Decision ID: 8e4e59d2-c74d-48af-90f9-f39b02f5330f
Year: 2019
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A.a A._ (nachfolgend: Versicherte) war bei der B._ GmbH als Product Managerin
angestellt und bei der Generali Allgemeine Versicherungen AG (nachfolgend: Generali)
obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert, als sie dieser am 22. Oktober
2014 melden liess, sie habe am 6. Oktober 2014 einen Kletterunfall erlitten. Beim Sturz
in der Kletterhalle habe sich ihr linkes Bein im Seil verfangen, was zur Folge gehabt
habe, dass sie kopfüber an der Wand aufgeprallt sei (UV-act. 1).
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A.b Anlässlich der Erstbehandlung vom 15. Oktober 2014 hatte Dr. med. C._, FMH
Allgemeine Innere Medizin, Sportmedizin SGSM und Manuelle Medizin SAMM, gemäss
Arztzeugnis UVG vom 10. November 2014 eine Commotio cerebri am 6. Oktober 2014
mit postcommotionellem Syndrom und Hämatombildung Oberschenkel links nach
Kontusion diagnostiziert (UV-act. 4). Er attestierte der Versicherten ab 15. Oktober
2014 Arbeitsunfähigkeiten von 0 bis 100%, grösstenteils von 0 bis 50% (letztes Attest
gültig ab 3. Februar 2015; UV-act. 6 f., 9).
A.c Am 6. Februar 2015 wurde die Versicherte durch Dr. med. D._, Facharzt für
Neurologie FMH, untersucht. Mit Bericht vom 9. Februar 2015 beschrieb dieser im
Verlauf bei postcommotionellem Syndrom nach leichtem Schädelhirntrauma vom 6.
Oktober 2014 mit begleitender HWS-Distorsion eine doch wohl wesentliche Besserung
der Beschwerdesymptomatik. Es würden sich keine Anhaltspunkte für eine strukturelle
Hirnschädigung ergeben. Der Genesungsprozess werde abhängig von der Belastung
noch Wochen bis wenige Monate Zeit in Anspruch nehmen. Spezifische Massnahmen
oder Medikamente seien nicht angezeigt. Man müsse die Arbeitsfähigkeit
entsprechend den Möglichkeiten der Versicherten jeweils anpassen, eine 100%-ige
Arbeitsfähigkeit erachte er zum aktuellen Zeitpunkt als nicht gegeben (UV-act. 19).
A.d Mit ärztlichem Zwischenbericht von Dr. C._ vom 2. April 2015 beschrieb dieser
eine noch immer bestehende residuelle Schmerzsymptomatik mit stetem Auf und Ab.
Im Rahmen eines postcommotionellen Syndroms würden teils akute Kopfschmerzen,
Konzentrationsstörungen, Müdigkeit und Schwindel auftreten. Er sei mit der
Versicherten vor allem in regelmässigem telefonischem Kontakt, da sie auswärts
arbeite. Er hoffe auf einen Abschluss der Behandlung in den nächsten zwei bis drei
Monaten (UV-act. 18). Am 25. Juni 2015 reichte Dr. C._ einen weiteren
Zwischenbericht ein. Seit Beginn April 2015 sei es zu einer erneuten Dekompensation
bei zu hohem Arbeitspensum mit Kongressen etc. mit teils präkollaps-ähnlichen
Symptomen gekommen. Die Versicherte sei daher vorübergehend zu 100%
arbeitsunfähig geschrieben worden. Der Verlauf mit Inappetenz, teils Erbrechen sowie
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vegetativer Symptomatik mit Präkollaps und Konzentrationsstörungen habe sich
gebessert. Bei grösseren Belastungen bestünden noch immer Schwindel,
Kopfschmerzen, Zittrigkeit und Müdigkeit mit subjektiv kognitiven Defiziten. Aktuell
habe er die Versicherte zu 35% arbeitsunfähig geschrieben (UV-act. 26).
A.e Am 15. Oktober 2015 war die Versicherte in der Kopfwehsprechstunde an der
Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich (nachfolgend: USZ). Die Klinikärzte
diagnostizierten einen Verdacht auf traumatisch getriggerte Migräne (UV-act. 51). Am
11. November 2015 wurde in der Klinik für Neuroradiologie des USZ ein MRI Gehirn
inklusive Schädelkalotte durchgeführt (UV-act. 53), wobei die Ursache der dabei
festgestellten periventrikulären Demyelinisierungen gemäss neurologischem Bericht
vom 19. November 2015 ohne Schrankenstörung offen blieb (UV-act. 57-4). Es wurde
eine Migräne ohne Aura diagnostiziert (UV-act. 57). Am 19. November 2015 wurde die
Versicherte im USZ neuropsychologisch untersucht. Gemäss Bericht war die
Arbeitsfähigkeit der Versicherten, aber auch die Lebensqualität, aktuell hauptsächlich
im Zusammenhang mit der Fatigue- und Kopfschmerz-Symptomatik, erheblich
reduziert (UV-act. 58). Am 21. Dezember 2015 wurde die Versicherte zusätzlich im
Interdisziplinären Zentrum für Schwindel und neurologische Störungen des USZ
untersucht und der Verdacht auf eine posttraumatische vestibuläre Migräne
diagnostiziert (UV-act. 65). Es folgten weitere Untersuchungen und Behandlungen im
USZ (UV-act. 74, 83).
B.
B.a Insgesamt attestierte Dr. C._ der Versicherten vom 15. Oktober 2014 bis 7. Juni
2015 unterschiedliche Arbeitsunfähigkeiten von 0 bis 100%, ab 8. Juni 2015 konstant
35%, ab 1. Dezember 2015 konstant 25%, ab 1. Februar 2016 konstant 20%, ab 14.
März 2016 konstant 10% und ab 1. Mai 2016 0% (UV-act. 6 f., 9, 14, 22, 24, 38, 50.1,
55.1, 68.1, 78). Die Generali erbrachte für diesen Zeitraum die Versicherungsleistungen
(Heilbehandlung und Taggeld).
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B.b Per 31. Mai 2016 kündigte die Versicherte ihr Arbeitsverhältnis in der B._ GmbH
(UV-act. 66, 79). Am 22. September 2016 teilte sie der Generali telefonisch mit, dass
sie bei Aufnahme eines neuen Arbeitsverhältnisses vermehrt Kopfschmerzen habe. Sie
kämpfe und prüfe allenfalls eine Reduktion ihres Pensums auf 80%. Sie hoffe aber
noch auf eine Angewöhnung. Im November 2016 sei ein weiteres MRI vorgesehen. Die
Generali informierte die Versicherte im selben Telefongespräch dahingehend, dass
gemäss Rechtsprechung die Leistungen eingestellt würden, wenn keine organischen
Unfallfolgen vorliegen würden. Entsprechend würde eine allfällige Reduktion des
Pensums aus ihrer Sicht nicht zu Lasten der Unfallversicherung gehen. Ein
Fallabschluss sei bis Ende 2016 vorgesehen (UV-act. 84).
B.c Ein MRI des Gehirns vom 9. Dezember 2016 ergab im Vergleich zu demjenigen
vom 11. November 2015 keine Veränderungen (UV-act. 90).
C.
C.a Am 10. Januar 2017 verfügte die Generali mangels natürlichen und adäquaten
Kausalzusammenhangs die Einstellung der Leistungen aus dem Ereignis vom 6.
Oktober 2014 per 10. Januar 2017 (UV-act. 93). Dagegen erhob die Versicherte am 21.
Februar 2017 Einsprache und verwies insbesondere auch auf einen Bericht von Dr.
med. E._, Chefarzt Sportmedizin und Swiss Olympic Medical Center, Klinik F._,
vom 13. Februar 2017 (UV-act. 97 f.).
C.b In der Folge wurde der Fall Dr. G._, Facharzt für Chirurgie, Vertrauensarzt SGV,
zur Beantwortung verschiedener Fragen vorgelegt. Dieser erachtete mit Stellungnahme
vom 1. März 2017 die gestellten Diagnosen als zumindest formell-deskriptiv korrekt.
Fraglich sei indes ein Kausalzusammenhang in Bezug auf den Unfall vom 6. Oktober
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2014. Der Verlauf sei nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Strukturelle Unfallfolgen
seien nicht ausgewiesen. Es sei nicht einmal sicher, ob überhaupt eine Commotio
cerebri stattgefunden habe. Der geltend gemachte Kopfanprall habe weder einen
Bewusstseinsverlust noch Erbrechen zur Folge gehabt. In somatischer Hinsicht sei von
weiteren Behandlungen keine namhafte Verbesserung des Gesundheitszustandes zu
erwarten. Der Verlauf erwecke den starken Verdacht einer psychischen Problematik
(nicht sehr dramatischer Unfall; ständige Dramatisierung durch eine Kaskade von
Hightech-Untersuchungen; unklare, nie ganz behobene teilweise ähnliche Problematik
schon seit 1999; zu drei früheren Ereignissen mit Kopfbeteiligung in den Jahren 1999,
2012 und 2013 siehe ferner UV-act. 57-3, 102). Es bedürfe einer ausführlichen
fachärztlichen psychiatrischen Abklärung bei allfälliger psychischer Überlagerung bzw.
Verarbeitungsstörung. Eine solche werde dringend empfohlen (UV-act. 103).
C.c Mit Einspracheentscheid vom 19. April 2017 wies die Generali die Einsprache ab.
Die Adäquanzprüfung habe zum Zeitpunkt der Leistungseinstellung erfolgen dürfen.
Mangels adäquaten Kausalzusammenhangs bestehe keine Leistungspflicht mehr (UV-
act. 104).
D.
D.a Gegen den Einspracheentscheid liess die Versicherte (nachfolgend:
Beschwerdeführerin) am 19. Mai 2017 durch ihren Rechtsvertreter (Rechtsanwalt
Fabian Steuri, M.A. HSG, Rapperswil-Jona) Beschwerde erheben. Der
Einspracheentscheid vom 17. April 2017 sei aufzuheben und die Generali (nachfolgend:
Beschwerdegegnerin) zu verpflichten, weiterhin die gesetzlichen Leistungen der
obligatorischen Unfallversicherung betreffend das Ereignis vom 6. Oktober 2014 zu
erbringen. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin.
Es sei die aufschiebende Wirkung der Beschwerde zu gewähren und eine grosszügig
bemessene Nachfrist zur Begründung der Beschwerde zu erteilen (act. G 1). Nach
mehrmals erstreckter Frist reichte Rechtsanwalt Steuri am 18. August 2017 eine
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Beschwerdeergänzung ein. An den Rechtsbegehren hielt er unverändert fest und
reichte zwei Berichte und mehrere Arbeitsunfähigkeitszeugnisse von Dr. E._ ein.
Zudem stellte er Anträge für mehrere Gutachten (act. G 9).
D.b In der Beschwerdeantwort vom 11. September 2017 beantragte die
Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und Abweisung des Antrags
bezüglich aufschiebende Wirkung (act. G 11).
D.c Mit Replik vom 11. Oktober 2017 liess die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen
und deren Begründungen festhalten. Den Antrag um Gewährung der aufschiebenden
Wirkung wiederholte sie (anders als die materiellen Anträge) hingegen nicht bzw. ging
auf diesen nicht mehr ein (act. G 15).
D.d Auf die Begründungen in den einzelnen Rechtsschriften sowie den Inhalt der

übrigen Akten wird, soweit entscheidwesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
Am 1. Januar 2017 sind die revidierten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) und der Verordnung über die Unfallversicherung
(UVV; SR 832.202) in Kraft getreten. Gemäss den Übergangsbestimmungen werden
Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor Inkrafttreten der Änderung ereignet
haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach
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bisherigem Recht gewährt. Vorliegend steht ein Unfall vom 6. Oktober 2014 zur
Diskussion. Es finden daher die bis 31. Dezember 2016 gültigen Bestimmungen
Anwendung.
2.
Die Beschwerdegegnerin legte im angefochtenen Einspracheentscheid vom 19. April
2017 die allgemeinen rechtlichen Bestimmungen und Grundsätze zum natürlichen und
adäquaten Kausalzusammenhang, zu den Voraussetzungen des Fallabschlusses (Art.
19 Abs. 1 UVG), zur besonderen Adäquanzprüfung bei nicht organisch objektiv
ausgewiesenen Beschwerden (Psycho-Praxis / Schleudertrauma-Praxis) und zum
Beweiswert von Arztberichten richtig dar (UV-act. 104 S. 2 ff.). Darauf wird verwiesen.
Ergänzend ist festzuhalten, dass bei einmal durch den Unfallversicherer anerkannter
Kausalität und Erbringung entsprechender Leistungen der Leistungsanspruch erst
entfällt, wenn das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen
eines Gesundheitsschadens mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit nachgewiesen ist (vgl. dazu THOMAS LOCHER/THOMAS
GÄCHTER, Grundriss des Sozialversicherungsrechts, 4. Aufl. Bern 2014, § 70 Rz 58).
Dies trifft zu, wenn entweder der (krankhafte) Gesundheits¬zustand, wie er unmittelbar
vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er
sich dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vorzustands auch ohne Unfall
früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1994 Nr. U 206
S. 328 E. 3b mit Hinweisen). Da es sich dabei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage
handelt, liegt die Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender
natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person,
sondern beim Unfallversicherer (RKUV 2000 Nr. U 363 S. 46 E. 2 mit Hinweisen).
3.
Aktenmässig ausgewiesen litt die Beschwerdeführerin nach ihrem Kletterunfall vom 6.
Oktober 2014 an Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Übelkeit, Müdigkeit und
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Schwindel. Während Dr. C._ diese Beschwerden im Rahmen eines
postcommotionellen Syndroms einordnet (UV-act. 18), geht Dr. D._ zusätzlich von
einer begleitenden HWS-Distorsion aus (UV-act. 19). Das Beschwerdebild nach dem
Unfall ähnelt damit zumindest demjenigen, wie es bei einem klassischen
Schleudertrauma der HWS vorkommen kann (vgl. dazu BGE 134 V 116 E. 6.2.1). Dies
führt in Anlehnung an die medizinische Forschung dazu, dass auch ohne nachweisbare
pathologische bzw. organische Befunde noch Jahre nach dem Unfall funktionelle
Ausfälle verschiedenster Art auftreten können (BGE 117 V 363 f. E. 5d/aa). Dies wird
seitens der Beschwerdegegnerin nicht bestritten. Entsprechend hat sie zumindest vom
6. Oktober 2014 bis 10. Januar 2017 Versicherungsleistungen (Heilbehandlung und
Taggeld) erbracht.
4.
Zu prüfen ist die Rechtmässigkeit des Fallabschlusses per 10. Januar 2017 mit
Einstellung der Taggeldleistungen und Heilbehandlungskosten, sei es, weil der Status
quo sine/ante bei Fallabschluss überwiegend wahrscheinlich erreicht war, sei es, dass
von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden konnte.
4.1 Medizinische Berichte, welche sich ausdrücklich zum Status quo sine/ante
äussern, liegen keine im Recht. Auch der Hausarzt Dr. C._ in seinem aktuellsten
Bericht vom 2. Dezember 2016 (UV-act. 89) und der Vertrauensarzt Dr. G._ in seiner
Stellungnahme vom 1. März 2017 (UV-act. 103) äussern sich nicht dazu. Dr. G._ stellt
zwar die Kausalität der noch vorhandenen Beschwerden in Frage, verneint diese indes
nicht ausdrücklich, sondern empfiehlt dringend eine psychiatrische Abklärung. Auch
der Umstand, dass Dr. C._ seit 1. Mai 2016 keine Arbeitsunfähigkeiten mehr
bescheinigt hat, genügt nicht zur Annahme eines Status quo, zumal noch bestehende
Beschwerden nicht in Abrede gestellt werden und eine Kausalitätsbeurteilung
diesbezüglich nicht vorgenommen wurde. Entsprechend genügt die vorliegende
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medizinische Aktenlage nicht zur überwiegend wahrscheinlichen Annahme für ein
Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen des
Gesundheitsschadens per 10. Januar 2017.
4.2 Nach Gesetz und Praxis ist der Fall unter Einstellung der vorübergehenden
Leistungen (Heilbehandlung, Taggeld) und Prüfung des Anspruchs auf eine
Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn allfällige
Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV) abgeschlossen sind und von
der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann (Art. 19
Abs. 1 UVG; BGE 134 V 112 ff. E. 3 und 4).
4.2.1 Eingliederungsmassnahmen seitens der IV wurden abgeschlossen (UV-act.
96.1) und stehen einem Fallabschluss damit grundsätzlich nicht entgegen.
4.2.2 Strittig ist, ob die Aktenlage den rechtsgenüglichen Schluss zulässt, dass von
der Fortsetzung der unfallkausalen ärztlichen Behandlung über den 10. Januar 2017
hinaus keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden konnte.
Die Beschwerdegegnerin bejaht dies insbesondere unter Hinweis auf eine vollständig
wieder hergestellte Arbeitsfähigkeit. Die Beschwerdeführerin bestreitet eine (wieder
uneingeschränkte, vollständig hergestellte) Arbeitsfähigkeit. Im Weiteren sei
insbesondere gestützt auf die Berichte von Dr. E._ eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands bei adäquaten Therapien zu erwarten.
4.2.3 Die bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten schwankten ab Juni 2015 bei stetiger
leichter Besserung, wobei es zuvor bei berufsbedingter Überbelastung (auch) zu
Rückschlägen kam (vgl. dazu die Ausführungen in der Sachverhaltsdarstellung sowie
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die dabei zitierten Aktenstücke). Per 1. Mai 2016 bis zum Einstellungszeitpunkt wird
zwar über einen längeren Zeitraum keine Arbeitsunfähigkeit mehr attestiert (UV-act. 78).
Diesbezüglich ist indes von Relevanz, dass die Beschwerdeführerin nur noch bis Ende
Mai 2016 bei der B._ GmbH arbeitete und danach erst ab August 2016 eine neue
Stelle antrat. Bereits im September 2016 meldete sie der Beschwerdegegnerin bei
100%-iger Tätigkeit am neuen Arbeitsplatz vermehrte Kopfschmerzen und erwog eine
Reduktion des Pensums auf 80% (UV-act. 84). Eine konstant bestehende 100%-ige
Leistungsfähigkeit bis zum Fallabschluss erscheint vor diesem Hintergrund unabhängig
von der nicht bescheinigten Arbeitsunfähigkeit als fraglich, zumal in den Akten keine
Anhaltspunkte für ein suboptimales Leistungsverhalten bzw. eine Aggravation – wie es
die Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort ausführt (act. G 11) – zu finden
sind. Solche ergeben sich auch aus dem zitierten Bericht des USZ vom 29. April 2016
nicht (act. 83). Es wird darin zwar ein benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel
(BPLS) als aggravierende Komponente erwogen; in diesem Zusammenhang bedeutet
aggravierend aber verschlimmernd und ist keinesfalls mit einer übertriebenen
Darstellung der Schwere der eigenen Erkrankung gleichzustellen. Insgesamt ist damit
nicht rechtsgenüglich nachgewiesen, dass die tatsächlichen Verhältnisse bei
Fallabschluss (10. Januar 2017) eine 100%-ige Arbeitsleistung zugelassen und die
Unfallfolgen die Beschwerdegegnerin leistungsmässig nicht mehr eingeschränkt
hätten. Unter diesen Umständen durfte die Beschwerdegegnerin einzig unter Hinweis
auf die 100%-ige Arbeitsfähigkeit die Leistungen noch nicht einstellen. Insbesondere
ist damit auch nicht überwiegend wahrscheinlich bewiesen, dass von der Fortsetzung
der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der
Beschwerdeführerin mehr erwartet werden konnte.
4.2.4 Auch die Stellungnahme des Vertrauensarztes vom 1. März 2017 (UV-act. 103)
vermag daran nichts zu ändern. Zwar führt Dr. G._ aus, dass somatische
Behandlungen nach bereits durchgeführten umfangreichen Abklärungen und Therapien
keine namhafte Besserung erwarten liessen. Sinngemäss ging er damit
somatischerseits von einem Endzustand aus. Er begründet diese Einschätzung aber
nur in pauschaler Weise und setzt sich nicht detailliert mit der vorhandenen
(medizinischen) Aktenlage auseinander. Die Stellungnahme vermag diesbezüglich nicht
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vollends zu überzeugen. Weiter äussert er einen starken Verdacht auf eine psychische
Problematik im Sinne einer psychischen Überlagerung bzw. Verarbeitungsstörung und
empfiehlt dringend eine psychiatrische Abklärung. In diesem Sinne geht auch Dr. G._
von einem insgesamt ungenügend erhobenen medizinischen Sachverhalt aus, was mit
dazu führt, dass ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind. Solche drängen sich
auch auf, weil allfällige psychiatrische Befunde bei einem Schleudertrauma oder einer
äquivalenten Verletzung der Halswirbelsäule nicht zwangsläufig nicht unfallkausal sind
bzw. bis zu einem gewissen Grad im Beschwerdebild enthalten sein können und bei
Unfallkausalität in die Beurteilung, ob eine namhafte Besserung des
Gesundheitszustands noch zu erwarten ist, einzubeziehen sind. Eine solche Abklärung
wurde bisher nicht veranlasst.
5.
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Sachverhalt per Fallabschluss am 10.
Januar 2017 in mehrfacher Hinsicht – auch für eine allfällige spätere einwandfreie
Adäquanzprüfung – nicht rechtsgenüglich abgeklärt wurde und es eines
polydisziplinären Gesamtgutachtens (inkl. psychiatrischer Exploration) bedarf. Zu
überprüfen sind in Würdigung des Unfallmechanismus die von den behandelnden
Ärzten gestellten Diagnosen und die Auswirkungen auf die Gesundheit und die
Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin im Verlauf und insbesondere per
Fallabschluss am 10. Januar 2017. Wird die Unfallkausalität, auch in Würdigung des
Vorzustands, der am 10. Januar 2017 noch bestehenden Beschwerden und
Einschränkungen bejaht, ist zu klären, ob diesbezüglich ein Endzustand erreicht ist und
demzufolge von weiteren ärztlichen Behandlungen keine namhafte Besserung der
Gesundheit und der Leistungsfähigkeit zu erwarten ist. Ist bzw. war noch eine
namhafte Besserung zu erwarten, hat die Beschwerdegegnerin weiterhin die
vorübergehenden Leistungen zu erbringen und darf den Fall noch nicht abschliessen.
6.
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6.1 Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde dahingehend
gutzuheissen, dass die Streitsache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und
neuer Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
6.2 Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Hingegen hat die
obsiegende Beschwerdeführerin (als Obsiegen gilt auch die Rückweisung der Sache an
die Verwaltung zwecks ergänzender Abklärungen [BGE 127 V 234 E. 2b/bb]) Anspruch
auf eine Parteientschädigung gegenüber der Beschwerdegegnerin (Art. 61 lit. g ATSG).
Es rechtfertigt sich, diese ermessensweise – wie in vergleichbar aufwändigen Fällen
üblich – auf pauschal Fr. 4'000.-- (einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzulegen.