Decision ID: 715e0440-8ba8-45bc-b318-2db9b50c6021
Year: 2017
Language: de
Court: SG_VGN
Chamber: SG_VGN_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. A.Y. ist Eigentümer des Grundstücks Nr. 000, Grundbuch Q. Das Grundstück
befindet sich gemäss Zonenplan der Gemeinde Q. vom 4. Dezember 1998 in der
Kernzone K sowie gemäss der Schutzverordnung vom 28. Oktober 1996 (SchutzVO;
vom Baudepartement am 10. Dezember 1999 genehmigt) im Ortsbildschutzgebiet X.
(nachstehend: Gebiet X.). Letzteres umfasst die Grundstücke Nrn. 001, 002-005, 0006,
0007, 0008, 0009 sowie teilweise die Grundstücke Nrn. 010, 0011 und 0012. Auf den
Grundstücken Nr. 002 und 003 sind zwei Häuser als Einzelschutzobjekte (K.22 und K.
23) bezeichnet. Am 10. September 2014 stellten Eigentümer der im Gebiet X.
gelegenen Grundstücke Nrn. 001, 010, 0008 und 0011 beim Gemeinderat Q. den
Antrag um Entlassung ihrer Grundstücke aus dem Ortsbildschutz, da dieser eine
verdichtete und sinnvolle Bebauung der Kernzone behindere. Mit Beschluss vom
8. Dezember 2014 hob der Gemeinderat Q. das Ortsbildschutzgebiet X. in seinem
gesamten Umfang auf. Zur Begründung hielt er fest, dass die Schutzwürdigkeit des
Gebiets X. nicht mehr gegeben sei, die Umgebung durch Neubauten geprägt werde
und die Einschränkungen des Ortsbildschutzes unverhältnismässig seien. Auch hätten
sich seit Erlass der SchutzVO verschiedene Rechtsgrundlagen geändert.
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b. Gegen die öffentlich aufgelegte Teiländerung der SchutzVO erhob A.Y., vertreten
durch Rechtsanwalt lic. iur. Othmar Somm, St. Gallen, am 7. April 2015 Einsprache.
Diese wies der Gemeinderat mit Entscheid vom 17. August 2015 ab mit der
Begründung, das Ortsbild sei insbesondere aufgrund der erfolgten Abbrüche von
Bauten, die aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht mehr hätten erhalten werden
können, als Ganzes in Frage gestellt. Die vormalige bäuerliche/historische Baustruktur
sei nur noch fragmentarisch erkennbar. Dem gegenüber stehe das Interesse an einer
baulichen Dorfentwicklung. Dieses sei als gewichtiger einzustufen als der Erhalt des
Ortsbildschutzgebietes (act. G 11/10/17). Den gegen diesen Entscheid durch A.Y.
erhobenen Rekurs (act. G 11/1) wies das Baudepartement, nachdem es am 15. Januar
2016 in Anwesenheit der Verfahrensbeteiligten und je eines Vertreters des Amtes für
Raumentwicklung und Geoinformation (AREG) und der kantonalen Denkmalpflege
einen Augenschein durchgeführt hatte (act. G 11/18), mit Entscheid vom 8. März 2016
ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Somm für A.Y. mit Eingabe vom
21. März 2016 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 4. Mai 2016
beantragte der Rechtsvertreter Aufhebung des vorinstanzlichen Entscheids, des
Einspracheentscheids vom 17. August 2015 sowie des Gemeinderatsbeschlusses vom
8. Dezember 2014 (act. G 8).
b. In der Vernehmlassung vom 27. Mai 2016 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Entscheid und nahm
ergänzend zu Vorbringen in der Beschwerde Stellung (act. G 10). Am 26. Mai 2016
hatte das AREG die Teiländerung der SchutzVO (Aufhebung des
Ortsbildschutzgebietes X.) genehmigt (act. G 10 Beilage). In der Vernehmlassung vom
9. Juni 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzuweisen und
die vorinstanzlichen Entscheide/Beschlüsse seien zu bestätigen. Sie schloss sich den
Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid sowie in der
Vernehmlassung vom 27. Mai 2016 an. Ergänzend nahm sie Stellung zu Vorbringen in
der Beschwerde (act. G 13).
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c. Mit Eingabe vom 27. Juni 2016 äusserte sich der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers zu den Vernehmlassungen der Vorinstanz und der
Beschwerdegegnerin (act. G 15).
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben dieses Verfahrens

wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 21. März 2016 (act. G 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 4. Mai 2016 (act. G 8) formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Als Adressat des angefochtenen Entscheids kommt dem
Beschwerdeführer die Beschwerdebefugnis nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP zu. Auf die Beschwerde ist somit grundsätzlich einzutreten. Nicht
eingetreten werden kann auf den Antrag, der Einspracheentscheid vom 17. August
2015 und der Gemeinderatsbeschluss vom 8. Dezember 2014 seien aufzuheben - an
deren Stelle ist der Rekursentscheid getreten (Devolutiveffekt; vgl. BGE 129 II 438 E. 1).
Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt; der
Beschwerdeführer kann sich sodann auch darauf berufen, die angefochtene Verfügung
oder der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig
festgestellten Sachverhalt (Art. 61 VRP).
2. Gegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet der Rekursentscheid vom 8. März
2016. Soweit der Beschwerdeführer den Entscheid über die Durchführung eines
Augenscheins dem Verwaltungsgericht überlässt (act. G 8 S. 2), ist festzuhalten, dass
sich die tatsächlichen Verhältnisse aus den Verfahrensakten, insbesondere dem
vorinstanzlichen Augenscheinprotokoll (act. G 11/18), und dem öffentlich zugänglichen
Geoportal (www.geoportal.ch) ergeben. Auf die Durchführung eines Augenscheins
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durch das Gericht kann daher verzichtet werden (vgl. BGer 1C_281/2015 vom 28. Juni
2016 E. 2 mit Hinweisen).
3.
3.1. Nach Art. 98 Abs. 1 lit. c des Baugesetzes (BauG, sGS 731.1, in der hier
anwendbaren, bis 30. September 2017 gültig gewesenen Fassung) sind unter anderen
bedeutende Ortsbilder, geschichtliche Stätten sowie Natur- und Kulturdenkmäler (vgl.
Art. 17 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung [Raumplanungsgesetz,
RPG] vom 22. Juni 1979, SR 700) zu erhaltende Schutzgegenstände. Deren
Beseitigung oder Beeinträchtigung darf nur bewilligt werden, wenn sich ein das
Interesse an der Erhaltung überwiegendes („gewichtiges“) Bedürfnis nachweisen lässt
(Art. 98 Abs. 2 BauG). Die Aufzählung der Schutzgegenstände in Art. 98 BauG ist auf
Art. 17 RPG abgestimmt. Für die Auslegung des Begriffs der Schutzgegenstände kann
dementsprechend auf Literatur und Rechtsprechung zu Art. 17 RPG abgestellt werden
(VerwGE B 2011/4 vom 21. Juni 2011, E. 3). Das BauG allein bildet (wie das
Bundesrecht) keine zureichende Grundlage, um ein einzelnes Objekt unmittelbar als
geschützt zu qualifizieren. Art. 98 Abs. 1 BauG gewährleistet nur dann einen
individuellen Rechtsschutz, wenn das Schutzobjekt bezeichnet und über die
Schutzwürdigkeit des Sachverhalts befunden wurde (VerwGE 2010/246 u.a vom 15.
Dezember 2011, E. 3.1.3; www.gerichte.sg.ch).
In den Bereichen der Raumplanung und des öffentlichen Baurechts steht der
Planungsbehörde ein weitreichender Ermessensspielraum zu. Dagegen unterliegt die
Frage des vollständigen Einbezugs der massgeblichen Einzelaspekte in die
Interessenabwägung im Rahmen der Planung grundsätzlich der Rechtskontrolle (vgl.
GVP 1996 Nr. 12; VerwGE B 1999/6 vom 16. März 2000). Ein Ermessens-
beziehungsweise Beurteilungsspielraum steht der Planungsbehörde namentlich dort
zu, wo es um die Wertung bzw. Gewichtung der einzelnen Grundsätze geht. Erst eine
deutlich unsorgfältige Interessenabwägung stellt eine Rechtsverletzung dar und
unterliegt der Rechtskontrolle (vgl. P. Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes
Umweltschutzrecht, 6. Aufl. 2016, S. 91 f.). Art. 3 Abs. 2 BauG bestimmt in diesem
Zusammenhang, dass dem Staat in allen Belangen der Raumplanung die Rechts- und
Ermessenskontrolle zusteht, dass er aber den nötigen Ermessensspielraum der
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Politischen Gemeinden bei der Orts- und Regionalplanung wahrt. Dies bedeutet, dass
der Staat den kommunalen Entscheid zu respektieren hat, wenn der Plan
beziehungsweise der Erlass den massgebenden Rechtsnormen entspricht und
zweckmässig sowie sachgerecht ist (vgl. statt vieler VerwGE B 2015/189 vom
26. Oktober 2016, E. 4.2).
3.2. Im Bericht vom 2. Dezember 2015 kam das Amt für Kultur (Denkmalpflege) zum
Schluss, beim Ortsbildschutzgebiet X. handle es sich immer noch um eine schöne
Ansammlung von Häusern mit schützenswerten und identitätsstiftenden
Ortsbildqualitäten. Es sei nicht im kantonalen Richtplan als Ortsbild von kantonaler
oder nationaler Bedeutung ausgewiesen. Aus denkmalpflegerischer Sicht sei der Erhalt
des Gebiets grundsätzlich sinnvoll, weil es sich um ein Schutzobjekt nach Art. 98 BauG
handle. Es liege jedoch im Ermessen der Gemeinde, über ein Ortsbild von kommunaler
Bedeutung zu befinden. Das AREG hielt gestützt hierauf am 11. Dezember 2015 fest,
dass ein Ortsbildschutzgebiet eine dem Ort angemessene Entwicklung sehr wohl
zulasse. Die abschliessende Beurteilung der Schutzwürdigkeit des kommunalen
Ortsbildschutzgebietes sei aber Sache des Gemeinderates. Unter Berücksichtigung
des Ermessensspielraumes der politischen Gemeinde könne der Erlass genehmigt
werden (act. G 11/15).
4.
4.1. Vorliegend ist davon auszugehen, dass das Ortsbildschutzgebiet X., obschon es
im Jahr 1997 als Ortsbild nach ISOS-Methoden erfasst und ein Inventarblatt (im Sinn
von Art. 5 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Natur- und Heimatschutz, NHG, SR
451) erstellt worden war, im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von
nationaler Bedeutung gemäss der entsprechenden Verordnung (SR 451.12, VISOS)
nicht enthalten ist (vgl. auch www.sg.ch/home/kultur/denkmalpflege/ortsbilder_isos/
isos_Ortsplanung.html.). Ebenfalls ist es nicht im kantonalen Richtplan erfasst. Somit
liegt ein Ortsbild von kommunaler Bedeutung vor, auf welches die kommunale
SchutzVO zur Anwendung kommt. Dies ist auch von Seiten des Beschwerdeführers
anerkannt (act. G 8 Ziff. 7) und von Seiten des AREG (Stellungnahme vom 10. Februar
2015, act. G 10/11/6 Beilage) bestätigt. Ortsbilder von lokaler Bedeutung sind
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers nicht Teil des Bundesinventars.
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4.2. Gemäss Art. 5 SchutzVO enthalten die im Plan aufgeführten Ortsbildschutzgebiete
besonders schöne, kulturgeschichtlich wertvolle Ortsbilder, die zu erhalten sind (Abs.
1). Innerhalb ihrer Umgrenzung haben sich Neubauten, Renovationen, Umbauten und
Anbauten an die historische Bausubstanz in Bezug auf Gebäudeform und -stellung,
Dachform und -neigung, Firsthöhe, Fassadengliederung, Materialien und Farben für
Dach und Fassaden anzupassen (Abs. 2). Abbrüche werden nur bewilligt, wenn die
Erhaltung der vorhandenen Bausubstanz nicht möglich oder in Abwägung des
künstlerischen oder geschichtlichen Wertes nicht sinnvoll ist und wenn die entstehende
Lücke im Ortsbild nicht stört oder die Ausführung eines bewilligten Neubaus gesichert
ist (Abs. 3). Anstelle bestehender Bauten zu errichtende Ersatzbauten haben sich im
Wesentlichen dem bisherigen Bestand anzupassen, soweit der Schutz des Ortsbildes
nichts anderes erheischt (Abs. 4). Form, Inhalt und Ausstattung der Umgebung und der
Freiräume sollen in ihrem wertvollen und ortstypischen Charakter erhalten bleiben (Abs.
5).
Schutzverordnungen sind als Nutzungspläne allgemeinverbindlich (Art. 21 Abs. 1 RPG;
vgl. Waldmann/Hänni, Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Rz. 3 zu Art. 21 RPG). Bei
erheblicher Änderung der Verhältnisse (rechtliche oder tatsächliche Grundlagen,
Nachweis wesentlicher neuer Bedürfnisse) werden sie überprüft und nötigenfalls
angepasst. Planungsfehler können demgegenüber jederzeit korrigiert werden (Art. 21
Abs. 2 RPG; Art. 32 Abs. 1 BauG; B. Heer, St. Gallisches Bau- und Planungsrecht,
2003, Rz. 189 mit Hinweis auf BGE 124 II 396 E. 4b).
4.3. Die Vorinstanz hielt im angefochtenen Entscheid im Wesentlichen fest, die
Beschwerdegegnerin habe - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers - im
Beschluss vom 8. Dezember 2014 sowie im Einspracheentscheid vom 17. August 2015
die Interessen des Ortsbildschutzes (durch die Beurteilung des Gebiets X.) den
Interessen an der baulichen Dorfentwicklung gegenübergestellt und die Interessen
gegeneinander abgewogen (act. G 2 S. 8 f.). Durch die vorgenommenen Abbrüche von
vier Gebäuden auf den Grundstücken Nrn. 001 und 010 sei die vorhandene
Bausubstanz erheblich reduziert worden. In der nördlichen Hälfte des
Ortsbildschutzgebietes befänden sich nur noch das Haus des Beschwerdeführers
sowie das baufällige (nicht bewohnbare) Wohnhaus auf Grundstück Nr. 010. Das
Erscheinungsbild und die Wahrnehmung des Ortsbildes seien in diesem Bereich ganz
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anders als im Zeitpunkt des Erlasses der SchutzVO. Der Wegfall von vier Bauten in
einem Schutzgebiet von beschränkter Ausdehnung - insgesamt umfasse das Gebiet X.
nur noch rund zehn Bauten - könne durchaus Auswirkungen auf die Beurteilung der
Schutzwürdigkeit des Gebiets haben. Die in der Vergangenheit erteilten
Abbruchbewilligungen seien nicht Gegenstand des Verfahrens. Inwiefern die Vorinstanz
die Abbruchbewilligungen zu Recht erteilt habe, könne deshalb offenbleiben. Die
bisherige Bewilligungspraxis könne für die Frage der Aufhebung oder Beibehaltung des
Ortsbildschutzgebietes nicht massgeblich sein. Tatsache sei, dass sich seit der
Genehmigung der SchutzVO durch das Baudepartement (10. Dezember 1999) die
tatsächlichen Verhältnisse im Ortsbildschutzgebiet X. erheblich verändert hätten. Im
Weiteren hätten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen seit Erlass der SchutzVO
am 28. Oktober 1996 eine erhebliche Veränderung erfahren. Das ISOS-Inventarblatt für
den Ortsteil Q. datiere vom August 1997. Das Gebiet X. sei in der SchutzVO
berücksichtigt worden, weil von der Möglichkeit der Aufnahme des Gebiets in das
ISOS habe ausgegangen werden müssen. Die rechtliche Ausgangslage habe sich seit
der Erstinventarisierung massgeblich geändert, da das Gebiet X. keine Aufnahme in
das ISOS gefunden habe und weder von nationaler noch kantonaler Bedeutung sei.
Sodann hätten seit Erlass der SchutzVO weitere rechtliche Grundlagen geändert. So
sei das Baureglement der Gemeinde Q. am 16. Oktober 2009 genehmigt worden (act.
G 2 S. 8-11).
Grundsätzlich sei auch in einem Ortsbildschutzgebiet eine bauliche Entwicklung
möglich. Hingegen brächten insbesondere Art. 3 Abs. 2 und Art. 5 Abs. 3 SchutzVO
Einschränkungen der Baumöglichkeiten im Vergleich zu den Regelbauvorschriften
gemäss Baureglement in der Kernzone. Insbesondere durch das Fehlen einer
maximalen Länge und einer Ausnützungsziffer seien in der Kernzone gemäss
Regelbauvorschriften grundsätzlich grossvolumige Bauten möglich. Die durch die
SchutzVO bewirkten Eingriffe in die Eigentums- und Baufreiheit müssten durch die
Interessen des Ortsbildschutzes gerechtfertigt sein. Die Beschwerdegegnerin
beabsichtige, durch die Aufhebung des Ortsbildschutzes in der Kernzone die
Förderung der Schaffung von zeitgemässem Wohnraum und Gewerbemöglichkeiten
und damit eine Belebung des Dorfes. Sie sei zum Schluss gekommen, dass die
Interessen am Erhalt des Ortsbildschutzgebiets X. aufgrund der Veränderungen der
vergangenen Jahre nicht mehr hoch zu gewichten seien, wohingegen die bauliche
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Dorfentwicklung von erheblichem öffentlichem Interesse sei. Diese Gewichtung liege im
Ermessensspielraum der Beschwerdegegnerin. Dass sie die Interessen nun anders
gewichte als noch vor 15 Jahren, sei angesichts der verringerten Qualität des
Ortsbildschutzgebiets (Abbrüche) nicht zu beanstanden. Auch die Beurteilung der
kantonalen Denkmalpflege ändere nichts an der Recht- und Zweckmässigkeit des
Beschlusses der Beschwerdegegnerin. Von einem Gesetzesverstoss könne entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers nicht die Rede sein; vielmehr habe die
Vorinstanz lediglich ihren Beurteilungsspielraum ausgeschöpft (act. G 2 S. 11 f.).
4.4. Der Beschwerdeführer bestätigt es als zutreffend, dass das Ortsbild X. lediglich
von kommunaler Bedeutung sei. Auch wenn das Gebiet keinen Eingang in die Liste der
nationalen oder kantonalen Ortsbilder gefunden habe, so sei es doch in der ISOS-Liste
der Ortsbilder von lokaler Bedeutung enthalten (Stellungnahme kantonale
Denkmalpflege vom 10. Februar 2015). Damit sei erstellt, dass das Ortsbild X. im ISOS-
Inventar aufgeführt sei. Mit dem Erlass der SchutzVO habe die Beschwerdegegnerin
diesen Schutz denn auch kommunal umgesetzt. Dieser Umstand sei insbesondere bei
der Interessenabwägung im Rahmen der Ortsplanung zu berücksichtigen. Dies sei
vorliegend nicht geschehen. Indem die Vorinstanz diese nicht korrekte
Interessenabwägung sanktioniert habe, liege eine fehlerhafte Rechtsanwendung vor.
Dass die Abbrüche von vier Gebäuden im Widerspruch zur bestehenden SchutzVO
erfolgt seien, habe die Vorinstanz in ihrem Entscheid ausser Acht gelassen. Dieser
tatsächliche Zustand, den die Vorinstanz als Grund für die Aufhebung der SchutzVO
betrachte, sei von der Beschwerdegegnerin geschaffen worden. Es stelle sich die
Frage, ob der Beschwerdegegnerin überhaupt ein Ermessensspielraum bei der Frage,
ob das Ortsbildschutzgebiet aufgehoben werde, zustehe, nachdem diese während
Jahren die SchutzVO missachtet habe. Es gehe nicht an, dass die
Beschwerdegegnerin in rechtswidriger Weise einen Zustand schaffe, der dann als
Begründung für die Überprüfung und Anpassung des Ortsbildschutzgebietes
herangezogen werde. Dies sei Ermessensmissbrauch. Seit Erlass der SchutzVO seien
keine für den Ermessensentscheid wesentlichen rechtlichen Änderungen eingetreten.
Im Gegenteil: Sowohl Vorinstanz als auch die Beschwerdegegnerin hätten die
mittelbare Wirkung des ISOS-Inventars vollständig ausser Acht gelassen. Ein Verstoss
gegen Art. 98 BauG, wie ihn das AREG bestätigt habe (act. G 11/15), liege nicht im
Ermessen der kommunalen Behörde bzw. könne nicht durch deren Ermessen
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gerechtfertigt werden. Auch im Ortsbildschutzgebiet sei eine bauliche Entwicklung
möglich, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Die Beschwerdegegnerin habe
ausschliesslich die privaten Interessen der bauwilligen Grundstückeigentümer nach
möglichst grossvolumigen Bauten gemäss Baureglement berücksichtigt. Gerade eine
Belebung des Dorfes und Stärkung des Dorfschwerpunktes seien jedoch im Einklang
mit einer historischen Bausubstanz besser zu erreichen als mit gesichtslosen
Agglomerationsbauten. Die Aufhebung der SchutzVO erweise sich als kontraproduktiv
und als unzweckmässig (act. G 8, G 15).
4.5. Das aus dem Jahr 1710 stammende Haus des Beschwerdeführers auf Grundstück
Nr. 000 bildet Teil des Ortsbildschutzgebietes X., ist jedoch in der SchutzVO nicht als
Einzelschutzobjekt erfasst. Gemäss Darlegungen der Denkmalpflege in der
Stellungnahme vom 2. Dezember 2015 war in jenem Zeitpunkt ein Antrag betreffend
Unterschutzstellung des Hauses des Beschwerdeführers auf Grundstück Nr. 000 als
Einzelobjekt hängig, welcher von der Denkmalpflege unterstützt wurde (act. G 11/15
Beilage). Über den Antrag wurde zwischenzeitlich nach Lage der Akten offenbar noch
nicht entschieden (vgl. act. G 16). Selbst wenn von einer künftigen Erfassung des
Hauses als Einzelschutzobjekt auszugehen wäre, könnte hieraus für sich allein jedoch
noch nicht die Notwendigkeit der Beibehaltung des Ortsbildschutzgebiets abgeleitet
werden, zumal die Unterschutzstellung eines Einzelobjektes unabhängig vom Bestehen
oder Nichtbestehen des Ortsbildschutzgebietes erfolgen kann. Die
Beschwerdegegnerin macht daher die Bearbeitung des Gesuchs betreffend die
Unterschutzstellung des Hauses unzutreffenderweise vom Ausgang des Verfahrens
betreffend Ortsbildschutz abhängig (act. G 13 S. 2 und G 16). Hieraus lässt sich jedoch
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 15) kein Anhaltspunkt für das
Vorliegen eines Ermessensmissbrauchs mit Bezug auf das Ortsbildschutzgebiet
ableiten.
Der weitere Umstand, dass die Denkmalpflege den Erhalt des Ortsbildschutzgebietes
X. grundsätzlich als sinnvoll erachtete, den Entscheid darüber jedoch ins Ermessen der
Beschwerdegegnerin stellte (act. G 11/15), macht einzig deutlich, dass den
Vorinstanzen eine Ermessensausübung auch im Sinn einer Beibehaltung des
Schutzgebiets zur Disposition gestanden hätte. Aus der Tatsache, dass sie sich mit
nachvollziehbarer Begründung für eine Aufhebung entschieden, lässt sich mit Blick auf
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den ihnen zustehenden Ermessensspielraum keine Rechtswidrigkeit ableiten. Dies
umso weniger, als die Denkmalpflege in ihrer Stellungnahme vom 10. Februar 2015
explizit auf den Niedergang des Ortsbildschutzgebiets X. verwies und es in jenem
Zeitpunkt als zu spät erachtete, eine Entlassung des Gebiets aus der SchutzVO zu
verhindern (act. G 11/10/6 Beilage). Die vom Beschwerdeführer angeführte Tatsache,
dass die Beschwerdegegnerin diesen „Niedergang“ durch Abbruchbewilligungen noch
förderte und dadurch Art. 5 Abs. 3 SchutzVO verletzte (act. G 8 S. 6 f., G 15 S. 3;
Stellungnahme Denkmalpflege vom 10. Februar 2015), ändert nichts daran, dass die
Schutzwürdigkeit im heutigen Zeitpunkt (unwiederbringlich) nicht mehr gegeben ist. Die
vom Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang beantragte Einholung eines weiteren
Amtsberichtes der Denkmalpflege (act. G 8 S. 6 f.) vermöchte für das vorliegende
Verfahren keine weiteren Erkenntnisse zu liefern, weshalb darauf zu verzichten ist.
Indem die Vorinstanz ihren Standpunkt hinsichtlich der Aufhebung des
Ortsbildschutzgebietes durch die Diskussion der beteiligten Interessen nachvollziehbar
darlegte, fehlt es für das angerufene Verwaltungsgericht an einem Anlass, in ihr
Ermessen korrigierend einzugreifen, zumal weder ein Ermessensmissbrauch noch
unzutreffende Sachverhaltsannahmen dargetan sind.
5.
5.1. (...).
5.2. Vorinstanz und Beschwerdegegnerin haben keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98bis VRP; Cavelti/Vögeli,
a.a.O., Rz. 829); beide stellten auch keinen Antrag.