Decision ID: fcb25e73-adfb-5abb-b08f-5ea925ed894e
Year: 2018
Language: de
Court: AR_OG
Chamber: AR_OG_002
Canton: AR
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A. Am 21. November 2016 fand im Restaurant XY_ in Schwellbrunn eine a.o. Versammlung
der Flurgenossenschaft F_ statt. Unter den Teilnehmenden befanden sich sowohl A_
(nachfolgend auch: Beschwerdeführer) als auch B_ (nachfolgend auch: Beschuldigter).
Am 6. Februar 2017 reichte A_ bei der Staatsanwaltschaft Appenzell Ausserrhoden eine
Strafanzeige gegen B_ ein und beschuldigte diesen des unbefugten Aufnehmens von
Gesprächen gemäss Art. 179ter des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB, SR 312.0).
Aus einem am 7. Dezember 2016 beim Departement Bau und Umwelt eingereichten
Rekursschreiben des Beschuldigten gehe im Zusammenhang mit dem Protokoll und den
Beschlüssen der Versammlung der Flurgenossenschaft F_ vom 21. November 2016
hervor, dass der Beschuldigte offenbar Gespräche an der Flurgenossenschaftssitzung
aufgezeichnet habe. Der Beschuldigte habe jedoch weder den Beschwerdeführer noch die
übrigen an der Sitzung teilnehmenden Personen um Erlaubnis gebeten, eine solche
Aufnahme zu tätigen. Erst durch die Erwähnung im Rekursschreiben an das Departement
Bau und Umwelt habe er von einer solchen Aufnahme Kenntnis erlangt (act. B 11/5).
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B. Nach Eingang dieser Strafanzeige wurden sowohl der Beschwerdeführer als auch der
Beschuldigte von der Polizei zum Sachverhalt befragt (act. B 11/1 ff.). Gestützt auf diese
ersten Untersuchungen erliess die Staatsanwaltschaft am 13. Juni 2017 einen Strafbefehl
und verurteilte B_ gestützt auf Art. 179ter Abs. 1 StGB wegen unbefugtem Aufnehmen
von Gesprächen an der Flurgenossenschaftsversammlung vom 21. November 2016 zu
einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 180.-- unter der Ansetzung einer
Probezeit von 2 Jahren und zu einer Busse im Betrag von Fr. 300.-- (act. B 11/13).
C. B_ erhob gegen den Strafbefehl Einsprache (act. B 11/14). Hierauf nahm die
Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungen auf und befragte erneut den Beschuldigten (act. B
11/18) sowie zusätzlich D_, welcher an der Flurgenossenschaftsversammlung vom
21. November 2016 ebenfalls anwesend gewesen war, als Zeugen (act. B 11/21). Nach
Abschluss dieser vertieften Abklärungen gelangte die Staatsanwaltschaft zum Schluss,
dass sich der anfängliche Tatverdacht entkräftigt habe und es B_ nicht nachgewiesen
werden könne, die fragliche Aufnahme getätigt zu haben. Gestützt auf Art. 319 Abs. 1 lit. a
der Schweizerischen Strafprozessordnung (StPO, SR 312.0) wurde der Strafbefehl daher
aufgehoben und das Verfahren mit Verfügung vom 7. November 2017 eingestellt (act. B
11/24).
D. Gegen diese Verfügung richtet sich die von A_ am 14. November 2017 erhobene
Beschwerde ans Obergericht (act. B 2), mit welcher verlangt wird, die
Einstellungsverfügung aufzuheben. Während die Staatsanwaltschaft unter Verweis auf die
Ausführungen in der angefochtenen Einstellungsverfügung auf eine Stellungnahme
verzichtete (act. B 9), nahm B_ mit Schreiben vom 19. Dezember 2017 Stellung und
beantragte Abweisung der Beschwerde (act. B 13). Den Parteien wurde am 9. Januar 2018
mitgeteilt, dass vorgesehen sei, den Fall ohne mündliche Verhandlung zu beraten (act. B
15). Am 18. Januar 2018 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme ein
(act. B 17). Der Beschuldigte liess sich am 5. Juni 2018 dazu vernehmen (act. B 21),
worauf der Beschwerdeführer am 11. Juni 2018 erneut replizierte (act. B 23). Am 20. Juni
2018 teilte der Beschuldigte der Obergerichtskanzlei telefonisch mit, dass er auf eine
weitere Vernehmlassung in der Sache verzichte (act. B 25). Der Schriftenwechsel konnte
somit abgeschlossen und die Streitsache traktandiert werden. Die Beratung fand am 11.
September 2018 statt. Das Obergericht hiess die Beschwerde, soweit auf sie einzutreten
war, mit gleichentags erfolgtem Beschluss gut und hob die angefochtene
Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft auf. Die Sache wurde an die
Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, damit diese - soweit nötig nach Vornahme weiterer
Seite 4
Untersuchungshandlungen - Anklage erhebe (act. B 27). Der begründete Beschluss wird
hiermit eröffnet.

Erwägungen
1. Formelles
1.1
Mit der vorliegenden Beschwerde ist eine Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft
angefochten. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft ist
die Beschwerde zulässig (Art. 393 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO).
Ausschlussgründe gemäss Art. 394 StPO liegen keine vor.
1.2
Gemäss Art. 26 Justizgesetz (JG, bGS 145.31) ist das Obergericht Berufungs- und
Beschwerdeinstanz in der allgemeinen Strafrechtspflege und in Jugendstrafsachen. Eine
Beschwerde gegen eine Einstellungsverfügung fällt damit in den Zuständigkeitsbereich des
Obergerichts. Das Gesamtgericht hat strafrechtliche Beschwerdefälle (unter Vorbehalt der
hier nicht betroffenen Zuständigkeiten des Einzelrichters) der 2. Abteilung zur Beurteilung
zugewiesen (so publiziert im Staatskalender Appenzell Ausserrhoden für das Amtsjahr
2018/19, S. 83), weshalb diese zur Beurteilung der Beschwerde zuständig ist. Anstelle von
Oberrichter Roger Krapf wirkte Ersatzrichter Bernhard Oberholzer am Entscheid mit. Die
Zusammensetzung des Spruchkörpers wurde den Parteien vorgängig mitgeteilt (act. B 19
und 26) und dagegen keine Einwendungen erhoben.
1.3
Nach Art. 322 Abs. 2 und Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich
geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids hat, ein
Rechtsmittel ergreifen und somit auch eine Einstellungsverfügung anfechten. Der
Beschwerdeführer hat am 6. Februar 2017 Strafantrag gegen B_ wegen unbefugtem
Aufnehmen von Gesprächen nach Art. 179ter StGB eingereicht (act. B 11/5) und ist somit
Privatkläger und Partei (Art. 104 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Art. 118 Abs. 1 und 2 StPO).
Damit ist er zur Beschwerde gegen die angefochtene Einstellungsverfügung offensichtlich
legitimiert.
Seite 5
1.4
Die am 14. November 2017 der Post übergebene Beschwerde gegen die
Einstellungsverfügung vom 7. November 2017 erfolgte innert der in Art. 396 Abs. 1 StPO
vorgesehenen Frist von 10 Tagen rechtzeitig. Der beim Beschwerdeführer nach
Einreichung seiner Beschwerde eingeforderte Kostenvorschuss wurde ebenfalls innert
angesetzter Frist geleistet (act. B 5 bis 7).
1.5
Zusammengefasst ergibt die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der
Prozessvoraussetzungen somit, dass diese sowohl mit Bezug auf den Beschwerdeführer
als auch mit Bezug auf die Beschwerdeschrift erfüllt sind. Auf die Beschwerde von A_ ist
grundsätzlich einzutreten. Bei der Gutheissung einer Beschwerde gegen eine
Einstellungsverfügung ist der Natur der Sache nach allerdings immer nur kassatorisch zu
entscheiden, wobei der Staatsanwaltschaft allenfalls für den weiteren Gang des Verfahrens
Weisungen erteilt werden können (ANDREAS KELLER, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber
[Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 7 zu Art.
397 StPO). Auf den vom Beschwerdeführer unter Ziff. 2 der Rechtsbegehren gestellten
Antrag auf materielle Beurteilung der B_ vorgeworfenen Straftat kann daher im
vorliegenden Verfahren nicht eingetreten werden.
2. Materielles
2.1
Gemäss Art. 319 Abs. 1 StPO verfügt die Staatsanwaltschaft die vollständige oder teilweise
Einstellung des Verfahrens, wenn
a. kein Tatverdacht erhärtet ist, der eine Anklage rechtfertigt;
b. kein Straftatbestand erfüllt ist;
c. Rechtfertigungsgründe einen Straftatbestand unanwendbar machen;
d. Prozessvoraussetzungen definitiv nicht erfüllt werden können oder Prozesshindernisse
aufgetreten sind;
e. nach gesetzlicher Vorschrift auf Strafverfolgung oder Bestrafung verzichtet werden kann.
Seite 6
Die angefochtene Einstellungsverfügung vom 7. November 2017 wurde gestützt auf Art.
319 Abs. 1 lit. a StPO damit begründet, dass im konkreten Fall kein Tatverdacht erhärtet
sei, der eine Anklage rechtfertige. Der Beschuldigte B_ habe bei der Befragung geltend
gemacht, er habe das fragliche Gespräch an der in Frage stehenden
Flurgenossenschaftsversammlung vom 21. November 2016 gar nicht aufgenommen, bei
seiner ersten gegenteiligen Aussage dazu habe er sich geirrt. D_ habe bestätigt, dass er
den Beschuldigten vor der Versammlung noch darauf aufmerksam gemacht habe, dass das
Aufnehmen von Gesprächen verboten sei und dieser habe sodann das Aufnehmen hierauf
glaublich unterlassen (act. B 11/24).
2.2
Mit einer Einstellungsverfügung wird ein Strafverfahren beendet. Folge ist, dass es
betreffend den eingestellten Sachverhalt zu keinem auf eine Verurteilung des
Beschuldigten gerichteten Anklage- und Gerichtsverfahren mehr kommt. Mit dem Entscheid
über die Weiterführung des Strafverfahrens durch Anklage bzw. dessen Beendigung mittels
Einstellung erfolgt somit eine wesentliche Weichenstellung für das Schicksal der Strafsache
und damit auch jenes der Verfahrensbeteiligten, vor allem der beschuldigten Person. Für
die Entscheidung ist insbesondere der Grundsatz der Legalität massgebend, wonach
Anklage zu erheben ist, sofern zureichend tatsächliche und rechtliche Anhaltspunkte für
eine Straftat vorliegen. Weiter ist das Prinzip der Gewaltentrennung zu beachten: Das
Befinden über die Schuldfrage ist nicht den Strafverfolgungsbehörden übertragen, sondern
Aufgabe unabhängiger Gerichte. Gleichzeitig ist aber im Interesse der Verfahrensökonomie
und der Schonung der beschuldigten Person darauf zu achten, dass keine leichtfertigen
Anklagen erhoben werden. Entscheidend ist die Frage, ob der Verdacht gegen die
beschuldigte Person in der Untersuchung nicht in dem Masse erhärtet wurde, dass
Aussicht auf ein verurteilendes Erkenntnis besteht, mit anderen Worten ein Freispruch zu
erwarten ist. Ein Verfahren darf aber insbesondere dann nicht eingestellt werden, wenn
dessen Ausgang ausschliesslich von der Beweiswürdigung abhängt. Die
Staatsanwaltschaft ist nicht dazu berufen, über Recht oder Unrecht zu entscheiden. Nur
dann, wenn aufgrund objektiver Kriterien von vornherein feststeht, dass jedes andere
Ergebnis als ein Freispruch ausgeschlossen erscheint, kann und muss eine Einstellung
erfolgen. In Zweifelsfällen darf dagegen nicht eingestellt werden, es gilt nicht „in dubio pro
reo“, sondern „in dubio pro duriore“. (LANDSHUT/BOSSHARD, in: Kommentar zur
Schweizerischen Strafprozessordnung, a.a.O., N 3, 7, 15 und 18 zu Art. 319 StPO;
GRÄDEL/HEINIGER, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur
Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, N 8 zu Art. 319 StPO).
Seite 7
2.3
Im konkreten Fall ergeben sich aus den ersten Untersuchungen der Polizei folgende
Anhaltspunkte, die den gegenüber B_ erhobenen Vorwurf, unerlaubt Gespräche an der
Flurgenossenschaftsversammlung vom 21. November 2016 aufgenommen zu haben,
bestätigen:
• Anlässlich der ersten polizeilichen Einvernahme am 14. März 2017 gab B_ folgendes
zu Protokoll (act. B 11/4, Hervorhebungen durch Verf.):
„Ich muss ausholen: Punkt 1 ist, dass die Aktuarin jeweils fragt, ob sie das Gespräch
aufnehmen darf. Und es ist nicht das erste Mal, dass wir ein Gespräch a ufnehmen .
Es gab bereits am 19. Juli 2016 eine Verhandlung und Frau E_ (Aktuarin der FLG)
fragte auch, ob sie das Gespräch aufnehmen dürfe. Ich machte es dann auch . [...] Es
ist ja nicht das erste Mal, dass ein Gespräch aufge nommen wurde. Das gleiche
Prozedere lief auch am 30.5.16 ab . Das ist deshalb keine neue Information.“
Auf die Frage, wie oft er in der Vergangenheit Gespräche aufgezeichnet habe,
antwortete der Beschuldigte:
„Nur diese beiden Male (30.05.2016 und 21.11.2016).“
Auf die Frage, aus welchem Grund er die Gespräche aufgezeichnet und unbeteiligten
Drittpersonen angeboten habe, antwortete er:
„Weil Frau E_ das sagte, Punkt 1 und weil im Vorfeld viele Beleidigungen
ausgesprochen wurden. Und in den Protokollen kommt der Wortlaut einfach nicht rüber.
Es werden ganze Sequenzen weggelassen und die rudimentärsten Spielregeln werden
einfach nicht eingehalten. [...] Wenn ich das zur Verfügung stelle, dann will ich, dass die
Informationen transparent sind und dass alle die Wortlaute haben. Diese Sachen, die ich
alle beanstanden, die finden Sie alle nicht im Protokoll und mir ist es wichtig, dass diese
Inhalte, die gesagt wurden, dass diese transparent zur Verfügung gestellt werden
können. Einerseits ist es ein Beweis für mein Schreiben und andererseits werden die
Diskussionen wirklich auf einem Niveau geführt, wo ich gar nicht weiss, wie ich das
beschreiben soll.“
• Im Anschluss an die polizeiliche Einvernahme vom 14. März 2017 folgte eine E-Mail-
Korrespondenz zwischen dem Beschuldigten und der zuständigen Polizistin (act. B 11/8
und 9), im Rahmen welcher der Beschuldigte auch frühere E-Mails an die Polizistin z.K.
weiterleitete. Diesen Unterlagen sind u.a. folgende Ausführungen des Beschuldigten zu
entnehmen (Hervorhebungen durch Verf.):
Seite 8
Bemerkung im E-Mail vom 14. März 2014 an die zuständige Polizistin:
„Ich habe gerade noch das Diktiergerät gesucht, aber zuhause nicht gefunden. Ich
werde morgen nochmal im Büro nachschauen, ggf. liegt es dort. Wenn ich es dort finde,
kann ich Ihnen mitteilen, ob ich die Aufnahme der b esagten Sitzung bereits
gelöscht habe oder nicht .“
Weitergeleitetes E-Mail vom 21. Juli 2016:
„Hallo E_ [...] Anhand der Aufzeichnung des Gesprächs haben wir den einen oder
anderen Punkt korrigiert / ergänzt. Es war eine gute Idee von Dir, das Gespräch
aufzuzeichnen, das sollten wir in Zukunft immer mac hen, auch an den FLG
Sitzungen .“
Bemerkung im E-Mail vom 15. März 2017 an die zuständige Polizistin:
„Ich habe das Diktiergerät gerade im Büro gefunden. Auf dem Gerät waren keine
Aufzeichnungen mehr vorhanden, sodass ich davon aus gehe, dass ich die letzten
Daten gelöscht habe [...]. Sie haben mir gestern ja erklärt, dass die von uns
gemachten Aufnahmen im Mai und November nicht erlaubt waren, obschon Fr. E_
vor der Sitzung immer gefragt hat, ob die Sitzung aufgenommen werden kann. Ich habe
nie verheimlicht, dass ich diese beiden Aufnahmen g emacht habe [...]. Nur so
waren in Zusammenarbeit mit der Aktuarin Fr. E_ bestimmte Korrekturen an
Protokollen möglich.“
Somit bestätigte der Beschuldigte zunächst mehrfach, er habe eine Tonaufnahme der
Gespräche an der Flurgenossenschaftsversammlung vom 21. November 2016 gemacht.
Bei diesen ersten Aussagen liess der Beschuldigte keinen Zweifel daran, dass er erstens
gute Gründe für eine Aufnahme der Gespräche gehabt habe und zweitens solche
Aufnahmen ja nicht zum ersten Mal machte, sondern dies schon wiederholt gemacht habe.
Dass ein Aufnehmen solcher Gespräche ohne ausdrückliche Einwilligung aller
Anwesenden verboten sei, habe er nicht gewusst (act. B 11/7, S. 4, Frage 19).
2.4
Erst nachdem am 13. Juni 2017 ein Strafbefehl gegen ihn erging, machte der Beschuldigte
neue Aussagen, die dagegen sprechen, dass er das Gespräch an der in Frage stehenden
Flurgenossenschaftsversammlung vom 21. November 2016 aufgenommen haben soll. Bei
der Einvernahme durch die verfahrensleitende Staatsanwältin am 5. September 2017 (act.
B 11/18) gab der Beschuldigte - in Abweichung zu seinen früheren Aussagen gegenüber
der Polizei - u.a. zu Protokoll (Hervorhebungen durch Verf.):
Seite 9
„Die Einsprache begründe ich damit, dass ich irrtümlich der Meinung war, dieses
Gespräch aufgezeichnet zu haben . Ich habe von diesem Urteil meinem Nachbarn
erzählt, Herr D_. Wir gehen immer gemeinsam an die Flurgenossenschaftssitzungen.
Und als ich ihm dann erzählte, dass ich aufgrund dieser Aufnahmen vom November
2016 verurteilt worden bin, wies er mich darauf hin, dass ich das Gespräch gar nicht
aufgenommen habe : Ich sagte Herr D_ im Vornherein, dass ich das Gespräch
aufnehmen würde. Er sagte mir dann dass ich dies nicht dürfe, daher nahm ich es
dann auch nicht auf. Das deckt sich eigentlich auch mit der Recherche, die ich mit der
Polizei gemacht habe. Ich fand diese Aufnahmen weder auf der Dropbox - da war nur
eine Aufnahme von Mai 2016 - und auch auf dem Diktiergerät war keine Aufnahme
drauf. [...] Das war eine irrtümliche Annahme, dass ich dieses G espräch
aufgezeichnet habe .“
Zur Frage, was er dazu sage, dass er in der Rekursschrift vom 6. Dezember 2016
zuhanden des Departements Bau und Umwelt geschrieben habe, er könne den
Livemitschnitt der Flurgenossenschaftssitzung via Dropbox zur Verfügung stellen, gab
der Beschuldigte an:
„Diesen Satz habe ich irrtümlicherweise falsch geschrieben. Aber zum damaligen
Zeitpunkt war ich wirklich der Meinung, dass ich es aufgenommen habe. Ich war
bis zu diesem Zeitpunkt Ihres Urteils der Meinung, dass ich das Gespräch
aufgenommen habe. Erst durch das Gespräch mit Herr D_ hat er mich drauf
aufmerksam gemacht, dass ich es gar nicht aufgenomm en habe. “
Abschliessend erklärte der Beschuldigte:
„Es tut mir leid, dass ich die Aufnahme im Mai 2016 gemacht habe. Ich wusste es nicht,
dass es verboten ist, auch nicht im November 2016, als ich keine Aufnahme gemacht
habe.“
Bei diesen Aussagen handelt es sich allerdings durchwegs um Angaben des Beschuldigten
persönlich. Anhaltspunkte, die seine Aussagen in objektiver Hinsicht bestätigen würden,
konnte er keine angeben. So lässt letztlich auch die von ihm hervorgehobene Tatsache,
dass auf der Dropbox anlässlich der polizeilichen Einvernahme schliesslich keine
Aufnahme gefunden werden konnte (act. B 11/18, S. 2, Frage 1), jedenfalls nicht mit
Sicherheit darauf schliessen, dass tatsächlich keine derartige Aufnahme getätigt worden
war. Der Beschuldigte hatte nämlich bereits bei der ersten Einvernahme erklärt, dass die
Aufnahme, die er im Rekursschreiben erwähnt habe, gar nie auf die Dropbox gestellt
worden sei, weil niemand Interesse daran gezeigt habe; er habe im Rekursschreiben nur
Seite 10
angeboten, einen Livemitschnitt bei Interesse zur Verfügung zu stellen. Da dies aber nicht
der Fall gewesen sei, habe er den Livemitschnitt schliesslich auch nicht in die Dropbox
gestellt (vgl. act. B 11/4, S. 2, Frage 5). Objektiv betrachtet macht die Erwähnung einer
Aufnahme anlässlich der Flurgenossenschaftssitzung in der Rekursschrift vom
6. Dezember 2016 - notabene nur wenige Tage nach der in Frage stehenden
Flurgenossenschaftsversammlung - ausserdem kaum Sinn, sollte der Beschuldigte wirklich
keine Aufnahme getätigt haben. Auch dass er sich darüber bereits wenige Tage nach der
Sitzung in einem Irrtum befunden haben soll, wirkt wenig glaubhaft. Insgesamt lässt sich
seine Kehrtwende mit Bezug auf die Sachverhaltsdarstellung jedenfalls nicht ohne weiteres
nachvollziehen.
2.5
In der Darstellung des Sachverhalts durch den Beschuldigten befinden sich somit klare
Widersprüche bzw. nicht ohne weiteres nachvollziehbare nachträglich Korrekturen. Sofern
unter diesen Umständen keine weiteren (objektiven) Anhaltspunkte bestehen, welche den
Beschuldigten offensichtlich vom Vorwurf des unerlaubten Aufnehmens von Gesprächen im
Sinn von Art. 179ter StGB entlasten, wäre eine Einstellungsverfügung grundsätzlich nur
dann statthaft, wenn eindeutig feststehen würde, dass die entlastende Darstellung klar
glaubhafter ist. Nur, wenn eine Verurteilung nach praktischer Erfahrung nicht mehr für
wahrscheinlich gehalten werden kann, ist eine Einstellung gerechtfertigt (vgl.
LANDSHUT/BOSSHARD, a.a.O., N 17 zu Art. 319 StPO). Für die Beurteilung der Frage, ob die
Verfahrenseinstellung rechtens war, kommt daher insbesondere den weiteren
Sachverhaltsabklärungen - namentlich der Zeugeneinvernahme von D_ -
entscheidendes Gewicht zu. Gemäss angefochtener Einstellungsverfügung soll D_
bestätigt haben, „B_ vor der fraglichen Genossenschaftsversammlung noch darauf
aufmerksam gemacht zu haben, dass das Aufnehmen von Gesprächen verboten sei und
B_ sodann das Aufnehmen hierauf glaublich unterlassen habe“ (act. B 11/24). Die
Staatsanwaltschaft schloss hieraus, damit habe sich der anfängliche Tatverdacht entkräften
lassen und es könne B_ nicht nachgewiesen werden, die fragliche Aufnahme getätigt zu
haben (act. B 11/24). Im Folgenden ist zu prüfen, ob dieser Schluss sich tatsächlich auf die
bei der Zeugeneinvernahme gemachten Aussagen von D_ stützen lässt.
2.6
D_ gab anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 12. September 2017 zu Protokoll (act. B
11/21; Hervorhebungen durch Verf.):
Seite 11
„[B_] sagte mir, er habe ein Verfahren wegen einer Tonbandaufnahme. Ich fand dann,
das könne gar nicht sein , zumindest wisse ich nichts von einer Tonbandaufnahme .
Das dünkte mich etwas speziell: Er fragte mich damals, als wir zu dieser Sitzung
sind, ob er das Gespräch aufnehmen solle, ich sagte ihm dann, du, das darfst du
nicht. “
„Ich kann mir nicht vorstellen ... Ich gehe davon aus , dass er es nicht gemacht hat.“
„Ich habe ihm gesagt, das darfst Du nicht machen. Sie könnten mich nun noch fragen,
ob ich etwas gesehen habe... Ich müsste sagen, ich weiss es nicht . Er weiss, dass
ich mich in Verbandsrecht relativ gut auskenne. Drum gehe ich davon aus , dass er,
wenn ich ihm sage, mach es nicht, dass er die Aufnahme auch nicht gemacht hat.“
Gestützt auf diese Aussagen wäre somit anzunehmen, dass sich der Beschuldigte -
entgegen seiner eigenen Aussage, wonach er sich nicht bewusst gewesen sei, dass das
Aufnehmen von Gesprächen nicht erlaubt sein könnte - aufgrund des Gesprächs, wie es
von D_ geschildert wird, sehr wohl bewusst hätte sein müssen, dass die Voten an der
Flurgenossenschaftsversammlung nicht ohne Einwilligung der Beteiligten aufgenommen
werden durfen. D_ meinte, als er auf diesen Umstand hingewiesen wurde:
„Sonderbar. Ich nehme mal an, aus irgendeinem Grund wird er mich gefragt haben, ob
er das Gespräch aufnehmen solle. [...] Also gut, was er immer ist: Vor diesen Sitzungen
ist er schon immer sehr nervös. Aber ob er das jetzt wegen dem nicht mehr weiss... ich
weiss es nicht.“
Zur Frage, ob D_ mit dem Beschuldigten über die Passage im Rekurs ans Departement
Bau und Umwelt gesprochen habe, wo angegeben wurde, er könne eine Aufnahme der
Flurgenossenschaftssitzung zur Verfügung stellen, gab D_ zu Protokoll:
„Ja, eben, ich weiss nicht, warum er das schreibt. Geredet haben wir meines Wissens
nicht über diese Passage. (überlegt) Es ist aber schon sonderbar... Für mich präsentiert
es sich so: Hat er das Diktiergerät dabei gehabt und hat er es aufgenommen oder nicht.
Ich weiss es nicht .“
Aus diesen Aussagen von D_ kann - entgegen der Begründung in der angefochtenen
Einstellungsverfügung - keineswegs gefolgert werden, dass letzterer bestätigt haben soll,
B_ habe das Aufnehmen glaublich unterlassen. Vielmehr gab D_ ausdrücklich an, er
wisse es nicht, ob der Beschuldigte das Gespräch aufgenommen habe und er fand es auch
Seite 12
sonderbar, dass der Beschuldigte angegeben hatte, er sei sich nicht bewusst gewesen,
dass eine solche Aufnahme verboten sei. D_ gab zu Protokoll, nicht zu wissen, ob der
Beschuldigte überhaupt ein Diktiergerät an die Sitzung mitgenommen hatte oder nicht. Der
Beschuldigte selbst gab dagegen ausdrücklich an, er habe ein Diktiergerät dabei gehabt
(vgl. act. B 11/18, S. 3, Frage 7: „Also ich hatte das Diktiergerät sicher dabei an dieser
Sitzung [...]“).
2.7
Im vorliegenden Fall bestehen wie dargelegt Widersprüche bzw. nicht ohne weiteres
nachvollziehbare nachträgliche Korrekturen in den Aussagen des Beschuldigten mit Bezug
auf den geschilderten Sachverhalt. Der als Zeuge einvernommene D_ konnte weder
bestätigen, er habe gesehen, dass der Beschuldigte eine Aufnahme getätigt habe, noch
konnte er aufgrund eigener konkreter Wahrnehmung ausschliessen, dass eine solche
Aufnahme stattgefunden habe. Die von ihm geäusserte Vermutung, er gehe davon aus,
dass der Beschuldigte, nachdem er ihn darauf hingewiesen habe, dass er das nicht dürfe,
auch keine Aufnahme gemacht habe, stellt kein objektives Element dar, das den
Beschuldigten entscheidend entlasten würde. Ein Strafverfahren soll aber lediglich bei
klarer Straflosigkeit eingestellt werden. Ein solch klarer Fall liegt hier angesichts der
konkreten Umstände nicht vor. Gerade bei nicht eindeutiger Beweislage hat nicht die
Staatsanwaltschaft über die Stichhaltigkeit des strafrechtlichen Vorwurfs zu entscheiden,
sondern das zur materiellen Beurteilung zuständige Gericht, weshalb in Zweifelsfällen
Anklage zu erheben ist (Urteile des Bundesgerichts 6B_718/2013 vom 27. Februar 2014, E.
2.3.1, 6B_515/2016 vom 29. Mai 2017, E. 2.4.1 und 2.7, je m.w.H.). Gerade bei sich
widersprechenden Aussagen und nicht zweifelsfreier Beweislage ist eine umfassende
Würdigung der verschiedenen Aussagen und Indizien in der Regel unverzichtbar. Auch im
vorliegenden Fall kann unter den gegebenen Umständen erst nach einer konkreten
Aussage- und Beweiswürdigung beurteilt werden, ob von einem strafbaren Verhalten des
Beschuldigten auszugehen ist oder nicht (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts
6B_195/2016 vom 22. Juni 2016, E. 2.3). Diese Würdigung hat aber kompetenzhalber nicht
bereits die Staatsanwaltschaft, sondern erst das Sachgericht vorzunehmen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_856/2013 vom 3. April 2014, E. 2.2 und 2.4, m.w.H.).
2.8
Entsprechend ist die angefochtene Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft
aufzuheben und die Sache an die Staatsanwaltschaft zurückzuweisen, damit diese - falls
erforderlich, nach weiteren Abklärungen - Anklage erhebt. Bei dieser Gelegenheit wird die
Seite 13
Staatsanwaltschaft sinnvollerweise eine Koordination mit dem Verfahren, das auf die
weitere Strafanzeige von A_ hin mit Bezug auf den Vorwurf des unbefugten Aufnehmens
von Gesprächen gemäss Art. 179ter StGB im Zusammenhang mit der
Flurgenossenschaftsversammlung vom 30. Mai 2016 eröffnet worden ist (vgl. act. B 9 und
10), vornehmen.
2.9
Insoweit der Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde geltend macht, es liege eine
Rechtsverletzung durch die Staatsanwaltschaft vor, weil der als Zeuge einvernommene
D_ gar nicht als Zeuge, sondern stattdessen als Auskunftsperson einvernommen hätte
werden müssen, ist der Vollständigkeit halber darauf hinzuweisen, dass sich eine
Beschwerde einzig gegen das Dispositiv eines Entscheids, im vorliegenden Fall folglich
gegen die Verfahrenseinstellung, zu richten hat. Nachdem aufgrund obiger Erwägungen die
angefochtene Einstellungsverfügung aufzuheben ist und die Staatsanwaltschaft
angewiesen wird, Anklage zu erheben, wird es Aufgabe des Sachgerichts sein, im Rahmen
der strafrechtlichen Beurteilung der dem Beschuldigten vorgeworfenen Straftat bei der
Würdigung der verschiedenen Beweismittel und Aussagen deren Verwertbarkeit zu prüfen.
3. Kosten und Entschädigung
3.1.
Der vorliegende Entscheid ergeht in der Form eines Beschlusses (Art. 80 Abs. 1 StPO).
Entsprechend sind die Verfahrenskosten unter Berücksichtigung des Gebührenrahmens in
Art. 29 Abs. 1 lit. a der Verordnung über die Rechtskosten und Entschädigungen in der
Zivil- und Strafrechtspflege (Gebührenordnung, bGS 233.3) festzulegen. Die
Gerichtskosten betragen im vorliegenden Fall Fr. 900.--. Diese Kosten tragen die Parteien
grundsätzlich nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Beschwerdeführer hat im vorliegenden Verfahren mit seinen Anträgen, soweit darauf
einzutreten war, obsiegt. Demnach sind bei ihm keine Kosten zu erheben und die von ihm
geleistete Sicherheit ist ihm im vollen Betrag zurückzuerstatten.
Der Beschuldigte ist mit seinen Anträgen, die er im vorliegenden Beschwerdeverfahren
eingereicht hat, unterlegen. Allerdings handelt es sich beim vorliegenden Entscheid um
einen kassatorischen Rechtsmittelentscheid (vgl. ANDREAS KELLER, a.a.O., N 7 zu Art. 397
Seite 14
StPO). Wird ein angefochtener Entscheid - hier die Einstellungsverfügung der
Staatsanwaltschaft - aufgehoben und an die Vorinstanz zurückgewiesen, bedeutet das,
dass die Vorinstanz einen fehlerhaften Entscheid gefällt hat. Sind durch ein fehlerhaftes
Verhalten einer Behörde Verfahrenskosten entstanden, rechtfertigt es sich, von der
Kostenauflage nach dem Obsiegensprinzip gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO abzuweichen und
die Verfahrenkosten vollständig der Staatsanwaltschaft bzw. dem Kanton zu überbinden
(THOMAS DOMEISEN, Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, a.a.O.,
N 25 zu Art. 428 StPO, m.w.H.). Entsprechend sieht auch Art. 428 Abs. 4 StPO für solche
Fälle vor, dass die Verfahrenskosten vom Kanton zu tragen und nicht dem Beschuldigten
aufzuerlegen sind (vgl. auch YVONA GRIESSER, Kommentar zur Schweizerischen
Strafprozessordnung, a.a.O., N 4 zu Art. 428 StPO).
Die Verfahrenskosten im Betrag von Fr. 900.-- sind somit auf die Staatskasse zu nehmen.
3.2
Art. 436 StPO regelt die Entschädigung und Genugtuung im Rechtsmittelverfahren.
Gemäss Art. 436 Abs. 3 StPO haben die Parteien für den Fall der Aufhebung eines
Entscheids nach Art. 409 StPO (Aufhebung und Rückweisung) Anspruch auf eine
angemessene Entschädigung für ihre Aufwendungen im Rechtsmittelverfahren und im
aufgehobenen Teil des erstinstanzlichen Verfahrens. Obschon Art. 436 Abs. 3 StPO dem
Wortlaut nach nur auf die Aufhebung im Berufungsverfahren (Art. 409 StPO) verweist, wird
dafürgehalten, die Bestimmung auch auf Beschwerdeentscheide gemäss Art. 397 Abs. 2
StPO anzuwenden (YVONA GRIESSER, a.a.O., N 4 zu Art. 436 StPO; SCHMID/JOSITSCH,
Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 3. Aufl. 2017, N 4 zu Art. 436
StPO; je m.w.H.). Bezüglich der Frage, wer Schuldner einer Entschädigung im Fall einer
Aufhebung einer Einstellungsverfügung ist, sind dieselben Überlegungen entscheidend, die
im Zusammenhang mit Art. 428 Abs. 4 StPO betreffend die Kosten angestellt wurden (vgl.
E. 3.1 vorstehend): Wird eine Einstellungsverfügung der Staatsanwaltschaft aufgehoben,
soll daher nicht nur die obsiegende Partei (hier: der Beschwerdeführer), sondern auch der
Beschuldigte einen grundsätzlichen Entschädigungsanspruch gegenüber dem Staat haben.
Der Grund für die staatliche Entschädigungspflicht besteht auch hier in der Überlegung,
dass der aufgehobene, vorinstanzliche Entscheid fehlerhaft war und der Staat deshalb für
die finanziellen Folgen einzustehen hat (PATRIK GUIDON, Die Beschwerde gemäss
Schweizerischer Strafprozessordnung, 2011, S. 283, Rz. 580, m.w.H.). Dabei ist ein
allfälliger Entschädigungsanspruch der beschuldigten Person von Amtes wegen zu prüfen
(vgl. Art. 429 StPO), während ein Privatkläger gehalten ist, seine allfällige
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Entschädigungsforderung konkret zu beantragen, zu beziffern und zu belegen (Art. 433
Abs. 2 StPO).
Nachdem der Beschuldigte im vorliegenden Verfahren weder anwaltlich vertreten war noch
konkrete anderweite Aufwendungen ausgewiesen sind, ist ihm keine Entschädigung
zuzusprechen.
Der Privatkläger und Beschwerdeführer macht eine Entschädigung im Gesamtbetrag von
Fr. 3‘400.-- (act. B 18/1) geltend. Dieser Antrag ist abzuweisen, soweit darauf überhaupt
eingetreten werden kann (vgl. Art. 433 Abs. 2 StPO): Was die unter dem Titel
„Aufwendungen für Rechtsberatung“ angeführte Entschädigungsforderung im Betrag von
insgesamt Fr. 1‘500.-- betrifft, so ist auf die ständige Praxis zu verweisen, wonach bei der
Frage, ob Aufwendungen für Rechtsanwälte (oder andere juristisch geschulte Personen)
als notwendig und damit entschädigungspflichtig anzusehen sind, stets zu prüfen ist, ob es
sich überhaupt um einen komplexen, nicht leicht überschaubaren Straffall mit nicht
einfachen rechtlichen Fragen handelt. Nur in diesen Fällen kann der Beizug eines Anwalts
oder Rechtsberaters nämlich überhaupt als notwendig betrachtet werden (vgl. zum Ganzen
auch Urteil des Bundesgerichts 6B_226/2017 vom 10. Juli 2017, E. 4.3.1, m.w.H.). Da im
konkreten Fall gerade nicht ersichtlich ist, dass ein rechtlicher Beistand angesichts der
tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität notwendig gewesen wäre, besteht zum
vornherein kein Entschädigungsanspruch für unter diesem Titel geltend gemachte
Aufwendungen. Insoweit der Beschwerdeführer schliesslich seinen persönlichen
Zeitaufwand als Entschädigung geltend machen will (5 Stunden à Fr. 200.--), kommt er
seiner Substantiierungspflicht klar nicht in genügendem Mass nach, damit über eine
allfällige Entschädigungsforderung überhaupt entschieden werden könnte. Ein konkreter
Erwerbsausfall in diesem Umfang ist jedenfalls nicht nachgewiesen, weshalb auf seinen
entsprechenden Entschädigungsantrag nicht einzutreten ist. Dasselbe gilt mit Bezug auf die
vom Beschwerdeführer ebenfalls nicht konkret begründete Entschädigungsforderung für
„Kosten der Beschwerde“ im Betrag von Fr. 900.-.
Somit sind im vorliegenden Verfahren zusammengefasst keine Entschädigungen
auszurichten.
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