehr zuzumuten war, den Arbeitsvertrag bis zum Ablauf der ordentli-
chen Kündigungsfrist fortzusetzen.
3.7.5 Nichts Gegenteiliges ergibt sich aus der Rüge des Beschwerdefüh-
rers, es sei kein Kausalzusammenhang zwischen seinem Prüfverhalten
und den allenfalls erst später bei der Lagerung oder beim Transport der
A-3509/2020
Seite 12
Bremszangen verursachten Schäden nachgewiesen. Die Pflichtverletzung
durch Manipulation der Messwerte unter bewusster Inkaufnahme der Si-
cherheits- und Schadensrisiken wiegt hinreichend schwer, um sich vertrau-
enszerstörend auszuwirken. Der Eintritt tatsächlicher Schäden war darüber
hinaus für die fristlose Auflösung des Arbeitsvertrags nicht erforderlich.
Ausserdem wurden die aufwändigen und kostenintensiven Nachkontrollen
der Bremszangen aufgrund der Verfehlungen des Beschwerdeführers un-
abhängig davon notwendig, ob dadurch tatsächlich Defekte an Zangen ent-
standen waren.
3.7.6 Soweit der Beschwerdeführer die fehlerhaften Messwerte auf eine
fehlende Ausbildung und unzureichende Instruktion durch die Vorinstanz
zurückführen will, kann ihm ebenfalls nicht gefolgt werden. Insbesondere
lässt sich weder durch eine sachgerechte Ausbildung noch durch sorgfäl-
tige Instruktion verhindern, dass Messresultate absichtlich manipuliert und
die von der Prüfmaschine detailliert vorgegebenen Arbeitsabläufe bewusst
umgangen werden. Aufgrund dieses Verhaltens des Beschwerdeführers
erscheint auch seine Darstellung nicht glaubhaft, er habe die Messungen
so ausgeführt, wie es ihm gezeigt worden sei. Ferner fällt in Betracht, dass
der Beschwerdeführer die Prüfmessung korrekt ausführte, während er von
seinem Vorgesetzten direkt beaufsichtigt und beobachtet wurde
(vgl. E. 4.4). Unter den Aspekten der Ausbildung und Instruktion vermag er
sich somit nicht zu entlasten.
3.7.7 Zusammenfassend ergibt sich, dass die streitige Kündigung in objek-
tiver Hinsicht gerechtfertigt war.
4.
Weiter zu prüfen ist, ob das Fehlverhalten des Beschwerdeführers das Ver-
trauen der Vorinstanz tatsächlich im erforderlichen Ausmass erschütterte
(vgl. E. 3.1).
4.1 Der Beschwerdeführer rügt in dieser Hinsicht, die fristlose Kündigung
sei nicht gerechtfertigt, weil die Vorinstanz die erforderliche Reaktionsfrist
nach der Entdeckung der Unregelmässigkeiten nicht eingehalten habe. Be-
reits am 20. Februar 2020 habe sie eine entsprechende Meldung erhalten,
die sie zu einer Untersuchung veranlasst habe. Selbst wenn man an-
nehme, die Vorinstanz habe erst am 15. Mai 2020 aufgrund der zweiten
Unregelmässigkeitsmeldung Kenntnis von der Sachlage erlangt, betrage
die Zeitspanne bis zur Gewährung des rechtlichen Gehörs am 2. Juni 2020
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Seite 13
12 Arbeitstage. Sie sei somit zu lang, um daraus die Unzumutbarkeit der
Weiterbeschäftigung abzuleiten.
4.2 Die Vorinstanz führt hingegen aus, die Kündigung sei angesichts der
notwendigen Sachverhaltsermittlungen, einschliesslich der Befragung des
Beschwerdeführers und der Nachkontrollen von Bremszangen, rechtzeitig
erfolgt. Sie habe die Abklärungen den Umständen entsprechend beförder-
lich vorgenommen. Nachdem sie Ende Mai 2020 hinreichende Kenntnis
von der Sachlage erlangt habe, seien die arbeitsrechtlichen Massnahmen
rasch angeordnet worden.
4.3 Rechtsprechung und Lehre verlangen in diesem Zusammenhang, dass
der Arbeitgeber die fristlose Kündigung umgehend ausspricht. Andernfalls
wird angenommen, die Fortführung des Arbeitsverhältnisses sei für ihn zu-
mutbar (statt vieler: Urteil des BVGer A-7515/2014 vom 29. Juni 2016
E. 6.2.1 m. H.). Wenngleich bei der Anwendung von Art. 10 Abs. 4 BPG
und Ziff. 176 Abs. 1 GAV die zivilrechtliche Rechtsprechung zu Art. 337 OR
berücksichtigt werden kann (E. 3.1), lässt sich die Praxis, welche eine frist-
lose Kündigung grundsätzlich nur innert einer Zeitspanne von einigen we-
nigen Arbeitstagen erlaubt (vgl. BGE 130 III 28 E. 4.4), nicht ohne Weiteres
auf öffentlich-rechtliche Anstellungsverhältnisse übertragen. Aufgrund der
Besonderheiten des Verwaltungsverfahrens rechtfertigt es sich, dem öf-
fentlich-rechtlichen Arbeitgeber eine längere Reaktionsfrist zuzugestehen
als im Privatrecht. Im öffentlichen Personalrecht ergeht die Kündigung in
der Regel in Form einer schriftlich begründeten Verfügung (Art. 34 Abs. 1
BPG; Ziff. 176 Abs. 4 GAV). Dieser geht häufig eine Untersuchung voraus,
besonders, wenn Verdachtsmomente zu erhärten bzw. zu widerlegen sind.
Zudem ist dem Angestellten vor der Kündigungsverfügung das rechtliche
Gehör einzuräumen. Hinzu kommen die speziellen Verfahrensabläufe in-
nerhalb der Verwaltung, die es häufig nicht erlauben, unverzüglich über die
Auflösung des Arbeitsverhältnisses zu entscheiden, etwa, wenn die Ent-
scheidung nicht von einer einzelnen Person getroffen werden kann (zum
Ganzen: Urteile des BGer 8C_204/2020 vom 17. August 2020 E. 4.2.2 ff.
und 8C_465/2018 vom 6. Mai 2019 E. 5.2, je m. H.).
Die Reaktionsfrist läuft zudem nicht, solange der Arbeitgeber keine genü-
gend sichere Kenntnis der Umstände hat und noch Abklärungen vorneh-
men muss. Dies muss er zwar beförderlich tun, doch darf er sich die nötige
Zeit nehmen, um die Abklärungen sorgfältig tätigen zu können (Urteile des
BVGer A-7515/2014 vom 29. Juni 2016 E. 6.2 und A-4389/2016 vom
21. September 2016 E. 7.2, je m. H.; vgl. BGE 138 I 113 E. 6.5).
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4.4 Die Vorinstanz weist zutreffend darauf hin, dass der relevante Sachver-
halt nicht bereits im Februar 2020 von Anfang an feststand. Zwar trifft, wie
sie einräumt, zu, dass der Vorgesetzte des Beschwerdeführers am
20. Februar 2020 von der Meldung anderer Mitarbeiter erfuhr, wonach der
Beschwerdeführer den Prüfvorgang nicht immer korrekt ausführe. Ob sich
dieser Verdacht bestätigen würde und von welcher Art und Tragweite all-
fällige Verfehlungen waren, war jedoch noch nicht klar.
Aufgrund der genannten Meldung nahm der Vorgesetzte unstrittig Kontrol-
len am Arbeitsplatz des Beschwerdeführers vor. Dabei wurden keine Unre-
gelmässigkeiten festgestellt. Der Beschwerdeführer hielt sich während der
Aufsicht des Vorgesetzten an die Prozessabläufe und führte diese laut der
Vorinstanz korrekt aus. Die dabei durchgeführten Messungen zeigten
keine auffälligen Ergebnisse. Da sich der Vorwurf nicht bestätigte, sah der
Vorgesetzte keinen Anlass, weitergehende Abklärungen durchzuführen.
Ihm blieb somit unbekannt, worin die Verfehlungen tatsächlich bestanden.
Am 14. Mai 2020 erhielt der Vorgesetzte eine weitere Meldung, dass der
Beschwerdeführer die Bremszangen nicht korrekt prüfe. Am Folgetag ent-
fernte er vom Arbeitsplatz des Beschwerdeführers die zur exakten Mes-
sung notwendige Schieblehre (Messgerät), um die korrekte Ausführung
des Prüfvorgangs zu kontrollieren. Unstrittig nahm der Beschwerdeführer
am 15. Mai 2020 die Prüfung dennoch – ohne Schieblehre – vor, trug einen
ungefähren Wert in das Prüfsystem ein und führte die Prüfung zu Ende.
Die Bremszange wurde später bereit für den Versand am entsprechenden
Ort gefunden. Nach Abschluss des Prozesses meldete sich der Beschwer-
deführer beim Vorgesetzten und erkundigte sich nach der Schieblehre, wo-
rauf dieser ihn nicht mehr weiterarbeiten liess.
Es ist nachvollziehbar, dass die Vorinstanz aufgrund dieses (einzelnen)
Vorfalls zunächst nähere Untersuchungen zur Ermittlung des Sachverhalts
vornahm, um Ausmass und Schwere der Verfehlungen des Beschwerde-
führers sowie dessen Verschulden näher zu prüfen. Sie verfügte in diesem
Zeitpunkt noch über kein hinreichendes Bild der fehlerhaften Messungen
und davon, auf welche (manipulierende) Weise sowie in welcher Häufigkeit
diese zustande gekommen waren. Die Vorinstanz nahm in der Folge um-
gehend Abklärungen vor, die sie nicht grundlos ruhen liess oder zu wenig
beförderlich vorantrieb. Vielmehr war eine Untersuchung der eingetrage-
nen Messwerte und der vom Beschwerdeführer geprüften Bremszangen
erforderlich, um dem Verdacht nachzugehen, dass er Werte manipuliert
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haben könnte. Diese gestaltete sich, wie die Vorinstanz einleuchtend dar-
legt, aufwändig, zumal sie die Bremszangen, teils an verschiedenen Orten
gelagert, teils bereits eingebaut, zunächst erhältlich machen musste.
Angesichts des Aufwands für die Nachforschungen und des Zeitraums, auf
den sich die zu prüfenden Messungen des Beschwerdeführers ausdehn-
ten, verging ab dem 15. Mai 2020 nicht ungerechtfertigt viel Zeit für die
Sachverhaltsabklärung, bis er am 19. Mai 2020 befragt wurde und am
20. Mai 2020 die erste Analyse für einen geprüften Teil der Bremszangen
schriftlich vorlag. Erst im Zuge dieser Analyse wurde erstmals bekannt,
dass der Beschwerdeführer hinsichtlich des Zangentyps 716-26-60 seit
Oktober 2019 80 % von 95 Messungen stets mit demselben Wert manipu-
liert hatte und die Nachstellung einer Bremszange überhaupt nicht funktio-
nierte. Erst in dieser Phase begann sich zudem die zeitliche und quantita-
tive Dimension der Verfehlungen zu offenbaren. In den nachfolgenden Ta-
gen wurden – auch über das Wochenende vom 23. und 24. Mai 2020 –
zusätzliche Nachkontrollen durchgeführt. Bis Ende Mai wurden, wie die Vo-
rinstanz schlüssig darlegt und u.a. aus der Kontrollliste vom 25. Mai 2020
hervorgeht, weitere fehlerhafte Messungen und Bremszangen entdeckt,
die den Prüfprozess passiert hatten, obwohl die Nachstellung nicht funkti-
onierte. Diese weitergehenden Erkenntnisse erhärteten den Verdacht der
Manipulation. Im Übrigen hat die Vorinstanz laut ihren Ausführungen noch
bis im September 2020 Fahrzeuge überprüft, bei denen die vom Beschwer-
deführer freigegebenen Bremszangen bereits eingebaut waren.
4.5 Aufgrund des dargelegten Ablaufs hat die Vorinstanz erst mit der Ana-
lyse vom 20. Mai 2020 sowie den Ergebnissen der Nachkontrollen in den
Folgetagen (gegen Ende Mai) genügend sichere Kenntnis von den aus-
schlaggebenden Tatsachen für die Kündigung, insbesondere von der Ma-
nipulation der Messwerte und ihrem Ausmass, erlangt. Erst ab diesem Zeit-
punkt konnte die Reaktionszeit zu laufen beginnen und war die Vorinstanz
in der Lage, über die arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu befinden.
4.6 Die anschliessende Zeitspanne bis zur Kündigung vom 10. Juni 2020
ist in erster Linie auf die Gewährung des rechtlichen Gehörs und darauf
zurückzuführen, dass die Kündigung in der Form der Verfügung und schrift-
lich begründet zu ergehen hatte. Zwischen dem Zeitpunkt, in dem die
Vorinstanz gemäss ihrer Sachverhaltsermittlung über ein hinreichendes
Bild der Vorgänge verfügte, und der am 2. Juni 2020 gewährten Gelegen-
heit zur Stellungnahme, vergingen relativ wenige Arbeitstage. Aus dieser
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Zeitdauer lässt sich, anders als gerügt, nicht ableiten, dass die weitere Zu-
sammenarbeit für die Vorinstanz in subjektiver Hinsicht zumutbar war.
4.7 Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers trifft somit nicht zu, dass
die Vorinstanz trotz Kenntnis der Sachlage zu lange mit der Kündigung zu-
gewartet und dadurch die Zumutbarkeit der Fortführung des Arbeitsverhält-
nisses zum Ausdruck gebracht hat.
5.
5.1 Unter Würdigung sämtlicher Umstände ergibt sich demnach, dass der
Beschwerdeführer schwerwiegend gegen die Treuepflicht verstossen hat,
wodurch die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für die Vorinstanz unzu-
mutbar geworden ist. Eine Verwarnung war aufgrund des absichtlichen
Fehlverhaltens, der bewussten Gefährdung der Sicherheit und dem ent-
sprechend grundlegenden Vertrauensverlust auch nicht als Ausdruck des
Verhältnismässigkeitsprinzips geboten.
5.2 Zusammenfassend erweist sich die fristlose Entlassung als gerechtfer-
tigt. Die angefochtene Verfügung ist somit rechtmässig und zu bestätigen.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen und dem Beschwerdeführer
keine Entschädigung zuzusprechen (Art. 34b Abs. 1 Bst. a BPG; Ziff. 183
Abs. 1 Bst. a GAV).
6.
Das Beschwerdeverfahren ist in personalrechtlichen Angelegenheiten un-
abhängig vom Verfahrensausgang grundsätzlich kostenlos (vgl. Art. 34
Abs. 2 BPG). Es sind daher keine Verfahrenskosten zu erheben.
7.
Die obsiegende Vorinstanz hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädi-
gung (vgl. Art. 7 Abs. 3 des Reglements vom 21. Februar 2008 über die
Kosten und Entschädigungen vor dem Bundesverwaltungsgericht [VGKE,
SR 173.320.2]). Dem unterliegenden Beschwerdeführer steht ebenfalls
keine solche Entschädigung zu (vgl. Art. 64 Abs. 1 VwVG, Art. 7 Abs. 1
VGKE).
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