Decision ID: 09927921-1095-5352-bf51-4b40600345a6
Year: 2018
Language: de
Court: SG_VG
Chamber: SG_VG_001
Canton: SG
Region: Eastern_Switzerland
Law Area: public_law

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. A.Y. wurde im Herbstsemester 2010/11 zum Masterprogramm an der Universität St.
Gallen zugelassen. Nachdem er sich im Herbstsemester 2012 exmatrikuliert hatte,
immatrikulierte er sich im Frühjahr 2014 wieder und schloss die Masterarbeit im
Frühjahrssemester 2015 ab. Für den Abschluss des Masterprogramms fehlte noch ein
Fremdsprachennachweis auf Niveau I. In der Folge verfügte der Studiensekretär am
2. Dezember 2015, dass der zwischenzeitlich von A.Y. elektronisch eingereichte
Fremdsprachennachweis C1 der Universität Maastricht nach Vorlage des
Originalzertifikats oder einer offiziellen Bestätigung der Universität Maastricht für den
fehlenden Sprachnachweis Niveau I angerechnet werden könne, wenn dem
Studiensekretariat das Recht eingeräumt werde, die Echtheit des Dokuments bei der
Universität Maastricht verifizieren zu lassen. Der von A.Y. eingereichte
Kompetenznachweis der Universität Wien könne nicht angerechnet werden. Diese
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügung erwuchs in Rechtskraft. Mit Schreiben vom 16. Dezember 2015 beantragte
der Studiensekretär die Eröffnung eines Disziplinarverfahrens gegen A.Y. wegen
Verdachts auf Einreichung eines gefälschten Fremdsprachennachweises (act. G 9/7a/2
Beilage 2/2). Am 6. Januar 2016 reichte A.Y. ein Spanischzertifikat (TELC) der Stufe C1
zur Anrechnung ein und nahm in der Folge mit Eingabe vom 20. Januar 2016 Stellung
(act. G 9/7a/2 Beilage 5).
b. Mit Verfügung vom 14. März 2016 stellte der Studiensekretär fest, dass eine
Anrechnung des nachgereichten Spanischzertifikats (TELC) der Stufe C1 erst nach
dem Entscheid der Disziplinarkommission vorgenommen werden könne, da die
auszusprechende Disziplinarmassnahme ansonsten von vornherein wirkungslos
bleiben würde (act. G 9/7a/2 Beilage 11 [Beilage]). Diese Verfügung erwuchs in
Rechtskraft. Mit Entscheid vom 21. März 2016 stellte die Disziplinarkommission der
Universität St. Gallen fest, dass A.Y. einen Disziplinarfehler begangen habe und
schloss ihn deshalb für das Frühjahrssemester 2016 sowie für das Herbstsemester
2016/17 und das Frühjahrssemester 2017 von der Universität aus. Einem allfälligen
Rekurs entzog sie die aufschiebende Wirkung (act. G 9/1a/1). Den gegen diese
Verfügung durch Rechtsanwalt lic. iur. Andreas Fäh, St. Gallen, für A.Y. am 3. Mai 2016
erhobenen Rekurs wies der Universitätsrat, nachdem dessen Präsident mit Verfügung
vom 22. Juni 2016 den Entzug der aufschiebenden Wirkung bestätigt hatte, mit
Beschluss vom 5. Dezember 2016 ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Beschluss erhob Rechtsanwalt Fäh für A.Y. mit Eingabe vom
23. Dezember 2016 (act. G 1) Beschwerde mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen sei der Beschluss aufzuheben (Ziff. 1) und es sei festzustellen,
dass der Beschwerdeführer per Ende Herbstsemester 2015/16 sämtliche
Voraussetzungen für den Erhalt des Master-Abschlusses im Frühjahr 2016 erfüllt habe.
Die Universität St. Gallen sei anzuweisen, den Beschwerdeführer nachträglich im
Frühjahrssemester 2016 zu graduieren (Ziff. 2). Es sei von einem Ausschluss des
Beschwerdeführers von der Universität abzusehen; auf jeden Fall sei der Ausschluss
auf das Frühjahrssemester 2016 zu beschränken (Ziff. 3). In der Beschwerdeergänzung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom 17. Januar 2017 bestätigte und begründete der Beschwerdeführer diese Anträge
(act. G 5).
b. In der Vernehmlassung vom 31. Januar 2017 beantragte die Vorinstanz Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf den angefochtenen Beschluss und
äusserte sich ergänzend zur Beschwerde (act. G 8).
c. Am 31. März 2017 gab der Beschwerdeführer bekannt, auch wenn die Beschwerde
in Bezug auf die Graduierung am 1. April 2017 „ins Leere laufe“, habe er nach wie vor
ein schützenswertes Interesse an einer Behandlung der Beschwerde. Insbesondere
habe er ein Feststellungsinteresse an einem Sachentscheid, ob die ausgefällte
Disziplinarmassnahme, im speziellen deren Dauer, rechtmässig gewesen sei (act. G
12).
d. Mit Eingabe vom 15. September 2017 stellte der Beschwerdeführer ein Gesuch um
superprovisorische und um vorsorgliche Massnahmen. Dies mit Hinweis auf die
zeitliche Dringlichkeit für die Zulassung des Beschwerdeführers zum Master-
Graduation Day vom 7. Oktober 2017 (act. G 14). Am 18. September 2017 teilte ihm
der Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts telefonisch mit, er sehe keinen
Grund, superprovisorisch tätig zu werden. Ebenso sei es fraglich, ob eine vorsorgliche
Massnahme überhaupt geboten sei (act. G 16). In der Folge gab der Beschwerdeführer
am 5. Oktober 2017 bekannt, dass er am Gesuch um superprovisorische bzw.
vorsorgliche Massnahmen festhalte (act. G 18). Im Schreiben vom 6. Oktober 2017
teilte der Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts dem Beschwerdeführer mit, da
er am 7. Oktober 2017 nicht werde graduiert werden können, werde auch das Gesuch
um vorsorgliche Massnahmen als gegenstandslos erachtet. Es werde demgemäss im
Hauptentscheid als gegenstandslos abgeschrieben (act. G 19).
e. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1; VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 23. Dezember 2016 mit Ergänzung vom 17. Januar 2017 (act.
G 1 und 5) erfüllt die gesetzlichen Anforderungen in zeitlicher, sachlicher und
inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Hingegen fehlt es im heutigen Zeitpunkt grundsätzlich an der
Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP), da der Ausschluss von der Universität lediglich bis und mit
Frühlingssemester 2017 gedauert hatte und somit ein aktuelles Rechtsschutzinteresse
nicht mehr vorliegt.
Ein Feststellungsbegehren bleibt demgegenüber zulässig, wenn der Beschwerdeführer
an der Feststellung ein erhebliches und aktuelles schutzwürdiges Interesse dartut, das
auch bloss tatsächlicher Natur sein kann. Das konkrete Interesse ist vom
Beschwerdeführer darzulegen, da die Beschwerde nicht dazu dienen kann,
Feststellungen zu bloss abstrakten Fragen des Rechts zu erlangen (vgl. GVP 2008
Nr. 1). Der Beschwerdeführer macht ein Feststellungsinteresse an einem
Sachentscheid geltend, ob die ausgefällte Disziplinarmassnahme, im speziellen deren
Dauer, rechtmässig gewesen sei (act. G 12). Ein Feststellungsinteresse erscheint
vorliegend insofern gegeben, als der Beschwerdeführer sich unter anderem auch auf
den Standpunkt stellt, dass der Ausschluss von der Universität zu Unrecht erfolgt sei
und stattdessen eine Geldleistung zu verfügen gewesen wäre (act. G 5 S. 21). Sodann
resultiert ein Feststellungsinteresse unter Umständen aus beruflichen Gründen bzw.
aus der Erklärungsbedürftigkeit der sich aus dem Ausschluss ergebenden Lücke im
Lebenslauf. Auf die Beschwerde ist vor diesem Hintergrund einzutreten.
2.
2.1. Die Universität St. Gallen ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener
Rechtspersönlichkeit und mit dem Recht der Selbstverwaltung (vgl. Art. 1 Abs. 2 des
Universitätsgesetzes, sGS 217.11; UG). Der Benützer einer öffentlich-rechtlichen
Anstalt tritt in ein besonderes Rechtsverhältnis zum Gemeinwesen. Soweit es sich zur
Wahrung des Anstaltszwecks als nötig erweist, ist die Anstaltsleitung allenfalls auch
ohne ausdrückliche formell-gesetzliche Grundlage zur Normierung der Anstaltsordnung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
befugt. Dies betrifft unter anderem auch die Disziplinarordnung (BGE 121 I 22 E. 4a).
Einen Disziplinarfehler begeht nach Art. 36 lit. c UG, wer schuldhaft gegen die Ordnung
der Universität verstösst, indem er bei Prüfungen unehrlich ist. Disziplinarmassnahmen
sind: a) mündlicher Verweis, b) schriftlicher Verweis, c) Wegweisung aus einer Prüfung
bei Unehrlichkeit, d) Geldleistung bis CHF 3000.--, e)Androhung des Ausschlusses von
Lehrveranstaltungen oder von der Universität, f) Ausschluss von Lehrveranstaltungen
für das laufende und längstens das folgende Studienjahr, g)Ausschluss von der
Universität für längstens drei Jahre (Art. 37 Abs. 1 UG). Disziplinarmassnahmen können
verbunden werden (Art. 37 Abs. 2 UG).
2.2. Streitig ist, ob die Vorinstanz beim Beschwerdeführer zu Recht einen
Disziplinarfehler mit Universitätsausschluss von drei Semestern bestätigte mit der
Begründung, er habe versucht, mit der Einreichung eines gefälschten Sprachzertifikats
der Maastricht University die Anrechnung des für den Masterabschluss erforderlichen
Fremdsprachennachweises auf Niveau I zu erreichen. Unbestritten blieb hierbei, dass
der Beschwerdeführer in Maastricht keine Abschlussprüfung hätte ablegen können,
weil er die Semestergebühren nicht bezahlt hatte. Unbestritten blieb auch die
Einreichung eines gefälschten Nachweises durch den Beschwerdeführer. In Frage steht
demgegenüber die Verhältnismässigkeit der verfügten Sanktion eines Ausschlusses
von der Universität für drei Semester.
3.
3.1. Gemäss Art. 5 Abs. 2 BV muss staatliches Handeln unter anderem das Gebot der
Verhältnismässigkeit beachten. Dieses Prinzip verlangt, dass eine staatliche
Massnahme in der Rechtsanwendung geeignet, erforderlich und zumutbar sein muss
(statt vieler BGE 136 I 26 E. 4.4; vgl. zum Ganzen auch Häfelin/Müller/Uhlmann,
Allgemeines Verwaltungsrecht, 7. Aufl. 2016, Rz. 514 ff. mit Hinweisen). Die
Verhältnismässigkeit einer Massnahme im engeren Sinn bleibt gewahrt, wenn zwischen
dem angestrebten Ziel und dem Eingriff, den sie für den Privaten bewirkt, ein
vernünftiges Verhältnis besteht. Mit anderen Worten muss sie für den Betroffenen
zumutbar sein. Unter diesem Gesichtspunkt ist das öffentliche Interesse an einer
Massnahme mit den beeinträchtigten privaten Interessen wertend zu vergleichen (vgl.
statt vieler BGE 130 I 154, E. 5.3.6).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2. Nach Auffassung der Vorinstanz stellt der Ausschluss des Beschwerdeführers ein
geeignetes Mittel dar, um die Aufrechterhaltung der Schulordnung zu schützen und das
unredliche Verhalten zu sanktionieren. Das Verschulden des Beschwerdeführers wiege
schwer. Ein Sprachzertifikat, wie es der Beschwerdeführer am 24. August 2015 der
Zulassungsstelle elektronisch eingereicht habe, könne nicht im Handumdrehen
hergestellt werden. Die eingereichte Fälschung sei zudem nicht ohne weiteres
erkennbar. Für die Herstellung eines solchen Dokuments benötige es Zeit, ein gewisses
Geschick und den Willen, dass die Fälschung nicht bemerkt werden dürfe. Es sei von
einer kriminellen Energie auszugehen, die durchaus auch strafrechtlich relevant sein
könnte. Im Weiteren habe die Übermittlung des Zertifikats eine bestimmte
Überwindung benötigt. Und zuletzt habe der Beschwerdeführer im Wissen, dass es
kein Original gebe, wiederholt auf die Aufforderung, das Original einzureichen,
ausweichend reagiert und es der Zulassungsstelle verunmöglicht, die Echtheit zu
verifizieren. Daher könne keinesfalls von einer „Kurzschlussreaktion“ ausgegangen
werden. Mit seinem Verhalten habe der Beschwerdeführer den Eindruck hinterlassen,
dass er die Fälschung möglichst unentdeckt lassen wollte. Noch in der Stellungnahme
vom 20. Januar 2016 habe er behauptet, er habe gehofft, die Abschlussprüfung in
Maastricht nachholen zu können, ihm dies jedoch verwehrt worden sei. Jedoch habe er
gewusst, dass er in Maastricht nie ein Zertifikat erlangen könnte, weil er dort keine
Semestergebühren mehr entrichtet habe. Das Verschulden des Beschwerdeführers
rechtfertige es daher, dass die Verwaltung keine mildere Massnahme ergriffen habe.
Dass es bei der versuchten Täuschung geblieben sei, könne sodann nicht zu seinen
Gunsten ausgelegt werden, da es nicht ihm anzurechnen sei, dass die Fälschung
aufgedeckt worden sei. Indem er mehrmals versucht habe, Einfluss darauf zu nehmen,
dass seine Fälschung nicht entdeckt werde, scheine es zudem fraglich, inwieweit er
tatsächlich Reue zeige und einsichtig sei. Nachdem er jedoch einen Disziplinarfehler
begangen habe und sein Verschulden schwer wiege, könne offengelassen werden, ob
er tatsächlich Reue zeige oder nicht. Insofern sei auch sein Antrag, ihn persönlich
anzuhören, abzuweisen (act. G 2 S. 8).
Den privaten Interessen des Beschwerdeführers (erleichterter Einstieg ins Berufsleben,
Zugang zum Arbeitsmarkt, Vermeiden einer Lücke im Lebenslauf) stünden öffentliche
Interessen (insbesondere die Sicherstellung der Einhaltung der Universitätsordnung
und der Redlichkeit der Absolventen) entgegen. Eine Massnahme müsse ihre strafende
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und präventive Wirkung entfalten können. Der Beschwerdeführer habe sich mehrmals
für seinen Fehler entschuldigt und sich vor diesem Vorfall nichts zuschulden kommen
lassen. Dies ändere jedoch nichts daran, dass er durch sein Verhalten das ihm
entgegengebrachte Vertrauen grob verletzt habe. Ihm selbst sei es zuzuschreiben,
dass er es bis zur Anmeldung zum Graduation Day versäumt habe, einen
entsprechenden Fremdsprachennachweis zu erlangen. Die öffentlichen Interessen
seien höher zu gewichten als die privaten Interessen des Beschwerdeführers. Dies
unter Berücksichtigung der negativen Auswirkungen in Bezug auf dessen
Berufseinstieg, die er sich aber selbst eingehandelt habe. Der verfügte Ausschluss bis
und mit Frühjahrssemester 2017 sei daher nicht zu beanstanden. Ein direkter Vergleich
mit dem vom Beschwerdeführer angeführten Entscheid vom 11. Mai 2011 halte nicht
stand. Inwiefern die beiden Fälle vergleichbar seien und insbesondere das Verschulden
des Studenten im damaligen Fall grösser gewesen sein solle als sein eigenes
Verschulden und welche anderen Faktoren zu einer Gleich- oder Ungleichbehandlung
führen müssten, sei vom Beschwerdeführer nicht genügend aufgezeigt worden. Daher
sei kein Grund ersichtlich, den vorliegenden Fall in Bezug auf die Dauer des
Ausschlusses gleich zu behandeln oder die Dauer gar tiefer anzusetzen als im
Entscheid vom 11. Mai 2011. Würde im Weiteren eine Graduierung bereits während
des Verfahrens durchgeführt, würde die strafende und präventive Wirkung der
Massnahme vollständig ausbleiben und das Disziplinarrecht untergraben. Hinzu
komme, dass die Feststellungsverfügung des Studiensekretärs vom 14. März 2016
nicht angefochten worden sei (act. G 2 S. 9-10).
3.3. Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt, die Vorinstanz habe sich
weder bei der Begründung der Schwere des Verschuldens noch bei der Abwägung
des öffentlichen Interesses der Universität bei der Bemessung der Sanktionshöhe mit
allen konkreten und relevanten Umständen auseinandergesetzt. Die persönlichen
Verhältnisse und Auswirkungen auf das Berufsleben des Beschwerdeführers seien
gänzlich ausser Acht gelassen worden. Die Verfehlung des Beschwerdeführers sei
nicht derart schwer, dass die Sanktion des Studienausschlusses von 1.5 Jahren noch
als verhältnismässig anzusehen sei. Die Abweisung des Rekurses stelle eine
Ermessensüberschreitung dar (act. G 1). Der Beschwerdeführer habe bereits per
Herbstsemester 2015/16 sämtliche Voraussetzungen für den Master-Abschluss erfüllt
und hätte folglich im Frühjahrstermin 2016 zur Graduierung zugelassen werden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
müssen. Da er seinen Master-Abschluss am Graduation Day im April 2016 nicht
erhalten habe, sei er nachträglich zu graduieren. Es sei von einem mittelschweren
Verschulden auszugehen. Er habe sich in einer Kurzschlussreaktion dazu hinreissen
lassen, der Universität ein nicht wahrheitsgetreues Sprachzertifikat einzureichen. Das
lediglich elektronisch eingereichte Zertifikat habe den Anforderungen für eine
Anrechnung (Nachweis des Originals) von vornherein nicht genügen können. Der
Beschwerdeführer habe durch sein Verhalten nicht versuchen wollen, seinen
ursprünglichen Täuschungsversuch zu verschleiern. Vielmehr sei davon auszugehen,
dass durch sein ungeschicktes Verhalten die Zulassungs- und Anrechnungsstelle auf
seinen Täuschungsversuch aufmerksam geworden sei. Auch habe der Umstand, dass
der Beschwerdeführer der Universität nachträglich einen gültigen Sprachnachweis
eingereicht habe, keinen Einfluss auf das zu beurteilende Verschulden. Insbesondere
dürfe ihm dies nicht zum Nachteil gereichen. Bei der Interessenabwägung der
Vorinstanz hinsichtlich der Erforderlichkeit der Massnahme seien die persönlichen
Konsequenzen des Ausschlusses für den Beschwerdeführer, insbesondere in
beruflicher und schulischer Hinsicht, völlig unberücksichtigt geblieben. Das Gebot des
geringstmöglichen Eingriffs sei nicht berücksichtigt worden. Beim Studienausschluss
handle es sich um den schwersten Eingriff in die persönlichen Interessen eines
Studenten, welcher in der Regel nur nach einer vorangegangenen Verwarnung
angeordnet werden dürfe. Der Studienausschluss sei ultima ratio für den Fall, dass zum
Schutz der Schulordnung und der Abwendung weiterer Verfehlungen einzig diese
Möglichkeit bleibe. Dies treffe vorliegend nicht zu. Er sei aufgrund des Entscheids
während rund 1.5 Jahren auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt. Der Start in eine
vielversprechende Berufskarriere bleibe ihm für längere Dauer verbaut. Auch eine
schulische Weiterbildung (Doktorat) bleibe ihm in dieser Zeit verwehrt. Der überlange
Ausschluss schiesse über das notwendige Ziel hinaus und erfülle bloss noch pönalen
Charakter, der offensichtlich unverhältnismässig sei. Im Weiteren entspreche es dem
natürlichen Vorgang des Einsichts- und Reifeprozesses, dass der Beschwerdeführer
nicht bereits vor dem endgültigen Entscheid der Zulassungs- und Anrechnungsstelle
aufrichtige Einsicht oder Reue gezeigt habe. Er habe wiederholt zum Ausdruck
gebracht, dass er das Vorgefallene aufrichtig bereue. Daher sei der Schluss der
Vorinstanz nicht nachvollziehbar und treffe nicht zu, dass er während des ganzen
Verfahrens keine aufrichtige Reue gezeigt habe. Schliesslich erweise sich die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ausgesprochene Disziplinarmassnahme auch im Hinblick auf die Praxis der
Disziplinarkommission als zu streng. Im Entscheid vom 11. Mai 2011 sei ein Ausschluss
von zwei Semestern verhängt worden, obwohl das Verschulden des Studenten als
schwer eingestuft worden sei und er keine spürbare Reue gezeigt habe. Dass dem
Beschwerdeführer im Vergleich zum Entscheid vom 11. Mai 2011 eine härtere
Disziplinarmassnahme auferlegt worden sei, sei unter den Aspekten der
Verhältnismässigkeit und Gleichbehandlung nicht nachvollziehbar. Der angefochtene
Entscheid sei rechtsfehlerhaft, willkürlich und erweise sich in seinem Ergebnis in
stossender Weise als ungerecht. Eine Geldleistung gemäss Art. 37 Abs. 1 lit. d UG sei
völlig ausreichend und geeignet, die Vertrauenswürdigkeit in das Einhalten der
Ordnung der Universität sicherzustellen. Von einem Ausschluss sei abzusehen bzw. die
Dauer eines solchen sei, nach ständiger Rechtsprechung der Disziplinarkommission in
ähnlichen Fällen, auf maximal ein Semester zu beschränken (act. G 5).
3.4.
3.4.1. Die in Art. 37 Abs. 1 UG aufgezählten Disziplinarmassnahmen stehen insofern
unabhängig nebeneinander, als sie sich nicht gegenseitig voraussetzen oder bedingen.
Bei deren Anordnung ist m.a.W. nicht eine zwingende Abfolge von Massnahmen
einzuhalten. Auch ist eine vorgängige Verwarnung bei keiner der in Art. 37 Abs. 1 UG
genannten Massnahmen erforderlich oder auch nur als Möglichkeit genannt. Einem
befristeten Ausschluss von der Universität (Art. 37 Abs. 1 lit. f UG) kommt
dementsprechend - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 5 S. 14) -
nicht der Charakter einer ultima ratio zu. Vielmehr kommt dessen Anordnung auch bei
einer erstmaligen Verfehlung in Betracht, soweit der Verhältnismässigkeitsgrundsatz
gewahrt ist. Wenn der Beschwerdeführer einwendet, er habe am 6. Januar 2016 -
mithin während des Herbstsemesters 2015/16, für welches kein Ausschluss von der
Universität verfügt worden sei - ein Sprachzertifikat der Stufe B2 eingereicht, welches
die Anrechnungsanforderungen erfülle (act. G 5 S. 5), ist festzuhalten, dass der
Studiensekretär bereits am 16. Dezember 2015 die Eröffnung eines
Disziplinarverfahrens wegen Verdachts auf Einreichung eines gefälschten Nachweises
beantragt hatte (act. G 9/7a/2 Beilage 2/2). Die nachträgliche Einreichung eines
zureichenden Sprachnachweises machte die frühere elektronische Einreichung einer
Fälschung nicht ungeschehen. Eine nachträgliche Graduierung per April 2016 fällt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
insofern ausser Betracht, als die Verfügung vom 14. März 2014, welche die
Anrechnung des nachträglich eingereichten Sprachzertifikats erst für die Zeit nach dem
Entscheid der Disziplinarkommission feststellte, in Rechtskraft erwuchs.
3.4.2. Die Vorbringen des Beschwerdeführers, dass sein Verhalten Folge einer wenig
durchdachten und spontanen Fehlentscheidung gewesen sei und sich mit den
einfachsten im Internet zur Verfügung stehenden Programmen in kurzer Zeit
elektronische Imitate aller Art herstellen lassen würden (act. G 5 S. 9 f.), vermögen das
Verschulden nicht zu mildern. Dies gilt auch für die von ihm geäusserte Auffassung,
dass er zum Zeitpunkt der Einreichung des gefälschten Dokuments über das
entsprechende Sprachniveau in Spanisch verfügt und es insofern an einer
Täuschungsabsicht gefehlt habe (act. G 5 S. 12). Die Vorinstanz prüfte die Einhaltung
des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes und wog die beteiligten Interessen
gegeneinander ab. Die in Betracht fallenden Interessen des Beschwerdeführers wurden
dabei - entgegen seiner Auffassung (act. G 5 S. 12) - angemessen berücksichtigt,
wobei nicht in Abrede zu stellen ist, dass der Ausschluss für ihn erhebliche Folgen in
beruflicher Hinsicht und für die weitere Ausbildung hatte (act. G 5 S. 14). Die Vorinstanz
begründete ihre Feststellungen einlässlich. Gestützt auf diese Feststellungen besteht
kein konkreter Anlass, den Ausschluss während drei Semester als unverhältnismässig
oder gar als willkürlich einzustufen. Ein solcher Anlass kann auch nicht darin erblickt
werden, dass der Beschwerdeführer sein Vorgehen im Nachhinein bereute. Sodann
sind im vorinstanzlichen Entscheid keine Anhaltspunkte für sachverhaltsmässig
unrichtige Annahmen ersichtlich. Was den vom Beschwerdeführer angeführten
Entscheid vom 11. Mai 2011 (ein Student reichte im Rahmen einer
Austauschbewerbung einen gefälschten Notenauszug ein, was einen Ausschluss für
zwei Semester zur Folge hatte; act. G 5 S. 18) betrifft, ist festzuhalten, dass dieser
Entscheid nicht bei den Akten liegt und auch der dem erwähnten Entscheid zugrunde
liegende Sachverhalt nicht im Einzelnen bekannt ist. Eine Vergleichbarkeit des
Entscheids mit dem vorliegend angefochtenen Entscheid ist bereits aus diesem Grund
nicht gegeben. Im Weiteren ist nicht dargetan, dass der vom Beschwerdeführer zitierte
Entscheid einer ständigen Praxis der Vorinstanz entspricht. Die vorinstanzliche
Ermessensausübung hinsichtlich der Festlegung der Sanktion hat das
Verwaltungsgericht, das nach Art. 61 Abs. 1 VRP nur zur Rechtskontrolle befugt ist,
unter den dargelegten Umständen zu respektieren. Eine Ermessenskontrolle steht ihm
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nicht zu; im Fall der Ausübung pflichtgemässen Ermessens ist ihm eine Korrektur
verwehrt.
4.
4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde abzuweisen. Das
Gesuch um superprovisorische bzw. vorsorgliche Massnahmen (act. G 14) ist zufolge
Gegenstandslosigkeit abzuschreiben (vgl. Schreiben vom 6. Oktober 2017; act. G 19).
Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Angemessen erscheint eine Entscheidgebühr von CHF 2'000.-- (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie wird mit dem in gleicher Höhe geleisteten
Kostenvorschuss verrechnet.
4.2. Ausseramtliche Kosten sind dem unterliegenden Beschwerdeführer nicht zu
entschädigen. Die Vorinstanz hat keinen Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung
(Art. 98 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 98bis VRP; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz 829)
und hat auch keinen solchen Antrag gestellt.