Decision ID: e787541b-0acf-4ede-aace-65ba31a59201
Year: 2018
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Die 1969 geborene X._, Mutter von zwei minderjährigen Kindern, war im Unternehmen ihres Ex-Ehemannes (Y._) tätig, über das im Jahr 2014 der Konkurs eröffnet wurde, wobei das Konkursverfahren mangels Aktiven eingestellt wurde. Seither war sie nicht mehr erwerbstätig. Am 17. September 2015 meldete sie sich unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die IV-Stelle tätigte in der Folge medizinische Abklärungen und stellte der Versicherten mit Vorbescheid vom 23. März 2016 die Abweisung ihres Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/15). Im Rahmen des Einwandverfahrens holte die IV-Stelle eine weitere Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) ein (Urk. 7/30 S. 2) und verneinte mit Verfügung vom 16. August 2016 einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 7/32 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 19. September 2016 Be
schwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr ab 1. März 2016 eine ganze Rente auszurichten. Eventualiter sei sie psy
chiatrisch begutachten zu lassen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Bewil
ligung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerde
ant
wort vom 24. Oktober 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 28. Oktober 2016 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für
die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
h
en.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
ti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychoso
ma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsäch
liche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in
einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funk
tionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisver
fahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krank
heitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Die
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
-
be
gründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweis
belastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychoso
ziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine
fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert
vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seine
r – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Wei
teren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt
nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/bb/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxis
gemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhän
giger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines exter
nen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E. 5.2; BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 2.4).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheid
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, die Abklärungen hätten ergeben, dass keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege, welche die Arbeitsfähigkeit längerfristig einschränke. Die Arbeitsunfähigkeit sei auf eine psychosoziale Belastungssituation zurückzuführen. Aufgrund der Arztbe
richte des Z._ könne am ehesten von einer Anpassungs
störung mit längerer depressiver Reaktion ausgegangen werden (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend, die Beurteilung des RAD könne vor dem Hintergrund der Befunde und Diagnosen, die von allen Ärzten übereinstimmend erhoben worden seien, nicht nachvoll
zogen werden. Der RAD habe im Abklärungsverfahren keine eigene Unter
su
chung durchgeführt. Gemäss RAD sei die depressive Erkrankung nur auf psy
chosoziale Belastungsfaktoren zurückzuführen. Diese Einschätzung werde jedoch
nicht weiter begründet. Auch wenn die Möglichkeit bestehe, dass psychosoziale Belastungsfaktoren unter anderem Auslöser für das Entstehen der psychischen Erkrankung gewesen seien, so könnten sie nach vier Jahren erfolgloser thera
peutischer und medikamentöser Behandlung keinesfalls mehr als einzige Ursache für den schlechten Gesundheitszustand gelten. In Anbetracht der lang-jährigen depressiven Erkrankung und der fehlenden Besserung des Zustandes sei basierend auf den Berichten der behandelnden Ärzte insgesamt davon aus-zugehen, dass sie in ihrem heutigen Zustand nicht mehr arbeitsfähig sei (Urk. 1 S. 8 ff.)
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob bei der Beschwerdeführerin ein Gesundheits
-
schaden vorliegt, der sie derart in der Erwerbsfähigkeit einschränkt, dass sie Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat
,
beziehungsweise, ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten beurteilt werden kann.
3.
3.1
Im Austrittsbericht des Z._ vom 3. März 2015 betreffend die stationäre psychiatrische Behandlung vom 3. Februar bis 3. März 2015 wurde die Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) gestellt (Urk. 7/10 S. 14).
Es wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin sei am 3. Februar 2015 durch ihre Hausärztin Dr. A._ zur Krisenintervention und stationären Behandlung bei schwerer depressiver Symptomatik eingewiesen worden (Urk. 7/10 S. 14).
Die antidepressive medikamentöse Behandlung mit Cipralex sei auf 20 mg Tagesdosis gesteigert worden. Zusätzlich sei wegen ausgeprägtem Gedanken-kreisen und Schlafstörungen Zyprexa (Olanzapin) begonnen und bis auf 10 mg Tagesdosis aufdosiert worden.
Während des gesamten stationären Aufenthaltes habe sich die Beschwerdeführerin dennoch gedanklich haftend an der ehelichen Trennungsproblematik gezeigt.
Dies provoziere immer wieder Krisen, in Gesprä-
chen sei die Beschwerdeführerin regelhaft in Tränen ausgebrochen. Sie sei häufi
g sehr traurig und niedergeschlagen und wenig hoffnungsvoll. Während eines Belastungsurlaubes am 27. Februar 2015 sei es zu Hause zu einem „Nervenzu-sammenbruch" gekommen, schliesslich habe sich die Beschwerdeführerin mit der Sanität wieder in die Klinik bringen lassen. Sie habe angegeben, dass sie eine
extreme Kränkung erfahren habe, als sie beim Sozialamt um Geld habe bitten wollen.
Von Suizidalität sei sie während der stationären Behandlung stets distanziert gewesen. Eine Akzeptanz der Geschehnisse und der Blick nach vorn seien für sie aktuell kaum möglich. Der einzige erfüllende Lebensinhalt seien derzeit ihre Kinder. Am 3. März 2015 habe sie sich ausreichend stabil für einen Austritt nach Hause gefühlt und diesen auch gewünscht, um wieder bei ihren Kindern sein zu können. Die Beschwerdeführerin sei im Kontakt zurückhaltend. Sie habe wenig Kontakt zu Mitpatienten und Personal aufgebaut, was vermut-lich teils auch in der Sprachbarriere begründet gewesen sei. Sie habe sich häufig sehr klagsam und vom Affekt niedergeschlagen und verzweifelt präsentiert. Zudem
habe sie gehäuft das Gefühl der Hilflosigkeit gegenüber den Gescheh
nissen um ihren Mann und im Umgang mit dem Sozialamt ausgedrückt (Urk. 7/10
S. 17).
3.2
Im Austrittsbericht des Z._ vom 29. Juni 2015 betreffend die stationäre psychiatrische Behandlung vom 19. bis 31. März 2015 wurde als Diagnose eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (F32.2) genannt (Urk. 7/10 S. 7).
Es wurde ausgeführt, nach Zuweisung durch Dr. B._ aufgrund einer schweren depressiven Episode sei die Beschwerdeführerin freiwillig zur statio
nären Krisenintervention eingetreten (Urk. 7/10 S. 7).
Die vorbestehende antidepressive Medikation mit Cipralex sei unverändert fort
ge
führt worden. Gegen quälendes Gedankenkreisen habe die Beschwerde
füh
rerin
Sequase 25 mg zur Nacht sowie zusätzlich bei Bedarf erhalten. Die vorbe
stehende Medikation mit Lorazepam sei auf 1 mg pro Tag beschränkt worden. Die Medikation wirke sich schlafregulierend und stimmungsstabili
sierend aus und sei von der Beschwerdeführerin ohne relevante Nebenwirkungen vertragen worden. Die Einbindung der Beschwerdeführerin in das multimodale Therapie
konzept sei aufgrund der sprachlichen Verständigungsprobleme etwas erschwert gewesen. Sie habe jedoch mehrheitlich regelmässig und motiviert an den ange
botenen Fachtherapien teilgenommen. Sie habe so eine Tagesstruktur aufbauen können. Es seien ressourcenaktivierende und psychoedukativ orientierte suppor
tive Einzelgespräche mit der Pflegeperson und der zuständigen Stationsärztin erfolgt. Bezüglich der wiederkehrenden Panikattacken habe sich die Beschwer
deführerin zunächst sehr hilflos gezeigt und auf der Station habe sie einmalig ein ausgeprägtes Bild einer Hyperventilationstetanie gezeigt. Die Beschwerde
führerin sei ausgiebig bezüglich Atemtraining instruiert worden und habe dies mehrmals täglich trainiert. Es sei ihr so im Verlauf gelungen, die Panikattacken besser zu kontrollierten. Urlaube über das Wochenende habe sie wiederholt – mit Unterstützung durch ihre Töchter - in Anspruch genommen und gut bewäl
tigt. Insgesamt sei es ihr schwergefallen, einen nur kurzen stationären Aufent
halt und eine anschliessende ambulante Behandlung zu akzeptieren.
Aufgrund des dysfunktionalen Verhaltens sei eine längere stationäre Behandlung auf
grund der Gefahr eines zunehmenden Hospitalismus als kontraproduktiv erach
tet worden
. Während des stationären Aufenthaltes sei sowohl ein ambulanter Anschlusstermin bei Dr. B._ als auch die ambulante Unterstützung durch eine psychiatrische Spitex organisiert worden. Nach Aufgleisung der eng
maschigen ambulanten Anbindung sie am 31. März 2015 in gebessertem psy
chischen Zustandsbild entlassen worden (Urk. 7/10 S. 9).
3.3
Im Austrittsbericht des Z._ vom 26. November 2015 betref
fend den stationären Aufenthalt vom 5. September bis 2. Oktober 2015 wurden als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode (F33.1) sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung Cluster C (Z73) genannt (Urk. 7/10 S. 1).
Es wurde ausgeführt, der Eintritt sei per Fürsorgerische Unterbringung (FU) bei suizidaler Kommunikation vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressi
ven Störung und einer psychosozialen Belastungssituation erfolgt. Im statio
nä
ren Setting habe sich die Beschwerdeführerin schnell von suizidalen Gedanken distanzieren können. In der Folge hätten vor allem Ein- und Durchschlaf
stö
rungen, Antriebsarmut, Affektarmut und betont dramatisches Verhalten wie etwa Attacken von Hyperventilation, starkem Weinen und Zittern imponiert. Einen Anhalt für psychotisches Erleben habe es zu keinem Zeitpunkt gegeben. Die vorbestehende Medikation aus Cipralex und Seroquel sei ergänzt worden, um einerseits die Schlafqualität zu bessern und andererseits eine Stimmungs
stabilisierung und Augmentation der antidepressiven Wirkung von Cipralex herbeizuführen. Daraufhin habe sich eine graduelle Besserung der Schlafs
ymp
tomatik gezeigt.
Die Beschwerdeführerin habe zunehmend affektiv aufhellbar und im Kontakt zu Mitpatienten oft fröhlich und mitteilsam gewirkt
. Sie sei in das multimodale komplementäre Therapieangebot mit Ergo-, Bewegungs- und Kunsttherapie integriert worden. Trotz unregelmässiger Teilnahme habe dies zu einer Tagesstrukturierung beigetragen und ihr geholfen, Strategien im Umgang mit Paniksymptomen und Hilflosigkeit zu erlernen.
Es sei dennoch die Tendenz aufgefallen, Anforderungen aus dem Weg zu gehen und den Aufenthalt in erster Linie als Rückzug von alltäglichen Aufgaben zu nutzen.
Aus diesem Grund sähen sie eine weitere ambulante psychotherapeutische Behandlung mit Schwerpunkt auf der Stärkung von Selbstwirksamkeit als bedeutend, um einer
weiteren Verstärkung regressiver Verhaltensweisen entgegenzuwirken (Urk. 7/10
S. 3).
3.4
Die Hausärztin der Beschwerdeführerin, Dr. med. A._, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin, nannte in ihrem Bericht vom 24. November 2015 zuhanden der IV-Stelle als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit eine schwere depressive Episode (F32.2) und attestierte eine Arbeitsun
fähig
keit von 100 % (Urk. 7/7).
3.5
RAD-Ärztin C._, Fachärztin orthopädische Chirurgie und Trau
ma
tologie, hielt in ihrer Stellungnahme vom 4. Februar 2016 fest, den Berichten des Z._ zufolge bestehe eine erhebliche psychosoziale Be
lastungssituation durch Trennung vom Ehemann, finanzielle Sorgen und Ver
schul
dung. Die Klinik berichte, auf der Station sei die Tendenz aufgefallen, Anfor
derungen aus dem Weg zu gehen und den Aufenthalt in erster Linie als Rück
zug vom Alltag zu nutzen (Bericht vom 26. November 2015). Es sei der Beschwer
deführerin schwergefallen, einen nur kurzen stationären Aufenthalt zu akzeptieren (Bericht vom 29. Juni 2015). Im Kontakt zu Mitpatienten sei sie oft fröhlich und mitteilsam (Bericht vom 26. November 2015). Die Diagnose einer rezi
divierenden depressiven Störung F33.1 sei angesichts des kurzen Verlaufs und der mitgeteilten Befunde nicht nachvollziehbar. Aus versicherungsmedi
zinischer Sicht handle es sich um eine Anpassungsstörung bei psychosozialer Belastungssituation. Es sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen (Urk. 7/14 S. 3).
3.6
RAD-Ärztin Dr. med. D._, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, führte in ihrer Stellungnahme vom 20. Juli 2016 aus, im psychopathologischen Befund des Arztberichtes von med. pract. E._ (Z._) vom 26. Novem
ber 2015 seien keine Symptome festgehalten, die für optische oder akustische Halluzinationen sprächen. Die Symptome würden einzig aufgrund von Angaben der Beschwerdeführerin beschrieben. Im selben Arztbericht werde festgehalten, dass
unter Medikation eine Zustandsbesserung eingetreten sei.
Die Beschwerdeführerin sei im Kontakt mit Mitpatienten oft fröhlich und mitteil
sam. Wie die beschriebenen Therapien bei Sprachschwierigkeiten hätten durch
geführt werden können, sei nicht nachvollziehbar. Aufgrund des Arztberichts des Z._ könne am
ehesten von einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (F43.21) ausgegangen werden, da die Auslöser ausschliesslich psychosozialer Natur
seien. Vor dem Problem mit dem Ehemann seien keine depressiven Symptome vorhanden gewesen. Warum die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt worden sei, könne nicht klar nachvollzogen werden. Grundsätzlich habe eine Anpassungsstörung eine gute Prognose. Allerdings könne eine psychiatrische Behandlung bei einer Gynäko
login nicht als adäquat angesehen werden. Ein Gesundheitsschaden, der sich
länger anhaltend auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, sei nicht ausgewiesen (Urk. 7/30
S. 2 f.).
4.
4.1
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass zwischen Februar und Oktober 2015 drei stationäre Behandlungen im Z._ wegen depressiven Störungen stattfanden. In den Berichten vom 3. März und 29. Juni 2015 wurde die Diagnose einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome und im Bericht vom 26. November 2015 diejenige einer rezidivierenden depres
si
ven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, gestellt. Für die Zeit vor dem Eintritt im Februar 2015 und nach dem Austritt im Oktober 2015 sowie zwischen den stationären Aufenthalten liegen keinerlei Verlaufsberichte behan
delnder Psychiater vor, obwohl aus den Berichten des Z._ hervorgeht, dass sich die Beschwerdeführerin ambulant behandeln liess. Dass die Beschwerdeführerin bereits seit 2012 an einer depressiven Erkrankung leiden und sich deswegen in medikamentöser und therapeutischer Behandlung befunden haben sollte, wie sie geltend macht (Urk. 1 S. 7), ist nicht akten
kundig. Eine Arbeitsunfähigkeit wurde lediglich von der Hausärztin Dr. A._ attestiert. Eine fachärztliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit liegt hingegen nicht vor.
Aus dem Bericht des Z._ vom 3. März 2015 geht hervor, dass sich die Beschwerdeführerin w
ährend des gesamten stationären Aufent
haltes gedanklich haftend an der ehelichen Trennungsproblematik gezeigt
habe und
dass sie eine extreme Kränkung erfahren habe, als sie beim Sozialamt um Geld habe bitten wollen
. G
egenüber den Geschehnissen um ihren Mann und im Umgang mit dem Sozialamt
habe sie
gehäuft das Gefühl der Hilflosigkeit aus
gedrückt
(Urk. 7/10 S. 17). Den Berichten des Z._ ist weiter zu entnehmen, dass eine längere stationäre Behandlung a
ufgrund des dysfunk
tionalen Verhaltens
und der Gefahr eines zunehmenden Hospitalismus
als kon
tra
produktiv erachtet worden
sei (Urk. 7/10 S. 9).
Es sei die Tendenz aufgefallen, Anforderungen aus dem Weg zu gehen und den Aufenthalt in erster Linie als Rückzug von alltäglichen Aufgaben zu nutzen
(Urk. 7/10 S. 3). Auf die psy
chosoziale Belastungssituation wird in sämtlichen Berichten hingewiesen, ohne diese jedoch kritisch abzugrenzen. Gestützt auf die Berichte des Z._ geht RAD-Ärztin D._ von einem reaktiven Geschehen aus, da die Auslöser
ausschliesslich psychosozialer Natur
seien.
Unter Medikation sei eine Zustandsbesserung eingetreten.
Es könne am
ehesten von einer Anpassungs
-
stö
rung mit längerer depressiver Reaktion (F43.21) ausgegangen werden. Warum
die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestellt worden sei, könne nicht klar nachvollzogen werden (Urk. 7/30 S. 2 f.). Die RAD-Ärztin stellt sich zwar auf den Standpunkt, dass die Herleitung der vom Z._ gestellten Diagnosen nicht nachvollziehbar sei, nimmt aber selbst auch nicht lege artis eine Diagnosestellung vor.
Ob eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andau
ernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder ein damit vergleichbarer psychischer Leidenszustand besteht, welchem gegenüber einem reaktiven inva
liditätsfremden Geschehen auf psychosoziale Belastungen selbständige Bedeu
tung zukommt, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden. Es liegt weder eine nachvollziehbare Diagnosestellung vor noch sind den Akten schlüssige medizinische Ausführungen zu entnehmen, die eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erlauben würden.
4.2
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf die aktuelle Aktenlage der Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin nicht beurteilt werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat den psychischen Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ungenügend abge
klärt. Sie hat ausserdem keine Abklärungen über die Erwerbssituation der Be
schwer
deführerin getätigt.
Die
angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die
Sache zur
Vornahme ergänzender Abklärungen
im Sinne der vorsteh
enden Erwägungen sowie zur anschliessenden neuen Verfügung
an die Be
schwe
r
degegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzu
heissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und, da die Rück
weisung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung, die in Anwendung von § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) und § 7 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebVSVGer) auf Fr. 1’500.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.
5.3
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege als gegenstandslos.