Decision ID: 7ff81a47-f2dc-483d-aa50-69b832837081
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963,
ist deutscher Staatsangehöriger
und
war seit dem
7.
September 2015
bei der
Y._
AG,
Z._
, als S
enior
Commissioning
Manager
angestellt
. Vom
8.
Oktober 2015 bis
Ju
l
i 2019
wurde er von seiner Arbeitgeberin
nach
Gro
ssbritan
n
ien entsandt und w
urde
nach seiner Rückkehr an deren
Sitz in
Z._
weiterbeschäftigt (vgl.
Urk.
7/10-12 S. 2 oben,
Urk.
7/32-35 S. 1 Mitte
)
.
Am 2
9.
November 2019 wurde das Arbeitsverhältnis einvernehmlich per 2
9.
F
ebruar 2020 aufgelöst
(
Urk.
7/61-62
Ziff.
2,
Urk.
7/83-84
Ziff.
2-3
,
Ziff.
10 und
Ziff.
14
,
Urk.
7/102-105,
Urk.
7/100,
Urk.
7/107
-108).
Am
2
6.
Februar
2020
meldete
sich
der Versicherte
beim Regionalen Arbeits
vermittlungszentrum (RAV)
A._
zur Arbeitsvermittlung
und zum Bezug von Arbeitslosenentschädigung
ab dem
1.
März 2020
an (
Urk.
7/
79-82
Ziff.
2
und
Urk.
7/109
).
Mit Verfügung vom
3
.
September 2020
verneinte die Arbeitslosenkasse
des
Ka
nton
s
Zürich (nachfolgend: ALK)
einen Anspruch
des Versicherten
auf Arbeitslosenentschädigung
ab
dem
1.
März 2020
mit der Begrün
dung, dass
er
seinen Lebensmittelpunkt in Deutschland habe
(Urk.
7/
22-2
4
)
.
Die dagegen
vom
Versicherten am 2
8
.
September
und 2
7.
Oktober
2020 erhobene Einsprache (Urk.
7/
10-12,
Urk.
7/14-15
) wies die ALK mit Einsprache
entscheid vom
1
2.
November
2020 ab (Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
2.
Januar 2021 gegen den Einspracheentscheid vom 1
2.
November 2020
(
Urk.
2)
Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzuheben und es sei ihm ein Taggeldanspruch für die Zeit vom
1.
März bis 1
3.
September 2020 abzüglich der gesetzlichen Karenzzeit und der 10 aberkannten Tage zu gewähren (
Urk.
1 S. 1). Mit Beschw
erdeantwort vom 2
5.
Januar 2021
(
Urk.
6)
bean
tragte
die ALK die Abweisung der Beschwerde
, was dem Beschwerdeführer am
3.
Februar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.
1
Zwischen den Parteien streitig ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Arbe
itslosenentschädigung vom
1.
März bis 1
3.
September 202
0.
Der Beschwer
deführer ist deutscher
Staatsangehöriger
,
welcher vor Eintritt der Arbeitslosigkeit
von
einer
Schweizer Arb
eitgeberin nach Grossbritannien
entsandt
wurde
, wo
er
bis zum Projektende im Ju
li
2019
arbeitete
.
Danach fand
k
eine Entsendung mehr
ins Ausland statt
,
und
er
war noch bis zum Ende des Arbeitsverhältnisses per 2
8.
Februar 2020 für die Arbeitgeberin an deren Hauptsitz in
Z._
tätig
(
Urk.
7/
10-12 S. 2
)
.
Es liegt damit ein i
nternationaler Sachverhalt vor.
1.
2
Als Angehörige
r
eines Mitgliedstaates fällt d
er
Beschwerdeführer in den persön
lichen Geltungsbereich des
am 1. Juni 2002 in Kraft getretenen
Abkommens
vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Frei
zügigkeit (
FZA
)
sowie der Verordnungen, auf w
elche das Abkommen verweist. In
sachlicher Hinsicht gilt die Verordnung Nr. 883/2004
(nachfolgend: Grundver
ordnung,
GVO
)
unter anderem für Rechtsvorschriften über Zweige der sozialen Sicherheit, die Leistungen bei Arbeitslosigkeit betreffen (Art. 3 Abs. 1 lit. h) sowie die Durchführun
gsverordnung (EG) Nr. 987/2009
(nachfolgend
: Durchführungs
verordnung, DVO).
Gemäss Art. 11 Abs. 3 lit. a
GVO
unterliegt eine Person, die in einem Mitgliedstaat eine Beschäftigung oder selbständige Erwerbstätigkeit ausübt, grundsätzlich den Rechtsvorschriften dieses Mitgliedstaates. Bei Arbeits
losen kommen die Rechtsvorschriften
des letzten Beschäftigungsstaates vor Ein
tritt der Arbeitslosigkeit zur Anwendung
(Urteil des Bundesgerichts C 25/06 vom 6. Juni 2007 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.
3
Eine Ausnahme
vom Beschäftigungsstaatsprinzip
ist bei einer vorübergehenden Entsendung in einen anderen Vertragsstaat möglich (
Art.
12 GVO).
Entsendung bedeutet, dass ein Arbeitnehmer für Rechnung seines Arbeitgebers vorüber
gehend in einem anderen Land einen Auftrag erledigt. Während dieser Zeit bleibt weiterhin die Sozialversicherungsgesetzgebung des Ursprungslandes auf ihn anwendbar, und zwar in allen Zweigen der Sozialen Sicherheit.
1.4
Unter Vorbehalt der gemeinschaftsrechtlichen Vorgaben ist es Sache des inner
staatlichen Rechts, festzulegen, unter welchen Voraussetzungen Leistungen gewährt werden,
mithin richtet sich der Anspruch auf Leistungen der schweize
rischen Arbeitslosenversic
herung nach
schweizerischem Recht
(vgl.
BGE 131 V
209 E. 5.3; SVR 2006 ALV Nr. 24 S. 82; Urteil des Bundesgerichts
C 290/03
vom 6. März 2006
E. 1.2).
Gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. c
des
Bundesgesetzes
über die obligatorische Arbeits
losenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG)
ist für den Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung un
ter anderem Voraussetzung, dass die versi
cherte Person
in der Schweiz wohnt. Der Begriff des Wohnens in der Schweiz ist nicht im Sinne des zivilrechtlichen Wohnsitzes (Art. 23 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB) zu verstehen
, sondern setzt den gewöhnlichen Aufent
halt in der Schweiz voraus; verlangt werden der tatsächliche Aufenthalt in der
Schweiz und die Absicht, diesen Aufenthalt während einer gewissen Zeit auf
rechtzuerhalten und hier in dieser Zeit auch den Schwerpunkt der Lebensbezie
hungen zu haben
(BGE 125 V 465 E. 2a, 115 V 448 E. 1b).
Entscheidend dafür sind objektive Kriterien, während der innere Wille des
Versicherten
nicht aus
schlaggebend is
t (BGE 138 V 533 E. 4.2 mit Hinweisen).
Keinesfalls genügt es für die Bejahung eines gewöhnlichen Aufenthalts, wenn sich der Bezug zur Schweiz auf die regelmässige Rückkehr zwecks Erfüllung der Kontrollvorschriften beschränkt (Urteil des Bundesgerichts C 290/03 vom 6.
März 2006 E. 6.3
mit Hin
weisen).
1
.5
Art. 65 GVO stellt für arbeitslose Personen, die während ihrer letzten Beschäf
tigung oder selbstständigen Erwerbstätigkeit in einem anderen als dem zustän
digen Staat gewohnt haben, Sonderregeln auf.
Nach
Art. 65
Abs. 2 der GVO gilt für eine vollarbeitslose Person, die während ihrer letzten Beschäftigung oder selbständigen Erwerbstätigkeit in einem anderen als dem zuständigen Mitgliedstaat gewohnt hat und weiterhin in diesem Mitglied
staat wohnt oder in ihn zurückkehrt, dass
sie
sich der Arbeitsverwaltung des Wohnmitgliedstaats zur Verfügung stellen muss.
Sie
kann sich zusätzlich der Arbeits
verwaltung des Mitgliedstaats zur Verfügung stellen, in dem sie zuletzt eine Beschäftigung oder eine selbständige Erwerbstätigkeit ausgeübt hat. Die voll
arbeitslose Person erhält Leistungen nach den Rechtsvorschriften des Wohn
mitgliedstaats, als ob diese Rechtsvorschriften für sie während ihrer letzten Beschäftigung oder selbständigen Erwerbstätigkeit gegolten hätten. Diese Leis
tungen werden von dem Träger des Wohnorts gewährt (Art. 65
Abs. 5 Bst. a GVO) und in gewissen Grenzen vom Mitgliedstaat, dessen Rechtsvorschriften zuletzt für die arbeitslose Person gegolten haben, erstattet (Art. 65
Abs. 6 GVO; BGE 142 V 590 E. 4.3).
Diese Rechtsvorschrift ist auf (echte) Grenzgänger zugeschnitten. Für einen Arbeitnehmer, der kein Grenzgänger war, gilt
Art. 65
Abs. 5 Bst. b GVO
bezie
hungsweise
Art.
64 GVO (Arbeitslose, die sich in einen anderen Mitgliedstaat begeben)
. Der für die Zwecke dieser Verordnung bezeichnete Ausdruck «Grenz
gänger» wird definiert als eine Person, die in einem Mitgliedstaat eine Beschäf
tigung oder eine selbständige Erwerbstätigkeit ausübt und in einem anderen Mit
gliedstaat wohnt, in den sie in der Regel täglich, mindestens jedoch einmal wöchent
lich zurückkehrt (Art. 1 Bst. f; vgl. auch KS ALE 883, A28 und D22).
1.
6
Als unechter Grenzgänger gilt demgegenüber eine Person, welche im einen Staat tätig ist und im anderen Staat wohnt, in welchen sie nicht mindestens einmal wöchentlich zurückkehrt.
Anders als bei einem echten Grenzgänger fehlt somit
die Pendelbewegung (Tages- oder Wochenpendler).
Gemäss Beschluss Nr. U2
vom 1
2.
Juni 2009 zum Geltungsbereich des Artikels 65 Absatz 2 GVO
der Verwal
tungskommission gehören insbesondere folgende Personenkreise zu den unech
ten Grenzgängern
, wenn sie während ihrer letzten Tätigkeit in einem anderen als dem für die Versicherungspflicht zuständigen Mitgliedstaat wohnten
: Seeleute (Art. 11
Abs. 4 GVO); Personen, die ihre Tätigkeit gewöhnlich im Gebiet von zwei oder mehr Mitgliedstaaten ausüben (Art. 13 GVO); Personen, für die eine Verein
barung nach
Art. 16
Abs. 1 GVO gilt (zum Beispiel für Entsandte mit einer Aus
nahmebewilligung). Unechte Grenzgänger haben bei Vollarbeitslosigkeit ein Wahl
recht, das heisst sie können ihren Anspruch entweder im Wohnstaat oder aber im letzten Tätigkeitsstaat geltend machen (Art. 65
Abs. 5 Bst. b GVO; vgl. KS ALE 883,
A29
-3
1
und
D25
).
Art. 7
GVO
(in Verbindung mit
Art. 63 GVO) sieht für unechte Grenzgänger die Aufhebung von Wohnortklauseln vor. Das Erfor
dernis des Wohnens in der Schweiz nach
Art. 8
Abs. 1 lit. c
AVIG
entfällt somit, wenn diese in der Schweiz Anspruch stellen (KS ALE 883, A91-92).
1.7
Die Begründung der Eigenschaft als Grenzgänger muss vor Eintritt der (fakti
schen) Arbeitslosigkeit erfolgen. Wer zwar während der letzten Beschäftigung den Wohnort vom Beschäftigungsstaat in einen anderen Mitgliedstaat verlegt, danach aber nicht mehr in den Beschäftigungsstaat zurückkehrt, um dort die ange
stammte Tätigkeit auszuüben, ist kein Grenzgänger (KS ALE 883, A34).
2.
2.1
Im angefochtenen Einspracheentscheid
(
Urk.
2)
hielt die Beschwerd
egegnerin fest,
dass der Beschwerdeführer
die Anspruchsvoraussetzung des Wohnens in der Schweiz gemäss
Art.
8
Abs.
1 lit. c AVIG nicht nachweisen könne, weshalb er ab
1.
März 2020 keinen Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung in der Schweiz habe (S. 7
Ziff.
6).
Selbst wenn
er
als unechter Grenzgänger erachtet werden könnte, und die
Schweiz für die Leistung von Arbeitslosenentschädigung zustän
dig wäre, erfülle
er
die Anspruchsvoraussetzung des Wohnens in der Schweiz nach
Art.
8
Abs.
1 lit. c AVIG
– aus näher dargelegten Gründen –
nicht
. A
ufgrund der gesamten Sachlage
sei
nicht mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit erstellt, dass sich sein Lebensmit
telpunkt in der Schweiz befinde
(S. 4 ff.
Ziff.
3-4).
Sollte es sich beim Beschwerdeführer um einen unechten Grenzgänger handeln, hätte er nach
Art.
65
Abs.
2 GVO grundsätzlich ein Wahl
recht, ob er sich im Beschäftigungs- oder im Wohnmitgliedstaat zur Arbeits
vermittlung anmelden und Arbeitslosenentschädigung beziehen wollte. Die Aus
übung desselben sei allerdings in dem Sinne mit dem A
ufenthalt verknüpft
, als
nur eine Person, die keine Grenzgängerin sei und zusätzlich
–
anders als der Ein
sprecher
–
nicht in den Wohnmitgliedstaat zurückgekehrt sei, Leistungen
im
Beschäftigungsstaat beziehen könne
.
Art.
65
Abs.
2 GVO sei so zu verstehen, dass selbst bei enger Beziehung zum Mitgliedstaat der letzten Beschäftigung, wo auch die besten Aussichten auf berufliche Wiedereingliederung bestünden, dort nur solche Leistungen, aber keine Arbeitslosenentschädigung beansprucht werden könne. Letztere sei einzig im Wohnmitgliedstaat, vorliegend also Deutschland, geltend zu machen
(S. 6 f.
Ziff.
5).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
dass für ihn die Regularien des unechten Grenzgängers gelten würden. Er habe somit die Wahl, entweder im letzten Beschäftigungsstaat oder im gegebenenfalls davon abweichenden Wohnsitzstaat Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung zu erheben (S. 1 unten).
Er sei kurz vor der unverschuldeten Arbeitslosigkeit in der Schweiz bei einem Schweizer Arbeit
geber angestellt und davon fast vier Jahr
e
für diesen i
n Grossbritan
n
ien tätig gewesen
(S. 2 oben). Seine Familie sei nicht in die Schweiz gezogen
, da es zu der Zeit bei seinem Schweizer Arbeitgeber keine reale Option gegeben habe, dass er für diesen längerfristig in der Schweiz arbeiten würde.
Hätte er eine Stelle in der Schweiz gefunden
, wäre er ohne w
eiteres in die Schweiz gezogen.
Der mehr
monatige Einreisestopp habe seine geplante Umsiede
lung verhindert (S. 2 Mitte).
Dies könne ihm nicht angelastet werden (S. 2 unten). Es sei nicht rechtens, dass von einem unechten Grenzgänger verlangt werde, bei Eintritt der Arbeitslosigkeit sof
ort in die Schweiz umzusiedeln
(S. 3 oben). Der Grundsatz von Leistung und Gegenleistung sei verletzt (S. 4 oben).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
6) führte die Beschwerdegegnerin aus, das
s
vorliegend erstellt sei, dass der Beschwerdeführer seinen Wohnort nicht
in
den Beschäftigungsstaat bzw. in die Schweiz verlegt habe, um dort seine angestammte Tätigkeit auszuüben. Weiter sei festzuhalten, dass er zumindest nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses in seine
n
Wohnmitgliedstaat bzw. nach Deutschland, dort wo seine Familie lebe, und nicht nach Grossbritan
n
ien zurückgekehrt sei
,
weshalb dieser Umstand eine Leistungszuständigkeit d
es Wohnmitgliedstaates begründe (S. 2).
3.
3.
1
Unbestritten ist,
dass d
er
Beschwerdeführer während
seiner
Tätigkeit für die
Y._
AG
vom
7.
September 2015 bis 2
9.
Februar 2020 (
Urk.
7/83-84
Ziff.
2)
der schweizerischen Sozialversicherung unterstellt war.
Dies wohl zunächst aufgrund des Entsendungsverhältnisses, welches in Durchbrechung des
Beschäftigungsstaatsprinzips
trotz Tätigkeit in
Grossbritan
n
ien
zur Anwendung der schweizerischen Rechtvorschriften führte
(vorstehend E. 1.
3
)
und hernach ab
Beendigu
ng der letzten Entsendung im Jul
i 2019 aufgrund eines normalen Anstel
lungsverhältnisses des Beschwerdeführers mit
Beschäftigung
in der Schweiz bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses am 2
8.
Februar 2020
(
vgl.
Urk.
7/10-12 S. 2 oben,
Urk.
7/32-35 S. 1 Mitte
;
Urk.
7/101-105 bei vereinbartem
Arbeitsort
Z._
)
aufgrund des
für diese
n
Zeitraum zur Anwendung gelangenden
Beschäftigungsstaatsprinzip
s
(vorstehend E. 1.
2
)
.
3.
2
Vorab zu prüfen ist,
ob der Beschwerdeführer
für die Dauer der strittigen Anspruchsberechtigung ab
1.
März 2020
die Anspruchsvoraussetzungen des Wohnens in der Schweiz nach
Art.
8
Abs.
1 lit. c AVIG (vorstehend E. 1.
4
) erfüllt.
Erforderlich hierfür wäre, dass er in den Monaten März 2020 bis zur Abmeldung bei der Arbeitslosenversicherung
per 1
0.
September 2020
(
Urk.
7/19)
einen tat
sächlichen Aufenthalt in der Schweiz nachzuweisen vermag und in diesem Zeit
raum
auch objektive Kriterien für die Absicht, diesen Aufenthalt während einer gewissen Zeit aufrechtzuerhalten
und hier in dieser Zeit den Schwerpunkt der Lebensbeziehungen zu haben
, bestanden
haben.
Im massgeblichen Zeitraum
von März bis September 2020
war
der Beschwerde
führer
nicht in der Schweiz angemeldet. So geht aus der
Auskunftserteilung des Bevölkerungsamtes
B._
vom
1.
Juli 2020 hervor, dass der Beschwerde
führer
bereits
per 3
1.
Dezember 2015 von
der
C._
,
Z._
,
weggezogen
sei
(
Urk.
7/43).
Diese Adresse
nannte der
Beschwerdeführer auch im Rahmen der Anmeldung zum Leistungsbezug am 2
6.
beziehungsweise am 2
8.
Februar 2020
(vgl.
Urk.
7/79-82,
Urk.
7/109)
.
Dabei handelt es sich jedoch lediglich um die Firmenadresse der Arbeitgeberin
(
Urk.
7/83-84)
, welche nichts
mit
einem effektiven Wohn
ort
im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 lit. c AVIG zu tun hat
und lediglich als Korrespondenzadresse diente (
Urk.
7/32-35 S. 1 unten)
.
Im Auflösungs-Übereinkommen mit der Arbeitsgeberin vom 2
7.
Februar 2020 wurde die Adresse
der Familie
des Beschwerdeführers in D-
D._
aufgeführt (
Urk.
7/107-108)
, ebenso in der Arbeitgeberbescheinigung vom 2
2.
April 2020 (
Urk.
7/83-84). An dieser Adresse sind seine beiden Kinder und die Ehefrau wohn
haft (vgl.
Urk.
7/27-
30
Ziff.
3-4,
Urk.
7/63-64
,
Urk.
7/90-91).
Sodann
räumte
der
Beschwerdeführer in seinem Schreiben vom
8.
Juli 2020
ein
, dass er nach Been
digung des Arbeitsverhältnisses
nach einem gescheiterten Versuch, in der Schweiz ein Appartement anzumieten
,
nach Deutschland gereist sei
, um Hotel
kosten zu sparen
(
Urk.
7/32-35 S. 2 Mitte). Damit steht fest, dass der Beschwer
deführer nach Eintritt der Arbeitslosigkeit
per
1.
März 2020
in
Deutschland
bei
seiner Ehefrau und seinen Kindern in
D-
D._
wohnte
.
Soweit sich sein Auf
enthalt
in der Schweiz ab möglicher Wiedereinreise ab
8.
Ju
n
i 2020
jedoch ledig
lich auf die Erfüllung der Kontrollvorschriften beim RAV und die Arbeitssuche beschränkt
e
(
Urk.
7/32-35 S. 2
Mitte
und
S. 3 oben
),
ist er darauf hinzuweisen, dass
dies
für die Bejahung eines gewöhnlichen
Aufenthalts
nicht genü
gt
(
vorste
hend E. 1.
3
).
Insbesondere verneinte der Beschwerdeführer im am
7.
Juli 2020 unterzeichneten
Fragebogen «Wohnen in der Schweiz»
in der Schweiz
Tätigkeiten im kulturellen, sportlichen, politischen oder gesellschaftlichen Bereich aus
zu
übe
n
(
Urk.
7/27-
30
Ziff.
5)
, sodass auch unter diesem Gesichtspunkt objektive Kriterien für die Absicht, in der Schweiz den Mittelpunkt seiner Lebensbeziehungen zu haben, fehlen
.
Was die im Fragebogen angegebene weitere
Wohnadresse
an der
E._
,
Z._
(
Urk.
7/27-29
Ziff.
1) anbelangt, handelt es sich gemäss seinen Ausführungen vom
8.
Juli 2020
um ein
Appartement
,
welches er
ohne lange laufenden Mietvertrag zu Tageskonditionen einigermassen kosten
günstig
habe
anmieten können
(
Urk.
7/32-35 S. 3 oben).
Damit vermag
der Beschwerdeführer
aber ebenfalls nicht darzutun, dass er
im
hier strittigen Zeit
raum
s
einen Wohn
ort
im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 lit. c AVIG in der Schweiz hatte, obwohl seine Ausführungen glaubhaft sind, dass er, sofern er eine Stelle gefun
den hätte, in die Schweiz gezogen wäre.
D
amit ist einhergehend mit der Beschwerdegegnerin davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer im Zeitraum von der Anmeldung zum Leistungsbezug ab
1.
März
2020
bis zur Abmeldung bei der Arbeitslosenversicherung
im
September 2020
(
Urk.
7/
19
)
seinen Lebens
mittelpunkt
und gewöhnlichen Aufenthalt bei seiner Familie in D-
D._
hatte, womit er die Anspruchsvoraussetzung von
Art.
8
Abs.
1 lit. c AVIG
nic
ht
erfüllt
.
3.
3
Entgegen der Ansicht de
r
Beschwerdegegnerin (vorstehend E. 2.1 und E. 2.3)
,
entfällt die
Anspruchsvoraussetzung des W
ohn
ens in der Schweiz
,
wenn der Beschwerdeführer als unechter Gr
enzgänger zu qualifizieren ist (vorstehend E.
1.
6
).
Sowohl beim echten als auch beim unechten Grenzgänger sind strenge Anforderungen an den Nach
weis der
Grenzgängereigenschaft
zu stellen
und es gilt grundsätzlich die Vermutung, dass solche Personen ihren Wohnort im Tätig
keitsstaat haben
(vgl. KS ALE 883 A28-29, A83).
Die Prüfung der Eigenschaf
t als Grenzgänger obliegt dabei
den Kassen (vgl. KS ALE 883 A37).
Der Beschwerdeführer legte in seiner Einsprache vom
2
7.
Oktober 2020
dar, dass
er
nach dem Ende der letzten Entsendung im Juli 2019 in
Z._
zur finalen Dokumentation und zu Projektbesprechung gewesen
sei
.
Da sich keine neuen Aufträge ab
ge
zeichnet
hätt
en, habe er in Deutschland Überstunden abgefeiert und jeweils für kürze
re
oder längere Zeiträume in
Z._
gearbeitet (Vorbereitung
und Optimierung für zukünftige Inbetriebsetzungen). Als sich dann nichts erge
ben habe, sei ihm nahegelegt worden, das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen zu beenden. Diese Vereinbarung sei dann Ende November 2019 getroffen worden. Anschliessend habe er sowohl von
Z._
als auch von Deutsch
land aus versucht, eine
neue Anstellung zu finden, während er noch zeit
gleich in
Z._
für seine Arbeitgeberin tätig gewesen sei (
Urk.
7/10-12 S. 2 Mitte).
Beschwerdeweise führte er ferner aus, dass seine Familie bereits während seiner Entsendung nach Grossbritannien nach Deutschland umgesiedelt war (
Urk.
1 S.
2 oben).
Am 1
6.
beziehungsweise 2
6.
Oktober 2019 wurde eine Ergän
zungsvereinbarung über die Anstellung des Beschwerdeführers bei der
Y._
AG abgeschlossen, wobei als W
ohnsitz
des Beschwerdeführers seine Adresse in D-
D._
angegeben wurde, wo er die Vereinbarung auch unter
zeichnete (
Urk.
7/101).
Auch die vom
2
7.
Februar 2020 datierende Auflösungs
vereinbarung führte die Adresse D-
D._
auf (
Urk.
7/207).
Aus der Arbeit
geberbescheinigung vom 2
2.
April 2020 geht hervor, dass der Beschwerdeführer bis am 2
8.
Februar 2020 gearbeitet hat
, als Wohn
ort
wurde die Adresse in D-
D._
genannt
(
Urk.
7/83-84
Ziff.
14).
In seinem Schreiben vom
8.
Juli 2020 gab der Beschwerdeführer sodann an, während
der gesamten Einzahlungszeit bei der Arbeitslosenversicherung nicht für einen längeren Zeitraum in der Schweiz gewohnt
zu haben
(
Urk.
7/32-35 S. 2 oben
).
Diese Umstände sprechen in ihrer Gesamtheit
überwiegend wahrscheinlich
dafür
, dass der Beschwerdeführer
– nach Beendigung seiner Entsendung im Juli 2019
–
während seiner Tätigkeit für die Arbeitgeberin in
Z._
seinen Wohn
ort
in D-
D._
hat
te
.
Jedoch lässt sich aufgrund der Akten nicht beantworten, ob der Beschwerdeführer im Zeitraum zwischen Juli 2019 und Beendigung des Arbeitsverhältnisses per 2
8.
Februar 2020 wöchentlich nach D-
D._
zurückgekehrt ist, oder ob er weniger oft nach D-
D._
gereist ist
,
zumal sich die diesbezüglichen Fragen im Fragebogen «Wohnen in der Schweiz» vom
1.
Juli 2020
(
Urk.
7/27-30) und die Reisebelege (
Urk.
7/36-39)
auf die Zeit der Arbeitslosigkeit und nicht auf die
davor liegende
Zeitspanne des noch bestehenden Arbeitsverhältnisses beziehen, welche jedoch für die die Qualifikation des Beschwerdeführers als unechter Grenzgänger oder als echter Grenzgänger
massgebend ist
(E. 1.7)
.
3.4
Aufgrund der vorliegend
en Akten lässt sich daher nicht abschliessend
beurteilen, ob
der
Beschwerdeführer als echter oder unechter Grenzgänger zu qualifizieren ist und wie es sich damit genau verhält.
Die Prüfung der Eigenschaft als Grenz
gänger obliegt den Kassen
, welche die versicherte Person dazu zu befragen hat
(vgl. KS ALE 883 A37
, A84
).
Das
Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
instanz zurückweisen, besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
Demnach ist die Sache an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen, damit sie
die erforderlichen Abklärungen vornehme und anschliessend über
die
Anspruchs
berec
htigung des Beschwerdeführers ab
1.
März 2020 bis zu seiner Abmeldung bei der Arbeitslosenversicherung per 1
0.
September 2020 (
Urk.
7/19)
neu ent
scheide. In
diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen.