Decision ID: 54ca39fa-96fa-50dd-b6f6-f5d499a776f5
Year: 2008
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

in Sachen
W._,
Beschwerdeführerin,
vertreten durch den Ehemann A._,
gegen
IV-Stelle des Kantons St. Gallen, Postfach 368, 9016 St. Gallen,
Beschwerdegegnerin,
betreffend
Rente
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Sachverhalt:
A.
W._ füllte am 13. Juni 2006 die Anmeldung zum Bezug von Leistungen der
Invalidenversicherung aus. Der Psychiater Dr. med. B._ berichtete der IV-Stelle am 5.
Oktober 2006, die Versicherte leide seit etwa 1971 an einer schizoaffektiven Störung
(ICD-10 F 25). Sie sei im Jahr 1966 erstmals in einer psychiatrischen Klinik hospitalisiert
gewesen. Weitere stationäre psychiatrische Behandlungen seien in den Jahren 1971,
1977, 1992 und 2002 erfolgt. Seit 1971 stehe die Versicherte in regelmässiger
ambulanter psychiatrischer Kontrolle. Nach einer recht stabilen Phase 2003/4 habe der
Umzug nach C._ zu einer deutlichen Verschlechterung der psychischen Situation
geführt. Die Versicherte könne sich am neuen Wohnort nicht einleben und das
Zusammenleben mit dem (pensionierten) Ehemann sei äusserst schwierig. Deshalb sei
es zu depressiv-aggressiven Gefühlen bis hin zu Trennungs- und Scheidungswünschen
gekommen. Im Zuge der Selbständigkeitsbestrebungen habe die Versicherte
begonnen, sich mit einer Wiederaufnahme des Berufes zu beschäftigen. Die
Versicherte klage über Konzentrations- und Ausdauerbeschwerden, Verlangsamung,
Probleme beim Auffassen und Lernen von neuen Lerninhalten, starke
Stimmungsschwankungen, Unstetheit, zum Teil Aggressivität und ein Gefühl des
Unwohlseins unter Menschen. Am liebsten hätte sie nur distanzierten Kontakt. Sie sei
immer unzufrieden und ärgere sich viel. Dr. med. B._ gab folgende Befunde an:
Wache, bewusstseinsklare, allseits orientierte 60-jährige Frau, gepflegtes Äusseres,
fahrig, unkonzentriert, in der Grundstimmung aggressiv-depressiv, sehr affektlabil,
insgesamt dysphorisch gereizt, aufgebracht, im Denken sprunghaft, aber kohärent,
leicht angetrieben, keine Wahnideen, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen, keine
Suizidalität, starke Ambivalenz und psychomotorische Unruhe. Er betrachtete die
Versicherte in deren erlerntem Beruf als zu mindestens 50% arbeitsunfähig, in einer
einfachen Büroarbeit ohne hohe Ansprüche an die Teamfähigkeit in einem geeigneten
Umfeld als zu 50% arbeitsfähig. Einschränkend wirkten die Verlangsamung, die
Konzentrationsprobleme, die Auffassungs- und Lernschwierigkeiten und die
zwischenmenschlichen Schwierigkeiten durch emotionale Instabilität. Der Psychiater
Dr. med. D._ berichtete am 28. November 2006, die Versicherte leide an einer
schizoaffektiven Störung, gegenwärtig manisch (F 25.0) auf dem Boden einer
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histrionischen Persönlichkeitsstörung (F 60.4). Die Versicherte sei seit einigen Jahren
zu 100% arbeitsunfähig. Es handle sich um eine jahrelang dauernde schizoaffektive
Psychose mit häufigen Schüben und nicht vollständigen Remissionen. Der Zustand
habe sich chronifiziert. Die Versicherte sei nicht imstande, einer auswärtigen Tätigkeit
nachzugehen.
B.
B.a Die IV-Stelle kündigte der Versicherten am 12. Februar 2007 eine Abklärung an Ort
und Stelle an. Die Versicherte teilte am 13. Februar 2007 aufgebracht mit, dass sie
immer in der Buchhaltung gearbeitet habe und dass nicht die Einschränkung im
Haushalt, sondern diejenige im Beruf zu ermitteln sei. Am 14. Februar 2007 retournierte
sie den Fragebogen zur Haushaltabklärung, ohne ihn ausgefüllt zu haben. Sie wies nur
darauf hin, dass sie kaufmännische Angestellte sei. Die Abklärung fand am 21. März
2007 in der Wohnung der Versicherten statt. Im Bericht vom 16. April 2007 führten die
beiden Abklärungspersonen aus, die Versicherte habe sich sehr unterwürfig gegeben,
sie habe Schuldgefühle gezeigt und sich für ihre telephonischen Äusserungen vom 13.
Februar 2007 entschuldigt. Sie habe in ihren Ausführungen fahrig gewirkt und sie habe
immer wieder geweint. Auf die Frage nach den Problemen im Alltag habe sie
angegeben, sie sei bei der Arbeit etwas verlangsamt, denn sie könne sich dabei
vergessen und lange Zeit ins Freie schauen. Sie habe einige Ticks. So setze sie sich
beispielsweise in der Kirche immer in die hinterste Bank, damit niemand sie anschaue.
Es tue ihr nämlich weh, wenn sie angeschaut werde. Stehe sie in einer
Personengruppe, so müsse sie sich verschiedentlich für kurze Zeit diskret entfernen,
z.B. auf die Toilette gehen, um durchzuatmen. Dann könne sie sich wieder zu den
Leuten begeben. Seit kurzem sei sie in der Trachtengruppe, was ihr Freude mache. Ihr
Alltag sei strukturiert und sie habe die Wochentage fix eingeteilt: Montags Wäsche,
dienstags/mittwochs Glätten, donnerstags Trachtentanz, freitags Reinigung. Der
Morgen könne umständlich verlaufen, weil sie den Vögeln zuschaue oder die Blumen
betrachte. Im Laufe des Vormittags gehe sie einkaufen. Später bereite sie das
Mittagessen zu und lege sich dann für zehn Minuten hin. Zur beruflichen Situation
hielten die Abklärungspersonen fest, die Versicherte habe eine kaufmännische
Ausbildung absolviert. Nach zwölf Jahren Kinderpause sei sie 1987 wieder in den
Erwerb eingestiegen (1987/88 Verkäuferin mit einem Jahreslohn von ca. Fr. 15'000.-,
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1988-90 Schwesternhilfe mit einem Jahreslohn von ca. Fr. 11'000.-, 1990-92 Statistik-
und Laborwerte erfassen mit einem Jahreslohn von ca. Fr. 21'000.-, anschliessend
Arbeitslosigkeit, 1999/2000 Büroaushilfe tageweise). Die Versicherte habe kaum PC-
Kenntnisse. Weil sie Probleme mit der Orthographie habe, sei sie hauptsächlich in der
Buchhaltung und der statistischen Erfassung beschäftigt worden. Im Haushalt sei sie
nicht eingeschränkt, auch wenn es manchmal vorkomme, dass sie ins Grübeln gerate
und die Arbeit liegen bleibe. Der Ehemann beteilige sich an den Haushaltarbeiten.
B.b Die Abklärungspersonen berichteten weiter, dass an diesem Punkt der Abklärung
der Ehemann der Versicherten hereingekommen sei. Daraufhin habe die Stimmung der
Versicherten eskaliert. Komplexe, Minderwertigkeitsgefühle und Aversionen gegen den
Ehemann seien zutage getreten. Die Versicherte habe aufgebracht das Zimmer
verlassen. Der Ehemann habe ausgeführt, er habe von Anfang an ca. 40% der
Haushaltarbeiten übernommen. Die Probleme und Schwächen hätten von Anfang an
bestanden. Die IV-Anmeldung sei schon seit vielen Jahren ein Thema gewesen. Er
habe dies stets verhindert, weil sie finanziell nicht auf eine Rente angewiesen seien.
Vom laufenden Verfahren habe er erst später erfahren. Der letzte Arbeitgeber der
Versicherten sei ein persönlicher Kollege gewesen, der sich bereit erklärt habe, Hand
für eine unbefristete Beschäftigung zu bieten. Nach längerem Zuwarten habe dieser
Kollege aber mitgeteilt, dass es nicht gehe, weil die Versicherte langsam, überfordert
und am PC nicht geübt gewesen sei. Den Computerkurs habe sie abbrechen müssen.
Es wäre gut, wenn die Versicherte eine sinnvolle Beschäftigung hätte, bei der sie auch
etwas verdienen könnte. In einer abschliessenden Stellungnahme hielten die beiden
Abklärungspersonen fest, die Versicherte sei stets bestrebt gewesen, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie habe immer wieder Arbeitsmöglichkeiten gehabt.
Diese seien aber mit zunehmendem Alter weniger geworden und schliesslich ganz
versiegt. Der Drang nach einer Erwerbstätigkeit habe absolute Priorität. Mit oder ohne
Scheidung könne der Versicherten aber maximal eine 50%ige Erwerbstätigkeit
zugestanden werden. Fachkompetenzen habe die Versicherte keine, die berufliche
Ausbildung sei seit Jahren "verblichen". Deshalb sei die Versicherte als Hilfskraft
einzuschätzen. Eine Quantifizierung der Einschränkung im Haushalt sei nicht möglich.
An den Angaben des Ehemannes zu dessen Beteiligung an der Hausarbeit sei nicht zu
zweifeln. Unter Berücksichtigung der Schadenminderungspflicht durch Angehörige
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könne der Versicherten eine 20%ige Einschränkung zugestanden werden. Bei einem
Haushaltanteil von 50% betrage die Einschränkung somit 10%.
C.
Dr. med. E._ vom RAD Ostschweiz hielt am 30. April 2007 fest, als Büroangestellte
sei die Versicherte zu 100% arbeitsunfähig. Für einfache intellektuelle Tätigkeiten in
einem tragfähigen Team bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 50% (sechs bis acht
Stunden täglich bei reduzierter Leistung). Der Gesundheitszustand sei stabil. Die
Eingliederungsberaterin der IV-Stelle betrachtete die Versicherte als "offensichtlich in
Allem überfordert". Da keine Arbeitsvermittlung gewünscht wurde, betrachtete sie den
Fall aus der Sicht der beruflichen Eingliederung als abgeschlossen. Die IV-Stelle nahm
daraufhin einen Einkommensvergleich vor. Dabei stellte sie einem Valideneinkommen
von Fr. 24'018.- (Hilfsarbeit bei einem Pensum von 50%) ein zumutbares
Invalideneinkommen von Fr. 13'510.- gegenüber. Es resultierte ein Invaliditätsgrad von
44%. Davon berücksichtigte die IV-Stelle die Hälfte, also 22%. Zusammen mit der
anteiligen Invalidität im Haushalt von 10% ermittelte sie einen Gesamtinvaliditätsgrad
von 32%. Mit einer Verfügung vom 25. September 2007 verneinte sie einen
Rentenanspruch der Versicherten.
D.
Die Versicherte liess am 26. Mai 2007 durch ihren Ehemann Beschwerde erheben und
die Zusprache einer Invalidenrente beantragen. Er führte sinngemäss aus, die
Gesundheitsbeeinträchtigung der Versicherten zeige einen chronifizierten Verlauf. Die
Erwerbstätigkeiten seien jeweils wegen Überforderung gescheitert. Die beiden
Abklärungspersonen hätten keine Notiz vom akuten, psychisch verminderten Zustand
der Versicherten genommen. Er habe bei der Abklärung deutlich gemacht, dass die
Versicherte allerhöchstens zu 30-40% fähig sei, den Haushalt zu versorgen. Der
Grossteil der Haushaltarbeit werde von ihm bewältigt. Die Versicherte wäre total
überfordert, wenn sie neben ihrer Haushaltarbeit auch noch einer Erwerbstätigkeit
nachgehen müsste. Dr. med. D._ habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert.
Dr. med. B._ habe zwar eine Erwerbsfähigkeit von 50% angegeben, aber nicht
gleichzeitig auch noch eine 50%ige Haushaltarbeit zugestanden.
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E.
Die IV-Stelle beantragte am 21. November 2007 die Abweisung der Beschwerde. Sie
machte geltend, es sei notorisch, dass Dr. med. D._ immer sehr hohe
Arbeitsunfähigkeiten attestiere. Vom RAD sei nur eine Arbeitsunfähigkeit von 50%
bestätigt worden. Die Störungen (Verlangsamung, Konzentrations-, Auffassungs- und
Lernprobleme) deuteten nicht auf eine vollständige Arbeitsunfähigkeit hin. Die
Versicherte habe effektiv teilzeitlich gearbeitet. Eine plötzliche Verschlechterung sei
nicht ausgewiesen. Dies spreche gegen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die
Versicherte habe nichts gegen eine Qualifikation als Teilerwerbstätige eingewendet.
Somit sei von einer 50%igen Erwerbs- und von einer 50%igen Haushalttätigkeit
auszugehen. Da der Ehemann 40% der Haushaltarbeit übernehme und da die
Versicherte angegeben habe, sie sei nicht eingeschränkt, dränge sich keine höhere
Einschränkung als 20% auf.
F.
Der Ehemann der Versicherten wandte am 3. Dezember 2007 u.a. ein, er habe
anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle angegeben, dass er zwei Drittel der Arbeiten
im Haushalt verrichten müsse. Die Abklärungspersonen hätten eingeräumt, dass
psychisch kranke Personen ihren Gesundheitszustand in aller Regel besser darstellten,
als er effektiv sei. Die Versicherte habe das Abklärungsgespräch dreimal unterbrochen
und das Zimmer verlassen, weil sie den situativen Druck nicht mehr ausgehalten habe.
Sie stehe seit Jahren in massiver medikamentöser Behandlung. Das sei keine Basis
einer stabilen Gesundheit für industrielle und haushälterische Normalanforderungen.
Am letzten Arbeitsplatz bei einem Bekannten sei die Versicherte wegen des
verzögerten Arbeitstempos nicht mehr tragbar gewesen. Seither habe sie sich erfolglos
um eine Stelle bemüht. Die vom RAD angegebene Leistungsfähigkeit von 50% an
einem angemessenen Arbeitsplatz gebe es nur in einer geschützten Werkstatt. Wenn
die Versicherte es beim Lesen, Fernsehen, Basteln usw. kaum länger als zwanzig
Minuten aushalte, könne sie ja gar nicht sechs bis acht Stunden täglich arbeiten. Er
habe anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle angegeben, dass er 60% bis zwei
Drittel der Haushaltarbeit erledige und dass die Versicherte nur noch die Wäsche
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mache und einmal täglich den Tisch bereite. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb dies
im Abklärungsbericht ins Gegenteil verkehrt worden sei.
G.
Dr. med. B._ nahm am 6. Dezember 2007 zu seinem Bericht vom 5. Oktober 2006
Stellung. Er führte insbesondere aus, es sei der Versicherten nicht einmal gelungen,
eine Aufgabe im ehrenamtlichen Bereich zu finden. Aus der Trachtengruppe sei sie
wegen zwischenmenschlicher Probleme ausgetreten. Sie trage übermässig starke
Affekte und Stimmungsschwankungen in die Beziehungen hinein, was eine
Zusammenarbeit erschwere. Die gefühlsmässig starken Schwankungen mit
depressiven und z.T. auch aggressiven Affekten und die starke Unruhe und Nervosität
erschwerten die Zusammenarbeit in einem Team. Dazu kämen die Konzentrations- und
Ausdauerbeschwerden, die Verlangsamung bei der Lösung von Aufgaben und die
Probleme bei der Auffassung und beim Neulernen. Seit 2005 sei eine Verschlechterung
eingetreten, da sich die Versicherte schwer auf den Umzug nach C._ und auf das
engere Zusammenleben nach der Pensionierung ihres Ehemannes habe einstellen
können. Für eine Bürostelle in der freien Wirtschaft bestehe keine Arbeitsfähigkeit
mehr. Der Bericht vom 5. Oktober 2006 sei diesbezüglich unklar formuliert. Die
Versicherte sei als Büroangestellte zu 100% und im Haushalt zu 50-70%
arbeitsunfähig. In der freien Wirtschaft gebe es keinen geeigneten Arbeitsplatz. Nur in
einem geschützten Rahmen wäre eine Arbeit möglich.
H. Die IV-Stelle verzichtete am 7. Januar 2008 auf eine Stellungnahme.

Erwägungen:
1.
1.1 Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG ist die Invalidität grundsätzlich
durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Bei nichterwerbstätigen Versicherten
im Sinne von Art. 5 Abs. 1 IVG – so namentlich bei im Haushalt tätigen Personen – wird
hingegen für die Bemessung der Invalidität darauf abgestellt, in welchem Mass eine
Behinderung besteht, sich im bisherigen Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28
Abs. 2 IVG i. V. m. Art. 27 IVV). Als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen bis
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versicherten Personen gilt unter anderem die übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die
Erziehung der Kinder (Art. 27 IVV). Bei einer versicherten Person, die nur zum Teil
erwerbstätig wäre, wird die Invalidität diesbezüglich nach Art. 16 ATSG festgelegt.
Wäre sie daneben in einem Aufgabenbereich tätig, so wird die Invalidität für diese
Tätigkeit nach Art. 28 Abs. 2 IVG festgelegt. In diesem Falle sind die Anteile der
Erwerbstätigkeit und der Tätigkeit im anderen Aufgabenbereich festzustellen und der
Invaliditätsgrad ist entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen
(Art. 28 Abs. 1 IVG). Diese Art der Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss als
gemischte Methode bezeichnet. Gemäss Art. 27 Abs. 2 IVV ist nur der
Einkommensvergleich anzustellen, wenn anzunehmen ist, dass die versicherte Person
im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruchs ohne den Gesundheitsschaden
ganztägig erwerbstätig wäre. In ständiger Praxis prüft das Bundesgericht die Frage, ob
und gegebenenfalls in welchem Ausmass eine versicherte Person auch ohne den
Gesundheitsschaden im Aufgabenbereich tätig wäre, anhand der hypothetischen
Verhaltensweise der versicherten Person. Nach Ansicht des Bundesgerichts ist dazu
abzuklären, ob die versicherte Person ohne den Gesundheitsschaden mit Rücksicht
auf die gesamten Umstände (persönlicher, familiärer, sozialer und erwerblicher Art)
erwerbstätig oder im Aufgabenbereich tätig wäre. Dabei sollen die finanzielle
Notwendigkeit der Aufnahme oder der Ausdehnung einer Erwerbstätigkeit, allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben, das Alter der versicherten Person, deren
berufliche Fähigkeiten, Neigungen und Begabungen massgebend sein. Abzustellen sei
auf die hypothetischen Verhältnisse in tatsächlicher Hinsicht, wie sie sich bis zum
massgebenden Zeitpunkt entwickelt haben würden (vgl. etwa BGE 125 V 150). Das
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen hält es trotz des Bundesgerichtsurteils
vom 6. August 2007 (I 126/07) für richtig, dass Art. 8 Abs. 3 ATSG eine
Invaliditätsbemessung anhand der behinderungsbedingten Einschränkung im
Aufgabenbereich (Haushalt) nur zulässt, wenn und soweit eine versicherte Person die
Ausübung einer Erwerbstätigkeit im hypothetischen "Gesundheitsfall" objektiv nicht
zumutbar ist (vgl. etwa das Urteil des Versicherungsgerichts des Kantons St. Gallen
vom 30. Nov. 2007, IV 2006/175). Im vorliegenden Fall kann die Frage, welche der
beiden Gesetzesauslegungen die richtige sei, offen bleiben, denn wie die
nachfolgenden Ausführungen zeigen, führen beide Varianten zum selben Ergebnis.
bis
ter
bis
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1.2 Objektiv betrachtet wäre es der Beschwerdeführerin zumutbar, im hypothetischen
"Gesundheitsfall" vollzeitlich einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, da ihr Ehemann seit
2005 pensioniert und in der Lage ist, den Zweipersonenhaushalt weitgehend allein zu
besorgen. Bei einer Anwendung der vom Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen
vertretenen Gesetzesauslegung wäre die Invalidität der Beschwerdeführerin also
ausschliesslich durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln. Entsprechend der vom
Bundesgericht als richtig bezeichneten Gesetzesauslegung ist zu prüfen, wie die
konkreten tatsächlichen Verhältnisse sich im hypothetischen "Gesundheitsfall"
entwickelt hätten. Die im Abklärungsbericht vom 16. April 2007 vertretene und der
angefochtenen Verfügung zugrunde gelegte Auffassung, dass maximal eine 50%ige
hypothetische Erwerbstätigkeit zugestanden werden könne, ist nur mit dem Fehlen des
erforderlichen beruflichen Wissens und Könnens begründet worden. Dabei hat die
Beschwerdegegnerin aber missachtet, dass die Beschwerdeführerin seit Jahrzehnten
krank ist. Die hypothetische Situation ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung ist nicht
anhand einer fiktiven schnellen und vollständigen Heilung unmittelbar vor dem
Zeitpunkt, ab dem eine Rente beansprucht wird, sondern anhand einer hypothetischen
Entwicklung ab dem Lehrabschluss ohne jede die Arbeitsfähigkeit längerfristig
herabsetzende Gesundheitsbeeinträchtigung zu ermitteln. Es ist also zu fragen, wie die
Verhältnisse aussehen würden, wenn die Beschwerdeführerin nie an einer
schizoaffektiven Störung oder an einer anderen langdauernden Krankheit gelitten hätte.
Wäre die Beschwerdeführerin immer gesund und arbeitsfähig gewesen, so hätte sie
trotz der Erziehung der beiden Kinder ihre Berufskenntnisse der Entwicklung anpassen
können. Sie wäre deshalb bis zum hier massgebenden Zeitpunkt eine in der
Buchhaltung oder in einer ähnlichen Tätigkeit voll einsatzfähige Kauffrau geblieben. Mit
dem Fehlen ausreichender Berufskenntnisse lässt sich also keine Beschränkung auf
eine 50%ige Erwerbstätigkeit im hypothetischen Gesundheitsfall begründen.
1.3 Die Beschwerdeführerin ist anlässlich der Abklärung an Ort und Stelle nicht zu ihrer
hypothetischen erwerblichen Situation ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung befragt
worden. Der Grund dafür ist offenkundig: Die Beschwerdeführerin wäre gar nicht in der
Lage gewesen, diese Frage zu verstehen und zu beantworten. Die notwendige
Abstraktions- und Analyseleistung hätte die krankheitsbedingt erheblich reduzierten
Fähigkeiten der Beschwerdeführerin überstiegen. Es ist deshalb zu Recht auf eine
diesbezügliche Befragung der Beschwerdeführerin verzichtet worden.
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Unverständlicherweise haben es die Abklärungspersonen aber unterlassen, die Frage
nach der hypothetischen erwerblichen Situation im "Gesundheitsfall" anhand von
Indizien zu würdigen. Dies ist nachzuholen. Der Wunsch der Beschwerdeführerin, von
ihrem Ehemann unabhängig zu sein und zu diesem Zweck einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen, kann nicht als Indiz für eine hypothetische ganztägige Erwerbstätigkeit
betrachtet werden, da die Ursache dieses Wunsches wohl überwiegend in der
Krankheit der Beschwerdeführerin zu suchen ist und deshalb nichts über die
hypothetische Situation im "Gesundheitsfall" aussagt. Als Indizien stehen nur die
allgemeinen Lebensumstände der Beschwerdeführerin in der Zeit seit dem Ende der
Kinderpause zur Verfügung. Die Beschwerdeführerin hat sich schon früh wieder um
eine Erwerbstätigkeit bemüht. Dies lässt darauf schliessen, dass ihr die Ausübung einer
Erwerbstätigkeit auch ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung viel bedeutet hätte,
obwohl das Ehepaar aufgrund des Einkommens des Ehemannes nicht auf einen Lohn
der Beschwerdeführerin angewiesen war. Ohne die Gesundheitsbeeinträchtigung wäre
die Beschwerdeführerin also wohl lange vor dem hier interessierenden Zeitraum ab
2005 wieder vollerwerbstätig gewesen, denn der Zweipersonenhaushalt hätte von der -
gesunden - Beschwerdeführerin und deren Ehemann ohne weiteres jeweils neben der
ganztägigen Erwerbstätigkeit erledigt werden können. Die Beschwerdeführerin hätte
also im "Gesundheitsfall" nicht erst mit sechzig Jahren eine Arbeitsstelle suchen
müssen. Da der Ehemann seit 2005 pensioniert und in der Lage ist, den Haushalt zu
besorgen, kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin
im "Gesundheitsfall" mit sechzig Jahren ihre Erwerbstätigkeit reduziert hätte. Unter
diesen Umständen erweist sich die Hypothese einer vollzeitlichen Erwerbstätigkeit in
den Jahren ab 2005 als wahrscheinlicher als die von Beschwerdegegnerin vertretene
Hypothese, dass die Beschwerdeführerin auch im hypothetischen "Gesundheitsfall"
nur zu 50% einer Erwerbstätigkeit nachginge. Auch bei einem Abstellen auf die
bundesgerichtliche Auslegung des Art. 8 Abs. 3 ATSG ist die Beschwerdeführerin also
als hypothetisch Vollerwerbstätige zu qualifizieren, d.h. ihre rentenspezifische Invalidität
ist nur durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln.
2.
2.1 Der Grad der für den Rentenanspruch massgebenden Invalidität ist gemäss Art. 16
ATSG durch einen Einkommensvergleich zu ermitteln, bei dem das Einkommen, das
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die Beschwerdeführerin nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte
(Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt wird zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Grundlage
der Bemessung des Invalideneinkommens bilden die Arbeitsfähigkeitsschätzung und
die Umschreibung der trotz der Gesundheitsbeeinträchtigung noch möglichen und
zumutbaren Tätigkeiten. Dazu liegen abweichende Angaben vor. Dr. med. B._ hat am
5. Oktober 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 50% angegeben, Dr. med. D._ am 28.
November 2006 eine Arbeitsunfähigkeit von 100%. Der RAD Ostschweiz hat am 30.
April 2007 die Arbeitsfähigkeitsschätzung von Dr. med. B._ als überzeugend
qualifiziert. Dr. med. B._ hat dann aber am 6. Dezember 2007 seinen Bericht vom 5.
Oktober 2006 als unklar bezeichnet und eine Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerdeführerin von 100% angegeben. Er hat dies folgendermassen begründet:
"Ehrlicherweise muss man sagen, dass es die geeignete Umgebung, für die eine
Teilarbeitsfähigkeit der Patientin anzunehmen wäre, in der freien Wirtschaft nicht gibt
und allenfalls eine Arbeit in geschütztem Rahmen möglich wäre". Dr. med. B._ hat
damit nicht eigentlich seine Arbeitsfähigkeitsschätzung vom 5. Oktober 2006 korrigiert,
sondern er hat klargestellt, dass die bereits am 5. Oktober 2006 genannten
Anforderungen an einen Arbeitsplatz so hoch sind, dass sie eine Tätigkeit der
Beschwerdeführerin in der freien Wirtschaft ausschliessen. Dr. med. B._ geht also
davon aus, dass die Beschwerdeführerin an sich in einer geeigneten Tätigkeit eine
Leistung von 50% erbringen könnte, dass dazu aber eine geschützte Umgebung
erforderlich wäre.
2.2 Die Beschwerdeschilderungen in den Arztberichten, die Angaben im Bericht über
die Abklärung an Ort und Stelle und auch die Ausführungen des Ehemannes zeigen,
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Ausdauer, ihrer Konzentrationsfähigkeit, ihrer
Auffassungsgabe und ihrer Fähigkeit, mit Neuem fertigzuwerden, erheblich reduziert
ist. Wenn der Beschwerdeführerin unter diesen Umständen überhaupt eine
Erwerbstätigkeit möglich wäre, dann müsste es sich um eine ganz einfache und
gleichförmige Arbeit mit geringsten Qualitätsanforderungen und ohne jeden
Leistungsdruck handeln. Insbesondere die letztgenannte Anforderung an einen
Arbeitsplatz dürfte in der freien Wirtschaft für einfachste und gleichförmige Tätigkeiten
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kaum mehr zu erfüllen sein, da derartige Tätigkeiten darauf ausgerichtet sein müssen,
einen hohen Produktionsausstoss zu erreichen, was notwendigerweise mit einem
grossen Leistungsdruck verbunden ist. Die Umschreibung der für die
Beschwerdeführerin geeigneten Art von Arbeitstätigkeit entspricht denjenigen
Arbeitsplätzen, wie sie typischerweise in geschützten Werkstätten zur Verfügung
stehen. Berücksichtigt man nun noch, dass die Beschwerdeführerin an starken
Stimmungsschwankungen leidet und dass sie unstet ist, so muss angenommen
werden, dass ihre Leistungsfähigkeit von Tag zu Tag schwankt und möglicherweise
auch während des Tages unterschiedlich hoch ist. Ein Arbeitsplatz hätte auch noch
dieser Beeinträchtigung Rechnung zu tragen, was an einem auf hohe Effizienz
ausgerichteten Ort offensichtlich nicht möglich ist. Da die Beschwerdeführerin
phasenweise aggressiv ist und da sie sich unter Menschen unwohl fühlt, wie sie
glaubhaft angegeben hat und wie es auch während der Abklärung an Ort und Stelle
demonstriert worden ist, müsste ein Arbeitsplatz schliesslich auch diese Bedingung
erfüllen. Die einfachste, gleichförmige, anforderungslose und stressfreie, nicht auf
konstant hohe Leistung ausgerichtete Arbeit müsste also von der Beschwerdeführerin
allein bzw. in "indirektem" Kontakt mit Vorgesetzten und anderen Arbeitnehmern
ausgeübt werden können. Ob die Beschwerdeführerin ganz auf sich gestellt an sechs
bis acht Stunden täglich eine Leistung von 50% erbringen könnte, ist zu bezweifeln,
denn dazu müsste die Beschwerdeführerin in der Lage sein, sich selbst disziplinieren,
aber auch motivieren zu können. Angesichts der Natur der
Gesundheitsbeeinträchtigung dürfte ihr dies kaum möglich sein. Damit steht fest, dass
eine Verwertung der von Dr. med. B._ angegebenen Arbeitsfähigkeit von 50%
tatsächlich nur noch in einer geschützten Werkstatt möglich ist. Auf dem freien
Arbeitsmarkt sind derartige Stellen nicht mehr zu finden. Dies zeigt sich auch darin,
dass die Beschwerdeführerin ihre letzte Arbeitsstelle bei der Firma F._, bei der man
aufgrund der persönlichen Beziehung zum Ehemann bereit gewesen war, auf die
besonderen Bedürfnisse einzugehen, mangels ausreichender Leistung verloren hat.
Kann die Restarbeitsfähigkeit nur noch in einer geschützten Werkstätte verwertet
werden, so ist damit kein ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen mehr zu erzielen,
denn auch geschützte Werkstätten können nur dann einen am konkreten
Arbeitsergebnis ausgerichteten "Leistungslohn" ausrichten, wenn dieses
Arbeitsergebnis annähernd demjenigen entspricht, das ein gesunder Arbeitnehmer mit
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gleichem Beschäftigungsgrad liefert. Unter diesen Umständen ist davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin trotz eines Arbeitsfähigkeitsgrades von nominal 50% kein
Erwerbseinkommen mehr erzielen kann, dass mindestens 30% desjenigen
Einkommens ausmachen würde, dass sie als gesunde Kauffrau erreichen könnte. Eine
berufliche Wiedereingliederung in den einmal erlernten Beruf oder eine Umschulung
hätte angesichts des Alters der Beschwerdeführerin und der besonderen Natur der
Gesundheitsbeeinträchtigung keine Aussicht auf Erfolg. Deshalb kann direkt eine
Invaliditätsbemessung (in der Form eines Prozentvergleichs) erfolgen. Da die Invalidität
mindestens 70% beträgt, hat die Beschwerdeführerin einen Anspruch auf eine ganze
Invalidenrente.
3.
Im Sinne der vorstehenden Ausführungen ist die Beschwerde vollumfänglich
gutzuheissen und der Beschwerdeführerin ist eine ganze Invalidenrente zuzusprechen.
Die Sache ist zur Bestimmung des Rentenbeginns und der Rentenhöhe an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die unterliegende Beschwerdegegnerin trägt die
Verfahrenskosten (Art. 69 Abs. 1 IVG). Entsprechend dem unterdurchschnittlichen
Verfahrensaufwand erscheint eine Gerichtsgebühr von Fr. 400.- als angemessen. Der
geleistete Kostenvorschuss von Fr. 600.- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten.
Demgemäss hat das Versicherungsgericht
im Zirkulationsverfahren gemäss Art. 53 GerG