Decision ID: c00e8028-5aae-442e-83e1-a9ebd3d76c49
Year: 2005
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M.B., geboren 1973, ist Staatsangehörige der Elfenbeinküste. Sie reiste am 11. Juli
2000 als Besucherin in die Schweiz ein und heiratete am 27. Oktober 2000 in St. Gallen
den Schweizer Bürger F.R., geboren 1967. In der Folge erteilte ihr das Ausländeramt
am 22. November 2000 eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs.
F.R. verstarb am 24. Dezember 2001.
Mit Verfügung vom 18. Juli 2003 wies das Ausländeramt die Gesuche von M.R. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung bzw. um Erteilung einer Härtefallbewilligung
nach Art. 13 lit. f der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR
823.21, abgekürzt BVO) ab mit der Begründung, die Gesuchstellerin sei mit F.R. eine
Scheinehe eingegangen. Ausserdem habe die Ehe nur vierzehn Monate gedauert, und
ein Härtefall liege nicht vor.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob M.R. mit Eingabe vom 28. Juli 2003
Rekurs. Sie machte geltend, sie habe das schweizerische Gastrecht nicht absichtlich
zu ihren Gunsten missbraucht. Mit Unterstützung ihres verstorbenen Ehemannes habe
sie eine Existenz aufgebaut. Sie lebe in einer Beziehung mit C.O., der Inhaber einer
Niederlassungsbewilligung sei, und sei seit vier Monaten schwanger.
Am 12. Januar 2004 gebar M.R. in St. Gallen die Tochter B. Diese wurde am 3. Juni
2004 vom nigerianischen Staatsangehörigen C.O. vor dem Zivilstandsamt St. Gallen als
eigenes Kind anerkannt. Der Kindsvater ist seit 13. Oktober 1995 mit der Schweizerin
W. S. verheiratet und seit 2000 im Besitz der Niederlassungsbewilligung.
Am 8. Mai 2004 wurde bei M.R. eine HIV-Infektion im Stadium A1 diagnostiziert. Unter
Verweis auf diesen ärztlichen Befund des Kantonsspitals St. Gallen führte M.R.,
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vertreten durch die Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen/Appenzell, mit
Schreiben vom 2. Juli 2004 aus, eine Rückkehr sei ihr und dem Kind nicht nur wegen
der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Heimatland, sondern auch wegen der
ungenügenden medizinischen Versorgung nicht zumutbar.
In der Folge tätigte das Justiz- und Polizeidepartement Abklärungen zur
Sicherheitslage sowie zur medizinischen Versorgung für HIV-Infizierte in der
Elfenbeinküste.
Mit Entscheid vom 19. Mai 2005 wies das Justiz- und Polizeidepartement den Rekurs
ab.
C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 1. und 24. Juni 2005 erhob M.R.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 19.
Mai 2005 sei aufzuheben und ihre Aufenthaltsbewilligung sowie jene ihrer Tochter seien
zu verlängern, eventuell sei eine Härtefallbewilligung zu erteilen bzw. das Ausländeramt
anzuweisen, die Angelegenheit mit zustimmendem Antrag dem Bundesamt für
Migration zu unterbreiten, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. In der Beschwerde
wird das Vorliegen einer Scheinehe bestritten. Ausserdem wird geltend gemacht, die
Rekursinstanz habe beim Entscheid über die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
die besonderen Umstände nicht berücksichtigt. Darüber hinaus sei es der
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer gesundheitlichen und persönlichen Situation nicht
zumutbar, in die Heimat zurückzukehren, weshalb es sich rechtfertige, ihr eine
Härtefallbewilligung zu erteilen. Auf die einzelnen Vorbringen wird, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 1. Juli 2005 auf Abweisung der
Beschwerde.

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 1. und 24. Juni
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2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art.
64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
a) Der Ausländer hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Anspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht, wenn er nahe Verwandte mit
gesichertem Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat. Hinsichtlich ausländischer
Ehegatten von Schweizer Bürgern ist dieser Anspruch in Art. 7 Abs. 1 ANAG geregelt.
Nach dieser Bestimmung hat die ausländische Ehegattin eines Schweizer Bürgers
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Nach Art. 7 Abs.
2 ANAG besteht kein solcher Anspruch, wenn die Ehe eingegangen worden ist, um die
Vorschriften über Aufenthalt und Niederlassung von Ausländern und namentlich jene
über die Begrenzung der Zahl der Ausländer zu umgehen.
b) Das Bundesgericht hat in verschiedenen Urteilen die Anforderungen an den
Nachweis einer Scheinehe bzw. Ausländerrechtsehe umschrieben. Es erwog, der
Nachweis, dass die Ehe zur Umgehung der Vorschriften über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer geschlossen wurde und nicht der Begründung einer
Lebensgemeinschaft diene, sei in der Regel nicht direkt zu erbringen und könne nur
durch Indizien geführt werden. Solche Indizien seien etwa darin zu erblicken, dass dem
Ausländer die Wegweisung gedroht habe, etwa weil er ohne Heirat keine
Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte oder sie ihm nicht verlängert worden wäre.
Sodann könnten die Umstände und die kurze Dauer der Bekanntschaft sowie die
Tatsache, dass die Ehegatten eine Wohngemeinschaft gar nie aufgenommen hätten,
für das Vorliegen einer Ausländerrechtsehe sprechen. Umgekehrt könne aus einer
gewissen Zeit des Zusammenlebens und des Unterhalts intimer Beziehungen nicht
ohne weiteres abgeleitet werden, es sei eine wirkliche Lebensgemeinschaft gewollt
gewesen. Ein solches Verhalten könne auch nur vorgespiegelt sein, um die Behörde zu
täuschen (BGE 122 II 295 mit Hinweisen auf Literatur und Judikatur). Wenn aber nicht
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genügend Anhaltspunkte bestehen, die auf eine Scheinehe hindeuten, so dürfe nicht
einzig aufgrund dieser ungenügenden Anhaltspunkte die Berufung auf eine bestehende
Ehe als rechtsmissbräuchlich qualifiziert werden (BGE 123 II 49 ff.). Demgegenüber
handelt jedoch der Ausländer rechtsmissbräuchlich, welcher sich im
fremdenpolizeilichen Verfahren auf eine Ehe beruft, die nur noch formell besteht oder
aufrechterhalten wird mit dem alleinigen Ziel, dem Ausländer eine
Anwesenheitsbewilligung zu ermöglichen. Dies gilt auch dann, wenn die Ehe zu Beginn
nicht bloss zum Schein eingegangen wurde (BGE 127 II 56).
c) Das Ausländeramt qualifizierte die Ehe zwischen der Beschwerdeführerin und F.R.
als Scheinehe. Im Rekurs hat die Beschwerdeführerin diese Feststellung nicht
angefochten. Sie hat ausdrücklich festgehalten, sie habe aufgrund des Sachverhaltes
vollstes Verständnis für die Argumentation des Ausländeramts und die daraus folgende
Entscheidung. Sie begründete den Rekurs damit, dass sich die Verfügung auf
Ereignisse in der Vergangenheit stütze, welche keineswegs dem aktuellen Sachverhalt
entsprächen. Auch der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, der diese im
Rekursverfahren zeitweise vertreten hatte und dem die Rekursvernehmlassung des
Ausländeramts zugestellt worden war, bestritt das Vorliegen einer Scheinehe nicht.
Auch die in der Folge als Vertreterin im Rekursverfahren beigezogene
Rechtsberatungsstelle für Asylsuchende St. Gallen/Appenzell focht das Vorliegen einer
Scheinehe nicht an.
Ob mit dem Einwand im Rekurs, die Beschwerdeführerin habe das schweizerische
Gastrecht nicht absichtlich missbraucht, die Feststellung einer Scheinehe bestritten
wurde, kann offen bleiben. Aufgrund der Akten besteht kein Zweifel, wie nachfolgend
auszuführen ist, dass die Beschwerdeführerin die Ehe mit F.R. ausschliesslich aus
fremdenpolizeilichen Motiven schloss und nicht die Absicht hatte, eine
Lebensgemeinschaft mit ihrem Ehemann zu führen. Dabei ist nicht entscheidend, ob
der Schweizer Ehegatte noch andere Motive hatte und allenfalls sogar ernsthaft gewillt
war, eine Lebensgemeinschaft einzugehen. Entscheidend ist, ob der ausländische
Ehegatte eine Lebensgemeinschaft eingehen wollte oder nicht (vgl. VerwGE vom 24.
April 2003 i.S. M.T. und vom 6. Juli 2000 i.S. G.H., bestätigt mit BGE 2A.397/2000 vom
1. Dezember 2000).
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aa) Die Mutter des Ehemannes gab nach dessen Suizid gegenüber der Polizei an, die
Ehe sei eine blosse Scheinehe gewesen. Ihr Sohn habe seiner Frau ein Geschäft
eingerichtet. Er habe sie geliebt, sie ihn aber sicher nicht. Sie hätten nie als Eheleute
zusammengelebt. Ihr Sohn habe immer bei ihr, der Mutter, gewohnt.
bb) Ein ehemaliger Arbeitskollege des Ehemannes erklärte gegenüber der Polizei, er
müsse einen besonderen Vorfall anlässlich der zivilstandsamtlichen Trauung erwähnen.
Die Mutter des Ehemannes habe im Restaurant Dufour einen Apéro offeriert. Noch
während den Festlichkeiten habe die Ehefrau mit ihrem Clan die Gaststätte verlassen.
Der Ehemann sei alleine zurückgeblieben. Er habe ihm nach der Heirat immer wieder
bestätigt, seine Gattin würde bei der Schwester leben und habe Heimweh; deshalb
möchte sie bei den eigenen Leuten bleiben. Er habe den Ehemann immer bei der
Mutter erreichen können. Er habe ihn einmal darauf angesprochen und gesagt, er sei
eine Scheinehe eingegangen. F.R. habe daraufhin erwidert, er würde eine Wohnung
suchen. Er habe schliesslich auch ein Logis gefunden, sei jedoch nur bei der Mutter
erreichbar gewesen.
Ein anderer ehemaliger Arbeitskollege hielt gegenüber der Polizei fest, die Schwester
der Beschwerdeführerin habe dieser F.R. vermittelt. Dieser habe vor und nach der
Hochzeit bei der Mutter gelebt.
Ein weiterer ehemaliger Arbeitskollege machte ähnliche Aussagen und äusserte
gegenüber der Polizei, F.R. habe ihm gesagt, er schlafe immer bei der Mutter.
cc) Eine Anwohnerin der Liegenschaft Obere Büschenstrasse 4, in der die
Beschwerdeführerin wohnte, äusserte gegenüber der Polizei, sie könne mit
Bestimmtheit sagen, dass F.R. nie bei seiner Gattin an der Oberen Büschenstrasse
gewohnt oder gelebt habe.
dd) Die Mutter von F.R. erklärte als Zeugin unter Strafandrohung, ihr Sohn habe immer
bei ihr gewohnt. Die Ehefrau habe zuerst bei der Schwester in W. gewohnt. Ihr Sohn
habe dann an der B-strasse eine Wohnung für die Ehefrau gesucht und gefunden.
Auch der Bruder des Ehemannes erklärte, dieser habe immer bei der Mutter alleine
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gewohnt. Die unterschiedlichen Wohnorte seien dem Einwohneramt nicht gemeldet
worden, um nicht der Scheinehe verdächtigt zu werden.
ee) Fest steht weiter, dass die Heirat nach sehr kurzer Bekanntschaftzeit stattfand und
die Beschwerdeführerin ohne die Eheschliessung keine Möglichkeit gehabt hätte, eine
ordentliche Aufenthaltsbewilligung zu erlangen.
ff) Aufgrund der vorliegenden Indizien durfte das Ausländeramt ohne Rechtsverletzung
davon ausgehen, dass die Beschwerdeführerin F.R. ausschliesslich deshalb heiratete,
um die Aufenthaltsbewilligung zu erlangen, und nicht die Absicht hatte, mit ihrem
Ehemann eine Lebensgemeinschaft einzugehen. Auf weitere Abklärungen kann deshalb
verzichtet werden. Was in der Beschwerde gegen das Vorliegen einer Scheinehe
vorgebracht wird, ist nicht stichhaltig. Wohl hat eine standesamtliche Trauung mit
anschliessendem Apéro und Imbiss stattgefunden, bei der die Beschwerdeführerin ein
weisses Brautkleid und ihr Ehemann einen Hochzeitsanzug trugen. Dies erstaunt nicht,
da der Ehemann aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der verschiedenen
Auskunftspersonen offenbar ernsthafte Absichten hatte, mit der Beschwerdeführerin
eine eheliche Gemeinschaft einzugehen. Die Darstellung in der Beschwerde zeigt, dass
die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann verschiedene Anstalten trafen, um den
Anschein einer echten Ehegemeinschaft zu vermitteln. Diese vermögen aber eine
Scheinehe nicht in Frage zu stellen. Nicht stichhaltig ist insbesondere auch das
Argument, der längere Aufenthalt der Beschwerdeführerin in der Elfenbeinküste sei auf
den Tod ihrer Grossmutter zurückzuführen. Inwiefern diese Behauptung zutrifft,
nachdem im Rekurs ausgeführt wurde, die Eltern der Beschwerdeführerin seien alt; der
Vater sei 79 Jahre alt und krank, kann offen bleiben. Die Vorinstanz hat es zu Recht als
Indiz für eine Scheinehe gewertet, dass die Beschwerdeführerin lediglich rund zwei
Monate nach der Hochzeit für sechs oder sieben Wochen allein an die Elfenbeinküste
verreist war. Selbst bei einem Todesfall in der Familie wäre dies ein
aussergewöhnliches Verhalten. Auch die finanziellen Verhältnisse sprechen nicht gegen
eine Scheinehe. Wie erwähnt, hat der Ehemann der Beschwerdeführerin den Aufbau
der Boutique finanziert. Für ihn hatte die Ehe offensichtlich eine andere Bedeutung als
für die Beschwerdeführerin. Dass die Ehegatten zeitweise auch intime Beziehungen
pflegten, spricht ebenfalls nicht gegen eine Scheinehe.
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d) Selbst wenn keine Scheinehe angenommen würde, wäre die Verweigerung der
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung keine Ermessensüberschreitung bzw. kein
Ermessensmissbrauch. Die Beschwerdeführerin hält sich erst seit rund fünf Jahren in
der Schweiz auf. Die Ehe dauerte lediglich rund eineinviertel Jahre. Aus wirtschaftlichen
und arbeitsmarktlichen Gründen bestehen sodann keine besonderen Umstände,
welche eine Verlängerung der Bewilligung nahelegen.
e) Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt
EMRK) und seit dem 1. Januar 2000 auch Art. 13 Abs. 1 BV der Bundesverfassung (SR
101, abgekürzt BV) gewährleisten das Recht auf Achtung des Privat- und
Familienlebens. Darauf kann sich im Rahmen eines ausländerrechtlichen
Bewilligungsverfahrens berufen, wer nahe Verwandte mit einem gefestigten
Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat. Soweit eine familiäre Beziehung tatsächlich
gelebt wird und intakt ist, wird das der zuständigen Behörde grundsätzlich eingeräumte
freie Ermessen beschränkt (BGE 130 II 285 f., 127 II 64, 126 II 427, 118 Ib 157 und 116
Ib 355).
Das Kind der Beschwerdeführerin wurde vom Inhaber einer Niederlassungsbewilligung
als eigenes anerkannt. Eine förmliche Niederlassungsbewilligung des Kindes ist nicht
aktenkundig. Ob sich die Beschwerdeführerin auf Art. 8 EMRK berufen kann, braucht
indessen nicht näher geprüft zu werden. Art. 8 EMRK verschafft jedenfalls kein Recht
auf Aufenthalt in einem Konventionsstaat. Die Bestimmung kann nur angerufen werden,
wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme zur Trennung von
Familienmitgliedern führt. Kein staatlicher Eingriff in das Recht auf Familienleben liegt
vor, wenn es Familienangehörigen mit Anwesenheitsrecht in der Schweiz zumutbar ist,
das Familienleben im Ausland zu führen (BGE 122 II 297). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist es einem Kind grundsätzlich zuzumuten,
seinen Eltern bzw. dem für ihn sorgenden Elternteil ins Ausland zu folgen, wenn es sich
noch in einem anpassungsfähigen Alter befindet. Bei einem Kleinkind ist dies -
besondere Umstände vorbehalten - der Fall.
Nach dem Gesagten ist im folgenden zu prüfen, ob es dem Kind zugemutet werden
kann, seiner Mutter ins Ausland zu folgen. Dabei fällt in Betracht, dass das Kind erst
gut eineinhalb Jahre alt und damit in einem Alter ist, in dem es sich veränderten
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Umständen gut anpassen kann. Ausserdem ist nicht belegt, ob der Vater zur Tochter
überhaupt persönliche Kontakte pflegt. In der Beschwerde werden keine
entsprechenden Ausführungen gemacht. Jedenfalls wohnt der Kindsvater nicht mit der
Beschwerdeführerin zusammen. Unter diesen Umständen kann dem Kind
grundsätzlich zugemutet werden, mit der Mutter die Schweiz zu verlassen. Eine
Verletzung von Art. 8 EMRK bzw. Art. 13 Abs. 1 BV ist damit nicht verbunden. Im
übrigen würde das öffentliche Interesse an der Fernhaltung einer Ausländerin, die eine
Scheinehe eingegangen ist und dadurch in gravierendem Mass gegen die öffentliche
Ordnung verstossen hat, im Lichte von Art. 8 Ziff. 2 EMRK das Interesse ihres Kindes
am Verbleib in der Schweiz überwiegen.
f) Weiter macht die Beschwerdeführerin geltend, die Verweigerung einer Unterbreitung
ihres Gesuchs um Erteilung einer Bewilligung als Härtefall gemäss Art. 13 lit. f BVO sei
rechtswidrig.
Für die Annahme eines Härtefalles wird vorausgesetzt, dass die Lebens- und
Daseinsbedingungen des Ausländers gemessen am durchschnittlichen Schicksal von
Ausländern in gesteigertem Masse in Frage gestellt sind bzw. die Verweigerung der
Aufenthaltsbewilligung für ihn schwere Nachteile zur Folge hätte (VPB 1996 Nr. 60.95,
S. 860).
Das Bundesgericht hat in seiner Praxis unter anderem einen Härtefall bei einer
abgewiesenen Asylbewerberin aus Rwanda angenommen, bei welcher der Abbruch
einer im Heimatstaat nicht möglichen Aidstherapie mit schweren gesundheitlichen
Konsequenzen verbunden gewesen wäre (BGE 128 II 208). Ebenso hat es einen
Härtefall bei einem jungen türkischen Staatsangehörigen anerkannt, der sich etwas
mehr als zehn Jahre in der Schweiz aufhielt, dessen Asylgesuch während dieser Zeit
nicht behandelt wurde und der sich tadellos verhielt, finanziell unabhängig sowie sozial
und beruflich gut integriert war (BGE 124 II 112). Das Verwaltungsgericht anerkannte
einen Härtefall bei einer türkischen Staatsangehörigen, die als Folge ihrer ehelichen
Probleme akut suizidgefährdet war (VerwGE vom 24. Oktober 2002 i.S. S.S.), und bei
einem Kind, bei dem aufgrund eines Geburtsgebrechens die erhebliche Gefahr einer
dauernden Beeinträchtigung bestand und das im Herkunftsstaat keinen hinreichenden
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Zugang zu medizinischen Leistungen hatte (VerwGE B 2005/74 vom 25. Januar 2005
i.S. G.Y., derzeit in www.gerichte.sg.ch).
Fest steht, dass bei der Beschwerdeführerin am 8. Mai 2004 eine HIV-Infektion
diagnostiziert wurde. Dies allein vermag aber einen Anspruch auf eine
Härtefallbewilligung nicht zu belegen. Es ist notorisch, dass ein erheblicher Teil der
Bevölkerung Schwarzafrikas HIV-infiziert ist. Zudem ist eine HIV-Infektion nicht mit der
Krankheit AIDS gleichzusetzen. Das Kantonsspital St. Gallen hielt in seinem Bericht
vom 8. Mai 2004 fest, es bestehe eine gute Immunlage, so dass vorläufig keine HIV-
Therapie indiziert sei. Die Infektion benötige aber regelmässige, sechsmonatliche
Kontrollen.
Aufgrund der Abklärungen der Vorinstanz ist die medizinische Versorgung in gewissen
Landesteilen der Elfenbeinküste zwar unbefriedigend bzw. eine HIV/AIDS-Behandlung
im Norden und Westen des Landes nicht möglich. Doch wird im Bericht des
Bundesamts für Migration festgehalten, dass in Abidjan Behandlungs- und
Therapiemöglichkeiten im Bereich HIV-AIDS grundsätzlich vorhanden seien. Wie die
Vorinstanz zutreffend festhält, kann die Beschwerdeführerin in einem Landesteil
Wohnsitz nehmen, wo Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten vorhanden sind. Die
Beschwerdeführerin hatte gemäss der Garantieerklärung vor der Einreise in die
Schweiz ihren Wohnsitz in Abidjan. Es ist nicht ersichtlich, weshalb sie nicht auch nach
der Rückkehr wieder dort wohnen kann. Zudem fehlen Anhaltspunkte, und es wird
auch nicht geltend gemacht, dass die Beschwerdefüherin nicht über genügend Mittel
für eine Behandlung und Therapie ihrer Krankheit im Heimatstaat hat. Nach den
unbestrittenen Feststellungen der Vorinstanz verfügt die Beschwerdeführerin über
erhebliche Vermögenswerte (Miteigentumsanteil an einem in der Stadt St. Gallen
gelegenen Grundstück, Bankguthaben von rund Fr. 40'000.--, Inventar Boutique, vgl.
Erw. 5 c des angefochtenen Entscheids). Daher fällt es weniger gravierend ins Gewicht,
dass es keine Versicherung für die anfallenden Kosten für Medikamente und Therapie
gibt. Nicht stichhaltig ist auch der Einwand, die Beschwerdeführerin könne bei der
Wohnsitznahme in der Hauptstadt nicht auf ein intaktes Familiennetz zählen. Die
Beschwerdeführerin hat in der Schweiz allein gewohnt und ein Geschäft betrieben, was
bedeutet, dass sie auch in ihrem Herkunftsland selbständig leben kann. Sie hielt sich
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denn auch nach eigenen Angaben im Rekurs kürzlich auf "Heimaturlaub" in Abidjan
auf, was zeigt, dass sie selbständig reisen kann.
Ein Härtefall ist aufgrund der konkreten Umstände nicht gegeben.
3./ Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist.
Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif; sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).