Decision ID: 57377475-4d4d-5184-8926-9294420559c3
Year: 2017
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_003
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: social_law

Sachverhalt
A. A.1
A_, geboren am XX.XX.1964, seit XX.XX.1982 verheiratete Mutter von drei am
XX.XX.1983, XX.XX.1985 und am XX.XX.1996 geborenen Kindern, von 1993 bis 2012 bei
C_ AG in D_ und danach als Hausfrau tätig, meldete sich am 4. April 2014 wegen
rezidivierenden Depressionen (seit 1996), einem Schmerzsyndrom (seit 2002) und einer
"Blutdruckerkrankung“ (seit 2006) bei der Invalidenversicherung an (IV-act. 1).
A.2
Gemäss Bericht des interdisziplinären Zentrums für Schlafmedizin am Kantonsspital
St. Gallen (KSSG) vom 30. September 2011 (IV-act. 84, 3/10) leide sie an einem
schwergradigen obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom, einer Adipositas WHO Grad 2 und an
einer arteriellen Hypertonie. Wegen Platz- und Erstickungsangst habe sie das CPAP-Gerät
nur einmal benutzt und sei nicht zu einem weiteren Therapieversuch zu bewegen (s. auch
den Bericht des KSSG vom 25. November 2011 [IV-act. 84, 5/10], wonach eine
Gewichtsreduktion vorteilhaft wäre). Gemäss einem weiteren Bericht des KSSG vom
28. November 2011 (IV-act. 72, 39/41) wurden ihr die Mandeln entfernt.
A.3
Mit Bericht vom 16. April 2014 (IV-act. 9) meinte Chirurge FMH Dr. E_, der die
Versicherte, die über keinen Führerausweis zum Autofahren verfüge, seit dem 23. Februar
2012 behandelt, die Adipositas mit einem Body-Mass-Index von 36 und die Hypertonie
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beeinträchtigten die Arbeitsfähigkeit nicht. Vom 18. bis 22. November 2013 habe in der
bisherigen leichten Tätigkeit wegen eines chronischen Lendenwirbelsäulensyndroms eine
volle Arbeitsunfähigkeit vorgelegen, ab Anfang 2014 jedoch wieder eine volle
Arbeitsfähigkeit.
A.4
Gemäss Bericht von Psychiaterin FMH Dr. F_ vom 11. Mai 2014 (IV-act. 13) stehe die
Versicherte seit dem 9. Dezember 2013 alle zwei bis drei Wochen bei ihr in Behandlung. Es
bestünden eine starke Antriebsstörung, Ein- und Durchschlafstörungen sowie deutliche
Anhaltspunkte für eine ängstlich vermeidende abhängige Persönlichkeitsstörung, weshalb
in der bisherigen Tätigkeit keine Arbeitsfähigkeit mehr bestehe, in einer adaptierten jedoch
eine solche von 50%.
A.5
Im Protokoll der Berufsberatung der IV-Stelle vom 4. Juli 2014 (IV-act. 16) über ein Assess-
ment heisst es, die schweizerisch-serbische Doppelbürgerin habe abgesehen von
Rückenschmerzen beim Bücken und Knieschmerzen beim Treppensteigen Probleme mit
dem von Alkohol abhängigen Ehemann, der sie im Haushalt nicht unterstütze.
A.6
Gemäss Bericht der Klinik für Rheumatologie am KSSG vom 22. September 2014 (IV-
act. 22.1, 6/9) bestünden folgende Diagnosen: generalisiertes Schmerzsyndrom der
gesamten Wirbelsäule bei degenerativen Veränderungen, Fibromyalgiesyndrom,
Depressionen, Adipositas, Hyperurikämie, Hypovitaminose und arterielle Hypertonie.
Gemäss Bericht des KSSG vom 10. Oktober 2014 (IV-act. 22.1, 1/9) bestehe in der
bisherigen Tätigkeit seit dem 29. April 2014 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, die mittels
Physiotherapie und Schmerzmitteln besserbar sei.
A.7
Dieser Einschätzung schloss sich Dr. G_ vom regionalärztlichen Dienst Ostschweiz der
Invalidenversicherung (RADO) mit Aktennotiz vom 24. Oktober 2014 (IV-act. 24) an, wobei
sie das Eingliederungspotenzial angestammt ab sofort mit ca. 50% bezifferte (s. auch das
Protokoll der IV-Stelle vom 17. November 2014 [IV-act. 28], dass von Februar bis
August 2013 ein Arbeitsversuch bei Mensch-Natur stattgefunden habe). Am
2. Dezember 2014 (IV-act. 32) leistete die IV-Stelle Kostengutsprache für ein
Aufbautraining vom 12. Januar bis 12. Juli 2015 mit einer anfänglichen Präsenzzeit von
50%. Mit Zeugnis vom 13. Januar 2015 (IV-act. 42) attestierte Dr. F_ jedoch eine
vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 14. bis 31. Januar 2015. Gemäss Protokoll der IV-
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Stelle vom 24. Februar 2015 (IV-act. 47) gab die Versicherte in einem Round-Table-
Gespräch ferner an, wegen grosser Angst vor Leuten könne sie nicht mit Bus oder Zug
fahren. Die IV-Stelle berichtete am 15. April 2015 (IV-act. 50) über den Abbruch des
Arbeitsversuchs in der „H_“, da die dortige Umgebung das Selbstwertgefühl der
Versicherten herabgesetzt habe. Auch ein Arbeitsversuch bei C_ AG wurde gemäss
Anrufnotiz vom 5. Juni 2015 (IV-51) abgebrochen. Im Protokoll über einen „Round Table“
vom 30. Juni 2015 (IV-act. 52) hielt die Verwaltung fest, der Zustand sei wie früher, und es
erfolgten keine Arbeitsbemühungen, hingegen alle 14 Tage Gespräche bei Dr. F_. Die
Versicherte fühle sich nicht eingliederungsfähig und wünsche die Rentenprüfung.
A.8
Mit Bericht vom 20. Januar 2016 (IV-act. 61) bezeichnete Dr. F_ die Diagnosen als
unverändert. In der bisherigen Tätigkeit liege die Arbeitsunfähigkeit bei 100%, in einer
adaptierten leichten hingegen bei 50%.
A.9
Gemäss Austrittsbericht der Klinik für Rheumatologie am KSSG vom 4. März 2016 (IV-
act. 64) über einen Aufenthalt vom 8. bis 22. Februar 2016 bestehe ein chronisches
Schmerzsyndrom mit psychischen (depressive Störung, aktuell mittelgradig) und
somatischen Faktoren (lumbospondylogenes und belastungsabhängiges lumboradikuläres
L5/S1 Syndrom).
A.10
Daraufhin erachtete Dr. G_ vom RADO am 11. April 2016 (IV-act. 65) eine
rheumatologisch-psychiatrische Abklärung als nötig. Dem Gutachten der SMAB vom
12. September 2016 (IV-act. 72) über eine psychiatrische (Dr. J_) und rheumatologische
Abklärung (Dr. K_) vom 12. und 27. Juli 2016 ist zu entnehmen, dass psychiatrisch keine
die
Arbeitsfähigkeit beeinträchtigende Diagnose vorliege; nicht einmal die Kriterien für eine
leichte depressive Episode seien erfüllt. Retrospektiv habe ab Dezember 2013 eine
mittelgradig depressive Episode bis April 2015 vorgelegen. Es sei kein angstbedingtes
alltagsrelevantes Vermeidungsverhalten festzustellen, und die verordneten Antidepressiva
würden vermutlich nicht regelmässig eingenommen. Es bestehe eine deutliche Diskrepanz
zwischen der Selbsteinschätzung der Versicherten betreffend Erwerbsfähigkeit und dem
Aktivitätsniveau in Haushalt und Freizeit. Die abweichende Einschätzung Dr. F_ dürfte
auf die nicht ausreichende kritische Überprüfung der subjektiven Beschwerdeangaben
zurückzuführen sein.
Seite 5
Rheumatologisch werde die Arbeitsfähigkeit durch ein lumbospondylogenes und ein
Fibromyalgiesyndrom in leichten und wechselbelastenden Tätigkeiten nicht eingeschränkt.
Die angegebenen Schmerzen seien organmedizinisch nicht vollständig erklärbar. Es sei
von
einer psychogenen Überlagerung im Zusammenhang mit verschiedenen psychosozialen
Belastungen auszugehen.
B. B.1
Nachdem Dr. G_ vom RADO das SMAB-Gutachten am 14. September 2016 (IV-act. 73)
als plausibel bezeichnet und von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit ab Dezember 2013 bis
März 2015 aus psychischen Gründen und ab April 2014 bis Februar 2016 auch aus
rheumatologischen Gründen gesprochen hatte, erging seitens der IV-Stelle am 3. Oktober
2016 ein Vorbescheid, wonach das Leistungsbegehren bei einer vollständigen
Arbeitsfähigkeit auch in der bisherigen Tätigkeit abzuweisen sei (IV-act. 76).
B.2
Dagegen erhob die Krankenkasse L_ mit Schreiben vom 18. Oktober und 18. November
2016 (IV-act. 77 und 79) Einwand mit dem Antrag auf eine befristete halbe Invalidenrente
von Dezember 2014 bis Februar 2016.
B.3
Mit Verfügung vom 6. Februar 2017 (IV-act. 80) wies die IV-Stelle das Leistungsgesuch
gemäss Vorbescheid ab. Der Verlust der Arbeitsstelle 2012 sei aus IV-fremden Gründen
erfolgt. Es sei unklar, wie lange die vom SMAB ab Dezember 2013 attestierte mittelgradige
Depression angehalten habe, da psychiatrische Berichte nur im Mai 2014 und im Januar
2016 erstattet worden seien. Jedenfalls könnten diese Beschwerden zum Zeitpunkt der
Reise nach Serbien im April 2015 nicht mehr angehalten haben, und leichte bis höchstens
mittlere Depressionen seien bekanntlich therapierbar.
B.4
Gemäss Kurzaustrittsbericht des Spitals Herisau vom 9. Februar 2017 (IV-act. 84, 7/10)
begab sich die Versicherte vom 7. bis 9. Februar 2017 in stationäre Behandlung wegen
einer erstmaligen Neuritis vestibularis rechts und einem horizontalen Nystagmus nach links,
was symptomatisch mit Antiemetika behandelt worden sei. Betreffend den ebenfalls fest-
gestellten Diabetes mellitus habe die Patientin eine Ernährungsberatung abgelehnt.
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B.5
Gemäss Aktennotiz der IV-Stelle vom 27. Februar 2017 (IV-act. 83) habe RA B_
telefonisch eine Zustandsverschlechterung durch eine einen Tag nach dem Ergehen der
Verfügung aufgetretene Neuritis vestibularis mitgeteilt. Falls die Verwaltung die Verfügung
nicht widerrufe, werde sie dagegen Beschwerde erheben und gleichzeitig ein neues
Leistungsgesuch zufolge Verschlechterung einreichen (s. auch das entsprechende
Schreiben der Anwältin gleichen Datums [IV-act. 84, 1/10] und die Ablehnung des
Widerrufs durch die IV-Stelle gemäss Schreiben vom 28. Februar 2017 [IV-act. 85]).
B.6
Mit Schreiben vom 6. März 2017 (IV-act. 86, 31/36) nahm Dr. F_ Stellung zum SMAB-
Gutachten. Die abhängige Persönlichkeitsstörung, die gegenwärtig remittierte
rezidivierende depressive Störung und die Essstörung hätten enorme Auswirkungen auf
das ganze Leben der Versicherten und auf deren Arbeitsfähigkeit. Obwohl sie sich adäquat
behandeln lasse - eine teilstationäre Behandlung sei wegen einer starken Abhängigkeit in
sozialen
Interaktionen, der Wegbewältigung mit dem öffentlichen Verkehr und wegen
"transkultureller Schamgefühle“ nicht denkbar -, zeige sie wegen ihrer
Persönlichkeitsstruktur ein angstbedingtes Vermeidungsverhalten. Dr. J_ habe dies und
"ethnopsychiatrische Aspekte“ sowie "transkulturelle Hintergründe" nicht berücksichtigt. Die
grössere Reise von Anfang 2016 sei zur Unterstützung der älteren Tochter mit deren
einjährigem Sohn erfolgt und nicht Ausdruck psychischen Gesundseins, sondern der
Störung, persönliche Bedürfnisse zu unterdrücken, um anderen zu helfen. Bei der
Begutachtung habe Dr. J_ eine mittelgradige depressive Episode ausgeschlossen, und
dies, obwohl eine solche im Winter 2014 vorgelegen habe und weiterhin Interesselosigkeit
und Freudlosigkeit vorlägen. Deshalb sei von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit in jeder
Tätigkeit (ohne Kontakt zu Kunden und Teammitgliedern) bis Februar 2016 und auch
weiterhin auszugehen.
C. C.1
Gegen die erwähnte Verfügung (lit. B.3 hiervor) liess die Versicherte mit Schreiben vom
8. März 2017 Beschwerde mit den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben.
C.2
Mit Beschwerdeantwort vom 27. April 2017 beantragte die IV-Stelle deren Abweisung.
C.3
Seite 7
Mit Replik vom 10. Mai 2017 meinte die Beschwerdeführerin, der Widerruf der Verfügung
wäre sachgerecht und ökonomisch gewesen. Auf die einzelnen Vorbringen in den
erwähnten Rechtsschriften wird im Übrigen - soweit erforderlich - in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. 2.1
Als Invalidität gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom
19. Juni 1959 (IVG; SR 831.20) in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1)
die durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben versicherte
Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu siebzig Prozent, auf
eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu sechzig Prozent, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu fünfzig Prozent und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu vierzig
Prozent invalid sind.
2.2
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützt sich die Verwaltung (und im Beschwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
medizinischen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (Urteile des Bundesgerichts
9C_636/2013 vom 25. Februar 2014 E. 4.2.1 und 4.2.2, 9C_922/2013 vom 19. Mai 2014
E. 3.2.1, 9C_644/2015 vom 3. Mai 2016 E. 3.2). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es,
den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang
und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren
sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4, 140 V
193 E. 3.2).
Seite 8
2.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
134 V 231 E. 5.1, 137 V 210 E. 6.1.2). Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien dagegen sprechen. In Bezug
auf Berichte von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass deren Angaben mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten
ausfallen (BGE 125 V 351 E. 3, 135 V 465 E. 4.5; Urteile des Bundesgerichts 8C_641/2013
vom 23. Dezem-ber 2013 E. 5.4, 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.2.2, 9C_203/2015
vom 14. April 2015 E. 3.2, 9C_395/2016 vom 25. August 2016 E. 4.1, 9C_646/2016 vom
16. März 2017 E. 4.2.1), was auch mit der unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und
Begutachtungsauftrag zusammenhängen mag (Urteile des Bundesgerichts 8C_768/2012
vom 24. Januar 2013 E. 3, 8C_107/2013 vom 23. April 2013 E. 3, 8C_454/2016 vom
19. Dezember 2016 E. 4.2). Gleichwohl hat der Richter zu prüfen, ob eine von einer Partei
eingeholte ärztliche Stellungnahme in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des von der Verwaltung oder vom Gericht bestellten medizinischen
Sachverständigen derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (Urteil des
Bundesgerichts 8C_62/2016 vom 7. Juli 2016 E. 4.1).
3. 3.1
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit bzw. der medizinischen Abklärung durch die IV-Stelle
machte die Versicherte in der Beschwerdeschrift geltend, da sie auch an
Blutdruckbeschwerden, Adipositas, Hyperurikämie und Hypovitaminose leide, hätte
zusätzlich eine internistische Abklärung erfolgen müssen, und wegen einer schwergradigen
Schlaf-Apnoe und Schlafstörungen zusätzlich eine schlafmedizinische und pulmologische
Abklärung.
Im Gutachten fehlten relevante medizinische Vorakten betreffend Blutdruckbeschwerden
und Schlaf-Apnoe. Dr. J_ habe keinen Verlaufsbericht bei Dr. F_ eingeholt, obwohl der
letzte Verlaufsbericht vom Januar 2016 stamme. Ihm sei die aktuelle psychiatrische
Behandlung nicht bekannt gewesen, und er habe sich nicht einfach mit der Feststellung
begnügen dürfen, dass die entsprechende Berichterstattung dürftig sei. Ausserdem habe er
den Bericht des KSSG vom 4. März 2016, wonach aktuell eine mittelgradige depressive
Seite 9
Störung vorliege, übersehen. Auch habe er die Medikamentenspiegel unsorgfältig
kontrolliert. Die Terminierung des Endes der restrospektiv attestierten Teilarbeitsunfähigkeit
von 50% auf April 2015 werde nicht schlüssig begründet. Stattdessen sei nur von der Reise
der Versicherten nach Serbien die Rede, die auf Wunsch des Ehemannes, dem sie sich
aufgrund ihrer abhängigen Persönlichkeitsstruktur nicht widersetze, erfolgt sei.
Auch das rheumatologische Gutachten sei mangelhaft, da es die radiologischen Befunde
vom April 2014 nicht würdige und auch keine radiologische Verlaufskontrolle erfolgt sei.
Indem sich Dr. K_ dem KSSG-Arzt Dr. M_ angeschlossen habe, habe er übersehen,
dass dieser eine Arbeitsunfähigkeit erst ab Beginn der Behandlung am 29. April 2014 habe
attestieren können. Die Beschwerden hätten die Arbeitsfähigkeit aber bereits vor April 2015
beeinträchtigt, was aus dem in der Aktenlage nicht erwähnten Bericht Dr. E_ vom
November 2013 hervorgegangen wäre. Auch sei nach der Entlassung aus der stationären
Schmerzbehandlung sicher nicht eine volle Arbeitsfähigkeit erlangt worden; vielmehr
befinde sich die Versicherte weiterhin in rheumatologischer Behandlung bei Dr. M_, bei
dem weitere Verlaufsberichte einzuholen seien.
In der Replik bemängelte die Beschwerdeführerin darüber hinaus, dass die IV-Stelle nicht
auf die ausführliche Kritik am SMAB-Gutachten durch Dr. F_ eingegangen sei und dazu
vom RAD keine Stellungnahme eingeholt habe.
3.2
Dagegen wendete die Verwaltung ein, eine langdauernde invalidisierende Einschränkung
sei gemäss beweistauglichem SMAB-Gutachten zu keinem Zeitpunkt ausgewiesen
gewesen. Der Entscheid, ob ein Mono-, bi- oder polydisziplinäres Gutachten einzuholen
sei, obliege dem RAD, der vorliegend eine rheumatologische und eine psychiatrische
Abklärung für erforderlich gehalten habe.
3.3
Vorliegend fällt auf, dass die Beschwerdeführerin trotz angeblichem Leidensdruck das
Schlaf-Apnoe-Syndrom nach einem einmaligen Therapieversuch nicht behandeln lassen
wollte. In den beiden Gesprächen mit der Berufsberatung vom 2. Juli und vom
17. November 2014 war von einer dadurch bedingten Einschränkung denn auch keine
Rede. In Anbetracht der Anmeldung bei der Invalidenversicherung vom 4. April 2014, wo
von Beschwerden wegen seit 1996 rezidivierenden Depressionen, eines Schmerzsyndroms
seit 2002 und wegen Bluthochdrucks seit 2006 die Rede war, und auch des Berichts von
Dr. E_ vom 16. April 2014, wonach die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit nur
durch ein chronisches Syndrom an der Lendenwirbelsäule zeitweise beeinträchtigt worden
Seite 10
sei bei guter Prognose, nicht aber durch die weiteren Diagnosen einer Adipositas und einer
Hypertonie, hat die IV-Stelle richtigerweise (nur) eine bidisziplinäre Abklärung angeordnet.
Was die bemängelte Aktenlage im SMAB-GA anbelangt, so ist diese - mindestens
hinsichtlich der Blutdruckbeschwerden und der Schlaf-Apnoe - zugegebenermassen eher
knapp, doch ist noch einmal darauf hinzuweisen, dass letztere in der Anmeldung bei der
Invalidenversicherung keine Rolle spielte und dass erstere invalidenversicherungsrechtlich
in aller Regel bedeutungslos sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_274/2014 vom 30.
September 2014, 9C_348/2015 vom 21. Januar 2016, 8C_482/2016 vom 15. September
2016).
Entgegen der Beschwerdeführerin war bei Dr. F_ kein Verlaufsbericht einzuholen,
nachdem deren vorletzter und gleichzeitig wohl erster Bericht - die Behandlung wurde am
9. Dezember 2013 aufgenommen - vom 11. Mai 2014 datierte und deren letzter Bericht
vom 20. Januar 2016 - die Diagnosen seien unverändert -, die Abklärungen durch die
SMAB AG aber bereits am 12. und 27. Juli 2016 erfolgten.
Dem Vorwurf, dass der Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 4. März 2016 übersehen
worden sei, ist entgegenzuhalten, dass dieser unter Ziff. 19 der medizinischen
Vorgeschichte sehr wohl mitsamt der Diagnose einer aktuell mittelgradigen depressiven
Störung erwähnt wurde.
Was die Kontrolle des Medikamentenspiegels anbelangt, so wurde im Rahmen der
rheumatologischen Exploration festgehalten, dass die Versicherte zwischen sieben und
acht Uhr aufstehe und danach das Frühstück sowie die Tabletten einnehme. Im
Laborbefund wurde 9.50 Uhr als Zeitpunkt der Probeentnahme genannt und zusätzlich auf
die biologische Halbwertszeit des Wirkstoffs hingewiesen. Ausserdem hiess es zur
Laboranalyse im Gutachten auch nur, dass die verordneten Antidepressiva vermutlich nicht
regelmässig eingenommen würden, woraus zu schliessen ist, dass diesem Punkt
insgesamt nur untergeordnete Bedeutung zugekommen sein dürfte.
Die Terminierung des Endes der aus psychiatrischen Gründen ab Dezember 2013
attestierten 50%igen Arbeitsunfähigkeit auf spätestens April 2015 ist mit der damals
erfolgten längeren Reise der Versicherten hinreichend begründet, ansonsten eine solche
nicht hätte stattfinden können.
Was die Kritik am rheumatologischen Gutachten anbelangt, so ist nicht nachvollziehbar,
weshalb Dr. K_ eine radiologische Verlaufskontrolle hätte vornehmen sollen, nachdem
im Verlaufsbericht des behandelnden KSSG vom 19. Februar 2016 - die Abklärung Dr.
Seite 11
K_ erfolgte bereits am 27. Juli 2016 - darauf verzichtet und stattdessen auf eine
Röntgenabklärung vom 29 April 2014 verwiesen worden war.
Was schliesslich die Einwendungen der behandelnden Ärztin Dr. F_ anbelangt, so
wirken diese konstruiert und parteilich. Wenn sie beispielsweise meint, die Reise der
Versicherten zur älteren Tochter sei ebenfalls als Ausdruck der abhängigen
Persönlichkeitsstörung zu werten und dabei verkennt, dass das Motiv für diese Reise nicht
relevant ist, sondern der Umstand, dass sie eine solche Reise überhaupt unternehmen
konnte, was für vorhandene Ressourcen, auch betreffend Arbeitsfähigkeit, spricht. Es fragt
sich ferner, ob die Psychiaterin mit dem Hinweis auf "ethnopsychiatrische Aspekte" oder
"transkulturelle Hintergründe" eine andere bzw. grössere Empfindlichkeit der Serbin als bei
anderen
Ethnien anzusprechen scheint, welche wohl kaum bei einem ganzen Volk vorliegen dürfte.
Nicht nachvollziehbar ist auch der Hinweis, dass wegen Schamgefühlen der Versicherten
nicht einmal eine teilstationäre psychiatrische Behandlung möglich sein soll.
3.4
In Anbetracht des Vorstehenden kann auf das SMAB-Gutachten abgestellt werden.
4. Der von der Beschwerdeführerin angesprochenen mindestens halben Rente ab
Dezember 2014 aufgrund einer angeblich über einen Zeitraum von 27 Monaten anhaltend
vorliegenden Teilarbeitsfähigkeit von 50% hielt die IV-Stelle zu Recht entgegen, dass eine
langdauernde und invalidisierende gesundheitliche Einschränkung vorliegend mit der im
SMAB-Gutachten thematisierten mittelgradigen depressiven Episode zu keinem Zeitpunkt
ausgewiesen war, da mit Blick auf die zum Zeitpunkt der Vernehmlassung und auch der
Urteilsfällung (noch) gültige Gerichtspraxis rezidivierende oder episodische depressive
Störungen von leichter bis mittelgradiger Ausprägung einzig dann als invalidisierende
Krankheit in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (BGE 140 V
93 E. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_131/2016 vom 14. Juli 2016 E. 5.3.1,
9C_275/2016 vom 19. August 2016 E. 4.3.2). Davon kann vorliegend mangels Bereitschaft
zu einer wenigstens teilstationären Therapie und den lediglich in einem einmonatigen
Intervall erfolgenden Psychotherapiesitzungen bei Dr. F_ aber keine Rede sein. Auch die
aus rheumatologischen Gründen von Oktober 2015 bis Februar 2016 attestierte
Arbeitsunfähigkeit kann mangels einer vorher einjährigen durchschnittlichen
Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40% ohne wesentlichen Unterbruch von wenigstens
dreissig Tagen (Urteil des Bundesgerichts 9C_317/2016 vom 25. August 2016 E. 3; Art. 28
Abs. 1 lit. b IVG) zu keiner befristeten Rente führen.
Seite 12
5. Was schliesslich den von der Beschwerdeführerin thematisierten Widerruf der vorliegend
angefochtenen Verfügung wegen des Auftretens von neuen gesundheitlichen Beschwerden
nur einen Tag nach deren Erlass anbelangt, so steht es im Ermessen der
Invalidenversicherung, die Verfügung zu widerrufen und den Gesundheitszustand
zusätzlich abzuklären oder aber - wie es hier geschehen ist - die Versicherte auf den Weg
einer Neuanmeldung zu verweisen.
6. 6.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Vorliegend
erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- zulasten der unterliegenden Beschwerde-
führerin als angemessen, unter Verrechnung mit dem von ihr einbezahlten
Kostenvorschuss.
6.2
Es sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen, da die Beschwerdeführerin unterliegt
(Art. 61 lit. g ATSG e contrario) und da die obsiegende Vorinstanz eine staatliche
Einrichtung ist (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art. 61 N 200).
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