Decision ID: 65af844f-f828-56e6-8804-5d9cc8545559
Year: 2011
Language: de
Court: SG_VWEK
Chamber: SG_VWEK_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
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A.- Am 19. Juli 2006 starb die 1936 geborene G. Sie hinterliess als gesetzliche Erben
ihren Halbbruder A (geb. 20. März 1929), ihre Nichten C (geb. 15. September 1963) und
K (geb. 19. November 1964) sowie ihren Neffen X (geb. 10. Juni 1953). Aufgrund eines
am 20. August 1981 abgeschlossenen Ehe- und Erbvertrags wurden zudem als
eingesetzte Erben (und gesetzliche Erben des vorverstorbenen Ehegatten P) J (geb.
23. März 1950), S (geb. 10. September 1927), N (geb. 18. November 1958), M (geb. 16.
Januar 1964) und D (geb. 29. April 1936) bedacht. Die letztwillige Verfügung wurde vom
Amtsnotariat Rheintal-Werdenberg-Sarganserland am 3. Oktober 2006 eröffnet.
Im Ehe- und Erbvertrag hatten G und P festgehalten, vom nach dem Ableben beider
Ehegatten noch vorhandenen Vermögen erhielten die gesetzlichen Erben beider
Ehegatten je die Hälfte nach Stämmen zu Eigentum. Der Nachlass umfasste ein
Grundstück in W, sowie Wertschriften, Kapitalanlagen und Guthaben. Das
Nachlassvermögen wurde im Nachlassinventar mit Fr. 557'515.-- beziffert. Gemäss
Erbteilakt erhielten die gesetzlichen Erben von G davon je 12.5%, also Fr. 69'689.--,
und die eingesetzten Erben je 10%, also Fr. 55'751.-- (act. 7/2).
B.- Das kantonale Steueramt veranlagte die Erben am 15. Oktober 2008 mit
Erbschaftssteuern von insgesamt Fr. 134'110.--. S bezahlte den auf sie entfallenden
Erbschaftssteuer-Anteil von Fr. 14'174.45 (inkl. Ausgleichszinsen) nicht. Ein
diesbezüglich eingeleitetes Betreibungsverfahren endete am 7. Januar 2010 mit einem
Verlustschein.
C.- Mit Haftungsverfügung vom 27. Januar 2010 stellte das kantonale Steueramt fest, X
hafte für die bei der Erbin S uneinbringlichen Erbschaftssteuern von Fr. 14'174.45 als
Erbenvertreter mit seinem ganzen Vermögen solidarisch. X erhob dagegen am 15.
Februar 2010 Einsprache mit der Begründung, er sei weder als Erbschaftsverwalter,
Willensvollstrecker oder Vermächtnisnehmer mit der Teilung des Nachlasses betraut
worden und habe auch keine Erbanteile oder Vermächtnisse ausbezahlt oder dies in
Auftrag gegeben. Mit Entscheid vom 10. März 2010 wies das kantonale Steueramt die
Einsprache ab. Im Wesentlichen führte es aus, X habe mit seiner alleinigen Unterschrift
auf dem Nachlassinventar sowie dem Erbteilakt bestätigt, dass er für die übrigen Erben
handle. Zudem sei die Verteilung der Erbteile durch ihn erfolgt.
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D.- Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob X mit Eingabe vom 8. April 2010 Rekurs
bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem sinngemässen Antrag, der Einsprache-
Entscheid und die Haftungsverfügung seien aufzuheben.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 19. Mai 2010 die Abweisung des
Rekurses unter entsprechender Kostenfolge. Der Rekurrent sei als Erbenvertreter mit
seinem ganzen Vermögen für die uneinbringlichen Erbschaftssteuern für solidarisch
haftbar zu erklären. Eventualiter sei festzustellen, dass er als Erbe bis zur Höhe des ihm
zugewiesenen Erbanteils solidarisch haftbar sei.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung der Anträge wird,
soweit notwendig, in den Erwägungen eingegangen.

Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 8. April 2010 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 194 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt: StG; Art. 48 des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt: VRP).
2.- Anfechtungsobjekt ist der Einsprache-Entscheid vom 10. März 2010 und die diesem
zugrunde liegende Haftungsverfügung vom 27. Januar 2010, in welcher festgestellt
wird, dass der Rekurrent für die bei der Erbin S uneinbringlichen Erbschaftssteuern in
Höhe von Fr. 14'174.45 (inklusive Ausgleichszinsen) als Erbenvertreter mit seinem
ganzen Vermögen solidarisch haftet.
a) Der Rekurrent macht geltend, in der Eröffnung der letztwilligen Verfügung werde
amtlich festgehalten, dass sich die Erben aufteilten in die Erben von G und die
gesetzlichen Erben von P. Mit Schreiben vom 7. Oktober 2006 habe S die Erben von G
darüber informiert, dass sie die Erbenvertreterin der Erben von P sei. Im September
2008 habe sie ihn betreffend der offenen Steuererklärung für die Erbschaftssteuer
kontaktiert. Er habe nach Absprache mit ihr die DM Treuhand AG beauftragt und S die
Steuerdokumente nach Erhalt zugestellt. Anfangs Oktober 2008 habe S die DM
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Treuhand AG mit weiteren Abklärungen betreffend der von ihr ausgefüllten
Berechnungen zum Erbteilakt, dem Nachlassinventar und der Erbschaftssteuer
beauftragt. Kostenteilungen und Zusammenstellungen von Fakten, wie auch
Empfehlungen und Dienstleistungen von ihm selbst und anderen Erben entbänden die
Erbenvertreterin nicht von ihren gesetzlichen Pflichten. Es könne nur für die
Erbengemeinschaft oder deren Erbenvertretung eine Haftungsverfügung erlassen
werden, deren Erben der Erbschaftssteuerforderung nicht nachgekommen seien. Für
die offene Erbschaftssteuerforderung von Fr. 14'174.45 aus dem gesetzlichen Erbe von
P hafte allein die Erbengemeinschaft P oder deren Erbenvertretung.
Die Vorinstanz führt dazu aus, das Nachlassinventar sowie der Erbteilakt wiesen einzig
die Unterschrift des Rekurrenten auf. Aufgrund der Angaben aller Erben und der
alleinigen Unterschrift des Rekurrenten sei davon auszugehen, dass der Rekurrent für
die übrigen Erben gehandelt habe. Diese Schlussfolgerung entspreche der
gesetzlichen Regelung von Art. 192 Abs. 2 StG. Werde nämlich das Erbeninventar nicht
von allen Erben oder nur von einem Vermächtnisnehmer, vom Willensvollstrecker, vom
Erbschaftsverwalter oder vom Erbenvertreter unterzeichnet, werde die vertragliche
Vertretung der nicht unterzeichnenden Erben angenommen. Im Erbteilakt sei unterhalb
der Unterschrift zudem der Hinweis auf die Haftungsbestimmungen aufgeführt. Ab
Eingang des Nachlassinventars sei sämtliche Korrespondenz an die DM Treuhand AG
gegangen, welche gemäss dem Nachlassinventar und Erbteilakt für Rückfragen
zuständig gewesen sei. Betreffend der Erbenvertretung sei jedoch die Unterschrift des
Rekurrenten im Namen sämtlicher Erben massgebend. In einem
Orientierungsschreiben vom 23. Oktober 2008 habe der Erbe J zudem angegeben, der
Rekurrent wickle den Verkauf der Liegenschaft aus der Erbschaft ab. Der Erbe M habe
am 20. April 2009 mitgeteilt, sämtliche Erbangelegenheiten seien durch den
Rekurrenten behandelt worden. Diesbezüglich habe er ein Schreiben betreffend die
Zuteilung der Erbmasse samt einer Gutschriftsanzeige vom 28. Februar 2009 beigelegt.
Als Absender der Gutschriftsanzeige werde die Erbengemeinschaft G, X, 8044 Zürich,
angegeben. Auch der Treuhänder DM habe auf eine telefonische Anfrage vom 7. Juli
2009 erklärt, er habe nur das Nachlassinventar und den Erbteilakt ausgefüllt. Die
Verteilung der Erbteile sei durch den Rekurrenten erfolgt. Das vom Rekurrenten
eingereichte Schreiben von S vom 7. Oktober 2006 beziehe sich einzig auf die
Vertretung innerhalb der Erbengemeinschaft P selig. Sie habe somit einzig die
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Interessen der bedachten Erben des vorverstorbenen Ehegatten P vertreten. Der
Rekurrent sei gegenüber der Steuerbehörde als Vertreter der Erbengemeinschaft
aufgetreten. Er habe Zahlungen an die einzelnen Erben geleistet, ohne vorgängig einen
Rückbehalt für ausstehende Steuern vorzunehmen. Die Voraussetzung für die
solidarische Haftung mit seinem ganzen Vermögen für die uneinbringlichen
Erbschaftssteuern sei somit erfüllt. Eventualiter sei mindestens davon auszugehen,
dass der Rekurrent als Erbe bis zur Höhe des ihm zugewiesenen Erbanteils von Fr.
69'689.-- solidarisch hafte. Der zugewiesene Erbanteil übersteige die noch
ausstehenden Erbschaftssteuern bei weitem.
b) Nach Art. 142 Abs. 1 StG unterliegen alle Zuwendungen kraft Erbrechts der
Erbschaftssteuer. Steuerbar sind insbesondere Zuwendungen aufgrund gesetzlicher
Erbfolge, von Erbvertrag oder letztwilliger Verfügung, namentlich durch Erbeinsetzung
oder Vermächtnis, Schenkung auf den Todesfall, Errichtung einer Stiftung auf den
Todesfall oder Nacherbeneinsetzung (Art. 142 Abs. 2 StG).
Steuerpflichtig sind die Erben und Vermächtnisnehmer. Die steuerpflichtigen Personen
tragen auch die Zahlungspflicht. Die Erben und Vermächtnisnehmer haben nicht nur
ihre eigene Erbschaftssteuer zu bezahlen, sondern haften solidarisch bis auf den
Betrag ihres Erbteils oder des ihnen zugekommenen Vermächtnisses für die gesamte
aufgrund der Erbanfälle geschuldete Erbschaftssteuer (Art. 157 Abs. 1 Satz 1 StG). Das
Erbeninventar gilt als Steuererklärung im Sinn von Art. 168 StG, wenn kein amtliches
Inventar aufgenommen wird. Die Erben müssen es persönlich unterzeichnen und
zusammen mit den notwendigen Beilagen innert 60 Tagen seit dem Tod des Erblassers
dem kantonalen Steueramt einreichen (Art. 192 Abs. 1 StG). Fehlen einzelne
Unterschriften oder hat nur ein Vermächtnisnehmer, der Willensvollstrecker,
Erbschaftsverwalter oder Erbenvertreter unterzeichnet, besteht die gesetzliche
Vermutung der vertraglichen Vertretung für die nichtunterzeichnenden Erben (Art. 192
Abs. 2 StG). Die Erbschaftssteuer wird für jeden Erben oder Vermächtnisnehmer
einzeln berechnet, jedoch gesamthaft für alle Steuerpflichtigen in Rechnung gestellt;
die mit der Teilung der Erbschaft betrauten Personen (Erben, Erbschaftsverwalter,
Willensvollstrecker, Vermächtnisnehmer) haben die Steuerbeträge vor der Auszahlung
von den Zuwendungen abzuziehen (Auszahlung der Nettoerbbetreffnisse nach
Bezahlung der rechtskräftig veranlagten Erbschaftssteuer; Art. 213 StG). Für diese
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Personen reicht die Haftung bedeutend weiter, wenn sie Erbanteile oder Vermächtnisse
ausrichten, bevor sie pflichtgemäss die hierfür geschuldeten Erbschaftssteuern
entrichtet haben. In diesem Fall erstreckt sich die Haftung auf ihr ganzes Vermögen
(Art. 157 Abs. 1 Satz 2 StG) (vgl. zum Ganzen Weidmann/Grossmann/Zigerlig,
Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Auflage 1999, S. 359 und 371).
Wer für die Mithaftung in Anspruch genommen wird, kann nach den zivilrechtlichen
Bestimmungen über die Solidarschuldnerschaft auf den Schuldner Rückgriff nehmen.
c) Die am Nachlass von G beteiligten Personen erwarben ihre Stellung als Erben
aufgrund der Erbfolgeordnung des Gesetzes (gesetzliche Erben) oder einer gültigen
Anordnung der Erblasserin (eingesetzte Erben). Die Erbenstellung ist für alle dieselbe.
Der Unterschied besteht nur im Titel, auf den die Eigenschaft als Erbe gegründet wird
(vgl. J.N. Druey, Grundriss des Erbrechts, 5. Auflage, Bern 2002, S. 43). A, C, K, J, S,
N, M, D und der Rekurrent sind also alle direkte Erben von G und nicht – wie der
Rekurrent ausführt – zum Teil nur Erben des vorverstorbenen P. Ein allfälliger
Erbenvertreter hätte damit auch für alle diese Personen gehandelt. S konnte deshalb
bezüglich des Nachlasses von G nicht nur für die eingesetzten Erben Erbenvertreterin
sein.
Hinzu kommt, dass ein Erbenvertreter auf Begehren mindestens eines Miterben von
der zuständigen kantonalen Behörde eingesetzt werden muss (vgl. Art. 602 Abs. 3 der
Zivilgesetzbuchs, SR 210, abgekürzt: ZGB; Druey, a.a.O., S. 205 f.). Aus den Akten
geht nicht hervor, das S oder der Rekurrent von einer Behörde als Erbenvertreter
eingesetzt worden wären. Allein die Unterschrift des Rekurrenten auf dem
Nachlassinventar und dem Erbteilakt machen ihn noch nicht zum Erbenvertreter. Daher
haftet der Rekurrent auch nicht aus seiner Stellung als Erbenvertreter heraus mit
seinem ganzen Vermögen für die Erbschaftssteuer. Diesbezüglich ist zudem darauf
hinzuweisen, dass der Erbenvertreter in der Haftungsbestimmung von Art. 157 Abs. 1
Satz 2 StG nicht explizit genannt wird und sich aus Art. 192 Abs. 2 StG keine
Haftungsfolgen ableiten lassen.
Ein Erbe haftet aber – unabhängig von einer allfälligen Stellung als Erbenvertreter – mit
seinem ganzen Vermögen, wenn er Erbanteile ausgerichtet hat, bevor die hierfür
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geschuldeten Erbschaftssteuern entrichtet sind (Art. 157 Abs. 1 Satz 2 StG). Der
Rekurrent hat sich um den Verkauf der Liegenschaft aus dem Nachlass gekümmert
und den Erlös daraus an mindestens einen seiner Miterben ausbezahlt. Dies ergibt sich
aus dem Einzahlungsschein (vgl. act. 7/9), mit dem im Namen des Rekurrenten (als
Absender der Zahlung ist auf dem Einzahlungsschein aufgeführt: Erbengemeinschaft
G, X, 8044 Zürich) und mit dem Vermerk "Haus O, Erbengemeinschaft G, Verkauf-
Endabrechnung" Fr. 3'836.80 an den Miterben M ausbezahlt wurden. Die Berechnung
der einzelnen Anteile aus dem Erlös des Hausverkaufs von insgesamt Fr. 80'000.--
befindet sich ebenfalls bei dem oben genannten Aktenstück. Aus dieser Aufstellung
ergibt sich die Vermutung, dass der Rekurrent die jeweiligen Anteile an diesem Erlös an
alle seine Miterben ausgerichtet hat. Ob er auch bei der Auszahlung des restlichen
Nachlasses (Beilage zu act. 7/11: Auszug der Raiffeisenbank vom 5. Juli 2007)
mitgewirkt hat, ist unerheblich. Es genügt, dass er einen Teil des Erbes verteilt hat,
bevor sämtliche Erbschaftssteuern beglichen waren. Damit haftet er als mit der Teilung
der Erbschaft betrauter Erbe mit seinem ganzen Vermögen für nicht bezahlte
Erbschaftssteuern seiner Miterben.
d) Zusammenfassend steht damit fest, dass der Rekurrent mit seinem ganzen
Vermögen für die Erbschaftssteuerschuld seiner Miterbin S haftet. Dementsprechend
erweist sich der Rekurs als unbegründet und ist abzuweisen.
3.- Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem Rekurrenten
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'200.-- ist
angemessen (vgl. Art. 7 Ziff. 122 der Gerichtskostenverordnung, publiziert in Amtsblatt
des Kantons St. Gallen Nr. 52/27.12.2010, S. 4042 ff.). Der geleistete Kostenvorschuss
von Fr. 1'200.-- ist zu verrechnen.