Decision ID: 1a03248a-3bda-4624-b04f-37248c11a207
Year: 2015
Language: de
Court: ZH_SVG
Chamber: ZH_SVG_001
Canton: ZH
Region: Zürich
Law Area: social_law

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1953, damals als Lagerist/
Magaziner
tätig, mel
dete
sich erstmals am 6. Oktober 2002 unter Hinweis auf ein Leiden am rechten Auge bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2; vgl. auch Urk. 8/7). Mit Verfügung vom 3. November 2003 (Urk. 8/8) erteilte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versi
cherten Kostengutsprache für eine Staroperation rechts sowie für die Nachbe
handlung für vier Monate.
1.2
Am 23. Dezember 2010 erlitt der Versicherte einen Hirnschlag (vgl. Urk. 1 S. 3 sowie Urk. 8/29). In der Folge meldete er sich
am 9. Februar 2011 (Urk. 8/16)
erneut zum Le
istungsbezug
. Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen schloss die IV-Stelle die Unterstützung zum Erhalt des Arbeitsplatzes mit Ver
fü
gung vom 30. November 2011 (Urk. 8/37) ab
(bzw. gewährte diese nicht)
, da der Versicherte bis auf Weiteres zu 100 % arbeitsunfähig sei. Nach weiteren Abklä
rungen (vgl. Urk. 8/42) sprach ihm die IV-Stelle mit Verfügung vom 17.
Oktober 2012 (Urk. 8/67
; Begründung in
Urk. 8/58
) mit Wirkung ab 1. Dezember 2011 eine auf einem Invaliditätsgrad von 62 % basie
rende
Dreiviertelsrente
der Eid
ge
nössischen Invalidenversicherung zu.
1.3
Am 24. Januar 2013 wurde der zuständigen Ausgleichskasse gemeldet, dass der
Versicherte seit November 2012 wieder im Rahmen eines 50 %-Pensums er
werbs
tätig sei und ein entsprechendes Erwerbseinkommen erziele (Urk. 8/74). In der Folge leitete die IV-Stelle ein Rentenrevision
sverfahren ein (vgl. Urk. 8/77) und setzte
-
nach Einholung von Lohnunterlagen
-
die bis
herige
Dreiviertelsrente
m
it Wirkung ab 1. Juni 2013 auf eine halbe Rente
herab
(
Invaliditätsgrad von 56 %;
Verfügung vom 23. April 2013 [Urk. 8/83]
). Der Bemessung des
Invalidi
tätsgra
des
legte sie dabei das tatsächlich vom Versicherten erzielte
Invaliden
einkom
men
zugrunde.
1.4
Am 5. März 2014 teilte der behandelnde Arzt des Versicherten,
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, der IV-Stelle mit, dass der Versicherte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten könne. Er habe zwar eine
Halb
tagsbeschäftigung
angestrebt, sein Arbeitgeber habe ihm jedoch die Kündigung ausgesprochen wegen fehlender Rumpfkontrolle und Mundastschwäche des linken Armes und des linken Beines (Urk. 8/95; vgl. auch Urk. 8/96-97).
Die IV-Stelle nahm dieses Schreiben, nachdem es von der Rechtsvertretung des Versi
cher
ten unterzeichnet worden war (vgl. Urk. 8/97), als Revisionsgesuch (
Erhö
h
ungsgesuch
) entgegen.
In der Folge legte die IV-Stelle die Akten ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vor (vgl. Urk. 8/99)
und führte das
Vorbescheidverfahren
durch (Urk. 8/10
1
und Urk. 8/105).
Mit Verfügung vom 6. Juni 2014 (Urk. 8/111) wies die IV-Stelle
laut Dispositiv der Verfügung das Erhöhungsgesuch ab.
In
den Erwägungen
der Verfügung
ist jedoch
von einem
Nichteintretensent
scheid
die Rede
.
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 8. Juli 2014 (Urk. 1) Beschwerde erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Die Verfügung der SVA vom 6. Juni 2014 sei aufzuheben.
2.
Dem Beschwerdeführer sei ab März 2014 mindestens eine
Drei
viertelsrente
der IV auszurichten.
3.
Sofern auch der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Rahmen dieser Rentenrevision neu abzuklären ist, sei durch die SVA ein unabhängiges medizinisches Gutachten erstellen zu lassen und es sei dem Beschwerdeführer ab März 2014 eine ganz Rente der Invalidenversicherung auszurichten.
4.
Dem Beschwerdeführer sei eine Parteientschädigung zuzuspre
chen.
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 12. September
2014 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde.
Replicando
und
duplicando
hielten
die Parteien
an ihren Anträgen fest
(Urk. 11 und 14).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Sie kann Folge von
Geburts
g
ebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
geglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
li
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbsein
kommen
ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ein
ander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE
130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17 Abs. 1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich
gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in
seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
des
gerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinn
e von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mens
vergleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und prozessualen Revision (BGE 134 V 131 E.
3 und 133
V 108 E.
5.4 mit Hinweis). Nach der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung ist eine
Verfügung verzichtbar, wenn bei einer von Amtes wegen durch
geführten Revi
sion
keine leistungsbeeinflussende Änderung der Verhältnisse festgestellt wurde (
Art.
74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invalidenversiche
rung [
IVV
]
) und die bisherige Invalidenrente daher weiter ausgerichtet wird. Wird auf entsprechende Mitteilung hin keine Verfügung verlangt (
Art.
74
quater
IVV), ist jene in Bezug auf den Vergleichszeitpunkt einer (ordentlichen) rechts
kräftigen Verfügung gleich
zu
stellen (Urteile des Bundesgerichts 9C_771/2009 vom 10. September 2010 E. 2.2 und 9C_586/2010 vom 15. Oktober 2010 E. 2.2 mit Hin
weisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen
beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a,
122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 6.
Juni 2014 (Urk. 2)
vertrat die
Be
schwer
degegnerin
die Ansicht, ihre Abklärung habe ergeben, dass keine rele
vante Ver
änderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers ausge
wiesen sei. Da auf das Verschlechterungsgesuch nicht eingetreten werden könne, werde kein
neuer Einkommensvergleich erstellt. Laut Dispositiv wurde das
Erhöhungs
ge
such
abgewiesen.
Im vorliegenden Prozess holte die Beschwerdegegnerin diesen
Einkommensver
gleich
in der Beschwerdeantwort vom 12. September 2014 (Urk. 7) nach. Aus
gehend von einem
Valideneinkommen
von Fr. 70‘799.30 und einem statistisch
ermittelten Invalideneinkommen von Fr. 29‘815.05 errechnete sie einen
Invali
di
tätsgrad
von 58 %. Da der Beschwerdeführer nur noch teilzeiterwerbstätig sein könne, rechtfertige es sich - so die Beschwerdegegnerin - ein
en
Abzug von 5 % vom Tabellenlohn vorzunehmen. Weitere Abzüge, insbesondere aufgrund der
lediglich körperlich noch sehr leichten Tätigkeiten, seien nicht angezeigt, werde diesem Faktum
doch
mit dem Abstellen auf den Total-Wert für
Hilfsar
beiten
Rechnung getragen.
Daran hielt die Beschwerdegegnerin auch
duplicando
fest: Es gelte zu bedenken, dass der Beschwerdeführer gerade durch seine letzte Tätigkeit aufgezeigt habe,
dass
die Erzielung
ein
es
Invalideneinkommen
s in der nunmehr errechneten Grössen
ordnung möglich sei.
Sie
gehe „mangels substan
tiierten Vorbringens“
sodann
weiterhin von einer Kündigung aus wirtschaftlichen Gründen aus. Eine Rentenerhöhung, die allein durch einen höheren Abzug er
folg
e, sei nicht zu rechtfertigen (Urk. 14).
2.2
Demgegenüber
liess der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend machen,
dass ihm seine 50 %-Stelle wegen der fehlenden Rumpfkontrolle sowie der
Mund
astschwäche
und der Lähmungen des linken Arms und des linken Beins
gekündigt worden sei
. Die Kündigung des Arbeitsverhältnisses sei durch die Ar
beitgeberin erfolgt, und zwar vor allem aus sicherheitsrelevanten Überlegungen
und damit aus gesundheitlichen Gründen, weil er körperlich und geistig nicht mehr
in der Lage gewesen sei, auf die gefährlichen Gescheh
nisse in seiner
Ar
beits
umgebung
(fahrende Lastwagen und Eisenbahnwagons) zu reagieren, zuma
l auch immer eine Stolpergefahr bestanden habe (Urk. 1 S. 4 f). Die
Beschwerde
gegnerin
sei zu Unrecht nicht auf das Gesuch um Erhö
hung der Invalidenrente
eingetreten. Da das tatsächliche Erwerbseinkommen weggefallen sei, sei es zu einer
erheblichen Änderung der erwerblichen Auswir
kungen des
Gesundheits
schadens
gekommen. Das sei ein Revisionsgrund. Sei der Invaliditätsgrad wie vorliegend anhand eines konkreten Arbeitsverhältnisses ermittelt worden, so müsse insbesondere bei einer durch die Abreitgeberin er
folgten Kündigung das Invali
deneinkommen neu geprüft werden (Urk. 1 S. 5 ff.). Zudem habe sich auch der Gesundheitszustand verschlechtert; deshalb habe er seinen Arbeitsplatz bei seiner vormaligen Ar
beitgeberin verloren (Urk. 1 S. 8).
Replicando
liess der Beschwerdeführer ergänzen, dass er mit dem von der
Be
schwerdegegnerin
in der Beschwerdeantwort aufgeführten
Valideneinkommen
so
wie
mit dem zur Berechnung des Invalideneinkommens ermittelten
Tabellen
wert
einverstanden sei. Gar nicht einverstanden sei er hingegen damit, dass die Beschwerdegegnerin einen Leidensabzug von lediglich 5 % vornehmen möchte, nachdem sie noch in ihrer Verfügung vom 1
7.
Oktober 2012 einen Abzug von 15 % als angemessen erachtet habe. Praxisgemäss betrage der Leidensabzug höchs
tens 25 %, mindestens aber 10 % (Urk. 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin das Gesuch des Beschwer
deführers um Erhöhung seiner halben Invalidenrente zu Recht
– entsprechend
dem
Dis
positiv -
abgewiesen hat
(vgl. hierzu auch nachstehend E. 4.1)
.
Dabei ist zu prüfen, ob im Zeitraum
sei
t der letzten Rentenanpassung a
m
23. April 2013, als die Beschwerdegegnerin verfügungsweise die
Dreiviertels
rent
e
zufolge Aufnahme einer Arbeitstätigkeit und durchgeführtem
Einkom
mensver
gleich
auf eine halbe Rente reduziert hat
, bis zum Erlass der angefochte
nen Ver
fügung eine Wesentliche Änderung der gesundheitlichen Situation oder der erwerb
lichen Verhältnisse eingetreten ist
.
3.
3.1
Der erstmaligen, mit Verfügung vom 17. Oktober 2012 (Urk. 8/67)
zuge
spro
che
ner Rente
lag in medi
zinischer Hinsicht folgender Sachverhalt zugrunde
(vgl. auch Urk. 8/41-42)
, welcher mangels neuer Abklärungen im Rahmen der
Renten
herabsetzung
am 23. April 2013 (Urk. 8/83) als massgebend gilt
:
In seinem Bericht vom 17. Januar 2012 (Urk. 8/52/4) führte
Dr.
med.
Z._
, Fach
arzt für Allgemeinmedizin, zertifizierter Gutachter SIM, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin aus, der Beschwerdefüh
rer
leide
an den Folgen eines im Dezember 2010 erlittenen Schlaganfalls mit Kraft
losigkeit des linken Armes und kognitiven Defiziten. Damit sei vorerst eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten und (fraglich) einer
leidens
angepassten
Tätigkeit ab Dezember 2010 ausgewiesen. Ab August 2011 bestehe in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von 50 %. Das Belastungsprofil sollte eine körperlich leichte wechselbelastende Tätigkeit ohne grosse intellektuelle Anforderungen beinhalten
.
Es wurden folgende Diagnosen festgehalten (Urk. 8/52/2):
Cerebrovaskulär
ischämischer Insult vom 23.12.10
Hemiparese links Arm und Bein betont
Diabetes mellitus
Arteriosklerose
Hepatopathie
3.2
Aktuell präsentiert sich die medizinische Aktenlage folgendermassen:
3.2.1
Mit Bericht vom 5. März 2014 (Urk. 8/95) wandte sich
Dr.
Y._
an die
Be
schwer
degegnerin
. Er führte aus, dass der Beschwerdeführer am 23. Dezember 2010 einen
cerebrovasculären
ischämischen Insult erlitten habe. Dabei sei es zu einer Hemiparese links
arm- und beinbetont gekommen mit fehlender
Rumpf
kontrolle
und Mundastschwäche links.
Gleichzeitig seien Ischämien bekannt im Bereich der
Capsula
interna
sowie ältere Stammganglieninfarkte beidseits. Auf
grund dieser Situation sei es dem Beschwerdeführer, obwohl er eine
Halbtags
beschäftigung
anstrebe, unmöglich, eine Arbeitsleistung zu erbringen. Die letzte Arbeitsstelle (Pensum 50 %) habe man ihm gekündigt aufgrund der fehlenden Rumpfkontrolle und der Mundastschwäche des linken Arms und des linken Beins. Aufgrund dieser Situation sei es für ihn nicht möglich, eine Stelle zu fin
den.
3.2.2
Dr.
Z._
hielt dazu am 14. April 2014 fest (Urk. 8/99/2), dass mit dem aktuellen knappen Bericht des Hausarztes
Dr.
Y._
„zwar“ keine relevante Verände
rung des Gesundheitsschadens ausgewiesen werden könne. Weitere medizini
sche Abklärungen seien nicht notwendig. Es seien somit weiterhin 100 % Ar
beitsun
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgewiesen und medizinisch-theo
re
tisch 50 % Restarbeitsfähigkeit in optimal leidensangepasster Tätigkeit bei fol
gen
dem Belastungsprofil: „körperlich sehr leichte und wechselbelastende Tä
tig
keit, häufig sitzend
, ohne grosse intellektuelle Anforderungen.“ Allerdings sei bei dem nun bereits einundsechzigjährigen Beschwerdeführer krankheitsbedingt auch kaum mehr Umstellungsvermögen vorhanden.
4.
4.1
Vorweg ist festzuhalten, dass inzwischen die Beschwerdegegnerin die in der ange
fochtenen Verfügung vom 6. Juni 2014 (Urk. 2) vertretene Auffassung, dass
auf das streitgegenständliche Gesuch des Beschwerdeführers nicht einzu
treten
sei
, verworfen hat (ohne dies jedoch ausdrücklich
festzuhalten
). An
ders ist ihr
Prozessverhalten, nämlich in der Beschwerdeantwort ei
nen
Einkommensver
gleic
h
nachzuschieben (vgl. Urk. 7), nicht zu verstehen.
Die angefochtene Verfügung, die im Dispositiv
zwar
auf Abweisung des Ge
suchs
schliesst, in den Erwägungen aber als
Nichteintretensentscheid
qualifiziert wurde,
indes gleichwohl
mate
riellrechtliche
Aspekte enthält
(
„haben wir den medizi
ni
schen Sachverhalt geprüft"), was gerade nicht zutrifft,
erging nicht
rechtskon
form
. Nach der Rechtsprechung ist nämlich
der Revisionsgrund der erheblichen
Veränderung der Erwerbsmöglichkeiten gege
ben, wenn einer versicherten Per
son, deren Invaliditätsgrad ausnahmsweise (und wie vorliegend) mittels des tat
säch
lich erzielten Invalideneinkommens er
rechnet wurde, die Stelle gekündigt wurde
und nunmehr auf statistisch ermit
telte Werte zurückgegriffen werden muss
(Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth
, Bun
desgesetz über die Invalidenver
siche
rung, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, S. 424 f. mit Hinweisen).
Da die
Eintretensvoraussetzungen
klarerweise gegeben sind und das massgeb
lich
e Dispositiv der Verfügung einen materiellen Entscheid darstellt ist die Sache inhalt
lich zu prüfen.
4.2
Aufgrund der oben wiedergegebenen medizinischen Akten kann nicht
ab
schliessend
beurteilt werden, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers im relevanten Zeitraum
verschlechtert hat. Der Bericht von
Dr.
Y._
vom 5. März 2014 (Urk. 8/95) deutet zwar in diese Richtung, weil er ausführte,
dass dem Beschwerdeführer aus gesundheitlichen Gründen (fehlende
Rumpf
kon
trolle
und Mundastschwäche des linken Armes und des linken Beines) die Arbeits
stelle gekündigt worden sei. Dies lässt aber offen, ob der Beschwerde
führer von Anfang an gesundheitlich nicht in der Lage war, die geforderte Tä
tigkeit auszuüben, oder ob sich vielmehr die Gesundheitssituation während der Anst
ellungsdauer verschlechtert hat
. Die Ausführungen von
RAD-Arzt
Dr.
Z._
vom 14. April 2014 (Urk. 8/99/2) erweisen sich nicht als erhelle
nd; insbesondere ist nicht nachvollziehbar
, weshalb er weitere Abklärungen angesichts eines weit
ge
hend ungeklärten Sachverhalts
für unnötig erachtet
e
. Immerhin deutet auch sein
(in sich unstimmiger)
Bericht
zumindest
implizit die Möglichkeit einer
Ge
sundheitsverschlechterung
an: Hatte
Dr.
Z._
in seinem Belastungsprofil vom 17. Januar 2012 (Urk. 8/52/4) noch von einer „körperlich leichten wechselbe
lastenden Tätigkeit“ gesprochen, war am 14. April 2014 (Urk. 8/99/2)
nach seiner Meinung
nur noch eine „körperlich sehr leichte und wechselbelastende Tätigkeit“ zumutbar.
Es ist nicht ohne
Weiteres
davon auszugehen, dass für
Dr.
Z._
leichte und sehr leichte Tätigkeiten vollkommen dasselbe sind.
Ob auch der Revisionsgrund des verschlechterten Gesundheitszustandes gegeben ist, kann trotz darauf hindeutender Indizien - wie ausgeführt - nicht absch
lies
send
beurteilt werden, weil die Beschwerdegegnerin keinerlei Abklärungen medizinischer oder tatsächlicher Natur veranlasst hat (etwa Abklärungen bei der ehemaligen Arbeitgeberin betreffend Kündigungsgrund und Verhalten am Arbeitsplatz sowie umfassende medizinische Abklärungen).
4.3
Bereits aus dem Gesagten folgt, dass der in der Beschwerdeantwort nachgescho
bene Einkommensvergleich das Schicksal der angefochtenen Verfügung nicht ent
scheidend zu beeinflussen vermag. Die Sache ist nicht genügend abgeklärt.
Irritierend
erweist sich der offensichtlich aus rein „
versicherungsma
themati
schen
“
beziehungsweise „ergebnisorientierten“ Gründen auf 5 % redu
zierte
(
leidens
- beziehungsweise teilzeit
bedingte
)
Abzug, nachdem noch in der Verfügung vom 17. Oktober 2012 (Urk. 8/58
und 8/67)
ein leidensbedingter Ab
zug von 15 % vorgenommen wurde, weil dem Beschwerdeführer nur noch leichte,
wechsel
be
lastende
Tätigkeiten, ohne grosse intellektuel
le Anforderung zumutbar seien,
bei
offenbar gar
verschlechtertem Belastungsprofil („sehr leichte“ statt „leichte“ Tätigkeiten)
.
Weiter ist daran zu erin
nern
, dass der Abzug vom Tabellenlohn
praxis
gemäss
nicht unter 10 % betra
gen soll
(vgl. Meyer/
Reichmuth
, a.a.O., S. 346 mit Hinweisen)
, wobei nicht au
genfällig ist
und auch nicht begründet wurde,
weshalb vorliegend ein Ausnahmefall gegeben sein sollte, der das Unter
schreiten der 10 %-
Limite
rechtfertigen könnte.
4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass die angefochtene Verfügung vom 6. Juni 2014 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zwecks umfas
sen
der Klärung des medizinischen und erwerblichen Sachverhalts zurückzu
wei
sen ist.
Sofern erforderlich wird die Beschwerdegegnerin ein Gutachten ein
holen
.
Hernach wird sie neu über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers ab 1. März 2014 zu verfügen haben.
5.
5.1
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Demzufolge ist die Beschwerdegegnerin zu ver
pflichten, dem Beschwerdeführer eine
angemessene
Prozessentschädigung von Fr.
2‘
6
00.
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
5.2
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kantonalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweige
rung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert innerhalb des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
20
0.
bis Fr. 1'000.
) auf Fr. 1‘000.
festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.