Decision ID: 7190230d-cfb8-4741-8ca7-3184f6014b88
Year: 2016
Language: de
Court: SG_KGN
Chamber: SG_KGN_999
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: 

Sachverhalt:
A.- X besitzt den schweizerischen Führerausweis seit 1968. Gestützt auf ein
verkehrsmedizinisches Gutachten, worin ihre Fahreignung wegen episodenhaften
Alkoholüberkonsums sowie Verdachts auf eine psychische Erkrankung nicht
abschliessend positiv beurteilt werden konnte, verfügte das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen, Abteilung Administrativmassnahmen
(nachfolgend: Strassenverkehrsamt), am 20. Juni 2008 einen vorsorglichen
Führerausweisentzug. Gleichzeitig wurde X auf die Empfehlungen der
Verkehrsmedizinerin hingewiesen, wonach sie vor einer abschliessenden Beurteilung
verschiedene Bedingungen zu erfüllen habe, unter anderem den Nachweis einer
mindestens sechsmonatigen fachärztlich-psychiatrischen Betreuung, die Durchführung
von regelmässigen augenärztlichen Kontrollen und die Einhaltung einer
Alkoholabstinenz. Der von X dagegen erhobene Rekurs wurde mit Entscheid des
Abteilungspräsidenten der Verwaltungsrekurskommission IV-2008/74 vom 8. August
2008 abgewiesen.
B.- Gestützt auf das verkehrsmedizinische Gutachten vom 23. Februar 2010 hob das
Strassenverkehrsamt den vorsorglichen Führerausweisentzug am 11. März 2010 auf
und versah den Führerausweis von X mit Auflagen (regelmässige psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung, regelmässige hausärztliche und augenärztliche
Kontrollen mit Verlaufsbeurteilung des Alkoholkonsums durch CDT-Kontrollen alle zwei
Monate sowie halbjährliche Berichte der betreuenden Stellen).
C.- Mit Schreiben vom 25. Oktober 2012 ersuchte X um Aufhebung der Auflagen. Am
13. März 2013 unterzog sie sich einer verkehrsmedizinischen Untersuchung zur
Feststellung der Fahreignung. Im Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin am
Kantonsspital St. Gallen, Abteilung Verkehrsmedizin (nachfolgend: IRM), vom 23. April
2013 kam der Verkehrsmediziner zum Schluss, es bestehe derzeit aufgrund eines
Alkoholmissbrauchs wegen einer psychiatrischen Erkrankung mit aktuell instabilem
Verlauf keine Fahreignung. In der Folge entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis mit Verfügung vom 29. April 2013 vorsorglich und verbot ihr das Führen
von Motorfahrzeugen aller Kategorien. Der dagegen erhobene Rekurs wurde mit
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Entscheid des Abteilungspräsidenten der Verwaltungsrekurskommission IV-2013/74
vom 20. August 2013 abgewiesen.
Am 22. Juli 2013 lenkte X ein Fahrzeug trotz Führerausweisentzugs, wofür sie mit
Strafbefehl des Untersuchungsamtes U vom 2. September 2013 zu einer bedingten
Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je Fr. 50.– und zu einer Busse von Fr. 500.– verurteilt
wurde.
D.- Mit Verfügung vom 5. November 2013 entzog das Strassenverkehrsamt X den
Führerausweis gestützt auf Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG aus medizinischen Gründen bei
einer Sperrfrist von drei Monaten auf unbestimmte Zeit. Als Bedingung für die
Aufhebung des Entzugs wurde eine regelmässige fachärztliche psychiatrische Kontrolle
und Behandlung inkl. Protokollierung der Medikamentenspiegel, eine kontrollierte
Alkoholabstinenz samt Haaranalysen gemäss Info-Blatt sowie eine zusätzliche
Haaranalyse auf Benzodiazepine alle sechs Monate verlangt. Einem allfälligen Rekurs
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
Der gegen diese Verfügung von X erhobene Rekurs wurde mit Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission IV-2013/156 vom 28. Mai 2014 gutgeheissen. Die

Streitsache wurde zu weiteren Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu neuer
Verfügung an die Vorinstanz zurückgewiesen. Das Gericht erwog, das
verkehrsmedizinische Gutachten vermöge den Nachweis, dass die Betroffene an einer
die Fahreignung ausschliessenden psychischen Erkrankung leide, nicht zu erbringen.
Es sei eine Neubeurteilung vorzunehmen und ein umfassendes verkehrsmedizinisches
Gutachten inklusive psychiatrischer Beurteilung zu erstellen, das sich insbesondere
auch zur Wechselwirkung zwischen psychischer Erkrankung und Alkoholkonsum
äussere.
E.- Daraufhin gab die Vorinstanz beim IRM ein entsprechendes Gutachten in Auftrag.
Darin kamen die Gutachter zum Schluss, die Fahreignung von X könne aus
verkehrsmedizinisch-verkehrspsychologischer Sicht aufgrund bestehender kognitiver
Leistungsmängeln sowie fortbestehenden Alkoholmissbrauchs nicht befürwortet
werden. Gestützt darauf entzog das Strassenverkehrsamt X den Führerausweis mit
Verfügung vom 6. Mai 2015 bei einer Sperrfrist von drei Monaten auf unbestimmte Zeit.
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Als Bedingung für die Aufhebung des Entzugs wurde die Durchführung eines
ergotherapeutischen Neurotrainings (zwei Stunden pro Woche) über mindestens ein
Jahr, eine kontrollierte Alkoholabstinenz von mindestens zwölf Monaten mittels
Haaranalysen alle sechs Monate, eine regelmässige ambulant-psychiatrische
Betreuung zur genaueren diagnostischen Eingrenzung der psychiatrischen und
neurokognitiven Auffälligkeiten, die Durchführung einer Goldmann-Perimetrie sowie
eine verkehrsmedizinisch-verkehrspsychologische Kontrolluntersuchung verlangt.
Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
F.- Gegen die Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom 6. Mai 2015 erhob X durch
ihren Vertreter am 21. Mai 2015 Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission. Sie
beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und ihr sei der Führerausweis
auszuhändigen; ferner sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung zu erteilen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Mit Vernehmlassung vom 15. Juni 2015 beantragte
das Strassenverkehrsamt die Abweisung des Rekurses. Dazu nahm die Rekurrentin mit
Schreiben vom 6. Juli 2015 Stellung. Auf die Ausführungen der Beteiligten wird, soweit
erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Mit Verfügung vom 25. August 2015 wies die Gerichtsleitung das Gesuch um Erteilung
der aufschiebenden Wirkung ab, wobei die Kosten jener Verfügung bei der Hauptsache
blieben.
Erwägungen:
1.- Die Eintretensvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen. Die
Verwaltungsrekurskommission ist zum Sachentscheid zuständig. Die Befugnis zur
Rekurserhebung ist gegeben. Der Rekurs vom 21. Mai 2015 ist rechtzeitig eingereicht
worden. Er erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen
(Art. 41 lit. g , 45, 47 und 48 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege,
sGS 951.1, abgekürzt: VRP). Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.- Im Rekurs wird geltend gemacht, es fehlten schlüssige Hinweise, welche einen
Sicherungsentzug rechtfertigten. Wie es sich damit verhält, ist im Folgenden zu prüfen.
bis
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a) Die Rekurrentin bringt im Wesentlichen vor, sie besitze den Führerausweis seit 45
Jahren und habe einen unbescholtenen automobilistischen Leumund. Insbesondere
habe sie sich noch nie wegen Suchtmittelkonsums im Strassenverkehr strafbar
gemacht. Im Jahr 2008 sei ihr der Führerausweis ohne relevanten Vorfall vorsorglich
entzogen worden. Die behandelnde Psychiaterin habe gestützt auf eigene
psychiatrische Abklärungen sowie auf Laborbefunde wiederholt attestiert, dass keine
Suchterkrankung vorliege. Eine psychiatrische Diagnose sei nie gestellt worden. Die
Rekurrentin habe keiner Abstinenzauflage unterstanden und die CDT-Kontrollen seien
durchwegs negativ ausgefallen; desgleichen die augenärztlichen Befunde. Gemäss
dem aktuellen Gutachten bestehe lediglich der Verdacht auf ein amnestisches
Syndrom. Die verkehrspsychologische Leistungsdiagnostik zeige eine mittelstarke
Einschränkung in gewissen Bereichen, welche jedoch behoben werden könne.
Der Entzugsgrund der Alkoholsucht bestehe sodann gerade nicht. Bei der im Rahmen
der Untersuchung entnommenen Haarprobe sei ein Ethylglucuronid(EtG)-Wert von 42
pg/mg festgestellt worden, dies bei einer Messunsicherheit von +/- 25%, welche zu
Unrecht nicht berücksichtigt worden sei. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei nicht
auf den Mittelwert, sondern auf den Minimalwert abzustellen. Der zitierte
bundesgerichtliche Entscheid betreffe lediglich Fälle, bei denen die Beweislast für die
Abstinenz beim Rechtsunterworfenen liege. Selbst wenn man von einem EtG-Wert von
42 pg/mg ausgehe, könne daraus kein Grund für einen Sicherungsentzug abgeleitet
werden. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sei ein EtG-Wert von 45 pg/mg
(bzw. 66 pg/mg) kein ausreichender Grund für die Annahme eines verkehrsrelevanten
Alkoholmissbrauchs. Ein solcher Befund liege nur dann vor, wenn der Proband
zwischen seinem Alkoholkonsum und einem verantwortungsvollen Verhalten im
Strassenverkehr nicht ausreichend zu differenzieren vermöge bzw. die nahe liegende
Gefahr bestehe, dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr
teilnehme. Es müsse insbesondere dargetan sein, dass er seine Neigung zu
übermässigem Alkoholgenuss durch den eigenen Willen nicht zu überwinden oder
kontrollieren vermöge und dadurch mehr als jede andere Person der Gefahr ausgesetzt
sei, sich in einem Zustand an das Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, der das sichere
Fahren nicht mehr gewährleiste. Die Rekurrentin habe sich noch nie in angetrunkenem
Zustand hinter das Steuer gesetzt oder auch nur Äusserungen in diese Richtung
gemacht. Zudem hätten sich bei der Rekurrentin bei den anderen Suchtmerkmalen
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durchwegs negative Befunde gezeigt. Die einschlägigen Blutwerte wie auch die
körperliche Untersuchung seien unauffällig ausgefallen. Der leicht erhöhte MCV-Wert
habe keine Aussagekraft. Entgegen der Ansicht der Vorinstanz sei das angebliche
Fehlen einer Krankheitseinsicht und Bagatellisieren der Trinkgewohnheiten gerade kein
logisch und rechtlich zulässiges Argument. Vielmehr handle es sich um ein
zirkelschlüssiges Scheinargument, wovon auch das Bundesgericht ausgehe. Bei der
Rekurrentin sei weder ein bestimmtes Trinkverhalten beweisrechtlich erstellt noch sei
eine konkrete "Krankheit" beweisrechtlich schlüssig erhoben. Die Unterstellung eines
fehlenden Problembewusstseins in Bezug auf den Alkoholkonsum und die psychische
Befindlichkeit sei aktenwidrig und unzutreffend. Die Rekurrentin unterziehe sich den
ärztlich empfohlenen therapeutischen Massnahmen. Frau Dr. A habe eine medizinische
Suchterkrankung wiederholt als nicht gegeben attestiert.
Auch nach der erneuten Begutachtung fehle es unverändert an der gutachterlichen
Bestätigung einer psychischen Fahrbeeinträchtigung. Eine psychiatrische Exploration
habe nicht stattgefunden. Das Gutachten spreche lediglich von Verdachtsdiagnosen.
Der die Rekurrentin aktuell betreuende Psychiater (Dr. B) habe bestätigt, dass keine
Hinweise für eine manisch-depressive oder eine wahnhafte Erkrankung beständen.
Psychopharmaka seien derzeit weder indiziert noch verordnet. Es sei daher
aktenwidrig, der Rekurrentin in der angefochtenen Verfügung eine psychische Störung
zu attestieren. Der Rekurrentin sodann charakterliche Schwierigkeiten zu unterstellen,
die einer Fahreignung entgegenstünden, entbehre jeglicher Grundlage. Es fehle an
einem entsprechenden wiederholten, schwer verkehrsregelverletzenden Verhalten.
Der schwere Eingriff eines Sicherungsentzugs setze sorgfältige verkehrsmedizinische
Abklärungen voraus, welche auch eine eingehende Prüfung der persönlichen
Verhältnisse, die gründliche Aufarbeitung der Trunkenheitsfahrten, eine spezifische
Alkoholanamnese sowie eine umfassende medizinische körperliche Untersuchung
voraussetze. Eine mangelnde Fahreignung dürfe nicht leichthin angenommen werden.
Eine solche Untersuchung sei vorliegend erfolgt, habe aber gerade keine krankhafte
Einschränkung der Fahreignung ergeben. Der Umstand, dass die Rekurrentin seit ihrer
Pensionierung eine bunte Lebensgestaltung gewählt habe, stehe ihr ohne weiteres zu.
Sie dürfe auch Alkohol im zulässigen Mass konsumieren. Die Frage, ob und weshalb
sie Fahren und Trinken nicht trennen könne, werde im Gutachten nicht beantwortet.
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Das Gutachten verlange ferner einen augenärztlichen Bericht über das Gesichtsfeld
nach Goldmann, was von der Rekurrentin akzeptiert werde.
b) Der Führerausweis muss entzogen werden, wenn festgestellt wird, dass die
gesetzlichen Voraussetzungen für die Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16
Abs. 1 des Strassenverkehrsgesetzes, SR 741.01, abgekürzt: SVG). In diesen Fällen
dient der Entzug des Ausweises der Sicherung des Verkehrs vor ungeeigneten
Fahrzeugführern und wird daher als Sicherungsentzug bezeichnet. Ein solcher Entzug
wird grundsätzlich auf unbestimmte Zeit ausgesprochen (Art. 16d Abs. 1 SVG).
Bestehen Zweifel an der Fahreignung einer Fahrzeugführerin, sind medizinische,
verkehrspsychologische oder psychiatrische Abklärungen vorzunehmen (Art. 11b
Abs. 1 lit. a und b der Verordnung über die Zulassung von Personen und Fahrzeugen
zum Strassenverkehr, SR 741.51, abgekürzt: VZV).
Wegen fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis entzogen, wenn
ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit nicht oder nicht mehr ausreicht, ein
Motorfahrzeug sicher zu führen (Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG). Darunter fallen alle in
Betracht kommenden medizinischen und psychischen Gründe (Botschaft zur Änderung
des SVG vom 31. März 1999, in: BBl 1999 S. 4491). Grundsätzlich müssen die
medizinischen Mindestanforderungen – bezogen auf die jeweilige
Führerausweiskategorie – gemäss Anhang 1 VZV erfüllt sein (Art. 25 Abs. 3 lit. a SVG,
Art. 7 Abs. 1 VZV). Für die dritte medizinische Gruppe (u.a. mit den
Führerausweiskategorien A und B) heisst dies unter anderem, dass die Betroffene
keine schweren Nervenkrankheiten, keine Geisteskrankheiten von Bedeutung, keinen
Schwachsinn, keine Psychopathien, keine periodischen Bewusstseinstrübungen oder -
verluste und keine Gleichgewichtsstörungen haben darf (vgl. Anhang 1 zur VZV). In der
Literatur werden als die Fahreignung verhindernde, psychische Krankheiten solche
bezeichnet, deren Symptome direkten Einfluss auf die Fahreignung haben, indem es zu
Bewusstseinstrübungen, Halluzinationen, Verwirrung oder psychotischen Ideen kommt
(R. Schaffhauser, Grundriss des Strassenverkehrsrechts, Bd. III, Bern 1995, N 2096).
Die Voraussetzung zum sicheren Führen von Motorfahrzeugen dürfte für alle
Kategorien bei schizophrenen Erkrankungen, insbesondere wenn sie mit Wahn,
Sinnestäuschungen, Denk- und Verhaltensstörungen einhergehen, grundsätzlich nicht
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gegeben sein (V. Dittmann, Psychische Störungen und Fahreignung, in: Stöckli/Werro
[Hrsg.], Strassenverkehrsrechtstagung 2006, Bern 2006, S. 112 f.).
Psychologische Aspekte der Fahreignung sind – mit Ausnahme der Frage der
charakterlichen Eignung im Sinn von Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG – nicht näher geregelt.
Entscheidend ist, dass ein Motorfahrzeug sicher geführt werden kann (vgl. Art. 16d
Abs. 1 lit a SVG). Aus psychologischer Sicht geht es um die psychophysische
Leistungsfähigkeit. Letztere ist nicht mehr gegeben, wenn Hirnleistungsdefizite
(kognitive Beeinträchtigungen in den Bereichen optische Orientierung,
Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit und Belastbarkeit) in
einem solchen Ausmass bestehen, dass eine Teilnahme als Fahrzeuglenkerin am
Strassenverkehr mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Überforderung wäre. Insbesondere
mit verkehrspsychologischen Leistungstests wird überprüft, ob solche
Hirnleistungsdefizite vorliegen. Die Notwendigkeit einer Abklärung der kognitiven
Hirnleistungsfunktionen kann – wie hier – als Ergänzung zu einer medizinischen
Untersuchung angezeigt sein (vgl. BGE 133 II 384 E. 3.5 mit Hinweisen). Wie die
Fahreignung aus psychophysischer Sicht zu beurteilen ist, kann nur indirekt aus den
Bestimmungen der VZV zum Bestehen der praktischen Führerprüfung geschlossen
werden. Als Massstab gilt allgemein, dass ein Motorfahrzeug unter Einhaltung der
Verkehrsregeln auch in schwierigen Verkehrssituationen vorausschauend und mit
Rücksicht auf die übrigen Verkehrsteilnehmer zu führen ist (Art. 22 Abs. 1 i.V.m.
Anhang 12 Ziff. II VZV; vgl. auch BGE 133 II 384 E. 3.6).
Der Führerausweis wird einer Person ebenfalls auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn
sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst (Art. 16d Abs. 1 lit. b
SVG), wie beispielsweise Alkohol-, Betäubungs- und Arzneimittelabhängigkeit
(Botschaft S. 4491). Die Rechtsprechung bejaht eine Trunksucht, wenn die betroffene
Person regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass ihre Fahrfähigkeit vermindert wird
und sie diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den eigenen Willen
nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Auf eine fehlende Fahreignung darf
geschlossen werden, wenn die Person nicht mehr in der Lage ist, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe liegende Gefahr besteht,
dass sie im akuten Rauschzustand am motorisierten Strassenverkehr teilnimmt. Der
Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht mit dem medizinischen Begriff
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der Alkoholabhängigkeit. Auch bloss suchtgefährdete Personen, bei denen aber
jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt, können demnach vom Führen eines
Motorfahrzeugs ferngehalten werden (BGE 129 II 82 E. 4.1 mit Hinweis; vgl. auch Urteil
des Bundesgerichts [BGer] 6A.8/2007 E. 2.1).
Der Ausweis wird sodann auf unbestimmte Zeit entzogen, wenn eine Person aufgrund
ihres bisherigen Verhaltens nicht Gewähr bietet, dass sie künftig beim Führen eines
Motorfahrzeugs die Vorschriften beachten und auf die Mitmenschen Rücksicht nehmen
wird (vgl. Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG; Nichteignung aus charakterlichen Gründen).
Anzeichen hierfür bestehen, wenn Charaktermerkmale des Betroffenen, die für die
Eignung im Verkehr erheblich sind, darauf hindeuten, dass er als Lenker eine Gefahr für
den Verkehr darstellt (BGE 104 Ib 95 E. 1). Für den Sicherungsentzug aus
charakterlichen Gründen ist die schlechte Prognose über das Verhalten als
Motorfahrzeugführer massgebend (Ph. Weissenberger, Kommentar SVG und OBG, 2.
Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Art. 14a SVG N 23). Die Behörden müssen gestützt
hierauf den Ausweis verweigern oder entziehen, wenn hinreichend begründete
Anhaltspunkte vorliegen, dass der Führer rücksichtslos fahren wird (vgl. Botschaft vom
24. Juni 1955 zum Entwurf eines Bundesgesetzes über den Strassenverkehr, BBl 1955
II S. 21 f.). Die Frage ist anhand der Vorkommnisse (unter anderem Art und Zahl der
begangenen Verkehrsdelikte) und der persönlichen Umstände zu beurteilen (BGE 125 II
492 E. 2a).
Die Vorinstanz trägt die Beweislast für das Vorliegen der fehlenden Fahreignung beim
Sicherungsentzug. Da ein Sicherungsentzug stark in den Persönlichkeitsbereich
eingreift, sind die persönlichen Verhältnisse der Betroffenen in jedem Fall und von
Amtes wegen genau abzuklären. Das Ausmass der notwendigen behördlichen
Nachforschungen richtet sich nach den Umständen des Einzelfalls und liegt im
pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde (vgl. BGE 129 II 82 E. 2.2). Die
Beweismittel und damit auch das verkehrsmedizinische Gutachten unterliegen der
freien richterlichen Beweiswürdigung (Art. 21 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1
VRP). In Sachfragen weicht der Richter aber nur aus triftigen Gründen von einer
gerichtlichen Expertise ab. Er prüft, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der
Vorbringen der Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit eines Gutachtens
in wesentlichen Punkten aufdrängen. In diesem Fall hat er nötigenfalls ergänzende
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Beweise zur Klärung der Zweifel zu erheben (BGE 133 II 384 E. 4.2.3 mit weiteren
Hinweisen). Das Gutachten soll in der Gesamtbeurteilung die erhobenen Befunde
hinsichtlich der Fragestellung würdigen und so gewichten, dass die
Schlussfolgerungen und die Beantwortung der Fragestellung auch für einen
psychologischen Laien nachvollziehbar sind (vgl. J. Bächli-Biétry, Inhalt des
Gutachtens, Würdigung, Folgefragen aus verkehrspsychologischer Sicht, in: Jahrbuch
zum Strassenverkehrsrecht 2009, St. Gallen 2009, S. 58).
c) Die Vorinstanz hat den Sicherungsentzug hauptsächlich gestützt auf Art. 16d Abs. 1
lit. a SVG ausgesprochen und dazu ausgeführt, gemäss Gutachten beständen
verkehrsrelevante kognitive Leistungseinbussen. Die verkehrspsychologische
Untersuchung der Rekurrentin wurde von Dr.phil. C.D. am 16. und 30. Oktober 2014
durchgeführt. Sie beruht auf einem verkehrspsychologischen Interview sowie auf
Befunden verschiedener Tests und enthält eine Beurteilung der Leistungsfähigkeit.
aa) Das Computerdiagnostiksystem ART 2020 umfasst Tests zur Erfassung der
kognitiven (leistungspsychologischen) und charakterlichen Fahreignung. Bei den
verkehrsrelevanten Leistungsfunktionen werden Belastbarkeit,
Konzentrationsvermögen, Aufmerksamkeit, Reaktionsfähigkeit, Stresstoleranz sowie
Orientierungsfähigkeit und visuelle Wahrnehmung ermittelt. Bei der charakterlichen
Beurteilung werden Indikatoren für Persönlichkeitsstruktur, Einstellungen und
Verhaltensweisen erhoben. Die Resultate der einzelnen Tests werden mittels
Normwerten, sog. Prozenträngen (PR), wiedergegeben und entsprechend den
jeweiligen Testhandbüchern interpretiert. Für Auto- und Motorradfahrer muss ein
Prozentrang von mindestens 16 erreicht werden.
Mit dem Test Q1 wird die Konzentrationsleistung unter Monotonie überprüft, wobei
durch das sehr einfach strukturierte, gleichartige und dadurch monotone Reizmaterial
ein Gewöhnungseffekt entsteht, der eine bewusste Aufmerksamkeitszuwendung
erfordert. Es werden dabei vier einfach strukturierte Modellzeichen für die Testdauer
unverändert dargeboten. Darunter wird ein Vergleichszeichen dargestellt. Durch
Tastendruck ist anzugeben, ob das jeweilige Vergleichszeichen mit einem der Modelle
identisch ist oder nicht. Unmittelbar im Anschluss an die Reaktion erscheint das
nächste Vergleichszeichen. Das Arbeitstempo wählt die Testperson selber. Die
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Rekurrentin erreichte bei der Leistungsmenge einen Prozentrang von 11 und bei der
Leistungsgenauigkeit einen Prozentrang von 8 (vgl. act. 11/246), was einer leichten
Beeinträchtigung entspricht.
Beim Test TT15 geht es um die visuelle Wahrnehmung und die Frage, wie
Informationen, die visuell schnell gegeben werden, verarbeitet werden. Es werden die
Möglichkeiten und Grenzen der visuellen Informationsaufnahme im Strassenverkehr
untersucht. Die Aufgabe umfasst Probe-Dias und 15 Test-Dias, wo drei Fragen per
Multiple-Choice zu beurteilen sind. Man sieht auf dem Bildschirm für die Dauer von
0.75 Sekunden eine Strassenverkehrssituation und muss danach beantworten, welche
Gegenstände, Verkehrstafeln oder Personen sich darauf befunden haben. Auch hier
schnitt die Rekurrentin leicht negativ auffällig ab.
Der Periphere Wahrnehmungs-Test (PVT) erfasst die visuelle Wahrnehmung für das
linke und rechte Gesichtsfeld bei gleichzeitiger Tracking-Aufgabe, wo mit dem
Steuerrad ein Zeichen auf der geraden Strasse gehalten werden muss. Die Reaktionen
des linken und rechten Gesichtsfeldes erfolgen mit Pedalen. Die Rekurrentin erzielte
bei der Reaktionszeit des linken Gesichtsfeldes einen Prozentrang von 1, rechts einen
solchen von 4. Bei der Tracking-Aufgabe lag das Ergebnis bei 6. Der Wert für die
geteilte Aufmerksamkeit war damit mindestens mittelstark negativ beeinträchtigt.
bb) Die Rekurrentin absolvierte zusätzlich den Figurenfeld-Test aus der Testbatterie
des SVN’96. Die Aufgabe besteht darin, 40 gleichzeitig auf dem Bildschirm abgebildete
Paare von Verkehrszeichen zu suchen. Der Test erfasst die präzise Wahrnehmung und
Speicherung ähnlicher Reize, die flexible visuelle Orientierung, die
Wahrnehmungskapazität und Verarbeitungsgeschwindigkeit sowie die Merkfähigkeit
und kurzzeitiges Behalten. Der unterste genügende Prozentrang liegt bei 15. Die
Rekurrentin benötigte sowohl bei der Instruktion als auch bei der Ausführung mehr als
dreimal so lang wie die Normgruppe. Bei der Anzahl Richtigen sowie beim
Verarbeitungstempo waren die Leistungen leicht bis mittelstark eingeschränkt.
Mit dem Abzeichnen einer komplexen Figur nach Rey wird die Fähigkeit der räumlich
visuellen Konstruktion und der visuellen Gedächtnisleistung geprüft. Die komplexe
Figur besteht aus verschiedenen geometrischen Elementen, die in 18 Einheiten zerlegt
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werden können. Am ehesten gleicht sie einem auf der Seite liegenden Haus. Für das
Abzeichnen bekommen die Probanden die Figur vorgelegt und werden beauftragt,
diese so genau wie möglich abzuzeichnen. Danach kann der Proband nach 3 und nach
30 Minuten gebeten werden, die Figur aus dem Gedächtnis zu zeichnen (vgl. http://
de.wikipedia.org/wiki/Rey-Osterrieth_Complex_Figure_Test mit Hinweis auf: Shin/Park/
Park/Seol/Kwon, Clinical and empirical applications of the Rey-Osterrieth Complex
Figure Test, 2006, S. 892 ff.). Der Test der komplexen Figur von Rey liefert
Informationen zur Wahrnehmungsfähigkeit, zur Strategie und Planungsfähigkeit sowie
zum visuellen Gedächtnis und zur grafischen Reproduktionsfähigkeit. Das Kopieren der
komplexen Figuren nach Rey gelang der Rekurrentin nur zum Teil. Das Einzeichnen der
Diagonalen bereitete ihr Schwierigkeiten. Zudem benötigte sie viel Zeit.
Der Überprüfung der gerichteten Aufmerksamkeit dient der Test "Deux Barrages". Es
müssen auf einem Blatt mit 40 Linien à je 25 Figuren aus 8 verschiedenen Zeichen
(Quadrate mit Strichen oben, unten, links, rechts, links oben, rechts oben, links unten
und rechts unten) 2 Typen von Zeichen durchgestrichen werden (Corraze/Albaret,
L'enfant agité et distrait, 1996, S. 54 f.). Der Test wird in der klinischen
Neuropsychologie zur Untersuchung selektiver Aufmerksamkeit eingesetzt. Bei diesem
Test arbeitete die Rekurrentin ebenfalls verlangsamt.
cc) Bei den Persönlichkeits- und Einstellungstests erstreckt sich der Normbereich
zwischen einem Prozentrang von 25 und 75.
Beim Test VPT.2 handelt es sich um einen verkehrsbezogenen Persönlichkeitstest,
welcher anhand von siebzig Fragen die Expressivität-Selbstsicherheit, die soziale
Anpassung, die emotionale Ansprechbarkeit, die Selbstkontrolle und die
Selbstreflexion abklärt. Als Kontrollskala für die Beurteilung der Verwertbarkeit der
Angaben in den übrigen Bereichen dient die Offenheit der Selbstbeschreibung. In
dieser Skala erreichte die Rekurrentin einen unterdurchschnittlichen Prozentrang von 8,
was auf eine ungenügende Offenheit hindeutet. Gleichzeitig liegt das Ergebnis für die
Expressivität/Selbstkontrolle mit einem Prozentrang von 86 ausserhalb des
Normbereichs. Dies bedeutet, dass die Rekurrentin sich eher spontan sowie sprunghaft
an augenblicklichen Bedürfnissen orientiert. Die reduzierte willentliche
Verhaltenskontrolle mit der Neigung zur Inkonsequenz weist auf ein verringertes
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Normbewusstsein hin. Dasselbe gilt für die Selbstkontrolle mit einem Prozentrang von
5. In den anderen Bereichen (Soziale Anpassung 55, Emotionale Ansprechbarkeit 55
und Selbstreflexion 69) bewegen sich die Ergebnisse innerhalb der Norm.
Das Testverfahren für alkoholauffällige Kraftfahrer (TAAK) ist ein objektives
mehrdimensionales Fragebogenverfahren (insgesamt 68 Fragen in sechs Skalen), das
Einstellungen zum Trinken und Fahren erfasst und speziell für den Einsatz in der
verkehrspsychologischen Fahreignungsbegutachtung konzipiert wurde. Auf der Basis
einer umfangreichen Literaturanalyse wurden die wesentlichsten, empirisch
abgesicherten Bedingungsvariablen für eine alkoholisierte Verkehrsteilnahme
identifiziert, wovon insgesamt fünf Variablengruppen systematisch erfasst werden
(Normbereich jeweils 25-75). In den Bereichen Gefahrenbewusstsein,
Normenakzeptanz, alkoholaffine Einstellung und alkoholaffines Umfeld bewegten sich
die Ergebnisse der Rekurrentin im Normbereich. In den Bereichen alkoholspezifische
Dissimulation (Prozentrang 90) und Informationsdefizite (Prozentrang 8) erzielte sie
jedoch auffällige Resultate. Gemäss Beurteilung des Verkehrspsychologen zeige die
Rekurrentin eine klare Tendenz zu einem wenig selbstkritischen Umgang mit
problematischen Alkoholkonsumgewohnheiten sowie zu einer alkoholproblemtypischen
Haltung. Sie gehe wenig auf ihr früheres Fehlverhalten ein und stelle sich beim
Fragebogen teilweise stark sozial erwünscht dar.
dd) Der Verkehrspsychologe stellte zudem fest, dass die Rekurrentin durchwegs sehr
langsam gearbeitet habe, weshalb zur Vervollständigung ein zweiter Termin habe
angesetzt werden müssen. Das stark verlangsamte Arbeitstempo und der verminderte
Eigenantrieb seien auffällig gewesen. Beim Verabschieden sei zudem aufgefallen, dass
die Rekurrentin die Ausgangstüre nicht selbständig gefunden habe. Mit den
beschriebenen Schwierigkeiten im Bereich des Erkennens der Ursachen und
Hintergründe und dem verminderten Leistungsverhalten sei die Voraussetzung für eine
stabile Verhaltensänderung nicht gegeben. In Würdigung sämtlicher Testresultate kam
der Verkehrspsychologe zum Schluss, die Fahreignung der Rekurrentin sei wegen der
mindestens mittelstark beeinträchtigten Leistungsfähigkeiten in den Bereichen
Arbeitstempo, visuelle Orientierung, Wahrnehmung der komplexen Figur,
Wahrnehmung ins linke und rechte Gesichtsfeld sowie geteilte Aufmerksamkeit für
sämtliche Kategorien nicht gegeben.
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ee) Der Befund einer ungenügenden kognitiven Leistungsfähigkeit erscheint
widerspruchsfrei und schlüssig. Die in den einzelnen Tests ermittelten
Leistungsparameter waren in verschiedenen Bereichen bei geringem Arbeitstempo
mittelstark bis stark negativ auffällig. Unauffällige Resultate erzielte die Rekurrentin in
keinem Test. Das allgemeine Leistungsniveau war insgesamt mindestens mittelstark
beeinträchtigt mit Hauptschwierigkeiten in den Bereichen Reaktion ins Gesichtsfeld,
Spurhalten, geteilte Aufmerksamkeit, visuell-räumliche Wahrnehmung und
Arbeitstempo. Die festgestellten Leistungsdefizite weisen darauf hin, dass die
Rekurrentin den komplexen Anforderungen im Strassenverkehr im Zeitpunkt der
Untersuchung nicht gewachsen und nicht in der Lage war, unmittelbar, zweckmässig
und zuverlässig darauf zu reagieren. Welches letztlich die Ursachen für die
Leistungseinbussen sind bzw. ob diese auf ein amnestisches Syndrom zurückzuführen
sind, ist nicht entscheidend.
Demzufolge hat die Vorinstanz die Fahreignung der Rekurrentin gestützt auf Art. 16d
Abs.1 lit. a SVG zu Recht verneint und den Führerausweis auf unbestimmte Zeit
entzogen. Der mit dem Sicherungsentzug verbundene Eingriff in die
Persönlichkeitssphäre der Rekurrentin ist angesichts der auf dem Spiel stehenden
öffentlichen Interessen der Sicherheit von Passagieren und anderen
Verkehrsteilnehmern erforderlich und angemessen und liegt nicht zuletzt auch in ihrem
eigenen, wohlverstandenen Interesse (vgl. BGer 6A.15/2000 vom 28. Juni 2000 E. 4).
ff) Die Rekurrentin macht geltend, der verkehrspsychologische Bericht schliesse nicht
aus, dass dieses Defizit mittels Neurotraining behoben werden könne; ein solches
Training besuche sie seit Januar 2015. Da der Führerausweis bereits deponiert sei,
bestehe kein Anlass für einen Sicherungsentzug. Art. 16d Abs. 1 SVG sieht indessen
vor, dass der Führerausweis bei fehlender Fahreignung zwingend auf unbestimmte Zeit
zu entziehen ist. Es wäre daher nicht zulässig gewesen, wenn die Vorinstanz den
vorsorglichen Führerausweisentzug noch länger hätte bestehen lassen. Vielmehr war
dieser von Gesetzes wegen in einen Sicherungsentzug zu überführen. Das vom
Verkehrspsychologen für die Behebung der Leistungsdefizite empfohlene und von der
Vorinstanz als Bedingung für die Aufhebung des Entzugs verfügte ergotherapeutische
Neurotraining für die Dauer von mindestens einem Jahr erscheint sinnvoll und ist daher
zu bestätigen. Ob die Rekurrentin das Training seit Januar 2015 wie angegeben
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absolviert hat und wie sich dieses auf ihre Leistungsfähigkeit auswirkt, ist erst im
Rahmen eines allfälligen Verfahrens zur Wiedererteilung des Führerausweises und nicht
im Verfahren des Sicherungsentzugs zu prüfen.
d) Die Vorinstanz hat den Sicherungsentzug in der angefochtenen Verfügung auch auf
Art. 16d Abs. 1 lit. c SVG gestützt und dazu erwogen, die Fahreignung der Rekurrentin
könne gemäss Gutachten unter anderem wegen charakterlichen Schwierigkeiten nicht
befürwortet werden.
Dem Gutachten vom 5. Dezember 2014 – weder im verkehrsmedizinischen noch im
verkehrspsychologischen Teil – sind indessen keinerlei Ausführungen zu entnehmen,
die auf eine charakterliche Nichteignung der Rekurrentin schliessen liessen. Lediglich
im Rahmen der Gutachtensergänzung vom 17. März 2015 wurde die Frage, ob die
Untersuchungsergebnisse den Schluss zuliessen, dass die Betroffene künftig erheblich
oder wiederholt gegen strassenverkehrsrechtliche Bestimmungen verstossen werde
(charakterliche Nichteignung), bejaht und zugleich empfohlen, dass sich die
Rekurrentin in einer verkehrspsychologischen Therapie über 12 bis 15 Stunden über
einen Zeitraum von sechs Monaten mit den Ursachen und Hintergründen sowie den
Änderungsstrategien auseinandersetzen solle (act. 9/249). Desgleichen hielt der
Verkehrspsychologe im Schreiben vom 12. März 2015 ergänzend fest, wenn die
Rekurrentin etwas an ihrem Verhalten ändern wolle, müsse sie sich in einer
psychiatrischen Therapie mit den im Gutachten beschriebenen Schwierigkeiten
auseinandersetzen (act. 9/251 f.). Aufgrund der Vorgeschichte der Rekurrentin war
jedoch die charakterliche Fahreignung, die nicht mit leistungsmässigen Einbussen zu
verwechseln ist, nie ein Thema. Bis auf die eine Fahrt ohne Führerausweis im laufenden
Verfahren ist ihr automobilistischer Leumund ungetrübt. Auch im ausführlichen
verkehrsmedizinischen-verkehrspsychologischen Gutachten war nirgends die Rede
von einer charakterlichen Nichteignung oder einer verkehrspsychologischen Therapie.
Die zitierten Ausführungen in den Gutachtensergänzungen sind folglich widersprüchlich
und nicht nachvollziehbar. Der Nachweis einer charakterlichen Nichteignung bei der
Rekurrentin ist damit nicht erbracht. Da die Vorinstanz keine Bedingungen für die
Aufhebung des Sicherungsentzugs im Zusammenhang mit einer allfälligen
charakterlichen Nichteignung verfügte, ist die angefochtene Verfügung nicht
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aufzuheben. Namentlich ändert dies nichts an der Rechtmässigkeit des
Sicherungsentzugs gemäss Art. 16d Abs. 1 lit. a SVG.
e) Als Bedingung für die Wiedererteilung verfügte die Vorinstanz eine Alkoholabstinenz
von mindestens zwölf Monaten (mittels Haaranalysen nach sechs und zwölf Monaten).
In der Begründung hielt sie fest, gemäss Gutachten könne die Fahreignung der
Rekurrentin unter anderem wegen einer Alkoholmissbrauchsproblematik nicht
befürwortet werden. Beim EtG-Gehalt sei auf den Mittelwert abzustellen.
aa) Im Gutachten des IRM vom 5. Dezember 2014, das sich auf die Akten, die
verkehrsmedizinische Untersuchung, die Fremdauskünfte und die Resultate der
Laboruntersuchungen stützt, wird ausgeführt, gemäss eigenen Angaben der
Rekurrentin habe es im Jahr 2002 einen sechs Monate andauernden
Alkoholüberkonsum gegeben. Sie habe damals als Ärztin gearbeitet und Alkohol
konsumiert, um abzuschalten. Nachdem sie vom leitenden Arzt darauf angesprochen
worden sei, habe sie den Konsum sofort reduziert, was unproblematisch gewesen sei.
Im letzten Jahr habe sie pro Woche ca. dreimal Alkohol konsumiert. Wenn sie Alkohol
trinke, dann meist Prosecco. Maximale Trinkmengen seien drei Gläser, für gewöhnlich
jedoch nur ein Glas. Ein Rauschtrinken sei im letzten Jahr nicht aufgetreten. Sie denke,
dass sie normal Alkohol konsumiere. Die erhöhten CDT- und MCV-Werte könne sie
sich nicht erklären. Benzodiazepine nehme sie keine ein. Im Jahr 2013 habe sie den
grauen Star an beiden Augen operiert. Vor vielen Jahren habe sie einen Schlaganfall
gehabt, welcher zu kleinen Gesichtsfeldausfällen geführt habe. Diese seien jedoch
stabil und hätten sich im Verlauf der Jahre nicht verschlechtert.
Die körperliche Untersuchung ergab keine wesentlichen, verkehrsmedizinisch
relevanten Besonderheiten. Formalgedanklich habe sich die Rekurrentin weitschweifig
und teilweise vorbeiredend präsentiert. Inhaltliche Denkstörungen hätten sich nicht
sicher nachweisen lassen. Die Gedanken zum familiären Verhalten seien fraglich. Bei
der Blutuntersuchung ergaben sich mit Ausnahme des leicht erhöhten MCV (97 fl bei
Ref. 80-95) durchwegs im Toleranzbereich liegende Resultate. Auch die
Urinuntersuchung war negativ auf Benzodiazepine und Zolpidem. Die Haaranalyse
ergab auf einem Abschnitt von 0-5cm ab Kopfhaut einen EtG-Wert von 42 pg/mg.
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In der Beurteilung führten die Gutachter aus, in den hausärztlich durchgeführten
Blutkontrollen hätte sich wiederholt eine Erhöhung des CDT (im Februar und
September 2014) sowie des MCV gezeigt. Beide Parameter wiesen auf einen erhöhten
Alkoholkonsum innerhalb der letzten Wochen bzw. Monate hin. Bei der Laborkontrolle
im Rahmen der Begutachtung sei der CDT-Wert nicht erhöht gewesen. Die erhöhte
EtG-Konzentration von 42 pg/mg spreche aber für einen übermässigen Alkoholkonsum
innerhalb der letzten fünf bis sechs Monate. Dieses Ergebnis stimme mit den Angaben
der Rekurrentin zu ihrem Alkoholkonsum nicht überein, sodass von einer deutlich
höheren Alkoholzufuhr als angegeben auszugehen sei. Dies weise auf ein
Bagatellisieren der tatsächlichen Konsumgewohnheiten und auf ein fehlendes
Problembewusstsein hin, wie es sich häufig bei Alkoholabusus im Sinne einer
suchttypischen Verleugnung finde. Von Seiten der aktuell behandelnden Psychiaterin
sei der Verdacht auf einen schädlichen Gebrauch von Alkohol geäussert worden, wobei
daneben auch an eine Alkoholabhängigkeit zu denken sei. Eine genaue Einordnung sei
jedoch nicht möglich, da die Rekurrentin über ihr Konsummuster sowie das Ausmass
des Konsums keine Angaben mache. Es sei deshalb davon auszugehen, dass keine
Krankheitseinsicht bestehe und die Prognose als negativ zu beurteilen sei. Diese
Fremdangaben deckten sich mit den diskrepanten Konsumangaben. Gesamthaft
ergäben sich deutliche Hinweise auf eine Alkoholproblematik im Sinne eines zumindest
vorliegenden Alkoholmissbrauchs. Aufgrund der fehlenden Problemeinsicht sei die
Wahrscheinlichkeit einer Verkehrsteilnahme trotz vorherig relevanten Alkoholkonsums
im Vergleich zu einer anderen Person deutlich erhöht.
bb) Auch wenn die Rekurrentin nie ein Fahrzeug in angetrunkenem Zustand gelenkt
hat, war deren problematischer Alkoholkonsum schon seit Jahren ein Thema. Bei einer
ersten Begutachtung im Juni 2008 wurden im Blut erhöhte Leberwerte festgestellt und
eine mindestens halbjährliche Alkoholabstinenz empfohlen. Eine solche hielt die
Rekurrentin von Juni 2009 bis Anfangs 2010 ein. Nach einer weiteren Begutachtung im
Februar 2010 wurde der vorsorgliche Führerausweisentzug mit Verfügung vom 11.
März 2010 aufgehoben und mit verschiedenen Auflagen, unter anderem einer
regelmässigen Verlaufsbeurteilung des Alkoholkonsums durch CDT-Kontrollen alle
zwei Monate, versehen. Im März 2013 betrug die EtG-Konzentration im Haar 59 pg/mg.
Das CDT war im Februar 2014 grenzwertig (1,7%) und im September 2014 deutlich
erhöht (2,3%). Bei der am 6. November 2014 entnommenen Haarprobe mit einer Länge
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von 5cm lag der EtG-Wert bei 42 pg/mg. Selbst wenn man von diesem Wert noch
einen Abzug von 25% machen würde, was jedoch im Sicherungsentzugsverfahren, in
welchem keine Unschuldsvermutung gilt, grundsätzlich nicht angezeigt ist, wäre die
Schwelle zum risikoreichen Alkoholkonsum, welche bei 30 pg/mg EtG liegt,
überschritten. Dieses Analysenresultat erbringt den Nachweis für einen seit längerer
Zeit übermässigen Alkoholkonsum. Da die Rekurrentin um die mittels Auflagen
abgesicherte Überwachung ihres Alkoholkonsums wusste, weist dies umso mehr auf
einen Alkoholmissbrauch hin. Es liegt ein ähnlicher Sachverhalt vor wie in BGer
1C_809/2013 vom 13. Juni 2014, wo zuvor eine Alkoholtotalabstinenz verfügt worden
war. Offenbar ist die Rekurrentin trotz drohender Konsequenzen nicht in der Lage, ihre
Neigung zum übermässigen Alkoholkonsum durch ihren eigenen Willen zu überwinden
oder zu kontrollieren. Auch das Bagatellisieren ihrer Konsumgewohnheiten und das
fehlende Problembewusstsein passen dazu. Nach Angaben der behandelnden
Psychiaterin Dr. E besteht der Verdacht auf einen schädlichen Gebrauch von Alkohol
bzw. differentialdiagnostisch auf eine Alkoholabhängigkeit. Diese Diagnosen werden
von Dr. B in seiner Stellungnahme vom 14. April 2015 nicht bestritten. Es wird lediglich
festgehalten, dass sich die Rekurrentin die Alkoholabstinenz als Ziel gesetzt habe.
Ferner ergab sich auch aus dem einschlägigen verkehrspsychologischen Testverfahren
(TAAK) ein problematischer Umgang mit Alkohol. Die Rekurrentin ist daher mehr als
jede andere Person der Gefahr ausgesetzt ist, sich in einem Zustand an das Steuer
eines Fahrzeugs zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Daran
vermögen weder die unauffälligen Blutwerte noch die ohne Besonderheiten
ausgefallene körperliche Untersuchung etwas zu ändern. Der Schluss der Gutachter,
bei der Rekurrentin ergäben sich deutliche Hinweise auf eine Alkoholproblematik im
Sinne eines zumindest vorliegenden Alkoholmissbrauchs, erscheint daher
widerspruchsfrei, schlüssig und nachvollziehbar. Nebst der fehlenden Fahreignung
mangels ausreichender geistiger Leistungsfähigkeit bestand bei ihr im fraglichen
Zeitpunkt auch eine Alkoholsucht im verkehrsmedizinischen Sinn von Art. 16d Abs. 1
lit. b SVG.
Folglich erweist sich die geforderte Alkoholabstinenz für die Dauer von mindestens
zwölf Monaten als Bedingung für die Wiedererteilung als angemessen und
verhältnismässig; dies umso mehr, als sich ein fortgesetzter Alkoholkonsum auch
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negativ auf die geistige Leistungsfähigkeit der Rekurrentin wie auch deren psychischen
Gesundheitszustand auswirken könnte.
f) Als weitere Bedingung für die Wiedererteilung wird in der Verfügung eine
regelmässige ambulante psychiatrische Betreuung zur genauen diagnostischen
Eingrenzung der psychiatrischen und neurokognitiven Auffälligkeiten genannt. In der
Begründung hielt die Vorinstanz dazu fest, gemäss Gutachten könne die Fahreignung
unter anderem wegen einer zusätzlich bestehenden, diagnostisch noch nicht endgültig
eingegrenzten psychischen Störung nicht befürwortet werden.
aa) Gemäss Beurteilung im Gutachten vom 5. Dezember 2014 sei im Vorgutachten
aufgrund von Fremdangaben der Verdacht auf eine manisch-depressive Erkrankung
geäussert worden. Die Rekurrentin habe im aktuellen Gutachtensgespräch verneint,
jemals in ihrem Leben manisch gewesen zu sein, depressive Phasen habe sie im
Rahmen des früheren Ehekonflikts aber durchlebt. Von Seiten der aktuell
behandelnden Psychiaterin werde der Verdacht auf eine bipolar-affektive Störung,
gegenwärtig remittierend, gestellt. Differentialdiagnostisch sei eine organisch
wahnhafte Störung in Betracht zu ziehen. Diesbezüglich sei das ausgeprägt
misstrauische und ablehnende Verhalten gegenüber ihrer gesamten Familie auffällig
gewesen. Eine genaue Klärung der Umstände und Diagnosen, welche bei zwei früheren
fürsorgerischen Unterbringungen in der KPK Wil aufgetreten seien, sei mangels
Entbindung von der ärztlichen Schweigepflicht nicht möglich gewesen. Ob die
Rekurrentin an einer manisch-depressiven Erkrankung leide, bleibe damit unklar. Sollte
eine solche jedoch vorliegen, sei eine genaue Verlaufsbeobachtung und
Therapieindikationsprüfung notwendig, weil die Krankheit in der manischen Phase eine
hohe Verkehrsrelevanz erlange. Während des Gesprächs habe sich die Rekurrentin
formalgedanklich weitschweifig und teilweise vorbeiredend präsentiert. Ähnliche
Auffälligkeiten wie auch leichte Wortfindungs- und Merkfähigkeitsstörungen seien im
psychiatrischen Bericht der behandelnden Psychiaterin ebenfalls beschrieben. Beim
Verlassen des Büros habe sie zudem die Ausgangstür wiederholt erst nach längerem
Umschauen gefunden. Die behandelnde Psychiaterin habe denn auch den Verdacht
auf ein leicht ausgeprägtes amnestisches Syndrom geäussert. Hierbei handle es sich
um eine Störung insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses, welche im Rahmen eines
seit vielen Jahren bestehenden, chronischen Alkoholüberkonsums auftreten könne.
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Bereits im Jahr 2009 sei in der Klinik in F der Verdacht auf eine dementielle
Entwicklung geäussert worden. Auch in der verkehrspsychologischen
Leistungsdiagnostik hätten sich bei der Rekurrentin kognitive Defizite aufgrund einer
mindestens mittelstark beeinträchtigen Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen
gezeigt.
bb) Im Gegensatz zum verkehrsmedizinischen Gutachten vom 23. April 2013 wurde im
aktuellen Gutachten vom 5. Dezember 2014, das von einem Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie mitverfasst wurde, keine mangelnde Fahreignung als Folge einer
psychischen Erkrankung festgestellt. Es wurden lediglich die von verschiedenen
psychiatrischen Fachärzten erwähnten Diagnosen oder Verdachtsdiagnosen aufgezählt
und dazu Stellung genommen. Abschliessend wurde festgehalten, zur genaueren
Eingrenzung der kognitiven Leistungsminderung und zur Klärung der Frage des
Vorliegens einer wahnhaften Störung bzw. einer bipolar-affektiven Störung scheine eine
weitere ambulante psychiatrische Verlaufsbeurteilung notwendig zu sein. Mangels
einwandfreier Diagnostizierung einer psychischen Störung sowie Darstellung von deren
Verkehrsrelevanz ist ein Sicherungsentzug aus medizinischen Gründen daher nicht
zulässig. Die Ausführungen in der Gutachtensergänzung vom 17. März 2015, wo die
Rede davon ist, dass die Fahreignung der Rekurrentin unter anderem aufgrund einer
zusätzlich bestehenden, diagnostisch noch nicht endgültig eingegrenzten psychischen
Störung nicht befürwortet werden könne, stehen im Widerspruch zu den klaren
Aussagen im vorherigen Gutachten und erweisen sich damit nicht als schlüssig. Die
Vorinstanz hat diese Ausführungen in der Begründung der angefochtenen Verfügung
übernommen. Da sie jedoch auf den Rechtsspruch keinen Einfluss haben, erübrigt sich
die Aufhebung der Verfügung. Da die Voraussetzungen für einen Sicherungsentzug
aufgrund der kognitiven Leistungseinbussen erfüllt sind, muss nicht zusätzlich geprüft
werden, ob die Rekurrentin über die psychische Leistungsfähigkeit zum sicheren
Lenken eines Motorfahrzeugs verfügt. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass
dies später zu überprüfen ist, wird die Rekurrentin darauf hingewiesen, dass sich auf
die Beurteilung der Fahreignung negativ auswirken könnte, wenn sie in diesem
Zusammenhang behandelnde Ärzte nicht von der Schweigepflicht entbindet.
cc) Dass die Rekurrentin, die sich seit Jahren in psychiatrischer Behandlung befindet
und frühere Depressionen nicht bestreitet, zumindest phasenweise psychische
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Probleme hat, erscheint aufgrund der Aktenlage erstellt. Um die weitere Entwicklung
der psychischen Gesundheit der Rekurrentin im Auge zu behalten, insbesondere im
Hinblick auf eine allfällige wahnhafte Symptomatik, und um die Gründe für die
Leistungsminderung zu eruieren, erweist sich die Anordnung einer regelmässigen
ambulanten psychiatrischen Betreuung sowohl als angemessen als auch als
verhältnismässig.
g) Dass im Rahmen einer künftigen Neubeurteilung der Fahreignung aufgrund des
grenzwertigen Gesichtsfeldbefunds aus dem Jahr 2013 eine aktuelle Goldmann-
Perimetrie stattzufinden hat, ist ebenfalls angezeigt. Dasselbe gilt für die bei einem
Sicherungsentzug gestützt auf Art. 16d Abs. 1 SVG praxisgemäss vorbehaltene
verkehrsmedizinische und -psychologische Kontrolluntersuchung.
h) Zusammenfassend steht fest, dass das Gutachten des IRM vom 5. Dezember 2014
zusammen mit den Ergänzungen vom 12. und 17. März 2015 den Nachweis einer
unzureichenden Leistungsfähigkeit sowie eines verkehrsrelevanten Alkoholmissbrauchs
der Rekurrentin zu erbringen vermag. Auch die darin genannten und von der Vorinstanz
verfügten Bedingungen für eine Wiedererteilung sind angemessen und
verhältnismässig. Der Rekurs ist folglich abzuweisen.
3.- Mit dem Sicherungsentzug soll sichergestellt werden, dass die Rekurrentin ohne
Nachweis ihrer Fahreignung zum Schutz der Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer
keine Motorfahrzeuge lenkt. Dieser Zweck wäre gefährdet, wenn ihr der Führerausweis
während eines Beschwerdeverfahrens wiedererteilt würde. Einer allfälligen Beschwerde
ist deshalb die vom Gesetz vorgesehene aufschiebende Wirkung zu entziehen (Art. 64
in Verbindung mit Art. 51 VRP).
4.- In Streitigkeiten hat jener Beteiligte die Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz
oder teilweise abgewiesen werden (Art. 95 Abs. 1 VRP). Die Rekurrentin dringt mit
ihrem Begehren um Erteilung des Führerausweises nicht durch, der Rekurs ist
abzuweisen. Es ist aber auch zu berücksichtigen, dass der Sicherungsentzug in der
angefochtenen Verfügung fälschlicherweise mit dem Vorliegen einer charakterlichen
und auch medizinischen Nichteignung begründet wurde, welche jedoch bei der
Rekurrentin nicht rechtsgenüglich nachgewiesen sind. Es rechtfertigt sich daher, die
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amtlichen Kosten der Rekurrentin zu fünf Sechsteln und der Vorinstanz zu einem
Sechstel aufzuerlegen. Eine Entscheidgebühr von Fr. 1‘800.– erscheint angemessen
(inklusive Gebühr für die Verfügung zur aufschiebenden Wirkung vom 25. August 2015;
vgl. Art. 7 Ziff. 111 und 122 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der
Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.– ist zu verrechnen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist keine ausseramtliche Entschädigung
zuzusprechen (Art. 98 VRP).