Decision ID: 01d3c0b2-f0bb-5d08-8dff-9abfccb44e4a
Year: 2020
Language: de
Court: SG_VSG
Chamber: SG_VSG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt
A.
A._ (nachfolgend: Versicherter) wurde im Oktober 1983 zum Bezug von
Leistungen für Minderjährige bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung (IV)
angemeldet (IV-act. 3), nachdem er im Frühjahr jenes Jahres in die erste Klasse
eingetreten war (act. G 1.1). Zwei Berichten des Kinder- und Jugendpsychiatrischen
Dienstes des Kantons D._ vom 15. Februar und 7. März 1984 zufolge litt er unter
dem Geburtsgebrechen Ziff. 401 (Entwicklungsstörung mit schwergradiger
Kontaktstörung, autistischer Komponente und erethischem Verhalten; IV-act. 4 und 6).
Am 15. Mai 1984 verfügte die IV medizinische Massnahmen zur Behandlung dieses
Geburtsgebrechens (IV-act. 7) und am 31. Oktober 1984 zusätzlich medizinische
Massnahmen zur Behandlung des Geburtsgebrechens Nr. 404 (frühkindliches
hirnorganisches Psychosyndrom [POS]; IV-act. 17). Per 1. April 1992 wurde er im
Verlauf des neunten Schuljahres vorzeitig ausgeschult (act. G 1.4). Von 1992 bis 1994
absolvierte er die Lehre zum Betriebsfachangestellten H._ (IV-act. 18-4) und im
Anschluss war er bis November 2000 für die H._ als Rangierarbeiter tätig (IV-act.
26-2, 249-2). In der Folge war er in verschiedenen Bereichen als Aushilfe tätig und
bezog Arbeitslosenentschädigung (IV-act. 18-5, 26-1 f., 249-2).
A.a.
Am 18. November 2004 meldete der Versicherte sich unter Hinweis auf eine
Aufmerksamkeits-Defizit-Störung zum Leistungsbezug bei der IV an (IV-act. 18). Einem
Bericht der Fachstelle für Sozialpsychiatrie und Psychotherapie O._ vom 25. Juli
2005, wo der Versicherte ab 8. September 2004 in Behandlung stand, sind die
Diagnosen ADHS im Erwachsenenalter (im Kindesalter diagnostiziertes POS),
Persönlichkeitsstörung (narzistisch/unreif) mit Borderlineanteilen sowie schädlicher
A.b.
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Gebrauch von Alkohol zu entnehmen (IV-act. 37-1). Am 1. November 2005
unterzeichneten der Versicherte, ein IV-Berufsberater und ein Ausbilder des Beruflichen
Ausbildungszentrums E._ eine Zielvereinbarung für eine Abklärung in der Abt.
Technische Ausbildungen vom 14. November 2005 bis 17. Februar 2006 (IV-act. 47;
vgl. entsprechende Mitteilung in IV-act. 53). In der Folge wurde diese Abklärung bis 17.
März 2006 verlängert (vgl. Zielvereinbarung der Verlängerung in IV-act. 61 sowie
entsprechende Mitteilung in IV-act. 63). Dem Abklärungsbericht vom 29. März 2006 ist
das Fazit zu entnehmen, dass der Versicherte in Bezug auf Präsenz und Einhalten der
Regeln im Atelier enorme Fortschritte gemacht habe. In Bezug auf das Akzeptieren von
Anweisungen, Zuverlässigkeit, Sauberkeit und Genauigkeit bleibe aber noch ein Defizit
bestehen, welches einen Lehreinstieg zum aktuellen Zeitpunkt verunmögliche (IV-act.
68). Im Anschluss wurde der Versicherte vom Berufsberater der IV weiterbetreut (vgl.
Beratungsprotokoll in IV-act. 102). Mit Mitteilung vom 7. August 2016 erteilte ihm die
IV-Stelle Kostengutsprache für ein Arbeitstraining beim I._ vom 14. Juni bis 13.
August 2006 sowie für die anschliessende Umschulung zum Betriebspraktiker ab 14.
August 2006 bis 13. August 2009 (IV-act. 82; vgl. auch Lehrvertrag in IV-act. 78). Dem
Schlussbericht vom 13. August 2009 ist zu entnehmen, dass der Versicherte die
Ausbildung zum Betriebspraktiker am 31. Juli 2009 ohne Abschluss beendet habe.
Leider habe er nicht zu einem erfolgreichen Lehrabschluss mit Prüfung geführt werden
können, da seine psychischen Schwierigkeiten im Lauf der Zeit und beim Näherrücken
der Abschlussprüfung stetig zugenommen hätten. Er habe immer mehr Schulangst
bekommen und sich gegen jegliche Schulform gewehrt (IV-act. 96).
Am 20. August 2009 reichte der Versicherte der IV-Stelle erneut eine "Anmeldung
für Erwachsene: Berufliche Integration/Rente" ein (IV-act. 97). Der behandelnde
Psychiater Dr. med. F._ erklärte mit Bericht vom 28. August 2009, der Versicherte sei
neben krisenhaften Einbrüchen wochenlang stabil und leistungsfähig. Die vom I._
festgestellte 50%ige Arbeitsfähigkeit wäre dann verwertbar, wenn eine ca. 80 %
Arbeitstätigkeit mit längeren Absenzen toleriert würde (IV-act. 98; vgl. auch Bericht vom
19. November 2009 in IV-act. 103). Am 16. August 2010 wurde der Versicherte von Dr.
med. G._, Psychiatrie und Psychotherapie, Fachkunde Suchtmedizin, zertifizierter
medizinischer Gutachter SIM im Auftrag der IV-Stelle untersucht (IV-act. 123 und 125).
Dem Gutachten vom 2. September 2010 sind als Diagnosen mit Auswirkung auf die
A.c.
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B.
Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen,
narzisstischen und unreifen Anteilen, eine rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig leichte depressive Episode, und eine Aufmerksamkeits- und
Hyperkinetische Störung zu entnehmen (IV-act. 129-8). In adaptierten Tätigkeiten sei
aus rein psychiatrischer Sicht unter Einbezug noch durchzuführender medizinischer
Massnahmen von einer voraussichtlich andauernden Arbeitsunfähigkeit von höchstens
20 - 30 % mit weiterer Besserungstendenz auszugehen. Nach erfolgreicher
Durchführung einer suchtorientierten Psychotherapie und Erreichen einer möglichst
stabilen Alkoholabstinenz werde sich zeigen, welche psychische Restsymptomatik
übrigbleibe und wie hoch die hierdurch bedingte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei
(IV-act. 129-12). Gemäss Bericht der Psychiatrischen Klinik L._ vom 24. März 2011
war der Versicherte vom 29. September 2010 bis 7. Januar 2011 stationär auf der
Abteilung Suchttherapie und Akut- und Notfallpsychiatrie behandelt worden (IV-act.
136-1). Aktuell sei er im K._, in beschützendem Rahmen tätig. Eine Wiederaufnahme
der beruflichen Tätigkeit in der freien Wirtschaft sei aktuell noch nicht vorhersehbar (IV-
act. 136-5). Am 21. Juli 2011 stellte Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, Stiftung P._, für den Versicherten einen Antrag auf Leistungen der IV
(IV-act. 143). Am 5. Dezember 2011 auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten eine
Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht im Sinne einer Alkoholabstinenz von
einem halben Jahr (IV-act. 151). Am 20. Januar 2012 leitete sie ein Mahn- und
Bedenkzeit Verfahren ein (IV-act. 153). Am 1. März 2012 verfügte sie wegen Verletzung
der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht Nichteintreten auf das
Leistungsbegehren vom 20. August 2009 (IV-act. 156).
Am 6. Mai 2013 informierte der Versicherte die IV-Stelle darüber, dass er nun
bereit sei, die Chance zu nutzen und die abgebrochene Ausbildung im I._
abzuschliessen. Zu diesem Zweck stellte er ein erneutes Gesuch um Leistungen der IV
(IV-act. 157 f.). Mit Mitteilung vom 12. Juni 2013 sprach ihm die IV-Stelle
Berufsberatung zu (IV-act. 170). Am 11. Juli 2013 fand ein Gespräch zwischen dem
Versicherten und einem Eingliederungsverantwortlichen der IV statt (IV-act. 172 und
177). Am 2. September 2013 gingen bei der IV-Stelle Laborwerte einer von ihr
verlangten Blut- und Urinprobe des Versicherten vom 30. August 2013 ein (IV-act.
B.a.
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177-5 und 183), welche gemäss Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) vom 26. September 2013 keinen Hinweis auf aktuellen Drogen- oder
Alkoholkonsum enthielten (IV-act. 185). Vom 14. bis 18. Oktober 2013 absolvierte der
Versicherte eine Praktikumswoche im I._ (IV-act. 187 f.). Mit Mitteilung vom 11.
November 2013 sprach ihm die IV-Stelle Kostenübernahme für eine erneute berufliche
Abklärung im I._ vom 21. Oktober 2013 bis 17. Januar 2014 zu (IV-act. 190). Im
Januar 2014 unterzeichneten der Versicherte, ein IV-Berufsberater und das I._ einen
Eingliederungsplan mit dem Ziel, die Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ
zu absolvieren (IV-act. 201; vgl. auch Lehrvertrag in IV-act. 199-4). Kostengutsprache
für diese Umschulung erteilte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 6. Februar 2014 (Dauer:
18. Januar 2014 bis 10. August 2016; IV-act. 205).
Laut Dr. F._ war der Versicherte während der Frühlingsferien vom 14. bis 24.
April 2015 nach langer Stabilität zur Krisenintervention wegen der bekannten
Schwierigkeiten mit depressiven Episoden, teilweise mit Suizidwünschen und darin
teilweise
exzessivem Alkoholkonsum in der Psychiatrischen Klinik L._ hospitalisiert (IV-act.
223-6 i.V.m. 222-2). Auch vom 9. bis 28. September 2015 war der Versicherte in der
Psychiatrischen Klinik L._ hospitalisiert (IV-act. 222-2 ff.). Dem Austrittsbericht vom
16. Oktober 2015 sind die Diagnosen Störungen durch Alkohol:
Abhängigkeitssyndrom: mit gegenwärtigem Substanzgebrauch, Störungen durch
andere Stimulanzien einschliesslich Koffein, leichte depressive Episode ohne
somatisches Syndrom, einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung sowie
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit abhängigen und histrionen
Anteilen zu entnehmen (IV-act. 222-2). Dr. F._ s Bericht vom 4. Dezember 2015
zufolge hat der Versicherte sich im Anschluss an diese Hospitalisation wieder
zuverlässig seiner Ausbildung gewidmet. Als Diagnosen nannte der Psychiater eine
emotionale Instabilität mit depressiven und explosiven Episoden, ein ADHS mit
impulsiven Anteilen sowie einen sekundären episodischen Alkoholmissbrauch (IV-act.
223-6).
B.b.
Dem Schlussbericht des I._ vom 12. Juli 2016 ist zu entnehmen, dass der
Versicherte die Lehrabschlussprüfung als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ mit Erfolg
bestanden habe. Seit einiger Zeit bemühe er sich intensiv, eine Anschlusslösung im 1.
B.c.
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Arbeitsmarkt zu erhalten. Er habe schon etliche Bewerbungen geschrieben, bisher aber
leider nur Absagen erhalten. Durch die vielen Absagen seien verstärkte Zukunftsängste
sichtbar geworden. Seine Stimmungsschwankungen seien zurzeit sehr gross. Im 1.
Arbeitsmarkt sei er zu 80 % leistungsfähig (IV-act. 234). Gemäss Schlussbericht der IV-
Berufsberatung vom 28. September 2016 erachtete der zuständige Berufsberater auf
Grund der gesundheitlichen Einschränkungen eine Unterstützung durch eine
Eingliederungsfachperson als sinnvoll (IV-act. 240; vgl. auch Verlaufsprotokoll
Berufsberatung in IV-act. 241).
Am 20. Oktober 2016 fand ein Gespräch zwischen dem Versicherten und einer IV-
Eingliederungsberaterin statt (IV-act. 258-2 f.). Am 22. November 2016 unterzeichneten
die beiden einen Eingliederungsplan Arbeitsvermittlung zur Unterstützung bei der
Stellensuche (IV-act. 242; vgl. auch entsprechende Verfügung vom 24. November 2016
in IV-act. 251). Am 3. März 2017 endete die Unterstützung bei der Stellensuche. Der
nunmehr zuständige Eingliederungsverantwortliche hielt fest, der Versicherte sei nicht
in der Lage, sein Leben zu strukturieren und auf ein Ziel hinzuarbeiten. Er könne sich
nicht auf den Integrationsprozess einlassen und sei schon mit einem Einsatzprogramm
auf dem 2. Arbeitsmarkt, an welchem er im Rahmen seiner Anmeldung bei der
Arbeitslosenversicherung teilnehme (vgl. IV-act. 258-6), überfordert, ohne benennen zu
können, woran es liege. Einem Arbeitgeber wäre er aus seiner Sicht aufgrund seiner
Persönlichkeit nicht zumutbar. Eine weitere Unterstützung durch die berufliche
Integration erscheine nicht zielführend (IV-act. 258-7).
B.d.
Vom 18. bis 30. Januar 2017 war der Versicherte auf Veranlassung von Dr. med.
M._, bei welchem er ab Dezember 2016 in psychiatrischer Behandlung stand, in der
Psychiatrischen Klinik L._ hospitalisiert, um einen Alkoholentzug durchzuführen (IV-
act. 263 i.V.m. 261-2). Dr. M._ erklärte am 8. April 2017, der Versicherte sei im
Verhalten und psychomotorisch sehr auffällig, hyperaktiv, im Denken manchmal
sprunghaft bis chaotisch. Er spreche von grossen inneren Spannungen und Blockaden.
Er schlage sich mit viel Unterstützung seit Jahren durch, er sei am Arbeitsplatz nicht
zumutbar. Er könne eine Leistung schlecht durchhalten und sei emotional instabil (IV-
act. 261-3).
B.e.
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Am 19. Oktober 2017 untersuchte Dr. G._ den Versicherten im Auftrag der IV-
Stelle erneut psychiatrisch (IV-act. 268 bis 270). Im Gutachten vom 19. Dezember 2017
wird den Diagnosen kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen,
narzisstischen und unreifen Anteilen sowie dem Verdacht auf eine einfache Aktivitäts-
und Aufmerksamkeitsstörung eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zugebilligt (IV-
act. 273-33; für die Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vgl. dasselbe
Actorum). In adaptierten Tätigkeiten sei aus rein psychiatrischer Sicht von einer
Arbeitsfähigkeit von mindestens 70 bis 80 % auszugehen (IV-act. 273-33). Adaptiert
seien Tätigkeiten, die keine erhöhten Anforderungen an die Ausdauer,
Konzentrationsfähigkeit, Stress- und Frustrationstoleranz sowie emotionale
Belastbarkeit stellten. Es handle sich um Tätigkeiten, die keine besondere
Verantwortung für andere Menschen oder höherwertige Sachgegenstände beinhalten
würden. Handwerkliche Tätigkeiten könnten grundsätzlich als adaptierte Tätigkeiten
angesehen werden. Tätigkeiten im sozialen Bereich seien nicht geeignet. Im Übergang
könne ein geschützter Rahmen eine Einstiegshilfe darstellen, im weiteren Verlauf seien
Massnahmen im geschützten Rahmen eher kontraindiziert. Dadurch wäre eine weitere
Verstärkung der schon ausgeprägten Regressionstendenzen zu befürchten (IV-act.
273-34). Die Prognose sei nur als vorsichtig günstig einzuschätzen, Probleme mit der
Motivation, Suchtprobleme und massive psychosoziale Belastungen würden die
Prognose in der Regel verschlechtern (IV-act. 273-35).
B.f.
Laut RAD-Stellungnahme vom 4. Januar 2018 kann aus
versicherungsmedizinischer Sicht auf dieses Gutachten abgestellt werden. Die
Einschätzung des IV-Eingliederungsberaters, dass der Versicherte einem Arbeitgeber
nicht zumutbar sei, lasse sich medizinisch nicht begründen. Er habe aus nicht-
medizinischen Gründen, unter anderem wegen des Wunsches nach mehr Freizeit und
aus mangelnder Motivation, nicht die notwendige Kooperationsbereitschaft bei der
Arbeitssuche gezeigt (IV-act. 274-2).
B.g.
Mit Mitteilung vom 15. Mai 2018 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf
berufliche Massnahmen, da der Versicherte gemäss Telefonat vom selben Tag keine
Unterstützung in Form von beruflichen Massnahmen wünsche (IV-act. 287; vgl. auch
Feststellungsblatt berufliche Massnahmen in IV-act. 286).
B.h.
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C.
Mit Vorbescheid vom 12. Juni 2018 verneinte die IV-Stelle bei einem
Invaliditätsgrad von 25 % auch einen Rentenanspruch des Versicherten (IV-act. 291).
Der Versicherte wandte hiergegen am 10. Juli 2018 ein, dass er aus gesundheitlichen
Gründen nicht in der Lage sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Er ersuchte um
Fristerstreckung für die Einreichung einer ausführlichen Begründung und einer
Stellungnahme zum Gutachten von Dr. G._ (IV-act. 294). Die IV-Stelle gewährte ihm
am 12. Juli 2018 eine Frist bis 15. September 2018 (IV-act. 295). Am 25. September
2018 verfügte sie nach unbenutztem Fristablauf entsprechend dem Vorbescheid die
Abweisung des Rentenbegehrens (IV-act. 296).
B.i.
Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am 23. Oktober 2018 Beschwerde
und beantragte eine Neubeurteilung. Mit einer Rente hätte er die Möglichkeit, in einer
sozialen Institution seinen Fähigkeiten und Schwankungen entsprechend zu arbeiten.
Das Gutachten von Dr. G._ sei zwar ausführlich, schenke jedoch der Diagnose und
seinem Leiden seit der frühen Kindheit kaum Beachtung. Nach über 100 Bewerbungen,
welche alle negativ oder gar nicht beantwortet worden seien, sei ihm bewusst, dass er
in der "normalen Arbeitswelt" keine Chance habe. Dies aufgrund seiner psychischen
Instabilität, seinem Rücken, seinem Alter und den grossen Lücken in seinem
Berufsleben (act. G 1). Der Beschwerde waren Dokumente betreffend die Schulzeit des
Beschwerdeführers (act. G 1.1 - 1.4) und ein Austrittsbericht der Chirurgischen Klinik
des Spitals N._ vom 23. Februar 2018 (act. G 1.5) beigelegt.
C.a.
Mit Beschwerdeantwort vom 13. Dezember 2018 ersuchte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) um Abweisung der Beschwerde. Zur Begründung
brachte sie vor, das Verlaufsgutachten von Dr. G._ erfülle die Anforderungen der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung hinsichtlich des Beweiswertes. Die
beschriebenen Adaptionskriterien seien nicht derart unrealistisch, dass das finden einer
passenden Stelle von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten sei. Hieran
vermöchten weder Das Alter des Beschwerdeführers noch die Lücken in seinem
Lebenslauf etwas zu ändern. Hinsichtlich der Rückenschmerzen habe es keine
Anhaltspunkte für die Notwendigkeit einer somatischen Abklärung gegeben. Dem
C.b.
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Erwägungen
1.
Zwischen den Parteien umstritten und nachfolgend zu beurteilen ist augenscheinlich
das Rentengesuch des Beschwerdeführers. Hinsichtlich des Gesuchs um berufliche
Massnahmen ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom 15.
Mai 2018 einen (weiteren) Anspruch darauf verneinte, da der Beschwerdeführer
gemäss telefonischer Besprechung vom gleichen Tag keine weitere Unterstützung in
Form von beruflichen Massnahmen gewünscht habe (IV-act. 287). Dabei handelte es
sich um eine Mitteilung nach Art. 51 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1). Auch der im formlosen Verfahren
erlassene Entscheid kann wie eine Verfügung – nach einer bestimmten Frist – in
Rechtskraft erwachsen (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 4. Aufl. 2020, N 29 zu Art. 51
ATSG). In BGE 134 V 152 E. 5.3.2 legte das Bundesgericht fest, dass der betroffenen
Person eine Frist von einem Jahr zur Verfügung stehe, um an den Versicherungsträger
zu gelangen und den Erlass einer formellen Verfügung zu verlangen. Dies mit Blick auf
das Gebot der Rechtssicherheit sowie den Verfassungsgrundsatz von Treu und
Glauben (BGE 134 V 150 E. 5.2). Mit der Eingabe vom 30. Januar/1. März 2019
ersuchte der Beschwerdeführer um "Unterstützung in irgendeiner Form" (act. G 8 i.V.m.
Beschwerdeführer stehe es frei, die Rückenschmerzen im Rahmen einer
Wiederanmeldung geltend zu machen (act. G 5).
Am 18. Dezember 2018 gewährte das Gericht dem Beschwerdeführer die
unentgeltliche Rechtspflege (act. G 6).
C.c.
Am 30. Januar 2019 wandten sich die Eltern des Beschwerdeführers an das
Gericht und erklärten, das Gutachten von Dr. G._ sei für sie unverständlich. Es
erstaune nicht nur sie, dass auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend den
Leiden des Beschwerdeführers angepasste Arbeitsgelegenheiten existieren sollten.
Beim Haus- oder Reinigungsdienst seien die negativen Rückmeldungen insbesondere
mit dem Fehlen des Fahrausweises begründet worden (act. G 8). Am 1. März 2019
erteilte der Beschwerdeführer seinen Eltern eine Vollmacht und erklärte sich
ausdrücklich einverstanden mit deren Schreiben vom 30. Januar 2019 (act. G 11).
C.d.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Erstattung einer Duplik (vgl. act. G 12
und 13).
C.e.
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11). Vor diesem Hintergrund kann der nicht in Verfügungsform gekleideten Verneinung
eines Anspruchs auf berufliche Massnahmen gemäss Mitteilung vom 15. Mai 2018 bei
sinngemässem Protest dagegen im Rahmen des Beschwerdeverfahrens vom
30. Januar/1. März 2019 – und damit weniger als ein Jahr nach Erlass der Mitteilung –
keine Rechtskraft zugebilligt werden. Vielmehr ist die Beschwerdegegnerin gehalten,
ihre Mitteilung vom 15. Mai 2018 zu prüfen und nach erfolgten Abklärungen über den
Anspruch auf berufliche Massnahmen des Beschwerdeführers gegebenenfalls eine
Verfügung zu erlassen.
2.
Nachfolgend gilt es den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu prüfen.
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) Versicherte, die ihre Erwerbsfähigkeit oder
die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen, erhalten oder verbessern können (lit. a),
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40
% arbeitsunfähig gewesen sind (lit. b) und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid sind (lit. c). Als Invalidität gilt laut Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) die voraussichtlich
bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und
Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf
dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2
ATSG).
2.1.
Für die Bestimmung des Invaliditätsgrads wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Art. 16 ATSG).
2.2.
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3.
Nach Art. 28 Abs. 2 IVG besteht Anspruch auf eine ganze Invalidenrente, wenn die
versicherte Person mindestens zu 70 %, derjenige auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie
mindestens zu 60 % invalid ist. Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 %
besteht ein Anspruch auf eine halbe Rente und bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 % ein Anspruch auf eine Viertelsrente.
2.3.
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im
Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des
Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung
zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte
Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Hinsichtlich des Beweiswerts eines
Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist,
auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten abgegeben worden ist, in der Darlegung der
medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V
352 E. 3a).
2.4.
Streitig und zu prüfen ist zunächst die Frage, ob beim Beschwerdeführer eine
invaliditätsrelevante Arbeitsunfähigkeit nachgewiesen ist. Die Beschwerdegegnerin hat
der angefochtenen Verfügung die psychiatrische Einschätzung Dr. G._ s einer 70 bis
80%igen Arbeitsfähigkeit zugrunde gelegt und ist davon ausgegangen, dass der
Beschwerdeführer mit der durchschnittlichen 75%igen Arbeitsfähigkeit auf dem 1.
Arbeitsmarkt ein rentenausschliessendes Einkommen zu erwirtschaften vermöge (vgl.
IV-act. 296). Der Beschwerdeführer ist demgegenüber der Ansicht, dass Dr. G._ den
Diagnosen und seinem Leiden zu wenig Beachtung geschenkt habe. Auch macht er
sinngemäss geltend, dass eine allfällige Arbeitsfähigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt nicht
verwertbar sei. In diesem Zusammenhang weist er auf eine Rückenverletzung hin,
wegen welcher er zweimal in Spitalbehandlung gestanden habe (act. G 1 und 8 i.V.m.
11).
3.1.
Vorab ist angesichts dieser vom Beschwerdeführer nach Lage der Akten erstmals
in der Beschwerde geltend gemachten Rückenbeschwerden zu prüfen, ob zur
rechtsgenüglichen Abklärung des Sachverhalts der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers auch aus somatischer Sicht hätte abgeklärt werden müssen. Mit
der Beschwerdegegnerin (vgl. act. G 5 Ziff. III/2 S. 4 f.) ist in diesem Zusammenhang
3.2.
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darauf hinzuweisen, dass den Akten betreffend Rückenbeschwerden einzig einem
Bericht von Dr. F._ vom 4. Dezember 2015 ein Hinweis zu entnehmen ist. Dr. F._
erwähnte, dass 2014 Rückenbeschwerden im Vordergrund gestanden und diese durch
angemessene Instruktionen nachgelassen hätten (IV-act. 223-6 f.). Dem erst mit der
Beschwerde eingereichten Bericht des Spitals N._ vom 23. Februar 2018 ist sodann
die Diagnose eines lumbospondylogenen Schmerzsyndroms zu entnehmen. Im Verlauf
des Spitalaufenthaltes vom 21. bis 23. Februar 2018 waren die Schmerzen laut den
berichtenden Ärzten unter Basisanalgetika und NSAR bereits kompensiert und
neurologische Ausfälle oder eine Schmerzausstrahlung bestanden unverändert nicht
(IV-act. G 1.5). Dieser Bericht ist nicht geeignet, eine längerdauernde Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu belegen resp. Zweifel an seiner
Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht zu erwecken. Wie die Beschwerdegegnerin zu
Recht anführt, ist hinsichtlich der erstmals gegenüber dem Gericht erwähnten
Rückenbeschwerden nicht von einem grossen Leidensdruck des Beschwerdeführers
auszugehen (act. G 5 S. 5). Hierfür spricht auch der Umstand, dass der
Beschwerdeführer im Rahmen des Vorbescheidverfahrens diese Rückenbeschwerden
unerwähnt liess (vgl. IV-act. 294). Nach dem Gesagten ist der Beschwerdeführer auf
die Möglichkeit einer Wiederanmeldung bei der Beschwerdegegnerin zu verweisen. Es
gilt daher im Folgenden zu prüfen, ob Dr. G._ s Gutachten vom 19. Dezember 2017
die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und eine rechtsgenügliche Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychischer Sicht zulässt.
Dr. G._ hatte Kenntnis von den Vorakten (IV-act. 273-3 bis 14), untersuchte den
Beschwerdeführer persönlich (IV-act. 273-1) und liess sich dessen Leiden vom
Beschwerdeführer schildern (IV-act. 273-16 ff.). Bei der Beschwerdenschilderung
standen laut Dr. G._ Krankheitssymptome nicht im Vordergrund, vorrangig seien
psychosoziale Probleme beklagt worden (IV-act. 273-27 i.V.m. 273-20). Er fand
anlässlich der fast dreistündigen Exploration eine allenfalls leicht bedrückte
Grundstimmung, eine im Explorationsverlauf zuletzt allenfalls leicht verminderte
Ausdauer, gewisse Selbstzweifel und Versagensängste bei einem leicht verminderten
Selbstwerterleben, leicht verminderte Durchhalte-, Selbstbehauptungs- sowie
Gruppen- und Teamfähigkeiten, Anzeichen einer etwas verminderten emotionalen
Belastbarkeit, einer erhöhten Kränkbarkeit und einer leicht verminderten Stress- und
Frustrationstoleranz bei Hinweisen auf emotional-instabile, narzisstische und
histrionisch-unreif-infantile Persönlichkeitszüge, gewisse Defizite der sozialen
Kompetenzen, insbesondere der Interaktions- und Konfliktfähigkeit bei gutem
Abgrenzungsvermögen und guten Fähigkeiten zu Manipulation, Hinweise auf
Verdeutlichungstendenzen und Aggravation bei einem deutlichen sekundären
3.3.
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Krankheitsgewinn, ein ausgeprägtes Krankheits-, Schon- und Vermeidungsverhalten
bei einem geringen beruflichen Ehrgeiz und eine Tendenz zur Regression sowie eine
fehlende tragfähige Motivation für eine adäquate psychiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung bei einem nicht spürbaren Leidensdruck (IV-act. 273-20 f.). Unter
Berücksichtigung dieser Befunde diagnostizierte Dr. G._ mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen,
narzisstischen und unreifen Anteilen sowie einen Verdacht auf eine einfache Aktivitäts-
und Aufmerksamkeitsstörung (IV-act. 273-33). Er kam zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als Betriebsangestellter H._ oder
Fachmann Betriebsunterhalt EFZ und in anderen adaptierten Tätigkeiten mindestens 70
- 80 % arbeitsfähig sei (IV-act. 273-33). Ideal adaptiert seien medizinisch-theoretisch
sämtliche adaptierten Hilfstätigkeiten des freien Arbeitsmarktes, welche _-jährigen
Männern zugemutet werden könnten. Es sollten keine erhöhten Anforderungen an die
Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Stress- und Frustrationstoleranz sowie die
emotionale Belastbarkeit gestellt werden. Auch sollte keine besondere Verantwortung
für andere Menschen oder höherwertige Sachgegenstände vorausgesetzt werden.
Handwerkliche Tätigkeiten seien grundsätzlich adaptiert, Tätigkeiten im sozialen
Bereich seien nicht geeignet (IV-act. 273-34). Der Facharzt erachtete diese
Restarbeitsfähigkeit medizinisch-theoretisch als in der freien Wirtschaft realisierbar (IV-
act. 273-34). Dies ist vor dem Hintergrund, dass der Gutachter einen psychischen
Befund mit leichten Einschränkungen und allenfalls leicht verminderter Ausdauer sowie
Stress- und Frustrationstoleranz feststellte (IV-act. 273-32), schlüssig. Insgesamt ist
festzuhalten, dass Dr. G._ s Beurteilung der medizinischen Situation begründet,
nachvollziehbar und einleuchtend ist. Darüber hinaus ist nachvollziehbar, dass Dr.
G._ in dem ihm beschriebenen Tagesablauf eine Ressource des Beschwerdeführers
erblickte (IV-act. 273-27). So trifft sich der Beschwerdeführer häufig mit einem resp.
mehreren Kollegen und mit seinen Eltern und unternimmt alleine Fernreisen (IV-act.
273-17 f.). Verständlich ist sodann auch die Einschätzung von Dr. G._, dass eine
Tätigkeit im geschützten Rahmen aufgrund der Tendenz des Beschwerdeführers, sich
zu schonen bzw. sich zurückzuziehen, eher kontraindiziert sei, da eine Verstärkung der
Regressionstendenz zu befürchten wäre (IV-act. 273-34). Dr. G._ stellte über
Verdeutlichungstendenzen weit hinausgehende Hinweise auf Aggravation fest. Der
mangelnde berufliche Ehrgeiz, die geringe Motivation in der Therapie und bei den
beruflichen Eingliederungsmassnahmen sowie die Regression bzw. sogenannte
erlernte Hilflosigkeit seien ihm zufolge keinesfalls vorrangig als krankheitsbedingt
einzustufen. Eine Reihe von psychosozialen Belastungsfaktoren habe ganz im
Vordergrund der Beschwerdeschilderung gestanden (subjektives eigenwilliges
Krankheitskonzept, geringe Schulbildung, einfache Berufsausbildung, Abschluss der
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4.
Umschulung mit 40 Jahren im zweiten Anlauf, Ausübung von einfachen beruflichen
Tätigkeiten, seit der Jugendzeit geringer beruflicher Ehrgeiz, inzwischen sehr geringer
beruflicher Ehrgeiz, eher geringe Chancen auf dem freien Arbeitsmarkt,
Dekonditionierung vom regulären Arbeitsprozess, Lebensalter über 40 Jahre,
langjährige Konflikte mit Gleichaltrigen, fehlende soziale Unterstützung, weiterhin enge
Mutterbindung, frühe Berentung des Bruders, AHV-Berentung der Eltern,
Entschädigungs- und fortgesetzter Rentenwunsch; IV-act. 273-35). Die von Dr. G._
beschriebene geringe Motivation hinsichtlich Therapie ist angesichts der lediglich alle
drei bis vier Wochen wahrgenommenen Gesprächstermine bei Dr. M._ von ca. 30 bis
60 Minuten (IV-act. 273-16) einleuchtend. Hinsichtlich der Abweichung seiner
Einschätzung von jener der behandelnden Ärzte wies Dr. G._ zu Recht drauf hin,
dass diese die psychosozialen Belastungsfaktoren in ihre Einschätzung miteinbezogen
hatten (IV-act. 273-36). Diese haben jedoch der einschlägigen Rechtsprechung zufolge
unbeachtlich zu bleiben, denn das Bundesgericht hat den bio-psycho-sozialen
Krankheitsbegriff als im Rahmen der Arbeitsunfähigkeit nach Art. 6 ATSG rechtlich
nicht massgebend bezeichnet (BGE 143 V 418 E. 6). Hinsichtlich abweichender
Einschätzungen erklärte Dr. G._ sodann schlüssig, die behandelnden Ärzte hätten
sich in ihrer Beurteilung fast ausschliesslich auf die subjektiven Angaben und
ausgeprägten Klagen des Beschwerdeführers gestützt (IV-act. 273-35 f.). Jedenfalls
vermögen die Einschätzungen der behandelnden Ärzte keine Zweifel an Dr. G._ s
Gutachten zu wecken.
Insgesamt ist in Übereinstimmung mit dem zuständigen Arzt vom RAD (vgl. IV-act.
274) festzuhalten, dass auf das psychiatrische Gutachten von Dr. G._ abgestellt
werden kann. Folglich ist von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
auszugehen in der angestammten und in adaptierten Tätigkeiten (IV-act. 273-34; für die
Adaptionskriterien vgl. dasselbe Actorum und vorstehende E. 3.3).
3.4.
Dass trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung zumutbarer Weise erzielbare
Einkommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 16 ATSG) zu
ermitteln. Dieser ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen
Angebot und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedener
Tätigkeiten auf (BGE 110 V 273 E. 4b). Dies gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten
beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes (Urteil des Bundesgerichts vom 26. Juni 2018, 8C_133/2018, E. 2.2.1). An die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind keine
übermässigen Anforderungen zu stellen. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst auch
4.1.
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5.
Ausgehend von der Arbeitsfähigkeit gemäss E. 3.4 bleiben die erwerblichen
Auswirkungen der Leistungsbeeinträchtigung zu prüfen. Dabei ist der Invaliditätsgrad
anhand eines Einkommensvergleichs zu bestimmen (vgl. E. 2.2).
sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen
Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen
können (Urteil des Bundesgerichts vom 21. September 2010, 9C_124/2010, E. 2.2 mit
Hinweis). Von einer Arbeitsgelegenheit kann jedoch dann nicht mehr gesprochen
werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich
ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter
nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich
wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als
ausgeschlossen erscheint (BGE 138 V 457 E. 3.1; Urteil des Bundesgerichts vom 6. Juli
2017, 9C_253/2017, E. 2.2.1).
Vor diesem Hintergrund bestehen für die Verneinung der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers entgegen dessen Ansicht und trotz der
von ihm erwähnten über 100 erfolglosen Bewerbungen (act. G 1) keine hinreichenden
Gründe. Diesbezüglich ist auf die zutreffenden Ausführungen der Beschwerdegegnerin
in der Beschwerdeantwort zu verweisen (act. G 5 Ziff. III/2). Selbstverständlich ist
nachvollziehbar, dass der konkrete Arbeitsmarkt dem Beschwerdeführer mit seiner
Erwerbsbiographie erschwerte Verhältnisse bietet. Dies ist auf dem für die
Invaliditätsbemessung massgebenden hypothetischen ausgeglichenen Arbeitsmarkt, in
dem sich Angebot an und Nachfrage nach Stellen die Waage halten (vgl. hierzu
vorstehende E. 4.1), jedoch nicht der Fall. Das dem Beschwerdeführer noch mögliche
Tätigkeitsprofil (vgl. dazu IV-act. 273-34) ist breit genug, als dass er nicht nur unter
unrealistischem Entgegenkommen eines Arbeitgebers eine Anstellung finden könnte.
Die Verneinung der Verwertbarkeit, die in der Praxis restriktiv gehandhabt wird, fällt
folglich ausser Betracht.
4.2.
Betreffend die Bestimmung des Valideneinkommens wird in der Regel am zuletzt
erzielten Einkommen angeknüpft, weil davon auszugehen ist, dass die versicherte
Person ohne den Eintritt der Arbeitsunfähigkeit die bisherige Tätigkeit weitergeführt
hätte (BGE 134 V 322 E. 4.1). Da der Beschwerdeführer nach der obligatorischen
Schulzeit die Lehre zum Betriebsfachangestellten H._ abschloss und auch im
Anschluss daran noch mehrere Jahre für die H._ tätig war (IV-act. 26-2 und 249-2),
kommt eine Anwendung von Art. 26 der Verordnung über die Invalidenversicherung
5.1.
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(IVV; SR 831.201) nicht in Frage. Denn unter Art. 26 Abs. 1 IVV fallen die Personen,
welche infolge ihrer Invalidität überhaupt keine Berufsausbildung absolvieren können,
aber auch jene, welche zwar eine Berufsausbildung beginnen und allenfalls auch
abschliessen, zu Beginn der Ausbildung jedoch bereits invalid sind und mit dieser
Ausbildung nicht dieselben Verdienstmöglichkeiten realisieren können wie eine
nichtbehinderte Person mit derselben Ausbildung (Entscheide des Bundesgerichts vom
12. September 2019, 8C_291/2019, E. 5.2, und vom 19. Februar 2015, 9C_611/2014,
E. 3.2; Kreisschreiben über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung,
Stand: 1. Januar 2018, Rz 3035). Das letzte längerdauernde stabile Arbeitsverhältnis
des Beschwerdeführers war jenes mit den H._ (vgl. Auszug aus dem individuellen
Konto in IV-act. 168). Die Beschwerdegegnerin hat für die Ermittlung des
Valideneinkommens zu Unrecht auf ein Einkommen als Hilfsarbeiter abgestellt (vgl. IV-
act. 290). Gemäss dem IK-Auszug hat das bei den H._ erwirtschaftete
Erwerbseinkommen im Jahr 1999 Fr. 58’326 (Fr. 57'886.-- plus Fr. 440.--) betragen (IV-
act. 168-4). Da Ohnehin kein Rentenanspruch resultiert (vgl. nachstehend E. 5.2 f.),
können detailliertere Abklärungen zur genauen Zusammensetzung und Relevanz dieses
Einkommens unterbleiben. Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung bis ins
Jahr 2016 (hypothetischer Rentenbeginn; vgl. hierzu Art. 29 Abs. 2 i.V.m. Art. 22 IVG)
ergibt sich ein höchstmögliches Valideneinkommen von Fr. 71’167.25 (Index Männer
1999: 1835; Index Männer 2016: 2239; Basis 1939 = 100; vgl. Bundesamt für Statistik,
Tabelle T 39, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der
Reallöhne, 1939 bis 2019).
Nach der Beendigung seiner Umschulung im I._ im Juli 2016 war der
Beschwerdeführer nicht mehr maßgeblich arbeitstätig. Da das letztmalige Ausüben
seiner angestammten Tätigkeit sehr weit zurückliegt, ist zur Bestimmung des
Invalideneinkommens zu Gunsten des Beschwerdeführers auf die statistischen
durchschnittlichen Löhne gemäß den Lohnstrukturerhebungen (LSE) des Bundesamtes
für Statistik zurückzugreifen. Gemäß den LSE von 2016 haben Männer im
Kompetenzniveau 1 bei einer betriebsüblichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7
Stunden durchschnittlich ein Jahreseinkommen von Fr. 66'803.-- erzielt (vgl. Anhang 2
der IVG-Ausgabe der Informationsstelle AHV/IV, Ausgabe 2019).
5.2.
Ausgehend von einer 75%igen Arbeitsfähigkeit für leidensangepasste Tätigkeiten
resultiert bei einem Valideneinkommen von Fr. 71'167.25 und einem
Invalideneinkommen von Fr. 50’102.25 (75 % von Fr. 66'803.--) ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von rund 30 %. Ob ein Tabellenlohnabzug
vorzunehmen ist und wenn ja, in welcher Höhe, kann bei diesem Ergebnis offenbleiben,
5.3.
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