Decision ID: 131c0cde-fb5d-4eea-9175-7c1864a49b64
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954,
zog sich am 1
0.
März 2009 bei einem Sturz auf einem Trottoir (vgl.
Urk.
7/7/26
Ziff.
4 und 6) Verletzung
en
an der rechten Schulter und am rechten Knie zu (vgl.
Urk.
7/7/21
Ziff.
5) und
meldete sich am 2
2.
Juni 2009 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr - nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/
49,
Urk.
7/51,
Urk.
7/57
) - mit Verfügung vom
8.
November 2012 eine halbe Invalidenrente ab März 2010 und befristet bis März 2011 zu (
Urk.
7/
62
=
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 1
2.
Dezember 2012 Beschwerde gegen die Verfügung vom
8.
November 2012 (
Urk.
2) und beantragte - nebst Prozessualem - die Ein
holung eines fachorthopädischen Gutachtens oder die Aufhebung der Verfü
gung und Rückweisung der Sache an die Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2
f.
Ziff.
4-5).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
2.
Januar 2013 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
9.
Januar 2013 wurde - antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1) - der Prozess bis zur rechtskräftigen Erledigung des
hängigen
unfall
versicherungsrechtlichen Verfahrens sistiert (
Urk.
8). Nach Vorliegen des entsprechenden Urteils des Bundesgerichts vom 2
1.
Mai 2014 (vgl.
Urk.
13) holte das Gericht ein Gutachten ein, das von den Ärzten der
Medas
Y._
am
1
5.
April 2015 erstattet wurde (
Urk.
21/1).
Die Beschwerdeführerin verzichtete am
1.
Juni 2015 auf eine weitere Stellung
nahme (
Urk.
24). Die Beschwerdegegnerin beantragte am 1
8.
Juni 2015 eine
reformatio
in
peius
(
Urk.
26), wozu die Beschwerdeführerin am
9.
September 2015 auf Stellungnahme verzichtete (
Urk.
28), was der Beschwerdegegnerin am 1
1.
September 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
29).
3.
Das unfallversicherungsrechtliche Verfahren de
r
B
eschwerdeführerin
(UV.2014.0013) wurde mit Urteil vom heutigen Tag entschieden.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgeltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufga
benbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter ande
rem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versicherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozi
alen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittel
ten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hin
weisen; vgl. BGE 134 V 9).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des analog anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen)
Art.
88a
der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des
Renten
beginns
mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E.
1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5).
1.5
Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr den Rentenanspruch für den gesamten
verfü
gungsweise
geregelten Zeitraum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der
Begründung zur
angefochtenen Verfügung (
Urk.
2
Verfügungsteil 2) davon aus, die Beschwerdeführerin wäre im
Gesund
heitsfall
zu 85
%
im Erwerbsbereich
und zu 15
%
im Aufgabenbereich tätig (S.
3 oben) und gemäss den damals vorliegenden ärztlichen Beurteilungen
sei ihr
eine behinderungsangepasste Tätigkeit ab März 2010 zu 50
%
und ab April 2011 zu 100
%
zumutbar (S. 3 Mitte). Dementsprechend betrage der
Invalidi
tätsgrad
50
%
ab März 2010 und 14
%
ab April 2011 (S. 3
f.
unten).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), zur Arbeitsfähigkeit lägen divergierende ärztliche Beurteilungen vor (S. 8
Ziff.
10 f.), auf die demzufolge nicht abgestellt werden könne (S. 11). Ferner sei die Statusfrage ungenügend abgeklärt (S. 11 f.
Ziff.
23) und die Anwendung der gemischten Methode
fehlerbehaftet
(S. 12 f.).
2.3
Nach Vorliegen des Gerichtsgutachtens (vgl.
Urk.
21/1)
stellte sich die
Beschwer
degegnerin
auf den Standpunkt (
Urk.
26), die Beschwerdeführerin sei bereits im März 2010 in angepasster und allenfalls sogar in angestammter Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig gewesen, weshalb auch von März 2010 bis März 2011 kein Rentenanspruch bestanden habe (S. 1
Ziff.
1). Entsprechend werde eine
reformatio
in
peius
beantragt (S. 2
Ziff.
3).
Die Beschwerdeführerin verzichtete auf eine Stellungnahme zum Gutachten (
Urk.
24) und zur von der Beschwerdegegnerin beantragten
reformatio
in
peius
(
Urk.
2
8
).
2.4
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich ab März 2010 mit dem Invaliditätsgrad und einem allfälligen Rentenanspruch verhält.
3.
3.1
Am 1
5.
April 2015 erstatteten die Ärzte der
Medas
Y._
ein Gutach
ten im Auftrag des Gerichts (
Urk.
21/1). Sie stützten sich dabei auf die ihnen über
lassenen Akten (S. 2 ff.), die Angaben der Versicherten (S. 28 ff.), die von ihnen erhobenen allgemeinen, Labor- und Röntgen-Befunde (S. 32 f.) sowie ein rheumatologisches (S. 33 f.;
Urk.
21/4), ein orthopädisch-chirurgi
sches/
trau
ma
to
logisches
(S. 34;
Urk.
21/5) und ein psychiatrisches (S. 34 f.;
Urk.
21/6)
Teil
gutachten
.
3.2
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit (S. 37
Ziff.
4.1):
chronisch
residuelle
, schmerzhafte Funktionseinschränkung der rechten Schulter mit chronischer
Impingementsymptomatik
Status nach direkter Schulterkontusion infolge Sturz am 1
0.
März 2009
Status nach diagnostischer Arthroskopie,
arthroskopischer
Bizeps
tenodese
,
Supraspinatusrekonstruktion
und
subakromialer
Dekom
pression am
8.
Mai 2009 wegen
Totalruptur der
Supraspinatussehne
rechts am Ansatz mit
Sehnen
retraktion
und Atrophie der Mm.
supraspinatus
et
subscapularis
und AC-
Arthropathie
mit
Acromion
Typ
Bigliani
II
kernspintomographisch verifizierter Partialläsion der
Supraspinatus
sehne
rechts im zentralen Anteil (MRI 1
2.
März 2010)
Status nach HAGL
(
humeral
avu
lsion
of
glenohumeral
ligament
)
-Läsion, nachgewiesen im MRI vom 1
2.
März 2010
mässige Einengung des
subakromialen
Defilee bei
Akromion
Typ
Bigliani
I bis II
leichte
Omarthrose
und subakute aktivierte AC-Gelenksarthrose
Ferner nannten sie die folgenden, hier gekürzt angeführten Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert (S. 37
Ziff.
4.2):
chronisches Ha
lbseitenschmerzsyndrom mit
Hyp
-/
Dysästhesie ohne adä
quates organisches Korrelat am Bewegungsapparat
chronisch diffuse,
anterior
betonte Knieschmerzen rechts
chronisches zervikales Schmerzsyndrom
tendomyotischer
Prägung
rechts
betont
chronisches thorakales Schmerzsyndrom
chronisches lumbales Schmerzsyndrom
myofaszialer
Prägung
Adipositas Grad I
arterielle Hypertonie
primäre Hypothyreose, substituiert
Tendovaginitis
stenosans
des ersten Beugesehnenfachs rechts
komplizierte, protrahierte Trauerreaktion (ICD-10 F38.8), entsprechend einer leichten depressiven Episode (F32.00)
3.3
In ihrer Beurteilung (S. 35 f.) führten die Gutachter unter anderem aus
, die Ver
sicherte habe sich bei einem Stolpersturz am 1
0.
März 2009 eine Schulter- und Kniekontusion rechts zugezogen. Nach einem protrahierten Verlauf habe sie
ihre angestammte Tätigkeit als
Spulenwicklerin
(Pensum von 80
%
) am 1
8.
Januar 2010 wieder zu 50
%
aufnehmen können. Anhaltender
Schulter
schmerzen
und eingeschränkter Beweglichkeit wegen seien im März und November 2010 lokale Infiltrationen erfolgt, die jedoch zu keiner anhaltenden Besserung geführt hätten. In der Folge sei der Beschwerdeführerin per 3
1.
März 2011 gekündigt worden; ihre Teilzeittätigkeit als Reinigerin (20
%
) habe sie nach dem Unfall nicht wieder aufgenommen (S. 35 oben).
Bezüglich der aktenmässig und anamnestisch im Vordergrund stehenden
Schul
ter
beschwerden
rechts leide die Beschwerdeführerin gemäss aktueller fachärztli
cher rheumatologischer Einschätzung vor allem an einer somatisch nicht voll
umfänglich erklärbaren Schmerzkrankheit mit aufgrund des
Schmerz
verhaltens
äusserst schwieriger körperlicher Untersuchbarkeit, mit auffallenden - näher beschriebenen - Diskrepanzen und Inkonsistenzen (S. 35 f.). Aus rein rheuma
tologischer Sicht bestünden relevante Befunde einzig im Bereich der rechten Schulter im Sinne einer chronischen
Impingementsymptomatik
. Der verminder
ten Belastbarkeit der rechten Schulter wegen seien der Beschwerde
führerin belastende und häufige Tä
tigkeiten mit dem rechten Arm auf
bezie
hungsweise über Schulterhöhe nicht mehr zumutbar; behinderungsangepasst zu 100
%
der Norm möglich seien körperlich leichte, nicht repetitive und unbelas
tete Bewe
gungen bis an die Schulterhorizontale sowie axiale Belastungen vom Boden bis Tischhöhe von 5-10 kg (S. 36 oben).
Auch aus fachärztlicher orthopädischer Sicht sei das Ausmass der geklagten Schulterschmerzen und Funktionseinschränkungen somatisch nicht zur Gänze zu erklären; bei der klinischen Untersuchung fänden sich entsprechend - näher beschriebene - inkonsistente Befunde. Es sei von einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit auszugehen, soweit bei der Tätigkeit als
Wicklerin
keine Lasten über 15 kg körpernah bis auf Lendenhöhe und nicht über 5 kg körpernah auf Schulterhöhe gehoben oder getragen sowie keine repetitiven, auch unbelaste
t
e Bewegungen über Schulterhöhe verrichtet werden müssten; nicht zumutbar seien ferner kraftvolle Stoss-, Zug- und Drehbewegungen sowie axiales Abstüt
zen, Schläge und Vibrationen (S. 36 Mitte).
Bezüglich der geklagten schlechten psychischen Befindlichkeit lasse sich eine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aktuell nicht begründen; auch gebe es keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht in der Zeit seit dem Unfall vom 1
0.
März 2009 irgendwann für längere Zeit wesentlich beeinträchtigt gewesen wäre. Ebenso sei aus intern-medizini
scher Sicht keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu attestieren (S. 36).
Zusammenfassend sei d
e
r
Beschwerdeführerin eine das erwähnte Leistungsprofil erfüllende Tätigkeit uneingeschränkt (Arbeitsfähigkeit 100
%
) zumutbar
. Inwie
weit die angestammte Tätigkeit als
Spulenwicklerin
dieses Profil erfülle, müsse offen gelassen werden; die Tätigkeit als Reinigungsfrau erfülle nach Einschät
zung der Gutachter das geforderte Leistungsprofil (S. 36 unten).
3.4
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter dementsprechend aus, unein
ge
schränkt zumutbar seien der Versicherten körperlich leichte und
wechselbe
lasten
de
Tätigkeiten, ohne belastende Arbeiten mit dem rechten Arm auf bezie
hungsweise über der Schulterhorizontalen, ohne repetitive, auch unbelastete Bewegungen über Schulterhöhe sowie ohne Heben und Tragen vom Boden bis Tischhöhe über 10 kg sowie ohne kraftvolle Stoss-Zug-Drehbewegungen und auch ohne axiales Abstützen, Schläge, Vibrationen. Die Tätigkeit als
Reinigungs
frau
erfülle nach der Einschätzung der Gutachter dieses
Leistungs
pro
fil
(S. 38
Ziff.
5.2). Inwieweit dies für die angestammte Tätigkeit als
Spulen
wicklerin
zutreffe, müsse offen gelassen werden (S. 38
Ziff.
5.1).
Die Beschwerdeführerin habe ihre angestammte Tätigkeit als
Spulenwicklerin
per Ende März 2011 durch Kündigung verloren. Zu jenem Zeitpunkt sei ihr eine 50%ige Arbeitsfähigkeit attestiert worden. In Berücksichtigung der Akten und der erhobenen Befunde sei ab jenem Zeitpunkt wohl von einer
100%igen Arbeitsfähigkeit in einer das genannte Anforderungsprofil erfüllenden Tätigkeit auszugehen (S. 38 Ziff
.
5.4).
4.
4.1
Das Gerichtsgutachten erfüllt offensichtlich die praxisgemäs
sen Kriterien (vorste
hend E. 1.6
) vollumfänglich, was auch von den Parteien nicht in Frage gestellt wurde, so dass darauf abzustellen ist.
4.2
Der medizinische Sachverhalt ist demnach dahingehend erstellt, dass für
körper
lich leichte und wechselbelastende Tätigkeiten
-
ohne belastende Arbeiten mit dem rechten Arm auf beziehungsweise über der Schulterhorizontalen, ohne repetitive, auch unbelastete Bewegungen über Schulterhöhe sowie ohne Heben und Tragen vom Boden bis Tischhöhe über 10 kg sowie ohne kraftvolle Stoss-Zug-Drehbewegungen und auch ohne axiales Abstützen, Schläge, Vibrationen
- eine volle Arbeitsfähigkeit besteht, und zwar ab beziehungsweise nach März 201
1.
4.3
Damit bestätigt sich, wovon die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfü
gung ausgegangen ist. Nicht gefolgt werden kann der Beschwerdegegnerin hingegen, soweit sie behauptet, aus dem Gutachten ergebe sich eine volle
Arbeits
fähigkeit für adaptierte Tätigkeiten bereits ab März 2010 (
Urk.
26 S. 1
Ziff.
1); im Gutachten wurde ausdrücklich eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50
%
bis März 2011 genannt (
Urk.
22/1 S. 38
Ziff.
5.4).
5.
5.1
Die Beschwerdeführerin war gemäss Bericht der Arbeitgeberin (
Urk.
7/12) vor Eintritt des Gesundheitsschadens
im Umfang von
32 von 40 betriebsüblichen Wochenstunden, mithin
zu
80
%
,
als
Spulenwicklerin
beschäftigt (
Urk.
7/12
Ziff.
2.9) und erzielte 2008 ein Jahreseinkommen von
Fr.
48‘620.-- (
Ziff.
2.12). Davon ging auch die Beschwerdegegnerin aus, die den genannten Betrag anhand der Nominallohnentwicklung mit rund
Fr.
50‘739.--
(
Fr.
48‘620.-- x 1.0436)
im Jahr 2011
bezifferte (
Urk.
7/48 S. 8 oben).
5.2
Zusätzlich war die Beschwerdeführerin bei der gleichen Arbeitgeberin als Raum
pflegerin beschäftigt, dies zu einem Stundenlohn von
Fr.
25.-- und einer wöchentlichen Arbeitszeit von zirka 4 Stunden (
Urk.
7/56
/1-5
S. 2
Ziff.
3-4).
Laut Lohnabrechnungen von Februar bis Dezember 2008 (
Urk.
7/56/6-16) betrug die in 1
1
Monaten geleistete Arbeitszeit total
192.87
Stunden, entspre
chend rund
17.5
Stunden pro Monat
und 220.4 Stunden im Jahr
, und der Lohn
Fr.
4‘148.65
, entsprechend rund
Fr.
4‘526.--
im Jahr
(
Fr.
4‘148.65 : 11 x 12)
.
Die jährliche Arbeitszeit von 220.4 Stunden entspricht - bei vier Ferienwochen und 10 Feiertagen - einer wöchentlichen Arbeitszeit von rund 4.8 Stunden (220.4 : 46). Bei einer durchschnittlichen Wochenarbeitszeit im Jahr 2008 von 41.6 Stunden (Die Volkswirtschaft 3/4-2015, S. 88, Tab. B 9.2) entspricht dies einem Pensum von rund
12
%
.
5.3
Die Frage, in welchem Umfang die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall erwerbstätig wäre
(vorstehend E. 1.2
)
, ist somit dahingehend zu beantworten, dass sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit weiterhin zu 80
%
als
Spulen
wicklerin
und zusätzlich im Umfang von 12
%
als Raumpflegerin tätig wäre.
Mithin ist sie als zu 92
%
im Erwerbsbereich und zu 8
%
im Aufgabenbereich tätig zu qualifizieren.
5.4
Das
Valideneinkommen
setzt sich zusammen aus dem auf das Jahr 2011 hoch
gerechneten Einkommen aus der Hauptbeschäftigung im Betrag von
Fr.
50‘739.-- (vorstehend E. 5.1) und dem Einkommen aus der Nebenbeschäfti
gung von, ebenfalls hochgerechnet, rund
Fr.
4‘723.-- (
Fr.
4‘526.-- x 1.0436).
Somit ist von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
55‘462.-- auszugehen.
5.5
Das Invalideneinkommen ist praxisgemäss ausgehend von den Tabellenlöhnen der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen. Im Jahr 2010 betrug das mittlere von Frauen in einfachen und repetitiven Tätigkeiten im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige erzielte Einkommen
Fr.
4‘225.-- (LSE 2010, S. 26, Tab. TA1, Total, Niveau 4, Frauen), entsprechend
Fr.
50‘700.-- im Jahr (
Fr.
4‘225.-- x 12).
Zu berücksichtigen ist sodann die Nominallohnentwicklung von 1.0
%
im Jahr 2011 (Die Volkswirtschaft 3/4-2015, S. 89, Tab. B 10.2, Total), die
Wochenar
beitszeit
von 41.7 Stunden (
Die Volkswirtschaft 3/4-2015, S. 8
8, Tab. B 9.2), die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit von 50
%
(vorstehend E. 4.3) und ein leidensbedingter Abzug in der von der Beschwerdegegnerin eingesetzten
,
nicht zu beanstandenden
und nicht beanstandeten (vgl.
Urk.
1 S.
13
Ziff.
25 am Ende) Höhe
von 15
%
(vgl.
Urk.
7/58 S. 2 Mitte).
Damit resultiert ein Invalideneinkommen von rund
Fr.
22‘688.--
(
Fr.
50‘700.-- x 1.01 : 40.0 x 41.7 x 0.5 x 0.85)
.
5.6
Bei einem
Valideneinkommen
von
Fr.
55‘462.-- (vorstehend E. 5.4) und einem Invalideneinkommen von
Fr.
22‘688.-- (vorstehend E. 5.5) beträgt die
Einkom
menseinbusse
Fr.
32‘774.--, was eine Einschränkung von 59.09
%
und entspre
chend dem Erwerbspensum von 92
%
einen Teilinvaliditätsgrad von 54.37
%
(59.09
%
x 0.92)
ergibt.
W
enn die Beeinträchtigung im 8
%
ausmachenden Aufgabenbereich gleich hoch wäre wie im Erwerbsbereich
, mithin 50
%
betrüge, ergäbe dies einen
Teil
in
validitätsgrad
von 4
%
(50
%
x 0.08) und insgesamt einen Invaliditätsgrad von 58.37
%
(54.37
%
+ 4
%
).
Angesichts des medizinischen Anforderungsprofils (vorstehend E. 4.2) erscheint
es
fraglich, ob im Aufgabenbereich überhaupt
eine Einschränkung anzunehmen
i
st
. Dass
die
se das genannte Ausmass von 50
%
erreichen könnte, ist jedenfalls mit Sicherheit ausgeschlossen. Damit erweist es sich - im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung (vgl. BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d) - auch als ver
tretbar, dass die Beschwerdegegnerin keine Haushaltabklärung veranlasst hat.
5.7
Bei einem Invaliditätsgrad von 54
%
und höchstens 58
%
besteht Anspruch auf ein
e halbe Rente (vorstehend E. 1.3
). Diesbezüglich ist die angefochtene Verfü
gung somit zu bestätigen.
5.8
Gemäss den Erkenntnissen des Gerichtsgutachtens ist nach März 2011 von einer vollen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit auszugehen (vorstehend E. 4.2). Bei gleich hohem
Valideneinkommen
(
Fr.
55‘462
.--) beträgt das im Rahmen des statuskonformen Pensums von 92
%
(statt
mit
einer Arbeitsfähigkeit von ledig
lich 50
%
)
erzielbare Invalideneinkommen nunmehr rund
Fr.
41‘709.-- (
Fr.
22‘668.-- : 50 x 92), die Einkommenseinbusse also
Fr.
13‘753.--, die Ein
schränkung im Erwerbsbereich 24.8
%
und der Teilinvaliditätsgrad 22.81
%
.
Dies schliesst einen Rentenanspruch klarerweise aus.
Somit ist auch die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Befristung der zugesprochenen halben Rente nicht zu beanstanden.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als zutreffend, womit die dage
gen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin hat unter anderem die Einholung eines Gutachtens durch da
s
Gericht beantragt (
Urk.
1 S. 2 f.
Ziff.
4). Dem wurde mit dem Gut
achten der Ärzte der
Medas
Y._
(
Urk.
21/1) entsprochen. Die entspre
chenden Kosten von
Fr.
11‘5
8
1.85
(
Urk.
20)
sind weder der
Beschwerde
gegnerin
, deren Sachverhaltsabklärung hinreichend war, noch der Beschwerde
führerin verrechenbar und sind von der Gerichtskasse zu tragen.
6.2
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
1‘000.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuer
legen.