Decision ID: 8e0ec35b-56ee-418b-a563-f3b19c309221
Year: 2021
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958, war
ab
März 1989 bei der
Y._
AG angestellt und
im Rahmen dieser Anstellung
bei der BVG-Sammelstiftung Swiss Life berufsvorsorgeversichert (
Urk. 1 S. 3
Rn
3,
Urk. 2/1.13
,
Urk. 13 S. 3
Rn
III.1.
, Urk. 14/1
).
Am 7. März 2000 erlitt der Versicherte einen Unfall, als er sich einen Finger einklemmte. Die Suva erbrachte daraufhin die gesetzlichen Leistungen, sprach dem Versicherten eine Integritätsentschädigung von 5 % zu und verneint
e
einen Rentenanspruch
mit Verfügung vom 22. August 2001
(Urk. 17 S. 370 f.
). Die IV-Stelle
lehnte einen Anspruch auf eine Invali
denrente mit Verfügung vom
31. Dezember 2001
ab (
Invaliditätsgrad: 25 %;
Urk.
17 S. 263
).
N
ach dem Unfall
arbeitete der Versicherte
weiterhin bei der
Y._
AG,
fortan im 75 %-Pensum (
Urk. 1 S. 6
Rn
17
, Urk. 17 S. 263
). Am 26. Mai 2004 zog sich der Versicherte bei einem
weiteren
Unfall eine Fraktur des
rechten
Schlüsselbeins zu
(Urk. 17 S. 366-368
, vgl. Polizeirapport vom 1. Juni 2004 [Urk. 17 S. 517 ff.]
)
. Die Suva erbrachte darauf
hin
bis
am 8.
November
2005
(Taggelder) beziehungsweise bis am 23. November 2005 (Heilkosten)
die gesetzlichen
Leistungen
(Urk. 2/2.1, Urk. 2/2.3). Die
Y._
AG kündigte das Arbeitsverhältnis per 28. Februar 200
6.
Das
Vorsorgeverhältnis
mit
der BVG-Sammelstiftung Swiss Life
wurde
rückwirkend per 28. Februar 2006 aufgehoben (Urk. 2/1.8, Urk. 2/2.6).
Nachdem die IV-Stelle
nach Neuanmeldung vom 2
6.
April 2005 (
Urk.
17 S. 255)
beim
Z._
ein polydisziplinäres Gutachten (Allge
meine Innere Medizin, Orthopädie, Psychiatrie) eingeholt hatte (Gutachten vom 21. April 2009 [Urk. 2/3.4]), sprach sie dem Versicherten mit Verfügung vom 5. März 2010 eine vom 1. Mai bis am 30. November 2005 befristete ganze Rente der Invalidenversicherung zu
und verneinte einen weitergehenden Rentenan
spruch
(Urk. 2/2.4).
Von
April 2006 bis März 2007
(Urk. 2/2.6, Urk. 11/2 [Vermittlungsgrad
unbe
kannt
]) sowie von Oktober 2009 bis Oktober 2010 (Urk. 2/2.6, Urk. 11/1 [Ver
mittlungsgrad: 50 %])
bezog der Versicherte Taggelder der Arbeitslosenversi
cherung und war währenddessen bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG berufsvorsorgeversichert (Urk. 10 S.
2
Rn
II.a.1
).
Vom 1. November 2010 bis
am 30.
November 2013 war der Kläger bei der
A._
GmbH im 50 %-Pensum ange
stellt (Urk. 1 S. 3
Rn
5, Urk. 2/2.5, Urk. 2/2.7-2.8, Urk. 17 S. 1'263 f
.
und S. 1'271) und im Rahmen dieser Anstellung
ab
1.
Januar 2012
erneut bei der
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
berufsvorsorgeversichert (Urk. 2/1.4-1.5
, 2/1.8, 2/1.13
, Urk. 13 S. 3
Rn
III.1).
Am 15. März 2013 erlitt der Versicherte einen Ver
kehrsunfall
(vgl. Polizeirapport vom 26. April 2013 [Urk. 17 S. 1'154 ff.])
, worauf
hin die Suva bis am 31. Januar 2014 die
gesetzlichen
Heilkosten- und Taggeld
leistungen ausrichtete
(Urk. 2
/2.
9
, vgl. Urk. 2/2.10
).
Nachdem die IV-
Stelle
nach Stellung eines Revisionsbegehrens durch den Versicherten am 2
6.
Mai 2014 (
Urk.
17 S. 716)
bei der
B._
ein polydisziplinäres Gutachten
(Psychiatrie, Rheumatologie, Neurologie)
eingeholt hatte (Gutachten vom 10. Juli 2017 [Urk. 2/3.11])
,
sprach sie dem Versicherten m
it Verfügung vom 10. April 2018 ab dem 1.
November
2014
eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung zu (
Invaliditätsgrad: 65 %;
Urk.
2/2.11
).
Daraufhin stellte der Versicherte sowohl gegenüber der BVG-Sammelstiftung Swiss Life als auch gegenüber der Stiftung Auffangeinr
ichtung BVG ein Leis
tungsgesuch.
Während die BVG-Sammelstiftung Swiss Life eine Leistungspflicht mit Schreiben vom 20. Mai 2019 verneinte
(Urk. 2/1.8)
,
teilte d
ie Stiftung Auf
fangeinrichtung BVG
dem Versicherten mit Schreiben vom 4. Februar und vom 17. März 2020 mit, dass sie einen Anspruch auf Invalidenleistungen prüfe
(
Urk. 2/1.11, Urk. 2/1.14).
2.
Am 6. Juli 2020 erhob
X._
beim hiesigen Gericht Klage und beantragte, es seien die Swiss Life
AG
, eventuell die Stiftung Auffangeinrichtung BVG, subeventuell die Beklagten je einzeln zu verpflichten, ihm mit Wirkung ab dem 1. April 2006, eventuell später, eine ganze Invalidenrente gemäss BVG basierend auf der versicherten Jahresrente nebst Zins zu 5 % für die jeweiligen
Renten
betreffnisse
seit deren Fälligkeit (1. Tag des Folgemonats), eventuell bei mittlerem Verfall (Hälfte des Zeitraumes der Fälligkeit des ersten
Rentenbetreffnisses
bis zum Urteilszeitpunkt), zu bezahlen. Ferner beantragte der Kläger, es sei ihm nach Abschluss des Beweisverfahrens die Möglichkeit einzuräumen, die Höhe der ein
geklagten Invalidenrente in betragsmässiger Hinsicht zu beziffern. In prozessu
aler Hinsicht beantragte
er
die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsvertretung
(Urk. 1 S. 2).
Gestützt auf die der Klage beigelegten Vorsorgeausweise (Urk. 2/1.2-1.5) nahm das Gericht eine formlose Berichtigung der Parteibezeichnung vor und bestimmte – anstelle der eingeklagten Swiss Life AG – die BVG-Sammelstiftung Swiss Life als Beklagte 1,
womit sich diese einverstanden erklärte
(Urk. 1
3 S. 2
Rn
II.2
). Mit Klageantwort vom 7. Oktober 2020
beantragte
die
Stiftung Auffang
einrichtung BVG
die
Abweisung der Klage (Urk. 10).
Die
BVG-Sammelstiftung Swiss Life
schloss
mit Klageantwort vom 13. November 2020
auf
Abweisung der sie
betreffenden Klage (Urk. 13). Mit Verfügung vom 24. November 2020 zog das Gericht die Akten der Invalidenversicherung in Sachen des Klägers bei (Urk. 15). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels (vgl. Urk. 19)
erstattete
der Kläger
am
28. Januar 2021
eine Replik und
änderte
das von ihm gestellte Rechtsbegehren insofern, als er festhielt, er mache nur die Rentenleistungen rückwirkend geltend,
welche innerhalb der 5-jährigen Verjährungsfrist liegen würden
(Urk. 21)
. Mit Eingaben vom 11. Februar 2021 (Urk. 27) und vom 24. Februar 2021 (Urk. 28,
den Parteien wechselseitig
zugestellt mit Verfügung vom 26. Februar 2021 [Urk. 29]) verzichteten
beide
Beklagten darauf, eine Duplik einzureichen.
Mit Ver
fügung vom 21. April 2021 wurde das Gesuch des Klägers um unentgeltliche Rechtsvertretung abgewiesen (Urk. 34).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art.
24 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die berufliche Alters-, Hinterlas
senen- und Invalidenvorsorge (BVG)
hat der Versicherte Anspruch auf eine volle Invalidenrente, wenn er im Sinne der Invalidenversicherung mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn er mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn er mindestens zur Hälfte und auf eine
Viertelsrente
, wenn er mindestens z
u 40 % invalid ist. Gemäss Abs.
1 von Art.
26 BVG gelten für den Beginn des Anspruchs auf Invalidenleistungen sinngemäss die entsprechenden Bestimmun
gen des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (Art.
29
des
Bundes
gesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
). Die Invalidenleistungen nach BVG
werden von derjenigen Vorsorgeeinrichtung geschuldet, welcher die den Anspruch erhebende Person bei Eintritt des versicherten Ereignisses angeschlos
sen war. Im Bereich der obligatorischen beruflichen Vorsorge fällt dieser Zeit
punkt nicht mit dem Eintritt der Invalidität nach IVG, sondern mit dem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit zusammen, deren Ursache zur Inv
alidität geführt hat (vgl. Art.
23 BVG). Auf diese Weise wird dem Umstand Rechnung getragen, dass die versicherte Person meistens erst nach einer längeren Zeit der Arbeitsunfähigkeit (nach einer Wartezeit von eine
m Jahr gemäss Art.
28 Abs.
1
lit
.
b IVG in Verbin
dung mit Art.
26 BVG) invalid wird. Damit nämlich der durch die zweite Säule bezweckte Schutz zum Tragen kommt, muss das Invaliditätsrisiko auch dann gedeckt sein, wenn es rechtlich gesehen erst nach einer langen Krankheit eintritt, während welcher die Person unter Umständen aus dem Arbeitsverhältnis ausge
schieden ist und daher nicht mehr dem
Obligatorium
unterstanden hat (BGE 123 V 262 E. 1b, 121 V 97 E. 2a, 120 V 112 E. 2b, je mit Hinweisen).
1.2
1.2.1
Anspruch auf Invali
denleistungen haben gemäss Art.
23 BVG Personen, die im Sinne der Invalidenversicherung
zu mindestens 40
% invalid sind und bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt h
at, versichert waren. Nach Art.
23 BVG versichertes Ereignis ist einzig der Eintritt der rele
vanten Arbeitsunfähigkeit, unabhängig davon, in welchem Zeitpunkt und in welchem Masse daraus ein Anspruch auf Invalidenleistungen entsteht. Die Ver
sicherteneigenschaft muss nur bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit gegeben sein, dagegen nicht notwendigerweise auch im Zeitpunkt des Eintritts oder der Ver
schlimmerung der Invalidität. Diese wörtliche Auslegung steht in Einklang mit Sinn und Zweck der Bestimmung, nämlich denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern Versicherungsschutz angedeihen zu lassen, welche nach einer längeren Krankheit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden und erst später inval
id werden. Für eine einmal aus –
während der V
ersicherungsdauer aufgetretene –
Arbeitsunfähigkeit geschuldete Invalidenleistung bleibt die Vorsorgeeinrichtung somit leistungspflichtig, selbst wenn sich nach Beendigung des Vorsorgeverhält
nisses der Invaliditätsgrad ändert. Entsprechend bildet denn auch der Wegfall der Versicherteneigensch
aft kein Erlöschungsgrund (Art. 26 Abs.
3 BV
G e
contrario
; BGE 123 V 262 E. 1a, 118 V 35 E.
5).
1.2.2
Für den Eintritt einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 23
lit
. a BVG ist die Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf massgeblich. Sie ist relevant, wenn sie mindestens 20 % beträ
gt – was auch für die Eröffnung
der Wartezeit nach Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG gilt (vgl. BGE 144 V 58 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen). Die Arbeitsunfähigkeit muss sich zudem
auf das Arbeits
ver
hältnis sinnfällig auswirken oder ausgewirkt haben. Es
muss
also
arbeitsrechtlich
in Erscheinung treten, dass die versicherte Person im bisherigen Beruf an Leis
tungsvermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit entsprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitgebers oder durch gehäufte, gesundheitlich bedingte Arbeitsausfälle. Der Zeitpunkt des Eintritts der berufsvorsorgerechtlich relevanten
Arbeitsunfähigkeit muss mit dem
im Sozial
versicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulat
ive Überlegungen ersetzt werden
(Urteil des Bundesgerichts 9C_91/2013 vom 17. Juni 2013 E. 4.1.2 mit Hinweisen).
Der
rechtsgenügliche
Nachweis einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen erfordert jedoch nicht zwingend eine echt
zeitlich ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit. Nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen, wie etwa eine erst nach Jahren rückwirkend fest
gelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit, reichen aber nicht aus (Urteil des Bundesgerichts 9C_61/2014 vom 23. Juli 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
Um der retrospektiven ärztlichen Attestierung der Arbeitsunfähigkeit zu folgen und auf ein echtzeitliches Arztzeugnis verzichten zu können, müssten die nega
tiven Auswirkungen der Krankheit auf die Arbeitsfähigkeit indessen echtzeitlich dokumentiert sein (SZS 2015 S. 469 [Urteil des Bundesgerichts 9C_851/2014 vom 29. Juni 2015]).
1.3
Art.
23 BVG kommt auch die Funktion zu, die Haftung mehrerer Vorsorgeein
richtungen gegeneinander abzugrenzen, wenn eine in ihrer Arbeitsfähigkeit bereits beeinträchtigte versicherte Person ihre Arbeitsstelle (und damit auch die Vorsorgeeinrichtung) wechselt und ihr später eine Rente der Invalidenversiche
rung zugesprochen wird. Der Anspruch au
f Invalidenleistungen nach Art.
23 BVG entsteht in diesem Fall nicht gegenüber der neuen Vorsorgeeinrichtung, sondern gegenüber derjenigen, welcher die Person im Zeitpunkt des Eintritts der invalidi
sierende
n Arbeitsunfähigkeit angehörte.
Damit eine Vorsorgeeinrichtung, der eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer beim Eintritt der Arbeitsunfähigkeit angeschlossen war, für das erst nach Beendigung des Vorsorgeverhältnisses ein
getretene Invaliditätsrisiko aufzukommen hat, ist indes erforderlich, dass zwischen Arbeitsunfähigkeit und Invalidität ein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang
besteht (BGE 130 V 270 E. 4.1).
In sachlicher Hinsicht liegt ein solcher Zusammenhang vor, wenn der der Invalidität zu Grunde liegende Gesund
heitsschaden im Wesentlichen derselbe ist, der zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat.
Sodann setzt die Annahme eines engen zeitlichen Zusammenhangs voraus, dass die versicherte Person nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit nicht während längerer Zeit wieder arbeitsfähig wurde.
Bei der Prüfung dieser Frage sind die gesamten Umstände des konkreten Einzelfalles
zu berücksichtigen
, namentlich die Art des Gesundheitsschadens, dessen prognostische Beurteilung durch den Arzt sowie die Beweggründe, welche die versicherte Person zur Wie
deraufnahme oder Nichtwiederaufnahme der Arbeit veranlasst haben (BGE 134 V 20 E. 3.2). Eine Unterbrechung des zeitlichen Konnexes ist grundsätzlich dann anzunehmen, wenn während mehr als dreier Monate eine Arbeitsfähigkeit von über 80 % in
einer angepassten Erwerbstätigkeit gegeben ist (BGE 144 V 58 E. 4.5), sofern sich eine dauerhafte Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit als objektiv wahrscheinlich darstellt (BGE 134 V 20 E. 3.2.1). Anders verhält es sich, wenn die fragliche, allenfalls mehr als dreimonatige Tätigkeit als Eingliederungs
versuch zu werten ist oder massgeblich auf sozialen Erwägungen des Arbeitgebers beruhte und eine dauerhafte Wiedereingliederung unwahrscheinlich war (BGE
134 V 20 E. 3.2.1; 123 V 262 E. 1c; zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts 9C_271/2020 vom 6. November 2020 E. 2.2).
1.4
Aus der engen Verbindung zwischen dem Recht auf eine Rente der Invaliden
versicherung und demjenigen auf eine Invalidenleistung nach BVG ergibt sich, dass der Invaliditätsbegriff im obligatorischen Bereich der beruflichen Vorsorge und in der Invalidenversicherung grundsätzlich der gleiche ist (BGE 123 V 269 E. 2a, 120 V 106 E. 3c, je mit Hinweisen).
Praxisgemäss sind daher die Vorsorgeeinrichtungen im Bereich der ges
etzlichen Mindestvorsorge (Art.
6 BVG) an die Feststellungen der IV-Organe (Eintritt der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit, Eröffnung der Wartezeit, Festsetzung des Invaliditätsgrades) gebunden, soweit die IV-rechtliche Betrachtung aufgrund einer gesamthaften Prüfung der Akten nicht als offensichtlich unhaltbar erscheint (BGE 126 V 309 E. 1 in
fine
). Diese Konzeption fusst auf der Überlegung, die Organe der (obligatorischen) beruflichen Vorsorge von eigenen aufwändigen Abklä
rungen freizustellen, und gilt nur bezüglich Feststellungen und Beurteilun
gen der IV-Organe, welche im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren für die Festlegung des Anspruchs auf eine Invalidenrente entscheidend waren (BGE 132 V 1 E. 3.2). So hat beispielsweise eine verspätete Anmeldung zum Leistungs
bezug bei der Invalidenversicherung rechtsprechungsgemäss die freie Überprüf
barkeit des leistungserheblichen Sachverhaltes durch die Vorsorgeeinrichtung beziehungsweise das Berufsvorsorgegericht zur Folge (Urteil des Bu
ndesgerichts 9C_49/2010 vom 23.
Februar 2010 E. 2.1).
2.
2.1
Der Kläger führte zur Begründung seiner Klage aus, mit
Blick auf das Gutachten der
B._
vom
10. Juli 2017
zeige sich im Vergleich zum
Z._
-Gutachten vom 21. April 2009, dass der medizinische Sachverhalt
in somatischer Hinsicht
in etwa
gleichgeblieben
sei, beziehungsweise sich leicht verschlechtert habe. Aufgrund der beiden Unfallereignisse aus den Jahren 2000 und 2004 seien
ihm
schwere und mittelschwere Tätigkeiten nur in einem eingeschränkten Ausmass
zumutbar
. Neu würden im Gutachten der
B._
vom
10. Juli 2017
eine rezidivierende depres
sive Störung, aktuell mittelgradig depressive Episode, sowie eine chroni
sche Schmerz
störung mit somatischen und psychischen Faktoren mit Selbstlimi
tation und Symptomausweitung
diagnostiziert
, welche gemäss den Gutachtern bereits im Jahr 2006 beschrieben und bereits durch den behandelnden Psychiater fest
gehalten worden sei.
Zahlreiche
Angaben und Berichte würden auf eine lang
andauernde psy
chische Komorbidität hinweisen.
Erste belegbare Einträge würden seit dem 21. Oktober 2005 bestehen, wobei der Kläger bereits im Jahr 2000 und ab dem Jahr 2003 in psychologischer Behandlung
gestanden habe
.
Gemäss den
Gutachter
n
des
B._
sei
der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit aus psy
chischen Gründen rückwirkend schwierig festzulegen.
Sie hätten den
Zeit
punkt auf die Begutachtung
im
Z._
im Februar 2009 gelegt. Es sei zu vermuten, dass dieser Zeitpunkt gewählt worden sei, weil damals (noch) keine massgebende Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen attestiert worden sei, obwohl bereits Befunde und Diagnosen festgehalten worden seien. Damals habe offensichtlich die somatische Beschwerdeproblematik dominiert
.
Stelle man auf die erstmalig aufgetretenen Störungen in somatischer und psychischer Hinsicht der Jahre 2000, 2003 und ab dem Jahr 2005 als den «ersten Schritt» in die Invalidität ab, so sei die Beklagte 1 leistungspflichtig, da das Vorsorgeverhältnis bei
ihr Ende März 2006 geendet habe.
Lege man den «letzten» Schritt in die Invalidität ab
Eintritt
der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit fest, so sei das dritte Unfallereignis vom 15. März 2013 massgebend. Dafür spreche insbesondere der Umstand, dass im
B._
-Gutachten und im psychiatrischen Teil
gutach
t
en festgehalten werde, dass sich die körperlichen und psychischen Symp
tome ab dem Unfallereignis vom 15. März 2013 verstärkt hätten. Entsprechend sei der Kläger seit dem Unfallereignis vom 15. März 2013 bis heute auch keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgegangen. Denkbar sei auch, dass der massgebende Zeitpunkt in die Zeit während der Arbeitslosigkeit des Klägers falle. Dagegen spreche allerdings die Tatsache, dass die ersten körperlichen und psychischen Symptome vor der Arbeitslosigkeit, das heisse vor dem 1. März 2006, aufgetreten seien. Der Kläger sei jedoch bis zum dritten Unfall vom 15. März 2013 in einem Teilzeitpensum erwerbstätig gewesen
.
Der Kläger vertrete
– andere Erkenntnisse aus dem beantragten Gerichtsgutachten
vorbehalten –
die Auffassung, dass er seit dem Jahr 2004 nie wieder voll arbeitsfähig gewesen sei und zu diesem Zeit
punkt bereits Komorbiditäten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in soma
tischer und psychischer Hinsicht aktenkundig gewesen seien. Der Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, welche zur Invalidität geführt habe, sei spätestens per Ende März 2006 zu sehen, also noch während der Vorsorgedeckung bei der Beklagten 1 (Urk. 1 S.
15 ff.
, vgl. auch Urk. 21
).
2.2
Die Beklagte 2
hielt in ihrer Klageantwort fest
,
d
ie für die berufliche Vorsorge relevante Arbeitsunfähigkeit sei bereits mit dem ersten Unfall im Jahr 2000 ein
getreten.
Der zweite Unfall im Jahr 2004 habe eine weitere Verschlechterung des Gesundheitszustandes zur Folge gehabt, wobei der Kläger seit diesem Unfall an chronischen Schulter- und Nackenschmerzen leide. Im Februar 2006 sei schliess
lich das Arbeitsverhältnis durch die Kündigung des Arbeitgebers aufgelöst worden, weshalb sich der Kläger bei der Arbeitslosenversicherung angemeldet habe. Der genaue Vermittlungsgrad für den erstmaligen Taggeldbezug könne nicht mehr eruiert werden, da die Arbeitslosenkassen ihre Akten nach zehn Jahren vernichte
te
n. Aufgrund des zuletzt ausgeübten Pensums von 75 %
sowie
einem Hinweis im Arztbericht vom 22. Dezember 2006 («50 % RAV») und auf
grund der körperlichen Einschränkungen nach den Unfällen in den Jahren 2000 und 2004 sei jedoch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Vermittlungsgrad bei maximal 75 % gelegen habe.
B
ereits damals
habe
ein psychischer Gesundheitsschaden vorgelegen. Aus den Akten sei bekannt, dass der Kläger ab dem Jahr 2003 regelmässig in psychiatrischer Behandlung gestan
den habe, davon zweimal stationär. Gemäss Arztbericht vom 21. Oktober 2005 habe bereits zum Zeitpunkt des 2. Unfalls eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus psychischen Gründen bestanden.
Mit dem Taggeldbezug sei der zeitliche Konnex nicht unterbrochen worden.
So
würden
– zusätzlich zum anzunehmenden Ver
mittlungsgrad von 75 % –
Berichte vorliegen, welche die bestehenden Einschrän
kungen auch während des Taggeldbezuges bestätigten. Auch der sachliche Konnex sei zu bejahen, da bereits nach dem ersten Unfall psychische und kör
perliche Einschränkungen best
a
nden hätten, welche schlussendlich zu einer
Renten
zusprache
geführt hätten.
Abschliessend
sei festzuhalten, dass die rele
vante Arbeitsunfähigkeit bereits vor der Versicherungszeit bei der Beklagten 2 eingetreten sei. Der zeitliche Konnex sei seit
deren
Eintritt nicht unterbrochen worden und
auch
der sachliche Konnex
sei
gegeben. Folglich sei die Beklagte 2 nicht für die Leistungsausrichtung zuständig. Selbst wenn man
gemäss Verfü
gung der IV-Stelle
von einem Eintritt der Arbeitsunfähigkeit im April 2009 aus
ginge, wäre die Beklagte 2 nicht für die Leistungsausrichtung zuständig, da auch zu diesem Zeitpunkt keine Taggelder der Arbeitslosenversicherung bezogen worden seien und entsprechend kein Versicherungsschutz bestanden habe
(Urk. 10 S. 7 ff.).
2.3
Die Beklagte 1
führte demgegenüber aus,
gemäss
dem Gutachten des
Z._
vom 21. April 2009 sei der Kläger
gesamthaft (somatisch und psychiatrisch)
seit Mitte 2008 in seiner ursprünglichen Tätigkeit als Steinbruchmitarbeiter adaptiert normal arbeitsfähig
gewesen
. Die IV-Stelle habe festgestellt, dass danach eine volle Arbeitsfähigkeit in angestammter und alternativer Tätigkeit bestanden habe, weshalb ab diesem Zeitpunkt keine Invalidität mehr bestehe. Demnach sei aber die zeitliche
Konnexität
zu einer allenfalls früher bestehenden Arbeitsunfähigkeit unterbrochen worden. Die Beklagte 1 sei somit aus dem bei der
Y._
AG bestehenden Anschlussvertrag für die von der Invalidenversiche
rung ab dem 1. November 2014 anerkannte 65%ige Invalidität nicht leistungs
pflichtig.
Ebenso
wenig
sei die Beklagte 1 aus
dem Anschlussvertrag mit der
A._
GmbH leistungspflichtig, würden doch sowohl das
B._
-Gutachten als auch der rechtskräftige IV-Entscheid festhalten, dass die erneute Arbeitsunfähig
keit, aufgrund welcher der Kläger per 1. November 201
4 Anspruch auf eine
Drei
viertelsrente
der Invalidenversicherung
habe, im Mai 2009 (und somit lange vor Eintritt in das Vorsorgewerk der
A._
GmbH) eingetreten sei. Zudem sei das Arbeitsverhältnis aus gesundheitlichen Gründen auf eine Tätigkeit im
50 %-Pensum beschränkt gewesen
(Urk. 13 S. 7 f
.).
3.
3.1
In ihrem polydisziplinären
Gutachte
n
vom 21. April 2009
stellten die Gutachter
des
Z._
folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 2/3.4
S. 32
)
:
-
Cervicocephales
und
cervikospondylogenes
Syndrom rechts
-
Chronisches Schmerzsyndrom der rechten Schulter
-
Status nach
C
lavikulafraktur
rechts Mai 2004
-
Schmerzsyndrom des rechten Zeigefingers
Daneben stellten die Gutachter folgende Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit (Urk. 2/3.4 S. 32):
-
Anamnestisch Status nach
Periarthropathie
der linken Schulter
-
Anamnestisch Status nach lateraler
Epicondylitis
links
-
Status nach
Nephrolithiasis
mit Nierenkolik 2006
-
Angst- und depressive Störung gemischt
-
Akzentuierte (asthenische) Persönlichkeitszüge
Im somatischen Bereich bestehe beim Kläger ein Zustand nach
Claviculafraktur
rechts mit
endgradig
eingeschränkter Beweglichkeit der rechten Schulter. Unter anderem sei die Elevation des rechten Armes eingeschränkt. Darüber hinaus bestehe im Nacken-/Schulterbereich ein
cervicocephales
und
cervikospondylo
genes
Syndrom rechts. Wegen der Problematik an der rechten Schulter wie auch im Nackenbereich seien dem Kläger keine körperlich schweren Arbeiten wie auch keine Überkopfarbeiten zuzumuten. Als zweites Problem bestehe ein Zustand nach Quetschverletzung des rechten Zeigefingers. Hier bestehe eine
residuelle
Steife am proximalen und distalen
interphalangialen
Gelenk, die durch eine volare Narbenkontraktur verursacht werde. Der Kläger sei diesbezüglich weniger eingeschränkt, es seien ihm jedoch keine feinen manuellen Tätigkeiten zuzu
muten, darüber hinaus sei ihm das Arbeiten mit gefährlichen Maschinen wegen Gefahr des Hängenbleibens ebenfalls nicht zuzumuten. Im weiteren somatischen Bereich
seien beim Kläger keine Erkrankungen festgestellt worden, die mit seiner Arbeitsfähig
keit interferierten (Urk. 2/3.4
S. 33 f.).
Im psychiatrischen Bereich sei eine Angst- und depressive Störung gemischt zu bestätigen. Ferner würden akzentuierte asthenische Persönlichkeitszüge diagnos
tiziert. Der Schweregrad der ängstlichen und depressiven Symptomatik sei als leichtgradig zu beurteilen. Gegenüber dem Ber
icht aus dem Zentrum
C._
vom 22. Dezember 2006 lasse sich eine deutliche Besserung der Beschwerden erkennen. Ein Vergleich mit den Erkrankungen, welche im Bericht von Dr.
D._
vom 12. Februar 2007 aufgeführt würden, lasse sich nicht
vornehmen
, da der behandelnde Psychiater keine Befunde beschreibe. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung habe nicht diagnostiziert werden können. Zusammengefasst könne gesagt werden, dass die Arbeitsfähigkeit des Klägers aus psychiatrischer Sicht zurzeit als nicht eingeschränkt zu betrachten sei
. Wohl müsse man bemerken, dass der Kläger einen weitgehend passiven Lebensstil führe und dass er aus seinen Leiden beziehungsweise seiner Haltung einen ausgeprägten sekun
dären Kr
ankheitsgewinn zu ziehen scheine
,
indem
er von den Angehörigen geschont und unterstützt und dabei in seiner Krankenrolle lediglich bestätigt und fixiert werde. Als Steinbruchmitarbeiter wäre der Kläger arbeitsfähig, wenn er keine körperlich schweren Arbeiten und keine Überkopfarbeiten verrichten müsste und auch nicht mit gefährlichen Maschinen zu tun hätte. In einer solchen adaptierten Tätigkeit werde der Kläger als normal arbeitsfähig erachtet. Diese Beurteilung gelte seit Mitte 200
8.
In einer dem Leiden angepassten Tätigkeit, welche die oben erwähnten Voraussetzungen erfülle, sei der Kläger ebenfalls voll arbeitsfähig.
Aufgrund des schwierigen Verlaufes sei die Prognose als un
gewiss zu beurteilen (Urk. 2/3.4 S. 34 f.).
3.2
Im
Gutachten
der
B._
vom 10. Juli 2017
wurden folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
(Urk. 2/3.11
S. 10
)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradig depressive Epi
sode (ICD-10 F32.1)
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren mit Selbstlimitation und Symptomausweitung (ICD-10 F45.41)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge (ängstlich-vermeidend; ICD-10 Z73.0)
-
Chronisches Schmerzsyndrom der r
echten Schulter (ICD-10 M53.93)
-
Chronisches Schmerzsyndrom des rechten Zeigefingers (ICD-10 T14.7)
Daneben wurden folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 2/3.11 S. 10):
-
Chronisches
Zervikalsyndrom
-
Lumbago (ICD-10 M54.5)
-
Atypische Gesichts- und Halsschmerzen
-
Hyperästhetische Knochenentnahmestelle am Beckenkamm rechts
-
Hämangiom im HWK 4
-
Nikotinabusus
-
Status nach
Ureterolithiasis
rechts Mai 2006
-
Status nach Ulcus
duodeni
April 2008
Als hauptsächliche und entscheidende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit bestehe eine rezidivierende depressive Störung, welche aktuell mittel
gradig ausgeprägt sei
. Gekennzeichnet sei diese Störung dadurch, dass der Affekt des Klägers deutlich depressiv verstimmt und die emotionale Schwingungsfähig
keit erheblich reduziert seien. Es würden wiederholte Affekteinbrüche
be
stehen, der Kläger schildere eine Antriebsstörung, Energielosigkeit, einen Interessenver
lust und
manifeste Schlafstörungen. Die
depressive Störung bestehe bereits seit vielen Jahren, erstmals akte
nmässig festgehalten durch Dr. m
ed
.
E._
in einem Bericht vom 22. Dezember 2006, damals ebenfalls mittelgradig ausgeprägt. In der Folge habe sich, wie bei Depressionen häufig, ein wechselhafter Verlauf gezeigt, wobei gemäss behandelndem Psychiater meistens mittelschwere bis schwere depressive Phasen zu konstatieren gewesen seien. Einzig zum Zeitpunkt der Begutachtung im April 2009 im
Z._
habe lediglich eine Angst und depressive Störung gemischt bestanden, weswegen damals keine psychische Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden sei. Aktuell bestehe aber eine mittelgradig depressive Episode, der psychische Zustand des Klägers habe sich seit der Erstbegutachtung im Jahr 2009 somit verschlechtert, möglicherweise bedingt durch den erneuten Unfall im Jahr 201
3.
Daneben bestehe eine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren mit deutlicher Selbstlimitation und Symptomausweitung. Wohl würden organisch nachweisbare Veränderungen am Bewegungsapparat bestehen, welche zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führten. Zu nennen seien das chro
nische Schmerzsyndrom der rechten Schulter bei nicht korrekt
er
und achsen
gerechter Verheilung der osteosynthetisch behandelten Clavicula-Fraktur, welche zu einer nachweisbaren Einschränkung der Beweglichkeit führe und auch die Schmerzen zumindest teilweise erkläre. Dies führe insbesondere zu einer Ein
schränkung der qualitativen Arbeitsfähigkeit.
Im
Weiteren
sei die narbige Beuge
kontraktur des rechten Zeigefingers objektiv nachweisbar; auch hier könnten die Beschwerden zumindest teilweise somatisch erklärt werden. Insgesamt sei aber fest
zuhalten, dass eine deutliche Diskrepanz zwischen den organischen Befunden und den vom Kläger beklagten Beschwerden sowie den Einschränkungen im Tagesablauf und seiner eigenen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit bestünde. Auf der anderen Seite müsse aber festgehalten werden, dass die Symptome einer mittel
gradig depressiven Störung vorhanden seien und somit trotz der chroni
schen Schmerzstörung und der Selbstlimitation und Symptomausweitung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht bestehe.
Aufgrund der Symptome und Beschwerden bei mittelgradig depressiver Episode würden Einschränkungen im Hinblick auf die Leistungsfähigkeit
bestehen
; insbesondere die Durchhaltefähigkeit, die Ein- und Umstellfähigkeit sowie die Frustrations
toleranz seien eingeschränkt. Auch die Belastbarkeit und die Selbstbehauptungs
fähigkeit seien
im mittleren Grad beeinträchtigt. Aufgrund der Schulterbeschwer
den rechts seien dem Kläger kein repetitives Heben von grösseren Lasten als 5 kg und auch Überkopfarbeiten nicht mehr möglich. Körperlich schwere
und mittel
schwere Tätigkeiten, wie sie als Maschinist im Steinbruch notwendig gewesen seien, seien nicht mehr möglich. Aufgrund der Narbenbeugekontraktur des Zeige
fingers rechts sei es ihm auch nicht möglich, feinmotorische Arbeiten durchzu
führen (Urk. 2/3.11 S. 12 f.).
Bezüglich der bereits zum Zeitpunkt der
Zusprache
der befristeten Rente von Mai
bis November 2005
vorhandenen Schulter- und Zeigefingerprobleme rechts würden sich keine neuen Befunde und Beschwerden finden. Auch gemäss dem Hausarzt seien d
iese in etwa gleich wie im Jahr
200
9.
Neu müsse aber eine mittel
gradige depressive Episode diagnostiziert werden, weswegen sich der Gesamt
zustand insgesamt verschlechtert habe.
Hinsichtlich
des Verlaufs der Arbeitsfä
higkeit müsse festgehalten werden, dass bereits seit dem Jahr 2006 durch den behandelnden Psychiater immer wieder von einer mittelgradigen bis manchmal sogar schweren depressiven Episode berichtet werde, weswegen seit dieser Zeit die Arbeitsfähigkeit in unterschiedlichem Ausmass beeinträchtigt gewesen sein dürfte
. Es sei retrospektiv aber nicht genau zu eruieren
,
wann welche Arbeitsfä
higkeit beziehungsweise welcher Schweregrad der Depression bestanden habe. Zum aktuellen Zeitpunkt bestehe für
die
zuletzt
ausgeübte
leichte körperliche Tätigkeit im Geschäft seiner Söhne eine 50%ige Arbeitsfähigkeit. Aus somatischer Sicht könnte diese körperlich leichte Tätigkeit vollschichtig durchgeführt werden. Die bis zum Jahr 2004 durchgeführte Tätigkeit als Maschinist
s
cheine aber nicht mehr möglich zu sein, insbesondere wegen der Schulterproblematik rechts, wes
wegen Heben von schweren Lasten über 5 kg und Überkopfarbeiten nicht mehr möglich seien. Diese Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gelte seit dem psychi
at
rischen Gutachten vom 15. Mai 201
7.
Optimal angepasste Tätigkeiten sollten Tätig
keiten mit klarer Aufgabenstellung, ohne zu hohe kognitive Anforderungen, ohne zu hohe Anforderungen an körperliche Fähigkeiten und ohne zu hohe Anforde
rungen an kreative Fertigkeiten sowie
ohne Konflikte mit dem Arbeit
geber sein. Es sollte auch die Möglichkeit bestehen, sich zurückzuziehen und regelmässig Pausen einzulegen. Aus rheumatologisch-neurologischer Sicht sollte es sich nicht um körperlich schwere sowie Tätigkeiten mit Überkopfarbeiten handeln
. Es sollte sich um eine wechselbelastende, körperlich leichte Tätigkeit handeln. In einer solchen ideal adaptierten Tätigkeit bestehe zum heutigen Zeit
punkt eine 50%ige Arbeitsfähigkeit, dies wiederum aus psychiatrischen Gründen.
Die Prognose sei insgesamt schlecht. Als negative prognostische Faktoren seien die mangelnde Motivation des Klägers hinsichtlich einer Wiedereingliederung und d
ie Selbstlimitierung zu nennen (Urk. 2/3.11 S.
14-
16).
4.
4.1
Umstritten und zu klären ist der
Zeitpunkt des Eintritts der invalidisierenden Arbeitsunfähigkeit
. Diesbezüglich
stellt sich vorab die Frage der
Bindungswir
kung
der Verfügung
der IV-Stelle
vom 10. April 2018
(E.
1.4). Darin
setzte
die IV-Stelle
den
Beginn der Arbeitsunfähigkeit
auf
Mai 2009
fest
(Urk. 2/2.11 Begründung S. 1). Die erst am 28. Mai 2014
bei der IV-Stelle eingegangene (vgl. Urk. 17 S. 727)
Neuanmeldung des Klägers
(Urk. 17 S. 716 f.)
erweist sich dem
nach als verspätet, da trotz abgelaufenem Wartejahr ein Anspruch auf eine Inva
lidenrente fr
ühestens ab dem 1. November 2014
entstehen konnte (vgl. Art. 29 Abs. 1 IVG). Damit bestand für die IV-Stelle keine Notwendigkeit dafür
,
abzu
klären,
ob bereits vor November 2013
eine Arbeitsunfähigkeit bestanden hatte
.
Eine Bindungswirkung bezüglich des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit ist daher zu verneinen
,
und die Anspruchsvoraussetzungen für Leistungen der beruflichen Vorsorge sind frei überprüfbar.
4.2
Mit Blick auf das
polydisziplinäre
Gutachten des
Z._
vom 21. April 2009 ergibt sich, dass beim Kläger seit Mitte des Jahres 2008 eine uneingeschränkte Leis
tungsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit
(keine körperlich schweren Arbei
ten, keine Überkopfarbeiten, keine Arbeit mit gefährlichen Maschinen)
bestand (E. 3.1).
Angesichts der gutachterlich erhobenen objektiven Befunde (Urk. 2/3.4 S. 18-31) erweist sich d
iese Einschätzung
als schlüssig.
B
ei ihrer Beurteilung
berücksichtigten die Gutachter
auch die relevanten Vorberichte (Urk. 2/3.4 S. 2
12) und legten nachvollziehbar dar, inwiefern sich
beim Kläger
im Vergleich dazu eine Zustandsverbesserung ergeben hatte (Urk. 2/3.4 S.
30, S. 34
, vgl. Bericht Medizinisches Zentrum
C._
vom 22. Dezember 2006 [Urk. 17 S. 149-151]
), respektive weshalb auf die
abweichende
Beurteilung von Dr.
D._
(Bericht vom 12. Februar 2007 [Urk. 17 S. 161-162]) nicht abgestellt werden könne (Urk. 2/3.4 S. 29-31, S. 34). Auch den weiteren
zeitnah zum Gutachten erstatteten Berichten
lassen sich keine objektiven Befunde entnehmen, welche der gutachterlichen Ein
schätzung einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit in einer körperlich angepass
ten Tätigkeit
von Mitte 2008
zumindest
bis zur Erstattung des
Gutachtens
am
21. April 2009
entgegenstehen (
vgl. insbesondere:
Austritts
bericht Ka
n
to
n
sspital
F._
vom 5. September 2008 [Urk. 17 S. 131-133],
Bericht
e
des
Zentrums G._
vom 26. Mai 2008 [Urk. 17 S. 144-147]
und vom 1. Februar 2008 [Urk. 17 S. 207-210]
, letzterer
mit Verweis auf
den
Austritts
bericht der Rehaklinik
H._
vom 11. November 2005 [Urk. 17 S. 603-605]
)
.
Eine uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätig
keit von Mitte 2008 bis
am
21. April 2009 wurde
auch von den Gutachtern des
B._
im Rahmen ihrer Verlaufsbeurteilung
nicht in Zweifel gezogen (E. 3.2).
Gestützt auf die medizinischen Akten
ist damit erstellt, dass der Kläger von Mitte 2008 bis zumindest am 21. April 2009 in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig war. Dies führt rechtsprechungsgemäss zur Unterbrechung des zeitlichen Zusammenhangs zwischen der
nach April 2009
eingetreten
en
I
nvali
dität und einer
allenfalls vor Mitte 2008
bestehenden
Arbeitsunfähigkeit
(E. 1.3)
.
Eine Leistungspflicht der Beklagten 1 und 2 für eine vor April 2009 eingetretene Arbeitsunfähigkeit ist dem
entsprechend
zu verneinen.
4.3
V
on Oktober 2009 bis Oktober 2010
bezog der Kläger
bei einem Vermittlungsgrad von 50 % Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Urk.
2/2.6, Urk. 11/1
). Arztbe
richte aus dieser Zeit sind nicht aktenkundig
(vgl.
insbesondere die
Akten der Invalidenversicherung [Urk. 17, Aktenverzeichnis S. 1’399-1’403]
,
die
Akten
zusammenfassung
im
B._
-Gutachten
[Urk. 2/3.11 S. 19-27]
sowie die
Auflis
tung der
vom Kläger zitierte
n
Berichte [Urk.
1 S. 11
Rn
33]
)
.
E
ine
von Oktober 2009 bis Oktober 2010
bestehende Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 %
(vgl. E. 1.2.2)
wurde
dem Kläger
auch von den Gutachtern des
B._
nicht
konkret
attestiert.
Sie
hielten fest, der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit könne nicht genau bestimmt werden, es sei aber möglich, dass die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes auf den Unfall vom 15. März 2013 zurückzuführen sei (E. 3.2).
Soweit die behandelnden Ärzte
Dr.
I._
und Dr.
D._
in ihren Berichten aus den Jahren 2013 und 2014
ausführten
, beim Kläger bestehe seit
dem Unfall aus dem Jahr 2004 (Urk. 17 S. 966), beziehungsweise «seit Jahren» (Urk. 17 S. 1'229)
,
respektive «seit längerer Zeit» (Urk. 17 S. 720), eine Arbeitsun
fähigkeit von 75 %
bis
100
%
,
kann dem nur schon mit Blick auf die von Mitte 2008 bis April 2009 bestehende vollumfängliche Arbeitsfähigkeit (
vgl.
E. 4.2) nicht gefolgt werden.
D
iese Einschätzung
erweist sich auch deshalb
nicht als ver
lässlich, weil sie
unberücksichtigt
lässt
, dass der Kläger
vom
1. November 2010 bis zum Unfall vom 15. März 2013 in einem 50 %-Pensum
erwerbs
tätig war
(dazu nachfolgend E. 4.4)
und der dafür entrichtete Lohn von
monatlich
Fr. 3'000.-- gemäss Auskunft der Arbeitgeberin der erbrachten Arbeitsleistung entsprach (Urk. 17 S. 1'264)
.
M
angels
ausgewiesener Arbeitsunfähigkeit
von Oktober 2009 bis Oktober 2010
ist
daher
davon auszugehen, dass der Vermittlungsgrad
von 50 %
nicht die dazumal bestehende Arbeitsfähigkeit im objektiven Sinn, sondern lediglich
die subjektive Vermittlungsbereitschaft des Klägers widerspiegelt
(vgl. BGE 146 V 210 E. 3.1)
.
D
er Eintritt einer berufsvorsorgerechtlich relevanten Arbeitsunfähigkeit zwischen Oktober 2009 und Oktober 2010
ist demnach
nicht
mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit
erstellt und
e
ine Leistungspflicht der Beklagten 2
damit
insgesamt (vgl. auch davor E. 4.2)
zu verneinen
.
4.4
Von
November 2010 bis
November
2013
war
der Kläger bei der
A._
GmbH
in einem
50 %-Pensum
angestellt (Urk. 1 S. 3
Rn
5, Urk. 17 S.
1'263 f
.
und S.
1'
271)
und
währenddessen
bei der
Beklagten
1 berufsvorsorgeversichert (Urk. 2/1.4-1.5, Urk. 13 S. 3
Rn
III.1)
.
I
m Unterschie
d zur Invalidenversicherung besteht im Rahmen der beruflichen Vorsorge ein Leistungsanspruch nur insoweit, als –
bei Beginn
der für die Entste
hung der Invalidität relevanten Arbeitsunfähigkeit – eine entsprechende Versi
cherungsdeckung vorhanden ist.
Deren Umfang bemisst sich nach dem Beschäf
tigungsgrad bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit, deren Ursache zur Invalidität geführt hat, unter Berücksichtigung einer allfälligen vorbestandenen gesundheit
lich bedingten Arbeitsunfähigkeit. Versah die versicherte Person ein Teilzeitpen
sum, besteht kein Anspruch auf Leistungen, wenn und jedenfalls solange sie trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung im bisherigen Umfang weiterarbeiten kann oder könnte. Das Risiko Invalidität hat sich
diesfalls
lediglich in dem berufsvor
sorgerechtlich nicht versicherten Anteil einer Vollzeitbeschä
ftigung (100
%-Beschäftigungsgrad) verwirklicht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_25/2018 vom 12. März 2018 E. 3.1, vgl. auch BGE 144 V 72 E. 4.2, je mit Hinweisen).
F
ür ein den Beschäftigungsgrad von 50 % übersteigendes Arbeitspensum
war der Kläger während seiner Anstellung bei der
A._
GmbH
nicht versichert, weil für diesen Teil der Erwerbsfähigkeit kein Arbeits- und Versicherungsverhältnis bestanden hat. Eine Versicherungsdeckung besteht daher einzig im Rahmen eines Pensums von 50 % und nicht für eine vollzeitliche Beschäftigung. Aufgrund der
fehlenden Versicherteneigenschaft kann damit ein Leistungsanspruch aus
schliess
lich mit Bezug auf die Einschränkung im versicherten Teil
zeit
pensum ent
stehen. Dass
der Kläger
invalidenversicherungsrechtlich als im Gesundheitsfall vollzeitlich erwerbstätig qualifiziert wurde (Urk. 17 S. 1'389
f.
)
, ist daher berufs
vorsorgerechtlich nicht von Relevanz.
Das
Gutachten der
B._
vom 10.
Juli 2017
wurde von der IV-Stelle
zu Recht als beweis
wertig
erachtet. Auch der Kläger erhob gegenüber der
darin enthaltene
n
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
keine Einwände
. Gestützt auf das betreffende Gutachten
ist
dem Kläger
die bis zum Unfall vom 15. März 2013 ausgeübte
–
ideal adaptierte (Urk. 17 S. 1’263-1’267)
–
Tätigkeit
zu 50 %
weiterhin
zumut
bar
(E. 3.2).
M
angels Leistungseinbusse im versicherten Teilzeitpensum
ergibt sich für den Kläger somit
auch aus dem
Anstellungsverhältnis bei der
A._
GmbH
kein
Anspruch auf Invalidenleistungen
gegenüber der Beklagten 1
(zur vorlie
gend
en
Konstellation einer 50%igen E
r
werbs
tätigkeit bei
einer 50%igen
Arbeits
unfähig
keit
vgl. auch
St
auffer,
Rechtsprechung des Bundesgerichts zur beruf
lichen Vor
sorge BVG / FZG / ZGB / OR /
FusG
/ZPO, 4. Auflage, Art. 23 BVG, S. 98).
4.5
Auf beweismässige Weiterungen, insbesondere die Einholung eines Gerichts
gut
ach
tens
(Urk. 1 S. 5
Rn
12)
, kann
angesichts des Vorliegens
zwei
er
beweis
kräf
tige
r
polydisziplinäre
r
Gutachten
(E. 3.1+3.2)
,
welche sich mit dem Gesund
heits
zu
stand und der Leistungsfähigkeit des Klägers während der Versicherungsunter
stellung bei den Beklagten befassen,
verzichtet werden.
Mit Blick darauf, dass es die Gutachter des
B._
auf
der
Grundlage der vorhandenen medizinischen Akten als nicht möglich
erachteten
, den genauen Zeitpunkt des Eintritts der invalidisie
renden Arbeits
un
fähigkeit retrospektiv zu bestimmen (E. 3.2), ist
nicht zu erwar
ten, dass ein Gerichtsgutachten diesbezüglich neue
entscheidrelevante
Gesichts
punkte zu
tage
fördern
könnte
(
BGE
136 I 229 E. 5.3, Urteil des Bundesgerichts 9C_216/2020 vom 8. Juli 2020 E. 3.2 mit Hinweisen
)
.
5.
Die vorstehenden Erwägungen haben die Abweisung der Klage zur Folge.
6.
Den
Beklagten steht in ihrer Funktion als Trägerin
nen
der beruflichen Vorsorge trotz ihres Obsiegen
s keine Prozessentschädigung zu
(BGE 128 V 124 E. 5b).