Decision ID: bf387750-f0e2-4028-90d1-832b06c8ad4a
Year: 2022
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
Bei A._ (nachfolgend: Versicherte), geboren am 28. November 1982, wurde im
November 2004 eine Myasthenia gravis diagnostiziert (Arztbericht Neurologie des
Kantonsspitals St. Gallen [KSSG] vom 8. September 2005, IV-act. 14). Die Versicherte
war zuletzt bis zum 31. Juli 2004 als B._ bei der C._ AG tätig (IV-act. 15-1 ff.). Am
23. Mai 200_ gebar sie ihre erste Tochter (IV-act. 2-4 f.). Ihre Anmeldung zum
Leistungsbezug ging am 30. Juni 2005 bei der Invalidenversicherung (IV) ein (IV-act. 1).
A.a.
Mit Arztbericht vom 8. September 2005 attestierte die Klinik für Neurologie des
KSSG der Versicherten wegen der diagnostizierten Myasthenia gravis eine
Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit von 100 % (IV-act. 14) und am 30. Januar 2006
bestätigte das Muskelzentrum / ALS clinic des KSSG eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für
adaptierte Tätigkeiten (IV-act. 20). Dr. med. O._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, führte im Arztbericht vom 22. August 2006 aus, er behandle die
Versicherte seit 10. April 2006. Als komorbides Leiden mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit bestehe eine anhaltende depressive Störung, derzeit mittleren bis
schweren Grades (ICD-10: F34.9). Die Versicherte sei in ihrer aktuellen
gesundheitlichen Verfassung für jede Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig. Mit einer
Besserung sei kurz- und mittelfristig wahrscheinlich nicht zu rechnen (IV-act. 27). Die
Haushaltsabklärung an Ort und Stelle ergab, dass die Versicherte als Vollerwerbstätige
A.b.
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einzustufen war (Bericht vom 7. Juni 2006, IV-act. 24-10). Nach Vorbescheid vom
25. Oktober 2006 (IV-act. 33) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom
8. Januar 2007 eine ganze Rente ab 1. Februar 2005 zu (IV-act. 36).
Am 7. November 2007 meldete sich die Versicherte zum Bezug einer Hilflosen-
entschädigung an (IV-act. 44). Gestützt auf die eingeholten Arztberichte (IV-
act. 41-3 ff.; IV-act. 47; IV-act. 50; IV-act. 51) sprach die IV-Stelle ihr am 6. März 2008
eine Hilflosenentschädigung ab 1. Februar 2005 wegen schwerer und ab 1. April 2006
wegen leichter Hilflosigkeit zu (IV-act. 62).
A.c.
Mit Mitteilung vom 25. März 2008, die Versicherte habe unverändert Anspruch auf
eine ganze Invalidenrente, schloss die IV-Stelle ein am 10. September 2007 eröffnetes
amtliches Revisionsverfahren ab (IV-act. 65).
A.d.
Am 6. Februar 2009 leitete die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren ein (IV-
act. 73). Die Versicherte brachte am 17. Juli 200_ einen Sohn zur Welt (IV-act. 81).
Nachdem seitens des Muskelzentrums / ALS clinic des KSSG im Verlaufsbericht vom
25. September 2009 im Wesentlichen ausgeführt worden war, der Gesundheitszustand
habe sich nach der Geburt des zweiten Kindes verschlechtert (IV-act. 85), und die Ver-
sicherte anlässlich einer Haushaltabklärung am 10. Dezember 2009 angegeben hatte,
sie würde ohne Behinderung aus finanziellen Gründen in einem Pensum von 80 % als
Hilfsarbeiterin arbeiten und die Kinder in einer Krippe betreuen lassen (IV-act. 90),
wurde das Revisionsverfahren (IV-act. 73) mit Mitteilung vom 10. Dezember 2009 bei
einer unveränderten Invalidenrente abgeschlossen. Neu wurde durch die
Qualifikationsänderung (80 % Erwerb / 20 % Haushalt) die gemischte Methode
angewandt, was zu einem Invaliditätsgrad von 86 % führte (IV-act. 89).
A.e.
Die Versicherte wurde am 14. November 201_ Mutter einer weiteren Tochter (IV-
act. 111), worauf sie im Rahmen der eingeleiteten Revision am 10. Januar 201_
erklärte, ihr Gesundheitszustand sei gleich geblieben (IV-act. 115). Die
Haushaltabklärung an Ort und Stelle vom 27. März 2014 ergab, dass die Versicherte im
Gesundheitsfall mit drei Kindern lediglich noch zu 60 % einer Erwerbstätigkeit
nachginge (Bericht vom 7. Mai 2014, IV-act. 127-11). Dr. med. D._, Facharzt für
Neurologie, Muskelzentrum / ALS clinic des KSSG, berichtete am 4. Februar 201_,
A.f.
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aktuell (2013/2014) habe sich die Depression verschlechtert. Auch wegen der kleinen
Kinder benötige die Versicherte regelmässig Unterstützung durch Angehörige. Durch
die Kombination der körperlichen und der psychischen Erkrankung bestehe weiterhin
kaum die Option einer beruflichen Tätigkeit (IV-act. 118; vgl. auch Bericht
Verlaufskontrolle vom 5. Februar 2014, IV-act. 195-42 ff.). Die IV-Stelle schloss das
Revisionsverfahren am 26. Mai 2014 mit der Mitteilung ab, die Versicherte habe
Anspruch auf eine unveränderte Invalidenrente (IV-act. 130). Die
Hilflosenentschädigung wurde ebenfalls unverändert ausbezahlt (Mitteilung vom
21. Januar 2015, IV-act. 137).
Am 20. September 201_ erblickte ein weiterer Sohn das Licht der Welt (IV-
act. 141). Die Versicherte gab am 25. Oktober 201_ zuhanden des eröffneten
Revisionsverfahrens an, ihr Gesundheitszustand habe sich in den letzten fünf Monaten
verschlechtert (IV-act. 142). Dr. D._ erwähnte im Verlaufsbericht vom 4. November
201_, durch die regelmässige lnfusionsbehandlung sei es zu einer Stabilisierung der
Einschränkung gekommen. Es finde sich jedoch weiterhin eine vermehrte
Erschöpfbarkeit. Die Versicherte benötige teils im Alltag Unterstützung durch ihre
Angehörigen (IV-act. 145-2 f.).
A.g.
Die Versicherte suchte am 15. September 2017 bei Schwächegefühl, Faszialis-
parese und Dysarthrie notfallmässig das Spital E._ auf, wo eine MRI-Abklärung
mehrere frische Hirninfarktareale ergab (Austrittsbericht Spital E._ vom 3. Oktober
2017, IV-act. 195-30 f.). Eine am 13. Dezember 2017 durchgeführte transösophageale
Echokardiographie (TEE) zeigte ein persistierendes Foramen ovale (PFO;
Untersuchungsbericht Klinik für Intensivmedizin des KSSG, IV-act. 158). Dr. D._
führte im Verlaufsbericht vom 13. Februar 2018 aus, der Verlauf der Myasthenie sei
erfreulich stabil. Neben der Myasthenie führe auch der Status nach Ischämie im
September 2017 erfahrungsgemäss zu vermehrter Erschöpfbarkeit/Fatigue. Die
Leistungsfähgkeit sei unverändert bzw. habe sich verschlechtert (IV-act. 149-1 ff.). Der
RAD-Arzt Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie, nahm am 19. Februar und 29. August
2018 Stellung, eine vertiefte Abklärung sei unumgänglich (IV-act. 150, 177). Am
26. September 2018 erfolgte ein Eingriff zum Verschluss des PFO (Austrittsbericht der
Klinik für Kardiologie des KSSG, IV-act. 171). Am 7. November 2018 fand eine
psychotherapeutische Erstkonsultation im Psychiatrie-Zentrum G._ statt. Im
A.h.
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Eintrittsbericht vom 3. Dezember 2018 wurden als Diagnosen Anpassungsstörungen
mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.2) sowie ein Waschzwang (ICD-10:
F42.1) festgehalten (IV-act. 195-36 f.). Bei der Abklärung vor Ort und Stelle vom 4. Juni
2018 wurde im Haushalt eine Einschränkung von 30,3 % ermittelt. Die Qualifikation
wurde unverändert bei 60 % Erwerb und 40 % Haushalt belassen (IV-act. 157).
Im Auftrag der IV-Stelle wurde die Versicherte durch die MEDAS H._
polydisziplinär begutachtet (Gutachten vom 2. Mai 2019; Dr. med. I._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin; Dr. med. J._, Facharzt für Neurologie; lic. phil. K._,
Fachpsychologin für Neuropsychologie; med. pract. L._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie; Dr. med. M._, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates; Untersuchungen am 16. und 28. November
sowie am 5., 6. und 12. Dezember 2018; IV-act. 195). Die Gutachter diagnostizierten
bzw. bestätigten eine Myasthenia gravis ohne aktuell funktional klinisch-neurologisch
erkennbare Störungssymptomatik, eine episodische Migräne mit Aura, ein transientes
neurologisches Defizit 2017, eine Persönlichkeitsakzentuierung sowie Probleme mit
Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73). Die
diagnostizierten Erkrankungen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (IV-
act. 195-7 f.). Die Gutachter erörterten verschiedene Inkonsistenzen, insbesondere in
Bezug auf die Aktivitäten der Versicherten, die kurz vor der Begutachtung wieder
aufgenommene Psychotherapie und die neuropsychologischen Testergebnisse (IV-
act. 195-9 f.). Sie kamen zum Schluss, es sei in psychiatrischer Hinsicht von einer
Verbesserung seit 2006 und seitens der Myasthenie von einem sehr guten
Therapieerfolg auszugehen. Zumindest seit Juli 2018 sei eine volle Arbeitsfähigkeit
anzunehmen (IV-act. 195-5, 11 f.). Der RAD-Arzt Dr. F._ befand am 7. Mai 2019, das
Gutachten erfülle die versicherungsmedizinischen Anforderungen (IV-act. 196).
A.i.
Mit Vorbescheid vom 7. Mai 2019 gewährte die IV-Stelle der Versicherten das
rechtliche Gehör zur vorgesehenen Einstellung der IV-Rente. Der Entscheid wurde
damit begründet, dass sich der Gesundheitszustand der Versicherten seit mindestens
Juli 2018 verbessert habe und im Erwerb eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestehe. Im
Haushalt bestünden ebenfalls keine Einschränkungen, was zu einem Invaliditätsgrad
von 0 % führe (IV-act. 199). Die Versicherte erhob am 3. Juni 2019 Einwand und
machte geltend, ihr Gesundheitszustand habe sich nicht verbessert (IV-act. 202). Am
A.j.
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B.
25. Juni 2019 reichte die procap G._ namens und im Auftrag der Versicherten einen
Einwand (IV-act. 207-1) und eine Stellungnahme von Dr. D._ vom 20. Juni 2019 (IV-
act. 207-2 f.) ein. Weiter legte sie einen Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums G._
vom 25. Juni 2019 (IV-act. 209-2 f.) ins Recht. Der neurologische Hauptgutachter nahm
am 26. Februar 2020 Stellung zu den vorgelegten Berichten. Er wies unter anderem auf
die unterschiedliche Rolle von behandelndem und begutachtendem Arzt hin und legte
dar, weder an den gutachterlichen Diagnosen noch an den versicherungsmedizinischen
Bewertungen seien aktuell oder retrospektiv Änderungen vorzunehmen (IV-act. 223).
Eine weitere Stellungnahme von Dr. D._ vom 13. Mai 2020 (IV-act. 229-1 f.) mit
beigefügten Literaturauszügen (IV-act. 229-3 ff.) wurde dem RAD-Arzt Dr. F._ zur
Stellungnahme vorgelegt. Dieser äusserte sich am 26. Mai 2020 dahingehend, dass die
von den Gutachtern erhobenen objektiven Befunde aussagekräftiger seien als die
wissenschaftlichen Ausführungen von Dr. D._. Dieser habe sich auch nicht mit den
festgestellten Inkonsistenzen befasst. Somit ergäben sich keine Veränderungen in der
medizinischen Beurteilung bezüglich den Einschätzungen im Gutachten von MEDAS
H._ (IV-act. 230).
Die IV-Stelle verfügte am 26. Mai 2020 die Einstellung der IV-Rente auf das Ende
des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats und den Entzug der
aufschiebenden Wirkung einer allfälligen Beschwerde (IV-act. 231) sowie am 19. Juni
2020 – gestützt auf eine Stellungnahme von RAD-Arzt Dr. med. N._, Facharzt für
Arbeitsmedizin, vom 22. Juli 2019 (IV-act. 214), – die Aufhebung der
Hilflosenentschädigung (IV-act. 240).
A.k.
Die Versicherte (nachfolgend: Beschwerdeführerin), vertreten durch Rechtsanwalt
lic. iur. R. Diggelmann, lässt am 29. Juni 2020 gegen die Rentenverfügung vom 26. Mai
2020 Beschwerde erheben und beantragen, diese sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben und es sei ihr weiterhin eine ganze IV-Rente
auszurichten. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an
die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Weiter ersucht sie um Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege. Zur Begründung lässt sie vorbringen, die Ausführungen
des Hauptgutachters, wonach keine mit der Myasthenia gravis zusammenhängenden
B.a.
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Funktionsdefizite, insbesondere keine Fatigue, bestünden, sei unrichtig. Es treffe nicht
zu, dass sie während der neurologischen Untersuchung keine
Ermüdungserscheinungen gezeigt habe. Im neuropsychologischen Gutachten werde
nicht das Vorhandensein, sondern lediglich das Ausmass der kognitiven
Einschränkungen in Abrede gestellt. Auffallend seien die im neurologischen und
neuropsychologischen Teilgutachten und in der interdisziplinären Gesamtbeurteilung
übereinstimmenden Textpassagen. Auch enthalte das neurologische Gutachten
fachfremde psychiatrische Ausführungen. Zwischen den Feststellungen des
neurologischen Gutachters und den behandelnden Ärzten bestünden erhebliche
Widersprüche, die weitere Abklärungen notwendig machten. Die erneute
psychiatrische Behandlung ab 3. Dezember 2018 sei durch den Hirnschlag und den
kardiologischen Eingriff und nicht wegen der Rentenrevision erforderlich geworden.
Das verordnete Mirtazapin habe sie im März 2019 wegen Interaktionen mit den
Medikamenten zur Behandlung der Myasthenia gravis absetzen müssen. Ihr
Gesundheitszustand habe sich seit der Begutachtung verschlechtert. Eine Überprüfung
der veränderten psychiatrischen Situation sei nicht erfolgt. Der medizinische
Sachverhalt sei somit auch psychiatrisch noch ungenügend abgeklärt. In Anbetracht
der nach wie vor bestehenden Myasthenia gravis-Symptomatik und insbesondere auch
des zwischenzeitlich stark verschlechterten psychiatrischen Gesundheitszustands sei
eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustands seit dem erstmaligen Erlass der
Rentenverfügung überhaupt fraglich (act. G 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 16. September 2020 beantragt die Beschwerdegeg-
nerin, die Beschwerde sei abzuweisen. Zur Begründung führt sie aus, das Gutachten
der MEDAS H._ vom 2. Mai 2019 sei beweistauglich. Insbesondere werde ausführlich
und nachvollziehbar beschrieben, weshalb eine sogenannte Fatigue mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit nicht vorliege. Der Hinweis des Gutachters auf die
unterschiedliche Rolle des behandelnden und des begutachtenden Arztes entspreche
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung. Im Gutachten werde die Diagnose einer
Myasthenie anerkannt, jedoch würden die Auswirkungen anders gewertet als durch
Dr. D._. Mit Blick auf die versicherungsmedizinischen Vorgaben der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung seien die Ausführungen des Gutachters
nachvollziehbar. Es sei nicht plausibel, dass die Beschwerdeführerin nicht gleich nach
B.b.
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dem erlittenen Hirnschlag im September 2017 psychiatrische Hilfe gesucht habe. Die
Gutachter hätten in der Stellungnahme vom 26. Februar 2020 abschliessend und
nachvollziehbar erläutert, dass es weder aus psychiatrischer noch aus neurologischer
Sicht zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustands gekommen sei. Auf das
Gutachten der MEDAS H._ vom 2. Mai 2019 könne abgestellt werden und es sei
somit spätestens ab Juli 2018 von einer erheblichen Verbesserung des
Gesundheitszustands auszugehen (act. G 5). Die Beschwerdegegnerin verweist zur
weiteren Begründung auf die Stellungnahme der MEDAS H._ vom 26. Februar 2020.
Sie reicht diese nochmals ein mit dem Hinweis, sie habe noch die Unterschrift der
psychiatrischen Gutachterin eingeholt, welche ebenfalls daran mitgewirkt habe (act. G
5.2).
Mit Replik vom 17. Februar 2021 lässt die Beschwerdeführerin vorbringen, die
Stellungnahme vom 26. Februar 2020 sei in unzulässiger Weise nachträglich
abgeändert worden, indem als Mitverfasserin neu die psychiatrische Gutachterin
unterzeichne. Sie beantragt diesbezüglich den Beizug der internen Rechnungsstellung
der psychiatrischen Expertin an die MEDAS H._ und der entsprechenden
Korrespondenz zwischen der IV-Stelle und der MEDAS H._. Weiter macht sie
geltend, der Abklärungsbericht Haushalt vom 4. Juli 2018 enthalte wertende bzw.
polemische Aussagen, die an der Unbefangenheit der Abklärungsperson Zweifel
begründeten. Sie habe der Beschwerdegegnerin bereits nach dem ersten
Untersuchungstag mitgeteilt, dass dieser für sie eine grosse Belastung dargestellt
habe. Nicht nur die Feststellungen des behandelnden Arztes, sondern auch diejenigen
des Gutachters seien subjektiver Natur. Aus dem neuropsychologischen Gutachten,
wonach kein gültiges Testprofil habe erstellt werden können, liessen sich keine
hinreichenden Rückschlüsse ziehen. Die darin enthaltenen Ausführungen bezüglich des
Aktivitätsniveaus widersprächen insbesondere auch dem Abklärungsbericht Haushalt
vom 4. Juli 2018. Die psychiatrische Behandlung ab 3. Dezember 2018 sei aufgrund
der seit dem Hirnschlag im September 2017 bestehenden Angstzustände und
Unsicherheiten erfolgt. Das verabreichte Antidepressivum Mirtazapin sei alleine wegen
ungünstigen Interaktionen mit den Medikamenten gegen die Myasthenie gestoppt
worden. In der Beschwerdeantwort werde nicht auf die Verschlechterung ihres
Gesundheitszustandes nach der Begutachtung eingegangen. Die Stellungnahme des
B.c.
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Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die
Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Erwägungen
1.
neurologischen Gutachters vom 26. Februar 2020 sei in psychiatrischer Hinsicht
fachfremd und beruhe nicht auf einer erneuten Begutachtung oder eigenen neuen
medizinischen Erkenntnissen. Eine Abklärung in Bezug auf den verschlechterten
psychischen Gesundheitszustand seit Erlass des MEDAS-Berichts sei somit ohnehin
notwendig (act. G 14).
Am 22. Februar 2021 bewilligt die Präsidentin der Beschwerdeführerin die
unentgeltliche Rechtspflege (Befreiung von den Gerichtskosten und Bewilligung der
unentgeltlichen Rechtspflege) unter Anrechnung des bereits geleisteten Honorars in der
Höhe von Fr. 1'000.-- (act. G 16).
B.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtet am 5. März 2013 auf eine Duplik (act. G 17).B.e.
Am 1. Januar 2022 sind mit der Revision zur Weiterentwicklung der
Invalidenversicherung verschiedene Änderungen des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) und der dazugehörigen Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu
Rechtsfolgen führenden Tatbestands Geltung haben. Da vorliegend ein vor dem
1. Januar 2022 beginnender Rentenanspruch im Streit liegt, finden die neuen
Bestimmungen auf das hier zu beurteilende Revisionsverfahren keine Anwendung
(siehe auch Kreisschreiben des Bundesamts für Sozialversicherungen über Invalidität
und Rente in der Invalidenversicherung, gültig ab 1. Januar 2022, Rz 9100 f.).
1.1.
Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) umschreibt Invalidität als voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch die gesundheitliche Beeinträchtigung verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt
1.2.
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(Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen.
Eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar
ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Für somatisch unklare Beschwerdebilder (somatoforme Schmerzstörung und
gleichgestellte Diagnosen), psychische Erkrankungen wie namentlich Depressionen
und Abhängigkeitserkrankungen ist der Beweis einer lang andauernden und
erheblichen gesundheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit nach dem strukturierten
Verfahren mittels Indikatoren zu führen (vgl. dazu BGE 145 V 226 E. 6; BGE 143 V 429
E. 7.2; BGE 141 V 294 f. E. 3.5 f. und E. 4.2). Er kann nur dann als geleistet betrachtet
werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer
umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen
Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt (BGE 143
V 427 E. 6 a. E.). Die Rechtsanwender prüfen insbesondere, ob die Ärzte
ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folge der
gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 1 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versicherungsmedizinische Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektiver Grundlage erfolgt
ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG). Berücksichtigen die Experten die in BGE 141 V
281 normierten Beweisthemen überzeugend, hat ihre Arbeitsfähigkeitsschätzung auch
aus Sicht des Rechtsanwenders Bestand. Andernfalls liegt ein triftiger Grund vor, der
rechtlich ein Abweichen davon gebietet (BGE 145 V 368 f. E. 4.3).
1.3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG (in der bis Ende 2021 gültig gewesenen Fassung) besteht
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die versicherte Person mindestens zu
70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente,
wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu
40 % invalid ist. Für teilerwerbstätige Versicherte richtet sich die Berechnung des
Invaliditätsgrades nach der sogenannten gemischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG und
Art. 27 IVV).
1.4.
bis
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen). Die urteilenden Instanzen
haben die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie
umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
1.5.
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2.
Arztberichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in
Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchtet und ob
die Schlussfolgerungen der Fachperson begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a mit
Hinweisen). Rechtsprechungsgemäss ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Gutachten von externen Spezialärzten und -ärztinnen, welche aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen
gelangen, volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 227 E. 1.3.4; Urteil des
Bundesgerichts vom 13. Februar 2019, 8C_801/2018, E. 4.3).
Im Sozialversicherungsrecht gelten der Untersuchungsgrundsatz und der
Grundsatz der freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Verwaltung und
Sozialversicherungs-gericht haben von sich aus für die richtige und vollständige
Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Rechtserheblich sind alle
Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder
anders zu entscheiden ist. In diesem Rahmen haben Verwaltungsbehörden und das
Versicherungsgericht zusätzliche Abklärungen stets dann vorzunehmen oder zu
veranlassen, wenn hierzu aufgrund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den
Akten ergebenden Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht (Ueli Kieser, ATSG-
Kommentar, 4. Aufl. 2020, Art. 61 N 107). Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht
seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen (vgl. BGE 126 V 353 E. 5b;
BGE 125 V 193 E. 2, je mit Hinweisen).
1.6.
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft
entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur
Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die
geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Anspruch zu beeinflussen.
Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des
Gesundheitszustandes oder der erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes revidierbar. Dagegen stellt die unterschiedliche
Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen
2.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 12/23
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3.
Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit allein keinen Revisionsgrund im Sinne
von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar (BGE 144 I 105 E. 2.1).
Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung
des Invaliditätsgrads ist bei der Prüfung eines Gesuchs um Erhöhung der Rente wie
auch bei der Prüfung einer Rentenanpassung von Amtes wegen die letzte
rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108; BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Juli 2020, 9C_235/2020, E. 3.1). Eine Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit oder der Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, ist zu
berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat
(Art. 88a Abs. 2 IVV). Bei gegebenem Revisionsgrund ist der Rentenanspruch gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung umfassend neu zu prüfen (BGE 141 V 9 E. 2.3
und E. 6.1; Urteil vom 5. Dezember 2012, 9C_427/2012, E. 3.4).
2.2.
Zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die bisher ganze Invalidenrente der
Versicherten mit Verfügung vom 26. Mai 2020 zu Recht eingestellt hat.
Revisionsrechtliche Referenz bildet unbestritten und nicht zu beanstanden die
Verfügung vom 8. Januar 2007 (IV-act. 36). Dabei stützte sich der RAD (Stellungnahme
vom 10. Oktober 2006, IV-act. 30) auf die Berichte der Neurologie des KSSG vom
8. September 2005 (IV-act. 14), des Muskelzentrums / ALS-clinic des KSSG vom
30. Januar 2006 (IV-act. 20) sowie von Dr. O._ vom 22. August 2006 (IV-act. 27). Als
medizinische Grundlage der angefochtenen Verfügung dient das polydisziplinäre
Gutachten vom 2. Mai 2019 (IV-act. 195) samt Stellungnahme vom 26. Februar 2020
(IV-act. 223) der MEDAS H._ sowie – insbesondere bezüglich der geltend gemachten
gesundheitlichen Verschlech-terung zwischen der Begutachtung und dem Erlass der
angefochtenen Verfügung – die Stellungnahme des RAD-Arztes Dr. F._ vom 26. Mai
2020 (IV-act. 230). Strittig ist, ob ein Revisionsgrund vorliegt. Während die
Beschwerdegegnerin gestützt auf das MEDAS-Gutachten von einem gebesserten
Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin ausgeht, erachtet die
Beschwerdeführerin in Anbetracht der nach wie vor bestehenden Fatigue-Symptomatik
aufgrund der Myasthenia gravis wie aber auch des zwischenzeitlich stark
verschlechterten psychischen Gesundheitszustands eine anspruchserhebliche
Veränderung als nicht überwiegend wahrscheinlich. Sie hält das Gutachten aufgrund
erheblicher Mängel für nicht verwertbar.
3.1.
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Der neurologische Gutachter fand elektrophysiologisch durch Messungen am
Musculus abductor digiti quinti sowie am Musculus abducor pollicis brevis der rechten
Hand keine Hinweise auf ein Dekrement oder Inkrement beziehungsweise auf eine
Störungssymptomatik im Bereich der Hände (IV-act. 195-97, 99 f., 103). Weiter führt er
aus, die Angaben der Beschwerdeführerin zur Fatigue seien wenig konkret und es
lasse sich insbesondere deren für die Myasthenie typische belastungs- und
tageszeitliche Abhängigkeit nicht eruieren (IV-act. 195-101, 103). Klinisch seien
während der dreistündigen Begutachtung am späteren Nachmittag keine Müdigkeit
oder Ermüdbarkeit und keine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit, der Konzentration,
der Auffassungsgabe, des Antwortverhaltens oder des Gedächtnisses erkennbar
gewesen (IV-act. 195-99). Der neurologische Gutachter kam zum Schluss, bezüglich
der Myasthenia gravis könne keine die Einschränkung der Arbeits- oder
Leistungsfähigkeit in angepassten – im Wesentlichen körperlich nicht schweren –
Tätigkeiten mehr angenommen werden (IV-act. 195-100, 103, 106). Nebst der Fatigue
beschrieb die Beschwerdeführerin seit dem Insultereignis 2017 vermehrt auftretende
mirgräneartige Kopfschmerzen (IV-act. 195-94). Diese seien bereits früher ein- bis
zweimal monatlich aufgetreten (IV-act. 195-94). Der neurologische Gutachter
diagnostizierte diesbezüglich eine Migräne mit Aura, der er keine Relevanz für die
Arbeitsfähigkeit zumass (IV-act. 195-106).
3.2.
Aufgrund ihrer Untersuchungen befand die neuropsychologische Gutachterin, es
liessen sich erhebliche nichtauthentische kognitive Minderleistungen beobachten. Die
Leistungen in einem gut standardisierten Performanzvalidierungstest seien hoch
auffällig. Weiter bestünden Inkonsistenzen innerhalb und zwischen Tests, zwischen der
klinischen Beobachtung und der Testdiagnostik, zwischen den Alltagsaktivitäten und
der Testdiagnostik (Fahreignung), zwischen diesen und den Angaben in den Akten, wo
seitens der Behandler keine deutlichen kognitiven Probleme geschildert worden seien,
zwischen den subjektiven Angaben und den dokumentierten Symptomen sowie
zwischen den subjektiven Angaben und der klinischen Beobachtung während der
Untersuchung (IV-act. 195-119 f.). Eine Leistungsverzerrung sei nachgewiesen. Ob
diese bewusstseinsnah oder bewusstseinsfern sei, sei psychiatrischerseits zu
beurteilen (IV-act. 195-120).
3.3.
Die von der Beschwerdeführerin angegebenen Schulter- und Knieschmerzen
beidseits konnte die orthopädische Gutachterin keiner Diagnose zuordnen, da sich
sowohl klinisch wie auch radiologisch kein objektivierbares Substrat finde (IV-
act. 195-126, 131).
3.4.
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In ihrem Befund beschrieb die psychiatrische Gutachterin eine konstante innerliche
Anspannung und beschrieb mehrfache Affektdurchbrüche (Weinen, Klagen, Jammern
bis hin zu disphorisch gereizter Stimmung), im Übrigen aber keine wesentlichen
pathologischen Auffälligkeiten (IV-act. 195-61 f.). Sie führte aus, das Ergebnis eines
Selbstbewertungs-Fragebogens deute auf eine mittelgradige Auslenkung bei einer
depressiven Episode hin, jedoch seien klinisch-pathologisch keine Anzeichen einer
depressiven Entwicklung zu erkennen (IV-act. 195-62). Es seien zwar gewisse
Persönlichkeitsakzentuierungen mit emotional leicht instabilen Strukturanteilen
vorhanden, jedoch sei kein Schweregrad einer Persönlichkeitsstörung nachweisbar. Es
seien auch keine tiefergreifenden affektiven oder gar psychotischen Störungen
nachvollziehbar begründbar und bislang auch nicht diagnostiziert worden (IV-
act. 195-65). Die Gutachterin diagnostizierte eine Persönlichkeitsakzentuierung und
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung (ICD-10: Z73),
unter die auch die vorhandenen Stimmungsschwankungen zu subsumieren seien (IV-
act. 195-65, 67). Sodann interpretierten der neurologische Gutachter und die
psychiatrische Gutachterin die neuropsychologischen Testergebnisse als
(bewusstseinsnahe) Aggravation, da sie in gezeigter Ausprägung nicht durch eine
objektivierbare relevante psychische Störung oder eine Anpassungsstörung erklärt
werden könnten und das theoretisch mögliche Ausmass des Hirninfarktes parietal oder
der Myasthenie überstiegen. Die in der neuropsychologischen Abklärung vom
6. Dezember 2018 gezeigten kognitiven Beeinträchtigungen widersprächen zudem den
in der psychiatrischen Begutachtung und durch das Psychiatrie-Zentrum G._ am
3. Dezember 2018 erhobenen psychopathologischen Befunden und seien klar als nicht
authentisch zu werten (IV-act. 195-63 f, 91, 97) und im Gesamtkontext als Aggravation
zu werten (IV-act. 195-67).
3.5.
Im Gegensatz zum neurologischen Gutachter führte der behandelnde Neurologe
Dr. D._ aus, die von ihm durchgeführten elektrophysiologischen Messungen am
Musculus anconeus, welcher sensitiver sei als die vom Gutachter untersuchten
Muskeln, ergäben nach wie vor ein signifikantes Dekrement als Ausdruck einer
gestörten neuromuskulären Übertragung (Stellungnahme vom 20. Juni 2019, IV-
act. 207). Sodann sei der Titer an Acetylcholinrezeptor-Antikörpern nach wie vor
pathologisch. Die Symptomatik sei sehr fluktuierend mit wechselhafter Tagesform und
an besonders schlechten Tagen mit ausgeprägter Fatigue-Symptomatik und Schwäche
(Verlaufsbericht vom 18. Dezember 2014, IV-act. 135). Insgesamt sei der Verlauf der
Myasthenie durch regelmässige Infusionen von Immunglobulinen erfreulich stabil und
die noch vorhandenen Einschränkungen seien mässiggradig (Verlaufsberichte vom
18. Dezember 2014, IV-act. 135, vom 4. November 2016, IV-act. 145-2 ff. und vom
3.6.
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13. Februar 2018, IV-act. 149). Zur Arbeitsfähigkeit hielt er fest, zwar liege ein
gegenüber vor einigen Jahren gebesserter medizinischer Zustand vor, eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit sei jedoch nicht gegeben (Stellungnahme vom 20. Juni 2019, IV-
act. 207).
Dem Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums G._ vom 25. Juni 2019 ist im
Wesentlichen zu entnehmen, im April 2019 sei es zu einer neuen Exazerbation der
Depression und des Waschzwanges gekommen. Die Beschwerdeführerin sei meist
motivationslos, niedergeschlagen, im Affekt erschöpft, traurig, weinerlich, mit
ausgeprägten Schuld- und Insuffizienzgefühlen, der Antrieb sei reduziert und sie
berichte über existenzielle Ängste und Durchschlafstörungen. Sie sei vom Entscheid
der IV schockiert gewesen, habe unter Energieverlust, Schmerzen und Freudlosigkeit
gelitten und sei affektiv kaum auslenkbar gewesen. Aufgrund befürchteter ungünstiger
Interaktion mit den Medikamenten zur Behandlung der Myasthenie habe sie auf die
Einnahme von Psychopharmaka verzichtet (IV-act. 209-2 f.).
3.7.
Massgebend für die invalidenversicherungsrechtliche Beurteilung ist das
Vorhandensein von Beschwerden, welche objektiviert und einer Diagnose zugeordnet
werden können und die objektivierte Auswirkungen auf soziale, berufliche oder andere
wichtigen Funktionsbereiche zeitigen (vgl. BGE 143 V 226 f., E. 6 sowie Urteile des
Bundesgerichts vom 8. August 2019, 9C_344/2019 E. 4.2, und vom 27. März 2015,
8C_673/2014, E. 5.1.1). Daran fehlt es gemäss den Gutachtern sowohl hinsichtlich der
auf die Myasthenie zurückgeführte Fatigue als auch hinsichtlich der auf eine
Depression zurückgeführten Beschwerden. Die vom behandelnden Neurologen
Dr. D._ erhobenen Befunde (elektrophysiologischen Untersuchungen und
Antikörpertiter) plausibilisieren zwar die Diagnose einer Myasthenie, von der auch der
neurologische Gutachter ausgeht. Der Gutachter hat sich jedoch mit den auf eine
Krankheitsaktivität der Myasthenie hindeutenden elektrophysiologischen und
laborchemischen Befunden vertieft auseinandergesetzt und dargelegt, dass diese
keine funktionelle Einschränkung zu begründen vermöchten. Aus der von Dr. D._
angeführten Literatur alleine kann nicht abgeleitet werden, dass ein massgeblich
einschränkender Gesundheitsschaden (auch) bei der Beschwerdeführerin vorliegt. In
seinen Verlaufsberichten vom 15. Oktober 2018 (IV-act. 173) und vom 30. Januar 2019
(IV-act. 190) werden die subjektiven Beschwerdeschilderungen der
Beschwerdeführerin aufgeführt. Er bringt keine objektiven Anhaltspunkte für eine
motorische oder kognitive Fatigue bei der Beschwerdeführerin vor, auch nachdem der
Gutachter ihn auf die Relevanz der objektivierten funktionellen Einschränkungen
hingewiesen hat (vgl. IV-act. 223). Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die
3.8.
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Müdigkeit sei anlässlich der neurologischen Begutachtung nicht festzustellen gewesen,
weil sie sich vorgängig habe erholen können, ist festzuhalten, dass auch den übrigen
Experten keine kognitiven oder motorischen Einschränkungen auffielen. Zudem hat der
neurologische Gutachter nicht alleine aus den aktuellen Untersuchungsbefunden auf
das Fehlen einer einschränkenden, Myasthenie bedingten Fatigue geschlossen,
sondern auch dargelegt, dass sich die myasthenie-typische belastungs- oder
tageszeitliche Abhängigkeit der Beschwerden anamnestisch nicht habe erheben lassen
(IV-act. 195-95, 101; IV-act. 223-3). Zusammenfassend lassen sich die der Myasthenie
zugeschriebenen Beschwerden weder durch die Berichte des behandelnden Dr. D._
noch durch die gutachterlichen Untersuchungsergebnisse hinreichend objektivieren.
Nachvollziehbar ist auch, dass aus orthopädischer Sicht keine relevanten
einschränkenden Befunde objektiviert werden konnten. Solche sind weder aktenkundig
noch werden sie geltend gemacht. Die gutachterlichen Untersuchungen entsprachen in
sämtlichen Fachrichtungen den gestellten Anforderungen und waren umfassend.
Nebst der teilweise fehlenden Objektivierbarkeit der geltend gemachten
Beschwerden bestehen massgebliche Inkonsistenzen. So wurde bereits dargelegt,
dass die neuropsychologischen Testergebnisse auf eine Antwortverzerrung hinweisen,
die psy-chiatrisch als Aggravation gewertet wurde (E. 3.3 und 3.5). Zudem korrelierte
die Wiederaufnahme einer Psychotherapie zeitlich auffallend mit dem
Gutachtensauftrag, während zuvor jahrelang keine psychiatrische Therapie oder
Medikation in Anspruch genommen worden sei (IV-act. 195-63 f., 91, 97, 101 f.). Die
Beschwerdeführerin macht in diesem Zusammenhang geltend, sie habe nach den
beiden letzten Geburten jeweils psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen, was
zumindest für die Geburt des dritten Kindes im Verlaufsbericht des Muskelzentrums /
ALS clinic des KSSG vom 18. Dezember 2014 aktenkundig ist (vgl. IV-act. 135). Am
3. Dezember 2018 wurde sie wegen zunehmender Angstzustände dem Psychiatrie-
Zentrum G._ zugewiesen (Eintrittsbericht vom 3. Dezember 2018, IV-act. 195-36 f.).
In dessen Verlaufsbericht vom 25. Juni 2019 wurde ausgeführt, die Depression habe
sich verschlimmert, nachdem die Beschwerdeführerin über den ablehnenden IV-
Entscheid informiert worden sei (IV-act. 209-2 f.). In Anbetracht dessen und der
zeitlichen Nähe zur Begutachtung, insbesondere auch der Tatsache, dass die
psychiatrische Behandlung nicht vor dem kardiologischen Eingriff vom 26. September
2018 (IV-act. 171) in Anspruch genommen wurde, erscheint eine Reaktion auf die im
Raum stehende Renteneinstellung verständlich und nachvollziehbar. Diese vermag
jedoch keine längerfristige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit im
invalidenversicherungsrechtlichen Sinne zu begründen (vgl. Urteile des Bundesgerichts
vom 21. August 2019, 8C_143/2019, E. 4.4.2, und vom 16. Mai 2013, 9C_799/2012,
3.9.
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E. 2.5. a.E.). Sodann wurde auf eine medikamentöse Einstellung verzichtet, wobei als
Grund hierfür zunächst der Wunsch der Beschwerdeführerin (Eintrittsbericht vom
3. Dezember 2018, IV-act. 195-36 f.) und später Bedenken bezüglich der Verträglichkeit
mit den Medikamenten zur Behandlung der Myasthenie angegeben wurden (IV-
act. 195-58, 93; Verlaufsbericht des Psychiatrie-Zentrums G._ vom 25. Juni 2019, IV-
act. 209-2 f.). Hinsichtlich der körperlichen Beschwerden fällt auf, dass die
Beschwerdeführerin einerseits angab, sie fahre manchmal Velo (IV-act. 195-59) und
andererseits schilderte, sie benutze einen Rollator (IV-act. 195-128). Schmerz- oder
Müdigkeitszeichen waren bei keiner der Untersuchungen feststellbar, Gang sowie Aus-
und Anziehen waren unauffällig (IV-act. 195-79, 129), kognitive Beeinträchtigungen
waren nicht auszumachen (IV-act. 195-61, 99). Zu den geltend gemachten
Kopfschmerzen finden sich in den Berichten der behandelnden Ärzte keine Angaben,
insbesondere auch nicht im echtzeitlichen Bericht des Spitals E._ vom 3. Oktober
2017 (IV-act. 195-30 f.). Auch die inzwischen vierfache Mutterschaft deutet auf
Ressourcen hin, die gegen eine zumindest wesentliche Arbeitsunfähigkeit sprechen.
Insgesamt ergibt sich kein stimmiges Gesamtbild einer relevanten Einschränkung,
weshalb eine solche nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist.
Hinzuweisen ist auch auf die unterschiedliche Aufgabe und Optik behandelnder und
begutachtender Ärzte, weshalb erstere im Zweifelsfall eher zu Gunsten des Patienten
aussagen wird bzw. die subjektiv vorgetragenen Beschwerden grundsätzlich nicht in
Zweifel ziehen (Urteil des Bundesgerichts vom 27. September 2017, 8C_295/2017,
E. 6.4.2, mit weiteren Verweisen; BGE 135 V 470, E. 4.5).
Interdisziplinär wurden die bestehenden Inkonsistenzen hauptsächlich durch den
neurologischen Gutachter dargetan. Zwar äussert er sich auch zu an das
psychiatrische Fachgebiet angrenzenden Fragen. Das neuropsychologische Gutachten
wird sowohl im neurologischen als auch im psychiatrischen Gutachten zitiert. Dadurch
bedarf es teilweise des Vergleichs der Teilgutachten, um die Aussagen den einzelnen
Gutachtern zuzuordnen. Da dies aber möglich ist, liegt darin kein beweisschmälernder
Mangel des Gutachtens. Im psychiatrischen Gutachten werden zunächst das Fazit der
neuropsychologischen Gutachterin und die als solche gekennzeichnete Anmerkung
des neurologischen Gutachters wiedergegeben. Abschliessend wird festgehalten, in
Gesamtschau sei von einer Aggravation auszugehen (IV-act. 195-63). Dies zeigt, dass
sich die psychiatrische Gutachterin bereits bei der Verfassung ihres Teilgutachtens der
Meinung des neurologischen Gutachters anschloss. Ihre Äusserung bildet Teil der
Konsensfindung und lässt nicht auf Voreingenommenheit der beteiligten Gutachter
schliessen. Die Stellungnahme vom 26. Februar 2020 enthält keine neuen Aussagen,
welche nicht bereits im Gutachten enthalten sind bzw. aus diesem hervorgehen.
3.10.
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4.
Insoweit ändert es nichts an der Beweiskraft des Gutachtens, dass sie erst
nachträglich durch die psychiatrische Gutachterin unterzeichnet wurde. Mithin hat die
Beschwerdegegnerin das Gutachten zu Recht als beweistauglich angesehen und auf
die darin attestierte volle Arbeitsfähigkeit abgestellt. Gestützt auf das überzeugende
Gutachten der MEDAS H._ vom 2. Mai 2019 ist somit mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass sich der Gesundheitszustand und damit
einhergehend die Arbeitsfähigkeit seit der ursprünglichen Rentenzusprache (IV-act. 36)
inzwischen insgesamt erheblich verbessert hat. Aus psychiatrischer Sicht konnte die
Diagnose einer Depression mittleren bis schweren Grades nicht mehr erhoben werden
und die Myasthenia gravis ist derzeit so gut behandelt, dass sie zu keiner
Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit führt. Spätestens ab Juli 2018 verfügt die
Beschwerdeführerin über eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste
Tätigkeiten. Diese sind zumindest körperlich leicht, ohne körperlich anstrengende
Arbeiten mit beispielsweise dauerhaftem Gehen, repetitiven stärkeren handbelastenden
Arbeiten, länger dauernden Überkopfarbeiten, sowie ohne Tätigkeiten in zu warmer
Umgebung (IV-act. 195-6). Damit liegt ein Revisionsgrund im Sinn von Art. 17 Abs. 1
ATSG vor.
Unbestrittenermassen ist bei der Beschwerdeführerin zur Berechnung des IV-
Grades die gemischte Methode anwendbar. Bei Versicherten, die nur zum Teil
erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach Art. 16 ATSG (durch einen
Einkommensvergleich) festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgabenbereich tätig
(und ist ihnen die Aufnahme einer Vollerwerbstätigkeit nicht zumutbar; Art. 8 Abs. 3
ATSG), so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach Art. 28a Abs. 2 IVG festgelegt. In
diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im
Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad in beiden Bereichen zu
bemessen (Art. 28a Abs. 3 IVG). Dabei wird gemäss dem auf den 1. Januar 2018 in
Kraft getretenen Art. 27 Abs 3 lit. a IVV das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person durch die Teilerwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet. Die prozentuale Erwerbseinbusse
wird anhand des Beschäftigungsgrades, den die Person hätte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre, gewichtet (Art. 27 Abs 3 lit. b IVV). Die Invalidität im
Aufgabenbereich wird danach festgelegt, in welchem Masse sie unfähig ist, sich im
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Dazu wird der prozentuale Anteil
der Einschränkungen im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht
4.1.
bis
bis
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invalid geworden wäre, ermittelt und anhand der Differenz zwischen dem
Teilerwerbspensum und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (Art. 27 Abs. 4 IVV).bis
Anlässlich der Haushaltsabklärung gab die Beschwerdeführerin am 29. Juni 2018
an, bei guter Gesundheit würde sie zu 80 % bis 100 % einer Erwerbstätigkeit,
vorzugsweise in der Industrie, nachgehen (IV-act. 157-4). Dies wurde im
Abklärungsbericht als nicht plausibel bezeichnet und es wurde von der Qualifikation
60 % Erwerb und 40 % Haushalt ausgegangen (Abklärungsbericht vom 4. Juli 2018,
IV-act. 157-13; Vorbescheid vom IV-act. 199), welche im Einwand- und
Beschwerdeverfahren nicht mehr bestritten wurde. Sodann wurde im Haushalt eine
Einschränkung von 30,3 % anerkannt (Abklärungsbericht vom 2. Juli 2018, IV-
act. 157-11 f.). Der RAD hielt dazu fest, der von der Beschwerdeführerin vorgetragene
Schweregrad der Erkrankung lasse sich mit den von der Abklärungsperson gemachten
Feststellungen wohl nicht hinreichend plausibel in Einklang bringen (Stellungnahme
vom 29. August 2018, IV-act. 177-2), und die Gutachter führten aus, es lägen keine
krankheitswertigen Gründe vor, welche die Haushaltstätigkeit limitierten (IV-
act. 195-12). Das Gutachten ist auch diesbezüglich nachvollziehbar und es ist auch im
Haushaltsbereich nicht von einer namhaften Einschränkung auszugehen. Im Übrigen
ergibt sich aus dem Folgenden (E. 4.3), dass die Beschwerdeführerin selbst bei einer
gewichteten Einschränkung im Haushalt von 30,3 % keinen Rentenanspruch hat.
4.2.
Hinsichtlich des Einkommensvergleichs ist für das Valideneinkommen
grundsätzlich das zuletzt erzielte Einkommen massgebend. Dieses entspricht dem
bescheidenen Einkommen bei der Q._ AG vom Mai 2000 und der C._ AG vom Juli
2004 (Angaben Q._ AG vom 15. Juli 2005, IV-act. 10-6, und der C._ AG vom
17. November 2005, IV-act. 15). In Anbetracht dessen und der seitherigen
Erwerbslosigkeit ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin für die
Ermittlung des erwerblichen Invaliditätsgrades einen Prozentvergleich vorgenommen
hat (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts vom 24. Januar 2019, 9C_492/2018, E. 4.3.2),
was ebenfalls unbestritten ist. Bei einer 60%igen Erwerbstätigkeit ergäbe sich bei –
hier ohnehin nicht angezeigter - Gewährung des maximalen Tabellenlohnabzuges von
25 % (vgl. BGE 126 V 80 E. 5b/cc) lediglich eine Teilinvalidität von 15 % (25 % x 60 %).
Selbst wenn grosszügigerweise von der im Abklärungsbericht ermittelten
Einschränkung im Haushalt von 30,3% und damit einem Teilinvaliditätsgrad im
Aufgabenbereich von 12,2% ausgegangen würde, resultiert kein rentenbegründender
Gesamtinvaliditätsgrad. Die Renteneinstellung erfolgte insoweit zu Recht.
4.3.
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5.
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden
soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das
55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Massnahmen
zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch
(wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen
und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der diesfalls grundsätzlich
("vermutungsweise") anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen
namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf
invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders
agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist oder wenn sie über
besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer
konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich
trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit
entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das
Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der
Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder)
ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu
verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1 S. 211 f. mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts
vom 16. September 2020, 9C_162/2020, E. 6.1).
5.1.
Für den Beginn der 15-jährigen Bezugsdauer ist der Anspruchsbeginn und nicht
der Zeitpunkt der (rückwirkenden) Rentenzusprache massgebend (Urteil des
Bundesgerichts vom 25. Februar 2020, 9C_473/2019, E. 5.2.1; BGE 140 V 17, E. 5.2).
Das Ende der massgeblichen Bezugsdauer fällt auf den Zeitpunkt des Erlasses der
rentenaufhebenden oder -herabsetzenden Verfügung (BGE 141 V 5 E. 4.2.1). Die mit
angefochtener Verfügung vom 26. Mai 2020 (V-act. 231) ex nunc aufgehobene ganze
Rente wurde der Beschwerdeführerin ab 1. Februar 2005 zugesprochen. Die 15-jährige
Bezugsdauer ist somit vorliegend erfüllt. Dass die Beschwerdeführerin offensichtlich
besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist, geht aus den
Akten und insbesondere aus den Angaben zu ihrem Tagesverlauf nicht hervor. Im
Unterschied zum durch das Bundesgericht mit Urteil vom 27. Juni 2014 beurteilten Fall
(9C_752/2013, E. 4.3.2) hatte die Beschwerdeführerin bis zur angekündigten
Einstellung der Rente keine Kenntnis von ihrer Arbeitsfähigkeit und der Obliegenheit zur
Selbsteingliederung. Auch steht der Pflicht der Beschwerdegegnerin nicht entgegen,
dass bei der Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Angaben von einer fehlenden
subjektiven Eingliederungsfähigkeit ausgegangen werden könnte (vgl. Urteil des
5.2.
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6.
Bundesgerichts vom 1. März 2021, 9C_541/2020, E. 4.4.2). Damit ist keine Ausnahme
zur Eingliederungspflicht der Beschwerdegegnerin gegeben.
Zwar wurde von der Beschwerdeführerin die fehlende Durchführung von
Eingliederungsmassnahmen bzw. die unterbliebene Prüfung der
Selbsteingliederungsfähigkeit nicht bemängelt. Allerdings stellt dieses Versäumnis der
Beschwerdegegnerin eine offensichtliche Bundesrechtsverletzung dar. Da Bundesrecht
von Amtes anwendbar ist, ist die Verletzung des Bundesrechts ohne entsprechende
Rüge zu beheben. Die Angelegenheit ist somit an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie dieses nachhole (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom
15. September 2021, 8C_198/2021, 8C_200/2021, E. 10.1). Die Beschwerdeführerin
hat Anspruch auf rückwirkende Nachzahlung und Weiterausrichtung der ganzen Rente
bis zum Abschluss der Eingliederung (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Juli 2020,
8C_ 798/2019, E. 6.3).
5.3.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 26. Mai 2020 in
teilweiser Gutheissung der Beschwerde aufzuheben und die Angelegenheit zur Prüfung
und all-fälliger Durchführung von Massnahmen zur Wiedereingliederung der
Beschwerdeführerin ins Erwerbsleben an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.1.
Das Beschwerdeverfahren ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1 IVG). Eine Gerichtsgebühr von Fr. 600.--
erscheint in der vorliegend zu beurteilenden Angelegenheit als angemessen. Da die
Beschwerde lediglich teilweise betreffend einem bis zum Abschluss der Eingliederung
dauernden Rentenanspruch gutgeheissen wird, ist von einem Obsiegen zu einem
Viertel auszugehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. September 2021,
8C_418/2021, E. 9). Dem teilweisen Obsiegen entsprechend bezahlt die
Beschwerdegegnerin die Gerichtsgebühr im Umfang von Fr. 150.-- und die
Beschwerdeführerin im Betrag von Fr. 450.--. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege ist
die Beschwerdeführerin von der Bezahlung ihres Anteils an der Gerichtsgebühr zu
befreien.
6.2.
bis
Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende beschwerdeführende Partei
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Da die Beschwerdeführerin teilweise obsiegt, hat
sie einen reduzierten Anspruch auf eine Parteientschädigung. Die Parteientschädigung
wird vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach
der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen.
6.3.
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