Decision ID: 3c983ae8-2ceb-4137-9ceb-96b8c3fd95b0
Year: 2022
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
Mit Schadenmeldung vom 7. November 2017 teilte die
X._
GmbH, seit
...
2019 in Liquidation, der ÖKK Kranken- und Unfallversicherungen AG (nachfolgend: ÖKK) mit, dass der 1976 geborene
Y._
(der bis zu seiner am 3. Mai 2002 in Kroatien erfolgten Namensänderung
A._
hiess, vgl. 11/39, Register 10) seit dem 1. April 2016 als Berater/Vertreter bei der
X._
GmbH
angestellt sei und am
...
Oktober 2017 bei einem Autounfall eine Stauchung der Wirbelsäule erlitten habe (Urk. 11/1; vgl. auch
Urk. 11/6.3 ff., Urk. 11/7.3 ff.). Die
selbentags
erstbehandelnde Ärzteschaft des Spitals
B._
diagnostizierte eine HWS Distorsion zweiten Grades; traumatische ossäre Läsionen konnten radiologisch (Röntgen) ausgeschlossen werden. Als Therapie wurden körperliche Schonung und Schmerzmittel verordnet. Zudem wurde
Y._
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert (Urk. 11/3.1 ff., Urk. 11/4.1 f.). Die am 10. Januar 2018 durchgeführte MRT-Untersuchung des Schädels erbrachte einen unauffälligen Befund (Urk. 11/11); aufgrund des MRT
Befunds der HWS vom 9. Februar 2018 konnten Frakturen und
ligamentäre
Ver
letzungen ausgeschlossen werden (Urk. 11/23). Die ÖKK beauftragte zunächst die
C._
AG und später die
D._
AG mit Abklärungen zum Bestand eines Arbeitsverhältnisses zwischen der inzwischen
konkursiten
X._
GmbH (vgl. SHAB-Publikation vom
...
2019) und
Y._
.
D
iese
führte
n
unter anderem
persönliche
Gespräch
e
mit
Y._
(vgl. Gesprächsprotokoll
e
vo
m
9.
Februar 2018,
27. März 2018 und 23. Mai 2018, Urk.
11/21/7 ff.
, Urk. 11/39, Register 4) und – soweit Unterlagen erhältlich waren und eingesehen werden konnten –
eine Buchprüfung der Geschäftsunterlagen der
X._
GmbH
durch (vgl. Urk. 11/14, Urk. 11/26/1, Urk. 11/38, Urk. 11/39
). Gestützt auf die Abklärungsergebnisse
(vgl. Urk. 11/38, Urk. 11/39)
lehnte die ÖKK
mit Verfügung vom 15. Januar 2019
eine Leistungs
pflicht
mangels
Arbeitnehmer- und damit Versicherteneigenschaft von
Y._
ab (Urk. 11/55/5 f.
).
Eine Kopie dieses Entscheides wurde dem Kran
kenversicherer
zug
estellt.
D
agegen erhob
Y._
am 5.
Februar 2019 Einsprache
(Poststempel, Urk.
11/53
). Mit Eingabe vom 1. Mai 2019 teilte die
X._
GmbH, vertreten durch
lic.
iur
.
Z._
(eingetragen im Handels
register als Zeichnungsberechtigter mit Einzelunterschrift vom 17. Oktober 2012 bis 2. November 2018 und seither als Gesellschafter und Geschäftsführer mit Ein
zelunterschrift) mit, sie habe am 8. Februar 2019 gegen die Verfügung vom 15. Januar 2019 Einsprache erhoben (Urk. 11/57). Nachdem die ÖKK mitgeteilt hatte, eine Einsprache seitens der
X._
GmbH sei bisher nicht eingegangen (vgl. Schreiben vom 2. Mai 2019, Urk. 11/58), reichte diese mit E-Mail vom 3. Mai 2019 eine Kopie der mit 8. Februar 2019 datierten Einsprache ein (Urk. 11/59). Die ÖKK nahm letzteres als gültige Einsprache entgegen (Urk. 11/60/2) und wies die von
Y._
und der
X._
GmbH erhobenen Einsprachen
mit
Einsp
racheentscheid
vom 24.
Mai 2019 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhoben die
X._
GmbH und
Y._
mit je separater Eingabe vom 24. resp. 25. Juni 2019 Beschwerde und beantragten, es seien die vertraglichen Leistungen der Unfallversicherung in Aufhebung des ange
fochte
nen Entscheids vom 24. Mai 2019 der
X._
GmbH resp. dem Versicher
ten auszurichten (Urk. 1, Urk. 1 im Prozess UV.2019.00165 = Urk. 6/1).
Mit Verfü
gung vom
3. Juli 2019
vereinigte das hiesige Gericht
den Prozess Nr. UV.2019.00165
mit dem vorliegenden Verfahre
n und schrieb den Prozess Nr. UV
.2
019.00165
als dadurch erledigt ab (Urk.
6/5
).
Mit Beschwerdeantwort vom 16. August 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwer
den (Urk. 10), was den Beschwerdeführenden am 22. August 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 12).
3.
Mit Eingabe vom 15. November 2019 (Poststempel) reichte der Beschwerdeführer 2 die Einstellungsverfügung der kantonalen Staatsanwaltschaft des Kanton
s Aar
gau vom 21. Oktober 2019 zu den Akten; am
30. November 2018 hatte die Be
schwerdegegnerin Strafanzeige gegen ihn erstattet wegen Betrugs (Art. 146 des Strafgesetzbuches, StGB), eventualiter unrechtmässige
n
Be
zug
s
von Leistun
gen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe (Art. 148a StGB, Urk. 13, Urk. 14). Mit Verfügung vom 24. April 2020 wurde der Beschwerdegegnerin Frist angesetzt, um zur Einstellungsverfügung der kanton
alen Staatsanwaltschaft des Kan
tons Aargau vom 21. Oktober 2019 Stellung zu nehmen und dem hiesigen Gericht insbesondere mitzuteilen, ob sie gegen die Einstellungsverfügung der
kantonalen Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau vom 21. Oktober 2019 ein Rechtsmittel erhoben hat und ob sie an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde gemäss Beschwerdeantwort vom 16. August 2019 festhalte (Urk. 23).
Am 28. April 2020 (Poststempel) teilte die Beschwerdegegnerin – unter anderem unter Beilage der beim Obergericht des Kantons Aargau am
6. November 2019 ge
gen die Einstellungsverfügung der kantonalen Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau vom 21. Oktober 2019 erhobenen Beschwerde – dem hiesigen Gericht innert angesetzter Frist mit, an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde festzuhalten (Urk. 24, Urk. 25/1-6).
Mit Nachtrag vom 4. Mai 2020 (Eingangs
datum) gab die Beschwerdegegnerin den Entscheid des Obergerichts des Kantons Aargau vom 23. April 2020, mittels welchem die Einstellungsverfügung der kanton
alen Staatsanwaltschaft des Kan
tons Aargau vom 21. Oktober 2019 auf
gehoben wurde, zu den A
kten. Darin ver
pflichtete das Obergericht des Kantons Aargau die kantonale Staatsanwaltschaft zur Durchführung weiterer Untersu
chungen, insbesondere unter dem Aspekt einer gegebenenfalls versuchten Tatbe
standsmässigkeit (Urk. 29,
Urk. 30).
Mit Verfügung vom 9. Mai 2020
wurde das vorliegende Verfahren
bis
zum Ausgang des bei der kantonalen Staatsanwalt
schaft des Kantons Aargau gegen den Beschwerde
führer 2 anhängigen Strafver
fah
rens einstweilen sistiert; gleichzeitig wu
rde die Beschwerdegegnerin auf
gefor
dert, das hiesige Gericht über den Verfahrensausgang umgehend in Kenntnis zu setzen
(Urk. 31)
.
4.
Mit Eingaben vom 30. September und 4. Oktober 2021 (Eingangsdatum) reichte der Beschwerdeführer 2 die Einstellungsverfügung der kantonalen Staatsanwalt
schaft des Kantons Aargau vom 16. Juli 2021 mit Rechtskraftbescheinigung ein (Urk. 44, Urk. 45 = Urk. 4
6
, Urk. 4
7
).
Mit Verfügung vom 11. November 2021 hob das Gericht die mit Ver
fügung vom 9. Mai 2020 (Urk. 31) angeo
rdnete Sistierung des vorliegenden Verfahrens auf. Zeitgleich wurde
der Beschwerde
gegnerin
Frist angesetzt
, um zur Einstellungsverfüg
ung der kantonalen Staats
anwalt
schaft des Kantons Aargau vom 16. Juli 2021 Stellung zu nehmen und dem hiesigen Gericht mitzuteilen, ob sie an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde gemäss Beschwerdeantwort vom 16. August 2019 festhalte
(Urk. 50)
.
Mit Eingabe vom 4. Januar 2022 teilte die Beschwerdegegnerin mit, unverändert an ihrem Antrag gemäss Beschwerdeantwort vom 16. August 2019 festzuhalten (Urk. 59), was dem Beschwerdeführer am 5. Januar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 61). Zwischenzeitlich
hatte sich
lic.
iur
.
Z._
mit Eingabe vom
15. Dezember 2021 (Poststempel) als
Rechtsvertreter
des Beschwerdeführers 2
legitimiert
(Urk. 57, Urk. 58).
Mit Verfügung vom 2
8.
Januar 2022 wurden die Strafakten der Staatsanwaltschaft Kanton Aargau
beigezogen (Urk. 6/62) und als Urk. 65/1-18
z
u den Akten genommen, wobei den Parteien wiederum Frist zur Stellungnahme angesetzt wurde (vgl. Verfügung vom 21. Februar 2022, Urk. 66). Am 4. März 2022 (Poststempel) reichte der Beschwerdeführer 2 seine Stellungnahme ein (Urk. 69); die Beschwerdegegnerin verwies auf ihre Stellungnahme vom 4. Januar 2022
(
Urk.
59)
und teilte im Übrigen mit, auf weitere Ausführungen zu verzichten (Urk. 70). Je eine Kopie von Urk. 69 und Urk. 70 wurde den anderen Verfahrensbeteiligten zur Kenntnis gebracht (Urk. 73).
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebro
chen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Über
gangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
...
Oktober 2017
ereignet,
weshalb die am 1. Januar 2017 in Kraft getretenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Art. 6 UVG werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung
zug
efügt werden (Abs. 3).
1.3
Nach Art. 1a Abs. 1 UVG sind die in der Schweiz beschäftigten Arbeitnehmer,
einschliesslich
der Heimarbeiter, Lehrlinge, Praktikanten, Volontäre sowie der in Lehr- oder Invalidenwerkstätten tätigen Personen, obligatorisch nach den Best
im
mungen des UVG versichert.
Nach
Art. 1
UVV
gilt
als Arbeitnehmer
, wer eine unselbständige
Erwerbstätigkeit im Sinne der Bundesgesetzgebung über die Alters-
und Hinterlassenenversicherung
(AHV) ausübt.
1.4
Das Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), anwendbar gestützt auf Art. 1 Abs. 1 UVG, umschreibt in Art. 10 f. die Begriffe von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bzw. Arbeitgeber. Danach gelten als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Personen, die in unselbständiger Stellung Arbeit leisten und dafür
massgebenden
Lohn nach dem jeweiligen Ein
zelgesetz beziehen (Art. 10 ATSG). Arbeitgeber ist, wer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt (Art. 11 ATSG).
1.5
Die Rechtsprechung hat im Sinne leitender Grundsätze als Arbeitnehmer
gemäss
UVG bezeichnet, wer um des Erwerbs
oder der Ausbildung
willen für einen Arbeitgeber, mehr oder weniger untergeordnet, dauernd oder vorübergehend tätig ist, ohne
hiebei
ein eigenes wirtschaf
tliches Risiko tragen zu müssen.
Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwend
baren Lösungen ableiten.
Vielmehr ist die
Ar
beitnehmereigenschaft
jeweils
unter Würdigung der gesamten Umstände des Einzelfalls zu beurteilen
.
Entscheidend ist dabei, ob geleistete Arbeit, ein Unterordnungsverhältnis und die Vereinbarung eines Lohnanspruchs in irgendeiner Form vorliegen
(
BGE 115 V 55 E. 2d S. 58 f.;
141 V 313
E. 2.1;
Urteil des Bundesgerichts 8C_790/2018 vom 8. Mai 2019 E. 3.2).
1.6
Der Begriff der Erwerbstätigkeit im Sinne von
Art.
4
Abs.
1
Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG)
setzt die Ausübung einer auf die Erzielung von Einkommen gerichteten bestimmten (persönlichen) Tätigkeit (vgl.
Art.
6
Abs.
1
Verordnung über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVV)
) voraus, mit welcher die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöht werden soll (BGE 106 V 129 E. 3a mit Hinweisen). Für die Beantwortung der Frage, ob Erwerbstätigkeit vorliegt, kommt es nicht auf die subjektive Einschätzung an. Entscheidend sind vielmehr die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse und Gegebenheiten, die durch eine Tätigkeit begründet werden oder in deren Rahmen eine solche ausgeübt wird. Wesentliches Merkmal einer Erwerbstätigkeit ist sodann eine planmässige Verwirklichung der Erwerbsabsicht in der Form von Arbeitsleistung, welches Element rechtsgenüglich erstellt sein muss (BGE 125 V 383 E. 2a mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, seit dem 1. Januar 2017 bestehe ein Versicherungsvertrag zwischen der Beschwerdeführerin 1 und der ÖKK über die obligatorische Unfallversicherung. Entsprechende Abklärungen durch die
C._
und
D._
AG hätten indes ergeben, dass zwischen den Beschwerdeführenden ein Arbeitsverhältnis im Zeitpunkt des Unfalls vom
...
Oktober 2017 nicht überwiegend wahrscheinlich sei. Letzterer habe die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen. Mangels Versicherungsdeckung habe der Beschwerdeführer 2 keinen Anspruch auf UV-Leistungen der Beschwer
degegnerin (Urk. 2 = Urk. 6/2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin 1 ein, seit dem 1. April 2016 bestehe ein Arbeitsverhältnis zwischen ihr und dem Beschwerdeführer 2 als Vermittler; von April bis Dezember 2016 habe er zahlreiche Geschäftsopportunitäten aufgegleist, aber noch keine definitiv abgeschlossen bzw. vermittelt. Daher habe 2016 noch kein Lohn- bzw. Provisionsanspruch bestanden. Anfangs 2017 habe der Beschwerdeführer 2 eine Vertragsänderung erbeten; diese sei ihm ab 1. April 2017 genehmigt worden. In einer Arbeitsbestätigung vom 12. Mai 2017 sei seitens der
X._
GmbH bestätigt worden, dass der Beschwerdeführer 2 seit dem 1. April 2016 in einem ungekündigten arbeitsvertraglichen Verhältnis zur
X._
GmbH stehe. Die Lohnauszahlungen seien auf Wunsch des Beschwer
deführers 2 in bar erfolgt; im
Dezember 2017 sei eine Lohnauszahlung per Bank
überweisung ergangen, weil eine Barauszahlung infolge der Ferien halber Abwe
senheit der berechtigten Personen nicht möglich gewesen sei. Zudem habe die
X._
GmbH den Beschwerdeführer 2 bei der Pensionskasse Swiss Life ange
meldet und zahle periodische Akontorechnungen an die Ausgleichskasse. Da ein Arbeitsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin 1 und dem Beschwerdeführer 2 bestehe, sei die Beschwerdegegnerin für die Folgen des Unfalls vom
...
Oktober 2017 leistungspflichtig (Urk. 1).
Der Beschwerdeführer 2 verwies auf die Beschwerde der Beschwerdeführerin 1 und führte ergänzend aus, die Expertenfragen [zur Abklärung des umstrittenen Arbeitsverhältnisses] seien einseitig und tendenziös gewesen. Dem abschlägigen Entscheid der Beschwerdegegnerin liege ein falscher, unvollständiger und wider
sprüchlicher Sachverhalt
zug
runde. Tatsache sei, dass er (der Beschwerdeführer 2) bei der Beschwerdegegnerin 1 angestellt gewesen sei (Urk. 6/1).
2.3
In ihrer Stellungnahme zur (zweiten) Einstellungsverfügung der Kantonalen Staats
anwaltschaft Aargau vom 16. Juli 2021 (Urk. 45) hielt die Beschwerde
gegnerin am 4. Januar 2022 fest, die Befragungen der Zeugen sowie von
Z._
als Auskunftsperson würden bestätigen, dass das Arbeitsverhältnis zwi
schen den Beschwerdeführenden lediglich fingiert worden sei. Eine einzige Lohn
zahlung sei mittels Banküberweisung erfolgt. Im Übrigen sollen die Lohn
zahlungen in bar erfolgt sein. Den quittierten Lohnzahlungen stünden indes keine Belastungen oder Gutschriften auf den Bankkonti der Beschwerdeführenden gegenüber. Das Konkursverfahren zeige, dass sich die Beschwerdeführerin 1 den Lohn des Beschwerdeführers 2 zu keinem Zeitpunkt habe leisten können. Sodann hätten die anderen Mitarbeiter keine Auskunft darüber geben können, ob, wo und wie der Beschwerdeführer 2 tatsächlich eine Arbeit verrichtet habe. Im Übrigen seien die geltend gemachten gesundheitlichen Beschwerden des Beschwerde
führers 2 durch das geringfügige Unfallereignis nicht zu erklären. Mithin weise der vorliegende Fall ungemein viele Ungereimtheiten auf. Ungeachtet der Vorlage schriftlicher Arbeitsverträge sei nicht von einem Arbeitsverhältnis aus
zug
ehen und die Beschwerdegegnerin folglich nicht leistungspflichtig (Urk. 59).
2.4
Mit Stellungnahme vom 4. März 2021 [recte: 4. März 2022] hielten die Beschwer
deführenden fest, das Strafverfahren habe das Vorliegen eines Arbeitsverhältnisses nach vertieften Abklärungen bestätigt. Alsdann zeige der Aus
zug
aus dem Individuellen Konto des Beschwerdeführers 2 den im Jahr 2017 gemeldeten und durch die Beschwerdeführerin 1 bezahlten Jahreslohn in Höhe von Fr. 97'000.--. Diesen Lohn habe der Beschwerdeführer 2 in der Steuererklärung 2017 korrekt
deklariert. Basierend auf dem Arbeitsvertrag vom 1. April 2017 sei der Beschwer
deführer 2 als Berater, Vermittler und für die Akquisition angestellt worden. Er sei weisungsgebunden (Geheimhaltung, Datenschutz etc.) und den Geschäfts
führern
Z._
und
E._
direkt unterstellt gewesen. Arbeitsort sei der Wohnort des Beschwerdeführers 2 in
F._
sowie
G._
gewesen. Weiter sei letzterer verpflichtet gewesen, neben der festgesetzten Arbeitszeit Überzeiten zu übernehmen, welche nicht vergütet oder durch Ferienzeit abgegolten worden seien. Damit sei der Beschwerdeführer 2 in eine fremde Arbeitsorganisation mit einem klar definierten Arbeitsort zu klar definierten Arbeitszeiten
eingegliedert gewesen. Seine Arbeit habe er im Dienste der Beschwerdeführerin 1 gegen Lohn verrichtet. Mithin seien die Voraussetzungen eines Arbeitsvertragsverhältnisses zweifellos erfüllt. Die von der Beschwerdegegnerin geltenden gemachten Unge
reimtheiten basierten auf unvollständigen, teilweise falschen oder widersprüch
lichen Sachverhaltsdarstellungen resp. seien in zeitlicher Hinsicht nicht relevant. Es ergäben sich daraus keinerlei Hinweise für ein Nichtbestehen eines Arbeitsver
hältnisses. Die Administration, Buchführung, Zahlungen der Löhne sowie Sozial
leistungen, private Nutzung des Geschäftsautos, Lohnausweise sowie Steuer
de
klaration seien in der relevanten Zeitperiode vollständig, korrekt und gesetzes
konform erfolgt. Der Beschwerdeführer 2 sei bis heute krankgeschrieben und darüber hinaus seit dem 12. November 2021 in ambulanter psychiatrisch-psy
chotherapeutischer Behandlung wegen einer mittelgradig depressiven Sympto
matik mit chronischem Verlauf (Urk. 69).
3.
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer
2
im Zeitpunkt des Unfalls vom
...
Oktober 2017
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit Arbeitnehmer der
Beschwerdeführerin 1
und damit
im Sinne von Art. 1a UVG
bei der Beschwerdegegnerin
obligatorisch
gegen
die Unfallfolgen versichert war.
Dabei steht fest und ist unbestritten, dass zwischen der Beschwerdegegnerin und der Beschwerdeführerin 1 seit dem 1. Januar 2017 unter anderen ein Unfallver
sicherungsvertrag für sämtliche nach Art. 1a und 2 UVG und nach Art. 1 bis 6 UVV unter das Obligatorium fallende Arbeitnehmer (Police-Nr.
...
) bestand (Urk. 11/38, Register 7).
4.
4.1
4.1.1
Der
durch die
Beschwerdeführerin 1
selbst definierte Firmenzweck gemäss Han
delsregistereintrag lautet wie folgt: Beratung von Unternehmen in Business
Transformationsprozessen, interimistische Übernahme von Führungsfunktionen sowie Rechts-, Finanz- und Steuerberatung für KMU und für Privatpersonen im In- und Ausland; kann Zweigniederlassungen errichten, sich an anderen Unter
nehmen beteiligen, gleichartig
e
oder verwandte Unternehmen erwerben oder sich mit solchen zusammenschliessen sowie Grundstücke erwer
ben, verwalten und veräussern.
4.1.2
Alsdann liegen zwei unterschiedliche als Arbeitsverträge bezeichnete Dokumente zwischen der Beschwerdeführerin 1 und dem Beschwerdeführer 2
bei den Akten.
Gemäss
Arbeitsvertrag vom 1. April 2016 wurde der Beschwerdeführer 2 „für Akquisition und als Vermittler im Nebenamt“ eingestellt. Als Gehalt wurde eine Abschlussprovision in Höhe von 2 % der Auftragsvolumina für vom Beschwer
deführer 2 vermittelte und abgeschlossene Handels- und Dienstgeschäfte
verein
bart; ein Grund- oder Fixlohn wurde ausdrücklich ausbedungen (Urk. 11/7.3 ff = Urk. 3/9). Im ab dem 1. April 2017 geltenden Arbeitsvertrag wurde der Beschwer
deführer 2 als „Berater und Vermittler“ im 100%-Pensum angestellt, wobei er
E._
und
Z._
direkt unterstellt war. Als Monatsgehalt wurden (13x) „Fr. 10‘0.00“ brutto, zuzüglich
Spesen
gemäss
vorheriger Bewilligung
und schriftl
icher Abrechnung festgehalten. Als Arbeitsort galten
G._
und
F._
. Die Arbeitszeit richte
te
sich nach dem anfallende
n Arbeitsvolumen, basierend
auf einer 42.5-Stundenwoche. Zudem wurde der Beschwerdeführer 2 verpflichtet,
ausserhalb
der festgesetzten Arbeitszeit notwendige Überzeiten zu übernehmen, ohne zusätzliche Vergütung durch Ferien
oder Abgeltung durch Ferien. Es bestand ein Ferienanspruch. Der Beschwerdeführer 2 wurde
ausserdem
verpflich
tet, „
den Weisungen bezüglich Geheimhaltung und Datenschutz vollumfänglich Folge zu lei
s
ten und bei Bedarf auftragsbezogene Geheimhaltungs- und Daten
schutzerklärungen zu unterzeichnen“; ebenfalls wurde dem Beschwerdeführer 2 ein Konkurrenzverbot auferlegt
. Im Übrigen wurden die einschlägigen Bestim
mungen des Obligationenrechts (OR) sowie des Bundesgesetzes über die Arbeit als anwendbar erklärt (Arbeitsgesetz, Urk. 11/6.3 ff. = Urk. 3/10).
4.1.3
In der Lohnsummendeklaration und
Bestandesmeldung
2016 zu Händen der Beschwerdegegnerin, eingegangenen am 2. Februar 2017, werden als Personal nebst der Geschäftsführerin und des Rechtsvertreters der Beschwerdeführenden zwei Frauen und ein Mann, letzterer mit einer Lohnsumme von Fr. 40‘040.-- genannt (Urk. 11/38 Register 7).
In der Lohnmeldung 2016 an die zuständige Ausgleichskasse fehlt der Name des Beschwerdeführers 2
(Urk. 11/38 Register 6), in derjenigen für die Periode 2017 von Anfang 2018 wird für unter seinem Namen (in anderem Schrift
zug
als die übrigen Arbeitnehmer) ab April 2017 ein Lohn von Fr. 97‘500.-- deklariert (Urk. 11/39 Register 6), was auch dem Steuerlohnausweis vom 31. Januar 2018 entspricht, nicht aber der einen Variante Jahres-Lohn
abrechnung 2017 „
Y._
“ unbekannten Datums über Fr. 90‘000.-- (Urk. 11/39 Register 10). Bei der beruflichen
Vorsorge wurde der Beschwerde
führer 2 mit Email vom 26. Februar 2018 mit Versicherungsbeginn 1. April 2017 gemeldet (Urk. 11/39 Register 12). Im Dokumentationsbogen für Erstkonsultation nach kranio-zervikalem Beschleunigungstrauma vom
...
Oktober 2017 vermerkte der erstbehandelnde Arzt unter „Beruf/Arbeitsstelle“ „selbständig (auf Kauf und Verkauf tätig)“ (Urk. 11/3.1). Der Schadenmeldung vom 7. November 2017 wurden nebst einem Monatslohn von Fr. 10‘000.-- Kinderzulagen in der Höhe von Fr. 500.-- als vergütet gemeldet (Urk. 11/1). Das Unfallauto, ein Porsche Panamera V8, war auf die Beschwerdeführerin 1 als Leasingnehmerin
zug
elassen, welche auch die Benzinkosten trug (Urk. 8/39/ Register 13 und Register 3). Die vom Beschwerdeführer 2 als damalige Wohnadresse angegebenen Räumlich
keiten wurden ihm von der Beschwerdeführerin 1 untervermietet (Urk. 11/39 Register 13). Eine Lohnbuchhaltung für das Jahr 2017 oder Spesenabrechnungen bis zum Unfallszeitpunkt liegen nicht vor und konnten von der
D._
AG im Rahmen ihrer Buchprüfung trotz wiederholter Aufforderung nicht erhältlich gemacht werden (Urk. 11/39 Register 3). Aufgelegt wurden acht, vom Beschwerdeführer 2 unterschriebene Quittungen zu Händen der Beschwerdefüh
rerin 1 jeweils über ein Gehalt von Fr. 9‘219.85 (April bis November 2017) sowie ein Vergütungsauftrag zulasten eines auf den Namen der Beschwerdeführerin 1 lautenden Bankkontos
zug
unsten des Beschwerdeführers 2 im Dezember 2017 über dieselbe Summe (Urk. 11/39 Register 10).
4.1.4
Anlässlich der Befragung durch die
C._
AG vom 9. Februar 2018 gab der Beschwerdeführer 2 im Wesentlichen an, er sei seit dem 1. April 2017 als Immo
bilienmakler und Kundenbetreuer bei der Beschwerdeführerin 1 angestellt. Über eine entsprechende Ausbildung verfüge er nicht. Er müsse die langjährigen Kunden bewirtschaften. Dies beinhalte primär Geschäftsessen und –
anlässe
. Er sei, seitdem er dort angestellt sei, immer zum Fixlohn angestellt gewesen. Er habe den Arbeitsvertrag nie ändern müssen (vgl. Gesprächsprotokoll, Urk. 11/21/7 ff., Urk. 11/21/17).
4.1.5
Alsdann wurde der Beschwerdeführer 2 am 27. März 2018 durch die
D._
AG befragt. Dabei gab er im Wesentlichen an, er habe mit
Z._
nicht genau besprochen, was die Beschwerdeführerin 1 genau mache. Er denke, dass sie im Immobilien- und Finanzbereich tätig sei. Er glaube, es handle sich dabei vor allem um Beratung. Es habe ihm gereicht, dass ihm
Z._
gesagt habe, dass es sich um eine Beratungsfirma handle. Ein Bekannter habe ihm
Z._
vorgestellt. Dies sei im Jahr 2016 gewesen. Herr
Z._
habe ihm gesagt, dass er ihn anstellen möchte; er brauche jemanden für die Kundenbetreuung. Er (der Beschwerdeführer 2) kenne viele Leute in der Schweiz, habe Kontakte zur oberen Schicht und könne die Kunden auch vermitteln. Er habe Kunden gebracht und diese bei einem Immobilienkauf betreut.
Dazu
habe
er eine Provisionsliste
erstellt, welche er einreichen könne
.
Sein
Arbeitsplatz sei meistens in
F._
gewesen; Montag bis Mittwoch sei er in
F._
und von Donnerstag bis Freitag in
G._
bei der
Beschwerdeführerin 1
gewesen. Er denke, dass die
Beschwerdeführerin 1
2016/2017 ca. 3-4 Personen inkl.
Z._
angestellt gehabt habe. Er wisse, dass Frau
E._
, Herr
H._
, Herr
Z._
und er selber bei der
Beschwerdeführerin 1
gearbeitet hätten. Herr
Z._
sei meistens mit den Kunden zusammen gewesen und habe das Rechtswesen gemacht.
E._
und
H._
seien für die Administration zuständig gewesen. Er habe meistens mit
Z._
zu tun gehabt. Nach seiner Ausbildung gefragt, habe der Beschwerdeführer 2 angegeben, er habe eine Lehre als Heizungsmonteur abge
brochen und alsdann verkündet, es sei ihm nun zu viel, er wolle das Gespräch beenden. Ab jetzt sei mit seinem Anwalt zu sprechen. Daraufhin habe der Beschwerdeführer 2 den Raum verlassen (vgl. Gesprächsprotokoll, Urk. 11/39, Register 4).
4.1.6
Am 24. Mai 2018 wurde die Befragung des Beschwerdeführers 2 im Beisein von
Z._
als dessen Rechtsbeistand sowie Vertreter der
Beschwerdeführerin 1
fortgesetzt. Dabei führte er ergänzend aus, von Beruf sei er Fitnesstrainer. Zudem habe er den schwarzen Gurt im Kick-Boxen K1 erworben und
I._
trainiert. Er habe auch kurze Zeit die Stadtpolizei Zürich trainiert und
anschliessend
diverse Kurse im Detailhandel und einen Kombikurs (Bewerbungstraining) absolviert. Im
Arbeitsvertrag vom
1.
April 2016
sei
als Gehalt eine Abschlussprovision in Höhe von 2
%
der Auftrag
s
volumina vereinbart und ein Grund- oder Fixlohn aus
drücklich wegbedungen wor
den. Er
habe
nichts verdient und auch keine Provisi
onszahlungen erhalten. Mithin habe er
von Erspartem gelebt.
Ab 2017 habe es einen „Fixvertrag“ gegeben. Er sei Vermittler gewesen. Die Kunden hätten jeweils die Geschäftsessen und –
anlässe
bezahlt. Die Meetings hätten meistens in Hotels in der Schweiz oder im Ausland stattgefunden. Dort angekommen habe er mit dem Kunden besprochen, was er brauche. Es habe sich unter anderem um Kunst
bilder (Kokoschka, Picasso, etc.) gehandelt. Er sei jeweils mit dem Auto zu den Kunden gefahren; auch wenn der Anlass im Ausland gewesen sei. Es treffe zu, dass für die Jahre 2016 und 2017 keine Spesenabrechnungen vorliegen würden. Das Benzin habe jeweils die Beschwerdeführerin 1 bezahlt. Er habe jedes Mal bei der Garage
J._
in Zürich-Enge auf Rechnung der
Beschwerdeführerin 1
getankt.
Ausser
bei Fahrten nach Kroatien; da habe er das Benzin in bar bezahlt. Im Übrigen hätten die Kunden alles bezahlt. Das Fahrzeug habe die
Beschwerde
führerin 1
zur Verfügung gestellt. Es handle sich dabei um einen Porsche Panamera, weil er jeweils zu reichen Kunden gehe. Er habe den Schlüssel für das Auto erhalten und könne selber entscheiden, wann er mit dem Auto fahre. Von April bis November 2017 sei der Lohn bar bezahlt worden. Es sei nicht üblich, dass der Lohn in der Finanzbranche in bar ausbezahlt werde, jedoch sei dies so zwischen ihm und
Z._
abgemacht gewesen (vgl. Gesprächsprotokoll vom 23. Mai 2018, Urk. 11/39, Register 4).
4.1.7
Gestützt auf die getätigten Abklärungen kam der zuständige Schadenexperte der
C._
AG zum – im Bericht näher begründeten – Schluss, es bestünden zahl
reiche Indizien dafür, dass mit aller Wahrscheinlichkeit zwischen den Beschwer
deführenden kein Arbeitsverhältnis bestehe (Urk. 11/38). Im Erkennt
nisbericht vom 23. Juli 2018 fasste der zuständige Sachbearbeiter der
D._
AG die getätigten Abklärungen sowie Schlussfolgerungen zusammen. Dabei wies er insbesondere auf zahlreiche – im Bericht konkret bezeichnete – Auffälligkeiten und Unzulänglichkeiten im Zusammenhang mit dem fraglichen Anstellungsverhältnis hin (Urk. 11/39).
4.2
4.2.1
Am 5. November 2020 wurde der Beschwerdeführer 2 als beschuldigte Person durch die kantonale Staatsanwaltschaft Aargau befragt. Dabei machte er keine Aussagen (Urk. 65/1).
4.2.2
Anlässlich der Befragung als Zeuge durch die kantonale Staatsanwaltschaft Aargau am 7. Juni 2019 gab
K._
im Wesentlichen zu Protokoll, er benutze die
Beschwerdeführerin 1
als Dach, um seine Mandate verrechnen zu können. Man habe deshalb einen Arbeitsvertrag aufgesetzt über ein 50%-Arbeits
pensum. Er sei grundsätzlich nie am Firmensitz bzw. im Büro der Beschwerde
führerin 1 gewesen. Er rechne mit den Kunden direkt mit dem Briefpapier der Beschwerdeführerin 1 ab. Sein Gehalt – wenn es bezahlt werde – erhalte er jeweils per Banküberweisung, sobald die Kunden bezahlt hätten. Er kenne den Beschwer
deführer 2 nicht. Vielleicht habe er ihn 2018 gesehen für ein Fotoshooting
[für die Firmenhomepage]
.
Der Beschwerdeführer 2 habe vermutlich von 2016 bis 2017 bei der Beschwerdeführerin 1 gearbeitet. Es sei möglich, dass er ein eigenes Büro gehabt habe.
Die
Beschwerdeführerin 1
habe nämlich sechs Büros gehabt. Im Weiteren habe er (
K._
) vermutet, dass der Beschwerdeführer 2 von zuhause habe arbeite
n können, wie alle, die extern gearbeitet hätten
.
Über den Beschwerdeführer 2 habe er lediglich gehört, dass er sehr gute Kontakte mit Leuten aus dem Investmentbereich gehabt habe.
Beschwerdeführerin 1
habe gemäss Homepage fünf bis sechs Arbeitnehmer. Herr
L._
habe auch Probleme mit Herrn
Z._
gehabt, weil dieser den Lohn nicht mehr bezahlt habe. Er (
K._
) habe keine Spesen abgerechnet; durch seine Auslandsreisen seien seine Spesen gegenüber seinem Lohn viel zu hoch gewesen. Dann habe er gesagt, «ok bezahl mir das als Bonus». Es gebe aber einige, die Spesen erhalten würden. Oder vielleicht handle es sich dabei auch um eine Vertröstung, weil Herr
Z._
die Löhne nicht bezahle (Urk. 65/8).
4.2.3
M._
führte als Zeugin gegenüber der
k
antonalen Staatsanwaltschaft Aargau
am 27. Juni 2019 aus, sie habe von April 2018 bis März 2019 zwei Tage in der Woche als Sachbearbeiterin bei der Beschwerdeführerin 1 gearbeitet. Sie sei von ihrer Arbeitgeberin, der
N._
AG, zwecks Nachführung der Firmenbuchhaltung an die
Beschwerdeführerin 1 entliehen worden. Sie habe den Beschwerdeführer 2 lediglich beim Fotoshooting gesehen. Er habe anscheinend so aussendienstmässig irgendetwas vermittelt (Urk. 65/7).
4.2.4
O._
wurde am 4. Juli 2019
als Zeugin
von
der
k
antonalen Staatsan
waltschaft Aargau
befragt. Dabei gab sie an, sie sei für zwei Monate (Januar und Februar 2019) in einem 60%-Pensum bei der Beschwerdeführerin 1 als Sachbe
arbeiterin Treuhand und Assistentin von Herrn
Z._
und
P._
angestellt gewesen. Ihren Lohn habe sie per Banküberweisung bekommen. Sie habe aber «stürmen» müssen, um den Lohn zu erhalten. Das sei auch der Grund gewesen, weshalb sie gekündigt habe. Laut Homepage und Lohnabrechnungen, die sie als Sachbe
arbeiterin erstellt habe, habe es bei der Beschwerdeführerin 1 sieben Mitarbeiter gegeben. Im Büro seien sie nur zu dritt gewesen; die Übrigen seien externe Mit
arbeiter gewesen. Laut Lohnabrechnung sei der Beschwerdeführer 2 Angestellter der Beschwerdeführerin 1 gewesen; ob er tatsächlich gearbeitet habe, könne sie jedoch nicht beurteilen. Sie habe ihn noch nie gesehen. Sie denke nicht, dass der Beschwerdeführer ein eigenes Büro gehabt habe. Homeoffice sei möglich gewe
sen. Der Mietvertrag für die Wohnung des Beschwerdeführers 2 sei über die Beschwerdeführerin 1 gelaufen; den Mietzins habe glaublich ersterer bezahlt. Sodann habe die Beschwerdeführerin 1 einen Leasingvertrag über ein Fahrzeug abgeschlossen. Dieses Fahrzeug habe der Beschwerdeführer 2 gefahren. Sie glaube, der Beschwerdeführer 2 habe die Leasinggebühren bezahlt. Bei Einzelnen seien das Handy oder Flüge als Spesen abgerechnet worden (Urk. 65/6).
4.2.5
H._
gab anlässlich seiner Befragung durch die kantonale Staatsanwaltschaft Aargau vom 11. Juli 2019 als Zeuge zu Protokoll, er sei kein Angestellter der Beschwerdeführerin 1 gewesen; sein Treuhandbüro sei eine Koope
ration mit derselben eingegangen, um Synergien zu nutzen.
Z._
sei in der Geschäftsleitung der Beschwerdeführerin 1 gewesen. Offiziell sei aber nur
E._
Geschäftsführerin und Gesellschafterin derselben gewesen. Er (
H._
) sei Kauffmann und Wirtschaftsprüfer. Zwischen den Beschwerdeführenden habe ein Vertragsverhältnis bestanden, wobei der Beschwer
deführer 2 ein Netzwerk habe bearbeiten müssen, um für die Beschwer
deführerin 1 neue Aufträge zu generieren. Diese Information habe er von
Z._
und
E._
erhalten. Er selber kenne den Beschwerdeführer 2 nur flüchtig. Er habe ihn lediglich ein paar Mal gesehen und einmal mit ihm gegessen. Dabei sei zu Sprache gekommen, dass er zwei Kinder habe und sich seine Frau in Kroatien aufhalte. Sie sei dort in Behandlung. Der Beschwerdeführer 2 sei im Frühling 2016 durch
Z._
angestellt worden. Ersterer habe kein Büro bei der Beschwerdeführerin 1 gehabt, weshalb er praktisch nie vor Ort gewesen sei. Seine Tätigkeit habe der Beschwerdeführer 2 bei seinen guten Verbindungen in seinem Netzwerk ausgeübt. Ob er von zuhause aus habe arbeiten können, wisse er nicht
mit Sicherheit. Auch habe er den Beschwerde
führer 2 nie mit Kunden gesehen (Urk. 65/5).
4.2.6
E._
gab als Zeugin gegenüber der Kantonalen Staatsanwaltschaft Aargau am 15. September 2020 zu Protokoll, sie sei von Anfang an als Geschäfts
führerin und Gesellschafterin der Beschwerdeführerin 1 im Handelsregister ein
getragen gewesen, wobei zwischen ihr und
Z._
ein Treuhandvertrag bestanden habe, wonach sie ihre Anteile nur treuhänderisch verwalte. Unterneh
menszweck sei die Beratung von
KMU’s
und Privatpersonen gewesen. Sie habe lange Zeit den Treuhandbereich geleitet. In dieser Zeit habe sie ihre Kinder bekommen. Danach sei sie weniger im Betrieb und nur noch auf dem Papier Geschäftsführerin gewesen. Faktisch sei
Z._
Geschäftsführer gewesen. Am Schluss seien sie nur noch zu Dritt gewesen; sie selbst,
Z._
und dessen Sohn. Sie habe ein eigenes Büro gehabt in einem Mehrfamilienhaus.
Z._
habe sein Büro in einem Speicher neben dem Mehrfamilienhaus gehabt. Sie sei sich nicht sicher, welches der Firmensitz gewesen sei. Herr
P._
habe auch ein festes Büro gehabt. Es habe keine Mitarbeiter gegeben, welche im Homeoffice oder als Freelancer gearbeitet hätten. Ihren Lohn habe sie per Bank
überweisung erhalten. Sie wisse, dass zwischen
Z._
und dem Beschwer
deführer 2 ein Vertrag bestanden habe. Sie habe den Vertrag gesehen. Den Beschwerdeführer 2 habe sie allerdings nie gesehen oder getroffen. Ob er anderen Mitarbeitern vorgestellt worden sei, könne sie nicht sagen.
Z._
habe ihr mitgeteilt, der Beschwerdeführer 2 sei im Bereich der Kundenakquisition tätig. Normalerweise seien neue Mitarbeiter durch sie (
E._
) und
Z._
gemeinsam angestellt worden. Der Beschwerdeführer 2 sei indes in einer Zeit angestellt worden, als sie wenig im Büro gewesen sei. Sie sei da wenig involviert gewesen.
Z._
habe ihr einfach den Vertrag gezeigt, den er allein unter
schrieben habe. Ob es ein Bewerbungsgespräch gegeben habe, wisse sie nicht. Sie könne auch nicht sagen oder beurteilen, was der Beschwerdeführer 2 genau gemacht oder seit wann er bei der Beschwerdeführerin 1 gearbeitet habe. Ebenso wenig wisse sie, ob er voll- oder teilzeitlich gearbeitet habe. Auch habe sie keinerlei Kenntnis über das Netzwerk bzw. die guten Verbindungen des Beschwerdeführers 2. Bei der Beschwerdeführerin 1 habe er kein eigenes Büro gehabt. Für das Personal sowie die Administration sei sie (
E._
) zuständig gewesen. An das Gehalt des Beschwerdeführers 2 könne sie sich nicht erinnern. Sie wisse auch nicht, ob sich die Beschwerdeführerin 1 den Beschwer
deführer 2 habe leisten können. Sollte letzterer tatsächlich Kunden gebracht haben, dann schon. Zu ihrer Zeit habe er jedenfalls keine Kunden gebracht. Das Resultat habe aus ihrer Sicht gefehlt. Woher die Mittel gekommen seien, um den Beschwerdeführer 2 zu entlöhnen, wisse sie nicht. Ihres Wissens hätten andere Mitarbeiter den Lohn nicht in bar erhalten. Sie habe mit der Lohnzahlung des Beschwerdeführers 2 eigentlich nichts zu tun gehabt. Sie wisse auch nicht, weshalb der Beschwerdeführer 2 erst Ende Januar 2018 bei der
Pensions- und Ausgleichskasse angemeldet worden sei. Ob dem Beschwerdeführer 2 ein Auto zur Verfügung gestellt worden sei, könne sie nicht mit Bestimmtheit sagen. Am Anfang habe sie mit
Z._
sehr eng zusammengearbeitet. Später habe sie nicht mehr genau gewusst, was er eigentlich gemacht habe. Es habe auch zwischenmenschlich nicht mehr gestimmt. Dies sei auch ein Grund für ihre Kün
digung gewesen (Urk. 65/2).
4.2.7
Anlässlich der Einvernahme durch die kantonale Staatsanwaltschaft Aargau am 18. August 2020 gab
Z
._
als Auskunftsperson zusammengefasst zu Protokoll, die
X._
GmbH sei 2012 in einem langfristigen Prozess gegründet worden, um sein Geschäft an die Geschäfte von
E._
zu übergeben. Deshalb
heisse
die Firma
X._
. Das habe nicht funktioniert und im Juli 2019 sei die Firma Konkurs gegangen. Firmenzweck seien Unternehmensberatungen und Treuhandgeschäfte. Der Beschwerdeführer 2 sei ihm im März 2016 von einem langjährigen Geschäftskunden, Herrn
Q
._
, sowie von einem Banker der
R._
, dessen Name er nicht mehr wisse, empfohlen worden. Es habe kein Bewerbungsgespräch gegeben, sondern lediglich das Gespräch im März 2016. Von den anderen Mitarbeitern hätten ihn sicher Frau
E._
, Herr
H._
und Herr
P._
gekannt. Inwieweit der Beschwerdeführer 2 mit den anderen Mitarbeitern Kontakt gehabt habe, wisse er nicht. Er (
Z._
) habe sich immer auf die
grossen
Sachen konzentriert; Frau
E._
habe im Treuhandbereich gute Arbeit geleistet. Sie habe aber Probleme gehabt mit
grösseren
Akquisitionen und sich deshalb auf das Grundgeschäft konzentrieren sollen. Wenn jetzt aber ein Kunde Interesse gehabt habe, Immobilien zu kaufen, habe Frau
E._
keine Zeit dafür gehabt. Solche Kunden habe man dann verloren. Er selbst sei zwischenzeitlich auch Leiter der
S._
in Thun und immer weg gewesen. Daher habe er jemanden gesucht für die Zusatzvermittlung. Da habe sich der Beschwerdeführer 2 vom Beziehungsnetzwerk her ein wenig auf
gedrängt. Er habe diesem gesagt, man würde zuerst einmal schauen, ob das passe, und dann würde er eine feste Anstellung bekommen. Zuerst habe er 2016 einen Arbeitsver
trag auf Provision erhalten. Er habe neue Kunden akquirieren und bestehende Kunden vernetzen sollen. Wenn man einen habe, der zu Banken Beziehungen habe, könne man seine Karte mitgeben. Das sei ein Türöffner. Über welche Ausbildung der Beschwerdeführer 2 verfüge, sei nicht wichtig. Der Beschwerde
führer 2 sei Herrn
H._
und Frau
E._
vorgestellt worden. Er habe keinen Bürojob gehabt, bei dem man habe ein- und ausstempeln müssen. Er sei unterwegs gewesen. Er (
Z._
) habe seinen Mitarbeitern vertraut, dass sie ihre 8.5 Stunden gearbeitet haben. Als Monatslohn habe er Fr. 10‘000.-- erhalten. Er glaube nicht, dass der Beschwerdeführer 2 darüber hinaus Spesen geltend gemacht habe
.
Auf die Frage, welche Kunden der Beschwerdeführer 2 vermittelt oder akquiriert habe, gab
Z._
zur Antwort, sie hätten einer ihm derzeit nicht mehr
erinnerlichen
Person Fr. 400‘000.-- in Rechnung gestellt. Alleine mit dieser Rechnung sei der
Beschwerdeführer 2 bezahlt gewesen. Manch
mal müsse man sich jahrelang um einen Kunden bemühen, bis ein Auftrag her
einkomme. Zum Netzwerk des Beschwerdeführers 2 gehörten Herr
T._
, das sei ein Tessiner, „einige aus Liechtenstein, diverse Anwälte sowie Immobilienleute im Raum Zürich und
Zug
“. Der Beschwerdeführer 2 habe die Kunden meistens in Zürich und in
Zug
bei den Kunden oder in einem Lokal getroffen. Er habe dem Beschwerdeführer 2 beibringen wollen, dass [wenn] man weniger Spesen habe, und wenn es wohlhabende Kunden seien, würden immer die Kunden bezahlen. Die Spesen seien meistens nur der
Zug
und das Tram gewesen. Gleichzeitig bestätigte
Z._
, dass der Beschwerdeführer 2 einen Firmenwagen gefah
ren sei. Die Auslagen für den Firmenwagen habe die Beschwerdeführerin 1 bezahlt. Andererseits sei die Benutzung des Firmenwagens Lohnbestandteil des Beschwerdeführers 2 gewesen.
Der Beschwerdeführer 2 habe keine Arbeitsrap
porte oder Stundenlisten geführt. Dies habe er auch nicht
müssen
.
Er habe sich jedoch
regelmässig
mit ihm über die Projekte unterhalten. Er habe gewusst, wo der Beschwerdeführer 2 in etwa gewesen sei. Dann habe er abgewogen, ob der Lohn
verhältnismässig
zur Arbeit sei. Der Beschwerdeführer 2 habe gerne Geld gehabt. Daher habe er es nicht auf seinem Konto haben wollen. Es sei ihm der Wunsch erfüllt worden, den Lohn bar auszuzahlen. Das sei überhaupt nicht schwierig gewesen. Er habe heute noch Kunden, die bar bezahlten. Der Beschwer
deführer 2 habe lediglich vorbeikommen und den Empfang des Gehalts jeweils quittieren müssen. Im Dezember 2017 sei er nicht gekommen, weshalb man ihm das Geld auf sein Konto überwiesen habe (Urk. 65/3).
5.
5.1
Soweit
sich vorliegend überhaupt zweifelsfrei eruieren lässt
, worin die Aufgabe des Beschwerdeführers bestand
,
ist jedenfalls nicht erstellt, dass er tatsächlich eine Zeit- oder
– wie auch immer geartete –
Leistungsarbeit
zug
unsten der Beschwerdeführerin 1
erbrachte.
Der
Beschwerdeführer 2
führte unbestrittener
massen
weder Stundenlisten
noch Arbeitsrapporte
(
Urk.
65/3, Frage/Antwort 39; vgl. auch Gesprächsprotokoll vom 2
3.
Mai 2018, Frage/Antwort 71,
Urk.
11/39, Register 5)
noch fielen bei seiner Vermittlungstätigkeit im In- und Ausland je Spesenabrechnungen an
.
I
m Strafverfahren
vermochte
Z._
keine vom Beschwerdeführer 2
vermittelte
n
oder akquirierte
n
Kunden zu benennen; zum angeblichen Beziehungsnetzwerk des Beschwerdeführers 2
äusserte
er
sich
nur
vage (
Urk.
65/3, Frage/Antwort 28 ff.).
Alsdann liegt eine als streng vertraulich bezeichnete
Kundenakquisitionsliste per 3
0.
September 2017 bei den Akten. Wer die Liste erstellt hat, ist unklar. Darin werden natürliche und juristische Personen als Firmenkunden sowie Honorar-/Provisionsvolumen im vier- bis fünfstelligen Bereich aufgeführt; als „Projekte“ werden (unter anderem) die Vermittlung des Geschäftsprojekts „TRI B+V“ sowie „XB“, die Investorensuche „Aqua 1;
Erschliessung
Märkte in Indien und Ostasien“, die Beratung und Vermittlung von Finanz
geschäften mit der
U._
und
V._
sowie Beratung, Vermittlung und Verkauf von 9
Bildern (Alfred Sisley, Raul Dufy, Oskar Kokoschka, Pablo Picasso und weitere) genannt (vgl.
Urk.
11/39 Register
4
; vgl. auch Email vom 2
8.
Mai 2018,
Urk.
11/39 Register
3
).
Es
fällt
indes
auf, dass den Kontoauszügen des einzigen bekannten Bankkontos der Beschwerdeführerin 1 bei der
W._
Bank keine Honorare oder sonst wie geartete Zahlungseingänge durch die in der Kundenakquisitionsliste genannten Kunden zu entnehmen sind. Dies obschon einige der Projekte laut
Z._
bereits abgeschlossen, andere sich «sehr erfreulich
» entwickelten
und erste Provisionszahlungen im Juni 2018 fällig waren (
Urk.
60/6; Email vom 28. Mai 2018,
Urk.
11/39 Register
3
; Debitorenliste 2017,
Urk.
11/39 Register
8
). Dazu passend gab
E._
im Strafverfahren als Zeugin zu Protokoll, sie sei von ca. 2008 bis 3
0.
September 2018 für die Beschwer
deführerin 1 tätig gewesen. Während dieser Zeit habe der Beschwerde
führer 2 «keine Kunden gebracht»; aus ihrer Sicht hätten Resultate
ge
fehlt (
Urk.
65/2, Frage/Antwort 41). Aus der Bilanzrechnung per 3
1.
Dezember 2017 erhellt schliesslich, dass die Beschwerdeführerin 1 im Jahre 2017 keinen Gewinn, sondern vielmehr einen Verlust von
Fr.
699.-- auszuweisen hatte (vgl.
Urk.
65/14).
Alsdann
erweisen sich die
Informationen
zum Arbeitsort des Beschwerdeführers
2 als durchwegs inkohärent. Hervorzuheben ist
dabei auch
, dass
Z._
nach eigenen Angaben lediglich „in etwa“ wusste, wo der Beschwerdeführer 2 war (
Urk.
65/3, Frage/Antwort 39).
Auch
war der Beschwerdeführer 2
den
übrigen Mitarbeitern weitestgehend unbekannt. Selbst die als Geschäftsführerin ins Handelsregister eingetragene und für das Personal und die Administration zuständige
E._
gab als Zeugin an, sie sei dem Beschwerdeführer 2 nie begegnet, geschweige denn habe sie ihn gekannt
(
Urk.
65/2 Frage/Antwort 6).
K
onkrete
Weisungen und Vorgaben
über die Erfüllung der – wie auch immer gearteten – Tätigkeit des Beschwerdeführers 2 mit
Kontrollbefugnis
durch einen Vorgesetzten sind nicht ersichtlich
.
Da der
Beschwerdeführer 2 weder Stunden
listen noch Arbeitsrapporte führte (
Urk.
65/3, Frage/Antwort 39; vgl. auch Gesprächsprotokoll vom 2
3.
Mai 2018, Frage/Antwort 71,
Urk.
11/39, Register 5)
, war
die vertraglich vorgegebene Arbeitszeit
auch
nicht überprüfbar. Entsprechen
des wurde denn auch nicht behauptet. Im Gegenteil führte
Z._
aus, er habe seinen Mitarbeitern vertraut, dass sie ihre 8.5 Stunden gearbeitet haben.
Dass und inwiefern der Beschwerdeführer 2 der Beschwerdeführerin 1 in persön
licher, betrieblicher und zeitlicher Hinsicht untergeordnet resp. in ihre Arbeitsor
ganisation eingegliedert gewesen wäre, ist bei alle dem nicht auszumachen.
Bezeichnenderweise gab
Z._
im Strafverfahren a
uf die Frage, wer der direkte Vorgesetzte des Beschwerdeführers 2 gewesen sei,
an
: «Laut Vertrag nehme ich an, das war ich» (
Urk.
65/3 Frage/Antwort 23).
Zu vermerken
ist auch, dass der Beschwerdeführer 2 laut Zwischenzeugnis
vom
2
2.
November 2017
nach Massgabe des Kundenauftrages
agierte (
Urk.
11/39
Register 11).
Zwar gibt es Arbeitsverhältnisse, bei denen der Arbeitnehmer über eine ausgeprägte Eigenver
antwortlichkeit bei der Ausübung der Tätigkeit verfügt, etwa bei freien Berufen oder den obersten geschäftsführenden Personen einer Gesellschaft (
vgl.
dazu: Urteile
des Bundesgerichts
4A_592/2016 vom 1
6.
März 2017 E. 2.1; 4A_200/2015 vom
3.
September 2015 E. 4.2.3; 4A_602/2013 vom 2
7.
März 2014 E. 3.2; 4A_194/2011 vom
5.
Juli 2011 E. 5.6.1).
Dies
war vorliegend nicht der Fall.
Der Beschwerdeführer 2 hatte unbestrittenermassen auch keine für die Tätigkeit als Berater/Vermittler im Bereich Finanz- und/oder Immobiliengeschäfte relevante Berufsausbildung vorzuweisen
(vgl. Befragung vom 2
7.
März 2018, Frage/
Antwort 17 ff.;
Urk.
11/39 Register
4
; vgl. auch Lebenslauf,
Urk.
11/39 Register 1
0). Im Übrigen fällt auf, dass er
keine
substantiierte Auskunft über die Geschäfts
tätigkeit resp. den Unternehmenszweck der Beschwe
rdeführerin 1 zu geben
ver
mochte
(vgl. Befragung vom 2
7.
März 2018, Frage/Antwort 7;
Urk.
11/39 Register
4
).
Kommt vorliegend hinzu, dass
E._
als Zeugin aussagte, den Beschwerdeführer 2 nie gesehen
,
geschweige denn gekannt zu haben. Auch hatte sie keine genaue Kenntnis über den Inhalt seiner Tätigkeit oder davon, wo er arbeitete.
Als Zwischenfazit ist somit festzuhalten,
dass
eine tatsächlich erbrachte Zeit- und/oder Leistungsarbeit des Beschwerdeführers 2
zug
unsten der Beschwerde
führerin 1 nicht erstellt ist.
5.2
F
ür
die Bejahung der Versichertenunterstellung gemäss
Art.
1a UVG
–
vorbehält
lich der hier nicht interessierenden Tätigkeiten zu Ausbildungszwecken – ist als
dann die Bejahung eines Lohnanspruchs massgebend, wobei es der tatsächlich
en Lohnauszahlung nicht bedarf
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_538/2019 vom 24. Januar 2020, E. 2.3 mit weiteren Hinweisen
).
Im (vorliegend relevanten)
Arbeitsvertrag vom
1.
April 2017
wurde
ein Monats
lohn in Höhe von
Fr.
10‘000.
-- brutto
(x 13)
vereinbart (Urk. 11/6.4). Ein effek
tiver Lohnfluss von der Beschwerdeführerin 1 zum Beschwerdeführer 2 ist nicht nachgewiesen. Sämtliche
Abrechnungen
der Beschwerdeführerin 1
(zuh
a
nden von Versicherungen sowie der Steuereinschätzungsbehörden)
datieren nach dem Unfall;
dass
die Anmeldung bei der
Swisslife
AG
tatsächlich bereits am
3.
April 2017
erfolgt sein soll (vgl.
E-Mail von
E._
vom 28. Februar 2018,
Ziff.
6;
Urk.
11/39 Register
12
; vgl. auch E-Mail der
SwissLife
AG vom 2
6.
Januar 2018,
Urk.
11/39 Register 1
2
)
, ist jedenfalls nicht erstellt.
Die aufgelegten Quit
tungen legen den Grund für diese angeblichen (Bar)
zahlungen
nicht dar bzw. beweisen keinen Lohnfluss zulasten der Beschwerdeführerin 1. Da die Barzahlun
gen einzig und allein durch
Z._
hätten vorgenommen werden können (die übrigen Mitarbeiterinnen
einschliesslich
der Geschäftsführerin und Gesell
schafterin
E._
wussten hiervon nichts), wäre auch die Arbeitgeber
eigenschaft der Beschwerdeführerin 1 höchstens möglich. Der Grund für die ein
zig ausgewiesenen geldwertigen Leistungen der Beschwerdeführerin 1 in Form der Überlassung eines Luxusautos sowie einer
Wohnung ist nicht zwingend arbeitsrechtlicher Natur, liegen aufgrund des fehlenden Nachweises einer Arbeits
leistung jedenfalls nicht überwiegend wahrscheinlich in einem Arbeitsverhältnis begründet
.
5.3
Zusammen mit der Beschwerdegegnerin sowie Oberstaatsanwalt des Kantons Aargau (vgl. Urk. 30) ist im Lichte der vorzunehmenden Gesamtwürdigung schliesslich festzuhalten, dass sich der vorliegende Sachverhalt grundsätzlich durch zahlreiche Diskrepanzen und Ungereimtheiten auszeichnet. Namentlich liegen zwei unterschiedliche Arbeitsverträge bei den Akten. Dies – so die Beschwerdeführerin 1 in ihrer Beschwerde – weil der Beschwerdeführer 2 anfangs 2017 eine Vertragsänderung erbeten habe (Urk. 1 Ziff. 3.4). Demgegenüber gab
der Beschwerdeführer 2
initial an
, er sei von Anfang an zu einem Fixlohn ange
stellt gewesen; eine Vertrag
sänderung habe es nie gegeben (vgl. Gesprächsproto
koll vo
m
9.
Februar 2018
, Urk. 11/21/7)
.
Alsdann soll der Beschwerdeführer 2 in der Zeit vor
April
2017 weder einen Lohn noch Provisionszahlungen
erhalten haben; nach eigenen Angaben habe er von Erspartem
gelebt
(
vgl. Urk. 1 Ziff. 3.4;
Befragung vom 2
4.
Mai 2018 Frage/Antwort 30-32,
Urk.
11/39 Register
4
).
Aus den Kontoauszügen der
Beschwerdeführenden
bei der
R._
resp.
W._
Bank ergibt sich indes
, dass
die
Beschwerdeführerin 1 resp.
Z._
dem Beschwerdeführer 2
namentlich am 5. Januar sowie 2. und 14.
Februar 2017
als «Vergütung»
vierst
ellige Beträge überwiesen haben
. Entsprechende Überwei
sungen erfolgten auch im Zeitraum vom
1.
April bis 3
1.
Dezember 2017 (vgl. 65/18
, vgl. auch Urk. 60/6
).
Wofür diese Vergütungen erfolgten und weshalb die behaupteten Lohnauszahlungen
von monatlich jeweils netto
Fr.
9'219.85
von
April bis November 2017 sowie
im
Januar und Februar 2018 (vgl. Lohnquittun
gen
, Urk. 11/39 Register 10) im Gegensatz dazu in bar erfolgt sein sollen, ist nicht nachvollziehbar. Kommt hinzu, dass
die übrigen Mitarbeiter der Beschwerde
führerin 1 mittels Banküberweisung entlöhnt
wurden und
weder der Beschwer
deführer 2 noch
Z._
eine stichhaltige Begründung für die
unstreitbar
zumindest als unorthodox zu taxierende Bargeldlohnauszahlung zu liefern ver
mochten
.
Darüber hinaus ist zusammen mit der Beschwerdegegnerin fraglich
, ob der vereinbarte Lohn der Arbeitsleistung und wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der inzwischen
konkursiten
Beschwerdeführerin 1
entsprach
(vgl.
Urk. 65/13;
vgl.
auch
die Bilanz per 3
1.
Dezember 2017, woraus sich ein Verlust von rund
Fr.
699.
-- ergibt, Urk. 65/14). Die bei den Akten liegende Rechnung
vom 15. Mai 2018, womit die Beschwerdeführerin 1 dem Beschwerdeführer 2
Euro 365'000.
-- in Rechnung stellte «für
unsere
Bemühungen
von
März 2016
bis Mai 2018
bezüglich Finanz- und Rechtsbe
ratung sowie Treuhand mit Ihren
Investitionen
» wirft weitere
Fragen auf (
Urk.
60/5).
Alsdann stand
der Beschwerdeführer 2 laut den Arbeitsverträgen vom
1.
April 2016 und
1.
April 2017 seit dem
1.
April 2016 in einem
unbefristeten Arbeitsverhältnis zur Beschwerdeführerin 1 (
Urk.
3/11,
Urk.
11/39 Register 1
0
), was letztere
a
m 1
2.
Mai 2017 sowie im Zwischenzeugnis vom 2
2.
November 2017 bes
tätigte (Urk. 11/39 Register 10, Urk.
65/9). Demge
genüber gab der Beschwerdeführer in der Steuererklärung 2017 in der Rubrik «Arbeitsunterbruch» an, er sei vom
1.
Januar 2017 bis 3
1.
März 2017
stellen
suchend und erst vom 1.
April 2017 bis 3
1.
Dezember 2017 bei der Beschwerde
führerin 1 angestellt gewesen (
Urk.
65/17, S. 8; vgl. auch die Anmeldung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung vom
5.
Oktober 2019, worin der Beschwerdeführer 2 angab, er sei ab dem 1
0.
April 2017 bei der Beschwerde
führerin 1 angestellt gewesen,
Urk.
65/10).
Dem erstbehandelnden Arzt gegen
über gab er an,
selbständigerwerbend
zu sein (Urk. 11/3.3). Laut Aussagen von
Z._
im Strafverfahren hat er
den Beschwerdeführer 2
E._
vorgestellt (
Urk.
65/3, F
rage/Antwort 22). Diese
gab als Zeugin dazu diskrepant zu Protokoll, sie sei dem Beschwerdeführer 2 nie begegnet
(vgl. Urk. 65/2 Frage/Antwort 25 f.)
.
Als widersprüchlich erweist sich sodann, wenn
Z._
einerseits angab, der Beschwerdeführer 2 habe glaublich keine Spesenentschädi
gung geltend gemacht (Urk. 65/3, Frage/Antwort 27) und andererseits ausführte,
die Spesen des Beschwerdeführers
seien meistens nur
für den
Zug
und das Tram gewesen; gleichzeitig
bestätige
er
, dass der Beschwerdeführer 2
einen Firmen
wagen gefahren sei (Urk. 65/3 Fragen/Antworten 31 ff.)
.
Als zumindest a
ugen
fällig
erweist
sich
schliesslich der Umstand,
dass
die Meldung an die BVG-Sammelstiftung
SwissLife
erst im Januar 2018
erfolgte;
just zu jenem Zeitpunkt, als die Beschwerdegegnerin umfangreiche Abklärungen zum Bestand eine
s Arbeitsverhältnisses tätigte (
vgl. etwa auch die Rechnung 2017-128 vom 2
6.
Januar 2018, womit dem Beschwerdeführer 2 für die private Nutzung des Fahrzeuges Rechnung gestellt und mit dem Restanteil des 1
3.
Monatslohns ver
rechnet
wurde, Urk. 11/39 Register 3).
5.4
Zusammenfassend ist weder eine tatsächlich erbrachte Zeit- oder Leistungsarbeit, noch ein Lohnfluss zulasten der Beschwerdegegnerin 1 mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt
und
tragen
die Parteien insofern eine Beweislast, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a).
Darüber hinaus
bestehen
verschiedentlich
Diskre
panzen und Ungereimtheiten, welche
insbesondere
in ihrer Summe
als gewich
tiges
Indiz gegen ein Arbeitsverhältnis zwischen den Parteien
zu werten sind.
Dass der Beschwerdeführer 2
ab
Januar 2018
bei der BVG-Vorsorgestiftung und Ausgleichskasse angemeldet war und entspre
chende Beiträge erhoben wurde
n
(vgl.
Urk.
11/39 Register
6 und
1
2
,
Urk. 6/4a S. 3;
vgl. auch IK-Aus
zug
vom 3
0.
April 2019,
Urk.
65/11), kom
mt im Zusammenhang mit der vorliegend streit
entscheidenden Frage keine ausschlaggebende Bedeutung zu.
Mithin ist das Vorliegen eines
unfallversicherungsrechtlich
relevant
en Anstel
lungsverhältnisses
im massgebenden Zeitpunkt vom
...
Oktober 2017 und damit die
Versichertenunterstellung gemäss
Art.
1a UVG
zu verneinen.
Dass die
kanto
nale Staatsanwaltschaft
Aargau in den
Einstellungsverfügungen vom 21. Oktober 2019 und 16. Juli 2021 (Urk.
14,
Erw
. 4.2
; Urk. 45
Erw
. 3.1
) den Bestand eines Arbeitsverhältnisses bejahte, vermag daran nichts zu ändern. Insbesondere hatte letztere den Sachverhalt unter dem Aspekt
der strafrechtlichen Relevanz und nicht nach sozialversicherungsrechtlichen Gesichtspunkten zu beurteilen.
Bei diesem Beweisergebnis erübrigen sich Weiterungen zum medizinischen Sach
verhalt und ist nicht zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin im ange
fochtenen Entscheid eine Leistungspflicht verneinte.
Der angefochtene Entscheid erweist sich damit als richtig, weshalb die Beschwer
de
n
abzuweisen
sind
.