Decision ID: 8937b7c6-b8d3-572f-adc9-f3eddf5807ed
Year: 2021
Language: de
Court: CH_BVGE
Chamber: CH_BVGE_001
Canton: CH
Region: Federation
Law Area: 

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest,
dass die Stadtpolizei B._ gegenüber A._ (nachfolgend Be-
schwerdeführerin) aufgrund einer Mahnwache am C._ in
B._ am 9. Mai 2020 eine Ordnungsbusse von Fr. 100.- ausgespro-
chen und ihr in der Folge am 22. Juni 2020 eine Zahlungserinnerung be-
ziehungsweise einen Anzeigevorhalt zugestellt hat (vgl. Beschwerdeakten
[B-act.] 1 Beilagen 2 und 5),
dass die Beschwerdeführerin auf der Zahlungserinnerung beziehungs-
weise dem Anzeigevorhalt mit Unterschrift vom 22. Juli 2020 «Einsprache»
gegen die Ordnungsbusse erhob mit der Begründung, die Ordnungsbusse
sei nicht rechtsgültig, weshalb sie die Busse nicht bezahlen werde, ausser-
dem habe sie den Abstand von zwei Metern eingehalten (B-act. 1 Bei-
lage 2),
dass die Beschwerdeführerin daraufhin mit Strafbefehl vom 7. September
2020 von der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen, Kantonales Un-
tersuchungsamt, gemäss Art. 10f Abs. 2 und 3 der COVID-19-Verord-
nung 2 vom 13. März 2020 (SR 818.101.24; Stand am 30. April 2020, in
Kraft bis 22. Juni 2020) der Widerhandlung gegen die COVID-Verordnung
(Missachten des Verbots von Menschenansammlungen im öffentlichen
Raum gemäss Artikel 7c) für schuldig befunden wurde und ihr deshalb eine
Busse von Fr. 100.- sowie Gebühren in der Höhe von Fr. 180.- auferlegt
wurden (B-act. 1 Beilage 6),
dass dem Strafbefehl vom 7. September 2020 eine Rechnung gleichen Da-
tums in der Höhe von total Fr. 280.- beilag (B-act. 1 Beilage 4.2),
dass die Beschwerdeführerin sich mit Schreiben ans Kantonale Untersu-
chungsamt vom 16. September 2020 für die Rechnung und das Angebot
bedankte, jedoch gleichzeitig beides ablehnte und insbesondere ausführte,
sie verstehe das Verhalten der Polizei nicht, die sich mit ihrem «geschul-
ten» Verhalten über diverse Artikel der Bundesverwaltung (Versammlungs-
freiheit, Vereinigungsfreiheit, Einschränkung der Grundrechte, erniedri-
gende Behandlung) stelle, und ausserdem die Frage aufwarf, ob zu dieser
Zeit überhaupt eine epidemiologische Gefährdungslage bestanden habe
(B-act. 1 Beilage 1),
dass sie im erwähnten Schreiben weiter geltend machte, sich in einer per-
sönlichen Misere zu befinden und deshalb weder körperlich noch seelisch
in der Lage zu sein, eine Busse im Gefängnis abzusitzen, oder über die
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finanziellen Mittel zu verfügen, die völlig hirnrissige, unnötige Busse zu be-
zahlen, obwohl sie auch den Mindestabstand von zwei Metern eingehalten
habe (B-act. 1 Beilage 1)
dass der Beschwerdeführerin am 26. November 2020 letztmals Gelegen-
heit gegeben wurde, die «gemäss rechtskräftigem Entscheid» vom 7. Sep-
tember 2020 noch ausstehenden Fr. 280.- zu bezahlen, andernfalls die Be-
treibung beziehungsweise der Vollzug der Ersatzfreiheitsstrafe für die of-
fene Busse erfolge (B-act. 1 Beilage 4.1),
dass die Beschwerdeführerin am 12. April 2021 ein (nicht aktenkundiges)
Schreiben betreffend die Betreibung Nr. [...] erhalten habe,
dass die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 24. April 2021 an die
Staatsanwaltschaft St.Gallen («[...]») Strafanzeige gegen die zwei Polizis-
ten und alle weiteren involvierten Personen und anderen Amtspersonen
einreichte und die Staatsanwaltschaft aufforderte, die Betreibung Nr. [...]
sofort zu löschen (B-act. 1),
dass sie in diesem Schreiben geltend machte, das «Schweizerische Bun-
desgesetz» stehe über den Covid-Verordnungen,
dass sie überdies ausführte, es gebe kein Virus, das isoliert worden sei,
und auch keine Messmethode, welche jenes korrekt nachweisen könne,
entsprechend seien, wenn diese Krankheit nicht existiere, nicht nachge-
wiesen oder gemessen werden könne, sämtliche Massnahmen nach dem
Epidemiengesetz missbräuchlich,
dass die Beschwerdeführerin weiter darlegte, Verordnungen seien nur drin-
gende Empfehlungen, welche von der Exekutive erlassen würden und
keine legislative Wirkung hätten, ausser es bestehe insbesondere gemäss
Art. 185 Abs. 3 BV eine drohende schwere Störung, welche jedoch seit
zehn Monaten nicht bestehe, weshalb die von der Exekutive angeordneten
Massnahmen sämtliche Kriterien der Verhältnismässigkeit brächen und
ohne Nachweis ungültig seien,
dass die Beschwerdeführerin dem Bundesverwaltungsgericht kommentar-
los eine Kopie des erwähnten Schreibens vom 24. April 2021 sowie der
Beilagen 1 bis 6 zugestellt hat (B-act. 1),
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und zieht in Erwägung,
dass das Bundesverwaltungsgericht gemäss Art. 31 VGG (SR 173.32) Be-
schwerden gegen Verfügungen nach Art. 5 VwVG (SR 172.021) beurteilt,
sofern keine Ausnahme nach Art. 32 VGG vorliegt, und als Vorinstanzen
die in Art. 33 VGG genannten Behörden gelten,
dass für die Eigenschaft als Anfechtungsobjekt eine individuell-konkrete
Anordnung erforderlich und dabei allein der materielle Verfügungscharak-
ter entscheidend ist (vgl. BGE 133 II 450 E. 2.1 m.H.; BVGE 2008/17 E. 1),
dass Verordnungen des Bundesrates als generell-abstrakte Rechtsnormen
des Bundes von den Rechtsanwendungsbehörden ausschliesslich im An-
wendungsfall – im Rahmen einer vorfrageweisen Überprüfung – auf ihre
Vereinbarkeit mit höherrangigem Recht (akzessorische, inzidente oder
konkrete Normenkontrolle) geprüft werden können beziehungsweise müs-
sen (BGE 133 II 450 E. 2.1 m.w.H.; BVGE 2011/61 E. 5.4.2.1),
dass die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 24. April 2021 geltend
macht, die COVID-19-Verordnung 2, auf welcher der Strafbefehl vom
7. September 2020 beruht, verstosse gegen verschiedene Bestimmungen
der Bundesverfassung,
dass mit dem Strafbefehl vom 7. September 2020 zwar eine individuell-
konkrete Anordnung (und damit ein Anwendungsfall) vorliegt, welche
grundsätzlich vorfrageweise auf die Vereinbarkeit mit höherrangigem
Recht überprüft werden könnte,
dass jedoch die COVID-19-Verordnung 2 als Notverordnung gemäss
Art. 185 Abs. 3 BV, welche Massnahmen im Bereich der inneren und
äusseren Sicherheit (z.B. Pandemien) vorsieht, grundsätzlich auch einer
akzessorischen Normenkontrolle durch das Bundesverwaltungsgericht
nicht zugänglich ist, ausgenommen in (vorliegend nicht interessierenden)
Fällen, in denen das Völkerrecht einen Überprüfungsanspruch einräumt
(vgl. DAVID RECHSTEINER, Polizeiliche Generalsklausel und Notverord-
nungsrecht des Bundesrates, in: Sicherheit & Recht 3/2016, S. 151 und
154; Urteile des BVGer C-2516/2020 vom 10. Juni 2020 und C-1828/2020
vom 4. Mai 2020 E. 2.3 in fine),
dass im Übrigen, soweit die Beschwerdeführerin mit Kopie ihres Schrei-
bens an das Bundesverwaltungsgericht vorbringt, die Bussenverfügung
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der Staatsanwaltschaft sei nicht verfassungskonform, diese Rüge im jetzi-
gen Verfahrensstadium aufgrund der Rechtskraft des Strafbefehls vom
7. September 2020 der akzessorischen Normenkontrolle ohnehin nicht
mehr zugänglich wäre,
dass in Bezug auf die eingereichten Strafanzeigen und die verlangte Lö-
schung der Betreibung Nr. [...] zudem die Eintretensvoraussetzung der
sachlichen Zuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts offensichtlich
nicht gegeben ist (vgl. dazu Art. 31 - 33 sowie Art. 35 VVG),
dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der richterlichen Fürsorgepflicht
darauf hinzuweisen ist, dass der unbegründete Vorwurf des strafbaren Ver-
haltens sowohl zivil- als auch strafrechtliche Folgen nach sich ziehen kann
(vgl. dazu Art. 28 ff. ZGB sowie Art. 173 ff. StGB),
dass es nach dem Gesagten offensichtlich an einem zulässigen Anfech-
tungsobjekt und an der sachlichen Zuständigkeit des Bundesverwaltungs-
gerichts fehlt, weshalb unter Verzicht auf die Einholung einer Vernehmlas-
sung bei der Vorinstanz (Art. 57 Abs. 1 VwVG e contrario) und im einzel-
richterlichen Verfahren auf die Eingabe vom 24. April 2021 nicht einzutre-
ten ist (Art. 23 Abs. 1 Bst. b VGG),
dass trotz Unterliegens der Beschwerdeführerin in Anwendung von Art. 6
Bst. a des Reglements über die Kosten und Entschädigungen vor dem
Bundesverwaltungsgericht (VGKE, SR 173.320.2) keine Verfahrenskosten
zu erheben sind,
dass die Staatsanwaltschaft als kantonale Behörde keinen Anspruch auf
eine Parteientschädigung hat (Art. 64 VwVG und Art. 7 Abs. 1 und 3 VGKE)
und somit keine Parteientschädigung zuzusprechen ist.
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