Decision ID: aa03d637-9227-571e-9968-08c303d69cde
Year: 2019
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherter) war als Projektleiter bei der B._ AG tätig und
dadurch obligatorisch bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(nachfolgend: Suva) gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 20. Juni 2016 liess
er durch seine Arbeitgeberin folgendes Ereignis vom 10. September 2015 melden: "An
der Kletterwand musste ich beim Aufstieg einen Wechsel durchführen. Da dieser nicht
gelingen wollte, bin ich relativ lange mit dem ganzen Körpergewicht am linken
hochgestreckten Arm gehangen. Ich habe zwar eine starke Belastung im Arm gespürt,
aber dies auf eine Muskelbelastung zurückgeführt. Bis heute ist der Arm nie wieder
100% schmerzfrei geworden." (Suva-act. 1). Eine Erstbehandlung hatte am 4. April
2016 durch Dr. med. C._, Innere Medizin und Kardiologie, stattgefunden (Suva-act.
16). Dieser hatte den Versicherten für eine fachärztliche Untersuchung an Dr. med.
D._, FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
Orthopädie E._, überwiesen. Gestützt auf das Ergebnis einer MRI-Untersuchung, die
am 14. Juni 2016 in der Radiologie F._, Diagnosezentrum G._, durchgeführt
worden war (Suva-act. 11), diagnostizierte Dr. D._ im Sprechstundenbericht vom 20.
Juni 2016 eine Schulterdistorsion rechts, erlitten am 10. September 2015, mit
transmuraler Ruptur anteriore Supraspinatussehne mit konsekutivem subacromialen
Impingement bei vorbestehendem Acromionsporn (Suva-act. 9).
A.b Gestützt auf die Angaben des Versicherten anlässlich einer Besprechung mit einem
Suva-Mitarbeiter vom 26. August 2016 (Suva-act.17) und nach Einholung einer
Kurzbeurteilung von Suva-Kreisarzt Dr. med. H._, Facharzt für Orthopädische
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Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zur Frage, ob eine Diagnose
einer unfallähnlichen Körperschädigung vorliege (Suva-act. 18), verneinte die Suva mit
Verfügung vom 5. September 2016 ihre Leistungspflicht für die gemeldeten
Schulterbeschwerden rechts. Sie begründete die Leistungsablehnung damit, dass
weder ein Unfall noch eine unfallähnliche Körperschädigung vorliege (Suva-act. 19).
B.
B.a Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 23. September 2016 Einsprache
(Suva-act. 22).
B.b Am 24. November 2016 wurde beim Versicherten in der Klinik I._ eine
Schulterarthroskopie rechts mit intraartikulärem Débridement, subacromialer
Dekompression mit Bursektomie und Acromio-Plastik, Bizepssehnen-Tenotomie mit
Tenodese und plastischer Rekonstruktion der Supraspinatussehne in der Tension-
Bridge-Technik durchgeführt (Suva-act. 33; vgl. auch Suva-act. 27, 32). Seine
Arbeitgeberin hatte der Suva vor der Operation am 27. Oktober 2016 eine weitere
Schadenmeldung eingereicht (Suva-act. 29).
B.c Nach Einholung einer ausführlichen ärztlichen Beurteilung von Suva-Kreisarzt Dr.
H._ zur Frage des Vorliegens einer unfallähnlichen Körperschädigung (Suva-act. 30)
wies die Suva mit Einspracheentscheid vom 24. Januar 2018 die Einsprache des
Versicherten ab (Suva-act. 36).
C.
C.a Gegen den Einspracheentscheid vom 24. Januar 2018 erhob der Versicherte
(nachfolgend: Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 18. Februar 2018 Beschwerde mit
dem sinngemässen Antrag, die Suva (nachfolgend: Beschwerdegegnerin) habe für die
Folgen des Ereignisses vom 10. September 2015 die gesetzlichen
Versicherungsleistungen auszurichten (act. G1).
C.b In der Beschwerdeantwort vom 22. März 2018 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung des
Einspracheentscheids vom 24. Januar 2018 (act. G3).
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C.c Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine Replik (act. G4 f.).

Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur
Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen für Unfälle, die
sich vor deren Inkrafttreten ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem
Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt. Vorliegend finden
daher, nachdem ein Ereignis aus dem Jahr 2015 zur Diskussion steht, die bis 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung.
2.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu prüfen ist der Anspruch des
Beschwerdeführers auf Versicherungsleistungen gegenüber der Beschwerdegegnerin
aus der obligatorischen Unfallversicherung für die Folgen des Ereignisses vom 10.
September 2015.
2.1 Nach Art. 6 Abs. 1 UVG werden, soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt, die
Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten
gewährt. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die plötzliche, nicht beabsichtigte
schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den
menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Dabei bezieht sich das
Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors,
sondern auf den Faktor selbst. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist
somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen nach
sich gezogen hat. Ein äusserer Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im
jeweiligen Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft,
beurteilt sich im Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
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fallen (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; BGE 122 V 233 E. 1, 121 V 38
E. 1a, je mit Hinweisen). Das für den Unfallbegriff wesentliche Merkmal des
ungewöhnlichen äusseren Faktors kann nach Lehre und Rechtsprechung auch in einer
unkoordinierten Bewegung bestehen. So kann der Körper als Ganzes in Bewegung
kommen, indem er - z. B. bei einem Sturz - auf harter Unterlage aufschlägt und
Schaden nimmt. Der äussere und der ungewöhnliche Faktor sind hier ohne weiteres
gegeben. Dies trifft auch zu, wenn sich, wie beim Ausgleiten, Stolpern oder Abwehren
eines Sturzes, bloss einzelne Körperteile bewegen und in Verbindung mit einem in der
Aussenwelt liegenden Umstand zur gesundheitlichen Störung führen. Freilich tritt
schon bei einer normalen Bewegung des Körpers, wie beispielsweise beim normalen
Aufstehen aus der tiefen Hocke, eine sinnfällige Veränderung der Aussenwelt ein.
Dieser äussere Faktor ist aber nicht zugleich ein ungewöhnlicher Faktor; denn die
Bewegung des Körpers ist, äusserlich betrachtet, normal verlaufen, also nicht durch
eine in der Aussenwelt begründet Ursache - z.B. Ausrutschen wegen einer glitschigen
Unterlage - in ihrem Ablauf gestört worden. Der Unfallbegriff ist nicht erfüllt. Unter
unkoordinierten Bewegungen versteht man also nur körperliche Bewegungen, die in
ihrem Ablauf durch etwas Programmwidriges, durch etwas Sinnfälliges, d.h. durch
einen ungewöhnlichen Faktor, gestört werden, so dass einzelne Muskeln oder
Muskelgruppen übermässig beansprucht werden; daraus können Muskel- und
Sehnenschäden, ja selbst Knochenbrüche resultieren (Alfred Maurer, Schweizerisches
Unfallversicherungsrecht, 2. Aufl. Bern 1989, S. 176 f.; Alexandra Rumo-Jungo/André
Pierre Holzer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht,
Bundesgesetz über die Unfallversicherung, 4. Aufl. Zürich/Basel/Genf 2012, S. 40 f.;
RKUV 1999 Nr. U 333 S. 199 E. 3c/aa und Nr. U 345 S. 422 E. 2b).
2.2 Bei Schädigungen, die sich auf das Körperinnere beschränken und die
erfahrungsgemäss auch als alleinige Folge von Krankheit, insbesondere von
vorbestandenen degenerativen Veränderungen eines Körperteils, innerhalb eines
durchaus normalen Geschehensablaufs auftreten können (z.B. Diskushernien,
Rotatorenmanschettenrupturen, Meniskusrisse), unterliegt der Nachweis eines Unfalls
insofern strengen Anforderungen, als die unmittelbare Ursache der Schädigung unter
besonders "sinnfälligen" Umständen gesetzt worden sein muss; denn ein Unfallereignis
manifestiert sich in der Regel in einer äusserlich wahrnehmbaren Schädigung, während
bei deren Fehlen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit rein krankheitsbedingter Ursachen
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besteht (Urteil des Bundesgerichts vom 10. April 2014, 8C_783/2013, E. 4.3 mit
Hinweisen).
3.
Anlässlich einer persönlichen Befragung vom 26. August 2016 durch einen Mitarbeiter
der Beschwerdegegnerin schilderte der Beschwerdeführer das Ereignis vom 10.
September 2015 folgendermassen: Er sei bei einem Kundenanlass im J._ die
Kletterwand hochgestiegen, wobei er am Seil gesichert gewesen sei. Um weiter
hochklettern zu können, habe er über eine Ecke auf die andere Seite der Kletterwand
gehen, d.h. einen sogenannten Richtungswechsel vornehmen müssen. Dabei habe er
mit gestrecktem rechten Arm in der Wand gehangen. Sein ganzes Körpergewicht von
96 kg habe auf diesem Arm gelastet. Er habe sich auch unten mit den Füssen
festgehalten. Er habe nun mit der linken Hand bzw. dem linken Arm ebenfalls
hinübergehen müssen, was ihm jedoch trotz verschiedener Versuche nicht gelungen
sei. Er habe sicherlich 2 bis 3 Minuten mit dem gestreckten Arm in der Wand
gehangen. In diesen Minuten habe sich langsam ein Schmerz in der rechten Schulter
aufgebaut. Irgendwann habe er den Richtungswechsel abgebrochen und sich mit den
Seilen nach unten gehen lassen. Als er mit dem rechten Arm über 2 bis 3 Minuten in
der Wand gehangen habe, sei er weder abgerutscht noch habe er sich die Schulter
verdreht oder einen Fitz bzw. Zwick in der Schulter gespürt. Der Schmerz in der
Schulter habe sich einfach immer mehr aufgebaut (Suva-act. 17). In der Einsprache
vom 23. September 2016 teilte der Beschwerdeführer folgenden Hergang des
Ereignisses vom 10. September 2015 mit: Im Rahmen eines von der Arbeitgeberin
organisierten und finanzierten Projektabschlussevents seien in der J._
wettbewerbsmässig verschiedene Kletteraktivitäten unter den Teilnehmenden
durchgeführt worden. Eine dieser Aktivitäten sei das Erklettern einer Wand gewesen.
Beim Klettern auf einer geschätzten Höhe von ca. 10 Metern sei es aufgrund der
Anordnung der Handgriffe und der Abstützmöglichkeiten für die Füsse nicht mehr
möglich gewesen, dem normalen Kletterablauf folgend höher zu kommen. Die Halte-
und Standvorsprünge seien ab dort um ca. 1 Meter rechts zum bisherigen Aufstieg
versetzt angeordnet gewesen. Beim normalen Kletterverlauf könne davon ausgegangen
werden, dass bei einem Positionswechsel mindestens ein Bein und ein Arm stossend
und ziehend die Bewegung unterstützten und die Belastung entsprechend verteilt
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werde. Das normale Weiterklettern sei dann aber von der erreichten Position aus nicht
mehr möglich gewesen. Er habe mehrere Versuche unternommen, irgendwie im
Aufstieg weiter zu kommen. Dazu habe er von einer relativ gesicherten Position aus
das Gewicht nach rechts verlagert und jeweils versucht, mit den Füssen und der linken
Hand sich neu abzustützen oder zu greifen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen und
der jeweiligen Rückkehr in die Ausgangslage habe er einen letzten Versuch gewagt. In
der Ausgangsposition habe er zwar jeweils die körperliche Anstrengung ein wenig
reduzieren, den rechten Arm aber nicht stark entlasten können. Beim letzten Versuch
habe er dann mit Schrecken feststellen müssen, dass die Muskulatur des rechten Arms
die Gewichtsverlagerung nicht mehr zu halten vermocht und die volle Belastung auf
dem vollständig nach oben ausgestreckten Arm gelastet habe. Unmittelbar danach
habe er starke Schmerzen in der Schulter verspürt und etwas für ihn nicht
Identifizierbares sei in der Schulter geschehen. Er habe sich dann nicht mehr halten
können, habe losgelassen und sei via Sicherungsleine zu Boden gebracht worden.
Ohne Auffangeinrichtung wäre er hinuntergestürzt (Suva-act. 22).
4.
4.1 Das Erfordernis der mechanischen Einwirkung eines äusseren Faktors ist mit den
Sachverhaltsschilderungen in Erwägung 3 erfüllt. Um den Körper bzw. das
Körpergewicht an der Kletterwand zu halten, hielt sich der Beschwerdeführer unter
anderem mit dem rechten, ausgestreckten Arm an einem Haltegriff fest. Er versuchte
mehrmals erfolglos, sich mit den Füssen und der linken Hand neu abzustützen bzw. zu
greifen und kehrte immer wieder in die Ausgangsposition zurück. Im Rahmen dieser
körperlichen Bewegungen erfolgte unstreitig eine Zugbelastung auf den rechten Arm
nach unten und er musste dessen Muskulatur anspannen. Wie die
Beschwerdegegnerin zutreffend feststellte, fehlt es jedoch an der Ungewöhnlichkeit
des äusseren Faktors. Mit den Ereignisschilderungen in Erwägung 3 sind keinerlei
Vorkommnisse dargetan, welche einen ungewöhnlichen äusseren Faktor ersichtlich
machen würden und damit das Vorliegen eines Unfalls bejahen liessen. Das Festhalten
mit dem rechten Arm an sich beschreibt eine alltägliche, physiologisch normale und
psychologisch beherrschte, körpereigene Bewegung, selbst wenn sich ein Haltegriff in
der Kletterwand über dem Kopf befindet und dieser mit ausgestrecktem Arm
festgehalten wird. Der Beschwerdeführer beschreibt zudem in keiner Weise einen
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programmwidrigen Bewegungsablauf, wie beispielsweise einen Anprall an der
Kletterwand, ein Abrutschen bzw. Abgleiten oder das Verhindern eines Sturzes.
Konkret erklärte der Beschwerdeführer weder abgerutscht zu sein noch sich die
Schulter verdreht zu haben (Suva-act. 17).
4.2
4.2.1 Das Wirken einer gewissen Zugkraft auf den Arm bzw. die Schulter ist der vom
Beschwerdeführer ausgeübten Freizeitaktivität inhärent. Generell gehört der bei den
einzelnen Bewegungen an der Kletterwand vom Körper zu leistende Kraftaufwand
notwendigerweise zu dieser sportlichen Betätigung dazu und ist damit nicht
aussergewöhnlich. Kommt es dabei zu einer Verletzung, liegt deshalb noch kein
Unfallereignis vor. Dass die Zugkraft so stark war, dass sie als ungewöhnlich beurteilt
werden müsste, ist zwar möglich, aber nicht überwiegend wahrscheinlich
nachgewiesen. Dies vor allem auch nicht in Anbetracht der im konkreten Fall zu
stellenden strengeren Anforderungen (vgl. Erwägung 2.2). Die blosse Möglichkeit eines
bestimmten Sachverhalts genügt jedoch den Beweisanforderungen nicht (Thomas
Locher/Thomas Gächter, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014,
§ 70 N. 58 f.).
4.2.2 Beim Klettern gibt es die Drei-Punkt-Regel (vgl. dazu https://de.wikipedia.org/
wiki/
Drei-Punkt-Regel, abgerufen am 28. August 2019), wonach im Optimalfall immer mit
drei Gliedmassen Kontakt zur Kletterwand gehalten werden sollte, um die vierte zum
neuen Griff oder Tritt zu bewegen. Die Einhaltung dieser Regel ist wichtig, um sich an
der Wand halten zu können. Den Ereignisschilderungen des Beschwerdeführers lässt
sich nicht entnehmen, dass er diese Kletterregel nicht eingehalten hätte. Unstreitig hielt
er sich mit dem rechten Arm an einem Haltegriff fest, beschreibt aber auch, sich unten
mit den Füssen abgestützt zu haben. Anlässlich der Besprechung mit dem Mitarbeiter
der Beschwerdegegnerin vom 26. August 2016 nannte er ausdrücklich den linken Arm
bzw. die linke Hand als die vierte Gliedmasse, mit welcher er greifen wollte (Suva-act.
17). In der Einsprache erwähnte er zusätzlich die Füsse. Doch auch diese Darstellung
lässt nicht auf eine Nichtbeachtung der Drei-Punkt-Regel schliessen. Drei seiner
Gliedmassen befanden sich offenbar grundsätzlich immer am Zielgriff bzw. Zieltritt.
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Dies lässt sich auch darin erkennen, dass der Beschwerdeführer aussagte, er sei
jeweils in die Ausgangsposition zurückgekehrt (Suva-act. 22). Vor diesem Hintergrund
erscheint die Schilderung des Beschwerdeführers, sein ganzes Körpergewicht von 96
kg habe auf dem rechten Arm gelastet, nicht nachvollziehbar (Suva-act. 17). Ein
Festhalten des ganzen Körpergewichts während 2 bis 3 Minuten einzig an einem
Haltegriff einer Kletterwand erscheint denn auch - insbesondere für einen Amateur -
vollkommen unrealistisch. Bei Einhaltung der Drei-Punkt-Regel, wie im konkreten Fall,
wird das Körpergewicht auf drei Gliedmassen verteilt und die dabei wirkenden Kräfte
sind - auch bei einem Körpergewicht von 96 kg - fraglos nicht aussergewöhnlich. Der
Umstand, dass der Beschwerdeführer einen Richtungswechsel vorgenommen hatte
und sich um ca. 1 m nach rechts zum Aufstieg versetzt bewegen wollte (Suva-act. 22),
führt nicht zu einer anderen Beurteilung. Zwar mag die Position des Beschwerdeführers
dadurch gegenüber einer normalen Kletterbewegung instabiler geworden zu sein, doch
auch hier wirken die drei festhaltenden bzw. stehenden Gliedmassen stabilisierend und
tragend. Es ist offensichtlich von einem nicht erfolgreichen Klettervorgang auszugehen,
wenn der Beschwerdeführer mehrmalige Versuche, sich neu abzustützen bzw. zu
greifen, beschreibt, von einer übermässigen körperlichen Anstrengung spricht und
beim Ereignis feststellte, dass die Muskulatur des rechten Arms die
Gewichtsverlagerung nicht mehr habe halten können. Diese Fakten und
Wahrnehmungen entsprechen trotz allem einem normalen Bewegungsablauf an einer
Kletterwand. Wiederholt erfolglos durchgeführte Bewegungen an einer Kletterwand
können zu mehr Ermüdung führen. Irgendwann verlassen einen die Kräfte, man lässt
los und gleitet mit dem Seil zurück auf den Boden. Der Vorgang wurde damit jedoch
nicht durch einen ungewöhnlichen äusseren Faktor gestört, sondern lediglich durch
den (inneren) Faktor der Krafteinbusse. Dass der Kraftverlust selbst zu einem
Unfallgeschehen, wie beispielsweise einem Sturz, geführt hätte und die
Schulterproblematik davon ausgelöst worden wäre, wird vom Beschwerdeführer nicht
geltend gemacht.
4.3 Die angeblich unmittelbar im Anschluss an das Ereignis aufgetretenen Schmerzen
stellen ebenfalls keinen äusseren Faktor im Sinn der Rechtsprechung dar, sondern
höchstens die Wirkung des äusseren Faktors, weshalb dessen Ungewöhnlichkeit nicht
bewiesen ist, wenn die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten der
Schmerzen in zeitlicher Hinsicht anzugeben vermag (BGE 129 V 469 E. 4.2.1). Das
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Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit bezieht sich, wie gesagt, nicht auf die Wirkung
des äusseren Faktors, sondern auf den Faktor selbst. Nicht erfüllt ist das Erfordernis
des ungewöhnlichen äusseren Faktors auch, wenn das erstmalige Auftreten der
Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte
Person zu beschreiben in der Lage ist, die den Rahmen des im jeweiligen
Lebensbereich Alltäglichen oder Üblichen - wie im konkreten Fall (vgl. Erwägung 4.2) -
nicht überschreitet (BGE 134 V 79 f. E. 4.3.1, 122 V 233 E. 1, 121 V 38 E. 1a; RKUV
2000 Nr. U 368 S. 99 E. 2b mit Hinweisen; Urteil des Bundesgericht vom 13. Februar
2009, 8C_656/2008, E. 3.2; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S. 31; vgl. Erwägung 2.1).
4.4 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass anhand der vorgebrachten Schilderungen
des Ereignisses vom 10. September 2015 ein Unfallereignis gemäss Art. 4 ATSG bzw.
das Unfallbegriffsmerkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors nicht mit dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit dargetan ist. Damit entfällt eine
Leistungspflicht des Unfallversicherers gestützt auf Art. 6 Abs. 1 UVG in Verbindung
mit Art. 4 ATSG.
5.
5.1 Nachdem ein Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG zu verneinen ist, bleibt eine
Leistungspflicht gestützt auf Art. 6 Abs. 2 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV
(unfallähnliche Körperschädigungen; Fassung bis Ende 2016) zu prüfen. Gemäss Art. 9
Abs. 2 UVV besteht eine Leistungspflicht des Unfallversicherers auch ohne
ungewöhnliche äussere Einwirkung für Knochenbrüche (lit. a), Verrenkungen von
Gelenken (lit. b), Meniskusrisse (lit. c), Muskelrisse (lit. d), Muskelzerrungen (lit. e),
Sehnenrisse (lit. f), Bandläsionen (lit. g) und Trommelfellverletzungen (lit. h), sofern
diese nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzuführen sind.
Eine Leistungspflicht des Unfallversicherers ist jedoch - auch wenn einer der in Art. 9
Abs. 2 UVV aufgeführten Befunde erhoben wird - nur gegeben, wenn die Verletzung,
wie in Art. 4 ATSG vorgesehen, auf eine plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende
Einwirkung eines äusseren Faktors zurückzuführen ist. Bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen im Sinne von Art. 9 Abs. 2 UVV entfällt im Vergleich zu den
eigentlichen Unfällen nach Art. 4 ATSG einzig das Tatbestandsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit des auf den Körper einwirkenden äusseren Faktors. Alle übrigen
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Begriffsmerkmale eines Unfalls müssen hingegen auch bei den unfallähnlichen
Körperschädigungen erfüllt sein. Dies gilt namentlich für das Erfordernis des
einwirkenden äusseren Faktors an sich, worunter ein ausserhalb des Körpers liegender,
objektiv feststellbarer, sinnfälliger - eben unfallähnlicher - Einfluss auf den Körper zu
verstehen ist. Dabei kann die schädigende Einwirkung auch in einer körpereigenen
Bewegung bestehen (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2014, 8C_147/2014, E.
2.3).
5.2 Es ist unbestritten, dass es sich bei der beim Beschwerdeführer nach dem Ereignis
vom 10. September 2015 im Juni 2016 radiologisch nachgewiesenen Sehnenrupturen
grundsätzlich um eine Listenverletzung handelt (Suva-act. 11, 18, 33; Art. 9 Abs. 2 lit. f
UVV; Sehnenriss). Eine unfallähnliche Körperschädigung wird jedoch von Dr. H._ und
der Beschwerdegegnerin insofern verneint, als die diagnostizierte Listenverletzung
nicht als natürlich kausale Folge des Kletterereignisses vom 10. September 2015
betrachtet wird (vgl. zum vorausgesetzten natürlichen Kausalzusammenhang BGE 129
V 181 E. 3.1 ff.; Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.53 ff.).
5.2.1 Wie von Dr. H._ in der ärztlichen Beurteilung vom 10. November 2016
überzeugend festgestellt (Suva-act. 30), zeigten sich anlässlich der MRI-Untersuchung
in der Radiologie F._ und der Schultergelenksarthroskopie rechts vom 14. Juni bzw.
24. November 2016 deutliche Anzeichen für eine degenerative, verschiedene
Strukturen umfassende Verschleisserkrankung des rechten Schultergelenks (Suva-act.
11, 33). Dr. H._ registrierte in Übereinstimmung mit den radiologisch erhobenen
Befunden eine Arthrose des AC-Gelenks (Schultereckgelenks) mit kaudal in den
Subacromialraum reichendem Knochensporn (claviculärer Osteophyt) und einem
daraus resultierenden subacromialen Engpassyndrom (Impingementsyndrom) sowie
eine Schädigung der Rotatorenmanschette im Bereich verschiedener Anteile
(Supraspinatus-, Subscapularis- und Bizepssehne). Bei einer Arthrose, einer
Impingementsymptomatik und einem abfallenden Acromion handelt es sich im
Regelfall um krankheitsbedingte bzw. degenerative Gesundheitsschäden (Alfred M.
Debrunner, Orthopädie, orthopädische Chirurgie, 4. Aufl. Bern 2005, S. 725 ff, 975,
1183; Pschyrembel, Klinisches Wörterbuch, 267. Aufl. Berlin 2017, S. 862, 1782; Roche
Lexikon, Medizin, 5. Aufl. München 2003, S. 915, 1807). Im Zusammenhang mit der
Bizepssehne wurde sodann im MRI-Untersuchungsbericht (Suva-act. 11) von einer
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fortgeschrittenen chronischen Tendinopathie gesprochen, durch welche das
degenerative Bild ergänzt wird (vgl. zu "chronisch": Pschyrembel, a.a.O., S. 335; Roche
Lexikon, a.a.O., S. 334). Schliesslich sind auch Rotatorenmanschettenläsionen häufig
degenerativ bedingt, womit die Ausdrücke "Ruptur" und "Läsion" gesamthaft
betrachtet nicht ohne Weiteres mit einer Traumarelevanz verbunden werden können
(Debrunner, a.a.O., S. 412, 628, 724 f. 728 ff.; Roche Lexikon, a.a.O., S. 1681;
Pschyrembel, a.a.O., S. 1576, 1646). Des Weiteren ist anzufügen, dass der
Beschwerdeführer offenbar bereits vor dem Ereignis vom 10. September 2015 seit
Jahren immer wieder unter Schulterbeschwerden rechts, insbesondere bei
Hochlagerung des Arms während des Schlafens, gelitten hat. Von einer
vorbestehenden Arthrose hatte er zudem Kenntnis (Suva-act. 17). Eine Degeneration ist
ein fortschreitender Prozess. Sie beginnt unbedeutend und nimmt im Verlauf zu.
Entsprechend kann sie zunächst ohne weiteres symptomlos oder unmerklich
schleichend verlaufen, aber auch unvermittelt und schlagartig in veränderter Weise
kompliziert werden (vgl. dazu Debrunner, a.a.O., S. 586, 878). Insofern stellt die
angeblich neuartige Schmerzwahrnehmung durch den Beschwerdeführer (Suva-act.
22) keine Besonderheit dar.
5.2.2 Dr. H._ berücksichtigte ausserdem einleuchtend den Zeitablauf des konkreten
Falls. Je grösser der zeitliche Abstand zwischen einem Ereignis und der ärztlichen
Behandlung bzw. der Manifestation eines Gesundheitsschadens ist, umso
unwahrscheinlicher wird ein kausaler Zusammenhang (vgl. dazu RKUV 1997 Nr. U 275
S. 191 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts vom 26. September 2008, 8C_102/2008, E.
2.2). Der Beschwerdeführer hat sich erstmals sieben Monate nach dem Ereignis vom
10. September 2015 in ärztliche Behandlung begeben. Die Vorgänge in einem
menschlichen Körper während eines solchen Zeitraums sind vielfältig. Auch in diesem
Zusammenhang ist im Übrigen auf die vorbestehenden Schulterbeschwerden des
Beschwerdeführers hinzuweisen. Wie bereits erwähnt, treten im Rahmen degenerativer
Prozesse Schmerzveränderungen auf und können insofern auch als neuartig
wahrgenommen werden (Suva-act. 22). Dass der Beschwerdeführer trotz der
Feststellung eines anhaltenden neuen erheblichen Schmerzes und dessen Zuordnung
zum Ereignis vom 10. September 2015 während sieben Monaten keinen Arzt
aufsuchte, ist nicht naheliegend. So erscheint es doch eher unwahrscheinlich, dass
eine versicherte Person angesichts der vorgenannten Sachlage dauerhafte Schmerzen
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während sieben Monaten akzeptiert und erduldet und sich nicht ärztlich untersuchen
lässt. Grundsätzlich können damit nur noch Vermutungen hinsichtlich des Eintritts der
Sehnenrupturen bzw. der unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen des
Ereignisses an der Kletterwand angestellt werden, mit welchen jedoch den
Anforderungen des Beweisgrads der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht Genüge
getan ist.
5.3 Angesichts des Gesagten erscheint damit - wie von Dr. H._ gefolgert - ein
degenerativer Prozess ohne zusätzliche kausale Bedeutung des Ereignisses vom 10.
September 2015 - selbst wenn dieses als unfallähnliches Ereignis eingestuft würde -
der überwiegend wahrscheinliche Sachverhalt. Jedenfalls drängt sich aufgrund der
medizinischen Aktenlage in keiner Weise die Annahme traumabedingter
Sehnenrupturen, sondern vielmehr eine degenerative Schulterproblematik auf. Die
Konsequenzen der Beweislosigkeit der echtzeitlichen Umstände sind vom
Beschwerdeführer zu tragen, der aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt eine
Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin ableiten will (Rumo-Jungo/Holzer, a.a.O., S.
4 f.).
5.4 Gestützt auf die schlüssigen Ausführungen von Dr. H._ ist ein natürlicher
Kausalzusammenhang zwischen dem Ereignis vom 10. September 2015 und der
diagnostizierten Listenverletzung zu verneinen. Eine Leistungspflicht aus Art. 6 Abs. 2
UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 UVV besteht damit auch nicht.
6.
Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist der Einspracheentscheid vom 24. Januar
2018 nicht zu beanstanden und die Beschwerde abzuweisen. Gerichtskosten sind
keine zu erheben (Art. 61 lit. a ATSG).